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Die
Kirchengesciiichte Böhmens
im Allgemeinen
und
in ilxx^er* Tb es ond. ereil Bezielxixng
auf die jetzige
Leitmeritzer Diöcese.
Nach den zuYerlässigsteiij grossentlieils liandscliriftliclien Quellen
bearbeitet Ton
P. ANTON PRIND,
biscliöfl. Notar, k, k. Gymnasial-Diroctor in Egov.
I. BAND,
Die Zeit vor dem erblichen Königtimme,
PEAG, 1864.
Yerlag von Friedrich Tempsky.
Die
KirchengescMchte Böhmens
im Allgemeinen
und
in ihrer besonderen Beziehung auf die jetzige Leitmeritzer Diöcese
in der
Zeit vor dem erblidien Köiiiathiime.
Nach den zuverlässigsten, grossentlieils haudsehriftliclien Quellen bearbeitet
von
P. ANTON FRIND,
bisehöfl. Notai-, k. k. Gymuasial-Director in Eger.
Motliöl im ßetepltUßiÄöliöE
„Stl Anna" if S/'>L
Plan bei Marienbad.
i
PBAG, 1864.
Verlag von Friedrich Tempsky.
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Vorrede.
Im Jahre 1856 feierte die leitmeritzer Diöcese das
zweihundert jähr ige Jubiläum ihres Bisthums, und im
Jahre darauf das acht hundertjährige Andenken der
Stiftung ihres ehemaligen Collegiat- und nunmehrigen Dom-
capitels; da war es der Wunsch Sr. bischöflichen Gnaden,
unseres hochwürdigsten Oberhirten Dr. Augustin Bartholo-
maeus Hille, dass ein so denkwürdiger Zeitpunkt durch die
Abfassung ehier D i ö c e s a n g e s c h i c h t e verherrlicht werde.
Der damalige Professor der Theologie und nunmehrige Ca-
nonicus zu Leitmeritz, Dr. Joseph Ginzel war der geeig-
netste Mann und aucli bereit, diesen Wunsch zu erfüllen.
Die, Aufgabe schien Anfangs verhältnissmässig leicht,
Angesichts der zahlreichen Quellen , die bei Eröifnung der
interessanten Archive des Bisthums , des Capitels und des
Consistoriums sich darboten, üeberdies waren die Seel-
sorger der ganzen Diöcese über Aufforderung des hochwür-
digsten Consistoriums so freundlich, das Wissenswerthe ihrer
Gedenkbücher und Archive, — insbesondere das Zeitalter
der Reformation betreffend — zur Verfügung zu stellen;
auch das hochwürdigste Domstift zu Budissin eröffnete dem
VI
ersten Unternelimer in Gesellschaft des gefertigten Verfas-
sers bereitwillig seine zalilreiclien auf unsere Diöcese Bezug
habenden archivarischen Schätze. Da sah sich Herr Prof.
Dr. Ginzel durch andere wichtigere Arbeiten gedrängt, das
eben erst begonnene Werk einer anderen Hand zu über-
lassen. Eigenes Interesse für die iSache und der Wunsch
Sr. bischöflichen Gnaden bestimmten nun den Gefertigten,
seine geringe Kraft zur Verfügung zu stellen.
Bald zeigte sich die Lückenhaftigkeit der hiesigen
Quellen. In Mitten zahlreicher meist unkritischer und oft
widersprechender Aufzeichnungen aus früherer Zeit liess sich
nicht einmal ein richtiger Ueberblick über die älteren Schick-
sale des leitmeritzer Collegiatstifts gewinnen. Zudem reizte
der Gedanke, die Geschichte eines ehemaligen zweiten Col-
legiatcapitels im jetzigen Diöcesanbereiche (zu Melnik), der
zahlreichen theils verschwundenen und theils noch bestehen-
den Klöster desselben Gebiets und — wenn möglich —
selbst der einzelnen Seelsorgspfründen bis in das graueste
Alterthum zurück zu verfolgen. So musste die Arbeit ein
erhöhtes Interesse für den Leser und vielleicht auch eine
spezielle Bedeutung für jeden Diöcesanpriester gewinnen.
Das führte zu weiteren Forschungen, die der gefertigte
Verfasser mittelbar in einzelnen Gegenden durch theil-
nehmende Freunde, und seit October des Jahres 1857 und
Anfang 1858 persönUch in den interessantesten Archiven
und Bibliotheken Prags anstellte. Eine reiche Ausbeute für
seinen Zweck boten die kostbaren alten Manuscripte der
fürsterzbischöflichen Bibliothek, die freundlichst zur Einsicht
VII
gegebenen Register und Acten des Metropolitan-Capitelarchivs,
die liandscliriftlichen Schätze der k. k. Universitätsbibliothek
und einige äusserst schätzbare Manuscripte der Kloster-
bibliotheken von Strahow und S. Thomas. Auch der hoch-
verdiente Professor der prager Universität, Dr. Constantin
Höfler bot seine liebevolle Unterstützung durch Darleihung
einer für den Druck bestimmten Sammlung wichtiger „Monu-
mente (Urkunden) des Köoigthums in Böhmen^''. Mit solchen
Schätzen ausgerüstet, und zur Seite die ausgezeichnete alte
und neue Literatur unseres Vaterlandes nahm der Gefertigte
sofort seine Arbeit wieder auf.
Aber da war es um den ursprünglichen Plan einer blos-
sen Diöc es ange schichte in der engsten Bedeutung die-
ses Wortes geschehen. Sollte alles einschlägige und zugleich
wichtige Material verwendet werden, so musste diese Diöce-
sangeschichte ein annalistisches Quodlibet ohne allen organi-
schen Zusammenhang werden. Da überdiess ein eingehendes
Werk über die kirchliche Geschichte Böhmens gänzlich man-
gelt, so mussten tausend Dinge im Verlaufe einer blossen
Diöcesangescichte ganz unverständlich bleiben. Auf diese
Weise entstand der Plan, eine Kirchengeschichte Böhmens
im Allgemeinen und in ihrer besondern Beziehung auf die
jetzige Diöcese Leitmeritz zu schreiben.
L andes - Kirchengeschichte sollte sie sein, in
soweit sie aus dem bisher möglichen Ueberblicke der Er-
eignisse sich darstellt, und in soweit ihre Kenntniss allen
Lesern noththut und insbesondere dem Priester des lieben
Vaterlandes nicht fehlen soll, — Diöcesangeschichte
VIII
aber durch Darbietung alles Details, in welchem das allge-
meine kirchliche Leben des Landes im engern Bereiche der
jetzigen leitmeritzer Diöcese zur Erscheinung kam. So lag
auch die Hoffnung nicht fern, dass durch späteres Hinzu-
kommen ähnlicher Arbeiten aus den übrigen Diöcesen all-
mählig eine gründliche und detailirte Kirch engeschichte Böh-
mens entstehen könnte. Indem der Verfasser die erste Ab-
theilung seines so entstandenen Werkes hiemit der Oeffent-
lichkeit übergibt, kann er nicht umhin, die im Verlaufe seiner
mühevollen Arbeit gewonnene Ueberzeugung auszusprechen :
dass eine in der angedeuteten Weise zu Stande kommende
umfassende Kirchengeschichte nicht allein die allgemeine Ge-
schichte unseres Vaterlandes ergänzen und vielfach berich-
tigen, sondern auch die Liebe und Anhänglichkeit für den
ehrwürdigen Glauben unserer ältesten Väter und für die
heilige katholische Kirche lebhaft entzünden müsste.
Die vorliegende Schrift ist — einzelne kleinere Ar-
beiten abgerechnet — ein Erstlingsversuch. Keine besondere
Zierlichkeit der Sprache und auch keine künstliche Anord-
nung der Theile werden sie empfehlen. Was einzig für sie
reden kann, ist — der gute Wille des Verfassers, nach Kräften
gründlich und wahrhaft zu sein. Möge ihm dieser gute Wille
die Nachsicht und das Wohlwollen der freundlichen Leser
gewinnen. — ,
Eger, am 20. August 1863.
P. Anton Frind.
ERSTE PERIODE.
Die €liFli§tiaiii^friing BOhmeiiis.
I, Zeitraum.
Die Einfülirung des Cliristentliuins in Bölimen.
§. 1. Die ersten BekehrungsTersuche.
1. Die ersten Versuche, unser Vaterland Böhmen für die hei-
lige Religion Jesu zu gewinnen, reichen bis in das 4. Jahrhundert
hinauf. Im Jahre 396 wandte sich nämlich Fritigild, Königin der
damals in Böhmen und Mähren sesshaften Markomannen an den heil.
Bischof Amhrosius in Mailand, mn Unterricht in der Lehre des
Christenthums zu erhalten. In der That sandte damals der seelen-
eifrige Diener Gottes einen zu diesem Zwecke verfassten Katechis-
mus an die lernbegierige Fürstin, und diese wieder beeilte sich,
ischon im nächsten Jahre persönlich nach Mailand zu reisen. ^) Lei-
der fand sie den heiligen Bischof bereits im Grabe. Welche Früchte
in unserem Vaterlande die Schrift des heiligen Mannes und die er-
wähnte Reise der Königin getragen haben mag, ist unbekannt.
Seien sie aber auch noch so reichlich gewesen, so dürfte doch die
auch über Böhmen sich ergiessende Fluth der Völkerwanderung in
kurzer Zeit jede Spur derselben vernichtet haben.
2. An die Stelle der deutschen Markomannen traten innerhalb
der böhmischen Gränzwälder *) die Öechen. Zwischen ihnen und
den Deutschen siedelten sich noch die sprachverwandten Main- und
*) Paulini vita S. Ämbrosii bei Baron ad 396. Palacky Gresch. Böhmens I. 49.
-) Wie sich weiterhin ergeben wird, gehörten die ausserhalb „der Gränzwälder"
gelegenen Landstriche, das Gebiet von Eger und das nordböhmische Nie-
derland, nicht zu Böhmen.
1
Rednitzwenden ') an den Gränzen des alten Grabfeldes ^) und Nord-
gaus, ^) und andere Wendenstämme an der Saale und Elbe an. Zu
den letztern soll schon um das Jahr Y20 der heilige Bonifacius als
Glaubensbote gekommen sein und am Zusammenflusse der Elster und
Pleisse ein Kloster gebaut haben.*) Im Nordgau und Grabfelde, wo
seit Karl dem Grossen auch die Wenden unter der Verwaltung deut-
scher Grafen standen,^) wetteiferten wenigstens seit dieser Zeit die'
Aebte von Fulda als Besitzer bedeutender Landstrecken,") die Bi-
schöfe von Würzburg, welche im J. 846 bereits 14 unter Karl dem
Gr. erbaute slawische Kirchen als Geschenk vom Könige Ludwig
erhielten,') und die Bischöfe von Regensburg als geistliche Ober-
hirten des Nordgaues, die letzte Hand an das Werk der Ghristia-
nisirung zu legen. Sicher wurde damals das heutige Egerland, zu
jener Zeit ein Theil des von Main- und Rednitzwenden bewohnten
Nordgaues, für das Christenthum gewonnen.^) Von hier und von
der übrigen wendischen Nachbarschaft musste wohl eine Kunde des
Ghristenthums auch in die . Gränzgegenden der sprachverwandten
öechen dringen.
3. Im eigentlichen Böhmen konnten übrigens auch die wieder-
^) Genannt in einer Urkunde von 846 in Erben regesia BoJiemiac ei Mora-
viae p. 11.
*) Die Landschaft von Fukla bis gegen Eger Ixcran.
3) Das Gebiet von Eicbstadt und Regensburg bis einsclüiesslicli zum Egerlande.
4) Schneider Ghron. Lips. IV. 144. Albini Meiss. Merkw. 282.
5) Laut Urkunde von 846 in Erben reg. p. 11.
<^) Urkunde v. 16. Febr. 824 in Erben reg. p. 8,
') Urkunde ebendaselbst p. 11. Diese Kirchen lagen „in terra Sdavontm
qini vocantur Moinuuindi et Batanzuuinäi.^^
^) Das Egerland war vor der Völkerwanderung selbstverständlich deutsch
und erhielt wohl auch damals schon einige seiner deutschen Ortsnamen.
Nachher rings von Slawen eingeschlossen, wurde es gewiss auch slawisch
und zwar wie die weiter westlich gelegene Landschaft der Wohnsitz der
■Rednitzwenden. Von diesen rühren wohl mehrere slawische Ortsnamen
her. Da dieses Ländchen noch Jahrhunderte lang zu Deutschland ge-
hörte, so erfolgte (ohne besondere Gewalt der deutschen Gau- und Mark-
grafen, wie dies anderwärts viel mehr der Fall war) die Germanisirung
desselben — hauptsächlich in Folge zahlreicher deutscher Ansiedlungen,
welche die „Ausreutungen" des Urwalds bevölkerten. Daher stammen
wieder die vielen „Reut" der Gegend, wie Albenreut, Frauenreut, Voiters-
reut, Tirschenreut u. s. w.
holten Kriegszüge Karls des Grossen nicht ohne einige Rückwirkung
auf die religiösen Verhältnisse des Volkes geblieben sein. Bereits
im J. 805 musste ein, wenn auch verhältnissmässig kleiner Theil
der Bewohner Böhmens — wahi'scheinlich im Gebiete Sedlecko (elbog-
ner Kreis) — der fränkischen Hoheit huldigen, ') während ein anderer
sich in die undurchdringlichen Wälder zurückzog.*) Neue Kiiegs-
züge in den Jahren 806 und 807 hatten die Sicherstellung jener
Huldigung und eines dem ganzen Lande auferlegten Tributes zur
Folge. ^) Sofort ward sogar ganz Böhmen Seitens der Franken zu
ihrem Reiche gezählt.'^) Gab es immerhin unter Ludwig dem From-
men wieder neue Kämpfe, so dauerte doch im Wesentlichen ein
Verhältniss der Abhängigkeit Böhmens und namentlich der westli-
chen Gränzgebiete zum christlichen Nachbarlände fort. Was ist da
wahrscheinlicher, als dass der unvermeidliche Verkehr damals schon
die Anfänge des Christenthums in diese westlichen Gebiete des
eigentlichen Böhmens verpflanzte? Diess ist um so mehr anzuneh-
men, als es auch da von deutscher Seite her nicht an Ausreutun-
gen der Wälder und Ansiedlungen fehlte.^)
V
§. 2. Die Gechentaufe in Regensburg.
1. Als im Jahre 843 Ludwig der Deutsche König des vom
fränkischen Reiche getrennten Deutschland geworden war, liess er
sich es angelegen sein, die Abhängigkeit der ihm zugefallenen Ge-
genden Böhmens neuerdings und nachhaltig zu sichern. Er fand
in Em est, dem Markgrafen des Nordgaus, den geeigneten Feld-
herrn. Damals herrschte im Gebiete von Saaz, welches ") in 5 Bezir-
') öedlecko hatte seinen Namen von der alten ^upenburg Sedlec, dem heu-
tigen Zetlitz bei Karlsbad.
^jDamberger synchron. Gesch. III. 17.
3) Eginhard ad 807. Cosmas IL 119, Damberger III. 20, 72. Dobner annales
Hajecii II. 432.
'^jDie Garta divisionis imperii {PerU III. 198) sagt: Item Hludovicus volii-
mus, %vt habeat Bajoariam et Garentanos et Beheimos et Ävaros atque
Sclavos, giii ab orientäli parte Bajoariae sunt.
5) Unter den nachmaligen Besitzungen des h. Wolfgang, Bischofs von Re-
gensburg, -wird z. B. Kunigswartha, das heutige Königswart genannt, das
■ seinen Namen doch keinesfalls schon im Jahre 972 vop einem Könige
Böhmens, sondern gewiss nur von einem Könige Deutschlands haben konnte.
'')Nach Cosmas.
1*
ken längs der Flüsse „Gutna," „Uzka", „Mza" und „Bracnika", sowie
im Umkreise von Saaz selbst^) bis gegen Trebnitz (bei Leitmeritz) sich
erstreckte, als selbstständiger Landesherr ein Bruder des Herzogs Kfe-
somysl, Namens WTatislaw. Diesem, der die deutsche Hoheit an
den Gränzen, wenn nicht gar in einigen Gegenden innerhalb seines
Gebietes gewiss ungern sah, galt der Kampf. Derselbe muss für die
Deutschen von einigem Erfolge gewesen sein; denn zu Ende des Jahres
845 erschienen 14 Häuptlinge der Böhmen, wohl aus Wra-
tislaws Lande, „sammt ihrem Gefolge" bei König Ludwig in
Regensburg, um hier die h. Taufe zu erbitten. In der Oktav der
Erscheinung des Herrn (13. Jäner 846) erfolgte wirklich ihre Auf-
nahme in den Schooss der heiligen Kirche.^) Der damalige Bischof
Botherich von Kegensburg ward überdiess aufgefördert, „die Öe~
eben in der christlichen Religion zu unterweisen." ^)
Dieses Ereigniss hat eine weit höhere Bedeutung, als jetzt gewöhnlich
angenommen wird. Es ist die eigentliche Aufnahme un-
seres Vaterlandes in den Verband der katholischen
Kirche. Von hier an zählten die kirchlichen Oberen unser Land,
und zählten unsere Vorältern sich selbst, ohne Unterbrechung durch
die spätere anderw^eitige Bekehrung des Landesherzogs, zur bischöf-
lichen Diöcese von Regensburg:*) Beweises genug, dass der erzählte
Taufakt zu Regensburg für bedeutungsvoller galt, als die nachherige
Taufe Bofiwojs. In der That setzen auch die nachfolgenden Kämpfe in
Böhmen das Vorhandensein einer christlichen Partei im Lande voraus. ^)
1) Mza oder Mze ist entschieden der heutige Miesfluss; Uzka oder üska, jetzt
Assigj hiess (nach Jireöek „2upy Öech", in Pamätky archaeol. II. 216 und
221) der bei Postelberg mündende Nebenfluss der Eger; Bracnika oder
Brocznika dürfte (nach demselben) der heutige Goldbach sein; Gutna war
wohl ein Flüsschen des nachmaligen Zluticer Dekanats: so dass Wrati-
slaws Besatz über die spätem Dekanate von Zatec (Saaz), Cadan, ^lutic
(Luditz) und Tepl sich erstreckte. Das Gebiet von Elbogen (das längs des
Eger- und Teplflusses sich hinzog) und von Bilin (an der Böla) scheint
demnach ausgeschlossen gewesen zu sein. Ersteres gehörte eben, wie wir
bereits wissen, zum deutschen Lande.
*) ßuodolfi annal. Fuld. bei Pertz I. 364-. Aimonius, Sigebertus Gemblacen-
üs, Magnum chronicon belgicum etc. cit. Dobner annal. II. 553.
3) Viguld Hundius ad 846. Aventinus arm. boj. I. 4.
^) Der nähere Nachweis dessen wird später an geeignetem Orte folgen. (Geist-
liche Jurisdiction und Bitus in Böhmen.)
5) Damberger III. 113.
5
2. Dem Ereignisse von Eegensburg folgte eine ernste Reaktion
der heidnischen öechen. Ohne Zweifel erhob Wratislaw von Saaz
neuerdings die Waffen, zunächst wohl zur Vertreibung der von ihm
abtrünnigen Grossen. Wirklich finden wir einen solchen „Grrafen
aus Böhmen (comes ex Boemia)" Namens Thakulf weiterhin
im Dienste der Deutschen und später als Markgrafen der sorabi-
schen Mark,^ ) denselben, der bei seinem im J. 861 erfolgten Tode
„sein an der Gränze Böhmens gelegenesL ändchen Sa-
rowe" (Sorau in der Mederlausitz) dem Kloster Fulda schenkte.^)
Mit abwechselndem Glücke stritt man, solange Wratislaw lebte. Er
starb angeblich 850.^) Noch muthiger führte fortan sein Sohn Wla-
stislaw die Waffen. Endlich aber gewann doch der tapfere Markgraf
Ernest als Führer der Deutschen die Oberhand. Als Wlastislaw 855
im äussersten Osten seines Gebietes die neue feste Stadt Wlastisla-
wa (bei Trebnitz) baute*) — wich er wohl einem gewaltigen Drän-
gen von Westen her; und wenn er fortan seine Waffen zur Erwei-
terung seines Gebietes nach " Prag hinkehrte, band ihn wohl ein
Friedensvertrag gegenüber dem deutschen Reiche. Thatsächtlich wird
berichtet, dass im J. 856 „einige Herzoge der Böhmen von
Neuem dem Könige derDeuts chen sich unterwarfen." ^)
Dabei scheint es lange Zeit geblieben zu sein, zumal der kriegs-
lustige Wlastislaw — angeblich 869 — im Streite gegen das Pra-
ger Herzogthum seine Macht und sein Leben verlor. ^) Nun konnte
immerhin das Christenthum unter der sorgsamen Pflege der Regens-
burger Missionäre einigermassen gedeihen.
3. Der Bekehrungsakt zu Regensburg hat — nach einigen
späteren leider nur wenig verlässigen Chronisten — ein besonderes
Interesse für die jetzige leitmeritzer Diöcese. Ohne Angabe älterer
') Diese war das Gebiet der heutigen Niederlausitz.
^) Urkunde in Erben regesta, p. 13. — Annales Francof. ad 849. — Dani-
berger IH. 269.
3) Hajek,
^) Gosmas, Pulkawa etc. Heute steht auf dieser Stelle das Dorf Watislaw.
Ausgrabungen auf einem mit kreisförmigen Wällen umschlossenen Hügel
zeigen daselbst einen heidnischen Begräbnissplatz. Kaliina, Böhmens
Opferplätze S. 149.
S) Annales Francofuldenses ad 856. Diese Herzoge waren Häuptlinge klei-
nerer Gebiete.
'^) Gosmas. Hajek.
6
Quellen — nennt uns Daniel Weleslawin unter den bekehrten Häupt-
lingen den Herrn von Cadan, wohl derselben „Kanaburg am Eger-
flusse", die schon Karl der Grosse im J. 806 belagert hatte.')
In ähnlicher Weise erwähnt Crugerius-) als Neubekehrten den
damaligen Gebieter von Bilin. Nebenbei werden noch die Herren
von Wary (später Karlsbad), Klattau, Pilsen, Tepl und Studinec (?)
angeführt. — So viel scheint übrigens sicher zu sein, dass der be-
reits oben erwähnte Graf Thakulf zu jenen Neugetauften gehörte
und ausserdem derselbe „Herzog Wiztrah", welcher von dieser
Zeit an unter deutscher Hoheit blieb. ^) Auch ist jedenfalls an-
zunehmen, dass insbesondere das Gebiet von Cadan, der deutschen
Nachbarschaft wegen, namentlich von 856 an einige Fortschritte im
christlichen Bekenntnisse machen musste.
4. Sei übrigens der Erfolg des Bekehrungsaktes von 846 noch
so günstig gewesen: das ist dennoch nicht in Abrede zu stellen,
dass die damaligen Christen in unserem Vaterlande eben nur eine
von ihren Gegnern politisch verdächtigte und angefeindete, und eben
deshalb an Zahl und Ansehen keineswegs schnell anwachsende Par-
tei gewesen sind. Nur, wen die klarste Uiberzeugung drängte, wollte
in dieser Zeit und unter solchen Verhältnissen ein Kind der heil.
Kirche werden. Erst wenn die neue Lehre nicht mehr aus dem
Munde der vermeintlichen Nationalfeinde kam, mochte sie allge-
meine Geltung im weiten Lande gewinnen.
§. 3. Die Taufe des Herzogs Boriwoj und ihre nächsten Folgen.
1, Im benachbarten Mähren war das Christen thum bereits im
ersten Dezennium des 9. Jahrhunderts heimisch geworden. Als er-
ster Apostel desselben trat dort — wahrscheinlich schon im J. 805
— der vordem im Widerspruche mit seinem Metropoliten auf den
bischöflichen Stuhl von Passau erhobene und eben desshalb in dieser
i)Dobner annal. IL 475. Palacky Gesch. I. Die Stadt Eadan ist viel jün-
ger als die Burg gleichen Namens. Jene entstand erst um 1180, Im J.
1186 schenkte Herzog Friedrich hurgwn novmi Cadan den Johannitern.
^) Crugerii saeri pulveres.
2) Damberger Kritikhefte III. 113. Wahrscheinlich war es der Herr von
Weitra im heutigen Oestcrreich, welcher Ort sammt Umgegend von da an
für Böhmen verloren ging.
Würde nicht bestätigte Bischof U r o 1 f auf) und erzielte daselbst
nicht minder glückliche Erfolge, als in dem benachbarten Panno-
nien, wo er seine apostolische Thätigkeit bereits im J. 803 begon-
nen hatte. Er hatte sich das höhe Ziel gestellt, der ehemaligen
Metropole von Lorch in diesen Gegenden neue Glaubensgebiete und
bischöfliche Diöcesen zu gewinnen.^) Wir finden ihn im J. 817 in
voller Thätigkeit „als Bischof in Mähren.^) Im J. 818 hatte
er eine Zeit lang an dem Bischöfe Beginar von Passau einen apo-
stolischen Gefährten.'*) Im J. 824 konnte. Papst Eugen IL bereits
den christlichen Mährenherzog Moymar unter Belobung des bisher
schon bewiesenen Eifers bitten, dass er (wie auch der avarische
Fürst Tundun) dem ürolf bei Errichtung neuer Bisthümer behilflich
sein möge.^) Sofort finden wir in der That einen Eathfredus, Bi-
schof von Faviana (Wien), einen Methodius, Bischof von Speculum
Julium (Igiau ? Olmütz ?), einen Älevinus, Bischof von Nitra-
via (Neutra) und einen Annonus, Bischof von Yetvaria (Alten-
burg ?).*^) ürolf starb nach Einigen im J. 829, nach Andern im
J. 836.") Wenn immerhin die von ihm errichteten Bisthümer
nur von kurzem Bestände waren, ^) so bürgt doch für einen nach-
haltigen Erfolg der Bemühungen ürolfs, insbesondere für das Da-
sein eines christlichen Clerus und Volkes in Mähren die Thatsache,
dass hier fortan förmliche Synoden abgehalten wer-
den konnten.")
') Damberger synchr. Gesch. III. 15, 56, 142. Dessen Kritikhefte p. 20, 54.
2)Dobrowsky mähr. Legende S. 52.
^) Damberger 1. c.
4)Ginzel: Cyrill und Methud S. 31. Boßek cod. dipl i^. 11.
^) Dobrowsky rnälu*. Legende j). 51.
*') Ebend. 52. Nach Salagi lagen Speculum Julium und Nitravia sicher inner-
halb des gross-mährischen Reichs.
') Dobner ann. Haj. TL. 531, Damberger III. 193.
^)"Wir finden zur Zeit des Fürsten Eastislaw von ihll damals mit nach Böh-
men gekommen sei und auch den Leib des h. Clemens mit sich
') Christannus und Vita S. Ludmüae in bibl. Univ. Prag, cit, Dobn. III. 300.
Palacky 1. 137. Die ersten KirchenBöhmens, die von Methuds Schülern geweiht
wurden, tragen den Namen des heiligen Papstes und Martyrs Clemens aus dem
Grunde, weil diesör Heilige seit der Auffindung seiner Reliquien durch
den h. Cyrill der erwählte Missionspatron der beiden heiligen Brüder war.
Seine Reliquien wurden von letztern nach Rom gebracht. Eine zweite
Clemenskirche entstand alsbald auf dem Wysehrad.
^) Christannus.
^jHajek, Dubravius u. A.
*) Christannus.
^)Pesina (posph. septic). Letzterer nennt (ohne Quellenangabe) die Namen
solcher Priester: Joannes, Paulus, Letomil, Gerard, Hostiwod, Prostiwoj.
12.
hieher gefülirt habe •), ist in Berücksichtigung seines Todesjahres
(868) geradezu unmöglich. Gegen die gleichfalls behauptete An-
wesenheit des h. Method aber, und zumal gegen die Annahme ir-
gend einer Amtsthätigkeit desselben in Böhmen^) spricht nicht nur
das Stillschweigen der ältesten Quellen, ^) sondern auch der sichere
Umstand, dass Böhmen seit 846 entschieden zur Diöcese von Re-
gensburg gehörte, *) und Method bei der ihm in schmerzlicher Weise
eben zur Zeit der Taufe Bofiwojs bekannt gewordenen Eifersucht
der deutschen Bischöfe alle Ursache hatte, jeden Eingriff in fremde
Diöcesam*echte sorgfältig zu meiden, und — nach dem Schweigen
der regens^bm^ger Bischöfe neben den lauten Klagen von Salzburg
und Passau her ^) zu schliessen — in Böhmen auch wirklich vermied.
§. 4. Der selige Iwan.
Wir dürfen die in die Zeiten Boiiwojs und Ludmilas fallende
Lebenslegende unseres ältesten und frömmsten Eremiten nicht mit
Stillschweigen übergehen.
Der selige Iw^an ") war ein Sohn des christlichen Kroatenkö-
nigs') Gestimul, vielleicht desselben Slawenfürsten Gestimul, der 844
von einem Kriegsheere Ludwigs des Deutschen überwunden unter
die Oberhoheit seines Besiegers sich hatte beugen müssen.^) Der
jugendliche Iwan, begeistert von der Lehre Christi und für ein Le-
ben ungestörter Andacht, verliess seine Heimat und sein Vaterhaus
und schlug, vergeblich von den Seinen gesucht, als Einsiedler in
Mtten eines unermesslichen Gebirgswaldes seine Wohnung auf.
')Pulkava, Hajek und mehrere spätere Autoi'en.
SjPalacky I. 138.
^) Mit Ausnalirae der Jüngern Vita S. Ludmilae hihi. Clenientinae.
*) Von Palacky I. 110 u. 228 selbst zugestanden.
5) Vgl. Ginzel: Cyrill und Metliud, S. 69, Anmerkung.
^) Ein lateinisches Manuscript aus dem 15. Jahrhundert, abgedruckt in Dob-
neri monum. Mst. Boem. TL. 61, nennt ihn bloss „beatiis". Nachfolgende
Legende ist hauptsächlich aus dieser Quelle geschöpft.
'')Es ist da nicht an das heutige Kroatien zu denken, sondern an das Kar-
partenland, -welches noch zur Zeit der Stiftung des Prager Bisthums in
Crovati et altera Crovati, diesseits und jenseits der Karpaten gelegen,
zerfiel. (Urkunde Kaisers Heinrich IV. über die Gränzen des Prager
Bisthums.)
^)Ännales Prancofuld. a. h. a.
13
Zehn Jahre vergingen ihm hier in ungetheilter Gottseligkeit.
Da sah er einst von Ferne seine Brüder der stillen Zufluchtsstätte
nahen. Erschrocken wandte er sich zur Flucht und eilte Tag und
Nacht über Berg und Thal weiter und immer weiter, bis er endlich
vor jeder ferneren Entdeckung sich sicher glaubte.
2. So kam Iwan in unser böhmisches Vaterland und erwählte
eine in Wald und Gestrüpp verborgene Höhle in Mitten hoher
Berge und seltsam geformter Felsen am Flusse Lodenice zu seiner
neuen "Wohnstätte. Hier setzte er sein frommes Leben fort. Hier
aber war es auch, wo Gott eine schwere Anfechtung über ihn
kommen Hess. Mitten dn seinen heiligen Uebungen sah sich Iwan
von teuflischen Gestalten umgaukelt, die er vergebens von sich ab-
zuwehren bemüht war. Der böse Feind schien es darauf anzule-
gen, dem heiligen Manne das Leben in dieser Einsamkeit zu ver-
leiden. Fast war das Ziel erreicht. Der täglich sich erneuernde
Kampf und die geringe Hoffnung auf Ruhe ermüdeten den frommen
Einsiedler, und er nahm bereits Abschied von seiner Höhle. Aber
eine himmlische Erscheinung, in welcher Iwan die Gestalt des heil.
Johannes des Täufers erkannte, hielt ihm das Bild des gekreuzig-
ten Heilands entgegen und forderte ihn auf, mit dieser Waffe zu
kämpfen und zu siegen. Iwan folgte dem Rathe und erkämpfte
sich aufs Neue Ruhe und Frieden in seiner Höhle.
3. Hier lebte er nun bis in sein höchstes Greisenalter, und
je länger, desto unermüdeter wurde er in der üebung der Fröm-
migkeit. Die Welt hatte er längst vergessen, und wenn er ja
etwas noch lieb hatte in iln-, so war es die zahme Hirschkuh,
welche seit Jahren das Lager in der stillen Felsenhöhle mit ihm
theilte. Dieses edle Thier war es, das endlich die Entdeckung
des heil. Einsiedlers herbeiführte. Seine Fährte verfolgend kam
einst der Herzog Bofiwoj auf der Jagd zu Iwans stiller Höhle, und
lernte den heiligen Mann kennen und lieben. Nun konnte der
greise Einsiedler den Bitten des wiederholt ihn besuchenden Für-
sten, und zuletzt auch dem Flehen der ebenfalls herbeigeeilten
frommen Fürstin Ludmila nicht widerstehen. Er musste das fürst-
liche Paar auf der nahen Burg Tetin heimsuchen und einen Tag
und eine ganze Nacht demselben wunderbare Lehren von Gott und
vom Heile der Seele spenden.
4. Zurückgekehrt verliess er seine Zelle niemals wieder.
14 .
Endlich kam seine Todesstunde. Er, der sein Leben lang treu dem
Herrn gedient hatte, sollte auch einer ganz besonderen Gnade sich
erfreuen. Ein Engel mahnte im Traume die heil. Ludmila, den
frommen Priester Paul mit den heiligen Sakramenten und einen
Diener mit Grabgeräthen zur Höhle des Einsiedlers zu senden. So
empfing der Sterbende noch zur rechten Zeit den heissersehnten
Seelentrost. Sein Geist entschwebte in das himmlische Paradies,
sein Leib aber fand in der einsamen Höhle ein stilles Grab. Bald
weihte man diese Höhle zu einer Kapelle des heil. Johannes, und
Andächtige aus allen Gauen fanden am Grabe des seligen Iwan
Rettung und Hilfe in den Nöthen des Leibes und der Seele.
§. 5. Die Söhne Bofiwoj's. Die heil. Ludmila. Verfolgung der Christen.
1. Gross war der Eifer Bofiwojs und seiner frommen Gemah-
lin, den Christenglauben allerwärts zur Geltung zu bringen; auch
ist kaum zu zweifeln, dass die zu Welehrad getauften Edlen des
Landes im Vereine mit den bereits früher Bekehrten einen heiligen
Wetteifer in der Ausbreitung der himmlischen Wahrheit und in
Erbauung christlicher Gotteshäuser entwickelten. Dennoch erwarb
sich Boiiwojs frommer Sohn und Nachfolger Spytihnew L, der
wenigstens seit seiner Erhebung auf den Herzogsstuhl dem Christen-
thume mit ganzer Seele huldigte'), den besonderen Ruhm als Er-
bauer heiliger Gotteshäuser und als Sammler (congre-
gator) zahlreicher Priester und Kleriker im Lande.^)
Diesem wieder suchte es sein Bruder und Nachfolger W r a t i-
slaw, yordem Theilfürst eines besondern Gebietes, gleich zu
thun, allerdings im Widerspruche mit seiner den Christen abholden
Gemahlin Drahomira. Wratislaw erbaute die S. Georgskirche in
Prag als erste Hauptkirche des Landes und gründete bei derselben
durch Berufung slawischer Priester (angeblich 1 Erzpriester, 4
') Die Behauptung Hajeks von seiner Taufe gleichzeitig mit Ludmila ist dem
älteren Berichte der vita S. Wenceslai (cit. Dobn. ann. III. 324) entgegen,
wonach die Taufe erst nach seinem Regierungsantritte zur Zeit Heinrich
des Voglers erfolgte.
-) Christannus (editio Äthan, a S. Josephe p. 47). Insbesondere wird ihm
die Gründung der Teynkirche zugeschrieben. {Vita S. Wenceslai in Pertz
Mon. VI. pag. 214.)
15
Priester, 2 Diaköne, 2 Subdiakone) eine Art CoUegiatstift. ') Unter
ihm besuchte bereits ein Bischof persönlich das Böhmerland und die
Hauptstadt Prag.^) Leider starb der gute Fürst — sowie sein from-
mer Bruder viel zu früh für unser in der christlichen üeberzeugung
noch so wenig erstarktes Vaterland. Da war es ein erfreuliches Zeichen
des Fortschritts im christlichen Bekenntnisse, dass das gesammte
Volk die Erziehung des jugendlichen Erben Wratislaws der from-
men Grossmutter Ludmila übergab — mit Hintansetzung der heid-
nischen Mutter Drahomira.^)
2. Ludmila, die greise Witwe Bofiwojs, war damals die Freude
und der Stolz des Landes. „Fromm und sanft in allenDingen,
freigebig gegen die Armen, unermüdet im Nachtwa-
chen, andächtig im Gebete, vollkommen in der Liebe,
herablassend in der Demuth, immer eifrig in Dienst-
erweisungeri gegen die Diener des Herrn, eine Mutter
der Waisen, eine Trösterin der Witwen, eine Freun-
din der Gefangenen und vollendet in allen guten Wer-
ken""*) war sie die erste herrliche Blume, dem Garten der Heiligen
unseres Böhmerlandes entsprossen. So erzog sie uns das Vorbild
aller frommen Fürsten, ebenfalls einen Heiligen und des Vater-
landes höchsten Stolz, den nachmaligen Herzog Wenzel. Dennoch
konnte sie die Liebe ihrer herrschsüchtigen Schwiegertochter nicht
gewinnen. Diese, eine geborne Stodoranerin ^) und erklärte Ge-
gnerin des Christenthums, konnte schon desshalb der glaubens-
eifrigen Schwiegermutter nicht hold sein.^) Nunmehr durch selbe
vermeintlich in ihrem Ansehen und Einflüsse beeinträchtigt, veran-
lasste sie — vielleicht nur durch ein voreiliges Gebot — die furcht-
barste Gräuelthat. Zwei böhmische Edle, Tummia und Gommo, ge-
folgt von wenigen Begleitern, überfielen die fromme Ludmila in
'] Chronik des Klosters S. Georg von Weitenauer, Manuscript der k. k. Uni-
versitäts-Bibliotliek, XVI. B. 2 (cit. ArcJiiv: S. Georgii X. X. X, X. §. 36.)
-) Siehe weiter unten §. 12. n. 2.
^) Christanniis p. 50.
*) Ebend. p. 49.
^) Sie heisst auch eine Luticierin, d. i. Lausitzerin. Jedenfalls entstammte
sie einem Slawenstamme nördlich von Böhmen, nicht aber von Luditz (früher
Zlutice) oder aus dem Saazer Lande, das ehedem von seiner Wiesenland-
schaft Luöaue hiess,
; ") Cosmas a. a. 894.
16
ihrer Einsamkeit zu Tetin und wurden die Mörder der ersten hei-
ligen Blutzeugin unseres Vaterlandes (15. September 92*7).^) Und
nun begann eine Zeit schwerer Anfechtung für die jugendliche
Kirche in' Böhmen. Die Christen, ihrer hohen Schützerin beraubt und
in schlechtem Ansehen bei der nunraelir unumschränkt herrschenden
Drahomira, wurden allerwärts von den neu ermuthigten Heiden
beunruhigt, gekränkt, verfolgt, hin und wieder gemordet. Dem Klerus
erging es, wo möglich, noch schlimmer. Die Gotteshäuser wurden
gesperrt und selbst niedergebrannt,^) der heilige Dienst gewaltsam
gehindert, die Priester — in so weit sie einem schlimmeren Loose
entgangen waren — aus dem Lande getrieben. Alle Klagen fanden
taube Ohren vor den jetzt bevorzugten heidnischen Kichtern und
nicht minder vor dem fürstlichen Throne. Auch an direkten An-
griffen von höchster Stelle herab fehlte es nicht, so dass selbst
der junge Herzog Wenzel nur in dunkler Nacht den ihm treuen
geistlichen Lehrer bei sich empfangen musste, und nur mit
List dem neuauflebenden heidnischen Opferdienste sich entziehen
konnte.^) Diese traurige Zeit hatte ein Ende, als endlich der ju-
gendliche Wenzel selbst die Zügel der Eegierung ergriff.
§. 6. Der heil. Wenzel.
1. Als Knabe schon in der ersten christlichen Schule zu Budeö
von dem frommen Priester Unego*) in den heiligen Wissenschaf-
ten „wie ein Priester" ^) gebildet, nachher unter den Augen der
^) Die Passio S. Ludmilae wurde in Böhmen bis ins 13. Jahrhundert am 15.
September gefeiert und erst 1245 auf den folgenden Tag verlegt. (Do-
browsky kritische Versuche II. Ludmila und Drahomira S. 45. — Palacky,
Geschichte Böhmens I. 204.
2) Weitenauer: Chron. von S. GeoA'g MS. cit. ausser Ohristannus meist spätere
Quellen. Unter den zerstörten Kirchen werden genannt: S, Georg und
S. Maria am Teyn.
3j Hygonis vita 8. Wenceslat, Manuscript der Prager Metropolitancapitel-Bi-
bliothek, Abschrift in der Universitätsbibliothek. Dass Bischof Hyzo selbst der
Verfasser gewesen sei, ist nicht nachweisbar ; doch reicht die Schrift bis in
seine Zeit hinauf.
"*) So nennt ihn die Vita S. Wenceslai des Hyzo. Ein anderes Manuscript
(bei Dobner ann. III. 436) nennt ihn Duego.
^) Vita S. Wene. des Hyzo. — Altslawische Legende vom h. Wenzel (die
älteste) abgedruckt in Wattenbachs „Slawischer Liturgie in Böhmen",
S. 234 etc.
17
heiligen Grossmutter zum eifrigen Diener Christi herangezogen,
war Wenzel schon längst ein Vater der Armen und Bedrängten,
gross in der Demuth, Geduld, Sanftmuth, Liehe und am meisten
in heiliger Andacht, im treuen Bekenntnisse des Glaubens, — ein
erhabenes Vorbild seines Volkes.')
2. Das feindselige Benehmen seiner Mutter gegen das auf-
sprossende Christenthum im Lande und die Theilnahme derselben
am Kämpfe der benachbarten Slawen stamme gegen das deutsche
Keich hatte einen Kriegszug des deutschen Königs Heinrich I.,
und sofort die Verbannung der heidnischen Fürstin und die Erhe-
bung Wenzels zur Folge. Dem neuen unter Schutz und Pflicht
des deutschen Reichs gestellten Herzoge war die christliche Reli-
gion nicht bloss eine Angelegenheit wohlverstandener Politik, son-
dern auch des Herzens und der ganzen Seele. Er rief die ver-
triebenen Priester wieder ins Land zurück, stellte die zerstörten
Kirchen wieder her, und Hess in allen Städten neue Got-
teshäuser bauen, die er alle persönlich am Feste ihrer Weihe
zu besuchen pflegte. Prag selbst erhielt vom frommen Sinne des
Fürsten mit ausdrücklicher Zulassung des Bischofs von
Regensburgdie neue Hauptkirche zu Ehren des h. Veit, die nach-
malige Kathedrale des Landes. Auch fremde Geistliche aus Baiern
und Schwaben strömten auf die Kunde vom christlichen Eifer Wen-
zels mit heiligen Büchern und Reliquien nach Böhmen her, und der
Landesvater versorgte sie auf das reichlichste mit allem Bedarfe.^)
Nicht zufrieden, in Wort und That alles Mögliche zur Beförderung
des Christenglaubens unter den Freien seines Landes gethan zu
haben, kaufte er selbst Sklavenkinder, um selbe zu frommen Chri-
sten heranbilden zu lassen.^) Alle seine Biographen preisen einmü-
thig seine unbefleckte Keuschheit, die ihn als einen Engel im
Fleische erscheinen liess, — dessgleichen seine Milde in der Re-
gierung des Volkes, so dass er die Todesstrafe für die Zeit seines
Lebens gänzlich aufhob, — seinen gottesdienstlichen Eifer, der ihn
noch immer dem Priester am Altare dienen und Hostien und Wein
für den heiligen Dienst bereiten hiess, — seine Liebe gegen die
Armen, denen er im Dunkel der Nacht ein unerkannter Helfer
^) Hymiis Vita S. Wenceslai.
-) Ebend. — Altsla-wische Legende bei Wattenbach und Christannus.
^) Christannus und die älteren Legendisten.
2
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ward, — seine wunderbare Sanftmuth, die auch dem erbittertsten
Feinde nicht zu grollen vermochte. So stand er schon im Leben da als
ein echter Heiliger Gottes ') und eine (freilich erst von Dalimil
erwähnte und seitdem vielfach nacherzählte) Sage lässt ihn als
solchen vor dem Throne des deutschen Königs Heinrich erkannt
und in Folge dessen mit der Königswürde ausgezeichnet werden.
3. Nichtdestoweniger gab es viele Missvergnügte im Lande,
die ebensosehr dem Ueberhandnehmen deutschen Einflusses als der
angeblich mönchischen Gesinnung ihres Fürsten zürnten. Diese
schaarten sich insgeheim um den jüngeren Bruder Boleslaw, der in
der von ihm erbauten Stadt Altbunzlau (Starä Boleslaw) als Vasall
des älteren Bruders herrschte. Von diesen Verführern berückt und
von eitler Herrschsucht geblendet, zückte dieser gegen seinen hei-
ligen Bruder bei Gelegenheit eines vertrauensvollen Besuches (Bo-
leslaw feierte den Geburtstag eines Sohnes) — und sogar an der
Pforte des Tempels*) das mörderische Schwert. Da fand er aber
in dem Angegriffenen den stärkeren Gegner. Nun eilten auf sei-
nen Kuf seine Knechte herbei und durchbohrten meuchlings die
Brust des edelsten Fürsten. Auch den treuesten Diener Podiwin
ereilte bei dieser Gelegenheit der blutige Tod für seinen Herrn. ^)
So starb Wenzel den Tod der Märtyrer (28. September 935,*) und
^) AuchSighertns Gemhla^cemi&nenntihnschon, JustUia et sanctitatepraeclariim.^^
?)Dass auch Drahomira am Morde betheiligt gewesen sei, lässt sich nach
älteren Quellen nicht behaupten. Aus dem Exile war sie damals allerdings
schon längst zurück, und zwar durch Wenzel selbst gerufen. Es ist aber
Thatsache, dass sie nach der Ermordung ihres Sohnes weinend herbeieilte,
an das Herz des Entseelten sich warf und den Leichnam ins geistliche
Haus tragen Hess. Ebenso ist es ausgemacht, dass damals auch ihr selbst
von den Verschwornen der Tod zugedacht war, und dass sie auf die Nach-
richt hievon trotz der Erhebung Boleslaws eilig Stadt und Land vei-liess.
(Aelteste slawische Legende des heil. Wenzel, übei-setzt in Wattenbachs
„Slawische Liturgie in Böhmen" S. 234. — Christannus. — Palacky L 209.)
3) So die auf Befehl Otto H. 973 — 983 verfasste Wenzelslegende Gumpolds
von Mantua, auf die nach Dobrowsky die zu seiner Zeit bekannten Wen-
zelslegenden zurückzuführen sind. (Vgl. Palacky, Würdigung böhmischer
Geschichtsschreiber, S. 294.) So auch Christannus. Ebenso stellt auch
ein Gemälde der Leitmeritzer Domkirche (von Skreta) den Tod des heil.
Wenzel dar. Die Ermordung durch die Hand Boleslaws selbst ist ge-
schichtlich unbegründet.
*)Die synchronistische Zusammenstellung erweiset eben dieses Jahr. Vei'gl.
Damberger synchr. Gesch. IV, Kritikh. 216. Pertz V. 438, Note.
19
besiegelte mit seinem Blute die heilige Ueberzeugung, der er sein
ganzes Leben gewidmet hatte. Boleslaw aber stieg über die Leiche
des heiligen Bruders empor auf den Herrscherstuhl.
§. 7. Die beiden Boleslawe.
1. Der unglückseligen That folgte zunächst eine schwere Be-
drängniss für die. Kirche, Böhmens. Dem Namen nach war es eine
Reaction gegen das unter Wenzels Regierung emporgekommene
deutsche Wesen im Lande und zugleich gegen die Oberherrschaft
der Könige von Deutschland: in Wirklichkeit g alt de rKampf Sei-
tens der zur Herrschaft erhobenen Partei nur zu sehr dem Kle-
rus und den glaubenseifrigen Christen des Landes. In Prag selbst
starben gar Viele den Tod der Glaubenstreue in den Fluthen der
Moldau: „nur Gott kannte ihre Zahl und gesellte sie zu seinen
Auserwählten".') Auf dem Lande hielten unterschiedliche Hen*en
treuer zum deutschen Reiche als zu dem neuen blutbefleckten
Landesfürsten ; andere scheinen auf " eigene Faust völlige Un-
abhängigkeit angestrebt zu haben. Da gab es denn einen langen
und schlimmen Kampf, welcher der jungen Pflanzung des Chri-
stenthums gewiss nichts weniger als günstig war, zumal auch die
gegen Boleslaw entsandten Heere des deutschen Königs Otto I.
durch 14 Jahre mit geringem Glücke stritten und mit den ver-
folgten Deutschen leider auch die meisten christlichen Priester
aus dem Lande entfliehen mussten. Als endlich um 950 die
Waffen Otto's L den lang ersehnten Frieden und Böhmens altes
Verhältniss zum deutschen Reiche Wieder herzustellten vermochten,
hatte auch Boleslaw die vollständige Unterwerfung aller Gaue des
Landes beendet — und vielleicht hiedurch nicht weniger als durch
den Brudermord den Namen des Grausamen sich erworben.-)
2. Indess hatte Gott seinen heiligen Blutzeugen bereits durch
zahlreiche Wunder verherrlicht. Was bisher keine Predigt vermocht
hatte, das bewirkte alsbald der nach allen Richtungen sich ver-
breitende Ruf des Heiligen. Sofort verlangten auch die bisher Ver-
härteten zahlreich nach dem Bade der Wiedergeburt, und selbst aus
dem Brudermörder ward endlich durch die Gnade Gottes — ein reue-
') Cliristannus, und Gumpolds Legende.
=) Vgl. Palacky I. 211—214.
2*
20
voller Büsser. ') Es stand nicht bei ihm, dem Gemordeten das
Lebeil wieder zu geben: darum bereitete er wenigstens dem ver-
herrlichten Leichname desselben in der neuen Set. Veitskirche zu
Prag, die er durch einen Stellvertreter des E-egensbur-
ger Bischofs Tuto weihen liess, ein ehrenreiches Grab.*) Er
führte fortan auf seinen Münzen neben dem eigenen auch seines heili-
gen Bruders Bild. ^) Den Sohn (Strachkwas), bei dessen Geburtsfeier
die unselige That geschehen war, verlobte er dem Kloster zu S.
Emmeram in Regensburg, auf dass derselbe dort durch ein Leben
der Gottseligkeit und Selbstverleugnung die Schuld des unglückli-
chen Vaters sühnen helfe. ^) Daheim erzog er selbst der böh-
mischen Kirche ausser diesem ersten Ordensbruder auch ' Böhmens
erste Klosterfrau (Mlada), dem nachbarlichen Polenvolke die erste
christliche Landesmutter (Dubrawka), dem Vaterlande den frömm-
sten seiner Fürsten (Boleslaw IL) Er zeigte sich nun um so unzwei-
felhafter als Gönner und Beförderer des Christenthums in seinem
Reiche, indem er nach dem Beispiele seines verklärten Bruders meh-
rere Kirchen baute ^) und für die Stiftung eines eigenen Bisthums
sich bemühte. ^) Doch in letzterer Beziehung nöthigte ein höherer
Rathschluss ihn, der bisher dem Könge David in der Sünde und in
der Busse nachgefolgt war, wie einst David — solch' geistigen Tem-
pelbau dem durch keine Blutschuld befleckten Sohne zu hinterlassen.
Boleslaw L starb am 15. Juli 967. Der Sieg des Christenthums w^ar
im Land entschieden. Entbehrt auch die zuerst von Hajek erzählte
Sage, dass S. Wenzel als himmlischer Ritter auf dem Felde bei
Tursko die Heiden in die Flucht geschlagen habe, einer älteren
historischen Begründung, so ist sie uns dennoch recht lieb und werth
— als verkörperte Ueberzeugung, dass eben Wenzels Martyrthum
der Lehre Jesu in ganz Böhmen den Sieg gewonnen habe.
3. Boleslaw IL, von der Nachwelt stets der Fromme ge-
nannt, trat ganz in die Fussstapfen des h. Wenzel, nur dadurch
^) Altslawische Legende bei Wattenbach.
2) Ebendaselbst.
3) Dobneri anna?. HI. 630.
"*) Cosmas. Solche Widmungen unmiindigei' Kindex* sind in jener Zeit und
auch noch später sehr häufig gewesen.
5) Hajek.
*5) Dobn. am. IV. 147 u. 158. Hajek ad ann. 966.
21
von diesem verschieden, „dass er, obwohl friedliebend und milde,
doch auch mit den Waffen vertraut war, in allen Schlachten sieg-
reich kämpfte und harten Stahl dem glänzenden Golde vorzog/'
Im Uebrigen aber war er „der christlichste Fürst, der Beschützer
aller Witwen und Waisen, der Helfer aller Nothleidenden, der frei-
gebige Gründer sehr vieler Kirchen im Lande." ^) Herrlich er-
blühte unter seiner Regierung der christliche Glaube in Böhmen.
Nur Eines fehlte noch: das Volk, „allerdings in der Lehre Jesu
unterrichtet und von den alten Götzenbildern abgewendet, ent-
behrte noch eines eigenen Oberhirten und verstand es
darum noch wenig, die neue Religion auch im Leben zu
üben."-) Auch das segensreiche Institut des klösterlichen Lebens,
ebenso ein Ideal christlichen Wandels als eine Schule der Volks-
erziehung, ging dem Lande ab. Beides sollte Böhmen dem frommen
Boleslaw verdanken, und hiemit ein interessanter Wendepunkt in
der Geschichte der böhmischen Kirche eintreten. Der n a ch
Aussen hin sieggekrönte Glaub-e sollte nun auch die
Reste des alten Heidenthums in den Herzen unserer
Väter überwinden.
§. 8. Das erste Gedeihen des Ghristenthums im Bereiche der jetzigen
Diöcese von Leitmeritz.
1. Hundert Jahre waren vergangen, seit Bofiwoj als Erstling
der böhm. Herzoge zum h. Christusglauben sich bekehrt hatte: hun-
dert Jahre des steten Kampfes der heiligen Ueberzeugung der Neube-
kehrten mit dem beleidigten Fanatismus der Heiden. Endlich war
allerwärts der Untergang des Götzendienstes und der Sieg des
Kreuzes entschieden. Nur im Verborgenen konnte der alte Aber-
glaube noch einige Zeit sich ein kümmerliches Dasein fristen und
im Leben des Volkes mochte noch vielfach die angewohnte Sitte
einzelnen Anforderungen des Ghristenthums sich entgegen stellen.
Hier den Sieg der Kirche zu vollenden, blieb die Aufgabe der
nächsten Zukunft.
2. In unserer jetzigen Diöcese Leitmeritz gedieh, abgesehen
von den ersten Anfängen unter Carl dem Grossen und Ludwig dem
') So Cosmas. Derselbe gibt die Zahl dieser Kirchen auf 20 an.
^) So Vita 8. Wolfgangi a^. MaUll. p. 986.
22
Deutschen, die christliche Lehre wohl am allerMihesten in der
Landschaft von Melnik, der damaligen Zlupe P§owane (von der
älteren Burg P§ow ^) so genannt). Dieselbe war gewiss nicht
■minder umfangreich, als das nachmalige bekannte Dekanat von
Melnik, und erstreckte sich somit von Elbekostelec an längs der
Elbe bis Gastorf und nordwärts bis in die Nähe von Böhmisch-
Leipa.^) Herr dieses Gaues war zu Bofiwojs Zeit der Vater Lud-
milas, der edle Slawibor. Als Bofiwoj alsbald nach seiner Bekeh-
rung sein liebes Vaterland Avieder verlassen musste, soll seine bereits
getaufte Gemahlin ihre Zuflucht bei ihrem Vater in Melnik (wahr-
scheinlicher wohl in P§ow^) gesucht und auch gefunden haben.
Ebendaselbst ward sie der Sage nach Mutter ihres dritten Sohnes
Boleslaw,"*) bei dessen Taufe — wenn nicht vielleicht früher
schon — Slawibor mit seiner Gattin Lidoslawa ^) und ihrem Sohne
Hausek, ^) dem Erbauer der Burg Hauska, den christlichen Glauben
annahmen. Es ist nicht zu zweifeln, dass sofort in der Burg des
Gaues eine christliche Kirche erbaut wurde. — üeberhaupt ist
soviel sicher, dass seit der Bekehrung Bofiwojs die ersten Gottes-
häuser in der Regel in den Burgen der ihm zugethanen Grossen
des Landes und vor allen in den Hauptorten der unterthänigen
2upen standen, wo gewiss nur christliche Beamte des christlichen
') Dieselbe dürfte in der nächsten Nähe der heutigen Stadt Melnik gestanden
sein, wo jetzt noch der Bach und die Ortschaft Sopky (eigentlich wohl
Psowkjr) an den alten Namen erinnern. Vgl. Jireöek ^^upy Öech in Pamät-
ky archeol. II. 267.
^) Die Dekanate fielen auch nachmals zumeist mit den ^upen zusammen. Im
J. 1384 zählte das Dekanat Melnik folgende Seelsorgsstationen: Melnik, Ne-
bu2;el, Zebus, Dauba,, Steti (Wegstädtl), Wysoka, Liboch, Krp, Liblic,
Wtelno, Chorusic, Radaun, Krusina (Habichtstein?), Destua (Teschen),
Kanina, Medonos, Chodeö, Öeöelic, Widim, Chlum, Zabor, ßepin, Wsetat,
Kozly und Hlawno.
^) Die Stiftungsurkuude des Prager Bisthums von 972 (enthalten in der Be-
stätigungsurkunde des Kaisers Heinrich IV.) nennt diese Landschaft noch
immer Psowane. Die Stadt Melnik in der Nähe der Burg Psow entstand
wohl erst um diese Zeit und nahm sofort die Zupenverwaltung in sich auf,
*)Dubravius I. 4. Pulkawa. Hajek.
^)Hajek ad 892. Der Name ist vor Hajek nicht erwähnt.
^) Hajek ad 878. Die Burg Hauska lag in der Nähe des Pösig. Auch der
Name des Hausek wird in älteren Schriften nicht erwähnt; doch bleibt es
möglich, dass Hajek aus verlässigen Lokalsagen schöpfte.
23
Fürsten ihren Wohnsitz hatten. Der bei einem solchen Gottes-
hause bestellte Leutpriester (plebaniis) oder Pfarrer (parochus ')
bekehrte auf häufig wiederholten Missionsgängen die nähere und
weitere Umgebung, welche auch desshalb noch ziemlich lange an
die Mutterkirche des Gaues sich halten musste. Späterhin wurden
wohl auch auswärts Kirchen gebaut ^), aber immer noch von der
jetzt zahlreicher gewordenen Priesterschaft der Mutterkirche exkurri-
rend versehen. Erst als dieses beim Anwachsen der christlichen
Bevölkerung als minder vortheilhaft sich herausstellte, ging man
an die Errichtung mehrerer Pfarreien im Gaue ^), die aber sämmtlieh
der Aufsicht des Seelsorgers im Zlupensitze als Dekans, später
aber irgend eines andern Pfarrers, der aber vom Zupensitze den
Dekanstitel führte, unterstellt waren. '*) — ■ In Melnik selbst gab
es in Folge des erwähnten Umstandes der Priester alsbald so
viele, dass nachher die Einführung der Regel Chrodegangs unter
ihnen möglich ward, und so das Kollegiatkapital daselbst entstand.
Eine der ersten selbstständigen Landkirchen des Gaues — wenn
nicht unbedingt die erste, war die zu Chocebus (Zebus), welche
schon im J. 993 dem neuerrichteten Benediktinerkloster Bfewnow
überantwortet wurde. Wahrscheinlich war sie eine jener 20 Kir-
chen, welche Boleslaw der Fromme erbaut hatte. ^)
3. Unter die ersten Anhänger des Christenthums in Böhmen
gehörte auch der Graf von Libic, der Grossvater des heiligen
') Der Parochus ist der Verwalter einer TtagoiTCia ~ parocJiia — d. i. der
Ansiedlung im Gebiete eines Gotteshanses. Der deutsche Name Pfarrei
und Pfarrer stammt ebendaher. In älterer Zeit ist der Name plebamis
häufiger.
'^j Diese Kirchen waren meist von Holz und so klein, dass das Volk dem
Gottesdienste nur ausserhalb stehend beiwohnen konnte. Chorknaben ver-
kündeten dem Volke die Verrichtungen des Priesters. Eines möglichen
Ueberfalls wegen ward es Sitte, dass einige Bewaifnete vor dem Eingange
Wache hielten, (Vgl. Schmidt: oberlausitzer Kirchengalerie, S. 210.)
^) Nach dem kanonischen Rechte wurden zur Bildung einer eigenen Seelsorge
wenigstens 10 christliche Familien erfordert.
'*)Vgl. Palacky I. 180. und die allgemeine Sitte des christlichen Alterthuras.
Der Dekanus war dem Wortbegriffe nach der Aufseher von 10 Priestern,
dies zunächst im Orden der Benedictiner und weiterhin auch im Säkular-
klerus.
5) Instrum. erect. Brewnow. Erben regesta, p. 33.
24
Adalbert. Die Burg Libic liegt immittelbar jenseits der äussersten
Südostgränze der jetzigen leitmeritzer Diöcese, — in der Nähe
von Podebrad. Das im neunten und zehnten Jahrhunderte dazu
gehörige Gebiet hatte zu Gränzen — im Westen „den Bach Su-
rina (Surma) und die Burg auf dem Berge Osek in der Nähe des
Flusses Msa"^) — gegen Süden „Chinow, Dudleby und Netolice
bis in die Mitte des Waldes," — gegen Osten Leitomischl und
gegen Norden die Burg Kladsko. ^) So unbestimmt auch diese
Gränzen theilweise bezeichnet sind, so gehörte doch jedenfalls auch
ein Theil der jetzigen Diöcese Leitmeritz zum Gebiete von Libic,
sicher das ganze nachmalige Dekanat Hawran^) (später Nimburg)
und die Gegenden von Libuii und Liban, die dem alten Dekanate
von Jicin angehörten.*) Jener Graf von Libic wird als Schwe-
stermann, und sein Sohn Slawnik als ein Neffe des deutschen Kö-
nigs Heinrich des Voglers ^) bezeichnet. Er soll zugleich bedeu-
tende Besitzungen im deutschen Reiche inne gehabt haben und
als deutscher Graf der Schwiegersohn des vormaligen Sach-
senherzogs geworden sein. ®) Es ist kaum zu bezweifeln, dass
er damals schon Christ war; im entgegengesetzten Falle würde
doch wenigstens seiner christlichen Gemahlin das Verdienst seiner
*) Ritter Kailina v. Jaethenstein hat in einer Versammlung der hist. Sektion
in der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (7. Jänner 1841) nach-
gewiesen: dieser Berg Osek sei der jetzige Berg Hradist beim heutigen Dorfe
Vosek in der Nähe von Radnitz im Pilsner Kreise.
^) Cosmas ad 981. Ohne Zweifel sind hier mehrere getrennte Gebiete in
den bezeichneten Gegenden anzunehmen.
^) In Hawran (jetzt nur ein Hof) befand sich gewiss auch die älteste Kirche.
*) Das Dekanat Hawran bildete muthmasslich mit dem von Bydzow die nach-
herige 2upe Libic, die bald von der neuen ^upeuburg auch den Namen Ha-
wran erhielt. Das Dekanat von Jiöin ist wohl identisch mit der alten 2upe
^eleznice, so genannt von der gleichnamigen Burg in der Nähe von Jiöin.
(Vgl. Jireöek 2upy Öech in den Pamätky archaeol. H. 269. u. 270.)
5) „Henrid imperatoris jproxinius nepos" bei Anonym, chron. BoJt. apud
Menken HI. p. 1642,- ebenso bei Chriatannus de Skala, und in der ältesten
Vita S. Ääalherti cit. Dobn. ann. IV. p. 202.
") Bonfinius dec. 11. lib. 1. Brotuffius, Baibin etc, cit. bei Bolelucky JR,osa
hoemica p. 32. Wäre es nicht denkbar, dass derselbe am Ende gar ein
Descendent des ehemaligen sorabisöhen Markgrafen Thakulf gewesen ist,
den wir als einen gebornen Böhmen erkannt haben, und der einst eben-
falls in Deutschland begütert war?
25
Bekelirung zugeschrieben werden müssen. Sicher arbeiteten beide
Gatten, sowie an der cMstliclien Erziehung ihrer Söhne, so auch
an der Christianisirung ihrer Unterthanen im Gebiete von Libic mit
so günstigem Erfolge, dass nachmals der erste Biograph ihres heiligen
Sohnes Adalbert von dieser Gegend rühmen konnte, es habe da
zur Zeit Slawniks das Christenthum am allerschönsten geblüht.')
4. Von Altbunzlau aus, wo bereits zur Zeit des heiligen
Wenzel eine christliche Kirche bestand , ~) musste die christ-
liche Lehre alsbald in die dazu gehörige, westlich von Melnik
und östlich von Libic begränzte Landschaft dringen, welche nach-
mals in die Dekanate und ^upen von B unzlau (Jungbunzlau) und
Kamenice (später B e 1 a oder Weisswasser) zerfiel. Dennoch erhielt
sich hier in den von der Mutterkirche entfernteren Gegenden noch
einige Zeit das alte Heidenthum. Waren doch bei M§eno (am Gal-
genberge), Sudomör, Kowan, Hradek (bei Skalsko) und Hrobka
(dem späteren Jungbunzlau) uralte heidnische Opferstätten ^), an
denen das Volk der Umgegend noch mit vieler Vorliebe hing.
Hier war es denn auch, wo alsbald jpfö feindselige Reaktion gegen
das ringsum aufblühende Christeri|^it' sich erhob, so ..dass der
sonst so milde Herzog Boleslaw^^llP^t^m 973) sich gep^higt sah,
ein Kriegsheer (angeblich unter Bratfimil von Hrugow^' zu Gun-
sten der bedrängten Gläubigen einschreiten zu lasseü; Die Heiden
sollen sich auf den Burgen Stranow und Zamost gesammelt haben,
alsbald aber in einer Feldschlacht gänzlich unterlegen sein. Auf
dem Schlachtfelde erbaute der Herzog ebensowohl zum Schutze des
Ghristenthums als zur Sicherung seiner Regierungsgewalt die Burg
Jungbunzlau (Mladä Boleslaw), an deren Fusse sofort eine Stadt,
ebenso wie der frühere Begräbnissplatz, Hrobka*) genannt, sich erhob,
— ein neuer Mittelpunkt des immer kräftiger sich entfaltenden kirch-
1) „Inülisfinibus,ubi Christianitatis {'^)pulchemma floruit." ActaSS. ad 23. Api\
C. 1. p. 178. cit. Dob. annal. IV. 111.
2) Das Altbunzlauer Gnaclenbild, das schon der h. Wenzel verehrte, war an-
geblich aus einem ehemaligen Götzenbilde der h. Ludmila geschnitzt worden.
(Weitenauer: Chron. S. Georg. MS. „secundum plures scriptores.")
3) Kaiina von Jaethehstein : Böhmens Opferplätze S. 131, 164, 195, 196.
^) Nowotny Kronika Ml. Boleslawskä, p. 44. Hajek a. a. 973, Die Stadt
erhielt den Namen Jungbunzlau erst 1334, als man selbe unmittelbar an
die Burg verlegt hatte. Nowotny Krön. Ml. Bolesl. p. 47.
26
liehen Lebens der Gegend. Zunächst ward damals in der befe-
stigten Burg eine hölzerne Kirche zu Ehren der Himmelfahrt der
allerseligsten Jungfrau angelegt als nachmalige Hauptkirche des ge-
sammten bunzlauer Archidiakonats. ') Wohl auch um dieselbe Zeit
wurde die Stadt Kamenice (um 1380 schon zerstört) am Pösig-
berge der Standort der Mutterkirche für die dortige Umgebung.*)
5. Der noch erübrigende nördliche Theil des jetzigen bunz-
lauer Kreises, wohl die späterhin bei der Erektion des prager
Bisthums erwähnte I^upe L e m u z i , ^) verdankt seine Bekehrung
zum Christenthum der seligenPfibislawa, einer Schwester des
heil. Wenzel, Herrin der Burg und des weiten Gebietes von Jablona
oder Gabel. '*) Diese „Schwester des seligen Martyrs war eine
ehrwürdige Matrone, die von der Wiege an gelernt hatte, ohne
Klage Christo dem Herrn zu dienen nach den Geboten des Evan-
geliums. Nachdem sie der Herr von den Pflichten des Ehestan-
des entbunden hatte, weihte sie sich ungetheilt dem Dienste Gottes
und in glühender Sehnsucht nach dem heiligen Schleier (des klö-
sterlichen Lebens) verharrte sie Tag und Nacht in Gebet, Fasten
und Wachen."^) Von solcher Gesinnung durchdrangen folgte sie
•) Ebendaselbst S. 161 cit. Kezel p. 4.
^) Die Seelsorgpfründen des Kamenitzer Dekanats werden wie die der übrigen
"vveiterbin angeführt werden.
^) Lemuzi soll eine Burg in dieser Gegend gewesen sein, angeblich auch
Skaly genannt. Dann könnte es wohl Gross- oder Kleinskal bei Turnau
gewesen sein.
^) In der ältesten Legende des h. Wenzel, die alsbald nach dessen Martyr-
tode geschrieben worden ist, (bei Wattenbach „die slawische Liturgie in
Böhmen" S. 234 etc.) heisst es : „Er hatte 4 Schwestern, und sie gaben sie
weg in verschiedene Fürstenthümer und statteten sie aus." — Den Namen
Piibislawa nennt uns zuerst Christannus. Ihr Wirken in Gabel berichtet
Hajek a. a. 945 — hier wohl auf Grund einer uralten Sage, die sich auch
in der dortigen Gegend erhalten hat. Baibin beruft sich auf einen Codex
pervetustus, dass sie „m pago Jäblon suh monte Krutina''^ begraben lag,
bis ihr Leichnam 1367 von Carl IV. nach Prag übertragen wurde. {Vgl.
Chron. Benesii in Dobneri monum. IV. 50.)
5) Christannus. Die von einer Pribislava erzählte Entwendung einiger Reli-
quien des h. Wenzel verweist Dobner {anndl. IV. 54 u. 55) auf eine spätere
Person desselben Namens, die der angebliche Christannus mit der Pribi-
slava verwechselt hat. Dobner begründete seine Ansicht durch einen Ver-
gleich des Christannischen Textes mit dem Ottonianischen (der Vita S. Wen-
ceslai, die auf Befehl des Kaisers Otto von Gumpoldus verfasst wurde.)
27
gewiss dem schönen Beispiele ihres verklärten Bruders und er-
baute ebenso wie dieser so manche christliche Kirche innerhalb
ihres Gebietes, — am sichersten wohl die älteste Kirche von
Gabel selbst, die nun für viele Jahrhunderte die Mutterkirche des
gleichnamigen Dekanates bleiben sollte. Um das Jahr 1000 soll bereis
in ihr der h. Bruno (Missionsbischof für Preussen) gepredigt haben. ')
Pfibislawa erbaute auch am Berge Krutina eine Kapelle, in der
sie selbst unablässig der Andacht oblag und bei welcher sie nach
Vollendung ihres heiligmässigen Lebens eine stille Grabesstätte
fand. Die dankbare Nachwelt ehrte dort die Abgeschiedene als
eine Selige, und so zahlreich strömten ihre andächtigen Verehrer
herzu, dass nachmals der Wladik (Zupan?) Chotislaus jene Kapelle
zu einer geräumigen Kirche erweitern musste-). Nächst Gabel
mögen die nachmaligen Dekanatsitze Turnau und Hradiste (Mün-
chengrätz) frühzeitig eine kirchliche Bedeutung erlangt haben.
§. 9. Fortsetzung.
1. Leitmeritz war der Sage nach^) im J. 771 von Lido-
mir, dem Sohne KoSals (des traditionellen Erbauers der Burg
Kostäl) und der Bela (der angeblichen Erbauerin Bilins), ge-
gründet worden — damals „nahe der Burg Hradec (auf dem
Domberge) und unterhalb des Dorfes Pokratic," also
auf dem Platze der jetzigen Vorstadt Zasada. Die Burg Hradec
war sofort die ^lupenburg*) der „Leitmeritzer Provinz," welche
letzere um 855 im Süden bis über Trebnitz hin sich erstreckte, ^)
nach den übrigen Seiten hin aber gewiss nicht minderen Um-
fang hatte, als das nachmalige Dekanat dieses Namens.^) Als
l^upane dieses Bezirkes erscheinen der Ueberlieferung nach die
Wr§owecen, ein böhmisches Herrengeschlecht, wohl von einem
') Palme: Eückblicke in die Vorzeit des böhmisclien Niederlandes. Manusc.
'-i) Sommer: Bunzl. Kreis, S. 270 u. 271.
3)Hajek ad 771.
^) Die Stiftungsurkunden des Leitmeritzer Kapitels nennen den gegenwärti-
gen Domberg ausdrücklich das „castrum lAtomericense.^^
5) Dies erfahren wir aus Cosmas, wo er die Gri*ündung von Wlatislawa er-
zählt: hienach erstreckten sich die Gränzen der jirovincia Litomerieensis
bis ad confinia pageUi SkälJca bei Wlatislawa.
«) Vgl. §. 23.
28
gleichnamigen Orte bei Prag so genannt, das aber — - angeblich schon
seit 887 — eine neue Familienburg dieses Namens, das heutige
Wr§owice, bei Laun besass.') Die Stadt Leitmeritz hat ihnen an-
geblich ihre zweite Gründung zu verdanken. Zu grösserer Sicher-
heit sollen sie nämlich einen geeigneteren Platz neben dem bishe-
rigen offenen Burgflecken mit Wallgräben und Mauern umzogen,
und am nordwestlichen Ende (auf der jetzigen sogenannten Hrade)
die Burg Hrad*) erbaut haben. Leitmeritz war unter der Regie-
rung Boleslaws IL jedenfalls schon christlich. Abgesehen davon,
dass dieser fromme Herrscher eine Menge christlicher Kirchen
sogar in unbedeutenderen Ortschaften gründete, und am allerwenig-
sten in der nächst Saaz wichtigsten Zupenburg des Landes das
Fortbestehen des Heidenthums geduldet haben würde : so ist auch
erwiesen, dass damals die WrSowecen — die ^upane von Leitme-
ritz und Saaz — vom h. Adalbert exkommunizirt wurden, was doch
nothwendig ihr christliches Bekenntniss voraussetzt. Es ist sogar
anzunehmen, dass Leitmeritz zu jenen Orten des Landes gehörte,
wo schon der h. Wenzel christliche Gotteshäuser baute, deren
Weihefeste er alljährig zu besuchen pflegte. ^) Diese Wahrschein-
lichkeit steigt fast zur Gewissheit, wenn — wie angenommen
werden darf — dieser Heilige im J. 925 eine Zeit lang zu Leit-
meritz seinen Wohnsitz hatte, und hier durch den Eindruck seiner
persönlichen Erscheinung den aufrührerischen Dfislaw besiegte.'^)
Wo aber die älteste Kirche des Ortes — und der ganzen ^upe —
gestanden sein mag, lässt sich mit voller Sicherheit nicht sagen.
Wahrscheinlich ist es, dass sie innerhalb der Burg (Hradec) er-
richtet ward, und vielleicht nur aus Holz, wie fast überall. Erst
Herzog Spytihnöw H. erbaute die steinerne Kirche („Basilica") zu
Ehren des h. Stephan im J. 1057 und stiftete dabei ein Kollegiat-
kapitel. Wie letzteres gewiss nur den früheren Klerus der Burg zum
1) Hajek ad a. 887.
2) Vgl. „Leitmeritz in der Gegenwart und Vorzeit" von Berthold. S. 5 ti. 6.
^) Vgl. S. 5, auch Hyzonis Vita S. Wenceslai.
*) Dalimil, der das Ereigniss erzählt, nennt als Schauplatz die herzogliche
Burg Zitomierz. Doch ist letzterer Name in mehreren Manuscxnpt- Codices
Dalimils „Litomierz" geschriehen. Schon Dobner {annal. III. 525) ver-
muthete, dass diese letztere Leseart die richtigere sei, da ein Zitomierz
als herizogliche Burg nirgends vorfindig ist.
29
kanonischen Leben vereinte: so mochte sich wohl auch das neue
Gotteshaus auf dem Grunde des alten erhoben haben. Die Haupt-
kirche der eigentlichen Stadt (zu Allerheiligen) entstand erst im J. 1127,
und die Erbauung derselben aus Stein fällt gar erst in das J. 1207,
wie später berichtet werden wird. Uebrigens mag sich auch in und
um Leitmeritz ein Rest des alten Heidenthums noch einige Zeit
erhalten haben, und zwar um so mehr, als muthmasslich im älte-
ren Burgflecken selbst — am heutigen S. Adalbertsbrunnen —
und sicherer noch auf dem benachbarten Berge Doblik bei Cir-
kowitz, der jetzt noch auf seinem künstlich geebneten Gipfel heid-
nische Ueberreste aufweist, altheidnische Heiligthümer (auf letzte-
rem Orte wohl ein Opferplatz des Dibjik oder öernoboh) bestan-
den. ') Einer noch lebenden Sage zu Folge ist nachher der heil.
Adalbert auf seiner .ersten Visitationsreise auch nach Leitmeritz
gekommen und hat da persönlich für die ungetheilte Aufnahme
des Christenthums sich bemüht. Der Brunnen, wo er nach den
Mühen des Tages Labung gesucht, habe hinfort seinen Namen er-
halten, und sei später mit dem Standbilde des Heiligen geziert
worden. Nebenbei aber ist bekannt, dass die Klugheit der Mis-
sionäre alte den früheren Götzen geheiligte Quellen in der Eegel
nach einem Heiligen benannte und dessen Abbildi^ng daselbst an-
zubringen suchte, ■ — eben so, wie sie auch an abgöttisch verehr-
ten Riesenbäumen Bilder des Heilands und der seligsten Jungfrau
befestigte und auf Bergen und Kreuzwegen das Abbild des heil.
Kreuzes aufrichtete, um so die gewohnte Verehrung des Ortes auf
den rechten Gegenstand hinzuleiten. ^) Wäre ein Aehnliches in Be-
treff des S. Adalbertsbrunnen anzunehmen, so fiele wohl die gänz-
liche Ausrottung der letzten heidnischen Gebräuche — ebenso wie
in vielen anderen Gegenden — in etwas spätere Zeit und wäre
dann ein Verdienst der Leitmeritzer Burg-Geistlichkeit, w^elcher
ohnehin die Vollendung der Bekehrung des Gaues zugeschrieben
werden muss.
2. Im Norden des Leitmeritzer Gaues erstreckte sich bis in
die Mitte des äussersten Gebirgswaldes die alte Provinz Daciane^)
^) Kaiina: Böhmens Opferplätze, S. 151.
'i)Vgl. Kaiina, S. 14 u. 15.
3) So 'Wird sie in der Erektionsurkunde des Prager Bistliums genannt.
30
oder Deöi'n (Tetschen), später die Zupe von Leipa genannt.
Die Mutterkirche des ganzen Gaues bis Kreibitz, Bürgstein und
Pawlowitz hin war die alte Kirche „Unserer lieben Frau" zu
Tetschen (Deöin). ') Nach einer alten Lokaltradition stand dieses
Gotteshaus, sowie auch der alte Burgflecken auf der sogenannten
„wüsten Stätte." Am 28. September 1059 sollen beide durch eine
beispiellose Ueberschwemmung gänzlich vernichtet worden sein,
worauf der damalige 2upan Jakob die neue Stadt mit einer Kirche
des h. Wenzel (diess zum bleibenden Andenken an den Ungiücks-
tag) an ihrer jetzigen Stelle erbaut habe. *) Ist dem so, dann ist
die christliche Lehre sehr früh in diese Gegend gedrungen: es ist
sogar anzunehmen, dass auch sogar Deöin als einer der wichtigsten
Zupensitze des Landes schon vom heil. Wenzel ein Gotteshaus er-
hielt. Dem eben erwähnten 2upan Jakob schreibt die dankbare
Ueberlieferung auch die Wiedererbauung der Stadt Lipa (Leipa)
zu, nachdem die alte am entgegengesetzten Ufer der Pulsnitz gele-
gene Stadt gleichzeitig mit Tetschen durch die Ueberschwemmung
im J. 1059 zu Grunde gegangen war. ^) Gewiss ist damals auch
die Kirche zu Leipa erbaut worden, die in späterer Zeit dem ganzen
Dekanate den Namen gab. Dagegen sollen die äussersten Wohn-
sitze des Gaues, Kreibitz (Kfipska) und Windischkamnitz (Kame-
nice slowanskä im Gegensatze zu Kamenice ceskä) in Mitten der
damaligen Gränzwälder erst in den Zeiten des deutschen Kaisers
Heinrich IL entstanden sein, — und zwar durch wendische Flücht-
linge, die dort in verborgenen Thälern für sich und ihren heidni-
schen Kult eine Zuflucht suchten und fanden vor dem ihre Heimat
(Lausitz) unterjochenden Heere der Deutschen. ^) Hier fällt daher
die völlige Christianisirung in etwas spätere Zeit und ward ein
Verdienst der nächstbenachbarten Geistlichkeit von Böhmisch-Kam-
nitz, sowie der frommen Grundherren der Gegend, — der muth-
') Ueber den Umfang der Zupe und des Dekanats Tetsclien-Leipa vgl. §. 23 b.
2) lUustr. Chronik I. 44.
3) Kirchenbüchei' von Leipa cit. lUustr. Chron. I. 49, Irriger Weise wird
derselbe Zupan (da doch nur einer in der Zupa existirte) in Tetschen
Jakob von Howora und in Leipa Jakob von Berka genannt — an letzterem
Orte als Pfandinhaber des Leiper Ki'ongebiets. Erblichq, Namen bestanden
in dieser Zeit noch nicht.
4) Vgl. Palme: Chronik von Warnsdorf S. 10.
31
masslichen Nachkommen der alten erblichen ^iipane von Tetschen,
der nachmaligen Herren von Michelsberg-(WartenbergJ)
§. 10. Fortsetzung.
1. In derSaazer Provinz war, wie bereits erzählt wurde,
der christliche Glaube schon von 805 an nicht ganz unbekannt ge-
blieben. Nach dem Falle Wlastislaws (869) gehörte dieses Land
wieder unmittelbar den Herzogen von Prag, die es fortan als die
vorzüglichste ^upe des Landes an die ausgezeichnetsten Edlen und
wiederholt an jüngere Prinzen des fürstlichen Hauses zur Verwaltung
vergaben. Es ist nicht zu bezweifeln, dass nun die Stadt Saaz als bevor-
zugter Zupensitz, bald nach der Bekehrung Bor iwojs, sicher aber zur
Zeit des h. Wenzel, eine christliche Kirche und christliche Priester
erhielt. Doch ist auch zuzugeben, dass hier nicht minder wie an-
derwärts die alten heidnischen Opferplätze noch eine Zeit lang
vielen Zuspruch fanden. Als solche sind durch Ausgrabungen sicher
gestellt: Zizelic, Leska, Hassenstein, Schönburg (vielleicht Sumbor),
Burberg und der jetzige Kirchenhügel in Niklasdorf.^) Auch in der
Nähe vom heutigen Kaaden soll ein heidnischer Tempel, muthmass-
lich der Zukunftsgöttin Cadania geweiht, gestanden sein, ein be-
liebter Wallfahrtsort der Heiden, dem wohl die nahe Burg Ur-
sprung und Namen zu verdanken hatte. ^) Möglich, dass es da
zu einigen Eeibungen zwischen Heiden und Christen kam, die
später ein ernstes Einschreiten der weltlichen Macht nöthig
machten.'*) Aber an eine allgemeine Eingenommenheit der
Saazer gegen das Christenthum ist wohl kaum zu glauben, zu-
. mal keiner der wohlunterrichteten Chronisten vor Hajek irgend
etwas davon zu erzählen wusste, — insbesondere nicht von einer
Versammlung der heidnischen Häuptlinge des Saazer Gebietes zu
Laun (936), um da die gemeinschaftlichen Schritte nach der Er-
•) Kreibitz soll im Jahr 1144 die erste Kirche erhalten haben. (Palme, Rück-
blicke in die Vorzeit des böhmischen Niederlands. Manuscript.)
3) Kaiina: Böhmens Opferplätze S. 134, 155, 156, 161.
3) Ebendaselbst S. 160. Als Stadt erscheint Cadan — wie erwähnt — erst
um 1180.
^) Hajek ad 975 erzählt einen Kampf Boleslaws IL gegen die angeblich heid-
uischon Saazer.
32
mordung des h. Wenzel zu berathen, und auch nicht von einer
Gesandtschaft an Boleslaw, um Mittel zur Unterdrückung der Wun-
dergerüchte üher den h. Märtyrer anzugeben, und ebenso wenig
von einer Volksversammlung zu Tursko, wo die himmlische Er-
scheinung des Heiligen alle Heiden auseinander gejagt habe. Jene
nachtheilige Meinung stammt gewiss nur von der zufälligen Ver-
wechslung des Volkes der Luzanen (oder Stodoraner), aus welchem
Drahomira stammte, mit der ähnlich genannten Einwohnerschaft
von Saaz. ^ ) Erst als man Ludic (das alte Zlutice) zum Geburts-
und nachmaligen Zufluchtsorte der heidnischen Fürstin machte,
musste man sich auch die dahin gehörige Landschaft noch durch-
aus heidnisch denken. Auch die oft wiederholte Erzählung von
einem Zuge Boleslaws H. (975) gegen die widerstrebenden Saazer,
in welchem er die einen zur Annahme des Christenthums ver-
mocht, die anderen aber ausser Landes verwiesen habe, hat keinen
andern Ursprung. Sicher ist es vielmehr, dass im J. 936 nach dem
Tode des h. Wenzel ein Zupan (subregulus) dieser Gegend von dem
die deutsche Oberhoheit verschmähenden Herzoge Boleslaw abfiel und
enger an Deutschland sich anschloss. ^) Es ist das wohl derselbe
Dobromir, Zupan von Saaz, den nach Hajeks Bericht der sieg-
reiche Boleslaw im J. 939 nach Baiern vertrieb.^) Diese Thatsache
bestätigt weit eher eine Vorliebe der Saazer für das anfänglich
von Boleslaw angefeindete Christenthum, als das Gegentheil. '*)
2. Die Landschaft von Bilin (Bölinsko, die nachmaligen De-
kanate von Bilin und Aussig und den westlichen Theil des Deka-
nats von Trebnitz umfassend^) bestand, wenn nicht schon zur
') Das Saazer Gebiet heisst noch bei der Erektion des Prager Bisthums Lu-
. öane (Lncsane) und bei Cosmas auch kurzweg Luka. Hajek, dem wir jene
zweifelhaften Berichte verdanken, baute bei seiner Darstellung lediglich
auf die Auktorität des wenig älteren Kacek Dobrohorsky. Vgl. Dobneri
annal HT. 620. Die Wundersage vom Felde bei Tursko wird auch von
den Böllandisten verworfen. (Ad 28. Sept. §. 10. n. 183.)
2) Witichindus ad 936.'
3) Hajek ad 939. — Durch fortgesetzten glücklichen Kampf gelangte damals
wohl die Provinz Sedlic.e (Zelza, der jetzige Elbogner Kreis) wieder an
Böhmen zurück.
■*) Heber den Umfang des Saazer Gebiets vergl. §. 23.
5) Vgl. §. 28.
33
Zeit des envälmteu Wlastislaw (f 869) ') oder bei der Erektion
des prager Bistliums '% so doch iinzweifelliaft zu Ende des zehnten
Jahrhunderts als eine selbstständige Provinz Böhmens, ^) und von
1041 an kennen wir bereits einzelne 2iupane derselben mit Na-
men.'^) Es unterliegt keinem Zweifel, dass die christliche Lehre
schon frühzeitig in diese Provinz gedrungen sei. Auch abgesehen
von dem schon besprochenen Einüusse der Nachbarschaft seit 805,
und von der Sage, dass ein Graf von Bilin 846 unter den 14
edlen Täuflingen zu Eegensburg sich befunden habe, konnte unter
den späteren christlichen Herzogen Böhmens eine damals schon
blühende Stadt nicht länger heidnisch sein, zumal nicht Bilin,
wo sich bekannter Weise sogar eine fürstliche Hofburg
ausser der Zupenburg befand.^) Bilin müsste wenigstens
zu jenen Städten unseres Vaterlandes gezählt werden, wo der
h. Wenzel Gotteshäuser anlegte. Doch 'ist ein solches hier je-
denfalls nur von Holz erbaut worden. Eine steinerne Kirche zu
Ehren des heil. Petrus erbaute erst der Zupan Mztis, Sohn des
Boris, im J. 1061. Es ist dies derselbe Mztis, welcher vordem
den damaligen Prinzen Wratislaw durch Gefangenhaltung der Ge-
mahlin desselben schwer beleidigt hatte. Jetzt, -als Wratislaw auf
dem herzoglichen Throne sass, gedachte Mztis seine Gnade wieder
zu gewinnen, indem er ihn zum Feste der Einweihung der neuer-
bauteh Peterskirche einlud. Die Feierlichkeit wurde durch den
Bischof Severus vollzogen — in Gegenwart des Landesfürsten.
Mztis aber empfing statt der gehofften Aussöhnung die Absetzung
') Nach Cosmas baute er in confimo provinciaritm Beiina und Lutomerici
seine neue Stadt Wlastislawa. Dies konnte Cosmas wolil auch vom Stand-
punkte seiner Zeit aus sagen.
2) Bei selber wurde Bilin als Gränzprovinz nicht namentlich angeführt.
^) Die Bestätigungsurkunde des Klosters Brewnow vom J. 993 nennt aus-
drücklich diese Landschaft.
^) So 1041 Prkos comes in urbe Belin, 1043 Eppo praefectus Belinensis (bei
Cosmas). Eppo schenkte im J. 1043 das Dorf Kostelani in Mähren dem
Kloster „Gella S. Joannis in Moravia", dessgleichen in demselben Jahre
das Dorf Cebranice, ebenfalls in Mähren, dem Kloster Brewuow, ^Yar also
ein religionseifriger Herr. (Urkunden in Erbens regesta p. 43 u. 44.)
S) Cosmas ad 1061. Hiernach stand die Burg des Zupans neben der Kirche
und war verschieden von der Hofburg, welche wahrscheinlich an der Stelle
des jetzigen Schlosses stand.
34
Yom Amte und konnte sich einem traurigeren Locse mir durch
eilige Flucht entziehen. Er ward durch Kojata, den Sohn Wsebors
ersetzt. — Seit der Bekehrung des IZupensitzes kam das Chri-
stenthum auch in der Umgegend immer mehr in Aufnahme und
immer mehr verödeten die Stätten des alten Götzendienstes. Gerade
diese Gegend war an solchen sehr reich gewesen. So zeigt das
uralte Krupa (Graupen) noch heutzutage Spuren eines heidnischen
Opfer- und Begräbnissplatzes, — ebenso wie der Schlossberg (Dou-
brawska hora) bei Teplitz.^) In diese Gegend soll aber schon
um 970 der h. Wolfgang, Bischof von Regensburg, als Oberhirt
gekommen sein. Die fromme Ueberlieferung zeigte ehedem ober-
halb Graupen die in Felsen eingeprägten Fussstapfen des Heili-
gen.^) Der nächste Umkreis von Bilin verlor wohl eben so früh
den abergläubischen Götterkult. Noch heute zeigt dort der nahe
Radelstein unverkennbare Spuren eines uralten Baues von Men-
schenhand und innerhalb desselben weisen Nachgrabungen einen
alten heidnischen Opfer- und Begräbnissplatz nach. Mehrere Orte
der Umgegend, Radowesic, Radcic, Radzin, dürften ihre Namen von
einem Worte herleiten, das auch der Hauptbestandtheil des Na-
mens Radelstein war, nämlich Rad oder Radegast, dem vielleicht
der Radelstein geheiligt war. Ebenso dürften die ' benachbarten
Ortsnamen Tfebin, Mukow, ^lelenec, Hrobcic (von treba Opfer,
mula Marter, M Trauer, liröb Grab) auf heidnische Todtenplätze
deuten.*) Auch zu Böhmisch-Zlatnik zeugten zufällige Nachgra-
bungen in der Nähe der Pfarrei die Spuren einer alt-heidnischen
Begräbnissstätte. ^) Mit dem Aufblühen des Christenthums in
Bilin verwaisten alle diese Stätten des alten Götzendienstes mehr
und mehr und einige derselben erhielten sofort durch die umsich-
tigen Glaubensprediger christliche Weihe. Diess scheint — abge-
sehen von den nachmaligen Pfarorrten Radcic, Radowesic und
Mukow — insbesondere auf dem Kotinaberge bei Zalany {mlany
Traurigkeit) der Fall gewesen zu sein, einem unverkennbaren
Opferplatze der heidnischen Slawen, der nun mit dem Namen wahr-
lyCosmas ad 1061.
2) Kallina: Böhmens Opferplälze S. 151 u. 152.
3) Crugerius ad 81. Oktober.
4) Kallina: Bölimens Opferplätze S. 148.
^} Lokalbericht des Herrn Pfarrers Uhl.
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scheinlich aucli eine Kapelle der li. Katharina erhielt') Ein ähn-
licher Fall zeigt sich bei Osek (Ossegg), wo ein Hügel imfern der
Riesenbiirg zuversichtlich als heidnischer Opferplatz gedient hat : die
Kir^'.he zu Ossegg, welche urkundlich schon lange vor der Ankunft
der Cisterzienser bestand, dürfte die Bestimmung gehabt haben, der
gewohnten Andacht das rechte Ziel zu zeigen.-) Nächst der Zu-
penstadt Bilin erhob sich in Kurzem die Stadt Üsti, das heutige
Aussig an der Elbe zu besonderer Bedeutung. Angeblich schon
7Y3 von einem gewissen Koten erbaut, und 82Y von RuSiswad
aus dem Dorfe Buöinky (bei Leipa), dem traditionellen Erbauer
von Swadow (Schwaden) und seinem Bruder Lahobor, dem Gründer
von Wietrus (Gross-Priesen) zur Stadt, erweitert, =*) — erhielt sie
einer alten Tradition nach die erste christliche Kirche im weiten
Umkreise, die Mutterkirche des gesammten nachmaligen Dekanats
von Aussig, welches im Laufe der Zeiten sich bis nach Königstein
im heutigen Sachsen erstreckte. So kam -auch in dieser das alte
Pleidenthum zum Falle.'*)
§.11. Fortsetzung.
1. Im äussersten Norden Böhmens liegt heute das sogenannte
b ö h m i s ch e N i e d e r 1 a n d, welches die Bezirke von Hains-
pach, Schlukenau , Rumburg, Reichenberg, Friedland und den nörd-
lichen Theil des Bezirkes Warnsdorf (die ehemaligen Herrschaften
Hainspach, Schlukenau, Rumburg, Reichenberg, Friedland, Grafen-
stein) umfasst. Ein Gebirgszug, der vom Jeschkenberge bei Rei-
chenberg bis an die Elbe bei Schandau sich hinzieht, — das lau-
sitzer Gebirge — trennt das in zwei isolirten Zungen nach Sachsen
hinein sich erstreckende Ländchen von der eigentlichen Grund-
masse Böhmens. Dieses Gebiet ist einst viel grösser gewesen,
ja es hat sogar den Schwerpunkt seines ehemaligen Terrains im
jetzigen Gebiete von Sachsen, Es gehörte dazu die Burgwartei
^) Kaliina S. 145. Mauerüberreste lassen einen solchen Bau erkennen. Hajelc
versetzte hielicr irriger Weise sogar ein Nonnenkloster, welches 2izka
zerstört haben soll.
') Ebendaselbst S. 150.
3) Hajek ad 773 ii. 827.
**) Ueber den Umfang des Dekanats vgl. §. 23.
36
H h e n s t e i n bis an clje Elbe und Wesenitz im Westen und
bis in die Umgegend der alten Burg Syöin (Seitschen) im Norden,
ausserdem das grosse nachmalige Dekanat von Zittau und alles
Land östlich von Friedland bis an die schlesiche (damals pol-
nische) Gränze. Mann nannte dieses Gebiet noch im 13. Jahr-
hunderte von seiner Lage jenseits des lausitzer Gebirges das Land
Zagost, d. i. Hinterwaiden. Dieses Gebiet hatte wohl nebst der
übrigen jetzigen Oberlausitz vor Zeiten unter die Bothmässigkeit
Böhmens gehört, da noch im J. 861 das Ländchen Sorawe (das
Gebiet der niederlausitzer Stadt Sorau), welches Graf Thakulf dem
Kloster Fulda verehrte, als „an der Gränze Böhmens" gelegen,
bezeichnet wurde.-) Bei Errichtung der Mark Meissen wurde Za-
gost dahin einverleibt.^)
2. In dieser Zeit, da innerhalb der böhm. Gränzgebirge der
christliche Glaube zu sprossen begann, wohnten im Ländchen Zagost
und im Gebiete von Budisin die slawischen Stämme der Milcener
undZelpoler. Noch heute erinnern der Berg Cernobog (der schwarze
Gott) bei Löbau und die Ortschaft Jüterbog (Jitrobog der Morgen-
oder Lichtgott) an ihre alten heidnischen Heiligthümer.*) Möglich,
dass schon durch den christlichen Herrn des Gebiets von Sorau,
den erwähnten Grafen Thakulf, und mehr noch durch die freilich
') Dieser Umfang von Zagost ergibt sich aus den Gränzvergleichen zwischen
Zagost und Budisin in den Jahren 1228 u. 1241. (Urkunde bei Erben
S. 482 etc.) In diesen erscheint unter andern das heutige Einsiedeln bei
Sebnitz als „locus übi maiisit heremita" , der Sebnitzbach als Lozina,
der Hochwald mit dem Buchberge bei Wolmsdorf als Bukowä hora, über-
haupt eine Menge gegenwärtig theils verschwundener, theils noch üblicher,
theils jetzt verdeutschter slawischer Namen, jedoch inmitten derselben auch
bereits zahlreiche deutsche Benennungen, als eben so viele Andeutungen
über die. damalige Bevölkerung von Zagost. Siehe den Anhang.
3) Urkunde bei Erben regesta 12 u, 13.
3) Heinrich der Vogler eroberte es um das Jahr 930.
'*) In diesem Gebiete fand man ehemalige heidnische Opferherde bei Weigs-
dorf und auf dem Spitzberge bei üderwitz. Heidnische Begräbnissplätze
entdeckte man in Zittau, bei der Neissbrilcke unweit Hirsehfelde, bei
Grottau, bei Grossschönau auf dem Eigen, bei Tollenstein. (Palme: Rück-
blicke in die. Vorzeit des böhm. Niederlandes, MS.; vgl. Peschek: Gesch.
V. Zittau I. 3, 368: Knothe: Gesch. von Hirschfelde S. 2; Schmidt: Ober-
laus. Kirchengalerie S. 89, 209, 232. Kallina: Opferplätze.
37
nur yörübergeliende Besitzergreifung des sorauer Gebietes von
Seiten des Klosters Fulda der Ruf des Christenthums auch
in diese Gegend drang; wahrscheinlicli sogar, dass die Christia-
nisirung des Umkreises von Gabel auch die angränzenden Gegen-
den von Zagost berührte: dass aber die h. Ludmila selbst das
Christenthum in dieser Landschaft befördert und die erste christ-
liche Kapelle daselbst aii der Neisse (angeblich bei einem Dorfe
Tachow) erbaut, und dass sogar der h. Methüd diese Kapelle per-
sönlich eingeweiht habe,^) entbehrt alles positiven Grundes, und
widerspricht sogar den bereits sicher gestellten historischen That-
sachen.^) Die völlige Christianisirung dieser Gegenden fällt in
eine etwas spätere Zeit und ward ein Werk der Bis^chöfe von
M ei ssen. Urkundlich erstreckte sich die im Jahre 973 errich-
tete bischöfliche Diöcese von Prag auf dieser Seite „bis in die
Mitte des Gebirgswaldes,"^) unter welchem eben nur das
bereits erwähnte lausitzer Gebirge verstanden werden kann. An-
dererseits lief die schon um 936 festgestellte Gränze.des meissner
Bisthums vom Ursprünge der Elbe geradeaus zwischen den Land-
schaften Msen'*) und Böhmen hin, dann über die Elbe hinweg
längs des Erzgebirges bis an die Quelle der freiberger Mulde. ^)
Wohl gelangte das Gebiet von Zittau (mit Warnsdorf, Rumburg
und Schönlinde) späterhin wieder unter die Jurisdiktion des prager
Bischofs:") dagegen blieb das übrige Zagost nebst Bu-
') Karpzow : Elirentempel c. 2, S. 25.
a)Vgl. S. 12.
3)Cosmas ad 1086. .
^) Nisen ist der Eibgau von Pirna bis in die Nähe von Meissen, nordöstlich
von der jetzigen Oberlausitz (damals Gau Budisin) und südwestlich vom
alten Gau Glomaci begränzt. Vgl. solche bei Calles: Series episcoponim
Misnens. p. 50, 78, 79 etc. Noch 1346 heisst diese Gegend Arcliidiaconatus
Nisieensis. Vgl. Matricula jurisdiciionis episcopatus Misnensis ad "134:6 in
orig. im domstiftlichen Archive zu Budisin und bei Calles,
5j Calles: Series episcop. -Misn. p. 17.
^) Wahrscheinlich geschah diess in der Zeit der Einverleibung des Zittauer
Kreises zum Lande Böhmen, nachdem der Gau Budisin mit Görlitz an
Brandenburg verloren gegangen war (c. 1260), Zittau soll im J. 1010
von Chitava, der Gattin des Markgrafen Manfred, und zwar zunächst als
Kloster angelegt worden sein. Den dort entstandenen Burgflecken, der
als Hauptort des Dekanats wahrscheinlich älter war als die übrigen Ort-
schaften der Gegend, erhob erst Premysl Ottocar 11. 1255 zur Stadt. —
38
tlisin durch das ganze Mittelalter hindurch und bis
in die neuere Zeit herab derDiöcese von Meissen
einverleibt. Auf dem jetzt böhmischen Antheile entstanden
von dort aus allmälig die zum Dekanate Seidenberg zugewie-
seneu Pfarreien des friedländer Gebiets : Friedland, Wiese, Kuners-
dorf, Bertsdorf, Bullendorf, Ullrichsdorf, Bernsdorf, Heinrichsdorf,
Lusdorf, Raspenan und Ringenhain. Zum Dekanate von Lob au
zählte die Station Georgswalde, zum Dekanate von H o h e n s t e i n
(später Sebnitz) wurden die Pfarrorte Schlukenau, Nixdorf, Schö-
nau, Lobendau, Hainspach und Zeidler gerechnet, letztere beiden
aber unter der unmittelbaren Jurisdiktion (und Collatur) des jewei-
ligen Dechants der Kollegiatkirche zu Budisin. In ähnlicher Weise
gehörten die am meissnischen Abhänge des Erzgebirges gelegenen
nunmehr böhmischen Pfarrdörfer Moldau und Flöhau zum freiberger
Jurisdiktionsbezirke des Propstes von Meissen. ') Diess sind also
die Seelsorgsgemeinden der jetzigen Diöcese Leitmeritz, welche
die ersten Anfänge ihres kirchlichen Lebens in Meissen zu suchen
haben.
3. Im J. 930 erbaute der deutsche König Heinrich der Vogler
nach vollbrachter Unterwerfung der slawischen Dalemincier in Mitten
ihres Landes, wo die beiden Gaue Nisen und Glomaci sich be-
rührten, die feste Burg Meissen und erhob selbe zum Sitze eines
mächtigen Markgrafen. Von hier aus eroberte der tapfere Fürst
auch das Gebiet der Milcener und Zelpoler (Zagost und Budisin),
das seitdem für lange Zeit dem böhmischen Mutterlande entfrem-
fiet blieb. Sein noch grösserer Sohn Otto trug die siegreichen
Waffen noch Aveiter in die Länder der nördlicheren Slawen. Er
that aber noch mehr als dieses: er hinterliess den Besiegten die
christliche Lehre und gründete zur Pflege derselben mehrere Bis-
thümer. Für die meissnische Mark erhob sich 948 ~) die b i-
Görlitz wurde vom böhmisclieii Herzog Sobeslaw I. 1125 als Flecken Dre-
benau angelegt und nach dessen Brande 1131 als Horelec (Görlitz) zur
Stadt erhoben. (Grossem: Laus. Merkw. I. 44. 32.)
^)Matnc. jurisd. Misn. SiA l^iQ nt BUT^ra,. Ein unbedeutend abweichender
Abdruck bei Calles, p. 365 etc.
^) Stiftungsbrief hei Calles s&ries episc. Misn. p. 11 ; doch wird seine Aecht-
heit angefochten. Auch bei Schöttgen: Historie der chursächsischen Stifts-
stadt Würzen, u. a. 0.
39
scliöfliche Kathedrale zu Meissen als sicherer Mittel-
punkt und nachhaltige Pflanzstätte begeisterterGllau-
bensp redig er. Sofort ward hier die Religion, die man an den
Gränzen der Dalemincier dereinst schon aus dem Munde des heil.
Bonifacius vernommen, und späterhin auch von den karolingischen
Gränzburgen Magdeburg und Halle aus kennen gelernt hatte, zur
heiligen Ueberzeugung des gesammten Yolkes, und diess um so
mehr, als die Bischöfe selbst unermüdlich waren im apostolischen
Werke der Heidenbekehrung.
4. Nisih, Zagost und Budisin waren schon das Ziel der Mis-
siousreisen des ersten meissner Bischofs Burchard. Einst ein
frommer Klosterbruder in Regensburg, dann der treue Kapellan
des grossen Kaisers Otto, trug er beiläufig seit 949 den bischöfli-
chen Hirtenstab. Ausdrücklich rühmen seine Biographen ihm nach,
dass er den Slawen jenseits des rechten Eibufers die
Lehre des gekreuzigten Heilands verkündigt habe.')
Damals (c. 958) entstand auf einem schon 807 angebauten Hügel
am Ufer der Spree die feste Burg zu Budisin ~) als nachmaliger
Mittelpunkt des christlichen Bekenntnisses, für das weite Gebiet
vom Fusse des lausitzer Gebirgs bis an die äussersten Gränzen
der Niederlausitz. Ohne Zweifel erhob sich alsogleich in der
neuen Burg unter dem Schutze der christlichen Burggrafen das
erste christliche Gotteshaus, wenn auch, immerhin unansehnlich
und aus blossem Holz erbaut. Bischof Burchard starb in Mitten
seiner apostolischen Thätigkeit am 1. Juli 972.^)
§. 12. Die geistliche Jurisdiction in Böhmen.
1. Es wurde bereits (§. 2) erzählt, dass die erste Aufnahme
unseres Vaterlandes in den Verband der h. Kirche durch die Taufe
der 14 böhmischen Edeln zu Regensburg im J. 846 erfolgt war,
ebenso auch, dass damals der Bischof Botherich von Regensburg
den Auftrag erhielt, das Volk der Cechen in der christli-
chen Religion zu unterweisen. Die gewissenhafte Ausfüh-
1) Albinus p. 278. Calles 36—39.
2) Sintenis: Die Oberlausitz, S. 61 u. 62.
^) Albinus u. Calles 1. c.
40
rung dieser Mission inaclite damals schon Böhmen zu einer Pro-
vinz der bischöflichen Diöcese von Regensburg. Es war diess auch
in den Zeiten des h. Methud in der Weise anerkannt, dass im J.
880, als vom Papste Johann VIII. der Auftrag ergangen war, nebst
Neutra noch einen zweiten Bischofssitz im grossen Metropolitan-
sprengel zu gründen,^) es dem grossen Slawenapostel nicht
einmal in den Sinn kam, dem weiten Lande Böhmen sei-
nerseits einen eigenen Oberhirten geben zu wollen,
was doch unfehlbar hätte geschehen müssen, falls unser Vaterland
zu Methuds Erzdiöcese gerechnet werden durfte.
2. Die altslawische Legende vom h. Wenzel-) erzählt uns
eine interessante Thätsache aus der Regierungszeit Wratislaws,
des Sohnes Boiiwojs. Dieser Fürst „berief einen B i s ch o f
mit der ganzen Geistlichkeit, und nachdem sie die Li-
turgie abgesungen hatten in der Kirche der h. Maria,
nahm der Bischof das Kind (den h. Wenzel), stellte es
auf die Stufen vor den Altar und segnete es mit den Worten:
Herr Jesus Christus, ■ segne dieses Kind mit dem Segen, mit wel-
chem Du alle Gerechten gesegnet hast. Darauf schoren andere
Fürsten seine Haare." — Es ist diess das erste sicherge-
stellte Auftreten eines Bischofs in Böhmen. Methud
war damals längst schon in die Ewigkeit gegangen. Sollte es also etwa
jener Johannes Bischof von Podiwin (in Mähren) gewesen sein, der
nach Stfedowsky ^) um 913 in Böhmen sich viele Verdienste um die
Religion envorben haben soll? Leider wusste vor dem genannten
Schriftsteller durch so viele Jahrhunderte Niemand etwas von einem
Bischöfe zu Podiwin und noch weniger von einem Besuche desselben
in Böhmen. Dagegen ist es ausgemacht, dass im J. 899 der Papst
Johann IX. einen Erzbischof Namens Johann nebst den zwei Bi-
schöfen Benedict und Daniel nach Mähren sandte, aber nur, um
sich als apostolische Legaten durch eigene Anschauung über den
kirchlichen Zustand des Landes zu unterrichten, und nach gewon-
nener Ueberzeugung das Nothwendige und Erspriessliche vorzu-
*) Vgl. den Brief Johann YIII. an Swatopkik d. cl. mense Junio 880 in Gin-
zels Codex zur Geschiclitfe der Slawenapostel S. 60 etc.
^) Bei Wattenbach; die sla'svisclae Liturgie in Böhmen, S. 234.
3) L. V. c. 1. pag. 464.
41
kehren. Mit der Eintheilung „Mährens" in einen erzbischöfli-
chen und 3 bischöfliche Sprengel und der Einsetzung der erfor-
derlichen Oberhirten war ihre Sendung vollendet.') Böhmen war
dabei um so weniger einbezogen, als es sich damals geradezu den
Baiern anschloss, um den Protest der salzburger Kirchenprovinz
gegen jene Anordnung der päpstlichen Legaten auch noch durch
einen feindlichen Einfall in Mähren zu unterstützen. Wenige Jahre
darauf aber wurde Mähren eine Beute der Magyaren und in den
Untergang des Reiches war auch der Ruin der mährisehen Kirche
verflochten.^) Wir werden also nicht irren, wenn wir in dem von
Wratislaw wahrscheinlich um 920 berufenen Bischöfe den Ober-
hirten von Regensburg sehen. Ein lateinischer Bischof war es un-
zweifelhaft, da die altslawische Legende bald nach der citirten
Stelle vom heil. Wenzel rühmt, derselbe habe begonnen, „latei-
nische Bücher zu verstehen, wie ein guter Bischof
oder Priester." ^) Für den Bischof von Regensburg spricht aber
das schon oben Erwähnte und endlich ganz unbestreitbar der wei-
tere Verlauf der Geschichte.
3. Der jugendliche Wenzel war mittlerweile zur Herrschaft
gelangt. Wiederholt wendete er sich nun in kirchlichen Angele-
genheiten an den Bischof von Regensburg als Oberhir-
ten Böhmens. Als er mit dem Gedanken umging, seiner verklär-
ten Grossmutter Ludmila eine würdige Ruhestätte zu bereiten,
that er es nicht, ohne zuvor „eine Gesandtschaft nach Re-
gensburg zu senden, um den Bischof jener Stadt,
dessen Diöcesanen damals die Böhmen waren, dar-
über zu befragen," und selben zur feierlichen Uebertragung
der heiligen Ueberreste einzuladen.^) Ebenso ersuchte er denselben
Bischof, Namens Tuto, die noch ungeweihte Kirche S. Georg zu
konsekriren, und es geschah seiner Bitte dadurch Genüge, dass
der erkränkte Oberhirt einen bischöflichen Stellvertreter an seiner
Statt zur heiligen Weihehandluug entsendete.^) Als der gottbegei-
') Nachweis bei Ginzel : Geschichte der Slawenapostel, S. 98 u. 99. Vergl.
Dobner annal III. 443.
2) Ginzel, S. 101, cit. Gfrörer a. a. 0. U. 385. ^
3) Wattenbach: slaw. Liturgie S. 235.
*) Christanniis de Skala: Vita S. Ludmilae et S. Wenceslai.
^) Historia translationis S. Luämüae ex MS. Clementino cit. Dob. ann. HI,
42
Sterte Fürst daran ging, eine neue Kirclie des h. Veit in seiner
herzoglichen Burg zu errichten, that er es wieder nicht, ohne
zuvor die ausdrückliche Erlaubniss des regensburger Bi-
schofs einzuholen, wobei noch bemerkenswerth ist, dass er sich
ausdrücklich auch auf das Beispiel seines verstorbenen
Vaters berief.')
4. Selbst unter der Herrschaft Boleslaws I. ward die Juris-
diktion des regensburger Bischofs in vollem Maase anerkannt.
Als es sich um die Weihe des vollendeten S. Veitsdomes handelte,
sandte auch dieser den Ausländern nichts weniger als freundliche
Fürst eine Gesandtschaft nach Regensburg „an den dortigen
Bischof, indessen Diöcese damals nach denBestimmun-
gen der kirchlichen Canonen Böhmen gelegen war."-)
Der damalige Bischof Michael — anfangs noch dem Brudermörder
zürnend — Hess sich endlich erbitten: er reiste persönlich nach
Prag, wo er von dem ihm entgegen eilenden Klerus und Volke
mit Ehren und Frohlocken empfangen ward, und sofort die feier-
liche Konsekration am 24, September 945 (?) vollzog.^)
5. Es wurde bereits (§. 10) der alten Sage gedacht, dass
auch der h. Wolfgang, Bischof von Regensburg, auf seinen apo-
stolischen Reisen in unser Vaterland gekommen sei. Wichtiger
als dieses ist die erwiesene Thatsache, dass Böhmen unter An-
derem auch der uneigennützigen Gesinnung dieses Mannens ein ei-
genes Bisthum verdankt. Es wird erzählt,^) dass Kaiser Otto IL
Abgeordnete an den frommen Bischof sandte, „damit dieser ihm
gestatte gegen Uebergabe einiger Güter in Böhmen
ein eigenes Bisthum zu errichten." Hoch erfreut ob
dieser Botschaft berief Wolfgang seine geistlichen Räthe. Als aber
584. Der Stellvertreter war ein Chorepiscopus des regensburger Biscliofs.
Im J, 932 erscheinen urkundlicli Dilpertus und Svaterlolius als Re-
gensburger Chorepiscopi. Einer dieser beiden dürfte der Consecrator der
Georgskirclie gewesen sein. Ooäex episcopatus Ratishonensis Thomae Ried.
I. 96, et Index p. 368.
^) Hyzonis Vita S. Wenceslai, ebenso der ottonianisclie Biograph.
') Worte des dem Ereignisse sehr nahe stehenden ottonianischen Biographen
des heil. Wenzel, der freilich Boleslaws Namen nicht ausdrücklich nennt.
Die G-eschichte der Gesandtschaft des Boleslaw bei Cosmas p. 40.
3) Cosmas p. 40.
^) Anonymus idemqtie sodalis S. Wolfgangi BiograpJiiis bei Dobn. ann. IV, 214.
43
diese ihm abrietlien, des Kaisers Wunsch zu erfüllen, sprach er:
„Wir sehen im Boden jenes Landes eine kostbare Perle verborgen,
die wir nicht gewinnen können, wenn wir nicht unsere Schätze
dahingehen. Desshalb höret, was ich sage. Freudig opfere ich
mich selbst und all das Meine auf, damit dort ein Haus des Herrn
durch die in Glauben gekräftigte kirchliche Gemeinde erbauet werde."
§. 13. Fortsetzung.
Es bleibt nach, all' dem Gesagten kein Zweifel übrig, dass
Böhmen ohne Unterbrechung bis zum Augenblicke der Errichtung
eines eigenen Bisthums zum bischöflichen Sprengel von Regens-
burg gehörte. Sonach hat unser Vaterland als seine ersten Ober-
hirten die nachfolgenden Bischöfe von Regensburg zu verehren.
ä) Bothorich (Baturicus). Derselbe wird schon 819 als
Bischof von Regensburg erwähnt.') Im J. 846 taufte er die 14
böhmischen Edlen und übernahm sofort den weiteren Unterricht
der Böhmen im christlichen Glauben.
&) Erchanfried. Dieser, vordem Kaplan des Bischofs Bo-
thorich, wird von 848 bis 853 in öffentlichen Urkunden als Bischof
von Regensburg genannt.^)
G) Embricho (Ambrichus, vielleicht gleichbedeutend mit
Emmerich) wird zuerst in einer Urkunde v. 864 namentlich ange-
führt.^) Im J. 872 nahm er an dem Kriegszuge Ludwigs des Deut-
schen gegen die Mährer thätigen Antheil und entkam damals nur
mit Noth der allgemeinen Niederlage.^) Er wird noch im J. 889
genannt.^) Als sein Todesjahr wird das Jahr 891 angegeben.
d) Aspertus war im J. 889 noch Diakon und. Erzkanzler
des deutschen Königs Arnulph.^) Er bestieg nach dem Ableben
Embricho's den bischöflichen Stuhl von Regensburg.
, e) Tuto, vordem Klosterbruder bei S. Emmeram zu Regens-
burg, gelangte im J. 894 auf den bischöflichen Stuhl. Er wird
') Urkunde in Ried: Codex Batisbonensis I, 17,
3) Ebendaselbst I, 41—44. Vgl. p. 26.
3) Ebendaselbst I, 49 etc.
4) Ännales Fuld. ad 872.
^) Godex Eatisbon. 1,69.
c) Ebend. I, 70 und 71.
44
als ein Mann von grosser Sanftmuth und Frömmigkeit so wie
auch von ausgezeichnetem Geiste gerühmt.') Wahrscheinlich war
es dieser Bischof, der um 912 die bereits erzählte Ceremonie der
Haarabschneidung mit dem herzoglichen Prinzen Wenzel vornahm.
Sicher ist, dass er nachmals unter der Regierung dieses heiligen
Fürsten ganz unbeschränkt die Jurisdiktion in Böhmen ausübte.
In öffentlichen Urkunden geschieht seiner zuletzt im J. 925 Er-
wähnung.*) Doch starb er erst im J. 930, nachdem er längere
Zeit als völlig . erblindeter Greis der Aushilfe der Chorbischöfe Dil-
pertus und Swaterlohus in seinem bischöflichen Amte bedurft hatte. ^)
/*) Isangrin, der unmittelbare Nachfolger Tutos,. partici-
pirte an der Provinzialsynode, welche im J. 932 unter dem Vor-
sitze des Metropoliten von Salzburg zu Dingelfingen abgehalten
wurde. Als Gegenstand der Verhandlungen wird- der „kirchliche
Stand" angeführt.*) Gewiss wurde dabei auch Böhmens mitge-
dacht. Die bekannten öffentlichen Urkunden erwähnen Isangrins
Namen zum letzten Male im J. 940.^) Sein Tod soll aber erst im
J. 943 erfolgt sein.^) '
g) Günther, Mönch bei S. Emmeram, wurde im J. 944 zum
Nachfolger Isangrins erwählt, starb aber schon nach 6 Monaten,')
und es folgte ihm noch in demselben Jahre im bischöflichen Amte
li) Michael,^) dem — wie bereits berichtet wurde — unser
Vaterland die Konsekration der S. Veitskirche verdankt. Er wohnte
— wahrscheinlich auch von Vertretern des böhmischen Klerus be-
gleitet — im J. 948 der grossen Synode zu Ingelheim bei, bei
welcher ausdrücklich ausser 34 Bischöfen eine Menge „vom Klerus
der Diöcesen, von Aebten, Kanonikern und Mönchen" als anwesend
angeführt wurden. Es wurden da sehr heilsame Gesetze zur För-
derung des kirchlichen Lebens und zum Schutze des geistlichen
') Dobü. annal. III, 301, cit, Bucellin. Germ. sacr. I, 44, und Canis. antiqu.
lect IL .
^) Codex JRatisbon. I, 95.
3) Dobn. annal. HI. 585 u. 602. cit. Arnulphus L. 1 u. oben num. 3.
*) Codex Batisbon. I, 95.
5) Ebendaselbst I, 96.
^) Dobn. annal. IV, 49.
^ Ebendaselbst.
^) CJiron. ireve Bojar, anonymi Emmeramensis monachi (782 — 1062 bibl.
üniv. Prag XI, A.)
45
Standes erlassen. Insbesondere sollten fortan Laien nicht über
Kirchen verfügen ohne Bewilligung des Bischofs, nicht die Geistli-
chen belästigen, und nicht die Opfer auf dem Altäre in Anspruch
nehmen. ■ Auch wurde bei dieser Gelegenheit die Zahl der
Feiertage zu Ostern und Pfingsten, und die kirchliche Faste in der
Bittwoche festgesetzt. Processe, den kirchlichen Dezem betref-
fend, sollten nicht vor dem weltlichen Gerichte, sondern vor der
Synode geführt werden. Ehen in verbotenen Graden der Verwandt-
schaft wurden strengstens verpönt.^) Bischof Michael wohnte auch
im J. 952 der Synode zu Augsburg bei, vielleicht wieder in Be-
gleitung böhmischer Geistlicher. Es wurde hier promulgirt, dass
Geistlichen das Wohnen mit Frauenspersonen, Jagd und Würfel-
spiel streng verboten und dass ein Beweibter, der eine
heilige Weihe besitze, seines Amtes zu entsetzen sei.
Dezimationsstreitigkeiten sollten vor das Forum des
Bischofs^gehören,'-^) Wir führen diese Bestimmungen aus dem
Grunde an, weil sie auch für unser Vaterland Böhmen massgebend
sein mussten. Im J. 958 fand neuerdings eine Synode von 41 Bi-
schöfen zu Ingelheim statt, an der gewiss auch Bischof Michael
sich betheiligte. Sicher befand er sich im J. 962 mit Kaiser
Otto I. auf der Synode zu Kom.^) Er starb im J. 972,'*) und es
folgte ihm
i) der h. Wolf gang in der bischöflichen Würde nach. Dieser
„hellste Stern des Jahrhunderts" ^) stammte aus einer an-
sehnlichen Familie in Schwaben. Als Jüngling hatte er seine erste
wissenschaftliche Bildung im Kloster Reichenau und später in
Würzburg erhalten. Als sein Verwandter Heinrich den erzbischöf-
lichen Stuhl zu Trier bestieg, ward auch Wolfgang beredet, in
diese Stadt zu ziehen: doch erwählte er sich unter den angebote-
nen Schätzen und Ehren — lediglich das Amt eines Lehrers der
Kleinen, die er sofort ebensowohl in der .Heiligkeit als in der
') Annalista Saxo ad h. a. Dobn. mmol. IV, 67 cit. Frodoard und die Con-
ciliarakten bei Lambecius und Conc. Germ. IL 610.
-) Dobn. ann. IV, 90. cit. Hermann : Contractus et vita S, Udalrici apud Ma»
billon; Goncil. Germaniae IL p. 622.
3) Dobn. ann. IV. 117 u. 130.
■*) Necrol. Fuldense cit. bei Dobn. ann. IV, 203,
5j Fleury: Jdst. eccl XIII, 522,
46
Wissenschaft lieranziibildeii bemüht war. Nach Heinrichs Tode zog
ihn der heil. Bruno, Erzbischof von Köhi, in seine Nähe. Alle
"Würden verschmähend, erbat er sich hier die Freiheit, fortan im Klo-
ster zu Einsiedeln als armer Mönch leben zu dürfen. Doch erhob ihn
seine hohe Bildung in Kurzem zum Lehrer der dortigen Kloster-
schule, welche durch ihn einen ausgebreiteten Ruf gewann. Da
wollte er um 970 seinem Ruhme dadurch entfliehen, dass er als
Glaubensprediger zu den Magyaren zog. Ein wenig befriedigender
Erfolg führte ihn von da nach Passau zurück, von wo er wieder
zurückeilen wollte in seine klösterliche Einsamkeit. Da ereilte
ihn zu Passau die einstimmige Wahl des Kaisers sowie des
Klerus und Volkes : — widerstrebend musste er den bischöflichen
Stuhl zu Regensbnrg besteigen. Wie er hier selbst bis zu
seinem Tode Kleid und Sitte des armen Klosterbruders be-
wahrte und unermüdlich war in Werken der Frömmigkeit und
Selbstverleugnung: so suchte er auch nach Aussen in jeder Weise
frommen Sinn und christliche Sitte zu fördern. Nach allen Rich-
tungen seine weite Diöcese durchwandernd, ward er überall der
Wiederhersteller klösterlicher Zucht und der eifrigste Lehrmeister
für Klerus und Volk. Eigenen Vortheils gedachte er nie. So
entsagte er freudig der guten Sache zu Liebe dem Einkommen
des Klosters S. Emmeram, welches seine Vorfahren bisher genos-
sen hatten; und um auf Otto L Fürsprache der jugendlichen
Kirche Böhmens ein nachhaltiges Gedeihen zu sichern, willigte er
eben so bereit in die Errichtung des prager Bisthums ein. Mitten
in seinem h. Wirken rief der Todesengel den edelsten und frömm-
sten Bischof zur himmlischen Vergeltung — am 31. Oktober 994.
Er starb zu Puppingen in Oesterreich. Den durch zahlreiche
Wunder Verherrlichten setzte Papst Leo IX. 1052. unter die Zahl
der Heiligen Gottes.')
§. 14. Ritus in Böhmen.
1. Die Frage nach dem ursprünglichen Ritus in Böhmen ge-
winnt _ eine besondere Wichtigkeit durch den Umstand, dass spä-
terhin die akatholische Partei in Böhmen ihren Widerwillen
') Mabill. saec. V. Beneil. 241 etc. Vit. saec, V. Benecl. 812 etc. Martyr.
Rom. 31. Okt.
47
gegen die heil. Kirche (heilweise auf die Behauptung stützte, erst
Mlada, die Schwester Boleslaws IL, habe den römi-
schen Ritus in unser Vaterland gebracht, der sofort von
den auf einem Landtage versammelten Geistlichen und Edeln an-
genommen worden sei; das Volk aber habe den alten sla-
wischen Ritus durch alle Jahrhunderte im Stillen
bewahrt, bis endlich die Imsitische Bewegung denselben wieder
zur Geltung brachte.') Wenn aber, wde bisher nachgewiesen wurde,
die Idrchliche Jurisdiktion der Bischöfe von Regensburg vom ersten
Anfange an unbestritten und ununterbrochen bis zur Errichtung
eines eigenen Bisthums in Böhmen bestanden hat: so ist eigent-
lich in Vorhinein kaum ein Zweifel mehr übrig, dass in unserem
Vaterlande auch der lateinische Ritus der römischen Kirche ur-
sprünglich und ausschliesslich zu Hause war. Einen andern konnten
ja die von Regensburg aus jurisdiktionirten Priester nicht ins
Land bringen, und einen anderen würden die Bischöfe von Regens-
burg nimmer geduldet haben, da diese gewiss auf ihre Rechte
nicht w^eniger eifersüchtig waren, als ihr Metropolit zu Salzburg
und ihr Konprovinziale von Passau in Bezug auf Mähren und
Pannonien. Am allerwenigsten aber darf es dem heil. Methudius
zugemuthet werden, dass er ^— der unbestritten heilige Mann —
ohne eine ähnliche Authorisation, wie er sie bezüglich des mäh-
risch-pannonischen Sprengeis vom Papste selbst überkommen hatte,
irgend welche Rechte auf entschieden fremdem Gebiete in Anspruch
genommen, und somit ein schweres Unrecht gegen einen benach-
barten Bischof sich erlaubt habe. Zum Ueberflusse ist das
ruhige Schweigen des regensburger Oberhirten ein
beredtes Zeugniss gegen einen derartigen Verdacht.
2. Aus der altslawischen Wenzelslegende,-) die sogar in die
Zeiten Boleslaws L hinaufreichen soll, erfahren wir ganz genau,
was für Priester unser Vaterland nach der Taufe Boriwojs .besass.
Dort wird von dem heiligen Jünglinge Wenzel berichtet, „dass
er lateinische Bücher zu verstehen begann, sowie ein
guter Bischof oder Priester." Auch wird gesagt, dass seine
Grossmutter Ludmila „ihn in slawischer Schrift unterrichten
') So Paulus Stransky c. 6, num. 4, oline Angabe irgend einer altern Quelle.
-) Wattenbach: slawische Liturgie in Böhmen, S. 234 etc.
48
Hess, wie einen Priester." Demzufolge miisste damals ein
Priester in Böhmen unbedingt die lateinische Sprache verstehen,
die ihm doch völlig überflüssig gewesen wäre, wenn der Ritus
nicht eben, der lateinische war. Obendrein kann es nichts weniger
als gleichgültig erscheinen, dass die öffentliche Schule, wo der
heilige Prinz die lateinische Sprache, „wie ein guter Bischof oder
Priester" erlernte, zu Budec, also mitten im Herzen des Landes
sich befand, und dass sein dortiger Lehrer ünego wahrscheinlich
ein Slawe war.') Allerdings musste ein Priester in Böhmen zu-
gleich auch in der slawischen Sprache gewandt sein und insbeson-
dere in der slawischen Schrift; jenes um das Wort Gottes frucht-
bringend zu verkünden, und dieses, um die gewiss schon üblichen
Perikopen der heiligen Bücher (muthmasslich sogar die vom heil.
Cyrillus) vorlesen und andere in ihrer Lesung unterrichten zu
können.^)
3. Als angeblichen Beweis für das Bestehen des slawischen
Ritus in Böhmen hat man das alte Kirchenlied „Gospodi po-
mi.luj ny" angeführt, das in seinen Wortformen kirchenslawisch
sein soU.^) Dieses Lied hat sich in seiner Gänze sogar bis auf
die Gegenwart erhalten, während ehedem der Endrefrain desselben,
das dreimalige Krlei (statt Kyrie eleison) ebenso als allgemeiner
Freudenruf bei feierlichen Anlässen, sowie als Kampfgeschrei in
offener Feldschlacht üblich war. Zum eigentlichen kirchlichen
Ritus hat aber dieses Lied in den ältesten Zeiten eben so wenig
gehört, wie heute irgend ein anderes Lied, das vom Volke wäh-
rend des h. Messopfers abgesungen wird. Es könnte also höchstens
') Beide Umstände führt die vita et jpassio JB. Weneeslai M. (angeblich) von
Bischof Hyzo ausdrücklich an.
2) Seltsamer Weise hat Wattenbach (slawische Liturgie in B. S. 224) nur
die Stelle vom slawischen Unterrichte des heil. Wenzel berücksichtigt
und versteigt sich in Folge dessen zu der Behauptung: das Bestehen des
slawischen Ritus in Böhmen wäre sicher gestellt, wenn die Echtheit dieser
Stelle zugegeben würde. Ihm scheint also in dieser Stelle das gewichtigste
Argument für die fragliche Sache zu liegen. Am Ende nur desshalb fühlt
er sich (S. 232) gedrängt, zum Schlüsse die Sache als noch unbewiesen hin-
zustellen, weil er an jener" Echtheit zweifelt. Wir aber lesen in der an-
gezogenen altslawischen Legende nur einige Zeilen weiter und kommen
so gerade zu einem entgegengesetzten Resultate.
3) Wattenbach 1. c. S. 225. Palacky I, 155.
49
für ein ehemaliges Verstänclniss der slawischen Kirchensprache in
Böhmen Zeugniss geben. Aber konnte dazu nicht schon die ursprüng-
lich viel nähere Verwandtschaft derselben mit der alt-böhraischen
Sprache und die wohl zu allen Slawen gedrungene Kenntniss der
nichtrituellen Schriften des h. Cyrillus, der einzigen slawischen
christlichen Literatur jener Zeit, genügen? Zudem wissen wir ja,
dass jenes Lied erst durch den heiligen Adalbert in unser
Vaterland gekommen ist. Dieser h. Bischof, dem gewiss Niemand
einen andern, als den lateinischen Ritus zumuthen wird, galt sogar
ziemlich allgemein als Verfasser des lieblichen Liedes ; ^) wahr-
scheinlicher aber hat er es bei Gelegenheit seiner ersten Heimkehr
von Rom aus den südslawischen Ländern mitgebracht,^) wo da-
mals das Kirchenslawische Volks- und Ritussprache zugleich war.
Es kann also für die fragliche Sache nicht im Geringsten als Be-
weis dienen. Ebenso wenig Gewicht hat das angebliche Haupt-
zeugniss für das ursprüngliche Bestehen des slawischen Ritus in
Böhmen: der Umstand nämlich, dass späterhin (um 1012) der h.
Prokop in der cyrillischen Schrift vollkommen unterrichtet
war. Wir leugnen eben — wie schon erwähnt — nicht im Ge-
ringsten ein ursprüngliches Verständniss der' (nichtrituellen) Werke
des Mährenapostels in Böhmen, es musste dies vielmehr für die
Priesterschaft sehr nützlich und fast unerlässig sein. Aber „cyril-
lische Schrift" ist für uns nicht gleichbedeutend mit „Allem,
was zum Gottesdienste nach diesem Ritus gehörte."^)
Gerade die Thatsache, dass nachher im Kloster Prokops nicht der
cyrillische (oder besser methudische), sondern der griechisch-sla-
wische Ritus eingeführt wurde, spricht gegen eine solche Annahme.
Es gewinnt dadurch die zuerst .von Dobrowsky aufgestellte Mei-
nung hohe Wahrscheinlichkeit: Prokop habe nämlich die neue Li-
') So die uralte Tradition, welche dieses Lied das des h. Adalbert nannte. So
auch Dobner in seinen Annal. IV, 253 und Voigt in seiner Abhandlung
vom Kirchengesange in Böhmen (Abhandlungen einer Privatgesellschaft in
Böhmen I, 210) u. a. m.
*) Vgl. Forsst: Leben des h. Adalbert. Manuskript der Üniversitäts-Bibliothek
in Prag XI, A, wo erzählt wird, S. Adalbert habe die Erlaubniss aus
Rom mitg^ebracht, dieses Lied auch in Böhmen zu singen.
3) An diese ' Gleichheit glaubt Wattenbach: slaw. Ritus in Böhmen, S. 227.
4
50 ^
turgie zugleich mit den fremden liroatischen Mönchen in das Klo-
ster Sazawa aufgenommen.
4. Endlich kann ja gar nicht zugegeben werden, dass die Li-
turgie des b. Methud ein eigenthümlicher neuer "Ritus war: viel-
mehr war es entschieden die römische Messe, die seine Priester
feierten, und das römische Brevier, das man in seiner Diöcese
betete, und das r ö m i s ch e Ceremoniale, das bei der Ausspenduug
der hh. Sakramente üblich war, — nur dieses Alles in slawischer
Sprache. Den heiligen Metropoliten, der in Rom zum Bischöfe
geweiht, und von Rom .aus für den pannonisch-mährischen Spren-
gel jurisdiktionirt — allezeit im treuen Anschlüsse an die römische
Kirche verharrte, hatte zu jener slawischen Neuerung, die noch
überdiess im J. 880 die vollste Approbation des päpstlichen Stuhles
erlangte, einerseits die mangelnde lateinische Bildung seiner Geist-
lichkeit und andererseits die Hoffnung eines besseren Erfolges im heil.
Werke der Slawenbekehrung gedrängt.^) Seine liturgische Ordnung
hat sich als römischer Ritus in altslowenischer Sprache
bis auf die Gegenwart in den glagolitischen Kirchengemeinden der
römisch-katholischen Diöcesen von Veglia, Zara, Spalato und Se-
benico erhalten.^) Im alten Mähren aber bestand sie unleugbar
nur mit und neben der älteren lateinischen Liturgie ; denn that-
sächlich war Methud^ Suffragan zu Neutra, Bischof Wiching, als Deut-
scher in seinen liturgischen Verrichtungen ein treuer Anhänger der
lateinischen Sprache. Ueberdiess war bekanntlich der mährische
Fürst Swatopluk von allem Anfange her kein Freund der slawischen
Neuerung, und begünstigte entschieden den lateinischen Klerus."*)
Somit kann nicht einmal mit Sicherheit behauptet werden, dass
die im Gefolge Bofiwojs nach Böhmen kommenden slawischen
Priester der slawischen Liturgie huldigten. Diess eben um so we-
niger, als dieselben vom Hofe Swatopluks kamen. Endlich wurden
1) Vgl. Wattenbacli slaw, Liturgie S. 227. Ginzels Geschichte der Slawen-
apostel, S. 139 etc.
*) Das Nähere ist in Ginzels Geschichte der Slawenapostel 56—83 historisch
nachgewiesen.
3) Ein authentisches Verzeichuiss der glagolitischen Gemeinden von 1857
bringt Ginzels Geschichte der Slawenapostel im Anhange III.
*} Vgl. ebendaselbst S. 83 etc.
51
nach Methiids Tode im J. 886 alle geistlichen Schüler des grossen
Slawen apostels, an 200 an der Zahl, durch Militärmacht aus den
mährischen Landen bis über die Donau geschafft, von wo sie sich
sämmtlich nach der Bulgare! wandten.^) Fortan war ein Aufkom-
men der methudischen Liturgie in Böhmen schon gar nicht mehr
möglich.^)
II. Zeitraum.
Die jugendliche Kirche Böhmens im siegreichen Kampfe mit den
Ueberresten des alten Heidenthmns.
§.15. Die Errichtung des Bisthums in Prag.
1. Das Volk der Böhmen „war allerwärts im christlichen
Glauben unterrichtet und hatte — wenn auch hin und wieder mit
einiger Lauigkeit — die alten Götzenbilder beseitigt; aber eines
eigenen Oberhirten entbehrend, hatten sie noch nicht gelernt, die
neue Lehre auch im Leben zu üben." ^) Noch bewahrte man an
vielen Orten wenigstens insgeheim eine grosse Anhänglichkeit an
die falschen Nationalgottheiten, begrub die #Todten gern in den
früheren heiligen Opferhainen und beging für dieselben die alten
heidnischen Trauergebräuche.'*) Die Ehe wurde noch vielfach nach
heidnischer Sitte als eine auflösbare Verbindung angesehen und
leichtfertig wieder getrennt. Man achtete dabei auch sehr wenig
*) Ebendaselbst S. 94. cit. vita Glementis c, 11 — 14.
^} Ign. Job. Hanus bat in seiner Ausgabe des „bulgar. Möncbs Cbrabru" (Ar-
chiv für Kunde österr. GescMchtsquellen, 23. Bd. 1. Abth.) bewiesen, dass
Cyrill der Erfinder des heutigen glagolitischen Alphabets war ; sonach war
also der jetzige glagolitische Ritus gewiss auch der Ritus der beiden Sla-
wenapostel. (Vgl. ebend. S. 6, 13, 15, 22, 24—30, 35, 39, 44—46.) Das wich-
tigste Zeugniss, das Hanus anführt, ist das des Cbrabru selbst aus dem
9. und 10. Jahrhundert, der von Cyrill die Erfindung einer Schrift erzählt,
die geradezu nur die heutige glagolitische sein kann. (S. 45.)
3) Vita S. Wölfgangi bei Mabillon p. 986.
*) Cosmas a. a. 1039. Vgl. diessfalls auch die weiter unten behandelten Sy-
nodalstatuten der ersten Bischöfe Böhmens.
4*
62
das kirchliche Hinderniss naher Blutverwandtschaft, ') und selbst
Vielmäniierei und Vielweiberei traten nicht eben selten zu Tage.®)
Nicht einmal die Geistlichkeit achtete ohne Ausnahme die Tugend
der Keuschheit^) und gegen alle Verbote der frühem christlichen
Jahrhunderte'*) gab es Verheiratete und sogar Wiederholtverheira-
tete in ihrer Mitte. ^) Den christlichen Lehren zum Trotze hielt
man noch an der grausamen Blutrache fest und verschonte nicht
einmal die Gotteshäuser mit blutigen Gräueln.'') Die Sklaverei be-
stand noch immer im Lande ') und zahlreiche Christenkinder waren
eine verkäufliche Waare in den Händen der Juden. ^) Auch die
Trunksucht herrschte vielfach unter dem Volke und ward nicht
selten die Veranlassung zu den traurigsten Verletzungen des christ-
lichen Gesetzes.^) Alle diese Gebrechen mussten hoch geheilt und
an ihrer Statt ein Leben im Sinne der heiligen Lehre Jesu zur
allgemeinen Geltung gebracht werden.
2. Zu diesem Ende schien vor Allem die Errichtung eines
eigenen Bisthums im Lande unerlässlich ; denn ein Oberhirt ausser-
halb des Landes und in weiter Entfernung konnte unmöglich alle
nöthige Aufsicht üben und die volle Kraft seines Amtes handha-
ben. Um aber die Errichtung eines eigenen Bisthums zu ermög-
') Erben reg. p. 33. Wattenbach, Beiträge p. 51. Vgl. die nachfolgenden
Statuta synoäalia.
*) Cosmas, Vita 8. Ääalberti: Buxerat Mc ternas uxores, iste quaternas^ foe-
mina nee solo contenta marifo.
3) Statuta Synodälia in Höflers GonciUa Pragensia, Einleitung p, VIII & IX.
*) Ejpiscopi, presbyferi, diaconi aut virgines eligimtur aut vidui, aut Gerte post
saeerdotium in aeternum pudicL S. Hieron. ad Pammach. Djess war die
alte kircblicbe Praxis in der Aufnahme zum geistlichen Stande. Im J. 400
wurde gegen den Bischof Antoninus von Ephesus (also sogar im Oriente)
unter die Anklagepunkte auch dieser aufgenommen, dass er nach seiner
Priesterweihe noch immer mit seiner Frau eheligen Umgang gepflogen
habe. (Buse, Panlinus p. 199.) Die Conciliarbeschlüsse von Elvira 305,
Neu-Cäsarea 314, Ancyra 314, Toledo, Pavia 1012 gegen die Priestei'ehen
sind bekannt,
^) Cosmas, Vita S. Adalb. : „Sacris altaris ministris connuhia muUa."
^i Vgl. das traurige Ereigniss mit dem Geschlechte der Wrsowecen im J. 995.
') Vgl. das Leben des h. Wenzel,"
^) Cosmas: Vita S. Adalbevti.
^) Ebend. Vgl. auch die spätem Statuta Synodälia und die Verordnungen
des Bischofs Severus.
53
liehen, miissten sich die rastlosen Bemühungen des frommen Her-
zogs Boleslaw 11. mit der edlen Opferwilligkeit der Bischöfe von
Eegensburg vereinigend) Gleich nach dem Tode Boleslaws I.
(t 15. Juli 967) brachte Mlada (Maria), die fromme Schwester des
neuen Herrschers, die Bitten ihres frommen Bruders nach Rom.^)
Es gab da überaus Vieles zu regeln und zu ordnen. Das neue
Bisthum sollte eben alle Länder Boleslaws IL umschliessen, also
ausser dem bisher zu Regensburg zugetheilten Böhmen auch noch
die nördlichen Gebiete des alten mährisch-pannonischen Sprengeis.
Ferner war den bischöflichen Mutterkirchen vielfältig Ersatz zu
leisten für die Kirchen, die sie in den bezeichneten Ländern auf
eigene Kosten erbaut, für die Pfarreien, die sie fundirt, und für
Zehent- und andere Rechte, die sie nebst liegenden Gütern da-
selbst erworben hatten. Endlich sollte die neue Diöcese nicht zur
Metropolie von Salzburg, wie bisher Regensburg, sondern zum erz-
bischöflichen Sprengel von Mainz gehören als Ersatz für den
Verlust, den letzterer soeben durch Errichtung des Erzbisthums'
Magdeburg erlitten hatte. ^) Die opferwillige Gesinnung aller Be-
theiligten brachte die Verhandlung schon im J. 972 zum Abschlüsse.
Bevor Papst Johann XHL aus diesem Leben schied (f 6. Sept. 972)
konnte er dem edeln Herzoge Böhmens in einem freundlichen
Schreiben die Erfüllung seines Ansuchens melden *) (die Confirma-
tion selbst geschah erst durch seinen Nachfolger Benedikt VL),
und auch der grosse Kaiser Otto konnte noch vor dem Ende seiner
Tage (t 7. Mai 973) die heilige Stiftung bestätigen. So ward
das Bisthum in Prag gleichsam ein letztes Vermächt-
') Gegen das vielseitig behauptete Widerstreben des Regensburger Bischofs
Michael — angeblich bis zu seinem im Jahre 972 erfolgten Tode — spricht
die Unmöglichkeit, dass dann das langwierige Geschäft einer Bisthums-
stiftung noch vor dem 7, Mai 973 (dem Todestage Otto L) geordnet hätte
werden können, üeberdiess muss die Einwilligung Johann XIII. wenig-
stens schon in das Jahr 972 gesetzt werden, da dieser Papst schon in dem-
selben Jahre gestorben ist.
^) Cosmas.
^) Damberger: synchr. Gesch. V. 189.
^) Das Schreiben Johann XIII. an Boleslaw bei Cosmas. Menken scr. III.
1641. Ännal. Sax. a 967 u. A. Ginzels Geschichte der Slawenapostel
weist dessen wesentliche Echtheit nach.
54
niss der beiden Häupter der Christenheit an unser
Vaterland.')
3. Von erstaunlichem Umfange war der neue bischöfliche
Sprengel. Ausser dem eigentlichen Böhmen mnfasste er im Süd-
osten nicht allein Mähren, sondern auch die ganze Slowakei im
nördlichen Ungarn bis an die Donau und das Matragebirge hin;
dann das heutige Galizien bis an die Flüsse Bug und Stry in der
Gegend von Lemberg, die Landschaft am Bug hinab bis in die
heutige Wojwodschaft Podlachien, alles Land von da bis an die Oder
zwischen Breslau und Glogau, und endlich noch das ganze übrige
Schlesien am linken Ufer der Oder.*) Es war diess eben der
Umfang des böhmischen Reiches in jener Zeit. Die nachfolgenden
Ereignisse haben den Besitz unserer Landesfürsten bedeutend ge-
schmälert, und die nothwendige Stiftung neuer Bisthümer im
Norden und Osten unseres Vaterlandes hat allraälig auch die Diö-
cese von Prag auf Böhmen und die nachmals schlesische Graf-
schaft Glatz beschränkt.
4. Grossartig wie der Umfang des Bisthums war auch die
Dotation des Bischofs, so dass dieser als ein wahrer Fürst
neben dem Fürsten des Landes förmlichen Hof hielt und eine
zahlreiche von ihm belehnte Ritterschaft in Krieg und Frieden zu
seinem Gefolge zählte. Nach Cosmas war Alles, was das Bisthum zu
seiner Zeit (um 1125) besass, schon- von Boleslaw IL dem h. Adal-
bert als herzogliche Schenkung — und vielleicht auch zum Theile
als beigefügtes Familiengut des h. Bischofs, — bestätigt worden.
In dieser Zeit des Cosmas aber gehörten den Bischöfen unzwei-
felhaft schon die grossen Besitzungen von Bischofteinitz und Bi-
schofi'eöic, die von ihnen den Namen erhielten, von Bokycan, Raud-
nitz und Ziröinewes (in der Nähe von Königinhof). Allmälich kamen
neue Güterkomplexe dazu, und zwar um Prag, Bürglitz und Zdic, PM-
bram, Moldauthein, Chynow, Böhmischbrod, Laun, Leitmeritz und
Teplitz, nebst Gütern in Mähren und Baiern; im Ganzen bis 1421
neunzehn grosse Herrschaften, ungerechnet die kleineren Güter.
') Die Bischöfe von Regensburg erhielten als theilweise Entschädigung durch
Otto IL Vermittlung (vgl. §. 12, n. 5) einige ansehnliche Güter in Böhmen. Als
solches wird insbesondere Koni gswartvombairischenChronistenKales genannt.
2) Palacky, Geschichte I. 226. Diesen Umfang bestätigt das Confirmations-
diplom K. Heinrich IV. vom Jahre 1086 bei Cosmas. Siehe den Anhang.
