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Full text of "Des Nikolaus von Landau Sermone als quelle für die Predigt Meister Eckharts und seines Kreises [microform]"

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DES 

NIKOLAUS VON LANDAU 
SERMONE 

ALS QUELLE FÜE DIE PREDIGT MEISTER ECKHARTS 

UND SEINES KREISES 



VON 



HANS ZUCHHOLD 



HALLE 
VERLAG VON MAX NIEMEYER 
1905 



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HERMAEA 



AUSGEWÄHLTE ARBEITEN 
AUS DEM GERMANISCHEN SEMINAR ZU HALLE 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

PHILIPP STRAUCH 



n 

HANS ZUCHHOLD 
DES NIKOLAUS VON LANDAU SEEMONE 



HALLE 

VERLAG VON MAX NIEMEYER 

1905 






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SEEMONE 

ALS QUELLE FÜR DIE PREDIGT MEISTER ECKEARTS 

UND SEINES KREISES 



VON 



HANS ZÜCHHOLD 



HALLE 

VERLAG VON MAX NIEMEYER 

1905 



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Vorbemerkimg. 



Benutzt ■ sind anlser der Kasseler Handsclirift (s. S. 1 ff.) 
folgende Handschriften: 

N : Handschrift der Nürnberger Stadtbibliothek Cent. IV, 40; sie enthält 
eine Sammlung gröfstenteils eckhartischer Predigten, welche Jostes 
in seiner Schrift: Meister Eckhart nnd seine Jünger (Freibnrg i. d. 
Schweiz 1895) zum Teil veröffentlicht hat. 

: Oxforder Handschrift Land. Mise. 479. 8 ; diese Sammlung von 
Predigten Eckharts und anderer Mystiker stammt aus dem Kar- 
täuserkloster auf. dem S. Michelsberge bei Mainz. Beschrieben ist 
sie bei Priebsch, Deutsche Handschriften in England 1, 148. Aus 
veröffentlichte Sievers 20 Predigten von Meister Eckhart in der 
Zeitschr. für deutsches Altertum 15, 373 ff. Mii* lag eine Abschrift 
von vor, welche Prof. Sievers vor Jahren Prof. Strauch geschenkt 
und dieser mir zur Verfügung gestellt hat. 

Dazu kommt nocli als weiterer Eckliarttest: 

Pfeiffer, Deutsche Mystiker. Bd. 11: Meister Eckhart. Leipzig 1857. 



Herrn Prof. Dr. Straucli, meinem liochverelirten Lehrer, 
welcher mich zu dieser Untersuchung angeregt und bei der 
Arbeit, welche mit Unterbrechungen sich jahrelang hinzog, immer 
wieder mit grolsen Opfern an Mühe und Zeit unterstützt hat, 
sowie den verehrlichen Vorständen der Kasseler Landesbibliothek 
und der Nürnberger Stadtbibliothek, Avelche mir die Benutzung 
der Handschriften in liebenswürdigster Weise ermöglichten, 
spreche ich an dieser Stelle meinen wärmsten Dank aus. 



Inhaltsverzeiclinis. 



Seito 

Einleitung • • 1 

Erstes Kapitel. Die Predigt-weise des Nikolaus von Landau 6 

Zweites Kapitel. Die Grundztige der Entlehnung mystischer Predigten 

in den Sermonen des Nikolaus von Landau 22 

Drittes Kapitel. Mehrfache Entlehnung 49 

1. Eine fremde Predigt ist auf mehrere Teile eines Sermons oder 
auf mehrere Sermone verteilt 49 

2. Die Entlehnung ist aus mehreren Stücken zusammengesetzt 
oder von Stücken durchhrochen, welche ihr ursprünglich nicht 
anzugehören scheinen 70 

Viertes Kapitel. Die Quelle der entlehnten mystischen Predigten ... 98 
Anhang 117 

a) Vier weitere Sermone des Nikolaus von Landau, welche Ent- 
lehnungen gleicher Art enthalten. (Verbesserter Ahdruck a. d. 
Programm des kgl. Gymnasiums zu Lauban i. Schi., Ostern 1904) 117 

b) Verzeichnis der behandelten Sermone in der Eeihenfolge der 
Untersuchung mit Angabe der entlehnten mystischen Predigt- 
stellen 139 

c) Inhaltsangabe der vier Bände Sermone des Nikolaus von Landau 140 



Einleitung. 



1. G-escliichte der Handsclirift. Die Sammlimg- 
deutscher Predigten, deren Verfasser sich Nikolaus von Landau 
nennt, befindet sich heute auf der Kasseler Landesbibliothek 
(Ms. theol. 4. 11 und 12). Sie ist früher Besitztum der Heidel- 
berger Bibliothek gewesen, von dort wurde sie 1686 mit anderen 
Handschriften nach Kassel gebracht.') 

Die Sammlung besteht heute aus zwei Bänden; sie war aber 
auf vier Bände angelegt. Die dem zweiten Bande vorgeheftete 
Inhaltsangabe berechnet das erste Buch auf 43 Predigten, das 
zweite auf 41, das dritte auf 56, das vierte auf nur 30 Predigten; 
sie gibt auch für alle "vder Bücher die Textworte der Predigten 
an. Die genauen Angaben, vor allem die ungleiche Verteilung 
der Predigten machen wahrscheinlich, dals Nikolaus von Landau 
auch die beiden fehlenden Bücher geschrieben hatte, ehe er die 
Inhaltsangabe anfertigte. Wo und wie diese abhanden kamen, 
ist nicht zu sagen, nach Kassel sind sie schon nicht mehr 
gekommen. Aber existiert haben sie wohl, die Inhaltsangabe 
bedeutet nicht etwa einen Entwurf, dessen Ausführung unter- 
blieben wäre. Vielleicht tauchen die beiden Bände doch noch 
einmal ii^gendwo auf. Ihre Identität festzustellen wäre nach 
der Inhaltsangabe ein leichtes. 

2. Beschaffenheit der Handschrift. Die beiden ersten, 
uns erhaltenen Bände haben feste Holzdeckel, welche mit Spangen 
schlielsen. Die Länge beträgt etwa 25 cm, die Breite 17 cm. 
Die Deckel sind mit eingeprelstem Blumenschmuck versehen. 

Die Pergamentblätter der Handschrift sind mit einer deut- 
lichen und gleichmäXsigen Schrift sorgfältig beschrieben; Risse 



1) Vgl. CentralWatt für Bibliotlieksweseii 1, 18. 2, 224 



im Pergament sind veriiälit imd werden von der Schrift iimg-angen. 
Jedes Blatt ist in der Mitte der Länge nacli geteilt, so daXs auf 
jede Seite zwei Spalten mit meist 33 Zeilen entfallen. 

Durch rote Tinte sind die Überschriften, sind heilige oder 
bedeutsame Worte im Text gekennzeichnet. Die Initialen sind 
mit blau und rot schön ausgemalt; bunte Zeichnungen finden 
sich am Rande einzelner Blätter; gleich auf dem Bande des 
ersten Blattes stehen Zeicliuimgen von Hund, Hase, Hirsch und 
Jäger. Im übrigen dient der Rand zur Angabe für citierte 
Stellen der Bibel und der Kirchenväter, sowie zur Ergänzung 
der im Text ausgelasseneu Worte, auch im Texte selbst sind 
Verbesserungen von derselben Hand nicht selten. 

Daneben erscheinen im zweiten Bande, am häufigsten gegen 
Ende, Korrekturen, die nach Schrift und Sprachform viel späteren 
Ursprunges sind.') Die Schriftzüge erinnern an die Hand, welche 
am Ende der Predigt „In festo palmarum" (178 <^) geschrieben 
hat: dis jjredig ist off den j)almdag, zu mitdag list man sei; 
ebenso steht 213^: disg xjredig ist off den osterdag zu mitdag. 

Die Schriftzüge des Nikolaus von Landau haben einen ganz 
anderen Charakter, denselben, welchen ich in den Urkunden des 
Klosters Otterberg aus dem 14. Jahrhundert fand. 2) 

3. Ursprung der Handschrift. Der erste Band besteht 
aus 15 Lagen zu 10 Blättern, die letzte Lage hat nur 9 Blätter, 
zählt aber Blatt 148 und 149 irrtümlich als 149 und 150. Bl. 1^ 
steht: Inciint proliemium novorum sermonum, Nicolai de Landauive, 
monaclii in Otterhurg. 149*^ heilst es am Ende: Explicit primus 
Über sermonum, qui Novi Sermones voeantur, editi a Nycolao, 
Monacho de Ottirburg, qui lihrum complevit anno dominiee in- 
caimationis MCCCXLI in die Pliilippi et Jacobi apostolorum, 
gratia divina largiente. 

Der zweite Band zählt mit 151 statt 150 falsch weiter. 
Hier heiTst es: Incijjit liber Secundus novorum sermonum Nycolai 



1) Bl. 220 a steht dralit im Test, am Rande oäem, 264'' herlief tic im 
Test, am Eande kräftig; ebenda für bi und uzzer die jüngere Sprachform 
hey und aush. 

2) Urlrunden des Klosters Otterberg- befinden sich im Lagerbuch der 
Pflege Otterberg, Hs. B. 3 der Mainzer Stadtbibliothek. Ygl. ürkundenbuch 
des Klosters Otterberg, herausgegeben von M. Frey und F. H. Eemling, Mainz 
1847, im Vorwort; Würdtwein, Monasticum palatinum 1,212. 



de Landamoe, monachi in Otterhurg. Eine Lage von vier Blättern 
ist dem Bl. 151 vorg-eheftet und nicht mitgezählt, sie enthält die 
schon erwähnte Inhaltsangabe für alle vier Bände, soAvie ein 
Quadragesimale dm' inqiiisitiones et inventiones Sermonum jyei' 
quatuor lih-os). Die Lage ist natürlich nachträglich dort ein- 
geheftet. 

Der letzten Predigt folgt von Bl. 299=*— 300 -^ eine Kon- 
kordanz für den ersten und zweiten Band, daran schliefsen sich 
noch drei ungezählte Blätter; auf dem zweiten steht von späterer 
Hand eine Stelle aus Johannes 14; auf dem dritten ebenfalls in 
jüngerer unschöner Schrift: „Gott ist die oberste WeiTsheidt und 
gerechtigkeit, und ist im nichts zu Verglich, Gott gibtt alle 
Weifsheidt und Verstandt. Ehr sei Gott, dem Vater". Nui- auf 
dem ersten Blatt steht in älterer Schrift eine kurze Bemerkung, 
welche von Wert sein kann: iste Über est heate Maria (!) virginis 
in Schonaugia.^) 

Schönau, nicht weit von Heidelberg, war wie Otterberg 
ein Cisterzienserkloster. Otterberg an der Otter, nördlich von 
Kaiserslautern, war 1144 vom Grafen Friedrich von Otterburg 
den Cisterziensern in Eberbach zum Geschenk gemacht worden. 
Abt Stephan nahm 1145 von der Schenkung Besitz, welche 
damals dem Mainzer, später zeitweise dem Wormser Sprengel 
angehörte. 2) 

In diesem Kloster Otterberg, dessen Gebäude noch erhalten 
sind, hat Nikolaus von Landau seine Sermone verfafst. Die 
Zugehörigkeit zum Cisterzienserorden tritt in seinen Sermonen 
mehrfach hervor, indem er die Jungfrau Maria, den heiligen 
Benedikt und Bernhard besonders verehrt. Eine Stelle, in der 
er die Zugehörigkeit direkt ausspricht, ist auch für die Frage 
der Entstehungszeit der Sermone von Belang. Es heilst auf 
Bl. 294°: do'^) nam er (Josef) in (Jesus) von denie cnlze und want 

^) Betreifs des Handschriftenaiistansclies der Schwesterklöster vgl. Sievers, 
Oxforder Benediktinerregel. Tübingen 1877. Einleitung S. YTTT. 

2) Vgl. Seb. Brunner, Ein Cisterzienserbuch , Würzbnrg 1882, S. 29; 
Bavaria 4b, 178. 675; H.Bär, Diplomatische Geschichte der Abtei Eberbach, 
Wiesbaden 1855, 1,188 ff.; Janauschek, Originuni Cisterciensium Tomns I 
(Wien 1877), 82. 

ä) Die handschriftliche Schi-eibung ü für umgelautetes u, für mhd. uo, 
(üe.) iu, sehr oft aber auch für « und li wurde dahin geregelt, dafs für den 
Umlaut von u: ü gesetzt, li nur für mhd. uo, für (üe,) iu: ü verwandt, in den 
Fällen dagegen, avo es sich um einen Beilaut (s. Strauch, Offenbarungen der 

1* 



m in ein wiz siden düch unde daz ist noch gantz und unversniden 
in Cadumo, in deme dosiere unsirs graioin ordins, und daz Hut, 
daz daz dücli do emiiihienc von den dodin^) ivondin unsers herrin 
und sunderliehen von den ■) wonden der füsze und der hende und 
des hertzen, daz ist noch also gentzlichen und also schinlichen 
dran alse vor drüzehen hundirt jaren. Nikolaus von Landau 
nennt liier niclit nur den „grauen" Orden als den seinen; er 
gibt auch eine ungefähre Zeitbestimmung, wenn er Christi Tod 
als 1300 Jahre zurückliegend annimmt. 

Genau bestimmt ist der Tag, an dem Nikolaus von Landau 
seinen ersten Band vollendete: es geschah, wie er sagt, am Tage 
Philippi und Jakobi (1. Mai) 1341. Für den zweiten Band be- 
sitzen wir keine genaue Angabe der Zeit. Viel später wird es 
aber nicht gewesen sein, Bl. 113° nennt er Nikolaus von Lyra 
den nüwen Lerere. Da dieser schon 1340 gestorben ist, kann 
die Bezeichnung nur in etwa derselben Zeit angewendet worden 
sein. Indessen bleibt für die Zeitbestimmung hier ein ebenso 
grofser Spielraum, wie ihn an Jener anderen Stelle Bl. 294= der 
Eückblick auf die 1300 Jahre zuläXst. 

Yon dem Verfasser wissen wir nur, dals er aus Landau in 
der Pfalz stammte. Um 1340 Avird ein Abt Peter in den Otter- 
berger Urkunden genannt, im Jahre 1370 aber tritt ein Abt 
Nikolaus in einer Urkunde auf. Es ist möglich, dafs dies unser 
Prediger ist, dafs er in seinem Alter kurze Zeit das Amt be- 
kleidete. Schon die nächsten Urkunden nennen einen anderen 
Abt.=^) Ist die Vermutung richtig, dann sind die drei letzten 
Bücher innerhalb der Jahre 1341 und 1370 geschrieben worden. 

4. Beurteilung der Handschrift. J. Grimm ist der 
erste gewesen, der die Sermone des Nikolaus von Landau be- 
sprochen hat, er milst ihnen einen nur sehr geringen Wert bei. 4) 



Adelheid Laugmaun S. XXff.) handelt, dieser uuberücksichtigt geblieben ist. 
— v = u und u = v sind konsequent auseinander gehalten, z ist gelegentlich 
(dez, waz) in s geändert, vn (neben vnde) in und aufgelöst worden. 

1) Lies dodis? doäigen? 

-) Hs. den füszen den ivonden. 

=*) S. Allgemeine deutsche Biographie 17,587; Eemling, Urkundliche 
Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster in Eheinbayern 1, 229. 

J. Grimm, Kleine Schriften 4, 359. Vgl. auch Wackernagel, Litteratur- 
geschichte 1, 431 Anm. 54. 



Bartsch liat ein Stück einer Predigt, welches ihm seines mytho- 
logisclien Stoi^es wegen mitteilenswei't erschien (Bl. 114"), ge- 
legentlich veröf entlicht. •) 

Über den Wert der Predigten hat sich Cruel^) am ein- 
gehendsten ausgesprochen. Er nennt die Sermone Muster 
scholastischer Pedanterie mitten in der blühenden Wildnis der 
schon herrschenden Predigtweise der Mj^stik. Was er über die 
äiilsere Form, den Aufbau, die schablonenmälsige Einteilung der 
Sermone, über die ermüdende Breite und trockene Gelehrsamkeit, 
die sich in endlosen Citaten gefällt, gesagt hat, finde ich im 
allgemeinen bestätigt und will es nicht wiederholen. 

Nikolaus von Landau ist wirklich kein groXser imd selb- 
ständiger Geist, und dennoch ist das absprechende s) Urteil, 
Avelches bisher über sein Werk gefällt worden ist, nicht richtig. 
Meine Aufgabe wird es sein, zu zeigen, worin der Wert der 
verachteten Sermone liegt. Cruel sagt, gelegentlich berühre 
Nikolaus von Landau, der Mode der Zeit huldigend, auch 
mystische Stoffe und wende die Phraseologie dieser Eichtung an. 
Wir werden sehen, wie es sich mit diesen „gelegentlichen Be- 
rührungen" verhält. 



1) Germania 25, 418—420. 

*) Cruel, Gesclüchte der dentsclieu Predigt S. 406 ff., vgl. auch Linsen- 
mayer, Gescliiclite der Predigt in Deutschland S. 449. 

^) S. auch Kocheudörifer, Allgemeine deutsche Biographie 17, 587. 



Erstes Kapitel. 

Die Predigtweise des Nikolaus von Landau. 



1. Die lateinische Einleitung. Eine lateinische Ein- 
leitung geht den Sermonen unseres Mönches voraus (Bl. 1 — 2^); 
sie gibt üher die Arbeitsweise des Verfassers und den Zweck 
seiner Sammlung AufschluCs. Dreierlei enthält sie: iMmum est 
litilis demonstratio, qualiter sermones compüantur, secundum est 
realis ex^Mcatio, guomodo praesentes renovaniur, tertium est in- 
strumentalis operatio, qua iuvenes informantur. 

Zunächst, was heilst: qualiter sermones compilantur? Der 
Begriff compilare wird sofort erklärt, Avenn die Einleitung fort- 
fährt: primo, dieo, utilis demonstratio, qualiter sermones for- 
mantur in multiplici modo habendi in themate. — Compilare 
und formare sind hier gleichgesetzt. Sie bedeuten nur die 
Fähigkeit, Stoff und Gedanken für ein Predigtwort zu finden, 
ein Thema zu disponieren; der Verfasser führt weiterhin aus, 
wie man nach 15 Gesichtspunkten, unter denen er die Begriffs- 
erklärung, das Beispiel, Betrachtung von Grund und Folge, 
Ähnlichkeit, Gegensatz, die Eigenschaften eines Dinges nennt, 
einen Text zerlegen und Predigtstoff dafür gewinnen kann. 

Zweitens, was heilst: quomodo praesentes renovantur? Warum 
nennt Nikolaus von Landau seine Predigten novi sermones? Auch 
darauf antwortet er selbst. (2''') Sic dico, quod isti sermones sunt 
novi non secundum rem, sed secundum modum rei et effectum 
et saltem secundum me sunt novi, quia novi taliter modo novis 
predicatorihus. Also nicht Inhalt und Stoffe der Sermone wollen 
neu sein, aber die alten Stoffe sind in andere Zusammenhänge 
gestellt, sind vom Verfasser in eine neue Beleuchtung gerückt, 
so dals sie anders wirken; eben darum, soweit das seine eigene 
Ai'beit ist, kann er sagen: secundum me sunt novi. 



Dals unser Mönch in der Tat alte Stoffe nur in ein neues 
Gewand kleidete, sagen die folgenden Worte: divina gratia 
largiente ex diversis libris et sermonihus conscripsi et sie 
diversimodo compilando in Unguam materyiam redegi et rogo, 
ut corrigat quilibet legens non correda lioriom lihrorum. Welches 
waren die Bücher und Sermone, aus denen er seine Stoffe nahm? 
Waren es lateinische Predigten, die er in die Muttersprache 
übertrug? Oder nimmt er hier nur den Mund etwas voll und 
nahm zum Teil nur Stücke aus lateinischen Schriften bekannter 
Kirchenlehrer herüber? Was bedeuten hier cominlare und con- 
scribere ? 

Cruel mifst ihnen keine konkrete Bedeutung bei; er meint, 
Nikolaus von Landau wolle damit nur sagen, der Inhalt seiner 
Sermone sei dem Gedankenkreise der rechtgläubigen Kirchenväter 
entnommen und enthalte darum nichts von den modernen Irr- 
lehren. Gewifs hätte sich unser Mönch vor einem solchen Ver- 
dacht von vornherein wahren mögen in jener Zeit. Dennoch 
bedeuten compilare und conscribere hier in vollem Sinne das 
Ausschreiben aus fremden Predigten und das Verarbeiten in die 
eigenen Sermone. Es Avird sich zeigen, ob dieses Verarbeiten 
fremder Stoffe so geschah, dals sie ihre ursprüngliche Gestalt 
verloren, oder so, dafs die fremden Stücke innerlich selbständig 
blieben; ob der Otterberger Mönch alte Bilder übermalte, oder 
ob er sie nur in neue Eahmen setzte. 

Im dritten Teil der Einleitung erfahren Avir, warum Nikolaus 
seine Sermone verfafst hat. Tertio, dico, quod in verhis i^remissis 
demonstratur Instrumentalis seu caritativa oj^eratio, qua iuveties 
informantur, ut patet in sermonihus, quos necessitate sepius 
2Jredicandi me ad hoc ex una parte movente exaravi, et ex alia 
parte ad eruditionem iiivenum simplicium et imperitorum non 
sine lahore taliter qualiter coUegi. Die Notwendigkeit, viel 
predigen zu müssen, veranlafste ihn dazu ebenso ^\ie die Lust, 
jungen Leuten eine Anleitung zum Predigen zu geben. Der 
Zweck der Sammlung ist also durchaus schulmäXsig. 

Vor di-ei ungelösten Fragen lälst die Einleitung ims stehen. 
Woher entlehnte unser Mönch? Wie kompilierte er die ent- 
lehnten Stücke? Übertrug er aus einer fremden Sprache? Eine 
Antwort können nur die Sermone selbst uns geben, sofern wir 
in ihnen Entlehnungen nachweisen. 



8 

2. Predigtproben. Icli könnte gieicli die erste Predigt 
der Sammlung als Probe bieten, da sie aber in der späteren 
Betrachtung unter anderem Gesichtspunkte behandelt werden 
mufs, greife ich eine Predigt aus der Mitte der Sammlung heraus. 
Es ist der Sermo Dominica in Septuagesima. Sic cuiTite, ut 
comprehendatis Bl. 118 ''ff. Die lateinische Einleitung lautet: 

Sic currite , nt conprehendatis. 1. Cor. IX. istud verbum expressivura 
laboris itinerantis ad premium patrie couvenienduin probatur per apostolum sie : 
quicimque curruut in stadio, sie debent currere, ut bravium conprehendant. 
sed qui in stadio concurrunt, solns nnus se perseverans aecipit bravium, 
5 ergo ut ille talis, sie currite, ut conprehendatis. in quibus verbis tanguntur 
tria. primo enim agilis motus indieitm*, in quo motu percipitui" perfecta 
vigilantia, torporem excutiens a negiigentibus, cum dicitur: currite. secundo 
utilis modus addiscitur, in quo requiritur debita circumstantia , valorem 
(118 <=) adiciens obedientibus, cum dicitur: sie. tertio desiderabilis fructus 

10 promittitur, in quo fructu percipitur eterna gloria dulcorem largiens pro meren- 
tibus, cum dicitur: ut conprebendatis. dico ergo primo, quod percipitur in 
motu perfecta iuvigilantia, cum dicitiu": currite. circa quod est advertendum, 
quod debemus currere primo per viam obedieutie, quo ad deum; secundo per 
viam misericordie , quo ad proximum; tertio per viam mundieie, quo ad se 

15 ipsum. curramiis ergo, ut conprebendamus. 

Der almebtege got. dise wort, die icb zu latine bau uzgeleit, die be- 
scbi'ibet uns s. Paulus zu einre lere und spriebet: lauffent, daz ir begriffent den 
Ion des ewegen lebens, daz uzredelicbe wort der arbeide, damide man verdienet 
den obirsten Ion. daz beweret s. Paulus also und spriebet: alle die do leufent 

20 in dirre werlete zu deme kurzen ziele des dodes, die suUent also lauffen unde 
leben, daz sie sicbern Ion virdienen in deme hj'mmele. uu ist alle menscbeit 
ilende zu deme dode in craukeme werletlicbe(me) lauffe und ist nieman, der 
den obirsten Ion verdiene, danne der da gerebt blibet biz an daz ende oder 
gerebt vonden wirt an sime ende. (118 "i) darumme suUen wir alse der ge- 

25 rebte mensehe mit dugenden ilen zu deme ende unsers lebens, so begriffen wir 
des^) ewegen lebens, alse s. Paulus spriebet in disen vorgenanten werten: 
sie currite, ut comprebeudatis. lauffent, also spriebet er, daz (ir) begriffent 
die ewege vi'eude. in disen werten sullen wir kürtzlieben pruven dru ding, 
die wir dim sullen uf ertriebe. 

Die lateinische Einleitung ist ganz in der scholastischen 
Manier gehalten. Die drei Textworte: currite, sie, ut compre- 
hendatis werden erklärt und gedeutet. Das erste von ihnen 
nimmt der Prediger heraus, um es wieder dreifach auszulegen. 
So entsteht die Predigt „Von den drei AVegen". Die deutsche 
Eiuleitung ist nicht viel mehr als eine Wiedergabe des lateinischen 
Textes. Die Wendungen am Anfang und SchluTs sind stets 
wiederkehrende Formeln. 

1) Hs. 'daz'. 



9 



Nun beginnt der erste Teil des Sermons: 

Hs. der Nürnberger Stadtbibliothek 

Cent. IV, 40 

(Jostes, Meister Eckhart Nr. 70). 