55
Ausserdem gehörte den allgemeinen Kirchengesetzen gemäss auch
der Zehent von allen Landfrüchten der Diöcese — und zwar ur-
sprünglich 100 Garben und später 2 Hetzen G-etreide von jedem
Püugmasse Ackers — ,') und nach der besonderen Sitte unseres
Landes auch die Abgabe der sogenannten Rauchpfennige zur
Dotation des prager Bisthums.^)
5. Die grossen Besitzungen der Bischöfe von Prag hatten
nicht bloss den Zweck, das Ansehen der geistlichen Oberhirten
des Landes in den Augen des Volkes und Adels möglichst hoch zu
stellen ; es ist auch bekannt, dass die Bischöfe nach den allgemeinen
Gesetzen der Kirche geradezu den grössten Theil ihres Einkom-
mens dazu benützen sollten und wirklich benützten, um Kirchen
und Geistlichkeit mit allem Nothwendigen zu versehen und insbe-
sondere auch füi' die allgemeinen geistlichen Bedürfnisse des Landes
entsprechend zu sorgen.^) Es lag in der Natur der Sache, dass
namentlich die unmittelbaren Besitzungen des Bischofs diessfalls
einer besonderen Fürsorge sich zu erfreuen hatten, und dass in
Folge dessen gerade hier die grosse Aufgabe dieser Zeit — der
heilige Kampf gegen die Ueberreste heidnischer Sitten — zu einem
glücklichen Ende gedieh. Im Uinkreise der jetzigen Diöcese Leit-
meritz gehörten zu diesen letzteren die nachfolgenden Seelsorgsta-
tionen.
a) Gastorf (Hostka), Robic, Wetla (Wettel), Tuhan
und Blizwedly (Bleiswedel). Diese Orte waren wahrscheinlich
. bereits zur Zeit der Entstehung des Bisthums Bestandtheile der
bischöflichen Herrschaft Raudnitz^) und erhielten wohl auch schon
frühe durch die Fürsorge ihrer hohen Patrone eigene Seelsorger.
») Tomek, Gesch. Prags. S. 78 u. 79. Palacky III. 2. 219.
^) Die Rauchpfennige waren von den Seelsorgern bei Gelegenheit der Haus-
visitation (am Feste Epiphaniae) nach der Zahl der Rauchfänge zu erhe-
ben und bei Gelegenheit der jährlichen Synodalversammlung an den Bischof
abzutragen. (Laut Anordnung des Bischofs Ekhard v. J. 1023.) Später
ging diess Einkommen als Theil der Collecta (Koleda genannt) an die
Seelsorger und von diesen häufig an die Schullehrer über.
3) Tomek, Gesch. Prags I. 78 u. 79. Fessler, Gesch. der Kirche p. 270. Die
meisten der obigen Bareinkünfte wurden alsbald den Seelsorgdotationen
zugewendet. Vgl. vorige Note.
4) Hierher gehörte später auch das jetzt verschollene Schloss Helfenburg —
muthmasslich die jetzige Affenburg (Hrädek) bei Auscha.
56
Wenn es begründet ist, von dem Reichthum einer Kirche auf ihr
Alter zu schliessen, welches allerdings in Ermangelung anderer
Nachrichten den allmäligen Anwuchs eines bedeutenden Vermö-
gens am besten erklären kann: so sind Gastorf, Robiö und Wettel
entschieden die ältesten Landkirchen des nachmaligen leitmeritzer
Dekanates, indem sie im J. 1384 in der weiten Umgegend den
höchsten Kirchenzehent mit dem halbjährigen Betrage von je 27
(Wetla mit 24) böhmischen Groschen zu entrichten hatten. Da-
mals betheiligte sich Tuhan mit 18 und Bli^wedly mit 9 böhm.
Groschen.') Gastorf erhielt im J. 1266 durch Vermittlung des da-
maligen Bischofs Johann IIL*) und Blizwedly im J. 1296 auf Ver-
wendung des Bischofs Tobias '') die Marktgerechtigkeit. Die oben
genannten Orte blieben bis zur Husitenzeit im ununterbrochenen
Besitze der geistlichen Oberhirten unseres Vaterlandes.*) Nur
Wettel gelangte 1.S.32 durch den Erzbischof Johann IV. in den
Besitz des von diesem gestifteten Klosters der regulirten Augusti-
nerchorherren in Raudnitz.^)
h) Die S. Adalbertskirche in der Vorstadt Zasada zu
Leitmeritz oberhalb des bereits erwähnten S. Adalbertibrunnens,
deren selbstständige Seelsorger nebst wenigstens einem Altaristen
in den Confirmationsbüchern wiederholt erwähnt werden,®) gehörte
gleichfalls zum Patronate des jeweiligen prager Bischofs, dessen
Vorfahren wahrscheinlich in unbekannter Zeit dieses Gotteshaus
zum Andenken ihres heiligen Vorgängers gegründet hatten. Im
J. 1337 gelangte das Patronat zugleich mit den nahen Ortschaften
Smolnic (jetzt unbekannt), Hlinna (Hliney), Babin (Babina),
') Vgl. das Register der Kirchenzehenten, welche 1384 in Folge päpstlichen
Auftrags an den König Wenzel IV. zur Unterstützung eines projektirten
Römerzugs zu verabfolgen waren. Balbini Miscell. hisi. Bohem. lib. V.
p. 9 — 37. Original-Manuscr. in fürst-erzbisch. Bibliothek in Prag.
^) Sommer: Leitmeritzer Kreis. «
2) Balb. litt. puMicae, p. 22.
4) Nach den in der Prager erzbisch. Bibliothek aufbewahrten Confirmations-
biichern(von 1358 — 1419), den Originalprotokollen aller geistlichen Anstellun-
gen jener Zeit, übten die Erzbischöfe ihr Patronatsrecht aus: für Gastorf
in den Jahren 1358, 1361, 1365, 1874 u. 1403; für Robiö 1374, 1419; für
Tuhaii 1363, 1871, 1377, 1418; für Blizwedly 1404.
5) Vgl. Palacky: Archiv öesky, I. 503.
6) 1363, 1366, 1370, 1394, 1402, 1417.
57
B f e z i (wahrscheinlich Priesen auf der Domaine Lobositz) und Z b u-
dow (Pudova) an das neugestiftete Lateranenserkloster zu Baud-
nitz;') von dem es um 1363 an die Herren von Wartenberg zu
Tetschen und um 1394 an die Herren von Kamyk auf Pokratic
überging.^) Dagegen verblieb ein Weinberg (Chlistnowska) bei
Leitmeritz bis 1424 im Besitze der geistlichen Oberhirten unseres
Vaterlandes.^)
c) Poöedelic, jetzt eine Filiale von Koschow, Obora bei
Laun und Wtelno bei Brüx, beide jetzt noch selbstständige
Seelsorgstationen sind ebenfalls uralte Patronatpfarren der Bi-
schöfe von Prag gewesen. Ihr hohes Alter geht aus dem Um-
stände hervor, dass Poöedelice (damals zum Schlauer Dekanate
gehörig) im J. 1384 als Halbjalu-szehent den ungewöhnlich hohen
Betrag von 24, Obora (damals zum Dekanate von Saaz gerechnet)
die ebenfalls nicht geringe Leistung von 15 und Wtelno (zum Bi-
liner Dekanate zugehörig) den Betrag von 12 prager Groschen zu
entrichten hatten.'*) Obora war, zugleich mit dem nahen Orte
WrSowice, dem Markte Slawetin und der Hälfte des Pfarrortes
BlSany (Flöha im alten Dekanate Eakonic) erst um 1268 durch
Tausch in das Eigenthum der prager Bischöfe gelangt.^) Dagegen
scheinen Pocedelice (mit Weltöz) und Wtelno viel früher schon
zur bischöflichen Kammer gehört zu haben.*')
d) Zu den erwähnten Besitzungen des prager Bisthums kam
1335 noch durch Kauf das Gut Greiersberg oder Suplhora (seit-
dem auch Bischofsberg genannt) bei Graupen mit den Ortschaften
Sobechleby (Sobochleben), Marsow (Marschen) und ünöin
(Hohenstein).') Vordem schon hatte der Bischof Johann IV. in
') Tomek, Gesch. Prags, I. 409.
*) Libri confirmationum ad 1363 — 1394, 1394 — 1417. Libri erectionum (die
Originalstiftungsbücher jener Zeit 1358—1420, 13 Foliomanuscripte des Pra-
ger Domkapitels) XIII. J. 9. Excerpirt von Baibin Mise.
^) Derselbe wurde 1424 vom apostasirten Erzbischof Konrad um den Preis
von 100 Schock an Racek von Kojsic veräussert. (Palacky, Ai'chiv I. 406.)
*) Register der Kirchenzehenten von 1384 bei Baibin,
5) Tomek, Gesch. Prags I. 407, cit. eine Urkunde des Prager Domkapitels.
^) Vgl. ebendaselbst I. 410. Confirmationsakte, wobei die Prager Metropoliten
als Patrone genannt sind, finden sich in den libns confirmationum für Po-
öedelice 1411 und 1415, Obora 1415 und für Wtelno 1413. (Libr, conf.)
') Tomek, Gesch. Prags I. 409. Die Burg Geiersberg (in den husitischen
5$
dieser Gegend das Gut und die PfarrkoUatur Tuch omy§l(Scliönfeld) ,
das Pfarrdorf M o dl any und die jetzt zum Dominium Kulm gehörigen
Ortschaften L ch öi c (LochtscMtz), Habf i (Habrschie), Hotowic
(Hottowitz) und Sobödruh (Soborten) besessen, dieses Gebiet
aber um 1332 dem von ihm gestifteten Kloster Raudnitz einver-
leibt. Im J. 1337 tauschte derselbe diese Dorfschaften gegen an-
dere (?) zwischen Leitmeritz und Aussig wieder ein, und vereinigte
sie mit dem bischöflichen Gute Geiersberg.') Im J. 1384 entrichtete
Tuchomysl 6 und Modlan 9 böhm. Groschen als halbjährigen Kir-
chenzehent für die Römerreise Wenzels IV. ^) Dieser verhältniss-
mässig geringere Beitrag lässt vermuthen, dass beide Pfarrbenefi-
zien kaum vor die Zeit des bischöflichen Besitzes zurückreichen
dürften.
e) Unmittelbar vor der husitischen Bewegung (wie lange
auch vorher schon, ist nicht zu ermitteln) besassen die Oberhirten'
Böhmens auch das alte Pfarrdorf Zeröice, das jetzige Zemöin
auf der Herrschaft Dobrowitz im bunzlauer Kreise, welches der
Erzbischof Ernest neu wieder auf erbaut hatte, ^) nebst den benach-
barten Dörfern Kobylniky und Öizowka, letzteres auf der je-
tzigen Domaine Bfezno. Im J, 1384 zahlte Zeröice die damals
hohe Summe von 21 b. Groschen als halbjährig^.n Kirchenzehent
ab.*) Um das J. 1420 verpfändete der Erzbischof Conrad diese
ganze Besitzung, um 300 Schok an Janek von Jestörb.^) Bei einem
so bedeutenden Grundbesitze innerhalb der jetzigen Diöcese von Leit-
meritz hat für diese die Geschichte der Bischöfe von Prag ausser
dem allgemeinen auch noch ein besonderes lokales Interesse.^)
Unrulien dem Bisthume entfremdet) ward 1526 durch, eine aus Unvorsich-
tigkeit entstandene Feuersbrunst eine Ruine, Vgl. Sommer: Leitm. Kr.
p. 202, der aber irrig die alte Burg Glilumec nennt und ihre früheren
geistlichen Besitzer nicht kennt.
*) Ebendaselbst. Nach den Libr. Confi/rmationum üben die Erzbischöfe von
Prag ihr OoUaturrecht noch 1418 für die Pfarrei Tucliomysl, und 1364,
1402, 1409, 1413 und 1415 für die Pfarre Modlan aus.
*) Decemregister bei Baibin,
3) Balbini Bohemia saneta, §, LVIII. p. 86.
^) Regist. decimarum.
5) Palacky Archiv II. 461. Vgl. Üb. eonfirm. ad 1406.
") Bis 1421 besass das Bisthum 17 grosse Herrschaften in Böhmen, ohne die
kleineren Güter mitzuzählen: 1. Raudnitz, 2. Hradek (Helfenburg, 1875 ge-
59
§. 16. Die Einsetzung des Bischofs Dietmar.
1. Papst Johann XIII. hatte in seinem an Boleslaw II. ge-
richteten Sehreiben') „die Kirche der hh. Märtyrer Veit und Wen-
zel" (welcher letztere hiemit vom päpstlichen Stuhle selbst als
Heiliger und als Landespatron anerkannt wurde) zur Kathedral-
Idrche des neuen Bisthums bestimmt, und in Betreff der Person
des künftigen Bischofs nur die einzige Bedingung gestellt, „nicht
etwa nach dem Ritus und nach der Sekte des bulgarischen Volkes
oder der russischen und slawonischen Sprache, sondern vielmehr
nach Massgabe der Einrichtungen und Anordnungen des apostoli-
schen Stuhles zu diesem geistlichen Amte einen hervorragenden
Kleriker der allgemeinen Kirche zu erwählen, welcher der latei-
nischen Sprache vorzüglich mächtig sei.^} Die Bischofswahl geschah
sofort in derselben Weise, wie sie seit dem Concile von Nicäa fast
überall stattfand. Klerus und Volk hatten sich über den Würdig-
sten zu einigen, dem Landesfürsten stand es frei, dmxh Vorschläge
oder Bestätigung sich hiebei zu betheiligen, dazu hatten endlÄh
die Bischöfe der Provinz durch ihren Metropoliten die Zustimmung
zu geben. ^) Wie um diese Zeit fast allerwärts, so sprach damals
der Klerus Böhmens zumeist durch seine Prälaten (resp. Mitglieder
des Domstifts) und das Volk durch die Edeln des Landes: diese
und jene aber waren gewohnt, sich auf den Landtagen zu treffen,
wo überdiess auch der ^Landesfürst zugegen war. So wurde die
Bischofs wähl von selbst eine Angelegenheit des böhm. Landtags.
Der Gewählte musste darauf das Anrecht auf die weltlichen Besi-
kauft), 3. Geiei'sberg (s. 1335), 4. Bischofteinitz, 5. Herstein, 6. Rokitzan,
7. Pribram (s. 1216), 8. ßozmital, 9. Moldautein mit Becliin, 10. Cheyiiow,
11. Pilgram, 12. Reichenau, IB. Eotli-fi,e6ic, 14. Heralec, 15. Kriwsudo-w,
16. Stepanow, 17. Böhmisch-Brod. Dazu kamen in Mähren die Herrschaft
18. Kojetin und in Baiern die Herrschaft 19. Luhe. (Palacky HI. 2. 219.)
i) Erben reg. p. 29 n. 67.
^) Ebendaselbst. -- Diese gestellte Bedingung beweist nur die weise Fürsorge
des Papstes angesichts des kürzlich erfolgten ersten Schismas der Griechen,
dem auch die slawischen Stämme Ost-Europa's beigetreten waren ; keines-
wegs aber beweist sie, wie man wollte, eine vorangegangene Geltung des
slawischen Ritus in Böhmen. In solchem Falle hätten die päpstlichen
Worte sicher anders gelautet.
3) Vgl. Alzog, Kircheng. S. 299 etc.
60
tzungen des Bisthums durch kaiserliche Belehnung (Investitur) em-
pfangen, und hiedurch unter die Fürsten des Reiches eingereiht
werden. Darum verfügte er sich sobald als möglich an den kaiser-
lichen Hof, der damals bald da, bald dort, nicht selten sogar jen-
seits der Alpen sich aufhielt. Zuletzt bedurfte er noch der Be-
stätigung des Metropoliten von Mainz, der zu diesem Zwecke erst
eine gewissenhafte Prüfung des Wahlaktes vornahm und im gün-
stigen Falle sofort dem Erwählten die bischöfliche Weihe ertheilte.
Der neu geweihte Bischof kehrte dann erst nach Böhmen zurück,
hielt seinen feierlichen Einzug in Prag und wurde in Gegenwart
des Landesfürsten, der Greistlichkeit, des Adels und des Volkes
auf den bischöflichen Thron zur Seite des Hauptaltars in der Set.
Veitskirche geleitet. Der Klerus sang dabei den ambrosianischen
Lobgesang (Te Deum laudamus), Adel aber und Volk in späterer
Zeit den etwas entstellten Refrain des nationalen Liedes Gospodi
pomiluj: Christo keynado und Krle§ (Kyrie eleyson). Es war ein
Tag allgemeinen Jubels im ganzen Lande.')
* 2. Zum ersten Bischöfe wurde Dietmar auserkoren, ein from-
mer deutscher Benediktinermönch aus Magdeburg, ein Mann von gros-
ser Gelehrsamkeit und Beredsamkeit, bei Fürst und Volk — wohl seit
längerer Zeit apostolischen Wirkens in Böhmen — beliebt als ein
vorzüglicher Kenner der slawischen Sprache, und eben hiedurch
zum neuen hohen Amte ausnehmend geeignet.^) Er empfing die
Investitur noch vom Kaiser Otto I. am 23. März 973 zu Quedlin-
burg ^) und die bischöfliche Weihe von seinem Erzbischofe Rupert
zu Mainz."*) Acht Jahre lang durchwanderte er sofort als Bischof
das weite Gebiet seiner Diöcese, führte viele Tausende, die bisher
noch dem Heidenthume angehangen hatten, durch die h. Taufe zum
') So ist bei Oosmas die luthronisation des Bischofs Dietmar beschrieben.
Wenn hier schon vom Volksrufe Krle§ erzählt wird, so ist dies wohl ein
Anachronismus. Vgl. Tomek, Gesch. Prags I. 77 u. 78.
^) Cosmas ad a. 967. — Crugerius sacr. pulv. ad 2. Jan.
3) Ännal Quedlinh. a 973. Ännal Sax. a. 973. Otto I, starb noch im selben
Jahre am 7. Mai.
•*) So Fabricius IL Sax, in Otton. I. Rupert regierte dem Schematismus der
Mainzer Diöcese nach von' 970 — 975. "Weleslawin und Pesina (Phospliorus
septkornis) nennen irrthümlich den Erzbischof Hatto, den Vorgänger Ru-
perts, Kreibich [memorabilia, MS. bei S. Thomas in Prag) und Andere Ru-
perts Nachfolger Wiligisis als Consecrator.
6i
christlichen Glauben ein und weihte sehr viele Kirchen.') Letztere
hatte theils der gläubige Landesfürst erbaut (20 an der Zahl),
theils verdankten sie dem freigebigen Eifer des neuen Oberhirten
ihre Entstehung.®) An li. Eifer in der Bekämpfung der alten heid-
nischen Laster und in der Hebung eines echt christlichen Lebens
wurde er das Vorbild aller folgenden Bischöfe.^) Mit begeisterter
Rede und wohlbedachter Strenge suchte er sein Volk vorzüglich
den herrschenden Ausschweifungen in Trunk und Wollust zu ent-
reissen.'*) Dem Klerus wollte er durch sein eigenes Leben ein
Vorbild frommen Wandels geben. ^) Seine Zeit war aber zu kurz
und die Gebrechen im Volke waren zu tief eingewurzelt, als dass
er eines vollkommenen Gelingens seiner Bestrebungen sich hätte
rühmen können. Diess beklagte er denn auch auf seinem Sterbe-
bette unter heissen Thränen.^) Er ging am 2. Jänner 982 im
Rufe der Heiligkeit in ein besseres Leben hinüber.")
§.17. Der heilige Ädalbert.
1. Wenige Wochen nach Dietmars Tode, am 19. Februar
982, versammelte sich das verwaiste Volk (Priester und Laien)
um seinen Fürsten in LeY.7 Hradec®) und mit einstimmigem Jubel
ward hier als Nachfolger im bischöflichen Amte ein „Landsmann
begrüsst, dessen Adel, Reichthum, Wirken und Leben ganz vor-
züglich mit der neuen Ehrenstellung harmonirten".") Es war Ädal-
bert, der Sohn Slawniks, des oben'") erwähnten Grafen von Libic,
und der frommen Gemahlin Stfezislawa. Sein Geburtsname war
Wojtöch (Vincentius. ") In seiner Kindheit bereits von schwerer
') Cosmas.
3) Vgl. §. 7. n. 3, und §. 15. n. 5.
3) Kreibich 1. c.
4) Vgl. später seine Klage auf dem Stez'bebette.
5) Kreibich 1, c.
^) Vgl. Primus S. Adcäberti biographus, apud Mabill. c, I. p. 851. Er schrieb
sein Werk schon zur Zeit des Kaisers Otto III. und auf Befehl desselben.
'') Cosmas und Aeneas Sylvius. Pertz XI. 536.
^) Cosmas.
^) Primus biographm S. Adalberti.
'0) Vgl. §. 8. n. 2.
'•) Vincentius nennt ihn ein bei Dobn. annal IV. 111 citirter Codex von M,
62
Krankheit auf dem Altare der seligsten Jungfrau (zu Libic ?) wun-
derbar geheilt,') war er durch ein frommes Gelübde der Eltern
dem geistlichen Stande und dem besonderen Dienste der h. Gottes-
mutter geweiht worden.^) Um 962 wurde er als Kind von dem
aus Eussland heimkehrenden Missionsbischpfe Adalbert gefirmt. Von
972 an verlebte er 9 Jahre als Schüler der Wissenschaften in
Magdeburg,^) wo er unter der Leitung des Philosophen Obtricus
ausgezeichnete Fortschritte machte. „Diese ganze Zeit hindurch
ahmte er in keiner Weise diejenigen nach, welche Uebles thaten,
und folgte eben so wenig dem Bathe derer, die auf Unnützes und
Knabenhaftes sich verlegten. In ihm erblühte die Gerechtigkeit
seines Vaters und in seiner jugendlichen Brust erglänzte das treue Ab-
bild der Frömmigkeit seiner Mutter.'"*) Hier erwählte er den geist-
lichen Stand und empfing mit dem Kleide des Klerikers den neuen
Namen Adalbert.^) Im J. 980 kehrte er als Subdiacon ins Vaterland
zurück ^) und stand 982, damals wohl schon als Priester, bei dem
Sterbebette des frommen Bischofs, dessen Nachfolger er werden sollte.
2. Seine Investitur und Weihe als Bischof ward durch den
Umstand verzögert, dass zur Zeit der Erwählung Kaiser und Erz-
bischof eben in Krieg mit den Saracenen verwickelt im südlichen
Italien weilten. Erst am 3. Juni 983 empfing er endlich zu Verona
Ring und Stab aus den Händen des Kaisers Otto H. und ebenda-
selbst am 29. Juni die bischöfliche Weihe") vom Mainzer Metro-
Cassino und ein altes Manuscript von S. Gaecilia, deren beider die Acta
sanctorum ad 23. April gedenken. Dobner übersetzt den Namen Woytech
mit „Trost des Heeres".
') Primus hiograpTms 8. AdaTberü.
'^) Alter hiographus.
^) Alter Nograplius.
*) Primus Mographus,
5) So Palacky I. 234 Der zweite Biograph des Heiligen und Cosmas (Vita
S. AdaTberti) erzählen dagegen von einer aus Irrthum geschehenen zweiten
Firmung, in welcher Woytech den neuen Namen empfangen habe. Die
Böhmen 'nannten ihren nachmaligen Bischof noch immer mit dem alten
slawischen Namen, während bei den Deutschen der bekanntere Name
Adalbert üblich wurde. So kam es, dass man weiterhin den letzteren für
eine Uebersetzung des ersteren hielt.
^) Cosmas.
') Tomek I. 650 nennt den 3. und 11. Juni 982; Palacky I. 235 richtiger
den 3. und 29. Juni 983, den Weihetag setzt der zweite Biograph ausdrück-
lich auf das Fest der hh. Petrus und Paulus.
63
politen Wiligisis — ein Heiliger von einem Heiligen am Feste der
heiligen Apostelfürsten.
Ais Bischof zeigte sich Adalbert vor Allem als eifrigen Be-
förderer des Christenthums. Er widerrieth dem glaubenseifrigen
Herzog Boleslaw H., länger noch Gewalt zu brauchen gegen die
Anhänger des Heidenthums : lieber möge die gänzliche Bekehrung
derselben der ausschliesslichen Sorge des Bischofs überlassen wer-
den. ') Nach dem Vorbilde Dietmars alle Gaue des weiten Vater-
landes durchwandernd, war er unermüdlich in der Verkündigung
des göttlichen Worts. Hierbei suchte er bald durch Unterricht
und Beispiel und bald durch kluge Strenge den vielfach verkom-
menen Klerus zu sich empor zu heben. Mit heiligem Eifer kämpfte
er gegen die heidnische Barbarei der Vielweiberei und gegen das
herrschende Laster der Unzucht. ^) Die üblichen Ehen unter nahen
Verwandten suchte er mit aller Macht zu verhindern und abzu-
stellen. ^) Auch gegen die allgemeine Trunksucht kehrte er mit
Muth seine geistlichen Waifen.*) Den Verkauf christlicher Sklaven
suchte er wenigstens durch Auslösung derselben mit seiner eigenen
Habe zu verringern. '^) Er selbst suchte keine andern Genüsse als die
der Tugend und Andacht, der Wohlthätigkeit und Frömmigkeit.
Je höher er stand, desto mehr befliss er sich der Demuth; je
reicher an irdischen Gütern, desto eifriger war er in der Entbeh-
rung und Selbstabtödtung. Stets speisten 12 Arme mit ihm, und allen
Kranken, von denen er Kunde erhielt, brachte er persönlich Trost
und Hilfe: So suchte er Allen Alles zu werden und Alle vereint
zum Heile zu leiten.^)
1) Hajek a. a. 973.
2) Cosmas, Vita S. Ädalberti.
^) Erben, regesta, p. 33.
*) Ebendaselbst. — In der Mitte des 13. Jahrhunderts schrieb die allgemein
herrschende Sage dem h. Adalbert die über alle Bürger, welche
sich mit Bierbrauerei befassten,' in grauer Vorzeit verhängte
Excomraunication zu. König Wenzel I. reichte in Rom um deren
Aufhebung ein. Durch eine Bulle Innocenz IV. ddo. Lugduni III. nonas
Decembris, wurde der Abt Clemens von Brewnow beauftragt, diese Ex-
communication zu relaxiren. Dobn. annal, IV. MQ wnüi Monumenta Boem.
VI: 19.
^) Cosmas.
6) Ebend. Palacky I. 237.
3. Zu seinem grossen Schmerze entsprach der Erfolg seinen
Bemühungen viel zu wenig. Da ward er endlich misstrauisch auf
seine Ki-aft. Es drängte ihn, den Hirtenstab in eine Hand zu legen,
die er für kräftiger hielt, am liebsten in die des Benedictinermönchs
Christian (Strachkwas), der als Bruder des regierenden Herzogs
bei Volk und Adel ein grösseres Ansehen und mehr Einfluss haben
könnte. Obgleich dieser die Annahme von sich abwehrte, ') so eilte
doch Adalbert nach Rom, um dort zu den Füssen des Vaters der
Christenheit die Enthebung vom bischöflichen Amte zu erflehen.
Er erlangte wohl, was er so sehnlich wünschte; denn sofort wollte
er nach Jerusalem pilgern, um am Grabe des Erlösers einzig nur
der Andacht zu leben. Doch statt dessen nahm er auf den Rath
des frommen Abtes von Monte Cassino das Kleid des h. Benedict.
Als demüthiger Klosterbruder lebte er nuii im Ordenshause seines
Rathgebers und begab sich später, da er sich hier noch als Bischof
behandelt glaubte, zu den Basilianern nach Valleluca und endlich
nach Rom ins Kloster des h. Alexius, wo er zuerst als Novize den
niedrigsten klösterlichen Arbeiten sich unterzog und alsbald alle
Brüder an Strenge und Frömmigkeit überbot.^)
4. Indess hatte Gott unser Vaterland mit Pest und Hungers-
noth schwer heimgesucht.'^) Fürst und Volk sahen die Trübsal als
eine wohlverdiente Züchtigung für die früheren Kränkungen des h.
Bischofs an und sehnten sich nach seiner Rückkehr. Desshalb ver-
wendeten sie sich zuerst an den Metropoliten Wiligisis zu Mainz
und nachher mit dessen Rath und Hilfe im J. 992 nach Rom. Da
erhielt Adalbert vom Papste selbst den Befehl, in sein Bisthum
wieder zurückzukehren, indem die Böhmen ihm genauen Gehorsam
versprachen. Ohne Säumen fügte er sich dem Gebote — doch ohne
selbst dem klösterlichen Kleide wieder zu entsagen. Er nahm viel-
mehr zwölf Ordenssöhne des h. Benedict mit sich ins Vaterland, *)
als Genossen seiner Frömmigkeit, als Erstlinge eines künftigen Or-
densstandes und als vorzügliche Werkzeuge zur völligen Umwand-
lung seines Volkes. Auf dem Wege in sein Vaterland zog er —
') Cosmas und ÄnnaUsta Saxo.
'-') Cosmas. Palacky 239. Die Ablegung der Klostergelübde geschah am 17.
April 990 nach Palacky 1. c, — am 2. April 991 nach Erben regesta p. 33.
3) Cosmas.
4) Palacky I. 240.
65
als päpstlicher Legat — predigend und taufend durch das Land der
Ungarn und hatte selbst die Freude, dem h. Stephan das h. Sakra-
ment der Wiedergeburt zu spenden. ') Noch im J. 993 zog er end-
lich in Prag ein, mit lautem Jubel und mit Freudenthränen vom
Volke und von seinem Fürsten empfangen. ^) Vor dem versammelten
Adel des Landes verkündete der Herzog Boleslaw das Recht des
Bischofs, nach Anordnung der heiligen Gesetze alle unerlaubten
Ehen zu trennen, den kirchlichen Dezem zu erheben und, wo es
zweckmässig erscheine, neue Gotteshäuser zu erbauen. ^)
5. Leider kam ungeachtet der besten Vorsätze und der hei-
ligsten Versprechungen die böse Unsitte unserer Ahnen nur zu bald
wieder zum Vorschein. Diessmal war es die fürchterliche Blut-
rache, die aller christlichen Unterweisung zum Trotze Land und
Heiligthum entweihte. Die ehebrecherische Gattin eines Wrsowe-
cen hatte, verfolgt von ihrem blutdürstigen Gemahle und seinen
Brüdern, eine Zufluchtsstätte im Kloster S. Georg gesucht. Dort
schützte sie das Asylrecht der Kirche und sicherte ihr ein gerech-
tes Urtheil. Aber die wüthenden Verfolger schmähten und höhnten
den Bischof und mordeten die Verfolgte. Da sah sich Adalbert
genöthigt, den Bann der Kirche über die Frevler zu sprechen, und
zum zweiten Male pilgerte er nach Rom, um dort mit Erlaubniss
des Papstes seine Tage in klösterlicher Einsamkeit zu beschliessen
(995). Während daheim die gebannten Wrgowecen Rache dürstend
in einem von ihnen erregten Bürgerkriege die 4 Brüder des heil.
Bischofs sammt Weibern und Kindern in Libic ermordeten,'^) be-
klagte und beweinte Adalbert in der Stille seines Klosters die arge
Verblendung seines Vaterlandes.
') Damberger, synchron. Gescliiclite V. 421. So auch Dubravius und der
zweite Biograph des h. Adalbert. Palacky I. 236 setzt (nach Dlugoss Mst.
Pol.) die Eeise nach Ungarn ins Jahr 984 und macht sie zu einem Abstecher
bei Gelegenheit einer in der Slowakei von Adalbert gehaltenen bischöfli-
chen^Visitation. Für das Jahr 993 spricht .aber, abgesehen vom zweiten Bio-
graphen des Heiligen, auch der Umstand, dass Geisa in diesem Jahre seinem
Sohne als Nachfolger huldigen liess, und dass auch Stephans Vermählung
mit Gisela in dieselbe Zeit fällt. Prinzen, die nicht schon als Kinder ge-
tauft waren, empfingen damals die Taufe meist bei solchen Gelegenheiten.
^) Cosmas. , -
3) Erben regesta p. 33 und Wattenbach p. 51 ex codice S, Crucis.
4) Tomek, Gesch. Prags I. 115. Palacky I. 243.
5
66
6. Unbekannt mit dem traurigen Ende seines Hauses, entscliloss
sich, der Heilige' noch einmal zur Rückkehr. Yon neuem drängte
der Erzbischof von Mainz zu diesem Entschlüsse ; Kaiser Otto HL,
der eben bei seinem Aufenthalte in Rom den zum Prior seines
Klosters erwählten Adalbert liebgewonnen hatte, vereinte damit
seine Bitten; von allen Seiten bestürmt, sprach endlich auch Papst
Gregor V. den Befehl zur Rückkehr aus, — diessmal aber zugleich
mit der Erlaubniss, dass Adalbert fortan sein Leben der Bekeh-
rung der Heiden weihen dürfe, wenn die Böhmen ihm keinen Ge-
horsam schenken würden. So folgte nun Adalbert zuerst seinem
kaiserlichen Freunde nach Mainz, Mit Entsetzen hörte er dort die
fürchterliche That der Wrsowecen. Da entsagte er seinem Vater-
lande — um fortan mit einigeh treuen Gefährten unter den heid-
nischen Preussen als Apostel des Evangeliums zu wirken. Dort
sollte er den Tod eines Blutzeugen Christi finden. Nachdem . er
auf der Durchreise durch Polen Manches für die Befestigung des
Christenthums gewirkt, w^eilte er in der Gegend von Danzig und
belehrte und taufte daselbst zahlreiche Haufen des Volkes. Als er
aber übers Meer an die Küste von Samland sich begab, wurde er
bereits von den barbarischen Bewohnern bedroht und misshandelt.
Zuletzt ward er auf dem Götzenfelde von Romowe von wüthenden
Haufen überfallen, gebunden, noch stehend und betend mit Wurf-
spiessen durchbohrt, endlich mit zahllosen Wunden getödtet. (23.
April 997.) Sein unzertrennlicher Bruder Radim (S. Gaudentius ')
und der Pi'iester Benedikt brachten die Kunde dieses Martyrthums
zu dem Herzoge von Polen, der sofort den kostbaren Schatz des
h. Leichnams um theueren Preis von den Heiden erkaufte und
ehrenvoll in seiner Hauptstadt Gnesen begrub.")
7. Gott verherrlichte seinen h. Blutzeugen alsogleich durch
zahlreiche Wunder. Schon im J. 1000 wallfahrtete Kaiser Otto HL
') Eadim — des li. Adalbert Bruder von Geburt, Ordensregel und Missions-
beruf — wurde nach seinem Bruder Missionsbiscliof für Polen (polnische
Schriftsteller nennen ihn irrig bereits Erzbischof zu Gnesen) und weihte
diesem Berufe sein ganzes übriges Leben. Er wurde in Gnesen begraben
und als Heiliger verehrt. Im Jahre 1040 wurde sein heiliger Leib zugleich
mit dem des h. Adalbert nach Prag übertragen und im Dome in der Ka-
pelle der hh. Gosmas und Damiau beigesetzt. ^
'-i) Palacky I. 244 u. 245.
6T
zu seinem Grabe, und erbaute noch im selben Jahre eine Kirche
in Aachen ') und im folgenden eine zweite zu Rom ^) zu Ehren
seines von allen Zeitgenossen als heilig gepriesenen Freundes. Die
Völker Polens und Böhmens verehrten ihn als ihren Landespatron.
An ihn sollte fortan eine — jetzt wenig verstandene — Sitte erin-
nern, die von Polen ausgehend, bald in allen Ländern Aufnahme
fand, wo unser Heilige gewirkt hatte. In Polen soll nämlich schon
Herzog Mösko nach Anhörung einer christlichen Predigt befohlen
haben, am nächsten Sonntage (dem 4. in der Faste) die alten
Götzenbilder zu zerschlagen und die Trümmer in Sümpfe imd Ge-
wässer zu werfen. Das sei denn auch wirklich geschehen, und zur
Zeit des Aufenthalts des h. Adalbert mag auf dessen Drängen noch
die letzte Hand ans Werk gelegt worden sein. Seitdem bereiteten
die polnischen und böhmischen Kinder alljährig aus Stroh und
Fetzen ein Zerrbild der alten Götzen, trugen es aus den Ort-
schaften unter dem Rufe: Wir tragen den Todten hinaus, und
warfen es schliesslich ins Wasser. Der Sonntag, an welchem diess
geschah, heisst deshalb noch vielfach der Todtensonntag.^)
8. Es lag in der Natur der Sache, dass die bischöfliche
Wirksamkeit des h. Adalbert auch die jetzige Diöcese von Leit-
meritz nahe berühren musste. Sicher darf so manches der älte-
sten Gotteshäuser dieser Gegend unter jenen gesucht werden, die
der Heilige an so vielen Orten, wo er es für erspriesslich hielt,
aus eigenen Mitteln erbaute.*) Ohne Zweifel geschah diess be-
sonders auf den Gütern seiner Familie um Libic (im nachmaligen
Dekanate Hawran) und auf den schon erwähnten bischöflichen
Gütern. Der alten Tradition, dass er schon auf seiner ersten Vi-
sitationsreise auch nach Leitmeritz kam und daselbst nach den
apostolischen Bemühungen des Tages an dem fortan nach ihm be-
nannten Adalbertibrunnen Labung fand, haben wir bereits oben er-
wähnt.^) Seine Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhle verewigten
') Chronica Aquisgran.
-) Dobn. annal IV, 463.
3) Cureus cit. bei Bolelucky: Bosa Boemica p. 407 u. 407. In Böhmen ist
der 5. Fastensonntag der sogenannte Todtensonntag. Die geschilderte ur-
alte Sitte ist jetzt vielfach im Ersterben.
•*) Siehe N. 4 Schluss.
5) Vgl. §. 9.
5*
68
später sein Andenken an diesem Orte durch die Erbaiumg einer
Kirche zu Ehren des heil. Adalbert. ') Leider war es auch wieder
das Gebiet unserer jetzigen Diöcese, und namentlich die Gegend
von Leitmeritz und Saaz, welche eine Zeit lang den Unsegen jenes
Fluches trug, den der h. Bischof über ihre Herren, die Wrsowecen,
aussprechen musste. Es war eben eine traurige Zeit des Kampfes
zweier widerstreitender' Elemente — des Heidenthums in seiner
letzten Jü-aft und des Christenthums in seinem Erblühen.
§. 18. Thiddag, Ekhard und Hyzö.
1 . . Während d er zweimaligen Abwesenheit des h. Adalbert in Rom
hatte der meissnische Bischof Volcold (Volkhold) die nothw endigsten
Functionen in der böhmischen Diöcese versehen.^) Nach Adalberts
völliger Entsagung sollte nun des Herzogs Bruder Christian (Strach-
kwas), der bereits sechzigjährige Mönch von S. Emmeram ^) den
bischöflichen Stuhl besteigen. Kaum anders als mit Widerstreben
nahm der Greis eine Würde an, gegen die er bereits früher sich
gesträubt hatte. "*) Da starb er nach erlangter kaiserlicher Inve-
stitur — plötzlich vom Schlage gerührt zu Mainz (f 998), als er
eben zum Bischof geweiht werclen sollte.^)
2. Nun wurde einstimmig ein frommer Mönch von Neu-Cor-
vey, Namens Thiddag (Deodatus, Bohdal) zum Bischöfe erwählt,
der im J- 995 durch seine ausgezeichnete Heilkunde das Leben
Boleslaws H. gerettet und seitdem in Böhmen weilend die allge-
meine Liebe sich erworben hatte.") Er empfing am 7. Juli 998
zu Mainz die bischöfliche Weihe,") „Er war ein würdiger Nachfol-
ger Adalberts, jungfräulich an Keuschheit, golden in seinen Sitten,
1) Siehe §. 15. 5. b.
2) Ditmar und annal. Saxo.
^] In Regeusburg. ^
4) Damberger V. 528.
^) Palacky I, 246. P. verwirft mit Recht das harte Urtheil des Cosmas, der
das „arri2ntur atrod daevionio" wahrscheinlich für ein Gottcsurtheil ge-
halten hat,
«) Ditmar, I. 7. p. 414.
'') So erzählt Cosmas. (Vgl. Palacky.) , Nach Fabricius (orig. Sax. fol. 228)
ward er vom Erzbischof Wiligis in Prag geweihet. Diese weit si)ätere
Nachricht ist minder glaubwürdig.
69
noch kostbarer in seinen Werken. Er trat ganz in die Fussstapfen
seines heiligen Vorgcängers; streitend gegen die Laster des Volkes
ward er ein Martyr, zwar nicht dem Leibe nach, wohl aber in
seinem Herzen".') Leider starb schon im ersten Jahre seiner bi-
schöflichen Verwaltung in Boleslaw IL sein krtäftigster Schützer
und edelster Freund, (f 7. Febr. 999.) Auch für die jugendliche
Kirche des Vaterlandes starb der fromme — wenn auch zuletzt
etwas schwache Fürst viel zu früh. Ihm folgte „zu Böhmens Un-
glück der unwürdigste Mann, der je das Scepter geführt hat . . . .,
Boleslaw III , ein gemeiner Wüstling, schwach, misstrauisch,
geizig, grausam und rachsüchtig".^) Ein Wütherich gegen seine
eigenen Brüder, ein Tyrann gegen Alle — brachte er in Kurzem
(im Sommer 1002) das ganze Land zur verzweifelten Empörung.
Die Wräowecen (von Saaz und Leitmeritz) stellten sich an die
Spitze. Boleslaw III. ward aus Böhmen verjagt und Wladiwoj von
Polen, der Sohn der böhmischen Doubrawka auf den Thron erho-
ben. Indess waren schon im J. 1000 die Gebiete von Kjakau,
Schlesien, Mähren und Slowakei für -Böhmen verloren gegangen, —
um sofort grossentheils auch der Diöcese von Prag entfremdet zu
werden. Polen und Ungarn beeilten sich, eigene bischöfliche Sitze
in den neuerworbenen Provinzen zu gründen. ■ Noch im J. 1000
entstanden so die Bisthümer zu Breslau und Krakau, während Bi-
schof Thiddag nicht einmal in Böhmen selbst ein Plätzchen finden
konnte, um sein Leben vor der misstrauischen Wuth des unnatür-
lichen Tyrannen zu schützen.^) Hatte Wladiwojs Erhebung unse-
rem Vaterlande einige Ruhe gebracht, so stürzte es sein Tod (1003)
aufs Neue in schreckliche Wirren. Jaromir, der Bruder des ver-
jagten Tyrannen muss in Kurzem diesem selbst wieder weichen.
Aber auch der wiedererhobene Boleslaw IH. wird auf allgemeines
Verlangen noch im selben Jahre (1003) vom polnischen Herzoge
Boleslaw Chrobry verjagt, der sofort selbst den böhmischen Thron
besteigt. Doch diesen verdrängt wieder (1004) der deutsche Kaiser
Heinrich IL, mit dessen Hilfe Jaromir zum zweitenmal den Herr-
scherstab ergreift, — um nach einiger Zeit (i012) neuerdings dem
') Cosmäs.
3) Palacky I. 248.
3) Wiederholt vertrieben lebte er am Hofe des meissuischen Markgrafen
Ekhard. Ditmar VII. 414. Vgl. Fabric. {orig. Saxon.)
70
jüngsten Bruder üdalrich zu unterliegen, und entmannt und später
auch noch geblendet zu Llssa sein trauriges Leben zu beschlies-
sen.') Solche Verhältnisse mussten auch dem eifrigsten Bischöfe
die Hände binden. Weit mehr, als sein Wort und Beispiel auf-
bauen konnte, riss da die Barbarei des Bürgerkrieges wieder ein.
Darum lebte Bischof Thiddag als ein „Martyr im Herzen" •) und
starb mit allem Schmerze eines unglücklichen Vaters am 10. Juni
1017. —
3. Bei der neuen Bischofswahl wünschte der Fürst seinen
Kaplan Pfibislaw, das Volk den durch Gelehrsamkeit berühmten
Horäo von Budec, der Klerus aber den deutschen, jedoch der sla-
wischen Sprache kundigen Propst Ekhard. Letzterer trug endlich
den Sieg davon. Er war ein Verwandter des deutschen Kaisers
Heinrich IL ^) und Ordensbruder des h. Benedikt, als welcher er ehe-
dem eine Zeit lang im neuerrichteten Kloster zu Bi'ewnow gelebt
hatte.*) Um 996 war er bereits Abt des Benediktinerstiftes zu
Naumburg, welche Würde er 23 Jahre lang bekleidet haben soll.^)
Wahrscheinlich war er eben erst zur Propstei des Domkapitels in
Prag -berufen worden, **) als ihn die Wahl zur bischöflichen Würde
traf. Er empfing die kaiserliche Investitur im Oktober zu Merse-
burg und ebendaselbst auch vom anwesenden mainzer Erzbischofe
Erkenbald am 8. selben Monats die bischöfliche Consecration.") Er
erwarb sich in seinem bischöflichen Amte den Nachruhm, dass er
der beredteste Verkündiger des göttlichen Wortes, mild gegen die
Armen, sanft und gut gegen die Niedrigen, muthig aber gegen die
Grossen gewesen sei.^) Gerade das letztere Lob lässt vermuthen.
») Vgl. Palacky I. -254—265.
^) Cosmas.
^) Dobner cmnal. V. 102 citirt hiefür eine kaiserliche Urkunde von 100.4.
Vgl. auch Palacky I. 265 und Tomek I. 650.
*) Ziegelbauer, hist. inonast Bfevnov, p. 112. Er beruft sich auf alte Manu-
scripte von Brewnow.
5) Dobner annal. V. 102.
^) Aehnliches geschah öfters auch bei andern Kapiteln. Als Propst ^yird
Ekhard von Pesina (Phosjphorus, septlcornis) und in einem Manuscripte des
Prager Canonicus Bubna (Canon capituli Prag, im Prager Kapitelarchive)
angeführt.
^) Dies weist Dobner nach in annal, V. 102.
^j Cosmas.
71
dass auch er in der Bekämpfung der sittlichen Gebrechen des
Landes in die Fussstapfen des h. Adalbert getreten ist. Seinen geist-
lichen Eifer beweist auch die angeblich im J. 1023 an den gesamm-
ten Klerus erlassene Verordnung, dass fortan „jeder Landgeistliche
wenigstens einmal im Jahre an einem bestimmten Tage in Prag
sich einfinden müsse, um über sein Seelsorgsamt und die ihm an-
vertraute Heerde Rechenschaft zu geben.') So richtete er also
auch in unserem Vaterlande das alte kirchliche Institut der Diö-
cesansynode ein als das bewährteste Mittel des Bischofs, eindring-
lich auf den gesammten Klerus und durch diesen auf das Volk zu
wirken. Ueberdiess ist es das Verdienst Ekhards, dass er die bis-
herige Decemabgabe an den Klerus regelte. Fortan sollte von je-
dem Joch Feldes ein Mass Weizen und ein Metzen Haber an den
Seelsorger abgeführt werden.-) Der vierte Theil dieser Abgabe
gehörte der Ortsgeistlichkeit, ein zweiter Viertheil dem Bischöfe,
ein dritter den Armen; der vierte sollte zur Erhaltung des Got-
teshauses verwendet werden.^) Der ausgezeichnete Bischof starb
leider schon am 8. August 1023, vom Fürsten, Volk und Klerus
mit vielen Thränen beweint.^) Auch Kaiser Heinrich war tief er-
schüttert über seinen Verlust.^)
4. Noch in demselben Jahre folgte Hyzo in der bischöflichen
Würde nach. Man hält ihn für einen Eingebornen unseres Vater-
landes, angeblich derselben edlen Familie der Buzowicen entspros-
sen, die nachher in den Linien der Herren von Waldek, Schellen-
berg und Hasenburg (mit dem gemeinsamen Wappenzeichen des
') Hajek a. a. 1023.
^) Cosmas. Hajek, Dieses alte Mass v/ar ein cylindrisches Gefäss im Breiten-
durchmesser a Handflächen und in der Höhe 5 Handflächen und 2 Finger-
breiten messend, an der Rückseite mit dem herzoglichen und bischöflichen
Siegel versehen. (Hajek ad 1022.) Hajek sagt, dass jeder Ackersmann
seinem Priester diesen Decem abzuliefern hatte. Nach Cosmas geschah
dies an den Bischof. In der Sache ist beides dasselbe. Der Priester
sammelte eben diese Abgabe im Namen des Bischofs, dem die Anordnung
der weiteren Vertheilung derselben zustand.
3) So das älteste Pönitentiale Böhmens (vor 1150) in Höflers ConeUia Pra-
gensia p. VHI (nach Cod. Bibl. Univ. HI. F. 6. f. 231).
"*) Cosmas, — Hajek a. a. 1024.
•'•) Ghron. Quedlinburg, apud Meibom. IIL 295.
72
Eberkopfes) zu hoher Berühmtheit gelangte.') Er hatte einst der
frommen Ordensfamilie der Benediktiner zu Bi-ewnow angehört^)
und war unter seinem bischöflichen Vorgcängcr zur Propsteiwürde
im prager Domkapitel ^) erhoben worden. Ein Greis von seltener
Schönheit, edel von Geschlecht aber noch viel edler in seinem
Leben,'*) ausgezeichnet in der Kenntniss der heiligen. Schriften/) —
lenkte er, ohne es zu wollen, bei der neuen Bischofswahl aller
Augen und Herzen auf sich. Er empfing am 29. Dezember 1023
die bischöfliche Weihe zu Bamberg von seinem dort weilenden
Metropoliten") Aribo. Er ist wohl die Seelengüte selbst gewesen;
denn ohne einen Akt der Strenge zu erwähnen, rühmt unser älte-
ster Chronist") ihm nach, dass er täglich 40 Arme speiste, wobei
er persönlich die Tischgebete sprach und selbst die nöthige Bedie-
nung leistete, dass auch Niemand so bekannt im eigenen Hause
sein kann, als dieser Bischof es in den Häusern der Kranken und
der Gefangenen war. So starb er, „von Allen nicht anders, als
wie ein Vater beweint," am 30. Jäner 1030.^) —
§. 19. Bischof Severus.
1. Wir begegnen nun wieder einem heiligen Manne unter den
Nachfolgern eines Heiligen. Es ist Severus, dessen Andenken
das alte Martyrologium der prager Kirche mit den Worten be-
wahrt: „Tertio calendas Julii ordinatio sancti Severi episcopi
sexti Pragensis ecclesiae." (Am 29. Juni die Bischofsweihe des
') Tcsina Phosph. p. 605, Biibiia Canon capituH Prag. MS. mit Berücksichti-
gung der Erörterungen Palacky's über altböhraisclie Adelshäuser II. 2. S. 10.
Cosnias nennt ihn einfach: nobilis genere.
~) Ziegelbauer: hist. vionast, Bremiov, p. 112; er beruft sich auf alte Manu-
scripte des Klosters.
3) Als solcher erscheint er in Bubna's Canon cap. Prag. MS. und in Peäina's
Phosph. p. 605.
*) Cosraas.
5)Hajek ad a. 1024.
6) Dobner annal. V. 127.
') Cosmas.
^) Ebendaselbst. Pesina hielt ihn für den Verfasser der schon öfters citirten
lieblichen Legende des h. Wenzel. - Dieselbe befindet sich in einem grossen
Pergament-Codex der Prager Kapitelbibliothek, und in einer Abschrift (von
"W. Duchowsky 1763) in der k. k. Universitätsbibliothek zu Prag.
73
heiligen Severus, sechsten Bischofs der Kirche zu Prag.) Einer
edlen Familie Böhmens entsprossen, ') ausgezeichnet durch zierliche
Gewandtheit und eben so eifrige als treue Dienstfertigkeit, war er
als junger Kleriker im fürstlichen Gefolge — eine seltene Erschei-
nung — der Liebling des Fürsten sowohl, wie des gesammten
Hofes. Damals verschmähte er es nicht, ausnahmsweise einmal
den herzoglichen Leibkoch zu machen, indem er auf der Jagd einen
Eberschweif auf das künstlichste für seinen Fürsten bereitete, um
dafür das scherzhafte Lob entgegenzunehmen: für solch ein köstli-
ches Gericht sei er eines Bisthums werth.^) Später soll er dage-
gen das Mönchskleid genommen und im Kloster zu Bi;ewnow ein
Leben der Frömmigkeit begonnen haben. ^) Zuletzt war er, wie
seine beiden Vorgänger, in das Domkapitel zu Prag eingetreten
und hatte daselbst die Würde des Propstes erlangt.*) Der fort-
dauernden Gunst des Herzogs Udalrich, und dem allgemeinen
Rubme, dass er der erste sei in alleii geistlichen Pflichten, ^) ver-
dankte er nach Hyzos Tode seine Erhebung auf den bischöflichen
Stuhl. Schon im Anfange des Jahres 1030 gewählt, erlangte er
doch wegen des damaligen Zerwürfnisses Udalrichs mit Kaiser
Konrad 11. erst am 29. Juni 1031 die kaiserliche Investitur und
die bischöfliche Weihe.®) Als Bischof Hess er es in keiner Weise
an Fleiss und Eifer mangeln, um die ihm anvertraute Diöcese zu
ausgezeichneter Blüthe zu bringen.*) Desshalb ging er vor Allem
an die Fortsetzung des Kampfes, den schon Bischof Dietmar be-
gonnen hatte. Die noch immer nicht völlig überwundenen altheid-
nischen Unsitten fanden in ihm einen energischen Gegner.®) Dabei
zeigte er sich selbst als Freund der Andacht und Selbstabtödtüng,
indem er unter Anderem im J. 1036 bei einem gewaltigen Erdbe-
ben, welches Häuser und Thürme niederriss, nicht blos eine allge-
') Paprocius — irregeführt durch den böhmischen Namen Sebir — nennt ihn
einen Berkowsky von Sebirowa.
*j Cosmas a. h. a. Marignola p. 268.
3) Ziegelbauer, hisi. monast. Brevnov. p. 112.
*) Pesina : Phosph, und Bubna : canon cap. Prag.
^) Cosmas.
*') Cosmas. Marignola. Dobner annal V. 178,
') Anonymus apud Menken, tom. 3.
^) Dies beweisen seine späteren Gesetze.
74
meine Faste zur Versöhnung des göttlichen Zornes ausschrieb, son-
dern auch selbst aller Speise und alles Trankes sich enthielt und
unablässig auf dem Boden liegend unter heissen Thränen die Er-
barmung des Himmels anflehte.')
2. Im Jahre 1037 am 9. November verschied Herzog Ulrich,
der stete Gönner unseres Bischofs. Der noch lebende blinde Ja-
romir führte selbst unter allgemeiner Rührung den Sohn des Ver-
storbenen, Bretislaw, den böhmischen Achilles, auf den Herzogstuhl.
Dieser hatte vordem — übermüthig genug — aus einem Kloster
in Schweinfurt in der Person der dort in Erziehung befindlichen
Schwester des Markgrafen Otto sich eine Gemahlin geraubt. Küh-
nen Muthes hatte er Mähren von den Polen zurückerobert und den
Titel eines Herzogs daselbst angenommen. Eigenmächtig hatte er
im Bunde mit Kaiser Konrad den ungarischen König Stephan be-
kriegt. Zuletzt hatte er, flüchtig vor seinem Vater, an der Spitze
eines deutschen Heeres die Wiederaufnahme ins Vaterland sich
erzwungen.-) Da konnte es wohl nicht fehlen, dass Bischof Seve-
rus als Günstling und treuer Anhänger des Vaters Udalrich nicht
eben ein Liebling des Sohnes ward. Bi^^etislaw brachte die kühn-
sten Pläne, vereint mit dem tapfersten Muthe, mit auf den Her-
zogstuhl. Böhmens alte Grösse, das riesige Reich der beiden er-
sten Boleslawe, wollte er wieder erneuern. Auch die Unabhängig-
keit von Deutschland wollte er sich erstreiten. In zwei Feldzügen
(1038 und 1039) eroberte er das polnische Reich. Der kostbare
Schmuck der Kirchen des Landes wanderte nach Böhmen. Da
ward auch der Leib des heil. Adalbert unserem Lande wiederge-
geben. Bischof Severus, der mit seinen Mannen am Zuge hatte
theilnehmen müssen, liess das wilde Kriegsvolk vor der Erhebung
des heiligen Leichnams drei Tage lang fasten und Busse thun.
Zugleich nahm der Herzog, diessmal im Einverständnisse mit dem
Bischöfe und auf Einrathung desselben die Gelegenheit wahr, in
feierlicher Weise einige Gesetze zur endlichen Abstellung altheid-
nischer Missbräuche zu verkünden und von allen Anwesenden be-
schwören zu lassen. Darauf ward unter Psalmengesang das Grabmal
des Heiligen geöö'net, süsser Wohlgeruch duftete Allen entgegen, meh-
') Hajek a. h. a.
») Vgl. Palacky I. 270-277.
75
rere Kranke wurden plötzlich gesund. Der Leichnam ward völlig un-
versehrt gefunden, und zugleich mit den Leibern des seligen Gau--
dentius, ersten Erzbischofs von Gnesen (Adalberts Bruder Kadim)
und der heiligen Märtyrer des Benediktinerordens Benedikt mit
den Brüdern (Matthäus, Isaak, Johannes und Christinus) mit gros-
sem Pomp an der Spitze des Heeres nach Prag übertragen.') (Fest
der Uebertragung des h. Adalbert und Benedikts mit den Brüdern
am 25. August.)
3. Die in Gnesen so feierlich beschworeren Gesetze, kraft
welcher endlich der Kampf der jugendlichen Kirche Böhmens mit
den Ueberresten des alten Heidenthums beendigt werden sollte,
sind folgende:
a) Die Ehen, welche bisher wie Anstalten der Unzucht und
ähnlich den wilden Thieren gehalten wurden, sollen jetzt nach den
Bestimmungen der heil. Kirchengesetze gesetzlich, einfach und un-
auflöslich sein, so, dass der Mann mit einem Weibe, und das Weib
mit einem Manne zufrieden lebe. W^enn aber das Weib den Manu
oder der Mann das Weib verachten, und unter ihnen ein Streit
bis zur Scheidung ausbrechen sollte, so soll derjenige Theil von
beiden, welcher zur früheren rechtmässigen Verbindung nicht zu-
rückkehren will, zwar nicht nach der frühern Sitte des Landes
zur Sklaverei verdammt, sondern vielmehr kraft dieser unverän-
derlichen Anordnung ohne Unterschied der Person nach Ungarn
verbannt werden und in keiner Weise ihm erlaubt sein, sich los-
zukaufen oder ins Vaterland zurückzukehren. Wer dagegen han-
delt, der sei im Banne.
b) Dasselbe Urtheil soll jene unkeuschen Jungfrauen und
Witwen treffen, welche überwiesen werden, dass sie ihren guten
Namen verloren und die Keuschheit verletzt, oder in Unzucht em-
pfangen haben. Wenn aber ein Ehe-Weib sich beklagt, dass ihre
Liebe nicht erwiedert und dass sie vielmehr von ihrem Manne
roh behandelt und geschlagen werde: so werde unter ihnen ein
Gottesgericht gehalten,^) und wer als schuldig unter ihnen erschei-
nen wird, der möge die Strafe erleiden.
') Cosmas.
^) Gottesgerichte waren noch lange Zeit bei den Gerichten in allen Ländern
das vorzüglichste Beweismittel. Auch sie waren eigentlich ein üeberrest
des früheren Heidenthums.
76
c) So sollen auch diejenigen, welche eines Mordes geziehen
werden, vom Erzpriester dem Grafen (Zlupan) der Stadt gemeldet
werden. Der Graf soll sie vor sich rufen und die Widerspensti-
gen in den Kerker werfen, bis sie entweder Busse thun, oder,
wenn sie läugnen, durch Feuer- oder Wasserprobe (Gottesgericht)
geprüft w^erden, ob sie schuldig sind. Bruder- und Vatermörder
aber, sowie, wer einen Priester getödtet, oder eine ähnliche Blut-
schuld auf sich geladen bat, die soll der Erzpriester dem Grafen
oder Herzog anzeigen, welcher sie an Händen und Leibe gebrand-
markt aus dem Lande verbannen wird, damit sie gleich Kain, ruhe-
und heimatlos die Erde durchirren.
d) Es sei im Banne, wer ein Schankhaus, welches die Wurzel
alles üebels, der Ausgangsort der Diebstähle, der Todschläge, Ehe-
brüche und aller übrigen Sünden ist, errichtet und ein bereits er-
richtetes erwirbt. Der Schankwirth, der dieses Gesetz verletzt,
soll auf dem mittelsten Markte an einen Pfahl gebunden und bis
zur Ermüdung des Schergen geschlagen und seines Haupthaares
verlustig werden. Seine Getränke sollen keineswegs konfiscirt,
sondern auf die Erde ausgegossen werden, damit Niemand mit dem
fluchwürdigen Trünke sich beflecke. Wer als Trinker ergriffen
wird, soll nicht früher aus dem Kerker entlassen werden, als bis
er 300 Groschen in, den herzoglichen Schatz erlegt hat.
e) Märkte dürfen an Tagen des Herrn durchaus nicht gehal-
ten werden. Wenn Jemand an Sonn- und Festtagen bei irgend
einer kneclitlichen Arbeit angetroffen wird, so soll die Arbeit und
das dabei befindliche Vieh vom Erzpriester hinweggenommen und
überdiess der Betrag von 300 Groschen in den Schatz des Herzogs
erlegt werden.
f) So sollen auch diejenigen, welche es wagen, ihre Todten
in Feldern und Wäldern zu begraben, dem Erzdiakon ein Rind und
in den herzoglichen Schatz 300 Groschen zahlen, den Todten aber
neuerdings auf dem Begräbnissplatze der Gläubigen beerdigen.')
4. Wir dürfen nicht zweifeln, dass diese Gesetze unter so er-
greifenden Umständen gegeben, so feierlich beschworen, und ebenso
von dem strengen Fürsten wie von dem eifrigen Bischöfe auf das
Pünktlichste vollzogen, einen erfreulichen Umschlag in den reli-
^) Cosmas.
77
giös-sittlichen Zuständen unseres Vaterlandes hervorgebracht haben.
Was Dietmar als unerfüllt in der Todesstunde beklagt, was den h.
Adalbert zum Martyr gemacht hatte, um was alle ihre bisherigen
Nachfolger so ernstlich bemüht gewesen waren : das schien nun
endlich in der Hauptsache erreicht. Der siegreiche Kampf des
Christenthums mit den Resten des alten Heidenthuras war in der
Mehrheit des Volkes zu Ende gediehen. Nur insgeheim opferten
noch, hin und wieder einige Bauern hinter dem Rücken ihrer
christlichen Priester den alten „Diasen," beteten zu ihren alten
Hausgötzen (Skfety), begruben ihre Todten in den altheiligen Hai-
nen, feierten Trauerfeste (Tryzny) über ihren Gräbern und wand-
ten sich zu den Nordslawen in Rethra und Arkona um geheime
Belehrung in ihrem Aberglauben. ') Diesem letzten Unwesen machte
um das J. 1106 der eifrige Herzog Bretislaw H. im Vereine mit
dem Bischöfe Herrmann ein Ende. —
§. 20. Fortsetzung.
1. Für den Bischof Severus folgte nun eine Zeit der schwer-
sten Verlegenheiten und der grössten Bedrängnisse. Des Helden-
herzogs kühne Bestrebungen für Böhmens Grösse und Selbststän-
digkeit, in der Heimat mit Jubel begrüsst, anderwärts aber desto
unliebsamer aufgenommen, waren die Quelle derselben. Wie einst
Rastislaw von Mähren seine Befreiungspläne vorerst durch Herstel-
lung kirchlicher Selbstständigkeit eingeleitet hatte: so jetzt auch
Bretislaw. Er wollte das Bisthum in Prag zum Erzbisthum erhe-
ben, und so die hergebrachte Abhängigkeit Böhmens vom Metro-
politen in Mainz beseitigen. Eifrige Unterhandlungen wurden be-
reits in Rom gepflogen, — ohne Wissen und Willen des Erzbischofs
Bardo.') Welche schiefe Stellung unseres Bischofs Severus, der
nicht wagen durfte, die Pläne des ungestümen Herrschers zu durch-
kreuzen! Aber Bretislaw schien noch viel weiter gejien zu wollen.
Als er im J. 1039 den Bau des Klosters Sazawa vollendet hatte,
führte er dort slawische Mönche aus den ruthenischen Gegen-
den Ungarns mit griechisch- slawischem Ritus ein.^) Da
'j Palacky I. 336, cit. Adami Bremensis Jiist eccl. p. 37.
-) Palacky I. 278 Note. Cit. Annalist. Saxo p. 477.
'^1 Giuzel: Gesch. der Slaweuapostel, S. 139. cit. Kopitar. Dass der neue
78
es sich um eine damals noch nicht dem Schisma verfallene, von
der Kirche geduldete liturgische Ausnahme zu Gunsten eines
einzigen Klosters zu handeln schien, glaubte wohl Bischof Severus
seine Einwilligung geben zu müssen, um nicht das traurige Aer-
gerniss eines gänzlichen Zerfalles mit seinem heftigen Fürsten her-
aufzubeschwören. Aber — wie einst Rastislaw — so mochte wohl
auch unser böhmische Achilles die Einführung der slawischen
Sprache in die Feier des Gottesdienstes als ein besonders dienli-
ches Mittel für seine politischen Pläne erachten,') und es lag sehr
nahe, dass er desshalb bei der Neuerung in Sazawa nicht stehen
bleiben werde. Grund genug, um die Besorgnisse des mainzer Me-
tropoliten noch zu steigern, und dadurch die Verlegenheit des Bi-
schofs Severus zu vermehren.
2. Nun hatte Bfetislaw eben auch die Eroberung Polens
vollendet. Die Klagen der vertriebenen Witwe Mecislaws IL bei
Kaiser Heinrich III. und die Klagen des Volkes wegen Verletzung
und Plünderung der Kirchen bei Papst Benedikt IX. in Rom schie-
nen der Welt über Bfetislaws Pläne die Augen zu öffnen. Auch
Severus war als Theilnehmer im Kampfe und wegen der Hinweg-
nahme der Reliquien des heil. Adalbert und anderer Heiligen schwer
beinzichtigt. Nur mit Mühe vermochte Bi-etislaw vorläufig noch
den Frieden mit Heinrich III. zu erhalten, welcher — einer der
grössten Regenten der Geschichte — ganz der rechte Mann war,
uni das Gedeihen der für Deutschland so gefährlichen Entwiü-fe
des böhmischen Helden zu hindern.-) Indess musste eine böh-
nnsche Gesandtschaft durch ein reumüthiges Geständniss und durch
Betheuenmg ernstlicher Busse die Verzeihung des Papstes gewüi-
nen. Dieselbe erfolgte auch in der That unter der Bedingung:
dass Herzog und Bischof als Busswerk gemeinschaftlich an einem
geeigneten Orte ein Kloster erbauen, dasselbe mit allen kirchli-
chen Erfordernissen hinreichend versehen, und erprobte geistliche
Personen daselbst einsetzen, welche für alle Zeit Gott dem Herrn
zur Sühne und zum Heile der lebenden und abgestorbenen Christ-
Ritus der graecoslawische war, beweisen die 1855 von Prof. Gonst. Höfler
aufgefundenen glagolitischen Fragmente, die nach dem Urtheile Öafariks
Bestandtheile von liturgischen Büchern nach griecliischem Ritus sind.
') Ginzel, ebendaselbst.
-) Palacliy I. 281 und 279.
79
gläubigen eifrig dienen.') In Folge dessen entstand das noch heute
bestellende Kollegiatstift zu Alt-Bunzlau. Von der Errichtung
eines Erzbisthums in Böhmen war nun keine Rede mehr.
3. Unterdessen war an Heinrichs Forderung, die geraubten
polnischen Silberschätze innerhalb eines bestimmten Termins auf
Heller und Pfennig zu ersetzen,*) die längere Erhaltung des Frie-
den gescheitert. Im August 1040 standen zwei deutsche Heere an
Böhmens Grenzen, das eine unter dem Kaiser in Baiern, das andere
in Meissen unter Anführung des Erzbischofs von Mainz. Welche Lage
für Severus: auf der einen Seite der ungestüme, misstrauische
Landesfürst, auf der andern der Träger der kaiserlichen Krone,
welcher er bei seiner Investitur den Eid beständiger Treue gelei-
stet hat,"') und der strenge Metropolit, welcher mit ihm nach Sy-
nodalrecht vorzugehen droht!'') Die Expedition des Kaisers schei-
terte durch eine Niederlage am 23. August 1040 am Fusse des
Böhmerwaldes. Da musste auch das bereits bis Brüx vorgedrun-
gene Meissnische Heer den Rückweg suchen. Glücklicher war der
zweite Feldzug im nächsten Jahre. Am 8. September 1041 wehte
auf dem nachmaligen Zizka-ßerge bei Prag das deutsche Banner.
Da floh Severus insgeheim in das kaiserliche Lager, um mit in-
ständigen Bitten denjenigen zu überwinden, der als Sieger bereits
vor den Thoren stand. Bretislaw musste Frieden schliessen und
alle seine kühnen Pläne aufgeben. Aber schwer war seine Rache
gegen jene im Lande, welche dazu mitgewirkt hatten. So fiel der
zu den Deutschen übergegangene Graf Prkos von Bilin unter dem
Schwerte des Henkers.^) Der Bischof Severus konnte sich nur da-
durch retten, dass er bis in das J. 1042 am Hofe des Kaisers
verweilte. Der letztere selbst leitete endlich in diesem Jahre bei
Bfetislaws Anwesenheit in Regensburg die Wiederversöhnung ein.
Da kehrte Severus ins Vaterland zurück, leider zu seinem Un-
glücke. Er fand da Ketten und Kerker.'^) Doch wurde er endlich
— wohl auf Verwendung des Kaisers selbst — wieder befreit und
1) Cosnias.
-) Cosmas ad a. 1040.
3) Vgl. Dobner annal. 5. 265, und Gerlacus, Monitm. Boem. 1. 126.
•*) Annalista Saxo, a. h. a.
5) Palacky I. 286 ii. 287.
") Cosmas.
80
der kräftigen Fürsorge für seine Diöcese wiedergegeben. Bis zu
Bf etislaws Tode scheint wieder ein erträgliches Verhältniss zwischen
dem weltlichen und dem geistlichen Oberhaupte bestanden zu
haben. In dieser Zeit betheiligte sich Severus an den Synoden zu
Pavia und Sutri (1047) zur Beseitigung eines traurigen Schismas;
mehr als wahrscheinlich auch an der Synode zu Mainz (1049), wo
es sich in Gegenwart des Kaisers und des Papstes um die Abstel-
lung aller Simonie und der ungesetzlichen Priesterehen handelte '■>
endlich wieder bei einer Synode zu Mainz (1054), wo auf Verwen-
dung und Bitte der Römer der Bischof Gebhard von Eichstädt
zum Papste gewählt wurde.') Herzog Bfetislaw aber benützte
diese Zeit zu edlen Idrchenfreundlichen Werken. Im J. 1048 ver-
mehrte er die Stiftung des Benediktinerpriorats zu Raigern bei
Brunn (Raihrad) und erwirkte dessen Erhebung zu einem selbst-
ständigen Kloster. In gleicher Weise vergrösserte er darauf die
Besitzungen der Klöster Bi^ewnow, Ostrow und Sazawa.") Er starb
am 10. Jäner 1055.
4. Unter Bi'etislaws Sohne Spytihnew II. kehrte Sever's gol-
dene Zeit zurück. Dieser ,, Vater des Klerus" gab — gewiss mit
Zuthun des Bischofs — dem Vaterlande die völlige Einheit in der
Liturgie zurück, indem er die seit Aufgebung der ehrgeizigen
Pläne Bi'-etislaws nutzlos gewordene slawische Liturgie des
Klosters Sazawa durch Entlassung der ruthenischen Mönche
und Aufnahme einer Kolonie von Bi-ewnow wieder beseitigte. Wohl
bewog ihn hiezu auch der Umstand, dass der griechische Ritus,
dem jene slawische Liturgie erwiesener Massen folgte, seit etlichen
Jahren (1054) zugleich mit der griechischen Kirche schismatisch
geworden war.^) Fromm und eifrig im Dienste des Herrn verrich-
tete Spytihnew die kirchlichen Andachten inmitten seines Klerus
mit einer Pünktlichkeit, die Allen zum Muster dienen konnte. Er
stiftete im J. 1057 das neue Kollegiatstift in Leitmeritz zu Ehren
des h. Martyrs Stephan, das im Laufe der Zeiten zu einem Bis-
tllum sich gestalten sollte. Im J. 1060 legte er auch den Grund zu
einer neuen Domkirche in Prag an der Stelle der alten vom h. Wenzel
1) Vgl. Dobner annal V. 290, 291, 302, 323.
-) Urkunden in Erben reg. 45, 44, 47 und 50.
^) Ghi'on. Sasmiense I. 97.
81
erbauten, deren Umfang dem Bedarfe nicht mehr genügen konnte. ')
Die Vollendung derselben erlebte er nicht; er starb am 28. Januar
1061. Mit dem alten Dome war gleichsam auch die alte Zeit der
böhmischen Kirche verschwunden; mit der neuen S. Veitskirche,
und mit dem neuen Herrscher sollten neue Interessen und neue
Bewegungen auch die Kirche Böhmens in Anspruch nehmen.
Severus überlebte den kirchenfreundlichsten Fürsten nur we-
nige Jahre. Er starb — als ein Heiliger verehrt — am 9. De-
zember 1067 % nachdem er noch im Jahre 1063 seine Einwilli-
gung zur Errichtung eines eigenen Bisthums in Olmütz und zur
Beschränkung der bischöflichen Jurisdiction von Prag auf die Grän-
zen des eigentlichen Böhmens gegeben hatte. ^) Hiedurch war für
die Zukunft eine desto kräftigere Entfaltung des kirchlichen Le-
bens ermöglicht.
§. 21. Die Theilnahme der meissnischen Bischöfe am siegreichen Kampfe
gegen das Heidenthum im Norden Böhmens.
1. Der Kampf gegen die Ueberreste altheidnischer Sitte in Böh-
men und die endliche Ueberwindung derselben war die grosse Auf-
gabe dieses Zeitraums gewesen. Wie allerwärts, so hatten die Bi-
schöfe Prags im Vereine mit den glaubenseifrigen Landesfürsten
diese Aufgabe auch in jenen Gegenden der Diöcese, die jetzt den
leitmeritzer Sprengel bilden, mit glücklichem Erfolge gelöst.
Dasselbe Werk war aber auch im aus s ersten Norden des
Landes, in den zur meissn^er Diöcese gehörigen Gebie-
ten zu vollbringen gewesen. Hier nun hatten die Oberhirten von
M e is s e n ebenfalls redlich ihre Pflicht gethan, — eine um so schwe-
rere Pflicht, als es hier zugleich einen harten Kampf gegen tiefge-
wurzelte nationale Antipathien galt. ~
2. Auf den ersten Slawenbekehrer im Gebiete von Budisin,
Lausitz und Zagost war Volcold nachgefolgt (972 — 993), der
Freund und Gesinnungsgenosse des h. Wiligisis von Mainz, der
1) Palacky I. 295-297.
2) Cosmas a. h. a. • :
3) Dobner annal. V. 379. — Augustinus Olomucensis. — Cosmas gibt dage-
gen das Jahr 1067 an.
6
82
eifrige Reformator seiner Geistlichkeit. Als Glaubensbote in den
Norden seines Sprengeis zu ziehen hinderten diesen leider die
damaligen Aufstände aller Wenden (981 und 982), die allerdings
zunächst gegen die Bedrückungen ihrer deutschen Gebieter gerich-
tet waren, aber zugleich auch zu argen Kämpfen gegen die von
Deutschland gekommenen christlichen Institutionen des Landes aus-
arteten. Yielleicht gingen da die Früchte der Bemühungen
des seligen Burchard in trauriger Weise zu Grunde. Eine glück-
lichere Zeit erlebte der nächste Nachfolger Eido (Egidius, 993 —
1015). Ein neuer Aufstand der Wenden, den der Widerwille gegen
die fremden Sieger hervorgerufen, hatte im J. 995 ein für die deut-
schen Waffen glückliches Ende gefunden. Da zog Eido, der ehe-
malige Klosterbruder von Magdeburg, persönlich als Glaubensapostel
nach Zagost und Budisin, und gewann durch Wort und Beispiel
der Lehre Christi neuerdings zahlreiche Bekenner. ') Wenn es
begründet ist, dass eben in der Stadt Budisin im J. 999 eine stei-
nerne Kirche — wohl an der Stelle einer zerstörten hölzernen aus
früherer Zeit — vollendet ward^), so ist unzweifelhaft Bischof
Eido der Consecrator derselben gewesen. Er starb schon im Jahre
1015 im Rufe der Heiligkeit. ^) Die neue Kirche in Budisin aber
blieb der Mittelpunkt des christlichen Bekenntnisses der gesammten
Gegend. Unter Bischof Eido kam der Tradition nach auch der
heilige Bruno (Graf von Querfurt, Missionserzbischof für Preussen)
in die Gegend von Budisin und predigte da in der „Kapelle zu
Jüterbok", — angeblich auch in Gabel (c. 1000).*) Dennoch war
das alte Heidenthum in den Gauen Budisin und Zagost nicht völlig
besiegt. Es kräftigte sich noch einmal an dem Hasse gegen die
Fremden, als der christliche Polenherzog Boleslav Chrobry in den
Jahren 1003 und 1007 dieser Gegenden sich bemächtigte. Auch
der deutsche König Heinrich IL, der Heilige, fand als neuer Herr
dieser Landschaft die Gemüther Vieler in heftiger Erbitterung, nicht
nur gegen die fremde Macht, sondern auch gegen den christlichen
') Fabricius annal. Misn.
^) Es war diess dieselbe Kirche, welclie 1215 als alt und finster abgerissen
wurde, Sie stand an der Stelle des jetzigen Chors des S. Peterdoms. Ygl.
Sintenis: die Oberlausitz, S. 64.
3) Ditmarus et annälista Saxo bei Galles senes episc. Misn. p. 55.
^) Palme: Kückblicke in die Vorzeit des böhm. Niederlandes. MS.
83
Glauben., Er musste mit dem Schwerte die Widerspänstigen be-
drängen (1015). ') Da flohen die Unbeugsamsten vor der Ueber-
macht des Königs in die dichten Wälder an der Gränze von Zagost
und Böhmen, wo sie wohl noch eine Zeit lang in stiller Verbor-
genheit ihre hergebrachten Ueberlieferungen bewahrten, endlich aber
dennoch durch den friedlichen Einfluss der böhmischen Nachbar-
schaft für die heilige Kirche gewonnen wurden. Die Sage bezeichnet
die heutigen Ortschaften: Kreibitz und Windisch-Kamnitz in Böh-
men, Oderwitz und Eubau in der Oberlausitz als ehemalige Nie-
derlassungen jener flüchtigen Wenden,^) Dieser aber waren am
Ende doch nur verhältnissmässig wenige gewesen. Die grosse
Mehrheit in der wendischen Heimat wollte dagegen mit dem
Segen des Friedens das Heil des Christenthums empfangen. Gewiss
thaten sofort die meissnischen Bischöfe Eilward (Eduard 1015 —
1023),Hugbert(Wipert, 102.3— 1024), und Theo dorich (1024—
1046 ^) ihr Möglichstes, um das äussere Bekenntniss der Menge
zur heiligen Ueberzeugung des Herzens zu gestalten. Dennoch folgte
noch eine und zwar die letzte Keaktion. Alle Slawen, die zwischen
der Elbe und Oder wohnten und grossentheils durch mehr als 70
Jahre das Christenthum bekannt hatten, erneuerten im Jahre 1035
den Kampf gegen die Deutschen und brachten ihrer nationalen
Antipathie schon wieder den christlichen Glauben zum Opfer.*)
Da bedurfte es einer abermaligen Unterwerfung und eines neuen
Apostels.
3. Die neuen Bischöfe Meinhard (1046 — 1051), Reiner
(Reginhard, 1051 — 1060), der Vollender des S. Afraklosters in Meis-
sen, und Gräfte, der ehemalige Propst von Goslar (1060 — 1066 ^)
Hessen es wohl an heiligem Eifer für den Unterricht der Wen-
den nicht fehlen : aber sie alle übertraf ihr Nachfolger, der grosse
Wendenapostel, der heilige Benno(1066 — tl6Junill06).
Dieser besuchte alljährig die einzelnen Städte und Dörfer seiner
ausgedehnten Diöcese. Besonders den Landschaften Zagost und
1) Chron. MamfeU. 239.
3) Vergl. Seite 30.
3) Calles series e^iscoporum Misnensium. 55 — 64.
*) HelmoU. L. I. ■— Chron. Slav. c. 16.
5) Calles series ejpiscop. Misn. 65 — 73.
6*
84
Budisin widmete er seine oberhirtliclie Sorgfalt.- Es gelang ihm,
den Götterkult in den alten h. Hainen zu beseitigen, die den Göt-
tern geheiligten Bäume auszurotten, die heidnische Sitte, in Wäl-
dern und Feldern die Todten zu begraben, gänzlich aufzuheben, —
alles dieses durch die Kraft seines gotterleuchteten Wortes und
seines wahrhaft heiligen Lebens. ') Von höchster Bedeutung musste
es sein, dass er in diesen Gegenden als zeitweiligen Ruhesitz die
Burg Gödau ^) erwarb, wo fortan Bezela, die fromme Mutter
des. heiligen Bischofs, die letzten Jahre ihres Lebens in Werken
der Gottseligkeit verlebte. Eine fromme Sage erzählte einst, als
Gödau noch katholisch war, dass dasselbst die gottselige Witwe
täglich, selbst in der härtesten Winterzeit die Kirche besucht und
hiebei den sie begleitenden Kaplan wiederholt aufgefordert habe,
in ihre erwärmten Fussstapfen zu treten. Hier fand sie auch ihre
letzte Ruhestätte, nachdem sie all ihr Eigenthum der bischöflichen
Kirche von Meissen testirt hatte. ^) Es leuchtet ein, dass die
Umgegend von Gödau, die sofort den Meissner Bischöfen als Ei-
genthum gehörte, und wo vielleicht schon in dieser Zeit die bischöfliche
Stadt Bischofswerde emporblühte, auch einer besonderen Fürsorge von
Seiten des h. Benno sich erfreute. So konnte es nicht fehlen, dass
der christliche Glaube insbesondere auch in dem jetzt böhmischen
Theile von Zagost, insoweit derselbe damals bereits bevölkert war,
endlich bleibende Wurzeln fasste und in Kurzem die edelsten
Früchte eines echtchristlichen Lebens trug.
^) Cosmas de Bfetislav IL
^) Emser cit. bei Oalles p. 78. Aehnliche Kuhesitze hatte Benno zu Bresnic
(Priesnitz bei Dresden), wo noch lange Zeit eine königliche Burg und ein
bischöfliches Lustschloss bestand (Huhn Lex. v. Deutschland).
') De S, Bennone variorum scripta bei Menken scrip. II. p. 1856 etc.
85
Die MrcMiclieii "Verhältnisse und Institutionen in der Zeit des
Kampfes der Kirclie mit dem unterliegendeli Heidentimme.
(972—1067.)
§. 22. Der Säcularclerus der Di'dcese.
1. Aus den Seelsorgen der einzelnen ^upenburgen, wie wir
solche zur Zeit der Einführung des Christenthums in Böhmen ken-
nen lernten, waren unter den ersteh Bischöfen bereits eben so
viele Archipresbyterate geworden, deren Gränzen wohl von
den spätem Dekanaten zur Zeit Karls IV. nicht bedeutend ver-
schieden waren. Nachweisbar ist diese Einrichtung im Jahre 1039
eine längst bestehende gewesen, da die damals am Grabe des heil.
Adalbert beschworenen Gesetze ausdrücklich die Existenz eines
Erzpriesters neben den einzelnen ^upenvorstehern voraussetzen. ')
Hiemit war aber auch das gleichzeitige Bestehen untergeordneter
Landseelsorgen (Pfarreien, plebaniae) bedingt.
Den Titel eines Ar chipresbyt er s (Erzpriesters) hatte ur-
sprünglich in der katholischen Kirche nur der der Weihe nach äl-
teste Priester am Sitze des Bischofs geführt, dem es in Verhinde-
rung des Letzteren zustand, die gottesdienstlichen Hauptfunktionen
zu verrichten. Seit dem fünften und sechsten Jahrhunderte treffen wir
bereits in vielen Diöcesen ß u r a 1-E r z p r i e s t e r, deren Hauptaufgabe
es war, die Landgeistlichen eines gewissen Bezirkes zu beaufsich-
tigen und deren Vergehen zur Kenntniss der bischöflichen Behörde
zu bringen. In der Karolingischen Zeit ist dieses Institut bereits
allgemein, und deshalb kaum zu bezweifeln, dass auch die Bischöfe
von Regensburg wenigstens einen solchen Erzpriester in Böhmen
angestellt hatten.^) In dieser Zeit bekamen auch die Archipres-
1) Tgl. §. 19. N. 3. c, a, e.
~) Ein solcher war vielleicht der in dem fragmentum praebendancm etc. ec-
desiae S. Georgii (Dohner. mommi. VI. 342) im Jahre 912 ausdrücklich
erwähnte ArcJiipresbyter Vlita bei S. Georg in Prag.
86
byterate, analog einer älmliclien Einrichtung bei den Benediktiner-
Conventen und vielleicht auch von der gewöhnlichen Anzahl der
untergebenen Seelsorgstationen, schon den Namen D e k a n a t e. Von
nun an, und also auch zu der eben geschilderten Zeit in unserem
Vaterlande, hatte der Erzpriester die Geistlichen seines Bezirkes
zu beaufsichtigen, kleinere Streitigkeiten derselben zu richten, die
Verordnungen des Bischofs in Vollzug zu setzen, die Ordinanden
seines Sprengeis dem Bischöfe zur Weihe vorzuführen und am er-
sten Tage eines jeden Monats mit der ihm unterstehenden Geist-
lichkeit eine Pastoralkonferenz abzuhalten, deren Zweck haupt-
sächlich die gegenseitige Fortbildung und der Austausch gemein-
samer Erfahrungen und Gedanken sein sollte.')
Ursprünglich wohnten, wie aus den Severischen Gesetzen er-
sichtlich ist, die Erzpriester oder Dekane in den Zupensitzen. Spä-
ter zogen sie wohl in die bedeutendste Stadt des Bezirks, wo zu-
gleich die Cuda (das herzogliche Gericht) seinen Sitz nahm. Aus
dieser Zeit mag die Benennung der meisten Dekanate stammen.
Späterhin ernannte der Bischof irgend einen Seelsorger des Bezirks,
der aber desswegen seine Station nicht verlassen musste, zum Erz-
priester oder Dekan.^)
2. lieber den Erzpriestern eines gewissen Umkreises stand in
der ebenerwähnten Zeit ein Archidiaconus (Erzdiakon, Erz-
dechant). Ursprünglich befand sich in einer Diöcese nur ein ein-
ziger Archidiakon und zwar am Sitze des Bischofs, wo er den
Unterricht und die Erziehung der jungen Kleriker leitete, die
Aufsicht über die Diakonen und alle niederen Kirchendiener führte,
und vorzüglich die Unterstützung und Verpflegung der Armen be-
sorgte. Das letztere Geschäft machte ihn alsbald zum Verwalter
der bischöflichen Einkünfte und in Folge dessen auch zum Gehilffen
des Bischofs in Sachen der allgemeinen Administration und Ju^r^s-
diktion. Man nannte ihn das Auge und die Hand des Bi-
schofs. Seit dem 8. Jahrhunderte Avurden grössere Diöcesen
schon in mehrere Archidiakonate getheilt, denen eben so viele
Itural-Archidiakone nebst dem Archidiakon der Kathedrale
') Vergl. Benedikt Weite Kirclienlex. 1. Band, 407 uad 408.
-) Laut der Lihvi confirmaüonum. In diesen werden häufig Pfarrer als De-
kane genannt, die keineswegs im alten Dekanatssitze wohnten.
8Y
vorgesetzt waren. In dieser Zeit und bis in's zwölfte Jahrhundert
visitirten und straften sie fast unabhängig die Pfarrer und Erzprie-
ster (Dekane), legten ihnen Abgaben auf, durften excommuniciren
und Suspendiren, und hielten sogar mit dem Klerus ihres Spren-
geis kleine Synoden. ^)
.3. Im zwölften Jahrhunderte werden im Umkreise Böhmens
dreizehn Archidiakonate erwähnt, welche wahrscheinlich
auch schon unter den ersten Bischöfen bestanden. Ihre Titularsitze
waren : Prag, Kauf im, Bechin, Bischof-Teinitz (Tyn Hor§ow), Pilsen,
Saaz, Leitmeritz, Bunzlau, Königgrätz (Hradec), Eokytzau, Eaudnitz,
Ziröinöwes (nördlich von Königgrätz) und Leitomischl. Eaudnitz
undEokytzan wurden später dem Archidiakonate von Prag, letzte-
res auch theilweise dem zu Pilsen, Ziröinewes aber dem Archi-
diakonate von Königgrätz einverleibt. Dafür erscheint nachweis-
bar seit 1216 das Archidiakonat von Bilin. ^)
Soweit die urkundlichen Nachweise zurückreichen (c. 1160),
waren die Archidiakonatswürden sammt den dazu gewidmeten Ein-
künften einzelnen nicht präbendirten Domherren des prager Dom-
kapitels zugetheilt, die als solche stabil in Prag wohnten und nur
zeitweilig ihre Archidiakonate bereisten. Im 13. und 14. Jahrhun-
derte und beziehungsweise auch in früherer Zeit bestand:
a) das Archidiakonat von Prag aus den Dekanaten
Prag, Beneäov, foöan, Ofechov (Karlsteiner Gebiet), Podbrdy (un-
ter dem Brdywalde, Gegend von Beraun), Eakonitz, Schlan, fop
(Georgsberg, Gegend von Eaudnitz), Chlumin und Brandeis.
h) Das Archidiakonat von Kaui^im aus den Dekana-
ten: Kaufim, Brod (Deutschbrod), ßeöic, Koliii und Stöpanov.
c) Das Archidiakonat von Bechin aus den Dekanaten :
Bechin, Moldau (Gegend von Nechwalic), Chynov, Dudleby (Teind-
les), Wolyii, Bozeü (Gegend von Eozmital) und Prachin.
d) Das Archidiakonat von Pilsen aus den Dekanaten:
Pilsen, Eokytzan und Klattau.
e) Das Archidiakonat von Bischofteinitz bestand
nur aus dem einzigen gleichnamigen Dekanate.
f) Das Archidiakonat von Königgrätz (Hradec) mit
J) Weite Kirchenlex. I., 405, 406.
^) Tomek, Gesch. Prags. I. 84,
88
den Dekanaten : Königgrätz, Jiöin, Bydzov, Kladsko (Grafschaft Glaz),
Dobru§ka, Königinhof (früher Dekanat ^iröinöves), Kosteletz und
Braunau.
g) Das Archidiakonat Leitomischl (Litomyäl) mit
den Dekanaten Litomy§l, Hohenmauth (auch Dek. Wratislaw), Chru-
dim, Landskron und Policka.
h) Das Archidiakonat Leitmeritz aus den Dekana-
ten : Leitmeritz, Trebnitz und Leipa.
i) Das Archidiakonat von Jung-Bunzlau aus den
Dekanaten Jungbunzlau, Melnik, Havran (später Dek. Nimburg),
Kainenec (später Dek. Weisswasser), Turnau, Gabel und Zittau.
li) Das Archidiakonat von Saaz aus den Dekanaten:
Saaz, Elbogen (Sedlic), 2lutic (Luditz), Kadan und Tepl.
l) Das Archidiakonat von Bilin aus den Dekanaten:
Bilin und Aussig.
Ausserdem gehörte das Gebiet von Eger bis in die neue
Zeit zur Diöcese von Regensburg und die §.11 erwähnten Gränz-
gebiete der jetzigen Diöcese von Leitmeritz zum Bisthume Meissen. ')
§. 23. Die alten Seelsorgspfriinden der' jetzigen Diöcese von Leitmeritz.
Wir zählen nun von den seit den ältesten Zeiten bis in die
Mitte, des 14. Jahrhunderts entstandenen Landseelsorgen diejenigen
auf, welche sich im Umkreise der jetzigen Diöcese Leitmeritz be-
fanden. Insofern die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts
ersichtliche Dotation derselben ein Massstab ihres Alters ist, er-
scheinen sie nach der Reihenfolge ihrer Stiftungszeit geordnet. ^)
In den allerseltensten Fällen ist ein bestimmtes Jahr der Entste-
hung sicher zu stellen. Doch ist anzunehmen, das s nahezu
das erste Drittel der Pfründen eines Dekanats bis in
die Zeit des 11. Jahrhunderts zurückreichen dürfte.
1. Im Leltiiieritzer Ärchicliakonate, und zwar:
a) Im Dekanate Leitmeritz (Litomöfice) befanden sich
'} ISTacIi dem Eegistrum decimarum bei Baibin Miscell. Dec. 1. Hb. V. u. Pa-
lacky, Dejiny I. 2. pHloha D.
^) Die eingescbaltenen Ziffern bedeuten den im J. 1B84 mit päpstl. Bewilligung
von den einzelnen Kirchen an König Wenzel abgegebenen halbjährigen
Zehent in böhmischen Groschen. Seh. bedeutet Schock böhm. Groschen.
89
die Beneficien: Die Pfarrei Allerheiligen in Leitmeritz (1 Seh. 9
gr.), die Archidiakonatspfründe f (45 gr.) '), die Pfarreien Hoätka f
(Gastorf 27), Robeö t (Robitsch 2Y), ^itenic f (Schüttenitz 24),
Wetla t (Wettel 24), Hrii§ovan f (24), Libegic (24), Strazi§tö
(Strasnitz 24), Biökovice f (Pischkowitz 21), Usk (Auscha 21),
Tuhaüf (18), Cerniöeves (Cernöwes bei Wettel 15), Ti-ebiiSinf
(Triebsch 13), Levinf (12), Maleäovf (Maischen 12), S. Laurenz
in Leitmeritz (9), S. Adalbert in Leitmeritz f (9), Sobönicef (9),
Bli^vedlf (Bleiswedel 9), ^ernosekf (Gross-Tschernosek 9), Libo-
chovan (9), Prackovice f (Praskowitz 9), Stebno (Stehen 9), ICf esic f
(9), S. Stephan in Leitmeritz f (6), Kaplan ei S. Nicolaus amEado-
byl (6), Zubrnicef (Saubernitz 6), ProboStovf (Proboscht 6), Pra-
chovaf (ehemals bei Hruschowan 6), Kostelec (Weisskirchen bei
Konoged6), S. Johann in Leitmeritz f (4), Mlikojedy (4), S. Georg
in Leitmeritz (3), Mukafov (Munkern 3), Cirkovic (3), Kaplanei S.
Peter in Leitmeritz f (3), Kaplanei S. Wenzel in Leitmeritz (3),
Launky (Launken bei Wettel). ^)
Es ist beachtenswerth, dass fast 2 Dritttheile der Pfründen
dieses Dekanats geistliche Kollatoren und somit wahrscheinlicli
auch geistliche Gründer hatten.
i) Im Dekanate Leipa: Leipa mit der Filiale Dobronov
oder Dobern (1 Seh.) % Dööin (Tetschen, der ältere Zlupensitz, 30
gr.), :^andov (Sandau 24), Kravary oder Radausov (Grabern f 18),
Nebuzan oder Neboöady (Neschwitz 17), Holany (Hohlen 15), Be-
ne§ov (Bensen 12), Drmy oder Stwolenky (Drumf 12), Mnichov
(ein jetzt verschwundenes Dorf um Quitkau und Töschen, 9), *)
Jedlka oder Hewlice (Höflitz 9), Jezwe (Neustadtl 9), Stadt Kame-
nic (Böhm. Kamnitz 9), Pawlovice (Pablowitz 6), Kvitkov (Quitkau
6), Richnov (Reichen 6), Libechov (Libich 6), Slup (Bürgstein 6),
') Die mit f bezeichneten Pfründen hatten geistliche KoUatox-en, welche im
Verlaufe der Geschichte genannt werden sollen.
■■^) Ausser diesen gehörten auch noch die jetzt zur Prager Erzdiöcese gehö -
rigen Pfarreien Poöaply f (9) und Chodzovice bei Raudnitz f (9) zum leit-
meritzer Dekanate,
^) Dobern Avurde 1392 eine selbstständige Pfarrei. Lib. Confir. ad 1392
und 1410.
*) Die Pfarrer von Quitkau u. Töschen werden in den Lib. conf. als Nach-
barn von Mnichow genannt.
90 ^
Palic (Politz t 6), Drchlava (Dürchel 6), Wolfardsdorf oder Wöl-
fartice (Wolfersdorf 6), Arnoldsdorf oder Arnoldice (Arnsdorf 4),
Skalice oder Langenau (3), Windiscli-Kamenice (Windischkamnitz
3), Marquardsdorf oder Markwartice (Markersdorf 3), Ticlilovice
(Tichlowitz 3) '), Cvikava (Zwickau 3), Rosendorf (3), Günthersdorf
(3), Bertlioldsdorf (ein jetzt unbekanntes Pfarrdorf bei Algersdorf)
3), Kifibska (Kreibitz 3), Hostikovice (Hospitz bei Hohlen 3), Mer-
bordsdorf oder Merboltice (Mertendorf 3), Wernersdorf oder Wer-
nefice (Wernstadt 3), Conradsdorf oder Kunratice (Kunnersdorf 2),
Mergentlial (Mafenice? — ). .
c) Im Dekanate Trebnitz: Die Pfarreien: Tfebenice f
(Trebnitz 40),*) Brozanf (1 Soll.), LibocboYice (46 gr.), Dlaäko-
vice (30), Chodzovt (30), Solany (Solan 27), Kozly f (Kosel 24),
Sii-ejovice t (Schirscliowitz 21), Klepy (21), Kfesin (21), Tfebiw-
lice f (Tfiblic 21), Lovosicef (Lobositz 18), Merunice (18), Wele-
minf (18), Liböeves (Liebschhausen 18), Sutom (16), fiisutyf
(15), Chotösovf (12), Baugovicef (12), Duban (9), Roböice (Hrob-
schitz 9), Dolanek f (9), Zelkovice (9), Nedvödice (Nedweditscli 8),
Cizkovice (6), Slatinaf (6), Miroäovice (4), Mrzlice (Mersclilitz 4),
Chauö (Kauzf 3), Lipa, Mokov.
2. Im Biliiier Archidiacoiiate, und zwar:
a) Im Decanate Bilin: Bilinf (48), die Archidiakonats-
pfründe f (45), Most f (Brüx 42), Duchcov (Dux 24), Rvenice (See-
stadtl 18), Teplice zu S. Johann f (18) , Becov (Hochpetsch 18),
Teplice bei S. Maria (18), Zlatnik (Böhm. Schladnig 12), Wtelno f
(12), Radovesice (12), Kopie f (9), Jifetinf (Georgenthal 9), Neu-
dorf oder Novosedly (9), Luzice (Luschitz 9), Hradi§tef (Ratsch
9), Kostomlaty (Kostenblatt 9), Zabrusany (Sobrusan 9), Öau§
(Tschausch 6), Slatinice (Deutsch Zladnig 6), Jenik (Janigg 6),
Radöicef (Maria Ratschitz 6), Libkovicef (Liquitz 6), Nesvöticef
(jetzt unbekannt 6), Holetice (Holtschitz 6), Zidovice t (Seidowitz
6), Kfemyz (6), die Klosterpfarre in Svetecf (Schwaatz 6), Dorf
Svetec t (6), Altosek f (6), Litvinov (Oberleitensdorf 3), Bohusu-
') Um 1360 nach Lib. Confirm. eine selbststänclige Pfarrei, 1384 Fihale von
Neschwitz. (Begisir. decim.) Neuerdings selbstständig 1412 und 1413.
Lih. Confirm.
^) Blieb als Klosterpfarre im Einkommen zurück, da die Schenkungen meist
dem Kloster selbst zufielen.
91
dov (in der Gegend von Kulm und Mariaschein, 3), ') Ugezd Je-
niSuv (Ugest, H. Osek, 3), ^elenice (Selnitz 3), S. Stephan (? 3),
Albrechtice (Olbersdorf 2), Daubravice f (ehemals am Fusse des
Schlossberges bei Teplitz gelegen, — ), Kliny (mons S. Wenceslai,
Göhrn — ), Novosedlice (Weisskirchlitz — ).
h) Im Decanate Aussig: Üsti (Aussig 1 Seh.), Trmice
(Türmitz 24), Krupa (Graupen 18), S. Adalbert in Aussig (18),
Chabafovice (Karbitz 18), Chvojno (Böhmischkahn 13), Svadovf
(Schwaden 12), Rtin (Hrtine 12), Öachov oder ^^echlovice (Tschochau
10), Rudniky f (Raudnik 10), Waltifov (Waltirsche 9;, Modlan f
(9), Brozanf (Prosanken 9), Chlumec (Kulm 9), Zim (Schima 9),
TuchomyM f (Schönfeld 6), WSebofice (Schöbritz 6) , Skoratice
(Gartitz 6), Boiislav f (Boreslau 6), Mojzif (Mosern 6), Jilove
(Eulau 4), Kolcz (? 4), Arnoltice oder Arnoldsdorf (Arnsdorf 3),
Rozbölesy (Rosawitz 3), Zezice (Sesitz 3), Bukovf (Böhmisch-
Bockau 3), Schönborn (1), Peterswalde (0) , Königswald oder Li-
buchec (0), Lipovä oder Spenersdorf (Spansdorf — ), Cernina
oder Ludgersdorf (Leukersdorf — ), Habartice (Ebersdorf — ), Ko-
monin (Deutsch - Kahn — ), Naklefov (Nollendorf — ), Pfedlice
(Predlitz — ).
Ausserdem gehörten zu diesem Dekanate noch die jetzt säch-
sischen Ortschaften: Königstein (4), Strupin (Struppen 4), Kotlava
(Gottleube 4), Rynarec oder Reinhardsdorf (4), Heinrichsdorf
(Hermsdorf 4), Markvartice oder Marquartsdorf (Markersbach — ),
01e§na (Oelsen) und Rosenthal ( — ).
3. Im Saazer Archidiakoiiate, und zwar:
a) Im Decanate Saaz: Zatec (Saaz), die Archidiakonats-
pfründe f (2 Seh.), die beständige Yikarie zu Saaz f ^) (36 gr.), die
Pfarrei Launy (Laun 2 Seh.), die Pfarreien Opoöno (Opotschna 36),
Welika wes (Grossdorf, jetzt Michelsdorf 33), Dobromörice f (30),
Brlohf (Bierloch oder Brdloch 30), Hawran (30), Hfivicef (27),
Libiäice (Liebeschitz 27) , Wriitek f (Rudig 21), Oöihov f
(Gross-Otschehau 18), Podbofanyf (Podersam 18), Neöemice (Ne-
*) Wir werden die Entstellung dieses Ortes unter Herzog Sobeslav I. 1125
erwälinen.
*) Die eigentliclie Dekanatspfründe blieb als dem Mutterkloster Strahov
incorporirte Pfarre im Einkommen zurück.
92
tsclienitz 18), S. Jakob in Saazf (18), Oboraf (15), Lene^ice f
(15), Cernöice (15), Minie (15), ^abokliky f (Scbaboglück 15), S.
Martin in Saaz (15), Skupice (15), Eadiöeves (Raitschewes 15),
Blazim (Ploscha 15), Strana (Strähn 15), Hradigtö (Hraidisch 12),
Holedeöf (HöUeditz 12),' Zlovedice (Lobotitz 12), Libödice (Liebo-
titz 12), Sobösulty (Sobiesack 12), Wolevöice f (Wolepscliitz 12),
Biiskovicef (Puscbwitz 12), Hofeticef (Horatitz 12), Mecholupy
(Miediolup 12), Pgoyt (Scliaab 12), Strupöice (Triipscliitz 12),
lü-yry (Kriegern 12), S. Andreas innerhalb des Klosters zu Postel-
berg f (10), Knezice (KnescMtz 9), Eanna (9), Cetoliby (Zittolib
9), Lipenec t (Lippenz 9), Su§any (Zuscha 9) Nahasice (9), S. Ni-
colaus in Saaz (8), Bitozeves (Wittoses 8), Letov (Ledau 7), Li-
boöany f (Libotschan 7), Pnetluky f (Netluk 6), 2elec (Seltsch 6),
Liboficef (Liboritz 6), Hrugovany (Hruschowan 6), Wysoöanyf
(Wischezahn 6), Mory (Mohr 5), Ökrlef (Skyrl 5), Wgestudy
(Schössl 5) , Bf ezno male (Kleinpriesen 5) , Sir em f (Zyrau 4) ,
Stankovicef (4), W^echlapy (jetzt unbekannt, 3), Selmice (ehemals
bei Opoöno 3), Dobriöany (Dobritschan 0), S. Magdalena vor Saaz
(0), S. Michael in Saaz (0), Bfezany (Pressern, — ), Kostelec (un-
bekant, — ), Mlinare (ehemals bei Saaz, — ), Ober-Roöov ( — ),
^idovice. *
h. Im Dekanate Caaden: Caaden oder Kadanf (mit der
deutschen Ordenskommende vereint). ') Komotau oder Chomutov f (1
Seh.), MaStov t (Maschau, 42), Bf ezno (Priesen, 18),Dolany(Dehlau,
18), Pfisecnice (Pfesnice, Pressnitz 18), Ptadonice (18), Caehovice
(Tsehachwitz 18), Udlice (Eidlitz 15), Dru§kovice f (Drauschkowitz
15), Klasterec f (Klösterle 15), Wilemovice (Willomitz 15), Podlesice
(Podletitz 15), Pfiöaply f (Pritschapel 15), Turec f (Turtsch 12), Kra-
lup mit Kurbice (Körbitz 12), Zahofany (Sehries 12), Tusmicef
(Tuschmitz 9), Wintifov (Winteritz 9), Jirkov (Görkau 9), Kfimov t
(Chrima 9), l^elina f (Seelau 6), Mikulovice f (Mklasdorf 5), Pru-
nef ov t (Brunnersdorf 3), Blatno f (Platten 3), Woc f (Wotsch 3),
Bystfice f (Wistritz 3), Slatina (jetzt unbekannnt, 3), Bolebof ode^'
Gottfriedsdorf mit Bernav (Göttersdorf 3), Mladöjovf (einst bei
der noch bestehenden S. Stephanskirche in der Nähe von Köttowitz,
3), Uho^tany (Atschau 3), Chotebudice f (Köttowitz 3), Okunov
1) Lib. eonfirm. a. a. 1401 etc.
93
(Okenau 3), KaÖice (Redscliitz 2), Rednice (Redenitz 2), Laucliov
Laucha 1), Schloss Pir§en§tem (Purstem 0), Wolyne (Wohlau 0),
Lomazice (Lametitz 0), Kojetice (O)^ ScMoss Hassenstein (0), Ot-
vice (üdwitz 0), Schloss Schumburk (Schönburg 0). ')
§. 24. Fortsetzung.
4. Im Biinzlaiier Archidiakoiiate, ii. zwar:
a. Im Dekanate Bunzlau: DieArchidiakonatspfrtinde f (1
Seh. 18 gr.), MladäBoleslaw (Jmigbunzlaii) zu S. Johann Bapt. f
mit der dortigen Kommende vereint), Plasy (24), Kosmonosy (24),
Raygice (24), Osojnice (21), Zeröice f (21), Semöice (19), Lustenice
(18), Syöin (18), Struhy (18), Studenka (18), Michalovice (18),
Bfezno (18), Stara (15), Bakov (15), Tynecf (12), Dobroviceves
(Dobrovice 12), Stakory (12), Debf (3), Mladä (2), Jablkynice (1),
S. Veit in Bunzlau f (?), Zamosti (?). — -)
h. Im Dekanate Gabel: Jablona (Gabel 15) ^) Mimon
(Niems 30 gr.), BrniStö (Brims 9), Wartenberg (9), Swebofice (Schwa-
bitz 6) , Zakupy (Reichstadt 6), Seifertsdorf oder Vratislavice (5),
Kfizany (Kriesdorf 3), Osecna (Oschitz 3), Dubnice (Hennersdorf,
2), Brenna (Brenn 1), Dittrichsdorf (die ehemalige Lage unbe-
kannt, 1), Rinoltice (Ringelshain 1).
c. Im Dekanate Melnik: Melnik f (1 Seh.), Nebuzel f (30),
Chöebus t ( Zebus 25), Duba (Dauba 24), Steti (Wegstädtl 24), Wysoka
(21),Libechovt(Liboch 18),Krpy(15),Liblice(l5),Wtelno(15), Cho-
ruzicet (12), Radujen (Radaun 12), Krugina (Habichtstein? 12), De-
stna (löschen 12), Kanina f (9), Medonosy (9), Chodec (6), Ce-
öelice (5), Widim (3), Chlum (3), Zaboi-yf (3), Repinf (3).^*)
d. Im Dekanate Turn au: Turnov (Turnau 6),^) Hrustice
ij Der einst noch zum Kaadner Dekanate gehörige Pfarrort ^cTar (Saar) ge-
hört jetzt zur Prager Diözese.
2) Der ehemalige Pfarrort Predmerice (mit 12 Gr. Z.), jetzt zur prager Erz-
diözese gehörig, unterstand gleichfalls diesem Dekanate.
3) Blieb wegen des Klosters daselbst im Einkommen 'zurück.
"*) Hieher gehörten auch die jetzt zur Prager Erzdiözese gehörigen Orte
Hlawno kostelni (21), Wsetaty (24) und Kozly (12).
^) Durch die nachmalige Klosterstiftung blieb dieses Beneficium im Einkom-
men zurück.
94
(12), Diibf (Böhm. Aicha — ), Prepefe (12), Jenigovice (12),
Laukovf (12), Hodkovice (Liebenau, 12), Semily (12), Roprechtice
(6) Letaf^ovice f (6), Sezemice (6), Pfeslavice (6), Bzi (6), Wlasti-
borice (6), Drzkov f (6), Boskov (6), Cbocnejovice (5), Wysoke (4),
Brod (3), Olesna f (3), Nudvojovice (3), Laukova (2), Jablonec f -(Ga-
blontz 0), RychnoYt (Reicbenau 0).
e. Im Decanate Münchengrätz (Hradi§te):Hradi§te (20) ')
Boseö (30), W^^en (21), Sobotka (18), Markvartice (18), Wge-
borsko (18), Soleö (15), Mukafovf (9), Jablonec (9), Neprivöce (9),
Samsina (9), Mladejov (8), Mohelnicef (6), Osek (6), LiboSovice
(6), Wlöipole (6), Ritonice (6), Wyskef (6) Bfezinaf (6), Hlavice
(6), Bausov (3), Swetlaf (0), Schloss Kost (?), Kfizenec (?).
/".Im Decanate Kamenec: Kamenec *), Schloss Bezdez
t (Pösig, 3 Seh.), Bezno (30 gr.), Mäeno (30), Bela f (Weisswasser) ^)
Kuriwody (Libera civitas, Freistadt, Hühnerwasser, 24), Chotetov
(24), Wtelna an der Iserf (22), Kovan (21), Skalsko (18), Brodec
(18), Kadlinf (18), Gross-Slivno (15), Katusice (12), Bezdedice
(Klein-Pösig 12), Strenice (12), Kruh (12), Okny (12), Cejky (9),
Öista (6), Winecf (6), Klein-Slivno (5), Lobeö (3), Unter-Krupa
(3), BofejoY (3), Sudomii' (3), Meöizif (0), Doksy (Hirschberg — ) %
g. Im Decanate Havran: Havran ^), Lysaf (2 Seh),
Nimburg (1 Seh.), Ro^dialovice (48), Welelib (36), Kostomlaty (30),
Wykleky (22), Jesenikf (21), Krinec (18), Wäejany (18), Lauöeu
') Ist durch, die folgende Klosterstiftung im Einkommen zurückgeblieben.
2) Die Stadt dieses Namens dürfte einst in der Nähe von Mi§eno (bei Libo-
wis) gestanden sein, wo heute noch die Volkssage von einer dortigen al-
ten Stadt erzählt, welche durch die Pest der Einwohner beraubt" und
in Kriegszeiten zerstört worden sein soll. Jedenfalls war die Stadt Ka-
menec schon im 13. Jahrhunderte nicht mehr vorhanden. Vielleicht wurde
gleich nach ihrer Zerstörung die neue Öudenstadt Bela (Weisswasser) ent-
weder angelegt, oder wenigstens das Gericht dahin übertragen. —
^) Bela erscheint im Dezemregister von 1384 als Pfarrei darum nicht, weil
diese Pfründe damals längst schon in ein Kloster umgewandelt wax*.
*) Zu diesem Dekanate gehörten einst auch die jetzt zum prager Erzbisthume
zugetheilten alten Pfründen :- Altbunzlau f ( — ), Alt-Benatek (30), Skorkov
(15), Zdetinf (10) u. Drazice (9). — . Neubenatek ward als Klosterseel-
sorge nicht mit eingezählt.
5) Die Öudenstadt dieses Namens bestand schon im 14. Jahrhunderte nicht
mehr. An ihrer Stelle steht j etzt die Einschiebt Havransko.
95
(15), Psinice (15), Bosin (12), Umyslovice (12), Mcelyf (12), Zi-
toYlice (9), Budimöfice (5), Haiiska (Hospital — jetzt unbekaunt
- 0). ')
5. Kleine Theile von mehreren alten Dekanaten sind
der jetzigen leitmeritzer Diözese einverleibt:
a. Vom Decanate Luditz (Zlutice) des Saazer Archidia-
konats die Pfarreien: Widhostice (30), Nepomygl (Pomeisel 15), und
Stebno (Steben 15). "^
h. Vom Decanate Zittau (^itava) des Bimzlauer Archi-
diakonats: Hradek (Grottau 20), Chrastava (Kratzau 7), Romberg
(Rumburg 6), Heinrichsdorf (Weisskirchen 6), Wetzeiswalde (Wetz-
walde 6), Schönlinde (pulchra tilia, 4), Wernoldsdorf (Warnsdorf,
3), Liberec oder Reichenberg (2), Rochlice (Röchlitz 2), Wittich
(1), Rokytnik (Unter-Kratzau — ) und ÜUrichsdorf (UUersdorf — )."*)
c. Vom Decanate Jiöin (Gitschin) des königgrätzer Ar-
chidiakonats : Libun (21), Tyn nad Rovenskem (15), Ober Aujezd
(9), Nieder Aujezd (9), Ole^nice (3). ^)
') Ausserdem gehörten auch zu diesem Dekanate die dermalen nicht zur Di-
özese Leitmeritz zugetheilten alten Pfarrorte,: Libic kamena (54), Po-
debrad (51), Wrbice (B6), Ctineves (36), Katholisch-Libic (?) f (30), Dy-
mokury (30), Oskobrhy (18), u. Patek als Filiale von Podebrad (9).
~) Sämmtliche Beneficien dieses Dekanates: Manetin(l Seh.,) Zlutice (45 gr.,)
Chyäe (30,) Widhostic (30,) Rabenstein u. Stvolny (26,) Stedrä (24,) Andre
(18), Stebno (15), Nepomysl (15), Nahorecice (15), Libyne (15), Brazec (15),
Sldtaly (15), Krasov (12), KreöoT (12), Komarov (12), Kozlov (12), Puchov
(12), Moöidlice (12), Novosedly (12), Dnpov (12), PHbenice (12), Neötiny
(12), Strhai-e (12), Waleö (12), Straziste (9), Brlozec (9), Lukawa (9), Blatnä
(9), Lubenec (9), Kobyle (9), Tis (9), Lnky (9), BrMn (9), Stredka (9),
OstroY (8), Radoäovice (7), Bukovina (3), Lochotin (3), Sachsenburg (2).
3) Die vollständige Reihe der jetzt meist in Sachsen gelegenen Beneficien
dieses Dekanats : Zittau f (— ), Oderwitz (28), Grottau (20,) Friedersdorf (18),
Ostritz (18), Seitendorf (18), Herwigsdorf (15), Hennersdorf, später als
Filiale zu Rumburg (14), Reichenau (13), Ruppersdorf (12), Witchendorf
(12) , Bertsdorf (12), Hennersdorf (10), Grossschönau (9,) Königshain (9),
Heinewalde (7), Kratzau (7,) "Weisskirchen (6), Seifersdorf (6), Rumburg (6),
Grünau, Wetzwalde (6), Spitzkunnersdorf (6), Schönlinde (4), Eubau (3),
Warnsdorf (3), Türchau (3), Waltersdorf (2), Reichenberg, Röchlitz, Vogts-
dorf (2), Kleinschönau (1), Wittich 1), Hirschfelde (?), Unterkratzau und
UUersdorf. —
*) Die vollständige Reihe: Jiöin (44), Bechary (36), Drahoraz (36), Nemojöeves
96
ä. Vom Dekanate Schlan (Slany) des Archidiakonats
Prag: Poöedelicef (24), Winafice (24), Chlumöany (15), Kystra (12)
und Orasice (6). ')
e. Vom Dekanate Rakonic (Rakovnik) des prager Ar-
chidiakonats: Jesenice (Jeclmitz, 30), ^ihlef (Scliöles, 18), Blzany
(Flöhau, 15), Bilence (Wilenz, als Filiale v. Jesenik, 9), Cernoc
(Grossöernitz , 9), Strojetice (9), Podbofany f (Podersanken 6),
SoböcUeby f (Oberklee, 6), Bestno (Wiessen, 6), ChmeliStna (Cbme-
leschen 3). ^)
f) Die jetzt" nach Leitmeritz zugewiesenen Antheile der meiss-
27, Konecchlumi (21), Libun (21), Eobausy (18), Neupaka (15), Kostelec
(15), Lomnice (15), Tyn (15), Zliw (15), Jilemnice (15), Chyjice (12), 2e-
leznice (12), Bystrice (12), Welis (12), Nieder Aujezd (9), Ober Aujezd
Ulibice (9), Nadslav (8), Ubislavice (6), Udmice (6), Eadim (6), Cboteö
(6), Mlazovice (6), Luzany , (6), Ostrozno (6), Nieder Brenna (6), OberBre-
nna (6), Libstat (6), Roztoky (4), Pecka (4), Cista (4), Smricno (4), Zebin -(4),
Dolany (3), Noväves (3), Alt Paka (3), Kalua (3), Olesnice (3), Ponikle (0),
Belohrad (?Albea, 0), OleSna (0), Stepanice (0), Bysice — , Cbomuticky
— , Brada — , Kopidlno — .
1) Die vollständige Reihe : Kostelec (2 Scb.,) Budin (1 ScK,) StocliOY (39), fied-
host (35), Srbec(30), Hradiste (30, ehedem bei Smeöno), Druzec und ^ilina(30),
Pchery (30), Pocedelice (24), Winarice (24), Smeöno (24), Telce (21), Dolin
(21,) Zvolineves (21), Radunice (21), Kralovice (20), Slavetin (20), Zlonice
(18), Paleöl8, Öernochov (18), Wrani(18),DrinoY(18),Peruc (18), ^elenice
(18), Tui-any (18), Kladno (18), Horesovice (18), Klobuk (18), Wrbno (18),
Chlumcauy (15), KwiHce (15,) Klein Palec (15), Busceves (15), Tynec (15),
Prelic (15), .Jeöovice (15), Pozden (15),fiisuty (15), Gross Lidice (15), Mestce
(15), Wrapice (12), Klein Lidice (12), Neprobilice (12), Schlan (12),
Straseci (12), Kystra (12), Smolnice (12), Mury (9), Malikovice (9), Ujezdec
(7), Knovice (6), Lukov (6), Orasice (6), Trstice (6), Kornhaus — .
2) Die vollständige Reihe : Zbeöno (2 Seh.), Rakovnik (1 Seh. 12 gr.)? Kaunov
(1 Seh.), Potvorov (35), Slabce (32), Senomaty (30), ^ebnice (80), Jesenik (30),
Kozlany (26), Nesuchyne (25), Kralovice (24), Oraöov (24), Hwozd (24), Cista
(21), Dekov (21), Milicov (18), Zihle (18), Lisany (18), Koleäovice (18), Li-
byne (17), Dolany (17), Wäehrd (15), üjezd (15), Blzany (15), Mutejovice
(15), Belec mit Bratronice (15), fiehly (15), Krchleby (15), Ostrovce (12),
Oleäna (12), Nezabudiee (12), Herrndorf (10), Luzna (9), Bilence (9), Cer-
noc (9,) Strojetic (9), Weclov (9), Wsesulov (9), Skryje (8), Sobechleby (6),
Podbörany (6), Bestno (6), Rausinov (6), Skrivan (6), Horosedly (6), Öanov
nischen Dekanate: Sebnitz, Löbau, Budisin, Seidenberg und Frei-
berg wurden bereits §.11 näher bezeiclmet. ')
§. 25. Die Hofgeistlichkeit.
1. Seit die Fürsten unseres Vaterlandes zum Christenthume
sich bekehrt hatten, unterhielten sie an ihrem Hofe mehrere Prie-
ster, deren ursprünglicher Beruf es war, für die geistlichen Be-
dürfnisse ihres Herrn und seines Hofhaltes Sorge zu tragen. Da
für ihr geistliches Amt eine eigene Kapelle in der fürstlichen Burg
erbaut wurde, so erhielten sie von dieser den Namen GapeUani
des Herzogs und hiessen endlich auch in übertragenem Sinne und
kollektiv die h e r z o g 1 i c h e C a p e 1 1 e. Wir haben schon zur ZeitBo-
fiwojs einen solchen Kapellan in der Person des Paul Kaych ken-
nen gelernt. Diese Hofkapläne hatten selbstverständlich ihren
Herrn auch in den Krieg zu begleiten. Einzelne derselben trugen
bei solcher Gelegenheit die Waffen des h. Landespatrons Wences-
laus dem Heere voran, Panzer, Helm und Speer, an welch' letzte-
rem späterhin die 1125 aus der Kirche zu Wrbiöan (kauf im er
Kreises) erhobene Fahne des h. Adalbert ^) befestigt war. Andere
ermahnten zur Tapferkeit im Streite unter dem Schutze der hei-
ligen Landespatrone. ^)
2. Diese herzogliche Kapelle vermehrte sich bedeutend, als
die Beziehungen unseres Vaterlandes mit der nahen und fernen
christlichen Nachbarschaft sich erweiterten. Zu den nun nothwen-
digen und oft wiederkehrenden Botschaften, insbesondere an den
kaiserlichen und päpstlichen Hof, und zur Vernehmung der an den
Herzog selbst entsendeten fremden Gesandten bedurfte man vor
Allem verlässiger Männer von entsprechender Geschicklichkeit und
ausreichender Sprachenkenntniss. Wo anders aber hätte man solche
damals linden können, als in den Eeihen der Klerisei? Dazu kam
(6), Mestec (3), Climelistna (3), CliHstov bei Slabce — , Kraucova --, Pa-
nosi Ujezd — Knezewes.
') Das Verzeichniss der in der jetzigen Präger, Königgräzer u. Budweiser
Diözese gelegenen alten Seelsorgspfründen — mit Ausnahme der blslier
schon einbezogenen Dekanate — folgt im Anhang.
^) Palacky I. 395.
^) Cosmas a. a. 1126. Tomek Gesch. Prags I. 111.
98
sehr bald auch die in gleichem Schritt mit der neuen christlichen
Kultur immer vollkommener werdende innere Staatsregierung, welche
häufig die Ausfertigung landesfürstlicher Urkunden und nicht sel-
ten auch einen gediegenen rechtsverständigen Beirath nothwendig
machte. Auch in diesem Stücke war man in der ersten Zeit ein-
zig an den Klerus angewiesen. Man zog deshalb die geeigneten
Persönlichkeiten in grösserer Anzahl zur landesfüi'stlichen Kapelle,
wo sie nun grossen Theils als scrihae (Schreiber), und notarii
puUici (Urkundenverfasser) zu fungiren hatten. An der Spitze
dieser geistlichen Beamten stand fortan der oberste Kanzler
(supremus cancellarms), dem zur Beihilfe ein Unterkanzler (stib-
cancellarius) beigegeben war. Diese sowie auch die mit der
eigentlichen Hofseelsorge betrauten Hofkapläne erhielten für ihre
Verdienste alsbald einträgliche kirchliche Pfründen und aus ihrer
Mitte wurde auch zumeist der Bischof gewählt.') Ein in jener
Zeit sehr verbreiteter Missbrauch war es, dass solche Pfründen-
besitzer häufig auch ferner noch am herzoglichen Hofe und' im
fürstlichen Dienste blieben, so dass ihr kirchliches Amt dabei fast
ganz vernachlässigt worden wäre, wenn sie nicht wenigstens zur
Wahrung desselben sogenannte Vicarii (Stellvertreter, Vikare) be-
stellt hätten.
3. Je weiterhin, desto mehr entfaltete sich in unserm Vater-
lande das Institut der Hofkapläne. Ebenso wie der Herzog, hatte
alsbald auch die Herzogin und der Bischof eine eigene Hofka-
pelle, *) allmälich mit allen Titeln und Abstufungen des herzog-
lichen Hofes. Hiezu kamen in Kurzem auch noch eine Menge
Titular-Hofl^apläne, welche nicht bloss vom Landesfürsten, sondern
— erweislich im 13. Jahrhunderte — auch vom Papste ernannt
wurden. Diese Auszeichnung traf häufig verdiente Landgeistliche,
welche nichtsdestoweniger ihre Beneficien beibehielten, — nicht
selten aber mit landesfürstlicher und päpstlicher „Provision" (Vor-
bestimmung) für die nächste in Erledigung kommende höhere
Pfründe. ^) Auch die blossen Titel Notarii, BomicelU (Hausgenos-
•) Vgl. Tomek Gesch. Prags I, 110.
3) Ebendaselbst I. 112.
3) Der Papst gab solchen die sogenannten provisorias (Uteras), addressirt
an irgend ein Domkapitel mit dem Auftrage, bei einer der nächsten Ka-
99
sen) und fiäeles Secretarii (treue Geheimschreiber) wurden in sol-
cher Weise vom Landesfürsten an einzelne Priester ausserhalb des
eigentlichen Hoflialts verliehen. ^)
§. 26. Die Klöster und Kapitel aus dieser Zeit.
1. Wir übergehen die Entstehung des Mönchswesens über-
haupt; auch sei es blos im Vorübergehen gesagt, dass dieses im
Abendlande vom 5. Jahrhunderte an durch den heiligen Benedict
den gewaltigen Aufschwung erfahren hatte, nicht blos eine üibungs-
schule des Christenthums nach Innen, sondern auch eine Pflanz-
und Pflegeschule desselben nach Aussen zu werden. In beständi-
ger Trennung von der äusseren Welt, in demüthiger Unterwerfung
unter den Willen des geistlichen Obern, und wie ohne eigenen
Willen, so ohne eigene Habe, trieb der fromme Ordensmann des
h. Benedict in strenger Ordnung und beständiger Selbstkasteiung
sein Tageswerk, das Ora und Lahora (bete und arbeite). Den
sieben kanonischen Stunden des Gebetes und den frommen Uibun-
gen der Betrachtung und heiligen Lesung waren nützliche Handar-
beit, Studium, künstlerische Thätigkeit und vorzüglich die mühe-
volle Anfertigung der noch jetzt von uns bewunderten kostbaren
Abschriften heiliger und klassischer Werke in schöner Wechsel-
folge angereiht. So lebten die frommen Brüder in grösster Fru-
galität (Fleischspeisen waren nur löanken und Schwachen gestat-
tet) aller Welt zum erbaulichen Beispiele. Darneben besorgten
sie in eigenen Schulen (Klosterschden) den Unterricht der Kleinen
im Lesen, Schreiben, Keclmen und Singen, und ebenso die Weiter-
bildung der heranwachsenden Jugend in den freien Künsten und
Wissenschaften. Je zehn Brüder standen unter einem Dekan, die
ganze Genossenschaft verehrte den „Abt" {Ahhas) als ihren geist-
lichen Vater, dem für die innere Leitung der „Prior" und für die
ökonomischen Geschäfte der „Propst" (Praeposikis) zur Seite
pitelwählen auf die Inhaber Bedacht zu nehmen. (Das registmm Uferaniyn
receptionis in canonicos ecclesiae Pragensis, Manusc, der Kapitelbibl. in
Prag, enthält eine Menge Beispiele aus den Jahren 1378 — 1389).
^) Ein sehr interessantes Manuskriptwerk des Prof. Dr. Oonst. Höfler: „Hi-
storische Monumente über das Königthum in Böhmen" — bringt mehrere
Beispiele solcher Titular-Ernennungen.
7*
100
stand. Wer solchem klösterlichen Leben freiwillig sich weihen
wollte, imisste anfangs ein und in späterer Zeit gar fünf Jahre als
Novitius (Neuling, Novize) zur Probe im Kloster leben, damit es
sich herausstelle, ob der Kandidat dem Orden und der Orden dem
Kandidaten gefalle. Darneben aber gab es auch zarte Knaben,
die nicht selten schon als Säuglinge von ihren Eltern dem Klo-
sterleben geweiht wurden. ^ ) Diese wurden im Kloster selbst mit
aller Sorgfalt für das Ordensleben erzogen. Falls die Eltern für
sie das Gelübde abgelegt hatten, durften sie nie mehr in die Welt
zurücktreten. Ihr Erbtheil fiel dem Kloster zu; jedoch durften sich
die Eltern auf ihre Lebenszeit dessen Nutzniessung vorbehalten.
Auch diese dem Kloster geweihten Zöglinge (OUati) unterzogen
sich nachher dem Noviziate. Der Entschluss des Novizen, im Or-
den zu leben und die förmliche Aufnahme in die Zahl der Brüder
besiegelte das feierliche Gelübde oder die sogenannte Profes s^^rö-
fessio) auf die Ordensregel. Da diese Eegel auch für weibliche
Vereine sich eignete, so konnte es nicht fehlen, dass es in Kur-
zem auch B e n e d i c t i n e r i n n e n in zahlreichen Klöstern gab, fromme
Frauen, welche durch ein heiliges Gelübde sich verpflichteten, nach
der Regel des h. Benedict unter einer Aebtis sin (Ahhatissa) uwöl
unter der geistlichen Führung des Benedictineror-
dens zu leben.
2. Nach dem Vorbilde der BenedictinerklÖster entstanden seit
dem 8ten Jahrhunderte auch geschlossene Vereine von Weltgeist-
lichen, die nach einer strengen Eegel lebten, die D o m- und C o 1-
legiat stifte. Ihr erster Begründer Avar der fromme Bischof
Chrodegang von Metz (742 — Y66). Dieser übertrug einfach die
Regel des h. Benedict in seinen bischöflichen Haushalt, (c. 755.)
Die geistlichen Brüder lebten in einem gemeinsamen Hause (clau-
strum, Kloster) und der Reihe nach besorgte einer von ihnen den
gemeinsamen Tisch. Stundengebet und Betrachtung, geistliche Lesung,
Studium und Unterricht waren die Beschäftigung des Tages. Auch
die auswärtigen Geistlichen hatten wenigstens an Sonn- u. Festta-
gen nach beendigtem öffentlichen Gottesdienste im geistlichen Hause
zu erscheinen, wo sie ihren Platz am gemeinsamen Tische fanden
und dann den frommen Uibungen des Tages sich anschlössen.
') So Boleslaws des I. Sohn Strachlnvas (Christian).
101
Weibern und Laien war der Zutritt durcliaus verboten. Die geist-
lichen Brüder, welche nach einer solchen Regel (Canon) ohne
besondere Gelübde lebten, hiessen Canonici. Von dem Gebrauche,
täglich nach abgesungener Prim in einem eigens dazu bestimmten
Saale nebst einem Abschnitte der h. Schrift auch noch ein Ka-
pitel aus der Hausregel vorzulesen, hiessen sie alsbald auch Capi-
Marcs und die ganze Körperschaft „das Kapitel." An die Stelle
des Abtes trat hier in der Leitung des Vereines der Bischof oder
an dessen Statt der Archidiaconus (Primicerius). Später besorgte auch
hier die ökonomischen Geschäfte ein Praepositus (Propst), die innere
Disciplin aber ein Decanus (Dechant). Der geistliche Bruder, wel-
cher die Domschule als Pflanzstätte des künftigen Klerus zu lei-
ten hatte, ward Scholasticus, der Leiter des Choralgesanges Cantor
genannt. Die Aufsicht über die Gebäude (besonders der Kirche)
besorgte der Custos, die werthvollen Kirchensachen bewahrte der
Thesaurarius (Schatzmeister) oder Sacrista. ^)
3. Wie diese Einrichtung allmälig an allen bischöflichen
Domkirchen eingeführt wurde und dadurch die Domkapitel ent-
standen: so fand sie auch alsbald Anwendung bei jenen Landkir-
chen, an welchen ein zahlreicher Seelsorgslderus angestellt war.
Häufig aus eigenem Antriebe, noch öfter aber auf Anordnung des
Bischofs und auf Grund frommer Stiftungen von Seiten der Fürsten
und anderer Wohlthäter entstanden hier geistliche Vereine (Gollegia)
unter derselben Piegel Chrodegangs. Diess ist der Anfang der so-
genannten Collegiatstifte oder Collegiatkapite 1. Hier
repräsentirte der Propst den geistlichen Vater. Ein Dechant
wurde häufig erst viel später eingesetzt, nachdem das vermehrte
Einkommen der Körperschaft eine weitere Vermehrung der Mit-
glieder möglich machte.
4. In unser Vaterland kam der Orden des h. Benedict be-
reits zu einer Zeit, wo die eigenthümlichen Lehenverhältnisse der
germanischen Staaten schon so manche Abweichung von der stren-
gen Regel herbeigeführt hatten. Man hatte die Klöster aller Or-
ten mit bedeutenden Ländereien dotirt, welche anfangs unbebaut,
durch Fleiss und Geschick der Mönche in Kurzem zu blühenden
*) Di\ Grinzel: Die kanonische Lebensweise der Geistlichen. (Regensburg 1851.)
S. 24—32. Regula Chroäeganrji episcojyi ebendaselbst S. 109 — 140.
102
Gauen mit zalilreiclien Dorf Schäften u. Weilern sich gestalteten.
Zahlreiche Kirchen erhoben sich im Umkreise des Stiftes '), die
nun der Seelsorger bedurften. Das drängte die Vorsteher, die ur-
sprüngliche Sitte zu verlassen, nach welcher nur ausnahmsweise
ein oder einige Brüder des Klosters der Priesterweihe theilhaftig
wurden, um grade nur die geistlichen Bedürfnisse des Hauses zu
bestreiten. Jetzt ward es zur Regel, die Mehrzahl Priester im Or-
den zu haben. So lange es anging, besorgten diese in Exkursionen
vom Kloster aus die Seelsorgen des Umkreises, immerhin schon
eine Lockerung der alten Strenge, die den Mönch ausschliesslich nur
innerhalb seines Klosters leben liess. Allmälich aber wurde es
auch nothwendig, einige Priester behufs der Seelsorge zu exponi-
ren. Doch geschah diess in erster Zeit nur in der Weise, dass
diese zum wenigsten ein Kollegium von 3 Brüdern bilden und un-
ter einem eigenen Praepositus (Propst) ihr klösterliches Leben in
einem gemeinsamen Hause fortsetzen mussten. So enstanden die
klösterlichen Propsteien. Anderseits wurden nun die Kloster-
äbte durch den umfangreichen Besitz den mächtigsten weltlichen
Herren gleichgestellt, während sie diese noch in feiner Sitte und
wissenschaftlicher Bildung weit übertrafen. Kein Wunder also,
wenn sofort die Landesfürsten solche Klostervorsteher an ihre Höfe
zogen und mit Ehren und Auszeichnungen überhäuften. Für die
Klöster selbst ward diess eine weitere Gelegenheit, die strenge
Disciplin des Hauses noch mehr zu lockern, während auf der an-
dern Seite die bedeutenden Einkünfte dem Wohlleben die Thore
zu öffnen begannen. —
5. In den Stiftungen Chrodegangs lag dagegen schon von al-
lem Anfang her ein Keim des späteren Verfalles. Hier war den
Kanonikern der Besitz eines Privateigenthums gestattet geblieben.
Diess führte sehr bald zur Auflösung des gemeinsamen Lebens.
Zumal als diese Stifte zu Versorgungsanstalten der nachgebornen
Söhne des Adels wurden, glaubte man den einzelnen Kanonikern
einen eigenen Haushalt und eigene sogenannte Praebenden (Pfrün-
den) aus dem Stiftungseigenthmne einräumen zu müssen. Nur für
gewisse fortdauernd gemeinsame Bedürfnisse wurden einzelne Stif-
1) Das Kloster St. Galleu hatte beispielsweise 400 Pfarrkirclien in seinem
Landgebiete.
103
tungsantlieile als sogenannte Obedientiae ') für die gesammte Kör-
perschaft zurückbehalten. Seitdem wurde es auch zur Regel, dass
die Kanoniker mit den niederen Weihen sich begnügten, durch die
sie für den Genuss ihrer Pfründen befähigt blieben, ohne eben die
Möglichkeit aufzugeben, glücklichen Falls im Weltleben sich noch
viel besser zu versorgen. Selbst an verheirateten Kanonikern sollte
es mit der Zeit nicht fehlen.
In unser Vaterland wurden die Dom- und Collegiatkapitel noch
mit ihrer ursprünglichen Eegel verpflanzt, die aber hier wie ander-
wärts in kürzester Zeit den angedeuteten Neuerungen sich fügen
musste.
§.27. Das Gollegiatstift und das Kloster der Benedictinerinnen zu St. Georg.
1, Schon im J. 912 hatte Herzog Wratislaw I. den Grund zu
der Kirche S. Georg gelegt, in welcher nachmals der Leichnam
der h. Ludmila eine ehrenvolle Ruhestätte fand. Gleichzeitig hatte
er dabei ein Collegium von Geistlichen gestiftet, welche den hei-
ligen Dienst daselbst versehen sollten. Es waren diess, wie bereits
erwähnt wurde^), 1 Erzpriester ^), 4 Priester'*), 2 Diakonen und
2 Subdiakonen. Dieses Collegium führte von allem Anfange an ein
gemeinsames Leben nach der Regel Chrodegangs und wurde so
das älteste Gollegiatstift in Böhmen. Die Mitglieder dieses Stiftes
führten auch hinfort den Namen Canonici. Eines Dekans und Prop-
stes bei St. Georg wird nicht erwähnt. Bei dem Umstände, dass
nach der Errichtung des Nonnenklosters bei St. Georg diesem Ka-
pitel nur die untergeordnete Rolle der Conventsseelsorge zufiel,
*) Obedientia d. i. Gehorsam. So liiessen gewisse Güter desslialb, weil der
Mitgenuss derselben vom kanonischen Gehorsam (von der treuen Erfüllung
der Pflichten des Kanonikers) abhing. Wer nicht beim Kapitel wohnte,
oder wer den kanonischen Hören sich entzog, \sairde von der Theilnahme
ausgeschlossen.
3) §. 5. S. 14 und 15.
^) Ein von Hamraerschmidt Tiist. monast. St. G-eorgli zitirtes altes Manusc,
nennt als die ersten Erzpriester, die Avahrscheinlich die Stellvertreter des
Regensburger Bischofs für ganz Böhmen waren, Wlita u. Mylata.
^) Als erste Priester bei St. Georg werden ebendaselbst genannt Byelka,
öas und Hmylen.
104
scheint auch meist nur ein oder der andere Canonicus mit den Di-
akonen und Subdiakonen daselbst gewohnt zu haben. Die übrigen
finden wir zugleich als Mitglieder anderer Kapitel und selbst auch als
Landseelsorger untergebracht. ') Als Präbenden des Kapitels werden
genannt ; Holus (Holowaus) mit Wein- und Ackerzehenten in Gross-
Owenec und Zinsungen in Otwojec; Knezewes mit Zehenten in Si-
fejovice und von 3 Häusern in Leitmeritz; Statiwnice; Pi^lep mit
dem halben Zehenten in Chorausek und Gross-Owenec; Bohenice
mit Ackerzehenten in Lichucewes. Ueberdiess gab es noch zwei
Diakonatspfründen, bestehend aus Zinsungen zu Postfizin, Jungfer-
Bfezan und Boranowice und einem Grundstücke in Ochwojec, und
zwei Sub diakonatspfründen mit Gründen und Zehenten in Daudlebec
und Hlupohlaw, später dafür in Brezan, Boranowice, Opatowic und
Wrutic. 2)
2. Neben dem Collegiatstifte erhob sich um . 970 das erste
Kloster des Benediktinerordens in uuserm Vaterlande. Mlada, die
fromme Schwester Boleslaws II. hatte in Rom nebst der Errichtung
eines eigenen Bisthums für Böhmen auch noch die Erlaubniss er-
wirkt, als erste böhmische Ordensschwester einige fromme Genos-
sinnen um sich zu versammeln und ein Ordenshaus für selbe er-
bauen zu dürfen. So wurde sie die erste Aebtissin von St. Georg.
Grossartig w^ar die Dotation, welche zum Theile schon die edle
Stifterin, mehr aber noch der religionseifrige Bruder und seine
Naclif olger dem ersten und ältesten Kloster Böhmens zuwendeten.
Es gehörten alsbald 129 verschiedene Dorfschaften, die einen ganz,
die andern theil weise dazu. Ein so umfangreicher Besitz bot eben
so sehr die Mittel als die Gelegenheit, einen guten Theil zur völ-
ligen Christianisirung und zur geistigen Hebung des Vaterlandes
beizutragen. Das Kloster S. Georg hat diess redlich gethan und
dadurch eben so segensreich nach Aussen als nach Innen gewirkt.
3. Eine Urkunde von 1228 ^) nennt uns alle Besitzungen des
Klosters in der Ordnung der 2upen, in denen sie gelegen waren.
Die meisten derselben befanden sich im Umkreise von Prag. An-
Vgl. Hammersch. p. 7 — 10.
^) Vgl. Hammersch. ebencl. u. Megi&t. decim. v. 1384. vgl. Erben regest. 336
u. 337. Tomek Gesell, Prags I. 510.
3) Erden regesta 386. .
105
clere lagen in den ^upen von Leitmeritz, Melnik, Hawran, Netolic
(Bechyn), Praeliin, Pilsen und Bozen. Uns interessiren zumeist die
Ortscliaften innerhalb der jetzigen Diöcese von Leitmeritz, welche
ohne Zweifel ihre erste kirchliche Entwicklung dem Kloster zu St.
Georg zu verdanken haben.
a. Vor Allen wendet sich da unser Auge nach dem Umkreise
von Trebnitz in der leitmeritzer 2;upe. Hier blühte Trebnitz
selbst unter der Fürsorge der frommen Ordensoberinnen frühzei-
tig zur Stadt und zum Dekanatssitze heran. Nicht zu ferne davon
empfingen Sii'ejovice (Schirschowitz bei Tschischkowitz) und
Welemin schon in früher Zeit — durch Vermittlung der klöster-
lichen Grundobrigkeit eigene Seelsorgen. Im J. 1384 gehörten
diese drei Pfründen entschieden zu den besten und darum wohl
auch ältesten des Decanats. ') Ausser diesen alten Pfarrorten ge-
hörten vom Anfange an noch mehrere Orte der Umgegend zu dem-
selben klösterlichen Güterkomplexe. Es waren Chodovlice und
Hlupohlav, das heutige Chodolitz und Oppolau, beide auf dem
Dominium Tschischkowitz, Boztesice, das heutige Postitz auf
dem Dominium Priessnitz und Schöbritz, Polep auf dem jetzigen
Dominium Enzowan, ') P o d 1 e s i n , jetzt Padloschin bei Türmitz,
Chwalowic, ehemals in der Nähe von Sutom gelegen, Borec,
das jetzige Boretz auf dem Dominium Lobositz, und Wransko,
wahrscheinlich das heutige Prolin auf der Herrschaft Bilin. Uiber-
diess gehörten in dieser Gegend dem Kloster ursprünglich auch
noch der neunte Theil des Markteinkommehs und des Elbzolles in
Aussig und in Leitmeritz.^) Li späterer Zeit erwarb das
Kloster zu diesen Besitzungen auch noch das Dorf üjezdec, "*)
jetzt Grossaujezd bei Pischkowitz, und zwar vom deutschen Or-
den, in dessen Eigenthum es zugleich mit Pischkowitz und einigen
andern Ortschaften im Jahre 1219 gelangt war. ^) Unter den spä-
tem Gütern von St. Georg, vielleicht erst von diesem gegründet,
J) Ygl. §. 23. 1. c.
*) Diess wurde schon vor 1262 vertausclxt für eine entspreckencle Besitzung
in der pracliiner Zupe. Vgl. Tomek Gescli. Prags I. 508.
3) Urkunde Erben regesia 336 und 337.
^) Dasselbe ward dem Kloster 1487 durcli Verpfändung au Hynek vonWald-
stein entzogen. Palacky Archiv cesJcy I. 505.
5J JErben regesta 376.
106
ersclieiut auch das Dorf Kololeö auf dem heutigen Gute Tscliiscli-
kowitz. ') — Nebst diesen eigenen Besitzungen des Klosters lagen
in derselben Gegend auch noch einige der erwähnten Präbenden
des KoUegiatkapitels, welches dem Kloster St. Georg zur Seelen-
leitung beigeordnet war.
h. In der ehemaligen Zupe und dem alten Decanate von
Melnik besass das Kloster St. Georg wahrscheinlich von allem An-
fange her die Pfarrorte Nebu^ely und Chorusice, von denen
der erstere nach Massgabe des im Jahre 1384 sichergestellten
Pfründenvermögens nächst Melnik und wohl zugleich mit Chcebuz
(Zebus) die älteste Kirche des ganzen Decanats besass, letzterer
aber (Choruäice) nach der Zeit ein beliebter Sommeraufenthalt der
Aebtissiu und einiger geistlichen Sch"\vestern wurde, die nach der
Sitte jener Zeit in dem klosterähnlich angelegten Herrschaftsge-
bäude unter Beobachtung der h. Eegel zeitweilig wohnen durften.
Der eben genannte auch noch anderwärts zu erwähnende Umstand
hat Veranlassung gegeben, dass hin und wieder das ehemalige
Bestehen eines Frauenklosters in Choruäic angenommen worden
ist, von welchem aber eine sichere historische Spur gar nicht
gefunden werden kann. ^) Ausserdem gehörten derselben geistli-
chen Obrigkeit die in derselben Gegend gelegenen Ortschaften
Gross-Aujezd, Wrutice und Chorauäky auf der jetzigen
Herrschaft Melnik, ferner Ninechow auf der D omaine Liblic und
der neunte Theil des Markteinkommens in Melnik. '^j Nebstbei
lagen in diesem Komplexe auch die bereits erwähnten An theile der
Kapitelpräbenden (GhorouSek, Wrutice).
') Dieser Ort wurde erst 1436 samt Trebnic, Gliodovlic, Hlupolalav, Welemin
und Sirejovic durch Verpfändung (für 1000 Scli.) an Johann Kaplif von
Sulewic, dessen Erbsitz Sulewic u. Kostal in der näciisten Nähe lag, ent-
fremdet. Hammerschmidt hist. monasterii Si. Georgii p. 86 und 87.
-) Die urkundlichen Libri confirmationum berichten dagegen eine Pfarrprä-
sentation für Chornsic durch die Aebtissin Anna von St. Georg im J,
1419, Für Nebuzely erscheinen solche Präsentationen 1399 und 1409;
in letzterem Jahre ward der nachmals so berühmte prager Ganonicus An-
dreas Broda als Pfarrer in Nebuzely durch die Aebtissin Anna präsen-
tirt. Libr. confirm. — Der Kirche in Chorusic schenkte 1405. 1. Juli
Johann Schebek von Gross-Sliwno einen Jahreszins von 45 böhm. Groschen.
Lih. Erect, XHI. M. 1.
3) Urkunde Erben regesfa p, 336 und 337.
lOY
c. In der ^upe und im alten Decanate von Hawran besass
das Kloster die Dörfer Winafec und Kobylnik auf dem heu-
tigen Dominium Dobrawitz, ferner das jetzt unbekannte Dorf Knö-
nic (und in dem derzeit zur prager Diöcese gewiesenen Antheile
das alte reiche Pfarrdorf Libic nebst den Orten Osek, Oldris, Od-
i^epes und Sädowi). '} •
Noch gehörte in frühester Zeit zu dem genannten Kloster der
Zehent vom ganzen Dorfe Celejovice auf dem Dominium Kost
und Rakow im bunzlauer Kreise, und von 4 Höfen im alten Pfarr-
orte Blzany, dem heutigen Flöhau im saazer Kreise;*) ausser-
dem der neunte Theil vom Markteinkommen in der Stadt S a a z. ^)
Auch erscheint es weiterhin als Grund- und Patronatsherrschaft
des in demselben Kreise gelegenen Pfarrdorfes Hofetice, des
heutigen Horatitz. "*)
Aus all' dem Erwähnten ist ersichtlich, dass die Stiftung und
der Bestand des ersten Nonnenklosters in Böhmen auch flu* das
Gebiet unserer jetzigen Diöcese Leitmeritz eine hohe Bedeu-
tung hat.