83^ Der got hören sol, der sol ge- 
scheiden sein verre von dem leib, dar 
nm spricht David: ich Avil sweigen 
und (84») Avil hören, Avaz got in mir 
rede, er spricht fride in seinem volk 
und über sein heiigen nnd zu allen,-) 
die do sint gekerent Avider zu iren 
hertzeu. selik ist der mensch, der do 
fleizclich merket und, höret, Avaz got 
in im Sprech und sol sein underbäugec 
zu reht under den zäun gütliches 
liehtes. (Vgl. Meister Eckhart, Pfeiffer 
Nr. 30,3) S. 107, 24— 30.) 



84'' Die sele, die do ist gekeret 
mit aller kraft under daz lieht gotes, 
die Avirt inhitzik und infeurik in got- 
licher minnen. (Vgl. Pfeiffer 107, 30 
—32.) 

Sulch lieht, daz scheinet direht 
oben ein. Aver ez, daz di sunne schin 
direht uf unser haubt, ez enmoht Avenig 
ieman leben. (Vgl. Pfeiifer 107, 32. 33.) 



Tax deme ersten male suUen Avir 
in eime sAvinden lauffe ane drehtliches 
sumenüsse lauffent den Aveg der undir- 
denekeide und der gehorsame zu gode, 
daz Avir gehoreg sin, sinen Avillen zu 5 
voUenbrengene. davon er uns höret 
und Avir in. 

Der nu got boren sal, sprichet ein 
lerere,^) der sal verre von deme libe 
sin, daz ist von üblicher Avollüste ge- 10 
scheiden sin, alse der prophefca David, 
der da sprach: audiam, quid loquatur 
in me dominus deus. ich Avil SAvigen 
und Avil boren, Avaz got in mir rede, 
er sprichet in sin volk und ubir sine 15 
beilegen und zu allen den, die da sint 
gekeret Avieder zu deme bekentnüsse 
ires hertzen, zu vrieden und zu gnaden 
und zvi OAveger selekeit. darumme 
ist der mensche seleg, der vlieszcliche 20 
merket, (119 'i) Avaz got in ime sprichet. 
Avanne er ist sinen Avorten gehorsam, 
so Avirt sine sele gezogen in den schin 
gotlichen liehtes. 

Dovon sprichet einmeister, daz 25 
die sele, die da gekeret ist mit aller 
craft in daz lieht godes, die Avirt 
inhitzeg und infureg in gotlicher 
minnen. 

Wanne daz gotliche lieht, daz schinet 30 
dieriebte obene nieder uife die sele, 
die so lutir ist, daz sie daz lieht em- 
phahen mag. ez sprichet ein lerere 
in der beilegen schrief(t), Avere 
ez, daz die sunne schine dieriebte (uf) 35 



Hier, Avie im folgenden, erscheinen Sätze der Predigt Eckharts als 
Worte eines Lehrers, eines Meisters. 

2) Hs. 'allem'. 

^) Die Predigt steht auch niederdeutsch in der ArnsAvaldt- Berliner 
Hs. 3141 Bl. 45 a, s. Jahrbuch für niederdeutsche Sprachforschung 10, 17; 
R. Langenberg, Quellen und Forschungen zur Geschichte der deutschen Mystik 
S. 187. 



10 



N: 



Also solt di Oberst craft der seien, 
di daz haubt ist, geleich irhaben sein 
5 linder den zäun gotliches liehtes, daz 
da(z) gotlicli lieht darein gescheinen 
moht, da von icli nie gesprochen han, 
daz ist so lauter und so uherswebend 
und so höh, daz alle lieht ein vinster- 

10 nüzze sint und ein niht wider disem 
lieht, alle creaturen, in dem do si 
sint, do sint si als ein niht, wann si 
uherschinen werden mit dem lieht, in 
deme si ir Avesen neraen, do sint si iht. 

15 (Vgl. Pfeiffer 107, 34-40.) 



unser beutet, so enmohte weneg ieman 
leben von hitzen, also sub zodiaco. 

Nu ist got die obirste sunne und 
ist ein lieht der seien, darumme sal 
die obirste craft der seien, die daz 
heubet ist, glich irhaben sin linder 
den scheden gotlicher gnaden und 
under den schin gotliches liehtes, so 
wirt die sele inhitzec in gotlicher 
minne und wirt luter in deme liebte, 
daz got ist, der ist so luther und so 
dar und so ubirswebende unde so 
hoch, daz alle lieht ein vinsternüsse 
sint und ein uit wieder disme Hellte, 
darumme sprichet ein meister, 
daz alle creaturen an in selber nit 
sint gein gode, abir in deme liebte, 
in deme sie ir wesen nement, da 
(119'') sint sie etwaz. 

Darumme enmag die sele mit irme 
verstentnüsse nit ein lieht gesin noch 
in gotlicher miunen entzündet werden 
noch got begriffen noch berfu-en, sie 
ensi danne e gelütert in deme liebte 
und in der gnaden godes und si dot 
aller unglicheide und sie gehoreg godes 
lere und si gode iindirdeneg, so wirt 
sie irhaben zu gode, in deme sie niemet 
lieht unde ere und wesin und vreude 
und hj'mmelsche selekeit. 



20 84=» Dorum enmak di naturlich ver- 

stentnüzze nimmer so edel geseiu, daz 

si got berur oder begreif ou mittel, die 

sele hab dis sehs stüke an ir, da ich von 

gesprochen ban, daz (erste), daz man 
25 tot sei aller unglicheit, daz ander, daz 

mau wol geläutert sei in dem lieht 

und in der genaden, daz dritte, daz 

man on mittel, daz vierd, daz man ge- 

horik sei gotes wort in dem innigisteu, 
30 daz fünft, daz man underbaugec sei 

gotlichem lieht, daz sehst ist, daz ein 

heidnisch meister spricht, daz ist seli- 

keit, daz man leb nach der obersten 

craft der seien, die sol alles uf tragent 
35 sein, und in got neme er und selikeit. 

(Vgl. Pfeiffer 107,40—108,10.) 

Darumme sullen wir undirdeneclichen gehorsam sin gode, wanne ge- 
horsam ist eine muttir aller dugende, die den menschen brenget zu deme liebte 
gotlicher gnaden, da^) Avieder brenget ungehorsame den menschen in eine 
40 Ungnade godes, daz er enderbet wirt des ewegen lebens, alse der küneg 
Salomon. daz der mit heidinscheu frauwen in Unglauben virviel, darumme viiios 
er godes hulde,^) also verlosz auch küneg Saul sin künegriche iimme sin un- 
gehorsamekeit, wanne ime was von gode geboden, daz er den küneg Amelech 



1) Hs. 'die'. 

2) Hs. 'Milde', 11,24.27 steht 'bilde'. 



11 

und alles sin volg und alles viehe in deme künegriche dodete. daz endet er 
nit, sunder er dodete wol die annen lüde (119=) und daz deine vielie, abir 
den küneg und die riehen fürsten nam er gevangen und daz grosze viehe 
Mit er gode zu eime opphere wieder godes gebot, darumme sprach zu ime 
der propheta Samuel : pro eo, quod abiecisti sermonem domini, abiecit te domi- 5 
nus, ne sis res super Israel, et post pauca sequitur : quia melier est obedientia 
quam victime. 1. R. XV. darumme, daz du godes gebot hast virworffen und 
nit gehalten, dovon so hat got aucli dich vir^vorfen von deme riebe, do sprach 
der küneg: ich han doch daz grosze viehe darumme behalten, daz ich ez gode 
wil opphern. des entwerte ime Samuel unde sprach: gehorsam ist beszer 10 
danne alles oppher, wanne umme sine ungeliorsamekeit besasz in der böse 
geist und virleib dot in eime stride und verlos also sin riebe, also verlos 
auch Adam daz paradys, von •) er gode ungehorsam was und az daz virbodene 
obiz unde was sinre vrauwen me gehorsam danne gode. 

Quia obedivisti voci uxoris tue plus quam mee, maledicta terra in opere 15 
tuo. Gen. in. dovon, daz du me gehorsam bist gewesin (119 <!) dime wibe 
danne mir, darumme ist daz ertriche virfluchet, daz du arbeidest; wanne du 
iz gebuwest, so dreit ez dorne und distele. daz ertriche were vil beszer und 
berhefteger, enhede ez got nit virfluchet also von Adames ungehorsamekeide» 
domide er auch daz paradys verlos, dovon sprichet s. Bernhardus: quod magnum 20 
est inobedientie Vitium, quo angelus amisit celum, Adam paradysum, Saul 
regnum, Salomon amorem dei. die sünde der ungehorsamekeide ist ein groz 
laster, wanne dovon hat der engel verlorn den hymmel und Adam daz paradys 
und Saul sin riebe und Salomon godes bilde, daz geschach allez von un- 
gehorsamekeide, damide du nit salt vallen in Unglauben noch in sünde, alse 25 
Salomon det und auch vil andere sündere. du salt dich halten mit ordenlicher 
gerethekeide in cristeme glaiiben, daz du godes bilde und sine frimtliche liebe 
verdienes, iinde salt gen in diu eigen hertze und salt da inne alle sünde ver- 
driben. die Sünden, die sint godes viende, die salt du alle an dir selbir dodin, 
so beheltes du godes riebe, du salt auch gode me gehorsam sin danne vrauwen 30 
oder mannen oder keinre (120«') andern creaturen. alse s. Petrus zu Neroni 
sprach: melius est obedire deo quam hominibus. ez ist beszer, gehorsam sin 
gode danne den lüden, daz eubethrate Adam nit, do er deme dyfele unde 
sinre vrauwen me gehorsam was danne gode. darumme quam er uszer deme 
paradj'se. also geschach auch Lucifero, der von hoifoteger ungehorsamekeide 35 
wart beraubet der hymmelschen vreuden, in die der mensche kommen mag 
mit demüdeger gehorsame, darumme sal der mensche gehorsam sin alse 
Cristus, der was gehorsam sime hymmelschen vatere biz in den dot. dut er 
daz, so mag er wonder wirken uf ertriche und mag danne sicher sin, daz er 
von gode nümmer gescheiden wirt. 40 

Zu deme andern male suUen wir lanffen den weg der barmhertzekeide, 
dovon der evangeliste sprichet: estote misericordes sicut et pater vester miseri- 
cors est. sint barmhertzeg, alse üwer vater Jesus Cristus barnihertzeg ist. 
der was so barmhertzeg, daz er duj-ch unsern willen allez sin blut virgosz, 
und darane bewisete er uns den burnen sinre barmhertzekeide. er enlebet 45 
nit uf ertriche, der die (120^) barmhertzekeit godes möge herzelen noch her- 

^) von = wan(d)e. 



12 

gTünden, die er liat gein uns gedan. darumme wil er auch, daz wir geiu 
unsern ebencristen miltes hertzeu sin und sunderliclien gein den armen not- 
dorftegeu lüden, was man den dut durch godes willen, das; ist gode selbe 
geschehin. darumme sprichet er an deme jüngesten dage zu den güden, die 
5 die werg der barmhertzekeide an armen luden haut erfüllet: venite, benedicti 
jmtris mei. komment, ir uszerweleten mines vatir, in daz riebe, daz üch be- 
reit ist von anegende der werlete, wanne da mich hungerte of ertriche, da 
gabent ir mir zu eszene, da mich durste, da gabent ir mir zu drinkene. ich 
was nackint, ir cleidetint mich, ich was siech, ir sahent mich mit liblicheme 

10 tröste, ich was eilende, ir beherbergetint mich, ich was in gevengnüsse unde 
ir hulfent mir daruz und herful(l)etint also an mir die werg der barmhertze- 
keit. so sprechent sie: o herre, wo sahen wir dich, unde wo herfaUeten wir 
an dir die werg der barmhertzekeit, wir hedin sie mügelichen gedan? so 
sprichet got: amen dico vobis, quod uni ex minimis meis fecistis, mihi (120 <=) 

15 fecistis. ich sagen iich vorwar, daz ir deme minnesten hant gedan in mime 
namen, daz haut ir mir gedan. daruf sprichet ein lerere, daz got an deme 
jüngesteu dage vor allen engelin und vor alleme hymmelschen here geswiget 
nit, daz Abel der gerehte durch in sin blüt unschuldeclichen goz, er geswiget, 
daz Noe die werlet behilt in der arken, in der waren ahte menschen, anderes 

20 lebete uieman me uf ertriche, und enwere die arke do nit gewesen in der 
siutflüde, so Avere die werlet miteinander zurgangen, er geswiget, daz der 
patriarche Abraham ime also getrüwe und also gleubeg was, daz er sine eigene 
kint selbir wolde doden und virbui'nen ime zu eime opphere, er gesAviget 
Moises, der die zehen gebot uffe deme berge Synai von sinre hant emphieng, 

25 unde s. Petirs, der den dot an deme cruze williclichen durch in leit, des ge- 
swiget er auch und ruffet zu den barmhertzegen und sprichet: ich was hungereg, 
dursteg, frosteg, sich, eilende und in noden uf ertriche, da hulfent ir mir. 
darumme komment auch nu, ir uzerweleten, mit mir in min riche, daz uch 
und minen engelen (120 "i) und minen beilegen bereit ist von auegiende dirre 

30 werlete. darumme suUen wir uns flieszen groszer barmhertzekeide, wanne 
wer barmherzeg ist gein sime ebencristen, gein deme ist auch got barmherzeg 
an sinre obirsten not. darumme sprach got zu sinen jüngeren : beati miseri- 
cordes, quum ipsi misericordiam consequentur. seleg sint die barmhertzegen, 
wanne in sal von mir barmhertzekeit geschehen an irme lesten ende unde an 

35 deme jüngesten dage. 

Zu deme dritten male sullen wir lauffen den weg der reinekeide, so 
begriffen Avir den obirsten Ion und werden got anesiehteg, alse der evangelista 
sprichet: beati mundo corde, quum ipsi deum videbunt. seleg sint die, die da 
sint eins reinen hertzeu, wanne sie suUent got sehent. darumme sal unser 

40 sele gelütert werden alse der schin der sunnen, der herlühtet daz ertriche 
und schinet in maneger bände unreinekeit und enwirt er doch dovone nit 
unreine, also sal auch der mensche schinende sin an beilegen werken, an 
dugenden und an guden bizeichen gein aller der werlete und sol sich behüden, 
daz sine sele von keinre dotsünden (121 ») it geunreineget werde, Avanne alse 

45 der lip von uaturen begeret, daz er gesunt si, also begeret auch die sele von 
natnren, daz si luter si unde reine ane sunde, sprichet s. Bernhard, nu sehen 
Avir Avole, daz alle übliche creaturen sich reinegent, so sie meiste mogent: daz 
mer AA'irfet die doden uz, der aaüu reyneget sich mit sime jeste, daz man sudet, 



13 

daz reyueget sicli mit deine scliume, deu ez vou ime guszet, und darzü alle 
vögele und alle diere hant snnderlichen vliz, daz sie sich reinegen. diewile 
nu die wilden creatnren daz dünt, so sal der mensche auch vil mügelicher 
sich reinegen von der unreinekeit der sünden, wanne were sünde nit süude, 
sprichet ein lerere, noch danne sal der mensche die sünde laszeu, Ton sie in 5 
ir selber unreine ist und machet auch die sele unreine, hedes du nu ein[en] 
gülden oder ein sj'den gewant, daz beliuttes du; daz ez it unreine werde, nu 
ist dine sele ein bilde godes, daz got nach ime selber geschaffen hat, also 
Moyses schribet: faciamus hominem ad imaginem et similitudinem nostram. 
darumme ist dine sele daz aller edelste phaut und der aller hoheste schätz, 10 
den du undir') gode geleisten ma(g)st. dovon salt du sie nit verunreinen 
mit (121^) Sünden, wanne sie vellet gar lihteclichen in sünde und kommet 
gar kume dar uz. Lucifer, der sündete in deme (himele). von der Sünden kan 
er nümmer me kommen. Adam der sündete auch in deme paradyse, die sünde 
enmohte er in nüuhundert jaren nie gebüszen. 15 

Valien wir nu in dotsünde uf ertriche, so euniag uns allez daz waszer, daz 
linder deme hymmele ist, nit gewaschen von deu sünden ane die gnade godes. 
darumme so quam der wäre godes sun Jesus Cristus gnedeclichen uf ertriche 
unde wusch unser seien in sime binde, alse s. Johannes sprichet: quod dilexit 
nos et lavit nos a peccatis nostris in sanguine suo. Apoc. 1. Cristus, unser 20 
herre, hat uns lieb gehabet und hat uns gewaschen in sime binde von unsern 
erbesünden und düt uns die gnade, daz wir uns noch mit riiwen und mit 
bihte und mit beszerunge in sini'e gnaden mögen reinegen und waschen von 
allen sünden und von aller niissedat und mögen mit siure helfen kommen in 
die lutir clarheit der hymmelschen vreuden. 25 

Daz uns allen daz widerfare, des helfe mir und üch der vatir und der 
sun und der beilege geist. amen. 

Die drei Teile unseres Sermons sind von selir verschiedener 
Länge. Das erste Stück ist fast iimfangreiclier als die beiden 
anderen zusammen. Der Inhalt bestätigt im grolsen und ganzen 
Cruels Urteil: greise, tiefe Gedanken liegen dem Prediger fern, 
er schliefst sich überall an scholastische Muster an, seiner Parä- 
nese fehlt es an Frische, er ermüdet dui'ch Breite imd Wieder- 
holung. Der zweite Teil ist der dürftigste, er besteht zum grofsen 
Teil aus einer Wiedergabe von Matth. 25; das Stück, welches sich 
daran anschliefst, mufs aus einem Kommentar oder der Predigt 
eines Scholastikers stammen. Jedenfalls ist der ganze zweite Teil 
unselbständig. Der dritte Teil ist besser, durch Bilder und Yer- 
gleiche gewinnt die Darstelkmg, ja an einer Stelle (s. oben Z. 10 ff.) 
erinnert der Ausdruck an die Predigtweise deutscher Mystiker. 

Am interessantesten ist für uns der erste Teil. Ausdruck 
und Gedankengang zerlegen ihn scharf in zwei einander fremde 

') undir = Inder. 



14 

Stücke, vou denen das zweite, ohne jeden tieferen Gedanken, 
sich in behaglicher Breite darin ergeht, Beispiele des Ungehor- 
sams aus der biblischen Erzählung anzuführen. Deutlich hebt 
sich davon in Sprache und Inhalt das erste Stück ab. Es ist 
aus einer Predigt Eckharts herausgenommen. Diese — Pfeiffer 
Nr. 30: Beatus es, Simon Bariona — betrachtet unter den vier 
Namen des Petrus vier Tugenden. Der dritte Name Simon be- 
deutet Gehorsam. Nun will Nikolaus von Landau in seinem 
ersten Predigtteil vom Wege des Gehorsams handeln. Es erhellt 
daraus, warum er gerade dieses Stück aus seiner Vorlage heraus- 
riXs. Was davor und dahinter stand, konnte er nicht gebrauchen. 
Nur ein Satz von ihm selbst geht als Einleitung der Entlehnung 
voraus. Diese folgt, Satz für Satz, geschlossen hintereinander. 
Allerdings ist die Übereinstimmung nicht vollkommen. Nikolaus 
hat im Anfang einen vollständigeren Text, besonders ist der 
Vergleich der Sonne mit dem göttlichen Licht besser ausgeführt; 
andererseits hat er am Ende die sechs Stücke, welche erforder- 
lich sind, um Gott zu begreifen, nicht so deutlich geschieden, 
wie es jene Predigt tut. Es muTs zunächst dahingestellt bleiben, 
ob diese Abweichungen auf einer Überarbeitung durch unseren 
Mönch beruhen, oder ob er eine schriftliche Vorlage benutzte, 
in der diese Abweichungen schon sich fanden. 

Erinnern wir uns, dafs in jener Zeit mystische Gedanken- 
gänge besonderes Interesse fanden, dafs an dem Namen Eckharts 
aber der Verdacht der Ketzerei haftete, so ist es am Ende nicht 
auffällig, wenn Nikolaus auf der einen Seite seine Entlehnung 
gleich in den Anfang der Predigt stellt, gleichsam um den Leser 
für sich zu gewinnen, i) auf der anderen Seite geflissentlich den 
Namen Eckharts vermeidet und seine Sätze stets als Aussprüche 
eines Meisters oder Lehrers kennzeichnet. 

Eben dies absichtliche Verschweigen ist der Grund dafür, 
dafs bisher keiner daran dachte, Eckhartpredigten in unseren 
Sermonen zu suchen. Vorausgesetzt, dafs diese erste Eckhart- 
entlehnung nicht die einzige bleibt, so ist mit dieser Entdeckung 
ein Punkt gegeben, von dem aus wir in das Dunkel jener 
Probleme, die uns die Einleitung gab, eindringen und Licht 
bringen können. 



') Ich schicke voraus, dafs die allererste Predigt der Sammlung von 
allen Sermonen die meisten mystischen Gedanken enthält. Sollte hier nicht 
derselbe Beweggrund, den Leser zu fesseln, vorliegen? 



15 

Es soll und kann niclit die Aufgabe sein, allen Quellen, 
aus denen unser Möncli geschöpft hat, nachzugehen; doch gilt 
es an ausgewählten Beispielen festzustellen, woher Nikolaus seine 
mystischen Stof e genommen, wie er sie verwendet und in seine 
Sermone hineingearbeitet hat. 

Die folgende Predigt ist die letzte des ersten Bandes: 
Bl. 1451. 

Dominica III in XL. Et cum eiecisset demonium, locntiis est mutus. 
Lnc. XI. et in ewangelio liodierno. ubicnmque (145 <i) habtindat malitia demonis, 
demone expulso divina habnndat gratia. sed in isto demoniaco malitia demonis 
multum liabundaTit , quia enim tenebat obsessnm, ipsnm fecerat mntum et 
cecum et secnndum Crisostomum surdum. ergo i]}so demone eiecto divina 5 
dementia in ipsnm tantum superbabundavit , qunm lumen statim restitnit, 
auditum reseravit et loquelam eins ita reformavit, qnod merito intonare pos- 
sumus verba tbematis preassumpti: et cum eiecisset. in quibus verbis tria 
innuuntur. primum est divina dementia, que preveuiendo inportat amenam 
consolationem , ut claret in demone eiecto, cum dicitur: et cum eiecisset. 10 
secnndum est dyabolica nequitia, in boc, quod latendo occupat alienam posses- 
sionem, ut patet in demonio. tertium est perfecta medicina, que curando 
donat sanam locutionem, ut liquet in mute, cum dicitur: locutus est mutus. 

Der almehtege got. dise "wort, die icb zu latiue ban uzgeleit, die be- 
scbribet uns s. Lucas und siirichet: do got den dyfel vertreib von eime 15 
stum(m)en menseben, do wart der stumme menscbe sprecben, wanne do Cristus 
bade sinen Jüngern gepredeiet, do wolte er sine wort mit den zeicben bewisen 
und eigete sine gnade an deme beseszen (14:6 ") menschen, den berlosete er 
von des dyfels bosheide. wanne ez spricbet ein lerere, wo des dyfels bosbeit 
grosz ist, wirt do der dyfel vertrieben mit der bosbeit, so wirt do die gnade 20 
godes, von der er entwichen muz, vil ubirflüszeger danne vor. alse iz ge- 
scbacb an disme beseszenen menschen, den bade der dyfel mit sinre bosbeit 
also virstummet, daz er nit mohte sprecben, er bade in also verblendet, daz 
er nit mohte gesehen, und bade in also verdaubet, daz er niht mohte geboren, 
da aber got von ime den dyfel vertreib, do wart er vol gotlicher gnaden und 25 
herlühte got sine äugen, daz er wart gesehen, und mabte in geboren und 
wart auch redespreche, daz auch wir mügelichen mögen sprechen mit s. Luca 
dise vorgenanten wort: et cum eiecisset demonium. da got den dyfel vertreib 
und uzgewarf, do wart der stumme sprechen, in disen werten suUen wir 
merken dru stücke. 30 

Zu deme ersten male suUen wir merken die gotliche miltekeit, die 
wonnencüchen drost brenget der seien mit der vertribunge der sünden und des 
bösen geystes, unde von der bildunge, daz sie von gode und von niemanne 
anders geschaffen (1461») ist und gereineget. wanne alse der unreine von 
weschene reine wirt, also wirt auch die sele reine und schone, wanne sie die 35 
gnade godes weschet mit niweger bihte von ii-en unreinen Sünden und den 
unreinen dyfel[n] von ir vertribet mit andehtegen werken, so wirt sie gnedec- 
lichen getröstet und mit gode also gesterket, daz sie iren lib in wirdegen 
godes dienst twinget. 



16 



Oxforder Hs. Laud. Mise. 479. 8. 

n, 3. 62'' Cousideravit seinitas do- 

mus sue et paneni otiosa non come- 

dit. in deme buche der wisheit Stent 

dise wort gescluibin und mac man si 

5 predigin fon eiuir iclichin lieligin sele 

und sundirlichin fon s. Elizabet. uu 

spricMt Salomon in Proverbiis : si hait 

gemirkit di stige iris liusis xxnd iullait 

ir broit nicht mnzic gessin. dit huis 

10 meinit genzliche di sele und di stige 

des husis di crefte der sele. (Vgl. 

Pfeiffer Nr. 52, S. 170, 5-8.) 

Ein meister sprichit, daz di sele 
15 (63'») ist gemachit zhussen eime unde 
zwein, diz eine ist di ewikeit, di sich 
alleine heldit vn^) icar ist, daz andere 
ist di zwei, daz ist die zit, di sich 
wandilit und manicvaldic ist. (Vgl. 
20 Pfeiffer 170, 8-11.) 

He wil sprechin, daz di sele mit 
den ubersten creften rurit di ewikeit, 
daz ist got, und mit den nidersten 
creftin nuit si di zit und dafon wirdit 
25 si wandilhaftic und neigit sich uffe 
lipliche dinc und dafon wirdit si for- 
torit. (Vgl. Pfeiffer 170, 11—14.) 



30 Mochte di sele got gentzliche be- 
kennen alse di eugele, si euAvere ni in 
den lichamen cumen; mochte si got 
bekennen on die werlint, di werlint 
inwere ni durch si gemachit. (Vgl. 

85 Pfeiffer 170, 14-17.) 



Dovon sprach der wyse Salomon in 
Proverbi(i)s: cousideravit semitas domus 
sue et panem otiosa[m] non comedit. 
eine gude vrauwe hat gepruwet die 
phede ires huses und hat ir brot nit 
müszeclichen geszen. bi der vrauwen 
virsten wir die sele und ir hus, daz 
sint ir crefte, die durchferit sie, und 
mit iren creften machet sie iren lip 
unmuzzegi) und twinget in (in) den 
dienst godes, von deme sie geschaffen 
ist. 

Nu ist eine vrage, wo die sele ge- 
schaffen si.') des entwortet ein meyster 
unde sprichet, daz di sele si gemäht 
zwi[s]schen eime unde zwein, daz eine 
ist die ewekeit, die sich alleine heltet 
vii^) war ist, die zwei, daz ist die 
zit, die sich Avandelt und manegfelteg 
ist. 

Au der rede meinet er, von*) die 
sele hat zwifeltege crefte, daz sie mit 
(146*=) den obirsten creften ruret die 
ewekeit, die got ist, und mit den 
niedersten creften rüret sie die zit, 
und dovon wirt si wandelhefteg und 
neiget sich uf alle lipliche ding und 
dovon wirt sie verdoret. 

Darumme sprichet ein meys- 
ter,5) mohte die sele gentzlichen got 
[nit] bekennen alse die engele, sie 
enwere nie in den lichamen kommen ; 
mohte sie got bekennen ane die werlet, 
die werlet enwere nie durch sie ge- 
machet. 



1) Das Bild ist bei Nikolaus verschoben, die Texte von und Pfeiffer 
bieten es richtig. 

*) Das handschriftliche vn war ist nach Pfeiffers Text in imd emvar 
zu bessern. 

ä) Nikolaus hat hier wohl den vollständigeren Text, 'von deme sie ge- 
schaffen ist' leitet den Fragesatz 'wo die sele geschaffen si' natürlich ein. und 
Pfeiffer haben dann nur die Antwort auf die Frage überliefert. 

*) von = wan(d)e. 

^) Nikolaus bringt hier und im folgenden wieder Aussprüche Eckharts 
unhestimmt als Worte eines Meisters. Vgl. oben S. 9 Anm. 1. 



Ö: 

Darumme ist di weiiint durch si 
geschafftn, daz der sele augin gesterkit 
werdin, daz si daz gotliche licht ge- 
lidin mac. 

Alse der sonnen schin, der sich 
nicht irguzit uf daz ertriche, he in- 
werde bewenden in der luft und ge- 
hredit uffe andere dinc, so inmochtin 
ez des menschin augin nicht gelidin, 
also ist daz goteliche licht alse uher- 
creftic und dar, daz ez der sele augin 
nicht gelidin mochtin, ez inworde ge- 
stedigit und ufgetragin bi materien 
und hi glichnissen und also gewenit 
und geleidit in daz gotliche licht, 
mit den uberstin creftin rurit di sele 
got, dafon werdit si gebildit noch gode. 
(Vgl. Pfeiffer 170, 17—26.) 



Got ist gebildit noch ume selber 
und fon nimanne me. sin bilde ist, 
daz her sich durchkennit und alleine 
licht ist. 



Wan her in di sele rmit mit rech- 
time bekentnisse, so ist si ume glich 
an deme bilde. 

Druckit man ein ingesigele in ein 
grüne wais oder in ein roit wais, daz 
ist alliz ein bilde, wirdit daz in- 
gesigele genzliche gedruckit durch daz 



11 



Wanne darumme ist die werfet dm'ch 
sie gemachet, daz der seien äugen 
gesterket werden, daz sie daz gotliche 
lieht emphahen mag und geliden. 

Wanne alse der siinnen schin, der do 5 
schinet uf daz ertriche, enworde er nit 
e bewonden und getempert in deme 
lüfte und gebreidet uffe andere ding, 
so enmohte in des menschen äugen 
nit geliden, also ubircrefteg ist auch 10 
daz gotliche lieht unde so dar, daz 
iz der seien äugen nit erliden mohten 
of ertriche, enweren die glichnüsse 
und die geschaffen ding nit, alse 
s. Paulus sprichet: invisibilia dei a 15 
creatura mundi per ea, quae facta sunt, 
conspiciuntur. die geschaffen ding 
godes, diel) wisent und leident in daz 
gesihte unde in daz bekentnüsse der 
unsie(h)teclichen dinge godes und 20 
wisent die (146^) sele in daz gotliche 
lieht, in deme sie got ruren mag mit 
iren obersten creften, dovon wirt sie 
gebildet nach gode. 

Daruf sprichet ein meyster, daz 25 
got ist gebildet nach ime selber und 
niemanne anders me. sin bilde ist, daz 
er sich durchkennet, alse der meyster 
sprichet in Libro sententiarum ^) : deus 
videndo se yidet omnia et cognoscendo 30 
se cognoscit omnia. got ist ein lieht 
unde ein luter bekentnüsse und siebet 
und bekennet in ime selber alle ding, 
und wanne er^) die sele berüi-et mit 
rehteme bekentnüsse, so wii't sie ge- 35 
bildet nach ime. 

Wanne drückete man ein ingesiegel 
in ein grüne wash oder in ein rodes 
wash, daz were doch alles ein bilde 
des ingesiegels und des wasses, die 40 



Nikolaus scheint die ursprünglichere Form zu haben. Spuren des 
alten Satzes zeigen und Pfeiffer noch in: 'und also gewenit und geleidit 
in daz gotliche licht' (17, 14 f.). 

^) Das lateinische Citat hat wieder Nikolaus allein. 

^) Bei Pfeiffer 170, 28 ist es die Seele, welche Gott berührt. 

Hermaea II. 2 



18 

0: 

wais, daz diz wasis niclit nberWibit, wile ez in einander were.^) wirt daz 
ez insi znmale gedruckit in daz in- ingesiegel gentzlichen gediiicket durcli 
gesigile , so ist ez ein mit deme in- daz wash, daz des -wasses nüsnit nbir- 
gesigile on undirsclieit. (Vgl. Pfeiffer blibet , ez ensi zümale ingedi-ücket in 
5 170, 26 — 33.) daz ingesiegele, so ist daz wash ein 

ding mit deme ingesiegele an der 
formen, die do gegraben ist in daz 
ingesiegele. 
Also (63^) werdit di sele mit gode Also wirt auch die sele gentzlichen 
10 gentzliche foreinit an deme bilde xmd gode vereinet und nach gode gebildet, 
an deme glichnisse, alse si un rurit so sin rüret mit retheme bekentnüsse. 
an rechtime bekentnisse. (Vgl. Pfeiffer 
170, 33—35.) 

Darumme salt du dich vernünfteclichen riechten zu gode. waz du be- 

15 kennest, daz godes wille ist, daz salt du voUenbrengen und vollefiu'en mit 
dinen sinnen und (147=") mit allir dinre seien craft, so wirdest du mit gode 
vereinet, daz du von ime nümme gescheydest. 

Zu deme andern male suUen wir merken die hosen list des dyfels, daz 
er heimelichen besitzet den menschen underwilen, in deme er nit wonen solte, 

20 were ez nit godes verhengnüsse, und also besitzet er auch geystlichen die 
sündege sele. so sie den heylegen geyst mit iren unreinen Sünden von ir ver- 
tribet, so besitzet sie der bose geyst, daz sie mit merren Sünden noch unreiner 
werdent. wir lesen von der natui'en der diere, daz der dasch^) grebet mit 
deme munde und mit sinen clawen eine hüle under eime steine odir andirswo, 

25 do er reineclichen mag bliben. wanne er ist also gar ein reyne dyer, daz er 
keine unreinekeit mag geliden noch gesmacken. daz weis der phos wole, von 
er under allen dieren der schelketeste ist, \ind entr(e)inet ime sine hüle, so flühet 
der dash uszer der hülen und enkommet nit wieder drin, wanne der schelckechte 
phus, der hebeltet ime die hüle und blibet wonhefteclichen dinne. bi deme 

30 reinen diere suUen wir virsten got, unsern herren, der hat in menslicher 
nature gearbeit mit der lere sins mundes und mit der arbeide, die er leit 
an henden und an fuszen, und (147'*) mit deme smertzen sins dodes, daz er 
die sele hat gereineget von den erbesünden und hat sie bereit zu einre lustec- 
lichen wonestede, in der er selbir begeret zu wonene. daz weiz auch der bose 

35 geyst wole unde darumme verunreineget er sie mit den sünden, wo er mag 
und wanne er mag und wie vil er mag, unde mit den sünden so herhebet 
die sele den dyfel und vertribet got. wanne der dyfel ist so schelkete, daz 
er Adam und Evam in deme paradyse betrog und noch alle dise werlet ver- 
keret er, so er meyste mag. damide verkeret er auch eine iegeliche sele, die 

40 ime nach wil volgen, und besitzet die unde machet die also unreine mit sünden, 
daz got in ii" nit blibet, wanne got, der ist die obii'ste clarheit, der enwonet 
nit in der unreinen, sündegen seien, davon sprach der wyse Salomon: in 
malivolam animam non introibit sapientia. got, der die obirste wisheit ist, 



^) Das Bild ist bei Pfeiffer unklar, 170, 31 verstümmelt. 
2) dasch = dahs. 



19 

der enwönet nit in der xtnreinekeit der sünden, er enkommet nit in die sündege 
sele, wanne sie hat einen ander(n) g-ast. wer ist der? daz ist der dyfel. ach, 
wie ist daz der seien so schemelich, daz sie mit ii-en sünden got versmahet 
und uzdribet und den bösen geist zu ir ledit und den dyfel, den bösen geist, 
beherburget, der sie blendet (147") unde ungehoreg und daxtb machet und ir 5 
die ewege pine bereidet. wanne der dyfel, der düt alse ein dieb, der ein hus 
berauben wil, der suchet heimelichen in daz hus, daz man it höre, und ver- 
leschet die lieht, ob er mag, daz man in it sehe, und swiget alse ein stumme, 
daz er sich it melde, also diit auch der dyfel, der kommet also heimelich in 
daz hus der seien, daz ist in des menschen lip, daz sie sin nit gewar enwirt, 10 
und beslüszet deme menschen sine oren, also daz er it höre daz godes wort, 
nu sprach Oristus selbir: beati, qui audiunt verbum dei et custodiunt illud. 
seleg sint die, die daz godes Avort horent und ez behaltent, also sint auch 
die unseleg, die daz godes wort nit woUent boren, von*) Oristus sprach: 
qui ex deo est, verba domini audit. Aver von gode ist und wieder zu gode 15 
kommen wil, der boret gerne daz godes wort, wer abir daz godes wort un- 
gerne höret, der ist verre von gode und ist ime gar nahe der dyfel, der ime 
sin oren also bestoppet, daz er ez it bore, und machet in zu eime stummen, 
also daz er it du gantze bihte mit wareme ruwen, und ist iz, daz er iz ver- - 
mag, so verleschet er in der seien daz lieht cristens glauben, daz er des 20 
menschen lip und sele brenge in daz ewege vinster(147<i)nüsse der hellen, 
und alle die wile, daz der dyfel rihtet und herschet in deme menschen, so 
enist got bi deme menschen nit. dovon vraget der lerere unde sprichet: que 
communicatio Cristi ad Belial? waz gemeinsamekeide hat Oristus mit deme 
hosen geiste? oder waz zuglichunge ist daz, daz man got glichet zu deme 25 
dyfele? er ist also unglich, daz sie nit bi einander mogent gesin. wanne in 
deme hymmele muste der dyfel von gode herabe entwichen, wie mohten sie 
danne uf ertriche in eime libe bi einander gesin ! ez were unmügelich. wanne 
ez sprichet ein meister: duo contraria in uno subiecto simul esse non possunt. 
zwei wiederwortege ding die enmogent in eime dinge bi einander nit gesin. 30 
nu ist der dyfel und got wiederworteg, und heilekeit unde sünde sint wieder- 
worteg. darumme so enmag auch der mensche nit behalten got und den dyfel 
mit einander bi ime, er enmag auch nit mit einander heileg und sündeg gesin, 
noch gut noch böse mit einander, er enmag auch nit gode und deme dyfele 
mit einander gedienen, wanne welchem er dienet, so müz er den andern her- 35 
geben, darumme sal der mensche gode dienen und den dyfel hergeben und 
sal sich reinegen (148=') von sünden mit rüwen und mit bihte und mit besze- 
runge, so flühet der dyfel von ime, so kommet danne die gnade godes unde 
herlühtet die sele unde machet sie zu einre wonunge godes also, daz got 
danne also gnedeclichen in ir wonet, daz sie mit sinre gnaden verdienet daz 40 
ewege leben. 

Zu deme dritten male sullen wir merken die voUenkommene artzetie 
godes, daz got den stummen ledegete von deme dyfele und in redespreche 
mähte, also geschiehet deme sündere, der do gantzen ruwen hat umme sine 
Sünde, der wirt des dyfels ledig und wirt also redespreche, daz er in der bihte 45 
saget und uffinbaret alle sine sünde und die Sachen der sünden, war umme 

*) von = wan(de). 

2* 



20 

er gesundet habe und wie vil er gesundet liabe, daz sal er sagen, und also 
sal auch ein iegelich mensche dun, daz sal sine sünde gentzlichen sagen un- 
geteilet. wände got vergiebet die sünde zumal oder nüsnit. dar umme sal 
der mensche sine sünde also ruwelichen bihten mit gantzeme willen, die sünde 
5 nümme zu dune, so vergiebet ime got alle sine sünde, er sal die sünde bihten 
in cristeme glauben unde mit gantzer ziiversihte unde (148^) glaiiben, daz got 
ime sine sünde vergebe, wanne hat er nit der zuversihte unde glauben, so 
ist sin bihten unnütze unde verstummet an der bihte, alse Zacharias, der 
propheta. der solte eins jares zu Jherusalem gen in den tempel, daz heyletüm 

10 sehen, do quam zu ime der engel Gabriel unde kündete ime, daz er und sine 
vrauwe selten geberen ein kint, daz solte heyszen Johannes, daz was s. Jo- 
hannes der deiffer. von') er unde sine vi'auwe do bede alt waren, dar umme 
glaubete er deme engele nit, und do von wart er zu der zit zu eime stummen, 
daz er nie kein wort mohte gesprechen, biz daz s. Johannes, ir kint, geboren 

15 wart, also geschiehet auch den, die den lerere[r]n nit woUent glauben noch 
rethen glauben hant zu der bihte, die verstumment an der bihte, daz sie gantze 
bihte nümmer getunt, daz ist von deme hindernüsse des dyfels. wanne der 
dyfel dut alse der wolf. so der wolf ein viehe zücket, daz enbegrifet er nit 
mit den fuszeu noch mit keime andern glide, danne mit deme halse, daz ez it 

20 schrie, also düt auch der dyfel, der enheltet den menschen nit mit den fuszen, 
wanne er let in gen zu Ache,^) zu sante Jacobe unde war er wil. er heltet 
(148 <=) auch in nit mit den henden, wanne er let in ahnüsen geben und gude 
werc wirken, sunder er heltet in mit deme halse, daz er it schrie und weine 
und bihte sine sünde, wanne alse balde, alse der mensche gentzlichen gebihtet 

25 sine sünde mit rüwen, also enweiz der dyfel umme die sünde nüsnit me. 
dar umme hindert er die bihte, so er meiste mag. dovon sal auch der mensche 
deste dicker bihten, so ubirwindet er alle sine widerwortekeit. der sündere 
sal auch sine sünde nit verhellen durch schemede wiUen, alse die giichsere. 
die schament sich, daz der bihter sol hören ire sünde, unde bedeckent ir 

30 Sünde und herschreckent, des sie nit solten herschrecken, alse der propheta 
sprichet: erubescant impii et deducantur in infernum, muta fiant labia dolosa. 
die sündere schament sich zu bihtene, dovon werdent sie gefüret in die helle, 
wanne ir schelketen lespin und ir falsche zunge, die wii't hie verstummet, 
darumme komment sie in den ewegen fluch der hellen, hede ein mensche etwie 

35 vil slangen in sime libe, er süchete ailerleie artzatie, wie ez die slangeu von 
ime vertribe. nu ist eine dotsünde in deme menschen schedelicher danne 
dusent slangen. (148 <^) darumme sal der mensche mit der bihte rat suchen zii 
deme bihtere, wie er der sünden ledeg werde, daz geschiehet mit wareme 
ruwen, mit gantzer bihte und mit beszerunge der sünden, damide wirt die 

40 sieche unreine sele gesunt und schone und reine, und wirt der mensche her- 
nuwet in der gnaden godes, also daz sie hie uf ertriche lichteclichen umme 
got mag verdienen daz hymmelsche riebe, darumme biden wir got. 

In ausführliclier Breite warnt der zweite Teil der Predigt 
vor der List des Teufels, mahnt der dritte eindringlich zu 

1) von = wan(de). 

2) Vgl. Strauch zu Heimich von Nördlingen 44, 41 ff. 



21 

Beichte imd Besserung; die Vergleiche des Teufels mit dem 
Fuchs, dem Dieb, dem Wolf sind nicht übel gewählt, um die 
Wirkung der völlig paränetischen Stücke zu vertiefen. Ob sie 
ganz selbständig sind, lasse ich dahin gestellt; Nikolaus citiert 
einige Male einen Meister, scholastische Vorbilder hatte er wohl 
auch für diese Teile der Predigt. 

Deutlich einen anderen Charakter trägt der erste Predigt- 
teil; er bietet bis auf wenige Sätze am Anfang und am Ende 
in Sprache und Gedankengehalt den Typus einer mystischen 
Predigt. Wir sahen, dafs er einer Eckhartpredigt entstammt, 
nur ein paar eigene Sätze schickt Nikolaus voraus, dann flicht 
er geschickt das Text wort der fremden Predigt ein, diese folgt 
geschlossen, Satz um Satz. 

Die Abweichungen unseres Textes von den verglichenen 
Eckharttexten sind nicht eben gröfser als die Abweichungen 
der Eckharttexte von einander. Nikolaus und sind im Text 
mehrfach identisch und gleichmälsig von Pfeiffers Text ver- 
schieden, zweimal scheint Nikolaus den vollständigen Text zu 
bieten und wie Pfeiffer zu ergänzen. Die Stelle, an welcher 
die Entlehnung aufhört, ist deutlich zu erkennen. Die Schlufs- 
sätze, die eigene Arbeit des Otterberger Mönchs, tragen den ihm 
eigenen Predigtcharakter. 

Zwei Sermone des Nikolaus von Landau haben den Beweis 
geliefert, dafs er in der Tat ältere Predigten entlehnte. Beide 
Male stammten sie nicht aus den Kreisen orthodoxer Kirchen- 
lehre, sondern aus dem Scholse der deutschen Mystik. Mystische 
Stoffe und Eckhartpredigten waren also ohne Zweifel unter den 
Sermonen, aus denen Nikolaus schöpfte und die er verarbeitete 
(conscripsi et cUversimoäo comjnlando s. oben S. 7). Über die Art 
des Kompilierens, über das Verfahren bei der Entlehnung sind wir 
schon nicht mehr ganz im Dunkeln. Es besteht in den beiden 
Sermonen eine merkwürdige Ähnlichkeit darin, dafs sich die 
zwei Eckhartstücke aus dem Texte des Otterberger Mönchs wie 
ein Bild aus dem Eahmen herauslösen lassen. Das Bild ist oben 
und unten beschnitten, damit es in den kleinen Eahmen palst, 
aber es ist mit keinem Pinselstrich übermalt. In beiden Fällen 
blieb das fremde Stück innerlich selbständig. Die Arbeit des 
Kompilierens geschah nicht so, dafs der Verfasser die geliehenen 
Stücke umarbeitete und umgols in eigene Form, sie bestand nur 
darin, dafs er sie geschickt einflocht und einrahmte. 



12 



Wenn nun aber weitere Entlehnungen vervollständigen, was 
diese ersten Stücke uns erkennen liefsen, wenn wirklich mit der 
Entlehnung mystischer Stoffe keine Überarbeitung jener verbunden 
war, wenn sie innerlich unangetastet blieben, so wird die Predigt- 
sammlung des Otterberger Mönches in dem Malse, als er Predigten 
von Meister Eckhart und seinen Schülern benutzt hat, zu einer 
neuen Quelle für die Feststellung der Texte dieser Mystiker. 

Dals unsere Sermone in der Tat eine solche Quelle sind, 
will die weitere Untersuchung zeigen. Sie wird das Verfahren 
des Nikolaus von Landau bei einer Reihe von Entlehnungen 
mystischer Stücke beobachten. Gewisse gemeinsame Züge Averden 
bei fast allen Entlehnungen wiederkehren. Mit Rücksicht auf 
den Umfang der Predigten können aber im- folgenden nur die 
in Frage kommenden Predigtabschnitte selbst mitgeteilt werden. 



Zweites Kapitel. 

Die örundzüge der Entlehnung 

mystisclier Predigten in den Sermonen des 

Nikolaus Yon Landau. 



In einem, häufig dem ersten Predigtteil, findet ein 
zusammenhängendes Stück einer mystischen Predigt Auf- 
nahme; die anderen Predigtteile enthalten keine Entlehnung. 

1. 61.82*^. Dominica infra octavam Epiphanie. Post 
triduum invenerunt illum. 

Der erste Teil beginnt Bl. 83'': 

Zu derae ersten male sullen wir merken, daz die got gnedecliclie vindeut, 
die in suchent mit eime einfeltegen hertzen. (83<=) darmume spracli Salomon 
iu deme buche der wyslieide: in simplicitate cordis querite ilhim, quouiam iu- 
venitur ab Ms, qui non temptant illura. Sapientie I. suchent got iu eime 
5 einfeltegen hertzen, wände er wirt fundeu von den, die in nit virsuchent, und 
herschinet den, die gantzen glauben haut zu ime. einfeltekeit des hertzen 
ist eine lutirkeit des gedankes unde eine reinekeit der seien, also daz der 
mensche ste in unschult ane sünde unde daz er sich zumale kere geiu gode 
und zu gode ane falscheit sins hertzen, daz er it ein ding rede mit dem munde 
10 \iud ein anders meine mit deme hertzen, alse Herodes, der do von drin künegen 



23 

horte, daz Cristus was geboren, da sprach er zu en: ite et interrog-ate dili- 
genter de puero. Mt. ü. gent unde vrageiit fliszecliche nach deme kinde, 
nud so ir iz vindent, so ktindent mirs herwidere, daz ich auch komme und iz 
anehede. ach, der falschen rede! er sprach mit deme munde, er ivolte en 
anebeden, und hade gantzen willen in sime hertzen en zu dodene. darumme 5 
vant er sin nit. also suchent auch en die glichsere, (83 ^i) ypocrite, mit deme 
munde unde nit mit deme hertzen. darumme sprach got selber: populus iste 
labiis me adorat, cor autem ipsorum longe est a me. daz sündege volk bedet 
mich ane mit deme munde, abir ir hertze ist verre von mir. vonde') nu die 
glichsere gode also veiTe sint, darumme invindent sie sin nit. die einfeltegen 10 
hirten suchten got mit andethegeme hertzen und funden en, abir ktiueg Herodes, 
der falsche glicsere, suchte auch got mit bösen Avillen, darumme envant er 
sin nit. wollen Avir abir got vinden, der die ewege wysheit, die ewege min(n)e 
unde die ewege ruwe ist, so sullen wir von allen dingen laszen und sullen 
in alleine suchen. 15 

Bis hierher reicht die eigene Arbeit des Verfassers; sie 
enthält die üblichen Gedankengänge. Darauf folgt, durch den 
letzten Satz verbunden, ein Stück aus einer Eckhartpredigt, 
mitten aus dieser herausgerissen. 2) 

N 20 

(Jostes, Meister Eckhart Nr. 71): 

Ez sprichet ein meyster, daz 
die sele begeret unde suchet von 

85 'i Wann 3) di sele suchet von na- naturen ruwe und min(n)e unde güde. 

tureu die warheit, wann fund si kein funde sie keine creaturen, in der sie 25 

creaturen, die *) di warheit selber wer, ewege ruwe funde, au der rfiwete sie, 

do ruete si an. darum spricht unser wände sie sprichet : in omnibus requiem 

fraw: ich hau r# gesucht an allen quesivi. ich han ruwe gesilchet in 

dingen und han gerüet in dem erb allen dingen, alse obe sie sprechen 

meines herren gotes. aucli sant Noe solte, ich envant ir nit. darumme s) 30 

die taube*) auzzer der archen (in der keret sie sich wider zu gode, alse die 

sint)flut, ob si iergen rw find, und dube, die Noe sante uszer der arken 

si enfand niergen, do si den füz uf- (84») in der sintflüde. do sie nit en- 

setzt. daz bezeichent ein ieglich ver- vant, da sie rüwen mohte, da vlog sie 

nüftig sele , die von rehter worheit Avieder in die arken. die dube bedi\det 35 

kan dehein ri,v vinden an den creaturen. eine iegeliche vernünftege sele, die von 



^) vonde := wände. 

^) Auf bemerkensAverte AbAveichungen der beiden Texte von einander 
gehe ich hier und im folgenden in den Anmerkungen ein. Wo solche fehlen, 
herrscht zAvischeu den verglichenen Texten im wesentlichen Übereinstimmung. 

3) Der Satz 'Wann— Avarheit' fehlt 0. 

*) 'die an Avarheit selber Avere' 0. 

^) Der Satz 'darumme — gode' findet in N und keine Parallele. 

") Das Bild von der Taube ist in nur kurz angedeutet, N und Nikolaus 
sind breiter. 



24 



N: 
darum kert si Avider zu irem scheppher, 
als di taub zu der archen. (Vgl. 
11,6: ZfdA. 15,393,41—46.) 



rehter warheide keine ruwe viudet au 
den creaturen. darumme keret sie 
wider zu ii'me scheppere, alse die dube 
zu der arken. 