4. Die anderweitigen Güter des St. Georgklosters waren: im
Piakonitzer Kreise Tynec, Statenic, Suchydol, Kamyk, Lichiicewes,
Nutomic, Hradek, Husinec, Rez, Okof, Knezewes, Zelunic, Knowic,
Holowaus, Wrbno, Tauzetin, Otwojic, zwei Owenec, Bojmitz, Motol,
KoSif, LubeSow, Chrasfan, Horelic, IRehel, Stradonic, Bratronic;
im Kaufimer Kreise Brnek, Neratowic, Jungfer - Brezan, Örnkow,
DuSnik, Swemyslic, Bofanowic, Stiizkow, Sestlic, Böchowic, Kfi-
wäwes, liepöic, Radejowic, Olsnic, Uhfinowes, Psai-, Zabehlic,
Karlin, Opolel, Knenic; in dem Berauner Kreise Borek, Krnian
Solopisk, Daublebetz, Dusnik, zwei Mokropes, Let, Otmik, Boh,
Bnecic, Läz ; in dem Pilsner Kreise Lukow, Newid', Bujesil, Liblin •
in der Zlupe von Netolic Bawörowic, Karlowic, Malesic, Ctimi-
rowo-Wesce, Radöic, Pohofowic, Strunkowic; in der Zupe von
Prachin Welenow, [Krsic, Rewnetic, Zamlyüan, Wlckowic, Muka-
i;ow, Bratronic, Pazejow, Sewitinsko, Cejkowic; in der, Zupe von
>) Urkunde Erben 336 und 337.
'-^j Ebendaselbst.
3) Hammei-sclimidt 1. c. p. 68 ex bulla Gregorü IX.. dd. 1283.
*) Libri Confirm. ad a. 1386 und 1410 berichten Präsentationsakte.
108
Pilsen (pilsner und klattauer Kr.): Tauss, Jiwan, Ptenin, Otesic,
Benowic, Horek, Nowäkowic, ^izenkowic, Tynec , Daudlebec,
Obytec, Bnisic; in der 2;upe von Bozeii (Pracli. ii. Ber. Kr.) Hra-
di§t, Za horou, Pole, Podruhli, Husinec, Drahynic, Luskowic, Stö-
zow, Eeteö. Ueberdiess gehörten dem Kloster eine Menge Ze-
ll entorte. ')
§. 28. Das Benedictinerkloster Brewnow oder St. largareth.
1. Das erste Männerkloster nach der Regel des h. Benedict
war in Böhmen das Kloster St. Margareth in Brewnow nächst
Prag. Die Stiftung desselben war das Lieblingswerk des h. Adal-
bert nach seiner ersten Eückkehr von Rom im Jahre 993. Er
hatte, wie bereits erzählt wurde, in Rom selbst das Ordenskleid
genommen. Um die fromme Gemeinschaft, die er damals lieben
gelernt, daheim nicht darben zu müssen, mehr aber noch,
um dem Vaterlande eine Pflanzschule frommer Zucht und heiliger
Wissenschaft zu eröffnen, brachte er zwölf Ordenssöhne aus dem
Kloster des h. Alexius und Bonifacius zu Rom mit sich nach Böh-
men zurück. Gross waren ohne Zweifel die eigenen Opfer, die er
nun für die Gründung des neuen Ordenshauses brachte; eben so
gross war aber auch die Freigebigkeit, w^omit sich der edle Fürst
Boleslaw IL bei der Dotirung der neuen Stiftung betheiligte. So
konnte schon am 14. Januar 993 die feierliche Einweihung des
neuen Klosters und seines Gotteshauses erfolgen. ^) Späterhin tra-
ten die Nachfolger der beiden Gründer in die Fussstapfen der
frommen Vorfahren und auch der erwachende Wohlthätigkeitssinn
der Gläubigen legte im Laufe der Zeiten reiche Spenden auf den
Altar des allbeliebten Klosters nieder. Sie thaten es Alle in der
frommen Meinung, eben hiedurch ein Scherflein den eigenen ge-
ringen Verdiensten für die Ewigkeit zuzulegen und dadurch „das
Heil ihrer Seele" zu fördern. ^) So erblühte Bf ewnow als erstes zu-
gleich auch zum reichsten Ordenshause unseres Vaterlandes, und
') Vgl. Tomck G. P. I. 93.
») Ebendaselbst 93.
^j Diese Intention ist in iiUen Stiftungs- und Sclienkungsl'riefen jener Zeit
ausdrücklicTi angegeben.
109
allmälig entstanden von da aus mehrere Propsteien, wie zu
Eaylirad (Raigern) in Mähren, Braun au, Polic (bei Braunau),
Nezamysl und Kostelec in Böhmen und zu Wahlstadt in
Schlesien, von denen die ersteren weiterhin zu förmlichen Klöstern sich
emporschwangen. ^) Die frommen Ordenssöhne suchten ihrerseits
nicht allein durch Gebet und frommes Beispiel, sondern auch durch
klösterliche Kunst und Wissenschaft und vor Allem durch gewis-
senhafte Förderung des kirchlichen Lebens in Böhmen überhaupt
und insbesondere in ihrem eigenen Landgebiete .den besten Dank
an unser Vaterland abzutragen.
2. Für unser jetziges Diöcesangebiet hat Brewnow eine grosse
Bedeutung gewonnen, nicht nur als Mutterkloster für andere klö-
sterliche Institute, die unserer Gegend unmittelbar angehörten, son-
dern auch durch einige Besitzungen, welche dasselbe hier erwor-
ben, und durch die besondere geistliche Fürsorge, welche es die-
sen gewiss durch alle Zeiten zugewendet hat.
a. Li der alten 2upe von Melnik erhielt das Kloster schon
zur Zeit seiner Stiftung emen werthvollen Besitz, und zwar vor
Allem das schon damals (993) bestandene Pfarrdorf Chcebuz,
das heutige Zebus „mit einer Kirche, zwei Höfen nebst hinrei-
chendem Lande und dem Berge Ostrow". -) Wahrscheinlich war
die erwähnte Kirche eine von jenen zwanzig, welche der fromme
Herzog Boleslaw vorher erbaut hatte, ohne Zweifel die Mutterkirche
vieler andern im Umkreise. Am 27. September 1341 ward die-
selbe vom damaligen prager Bischöfe Johann IV. dem Kloster
derart incorporirt, dass hinfort das Pfründeneinkommen „zum An-
kaufe von Fischen der Gastfreundschaft willen" dem Kloster selbst
anheimfallen sollte, welches aber dagegen verpflichtet wurde, fortan
einen Vicarius (Stellvertreter des Pfarrers) in Chcebuz zu erhal-
ten. ^) Im Jahre 1384 konnte diese Kirche zu dem bedeutenden
Zehentbetrage von 25 böhmischen Groschen für ein halbes Jahr
sich bekennen. ^)
h. In der Zupe von Leitmeritz erhielt Brewnow ebenfalls schon
') Ziegelbauei' hist. mon. Brenn. 176.
2) Urkunde Erben regesta p. 33 und 34.
3) Ziegelbauer hist. mon. Brevnov )}. 268., Tomek G. Pr. I. 477.
'*) Begistrum decimarum 1384,
110
bei Gelegenheit seiner Stiftung das Dorf Hrdly, mit den dorti-
gen „Ansiedlern, Waldungen, Sümpfen und dem ganzen Egerflusse
bis zudessenMündungindie Elbe".') Dieses Hrdly ist heute noch
mit seinem schönen Schlossgebäude der Amtsort des bfewnoAver
Gutes Hrdly, in dessen Umkreis dermalen die theils von Hrdly
aus erst gegründeten, theils allmälich erworbenen Ortschaften
Pocai^ly mit einer wohl bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen-
den Pfarrei, dann Trawcice (Drabschitz), Zadusniky und An-
theile von den ebenfalls sehr alten Pfarrorten BauSovice (Bau-
schowitz) und Dolanek einbezogen sind.^) Von allem Anfang an
gehörte auch das Dorf und der Hof Wlence „mit allem Zuge-
hör", das heutige Altlenzel auf dem Dominium Ploschkowitz, zum
Kloster Bi^ewnow. Nebstdem hatte auch die ganze ^upe-Leitme-
ritz zugleich mit den Zupen von Tetschen (später Leipa) und
Bilin die sogenannten Rauchpfennige an jenes Kloster zu
entrichten, ^) Diese Zuweisung an das Kloster Brewnow geschah
unzweifelhaft durch den Bischof Adalbert, welcher das Bisthum
auf andere Weise zu entschädigen wusste. Noch in den Jahren
1301 und 1341 bestätigten die Bischöfe Gregor und Johann dem
Kloster Brewnow den Bezug dieser Rauchpfennige.*) Ausserdem
hatte dieses Stift schon ursprünglich im jetzigen leitraeritzer
Diöcesangebiete den zehnten Theil vom Markt- und Zupengerichts-
einkommen in Leitmeritz, und wie von allen damaligen Gränz-
zöllen in Böhmen, so auch von dem zu Chlumec, dem heutigen
Kulm, den siebenten Theil und ebensoviel auch von den Eib-
zöllen in Leitmeritz und A u s s i g zugewiesen erhalten. ^) Uiber-
dies mag auch die bedeutende Schenkung des Grafen Eppo von
Bilin (1043) als eine uns näher interessirende angesehen werden,
obgleich ihr Gegenstand der Bezirk von Sebranic bei Zwittau in
Mähren gewesen ist.^)
Anderweitige Besitzungen im Jahre 993 werden noch ge-
1) Urk. Erben regesta 33 u. 34-.
2) Heutzutage gehört hier nur das linke Egerufer zur Leitmeritzer Diöcese
und sonach von den erwähnten Ortschaften nur Bausowice.
'^) Urkunde wie oben.
4) Tomek Gesch. Pr. I. 477.
^) Urkunde wie oben (Erben 33 und 34).
^) Herz. Bestätigungsurkunde Erben reg. 43.
111
iiaiint: Bfewnow mit Umgegend, Welezlawin und Luboc mit
Waldung, Ruzyn, ein Theil , von Kuromirtwice, 2 Mühlen an der
Moldau bei Prag, Wrane und Skocliowic, der Zelient von Radotyn,
in Rybnik und Poi^iö (letztere jetzt Theile von Prag), ein
Theil von Liböic, Oyppernic, Nömcice (piisner lü-.), Tfebestowic,
Mracenic (kauf. Kr.), Abgaben von der prager Burg, von der piis-
ner Ziupe, von den Landeszöllen in Domazlic und Kralup, von dem
Marktgelde in Schlan, Pilsen, Kauiim und Chrudim. Alsbald ver-
mehrten sich diese Besitzungen durch neue Erwerbungen, nament-
lich in den Gegenden von Horazdowitz, Eakonitz und Prachin. ')
§. 29. Das Kloster Ostrow. Das Kloster Sazawa und der heilige Pro-
kop. Die Anfänge des Klosters Münchengrätz.
1. Als zweite Stiftung für die geistlichen Söhne des h. Be-
nedict ist das Kloster Ostrow {InsuJa, Insel, weil auf einer Insel
der Moldau am Einflüsse der Sazawa gelegen) anzusehen. Es ver-
dankte seinen Ursprung dem religiösen Eifer und der Freigebig-
keit Boleslaw's des Frommen um das Jahr 999, ~) und war nicht
sowohl eine Tochteranstalt Bfewnow's, als vielmehr des bairischen
Klosters Altaich (Altaha), aus welchem der erste Abt Lambert vom
Stifter selbst berufen wurde. ^) Für das Gebiet der jetzigen
Diöcese Leitmeritz hat dieses Kloster lediglich durch seinen all-
gemeinen Einfluss auf die Hebung des christlichen Lebens im
Lande eine Bedeutung : die Besitzungen haben — mit Ausnahme
') Ebendaselbst Vgl. Tomek I. 93 u ff. Es werden genannt: 30 Unteitha-
nen in Prag, Bristwi und Wikan (kaur. Kr.), Budehostic und Theile von
Nutomic, ^elirovic und Zliöin (rak. Kr.) Smilovic, Kwasejovic und Theile
von Zduchowic, Podmokl und Krepenic (her. Kr.), ein Theil von Rakovic
(prach. Kr.), zwei Hydcic, Hajna, Nezamyslic, Krajnic, Skodra, Dwokotlok,
2iwohybic, Zichowic Psar, Krawolusic, Wolisowic, Stankowic, Theile von
Anjezdec, Domoraz, Kalenic (prach. Kr.), Chylic (elbog. Kr.) und der Zoll
in Breznic.
^) Hajek versetzt die Stiftung ins Jahr 978. Doch hat Bonaventura Pitter in
seinem St. Gunthems p. 148 etc. die obige abweichende Behauptung
nachgewiesen.
3) Die zweifelhafte Stiftungsui-kunde (?) bei Erben regesta p. 36.
112
der vorübergehenden Erwerbung eines Grundstückes von 3 Pflug-
maass Ackers in Libocliowic, das um 1205 von der edlen Ma-
trone Dobrowest dem Kloster geschenkt wurde, unsere Gegenden
nicht berührt. ') Dasselbe gilt auch von den P r o p s t e i e n , die im
Laufe der Zeiten von Ostrow aus gegründet wurden. Die berühm-
teste derselben war St. Iwan an der Höhle des h. Iwan, die durch
eine Schenkung des Herzogs Bretislaw I. um 1040 entstanden war, ^)
und nach der husitischen Bewegung, in der sie den Mönchen
von Ostrow eine sichere Zuflucht geboten hatte, durch Hilfe eines
Herrn von Hasenburg zu einem förmlichen Kloster erhoben wurde. ^)
Ausserdem wird schon in den ältesten Zeiten auch Z a t o n bei Kru-
mau als Propstei von Ostrow angeführt, zu deren Gründung eben-
falls eine Schenkung Bfetislaws I. Veranlassung geboten hatte. '^)
Ebenso besass das Kloster eine Propstei zu Schlau, avo im J.
1410 neben dem Propste, der zugleich Pfarrer war, noch acht Or-
denspriester lebten.^)
2. Eine grössere Bedeutung für uns, wenn auch nicht durch
einen Landbesitz innerhalb unseres Gebietes, so doch durch die
zeitweilige Eigeuthümlichkeit einer neuen Liturgie hat das Kloster
Sazawa. Als ersten Gründer desselben, damals aber noch im be-
scheidensten Umfange, verehren wir den h. Prokop.
Dieser — aus Chotaun bei Kaufim gebürtig — hatte einst
zu jenen Priestern unseres Vaterlandes gehört, denen es nur schwer
gelingen wollte, allen Uiberresten heidnischer Sitte zu entsagen.
') Vgl. die Bestätigungsurkuiide dd. 1205 bei Erben reg. 222. Jenes Grund-
stück in Libodiowic besass Ostrow wenigstens um 1400 nicht mebr. An-
derweitige Besitzungen: Theile von Trebenic, Otrocynewes, Weliz, Kolo-
wrat, Wrysowic, Crynuc, Turscy, Chornutowic, Tuklek (Hawran), Bratre-
now, Sedlec, Borenowic, Maskowic, NetwoHc, Hrusic, üscic (?), Pntim,
Pokatic, die ganzen Dörfet Mezun, Horutic, Postupic, Pristupira und die Kir-
chenpatronate von Krusina, St. Jakob in Domazlic, die Fähre an der SazaAva
und einige Antheile an den ^upeneinkünften. (Vgl. Erben 222.)
2) Urkunde bei Erben reg. 50.
3) Dobner annal. V. 116. Die Behauptung des Crugerius, Pesina und Ziegel-
bauer, dass St. Iwan von 1020 an als Kloster bestanden habe, ist unhi-
storisch. Cruger aä 16. Jan. Pesina PJiosphonis septicornis p. 126. Ziegel-
bauer hist. mon. Brevnov p. 199.
^) Urkunde bei Erben reg. p. 60.
5) Lib. JErect. IX. G. 4.
113
Er ^ar beweibt gewesen. Aber er liatte endlicli den weltliclien
Banden sich entrissen: von den Seinen hinweg und all sein Hab
und Gut verlassend war er in eine waldige Einöde an der Sazawa
gezogen, um dort als Einsiedler einzig nur für Gott und für das
eigene Seelenheil zu leben. Sein frommer Eifer machte ihn aber
bald, erst in der Nähe und dann in weiteren Kreisen bekannt. Fortan
wallten zu seiner Höhle ganze Schaaren von Pilgern, die der Für-
bitte, des Trostes oder der Lehre bedurften. Auch der Herzog
Udalrich zählte zu seinen Verehrern. Da baute endlich Prokop
von den ihm gebrachten Almosen eine Kapelle und ein Klösterlein,
und sammelte um sich einige Brüder für ein stilles Leben nach
der Eegel des h. Benedict. Er selbst wollte unter diesen nichts
anderes, als der Diener Aller sein (1032). Diess war der erste
Anfang des Klosters Sazawa. ')
Mittlerweile war Bfetislaw I. zur Herrschaft in Böhmen ge-
langt. Wir kennen seinen Plan, die ursprüngliche Grösse des böh-
mischen Reiches wieder herzustellen und auch die kirchliche Un-
abhängigkeit desselben herbeizuführen. So dachte er an die Ein-
führung eines eigenen slawischen Ritus in Böhmen, und erkor —
wenigstens im stillschweigenden Einverständnissemit dem Bischöfe
Severin — das Kloster Sazawa zur Pflanzschule desselben. Er
baute es prachtvoll aus und dotirte es reichlich (1039).*) Alsdann
berief er griechisch-slawische Mönche aus dem Lande der Ruthe-
nen, welche den Gottesdienst nach griechischem Ritus in slawischer
Zunge verrichteten, ^) und bewog den h. Prokop, die Würde des
Abtes in der neuen Klostergemeinde zu übernehmen. Bfetislaw's
kühner Plan endete mit seiner Niederlage im J. 1041, imd somit
verlor die neue liturgische Colonie in Sazawa ihre Bedeutung für
das Land. Desto schöner aber erglänzte von Tag zu Tag die Hei-
') Chronic, monachi Sasav.
^) Ursprüngliche Besitzungen: der Fluss Sazawa von Milobuz bis zur Höhle
Zakolnika mit den anliegenden Aeckern, Wiesen, Waldung und Zugehör
und das Dorf Zkramnik. (Erben reg. 47, Cosmas.)
3) Dass es diese und nicht die römisch-slawische Liturgie des h. Methud war,
ist jetzt unzAYeifelhaft. Vgl. Ginzel Gesch. der Slawenapostel p. 140 cit.
Safarik u. Höfler (glagolitische Fragmente). Die Nachschrift des Sasavo-
Eviautinum Evangelium ed. Hanka.
8
114
ligkeit des Abtes Prokop. Stark in der Selbstverleugnung, gross
in der Nächstenliebe, eifrig in jeder Tugend, unübertrefflich in sei-
ner Demuth, war er der Gegenstand der Liebe und Verehrung Al-
ler. Er starb als ein Heiliger am 25. März 1053. ') Bald folgte
ihm auch sein herzoglicher Gönner in die Ewigkeit. (10 Jan. 1055.)
So gross immerhin die slawischen Sympathien seines Nachfolgers
Spytihnew IL waren, sowenig Billigung fand bei diesem überaus
frommen Regenten die liturgische Neuerung in Sazawa. Schon 1056
mussten die slawischen Mönche das Kloster wieder verlassen und
eine Colonie lateinischer Klosterbrüder von Bi^ewnow zog in die
Stiftung des h. Prokop ein. Als Propstei von Sazawa erscheint nach-
mals Z b i s w ^) im Caslauer Kreise.
3. Angeblich schon 1054 gründete Hermann von Ralsko ein
BenedictinerklosterinderNähe des heutigen Münchengrätz, das
er mit Mönchen von Tornach bevölkerte. ^) Vielleicht war diese
Stiftung damals nur eine unansehnliche Propstei. Sie sollte aber
nachher zu grosser Bedeutung gelangen, als ein neuer Hermann v.
Ralsko sie 90 Jahre später dem neuen Orden der Cisterzieuser
übergab.
§. 30. Das Domstift St. Veit in Prag.
1. Gleichzeitig mit der Errichtung des Bisthums war auch
die sämmtliche sehr zahlreiche Geistlichkeit bei der St. Veits-
kirche, vielleicht sogar in der ganzen Burg und in dem Burg-
Üecken Prags, zu einem Domkapitel vereinigt worden, '^) welches
einem vom Bischöfe eingesetzten Vorsteher oder Propste (praepo-
situs) unterstand. ^) Es wurde bereits erwähnt, dass unser Vater-
') Cliron. monaehi Samviensis.
-) Lib confirm. MS, ad 26. üct. 1377.
•') Paprocky, und lUustr. Chronik IL 161.
'*) Der erste Biograph des h. Adalbert setzt das Bestehen von prager Dom-
herren (canonici) zur Zeit des h. Adalbert voraus, ohne diesen als Stifter
zu nennen.
5) Der h. Adalbert ernanute zu dieser Würde seinen vertrauten Freund
und Rathgeber Welich (Villieo).
115
laiicl das Institut Chrodegaiigs im Zustande des beginnen-
den Verfalles empfing. In der That erfahren wir, dass bis zur
zweiten Hälfte des eilften Jahrhunderts — also in der ganzen
bisher geschilderten Periode — das gemeinsame Leben der pra-
ger Capitularen nichts weniger als ein streng geregeltes war. Nach
dem Berichte unseres ältesten sachkundigen Chronisten ') waren damals
die Domgeistlichen nur dem Namen nach Canonici: zumeist unge-
bildet und ungelehrt, verrichteten sie den Chordienst sogar in
weltlicher Kleidung. Erst mit der neuen Periode begann für die-
ses Domkapitel eine neue bessere Zeit. Nichtsdestoweniger war
auch jetzt schon das Domstift, beziehungsweise die damit verbun-
dene Dom schule, die Pflanzstätte der böhmischen Seelsorgs-
geistlichkeit.
2. Die ausgedehnten Capitel-Güter, deren Erwerbung nach
Zeit und Art nicht allseitig erweisbar ist, lagen zum Theile auch
in unserer jetzigen Diöcese Leitmeritz, und es ist mit allem
Rechte anzunehmen, dass ebendaselbst — abgesehen von dem all-
gemeinen Segen eines derartigen Instituts — ein massgebender
Einfluss des Capitels auf die Gestaltung der religiösen Verhält-
nisse nicht fehlen konnte.
Mit urkundlicher Sicherheit lassen sich im Umfange der
jetzigen Diöcese Leitmeritz die nachstehenden Besitzungen nennen :
a. Im saazer Kreise vor Allem der Pfarrort Psow, das heu-
tige Schaab nächst Podersam. Dieser Ort war einer der ältesten
Obedienz-Orte ^) des Domstifts. Im Jahre 1186 ging derselbe durch
einen Gütertausch an den Orden der Johanniter über ^) und end-
lich um 1400 aus dem zeitweiligen Privatbesitze des Johann Ste-
nic, Grossmeisters der Kreuzherren mit dem rothen Sterne, in das
Eigenthum des letzteren Ordens. "*) Später als Psow erscheint der
Pfarrort Oöehow, das jetzige Gross-Otschehau , als Präbende ^)
') Cosmas.
2) Vgl. S. 103.
3) Tomek G. Pr. I. 83. — Urkunde in Erlen reges fa p. 175.
'•) Vgl. Sommer Saazer Kreis, S. 291.
^j Vgl. Seite 102.
8^
116
eines von Bischof Johann im Jahre 1305 gestifteten Domherrn.^)
Der von hier im Jahre 1384 entrichtete Halbjahrszehent von 18
böhm. Groschen (von P§ow 12) bürgt für ein erhebliches Alter der
hiesigen Kirche. ^) In dieser Gegend lagen auch die Präbenden-
güter Libeäowice, das heutige Lischwitz auf dem Gute Libo-
ritz, Wrbice^), das heutige Fürwitz auf der Herrschaft Peters-
burg, Dötan^), wahrscheinlich das heutige Gödesin auf der Do-
maine Weitentrebetitsch ^) und um 1305 auch Wetru§ic, das
jetzige Wedruschitz, und Sedöic, das jetzige Scheditz auf dem
Gute Schönhof. ^) üiberdiess war auch das Dorf Krty (mit Aus-
nahme eines der Kirche in Tis gehörigen Hofes), das heutige
Gerten auf der Herrschaft Petersburg, im Jahre 1227 durch testa-
mentarische Schenkung von Seiten des Brüxer Grafen Koj ata, des
noch oft zu nennenden Wohlthäters mehrerer kirchlichen Institute
Böhmens, in den Besitz des prager Domstifts übergegangen. ') Im
1) Tomek G. P. 423 und 424. Unter den Präbenden von 1384 ersclieint die-
ser Ort bereits nicht mehr.
2) Begist. decimarwn bei Baibin.
3) Wrbice bildet 1384 mit Kojetice (?) eine Präbende von 1 Seh. 15 Gr
Halbjahrszehent.
*) Dieses heisst bei Pesina irrthümlich Dieöiny m districtu Litoniericensi,
wenn er damit nicht etvp^a Deöany (das heutige Jetschan bei Triblitz)
meint, das aber dem Kloster Doxan gehörte. Vgl. Erben reg. p. 325.
5) Dieser Besitz ward dem Kapitel erst am St. Thomastage 1420 entfremdet
durch Verpfändung von Seiten des Kaisers Sigismund an die Brüder Hein-
rich und Bohunek von §primberg um den Preis von 200 Seh. Palacky
Archiv I. 509.
'^) Tomek G. P. I. 423, wo aber statt Sedcic Ledcic gesetzt ist, angeblich
im saazer Kreise, obgleich in letzterem kein' Ledöic zu finden ist.
Nach Pesina Phosph p. 684 gehörte aber auch ein Sedcic dem Kapitel,
das nun allerdings nicht fern von Wetrusic liegt. Das dort zugleich ange-
führte Ledöice möchte ich für das im rakonitzer Kreise halten. (Jebrigens
war jenes Sedcic zur Zeit des Königs Johann bereits in den Besitz der
Pamihe Sekyrka übergegangen, welche sich fortan von Sedcic nannte (die
jetzigen Grafen von Wrsowec). Lib. erect. XII. G. 8. XIII. G. 1.,
XIII. J. 3.) — Der Umstand, dass diese Familie um 1390 noch an-
dere von Pesina angegebene Capitelgüter in der Kähe besass, scheint für
die Identität des erstem Orts zu sprechen. (Lib. erect. ibidem.)
') Urk. bei Erb. reg. p. 332. Vgl. Tomek G. Pr. I. 176.
117
Jahre 1 389 wird auch ein dorn stiftlicher Lehensmann (Wacho von
Wrany) zu Hriwice auf der jetzigen Domaine Neuschloss ge-
nannt. ^) Die Pfarrpfründe daselbst zahlte im Jahre 1384 einen
halbjährigen Zehent von 27 Groschen. ^) Im Jahre 1341 schenkte
König Johann dem Domstifte den Zehent vom Bergbaue in B f e s-
nic^) und zugleich von allen Silbergruben in Böhmen.
h. Im bunzlauer Kreise besass das Capitel von unbekannter
Zeit her den alten Pfarrort Möely im Dekanate Hawrau (jetzt
zum Gute Detenic gehörig). Dieser Ort war eine eigene Capitel-
präbende, welche sich 1384 mit 42 Groschen am Halbjahrszehent
betheiligte. ^) Urkundlich übten hier die prager Capitularen in
den Jahren 1366, 1368, 1390, 1398 und 1402 das Collaturrecht
aus. ^) Auch ein Theil des Dorfes Sowinice, jedenfalls im bunz-
lauer Kreise gelegen, erscheint als Besitzung des Capitels; nur
ist ungewiss, ob diess der Ort desselben Namens auf dem heuti-
gen Dominium Kfinec oder der ebenso genannte Ort auf der jetzi-
gen Herrschaft Swijan gewesen ist./) Uiberdiess bezog das Dom-
stift noch gewisse Zehnten in der alten Zupe von Melnik, um
welche es im Jahre 1260 einen Streit mit dem Bischöfe Johann III.
führte, ')
c. Im leitmeritzer Kreise, und zwar im alten Dekanate von
Trebnitz gehörte dem Domstifte das alte Pfarrdorf fi,isuty ®), das
1) Lib. erect. XII. C. 6.
2j Begist. decini.
3) Diplom, regis Joh. cit. in Dobn. mon. JBoh. tom. IV. 10.
*) Begist. decim.
5) Namentlich werden als CoUatoren genannt: 1368 der Gapiteldekan, 1390
Wenzel von Genczenstein zugleich Canonikus am Wysehrad, 1398 der Ca-
nonikus Andreas von Gewißka und 1402 der Gustos am prager Dom und
zugleich Scholasticus am Wysehrad Franz Gewiöka. Lib. confirm. a. h. a.
'') Dieses Sowinice wurde am 27. Dezember 1420 durch Kaiser Sigismnnd an
Wenzel ven Walowic verpfändet. Palacky Archiv I. 546.
') Tomek G. P. 425. cit. eine Ui-kiinde des Domcapitels.
^) Für die Identität dieses ßisnty bürgt der Umstand, dass der andere Pfarr-
ort gleichen Namens bei Schlan in den Confirmationsbüchern ausdrücklich
als CoUatur des Klosters zum h. Geist in Prag genannt wird. Die gegen-
theilige Angabe Heber's (Böhmens Burgen VII. 68), nach welcher das Dorf
Äisuty bei Schlan dem Capitel gehört habe, scheint, wie einige andere
118
heutige Rissiit bei Merunitz, das bis zum Jahre 1384 ein so an-
sehnliches Kirchenvermögen erwarb, class es damals mit dem be-
deutenden Halbjahrsbetrage von 15 böhm. Groschen am allgemeinen
Kirchenzehent sich betheiligen konnte. ') Erweislich übte daselbst
das prager Capitel noch in den Jahren 1364, 1404, 1405 und
1418 das Collaturrecht aus. -) Im Jahre 1364 erscheint ein Je§ek
von JKisuty als Lehensmann des prager Doracapitels und übt als
solcher das Collaturrecht in der Pfarre zu Liböewes (Liebsch-
hausen) aus. ^) Muthmasslich gehörte also auch dieses uralte
Pfarrdorf, das im Jahre 1384 schon 18 prager Groschen halbjäh-
rigen Kirchenzehent zahlte, dem Capitel zu Prag. '*) Im Jahre
1390 wird Pesik von Minie als Collator genannt. ^) Derselbe stif-
tete 1396 2Y. Juli 2 Vikaristen an dieser Kirche. ^) Im Jahre
1411 erst werden die Herren von Hasenburg als Collatoren eines
Altarbeneficiums angeführt. ') Uibrigens besass auch das Colle-
giatstift Wysehrad von 1068 an einen Zinsbauer und einen Klei-
derwäscher in Liböewes. ^) Das Dorf Risuty ging 143-7 (am
Sonntage vor St. Katharina) sammt dem Dorfe Lahost"), dem
heutigen Loosch auf dem Dominium Dux, durch kaiserliche Ver-
desselben Verfassers , auf einer Verwechslung gleicher Ortsnamen zu
beruhen.
') Eegistrwn deeimarum bei Baibin.
~) Namentlich erscheinen als Collatoren: 1364 der Dechant Wratiwoj, 1404
und 1405 die Canonici Blasius und Lupus, letzterer auch Dechant von
Allerheiligen ; 1418 der berühmte Canonicus Andreas von Broda, den
wir bereits als Pfarrer von Nebu^el kennen gelernt haben. {Lib. confirm.
a. h. a.)
•*j Lib. confirm.
^) Begist. deeimarum.
^) Lib. confirm.
'^) Lib. ereet. XI. N. 9. Seine Söhne Christoph und Wlcelc v. Minie und Pesik
v. Hoi-etic erscheinen noch 1401 und 1416 als Wohlthäter der Kirche in
Libcewes.
7) L. Gonf. VI. u. VII.
^j Erben reg. 11.
^j Dieser Ort erscheint bei Pesina irrig unter dem Namen Lahowice. Das
wirkliche Lahowice, am Einflüsse der Beraun in die Moldau, gehörte den
Klöstern Ostrowund Kladrub, und ein zweites Dorf dieses Namens bej
Liebschliausen dem leitmeritzer Capitel. Vgl. Erben reg. 36, 89, 53.
119
pfändung an Jakob von Wrsesowic und dessen Erben über. ' ) In
derselben Gegend gehörte dem Domstifte von jeher auch der noch
viel ältere Pfarrort Kozly, das heutige Kosel auf dem gleich-
namigen Gute.-)' Dieses Dorf muss wohl eine der ersten christ-
lichen Kirchen des ganzen Dekanats — ^Yahrscheinlich durch das
Domstift selbst — erhalten haben, da dieselbe im Jahre 1384 so-
gar bis zu einer halbjährigen Zehentleistung von 24 böhm. Gro-
schen sich erschwingen konnte. ^)
3. Als anderweitige Pr ab enden des Capitels von St. Veit
werden im Zehentregister des Jahres 1384 folgende genannt *):
Krö (36 gr.), Beluk (17 gr.), Libeznice (54 gr.), Hofany (43 gr.),
Jesenice (48 gr.), Postonice (54 gr.), Wysocany (38 gr.), Horne-
tice (2 Seh.), Zemechy (30 gr.), Piacetice (1 Seh.), Kbel (45 gr.),
Pi-ilepy mit Bukol (42 gr.), Tfeboratice (21 gr.), Zlonice (26 gr.),
Chrast (30 gr.), Solenice und Trapcice (48 gr.), Ujezdec (36 gr.),
Kojetice mit dem bereits erwähnten Wrbice (1 Seh. 15 gr.), Ctine-
ves (36 gr.), Studeö mit Stf edokluky (2 Seh,), Holowice (3 Seh.),
die zweite Präbende in Jesenice (24 gr.), Nehwizdy (45 gr.),
Horka (18 Seh. 16 gr.), Kobilis (1 Seh.), Pocetice mit Babenice
(20 Seh. 38 gr.) , . Zlonin (30 gr.) , die zweite Präbende in
Kbel (42 gr.), Wrbec bei Mseno, rak. Kr. (17 gr.) und Postrizin
(II gr.). Hiebei waren die Besitzungen der Propstei, des Dom-
dekanats, der Domscholasterie und des Archidiakonats (von Prag),
sowie die der übrigen Archidiakonate, endlich die der Kirche selbst
noch nicht mit eingerechnet. Auf den Propst entfielen damals 12
Schock, auf den Deehant nur 36 Groschen, auf den Scholasticus
1 Schock, auf den Archidiakon 2 Schock, auf die 65 Beneficiaten
der Domkirche zusammen 21 Schock und 57 böhmische Groschen
Halbjahrszehent.
1) Palacky Archiv II. 453.
") Sommer: Leitm. Kreis S. 03.
3) Ucgist. decini. bei Baibin.
*) BegisL dedm. 1384. Dio beigesetzte halbjälirige Zelieiitleistung ist ein
Massstab des Gcsammteinkommons. Näheres über die Verbältnisse des
Domklcrus in einem spätem Abschnitte.
120
§. 31. Fortsetzung.
1. Der fleissige Sammler der liistorischen Merkwürdigkeiten
des St. Veitsdoms, Thomas Pesiiia von Cechorod ^), hat uns ein
alphabetisches Verzeichniss der angeblichen ehemaligen Besitzun-
gen des prager Capitels zusammengestellt. Derselbe nennt da
nicht weniger als 262 verschiedene Orte der verschiedenen Kreise
Böhmens und fügt schliesslich noch die Bemerkung bei, dass er
die Namen vieler anderen nicht mehr anzugeben vermöge. Diess
Verzeichniss strotzt aber \on Unrichtigkeiten. Einmal fehlt schon
mehr als die Hälfte der verhältnissmässig wenigen urkundlich
sicher gestellten Capitel-Besitzungen in jenem Verzeichnisse, und
einige der angegebenen sind mit ungenauen Namen bezeichnet.
Dann aber werden die unterschiedlichsten geistlichen Besitzungen,
namentlich viele erzbischöfliche, in die Zahl mit einbezogen. End-
lich werden alle jene Ortschaften kurzweg als Capitelgüter ange-
führt, wo doch dem Stifte lediglich ein oder das andere Grund-
stück, oder gar nur ein fundirter Jahreszehent oder etwa eine zu
Dienstleistungen verpflichtete Familie angehörte. Diess voraus-
geschickt, nennen wir nachgehends diejenigen Orte innerhalb der
jetzigen Diöcesangränzen von Leitmeritz, welche ausser den oben
sichergestellten ehedem ein Eigenthum des prager Domstifts gewe-
sen sein sollen.
2. Die vorzüglichsten derselben lagen
a. im alten Archidiakouate von Saaz. Vor allen ist da der
alte Pfarrort ^labokliky (Schabogiück) zu nennen, der im Jahre
1384 schon die erhebliche Summe von 15 böhm. Groschen als halb-
jährigen Kirchenzehent entrichtete. ~) Seit den Zeiten des Königs
Johann hatte dieser Ort zugleich mit dem von Pesina ebenfalls
als Capitelgut genannten benachbarten Dorf e Cejkowice (Tsche-
kowitz) die nahen Herren Sekyrka von Sedcic, welch' letzteren
') Phosjphorus sepücornis. Pragae 1673, pag. 684 und 685.
*) JRegistrum decimarum bei Baibin. ;
121
Ort wir bereits als früheres Capiteldorf kennen lernten, zu Be-
sitzern. ') Ausserdem werden von Pesina noch erwähnt: die Dör-
fer Duböany auf dem jetzigen Gute Dobritschan, Käme na
wo da, das heuitige Stenwasser auf der Domaine gleichen Namens,
L e w n i c e, das heutige Lewanitz auf der Herrschaft Postelberg ^),
Nechranice, das jetzige Dorf Negranitz auf dem Dominium
Hagensdorf, Kwenice, wahrscheinlich das jetzige Ferbentz, und
Wigkow, beide bei Postelberg, Zbra§in, das dermalige Praschin
bei Laun, und Strkowice auf dem heutigen Gute desselben Na-
mens. ^)
&. Im Bereiche des ehemaligen Archidiakonates von Leitme-
ritz und Bilin werden angeführt: vor allen das Pfarrdorf Tf e-
biwlice, jetzt Tfiblitz genannt, welches im Jahre 1384 als eine
der ältesten Stationen des Dekanates den sehr bedeutenden Halb-
jahrs-Kirchenzehent von 21 böhm. Groschen entrichtete. '^) Hier
aber erscheinen sicher vom J. 1370 an eigene Herren von Tfebiwlice
als weltliche Grundherrschaft, so dass ein Capitelbesitz daselbst
in frühere Zeit versetzt werden müsste. ^) Vielleicht beschränkte
•) Libri erect. XII G. 8, XTII G. I., XIII J. 3. Lihri eonfirm. atl 1360,
1413, 1416 und 1417. — Ein Heinrich von Sedcic erscheint 1393 in einer
Angelegenheit, welche den Kirchenzehent von Libetic betrifft, als Schieds-
richter. Derselbe schenkte am 27. Mai 1396 der Kirche zu Zabokliky 30
Seh. Zinsen zur bessern Dotirung des Pfarrers. (Ebend.) Erst um das Jahr
1500 gelangte Sedcic mit Zabokliky und Cejlfowice (damals mit Kralowa
Lhota) an die Saazer Stadtgemeinde. (Heber Böhmens Burgen YII. 147.)
*) Vielleicht ist hier auch eine Verwechslung mit Lewinice geschehen, einer
alten Besitzung des Klosters Brewnow in der Grafschaft Glatz. (Vgl. Erben
reg. 443 ad a. 1238.
3) Möglicher Weise irrte sich hier Pesina mit dem Dorfe Strunkowice im
prachiner Kreise, welches heute noch dem Propste des prager Kapitels an-
gehört.
^) Regist, decimarum bei Baibin. — Die in Sommers Topographie S. 77 mit-
getheilte Sage vom Ursprünge des Ortes zwischen 1444 und 1504 wider-
spricht der erwähnten urkundlichen Thatsache und vielen andern sicheren
Nachrichten des 14. Jahrhund ei'ts.
^) Libri confirm. Genannt werden daselbst: 1370 die Brüder von Trebiwlice
nebst Milebor von ^elkowic und Jarek von Solan, — 1404 und 1405 Fi'itz,
Bures und Johann 'von Trebiwlice mit Kunes von Solan als CoUatoren.
Nach den Libris ErecHonum : 1397 Zdenko von Kostelec und die Nonne
122
sich ein solcher Besitz überhaupt auf gewisse Zehentbezüge.
Ausserdem nennt uns Pesina noch ein Chutnewes, welches nur
das jetzige Kuttendorf bei Libeschitz sein könnte, ferner Choto-
m e 1- i c e , das heutige Kuttomirsch auf der Herrschaft Lobositz,
Jii-etin, wohl den alten Pfarrort dieses Namens, das heutige
Obergeorgenthal '), Wodolice auf dem Dominium Liebschhausen,
und Pistany bei Leitmeritz. Nebstbei zieht er auch die erzbi-
schöflichen Besitzungen dieser Gegend, Wtelno (bei Brüx),
Geiersberg, Sobechleby (Sobochleben) , Marschow (Mar-
schen), Hotowice (Hottowitz), Tuhan-), Obora und Wr§o-
wice, und ebenso das zur leitmeritzer Propstei gehörige Dorf
Slatina und den zum Kloster Bfewnow zustcändigen Ort Wlence
(Mlinec) in die Reihe der hiesigen Capitelgüter.
c. Im Umfange des alten Archidiakonats Bunzlau werden
namhaft gemacht: das sehr alte Pfarrdorf Libechow (Liboch),
welches 1384 mit 18 b. Groschen am allgemeinen Kirchenzehent
sich betheiligen konnte. ^) Urkundlich ist nur bekannt, dass im
J. 1395 die Stiftungsbezüge für ein von den Mansionaren der pra-
ger Domkirche abzuhaltendes Jahresgedächtniss auf diesem Libe-
chow hafteten, ^) Möglich, dass dieser Umstand zu der Annahme
führte, der Ort selbst habe dem Domstifte zugehört. Erweislich
erscheinen wenigstens im Anfange des 15. Jahrhunderts die Berka
von Duba auf Auscha als Grnndherren und Collatoren in Libe-
Sophie von Semic als Stifter eines Jahrgedäclitnisses, 1400 Johanna von
Trebi^Ylice als Stifterin zweier Jahi'gecläcMnisse durch Schenkung eines
Hauses sammt Garten und Aeckern, 1405 die Brüder Rudiger und Erhard
von Skalka als Kirchenwohlthäter. Erect. XIT. J, 10., XIII. E. 2, VIII. 0. 6.
') Urkundlich erscheint hier wenigstens um 1400 die Familie von Koldic als
Grundobrigkeit. Anna von Koldic erbaute 1409 abseits von der bisheri-
gen Marienkirche eine neue zu Ehren des h. Nikolaus (Niedergeorgonthal)
und erwirkte ddo. 14. April 1409 auch die Erhebung der letztern zur
Pfarrkirche. Lib. Erect. IX. D. 1. Lib, confirm. ad 1409.
~) Hier konnte auch eine Verwechslung mit dem noch jetzt zum Capitcl ge-
hörigen Dorfe Tuchyne im frühern berauner Kreise geschehen sein.
3) Regisfnim decimarwni.
'*) Dobncr de Mansionariis. Das Anniversarium galt den Eltern des Libc-
chower Pfarrers Johann.
123
cliow. ') Auch der alte Pfarrort Kadi in (im ehemaligen Dekanate
Kamenec) soll eine Besitzung des Domcapitels gewesen sein; je-
doch waren hier die Freiherren von Berka auf Hauska wenigstens
um das Jahr 1400 Grundherren und Collatoren. ~) Im J. 1384
zählte Kadlin mit einer Zehentleistung von 18 böhm. Groschen
bereits zu den besten und wohl auch ältesten Pfründen des De-
kanats. ^) Erst im J. 1445 gelangte das hiesige Pfarrpatronat
durch Verleihung von Seiten des Chwal Berka auf Hühnerwasser
an das Augustinerkloster zu Biela (Weisswasser. '*) — Auch R a-
dujen {Badaun teutonica in der Nähe der alten Deutschherren-
kommende ßepin) wird als Capitelgut angeführt. Dieser Ort be-
sass eine ziemlich alte Pfarrkirche, welche 1384 sich mit 12 böhm.
Groschen am Kirchenzehent betheiligte. ^) In dieser Zeit hatte es
den deutschen Orden als Grundobrigkeit und hiess desshalb auch
Badaun teutonica. Nebstbei nennt uns der oft erwähnte alte Ge-
schichtsschreiber des prager Domstifts als weitere Besitzungen des-
selben die Dörfer Wselisy auf der Domaine gleiches Namens,
Mlazice bei Melnik und Winartice, vielleicht richtiger das
jetzige Winafice auf der Herrschaft Dobrowic. Auch das erzbi-
schöfliche Pfarrdorf Zercice wird unter Einem den hiesigen Ca-
pitelbesitzungen beigezählt.
d. Noch werden in demselben Verzeichnisse mehrere Ort-
schaften genannt, deren Namen wohl auch innerhalb unserer
Diöcese, aber eben so gut auch in andern Theilen Böhmens vor-
gefunden werden. Als solche mögen hier die folgenden genannt
werden: Charvatice, Chvojenec (Klein - Kahn ?), Horka,
Lipeii, Minie, Moravany, Okruhly (Scheibendorf bei
Niems?), Podol, Pnetluky (Netluk?), Rohosec, Radaun,
Ötebno (Stehen?), TfemoSnice, Wrbka, i^idovice, Za-
lesly und Zahaji. ^)
'j Libri confirm. a. h. a. Genannt werden: 1414 Ileinricli von Duba auf
Auscha, und 1418 Ales von Duba auf Di-azic (und Auscba).
'/ Libri confmn. Genannt wird 1414 Heinrich Berka in Huska.
^) Begist. deeimarum.
4) Libri Elect XIII. Y. 19.
^) Begistr. decimar.
^) Ausser den angeführten Orten nennt Pesina (Phosp. 684 und 685): Bisice,
124
]. 32. Das Goilegiatstift SS. Gosmas und Damian zu Ältbunzlau.
1. Es wurde bereits oben ^) erzählt, dass der Herzog Bre-
tislaw I. und der Bischof Severus für die angemasste Uebertragung
der Reliquien des, heil. Adalbert von Gnesen nach Prag und für
Bikos,- Blaliotice, Bratronice, Bukole, Butovice (1256 für Zbraslav), Berko-
vice, Becvarek, Biskupice , Boliiinovice , Budce, B arcliovice , Boreö, Bane,
Beluk, Bukova, Bohuslavice, Brezany, Brzokol, Brandeis bei Sclilan, Bozi-
linevice, Bi-ezova bei Beraun. (Uebergangen: Belvice, Bedricliovice, Brez-
nice male.) — Ein Theil von Ctinoves, Calirov, Cacliow, Öernilow, Chirsin,
Öanka, Chlistovice, Clileby, Cbvatlina, Chudeöin, Chrastov, Ohlistpvice.
(Uebergangen Öista, Öizovka.) — Draskovice, Drzice, Drchkov, Duby, Da-
minoves. (Uebergangen Dwrzkov, Dedibaby, Dusniky, Detineky, Detan.) — '
Jesenice, Jence, Jirno, Jeröonice, Jirenec. (Uebergangen Jasena.) — KH-
vausy, Kvic, Koturov, Kameny Aujezd, Kovarovice, Krivany, Koricany,
Klein-Kucharek, Kostelec bei Pilsen, Kbel bei Prosylr, Ki'eöhor bei Kolin,
Krabeice, Krocihlav, Konöice, Kopist, Konice bei Brod, Knistice, Krivice,
Krivany, Kutrovice, Kobilniky, Krc. (Uebergangen Kozolupy, Kobilisy,
Kaisperk.) — Lbota, Liboc, Libeznice, Ledcice, Lasice, Lesnice, Lazan-
ky, Libßov, Litovice, Liboclioviöky bei Okoi', Lisolay in Scharka, Libko-
vice, Loket (Kaurim) Lesany, Lniste bei ^ebrak. (Uebergangen Lahost.)
~ Malesice, Malikovice, Milce, Martineves bei Budin, Modrany, Myslin,
Miletice bei Wehvar, Mikovice, Miskovice, Mirovice, Mokry, Mokropsy,
Mokrusov. (Uebergangen Mlyn, Malesov, Moldauthein, Richnow.) — Ne-
liwizd, Newlekov, Neumerice, Nedwez, Nedwedice, Netis, Netrebice, Ne-
radice, Netrevice, Nezetice. (Uebergangen Nizebohy.) — Odolena Woda,
Osusiu, Owöary, Onomysle, Omeklas, Omozin, Otwojice. (Uebergangen
Onomysk.) — Polelu'ad, Poliöany, Pabenice, Pohorice, Pchery, Pnovice?
Ptic, Postrizin, Poricany, Prebog , Plesnice, Prusce, Podlusky, Predonin,
Pribisov, Peciu, Poöeradec, Pasovice, Popovice, Popovißky. (Uebergangen
Prestupy.) — Eadlice, Rostok, Repice, Radosovice, Rovna, Ranna, Risice,
Üivice, Roclianov. (Uebergangen Rozmital, Rudice.) — Slavosov, Sterbo-
lioly, Sedlec, Öitar, Sobin, Svinar, Steblavy, Stredokluky, Slupice, Sale-
tice, Sulice, Sukdol, Srbice , Stocbov, Statewnice, Swidna, Senice, Stu-
padla. (Uebergangen Swetic, Svojetin, Saky.) — Trebotov, Tymakov, Tu-
choraz, Tmany, Tusec, Turkovice, Ti-isnovice. (Uebergangen Tuchlovice.)
— Uhercice, Ujezdec bei Bikos, ein Theil von Wlasim, Welikawes, Wse-
radice, Weska, WranoAv, Wtelno, Wesce , Walenec, Wseliromy. (Ueber-
gangen Winetice, Wsestudy, AVeltrus, Wrbcany.) — Zwolinewes, Zlo-
nice, Zlatnik, Zerpice, Zemecli, ^ebrovice, Zariby, Zbinice, Zalirivec, Zir-
cice, Zruc, Zypec, Zatwor, Zahorany.
1) Seite 78.
125
die ihnen zur Last gelegte Beeinträclitigimg der polnischen Kirchen
nur unter der Bedingung die Verzeihung des apostolischen Stuhles
erhielten, wenn dieselben als Busswerk geeigneten Orts ein Gottes-
haus mit einem Kloster erbauen, dasselbe mit allem Erforderlichen
hinreichend versehen und erprobte geistliche Personen daselbst
einsetzen würden, welche für alle Zeit zur Versöhnung Gottes und
zum Heile der lebenden und abgestorbenen Christgläubigen daselbst
im heiligen Dienste leben sollten. ') Aus diesem Grunde nun
stifteten die beiden hohen Büsser das CoUegiatstift Altb unz-
lau. ^) An die Stelle der alten Kirche SS. Cosmas und Damian,
in welcher der Leib des h. Wenzel einst drei Jahre lang geruht
hatte, wurde ein neues Gotteshaus erbaut und zugleich dem heili-
ligen Landespatrone Wenzel gewidmet. Am 18. Mai 1045 ward
die neue Kirche feierlich vom Bischof Severus consecrirt.^) Die Ein-
führung der Kanoniker, welche hier unter der Leitung eines Propstes
und eines Dechants den kirchlichen Dienst versehen sollten, scheint
erst um 1052 erfolgt zu sein, da der Stiftungsbrief erst aus dieser
Zeit datirt ist.'^) Die freigebigen Stifter versorgten sie reichlich mit
Landbesitz und wiesenihnenzins- und dienstpflichtige Leute in Menge
zu. Ausser den nöthigen Ackersleuten, Hofdienern, Hausknechten,
Aufwärtern, Kirchenwächtern, Glöcknern, Fischern, Gerbern, Schu-
') Cosmas.
2) Dom- und Gollegiatstifte galten ihrer Regel wegen als eine Ai-t von Klö-
stern. Es kamen auch häufig Fälle vor, class solche Stifter ohne weitere
Umstände wirkliche Klöster wurden und zwar dadurch, dass an die Stelle
der Chorherren regulirte Canoniker berufen wurden. Dies geschah z. B.
in Klostenieuburg.
3) Cosmas, Pulkava, Weleslawia nennen das Jahr 1046, Pubitschka IE. 335
weiset nach, dass es 1045 geschah. Die älteren Chronisten nennen die
neue Kirche durchwegs eine zu Ehren des h. Wenzel geweihte. Da aber
das Capitel stets SS. Cosmas und Damian hiess, so ist wahrscheinlicher,
dass der Name S. Wenzel nur den Namen der frühern Patrone beigefügt
wurde, wie dies erweislich auch mit dem S. Veitsdome in Prag geschah.
Weleslawin und Andere nennen als Conseci-ationstag den 20. Mai.
4) Bei Erben regesta p. 47. u. BaTbini epitome lih. III. p. 191. Bohner an-
nal. V. 310. Nach Palacky (im Anhange zu JErlen reg. p. 624) ist dieser
Stiftungsbrief von zweifelhafter Aechtheit und soll derselbe nicht vor dem
Ende des 12. Jahrhunderts abgefasst sein.
126
Stern, Peclisiedern, Schäfern, Müllern und Schmieden fehlte es so-
gar nicht an einem Schildarbeiter, Bildhauer, Goldschmied, Drechs-
ler und Zuckerbäcker.
2. Im Umkreise der jetzigen Diöcese von Leitmeritz wurden
dem Stifte schon ursprünglich der Maierhof und das alte Pfarr-
dorf Lysa '), die jetzige Stadt gleichen Namens und die Dorf-
schaften D e t e n i c e und M 1 i k a f i im jetzigen Bunzlauer Kreise
zugewiesen, erstere heute noch der Amtsort eines gleichnamigen
Gutes, letztere aber dermalen völlig unbekannt. Ueberdiess hatte
es eine Abgabe an Honig zu beziehen von den Ortschaften Rauny
(vielleicht dem heutigen Raudny auf dem Gute B. Aicha oder dem
Dorfe Raudne auf dem Gute Turnau und Skal), von Libinic (?),
Losen ic (?), Osek (vermuthlich dem alten Pfarrorte dieses Na-
mens auf der Herrschaft Kost ^) und Wlkowa (auf dem Gute
Laucin). Auch besass es zur Kirchenwache verpflichtete Unter-
thanen in dem alten Pfarrdorf e Bezno ^) und in den Ortschaften
Wlkowa und Dobrowice. Aus den Städten Saaz und Jung-
bunzlau bezog es den zehnten Theil von allem herzoglichen Ge-
richtseinkommen; ebenso von allen Grundstücken, die zu beiden
Städten gehörten, den Zehnten an Garben und an Gross- und
Kleinvieh; auch von allen in Erbpacht gegebenen Besitzungen
') Dieser Hof hatte vorher dem Grafen Mutis gehört. Um 1355 finden wir
hier die Kaiserin Anna als Grundherrin, Avelche die hiesige PfarrcoUatur
dem neuen S. Carlskloster in Prag übertrug, worauf die Kii'che in Lysa
durch Urkunden der Kaiserin, des Kaisers, des Papstes und des Erzbi-
schofs für immer dem Kloster incorporirt wurde. (Lib, Erect. III. P. 1.
(dd. 1387, ibid. III. H. 3, XII. B. 2.) Diese Kirche war damals ent-
schieden die reichste des ganzen Archidiakonats, indem sie 1384 2 Seh.
zum halbjährigen Kirchenzehent beisteuern konnte. [Begist. decimarum.)
-) Diese um 1360 sicher unter der Collatur der Herren von Wartenberg auf
Kost stehende Pfarrkirche zahlte 1384 nur 6 böhm. Groschen zum Kir-
chenzehent, ist also wohl Jüngern Ursprungs. {Begistnmi dedmarimi. —
Libri confirm. ad 1360, 1363, 1379 und 1380.)
^) Bezno hatte eine der ältesten Kirchen des Dekanats Kamenec, indem selbe
1384 mit 30 Gr. am Kirchensjehent sich betheiligte. Im Jahre 1369 er-
scheint ein Bohunko von Libis als Grundherr und Kirchenwohlthäter.
(Begist. decimarum. —■ Libr. Erect. I. K. 6. dd. 1369 und 1371. — Lib.
confirm. 1373. 1399.)
127
derselben Städte den zehnten Tlieil des erzeugten Honigs und
der üblichen Friedenssteuer.
Nebst diesen ursprünglichen besass Altbunzlau erweislich in
späterer Zeit noch einige andere Güter im Bereiche der jetzigen
leitmeritzer Diöcese. Zu diesen gehörte Maleso w, das heutige
Maischen bei Gastorf, ein uraltes Ffarrdorf, das der selige Hroz-
nata, Stifter der Klöster Tepl und Choteschau schon 1197 seinem
Kaplane Holofernes geschenkt hatte. ') Wann und wie es an das
Collegiatstift zu Altbunzlau gekommen sein mag, ist nicht wohl zu
ermitteln. Sicher aber übte daselbst um 1360 der altbunzlauer
Propst als Grundherr das Collaturrecht aus. ") Im J. 1384 ent-
richtete Malesow 12 b. Groschen als halbjährigen Kirchenzehent. ^)
Ausserdem gehörte noch das Dorf Wlköinöwes, wahr-
scheinlich das jetzige Dorf Wolfschlinge auf dem Gute Schwaden,
und ein Ort unbekannter Lage, Namens Klein-Wolenec '*), der-
selben Grundobrigkeit.
3. Im Jahre 1384 werden folgende anderweitige Präbenden
des Capitels als zehentpiiichtig aufgezählt ^): Owcary (1 S.); Po-
powice (34 gr.); eine zweite Präbende in Popowice (34 gr.); eine
dritte ebendaselbst (21 gr.); Howofewice (21 gr.); Nedomice (1 S.)5
Susna mit einem Antheile von Ohaf (14 gr.); Konöice (30 gr.);
Hlawna nebst einem zweiten Hlawna und Antheilen in Ohaf, Kon-
öice und Dusna (18 gr.) ; die Präbende Ohaf mit einem Antheile
von Koncice (20 gr.); eine zweite Präbende in Hlawna mit einem
') Die Schenkungen Ilroznatas betrafen grosseutlieils diese Gegend. (Hrusciio-
wan, Prachowa, Drnni, Proboscht, Ploschkowitz, Schwaden, Skalice, Kezly
u. s. ^Y.) Dies und der Umstand, dass ein anderes Malesow (Stadt und
Burg im caslauer lü-eise) wohl schon seit 1143 zum Kloster Sedlec ge-
hörte, ein drittes (im klattauer Kreise) jetzt zerstörtes Dorf aber nie als
Pi'arrort genannt ist, spricht für die Identität dieses Malesow,
~) Libr. confirm. ad 25. Mai 1361. Collator : Propst Zawis von ßaöiuewes.
•*) Mefjistr. äecimarum.
'*) Wikcinewes und Wolenec maly wurden zugleich mit dem Dorfe Wratkow
(casl. Ki\?) im Jahre 1436 durch Verpfändung Seitens des Kaisers Sigmund
dem Stifte entfremdet. (Palacky xirchiv I. 517, 540, II. 179.)
■'») Iie<jisb. decim. Diese Präbenden umfassen auch die Pfründen aller Kleriker
in Altbunzlau, da letztere nicht besonders genannt werden.
128
Antheile in 0ha? (28 gr.) ; eine dritte Präbende in Hlawna (9 gr.) ;
Bylichow (30 gr.); Howofewice (21 gr.); zwei Präbenden in DuSna
(15 und 18 gr.) und zwei Präbenden in Susna (15 und 18 gr.). ')
§. 33. Das Collegiatstift S. Stephan in Leitmeritz.
1. Die Geschichte hat dem frommen Herzoge Spytihnew IL
den Ehrennamen Vater des Klerus gegeben und durch alle
Jahrhunderte bewahrt: die Vorsehung aber hat das schönste Mo-
nument seiner freigebigen Religiosität in allen Stürmen der Ver-
gangenheit bewahrt und einer ruhmvollen Gegenwart überliefert —
das Oapitel bei S. Stephan in Leitmeritz, dessen letzter
Propst imJ. 1656 der erste Bischof der leitme itzer Diöcese gewor-
den ist. Spytihnew IL stiftete dasselbe im J. 1057 „zum Heile
seiner Seele" für den heiligen Dienst an der neuen „ ehr-
würdigen Kirche, die er ebendaselbst zur Ehre Christi,
der seligsten Jungfrau Maria, des Erstlingsmartyrs
Stephanus und anderer Heiligen erbaut hatte. ^)
2. Burg und Stadt Leitmeritz^) mussin dieser Zeit wieder
unter der landesfürstlichen Gewalt gewesen sein; diess deuten die
mannigfachen Rechte an, welche Spytihnew seiner neuen Stiftung
') Als anderweitige Besitzungen M^erclen genannt: Popovice, Prisnin, Zapy,
Drevcice, Drisech, Unterthanen in Kresenic, Lubosin, Pocllesin, Obodi,
Posti'izin, Znoöice, Bezenec, Maslovic, Letecek, Lubacic, Syiitic, der Ze-
hent von Caslau und Grörlitz, eine Abgabe von 2izelic; in Mähren der
Zebent von Eokicau, Znaim, BechoAV und von den Brückenzöllen der
Tliaja, Abgaben in Olmütz, Prerau, Spitignew, Godonin, Bracislaw, Stra-
honin, Brunn, Pustimir, — und die Dörfer Blatinic, Pregnic, Nalucbi, Va-
nolusi, Na wranie, Dolni, Surgust (Zlup), Mikulcic, Prusy, Troskotowic,
Drinowic, Pulin, Na gradku, Bechamir, Bantik, Plesitic, Masowic, Sanow.
{Erben reg. 47 u. 48.)
2j Worte des Stiftungsinstruments nach der Ottokarischen Confirmationsur-
kunde im leitmeritzer Kapitelarchiv. Die Ansicht dieser alten Kirche bie-
tet das Titelbild nach einem alten Gemälde.
3) „Castrum Lüomericense^^ heisst in dem bestätigten Stiftungsinstrumente
der jetzige Domhügel, wo die alte Collegiatkirche an der Stelle der jetzi-
gen Domkirche sich erhob, Vgl, auch §. 9. n. 1.
129
sofort auch innerhalb der Stadt einräumte. Seit dem Tode des li.
Adalbert war das mit dem Fluche der Kirche beladene hiesige Grafen-
geschlecht der Wrsowecen dem schrecklichsten Lose anheimgefallen.
Wohl war einer derselben um das J. 1000 sogar Schwiegersohn
Boleslaw's des Grausamen geworden, und auch die übrigen hatten
ein hohes Ansehen am Hofe des unwürdigsten Fürsten errungen.
Aber gerade sie hatten im J. 1002 an der Spitze der Empörung
gestanden, welche einen polnischen Prinzen auf den böhmischen
Thron erhob. Kaum war daher der vertriebene Boleslaw im Jahre
1003 wieder zur Herrschaft gelangt, so rächte er sich furchtbar
an seinen falschen Freunden. In der Nacht des Faschingdienstags
erdolchte er mit eigener Hand seinen Schwiegersohn und liess auch
die Gehasstesten der übrigen durch seine Diener ermorden (10.
Februar 1003). Muthmasslich ist damals das Privateigenthum
der geächteten Familie in und um Leitmeritz an die laudes-
filrstliche Kammer gefallen. ') So finden wir nun im Jahre 1057
den kirchenfreundlichsten Fürsten als alleinigen Herrn von Leit-
meritz und zahlreichen Orten im Umkreise. So war es ihm auch
leicht, seine schönste Stiftung durch reiche Einkünfte in dei' näch-
sten Nähe zu versorgen.
3. Bevor wir die Dotation des für uns so Avichtigen Coile-
giatstifts näher beleuchten, thut es Noth, der beiden Urkunden
etwas ausführlicher zu gedenken, welche uns über jene Aufschluss
geben sollen. Die entschieden echte von beiden ist ein Bestäti-
gungsbrief des Königs Pi'-emysl Ottokar I. vom J. 1218, der noch
jetzt im Original im leitmeritzer Capitelarchiv vorliegt. Derselbe
beruft sich ausdrücklich auf den damals vorgelegten ersten Stif-
tungsbrief des Herzogs Spytihnew, welcher aber in Folge hohen
Alters bereits vermodert gewesen sei. *) Eben deshalb aber will
der ottokarische Brief ausdrücklich den Wortlaut des Origi-
nals erneuern, „damit nicht etwa durch Vergessenheit
') Am Ende des 11, Jahrliimderts finden wir die Nachkommen der Unglück-
lichen wieder auf einige Zeit im Besitze der leitmeritzer (und saazei')
Grafenwürde, aber nur um selbe schon im Jahre 1096 von Neuem und
endlich im Jahre 1108 durch den blutigsten Untergang für immer zu ver-
lieren. Vgl. Palacky Gesch. Böhm. I. 342—348 und 360—363.
^ „Ex sui vetustitate jam putridum."
9
130
die Güter jener Kirche entfremdet werden möchten." ')
Wir besitzen also in dieser ottokaiischen Bestätigungsurkunde zu-
gleich den ächten Text des ursprünglichen Stiftmigsinstrumentes '■*)
und somit auch eine sehr genaue Kenntniss der ältesten Stamm-
besitzuugen unseres Kapitels.
Nebst der ottokarischen Urkunde besitzen wir noch ein angeb-
lich ursprüngliches Stiftungsinstrument des Herzogs Spytihnew,
dessen Inhalt aber von dem im Bestätigungsbriefe citirten Wort-
laute der Form nach gänzlich und auch dem Inhalte nach vielfach
abweicht. Diese zweite Urkunde war im J. 1825 noch im Origi-
nale im leitmeritzer Capitelarchive vorhanden, ist aber von da
bis zum J. 1834 auf bisher nicht ermittelte Weise abhanden ge-
kommen. Uebrigens hat uns der gelehrte Dobner ^) ein Facsimile
desselben aufbewahrt, sowie auch anderseits eine genaue Abschrift
des bekannten Geschichtsforschers P. Athanasius a S. Josepho mit
beigegebenen kritischen Noten im bischöflichen Archive zu Leit-
meritz, und eine angeblich collationirte zweite Abschrift in der
prager Universitätsbibliothek *) vorhanden ist. Nach dem Facsimile
Dobners ist der nicht ganz vollständige Wortlaut in Erbens Re-
gesten ^) abgedruckt, Diess Actenstück ist ohne Zweifel unächt,
weil ja das echte Original schon im J. 1218 ganz modrig war und
einer Erneuerung in der ottokarischen Urkunde bedurfte, daher
nicht wohl bis zum J. 1825 in vollkommen leserlichem Zustande
sich erhalten konnte. Dazu kommt noch die Abweichung von dem
') „Fecimus renovari et sigillorum nostrorum inipressione confirmari, in
nullo antiqui privilegii, quocl tale est, tenore mutato."
2) Nur eine einzige Stelle ersclieint mangelhaft. Es werden nämlich nur 13
dem Kapitel vollständig gehörige Ortschaften namentlich angeführt, ob-
gleich kurz vorher die Schenkung von 14 solchen Ortschaften erwähnt
wird. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Auslassung des einen Namens
mit Vorsatz geschah, weil vielleicht der betreffende Ort zur Zeit der
Ausstellung des ottokarischen Briefes nicht mehr im Besitze des Kapitels
sich befand.
3) Annal. V. 325.
4) M. S. I. D. 2. •
5) P. 51.
131
Wortlaute des ottokarischen Instrumentes. ') Es scheint das
angeblich spytihnewische Instrument eben nichts mehr und nichts
weniger zu sein, als eine ziemlich treuherzige vermeintliche Wie-
derherstellung des ursprünglichen Stiftungsbriefes und zwar aus
einer Zeit, wo weder der letztere noch die ottokarische Bestäti-
gung beim Kapitel vorfindig war. Solche Zeiten konnte es in
Böhmen wohl öfters gegeben haben, etwa nach dem Tode Pi^emysl
Ottokars IL, nach dem Tode Wenzels III., in den hussitischen und
in den lutherischen Tagen. Da flohen die Capitularen mit ihren
schriftlichen Schätzen von ihren Sitzen und nahmen mit der Zeit
irgend eine Landpfarre an. In Folge dessen hatten dann die Ca-
pitelvorsteher gar viele Mühe in ruhigerer Zeit die nach allen
Seiten hin verschleppten Urkunden wieder zusammenzubringen. ^)
Oft mussten sie sich wohl auch damit begnügen, den Inhalt der
verlorenen Dokumente nach den Aussagen verlässiger Gedenkmän-
ner neu aufzuzeichnen.
Muthmasslich ist so die angebliche spytihnewische Urkunde im
14. Jahrhunderte entstanden. Nichts desto weniger ist sie für unsere
Sache von einiger Bedeutung. Sie hebt manchen Zweifel in der
Lesung der ursprünglichen Ortsnamen, und indem sie auf Grund
der lebendigen Tradition einer späteren Zeit entstanden ist, nennt
sie uns auch manche Besitzung, welche das Kapitel erst nach Pfe-
mysl Ottokar I. erworben und zu oder unmittelbar vor der Zeit
ihrer Abfassung noch besessen hat.
4. Ein bestimmtes Stiftungsjahr nennt weder das eine noch
das andere Dokument. Der Umstand aber, dass in den bis ins
14. Jahrhundert zurückreichenden Akten des Capitels immer das
Jahr 1057 als Jahr der Stiftung angenommen ist ^) und die stetige
mündliche Tradition des Capitels selbst nöthigen auch uns zur
Annahme des Jahres 105Y. *)
') Vgl. Palacky iu Öasopis ßesk. Museum. X. 1836. p. 323—346.
^) Dies beweisen mehrere Akten des prager erzbischöflicheu und des leitm.
bischöfl. Archivs.
3) Nach dem M. S. des Laurentius Slavik, Domdechants zuLeitmeritz (1777):
Observatio historica in pervetustum diploma Spitignei II. (Im leitm. Capi-
telarchive.)
^) Dobner annal. V. 351, gestützt auf Neplacho, nimmt das Jahr 1058, Pu-
9*
132
1. Die Besitzungen und Einkünfte des neuen Collegiatstifts
waren wahrhaft grossartig. Der fromme Stifter beabsichtigte
eben nichts Geringeres, als die religiöse Familie des neuen
Gotteshauses von allen zeitlichen Sorgen zubefreien
und in ihrer Art zu fürstlichem Ansehen zu erheben. ')
Wir nennen vor Allen jene Orte, welche nach Angabe des
ottokarischen Briefes dem Capitel zur Gänze angehören sollten.
a. Das uralte Pfarrdorf Ki'esic, welches heute noch zum
Eigenthume des Bisthums, beziehungsweise der Propstei gehört. ~)
Seit der völligen Abtheilung der Präbenden war dieses Dorf dem
Propste zugetheilt, jedoch so, dass nebstbei noch zwei Kanoniker
zur Gänze und ein dritter zum Theile ihre Präb enden einkünfte von
hier bezogen. Diese Präbenden waren im J. 1384 so bedeutend,
dass jede derselben mit 21 b. Groschen am halbjährigen Kirchen-
zehent sich betheiligen musste. Die Pfarrpfründe in Ki^^esic ent-
richtete damals zu dem gleichen Zwecke 9 b. Groschen. ^) Es ist
nicht zu zweifeln, dass die letztere ihre Entstehung der opferwilli-
gen Frömmigkeit der Capitularpröpste verdankte, welche auch je-
derzeit das CoUaturrecht über dieselbe ausübten. *) Im J. 1412
wurde auch der grössere Theil der Einkünfte des Propstei- Vicari-
sten in M-eäic fundirt. ^) Im J. 1437 gelangte der Ort zeitweilig
durch kaiserliche Verpfändung in den Besitz der Stadt Leitmeritz. ")
h. Auch das Dorf (villa) Zasada"), dermalen eine Vorstadt
von Leitmeritz, ursprünglich aber wahrscheinlich der eigentliche
bitsclita's Chronik aber ohne Angabe eines Grundes gar 1059 an. Ne-
IDlachos Angabe dürfte auf die Consecration der Capitelkirche zu bezie-
hen sein,
') Dies sagt das in der ottok. Urkunde citirte Instrument des Stifters.
2) Die Urkunden nennen es Cresici. Nebenbei sei hier erwähnt, dass bei
Errichtung des Bisthums zuLeitmeritz der damalige Propst Rud. Schiein itz
Bischof wurde und für sich und seine Nachfolger das Pi'opsteieinkommen
als bischöHiche Dotation beibehielt, gegen dem, dass er und seine Nach-
folger dafür sorgen würden, die Propstei von Neuem zu stiften.
3) JRegistr. decimarum.
4) Libri confirm. ad 1391, 1402, 1415.
5} Libri confirm, 31. Aug. 1412.
«^j Palacky Archiv I. 501.
'^) Nach beiden citirten Urkunden.
133
Biirgflecken, wurde eine Besitzung des Collegiatstifts. Hier erhob
sich — in unbekannter Zeit — die Pfarrkirche zu Ehren des h.
Ädalbert unter bischöflicher Collatur. ') Auch befanden sich da-
selbst später mehrere Kesidenzhäuser der Capitularen. ^)
c. Das Dorf P r a s k o w i c e in der Nähe von Leitmeritz. ^)
Als das Capitel im J. 1319 »Schritte zur Wiedererwerbung mehre-
rer in der vorhergegangenen unruhigen Zeit verlorenen Güter that,
gehörte wohl auch Praskowitz bereits zu diesen letzteren, da in
den vom J. 1358 an laufenden Confirmatiousbüchern eines Colla-
turrechtes des Capitels für^ diesen Ort nicht mehr gedacht wird.
Derselbe war — in unbestimmbarer Zeit — in den Besitz des Klo-
sters der Benediktinerinnen zu Teplitz übergegangen, welches er-
weislich in den Jahren 1416 und 1417 Seelsorger für die Kirche
allda präsentirte. *) Diese Pfarrkirche selbst gehörte im J. 1384
wohl zu den Jüngern des leitmeritzer Dekanats, indem sie sich da-
mals nur mit 4 b. Groschen am allgemeinen Kirchenzehent bethei-
ligen konnte. ^)
ä. Der Pfarrort Slatina in der Nähe vonLibochowitz.^) Im
J. 1319 wurde derselbe vom Propste Ädalbert mit Bewilligung des
Capitels emphyteutisch, jedoch unter Vorbehalt gewisser Jahres-
zinsen, veräussert, um mit dem Erlöse andere verloren gegangene
i) Vgl. §. 15. 11. 5. 6.
^) Nach Akten des Bischofs Schleinitz im bischöfl. Archive.
3) Die ottok. Urkuucle nennt es Ptachichi, was sicher Prachichi zu lesen
ist. Das spytigneische Instrument nach der Leseart des P. Athanasius a
S. Josephe (MS. des bischöfl. Archivs) und der collationirteu Abschrift der
Prager Universität (I. D. 2) nennt es Pracici. Nach Dobners Facsimile des
an dieser Stelle mutilirten Originals heisst es Praci . . . nach der Leseart
Erbens (regesta p. 51) erscheint esalsPran... . Letzterer (Erben regest ap-
774) aber bezeichnet "wieder anderwärts als hier gemeintes Capitelgut ein
Dorf Ptacici, angeblich gleichbedeutend mit Ptacice, welcher Name aber
nirgends vorfindig ist. Da diese Grüter sonst ohne Ausnahme in der Ge-
gend von Leitmeritz lagen, so ist dasselbe auch von obigem Orte anzunehmen.
Dann aber ist es unter den noch bestehenden oder ehedem bestande-
nen, insofern selbe bekannt sind, nur das jetzige Praskowic.
*) Lihr. confmn. a. h. a.
5) Begistmm dedmarum.
*^) Dieser Ort wird nur im ottokarischen Instrumente genannt.
134
Capitelgüter wieder einzulösen. ') Dennoch verblieb das Collatur-
reclit über die Pfarrkircke daselbst, welche 1384 den Beitrag von
6 Groschen zum halbjährigen Kirchenzehent leistete ^), nach wie
vor dem leitmeritzer Propste, der davon noch in den Jahren 1391,
1405 u. 1408 Gebrauch machte. ^)
e. Der alte Pfarrort Chauö, die jetzige Filiale Kauz bei
Selnic. *) Derselbe blieb fortan bis zur Verpfändung (durch K.
Sigismund au Jakob von Wi^esowic) im Jahre 1437 ^) ununter-
brochen im Besitze des Stiftes, und zwar seit der Trennung der
Präbenden als Antheil des Propstes, der erweislich noch im Jahre
1402 sein Präsentationsrecht in der Besetzung des hiesigen
Pfarrbeneficiums ausübte. *') Nebenbei erscheinen allerdings im
Jahre 1363 „Die Bürger vonBrüx" als CoUatoren eines Altaristen-
beneficiums daselbst, ") und 1381 ein Hinko von Kowzlak als
Stifter eines beständigen Jahreszinses von 1 Schock und 6 böhm.
Groschen, ^) Da aber diese Kirche nichts desto weniger im Jahre
1384 nur 3 b. Groschen zum halbjährigen Kirchendecem beitragen
konnte, ^) so scheint sie immerhin eine der Jüngern in der Ge-
gend gewesen zu sein. Später schenkten neue Wohlthäter, und zwar
1386 Ulrich von Dobi'iö, und 1392 Mixo (Nikolaus) von Ujezd je
ein Schock jährlicher Zinsungen zu diesem Gotteshause. '") Alle
diese Herren scheinen Lehensträger des jeweiligen Propstes zu
Leitmeritz gewesen zu sein.
') Originalurkunde im leitni. Capitelarchive dd. IV. uonas Decembris 1319. —
So erklärt siclis von selbst, warum die später abgefasste angebliche Stif-
tungsiirkunde von dieser Besitzung nichts mehr weiss. —
^) Begisirum deeimanmi.
3) Lib. conf%rm. ad h. a.
■*) Im Ottokarischen Instrumente heisst dieses Dorf Huchi, im spytigneischen
Huesci. — Erben (regesta 737) bezeichnet diese Namen als Ghuö.
5) Palacky Archiv II. 453.
") Lib. confirm. ad h. a.
') Ebendaselbst ad h. a. Altaristen wurden von Kirchenwohlthätern über-
haupt und nicht bloss von den Patronen gestiftet.
8) Libi: Erect. XII. F. 2.
") Begistricm decimarmn.
lOj Lib. Erect. XII. A. 11. u. D. 14.
135
/. Nebst den bisher erwähnten 5 alten Pfarrorten nennt uns
die ottokarische Urkunde noch folgende Dorfschaften, welche ur-
sprünglich zur Gänze') dem Capitel gehörten: Pirne (Pirney),
wahrscheinlich ein ehemals zwischen Leitmeritz und Trebautitz
gelegenes Dörfchen am Fusse der Berghöhe, die heute noch den
Kamen Pirney führt und zu den bischöflichen Besitzungen gehört ; -)
Trebesici das jetzt noch bischöfl. Dorf Ti-ebautic ; ^) Eepcici,
das heute noch zum Bisthume gehörige Dorf Ober - Ilepsch ; *) T i n e z,
das dermalen zur Domdechantei gehörige Dorf Älttein, von wel-
chem das ganze Gut den Namen Teinic führt ^); Zedlze, w^ohl
das heutige Selz (Sedlec) auf dem Gute Enzowan, das aber nur
kurze Zeit dem Stifte verblieb;*^) Dubech, wahrscheinlich das
jetzige Dubitz bei Türmitz, ") welches erst im Jahre 1436 durch
kaiserliche Verpfändung an Johann Kaplif von Sulewic der
Propsteipräbende entzogen wurde '^); Lubessovichi, das jetzige
Liebschitz (Libesice) bei Kauz auf der Herrschaft Bilin, welches
ebenfalls erst im Jahre 1437 zugleich mit Kauz durch eine gleiche
Verpfändung aus dem Eigenthume der leitmeritzer Propste! in
den Besitz des Jakob von Wfesowic überging;") endlich Popovo
'} Die ottokarische Urkunde neant sie „integras villas" zum Unterschiede
von solchen Ortschaften, wo nur einzelne Ministerialen dem Capitel ziige-
hörten. Schon dies spricht dafür, dass unter villae nicht Höfe , sondern
Dörfer gemeint sind. Ueberdies bestätigen unzähligei Beispiele aus la-
teinischen Urkunden des Mittelalters, dass villa stets eine Dorfschaft,
dagegen pagus einen Gau und curia einen Hof bedeute.
~) In der spytig. Urkunde : Prrna.
3) In der spytig. Urkunde: Trebessici.
*) In der spytig. Urkunde: Reptici. Dieses Dorf wurde 1470 unter dem Na-
men Repöice als Besitz der Propstei an einen leitmeritzer Bürger ver-
pfändet und 1472 an einen Herrn v. Kopist veräussert, 1490 aber wieder
erworben. (Acten im Capitelarchive.)
5) In der spytig. Urkunde Tince.
6) Dieses wird in der spytigneischen Urkunde nicht mehr genannt, war also
zur Zeit der Abfassung derselben längst abhanden gekommen.
') Das spytig. Instrument nennt es abweichend Dubessevici.
^) Dubec — zugleich mit den Gütern des Klosters St. Georg in dieser Ge-
gend verpfändet um 1000 Seh. Palacky Archiv 1.502.
^j Palacky Archiv II. 453. Obgleich Lubessovichi (im spytig. Dokumente Lu-
136
(oder nach dem spytigneischen Dokumente Ponovi), ein jetzt un-
bekannter Ort, wenn es nicht etwa die ehemalige Burg Panna auf
dem an Kfeschitz anstossenden Gute Zahoi-an ist,
2. Es ist zu erinnern, dass die ottokarische Urkunde aus-
drücklich 14 ganze Dorfschaften aufzählen will, die dem Capitel
von Spytihnew geschenkt worden sind, deren jedoch nur 13 nament-
lich anführt. Dafür nennt uns das angeblich spytigneische Dokument
mit Ueibergehung von ölatina und Zedlce ') vier neue Ortschaften,
welche erst später in den Besitz des Capitels gelangt sind, vielleicht
mit Ausnahme eines einzigen, welches eben das in der ottokari-
schen Urkunde ausgelassene vierzehnte Capiteldorf der ersten
Zeit sein dürfte.
a) Ich nenne vorerst Bausovice, das alte Pfarrdorf in
der Nähe von Leitmeritz, welches wahrscheinlich von einem
ehemaligen Besitzer, Namens Bohu§, den Namen (Bohusowice, Buso-
wice) erhalten haben dürfte. Schon im Jahre 1226 gelangte ein
Theil dieses Dorfes durch Kaufvertrag von Seiten eines ge-
wissen Bruno, dem Sohne Bleks an das Kloster üoxan % während
der andere Theil sich weiterhin im Besitze des Klosters Bi^ewnow
findet. Nichts desto weniger erhielt sich hier eben noch ein klei-
nes Besitzthum der leitmeritzer Capitularen sicher bis 1384, wo
dasselbe ausdrücklich als Theil einer besondern Capitelpräbende
(zugleich mit einem Einkommen von K f e s i c und C e r n o w e s)
genannt wird. Diese Präbende zahlte damals 21 böhmische Groschen
als Halbjahrszehent ab. Die Pfarrkirche in Bauäowice, deren
Collatur dem Kloster Doxan zustand, entrichtete zu dieser Zeit zu
gleichem Zwecke 12 böhmische Groschen und war somit sicher
eine der altern in der Gegend. ^) Die in der spytigneischen Ur-
bessevici) auch der gewöhuliclie ältere Name von Libocliowitz ist, so ist
doch nur jenes Libesice damit gemeint, da dieses letztere erweislich im-
mer bis 1437, ersteres aber wahrscheinlich gar nie dem Capitel angehörte.
1) Das erstere war in dieser Zeit emphytentisch vertheilt, das andere wohl
bereits gänzlich entfremdet.
^) Mika: Das ruhmwürdige Doxan. S. 43.
^) Jßegist. decimarwn. — Wir kommen später bei Gelegenheit der Stiftungs-
geschichte von Doxan noch einmal auf diesen Ort zu sprechen.
137
künde weiter nocli erwähnten Besitzungen des Collegiatstiftes
sind: Malsow, das lieiite noch zum Domdekanate gehörige Dorf
Malitschen , — B r e z a, das heutige Dorf Presey auf dem Do-
minium Schwaden — und der alte Pfarrort Hocsow, das jetzige
Chodzow auf dem Dominium Wrsowice.
h. Dieser Pfarrort Cho dz ow , der im Jahre 1384 bereits die sehr
bedeutende Summe von 30 böhmischen Groschen als halbjährigen
Kirchenzehent entrichtete , und daher gewiss zu den ältesten der
Gegend gehörte, war wenigstens von 1358 an nicht mehr im
Besitze des leitmeritzer Capitels, da in den von 1358 bis 1419
laufenden prager Confirmationsbüchern eines hiesigen Collaturrechts
des leitmeritzer Capitels nicht gedacht wird. Vielmehr finden wir im
Jahre 1370 einen Johann und einen Heinrich von Chodzow als
Patrone des Pfarrbeneficiums. ') Die Erben des ersteren werden noch
im Jahre 1395, und unter diesen der erwähnte Heinrich noch
1415 in öffentlichen Acten genannt. ~) Es ist leicht möglich, dass
dieses Chodzow eben der 14te ursprünglich zum leitmeritzer
Capitel gehörige Besitzort gewesen und vielleicht schon um 1218
in andere Hände gekommen war, so dass die ottokarische Urkunde
einen Grund hatte, selben nicht mehr zu erwähnen.
§. 35. Fortsetzung.
1. Ausser den jetzt genannten vollständigen Ortschaften wurden
dem Capitel auch noch sehr viele Antheile anderer Dörfer
und unterschiedliche B ezüge an Geld und Naturalien,
sowie auch eine Menge unterthäniger Dienstmannen
mit ihren Familien von dem edlen Stifter zugewiesen.
a. Bei der Stadt Leitmeritz selbst gehörten dem Capitel
zwei Weinberge mit den dafür nöthigen leibeigenen Winzern
und dreissig leibeigenen Arbeiterinen. Nebstbei waren hier dem
Capitel hundert Stück Zugvieh (Stuten nach der spytig. Urkunde)
') Libri Gonfirm. ad h. a.
2) Palacky Archiv I. 401, IL 354 und III. 483.
138
mit den erforderlichen Weideplätzen, hundert Schafe, dreissig Kühe,
siebenzig Schweine, und von der Stuten - Heerde alljährig jedem Ca-
nonicus ein Füllen zur Bestreitung seines Anzuges zuge^yiesen. ') In
späterer Zeit wird hier „ein Wald vor der Stadt nebst anstos-
senden Aeckern und einem Weinbergsabhange" als ein Capitelbesitz
genannt.') Einer jener Weinberge hiess im Jahre 1403 „Mazana"
(wohl die jetzige „Mastna hora"). Ein gewisser Theil an Aeckeni un-
terhalb dieses Weinberges bis zum Thale „Bazele" ward damals
dem Vikar des Propstes zugewiesen. •'')
h. Inder ^upe von Leitmeritz erhielt das Capitel in 12
verschiedenen Dörfern zinspflichtige Bauern, und in 11 andern
„die einem fürstlichen Haushalte geziemenden Dienstleute." *) In
Zasada, der jetzigen Vorstadt von Leitmeritz, Avurden ihm Glöck-
ner, Winzer, Schuster, Kürschner, Gerber, Wagner, Schmiede, Hei-
zer und eine Menge anderer Ansiedler als Dienstleute zugewiesen.
Insbesondere gehörten dem Kapitel auch „die Fischer unter-
halb der Leitmeritz er Burg." DieWohnmigen derselben
bilden heute noch den bischöflichen Dominica! -Ort Fischerei.
Ebenso wurden in Pokratice (Pokratitz) 3 und in Zitenice
(Schüttenitz) 1 Winzer sammt ihren Grundstücken dem Collegiatstifte
geschenlit . ^) Hieraus entstand sofort die Obedienz in Pokra-
titzund Schüttenitz, welche miter andern im Jahre 1411
ausdrücklich erwähnt wird. ^) Im Jahre 1586 wurde diese durch
den Propst Wolfgang mittelst Ankauf eines neuen Gutes entweder
^) So beide TJrkuEden.
^) Spytign. Urkunde.
^) Urkunde im leitmeritzer Capitelarcliive.
^) Ottok. Ui'kunde. Diese Dienstleute (ministeriales =: näpravmci) waren
meist Handwerker und Bedienstete, welche damals die grosse Masse der
böhmisclien Stadtbewohner ausmachten, auch wohl in benachbarten Dorf-
schaften angesiedelt waren, jederzeit aber zur Dienstleistung bei der lan-
desfürstlichen Burg und Öuda zugewiesen waren. Solche Ministerialen Avaren
für ihre Dienste mit landesfürstlichen Gründen ausgestattet: in Folge des-
sen wurden sie — obwohl persönlich frei — vom Landesfürsten beliebig
an andere Dienstherren überlassen. (Vgl. Palacky II, S. 30.)
5j Beide Urkunden.
c) Lib. Erect. YIIL 0. 2.
139
vermehrt oder zu einem Theile wieder hergestellt') Selbst bis
zum heutigen Tage besitzt das Bisthum, beziehungsweise die
Propstei zu Leitmeritz einen Antheil der Dörfer Pokratitz und
Schüttenitz. üiberdies erscheinen in dieser Gegend als Wohnsitze
der Capitelministerialen noch die Ortschaften: Secrpi-), jetzt
unbekannt (1 Dienstmann), B o z s k o ^), vielleicht eine im soge-
nannten Thale Boschke zwischen Trnowan und Leitmeritz be-
standene, jetzt verschwundene Ansiedlung (1- Wagner), Ti'ebautic
bei Leitmeritz (2 Bauern), Trnowan ebendaselbst (1 Schmied),
Nuönic*) und Lukow^), beide auf der jetzigen Herrschaft Lie-
beschitz (je 1 Dienstmann), Böhmisch- Kopist und B r n i a n ^)
auf dem Gute Doxan (dort 1 Feldwirth und hier ein Pferdezüchter),
Eadujen bei Gastorf') und Auscha^) (je 1 Bauer), St ranne
wahrscheinlich Stran^) auf dem Dominium Drum (1 Bauer), Pi-
Stany^**), Zernoseky, Libochowany, Zalesly, Tluöeii ''),
Prosmyky, sämmtlich heute noch bei Lobositz (je 1 Bauer,
nur in Libochowan 1 Fischer und in Tineen ein Feldwirth oder
Gärtner), Wy skow '^) jetzt zur Herrschaft Postelberg gehörig
(1 Bauer), Lukowice, das jetzige Lukawec auf dem domdechant-
lichen Gute Teinitz (1 Schuster), Dlaskowice (2 Bauern) und
endlich Chotösow auf der Herrschaft Libochowitz (1 Feldwirth).
') Protocollum praeposüoriim LitomMS. der erzbiscli. Bibliothek in Prag.
^) Dieses wird nur in der spytign. Urkunde genannt. 'Erben pag. 52 liest es
Stcrrpi und bezeichnet es pag. 787 als gleichbedeutend mit Strpy.
^) Na-bosclii im ottokarischen und Na hoste im spytign. Dokumente. Erben
reg. 714 erklärt es als Bozsko.
"*) Nuchnicih im ottok. und Nucnicih im spytign. Dokumente. (Erb. reg. 762.)
^) Lukove im ottok., Luchove im spyt. D.
^) Brennarim ottok., Bremass im spyt. D. Erbe 715bezeichnet es als Brnany.
"^j Kaduyne im ottok., Radvine im spyt. D.
^) Uskri im ottok., Usti im spyt. D. Erben reg. 795 erklärt es als Üsti.
^) Na ztranen im ottok., Gastranen im spyt. D. Erben reg. 786 erklärt es
als Stranne.
10) Peschas als Lokativ im ottok., und Palceass im spyt. D. Erben reg. 767
bestimmt es als Pisfany.
11) Natlcni nach dem ottok., Na diem nach dem spytig. D. Erben 791 be-
zeichnet es als Tlucen (im Lokativ).
i'^) Na vulkonine im ottok. und spytign., Na Wisskouve im spyt. D. nach Er-
bens Leseart p. 52.
140
c. In der ^Zlupe von Bilin erhielt das Stift die Hälfte der
jetzt unbekannten Dörfer Kostelec, K o n o j e d und T r i b r u s k o ') und
ebensoviel von Dubräwice, einem ehemals am Fusse des
Schlossberges bei Teplitz gelegenen Pfarrdorfe, dessen wir später
wieder gedenken werden, — desgleichen in Aussig einen dienst-
pflichtigen Bauer und einen Fischer, ebenso einen Bauer in
Kopist bei Brüx, und einen Bienenzüchter za Tr now any '^j,
dem heutigen Turn bei Teplitz. ^)
ä. In der alten bunzlauer Zupe gewann das Capitel
ünterthanen in den Ortschaften C h o t e t o w, dem jetzigen Kuttenthal
auf der Herrschaft Brandeis (1 Schmied), in D f i s y *) in derselben Ge-
gend, jetzt deniDekan des altbunzlauer Capitels gehörig (1 Feldwirth),
und in B z en, wahrscheinlich dem heutigen Bosin auf der Herrschaft
Kriijtec. (1 Koch mit einer Feldwirthschaft.) Der letztere Ort (Bo§in)
erscheint früh als eigene Pfarre, welche 1384 den Betrag von 12
böhmischen Groschen zum halbjährigen Kirchenzehent beisteuerte.^)
Als CoUatoren erscheinen dort um diese Zeit eigene Herren von
Bo§in und später die Herren von Bozdalovie und Lomnic , eine
Linie der Wartenberger. ^)
e. In der alten l^upe von Saaz hatte das leitmeritzer
CoUegiatstift noch ünterthanen in C h o t e § o w ') dem heutigen
Chotieschau auf derHerrschaft Petersburg (1 Dienstmann), Lesky^)
jetzt Lischka auf dem Dominium Lienz und Lust (1 Bienenzüch-
') Oder sollten et^?a diese 3 Orte irriger Weise in die Biliner ^upe verlegt
sein und in Wirklichkeit eben nur das Kostelec, Konoged und Triebsch
bei x\usclia bedeuten?
^) Der Lokativ Trnovaz in der ottok., Trnoss in der spyt. nach Athanasius und
Trnovass nach Erbens Leseart.
3) Beide Dokumente setzen die Zahl der dem Capitel gehörigen Bauern in
dieser i^upe auf 12 an.
*) In den Urkunden der Lokativ Brizak.
^) JRegist. decimarum.
6) Lib. Gonfirm. ad 1362, 1377, 1379, 1389, 1397, 1413.
') Hotsove im ottok., Hotetoveim spytig. D.
^) Locativ Lescah im ottok, und Lesskah im spytig. D. Vgl. Erben 747.
141
ter), und Lubno 0^ 'vielleicht dem jetzigen Liiban (Hlubang) auf
dem Gute Schönliof (1 B£iuer). Im alten Bezirke von Bozen (süd-
lich von Pfibram) erhielt endlich das Capitel noch je einen Dienst-
mann in Drazovice und in 2ivoho§t. ^)
Alle bisher genannten ünterthanen hatten den gesetzlichen
Zehent an das CoUegiatstift zu entrichten. ^)
Nach dem spytigneischen Dokumente waren insbesondere die
in den Zupen von Buuzlau und Saaz wohnhaften Bauern zur Lie-
ferung desselben Honigs an das Capitel verpflichtet, den sie vor-
dem an den herzoglichen Hof selbst abgeführt hatten. Anderseits
aber waren nach dem ottokarischen Dokumente alle dem Kapitel
zugewiesenen Dienstmannen von allen Künsten und Gewerben mit
Weibern, Söhnen und Töchtern angehalten, ihren betreflenden Dienst
nach Wochen beim Capitel persönlich zu versehen.
2. Ausser diesem Allen hatte Spytihnew IL seiner neuen
Stiftung auch noch mehrere Eegalien zugewiesen.
a. Hiezu gehörte zunächst der grösste Theil des Elbe- Zolls in
Leitmeritz selbst. Die Einheimischen sollten von dem Salze und allen
andern messbaren Artikeln, die sie auf der Elbe verführten, für ein klei-
nes Schiff überhaupt 15 Groschen, und für ein grosses 2 alte Motzen
der messbaren Waaren an das Capitel abgeben. Fremde dagegen
mussten von einem grossen Schiff 2 grosse Motzen und von
einem kleinen so viele Groschen abliefern, als es Metzen geladen
hatte. ^) Später ward die Abgabe der Fremden auch Eegel für
die Einheimischen. ^) Von allen übrigen Erträgnissen des landes-
fürstlichen Eibzolls sollte dem Capitel die Hälfte anheimfallen. ^)
Ganz derselbe Zoll musste auch bei zug&frorner Elbe von allem,
*) Im ottok. D. Tubne, im spytig. Lubue. Erben erklärt es als Lubno p. 750.
2) Die ottok. nennt die Orte Drazovici und Sivolioschi, die spytigneische aber
Drasovici und Sivogossici.
3) Ottok. Urkunde.
4) Ottok. Urkunde.
^) Spytign. Urkunde.
'°) Zu diesen Erträgnissen zälilen die Stiftungsurkunden die Abgaben: Ho-
mutone, Odchodne, Gostine, Gernecne, Sitne, Otroce. Athanasius a S. Jo-
sephe interpretirt sie als Vorspanns-, Abfahrts-, Fremden-, Topf-, Ge-
treide- und Knechtzins.
142
was zum Kauf oder Verkauf den Fluss passirte, an das Capitel
abgeführt werden. ' ) Später wird auch noch eines besondern
Wehrgeldes gedacht, welches das Stift von allen Schiffen an der
ersten Wehre unterhalb der Stadt zu erheben hatte. -)
h. In derselben Weise erhielt das Capitel — wohl etwas
später — ^) den Bezug mehrerer bisher landesfürstlicher Einkünfte
des leitmeritzer^upengerichtes, und zwar der allgemeinen Sam-
nielgelder, der Verkaufs- und der Gerichtstaxen, der soge-
nannten Mordsteuer und des üblichen Confiscations-, Vo-
gel- und Schimpfg eldes.*) Dagegen besass es schon ursprüng-
lich den Ertrag der Uib erfuhr bei Aussig und den zehnten Theil
des Gränzzolls bei Kulm, ^) welcher letztere später auf den ach-
ten Theil erhöht worden zu sein scheint. ")
•) Beide Urkunden.
^) Spytign. Urkunde.
^) Erst die vermeintliche Spytigneische Urkunde macht davon Erwähnung.
*) Das spytign. Instrument nennt diese Bezüge: Venditiones, eigentlich Ver-
äusserungen, hier die dabei zu zahlende Taxe; Swod, eigentlich die
Einführung, hier die bei der Zuweisung eines Grundeigenthums zu ent-
richtende Steuer; Grlava, eigentlich ,,der Kopf", hier die Mord- oder
Strafsteuer (von 20 Groschen), welche damals jeder Bauer einer ^upe er-
legen musste, in welcher ein Mord vorgefallen war, ohne dass der Thä-
ter entdeckt werden konnte (vgl. Urkunden bei Ziegelbauer bist. mon.
Brevnov. p. 250 und 279); Narok, eigentlich die peremptorische Vorla-
dung vor Gericht, hier aber die Geldstrafe geringerer und das eingezo-
gene Vermögen grösserer Verbrecher gegen fremdes Eigenthum (vgl. ^eine
Urkunde Ottokar's I. ddo. 1222 26. Aug. bei Erben reg. pag. 306 und
307). Nedoperne, eigentlich noch nicht ganz befiederte Vögel, hier das
bei Gericht zu zahlende Strafgeld für die Entwendung solcher aus ihren
Nestern (vgl, das älteste Stadtrecht der alten Stadt Prag cit. im MS. des
P, Äthan, a S. Josepho über den spytig. Stiftungsbrief); Grrdost, eigent-
lich Anmassung, Verachtung eines Andern, hier das dafür bei Gericht zu
zahlende Sühngeld. (Vgl. ebendaselbst.) Palacky (II. 38) hält S v o d für
das gerichtliche Verfahren jener Zeit gegen Diebe,
5) Ottok. Urkunde.
^) Spytign. Urkunde. Dieser sehr alte Ort Kulm besass frühzeitig schon eine
eigene Pfarrkirche, welche im Jahre 1384 bereits den erheblichen Halb-
jahrszehent von 9 böhm. Groschen entrichten konnte. Als Oollatoren des
Pfarrbeneficiums erscheinen — soweit die prager Confirmationsbücher zu-
143
c. Zu den späteren Besitzungen des CoUegiatstifts sind auch
die zum Schlüsse der Spytigneischen Urkunde nachgeschriebenen
Schenkungen zu rechnen, deren fromme Verleiher ebendaselbst
ausdrücklich genannt werden; Es sind dies: Ein Morgen Landes
(circuitus, aujezd) bei Caslau, vom Grafen Hroznata, wohl dem
Stifter von Tepl und Choteschau, also uradaö J. 1200 geschenkt/)
— ein Landbesitz in Lahowice auf dem jetzigen Dominium
Liebschhausen, vom Herzoge und zugleich Bischöfe Heinrich, also
um das J. 1185 dem Capitel gewidmet, — ein ähnlicher Landbesitz
in Pokutice, dem heutigen Pokotitz auf der jetzigen Herrschaft
Hagensdorf im saazer Kreise, geschenkt von einem gewissen Wil-
helm, — ebenso ein Landbesitz in P 1 o § k o w i c e, dem jetzigen kai-
serlich- ferdinandäischen Landsitze bei Leitmeritz, verehrt von
einem gewissen Paul, — und endlich ein Landbesitz mit zwei un-
terthänigen Dienstmännern in Dolanek beiDoxan, von einem ge-
wissen Wlach dem Capitel einverleibt. ^)
d. Ausser den in beiden Stiftungsurkunden aufgezählten Be-
sitzungen erwarb das leitmeritzer Capitel in etwas späterer Zeit
(um 1368), wohl als Erbe nach dem Propste Johann von Kamyk,
den Pfarrort Zubernice, mit dem nahen Orte Lestina, die
heutigen bischöflichen Orte Saubernitz und Leschtine. ^) Zubernice
besass damals eine Pfarrkirche, die wenigstens im J. 1384 eben
nicht mehr zu den allerjüngsten gehörte, indem sie zu dieser Zeit
schon 6 böhmische Groschen als halbjährigen Kirchenzehent ab-
rückreichen — die Grimdherren von Tetschen. (Vgl. Begist decim. — Libr.
Gonf. ad 1361, 1363, 1411.)
') Die Urkunde nennt diesen Besitz circuitus Cesslav. Nach Erlen reg. p.
722 ist dies Öaslav.
^) Die Urkunde nennt die Orte in der Localform; Lagovicih, Pocudicih,
Plosskovicih und Doleass.
3) Laut der Libri confirmationum übte der Propst Johann von Kamyk am
10. April 1363 das Präsentatio nsrecht für Zubernice in Gemeinschaft
mit seinem Bruder Heinrich von Kamyk aus, so dass der betref-
fende Ort wohl als Familienbesitz gelten muss. Weiterhin erscheint da-
gegen im Jahre 1368 der neue Propst Heinrich von Hakenbrnnn als all-
einiger CoUator, sowie auch spätere Akten bis 1437 den jeweiligen Propst
als Eigenthümer von Zubernice und Lestina nennen.
144
führte. ') Im J. 1437 (28. September) wurde der Besitz von Zuber-
nice und Leätina durcb den Kaiser Sigismund an Heinrich von
Waldstein verpfändet. ^) Dasselbe geschah damals auch mit 6 dem
Capitel unterthänigen Dienstmannen in Zahofan, deren Erwer-
bung unbekannt ist. ^) — ■ In den Dezemregistern des Jahres 1384
erscheinen schliesslich noch als vorhusitische Besitzungen des leit-
meritzer Capitels: ein Präbendenantheil im Dorfe Cernewes
bei Wettel, wo jedenfalls schon sehr früh eine eigene Pfarrkirche
bestand, die 1384 schon als eine der bestdotirten Kirchen des De-
kanats den seltenen Halbjahrszehent von 15 böhmischen Groschen
entrichten musste, — ferner der Meierhof Chysnowbei Leitmeritz,
der damals für 3 Präb enden das Einkommen lieferte, deren eine
21, und die beiden andern je 12 böhmische Groschen zum Kir-
chenzehent des Jahres 1384 beisteuerten, — endlich noch eine Ca-
pitelpräbende in Lista (vielleicht Lisa im bunzl. Kreise?), welche
im J. 1384 mit 21 böhmischen Groschen die halbjährige Zehent-
leistung abtrug. *) Uiber die Erwerbung dieser Besitzungen lässt sich
etwas Gewisses nicht angeben. Dasselbe gilt auch von einem Wald
bei Toöna (berauner Kr.?), in dessen Besitze „die Diener der
Kirche von St. Stephan in Leitmeritz" im J. 1390 erscheinen,
ebenso auch von einem Jahreszinse im Betrage von 6 Seh. böhmi-
scher Groschen, welche die Grundherren von Pokratitz im J. 1381
an dieselben Geistlichen bei St. Stephan zu entrichten hatten.^) Im
J. 1409 schenkte Mcolaus Preller von Gurim (Kaurim) „der Kirche
zu St. Stephan" noch einen Weinberg. ^) Auf die besondern Be-
sitzungen der leitmeritzer Capiteldekanie und die nachhusitischen
Erwerbungen des Capitels kommen wir später zu sprechen.
e. Zur bleibenden Sicherung des Eigenthums unseres Colle-
giatstifts war schliesslich vom Stifter selbst ein schwerer Fluch
über alle künftigen Verletzer desselben ausgesprochen und der
Stiftungsurkunde einverleibt worden, mit den Worten: „Wenn Je-
^) Begistrum decimarum.
2) Palacky Archiv I. 505,
3) Ebendaselbst.
4) lAb. Erect. XII. C. 16.
^) Urkunde im leitm. Capitelarcliive.
6) Lih. Erect. VIII. H. 8.
145
maud von allen diesen (Besitzungen) auf Anratlien des Teufels ir-
gend etwas vermindern sollte, so möge derselbe in Gemeinschaft
mit- eben demselben (Ratbgeber) die eAvigen Strafen in alle Ewig-
keit erleiden. Amen." ' )
§. 36. Fortsetzuug.
1. Das Collaturrecht zur Propstei dös leitmeritzer
Capitels war von dem frommen Stifter dem jeweiligen Landesfür-
sten vorbehalten worden. Während dies von allem Anfange her
durch die Auswahl der Personen selbst angedeutet wird, bezeugen
dies in etwas späterer Zeit ausdrücldich die noch vorfindigeu Ur-
kunden. So präsentirte nach dem unbestreitbaren Zeugnisse der
offiziellen prager Confirmationsbücher in der ganzen Periode der-
selben (1358 — 1419) immer der böhmische König zu jener Pfründe,
und bei einer Confirmation im J. 1358 sagen diese Confirmations-
bücher sogar ausdrücklich: „Patron ist der Kaiser (bezie-
hungsweise der König) selbst."^) — • Die füi- die ebenso ansehn-
liche als einträgliche Würde ausersehenen Männer gehörten fast
durchgängig — wenn nicht vielleicht ohne Ausnahme — dem Col-
legium der landesfürstlichen Hofkapläne und Notare an. Bald aus
den edelsten Familien des Landes entsprossen, bald durch Gelehr-
samkeit und Gewandtheit in politischen Geschäften ausgezeichnet
waren sie unbezweifelt die Zierde und der Stolz der Klerisei des
Vaterlandes. Zur propsteilichen Würde erhoben blieben sie — nach
dem Zeugnisse fast unzähliger Urkunden ^) — nichts desto weniger
im landesherrlichen Dienste und bekleideten sogar wiederholt die
einflussreichste Würde des obersten Kanzlers. Der durch die Ca-
nonen der Kirche gebotenen Piesidenzpflicht wurde eben nur auf
das Allernothdürftigste dadurch genügt, dass sie in der Regel die
höchsten Feste der Kirche und ihres Stiftes an der ihnen anver-
trauten Capitelkirche feierten, im Uebrigen aber die Leitung des
') Beide Stiftungsurkimdeii.
2) Libri Confirm. ad a. 1358, 1363, 1396, 1401, 1407.
3) Vgl. unter Andern Erben regesta von 1057 — 1253.
10
146
geistlichen Collegiums einem sogenannten Vizepropste und später
dem Dekane und Yizedekane, die Besorgung der gestifteten kirchli-
chen Funktionen hingegen einem von ihnen dotirten Vikare über-
liessen. ')
Die Geschichte der einzelnen Pröpste mag füglicher erst im
nächsten Abschnitte beginnen.
2. lieber die Aufnahme der Capitularen in das leitmeritzer
Collegiatstift fehlen eingehende Nachrichten; es ist aber anzuneh-
men, dass sie von der Aufnahme in das Prager Capitel', das heute
noch ein Pieceptionsbuch aus dem 14. Jahrhunderte besitzt, ^) nicht
wesentlich verschieden war. — Da ein derartiges Stift ursprünglich
eben nur die Einrichtung und häufig auch den Namen eines Klo-
sters hatte: so besass ein Canonicus als solcher auch keinen be-
sonderen Ehrenvorrang, und die Aufnahme in das Collegium er-
folgte nach Massgabe der Unterhaltsmittel des Stiftes, so oft ir-
gend ein geeigneter Kleriker der niedern oder höheren Weihen sie
ansprach, durch die freie canonische Wahl der Stiftsbrüder. Der
Eintritt hochadeliger Kleriker mit besondern Nebeneinkünften führte
allmälig zur Lockerung des gemeinsamen Lebens und endlich zur
Trennung des Capitelvermögens in einzelne Präbenden mit einzigem
Vorbehalt einiger sogenannten Obedienzen, deren Ertrag der Com-
munität verblieb. ^) Hatten die leitmeritzer Canoniker zur Zeit
der Stiftung und auch etwas später noch in völliger Gemeinschaft
des Besitzes in einem Hause — wahrscheinlich in der nachmaligen
Propstei — beisammen gelebt, wie dies der Stiftungsbrief andeu-
tet "*), so bezogen sie nun ihre besonderen Wohnungen, deren ei-
') Diese Praxis ist aus den späteren Urkunden ersichtlicli. Uebrigens be-
stand sie in jener Zeit an allen Dom- und Collegiatcapiteln. Der leitme-
ritzer Propstei-Yikar hatte sein fundirtes Einkommen in Kresic. (Vgl.
§. 35 n. 1.)
^) Begistrum Canonicorwn Pragensium (1378—1390). MS. der prager Capi-
telbibliothek. Eine genaue Abschrift hievon im leitm. bischöfl. Archive.
3) Daraus wurden die sogenannten Präsenzgelder für die Theilnahme am
gemeinschaftlichen Chorgebete, gemeinschaftliche Leistungen des Capitels
nach Aussen hin und insbesondere die Naturalbezüge der einzelnen Ca-
noniker bestritten. (Vgl. §. 26. 5.)
■^j Damals hatte ihnen der Propst gewiss in ähnlicher Weise den Unterhalt
14Y
nige nach der Zeit in der Vorstadt Zasada ausdrücklich erwähnt
werden. Die bedeutenden Einkünfte der Präbenden machten so-
fort die Competenz der Jüngern Söhne des Landesadels zur Kegel,
und die daran geknüpften vortrefflichen Aussichten auf hohe Stel-
lungen in Kirche imd Staat verliehen nun auch den Landcapi-
tularen einen vielbeneideten Ehrenrang, obgleich diesen die gleichzei-
tige Verwaltung einflussreicher kirchlicher Aemter nicht in dem
Masse, wie den Capitularen des bischöflichen Doms zu Statten
kam. Wegen der Unentschiedenheit, ob in der Kirche oder im
Staate die gewünschte Beförderung ihnen werde zu Theile werden,
zogen solche Capitularen in der Eegel es vor, bis zum Austrag der
Sache nur die niederen Weihen oder höchstens etwa das Subdia-
konat zu empfangen, und zwar um so mehr, als sie hiemit ein ge-
ringeres Mass von Pflichten zu übernehmen hatten. Zur Besor-
gung des nothwendigen Gottesdienstes wurden in Folge dessen be-
sondere Priester (ministri ecclesiae S. Stephani) und ein eigener
Pfarrer angestellt, die Scämmtlich nicht in das Collegium der eigent-
lichen Capitularen gehörten. ') — Zu dieser Zeit, wo die Auf-
nahme in das Capitel schon als eine hohe Ehre galt, wurde die
canonische Wahl der Canoniker von Aussen her stark beeinflusst.
■ Nicht genug, dass adelige Herren ihre Söhne unmittelbar und durch
den Landesfürsten zur Wahl empfahlen: man wendete sich auch
zu liefern, wie dies stiftungsgemäss im Capitel zu Wysehrad geschah. Hier
gab der Propst zu diesem Zwecke jede Woche 1 junge Kuh, 12 Hühner,
6 Ferkel, 1 Eimer Meth von 17 Maass und ebensoviel Bier mit Freistel-
lung dessen, was er darüber geben >vollte. Zur Winterszeit sollte er statt
der jungen Kuh 2 dreijährige Schweine geben. Ausserdem sollten die
Canonici zur Fastenzeit jede Woche 80 Groschen für Fische und zur
Sommerszeit halb so viel ei'halten, ausser wenn ein grösserer Feiertag
auf einen Freitag fiele. — Vgl. Tomek G. Pr. I. 88. — In Leitmeritz war
durch die Stiftung ausdrücklich der dritte Theil der Einkünfte vom Elb-
zoUe in Leitmeritz, vom GränzzoUe zu Kulm, von der Ue herfuhr in Aussig
und von den Naturallieferungen an Honig dem Collegium der Canoniker
mit Ausschluss des Propstes zugewiesen.
1) Dieser Pfarrer und jene Ministri werden in den Akten des Capitels öfters
genannt. Das Collaturrecht der Pfarrei besass der Propst. Vgl. Lib.
confirin.
10*
148
imzälilige Male nach Rom um einen Provisions- oder Gnaden-
brief (literae provisionis imd l. gratiosae) des Papstes selbst zu
erlangen. ') In Folge dessen ward die canonisclie Wahl in sehr
vielen Fällen ganz illusorisch. Vielleicht war es wieder die Menge
der so Empfohlenen, die eine andere neue Massregel in Uebung
brachte. Man wählte sofort bei einer Apertur mehrere neue Ca-
pitularen, bald in der Weise, dass etwa zwei Gewählte in die Prä-
bende sich theilten, bald wieder so, dass nur der eine das ganze
Einkommen bezog, die andern hingegen in ihren früheren Stellun-
gen und Beneficien bis auf eine weitere Erledigung verblieben. So
entstanden die Medii praehendati und die Non praebendati^ deren
auch im leitmeritzer Capitel, sovvie anderwärts, gedacht wird.
3. Die ursprüngliche Anzahl der leitmeritzer Canoniker ist
nicht wohl zu ermitteln. Im J. 1384, wo die Besitzungen des Stif-
tes eher ab- als zugenommen hatten, nennen uns die Dezemre-
gister mit Einschluss des Propstes und des gestifteten Dekans aus-
drücklich 12 Capitularen. Damals wurden folgende separirte Prä-
benden als zehentpflichtig aufgeführt : Die Propstei mit halbjährigen
6 Schock böhmischen Groschen, die Dekanie mit 39 böhm. Gro-
schen, zwei halbe (nicht besonders bezeichnete) Präbenden, die eine
mit 9 und die andere mit 2 (soll wohl heissen 12) b. Groschen,
die erste Präbende zu Chisnow mit 21 b. Groschen, die zweite und
dritte ebendaselbst mit je 12 b. Groschen, die Präbende in Bau-
^owic, Kfesicund Cernowes mit 21 b. Groschen, 2 ganze Präben-
den in Kfesic, jede mit 21 b. Groschen, eine Präbende in Lisa
ebenfalls mit 21 b. Groschen, endlich eine letzte nicht besonders
bezeichnete Präbende ohne Zehentieistung. ^)
4. Wir besitzen noch 2 uralte Insiegel des leitmeritzer Dom-
stifts, Das eine ältere ist oval und zeigt den h. Stephanus in einer
gen Himmel schwebenden Stellung, über dem Haupte einen Ge-
genstand, der wahrscheinlich die dem Capitel gehörige Reliquie
des Armes des h. Erstlingsmartyrs bedeuten soll. Die Umschrift
lautet: „ S. (igilUim) S(an)C(t)L Stephani Lutomiricensis^^ . Das zweite
Siegel zeigt den verklärten Heiligen, wie ihn zwei Engel mit der
1) Vgl. §. 25. 3.
^) Begistrum decimarwn.
149
Heiligeiiglorie bekränzen. Die ümsdirift lautet: ,ß(igillum) ca-
pitiiU Luthomericen(sis) ecle(siae) sancM Stephcmi,'''' und eine Schrift
innerhalb dieser Umschrift: ,,Prothomart (pr) S. StejyJiamis" .
§. 37. Das Gollegiatstift S. Peter in Melnik.
1. Auch die Gebnrtsstadt der heiligen Ludmila "wurde früh-
zeitig durch die Gründung eines Collegiatstifts ausgezeichnet. Von
den älteren örtlichen Traditionen wird Hroznata Graf von
Melnik, der um das J. 1020 aus dem irdischen Leben abgeschie-
den sein soll, als Gründer des Stiftes bezeichnet. ' ) Nach Andern
soll gar schon die Herzogin Emma, Witwe Boleslaws IL die
Stifterin gewesen sein, ^) dieselbe, welche im J. 1006 im Rufe der
Heiligkeit wahrscheinlich zu Melnik, dem nachmals gewöhnlichen
Wohnsitze der verwitweten Herzoginnen, gestorben ist. ^) Noch An-
dere setzen offenbar irrig die Gründung um das Jahr 1088 an und
bezeichnen den damaligen Bischof Gebhard als einen besonderen
Förderer der neuen Stiftung. *) Da ehi Fundationsinstrument bis
jetzt nicht ausfindig gemacht werden konnte, so lässt sich in die-
ser Sache kaum etwas Sicheres behaupten. Das Wahrscheinlichste
dürfte aber sein, dass das in Melnik schon frühzeitig wohnhafte
Priestercollegium entweder aus eigenem Antriebe oder auf höhe-
res Geheiss die Lebensweise des h. Chrodegang annahm, und dass
die reichliche Dotation des so entstandenen Capitels in gleichnicäs-
siger Weise der Familie des ^upans von Melnik, sowie den daselbst
wohnhaften herzoglichen Witwen, und nicht minder auch den geist-
lichen Oberhirten des Landes zu verdanken war. Die Zeit der
ersten Einrichtung des Capitels fällt jedenfalls vor das Jahr 1086,
wo wir zum erstenmale einem Propste von Melnik begegnen, und
zwar dem gelehrten Severus, welchem unser ältester Chronist Cosmas
das erste Buch seiner Chronik gewidmet hat. ^)
^) Vgl. Sommer's und Sclialler's Topographien.
3) Palacky I. 330.
3) Vgl. Marignola. Auch Dobner V. 24,
*) Illustr. Chronik .von Böhmen. I, 6.
^) Cosmas.
150
Die alte Collegiatkirche trägt jetzt den Namen SS. Peter und
Paul. Ursprünglich aber und bis zu seinem Untergange hiess das
Collegiatcapitel nur St. Peter. Dies beweist das alte Insiegel
der Propstei aus der Zeit des Propstes Zbinko von Hasenburg
(c. 1390—140.3). Es zeigt uns den li. Petrus in sitzender Stel-
lung, in der Eechten die Schlüssel und in der Linken das Evan-
gelienbuch haltend. Hiemit ist noch das damalige Wappen der
Herren Zajic von Hasenburg verbunden. Die Inschrift lautet:
Sigillum Capituli Melnicensis. ')
2. In Ermanglung eines Stiftungsinstruments und irgend einer
spätem Confirmationsurkunde sind wir genöthigt, die ehemaligen
Besitzungen des Melniker Capitels lediglich aus mannigfachen Ur-
kunden der vorhusitischen Zeit zusammen zu suchen, ohne dadurch
die Ueberzeugung gewinnen zu können, dass so alle Güter dessel-
ben zu unserer Kenntniss gelangen werden.
a. Im J. 1233 verkauften der Propst und die Capitularen
von Melnik die ihnen bisher gehörigen Dörfer Tizowa und Per na
wegen allzu grosser Entfernung an das Kloster Kladrau. ^) Da nun
letzteres Kloster im J. 1239 zu Tizowa in der Grafschaft Glatz ein
Geschenk von 2 Feldmass Acker entgegen nimmt ^), so ist in
obigem Verkaufe wohl dieses Dorf und in Folge dessen mit dem
gleichzeitig verkauften Orte Perna wohl auch der einzige Ort die-
ses Namens in Böhmen, nämlich Perna auf dem Dominium Bran-
deis im königgrätzer Kreise gemeint. Von dem Erlöse der verkauf-
ten Ortschaften wurden nun im J. 1233 unter Eüiem zwei näher
gelegene Dörfer Namens Babice und Cernewes für das Capitel
angekauft. *) Sehr wahrscheinlich ist ersteres das heutige Gross-
Babice auf der Doraaine Uhfinewes im früheren kaufimer Kreise,
letzteres aber wohl mit Sicherheit das bereits erwähnte Dorf Cer-
') Die Beschreibung dieses Siegels in Ltb. Erect. Xll. J. 15.
2) Urkunde : Erhen regesta p. 383. Hier lieisst der eine Ort Prinua, in der
spätem Confirmationsurkunde des Königs Wenzel ddo. 13. Dezember
1233 aber Pirna. Ygl. Erben r^cj. p. 386.
^) Urkunde : Erben reg. p. 453.
*) Erben ebendaselbst. Hier lieisst der zweite Ort.Crimnnvez, dagegen aber
in der schon citirten Confirmationsurkunde richtiger Chernnevez.
151
newes bei Wettel im leitmeritzer Kreise, dermalen noch zum Gute
Brozan geliörig, das wir alsbald als Besitzung des melniker Prop-
stes kennen lernen werden. In diesem Cernöwes besass — wie
erzählt wurde — auch das leitmeritzer Capitel im J. 1384 einen
Präbendenantheil. ')
1). Im Jahre 1243 -) verkauften in ähnlicher Weise der Propst
und das Capitel zu Melnik an das Kloster der Prämonstratense-
rinnen zu Chotesow im pilsner Kreise einen ansehnlichen Güter-
complex in jener Gegend, der vielleicht vom Stifter des genannten
Klosters, Hroznata Grafen zu Melnik, dem Collegiatstifte seiner
Vaterstadt geschenkt worden war. Vom Ertrage dieses Verkaufes
sollten die „zum Nutzen der Kirche (in Melnik) contrahirten Schul-
den, welche aus dem beweglichen Besitze derselben nicht gedeckt
werden konnten," bezahlt werden. Der veräusserte Besitz bestand
aus dem Berge und Walde Wrabina mit seinem ganzen Zubehör,
und aus den Dorfschaften Ö er notin, T uro wund einem zweiten
C er notin. Der Verkaufspreis betrug 300 Mark feinen Silbers.^)
Das eine Dorf öernotin gehört heute noch zum Dominium Cho-
teschau, und nicht fern davon ist das jetzige Städtchen Cernoäin
ohne Zweifel das ehemalige „andere Cernotin." Als das ehemalige
Dorf Turov wird die dermalige Waldstrecke Terny bei Choteschau
bezeichnet. *) Der Berg und Wald Wrabina lag ebendaselbst.
c. Im Jahre 1290 kaufte Propst Ulrich vom leitmeritzer Stadt-
richter Conrad eine Mühle mit 4 Gängen an der Elbe gegenüber
der Stadt Leitmeritz. König Wenzel IL bewilligte auf die Bitte
') Vgl.^§. 34.
^) Eingeleitet und von König Wenzel bewilligt war das folgende Verkaufs-
geschäft schon im Jahre 1238. (Urkunde Erhen reg. p. 435) Beendigt ward
es erst im Jahre 1243.
3) Urkunde : Archiv des prager Capitels B. I. IL 5. und Erlen reg. 519. Die
Schreibweise lautet hier — Avie damals gewöhnlich — ■ Ghirnotin, Turovo
et aliud Ghirnotin. Die Confirmationsurkunde von 1247 (Erben p. 553)
nennt sie Ghrinotin, Thurov et aliud Chrinotin cum silva Vrabina. Die
Leseart Öernotin nach Erben p. 722.
**) Köpl: Das ehemalige Prämonstratenser-Chorfrauen-Stift Chotieschau. S. 9.
Hier wird statt Turov der Name Tarnov genannt.
152
des • inelniker Capitels die Befreiung dieser Mühle von allen Zinsen,
Steuern und Herrendiensten. ')
d. Im Jahre 1321 wurde vom Propste Heinrich (Berka) im
Einverständnisse mit dem Capitel der Hof TfemoSna im pilsner
Kreise nebst einem z^Yeiten ungenannten in der nächsten Nähe von
Pilsen an die Inwohner der gleichnamigen Orte emphyteutisch ge-
gen sichere Jahreszinsen überlassen. ~) Das Dorf Tfemosna blieb
nichts desto weniger nach wie vor dem Capitelpropste unterthänig
und Avard nachher in den Jahren 1415 und 1420 wiederholt durch
Kaiser Sigismund verpfändet. ^)
e. Im J. 1327 erlangte derselbe Propst Heinrich Berka vom
Könige Johann die Wiedererstattung des Dorfes Chfenowice,
welches eine Zeit lang dem melniker Capitel entzogen gewesen
war. ^) Es ist nicht wohl zu ermitteln, welche der jetzt noch be-
stehenden Ortschaften dieses Namens (im früheren öaslauer und
zw^ei im budweiser Kreise) hiemit gemeint sein mag.
§. 38. Fortsetzung.
f. Die wichtigste Besitzung des Collegiatstiftes und insbe-
sondere des Propstes war ohne ZAveifel das uralte Pfarrdorf Bro-
zan (Brozany) an der Eger. Die melniker Pröpste führten sogar
zuweilen den Namen „Pröpste von Brozan." ^) Die Pfarrkirche da-
selbst war im J. 1384 nebst Leipa entschieden die reichste Land-
') Eist. Monumente des Königthums in Böhmen. MS. des H. Prof. Höfler in
Prag. (Urkunden.)
~) Extractus ex diversis in arcliivo arcliiei^isc. Prag, existentibus relationibus
circa statum ac proventus .beneflciorum in dioecesi Litoraericensi. MS. des
leitm. biscliöfl. Archivs pag. 4. Der Hof zu Tremosna bestand aus 32
Hufen Landes, von denen jede fortan alljährlich eine Mark Silber nebst
4 Hühnern und 20 Eiern an das Capitel zu entrichten hatte. (Urkunde im
bischöfl. Archive.)
3) Palacky Archiv H. 448. und 449.
'*) Bubna catalogus capituli Prag. MS. des prager Capitelarchivs,
5j Unter diesem Namen verliert er 1420 die Besitzung Kladrubec durch
Verpfändung. (Palacky Archiv II. 450.)
153
pfründe des ausgedcliuten leitmei-itzer Archidiakoiiats, indem sie
damals 1 Schock bölmi. Groschen als halbjährigen Beitrag zum all-
gemeinen Kirchenzehent entrichtete. ' ) Dieser Umstand lässt auf
ein sehr hohes Alter des Beneficiums schliessen. Die Collatur stand
in der von den prager Confirmationsbüchern umfassten Periode
völlig unzweifelhaft den melniker Pröpsten zu. ^) Wie fast alle
Besitzungen des Melniker Stiftes, so ist auch Brezan in der Zeit
der traurigen Husitenkriege in fremde Hände gelangt.
g. Im Jahre 1371. am 6. März wurde vom damaligen Propste
Johann im Einverständnisse mit dem Capitel ein Besitzthum des
Collegiums, bestehend in einem Walde und mehreren Acker-
gründen, im p i 1 s n e r Kreise gelegen, verpachtet. ^)
h. Im J. 1378 im Monate Juli übte der damalige Propst Jo-
hann das Collaturrecht über das Pfarrbeneficium zu Komarow
bei Pardubitz aus. *) Somit gehörte dieser Ort wahrscheinlich zu
den Besitzungen der melniker Propstei.
i. Im J, 1384 wird im damaligen Dezemregister eine mel-
niker Capitelpräbende zu Hoston ice angeführt, und mit
einem halbjährigen Dezembetrage von 24 böhmischen Groschen
besteuert. ^) Diese Präbende ist wahrscheinlich identisch mit dem
Maierhofe in „Hostiwice," welcher um das Jahr 1410 von dem mel-
niker Canonicus Miran an einen prager Bürger in bleibenden Pacht
gegeben, ®) und wohl in Folge dessen bei Gelegenheit der nach-
folgenden husitischen Unruhen dem Capitel ganz entfremdet wurde.
') Begistrum deeimarwn.
-) Lib. confirm. Im Jahre 1367. 25. April präsentirt der Propst Johann, im
Jahre 1415 der Propst Constantin. Ausdrücklich genannte Pfarrer der näch-
sten Nachbarschaft erscheinen als Installatoren. Irrig versetzt also Heber (Böh-
mens Burgen III. 420) hieher ein Rittergeschlecht von Brozan, dessen letz-
ter Sprosse 1417 dieses Gut dem Kloster Teplitz hinterlassen habe. Dem
Kloster Teplitz gehörte erweislich das zweite Brozany (das heutige Pro-
sanken bei Teplitz), wo es schon 1866 das Collaturrecht ausübte. Die
erwähnten Herren von Brozan waren nur Lehensleute des Klosters.
3) Lib. Erect. I. K. 6, IL E. 5.
'*) Lib. Confirm. ad h. a.
^) Begistrum decimariim.
«) Palacky Archiv II. 461.
154
Bezeiclmen die beiden erwähnten Namen einen und denselben Ort,
so dürfte wohl die Leseart Hostonice vorzuziehen sein, und wir
hätten dann jene alte Präbende in dem heutigen Hostinice (oder
Hostiniice) bei Brozan zu suchen, welch' letzterer Ort zugleich mit
dem benachbarten Cernewes ohnehin auch zum melniker Capitel
gehörte. ')
j. Zu derselben Zeit wird auch eine melniker Präbende zu
Kramole c genannt, welche ebenfalls mit 24 böhm. Groschen am
halbjährigen Kirchenzeh ent sich zu betheiligen hatte. ') Es ist diess
gewiss das heutige Dorf Kramolsko oder Chramostek auf der fürst-
lich lobko witzischen Herrschaft Melnik.
Je. Eine weitere Capitelpräbende mit einer halbjährigen Ze-
hentleistung von 21 böhmischen Groschen befand sich im Jahre
1384 zu Ilausowic,undebendaselbst sowie in dem Orte Wlina-
wes die Bestand theile von zwei anderen Präbenden, deren jede 20
böhmische Groschen als Halbjahrszeh ent entrichtete. ^) Der eine
dieser Präbendentheile in Piausowic bestand urkundlich aus 2 Wie-
sen und einem Jahreszinse von 4 Schock böhm. Groschen. ^) Dieses
Eausowic ist unzweifelhaft das jetzige gleichnamige Dorf bei Mel-
nik, wovon ein Theil noch heute zum Dominium der königl. Leib-
gedingstadt Melnik gehört, und wo nach einem anderen Zeugnisse ^)
schon in der Zeit des Königs Wenzel IL vier erbliche Wirthschaf-
ten, eine Mühle und eine Wiese dem melniker Capitel gehörten.
Das genannte Wlinawes ist das heutige Wlinewes (Weisskirchen)
auf der fürstlich lobkowitzischen Herrschaft Melnik.
l. Im Jahre 1391 lY. Februar widmete Hinko von Radec dem
Capitel zu Melnik einen Wald in Chlum als Stiftung für die
'3 Ein Hostiwice liegt 'nur im eliemaligeii rakouitzer Kreise; war aber ein
alter Pfarrort, wo Melnik erwiesener Massen kein Collaturreclit besass.
^) llegistnmi deciniarum. Baibin liest den Namen Gramolcz.
'^) Ebendaselbst. Der erstere Name lautet da Russovic (irrig gelesen Russonic).
4) Lib, Erect XIII. C. 9.
^) Extractus ex diversis in a'rcl ivo arclipp. Prag, existentibus relationibus.
MS. des leitm. bisch. Archivs Fol. 3. Es wird daselbst ein Originale von
der Königin Elisabetli, König "Wenzel, Bischof Gregor und Propst Ulrich
von Melnik zitirt.
155
Seelen seiner Gattin und des ehemaligen melniker Propstes Johann
von Landstein. ') Dieses Chlum ist wahrscheinlich der jetzige
gleichnamige Ort bei Turnau, wo sich auch zugleich ein Dorf Eadeö
findet.
m. Im Jahre 1397 am 11. Juli veräusserte der Propst Zbinko
von Hasenburg um den Preis von 150 Schock prager Groschen
an Sulko von Chlistowa einen bis dahin dem Capitel zuständigen
Jahreszins von 11 pr. Groschen im „entlegenen Dorfe Babice",
und verwendete den Erlös zur Stiftung zweier Capläne an der Col-
legiat-Kirche zu Melnik. ^) Der erwähnte Ort war wahrschein-
lich das heutige Pobitz bei Tepl. Obige Caplanstiftung kam in
der Weise zu Stande, dass für das aus dem Verkaufe des babicer
Jahreszinses gelöste Geld ein Grundbesitz zu Eochov angekauft
wurde, bestehend aus 2 Feldmaass Aeckern nebst Wiesen und
Hutweiden. ^) Offenbar handelte es sich, um die Erwerbung eines
„näheren" Besitzes, und somit wird das bei Brozan in der nächsten
Nähe anderer melniker Capitelgüter gelegene Dorf dieses Namens
als Ort der neuen Erwerbung anzunehmen sein. "*)
n. Am 7. September 1407 übte der melniker Propst Conrad,
und neuerdings am 20. April 1411 der Propst Constantin das Collatur-
recht über die Pfarrpfründe in Srbec aus.^) Im Jahre 1436 wurde
dieses „der Melniker Propstei" gehörige Dorf durch Kaiser Sigis-
mund an Johann Kapier von Sulewic verpfändet. ^) Das einzige
alte Pfarrdorf dieses Namens, auch noch Srbice genannt, liegt
heute auf dem Dominium Chudenice im frühern klattauer Kreise.
Ehedem gehörte es zum Archidiakonate von Bischofteinitz (Tyn
Horsow)und zahlte im Jahre 1384 als eine der ältesten Pfründen
der Gegend 19 böhmische Groschen als halbjährigen Kirchen-
zehent. ^)
1) Lib. Erect. IV. T. 1.
») Lih. Erect. XII. J. 15.
3) Ebendaselbst.
'^j Balbiu las eleu Ort als Bochow, offenbar irrig, da der einzige Ort dieses
Namens ebenso entfernt wie Babice — im pilsner Kreise liegt,
^) Lib. Gonfirm. ad li. a.
^) Paiacky Archiv I. 502.
') Begist. decim.
156
0. Am 22. December 1418 präseiitirte der melniker Propst
Gonstantiii als solcher einen neuen Pfarrer zur Pfarrpfründe in
Hnewkow, ') Offenbar gehörte also auch dieses wahrscheinlich
auf der Domäne Blatna im frühern prachiner Kreise gelegene
Pfarrdorf zum Besitze des melniker Capitels, und zwar nach der
ausdrücklichen Bezeichnung in den Confirmationsbüchern als soge-
nannte Obedienz. Näheres ist von diesem Orte nicht bekannt.
Ob auch die alte Pfarre Ki-ecowice im früheren berauner Kreise
zur melniker Collatur gehörte, lässt sich nur vermuthen, da unterm
6. December 1401 dem dortigen Pfarrer die Verpflichtung aufer-
legt wurde, die jährlichen Exequien für den ehemaligen melniker
Propst Johann von Landstein abzuhalten. ^)
p. Am 24. August 1414 empfing das melniker Capitel als
Nachlass des Propstes Zdislaus vom Allerheiligen- Capitel in Prag
einen beständigen Jahreszins von 2 Schock und eine Geldschen-
kung von 20 Schock als Stiftung für ein Jahrgedächtniss. ^)
c[. Im Jahre 1420 verpfändete Kaiser Sigismund das dem
„Propste zu Brozan'' gehörige Dorf Kladrubec (im frühern pra-
chiner Kreise) an Friedrich und Johann von Kolowrat. *) Es ist
also auch dieses zu den alten Besitzungen des melniker Capitels
zu zählen.
r. Ohne nähere Angabe der Quellen werden noch als alte
Capitelgüter angeführt: ^)
Luzec und Kritov, wo die Canoniker besondere Höfe und
Eesidenzen gehabt haben sollen. Vielleicht sind dies zwei der
in Balbins Decemregister vom J. 1384 ohne nähere Bezeichnung
gebliebenen Landpräbenden. Ersteres dürfte das jetzige Augustinergut
Luzec im frühern rakonitzer Kreise sein. Die Lage des zweiten
ist unbekannt.
Im Dorfe Byk bei Melnik besass das Capitel 6'/^ erbliche
Feldwirthschaften. Ebenso gehörten ihm die ebendaselbst gelegenen
^) Lih. Gonfhvm-
2) Lib. Erecf. XIII. J. 5.
'■^) Lib. Erect. X. C. 4.
4) Palacky Archiv II. 450.
5) Extractus ex diversis in arcliivo archpp. Prag, existentibus relationibus.
MS. des leitmeritzer bischöflichen Archivs. Fol. 1 — 5.
157
Dorfschaften Wrutice, das durch testamentarischen Nach-
lass erworbene Ugezd samt 6 Schock jährlichen Zinsungen, ferner
Borek, Skuhrov, Blaty, Mlazice mid Zabof ') „mit allen
Rechten, Zehenten und der Abgabe eines Metzens Waizen von je-
dem Mühlgange von Wrutice längs des Ufers bis zur Elbe unter-
halb Melnik." ^)
üeberdies bezog das Capitel von allen der Stadt Melnik
gehörigen Feldern ein bestimmtes Mass an Waizen und Hafer,
von 7 Feldwirthschaften in Korin ^), „welches der Königin ge-
hörte", den gesammten Zehent an Körnern und den halben Zehent
an Hausthieren, und vom Dorfe Choteö einen testamentarisch
legirten Jahreszins von 3 Schock böhm. Groschen, „und noch vieles
Andere, welches im Verlaufe der frühern ketzerischen Jahre der-
artig der melniker Kirche entfremdet worden ist, dass gar nichts
davon mehr übrig geblieben ist.'"*)
§.39. Fortsetzimg.
1. Fassen wir die eben angeführten Besitzungen, die kaum
noch den ganzen Umfang des melniker Stiftsgebietes ausmachen,
ins Auge : so lässt sich wohl annehmen, dass die Anzahl der Ca-
noniker zu Melnik kaum viel geringer gewesen sein dürfte als an
den grössten Capiteln des Landes. Urkundliche Unterschriften zei-
gen uns allerdings z. B. im Jahre 1233 nur 6 '), und im Jahre
1403 gar nur 5 Capitularen neben dem Propste. '^) Richtiger ist
aber ihre Aufzählung in einer Urkunde des Jahres 1371 '), wo
') In letzterem Orte kann Melnik nur Theilbesitzer gewesen sein. Das Col-
laturrecht der dortigen Pfründe stand wenigstens in den Jahren 1361 und
1372 dem Cliorherrenstifte in Raudnitz zu. {Libr. Confirm.)
3) Es sind hier die am Klokotschbache gelegenen Mühlen gemeint.
3) Soll wohl Kokoi'in heissen.
4) Extr. ex div. relat. MS.
5) Erben regesta p. 383.
6) Lib. Erect.
^) Lib. Erect. 1. K. 6.
158
ausdrücklich acht residirende Domherren genannt werden, und noch
bestimmter die Angabe der Zehentregister des Jahres 1384, wo
wir sogar die Präbenden der einzehien näher kennen lernen. ')
Nebst der Propstei, welche damals 1 Schock und 45 Groschen
zum halbjährigen Kirchenzehent steuerte, finden wir da eine Prä-
bende in Hostinice mit der Zehentpflicht von 24 Groschen, eine
zweite in Kramolec mit gleicher Zehentleistung, eine dritte in
Ptausinic und Wlinewes mit 20 Groschen Zehent, eine vierte in
denselben beiden Orten mit gleicher Zehentpflicht, eine fünfte in
Eausinic (ausschliesslich) mit 21 Groschen Zehentleistung, endlich
noch 3 andere in ungenannten Orten. Als zehnter Präbendat wird
der Pfarrer in Melnik angeführt, der unter der Collatur des Prop-
stes stand und von seinem bedeutenden Beneficium halbjährlich 1
Schok böhm. Groschen zum Kirchenzehent zahlte. — Die Aufnahme
ins Capitel fand jedenfalls in derselben Weise Statt, wie wir sie
bereits beim leitmeritzer Collegiatstifte kennen gelernt haben.
2. Das Patronatsrecht über die Propstei hatte unbezweifelt
der Landesfürst. Diess beweist neben der in den Confirmations-
büchern aufgezeichneten Praxis die im Jahre 1175 vom Kaiser
Friedrich I. an den Herzog Sobeslaw gestellte Forderung, die Prop-
stei einem seiner (des Kaisers) Verwandten zu verleihen. -) Die
Pröpste wurden ebenfalls in der Regel aus dem Kreise der landes-
herrlichen Hofgeistlichen genommen und blieben auch nach wie
vor meist in der unmittelbaren Nähe des regierenden Fürsten.
Die Mehrzahl derselben gehörten den edelsten Familien des Lan-
des, einige sogar selbst der Herrscherfamilie an: alle ohne Aus-
nahme spielten wenigstens durch Gelehrsamkeit und politische
Geschicklichkeit eine hervorragende Rolle in der Regierungsge-
schichte unseres Vaterlandes. ^) Die Geschichte der einzelnen
Pröpste von Melnik gehört dem nächsten Zeitabschnitte an.
') Begistruvi decimarum.
^) Erben regesta p. 155 und 156.
3) Vgl. die Unterschriften fast- unzähliger öffentlicher Urkunden in Erbens
regesta und anderwärts.
159
§. 40. Die Metropolitan-Gewalt über Böhmen.
1. Es wurde bereits erwähnt, dass unser Vaterland bei der
Errichtung des prager Bistliums dem erzbishöflichen Sprengel
von Mainz zugetheilt worden war. Die Oberhirten von Mainz übten
sofort wirklich die in den canonischen Gesetzen vorgezeichnete
kirchliche Obergewalt über unsere Bischöfe aus. Sie beschieden
die vom böhmischen Klerus im Einverstcändnisse mit dem Fürsten
und den versammelten Ständen zur bischöflichen Würde erwählten
Kleriker vor sich, und untersuchten auf idas Strengste die Gesetz-
mässigkeit der geschehenen Wahl.
War letztere sicher gestellt, so erfolgte unmittelbar die bi-
schöfliche Consecration durch die Metropoliten selbst, in dessen
Hände der neue Bischof alsdann den canonischen Obedienzeid ab-
legte. ') Der Geweihte blieb hinfort der Jurisdiction des Erzbi-
schofs in der Art untergeordnet, dass letzterer die Aufsicht über
sein Leben und Wirken führte, Beschwerden der Gläubigen und
der Kleriker gegen ihn annahm und in erster Instanz entschied,
als höherer Richter über die am bischöflichen Gerichte verhandelten
Streitsachen erkannte, die Versäumnisse in den bischöflichen Amts-
handlungen nachholte, die nicht rechtzeitig besetzten Kirchenämter
im Wege des Devolutionsrechtes verlieh ~) und zeitweilig selbst die
Diöcese seines Suffragans visitirte.
2. Fast noch massgebender als der erwähnte unmittelbare
war der mittelbare Einfluss des mainzer Metropoliten auf die kirch-
lichen Verhältnisse unseres Vaterlandes. Er übte denselben durch
die von ihm berufene und geleitete Provinzialsynode. Die
'] Unsere Chronisten weichen nur in der Bezeichnung der Namen der be-
treifenden Erzbischöfe, nicht im Mindesten aber in der Darstellung der
obigen Thatsachen ab. Vgl. Cosmas, Dobneri annales, Pubitschka, Pesina
und die MMSS. von Coelestin Blumenberg, Bubna (catalogus capitoli Prag.)
undKreibich (raemoräbilia). Vgl. auch Tomek Gesch. Prags I. 216 und 403.
~) Wetzer & Weite Kirchenlexikon III. 699.
160
kirchlichen Gesetze dieser Zeit forderten, dass eine solche Synode
wenigstens einmal im Jahre in jeder Kirchenprovinz abgehalten
werde.') Dabei hatten damals schon an der Seite des Erzbischofs
alle seine Siiffraganbischöfe und alle mit einer ähnlichen Juris-
diction bekleideten Prälaten des Sprengeis und überdiess auch die
hiezu besonders angewiesenen exemten Kirchenfürsten der Umge-
gend zu erscheinen, — diese alle als Träger der an die Kirche
übertragenen göttlichen Gewalt. An der Seite dieser hatten die
Abgeordneten der Capitel die practische Weisheit, die beigezogenen
Theologen die kirchliche Wissenschaft und die eingeladenen Klo-
steräbte das Streben nach höherer christlicher Vollkommenheit zu
vertreten. Indem so der versammelte Episcopat die Erfahrung, die
Wissenschaft und die Frömmigkeit gleichmässig zu ßathe zog,
übte er hier vor Allem seine Lehr- und Regierungsgewalt. D as zu
den feierlichen Sitzungen beigezogene Volk repräsentirte die hö-
rende Kirche. ^) Als unabweisliche Aufgabe lag der so versam-
melten Provinzialsynode ob, die kirchlichen Glaubenslehren zu be-
sprechen, die Streitigkeiten kirchlicher Personen in höherer Instanz
zu schlichten, Appellationen der von ihrem Bischöfe excommunicirten
Kleriker und Laien entgegen zu nehmen, die Gebrechen des Le-
bens der Geistlichen und Gläubigen durch heilsame Statuten zu
heilen, und überhaupt Alles zu ordnen, was einer Ordnung in die-
sem Wege bedurfte. ^) Die Beschlüsse wurden dem römischen Stuhle
zur Bestätigung vorgelegt. ^)
3. Diese Art, Provinzialconcile abzuhalten, konnte dort streng-
stens eingehalten werden, wo die Theilnehmer desselben lediglich
Träger kirchlicher Würden waren. Im deutschen Eeiche aber, wo
letztere zugleich zu den angesehensten Reichsfürsten zählten, stellte
') Conc. Nicaen. IL av. 787. Die sogenannten apostolischen Canonen hatten
die zweimalige Abhaltung verlangt. Fessler : Provinzialconcil S. 44 und f.
2)Fessler: Prov. Concil S. 131.
3) Ebendaselbst, dt. canones ajjost., Conc. Nicaen. I (325), Cone. Äntiochen.
(341), Conc. Calcedon. (451), Conc. Nicaen. *II. (787.)
'*) Schannat: Concilia Germaniae tom. II. pag. 703 liefert eine Menge Bei-
spiele. Vgl. auch Fessler 1. c. S. 158 und Binterim Frager Geschichte
der deutschen Concilien I. 229—236.
161
sich — wie vordem auch im fräukischen Reiche, — eine erhebliche
Abweichung von der ursprünglichen Form jener kirchlichen Zusam-
menkünfte heraus. Hier befanden sich die Metropoliten und Bi-
schöfe sehr oft im Gefolge des Kaisers oder fanden sich wenig-
stens einmal im Jahre bald auf dem allgemeinen Reichstage und
bald wieder auf einer Particular - Fürstenversammlung zusammen,
die der Kaiser eben in allgemeinen Angelegenheiten des Reichs oder
in besondern einer einzelnen Provinz zu versammeln pflegte. Da
bot sich nun von selbst die beste Gelegenheit dar, ohne neue Be-
schwerden unter Einem auch die vorgeschriebenen kirchlichen Sy-
noden abzuhalten, die nun nach Verschiedenheit der Versammelten
bald zu einer Provinzialsynode und bald wieder zu einem förm-
lichen Reichsconcile sich gestalteten. Hiebei waren nicht selten
auch die im Orte eben anwesenden weltlichen Fürsten und noch
öfter der Kaiser selbst zugegen, deren Rath und Wünsche die Bi-
schöfe willig hörten und beachteten. Die meisten jetzt noch näher
bekannten deutschen Synoden dieser Zeit waren Versammlungen
solcher Art. ') Eigenthümlich musste sich hiebei die Stellung des
prager Bischofs gestalten. In Folge kaiserlicher Investitur war er
Reichsfürst, wie andere Bischöfe des Reichs; aber als Bischof im
Lande eines ziemlich unabhängigen Vasallen des Reichs, der ge.rade
in dieser Zeit sehr oft gegen die kaiserliche Obergewalt sich sträubte,
war er nur zu oft gehindert, an den Berathungen der Reichsbi-
schöfe Antheil zu nehmen. D esshalb finden wir ihn in den noch
erhaltenen Synodalberichten dieser Periode selten erwähnt. Nichts
desto weniger aber mussten die Beschlüsse der Provincialconcilien
des mainzer Metropolitansprengeis auch für ihn und seine Diözese
massgebend sein.