Die Texte bei Nikolaus und in N zeigen sich hier voll- 
ständiger als der von 0. Keine Yariante ist von der Art, dafs 
man an Abänderungen von selten des Nikolaus von Landau 
denken möchte; seine Vorlage mag ihm die Eckhartpredigt in 
dieser Fassung überliefert haben, 

N: 



5 Wann die sei ist genennet ein taub 
in der minue buch, si enminnet auch 
niht dann gut von natur en. d o r u m ^) 
sprach ich und ezistwor: einiege- 
lichs tregt^) in seim hextzen mit 

10 verstantnüzze, daz er niht lieber en- 
hab den volkumen gut. dovon hat 
unser herre niht keiner creaturen di 
volkumen (gut) gegeben, wan fund di 
sele volkumen gut an den creaturen, 

15 do vereinet si sich an. got, der weiz 
Avol, daz die minne ein einend kraft 
ist; waz die gentzlichen minnet, do 
vereinet si sich an. dez engan got 
keiner creaturen. wann die minne 

20 setzt den menschen auzzer im selber 
und ordiniert in an*) den er minnet. 
dorum beata Maria Magdalena sele 
waz (me) vereinet in deme toten 
leichnam unsers herreu Jesu Christi, 

25 dann in ir selbes, dovon ^) hat si ver- 
gezzen allez, daz si vor gebort hat. 
s. Augustinus spricht: die sele ist mer, 
do si minnet, (85 1") dann do si daz 
leben gibt, und') s. Paulus spricht: ich 

30 leb und enleb doch nicht; Cristus lebt 
in mir. (Vgl. ZfdA. 15, 393,47-59.) 



Die sele suchet auch gude xmd minne 
von naturen. ez ist eine gantze war- 
heit, ein iegelich mensche trede^) in 
sin hertze uncl^) iw si» verstentnüsse, 
er vindet, daz er (nit) lieber hat, danne 
voUenkommene gude. und darumme 
hat auch got keinre creaturen voUen- 
kommene giide geben, wände ez 
sprichet ein meister: vonde die 
sele voUenkommene gode an den crea- 
tui'en, do vireinegete sie sich ane. got 
weis wole, sprichet ein lerere, 
daz die minne eine craft ist, die da 
eineget; was sie gentzUchen minnet, 
da vereyneget sie sich ane. des engan 
got keinre creaturen. Avande die 
minne setzet den menschen uz ime 
selber und ordent in in daz, daz er 
minnet. darumme was Marien Magda- 
lenen sele me vereyneget mit dem 
doden lychame(n) unsers herren Jesu 
Cristi, danne mit ir selbir. wände 
s. Augustinus sprichet: quod^) anima 
magis est, ubi amat, quam (Si^) ubi 
animat. die sele ist eygentlicher, da 
sie minnet, danne do sie leben gibet. 



^) 'Dorum sprach ich und' fehlt wie bei Nikolaus so auch in 0. 

2) 'trede mit fornuftikeit in sin herze, he vindit daz'-iO. 

^) und in sin lies mit NO 'mit'. 

'an der(!)' N] 'in den' 0. 

*) Den folgenden Satz bietet nur N. 

^) Das lateinische Citat bringt allein Nikolaus. 

') Das Paiiluswort nm' in NO. 



25 

Zweimal bringt Nikolaus in diesem Abschnitte Eckbartsätze als 
Aussprücbe eines Meisters und Lehrers. Die drei Texte stimmen 
fast völlig überein, jedoch fehlen bei Nikolaus zwei kurze Sätze 
(S. 24, 5 f. 29 ff.), die in NO stehen, er allein bringt das Wort 
Augustins auch in der lateinischen Form. Eine eigenmächtige 
Überarbeitung des Textes durch unseren Mönch tritt an keiner 
Stelle hervor. 



N: 



Alle creaturen, die ruffen den men- 
schen an: den du suchest, worheit und 
gut, daz ensei "\vir niht; such got, ei- 
lst heid, warheit und gut. (Vgl. ZfdA. 
15, 393, 59—61.) 

Dovon*) spricht s. Augustinus: 
suchent, daz ir süchent, und niht, do 
ir suchent. er spricht in eim andern 
buch, daz der mensch liep hat und 
sich frawet in den sünden, keret er 
die weis um, er vindet ez -vverlich an 
got. an allen dingen suchet der 
mensch ein selik leben und ein fi'auden- 
lieht. (Vgl. ZfdA. 15, 393, 61 f.) 

Genügend Tolkumenheit enist an 
den creaturen niht, und ein ieglich 
weiset von ir iif die andern, ge- 
nugd der kleider ist niht genüg der 
speis oder ti'unkes. an allen disen 
dingen mug wir suchen genügd unsers 
herren und volkumenheit. dorum 
spricht s. Augustinus: suchet, daz ir 
suchet, und niht, da ir suchet, wan 
an got ist die volkumenheit aller 
creaturen zumol. (Vgl. ZfdA. 15, 393, 
62—67.) 



Minnet ^) mi die sele got, so wirt 
sie mit ime vereyneget und vindet in 
ime rüwe, güde und warheit. 

Alle creaturen rüffent den menschen 
ane unde sprechent: du suchest war- 
heit und güde, des insin wir nit; 
suche got, der ist beyde, güde unde 
warheit. 



10 



15 



Die creaturen sint bresthaft, unde 
vindet man an in unwarheit und drüg- 
nüsse. abir got ist die warheit imde 20 
die guügende voUenkommenheit unde 
daz ewege leben, darumme sprichet 
s. Augustinus: suchen ir, so süchent. 
ir süchent leben in der doden lande, 
daz ist in den creaturen, süchent ir 25 
iz aber in gode, so vindent ir. wände 
in gode ist vollenkommenhej't aller 
creaturen unde alle vreude und me 
danne man möge begeren. 



Mit Ausnahme des einen Satzes (Z. 9ff.), den N allein bringt, 
stimmt dessen Text mit ungefähr überein, während Nikolaus 
zwar nicht im Gedankengang, aber doch in Satz und Ausdruck 
stark abweicht; sein Text erscheint verkürzt und nähert sich 



^) Der folgende Satz fügt sich so eng in den Zusammenhang, dafs er 
ursprünglich der Predigt angehört haben mufs. 
') Der folgende Satz geht auch ab. 



26 

erst gegen Ende wieder den anderen Texten. Sind diese Ab- 
weicliung-en der Hand des Otterberger Mönchs zuzuschreiben? 
Sie sind häufig- genug, um an eine absichtliche Textänderung 
des Predigers denken zu lassen. Andrerseits variieren auch N 
und mehrfach: N ist ausführlicher und bringt Sätze, die keiner 
der anderen Texte kennt (s. oben S. 25, 9 — 15). In derselben Weise 
ergänzt auch Nikolaus einen Satz, der den anderen Texten fehlt (s. 
oben S. 25, 1 — 3). Wie seine Vorlage an dieser Stelle ausfüluiicher 
war, so kann sie auch an jener späteren Stelle (s. oben S. 25, 18 ff.) 
die kürzere, im Ausdruck abweichende Fassung gehabt haben, 
welche der Überarbeitung durch unseren Prediger nur verdächtig 
scheint. Bis hierher geht demnach ununterbrochen die wohl 
unveränderte Wiedergabe einer Eckhartpredigt. Nikolaus bricht 
dann ab und schliefst den Predigtteil: 

Darumme sullen ivir in suchen mit eime einfeltegen liertzen, 
so rinden wir in in unserre sele alse werlicJie, alse Maria unde 
Josej^li in vonden zu Jherusalem inme temjüe. 

Dieser letzte Satz stammt vom Kompilator, ebenso wie das 
lange Stück am Anfang: die Eckhartpredigt dazwischen ist un- 
verändert und ununterbrochen. Es würde der SchluCssatz ohne 
Lücke sich an das Predigtstück des Anfangs anschliefsen, wenn 
man die fremde Predigt heraustrennte. Eckharts Name mrd 
nie genannt, seine Sätze erscheinen mehrfach als Meisterworte. 
Worte der lürchenväter erscheinen bei Nikolaus oft in lateinischer 
und deutscher Fassung, während die anderen Eckharttexte meist 
nur die deutsche Form bringen. 

2. 'Bl.ll". De epiphauia domini. Erat apud patrem. 

Der erste Teil beginnt Bl. 72'': 

Zu deme ersten male sullen wir merken den hohen adel des herschinenden 

godes in sime ewegen wesene in menslicher uaturen, nnsern Avillen uf zu 

rithene in daz verstentnüsse der uffenharunge godes, daz ist sin selbes, daz 

er ist mide daz er was. nu sprichet s. Johannes: erat, er was. daz hedudet 

5 daz wort was. waz ist was? 

Damit gewinnt Nikolaus den Übergang zu einer Eckhart- 
predigt: In principio erat. Jostes Nr. 24. 

Izi) ist was nit üblich noch materienlich; darumme ist ez imversteulich 
allen creaturen. warumme (72 c) sprach er daz Avort? do meinete er, daz er 



1) Vgl. Jostes 18,33—19,2. 



27 

anders nit emvere, danue ein liiter versteutnüsse, sprichst ein meister. 
waz man anders dovone spricliet, daz ist daz wort nit, daz^) da eAveclichen 
geswebet hat in deuie anebegiune ane underscheit des wesens. dovone sprichet 
s. Dyouisins : got ist in sich selber virfloszen , daz ist , daz sine natura allen 
creaturen ist verborgen. 5 

Ez^) ist ein verstentnüsse, daz sich selber virstet, und ist ein wort in 
deme vatere, daz sich selber tiffenbaret. alse s. Augustinus sprichet: alse ein 
meister, der alle kunst in ime selbir hat und die von niemanne endarf lerueuj' 
und der einen Jüngern hette, in den er güsze alle sine kunst, so uffinbarete 
der jünger sinen meister. 10 

Wände ^) ist der jünger wyse, so prüvet man daraue sins meisters 
wysheit. 

Also*) hat der hymmelsche (vater) in sinen sun gegoszen allez, daz er 
ist. darumme ist der vater geuffinbaret an sime sune. wände er uzbraht hat 
an der ewegen geburt sine nature und er daz selbe wesen ist, daz sin vater 15 
ist, und doch ein anderre ist an der personen. Avand die selbe craft, die die 
gotheit ufheltet, die heltet auch die mensheit uf, die diz wort an sich ge- 
nommen hat. 

Darzuä) sprichet ein meyster: was (72<-^) man ander saget von 
deme sune, er si die wysheit oder der schin oder daz bilde des vaters, daz 20 
ist deine wider deme, daz er ist die erste nature und daz selbe wesen, daz 
der vater ist, und doch ein ander persone ist, daz ist über verstentnüsse aller 
menschen. 

Bis hierher gehen Nikolaus und N ungefähr parallel. Niko- 
laus hat einen kleinen Satz mehr (s. oben Z. 11 f.), ist überhaupt 25 
etwas breiter, aber Ausdruck und Satzfolge ist fast die gleiche; 
nur im Anfang ist die Satzfolge in N umgekehrt. — Dann aber 
bricht die Eckhartpredigt (Jostes Nr. 24) ab. Der folgende Ab- 
schnitt unseres Sermons handelt von der Gottmenschlichkeit Jesu. 

Er ist drivalteg an den personen und einvalteg an deme wesene. unde 30 
Athauasius : est tertius in personis et unus in essentia. und in daz eiuveltege 
eynege[s] wesen hat sich an ime menslich nature vereineget. darumme ist 
er got und mensche, die zwo natui-en beweret die schrift von gode unde 
sprichet: si non erat deus, Gabriel quem dominum vocavit? si non erat homo, 
Maria quem in ventre portavit? si non erat (deus), Elyzabeth quem propheta- 35 
verat? si non erat homo, quis in praesepio iacebat? was er nit warre got, 
wen kündete do der engel Gabriel Marien, do er sprach: dominus tecum! 
der hymmelsche herre si mit dir! wen meinete er bi disme herren anders 



') Vgl. Jostes 18, 31-33. 
2) Vgl. Jostes 19, 2-6. 

^) Der Satz fehlt N, gehört aber doch Avohl in den Zusammenhang. 
') Vgl. Jostes 19, 6—11. 

^) Vgl. Jostes 19, 11— li. Doch hat Nikolaus wieder Eckharts Autor- 
schaft verschleiert, wenn er sagt 'darzü sprichet ein meyster'. 



28 

danne got? was (er) abir auch nit mensclie, wen^) dnig Maria in irmelite? 
was er nit got, wen wysagete da Elyzabetli, s. Johannes muter, da Maria 
zu ir quam unde sie gruszete und Elyzabeth ir wider antwortete und sprach: 
uude (73^) mihi hoc, ut veniat mater domini mei adme? ach wa her kommet 
5 mir die grosze gnade, daz des obirsten herren muter zu mir kommet? .Maria, 
gotdes müter zu mir kommet! dahi bewiset si, daz er got was. was abir 
er auch darzü nit mensche, wer was da genre, der vor Marien in der crippen 
lag? daz er bewisete, daz er auch mensche were, darumme wolte er sinre 
müter brüste sugen; er wolte von Josephe werden besnieden nach der alten e; 

10 er wolte von s. Johanne gedauft werden; er wolte liden hunger, firost, hitze, 
mudekeit, dorst und anderen menslichen gebresten, daz er sine mensliche 
nature damide uffenberete; er wolte sich auch laszen henken an das cruce 
und darane sterben nach der mensheyde und wolte auch alse ein mensche 
begraben werden , \ind nach sinre orstende da hiez er s. Thomam ime griifen 

15 in sine wonden, daz er griffe und sehe und bekente sine menscheit^) und daz 
er wiste, daz er were mit der mensheit herstanden, und enmohte nit her- 
standen sin, enwere er nit got gewesen, warre got. er quam zu sinen Jüngern 
durch besloszen düre von der craft sinre gotheit, wände daz er nit alleine 
mensche, sunder daz er auch warre got were. darumme lobeten en die engele 

20 an sini-e geburte und sungen: (73 "5) gloria in escelsis deo. ewege ere si gode 
in deme hymmele. und meinden den, der in der crippen lag. er bewisete 
auch selber sine gotheit an den storm winden, die er still ete uf dem wilden 
mere, und daz er mit drockeu(en) fiiszen uffe deme mere gieng, und auch 
darane, daz er die doden lebendeg mähte, die blinden gesehene und andere 

25 grosze wonder, und sunderlichen da er starb nach der menscheit an dem 
cruze, do verlosz die sunne iren schin wider die nature, da wart grosze 
vinsternüsse, daz ertriche, daz bibete, die herten velse züriszen von einander, 
die greber daden sich uf, die doden worden lebendeg unde herstunden und 
giengen uz den grebern zu Jherusalem in die stat und irschienen vil lüden. 

30 und andere unzeUiche zeichen unde lebendeger wonder geschahen viele von 
sinen wegen, die nit gesehen weren, enwere er nit got unde mensche ge- 
wesin. sine gotheit was unde ist in menslicher nature rehte alse ein burnendes 
lieht in einre lutern lucerne oder in eime claren glase, darumme sprach 
Jesaja: tu es deus absconditus, velut infans pannis involutus. Jes. 45. du bist 

35 uns ein verborgenre got in menslicher nature, rehte alse ein kint, daz da ge- 
wickelt und gewonden (73=) ist in sine düchere. daz er uns hie verborgen 
ist, daz ist unsere blintheide schult, nit des obii'sten lichtes, wände ez sprichet 
s. Paulus: videmus nunc per speculum in enigmate. wir sehen uf ertriche 
got rehte alse in eime spiegele und in einre blintheide verborgenliche, abir 

40 in deme hymmele sehen wir en von antlitze zu antlitze uffenberliche, alse er 
ist in sinre ewegen vreuden. 

Damit schliefst der Predigtteil. Die lange Abhandlung 
über Jesu beide Naturen, sowie der erste Satz des Predigtteüs 
stammen von unserem Mönch; dazwischen eingeflocliten ist ein 



1) Hs. 'den'. 
') Hs. 'msheit'. 



29 



Stück einer Eckliartpredigt (Jostes Nr. 24). Dieses Stück ist 
imunterTbrochen und ohne Veränderungen wiedergegeben und ein- 
gefügt. Originalsätze Eckliarts erscheinen wiederum als Meister- 
worte. Lateinische Citate sind nicht eingestreut. 



3. Bl. 139 ^ 

desertum. 



Dominica I in XL. Ductus est Jesus in 



Der erste Teil beginnt Bl. 140' 



1, 13: 



25^ Daz die worheit gotliches wesi- 
iies unfornemelich si allin vomuftin, 
des liabe wer ein glichnisse in der 
heligin Schrift, daz ein forhanc was 
gehangin (26^) for daz helictum der 
heligin und der uHrste prister nnder 
den Juden, di ur houbit was under un, 
alse der bahist under uns, der ginc 
alleine einis in deme jare zu seliine 
daz helictum. der uberste prister ist 
dit kint, daz eines iu deme jare, daz 
ist eine wis, sach one mittil di got- 
heit und nicht allis, daz in gode ist, 
sundir alliz daz, daz got geschaffin 
halt und noch schepphin wil. 



Zu deme ersten male suUen wir 
merken an deme werte, daz Jesus 
wart gefürt von deme heylegen gej'ste 
in eynen geystlichen ingang der seien, 
die gotlichen (140 b) gefuret wart in 5 
daz grundelose bekentnüsse gotlicher 
naturen, die unbekentlich ist allen 
vernunften. des hau wir ein glich- 
nüsse iu der heylegen schrift, daz in 
der alten e ein verhäng was gehenket 10 
vor daz heyltüm der heylegen, unde 
der obirste priester under den Juden, 
der daz heubet was under in, alse 
der babist ist under den cristenlüden 
ein heubet, der gieng aUeine zu einem 15 
male in deme jare zu sehene daz heyl- 
tüm. bi deme obirsten priester virsten 
wir Jesum, unsern herren, der eins in 
deme jare, daz ist eine wis, sach got 
und nit alles, daz in gode ist, sprichet 20 
ein meiste r, nach der mensheit, 
danne allez, daz got geschaffen hat 
lind noch schepphen wU. 



Nikolaus benutzt eine Predigt des Hermann von Loveia, gleich 
am Ende des ersten Satzes geht er in dieselbe über. Die Ver- 25 
knüpfuug ist ungewöhnlich geschickt. 

0: 

Abir daz got noch geschepphin 
mochte, des inkante di sele nicht, wan 
si ein creature ist, die maze hait. ez -) 
was ein wondir, däz gotliche nature 
und mensliehe nature also forenit 



Abir daz got noch getün mohte, 
sprichet der selbe lerer, i) daz en- 
bekante die sele nit, wanne sie eine 
creature ist, die mazze hat. 30 



^) Derselbe Lehrer ist, wie oben der Meister, Hermann von Loveia. 
*) Der folgende Satz mufs iu Nikolaus' Vorlage ausgefallen sein. 



30 



10 



0: 

warin an der personen des godis sonis, 
daz ur iclich behilt an ume daz sine, 
da fon hatte di sele, daz si got bekante 
one mittil. daz ir der heiige geist 
oiie maze wart gegebin, daz sal man 
wole fornemin, nich also one maze, 
daz der heilige geist gebe der sele 
alliz, daz he gegebin mochte, so were 
di sele got gewest. 

Was creatui'e inphahin mochte, daz 
hatte di sele Jesu Cristi. 



Hi fon nemen etliche ein sache, daz 
si sprechin, wan di sele Jesu Cristi 

15 ein creature ist, di maze hait, daz 
ouch ander sei mochte cumen zu deme 
zile und zu deme lone der sele Jesu 
Cristi. wen kein zil ist deme menschin 
gesast an sime zunemine, so mochte 

20 ein mensche also lange lebin und alle 
zit zunemin, sprechin si, daz he 
queme zu sime zile. daz des nicht 
gesin inmac, daz prüfe wir bi dirre 
rede. 



dovon bade die sele, daz si got be- 
kante ane mittel, daz ir der beilege 
geist ane mazze^) was gegeben, daz 
sal (man) rehte merken, nit alse ane 
masze, daz der beilege geist gebe der 
seien allez, daz er geben mohte, so 
were die sele got gewest. 

Waz creature emphahen mobte und*) 
allez daz gnade getun mohte, daz 
bade die sele Jesu Cristi. 

Wanne 3) Cristus, unser (140°) berre, 
was got unde mensche und bekante 
nach der gotheit alle ding, und 
darumme enmag gentzlichen nieman 
kommen zu sime hoben bekentnüsse 
und zu sinre voUenkommenbeit. daz 
pruven wir an dirre rede. 



25 In der ganzen Entlehnung ist dies (s. Z. 13 ff.) die einzige Stelle, 
wo beide Texte nicht parallel laufen. Schon die Vorlage unseres 
Otterberger Mönches hat die Variante enthalten; dafs Nikolaus 
von Landau hier eine Überarbeitung vorgenommen hätte, ist un- 
wahrscheinlich, wenn man sieht, wie genau er sonst die Predigt 

30 herübernimmt. 



0: 

Die sunne ist ein dar liebt; neme 
wer uu, daz diz fuir zuneme, also daz 
ez in sieb breche alliz, daz diz fuir 
35 inphahin mochte, so werde di hitze 
gemerit und worde auch daz liebt ge- 
merit, abir wi file ez zunimit, so in- 



Die sunne ist dar und lieht; were 
ez nu, daz daz für zuneme, also daz 
iz in sich breche allez, daz diz für 
emphahen mohte, holtz*) und andere 
ding, obe die alle brenten, so worde 
die hitze gemeret und auch daz lieht 



') Hs. 'mittel'. 
^) 'und— mohte' fehlt 0. 

2) Der Text des Nikolaus gibt nur die Summe dessen, was ausführt. 
Beide Texte weichen hier im Ausdruck völlig von einander ab. 
*) Hier ist Nikolaus ausführlicher. 



31 



0: 
cumit ez doch nummir zu der clarheit 
der siinnen, di alliz in einir wise 
scliinit. also inmac nummir kein sele 
so vil zugenemen, daz si ummir cumme 
zu der voUincumin- (26 '') lieit der sele 
Jesu Cristi. 



Daz halt si da fon, daz si mit der 
gotheit forenit was. daz dise worheit 
umbegriflich si allin fornuftin, daz 
prufit s. Augustinus mit disir rede 
und sprichit: waz di fornuft begrifin 
sal oder bekennin, daz ztibit si in 
sich und werdit gemezziu; noch der 
fornuft. noch dan vindit di *) fornuft, 
daz si lere ist, und vil me bekennen 
mac, und ie subtilre daz ist, daz si 
bekennit, ie me si bereit wert zu be- 
kennine, daz prüfe wer bi den meisteren: 
ie me kunst si habin, ie kunstiger si 
mugin werdin. bekennit di fornuft, 
daz subtil ist, baz bekennit si, daz 
grobir ist. also mac di fornuft alle 
dinc begrifin und blibit doch lere. 

Darumme heizit der mensche die 
minre werlint, wan he allir dinge bilde 
in sinir fornuft begrifin mac. 



desi) füres, abir wie vil ez zu neme, 
so enqueme iz doch nümmer zii der 
clarheit der sunnen, die alliz in einre 
wyse schinet. also enmag auch nüm- 
mer keine sele so vil zugenemen an^) 5 
bekentnüsse, an heylekeide odir an 
wirdekeide, daz sie iimmer komme zu 2) 
deme ziele und zu der vollenkommen- 
heide Cristus seien. 

Daz hat sie davon, daz sie mit der IG 
gotheide vereinet ist; dovon ist die 
obirste warheit unbegriffelich allen 
menslichen sinnen, darumme sprach 
s. Augustinus: was die vemunft be- 
kennen sol, daz zühet sie in sich 15 
mezeliche^) nach der Vernunft, noch 
danne dünket die Vernunft, daz sie lere 
si, von sie vil me bekennen mag, 
wanne °) sie ie me bekennet, ie me 
sie bereit wirt zu bekennene. daz 20 
liruvet man bi den (140 d) meystern: 
ie me künste sie habent, ie künsteger 
sie mogent werden, bekennet die Ver- 
nunft, daz subtile und behende ist, 
vil baz bekennet sie, daz gTob ist. 25 
und also mag die Vernunft alle ding 
begriffen und blibet doch lere. 

Darumme sprichet ein meister: 
homo°) vocatur microcosmus, id est 
minor mundus, quia omnes species 30 
rerum coUigere potest per intellectum. 
er sprichet, daz der mensche in der 
schrieft ist geheiszen die minre werfet, 
wanne') alse die werlet heltet alle 
creaturen, also begriffet auch der 35 
mensche aller dinge bilde mit sinre 
Vernunft und enmag doch got nit 
begriffen. 



^) Hier ist Nikolaus ausführlicher. 

^) Der Ausdruck 'zu deme ziele', der an dieser Stelle in fehlt, findet 
sich dort, wo beide Teste auseinandergehen (s. oben S. 30, 16 f), mehrfach. 
^) Knappere Fassung gegenüber 0. 
*) Es. 'si'. 

*) Des Nikolaus' Text ist wieder kürzer. 
*) Das lateinische Citat fehlt in 0. 
") Hier bietet die kürzere Fassung gegenüber Nikolaus. 



32 

Ö: 

Hir ane prufit Augustinus di un- Darumme sprach s. Augustinus, daz 

begrif liclikeit der gotlichen warheit, die unbegriffenlicliekeit gotlicher war- 

di alleine di fornuft irfuUiu mac und - beide ist also, daz sie alleine die ver- 

docli unbegriffin blibit fon der for- . nunft herfallen mag und unbegrif lieh 

nuft. blibet von der virnunft. 

Damit ist der Predigtteil des Nikolaus von Landau ebenso 
wie das erste Predigtstück des Hermann von Loveia zu Ende. 
Bis auf den ersten Satz des Predigtteils ist das ganze Stück 
Ms zum Ende der Predigt des genannten Mystikers entnommen. 
Nur an eiaer Stelle (s. olDen S. 30, 13 ff.) tritt zwischen dem Texte 
des Nikolaus und ein starker Unterschied hervor; dafs auch dort 
nicht unser Mönch, sondern seine Vorlage die Schuld daran trägt, 
dürfte wahrscheinlich geworden sein; im übrigen ist die Ent- 
lehnung im Wortlaut und in der Satzfolge mit beinahe identisch. 
Auch diese Entlehnung ist ununterbrochen, unverändert. Nur 
am Anfang, nicht am Ende ist sie diesmal von eigener Arbeit 
des Otterberger Mönches eingefafst. Der Name des mystischen 
Predigers "\\ard nicht genannt. 

4. Bl. 34"^ ff. Dominica IV. Ego vox clamantis in 
deserto. Joh. 1. 

Der erste Teil beginnt Bl. 34"^: 

Zu deme ersten male sullen wir merken in disen Worten sunderliche 
wirdekeyt s. Johannes von deme vrien vorgange, den er gieng vor gode in 
die wüsten, und der erste was, der do wysete den heylegen dauf (35») und 
predeiete cristenen glauben, daz man Cristo solte nachvolgen und ruwen haben. 
5 penitentiam agite! appropinquavit enim regnum celorum. er sprach: habent 
ruwen uwerre sünden, wand daz hymmelsche riebe nachet üch. also was er 
ein anevengere cristins glauben, darnach über eyn halb jar hüb Cristus ane 
zu predegen und vollenbrahte do den glauben, wände alse Johannes bade 
gedauf(t) in eynfeltegeme waszere die lüde, also daufte Cristus sie in gnaden 
10 und in deme heylegen geiste. und also s. Johannes predeiete die nachvolgunge 
gotes, also bewisete Cristus mit deden und mit lere, wie man ime nach solte 
volgen, unde sprach: qui vult venire post me, abneget semetipsum et tollat 
crucem suam et sequatur me. 

Haben "wir bis hierher eigene Arbeit des Mönches, so beginnt mit 

15 diesem Bibelwort eine Eckhartpredigt, welche bei Pfeiffer als 

Nr. 53 (S. 173) Qui vult venire, ferner in N (Jostes Nr. 60) steht. 

N: 

72b Unser herre spricht: wer zu mir Wer zu mir kommen wil, der neme 
kumen wil, der nem uf sein creutz uffe sich sin crüze mit rüweger pine 



und Tolg mii'. alle dink von natiiren 
wollen zu got, igiichs noch seiner 
■vvels. daz feuer daz traget ufwert 
(72 c) und di erd zu vallen, und^) des 
geleich ein ieglich creature suchet 
ir stat, als si got geordent hat. (Vgl. 
Pfeiffer 173, 4—10.) 



Her of spricht Origenes : der mensch 
verzeihet ä) sein selhs, der do sundlich 
dink leset mit streit, do er an gewonet 
hat, und ^) verzeihet sein selbes an dem 
teil, do er anevichtelist ■*) ist und Tei- 
let,^) und enbüre also uf sein creutz 
mit deglichen pinen und iTbe ") sich an 
tugentlichen werken, daz wort triffet 
für wor. Basilius, ein heilig, spricht: 
welch mensch leset die dink, die hinder 
ime') sint und die under ime^) sint 
und daz got niht enist, der hat sich 
selber gelazzen. (Vgl. Pfeiffer 173, 10 
-16.) 



Hie von spricht s. Augustinus in 
eim buch, do er schreibt von der sele, 
daz si edeler und starker und grozzer 



und lasze sich selber und volge mir 
nach, nu sprechent die meystere, daz 
alle ding von naturen begerent zu 
gode, und so ie daz ding behendir und 
lihter ist, so ez me ufcrieget. alse daz 5 
für, daz flammet allez ubir sich von 
sinre lithekeyt, aber daz ertriche von 
sinre swerde vellet ez allez nider. 

Darumme^) sal die sele gezogen sin 
von irdinscher woUüste und irlühtet 10 
(35^) mit hymmelscher begirde, die 
do gode wil nachvolgen. si müz ir 
selbes vergeszen und die sünde laszen. 
Heruf sprichet Origenes: der 
mensche verzihet sin selbes, der do 15 
süntliche ding leszet mit wyder- 
stenunge der Sünden, do er ane ge- 
wonet hat, und hebet uf sin cruze 
mit degelicher pine und übet sich an 
dogentlichen werken, dovone sprichet 20 
auch Basilius: welch mensche leszet 
die ding, die under ime sint und daz 
got nit enist, der hat sich selber ge- 
laszen. 

25 



Dovon^) wirt er grosz an dugenden 
und glichet sich damide auch gode, 
so er meiste mag. Augustinus") in 30 
libro de claustro anime. s. Augusti- 
nus sprichet, daz die sele edelre 
und starker und groszer si danne 



^) Das nächstfolgende fehlt bei Nikolaus. 

^) Der Satz, der N und Pfeiffer abgeht, steht doch wohl im Zusammenhang 
mit dem folgenden Gedanken und wird also der entlehnten Predigt angehören. 

^) 'verseht' N; 'verzihet sich' Pfeiffer. 

*) 'an gevellig' Pfeiffer. 

^) 'vellet und enbüre] hebet' Pfeiffer. 

«) 'üebet' Pfeiffer. 

'mii-' N. 

8) 'inne' N. 

^) Der Satz fehlt N vM Pfeiffer, gehörte aber wohl ebenfalls dem ent- 
lehnten Teste an. 

^°'j Die drei Teste sind im folgenden fast parallel. S. 34, 3 bessert der 
Test des Nikolaus die Lesung von N und Pfeiffer 173, 19. 

Hermaea II. 3 



84 



N: 
ist dan alle creatur, imd ist got an 
disen dingen aller geleichest sunder 
die engel, di sint edeler dann ii* 
nature, daz si den ersten inbruch hant 
5 und eingegozzen sint von gotlichen 
geist und hau einen intlialt an in. 
des enhat di sele niht, si müz sich 
giezzen uf den leichnam. herzu wollen 
etlich leut wizzüich^) sprechen : so got 

10 allein ist einfeltik, warum er niht 
alle creature alleines enschufe also die 
engel? des enmak niht sein, sprechen 
di meistei'. einer*) ley creaturen 
enmohten gots niht enwizzen danne 

15 ein lützel. dorum geschuf er niauiger 
ley creaturen, daz ir ieglich got be- 
wiset,^) und mugen sein doch nimmer 
bewisen dann ein tropf meres*) bemsen 
mak daz mere mir und joch aller der 

20 werlt. noch minder mugen alle creatur 
gotz beweisen, wan von tropphen 
moht man machen ein mere, aber von 
aller creaturen helf moht daz niht zu 
kumen, daz man got begriff, dorum 

25 spricht s. Gregorius: die sele, der got 
erschinen ist, also daz si in ihtes be- 
kennet, der sint alle creaturen enge 
oder zumale zu nihte worden. (Vgl. 
Pfeiffer 173, 16-34.) 

30 



alle creaturen, und ist gode an disen 
dingen aller glichste, ane die engele, 
die sint edelre an irre naturen, 
daz sie ingoszen sint von gotlicheme 
geiste und hant einen enthalt an en. 
das enhat die sele nit uf ertriche, 
wände sie müz sich gieszen in den 
lib. her zu woUent etliche wisliche 
sprechen: vonde got ist alleine ein- 
felteg, war umme er nit alle creaturen 
einfelteg geschüffe, alse die engele? 
des enmag nit sin, sprechent die 
meistere, einer *) leie creaturen, die 
enmohten godes nit bewysen dan ein 
weneg. dar umme (35 c) geschüf er 
allerleye creaturen, daz ir iegeliches 
got bewisete, unde mogent en doch 
minre bcAvisen, dan ein droppe waszers 
bewisen mag daz mer. noch minre 
mogent alle creaturen bewysen. wand 
die meistere sprechent, daz (man) von 
droppen mothe machen ein mer, abir 
von aller creaturen helfe enmohte man 
daz nit zu kommen, daz man got be- 
griffe, darumme sprichet s. Gregorius: 
die sele, die^) got irschienen ist, also 
daz sie got erkennet, der sint alle 
creaturen enge oder zumale zu nihte 
worden. 

Wände die gotschauwende sele, die 
müz auch an ir selber zu nihte werden, 
also daz sie irre eygenen gelüste niht 
enathe. 
Zum dritten mal triffet Crisostomus 

35 dis wort allzumal und spricht: der 
mensch, der alsuslich marter leidet, die 
in zu den tod bringet, der hat sein sel- 
bes verzigen. unser herre spricht zu 
Moysi: zu mir enmak nieman kumen, 

40 der lebt. (Vgl. Pfeiffer 173, 35—174, 2.) 

^) 'wisliche' Pfeiffer. 

ä) 'zweierleige (wird dui-ch N und Nikolaus berichtigt) creature enmohte 
got niht bewisen' Pfeiffer. 

s) 'beweset' N. 

*) ' wazzers bewisen möhte des mers. doch bewiset ein tropfe des meres 
me und al der weite denne alle creature bewisen mügent' Pfeiffer. 

^) Lies mit N und Pfeiffer 'der'. 



35 

Hier (S. 34, 30 ff.) stimmt Nikolaus mit N und Pfeiffer niclit 
iiberein. Seine Vorlage bot einen Satz, der sich inhaltlich 
an den vorhergehenden Satz anlehnte, dagegen fehlte ihr der 
Satz S. 34, 34 ff., mit welchem die neue Betrachtung beginnt. 
Nikolaus hat also den einen und zwar den ersten, N und 
Pfeiffer haben dagegen den anderen und zwar den zweiten Satz 
überliefert. 



N: 
Her uf spriclit Crisostomus: sol ich 
ein anders werden, dan') daz ich niht 
enbin, so miiz ich Verliesen,^) daz ich 
bin. dizz müz geschehen au der 
demütekeit. dorum spricht s. trre- 
gorius, daz niht den^) menschen so 
sere verinde so di demutikeit. dizz ist 
schon beweiset an Moisi: do er sein 
schaf zusamen treip in ein tal und 
ruen wolt, do sah er den husch gluen 
und niht verbrinnen, do sprach er: 
ich wil gen und sehen daz wunder, 
do sprach im unser herre got zu: 
staut, Moises, und engank niht fur- 
wert. zeuh auz dein schuh auzzer 
deinen fuzzen. die uns bezeichen die 
begerung der sele: die sol enblozzet 
sein und auzgezogen sein von allen 
zergenklichen dingen und totlichen 
dingen, so mak sich^) die sele gentz- 
lichen unsern herren erbieten, ein 
heilig spricht: habt sich di sele uf 
ungelutert und wil sich unsern herren 
erbieten, so wird si wider uider ge- 
slagen und vellet uf hose dink. also 
der^) stet augel vil und freventlich 
in die sunnen sehen wil, so wirt ez 
noch blinder und serer, dann do vor. 
(Vgl. Pfeifer 174, 2-16.) 



Also s. Crisostomus sprichet: sol ich 
ein andirre werden, daz ich nit enbin, 
so muz ich Verliesen, daz ich bin. daz 
müz geschehen an der demüdekeyde. 
dar umme sprichet s. Gregorius, daz 5 
den menschen nit so sere virmide 
so die demudekeit. daz ist schone be- 
wyset an Moyse: da er sine schaf dreyb 
in einen dal und ruwen wolte, da sach 
er den busz glüwen und nit verbrennen. 10 
da sprach er: ich wil gen und sehen 
daz wondii'. da sprach ime unser 
herre got zu: staut, Moises, und en- 
gang nit vorwerter, züch ie uz dine 
schuhe (35 <i) uszer dinen fuszen. die 15 
füsze, die bezeychent die begerunge 
der seien : die sal blosz und uszgezogen 
sin von allen zurgenciichen und dot- 
lichen Sünden, so mag sie sich geutz- 
liche unserme herren erbieden. wände 20 
ein heylege sprichet: hebet sich die 
sele uf ungelutert und wil sich unserme 
herren irbiedin, so wirt sie wider nider 
geslagen und vellet uf hose ding, alse 
daz cranke äuge, daz vil und verre 25 
wü sehen in die sunnen, daz wirt 
noch cranker. 



^) 'dan ich bin' Pfeiffer. 
^) 'verkiesen' Pfeiffer. 

*) 'dem menschen so sere vermöhte' Pfeiffer. 
*) 'si' N. 

°) 'daz ouge vrevenlich' Pfeiffer. [Stand in der Vorlage von N etwa 
'ster(r) augel'? St.] 

3* 



36 

Mit dieser Stelle schliefst in N und Pfeiffer die Eckhartpredigt ') 
(iü N" mit der Bemerkung': Diser sermo ist nilit allhie geschriben), 
während Nikolaus von Landau zu seinem Thema von S. Johannes 
zui'ückkehrt. 

Darumme sal sich der mensche Intern von allen Sünden und sal sich 
demüdegen, alse s. Johannes det, der do sprach: non sum dignus, corrigiam 
calciamentorum eins solvere. ich hin nit wirdeg, sprach er, daz ich Cristo sinen 
schüchriemen enbinde. ich hin nit wirdeg, daz ich sine reyne menscheit künde 
uf ertriche. darumme wart er von Cristo gelohet, daz von wyhes lihe nie 
heileger mensche wart gehören dan s. Johannes. 

Damit ist der erste Predigtteil beendet. Deutlicher als in 
vielen anderen Sermonen tritt hier das Schema des Otterberger 
Mönches uns entgegen. Am Anfang und am Ende befindet sich 
ein Stück eigener Arbeit, es hebt sich deutlich von der Mittel- 
partie ab. Diese beginnt mit dem Textspruch der benutzten 
Eckhartpredigt. Die verglichenen Texte stimmen fast Satz für 
Satz und Wort für "Wort überein. Die Avenigen Sätze dazwischen, 
die weder bei Pfeiffer noch in N eine Parallele finden (S. 33, 9 — 13 
und 28 — 30 ; S. 34, 30 — 33), mögen in der Vorlage des Nikolaus 
gestanden haben, sie gehören in den Zusammenhang der Predigt, 
sie sind nicht erst von Nikolaus hineingetragen. Die Predigt 
ist also ganz und wortgetreu entlehnt, nirgends ist sie von dem 
Otterberger Mönch durch eigene Ai'beit durchbrochen. 

5. Bl. 94". Dom. n. post octavam epiphanie. Leprosus 
veniens. 

Der vierte Teil beginnt Bl. 96'': 

Zu deme vierden male sullen wir merken, wie etsliche mensche von 
der unreinen suchede siech werdent an deme heuhete, also wirt auch etlich 
mensche siech an sinre seien von süntlicheme ungelauhen. dovon sal sich der 
mensche reynegen mit cristeneme glauben und mit reynekeide sins hertzen, 
5 so kommet er in ein gotlich bekentnüsse und werdent ime alle ding reyne. 
dar umme sprach s. Paulus ad Titum I: omnia munda mundis, coinqui- 
uatis autem et infidelibus nichil est mundum. die mit cristeme glauben reine 
sint au iren seien, die haltent sich zu aller geystlicher reynekeit, dovon in 
alle ding reine sint. die abii' geuni'eyneget sint mit sünden und mit un- 
10 glauben, den ist nüsnit reine, ir gedang und ir gemüde und ir gewyszende 
ist unreyne. wände ez sprichet s. Paulus: confitentur se nosse deum, f actis 
autem negant; daz sie wole virjehent mit deme munde cristen glauben unde 



*) [Die Predigt ist auch sonst noch überliefert: v. Ai'nswaldt- Berliner 
Hs. 3141 Bl. 59 t; Priebsch, Deutsche Hss. in England, 1, 134 Bl. 106 a St-l 



37 

meinent, sie bekennen got, abir sie lenkent sin mit den*) werken, darumme 
sullen wir alse lobeliche godes werg voUenbrengen , (961") daz wir mögen 
kommen in daz bekentuüsse godes. wanne mit güden werken kommet man zu 
deme glauben mid mit deme glauben kommet man in daz eygene bekentnüsse. 

Vou dem Begriff der Erkenntnis ans geht Mkolans von Landau 5 
zu einer mj^stischen , vermntlicli von Eckliart lierrührenden 
Predigt über (Jostes Nr. 68): 

Darumme bat s. Augustinus got unde spracli: herre, gib mir, daz ich 
dick unde mich bekenne, so begnüget mich, ez sprichet ein meyster, daz 
an deme selben bekentnüsse lit alle die selekeit der virnunftegen geyste. diz 10 
ist ein gemeine wort zu sprechene, daz man sich selbir herkenne, wände 2) 
ez sprichet s. Bernhart: multi multa sciunt, sed se ipsos nesciunt. vil hide 
wiszent und bekennent vil ding und bekennent sich selbir nit. abir wie man 
sich selbir bekennen siille, daz lit an drin dingen, sprichet ein meyster in 
der heylegen schrieft. (Vgl. Jostes 66, 8— 12.) 15 

Daz eine ist, daz du alle zit salt gedenken und erkennen, daz du bist 
eine gescheppede godes; daz 3) wirket in dir rehte demüdekeit. darzu manet 
uns ein lerere und sprichet : humiliamini sub potente manu dei, ut tos esaltet 
in die visitationis. demudegent ücli undir die geweltege haut (96<=) üwers 
schepperes, daz er üch herhohe an deme jüugesten dage in sin riebe, daz 20 
ander ist, daz du salt bekennen, daz du bist ein gezauwe der heylegen dri- 
valtekeit; daz wirket in dir stede bereitschaft, daz du ime gereit bist alle zit, 
alse ein gezauwe bereit ist deme wergmeyster. daz*) wirket in dir sine 
glichet, daz dritte ist, daz du bekennen salt, daz du ein gebilde godes bist 
an deme, daz er dich nach ime gebildet hat; daz wirket in dir, sprichet ein 25 
in eist er, rehte eynuuge, in ime zu blibene. wände alse daz grosze smacheit 
unde laster were,^) der do Mret^) daz zeychen sins herren, daz der in noden 
zu iemauue') anders kerete, daz manet auch uns nach deme, daz wir godes 
bilde naturlichen dragen in unserre seien, daz wir stedeclichen bliben in deme, 
des zeychen und bilde Avir dragen. (Vgl. Jostes 66, 12—24) 30 

Von da an fährt Nikolaus, ohne in N eine Parallele zu 
haben, fort: 

Wanne er ist unsir anegende, von er uns geschaffen hat, und ist unser 
mittel, von er ims vollenbrenget, und ist unsir ende, von er uns heltet unde 
füret zu sime bekentnüsse. er wyset dich einen ufgang zu ime, daz ist, daz 35 



1) Hs. 'deme (hierauf 'hertzen' durchstrichen) werken'. 

-) Das Citat aus dem h. Bernhard fehlt in N , im übrigen sind die 
Texte parallel. 

3) Der Text (Jostes 66, 12 ff.) ist in N arg verstümmelt und wird erst 
durch Nikolaus verständlich. 

^) Hier ist N (Jostes 66, 17—19) vollständiger. 

5) 'were] irer!' N. 

«) N hat ii-rig 'wurkt' (66, 22). 

'') Hs. 'niemanne' (N 'ieman'). 



38 

du zum ersten male salt gereht sin an dinen werken, daz andere ist, daz du 
dyse (96 <i) zurgeuglichen creaturen ubergest, daz dritte ist, daz du dinre fünf 
sinnen gewelteg sist, daz vierde ist, daz du dinen gedenken kunnest widerstan, 
daz fünfte ist, daz alle die crefte dinre seien sin ufgerichtet an daz ewege 
wort, daz got ist, so wirdest du got bekennen in deme liebte dinre seien und 
bekennest in dort in der eygenscbefte sins wesins und sinre gotlicben naturen. 

Damit schlielst der Predigtteil; ich halte es für möglich, dafs 
auch diese letzte Stelle aus der Vorlage stammt. Nilcolaus von 
Landau hat wieder getreu und, ohne das Stück zu unterhrechen, 
eine fremde Predigt entlehnt. Diesmal ist seine Vorlage stellen- 
weise entschieden besser als der Text von N. Durch seine 
Entlehnung wird eine völlig verderbte Eckhartstelle (s. oben 
S. 37, 17 ff.) berichtigt. Der Name des Meisters mrd nicht genannt. 

6. Bl. 97*^. De conversione Pauli. Ponam arcum meum. 
Der zweite Teil beginnt Bl. 99'^: 

Zu deme andern male was s. Paulus uzscbinende an geistlicher gezirde. 
wanne alse der regenbode') ist manegerhande an sinre varwe, also was auch 
s. Paulus lühtende an manegerhande dugende und an gi'oszer heilekeide. dar- 
umme hat in got mügelichen herhohet und hat in gezogen zu ime. 

Hier springt Nikolaus von Landau wieder zu einer Eckhart- 
predigt über, und zwar zu Jostes Nr, 41 : 

Ez sprich et ein meyster, aUe die, die behalten werdent, die hat der 
vater gebin sime sune. der sun^) ist ein bilde des vaters und ein schin des 
ewegen liehtes unde güszet daz bilde unde den schin in die sele. so ilet die 
sele zu gode unde 3) ist in gode. nu sprichet der godes sun: nemo venit ad 
5 me, nisi pater meus traxerit eum. nieman enmag zu mir kommen, er werde 
danne gezogen von mime vatere. der vater zuhet die sele mit*) der gäbe 
sinre gnaden. (Vgl. Jostes 37, 29—38, 1.) 

Die beste gäbe, die der vater uns hat gegebin, daz ist die gäbe der 

naturen; aber die voUenkommenste gäbe ist die gäbe der gnaden, die den 

10 menschen zuhet von^) dirre verlaszenheide zu den obirsten dingen, dar uf 

sprichet s. Dyouisius: die (100'') obirste craft ist uf uns gegoszen und hat 



So immer: Bl. 8°. 98 1^. 98°. 241 d. Vgl. Priebsch, Deutsche Hss. in 
England 1, 149. 

-) Auffallend ist es, dai's diesmal N (Jostes 37, 32 f.), und nicht Nikolaus 
von Landau das lateinische Citat hat. 

^) 'unde ist in gode] also gibt der vater dem sun di sei, so lauffet si 
in dem guten smak, daz der sun ist' N (Jostes 37, 34 f.). 

">) 'mit der gäbe sinre gnaden] daz er lauffet mit der sein' N (Jostes 38, 1) 
ist nur Eeminiszenz an 37, 34 f. 

^) 'von disen uidersten dingen bis zu dem obersten' N (Jostes 38, 3 f.). 



39 

itns geeiueget unde gezogen zu einre') gotgemahter einveltegir einekeide. 
dovon ein meyster sprichet: do got die sele eyneget^) mit ime, da wirt 
die sele deilsani gotliclier naturen. uit daz sie got von naturen mit ime 
werde, snndir sie wirt deilhaft sinre naturen etlicher maszen, daz'') sie von 
irre naturen kommet zu der gnaden und von der gnaden kommet in ein lieht. 5 
ein*) meister sprichet: und gibet ir craft unde machet sie voUenkommen 
in irre naturen. so wirt die sele gezogen ubir sich seiher in ein gotlich ge- 
siebte und wirt also gezücket, daz sie siebet got in sinre gotheide alse ven'e, 
alse got Avil. (Vgl. Jostes 38, 1—18.) 

Also Avart s. Paulus gezücket in den dritten bymmel. (Vgl. Jostes 10 
38, 19 f.) 

Man vindet drier bände entzückuuge. die einen Averdent entzücket von 
crangheide irs libes, die komme(n)t von in seiher, die andern Averdent gezücket 
von dem viende, die mit ime beseszen sint, die dritten Averdent gezücket 
gotliche, alse s. Paulus Avart gezücket in den dritten hymmel. (Vgl. Jostes 15 
38, 34—37.) 

Man vindet drierhande bymmele. der eine ist ein cristallen bymmel. 
bi deme hymmele sol die sele an (100 '^ got gedenken unde sal anesehen daz 
gut, daz got durch sich selber mit ir und mit allen creaturen hat gedan. 
der ander bymmel ist ein sterrenhymmel , von deme schinet maneger ^) bände 20 
craft von manegfelteger zal der sterren. daz bedudet, daz die sele anesiehet 
daz manegfeltege gut, daz got in ir geAVorht hat und voUenbraht hat mit 
sinre craft. der dritte bymmel ist ein gotlicher hymmel, celum empyreum. 
in den Avart s. Paulus gezücket. (Vgl. Jostes 38, 26— 3i.) 

Was ^) sach er abir in deme hymmele ? etliche sprechent, er sehe einen 25 
schin der gotheide, also alse die sunne Avirfet iren schin uf eine Avant, des 
enist nit: er sach gotliche nature. do horte er ein Avort; in deme worte borte 
er manegfelteg wort, daz boren Avas ein gesiebte, sprichet ein meyster. 
da horte er die ding, die man nit sagen mag noch sagen sal, die sint über 
menslich craft, und daz über menslicbe craft ist, daz ist got. den sach er. 30 
(Vgl. Jostes 38, 20—26.) 

Davon s. Augustinus sprichet, daz gotliche nature wirt gesehen in 
disme leben. (Vgl. Jostes 38, 38.) 

Wollen ') (100 <=) Avii* nu also gezücket Averden, so suUen Avir mit reyneme 
hertzen dicke an got gedencken unde sullen woUustekeit han in den gedenken 35 



1) ' einer got gemachel (!) einicheit und ze der einvalticheit' N (Jostes 38, 6). 

2) Hs. 'eynegete — Avart'. 

3) 'Ez sind zwu Avandelung: daz ein ist ein Avandelung von der natur ze 
der gnaden, daz ander ist ein wandelung des gotlichen gesiebtes' N (Jostes 

38, 9 f.). 

*) Jostes 38, 11—16 finden bei Nikolaus keine Entsprechung. Dieser 
gibt, Avohl seiner Vorlage gemäfs, hier nur einen Auszug der Predigt. 

2) N (Jostes 38, 29 f.) ist nach Nikolaus von Landau zu verbessern. 