§. 41. Die Metropoliten dieser Zeit und ihre näher bekannte Wirksamkeit
für Böhmen.
1. Erzbischof Ruodbert (Rupert 970 — 975) brachte die Er-
richtung des böhmischen Bisthums und dessen Einverleibung in
^) Vgl. Schannat: co7icüia Germaniae Tora. I & II.
11
162
die mainzer Metropolie zum Abschlüsse und consecrirte unsern
ersten Bischof Dietmar. ') Aus seiner kurzen Eegierungszeit ist
uns weder ein anderweitiger Jurisdictionsact in unserem Vater-
lande, noch ein mittelbarer Einfluss durch neue Synodalgesetze
bekannt. Er starb am 13. Jänner 975. ^)
2.1hm folgte der heilige Wiligisis. (975— 1011 f 23. Febr.)
Aus niedrigem Stande entsprossen ^) war er in Folge seiner aus-
gezeichneten Eigenschaften zuerst Domherr zu Hildesheim und
von da oberster Kanzler des Kaisers Otto IL geworden. Seine
grossen Verdienste um Kaiser und Reich machten ihn zum Nach-
folger Ruodberts. *) Als Erzbischof nahm er durch ein ganzes
Menschenalter den grössten Einfluss auf die Geschicke Europas.
Er blieb Ottos IL treuer Rathgeber bis zu dessen Tode. (983.) Er
überwachte die Jugend Ottos III., er verwaltete bis zu dessen Mün-
digkeit die Regierung des Reiches, er geleitete den jungen Kaiser
zur Krönung nach Rom und führte (996) in der Person des kai-
serlichen Hoflianzlers Bruno, des tauglichsten und tüchtigsten
Mannes jener Zeit, den ersten deutschen Papst Gregor V. auf
den Stuhl Petri. Er war es auch, der nach Ottos III. Tode die
Kaiserkrone auf das Haupt Heinrichs IL brachte. Aber auch sein
kirchliches Amt verwaltete er mit Eifer und Einsicht. Namentlich
überwachte er aufs Strengste das kirchliche Leben und führte pflicht-
vergessene Priester mit unerbittlichem Ernste und ohne Ansehen
der Person zu ihrer Pflicht zurück. Dabei leuchtete er Allen
durch sein Beispiel voran. Die Kirche verehrte ihn alsbald seiner
seltenen Tugenden wegen als einen Heiligen. ^)
1) Vgl. S. 69.
^) Euler: Erzb. Willigis von Mainz, Programm von Schulpforta 1860.
*) Spätere Biographen machen ihn zum Sohne eines Wagners und leiten von
diesem Umstände das Mainzer Wappen (ein Rad) her. Wappen ent-
standen aber erst in Folge der Kreuzzüge. Obendrein scheint das Mainzer
Wappen ursprünghch ein Kreuz mit Heiligenschein gewesen zu sein.
^) Papst Benedict VII. stellte ihm die Bestätigungsurkunde bereits im März
975 aus. (Euler^S. 19.)
5) Euler 1. c, weist alle diese Züge des grossen Mannes urkundlich nach. Vgl.
auch Hirschel: Gesch. der Stadt und des Bisthums Mainz S. 35 etc.— und
Latomi catalogus archiepiscoporum Mogunt. bei Menken script. rer, germ.
III. 477 etc.
163
Dieser ausgezeichnetste unter den Erzbiscliöfen von Mainz
weihte uns im J. 983 den h. Adalbert zum Bischöfe und bewirkte
in den Jahren 992 und 995 auf die Bitte unserer Vorältern die
Heimkehr des h. Oberhirten aus Rom. ') Im J. 998 consecrirte
er in der Person des frommen Thiddag einen neuen Bischof für
unser Vaterland. ^)
Aus seiner Zeit sind uns eine Menge theils Reichsconcile
theils Provinzial-Synoden bekannt, denen er an der Spitze seiner
Suffraganen beiwohnte. Hieher gehören die Provinzialsynode zu
Mainz am 28. April 976 ^), der Convent zu Truttmann (977), die
Synode zu Ingelheim (979), der Convent zu Andernach (987),
die Synoden zu Halberstadt (991), zu Gaudersheim (995) und
neuerdings zu Gaudersheim (1000), zu Poelde am Harz und zu
Frankfurt (1001), zu Arneburg und zu Truttmann (1005), zu
Frankfurt (1006 und 1007), zu Poelde (1007) und zu Werla (1008). *)
Von hervorragender Wichtigkeit — auch für unser Vaterland —
war aber insbesondere die in Gegenwart des Kaisers Heinrich IL
abgehaltene Synode zu Arneburg im J. 1005. Daselbst wur-
den nämlich drei wichtige Synodalgesetze beschlossen; Ehe-
schliessungen in verbotenen Graden und Zeiten sollten streng-
stens gehindert, der Verkauf christlicher Sklaven an heid-
nische Herren völlig eingestellt und weltliche Grosse, welche der
öifentlichen Gerechtigkeit Hohn sprechen, mit der kirchlichen Ex-
communication bestraft werden. ^) Kicht minder belangreich war
auch die in demselben Jahre abgehaltene Synode zu Truttmann,
wo das kirchliche Fastengebot in Betreff der Vigilienfaste für ganz
Deutschland (und somit auch für Böhmen) dahin bestimmt wurde,
dass an den Vortagen der Feste des h. Johannes des Täufers, der
hh. Apostel Petrus und Paulus, des h. Laurentius und Allerheiligen
bei blossem Brod, Salz und Wasser zu fasten sei; in den
'} Vgl. §. 17 n. 4 & 6.
2) Vgl. §. 18. n. 2.
3) Guden cod. dijplom. I. dt. bei Etiler p. 32 etc. Hier -wurdea genaue Sta-
tuten der Aschaffenburger Stiftsschule festgestellt.
4) Schannat: Concilia Germaniae tom.II. p. 658, 659,668, 669, 674, tora. III.
p. 18, 21, 22, 27, 31, 33, 36, 38, 40.
5j Ebendaselbst II. p, 27. cit. Eckbart tom. I. scriptorum, Cbronogr. Saxo
pag. 404., Lietmari Cbronicon.
11*
164
Vigilien der Himmelfahrt Mariens aber imd der übrigen Apostel-
feste nach Art der üblichen vierzigtägigen Faste. In letzterer Art sollten
hinfort auch die Quatemberfasten gehalten werden, üiberdiess
sollte auch der Freitag vor Weihnachten ein strenger Fasttag
bei blossem Brod, Salz und Wasser sein. ') Nebstbei bestand wohl
damals in Böhmen noch das frühere regensburger Fastenstatut,
welches noch überdiess den Klerikern an allen Mittwochen und
Freitagen des ganzen Jahres die Enthaltung vom Weine gebot, —
nur mit Ausnahme der Zeit von Ostern bis Pfingsten, und von
Weihnachten bis Epiphaniä, ferner der Festtage der seligsten
Jungfrau, der hh. Apostel, der heiligen Michael, Johannes und
Martin. Zu andern Zeiten sollte einzig nur zu Gunsten der Kran-
ken, Reisenden, im Kriege Befindlichen und etwaiger Gäste eine
Dispens eintreten. ^)
3. Dem heiligen Wiligisis folgte der vormalige Abt von
Fulda, Erkenbold in der Metropolitanwürde nach. (1011 — 1021.)
Dieser erwarb sich den besondern Ruhm eines eifrigen \^erfechters
der kirchlichen Ehegesetze. ^} Er weihte im J. 1017 für unser
Vaterland einen neuen Bischof in der Person des ehemaligen
naumburger Propstes Ekhard. '*) Er betheiligte sich an der Spitze
seiner Suffraganen an den Synoden zu Bamberg und Koblenz (1012),
zu Mainz (1012 und 1018) und zu Frieslar (1020). Insoweit die
dort gefassten Beschlüsse uns noch bekannt sind ^) , hatten sie für
Böhmen keine besondere Bedeutung.
4. Der Erzbischof Ar ibo (1021 — 16. April 1031) war ebenso
berühmt wegen seiner persönlichen Frömmigkeit als wegen seines
oberhirtlichen Seeleneifers. ") Ihm verdankte der böhmische Bischof
Hyzo die bischöfliche Consecration. ')
Aus seiner Zeit sind uns eine Menge Synoden bekannt, an
denen er sich mit seinen Suffraganen betheiligte. Wir nennen hier
') Ebendas. III. p. 31. cit. Dietmarus ex eclit. Leibnitii tom. I. p. 380. Kran-
zius Saxoniae lib. IV. Cap. 35. —
-) Ebendas. III. p. 692. : Canones concilii Risbaclieiisis a. 799, —
3)Latomi: Catalogus archiepiscoporum Mogunt. bei Meiiken Scriptores III.
481. — Hirsche! Gesch. der Stadt und des Bisth. Mainz S. 39,
*) Vgl. ö. 70.
5) Schannat. tom. III. 42, 43, 51, 52.
6) Vgl, Hirschel S. 39.
')Tg]. S.^72.
165
die Synode zu Graona (1022), die Provinzialconcilien zu Seli-
genstadt (1022) und zu Höclist (1023), die Reichssynode zu Mainz
(1024), die Synoden zu Frankfurt und Geislar (1027), zu Poelde
und zu Paderborn (1029). ') Von höchster Bedeutung für das kirch-
liche Leben der mainzer Metropolie und somit auch für Böhmen
war die Provinzialsynode zu Selig enstadt am 11. August
1022. Unser damaliger Bischof Ekhard wird zwar unter den
Theilnehmern nicht ausdrücklich genannt: der Umstand aber, dass
derselbe noch am S. Wenzelsfeste dieses Jahres eine Diözesansy-
node in Prag abhielt und überdiess die anerkannte Tragweite eines
jeden Provinzialconcils bürgen für die Annahme der seligenstädter
Beschlüsse in Böhmen. Vor Allem war es wieder das Fasten-
gebot, welches daselbst eine genauere Regelung erfuhr. Neuer-
dings wurde die Abhaltimg jener Vigilienfasten eingeschärft,
welche bereits die Synode zu Truttmann (1005) angeordnet hatte. ^)
Die bisher schwankende Zeit der Quatemberf asten wurde fest
bestimmt. Fortan sollte die erste derselben am ersten Mittwoch
des Monats März beginnen.- Die zweite sollte im Monate Juni
gehalten werden, und zwar anfangend am zweiten, dritten oder
vierten Mittwoch desselben, je nachdem der erste Juni entweder
auf einen der ersten Wochentage, oder aber auf Donnerstag, oder
endlich auf einen der beiden letzten Wochentage fallen möchte.
Nur in dem Falle, als dann etwa die Vigilie des Pfingstfestes zu-
gleich ein Quatemberfasttag werden müsste, sollte die Quatemb er-
faste in die folgende Pfingstwoche verlegt werden. Die dritte Qua-
temberfaste sollte in die dritte Woche im September verlegt wer-
den, wenn der erste September auf einen der ersten Tage der
Woche (bis Mittwoch) treffen würde, in jedem andern Falle aber
erst in die vierte Woche des Monats. Endlich sollte die vierte
Quatemberfaste unmittelbar in der Woche vor der Weihnachtsvi-
gilie gehalten werden.^) Unter Einem wurden auch die verbo-
tenen Zeiten für Eheschliessungen festgesetzt, und zwar wurden
als solche die Zeit des Advents bis zur Oktav der Erscheinung
des Herrn, die Zeit von Septuagesima bis Ostern, die Fasttage
*) Schannat III. 55 etc.
2) Statuta syn. Seligenst. bei Schannat III. p. 55 etc. Artic. 1.
3) Statuta syn. Seligenst. Art. 2.
166
vor dem Feste des li. Johann, sowie die kirchlichen Fasttage über-
haupt und die Nächte vor hohen Festtagen bezeichnet. *) Den
Priestern wurde unter Andern eingeschärft, des Tages nicht
mehr, als drei heilige Messen zu lesen. ^) Die Kirchenbusse
einer besondern vierzigtägigen Faste bei Wasser und Brod (carina)
sollte von den Beichtvätern nicht in kleinere Fasten vertheilt und
auch nicht gestattet werden, dass der Büsser innerhalb einer der-
artigen Busszeit seinen Aufenthaltsort wechsle, oder gar zur Um-
gehung der heimatlichen Busse einfach nach Kom pilgere, um
dort die päpstliche Absolution zu suchen. Letzteres sollte nur
nach Verrichtung der heimatlichen Busse und dann auch nur mit
einem Geleitschreiben des Bischofs geschehen. ^) Die Kirchenbusse
einer zeitweiligen Ausschliessung vom Gottesdienste sollte nicht
ohne besondere Erlaubniss des Bischofs wieder behoben werden. *)
Die herkömmliche Sitte des Gottesgerichtes sollte auch fer-
nerhin in sonst unlösbaren ehe gerichtlichen Klagfällen beibehalten
werden. ^) — Diese Verordnungen werfen ein interessantes Licht
auf das damalige kirchliche Leben auch in unserem
Vaterlande.
5. Dem eifrigen Aribo folgt der heilige Bardo nach, der
ehemalige Abt zu Werden und zu Heresfeld (1031 — 1051). Dieser
erwarb sich ausser dem Rufe seiner Heiligkeit noch den Ehren-
namen des Chrysostomus seiner Zeit. ^) Er weihte unserem Va-
terlande den ausgezeichneten Bischof Severus. ■ Leider sah er sich
später auch genöthigt, allen Ernstes den Separations-Bestrebungen
des böhmischen Herzogs Bfetislaw I. entgegenzutreten und be
dieser Gelegenheit den allzu nachgiebigen Bischof empfindlich zu-
rechtzuweisen. ') Er hielt im J. 1041 mit seinen Suffraganen eine
Synode zu Münster, an welcher unser Bischof Severus wegen
der damaligen traurigen Kämpfe seines Landesfürsten nicht theil-
OEbendas. Art. 3 & 11.
*) Ebendas. Art. 5.
3) Ebendas. Art. 16. 17. 18..
4) Ebend. art. 19.
5) Ebend. Art. 7. 13.
^) Latomi Gatdlogus und Hirscbel 1. c. —
') Vgl. S. 79 etc.
16Y
nahm. Ohne Zweifel wurden eben hier die gegen Severiis einzu-
haltenden Massregeln berathen. Näheres ist uns jedoch nicht be-
kannt. *) Im J. 1049 betheiligte sich Bardo mit mehreren seiner
Suffragane an dem unter dem Vorsitze des JPapstes Leo IX. er-
öifneten Concile zu Mainz, wo eben Bardo selbst und sofort der
jeweilige Metropolit von Mainz zum apostolischen Legaten erklärt
und mehrere Gesetze zum Besten der Kirche, insbesondere gegen
die noch häufig auftauchenden Gebrechen der Priest er ehe und
der Simonie verkündigt wurden. ^)
6. Erzbischof Leopold (1051 — 1059), vordem Propst von
Bamberg, wohnte im J. 1053 einer ebenfalls von Papst Leo IX.
zu Worms versammelten Synode bei. Ebenso betheiligte er sich
noch in demselben Jahre an der Reichssynode zu Bamberg und im
J. 1054 an der Erwählung des Papstes Victor IL zu Mainz. ^) Für
unser Böhmen wird uns aus seiner Wirkungszeit etwas Belangrei-
ches nicht berichtet. Die bewegteren Ereignisse im Leben seines
Nachfolgers Siegfried (1060—1084) gehören bereits der nächsten
Periode an.
§. 42. Die Diözesansynoden dieser Zeit.
1. Die Diözesansynode war von jeher die eigentliche Lehr-
und Zuchtschule des Bischofs, der wesentlich kirchliche Akt, wo
der Oberhirt in Mitten seiner Priester nach vorhergegangener Be-
rathung die ihm von Gott gegebene Gesetzgebungs- und Regie-
rungsgewalt feierlich ausübte. *)
Nach den alten kirchlichen Vorschriften sollte der Bischof
zu diesem Zwecke einmal im Jahre seine Geistlichkeit um sich
versammeln. ^) In unserer Periode hatte er ausser seinem eigenen
ij Schannat III. 110.
2) Scliannat III. 112.
3) Ebeudas. HI. 119. 124.
*) Fesslei': Provincialconcil, S. 16, cit. Binterim pragm. Geschichte der deu-
tschen Concile, Philipps Diözesansynode.
^1 Nachweisbar galt dies schon im 3. Jahrhunderte als allgemeiner Brauch,
seit dem 6. Jahrhunderte aber bereits als bestimmtes Gesetz. Vgl. Fess-
1er S. 42 etc.
168
Domcapitel noch die Vertreter der Collegiatcapitel, die Vorstelier
der Ordenshäiiser und die Seelsorgsi^riester der ganzen Diözese zu
berufen. In der Versammlung musste ihm Eechenschaft abgelegt
werden über die Führung des geistlichen Lehr- und Hirtenamtes;
hier wurden die Beschlüsse der allgemeinen Concilien und der
Frovinzialsynoden zur Darnachachtung verkündet; hier wurden die
besonderen Anordnungen zum Heile der Diözese erlassen; hier
wurde endlich, wo es Noth that, offenes Gericht über die durch
kirchliche Gesetze verpönten Vergehungen der Kleriker und Laien
abgehalten. ') Insbesondere mussten die eigens erwählten und be-
eideten Synodalzeugen aus dem Laienstande dabei aussagen, was
von den Laien in jedem Jahre öffentlich gegen Gott und die
christliche Religion geschehen war und wessen etwa die allgemeine
Meinung den Einzelnen beschuldigte. In Folge dessen wurde der
Angeklagte vorgeladen, sich zu vertheidigen, die Kirchenbusse zu
leisten oder er verfiel den Strafen nach Gewohnheit des Landes. ^)
Die entscheidende Stimme in der Synode stand allein dem Bischöfe
zu; doch hörte er zuvor in den sogenannten Congregationen die
Meinungen, Auskünfte, Bitten und Wünsche seiner Geistlichkeit.
Die Entscheidungen erfolgten in feierlichen Sessionen unter Zu-
lassung des Volkes. Die Dauer einer solchen Synode erstreckte
sich in der Regel nicht über 3 oder 4 Tage. ^)
2. In unserem Vaterlande wurden solche Diözesansynoden der
kirchlichen Ordnung gemäss ohne allen Zweifel schon seit der Er-
richtung des prager Bisthums regelmässig abgehalten. Wenn wir
aus der Sitte des zwölften Jahrhunderts einen giltigen Rückschluss
auf unsere älteste Periode uns erlauben dürfen, so fand die Ver-
sammlung immer am Feste des heiligen Wenzel in Prag selbst
statt, und es nahmen daran auch alle Edlen des Landes berathen-
den Antheil. ^) Eine ausdrückliche Erwähnung der regelmässigen
Abhaltung dieser kirchlichen Versammlungen finden wir, bei der
Mangelhaftigkeit der älteren Quellen, nach der Chronik Hajek's
') Fessler 1. c.
2) Höfler Concilia Pragensia p. XVIII.
^) Fessler 1. c. p. 41 etc. p. 59 etc.
*) Gontiii. Cosmae ad ann. 1134 erzählt es als herkömmliche Sitte, dass
damals am S. Wenzelsfeste „alle Edlen Böhmens, Geistliche sowohl als
Weltliche," in Prag zusammengekommen seien.
169
erst unter unserm vierten Bischöfe Ekhard im Jahre 1023. Der-
selbe soll nämlich die Verordnung erlassen (oder erneuert ?) haben,
„dass jeder Landgeistliche wenigstens einmal im Jahre an einem
festgesetzten Tage sich in Prag einfinden müsse, um da Rechen-
schaft über die ihm anvertraute Heerde abzulegen." ') Unter Ei-
nem sollten die Seelsorger bei dieser Gelegenheit die herkömmli-
chen Rauchg roschen (äenarii fimiales) an den Bischof abführen,
eine Abgabe, die ihren Namen wahrscheinlich von der Gelegenheit
ihrer Erhebung erhielt, nämlich von dem ehemals üblichen Um-
gange des Seelsorgers am h. Dreikönigsfeste, wo er die Wohnun-
gen der einzelnen Familien unter Gebet, Besprengung mit Weih-
wasser und Be räucherung mit Weihrauch einsegnete und die-
sen Act durch Anschreibung der Anfangsbuchstaben der Namen
der 3 Weisen gleichsam bestätigte. ^) — Einer weiteren Diözesan-
synode wird bis in die Mitte des eilften Jahrhunderts nicht aus-
drücklich erwähnt, gewiss nur desshalb, weil solche Versammlun-
gen nichts weniger als etwas Ausserordentliches waren und darum
einer besondern Erwähnung kaum bedurften. Erst dann, wenn ihre
Berathungen massgebend in die öffentlichen Verhältnisse des Lan-
des eingriffen, wie diess späterhin vielfach der Fall war, mussten
unsere alten Chronisten von ihnen nähere Kenntniss nehmen.
3. Wenn auch bis jetzt eine nähere Angabe aller einzelnen
Diözesansynoden der ältesten Zeit und ihrer Beschlüsse kaum mög-
lich ist ^) : so wissen wir doch von den Synodalbeschlüssen über-
haupt grade genug, um das kirchliche Leben der ersten zwei christ-
lichen Jahrhunderte unseres Vaterlandes würdigen zu können. Zu-
nächst scheint unser Vaterland in dieser Zeit von allen häreti-
schen Anfechtungen ganz frei geblieben zu sein; von solchen
findet sich nämlich weder in den damaligen Beschlüsseij der
mainzer Provinzialconcile noch in allen einheimischen Anordnungen
eine Spur. Desto mehr hatten unsere Diözesansyüoden gegen die
sittlichen Gebrechen unseres Volkes zu streiten und wir
1) Hajek ad a. 1023.
^j Noch bis in die Gegenwart herab bestand in sehr vielen Gegenden die
an die Schullehrer üb eingegangene Sitte des Dreikönigsganges, und die dar-
auf beruhende Abgabe (Coleda) der sogenannten Rauchheller.
8) Höfler hat in der Einleitung seines Werkes: Concilia Pragensia 1862
zuerst einige ausführliche Synodal-Statuta dieser Zeit veröffentlicht.
170
irren nicht, wenn wir eben diese Synoden als das vorzüglichste
Mittel ansehen, durch welches unsere ersten Bischöfe in dieser
Richtung dem Christenthume die volle Geltung erkämpften. Die
diessfälligen Bemühungen Dietmars, des h. Adalbert, Thiddags und
Ekhards wurden bereits namhaft gemacht. In ihre Zeit fallen
wohl auch di-e strengen Synodalgesetze') gegen die Unkeusch-
heit im Lande ^), gegen die Ehen in nächster Verwandt-
schaft bis zum fünften Grade herab ^), gegen die ünmässig-
keit in Essen und Trinken^), gegen alle abergläubischen
Gebräuche und insbesondere gegen heidnische Todtenfeierlich-
keiten. ^) Auch die Ausspendung der heiligen Sakramente wurde
durch solche Synodaldekrete geordnet. Die Taufe musste durch
dreimaliges Untertauchen im Taufbrunnen geschehen, und durfte
ausser im Nothfalle nur an den Samstagen vor Ostern und Pfing-
sten verrichtet werden. ^) Die heilige Messe durfte nur nüchtern
und an consecrirten Orten, und nie ohne Alba, Fanon ') und Ca-
sula gefeiert werden; auch sollte jeder Gläubige nur den Gottes-
dienst seines eigenen Seelsorgers besuchen, und an den 3 höchsten
Festen des Jahres das h. Sakrament der B u s s e empfangen. *) Die
heilige Communion wurde unter der Formel: Corpus et sanguis
Domini nostri Jesu Christi proßciat tibi in vitam mternam'-'- ge-
spendet, und es wurde hiebei die in den consecrirten Kelch ge-
tauchte heilige Hostie gereicht. Jeder Gläubige sollte die h.
Communion dreimal im Jahre — zu Weihnachten, Ostern und
Pfingsten — empfangen. ^)
') Bei Höfler, Einl. zu Concilia Pragensia.
*) Auf diessfällige Sünden waren Kirclienbussen von 3 Tagen bis zu 15
Jahren gesetzt. (Ebend. p. IX.)
^) Die Ehe eines Weibes mit zwei Brüdern und eines Mannes mit 2 Schwö
Stern wurde mit lebenslänglicher Excommunication bestraft. (Ebend. VIII.
vgl. XIV.)
4) Hieher gehörten auch die Verbote gewisser Speisen: des Blutes, der er .
stickten oder gefallenen Thiere, der durch solche verunreinigten Flüssig-
keiten und a. (Ebend. XL)
5j Ebend. XVI. & XVH.
6) Ebend. XQL & XV.
') Fanon ist ein damals üblicher Name für den Manipel. Vgl. Wetzer &
Weite Kirchenlex. VI. 215.
8j Höfler Conc. XIV. XV.
^^j Ebend. IX. Diese Sitte wurde im 12. Jahrhunderte im ganzen Abendlande
171
4. Als öffentliche kirchliche Feste waren angeordnet : Das
Weihnachtsfest, die Feste S. Stephan, S. Johann Evangelist, Un-
schuldige Kinder, Oktav der Geburt Christi, Erscheinung des Herrn,
Maria Keinigung, der heilige Samstag, Ostern, die 3 Bitttage, Christi
Himmelfahrt, Pfingsten, Johann der Täufer, die 12 Aposteltage,
Maria Himmelfahrt, S.Michael und das Kirchweihfest des Ortes J)
Die kirchliche Faste wurde strengstens eingeschärft, und zwar
ebensowohl die vierzigtägige, als alle übrigen kirchlichen Fasttage -),
welche die Provinzialsynode von Seligenstadt angeordnet hatte. In
diesem Stücke zeigt sich sogar in jener Zeit ein besonderer Eifer,
der die kirchlichen Anordnungen in seiner Art noch verschärfte. ^)
Insbesondere geschah diess bezüglich der vierzigtägigen Faste. So
wohnte Spytihnöw IL die ganze Fastenzeit hindurch im prager Ca-
pitelhause oder im Kloster zu Brewnow. Mit geistlichen Kleidern
angethan saug er hier täglich vor der Frühmesse die üblichen
Psalmen mit ausgebreiteten Händen oder knieend. Nüchtern bis
zur Mittagszeit befasste er sich ausschliesslich mit geistlichen
Dingen, erst nach der massigen Mahlzeit durfte man ihm mit welt-
lichen Geschäften nahen. Von der ersten Abendstunde bis zur
ersten Morgenstunde hielt er strenges Stillschweigen und kürzte
selbst die nächtliche Ruhe mit Wachen und Gebet. *) Wie die
Sitte der nächsten Zeit zeigen wird, stand ein derartiges Beispiel
durchaus nicht vereinzelt da. — Die Geistlichkeit wurde zum
allgemein und bildete gleiclisam den Übergang zur allgemeinen Annahme
der Comraunion unter Einer Gestalt im 13. Jahrhunderte. Letztere war
stets dogmatisch zulässig, jedoch in den ersten Jahrhunderten nur aus-
nahmsweise (bei Kindern, Kranken, Verfolgten, Reisenden, Einsiedlern)
üblich. Alsbald aber arbeiteten fromme Scheu, locale Armuth und gegen-
seitige Furcht (insbesondere in Pestzeiten) gleichmässig an der Ausdeh-
nung dieser Art zu communiciren, die alsbald gegen Irrlehrer in Schutz
genommen werden musste und so endlich zur Regel wurde.
') Ebend. XHI.
') Als Busse für einen gebrochenen Fasttag war ein 40tägiges Fasten bei
Wasser und Brod, und als Busse für die Verachtung der vierzigtägigen
Faste ein Jahr Kirchenbusse angeordnet. (Ebend. XII.)
^) Das Fasten an Sonntagen musste sogar besonders verboten und mit einer
einwöchentlichen Kirchenbusse belegt werden. (Ebend. XII.)
4) Vgl. Tomek. G. Pr.' 106.
112
strengsten kirchlichen Leben und zur gewissenhaften Persolvirung
des Breviergebets (auch in den betreffenden Nachtstunden) ange-
wiesen.') — Noch sei einiger eigenthümlicher Gebote jener Zeit ge-
dacht. Streng verboten war der Genuss aller unreinen Speisen.
Unrein war Alles, was mit unkeuschen Gegenständen, mit Blut
und Excrementen von Menschen und Thieren und mit Abgestor-
benen in Berührung gekommen war, auch Alles, was von wilden
Thieren und< Hunden gebissen und zerrissen worden war, ebenso
alles Erstickte. — Jeder Gläubige musste verhalten werden, das
Gebet des Herrn und das apostolische Glaubensbekenntniss sowohl
in der Mutter- als in der lateinischen Sprache zu erlernen. —
Jeder Priester sollte einen Kleriker oder Scholaren bei sich ha-
ben, der die Episteln und Lectionen lese, bei der Messe respon-
dire und mit ihm die Psalmen singe. — Die Functionen bei Tau-
fen und Leichen sollten unentgeltlich sein. — Das Weihwasser
sollte alle Sonntage erneut werden. — Den Katechumenen sollte
zur österlichen Zeit statt der Communion nur Salz und Wasser
gereicht werden.*)
5. Alle Uibertretungen mussten durch lange Kirchen-
bussen gesühnt werden, die oft nur für eine einzige Sünde bis zu
15 Jahren und selbst auf Lebenszeit sich erstreckte. ^) Die gänz-
liche oder theilweise Lossprechung von diesen Kirchenbussen, die
zugleich die wirkliche Sülmung der noch erübrigenden zeitlichen
Strafen in sich schloss — der kirchliche Ab las s — wurde
nur den Confessis et communicaUs *) (denen, die gebeichtet und
kommunizirt hatten) gegen anderweitige bestimmte Busswerke er-
theilt, — und zwar in dieser Zeit zumeist nur in Rom selbst,
wohin der Büsser mit einem Geleitschreiben des Bischofs pilgern
musste.^) Als höchste Strafe wurde die Excommunication
verhängt. ^) Bei den kirchlichen Untersuchungen dieser Zeit be-
1) Eöfler cone. jPrag. XI— XV.
2) Ebend. XI— XV.
3) Siehe die obigen Noten.
*) So lautet der Eingang aller Ablassdecrete.
^) Erben regest, p. 55 enthalten ein solches Geleitschreib eu des Bischofs
Severus.
^) S, die Statuten des Severus,
173
gegnen wir noch vielfach den Gottesgerichten.*) Die kirch-
lichen Anordnungen dieser Zeit schliessen in würdiger Weise mit
den bereits erwähnten Statuten des Bischofs Severus ab.-)
§. 43. Die Schulen.
Mit der Einführung des Christenthnms musste nothwendig
auch das Institut der christlichen Schule unserem Vaterlande zu
Theile werden. Von jeher hat die katholische Kirche den ihr ge-
wordenen Auftrag ihres Stifters im weitesten Sinne erfasst und be-
folgt: sie ward die Lehrerin der Welt, nicht bloss in Sachen
des Heiles, sondern auch im irdischen W^issen. Als unser Vater-
land seine Kinder der h. Kirche zuführte, war es anderwärts be-
reits allgemeine Sitte, dass die Priester in Flecken und Dörfern
für die kleinen Kinder der Gläubigen Schule hielten, ohne Bezah-
lung dafür zu nehmen. ^) Ja dieselben hielten sich bereits an vie-
len Orten geistliche oder weltliche Lehrgehülfen, welchen sie eine
anständige Versorgung im geistlichen Hause verabreichten, — ge-
wöhnlich dieselben Männer, welche bereits den kirchlichen Dienst
des Messners und Organisten versahen.
Es kann uns demnach nicht befremden, alsbald ausdrückliche
Erwähnungen von blühenden Schulen bei den wichtigeren Gottes-
häusern unseres Vaterlandes zu finden. Eine solche Schule treffen
wir noch vor Errichtung des Bisthums bei der Kirche am Tein,
im Schlosse zu Tetin, zu Budeö und in den vorzüglichen Orten
des Landes. *) Alle dieselben übertraf damals an Bedeutung die
•j Ebendaselbst.
») S. §. 19.
3) Yerordnung des Bischofs Theodulf von Orleans vom J. 885. Verordnung
der Synode von Mainz vom J. 813, Verordnung des Königs Pipin v. J.
762, — Verordnungen Karls des Grossen etc. Die diessfälHgen könig-
lichen Verordnungen (capitularia) waren nur Veröffentlichungen der ge-
legenheitlich der jährlichen Reichstage von den eben versammelten Bi-
schöfen gefassten Synodalbeschlüsse. — Vgl. meinen Aufsatz über die
Christi. Volksschule im Jahrbuche für Eltern und Erzieher 1855. S. 56—79.
'*) Raphael Ungar; Gedanken von dem Zustande der Schulen und der lat.
Literatur in Böhmen vor Errichtung der hohen Schule in Prag. S. 33 & 42.
1Y4
Schule in Biideö, welche Spytihnew I. zugleich mit der dortigen
Kirche errichtet hatte und wo der h. Wenzel von seinem Lehrer
Unego eine Bildung in der lateinischen und slawischen Literatur
„gleich einem Priester" empfangen konnte. ^) Auch noch in späterer
Zeit behauptete diese Schule einen hohen Ruhm und das böhmische
Volk war hochherzig genug, im Jahre 1017 den durch hohe Ge-
lehrsamkeit berühmten geistlichen Lehrer Horso von Budeö für die
„bischöfliche Würde zu empfehlen. *) Es unterliegt kaum einem
Zweifel, dass gleichzeitig mit Budec auch Leitmeritz, Melnik, Bilin,
Saaz, Tetschen und andere alte Zupensitze im Umkreise der jetzi-
gen Diözese von Leitmeritz ähnliche Schulen erhielten. Viele der-
selben gingen in ihren Bemühungen ebenso wie die zu Budeö weit
über die ersten Anfangsgründe des Wissens hinaus.
2. Die Stiftung des Bisthums in Prag nöthigte zur Erweite-
rung des Schulwesens. Nach den Capitularen Karls des Grossen,
die durch die herrschende Metropolitanverfassung nachgehends auch
Böhmen berührten, „mussten in jedem Bisthume (und in jedem
Kloster) Schulen errichtet werden, in welchen die Söhne der Freien
sowohl als der Leibeigenen die Sprachlehre, Ton- und Rechenkunst
erlernen sollten." ^) Auch musste ja dem Bischöfe viel daran ge-
legen sein, eine wissenschaftlich gebildete Klerisei unter seiner ei-
genen Aufsicht heranbilden zu lassen. Der heilige Chrodegang von
Metz hatte seine derartige Domschule dem von ihm ins Leben
gerufenen Domcapitel, beziehungsweise dem Canonicus Scholasticus
anvertraut. Seinem Beispiele folgten alle Bischöfe, — auch bereits
der erste Bischof von Prag. Die am prager Capitel zu allen Zei-
ten bestandene Würde des Scholasticus und die öftere ausdrück-
liche Erwähnung der dort befindlichen Schülerschaft ist eine genü-
gende Bürgschaft dafür. *) In ähnlicher Weise entstanden sofort
ähnliche Schulen auch bei den Collegiatcap iteln des Landes, zu-
nächst in Altbunzlau, Leitmeritz, Melnik und am Wy§ehrad. Da
das prager Bisthum zur mainzer Metropolie gehörte, so ist wohl
Vgl. S. 47 und 48. Faust. Prochaska: de lib. art. in Boh. fatis 50 etc.
2) Hajek ad a. 1018.
3) Cap. V. 788 bei Ungar 1. c. p. 31 u. 32.
*) Ygl. Oosmas ad a. 1074. Cont. Cosmae ad a. 1248. Neplacho in Dobn.
monum. IV. p. 111. etc.
1Y5
anzunehmen, class auch in den böhmischen Domschulen die vom
Erzbischofe Wilegisis im J. 9Y6 zu Mainz eingeführte Schulordnung
angenommen wurde.') Nach dieser wohnten die „canonischen
Schüler" ohne Ausnahme im Hause des Scholasticus, der an seiner
Seite noch einen Hülfslehrer (secundarius) und einen Schaffner ha-
ben sollte. Diese Schüler wurden von eigens dazu bestimmten Prä-
benden mit Kost und Kleidung versehen und leisteten dafür ent-
sprechende Dienste beim kirchlichen Gesänge. Ohne Erlaubniss
des Scholasticus durfte kein Schüler „unterrichtet und bestraft wer-
den." Ausser den „canonischen Schülern" konnten immerhin auch
Externisten dem Unterrichte beiwohnen. Der Scholasticus sollte
in der Würde der nächste nach dem Dechant des Capitels und
nöthigen Falls dessen Stellvertreter sein. Fremde Kleriker, die als
Reisende die Stadt besuchten, sollten unter seiner Jurisdiction
stehen. Zu seiner weitern Ausbildung durfte er allein sogar drei
und mehrere Jahre lang vom Capitel ferne sein. ^) Selbstver-
ständlich erstreckte sich der Unterricht über Alles, was dem Kle-
riker und künftigen Priester zu wissen unentbehrlich war.
3. Mit den Benedi ctinermönchen mussten nothwendig auch
ihre Schulen nach Böhmen verpflanzt werden, und in ihren neuen
Klöstern konnten sie nicht allzulange zurückbleiben hinter dem Lobe,
das schon der unbekannte Biograph ' des Paderborner Bischofs
Meinwerk, ein Schriftsteller des 11. Jahrhunderts den Schulen ihrer
Klöster in Deutschland spendete. Dieser schreibt nämlich zunächst
von ihrer Schule zu Paderborn : „Es blühten da Uibungen in vielen
Arten der Wissenschaften und gutgeartete Knaben und Jünglinge
wurden nach einer regelmässigen Lehrart unermüdet unterrichtet.
Es gab da Tonkünstler, es zeichneten sich Dialektiker aus, Lehrer
der Redekunst und vortreffliche Grammatiker. Die Lehrer der freien
Künste bearbeiteten das Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) ;
auch widmeten sie ihren ganzen Fleiss dem Quadrivimn (Rechen-
kunst, Geometrie, Tonkunst, Sternkunde). Horaz w^ar da im Schwünge
und der grosse Virgil, Crispus Salustius und der feine Statius.
') Diese Scliulorclnung wurde auf einer Provinzialsynode zu Mainz am 28.
April 976 beschlossen.
3) Ungar 1. c. p. 24—28.
176
In der Schrift aber und in der Malerei (der Bücher) spricht ihrem
Fleisse die Erfahrung vielfältiges Lob." ') Dass übrigens die böh-
mischen Klöster des Ordens solche Schulen wirklich ebenfalls be-
sassen, dafür bürgt ausser ihrer Regel auch noch die nachfolgeude
Geschichte. Ihrem Beispiele folgten alsbald alle andern Ordens-
vereine, die nach ihnen in unser Vaterland kamen. Während die
eifrigen Mönche die männliche Jugend zur Wissenschaft leiteten,
thaten auch die frommen Klosterfrauen ihr Möglichstes für eine
erspriessliche Erziehung der Jungfrauen zumal aus den edleren
Geschlechtern des Landes.
4. Obgleich das Institut der Schule in unserem Vaterlande
unter der sorgsamen Pflege der Kirche schon in dieser Zeit be-
stens gedieh: so drängte doch der edle Wissensdurst so manchen
einheimischen Jüngling in die Fremde, um dort zu den Füssen
weltberühmter Lehrer eine noch tiefere Weisheit zu lernen. Schon
der h. Adalbert weilte zu diesem Zwecke in seiner Jugend zu Mag-
deburg. Seinem Beispiele folgten alsbald die Söhne des herzog-
lichen Hauses und der besten Familien des Landes, Eben am
Schlüsse der von uns geschilderten Zeit treffen wir den Prinzen
Jaromir mit seinem Jugendfreunde, unserem ältesten Chronisten
Cosmas, als Schüler an der berühmten Schule zu Lüttich. *) Die
Gelehrsamkeit stand bereits hoch in Ehren. Bereits erschwang sich
nur derjenige, welcher unter Allen der Gebildetste war, zu den
höchsten Aemtern in der Kirche und im Staate.
1) Ebendaselbst S. 43.
*) Cosmas ad a. 1055, 1061, 1125. Illustr. Chronik von Böhmen I. 11.
ZWEITE PERIODE,
I. Zeitraum.
Die Theilnahme des christlichen Böhmens an der kirchlichen Eefor-
mation. 1068—1200.
§. 44. Der Geist der neuen Zeit.
1. Wir treten in einen neuen Zeitraum ein. Die Einführung
der christlichen Lehre im Lande und im Leben der Böhmen ist
bis auf wenige Üiberreste des alten Aberglaubens, die alsbald auch
noch verschwinden, völlig vollendet. Unser Vaterland steht nun
ebenbürtig unter den zahlreichen Gliedern des christlichen Staaten-
kreises. Nothwendig wird es desshalb von der grossen Bewegung
miterfasst, die eben damals mit wunderbarer Kraft alle Theile der
christlichen Welt ergriff: es war diess eine Bew^egung zum Bessern,
zum Idealen.
Die Kirche Christi trauerte seit einiger Zeit tief über den
unkirchlichen Geist ihrer Diener. Das Kaufen geistlicher Pfründen
um Geld und Geldes werth {Simonie) und ein gänzliches Hintan-
setzen des priesterlichen Cölibats waren die grossen Uibel, die
damals die Mehrzahl des Klerus befleckten. Es war so geivorden
in Folge der eigenthümlichen Verhältnisse früherer Zeit und des
argen Missbrauchs, der sich derselben bemächtigt hatte. Die Do-
tation geistlicher Aemter mit Grundbesitz hatte die Geistlichen
fast durchgängig zu Lehensträgern weltlicher Herren gemacht, und
diese hatten eben desshalb die Einführung jener ins geistliche Amt
12
178
sich angeeignet. {Investitur.) Das war besonders in einer Zeit ge-
schehen, da die päpstliche Gewalt zum Spielballe sich bekämpfender
Parteien erniedrigt wenig nach Aussen zu wirken vermochte. Seit-
dem aber gelangten nicht selten die Untauglichsten und Unwür-
digsten, sogar Leute ohne alle geistliche Bildung zu den hohen und
höchsten geistlichen Ehren, und diess zumeist durch schnöden
Kauf. (Simonie.) Kein Wunder, dass nun selbst Beweibte in die
kirchlichen Aemter sich eindrängten, ohne hiemit nach alter Sitte
dem ehelichen Leben zu entsagen, während andere ganz offen dem
sündhaften Concuhinate huldigten. Kein Wunder, wenn unter sol-
chen Obern die alte kirchliche Zucht und Sitte sowohl im Säcu-
lar- als im Klosterklerus immer weniger Beachtung fand. Kein
Wunder auch, wenn bei dem täglich wachsenden Verderben der
Geistlichkeit auch Rohheit und Laster aller Art in die Heerde der
Gläubigen drangen. Dieses und nur dieses ist das finstere Mittel-
alter, eine Zulassung der Vorsehung, um mitten unter den grössten
menschlichen Gebrechen die Göttlichkeit der katholischen Kirche
desto unwiderleglicher zu bewähren.
2. Erhaben über diesen Gebrechen stand der grösste Mann
jener Zeit, Gregor VIL, der Heilige. Zum Nachfolger des h. Pe-
trus bestellt hielt er es für die Aufgabe seines Lebens und seines
Amtes, eine Beformation des Klerus und der gesammten Christen-
heit einzuleiten. ') Dazu galt es aber vor Allem, jene zwei all-
gewaltigen Bande zu zerreissen, die den Klerus an die Welt, und
die Bischöfe an die Fürsten fesselten, die Priesterehe und die
durch Simonie befleckte weltliche Investitur. Das abgeschlossene
enthaltsame Leben sollte bessere Priester bilden, und die freie ca-
nonische Wahl geeignetere Oberhirten bestellen: diese und jene
sollten dann vereint an der Veredlung der Christenheit arbeiten.
Wo möglich sollte so allmälig das schönste Idear verwirklicht
werden : nicht mehr die einzelnen Gläubigen bloss, und nicht mehr
bloss die einzelnen Familien, ja auch selbst nicht mehr die ein-
zelnen Staaten bloss sollten nach Innen und Aussen christlich sein ;
sondern alle Reiche insgesammt sollten wie liebende Geschwister
in eine grosse christliche StaatenfamiUe sich vereinen. Innerhalb
') Epist. Gregorii VII. (I. 27. 28. 30, II. 1.45. III. 15. IV. 28 V. 5, 7. 10. 15.
VII. 10. 23. VIII. 9. IX. 21 etc.
179
dieser sollte Pries terthmn und Köiiigthum einig sein und nach
Einem streben, nach dem Frieden der Welt. ') Zu diesem Zwecke
sollte über diese Familie die h. Kirche als gemeinsame Mutter
Aller herrschen, und alle Glieder, auch Kaiser und Könige sollten
ihrem Gebote als gute Christenldnder Folge leisten. ^) So sollte
damals schon die Verheissung des göttlichen Stifters von einer
Heerde und e i n e m Hirten sich erfüllen. Für wahr, ein hohes Ideal,
würdig, das Zeitalter der Ideale — das helle Mittelalter — zu er-
öffnen. Dem hohen Gedanken Gregors, den auch seine Nachfolger
treu bewahrten, stellte sich erst in Heinrich IV. die rohe Gewalt,
und später in dem grossen Hohenstaufen Friedrich I. ein anderes
Ideal, das einer kaiserlichen Universalmonarchie, entgegen. Da
rieben im langen Streite die entgegenstrebenden Pläne sich auf.
Das aber war der Gewinn der neuen Zeit : die Freiheit der Kirche
war gesichert, die Reformation war gelungen, die Menschheit hatte
sich für Ideen begeistern gelernt.
3. Die Hülle ist gebrochen: schöner als je entfaltet sich nun
das segensvolle Leben der Kirche. Der christliche Heldensinn de-
müthigt im Osten, Süden und Norden die kirchenfeindlichen Hei-
den und bahnt dem h. Glauben nach allen Seiten hin neue Wege.
Die christliche Frömmigkeit ruft neue Ordensvereine ins jugend-
frische Leben und baut ihnen allerwärts die Stätten eines gottge-
fälligen und weltbegiückenden Wirkens. Die christliche Wohlthä-
tigkeit bietet allen Leidenden und Bedrängten nahe und fern eine
ersehnte Zuflucht. Die christliche Wissenschaft gründet sich in
zahlreichen Universitäten ihre sicheren Asyle. Die christliche
Kunst strebt in wamdervoUen Domen himmelan. Selbst das gemeine
Leben will durch Genossenschaften aller Art sich veredeln. So wird
die neue Zeit zur Glanzperiode des Mittelalters.
Unser Vaterland folgt Schritt für Schritt dem Geiste der
neuen Zeit, erst widerstrebend, dann freudig und voll Hingebung.
Wir betrachten hier zunächst die Zeit bis über die Mitte des 13.
Jahrhunderts; es ist die Zeit der inneren Reformation unseres
Vaterlandes, der allmälige Uibergang zu seinem goldenen Zeitalter.
^)E%>ist. I. 24. 60. Vm. 21.
2) E:pist. I. 19.
12
180
§.45. Bischof Gebhard (Jaromir).
1. Am 9. Dezember 106Y war der greise Bischof Severiis
im Rufe der Heiligkeit aus diesem Leben geschieden. Schon in
den Tagen des Herzogs Bfetislaw war die Nachfolge auf dem bi-
schöflichen Stuhle dem jungen Prinzen Jaromir zugedacht und vom
herzoglichen Vater zugesagt worden. Desshalb hatte dieser die
eutsprechendan geistlichen Kenntnisse sich angeeignet, zuletzt an
der damals hochberühmten Schule zu Lüttich, ohne aber eine ent-
schiedene Neigung für den geistlichen Stand gewinnen zu können.
Nach wie vor wollten ihm Waffen, Jagd und Spiel besser gefallen
als Talar und Brevier. So erreichte ihn die Kunde vom frühzei-
tigen Tode seines auf den Vater gefolgten ältesten Bruders Spy-
^ihnew H. (f 28. Jan. 1061), und er beeilte sich sofort in die Hei-
mat zu kommen, um bei der in Aussicht stehenden Länderverthei-
lung statt des anzuhoffenden Bisthums lieber ein Theilfürstenthum
zu gewinnen. Doch fügte er sich dem Zureden des älteren Bruders
und nunmehrigen Herzogs Wratislaw IL und Hess sich nun sogar
zur Versicherung seines Eintritts in den geistlichen Stand die Dia-
konatsweihe ertheilen. Leider aber vergass er diese nur allzubald,
üeberwältigt von dem alten Hange nach Waffen und Freiheit ent-
floh er mit etlichen Freunden nach Polen und scheute sich sogar
nicht, dort seine abenteuerliche Kriegslust durch Theilnahme an
einem Kriege gegen sein eigenes Vaterland zu befriedigen.') Da
starb eben der Bischof Severus. Kein Wunder, dass unter solchen
Umständen Klerus und Fürst an nichts weniger, als an die Erhe-
bung Jaromirs auf den Bischofsstuhl dachten. Der Wahllandtag
wurde in Mitten des Heerlagers bei Dobenin (vielleicht Döberle
bei Trautenau) gehalten, wo man eben zum Kampfe gegen die Po-
len versammelt war. Hier rief Wratislaw den Propst Lanzo von
Leitmeritz an seine Seite, allen bekannt als hochgebildet und in
Sitte und Leben würdig der bischöflichen Ehre. Der Herzog fand
kaum ein Ende des Lobes für diesen ausgezeichneten Priester, und
'} Vgl. Palacky I. 298.
181
reichte ihm sodann — die Üebereinstimmung Aller voraussetzend —
eigenhändig Ring und Stab, das erste Beispiel einer bischöflichen
Investitur in Böhmen ohne Intervention des Kaisers. Doch da er-
hoben sich die Freunde Jaromirs: vor Allen der Graf Kojata mid
der Zapan Smil von Saaz, und mit ihnen die jüngeren Brüder des
Herzogs, denen Alles an der Gewinnung eines bischöflichen Bun-
desgenossen in der Opposition gegen ihren herzoglichen Bruder
gelegen war. Man mahnte schreiend an die Zusage Bfetislaws, ver-
lästerte den Lanzo als Fremdling und rief zu den Waffen. Wirk-
lich liess sich die Mehrzahl der anwesenden Krieger durch die fa-
natischen Reden der Unzufriedenen hinreissen und zog mit ihnen
in ein festes Lager bei Opocno. Der Bürgerkrieg schien unver-
meidlich. Da gab Wratislaw seinen Entschluss auf, — und Jaromir
bestieg sofort den Bischofsitz unter dem Namen Gebhard. Am 30.
Juni 1068 erhielt derselbe vom Kaiser Heinrich IV. zu Mainz die
Investitur, und am 6. Juli vom mainzer Erzbischofe Siegfried die
priesterliche und darauf die bischöfliche Weihe. ')
2. Es begann eine traurige Zeit für unser Vaterland. Der
nur allzu \veltlich gesinnte neue Bischof, in Streit und Feindschaft
erhoben, ward nimmer dem Frieden hold. Ein Dorn im Auge war
ihm schon gleich nach seinem Amtsantritte das neue, von seinem
Vater 1063 errichtete mährische Bisthum zu Olmütz, in w^elchem
er eben so sehr eine Beschränkung seiner Gewalt als eine Ver-
kürzung seiner Einkünfte erblickte. Er klagte desshalb schon 1068
gegen die herzogliche Kammer und gegen das neue Bisthum beim
h. Stuhle in Rom, und als er von dort statt der gewünschten Hülfe
ernste Ermahnungen erhielt ^), zog er gar mit bewaffnetem Gefolge
nach Olmütz, und vergass sich soweit, seinen bischöflichen Gegner
zu schmähen und körperlich zu misshandeln. Da sandte Herzog Wra-
tislaw an Papst Alexander "IL den deutschen Priester Hagen zur
Klage; und als dieser, wohl nicht ohne Wissen des Bischofs, von
Räubern misshandelt und zur Rückkehr genöthigt wurde, schickte
er eine zweite Gesandtschaft mit um so dringlicherer Beschwerde
dahin. Indess hatte auch das Capitel von Olmütz seine Relation
'J Cosmas etc. Vgl. Palacky I. 304 etc. Tomek G. P. I. 1 26.
^) Vgl. Brief Alexanders II. dd. 1071 bei Erben regesta p. 58.
182
über das Vorgefallene nach Eom gesendet. ') In Folge dessen kam
ein päpstlicher Legat, Namens Rudolph, mit voller Gewalt zu rich-
ten und zu strafen, nach Prag, ^) und dieser sprach auf einer Syn-
ode der geistlichen und weltlichem Grossen des Landes, auf der
aber Gebhard unter Berufung auf seinen Metropoliten zu erschei-
nen sich weigerte, den Kirchenbann gegen den unfriedlichen Bi-
schof aus. ^) Als aber sofort der Klerus des Landes, noch viel
fach in die Bande der Priesterehe verstrickt, und eben desshalb
ein nach allen Seiten durchgreifendes Einschreiten des päpstlichen
Legaten fürchtend, die Stolen zerriss, die Altäre entblösste und
alle gottesdienstlichen Handlungen einstellte, ward die Strafe in
die blosse Suspension vom bischöflichen Amte und Einstellung der
bischöflichen Einkünfte gemildert. Gebhard floh ins Ausland. Der
Bischof von Olmütz administrirte das prager Bisthum, Herzog
Wratislaw hatte bereits die bischöflichen Besitzungen in Verwahrung
genommen. *)
Vergebens beklagte sich der mainzer Metropolit Siegfried
über angebliche Umgehung seiner Metropolitanrechte bei dem (am
22. Apr. 1073) neu erwählten Papste Gregor VII. ^) und bedrohte
selbst den Herzog mit dem Banne. Er erlangte durch wiederholte
Klagen nichts Weiteres, als einen ernsten Verweis des für sein hei-
liges Amt begeisterten Vaters der Christenheit. °) Indess wurden
zwei neue Legaten (Bernhard und Gregor ') nach Böhmen gesendet,
') Vgl. Palacky I. SOG— 308. Akten in Erben regesta num, 139 und 140
pag. 58.
") Nacli Palacky I. 308 ist cliess der erste päpstliche Legat gewesen, dessen
die bölim. Gescliichte erwähnt. Doch sagt späterhin Gregor VII. in einem
Briefe an Herzog Wratislaw (dd. 8. Juli 1073, bei Erben pag. 58) aus-
drücklich: es seien solche Legaten bisher nur selten in jene Gegenden
gesendet worden, so dass einige alldort solche Sendung für etwas neues
halten.
3) Vgl. Palacky I. 308.
*) Tomek Gesch. Prags I. 102. Joh. Marign. in monum. Boh. II. 273.
5j Klage bei Erben reg. p. 60.-
<^) Schreiben Gregors d. d. 18. März 1074. Erben reg. p. 62. Regesta Gregorii
VII. in Palacky's „ital. Reise'' L epist. 60.
7j Genannt im Schreiben Gregors an Wratislaw. Erben reg. p. 59.
183
tlieils zur Anbahnung einer Reformation des Klerus, theils um den
Bischof neuerdings vor ihren Eichterstuhl zu rufen oder ihn nach
Rom vorzuladen unter Androhung „des Schwertes des apostoli-
schen Zornes bis zu seiner Vernichtung." ') Da unterwarf sich
endlich der stolze Gebhard und entschloss sich, beim päpstlichen
Stuhle selbst ein mildes Gericht zu suchen. Zum Zwecke der Reise
wies ihm nun der Herzog auf Verlangen des Papstes die bischöf-
lichen Einkünfte wieder zu ■■^) und Gebhard erschien am 13. April
1074 demüthig vor der in der Salvatorskirche zu Rom versam-
melten Synode. Dort bekannte er seine Schuld, unterzog sich der
auferlegten Busse und kehrte dann ausgesöhnt mit der Kirche in
seine Diöcese zurück. ^) Bischof Gebhard war durch die ernsten
Erfahrungen der ersten Jahre seines bischöflichen Wirkens wenig
gebessert worden. Nach wie vor liebte er den Streit. In Böhmen
begann er alsbald seine vermeintlichen Gegner am Hofe seines her-
zoglichen Bruders zu excommuniciren ; in Mähren usurpirte er die
Güter des Bischofs von Olmütz. Neue Klagen von beiden Seiten
zogen ihm noch im J. 1074 neue Zurechtweisungen des Papstes
zu. *) Erst auf einer zweiten Synode zu Rom (2. März 1075) kam
eine Th eilung der in Mähren gelegenen bischöflichen Güter und hie-
durch der Friede zwischen Gebhard und dem olmützer Bischöfe
zu Stande.
§. 46. Die Theilnahme am Investiturstreite.
]. Seit längerer Zeit schon hatten eifrige Päpste gegen die
traurigen Gebrechen des Klerus geeifert. So hatte bereits Clemens IL
') Brief Gregors an Herzog WratislaAv dcl. 8. Juli 1073 ; Regesta pp. Gre-
gorii VII; in Palacky's ,,ital. Reise" I. epist, 17.
') Briefe Gregors an Wratislaw und Gebhard, dd. 31. Jan. 1074, Erben
reg. p. 61., — Regest. Gregorii VII. I. epist. 44.
3) Brief Gregors an W. dd. 16. April 1074 meldet diese Aussöhnung und
fordert die volle Restitution in die bischöfl. Eiulcimfte. Regesta Gregorii
VlI. I. epist. 78.
^) Epist. Gregorii VII. ad Gehhardum, Wratislmm et Joannem Olomuc. bei
Erben reg. 64 & 65.
184
1047 auf einer Synode zu Rom die Simonie mit schweren Stra-
fen bedroht, war aber bald darauf eine Beute des Todes geworden. ^)
Nicht minder hatte Leo IX. (1048—1054) durch persönliche Eeisen,
Missionen und Nationalconcilien gegen die Sittenlosigkeit und Si-
monie des Klerus gestritten. ^) Auch Nicolaus IL hatte auf einer
römischen Synode (1059) die schärfsten Verordnungen gegen die-
selben Vergehen erlassen. ^) Zuletzt noch hatte auch Alexander IL
durch eifrige Legaten allerorts eine gründliche Reformation der
Geistlichkeit angestrebt. ^)
2. Seit Leo IX. war es immer ein und derselbe grosse Geist
gewesen, der die Nachfolger Petri zu so ernstem Vorgehen drängte :
der demüthige, fromme, gottbegeisterte Cardinal Hildebrand. Endlich
bestieg dieser selbst im J. 1073 den päpstlichen Stuhl. Nebst dem
guten Willen seiner Vorgänger brachte er die eiserne Kraft mit
in sein hohes Amt. So erneute er schon im J. 1074 die alten
Cölibatsgesetze. Darauf verkündete 1075 eine Synode zu Rom der
ganzen Welt: kein Kleriker könne sofort irgend eine geistliche
Weihe und irgend ein geistliches Amt durch Simonie erlangen;
keiner dürfe läugerhin ein so erlangtes Amt fortbehalten; kein
unenthaltsamer Kleriker solle fortan einen Dienst des Altares ver-
walten, und keiner, der nicht die strengste EhelosigJceit angelobe,
dürfte hinfort zu einem solchen Dienste gelangen; niemand solle
irgend ein geistliches Amt aus der Hand eines Laien (durch In-
vestitur) annehmen, und wer eines so annehme, solle abgesetzt,
und welcher Laie eines ertheile, solle aus der Kirchengemeinschaft
ausgeschlossen werden; das christliche Volk solle keine geistlichen
Functionen von Priestern annehmen, welche diese den Beschlüssen
der heiligsten und ältesten Concilien entsprechenden Verordnungen
übertreten. ^) Strenge Untersuchungen in Nähe und Ferne und un-
nachsichtliche kirchliche Strafen folgten den Verordnungen auf dem
') Vgl.. Alzog Kirclieng. S. 442.
^) Vgl. ebend. S. 443; ebenso Voigt's Hilclebrancl S. 16. (cit. Wibertus vit,
Leoiiis IT. c, 3.)
3j Vgl. Alzog. S. 446. Die Beschlüsse s. in Coleti S. S. ConciHa XII. 50.
4) Vgl. Alzog S. 448. Voigt 124, 176. 180, Palacky I. 308. Baron, annal. a.
1076., Lanfranc. canon. epist. IV. in Oolleti coli. conc. XII. 202.
5j Voigt Hildebrand S. 306, Alzog S. 517. Mansi coli conc. XX. 403 etc.
185
Fusse nach. So erfolgte der traurige Conflict mit dem deutschen
Könige Heinrich IV.
3. Me hatte ein Fürst die Simonie in ärgerlicherer Weise be-
trieben, als eben jener durch Sittenlosigkeit , Grausamkeit, Cha-
rakterlosigkeit und unkirchliche Gesinnung so traurig berühmte
Heinrich. Nun drängten ihn die grossentheils von ihm erhobenen,
jetzt aber mit Absetzung bedrohten Bischöfe und Aebte seines
Reiches zum offenen Widerstände gegen den Papst. Als letzterer
im Jänner 1076 wegen fortgesetzter Simonie und Investitur mit kirch-
lichen Strafen drohte, antwortete Heinrich mit der unerhörten Scene
einer Papstentsetzung auf einer Aftersynode zu Worms (24. Jan.
1076). Da folgte die Strafe des Bannes. Mit der Absetzung in
Deutschland bedroht (auf der Fürsten-Versammlung zu Tribur im
Okt. 1076) löste der König wohl diesen Bann durch eine freiwil-
lige Kirchenbusse zu Canossa, verhinderte aber den von den Für-
sten gleichfalls geforderten auf einem deutschen Fürstentage zu
fällenden päpstlichen Schiedsspruch betreffs unzähliger Klagen durch
neue Feindseligkeiten gegen seine vermeintlichen Widersacher. Da
erfolgte seine Absetzung von Seiten der deutschen Fürsten und
die Wahl Rudolphs von Schwaben. (Nov. 1077.) Heinrich und sein
Anhang dagegen eröffneten den Bürgerkrieg in Deutschland, und
als Gregor endlich nach langem Abwarten für Rudolph sich ent-
schied und den Heinrich neuerdings in Bann erklärte, schritten
sie zur Wahl eines Gegenpapstes (Clemens III. 1080) und trugen,
siegreich in Deutschland, ihre Waffen selbst nach Italien. (1081.)
Rom fiel in ihre Hände (1083. 2. Juni). Clemens ward in die h.
Stadt mit Gewalt eingeführt, Heinrich von diesem zum Kaiser ge-
krönt, der h. Gregor starb in der Verbannung zu Salona am 25.
Mai 1085.
4. Noch 37 Jahre dauerte der traurige Kampf. Gregors Nach-
folger traten mit Kraft und Ausdauer für die Verordnungen ihres
grossen Vorfahren ein. Indess erlitt Heinrich IV. die erschütternde
Strafe seines gleichsam vatermörderischen Treibens. Bekämpft, be-
siegt, gefangen, entthront, fast mit Füssen getreten von seinem ei-
genen Sohne Heinrich V. starb er im J. 1106 — unausgesöhnt mit
der Kirche. Heinrich V. erneuerte noch zweimal den unglückse-
ligen Streit mit Rom, sah sich aber endlich im J. 1122 genöthigt,
in einem Concordate zu Worms die freie canonische Wahl zu geist-
186
liehen Aemtern zu gestatten, und die kaiserliche Investitur auf die
Uiberreichung des Scepters an die Gewählten zu beschränken. Hie-
mit hatte die Idee des h. Gregor gesiegt und war die Möglichkeit
einer Reformation gesichert.
§. 47. Fortsetzung.
1. Unter den Anhängern Heinrichs IV. der mächtigste und
zugleich der treueste war unser Herzog Wratislaw. Vordem war
er ein treuer Verehrer des päpstlichen Stuhles gewesen, und war
ebendesshalb 1073 mit dem ungewöhnlichen Ehrenschmucke der
bischöflichen Mitra für sich und seine Erben beschenkt worden. ')
Jetzt aber hatten ihn wahrscheinlich die Vorstellungen eines min-
der kirchlich gesinnten Theiles des Klerus im Lande irre gemacht;
mehr noch zog ihn die eben erhaltene Schenkung Meissens und
der wendischen Ostmark (Lausitz), die er beide erst erobern sollte, zu
Heinrich hin; am meisten drängte ihn das Verlangen, auch noch die
Königskrone und die völlige Unabhängigkeit seines Reiches zu ge-
winnen, ^) Um diesen Preis opferte er die Freundschaft mit Rom.
Auch Bischof Gebhard war in Folge der vorhergegangenen Ereig-
nisse dem Papste Gregor viel zu wenig zugethan, um jetzt nicht
ebenfalls in die Reihe der erbitterten Gegner desselben zu treten.
Uiberdiess hoffte auch er vom Anschluss an den gewaltthätigen
Kaiser einen bedeutenden Gewinn, nämlich die gänzliche Aufhebung
des ihm so sehr verhassten Bisthums in Olmütz. So wurden die
beiden feindseligen Brüder zum erstenmale Freunde; eben dadurch
aber verfiel unser Vaterland zum erstenmale in ein kirchliches
Schisma. Dasselbe erhielt einen geeigneten Ausdruck in der er-
neuten Begünstigung und Wiedereinführung der slawischen (g r i e-
c h i s c h - s 1 a w i s c h e n) L i t u r g i e im Kloster S azawa. Diese hatte
Wratislaw wohl als Prinz schon lieb gewonnen; um so theuerer
waren ihm zur Zeit Spytihnews IL die verbannten slawischen Mönche
als Mitgenosseu seines Exils geworden. Desshalb führte er als
Herzog beide nach Böhmen zurück, und bemühte sich gewiss wie-
i) ürkde. dd. 17. Dec. 1073 bei Erben p. 59.
"} Vgl. Palacky I. 312—314.
187
derholt, und zuletzt im Jahre 1079 um ihre Anerkeiiiiuug von Sei-
ten Roms. Freilich vergeblich, da die Päpste innerhalb ihres noch
unbestrittenen Jurisdictionskreises nicht wohl dieselbe griechische
Liturgie neu einführen lassen konnten, die soeben vor 2 Jahrze-
henden durch den Abfall der gesammten griechischen Kirche
scliismatisch geworden war. (1054.) So erklärte sich wohl von selbst
das strenge Verbot Gregors VII. (2. Jäner 1080.) Wratislaw kehrte
sich jetzt nicht mehr daran. Er behielt dem Papste zum Trotze
seine slawischen Mönche , ohne aber ihre Liturgie im Lande
weiter zu verbreiten.
2. Vergeblich waren alle Ermahnungen des Papstes, den Um-
gang mit Excommunicirten zu meiden. ') Wratislaw leistete dem
gebannten Kaiser tapfere Kriegshilfe, erst in Deutschland gegen
die Partei Rudolphs von Schwaben, und von 1081 an auch in Ita-
lien gegen die Freunde Gregors, Böhmische Schaaren unter Wi-
precht von Groitsch betheiligten sich 1082 sogar an der Belagerung
Roms, und halfen die h. Stadt am 2. Juni 1083 gewaltsam erstür-
men, leider nicht, ohne den Vorwurf arger Grausamkeit auf sich
zu laden. Auch weiter noch und bis zur siegreichen Heimkehr
Heinrichs nach Deutschland (1086) hielten die Krieger Wratislaws
in den italienischen Kämpfen tapfer Stand. Dafür nun erlangte
unser Herzog auf einer Fürstensynode zu Mainz (Ende April 1086)
den lang gehofften Lohn, — den Königstitel und die Königskrone.
Letztere setzte auf kaiserlichen Befehl der Erbischof Engelbert von
Trier am 15. Juni desselben Jahres im Dom zu Prag auf Wrati-
slaws Haupt. ^) Auch unser Bischof Gebhard, der ebenfalls die dem
Bisthume eigenen Kriegsleute an die Seite Heinrichs gestellt hatte,
erlangte das Ziel seines langen ungestümen Sehnens. Schon am 1 1. Juni
1077 war er als der verlässigste von den geistlichen Freunden des
Kaisers zum Kanzler des deutschen Reiches erhoben worden, eine
Beförderung, die eben so sehr seinem Ehrgeize schmeichelte, als
sie Gelegenheit zu neuen Verdiensten bot. Als nun sein Bruder
die Königswürde empfing, ward er selbst gleichzeitig durch die
Aufhebung des ihm so verhassten olmützer Bisthums und durch
') E:pisi. Gregorii ad Wratislaum bei Erben 70.
3j Vgl. Palacky I. 318 & 319 und A. ra.
188
die Wiederherstellung der ursprüngliclien Gränzen und Besitzungen
seines Bisthums zufrieden, gestellt. Kaiser und Gegenpapst ver-
bürgten ihm die neue Errungenschaft. ^) So standen die beiden
Brüder auf dem Gipfel ihrer Wünsche; aber das unglückliche Va-
terland trug zum erstenmale den Fluch des Abfalls vom wahren
Oberhaupte der Kirche.
3. Wratislaw wandte sich zuerst wieder dem rechtmässigen
Papste zu (1088), jedoch ohne hiemit der Freundschaft mit Hein-
rich gänzlich zu entsagen. Ursache dessen war schon die Weige-
rung des Gegenpapstes, den vom Kaiser erhaltenen Königstitel
sofort zu bestätigen. Um so günstigere Aufnahme fanden nun
noch die beredten Ermahnungen des vorlängst aus Meissen ver-
triebenen heiligen Bischofs Benno, der damals am Hofe Wratislaws
sich aufhielt. So erfolgte die Versöhnung mit dem rechtmässigen
Papste Victor IIL, — selbst um den Preis der von diesem gefor-
derten Wiederaufrichtung des unerlaubter Weise aufgehobenen Bis-
thums zu Olmütz. Eben diess aber entzweite in unserem Va-
terlande Fürst und Bischof von Neuem. Letzteren zumal hatte
schon lange die Zumutlmng verletzt, dem königlichen Bruder bei
Gelegenheit öffentlicher Feierlichkeiten die Krone aufs Haupt zu
setzen. Jetzt zum Aeussersten getrieben belegte er den König und
sein Haus mit dem Interdicte. ^) In Folge dessen sollte den Be-
troifenen aller Gottesdienst verwehrt, der Empfang aller Sacra-
mente mit einziger Ausnahme des Todesfalls verweigert, und das
kirchliche Begräbniss nur Geistlichen, Bettlern und Kindern bis
zum 2. Jahre gestattet sein. Das ernste Schweigen der Glocken
und die Art der Kleidertracht und Lebensweise sollten eine Zeit
allgemeiner Busse und Trauer verkünden. Ob diesem bischöflichen
Interdicte in unserem Vaterlande damals allgemeine Folge gegeben
ward, ist sehr zu bezweifeln. Wahrscheinlich fand Wratislaw da-
mals als Anhänger des rechten Papstes Priester genug im Lande,
die das strenge Verbot des schismatischen Bischofs nicht achteten.
Sicher ist, dass Gebhard sofort Böhmen verliess, in der Absicht,
um sich zu seinem schismatischen Papste Clemens III, zu begeben. ^)
'jScliannatj conciUa Germ. IIL 202, Urkunde bei Erben 73 & 74. Baibin u. Ä,
3)Sandel 245.
^} Cosmas.
189
Da fand er unterwegs am ungarischen Königshofe den Tod — ebenso
im Exile, wie der von ihm verleugnete Papst Gregor. (26. Juni
1089.^) Doch folgte ihm der Nachruhm ins Grab, dass er durch
die ganze Zeit seiner geistlichen Regierung allezeit ein Freund der
Armen gewesen sei. Insbesondere habe er in der h. Faste neben
den strengen üibungen jener Zeit täglich vor und nach dem Psal-
mengebete die vor der Kirche versammelten Presshaften mit Al-
mosen betheilt und überdiess 40 Arme an einer öffentlichen Tafel
gespeist. Ebenso habe er dürftige Kleriker die ganze h. Zeit hin-
durch an seinen bischöflichen Hof gezogen. Auch habe er verord-
net, dass nach seinem Tode noch die tägliche Speisung der 40
Armen und eine zweimalige Bekleidung derselben alljährlich ein-
gehalten werden sollte. ^)
4. In anderer Weise, als Gebhard, und zwar früher noch,
als sein kaiserlicher Freund, sollte auch Wratislaw für die Theil-
nahme am unnatürlichen Kampfe gegen Gregor die zeitliche Strafe
der gekränkten Vaterwürde fühlen. Der eigene Sohn Bfetislaw,
beleidigt durch die offene Bevorzugung des königlichen Günstlings
Zderad, vergriff sich zuerst an diesem und sammelte dann ein
Heer zum Kampfe gegen den eigenen Vater. (1089.) Zwar folgte
eine Scheinversöhnung ; aber gleich darauf zog der erbitterte Sohn
zu Königgrätz alle Unzufriedenen des Landes an sich, um den
Kampf desto mächtiger wieder aufzunehmen. Da vermittelte ein
jüngerer Bruder Wratislaws eine neue Versöhnung und bewahrte
dadurch das Vaterland vor dem Fluche eines vatermörderischen
Krieges. Bretislaw zog sofort, der Verzeihung des Vaters miss-
trauend, mit seinen Anhängern nach Ungarn. ^) Erst als Wra-
tislaw am 14. Jäner 1092 auf einer Jagd durch einen unglückli-
chen Sturz vom Pferde sein vielbewegtes Leben geendet hatte,
kehrte Bfetislaw nach Böhmen zurück und nahm — nur als Her-
zog — Besitz vom väterlichen Throne.
Wratislaw hatte sich den Ehrennamen eines Wohlthäters der
') Vgl. Palacky I. 321.
2) Cosmas. Dieser Chronist zeigt sich als den "wärmsten Verehrer des Bi-
schofs Gebhard.
^) Vgl. Palacky 1. 325—328.
190
Kirchen, sowohl daheim als in der Fremde verdient. Am meisten
rechtfertigte diesen Ruf die Stiftimg des CoUegiatstiftes Wysehrad,
dessen wir später an geeigneter Stelle ausführlich gedenken werden.
§. 48. Bischof Cosmas.
1. Schon am 4. März 1090 war Cosmas von Klerus, Volk
und Fürsten zum Nachfolger Gebhards erwählt worden, ähnlich
seinem Vorgänger in der Mildthätigkeit gegen die Leidenden, dessen
Gegensatz aber durch Demuth, Geduld und Versöhnlichkeit. ') Zwei
Umstände vereinigten sich dennoch, die Weihe eines so würdigen
Bischofs zu verzögern und dadurch unserem Vaterlande neue Ver-
legenheiten zu bereiten. Noch hatte König Wratislaw die Wahl
geleitet: da sollte nun der Gewählte allerdings dem rechtmässigen
Papste Urban II. gehorchen, aber doch auch von Kaiser Heinrich
IV. die vordem übliche Investitur erwerben. Letzteres nun verzögerte
sich bis zum 4. Jäner 1092, an welchem Tage Cosmas zu Mantua Eing
und Stab empfing. Da starb schon 10 Tage darauf König Wrati-
slaw und sein Nachfolger Bfetislaw wandte sich wieder der Partei
des Gegenpapstes Clemens zu. So war Böhmen neuerdings dem
unglückseligen Schisma verfallen, und es war nicht zu wundern,
dass nun der am rechtmässigen Papste hangende Metropolit von
Mainz (Rudhart) unserem Cosmas die bischöfliche Weihe versagte.
Böhmen aber entbehrte mit Schmerz so vieler dringenden Functionen
eines Oberhirten. So nur war es möglich, dass ein unbekannter
Abenteurer, der sich Bischof Ruprecht von Cavaillon (im südlichen
Frankreich) nannte und angeblich von einer Wallfahrt aus dem
gelobten Lande heimkehrte, allerwärts in unserem Vaterlande als
ein höchst willkommener Gast begrüsst wurde und auf Verlangen
Chrisam weihte, Kirchen consecrirte, Priester ordinirte und alle
denkbaren Pontificalakte] verrichtete. Plötzlich aber war der bi-
schöfliche Gast aus dem Lande verschwunden, und nun erst stellte
sich sein Gebahren als ein frevelhafter Betrug heraus. Da mochte
der Erzbischof von Mainz mit der Weihe unseres Cosmas nun nicht
länger mehr zögern. Sie geschah au feiner Generalsynode des deut-
'} Cosmas,
191
sehen Reichs am 12. März 1094.') Um den Betrug des falschen
Ruprecht zu sühnen, ward verordnet: Alles solle nichtig sein, was
er gethan, die Kirchen seien von Neuem zu consecriren, die Ge-
tauften zwar nicht förmlich wiederzutaufen, wohl aber mit Chrisam
neuerdings zu firmen ^), das Chrisam sei neu zu weihen, die Or-
dinirten zwar nicht wieder zu ordiniren, doch aber unter die Or-
dinanden zu stellen und durch blosse Auflegung der bischöflichen
Hände mit der Segnung der Priesterweihe zu betheilen. ^)
2. Bisschof Cosmas soll der Begründer der fortan üblichen
jährlichen kirchlichen Hausvisitation gewesen sein. *) Sie war das
Mittel und blieb das Denkmal der letzten und vollständigen Aus-
rottung aller Uiberreste altheidnischer Gebräuche. Sicher ist, dass
eben unter Bischof Cosmas der strenge Herzog Bretislaw IL dem
Beispiele des h. Benno in Meissen folgend die noch übrigen heid-
nischen Haine und Bäume völlig ausrottete, alle abergläubischen
heidnischen Gebräuche und das herkömmliche Begraben in Wäl-
dern und Feldern vollends einstellte, und Zauberer und Zeichen-
deuter aus dem Lande verwies." ^) Bis hieher und nicht weiter
opferten hin und wieder einige Bauern ins Geheim den Diasen,
beteten zu ihren alten Hausgötzen (Skrety), und feierten aber-
gläubische Todteiifeste (Tryzny) über den abgelegenen Gräbern der
Ihrigen. Bis hieher und nicht weiter fand der alte Götzen cuU noch
einige Nahrung von Rethra und Arcona, den heiligen Orten der
Nordslawen her. ^) Da soll nun unser Bischof Cosmas das Seine
zu solchen Erfolgen beigetragen haben, indem er[die Einrichtung ge-
troffen habe, dass die Seelsorger jährlich einmal unter Absingung
kirchlicher Hymnen die Wohnungen ihrer Kirchkinder besuchen
und dort das h. Reliquienkreuz zum Kusse reichen mussten. Wer
den Kuss verweigerte, sollte als Heide der Obrigkeit angezeigt wer-
den. ^) Dieser Umzug fiel in die h. Weihnachtszeit, und wurde die
') Marignolae chron. ad h. a. Vgl. Palacky I. 326 & 327, 337 & 338.
^) Also fand damals die Firmung noch unmittelbar nach der Taufe statt.
^) Marignola & Palacky 1. c.
4) Paprocii Biäochus p. 94. & Bcdhini Epitome rer. Boh.
5) Marginator Cosmae L. III. ad ann. 11Ö6.
^) Adam Bremensis hist. eccl. Palacky I. 336.
192
Veranlassung des vorläufig bereits erwähnten Dreikönigsumganges
aller folgenden Jahrhunderte.^)
3. Ein beklagenswerthes Ereigniss trübte die letzten Lebens-
jahre des Bischofs Cosmas. Damals hatte eben die Periode der
Kreuzziige begonnen, jener zweihundertjährigen Heldenkämpfe hoch-
begeisterter Christen des Abendlandes gegen die Christusfeindlichen
Heiden, deren wir geeigneten Orts ausführlicher gedenken wollen.
Im Jahre 1096 hatten mehr als eine Million Avillige Streiter in
allen Ländern des Westens sich erhoben, um sofort den ersehnten
Kampf zu beginnen. Leider waren die ersten Schaaren derselben
ohne einsichtige Führer, aber um so reicher an blindem Eifer.
Ein Schwärm solcher kam 1096 durch unser Vaterland. Hier hiel-
ten sie die friedlichen Juden Prags für die ersten Feinde, die man
vernichten müsse. Vergeblich suchte der greise Bischof die un-
bändigen Eiferer zu besänftigen. Sie Hessen den armen Verfolgten
nur die Wahl zwischen Taufe und Tod, und fragten nichts darnach,
wie unchristlich es sei, in solcher Weise Christen zu machen.
Kein Wunder, dass die gewaltsam Getauften nach dem Abzüge
ihrer Bedränger wieder zu ihrem alten Glauben zurückkehren
wollten, und dass die Eeicheren, um diess sicherer zu bewerkstel-
ligen, sich anschickten, das Land zu verlassen. Da führte die
erste Gewaltthat zu einer zweiten. Herzog Bf-etislaw liess den
Wanderlustigen alle Barschaft abnehmen : nur arm, wie sie gekommen,
sollten sie wieder von dannen ziehen. ^)
4. Cosmas erlebte noch den Untergang der slaivischen Li-
turgie im Kloster Sazawa. Nach dem Tode Wratislaws war der
heftigste Zwiespalt unter den Bewohnern des Slawenklosters ent-
brannt. Jahre lang hatte eine Partei der dortigen Mönche den
Herzog Bretislaw mit den widersprechendsten Klagen und Beschul-
digungen gegen den sonst in Beredsamkeit und Kunst ausgezeich-
neten Abt Bozetech behelligt. Da entschloss sich der Herzog im
Einverständnisse mit den Grossen des Landes zu Ende des Jahres
1096, den streitsüchtigen Mönchen und ihrer Liturgie den Abschied
zu geben. Schon am 3. Jäner 109Y zog eine lateinisch-liturgirende
Kolonie aus Brewnow im Kloster Sazawa ein. Da wurden im un-
') Vgl. §. 15. S. 55 Note 2.
3) Vgl. Palacky I, 343.
193
gestümen Eifer des Reformireiis leider auch die gewiss werthvollen
glagolitisch-slawischen Kirchenbücher vernichtet. ^) Die vertriebenen
slawischen Mönche irrten sofort in der Fremde umher. Nur einige
■wenige kamen reuig in ihr Kloster zurück und erlangten, ob-
wohl unfähig zur Verrichtung des lateinischen Gottesdienstes und
Chorgesanges, barmherzige Aufnahme und Verpflegung bis an ihr
Ende. *) Bischof Cosmas starb am 10 Dezember 1098. ^)
§. 49. Bischof Hermann.
1. Auf Cosmas folgte nach langer Zeit wieder ein Deutscher
im bischöflichen Amte, einer aus der Zahl der Hofkapläne des
verstorbenen Königs Wratislaw, "•) den wohl die nahen Beziehungen
Böhmens zu Heinrich IV. ins Land geführt hatten : Hermann, ge-
bürtig von Utrecht, ^) ein Verwandter des heiligen Bischofs und
Märtyrers Lambert ^)^ jetzt eben Canonicus von Prag imd Propst von
Altbunzlau. ') Diesen hatte vor Allem der tapfere Wiprecht von
Groitsch ^) empfohlen als einen Mann, „der immer standhaft dem
(verstorbenen) Könige gedient, stets verlässig im Amte, treu in der
1) Chron. Sazaviense ad a. 1097. Wenige zerstreute Reste jener Bücher fand
1855 Prof. Const. Höfler, und es konnte daraus der Beweis hergestellt
werden, dass der Ritus in Sazawa der graecoslawische mit glagolitischen
Büchern gewesen sei. Ein anderes altslawisches Bruchstück, angeblich
vom h. Prokop selbst, und zwar mit cyrillischer Schrift geschrieben, das
sich nachmals im Besitze des Klosters Emmaus befand, und daselbst ei-
nem Jüngern slawischen (glagolitischen) Evangeliencodex beigebunden
wurde (dem n achmaligen französischen Krönung&codex zu Rheims, heraus-
gegeben von Hanka), scheint wo anders her zu stammen und dürfte auch
einer andern spätei'n Hand, als der des h. Prokop zuzuschreiben sein. Diess
glaubte schon Kopitar (Proleg. c. 7 zu Silvestre's Evangelia slav.) Ebenso
Miklosich und A. Vergl. auch Dr. Ginzel Slawenapostel S. 149 — 151 An-
merkung,
2) Vgl. Dr. ainzel ibid. 145 & 146. -- Chron. Sazav. ad a. 1097.
3] Cosmas u. Andere.
'*) Cosmas (Brief des Wiprecht von Groitsch an Bretislaw). Nach Dobnef annal.
VI. 151 und Cosmas ad a. 1124.
5) Nach Dobner Annal. VI. 151 u. Cosmas ad 1124.
^) Marignolae Chron. edit: Dobn. mon. IL 275.
') Bubna cätalog. capituli Prag.
*) Wiprecht war durch seine Verdienste in Italien SchwiegerSQhn Wratislaws
und Markgraf von Meissen und Lausitz geworden.
13
194
Durcliführung der ihm aufgetragenen Gesandtschaften, keusch, nüch-
tern, demüthig und bescheiden, nicht heftig, nicht ehrgeizig, nicht
stolz, und was die erste Zierde eines Klerikers sei, vorzüglich ge-
lehrt, und soweit überhaupt menschliche Einsicht reicht, bekannt
als gut und vollkommen bis ins Kleinste, w^enn nicht etwa das Ein-
zige ihm zum Nachtheile gereichen möchte, dass er — ein Fremder
ist."') Diess letztere ward bei so ausgezeichneten Eigenschaften
gern übersehen. Hermann wurde am letzten Februar 1099 ein-
stimmig erwählt. Leider führten ihn die Verhältnisse jener Jahre
sofort, dem Schisma in die Arme. Der Herzog, damals auf Hein-
richs IV. Seite stehend, wünschte die so streng verpönte kaiser-
liche Investitur und begleitete zu diesem Ende den neuen Bischof
persönlich nach Eegensburg (April 1099). Doch war Hermann da-
mals der Weihe nach erst Diakon. Darum bewarb er sich nach
seiner Investitur zunächst um die Priesterweihe, die er in Gemein-
schaft mit unserem Chronisten Cosmas in Gran vom dortigen Erz-
bischofe Seraphin erhielt (11. Juni 1099). **) Die bischöfliche Con-
secration konnte er, w'eil vom excommunicirten Kaiser investirt,
nicht vom rechtmässigen Metropoliten Rudhart empfangen, zumal
dieser eben damals als treuer Anhänger des rechtmässigen Papstes
in Verbannung lebte. ^) So weihte ihn der gegenpäpstliche Legat
Rupert am 8. April 1100 zu Mainz."*) Bretislaw überlebte diesen
Act nur kurze Zeit. Er starb am 21. Dezember desselben Jahres
in Folge eines Mordanfalls in den Waldungen von Bürglitz. Die
Geschichte rühmt ihn als ersten Stifter der Kirche und vielleicht
auch des Klosters (damals der Benedictiner) zu Leitomysl. ^)
2. Bis hieher hatte das Erbfolgegesetz Bf etislaws I. gegolten :
der älteste aller Pf emysliden folgte immer in der Herzogswürde
über das gesammte Land. Nun aber hatte der zweite Bf etislaw
diese Ordnung widerrechtlich umgestossen, und das Vaterland war
sofort durch ein Menschenalter allen Schrecken des Bürgerkrieges
Brief Wiprechts bei Cosmas. .
2) Vgl. Palacky I. 345 und Andere.
3) Job. Latomi catal. archiep. Mogunt. apud Menben Scriptores rer. germ.
III. 491 und a. a. 0.
^) Cösiftäs. ]?alacky I. 345.
5) Dobner annal. VI. 41—45.
195
preisgegeben. Leider war vor Allen nnser Bischof Hermann schwach
genug gewesen, dem Wunsche seines herzoglichen Gönners zu will-
fahren: jetzt nach dessen Tode rief er gar selbst den unrechtmäs-
sigen neuen Herzog, den nächsten Bruder Bfetislaws, Boi'iwoj H.^
ins Land und führte ihn — allerdings im Einverständnisse mit
den Grossen des Landes — auf den Thron (1101). Er stand auch
mit aller Macht fest zu ihm im folgenden Kampfe. Aber im J. 1107
unterlag Bofiwoj seinem mehr berechtigten Gegner Swatopluk. Um
den Preis von 10.000 Mark Silbers opferte auch der neue Kaiser
Heinrich V. den letzten Freund seines unglücklichen Vaters. Da
folgte nun für Bischof Hermann die Strafe des gethanen Unrechts.
Erst flüchtig in Bamberg bei seinem h. Freunde Otto, dann — ^wohl
nach demüthigenden Verhandlungen — heimgekehrt musste er es
erleben, wie der neue Herzog zur Bezahlung des Kaisers Alles
zusammenraffte, was in den Kirchen und auf den Altären an Gold
und Silber glänzte. Zudem musste er noch aus dem Kirchenschatze
70 Mark feinen Goldes beisteuern. Da seufzte das weite Land
über die neue Bedrängniss, die so zu dem noch immer fortdauern-
den Schisma sich gesellte. Aber bald sollte es über noch Schlim-
meres erschrecken. Am 27. Oktober 1108 begann Swatopluk die
blutige Ausrottung des mächtigen und zahlreichen Geschlechtes
der Wrsowecen, die damals insbesondere über die ausgedehnten
Zupanien von Leitmeritz und Saaz geboten. Nahe an 3000 Edle
des Landes sollen bei dieser Gelegenheit dem grausamsten Tode
verfallen sein. Da sank am 21. September 1109 der gewaltthätige
Fürst selbst durch. Mörderhand. Von Neuem begann nun der Kampf
um den Herzogsstuhl. Drei Brüder führen gegen einander das blu-
tige Schwert, Wladislawl. wird (24. Dezbr. 1109) erst von Bori-
woj IL, der nun wieder aus der Fremde heimgekehrt ist, verdrängt,
in Kurzem aber durch den Kaiser wieder erhoben (1110), jedoch
gegen Uiberlassung des Saazer Gebiets an den jüngsten Bruder
Sobeslaw. Bald entbrennt wieder zwischen diesen beiden der Kampf,
der mit Sobeslaws Entsetzung endet (1113). Im J. 1117" gelingt
dem Bischöfe Hermann die Aussöhnung Wladislaws und Boiiwojs,
so dass beide eine Zeit in Edelmuth wetteifern, indem jener dem
Throne entsagt, dieser aber das nördliche Böhmen bis an die Elbe
dem Bruder aufnöthigt. Aber im J. 1120 stehen sie schon wieder
13*
196
kämpfend einander gegenüber. Da siegt endlich Wladislaw I. und
behauptet das Beich bis an sein Ende (1125. ')
3. In diesem traurigen Bürgerkriege war es kein Wunder,
dass die sittlichen und kirchlichen Zustände Böhmens sich recht
düster . gestalteten. „Alle Zügel des Stolzes, der Bosheit, der Hin-
terlist, der Ungerechtigkeit und aller Laster wurden gelockert." ^)
Da mussten denn wohl auch die Besitzungen der Kirche, auch ab-
gesehen von der allgemeinen Plünderung unter Swatopluk, manches
harte Unrecht dulden, und der sonst so brave Bischof konnte kaum
anders, als „zusehen, schweigen und ertragen." ^) Aber auch in
der Geistlichkeit konnte es zu solcher Zeit, wo Alles verwilderte,
nicht besser werden. Das machte denn dem Bischöfe Hermann die
letzten Stunden so schwer. Offen und unter heissen Thränen be-
klagte er da die Schuld, die er an diesen Zuständen trage, viel-
leicht auch das traurige Schisma, in dem er sein Leben verbracht
hatte. ^) Das mochte ihn noch einigermassen trösten, dass er trotz
der schlimmen Jahre doch die Stiftung einiger grossartiger kirch-
licher Institute erlebt hatte. Es waren diess das Kloster Kladrau
(1108 zumeist von Swatopluk gegründet), das CoUegiatstift Sadska
(lllY durch Bofiwoj IL), das Kloster Wilimow (1120 durch den
Grafen Wilhelm von Sulzbach, einen Verwandten der Gemahlin Wla-
dislaws I.) und wohl auch das Kloster Postelberg (c. 1121). Hermann
starb am 17. September 1122. ')
§. 50. Bischof Meinharl.
1. Nach dem Tode Hermanns bestieg wieder ein Deutscher
den bischöflichen Stuhl Böhmens, Mein hart von Bamberg, wohl
ein ehemaliger Mönch des Klosters zu Bamberg, wo er nachmals
sein Jahrgedächtniss durch Ankauf des Dorfes Königsfeld stiftete,
jedenfalls ein besonderer Freund des dortigen h. Bischofs Otto, *)
') Vgl. Palacky I. 344—387. u. Andere.
2) Bischof Hermanns Klage auf dem Sterbebette bei Cosmas.
3) Ebendaselbst.
■*) Diess verschweigt natürlich der in Hermanns Schuld mitverwickelte Cosmas.
5j Vgl. Cosmas ad. a. 1122. Dpbner annal. VI. 155. Auf die erwähnten Stif-
tungen kommen wir später ausführlicher zurück.
^J Conradus Ursberg ad a. 1124. Vgl. Dobner annal. 173.
197
nun aber seit längerer Zeit der vertraute Kaplan unseres Herzogs
Wladislaw und durch diesen Canonicus zu Prag und Propst des
Collegiatcapitels von Altbunzlau. ') Er soll nach Erledigung des
bischöflichen Stuhls von seinem herzoglichen Gönner ohne alle
Wahl gegen die herkömmliche Sitte und Ordnung einfach zum
Bischof ernannt worden sein; erst in Folge der Klagen von Seiten
des Klerus und der Edlen des Landes habe Wladislaw die Erwäh-
lung seines Lieblings durch Uiberredung durchgesetzt.^) Jedenfalls
lassen die nachfolgenden Anfechtungen des Bischofs eine Unregel-
mässigkeit seiner Erhebung vermuthen. Diese aber müssen unbe-
deutend genug gewesen sein, so dass der mainzer Metropolit Adal-
bert nach gepflogener Prüfung die Wahl bestätigen und dem Er-
wählten die bischöfliche Weihe ertheilen konnte (1122), In dem-
selben Jahre hatte übrigens das Concordat zu Worms (23. Septem-
ber, also noch vor der Wahl Meinharts) den langen Streit der
deutschen Kaiser mit der Kirche durch die Bestimmung geendet,
dass fortan die Wahl der Bischöfe dem Klerus allein anheimge-
stellt sei, dem Kaiser aber die Belehnung mit den Eegalien zu-
kommen solle. Vielleicht bestand die Unregelmässigkeit bei der
Erwählung Meinharts, ebenso wie bei der seines Nachfolgers, le-
diglich in dem noch nicht beseitigten Einflüsse der Laien. ^)
2. Herzog Wladislaw starb am 23. Mai 1125, nachdem er
sich durch die fromme Vermittlung des Bischofs (und des heil.
Otto von Bamberg) auf dem Sterbebette mit seinem aus der Ver-
bannung zurückgekehrten Bruder Sobeslaw ausgesöhnt hatte. '^) Die-
ser folgte nun in der Regierung nach, — ■ leider durch eine neue
Verletzung des früheren Erbfolgegesetzes. Ebendesshalb ward unser
Vaterland neuerdings in traurige Kämpfe verwickelt, in denen aber
die Liebe des Volkes seinen aus der Schule des Unglücks her-
vorgegangenen ausgezeichneten Fürsten kräftig vertheidigte. Damals
sah die Ebene bei Kulm (im leitmeritzer Kreise) den schönsten der
Siege. Kaiser Lothar und Herzog Otto von Olmütz kamen aus
Meissen mit einem mächtigen Heere gezogen. Soböslaw rückte
1} Kreibich tria memorabilia. MS.
^) llajek ad h. a.
3) Ygl. Palacky I. 388 u. 389.
^) Cosmas ad a. 1125.
198
ihnen entgegen, voran die eben aufgefundene Fahne des h. Adal-
bert auf dem Speere des h. Wenzel getragen. In jener Ebene
trafen sich die kampflustigen Schaaren : es galt nach dem Aus-
spruche Soböslaws, das Gottesgericht (bohusud) der offenen Feld-
schlacht über Recht und Unrecht entscheiden zu lassen. Da fiel
Otto von Olmütz im Kampfe, Lothar erlitt eine gänzliche Nieder-
lage der Seinen und musste um Frieden bitten (18. Februar 1126).
Der edle Sieger aber krönte seinen Sieg durch ein Freundschafts-
bündniss mit dem Besiegten. ') Die spätere Zeit fand am Sieges-
platze eine Kirche und Pfarre, — wohl auch einen Ort — Namens
Bohusüdov (Gottesgerichtsort). Wahrscheinlich hatte der dankbare
Sieger dieselben zum Gedächtniss des glorreichen Tages gegrün-
det. ^) — Doch war durch jenen Sieg die Ruhe des Landes noch
lange nicht gesichert. Soböslaw sah sich weiterhin noch genöthigt,
die wiederholten Auflehnungen seiner unzufriedenen Vettern da-
durch zu bändigen, dass er den Prinzen Bfetislaw (Sohn Bfeti-
slaws IL) erst in Dohna, dann in Jaromöf und endlich im Schlosse
zu Tetschen gefangen setzte und (1130) sogar blenden Hess.
Ebenso musste er die Vettern Conrad IL von Znaim (1128) und
Wratislaw von Brunn (1129) durch Kerker und Verbannung unschäd-
lich machen.^) Bei einem neuen Aufstande im J. 1130 kam sogar auch
Bischof Meinhart, der gewiss nichts anderes, als die Befreiung des
jungen Bfetislaw wollte, in schweren Verdacht.
3. Meinhart kehrte eben aus Jerusalem heim, wohin seit dem
Jahre 1122 so viele böhmische Edlen als fromme Pilger gezogen
waren. ^) Da empfing ihn im Vaterlande die schwere Anklage, Mit-
anstifter der eben unterdrückten Verschwörung gewesen zu sein.
Der Schein sprach gegen ihn; denn auf der bischöflichen Burg zu
Contin. Gosmae a. a. 1126. Vgl. Palacky I. 394—401.
^j Bohusudow als Pfarre genannt in libr. confirm. ad a. 1363 und 1414. Nach
den Dezemregistern von 1384 gehörte es zum alten Dekanate von Bilin.
Diess und der Widersprueh mit ziemlicli alten Traditionen über den
Anfang Mariascheins lassen die Meinung Palacky's (Popis 55), dass Bohu-
sudow das heutige Mariaschein selbst sei, zweifelhaft erscheinen. In
diesem Falle hätte es wohl eben so, wie das anstossende Graupen zum al-
ten Dekanate Aussig gehört. Wahrscheinlicher lag Bohusudow etwas ent-
fernter von Graupen und näher gegen Teplitz hin.
3) Vgl. Palacky I, 402. Contin. Gosmae ad h. a, (1128—1131.)
4jVgl. Cosmas ad a. 1122, 1123, 1124. Contin. Cosmae ad a. 1130.
199
Ziiröinewes und sogar im Beisein des Bischofs sollte das Complott
geschmiedet worden sein. Hier hätten vertraute Abgesandte des
in Tetschen gefangenen Bfetislaw denen, die den Herzog Sobeslaw
tödten würden, nichts geringeres als die Zupanien von Saaz oder
Leitmeritz oder nach Belieben eines der 3 höchsten Hofämter
des Landes verheissen. Bischof Meinhart selbst sollte den Für-
stenmördern dieses Versprechen unter einem h. Eide geleistet
haben. ') Solch' eine Schuld hatte man auf den noch abwesenden
Bischof gewälzt. Obgleich die vielen Widersprüche der Verhand-
lung und überdiess die angewandten Rechtsmittel diese Anklage
hinlänglich verdächtigten-), so bot selbe doch so manchem Unzu-
friedenen eine willkommene Gelegenheit, die Absetzung des von
ihnen als fremden Eindringling angesehenen Bischofs in Anregung
zu bringen. Sie klagten nun beim Metropoliten Adalbert in Mainz
und ebenso beim Papste Innocenz H., der eben damals (1131) ei-
nem Concile zu Lüttich beiwohnte. Unterdessen war Meinhart mit
vielen Reliquien' und Geschenken des griechischen Kaisers heim-
gekehrt. Da betheuerte er nun in Gegenwart seiner Ankläger und
vor vielen Zeugen dem Herzoge und den versammelten Grossen
des Landes mit einem h. Eide seine Unschuld. Ebenso reinigte er
sich durch Abgesandte vor seinem Metropoliten und vor dem als
Schiedsrichter beigeordneten h. Bischöfe Otto v. Bamberg von dem
schweren Verdachte. So glaubwürdig erschien seine eidliche Be-
theuerung, dass sofort die Bischöfe von Bamberg und Olmütz und
sämmtliche Aebte des Landes vor Herzog und Volk gleichfalls
seine Unschuld imter Niederlegung ihrer Stolen, deren sie fortan
im Falle einer Unwahrheit nicht mehr würdig sein wollten, feier-
lich beeideten. Nun reiste Meinhart selbst zum Concile nach
Rheims und reinigte sich dort vor dem eben anwesenden Papste
Innocentius IL durch dargebrachte Zeugnisse seines Metropoliten
und sogar des Herzogs Soböslaw. Dennoch ruhten die Kläger,
darunter einige Canonici von Prag, noch immer nicht. Sie brach-
ten sofort ihre Klage nach Rom selbst. Da schickte Innocentius II
einen Legaten zur Untersuchung nach Böhmen, der ebensowenig
eine Schuld zu constatiren vermochte. Letztlich mag wohl der
') Conf. Gosmae ad a. 1130. Vgl. Palacky I. 405 etc.
'^j Palacky I. 404.
200
Erzbiscliof von Mainz die Klage geschlichtet haben. Me.inhart ver-
söhnte sich mit seinen Anklägern und verzieh ihnen alles zuge-
fügte Leid. Herzog und Bischof waren und blieben fortan in-
nige Freunde. ')
4. Bischof Meinhart überlebte den traurigen Prozess nicht
lange. Er starb am 2. Juli 1134 zu Sekirkostel in Mähren, als
er eben aus Ungarn heimkehren wollte, wohin er nach dem Wunsche
Sobeslaws einen neugebornen Prinzen begleitet hatte, der dort in
Gegenwart des zum Pathen gebetenen blinden Königs Bela ge-
tauft worden war. -) Seine Zeit rühmte ihn als aufrichtigen Freund
der Kleriker und Mönche ^) und als frommen Tröster der Armen
und Fremdlinge.*) Die prager Kirche verdankt ihm die Stiftung
von 5 neuen Präbenden. ^)
§. 51. Johann I. und Silvester.
1. Nach Meinharts Tode gab es der einheimischen Bewerber
um die bischöfliche Würde bei Soböslaw und Kaiser Lothar gar
viele. Freunde und Verwandte Hessen es auch an Fürbitten und
selbst an Versprechungen nicht fehlen. Dem Allen aber gab So-
böslaw kein Gehör, sondern er vereinigte sich mit dem eben da-
zumal zum Feste des h. Wenzel in Prag versammelten Klerus,
und zugleich mit dem Adel des Landes zur Wahl des dam,aligen Wy-
äehrader Propstes Johannes. Dieser, aus einer edlen Familie des
Landes entsprossen und von Hause aus in den nachmaligen Krei-
sen von Königgräz und Bidzow reich begütert, ^) war bereits 50
Jahre lang Priester und Canonicus, and seit 40 Jahren Dechant
und später Propst des genannten Coliegiatstifts. In seiner äusse-
ren Erscheinung ward er von keinem Andern übertroffen; untadel-
') Contin. Cosmae ad a. 1131—1133 Dobneri annal. VI. 214. 217. 219. 225 ut
226. — Palack^ I. 407 etc.
^) Contin. Cosmae ad a. 1134.
3) So gegen das Kloster Kladrau (Sulgerius in annal. Zwifalt. I. 85) und das
Kloster in Bamberg (siehe oben).
*) Monach. Sasav. bei Menken III. 1803.
5) Fessina Phosphorus 532 cit. MS. Codex anniversariorum ecclesiae Pragensis.
^) Vgl. die nachmalige Stiftung des Klosters Strahow und das Fragment der
Stiftungsurkunde bei Tomek Gesch. Prags. 99.
201
haft iu seinen Sitten, gefällig in seinem Benehmen, freundlich und
sanft gegen Jedermann war er der liebenswürdigste Greis und auch
wirklich von Allen geliebt. Da setzte die hini-eissende Ansprache
des Herzogs in der Versammlung des Klerus und der Edeln seine
Erwählung zum Landesbischof e mit Leichtigkeit durch. (29. Septbr.
1134.) ') Anfangs des neuen Jahres zog nun der Erwählte vorerst
zum Kaiser Lothar nach Heidelberg, und empfing dort die Beleh-
mmg mit den Regalien.'-') Am 19. April 1135 erhielt er in Mainz
vom Erzbischofe Adalbert die bischöfliche Weihe. Heimgekehrt ins
Vaterland ging er mit allem Eifer an die Hebung des vielfach ge-
sunkenen kirchlichen Lebens. Ein vorzügliches Mittel hiezu ersah
er in dem vor Kurzem erst (1120) im Thale Premontre bei Eheims
vom h. Norbert gestifteten Orden der Praemonstratenser, der die
Pflichten der Canoniker und der Mönche vereinigte.
Schon im J. 1124 hatte die neue Stiftung des ehemaligen
Caplans Heinrichs des V. und Domherrn von Köln die Bestätigung
des päpstlichen Stuhles erhalten. Sie hatte sich seitdem in alle
Länder ausgebreitet, obwohl der h. Stifter selbst im J. 1134 als
Erzbischof von Magdeburg das Zeitliche gesegnet hatte. Bischof
Johann lernte den neuen Orden im J. 1138 durch Heinrich Zdik,
den Bischof von Olmütz kennen, der selbst ein Mitglied desselben
geworden war. Sofort widmete er von seinem väterlichen Erbe
bedeutende Gründe und Güter, insbesondere zwischen Königgräz
und Hofic, zur Erbauung des ersten Praemonstratenserklosters
Strahow, ^) dem bald ein zweites in Doxan und allmählich auch
viele andere nachfolgten. Auch dachte er daran, den Glanz sei-
ner alten Kathedrale zu erhöhen. In diesem Plane aber überraschte
ihn der Tod. Er starb nach einem ömonatlichen Krankenlager als
90j ähriger Greis am 8. August 1139, — der älteste aller Bischöfe
in Böhmen, aufrichtig beweint vom Herzoge wie vom Klerus und
Volke. *)
') üont. Cosmae ad a. 1134. Crugerius ad 14. Juni, Hammer Schmidt gloria
et majestas elccesiae Wiöehradensis.
2; Monach. Samv. a. h. a. Dieser lässt aber die Belehnung noch durch Stab
und Ring geschehen, offenbar unkundig des Eides, durch welchen Lothar
diesem Rechte entsagt hatte. (Vgl, Dobner ann. VI. 238.)
3) Hammerschmidt u. Crugerius 1. c, Palacky I. 413. Tomek Gesch. Prags I,
99 cit. das Fragment der Stiftungsurkunde von Strahow.
•*) Hammerschmidt 1. c.
202
2. Auf den Wunsch Sobeslaws wurde sofort (29. September
1139) der Abt Silvester von Sazawa zum Bischöfe erwählt, „ein
Mann geziert mit allen Tugenden. und mit edler Sitte, als Bewoh-
ner dieser Erde bereits ohne Vorbehalt dem Himmel gehörig." *)
Vor 2 Jahren erst war er mit dem Bischöfe Heinrich Zdik von
Olmütz als demüthiger Pilger in Jerusalem gewesen. Einen fröm-
meren Oberhirten hätte unser Vaterland nicht finden können. Da
erkrankte plötzlich (17. Dezember 1139) der Herzog Soböslaw und
starb am 14. Februar 1140. Er hatte geglaubt, die Thronfolge
dadurch geordnet zu haben, dass er erst den Kaiser Conrad IH.
auf dem Fürstentage zu Bamberg (22. Mai 1138) und dann die
Edlen Böhmens auf einem Landtage zu Sadska (29. Juni 1138),
letztere aber zum Theil durch strenge Befehle zur Anerkennung
des Successionsrechtes seines kaum zwanzigjährigen Sohnes Wla-
dislaw bewogen hatte. Jetzt aber — am 3. Tage nach Sobeslavs
Ableben — vereinigten sich die Grossen des Landes mit Umge-
hung des jungen Erben zur Wahl eines andern Wladislaw, des
ältesten Sohnes Wladislaws I. (17. Februar 1140.) Da sah der
noch nicht consecrirte Abt Silvester schwere Wolken über dem Va-
terlande sich zusammenziehn. In seiner Bescheidenheit glaubte
er sich zu schwach, in solcher Zeit dem bischöflichen Amte vor-
stehen zu können. Er entsagte also seiner Wahl (17. Februar 1140)
und zog sich in die Stille seiner friedlichen Abtei zurück.^) Hier
starb er nachher , geliebt von seinen Brüdern und verehrt von
allen, die ihm nahe gestanden waren, am 10. Februar 1161. ^) Weil
er nicht zur bischöflichen Weihe gelangt war, wird er da und dort
in der Reihe der Bischöfe nicht mitgezählt.'*)
§.52. Bischof Otto und die Reformation.
1. Schon wenige Tage nach der Entsagung Silvesters ward
der neue Bischof Otto gewählt (23. Februar 1140). Angeblich
aus dem edlen Stamme der nachmaligen Herren von Svabenic ^)
*) MonacJi. Sazav. bei Menken III. 1806.
2j Palacky I. 412. u. 416. Coutm. Cosmae ad h. a. Monach. Sazav. ibidem.
3) Monach. Sazav. bei Menken III. 1806.
4) So bei Pesina PbosphoruSj Kreibicb tria memorabilia und A.
5) Kreibicli. MS.
2oa
entsprossen, Solm jenes Grafen Zderad, der am 11. Juli 1090 als
Günstling Wratislaws IL vom Prinzen Bfetislaw ermordet worden
war, und Bruder Letosla^YS, des Erbauers der Kirche am Zderas
in Prag ^), war er erst Canonicus des prager Capitels und Propst
zu Sadska, zuletzt Propst des prager Kathedralcapitels gewesen. ^)
Er erhielt zunächst vom Kaiser Conrad III. die Belelmung mit den
Regalien zu Mainz ^) und ebendaselbst am 25. Juni 1140 vomErz-
bischofe Adalbert die, Bischofsweihe. *)
Die traurige Zeit, welche Silvester geahnt hatte, liess leider
nicht lange auf sich warten. Wohl hatte Conrad IIL keine weitern
Schwierigkeiten gegen die Erhebung Wladislaws IL erhoben, zumal
dieser eine Stiefschwester desselben als Gattin erwählte. Auch die
herzoglichen Verwandten schienen im ersten Augenblicke keinen
Kampf wagen zu wollen. Dafür aber verschworen sich schon im
Jahre 1142 dieselben Grossen des Landes, die den neuen Herzog
erhoben hatten. Statt des erwarteten Schwächlings hatten sie in
diesem einen kräftigen Herrn kennen gelernt. Darum versuchten
sie jetzt seine Entthronung und riefen desshalb die mährischen
Fürsten ins Land. Wladislaw H. war schon nahe daran, Alles zu
verlieren. Prag ward hart bedrängt. Feuerpfeile der Belagerer
setzten Kirchen und Klöster in Brand. Schon lag der Dom von
St. Veit mit seinen Schätzen in Asche, und auch das Kloster zu
St. Georg war eine Beute der Flammen. Da brachte ein deutsches
Heer unter der persönlichen Führung des Kaisers die ersehnte
Hilfe. Ohne eine Schlacht zu wagen, zogen die Gegner Wladi-
slaws nach Mähren zurück (7. Juni 1142). Erst im Jahre darauf
zog ihnen Wladislaw nach und verheerte weit und breit das Land
der Gegner, das seit der Verbannung des Olmützer Bischofs Hein-
rich Zdik, des treuen Freundes Wladislaws, auch noch unter dem
Fluche des kirchlichen Interdictes seufzte. Endlich folgte durch
die mit seltener Umsicht und ausserordentlicher Beharrlichkeit ein-
geleitete Vermittlung des päpstlichen Legaten Guido die Aussöh-
nung aller Parteien und die Wiederherstellung des Friedens (1143
') Bubna catal. cap. Prag. MS.
") Contin, Cosmae ad h. a und Tomek Gesell. Prags I. 651. Bubna catalog.
cap. Prag. MS.
3) Kreibicli 1. c. MS.
^) MonaGh. Sa^av. Menken HL 1803 ad a. 1140.
204
bis 1145). Iiidess war auch der zerstörte^Dom von St. Veit wie-
der aus seinen Trümmern emporgestiegen, gleichsam als Symbol
der nun folgenden Wiederherstellung des vielfach
verfallenen kirchlichen Lebens im weiten Vater-
lande. ')
2. Spät genug — achtzig Jahre nach dem Mahnungsrufe des
grossen Gregor — ward die geistliche Reformation Böhmens
(und Mährens) durchgesetzt. Bischof Otto war fromm genug, sie
ernstlich zu wollen und Herzog Wladislaw stark und willig, sie
durchführen zu helfen. Dazu faad sich nun in Innocenz IL der eifrige
Papst, der sie verlangte und in seinem Legaten Guido der rechte
Mann, sie in Angriff zu nehmen. Was vor Allem Noth that, war
die Zurückführung der Geistlichkeit unter das heilsame Gesetz des
Cölibates. Unser Vaterland war in die Kirche Christi zu einer
Zeit eingetreten, wo schlimme Verhältnisse vielseitig die gute Zucht
früherer Jahrhunderte gelockert hatten: so hatte es jenen Klerus
erhalten, der zu einem nicht unbeträchtlichen Theile bereits dem
h. Bischöfe Adalbert gar viel zu schaffen gab. ^) Manches mochte
durch den Feuereifer des heiligen Mannes besser geworden sein;
aber es war ihm nicht gelungen, das Uebel mit seiner letzten Wur-
zel zu beseitigen. So war es gekommen, dass im Jahre 1072 Papst
Alexander IL seinen in Sachen des Bischofs Gebhard gesandten
Legaten Rudolf zugleich anweisen musste, den Herzog Wratislaw
zu vermögen, dass er die Geistlichkeit des Landes zur Beobach-
tung der Cölibatgesetze anhalten wolle. ^) Damals aber hatte das
unkirchliche Benehmen unseres Bischofs diese Bemühung fruchtlos
gemacht. Nicht besser war es mit der Sendung der Legaten des
grossen Papstes Gregor VII., Bernhard und Gregor, im Jahre 1073
ergangen, obgleich diese mehrere Monate lang im Lande weilten.
Sehen im Jahre darauf (io74) nahm der nachmalige Domdechant
und Chronist Cosmas als Kleriker und Lehrer der prager Dom-
schule eine edle Jungfrau Boztecha zum Weibe, und während doch
in der Regel die verheiratheten Kleriker mit ihren Pfründen sich
begnügten und von den höhern Weihen ferne blieben, erlangte er
1) Vgl. Palacky I. 418-423.
2) Vergl. §. 17.
3) Nach Tomek Gesch. Prags T. 101. Auch geht diess aus dem Briefe Alexan-
ders IL an Wratislaw d. d. 1071 (bei Erben p. 58) hervor.
205
uletzt 1099 ohne Anstand die Priesterweihe ^) — ein trauriges
Zeichen, wie Avenig die Bemühungen der Legaten gefruchtet hat-
ten. Seitdem aber hatten das unglückselige Schisma und die nach-
folgenden Bürgerkriege jeden weiteren Fortschritt gehindert.
Jetzt aber unter der kräftigen Eegierung Wladislaws und
unter der frommen Verwaltung des Bischofs Otto sollte das grosse
Werk gelingen. Der Cardinal Guido, selbst reich an Klugheit und
Umsicht und von allen Seiten her kräftig unterstützt,") nöthigte
alle verheiratheten Kleriker des Landes, entweder die Ehe zu ver-
lassen oder ihre geistlichen Beneficien aufzugeben. Andere geist-
liche Würdenträger, welche sich weigerten, sofort die Priesterweihe
zu empfangen, wurden ohne Umstände ihrer Würden entsetzt. Eben
so erging es allen denen, die der Simonie überwiesen wurden.
Fortan sollte auch Niemand zum Priester geweiht werden ohne
Anwartschaft auf ein bestimmtes kirchliches Beneficium. Auch
sollte die Diöcese, in welcher die frühere Eintheilung in Plebanien
(diese aber ohne bestimmte Begränzung) vielfach in Verfall und
Verwirrung gekommen war, zur leichteren Vermeidung von Miss-
bräuchen in genau begränzte Pfarrbezirke eingetheilt werden. Auf
dem Fusse folgte die Ausführung der erlassenen Gebote nach.
Unter Andern wurde der prager Dompropst Jurata entsetzt, weil
er nicht Priester war und seine Ehefrau in eine Trennung nicht
einwilligen wollte. Ebenso erging es dem Archidiacon Peter, der
gar (nacheinander) drei Weiber geheiratet hatte und der Simonie
schuldig war. Ein Gleiches widerfuhr dem Domherrn Sebastian, der
die Priesterweihe nicht empfangen hatte und verehelicht war. Auch
der Propst des Wisehrader Capitels, Hugo, verfiel als verheirate-
ter Laie, und sein Capitular Heinrich als verehlichter Priester in die
Strafe des Beneficienverlustes, letzterer sogar der Landesverweisung.
Nicht minder streng verfuhr man in den Dekanien des Landes. ^) So
musste wohl eine bessere Ordnung in die Kirche Böhmens wieder-
kehren, wenn auch vorläufig nicht ohne manchen Eückfall, der
späterhin eine abermalige strenge Sichtung nöthig machte.
') Vgl. §.49. 1. illust, Chron. I. 11. 12.
^) Insbesondere ward Wladislaws sowie seiner Gemahlin Eifer in der Refor-
mation des Klerus dnrcli eine eigene Bulle Eugens III. belobt. —
') Tomek Gesch. Prags I. 102 u. 103 Palacky I. 428. cit. Guidonis cardinalis
literae in Dobrowsky: De sacerdötum in Bohemia coelibatu.
206
3. Eines der besten Mittel, die gute kirchliche Zucht im Lande
zu befestigen, ersahen Bischof und Herzog und alle Freunde der
Reformation in der Einführung eines neuen Ordens, dessen beson-
derer Ruhm eben die strengste klösterliche Disciplin Avar. Dieser
konnte eben so sehr durch Belehrung als durch sein Beispiel für
die gute Sache wirken. Diess war der Orden der Cister-
zienser.
Schon 1098 war vom Abte Robert von Molesme ein Mönchs-
verein zu Citeaux (Cistertium) in der Gegend von Dijon ge-
stiftet worden, — eine neue Reformation des damals etwas er-
schlafften Benedictiuerordens. Die Professen der neuen Regel sollten
sich in Ausübung der strengsten Enthaltsamkeit, Verwerfung der Kir-
chenpracbt, Unterwerfung unter den Diöcesanbischof, Entfernung von
allen Geschäften ausserhalb des Klosters auszeichnen und äusser-
lich durch ein weisses Kleid unterscheiden. Aber erst nach Roberts
Tode (1108) erlangte der neue Orden eine grössere Bedeutung, als
der h. Bernhard 1113 mit 30 Gefährten in denselben eintrat, im
Jahre 1115 zu Clairvaux (Clara vallis) ein neues Kloster gründete
und — erst 25 Jahre alt — Abt desselben wurde. Diese hohe
Gestalt der Kirche, ein Friedensstifter zwischen Fürsten und Völ-
kern, ein freimüthiger Eiferer gegen alle Missbräuche, ein weiser
Rathgeber für Päpste und Fürsten, ein erleuchteter Lehrer der
Kirche, ein untadelhafter Heiliger, — erwirkte 1119 die endgiltige
Regelung der neuen Klosterordnung durch die „Carta caritatis" und
sofort die Bestätigung des Papstes Paschalis IL, zugleich mit der
Exemtion des Ordens von der bischöflichen Gewalt. ') So ward
der h. Bernard der neue Stifter des Cisterzienserordens.
Nach Böhmen kamen die neuen Ordensbrüder zunächst von
Waldsassen, Eberach und Langheim in Franken. Sie bezogen seit
1143 zunächst die Klöster Sedlec, Nepomuck und Plass. Wir kom-
men auf diese Ansiedlungen, sowie auf die weitere Ausbreitung
des neuen Ordens später wieder zurück. Unter seiner Regierung
räumten auch die Benedictiner zu LeitomiSl ihr Ordenshaus den
Prämonstratensern,
4. Bischof Otto starb am 10. Juli 1148.'^) Kur acht Jahre
') Vgl. Alzog 601 & 602. Sartori's Cistertium bistertium schreibt letzteres
dem Papste Calixt IL zu (tom. I. 18 u. 19.)
^) Contin. Cosmae ad h. a. Tomek G. P. I.
207
hatte er die bischöfli che Würde bekleidet; aber er konnte mit dem
Bewusstsein ins Grab steigen, vollbracht zu haben, was ein ganzes
vorangegangenes Jahrhundert nicht hatte vollbringen können. Die
Nachwelt schuldet ihm den Ehrennamen — nicht allein des Wie-
derherstellers der böhmischen Kathedrale, sondern auch des Refor-
mators der böhmischen Kirche.
§.53. Bischof Daniel I.
Nach Otto's Tode bestieg den böhmischen Bischofssitz ein
Mann, der die vollste Befähigung und den entschiedensten Muth
besass, um tiefer als irgend einer seiner Vorgcänger und Nachfol-
ger in die grossen Angelegenheiten der Kirche einzugreifen. Dazu
seilte ihm auch ein fast zwanzigjähriges Wirken im bischöflichen
Amte gegönnt sein. Da Hess sich wohl hoffen, dass durch einen
solchen Nachfolger dem Reformationswerke des Vorgängers die
Krone der schönsten Vollendung werde aufgesetzt werden. Aber
es geschah leider das traurige Gegen theil; denn der neue Bischof
wurde vor Allem ein eifriger Diener der weltlichen Fürsten und
ein entschiedener und gefährlicher Gegner des römischen Stuhles.
Es war Daniel, einer der edelsten Familien des Landes ent-
sprossen'), Sohn des ehemaligen verheiratheten prager Canonicus
Magnus-), ehemaliger Zögling der berühmten Hochschule zu Paris,
bisher Propst des Domstifts zu Prag, "'j Er ward am 29. Juli 1148
zum Nachfolger Ottos gewählt, von Kaiser Conrad III, mit den
Regalien belehnt und am 31. Dezember desselben Jahres zu Mainz
vom Erzbischofe Heinrich als Bischof consecrirt. *)
') Diess beweist der Umstand, dass noch vor seiner Wahl zum Bischof, im
J. 1146 sein Bruder Alexander als Gesandter an den die Standesunter-
schiede so eifersüchtig beachtenden Hof von Constantinopel gesendet wurde.
(Vincentius ad a. 1146.)
2) Necrolog. hoem. seec. XII. in Monument. Boh. tom. II. Nach Hajek ad a.
1148 soll er ein Sohn des Zdislaw von Lipa gewesen sein, gewiss un-
richtig, da dieser Name erst später üblich wurde. Uiberdiess erscheint
obige Quelle viel glaubwürdiger, obwohl Hajek vielleicht einer Tradition
gefolgt sein mag, die unsern Daniel zu den Ahnen der spätem Herren
von Lipa zählte.
3j Gontin. Cosmae ad 1124 und urkundlich bei Erben reg. p. 109 ad ann.
1144, Irrthümlich machte ihn Pelzel (I. 98) auch zum Propste von 'VVysehfad.
■*) Bubna catal. capit. Prag u. A. Cont, Cosmae nennt das Jahr 1149.
208
2. Die ausgezeichnetsten Gaben und die seltensten Kenntnisse
machten den neuen Bischof zum beständigen Eathgeber seines
Herzogs, zum klügsten Diplomaten seiner Zeit, — nebenbei auch
noch zu einem vorzüglichen Krieger. Vor Allen erwarb er sich
reiche Verdienste um Herzog Wladislaw. Seit der Erhebung Fried-
richs des Rothbarts auf den deutschen Königsthron (9. März 1152)
erwuchsen unserem Landesherrn Verlegenheiten auf allen Seiten.
Die täglich wachsende Spannung mit Friedrich drohte einen schlim-
men Ausgang und ermuthigte überdiess die fehdelustigen Nach-
barn, so dass um diese Zeit das Gebiet von Budisin für Böhmen verlo-
ren ging. Im Lande selbst meldeten sich wieder die unzufriedenen
Vettern und waren nahe daran, die Hilfe des deutschen Königs zu ge-
winnen. Da gelang es der diplomatischen Kunst des Bischofs Daniel,
einerseits die böhmischen Prinzen mit Wladislaw und anderseits
diesen mit Friedrich Barbarossa zu befreunden (bis 1156). Höher
als alle persönlichen Antipathien stand dem thatenlustigen Kaiser
die Durchführung der Idee einer Universalmonarchie. Um den
Preis einer wirksamen Unterstützung dieses Planes, zunächst in
Polen und alsbald in Italien, erwarb Daniel sogar die kaiserliche
Zusage der Königswürde für seinen Herzog und alle Nachfolger
desselben (1156) und endlich unmittelbar vor dem Feldzuge nach
Italien die wirkliche Ueberreichung der Königskrone an Wladi-
slaw (Regensburg 18. Jänner 1158). ')
Der italienische Krieg begann : Da -svurde unser Bischof auch
noch der unentbehrliche Vertrauensmann des Kaisers. Noch im
Jahre 1158 vermittelte er den Brescianern die Gnade Friedrichs.
Von da an war er kaiserlicher Bevollmächtigter für Brescia, Man-
tua, Verona, Cremona, Pavia, Parma, Piacenza, Reggio, Bologna,
Modena, und betheiligte sich in hervorragender Weise an dem be-
rühmten Reichstage auf den Roncalischen Feldern.^)
3. Des Kaisers rücksichtslose Eigenmächtigkeit in kirchlichen
Fragen, die nur zu sehr der ihm allezeit vorschwebenden Idee ei-
ner kaiserlichen Universalherrschaft entsprach, hatte schon vordem
einige Conflicte mit Rom herbeigeführt. Bei einem derselben war
auch bereits unser Bischof Daniel betheiligt gewesen, nämlich bei
1) Vgl Palacky I. 401—439.
2) Dobner annal. VI 397. Cont. Cosmae ad 1159.
209
der auf kaiserlichen Befehl vorgenommenen eigenmächtigen Wahl
eines neuen Erzbischofs von Magdeburg im Jahre 1152, wofür ihm
ein strenger Verweis des Papstes Eugen zugekommen war. ') Seit-
dem schien der Kaiser alle Vereinbarungen betreffs der geistlichen
Investitur ignoriren und die Zeiten Heinrichs IV. zurückführen
zu wollen, wenngleich unter der vorläufigen Garantie seines eige-
nen biedern Charakters, Endlich im Jahre 1159 ging er gar daran,
in Fragen der Papstwahl endgiltig entscheiden zu wollen.
Als am 7. September 1159 Alexander III. mit absoluter Ma-
jorität (mit 2 Dritttheilen der Stimmen) zur päpstlichen Würde er-
wählt YForden war, erhob sich gegen ihn der Candidat der Minderheit
(mit einem Dritttheil der Stimmen) Cardinal Octavianus als Ge-
genpapst unter dem Namen Victor IV. Da nahm sich's der Kai-
ser heraus, beide vor ein Concil zu laden, um zwischen ihnen eine
Entscheidung fällen zu lassen, vor ein Concil zumal, das zumeist
aus Freunden Victors bestand. Unser Bischof Daniel, seit langem
schon in das Interesse Friedrichs verflochten, übernahm mit dem
Bischof von Verden die seltsame Gesandtschaft an Alexander III. ^)
Selbstverständlich leistete Alexander keine Folge. Diess führte
Seitens des Kaisers und seiner Partei zur Anerkennung Victors IV.
und so zu einem neuen fast 18jährigen Schisma, während sonst
alle Welt Alexander III. als den rechtmässigen Papst verehrte.
Dieser sah sich in die traurige Nothwendigkeit versetzt, auf einem
grossen Concile zu Tours den Bann über Friedrich, und die Nich-
tigkeit über alle kirchlichen Handlungen des Gegenpapstes und
seiner Anbänger auszusprechen. Erst der Friede von Venedig
(24. Juni 1177) endete die traurige Spaltung.^) Auch unser Bi-
schof Daniel hatte sich auf der Aftersynode von Pavia (1160) für
Victor erklärt und war somit dem Schisma verfallen. Er hatte
sodann die Anerkennung des Gegenpapstes auch daheim im böh-
mischen Vaterlande durchgesetzt und so auch dieses in die Kir-
chenspaltung hineingezogen.'*) Selbst für die Schismatisirung des Kö-
') Ebendas. VI. 341.
') Cont. Cosmae ad 1159.
3j Vgl. Höfler: Gesch. des Mittelalters IL 85—90.
*) Nach Viucentii chron. Dobner I. 69. und Pulkava (III. 188.) leisteten Ca-
pitel und Klerus 1161 und 1164 dem eben anwesenden schismatischea
Erzbischofe Obedienz.
14
210
nigs (Geisa IL) und des Landes von Ungarn war er als Legat des
Gegenpapstes, jedoch diessmal ohne Erfolg, thätig gewesen. ') Von
1166 an finden wir ihn wieder in Italien an Barbarossas Seite.
Hier starb er am 9. August 1167 bei der Belagerung von Ancona
an der Pest,*) — unausgesöhnt mit dem rechtmässigen Ober-
haupte der Kirche. ^) Dagegen hatte das Domcapitel zu Prag
— gewiss erst seit dem Abgange des Bischofs — sich wieder für
Alexander III. erklärt und allmälig auch den König und mit die-
sem das Land den Banden des Schisma's entrissen.*) Als jetzt
die Kunde von Daniels Tode in die Heimat gelangte, wurde dem
Abgeschiedenen auch hier die Wohlthat der kirchlichen Fürbitten
und der üblichen Todtenofficien verweigert. Erst viele Jahre nach-
her erklärte der Abt Gottschalk von Selau, der Abgestorbene habe
ihn im Traume gebeten, dessen Wiederaufnahme in den Verband
der Kirche durch seine Fürsprache zu erwirken. ^) Erst von da
an hielt die prager Kirche sein Jahrgedächtniss. ")
In seine Zeit fällt die Stiftung der Klöster Lunovic (1149),
Neponmk (1153), des Johanniterpriorats in Prag (1156), ; Teplitz
(1156) und Podlazic (11 5 6) und die Einführung der Prämonstratenser
in Selau (1148).
§. 54. Die Bischöfe Gotthart, Friedrich und Valentin.
1. Nach dem Ableben Daniels gab sich die Königin Judith,
die Tochter Ludwigs HL, Landgrafen von Thüringen, eine Frau
von ungewöhnlichem, beinahe männlichem Geiste, alle nur mögliche
Mühe, Männer ihres Vertrauens auf den bischöflichen Stuhl zu^
Prag zu befördern. Selbst der lateinischen Sprache mächtig und
eine besondere Freundin der Gelehrsamkeit, mochte sie wohl nur
Würdige begünstigen. So gelangte vorerst im J. 1169 nach einer
Sedisvacanz von 6 Monaten') der Thüringer Prämonstratenser
') Gonf. Gosmae irrig ad a. 1159.
") Palacky I. 453. Dobn. mon. Boh. III. 38.
3) Vgl. Pulkava bei Dobn. mon. IE. 191.
4} Palacky I. 453.
5) Ghron. Siloense in Monum. Boh. I. 79 & 80. Pulkava ibid. III. 191.
") Cbronog. Süoens.
'} Kapihorsky historia klästera Sedleckeho.
211
Gotthart, ein Verwandter der Königin, zur Bischofswürde. Der-
selbe war vordem wahrscheinlich Canoniker des Klosters Strahow
gewesen, vor Kurzem aber durch dieselbe Königin dem Kloster
Sedlec als Abt aufgedrungen worden. Da aber die Mönche da-
selbst die Annahme eines solchen Vorstehers standhaft verwei-
gerten, so hatte jetzt Judith den König Wladislaw vermocht, ihm
das erledigte Bisthum zu verschaffen. Doch kaum gewählt, starb
Gotthart, auch Gotpold genannt, noch vor Erlangung der Bischofs-
weihe am 10. März 1169.')
2. Noch einmal machte Judith ihren Einlluss auf die Bischofs-
wahl geltend, und so gelangte abermals einer ihrer Verwandten
auf den Bischofsstuhl. Es war Friedrich, Sohn des Pfalzgrafen
von Putelendorf, ehedem Canoniker des Prämonstratenserstifts zu
Magdeburg, *) zuletzt aber ebenfalls Chorherr im Kloster Strahow
zu Prag. ^) Von wem er die Bischofsweihe empfing, wird nicht er-
wähnt. Sicher erhielt er sie nicht von seinem eigenen damals noch
ins Schisma verwickelten Metropoliten, Christian von Mainz; denn
Bischof Friedrich erfreute sich ausdrücklich des Ruhmes, nie durch
das Schisma befleckt worden zu sein. *) Uibrigens aber war er
in Böhmen als unkundig der slawischen Sprache wenig beliebt.
Ihm zum Aerger soll sogar der Landtag des Jahres 1171 verord-
net haben, dass fortan kein Ausländer mehr zu einer Prälatur
des Königreichs befördert werden solle. ^) — . .
Seit dem J. 1168 hatte die Freundschaft unseres Königs mit
Kaiser Friedrich ziemlich aufgehört, — am meisten in Folge der
Kränkungen, welche letzterer dem Erzstifte Salzburg und dem dor-
tigen Erzbischofe Adalbert, einem Sohne unseres Königs (vor sei-
ner Wahl zum Erzbischofe Propst von Melnik) zufügte. Eine Aus-
söhnung beider Fürsten am 2. Februar 1170 erzeugte nur eine
Freundschaft ohne Vertrauen und einen Frieden ohne Sicherheit.
Da wurde der ohnehin durch Krankheiten geschwächte Wladislaw
') Ohron. Siloens. et Necrolog. Doxan. Dort ist als Sterbejahr 1186 ange-
setzt, offenbar aber das Jahr von Ostern bis Ostern gezählt. Tomek I. 650.
-) Ohron. montis sereni et Contin. chron. Pegau. Aanales Bosovienses.
3) Kreibich.
*) Chron. Siloensis.
5) Hajek ad ann. 1171. Dobner ann. VI. 469 verwirft dies als einen Lük-
kenbüsser des Chronisten.
14*
212
der Regierung müde. Er entsagte desshalb dem Throne zu Gun-
sten seines Sohnes Friedrich (1173, der Tag ist unbekannt) und
wollte nach einer 33jährigen Regierung den Rest seines Lebens
in seiner Lieblingsschöpfung, im Kloster Strahow verleben. Die
neuen Wirren aber, die seiner Entsagung folgten, vermochten den
kranken Fürsten, auf das Landgut seiner Gattin, Merane in Thü-
ringen zu ziehen, wo er am 18. Jäner 1174 selig im Herrn ver-
schied. ^)
Wladislaws Sohn Friedrich musste schon im J. 1173 dem da-
maligen ältesten Pfemysliden Soböslaw IL, dem sogenannten Bau-
ernfürsten, weichen. Vergeblich hatte Bischof Friedrich in Ge-
meinschaft mit dem Grafen Witek zu wiederholten Malen persön-
lich die kaiserliche Anerkennung für selben angesucht. Um den
Preis treuer Hilfe in Italien gab Barbarossa die Belehnung (jetzt
wieder mit der herzoglichen Würde) dem Sobeslaw. Nur 4 Jahre
herrschte dieser über unser Vaterland ; aber durch die erneute Freund-
schaft mit dem Kaiser und durch die neuerliche Theilnahme am schis-
matischen Kampfe gegen Alexander III. wurden diese Jahre trotz aller
Begünstigung des Landmanns Jahre kirchlicher Trauer. Es wird
nicht erzählt, ob der neue Fürst sich irgendwie an dem Bischöfe als-
Fürsprecher des verdrängten Friedrich gerächt habe: von einer
Freundschaft gegen den allezeit zu Alexander III. haltenden Ober-
hirten konnte aber gewiss keine Rede sein.^) Endlich sah sich
Alexander gar genöthigt, über den Bauernfürsten wegen wiederhol
ter unerhörter Verwüstung der Kirchen Niederösterreichs (gelegen-
heitlich zweier im Interesse des Kaisers unternommener Kriegs-
züge) die kirchliche Excommunication zu verhängen (Anfangs 1177).
Da folgte bald darauf der Friede zu Venedig (24. Juni 1177) zwi-
schen Alexander und Kaiser Friedrich, — und letzterer opferte
seinen treuen Helfer. Nocii in Venedig belehnte er den 1173 ver-
drängten Herzog Friedrich mit Böhmen, der aber erst 1179 nach
blutigen Kämpfen Herr des böhmischen Thrones werden konnte.
Der Bauernfürst starb bald darauf (29. Jänner 1180) als Flücht-
ling. Bischof Friedrich aber war während des letzten Kampfes am
ij Palacky I. 454—458.
~) Chron. Siloeus.
213
31. Jänner 11T9 in die Ewigkeit hinübergegangen.') Er hatte zu-
vor noch (1177) die Gründung eines Cisterzienserklosters zu Mün-
chengrätz erlebt.
3. Noch im Jahre 1179 gelangte neuerdings ein Thüringer
und ebenfalls Chorherr ton Strahow, Valentin, auf den prager
Bischofsstuhl, und zwar wieder durch die thätige Verwendung der
Landesfürstin (jetzt Herzogin Elisabeth), und gegen den Willen der
Mehrzahl des Capitels. -) Er war übrigens der hohen Würde nicht
ganz unwerth. Man rühmte seine edle Geburt, seine sehr grosse
Frömmigkeit und seine feine Sitte. Vor Allem aber empfahl ihn
seine wahrhaft ehrwürdige Greisengestalt. '^) In seinem neuen Amte
erwarb er sich wenigstens den ßuhm, keineswegs seine Verwandten
bereichert zu haben, sondern ein grosser Wohlthäter der Kirchen,
Hospitäler und Gefängnisse geworden zu sein. '^) Er starb bereits
am "6. Februar 1182. ^)
§. 55. Heinrich Bfetislaw und die Vollendung der geistlichen Refor-
mation.
1. Nach dem Tode des Bischofs Valentin trat der höhere
Klerus (das Domcapitel, die Collegiatobern und Aebte) zur Wahl
eines neuen Oberhirten zusammen. So war es seit einiger Zeit her —
wohl nicht lange nach dem Wormser Concordate — in Böhmen Sitte
geworden. Nunmehr erfolgte erst nachträglich die Zustimmung des
Fürsten und die Acclamation des Volkes. Von einer Investitur durch
den Kaiser ist nun auch keine Rede mehr: unser Landesfürst selbst
ertheilte jetzt durch Darreichung des Scepters die Belehnung mit
den Regalien. '^) Gewählt wurde diesmal (25. März 1182) der Prinz
Heinrich Bfetislaw, ein Brudersohn des verstorbenen Königs
') Vgl. Palacky I. 462—473. Tomek Gesch. Prags I. 148—150 u. 650.
'^) Epitom. chron. Neplaclionis (mon. Boli, IV. 108.) Contin. Vincent, (mon.
Boh. I. 92.) Bubna catal. capit. Prag. Pesina Phosph. Palacky I. 474.
•■') Pelina Phosph. bericlitigt cUu'ch Bubna catal. cap. Prag. (Crugeriiis, Ham-
merschmiclt.)
*) Orugerius ad 14. Jimi.
5) Palacky I. 474. Tomek I. 650. Dobn. mon. IH. 38.
*") Chron. Gerlaci nennt diese Praxis; „electio cleri, principum assensus, Vo-
tum universale" bereits eine alte Sitte. Vgl. auch Palacky I. 474.
214
Wladislaw IL Derselbe ^Yar damals ein nocli jugendlicher Diakon,
aber — unter der frommen Zucht des Klosters Strahow erzogen %
und bis vor Kurzem noch ein eifriger Schüler der pariser Univer-
sität — war er nach der Meinung Aller der geeignetste Mann,
um die in letzter Zeit wieder einmal recht traurig gewordenen
Zustände der böhmischen Kirche zu heilen.^) So vertauschte er,
durch völlig einstimmige Wahl berufen, die seit zwei Jahren von
ihm besessene Propstei zu Wysehrad^) mit dem Bischofsstuhle.
Die heiligen Weihen empfing er zu Mainz, und zwar vorerst die
Priesterweihe am Samstage des Pfingstquatembers und Sonntags
darauf die bischöfliche Consecratiou. Als Bischof erwarb er sich
alsbald seltenen Ruhm. Gütig und gefällig gegen Jedermann ach-
tete er Keinen gering und gab Jedem sein Eecht; selbst überaus
massig war er die Gastfreundschaft selbst gegen die Fremden, ins-
besondere gegen Geistliche ; er war nicht blos ein äusserlicher Be-
kenner, sondern auch gewissenhafter Befolger eines keuschen Wan-
dels; streng in seinen kanonischen Pflichten wagte er nicht die
h. Messe zu lesen, ohne früher dem ersten besten Priester reu-
müthig seine Sünden zu beichten.*) Eines so liebenswürdigen
Oberhirten hatte sich unser Vaterland seit Langem nicht erfreut.
2. Diesem fürstlichen Bischöfe hatte die Vorsehung auch noch
die weltliche Herrschaft des Landes bestimmt, um durch ihn desto
kräftiger und sicherer die Hand an das Werk der kirchli-
chen Reformation legen zu lassen. Seit Heinrichs Wahl hatten in
Böhmen innerhalb 10 Jahren vier Regenten den Herzogsstuhl inne
gehabt. Herzog Friedrich, wiederholt der Entthronung nahe, war
am 25. März 1189 in die Ewigkeit gegangen. Unter ihm hatte
unser Bischof trotz des Wegfalls der kaiserlichen Investitur auf
einem Reichstage zu Regensburg die förmliche Erklärung zum
deutschen Reichsfürsten erhalten (1188). Als Herzog war 1189
Conrad Otto von Mähren nachgefolgt; diesen aber hatte schon
am 9. September 1191 bei der Belagerung von Neapel, wohin er
bereitwillig den Kaiser Heinrich VI. begleitet hatte, der Tod ereilt.
1) Kreibich.
3) Chron. Siloensis. (Mon. Boh. I. 94.)
3) Chron. Pulkavae, (Mon. Boh. IIL 196.) Tomek G. P. 656. Pesina phosph.
und Andere.
4) Chron. Siloens. (Mon. Boh. I. 94)
215
Nach ihm hatte sich der älteste Pfeinyslide Herzog Wenzel IL
auf den Thron (Oktober 1191) geschwungen; aber er hatte an
Pfemysl Otakar, dem Sohne Wladislaws IL, einen glücklichen
Gegner gefunden, der zuletzt um den unter persönlicher Bürgschaft
des Bischofs versprochenen Preis von 6000 Mark Silbers Anfangs
1192 die kaiserliche Belelmung von Heinrich VI. empfangen hatte.
Dieser Pfemysl aber, der später der Wiederhersteller der böhmi-
schen Macht und Hoheit werden sollte, zeigte jetzt von allen sei-
nen nachmaligen Vorzügen das gerade Gegentheil; er sollte letz-
tere erst in der Schule des Unglückes lernen. Noch im Jahre
1192 hatte er alles Vertrauen seines Landes durch seine gemeine
und charakterlose Regierung eingebüsst und war überdiess den
deutschen Fürsten und dem Kaiser selbst verhasst geworden. Er
war schon daran, in die Reichsacht erklärt zu werden. Da wollte
Bischof Heinrich — der nächste Pfemyslide — eben eine Wall-
fahrt nach S. Jago in Spanien unternehmen. Der Kaiser hielt diess
für Flucht seines Bürgen und fürchtete für die noch immer nicht
bezahlten 6000 Mark. Darum nöthigte er den Bischof, nach Böh-
men heimzukehren und zuletzt gar als Geisel 10 Monate lang den
kaiserlichen Hof zu begleiten. Da wurden endlich Kaiser Und Bi-
schof des Hinhaltens Otakars müde. Der Kaiser verzichtete auf
seine Forderung und belehnte im August 1193 den Bischof selbst
mit dem böhmischen Herzogthume. Heinrich Bfetislaw zog nun
gegen Prag zurück. Bei Zdic (in der Nähe von Beraun) wollte
ihm Pfemysl Widerstand leisten; aber schaarenweise gingen seine
Leute zum Bischöfe über. Endlich fiel auch Prag nach einer län-
geren Belagerung in die Hände des neuen Landesherrn (vor Weih-
nachten 1193). ') Pfemysl soll nach Regensburg, geflohen sein, wo
die Noth ihn gezwungen habe, unbekannt von harter Handarbeit
zu leben. Er soll insbesondere bei einem Kirchenbaue geduldig
den Karren mit Steinen gezogen und nur einen seiner Treuen als
Genossen seiner Armuth und seines Schweisses um sich gehabt
haben. ^) Jedenfalls ging er auf längere Zeit in die für ihn so
segensreiche Schule der Trübsal.
') Vgl. Palacky I. 475—489. Chron. Siloens. (Moa. Boli. I. 95. etc.) Gerlcaci
chron. ^ibicl. 123.) Chron. Piükavae (Mon. Boli. III. 196. etc.)
") Dubrav, fol. XC.
216
3. Heinrich Bfetislaw war nun Bischof und Herzog zugleich.
Nachdem er zunächst seine Herrschaft gesichert hatte, wollte er
seine Kräfte und sein Leben den beiden grossen Aufgaben jener
Zeit weihen, — einem Kreuzzuge und der geistlichen Reformation.
Vorerst nahm er in Gemeinschaft mit dem Kaiser und vielen Eeichs-
fürsten auf dem Reichstage zu Worms (6. Dezember 1195) das
Kreuz zur Befreiung Jerusalems aus der Macht der Erben Sala-
dins. Doch die Ausführung dieses Unternehmens verzögerte sich
erst durch die in Neapel gegen König Heinrich ausgebrochene
Gährung und in Böhmen durch die Erkrankung des bischöflichen
Herzogs. ') Um so entschiedener ging desshalb der letztere an
sein zweites Werk, die eigentliche Aufgabe seines Lebens. Er
vollendete die Reformation der böhmischen Kirche, die seit den
Zeiten des eifrigen Bischofs Otto in Mitten neuer Welthändel und
neuer Bürgerkriege wieder rückgängig geworden war.
Am 11. März 1197 langte der Cardinallegat Peter a via lata
in Prag an. In feierlicher Procession führte ihn der kranke Bi-
schof an der Spitze der Klerisei in die Stadt ein. Er sollte zu-
nächst im Auftrage des Papstes Cölestin JH. die Angelegenheit des
stockenden Kreuzzugs fördern. Doch Hess er sich jetzt weit mehr
für die Sache der Reformation gebrauchen. Am nächstfolgenden
Quatembersamstage (22. März) fand eben im prager Dome die
feierliche Priesterordination Statt, — diessmal durch den Bischof
Engelbert von Olmütz. Zahlreich hatten sich die Kleriker der nie-
dern Grade hiezu eingefunden. Wie vordem, so hatten auch jetzt
gar viele derselben, zumal die aus den Adelsfamilien des Landes
die besten Pfründen inne, deren etwaige seelsorgerliche Geschäfte
sie durch arme priesterliche Vicare verrichten Hessen. Darneben
hatten in einer Zeit, wo die Bischöfe theils ausser Landes weilten,
theils wieder eines geringen Ansehens sich erfreuten, den kanoni-
schen Vorschriften zum Trotze gar Manche keine Scheu getragen,.
Ehen zu schliessen und solche in Aussicht zu stellen. Jetzt mel-
deten sie sich ungeachtet dessen zur priesterlichen Weihe. Doch
da forderte der anwesende Cardinallegat entschieden das Gelübde
der Keuschheit. Darüber entstand^ ein förmlicher Aufstand der
Ordinanden. Der Cardinal sah sich genöthigt, zu entfliehen, wollte
') Gerlaci clirou. (Mon. I. 202.) Palacky I. 490.