•ä) Die Frage 'waz sah er in dem gesiht?' steht in N erst am Ende 
dieses Absatzes (Jostes 38, 25). 

') Nikolaus von Landau zieht wieder mehrere Sätze zusammen. Jostes 

39, 4—9 finden keine Parallele. 



40 

TTiid suUen gezogen sin von irdinschen dingen, so kommen wir in einen aneblig 
gotliches gesie(Ti)tes. (Vgl. Jostes 39, 2. 3. 9 ff.) 

Darzil sprichet ein meyster: de got sich selber ane^) schanwete ane 
aUe die ding, die nszer ime motten geflieszen, do enknnde sich sine gude nit 
enthalten, er müste schaffen die creaturen. alse diz^) die sele anesiehet, so 
Avirt (si) gezogen tiszer irre natnrlichen craft^) mit der helfe des heyligen 
geystes und mit*) der gotlichen minne, mit der die sele blibet in gotde. 
(Vgl. Jostes 89, 14—17.) 

Damit "bricM Nikolaus von Landau die mystische Predigt ab 
und beendet zugleich seinen Predigtteil, ohne noch einen eigenen 
Satz hinzuzufügen (s. oben S. 32 Nr. 3). 

Der Entlehnung geht nui' ein kurzes Stück eigener Arbeit 
voraus. Die übernommene Eckhartpredigt ist unverändert ge- 
blieben. Seine Vorlage bot jedoch einen kürzeren (vgl. Jostes 
38, 9—18. 39, 1 — 13), auch stellenweise schlechteren (s. oben 
S. 38, 4. 39, 2. 40, 6) Text, vergüchen mit N. Die Satzfolge ist 
in beiden Texten eine sehr verschiedene. Dafs Nikolaus von 
Landau die Eeihenfolge der Sätze nicht willkürlich verändert 
hat, sondern daXs seine Vorlage die Ursache all der Varianten 
ist, dürfte einleuchten. 

Im übrigen gibt die Entlehnung des Nikolaus an einer Stelle 
(s. oben S. 38 Anm. 2) ein Citat nur deutsch, welches N lateinisch 
und deutsch anführt. In diesem Falle fehlte ohne Zweifel die 
lateinische Fassung schon in der Vorlage unseres Predigers. Ich 
glaube, gerade daraus schliefsen zu dürfen, dafs im allgemeinen 
die lateinischen Citate in den Entlehnungen keine Zutat des 
Nikolaus sind, sondern stets den entlehnten Predigten entstammen. 

7. Bl. 85". Dom. post octavam epiphanie Vocatus 
est Jhesus. 

Der zweite Teil beginnt Bl. 87^: 

Zu deme andern male sullen wir merken die voUenkonimenheit des 
unschuldegen -vvesens godes, der do ist. alse got zu Moysi sprach, daz er zu 
deme künege Pharaoni gienge unde spreche: qui est, misit me. der da ist, 
der hat mich gesant. alle creaturen sint nit von in selber, sunder sie (87'^) 
5 sint von gode. abir got ist von niemanne, wanne er ist von ime selber, dar- 
umme sprach er : qui est. der do ist. nu vi'agete ein jüngeling s. Augustinum, 



'^) 'an schauwet und schauwet an alle dinch' N. 
=') 'diz' fehlt N. 

^) Lies mit N 'craft in ein übernatürlich craft'. 
^) 'mit— gotde'] anders Jostes 39,18—20. 



41 

■vvaz got si. do sprach er: alle ding, die geschaffen sint, die sint wesenlich, 
abir waz wesen si, daz mag man mit virnunft nit begriffen, von nit alleine 
uhirwelzeg(?) si menslich wesen, sunder auch der aller lutirsten engele wesen 
in den thronen, die hant ordenunge nnd heweguhge unde leben, also hant 
auch andere ding, daran wirt vonden die sache aller dinge, die got ist. wanne 5 
von deme wesene der dinge, die do sint, so ist got bekant ein wesen; und 
von der wonderlichen ordenunge der dinge, so ist er bekant ein Avise wesen. 
also ist daz funden. darumme bekennen wir von deme wesene den vater, von 
der wysheide den son, unde von der liebe den heylegen geyst. den bekennen 
wir mit der hohesten craft unser seien, ez sprichet Aristoteles in secundo 10 
de anima, quod est intellectus agens et intellectus possibilis. 

Damit kommt Nikolaus zu einem Thema, welches Hehvic von 
Germar in einer Predigt II, 12 behandelt: s. Preger, Geschichte 
der deutschen Mystik 2, 439. 

Ez sint zwo bekentliche crefte nach deme obirsten der seien, eyne 15 
heyszet die wirkende Vernunft, die andere heyszet eine mügeliche und eine 
(87c) lidende Vernunft, dovone sprichet ein meyster, daz die lidende Ver- 
nunft mag got bekennen nit von naturen, sundir von gnaden. (Vgl. Preger 
439, 21—23 und 440, 7. 8.) 

Abir die wirkende Vernunft, die enmag got nit bekennen wedir von 20 
naturen noch von gnaden, und daz ist die sache, Avaz der naturen gemeine 
ist, dar über enmag sie sich nit herheben, vonde nu got und die sele nit einre 
naturen ensint, darumme inmag si in got nit gereichen, eine andere sache 
ist, waz da etAvaz in wirket, (daz^) voUenbreugit daz, in daz ez wirket,) alse 
die sunne voUenbrenget den luft mit irme schine. (Vgl. Preger 439, 23 — 440, 5.) 25 

Nu enmag got nit voUenbraht werden von keinre creaturen, wanne er 
in ime selber voUenkommen ist. darumme wirt er mit der wii'kenden kraft 
nit bekant, sunder ^) von der lidende(n) Vernunft wirt er bekant von sunderlichen 
gnaden gotes. nu sprichet ein meyster:^) quidquid recipitur, per medium 
rei recipientis recipitur et non per medium rei recepte. Philosoplms. Avaz da 30 
Avirt emphangen unde emphehit, daz Avirt vollenbraht von deme, daz ez da 
emphehet. davon danne daz dise lidende craft got in sich emphahen mag 
unde sin Averg liden,") daz sie voUenbringet, dovon Avirt sie erhaben, (87 <i) daz 
sie got bekennen mag. alse daz für (von) sinre naturen nit enhat, danne daz 
ez burne und hitze, abir von sinre materien Avegen, sprechent die meyster e, 35 
hat ez eine mügelichkeit, daz °) ez mag Averden zu lüfte, und uuder des luftes 
formen mag ez füthekeit unde keltene geben alse der luft: also hat die sele 



1) Aus (Preger 440, 4) ergänzt. 

^) Nikolaus hat ganz richtig diesen Gedanken zAveimal, hier in der Aus- 
führung, oben (Z. 17) in der Einleitung, welche „Avirkende und leidende Ver- 
nunft" gegenüberstellt. 

3) Nur Nikolaus von Landau hat das lateinische Citat. 

*) 'lidet' 0. 

*) In (Preger 440, 13 f.) ist das Bild unklar; der Text des Nikolaus 
gibt die notwendige Ergänzung. 



42 

eine miigelickeit, daz sie got iu ir lidet, der sie voUenbrenget und sie uszer 
ir selber herhebit, daz sie in bekennen mag. also snllen wir han die müge- 
lichekeit der seien, got zi^ bekennene. (Vgl. Preger 440, 5 — 17.) 

Ez spricbet ein meyster, daz kein ding an ime selbir also bekent- 
5 Hell si alse got. wanne sin wesen ist zumale lutir und unbetwongen, und 
sin wesin ist in ime gesamment. darunmie er aller bekentlichste ist; unde 
alle geistliche ding sint bekentlich, von ir wesin lutir ist und unbetwongen. 
abir daz wir sie nit bekennen, daz ist von crangheide unsers bekentnüsses. 
ein nieister spricbet, daz got sich heltet zu unserme bekentnüsse, alse die 
10 sunne zu den äugen der üweln und des valken und des adelares. daz die üle 
in die sunne nit ensiebet, daz ist irre cranken äugen schult, daz abii' der 
falke und der adelar sie clerlichen anesehent, daz') meinet ir (88») lutir ge- 
siebte. (Vgl. Preger 440, 31—39.) 

Die Entlelmmig stimmt mit dem Text in fast wört- 
lich überein; die Lücke in der Predigt (Preger 440, 17 — 31) 
wies auch hier wohl bereits die Vorlage des Nikolaus von 
Landau auf. 

Damit endet die Benutzung dieser Predigt und Nikolaus 
schliefst seinen Predigtteil mit den Worten: Also ist auch unserre 
Sünden schult, daz wir got nit mögen helcennen noch ane gesehen, 
heden wir abir eine lutere gewiseende und ein reine hertze, so 
sehen wir mit bekentnüsse got. unde: heati mundo corde. 

Der letzte Satz ist des Nikolaus Eigentum; wie weit die 
eigene Arbeit im Anfang geht, bleibt zunächst unentschieden; 
eine entsprechende Parallelstelle konnte ich dafür nicht auf- 
finden. Vermutlich haben wir schon von S?**: Qid est, misit me 
an eine Entlehnung, ein völlig zusammenhängendes Stück bis: 
den helcennen wir mit der hohesten craft unser seien (s. oben 
S. 40,3-41,10). Der letztere Begriff verbindet übrigens das Stück 
mit dem folgenden von der wirkenden und leidenden Vernunft 
auf das engste, und ich halte es für wahrscheinlich, dals schon 
die Vorlage des Nikolaus die Verknüpfung hatte. Die Predigt 
des Helwic von Germar, dessen Name nicht genannt wird, ist 
unverändert übernommen; mehrfach ist der Text unseres Mönches 
besser und vollständiger als der von 0. 



1) Der Nachsatz iu (Preger 440, 39) lautet anders. 



43 



8. Bl. 19°. 
sacerdotem sibi. 



De sancto Nicoiao. Elegit eum domiiins in 



Der erste Teil beginnt Bl. 20^: 

13: 

(Eine Predigt von Hane dem 
Karmeliter.) 



8^ S. Paulus sprichit: frowit uch 
in gode alle zit. di glose spricliit: in 
gode, daz si ein werc des beilegen 
geistes. S. Dyonisius spricliit: seis 
stücke sint, da mide di sele cumen sal 
uf ir hoistes. daz erste ist, daz got 
di sele oMnet, alse he sprichet in 
Cantica: du mir uf, min frundinne, tu 
mir uf, min tube, (9») du mir uf, mine 
unbefleckite. 



Herre, sprichis du dine unbefleckite, 
di wile si nocb in den sunden lit? ja, 
si ist mine unbefleckite in minir ewigin 
forsichtikeit. Avanne di sele bekennit 
Irin schadin und den gebrecMn, den 
si halt inpbangin fon den sunden, so 
vellit si ires selbis in jamir und wirdit 
willic und offinet gode zu allin zidin. 



Zu deme anderen male sosamenit 
got di sele und zuhit si mit den 
uidersten creften allir manicvaldikeit 



Zu dem ersten male wirt s. Nyco- 
laus gelobet von der umbegriffenlichen 
dufede gotlicher gnaden, in der er 
swebet und die er zocb von sime 
scheppere, der eu uszerwelet hat und 5 
hat en gesetzet in sine vreude , ') die 
do ist ein werg des heylegen geystes. 
Dyonisius dicit: wände 2) er bade sine 
sele uf ertriche gezogen an daz hoheste, 
an daz sie kommen mohte mit ses 10 
stücke, mit den ein iegeliche sele 
kommet uf ir hohestes. daz erste ist, 
daz got die sele offent, alse er sprichet 
in Cantica Canticorum: aperi mihi, 
(20") soror mea, columba mea, im- 15 
maculata mea. du mir uf, min frunden 
und min swester und min uszerweltes 
lieb, du mir uf, mine reine umbe- 
flickete sele. 

Nu mohtes du got also Tragen: herre, 20 
sprichest du mine umbeflickete sele, 
die wile si noch in den sunden lit? 
er entwertet unde sprichet: ja, sie ist 
luter und reine in minre ewegen vor- 
siehtekeit. wände die sele danne be- 25 
kennet iren gebresten unde den scha- 
den, den sie hat von den Sünden em- 
phangen, so vellet sie (von) ir selbes 
craft iu ein jamer und wii-t willeg 
unde oft'ent sich gotde zu allen ziten. 30 
also^) Nycolaus det. 

Daz andere ist, daz got minnet 
die sele und zuhet sie mit den nider- 
steu creften uz aller manegfeltekeyt 



1) Nikolaus von Landau verschmilzt die ersten Sätze der übernommenen 
Predig-t mit seiner eigenen Einleitung. 

2) Der Satz bezieht sich offenbar auf den h. Nikolaus und ist von unserem 
Prediger sehr ungeschickt eingeschoben. 

3) Der Zusatz 'also Nycolaus det' stammt von Nikolaus von Landau; 
im übrigen herrscht völlige Übereinstimmung der Texte. 



44 



0: 

uf zu den ubirsten creften imd heftit 
si mit der ubirsten craft an got. der 
vadir wirkit gewaldicliche in der sele 
und der son wisliche mit der warheit 
5 und der beilege geist guitliche mit 
der gude. dan wert got geborin in 
der sele, alse he sich ir offinbarit in 
einer nuwen wise mit eime gotlicbin 
lichte. 8. Augustinus sprichit: wan 

10 di begerunge inphengit wirt mit der 
miune, so wirt got geborin in der sele. 
der heüege geist ist ein inphengere 
der minne, di fruht des beilegen 
geistes, daz ist licht und minne und 

15 fi'eude und fride. 

Daz dritte ist, daz got di sele iimme- 
kerit. dan kerit di got zu ime und 
zu ir selbu", alse he sich ir offinbarit 
in eime gotlichen liebte mit eime 

20 nuwin bekentnisse. wan in unwissin- 
heit ist man gode verre. mit bekant- 
heit und mit lichte so nekint man 
sich uffe got. S. Paulus sprichit: ir 
sit cumen von deme vinstimisse zu 

25 deme lichte; nu wandelit in dem lichte 
alse kinder des lichtes, dan so cumit 
di sele mit lichte und mit bekentnisse 
(gode) also nahe, daz si keine sünde 
intuit, sundir si inmac ir nicht getuu. 

30 nicht alleine, daz si ir nicht getun 
inmuge, mer si cummit ir in eine 
forgezzenheit. wanne si schowit ane 
di warheit. David sprichit: smeckit 
und schowit. nicht insprach he: 

35 schowit zu dem ersten [schowit] und 
smeckit darnoch. someliche wollint 
fligen, er si vederen gewinnen, wer ^) 
da wil schowin, er dan he smeckit, 
der schowit unordinliche und unende- 

40 (9i')liche. dar umme sprichit he: 
smeckit und schowit. 

Also sal di sele got smeckin in allin 
iren werkln, daz alle ire werc suze 



uf zu den obirsten creften und heftet 
sie mit der obirsten craft an got. do 
wirket der vater gewelteclichen in der 
seien, der sun wislichen mit der war- 
heyde, der hej'lege geyst gutliche mit 
der minne. do wirt got geboren in 
der sele, alse er sich ir uffenbaret in 
einre nüwen wyse mit eime gotlichen 
liebte, darumme sprichet s. Augusti- 
nus: wan die begerunge emphangen 
wirt mit der minne, so wirt got ge- 
boren in der sele. der heylege geyst 
ist emphengere der minnen, die fruht 
aber des heylegen geystes ist ein lieht, 
minne unde freyde. 

Daz (20'^) dritte ist, daz got die 
sele wider umme keret. danne keret 
(die) got zu ime und zu ir selber und 
uffinbaret sich in eime wonderlichen 
liebte mit eime nüwen bekentnüsse 
und mit wisbeyde. wände in unwis- 
heyde ist man gode verre. mitkant- 
heide und mit liebte so neiget man 
sich uf got. darumme sprichet s. Pau- 
lus: ir sint kommen uz dem vinster- 
nüsse zii dem liebte; nu wandeint in 
deme liebte alse kiude des liehtes. 
danne so kommet die sele mit liebte und 
mit bekentnüsse gode alse nahe, daz 
sie keine sünde düt, wand sie enmag 
ire nit me gedün ; also, daz si kommet 
in eine vergeszenheit der sünden. 
wände sie schauwet an die warheit 
mit^) deme vorsmacke gotlicher susze- 
keit. darumme sprach der propheta: 
gustate et videte, quam suavis est 
dominus, smackent und schauwent. 
er ensprach nit, schauwent zum ersten 
und smackent darnach, alse die do 
fliegen wollent, e si vedern gewinnent. 
man sal e smacken, dan schauwen. 

Also sal die sele got smacken in 
allen iren werken, daz alle ire werg 



1) Fehlt in ; mufs aber nach Nikolaus ergänzt werden. 
Citat bezieht sich darauf. 
") ist hier breiter. 



Das folgende 



45 



0: 
werdiu und senfte. also smeckit si 
und schowit got one wanc; so si me 
smeckit, so si me schoAvit, und so si 
me schowit, so sich got me in si sen- 
kit. Augustinus: damide si schowit, 
da mide smeckit si, [und] et e contrario, 
und daz ist daz bilde, da mide got di 
sele noch ime selber gebildit hait. 

Alsus teit s. Paulus, du her in den 
dritten himmil gezuckit wart und sach 
di heimelichkeit godis. wan da mide 
he sach, da mide horte he, et e con- 
trario, he sach daz wort, daz ewicliche 
von deme vadere ist geborn, da alle 
dinc uzgeliozzin sin. 

Also schowit di sele got an siner 
clarheit und an siner hoheit. dan so 
cumit di sele so hoch, daz si [daz si] 
got schowit an sinen wesine. 

In den vierden male so bewegit got 
di sele, und di sele bekennet fon nature 
daz bilde godis an ir und stigit über 
sich selbir und smeckit got. so wirt 
si widir nidir geslan in sich selbir uf ^) 
ir naturliche krancheit, daz si ane- 
sihit sine grozheit und ire cleinheit. 
dan so cumit daz gotlich licht und 
durchschinet ire naturliche craft und 
ruckit si forbaz von irre naturlichen 
craft*) und ruckit si ouch uz irme 
naturlichen lichte in ein ubirnatui'lich 
licht, also bewegit got di sele. Job 
spiichit: herre, du haist din licht mir 
geoffinbarit und in dime lichte offin- 
baritis du mir, daz ich daz besitzin 
mac. du irschrac ich fon alle mime 
herzin und min herze wart bewegit 



süsze werden unde senfte. also smacket 
sie imd schauwet, so ^) sich got me in 
sie senket. S. Augustinus sprichet: 
damide sie schauwet, domide smacket 
sie. und daz ist daz bilde, domide 5 
got die sele nach ime selber gebildet 
hat. 

Also det S.Paulus, (21*) do er in 
den dritten hymmel gezücket wart 10 
und die heymelichekeit (godes) sach. 
wände domide er sach, domide horte 
er, und domide er horte, domide sach 
er. er sach daz wort, daz eweclichen 
von deme vater geboren ist, da alle 15 
ding uzfiiesze(n)t und gefloszen sint. 

Also schauwete s. Mcolaus'^) sele 
got in sinre clarheit und an sinre 
hohe, daz sie got schauwet in sime 
gotlichen wesene. 20 

Daz vierde ist, daz got beweget die 
sele und die sele von naturen bekennet 
daz bilde gottes an ir und stiget über 
sich selber und smacket got. so wirt 
sie wider nider geslagen in sich selber 25 
von irre naturlichen crangheit, daz si 
anesiehet sine grosze hymmel(sche) 
majestate, gewalt und richdum und 
anesiehet ir eygene crangheit. dan 
so kommet daz gotliche lieht unde 30 
durchschinet ir naturliche craft und 
zuhet sie vorbaz von irre naturlichen 
craft in eine ubernatmiiche craft unde 
füret sie auch uz ii'me naturlichen 
liebte in ein übernatürlich lieht, also 35 
beweget got die sele. darumme sprach 
Job: herre, du hast mir din lieht ge- 
uffinbaret und in dime lieht geoffin- 



1) Der Text des Nikolaus ist sinnlos und aus 0: 'got one wanc; so si 
me smeckit, so si me schowit, und so si me schowit' zu ergänzen. Der Aus- 
fall erklärt sich durch Homöoteleuton. 

2) Nikolaus bringt eine Beziehung auf seinen Heiligen hinein. 
^) ist nach Nikolaus von Landau zu berichtig-en. 

*) Nach 'craft' ist aus Nikolaus zu ergänzen: 'in eine übernatür- 
liche craft'. 



46 

0: 
uf ein andir stait. Paulus: alsus 
wandelit he si von clairheit in clair- 
heit. 



Zu dem fünften male so enigit got 

10 dl sele. wan dan cumit daz gotliche 
licht und nimit dl formen der sele 
und zuhit si in di formen godis und 
enigit und formit si also in got, daz 
si daz gotliche licht also durchschinen 

15 halt, daz si sich itzunt nicht bekennit 
an iiTe naturlichin craft, mer si be- 
kennit (10 a) sich an dem gütlichen 
lichte, dissis ist ein glichnisse an der 
sunnen. alse si schinit uffe di dinc, 

20 da si iren widerslac anhait, so nimit 
si di dinc, di si irhebin mac, und zu- 
hit si in sich, alse wir sehin an deme 
scbine der sunnen, der da schinit in 
di luft und durchclerit di luft, daz si 

25 nicht schinit luft, mer si schinet alse 
ein schin der sunnen. also hait daz 
gotliche licht di sele durchschinen, 
daz si sich selbe nicht bekennit dan 
an deme gotlichen lichte, s. Paulus 

30 sprichit: ich biden Cristum und sinen 

vadir, daz her uch gebe sinen beilegen 

geist und irluchte uch uwir herze, daz 

ir bekennit die warheit. 

Zu dem seisten male holit got di 

35 sele über und nimit si an sich, also 
daz si daz gotliche licht alleine nicht 



baretis du dich mir, daz ich daz be- 
sitzen mag; davon ich erschrag und 
min hertze wart beweget an eine 
andere stat. darumme sprichet s. Pau- 
lus, daz got also wandelt die sele (21 b) 
von einre clarheide in die andere. 
2. Cor. ni: transformamur a claritate 
in claritatem. 

Daz fünfte ist, daz got die sele 
eyneget. wanne danne kommet daz 
gotliche lieht und uiemet die forme 
der seien und zühet sie in die formen 
gotdes und eyneget und formet sie 
also in got, daz sie daz gotliche lieht 
also durchschienen hat, daz sie sich 
itzunt nit bekennet an irre naturlichen 
craft, danne so bekennet sie sich an 
deme gotlichen liebte, in deme sie 
schinet. des hau wir ein glichnüsse 
an der sunnen. alse sie schinet uf 
die ding, da sie iren widerslag anehat, 
so nimmet sie die ding, die sie erheben 
mag, und zühet sie in sich, alse wir 
sehen an deme schine der sunnen, der 
da schinet an den luft, dovon der luf(t) 
glestet mit liehteme schine. also hat 
daz gotlich lieht die sele durchschienen 
des ') groszen heylandes s. Nycolai, also 
daz sie sich nit bekante dan in deme 
liebte^) des heylegeu geystes, in deme 
er irkante die warheyt. 



Daz seste ist, daz got holete über 
sine 3) sele unde nam si an sich, also 
daz sie daz gotliche lieht nit alleine 



^) Wiederum sucht Nikolaus das entlehnte Stück in Beziehung zu seinem 
Heiligen zu bringen. Die Änderung ist so evident und zugleich so unbedeutend, 
dafs es genügt, das Präteritum 'bekante' in das Präsenz zu verwandeln und 
die Stelle ' des gi-oszen heylandes s. Nycolai ' zu streichen, um den ursprünglichen 
Text zu erhalten. 

^) Von finden sich im Texte des Nikolaus nur Eeste; der Satz ist in 
den vorhergehenden hineingezogen. 

=) Nikolaus hat 'die sele' (0) in 'sine sele' verändert, statt der Präsentia 
wieder Präterita gesetzt. 



47 



0: 

durchschinit, mer si ist selbir ein got- 
lich licht, glichir wis als der da neme 
einen cristallin oder einin berillum und 
hilde di in di sunnen, so forlorn si 
al ir gestaltnisse imd worden glich 
deme lichte. 

Dyonisius: di engüe sint ein ditrch- 
schinic spigil gotlichis lichtis. die 
einen schowin in den anderen daz got- 
liche licht, also sint di ^ seligin sele 
durchschinin mit eime durchschinigin 
lichte, und daz selbe licht, daz di 
einen durchschinet, daz durchschinit 
ouch die anderen, dit ist daz sente 
Paulus sprichit: vrowit uoh, wan got 
ist uch nahe. Kogemus etc. 



durchschinet, sunder si ist auch ein 
gotlich lieht, glicher wyse, alse der 
neme einen cristallum oder einen be- 
ryUum und hilde sie in die sunnen, 
so verloren (21<=) sie alles ir ge- 5 
steltnüsse und worden glich deme 
liehte. 

Alsoi) ist auch s. Nicolaus sele 
durchschienen mit eime durchschinen- 
dem liehte gotdes. also sint auch 10 
andere durchschinen und die heylegen 
engele. von den sprichet s. Dyonisius, 
daz die engele sint ein durchschineg 
Spiegel gotliches liehtes, do eine*) 
schauwent in den andern daz gotliche 15 
lieht, also *) ist auch s. Nycolaus mit 
den heylegen engelen ein lieht der 
clarheyde in deme ewegen lebene. 



Damit ist sowohl die Predigt von Hane dem Karmeliter als 
auch imser Predigtteil zu Ende. 

Von je einem Satz am Anfang und am Ende eingerahmt, 
steht hier eine vollständige Predigt des genannten Mystikers. 
Die Predigt ist ununterbrochen wiedergegeben, aber diesmal 
nicht unverändert. Indessen obwohl Nikolaus im ganzen sechs- 
mal die entlehnte Predigt verändert hat, bleibt die Überein- 
stimmung beider Texte so grols, daXs das Resultat der bisherigen 
Untersuchung das gleiche bleibt: Nikolaus von Landau schrieb 
seine Vorlage einfach ab; nur die Notwendigkeit, seinen Heiligen 
in die Predigt hineinzubringen, veranlafste ihn hier, einzelne 
oberflächliche Abänderungen vorzunehmen. Eine wirkliche Über- 
arbeitung hat aber nicht stattgefunden. Es sind ein paar rohe 
Pinselstriche, die das alte Bild nicht verdecken. 



Aus den bisher betrachteten Sermonen ergeben sich uns 
einige gemeinsame Gesichtspunkte betreffs des Verfahrens, welches 



*) Auch im folgenden sind die Abänderungen nm- durch die Bezugnahme 
auf den h. Nikolaus bedingt. 
«) 'si' 0. 

3) [Lies 'di einen'? St.] 
*) Der Satz stammt von Nikolaus. 



48 

Nikolaus • von Landau bei der Entlehnung mj'-stisclier Predigten 
eingescMagen liat: 

1. Die Entleknung beschränkt sich auf einen, häufig den ersten 
Teil des Sermons. 

2. Der Name des Verfassers wü'd nicht genannt. Seine Sätze 
werden aber zuweilen als Worte eines Meisters gekenn- 
zeichnet, 

3. Das entlehnte Stück wird geschlossen und ununterbrochen 
wiedergegeben. 

4. Es ist gewöhnlich durch ein Stück eigener Arbeit des 
Otterberger Mönches eingerahmt; wenigstens am Anfang 
gehen stets ein paar Sätze von ihm voraus, welche gern in 
das Textwort der entlehnten Predigt einmünden oder zu 
einem Citat Jener Predigt führen. 

5. Die übernommene Predigt erfährt keine Veränderung; sie 
ist eine getreue Wiedergabe. Findet sich Nikolaus zu einer 
Änderung wirklich veranlalst, wie in Nr. 8, (s. oben S. 43 f£.), 
so greift diese in den Satzbau und Gedankengang doch nicht 
wesentlich ein. 

6. Lateinische Citate finden sich in seinen Entlehungen viel 
häufiger, als in den verglichenen Predigttexten. Sie können 
von dem Otterberger Mönch, der auch sonst eine Vorliebe 
dafür zeigt, eingesetzt sein; doch kann auch seine Vorlage 
solche Citate, etwa als Randglosse, schon enthalten haben. 

Eine Vergieichung der sonstigen Überlieferungen von 
Predigten Eckharts und seiner Schüler mit den mystischen Ent- 
lehnungen bei Nikolaus hat gezeigt, dafs sein Text die anderen 
oft ergänzt oder verbessert; doch wird auch umgekehrt sein Text 
häufig duixh jene berichtigt. 



4Ö 



Drittes Kapitel. 

Mehrfache Entlehnung, 



1. Eine fremde Predigt ist auf mehrere Teile eines 
Sermons oder auf mehrere Sermone yerteilt. 

9. Bl. 30° ff. Dominica m. adventus domini. Quid 
existis in desertnm videre? Math. XI, 

Der erste Teil beginnt Bl. 31": 

Zu deme ersten male ist ein uszgang nnsers herren Jesu Cristi. dovone 
spricliet Joh. XVI: exivi a patre et veni in mundum; iterum relinquo mundum 
et vado ad patrem. Jesus sprach: ich gen uz von deme vatir und kommen 
in die werlet, aher nu laszen ich die werlet und kommen und gen zu mime 
vatere. 5 

Zum folgenden vgl. Eckharts Predigi Nr.öOi) (Pfeiffer S. 164 ff.). 

Nu^) sprechent die meystere, daz der vater ist kommende in den 
sun mit alleme deme, daz er hat, und mit alleme deme, daz die gotheyt ge- 
leysten mag, und kommet in en mit einre vei'nün£tege(n) wirkunge. des sones 
eygentschaft ist, daz er deme vater") inwande, des vater eygen wonestat ist 10 
in deme sune und in deme heylegen geyste. 

AUez,*) daz der vater geleysten mag, daz gebieret er in deme sune, 
daz ez der sun vorbaz gehere in die sele. daz ist sin uszgang. 

Glicher*) wis, alse der*') eynen stein -worfe in ein waszer, in deme 
ersten valle entspringet ein creis, der wirt deine und wirt doch crefteg, also 15 
daz andere creisze von ime entspringe(n)t; der andere creisz wirt wider dan 
der erste, und enwirt doch nit also crefteg alse der erste; der dritte wirt 
noch wider (31 (i). also entspringet ie einre von dem andern, und were der 
worf creftec gnug, so gebreste e des waszers, e der creisze gebreste. 

Wie') grosz ie doch daz waszer were — . geystliche^) zu merkene. 20 
der erste uzbruch und der erste uzfal ist der sun uzzer deme vatere und ist 
cleinlich und so crefteg, daz er ime sache ist aller uzbrüche. der ander uz- 
bruch ist der erste engel und ist aller naheste disme uzbrüche und widet sich 



1) [Sie findet sich auch in der v. Arnswaldt-Berliner Hs. 3141 Bl. 52» St.] 

2) Vgl. Pfeiffer 165, 9—14. 

3) Hs. 'sune'. 

*) Vgl. Pfeiffer 165, 14. 15. 

ß) 'Ich habe etwenne gesprochen ein gelichnüsse' Pfeiffer. 

«) Vgl. Pfeiffer 165, 16—21. 

') Die Stelle ist eine verstümmelte Wiedergabe von Pfeiffer 165, 21—23. 

8) Vgl. Pfeiffer 165, 24-36. 

Hermaea II. 4- 



50 

unde breydet^) sicli me uz und enist nit also crefteg alse der erste, und ist 
doch also cleinlich und also crefteg, daz er sich uzguszet und wirket in den 
engelen, die under ime sint. und die nehesten, die ergiezzent und breident 
sich uz. der creiz ist wider dan der erste, also irgiezzent sich ie einre nach 
5 deme andern und wirkent und breydent sich allez uz von deine ersten 
unde von deme obirsten biz an den nidersten engel.^) der ist doch so luter 
unde so hoch, daz en kein liplich ding geruren mag. 

Ez^) sprechent auch die meystere, daz er mit sini'e minnesten 
craft, die er hat, den hymmel riu'et und den beweget, und von deme rurene 

10 so lebent und waszent und grünent alle ding in dirre werlete und wirkent 
und breydent sich uz allez umme alse ein cirkel, und glichent sich alle alse 
verre alse si mogent dem ersten uz(32'')bruche, daz ist der sun von deme 
vatere. der erste creiz ist so crefteg, weren noch dusent werlete unde me, 
en gebreste allen e emphahende, e dem ersten uzbruche gebreste wirkende 

15 in sie alle, also alse deme wazzere e gebreste, e der creiz von deme ersten 
valle des steynes. 

Darumme'*) sprichet unser herre: ich bin uzgegangen von deme vatere 
und bin kommen in die werlet. daz ^ ist in die sele. dovon sprichet Boetius 
ein meyster, daz die werlet (der sele) heiszet reine, daz ist darumme, wand sie 

20 gebildet ist nach der reynen schonen werlete, die in gode ist, in der alle 
reynekeyt unde Schönheit ist. mundus architypus. die") sele, die ingetreden 
ist in daz lutir bilde, daz da gebildet ist nach der reinen und schonen werlete, 
die in gode ist und got ist, und allez in ime blibinde ist in deme bilde und 
nit uzlugende ist und zumale gescheyden und gesundirt ist von der uzzem 

25 werlete in die liebte werlet, in die sele kummet der sun und gebieret sich 
darinne mit alleme deme, daz got er selber geleysten mag alzumale. 

Der^) vater kommet in den sun und gebieret deme sune in allez 
daz, daz die gotheyt geleysten mag, und gebieret sich auch ime, daz er sich 
der seien (32^) ingebere. der vater hat eygenliche sime sune ingeboren allez, 

30 daz er hat. wände allez daz, daz got geleysten mag, daz ist zumale in 
deme sune. 

Wa^) dan der sun ist, da ist allez daz, daz got geleysten mag, vater 
und heylegir geyst mit eynander in eyme luterme wesene. 



Hs. 'bereydet'. 

2) Durch Homöoteleuton ist bei Nikolaus ausgefallen 'nochdanne swie 
verre der si von dem ersten uzbruche des ewigen wertes wider den obresten 
enger (Pfeiffer 165, 34 f.). 

3) Vgl. Pfeiffer 165, 36—166, 9; der Text bei Nikolaus ist kürzer, auch 
fehlt das Bild vom Spänlein. 

Vgl. Pfeiffer 166, 10—18. 

'^) 'werlt sprichet als vil als reine; er meinet die sele' Pfeiffer 166, 11. 

*) Der folgende Satz fafst den Pfeifferschen Text kürzer zusammen. 

') Der folgende Absatz ist bei Pfeiffer, vielleicht durch Homöoteleuton, 
ausgefallen. 

8) Vgl. Pfeiffer 166, 19-21. 



51 

Danimme ^) so der sun kommet in die sele und in ir ist, so ist in ir 
allez daz, daz got geleysten mag. wan er ist, der alle ding hat einvelteclichen. 

Der 2) vater ist sich uhende in deme sune in einre vernünftegen 
wirkunge. ^) 

Darumme*) wan die sele emphehet unde in ir hat den sun in der ver- 5 
nünftegen Wirkungen, so hat sie in ir allez daz, daz got geleysten mag, in 
eyme Intern lust und wunnen. daz ist der uzgang godes sunes von deme 
vatere und (sin) kommen in die sele, alse er sprichet: ich gen uz von deme vatere 
und kommen in die werlet. daz ist in die liethe werlet, in die sele, die 
zumale gescheyden ist von der uszern werlete und ist in alle Avis gebildet 10 
nach der gotlichen -vverlete. in die werlet kommet der sun rehte, alse er uz 
dem vater vellet, und wirt geystlichen geboren in die werlet, daz ist in die 
sele, und dreget si[ch] uf unde gebieret sie in deme vatere. 

Darumme^) sprichet er: abir laszen ich die (32<=) werlet, daz ist die 
uzzer werlet , und gen wieder uf zu deme vatere mit der sele , die gebildet 15 
ist nach der gotlichen werlete und nach gode. und also dreget er si[ch] uf 
in den vater, in daz erste, in den grünt, da der sun uzbrichet und vellet von 
deme vatere. da ist die sele an deme hohesten, an daz sie kommen mag. 

Damit schliefst der erste Predigtteil. Der zweite beginnt: 

Zu deme anderen male ist Cristus uzgegangen uf den berg beden. Luc. VI. 20 
exiit in montem orare et erat per noctem in oratione. Lucas sprichet : Cristus 
gieng uf den berg beden und bleyb über naht in sime gebede. daby leret 
uns got, daz wir vliezclichen suUen beden, also s. Paulus sprichet : sine inter- 
missione orate. ir suUent beden, sprichet er, ans underlaz und demüdeclichen. 
wände daz demudege gebet, daz dringet durch die hymmele zu gode und 25 
herwirbet gnade von gode. alse Anna, EagueHs dohter, die von gode in irme 
gebede irhoret (wart). Thobie. got horte auch Helyam, der en bat, daz er 
nit renete, da was ez ungerenet vierdehalb jar. daz hatte die werlet ver- 
dienet mit ii'en Sünden, anderwarbe bat er got, daz er reynete. da gab der 
hymmel regen und daz ertriche fruht. novum intentius: (32 «i) küneg Salomon 30 
bat auch got umme kunst, da gewerete en got und machete en den wysesten, 
der uf ertriche was. 

Bis Merher geht der Predigtteil seinen gewöhnlichen Gang, dann 
begiQnt "wieder die eben entlehnte Eckhartpredigt. 

Darumme ^) sprichet got und schribet s. Johannes : amen , amen , dico 35 
vobis , quidquid petieritis patrem in nomine meo , dabit vobis. er sprichet : 
vorwar sagen ich uch, biedent ir den vater id in mime namen, daz wirt iich. 
die meystere sprechent, daz wort amen sprichet alse vile, alse daz sich 



1) Pfeiffer 166, 22—26 weicht stark davon ab und ist ausführlicher. 

2) Vgl. Pfeiffer 166,261 

3) Pfeiffer 166, 27—32 fehlt bei Nikolaus. 
Vgl. Pfeiffer 166, 32—40. 

"•) Vgl. Pfeiffer 166, 40 — 167, 5. 
«) Vgl. Pfeiffer 16i, 12—16. 



52 

nit wandelt, alse die wort imsers herren, der sprichet: hymmel und erden 
möszen vergen, min wort sal nümmer vergen noch enwandelt sich nit.') 

Darumme'') sprichet s. Angustinns, daz alle ding sint in gotde unwandel- 
bere in deme ewegen worte und nement nit abe, aber in en selber (nement) 
5 sie abe und mogent it oder nit sin. darumme sprichet er: vorwar, daz ist 
ane wan \mde ane wandel, bident ir it in mime namen, (daz wirt üch). dar- 
umme ä) sollen wir got bieden umme sich selber, so hau wir alle ding, wände 
ez sprichet s. Augustinus: wer got bidet umme it anders dan umme got, der 
bidet umme nit, wände*) alle ding sint gegen gode nit. er ist daz obirste 
10 gut. alse Johannes Damascenus sprichet: sihet die sele sich selber ane, so 
sihet sie sich eynen geyst, sihet sie eynen engel ane, so sihet sie eynen (33«') 
geyst, siebet sie aber got ane, so siebet sie sich unde den engel alse ein 
liphaft ding gegen gode, wände er ist ein luter wesen. 

Damit briclit der zweite Teil des Sermons ab; der dritte kommt 
auf die Eckhartpredigt niclit zurück. 

Zweimal in einem Sermon ist dieselbe Predigt benutzt, 
beidemal, obne dals Nikolaus ihren Text verändert hätte. 
Beide Stücke sind in sich geschlossen, am Ende fügt ihnen der 
Otterberger Mönch diesmal keinen eigenen Zusatz an, mit der 
Entlehnung ist auch jedesmal der Predigtteil zu Ende. Dagegen 
befindet sich je eiu Stück eigener Arbeit vor der Entlehnung; 
diese beginnt das erste Mal mit dem Textwort der Eckhart- 
predigt, das zweite Mal mit einem andern Bibelwort jener Predigt. 
Der Sermon gewährt einen neuen Bück in das Kompilations- 
verfahren des Nikolaus von Landau. Längere Predigten, die er 
benutzen wül, zerlegt er sich in mehrere Abschnitte, die er nach 
Bedarf in verschiedene Predigtteile einreiht. Aber die ausein- 
ander gerissenen Teüe selbst bleiben unversehrt und lassen sich 
wieder aneinander setzen. 

10. Bl. 47''ff. De natu Cristi. Ego sum genus et radix 
David, Stella splendida et matutina. 

Der erste Teü beginnt Bl. 48^: 

Zu deme ersten male suUen wir merken die wirdekeit gotliches namen 
an eweger voUeukommenheit, do er sprichet: ich bin. ego sum. daz^) ist 
der eygenUchste namen godes, den man ime gegeben mag. darumme mag 
keine creature Ton ü" selber gesprechen: ich bin. wan sie ist von ir selber 



1) Pfeiffer 164, 17—23 fehlt bei Nikolaus. 

«) Vgl. Pfeiffer 164, 23—32. 

*) 'darumme — wände' fehlt Pfeiffer. 

'wände— gut' fehlt Pfeiffer. 

^) Vielleicht ist schon von hier an Entlehnung vorhanden. 



53 



nüsnit. sie sprichet wol, ich bin ein mensche oder ein engel oder etwas 
anders, aber daz wert ich bin, einvelteclichen gnnmen, höret gode zu. wan er 
ist die erste sache, (48 <=) von deme alle ding flieszent. und dar(umnie) sprichet 
er: ego sum alpha et oniega. ich bin ein anevang und ein ende: ein begin, 
von deme alle ding vlieszent und ein ende, in daz sich alle ding suUent 5 
riechten. und philosophus in primo cell et mundi : a primo ente pendet celum 
et tota natura, ein meyster sprichet: got in sime luterme wesene ist der 
erste, der hymmel und erden, nature und alle creature gebildet hat in ir 
naturliches wesen, von er dar ubir ist. darumme sprichet er: ich bin. er 
sprach zu Moysi Exod. III: ich bin, der ich bin. nota historiam, si placet. 10 
er sprach zu sinen jüngeren Job. XTTT: ich bin herre und meyster. er sprach 
zu den Juden: ich bin der hymmelweg, die warheit und daz ewege leben, er 
sprach zu den cristen: ich bin ein lieht der werlete. daz lieht schein uz. da 
Cristus bade gesAvetzet blüdegen sweiz an deme oleyberge und die Juden 
quamen wieder en, do sprach er: quem queritis? wen süchent ir? si sprachen: 15 
Jesum. do antworte er: ego sum. ich bin iz. von des wertes craft vielen 
sie alle zu der erden alse dode lüde, darumme höret daz wort gode alleyne 
(48 d) zu und ist sin reht name. 



n, 28: 

102» Homo quidam erat dives (Pfeiffer 
Nr. 97). 1) 

Ez was ein rieh mensche, der was ge- 
zii'it mit phellile und az alle tage for- 
wenite (spise) und inhatte nicht namen. 
dit mac man zweigerhande forstan. 
zu dem erstin fon der grundelosin 
gotheit, zu dem anderen male fon der 
zartin sele. ez was ein rieh mensche, 
mensche sprichit alse vile alse ein 
forstendic ding, bi dem menschin for- 
steit man got in der schrift. Gregorius: 
were an gode icht edilir ein dan daz 
audir, ob man daz sprechin mochte, 
daz were forstentnisse. wan an for- 
stentnisse ist got ume selbir offinbar. 
in forstentnisse forflusit got uz in alle 
dinc, und inwere an gode nicht for- 
stentnisse, so inmochte di diivaldi- 
keit nicht gesin, und in were an gode 
nicht forstentnisse, so inwerin nicht 
creatiu'en uzgeflozzin. he inhatte nicht 



20 



25 



Nil sprichet ein meyster, daz 2) 
verstentutisse si ein eigen name 
godes, aber ey gentliche ist got ane 
alle namen, wan er ist dar über. 30 
s. Gregorius sprichet: were in gode 
it edelres eins danne daz andere, ob 
man daz gesprechen mohte, daz were 
verstentnüsse. (Avan an verstentnüsse) 
ist ime got selber offenbar und ver- 35 
fluszet in sich selber und flüszet uz 
in alle ding, in verstentnüsse geschiif 
got alle ding, und enwere in gode uit 
verstentnüsse, so enmohte die drivalte- 
keit nit gesin; so enwere auch keine 40 
creatui'e uz ime gefloszen. darumme^) 



1) [Auch in der v. Äi-nswaldt-Berliner Hs. 3136 Bl. 177^, s. Langenberg 
a. a. 0. S. 184 St.] 

*) Der Satz gehört schon dem Sinne nach in die Eckhartpredigt. Vgl. 
Pfeiffer 313, 3 f. 

3) Den Satzeingang bietet nui- Nikolaus. Vgl. auch Pfeiffer 313, 11 f. 



54 

0: 
namen, der mensclie. wan alle di 
namen, die ume di sele gibit, di nimit 
si in uris selbis forstentnisse. (Vgl. 
Pfeiffer 312,34—313,13.) 

PMosophus sprichit in einen buche, 
daz heizit ein licht der lichte : got ist 
uberwesilich und ubirredilich und nber- 
forstentlich. 



10 



Daz natürliche forstan ist icht. ich 
inspreche nicht fon gnedelichime for- 
stane, "wan ein mensche mochte alse 

15 verre gezogin werdin fon gnadin, daz 
her forstunde, alse sente Paxiwil for- 
stunt, de in den diitteu himmil ge- 
zucMt wart und sach so getane dinc, 
di ni (102'') man gewortin mac. (Vgl. 

20 Pfeiffer 813, 13-19.) 



25 



Waz man forstan sal, daz muiz man 
forstan antwedir fon sinir sache oder 

30 bi etlicher wise oder fon sinen werke, 
also inmac got nicht irkant werdin, 
Avan he fon nimande gesachit inist, 
mer he ist erst des erstin. he ist 
auch sundir wise, daz ist in sinir un- 

35 bekantheit. he ist auch sunder werc, 
daz ist in sinir forborginen stilliheit. 
hirumme blibit he unforstandin , wan 
he fon nimande gesachit ist. hü-umme 
blibit he sundir namen. (Vgl. Pfeiffer 

40 313, 20—24: die Sätze dort geben nur 
einen Auszug.) 



ist got ein luter verstentnüsse , ein 
luter wesen, ein luter gude und ist 
(ane namen). wan alle die namen, die 
ime die sele giebet, die niemet sie in 
ir selbes verstentnüsse. 

Ein heydinscher meyster sprichet in 
eime buche, daz heyszet ein lieht der 
liebte: got ist ubirweselich und ubir- 
redelich und uberverstentlich, wände*) 
er swebet über daz natm-liche ver- 
stentnüsse. 

Daz naturliche virsten ist gut, aber 
daz gnedeclichen versten ist noch 
beszer. wände ein mensche mohte 
also verre gegoszen und gezogen 
werden von gnaden, daz ez vü-stimde, 
also s. Paulus virstunt, der in den 
dritten hymmel gezücket was uude 
sach (49'») so grosze ding, die nieman 
geworten mag. 

Aber daz ubirnaturliche verstent- 
nüsse, daz in gode ist, daz ist daz 
beste, daz ist uns bekant. und philo- 
sophus in primo physicorum: tunc uu- 
um quoque cognoscere arbitramur, cum 
causas et principia usque ad eius ele- 
menta cognoscimus. 

Waz man versten sol, daz muz man 
versten von der sache oder bi etlicher 
wise oder bi deme werke, also wirt 
got nit bekant, wand er ist die erste 
Sache, prima causa, und ist von nie- 
manne gesachet. er ist auch ane wise, 
daz ist in sinre unbekantheit. er ist 
auch ane werg, daz ist in sinre ver- 
borgenen stillekeyt. herumme blibet 
er unverstanden, von er von niemanne 
gesachet ist. herumme blibet er ane 
namen. 



Nur in dem Texte des Nikolaus tritt die alte Disposition der 
Eckliartpredigt Idar hervor: „natürliclies Verständnis ist gut, 



Den Satz bringt nur Nikolaus, 



55 

Gnadenverständnis ist besser, übernatürliches Verständnis ist 
das beste" (s. oben S. 54, 12. 14. 21). Nicht nur der schlechte 
Text bei Pfeiifer, auch der von 0, welcher sonst mit Nikolaus 
parallel geht, wird durch unsern Text berichtigt. 



0: 

Wo sint mi alle di namen, di ime 
gegebin sint? also alse got in nme 
selbir ist, also iumochte he sicli keinir 
creatnre gegebin zu forsteine, daz ist, 
di creature formocbte ez nicht begrifin. 
philosophus^) dicit in libro, qui dicitur 
lumen luminnm: got der ist nberwesi- 
lich und uberlobelich. (Vgl. Pfeiffer 
313, 27-31.) 



Wo^) siut mi alle die namen, die 
ime gegeben sint? also alse got in 
ime selber ist, also enmohte er sich 
keinre creaturen geben zu verstene, 
sprichet ein meyster, daz ist, die 
creature vermohte iz nit begrifen. von 
er uberweselich und ubirredelich und 
ubirvirstentlich ist. alse s. Paulus 
sprichet: deus est super omne nomen. 



Damit hat Nikolaus seinen ersten Teil beendet. Die ent- 
lehnte Predigt steht textlich der Fassung in nahe, ist aber 
mehrfach besser und vollständiger. Nikolaus hat sie unverändert 
gelassen; mit dem Ende des ersten Predigtteils zugleich hört er 
auf, sie zu benutzen, aber er liefert die andere Hälfte jener hier 
benutzten Eckhartpredigt in einem der folgenden Sermone nach. 



11. Bl. 54^ De sancto Stephane. Benedictio domini 
super Caput iusti. 

Der erste Teil beginnt Bl. hh^: 



n,28: 



102'» Der mensche was auch riebe, 
also ist got riebe an ume selbir und 
an allin dingin. di richheit godes ligit 
an fünf dingin. he ist di erste sacke, 
hirumme ist he uzgizinde sich in 



Zu deme ersten male wü-t s. Ste- 
phanus gelobet an geistlicheme wan- 
dele und an heylegeme lebene, daz er 
drug, an gerethekeide, in der er sich 
wirdecHchen hilt gein sime ebincristen, 
gein ime selber und gein gode mit 
stedegeme lobe, unde enmohte en doch 
nie vollen geloben, wände ^) er der 
erste ist, er ist einvalteg, er ist ur- 



1) Anders Pfeiffer 313, 25 f. 

2) Hier hat einmal gegenüber Nikolaus den lateinischen Wortlaut. 

^) Die Vorlage knüpfte mit diesem Satze wohl unmittelbar da an, wo 
Nikolaus sie in dem vorhergehenden Sermone verliefs (s. oben S. 55, 9). Vgl. 
Pfeiffer 813,34 als Folge von 313,30. Die Verbindung bilden die Worte 
'uberlobelich' (oben Nr. 10 Z. 8 in Hs. 0) und 'nie vollen geloben' (Nikolaus 
oben Nr. 11 Z. 8). Übrigens bietet Nikolaus hier eine gekürzte Fassung. 



56 



0: 
alle dinc. daz andere, daz he ein- 
valdic ist an sime wesine. hirumme 
ist he in richheit allir dinge, daz 
dritte, daz he orsprungilich ist. hir- 
5 umme ist he gemeninde sich, daz 
vierde daz he unwandühaftic ist. hir- 
■umme ist he daz allir hegerlichiste. i) 
(Vgl. Pfeiffer 313, 32—39.) 



10 



He ist di erste sache. hirumme ist 
he ingizinde sich, der heidinnische 
meistir sprichit, daz di erste sache me 
15 gize in alle di Sachen, dan di anderen 
sachin sich in ur werc gizüi. (Vgl. 
Pfeiffer 313,40—314,2.) 