217
er nicht unter der Wiith der mit Stüiilen und Bänken auf ihn los-
stürmenden Kleriker eine Beute des Todes werden. Nun aberging
der schon zum Tode erkrankte Bischof und Herzog an die Be-
strafung der Frevler. Er sandte bewaffnete Kriegsleute in die
ohnehin bereits entweihte Kirche und Hess die Aufrührer sämmt-
lich verhaften. Sie büssten sofort theils im Kerker, theils im
Exile ihre Schuld. Solche Strenge brachte alle üebrigen bald zur
Besinnung. Nun hielt der Cardinallegat in bester Ordnung eine
Synode, in welcher er mit hinreissender Beredsamkeit die Gesetze
der Kirche den Anwesenden ans Herz legte. Auch wurde der kle-
rikale Wandel einiger Angeklagten untersucht. Da folgten denn
auch noch einige strenge Urtheile nach, unter Andern die Ab-
setzung der Aebte von Bi'ewnow und Sazawa. Fast 8 Wochen ar-
beitete der eifrige Legat theils im Namen des Papstes, theils in
Vertretung des immer schwtächer werdenden Bischofs an dem Werke
der geistlichen Erneuerung. ') Wo heiliger Eifer und entschiedene
Kraft in solcher Weise, wie damals in unserem Vaterlande sich
paarten, dort musste die grosse Aufgabe ihrer Vollendung zuge-
führt werden. Böhmen hatte von nun an einen gebesserten Klerus
und , erschwang sich leicht auf die glänzendste Höhe seiner reli-
giösen Entwicklung.
Da konnte der herzogliche Bischof getrost aus dem Leben
scheiden. Als seine Krankheit sich immer mehr verschlimmerte,
kehrte schon der verbannte Pi-emysl Otakar ins Land zurück und
sammelte Anhänger für die Wiedererlangung der Herzogswürde.
Um wenigstens ruhig sterben zu können, Hess sich Heinrich Bfe-
tislaw nach Eger bringen, wo er einst als Geisel -des Kaisers ge-
lebt hatte. Hier empfing er die heiHgen Sakramente der Sterben-
den und entschlief unter den Gebeten und Thränen aller Anwesen-
den am 15. Juni 1197. Un'ser Vaterland betrauerte ihn als „die
goldene Blume Böhmens, die Zuflucht der Fürsten, die Zierde des
Klerus, den Schützer der Orden, — als einen Bischof, Avie es nach
dem h. Adalbert in diesem Lande keinen zweiten gab."-) Die Zeit
dieses grossen Bischofs sah auch grossartige Ordensinstitute ins
') Chron. Gerlaci. (mon.Boh. I. 124 et 125). Cliron. Boh. III. 202.) Diibiivius,
Pelze! etc.
-) Chron. Gerlaci (Mon. Boli. I. 126.)
218
Leben treten: das Kloster der Prämonstratenser zu Mühlliausen
(1184), das der Grabwächter zu Zderas in Prag (1190), das Cister-
zienserstift Ossegg (1196) und das Prämonstratenserkloster Tepl
(1197). Am 28. September 1197 starb auch Kaiser Heinrich VI.
§. 56. Böhmens Metropoliten in dieser Zeit.
1. Siegfried (von Epstein), Abt zu Fulda, hatte am Feste
der Erscheinung des Herrn 1060 den erzbischöflichen Stuhl zu
Mainz in vollkommen rechtlicher Weise bestiegen. Er war als
frommer, glaubenseifriger und sittenreiner Priester von jeher be-
kannt. Aber schwach und nachgiebig wie er auch war, musste er
in der nun folgenden höchst bewegten Zeit unaufhaltsam in die
nächste und stärkste Strömung mit hineingerissen werden.
Alsbald nach seiner Wahl unternahm er eine Wallfahrt nach
Jerusalem und zwar in Gesellschaft vieler Bischöfe und Grossen
des Reichs nnd einer Schaar von 7000 Pilgern (1064, 1065), welche
letztere bis auf 2000 den Gewalthätigkeiten der Ungläubigen
unterlagen. ') Siegfried selbst gründete nach seiner glücklichen
Heimkehr ein neues ansehnliches Collegiatstift in Mainz (bei
der Liebfrauenkirche, 1069) und das Kloster Hassuugen (1071) in
Thüringen. Im Jahre 1066 gehörte Siegfried noch zu den in Tri-
bur versammelten Fürsten, welche Heinrich IV. entweder zur Tren-
nung von Adalbert v. Bremen oder zur Thronentsagung aufforder-
ten. ~) Dagegen nahm er im Jahre 1069 keinen Anstand, auf einer
Synode zu Mainz die ungesetzliche Ehescheidung zu Gunsten des
Kaisers aussprechen zu wollen, was eben nur durch die unerwar-
tete Ankunft eines päpstlichen Legaten (Petrus Damianus) hintan-
gehalten wurde. ^) Diese Willfährigkeit und die unstatthafte Con-
secration des simonistischen Bischofs Conrad von Constanz hatte
eine Citation nach Rom zur Folge (1070). Im Jahre 1071 hielt er
noch eine Synode zu Mainz (Entsetzung Conrads von Constanz) und
'J Lambert v. Aschaffeuburg erzählt das interessante Detail dieser Pilgerfahrt.
2) Damberger VI. 647. Lebensbeschreibung der Bisch- und Erzbischöfe
auch Churfürsten zu Mainz, S. 20L
3) Damberger VI 745. Lebensbeschreibung der Bisch, etc. 202. Schannat
conc. Germ. IIL 153. etc.
219
pilgerte dann (1072) nach S. Jago di Compostella in Spanien. Auf
der Rückreise hielt er sich im Kloster Clugn)'- auf und wollte dort
als Ordensbruder eintreten, wenn ihn nicht Abgesandte von Mainz
zur Rückkehr bewogen hätten. Indess hatte Papst Gregor YII. am
14. März 10T4 auf einer Synode zu Rom die stiienge Verordnung
erlassen, däss alle simonistischen Geistlichen sofort ihre Pfründen
verlieren, alle Yerheiratheten und mit Unkeuschheit Befleckten aber
vom Dienste des Altars entfernt werden sollten. ') Da versam-
melte der heimgekehrte Siegfried die Diöcesansynode zu Erfurt
und verkündete die päpstlichen Decrete. ^) Doch da zeigte sich
schon wieder seine Schwäche. Das wilde Toben der Versammelten,
die sich zumeist sehr viel vorzuwerfen hatten, bestimmte ihn erst
zur^ Nachgiebigkeit, bald aber, als er sich durch die Flucht gesi-
chert sah, zur Verhängung der schwersten kirchlichen Censuren.
Dennoch ward zur Durchführung der Decrete so viel wie nichts
gethan. Erst ein strenger Verweis des Papstes brachte den furcht-
samen- Erzbischof dahin, eine neue Synode nach Mainz zu beru-
fen (10Y5). Da erpresste das erneuerte Toben der Menge ihm so-
gar das Versprechen, beweibte Geistliche in ihren Pfründen belas-
sen zu wollen. Nun wurde Siegfried zum zweiten Male nach Rom
citirt ; die Furcht vor dem Papste aber machte ihn zum Schismatiker.
Als nämlich eben damals Kaiser Heinrich auf eine an ihn er-
gangene Vorladung nach Rom (wegen Begünstigung der Simonie
und Priesterehe uud wegen mauigfacher Klagen der Sachsen) durch
eine Aftersynode zu Worms und durch die Absetzung des Papstes
antwortete, da befand sich auch Siegfried unter den allzu willfäh-
rigen Bischöfen und verfiel dadurch nebst andern in den Kirchen-
bann.^) Noch dasselbe Jahr sah die Demüthigung Heinrichs zu Tri-
bur — und auch Siegfried erflehte dort die Verzeihung des Pap-
stes. *) Von da ab sehen wir den schwachen Mann sogar unter
Heinrichs Gegnern. Im Jahre 1077 salbte er sogar in seiner Kathe-
drale den Gegenkaiser Rudolf von Schwaben und blieb dessen An-
hänger bis zur unglüklichen Schlacht bei Zeiz (15. Okt. 1080), in
welcher Rudolph fiel, Siegfried aber in die Gefangenschaft Hein-
1) Damberger VI. 818. Scliannat III. 184. (Encycl. Gregorii VII.)
*) Schannat conc. Germ. III. 186.
3) Damberger VI. 885, Lebensbesch. 207.
4) Damberger VI. 866. etc
220
riclis gerietli. Er entkam (aus Worms) und krönte nun wieder auf
der Flucht zu Goslar (1081) den neuen Gegenkaiser Hermann von
Luxenburg. Ohne Aussicht, im Frieden wieder nach Mainz zurück-
kehren zu können, zog er sich endlich im Jahre 1084 in das von
ihm gestiftete Kloster Hassungen in Thüringen zurück, wo er noch
im selben Jahre starb. ')
2. Ihm folgte Wezilo (Wenzelinus), gelehrt und wohlberedt,
leider aber befleckt durch simonistische Erschleichung der neuen
Würde. So musste er vorerst ein Anhänger Heinrichs und des da-
maligen Gegenpapstes werden. In der Osterwoche des Jahres 1185 ver-
sammelten sich die Anhänger Gregors VII. zu einer Generalsynode in
Quedlinburg, wo Wezilo als Eindringling erklärt und sein Anhang ex-
communicirt, überdiess aber sehr heilsame kirchliche Anordnungen er-
lassenwurden. ~) Wezilo antwortete darauf durch eine sogenannte Ge-
neralsynode zu Mainz, auf welcher wieder auf kaiserlichen Befehl
die Absetzung Gregors erneut und sein Anhang aller Pfründen und
Würden verlustig erklärt wurde. Hier erhielt auch der Prager Bi-
schof Gebhart die Jurisdiction über Mähren zurück.^) Auf einer
zweiten derartigen Synode im Jahre 1086 erhielt auch Wratislaw
von Böhmen die Königswürde. '*) Endlich ward aber auch Wezilo
Heinrichs Gegner, angeblich in Folge der abscheulichen Laster und
Ungerechtigkeiten, deren dieser verblendete Fürst sich schuldig machte.
So starb er — ausgesöhnt mit der Kirche — schon im Jahre 1088. ^)
3. Hut hart US, vordem Abt zn Erfurt, ward sofort — aber-
mals durch kaiserliche Gunst — auf den Metropolitansitz zu Mainz
erhoben, und verfiel so von selbst in das Schisma jener traurigen
Zeit.^) Doch Heinrich IV. verlor um diese Zeit fast alle Freunde,
die sich mehr und mehr seinem Sohne Heinrich V. zuwendeten.
Auch Piuthard entsagte seinem unverbesserlichen Gönner; musste
aber eben desshalhQ Jahre lang als Flüchtling in den Klöstern Thü-
ringens (nach Andern im Schlosse Harzburg) sich verbergen. In
') Damb. VI. 999. 1013. Hirschel Gesell, des Bistli. Mainz 45—50. Catalog.
archpp. Mog. bei Menken 111. 485—489.
'^) Scliannat cone. germ. III. 200.
=») Ebend. 202. Damb. VI. 1065..
4) Damb. VII. 22. Palacky I. 318.
5) Catal. arch. Mog. bei Menken IIT. 489. 490.
^) Ebend. u. Herscliel etc.
221
seiner Abwesenheit hielt (1099) der schismatische Legat Rupert
eine Aftersynode zu Mainz, auf welcher er Klerus und Volk vom
Gehorsam gegen den Erzbischof entband und dem Prager Bischöfe
Hermann die bischöfliche Consecration ertheilte. ') Dagegen hielt
Euthart am 29. Juni 1105 eine grosse Provincialsynode zu Nord-
hausen, welche nebst Erlassung einiger kirchlichen Anordnungen
sich offen für den dort anwesenden Heinrich V. erklärte. ^) Letz-
terer bemächtigte sich endlich im folgenden Jahre (1 106) der Stadt
Mainz. Da kehrte Ruthard zu den Seinen zurück und weihte die
noch übrige Zeit seines Lebens frommen Werken. Er starb im
Jahre 1109 in dem von ihm selbst gestifteten Kloster S* Johann. ^)
4. A d a 1 b e r t Graf von Saarbrück, Kaisers Heinrich V. Kanz-
ler und vertrautester Rath, „der ruhinwürdigste aller Kanzler, die
vor ihm am Kaiserhofe waren," *) wurde in Jahre Uli einhellig
als Nachfolger Rutharts gewählt und sofort von seinem kaiserli-
Gönner in der von Gregor VII. verbotenen Weise mit Ring und
Stab investirt. Es war die Zeit, wo Heinrich V. den langen Streit
mit dem päpstlichen Stuhle durch Gefangennehmung und zweijäh-
rige harte Bedrängung des Papstes Paschalis beendigen wollte. Er
hatte sich verrechnet ; denn der wieder in Freiheit gesetzte Papst
erklärte auf Andringen einer im Lateran zu Rom gehaltenen Sy-
node (18 — 23. März 1112) die ihm abgezwungenen Zugeständnisse
für nichtig.^)
Zur selben Zeit sah sich auch Erzbischof Adalbert genöthigt,
entschieden gegen die Willkürlichkeiten des Kaisers auf kirchli-
chem Gebiete und insbesondere im Mainzer Erzstifte selbst zu pro-
testiren, und da er nicht gehört wurde, das kaiserliche Hoflager
zu verlassen. Da überdiess Erzbischof Adalbert sich nun auch zur
päpstlichen Seite hinneigte : so beschuldigte ihn Heinrich des Ein-
verständnisses mit seinen Feinden (Dec. 1112) und setzte ihn auf
die Reichsfestung Trifels gefangen. Drei Jahre schmachtete er dort
in trauriger Haft, bis endlich die treuen Bürger von Mainz durch
') Damb. VII. 414. Vgl. §. 49.
3) Schannat IH. 248.
3) Catal. arch. Mog. und Herschel 1. c.
4) Annal. Sax. bei Damberger VII. 663.
5) Damb. VII. 677. etc.
222
die förmliche Belagerung des eben dort anwesenden Kaisers das
Gebot seiner Freigebiuig erzwangen. (1. Nov. 1115.) ^)
Nun bemüMe sich Adalbert aiif das Ernsteste, den langen
Investiturstreit zu vermitteln. An der Spitze mehrerer deutschen
Bischöfe drang er in Zuschriften an den Papst Paschal auf eine
Synodalentscheidung, welche auch wohl auf einem grossen Concil
im Lateran (6—11. März) 1116 erlassen wurde. Dennoch verzö-
gerte sich der Friede noch bis zum Jahre 1122. Das Concordat
zu Worms (mit Calixt II. 23. Sept. 1122) stellte endlich fest: dass
in Zukunft die Wahl und Consecration der geistlichen Würdenträ-
ger frei vor sich gehen, die Investitur durch King und Stab hin-
wegfallen, dagegen die Einführung des Gewählten in den Genuss der
Regalien durch Darreichung des Scepters von Seiten des Kaisers
geschehen sollte. ^)
Von nun an weihte Erzbischof Adalbert seine Zeit und Kraft
ungetheilt seinem kirchlichen Berufe. Vor allem nahm er die so
dringend noth wendige Eeformation der Geistlichkeit in Angriff. Die
Zeit des Kampfes hatte hier die manigfachen Gebrechen noch zahl-
reicher und ärger gemacht. Nun galt es, dem Uebel für immer einen
Damm zu setzen. Es igt die Zeit, wo die heiligen Bernard und Norbert
im Klosterwesen ihre grossartigen Reformen begannen. Da versam-
melte auch Erzbischof Adalbert seine Suffraganen und seinen Klerus
um sich, um endlich die Gesetze über Simonie und Priesterehen zur
Durchführung zu bringen. Es gelang ihm auch wohl auf den Synoden
zu Mainz in den Jahren 1124, 1125, 1127, 1128 und 1131. ^) Mäch-
tig wirkte auch hier die gleichzeitige Einführung der mustergeben-
den Convente nach den Regeln von Cisterz und Praemonstrat (Ci-
teaux und Premontre) in der Erzdiöcese. Erzbischof Adalbert selbst
errichtete derartige Klöster zu Eberbach, Schwabenheim und Ringau.
Endlich beschloss er am 22. Mai 1137 sein vielbewegtes Le-
ben. *) Er war der erste wirkliche Churfürst von Mainz ; auf seine
Veranstaltung hatte sich zuerst bei der Wahl des Kaisers Lothar
') Darab. VII. 685. 763.
2j Damb. VII. 869—871.
^) Die speciellen Erlässe dieser Synoden (einige "Wahlstreitigkeiten ausge-
nommen) sind nicht bekannt.
'^) Catal. arch. Mog. Menken II. 495. etc., und Hirschel Gesch. des Bisthums
Mainz 51 etc.
223
(1125) aus der Menge der deutschen Fürsten ein Churcollegium
gebildet ')
5. Ihm folgte im J. 1139 sein Neffe (oder Bruder?) des Na-
mens Adalbert II. von Saarbrück, vordem Propst in Erfurt, er-
wählt durch Klerus und Volk und mit voller Zustimmung des Kö-
nigs Conrad III. -) Papst Innocenz IL berief ihn darauf nach Rom
und beehrte ihn mit dem Titel eines apostolischen Legaten (1140).
Er starb bereits am 17. Juli 1141. ^)
6. Ihm folgte der bisherige Propst von Aschaffenburg Mar-
culph, abermals frei von Klerus und Volk gewtählt. Er hatte kaum
voll h, Eifers sein neues Amt angetreten, und die Herstellung des
Friedens im Reiche (Conrad III. und die Weifen) sich zur Auf-
gabe gemacht, da starb auch er — am '9. Juni 1142.'')
7. Heinrich L (von Harburg), der bisherige Metropolitan-
propst zu Mainz, wurde noch im Jahre 1142 zum Erzbischof da-
selbst gewählt und geweiht. Schon am 19, und 20. März 1143 ver-
sammelte er eine Provinzialsynode zu Mainz, wohl die erste wieder
seit dem Tode Adalberts L Es galt da kirchliche Streitigkeiten
zu schlichten, — gewiss aber auch die geistliche Reformation ernst-
lich fortzusetzen.^) Im Jahre 1146 erhob sich in Mainz — wie auch
in andern Städten Deutschlands — eine arge Judenverfolgung: da
erhob sich der Erzbischof Heinrich als kräftiger Vertheidiger der
Bedrängten. ^) Im Jahre 1147 stand er, als Kaiser Conrad mit
einem Kreuzheere ins Morgenland gezogen war, an der Spitze
der Vormundschaft seines unmündigen Sohnes.') Indess erhoben
sich auch Klagen gegen ihn. Mildthätig wie er war, pflegte er mit
Recht zu sagen: Als Domherr war ich reich, als Propst arm, als
Bischof bin ich ein Bettler.^) War es nun wirklich die übertriebene
Freigebigkeit, Avelche das Vermögen der Kirche zu gefährden schien,
') Luden Gesch. des deutschen Volks X. 13.
'-') Die Wahl soll doch nicht ganz in kanonischer Weise geschehen sein; ein
diesfalls eingeleitete Process wurde aber aufgegeben. (Darab. VIII. 255.)
3) Catal. Arch. Mog. Menken. 498—499.
-1) Darab. VIII. 296. 302. Catal. Arch. Mog. Menken IIL 498 und 499.
5) Damb. VIII. 812. Schannat III. 347.
«) Damb. VIII. 428. Catal. Arch. ap. Menken.
?) Damb. VIII. 439.
8) Herschel 53, Ö4.
224
oder war diess nur der Vorwand, unter welchem man seine kano-
nische Strenge vereiteln wollte: das Capitel zu Mainz klagte in
Rom und erwirkte erst eine Citation des Erzbischofs (^1149) und
als Heinrich dieser nicht nachkam, seine erzwungene Resignation
(Pfingsten 1153). Er starb schon am 2. September desselben Jahres
zu Eimbeck.')
8. An seine Stelle ward der damalige Metropolitanpropst und
kaiserliche Kanzler Arnold (von Seelenhofen) auf einer Versamm-
lung zu Worms zum Erzbischof ernannt. Dieser hatte — obwohl
als Vertheidiger nach Rom gesendet — am meisten zur Absetzung
seines Vorgängers beigetragen. Diess und sein bekannter Geiz, so
wie auch sein barsches Wesen gegen Untergebene machten ihn
wohl schon im Vorhinein sehr missliebig. Dazu kam , dass er sich
als blinder Anhänger Friedrichs gegen den neuen Papst Alexander III.
und somit für das Schisma erklärte. Diess alles wirkte zusam-
men, um den neuen Metropoliten in Mainz aufs Ärgste verhasst
zu machen. Sein kaiserlicher Gönner hatte eben vollauf in Italien
zu thun. Da kam es (1159) in Mainz zum offenen Aufrühre wider
ihn. Der Erzbischof musste flüchten. Der Dom ward vom stürmen-
den Pöbel der grössten Kostbarkeiten und Kunstwerke beraubt.
Auf kaiserlichen Befehl mussten zwar die Mainzer dafür schwere
Busse thun. Als aber der Erzbischof selbst zurückkehren wollte,
erhob sich der Aufstand von Neuem (1160). Pöbelmassen zogen
dem Verhassten entgegen, belagerten ihn in seinem eilig erwählten
Zufluchtsorte, dem Kloster S. Jakob in der Nähe der Stadt, setzten
das Haus in Flammen und ermordeten den unglücklichen Oberhir-
ten (24. Juni 1160). ^)
9. Als die Besinnung zurückkehrte und mit ihr die Furcht,
wurde von den Aufrührern eine — wie sie hofften — den Kaiser be-
sänftigende Wahl vorgenommen. Man erwählte den kaiserlichen Vetter
Rudolph von Zähringen. Indess versammelte sich zu Er-
furt auf Befehl des in Italien abwesenden Kaisers ein Fürsten-
tag (25. Juli 1160), der die Bischofsmörder in Acht und Bann er-
klärte und die Wahl Rudolphs verwarf. Dann erwählten die mainzi-
1) Damb. VIII. 483. 539. Herschel 54.
■■*) Vgl. Herschel. S. 54—57. Damb. VIII. 706-707.
225
sehen Suffragane ') auf einer Versammlung zu Franldurt (1. Nov.
1160) den kaiserlichen Vicekanzler und Merseburger Propst Chri-
stian von Buch zum Metropoliten,") Friedrich bestätigte aber
weder Rudolph noch Christian, sondern verlangte die Einsetzung
Conrads von Witteisbach, der bisher Canonicus in Salzburg
gewesen war. Schon hatte man sich allseitig (im J. 1162) zur An-
erkennung des vom Kaiser gewünschten Erzbischofs geeinigt. Nichts
destoweniger zog im J. 1163 der noch immer zürnende Kaiser zur
Bestrafung der Stadt heran. Die Schuldigsten flohen, ein einziger
Rädelsführer erlitt die Todesstrafe; die Stadt Mainz aber musste
ihre Mauern niederbrechen und verlor auf 37 Jahre alle ihre
Freiheiten. ^)
Erzbischof Conrad, obwohl durch kaiserlichen Einfluss auf den
erzbischöflichen Stuhl erhoben, weigerte sich entschieden, ein An-
hänger des traurigen Schismas zu werden, welches Friedrich ins
Leben gerufen hatte. Zwar musste er, ohne noch geweiht zu sein,
dem kaiserlichen Herrn nach Italien folgen. Hier aber mied er
jeden Verkehr mit dem Gegenpapste und als in Folge dessen die
Spannung mit dem Kaiser und seinen Rathgebern immer stärker
wurde, floh er aus dem kaiserlichen Hoflager (Dec. 1163). Nach
kurzem unsicherem Aufenthalte in Deutschland ging er (Jan. 1165)
nach Frankreich zu dem dahin geflüchteten Papst Alexander III.
Dieser ertheilte ihm die bischöfliche Weihe (18. Dec. 1165) und
ernannte ihn zu seinem Legaten und zum Cardin albischof zu Sa-
binum. Als solcher versuchte Conrad noch im selben Jahre ver-
gebens eine Aussöhnung des Papstes mit dem Kaiser. Nun wirkte
er bis zum Frieden von Venedig als Legat Alexanders zu Genua,
Lombardien und Friaul. Als endlich die beiden Häupter der Chri-
stenheit sich versöhnten (Venedig 1177), wurde ihm als Entschä-
digung für das bereits anderweitig besetzte Erzbisthum Mainz der
erzbischöfliche Stuhl in Salzburg zu Theil.'*)
1) Das Mainzer Erzbistlium umfasste damals 14 SuffraganbistMimer: Worms,
Würzburg, Eichstadt, Speier, Augsburg, Strassburg, Konstanz, Chur, Pa-
derborn, Halberstadt, Hildesheim, Verden, Prag, Olmütz.
2) Damb. YHI. 707 etc.
3) Hirschel 57 etc . Damb. Vni. 753.
4) Damb. YHI. 753. 765. 789. 848. 989.
15
226
10. Nach der Flucht Conrads hatte der erzürnte Kaiser so-
fort seinen Vicekanzler, den Merseburger Propst Christian von
Buch, der von den Mainzer Suffraganen bereits am 1. Nov. 1160
erwählt worden war, zum Metropoliten von Mainz ernannt. Dieser
blieb ein treuer Anhänger Friedrichs und des schismatischen Pap-
stes und konnte sich auch den bevorzugtesten Günstling seines kai-
serlichen Herrn nennen. Als solcher nahm er Antheil an dessen Ge-
waltstreichen gegen den deutschen Episkopat, sowie auch an den
Kriegszügen in Italien. Endlich söhnte auch ihn der Friede von Vene-
dig mit der Kirche aus. Seinen Bischofsitz aber sah er nicht wieder.
Er starb in Italien, wo ihn sein Amt als kaiserlicher Statthalter zu-
rückhielt, zu Tusculum am 28. August 1182'), gerühmt als Kenner
der alten und neuen Sprachen sowie als trefflicher Schriftsteller. -)
11. Nach dem Tode Christians bewarb sich Conrad von
Witteisbach um die Rückkehr auf den Mainzer Stuhl. Kaiser
Friedrich war um so weniger entgegen, als so auch der von Salz-
burg verdrängte Erzbischof Adalbert (Sohn des Königs von Böh-
men) seinen Metropolitansitz wieder erlangen konnte. Bald hatte
nun Conrad das volle Vertrauen des Kaisers wieder erworben, sowie
er auch bis zu seinem Tode ein gesuchter Rathgeber des päpst-
lichen Stuhles blieb. Der Kaiser überliess ihm von da nicht selten
die wichtigsten Angelegenheiten des Reiches. Dabei vergass er auch
keineswegs eine sorgsame Regierung des eigenen Erzbisthums, in
welchem es ihm oblag, die Anordnungen des unter seiner Theilnahme
abgehaltenen dritten ökumenischen Lateranconcils (1179) zur Durch-
führung zu bringen.^) Als Kaiser Friedrich im Jahre 1189 sich mit
jugendlicher Begeisterung an die Spitze der deutschen Kreuz-
fahrer stellte, vertraute er dem Erzbischofe Conrad die Mit-Regie-
rung des deutschen Reiches an. Im Jahre 1196 hielt er noch eine
Synode zu Mainz; ^) dann (1197) zog auch er als Kreuzfahrer nach
') Damb. IX. 85. VIII. 765 etc.
^) Catal. Archpp. Mog. Er schrieb das Leben Friedrichs I., überdiess Reden
und Briefe.
ß) Die Beschlüsse des Concils handelten über die Papstwahl, über die Ket -
zerei der Albigenser, über- die Erfordernisse zur Würde eines Bischofs u.
der übrigen geistlichen Grade, über das priesterliche Leben, über Dom-
schulen u. a. m.
4) Schannat III. 463.
227
Jerusalem und brachte 3 Jahre im Morg enlande zu. Im J. 1199
kehrte er auf die Bitte des Papstes Innoceuz III. als das „nächst
dem Papste ausgezeichneteste Glied der Kirche" ins Vaterland zu-
rück, um den mittlerweile entbrannten Streit Philipps von Schwaben
und Otto's von Braunschweig zu schlichten. Diess gelang ihm aller-
dings nicht; dafür aber versöhnte er die damals in feindseligen
Streit gerathenen königlichen Prinzen in Ungarn. Er starb auf der
Rückreise von diesem Friedeuswerke in der Nähe von Passau am
18. Okt. 1100.')
§.58. Die Kreuzziige bis zum Ende des XII. Jahrhunderts.
Wir setzen die allgemeine Geschichte der Kreuzzüge als be-
kannt voraus. Nur die Art und Weise, wie unser Vaterland an
denselben Antheil nahm, und wie das kirchliche Leben unserer
Ahnen dadurch gefördert wurde, wollen wir an dieser Stelle etwas
näher betrachten.
1. Als die Stimme Peters von Amiens die abendländische
Christenheit zum heiligen Kampfe für die Befreiuung des heiligen
Grabes aufrief, fand sie wenig und keinen Wiederhall im Herzen
des kirchenfeindlichen Kaisers Heinrich IV. und seiner Freunde.
Zu letzteren zählte damals auch unser Herzog Bf etislaw und lange
Zeit hindurch der noch ungeweihte Bischof Cosmas.^) Ueberdiess
nahm eben in den Jahren 1095 und 1096 ein Krieg mit Polen die
besten Kräfte unseres Vaterlandes in Anspruch.^) So kam es wohl
dass der damalige erste Kreuzzug für Böhmen lediglich eine pas-
sive Bedeutung gewann, — durch jene bedauernswürdigen Uiber-
griffe, Avelche sich einige durch Prag ziehende Haufen von Kreuz-
fahrern gegen die dortige Judenschaft erlaubten.'*)
2. Der erste grosse Kreuzzug hatte aber die Völker und
Fürsten Europas, die einen unmittelbar, die andern mittelbar aus
dem Zustande eines frevelvollen unabsehlichen Gewirres zur Ein-
heit einer grossen Idee und so zu einem neuen sittlich religiösen
Leben erhoben; um so willigeres Gehör fand desshalb im J. 1146
1) Catal. Archpp. Mog. u. Damb. IX. Krit. 99.
2) Vgl. §. 48 etc.
?) Vgl. Palacky I. 342.
^) Erzählt in §. 48.
15*
228
der neue Hilferuf Eugens III. und seines gottbegeisterten Sendbo-
ten, des heiligen Abtes Bernhard. Die wunderbare Beredsamkeit des
letzteren riss besonders in Frankreich und Deutschland Hundert-
tausende hin zur Annahme des Kreuzes ; an ihrer Spitze die Kö-
nige Ludwig Vn. und Conrad HL selbst. Auch in Böhmen ward
ein brieflicher Aufruf des grossen Abtes vor dem Herzoge Wladi-
slaw n. und dem Volke in der Kirche verlesen. Was etwa dem
geschriebenen Worte an Eindringlichkeit gebrach, das ersetzte die
feurige Rede des olmützer Bischofs Heinrich Zdik. Ein Uibriges
thaten noch der zu gewinnende vollkommene Ablass, den Eugen
wie einst Urban H. den Kreuzfahrern verheissen hatte, das Ver-
sprechen kirchlichen Schutzes für alles Eigenthum und die Sehn-
sucht vieler Hörigen, den Druck in der Heimat mit der Freiheit
in der Ferne zu vertauschen. Grosse Heerhaufen sammelten sich
aus allen Gauen des Vaterlandes, an ihrer Spitze die ausgezeich-
netsten Männer des Adels. Wladislaw selbst nahm ebenfalls das
Kreuz, ebenso sein Bruder Heinrich und der Prinz Spytihnöw. Diese
alle schlössen sich Anfangs Juni 11 4Y dem Könige Conrad in
Oesterreich an und theilten fortan alle Schicksale des deutschen
Heeres, das bekanntlich zum grösseren Theile in den Gebirgen
Kleinasiens durch widrige Elemente, Hunger, Verrath und feindli-
ches Schwert den Tod fand. Von den Böhmen fiel insbesondere der
edle und tapfere Marschall Jurik mit sehr vielen adeligen Genos-
sen im erfolglosen Kampfe. Der herzogliche Kanzler Bartholomäus
gerieth mit ebenso vielen andern in die Gefangenschaft der Un-
gläubigen. Der Herzog selbst überliess darauf die weitere Führung
seiner Krieger dem Könige von Frankreich und kehrte über Con-
stantinopel nach Böhmen zurück.^) Indess endete der so glorreich
begonnene Kreuzzug mit der fruchtlosen Belagerung von Damascus
(Juli 1148). Am 8. September 1148 schifften sich die noch übrigen
in ihren Hoffnungen bitter getäuschten Fürsten und Kreuzfahrer zu
Accon nach Europa ein. ^)
3. Dieser Ausgang kühlte, wie in Europa überhaupt, so auch in
Böhmen, die Theilnahme für das heilige Land bedeutend ab. Zu-
erst blieb jetzt der Vertheidigungskampf den dortigen Fürsten selbst
J) Palacky I. 427, 428. Vincentius ed. Dobn. I. 37—40.
2) Damberger Yni. 467 u. 468.
229
und den mittlerweile gestifteten geistlichen Ritterorden über-
lassen. Was aber der Gesammtheit an Begeisterung fehlte, das bemühte
sich die Opferwilligkeit Einzelner zu ersetzen. Allerwärts wurden
in dieser Zeit Ordenshäuser jener geistlichen Ritter theils gegrün-
det theils reicher dotirt als ebensoviele Werb- und Bildungsstätten
für die stete Fortsetzung des heiligen Kampfes. Endlich, als am
30. Oktober 1187 Jerusalem in die Hände des ägyptischen Sultans
Saladin fiel, erwachte auf den Hilferuf des Papstes Gregor VIII.
der heilige Eifer und die Kampflust des Abendlandes von Neuem.
Kaiser Friedrich I. selbst und mit ihm viele Fürsten des Reiches
nahmen schon im Februar 1188 zu Mainz das Kreuz, — mit ihnen
auch unser Herzog Friedrich, ein vorzüglicher Verehrer des Gra-
bes Christi, der bisher nur ungern seine Theilnahme für das heil.
Land auf die freigebigste Unterstützung der geistlichen Ritter be-
schränkt hatte. Der edle Herzog erlebte aber die Kreuzfahrt selbst
nicht mehr; er starb, am 15. März 1189. Dafür rüstete sein Nach-
folger Conrad Otto einen Heerhaufen tapferer Böhmen zum heil.
Kampfe aus und gab diesem den tapfern Prinzen Diepold IL zum
Führer. Mit den Schaaren des Kaisers Friedrich zogen nun auch
unsere Landsleute über Adrianopel und Gallipoli nach Kleinasien
und kämpften dort siegreich in den Gebirgen von Iconium. Da
starb am 10. Juni 1190 am Kalikadnus Kaiser Friedrich, der ge-
raeinsame Führer Aller. Das trauernde Pilgerheer, und in diesem
auch unsere Böhmen, gelobte sofort dessen Sohne Friedrich von Schwa-
ben treuen Gehorsam. Unter neuen Siegen rückte man weiter bis
nach Syrien und endlich bis unter die Mauern von Accon vor. Un-
sere Landsleute erwarben dabei den Ruhm eines seltenen kriegeri-
schen Muthes, der Verachtung aller Gefahren und seltener Geübt-
heit im Kampfe ; leider zogen sie sich auch . den Vorwurf besonde-
rer Raubsucht zu. Diepold selbst fiel im tapfern Kampfe, und mit
ihm so Mancher aus der böhmischen Schaar, die überall zu finden
war, wo es eben galt^ die verwegensten Streiche auszuführen. Die
Wenigsten sahen ihr Vaterland wieder. ')
4. Noch einmal regte sich der Eifer fürs heil. Land, als im
Jahre 1195 der Papst Cölestin III. widerholt die Völker der Chri-
') Palacky I. 482 u. 483, Chronogr. Siloensis ed. Dobn. I. 121, Damberger
IX. 185 etc.
230
Steilheit zur Befreiung des li. Grabes aufrief. Kaiser Heinrich VI.
und mit ihm unser Herzog-Bischof H e i n r i c h B r e t i s 1 a w rüsteten
sich zur neuen Kreuzfahrt. Da vereitelte ein Aufstand in Neapel
das vorgenommene Werk. Noch einmal (1197) erging des heil.
Vaters Ruf: in Böhmen verkündete selben der Cardinallegat Peter,
der 8 Wochen lang in Prag verweilte — zugleich um hier die Ee-
formation der Geistlichkeit zu bewirken. Wohl starb jetzt der Bi-
schof und Herzog Heinrich (15. Juni 1197); dennoch brachen die
Edlen, die auf des Legaten Ruf das Kreuz genommen hatten, nach
Italien auf, um sich dort dem Kreuzheere Heinrichs VI. anzuschlies-
sen. • Unter ihnen war der Burggraf von Prag, der edle Graf Hroz-
iiata, den wir später als Stifter von Tepl und Chotöschau nennen
werden. Da starb nun auch Heinrich VI. (28. September 1197.)
Wohl zogen nichts desto weniger vereinzelte Schaaren ins heil
Land: ob auch unsere Böhmen daran Antheil nahmen, ist unbe-
kannt. Wenigstens kehrte der edle Hroznata sofort über Rom nach-
Böhmen zurück.
§. 59. Fortsetzung. Ritterliche und asketische Orden.
Soweit ging die Betheiligung unseres Vaterlandes an dem
grössten und herrlichsten Kampfe des zwölften Jahrhunderts. Auch
die Folgen dieses Kampfes kamen ihm zu Statten. Der zugleich
in Folge der klerikalen Reformation erwachte religiöse Geist trug
herrliche Früchte,
1. Der heilige Glaube, für den man Gut und Blut gewagt, konnte
so leicht nicht wieder gleichgültig werden. Er drängte unwider-
stehlich zu frommen Werken. Mau pilgert in frommer Demuth zu
nahen und fernen heiligen Stätten, man hilft allerwärts prächtige
Gotteshäuser und Hospitäler erbauen, man stiftet neue Klöster und
neue Orden, man ahmt selbst im täglichen Verkehre durch die im
<ieiste der Frömmigkeit gegründeten Bruderschaften das klösterliche
Leben nach. Darneben ist durch die ausgedehntere Bekanntschaft
der Völker die Wissenschaft allerwärts zur Geltung gekommen und
die Kunst in allen Gauen Europas heimisch geworden. In vollster
Lebens- und Kraftentfaltung' treten sofort die Völker des Abendlan-
des und auch unser Böhmenvolk, in das neue Jahrhundert hinüber.
2. Die schönste und für uns interessanteste Frucht des Jahr-
231
liimderts der ersten Kreuzzüge war die Vereinigung des regulirten
Lebens der Klöster mit dem Ritterstande — das Institut der
geistlichen Ritterorden. Da mit dem Lehenwesen in der
Regel ein ungetheilter Besitz zunächst für den Erstgebornen ver-
bunden war: so hatten zeither die Jüngern Söhne aus edlen Ge-
schlechtern ihr Unterkommen innerhalb der klöstertichen Mauern
und in den Domcapiteln des Landes suchen müssen, welche — zumal
die letzteren — eben dadurch sehr viel von ihrer ursprünglichen
Strenge verloren. Jetzt winkte dagegen im fernen heiligen Lande
die schönste ritterliche Ehre, und die Häupter der Christenheit rie-
fen alle Stände auf, solche zu gewinnen. Da nahm auch so man-
cher hochgeborne Kleriker mit Freuden das lang entwöhnte Schwert
wieder zur Hand, während ihm anderseits grade sein geistlicher
Stand auch in der Ferne den nöthigen Unterhalt bieten konnte.
So gab es geistliche Ritter, ehe es geistliche Orden gab. '
Der erste wirkliche Ritterorden war der der Johanniter. Im
Jahre 1099 war nämlich in Jerusalem die Congregation der Hospital-
brüder zur Pflege der Pilger ins Leben getreten. Ihr Gründer war
der fromme Gerhard gewesen, und so mancher ritterliche Held war
sein Genosse geworden. Güter im neuen Reiche Jerusalem sowie auch
in Europa sorgten zur Genüge für die Bedürfnisse der geistlichen
Brüder und ihrer Genossen. ') Schwere Bedrängnisse des neuen Reichs
hatten wohl schon wiederholt den ritterlichen Pilgerpflegern das
abgelegte Schwert wieder aufgenöthigt : endlich, da voraussichtlich
die heiligen Stätten nur in stetem Kampfe zu behaupten waren,
fügte der zweite Vorsteher des Hauses Raymund de Puy zu den
bisherigen noch das neue förmliche Gelübde hinzu : gegen die
Ungläubigen zu kämpfen. Die sofortige Gliederung der Ge-
nossen in Ritter, Priester und dienende Brüder unter einem Gross-
meister und einzelnen Hauscommandeuren (Comthuren) bestätigte
Papst Innocenz IL So war der erste Ritterorden ausgebildet : sein
Zeichen blieb das weisse Kreuz auf schwarzem Kleide und das
rothe Kreuz in ihrer Fahne.
3. Fast gleichzeitig, als die Johanniter als kämpfende geist-
1) Schon am 15. Febr. 1113 bestätigte Papst Paschalis „dem ehrwürdigen
Sohne Geraudus , Gründer und Vorstand des Spittels S. Johann Bapt. zu
Jerusalem" alle Güter seiner Stiftung, wie auch die Güter der Filialspittel
zu St. Gilles, Pisa, Bari, Ydrontum, Tarent, Messina. (Damberger VII. 731.)
232
liehe Ritter sich erhoben, legten 9 französische Ritter unter Hugo
von Payens zu gleichem Zwecke das ritterliche Gelübde ab. Papst
Honorius IL gab ihnen auf Verwendung des heil. Bernhard im Jahre
1127 die Bestimmung, die Pilger auf dem Wege nach Jerusalem
vor Räubern zu schützen. Die Noth des jerosolimitanischen Reichs
führte endlich auch sie in den Kampf gegen die Sarazenen. Ihre Verfas-
sung war der der Johanniter bis in's Einzelne nachgebildet, ihr Ordens-
zeichen das rothe Kreuz auf weissem Kleide, ihr Name Tempelher-
ren, entnommen von ihrer ersten Niederlassung in einem Palaste Bal-
duinsll. in unmittelbarer Nähe des ehemaligen salomonischen Tempels.
4. Deutsche Pilger hatten schon im Jahre 1128 ein deut-
sches Hospital mit deutschen Hospitalbrüdern, jedoch unter der
Aufsicht des Grossmeisters der Johanniter gegründet. Daraus und
aus dem Zutritte zahlreicher deutscher Ritter, und durch die grosse
Hospitalstiftung reicher lübecker und bremer Bürger vor Accon er-
stand im Jahre 1190 der ritterliche Orden der Deutschherren
mit dem ersten selbstständigen Grossmeister Walpot von Bässen.
Die Regel und Verfassung war den früheren gleich; als Ordenszei-
chen galt ein schwarzes Kreuz auf weisem Mantel. Die feierliche Bestä-
tigung erfolgte nachmals durch Papst Clemens IL Wir übergehen hier
die vielen nachgebildeten Ritterorden in Spanien, Portugal und andern
Ländern, da sie für unsere Heimat keine Bedeutung haben. ')
5. Durch die Ausscheidung der ritterlichen Elemente aus den
Reihen des Klerus wurde die bereits angedeutete Reformation der
übrigen Geistlichkeit in hohem Grade begünstigt. Wie nun der
Säcularklerus zu kirchlichem Bewusstsein erwachte, wissen wir be-
reits. Indessen nahm auch der heilige Norbert, Canonicus von
Xanthen die Reform der Dom- und Collegiatcapitel in Angriff. In
Premontre (Praemonstratum) versammelte er diejenigen Canonicer,
die mit ihm nach der erneuten strengen Regel zu leben gedachten.
Seine nachmalige Erhebung auf den erzbischöflichen Stuhl von Mag-
deburg und alsbald au ch die nähere Bekanntschaft mit seinen re-
formirten Capitularen gaben seinem Werke die weiteste Verbreitung.
So war der Orden der regulirten Chorherren, auch Prämon-
stra tens er und Norbertiner genannt, in's Leben getreten. (1120.)
Zur selben Zeit hatte auch, wie bereits erzählt wurde, der
•)Von einer einheimiscken Nachbildung dieser Orden — den Kreuzherren mit
rotliem Sterne — wird später die Rede sein.
233
heil. Bern ard das Mönchsleben neu geregelt und so den strengen
Orden der Cisterzienser in's Dasein gerufen, (1113 u. ^if.) —
Vordem hatte der heil. B r u n o, Canonicus von Rh eims, in der Ein-
öde Chartreuse (Carthusium) den Mönchsverein der Karthäuser
gegründet, der bei dem strengsten Leben das stete Stillschweigen
übte (1101). — Um 1156 bildete sich zunächst am Berge Karmel
unter B e r t h o 1 d aus Calabrien der Mön chsverein der Karmeliter.
Noch andere strenge Vereine folgten der Anregung jener Zeit;
doch die übrigen vor dem Jahre 1200 gestifteten sind nie bis in
unser Vaterland gedrungen. Hier aber zeigte sich am Ende dieser
Zeit ein ganz eigenthümlicher Orden, den man sonst nur noch in
Polen traf, unbekannt in seiner Gründung, aber wichtig genug in
seiner Verbreitung, der Orden der Wächter des heil. Grabes
(1190). Nach dem Muster der männlichen Vereine bildeten sich
sofort auch weibliche Genossenschaften, welche durch Beobachtung
derselben Regel und unter der geistlichen Leitung der refor-
mirten Ordensbrüder der Gnaden jener neuen Stiftungen theilhaftig
werden wollten.
§. 60. Anfänge der nordischen Kreuzzüge.
1. Für unser Vaterland sollte der Eifer der Kreuzfahrer alsbald
noch eine andere , als die Richtung nach dem Oriente gewinnen,
und hier die Zeit der orientalischen Kreuzkriege noch lange über-
dauern. Zu gleicher Zeit, als der Hilferuf Peters von Amiens und
des Papstes Urban IL die Aufmerksamkeit der Christenheit nach
Palästina lenkte, machte sich auch die Idee geltend, dass es nicht
minder verdienstlich sei, die christliche Religion gegen feindselige -
Heidenstämme in Europa zu verth eidigen. Die Päpste säumten auch
nicht, alle geistlichen und weltlichen Vortheile der orientalischen
Kreuzzüge auf diese anderweitigen K ämpfe zum Schutze der Kirche
auszudehnen. So nahmen die Kreuzfahrten gegen die heidnischen
Nordslawen ihren Anfang, ebenso wie die eigentlichen Kreuz-
züge theils ein stetes Ziehen Einzelner, theils eine wiederholte
Vereinigung bedeutender Streitkräfte zum Kampfe gegen die chri-
stenfeindlichen Nachbarn.
2. Im 9. und 10. Jahrhunderte hatte es schon von Meissen
und Sachsen her an Kämpfen mit den Slawen nicht gefehlt. Aber
234
damals hatte man nur einzelne Stämme zu bekriegen, die tlieils
an sicli den christliclien Nachbarn nicht hold waren, theils aber
auch gegen manche Ungebühr der Letzteren mit den Waffen sich
erhoben/Jetzt aber drohte die grösste Gefahr, als im J. 1034 alle
transalbinischen Slawen unter dem Obotriten Gottschalkzu
einem grossen Wendenreiche sich vereinten. ') Dieser kühne
Jüngling, bereits Christ, war seinen Erziehern in Lüneburg entflor
hen, war Avieder Heide geworden, und hatte alle seine Landsleute
zur Blutrache an den Sachsen wegen Ermordung seines Vaters auf-
gerufen. Ein grausamer Krieg entbrannte, zugleich Vertilgungskampf
gegen die christlichen Einrichtungen im eigenen und im nächsten
Nachbarlande. Nur wenig nützte die Gefangennehmung des Führers
durch Kaiser Conrad im J. 1036; denn nun stritten eine Menge
Häuptlinge auf eigene Hand. Mehr half Gottschalk's Rückkehr zum
Christenglauben und seine darauf folgende Heimkehr. Nun begün-
stigte er selbst die Aufnahme des Christenthums unter den Slawen,
und gab so auch den Nachbarn den Frieden zurück. ^)
3. Gottschalk wurde 1066 in einem Aufstande der unzufrie-
denen Heiden ermordet. Zwar hielt der nun folgende Kampf um
den Wendenthron die Parteihäupter im eigenen Lande fest; aber
der Kampf galt hier nicht weniger dem noch schwach eingewur-
zelten Christenglauben. Eine kurze Zeit schien zwar dieser mit
Buko, dem Sohne des gemordeten Gottschalk, wieder zu siegen.
Da erhob sich von Rügen her ein neuer Heidenhäuptling Kruko,
tapferer und glücklicher als irgend einer vor ihm. Bis zum J. 1075
erkämpfte sich dieser alle Herrschaft von der Oder bis zur Elbe.
Die Leichen der erschlagenen Christen and die Trümmer der zer-
störten Gotteshäuser und Altäre bezeichneten die Bahn seiner Siege.
Auch nach dem benachbarten Sachsen erstreckte sich endlich der
Vernichtungskrieg. Herzog Adolf und sein Sohn Magnus kämpften
vergeblich gegen den übermächtigen Feind. ^) Kaiser Heinrich ver-
geudete des Reiches Kraft im Bürgerlo-iege. So wuchs Krukos Kühn-
1) Damberger VI. 111. W. Menzel Gesch. der Deutschen 226.
=^) Damberger VI. 444, 639.
^) W. Menzel Gesch. der Deutschen 238. Damberger VI. 741, 970.
235
heit von Tag zu Tage, und immer lauter wurden die Klagen der
Christen in Sachsen sowohl, als in den angränzenden dänischen
Ländern. Endlich kam es ums J. 1095 unter dem tapferu und from-
men Könige Erich zu einem Waffenbunde tapferer Christen.
Wie die Gläubigen beim Concile zu Clermont, so nahmen auch
diese das Kreuz gegen den gewaltigen Feind des Kreuzes. ') Der
Erfolg war Krukos Unterwerfung unter die dänische Hoheit und
sein Versprechen, das Christen thum fortan zu dulden und sogar
selbst zu befördern. Als aber König Erich im J. 1104 mit Tode
abging, fiel Kruko vom Dänenreiche und vom Christenglauben wie-
der ab. Von Neuem begann die Verfolgung des Kreuzes. Aber
schon sammelten sich neue Kreuzfahrer um Bukos jüngsten Bruder
Heinrich. Kruko ward endlich gänzlich überwunden und fiel im
Kampfe (II05). Der christliche Heinrich ward König der Wenden.^)
4. Der neue Wendenfürst vergass aber sehr bald, wem er
seine Herrschaft verdankte. Nicht lange, so hielt er es selbst mit
den Heiden im Lande, vielleicht weil sonst seine Herrschaft stets
gefährdet blieb. Er duldete die ärgsten Gräuel an den Christen.
Im J. 1110 fiel er gar selbst an der Spitze der heidnischen Slawen
im Nordalbingien ein.'') Da rief Erzbischof Adelgold von Magde-
burg und mit ihm die Bischöfe Albuin von Merseburg, Walram
von Naumburg, Herwig von Meissen, Hezilo von Halberstadt, Hart-
brecht von Brandenburg, und überdiess auch weltliche Grafen des
östlichen Sachsenlandes die benachbarte Christenheit zu einem
neuen Kreuzzuge auf. In ihrem Ausschreiben^) schilderten sie mit
lebhaften Farben, wie die Slawen eben die Kirchen Christi durch
Götzendienst entweiht, die Altäre zerstört und Dinge an den Chri-
sten verübt hätten, die ein menschliches Herz zu hören sich scheue.
Sehr häufig seien sie ins deutsche Land eingefallen, hätten da
Keinen geschont, geplündert, gemordet, zerstört, viele in ausge-
suchter Weise gemartert, einige enthauptet, und die Häupter ihren
Götzen geopfert. Am Samstage in der Bittwoche sollten die Kampf-
lustigen in Merseburg und anderen bezeichneten Orten sich versam-
1) Vgl. Damberger VII. 323.
^) Vgl. Damberger VI. 741. VII. 29, 581, 582.
3) Ebend. VII. 664.
4) Urkunde bei Calles series episc. Misn. p. 106—109.
236
mein. ') Ein besonderer Erfolg dieses Zuges ist nicht bekannt. Das Wen-
denreicli Heinrichs ward sogar immer noch grösser und furchtbarer. ^)
Im J. 1120 sammelten sich neuerdings dänische Kreuzfahrer zum
Kampfe gegen ihn und seinen Lehenfürsten. Gleichzeitig erhoben
von Osten her die Polen gegen ihn die Waffen •"') — diessmal, wie
es scheint, mit besserem Glücke. Denn weiterhin finden wir den
König Heinrich im Frieden mit den Christen und ausgesöhnt mit der
Kirche.^) Aber schon im J. 1 126 fand Heinrich ein trauriges Ende.
Seine eigenen Söhne stellten sich an die Spitze eines Aufstandes
der mit ihm unzufriedenen Heiden und ermordeten ihn. Doch die
Blutthat strafte sich selbst. Im Kampfe um das Reich fielen auch
diese Söhne unter Meuchlerhänden im J. 1127. Das grosse Wen-
denland zerfiel in eine Anzahl kleinerer Gebiete, die sich selbst be-
kämpften. Das christliche Nachbarland hatte so eine Zeit lang
Frieden. Christliche Missionäre wagten sogar bis an die Ostsee
vorzudringen.^)
5. Noch einmal ward das Wendenvolk furchtbar unter Niclot,
dem Fürsten der Obotriten. Die deutsche Nachbarschaft erlebte noch
einmal die alten Gräuel alljähriger Raubzüge, und bis nach Pom-
mern und Rügen hin wurden die kaum gegründeten christlichen
Gemeinden von den Heiden gemisshandelt und mit Füssen getre-
ten ; selbst die Reiche der Polen und der Dänen sahen sich be-
droht. Unter solchen Umständen delegirte Papst Eugen III. unterm
11. April 1146 den Bischof Anselm von Havelberg, einen förmlichen
Kreuzzug gegen Niclot mit Verleihung der gewöhnlichen Indulgen-
zen zu verkündigen. Am 29. Juni brach in Folge dessen ein be-
deutendes Kreuzheer aus Sachsen auf. Es befanden sich dabei die
mährischen Fürsten Otto, Swatopluk und Wratislaw, und der be-
rühmte olmützer Bischof Heinrich Zdik. "^n der Spitze aller zog
der sächsische Herzog Heinrich der Löwe in den Kampf. Auch von
Dänemark her kam ein mächtiges Heer von Kreuzfahrern gegen
Niclot heran. Gleichzeitig begannen auch die Polen den Krieg ge-
') Ebendaselbst.
"j Damberger VII. 922.
•■5) Ebend. Vif. 932 etc.
*) Ebendaselbst.
5) Vgl. Damberger VIII. 115, VII. 933.
23*7
gen ihre gefährlichen Nachbarn. So rausste endlich Niclot nach ver-
zweifelter Gegenwehr unterliegen. Die kleineren Fürsten der Sla-
wen unterwarfen sich einer nach dem andern, zumal nun Heinrich
der Löwe seine siegreichen Züge fast von Jahr zu Jahr erneuerte.
Niclot selbst fand erst im J. 1161 bei einem Ausfalle aus seiner
von Heinrich eingeschlossenen Burg den Tod. ^) Das war das Ende
des Wendenreichs, zugleich das Ende des Widerstandes der trans-
albinischen Slawen gegen das Christenthum, und so auch das Ende
der Kreuzfahrten in die Gebiete der westlichen Ostsee. Desto er-
bitterter erhoben sich nun die Slawen in Preussen gegen ihre christ-
liche Nachbarn, und hiedurch erhalten die nordischen Kreuzzüge
für das nächste und nachfolgende Jahrhundert eine neue Richtung.
Diese Kreuzzüge aber werden für uns um so bedeutungsvoller sein,
da sie zum grossen Theile von unserem Yaterlande ihren Ausgang
nahmen.
Die kirchlichen Institute Böhmens in der Zeit des Reformationskampfes.
§. 61. Das Prager Domstift.
1. Unter den geistlichen Instituten im Umkreise unseres Va-
terlandes nahm selbstverständlich die erste Stelle nach dem Bischöfe
das bischöfliche Domcapitel in Prag ein. Anfangs gleich
allen ähnlichen Stiftungen ohne einen persönlichen Vorrang seiner Mit-
glieder — blühte es in Kurzem unter den dringenden Bedürfnissen der
Zeit zu jener hochberechtigten Körperschaft empor , welche nicht
nur die eigenen inneren Angelegenheiten selbstständig verwaltete, son-
dern auch dem Bischöfe mit Rath und That zur Seite stand und
bei dessen Verhinderung oder Ableben sogar die Verwaltung der
Diöcese in die Hände nahm. ^) Diess musste namentlich seit der
Zeit geschehen, als das Presbyterium von St. Veit, welchem sonst
nach alter kirchlicher Ordnung jene Rechte zustanden, zur Gänze
mit dem Domcapitel verschmolzen war. Diess scheint bereits un-
')Vgl. Damberger VIII. 116, 120, 121, 145, 377, 378, 445—448, 640, 665,
795—798.
2) Die Domcapitel führten diese Verwaltung fortan bald als Körperschaft
(in corpore) bald nach der Reihe seiner Glieder (per turnum), bald durch
einen oder mehrere Vertreter aus ihrer Mitte (per delegatos).
238
ter dem ersten Bischöfe Dietmar geschehen zu sein. Unter dem
heiligen Adalbert weisst das Capitel bereits hechehrwürdige und ein-
flussreiche Männer auf. Der Canonicus Prostiwoj starb bei Gele-
genheit des feindlichen Auftretens der Wrsowecen gegen den hei-
ligen Bischof den Martyrertod an jener Stelle in der Nähe des weis-
sen Berges, wo nachmals Herzog Boleslaw IL eine Kirche zu Ehren
der heil. Mutter Gottes und der heiligen Fabian und Sebastian er-
baute. ') Der Propst Willi co (Welich) leitete während Adalberts
erster Abwesenheit die geistliche Verwaltung der Diöcese, ^) sowie
sein muthmasslicher Nachfolger Pokofin ein Gleiches nach dem
zweiten Abgange des heil. Bischofs zu besorgen hatte. Darauf be-
stiegen die Pröpste Erhard, Hyzo und Severus nach einan-
der den bischöflichen Stuhl von Prag. Auch der nachmalige unru-
hige Bischof Jar omir soll früher Propst des Domstifts gewesen sein.^)
Ein Capiteldechant wird in dieser Zeit noch nicht genannt.
2. Das Zeitalter des Reformationskampfes drängte das Dom-
capitel noch mehr in den Vordergrund aller kirchlichen Ereignisse
n unserem Vaterlande. Es beginnt gleichsam mit der zweiten Stif-
tung des Capitels. Bisher hatten die Canonici ihre geistliche Regel
fast gar nicht befolgt. Nun aber führte der neue Propst Marcus
ein Deutscher aus edlem Geschlechte, '^) eine neue Ordnung ein.
Er wählte aus der zahlreichen Domgeistlichkeit 25 Brüder aus,
welche er für die würdigsten hielt und verband sie durch einen Eid
zur Beobachtung der Regel des heil. Chrodegang, zum Tragen der
canonischen Kleidung und zum gemeinschaftlichen Wohnen im Ca-
pitelhause. ^). Bischof Meinhart vermehrte später die ^ Zahl dieser
ij Pessina phosph. septic. 171. Cosmas n. A.
^) Willico trat später als Benediktinerbruder in das Kloster Monte-Casino
ein. Tomek G. P. I. 651.
3) Pessina phosph. septc. — Derselbe (einst Domdecbant bei St. Veit) beruft
sich auf ihm vorgelegene Aufzeichnungen des Capitelarchivs. Er nennt
aber auch schon die Vorsteher der St. Veitskirche vor Errichtung des
Bisthums als Pröpste ; — und zwar den regensburger Priester Gerhard und
nach diesem den Hostiwod, letzteren zur Zeit der Einrichtung des Bis-
thums. Doch ward das Capitel als solches wohl erst zur Zeit des ersten
Bischofs ins Leben gerufen.
4) Tomek G. P. 651.
^ Ebendaselbst und Cosmas.
239
eigentlichen Canoniker auf 30.') Seitdem wird als zweiter Wür-
denträger des Capitels ein Dekan genannt. Leider schützte diese
Reform nicht gegen die Wirren, welche der unruhige Geist des
Bischofs Jaromir-Gebhard der Kirche Böhmens bereitete. Wenig-
stens hielt damals der Dechant des Capitels, der oftgenamite Chro-
nist Cosmas , als Jugendfreund nur allzu sehr an seinem weltlich
gesinnten Oberhirten. Aiber bald glänzte wieder im Capitel ein
Stern erster Grösse. Nach Marcus-) und dem wenig bekannten
W i 1 s 1 a w ^) ward der Sohn des Chronisten Cosmas *) — ^Heinrich
Zdik — gerühmt als der grösste Mannseiner Zeit, zur Würde des
Propstes erhoben. Von seinem geistlichen Eifer zeugte eine
Pilgerreise, die er als Propst nach Jerusalem unternahm und auch
sonst mögen seine Verdienste nicht gering gewesen sein ; denn im
Jahre 1126 wurde er in Folge derselben zum Bischof Yon Olmütz
gewählt. Noch einmal pilgerte er in's heilige Land (1137) und
brachte diessmal von dort seine Begeisterung für den Prämonstra-
tenserorden zurück. Fortan erscheint er als dessen eifrigster Be-
förderer und als Mitbegründer seiner meisten Niederlassungen in
Böhmen und Mähren. Auch unter den heidnischen Preussen treffen
wir ihn als Kreuzfahrer und Glaubensprediger. Bei dem grossen
Werke der geistlichen Reformationen stand er dem päpstlichen Legaten
Guido als erste Stütze zur Seite. Er starb nach Einigen als Prämon-
stratenserbruder —im Jahre 1151 und fand im Kloster Strahow seine
bleibende Ruhestätte. ^) — Als seine Nachfolger in der Prager Prop-
stei werden Hermann (von Ralsko, 11133), Otto (angeblich von Swa-
benic), und Conrad (nach Andern Jurata) genannt. Von diesen be-
stieg Otto den Bisehofsstuhl zu Prag und wurde der Reformator
Böhmens. Sein Nachfolger Conrad (Jurata) war zur Zeit
der Ankunft des Legaten Guido noch nicht einmal zum Priester
geweiht und obendrein beweibt: desshalb wurde er nebst dem da-
maligen Domdechant Peter, welcher nach einander sogar 3 Wei-
') Ebencl. und Series episc. in Script. Boh. 11. 438.
3) Marcus starb 1098. Tomek 651. Pessina phosph. 605.
3)Witoslaw c. 111. (Pessina 605.)
*) Vgl. Palacky 1. 400. Pessina phosph. 557 hielt ihn für den jüngsten Sohn
des Königs Wratislaw.
5) Vgl. Pessina 557 etc. Tomek G. Pr. 38, 99. 103. 142. Palacky 400 etc.
240
ber geeheligt hatte ') und dem verheirateten Canonicus Sebastian
aller geistlichen Würden entsetzt (1143). ^) Offenbar hatten die
Wirren der letzten Jahre die neue Ordnung des eifrigen Propstes
Marcus wieder vergessen gemacht.
3. Dagegen erhob sich das Capitel nach dieser neuen Eeform
zu desto schönerem Glänze. Es erwarb den Ruhm des „allzeit ge-
treuen", der ihm später in Folge steter Bew ährung zum privilegir-
ten Ehrentitel wurde. Zunächst hatte es nach dem abgesetzten
Conrad (Jurata) den gelehrtesten und gewandtesten Mann des Lan-
des, den nachmaligen Bischof Daniel als Propst erhalten, der ohne
Zweifel nicht wenig zur Förderung des geistigen — insbesondere
des wissenschaftlichen Lebens in dem geistlichen Musterhause, der
klerikalen Pflanzschule des Landes, beitrug. Er bestieg am 29.
Juli 1148 den bischöflichen Stuhl. In der propsteilichen Würde
folgten ihm Heinrich (angeblich von Lipa, 1 1 48 — 11 50) und H r o z-
nata, ein besonderer Wohlthäter des Klosters Leitomischl, nach.
(c. 1150 — c. 1159.)''') Wir haben" gehört, wie Bischof Daniel der
treueste Anhänger seines Landesherrn und der innigste Vertraute
des Kaisers Friedrich Barbarossa wurde. So ward er in das trau-
rige Schisma jener bewegten Zeit ver flochten. Leider mussten eine
Zeit lang auch das Capitel und der Klerus des Landes seinem Bei-
spiele folgen; denn Bischof, Fürst und Kaiser hatten sich verbun-
den, mit Censuren und weltlichen Waffen die Anerkennung des
Gegenpapstes Victor zu erzwingen. So leistete man in den Jahren
1162 und 1164 gezwungen dem eben in Prag anwesenden Bischöfe
die canonische Obedienz. '*) Bald aber ermannte sich vorerst das
Prager Capitel unter seinem Propste Ulrich (angeblich von Wal-
dek, 1160 — 1172), und zwar auf Anrathen der Bischöfe von Re-
gensburg (Hertwig) und Passau (Conrad) zar Anerkennung des recht-
mässigen Oberhauptes der Kirche. Ja es gelang ihm sogar, den Kö-
nig Wladislaw selbst von der Partei des Gegenpapstes abwendig
'j So und nicht anders ist die Anklage wegen dreier Weiber gemeint. Es
ist bekannt, dass selbst die orientalische Kirche dem Priester eine zweite
Ehe als schweres Vergehen untersagt. '
3) Vgl. Tomek G. P. 103.
3) Vgl. Pessina phosph. 605. Tomek 651. Letzterer nennt den Hroznata nicht.
4) Chron. Vincentii. ad 1162, Pulkava ad 1164.
241
zu machen. *) Da überdiess dem Capitel damals in Abwesenheit
des Bischofs die Administration der Diöcese zustand, so wurde
es ihm auch möglich, unser Vaterland vom ünsegen des Schisma's
zu erretten. ^) Auch nach dem Tode des Bischofs Daniel bewahrte
es dieselbe Treue bis zur Beilegung des unglückseligen Streites im
Frieden zu Venedig. In letzter Zeit führte Martin, ehedem Propst von
Leitmeritz, die Leitung des Domstiftes (1174— c. 1180), derselbe, den
wir später als grössten Beförderer des Johanniter-Ritterordens kennen
lernen werden. Ihm folgte P'eregrin (1180—1182), der nachmalige
Bischof von Olmütz. Endlich beschliessen die Pröpste Kuno (1184),
Hermann (1184— 1190) und Florian (1194—1201) ') das kampf-
reiche Jahrhundert. Dem letzteren war das Glück beschieden, die
glorreiche Reformation in unserem Vaterlande zu erleben. "*)
4. Da wir in unserer Erzählung stets auch der besonderen
Beziehungen kirchlicher Institute auf die jetzige Diöcese von Leit-
meritz gedenken wollen: so erübrigt noch, jener Mitglieder des Pra-
ger Capitels uns zu erinnern, welche in dem beschriebenen Zeit-
räume als Archidiakohe den einzelnen Archidiakonaten unseres
Bereiches vorgesetzt waren. Leider erfahren wir aus so alter Zeit
nur wenige Namen; erst späterhin wird in dieser Beziehung unsere
Geschichte reicher werden. Das Archidiakonat von Bilin wurde,
wie schon erwähnt ward, erst im Jahre 1216 errichtet. Das Leit-
meritz er Archidiakonat verwaltete im Jahre 1177 der Canoni-
cus Pfibislaw, vordem Archidiakon von Raudnitz, und nach 1181
Propst zu Altbunzlau. ^) Dem Archidiakonate Bunzlau stand in
den Jahren 1169 und 1177 der Canonicus Othmar vor. '^) Als Ar-
chidiakone zu S a a z werden von 1181 bis 1194 der Canonicus F r i e-
drich')und von 1195 bis 1212 ein Canonicus Witek genannt.^)
') Pessina 177.
'■*) Ebendaselbst. Das Capitel verordnete die Anerkennung Alexanders III. im
ganzen Lande. Cit. Radewic Can, Frising. scriptor coaevus.
3) Vgl. Tomek 651.
*) Vgl. §. 55.
5) Dobner annal. VI. 501.
«) Tomek I. 652. Acten des Prager Oapitelarcliivs ad 1177. (A. IL I. 1.) Er-
ben regest. 139.
'') Bubna catal. cap. Prag. MS.
«) Urkunde des Capitelarcbivs (B. I. I. 2). Als Archidiakone von Prag er-
16
242
§. 62. Das Gollegiatstift zu Leitmeritz.
Uns interessirt nun zunächst jenes altehrwürdige Capitel, wel-
ches dermalen noch die bischöfliche Stadt Leit-ineritz ziert. Wir
wollen desshalb vor Allem die Männer näher kennen lernen, die das-
selbe in dem soeben besprochenen Zeitalter geleitet haben, — wir
meinen dessen Pröpste.
1. Schon die Geschichte unserer Bischöfe hat uns den ersten
derselben genannt. ') Es war Lanzo,* der ausgezeichnetste unter
den Hofgeistlichen Wratislaws IL Er war aus einem edlen sächsi-
schen Geschlechte entsprossen, ^) muthmasslich ein Verwandter des
h. Bischofs Benno von Meissen, und sonach wohl ebenfalls aus der
Gegend von Hildesheim stammend, ^) eben so ausgezeichnet durch
seine Gelehrsamkeit und seinen sittliclien Wandel, wie durch seine
äussere Erscheinung. '*) Er hatte wohl lange schon vor der Errich-
tung des Leitmeritzer Stifts in Böhmen geweilt und sich viele Ver-
dienste um das Land erworben; auch war er gewiss der böhmi-
schen Sprache im vorzüglichen Grade mächtig geworden. Nur so
erklärt es sich, dass der den Deutschen nichts weniger als freund-
lich gesinnte Herzog Spytihnew H. grade diesen Fremden zur pröpst-
lichen Würde für sein neues Collegiatcapitel auserkor, und dass der-
selbe ruhig im Lande verweilen durfte zu einer Zeit, wo der den
Fremden zürnende Fürst fast- alle Deutsche des Landes verwies. ^)
scheinen: Peter (1143), Domaslaw (1167), Zdislaw (1181), Ohwalek (1196);
von Pilsen: Herold (1181), Zdeslaw (1172); von Königgräz: Slawon (1167—
1181); von Becliyn: Dietleb (1167), Hermann (1184), Engelbert (1186);
Wicemil (1191); von Kauinm: Peregrin (1167); von Raudnitz: Berthold (1167),
Pi-ibislaw (1176); von Rokitzan: Zdislaw (1167); von Bischofteinitz : Chri-
stoph (1186). Vgl. Tomek 652 etc.
J) Vgl. 2. Periode §. 45.
*) Cosmas ad ann. 1067.
3) Crugerius ad 24, Januar.
4) Cosmas ad ann. 1067.
5) Jedenfalls sagt Cosmas ad ann. 1155 zuviel, wenn er dem Spytihnew das
Gebot zuschreibt, dass alle Deutschen ohne Ausnahme hätten das Land
meiden müssen. Dagegen spricht einfach schon die Bemerkung der leitm.
Stiftungsurkundeyon 1057, dass peregrini, offenbar Deutsche, den leitme-
ritzer Markt besuchen. Uiberdiess war, abgesehen von unserem Lanzo
auch der grade damals eingesetzte Abt von Sazawa ein Deutscher. Vgl.
auch Palacky L 293.
243
Nur so auch konnte ihn nachher der Herzog Wratislaw als den wür-
digsten und geeignetsten Mann für die bischöfliche Würde bezeich-
nen. Uibrigens hatte Lanzo gerade diesem Fürsten „in jeder Weise"
die treuesten Dienste geleistet; insbesondere war er noch zuletzt
sein treuer Begleiter in dem Feldzuge gegen die Polen (1167). ')
Wohl war es die besondere Klugheit in allen Geschäften des Hofes
und des Landes, die ihm damals beim böhmischen Volke den Beina-
men des Fuchses (man nannte ihn Lu§ka) verschaffte. ") Wir haben be-
reits erfahren, wie die Erhebung dieses Mannes zur bischöflichen Würde
scheiterte. Nationale Sympathien und die Hoöhung eines bischöf-
lichen Genossen im Widerstände gegen Wratislaw riefen damals
lauter nach dem Prinzen Jaromir, der auch sofort unter dem Na-
men Gebhard vom bischöflichen Stuhle Besitz nahm. ^) Fortan ge-
schieht unseres Propstes keine weitere Erwähnung mehr. Doch ist
es mehr als wahrscheinlich, er habe nach wie vor nach der Sitte
jener Zeit als Hofgeistlicher bei Wratislaw gelebt, und sei dessen
Freund und Rathgeber geblieben. Den Verfall unseres Vaterlan-
des in den traurigen Kirchenstreit und in das noch schlimmere
Schisma erlebte er nicht. Er starb im Jahre 1075. *)
2. Als zweiter Propst wird Andreas genannt, entsprossen aus
jenem edlen Geschlechte Mährens, das später den erblichen Namen
der Herren von Dubrawic annahm. ^) Er war dodor decretonmi
'j Cosmas ut supra.
2) MS. Chronik des ehem. Klosters S. Georg (jetzt in der prager ümversi-
tätsbibliothek).
3) Vgl. §.45.
4) So alle hanclschriftlicheu Series. Von solchen liegen uachgenanute vor:
1. Die Bretfeldische in einer 1811 veröffentlichten völlig unkritischen Ge-
schichte des leitm. Capitels; 2. die des Crugerius ad 3. Aug. seiner „Sacri
pulveres"; 3. die der illustr. Chx'onik v. Böhmen IL 501; 4. die handschrift-
liche im leitm. Capitelarchive; 5.. die handschriftliche in Rohns „antiquitates
ecclesiarum circuli Litomericensis" 6. die handschriftliche des Valentin
Weidner im Klosterarchive bei S. Thomas in Prag; 7. die handschriftliche
. in Hammerschmidts „Chronica aliquot urbiuni regiarum" in der prager Uni-
versitätsbibliothek. Diese alle sind offenbar ursprünglich aus einer Quelle
geflossen, nämlich aus den mangelhaften Daten des leitmeritzer Capitelar-
chivs. Die Series dieses gegenwärtigen Werkes ist nach gleiclizeitigeu Ur-
kunden ergänzt u, berichtigt.
5) Dubrav. IX. — Erbliche Familiennameii erscheinen auch bei dem höchsten
Adel Böhmens und Mährens erst nach dem Ende des XJI. Jahrhundeits.
16*
244
oder des kanonischen Rechts ^) und wird in den Traditionen des
Capitels als ein sehr frommer Kleriker gerühmt. Als solcher war
er frühe schon ein Günstling des damals bloss erst in Mähren herr-
schenden nachmaligen Königs Wratislaw. *) Später zählte er zu
den beliebtesten Caplänen des böhmischen Königshofes und ver-
einigte in seiner Person die Würden eines Domherrn zu Prag, und
Propstes der Capitel zu Leitmeritz, Olmütz und Brunn. ^) Leider
verfiel auch er mit seinem königlichen Gönner in das traurige
Schisma, welches von 1080 bis 1088 an dem irregeleiteten Könige
einen so eifrigen Verfechter fand. Auch mochte ihn im Jahre 1088
das vom Bischöfe Jaromir über den König und sein Haus allerdings
unrechtmässig verhängte Interdict mit berühren. *) Ausgesöhnt mit
dem rechtmässigen Papste wurde er — wahrscheinlich kurz vor
dem Tode seines königlichen Freundes (f 14. Jänner 1092) —
auf den bischöflichen Stuhl zu Olmütz durch die einstimmige
Wahl des dortigen Capitels erhoben. ^) Seine bischöfliche Conse-
cration verzog sich aber durch dieselben Umstände, wie die des neuen
prager Bischofs Cosmas ^) bis 12. März 1094 , wo sie endlich durch
den Erzbischof Rudhard von Mainz auf einer zu Mainz versammel-
ten Generalsynode des deutschen Reichs zugleich mit der Weihe
des neuen Bischofs von Prag Statt fand. Nun erst verzichtete An-
dreas auf die seit 19 Jahren bekleidete Propsteiwürde von Leitme-
ritz. '') Unter ihm erst soll das mährische Bisthum seinen blei-
benden Sitz in Olmütz erhalten haben, nachdem seine beiden
Vorgänger angeblich die Kirche des h. Petrus in Polesowic bei We-
lehrad (nach Andern aber in Kuniowic bei Olmütz) als Kathedrale
Wenn alle Serien diesen Propst geradezu Andreas von Dubrawic nennen,
so soll diess wohl nur soviel sagen, dass die Herreu v. D. diesen Andreas
späterhin zu ihren Ahnen gezählt haben. Vgl. Palacky IL 1. 29.
') Aug. Olomuc. —
'^) Series des leitra. Capitelarchivs.
3) Bubna catal. capit. Prag. — Augustin. Olomuc. — Dubrav. —
4).Vgl. §. 47.
5) Dubrav. 1. IX. nennt ihn „electus ex corpore suo"; also war er unzweifel-
haft Mitglied des Capitels.
"«) Vgl. §.5.
7) So stimmt auch die Angabe der Serien über Aratsdauer seines Nachfolgers.
245
inne gehabt hatten. ') Andreas starb zu Ohmitz am 22. Mai 1097,
und ward im dortigen Dome beigesetzt.^)
3. Nach der Eesignation des Andreas erhielt Le tos law die
Propstei zu Leitmeritz. ^) Er war ebenfalls, wie sein Vorgänger,
einem mährischen Adelsgeschlechte entstammt, angeblich demsel-
ben, das sich später den erblichen Namen der Herren von Swabe-
nic beilegte. ^) Ist dem so, so war er ein Verwandter des nachmali-
gen Bischofs Otto von Prag, vielleicht sogar dessen Bruder und
derselbe Letoslaw, der die Kirche am Zderas in Prag gründete und
daselbst seinen am 11. Juli 1190 vom Prinzen Bfetislaw ermorde-
ten Vater Zderad, den beneideten Günstling Wratislaw^s IL begrub. ^)
Möglich, dass der zum Throne gelangte Bretislaw zur Sühne für
die am Vater verübte Schuld ebenso im Jahre 1094 unserem Le-
toslaw die Propstei von Leitmeritz verlieh, wie er später den Otto
mit einem Canonicate zu Prag und der Propstei zu Sadska, nach-
mals mit der Propstei des prager Domstifts und endlich sogar mit
dem prager Bisthum zu versorgen bemüht war. '^) Dieser Leto-
slaw hinterliess bei der von ihm erbauten Kirche am Zderas reiche
Stiftungen, die überdiess auch der Bischof Otto freigebig vermehrte. ^)
So war für die nachmalige Stiftung eines Klosters bei diesem Got-
teshause bereits eine Fürsorge getroffen worden. ^) Unser Propst
Letoslaw starb im J. 1125. ^)
1) Baibin. miscell. D. I. L. 2. C. 7. — Aug. Olomuc. edit. Fr. Xav. Ricliter
-) Eben das.. Vgl. Dobn. ann. VI.
^) Rohn (Antiquit. eccles. MS.) deutet aus Aulass der Angabe aller Serien
dass dieser Propst 32 Jahre lang im Genüsse dieser Pfründe gewesen sein
solle, die Vermuthung an, dass hier -vielleicht der Name eines zAvischeu
Andreas und Letoslaw zu setzenden Propstes fehlen könne. Positive
Anhaltspunkte gibt es für diese Vermuthung nicht. Ein 32jähriger Pfrün-
denbesitz ist übrigens bei dem Umstände leicht denkbar, dass erweislich
auch der jüngste Kleriker (oft noch im ersten Jünghngsalter) solche kirch-
liche Beneficien erhalten konnte.
*) So alle Serien der Pröpste, die ihn geradezu einen Grafen von Swabe-
nic nennen.
5) Vgl. Palack^ I. 323.
^) Bubna catal. capit. Prag.
'^) Ebendaselbst — und Dalimil.
^) Hundert Jahre nach der Erbauung ward hier das Kloster der Kreuzherren
vom Grabe Gottes gestiftet, dessen wir später gedenken werden.
'••) Nach den Serien.
246
§. 63. Fortsetzung.
4. Nach Letoslaws Tode erhielt em gewisser Beiieda die
pröpstliche Pfründe zu Leitmeritz. Ohne Zweifel gehörte derselbe
in die Zahl der Hofcapläne des ebenfalls im J, 1125 auf den Throii
gelangten Herzogs Sobeslaw. Die Serien der Pröpste sagen nichts
Weiteres von ihm, als dass er ein Enkel des Grafen Thasius ge-
wesen sei. Es ist wohl hiemit jener Graf Thaz gemeint, dessen
beide Söhne Naöerat und Wznata im J. 1085 bei der Besitznahme
der Mark Meissen durch König Wratislaw ihr Leben verloren und
damals weit berühmt waren als „riesige Scäulen des Vaterlandes und
glänzend vom Lichte der Tugenden." ') War unser Beneda der Sohn
eines dieser edlen Helden, so wollte Herzog Soböslaw durch die
Begünstigung desselben wahrscheinlich die Dankesschuld seines ei-
genen Vaters (Wratislaw 11.) zum Theile abtragen. Propst Beneda
starb nach 14jährigem Genüsse der Propstei im Jahre 1139.")
5. Von dem darauffolgenden Propste Sebastian ist etwas
Weiteres nicht bekannt, als dass er im Jahre 1144 die von Herzog Wla-
dislaw IL ausgestellte Confirmationsurkunde des olmützer Bisthums
als Zeuge unterschrieb. '^) Eben daraus geht aber hervor, dass auch
Sebastian am Hofe des Herzogs lebte, also vielleicht bis zu seiner
Erhebung zur propsteilichen Würde (1140) ein Anhcänger des da-
maligen Prinzen Wladislaw, und nun nach Berufung des letztern
auf den herzoglichen Thron dessen ergebener Capellan. Lange hat
dieser Sebastian die leitmeritzer Pfründe nicht inne gehabt ; da im
J. 1167 .bereits sein Nachfolger daselbst mit Tode abgegangen ist.
6. Als Nachfolger nennen die Serien den Hroznata, einen an-
geblichen Grafen vonMelnik und Abkömmling Slawibors des Schwieger-
vaters Boriwojs L Dieser Hroznata war ein Mann von ausgezeichneter
Frömmigkeit und Heiligkeit, so dass er dadurch sogar die Vor-
1) Cosmas ad anu. 1087. Ein zweiter Graf Tliasius würde wenigstens durch
einen Beisatz unterscMeden worden sein.
~) So die Serien.
^) Erben regesta p. 110. Irrig nennt der Index bei Erben (p. 749) diesen
Sebastianus decauus Litomericensis. Dem widerspricht schon der Wort-
laut der Unterschrift, wo Sebastianus nach den Pröpsten von Prag, Wysc-
hrad und Melnik als Sebastianus Litomericensis angeführt ist, — mehr
aber noch der Umstand, dass es bis zum J. 134:9 keine Capiteldekano in
Leitmeritz gab.
247
Züge seiner Gebiu^t verdunkelte. Er war auch einer der vorzüg-
lichsten Förderer des damals in Böhmen emporblühenden Ordens der
Prämonstratenser : als solcher schenkte er dem neuen Convente zu
Leitomysl das Dorf OlSany (20. Jan. 1167), während sein Bruder
Nemoy zu gleicher Zeit das Dorf Rugne dem neuen Stifte übergab. ')
Wir werden später erfahren, wie alsbald ein anderer Hroznata, eben-
falls Graf von Melnik genannt, dem Orden der Prämonstratenser
die Klöster zu Tepl und Chotösau erbaute, und überdiess seine sehr
bedeutenden Güter bei Leitmeritz fast durchwegs frommen Zwecken
weihte. Muthmasslich war dies ein Neffe unseres Propstes, dieser aber
ein Bruder des nachmaligen prager Bischofs Andreas und Sohn je-
nes Hroznata, der am 6. Oktober 1152 als Wallfahrer zu Jerusa-
lem gestorben war. ^) Die Serien geben das Sterbejahr unseres
Propstes auf 1157 an : nach dem oben Gesagten muss selbes jedoch
erst nach dem Jahre 1167 fallen.
7. Ihm folgte Martinus in der pröpstlichen Würde nach. ^)
Dieser ist erweislich im Jahre 1169 Propst des leitmeritzer Capi-
tels gewesen ; denn als solcher wird er in zwei für das mährische
Stift ßaigern im selben Jahre ausgestellten Diplomen des olmützer
') Erben regest. 138 u. 139. Hier wird der Schenker einfach nur Hroznata
praepositus genannt. "Wohl nenni Pesina phosp. p. 605 einen Hroznata
praepositus Pragensis, der aber nach ihm am 6. April 1152 gestorben ist,
und um so weniger der Schenker von Oläany gewesen sein kann, als ebenfalls
nach Peöina's Angabe 1161 n. 1167 u. urkundlich (Erben regest. 134. 137,
139. 143. 145. 149) sogar vor 1160—1172 Ullrich von Waldek als prager
Propst -genannt wird. Ebenso wenig war aber jener Hroznata der 1144
urkundlich genannte Propst Hroznata von Melnik; denn in den Jahren
1160—1167 war urkundlich (Erben reg. 135. 137. 139. 151. 157) bereits
sein in obiger Urkunde ebenfalls genannter Nachfolger Jurata Propst zu
Melnik. Auch war jener Hroznata nicht Propst auf dem Wysehrad; denn
dort bekleidete diese Würde urkundlich v. 1146 — 1188 ein gewisser Ger-
vasius. (Erben reg. 118—181.) Ebenso konnte er auch nicht Propst von
Sadska sein, wo nach 1165 ein gewisser Albertus (1167 ein Paltnir) dieser
Würde vorstand (Erben 137 u. 139;;' endlich auch nicht Propst v. Alt-
bunzlau, wo urkundlich von 1160 ah ein Propst Petrus erscheint. (Erben
reg. 135. 137.) Also war es ein Propst v. Leitmeritz.
~) Weleslawin Kai. bist. Vgl. Balbin's Stammbaum der Guttenstcine.
^) Mit einziger Ausnahme des M. S. v. Rohn (antiq. cccl.) kennt keine der
bisherigen Serien diesen Propst, — jedenfalls irrig, wie sich zeigen wird.
Uiberhaupt werden jene Serien hierorts mehrfach eine Vervollständigung
u. Berichtigung finden.
248
Herzogs Friedrich und ebenso in einer wieder in demselben Jahre
zu Gunsten des Johanniterordens ausgestellten Schenkungsurkunde
des Königs Wladislaw I. ausdrücklich als Zeuge angeführt. ') Es ist
daraus zugleich ersichtlich, dass Martin gleich seinen Vorgängern
als Caplan und Notarius am fürstlichen Hofe lebte. Er war der
Neffe des Propstes Gervasius vom WySehrad, des berühmten könig-
lichen Kanzlers, der in den Jahren 1158 und 1162 auch als tap-
ferer Krieger in Italien an der Seite seines Königs kämpfte % und
derselbe Notarius und Unterkanzler Wladislaws I., der als ehrsa-
mer und in der Beredsamkeit wohlgeübter Kleriker, und als beson-
ders treuer und geliebter Diener seines Fürsten bekannt, im Jahre
1164 an der Spitze einer nach Constantinopel bestimmten ehren-
vollen Gesandtschaft sich befand. ^) Die Propstei zu Leitmeritz,
die er jedenfalls der Huld seines königlichen Gönners verdankte,
besass er nicht lange. Wahrscheinlich erst um 1168 zu derselben
erhoben finden wir ihn im Jahre 1174 schon in der ansehnlichen
Würde eines Propstes des prager Domstifts, ^) zu der ihn eben-
falls die Gunst seines königlichen Herrn befördert hatte. ^) Aber
auch in dieser Stellung, die ihm ohne Zweifel durch den im Jahre
1179 ausgebrochenen Thronstreit und Bürgerkrieg herb verbittert
wurde, verblieb er nicht lange. Vielleicht in derselben Zeit, sicher
aber im Jahre 1180 trat er in den von ihm hochverehrten Orden
der Johanniter ein, — allerdings mit Vorbehalt seines pröpstlichen
Titels. '^) Diesen Orden hatte eigentlich Martin selbst in Böhmen
eingeführt; denn schon im Jahre 1156 hatte er demselben in Ge-
meinschaft mit seinem Onkel Gervasius aus eigenem Vermögen
die Kirche und das erste Hospital bei St. Maria an der prager
Brücke erbaut, ^) und ansehnliche Güter am Flusse Mies zum Be-
^) Urkunde in Erben regesta. p. 143—145 u. bei Maguoald Ziegelbauer:
Chron. mou. Brewnow.
~) Tomek Gesch. P. I. 651. Hammerschmidt gloria eccl. Wysehrad. p. 487.
3) Chron. Viucentii (Mon. Boh. I. 76). Chron. Pulkavae (ibid. IV. 188). Vgl.
ürkden. bei Erben reg. 132 u. 137.
4) Urkunden bei Erben reg. ad. 1174 etc. (p. 151, 156, 158, 166); Tomek
Gesch. Prags L 651. ■
^) Diess war jedenfalls schon im J. 1173 noch vor der Thronentsagung des
Königs geschehen.
<^) Der neue Prager Propst Peregrin wird von 1180 an genannt. Tomek 1.651.
^) „Duces et reges Bohemiae" in Monum. Boh. III. p. 35. u. Dobneri obser-
vationes pracviae daselbst p. 27.
249
sitze geschenkt. ') Jetzt nalim er auch das Kleid dieses Ordens
und zog als geistlicher Ritter ins heilige Land. Um das Jahr 1183
kehrte er von dort als „P r ä c e p t o r der r d e n s ü b e r ü n g a r n,
Böhmen und alle im Osten, Süden und Norden angrän-
z enden Länder" zurück, und erwirkte in dieser Eigenschaft die
namhaftesten Schenkungen für seinen Orden in unserem Vaterlande.
Im J. 1186 ging. er neuerdings nach Jerusalem. Von 1189 anfin-
den wir ihn abermals im Interesse seines Ordens in Böhmen thä-
tig.^) Er soll im J, 1199 noch gelebt haben. ^} Sein Sterbejahr
ist uns unbekannt.
8. Nach dem Abgange Martins erlangte D o b r o m i r die Würde
des Propstes zu Leitmeritz. Derselbe soll ein Bruder jenes Georg
TroSicky gewesen sein, der im Jahre 1158 den König Wladislaw
in den italienischen Krieg begleitet, und dort wegen ausgezeichneter
Tapferkeit vom Kaiser Friedrich ein Ehrenwappen erhalten hatte. *)
Von diesem Propste ist weiter nichts bekannt, als dass er schon um
1170 gestorben sein soll. ^) Wahrscheinlicher ist es aber, dass er
um diese Zeit erst zur pröpstlichen Würde gelangte, und bis um
das Jahr 1187 dieselbe verwaltete; denn in letzterem Jahre erst wird
sein Nachfolger urkundlich erwähnt. Da Dobromir's Name in den
noch aufbewahrten öffentlichen Urkunden dieser Zeit nicht genannt
wird, liesse sich vielleicht vermuthen, dass dieser Propst damals
irgendwo ausser Landes lebte, etwa am Hofe der nach Wladislavs
Thronentsagung zu Merane in Thüringen wohnenden Königin Judith.
9. Vom Jahre 1187 an erscheint urkundlich der Propst Ka-
dosta von Leitmeritz. '') Unsere Serien (sowie auch einige Wyse-
hrader Urkunden) nennen ihn auch Gaudentius. Es ist diess ohne
Zweifel dei^selbe Radosta, den wir in den Urkunden um 1174 als
Caplan Soböslaws IL, des Bauernfürsten, kennen lernen, '') und wie-
') ürkde. Erben reg. 181.
'^iDobneri aimal. VI. 534, 570, 590; Erben regesta p. 167, 174, 183; Bubna
Canon, cap. Pi'ag.
^} Bubna 1. c.
*) Illust. Chronik v. Böhmen IL 508; Crugerius,* vergl. Chron. Neplachonis,
Pulkavae, Hajek etc. ad ann. 1059.
^) So die Serien mit Ausnahme Rohns.
«) Erben reg. p. 179, 180, 183.
') ürkde. Erben reg. p. 150. *
250
der derselbe Eadosta, welcher iin J. 1181 als Canonicus des i)ra-
ger Capitels erwähnt wird, ') Von 118Y au erschemt er ohne Un-
terbrechung bis zum Jahre 1199 als Propst von Leitmeritz, ^) welche
kirchliche Würde er wahrscheinlich dem Herzoge Friedrich zu ver-
danken hatte. Dass auch er als Hofgeistlicher in beständiger Nähe
seines Fürsten lebte, dafür bürgt seine wiederholte Zeugenschaft in
landesfürstlichen Urkunden ^) ; für seine thätige Verwendung in öffent-
lichen Angelegenheiten aber zeugt seine Theilnahme am Landtage
zu Sadska im J. 1189, wo unterschiedliche Gesetze für die Ruhe
und Ordnung des Landes festgesetzt wurden. "*) Sein Sterbejahr
ist uns nicht bekannt. ^) Jedenfalls schloss er das zwölfte Jahr-
hundert ab, und wir nehmen desshalb von ihm Uibergang auf die
Vorsteher des andern Collegiatstifts innerhalb der jetzigen Grän-
zen des leitmeritzer Bisthums.
§. 64. Die Pröpste des Collegiatstifts zu Melnik.
1. Als erster nachweisbarer Propst zu Melnik erscheint in
den Serien ") S e v e r u s, und zwar um das Jahr 1086. Demselben wid-
mete unser ältester Chronist Cosmas seine oft erwähnte Chro-
nik. Er nennt ihn in seiner Widmungsschrift seinen geliebten Freund,
und einen Mann, der mit wissenschaftlichen und geistlichen Kennt-
nissen gleichmässig ausgerüstet sei. ') Vordem war er des Cos-
1) Ebene], p. 166.
2) Zuletzt noch 1199 als Zeuge in einer Urkunde des Herzogs Otto. (Dob-
neri anual. VI, 590.)
3) Erben reg. 179, 180, 183.
4) Pubitschka IV. 401.
^) Die bisherigen Serien setzten irrig sein Ableben in das Jahr 1188. Nur
einige (Bretfeld, Weidner, illust. Chronik) sagen, — ebenfalls irrig, —
dass sein Name 1188 zum letzten Male genannt werde.
•^j Dem Verfasser sind folgende Serien der melniker Pröpste zur Hand:
1. Die Series des „Extractus ex libro memorabilium decanalis ecclesiae
Melnicensis" von Dechant Josef Ritter von Wlkanowa 1726, — geschöpft
aus den wenigen noch übrigen Akten in Melnik u. aus dem „Extractus de
annalibus monasterii S. Joannis sub rupe fol. 25 (Diadochus seu successio
quox'umdam D. D. praepositorum coUeg. eccl. Melnicensis)", das M. S. im
Icitm. bisch. Archive. — 2. Die Series in Rohns; Antiquitates ecclesiaruni
circuli Boleslav. p. 85 et seq. — Keine dieser beideii Serien ist vollständig.
'^> Cosmas.
251
mas Mitcapitiilar im prager Domstift gewesen. ') Weiteres ist von
ihm nicht bekannt. Wahrscheinlich aber gehörte er ebensowohl
wie seine Nachfolger zur Hofgeistlichkeit des regierenden Landes-
fürsten. Auch sein Sterbejahr ist nirgends ausdrücklich erwähnt.
Aus dem Umstände aber, dass Cosmas sein Werk erst kurz vor
seinem im Oktober 1125 erfolgten Tode vollendete, und erst in die-
ser Vollendung unserem Propste Severus weihte, lässt sich schliessen,
dass letzterer wohl erst nach dem Jahre 1125 aus dem zeitlichen
Leben geschieden sein muss.
2. Als seinen Nachfolger nennen die Serien um 1 1 25 den Propst
Gervasius. ^) Es ist diess wahrscheinlich derselbe Gervasius, dem
Cosmas das um 1110 fertig gewordene erste Buch seiner Chronik
gewidmet hatte. Damals war dieser Gervasius noch „Obertältester"
(archigeron) oder Vorstand der Schule der Kleriker am prager Col-
legiatcapitel, und anerkannt als in allen Studien der freien Künste
vollkommen bewandert und in der Kenn tniss jedweder Wissenschaft
ausgezeichnet. ^) Näheres ist auch von ihm nicht bekannt. Dass
er mit dem im Jahre 11*78 abgeschiedenen obersten Kanzler und
Propste Gervasius (Kanzler bereits 1146*) von WySehrad eine Per-
son gewesen sei, ist wohl nicht unmöglich aber doch etwas unwahr-
scheinlich, indem er dann mindestens ein Alter von 100 Jahren er-
reicht haben müsste.
3. Um 1144 wird in öffentlichen Urkunden ein melniker Propst
Hroznata genannt. ^) Damals gehörte er unzweifelhaft zur Hof-
geistlichkeit des Herzogs Wladislaw. Weiteres wissen wir nicht
von ihm, falls er nicht identisch ist mit dem nachherigen Propste
Hroznata von Leitmeritz. ^) Die Beförderung von Melnik nach Leit-
meritz hat allerdings einige Beispiele für sich.
4. Als nächster Propst erscheint Jurata, den mehrere lan-
desfürstliche Urkunden aus den Jahren 1160 bis 1168 unter die-
•") Bubna can. cap. Prag.
~) Obige Serien.
''j Cosmas am Anfange des 1. Buches. Vergl. Scriptor. rer. boh. Tom. !•
praef. p. XL et X.
4) Erben reg. 118.
^) ürktl. bei Erben reg. 109, 110. Die oben citirten Serien Itennon diesen
Propst niclit.'
e)Ygl. oben §.63.
252
sem Titel als Zeugen aufführen. ') Dieser Propst ist doppelt in-
teressant, einmal im Allgemeinen, indem späterhin ein rechtmässi-
ger Sohn desselben auftritt, so dass Jurata entweder als Propst
(wohl ohne die Priesterweihe) oder vordem verheiratet war, — und
dann wieder insbesondere für die jetzige leitmeritzer Diöcese, in-
dem ihm ein Theil der heutigen Stadt Grabern als Eigenthum gehörte.
Erweislich vertauschte nämlich des Jurata Sohn Chren sein Erbgut
in „Cravar" mit der ganzen dazu gehörigen Waldung gegen den
Hof Radowesic an das Kloster zu Doxan. ^) Jurata scheint im J.
1168 mit Tode abgegangen zu sein. ^)
5. Ihm folgte bereits im Jahre 1168 der berühmteste aller
Pröpste von Melnik, der selige Adalbert.
Adalbert war der dritte Sohn des Königs Wladislaw, geboren
von Gertrud von Oesterreich, der edlen Stifterin des Jungfrauen-
klosters zu Doxan. Nachdem er als etwa achtjähriger Knabe seine
Mutter durch den Tod verlören hatte, Avard er in das neugegrün-
dete Prämonstratenserkloster Strahow zur Erziehung gegeben, ebenso,
wie nachmals seine ebenfalls als seiig verehrte Schwester Agnes
in das Kloster zu Doxan. *) Hier lernte er von Kindheit auf das
geistliche Leben kennen und lieb gewinnen. Hier sammelte er auch
einen reichen Schatz von Kenntnissen und erwarb jene ausgezeich-
neten Tugenden, die ihn bald allerwärts bekannt und beliebt mach-
ten. Er widmete sich bleibend dem geistlichen Stande und erhielt,
kaum 24 Jahre alt die eben erledigte Propstei des Collegiatstifts
zu Melnik (1168). Noch in demselben Jahre aber wählte ihn das
Domcapitel zu Passau zu seinem Bischöfe, und bevor er noch Zeit
') Erben reg. 135, 137, 139, 141.
«) Urkunde bei Erben reg. ad ann. 1176. p. 157. Tomek I. 100 verlegt
. irrtMmlicb dieses Ci'awar hinter LibeA bei Prag. Wir kommen darauf
bei Besprecliung des Klosters Doxan wieder zurück.
3) Eine Vermuthung drängt sich auf: War vielleicht der 1145 vom Cardinal
Guido wegen seines verheirateten Standes entsetzte prager Propst nach-
mals wieder zu einem geistlichen Amte gekommen? Wurde er in einer Zeit
da die Reformation Guidos wieder vielfach umgangen ward, mit der Propste '
Melnik versorgt? (Vgl. §. 52.)
*) Chron. Pulkavae ad ann. 1151. (Mon. Boh. III, 166). Mika „das ruhmwür-
dige Doxan" p. 21, cit. Strahöwer Jahrbücher. Vgl Palacky I. 430.
253
gewonnen hatte, die Annähme dieser Würde zu erklären, erkor ihn
auch das Capitel zu Salzburg zu seinem Metropoliten. ')
Von da an begann die Zeit schwerer Leiden für Adalbert.
Das Salzburger Domcapitel, bisher wegen seiner offenen Erklärung
für den rechtmässigen Papst Alexander III. vom Kaiser Friedrich
viel verfolgt, hatte den böhmischen Prinzen in der Hoffnung ge-
wählt, dass dieser wenigstens als Sohn eines langjährigen Freundes
dem gereizten Kaiser genehm sein und so die kaiserliche Bestäti-
gung finden werde, und dass man so nicht erst genöthigt werden
möchte, einen erklärten Schismatiker als Erzbischof anzunehmen.
Diese Hoffnung war vergeblich. Dem Kaiser stand die Parteinahme
für seinen schismatischen Papst höher, als die schon längere Zeit
schwankende Freundschaft mit dem böhmischen Könige. So kam .
es, dass Wladislaw und Adalbert auf dem Hoftage zu Bamberg statt
der gewünschten Belelmung des letztern mit den Regalien — nicht
einmal Zutritt erhielten. (8. Juni 1169.) Ja der Kaiser brach sogar
noch im folgenden August mit bewaffneten Schaaren gegen Salz-
burg auf, und strafte durch furchtbare Verwüstung des Landes das
ihm verhasste Capitel. -) Vergeblich bemühte sich Adalbert den
erzürnten Kaiser zu versöhnen, indem er demselben die Feste und
Stadt Salzburg und alle Burgen, Ministerialen, Ortschaften und
Zehnten des Erzstifts ohne Vorbehalt als einzigen Gegenstand weltli-
chen Interesses überlieferte, ja sogar noch 5000 Mark Silbers und
20 Pfund Goldes herauszuzahlen versprach, und selbst nichts Wei-
teres haben wollte, als sein geistliches Amt, ^) das er durch Con-
secration von Seiten des Patriarchen zu Aquileia und durch Em-
pfang des erzbischöflichen Palliums von Seiten des Papstes Alexan-
der III. bereits übernommen hatte. *) Alles war vergeblich. Fried-
rich bedrängte das Capitel, dass es zu einer neuen Wahl schreite, ^)
und befahl strengstens dem Klerus des erzbischöflichen Sprengeis,
dem Erzbischof Adalbert den Gehorsam zu verweigern. ") Aber
1) Palacky I. 453.
3) Vgl. Ebeudcaselbst I. 454.
3) Vgl, Urkde, Erben reg. 142.
■*) Inthronisirt am 1. Nov. 1168, zum Priester geweiht und consecrirt zum
Bischöfe 15—16 März 1169. Damberger synchr. Gesch. VITI. 863.
5) Ebendas.
«) Urkde. ebendas. 145 ad ann. 1170. Damberger VIII. 893, 894, 899.
254
auch dieses war vergebens. Der grössere Theil der Capitularen
widerstand dem kaiserlichen Ansinnen aus Begeisterung für die ge-
rechte Sache, der Klerus aber fürchtete die angedrohten kirchlichen
Censuren mehr, als den Zorn des Kaisers. ') Adalbert selbst flüch-
tete zu seiner persönlichen Sicherheit erst in die Gebirge von Kärn-
then und 1170 in das obersteierische Kloster Admont. -) Ohne Er-
folg blieb ein Versuch unseres Königs Wladislaw, durch den Bischof
Wigmann von Magdeburg seinen Sohn mit dem Kaiser zu versöh-
nen ^) (1171). Indess ermahnte der Papst Alexander III. unseren
Fürsten wiederholt (1171 und 1172), seinen Sohn und die Kirche
von Salzburg standhaft zu vertheidigen. *) Wladislaw aber fühlte
bereits zu sehr, dass seinem durch mehrere Krankheiten geschwächten
Leben das Ende nahe, und es war ihm viel zu viel daran gelegen, sei-
nem ältesten Sohne die Nachfolge in Böhmen zu sichern, als dass
er jetzt einen unabsehbaren Kampf gegen den Kaiser hätte eröff-
nen mögen. ^) Drum begnügte er sich, noch einmal im Jahre 1172
den Weg der Unterhandlung zu betreten. Zu diesem Zwecke be-
suchte er deii Hoftag des Kaisers zu Salzburg, und drei Suffragane
von Salzburg vereinten dort mit ihm ihre Bitten für Adalbert. Da
war der Kaiser endlich bereit, den Adalbert wieder in Gnaden auf-
zunehmen : jedoch müsse derselbe gegen anderweitige Entschädi-
gung mit geistlichen Würden jedenfalls dem salzburger Erzbisthume
entsagen. Solche Bedingung aber nahm Adalbert nicht an und
floh neuerdings in die Gebirge. ^) Mehr als je zürnte nun Fried-
rich ihm und dem salzburger Capitel, das treu an seinem Metro-
politen hielt. Harte Drohungen eröffneten die Feindseligkeiten (11 73).^)
Uiberdiess erhob sich jetzt im kaiserlichen Auftrage der Herzog
Heinrich von Kärnthen, um den armen Erzbischof allerwärts zu ver-
folgen und seine Anhänger in jeglicher Weise zu bekämpfen. ^) Auch
>) Vgl. Urkde. Erben 142. u. 150.
^) Henricus arcMdiac. Salisburg. item cliartae arcWepiscopales bei Hansiz II.
288; also weilte er nicht in Mähren u. in seiner Propstei zu Melnik, wie
Pulkawa erzählt.
3) Urkde. bei Erben reg. 146.
*) Urkden Erben reg. 147.
5) Vgl. Palacky I. 455.
«) Vgl. Urkde. Erben reg. 148.
7j Vgl. Urkde. Erben reg. 150.
^) Urkde. in Erben reg. 152.
255
die Grafen von Plauen verdienten sich in gleichem Kampfe des Kai-
sers Lob. ') Der unglückliche Erzbischof, der nach der Thronent-
sagung seines königlichen Vaters (1173) keine Hilfe mehr aus dem
Vaterlande gewärtigen konnte, wurde nun sogar auf einem Reichs-
tage zu Eegensburg (26. Mai 1174) förmlich — obwohl unrechtmässig
— abgesetzt, und der Propst Conrad von Berchtesgaden an seine
Stelle eingedrängt. ") Da verliess endlich das eingeschüchterte Ca-
pitel seinen hartbedrängten Metropoliten. ^) Einzig nur der Herzog
Heinrich Jasomirgott von Oesterreich bot ihm noch Schutz, obschon
er desshalb vom böhmischen Bauernfürsten auf kaiserliches Geheiss
mit Krieg überzogen ward (1175). Da machte endlich der Friede
von Venedig (24. Juni 1177) dem Kampfe zwischen Friedrich und
dem Papste ein Ende: hiemit musste auch Friede werden zwischen
Ersterem und dem Erzbischole Adalbert. Der fromme, aller Eigen-
sucht bare Kirchenfürst legte zu diesem Ende seine ganze Sache
in die Hände des Papstes. *) Auf dessen Wunsch brachte er seine
Person dem eben geschlossenen Frieden zwischen Kirche und Reich
zum Opfer. Er resignirte auf das salzburger Erzbisthum. ^)
Während des ganzen Kampfes hatte AdalKert die Prep st ei
von Melnik sich vorbehalten. Einer Administration daselbst hatte es
aus dem Grunde nicht bedurft, weil die wenigen damit verbundenen
geistlichen Functionen ohnehin von jeher (da die Pröpste selten
Priester, sondern meist nur niedere Kleriker waren) durch ange-
stellte Vicare besorgt wurden. Aber nur, so lange sein Vater in
Böhmen regierte, wahrte man dort des bedrängten Sohnes Recht.
Gleich nach Wladislaws Thronentsagung . (anfangs 1173) finden wir
dort einen — ohne Zweifel vom Herzoge Sobeslaw erwählten Propst,
Namens Hieronymus. So sollte, das Schisma auch selbst hieher
sich verpflanzen. ") Dieser Hieronymus wird zugleich als Magister der
Gottesgelehrtheit aufgeführt und war ohne Zweifel einer der Hofgeist-
') Urkde. in Erben reg. 152.
-) Palacky I. 466. Damberger Vni. 924.
3) Urkde. Erben reg. 154.
4) Palacky I. 467,
5) ürkden. reg. 160. Damberger VIII. 989.
"; Dass Hieronymus wirklicher Propst u. nicht bloss Administrator war,
dafür bürgt ausser Obengesagtem seine Unterschrift in öffentlichen Urkunden
bei Erben reg. 149 ad 1172 (reete 1173).
256
liehen des neuen, dem Adalbert feindseligen Fürsten. Er muss
aber bereits im Jahre 1174 gestorben sein. Denn im nächstfolgen-
den Jahre l)efiehlt Kaiser Friedrich dem Herzoge Soböslaw, die er-
ledigte Propstei zu Melnik einem kaiserlichen Verwandten zu ver-
leihen, dem Soböslaw vor Kurzem die Stelle eines Hofkaplans ent-
zogen hatte. ') Es ist kaum zu zweifeln, dass der Herzog dem Be-
fehle des Kaisers wirklich nachkam. Doch ist uns der Käme des
neuen Propstes nicht mit Sicherheit bekannt. Nur die Bezeich-
nung desselben mit „ße" lässt den Namen Benedikt (Benko) ver-
muthen. Vielleicht war es derselbe Benedikt, den wir später als
Propst von Leitmeritz kennen lernen werden.
Adalbert kehrte nach seiner im Jahre 1177 erfolgten Resig-
nation auf Salzburg und nach der Vertreibung des ihm feindlichen
Bauernfürsten Sobeslaw im Jahre 1178 nach Böhmen zurück, und
nahm nun wieder ohne Anstand Besitz von seiner Propstei zu
Melnik. Der Kirchenfriede musste selbstverständlich auch hier
das Schisma enden. Er lebte nun in Melnik selbst in frommer
Zurückgezogenheit. „Uiber seine Sanftmuth, Frömmigkeit und Hin-
gebung war unter seinen Zeitgenossen nur eine Stimme." Sie ver-
söhnte endlich auch den ihm feindlich gesinnten Kaiser, der ihm
1182 die Rückerstattung seines Erzbisthums versprach, und dieses
Versprechen im nächsten Jahre wirklich erfüllte. ^) Adalbert blieb
nun wohl immer noch Propst von Melnik, zog aber nach Salzburg,
um dort ganz für sein heiliges Amt zu leben. In den Jahren 1184
und 1189 sollte er sich noch der Würde eines apostolischen Lega-
ten erfreuen. ^) Endlich beschloss er im Rufe der Heiligkeit sein
vielbewegtes, leidenvolles Leben am 7. April 1200. Unsere Vor-
fahren verehrten ihn als einen Seligen. *)
§. 65. Das neue CoIIegiatstift Wysehrad.
1. Herzog Wratislaw II. hatte bereits um 1068 in Folge eines
Gelübdes ^) den Grund zur Kirche des h. Petrus in der alten Für-
') Urkde. Erben reg. 155, 156. Der neue Candiclat wh'd im jetzigen Texte
der Urkunde nur mit Be bezeichnet.
-) Palacky I. 475.
3) Urkde. Erben reg. 172, 188.
*J Bubna Canon, cap. Prag.
^) Dass ein Gelübde der Grund war, bestätigt die Bulle Alexanders 11. ad
257
stenburg Wyselirad gelegt, in der Absicht, dabei ein neues Colle-
giatstift zu gründen. ') Den Grundstein hatte auf seine Verwen-
dung ein eigens dazu von Eom gekommener päpstliclier Legat, Jo-
hannes Bisehof von Tusculum, gelegt und Wratislaw selbst hatte
dabei 12 Körbe voll Erde auf eigenen Schultern zugetragen. -) Be-
reits unterm 9. Mai 1070 konnte Papst Alexander IL dem neuen
Gotteshause, bei welchem 12 Capitularen nebst einem Propste und
einem Dechante den heiligen Dienst versehen sollten, auf Wrati-
slaws Verwendung den Schutz des apostolischen Stuhles nnd den
Ehrenrang als einer Hauptkirche des Landes verleihen, unter Einem
die bereits erlangten Besitzungen bestätigen, und den Capitularen
den Gebrauch der bischöflichen Mitra und Sandalien zugestehen. ^)
2. Ausnehmend reich war die Dotation des nunmehrigen
ersten u n d vornehmste n aller Collegiatcapitel in Böhmen und
Mähren. Herzog Wratislaw war gegen dasselbe überaus freigebig
in der Widmung von Ortschaften, Zinsungen und dienstbaren Leu-
ten. Auch dnr Bischof Gebhard (Jaromir) von- Prag schenkte dazu
200 und Bischof Johann von Olmütz 100 zinsbare Unterthanen. "^j
Weiterhin beeiferten sich auch die Nachfolger sowohl auf dem her-
zoglichen als bischöflichen Stuhle und nicht minder die Edlen des
Landes, den Glanz des Wysehrader Stiftes durch neue Schenkungen
zu vermehren. So gelangte dieses zu einem Reichthume, der als-
bald im weiten Vaterlande seines Gleichen suchte. So wurden auch
die Würden — nicht bloss des Propstes und Dechants, sondern
auch der einfachen Capitularen einerseits immer mehr ein Gegen-
1072. Gegen die Angabe des Hajek u. Dubravius, welcbe behaupten, Wra-
tislaw habe den ganzen Plan der neuen Capitelstiftung nur seinem bischöf-
lichen Bruder zum Possen gefasst u. ausgeführt, spricht ausser der Natur
der Sache auch noch der Umstand, dass Bischof Gebhard (Jaromir) selbst
bei der Dotation des neuen Stifts sich betheiligte. (Vgl. dieselbe Bulla
Alexanders II., u. Pesina phosph. p. 266.)
') Hammerschmidt gloria et majestas ecclesiae Wysehradensis. Ruffer:
Historie Wysohradsliä 38 etc.
-) Urkde. Alexanders II. in Erben reg. p. 57. Vielleicht hängt niit dieser
Grundsteinlegung durch einen römischen Legaten die seltsame Sage zu-
sammen: der Teufel habe bei Gelegenheit dieses Baues eine Säule von
Rom herbeigetragen.
•*) Dieselbe Urkunde Alexanders II. u. Tomek Gesch. Pr. I. 86.
'*) Obige Urkunde Alexanders 11.
17
258
stand der Bewerbung für die edelsten Familien, und anderseits eine
besondere Auszeichnung für die verdientesten Kleriker des Landes.
Als Präbenden dieses Capitels werden im J. 1384 aufgezählt, ')
und zwar mit Ausschluss der Propstei, der Dekanie und Schola-
sterie : Die Custodie-Präbende Kbel (2 Schock 6 G.), die einfachen
Präbenden Modfanov (2 Seh.), Wr§owice mit Wotice (1 Seh. 12 Gr.),
Tritec (36 Gr.), Kustoplach (Kostomlaty ?), Sitka (2 Seh. 6 Gr.),
Snöt (1 Seh. 26 Gr.), die Präbende bei Saaz (3 Seh. 4 Gr.),
Pfeska (42 Gr.), Blazejowice und Branice (34 Gr.), die Präbende
in Elbogen (1 Seh. 10 Gr.), Hohenmauth (0), Hroznetice und Ho-
fice (1 Seh. 12 Gr.), Dymice (1 Seh. 6 Gr.), Hefman (0), 2ili-
mir (1 Seh. 12 Gr.), Jezov mit Kralowice (1 Seh. 12 Gr.), die 2
Präbenden in Blazejowice und Branice (34 und 30 Gr.), Öesowice
(32 Gr.), Tomice (15 Gr.), Chrystoklad (0), 2 Präbenden in Libe-
znice (jede 2 Seh.), UrSawa (30 Gr.), — und die Obedienz in Ka-
menny Most (30 Gr.).
3. Im Umkreise der jetzigen Diöcese von Leitmeritz lagen
folgende Besitzungen des Capitels:
a. Der Gutscomplex von Schütte nitz (Sitenice). Schon bei
der Stiftung des Capitels (1068) gelangte diese noch heute zu Wy-
§ehrad gehörige Besitzung an das genannte Capitel, und zwar, wie
die dem Inhalte nach verlässige sogenannte Stiftungsurkunde ^) aus-
drücklich besagt, — das ganze Dorf mit Wein- und Obstgärten,
angehend von der Quelle, die im Berge Lbin (jetzt Welbine) ent-
springt, bis an die Marktstrasse herab. Ausserhalb dieser Grän-
zen bestand — wie schon erwähnt wurde — eine Obedienz des
leitmeritzer Collegiatstifts. Die Pfarrkirche in Schüttenitz ward um
das Jahr 1200 von dem Propste Siegfried von Eppenstein (zugleich
Erzbischof von Mainz, nachmals Cardinal) erbaut und feierlich con-
secrirt. ^) Nachmals geschah unter König Wenzel I. (c. 1230J ein
Vergleich zwischen dem Propste und Capitel betreffs der beidersei-
tigen Rechte in Schüttenitz: hiebei wurde bestimmt, dass die Col-
1) Regist. decim. Die beigefügten Beträge sind die Halbjahrszehente v. 1384
und lassen auf den Reichthura des Capitels schliessen.
*) Erben reg. 77. Diese Stiftungsurkunde ist zwar nicht authentisch, aber dem
Inhalte nach wahrhaft. (Tomek. G. Pr, I. 86.)
3) Anonymus Gontinuator ephemeridum Litomeric. M. S. der strahöver Stifts-
bibliothek.
259
latur über die Pfarrkirche daselbst dem gesammten Capitel zuste-
hen solle. ') Später scheint diese Bestimmung wieder abgeändert
worden zu sein, indem erweislich in der zweiten Hälfte des 14.
Jahrhunderts und weiterhin diese Collatur als ein ausschliessliches
Recht der Pröpste erscheint. ^) Die Dotation der Pfründe war so
vorzüglich, dass ihre Beisteuer zum allgemeinen Kirchenzehent im
J. 1384 halbjärig auf 24 prager Groschen fatirt werden konnte. ^)
Im Jahre 1408, 26. April übertrug ein Weinbergbesitzer daselbst
noch den Zehent von seinem Weinberge aus freien Stücken an jene
Kirche. '*) Im J. 1410, 4. Juni verpfändete König Wenzel dieses
Dorf sammt den dazu gehörigen Ortschaften um 500 Schock böhm-
Groschen an Hasko von Robeö, ^) von dem es nachher auf eine Zeit
an die Herren von Raupowa gelangte. — Als dazu gehörige Orte
werden erwähnt: Lb in (das heutige Welbine) '^), Skalice, das
heutige Skalitz am Schüttenitzer Bach, Tynec (Teinitzl, Gut Za-
hofan), Malego w (Maischin, ebendaselbst), Wrutice (Webrutz,
GutEnzowan), Kojetic (Gojeditz, Gut Schwaden), ^) Aujezd (Gut
gl. N.), ein Zehent in Leitmeritz, ^) und das Patronat der S.
Peter scap eile in der Vorstadt daselbst. ")
') Urkunde in Hammerschmidts: gloria et majestas eccle. Wyseh. p. 182 etc-
-j Libri Confirm. M. S. 11 und VII. Collatoren 1370 und 1372 Propst Johann
1416 Albik, zugleich Erzbischof von Caesarea). Beide Pröpste ßind in der
Series bei Hammerschraidt nicht erwähnt.
3) Codex decimarum.
4) Lib. Erect. VIII. B. 3.
5) Palacky Archiv IL 453.
^) Vgl. Stiftungsurkünde.
') Ebendaselbst.
^) Vergleichsürkunde 1239 bei Hammerschmidt p. 182.
") Libri Confirm. M. S. ad 1402 und 1417. Als für diese Capelle präsentirende
Pröpste werden da genannt; 1402 Nicolaus (nebst Boöko von Kunstadt), 1417
Albik V. Cäsarea. Auch diesen Nicolaus kennt die Series bei Hammerschmidt
nicht. Der Standort dieser Kapelle ist jetzt unbekannt. Vielleicht lässt der
Umstand, dass der Propst auch das Zinsrecht von einem Eibbade nebst ün-
terthaneh in Leitmeritz besass, vermuthen, auch jene Kapelle sei nahe an
der Elbe (etwa in der heutigen Mariahilfvorstadt) gestanden. (1177 ertheilte
K. Ottokar dem Capitel ein Privilegium, kraft dessen die Unterthanen des
Capitels in Leitmeritz nicht zu den städtischen Gerichten gezogen werden
durften, und das auf Propsteigrunde erbaute Eibbad dem Propste zinsen
sollte. Hammerschmidt p. 210.
17*
260
b. Als Vermäclitniss des Nemoy von Wrsowec gediehen im J.
1 108 (nach dem Tode seiner Gemalin) an das Wygehrader Stift die
Dörfer öernuc und Wra§kow (G. Doxan), Skräin (bei Kosel), Ch ra-
ber ce (bei Laun) nebst Libyn (im rak. Kreise). ') Wahrscheinlich
verfiel diese Erbschaft anfänglich mit in die Confiscation der Wr§o-
wecischen Güter. Sicher befanden sie sich erst 1174 im Besitze
des Capitels. *) üiberdiess besass letzteres in dieser Gegend schon
vom Anfange her 1 Pflugmass zinsbaren Ackers nebst l Eleider-
wäscherim Pfarrdorfe Liböewes (Liebschhausen) ■'), 2 Pflugmasse
derselben Eigenschaft in 2lihlic (Schichlitz bei Teplitz); undv\rei-
terhin im saazer Kreise 1 Pflugmass und 1 Bergmann im alten Pfarr-
dorfe Uhostany (Atschau, G. Milsau) '*), 1 Pflugmass und einen
Töpfer in Lomasic ^) (Laraetitz G. Pohlig), 1 Pflugmass und 1
Fischer in Trnowan (Tyrnowan G. Dobritschan), und 1 Gerber,
1 Kelchner und 1 Eisenarbeiter in S a a z.
c. Im bunzlauer Kreise gehörten dem Capitel das jetzt ver-
schwundene Dorf Eymany (bei Liboch), ein Theilvon 2; e lein
bei Melnik •'), 15 Pflugmasse Ackers in Melnik'), 7 Ansässig-
keiten mit den betreffenden Unterthanen in Heikowice (G. Do-
browice), 1 Pflugmass nebst einem dienstbaren Schmiede im Pfarr-
dorfe Jesenik (G. Kiinec) *), 7 Ansässigkeiten und 4 Winzer in
1) Urkunde Erben reg. 85.
2) Tomek G. Pr. I. 89.
3) Dieses Pfarräorfes ward schon unter den Besitzungen des prager Domca-
pitels gedacht.
4) Stiftungsurkunde Erben reg. 85. Uho§tany hatte erweislich schon vor 1 363
eine eigene Pfarre; denn in diesem Jahre installirte der dortige Pfarrer
den Seelsorger in Okenow (Lib. confirm.) Doch war die Pfründe ziemlich
arm, da sie 1384 nur 3 böhm. Groschen als halbjährigen Kirchenzehent ab-
liefern konnte. (Codex decimarura.)
5) 1384 war die Pfarrpfründe noch so arm, dass sie keinen Zehent entrichten
konnte. (Cod. Deci'm.) 1411 20, April schenkte Wenzel von Polak der Kirche
eine Zinsnng von 1 Schok 6 Gr. (Erect. VIII. N. 6.)
'') Ersteres wurde 1410 von K. Wenzel an Hasko v. Robec, letzteres von K.
Sigmund 1420 an Jan v. Brnikova verpfändet. (Palacky Archiv I. u. IL)
') Hammerschmidt 247. Eilf davon wurden erst 1321 v. Königin Elisabeth
geschenkt. (Ebend. 261.) .
^) Stiftungsurkunde Erben reg. 85. Auf dieses uralte Pfarrdorf, dessen Col-
. laturrecht nachmals dem Johanniterorden zustand, (Lib. confirm. ad 1383)
kommen wir später ausführlicher zu sprechen.
261
Badry (?) und 3 Pliugmasse Ackers im Pfarrdorle Bezno. ') Letz-
tere Besitzung war immerhin so bedeutend, dass später drei Ca-
nonici ihr Einkommen davon beziehen konnten. ")
d. Von den Landeseinkünften flössen dem Capitel zu: der
zehnte Theil der allgemeinen Friedenssteuer (mir) von 16 ^upen (da-
runter die von Leitmeritz, Saaz, Bilin, Tetschen, Bunzlau, Kame-
nec, Hawran), der zehnte Theil der Verkaufstaxe (venditiones, in 4
^upen (darunter Karaenec), bestimmte Antheile an einigen Zöllen
(ausserhalb der jetzigen leitra. Diöcese), die Einkünfte von 3 Uiber-
fuhren (darunter eine bei Laun), verschiedene Bezüge aus den kö-
niglichen 2upenburgen (Tisch- und Handtücher) nebst einer Menge
Naturallieferungen von den königlichen Maiereien des Landes, end-
lich der Zehent vom Masserträgnisse des Marktes in Budissin. ^)
§. 6G. Das CoIIegiatstift Sadska.
1. Dieses Stift hatte seinen ehemaligen Sitz zu Sadska un-
weit von Nimburg, zunächst an der Gränze der gegenwärtigen Diö-
cese Leitmeritz. Der Gründer desselben war Herzog Bofiwoj H.
Dieser war der frommen Uiberzeugung, dass er seine Bettung aus
dem jahrelangen Kerker vor Allem der Fürbitte des h. Apollinaris
') Stiftungsurkuiide, wie oben. Die Pfarre Bezno war nächst der Burg Pösig
wahrscheinlich die erste Pfründe des Dekanates Kamenec. Sie zahlte auch
1384 nächst Pösig den höchsten Kirchenzehent im Dekanate (30 gr.). Als
Collatoren erscheinen in den Confirmationsbüchern: 1373 Bohunek de Li-
bis, 1899 Bohunek cliens de Bezna, 1417 Bohusek u. Ctibor de Bezna.
(Vgl. CoIIegiatstift Altbunzlau.)
-) Tomek G. Pr. S. 99.
^) Tomek Gesch. Pr. 87 u. 88. resp. Ötiftuugsurkunde. Uibrige ursprüngliche
Besitzungen: Im rak. Kr. Hostin, Wojkowic,' ein Theil Hoholic, dessglei-
chen von Blahotic, Lobeö, Ilornin, Drahlic, Budehostic, Kamenmost, Rez,
Podlesin, Knowiz, Libosin, Auherz, Dehnic, Knezewes, Modriluh, Tynec,
Jinonic, Butowic, Leteii und Buben. Im kaui". Kr. Theile von den Dörfern
Öakowic, Kaöihora, Stitar, Nesraen, Woderad, Kaui-im, Ghotis, Sluh, Psar,
Jesenic, Wrböan, Ilradist, Klk, ßi-ezan, Ghwal, Dubeö, Cenetic, Wrsowic,
Nusel, Bast, Zabehlic, Branik und Winof. Im her. Kr. Theile der Dörfer
Bojeäic, ^inan, Brod, Obrin, Wrhowic, Let, Suchomast, Swinai', ^IhoAV, Mo-
kropes, Honic, Holyii, Koraoran und der Berg Plesiwec bei Karlstein, Im
prach. Kr. Theile von Susiö und Rastyl. Auch Unterthanen in Prag selbst.
(Näheres Tomek Gesch. Prags I. 86—88.)
262
zu verdanken habe, und verehrte seitdem diesen seinen Schutzpa-
tron mit glühender Andacht. Als er im J. 1115 neuerdings den
Thron bestiegen hatte, gründete er aus Dankbarkeit zu Sadska eine
prachtvolle Kirche zu Ehren des h. Apollinar, dotirte sie mit rei-
chen Einkünften und stiftete für den heiligen Dienst bei derselben
ein Collegiatcapitel mit einem Propste an der Spitze.') Später
(1362) übertrug Kaiser Karl IV. die gesammte Stiftung Bofiwojs
zu der neuen ApoUinarkirche auf dem Windberge zwischen Prag
und Wysehrad. ^) Im J. 1503 wurde dieses in den husitischen Be-
wegungen ganz verarmte CoUegiatstift durch den König Wladislaw
mit dem prager Domcapitel derart vereinigt, dass die Mctropolitan-
canoniker zugleich Capitularen bei S. Apollinar waren und einer
derselben die Würde des Dechants bekleidete. Die Propstei war
mittlerweile gänzlich eingegangen. ^)
2. Eine Aufzählung aller ehemaligen Besitzungen von Sadska
ist nicht leicht möglich, da weder eine echte noch unechte Stiftungs-
urkunde bekannt ist. Der Umstand, dass Bofiwoj IL der Gründer
war, selber aber das Land jenseits des rechten Elbeufers seinem
Bruder Wladislaw überlassen hatte, lässt vermuthen, dass die ur-
sprünglichen Dotationsgüter von Sadska durchgängig am linken
Ufer der Elbe, — daher zumeist ausserhalb der jetzigen Diöce-
sangränzen von I^eitmeritz, gelegen waren. Nachmals aber erfolgte
durch Karl IV. gelegenheitlich der Uibertragung des Capitels auf
den Windberg bei Prag ein Gütertausch mit den Besitzungen der
an letzterem Orte vordem schon erbauten ApoUinarkirche. Hiedurch
sowie durch manche spätere Schenkung mag Sadska die Gränzen
seiner Besitzungen vielfach erweitert haben. Im Umkreise unserer
Diöcese besass es erweislich die Dörfer Rudnik und Wöstany
(die heutigen Orte Raudnik und Weschen auf dem Dominium Tür-
mitz). Zu Raudnik bestand eine ziemlich alte Pfarrkirche, die im
J. 1384 bereits 10 prager Groschen als halbjärigen Kirchenzehent
') Dobner annal. VT. 138. Pubitschka lY. 194. Seltsamer "Weise haben
einige Aeltere unter dem „Praepositus Sacensis" einen Propst von Saaz
^verstanden, wo doch erweislich erst sehr spät, und auch da nur ein Klo-
sterpropst existirte.
^) Das heutige Gebärhaus.
■■') Pubitschka VL 196. Berghauer 159, Litera Wladislai regis origin. in Ar-
chive Gap.
263
zahlte. ') Hier übten die Canonici von S. Apollinar noch im J
1413 das Collaturrecht aus. ") Im J. 1420 wurde dieser Ort zu--
gleich mit We§tany von K. Sigmund an Peter von Skala und seinen
Bruder auf Sulewic um 130 Schock böhra. Groschen verpfändet. ^)
Ausserdem wird noch eine Obedienz des Apollinarcapitels inKozly
erwähnt.*) Es lässt sich nicht entscheiden, ob hiemit der gleich-
namige dem prager Domcapitel gehörige Pfarrort bei Liebschhausen
(von dem bereits gesprochen wurde), oder der Pfarrort dieses Na-
mens zwischen Melnik und Brandeis gemeint sei, obschon die grös-
sere Wahrscheinlichkeit für das letztere spricht. ^)
§.67. Die Benedictinerklöster zu Opatowic, Kladrau, Leitomjsl, Wiiemow
und Podlazice.
1. König Wratislaw I. legte im J. 1086 den Grundstein zu
dem angeblich reichsten aller böhmischen Klöster, zu Opatowic in
der Einöde eines gewissen Nicolaus in der Gegend von Königgräz.
Zuvor hatte daselbst eine „Zelle" — ein Filialklösterlein des Klo-
sters Bfewnow bestanden. Schon Wratiskw dotirte das neue Klo-
ster mit echt fürstlicher Freigebigkeit. Mehrere Gro sse des Reichs^
der erwähnte Nicolaus, der Propst Tessen von Gradi c und der Abt
Bolebud und Wäebor folgten sofort dem Beispiele ihres Königs.")
Später (1227) thaten noch Graf Kojata, die Edlen Casta, Caslaw,
Zdeslaw und selbst der königliche Koch Matthäus ein üebriges, um
') Codex decimarum.
^) Lib. Confirm. ad h. ann,
^) Palaoky archiv (registra zäpisüw).
4) Lib. Erect. I. M. 7. ad ann. 1375.
^) Dieses Kozly, obgleich am rechten Elbeufer gelegen, gehört dermalen zur
prager Diöcese, und ist eine Filiale von Wäetaty. Einst war es eine eigene
Pfarre unter dem Dekanate von Melnik und gehörte, da es 1 384 12 böhm.
Groschen als halbjährigen Kirchenzehent zahlte, jedenfalls zu den älteren
Pfründen der Gegend. (Vrgl. Codex decimarum.) Das Patronatsrecht besass
hier das Capitel von Altbunzlau (lib. Confirm. 1371, 1407, 1418). — Noch
werden als Besitzungen des Apollinarstiftes genannt: Satolic (lib. Erect.
XIII, S. 3.), Kostrow (Erect. XII. A. 6.), Kfiwan (Erect. XDI. E. 10.),
Tusce (Registra zäpisuAV 1437;, Ledöice (ebend. 1436) und Zinsungen in
Popowic, Kocow, Chaby, Libkowic, Hradäin etc. (Erect. YII, M. 8, IV. E. 8.
VIII. B. 9, XII. 0. 9, XIII. H. 10, 0. 1.
") ürknd. Erben regest. 73.
264
den lleiditlmui des neuen Klosters zu vermehren. ') Wie König-
Wratislaw das gleichfalls von ihm gestiftete Capitel von Wysehrad
unabhängig von der Jurisdiction des prager Bischofs haben wollte,
ebenso erwirkte er die Exemtion des neuen Abtes zu Opatowic von
der Aufsicht des Erzabtes in Bfewnow. Die Brüder des, neuen Or-
denshauses berief er überdiess unmittelbar aus dem Mutter -Kloster
Cassino, dessen Abt fortan auch zu Opatowic als geistlicher Vater
verehrt wurde. Ton Opatowic selbst gingen wieder neue Ordens-
propsteien aus, vor Allem die zu Wahlstadt, Grissau und Neu-
mark in Schlesien (1241 — 1535), zu Hohenelbe und zu Bascin
(vermuthlich das heutige Pecin bei Senftenberg) in Böhmen. ') Im
Umkreise der jetzigen leitmeritzer Diöcese hatte das Kloster Opa-
towic keinen bekannten Grundbesitz. ^)
2. Bedeutungsvoller, als die eben genannten Ordenshäuser
des h. Benedict war für den Umkreis der jetzigen Diöcese Leitme-
ritz das alte ehrwürdige Stift Kladrau (Cladruby). Der erste Stifter
desselben war der Herzog Swatopluk, der leidenschaftlichste unter
allen Regenten unseres Vaterlandes, der unglückliche Fürst, der
seine Hände und seinen Namen mit dem Blute des Geschlechtes
der Wrsowecen befleckt hat. Das Ordenshaus und die Kirche zu
Kladrau wollte er theils zum Danke für den errungenen Fürsten-
thron, theils wohl auch zur Sühne für seine traurige Blutschuld
erbauen. Er legte hiezu im J. 1108 den Grund. Er that aber
kaum vielmehr, als dieses; denn schon am 21. September 1109 fiel
er als ein beklagenswerthes Opfer der Blutrache '*). Da vollendete
sein edlerer Nachfolger Wladislaw I. im J. 1115 in Gemeinschaft
mit seiner Gemahlin Richsa von Berg (Tochter des Grafen Heinrich
>) ürkcin. Erben reg. 72. 87. 337. 338.
") Magnoald Ziegelbauer Hist. mon. Brevnov. p. 209 und 210. Lib. Erect.
Xlir. A. 9. Sommer V. 69.
^) Genannt werden: Opatowice, Stolany, Herzen, Kopisty (für Dolany), Mezi-
lesy (für Skalic), Matharsow, Slakowic, Police, "Wlkowyje, Öernojedy, We-
sele, Drzicze, Hlawecko, Placimice, Lbota, Prehrad, Osiö, Ostic, Wyso-
kä, Brezy, Drahune, Prelusce, Soperce, Makoäin, Hilna, Theile
von Chruppy, Wtelno, Luhinice, Domasic, Oerekwice, Mylbezy, — ausser-
dem grosse Besitzungen in Mähren. (Erben reg. 72, 78, 87, 337, 338), die
Collatur bei S. Peter in Königgräz. (Bienenberg Gesch. v. Köriigg. S. 165.)
4j Vgl. Palacky I. 357-366.
265
von Berg) ') das begonnene Werk und schuf sich durch die glän-
zendste Dotation des neuen Klosters einen unsterblichen Namen.
Dieses neue Ordenshaus lag der westlichen Gränze der jetzigen
leitmeritzer Diöcese ziemlich nahe, und musste schon dadurch einigen
Einfluss auf die religiösen Verhältnisse im Umkreise der letzteren
gewinnen ; mehr aber noch war diess der Fall vermittelst der zahl-
reichen Besitzungen, die es alsbald in diesen Gegenden aufzuwei-
sen hatte. Erweislich besass Kladrau unter seinen ausgedehnten Gü-
tern die nachgenannten Ortschaften im Bereiche der jetzigen Diöcese
von Leitmeritz:
a. Den Pfarrort Pnetluky (Netluk G. Neuschloss). ^J Die
dortige Pfründe bestand jedenfalls schon ziemlich lange vor 1360.
Im Jahre 1384 betheiligte sie sich mit 6 b. Groschen am halbjäh-
rigen Kirchenzehent. ^) Um diese Zeit erscheinen bereits Laiencol-
latoren daselbst, und zwar 1389 Marquard v. ßebfik auf Pnetluky,
und 1414 Busek v. ^iwtin auf Pnetluky. *)
&. Im bunzlauer Kreise gehörte uroprünglich zu Kladrau das
Pfarrdorf Sezemice. ^) Die Kirche daselbst wird schon 1359 als
eine vordem bestandene Pfarrkirche erwähnt. ^) Im J. 1384 zahlte
sie 6 böhm. Groschen zum Kirchenzehent. ") In nächster Nähe ge-
hörten auch Sowenice und Radowanowice und etwas weiter
Kobyly zu demselben Kloster. ^)
G. Bei Leitmeritz besass Kladrau die weiten Waldungen bei
P r b s t sammt inneliegenden Dorfschaften, und zwar durch einen
Gütertausch mit dem Johanniterorden im J. 1238 "). Eben auch
in dieser Gebend gehörte dem Stifte ein unterthäniger Fischer in
1) So nennt sie Grusius chron.^suev., PubitsclikalV. 158., Palacky 1.387. Da-
gegen enthält Chronicon Pegav. (Menken III. 130) die Notiz: Hiijus (Dietpoldi
de Vohburg, des Erbauers der Klöster Reichenbach und Waldsassen) filia Rei-
cza ducissa Bohemiae construxit monasterium in Cladicina {?). Erben reg.
p. 20. nennt diess Cladicina lOadruby. Richsa starb 1125, 27. September.
-) Erben Reg. p. 89, 176—178.
^) Codex decimarum.
*) Lib. Confirm.
5) Vgl. obgen. Urkunde.
") Lib. Confirm.
'') Codex decimarum.
8) Urkunde Königs Wenzel 1235. — Erben reg. 416.
«) ürkde. Erben reg. 443.
266
Libocliowan, und weiter entlegen eine Wirtlischaft mit einem
Ackermasse Landes in Laun. ')
d. Die von Kladrau aus erricliteten Propsteien /^) zu Tausko-
wi ce (Tusclikau im pils. K., 1424 zerstört), Schloss P f i m d a (Pfraueu-
berg, 1306 errichtet), und P f e s t i c (gestiftet 1 1 45) lagen der jetzigen
leitmeritzer Diöcese fern. ^)
3. Bereits im J. 1120 hatte Graf Wilhelm von Sulzbach, Haupt-
mann des olmützer Kreises, ein Verwandter der Gemalin Wladi-
slaws I. mit Einwilligung des letztern ein neues Benedictinerstift
•) Urkde. bei Erben ad ann. 1186.
3)Dobn. annal. VI. 41. 45.
^j Anderweitige Besitzungen der ältesten Zeit: die Waldgegend zwischen
der Mies und Msiclia bis an die baierische Gränze — mit Ausnahme von
12 daselbst gelegenen älteren Dorfschaften. Hier entstanden durch soge-
nannte Expositionen (vgl. Selau) eine Menge deutscher Ortschaften, ferner
Theile von Domazlic (Tauss), Hochavic, Lescin (Laz), Bonatic (Wonetic),
Ostrov, Midlovar (Millowa), Nahosic, Strezes (Neustadtl?), Tachov, Leschau,
Telcna, Leny, Skapec, Metelsko, ünil, Lukov, Oharadic, Jonas, Grlinen,
(Lihn), Drahomisl, Cocber, Camenic, Tuskov, Ilotesevic, Masovic, Bezemin,
Gneunic (Hnewnice), Klenovic, Gonezovic (Honositz), das Dorf Bigedl, die
Kirche in Dnesic, Theile von Rozvad, Dorf Wrakovic, die Kirche in Seztoceh,
(vielleicht das ehemalige Swatost bei Tauss), die Dörfer Milukovo (Mili-
kov), Zlapnic, Bzini (Werschin?),- Üejkovic, Malovic, Wsanic, Nehanic, Ce-
liwo, Tui-an, Zbrazlav, Luben, Slawic, Ohrinosic, Unterthanen in Lagowic
Wäekar, Drahaucic, Zabowresk, Lipan, im prager Burgflecken Lukov,
Wranovic, Mecklov, Sytno, Lesihas (Lestkow?) und ein Weinberg in
Uherce; später unter Wegfall mehrer vorigen die Dörfer Kladrub, Wirbic,
Ponebuzlaz, Hlupenow, Holosti-ewi (Holezrieb), Zuralez, Boeznic, Borowen
(Turban), MilcAvo (Mühlhöfen), Bukowa, Watenice, Mezlowe, Mukorad,
Podehuz, Luzna, Winna, Dutlenowic, Milka, Wilkis, Podmokly, Gorky,
Stepanowic, Mladetic, Öelewo, Kamik, Mlinoha, Cebevo (Zebau), Wladisla-
wic, Zeseniic, Ogniskowic, Slatina, Unterthanen in Pilsen, Nezabudic, ßcp-
ty, Tynec, Luboäin, Kosetic, Lun, die Dörfer Krasowo, Nemöic, Potok,
Kamenahora, Zlusetin, Sdanowo, Kalise, Miroslawo, Wlkozowp, Bezdedovic,
Ocezcice, Leskowice, Walterowo, Wratiwojovice, Plezomi, Lobzi (Lobes),
Malkowice, Hrazd, Lomnice, Lubewice, Kokosin, Theile von Honezovic,
Kozolup, Hozletice, Damnow, Kozzowo. (Näheres in den Urkunden in Er-
ben's Regesta p. 89, 176 — 178). Spätere Kauf- und Tauschverträge haben
an diesen ältesten Besitzungen viel geändert. Verpfändet wurden in der
Husitenzeit: Kozolup (1429), Ple2on (1431), Malkowic, Pawlowice, Stare
Sedlo (Altsattel) nebst einem Vorwerk (1420) Radejowice, Honcowice,
Komberg. (Palacky Archiv ßesky II. 196. 199 etc. I. 199 etc.)
267
zu Wilemow (vom Gründer den Namen führend) in der Gegend
von Caslau gestiftet. Auch Wilhelms Bruder Hermann hatte sich
dabei mit grosser Aufopferung betheiligt. Später (1223) wird als
Wohlthäter des Stiftes noch der Edle Zezema von Kostomlat ge-
nannt. ') Die edlen Gründer hatten derartig für ihre Stiftung Sorge
getragen, dass angeblich im J. 1278 an 180 Mönche und nahezu
200 Kleriker daselbst leben konnten.^) Nachmals besass dieses
Kloster auch noch als Filiale diePropstei zu Ubercic in Mähren. •"')
Weder Mutter- noch Tochterhaus hatten Besitzungen innerhalb un-
seres jetzigen Bisthums Leitmeritz. "*)
4. Das Benedictinerstift S. Margareth in Podlazice (auf
der jetzigen Domaine Chrast im chrudimer Kreise) bestand bereits
in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als eine Propstei von
Bf ewnow (cella in terra G-radicensi), muthmasslich vom Prinzen Theo-
bald, dem Bruder Wladislaws H. und Besitzer jener Gegend gegrün-
det. Im J. 1159 erhob König Wladislaw dieselbe zu einer Abtei,
die er jedoch der Erzabtei zu Bfewnow unterstellte. ^) Da diese
Erhebung unmittelbar auf des Königs Rückkehr aus Italien folgte,
wo er dem Kaiser die Stadt Mailand wieder erobert und für sich
selbst hohen Kiiegsruhm gewonnen hatte: so mochte sie wohl ein
Opfer königlicher Dankbarkeit für den genossenen Beistand von
Oben sein. Dieses Kloster war wohl immer nur unbedeutend; denn
im J. 1350, wo alle Klöster Böhmens in höchster Blüthe standen,
zählte es mit Inbegriff des Abtes nur 20 Personen "), — und in
den Decemregistern von 1384 sowie in den Erectionsbüchern von
1) Erben regest. 312.
^) Ziegelbauer bist. mon. Brevnov. p. 207.
^) Diplomat. Wilemow. (monum. Bob. VI.)
*) In ältester Zeit werden genannt: Opocenek (Erben 312), Obeb, Wlacic,
Baökov, Okruhlice, Chlistov (registra zäpisüw), Bucice, Wulaöice, Herma-
nice, Malojovice, Kozojed, Kobile, Markovice, Ruzen, Opocnice, Bolice,
Pawlow, Zmurdow, Zwosce, Watskow, §tepanov, Lubne, Bo§ichzin (Michel-
berg,; Hnndorf, Sigbartsdorf, Lanzendorf, Scheiblsdorf, Kochansdorf, Eech-
, cice), Lupniöka, Bojanow mit 24 Dörfchen, Mladosic, Auröic, Wilemon,
Habern, Horeslawice, Maliöin, Priseöno, Busowna, Walec, Laraprecbtice,
Libiß, Swetlä. (Dipl. Wilem.)
5) Hist. diplom. Brewnow. in Dobn. mon. VI. p. 7. , Dobn. annal. VI. 403.
Ein Abt Hugo wird 1160 genannt. (Erben reg. 134.)
'') So sagt der Brief des Erzbischofs Ernest an Papst Clemens, cit. Dobn.
ann. VI. 408. -
268
1359 bis 1420 wird es gar nie genannt. Die Besitzungen dieses
Ordensliaiises werden nirgends aufgezäiilt.
5. Hajek nennt uns noch eine Menge Benediktinerklöster aus
dieser Zeit, die aber erweislich gar nicht existirten, sondern nur
Propsteien , Pfarreien oder sonstige Besitzungen des Benediktiner-
ordens, zuweilen selbst anderer Orden waren. Beispielsweise nen-
nen wir S a a z (Propstei von Postelberg oder verwechselt mit Ziatön),
Tuschkau und P i' e s t i c (Propsteien von Kladrau), M e s t e c
B i ö k w i c e (Commende des deutschen Ordens), T e § 1 i n (Propstej
V. Ostrow), Chorusic (zu S.Georg).
§. 68. Das Benediktinerkloster Postelberg.
1 . Das Kloster P o s t e 1 b e r g, dessen Name bis heute der un-
ter seinem Schutze entstandenen Stadt geblieben ist, hiess ursprüng-
lich Äpostolorum x^orta^ d. i. Apostelpforte, woraus sofort im Munde
des Volkes der Name Postoloport, Postoloprty und Postolopurk sich
gebildet hat. Die Gründung desselben fällt in den Anfang des zwölf-
ten, wenn nicht schon in die zweite Hälfte des eilften Jahrhunder-
tes. Nach der Meinung der Einen ') ist die Stiftung dem mächti-
gen Geschlechte der Wrsowecen zu verdanken, welches vielleicht
hiedurch die am heil. Adalbert und an dessen Brüdern begangene
schwere Schuld zu sühnen gedachte. Allerdings sind bis 1108 die
Wrsowecen Herren dieser Gegend gewesen, und die Thatsache, dass
im Jahre 1174 schon der fünfte Abt dieses Klosters mit Tode abge-
gangen ist, ^) lässt auf eine Stiftungszeit schliessen, wo das erwähnte
Geschlecht noch in Blüthe stand. Dagegen nennen uns wieder An-
dere ^) als ersten Gründer den Herzog Sobeslaw, welcher von 1 HO bis
1113 über das saazer Gebiet, und von 1125 an über ganz Böhmen
herrschte. Dieser Angabe zufolge wäre die von Jaroslaus in der
ersten Fortsetzung des Cosmas a. a. 1139 erzählte Klosterstiftung
auf Postelberg, und nicht, wie Pulkawa zuerst annahm, auf Siloe
(Selau) zu beziehen, welches Sobeslaw schon im J. 1131 und in
Folge eines ander\veitigen Ereignisses gestiftet hatte. *) Sonach würde
') Weidner: Tria memorabilia MS., Cnigei'ius; Sacri pulveres ad 20. Maji.
^) Contin. Gosmae ad ann. 1174.
•'') Rohn: autiquitates ecclesiarum circ. Satecensis.
*j Nachgewiesen von P. Vinzenz Pirclian. Arcana Status Siloe. Auch bei
Dubravius XI. 87.
269
die Veranlassung dieser Stiftung Postelbergs die folgende gewesen
sein. Der Herzog soll auf der Rückkehr aus Meissen, wo er von
der-.Gemalin des Grafen Wipreclit einige Burgen eingelöst hatte,
in eine waldige Wildniss gekommen und dort bei einem furchtba-
ren Sturme, der die stärksten Bäume zerbrach, in drohende Lebens-
gefahr gerathen sein, während sieben seiner Begleiter wirklich den
Tod fanden. Bei dieser Gelegenheit habe ein Äupan in seinem Ge-
folge das Gelübde gemacht, im Falle glücklicher Rettung Mönch zu
werden. Nach der Zeit habe dieser sein Gelübde gehalten und der
Herzog habe (vielleicht für ihn und seine nunmehrigen Genossen)
jenes Kloster gebaut. Wie, wenn in letzterer Angabe eine Vermitt-
lung mit der angeblichen Stiftung durch die Wrsowecen gesucht
würde, so dass entweder das erzählte Ereigniss vor 1108 zu setzen,
oder statt der Wrsowecen ihr nächster unbekannter Nachfolger im
Zupanamte von Saaz (um 1110) anzunehmen wäre? Jedenfalls wird
bei dem Abgange der Stiftungsdocumente und aller näheren Nach-
richten älterer Chronisten diessfalls auf völlige historische Sicher-
heit zu verzichten sein.
2. Das Kloster war wohl ursprünglich den heil. Aposteln,
insbesondere vielleicht dem heil. Andreas geweiht, dessen Kirche
noch im codex decimarum vom Jahre 1384 als innerhalb der Kld-
stermauer stehend („infra seiltet monasterii Portae apostolorum'-'-)
mit einer Decemabgabe von 10 böhm. Groschen für einen Halb-
jahrstermin erwähnt wird. So Hesse sich auch am natürlichsten
der Name des Klosters erklären. Gewiss war später erst, als die
Baukunst schon in Böhmen erhebliche Fortschritte gemacht hatte,
die prachtvollere Kirche der heil. Mutter Gottes erbaut, von der
sich seitdem das Kloster monasterium S. Mariae in Porta apostolo-
rum nannte. So heisst es nämlich ausdrücklich in den Erections-
büchern unterm 18. März 1405. ') Wenn dagegen Crugerius'-) die
heil. Apostelfürsten Petrus und Paulus als Patrone von Postelberg
nennt : so fehlt ihm hiefür offenbar jeder Anhaltspunkt. Nach der Versi-
cherung des Historiographen von Bfewnow "') ist es für ausgemacht
zu halten, dass dereinst im Kloster Postelberg an dreihundert Mönche
1) Lib. Erect. VII. A. 4.
^) Sacri pulvei-es 1. c,
3) Magnoaklus Ziegelbauer hist. monast. Brewnow, p. 203.
270
lebten. Wenn dem so ist , welchen Umfang muss das Gebäude
nicht gehabt haben! Diesem Umfang entsprach denn auch der Be-
sitz an Land und Leuten,
§. 69. Fortsetzung.
Es ist nicht zu ermitteln, wie weit der ursprüngliche Besitz
des Klosters Postelberg sich erstreckt habe ; jedenfalls aber ist der-
selbe weit über die Gränzen der jetzigen Herrschaft gl. N. hinaus-
gegangen. Wie alle Klöster dieser Zeit, so erhielt auch gewiss Po-
stelberg gleich anfangs eine Menge von Maierhöfen mit Aeckern,
Weinbergen, Wiesen und Waldungen, denen die nöthige Anzahl von
Dienstleuten — jeder mit einem Stück Landes, wo er seine Hütte
hatte — zur Bestellung der nöthigen Arbeiten des Feldes und des
Hauses zugetheilt war. Dazu kamen Zinsleute im weiten^ Umkreise
mit bestimmten Jahresleistungen an Geld , Incorporationen unter-
schiedlicher Pfarrkirchen, deren Einkünfte gegen Anstellung eines
Seelsorgsadministrators in die Kasse des Klosters flössen, überdiess
von Fürsten geschenkte Antheile von Zöllen und Steuern. ^) Nach
der Zeit fehlte es auch nicht an ausgedehnten Erwerbungen durch
Kauf und Tausch von Seiten des Klosters selbst. Privilegien der
Fürsten sicherten den Besitz der Stifter, befreiten dieselben von
öffentlichen Lasten und rcäumten ihnen mancherlei kostbare Vor-
rechte ein. Urkundlich erscheinen als Besitzungen und bez'iehungs-
weise als Collaturen des postelberger Stiftes die nachstehenden Orte :
a. Kozzowo (Gossau bei Haid im pilsner Kreise) und Mam-
nowo (wohl Damnow heute noch theilweise zum Dominium Kla-
drau gehörig), welche beiden Dörfer von Seiten Postelbergs unterm
17. December 1239 um den Preis von 130 Mark reinen Silbers an
das Benedictinerkloster zu Kladrau verkauft wurden.^)
h. Wrutek, die heutige Stadt Rudig im saazer Kreise, wo
das Kloster erweislich in den Jahren 1393 und 1418 das kirchliche
Präsentationsrecht zur dortigen Pfarrpfründe ausübte. ^) Im Jahre
1227 hatte Cojata von Swabenic diesen Ort dem Kloster Zderas
') Im J. 1431 verpfändete König Sigismund die dem Kloster Postelberg gehö-
rigen „berny a sumy" an Beneä v. Kolowrat. Palacky archiv I. 500.
2) Urkde. Erben regesta 453.
3) Jjib. Confirm, a. h. ann.
271
in Prag testirt '). Es ist unbekannt, wie selber späterhin an Postel-
berg gelangt ist.
c. Libocan, das heutige Pfarrdorf gl. N. ebenfalls im saazer
Kreise, wo das Stift in den Jahren 1389, 1403 und 1410 ein glei-
ches Recht besass. ^)
d. Ebenso war das Patronatsrecht in der Stadt S 1 a w e t i n im
rakonitzer Kreise, dem Kloster von der Familie Hasenburg über-
tragen worden. Ueberhaupt erscheinen die Herren Zagic von Ha-
senburg als vorzügliche Wohlthäter des Stiftes. ^)
e. Dem Kloster waren auch die damaligen Pfarrorte L e n e s i c
(1404)*), Skupic (1386, 1413) % Lipenec (1399) auch Mnichowy
Lipefi genannt,*') und Podwofany, das heutige Podersam') auf
den jetzigen Dominien Leneschitz, Postelberg, Neuschloss und Po-
dersam einverleibt. Hiezu gehörten ohne Zweifel auch die dahin
eingepfarrten Ortschaften.
f. Auch ein Dorf Bzwany erscheint als Eigenthum von Po-
stelberg. Als solches wurde es 1436 von Kaiser Sigmund dem Be-
ne§ von Kolowrat (zugleich mit Skupice) gegen 500 Schock in Pfand
gegeben. ^) Wahrscheinlieh ist damit das heutige Dorf und Gut
Pschan gemeint.
g. Ueberdiess besass das Kloster zerstreute Leibeigene in frem-
den Ortschaften, wie z.B. in Grosslippen im heutigen Dominium
Grosslippen saazer Kreises; auch bedeutende Jahreszinse, die auf
den umliegenden Dominien radizirt waren, und Antheile an den kö-
niglichen Landeseinkünften. ") Im Laufe der Zeit entstanden wie
auch anderwärts, durch emphiteutische Zertheilung der Klostergrund-
') Dobneri Monum. Boh. IV. 257.
2) Lib. Confirm. ad h, ann. Lib. Erect. in. E. 3.
3) Lib. confirm. 1369, 1404, 1408, 1416. Lib. Erect. VE. A. 4, 7.
*) Lib. Confirm. ad h. ann.
5) ebendes. Lib. Erect. VIL K. 8. Im J. 1431 wurde es vom K. Sigismund
an Benes v. Kolowrat verpfändet. (Palacky archiv. I. 500.)
•') Lib. Confirm. 1399. Dieses wurde 1437 um 370 Schock verpfändet,
(Palacky archiv.)
") Palacky : Archiv öesky II. 447. Es -^rnrde vom K. Sigismund 1426 an
Burian und Johann von Gutenstein verpfändet,
^} Palacky archiv I. 500.
^) Aehnliches besassen eben alle Klöster in Böhmen.
272
stücke zahlreiche neue Ortschaften: so gewiss ein grosser Theil
jener, die jetzt das Postelberger Dominiiiin bilden. —
2. Die hervorragendsten Besitzungen des Klosters waren aber
seine auswärtigen P r o p s t e i e n , gleichsam kleine Filialklöster, wo
mehrere Ordensbrüder unter einem vom Abte aufgestellten Präpo-
situs nach der Ordensregel lebten.
a. Eine Propstei dieser Art war Cella janüae vitae d. i. Le-
benspforten-Zelle, das heutige Web er seh an in der Nähe von Po-
stelberg. ') Die Stelle, wo jetzt das Lokalistengebäude steht, hiess
vordem „auf dem Kloster." Auch in den benachbarten Häusern
sind beim Nachgraben Mauern von alten Gewölben gefunden wor-
den. Noch jetzt heisst die Flur hinter Weberschan bis zum Milay-
berge „die Zelle." P^iner der letzten Pröpste von hier war der im
J. 1407 erwähnte Propst Ulliich. ")
h. Eine zweite Propstei besass das Kloster in S a a z und zwar
bei S. Prokop in der niederen Vorstadt, welche wie es scheint, um's
Jahr 1384 wahrscheinlich von demselben Nicolaus (Johannes)
Daubowec von Daupowa gestiftet wurde, der sofort selbst das Or-
denskleid nahm und im Jahre 1407 als Propst in Saaz einen Jah-
reszins von 13 Schock böhmischer Groschen um den Preis von 143
Schock vom Kloster Postelberg erkaufte, mit der Bedingung, dass
dieser Zins nach seinem Tode für ein Krankenhaus bei der Prop-
stei zu Saaz verwendet werde. Im Jahre 1400 erhielt diese Prop-
stei auch die pfarrliche Jurisdiction, ^) Dieselbe ist aber sehr wohl
von der Propstei des alten Collegiatstiftes Sadska, oft auch Sacensis
geuannt, zu unterscheiden. Dieses 1101 vom Herzog Bofiwoj IL
gestiftete Collegiatcapitel ist das bereits besprochene in Sadska
bei Nimburg. In Saaz dagegen hat sich zu keiner Zeit ein Colle-
giatstift befunden und eben desshalb auch keine Säcularpropstei,
wie zuweilen irrthümlich angenommen wurde.
c. Auch das heutige Klösterle^) (saazer Kr,) soll vordem eine
') Sommer: Topographie des saaz. Krs. S. 71 und 72; Ziegelbauer hist. mon.
Brewnow. p. 203.
2) Lib. Erect. VII. L. 6.
3) Lib. Erect. VII. K. 8, L. 6., Rohn; Antquit. eccl. p. 116.
^3 nach Schaller und Sommer in ihren Topographien des saaz. Kreis., —
bei beiden auf Grnnd einer von den Ortsseelsorgern bezeugten älteren
Tradition.
2T3
Propstei von Postelberg gewesen sein, \Yelche wahrscheinlich schon
in der Mitte des dreizehnten Jahrhundertes gegründet worden sein
dürfte. Der Name selbst (lateinisch Glmistrellum) spricht dafür.
Angeblich hat dazu (beziehungsweise zu Postelberg) die jetzige Herr-
schaft gleichen Namens gehört. Diese Propstei muss aber wohl
schon vor 1358 dem 'Kloster entfremdet worden sein, da sich in den
von 1358 anfangendem Confirmationsbüchern keine Erwähnung der-
selben mehr findet. Im Jahre 1379 gehörte Klösterle bereits dem
deutschen Orden, der dort eine Commende besass.^)
Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass das Kloster Po-
stelberg noch mehr als die erwähnten Besitzungen, Pfarreien und
Propsteien besass; doch nur die genannten lassen sich (mit Aus-
nahme von Klösterle) urkundlich nachweisen.
König Pfemysl Ottokar I. verlieh dem Kloster' für alle seine
Besitzungen die Exemtion vom Cudengerichte und unterstellte seine
Rechtssachen unmittelbar dem Gerichte der Stadt Prag, bei dem er
selbst in Person oder durch einen Stellvertreter den Vorsitz führte.
König Wenzel bestätigt um 1210 dieses Recht dem Abt Theodorich.')
3. Als Aebte des so berühmten Klosters werden genannt:
a. Rislaw (Gislaw), der im Jahre 114Y am 12. Juni mit Tode
abging. Er soll bereits der fünfte Vorsteher des Klosters gewesen
sein.^) Unmittelbar auf ihn folgte:
b. Bero, gewählt am 9. December 1148, ein Mann voll Liebe
und Tugend, einfach und rein in seinen Sitten, ein besonderer Freund
der freiwilligen Armuth. Derselbe war seiner besondern Verdienste
um das Ordensleben willen zuvor im Kloster Bi'ewnow der erste
mit der Dekanswürde beehrt worden. Als Abt des Klosters Po-
stelberg ward er vom Bischof Otto introducirt und starb daselbst
am 11. Mai 1156.*)
c. Abt Friedrich war nicht allein als tüchtiger Vorsteher
seiner Klostergemeinde, sondern auch als gewandter Staatsmann
hoch in Ehren. ^) Im Jahre 1157 ging er im Auftrage Wladislaws
1) Lib. Confirm. 1379.
3) Urkunde in Prof. Dr. Höflers M. S. : Monumente des Königthums in Böhm.
3) Contin. Cosmae ad 1147.
4) Contin. Cosmae.
5) Contin. Cosmae ad ann. 1157 nennt ihn einen Mann von höchster Er-
18
274
mit dem als ersten Politiker damaliger Zeit berühmten prager Bi-
schöfe Daniel an der Spitze einer Gesandtschaft nach Ungarn, um
dort für den herzoglichen Prinzen Friedrich um die Königstochter
Elisabeth zu werben. Da starb er auf der Rückreise am 20. Jän-
ner 1158.0
d. Nach dem Tode Friedrichs, des siebenten Vorstehers von
Postelberg, folgten daselbst innerhalb 52 Jahren nicht weniger als
neun Aebte, deren Namen uns unbekannt sind. Erst mit dem J.
1210 werden wir die Series derselben wieder aufnehmen können.
§. 70. Das Praemonstratenserstift Strahow.
1. Es wurde bereits erwähnt,^) dass der prager Bischof Jo-
hann I. den vom h. Norbert gestifteten Orden der Praemonstraten-
ser als ein vortreffliches Mittel zur Hebung des geistlichen Lebens
in Böhmen freudig begrüsste, indem die in diesem Orden angestrebte
Vereinigung des Lebens der Canoniker mit jenem der Mönclie die
frommen Zeiten eines seligen Chrodegang wiederzubringen ver-
sprach. Dieselbe freudige Hoffnung hatte vor ihm schon der da-
mals am böhmischen Hofe lebende olmützer Bischof, Heinrich Zdik ge-
habt, der desshalb auf seiner Pilgerreisenach Jerusalem bereits in hei-
liger Begeisterung für die gute Sache ein Mitglied jenes Ordens
geworden war. Jetzt vereinigten sich beide geistlichen Oberhirten,
um ^auch ihren Landesherrn und sein fürstliches Haus für die Be-
rufung des neuen Ordens zu gewinnen. Es gelang ihnen in aus-
gezeichneter Weise, und sofort sehen wir Wladislaw und seine Fa-
milie einerseits und die beiden Bischöfe anderseits in frommen
Spenden für die Erbauung und Dotirung des ersten Praemonstra-
tenserklosters sich förmlich überbieten. So entstand das Kloster
Strahow auf dem Berge Sion in Prag (1138—1143). Die ersten
Bewohner desselben kamen schon 1138 aus dem Kloster Steinfeld
am Rhein, dessen Abt daher lange Zeit Pater Abbas von Böhmen
und Mähren hiess, und seine „Circaria" alljährlich visitirte, diess aber
kenntniss in göttlichen und menschlichen Dingen, von ergebener Treue
gegen Gott und Menschen, von inniger Herablassung gegen Jedermann.
') Monach. Sazav. apud Menken III. 1805; Dobner ann. VI. 371.
") Vgl. §. 51.
275
in Begleitung eines Convisitators aus den Aebten Böhmens oder Mäh-
rens. ')
2. a. Von den bedeutenden Gütern, welche vor Allen Bischof Jo-
hann dem Kloster Strahoy einräumte, lag ein verhältnissmässig nur
sehr geringer Theil innerhalb der heutigen Diöcesangränzen von
Leitmeritz. Hieher gehörten die Dörfer Konice und Jenisowice
bei Turnau im bunzlauer Kreise. Der grössere Complex lag wei-
ter ostwärts in den Kreisen vonJiöin (Bydzow) und Königgrätz. ^)
Von obigen beiden Dörfern war Jeniäowice einer der ältesten Pfarr-
orte des alten Turnauer Dekanats; denn in der Höhe des Kirchen-
zehents stand es im J. 1384 (mit 12 böhm. Groschen) nur noch
hinter Turnau, Hrustice, Dub und Pfepefe zurück.^)
b. Von den Schenkungen Wladislaw^s lagen innerhalb der be-
zeichneten Gränzen einige sehr bedeutende Güter zwischen der nie-
dern Eger und Elbe, anschliessend an andere Besitzungen jenseits
der Eger. Namentlich werden genannt 4 Grundbesitze in Orasice,
ein Grundbesitz in L a h o w i c e, das ganze damalige Dorf Lobosice
sammt Waldung nebst einigen jetzt verschollenen Ortschaften.^) Ora-
sice erscheint im J. 1384 als eine derjüngern Pfarreien des Schlauer De-
kanates, die damals den in dortiger Gegend verhältnissmässig geringen
Kirchenzehent von 6 böhm. Groschen steuerte.^) L o b o s ic e erscheint
erweislichimJ. 1248 als längst bestehender Pfarrsitz. Im selben Jahre
wird nicht mehr das Kloster Strahow, sondern Burggraf Heinrich deLipa
von Zittau als Besitzer genannt. Dieser verkaufte 1248 Lobositz emphi-
teutisch gegen Vorbehalt bestimmter PiCchte und Abgaben an den leit-
meritzer Bürger Hertwik, schenkte aber bei dieser Gelegenheit „zur
Ehre Gottes und der seligsten Jungfrau Maria sowie des h. Wenzel"
der Kirche des Ortes eine Hufe (lan) Feldes als Eigenthum, und
von jeder andern. Hufe des Dorfes (die alle ausdrücklich so gross
sein sollten, wie die Hufen im nahen Dorf e Prosmyk) die bleibende
Abgabe eines Kübels (kbelec) Korn.^) Im Jahre 1251 befand sich
1) Vgl. Tomek G. P. 478 und 479. Palacky I. 413.
2) Vgl. das Fragment der Stiftungsurkunde bei Erben reg. 106. Dazu To-
mek G. P. I. 99.
3) Codex decimarum.
4) Fragment der Stiftungsurkunde Erben 106. Tomek G. P. 99.
^) Codex decimarum,
*') Urkde Erben reg. 562 d. d. Leitmeritz 6. Nov. Darin werden als Zeugen
auch 2 Pfarrer, Absolon und Ötöpan, genannt.
18*
276
dieser Ort im Besitze des Smil von Lichtemberg, welcher c::; da-
mals sammt Zugehör an das Cisterzienserkloster Altenzell in Meissen
verkaufte. ') Walirscheinlich gehörte das benachbarte Dorf Z e rn o-
seky (1384 Pfarrdorf mit 9 b. Gr. Zehent) frühzeitig zum Gute Lo-
bosice. So finden wir es namentlich 1420 ebenfalls als Eigenthum
von Altenzeil, ward aber damals vom K. Sigismund um 20 Seh. pr. Gr.
an einen gewissen Rüdiger für rückständigen Sold verpfändet.^)
Zur Kirche in Lobosic machten 1385 Freimuthund sein Sohn Zdi-
slaw vonöernuc und 1394 Peter und Erhard von Skalka Schenkun-
gen an Jahreszinsen, die beiden letztern zur Stiftung eines Vica-
risten, — alle aber noch mit Erlaubniss des Abtes von AltenzelL^)
Dieser übte auch noch 1415 das Collaturrecht daselbst aus.'*) In
demselljen Jahre aber ward Lobositz durch K. Wenzel an Wla§ek von
Kladno theilweise verpfändet.^) — Ausser den obbenannten und
mehreren anderweitigen Orten schenkte Wladislaw dem Kloster noch
unterschiedliche Zins- und Arbeitsleute.
c Frühzeitig erwarb das Kloster Strahow das Präsentations-
recht für die Marienpfarrkirche zu Saaz. Erweislich besass es
dasselbe schon im J. 1273, wo ein Privilegium des Papstes Gregor
solches ausdrücklich bestätigte. ^) Es war diess die ehemalige Haupt-
kirche des Saazer Archidiakonats, dessen Archidiakon jedoch als
Canonicus des Domcapitels zu Prag residirte. Ebenso war jene
Kirche zugleich die Hauptkirche des Saazer Dekanats und zahlte
im J. 1384 als die unzweifelhaft älteste des Sprengeis darum nur
36 böhm. Groschen zum Kirchenzehent, weil damals nur der Vica-
rius perpetuus derselben von seinem Einkommen steuerte, der Haupt-
betrag aber dem Kloster Strahow unmittelbar zur Last fiel. ') Ausser
') Sommer leitm. Kr. 91. Altenzeil (bei Freiberg) war das älteste Cisterzienser-
kloster in Meisseu, eine Colonie von Kloster Pforta bei Naumburg. Mark-
graf Otto von Meissen stiftete es im Jahre 1166. Unter die vom Stifter
geschenkten Besitzungen gehörte auch das Dorf Christiansdorf, welches
nach Auffindung der dortigen Silbergruben als Bergstadt Freiberg empor-
blühte. Annales Veterocelleuses, ed. Menken II. 378 etc.
-) Palacky archiv I. 50.
3) Lib. Erect. XIII. A. 10, E. 1.
4) Lib, Confirm. VII.
5) Palacky archiv I. 520, 521.
6) Tomek G. P. I. 481.
") Codex decimarura.
27Y
dem Pfarre/i' (oder Vicarius perpetuus) wurden damals noch ein
Frühmessner und zwei Altarbeneficiaten derselben Kirche erwähnt,
der Frühmessner 1380 von der Bürgerschaft, gestiftet,') der Bene-
ficiat des S. Wenzelsaltars aus älterer Zeit stammend, und der des
Altars der h. Stephan, Laurenz und Urban von Henslin Schadernicht
zu Kopie und Ottiko Rys von Lowositz dotirt.*) Ausserdem arbei-
teten zu dieser, Zeit noch besondere Pfarrer (plebani) der Vorstädte
im Seelsorgsamte. Genannt sind : Der Pfarrer von S. Martin in
der untern Vorstadt, der 1384. 15 böhmische Groschen zum Kir-
chenzehent zahlte,^) der Pfarrer von S. Jakob in der obern Vor-
stadt mit einer Zehentleistung von 18 böhm. Groschen,*) — der
Pfarrer vom S. Nicolaus in der obern Vorstadt mit einer Decem-
zahlung von 8 Groschen, — der Pfarrer von S. Michael ebenda-
selbst, ohne Zehentleistung, daher wohl sehr gering dotirt, bis 1392
Nikolaus Leonis, ein prager Bürger, 2 Schock Zinsungen im Dorfe
Milöewes hinzufügte,^) — der Seelsorger von S. Maria Magdalena,
ebenfalls ohne Zehentpflicht, — der von S. Johann dem Täufer in
Mlinar, der 1390 2 Schock böhm. Gr. Zinsungen für sein Beneficium
erwarb,^) — wenigstens nach 1384 der Seelsorger der S. Wenzels-
kirche in der Untervorstadt,') u. seit 1400 die von zwei saazer Wit-
wen gestiftete Spitalkaplanei zum allerh. Frohnleichnam.^) Schliess-
lich ist auch zu erinnern, dass neben allen diesen Seelsorgen auch
noch eine postelberger Propstei bei der Kirche und dem Hospitale
des h. Prokop in der untern Vorstadt bestand.") — Um wieder auf
das Kloster Strahow zurückzukommen, so kaufte selbes unter Pfe-
mysl Ottokar I. das Dorf Stanko wie, das im J. 1384 sich als selbst-
') Lib. Erect. II. ß. 2.
3) Lib. Erect. IV. B. 8.
3) Codex decimarum. Zehnten und Aecker desselben werden erwähnt Lib.
Erect. XII. C. 2, XIII. P. 4. ad ann. 1406 und 1389. Im Jahre 1390 war
der hiesige Pfarrer Benes Dekan des Dekanats. Lib. Erect XIL C. 18.
*) Codex decimarum. Im Jahre 1379 verkaufte Heinrich von Bezderow auf
Desnic sein Anrecht auf einige „ünterthancn" dieser Kirche an Jakob von
Kolowrat. Lib. Erect. II. R. 1.
5) Lib. Erect. XII. F. 19.
«) Lib. Erect. XIL C. 18.
7) Lib. Erect. XIII. E. F.
8) Lib, Erect. VI. C. 4, IX. L. 2, P. 2.
^) Vgl. Kloster Postelberg, oben.
2Y8
ständige Pfarrei unter der Collatur von Strahow') mit 4 böhm.
Groschen am Kirchenzelient betheiligte,^) und im J. 1399 durch
die Wolilthätigkeit einiger prager Bürger neue Kirchengründe er-
warb,^) — und wenigstens seit 1319 den Hof Twr§ic in der
Nähe von Saaz.^) Um 1250 erlangte Strahow auch das Pfarrdorf
Cerniöewes (das jetzige Cernewes) an der Elbe bei Wettel, das
aber später an das Kloster Doxan gelangte ,^) das Patronat der Adal-
bertikirche auf dem Georgsberge (fi.ip) mit dem Eigenthumsrechte
über das Dorf Metes (jetzt Taubendörfel bei Raudnitz)/) Auch
eine dem Kloster zinspflichtige Mühle bei Brüx wird seit 1323 er-
wähnt.') Unmittelbar an der Gränze des jetzigen leitmeritzer Diö-
cesangebiets gehörten dem Kloster schon in ältester Zeit die Güter
Patek und Radonic.^) Die übrigen ältesten Besitzungen lagen zu-
meist in den Kreisen von Königgrätz, Bidschow und Rakonitz. ^)
§. 71. Das Kloster der Praemonstratenserinnen zu Doxan.
1. Nach dem Muster von Strahow gründete die zweite Gema-
lin Wladislaws, Königin Gertrud, Tochter des h. Leopold von Öster-
reich und Mutter des seligen Erzbischofs Adalbert, im J. 1144 das
Kloster zu Doxan an der Eger, zu Ehren der allers eligsten Mutter
Gottes und der Heiligen Maternus, Candidus und Laurentius.''^) Hier
1) Lib. Confirm. ad ann. 1407.
*) Codex decimarum. Anno 1436 wurde es durch K. Sigmund an die Stadt
Saaz verpfändet. Palacky archiv IL 191.
3) Lib. Erect. XIII. K. 3. Diese gingen 1437 durch Verkauf (während- der
Pfändung) verloren. Palacky archiv. II. 203.
^) Vgl. Sommer saaz. Kr,
5) Von diesen verpfändete es K. Ladislaw 1454 an Zdenko v. Hasenburg.
Urkunde im M. S. der prager Univ. Bibl. II. B. 5. Miscellanea germ.
^) Vgl. Tomek G. P. I. 484. Urkundenfragmente.
') Ebend. 481.
8) Erben reg. 157. Sommer rak. Kr. 90.
^) Genannt werden im königg. Kreise : Lohenice, Skalice, Nedeliste, Lusane
mit dem Walde Mesny; im bidschower Kreise Welis, Öirnotic, Easin,
Trebnausewes, Horic, Gradisch, Hudonic, Lubonic; im rakonitzer Kreise
Eadunic, Hriwcic, Wrbne, Chyska, Lasowice, Auhonice, Holonoch; sonst
noch ein Radowesice (dafür nachmals Ohraber), Nakonopnice, Telcice. Vgl.
Tomek G. P. L 99 u. 100, Dobn. annal. VI. 503. Erben reg. 157.
'0) Mika : das ruhmwürdige Doxan.
279
sollten nach ihrem Willen fromme Ordensschwestern nach der Re-
gel des h. Norbert leben und ein Priester des Prämonstratenseror-
dens (ein Canoniker von Strahow) sollte als Propst die geistliche
Leitung der frommen Schwestern führen. In der That versammel-
ten sich alsbald gottselige Töchter aus den edelsten Familien des
liandes, und freigebige Glieder des herzoglichen und königlichen
Hauses und hochherzige Verwandte der frommen Ordensschwestern
beeilten sich, die Stiftung der edlen Königin Gertrud in der Art
zu bereichern und zu vervollkommnen, dass sie in Kurzem als eine
der ersten und grössten des weiten Landes da stand. Anderseits
zollten wieder die also bedachten geistlichen Jungfrauen ihren Dank,
indem sie neben ihren klösterlichen Uebungen die weibliche Jugend
des Vaterlandes zu einem frommen Leben und Walten heranbildeten.
2. Das Kloster Doxan musste schon durch seine Lage unmit-
telbar an der heutigen Diöcesangränze einen Einfluss auf die reli-
giösen Verhältnisse unserer jetzigen Diöcese üben: weit mehr aber
musste diess der Fall sein durch die Besitzungen und Collaturen,
die sich unter andern auch in den dermaligen Kreisen von Leitme-
ritz und Saaz ausbreiteten.
a. Am wichtigsten waren die Besitzungen des Klosters in und
um Leitmeritz. In Leitmeritz selbst besass Doxan einen Mai-
erhof mit einem geräumigen Wohnhause,') in welchem nachmals
die geistlichen Jungfrauen eine sichere Zufluchtsstätte zur Zeit der
husitischen Bürgerkriege finden konnten. Im J. 1336 war auch
die sogenannte Egermühle an der Mündung dieses Flusses in die
Elbe durch Kauf an Doxan gekommen.*) Ursprünglich hatte be-
reits König Wladislaw dem Stifte die ganze heutige Herrschaft Do-
xan geschenkt^): dabei noch das damalige Städtchen Mury auf
') Mika: das ruhmwürdige Doxan p. 14. König Pi-emysl Ottokar hatte diesen
Hof um 1226 zugleich mit Petipsy, Lene§ic, Lubedic, dem Hofe in Tribu-
chic, und einigen Unterthanen in Weltrus gegen die ältere Besitzung
Oztlow im Tauschwege an's Kloster überlassen. (Erben reg. 326.)
'^j Ui'kunde in M. S. der kais. Univ. Bibi. in Prag: Miscellanea germ. H. B. 5.
3) Damals mit Doksany, Mury, Wolewsko mit Bor, Rohatce, Chwalin, Libo-
teinic, Bor, halb Dusnik, Peless (?), Kmetinewes und Öernuc kamen erst
1336 für die entlegenen Orte Welichov, Radunfurt und Schloss Plohenstein
durch Tausch an Doxan (Urkunde Erben 325, Mika 44). Andere Dorf-
schaften wurden erst später angelegt, oder kamen, wie Dolanek, Wraskow,
280
einer Egerinsel nahe bei Brozan, mit einer uralten Pfarrkirche')
die jetzt zum Dominium Brozan gehörigen Ortschaften C h o cl a u n k y
und Hosten i c e, und das uralte Pfarrdorf Ch o t e § o w.'*) Von letz-
terem, dem die geistlichen Schwestern wohl zur steten Erinnerung
an das zweite Jungfrauenkloster ihres Ordens zu ChoteSow bei Pil-
sen diesen Namen gegeben haben, ging die Sage, dass da die from-
men Nonnen die Kirche schon um das Jahr 1145 erbaut und in
selbe ein Gnadenbild der allerseligsten Jungfrau geschenkt haben,
das sofort wirklich der Zielpunkt zahlreicher Wallfahrten geworden
ist. Im J. 1384 gehörte die Pfarrpfründe daselbst mit einer halb-
jährigen Zehentleistung von 12 Groschen zu den besten des Treb-
nitzer Dekanats, ja sogar einer ziemlich weiten Umgegend. Der
Propst zu Doxan übte hier noch 1409 und 1413 das Patronats-
recht aus.^) In den husitischen Unruhen gedieh dieser Ort durch
kaiserliche Verpfändung in den Besitz der Herren von Hasenburg.
— In derselben Gegend schenkte schon Wladislaw dem Kloster das
Dorf Zalezly an der Elbe, jedoch mit Vorbehalt des Lachsenfan-
ges, der landesfürstlich blieb, bis endlich 1226 König Pfemysl Otto-
kar I. auch diese Freiheit noch hinzufügte, unter Einem das Kloster von
allen Abgaben und Diensten freisprach, demselben die Gerichtsein-
künfte der Hlawa (Mordsteuer), Swod (Sühngeld für Misshandlungen)
und Slawe (Zahlung von Gottesurtheilen durch Wasser und glühendes
Eisen) schenkte und zollfreie Schiffiahrt für ein Schiff auf der Elbe
verlieh.^) Als Eigenthum Doxan's erscheinen in dieser Gegend auch
Kraböice, Mneles, ein Theil von Martinewes nachmals clurcli Schenkung
hinzu.
1) Doxan übte hier noch 1411 das Collaturrecht aus. (Lib. confirm. ad 1411,
wie 1376, le383, 1403, 1407). Das Städtchen halte „deutsches Recht."
Die Kirche zahlte 1384 9 böhm. Groschen als halbjährigen Kirchenzehent.
Die hiesige Kirche war wie die K m e t i n a v e s und S r b i c dem Kloster
incorporirt — hauptsächlich , um mit den Einkünften die Kosten der
klösterlichen Gastfreundschaft zu decken (propter onera hospitalitatis).
Lit. papal. in lib. Erect. V. B. 2.
") Mika „das ruhmwürdige Doxan".
•^) Lib. Confirm. ad h. ann. Nach Lib. Erect. XIIL B. 2. hatte der hiesige
Pfarrer alle Samstage eine gestiftete h. Messe zu Ehren der h. Mutter
Gottes zu feiern.
4) Bestätigungsbrief Premysl Ottokars 122G bei Mika p. 25 etc. Erben 32G.
Irrig setzt Mika das bei ihm p. 14 genannte Zaieky (richtig Zalesly, wie
S. 24) in die Gegend von Leipa.
281
ein Theil des Pfarrdorfs Baii§owice (1226 durch Kauf von Bruno,
dem Soline Bleks erworben) sammt der Collatnr über die sehr alte
Pfarrkirche daselbst, ') das bereits erwähnte Pfarrdorf Cernöwes bei
Wettl,^) das damalige Deutschkopist, das vor Erbauung der
Festung Theresienstadt an der Stelle der jetzigen Festung stand,
die Dörfer Brnian und Kochow, letzteres jetzt zum Dominium
Brozan gehörig, beide durcluSchenkung eines Grafen öenkow,^) Ro-
chow zur Hälfte von Königin Judith, endlich Pfestawlk und Wrbi-
can. Brnian, Bausowice, Deutschkopist (1454 wird auch Böhm.-
Kopist mit erwähnt) gelangten nebst den noch angränzenden Do-
xaner Dörfern Du§niky, liohatce, Chwalin, Liboteinic, Kleinnuönic
und 11 Unterthanen in Dolanek im J. 1436 durch kaiserliche Ver-
pfändung um den Pfandpreis von 600 Schock Groschen an die Stadt
Leitmeritz.*) Chotesow, Wrbiöan, Pi-estawlk, Öernewes (überdiess die
Egerüberfuhr bei Chodöow) kamen 1454 durch Verpfändung von Sei-
ten des Königs Ladislaw an Zdenko von Hasenburg. ^)
b. Das Kloster erwarb im J. 1176 durch Vermittlung des stra-
hower Abtes Adalbert von Chi^^en, dem Sohne des melniker Prop-
stes Jurata vorerst einen Theil von Chrawar nebst Waldungen
mittelst Tausch gegen 4 Mark Silber und einen Maierhof zu lia-
du§ewic/) Dass diess der heutige Pfarrort Grabern (Krawary, Ra-
dau§ow) gewesen sei, dafür bürgen einerseits die in der Tauschur-
kunde bezeichneten Gränzen Tynec (Tein), Stwolenic (Drum), Straze
(Straschitz) und der Bach- Pulsnice, — anderseits aber die That-
sache, dass Doxan noch bis zur Husitenzeit das Collaturrecht in
Grabern ausübte.") Einen zweiten Theil von Chrawar erkaufte das
Kloster alsbald von Beznata für 22 Mark Silber, einen dritten von
») Mika S. 43. — Lib. coDflm. — Im J. 1384 zahlte B. 12 böhm. Groschen
Kirchenzehent. (Codex decimarum.)
=) Vgl. §. 22.
3) Mika 1. c.
*j Palacky Archiv I. 501, 541. Ebenso kamen 1421 die doxaner Dörfer
Kraböice an Rus von Swina um 120 Seh. , Cernuc und Kraetiuewes au
Parcival von Prostibor um 200 Seh. (Palacky Archiv II. 193.)
5) Urkunden im M. S. der präg. Univ. Bibl. II. ß. 5 Mise. germ.
«) Urkunde Erben reg. 157. 328.
7) Lib, confirm. ad 1383. Tomek G. Pr. I. 100 verlegt Chrawar irrthümlich
in die Gegend hinter Liben.
282
Dionys für 25 Mark, und einen vierten von Woymir um 18 Mark :
sämmtliche Verkäufer werden als Verwandte Chf ens angeführt. Von
einem fünften Verwandten Chfens erwarb Doxan unter Einem das
Dorf WitozlawiceJ) Wahrscheinlich verdankte Grabern dem Klo-
ster die Gründung einer eigenen Pfarrkirche, die im J. 1384 bei
einer Zehentleistung von 18 böhm. Groschen entschieden zu den
ältesten des Leipaer Dekanats gehörte.^) Wohl erscheint 1264
eine adelige Familie, die sich von Krawar nennt, im Besitze von
Gräbern,^) jedenfalls aber nur in Lehensabhängigkeit vom Kloster
Doxan, welches erwiesener Massen noch nach wie vor im Besitze
des Collaturrechtes blieb. In derselben Gegend besass das Kloster
bereits als Schenkung der Königin Judith das Dorf Pf eh ory (jetzt
zum Dominium Liebeschitz gehörig),^) ferner noch vor dem J. 1226
das Gut Brozany (das heutige Brotzen oder Kleinpriesen auf dem
Dominium Liboch) als Geschenk eines gewissen Reinhard, des Soh-
nes Friedrichs de Spelunca,^) der selbst den- halben Hof zu We-
schan, sowie sein Bruder Peter seinen Antheil am Dorfe Basche
dem Kloster zugewendet hatte/) Auch das Dorf Chudolas bei
Liboch gehörte nachmals demselben Kloster.')
c. Im jetzigen saazer Kreise erhielt Doxan um 1226 vom Kö-
nige Pfemysl Ottokar im Tauschwege (gegen Oztlow) die Dörfer P e-
tipsy (Fünfhunden), LeneSice, Libediceund Tf ebuäice, über-
diess auch durch Kauf einen Theil von Liboöany.®) Die mei-
sten dieser Besitzungen erscheinen später**) als Eigenthum des Klo-
sters Postelberg, bei dessen Besprechung wir bereits die alten Pfarr-
orte Lenesice und Liboöany kennen lernten. Auch Libödice erscheint
als einer der ältesten Pfarrstationen des saazer Dekanats, da es
') Urkunde Erben reg. 327.
^) Codex decimarum.
3) Eohn antiq. eccl. M. S.
4) Urkunde Erben 326.
5) Ebendas. S. 827, Dieses Gut gehörte dem Kloster bis zur Aufhebung des-
selben. Sommer leitm. Ki-. 382.
") Erben 327, Weschan dürfte das heutige Vestany (Weschen) auf der Domäne
Türmitz sein. Das Dorf selbst haben wir bereits als Besitzung des Collegiat-
stifts S. ApoUinar kennen gelernt.
7j Sommer leitm. Kr. 382.
8) Erben reg, 326.
«; In der Zeit der Lib. Confirm. 1358—1419.
283
1384 halbjährig 12 böhm. Groschen zum allgemeinen lürchenze-
hent beisteuerte. ') Im J. 1394 erscheint hier als Besitzer und Col-
lator ein gewisser Slacho, Lehensmann zu Libedie, und im Jahre
darauf ein gewisser Erhard Lehensmann zu Olmnow.^)
3. In nächster Nähe der genannten Ortschaften schlössen sich
die namhaften alten Besitzungen des Klosters Doxan in der alten
Landschaft Sedlec an. Genannt werden Welichow (Welchau), Jaku-
bow (Jokes), Petersdorf, Woykowic (Wickwitz) mit Waldungen, Lu-
pelsdorf (Lappersdorf ?), Domonic (Damitz), Schönwald, Ledic (Liti-
tzau), Chotenic (Kuttenitz), Permesgrün, Ledwic (?), Janesdorf (?), Hau-
enstein. '^j Insbesondere erwarb sich das Kloster in dieser Gegend
ein grosses Verdienst, indem es im J. 1232 die Stadt Königs-
berg gründete.'*)
§. 72. Die Praemonstratenserklöster Selau, Launiowic, Leitomischl und
Mühlhausen.
1. Um das J. 1139 entstand das neue Stift Selau (ZIeliwo,
Siloe). Als Gründer desselben wird der Abt Reginard von Sazawa
genannt, welcher — unterstützt vom Herzoge Soböslaw um 1139
zunächst eine B e n e d i k t i n e r c o 1 o n i e aus Sazawa in der Wild-
niss von Selau ansiedelte. Da der Grund und Boden der. neuen
Niederlassung dem Prager Bischof gehörte: so übte dieser sofort
eine Art von Patronatsrecht in dem neuen Ordenshause aus. So
mochte es kommen, dass nachher Bischof Daniel im J. 1148 die
Benediktiner von hier entliess und P r a e m o n s t r a t e n s e r aus dem
Kloster Steinfeld einführte.^) Die neue Stiftung war anfangs sehr
*) Codex decimarum.
») Lib. Erect. XII. G. 8. Lib. Confirm. ad 1394.
3) Mika p. 14.
'*) Urkunde Erben reg. 370. Ueberdies werden genannt die Cöllatureu von
Weltrus, Kmetinowes, Chodsowice (lib. confirm. 1371, 1373, 1378, 1417).
Der Wald Otochochene, ein Theil von Perichow (bei Chotesau), Glusin,
Dechan, Hwojnic, Öernuc, Hostiwic, Siwanic, Wrbiöan, ISfemöic, Protivis,
Luhinic, Gachow, Peles, Klobuk, Kotwin, Sbinic, Srbic, ührec, Chenowic,
(Erb. reg. 325 etc.) Maskros, Eadinic, Leskow, Sobechleby, Stankov,
Tiskovic, Chudinic und mehrere andere minder verbürgte Besitzungen.
(Mika 14 etc.)
5) Chron. Siloens. (Mon. Bob. I. 102 etc.)
284
arm.') Alsbald aber gedieh auch sie namentlich durch die Frei-
gebigkeit des grossen Protectors des Praemonstratenserordens, des
olmützer Bischofs Heinrich Zdik zu bedeutendem Reichthume. Die
Besitzungen lagen zumeist im Umkreise des Ordenshauses.") Da
ihnen Anfangs bedeutende Waldstrecken an der mährischen Gränze
zufielen: so beriefen sie deutsche Ansiedler in Menge, welche
gegen fünfjährige Abgabenfreiheit und nachmalige Verpflichtung zu
einem Getreidezehent und einer erst im eilften Jahre beginnenden
Geldleistung die Wälder lichteten und eine Menge nachmals blü-
hender deutscher Ortschaften anlegten. Diese Vorgehungsweise wird
im J. 1252 als eine bereits übliche erwähnt^) und von da an so-
wohl von den Landesfürsten als auch von einzelnen Grundherren
vielfach nachgeahmt.*) Indem auch andere Ordenshäuser in Böh-
men wohl schon seit ihrer Stiftung her und noch mehr von dieser
Zeit an ein Gleiches thaten, so verwandelten sich allmälig die wei-
ten Gränzwälder Böhmens (die grossentheils den Klöstern Ossegg,
Tepl, Kladrau, Nepomuk, später Hohenfurt, Goldenkron u. s. w.
gehörten) in blühende Niederlassungen der Deutschen.
2. Zu gleicher Zeit mit Selau erhob sich das Jungfrauenstift
desselben Ordens Launiowitz in der Gegend von WlaSim. Wie
uns der sachkundige Chronist von Selau ^) erzählt, hat Heinrich,
ein in der Arzneikunst sehr bewandter Praemonstratenser von Se-
lau, aus manigfachen zu diesem Zwecke gesammelten Geschenken
dieses neue Ordenshaus erbaut. Die ersten Bewohnerinnen waren
fromme Jungfrauen aus dem Kloster Donewald in der Kölner Diö-
cese. Ein Prior unter der Oberleitung des Abtes von Selau be-
sorgte daselbst den geistlichen Dienst.*) Die Besitzungen des Klo-
^) Ebendaselbst.
=) Genannt werden in ältester Zeit: das Gut Stanimir (nachmals gegen den
grossen Wald Borek an der mäbrisclien Gränze vertausclit), Podol, Dobro,
Scrisowe, Bogedanz, Pustsin, und namhafte Zehente in der Gegend von
Iglau. Vgl. Erben reg. 152, 382 etc.
3) Erben reg. 606.
'*) Erben 1. c. Als spätere Besitzungen Seiaus werden von K, Sigmund
1436 verpfändet: Zbilidy.mit einem Teiche, Petrowice, Öihowice und
Noöico. (Pal. arch. ßesk. I. 514.)
5) Dobn. mon. Boh. I. 99.
«) Ebend. 110 etc.
285
sters in ältester Zeit werden nicht genannt^): jedenfalls lagen sie
von der jetzigen leitmeritzer Diöcese fern. Nachmals ging von hier
eine Schwestercolonie nach Kaunitz in Mähren aus.
3. Im Jahre 1145 räumten auch die Benediktiner zu Leito-
mischl ihr Ordenshaus den Praemonstratensern ein. Herzog Otto
von Ohnütz und der Bischof Heinrich Zdik dotirten es auf das frei-
gebigste aus Dankbarkeit für eine überstandene Lebensgefahr.^)
So bedeutend wurden die Besitzungen di'eses Klosters sowohl in
Böhmen als in Mähren, dass es nachmals in ein Bisthum sammt ei-
nem Domcapitel verwandelt werden konnte. Namentlich gehörten
auch hieher bedeutende Waldstrecken an der mährischen Gränze,^)
welche sich in Kurzem zu Wohnsitzen deutscher Ansiedler gestal-
teten.'*)
4. Im Jahre 1184 stiftete der edle und fromme Graf Georg
von Mühlhausen (Jurik von Milewsko) eine neue Colonie des Prae-
monstratenserordens, die seinen Namen verewigte. Es ist das Klo-
ster Mühlhausen (Milewsko) in der Gegend von Pisek.^) Der
bekannte Chronist von Selau (Fortsetzer der Chronik des Selauer
Capitulars Jaroslaw), der eben so gelehrte als fromme Ordensbru-
der Gerlach (Gerlacus) ward der erste Abt des neuen Stiftes. Eben-
desslialb ist es mehr als wahrscheinlich, dass es auch die ersten
Ordensbrüder aus Selau erhielt und auch unter der mittelbaren Lei-
tung dieses Mutterklosters blieb. Die ältesten Besitzungen lagen
in den Kreisen von Tabor, Prachin und Budweis.®) Als Propstei
1) Kaiser Sigmund verpfändete 1420 zugleich mit dem Klostergebäude Lau-
niowic die Ortschaften (also wohl Besitzungen des Klosters) : das Städtchen
Domasin, die Dörfer Lhota, Milanowice, Zelichowice, Hrin, Skrysow, Rat-
merice, Libun , Lazy, Predboi'ice, Hrajowice, Rajko>Yice, Lhota, Karhule,
Krizow, ütechowice, Masejowice, Milotice und Waöice (Pal. reg. zapis. in
Arch, cesk. I. 531).
3) Vgl. Erben, reg. 112.
3) Vgl. Erben reg. 112, 138, 130.
4) Als älteste Besitzungen werden nebst grossen Waldstrecken genannt :
Pametic, Theile von Wazane, Krekovice, Richowice, Sudic, Sekry, ünter-
thanen in Rostok, Dubraunic, Nedosin, Gradisce, Theile von Lozic, Zaläsaz,
Lepejowice, Tynec, Triskowic, Iwanowic, Grubowic, Domasic, Hinow, jfeepiu,
Kolodes, Rikowice, Griuäowa, Swabenice, Bojanowice, Cerekwice , Blejow,
Brezne. (Erben 1. c)
5) Urkunde Erben reg. 231.
'>) Genannt werden Öernochow, Theile von Tf eskolup und Kralup (1207 für
286
wird — ohne nähere urkundliche Begründung — Theusing ge-
nannt. ')
§.73. Die ersten Gisterzienser in Böhmen.
1.. Es wurde bereits erwähnt, in welch' nahem Zusammenhange
die Einführung der Ordenssöhne des h. Bernard mit der geistlichen
Reformation in unserem Vaterlande stand. Das erste Mutterhaus
für Böhmen War das Kloster Waldsassen im heutigen König-
reiche Baiern. Dieses von den einstigen Besitzern Egers, den Gra-
fen von Yohburg gestiftete und dotirte Ordenshaus hatte schon von
allem Anfange an bedeutende Besitzungen und dadurch auch be-
deutenden Einfluss in Böhmen erworben. Diese Besitzungen erstreck-
ten sich namentlich über einen beträchtlichen Theil des Egerlandes
und des ehemaligen elbogner Kreises, — hier insbesondere über
viele Ortschaften der Dominien Chodau, Schönbach, Graslitz, Ber-
nau, Wallhof, Katzengrün, Sandau und. Königsberg. Uiberdiess ge-
hörten dahin 6 Höfe in Pilsen und eine Besitzung sammt dem Pfarr-
patronate in Plan.^) Aber auch in den Umkreis der heutigen Di-
öcese von Leitmeritz reichten die Güter dieses Klosters hinein.
Hier besass Waldsassen vorerst durch Schenkung vom Könige
Wladislaw I. (1165, 28. Juni) Inder saazer Provinz ein Dorf Dau-
dlebic mit dem sehr ausgedehnten Grundbesitze Preolac (jetzt
Tynsa vertauscht) , Belin , Pozretin , Kdesice, Dobrotesice , Mymonowic,
Graykowic (letztere 3 für Strana, Bratrejow, Zbutko, Chratna eingetauscht),
Bojnic, Kojetin, Horosedly (1234 gegen Hrustice vertauscht). Vgl. Erben
reg. 231, 259, 260, 266, 275, 285, 296, 355, 399, 413.
1) Illust. Chron. von Böhm. .1. 322.
*) Genannt werden ; das freie Steinhaus in Eger mit den dazu gehörigen
üuterthanen in und ausserhalb Eger, das Quellgebiet der Elster bei Asch
(begränzt von den Bächen Znata, Tieffenbach, grosse und kleine Elster,
Winbach, Luboc, Tonokop sammt inliegenden Ansiedlungen) , Chodau,
Neudorf, Roztil (1196), ein Grundbesitz bei Kulm (1232), Stadt und Gut
Schönbach (bis c. 1348), Konradsgrün und 10 Höfe in Gassnitz (1808 —
0.1348), Lapitzfeld (1308), Gut Liebenstein, Schönwerth, Reichenau,
Scheiben, Perglas, Nothhaftsgrün (1298 — c. 1348), Ünterlosau (1218),
Markhausen (bis c. 1348), Oed (1289), ein Hof in- Pograt (1287), Schönlind
(bis 1349) , Schossenreut (1279) , Treunitz (bis c. 1348), Oberkuenreut
(1300), Gut Watzgenreut (1154). Vgl. Erben reg. 137, 166, 167. Brenner
Gesch. des Stiftes Waldsassen 24— 91. Pröckl, Eger und das Egerland.
287
Dorf Pröhlig) und den Egerfluss der Ausdehnung jenes Grundbesitzes
entlang.^) Dazu fügte Herzog Friedrich im J. 1182 noch das Dorf
Penreit in derselben Gegend sammt Feldern und Wäldern (unter Ei-
nem auch ein Dorf Bruwic nahe bei Prag).^) König Wenzel I. ver-
lieh 1238 dem Kloster noch dazu 6 Höfe und das ganze confiscirte
Erbe des gewesenen königlichen Jägermeisters Orthe in Blzany
(Flöhau) sammt Wiesen und Feldern.^) Nachmals (1248) fügte der-
selbe Fürst für die im Kriege mit seinem Sohne Pi-emysl Ottokar
erlittene Verwüstung des Gutes Preolac in derselben Gegend das
Gut Sattel mit Jagd- Fischerei- und Waldgerechtigkeit hinzu.'^) Im
J. 1290 (9. Noy.) schenkte König Wenzel II. dem Kloster für die
empfangenen Dienste des damaligen Abtes Theodorich die Hälfte
des Dorfes Holedic, die dem Könige von dem Bürger Theodorich
Brunner in Saaz anheimgefallen war.^) Im Jahre 1291 (27. April)
kaufte das Kloster selbst in der Nähe von Saaz zwei Höfe in Strutzi
(Dreihof) an der Eger/) Etwas später erscheinen bei Saaz die
Ortschaften Pressern (Bfezany), Schwinau (Schinau) und Pur-
schi c (?) nebst dem bereits erwähnten Holedic als Besitzungen von
Waldsassen, die aber im J. 1346 durch Verkauf an Trost von Win-
kler in Künsberg übergehen.") Im Jahre 1356 gelangte das eine
Zeit lang entfremdete Gut Preolac als Geschenk von Johelin Jacobi
von Neuem an Waldsassen. ^) Im J. 1332 hatte König Johann dem
Kloster das Patronat von Laun geschenkt.^) Das oben genannte
Pressern (Bf ezany) erscheint in der zweiten Hälfte des 14. Jahr-
hunderts als selbstständiger Pfarrort, wo Waldsassen die Patronats-
rechte ausübte. Die Stadt Laun dagegen ist nächst Saaz entschie-
den die älteste und beste Pfründe des saazer Archidiakonats ge-
wesen, indem selbe 1384 die höchst ungewöhnliche Summe von 2
Schock b, Groschen zum halbjährigen Kirchenzehent entrichtete. ^^)
Urkunde bei Erben reg. 137.
2) Urkunde ebend. 167. Vielleicht ist dies Branik.
3) Urkunde ebend. 433.
*) Brenner S. 36.
5) Ebend. S. 55 und 59.
6) Ebend. S. 56 und 59.
7) Ebend. 88.
8) Ebend. 92.
9) Ebend. 82.
'^^) Codex decimarum.
288
Auch später noch vermehrte die Freigebigkeit der Eingebornen den
Reichthiim ihrer Kirche.') Im Jahre 1196 bereits hatte ihnen Her-
zog-Bischof Heinrich Bfetislaw die Zollfreiheit in Böhmen verliehen.*)
2. Von Waldsassen zog im J. 1143 die erste Cisterzienser-
colonie nach Böhmen herein. Hier hatte der edle Miroslaw, an-
geblich ein Ahnherr der nachmaligen Herren von Wartenberg und
Waldstein, für die ehrwürdigen Väter das erste Kloster zu Sedlec
erbaut, — und zwar „mit Einwilligung des Herzogs Wladislaw und
des Bischofs Otto und auf Zureden des Bischofs Heinrich (Zdik)
von Mähren,"^) Als erste Besitzung schenkte der fromme Stifter
dem neuen Kloster die Güter und Höfe Solnic, Hothowic, Podol-
sany, Zdebudice, Poboi', Odolany, Belany, Malejowice, Lubenice, Hli-
zow, Kacin — und namentlich auch Gradische sammt Wasser, Wie-
sen und Waldungen, wo alsbald wieder das selbststäiidige Kloster
Münchengrätz sich erheben sollte. Uiberdiess aber bestimmte Miro-
slaw das Kloster Sedlec zum Erben aller seiner Güter, falls er und
seine Neffen ohne Erben sterben möchten. Diesem Beispiele folgte
auch . sein Schwestersohn Drislaw, wodurch dem Kloster sehr bedeu-
tende Erwerbungen zuflössen."*) Nachmals vermehrten auch noch
neue Schenkungen unterschiedlicher Wohlthäter den Besitzstand
von Sedlec, — unter diesen namentlich auch der später ausführ-
licher zu rühmende Graf Kojata von Brüx, Sohn des Grafen Hra-
•) 1395 errichtete die verwitwete Bürgerin Gutta ein neues Altarbeneficium
(S. Corporis et sanguinis J. Christi) mit 8 Seh. Zinsungen. (Lib. Ercct.
XIII. F. 3.) — 1396 10. Mai schenkte der Priester Peter ^on Laun seiner
Mutterkirche einen Allodialhof , damit ein tüchtiger Prediger daselbst an-
gestellt werde. (Lib. Erect. XIII. G. 1.) In demselben Jahre schenkte die
Bürgerschaft der Kirche einen anderen Allodialhof nebst einem Acker
Landes (Lib. Erect. IV. T. 1.). 1409 schenkte ein Launer Bürger einen
zweiten Acker dazu. (Lib. Erect, XIIL E. 8.) 1412 14. Feb. schenkt aber-
mals ein von Laun stammender Priester der Kirche daselbst einen Allodial-
hof mit einem Acker Landes zur Stiftung einer S. Maricn-Frilhmesse.
(Lib. Erect. XIII. T. 16.) So war Laun bis zur Husitenzeit einer der
hervorragendsten Pfarrorte Böhmens geworden.
2) Urkunde Erben reg. p. 193.
3) Stiftungsurkunde bei Erben reg. 103, Kapihorsky hyst. klästera Sedleckeho 1.
Illust. Chron. v. Böhm. II. 161. Fälschlich schreiben Hajek und Pontanus
diese Stiftung dem prager Bischöfe Daniel zu,
^) Stiftungsurkunde wie oben.
289
bisa von Bilin. ') Auch erliebliche Antheile der in nächster Nähe
entstandenen Silbergruben von Kuttenberg steigerten den Reich-
thum des Klosters, welches um das Jahr 1400 sogar 300 Priester
und 200 Laienbrüder zu erhalten vermochte.-) Die späteren Be-
sitzungen des Klosters lagen zumeist in den Kreisen von Caslau,
Kauf im und Chrudim.^)
Im Antheile der jetzigen leitmeritzer Diöcese besass Sedlec
ausser einigen Elbmühlen bei Nimburg die Stadt Hodkowice'*).
Es ist diess um so gewisser das jetzige Liebenau im bunzlauer
Kreise, als diese Besitzung geradezu als Stadt bezeichnet wird und
die beiden andern gleichnamigen Orte in Böhmen (im kaufimer
') Urkunde Erben reg. 333.
3) Illust. Chron. II. 161.
3) Namentlich werden ausser den bereits genannten angeführt, — urkundlich:
Sezemice, Krastno, Pi-elozy, Zmine. Bei Kapihorsky bist. Sedl.: Zinsungen
zu Kuttenberg und die CoUaturen zu Kuttenberg, Malin, Kolin, Weletow,
Königgrätz und in den mährischen Orten Jemnic und Jaromir. Nach einem
dem Könige Ferdinand überreichten Catalogus (Sartorii Cisterc. bist. 982 —
985) noch: Pretoka, Chleby bei Nimburg, Podesheim bei Graz, Kolin,
Caslau, Bresan, mehre Neudorf, Chrawan, Radhostic, Öelakowic, Dymokur,
üjezd, Hofmark (in Oesterreich), Ki-iwsudow, 3 Höfe bei Kolin, Selmic,
Öerncin, Swojciö, Borowic, zwei Lhota, Chysna, Budsic, Laz, Brezina, Öe-
setic, Herorc, Slawnic, Pawlow, Mikulasow, Dubec, Bonowec, Wesele, Bon-
kow, Budisow, Babice, Cerkovice, Grund, Dolany, S. Jacob, Kobylnic,
Owöar, Morasice, Zbidlaw, Jezery, Öernice, Belusice, Zraky, Äitenice,
Blary, Ghrßice, Chwaletice, Dubec, Dobrinice, Konkow, Konowice, Hrob
bei Kolin, Osada, Sestary, Zdanice, Chwostan, Polkym, PaAvic, Jenkow, Barts-
dorf, Longendorf, Hohenrein, Smilow, Bei'gmeisterdorf, Blumendorf, Pfaffen-
dorf, Chotowic, Trebusic, Krakowan, Keöenow, Labwetin, Horsan , Postub,
Grellenort , Pignersdorf , Merbotsdorf , Weigmannsdorf , Kojic , Zaboric,
Whnai", Hohenredel, Malesow, Mocowic, Wilanec, Aigen, Wislowic, Sla-
thauen, S. Nikolaus, Radhoät, Bronkowic, Michowic, Uäinec, Kresetic, Krupa
und einige Zinsungen. Offenbar wurden da auch Besitzungen anderer
Klöster und blosse Theil- und Zinsdörfer einbezogen. Verpfändet wurden
von K. Sigmund: Cirkwic, S. Jakob, Kojetic, die Mühle Hroby, Hlisow,
Kotowice , Grewer bei Kolin , Luzow , Pfaffendorf, Malesow , Zbyslaw,
Rohozec, Kunice , Tridwori, 2 Mühlen bei Kolin, Owcary, Nowy Dwür,
Nowawes, Hradiätko, S. Katharina, Zabor, S. Nicolaus, Dolany, Sestary,
Belany. (Pal. Arch. öesky.) Diese also waren sichere Besitzungen von Sedlec.
4) Vgl. Urkunden Erben reg. 103 und 333 u. das dem König Ferdinand I.
übergebene Verzeicbniss. ^
19
290
und königgrätzer Kreise) erweislich andere Besitzer hatten. Wahr-
scheinlich ist es eben jenes Hothowice, welches schon der fetiiter
Miroslaw zugleich mit dem nahen Münchengrätz dem Kloster Sedlec
übergeben hatte. Im 14. Jahrhunderte finden sich jedoch schon
andere Besitzer dieser alten Stadt, u. z. 1363 die Herren von Dra-
zice und 1376 ein Herr von Biberstein. Hodkowice gehörte ent-
schieden zu den ältesten Pfarrbeneficien des Dekanates von Tur-
nau, indem es im J. 1384 den in dieser Gegend höchsten Kirchen-
zins von 12 böhmischen Groschen zu entrichten hatte. ^) Als Ei-
genthum des Klosters Sedlec wird endlich auch noch das Einkom-
men vom ^upengerichte in Turnau genannt, auf welchen Ort wir
seiner Zeit näher zu sprechen kommen werden.
Als Propsteien von Sedlec werden Kaufim, Chotusitz
und Elbenteinitz genannt. Auch verlegen Hajek und Spätere
ein von hier aus gegründetes und geleitetes Jungfrauenkloster der-
selben Ordensregel nach Starke nbach (Jilemnice) im ehemaligen
bydschower Kreise.^) Die Husiten sollen dasselbe zerstört haben.
Während jedoch für das einstige Bestehen jener Propsteien zahl-
reiche Urkunden sprechen*), findet sich für die letztere Meinung
bis jetzt nirgends eine historische Spur.^) Wahrscheinlich hat man
auch hier wie anderwärts das irgend einem Nonnenkloster (un-
bekannt welchem?) gehörige Herrschaftshaus für ein Kloster ange-
sehen.*^) Yon Sedlec gingen nachmals die neuen Ordenscolonien
Königssaal und Skalitz aus.
3. Um dieselbe Zeit, — nach Neplacho sogar schon im Jahre
1 130 — wurde auch das Kloster N e p o m u k oder Pomuk gegründet. ')
') Lib, Confirm. ad h. a.
^) Regist. decim.
3) Hajek. Sommer, bydsch. Kr. S. 171.
4) Index librorum erectionum. Kapihorsky bist, Sedl.
^) Selbst Kapihorsky bist. Kläst. Sedlec. weiss nichts davon.
6) Vgl. S. 106. (Kl. Georg.)
^) Pomuk beisst dieses Kloster in den von Erben (Reg. Bob. etMor.) gesammel-
ten öffentl. Urkunden von 1188, 1234, 1246; Nepomuk dagegen 1176, 1224
1239, 1252. Pomuk heisst es. ferner in den Libris Erectionum in d. J. 1409
1412,1413, 1418; Nepomuk dagegen in den Urkunden des Archiv öesky (v.
Palacky) von 1856, 1410, 1419. Es ist also offenbar, dass beide Namen
als identisch betrachtet wurden. Der Sage nach soll ab.er Nepomuk der
291
Der Name des Gründers ist bis jetzt nicht bekannt.') Spätere
Schriftsteller deuten auf die Ahnen der nachmaligen Grafen von
Sternberg hin. Sicher ist, dass hundert Jahre nachher der Würz-
burger Bischof Berthold von Sternberg ein grosser Wohlthäter der
neuen Stiftung wurde. ^) Dieses Kloster ist zunächst desshalb merk-
würdig, dass es seine ersten Ordensbrüder aus dem fränkischen
Kloster Eberach erhielt, desshalb den Abt dieses Mutterklosters
fortan als geistlichen Vorsteher verehrte und somit in keinem en-
geren Verbände mit den übrigen Cisterzienser-Ordenshäusern in
Böhmen stand. ^) Nachmals diente hier der heilige Johannes von
Nepomuk als Knabe den Priestern am Altare. Die ältesten Be-
sitzungen lagen wohl in nächsten Umkreise/) Als älteste Aebte wer-
den Conrad (1176), Hermann (1188), Hartmund (1219), Heinrich
(1240), Berthold (1250) genannt. Seit der Zerstörung durch die
Husiten erinnern nur noch wenige Trümmer und das umliegende
Dörfchen Kloster an das einst blühende Ordenshaus. ^)
Von Nepomuk aus wurde schon im Jahre 1157 die Propste!
Heiligenfeld (Sacer campus , Swate pole) nächst Königgrätz ge-
gründet, zu welcher wieder in Königgrätz selbst eine Pfarrei mit
einem „Klösterlein" gehörte.")
Auf dem Grün berge bei Nepomuk soll nach Einigen noch
ein anderes Kloster — angeblich der Cisterzienserinnen — gestan-
ux'sprüngliche Name des Klosters, Pomuk aber der ursprüngliche Name
der unfern davon ertstandenen Stadt gewesen sein. Dieselbe Sage führt
die Entstehung des Namens auf den aus Rom heimkehrenden heiligen
Adalbert zurück, der durch sein Gebet (auf dem Grünberge) das aus-
getrocknete Land wieder mit Regen befeuchtet (pomok) habe.
1) Auch Neplacho hat ihn nicht genannt.
^) Jogelinus, Baibin. hist. sacromont. auct. I. c. 9.
^) Brusch de monast. Eboracensi. Baibin. 1. c. Pubitschka IV. 260.
'*) Genannt werden: Dnesic (1239 an Kladrau verkauft) und Snopuse (1239
gegen Radochowice und Bertholdice vertauscht). Sicher verdankt die Stadt
gleichen Namens ihre Entstehung dem Kloster.
5) Vgl, Sommer VII. 33.
^) Jogelinus, Sartorius. Die ehemalige Lage bestimmt Bieneuberg (Gesch.
von. Königgrätz S. 273), der übrigens gleich andern diese Propstei für
ein wirkliches Kloster h"elt. Andere suchen die ehemalige Lage bei Opocno
und halten die Stiftung für ein Frauenkloster. Die Königgrätzer zerstör-
ten es 1420.
19*
292
den sein.') Urkunden, welche diese Annahme bestätigen möchten,
fehlen gänzlich. Doch ist es nicht unwahrscheinlich, dass der in
nächster Nähe von Nepomuk gelegene Grünberg sammt seiner Burg
eine Zeit lang zu den Besitzungen des Klosters gehörte und in die-
ser Eigenschaft eine Colonie des Mutterhauses beherbergte.^) Lange
aberjiat diess wohl kaum gewährt; denn schon im Jahre 1247 fin-
den wir bereits einen erblichen Herrn von Grünberg, ^) welchem Ge-
schlechte nachmals die Herren von Sternberg im Besitze folgten."*)
§. 74. Das Cisterzienserstift Plass.
1. Dieses Kloster hat für die jetzige leitmeritzer Diöcese eine
besondere Bedeutung durch den Umstand gewonnen^ dass dasselbe
hier seit uralten Zeiten eine Propstei — u. z. zu Böhmisch-Leipa
besass.
Als Stifter des prachtvollen und reichen Ordenshauses wird
der König Wladislaw I. gerühmt, der auf seinen Jagden das dor-
tige schöne Thal kennen gelernt und liebgewonnen hatte, so dass
er eben dort im J. 1146 den Grundstein zu einem von ihm längst
schon projectirten Cisterzienserkloster legte. Eine Colonie des ost-
fränkischen Klosters Langheira übersiedelte in die neue Ordens-
stätte. Der hochherzige Gründer sorgte durch Schenkung bedeu-
tender Grundstücke und Einkünfte für den Bedarf der frommen
Klosterbrüder. Nachmals thaten Herzog Friedrich (1183), Helicha,
die Gemalin des Herzogs Otto (1189), der Herzog-Bischof Bfetislaw
(1190) König Pfemysl Otokar I. (1207), Bischof Daniel (1209) und
alsbald auch zahlreiche Mitglieder des böhmischen Adels ein Uibri-
ges, um den ßeichthum der heiligen Stiftung von Plass zu erhöhen
und dadurch das segenreiche Wirken der frommen Ordensbrüder in
Gottesdienst und Seelsorge, in Wissenschaft und Kunst, in Landcul-
tur und Armenpflege zu erweitern.
2. Die Besitzungen des Klosters Plass lagen fast durchgehends
ausserhalb der Gränzen der heutigen leitmeritzer Diöcese.
') Hajek. Nach ihm Baibin. Jogelin. Sartorius.
2) Vgl. Sommer VII. 24.
3) Erben regest, p. 730 ad 1247.
4) Sommer VII. 24. Palacky Archiv öesky IV. 74. 80. 81. 138. 234.
293
a. Als hiesige dem Kloster gehörige Ortschaft wird nur Ziis-
san genannt, wohl das nachmalige Pfarrdorf Suäany (Ziischa —
dermalen zur Domaine Postelberg gehörig). Im J. 1384 gehörte
selbes bereits zu den älteren Pfarrstationen des Dekanats und be-
theiligte sich damals mit 9 böhm. Groschen an dem Halbjahrster-
minen des allgemeinen Kirchenzehents. ^) Damals und auch vor-
dem erscheinen daselbst die ritterlichen Herren von Wildenfels,
später aber einzelne Bürger der k. Stadt Saaz als Collatoren der
Pfarrpfründe. ~) Dieses Dorf war wohl schon sehr bald nach der
Stiftung von Plass in den Besitz jenes Klosters gekommen, und
zwar als Geschenk des Grafen Bolic, eines Sohnes des Nacezsse. Im
J. 1175 kam es im Tauschwege — ohne Zweifel der weiten Entfer-
nung wegen — gegen das Gut Ujezd an den Herzog Sobeslaw.^)
b. Noch von der ersten Stiftung her besass das Kloster Plass
einen Theil des Salzzolles zu Deöin (Tetschen), der damaligen
Hauptstadt der gleichnamigen Zupe.'*) Im J. 1183 beklagten sich
die Klosterbrüder bereits beim Herzoge Friedrich, dass es ihnen
schwer falle das Erträgniss dieser Schenkung Wladislaws I. „we-
gen der Länge des Weges und der Nachstellungen von Seiten der
Käuber ohne grosse Gefahr ins Kloster zu befördern." In Folge
dessen übernahm Herzog Friedrich jenen Zoll wieder selbst und
schenkte dem Kloster dafür ein landesfürstliches Dorf, Namens
Kopidl.0
3. Die für uns interessanteste Besitzung von Plass war die
*) Regist. decimarum.
^j Lib. Confirm. ad 1360, 1369, 1389, — 1407, 1412, 1417.
^) Urkunde Erben reg. 155.
*) Vgl. S. 83 i. Urkunde Erben reg. 118.
5) Urkunde Erben regesta 170. Anderweitige ursprüngliche Besitzungen: Obora,
Kretkow, Babina, Lomnice, Luti, Ujezd, Krpozis (dafür Lugow und spä-
ter Szheshin), Öellowic, Chisko (dafür IZehutic undKoöin), Kaznew, Wrasni,
Nebrisin, §upa, ein Weinberg bei Prag, Teskoy, Loman, Gluboc , Uplevi,
Udrascha, Zrubni, ein Gütchen bei Kralowic, Mozidlin, Hluboky, Uplewice,
Udrazka, Srubni, ein Theil von Ninonic, Ninic, Wsehrdy, Teinic, Olsowe,
Ujezd, Breze, Üjezdec, Korith, Bezdekow, Lasnic, Darow, Kostelec, Kozlan
(dafür Sehela), Hodin, und der Zins von Wisoöan. (Vgl. Erben reg. 118,
143, 170, 171, 182, 184-187, 204, 222, 230, 237, 265, 288, 347, 357, 370,
383, 390, 415, 438-440, 457, 596, 597.)
294
Propstei S. Maria Magdalena in B ö h m i s c h - L e i p a. Des frühe-
ren Unterganges dieser alten Stadt und ihrer Wiedererbauung durch
den tetschner 2upan Jakob im Jahre 1059 haben wir bereits er-
wähnt. ') Wie damals durch eine Wasserfluth, so musste im Jahre
1244 die arme Stadt sammt ihrem Gotteshause ein Opfer der Flam-
men werden. Doch auch diessmal erstand sie von Neuem aus den
Trümmern und zwar schöner und grösser als je zuvor. Sie dankte
diess vornehmlich den Herren von Lipa, die sich damals auch durch
die Erbauung der neuen Peterskirche verewigten. Die neue Stadt,
jetzt die schönste und grösste im weiten Gaue, ward nun sogar zum
Hauptorte der 2upe erkoren, nachdem Dööin bereits in den erb-
lichen Besitz der Herren von Wartenberg übergegangen war. Als
neue Zupane wohnten sofort die Herren von Lipa daselbst, welche
allmälig alles noch nicht erblich gewordene Land des weiten Um-
kreises in ihren Besitz brachten und unter dem Namen der Berka
von Duba nachher das mächtigste Adelgeschlecht von Böhmen wur-
den.^) Aber auch von weiter Ferne her gewann das wieder er-
standene Leipa neuen Glanz. "Vielleicht aufgefordert von den Her-
ren von Lipa — zog jetzt auch eine Colonie. der Cisterzienser von
Plass nach Leipa, und so entstand hier die Propstei und Kirche
zu Ehren der h. Magdalena. •"') Es ist diess wohl dieselbe Magda-
lenencapelle , welche um das Jahr 1253 der plasser Abt an einem
nicht ausdrücklich genannten Orte erbaute."^) Der neuen Propstei
gehörte fortan das nahe Gut Lauben nebst Ziegenhorn,^) wahrschein-
lich dasselbe Gut Loman, welches im J. 1192 ein gewisser Ulrich,
Sohn des Dfislaw, dem Kloster geschenkt hatte.") Ueberdies wurde
allmälig ein bedeutender Grundbesitz in der nächsten Umgebung
1) S. S. 30.
2) Der Name Berka von Duba taucht erst im Anfange des 14. Jalirhunderts
auf. Herren von Lipa treffen wir bereits um 1250. Um 1200 lernen wir
den Stammvater dieser und jener kennen in Smil Swetlik Burggi'afen von
Zittau und Günstlinge Ottokars I. Palacky nennt dieses Geschlecht nach
einem weit älteren Ahnen Namens Hron den Stamm der Hronowicen.
3) Sartorii Cisterc. bistertium 1004 u. 1005.
'^) Sartorii Cistercium bistertium p. 266.
^) Leiper Kirchenchronik, Illust. Chronik v. B. I. 122, Sommer Topographie
des leitm. Kr. S. 324.
•') Erben reg. p. 185.
295
der Propstei erworben, derselbe, der nachmals in den liusitisclien
Bewegungen von der Bürgerschaft occupirt und theilweise zu Bau-
plätzen verwendet wurde,') nachdem man die Ordensbrüder aus
'ihrem Asyl vertrieben hatte. ^)
4. Von Plass gingen allmälig neue Ordenscolonien aus —
nach Münchengrätz , nach Welehrad in Mähren (1202 und von da
wieder nach Wizowic), nach Königsthron ebendaselbst, nach Golden-
kron in Böhmen (1263), nach Heiligenkreuz in Oesterreich. Eine
zweite Propstei besass Plass noch überdies hinter dem Aujezder
Thore von Prag in der Nähe des dortigen Karthäuserklosters. ^)
§. 75. Das GisterzienserMoster Münchengrätz.
1. Es wurde bereits erwähnt, dass schon um das Jahr 1054
ein Hermann von Ralsko etliche Benediktiner-Brüder von Tornach
auf seine Besitzung in Hradigte berufen haben soll.'*) Wahrschein-
lich hatten diese um das Jahr 1143 aus Mangel am nöthigen
Unterhalte diese Gegend wieder verlassen; denn eben in diesem
Jahre räumte der Stifter von Sedlec diese Besitzung den Cister-
zienserbrüdern seines neuen Klosters ein.^) Angeblich noch in
demselben Jahre,®) wahrscheinlich aber nach 1146^ legte hier ein
neuer Hermann von Ralsko, Oberstkämmerer des Herzogs Sobeslaw IL,
den Grund zu einem selbstständigen, nachmals hochberühmten,
jetzt aber fast verschollenen Ordenshause. Um so sicherer ist
diese Gründung erst nach 1146 geschehen, als das neue Kloster
jederzeit als ein Tochterhaus von Plass angesehen wurde, und also
von dort her seine ersten geistlichen Brüder erhielt. '^) Das neue
') Wir werden später die daraus eutstaudeaen langwierigen Processe zwi-
schen Plass und Leipa zu erwähnen haben.
*) Die Gütertausche zwischen Plass und dem Collegiatstifte Melnik haben
wir bereits bei Erwähnung des letzteren angeführt.
3) Sartorii Cisterc. bist. 1004, 1005, 1088. Libri Erect. IX. E. I.
"^jPaprocky 251. Palacky über Formelbücher. I. 240.
s) Vgl. Sedlec.
^) Kapihorsky bist. Sedlec.
7)Balbini lib. Erect. IX. E. 1. Palacky über Formelbücher I. 240, citirt
dafür das Gedenkbuch von Plass, nennt aber irrig das Jahr 1177, in wel-
chem der erste Abt Meinhard nach Grätz gekommen sei, während doch
296
Kloster, alsbald Mnichow-Hradiste, Münchengrätz genannt, erhob sich
zunächst dem alten Orte Hradistö an derselben Stelle, wo jetzt
das waldstein'sche Schloss „Kloster" die weite Umgegend beherrscht.
Seine Besitzmigen verdankte es ohne Zweifel zum grossen Theile
schon dem edlen Gründer, den die Wartenberger und Waldsteiner
ebenso wie den Stifter von Sedlec zu ihren Ahnen zählten. Wahr-
scheinlich war er der Vater jenes Hermann von Ealsko, der 1175
bis 1197 unter den Edelsten des Landes genannt wurde, und so
der Grossvater jenes Benes Hermanow, dessen Heldenthaten ein
seinen Namen tragendes Lied der Königinhofer Handschrift besingt. ')
Die Erben dieser grossen Ahnen suchten gewiss ihren Ruhm darin,
die schöne Stiftung ihrer Väter zu noch grösserem Glänze zu
erheben. So musste Münchengrätz im Laufe der Zeit eines der
reichsten und berühmtesten Klöster des Landes werden.
2. Eine Stiftungs- oder Confirmations-Urkunde , welche uns
die ehemaligen Besitzungen des Klosters Münchengrätz erschöpfend
aufzählen möchte, ist leider nicht mehr vorhanden. Nur aus etwas
späteren urkundlichen Notizen lassen sich die Gebietstheile des-
selben annähernd zusammenstellen.
a. Es ist wohl kaum zu zweifeln, dass der ursprünglich zum
Kloster Sedlec gehörige Ort H r a d i § t e , wo nun eben das neue
Kloster entstand, sofort in den Besitz des letzteren überging.
Frühzeitig schon ward hier eine Pfarrkirche gegründet, die von
da ab die Hauptkirche des Dekanats von Hradiäte war und im
Jahre 1384 den hohen Halbjahrszehent von 20 böhm. Groschen
zum allgemeinen Kirchendecem beisteuerte.
h. Die bedeutendste Erwerbung des Klosters war die P r o p s t e i
zu Gabel. Zunächst wurde am 30. Juni 1378 die Pfarrkirche
von Gabel dem Kloster einverleibt in der Art, dass nur ein Ad-
ministrator die Seelsorge daselbst besorgte, das eigentliche Pfarr-
einkommen aber in die Kasse des Klosters floss.^) Diese Kirche
nach anderen Zeugnissen der erste Abt daselbst bereits im J. 1165 ge-
storben ist. Wahrscbeinlicb war das Jahr 1147 das Gründungsjahr.
') Derselbe war 1217 und 1222 Kastellan von Budisin. Vgl. Palacky in
- einem Aufsatze der Bohemia 1858, Nr. 292.
-) Lib. Erect. 11. A. 1. „Jablonnä." Dass wir es hier in der That mit der
Stadt Gabel zu thun haben, dafür bürgt der Umstand, dass auch nach
den Lib. Confirm. geradezu in der Stadt Gabel der Abt von München-
297
war bis dahin die Hauptkirche des Gabler Dekanates und die
älteste der weiten Umgegend gewesen. Von hier aus war der
christliche Glaube nach allen Richtungen hin weiter verbreitet
worden. Als incorporirtes Pfarrbeneficium zahlte Gabel im Jahre
1384 nur noch 15 böhmische Groschen als Halbjahrszehent, und
ward in diesem Stücke von der benachbarten Stadt Niems bis zum
Doppelten übertroffen.') Im Jahre 1398 hatte der von München-
grätz aus exponirte Seelsorger die Würde eines Propstes (prae-
'positus),^) offenbar deshalb , Aveil auch noch einige andere Ordens-
brüder daselbst ihm zur Seite lebten und wirkten.
c. Urkundlich sicher besass das münchengrätzer Kloster eine
Propstei zu ^leb (Zleby im öaslauer Kreise). Stifter derselben
waren zwei Briider von Wartenberg auf Kost, Marquard, der Ober-
kämmerer, und Peter, der Obersthofmeister Carls IV., die auf diese
Weise das Andenken ihrer Mutter Agnes (geb. v. Sliwno) ehren
und das Seelenheil derselben fördern wollten. Als Dotation be-
stimmten sie das Dorf 2ehub (wahrscheinlich 2echöw im berauner
Kreise) und einen Maierhof von zwei Feldmassen in Trubsko (be-
rauner Kr.) nebst allen Rechten, Einkünften, Zinsungen und
Zugehör. Hieven sollten durch alle Zeiten 6 Ordensbrüder von
Münchengrätz erhalten werden, deren einer mit Einverstandniss
der wartenb ergischen Erben vom münchengrätzer Abte zum Propste
ernannt werden sollte. Unter der Obhut der geistlichen Brüder
sollten in dem zur Propstei gehörigen Hospitale 12 Arme ver-
pflegt und gekleidet werden. Diese Stiftung geschah am 25. Febr. 1377.^)
d. Mukafow, jetzt noch zum Dominium Münchengrätz ge-
grätz das Collaturrecht ausübte (ad 1418). Jablonec dagegen , und zwar
vorerst das heutige Gablonz gehörte damals nach denselben Lib. Confirm.
dem Cyriacenserorden, während das zweite Jablonec (Böhmisch-Jablonec)
als Besitzung der Wartenberger erscheint. (Lib. Confirm. ad 1362, 1369.
1396, 1410.)
1) Codex decimarum.
~) Lib. Erect. XIIL T. 2, nennen nur einen praepositus von Jablonec, ohne
des Ordens zu erwähnen, dem er angehörte. Aus demsub 2, b , entwickelten
Grunde, dass die beiden andern Jablonec zuversichtlich nur Pfarreien
waren, die eine unter weltlicher Collatur und die andere einem Orden
angehörig, der keine Propsteien besass, lese ich statt Jablonec lieber
Jablona und kann darunter nur das heutige Gabel verstehen.
3} Lib. Erect. L F. 'q. IL K. 1. Die Urkunde ist von Schloss Sliwno datirt.
298
hörig, erscheint in den Confirmationsbüchern ebenfalls als CoUatur
des obigen Klosters'). Die hiesige Pfarrei verdankte, wie die
meisten Klostercollatur-Pfarren , ihre Entstehung wahrscheinlich
den Aebten von Münchengrätz. Im Jahre 1384 erscheint sie mit
einer Leistung von 9 böhmischen Groschen als eine der bessern
und älteren des Dekanates.^) Im Jahre 1393 wird noch einer
Schenkung von 2 Feldmassen und einer Wiese von Seiten zweier
Lehensleute (des Klosters?) Pfecho von Sedliöek und Jaroslaw
von Limaucek zu Gunsten der Kirche in Mukafow gedacht, und im
Jahre 1398 einer neuen von 7a Schock jährlicher Zinsen, verliehen
vom Lehensmanne Wenzel von Pobibuk gegen Persolvirung zweier
Jahresgedächtnisse. ^)
e. Eine andere Collatur des Klosters war Hlawic, ebenfalls
noch zum Dominium von Münchengrätz gehörig. Der Abt jenes
Klosters erschien hier in den Jahren 1359, 1364, 1369, 13*79,
1402 und 1408 als Pfarr-Präsentator.*) Die Pfarrkirche gehörte
im J. 1384 mit einer Zehentsteuer von 6 böhmischen Groschen
noch zu den jüngeren des Dekanats.
f. Bi^ezina auf der jetzigen Domäne Swijan. An der Pfarr-
kirche daselbst, welche 1384 auf gleicher Zehentstufe mit Hlawic
stand, ^) übte der Abt von Münchengrätz erweislich in den Jahren
1378, 1382, 1404, 1412 und 1418 das Patronatsrecht aus.')
g. Mohelnice, jetzt ebenfalls zu Swijan gehörig. Auch hier
stellte derselbe Abt im Jahre 1405 einen neuen Seelsorger an.")
Die Pfarrkirche stand in der Zehentleistung den obigen gleich.^)
h. Rychnow oder Reichenau auf demselben Dominium. Die
Pfarrkirche daselbst, an der das Kloster in den Jahren 1369, 13Y3,
1374, 1389, 1395 und 1418 das Collaturrecht übte,") zahlte im
') Lib. Confirni. ad 1363, 1408, 1415, in welchen Jahren das Collaturrecht
ausgeübt wurde.
") Registrum decimarum.
3) Lib. Erect. XII. E. 6. XIII. J. 8.
*) Lib. Confirm. ad h. ann.
^) Registrum decimarum.
*') Lib. Confirm. ad h. ann.
'^) Ebendas.
^) Regist. decimarum.
^) Lib. Confirm. ad h. ann.
299
J. 1384 gar keinen Zehent, vielleicht deshalb, weil sie etwa dem
Kloster zu dieser Zeit incorporirt war und nur durch Administrato-
ren besorgt wurde.
i. Lukow, eine der ältesten Kirchen des alten turnauer De-
kanats, die im Jahre 1384 sich mit 12 böhmischen Groschen am
Kirchenzehent betheiligte,') erscheint im Jahre 1416 ausdrücklich
als Collatur von Münchengrätz.^) Dies war sie jedenfalls erst kurz
vorher geworden, da unterm 20. October noch die Brüder von War-
tenberg zu Lämberg als Collatoren genannt werden.^)
Jv. Sany im alten Dekanate von Kolin war ebenfalls eine
Collatur des genannten Klosters. Erweislich trat hier der Abt von
Münchengrätz im J. 1375 als Patronatsherr auf.*) Im J. 1437
wurde dieses Dorf als ehemalige Besitzung von Münchengrätz von
K. Sigmund an Friedrich von Sraznic verpfändet.^)
Z. Jezwe oder Neustadt („nova civitas") bei Leipa wird
ebenfalls, und zwar in den J. 1360, 1376, 1378 u. 1415 als Pa-
tronatspfründe von Münchengrätz angeführt.*^) Da sie im J. 1384
schon 9 böhmische Groschen zum halbjährigen Kirchenzehent steu-
erte, so war sie kaum mehr eine der Jüngern des Dekanats.") Hier
scheint übrigens der Cisterzienserorden auch noch nach der Zer-
störung von Münchengrätz die Verwaltung der Seelsorge inne
gehabt zu haben — zuletzt in den traurigen Zeiten Luther's das
Kloster Ossegg.^)
m. Als Collatur u. Besitzung von Münchengrätz erscheint auch
Wtelna an der Iser, ein uralter Pfarrort, der im J. 1384 den
ungewöhnlichen hohen Zehent von 22 böhmischen Groschen zum
allgemeinen Kirchenzehent beisteuerte.^) Im J. 1437 ward dieser
^) Reg. decim.
'^) Lib. Gonfirm.
2) Ebenäas.
4) Ebendas.
5) Palacky Archiv (regist. zapisöv). I. 528.
*') Libri Confirm. In älterer Zeit hatte es dem Kloster Tepl angehört. Vgl.
die Prämonstr.-Abtei Tepl.
') Regist, decim.
^) Davon später an geeigneter Stelle.
^) Regist. decimarum.
300
Ort ausdrücklich als ehemalige Besitzung von Münchengrätz durch
K. Sigmund an Johann von Kunwald verpfändet. ')
n. Auch in Prag besass das Kloster Münchengrätz eine Pa-
tronatspfründe, und zwar S. Clemens am Poriö, wo der dortige Abt
noch im Jahre 1407 das Collaturrecht ausübte.^) In Prag besass
übrigens der Abt von Münchengrätz erweislich im J. 1407 gleich
andern hervorragenden Prälaten des Landes ein eigenes Residenz-
haus, und zwar in der Nähe der Kirche des h. Castulus.^) Kaiser
Sigmund verkaufte dasselbe an Hroch von Udim, von dem es an
Betka von Bi§ic gelangte, welche dasselbe im J. 1462 am 8. Fe-
bruar dem Kloster Königsaal mit dem Bedingnisse abtrat , dass es
im Falle der Wiedererbauung von Münchengrätz an letzteres Kloster
zurückfallen solle.^) Offenbar war dieser Rückfall schon vordem —
wie in andern Fällen — vom Kaiser Sigmund ausbedungen worden.
§. 76. Fortsetzung.
Wir haben bisher nur die PfarcoUaturen genannt, welche er-
weislich dem Kloster Münchengrätz zugehörten, ohne eben dadurch zu
behaupten, dass die erwähnten Orte selbst ohne Ausnahme Eigenthum
des Klosters waren, ohne aber auch in Abrede zu stellen, dass wieder
anderweitig nicht selten die meisten der in jene Collaturkirchen
zugewiesenen auswärtigen Dorfschaften in den Besitz des Klosters
gehört haben mögen. Namentlich besass das Kloster ausser jenen
Collaturen mit urkundlicher Sicherheit einen Hof sammt einem
Vorwerk zu Swinaf , das Dorf Badlo und 4 ünterthanen in Nu-
dwojowic,^) welche Heinrich von Wartenberg zugleich mit dem be-
reits genannten Pfarrdorfe Richnow sammt allem Zubehör um 500
Schock b. Gr. vom Kloster erkauft hatte, und deren Besitz sich
^) Palacky Archiv (regist. zäpisüv). I. 5M.
*) Lib. Confirm.
3) Lib. Erect. VIL L. 9.
4) Palacky Archiv. III. 571.
5j Nudwojowice erscheint als eine der Jüngern Pfarreien des tuniauer De-
kanats (mit 3 Gr. Zehent im J. 1384). Als CoUatoren werden hier die
Herren von Wartenberg auf Wselis genannt. (Lib. Confirm. ad 1362 und
1406.)
301
Hynek von Waldstein im J. 1436 von König Sigmund bestätigen
liessJ) Die genannten Orte gehörten damals zum „Gerichte von Je-
niäowic",^) einem der ältesten Pfarrorte des turnauer Dekanats, der
demnach sehr wahrscheinlich ebenfalls dem Kloster als Eigenthum
gehörte. Im J. 1384 zahlte Jeni§owic den höchsten Kirchenzehent
jener Gegend mit 12 böhmischen Groschen.^) Als ähnliche Besitzungen
von Münchengrätz werden noch*) von der Tradition bezeichnet die
Orte Zwifetic, Witanowic, Podol, Breha, Pentschin, Aujezd, Stri-
zowic, Podöf awic und Girsko ; nicht minder auch die jetzt dem Do-
minium Münchengrätz einverleibten ehemaligen Güter Bakow, We-
sely, Mankowice, Gross- und Klein-Pteyrow. Letztere sollen sammt
den vorhin erwähnten Dorfschaften nachmals vom Könige Georg
von Podöbrad an Johann von Wartenberg mit der ausdrücklichen
Bedingung verpfändt worden sein, dass die Cistercienser, falls sie nach
Münchengrätz zurückkehren würden, diesen Besitz zu jeder Zeit ge-
gen Erlag des Pfandpreises wieder einlösen können.^) Das dar-
unter genannte Bakow war unzweifelhaft eines der ältesten Pfarr-
beneficien des Münchengrätzer Dekanats und zahlte im J. 1384 be-
reits 15 böhmische Groschen zum Kirchenzehent.^) Der wirkliche
Besitz von Bakow ist jedoch um's J. 1379 wenigstens zweifelhaft,
im J. 1392 aber ganz in Abrede zu stellen. Im J. 1379 werden
die „Gebrüder von Marquartic residirend zu Bakow als Kirchen-
patrone angeführt;") im J. 1392 aber stiftete Wilhelm von Zwii-etic
auf Bakow vier Jahrgedächtnisse zu Bakow durch Verleihungen jähr-
licher Zinsungen von der Burg daselbst.*) Jedenfalls irrthümlich
wird diesen Besitzungen auch noch das Gut Laukowec beigezählt"),
das angeblich derselbe König Georg im Jahre 1475 an Ignaz von
Waldstein verpfändete. Dieses Laukowec war allerdings Kloster-
gut, gehörte aber nach dem verlässigen Ausweise der Confirmations-
1) Palacky Arcliiv (registra zäpisüv.) I. 517.
") JEbendaselbst.
3) Kegist. decimarum.
*) von Sommer in seiner Topographie des bunzl. Kreises S. 194, 211.
5) Ebendaselbst 198.
6) Regist. decim.
■^ Lib. Confirni.
8) Lib, Erect. XII. E. 2.
ö) Sommer 1. c. 198 vergl 211.
302
büclier dem Orden der Johanniter, deren Grossprior hier im J.
1383 das CollatmTecM ausübte.') — Ob endlich auch noch die von
einem „Abt Johann und dem Convente zu Hradistö" an Johann von
Badry zu Obidowic verkauften Dörfer Badry und Lhota^) und das
von demselben Abte am Jacob Chmelik von Ujezd und seinen Bru-
der Hrzko verkaufte Dorf Buzow (Bygow^) eben dem Kloster Mün-
chengrätz gehörte, ist trotz des Umstandes, dass in letzterenl in
den Jahren 1416 wirklich ein Abt Johann regierte*); noch zweifel-
haft, weil es zu gleicher Zeit auch noch in Mähren ein Kloster
HradiStö gab. .
Hier mag auch noch der angeblichen Propstei gedacht werden,
welche Münchengrätz zu „Langenau oberhalb Hohenelbe"
innegehabt haben und die im J. 1424 zugleich mit dem Jungfrauen-
kloster Jilemnic von den Husiten zerstört worden sein soll.^) Wahr-
scheinlich ist dies dieselbe Propstei, welche Baibin (in literis pu-
blicis Bohoem.) nach Hohenelbe (Albipolis) selbst versetzt, und die
im J. 1705 zu einem Augustinerkloster wiederhergestellt worden
ist. Urkundliche Anhaltspunkte sind dafür nicht vorhanden.
2. Der erste Abt von Münchengrätz soll Marquard gewesen
sein, angeblich der Sohn eines BeneS von Michalowic. Er soll im
J. 1165 bereits in die Ewigkeit hinüberbegangen sein.^)
Nach ihm erscheint (ob ohne Lücke?) ein Abt Dittrich,
genannt in den Jahren 1184, 1185 u. 1189. Derselbe wird nämlich in
denselben Jahren als Zeuge in landesfürstlichen Urkunden genannt,'')
was zugleich zum Beweise dient, dass die Aebte von Münchengrätz
1) Lib. Confirm.
*) Vergl. Palacky Archiv (regist. zäpisüv) IL 444.
3) Ebend. 463.
4) Lib. Confirm.
^) Sartorii: Cistercium bistertium.
^} Crugerius.
^) Erben reg. 171 — 173. Derselbe zählt zwar im Index diesen Theodoricus zu
den Aebten von Hradiste in Mähren, aber jedenfalls irrthümlich; denn
in jenen Unterschriften nennt sich Theodorich abbas de Gradis, was in
der Regel Münchengrätz, und nicht de Gradic, was ebenso das mährische
Hradiste (bei Olmütz) bedeutet. Ueberdiess betreffen jene Urkunden auch
rein böhmische Angelegenheiten, und auch die Mitzeugen sind sonst durch-
wegs böhmische Prälaten.
303
eine einflussr eiche Stellung selbst in der Nähe des Thrones inue
hatten. Im Sommer des Jahres 1189 nahm er auch an den Ver-
handlungen des Landtags zu Sadska Antheil, ') wo er in der Keihe
der anwesenden Aebte unmittelbar nach den Aebten von Strahow
Bf ewnow und Sedlec und vor den Aebten von Kladrau und Selau
genannt wird. Ausser ihm ist dermalen kein weiterer Prälat von
Münchengrätz aus dem Zeiträume des 12. Jahrhunderts bekannnt.
§. 77. Die Johanniter in Böhmen.
Wir lernten bereits den edlen Mann näher kennen, welcher
den Johannitern das erste Ordenshaus in Böhmen als Werb-
und Bildungsplatz für einen tüchtigen Nachwuchs und als ruhiges
Asyl der für den Kampf nicht mehr geeigneten Veteranen er-
baute: es war Martin, Propst von Leitmeritz. Im J. 1156 hatte
derselbe im Vereine mit seinem Onkel Gervasius aus eigenem Ver-
mögen das Hospital bei S. Maria an der prager Brücke gegründet
und dotirt. Im J. 1180 nahm er, damals Propst von Prag, selbst
das Ordenskleid und wurde alsbald (1183) Praeceptor (Stellvertre-
ter des Grossmeisters, Provinzial) für Böhmen, Ungarn und die ost-
wärts angränzenden Länder.^) Von Prag aus legte der Orden all-
mälig die Commenden zu Jungbunzlau, Manetin, Zittau, Hirsch-
felde, Glatz, Böhmischaicha, Königgrätz, Kaaden, Strakohitz, Blatna,^)
in Mähren Olmütz-, Znaim, Brümi, Hole§itz, Iglau, und einige an-
dere an. Das Kloster in Prag blieb das Hauptordenshaus des Lan-
des und der Sitz des Landespriors (Grandpriors) bis um das Jahr
1272. Von da ab erscheint Strakonitz, wo der Grundherr Bawor I.
von Strakonitz im J. 1243 einen reich dotirten Johanniterconvent
gestiftet hatte, als Sitz des Grandpriors von Böhmen, "*) der liin-
fort auch der Meister von Strakonitz hiess.
1) Palacky I. 483.
2) Das Nähere §. 61. n. 7.
^) Aus templerischen (?) Mauerbiklern in Blatna hat man die Existenz einer
dortigen Templercommende gefolgert (lUust. Ohr. I. 14 und 15). Da aber
Blatna bis 1300 erweislich den Herren von Strakonitz gehörte und von
1325 (wo Wilhelm von Strakonitz seine Güter den Johannitern übergab,
diese letztern als Besitzer erscheinen (Heber böhm. Burgen HI. 119): so
ist obige Annahme wohl nur eine Verwechselung.
4) Heber böhm. Burgen HI. 118. Tomek. Gc. Prags I. 490. Not. 49.
304
2. Die Besitzungen der Johanniter waren weit und breit im
Böhmenlande zerstreut. Ein beträchtlicher Theil derselben lag im
Terrain unserer jetzigen Diöcese Leitraeritz. Zu den ältesten,
vielleicht ursprünglichen Erwerbungen des Ordens gehörten hier
vor Allen die Dörfer Bofislaw (Boreslau) und Hribowice
(jetzt Herbitz bei Kulm), deren Besitz schon im J. 1169 vom Kö-
nige Wladislaw dem Orden confirmirt wurde,') Es ist bereits er-
wähnt worden, dass diese Besitzung schon im J. 1185 an das
herzogliche Haus, von da im J. 1186 wieder an dem Johanniter-
orden, und endlich an das Klostejc Teplitz gelangte.^) Dafür erhielt
damals der Orden vom Herzoge Friedrich einige „fast verlassene
Dörfer" im saazer Gebiete, und zwar: Stare Sedlo (Altsattel
bei Elbogen), Zblasin (wohl das heutige Ploscha bei Laun), Ray-
§owice (das jetzige Eeitschowes bei Saaz), Merovi krizi, Za-
hradky, Napolene, Skirsice, Tichonin, Off retin, Wia-
kosove, Jungmero vice. (? ?) ^) — Wir heben von diesen
Erwerbungen Raisowice (oder Radicewes) hervor, jetzt sowie
Ploscha ein Pfarrort der leitmeritzer Diöcese. Raiäowice besass er-
weislich schon im 14. Jahrhunderte eine eigene Pfarrkirche, welche
im J. 1384 als eine der älteren im saazer Dekanatssprengel einen
Halbjahrzehent von 15 böhmischen Groschen entrichtete."*) Da-
mals aber besass der Johanniterorden — wenigstens unmittelbar-
schön nicht mehr die dortige Grundherrschaft. Im Jahre 1368
schon übte der prager Bürger Nicolaus von Lipna — allerdings
als Cliens — in Raisowice das Collaturrecht aus.^) Derselbe ver-
schenkte im Jahre 1390 dieses Recht an einen andern Nicolaus,
der im königlichen Dienste stand und nach dessen Ableben den
Burggrafen in Rabstein (Hostialek) und Elbogen (Zdimir).") Im
Jahre 1404 erscheint Berwald, Richter der prager Neustadt, und
1406 Hrzek von Dnesic als Collator.") Im J. 1407 trat Wenzel
1) Urkunde Erben reg. 143.
2) S. Kl. Teplitz.
3) Urkunde Erben reg. 168, 169, 173.
"*) Kegist. decimarum.
5) Lib. Confirm.
6) Lib. Erect. XII. 0. 2.
^) Lib. Confirm.
305
Wacha von Wf^etaty das Collaturreclit an Nicolaus von Ujezdab.')
Im gleichen Besitz- und wohl auch Altersrange stand im J. 1384
der Pfarrort Ploscha (Blazim). Damals werden aher bereits Herren
von Blazim als Besitzer und Collatoren dieses Dorfes genannt.-)
Für vormalige geistliche Besitzer spricht aber die in der Gegend
erhaltene Sage, dass geistliche Eitter (Templer?) ehedem die Burg
in Ploscha inne hatten.^)
3. Zu den ältesten Gütern des Ordens gehörte ferner das da-
malige Dorf und nachmalige Stadt L e w i n b e i A u s ch a."^) Diese vor-
dem landesfürstliche Ortschaft war ein Geschenk des Königs Wla-
dislaw, der selbe im J. 1169 zugleich mit einem Walde bei Olesnice
dem aufblühenden Orden einräumte.^) Im J. 1184 erneuerte der
Bischof Heinrich Bfetislaw diese Schenkung, die vielleicht sein Vater
mittlerweile gegen eine andere vertauscht und eben seinem geistli-
chen Sohne als Erbguts- Autheil hinterlassen hatte. Aus der be-
treffenden Schenkungsurkunde*^) erfahren wir, dass König Wladi-
slaw zu Jerusalem unter dem Grossmeister Assalitus in die BrudQr-
gemeinschaft des Ordens persönlich eingetreten war. Die Schen-
kung geschah ausdrücklich für das Seelenheil Wladislaws und
seiner Gemahlin Margareth sowie des Geschenkgebers selbst. Als
darauf im J. 1186 am 23. April der Herzog Friedrich zu Auscha
seine Tochter dem Markgrafen Otto von Meissen vermählte, bestätigte
er dem ebenfalls dahin gekommenen Ordens-Präceptor und ehe-
maligen Propste Martin unter anderen auch diesen Besitz,') Im J.
1384 zählte Lewin mit einer halbjährigen Kirchenzinsung von 12
böhmischen Groschen bereits zu den ältesten Beneficien des Leit-
meritzer Dekanats. Ein hinter dem Hochaltare aufgefundenes Or-
denszeichen der geistlichen Ritter lässt vermuthen, dass diese die
1) Lib. Erect. XIII. P. 8.
2) L. Erect. VII. 0. 5. Im J. 1408 starb Litold von Blazim. Der Vormund
seiner Kinder schloss damals einen Zehentvertrag mit dem Pfarrer in
Hawran.
3) Heber : Burgen III. 207.
*)Levin. prope Usti, so wird es ausdrücldich in der ßestäligungsurkunde
des Herzogs Friedrich bei Erben reg. 174. genannt.
5) ürlfunde Erben reg. 143.
ß) Urkunde ebend. 172.
') Urkunde ebend. 175.
20
306
Gründer des Gotteshauses daselbst gewesen sein dürften. Seit 1360
waren erweislich schon die Grundherren von Auscha zugleich Be-
sitzer Lewins, indem 1363 der dort begüterte Johann von Michels-
berg und 1402 und 1408 Aleä von Duba auf Drazic das Collatur-
recht in Lewin ausübten.')
4. Im J. 1185 gestattete Herzog Friedrich dem Orden, eine
Pfarrkirche zu Kadan zu bauen, und das Collaturrecht daselbst
auszuüben.-) Bei dem eben erwähnten Vermähiungsfeste zu Auscha
schenkte er dem Orden diesen Ort, der bei dieser Gelegenheit eine
neue Stadt (burgum novum) genannt wird, zur Gänze. ^) Von da
ab erscheint Kadan als eine Commende der Johanniter^), wo
gewöhnlich der Commandeur zugleich pfarrliche Jurisdiction ausübte.
Kadan war als alte landesfürstliche Burg wohl schon vordem der
Sitz eines Priesters gewesen und war vielleicht schon bis 1185
der Hauptort des gleichnamigen Dekanats geworden. Letzteres
blieb Kadan nach wie vor, obwohl hinfort je ein Pfarrer der Nach-
barschaft die Dekanatswürde bekleidete.^) Der Commandeur (Com-
thur) von Kadan übte erweislich auch im benachbarten Brunner s-
dorf die Pfarrcollatur.^) Diess geschah im J. 1363. Da die Pfarr-
kirche des letzteren Orts 1384 nur 3 böhmische Groschen halb-
jährigen Kirchenzehent entrichtete,^) so dürfte sie wohl kaum um
vieles vor das J. 1360 zurückreichen, und es mögen wohl die geist-
lichen Ritter von Kadan ihre ersten Erbauer gewesen sein.
§. 78. Fortsetzung.
1. Als weitere Besitzung des Ordens erscheint das Pfarrdorf
P S w in Saazer Gebiete, das heutige Kreuzherrengut Schaab. Diess
') Lib. Confirm. ad h. a.
3) Urkunde Erben reg. 168.
^) Ebend. 174. Die Burg blieb landesfürstlich unter eigenen Burggrafen bis
zu ihrer Verpfändung an die Herren von Egerberg im J. 1256.
*) Ein solcher Coraraendator wird 1363 namentlich genannt. (Lib. Confirm.)
Noch im J. 1467. 4. Mai erliess der Administrator des Erzbisthums Hila-
rius ein Schreiben an P. Cyriacus Commendator domus Cadauensis et ple-
banus. (Pessina Phosph. p. 270.)
5) So 1392 der Pfarrer zu Wilemice, 1393 der Pfarrer zu ^dar u. s. w.
(Lib. Confirm.)
6) Lib. Confirm. ad 1363.
'') Registr. Decim.
807
hatte schon der oft erwähnte Ordenspräceptor Martin zugleich mit
dem Orte Posirowic (wohl das jetzige Pösswic auf der Domäne
Rothenhaus) dem Prager Domcapitel abgekauft.^) Die Pfarrkirche
daselbst entrichtete im J. 1384 bereits einen Halbjahrsdecem von
12 böhmischen Groschen, ohne dass einer neueren Erwerbung ir-
gendwo gedacht wird:'-) desshalb zählte sie wohl damals zu den
ältesten des saazer Dekanats. Von da ab erscheinen hier die Herren
von Duba als Collatoren,^) ohne dass die Zeit des Uib erganges des Be-
sitzes an dieses alte Adelshaus namhaft gemacht werden kann. Im
J. 1413 am 3. Februar schenkte Henzlin, vordem Herr zu P§ow,
nun Procurator des Kreuzherrenspitals bei S. Peter in Prag, der
Kirche zu P^ow den Genuss einer Jahreszinsung von 1 Schock
und 6 böhmischen Groschen.'*) Im Jahre darauf verlieh Anka "Witwe
nach Johann von Frankowec auf Psow derselben Kirche einen Theil
Acker.^) In den Jahren 1416 und 1418 erscheint der königliche
Obermarischall Wr§ von Modrejowic als Collator zu Piow.") Bald
darauf gelangte der Ort in den Privatbesitz des Kreuzherrengross-
meisters Johann Stönic und durch diesen in das Eigenthum seines
Ordens.')
2. Noch vor 1186 hatten Wilhelm und Ullrich, Söhne des Gra-
fen Hroznata — wohl Verwandte,, wenn nicht bereits ausgestattete
Söhne des Gründers von Tepl — vom Landesherrn das Dorf
Bfeznice (Gross-Priesen) nebst mehreren Grundstücken in der
Nähe von Aussig gekauft und dem Orden als Geschenk verehrt.
Im genannten Jahre bestätigte Herzog Friedrich auch diese Er-
werbung — zugleich mit dem Eigenthumsrecht auf die dortigen
Dörfschaften Poverl (Pömmerle), Rigici (Eyjice, Reinlitz),
Rostoky (Rongstock), Werece (Raitza) und Ujezd (?), wel-
che einst Mösko, ein Bruder Hroznatas dem Orden verliehen und
1) Urkimde Erben reg. 174—174.
2j Regist. decim.
3_)Ira J. 1395 Ales de Düba, 1403 und 1407 Heinrich Skopek de Duba (Lib.
Confirm. ad li. a.).
4) Lib. Erect. VIII. R. 8.
5; Ebend. X. B. 6.
*^j Lib. Confirm. ad h. a.
"j Vgl. Sommer saaz. Kr. S. 291.
20*
308
Hroznata selbst gegen einen Jahreszins vom Orden als Lehen ge-
nommen hatte.')
3. Zur selben Zeit hatte auch der herzogliche Verwalter Ger-
don den geistlichen Kittern das Dorf K o s m o n o s bei Jungbunzlau
als Stiftung für sein Seelenheil übertragen.-) Nach der Zeit erwarb
oder erbaute der Orden — vielleicht von hier aus — die Kirche
bei S. Johann dem Täufer zu Jungbunzlau und errichtete bei
derselben eine eigene Commende, deren Vorsteher zugleich als selbst-
ständiger Pfarrer genannt wird.^) Im Jahre 1384 wurde diese Kirche
und Commende beim Kirchenzehent mit keinem besondern Betrage
angesetzt, weil der Orden bereits als solcher, von seinem Gesammt-
besitze steuerte.
4. Im J. 1188 bestätigte der Herzog Friedrich eine Anzahl
neuer Erwerbungen des Ordens in der Nähe von Leitmeritz, nämlich
die Dörfer §wa,dow (Schwaden), Kojetice (jetzt Dom. Schwaden),
Breznec (Kl. Priesen), Zalezly, Pogorice, Proboätow
(Salesel, Pohofic, Proboscht), Ploskowice (Ploschkowitz) und
Tasowsko (Tasow, Gut Zahofan), und am andern Eibufer Ne Sto-
rni ce und Bfeznice (Nestomitz und Priessnitz), die sämmtlich
der oft genannte Graf Hroznata dem Orden geschenkt hatte."*)
Aus diesen und den früheren Erwerbungen in dieser Gegend
gestalteten sich sofort die grossen Ordensdomänen von Plosch-
kowitz, Schwaden, Grosspriessen und Priessnitz. Ploschkowitz kam
erst im Jahre 1437 durch kaiserliche Verpfändung aus dem Besitze
des Ordens, — und zwar an Jacob von Wresowitz, der für selbes
und einige andere anstossende kleine geistliche Güter damals den
Pfandpreis von 5000 Schock erlegte.^) Die übrigen mögen bereits
vordem abhanden gekommen sein. Unter den genannten Ortschaften
erscheint zunächst Schwaden als ein alter Pfarrort, der im J.
') Urkunde Erben reg. 174 und 175.
2j Ebendaselbst.
3) Im J. 1408 am 22. Juni war da ein Fr. Martin plebanus ecclesiae S. Joannis
Bapt. ordinis cruciferorum S. Joannis Hierosolymitani. Derselbe ver-
tauschte damals ein Feld Ackers, das seiner Kirche gehörte, gegen ein
anderes an Swiest von Odic. (Lib. Erect. IX. A. 3.)
4) Urkunde Erben reg. 181.
5) Palacky Archiv II. 453.
309
1384 mit einem halbjährigen Kirch enzehent von 12 böhmischen
Groschen zu den reichsten und ältesten des aussiger Dekanates
zählte.') Urkundlich wird schon im J. 1363 ein Benes von War-
tenberg als Collator daselbst genannt.') Nach den Wartenbergern
gedieh dieser Besitz an die Berka von Duba.^) Auch Probe St
wird als Pfarrsitz genannt und betheiligte sich 1384 mit 6 böhmi-
schen Groschen am allgemeinen Kirchenzehent.*) Da dieser Ort
bereits bei seinem Uibergange in den Besitz der Johanniter 1180
seinen Namen (Propstort) führte: so ist anzunehmen, dass er ur-
sprünglich schon von einem geistlichen Grundheren — wahrschein-
scheinlich vom Wy§ehrader Propste, dem Herrn des benachbarten
Ortes Schüttenitz, angelegt wurde. Im J. 1238 (6. August) erwarb
hier der Johanniterorden auch noch die grosse anstossende Wal-
dung saramt etlichen an deren Saume angelegten Dorf Schäften,
und zwar diess durch einen Gütertausch mit den, bisherigen Be-
sitzern, den Benedictinern von Kladrau. In den Jahren 1363 und
1402 werden hier bereits die Herren von Wartenberg als Colla-
toren der Pfarrpfründe genannt,^) so dass also bis dahin der Johan-
niterorden diese Besitzung aufgegeben haben musste. Um 1400
gedieh dieses Dorf in den Besitz des Wlasek von Kladno auf
Schreckenstein ") und ist seitdem bei letzterer Domäne verblieben.
5. Böhmisch-Aicha war erweislich in 14. Jahrhunderte
eine blühende Commende der Johanniter. Als solche wurde im J. 1380
die dortige Pfründe durch den Grandprior Semovit, Herzog von
Teschen, vergeben.") Im J. 1412 (1. Jänner) erlangte der dortige
Comthur Theodorich von Peter Tista von Albrechtic ein Legat
von 3 Schock an Zinsungen.^) Auch noch im J. 1415 (1. Okt.)
') Regist. decim.
3) Lib. Confirm.
3) Uir Wappen mit der Jahreszalil 1477 im Presbyterium augebracht bekun-
det sie als Hersteller des Gotteshauses.
"*) Regist. decim.
5) Lib. Confirm. ad h. a.
^) Ebendas. ad h. a. ) aj'-^.,
') Lib. Confirm. ad h. a. Hiemit erledigt sich von selbst der Wi'derspruch
Balbins, der diese Commende an verschiedeneu Orten bald den Johannitern
und bald den Deutschherren zutheilt. (Vgl. Lib. Erect. VIIL P.'^S und
Erect X. H. 1.) •';
8) Lib. Erect. VIIL P. 3. ^7
310
wird dieses Ordenshauses wegen Anlegung einer Jalireszinsung
auf den Gütern des Nicolaus von Holubi-Dwür erwähnt.') Damals
bestand der Convent aus dem Comthur, dem Prior, dem Pietanti-
arius (Oekonoinieverwalter), dem Hausprediger und andern Brüdern.
Ein Grundbesitz dieser Commende ist urkundlich nicht genannt : wahr-
scheinlich aber gehörte ihr die Domäne von Böhmisch- Aicha, deren
frühere Besitzer gänzlich unbekannt sind.-)
6. Noch muss auch der Commenden in Zittau u. Hirsch-
felde gedacht werden, die namentlich für das sogenannte böhmische
Niederland nicht ohne Bedeutung bleiben konnten. Die Stiftung
der Zittauer Commende fällt mit der Erhebung Zittaus zur Würde
einer befestigten Stadt zusammen. Muthmasslich war König Wenzel II.
von Böhmen ihr Gründer, der vielleicht auf diese Weise jener
Stadt seine Erkennthchkeit bezeugte, die ilm als Knaben gastfreund-
lich gepflegt hatte. Im J. 1291 wird die Kirche S. Johann — den
Johannitern gehörig — bereits als Pfarr- und Hauptkirche in Zittau
genannt, und im J. 1303 wurde die geistliche Aufsicht über das
Hospital zu S. Jacob durch König Wenzel IL ausdrücklich dem
„Commendator der Kreuzritter des h. Johannes" übertragen.'^) Von
hier aus entstand wohl bald darauf die geistliche Colonie des Or-
dens im nahen Hirschfelde. Anfangs nur eine von Zittau ab-
hängige Pfarrstation des Ordens erhielt sie bald nach 1300 den
Rang einer selbstständigen Commende, welche vom Grandprior der
Ordensprovinz verliehen wurde,'*) wenn auch immerhin an Priester
der Mutter-Commende zu Zittau.^) In Zittau und Hirschfelde er-
hielten sich die geistlichen Brüder bis 1570, in welchem Jahre
beide Commenden an den Rath von Zittau käuflich übergingen.*')
•) Lib. Erect. X. H. 1.
-) Dieses Aicha (Dub) ist nicht zu verwechseln mit der Stammburg der
Herren Berka von Duba. Letztere ist Duba (Dauba) bei Leipa.
"^) Sintenis : Oberlausitz, S. 81. Vgl. Grossem : Laus. 'Merkwürdigkeiten I. 44
Christ. Manlii rer. Lusat. Com. ed. Hofm. p. 234. —
4) Lib. Confirm. ad ann. 1417.
5) Knothe, Gesch. des Fleckens Hirschfelde in der Oberlausitz, p. 39.
^) Ebendaselbst p. 42. Die anderweitigen Besitzungen gruppirten sich um die
oben erwähnten Commenden des Ordens. Genannt werdeu : Hodowic,
Ozoym, Plane, Cuhow bei Plass, Manetin mit Lipe, Kahow, Wesce, der
"Wald Co2odrQ umd §in anderer bei Olesnice, die Kirche S. Johann na bo-
311
§. 79. Das Kloster der BenedictinerinDen in Teplitz.
1. Im J. 1164 erhob sich in Böhmen ein neues Jungfraiien-
stift nach der liegel des hl. Benedict, das Kloster bei S. Johann
dem Täufer in Teplitz. Die Stifterin desselben war die Königin
Judith, die zweite Gemahlin des Königs Wladislaw L, eine Schwe-
ster der Landgrafen Ludwig von Thüringen.') Im J. 1164 führte
nämlich König Wladislaw dem Könige von Ungarn gegen den grie-
chischen Kaiser ein böhmisches Heer zu Hilfe. Während des Feld-
zugs weilte Judith ohne Unterlass in den Klöstern des Landes und
liess in selben fromme Gebete für die glückliche Rückkehr ihres
Gatten verrichten.^) Bald endete der König seinen Feldzug durch
einen glänzenden Sieg über die Griechen und kehrte dann mit
reichen Geschenken des ungarischen Königs beladen ins Vaterland
zurück. Da ist es denn im hohen Grade wahrscheinlich, dass einer-
seits nach der Sitte der Zeit von den gewonnenen Schätzen irgend
eine geistliche Stiftung gegründet wurde und anderseits wieder die
hocherfreute Königin der Dankbarkeit für ihre erhörten Bitten
durch irgend ein frommes Werk einen thatsächlichen Ausdruck
gab. So Hesse sich die Erbauung des Klosters Teplitz durch die
Königin^) und zugleich die wahrhaft fürstliche Austattung desselben
ji§ti bei Prag, Malmin ostrow, Upolene, Wrano"w mit Waldung, die
Kirche S. Maria ad Argentariam (?), Trebiz, ein Grundstück bei Glaz,
Ivanowic und Belchiz und ein Besitz in Modlejovic in Mähren, Grobeniky,
Lunechowic, Leäan, Na Zukowe an der Mies, Quastic und Plesow an der
Mettau, Abgaben von den Silber-wei^ken an der Mies, GJawen, Statin,
Rowni, Teinec an der Elbe , Ledec, Netribiz, Theile von Breza und Pod-
skal, die Kapelle in Gosic in Mähren, Thusuow, Brezic, Losoav (in Schle-
sien), eine Mühle in Erpurch. (Vgl. Erben, reg. Urkunden p. 143, 168,
172—175, 181, 183, 188, 200, 203, 221, 224, 225, 254, 255, 257, 356, 407,
446, 511, 523.)
^) Der alte Chronist Vincentius von Prag (Dobueri mon. Bohem. I.), Ne-
placho (Dobn. mon. Boh. lY.) und Pulkawa (Dobn. I.) nennen glaubwürdig
diese zweite Gemahlin Wladislaw's als Stifterin. Minder glaubwürdig er-
zählen diess die viel Jüngern Geschichtsschreiber Hajek und Ziegelbauer
von der ersten Gemahlin Gertrud, einer Tochter des heiligen Leopold von
Oesterreich. Da Judith erst 1153 nach Böhmen kam, so ist das angebliche
Stiftungsjahr 1146 gewiss nur durch einen Schreibfehler für 1164 entstanden.
*) Vincentius Prag. ad. 1164.
3) Vincentius, Neplacho, Pulkawa.
312
durch den König') am leichtesten erklären. Das neue Ordenshaus
erhob sieh vor der Stadt auf einem Hügel, der Sage nach über der
Hauptquelle der teplitzer Heilbäder.") Töchter aus den edelsten
Familien des Landes bevölkerten fortan die heiligen Eäume.^) Ein
Priester des Benedictinerordens besorgte als Propst ( praepositus )
mit Beihilfe einiger geistlichen Brüder die seelsorgerliche Leitung
des Hauses. Die Klosterkirche, zu Ehren des hl. Johannes des
Täufers geweiht, war wohl eine der prächtigsten des Landes ; denn
die edle Stifterin hatte zum Schnmcke und zu den Geräthen dieses
Heiligthums angeblich nicht weniger als 1000 Mark feinen Silbers
und 300 Mark Goldes verwendet.*)
2. Ueber die ehemaligen Besitzungen des Klosters Teplitz
liegen keine er?chöpfenden Quellen vor. Nur annäheruugsweise lassen
sich selbe theils aus den Confirmationsbüchern theis aus andern alten
Documenten zusammenstellen. Obenan stand gewiss
a. die Burg Teplitz und das Herrschaftsrecht über die gleich-
namige Stadt. Dafür bürgt wohl hinlänglich der Umstand, dass
im Jahre 1417 der „ Viceburggraf von Teplitz im Namen der Aeb-
tissin Sophie" die Besitzungen des Klosters in Brozan reclamirte.^)
Balbinus behauptet, Königin Judith habe bereits im Jahre 1173
„die Bäder zu Teplitz und die dazu gehörige Herrschaft," die da-
mals bis über Brüx hinaus sich erstreckt haben soll, dem Kloster
als Geschenk verehrt. '^) Die Klosterkirche S. Johann war zugleich
eine der beiden Pfarrkirchen von Teplitz und war im J. 1384
an Einkünften so reich, dass sie sich mit 18 böhmischen Gro-
schen am halbjährigen Kirchenzehent betheiligen konnte.') Die
Aebtissin des Klosters übte daselbst das Patronatsrecht aus.
Doch betheiligten sich nachmals auch andere fromme Wohlthäter
an der Bereicherung dieses Gotteshauses. Im Jahre 1386 schenkte
•) Chronographus Siloensis, ad ann. 1175 (Dobneri mon. Boli. I.)
*) Eohn äntiquitates eccl. circ. Litora. M. S.
3) In den Lib. Erect. werden viele Namen solcher adeligen Klosterfrauen
von Teplitz genannt.
4)Hajek.
5} Palacky Archiv. IJI. 491.
6) Balbini epitom. III. 377 und IV. 462.
') Regi-t. decin^.
313
die Familie des Johann von Swötic eine Zinsung von 23 böhni.
Groschen.') Im Jahre 1408 hatte diese Pfarrkirche sogar eigene
Unterthanen, die damals gegen eine fortlaufende Zinsmig von
2 Schock und 24 Groschen an das Kloster überlassen wurden.'^)
Ausser dem Haupt- und Pfarraltare des hl. Johannes bestanden
damals in dieser Kirche noch 6 Seitenaltäre, deren jedes seineu
eigenen gestifteten Altarpriester hatte. Als Stifter dieser Altäre
und Altaristen erscheinen Nicolaus von Wsechlap (1406. Altar
der heiligen Maria Magdalena), Albert von Koldic auf Bilin (als
Vermehrer derselben Stiftung 1417), Peter Peutz Herr von Eisen-
berg und Peter Miliöewes in Brüx (1406 und 1407 die Altäre
Maria Heimsuchung und der heiligen 10.000 Märtyrer), Aebtissin
Margareth (1411 heil. Kreuzaltar), und Aebtissin Sophie (1411
S. Veitaltar).'') — Bei dieser Pfarrkirche gründeten die geistlichen
Jungfrauen im J. 1370 eine AUerheiligencapelle auf ihrem eigenen
Gottesacker*), und erwarben nachmals auch einen eigenen Altari-
sten dafür. ^) Ueberdiess bestand in Teplitz auch noch eine zweite
Pfarrkirche zu Ehren der h. Maria, die im J. 1384 auf gleicher
Zehenthöhe mit der Johanneskirche stand. '^) Auch hier besass die
Vorsteherin des Klosters das Patronatsrecht. Diess erhellt aus dem
Umstände, dass im J. 1370 daselbst die Aebtissin Margareth eine
gesungene Marienmesse stiftete, zu deren Abhaltung sich der
Pfarrer mit Bewilligung derselben Aebtissin verpflichtete.') In
derselben Kirche vermehrte im J. 1396 Borso von Riesenburg die
Stiftung eines Allerheiligen-Altars und des betreffenden Ältar-
priesters.^)
h. D a u b r a w s k a H r a, der heutige Schlossberg bei Teplitz,
wurde nachmals im J. 1467 zugleich mit allen übrigen sicherge-
») Lib. Erect. XIII. C. 10. und 0. 10.
3) Ebend. IX. B. 12.
3) Erect. VII. G. 6. XL 0. s. X. k. 4. VII. M. 10. VHI. M. 2., IX. K. 10.,
X. B. 10.
4} Erect. I. D. 6.
5) Erect. I. F. 6.
^) Regist. decim.
7) Lib. Erect. XIII. B. 10.
^) Lib. Erect. XIII. G. 5.
314
stellten Besitzungen des Teplitzer Klosters an die Herren von
Wfesowic verpfändet, dürfte also wohl ebenfalls vordem dem Klo-
ster zugehört haben. Dafür spricht auch die alte Sage, dass dort
ehedem ein Nonnenkloster gestanden sei, unter dem aber kaum
etwas anderes, als ein Landhaus der geistlichen Schwestern von
Teplitz zu denken sein wird. Dagegen streitet nicht im Geringsten
der Umstand, dass in den Confirmationsbüchern als Patrone des
am Fusse des Berges gelegenen jetzt ganz verschollenen Pfarr-
dorf es Dubrawice die Herren von Dubrawice genannt werden.') Möge
dieses Dorf auch ehedem zu dem Schlosse gehört haben, so
konnte es ja später davon verkauft worden sein; auch mögen die
Herren von Dubrawice wohl nur Vasallen des Klosters gewesen
sein, ebenso wie die nahen Herren von Brozan wirklich nur solche
Vasallen gewesen sind.
c. Eine der ältesten Besitzungen des teplitzer Klosters war
auch der uralte Bergort Klostergrab. Hier consecrirte Slavco von
Riesenburg, Abt von Ossegg und Missionsbischof in Preüssen,
im J. 1212 die neuerbaute Pfarrkirche.''^) Als im J. 1278 nach König
Pfemysl Ottokars traurigem Tode das Kloster Teplitz von den kai-
serlichen Truppen unter grausamer Behandlung der geistlichen
Jungfrauen geplündert und die Besitzungen rings umher ver-
wüstet worden waren'"'), sah sich der verarmte Convent genö-
thigt, Einiges von seinen frühern Besitzungen zu veräussern, um
den erlittenen Schaden einigermassen wieder gut zu machen. So
gelangte im J. 1282 Klostergrab in den Besitz des Klosters Ossegg
und zwar zugleich mit dem bisher ebenfalls zu Teplitz gehörigen
Dorfe Wernsdorf, beide zusammen um den Preis von 80 Mark
feinen Silbers.*)
§. 80. Fortsetzung.
d. HradiSte, das heutige Dorf Ratsch auf dem Dominium
Teplitz, erscheint als ein alter Pfarr- und Burgort des biliner De-
') Lib. Confirm. 1363. 1364. etc. Dubrawice gehörte ^ebenso wie Teplitz noch
zum Dekanate von Bilin.
2) Cisterc. bistert. p. 296.
3) Contin. Jaroslai.
'*) Ossegger Notizen.
315
kanats, wo das Kloster Teplitz im J. 1416 das kirchliche Collatur-
reclit übte,') daher in dieser Zeit wohl auch das Herrschaftsrecht
besass. Vordem war es Eigenthum und Collaturort von Ossegg gewe-
sen. Im J. 1384 gehörte die Pfarrkirche daselbst mit einer Halb-
jahrszinsung von 9 böhmischen Groschen^) bereits zu den altern
der Gegend und wurde ausser Bilin, Brüx, Dux und Teplitz nur
noch von PeÖow (Hochpetsch), Rwenice (Seestadtl), Zlatnik (böhm.
Scblading), AVtelno und Eadowesice in Zinsung und wahrscheinli-
chem Alter übertroffen.
e. Boi'islaw, das heutige Boreslau, jetzt noch zur teplitzer
Herrschaft gehörig, wird in den Jahren 1399, 1402 und 1411 eben-
falls als Pfarrcollatur des teplitzer Klosters genannt.^) Im J. 1384
gehörte es zum Dekanate Aussig und steuerte daselbst unter den
Beneticien minderen Ranges 6 böhmische Groschen zum Kirchcn-
zehent.'^) Im J. 1169 war dieser Ort nebst einigen andern der Ge-
gend im Besitze des Johanniterordens, und wurde damals sein Be-
sitz diesem Orden vom Könige Wladislaw bestätigt,^} Um das J.
1185 aber tauschte Herzog Friedrich dieses Dorf sammt Zugehör
vom Orden ein gegen mehre „fast verlassene Ortschaften" im saazer
Gebiete: Stare Sedlo (Altsattel), Zblaäin (vielleicht Ploscha), Eay-
sowice (Reitschowes) und einige andere Dörfer, deren wir später
gedenken werden.*') Aber im folgenden Jahre bereits schenkte der-
selbe Fürst jenes Dorf dem Johaniiiterorden von Neuem.') Wahr-
scheinlich gelangte es nachmals durch Kauf oder Tausch an das
Kloster Teplitz,
f. W 1 e w ö i c e, das heutige Wollepschitz auf dem Dominium
Bilin, erscheint im J. 1391 als Collaturpfarre des teplitzer Klo-
sters.^) Von da ab gelangte dieser Ort in das Eigenthum und un-
ter die Collatur des Klosters Ossegg. Im Jahre 1384 steuerte das
'j Lib. Confirm. ad 1416.
2) Regist. decim.
3) Lib. Confirm ad h. ann.
*J Regist. decim.
5) UrkuDde Erben reg. 143.
6) Urkunde Erben reg. 168, 173.
^) Urkunde ebenda. 174.
^) Lib, Confirm.
316
hiesige Beneficium als eines der ältei^n des damaligen Dekanats
von Saaz 12 böhm. Groschen zum halbjährigen Kirchenz ehent.
g. ßrozan, das jetzige Prosanken bei Teplitz, war erweislich
in den Jahren 1366 und 1405 und 1407 ein Patronats-Pfarrbene-
ficium von Teplitz.') Auf dem Schlosse daselbst sassen Lehens-
ritter des Klosters, die sich Herren von Brozan nannten. Dass sie
eben nur Lehensleute waren, beweist der doppelte Umstand, dass
sie sich selbst Ministeriales, Armigeri und Clientes nannten,-) und
dass im Jahre 1417 der Viceburggraf von Teplitz im Namen der
Aebtissin Sophie nach dem Ableben des letzten Kitters Johann
von Brozan das Eigenthumsrecht des Klosters beim Gerichte in
Aussig reclarairte.^) Als Wohlthäter der Kirche in Brozan, die im
Jahre 1384 mit einem Halbjahrszehent von 9 böhmischen Groschen
bereits zu den besser dotirten und altern des aussiger Dekanates
zählte,*) erscheint im Jahre 1388 ein Johann Eozy auf Eudny mit
einer Schenkung von einem halben Schock böhm, Gr. an jährlichen
Zinsungen.^) Im Jahre 1408 löste die Aebtissin und der Conyent
von Teplitz einen unterthän liehen Zehent in der Art ein, dass
fortan die klösterliche Kammer selbst zur Zahlung von jährlichen
2 Schock 24 '/a Groschen sich verpflichtete.") Im J. 1410 schloss
Lewa, ein Sohn des Andreas von Brozan einen Zehentvertrag mit
dem Pfarrer daselbst.^)
h. Bukow, jetzt Böhmisch-Biockau bei Aussig, wird in den
Jahren 1376, 1397, 1398 uud 1403 ausdrücklich als Patronats-
pfarre des teplitzer Kloster^ genannt.^) Im J. 1384 zahlte die
1) Lib. Confirm. 1366, 1405 Lib. Erect. VII. K. 10.
2) Ebendaselbst.
3) Palacky Archiv III. 491. Heber in seinen „Böhmens Burgen" III. 420 ver-
wechselt dieses Brozan mit dem zur melniker Propstei gehörigen gleich-
namigen Orte an der Eger. (Vgl. I. 166.) Für die Identität dieses teplitzer
Brozan sprechen die Delegationen benachbarter Pfarrer um Aussig herum
zu Installationen in diesem Brozan. (Lib. Confirm. ut supra.)
*) ßegist. decim.
5j Erect. XII. B. 12.
6) Lib. Erect, IX. B. 11 und 12.
'') Lib. Erect. VIIL L. 5.
^) Lib. Confirm. ad h. ann.
317
dortige Kirche als eine der ärraern und Jüngern des Dekanats nur
3 böhmische Groschen zum kirchlichen LandeszehentJ)
/. Praskowice bei Leitmeritz war erweislich im J. 1416
ebenfalls eine Collaturpfarre von Teplitz.^) Dieses Ortes wurde
bereits bei Besprechung der ältesten Besitzungen des leitmeritzer
Collegiatstiftes gedacht.
Tc. Prob Ho w, wohl das heutige Probstau bei Teplitz, dem
Namen nach zur Dotation des Klosterpropstes zu Teplitz gehörig,
hatte im Jahre 1414 eine öffentliche Capelle unter dem Patronate
des Klosters;^) im Jahre 1384 erscheint dieselbe noch nicht als
an der allgemeinen Zehentzahlung betheiligt, dürfte daher wohl
erst später erbaut worden sein.
/. Pf eöaply, das jetzige Pritschapel bei Eidlitz im saazer
Kreise, war erweislich in den Jahren 1364, 1407 und 1416 eine
teplitzer Collaturpfarre^) und war im J. 1384 als eine der ältesten
und besten Pfründen des Kadner Dekanats mit halbjährigen 15
böhmischen Groschen zehentpflichtig. ^j Vordem schon, im J. 1378,
hatte hier der Convent von Teplitz einen beständigen Hilfsseelsorger
gestiftet')
m. Ausser den genannten Ortschaften, denen ohne Zweifel
noch viele der eingepfarrten Dörfer zugezählt werden müssen, be-
sass das teplitzer Kloster noch bedeutende Zinsungsbezüge in der
Nachbarschaft. So schenkte am 20. October 1410 (frühere sind
jedenfalls vorauszusetzen, aber können nicht namhaft gemacht wer-
den) der Ritter Johann Ohnice zunächst für die mit ihm verwandte
geistliche Jungfrau Elisabeth von Chodzow , nach deren Ableben
aber dem Kloster eine Zinsung von 2 Schock weniger 5 Groschen.'')
Ebenso wandte am 1. October 1411 der edle Nicolaus Ceöwic
von Luzice dem Convente eine Zinsung von 1 Seh. Groschen zu.*)
1) Regist. decimar.
*) Lib. Confirm. ad h. ann.
3) Lib. Confirm. ad h. a.
4) Lib. Confirm.
') Eegist. decim.
6) Lib. Erect. IL R. l.
^ Lib. Erect. VIIL L. 5.
8) Lib. Erect. VIIL 0. 10.
318
Dasselbe that am 14. April 1412 der Ritter Hanu§ von Rtin (Her-
tina), -zunächst zu Gunsten seiner geistlichen Schwester Elisabeth
V. Dla§kowice imd nach deren Ableben für den Convent.') Im sel-
ben Jahre am 25. October testirte Dobe§ von Ki'emuz dem Kloster
eine jährliche Zinsung von 30 Groschen.^) Die Dotation der 6
Altaristen der Klosterkirche bestand ebenfalls aus ähnlichen Zin-
sungen, die zum Theile auf den Gütern der benachbarten Herren
von Sulewic, Pentz, Skalka, der Blekta von Waltii'OAV (Waltirsche),
der Koldic von Bilin und Graupen und Anderer aushafteten, ^j
Alle diese Besitzungen des teplitzcr Klosters verpfändete nach-
mals, als sie herrenlos geworden waren, der König und Kaiser
Sigismund (1437) an die Herren von AVi^esowice.^) .
Die Aebtissinnen von Teplitz bis in die Mitte des 14. Jahr-
hunderts sind uns namentlich nicht bekannt. Sicher aber gehörten
sie den edelsten Geschlechtern des Landes an, deren Töchter er-
weislich dieses Kloster zu jeder Zeit zum Asyle ihres gottgeweihten
Lebens erwählten.
§. 81. Das Gisterzienserkloster Ossegg.
1- Im Jahre 1194 hatte der Graf Johann Milgost eine Ci-
sterziensercolonie aus Waldsassen auf seine Besitzung Mastow
(Maschau) bei Kaden berufen, und selbe bei der dortigen Mutter-
gotteskirche angesiedelt.^) Sie bestand aus 12 Priestern unter der
Leitung des Priors Rudhard. Als Dotation wurden ihr das Gut
und Dorf Ma§tow mit Wald, Wiesen und Zugehör, der Marktflecken
Putscha (?)'^), die Pfarrdörfer Tureö, Mladejow und Chotöbu-
1) Lib. Erect. VIII. P. 9,
2) Ebend. IX. N. 11.
3) Ebendas. X. B. 10, VIII. M. 2, X. L 3., XI. 0. 10.—, X. 0. 5. —
4) Palacky Archiv IL 452.
5) Sartorii Cisterc. bistert. 1007. Urkunde des Bischofs und Herzogs Heinrich
Bretislaw von 1196 in Erben reg. 192. Das Jahr 1193 ergibt sich aus der
Confirmationsurlmnde des ossegger Klosters von Bischof Daniel, in welcher
das Jahr, 1209 das 16. nach der Auswanderung aus Waldsassen heisst.
(Erben reg. 237.)
^) Vielleicht das spätere Buskowice oder Puschwitz , das im J. 1384 in der
Zehentleistung allerdings weit hinter Maschau (mit 42 Groschen) zurück-
319
dice,') die Dorfschaften Nömßany (Nemtschau), Konice (Kunitz), Els-
cove (?), Minow (?), Tyremow (?), ülsthene (?), Tulchow (?) , Bluwaschow
(?), Hluboky(Lubau), Smila^Ya(?),Schebletice, nebst je einem kleinen
Maierhofe in TrubSice (Deutscli-Trebetitscli) und in Grazt (?) zu-
gewiesen.®)
2. Nur 6 Jahre lang verweilte die neue Ordensfamilie in
MaStow : dann wurde sie einerseits durch den Mangel an tauglichem
Bauholz und anderseits durch häufige Eaubanfälle genöthigt, ob-
wohl wider Willen des Grafen Milgost, einen andern geeigne-
teren und ruhigeren Wohnsitz aufzusuchen. Sie fanden einen
solchen in einem Aushaue (osek) am Fusse des Erzgebirges bei
Dux, w^o der Grundherr Slawko von Riesenburg, Graf von Bilin
und später Oberstlandeskämmerer von Böhmen , sie freudig auf-
nahm und ihnen die daselbst vor Alters schon erbaute Marien-
kirche^) willig überliess.
In dieser hatte im Jahre 1196 Slawko's Bruder Hrabisa,
Oberstkämmerer des Herzog-Bischofs Heinrich, seine letzte Ruhe-
stätte gefunden an der Seite seiner ebendaselbst begrabenen Ahnen.*)
Slawko und die Söhne des edlen Bruders, wohl dieselben, die im
stand, selbst aber auch den erheblichen Zehent von 12 Groschen entrich-
tete. Hienach war damals Maschau das reichste und gewiss auch älteste
Beneiiciiim des kadner Dekanats, das noch überdiess im J. 1391 von Pe-
ter MaScowec von Mastow eine neue Schenkung von einer Hube Ackers,
einem Berge mit Waldung, 3 Wiesen und einem Schock Jahreszinses
hinzu erhielt — als Dotation für einen dritten Hülfspriester. (Lib. Erect.
II. F. 14.) Puschwitz erhielt ebenfalls eine solche Vicaristenstiftung und
zwar im J. 1405 von Peter von Buskowic mit Einwilligung seines Onkels
des Grundherrn Drislaw von Krasna hora (Schönberg) auf Öernoc (Lib.
Erect. VIII. B. 10).
^)Turec (Turtsch) war 1384 in derselben Zehenthöhe mit Puschwitz. Mla-
dejow stand einst in der Nähe von Köttowic. Jetzt steht da noch eine
Kapelle zu Ehren des hl. Stephan. Im J. 1384 zahlte die Pfarrkirche da-
selbst nur 8 böhmische Groschen Zehent, eben so wie Chotebudice
(Köttowitz).
'j Diese Besitzungen bestätigte Bischof und Herzog Heinrich Bretislaw im
J. 1196. (Urkunde bei Erben reg. 192.)
^J Mehrere von Slawko dem neuen Kloster gewidmete Güter waren vordem
„sanctificata in dotem antiquae ecclesiae." Erben reg. 230. N. 504.
*) Urkunden in Erben reg. p. 230. N. 504, p. 192 N. 429.
320
Jahre 1190 die Grab wächter-Brü der in Böhmen eingeführt und mit
reichen Schenkungen bedacht hatten'), bestellten hier die Söhne
des h. Bernard als bleibende Fürbitter für ihre Väter imd für sich
selbst. Im J. 1199 -) übernahmen die Ordensbrüder ihr neues
Heiligthum und bauten sich daselbst ein hölzernes Kloster, das
sie erst nach 1230 mit einem steinernen vertauschen konnten.^)
Für die früheren Besitzungen um Maschau nahm der Prior und
nunmehrige Abt Rudhard vom Grafen Milgost, der anfangs
den abgehenden Brüdern Alles entzogen hatte, nachträglich eine
Entschädigung an, die aber der Convent für ungenügend und nur
durch Einschüchterung aufgedrungen erklärte. In Folge dessen
entspann sich ein Process mit Milgost, der den Brüdern die ersten
Jahre ihres Aufenthalts in Ossegg verbitterte und erst im J. 1207
auf Befehl des Papste^ Innocenz III. durch ein aus den Bischöfen
von Prag und Olmütz und dem Collegiatpropste von Leitmeritz
zusammengesetztes Schiedsgericht beigelegt wurde.'*) Wahrschein-
lich geschah die Beilegung durch einen theilweisen Gütertausch
der Grafen Slawko und Milgost, und durch eine um so reichere
Dotirung des Klosters in unmittelbarster Nähe aus Slawko's und
seiner Verwandten eigenem Besitze.^)
• 3. Der Marienkirche in Ossegg hatten bereits vor der An-
kunft der Cisterzienser der Zehent vom Weine und Getreide in
Swinsic (Schwindschitz) und ein Wocheueinkommen in Grabisin
gehört, — ein Geschenk von Slawko's Bruder Bore§.")
Am meisten spendete Slawko selbst zur Dotirung des neuen
Klosters. Er schenkte demselben die Besitzung Ossegg sammt
Waldung, Wiesen, Feldern und Hutweiden, das halbe Dorf Hain
(Hahn bei Ossegg), Hirdloch (Hrdlowka oder Herrlich bei Ossegg)
')Vgl.§. 83.
2) Im Confirmations-Briefe des Bischofs Daniel (Erben 237. N. 519) heisst
das Jahr 1209 das zehnte nach dem Auszuge von Maicow.
3) Im J. 1230 testirte ihnen Graf Johann von Riesenburg neue Güter für den
Fall, „cum aedificare de lapidibus coeperint." Erben reg. p. 226.
4) Urkunde Erben reg. p. 229.
5) Dass so auch Milgost als Mitstifter Osseggs zu gelten habe, erhellt aas
der Ottokarischen Confirmatibnsurkunde v. 24. April 1203 bei Erben reg.
p. 214. _
^) Urkunde Erben reg. p. 230.
321
Scoiivelt (Schön wald?), Doinaslawice (?) und Duban (Eich-
wald?), dann das zehnte Wocheneinkommen in Zawidow (Saida
in Sachsen), den Getreidezehent in Briechin (Bruch?), den Wein-
und Getreidezehent in Petschow (Hochpetsch), ein Grundstück
in Odolice (Wodolice bei Liebs chhausen) und 2 Feldstrecken in
Friedbach (?). Ueberdiess schenkte er noch den dritten Theil
des ganzen Weinerträgnisses in Petschow als Beitrag zu den Bau-
kosten. — Slawko's Sohn Bohuslaw schenkte dem Kloster eine
Mühle bei Hostemic bei Doxan und den Getreidezehent in
Sirnchow (Cernochow im rak. Kr.),^) nebstdem das Patronats-
recht in der entweder von seinem Vater oder diesem zu Ehren
erbauten neuen Stadt S 1 a v c o w. e r d (Schlackenwerth) und das Dorf
Pasengrün.
Der Sohn des verstorbenen Hrabisa von Piiesenburg, Kojata,
widmete dem Stifte den Weinzehent in Brüx, — und Slawko
des Bores Sohn, ein zweiter Neffe des Stifters, schenkte hiezu auch
den Zehent in Odolic (bei Liebschhausenr) Später (um 1230)
gab Johann v. Piiesenburg dem Kloster noch das Dorf Nesekow
(Neschikaa bei Tepl?) und dabei eine Zinsung von jährlichen 20
Mark und zu jeder Mark eine Schtittung von 7 Strich Getreide.
Nebstdem gab derselbe das urkundliche Versprechen, zum künftigen
Steinbaue^) soviel Grundstücke anweisen zu wollen, als zu einem
Jahreserträgniss von 30 Mark erforderlich sein würden, auch ver-
sprach er für diesen Fa]l die Beistellung von 3 hörigen Fuhrleuten
und anderen 3 Lehensleuten und so vielen Bauern, als zum Baue
nöthig sein möchten. Ebenso verpflichtete er sich zur Abtretung
eines Platzes für eine viergängige Mühle und Beischaffung der hiezu
erforderlichen Steine und Hölzer, überdiess zu einem neuen Ge-
schenke von 12 Aeckern fruchtbaren Bodens und zum Ankaufe
des seinem Bruder gehörigen Dorfes Saredim (?) mit Fischteichen
') Vgl. Palacky Archiv. T. 521. Cernochow wurde nebst Odolice, Tynec
Smohiic, Smuc und Peöenic als osgegger Gut im J. 1421 an einen ge-
wissen Wlasko verpfändet.
3) Vgl. die Ottokarische Bestätigungsurkunde v. 1207 (Erben reg. 229 u. 230)'
welche wenigstens eine constante Tradition beurkundet, wenn sie auch
ihrer Form nach falsch sein sollte.
•*) Demnach war das Klostor bis dahin nur von Holz erbaut.
21
322
und Waldungen und zur Uiberlassung einer für Anlegung neuer
Dörfer geeigneten Waldstrecke.') Zur Beleuchtung der Kirclie wies
er dem Stifte 4 Zinsmühlen mit 1 Mark Zinsung zu und versprach
überdiess, so lang er lebe, nie aufhören zu wollen, für das Kloster '
Sorge zu tragen.^) — Endlich schenkte noch Bohuslaw vonEiesen-
burg, Oberstkämmerer Wenzels L, eine Waldung in S Chemnitz,
durch deren Aushau im Jahre 1326 das Dorf Schönau entstand.^)
— So wetteiferten zunächst die Herren v. Riesenburg, dem neuen
Kloster reiche Besitzungen zuzuwenden.
4. Die Fürsten des Landes thaten ein Gleiches. — Vor Allen
nahm König Ottokar die neue Stiftung in seinen Schutz , befreite
sie von der Zahlung der sogenannten allgemeinen Berna, bereicherte
sie durch Schenkung des landesfürstlichen Gutes Hosnice (bei
Skrle), verlieh dem Kloster das Einkommen der 9. Woche vom
Zolle in Kopice (Kopitz), die Hälfte des Zolles bei Ossegg, für
das Stift selbst die Zollfreiheit an beiden Gränzp unkten, die Markt-
freiheit in Bilin und auf allen Märkten der Biliner Zupe, end-
lich die unmittelbare Gerichtsbarkeit über die eigenen Unter-
thanen.'*}
König W enz el I. mit seinem Sohne Premysl Ottokar H. schenk-
ten auf Verwendung des Abtes Slawko dem Kloster 1250 als Ersatz für
den im vorhergegangenen Bürgerkriege erlittenen Schaden die
Hälfte der Fischer in Komoran (Kommern bei Seestadt!) und
den zugehörigen Teichantheil daselbst, Theile der Dörfer C h f e 1 i n
(vielleicht Strahl bei Dux), Cyrnin (vielleicht Cernice bei Seestadtl),
Polurad (wohl Polehrad bei Postelberg), Hornov (?), Nostli
') Diese neuen Dörfer wurden alsbald und in gleicher Weise angelegt und
bevölkere, wie diess bereits vom Kloster Selau berichtet wurde. Deutsche
Ansiedler übernahmen gegen fünf- und theilweise zehnjährige Abgabenfrei-
heit die Ausrodung der Wälder und den Anbau des Bodens. Solche Grund-
überlassungen hiessen in der Rechtssprache jener Zeit „expositiones."
2) Urkunde Erben reg. 226 und 227^.
3) Urkunde d.. 28. Juni 1239 bei Erben reg. 449.
^) Urkunde d. 25. Apr. 1208. Erben reg. p. 232, wenigstens dem Inhalte
nach verlässig. — Item Sartori Cisterc. blstert. 1008 und 1009, wo diess
irri.'i: Premysl IT. zugeschrieben Avird.
323
(>Yalirscheiiilicli Novosedly, Neudorf bei Ossegg)') und den Wald
Drien bei Koblitz in der Nähe von Leitmeritz.-)
Pfemysl Ottokar IL schenkte nach seinem Siege über die
Ungarn dem Kloster den Zeigefinger des h. Johannes, bestätigte
alle Immunitäten des Stiftes und nahm es neuerdings in könig-
lichen Schutz.^)
König Johann incorporirte dem Kloster für immerwährende
Zeiten die Seelsorge der Stadt Pirna in Sachsen (1317) in der
Art, dass fortan daselbst ein beständiger Vicarius die geistlichen
Angelegenheiten verwalten sollte.'*) Derselbe Fürst ertheilte im
Jahre 1341 dem Städtchen (oppidum)' Skyrla den Eang einer
befestigten Stadt (civitas munita) und alle Rechte der übrigen Städte
des Königreichs, sowie auch die Erlaubniss, alle Dienstage einen
Wochemnarkt abhalten zu dürfen, alles auf Verlangen und Erlaub-
niss des Klosters Ossegg.^)
König Karl schenkte dem böhmischen Cisterzienserorden und
somit auch Ossegg im Jahre 1325 (am 17. December) das Haus
S. Bernard in Prag, vordem Jerusalem genannt, sammt der dazu
gehörigen Capelle und allen Rechten, wie einst der hochberühmte
Canonicus Johannes Militius dasselbe durch milde Gaben erworben
und ausgebaut hatte.")
Der Bischof Daniel von Prag schenkte dem Ordenshause bei
-Gelegenheit seines Besuches daselbst im Jahre 1209 das Kirchen-
patronat zu Saida in Meissen,'^) wo der Orden nachher auch den
zehnten Theil des Zolles bezog. ^)
5. Ausser der Familie der Stifter und den Fürsten des Landes
vermehrten auch fromme Edle und selbst auch einfache Insassen
die Besitzungen von Ossegg. Alsbald nach der Stiftung testirte
') Urkunde Erben 578.
-) Diese Besitzung nebst einer Zinsung in Drien und Kobelic wurde 1328
von König Johann bestätigt.
•^) Höfler MS.: Urkunden des Königtluims in Böhmen N. 135.
*) Urkunde des Bischofs Witigo von Meissen dd. Idibus Maji 1317.
5) Cisterc. bist. 1010 und 1011.
6) Lib. Ercct. I. T. 7.
'•) Erben reg. 236. Bestätigt 1280 von Markgraf Heinrich von Meissen , 1300
von Bischof Albert und 1317 von Bischof Witigo von Meissen.
^) So in der Bestätigung des Markgrafen Heinrich d. 1280.
21*
324
Skutibor dem Convente die Dörfer Zwiiia und Wranow (bei
Mies) mit der Beseliränlmng, dass die hinterbleibende Witwe die-
selben auf Lebenszeit noch benützen sollte. Diese beiden Orte
wurden vom Kloster im J. 1231 ihrer Entfernung wegen an Kladrau
verkauft. ') Jaroslaw von Zabru§any (Sobrusan bei Dux) schenkte ge-
meinschaftlich mit seinem Vater den Wein- und Getreidezehent in
S w i n ö i c und ein Wocheneinkommen in G r a b i § i n (Swindschitz,
Dom. Ossegg, Grabiäin unbekannt). Derselbe fügte später im. Ein-
verständnisse mit seinen Söhnen die Dorfschaften B i d n e (oder
Bilen?), Hrnöire (taborer oder kauf. Kreis?), einen Theil von
T e 1 c e (das ein gewisser Bohuta in Mähren durch Tausch ab-
getreten hatte), desgleichen einen Theil von Bohnice (tab. Kr.?)
und den Zehent des Wochenmarkteinkommens in B r ü x hinzu.-) Der
Brüxer Bürger Gereon schenkte (c. 1250) in ähnlicher Art als
fromme Stiftung für sein Seelenheil das Dorf Hagenswerth
(vielleicht Hagensdorf im saazer Kreise) , das er aber gegen Erlag
weiterer 20 Mark Silbers auf Lebenszeit als Lehen des Klosters
behielt. •■') Thymo von Rysin, Lehensmann des Albert v. Seberg schenkte
dem Kloster im Jahre 1289 einen Bezug an Wein von Bilin,
und 73 Mark Silber (Zinsung) von seinem Erbgute in Wiese
(Dom, Dux). Im Jahre 1290 widmete Albert von Seberg dem
Stifte sein GutEezel (?) bei Brüx."*)
6. Durch Kauf kamen überdiess noch neue Erwerbungen hinzu.
So erwarb das Kloster 1239 das Dorf Lubkowice (Liquitz)/)
im Jahre 1282 von dem Kloster Teplitz die Orte Klostergrab
und Wernsdorf für 80 Mark Silber. Ebenfalls im Jahre 1282
erhielt das Kloster eine Mühle in Obernic nebst einigem Gelde
vom Pfarrer Heinrich in Luchwitz (Lubkowitz, jetzt Liquitz). Im
Jahre 1290 wurde eine Zinsung zu lUulelsdorf einem brüxer Bür-
ger und eine andere einem Herrn v. Zedwic abgekauft. Hier er-
warb das Kloster nachher (1349) auch noch einen Maierhof als
Eigen thum. Um 1312 — 1315 kaufte das Stift von den Brüxer Mino-
') Urkunde Erben reg. 3(33.
«) Erben reg. 230.
•') Urkunde in Ilöflers Ms. : Urkunden des Königthums in Böhmen.
"*) Notizen des Dr. Sal. Mayer aus dem Klosterarchiv,
•■^j Urkunde Erben reg. 471.
325
riten eine Zinsmig in Stf ibnic (StnmitzDom. Ossegg) und eben-
daselbst noch mehrere andere von andern Besitzern. Um 1318 erwarb
es eine Zinsung zu Radunsfurt(Rodisfurt). Im J. 1322 wurde erst
ein Acker zu Prisan (Prinsen, Dom. Ossegg) und darauf das ganze
Dorf Breschan (Preschen, D. Ossegg) angekauft. Im J. 1352
gelangte durch Kauf das Gut Settelin (Zettel, Dom. Dux) und
1363 eine Besitzimg in Pozilep in dasEigenthum des Klosters. ')
Vor 1430 erkaufte man von dem biliuer Bürger Lustek ein neues
Gut in Noskow (tabor. Kreis?).*)
7. Als Besitzungen unbekannten Ursprungs werden genannt:
Croywart (?), Naposcherad (Putscherad bei Postelberg), Wisocan
(Gut Skrl), Kfiwatec oder Mnichow (?), der Weinzehent in Mire-
äowic (vielleicht bei Leitmeritz), der Getreidezehent in Lubtic
(Liptitz bei Dux).^)
§. 82. Fortsetzung.
1. Als Collaturen des Stiftes Ossegg werden um 1350 und
weiterhin folgende genannt:
a. Das Dorf Alt- Ossegg selbst (in den Confirmations-
büchern antiquum claustrum, das alte Kloster genannt, vielleicht
weil eben dort das erste hölzerne Kloster gestanden ist, während das
neue erst um 1250 durch die Freigebigkeit des Grafen Johann von
Riesenburg von Stein erbaut worden sein mag."*) Fortan blieb hier
beständig eine Pfarrkirche, welche im J. 1384 einen halbjährigen
Kirchenzehent von 6 prager Groschen zu entrichten hatte. ^) Ein
Confirmationsact betreffs dieses Ortes wird im J. 1402 erwähnt.*^)
1). Raöice, der jetzige weitbekannte Wallfahrtsort Maria-
Eatsch, gehörte entschieden schon zu den älteren Pfarrsitzen des
alten Dekanats von Bilin. Im J. 1384 steuerte es 6 böhm. Gr.
als halbjährigen Kirchenzehent.^} Confirmationsacte werden in
') Kotizen des Dr. Sales Mayer,
»j Palacky Archiv I. 419.
3) Vgl. Palacky, Archiv I. 521. Erben, reg. 236, 214, 735.. Lib. confirm.
4) Vgl. §. 81. u. 1. b.
5) Regist. decimarum.
*^) Lib. Confirm.
'') Regist. decimarum.
326
den Jahreil 1362, 1389, 1395, 1412, 1414 und 1419 genaimt.')
Wohl damals schon war die Kirche in Racic der h. Jungfrau Maria
geweiht und erfreute sich eines frommen Zuspruchs aus Nah und
Ferne. Dafür spricht der Umstand, dass nachher zur Zeit Luthers
eben in Eaöice ein Rest l^atholischer Landleute sich erliielt, die
man mit dem Namen Marienbauern bezeichnete.^)
c. Hradistö (Ratsch, Dom. Teplitz) erscheint ebenfalls als
eine alte Patronatspfarre von Ossegg^), die im Jahre 1384 bereits
den im biliner Dekanate nicht unbeträchtlichen Zehentbetrag von
9 böhmischen Groschen entrichtete.'*) Im Jahre 1412 schenkte
Zazema, Lehensmann daselbst, dieser Kirche einige Aecker als
Umtausch gegen einen herkömmlichen Zehent im Dorfe Nakle
(chrud. Kr. Dom. Hefmanmestec).''^) Von da ab scheint HradiSte
an das Kloster Teplitz gelangt zu sein, denn im Jahre 1416 übte
die dortige Aebtissin Sophie daselbst das Collaturrecht aus."j
d. Libkowice (das heutige Liquitz), schon 1407 Likwic
genannt, erscheint in eben diesem Jahre als eine Collaturpfarre
von Ossegg. ■) Im Jahre 1384 hatte selbe bereits halbjährig 6
böhm. Groschen als Kirchenzehent entrichtet.**)
e. Neswetice (jetzt unbekannt) zahlte 1384 ebenfalls 6
böhmische Groschen Zehent und wurde noch in den Jahren 1407
und 1416 von Ossegg aus mit Seelsorgern besetzt,'')
f. Wolewcice (Wolepschitz), eine der reichsten und ältesten
Pfründen des saazer Dekanats, zahlte im Jahre 1384 einen Zehent
von 12 Groschen.'") Damals und noch im Jahre 1391 übte daselbst
die Aebtissin von Teplitz das Collaturrecht aus. In den J. 1406 u. 1417
aber erscheint dagegen der Abt von Ossegg als Pfründenpatron.")
') Lib. Coüfinn.
-) Sartorü Cisterc. bistert. 732.
3) Lib. Confirm. ad ann. 1391.
■*) Regist. clecim.
5) Lib. Erect. IX. 0. 11.
•') Lib. Confirm. ad h. a. ■
'') Lib. Confirm.
^) Regist. decim.
^) Regist. decim. und Lib. Confirm.
'°) Regist. decim.
") Lib. Confirm. Die Meinung, dass dieses Gut 1333 von Ossegg angekauft
wurde, dürfte somit irrig sein.
327
y. Wysocauy (Wiscliezalm) Avar 1384 mit einem. Zelient
von 6 bölim. Groschen fatirt. ') Das Patronat gehörte mir theil-
weise zu Ossegg. Im Jahre 1362 theilt es der Abt mit Arnold von
Ceharn, 1387 mit der Witwe des Johann von Wsehrd, 1398, 1413
und 1415 mit Stephan von Wsechlap auf Hofenic.'-^) Angeblich
war Wisoöany im J. 1343 nebst Losan als Lehen abgegeben wor-
den: demzufolge dürften die genannten Mitcollatoren eben nur
Lehensleute Osseggs gewesen sein.^)
h. Skrle war — wie bereits erwähnt wurde — bis 1341
ein Städtchen und erhielt im selben Jahre den Kang einer be-
festigten Stadt, Die Pfarrkirche daselbst erscheint in den Jahren
1362 und 1370 als Collatur von Ossegg*) und betheiligte sich 1384
mit halbjährigen 5 böhm. Groschen am kirchlichen Landeszehent,°)
i. S watbor (Cwetbor, Swatobor, jetzt Zwetbau bei Engel-
haus) wird in den Jahren 1359, 1383, 1391, 1401 und 1414 als
ossegger Collaturpfarre genannt.*^) Dem Alter und Dotationsrange
nach war Swatbor im Jahre 1384 das fünfte Beneficium des elbo-
gener Dekanats (nächst Schlackenwerth , Radunsfurt, Lomnic und
Falkenau), und zahlte damals 18 böhmische Groschen als Kirchen-
zehentJ) Somit war diess die reichste Pfründe Osseggs.
h. Lukawec (am wahrscheinlichsten das im Zehentregister
von 1384 zum klattauer Dekanate gezählte Pfarrdorf Lukawice,
mit einer Zehentleistung von 6 Groschen) wird im Jahre 1386
ebenfalls als Collatur von Ossegg angeführt.^)
l. Zu Saaz besass Ossegg eine Altaristencollatur in einer
Vorstadtkirche, deren im J. 1400 gedacht wird.")
m. Der Collaturrechte zu Schlackenwerth, der reichsten
') Regist. clecira.
') Lib. Confirm. ad h. a.
3) Notizen des Prof. Dr. Sales Mayer.
*)Lib. Confirm. ad h. a.
5) Regist. decimarnm.
'') Lib. Confirm. ad h. a.
'^) Regist. decim.
8) Lib. Confirm.
») Ebendas.
328
und nächst Secllec ältesten Kirche des elbogener Dekanats, ') und
zu Pirna und Saida wurde bereits gedacht.^)
2. Bisher nicht genannte Besitzungen des ossegger Klosters
lassen sich aus den nachmaligen Verpfändungen des Kaisers Sig-
mund sicher stellen.
a. Im Jahre 1420 verpfändete Kaiser Sigmund eine auf dem
Dorfe ^elöin bei Melnik (damals dem Peter von Jeöewic gehörig)
haftende Jahreszinsung des ossegger Klosters an Johann von Ber-
nikow — zugleich mit dem zum wySehrader Capitel gehörigen
Dorfantheile von ZIelöiu um den Pfandpreis von 4 Schock theils
für „die Bewahrung dieses Gutes und theils für geleistete Dienste".^)
h. In demselben Jahre vergab der Kaiser an Nicolaus von
WSeboiic (Schöbritz) die ossegger Dorfschaften Swinöice und
Obrynice um den Pfandpreis von 78 Schock Groschen.'*) Somit
hatte sich der ursprüngliche Besitz des Wein- und Getreidezehents
in ersterem, und einer Mühle im zweiten Dorfß^) allmälig zur
völligen Grundherrschaft vergrössert.
e. Im Jahre 1421 vergab derselbe Kaiser viele (ungenannte)
Dörfer und Zinsungen an einen gewissen Nicolaus. ")
ä. Im selben Jahre wurden die Dörfer Odolic (Wodolitz),
Tynec Mnichow (Teinitz), Simnutec (Smuc, jetzt Synutz),
sämmtlich jetzt zur Domäne Liebschhausen gehörig, ferner D e c e n i c e
(Deöany, jetzt Jetschan bei Tf iblitz), C e r n o c h o w und S m o 1 n i c
(im rakon. Kreise) als ossegger Besitzungen für 800 Schock Gr.
an einen gewissen Wlasek verpfändet, mit der Verpflichtung, dass
er daselbst ,100 Pferde für den Kriegsdienst halte.^)
e. Im Jahre 1436 ging die damals schon zu einem Dorfe
herabgesunkene ehemalige Stadt Skrle als Pfand an Hanns
Honiger über.^)
') Es wurde noch im J. 1408 ausgeübt. Lib. Confirm.
-j Janek erscheint noch 1363, 1364, 1368, 1406, 1408, 1412, 1418 als Collatur
der Grafen von Riesenhurg (Slawik 1363—1368, Bores 1408—1418). Lib.
Confirm. Klostergrab (Hrob) wird als Pfarre noch nicht erwähnt.
^) Palacky Archiv öesky I. 542.
4) Ebend. I. 453.
^)Vgl.§. 81.
6) Ebend. I. 499.
') Ebend. IL 521.
^) Palacky Archiv öesky.
329
3. Zu den iimi'angreiclieii Besitzungen Osseggs gesellten sich
allmälig auch sehr ausgedehnte Privilegien.
a. Schon der König Ottokar I, gah dem Kloster (1203 oder
1208) die Gerichtsbarkeit (den sogenannten Blutbann) über Land
und Leute auf den erworbenen Besitzungen, befreite es von Lan-
descollecten und der Berna, desgleichen vom Marktzolle in Bilin
und auf den übrigen Märkten des Landes, und stellte es unter den
unmittelbaren Schutz des böhmischen Thrones. ^) Dieselben Rechte be-
stätigte König Ottokar IL um das J. ,1261. Er pries bei dieser
Gelegenheit die Demuth, die Ordensstrenge, die Gastfreundschaft
und Nächstenliebe Osseggs vor allen anderen Klöstern und nannte
es wegen dieser Vorzüge um so würdiger der königlichen Huld
und Freigebigkeit. Letztere bethätigte er besonders durch die
Schenkung einer äusserst kostbaren h. Reliquie, — des Zeigefingers
des h. Johannes.') Alle nachfolgenden Fürsten bestätigten immer
wieder von Neuem die Freiheiten des Stiftes.^)
Im Jahre 1330 fügte König Johann zu den alten noch das
neue Recht hinzu, in Prag, Brüx und allen andern königlichen
Städten des Landes Häuser und Höfe durch Kauf oder Schenkung
ohne alle Abgabenbelastung zu erwerben. Von ihm rührt auch
das Stadtprivilegium von Skrl her."*) Johann hatte auch besondere
Gründe, die Brüder des Cisterzienserordens in jeder Weise aus-
zuzeichnen ; denn eben durch Vermittlung der Aebte dies es Ordens
hatte er die Krone Böhmens erworben. Ebendesshalb war auch
Carl IV. ein frommer Gönner Osseggs.^)
b. Auch von geistlicher Seite her fehlte es nicht an Freiheits-
briefen für Ossegg. Schon im Jahre 1208 bestätigte der grosse
Papst Innocenz III. die Besitzungen des Klosters und empfahl dem
Metropoliten von Mainz den Schutz und die Vertheidigung der
geistlichen Brüder gegen die Kühnheit ihrer Widersacher,^)
') Urkunden Erben reg.
'■^) Urkunden des Königthums in Böhmen, M. S. des Prof. Dr. Const. Höfler.
^) Dasu gehören zwei Privilegien Wenzels I., 6 v. Ottokar IL, 1 v. Wenzel IL,
20 V. Johann, 2 von Carl als Markgrafen von Mähren,
4).Cisterc. bistert. 1010,
5) Vgl. §. 81 cl
*') Die Bullen „Solet annuere" und „Non absque dolore" Vgl.Cisterc. bist. 1011.
330
Im Jahre 1230 versicherte neuerdings Gregor IX. das Stift
des päpstlichen Scliutzes. Ein Aehnliches that später Johann XXIL,
der im 7. Jahre seines Pontificats die Domdechante von Meissen,
Wysehrad und Naumburg zu Richtern und Schirmvögten gegen
geistliche und weltliche Uebergriffe, das Kloster Ossegg betreffend,
bestellte.') Honorius III. schenkte im 5. Jahre seines Pontificats
dem Kloster Eeliquien der heiligen Cosmas, Sebastian, Fabian,
Cyprian und der heiligen Petronilla, und die üblichen Ablässe für
das Kirchweihfest in Ossegg.^)
c. Andere geistliche Fürsten vermehrten ebenfalls die Frei-
heiten des ossegger Stiftes. Noch vorhandene Urkunden nennen
nur den Bischof Daniel von Prag, der im J. 1209 die Besitzungen
Osseggs zu Ossegg selbst bestätigte^), und den prager Weihbischof
Pribislaw Sathavonis (Minorit), der im Jahre 1342 dem Kloster
neue Ablässe zu Gunsten frommer Wallfahrer verlieh.*) Das Pri-
vilegium Wenzels IL (1287) nennt auch — freilich ohne nähere
Andeutung — die römischen Kaiser vor ihm als Wohlthäter des
Stiftes.
§. 83. Die Kreuzbriider und Kreuzschwestern des h. Grabes.
1. Aus den Schaaren der Kreuzfahrer sonderten sich wohl
von allem Anfang her so manche fromme Ritter aus, welche die
h. Stätte des Grabes unseres Heilands nie wieder verlassen wollten.
So finden wir daselbst nach dem zweiten Kreuzzuge auch böhmische
Edle, die 'sich Wächter des h. Grabes, auch Kreuzbrüder des heil.
Grabes (Ciistodes s. sepulcri, fratres cniciferorimi dominici sepulcri)
nannten, Sie lebten zu Jerusalem im geistlichen Vereine und be-
trachteten den jeweiligen Patriarchen von Jerusalem als ihren
höchsten Obern. Da sie eben nur der Bewachung des h. Grabes
ihre Dienste weihten, so nahmen sie wohl keinen Antheil an den
kriegerischen Kämpfen des Landes : in der That finden wir sie so-
') Ebeud. 1012 dd. III. Mus Octob.
-)dd. 11. Cal. Maj: Ebend.
3; Erben reg. 236.
*) Cisterc. bistert. 1012.
^) Urkunden des Königthums in Böhmen M. S. Dr. Prof. Const. Höfler.
331
fort nur als Chorherren, welche die Regel jles h. A.ugustin befolg-
ten (fratres cruciferorum dorn, sepulcri Hierosolomiiani ordinis 8.
Augustini). Im Jahre 1190 erwarb dieser geistliche Verein auch
ein Ordenshaus in Prag, das hinfort unter der Leitung eines
Propstes stand, — offenbar als Pflanzschule, Emeritenhaus und
Almosenstätte für das Ordenshaus und das h. Grab in Jerusalem.
Weiterhin nahmen auch Vereine frommer Frauen die Regel und
den Namen dieses Ordens an und stellten sich ebenfalls unter die
geistliche Leitung eines Priors aus der Mitte der Kreuzbrüder.
Das Ordenszeichen Aller war und blieb ein rothes Doppelkreuz
auf schwarzem Gewände. ') Der Patriarch zu Jerusalem bestellte
jeweilig einen Visitator der Ordenshäuser bald aus dem Regular-
clerus des Landes bald aus den nachmals auf Pfarreien des Abend-
landes zerstreuten Canonikern des Domcapitels von Jerusalem.-)
2. Die Gründer des ersten böhmischen Ordenshauses der
Kreuzbrüder waren Kojata von Brüx (de Gnevin Most) und
sein Bruder Wsebor, beide Söhne des Grafen Hrabisa, eines
Ahnen der Riesenburger , wahrscheinlich desselben Hrabisa, den
wir bereits als Bruder Slawko's des Gründers von Ossegg kennen
lernten. Diese führten im Jahre 1190 die böhmischen Kreuz-
brüder in die Kirche des hl. Peter am Zderas zu Prag ein, und
dotirten selbe mit ausgezeichneter Freigebigkeit. Schliesslich schenkte
ihnen Kojata bei seinem Ableben die Stadt Brüx mit allem Zu-
geliör, ebenso die Orte Wrutek (Rudig) und Kopist (im saazer
Kreise), L i p e t i n (Lindau bei Dux im leitm. Kr.), das Dorf Jamnes (im
pils. Kr.), dessgleichen Tlustowous, Lemuz, und Sestajowic (im kaur.
Kr.). Ueberdiess testirte Kojata dem Orden einige Dörfer in Mähren,^)
nur sollte seine Gattin Wratislawa den Nutzgenuss eines Theiles
dieser Schenkung auf Lebenszeit beziehen.*) Der Mitgründer Wse-
1) Vgl. Tomek ö, Pr. S. 25, 490 etc.
■-*) 1258 war es der Abt von Postelberg (Dipl. Zderas), 1326 war es Fr. Ni-
colaus, Canoniciis der Kirche von Jerusalem, 1334 Fr. Heinrich, Pfarrer
in Mezii-ic, Domherr des h. Grabes und Chorherr von Zderas (Tomek
G. Pr. r. 490).
3j Bedekowice 5 Kojetice, Turinovice . Ostrasan. Vgl. Neplach 108, Urkunde
Erben reg. 332. Dobn. mon. Boh. IV. 257.
*) In Brüx sollte nach seinem Testamente die S. Laurenzkirche in Opatowic
332
bor folgte dem Beispiele seines edlen Bruders , indem er ebenfalls
einen Theil seiner Besitzungen dem neuen Orden überliess. ') Leider
ward diese Schenkung alsbald durch die Fürsten des Landes da-
durch verkürzt, dass sie die Stadt und Burg Brüx für sich selbst
in Anspruch nahmen. Dafür restituirte nachmals König Pfemj^sl
Ottokar IL unterm 6. December 1287 auf Andrängen des Papstes
einige andere Güter , und gab dem Orden für alle Zeiten das Pa-
tronatsrecht in Brüx zurück.*) Fortan verwaltete immer ein Zderaser
Ordensbruder die Seelsorge in Brüx,^) die so bedeutend war, dass
sie im Jahre 1384 die grosse Summe von 42 Groschen als halb-
jährigen Kirchenzeh ent zu entrichten hatte.'*) Wrutek (Rudig),
im Jahre 1384 ebenfalls eine bedeutende und gewiss sehr alte
Pfarrstation mit 21 Groschen Kirchenzehent, ^) war wenigstens nach
1400 nicht mehr im Besitze der Zderaser; ausdrücklich erscheint
es im Jahre 1442 als Eigenthum eines Jakob v. Bilin.^) Schon im
Jahre 1412 bestand hier bereits ein von der Gemeinde mit Grund-
stücken dotirter Vicarius neben dem Pfarrer.") Von Kojatas Schen-
kuft'gen war auch das oben erwähnte Dorf Kopist bei Brüx ein
Pfarrdorf, das 1384 einen Kirchenzehent von 9 Groschen zu ent-
richten hatte. ^) Auch dieser Ort erscheint um 1400 Avieder in
anderen Händen; in den Jahren 1409 und 1417 besass erweislich
ein Wenzel von Meflic daselbst die Collatur und muthmasslich auch
das Eigenthumsrecht.^)
bei Prag (jetzt ein Theil der Prager Neustadt ) den neunten Theil des
Marktgeldes beziehen. Anderwärts wies er auch den Klöstern zu Strahow
und Sedlec erhebliche Schenkungen an, Urkunde Erben reg. p. 333.
1) Dobn. mon. Boh. IV. 259, Erben 232. Die Orte werden nicht genannt.
Später (1288) werden solche ausdrücklich erwähnt, wie folgen wird.
'■^) Hammerschmidt prodromus 287. 1295 bestätigte Bonifacius VIIL dieses
Patronatsrecht,
^j 1296 war Henricus cruciger Zderasensis Pfarrer daselbst. 1354, 1369,
1411, 1415, 1419 und 1447 übte der Orden noch immer das Patronatsrecht
aus. (Ebend. u. lib. Confirm.)
*) Regist. decimarum.
5) Ebend.
«) Lib. Conf.
') Lib. Erect. X. A. 7.
^) Regist. decim.
9) Lib. Confirm. ad h. a.
333
3. Zu diesen ursprünglichen Besitzungen kamen später noch
mehrere andere im Umkreise des jetzigen leitmeritzer Sprengeis.
Die noch übrigen Theile von Lipetin und Kopist, das Dorf Drach-^
kow (DrakowabeiTürmitz), Wenzelsdorf beiBrüx undDobro-
witz im bmizl. Kreise (?) kamen im J. 1238 durch Kojatas Bruder
WSebor hinzu.') Im Jahre 1294 wurde eine Elb-Mühle bei Nim-
burg gekauft.^) In derselben Zeit besassen die Zderaser bereits
das Patronat der Klosterkirche in S w ö t e c (Schwatz) , deren wir
alsbald weiter gedenken werden. Dazu kamen noch — namentlich
durch die Freigebigkeit der Herren von Swabenic — mehrere aus-
gedehnte Güter in Mähren, Schlesien und im nordöstlichen Böhmen.^)
So wurde Zderas eines der begütertsten Klöster in Böhmen und
übte in Folge dessen einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die
kirchliche Entwickelung unseres Vaterlandes.
4. Näher noch interessirt uns die einzige weibliche Colonie
desselben Ordens in Böhmen, das Kloster der Kreuzschwestern
in S w e t e c (Schwatz bei Teplitz). Diese Niederlassung frommer
Chorfrauen nach der Kegel der Kreuzbrüder von Zderas wurde von
Wratislawa, der edlen Witwe des Kojata, Stifters von Zderas, ge-
gründet.'*) Hier lebten sofort fromme Töchter aus den edelsten
Familien des Landes unter der unmittelbaren Regierung einer
') Toinek G. Pr. 492. Ueberdies noch Ilorusan (kaur.).
'■^) Ebencl. 494.
^) Genannt werden: das Ö^Dital zu Änpa (Neu-Trautenau) sammt dessen Gü-
tern (Lobec und Debrne nnd viele Zehnten), die Dörfer Zalsi und Slaup-
nitz (bei liohenniaut), Theile von Morawan nnd DetkoNvic, einige Besitzungen
bei Potworow im pilsner Kreise (Potworow, Sedlec, Bukowina, Kremesin)
und die Benützung der dortigen Feste, die Stadt Neweklow, Bor, Draho-
nowic, Dobrotic und 11 andere Dörfer bei Schüttenhofen, die Feste Cho-
dow, der Zehent von Sluh (kaur. Kr.) und Chotetic (byd. Kr.), das Patro-
nat zu Aupa, Brusnitz, Bernartic, Olesna, Walberic (kggr. Kr.), Mittel-Lhota
bei Hohenmaut, Morawan, Swabenic, Adlerkostelec, Alt-Trautenau, Mezii-ic,
ßuda, Zrucj Solnic, Straz, Brenn, Buben, in Prag bei S. Michael, S. Wenzel
u. S. Lazarus. Ein Zweig des Ordens hatte seinen Sitz zu Neisse in Schle-
sien (1334 von der polnischen Ordenprovinz getrennt) mit den Propsteien
Ptatibor, Reichenbach und Frankenstein. Vgl. Tomek G. Pr. 492—495.
"*) Baibin will in den uralten Docuraenten des KlostersDoxan gelesen haben:
Ad 16. Jan.: Obiit Wratislawa fundatrix coenobii Swffücensis (antiguit.
eccl,). Eine Jahrszahl Avi'rd nicht angeführt. Falsch ist Crugerii Behauptung,
334
Meisterin (magistraj und einer Priorin (priorissa). ') Im J. 1258
stand dieses Kloster noch nicht unter der Obedienz des Propstes
von Zderas, obwohl es von diesem seine Seelsorger erhielt. Es
scheint damals exemt gewesen zu sein, da erweislich im genannten
Jahre der Papst Alexander über die Visitation dieses Klosters ver-
fügte und selbe dem Abte von Postelberg auftrug.-) Erst im J.
1337 unterstellte es König Johann durch ein Decret vom 30. Juni
dem zderaser Ordenshause. •'; Mittlerweile war das Kloster im J.
1278 nach dem Tode Premysl Ottokars IL von den Truppen des
Kaisers Rudolph hart mitgenommen worden.*) Im J. 1287 hatte es
König Wenzel IL unter seine besondere Obhut gestellt.^) So blühte
es fort bis zum J. 1421, wo es der Wuth der Husiten erlag, nach-
mals aber nothdürftig wieder hergestellt wurde.
5. Ueber die ehemaligen Besitzungen dieses Klosters liegen
uns keine älteren tFrkunden vor. Muthmasslich gehörten ihm vom
Anfange her alle jene Ortschaften, welche heute das Dominium
Schwatz bilden, zumal selbe eben als damaliges Eigenthum des
Klosters im J. 1580 dem Erzbischofe von Prag als Dotationsantheil
übergeben wurden,") der sie auch noch heute inne hat. Ja die
Besitzungen desselben müssen vordem sogar noch ausgedehnter
gewesen sein. Namentlich wird ein nicht weit von Swetec gelegenes
Pfarrdorf Z i d o w i c e erwähnt , das — verschieden von dem zu
Zahras in Brüx gehörigen Seidowitz — in den husitischen Kämpfen
zerstört worden sein mag. Dort übte erweislich das Kloster Swe-
tec in den Jahren 1359, 1364, 1398, 1401 mid 1418 die Coilatur
des Pfarrbeneficiums aus.'^) Die dortige Kirche entrichtete im Jahre
es sei ein Kloster Crucigerorum virorum cum navicula sepulcri Domini
gewesen. Eben so falsch Avird sich Stranskys Meinung (II. 92) erweisen,
selbes habe wohl anfangs den rubeae crucis gerulis gehört, sei aber später
von Clarissinen bewohnt worden.
') Diplom. Zderas. dd. 16. Febr. 1300, Rohn antiquit. eccl.
-) Ebend.
3) Ebend.
*) Contin. Jaroslai p. 126. '
^) Hammerschmidt prodrom. 284.
6) Es sind dies : Swetec, Krupa, Chotejowice, Hostomnice, Kniewicky, Hud-
cow, Aupor, Pohradice, Strbice, Chotowinky, Lyskowice, Wsechlapy, Aujezd
cerweny und Antheile von Radowesice und Dobrcice.
") Lib. Confirm. ad b. a.
335
1384 als eine der mittleren des biliner Dekanats den lialbjälirigen
Zelient von 6 böhmischen Groschen J) Im Jahre 1405 am 6. Nov.
schenkte Ctibor (Tiburtius) von Krsin dem Kloster auch noch die
Collatur der Pfarrkirche von Swetec selbst, die er später im Jahre
1409 noch mit einem Jahreszehent von 2 Schock bedachte.^) —
Ueberdies hatte das Kloster im Jahre 1388 mit Erlaiibniss des
Königs Wenzel IV. eine Jahreszinsung von 15 Schock b. Groschen
angekauft.**) Späterhin im Jahre 14*71 beklagte sich die Priorin
von Swetec, dass ihr Jakob v. Wfesowitz, damals Herr v. Teplitz,
nicht weniger als 9 Dörfer mit Zinsungen und Wäldern wider-
rechtlich entfremdet habe.'*) Da das Kloster nichts destoweniger
fortbestehen konnte, so musste sein Besitz anderweitig noch ein
ziemlich bedeutender gewesen sein.
§. 84. Das Praemonstratenserkloster Tepl.
1. Der selige Hroznata (von Gutenstein), ein Abkömmling der
alten Zupane von Melnik^j (Sohn des Sezimamid der Dobroslawa),*)
reich begütert in zahlreichen Gauen Böhmens, besonders aber in
den Gegenden des damaligen saazer und leitmeritzer Gebietes,'^)
ein treuer Anhänger des Königs Pfemysl Ottokar I., hatte schon
im Jahre 1193 den CÄrnnd zum Kloster Teplä (Tepl) gelegt/) wo
^) Regist. (lecim. Das andere Zidowice (Seidowitz) wurde damals zum saaz.
Dekanate gezählt. (Palacky dejep. Beilage.) Das Kloster Swetec selbst
zahlte damals 1 Schock und 15 Groschen halbj. Zehent. (Regist. decim.)
=i) Erect. VIII. G. 9, IL 9.
•'') Diplomatar. Zderas.
4) Urkunde Palacky Archiv. IV. 263.
5) Nach Baibin. Mise. V. 54. Hroznata selbst nennt sich „de primatum Boe-
miae clariori stemmate descendens." Originaltestament im Stiftsarchiv, cit.
in Karlik's Gründung der Prämonstratenserabtei Tepl, S. 8. Die Beweise
der Stammverwandtschaft Hroznata's mit dem spätem Gutensteinern führt
Karlik ebendaselbst an.
") Choteschauer Necrologium, s. Karlik S. 9.
■) Diess beweisen seine nachherigen Schenkungen.
^) Baibin. Seiner zw^eiten Stiftung Choteschau wird später gedacht werden.
Ob er kinderloser Witwer, oder aber jener Hroznata war, der 1186 seine
Söhne CWilhelm und Ullrich) bereits ausgestattet hatte, lässt sich urkund-
lich nicht sicher stellen. Vgl. §. 78. n. 2.
336
er in frommer Zurückgezogenheit und heiliger Andacht das Ende
seines Lebens zu erwarten gedachte. Im selben Jahre aber war
im fernen Oriente der furchtbarste Feind der Christenheit, Sultan
Saladin von Aegypten gestorben, nachdem er zuvor sein weites
Reich unter seine 12 Söhne getheilt hatte. Da erweckten die blu-
tigen Zwistigkeiten der Erben von Neuem die Hoffnung des da-
maligen Papstes Coelestin III. und dieser forderte deshalb die
Christenheit von Neuem zu einer Kreuzfahrt auf. Leider verzögerte
sich trotz des eindringlichen Aufrufs in Worms (6. Decemb. 1195)
das gläubige Unternehmen — in Deutschland durch den eben aus-
gebrochenen sicilischen Aufstand, in Böhmen durch die gefährliche
Erkrankung des Herzog-Bischofs Heinrich Bf etislaw, der ebenfalls
das Kreuz genommen hatte. Erst die Sendung des Cardinais Peter
a via lata in unser Vaterland im J. 1197 erzielte — nebst der
Reformation der Geistlichkeit — den begeisterten Aufbruch vieler
edlen Männer Böhmens zum heiligen Kampfe. Auch Hroznata hiess
die Gelegenheit willkommen, im Dienste des Gekreuzigten seine
ritterliche Laufbahn zu beschliessen und nahm daher das Kreuz.
Zuvor aber wollte er seine zeitlichen Angelegenheiten ordnen
und namentlich den Fortbestand seines im Jahre 1196 vollendeten
Klosters Tepl ') sichern. In einem deshalb verfassten Testamente*)
vom J. 1197 befriedigte er daher seine nächsten Anverwandten
durch reiche Legate, dem Kloster aber schenkte er für alle Fälle
den Ort Tepl sammt Zugehör, eben so auch alle seine übrigen
ausgedehnten Besitzungen für den Fall, dass er nicht mehr in's
Vaterland zurückkehren möchte.''} Dann verliess er das Vaterland
und zog an der Spitze einer wohlgerüsteten Schaar auf den Sam-
melplatz nach Apulien, nachdem ein früherer Zug unter Conrad
von Mainz bereits direct ins Morgenland abgegangen war."*) Hroz-
nata wählte den südlichen Zug, um zuvor noch in Rom die Gnade
'j Des Klosters Choteschau wird damals nicht erwähnt; also bestand es auch
noch nicht.
2) Erben reg. S. 194.
•^) Vorher hatte Hroznata — muthmasslich derselbe — bereits Bedeutendes für
die Collegiatstifte Leitmeritz und Melnik und für den Orden der Johanniter
gethan. Vgl. die betreffenden §§.
4J Vgl. Dambergor IX. 345 etc.
337
des h. Stuhles für seine Ironiine Stiftung zu erbitten. Hier er-
langte er in der Tliat am 7. August 11 97, dass Coelestin III. das
Kloster Tepl bestätigte und in päpstlichen Schutz aufnahm, dem
Abte die Pontificalien verlieh und den Besuchern der Klosterkirche
einen Ablass gewährte. ') Die apulische Expedition scheiterte grossen-
theils an dem plötzlichen Tode des Kaisers Heinrichs VI. in Mes-
sina am 28. September 1197. Was noch nicht eingeschifft war,
zog, arge Kämpfe in Deutschland befürchtend, wieder in die Hei-
math zurück. Unter den letzteren war nun nothgedrungen auch
Hroznata. Doch ging er zunächst wieder nach Rom, um dort zu
den Füssen des h. Vaters das vereitelte Gelübde der Kreuzfahrt
mit dem Gelübde des Eintritts in den Prämonstratenserorden zu
vertauschen.') Nach seiner Heimkehr gab es namentlich in Be-
ziehung auf das mittlerweile auf seinen Gütern entstandene Kloster
Choteschau Manches zu schlichten und zu ordnen. Dann nahm er
für immer das Kleid des h. Norbert. Er lebte in Tepl anfangs
als untergeordneter Bruder, bald aber als Propst des Hauses, dem
es oblag, die Piechtsgescliäfte des Convents zu leiten, die Güter
zu beaufsichtigen und die Oekonomie des Hauses zu besorgen.^)
In dieser Eigenschaft erwirkte er persönlich am königlichen Höfe
im J. 1213 die Bestätigung der Besitzungen und Privilegien der
Klöster Tepl und Choteschau, die Befreiung von den 2upengerichten
und Landescollecten und den ungestörten Besitz der (wahrschein-
lich von Hroznata auf königlichem Lehensgrunde angelegten) Stadt
Hroznetin oder liichtenstadt.'*) • Auch ordnete er einen Streit des
Stiftes Tepl mit dem Prager Bischöfe bezüglich mehrerer dem
') Urkunden Erben reg. 197 und 198. Sie fallen dem Datum nach in die
Zeit der Hinreise, nicht der Rückkehr, wie Karlik S. 23 meint.
-) Dass dies Gelübde in Rom erfolgte, erzählen alle Legenden. Unwahr-
scheinlich aber ist es, dass er desshalb noch einmal geflissentlich aus
Böhmen nach Rom reiste, zumal er schon 1201 urkundlich als Ordens-
bruder genannt wird. (Vgl. Erben reg. 205.) Das Gelübde hinderte ihn auch
nicht, daheim endgiltig seine Angelegenheiten zu ordnen.
3) Urkunden in Erben reg. 259. 266. Solche Pröpste fanden sich — neben
dem Abte — namentlich im Benedictinerorden. Die spätem Orden nahmen
meist eine gleiche Einrichtung an. Nachher Wessen diese Pröpste richtiger
Provisoi'en.
■*) Urkunde Erben reg. 255.
22
338
Stifte durch Schenkung zugefallenen Zehente. ') In diesem Amte
sollte er auch seinen Tod finden. Auf einer Dienstreise wurde er
in der Nähe von Lichtenstadt von etlichen Feinden des Klosters
gefangen genommen und nach der Burg Kinsberg bei Eger abge-
führt, um sofort für seine Auslieferung ein ansehnliches Lösegeld
zu erpressen. Da war es Hroznata selbst, der jede Auslösung
standhaft von sich wies, um nicht durch Befriedigung der unge-
rechten Forderungen den Bestand seiner. Stiftung zu gefährden.
Er starb endlich in der Haft zu Kinsberg nach grossen Entbehrun-
gen und Leiden am 14. Juli 1217. Sein Leichnam fand nachher
in Tepl ein würdiges Grab. Das Stift sowie auch die ganze Kirche
Böhmens verehrten ihn fortan als einen Seligen Gottes.^)
" 2. Tepl hatte gleich von seinem Ursprünge an sehr bedeu-
tende Güter im Umkreise der jetzigen leitmeritzer Diöcese. Hieher
gehörten :
a. eine Besitzung in Leitmeritz selbst, die aber nicht
näher bestimmt ist, nebst einem Zugehör in naher Nachbarschaft.
Im J. 1228 bestätigte König Pf emysl Ottokar in einer eigenen Ur-
kunde, dass er dem Stifte diese Besitzung entzogen habe, wofür
er demselben das Dorf Cramolin verleihe.'"^)
h. Die Dörfer Biökowice, Klepy, Owenec (Pischkowitz,
Klappay und Sobenitz) in der Umgebung von Leitmeritz,'*) nebst
den dortigen kleineren Ortschaften Nezel, Ujezdec, Perna
(Nessel, Aiigezd, Pirnai) und einem später erworbenen Meierhofe
in Leitmeritz selbst und mehreren Weinbergen. Diese Besitzungen
— ausser Owenec und Klepy — wurden im J. 1233 um den Preis von
400 M. Silbers der Königin Constantia zu Gunsten der Deutsch herren
von Prag überlassen, für welchen Betrag und zugelegte 200 Mark
die Königin Constantia für Tepl die Dörfer Withsin, Utheri, 01e§owice,
Leschen, Pochovo, Dfevohrisi, Staresedlo, Dobrawoda, Nemöice,
Hristowo, Brachomety, Ostrocin und Tisovo abliess, von den Deutsch-
herren aber zu Gunsten der neuen Kreuzherren mit dem rothen
') Urkunde Erben reg. 270, Karlik 54.
^), Baibin 1. c, Heber Böhmens Burgen III. 48. Crugerius, sac. pulv. ad 14.
Juli. Karlik, Köpl 1. c.
3) Erben reg. 338.
*j Urkunde Erben reg. 194 und 284.
339
Sterne day Peterapital in Prag nebst Hlaupetin und Ziigeliör ent-
gegen nahm.') Von den genannten Ortschaften erscheint Bicko-
wice fortan als Pfarrdorf und Conimende des deutschen Ordens.
Klepy befand sich ebenfalls nach dem 13. Jahrhunderte nicht mehr
im Besitze von Tepl. Im Jahre 1336 vergab es König Johann,
der es nebst Libochowice, Radowesice, Lhota und Popice von der
Familie Slewen (Sliwno) erkauft hatte, an die Herren Zajic von
Waldek,^) seit welcher Zeit die Burg zu Klepy den Namen der
Hasenburg erhielt. Klepy hatte damals schon eine sehr alte Pfarr-
kirche, da selbe im Jahre 1384 die ungewöhnliche Summe von 21
böhmischen Groschen als halbjährigen Kirchenzehent entrichtete.^)
Fortan waren die Herren von Hasenburg die grössten Wohlthäter
dieser Kirche.*) — Auch Owenec oder Sobenice erscheint im
J. 1384 als Pfarrdorf mit einer Zehentleistung von 9 böhm. Gr.^)
Dieser Ort. war im J, 1284 durch einen Gütertausch in den Besitz
des Königs Wenzel gelangt, jedoch mit Ausnahme eines Maierhofs,
der dem Kloster Tepl verblieben war, bis auch diesen König 'Sig-
mund im Jahre 1437 an Heinrich von Waldstein verpfändete.^) Zu
Ende des 14. Jahrhunderts gehörte Sobenic selbst den Herren
Mespor von Sobönic und nach diesen den Herren von Techlowic
und Konojed.")
c. Auch ein Ort Jeswy im leitzmeritzer Bezirke wird als
Besitz Tepls genannt. Es kann das nur das jetzige Neustadt bei
Leipa sein, das aber später urkundlich als Collatur des Cisterzien-
serstiftes Münchengrätz erscheint.^) Die Art des Besitzwechsels
ist nicht zu ermitteln. — Bei Petersburg im saazer Kreise erhielt
das Kloster die Burgen und Orte Psowlky (Pschoblik) und Soseii
(Sossen). Endlich wird noch ohne nähere Bestimmung ein Hof
') Urkunde cid. 6. Feb. 1233 bei Erben reg. 376.
-) Weidner M. S.: Tria memorabilia. dto. Kaufurkiinde von Klepy in Eohns M.
S. Antiquitates eccl. —
•^) Regist. decimarum. Lib. Confirm. ad 1365 etc.
*) Paprocky de statu dominorum p. 74 und 75.
5j Regist. decim.
«) Köpl, Stift Choteschau, 9, 13.
7) Lib. Confirm. ad 1363, 1385, 1416, 1418.
^j Siehe den betreffenden §.
22*
340
N e II b e r g nebst Zubehör an der Elbe als Schenkung Hroznatas ge-
nannt. ') Muthraasslich lag diese Besitzung in der Nähe von Mel-
nik, wo das Kloster noch jetzt einen ausgebreiteten Weinberg
besitzt.
3. Die anderweitigen Besitzungen Tepls lagen meist im Um-
kreise des Stiftes. Am Avichtigsten war hier das sandauer Gebiet
bis Plan und an den Gränzwald, als Geschenk vom Bischof Hein-
rich Bfetislaw, Hier entstanden alsbald durch zahlreiche Exposi-
tionen eine Menge deutscher Gränzorte.-) Ausserdem werden ge-
nannt — im tepler Bezirke: der Hof des Adold, Babice (Powitz),
Beranowo (Borau), Berun (Bern), Bezwerow (Weserau), Cihana,
Dekowic (Schafhof), Holowin, Hostee (Hursk), Chutnow, Jankowice
(Enkengrün), Kladruby habrowe, Kladruby (Kladales), Kramolin
(Kraraling), Kriwce (Krips), Martinow, Milhostinow (Milestau),
Mnichow (Einsiedl),- Mrasowo (Prosau), Nezdice (Nesnitz), Pekowice
(Pocken), Popowice (Pfaffengrün), Rajow (Rojau), Rankowice, Sta-
nowice, Tepl, Trepkowice (Schrikowitz), Uswice (Auschowitz), Wi§-
kowice, Wysocany, Zahrada, Zadub (Hohendorf), Zäwiäin (Ha,baschin),
Zluzetin (Lusading). Im Umkreise von Krukanice : Budec (Wutsch),
Öernewice (Scherlowitz) , Hwozdan (Woschana), Krukanice, Lnky
(Lischka), Bernarce, Pitel (Pichel), Roznewice (Roslowitz), Stipoklasy
(Stipokl), Ujezd, Uncici (Hundschütz). Auch gehörte hieher Lich-
tenstadt mit den anstossenden Waldstrecken , in welchen sofort
durch Expositionen ebenfalls deutsche Orte in Menge entstanden;
so namentlich Dittrichsgrün , Tiefenbach, Rinolsgrün, Wernharts-
grün, Voitsgrün, Ullrichsgrün, Merklinsgrün, Kammersgrün, Oders-
grün, Heinrichsgrün, Dippoldsgrün , Ruprechtsgrün , Spitersgrün,
Vitikesgrün. Endlich in unbekannter Gegend die Orte Tirnow,
Gradsko, Rochow, ünil (v. König Wenzel), Luschemposk, Neschow,
Nesjekow, Branisow.^)
§. 85. Das Praemonstratenserinnenkloster Ghoteschau.
1. Graf Hroznata hatte bei seinem Abgange nach Apulien
') Erben reg. 284.
^j Dieses Gebiet kam 1242 vom Kloster weg, jeclocli mit Vorbehalt bedeu-
tender Zinsungen.
3) Vgl. Urkunden Erben reg. 194, 195, 197, 214, 255, 259, 284, 338, 369,
376, 392, 426. Palacky Archiv T. 529, IT. 189. Karlik S. 34-36.
341
zwei Schwestern zurückgelassen, die iiocli iinvereheliclite Juditli
und die in Polen verheirathete Woyslawa. ') Der letzteren hatte
er Choteschau sammt allem Zubehör auf Lebenszeit testirt, falls
sie als Witwe in die Heimath zurückkehre und keine zweite Ehe
eingehe. Die erstere sollte von den Einkünften des tepler Klosters
bis zu ihrem Tode erhalten werden.^) Glaublich war \vohl der
Gemahl der Woyslawa während Hroznatas Pilgerzuge gestorben.^)
Da mag sie nun ihren Witwensitz Choteschau unter der Aegide
von Tepl zu einem Klösterlein umgestaltet und auch ihre zweite
Schwester Judith nebst anderen frommen Frauen da aufgenommen
haben;'*) Thatsache ist, dass eine eigentliche Errichtung- des
Klosters Chotöschau nirgends nachgewiesen ist/) Sie war aber
schon geschehen, als Hroznata in die Heimath zurückkehrte. Da
war es nun seine Aufgabe, durch einige Abänderungen seines ersten
Testamentes den Fortlsestand der frommen Frauencolonie zu sichern
und so der eigentliche Stifter derselben zu werden.
Die geistliche Leitung des neuen Ordenshauses führte aller-
zeit das Stift Tepl und zwar durch einen Propst, der dahin nebst
einigen anderen Priestern exponirt war.**) In Bezug der ersten
wirklichen Ordensschwestern wurde Choteschau eine Colonie von
Doxän.^)
') So die ürkd. Erben reg. 194. Köpl, (Stift Choteschau) Hess sich durch die
verschiedene Schreibweise verleiten, 4 solche Schwestern anzunehmen, nebst
obigen noch Ida nnd Wiceslawa, Hätte Hroznata mehr Schwestern gehabt,
so hätte er sie gewiss im Testamente erwähnt.
^) Dieselbe Urkunde.
3) Nach Karlik ist er JZupan zu Krakau gewesen.
'*) Köpl erzählt die Aufnahme aller von ihm angenommenen 4 Schwestern.
5) Die Meinung, Hroznata selbst habe es errichtet, ist jedenfalls irrig. Er
errichtete es nicht vor seiner. Abreise, diess beweist sein Testament; er
errichtete es aber auch nicht nach seiner Heimkehr, weil ihn diess seinem
ersten Testamente untreu gemacht hätte. Dagegen konnte und musste er
sich einer bereits fertigen Thatsache fügen. Uebl-igeus steht der Fall, dass
Frauenklöster unter der Obhut eines Männerklosters ohne eigentliche Er-
richtung entstehen, gar nicht vereinzelt da; er war fast die Regel.
^) Baibin meint, Hroznata selbst sei der erste Propst gewesen, — irrig, wie
bereits bei Tepl nachgewiesen wird.
^) Köpl, Stift Choteschau.
342
2. Clioteschaii erhielt schon vom seligen Hroznata einige Be-
sitzungen in der Gegend von Leitmeritz, die nachmals sich noch
beträchtlich vermehrten.
a. Hier wird zunächst wieder das Dorf Owenec erwähnt,
dessen wir bereits bei Tepl gedachten; wahrscheinlich gehörte es
längere Zeit beiden Klöstern gemeinsam. Dazu schenkte nachmals
im Jahre 1271 König Pfemysl Ottokar IL das Dorf Hrusowany
(jetzt Expositur von Gastorf) — damals schon mit Einschluss der
Collatur über die dortige Kapelle des h. Gotthart, ') die sonach
eines der ältesten Gotteshäuser der Gegend war ; ausserdem noch
die Dörfer P r a c h o w a mit einer Kirche des h. Nicolaus, T r n o w a,
Wrutice, Zwai^-enice und Lutochowice (Prachowa, Terno-
wey, Webrutz, Schwarzenitz , sämmtlich zur Domaine Enzowan ge-
hörig, und vielleicht "Lukowitz). Von diesen blieb IIru§owany
der Sitz des geistlichen Administrators der umliegenden Besitzun-
gen, sowie eines Pfarrers, der aus dem tepler Kloster dahin ge-
geben wardp) auch bestand daselbst ein Herrschaftshaus, in wel-
chem zu Zeiten die Aebtissin von Choteschau mit einigen geist-
lichen Schwestern Einkehr nahm.'') So entstand nachmals die
irrige Tradition , dass zu Hruschowan in alter Zeit ein Frauen-
kloster bestanden habe, das die Husiten zerstört hätten. Im J.
1384 entrichtete die Pfarrkirche zu PIruschowan, als eine der
ältesten im weiten Umkreise, einen Halbjahrszehent von 24 böhm-
Groschen.^) Auch Prachowa — jetzt nur noch eine mit Wein-
reben und Obstbäumen bepflanzte Anhöhe mit einer Kapelle des
h. Wenzel, '/4 Stunde von Hruschowan^) — war urkundlich, wie
auch jetzt noch die Sage erzählt, ein Pfarrort und blieb als solcher
ebenso wie Hruschowan bis zur Husitenzeit unter der Collatur von
') Köpl S. 11. Bestätigungsui-kunde Gregors X. cUI. 23. Mai 1272 in Palacky
Archiv IV. 34.
") Als solcher Avircl 1312 ein P. Jacob genannt. Köpl S. 14.
^) Vgl. Kl. S. Georg und das Dorf Chorusice, Im J. 1543 machte die kön.
-Kammer die weite Entfernung als angebliche Gelegenheit eines die Sitten
der Klosterfrauen gefährdenden Ausflugs und als Ursache häuslichen Un-
friedens geltend und zwang deöshalb das Kloster Choteschau zum Verkaufe
des Gutes Enzowan und Hruschowan. (Köpl S. 38.)
'^) Regist. decim.
^) Die Ortschaft wurde in der Husitenzeit zerstört.
343
Chotescliaii. ') Im J. 1384 zahlte Pracliowa nur 6 bölim. Groschen
zum allgemeinen halbjährigen Kirchenzehent.
1). Später kaufte das Kloster Choteschau noch einige weitere
Ortschaften in derselben Gegend, und zwar vor Allen im J. 1335
Encowany, angeblich soviel als Vinicowany d. i. Weinanpflan-
zung, hinfür die Schutzburg der umliegenden Güter, woselbst das
Kloster einen wehrhaften Lehensmann unterhielt. Im J. 1337 kam
dazu, ebenfalls durch Kauf, das nahe Dorf Kotholice (Kautlitz).-)
Im Jahre 1437 werden noch als Besitzungen von Choteschau einige
andere vielleicht seither neuangelegte oder zugekaufte Orte genannt
und zwar Sedlec (Selz), Lhota (Welhota), Hlupice (Luppitz)
und Hribojedy(?). Diesse letztern wurden damals nebst dem Hofe
in Sobenic und vielen anderweitigen geistlichen Besitzungen der
Gegend (des Capitels Leitmeritz, des deutschen Ordens und des
Kl. S. Georg) von Kaiser Sigismund um 500 Schock b. Gr. an
Heinrich von Waldstein verpfändet.^) —
3. Als anderweitige Besitzungen des Klosters Choteschau
werden in jener Zeit genannt : Mantow, W^use mit der Waldstrecke
Rozkogin, Pretino, S wiche w, Jucharec, Holygowo, Hi-idowice, Stod
(Staab), Lysowo, Witowo, Zaluzy, Kotowici, Disina, Hrast, Sedlece bei
Choteschau, Tynec (Teinitzl), Aujezdec (Steinaujezdec), Lyen, halb
Oypernitz, Geznowe, Nyfany, Hofekowice, Turnow, Cernotin, Wra-
bina, ein Theil von Koäetic, Lelow, Sti-elic, Lazan, Pfey§ow, Bra-
welne, Welkanowo, Zamilic, Lesina, Sekirana, Piothaujezd, Zboch,
Luho, Mlinec, Wsahlaw, Lubakowice, Wodokrt, Dudlebec, Malic,
Dolan, Popowic, Aucowa, Stankow, Dobfan, Podole, Tuskow, Wa-
tow, Marktgeldantheile von Pilsen, Mies und Taus.*)
§. 86. Die meissnischen Bischöfe des 11. und 12. Jahrhunderts.
Wir können diesen Abschnitt nicht schliessen, ohne noch der
nächstbenachbarten Kirchenfürsten zu Meissen zu gedenken, deren
1) Letzte Präsentation für Hruschowan 1408 durcli Propst Siilek (Lib. Con-
firm. ad h. a.) Letzte Präsentation für Pracliowa 1398 (ebend.).
2) Köpl S. 16.
3) Palacky Archiv I. 505.
4) Vgl. Köpl 4 etc. Erben reg. 251, 410, 419, 435, 505, 564, 584; Palacky
Archiv IL 469, 199, 451.
344
Sprengel — wie bereits erwäliiit wurde — auch den nördlichsten
Theil unseres Vaterlandes umfasste.
1. Hier haben wir zuletzt den h. Benno genannt als den
hochverdienten Mann, der die letzte lland an die Bekehrung seiner
äussersten Gränzgaiie legte. Wir müssen seiner an dieser Stelle
noch einmal als treuen Anhängers Gregors VII. im traurigen In-
vestiturkampfe gedenken.
Benno durfte sich in früheren Jahren der Gunst Heinrichs IV.
rühmen: Beweis derselben waren einige bedeutende Schenkungen
dieses Kaisers an die meissner Kirche.') Als aber angeblich der
h. Bischof und seine Verwandten unterlassen hatten, dem Kaiser
Hilfe gegen die Sachsen zu leisten (10Y5),^) wurde er nebst einigen
andern Bischöfen des nördlichen Deutschlands gefangen gesetzt.
Zwar erhielt er schon im folgenden Jahre seine Freiheit wieder;
aber nun suchten die kaiserlichen Vögte eine Ehre darin, den hei-
ligen Mann in jeder Weise zu kränken. Diess ward nicht besser, als
der Kaiser nach des Markgrafen Dedo Tode^) die Marken Meissen
und Lausitz seinem treuen Freunde Wratislaw von Böhmen schenkte
(1076), der aber das neue Land erst erobern musste. Schon
die gewaltsame Besitznahme des Landes musste dem fried-
liebenden Bischöfe Verlegenheiten bereiten. Als aber auch noch
der unglückselige Streit -Heinrich's und Wratislaw's mit Gre-
gor VII. entbrannte, und zuletzt beide Fürsten in die Excommuni-
cation verfielen, musste Benno als treuer Anhänger des Papstes
sein Heil ausser Landes suchen. Er eilte nach Rom. Indess setzte
man an seine Stelle in Meissen schismatische Bischöfe ein, erst
einen gewissen Theodorich, der aber bald mit Tode abging, und
nach diesem einen gewissen Felix. Erst im J. 1088 gelang es
Benno, den König Wratislaw für den rechtmässigen Papst wieder-
zugewinnen, worauf er selbst in sein Bisthum zurückkehren konnte.
^) Diese Scheiikungeü (Borelitsj und Rothiboresdorf) talleu in die Jahre 1071
und 1074. (Calles series episc. Misn. p. 79 etc.)
2) Nach Lambertus p. 225 hielt Benno überhaupt keire bewaffnete Mann-
schaft. Vgl. Ritter, meissn. Gesch. 191.
3) Nach Ritters meissn. Gesch. p. 183 und ff. war Dedo nur Verweser der
meissnischen Mark für den jungen PJgbert. Dedo's eigene Mark sei die
Ostmark (Lausitz) gewesen.
845
Hier \Yidmete er die letzten Jalire seines Lebens der Vollendung
des grossen Bekehrung werkes im Norden und Osten seiner Diöcese. ')
Er starb am 16. Juni 1106 im 90. Jahre seines Alters nach vierzig-
jähriger Verwaltung des bischöflichen Amtes im allgemeinen Paife
der Heiligkeit.') Schon sein Wirken im apostolischen Predigtamte
hatte Gott diu'ch Wunder verherrlicht:'^) noch mehr geschah diess
mit ihm im Grabe. In Folge dessen ward sein heiliger Leib im.
Jahre 1270 feierlich erhoben und in der Mitte des Meissner Doms
in einer Tumba beigesetzt. Im Jahre 1523 erfolgte endlich seine
Heiligsprechung durch Papst Hadrian VI. und zwar auf die ge-
meinschaftlichen Bitten Carls V., Ferdinands L, Georgs von Sachsen
und der Bischöfe des deutschen Reichs.'*)
Aus der Zeit des h, Benno rührt ehie bedeutende Klosterstif-
tung an den Gränzen des meissner Bisthums her, die sowohl durch
ihren Gründer als durch die verw^endeten Mittel einiges Interesse
auch für Böhmen hat. Es ist das Benedictinerstift Pegau, im J.
1092 von Wiprecht Groitsch mit Hilfe seines königlichen Schwie-
gervaters Wratislaw von Böhmen erbaut.^) Derselbe Wiprecht grün-
dete auch im J. 1105 das Kloster Luczke in der Diöcese Merse-
burg, und im J. 1110 das Kloster Reinerdorf an der Unstrutt als
Colonie von Pegau. Enjilich nahm er in Pegau selbst das Ordens-
kleid und starb daselbst am 22. April 1124.*^)
2. Bennos Nachfolg er war Hartwig (Herwig), welcher am 30.
Mai 1108 zu Merseburg die Investitur von Kaiser Heinrich V. er-
langte.') Er verewigte seinen Namen durch die Gründung eines
Collegiatstifts in der seinem bischöflichen Stuhle gehörigen Stadt
') Dessen ward bereits §. 21. Nr. 3 ausführlich gedacht. Vgl. Damberger
VII. 520.
^) Calles series episc. Misii. 87 etc. Palacky I. 321. Ritter meissii. Gesch. 216.
^) Solche leben heute noch im Munde des Volkes um Meissen fort. So er-
zählen sich die protestantischen Bewohner daselbst, die Frösche eines
Teiches gegenüber von Meissen seien bis heute noch stumm , da ihnen
S. Benno einst bei einer dort abgehaltenen Predigt das Schreien verbot*
"*) Vita S. Bennonis bei Menken II.
5) Fund, coenobii Bigaug. Script. Lusat. ed. Hotfmann IV. 121. Vita Vi-
perti Grroic. I. 17. ed. Hofmanu.
«) Fund. coen. Bigaug 121, 122, 124.
") Damberger synchr. G. VII. 569.
346
Würzen,') welche fortan eine gewöhnliche Residenz seiner Nach-
folger wurde, die zu Meissen ziemlich ungern sowohl die Mark-
ais die Burggrafen als Rivalen ihres Ansehens neben sich sahen.
In seiner Zeit veranstalteten die norddeutschen Bischöfe einen
Kreuzzug gegen die heidnischen Nordslaven, welche bei ihren oft
wiederholten feindlichen Einfällen die Christen mordeten und die
Kirchen zerstörten : der diessfällige Aufruf an die Christenheit
trägt auch Hartwigs Namen an der Spitze.^) Er starb am 27. Juni
1118.=^)
3. Als Nachfolger wurde Grambert gewählt und vom Magde-
burger Metropoliten geweiht im J. 1119. Er erlebte die Beendigung des
langwierigen Investiturstreites im J. 1122. Auch gründete Kaiser
Lothar im J. 1125 das Benedictinerkloster S. Johann in Chem-
nitz, von welchem nachmals die Filiale Neukersdorf Inder Mer-
seburger Diöcese ausging. "^j Zu gleicher Zeit entstand auch das Kloster
Lauterberg (raons serenus) bei Halle durch die Frömmigkeit des
Grafen Dedo, des Schwiegersohns Wiprechts von Groitsch.^) Bischof
Grambert starb bereits am 31. Mai 1129.")
4. Der neue Bischof Gottbold w^ar ein inniger Freund des
heiligen Erzbischofs Norbert zu Magdeburg und somit wohl auch
selbst dem heiligen Freunde nicht unähnlich. Er benützte die neue
Zeit des Friedens, um Hand an die Reformation seines Clerus zu
legen. Zu diesem Zwecke hielt er eine „Generalsynode" zu Meissen
im J. 1129. Doch soll damals der Erfolg ein geringer gewesen sein.
Zu seiner Zeit gründete Heinrich, der Sohn Wiprechts v. Groitsch,
das Kloster Bürgein bei Naumberg.') Auch verlegte damals Bi-
schof Udo von Naumburg das vom Pleissner Burggrafen Bruno
1132 gestiftete Cisterzienser-Kloster Schmollen im Altenburgischen
') Oalles p. 111.
'■^) Ebendaselbst lOG— 110.
3) Ebendaselbst 112.
■*) Monach. Pirnens. bei Menken IL 1572. Mantissa bist. com. Leisnic, Men-
ke2i II. 1108.
5) Ritter meissn. Gesch. 238.
«) Calles 116, 117.
^) Calles 118 etc.
347
wegen liäufiger BeiinruliigiiDgen durch die beuachbartcu Sla^Yell
nach Pforta. ') Gottbold starb am 31. August 1140.^)
5. In der bischöfl. Würde zu Meissen folgten nun schnell nach-
einander Reinwart, Propst zu Meissen (| 24. Juli 1146), Berthold
(t 20. Juli 1149) und Albert (fllöl).') Von Reinwart ist nur be-
kannt, dass er mit dem Markgrafen Conrad in Streit wegen eini-
ger bischöflicher Güter bei Budisin gerieth, die dieser an sich ge-
zogen hatte. Diesen Streit schlichtete Kaiser Conrad im J. 1144
durch einen Vergleich zu Merseburg.^) Von Berthold wissen wir
nur den Todestag. Albert starb als Gesandter des Kaisers auf einer
Reise nach Griechenland."'')
6. Allmälig wird es immer lichter in der Geschiebe der Bi-
schöfe Meissens. Dei' 18. derselben und Nachfolger Alberts war
Gerung, ehedem Abt des Benedictinerklosters Bosan. Bekanntals
überaus fromm und verehrungswerth , bestieg er im J. 1154 dem
Wunsche des gesammten Clerus gemäss den bischöflichen Stuhl. '^j Auf
sein und des magdeburger Erzbischofs Wigmanns Am'athen -vollen-
dete 1055 der meissnische Markgraf Conrad das Kloster Lauter-
berg bei Halle,") wo er im nächsten Jahre selbst das Ordens-
kleid nahm und schon nach 2 Monaten daselbst starb. ^) Ebenso er-
baute 1162 Conrads Sohn Otto der Reiche das Cisterzieuserkloster
A 1 1 e n z e 1 1 e und führte daselbst eine Colonie des Klosters Pforta
bei Naumburg ein. Auf dem Grunde des Klosters Altenzelle erhob
sich schon nach 6 Jahren an der Stelle des bisherigen Dorfes
Christiansdorf die neue Bergstadt Freiberg, welche das Kloster so-
fort wieder gegen das Städtchen Rosswein an seinen Stifter Otto
vertauschte.-')
'j Ritter 248, 394 etc.
'} Oalles 119. Maiitissa hist. com. Leisn. Vita Viperti. (Menken L u. III.)
3) Calles 121 — 126.
4) Ritter 250. -
5) Calles 124—126.
^) Cum votivo totiiis cleri assensu. Cliron. Citicense. — Ritter, meissn. G.
p. 213.
') „Mons serenus" Lauterberg, später Petersberg, war ein Prämonstratenser-
stift; daneben bestand ein Stift der Benedictinerinnen S. Johannis bapt.,
das 1218 nach Gerbstadt übertragen wurde. (Monacb. Pirn. 1591.)
8) Fabric. cit. Calles 129.
«) Annales Vcterocell. ed. Menken. Ritter 386 etc.
348
Es wurde schon erwähnt, dass dieses Stift bedeutende Be-
sitzungen in der Nähe von Leitmeritz besass. ')
Derselbe Otto stiftete auch die Propstei Kloster- Au bei
Leissnig als Colonie des Klosters S. Mauritz bei Naumburg.^)
Bischof Gerung erwarb vom böhmischen Könige Wladislaw neuer-
dings die Besitzung Prisnitz (bei Dresden) und erbaute die bi-
schöfliche Burg Mügeln. So lange er lebte, zeigte er sich als vor-
züglichen Wohlthäter des Stiftes Lauterberg : dafür fand er dort
nach seinem Tode (20. November 1170) sein Grab. ^)
7. Ihm folgte ein Regularcanoniker von Lauterberg, Martin, auf
dem bischöfl. Stuhle nach, ein Mann des Friedens, von dem aus-
drücklich gerühmt wird, dass er mit den Fürsten und seiner
Priesterschaft stets in Eintracht lebte.'*) Unter ihm erbaute Mark-
graf Dietrich das Kloster S. Thomas in Leipzig für Piegularca-
noniker (1161), ebenso das Kloster und die Stadt Schiida (bei
Eulenburg), und (1184) noch als Mutterhaus für die Missionen un-
ter den Wenden das Cisterzienserkloster Dobrilug in der Lausitz,
letzteres, aber gemeinschaftlich mit seinem Bruder, dem Markgrafen
Otto.^) Zur selben Zeit entstand auch das Cisterzienser-Kloster
Bucha im Osterland durch den Burggrafen Heinrich v. Leisnig")
und das Frauenkloster Brene bei Halle durch die Grafen Otto
und Friedrich von Brene (1181).') Damals führte auch Graf Dedo
von Rochlitz die Regularcanoniker in sein (1184) neuerbautes Klo-
sterTschille ein.^) Bischof Martin selbst zeigte sich wieder als be-
') Vgl- §. 69.
'■^) Annal. Veterocell. 388 (ed. Menken). — Monach. Pirn. 1457 ebend.
3) Galles 129, 133, 134.
'^) Calles 137.
5) Monach. Piru. ed. Menkeu p. 1461. Hist. com. Leisnic. ed. Menken III.
1028. — Calles 144 n. 145. Dieses Kloster war in der Niederlausitz reich
begütert. 1431 wurde es von den Husiten zerstört, sein Besitz 1540 von
Ferdinand I. säcularisirt. (Grossem III. 37.)
^) Yallis S. Aegidii oder Ilgenthal, Kolonie von Sittichenbach im Mansfeld-
scheu. Thammii chron. Coldic. 678.
7) Annal. Veterocel]. p. 399.
^) Annal. Veterocell. p. 396. Es war eine Colonie von Lauterberg. Später er-
hielt es den Namen Wechselburg. (Petri Albini geneal. Leisnic. ed. Men-
ken ni. 923.)
349
sondern Wohlthäter des Klosters Gottes g na d (Gratia Dei) bei
Magdeburg J) Im Jahre 1179 befand er sich in Rom bei der da-
maligen ökumenischen Synode im Lateran.^) Im Jahre 1188 nahm
er mit Kaiser Friedrich Barbarossa das Kreuz und fand auf dem
Zuge gleich dem Kaiser den Tod (1190).^)
8. Nach ihm wurde der bisherige Propst von Meissen zum
Bischöfe gewählt als Theodorich 11.(1191). Er wird als ein vor-
züglicher Beförderer des Klosters S. Afra in Meissen gerühmt, wo
er eine Erziehungsanstalt für 12 Knaben einrichtete — die ersten
Anfänge der künftigen Fürstenschule. Auf seine Anordnung ward
das Fest des h. Augustinus in der meissner Diöcese alljährlich
feierlich begangen.'^) Er starb am 30. August 1207.^) —
§. 87. Fortsetzung. Bischof Bruno II. und das neue Collegiatstift
zu Budisin.
1. Nach Theodorich II Tode konnte sich das Meissner Ca-
pitel ein ganzes Jahr lang über die Person des Nachfolgers nicht
einigen. Endlich wählte man den bisherigen Propst zu Meissen un-
ter dem Namen Bruno IL Er soll ein Graf von Baruth und
reich begütert gewesen sein.*^) Nächst dem heil. Benno wurde
Bruno II. für unser böhm. Niederland der unvergesslichste Ober-
hirt. Obgleich er im J. 1209 den bischöflichen Stuhl bestieg und
erst 1229 aus dem Leben schied: so schliesst doch erst sein Wir-
ken das Aufsteigen unseres Vaterlandes in die goldene Zeit voll-
ständig ab.
Er stiftete nämlich 1213 aus seinen eigenen Mitteln das Colle-
giatstift B u d i s i n , das schon von da ab unmittelbaren Einfluss auf
die kirchlichen Verhältnisse des böhmischen Niederlandes nahm,
insbesondere aber im Reformations - Zeitalter die Stütze des
katholischen Glaubens in der Lausitz und im nördlichen Böhmen
') Urkunde Calles 144.
2) Calles 141.
3) Fabric. u. Monach. Erford. bei Calles 145.
^) Monach. Oellens. u. Fabric.
5) Calles 150.
^) Leuber, Beschreibung des Schlosses Ortenburg. S, 82.
350
wiirdü imd bis heute selbst das Bistliuiii Meisseii überlebte.
Seit 807 stand bereits die Stadt Budisin, fortan der Hauptort
eines eigenen Gaues, der frühzeitig an Böhmen gedieht) Dort stand
nun seit alten Zeiten schon die alte S. Petersldrche als Haupt-
kirche der Umgegend, noch berühmter in letzter Zeit durch den
Arm des h. Petrus, den der böhmische König Premysl vom Papste
als Geschenk erhalten und hieher verehrt hatte.
Bruno stiftete bei dieser Kirche einen Propst, als welcher
immer ein Canonicus von Meissen fungiren sollte, einen Domde-
chant^) und anfänglich 5, später aber 12 Canoniker. Der Propst
sollte zugleich das Archidiakonat über die gesammte nachmalige
Oberlausitz verwalten, und in dieser Würde im Namen des Bi-
schofs die Geistlichen seines Sprengeis confirmiren und kirchliche
Streitigkeiten entscheiden.^) Bischof Bruno Hess auch die mit weiten
Kirchhofmauern umgebene alte Peterskirche abbrechen itnd im J.
1215 den jetzigen grossen Petersdom erbauen.
Von da ab unterstanden dem Dompropste zunächst einige
Pfarreien der Umgegend unmittelbar,*) im Uebrigen aber die De-
canate Budisin, Bischofswerda, Kamentz, Löbau, Görlitz, Sorau,
Stolpen, Lauban, Keichenbach, Seidenberg und Hohenstein-Sebnitz.
Das Decanat Budisin unterstand wieder unmittelbar dem Domde-
chant in Budisin: hieher gehörten die nachmals böhmischen Pfarr-
orte Hainspach, Zeidler und Schirgiswalde.^)
Das Dekanat Hohenstein-Sebnitz erstreckte sich ebenso über
die nachmals böhmischen Orte Schluckenau, Nixdorf (Nikelsdorf),
') Vgl. §. 11.
'■^) Als solche werden genannt: 1221 Hermann, 1226 Hugo, 1281 Gottfried,
1314 Theodorich, 1317 Friedrich, 1343 Heinrich, 1348 Nikolaus, 1375 Ru-
dolf, 1399 Johann, 1400 Johann v. Kittlitz, 1402 Otto, 1410 Heinrich von
Freiberg, 1426 Ernst, 1434 Franz Münzmeister, 1434 Peter aus Koliu,
1440 Georg von Planitz, 1456 Dr. Johann Schwofheim, 1465 Joh. Pfoel,
1500 Christoph Pfoel. Die übrigen worden später genannt werden.
3) Sintenis Oberlausitz S. 54 u. 55.
'^) Gedau, Muskau, Baruth, Neschwitz, Sohr, Gausig, Laske, Gablentz und
Schleif. (Matric. jurisd. episc. Misn. M. S. von 1346 im budisiner Archive.)
^) Ausser diesen noch Gutta, Hochkirch , Steinichtwolframsdorf (Wolmsdorf)
Taubenheim, Ratibor, Postewitz, Kunewalde, Klüx, Wilten , Neukirch,
Milekal, Kottwitz, Soland und Gröditz. (Matric. episc. Misn. von 1346.)
In einem anderen Verzeichnisse werden Hainspach und Zeidler zum De-
kanate Sebnitz gerechnet.
851
Lobendaii und Schöiiaii. 'j Zum Dekanate Löbau gehörte im jetzi-
gen Böhmen Georgswalde. ~) Das Dekanat Seidenberg umschloss die
jetzt böhmischen Pfarr- Ortschaften: Friedland, Wiese, Schönwald,
Lusdorf (Ludwigsdorf), Raspenau, Ullersdorf (TJllrichsdorfj, Arnsdorf,
Berzdorf (Berthelsdorf) mit der Filiale Bullnedorf, Kunersdorf
(Conradsdorf), Hennersdorf ( Heinrichsdorf) , Bullendorf, Bernsdorf,
und die alten Altaristenstationen Heindorf und Ringenhain.'"')
Im J. 1217 kaufte Bischof Bruno an der Gränze Böhmens
auch noch das Schloss Stolpen, das von da ab häufig die Residenz
seiner Nachfolger wurde.*) Es ist begreiflich, das letzteres nicht
ohne alle Rückwirkung auf die Nachbarschaft bleiben konnte.
Im J. 1218 zogen die Franzis caner-Brüder in Budisin ein
und erbauten sich daselbst ein Kloster, dessen Ueberreste heute
noch übrig sind.^) Auch von hier aus musste das kirchliche Leben
der Nachbarschaft Avohlthätig angeregt werden.
Bruno selbst ward überdiess ein grosser Wohlthäter des Klo-
sters Dobrilug.") Zu seiner Zeit erbaute Adela, Tochter des Mark-
grafen Otto, das Kloster Wasserburg") in Meissen.
Denkwürdig bleibt auch ein Vertrag, den dieser Bischof mit
König PfemysI von Böhmen abschloss, durch welchen die Gränzen
zwischen den Gauen Budisin und Zagost, beziehungs\Yeise den
Besitzungen des Königs von Böhmen und des Bischofs von Meissen,
festgestellt wurden. Im Jahre 1241 wurde derselbe vom Könige
Wenzel zu Königstein erneuert.^) Aus demselben geht hervor, dass
damals schon deutsche Orte längs der Gränze bestanden neben
1) Ausser diesen noch Höllenstein, Sebnitz, Lichtenliaiu (auch Lichtenau ge-
genannt), Neustadt, Olbersdorf, Schandau. (In Schlucken au bestanden
schon 1346 3 Altaristen, welche täglich die Hören zu Ehren der h. Mutter
Gottes zu singen hatten, und dafür ein jeder Vs Mark Einkommen hatten.)
^) Ausserdem Kotmarsdorf, Lawalde, Kittlitz, Hermannsdorf, Berthelsdorf,
Strahwalde, Ebersbach, Spremberg, Oppach, Schönbach und Hennersdorf.
•'') Ausserdem noch Seidenberg, Friedeberg, Wiese bei Greifenberg, Schwed,
Maffersdorf, Gerlachsheim, Wigandtsdorf, Kupra, Rengersdorf.
4) Monach. Pirn. ed. Menken H. 1583.
5) Sintenis Oberlausitz.
«) Calles 161.
7) Ebend. 154.
^) Siehe Beilagen und Erben reg. p. 482.
352
der überwiegenden Mehrheit slawischer Orts-, Fhiss- und Berg-
namen. Genannt werden: Neukirch, Radolphsseifen und „locus ad
Sebenizam ubi antiquitus mansit heremita". d. i. das heutige Ein-
siedeln bei Sebnitz ; ferner Güntersdorf bei Budisin, Eisenberg, Fisch-
bach, Frankenthal u. a. m. Da diese Urkunde etliche Pfarrorte
von 1345, die gerade an der Gränze liegen nmssten, wie Lobendau,
Hainspach , Georgswalde, noch nicht erwähnt, so scheinen diese
letzteren erst im weitern Verlaufe des 13. Jahrhunderts entstanden
zu sein.
Der so hochverdiente Bischof Bruno IL starb am 4. Dezem-
ber 1229.') . .
§. 88. Die kirchlichen Verhältnisse des Egerlandes bis ans Ende
des 12. Jahrhunderts.
1. Bei der Errichtung des Prager Bisthums (973) verblieb das
heutige Eg erfand'"^) bei der Regensburger Diöcese, gewiss aus
keinem anderen Grunde, als weil es eben nicht zu Böhmen gehörte.
Wurden doch selbst die entlegensten Gebiete, welche damals unter
der Herrschaft des böhmischen Herzogs standen — die heutige
Slowakei , Kleinpolen — in die Umgränzungsurkunde des neuen
Bisthums aufgenommen: warum hätte das Egerland gerade allein
eine Ausnahme machen sollen, die noch obendrein ganz unerwähnt
blieb ?^) In der That gehörte es seit langem schon zum bairischen
') Calles 163.
'■^) Gegenwärtig macht es mit Inbegriff" des ursprünglich egerländischen Ge-
biets von Asch das Vicariat Eger aus — mit den Seelsorgsorten: Eger,
Frauenreut, Haslau, Kinsberg, Klinghart, Liebenstein, Lohma, Mühlbach,
Nebanitz , Niklasberg (dem kath. Theil von Asch), Palitz, Trebendorfv
Treunitz, Wies, Wildstein. Im Umkreise desselben liegen die protestan-
tischen Pfarreien: Asch, Rossbach, Fleissen. Bis vor Kurzem gehörten
auch die jetzt bairischen Stationen Albenreut und Ottengrün hieher.
3} Vgl. Cosmas und die Urkunde im Anhange. Palacky sagt (I. 95.) ohne
weitere Gründe, dass das Gebiet von Eger, Wunsiedel u. s. w. bis ins
11. Jahrhundert bei Böhmen verblieb. Ebenso Safarik (slaw. Alterth. II.
426). Im II. Bande S. 6 sagt Palacky dagegen: „Das Gebiet von Eger
scheine schon im 10. Jahrhundert von Böhmen getrennt gewesen zu sein."
Im I. Bande S. 229 sagt er ausdrücklich: „Die prager Diöcese erstreckte
sich bei ihrer Gründung über alle die weiten Ländergebiete, die Boleslaw IL
353
Nordgau und insbesondere zu jenem Gränzgebiete, welches als Mark
im Nordgau oder böhm. Nordmark unter der Verwaltung
eigener Markgrafen stand.') Von dieser Nordmark (marca norica)
hiessen die Egcrländer im lateinischen Kanzleistyl selbst noch zu
Anfang des laufenden Jahrhunderts Norici Egrenses.^) Zur Zeit der
Errichtung des Prager Bisthums treffen wir bereits erbliche Mark-
grafen in der böhmischen Nordmark, — zunächst aus dem Hause
der Babenberger^) und weiterhin aus dem Geschlechte der Grafen
von Vohburg.*) Letztere namentlich nennt die dankbare üeberlie-
ferung als vorzügliche Förderer des Egerlandes, welches unter
ihnen zu einem besonderen Gau (pagus Egire, regio und pro-
vincia Egrensis) erblühte,^) und in dieser Eigenschaft nebst dem
heutigen Egeriande und dem Ascher Gebiete auch noch die bai-
beherrschte;''— und S. 227: „Für Kenner des Alterthums ist die Bemer-
kung überflüssig, dass diese Gränzen der Kirche auch die des Staates
waren."
') Eine Marca Vinidorum erwähnt schon der fränkische Chronist Fredegar
(um 658), und selbst §afaHk (slaw. Alterthümer IL 437, Note 2) versetzt
diese in die Gegend von Eger, Wunsiedel, Tirschenreut, Bernau. Weiter-
hin werden genannt: Audulf, Graf der böhmischen Mark, 799 (vgl
Dümmler, Marken des ostfränk. Reichs), Ernst, . Markgraf im Nordgau, 840
und 848. (Damberger III. 248, 269.) Die Mark im Nordgau wurde im J
976 neu gegründet für Graf Berthold von Babenberg (Giesebrecht Gesch.
der deutschen Kaiserzeit I. 547), nachdem sie vorher eine Zeit lang mit
dem bairischen Herzogthume verschmolzen war. (Vgl. ebendas. 1. 170, 251.)
*) Ganz irrig ist die Ableitung Anderer von der alten römischen Provinz
Noricum, die sicher niemals bis in diese Gegend reichte, — oder von dem
sehr fraglichen Volke der Narisci, das wenigstens seit c. 400 aus dieser
Gegend verschwunden sein müsste.
•'') Genannt werden Berthold , der Bruder des österreichischen Markgrafen
Leopold (966—982), sein Sohn Heinrich oder Hezilo, zugleich ostfränkischer
Markgraf (f 1017), Hermann, Otto, genannt der Markgraf von Schwein-
furt (1048—1057). Vgl. Damberger V. 194, 339, 305; — V. 265, 310, 570»
819; — V. 775; VI. 342, 518.
^) Die Erbtochter Otto's von S chweinfurt (Beatrix) soll 1057 ihrem Gemahl
Heinrich von Vohburg die Allode im Nordgau bis Eger und Culmbach u.
zugleich die Markgrafenwürde zugebracht haben. (Lang : Baierns alte
Grafschaften S. 194. Damberger VL 518.)
5) Erben reg. 54, 100, 281. Hagen, Archiv für Gesch. und Alterthumskunde
Ostfranken YI./I. S. 2. Ried codex diplom. Ratisbonensis 156, 258.
23
354
risclien Landgerichte von Selb, Kirch eiilamitz, Wuiisiedel, Wakl-
sassen, den östlichen Theil des Landgerichts Berneck, den grössten
Theil des Landgerichts Tirschenreiit und noch üherdiess jene säch-
sischen Ortschaften umfasste, die dermalen eine Landzunge zwi-
schen Asch und Schönbach bilden.')
Im J. 1149 eheligte die Erbin von Eger (Gräfin von Cheb
oder Eger genannt) Adelhaid von Vohbiirg den Hohenstaufen Frie-
drich, der alsbald (1152) als Friedrich I. Barbarossa den deutschen
Kaiserthron bestieg.^) Zwar trennte sich Friedrich bereits im J.
1153 von dieser seiner Gemahlin,^) jedoch nicht, ohne zuvor einen
Theil ihrer Erbgüter käuflich erworben zu haben.*) Damals gedieh
wohl auch das Egerland an die Familie der Hohenstaufen, denn
schon seit 1163 erscheint des Kaisers Vetter, Friedrich von Schwa-
ben (der s. g. Herzog von Rothenburg) durch kaiserliche Belehnung
als Herr in der alten Nordmark ; Eger, Weissenburg und Wilzburg
galten hier als die Gränzen seines Gebietes.^)
Bei dem Sturze der Weifen endlich (1180) ward es überdiess
als unmittelbares Hei chsland erklärt")
2. Die alte Burg Eger war wohl ein karolingischer Bau, auf-
geführt zum Schutze gegen die cechischen Nachbarn ; diess bezeugt
') Hagen, Archiv VI./I. S. 5. — Noch bis 1500 hiessen die Ortschaften des
bezeichneten Gebietes ,,im Egerlande." Die Gegenden von Asch, Selb,
Schönberg-, Brambach kamen von 1232 an durch Pfandschaft und Kauf an
die Vögte von Plauen; die Gebiete von Hochberg, Wunsiedel, Rudolph-
stein, Epprechtstein, Thierstein, Arzberg wurden von 1282 bis 1414 in
gleicher Weise von den nürnberger Burggrafen erworben. Andere Strecken
kamen schon seit 1135 an die Klöster Waldsassen und Reichenbach. (Vgl.
Scherber baireuth. Vaterlandsgeschichte I. 36—189. Brenner Gesch. des
Kl. Waldsachsen, Lang bairische Jahrbücher, Pröckl Eger und das Eger-
land.)
^) Lang alte Grafsch. und Gebiete Baierns S. 200. Damberger VHL 537,
Buchner Gesch. Baierns 190 u. a. 0.
-3) Vgl. Damb. VET. 537. cit. Sigbert. Gemblac.
'*) Im Jahre 1212 schenkt Friedrich H. an K. Ottokar die Besitzung Floss bei
Weiden (einst vohburgisch), „prout avus noster Fridericus emit a Domina
Adlaida comitissa de Clewen." (Erben regest. 248.) Offenbar steht
irrig Clewen für Chewen. .
^} Vgl. Damberger VIH. 884 etc. Lang, Baierns Gaue 16, 87.
'') Vgl. Gemeiner, regensburger Chronik 271. Vordem unterstanden die Mark-
grafen den Herzogen von Baiern.
355
die franko -romanische Bauart des noch erhaltenen ;, schwarzen
Thurmes." ')
Wahrscheinlich bestand schon damals in nächster Nähe ein
slawischer Ort, von der Windung des Egerflusses Cheb genannt,
welcher Name nachher auch der slawische Name der Burg und
des sich erweiternden Burgfleckens "svurde. Die Burg selbst war
als fränkischer Waffenplatz unstreitig von allem Anfang an christ-
lich und übernahm die Mission, auch den Burgflecken und den
weiteren Umkreis dem Christenthume zuzuführen. . Als das neue
Bisthum Bamberg ins Leben trat (1006), muss wohl diese Mission
zum Theile schon vollbracht gewesen sein; denn eine noch völlig
unbekehrte Gegend hätte man damals unzweifelhaft der näher
gelegenen neuen Stiftung zugewiesen, deren Bestimmung es war,
„das noch übrige Heidenthum der Slawen (in regione Slavorum) zu
zerstören und den christlichen Namen unter ihnen zu Ehren zu
bringen/^^) Uebrigens liegt es nahe, dass das fromme Geschlecht
der Voliburger, das selbst die grossen Abteien der Benedictiner
zu Reichenbach (1118) und der Cisterzienser in nächster Nähe von
Eger zu Waldsassen (c. 1132) stiftete,'*) auch redlich das Ihre thaten,
') Vgl, Grueber, in den Mittlieilvingen des Vereins für Gesch. der Deutschen
4. Heft. Fast übereinstimmend setzen Limnaeus und AVurfbein die
Gründung Egers c, 915. Sicher erstreckten sich die Burgbauten der säch-
sischen Kaiser nur über Sachsen und Thüringen. Noch später aber ist
Eger gewiss nicht erbaut worden, da es 1061 bereits als ansehnliche Stadt
erwähnt wird. (Urkunde Erben reg. 54.)
-} Ussermann episc. Bamberg, annal. p. 13. cit. in Hagen's Archiv für Gesch.
und Alterthumskunde in Oberfranken V./3. S. 67,
3) Der Gründer beider war Diepold IV. von Vohburg, der Vater der ge-
nannten Gräfin Adelhaid.
Stammtafel der Vohburger:
Arniilpit I.
t 970. Enkel Herzogs Arnulph von Baiern.
Bei'thold,
c. 1010, der erste Markgraf von Vohburg.
Arnulph, Poppo,
c. 1027, mit Adelhaid v. Am- Pfalzgraf zu Rotenburg.
merthal.
BerthoM II. Heinrich, Arnulph,
t c. 1037, mit Beatrix Abt v. S. Emraeram,
von Schweinfurt. f 1050.
23*
356
um in ihrem Gebiete und zumal in ihrer Burg Eger das Christenthum
zur Blüthe zu bringen. Seit der Gründung der genannten Klöster
von denen Waldsassen sogar in Mitten des Egerlandes sich erhob,
musste diess um so sicherer gelingen, da beide Stifter die an-
sehnlichsten Besitzungen im Umkreise dieses Gebietes erhielten/)
mid nun ihre Bemühungen mit dem Eifer der Markgrafen ver-
einten. Das beliebteste Mittel war die Ansiedlung deutscher Co-
Otto I.,
t c. 1075.
Diepold I., Arnulph, Hermann, Heinrich.
Dlepold II.
mit Mathilde.
Diepold III.
mit Luitgard von Villingen.
Diepold IV.
mit Adelhaid von Baiern, f c. 1147.
Bei'thold HI.
Dlepold V.
Adelhaid
RIchsa,
c. 1190.
t c. 1224.
mit Friedr. I.
angeblich
mit
"VVladi-
slaw I.
von
Böhmen.
Sophie. Judith.
Berthold IV.
fc. 1209.
(Nach Angaben Aventin's, Damberger's und Lang's.)
') Reichenbach erhielt vom Stifter die Orte Diepoltsreut , Frauenreut und
Chunreut „in regione Egire" (Erben reg. 100). Die Besitzungen V^ald-
sassens im heutigen Egerlande wurden schon §. 73 erwähnt. Im bairischen
Theile des alten Egergaues kamen eine Menge Ortschaften hinzu, welche
folgende Gerichte bildeten: Waldsassen, Tirschenreut , Mitterteich, Fal-
kenberg, Waltershof, Neuhaus (am Berge), Konnersreut, Wisau, Beidl,
Wondreb, Poppenreut, Mähring, Liebenstein, Schönficht, Hardek. In der
Stadt Eger selbst besass Waldsassen ein Prälatenhaus (Steinhaus), zu
dessen Gerichtsbarkeit die Besitzungen in Eger (unter dem Schlosse) und
im Egerlande gehörten. (Brenner Gesch. des Kl. Waldsassen 259 etc.,
Pröckl Eger und Egerland 11. 354.) Das Steinhaus im Eger wird schon c.
1201 von König Philipp als Freisitz privilegirt. Erben reg. p. 265.
357
lonisten, ') wodurch zugleich das slavische Element der alten
Regio Slavorum immer mehr in Abnahme kam. Letzteres und
zugleich ein Kest des alten Heidenthiims erhielten sich wohl am
längsten im tieferen Fichtelgehirge , erlagen aber endlich den
Bemühungen der benachbarten Vögte von Plauen, von denen Hein-
rich der Aeltere 1232 vom Kaiser Friedrich IL die Gerichte
von Asch und Selb erhielt, und zwar aus dem ausdrücklichen
Grunde, weil er mit Gefahr von Gut und Blut im eigenen Ge-
biete und an den Gränzen der Regensburger Diöcese dem Heiden-
thume ein Ende gemacht hatte. ^)
3. In der Egerer Burg befand sich gewiss vom ersten An-
fange an die erste christliche Capelle des Egerlandes. In dieser
urkundete noch 1213 der Kaiser Friedrich 11.*^) Nachdem im J.
1295 die alten Burggebäude ziemlich verfallen waren, wurde auch
die Capelle neu erbaut und erst um 1470 vollendet.'^) Diese
Capelle war dem regensburger Diöcesanpatrone S. Erhard geweiht.^)
Im Burgflecken, der sich schon bis 1061 zur ansehnlichen
Stadt erweiterte, ist ebenfalls schon früh, muthmasslich sogar schon
^) Diess zeigen die vielen Ortschaften des Beinamens Reut meist mit Vor-
setzung des Namens der Gründer; ausser obigen die waldsassischen Orte:
Albenreut, Münchenreut, Pechtnersreut, Mannersreut, Zirkenreut, Werners-
reut, Matzersreut, Hatzenreut, Pfaffenreut, Metzlersreut, Iglersreut, Ham-
mersreut, Pilmersreut, Seidlersreut, üttenreut, Streissenreut, Rodenzenreut,
Wolfenreut, Walbenreut, Bernreut, üeberdies die Orte auf Hof, Brühl,
Teich , Berg, Bach u. s. w. Als slawische Orte erscheinen hier; Bernau,
(Brno), Mugl, Wondreb, Myla, Lamitz, Oschewitz, Redwitz u. a.
~) Urkunde Erben reg. 368. Vgl. Scherber baireuth. Vaterlandsgeschichte I. 36.
3) Urkunde Bzovii annal. eccl. n. 3. u. a. Pröckl 11. 78.
4j Pröckl II. 78, 79.
^) Ob auch die frühere Capelle diesen Titel hatte, ist nicht zu erweisen,
zumal die Heiligsprechung des S. Erdhard erst 1051 geschah, Dies
schliesst allerdings seine frühere Verehrung in der Diöcese nicht aus.
Der ältere Diöcesanpatron war S. E mm er am, Regionarbischof und Mar-
tyr zu Regensburg c. 650. Es ist sehr beachtenswerth, dass ein uraltes
Prager Homilienbuch (wahrscheinlich des Bischofs Hermann, f 1122) auch
das Fest des h. Emmeram als des grossen Patrons von Böhmen ent-
hält, während erweislich ein Fe st der h. h. Cyrill und Methud selbst in
Mähi'en erst im J. 1380 durch Bischof Johann IX. eingeführt wurde. (Dr.
Ferdinand Hecht in Prag wird das interessante Homilienbuch veröffent-
lichen.)
358
im 10. Jahiiiuiiclerle eine christliche Kirche erbaut gewesen. ')
Ohne Zweifel war diess die ehemalige S. Johanneskirche in Mitten
des jetzigen Johannesplatzes.^)^ Selbst einer Schule wird schon um
das J. 1000 gedacht.^) Um 1149 hatte sich die Stadt derart ver-
grössert, dass man ein neues Eathhaus bereits auf dem jetzigen
ausserhalb der alten Stadt gelegenen Ringplatze erbaute.*) Auch
eine neue grössere Stadtkirche wurde nicht viel später zu Ehren
des h. Nicolaus erbaut/) diese ohne Zweifel von den damaligen
Besitzern der Stadt und des Patronats — den Hohenstaufen.
Die Seelsorge in Eger und der Umgegend wurde bis zum J.
1258 von Weltpriestern der regensburger Diöcese verwaltet. Erst
im April des erwähnten Jahres verlieh der letzte hohenstauf'sche
Besitzer,^) der unglückliche Conradin von Schw^aben,^) unter aus-
drücklicher Zustimmung seiner Mutter Elisabeth und seines Vor-
munds Ludwig von Baiern ,, das ihm eigenthümlich zustehende
Patronat über die Kirche in Eger dem deutscheh Orden"/) der
') Hagen Archiv V, Oberfranken V./3 S. 76. sagt: Im bisch. Archiv, zu Regens-
burg finden sich Spuren, dass bereits im 10. Jahrhunderte zu Mühlbach
eine Kirche gewesen ist. Auch Eger wird schon in diesem Jahrliundert
eine Kirche gehabt haben.
') Die Egerer Chronik des K. Hus setzt deren Einweihung schon auf 840^
und den Anfang der Erbauung auf 731. (Pröckl II. 112.)
^) Nach den Egerer Chroniken brannte im J. 1000 die Gasse „hinter den
Schulen" nieder.
4) Pröckl II. 90.
^) Prof. Grueber {Mittheil. d. k. k. Centralanstalt zur Erhaltung der Baudenk-
male, 1857) setzt das Alter der vom Brande des J. 1270 übrig gebliebenen
Thürme der jetzigen Dekanalkirche auf das Jahr 1230. Die abgebrannte
Kirche selbst war unzweifelhaft etwas älter.
") Die hohenstaufischenBesitzer von Eger waren nach vorhandenen Urkunden :
Friedrich Barbarossa (c. 1150—1163), sein Vetter Conrad von Rothenburg
(1163—1167), abermals Friedrich Barbarossa (1167 — 1184), sein dritter
Sohn Conrad (1184 — 1197), K. Philipp (1197 — 1208), K. Friedrich IL
(1208 — 1223 resp. bis 1250), seine Söhne K. Heinrich (1223 — 1234), und
K. Conrad IV. (1234—1254), endlich Couradin (1254—1268). Alle diese
Hohenstaufen residirten und urkundeten oft „in ihrer Stadt E g e r."
Da sie mit Ausnahme dreier auch deutsche Könige waren, so wurde Eger
durch sie damals schon factisch reichsunmittelbar, sowie es auch von ihnen
die meisten Privilegien reichsunmittelbarer Städte erhielt.
') Conradin starb 1268 zu Neapel auf dem Blutgerüste.
^j Urkunde dd. Dachove (bei München) April 1258. So behebt sich die bis-
359
fortan bis zur Kirclienspaltuug des 16. Jahrliimderts alle Pfründen
des heutigen Egerlandes zu besetzen hatte. ')
An der Spitze des Cierus in Eger erscheint im J. 1232 ein
Propst zu Eger (Conradus capellanus ecclesiae nostrae (Hen-
rici regis), praepositus in Egra). Derselbe war als königlicher Hof-
caplan und Gesandter^) um so gewisser ein Weltpriester ansehn-
lichsten Ranges, als die Stadt Eger damals noch gar kein Kloster
besass und auch das waldsassener Steinhaus (Prälatenhaus) erst
im J. 1339 eine Capelle erhielt.'') Da es aber in jener Zeit nur
Pröpste von Klosterfilialen und von Collegiat- oder Domcapiteln
gah, so führt diess zu der nothwendigen Annahme, dass Eger im
J. 1232 ein Collegiatstift besessen habe. Entweder hatten also die
Geistlichen zu Eger seit Langem schon ohne besondere Stiftung als
Capitularen nach der Ptegel des h. Chrodegang gelebt, oder aber —
und diess ist das Wahrscheinlichere — hatten die Hohenstaufen,
welche erwiesener Massen die neue S. Nicolauskirche um das J.
1230 erbauten,'*) gleich andern ^ hohen Geschlechtern als Familien-
stiftung bei der neuen Kirche ein Collegiatcapitel erst gegründet,
welches jedoch schon im J. 1258, muthmasslich wegen der Unfälle
des hohenstaufischen Hauses noch unvollendet, dem deutschen Or-
den weichen musste, dem Conradin nunmehr das Patronat der neuen
Kirche übergab.^)
herige Meinung, der Brand Egers im J. 1270 habe das Patronat an den
deutschen Orden gebracht, da die Commune selbst nicht im Stande gewe-
sen sei, den Neubau der Kirche zu bestreiten.
') Die Comthurei in Eger besetzte nebst der Stadtkirche und den städtischen
Filialen die Pfründen: Asch, Arzberg, Albenreut, Frauenreut, Haslau,
Kinsberg (erst im späterer Zeit), Schönberg, Scliönbach, Mühlbach, Wild-
stein, und die Landfilialen Mühlessen, Nebauitz, Lohma, Treunitz und
Trebendorf, (Pröckl IL 103 cit. Acten des deutschen Hauses in Eger.)
Urkunde Erben regesta 371. dd. 29. Juni 1282 apud Egram.
*) Zugleich mit dem königl. Kämmerer Heinrich von Nürnberg sollte er ein
Bündniss mit Ludwig VH. von Frankreich im Namen des Königs beschwören.
3) Vgl. diesfalls Pröckl H. 88.
'^) Dies beweist die Vergleichung des Jahres der Erbauung, mit urkundlicher
Vergebung des Patronats im J. 1258.
5) Vgl. die oben citirte Urkunde von 1258. Nähere Nachrichten fehlen. Im
J. 1270 ist die Stadt Eger mit allen ihren Urkunden ein Opfer der
Flammen geworden.
360
Die Aufsicht über den Clerus des grossen Egerer Dekanats,
welches sich ausser dem jetzigen Egerer Vicariate und einigen
anstossenden sächsischen Orten bis über Redwitz und Bernau im
heutigen Baiern erstreckte, führte ein durch das Vertrauen des
Regensburger Bischofs aus der Reihe der Seelsorger erwählter
Dekan.
In der Regensburger Matrikel von 1433 werden folgende
Pfründen des Egerer Dekanats aufgeführt : Albenreut, Asch, Bernau,
Beydel, Egra, Frauenreut, Griespach, Haslach, Hohenthan, Klinkhart,
Müllpach, Münchsreut, Radwitz, Schampach (Schönbach), Schwar-
zenpach, Stain, Tursenreut, Wildstein und Wundreb.^)
§. 89. Die geistlichen Oberhirten der Egerlandes bis ans Ende des
12. Jahrhunderts.
Da das Egerland auch nach der Errichtung des prager Bis-
thums bei Regensburg verblieb: so haben wir auch der dortigen
Bischöfe zu gedenken, deren oberhirtliche Sorgfallt sich noch fer-
nerhin auf einen Theil des jetzigen Böhmenlandes erstreckte.
1. Der heilige Wolfgang war am 31. October 994 auf einer
Reise zu Puppingen in Oestereich in den Armen seines liebsten
Zöglings Tagino, Propstes der s. g. alten Capelle zu Regensburg,
verschieden. Eben diesen hatte er dem Domcapitel dringend als
Nachfolger empfohlen.^) Doch Tagino war dem Könige Otto II. minder
genehm, vielleicht eben desshalb, weil er ein Günstling des miss-
liebigen Herzogs Heinrich des Zänkers war, und zugleich Erzieher
des Sohnes desselben, des nachmaligen Kaisers Heinrich IL'"') Dafür
erhielt nun Gebhard I., ein Vetter des Herzog Hermann IL von
Alemannien, die bischöfliche Infel von Regensburg.^) Dagegen bestieg
') Ried, Matrikel des Bisth. Regensburg y. 1433. Das 2. Dekanat des Egergaus
war damals Wunsiedl mit den Pfarreien : Arzberg, Bischofsgrün, Kirchen-
lamitzj Landwüst, Leuthen, Neukirchen, Röslau, Schirnding, Schönberg,
Selb, Thiersheim, Weissenstadt und Wunsiedel. Diese Dechantei wurde
1528 durch die Einführung des Lutherthums von Regensburg losgerissen.
^) Damberger V. 454.
•^) Gemeiner, regensb. Chronik" 139. Vgl. Damberger V. 595 u, Giesebrecht
Gesch. der Kaiserzeit I. 581.
*) Damberger V. Stammtafel des fränkisch-salischen Hauses. Gemeiner nennt
ihn einen Grafen von Hohenwart.
361
Tagiiio einige Jahre später durch die Gunst seines Zöglings Hein-
rich IL den ef-zbischöflichen Stuhl von Magdeburg.')
Unter Gebhard I. war die goldene Zeit Regensburgs. Der h.
König Heinrich erwählte diese Stadt zu seinem gewöhnlichen Sitze,
wie er auch schon als Herzog dort residirt hatte. Soviel er auch
sonst für die Kirche Deutschlands wirkte : so vergass er doch am
wenigsten seiner Lieblingsstadt und des dahin gehörigen bischöfli-
chen Sprengeis. Viele Klöster und Bischöfe erhielten von ihm Hof-
stätten in der geliebten Residenz.") Andere geistliche Institute
wurden von ihm neu gegründet und noch andere reicher dotirt.
Endlich vereinigten sich König und Bischof, Gelehrte und Künstler
in ihre immer mehr aufblühende Stadt zu ziehen und das geistige
Leben daselbst in jeder Weise zu heben, so dass man Regensburg
in jenen Tagen das deutsche Athen nannte.^)
Am meisten interessirt uns der Anfang des Einsiedlerklosters
Rinchnach*) im böhmischen Nordwalde — unfern vom jetzigen
bairischen Orte Zwiesel. Sein Gründer war der für Böhmen so
merkwürdige heilige Einsiedler Günther. Ein thüringischer Edler
und mit dem Kaiserhause nahe verwandt,^) berühmt als einer der
besten Heerführer jener Zeit, wollte dieser bereits fünfzigjährige
Mann") den Rest seiner Tage und sein reiches Erbgut dazu ver-
wenden, um in dem Von allen Reisenden damals so sehr gefürch-
teten Böhmerwalde ein Klösterlein sammt Hospital gleich dem auf
S. Bernhard zu gründen. Er zog zu diesem Ende vorerst nach
Rom, um sich dort den Segen des heiligen Vaters zu seinem from-
men Werke zu holen. Im J. 1008 kehrte er zurück und vertauschte
im Kloster Nieder-Alteich seinen Waffenschmuck mit dem Gewände
eines Laienbruders des Benedictinerordens. Darauf zog er in die
von ihm auserwählte Wildniss und baute dort für sich und drei
') Damberger V. 595. Gemeiner 143.
3) Vgl. Geraeiner 146.
3j Vgl. Damberger V. 665. Gemeiner 137. Vgl. ebentl. schon des h. Wolf-
gang epist. ad Eeginwardum abbatem.
^) Dies war der Name des Baches, an welchem die geistliche Colonie sich
ansiedelte. (Vgl. Erben reg. p. 39.)
^) Kaiser Heinrich IL heisst ihn stest seinen „famüiaris".
«j Damberger V. 228.
362
andere Büsser zunächst drei Zellen und em Kirchlein, das sein
Freund, der Bischof Berengar von Passau, im J. 1019 zu Ehren
des h. Johannes des Täufers einweihte.') Von nun an ward das
bescheidene Klösterlein eine Pflanzschule von eifrigen Missionären
für Böhmen und Ungarn und eine sichere Zuflucht der bedrängten
Reisenden. Nachmals sollte Günther daselbst auch auf den Lauf
der politischen Ereignisse einen wichtigen Einfluss nehmen.^)
Doch die Zeit Gebhards I. sah auch bewegte Tage, welche
namentlich auch für den Egergau von grosser Bedeutung sein
mussten. Der Markgraf der bairischen und fränkischen Nordmarken
stand im J. 1003 im Bunde mit Boleslaw Chrobry, dem Ero-
berer Böhmens und mit andern Unzufriedenen des Reiches, um
für sich selbst das Herzogthum Baiern zu ertrotzen. Da erstürmte
der König seine festen Burgen. Kronach am Fichtelgebirge setzte
dann der Markgraf nach vergeblicher Gegenwehr selbst in Brand
und floh nach Böhmen. Als im J. 1004 auch hier die Gegner
des deutschen Königs unterlagen und Herzog Jaromir den Fürsten-
stuhl bestieg : da unterwarf sich endlich der Markgraf und gelangte
nach kurzer Haft wieder zu Gnaden und zur Wiedereinsetzung in
seine Besitzungen. Herzog von Baiern aber ward des Königs Schwa-
ger Siegfried von Luxenburg.'^)
Im J. 1012 wurde der neue Dom zu Bamberg geweiht, nach-
dem das gleichnamige Bisthum bereits im J. 1006 von dem hei-
ligen Königspaare (S. Heinrich und S. Kunigund) — zumeist zur
Bekehrung der noch übrigen Heiden im alten Slawenlande — ge-
stiftet worden war.'^j Bei dieser Gelegenheit gab es für unsern
Bischof Gebhard eine unerfreuliche Scene. Nicht als ob er sich gleich
dem Bischöfe von Würzburg geweigert hätte, die auch seiner Di-
öcese abträgliche Stiftung anzuerkennen , vielmehr gab es auf der
damals abgehaltenen Synode so manche Klage von Laien und Mön-
') Urkunde Erben reg.
-) Damberger V. Bd. 228.
3j Giesebrecht IL 32- 37, 41—42, Palacky I. 257—261, Gemeiner 147 etc.
Man meint irrtliümlicli, dass damals das Egerland definitiv von Böhmen
getrennt Avurde. Giesebrecht II. 49. Palacky I. 262 Vgl. mit I. 95 und
iafai-ik slaw. Alterth. II. 426. Siehe §. 89.
4j S. §. 89. 2.
363
clien, insbesondere vom Kloster S. Emmeram über das schwere
Joch, das er ihnen auferlege/) Einerseits war es wohl die Be-
günstigung fremder Gelehrten und Künstler, die vielfach verletzte :
anderseits wieder gab es Streit uiri die Besitzungen des Klosters
S. Emmeram, das vordem den Bischöfen gehört und erst vom heil.
Wolfgang einen eigenen Abt erhalten hatte.
Erst im J. 1021 ward da völliger Friede, indem eine förm-
liche Ausscheidung der Klostergüter erfolgte .und die kaiserliche
Bestätigung gewann.^) Bischof Gebhard I. starb am 2*7. März 1023.^)
2. Ihm folgte Gebhard IL, Sohn des Grafen Friedrich von
Sundergau, vordem Domherr der bischöflichen Kirche zu Augsburg.*)
Schon im ersten Jahre nach seiner Erwählung starb Eegensburgs
grösster Wohlthäter, König Heinrich IL, und der ostfränkische Sa-
lier Conrad IL bestieg den deutschen Thron. Herzog in Baiern
ward dessen Sohn Heinrich, der nachmalige Kaiser Heinrich III.
Ein interessantes kirchliches Ereigniss bezeichnet die Regierung
des neuen Bischofs.
Schon im J. 1024 lebte im Regensburger Capitel als der-
malen noch weltlicher Capitular ein Bruder des neuen Kaisers, der
nachmalige Bischof Gebhard III. Dieser pilgerte im selben Jahre
mit seinem Mitcapitular, dem Priester Paulus, nach Italien, um
da die Schriften des h. Ambrosius kennen zu lernen. Gewonnen
durch die Feierlichkeit der ambrosianischen Liturgie im Dome zu
Mailand fassten sie da den Entschluss, diesen Ritus in ihre Hei-
matskirche zu verpflanzen. In der That erlangten sie die nöthigen
Bücher;^) doch mag es wohl beim blossen Versuche ihrer Einfüh-
rung in der regensburger Diöcese geblieben sein.")
') Gemeiner, 152. Damberger V. 676 cit. Dietmar. Vgl. auch Damb. V. 6G5.
2) Damberger V. 665.
3) Ebendaselbst V. 879.
■*) Ebendaselbst. Gemeiner 154. Andere nennen ihn einen Grafen von
Hohenwart.
^) Genannt werden: das „ Sacramentarium " (raissale), „ Antiphonarium,"
„initia et fines evangeliorum, apostolicarum et propheticarum lectionum."
Eines derselben, das „ömne officium et cantus absque notulis" enthielt,
kostete 45 Goldgulden. (Urkunde in ßied codex dipl. Ratisbon. I. 145.)
^) Nach verlässigen Mittheilungen hat sich in Regensbui'g weder ein Docu-
ment noch eine Tradition erhalten, welche die wirkliche Einführun«; des
364
§. 90. Fortsetzung.
3. Als Gebliard IL mit Tode abging, ') folgte ihm der eben er-
wähnte Bruder des Kaisers als Gebhard IIL in der bischöflichen
Würde nach. Er war schon als Knabe für den geistlichen Stand
bestimmt mid der Würzburger Kirche übergeben worden. Um 1024
besass er, ohne noch die Tonsur erhalten zu haben, eine Canoni-
catspräbende in Regensburg.') Bald darauf (1027) hatte er den
geistlichen Beruf eigenmächtig mit den Waffen vertauscht und einer
Verschwörung gegen den kaiserlichen Bruder sich angeschlossen.
Besiegt musste er nun die Tonsur und die Weihen sich ertheilen
lassen.^) Von da an hielt er wohl treu an seinem gekrönten Bruder,
diess beweist eben seine Erhebung auf den bischöflichen Stuhl von
Regensburg. Ebenso blieb er ein eifriger Anhänger seines nach
Conrads Tode (1039) erhobenen Neffen Heinrich III. Leider aber
sah man diesen Bischof mehr auf dem Schlachtfelde, als am Al-
tare figuriren. Namentlich betheiligte er sich als Führer an den
Kriegszügen gegen Ungarn und Böhmen.*)
In diese Zeit fallen die letzten Lebensjahre des heiligen
Günther. Seit der Gründung vonRinchnach war derselbe ein Se-
gen des weiten Gebirges in Baiern und Böhmen geworden. So arm-
selig er selbst mit seinen Brüdern lebte: so fanden doch alle Rei-
senden in seinem Klösterlein die rückhaltlose Gastfreundschaft
und williges Geleite.^) Er drang immer tiefer in's Gebirge ein und
stiftete dort manche geistliche Zelle, in die er sich zu Zeiten
zurückzog.
So weilte er auch zu Gutwasser (auch S. Günther) in Böhmen,
wo man noch heute sein heiliges Andenken feiert. '') Den einzelnen
Ansiedlern im dichten Gebirgswalde war er der eifrigste Seelen-
ambrosianisclien Ritus bestätigen könnten. Demnach, erscheint Rieds diess-
fällige Behauptung ([I. 1074 u. 1115) als wenig begründet.
1) Damberger VI. 121.
^) Siehe oben 2.
3; Giesebrecht, IL 240.
4)- Gemeiner 162, 165. -
^) „Fratribus in mensura, hospitibus ad satietatem" — lautete sein Spruch.
Damb. VI. 344.
6) Sommer prach. Kr. S. 261. Pubitschka III. 334.
365
liirt und wie es scheint aucli ein Lehrmeister im weltlichen Erwerbe. ')
Er baute mit unsäglicher Mühe den sogenannten goldenen Steg
durch das unwegsame Gebirge gegen Prachatic, der alsbald ein viel-
besuchter Handelsweg wurde.') Dabei fand er noch Zeit, wieder-
holt nach Ungarn als Glaubensbote zu ziehen, wohin der heilige
König Stephan ihn berief.^) üeberdiess war er ein vielgesuchter
Freund und Rathgeber der Fürsten und wiederholt ein Vermittler
des Friedens in jener kampflustigen Zeit. Mit unserem Herzoge Udal-
rich w^ar er schon damals Freund gewesen, als dieser in Baiern
in der Verbannung lebte ; bei dieser Gelegenheit hatte er auch den
jungen Bfetislaw aus der h. Taufe gehoben.'*) Als üdalrich nach-
her im J. 1034 als Gefangener des Kaisers in Regensburg schmach-
tete, da w^ar es - unser hl. Günther, der seine Bitten mit denen der
Kaiserin und anderer Grossen vereinte und dadurch dem Freunde
die Freiheit wieder verschaffte.^) Im J. 1040 erbat er wieder an-
derseits vom Herzoge Bfetislaw die Entlassung eines gefangenen
bairischen Heeres, das er wohlbehalten durch das Waldgebirge in
die Heimat zurückführte,*') und vermittelte einen Waffenstillstand
der streitenden Mächte.") Auch im J. 1041 trug er das Seine zur
völligen Aussöhnung Bfetislaw's mit Kaiser Heinrich HI. bei.^) Dar-
auf zog sich glaublich der fast neunzigjährige Eremit in eine
Zelle bei Gutwasser zurück, wo er am 9. October 1045 in den Ar-
men des Herzogs Bfetislaw und des Bischofs Severus, die ihn
') Es scheint, dass die Glashütten des Böhmerwaldes dem h. Günther ihren
Ursprung verdanken. Daraberger VI. 345.
3) Damberger VI. 344. Sommer prach. Kr. S. 362.
3) Damberger VI. 344.
4) lieber diese Pathenschaft s. Urkunde in Erben reg. S. 45. Trotz der ge-
gegentheiligen Ansicht Palacky's hält auch Tomek selbe für echt (Vgl. I.
37) und jedenfalls ist sie es ihrem Inhalte nach. Da Günther als Mönch
nach kirchlichen Gesetzen nicht Pathe sein konnte, so war er es vor 1008.
Hiemit stimmt auch das Alter Bretislaws überein, welcher 1055 nahe fünf-
zigjährig starb.
5) Aunales Altahenses (des Mutterklosters von Richnang) edit. Gisebrecht 45.
Damberger VI. 109.
•'j Hermann Contract. s. Pubitschka III, 317.
7) Damberger VI. 228.
8) Ebendaselbst 344.
366
bei Gelegeiilieit einer Jagd aufgefunden hatten, eines seligen Todes
verschied.')
Der Herzog bestattete seinen väterlichen Freund im Kloster
Bi-ewnow, das er eben desshalb mit ansehnlichen Gütern berei-
cherte.^) Später machte auch König Pfemysl Ottokar (1260) eine
bedeutende Schenkung an dieses Stift „zur Verehrung des seligen
Günther, durch dessen Verdienste Gott viele Wunder wirkt".'')
Unter Bischof Gebhard III. verkündete der Synodalreichstag
zu Constanz (9. October 104H) einen allgemeinen Gottesfrieden.
Der Friede sollte gesichert sein allen heiligen Zeiten,*) allen geweih-
ten Orten, allen Gütern und Personen der Kirche, insofern letz-
tere keine Waffen tragen, allen wehrlosen Landleuten mit Ausnahme
der Verbrecher, allen friedlichen Werkzeugen, Gebäuden, Frucht-
bäumen, Kleidern und dlg. m. Wer immer diesen Frieden brechen
würde, sollte dem Interdicte und der Kirchenbusse verfallen.'^)
Im J. 1051 erfolgte auch auf die Fürbitte des Kaisers durch
den glorreichen deutschen Papst Leo IX. (Bruno von Toul) die
feierliche Heiligsprechung der Regensburger Patrone Erdhard und
Wolfgang, nachdem diese schon seit ihrem Abscheiden in der gan-
zen Diöcese als selig verehrt worden waren. *^)
Bis in die letzten Jahre seines Lebens hatte Gebhard III. im
besten Einvernehmen mit seinem kaiserlichen Neffen gelebt, zumal
dieser dem ehrgeizigen Onkel wiederholt die Anführung im Kriege
•) Pubitsclika III. 332—834.
-) Urkunde Erben reg. p.'45. Dobner mon. VI. 6. Ziegelbauer bist. Brewnow 241-
3j Urkunde Ziegelbauer p. 140. Dobner mon. VI. 28. Die Verdienste des h.
Günther für Böhmen sind bis jetzt von den böhm. Historikern wenig ge-
würdigt worden.
^) Das Beispiel des Gottesfriedens (treugaDei) ging von Frankreich ans, wo ihn
die Bischöfe Aquitaniens zur Abwendung der entsetzlichen Hungersnoth der
Jahre 1028 — 1032 anordneten. Dort bestimmte man 1041 die hl. Zeit auf
die Zeit von Sonnenuntergang des Mittwoch bis Sonnenaufgang des Mon-
tags. Die Synode von Clermont (1095) zog auch die Zeit vom Advent bis
Epiphaniae und die Fastenzeit bis 8 Tage nach Pfingsten hinein. Andere
Erweiterungen folgten bald nach.
5) Damberger VI. 271. Schannat concilia Germ. III. 110. —
•'} Geraeiner, 166.
367
und einen guten Tlieil der Pvegierung im Frieden überliess. ') Als
aber nach der Entsetzung des aufrührerischen Herzogs Conrad mit
dem Herzogthume Baiern gegen den Wunsch des Bischofs verfahren
wurde,') verliess dieser den Kaiser, der eben auf einem Eömer-
zuge begriffen war und stellte sich an die Spitze einer Verschwö-
rung der Fürsten. Da nahm der heimeilende Kaiser den abtrünnigen
Oheim in Regensburg gefangen und verwahrte ihn erst im Schlosse
Wülflingen in Thüringen und nachher in der Feste Stofeln im Hegau.
Wohl gab des Kaisers Tod (1156) dem Bischöfe die Freiheit wieder;
aber schon im J. 1160 ereilte auch diesen der Tod.^) Er hatte
in seiner Stadt Oehringen ein neues Collegiatstift gegründet.*)
§.91 Fortsetzung.
4. Nach dem Ableben Gebharts bestieg der bamberger Cano-
nicus Otto V. R i e d e n b u r g , ^) ein Bruder des regensburger Stadt-
Yogts Heinrich,*^) nicht ohne schweren Verdacht der Simonie,') den
bischöflichen Stuhl. Seine Regierung zog die regensburger Diöcese
in den schweren Unsegen eines Schismas hinein. Anfangs der
Verbündete Hanno's von Cöln in der Entführung des unmündigen
Königs,^} dann (1064) a'if kurze Zeit Theilnehmer eines bewaffne-
ten Zuges nach Jerusalem, wurde er endlich einer der rücksichts-
losesten Parteigänger und vertrautesten Rathgeber Heinrichs IV. im
traurigen Kampfe gegen den apostolischen Stuhl.'') Als solcher in
den Kirchenbann verfallen (1075), sprach er am 23. Jänner 1076
^) In einem Streite mit Herzog Conrad von Baiern wird ihm sogar vorgeworfen,
er regiere mehr als der Kaiser. Damberger VI. 411.
~) Heinrich gab es erst seinem Söhnlein Conrad und nach dessen Ableben
(1055) seiner eigenen Gattin als Privatbesitz. (Damberger VI. 466.)
3) Gemeiner 167—169. Giesebrecht IL 410 etc. Damberger VI. 467 etc.
■*) Ried, cod. dipl. Ratisb. L 150. Der Bischof heisst da Herr von Oehringen
jure hereditatis a comitibus Hohenlohe.
Sj Damberger VI. 592.
^) S. Urkd. in Ried's cod. dipl. Ratisb. I. 162. Er war der Sohn des Stadtvogts
Rudpert. S. Urkunde ebend. 159.
') So Waltram cit. von Gemeiner 170. Die spätere Parteistellung Otto's be-
kräftigt Waltrams Meinung.
s) Gemeiner, 172.
9) Ebendaselbst 184, 189.'
368
zu Worms mit 23 anderen Biscliöfen die Absetzung Gregors VII.
aus und betheiligte sich auch am 25. Juni 1080 auf der After-
synode zu Brixen an der Wahl des Gegenpapstes Clemens III.')
Für Baiern und den Nordgau war der unglückselige Kampf um so
verderblicher, da sowohl der neue Herzog Weif als auch der Mark-
graf Heinrich von Vohburg unter den Gegnern des Kaisers und
Bischofs standen.*) Bischof Otto war in allen diesen Wirren auch
mit den kriegerischen Waffen sehr wohl vertraut. Das Jahr 1081
nennt ihn gar als Führer eines Heeres gegen den Markgrafen Leo-
pold von Österreich.^) Er starb unausgesöhnt mit dem recht-
mässigen Oberhaupte der Kirche im J. 1088.*)
5. Fast noch grösser war die kirchliche Verwirrung, die nun
erst folgte. Gebhard IV. v. Hohenlohe ward von Heinrich IV.
auf den bischöflichen Stuhl erhoben. Unentschieden und vor Allem
für die Beibehaltung seiner Pfründe besorgt, vermied er Anfangs
Alles, was ihn kirchlich blossstellen konnte^) und verschob wohl
deshalb auch die eigene Consecration. Als aber die schismatische
Partei desshalb einen Gegenbischof in der Person des einäugigen
Hermann, Sohnes Ullrichs IL von Kärnthen, eindrängen wollte, '^) und
noch mehr, als Heinrich IV. selbst (1095) mit Kriegsmacht nach
Baiern kam: schloss sich Gebhard sofort der Partei des Gegen-
papstes an,') ohne indess durch Annahme der Weihe den Kück-
schritt sich zu verlegen. In der That fiel er wieder von Heinrich IV.
ab, als dessen Sohn, insbesondere durch Berthold von Vohburg
und etliche bairische Grosse bewogen, im Jahre 1104 eine neue
Gegenpartei zu organisiren begann. Da ereilte den noch Unge-
weihten auf der Flucht vor den aufständischen Regensburgern im
Jahre 1105 zu Pechlarn in Oesterreich der Tod^) — muthmasslich
durch Mörderhand. **)
1) Damberger 71. 846, 873, 874, 1001. Gemeiner 187.
3) Damberger VI. 809, 992. YII. 27..
3) Gemeiner, 187.
4) Ebend. 189.
5) Damberger VIT. 70. 94.
•^} Heinrich IV. verlieh, diesem später durch Kauf das Bisthum Augsburg.
Damberger VII. 198, 303.
')Ebendas. 302.
8) Ebendas. 490.
") Gemeiner 204 cit. Annalista Saxo ad a. 1105. Letzterer sagt: Gebhardus,
369
6. Eben war Gebhard IV. verschieden, als Heinrich IV. sich
der Stadt Regensburg bemächtigte. Dies hatte zur Folge, dass er
alsog'Ieich einen neuen Bischof in der Person eines gewissen
Ullrich bestellte. ^ Aber schon nach wenigen Tagen musste der
Kaiser die Stadt an seinen aufrührerischen Sohn räumen; da be-
stieg Hartwig V. Orten bürg, Sohn des Markgrafen Engelbert
von Istrien, durch Wahl den Bischofsstuhl und erlangte auch so-
fort in Mainz die bischöfliche Weihe.') Schon im J. 1106' ver-
zichtete Heinrich IV. auf den Thron und so schien endlich der
lange Zwist mit dem apostolischen Stuhle zu Ende gebracht.
Leider aber erneuerte ihn Heinrich V. alsbald wieder. Bischof
Hartwig, selbst ein Gegner aller Simonie,-) gab sich alle Mühe,
nicht nur sich selbst, sondern auch seinen König vom Banne zu
bewahren,^) jedoch beides vergebens, da der Bischof endlich ent-
schieden mit dem Könige ging.*) Erst das Concordat von Worms
(1122) machte dem langen Kampfe ein Ende, indem es die freie
Erwählung der kirchlichen Vorsteher gewährte.
Unter Hartwig erwachte der kirchliche Sinn in der regens-
burger Diöcese in erfreulichster Weise und zeigte sich insbeson-
dere durch so zahlreiche fromme Stiftungen, dass der Bischof fast
nur von einer Weihe zur andern reisen musste.^) Uns interessirt am
meisten die Gründung des Klosters Reichenbach durch den Mark-
grafen Diepold von Vohburg und Herrn zu Eger im J. 1118.*^) Der
fromme Stifter verlieh dem neuen Institute unter andern auch
mehrere Besitzungen im Egergau.'^) Bischof Hartwig war ohne Zweifel
auch ein kräftiger Beförderer der kirchlichen Reformation.
qui sedem Ratisbonensem per anoos 16 miserabiliter occupaverat, eodem
anno a quo dam, quem intolerabiliter iujuriaverat, proprio milite^trucidatus
duplo plaugendus discesserat.
') Daraberger YII. 492, 500. Gemeiner 193, 201.
'j Er entsetzte desshalb 1110 den Abt Babo von S. Emmeram. (Damberger
VII. 692.)
^) Henrici V. epistola ad Hartvicum. Ried cod. dipl. Ratisb. I. 174.
4) Gemeiner 212.
5) Gemeiner 213. Genannt werden an Klöstern: Mallersdorf, Prüfeniug, Rei-
chenbach, Ensdorf, Weltenburg.
^) Urkunde bei Ried cod. dipl. Ratisb. I. 177, 178.
") Urkunde bei Ried cod. dipl, Ratisb. I. 196. Erben regesta 100. Genannt
24
370
Er starb am dritten März 1126, naclidem er noch das Jahr
zuvor durch sem persönliches Ansehen die Erwählung des neuen
Kaisers Lothar bewirkt und so das Vaterland vor einem drohen-
den Thronstreite bewahrt hatte.')
7. Es folgte ihm durch freie canonische Wahl der ehemalige
Abt von Siegberg, Conrad (Cuno), der eben (1125) das Lehramt
an der hohen Schule zu Paris der Berufung als Dompropst in
Regensburg vorgezogen hatte.') Zu seiner Zeit demüthigte Herzog
Heinrich der Stolze aus dem Stamme der Weifen den üebermuth
vieler bairischen Edlen, der sich nicht selten in schwerem Miss-
brauch der kirchlichen Vogteirechte gezeigt hatte. Unter andern ent-
setzte er den Domvogt zu Regensburg, Friedrich von Bogen und über-
nahm nun diese Vogtei selbst^). Auch dem neuen Bischöfe fehlte
es nicht an kriegerischem Geschick; wir finden ihn nämlich im J. 1127
an der Spitze einer Kriegsmacht in Steiermark. Doch starb er schon
am 19. ai 1132.^) Unter ihm entstand 1128—1132 das Cisterzienser-
stift Waldsassen im Egergau, angelegt vom Einsiedler Gerwik
von Wollmundstein und bestiftet von dem edlen Dietpold von Voh-
burg, den wir bereits als den Gründer von Reichenbach kennen
gelernt haben. Letzterer legte den Grund zu den bedeutenden
Besitzungen, welche dieses Kloster alsbald im Egergau erwarb.^)
Die ersten geistlichen Bewohner desselben kamen aus Volkenrode
in Thüringen. Dieses und ähnliche Institute") förderten nicht wenig
die allgemeine kirchliche Reform jener Zeit.
werden: Diepoklsreut, Frauenreut und Chunreiit in pago Egire. Eine spä-
tere Bestätigung Friedrichs I. nennt dazu : in pago Egire Prunn, Pern-
reut, Godefriedsgrune, — apud Thierscheim S. Mariawiler, Rahwinesreut,
Chunriut. (Ried cod. dipl. Rat. I. 258.)
') Dambex'ger VIII. 5. cit. Anselra Gemblac. Gemeiner 217. cit. Chronogr.
Gotvic.
-) Gemeiner 218. Brenner), Gesch. des Kl. Waldsassen S, 7.
3) Ebendaselbst 219, 220.
■*) Brenner Gesch. des Kl. Waldsasson S. 1—15.
5) Vgl. §.89. 2. Note r. Dietpold selbst verlieh: den Walddistrikt von Wald-
sassen Schloppach, Frauenreut, Bertholdsreut, Netzstall, Pfaffenreut, Bischof
Conrad verlieh die Kirche in Tirschenreut. (Brenner 10 und 15.)
") Genannt werden die Klöster : Seh amhaupten, etwas später Mang, Rohr,
Münchmünster, Windberg, Paring, Walcrerbach, Speinshart, Altmühlmünster.
371
. 8. Der abgesetzte Domvogt benützte nach Conrads Ableben
die Abwesenheit des Herzogs, sein altes Amt wieder an sich zu
reissen und so die Wahl Heinrichs von Wolfratshausen,
eines sonst tadellosen Domhen-n von Bamberg, durchzusetzend)
Darüber brach eine arge Fehde des Herzogs gegen den neuen
Bischof aus. Regensburg ging im Flammen auf. Die Besitzungen
des Domstifts wurden verwüstet. Der Herzog bewarb sich bei Kaiser
und Papst, dass der Erwählte nicht bestätigt werde.~) Indess hatte
dieser bereits von seinem Erzbischofe die Consecration erlangt.
Auch vereinigten sich seine mächtigen Verw^andten und selbst der
Markgraf Leopold von Oesterreich mit dem Domvogte von Bogen
zu seinem Schutze. Endlich vermittelte Otto von Witteisbach als
kaiserlicher Bevollmächtigter den Frieden im J. 1133.^) Leider sollte
er nicht lange währen. Am 3. Dezember 1137 war Kaiser Lothar
auf der Rückreise aus Italien zu Breitenwang gestorben. Mit Zu-
thun unseres Bischofs wurde schon am 7. März 1138 der neue König
Conrad III. gewählt, zwar nicht ohne einige Formgebrechen, die
aber ein nachfolgender Wahllandtag zu Bamberg alsbald wieder
gut machte. Herzog Hehnich aber verweigerte jede Anerkennung
dieser Wahl und veranlasste so die Vergebung Baierns an das Haus
Oesterreich und den traurigen Bürgerkrieg der Weifen gegen die
Hohenstaufen. Die Regensburger Diöcese litt darunter ungemein. Der
Bischof stand auf des Königs, die Stadt Regensburg und viele bairi-
sclie Grosse auf der Weifen Seite.*) Darüber ging Regensburg neuer-
dings in Flammen auf. Im J. 1144 entzweite sich der Bischof auch noch
mit Heinrich Jasomirgott von Oesterreich, der vom König nach Leo-
polds Tode Baiern erhalten und bei dieser Gelegenheit auch Stifts-
güter an sich genommen hatte. Vergeblich suchte eine Synode zu
Passau den Streit zu schlichten. Die offene Fehde begann,^) Kirchen
wurden zerstört, Klöster beraubt. Endlich führte des Königs Vermitt-
1) Gemeiner 223 cit. anonym. Weingart c. 12. Er war ein Sohn Otto's von
Andeclis und Bruder des Grafen Otto von Wolfratshausen. (Damberger
VIII. 127,141.)
-) Gemeiner 223, 224.
3) Damberger VIII. 142.
4) Gemeiner 229—232. Damberger VIII. 256, 257, 259, 295, 299.
5) Damberger VIIT. 356.
24*
3*72
lung im J. 1145 den Frieden herbei.^) Auch im Uebrigen war Bischof
Hartwig nicht eben ein Mann der Milde und des Friedens. Auf
Erweiterung seiner Gerechtsame bedacht, verletzte er die Exemtio-
nen der Klöster und achtete selbst nicht auf wiederholte abmah-
nende Schreiben des Papstes ; es kam soweit, dass eine Provinzial-
synode zu Begensburg (1141) den Auftrag hatte, den Bischof ent-
weder zum Gehorsam zu bringen oder zu entsetzen.") Im J. 1146
belegte er die ganze Stadt Regensburg init dem Interdicte, weil
einige Bürger das Asylrecht wenig geachtet hatten.^) — Im J. 1147
nahm auch er mit andern deutschen Fürsten das Kreuz und zog
auch noch ein zweitesmal im J. 1150 in den Orient, kam aber
diessmal nur bis Constantinopel, angeblich mit geheimen Aufträgen
des Königs.'') Hartwig erlebte noch die Zeiten Friedrichs Barbarossa,
von dem er sich für die Erneuung des alten Investiturstreits ge-
winnen liess. Er starb endlich iin J. 1155 alt und lebenssatt, seine
Fehler bereuend, im Benedictinerkleide. '^) In seine Regierungszeit
fällt die Einführung der Octaven der Marienfeste durch die Pro-
vinzialsynode zu Regensburg im J. 1150.®)
§. 92. Fortsetzung.
9. Noch im Todesjahre Heinrichs bestieg Hartwig IL Mark-
graf von Kraiburg aus dem Geschlechte der Ortenburger, vordem
Domherr zu Salzburg, den bischöflichen Stuhl.") Zu gleicher Zeit
geschah die Belehnung Heinrichs des Löwen mit der Anwartschaft
auf das Herzogthum Baiern, die sofort nach erfolgter Ausgleichung
mit Heinrich Jasomirgott (1156) in wirklichen Besitz überging.
So schien der langersehnte Friede auch für die regensburger Diö-
cese wieder hergestellt zu sein.^) Doch nur zu bald sollten neue
') Gemeiner 237 cit. Chron. Cremifan.
") Gemeiner 234, 235. Dalbamer coneilia Salisburg. 67.
3j Gemeiner 238. Urkunde Ried cod. Ratisb. I. 215. Der Abt von Pruvening
erhält damals den Auftrag, den Bischof zu versöhnen.
4) Damberger VIII. 440, 442, 450. 504.
5j Gemeiner 247—251.
«) Ebendaselbst 245. cit. Eccard I. 2077.
') Damberger VIII. 708.
8) Gemeiner 251—253.
373
Kämpfe und neue Verlegenheiten folgen. Zunächst betheiligte sich
der mehr um das Weltliche, als um's Geistliche bekümmerte Bischof
Hartwig') an den italienischen Kriegen und stand 1158 persönlich
mit seinen Kriegsleuten vor Mailand. Im J. 1159 verwickelte er
sich als Anhänger des Kaisers in das unselige Schisma Victors V.
und gerieth dadurch auch sammt den übrigen bairischen Bischöfen
in Zwiespalt mit dem Metropoliten zu Salzburg.-) In demselben J.
gerieth er auch in Hader mit der Bürgerschaft zu Regensburg,
und als sofort Herzog Heinrich der Löwe durch Wegnahme des
Schlosses und der Herrschaft Stauf dazwischen trat, auch in blutige
Fehde mit diesem.'^) Die Besitzungen des Bisthums wurden ver-
heert, die ganze DiÖcese in Schrecken gesetzt. Endlich gelang im
J. 1161 durch Vermittlung des Metropoliten ein gütlicher Aus-
gleich.'*) Von da an hielt eine andauernde Kränklichkeit den Bi-
schof von der w^eitern Theilnahme an den italienischen Kriegen
zurück. Er starb, ohne dem Schisma entsagt zu haben, am 22.
August 1164.^)
10. Als Nachfolger wurde der Augsburger Canonicus Eber-
hard gewählt, der eben am Hofe des österreichischen Herzogs
Heinrich Jasomirgott sich aufhielt.") Vielleicht war es der W^unsch,
dem Schisma fern zu bleiben, was diesen seinen Aufenthalt ver-
längerte. Wenigstens entging er so dem berüchtigten Eide ' auf dem
Reichstage zu Würzburg (Pfingsten 1165), wo 40 meist ungeweihte
Prälaten nebst den anwesenden Fürsten sich dem Kaiser verpflich-^
teten, nie den Papst Alexander III. anzuerkennen und auch Sorge
tragen zu wollen, dass kein Nachfolger des Kaisers ihn je aner-
kenne. Jeden dawider handelnden Laien sollte Verlust des Lehens
und Eigenthums , jeden Geistlichen Verlust der weltlichen Güter
und seiner Würde treffen.^) Da Kaiser Friedrich die Execution
') Daraberger VIII. 708.
-) Gemeiner 257.
3) Damberger VIII. 708.
4) Gemeiner 257, 258.
5) Gemeiner 259. Damberger VIII. 773. Dem Afterpapst , Victor war mittler-
weile (22, April 1164) Paschalis III. nachgefolgt.
6) Damberger VIII. 829.
7) Baumer Gesch. der Hohenstaufen I. 135. Damberger VIII. 773 — 777.
374
dieses Beschlusses sofort in die Hände nahm,') so fügte sich end-
lich auch der schwache Eberhard in Wien dem persönlichen Ver-
langen des Kaisers*) und trat darauf zu Worms (19. September
1165) mit mehreren Prälaten dem Würzburger Eide bei.^)
Darauf zog er an der Spitze seiner Kriegsleute mit dem
Kaiser nach Italien, — um dort den elendesten Tod zu finden.
Nach der gewaltsamen Einführung des Afterpapstes in Rom und
der nun erfolgten Kaiserkrönung Barbarossas (1. August 116T)
ergriff plötzlich eine pestartige Krankheit die deutschen Sieger.
„So furchtbar und entsetzlich wirkte das Gift, dass diejenigen,
welche eben noch zu Pferdesteigen wollten, todt niederfielen und
die, welche andere begruben, plötzlich mit in die Grube stürzten.
Ehe man sich besinnen, entschliessen , Rath schaffen konnte, war
binnen 8 Tagen der grösste Theil des schönen Heeres vertilgt.""*)
Da starb auch der Bischof von Picgensbui-g und mit ihm die ein-
flussreichsten Beförderer der langen Kirchenspaltung. Der Kaiser
rettete nur durch eilige Flucht sein Leben. ^)
11. In Regensburg wurde sofort (1*7. October 1167) der dor-
tige Domherr C o n r a d v o n R ai t en b a c h") einhellig zum Bischöfe
gewählt. Traurig war eben der Zustand der Diöcese in Folge
der schismatischen Wirren, das Bisthum selbst war bis aufsAeusserste
herabgekommen. Diesen Zustand zu verbessern, hielt man den
Neuerwählten für den geeignetesten Mann.") Diess musste auch
der Kaiser anerkennen und darum übersah er gern, dass man ohne
sein Zutlum zur Wahl geschritten war und bestätigte sofort den
Gewählten.^) Nur forderte er, dass der schismatische Metropolit
von Mainz den Weiheact vollziehe.") Dessen aber weigerte sich
Conrad und hatte dabei den Clerus seiner Diöcese auf seiner Seite.
'j Raumer I. 136.
-) Damb erger VIII. 829.
^j Damberger VIII. 829. Gemeiner 260. cifc. Clu-on. Reichersberg.
"^i Raumer I. 146.
5j Ebendaselbst 146, 147, 148. Gemeiner 261. Damberger VIII. 848—850.
*^j Diess sein urkundlicher Name (Ried. I. 142.). Damberger VIII. 868 nennt
ihn Conrad (Cuno) von Falkenstein.
') Urkunde Ried. cod. dipl. Ratisb. I. 242.
^) Dieselbe Urkunde.
") Gemeiner, 263.
375
Desshalb sprach der Kaiser seine Absetzung aus (1169) und eilte
persönlich nach Baiern (llVO), um jede Widerspänstigkeit der
Geistlichkeit sofort mit Gewalt zu unterdrücken. Da liess sich€on-
rad einschüchtern und trat zur Partei des Gegenpapstes über. ') Nun
sass er (24. Juni 1174) mit auf dem glänzenden Reichstage zu Re-
gensburg, welcher die Absetzung des dem Schisma fern gebliebenen
Erzbischofs Adalbert von .Salzburg aussprach.') Gleich darauf be-
gleitete er den Kaiser auf dem Kriegszuge gegen das feste Alessan-
dria (1174) und theilte mit ihm das schwere Unglück vor Legnano
(29. Mai 1176).') Der Friede von Venedig (25. Juli 1177) söhnte
endlich auch den Bischof von Regensburg wieder mit der Kirche
aus. Conrad nahm Theil an der bairischen Provincial - Synode zu
Hoheuau (1178), wo man dem Papste Alexander IIL Treue gelobte,
an die Verbesserung der durch den langen Kampf erschlafften
Kirch endisciplin kräftig Hand anlegte, und der Kirchenprovinz
eine neue Zeit des Friedens verkündete.'*) Die folgende Ent-
setzung Heinrichs des Löwen (25. December 1179 resp. 12. Juli
1180) brachte dem bairischen Herzogthume eine neue kirchen-
freundliche Dynastie und änderte auch sonst gar vieles in den
öffentlichen Verhältnissen des Landes. Manches Gebiet — unter an-
dern auch die alte Nordmark, die längst ein hohenstaufischer Haus-
besitz geworden war, und mit dieser das Egerland — wurden reichs-
unmittelbar. ^) Die Bischöfe und viele grössere Städte des Landes
gelangten durch neue Privilegien ebenfalls um ein Namhaftes dem-
selben Ziele näher. Zum grossen Glücke ging dies Alles in Baiern
ohne Krieg und Blutvergiessen vorüber.") Bischof Conrad starb
am 11. Juni 1185.
12. Nach Conrad IL wird ein gewisser Gottfried als
vom Kaiser ernannter Bischof von Regensburg angeführt, der aber
die ihm zugedachte Würde sofort abgelehnt haben soll.") Dass
') Ebend. 265. Cit. Vita S. Eberliavdi (Basiiage III, 306), Annal. Garstenses,
Chi-on. Austr. (Petz I. 562.)
») Darabea-ger VIII. 924.
3) Gemeiner 267; 268.
^) Schannat Concilia Germ. IIL 419.
5) Gemeiner 271. cit. Chron. August, bei Freher I. 510.
♦*) Vgl. Lang bair. Jahrbücher 4 — 16.
7) Wetzer Kirchenlez. IX. 105.
376
dies der kaiserliche Caplau irad Notar Gottfried von Viterbo ge-
wesen sei, ist darum nicht wohl denkbar, weil dieser hochgelehrte ')
Mann bereits 1184, — also noch vor Conrads Tode — schon Bischof
in Viterbo war,-)
So folgte denn durch Wahl des Capitels Conrad 111. von
L a i c h 1 i n g auf dem bischöüichen Stuhle von Regensburg, der letzte
dieses Jahrhunderts. Vordem war er Domherr in üegensburg ge-
wesen. Seine Weihe geschah bei Gelegenheit des Reichstags in
Regensburg am 3. März 1187 durch den Erzbischof Conrad von
Salzburg unter Assistenz von 18 anwesenden Bischöfen.^) Noch im
selben Monate geschah auf dem „Hoftage Christi" zu Mainz"*) der
feierliche Ausruf zu einem neuen Kreuzzuge, um Jerusalem aus
den Händen des gewaltigen Saladin zu befreien Lie drei mäch-
tigsten Fürsten des Abendlandes, die Beherrscher von Deutschland,
Frankreich und England entschlossen sich zum heil. Zuge, gefolgt
von ihren Grossen ohne Zahl. Auch der neue Bischof von Regens-
burg nahm bei dieser Gelegenheit das Kreuz.") Leider wm der
Erfolg ein kläglicher. Der alte Kaiser starb am 16. Juni 1190 bei
Seleucia.
Nach der Einnahme von Ptolomais (12. Juli 1191) kehrten viele
deutsche Kreuzfahrer in die Heimat zurück, — unter ihnen auch Bi-
schof Conrad.") Im J. 11 92 erhielt er von Rom das Recht, Brandleger
zu absolviren, doch unter der Bedingung, dass der Schuldige in
Jahresfrist nach Rom pilgere ; — ein Zeichen, wie sehr in den ver-
gangenen Kriegszeiten dieses reservirte Verbrechen überhand genom-
men hatte.") Im J. 1195 (6. Dez.) rief auf Veranlassung des Papstes
Cölestin III. der greise Primas Conrad von Mainz auf einer Ver-
sammlung zu Worms die Christenheit neuerdings zu einer Kreuz-
fahrt auf. Da zog Bischof Conrad zum zweitenmale ins heilige
') Er war iii den alten und onentalischea Sprachen sehr bewandert und ist
Verfasser einer Chronicon universale.
2) Wetzer IV. 625.
3) Gemeiner 277.
4) Damberger IX. 160.
5) Gemeiner 279.
'^) Er urkundet am 27. Jänner 1192 in Regensburg. Damberger IX. 254.
~) Urkunde Ried T. 474, 2326.
377
Land') und sah abermals nach genngen Erfolgen erst in der Mitte
des J. 1198 die Heimat wieder.') Hier erwarteten ihn bereits einige
Misshelligkeiten mit Herzog Ludwig, dem Sohne des schon 1183
verstorbenen Otto. Auf der einen Seite klagte man wegen Anmas-
sung der Gerichte und anderer Gerechtsame in Regensburg und
Einziehung erledigter Kirchenvogteien. Auf der andern berief man
sich auf mannigfache Privilegien und auf die gehäuften Beschwer-
den wegen Missbrauchs der Vogteirechte. Es kam darüber zur
Fehde (1203), in welche auch der Erzbischof von Salzburg und
der Bischof von Freising verwickelt wurden. Noch war diese nicht
vollendet, als Bischof Conrad am 23. April 1204 mit Tode abging.^)
Erst sein Nachfolger schloss Frieden, im welchem der Herzog dem
Bischöfe auf Lebenszeit die volle Landesherrlichkeit und für den
Fall unbeerbten Ablebens sogar die Nachfolge im Herzogthum ge-
lobte. Gegenseitiger Friede und Beistand wurden bedungen. In
Kegensburg aber sollten Gericht, Zoll, Münze, Steuer und Obrig-
keit fortan dem Bischof und Herzog gemeinsam sein.*)
§. 93. Rückblick.
Wieder ist ein bedeutungsvoller Zeitabschnitt zurückgelegt.
Unser Vaterland, anfangs noch in die mannigfachen Gebrechen der
barbarischen Hälfte des Mittelalters verflochten, hat seinen Refor-
matiousprocess glücklich durchgemacht. Die Priesterschaft ist im hö-
heren Grade ehrwürdig geworden vor Fürsten und Volk durch ein
echt geistliches Leben, Aller Orten sind geistliche Ordenshäuser
entstanden als ebensoviele Musterschulen der klericalen Zucht
und als ebensoviele Pflanzstätten der Wissenschaft. Der bessere
Geist und die höhere Bildung werden ein Gemeingut des weiten
Landes. Die goldene Zeit Böhmens ist herangekommen.
2. Die Kreuzzüge haben dem Leben der Christenheit eine
ideale Richtung gegeben. Alle Stände, alle Lebensalter und alle
Geschlechter wollen Antheil nehmen an der Vertheidigung und
') Gemeiner 289. Damberger IX. 320.
^) Damberger IX. 360.
•*) Gemeiner 291, 292. Lang bair. Jahrbücher, 43.
4J Gemeiner 298. Wetzer IX. 105.
378
Emporbringung der Kirche Gottes. Hier drängt man sich in die
Reihen der Streiter gegen die Feinde der Kirche; dort nehmen
die edelsten des Landes, Männer und Frauen das geistliche Kleid
und wollen alle Kräfte dem geistlichen Dienste weihen; allerwärts
baut die christliche Freigebigkeit neue und prächtige Stätten der
Andacht und der christlichen Liebe; die grosse Menge veredelt
das Alltagsleben durch die Aufnahme des kirchlichen Genossen-
schaftsgeistes in Zünften und Brüderschaften. So beginnt Alles
mit vollem Bewustsein in der Kirche und für die Kirche zu
leben. Auch in diesem Stücke tritt unser Vaterland in seine
goldene Zeit,
3. Böhmen hat hohe Ehre unter den Völkern Europas errungen.
Zwei seiner Fürsten haben den Königstitel als Ehrensold gewonnen,
zugleich aber auch dem Namen ihres Volkes Ehrerbietung vor der
ganzen christlichen Welt gesichert. Nun steht Böhmen an der
Stelle des erblichen Königthums, — und hiemit wieder am Anfange
seiner goldenen Zeit. Doch dem erhöhten weltlichen Glänze soll
auch eine grössere Selbstständigkeit in geistlichen Dingen entspre-
chen. Bisher geschahen nur einzelne Versuche, den bischöflichen
Stuhl von Prag zur Würde eines Erzbisthums zu erheben und hiemit
von der Unterordnung unter die Mainzer Metropole loszuzählen.
Die erblichen Könige unseres Vaterlandes werden hinfort jene Ver-
suche mit aller Kraft erneuen und schliesslich mit dem gewünsch-
ten Erfolge gekrönt sehen. So naht also auch für die Hierarchie
Böhmens die goldene Zeit.
Anhang.
Nr. i.
Yerzeieliiiiss der seit Eiiifiihruiig des Clirisleiilluims l)is zum Jahre
1384 crrielilctcn Scclsorgspfrimden Bölimcns (mit Ausnalime der in
§§. 23 11. 24 aiifgcfülirtcn Decanale) sammt Beigalie der Iialbjiilirigen
Decemleislung im J. 1384.
(Die Klosterkirchen sind liier als solche nicht angeführt.)
I. ArchifUaeoiiat Prag.
I. Decanat der Stadt Prag.
a. Auf dem llradschiu: Der Dom St. Veit mit 65 Altaristenstellen, —
St. Benedict (9 Gr.)
b. In der Altstadt: St. Maria am Teyn (3 Seh.) mit den Altaristen-
stellen der Altäre St. Peter & Paul , SS. Bartliolomaeus, Lazarus und Martha, des
h. Frohnleichnams und St. Wenzel, St. Maria, St. Nikolaus, St. Johann haptista
St. Bartholomaeus Nr. 2, St. Lazarus & Martha ; — St. N i c o 1 a u s am Hühnerniarkt
(3 Seh.) mit den Altaristenstellen der Altäre St. Maria Nr. 1, St. Maria Nr. 2,
St. Maria Nr. 3, der hh. Märtyrer, der lih. Landespatrone, St. Prokop Nr. 1, St.
Prokop Nr. 2, h. Kreuz, St. Laurenz, St. Wenzel, St. Maria Nr. 4, St. Maria Nr. 5,
zugleich auch mit einer Kaplanei ; — St. Michael am Ring (1 Seh.) mit den
Altaristenstellen der Altäre der hh. Apostel, St. Maria, des h. Frohnleichnams,
St. Dorothea, St. Katharina ; — St. A e g i d i u s , die jetzige Dominikanerkirche,
(54 Gr.) mit der Altaristenstelle des Altars St. Agnes; — St. L e o n h a r d (54 Gr.)
in der Leonhardigasse, mit den Altaristenstellen der Altäre SS. Wenzel und Prokop,
SS. Erasnnis und Blasius, St. Wenzel, SS. Felix und Adauktus, St. Maria (seit
1298 unter dem Patronat des St. Anuaklosters) ; — - die K r e u z ki r c h e der Cy-
riaken oder weissen Kreuzkerren mit dem rothen Herzen (45 Gr.) ; St. Martin
an der Stadtmauer in der jetzigen Martinsgasse (36 Gr.); — St. Castulus
(30 Gr.) mit den Altaristenstellen der Altäre St. Katharina, St. Maria, Allerhci-
380
ligeu ; — St. Maria in der Wiege (ad cuaas) auch an der Pfütze genannt (ad
lacum, na lozi) a.n der Stelle des jetzigen Marienplatzes (28 Gr.); — ■ S. Stephan
am altstädter Stephansplatze (24 Gr.); — St. Philipp und Jacob (15 Gr.);
St. Johann an der altstädter Ueberfuhr (12 Seh.); — die kleine runde Kreuz-
kirche in der Postgasse (G Gr.); — St. Andreas im Hofe des Klosters König-
saal, in der Postgasse, (0); — AUerheiligencapelle (0); - — ■ St. Benedict im
deutschen Hause in der Zeltnergasse (0); — St. Valentin in d. gleichuani. Gasse (0).
C. In der JVcustadt: St. Adalbert (18 Gr.); — St. Peter am Poric
(15 Gr.); — St. Clemens am Pofic (5 Gr.); —- St. Wenzel unter dem Zde-
ras (12 Gr.); — ■ St. Stephan im ehemaligen dem deutschen Orden gehörigen Dorfe
Kybnicek (0); — St. Heinrich (0) mit dem Altaristen des xVltars St, Procop.
d. Auf der KlchlSCite: St. Nicolaus (2 Seh.) mit den Altaristeustellen
der Altäre SS. Peter und Paul; — St. Peter auf der Insel (36 Seh.); — • St. Johann
am Augezd neben dern Melniker Propsteigarten, (24 Gr.); — St. Michael unter
dem Schlosse, (15 Gr.); — St. Michael in den Melonengärten (Jesuitengarten)
(12 Gr.); St. Martin in der Spornergasse (6 Gr.); ■ — St. Wenzel (6 Gr.);
St. Laurenz am Augezd (0) mit den Altaristeustellen der Altäre der hh. Landes-
patrone, SS. Simon und Juda,. SS. Katharina und Dorothea, St. Maria, St. Anna
Nr. 1, St. Anua Nr. 2; — St. Johann am Augezd, zur Dompropstei gehörig (0).
e. Nebstdem noch: St. Michael unterm Wysehrad (2 Seh.); — ^ St. Pan-
kraz in Krusina (21 Gr.); — St. Maria am Spitale unterm Wj^sehrad (21 Gr);
die Kirche in Ovenec (15 Gr.); — St. Johann in Obora (12 Gr.) ; — St.
Jacoh bei der Karthause (6 Gr.); — St. Nikolaus in Podskal (3 Gr.); —
St. Johann in Podskal (3 Gr.); — die Kirche in Psary unterm Wysehrad,
)2 Gr.) ;— St. Adalbert in Podskal (0); — die Kirche in Buben (0). —
2. Decanat Beneschau.
Benesow (1 Seh. 24 Gr.), Pofici (45 Gr.), Netwofice (38 Gr.), Neweldow
(28 Gr.), Tynec (24 Gr.), Janowice (24 Gr.), Bystrice (24 Gr.), Ledec (21 Gr.),
Marsowice (18 Gr.), Bolice (18 Gr.), üjezd (15 Gr.), Olbramowice (15 Gr.), Ziwhost
(15 Gr.), Martinice (15 Gr,), Chwojenec (12 Gr.), Chrast (9 Gr.), Tozice (9 Gr.),
Ujezdec (9 Gr.), Wladislawice (9 Gr.), Kostelec, Balkowice.
3. Decanat Rican.
Jilowe (45 Gr.), Ricany (30 Gr.), Zlatniky (30 Gr.), Slu.stice (30 Gr.),
Oleska (25 Gr.), Sestlice (24 Gr.), Otice (18 Gr.), Pruhonice (18 Gr.), Tehow (18 Gr.),
Popowice (18 Gr.), Hostiwaf (18 Gr.), Bfeza (15 Gr.), Dubec (15 Gr.), Kralowice,
(15 Gr.), Zabehlice (15 Gr.), Kostelec am Kreuze (15 Gr.), Modfany (12 Gr.),
Hrncife (12 Gr.), Lybef (12 Gr.), Jercany (12 Gr.), Kamenec (12 Gr.), Petrowice,
(12 Gr.), Adamowice (9 Gr.) Uhfinöwes (9 Gr.), Kolowat (9 Gr.), Popowicky (9 Gr.),
Wrany (9 Gr.), Kunice (8 Gr.), Wrsowice (7 Gr.), Kuntratice (6 Gr.), Lipany (6 Gr.),
Zezlowice (6 Gr.).
4. Decanat Ofechow.
Dobnchowice (60 Gr.). Unhost (45 Gr.), Hostoun (30 Gr.), Hadotin (30 Gr.),
Slapy (24 Gr.), Horelice (24 Gr.), St. Gallus bei Königsaal (24 Gr.), Stodolky
381
(24 Gr.), Tachlowice (21 Gr.), (18 Gr.), Uhonice (18 Gr.), TuchomöHce (15 Gr.),
Krten (15 Gr.), Sliwenec (15 Gr.), Mokropsy (12 Gr.) Orci'll (12 Gr.), Liboc (12
Gr.), Reporyje (10 Gr.), Chuchle (9 Gr.), Tfebotow (9 Gr.), Cernesice (9 Gr.),
Kopanina (9 Gr.), Ceriiomice (9 Gr.), Swarow (9 Gr.),. Stfedokluky (8 Gr.), Zelezna
(7 Gr.), Butowice (7 Gr.), Zlecliow (6 Gr.), Lodenice (G Gr.), Lestuice (4 Gr.), Ji-
]owistö (2 Gr.), Trnowa (2 Gr.), St. Kilian auf der In.se], St. Iwan (Spelunca), Karl-
stein, Mofiny, Ujezdec (Sarka), Zepy.
5. Deeanat Podbrdy (unter dem Brdywalde).
BerouH (2 Soh.), Zdic (36 Gr.), Tetin (36 Gr.), Praskoles (35 Gr.), Bez-
dödice (38 Gr.), Knin (32 Gr.), Neumetely (30 Gr.), Welis (Propstei, 28 Gr.),
Zebrak (24 Gr.), Hofewice (24 Gr.), Zbirop (24 Gr.), Cerbowice (24 Gr.), Heiligen-
feld (18 Gr.), Mrfcniky (18 Gr.), Llteü (18 Gr.). Tman (18 Gr.), SMipel (17 Gr.)
Rewnice (15 Gr.), Lochowice (12 Gr.) Pocaply (12 Gr.), Wseradlce (12 Gr.),
Jince (12 Gr.), Borek (8 Gr.), Mnisek (6 Gr.), Rebfik (2 Gr.), Picina, Kytin,
Lbota dlouha.
Siehe §. 24.
Siehe §. 24.
6. Decanat Bakownik (Rakonitz).
7. Deoanat Slan^ (Schlan).
8. Decanat Rip (Georgsberg.)
Kaudllitz f, Kmetinewes (1 Seh.), Charwatec (1 Seh.), Welwary (48 Gr.),
Luzec (42 Gr.), Nehahozewes (Mühlhausen, 36 Gr.) Hospozin, (36 Gr.), Minie (27 Gr.),
Unetice (24 Gr.), Holubice (21 Gr.), Malowary (21 Gr.), Citow (21 Gr.), Wlinewes
(21 Gr.), Cernucec (18 Gr.), Neutornice (18 Gr.), Chrziu (18 Gr.), R i p (18 Gr.), Budec
(16 Gr.), Libcice (16 Gr.), Wrbna (15 Gr.), Wepirec (15 Gr.), Hradec (15 Gr.),
Citow Joannis (? 15 Gr.), Pocaply (12 Gr.), Strazkow (12 Gr.), Slatina (12 Gr.),
Wskury (12 Gr.), Hobsowice (12 Gr.), Ledcice (12 Gr.), Zemeeby (9 Gr.), Cernuc
(Tursko, 9 Gr.), Nabdin (9 Gr;), Bechlin (9 Gr.), Swrkyne (8 Gr.), Nizebohy (8 Gr.),
Kostomlaty, Racinewes.
9. Decanat Chlumin.
Klecany (32 Gr.), Odolena woda (30 Gr.), Chwateruby (24 Gr.), Kojetice
(18 Gr.), Welika wes (Grossdorf 16 Gr.), Libeznice (16 Gr.), Pakomilice (16 Gr.),
Weltrusy (15 Gr.), Obnstwl (15 Gr.), Chllllllill (15 Gr.), Hostin 14 Gr.), Donicka
(längst von der Moldau überfluthet, (12 Gr.), Lobkowice (12 Gr.), Chabry (10 Gr.),
Bojmice (9 Gr.), Libis (9 Gr.), Semilkowice (9 Gr.), Bukol (9 Gr.), Zdiby (9 Gr.).
10. Decanat Brandeis.
Braiideis (1 Seh. 15. Gr.), Kostelec (1 Seh. 8 Gr.),Kyje f (1 Seh.), Winof
(45 Gr.), Prosek (30 Gr.), Cakowice (26 Gr.), Litoznice (26 Gr.), Mochow (24 Gr.),
Pocernice (24 Gr.), Dfewcice (21 Gr.), Swemyslice (21 Gr.), Sluhy (21 Gr.), Cela-
kovice (18 Gr.), Zapy (18 Gr.), Wysehorewice (17 Gr.), Jirny (15 Gr..), Nelwizdy
382
(12 Gr.), Ujezd? (12 Gr.), Swrcowice (12 Gr.), Tfeboratice (12 Gr.), Howorcewes
(11 Gr.), Hlaupetin (9 Gr.), Hradek (6 Gr.).
IL Arehidlacoiiat Kauriiii.
1. Decanat Kaiifim.
Kaili-im (2 Seh.), Dobrichow (48 Gr.), Planany (46 Gr.), Bühmisclibrod (40 Gr.),
Zasmuky (36 Gr.), Woderady (33 Gr.), Chwatlina (33 Gr.), Kaunice (30 Gr.), WyticG
(30 Gr!), Pfistaiipim (SO Gr.), Wrbican (30 Gr.), Zabonosy (30 Gr.), Pysely (24 Gr.).
Seraice (24 Gr.), Chrustoklaty (24 Gr.), Uzice (24 Gr.), Malejowice (24 Gr.), Skraminky
(24 Gr.), Horka (21 Gr.), Radesin (21 Gr.), Hvusice (21 Gr.), Stfimelice (21 Gr.),
Drahobudice (21 Gr.), Maletice (18 Gr.), Tfebowle (Tribulatio, 18 Gr.), Solopisk
(18 Gr.), Kruty(18 Gr.), Konojedy (18 Gr.^, Mnicliowice (18 Gr.), Poficany (18 Gr.),
Skwrnejow (18 Gr.), Kowanice (18 Gr,), Cliotaun (15 Gr.), Kosice (15 Gr.), Bylany
(15 Gr.), Befice (13 Gr.), Tukleky (12 Gr.), Zitimif (12 Gr.), Krsowice (12 Gr.),
Lstibof (12 Gr.), Eataje (12 Gr.), Podweky (12 Gr.), Chocerady (12 Gr.), Kohljano-
wic (12 Gr.), Mukafow (12 Gr.), Wawfenice (12 Gr.), Lliota (12 Gr.), Rateuice
(10 Gr.), Tismice (10 Gr.), Dobren (9 Gr.), Swoysice (9 Gr.), Welinky (9 Gr.),
Udasin (9 Gr.), Zisow (9 Gr.), Schwarzkostelec (9 Gr.), Kozojedy (9 Gr.), Oleska
(9 Gr.), llowny (9 Gr.), Zdanice (6 Gr.), Jindice (6 Gr.), Ondfejow (5), Kfi (3),
Bfistwy, Skalice, Stojmiry (Stolmire).
2. Decanat Koliu.
Neukolin (2 Seh.), Altkolin (36 Gr.), Kbel (36 Gr.), Zehaun (21 Gr.), Zizelice
(21 Gr.), No-wäwes (18 Gr.), Pnew (18 Gr.), Zibohlawy (18 Gr.), Owcary (15 Gr.),
Kfec stara (15 Gr.), Welyne (15 Gr., ebenda auch St. Peter, St. Martin und St.
Prokop), Losany (12 Gr.), Pfedhradi (12 Gr.), Pecky (12 Gr.), Chotenice (12 Gr.),
Koncice (12 Gr.), Zabofi (12 Gr.) Ratinice (18 Gr.), Mechowice (9 Gr.), Jezefany
(? 9 Gr.), Sany (9 Gr.), Rosochy (8 Gr.), Bychory (6 Gr.), Ratibof (6 Gr.), Kona-
i-owice (6 Gr.), Sehuice (6 Gr.), Kladruby (6 Gr.), Weletov (6 Gr.), Kolesow (5 Gr.),
Chotojowice.
3. Decanat Deutsclibrod.
Pohia (1 Seh.), Slapanice (45 Gr.), Swotla (36 Gr.), Deiltsclibrod (36 Gr.),
Nizkow (36 Gr.), Nebowidy (36 Gr.), Chotebof (30 Gr.), BoLi (30 Gr.), Smrdow
(21 Gr.), Libec (21 Gr.), Krucenburg (18 Gr,), Krupa (15 Gr.), Pfibislaw (15 Gr.),
Borowa (15 Gr.), Ciliost (12 Gr.), Losenice (12 Gr.), Habry (9 Gr.), Studenec (de
fönte 9 Gr.), Lucice (9 Gr.), Stoky (de truncis, 9 Gr.), Dhauha wes (8 Gr.), Polom
(6 Gr.), Skuhrow (6 Gr.), Dobronice (6 Gr.), Minichsberg (5 Gr.), Radonow (4 Gr.),
Cachotin (3 Gr.), Schönfeld (3 Gr.), Soboty (3 Gr.), Bunaw (Zwojenow), Bucliberg
(mens fagi ?), Brunislaw?, Knez, Sw. Kfiz, Prawnow ?, Ronow.
4. Decanat Recic (Bischof-ßeöic).
Pilgram (Pelhfimow 1 Seh.), Horepnik (1 Seh.), Cerekwice nowa biskupowa
(15 Gr.), Lipnice (18 Gr.), Humpolec (36 Gr.), Gross Bischof - Äecic (30 Gr.),
383
Glwojnow (27 Gr.), St. Peter bei Selau (24 Gr.), Wyskytna biskupowa (22 Gr.),
Snöt (21 Gr.), Jezow (21 Gr.), Bozejow (49 Gr.), Klein Recic (18 Gr.), Kfesin
(18 Gr.), Senozaty (18 Gr.), Lipnice (Filiale, 16 Gr.), Schönberg (15 Gr.), Jifice 15 Gr.),
Bynarec (15 Gr.), Briste (15 Gr.), Gishibel (15 Gr.), Wojislawice, (15 Gr.), Rich-
now (15 Gr.), Lukawec (Branko-wice, 15 Gr.), Zahradka (15 Gr.), Branizo-w (12 Gr.),
Cerekwice Dobeso-wa (Tobiae 12 Gr.), Onsow, 2 Pfarren (je 11 Gr.), Mezilesi (9 Gr.),
Skala (9 Gr.), Usobi (6 Gr.), Libkowa woda (6 Gr.), Kosetice (6 Gr.), Luke (6 Gr.),
Bufenice (6 Gr.), Rowne (6 Gr.), Ustrasin (6 Gr.), Dusendorf (Dusejo-w 4 Gr.),
Schönfeld (3 Gr.), Simonsdorf (Simmersdorf, Smrcna 3 Gr.), Cerekwice mensi (3 Gr.),
Kalistö (2 Gr.), Lidman, Heralec, Luznice (?), Neustift.
5. Decanat Caslau.
Malin mit Kuttenberg (4 Scb,), Ciislail (2 Seh.), Pnewic (1 Seh. 12 Gr.),
Elbteinitz (1 Seh, 9 Gr.), Libeznice (Grund, in valle b.M. V. 52 Gr.), Markowice (38 Gr.),
Hoch-Wysoka (35 Gr.), S. Jacobsberg (34 Gr.), S. Sigmund in Caslau (30 Gr.),
Starkoc (30 Gr.), Suchdol (30 Gr.), Ronow (Protiwenice 30 Gr.), Hefman (27 Gr.),
Lipoltice (27 Gr.), Bykaü (27 Gr.), Trebonin (24), Jenikow(24 Gr.), Okfesanec (24 Gr.),
Wilemow (24 Gr.), Bora (21.), Pribram uhelna (21 Gr.), Chotusice (18 Gr.), Kluky
(18 Gr.), Bucice (18 Gr.), Bracice (18 Gr.), Zbislaw (18 Gr.), Kfesetice (15 Gr.),
Tchofowy (15 Gr ), Horka (12 Gr.), Kojice (12 Gr.), Lochy (12 Gr.), Zelmsice 12 Gr.),
Zdechowice(12 Gr.), Janowice (cervene), (12 Gr.), Bestwina (12 Gr.), Hradek (?10 Gr.),
Cirkwice (9 Gr.), Widice (9 Gr.), Wicemilice (9 Gr.), Potehy (9 Gr.), Stusyne (bei
Knezic (9 Gr.), Dobrotiwow [9 Gr.), Hefmanice (9 Gr.), Kozohledy (nova plantatio,
9 Gr.), Bojmany (9 Gr.), Wlkanec (9 Gr.), Recenany (6 Gr.), Krchleby (6 Gr.),
Wilemowice (6 Gr.), Petrowice (6 Gr.), Michalowice (6 Gr.), Turkowice (6 Gr.),
Zbysow (Probstei), Pribislawice.
6. Decanat §tepanow.
Nacerac (42 Gr.), Stepauow (36 Gr.), Kfiwsudow (36 Gr.), Zdislawice
36 Gr.), Wlasim (36 Gr.), Neustupow (34 Gr.), Ledec (34 Gr.), Neu Kralowice (82
Gr.), Diwisow 32 Gr.), Keblow (30 Gr.), Zbraslawice (27. Gr.), Zruce (27 Gr.),
Chotysany (24 Gr.) Cestinkostel (24 Gr.), Okruhlice (24 Gr.). Kacow (24 Gr.).
Pertoltice (21 Gr.), Radosowice (18 Gr.), Wranow (18 Gr.), Soutice (18 Gr.),
Hnöwkowice (18 Gr.), Popowice (18 Gr.), Neswacily (18 Gr.), Kondratce (18 Gr.),
Tehow (18 Gr.), Albenice (15 Gr.), Borowsko (15 Gr.), Borownice (15 Gr.) Kozmice
(15 Gr.), Chwojno (15 Gr.), Slapanow (15 Gr.), Postupice (15 Gr.), Rehutowice (12 Gr.),
Chfenowice (12 Gr.), Pobipsy (12 Gr.), Bohdanec (12 Gr.), Zdebuzewe.s (12 Gr.), Pet-
rowice (12 Gr.), Zhof (12 Gr.), Mechn<!Jow (11 Gr.), Hodkow(ll Gr.), Ratmefice (10 Gr.),
Cechtice (9 Gr.), Slawosow (9 Gr.), Teplisowice (9 Gr.), Otryby (9 Gr.), Kozly (9 Gr.),
Wseborice (9 Gr.), Mnichowice (9 Gr.), Lstoni (9 Gr.); Hradek (9 Gr.), Debrnik (9 Gr.),
Libauii (9 Gr.), Domasin (9 Gr.), Hradiste bei Hradek (9 Gr.), Jankow (6 Gr.),
Welis (6 Gr.), Psafe (6 Gr.), Sobesin (6 Gr.), Tfebötin (6 Gr.), Bedfichowice (6 Gr.),
Sacany (6 Gr.), Prawonin (3 Gr.), Kloster Lunowic, Hradiste, Odi-anec,
Solopisky.
384
III. Arehidiacoiiat Bcchin.
1. Decanat Bechin.
Netolice (3. Scli. 6 Gr.), Biulweis (2 Scli. 6 Gr.), Pisek (2 Scli.), Wodimu (1 Seh.),
Gross-Horka (40 Gr.), Zimutice (35 Gr.), Pistin (33 Gr.), Mydlowary (Wawfince30Gr.),
Bosilce(OGr.),Hodusin (30 Gr.), Klein Horka (30 Gr.), Hosip (30 Gr.), Bernartice (26 Gr.),
Sepekow (24 Gr.), Dobroliost (24 Gr.), Dnbne (24 Gr.), Zaliofi (22 Gr.), Sudo-
mefice (21 Gr.), Malsice (21 Gr.), Clirastauy (20 Gr.), Lisow (20 Gr.), Becliin
(18 Gr.), Drazice (18 Gr.), Clielcice (18 Gr.), Nüincice (18 Gr.), Ober-JBukowsko^
(18 Gr.), Ledenice (18 Gr.), Sewetin (18 Gr.) Oslow (18 Gr.), Hlawatce (18 Gr.),
Putim (18 Gr.), Cerwena (Rotlikirclieu, rufa ecclesia 18 Gr.), Nakfi (16 Gr.), Kftenow
(15 Gr.), Albreclitice (12 Gr.), Cakow (12 Gr.), Kostelec (9 Gr.), Mysenec (9 Gr.),
Strycice(6 Gr.), Hataje (6 Gr.), Stadt Unter-Bukowsko (4 Gr.), Hefraan (Propstei),
Bylow, Krce, Dobronice, Driteii, Karlsliaus (?), Kloster Milewsko (Mülilhausen), No-
wosedly, Purkarec, Moldauteiu, Zaliaji.
2, Moldauer Decanat.
Miiicin (2 Scli.), Jistebnice (1 Seh. 10 Gr.), Kostelec (bei Jistebnic, 46 Gr.),
Nechwalice (vicarius perpetuus, 46 Gr.), Prcice (38 Gr.), Kosowa hora (30 Gr.), Jese-
nice (30 Gr.), Sedlec (30 Gr.), Karemberg (Kamberg 26 Gr.), Sedlcaiiy (24 Gr.),
Pocepice (24 Gr.), Lazice ( ? 24 Gr.), Chyska (24 Gr.), Sebifow (24 Gr.), Choto-
winy (24 Gr.), Gross-Oldfichow (21 Gr.), Äruostowice (21 Gr.), Lasowice (21 Gr.),
Wozice (21 Gr.), Kfecowice (20 Gr.), Schüuberg (18 Gr.), Wojkow (15 Gr.),
Hodetice (15 Gr.), Otice (15 Gr.), Hostice (15 Gr.), Petrowice (15 Gr.), Janow (15
Gr.), Sti-ezimfi (15 Gr.), Kowafow (15 Cli), Grhun, (12 Gr.), Hory (Smilowy, 9 Gr.).
Preboi-ice (9 Gr.), Obidenice (9 Gr.), Klucenice (9 Gr.), HIasiwo (9 Gr.), Klein-01-
dfichow (alias Meudicus = Zebrak, 5 Gr.), Blanice (3 Gr.), Nechwalice (1 Gr.),
Dublewice Borotin, Nowa wes.
Anmerkung. Die Propstei Kostelec liegt nach Palackys Nachweisung:
Casop. cesk. Mus. 1850 II. 15 und 16 im Pilsner Decanate.
3. Deeanat Chynow.
Neuliaus (Deutschherren, 8 Seh.), Recice (Kardasowa, 1 Seh. 10 Gr.), Austi
(Sezimowo 1 Seh. 5 Gr.), Destna (45 Gr.), Techobuz (40 Gr.), Plana (40 Gr.), Ka-
menice (34 Gr.), Pocatky (40 Gr.), Jarosow (30 Gr.), Stepanowice (30 Gr.), Straz (30 Gr.)
Sobeslaw (SO Gr.), Pacow (28 Gr.), Wesely (24 Gr.), Drahow (24 Gr.), CliyilOW
(21 Gr.), Klokoty (20 Gr.), Nedwedice (18 Gr.), Cetoraz (18 Gr.), Posna (18 Gr.),
Tucapy (15 Gr.), Ratibofice (15 Gr.), Töchobuzi (15 Gr.), Radaun (15 Gr.), Lomnice
(15 Gr.) Skalice (12 Gr.) Mnich (12 Gr.), Obratany (12 Gr.), Dobesow (12 Gr.),
Nowosedly (12 Gr.), Cetoraz (10 Gr.), Zhof (11 Gr.), Kfec (9 Gr.), Radenin (9 Gr.),
Hroby (9 Gr.), Pohnany (9 Gr.), AVezne (9 Gr.), Pöna horny (Pomerium, 7 Gr.),
Blazejow (Blasiislag 7 Gr.), Chustnik (7 Gr.), Budislaw (6 Gr.), Stramia (6 Gr.),
Prasiw£i (6 Gr.), Hertwikow (6 Gr.), Castrow (4 Gr.), Tömina Kamenice (3 Gr.),
Slowcnice (3 Gr.), Tfebon (Wittingau, Kloster), Cernetiee (Filiale von Dobesow),
385
Mladosowice, Cachoiuoi- (Ciiner), Ziro'wnice, Draliow, Dirne, Kamonice, Lodhevo-w,
Lutowa.
4, Decanat Dudleby.
Swiiiy (trhowe, 1 Scli. 6 Gr.). Kriimau (Krumlow, 50 Gr.), Kaplice (48 Gr.),
Ujezd (kamenny, 39 Gr.), Kajow (34 Gr.), Stropnice (30 Gr.), Boletice (30 Gr.),
Rosenberg (24 Gr.), Welcsin (24 Gr.), Dudleby (21 Gr.), Hofice (21 Gr.), Cer-
nice (21 Gr.), Rosentlial (Roznaital 21 Gr.), Malsiny (Myslany 21 Gr.), Sweraz (21 G.),
Eorowany (21 Gr.), Pfidoli (21 Gr.), Deutsch- Reichenau (18 Gr.), Böhmiscli-Rei-
clienau (18 Gr.), Sobenow (18 Gr.). Holienfurtli (Kloster, 18 Gr), Stfizow (18 Gr.),
Clilum (Rfemze, 15 Gr.), Borsow (15 Gr.), Chwalsiny (15 Gr.), Blanske (15 Gr.),
Benesow (15 Gr.), Swetlik (Kirchslag, 6 Gr.), Zumberk (6 Gr.), Menoslaw (?, 6 Gr.),
Ktis (6 Gr.), Frimburg (6 Gr.), Greczen (Nove Hrady, 5 Gr.), Dwofiste horni (Bor,
Merica Rinoldi), Zaton (Propstei von Ostrow), Cetwina, Dwofiste dolni (Merica),
Plana (de monte Vitconis), Hersow, FreudenthaJ, Chroboly, Kugelweit, Malonty,
Slawkow, Witigenliausen (S. Thomas), "VVltawice dolni, Zbitiny.
5. Decanat Wolyn.
Prachatice (1 Seh. 12 Gr.), Wolyiie (1 Seh.), Cestice (42 Gr.), Baworow
(mit der Filiale Blanice 35 Gr.), Jenin (32 Gr.), Piracow (30 Gr.), Pfedslawice (30 Gr.),
Bilskö (24 Gr.), Bfezi Wlachowo (24 Gr.), Bohumilice (mit Winterberg 21 Gr.),
Laziste (18 Gr.), Malenice (15 Gr.), Laz (S. Maria, 15 Gr.), Zablati (12 Gr.), Ste-
ken (9 Gr.), Kraselow (9 Gr.), Zdikow (9 Gr.), Dobrs (6 Gr.), Strunkowice (6 Gr.),
S. Adalbert (Lstöni 6 Gr.), WacQW (6 Gr.), Cejetice (5 Gr.), Hostice (5 Gr.), Ckyne
(5 Gr.), Lhenice, Nicow, Witejo-wice.
6. Decanat Bozen.
Mitrowice (38 Gr.), Bubowice (36 Gr.), Chrastice (SO Gr.), Mirotice (30 Gr.),
Radomysl (30 Gr,),Kasejowice (30 Gr.), Rosenthal (Rozmital, 30 Gr.), Blatna (24 Gr.),
Tochowice (21 Gr.), Stare Sedlo (Antiqua Sella, 21 Gr.), Radobytce (21 Gr.), Hwoz-
d'any (19 Gr.), Strazistö (18 Gr.), Pohofi (18 Gr.), Pasteky (18 Gr.), Lnafe (18 Gr.),
Chauowice (18 Gr,), Sedlec (17 Gr.), Rakowice (15 Gr.), Kocelowice (15 Gr.), Böl-
cice (15 Gr.), Borotice (12 Gr.), Cerniwsko (12 Gr.), Pfibram (12 Gr.), Bezde-
kow (12 Gr.), Kamyk (12 Gr.), Budislavrice (9 Gr.), Tfebsko (8 Gr.), Kadow (7 Gr.),
Tbity (6 Gr.), Zasanice (Resanice, 6 Gr.), Pecice (6 Gr.), Chotaun (6 Gr.), Ujezdec
(6 Gr.), Töchnic (6 Gr.), Wisnowa (6 Gr.), Sliwice, Bohutin, Zaluzany.
7. Decanat Praeliin.
Berg-Reichenstein (Kasperskc hory, 1 Seh. 42 Gr.), Nezamyslice (alba eccle-
sia, 30 Gr.), Wolonice (30 Gr.), Bor wetsf (27 Gr.), Bor mens! (24 Gr.), Zabof
(18 Gr.), Kwasenowice (18 Gr.), Nowe Mesto (Neustadt 18 Gr.), Albrechtice (18 Gr.),
Bukownik (18 Gr.), Zaweklow (18 Gr.), Wzduny (18 Gr.), Weihartice (16 Gr.),
Su.sice (Sicca, 15 Gr.), Petrowice (15 Gr.), Zbj'nice (15 Gr.), Zboro-wice (15 Gr.),
Hostice (15 Gr.), Praclicn (12 Gr.), Radesice (12 Gr.), Repice (12 Gr.), Dlouha-
Aves (Longa A-illa, 12 Gr.), Katowice (11 Gr.), Budetice (9 Gr.), Zihobce (8 Gr.),
25
386
Mlazow (G Gr.), Strasiii ((3 Gr.), Swojsice ((> Gr.), Kolincc (6 Gr.), Horazdowice,
Rajsko, Strakonice, Teclionice.
IV. Archidiacoiiat Pilsen.
Decanat Pilsen.
Neu-l'ilseu (2 Seh.), Wseruby (1 Seh. 15 Gr), Lestany (30 Gr.), Litice
(30 Gr.), Jezdna (30 Gr.), Sekyfany (30 Gr.), Oprnice (30 Gr.), Ledce (30 Gr.),
Tuskow (Propstei von Kladrau , 30 Gr.), Kostelec (S. Georg bei Pilsen, Propstei,
von Brewnow, 30 Gr.), Chwalenice (21 Gr.), Krasowice (21 Gr.), Malesice (18 Gr.)
Dobfany (18 Gr.), Böla (15 Gr.), Alt-Pilsen (15 Gr.), Chotikow (15 Gr.), Unesow
(15 Gr.), Kozolupy (12 Gr.), Bfezi (12 Gr.), Sulislaw (12 Gr.), Loza (6 Gr.),
Tis (? G Gr.), Drustowa.
2. Decanat Eokyean.
Rokycany, Dysina (1 Seh.), Radnice (36 Gr.), Drahonüw Ujezd (36 Gr.),
Myto (Miita, 30 Gr.), Zwikowec (24 Gr.), Baecice (21 Gr.), Stupno (horni 18 Gr.),
Osek (18 Gr.), Ojeuice (15 Gr.), Cijewice (15 Gr.), Plana (15 Gr.), Obora (15 Gr.),
Mesuo (15 Gr.), Chemie (15 Gr.), Kozöjedy (15 Gr.), Nezv('stice (12 Gr.), Zaka-
wa (12 Gr.), Kostelec (12 Gr.), Zdemyslice (12 Gr.), Setec (12 Gr.), Ujezdec
(S,Kfize.9 Gr.), Pfiwötec (9 Gr.), Pofice (9 Gr.), Cicow (8 Gr.), Chylice? (8 Gr.),
Tenowice (6 Gr.), Skofice (6 Gr.), Strasetice (2 Gr.), Lhota (dlouha 2 Gr.)
3. Decanat Klattan.
Kl'attau (2 Seh. 15 Gr.), Pfestice (Propstei von Kladrau, 1 Seh.), BIo-
wice (36 Gr.), Pomuk (30 Gr.), Strazow (24 Gr.), Swihow (24 Gr.), Mecin (21 Gr.),
Planice (21 Gr.), Chudenice (21 Gr.), Zinkowy (21 Gr.), Wfeskowiee (21 Gr.),
, Nyrsko (18 Gr.), Dne.sice (18 Gr.), Janowiee (18 Gr.), Myslewo (15 Gr.), Wrcany
(15 Gr.), Polen (15 Gr.), Predslaw (15 Gr.), Zd'ar (15 Gr.), Prusiny (15 Gr.), Le-
tiny (15 Gr.), Tynec (12 Gr.), Kydlyni (12 Gr.), Milec (12 Gr.), Cizkow (12 Gr.),
Desenice (12 Gr.), Dolany (12 Gr.), Nemcice (12 Gr.), Horsice (12 Gr.), Zdebofice
(9 Gr.), Bechafow (9 Gr.), Buznowice (? 9 Gr.), Kbely (6 Gr.), Lukawice (6 Gr.),
Cachrow (6 Gr)., Stepanowice (6 Gr.), üloh (Prusiny 6 Gr.), Luby (6 Gr.), Nezdiee
(4 Gr.), Wicow (3 G.), Chlistow (3 Gr.), Krcin, Habartice, Zborow.
V. Archidiacoiiat Ilorsow.
Decanat Horsow.
Domazüee (Tusta, Tauss, 1 Seh. 24 Gr.), Swatost bei Tauss (40 Gr.),
Chotesow (40 Gr.), lIor.sow (34 Gr.), Stahkow (26 Gr.), Straz (26 Gr.), Tauskow
(Hartmanuw (24 Gr.), Skapee (19 Gr.), Kdyne (19 Gr.), Meinice (19 Gr.), Bu-
kowee (19 Gr.), Srbiee (19 Gr.)-, Stitary (18 Gr.), Ujezd sw. Kfize (17 Gr.),
Meclow (16 Gr.), Hlohowa (16 Gr.), Laucim (16 Gr.), Uboc dolni (16 Gr.),
Merklin (IG Gr.), Holisow (15 Gr.), Bukowa (15 Gr.), Hostouii (15 Gr.),
Pfestavlky (14 Gr.), Blizejow (14 Gr.), Stanetice (14 Gr.), Lstöni (14 Gr.),
387
Hora sw. Waclawa (U Cn:), OsAvracin (14 Gr.), Mii-kow (14 Gr.), Sitbof (11 Gr.),
Stare sedlo (Antiqua sella, Altsattel, 11 Gr.), Bernartice (11 Gr.), Pfimda (11 Gr.),
Semöwice (9 Gr.), Mutenin (8 Gr.), Eacow (8 Gr.), Cecowice (8 Gr.), Bijedly (8 Gr.),
Krakow (8 Gr.), Dubec (8 Gr.), Hradce (8 Gr.), Tfebnice (7 Gr.), Uboc horni
(6 Gr.) , Rokosin (S. Georgen, 6 Gr.) , Tyn (bei Hofo-w , erzbiscli. Scliloss) , S.
Catbarina (Kapelle '!) , S. Laurenz (auf dem Schlosse Bor) , Kolowce , Kostelec
(bei Cliotösow), Prostibof, Waltifow, Zdaniily (?).
VI. Arcliidiacoiiat Köiiiggrätz.
1. Decanat Königgrätz (Hradec).
Königg'i'iifz (Hradec Kralowe, li. Geist 2 Scb.), Altarist bei S. Leonard da-
selbst (21 Gr..), Libcany (38 Gr.), Miletin (30 Gr.), Slakendorf (Cernilow
(27 Gr.), Dohalice (21 Gr.), Petrowice (21 Gr.), Osice (18 Gr.), KiJnigswald
(Mezii-ici 18 Gr.), Hohenbruck ( Tfebecbowice 18-Gr. ), Neclianice (18 Gr.),
Chwojno (18 Gr.), Dfitec (15 Gr.), Kunetice (15 Gr.), Skalice (15 Gr.), Lo-
cbynice (15 Gr.), Milewice (15 Gr.), Zdanice (15 Gr.), Wsestary (15 Gr.), Bela
(15 Gr.), S. Peter in Königgrätz (12 Gr.), Ziwanice (12 Gr.), Rosice (12 Gr.),
Dobi-enice (12 Gr.), Hefmanice (12 Gr.), Chlum (12 Gr.), Bolidanec (12 Gr.),
Kratonohy (12 Gr.), Dubenec (12 Gr.), Hofinewes (12 Gr.), Hnevcewes (12 Gr.),
Zwole (12 Gr.), Hofice (10 Gr.), Swety (10 Gr.), Rossberg (Jasena, 9 Gr.),
Sedrazice (9 Gr.), S. Martin in Königgrätz (Vorstadt 9 Gr.), S. Jacob in Kö-
niggrätz (9 Gr.), Probluz (9 Gr.), Holohlawy (9 Gr.), Nedeliste (9 Gr.),
Ples (9 Gr.), Policany (9 Gr.), Jefice (9 Gr.), Chotebofice (9 Gr.), Hrädek (6 Gr.),
Stözery (6 Gr.), Semonice (6 Gr.) , Ujezd -wysoky (6 Gr.) , Zizelewes (6 Gr.),
Strakotiu (6 Gr.), Albrechtice (5 Gr.), Habfina (4 Gr.), Byste (4 Gr.), Brusnice horni
(4 Gr.) , Sucha (4 Gr.) , Jaromif (Kloster der Regularkanoniker von S. Au-
gustin), Libcice (0), Krnejowice (0), Semin (0), Bystre (Waltersdorf, 0), Cerek-
vice, Cebuz, Lanzow, Lochynice, Rohenice, Tfemesna bilä, Tfemesna cerwenä, Wi-
donice , Wfestow, Zaluiiov.
2. Deeanat Jiein.
Siehe §. 24.
3. Decanat Bydzow.
Smidary (48 Gr.) , Chlumec (36 Gr.) , Zlunice (21 Gr.) , Luhy (21 Gr.),
•Luice (21 Gr.), Bydzow (18 Gr.), Kozojedy (15 Gr.), Hradystko (15 Gr.),
Wäpno (15 Gr.), Altwasser (Stara woda, 15 Gr.), Lowcice (15 Gr.), Welezice (15 Gr.),
Wesele (Wysoke, 15 Gr.), Chraustow (15 Gr.), Knözice (12 Gr.), Wlkow (12 Gr.),
Slatiny (12 Gr.), Chomutice (12 Gr.), Lucina hora (12 Gr.), Wysocany (12 Gr.),
Chodowice (12 Gr.), Sobcice (12 Gr.), SLatinky (9 Gr.), Mestce (kralowe, 9 Gr.), Ohni-
stany (9 Gr.), Liskowice (9 Gr.), Babice (9 Gr.), Zahornice (6 Gr.), BohaTyne
(6 G.), Wrsce (6 Gr.), Slowec (6 Gr.), Ujezd (6 Gr.), Metlicany (4 Gr.), Luzice
(3 Gr.), Blizkow (3 Gr,), Berunice, Kfivany, Mstihnew (Stihnow), Ujezd svatojansky.
4. Decanat Glatz.
fi\atz f, Habeischwert (42 Gr.), Reingersdorf (Rengersdorf 39 Gr.), Hen-
nigsdorf (Hansdorf? 30 Gr.), Wiinschelburg (Radkow, 30 Gr.), Schweidlersdorf
25*
388
(Sclwedddorf, 24 Gr.), Niedersteine (18 Gr.), Obersteine (Mittelsteine, 18 Gr.),
Ulrichsdorf (Ullersdorf, 18 Gr.), Gebhardsdorf (Gabersdorf, 18 Gr.), Wolflinsdorf
(Wölfelsdorf, 18 Gr.), Neuenrode (16 Gr.), Biskupice (Pischkowitz, 14 Gr.), Lan-
dek (12 Gr.), Kunzendorf (12 Gr.) , Wolpersdorf (11 Gr.), Waltersdorf (11 Gr.),
Wilhelmsdorf (Alt-Wilmsdorf, 11 Gr.), Arnoldsdorf (Grafenort ? 11 Gr.), Loniuiz
(10 Gr.), Tolmessendorf (Tunscliendorf, 9 Gr.), Eberhardsdorf (Ebersdorf bei Neu-
rode, 9 Gr.), Reinharz (Dusniky, lleinerz, 9 Gr.), Eberhardsdorf (Ebersdorf, 9 Gr.),
Eckardsdorf (Ecker&dorf, 9 Gr.), Langenau (9 Gr.), Kislingswald (8 Gr.), Wal-
tersdorf (7 Gr.), Schlüge Isdorf (7 Gr.), Schreckersdorf (Schreckensdorf 5 G.), Kon-
radswald (5 Gr.), Heinzendorf (3 Gr.), Mittelwald (3 Gr.), Königsheim (3 Gr.),
Bertholdsdosf (Altz-Batzdorf, 3 Gr.), Reichenau (3 Gr.), Litwimvalde (Lichten-
wald, 2 Gr), Winklersdorf (Winkeldorf, 2 Gr.), Sigfriedsdorf (Seifersdorf, 2 Gr.),
Lauterbach, Schönwald.
5. Deeanat Dobruska.
Dobriiska (30 Gr.), Nachod (15 Gr.), Krcin (12 Gr.), Skalice ceskd (12 Gr.),
Opocno (11 Gr.), Bohuslawice (9 Gr.), Solnice (9 Gr.), Cerncice (6 Gr.) , Pfe-
pycliy (6 Gr.), Upice (6 Gr.), Chwalkowice (6 Gr.), Kostelec (5 Gr.), Cermna
(in Glatz 6 Gr.), Grünau (Cernikowice, 4 Gr.) , Levin (in Glatz, 3 Gr.) , Sku-
hrow (3 Gr.), Wodörady (3 Gr.), Dobenin (3 Gr.), Tfebesow (3 Gr.), Ujezd
(bily, 3 Gr.), Starkow (3 Gr.), Hronow (3 Gr.), Hoficky (3 Gr.), Zalezly (3 Gr.),
Dobr6 (3 Gr.), Slawonow (3 Gr.), Zakravi (2 Gr.), Hradek (2 Gr.), Bolmsin
(2 Gr.), Wernefowice (ceske, horni 2 Gr.), Olesnice (0), Dobrany (0), Machov (0),
Rtyne (0), Destna, Chwalec, ühriuow (veliky),
6. Deeanat Königinhof.
Dwui* krälowe (Königinhof, mit Hradiste Chustnikowo = Gradlitz 45 Gr.),
Trutnow ( Trautenau, 30 Gr. ) , Wrchlabi ( Propstei von Opatowice 30 Gr. ),
Arnau (Hostinne, 27 Gr.), Hermannseifen (18 Gr.), Trutnow (Spital 15 Gr.),
Altenbucli (Antiqua Fagus, Stare Buky, 15 Gr.), Lanow (dolni 15 Gr.), Chotewice
(15 Gr.), Trutnow (Dorf 12 Gr.), Brusnice (nemecka,'9 Gr.), Wikersdorf (? 8 Gr.), Jung-
buch (Juvenis Fagus, mladö Buky, 8 Gr.), Pillungsdorf (Pilnikow, 7 Gr.), Olesna
(6 Gr.), Bornflos (? wahrscheinlich Schatzlar, 5 Gr.), Kotziersdorf (Koclefow, 4 Gr.),
Wlcice (4 Gr.), Zarow (dolejni 3 Gr.), Schönberg (in Schlesien 3 Gr.) , Hertwigsdorf
(? 3 Gr.), Albertsdorf (Albendorf in Schlesien, Walbcfice, 3 Gr.), Rokytnik stary
(3 Gr.), Bernartice mit Deutsqh-Olesna (3 Gr,), Bertholdsdorf (Bärtelsdorf in Schlesien),
Cermua (0).
7. Deeanat Kostelec.
Ko.stelcc (33 Gr.), Castalowice (15 Gr.), Choceü (12 Gr.), Chleny (12 Gr.),
Huatnice (12 Gr.), Deutsch-Libchawa (6 Gr.), Tynistii (G Gr.), Täcno (G Gr.)>
Reichenau (5 Gr.), Böhmiscli-Libchiiva (5 Gr.), AValdonborg (Wamberg, 4 Gr.),
Sachow (3 Gr.), Seuftenberg (Zamberg, 3 Gr.), Orlice (Pratum, 3 Gr.), Brandys
(3 Gr.), Sudislaw (3 Gr), Skrownice (3 Gr.), Pisecna (3 Gr.), Reichenberg (2 Gr.),
Henice (2 Gr.), Potenstein (2 Gr.), Kunwald (2 Gr.), Rybnä (2 Gr.), Slatina
(2 Gr.), Peciu (2 Gr.), Rokytuice (2 Gr.), Lukawec (liorejni 2 Gr.) , Jawornice
(2 Gr.), Nekoi- (2 Gr.), Sopotnice (2 Gr.).
389
8. Decanat Braunau.
Brauiiau (f), Friedland (8 Gr.), Rupertsclorf (Rupreclitice, 6 Gr.), Scliö-
nau (6 Gr.), Bertlaoldsdorf (Bözano-w, 6 Gr.), Martinsdorf (Martinkowice, 6 Gr.),
Waltersdorf (in Schlesien, 4 Gr.), Wiclimannsdorf (Teplice hofejsi, 4 Gr.), Her-
maiinsdorf (Hefmanlco-wice, 3 Gr.), Merklinsdorf (Zdoiiow, 2 Gr.), Trautliebersdorf
(in Schlesien 0), Wieseuau (Pratum desertuni 0), Ober-Abersbach.
9. Deeanat Ohrudim (später zur Leitomy§ler Diöcese gehörig).
Chrudim, Rozliowice, Choltice, Lepejowice, Tfebosice, Chlaumek, Nove mesto,
Pardubice, Timochody, Hostowice, Sezemice, Dasice, Morawauy, Slepotice, Chrausto-
wice, Tyuec (Hrochüw), Ewanowice, Trojowice, Zestoky, Kaplice, Houbice, Rosice,
Podlazice, Chrastice, Kostelec, Kamenice (trhowa), Sw. Mikulas, Nasewrky, Bito-
wany, See, Zumberk, Slatinany, Swidnice, Luciborice, Bojanow, Komyrk, Chrbokow,
P.;ucliobrady, Stolany, Morasic;;, Kostelec, Hefmanmv mestec, Micow, Hostalowice,
Stojico, Switaw.!, Sw. Wrbata.
10. Deeanat Hohenmaut (später zur Leitomysler Diöcese).
WysokÖ MytO (Hohenmaut), Wratislaw, Radhost, Uhersko, Platenice , Re-
dice, Holice, Rybna pusta, Ostfetiu, Zämrsk, Polotic (?), Hefmaaiee ceskii, Helota ( ? ),
Sloupuice, Wratisowice (?), MIadocow, Knii-ow, Bucina, Makow, Chotowice, Bo-
zidum (Nowy hrad), Prosec, Repniky, Peralec, Krauna, Lazany, Hliusko, Rauna,
Skutce, Stöpanow, Janowicky, Liize, Woletice, .Teuisowice, Kamenicka, S-wratka.
11. Decanat Policka (spater zur Leitomysler Diöcese).
Pollcka, Tfemesna ( Sebranice) , Öiroky dül ,. Aujezd dolnf, Cerekwice ,
Lauterbach, Trstenice, Abstdort" (Opatow) , Ditrichsdorf (Jeti-ichowa wes), Witejo
wice (Heinzendorf ?) , Bystro, T/pin, Jedlowa , Korouhew ('?), Borowa , Morasice,
Jansdorf, Karle, Kvetna, Limberg, Banin, Rohoznä, Albrechtice (?).
12. Decanat Landskron (später zur Leitomysler Diöcese).
Laudskroil, Tfebowa cesk;i, Lukowa, Danuiikow, Künigswald, Tfebowice,
Retowä welkä , Wilhelmsworde (Wildenschwert, Ousti uad Orlici), Knapowec,
Dobrouc dolni, Kunzendorf ('.'), Ostrow (Mjchelsdorf), Cermna (Rufa aqua), Dobrouc
horni, Rudoltice, Jablonne,
YII. Im 8aazer Archidiacoiiat.
1, Dec. Saaz, 2. Dec. Caaden, 3. Dee. Luditz. (Seite 91 — 95.)
4. Deeanat Tepl.
Bor (Merica, Haid 1 Seh. 15 Gr.), Tachow (1 Seh.), Leskow (39 Gr.), Kla-
druby (36 Gr.), Swojsin horni (30 Gr.), Holostfeby (30 Gr.), Plana (30 Gr.),
Bernartice (80 Gr.) , Brod ( Brück, Cihana, 24 Gr. ) , Hradiste (24 Gr.) , Celiwo
(24 Gr.), Brtna (24 Gr.), Svojsin (dolni 24 Gr.), Tepla (19 Gr.), Tauzim (18 Gr.),
Jamne (18 Gr.), Utery (Neumark 18 Gr.), Kozolup (18 Gr.), Krsy (18 Gr.),
390
Wiclziu (18 Gr.), Ceniosiu (15 Gr.), Erpu.sice (15 Gr.), Otin (15 Gr.), Utwina (15 Gr.),
Pistow (15 Gr.), Landek (Ostrociii 15 Gr.), Ksice (12 Gr.), Daubrawa (12 Gr.),
Haberkladrau (Avenatica Cladruba, 12 Gr.) , Tisowa (12 Gr.) , Sedliste stare
(Altzetlisch, 12 Gr.), Domaslaw (9 Gr.), Cliody (9 Gr.), Kfiwce (9 Gr.), Sla-
•wice (9 Gr.) , Scliönwald (9 Gr.) , Zacliluiny (9 Gr.) , Sedlec vysokö (Hochzed-
lisch, 7 Gr.), Skwirin (6 Gr.), Bohuslaw (G Gr.), Einsiedeln (6 Gr.), Trnowä (6 Gr.),
Lechow, 6 Gr.) , Bofejow (6 Gr.) , Chodowa Plana (Kuttenplan, 6 Gr.), Trste-
nice (l^^eudorf (6 Gr.), öipiu (6 Gr.), Krasikow (3 Gr.), Stfibro (Mies f)/ Sam-
berg, Heiligeukreuz.
5. Decanat Elbogen.
Die Kreuzherrenpfründen: Elbogen, Wrano-w (Frolmau), Espentlior, Tliier-
garten (Obora, S. Leonard bei Carlsbad) und Sedlec (Zettlitz), zusammen 2 Seh.
Decem zahlend für '/g Jahr. Dann: Slawkenwerd (Ostrow, 52 Gr.), ßadunsfurt
(Rodisfurt) mit Haid (?, 24 Gr.), Lomnice (Lanz, 21 Gr.), Falkenau (21 Gr.), Swa-
tobor 'Zwetbau, 18 Gr.), Saudau (Zandow, 15 Gr.), Welichow (14 Gr.), Schlackenwald
(12 Gr.), Lichtenstadt (Hroznetin, 12 Gr.), Künigswart (9 Gr.), Königsberg (9 Gr.),
Kocengrun (Gossengrün, 6 Gr.), Tocow (3 Gr.), Schünficht (3 Gr.), Neudek (2 Gr.), Cho-
dow(2Gr.), Neudorf (2 Gr.), Zalmanow (Solmus, 2 Gr.), Stanowice (2 Gr.), Tatrwice.
(Balbini Mise. dec. I. Üb. V. Palacky : dejiny ceske I. pfiloha D. Palacky :
Popis kraloYStvi cesk. — Original — das Zehentregister von 1384 in der F. E.
Bibliothek in Prag.)
Mr. ^.
Altslawische Ueberlieferung , dass Böhmen das Ghristeiilhum zuerst
aus Deutschland empfing.
Die berühmte und von den Cechen als echt vertheidigte Küniginhofer Hand-
schrift erzählt unter Ändern den Heldenkampf des ZäboJ gegen einen fremden
„K ü n i g" der im 9. Jahrhunderte in Böhmen das Heidenthum bedrängte. Zäboj
rief da die Böhmen zum Kampfe auf :
„Sieh', da kommt ein Fremder mit Gewalt in's Erbgut,
Und gebietet drin mit fremden Worten, —
Und wie's Brauch im fremden Land von Früh bis Abend,
So zu thuu hier, herrschet Kindern er und Weibern,
Und uns selbst mit Einem Weib su zoandeln ;
Aus den Hainen (der Götter) scheucht er alle Sperber,
Und den Göttern, die des fremden Lands sind,
Heisst er uns sich neigen, ihnen Opfer darzubringen.
Vor den Göttern an die Stirn sollen wir uns nicht mehr schlagen,
Lr der Dämm'rung ihnen Speise nicht mehr reichen.
Wo der Vater dargebracht Kost den Göttern,
Wo er hinging, um sie anzurufen.
Schlug er nieder alle Bäume
Und zerstört' er alle Götter.
3&1
Das durcli diesen Anruf versammelte Heer der Ceclieu zog unter Zäboj aus,
„Durch der Wälder Grund dem blauen Berg zu ... .
Und ersahn mit fuchsesscharfem Blick des Königs Kriegsmacht."
Anführer der feindlichen Macht ist Llldjok „mir ein Knecht oh Künigs-
knechten" gehorchend „seinem Zwiugherrn."
Ein fürchterlicher Zweikampf Zaboj's und Ludjek's entscheidet zu Gunsten
der Cechen. Die Fremden -werden aus dem Lande verdrängt.
Es liegt auf der Hand, dass jenfer „Zwingherr" im 9. Jahrhunderte nur ein
König des Westens sein konnte, — ofienbar nur Carl der Grosse oder Ludwig der
Deutsche, deren Kämpfe gegen die Cechen auch anderweitig erwiesen sind. Der
Name des Anführers Ludjek mahnt sogar an König Ludwig selbst. Was aber
anderwärts nicht ausdrücklich gesagt wird, das bekennt hiemit die alte Handschrift
ganz unzweideutig : die fremden Eroberer legten auch ihre Hand
an die Ausrottung des Heide nthums in Böhmen. Bemerkens-
werth ist es auch, dass die cechische Sprache aus dieser Zeit das Wort Jcväl als
Bezeichnung des ihr, fremden Künigstitels überkommen hat.
Nr. S.
Gränzen des Prager Bislliums bei seiner Erriclilnng.
(Bestätigungsurkunde des Kaisers Heinrich IV. 1086.)
In nomine sanctae et individuae Trinitatis Henricus IV., divina favente
dementia Romanorum Imperator, Augustus.
Regio nomiui et imperatoriae dignitati congruere novimus, ut ecclesiarum
Dei utilitatibus ubique opitulantes damna vel injurias earum, quacunque necesse
fuerit, propulsemus. Quapropter universis nostrique regni fidelibus tarn futuris
quam praesentibus notum esse volumus, qualiter fidelis noster Pragensis episcopus
Gebhardus saepe confratribus suis et coepiscopis caeterisque pontificibus nostris ac
novissime nobis conquestus est, quod Pragensis episcopatus, qui ab initio Bohe-
miae ac Moraviae ducatuum unus et integer constitutus, et tani a Papa Benedicto
quam a primo Ottone imperatore sie confirmatus est, postea autecessorum suorum
consensu sola dominantium potestate subinthronizato intra terminos ejus novo
episcopo divisus esset es imminutus.
Qui cum Moguntiae coram legatis apostolicae sedis praeseutibus nobis ac
plerisque regni nostri optimatibus eandem quaerimouiam intulisset, ab archiepiscopis
Wenzloue Moguntino, Sigewino Coloniensi, Egilberto Trevirensi, Liemaro Bremens!,
ab episcopis quoque Tiederico Virduuensi, Conrado Trajectensi, Odalrico Eistetensi,
Ottone Ratisponensi, cum assensu laicorum ducis Boemiae Wratislai et - fratris
ejus Conradi, ducis Friderici, ducis Lutoldi, palatini comitis Eapotonis et omnium,
qui ibidem convenerant, primitiva üla pciwclda cum Omni terminorum suorwn
ambitu Pragensi sedi est adjudicata.
Termini autem ejus occidentem versus lii sunt: Tugosc qime tenäit ad
medium fluminis Chtih, Zedlicane, Lucsane, Daciane, Liitomirici, Lemuzi us(iue
ad mediam silvam, qua JSoJiemia limitatur.
392
Deinde ad aquilonalem lii sunt termini: Psouane, Crouati ei altera
Chrouati, Zlasane, Trebouane, Boborane, Dedosesi vsqiie ad mediam silvam,
qua Milcianorum occurfunt termini.
Inde ad orientem hos fluvios habet terminos: Bug scilicet et Ztir cum
KraJcova civitate provinciaque, cui Wag nomen est, cum omnibus regionibus
ad praedictam urbem pertinentlbus , quae Kräkova est. Inde JJngarorum limi-
tibus additis usque ad montes, quibus nomen est Tatri, dilatata procedit.
Deinde in ea parte, quae meridiem respicit, addita regione Moravia
usque ad flivoimn, cui nomen est Wag, et ad mediam siliiam, cui nomen est
Muore, et ejusdem montis, eadem parochia tendit, qua Bavaria limitatur.
Mediantibus itaque nobis et communi principum aspirante suifragio peractum
est, ut dux Boliemiae Wratislaus et frater ejus Conradus supradicto Pragensi epi-
scopo fratri suo parochiam judiciario ordine requisitani ex integro reprofiterentur
et redderent. Proinde nos rogatu ejusdem episcopi rationabiliter inducti Prngensis
episcopatus reintegratioiiem nostrae imperialis dignitatis edicfco illi et successoribus
ejus confirmamus et stabilimus, in-violabiliter decernentes, ne ulLi posthac cujus-
libet conditionis persona vel ulla societas homiuuin Pragensi ecclesiae quicquam
sui juris in praenotatis terminis alienare praesmnat.
Data III. Cal. Maji ab ine. dorn, MLXXXVI indict. IX. anno autem dorn.
Henrici regni quidem XXXII. iinperii vero III.
Cosmae Prag. Chron. in script. rer. Boli. I. 168. Erben regest. 73 und 74.
Mr. 4«
Confirmations-Urknmle te^Ieissiier Bistlmiiis.
Joaimes Episcopus, servus servorum Dei. Si semper sunt concedenda, quae
piis desideriis congruunt : quanto potissimum ea, quae divini cultüs praerogativa
noscuntur, non sunt omnino abneganda , quae sunt a largitoribus non solum poscen-
da, sed vi charitatis procul dubio exigenda. Habita igitur synodo et multorum ve-
nerabilium fratrum coepiscoporunique nostroruni conventu Romae in ecclesia beati
Petri principis Apostolorum , assidentibus augustissimis Imperatoribus Othonibus
utrisque, anno scilicet imperii majoris sexto, minoris primo, iidem gloriosissinii Im-
peratores postularunt a nobis, quateuus monasterimn, quod pro remedio animarum
suarum primitus construi, et in honorem beati Joauuis Evangelistae consecrari fe-
cerunt, super ripam fluminis, cui nomen est Albea, in civitate Misna sita, videlicet
in provincia, quae dicitur Dalemincia, cui etiam monasterio virum venerabilem, no-
mine Burcliardum lionorifice praefecerunt, privilegiis sedis Apostolicae decorati, ut
sub jurisdictione sanctae Ecclesiae nostrae, cui auctoritate Dei praesidemus, consti-
tutum, nullius alterius Ecclesiae ditionibus submittatur. Pro qua re piis disideriis
faventes, laac nostra auctoritate, id quod exposcitur, effectui mancipamus, interponen-
tes tarnen ea, quae et ipsi principes in nostris privilegiis eupiuut expoui, et cunctis
in Christo fidelibus manifesta fieri, more antiquorum Imperatorum., Hi duo Impera-
tores pater et filius nobis assidentes, Misnensi Episcopatui terminum imposuerunt, no-
minando etiam terminationes locorum, sicut infra continetur.
Ubi Caput et fons est aquae, quae dicitur Odera, inde quasi recta via
usque ad caput Albeae. Inde deorsum ad occidentalem partem,ubi divisio dua-
393
rum regionum est, BeJiem et Msen: Ibidem ultra Älbeam, et ])er silvcmi in
occidentalem partem usque ad caput Müdae, et sie deorsum per amhas piagas
ejusdem fluminis, usqtie dum Milda intrat in Albeam et sie siirsiim ultra pro-
vinciain Nisiei, ad ipsimi terminum : nee non in altera parte Lmyd et Sei-
poli, et sie usque ad civitatem Sulpize, illam videlicet infra eundem sursum
usque ad caput ejus.
Homines vero, quemadmodum hi praeseutes Imperatores statuisse fateutuv, qui
iufra terminum istum habitant, in omui fertilitate terrae, frugum et peciidum, iu
argento, et vestimento : nee noti quod Teutonici dicuiit Ouarcapunca et Calunga
familiarum. Iiisuper tota utilitate, et iu omnibus rebus, quibus mortales utmitur in
diversis modis decimationes, quas Deo cuucta gubernanti debent, ad Misnensem
Ecclesiam, primum Deo, deinde Sancto Joauni Evaugelistae universa dubietate procul
reniota persolvant , referaiit, et reddant. Et ideo in Cliristo sanximns, firmiterque
concessimus, ut nuUus Metropolitanus, nnllus Episcopus, nulla etiani magna vel
parva alterius ordiuis et gradus persona, praeter sedis Apostolicae Antistitem infra
terniinos Misxiensis Ecclesiaaej cui venerabilis EpiscoiJUS Burcbardus praeesse dig-
noscitur, quemque ordinäre, dijudicare, excomnmuicare, vel aliquid temere exercere
ullo modo, praesumat. —
(Ex Georgii Fabricii Chemnicensis rerum Misniacarum libris p. 78 et 79.)
Scelsorgspfi'iiiitlcn des Meissner Bisllmms, nach dem MS. Matricnla
.jurisdiclioüis Eiuscopatus Misiiensis 134G. (Budisiiier Domarcliiv.)
I. Praepositura Misnensis.
1. Sedes Dobelyn. 2. Sedes Loinatzscli.
Monasterium ibid. Eccl. ibid.
Stregus. Mostewitz (Blostewitz).
Knobeisdorf. Stregeuitz.
Otzelsdorf. Lewben.
Zergraw. Pausewitz.
Technitz. Rausclielytz.
Hoenweyschen. Zscboebaw.
Mogkcritz. Henitz.
ßittenitz. Zeygenheim.
Kywitz. Kregig.
Sclirewitz. Nycasenitz.
Zschawitz. Gana apud S. Gotbardum.
Mochaw. Hoef.
"Waltheim. Zceren.
Simselwitz. Mascbewitz.
Gruneubergk. Derssenitz.
Pycbaw. Boris.
Altare in hosp. Altaria villarum : iu Moke- Praus.
ritz, Ponien, Kywitz, Techenitz, Schrewitz.
394
3. Sedes Freibergk,
NB. Capitulum eccl. Freiberg. de bene-
ficiis incorporatis singulis bienniis nomine
biennalis subsidii 4 Sexag. et 20 Gr.
„exsolvant."
Tütendorf.
Conradisdorf.
Superior Boberiscb.
Colbenitz.
Prescliendorf.
Frauenstein.
Hainau.
Lichtenbergk.
Weissenborn.
Bertelsdorff.
Galentz.
Seyda.
Flew.
Frankenbergk.
Frankenstein.
Sclionau superior.
Oderau.
Boberitz inferior.
Hartmansdorf major.
M u 1 d a u.
Waltersdorf.
Langenfeit.
Schellenbergk antiqua.
Czeta.
Wust Waltersdorf.
Forcheim.
Nauendorf.
Hartmansdorf minor.
Lauterbacb.
Langenau.
Eppendorf.
Dittersbacb.
Waltkyrche.
Borkersdorf.
Kyrclibach.
DorfF Kempnitz.
Erbigisdorf.
Capeila b. V. M. in Greiuitz sub parocb.
Hartmansdorf.
4. Sedes Oschatz.
Ecc. ibid.
Leuben.
Schweth.
Lympach.
Mogelyu.
Nauendorf.
Colmen.
Loppe.
Lampreclitsdorf.
Kaiewitz.
Below.
Lamprechtswalde
Waldericbswalde.
Merkewitz.
Treptytz.
Schmorkaw.
Laes.
Paustenitz.
Lesnitz desolatum.
Strele.
Czausewitz.
Borne.
Gantzig.
Monasterium Sornizcygk.
Zsclieschaw.
Aide Oschatz.
5. Sedes Roswen.
Ecc. ibid.
Ezcelsdorf. ^
Langenheinersdorf.
Pappendorf.
Heinchen.
Bockendorf.
Grunaw.
Stregus.
GreiffendorfF.
Ringentall.
Rossaw.
Nossen.
Windeschebore.
Schirme.
Rossain.
Martbach.
Deutzschenbore.
395
Seyflersdorf.
Borkerswalde.
Gleisbergk.
Tubenheim.
Sibenlehen.
Sorau.
Ecc. S. Nicolai prope
Misnam.
Rudigersdorf.
Capella. in Arnsdorf.
Nauenstatli.
II. Byessaw Praepositura.
Borktytz alias Brocktitz.
1.
III. Decanatus Misneni
Monasterim ibid.
Hey de.
Lewthewitz.
Glaubatz.
Grobe.
Czitau.
Canytz.
Wayda.
1. Sedes Hertzbergk.
Ecc. ibid.
Laben.
Bockaw.
Rossen.
Beiern.
Refelt.
Dobuchau.
2. Sedes Si
Ecc. ibid.
ayda.
2. Sedes Molbergk.
Dorentael.
Monasterium ibid.
Vontzdorf (Voutzdorf ?)
Nassau.
Werdenheim.
Schmerckendorf.
Pfaffenrode.
•Sachsdorf.
Clausenitz.
Boragk.
Commersdorf.
Blombergk.
Albernau.
Costdorf.
Borssenstein oder Neuenliaus.
Antiqua Belgerin.
3. Sedes Wilaiidtsdorff.
Fichtenbergk.
Tristewitz.
Ecc. ibid.
Beigern.
Grumpach.
Arnsbergk.
Geiersdorf.
Schremsewitz (Schremlewitz ?)
Hertigiswalde.
Neifen.
Ohorn.
Katewitz.
Schönaw inferior.
Sernewitz.
Dytmansdorf.
Obegaw.
Reinsbergk.
Stavitz.
Kromenlieinersdorf.
Krobelin.
Byberstein.
Kawertiz.
Hirssfelt.
Warttenbrugk.
Neukirclie.
Libenwerden.
Blankenstein.
Lausen.
Tannenbergk.
Lympacli.
3. Sedes Pretio.
Schonbergk.
Ecc. ibid.
Myltitz.
Axiir.
396
Plotli (Plotz).
Zcwisclikaw.
Betaw.
Dreben.
Lochaw.
Lebben.
Dantzsclieu.
IV. Praepositura Cloden.
1.
Ecc. ibid.
Rade.
Gürsdorf.
Batyn.
2. Sedes Selimiedbergk.
Ecc. ibid.
Trebatzscli.
Pretatszcli.
Murow.
Blediu.
Globock.
Reuritz
Ockelu.
Altare in Castro Prelatzscli sep.
3. Sedes Torgaw.
Ece. ibid.
Odenhain.
Reichenbach.
Witzwitz.
CJitzschen
Wildenliain.
Suptitz cum amiexa „Groswiglc".
Eisnick.
Cynnaw.
Neyden.
Schwete.
Krysliaw.
Wesenigk.
Zcackow.
Dolaen.
Schamnewitz.
Tura.
Buch.
Beckewitz.
Trossein.
Falckenbergk.
Schildaw.
Weidenliain.
Kobersliaiu.
Dommatzscli.
Sitzeneade monasteriuni.
Altare in castro Torgaw et in hospitali
ibid.
V. Archidiaeonatus Nisieensis.
1. Sedes Dipolswalde«
Ecc. ibid.
Bollendorf (Bossendorf ?)
Reinoldsgriun.
Habendorf, Hockendorf.
Reiclistadt.
Lybenaw.
Bernstein.
Jansbach.
Chrischaw.
Rabenaw.
Sommersdorf.
Heinersdorf.
Dittersdorf.
Seiffersdorf.
Maxen.
Seidensdorf.
Lauenstein.
Mons Geusing.
Vallis Geusing.
Oppidum die Glashütte.
NB. Folgende Pfarren unter dem Ge-
stifte Marienthal gehörten unter die
Meissnische geistl. Jurisdiction.
Jauernigk.
Leibe.
Nieder Seifersdorf.
Melaun.
Meyselwitz.
(Dies NB. auf einem angehefteten Zettel in
mat. Misu.)
2. Sedes Dresden.
Ecc. ibid.
Unkersdorf.
397
Besterwitz.
Loraenitz.
Leubenitz,
Sclionfelt.
Plauen.
Langenbrugk.
Bresenitz et jam
demissa perpetua in
Lansse.
Cossebucle.
Eschmansdorf.
Doelen.
Ottendorf.
Keiclienberg.
Waldenrote.
Kesselsdorf.
Dittersbach.
Weistrop.
Medegaw.
Constapel.
Seiffersdorf.
Bernsdorf.
Kotzscliebrode.
VI. Praepositura Worzcij
Lewben.
Clotzchaw.
Wilsdorf.
Ecc. in antiqua Dresden.
Roswyk.
1. Sedes Dyeben.
Ecc. ibid.
Grunaw.
Utliusens.
Preskwelig.
3. Scdes Pyrii.
Resin.
Ecc. ibid.
Cryn.
"Welen sup.
Jessenitz, alias Gessenitz.
Lbonien.
Presser.
Borstendorf.
Selchaw.
Hoserwitz.
Tornaw.
Borckerswalde.
Swemsen.
Cottaw.
Kemnitz.
Ottendorf.
Skogen.
Friderichswalde.
Torquine.
Borne.
Fredersdorf.
Lybenstatli.
Lausk.
Donen.
Dobraw.
2. Sedes Wortzei
Breytenaw.
Deben.
Rudigersdorf.
Motzsclien.
Welen oppidum.
Luptitz sup.
Altare in Castro
Wesseustein.
Males.
Wermsdorf.
4. Sedes
R.ideberg'k.
Fremdiswalde.
Ecc. ibid.
Nercliaw.
Wolflrangsdorf.
Neiclieu.
Wassagk.
Nytzschaw.
Wilsdorf.
Nenuitli.
lludigorsdorf minor.
Borckartzliaiu.
Erckoniarsdorf.
Kosen (Koreu).
Grunenbergk.
Berlin.
Wacliaw.
Falkeuhain.
398
Mogelentz
Kinitzsch.
Taalewitze.
Mortytz.
Rockenitz.
Doberswitz.
Saclisendorf.
Nyczscliwitz.
Zschelpe.
Pathun.
Stielen.
Zscliornow.
Sprottaw.
Tammenhaj'^n.
Hobergk.
Wortzen.
Reiclienbacli.
Lubtitz inf.
Korlitz.
Ragewitz.
3. Sedes Leysnigk.
Colditz.
Leisnig.
Harte.
Applas.
Colinen.
Zschirlen.
Schornerstadt.
Gernigswalde (monast).
Reinersdorf.
Gyrsdorf.
"Windishayn.
Aide Leisnigk.
Hofgen.
Leipenitz.
Weischen.
Zschopach.
Sytten.
Bockelwitz.
Bertewitz, monasterium.
Altare in Gerichenwalde.
VII. Praepositura Haynensis.
Ecc. ibid.
Hirschfelt,
Streleu.
Aw sup.
Aw inf.
Groben.
Zcadel.
Reimersdorf.
Stragen filia Zcabeltytz.
Tymenitz.
Wildenheiu.
Steinbacli incorporata.
Neuenhofe.
Frauenhain.
"Walda-w.
Kmelen.
Ebersbach sup.
Lentz.
Doberwitz gen.
Golus.
Skassaw.
Peritzsch.
Gertz.
Schonfeit.
Radebergk.
Elsterwerdl.
Orttrant.
Lamperechtswalde.
Spansprugk.
Sathan.
TieflPenaw desolatum.
Lyntz.
Sagk.
Collen.
Zchylew.
Redern.
Streumaw.
Baudaw.
Olsnitz.
Lorentkyrche.
Zcabetytz.
Skwesgen.
(Sckeschen.)
Nesenitz.
Tausch.
Dobroci.
Lichtenselie [monast. nionialium).
399
Altaria in Radeborgk.
dto. in Gweden.
VIII. AreMdiac. Kempnitzensis.
1. Sedes Kempiiitz.
Ecc. ibid. & extra muros.
Rudigersdorf.
Rabenstein.
Erthniansdorf.
Witgendorf.
Glese.
Einsidel.
Pleisse.
Reichenbrandt.
Hermsdorf.
2. Sedes 8toIberg.
Ecc. ibid.
Neukircb.
Borkersdorf.
Erlebacli.
Reichenhain.
Jansdorf.
Dorf Sch"weinmitz.
Hornisdorf.
Dorf Kemnitz.
Thalheim.
Harte.
Altare in Castro Stolberg.
Cap. Meinersdorf sub par. Jansdorf.
3. Sedes Waldeiibiirgk.
Ecc. ibid.
Lunckewitz.
Konradisdorf.
Wustenbi'ande.
Sup. Winckel.
Braunsdorf.
Fröna Inf.
Kauffungen.
Calenbergk.
Lympach.
Inf. Winckel.
4. Sedes Wolkenstein.
Mons S. Annae.
Ecc. Wolkenstein.
Mildenaw.
Hermsansdorf prope Zscope.
Tretebach.
Thum.
Geyer.
Ernfriederdorf.
Arnsfelt.
Hermansdorf prope Grunhein.
Gelnaw.
Ruckerswalde prope Wolkenst.
Schönborn.
IX. Archidiac. Zschillensis.
Praepositura in Zschilien.
Praepositura (ord. teut.).
Zschobe.
Erlaw.
Bernwalde.
Ottendorf.
Alt Mit-weide.
Rosbergk.
Wedra.
Auerswalde.
Zcettewitz.
Milckau.
Selitz.
Franckenaw.
Hartmansdorf.
Malen.
Hoenkirche.
Ebersdorf.
Lichtenau.
Glausenitz.
Borkersdorf.
Schweikersheim.
Wesse.
Eyben.
Seifersdorf.
Crossen.
Olbirsdorf.
Tawra.
X. Lusatia Superior.
1. Sedes Biscliofwerde.
Ecc. ibid.
Potczkaw.
400
Ottendorf.
Haus-walde.
Ruckersdorf.
Ugyst.
Porcliaw.
Polen.
Frankenthal.
Scliannollen.
Hartlia.
Rampna.
Drebenitz.
Rugkersdorf.
Keyserwalde.
Rosenhein.
Königswalde.
Rorschdorf.
Magna Rorschdorf.
2. Praepositura Biidissiiiensis.
Gedaw.
Musko-w (Mülkaw).
Schleyf.
Baruth.
Neschwitz.
Soer.
Königswarthe.
Läse.
Glausk.
Gabelenz.
3. Dccancitiis Budissineiisis.
Gottaw.
Hoenkirche.
Steinichtwolframsdorf , Hayusbach
s i m u 1 Z e i d 1 e r.
Schergiswalde.
Tubenlieim.
Radewor.
Bostwitz.
Kunewalde,
Clux.
Cletin.
Wiltiu.
Neukirche.
Graedis.
Porsycz.
Millekal.
Cottewitz.
Solandt.
Cap. in Rade-wor.
4. Sedes Camentz.
Ecc. ibid.
Schweppeuitz.
Lichtenberg.
Ponikaw.
Kroppen.
Ruland.
Lindenaw.
Biscliofslieim.
Heiierswerde.
Nebelschitz.
Gerlachsdorf.
Witgenaw.
Oseling.
Krostitz.
Künigsbrugk.
Crockaw.
Sehmorka'w.
Nawkirche.
Polsnitz.
Elstraw.
Reichenbach.
Grebaw.
Nauendorf.
Hockendorf.
Colmen.
Linkenaw.
Wokaw.
Lawte.
Reichenaw prope Reilenbergk.
Hosp. in Camentz.
5. Sedcs Soraw.
Ecc. ibid.
Druskaw.
Lubnitz.
Belensdorf.
Benen.
Renyswalde.
Kunitzdorf.
Hartmansdorf.
401
Conen.
Deutzschossig.
Ulrichsdorf.
Jaweringk.
Albreclitsdorf.
Leschwitz.
Solenthal alias Selten.
Ebersbach.
Prebus.
Horcke.
Reichenaw.
Windischossig.
Petersdorf.
Ringersdorf.
Greifenhain.
Czadell.
■ Ezebele.
Lodewigsdorf.
Linderode.
Rottenberg.
Schonewalde.
Schonberg.
Welersdorf.
Droschendorf.
Freienwalde.
Lewbe.
Hosp. Soraw.
Rausche.
6. Sedes Loebau.
Heynchen.
Deutschschule prope Görlitz.
Ecc. ibid. filiae Kottmarsdf. et Lawalde.
Hosp. ibid.
Kyttelitz.
Hermansdorf.
8. Sedes Hoensteiu et Sabenitz.
Berteisdorf.
Hoenstein.
Strauenwalde.
Sebenitz.
Ebersbach.
S c h 1 c k e n a w.
Jergiswalde.
Lichtenaw vere Lichtenhain.
Spremberg.
Nikelsdorf.
Oppach.
Nawstadt.
Schünebach.
L b e d a w.
Heinrichsdorf.
S c h n a w.
7. 8edes Görlitz.
Olbersdorf.
Sehende.
Ibid.
Hermansdorf.
Lewtelhain.
Heinrichsdorf.
Altaria in Schluckau : altaristae 3 can-
tantes horas B.V. M. quilibet unam '/o
Marcam.
Lese.
9. Sedes Stolpeu.
Benzig.
Ecc. ibid. et in Castro.
Soer.
Stirtze.
Langenow.
Fischbach.
Melingdorf.
Lauterbach.
Keselingswalde.
Wolframsdorf
Grunaw.
Schmiedefeld
Lichtenberg.
Pfaffendorf.
10. Sedes Lawben.
Baidarmsdorf.
Ibid.
Schönborn.
Holtzkirche.
Nedaw.
Lyssaw.
Teuchenitz.
Lindenaw.
26
402
Lichtenaw.
Geiselbrechtsdorf.
Schreibersdorf.
Güntersdorf.
Heinrichsdorf.
Waldaw.
Thommendorf.
Segeharsdorf.
Schirnaw.
Olrichsdorf.
Hawgisdorf.
Girschdorf.
11. Sedes Reichenbach.
Ibid.
Markersdorf.
Girschdorf.
Fridersdorf.
Bartelsdorf.
Schonaw.
. Bernsdorf.
Mawschwitz.
Dittersdorf.
Kempnitz.
Reinersdorf.
Krischaw.
Tettaw.
Bischdorf.
Soland.
Ebersbach olim filiale ad Soland.
"Waissenberg.
Gebeizig.
Radischaw.
Colman.
Sehe.
Jankendorf.
Bisse.
Seifersdorf.
Arnsdorf.
Königishain.
12. Sedes Seidenbergk.
Friedebergk.
Friedeland.
W e s e prope Saidenb.
Schwete.
Schonewalde.
Logwigsdorf.
Meffersdorf.
Gerlachsheim.
Raspena-w.
Olrichsdorf.
Arn s d orf.
Conradisdorf.
Bullendorf.
Seidenberg.
"Wigantsdorf.
Heinrichdorf.
Wese prope Greifenberg.
Cupra.
Rengersdorf.
Bernsdorf filia ad Schonwald.
Bartelsdorf filia ad Bullendorf.
Altare in Haynsdorf.
Cap. in Ringenhain.
„ in Castro Friedland.
XI. Lusatia inferior.
1. Sedes Beskaw.
Ibid.
Lubrasse.
Mocho.
Niwichsch.
Fridelandt.
Rudenitz.
Cossinblath.
Tuchow.
Wilmesdorf.
Pfaffendorf.
Sawen.
Mockor.
Czaw.
Crügersdorf.
Trebatzsch.
Bokaw.
Bergholz.
Lindenberg.
Arnsdorf.
Wulfersdorf.
Stremmen.
Falkenberg.
Byctz.
403
2. Sedes
Calo.
Schönaw.
Ibid.
Rosentael.
Iheser.
Kempnitz.
Messaw.
Tzagelsdorf.
Drenaw.
Girsdorf.
Czinnitz.
Wilda-w.
Tornaw.
Pitzen.
Schönfeld.
Drainsdorf,
Beicha-w (Reicha-w ?).
Crossen.
Lobenaw.
Golsen.
Colkwitz.
Selienkendorf.
Saslen.
Wetzschaw.
5. Sedes Forst.
Missen.
Ibid.
Laes.
Nosselsdorf.
Galyn.
Ogrosse.
Czechsdorf.
Stregaw.
Redern.
Breseim.
Döber.
Bodemoczil.
Pritzschen.
Ihesar.
Ylaw (YIo).
3. Sedes
Cotbiis.
Sairo.
Ibid.
Sercligen.
Papitz.
Tribel.
Caran.
Czochelin.
Madalae.
Rolzig (Kofctzig ?).
Peitz.
Dewplitz.
Werben.
"Weissagk (Forst).
Lysko.
Colkewitz.
6. Sedes Guben
Cagelaw.
Ibid. monasterium.
Brissen.
Budichaw.
Dyssen.
Bobersberg.
Lewthen.
Ihensdorf.
Schorbisoh.
Niwerlde.
Magna Doebrin.
Nymtzsch.
Parva Dübrin.
Stargrod.
Sylo.
Fünfeichen.
Gentzschwalde.
"Welmenitz.
Mebiskeugk.
4. Sedes
Dhame.
Bresin.
Ibid.
Bemsdorf.
Meysedorf.
Geran.
Elmersdorf.
Marchersdorf.
Rythdorf.
Starzelen.
Buka^v.
Gelaw,
26^
404
Doltziglc.
Alterwascb.
Forstenbergk.
Grcanaw.
Sclienkendovf.
Colo.
Sommerfeld.
Neymaschyleba.
Horvin.
MertensAvese oder Merzwiese.
Schildelaw.
Beytzech.
7. Sedes Kyrchhayii.
Ibid.
Scliönborn.
Fridrichsdort'.
Lugk.
Bugkewitz.
Negisdorf.
rinsterwalde.
Bettyn.
Lysk.
Dolencken.
Franckenaw.
Sornaw.
Gelnitz.
Wormelaw.
Solgast.
Sonnewalde.
Gossin.
Weissagk.
Crusnigk.
Czagkerin.
Sclionewald.
Trebus.
Stechaw.
Hornlubiscli.
8. Sedes Lobben.
Ibid.
Crugk.
Czauch.
Wittesdorf.
Terptdt.
Lein.
Straupgk.
"Waldaw.
Alt. in Lawbechael.
9. Sedes Luekaw.
Ibid.
Gerin.
"VValter.sdorf.
GosmaT.
Pasern.
Gzicko.
Gismersdorf.
Besdo.
Grassaw.
Sclilaberndorf.
Stoberitz.
Gerlachsdorf.
Caselaw.
Gzuchin.
10. Sedes Schlibeii.
Ibid.
Scliwinitz.
Antiqua Hertzberg.
Widra.
Wildenaw.
Malzendorf.
Locliaw.
Sclionewalde.
Lebusse.
Wrcbenaw.
BurgheAvin,
HohenbockaAv.
Dubro,
Arntsclie.
Holzdorf
Nauendorf.
Knoppeldorf.
11. Sedes Sprembergk.
Ibid.
Drepkaw.
GreifFenhain.
Petershain.
Jessen.
Hern.
405
Stradow.
Biosdarf.
Bukaw.
Loyow.
Grauenstein.
Senftenberg.
Lawte ad praepos, Budiss.
12. Sedes Storckaw.
Ibid.
Selchaw.
Golmeii.
Reichenwalde.
Bucholz.
Momtzenhoffe.
Rawen.
Domsdorf.
Schwarn.
Pieske.
Fridrichsdorf.
Glinick.
Hertzberg.
13. Sedes Zcosscn.
Ibid.
Teuptz sive Teupzcygk.
Schime.
Kerclieudorf.
Thure.
Kerstendorf.
Lawenbrugk.
Wylstnck.
Gluck.
Mossen.
Spremberg.
Wilmersdorf.
Wustdorf.
Schultendorf.
Jamslagen.
Sehoneweide.
Werben (capella).
Nr. @.
Das Sliftniigsdiploni des Lcitmeritzer Collegiatcapilels — augeblicli
von Spytilinew II. 1057.
Cum secundum Job vita hominis sit militia super tevram, et secundum Apo-
stolum non coronabitur, nisi qui legitime certavit : nos tanquam milites in hoc solo
mundi et in valle lacrimarum de victoria pugnae ancipites, utramque auctoritatem
juxta posse sequi cupientes, legitime certare et pellem pro pelle, si parvitas vitae
non impediret, cuncta, quae in praesenti vita habebamus, pro anima dare dispone-
bamus, ut in coelis coronari mereamur. Inde est, quod pro modulo nostro et tem-
poris ac nostri aevi parvitate ego Spitigneus, dux Boemorum, cum consorte
thori pro remedio animarum nostrarum cogitantes , in nomine sanctae individuae
Trinitatis ac victoriosissimae crucis et venerabilis virginis Dei genitricis Mariae et
beati protomartyris Stephan! omniumque Sanctorum, basilicam in Luthomiric con-
struentes tali dote studuimus insignire. Conferimus itaque firmo et stabili perpetuo-
que jure possidendum, quidquid ad praesens haec pagina notabit eidem.
Igitur imprimis damus ei XIIII Tillas censualibus hospitibus ordinatas et
ornatas servientibus ac araturis et bubulcis cum omnibus necessariis, silvis videli-
cet et pratis. Nomina autem villarum sunt haec : Cresici, Prrna, Ponovi, Zasade,
Trebessici, Bepcici, Tince, Malsov, ßreza, Pracici, Dubessevici, Huesci, Bussovici,
Hocsov.
Praeterea de omni arte a castris nostris et oppidis , ut ad principis decet mi-
406
nisterium, virum cum uxore, filiis et filiabus, usibus deputamus ecclesiae. Vineas
quoque duas cum vinitoribus, qui sufficerent ad ipsas excolendas. Similiter confe-
rimus puellas operatrices XXX., jumenta centum cum pascuis, totidem otcs, vaccas
XXX., sues LXX. Haec omnia praedictae tribuimus ecclesiae. In viis etiam duabus
una per Klumec, altera in Ustlii octavam liebdomadam nobis debitam praenomina-
tae tradimus ecclesiae.
In oppido autem, quo ipsa fundata est ecclesia, decimum forum, decimam
tabernam et totius nostrl census decimam tarn in judicio, quam in coUecta generali
eidem conferimus ecclesiae. Mediam quoque partem de omni theloneo nobis debi-
tam tarn a desceudentibus quam ab ascendentibus perAlbeam saepe dictae tribuimus
ecclesiae, videlicet quod dicitur Homutone, Othodne, Otroce, Gostine, Gernecne, Sitne.
De forensi etiam theloneo tempore brumali, dum aqua est congelata, in sale quocunque
modo adportato et in piscibus tlieloneum solvendum statuimus. De vino etiam, quod du-
citur superius sive inferius, vel quibuscunque rebus emptis sive vendendis idem fieri sta-
tuimus. Quicunque autem nobilis sive ignobilis, servus et ingenuus, graecus aut judaeus
sal sive alia quaecunque adduxerit, de theloneo duas partes praeposito, tertiam au-
tem canonicis dandam decernimus. De magna igitur nave tarn liospitum quam indi-
genarum duas magnas mensuras, de mediocri unam, de parva vero quotquot sunt
mensurae totidem denarii persolvantur nominatae ecclesiae. Pro minima autem navicula
XVdenariipersolvantur. Porro quicunque homines nobis debent sal solvere, medietatem
thelonei solvant. Addicimus adhuc XII rusticos in Luthomiric, totidem in Beiina
doti ecclesiae. Insuper VI rusticos, qui nobis singulis annis mel solvere consueverunt,
ecclesiae assignamus. Primam vero clausuram sub Lutliomeric toties dictae concedimus
ecclesiae. Jungimus praeterea omnibus supradictis coUectas geuerales, venditioues,
ssvod, glave, narok, nedoperne, grrdost, quidquid ex bis et talibus ad usum nostrura
debet provenire, totum libere et hilariter nostrae concedimus ecclesiae. Per praesen-
tem igitur paginam cunctis praesentibus innotescat et futuris, quod quaecunque
sunt nominata et subscripta, nuUus in liis excepto praeposito et canonicis dominari
permittatur. Insuper etiam de grege jumeutorum singulis annis poledrus pro tunica
unicuique canonico sit deputatus, annualis quoque decimatio ab hominibus ecclesiae
nostrae pertinentibus non alii nisi praeposito persolvatur. Fratribus autem in prae-
dicta ecclesia commorantibus addimus circuitum silvae ante urbem cum agris
eidem silvae adjacentibus et Podvine. De villa Secrrpi damus liominem Zlaton
nomine cum filiis et fratris ejus ad usum ecclesiae.
Placuit etiam nobis minist eralium omnium nomina, in quibus villis commoren-
tur, subnotare, ut posteri discant, quos et quare memoratae tradidimus ecclesiae.
Igitur sive mellis solutores sive campanarii aut sutores albi et nigri seu ceteri qua-
liscunque artificii homines ad usum saepe dictae ecclesiae sunt per nos maucipati,
cunctis praesentibus innotescat et futuris. W. Zasadi est campanarius datus cum
terra, Kozel vinitor cum terra, Ssvan vinitor cum terra ; sutoresquOi ut supra dic-
tum est, albi et nigri, fabri, carpentarii, stubaecalefactores, ibidem etiam sunt hospites
quam plures. Pocraticich Dalesse vinitor cum terra, Cecen vinitor cum terra,- Dräs
vinitor cum terra, Sytenicich Bacuka vinitor cum terra. Na Bosti Mal carpentarius
cum terra. Trebucicich rustici duo, Kozroy et frater ejus Hostas cum terra. Trrnovass
terra fabri, cui nomen Cis. Nu.cnicih Mali cum terra et aliam habens Luchove. Ko-
407
pistech terra liospitalis ad aratrum. Radvine Gotesse rusticus cum terra. Usti Cean ru-
sticus cum terra. Gastranem Ceacuka rusticus cum terrci. Pelceass Bikut rusticus cum
terra. Et alia Sernossiecli terra rusticalis. LutbohoTass Jurata piscator cum terra, Za-
lezzlecli Osstrass, rusticus cum terra, et aliam liabens Prossmicich. Nadiem hospitalis
terra ad aratrum. Na Wilkonine rusticus cum terra ad aratrum. Lucovicili Plativoy su-
tor niger cum terra, et aliam habens Radvine. DlaskovicicJb Kozroy rusticus cum terra
ad duo aratra. Hotissowe liospitalis terra ad aratrum. Bremass Jacub nutritor equo-
rum cum terra ad aratrum. In üsti Krisan cum campo , qui dicitur Bresnik , ibi-
dem terram babens ad aratrum. Peruc Pissk cum terra; Trrnowass Tesek custos
apum cum terra ad aratrum. Kopisteb rusticus cum terra. Kostelec, Konogedi,
Tribrussko, Dubrawici ea dimidia villa.
In provincia Boleslawiensi : Hotetowe : Zikac faber cum terra ad aratrum.
Bozni cocus cum terra, Damianus cum terra ad aratrum. In proTincia Satcensi Hot-
sowe Prestan campanarius cum terra ad aratrum. Lesskab Deton custos apum cum
terra ad aratrum. Lubne Prauec carpentarius cum terra. In provincia Boizienensi Draso-
wicih Radeh custos apum cum filio Zvoytenet cum terra et omnibus apenditiis. Si-
gossici Kveteli cocus cum terra. Ad ipsum vero castrum Lutomiric pistores molen-
dinarii, quorum nomiua sunt haec : Stromata, Nerad et alii quam plures. Ex bis om-
nibus quicunque diabolo suadente aliquid minoraverit, poenas aeternas cum ipso in
perpetuum patiatur. Amen.
Quae autem hie articulantur, per vires catholicos eidem ecclesiae sunt attri-
buta. Groznata dedit circuitum Cesslaw Lagevicib Heinricus dux terram, quam
Zdeslaus dederat ei. Vilelmus Pocodicih dedit terram. Pavel dal jest Plosskovicib
zemu. Wlah dal jest Doleass zemu Bogu Steppanu se dwema dusnicoma Bogucea
a Sedleav.
Ex Facsimili Dobneri (annal. V.) comparato cum copiis Atlianasü a S. Jo-
sepbo (M. S. bibl. episc. Litom.), Erben (regesta p. 51 etc.), bibliotbecae M. S. uni-
versitatis Prag. (I. D. 2.) et Plattneri (in areh. capit. Litom.)
Mr. ^.
Die Confirmatiousurkimde des leitmeritzer Collegiatcapitels von
Pi'emysl OUokar I. 1218.
In nomine sanctae et individuae Trinitatis Ottacarus, qui et Pfemysl, Dei
gratia Boemorum rex, Dei omnipotentis ecclesiarum, quae pro remediis animarum
antecessorum nostrorum fundatae dinoscuntur, et omnium aliarum utilitatibus pro-
videntes, et quae ab iis sunt malitiose deperdita cupientes accuratius revocare, et
ne ea, quae in locis plurimis per nostros parentes antiquitus et per alios bonos viros
minutim iis sunt collata, possent deperire, quae omuia pro testimonio scriptis per
bonos provisores fuere redacta, quibus jam omnium deest testimoniam et scriptor
tum vetustas pertineas demolita, cum dictum Privilegium Lutomericensis ecclesiae,
quod ex sui vetustate jam putridum nobis fuit praesentatum, ne per oblivionem
bona eidem ecclesiae quoquomodo alienarentur, quae piae reeordationis serenissimus
408
dux contulit eidem, fecimus renovari et sigillorum nostroruin impressione coufir-
mari in miUo antiqui privilegii, qiiod tale est, tenore mutato. Cum doniino volente
Spitigneus clarissimus ac religiosissimus dux ecclesiam venerabilem in Christi no-
mine felicissimaeque virginis Mariae ac Stephani protomartyris aliorumque sancto-
rum construxisset, familiam hanc ad eandem praedictam ecclesiam pro remedio
animae suae tali tenore est largitus, ut ab omnibus terrenis negotiis libera exi-
steret, nisi tantum praeposito fratribusque ejusdem ecclesiae faceret cuncta neces-
saria. Igitur de omni arte a quibusdam provinciis sicut principis decet ministerium,
de ministerialibus destinavit Tirum cum uxore et filiis filiabusque ad unam quam-
que pertinentem artem.
Villis XIV hospitibus integris: sex vero aratoribus cum omnibus necessariis
scilicet filiis ac aratris, ecclesiam ditavit.
Vineas quoque duas cum vinitoribus, quanti sufFicerent ad excolendas eas, dedit.
Puellas XXX operatrices. Equas quoque centum cum campo iis destinato, totidem-
que oves. Vaccas autem XXX et LXX sues. Vias verro duas, unam per silvam
Hulmez (decimam) hebdomadam acciepinndam praedictae concessit ecclesiae, alteram
quoque per aquam Usty, quae duci pertinuit, addidit. In ipsa vero civitate, in qua
praefata collocata est ecclesia, quicunque hujus patriae incolae sal (alec) sive alia
quaeque per aquam advehunt, II partes praeposito, tertiamque fratribus accomoda-
vit, de parva navicula XV denarios, cujuscunque sint, serri aut liberi, dari praecepit;
de magna aiitem duas mensuras praeter illos, qui sal duci debent, et ipsos etiam
medietatem persolvere jussit. Hospituni autem naves et naviculas sie ordinavit, ut
de maxinia nave duas magnas mensuras, de mediocre unam, de parva, quot mensu-
rae tot denarii persolverentur. Rusticos vero de lutomericensi provincia XII, de
belinensi totidem ordinavit. Illos autem, qui proinde omni anno mel ex hortis solvere
debent, VI constituit. Ex iis igitur, quae praediximus, videlicet venditione hospitura
et de tributis, nee non de viis et de apiariis, tertia pars sine offensione fratribus
decreta est.
Insuper etiam de grege equarum uno quoque anno poledrus pro tunica uni-
cuique eorum destinatus est. Legalis autem decimatio ab honiinibus ecclesiae huic
pertinentibus nulli alii nisi praeposito cum fratribus persolvatur. Haec sunt nomina
villarum, quas supra diximus : Cresicj, Pirne, Zasade, Trebesici, Repcicj, Tiner, Ze-
dlze, Dubeeh, Popovo, Ptacliichi, Zlatina, Huclii, Lubesso-wiclii. Nomina villarum,
in quibus rustici, qui mel solvunt, atque ministeriales, qyä ministeria unaquaque
hebdomada exhibent, notati sunt, in lutomericensi provincia : V Zasady. Hoc cam-
panarius cum terra, Zwan vinitor cum terra, praeter hos .sutores, pellifices albi et
nigri, fabri, carpentarii, calefactores stubae. Sunt etiam in eadem villa hospites
quam plures. Pokraticih Dalese vinitor eum terra, Cecen vinitor cum terra, Dras
vinitor cum terra. Sitinichih Bachulia vinitor cum terra. Naboschi Mach carpenta-
rius cum terra. Trebutichih rustici duo, Rozroy et frater ejus cum. terra. Terno-
vas terra fabri nomine Cis. Nuclmicih Malic cum terra et aliam habens Lucove.
-Copisteh terra hospitalis ad aratrum. Radnyne Hotese rusticus cum terra. Vscri Cen ru-
sticus cum terra. Naztranem Cacuca rusticus cum terra. Peschaz Bikut rusticus cum
terra, et alia Zernozecheh terra rusticalis. Lubohovaz Jurata piscator cum terra. Zalezleli
Ostas rusticus cum terra et aliam habens Prosmiceh. Natlem hospitalis terra ad ara-
409
trum. Nauulconine rusticus cum terra ad aratrum. Lucoucili Platiuoy sutor niger, et
aliam habet Raduyne. Dlascouicih rusticus Rozroy cum terra ad II aratra. Hotesoue
hospitalis terra ad duo aratra. Bremiaz Jacob mitritor equorum cum terra. In provin-
cia belinensi : na Uzy Crisan, cui campus, qui dicitur Breznik, datus fuit, quem pro
remotiore dux praefatus sibi adoptavit praedicto ministeriali in TÜla eadem terram
rusticalem ad aratrum mutavit ; Poruc piscator cum terra in eadem rilla. Teruovaz
Tesci custos apum cum terra ad aratrum. Costelech, Conoiedi, Tribrusco, Dubrauiz,
dimidia villa. Copist rusticus cum terra. lu proYincia bolezlaAiensi : Kotetoue Zikac
faber habens terram ad aratrum. Brizak Iztbezza minister habens terram ad aratrum.
Bozni Damianus cocus habens terram ad aratrum. In satcensi prouincia : Hotsoue
Preztan campanarius habens terram ad aratrum. Lescah Deton custos apum habens
terram ad aratrum. Tubne Prauez carpentarius habens terram ad aratrum. In provin-
cia boyzenensi : Drazouicili ßadek custos apum cum filio Zuoyen et cum terra
omnibusque appenditiis. Siuohoschi Quetek cocus cum terra. Ad ipsum verum castrura
lutommericense sunt pistores et molendinarii, quorum nomiua sunt haec : Aromata,
Nerad. Ex his omnibus, quicunque diabolo suadente aliquid minoraTerit, poenas cum
eodem aeternas in perpetuum patiatur. AMEN. Actum in Budin Anno ab iu-
carnatione Domini millesimo CCXXIII. Indictione sexta,
(Ex originali iu archivo capit. Litom.)
Mr. 8.
a) Beispiel einer Praesenlatioii.
Reverendo in Christo Patri Domino Tobiae venerabili Pragensis Ecclesiae
episcopo Wenceslaus D. S. Rex Boemiae , Dux Cracoviae , Marchio Moraviae et
Dominus Sandomiriae Salutem et paratam ad ipsius beueplacita voluntatem. Pater-
nitati vestrae ad vacantem Nobis Ecclesiam in Werningerode, in qua Jus Patrona-
tus habemus, ut dicitur, Wernherum Clericum exhibitorem praesentium praesenta-
mus, potentes affectuose, quatenus ipsum in praefata Ecclesia confirmare dignemini,
et in eadem iuvestire de Spiritualibus propter Deum.
Datum Clingenberch 14. calendas Novembris et indictione tertia.
b) Beispiel der Confirmalioii eines Pfiirrers.
Tobias Dei gratia pragensis episcopus omnibus praesentes litteras inspectuvis
salutem in Domino. Cum a nobis petitur, quod justum tam vigor juris quam ordo
postulat rationis, ut id ad exauditionis (?) gratiam favorabiliter admittamus ; eapropter
Universität! vestrae tenore praesentium volumus esse notum, quod nos adpetitionem
et praesentationem nobilis viri N. N. presbyterum exhibitorem praesentium rectorem
instituimus legitimum et plebanum ipsum cum omnibus pertinentiis auctoritate, qua
fungimur, confirmantes et animarum ei lucrum et regimen, prout ad nostrum spectat
officium, committentes. In cujus rei testimonium etc.
Historische Monumente des Königthums in Böhmen.
MS. V. Dr. Prof. Höfler.
410
Mr. ö.
Ottocarische Confirmationsiirkunde des Stiftes Ossegg.
Otaker, qui et Primuzl, Boemorum rex, confirmat fundationem mo-
nasterii OssecCMsis per ZlaTCoiiem et Milgostum factam. — „Primates niulti
regni nostri miserunt multa in G-azopliylatium domini, de quorum numero fuere non
infimi Zlaiico comes illustris, et Milgostus Milgosti filius, qui revera bonorum me-
moria digni, scientes, quae sunt regis, regi reddere, Deoque, quae Dei sunt, more
patriae praedia sua per manus nostras domino assignarunt. Cujus negotii seriem
paulo altius retexentes populo , qui nascitur, natoque significanius, quam Milgoztus
primo divini cultus amore a notis nobis fratribus in Waltsassen conventum petiit,
accepit, terrae nöstrae iuduxit, ac praediis, quibus potuit, illustravit. Cumque lo-
cus , quo coenobium fundaretur , aptus deesset, multorum egit consilio, ut supra-
dictus Zlauco couTentum illum in praedium suum Ozzech dictum transferret , locum
scilicet ad omnem monasticae constructionis situm ut dies ipsa loquitur peramoenum.
Quam illico transponendi claustri oblationem vir ille pius pie satis amplexatus, apta-
tum praedium aliaque praesentis paginae flne seriatim nominata, Milgosto ideni de
suis infra notatis faciente, uxoribus quoque amborum ac liberis et universis haeredibus
rata astipulatione consentientibus in manus nostras deposuit sicut jam diximus. Igi-
tur — bene coeptis illorum ex animo occurentes, praesentibus suppanis atque faven-
tibus supscripta praedia, scilicet : s s e cli cum terminis suis, Hirdloc, Dam-
z 1 a V i z et Villam H a g n dictam, et Hirnszer, Biln,Hosniz, Croyvart
cum parte villae quae dicitur Bochniz et alia parte villae d o 1 i t z dictae Deo
sanctaeque deigenitrici Mariae libera solemni ac legitima donatione contulimus, prae-
sentis abbatis Rutbardi fratrumque praesentium ac futurorum Cisterciensis ordinis usi-
bus cum uniTerso terrenae utilitatis fructu etc. perpetuo mancipanda. Sciendum prae-
terea, quod ipsum coenobium Ossek sub defensionem protectionis nostrae suscipientes
— statuimus, ne quis judex, ne quis offlciatus, ne qua plane sublimis humilisve persona
in villis ant curiis, quas ipsi habitant, aliquam potestatein exerceat vel tyrannidem, non
de excessibus rusticorum se judicem interponat, scilicet, sive se mutuo vulnerent vel
occidant, seu qualibet arte conturbent ; ipsi cum consilio fidelium suorum, prout sibi
viderint expedire, ordinent atque disponant. Eemittimus quoque eis communes terrae
collectas, cum jure vectigalium, quae solent dare exeuntes in C o p v i z , et ne quis con-
provincialium liminarem silvam praedio eorum contiguam ad aliquos usus praesumat
succidere, quia ipsis tautum in usus posteritatis suae habendam concessimus. — Hujus
rei teste« sunt : Otliaker, qui et Primuzl, rex tertius Boemiae, Wladislaj^fS marcliio Mo-
viae, Cristanus cancellarius et praepositus Wissegradensis, Grabissa et Boguslaus filii
Zlauconis, Hageno et Petrus, filii Milgozti. Ad hujus igitur rei confirmationeni sigilli
iiostri, episcopi quoque Danielis, nee non et ecclesiae Pragensis impressione munivimus
liaec et confirmavimus. Hujus quoque rei testes sunt : Daniel secundus ecclesiae Pra.
gensis episcopus, Pribizlaus decanus, Wezemilus arcbidiaconus Bechinensis, Waltinus
Johannes, Vitalis cellerarius, Laurentius, Mirozlaus, Fridericus, Matheus, Witigo archi-
diaconus. Acta sunt haec anno ine. dom. MCCIII. ep. VI. conc. IL ind. VII. Data
411
Pragae per manus Cristani caneellarii et Benedict! scriptoris sigillata aiitem per mauus
Anshelmi, VIII. Kai. Maji."
Cod. diplomat. arcliiv. Ossec. sec. XIV. fol. 1 et 2 Copia in Mus. Boli. Erben
regest. 214.
Mr. lOe
Bestellung des papsUiclien Scliiedsgerichts für Ossegg 1207
9. Junii Viterbii.
I n n c e n t i u s III. papa „Pragensiet.. Olomucensi epi-
scopiset..praeposito de LutlimeritZj Prägen sis dioecesis
committit causam inter monasterium Ossecense etMilgostuni
nobilem decernendam. — „Suani ad nos dilecti filii . . abbas et couveutus
de Ozzich Cisterciensis ordinis, querimoniam destinarunt, quod eum nobilis vir M
(ilgast), Pragensis dioecesis, quasdam possessiones eis liberaliter duxerit concedendas,
in qnibus ideni abbas et monachi monasterium postmodum construxerunt : quia propter
latronum instantiam et incommoditates alias compulsi sunt ad locum alium se transferre,
eos idem miles, bonis omnibus, quae ipsis coutulerat, spoliavit, fratres suos exinde
violenter expellens. Propter quod bonae memoriae . . ipsius monasterii abbas, timore
perterritus, sine sui capituli conniventia super bonis ipsis cum milite composuit memora-
to in ejusdem monasterii praejudicium et gravamen. Quia vero nobis coaititit de prae-
missis discretioni vestrae per apostolica scripta mandamus, quatenus partibus convo-
catis et auditis liinc inde propositis, quod justum fuerit, appellatione postposita, decerna-
tis, facientes, quod decreveritis per censuram ecclesiasticam observari" etc. Datum Vi-
terbii V. idus Junii, pontif. an. X. Dobner annal. VI. pag. 614. Erben regest. 229.
Mre tt.
Confirmationsurkimde des Biscüofs Daniel füi« Ossegg.
1209. 3. September Ozzek.
Daniel episcopus Prageusis monasterii Ozzecensis pos-
sessiones et privilegia confirmat. — „Dum Zlawkone nobili viro nos
invitante venissemus in Ozzek, dilectam sibi et bonae spei norellam fundatiouis suae
plantationem, cum ad benedicendum cimiterium et altare apostolorum Petri et Pauli
rite accederemus, interrogatus a nobis ipse et alii , de quorum beneficiis ecclesia
memorata fundari coeperat, invenimus subscriptos reditus ac possessiones Deo et omnibus
sanctis, specialiter autem sanctae Mariae ac beatis apostolis Petro et Paulo ab ipsis esse
oblatas, quas etiam confirmatione domini Innocentii papae tertii, neo non et privilegio
Otliocari regis Boemiae perspeximus fuisse munitas. Quia vero bis duobus uostra quoque
412
auctoritas accedere fieret debuit, ut indissolubilis quodanunodo triplex funiculus, id-
circo et nos reditus atque praedia, quibus eo tempore memorata gaudebat ecclesia, prae-
senti pagina commemoramus, et sub protectionem patronorum nostrorum S. Viti, Adal-
berti et Wencezlai colligimus : locum ipsum z z e k, cum silvis, pratis, campis et pa-
scuis suis , Hagin, Domazlavitz, Hirdlouc, Sconuelt^, Brezan,
B g n i t z partem, Hirn seh er, Bilen, Hosnic partem , N a p o s c h e r a d ,
d 1 i t z aratrum unum, Grivatez vel Mnicliov, Telciad tria aratra, in
Fridba ch unum mansum, Lasan, W i s s o c z a n ; in decimis autem haec possidebant:
in Odolitz decimam frumenti vini et caseorum, in S v i n s i t z similiter, in B e t h s-
c V e Yini et caseorum, in M e r o s o v i t z vini, in Lubtitz frumenti, in G r e b i s s i n
duplicem decimam fori, in P o n t e vini et fori, in Z a v i d o v telonei et judicii deci-
mam. Praeterea fundator supra dictus ecclessiae suae favens in omnibus, de villis, quas
cunque locare posset in silva ultra claustrum, taliter ordinavit, ut de expensa sua
rura extirparentur, et omnes reditus eorum dimidii forent ecclesiae. Eex quoque memo-
ratus bene coeptis ipsius manum ingenitae liberalitatis apponens, dedit praedictis
fratribus nonam septimanam de teloneo in C o p i t z et de semita claustro pro-
xima totum dimidium, insuper et communem terrae collectam , quam berne vo-
camus per omnes villas ipsorum eis remisit, atque ut per omnes Belinensis provinciae
semitas sine teloneo exeant et merces suas libere transferant clementer indul-
sit. Nos etiam saepedicti fundatoris inducti precibus jus patronatus Zavidoensis
parocliiae eisdem fratribus habendum statuimus, ita tamen ut non mercenarium ibi
sed legitimum locando vicarium ecclesiae suae commodis illa non destituta pro-
yideant, et ne jura vel utilitates dioecesani ibi aliquam patiantur jacturam omnimo-
dis elaborent. Denique Bogilaus Zlaukonis filius, patris juvando propositum, de-
dit ecclesiae suae molendinumjuxtaHozstemiz et decimam frumenti in
Syrncliov — Hujus rei testes sunt : Zlauco fundator et filius ejus Bogzlaus.
Zlauko filius fratris ipsius Börse ; Milliozt , qui primo conventum de Waltsassen
adductum in Maschow locaverat , Vnecs et Johannes frater ejus, Johannes etiam
filius, Vnecs, Shutbor de Jamni, Heinricus de Wira, Scauzau Luthognevitz, Ja-
rozlau de Zabrussan, Martin frater Petri Eos, Vbischest et privigni sui Bogzlau
et Wilscli, Martin de Medwedic, Johannes de Lun, Pil Bogzlawitz , Martin de
Bressan et frater ejus Waurenz , Wsebor dapifer Zlauconis , Predvorez pincerna
ejus , Johannes telonearius ejus , Beneda et filius ejus Thirsech de Grussovan ,
Scyrnech villicus Zlaukonis, Budchor de Cirdow, Nerad de Rohozne , "Wittas
villicus de Zvetiz et alii multi. Data Ozzek IH. nonas Septembris , die bene-
dictionis cimiterii et consecrationis altaris apostolorum Petri et Pauli , anno
dominicae incarnationis MCCIX. , sub rege Boemiae Othecaro , tempore, quo rex
Otto de ßrunswich Romae in caesarem ungebatur , anno XVI. egressionis con-
ventus de Waltsassen in Mascov, translationis autem eorum in Ozzek anno X.
positi fundameuti anno III. sub abbate Hermanne.
E cod. diplomat. monasterii Ozzec copia in Mus Boh. Erben regest. 236.
413
Nr. f ^.
Fundalion für den Steinbau iu Ossegg
c. 1230—1240.
Fundatio coenobii ordinis Cisterciensis de Ozzek. —
^,Ego Joannes comes, fundans coenobium dei et sanctae Marias ordinis Cisterciensis de
Ozzek, fratres assumens et illi domui maucipans haec ad ipsam fundationem alFero :
Nesekove villam forensem et circa ipsam villani de bonis meis tantiun confero, quod
annuatim solvet viginti marcas et post quamlibet marcam sedecim strichones annonae,
VIII siliginis et octo avenae. Praeterea cum aedificare de lapidibus coeperint, af-
feram tanta bona, quae annuatim solvant XXX marcas ad aedificationem, ad claustrum
perpetuo pertinenda. Ad claustrum construendum dabo tres carpentarios appreciatos,
et alios tres beneficiatos ; praeterea rusticos ad eorum in aediiicando adjutorium, quot-
quot fuerint necessarii, carpentariis alimoniam praebiturus. Bona omnia, quae ipsi
contuleram fundationi, quae ab episcopo Olomucensi dicunt esse impetitoria, recipio, et
totidem bona de patrimonio meo hereditario ipsi fundationi in praesenti restituo, prio-
ribus utiliora. Locum , claustrali mansioni in ipsis bonis habilissimum atque
convenientissimum habentem fluvium nobilibus piscibus piscosum , molendinum in
claustro futurum quatuor rotarum de subtus vertibilium , lapides , cemen-
tum prope locum ligna super locum et circa locum ad aedificia congruentia
sufficientia, ortuni circa locum, duos fontes ductiles super locum nobiles, et haec
bona XX. marcarum in fertili terra, duodecim araturas cultae terrae de pecunia
mea instruam. Insuper villam fratris mei Pribizlai nomine Sarred im am ei
claustro conferram, iibi sunt prata nobilis foeni infinita, piscationes bonae, nemora
bona. Praeterea silvam ad fundandas villas fertilis fundi copiosam. Insuper
quoad visero, a dando nunquam cessabo. ') Quatuor molendina marcam annuatim
solventia ad luminaria ecclesiae perpetuo confero. Aedificiorum succisa ligna
super locum praesentare faciam."
Orig. in arch. ejusdem monasterii. — Boczek IL pag. 37. Erben reg. 226.
Nr. 13.
Oi'änzYertrag über die Gränzen zwischen Zagost und Budisin.^;
In nomine sanctae et individuae Trinitatis, amen.
Nos Wenzeslaus, Dei gratia rex Boemorum quartus, omnibus in perpetuum.
Cum clarae memoriae carissimus pater noster Ottacarus rex illustris cum
venerabili Domino Brunone Misnensis ecclesiae episcopo bona fide limites inter
') Quae sequuntur, serius alia manu addita sunt. Erben regest. 226 conf. 624.
'■^) Die eigentliche Urkunde datirt vor 1228 und wurde zwischen Pi-omysl Ottocar I.
und dem Bischof Bruno IL vereinbart. Sie beginnt mit den W .rten „A Niza"
414
terras Zagost ') et Budisin") viris houestis Burchardo de Gnasviz^), Bernardo
de Camenz^), Reguardo de Wicliowe, Heidenrico de Dobrus^), Friderico Wertes^),
Synekero de Trelen^) , Christanno et Gerlacho de Landescrone^), Rudolfe de
Godow^), Hermanuo de Lubchow, Florino de Zgorlitzif), Henrico Woysic") sub
debito praestiti sacramenti commiserat distinguendos, quia viri iideni burquardos^^),
terrarum ipsarum uuiformiter distinxerunt, nos factum idem gratum habentes
et ratum praesentis scripti et sigilli nostri munimine roboramus auctoritate
nostra regia districte maudantes, ut eadem distinctio inviolabiliter observetur
in cultis et colendis'^) et universis pertinentiis subnotatis.
A Niza'"*) contra Poloniam'S) per directum usque ad montem Geswiuche;^'')
abiude in cumulos Kameni copky dwa^'') ; inde in angulum Nakuthi pozehaki'^) inde
in montem Tyzow,^") abinde in Mpstechj-'^) inde in sepulcrum Winicopez,'i) inde
in rivum Qwiz.*^) Ibi distinctio suspensa est propter distinctionem inter Zahost
et Polouiam uondum factam.'^^^
Item contra Boemiam a montibus Snezniclie'*) in Biskowe majorem.^^^ Inde
etc. Eigentlich werden auch nicht die Gränzen ZAvischen Zagost und Budisin darin
bestimmt, sondern die der königlichen und bischöflichen Besitzungen in Z ag o s t
VI n d B u d i s i n.
') Zagost = hinter dem Walde, d. i. hinter den böhmischen Gränzgebirgen, hier
insbesondere hinter dem sogenannten lausitzer Gebirge.
-) Der Gau Budisin oder Bauzen.
3) Wahrscheinlich das jetzige Neschwitz.
^) Andere Lesarten Camenech und Kamentze, das heutige Camenz.
5) Wird später als Burgwarte genannt, wahrscheinlich das jetzige Doberschau bei
Bauzen.
'^) Andere Lesart Wirtes.
') Andere Lesart Swickero de Ztraele.
^) Landskron, Berg und Burg bei Görlitz.
^) Das heutige Godau bei Budissin.
10) a. L. Gorliz und Görlitz = Görlitz.
11) a. L. Woysich und Woysitz.
i~) Die Burgwarteien = Aemter, deren ein Gau mehrere z<ählte.
'3) Es waren also noch weite Strecken jener Gebiete unbebaut. In der That vermisst
man im Folgenden viele Ortsnamen , die nicht ungenannt bleiben konnten , wenn
die Orte schon bestanden hätten.
1*) Fluss Neisse in der Lausitz.
15) Das anstossende Schlesien, das in alter Zeit ein Theil von Polen war.
i*") d. Dachsberg.
1'^) d. i. zwei kleine Steinhaufen. Es ist hier eine alte heidnische Grabstätte gemeint,
wahrscheinlich bei Weigsdorf,
18) a. L.Nakuchipozkaki und Nakuthipozcaki, die Venussteine bei Neudörfl und
Kunnersdorf unweit Friedland.
1") a. L. Tizove d. i, Eibenwald, unbekannt. Die Gränze geht hier nach Südosten, —
wahrscheinlich ist es die sonst bekannte Gränze des Meissner Bisthums.
2f) a, L. Mozlich und Moztet, mostek, Brücklein , vielleicht über die Wittig , so dass
nun die Gränze wieder nordöstlich läuft.
21) a. L. Winichopez und Winithopiz ; es ist da wieder eine alte Grabstätte gemeint.
~-) a. L. Quizt, d. i. der Fluss Queiss in Schlesien.
^^) Das angedeutete Gebiet von Zagost umschloss also gegen Süden die Gegend von
Friedland (das alte Decanat Seidenberg).
24) a. L. Snesnice , Schweznizo , Schwedinzo = der Schweidnitzer Berg bei Löbau.
~°) i\. h. Bischowe = Gross-Bischdorf (Sanddorf).
415
in parvam Biskowe'), inde in Suchidol ;~) abinde in Eokjtowj koren,^) abinde in
sepulcrum Oroszow coph^^) inde in rivum Koren^} abinde in Mzam, Nisam sursum
usque dum influit Kameniza^) et iisque ad ortum ejus.
Omnia limitibus bis inclusa episcopi sunt Misnensis.'^)
Item de burquardo Dolgawiz^) ab eo loco , ubi confluunt Lubotna^)
et Ostruzniza^o^ ad defluentem in Ostnyzam") rivum Peztaw^^), et ortum ejus,
abinde im semitam Betozca ziza^^) et in montem Zelenye gora'*) , abinde in ortum
Camenize et per decursum ejus usque ad distinctionem Zagost et Budisin ;
abinde in rivum qui Sprewa^^) dicitur et defluit per Gerartisdorf^'^) et decursum
ejus usque ad antiquam stratam contra Jaworik^'^). Ab ipsa strata contra Bude-
sin et Sprevara, quae defluit per villam Zalomi^), et per dectirsum ejus in rivum
Jedlee^^) et quendam cumulum ex directo. Inde in semitam, qua itur de Glussina^O)
in vallem et per eandem vallem in Lubotnam"'). Omnis fundus termiiiis bis in-
clusus ad Misnensem pertinet episcopatum.'^)
De burquardo D o b r u s^S) ' ab antiquo campo trans Sprevam Daniborow
brod.'*) Abinde in antiquam semitam, qua itur Welityn-^) et sie per eam usque
in Sebnizam'**) in locum, ubi mansit antiquitus heremita-'). Item ex alio latere a
') Klein-Bischdorf.
2) a. L. Zucbidol (trockenes Thal).
3) d. i. Weidengestrüpp, a. L. Nothikowiker und Nokichowiker. (Unbekannt.)
'*) a, L. Droszow coph, Droszowi coph und Dwszaunipz (?) Wieder ein alter Begräb-
nissplatz.
^) a. L. Rohnow.
*')Steinbach bei Leuba mündend.
'') Diess ist das Gebiet von Bernstadt an der nördlichen Gräuze des zittauer Deca-
nats, — wohl ein Familienbesitz des Bischofs Bruno von Meissen. War er, dessen
Familie man nicht sicher kennt, vielleicht ein Graf von Bernstadt? Das Zittauer
Decanat erscheint hier bereits als Theil Böhmens.
^) a. L. Dalgawiz , Dolgowitz am Rothstein in der Nähe von Sohland , bei Rei-
chendach.
^) a. L. Lubana, Löbauer Wasser.
''^') a. L. Ostrosniza, Ostroniza d. i. der rosenhainer Bach , nördlich von Löbau,
derselbe, der gleich darauf Oztnyza heisst.
") a. L. Ostniza.
'-) a. L. Peztowe, ein Nebenbach des Rosenhainer Baches.
'3) Wohl der Weg von Schweinitz nach Löbau.
'*) a. L. Jelenagqra , Jelenigora , Wlenagora , d. i. Hirschberg, südlich von Herwigs-
dorf bei Bernstadt.
'5) Spree, zu unterscheiden von der Budissiner Spree = der jetzige Schöpsfluss.
1") Gersdorf bei Eeichenbach.
''') Jauernik.
'^) Sonland bei Reichenbach.
1") Jedle = Tanne, Tannbach?
'^^) Glossen zwischen Löbau und Weissenberg.
^•) Löbau.
'-) Hiemit ist offenbar das Gebiet zwischen Löbau und Reichenbach gemeint.
-3) a. L. Dobros d. i. Doberschau an der Budissiner Spree.
-'*) a. L. Damboronbrod = Spreeübergang, — wahrscheinlich bei Gurkau.
35^ Wilthen bei Schirgswalde.
2ö) Stadt Sebnitz ; hier ist nur die Richtung dahin gemeint.
*') d. i. Einsiedeln an der Gränze bei Sebnitz.
416
cumulo qui est iuter Kosscliiz') et Novosedlich') in aquam, quae dicitur Zechozerce^)
usque Oimin^). Inda in majorem stratam contra Neuenkirchen 5) usque in Rattol-
phessiplie'') et per decursum ejus in Wazoimizam.") Abinde in Tyzow^) et in
montem Bukouva gora.^)
Abinde ad summitatem montis, mide oritur rivus Welewiza'O) etZlatynaH). Abinde
in Sebenizam et per ascensum ejus usque ad locum heremitae praedicti.^*) Ad
Misnensem episcopatum pertinent, quae bis terminis includuntur. '3)
Item de burgwardo Syzen'*) per semitam de Syzen in Godo-wizam'S).
Inde in cumulum Cossow"^). Abinde in cumulum prope viam , qua itur de Bu-
dysyn ZocoAve.''') Ab eaderii via donec prope viam Guntersdorf. '^) Inde in rivum
Gusty'^) et in majorem rivulum de Guscli'") in Radel.'-^') De Radel in Camena
hora—). Abinde ad summitatem montis inter Bozen*'') et Lypowa hora*^). Abinde
in Bely potoch'^) et sie usque in Wazownizam. Abinde usq^ue in Isinbercli.-*')
Abinde ubi Lavau'') et Poliza,^^) confiuunt, per decursum Polizae usque dum
confluat cum Lozna'^) a Lozna in Sabnizam et ita usque ad locum , ubi limites
') Kobritz.
~) Neuzodliz bei Gnaschwitz und Weissnauslitz.
3) a. L. Zehoherze ■ — das lange Wasser.
'*) a. L. Dimin= Diemen.
^) Neukircli am Hocli'walde.
**) a. L. Ratolfis Siffen, jedenfalls Nebenbacli der Wesenitz.
') a. L. Wazownizam u, Wazowenizam = Wesenitzfluss.
^) d. i. Eibenwald, die Lage unbekannt.
^) Buchberg im Hochwalde.
'") a. L. Weseniza ? Die Wesenitz entspringt auf dem Valtenberge (Valentinberg) im
Hochwalde.
") a. L. Zlatwina, Zalatwina.
'-) Einsiedeln.
■3) Es ist offenbar das Gebiet zwischen Sebnitz, Schirgiswalde, Bauzen, Gurkau, Gna-
schwitz, - — eine von Süden nach Norden laufende Landstrecke südwestlich von
Bauzen.
'^) Seitschen, ein Dorf südwestlich von Bauzen.
'5) Göda bei Bautzen,
i**) a. L. Cossove, Kossau bei Ratibor.
'') a. L. Locowe. Logau bei Kossau.
1^) Unbekannt.
^^) a. L. Guzci, Gusk, Guze d. i. Gaussiger Bach, Schwarzwasser.
20) a. L. Guze, Guzk.
21) a. L. Rattel.
32) Steinberg, die Lage unbekannt.
23) a. L. Poren.
24) Lindenberg, vielleicht bei Liben östlich von Marienstern.
25) Weissbach, jetzt Fischbach.
26) a. L. Isenberc.
27) Elbe.
28) Polenzbach.
29) d. i. der jetzige Sebnitzbach, der sich westlich von Schandau mit dem Polenzbache
vereinigt. Ein Arm der Sebnitzbaches (wohl auch Lozina genannt, jetzt Schwarz-
bach) kommt vom Hohensteinschen Dorfe Losdorf her ; der andere bildet sich bei
Sebnitz durch den Zusammenfluss mehrerer böhmischen Bäche, deren grösster
im Hochwalde entspringt.
417
Tyzow^), Bukowa hora,-) Welewiza in Sebenizam protenduntur. Omnia limitibus
his inclusa pertinent domino regi.^)
Item hi sunt limites, qui distinguunt Godow'*) et terram regis. A loco,
ubi a semita de Syzen per limites Radel, Camena gora, Bely potok et decursum
Lozinae in Sabenizam pervenitur^). Inda in ortum Lozinae.*^) Abinde in ortum
Lezsnae"^) per decursum ejus, douec defluat in Wazo'wnizam,^) per decursum "We-
szonisae^) ad rubum Erlinum^f*). Abinde supra montem Scutkow usque in Visbacli. ")
De Visbach usque ad Eederam^^), quae fiuit per Seligenstat et usque ad ortum
ejus. Abinde in rivum, qui fluit inter Vrankeudale'^) et Hart. Exinde in me-
diam paludem, quae est . inter Bamnow'^) et Gieselbreclitesdorf. Exinde in Album
Lapidem^^) et usque in fontem prope Tutizc.^^) Abinde in reram Zrebernizam.^'^)
Omnia infra limites hos contenta ad episcopatum pertinent.
Item inter Priszes'^) et Camenz per antiquam stfatam, qua itur de Bu-
desin contra Albiam'^) in antiquum Yadum trans Alestram'^O) et sie usque in Di-
fiudal. Abinde in Polsnizam.^^) De Polsniza ad locumj ubi in eam defluit Lozna,^-)
et usque ad ortum Loznae."^) Abinde in pedem montis KadbizC''*) et usque ad
semitam Pribislay.^^) Inde per descensum montis et semitae contra Budisin in
majorem Polsnizani''^) Abinde in rivum Tossin^") usque ad ortum ejus. Inde in
Jawor-8) et per decursum Jawor et agros antiquitus excultos.-^)
1) Unbekannter Berg (Eibenwald).
^) Buchberg im Hochwalde.
3) Das angedeutete Gebiet ist das spätere Amt Hohenstein (damals böhm.
Lehen) nebst der nördlicheren Strecke von Seitschen bis Ratibor.
*) Gödau, die alte bischöfliche Barg des h. Benno.
5) Hier ist die Richtung von Seitschen gegen Wolmsdorf angedeutet.
<') Hier ist die Losdorfer Lozina gemeint.
') Andere Lesart Leznae, Waldbach, Nebenbach der "Wesenitz.
^) Wesenitzfluss.
^) a. Lesart Wazounice, die "Wesenitz.
10) Erlbusch.
1') Fischbach, a. L. Vischpach.
12) Rüderfluss.
13) a. Lesart Frankinthal.
1*) Ramenau.
15) Hundstein?
KS) a. L. Tutize, Tutisk (Uhist?)
1') Die Gränze lauft hier nach Göda zurück. Es ist offenbar das Gebiet r. Bischofswerda.
18) Prieditz bei Camenz.
1^) Es ist hier der Weg nach der Stadt Meissen gemeint.
*0) Elsterfluss; der Uebergang war wohl bei der Stadt Elstra.
31) Pulsnitzfluss, muthmasslich das bei Reichenbach mündende Nebenflüsschen,
da später eine Polsniza major genannt wird.
"-) Wohl ein südlicher Nebenbach.
23) Andere Lesart Lusne.
24) a. Lesart Radebizk u. Radewitz. Dies wäre dann der Berg bei Weissbach.
25) Andere Lesart Privizla.
2C) Hier ist wohl die eigentliche Pulsnitz bei der Stadt gl. Namens anzunehmen.
27) a. Lesart Tessin, Tussin, muthmasslich die weisse Elster, welche bei Marien-
stern vorüber fliesst.
2^) Jauer bei Marienstern.
2") Nach Obigem ist hier das Gebiet von Pulsnitz und Elstra gemeint.
27
418
In quibusdam autem locis , ubi limites contra terram Budisin se exten-
dunt, distinctionis mentio necessaria non fuit, quia ea antiquitus obtinebat.
Extremitates vero propter novalia, quae dubium generant, sunt distiuctae.
Testes hujus rei sunt : Albertus dux illustris Saxoniae.
Tediricus comes de Brenen,') burcliravius de Starclienber'k,^) Heyrieus de
Baruth, Hogerus de Wridebericli,^) Guntherus et Bodolfus fratres de Biberstene^),
Henricus de Lyfendal^), Bernliardus de Camenec'^), Wilricus de Landescrone
et aliiquam plures.
Datum in Lapide regis'), anno dorn. ine. MCCXLI. nonas Maji , iudic-
tione XI. proximo die post festum beati Jobannis ante portam latinam.
(Erben regesta 482 etc. ; Gercken Historie der Stadt und Festung Stol-
pen, Scliöttgen annal. de burg-wardiis Saxon., Kocliler cod. dipl. Lusat. sup.)
') a. Lesart Theodoricus comes de Bren.
2) a. L. Starkenbircli.
3) a. L. Frodeberch.
^) a. L. Biberstein.
5) a. L. Liebenthal.
**) a. L. Camenz, Kamentze.
') Königstein an der Elbe.
^11^^/^^
Inhalt.
Erste Periode.
Die Christianisiruiig Bülmiens.
I. Zeitraum. Die Einführung des Christenthums in Böhmen
Seite
§. 1. Die ersten Beicehrungsversuche . 1
§. 2. Die Cecheutaufe in Regensburg 3
§. 3. Die Taufe des Herzogs Bofi-woj und ihre nächsten Folgen . 6
§. 4. Der selige Iwan 12
§. 5. Die Sühne Bofiwojs. Die h. Ludniila. Verfolgung der Christen .14
§. 6. Der h. Wenzel 16
§. 7. Die beiden Boleslawe 19
§. 8. Gedeihen des Christenthums im Bereiche der jetzigen Diücese von Leitmeritz 21
§. 9. Fortsetzung 27
§. 10. Fortsetzung 31
§. 11. Fortsetzung ' 35
§. 12. Die geistliche Jurisdiction in Böhmen . 39
§. 13. Fortsetzung 43
§. 14. Ritus in Böhmen 46
II. Zeitraum. Die jugendliche Kirche Böhmens
im siegreichen Kampfe mit den Ueberresten
des alten H e i d e n t h u m s.
§. 15. Die Errichtung des Bisthums in Prag 51
§. 16. Die Einsetzung des Bischofs Dietmar 59
§. 17. Der heilige Adalbert 61
§. 18. Thiddag. Ekbard und Hyzo 68
§. 19 Bischof Severus 72
Seite
§. 20. Fortsetzung 77
§. 21. Theilnalime der meissnischen Bischöfe am siegreiclien Kampfe gegen das
Heidentlium im Norden Böhmens 81
III. Die kirchlichen Verhältnisse und Institutionen in der
Zeit des Kampfes der Kirche mit dem unterliegenden
Heidenthume.
§. 22. Der Säcularclerus der Diöcese 85
§. 23. Die alten Seelsorgspfründen der jetzigen Diöcese von Leitmeritz 88
§. 24. Fortsetzung 93
§. 25. Die Hofgeistlichkeit 97
§. 26. Die Klöster und Capitel aus dieser Zeit 99
§. 27. Das CoUegiatstift u. das Kloster der Benedictinerinnen zu S. Georg in Prag 103
§. 28. Das Benedictinerkloster Bfewnow oder S. Margareth 108
§. 29. Das Kloster Ostrow. Das Kloster Sazawa und der h. Procop. Die Anfänge
des Klosters Müncheagrätz 111
§. 30. Das Domstift St. Veit in Prag 114
§. 31. Fortsetzung 120
§. 82. Das CoUegiatstift S. Cosmas und Damian zu Altbunzlau 124
§. 33. CoUegiatstift S. Stephan in Leitmeritz 128
§. 34. Fortsetzung 132
§. 35. Fortsetzung 137
§. 36. Fortsetzung 145
§. 37. Das CoUegiatstift S. Peter in Melnik 149
§. 38. Fortsetzung 152
§. 39. Fortsetzung 157
§. 40. Die Metropolitangewalt über Böhmen 159
§. 41. Die Metropoliten dieser Zeit und ihre nähere Wirksamkeit für Böhmen . . 161
§. 42. Die Diöcesansynoden dieser Zeit 167
§. 43. Die Schulen 173
Zweite Periode.
Die Blüthczeif der böhmischen Kirche.
I. Die Theilnahme des christlichen Böhmens an der kirch-
lichen Reformation.
§. 44. Der Geist der neuen Zeit 177
§. 45. Bischof Gebhard (Jaromir) 180
§. 46. Die Theilnahme am Inrestiturstreite 183
§. 47. Fortsetzung : 187
§. 48. Bischof Cosmas 190
§. 49. Bischof Hermann , , , 193
Seite
§. 50. Biscliof Meinliart 196
§. 51. Joliann I. und Silrester «... 200
§. 52. Bischof Otto und die Eeformation 202
§. 53. Biscliof Daniel 1 207
§. 54. Die Bischöfe Gotthart, Friedrich und Valentin 210
§. 55. Heinrich Bfetislaw und die Vollendung der geistlichen Reformation . , . 213
§. 56. Böhmens Metropoliten in dieser Zeit 218
§. 57. Fortsetzung 223
§. 58. Die Kreuzzüge bis zum Ende des 12. Jahrhunderts 227
§. 59. Fortsetzung. Eitterliche und asketische Orden 230
§. 60. Anfänge der nordischen Kreuzzüge 233
IL D i e kirchlichen Institute Böhmens in der Zeit des
Reform ations kämpfe s.
§. 61. Das Prager Domstift .237
§. 62. Das Collegiatstift zu Leitmeritz 242
§. 63. Fortsetzung 246
§. 64. Die Pröpste des Collegiatstifts zu Me Inik 250
§. 65. Das neue Collegiatstift Wysehrad 256
§. 66. Das Collegiatstift Sadska , 261
§. 67. Die Benedictinerklüster zu Opatowic, Kladrau, Leitomysl, Wilemow und
Podlazice , 263
§. 68. Das Benedictinerkloster Postelberg 268
§. 69. Fortsetzung 270
§. 70. Das Prämonstratenserstift Strahow 274
§. 71. Das Kloster der Prämonstratenserinnen zu Doxan 278
§. 72. Die Prämonstratenserklöster Selau, Launiowic, Leitomysl und Mühlhausen 283
§. 73. Die ersten Cisterzienser in Böhmen (Waldsassen, Sedlec, Nepomuk) . . . 286
§. 74. Das Cisterzienserstift Plass 292
§. 75. Das Cisterzienserkloster Münchengrätz 295
§. 76. Fortsetzung 300
§. 77. Die Johanniter in Böhmen . 303
§. 78. Fortsetzung 306
§. 79. Das Kloster der Benedictinerinnen in Teplitz 311
§. 80. Fortsetzung 314
§. 81. Das Cisterzienserkloster Ossegg 318
§. 82. Fortsetzung •..,.. 325
§. 83. Die Kreuzbrüder und Kreuzschwestern des heiligen Grabes 330
§. 84. Das Prämonstratenserklöster Tepl 335
§, 85. Das Prämonstratenserinnenkloster Chotesohau 340
§. 86. Die meissnischen Bischöfe des 11. und 12. Jahrhunderts 343
§. 87. Fortsetzung. Bischof Bruno IL und das neue Collegiatstift in Budisin . . 349
§. 88- Die kirchl. Verhältnisse des Egerlandes bis ans Ende des 12. Jahrhunder ts . 352
§, 89. Die geistl. Oberhirten des Egerlandes bis ans Ende des 12. Jahrhunderts . . 360
Seite
§. 90. Fortsetzung 364
§. 91. Fortsetzung 367
§. 92. Fortsetzung 372
§. 93. RüciWiclc ••••... .377
1. Anhang. Verzeichniss der seit Einführung des Cliristenthums bis 1384
errichteten Seelsorgspfründen Bühmens 379
2- Anhang. Einige wichtige Urkunden , 390
Berichtigungen.
Seite 113 Z. 21 von Ob. statt Severin lies Severus
„ 132 Z. 1 „ „ fehlt: §. 34. Fortsetzung.
„ 223 nach Z. 13 v. Ob. fehlt: §. 57. Fortsetzung.
„ 319 Z. 2 von Ob. nach Tyremow 1. (Dürrmaul).
„ 3 „ „ statt Lnban 1. (Tiefenbach biei Zdar.)
„ „ „ „ nach Smilava 1. (Schmiedles).
Druck von C. Schreyer & Ignaz Fuclis in Prag.