Springelich, er ist nmvandelhaft und 
ist ToUenkommeu. 



20 



25 



He ist auch eiuvaldic an sinen 
wesine. waz ist einvaldic? Albertus: 
daz dinc ist einvaldic, daz au ume ist 

30 ein 6n andir, und alle-') fremide dinc 
haldin sich in daz, daz he ist. da 
sint di creature ein in deme einen 
und sint got in gode. in un selbü- 
insint si nicht. (Vgl. Pfeiffer 314, 3 

35 his 6.) 

Daz dritte, daz he orsprungelich ist. 
hirumme ist he uzflizinde in alle dinc. 
Albertus:*) drigirhande wis fluzit he 
uz in alle dinc ge(103=i)meinliche mit 

40 wesine und mit lebine und mit lichte 



Der stücke ist an allen creaturen 
keins. darumme enmohte en s. Ste- 
phanus*) noch keine creaturen nie 
vollen geloben, er ist die erste sache. 
herumme ist er sich ingieszende gne- 
declichen in alle creature. unde in 
libro causarum: causa primaria plus 
infinit super suum causatum, quam 
causa secundaria, ez sprichet ein 
meyster, daz die erste sache sich me 
giesze in alle die Sachen unde in die 
geschaffen dinge, dan die anderen in 
ii'e[n] Sachen sich gieszen. 

Modo deus est causa primaria, nu 
ist got die erste sache, von deme alle 
ding kommen sint. darumme guszet 
er sich mit siure gnaden gnedeclichen 
in alle creatiu'en, die sin begerent. 

Er ist auch einvalteg an sime wesene. 
was ist einvalteg? Albertus (55°) 
magnus der sprichet: daz ding ist 
einvalteg, daz an ime eine ist ane 
andere ding, und alle fremede ding 
haltent sich an daz, [also ist got,] daz 
er ist. da[z] sint die creaturen ein in 
deme einen und sint got in gode. in 
en selber sint sie nit. herre Albertus. 

Er ist auch urspringelich, darumme 
ist er uzflieszende in alle ding, alse 
Albertus magnus sprichet: in drier- 
hande wise fliiszet got uz in alle ding 
gemeinliche mit wesene und mit lehene 



1) 'Daz fünfte, daz er voUekomen ist, dar umbe ist er daz xinbegrifen- 
lichste' (Pfeiffer 313, 38 f.) ist in ausgefallen. 

^) Hier hat Nikolaus selbst geändert. Ursprünglich lautete es etwa: 
'darumme enmohte en keine creature nie vollen geloben'. 

3) 'alliu vereintiu dinc hebent sich' Pfeiffer 314, 4 f. 

*) Vgl. Jostes 47, 27 ff. 



57 



0: 

und siindirlicliin in di fornuftigin sele 
an miTgintheit allir dinge und an ') eime 
widirrucJfe der creature an ii'en erstin 
orsprunc. dit ist licht der lichte und 
wan alle gäbe flizint fon deme vadere 
der lichte, alse sente Jacobus^) sprichit. 
(Vgl. Pfeiffer 314, 6-13.) 



Daz vierde, daz he unwandilhaftic 
ist. hirumrae ist he daz begerlichiste. 
nu mirkit, ^vi sich got foreinit mit 
den dingin. he foreinit sich mit den 
dingin und ist doch ein an ume selbir 
und alle dinc an ume ein. (Vgl. Pfeiffer 
314, 13-16.) 

Hi fon sprichit Cristus : ir suUit ge- 
wandelit Averdiu in mich und ich nicht 
in uch. daz cumit von sinir unwandil- 
haftikeit und fon sinir unmezlichkeit 
und fon der dinge cleinheit. Salomon 
sprichit: alle dinc sint also deine 
wider gode alse ein trophe wider deme 
wildin mere. der einen trophin worfe 
in daz mer, so wandelit sich der trophe 
in daz mer. also geschihit der *) selin. 
alse got si in sich zühit, so wandelit 
si sich, also daz si gotlich wert und 
got nicht sele. da forlusit di sele iren 
namen und ire craft und nicht iren 
willin und ir sien. da '■) blibit di sele 
an gode, alse got an ume seibin blibit. 
Albertus sprichit: in deme willin, da 
der mensche ane sth-bit, da sal he 
ewicliche ane blibin. (Vgl. Pfeiffer 
314, 16-26.) 

Daz fünfte, daz he daz voUin- 



und mit lichte und sunderlichen in 
die 2) vernünftegen seien an miigent- 
heide aller dinge, an eime widertrucke 
der creaturen in iren ersten Ursprung, 
daz ist in daz lieht der liebte, uz 5 
deme alle gotliche gäbe vlieszent. alse 
s. Jacobus sprichet : omne datum Opti- 
mum, alle gäbe flieszent Ton deme 
vatere der liebte. 

Er ist auch unwandelhafteg und 10 
vereinet sich mit den dingen und heldet 
sich doch eine mit ime selber und alle 
ding sint an ime ein. 



15 



Hie von sprichet Cristus; ir sullent 
gewandelt werden in mich und ich 
nit in üch. daz kommet von sinre 
unwandelhaftekeit und von sinre un- 20 
mezelichkeit und von der dinge clein- 
heit. (55 <i) dovon Salomo der wyse 
sprach, daz alle ding also gegen gode 
sint, alse ein droppe wider deme 
wilden mere. der einen droppen worfe 25 
in daz mer, so wendelte sich der 
droppe in daz mer und daz mer en- 
wandelt sich nit in den droppen. et 
non e converso. also geschiehet der 
seien, alse sie got in sich zuhet, so 30 
wirt sie virwandelt in got, also daz 
sie gotlich wirt und got nit sele. da 
virluset die sele ire craft und iren 
namen und nit iren willen, sprach der 
grosze meyster Albertus, in deme 35 
willen do der mensche ane stü'bet, do 
sal er eweclichen ane bliben. 

Darumme^) ist s. Stephanus ewec- 



^) ' an einem widerbringen die creature ' Pfeiffer 314, 11, vgl. ' an einen 
widerwnrf di creatur' N (Jostes 47, 30). 

2) Hs. 'der'. 

3) Vgl. Jostes 50, 28. 
") 'den' 0. 

5) Der Satz fehlt bei Nikolaus. 

®) Der Satz ist von Nikolaus eingeschoben, um seinen Heiligen in Er- 
innerung zu bringen. 



58 

0: 

cummeniste ist. hinimme ist he daz liehen in gode von sime guden willen, 

begerelichiste. ^) got ist sin selhis den er allezit hade zu gode. got ist 

vollincumen und allir dinge, waz ist daz voUenkommeneste , darumme ist 

vollincuminheit an gode? daz ist, daz er daz ewecUcheste, er ist sin selbes 

5 he sines selbis alliz gut ist und allir voUenkommenheit und aller dinge, er 

dinge, hirumme hegerint sin alle dinc, ist daz obirste gut ime selber und 

wan he got ist. (Vgl. Pfeiffer 314, 26 aller dinge gude. darumme begerent 

bis 30.) sin alle ding. 

Omnia^) bonum appetunt, und phüosophus ein meyster sprichet: alle 
10 ding begerent güde. nu ist got daz obirste gut, darumme ist er daz aller 
begirlichiste und begerent sin alle creaturen. 

Und sunderliche s. Stephanus, der uffinte gode sin hertze allezit mit 

lobe (56") und mit wirdegeme dinste, unde virdienete also daz ewege leben, 

daz er nu mit ime eweclichen besitzet, daz er wole mag sprechen: quod con- 

15 cupivi, iam teneo. daz ich ie unde ie han begeret, daz han ich nu mit vreuden. 

Hier endet der Predigtteil; kurze Stücke am Anfang und 
ScliluTs von der Hand unseres Mönches umralimen die Eckhart- 
predigt. Auch in der Entlehnung selbst ist seine Hand zweimal 
(s. oben S. 56, 10 f. und 57, 38) zu erkennen; beidemal hat er den 
Stoff zu dem Heiligen seines Sermons in Beziehung gebracht. Vgl. 
oben S. 43 ff. Von diesen deutlich erkennbaren Veränderungen 
abgesehen, ist an der entlehnten Predigt nichts von Nikolaus 
geändert worden. Wie in dem Sermon De natu Cristi (oben 
S. 52 ff.) steht Nikolaus auch hier dem Eckharttext in näher 
als dem bei Pfeiffer. Die Eckhartpredigt ü, 28 = Pfeiffer 
Nr, 97 ist in den Sermonen De natu Cristi Nr. 10 und De sancto 
Stephano Nr. 11 vollständig A^^[edergegeben. Sie ist durch 
unseren Mönch in zwei TeUe zerlegt und so auf zwei Sermone 
verteilt worden. 

Aber an diesen beiden TeUen fehlt auch nicht ein Satz. 
Genau da, wo Nikolaus im ersten Sermon mit der Entlehnung 
aufhört, beginnt er mit ihr wieder in dem anderen Sermon (s. oben 
S. 55 Anm. 3), Wenn man die beiden Eckhartstücke aus den 
Sermonen herausnähme und aneinander legte, dann wäre die 



1) Pfeiffer hat 314, 27 ' unbegriflichest ' entsprechend 313, 39. Vgl. oben 
S. 56 Anm. 1. 

*) Dieser Absatz gehört wohl noch der Eckhartpredigt an, obwohl 
und Pfeiffer ihn nicht haben. Der Gedanke greift auf den Satz ' darumme ist 
er daz eweclicheste' (0 'begerelichiste') zurück. 



59 

Predigt so vollständig und ganz, wie sie die Quelle unseres 
Otterberger Mönches enthalten haben mufs. 

Nicht so gewiCs ist der Zusammenhang der entlehnten 
Predigtstücke in den beiden folgenden Sermonen. 

12. Bl. 41 •''f. De natu domin i. Gras faciet dominus 
verbum istud in terra. 

Der zweite Teil beginnt Bl. 42'^: 

Zu deme andern male suUen wir merken in disen worten die menschet 
des godes sones, der do ewecliclien ist gewesen bi deme vatere unde ist glich 
deme vatere an der gotheyt und ist rainre dem vatere an der menscheyt 
lind ist ein Avort des vaters. in deme worte alle ding sint geschaffen, durch 
daz lebende wort sprach der vater ein ander wort. 5 

Daz 1) ist daz aller edelste wort, daz ie gesprochen wart : fiat. iz sprichet 
also vil alse: geschehe ein einekeyt. daz wort wart gesprochen in der ewekeit 
in der drier personen eynunge an gotlicher naturen. iz wart auch gesprochen 
(43") in"^) der ewekeyt und in der zit:^) in der eynegunge, do sele und lib mit 
gode ein wirt, und in der eynunge gotlicher und menslicher naturen an einre 10 
personen Jesu Cristi in*) deme tiszflusze uz deme gütlichen wesene. 

Was 5) ist godes uzfluz? sin uzfluz ist sin") uffinbarunge, daz er sich 
ime selber uffinbaret. und sin uffenbaren, daz ist sin sprechen, alse s. Dyonisius 
sprichet von der ordenunge der engele, daz got mit en rede, wan ') sin reden 
ist, daz er sich eime iegelichen engele uffinbaret, alse er zu ime geordent ist. 15 
sie sint geordent in got.«) also sprichet ein groz meister,») daz in der 
ewekeide gotes, da sint alle creaturen got in gode. 



1) Vgl. N 48 1> (Jostes Nr. 43 S. 42, 15-21); I, 5 (Preger, Gesch. der 
deutschen Mystik 2, 457, 4—11). — weist die Predigt dem Johannes Franko 
zu. Vgl. Preger 2,1741; Jostes S. XII; Strauch, Deutsche Litteraturzeitung 
1896 Nr. 8 Sp. 235. 

2) Die Stellung der beiden folgenden Teile ist in NO umgekehrt. 

3) Bei dieser Interpunktion bedarf es wohl keiner Korrektur aus NO. 
") 'Nu sul wir merchen den uzfluz uz dem gotlich wesen' leitet in NO 

einen neuen Absatz ein, während der Test bei Nikolaus Ankniii)fnng an das 
Voi'hergehende aufweist. 

Vgl. Jostes 42, 21—27. 30-31; Preger 457, 11—17. 

8) Fehlt N; 'ein' 0. 

'') Es ist davor zu ergänzen: 'got dir inhait wedü' zungin loch munt, 
da mide he rede' 0. Vgl. Jostes 42, 24 f. (bei Nikolaus Ausfall durch Homöo- 
teleuton). 

8) Hieratif Jostes 42, 28—30 (0 = Nikolaus). 

^) Der grofse Meister ist doch wohl der Verfasser der entlehnten Predigt. 
Sollte Nikolaus aber den Johannes Franko so genannt haben? Führt der 
Ausdruck nicht vielmehr dazu, in dem Verfasser der Predigt Eck hart 
zu suchen? 



60 

Darumme^) sprach Plato in Thymeo: mundus iste sensibilis f actus ad 
similitudinem miindi archytipi, qui fuit in mente divina ab eterno. got der 
hat dise sihtliche werlet und alle creaturen in sinre ewegen vorsiehtekeyt ie 
und ie gehalten und hat si geformet und gebildet und sihtlich gemacht nach 
5 deme glichnüsse, daz er hade in sime willen, und 2) mähte doch die werlet 
in dem punct der zit. und an der zit, da sie got von nihte geschüf, do 
emphieng ein iegelich creature, daz ir werden mohte, da in[ne]sint sie nit 
got, dan alse vil alse sie (43^) sich gode glichent an deme wesene, daz sie sint. 
Aller ^) creaturen wesen ist geschaffen in deme worte, daz got sprach: 

10 flat. und got ist selber mensche worden, da Maria sprach diz wort: fiat mihi 
secundum verbum tuum. wan do der engel Gabriel zu ir quam und ir künte 
Cristus gehurt, do sprach sie also: quomodo fiet istud, quoniam virum non 
cognosco. engel, wie kommet daz, uu herkante ich doch nie man. ich hau 
alle mine zit gode eine luter reine sele behalten, also daz ich nach mannes 

15 libe mensliche begirde nie gewan. do sprach der engel: Spiritus sanctus 
superveniet in te et virtus altissimi obumbrabit tibi, der heylegoigeyst her- 
luhtet dich unde die craft des almetegen godes die ummeschedet dich, daz 
ist nubecula parva, daz liebte wölken, daz do erschein in menschen bilde, got 
und mensche, darumme sprach Maria: fiat mihi, mir geschehe nach dime 

20 Worte.*) 

Dovone^) wart Maria so riebe an dugenden und ubirgriflich an gnaden, 
daz sie emphieng daz ewege wort, und daz wort wart ingefleischet, daz 
ewecliche von deme vatere ist gefloszen. daz^) wort, daz alle dise werlet 
herfüllet und daz selbe wort, daz got ist und mensche, daz weder hymmel 

25 noch ertriche (43°) mohte begrifen, daz hilt Maria in irre schoiz. 

Wan') wie groz ein man Avere: der en hilte vor einen deinen spigel, 
man sehe sin bilde darinne. also wart der ummeszege got, daz ewege wort, 
ingebildet in mensliche nature. unde verbum caro factum est. und wart also 
von den werken des heylegen geystes geformet sele unde Ij'b mit einander. 

30 und dise gotliche vereynuuge geschach in eime punt der zit zumale, in 
instanti temporis, daz da was voUenkommen mensche und got an eiui'e 
personen Cristi. 

Nikolaus "briclit liier ab und schlierst mit einem Stücke, 
welches ihm auch schwerlich eigen ist. 



^) Dem folgenden Absatz, den nur Nikolaus hat, stehen gegenüber 
Jostes 42, 31—34 und (kürzer als N) Preger 457, 17—19. 

2) Ygl. Jostes 42, 35—43, 2; Preger 457, 19-22. 

3) Vgl. Jostes 43, 3—6; Preger 457, 22—24, doch erzählt nur unser Text 
die Geschichte ausführlich, während sich N kurz fafst, mit einem Hie nota 
historiam begnügt. 

") Hierauf folgt in NO (Jostes 43, 7 f.; Preger 457, 25 f.) : 'daz si gnadia 
vol was, daz behagite ir wole, mer si wolde, daz got mit ir were'. 

s) Vgl. Jostes 43, 8—10; Preger 457, 26—28. 

6) Der folgende Satz fehlt NO. 

') Vgl. Jostes 43, 12—20; Preger 457, 28—34, doch mit Abweichungen 
im einzelnen. 



61 

Und danimme suUen -wir uns ime zufügen und suUen alle irdinsche 
ding laszen. -wand ez sprichit ein meyster:*) so die sele sich ledeget 
von allen creaturen und sich mit der mäht aller irre crefte fuget zu gode, 
so senket sich got wieder in sie unde wirt sie eine gottragende sele, die sich 
von gode nümmer gescheidet. 



13. Bl. ßl*"! De Innocentibus. Sine maciüa sunt. 

Der erste Teil beginnt Bl. 61^: 

Zu deme ersten male suUen Avir merken an disen worten gantze un- 
schult und luter reinekeit, in den gode wirdeclichen wirt gedienet, die dienere, 
die künegen dienent, die muszent reineclich sin, sol ir dinst irme herren wol 10 
gevallen. nu sint dise deine kint sunderliche dienere des hymmelschen küneges, 
unsers herren, der auch was jung und deine mit en was nach der menscheit 
und unmeszeg und eweg nach der gotheit. und darumme sie ime gevellec- 
lichen und wirdeclichen dienen, darumme sint sie ane flecken aller sünden 
vor ime und sint hetüdet hi den drien kinden Sydrac, Mysac et Ahdenago. 15 
Dan. I. die waren in der alten e von alleme jüdescheme volke uzer(62a)welet 
an Avisheide und an reinekeide, daz sie solten sten vor deme künege Nabu- 
chodonosor und solten ime dienen, also waren auch diese kint uszer deme 
judeschen volke uszherwelet und worden in irme eygenen blude gewihet und 
gereiniget, daz sie eweclichen suUent sten vor deme throne unsers hymmelschen 20 
küneges und suUent üne dienen ane arbeit in eweger vreuden mit clareme 
anegesiehte in die grundelose gotheit, in^) die büdenriche forme godes, die 
eweclichen^) aller dinge bilde in ir besloszen hat, an der do luhtet daz bilde 
aller dinge ungeformet.'') davone ein meyster sprichet, daz^) in ewekeit 
derselben formen da luhtet der einveltekeyt ein lieht in alle geiste under- 25 
scheydeliche den ohirsten geysten, den engelen und den seien nach irre stede, 
die do Stent in deme hymmele vor deme throne godes, und den seien in disme 
übe, nach deme da sie darzü bereit sint in der wandelunge dirre zit. 

Wie") aber daz büdenriche lieht, daz die sele emphangen hat von sime 
glichnüsse, die') sele ufdrage ubir die zit, des antwortet ein meyster in 30 
der heylegen schrieft und sprichet: wanne daz geschiehet, daz der geist, 
daz ist der engel oder die sele, me hat anehafteger wo(62i^)nunge mit 
vreuden sins ewegen büdes, daz got ist, ^) so luhtet daz bildenriche lieht deme 
geyste in sin eweg bilde, also Avirt der geyst erhaben über die wandelunge 



1) Auch hier scheint ein Eckhartwort vorzuliegen; doch bietet es keiner 
der verglichenen Eckharttexte in der oben behandelten Predigt. 

2) Vgl. Pfeiifer 668, 22—25 (Nr. 120); Jostes Nr. 43 S. 45, 27—33. 

3) ' einveltic(lich) ' N und Pfeiffer, 

"*) 'ungeformet in einvaltekeit' N und Pfeiffer. 
5) Auch hier weicht Nikolaus im einzelnen von N und Pfeiffer ab. 
«) Ygl. Pfeiffer 668, 25-34; Jostes 45, 33 — 46, 3. 
') 'die sele] sich' N und Pfeiffer. 

^) Hierauf ist nach N und Pfeiffer zu ergänzen ' dan er habe ein belxben 
an ime selber'. 



62 

der manegfeltegen dinge, die do sint in der zit, tmd ist wonhefteg me an 
deme nacli^) sime geystliclien gewerbe, dan er si an ime selber. 

Nu 2) mohte man vi'agen, obe man daz einveltege bilde aller dinge 
sulle versten naeb personen oder nach wesene. daruf sprichet ein nieyster: 
5 ez sint dri personen in der gotbeide, darnmme sal man daz bilde wesinlicbe 
versteu nacb einveltekeide und nnderscbeiden nacb redene. wände nach einre 
andern rede ist ez in deme vatere, nacb einre andern rede ist ez in deme 
sune und nacb einre andern rede ist ez in deme heylegen geiste. also mag 
man auch daz bilde der drivaltekeide versten nach redene in den personen 
10 unde einveldeg nach wesene, wände daz wesen ist also einvel[del]deg in den 
personen, alse ez ist in den eygenschefteu sinre eigenen weselichkeit. 

Hierauf folgt wieder wie im Anfang- ein langes ötück eigener 
ArlDeit unseres Mönches. 

Zu deme gothlichen wesene worden gefuret die unscbuldegen kint, der 

15 dag man hude heget, wände sie hatten also grosze minne, daz sie nit be- 
kanten, wer sie lieb (62 c) hede oder heszete. sie waren auch deste viender 
nit deme, der sie dodete ; darumme quamen sie in ein iuter bekennen in eime 
liethen underscheide aller dinge und in eine blosze ledekeit ir selbes und 
aller dinge, und sint verfloszen also in daz obirste gut, in deme sie sich 

20 senkent und doch den grünt nümmer begi'ifent. wände ez ist ein grundeloses 
stiUeswebende wesen gotlicher naturen und got selber. 

Do von Aristoteles sprichet: primum est simples in fine simplicitatis. 
got ist die obirste einfeltekeit , in der die manegfeltekeit aller vreuden ist 
besloszen. wollen wir nu auch uns in sine vreude besliszen unde sten vor 

25 dem throne, alse die heyligen kint, so müszen wir uns lutern und bekeren 
mit gantzeme rüwen, den wir sullen haben stedecliche, so werden wir sten 
vor gode, alse er durch den propheten Ysaiam sprichet: si converteris, con- 
vertani te et ante faciem meam stabis. bekerest du dich, so keren ich dich 
zu mir, daz du vor mime antlitze mit vreuden eweclichen stest. zu der be- 

30 kerunge höret gütliche gnade unde menslich wille. nu ist godes gnade alle 
zit gegenworteg^) (62 "J) und bereit, darumme sol der mensche mit willen sine 
helfe darzu dun. wände ez sprichet s. Augustinus : qui creavit te sine te, 
non iustificat te sine te. der dich geschaffen hat ane dine helfe, der machet 
dich nit gereht ane dinen ruwen dinre Sünden, darumme sullen wir allezit 

35 ruweg sin, daz wir it wider in sünde vallen, vonde Cristus selber sprach 
inme ewangelio: nemo mittens manum ad aratrum et respiciens retro 
aptus est regno celorum. wer mit rüwen kommet von Sünden zu gotdes 
dinste und hat der widersehen zu den Sünden, daz er wil oder begeret Avider 
in dotsünde zu vallene, der enist nit wirdeg des ewegen riches und enkommet 

40 auch nit dar, er lasze dan e davone. rehte alse die, die under deme volke 
von Israel in der wostenunge weiten und begereten wider zu varene, die 



^) 'nach sime geistlichen gewerbe' ist aus dem folgenden, bei Nikolaus 
übergangenen Satze 'daz sol man also verstau an sime geistlichen gewerbe, 
niht an sime wesen' (Pfeiffer 668, 33 f.; Jostes 46, 2 f.) genommen. 

2) Vgl. Pfeiffer 681, 19—29 (Nr. 158). 

3) Hs. 'gegenworteket'. 



63 

sturben alle in der wost(e)nunge und enqiiamen nit in daz heylege lant. also 
geschacli auch Lothes frauwen, die die engele fürten nz deme sündegen yolke 
von Sodoma, daz got zurstorete von deme wilden füre, und ir die engele vir- 
hoden, daz sie it hinder sich sehe, und da sie horte hinder ir daz geschrei 
also (63") groz, da sach sie hinder sich, da wart sie zu eime steine und müz 5 
ein stein bliben biz an den jüngesten dag. also geschiehet den ungehorsamen, 
die wider in die sünde vallent und in den Sünden blibent; die werdent ver- 
steinet und virherteget in den Sünden und sterbent geystlichen an der seien 
und enmogent (nit) vollen kommen zu dem hymmelriche. darumme sullen wir 
nit hinder uns gen in die sünde, sunder wir sullen vor uns gen von einre 10 
dugent in die andern biz an unser ende, so kommen wir zu deme hymmel- 
riche. also got sprach: qui perseveravit. wer rethe düt biz an daz ende, 
der wirt behalten. 

So ist die Entlehnung" diesmal am Anfang und Ende von 
einem grolsen Predigtstück eingeschlossen, welches wohl auf 
eigener Arbeit beruht, jedenfalls in Gedankengang und Ton von 
der Entlehnung absticht. Die Entlehnung folgt geschlossen 
liintereinander, sie entspricht den Nummern 120 und 158 im 4. Ab- 
schnitt der Pfeifferschen Eckhartausgabe und im ersten Teil der 
auch in einem früheren Sermon (oben S. 59 ff.) benutzten Predigt 
(Jostes Nr. 43). 

Es fragt sich, ob Nikolaus in den beiden Sermonen Nr. 12 
und Nr. 13 wirklich dieselbe Predigt benutzte. Er müXste dann 
das letzte Stück (Pfeiffer Nr. 158) anderswoher genommen und 
ohne weiteres daran gesetzt haben. Ich glaube nicht, dafs die 
in Jostes Nr. 43 enthaltene Abhandlung, aus der Pfeiffer Nr. 120 
ein Excerpt ist, ursprünglich in die Predigt hineingehörte. Es 
sind Eeste der verschiedensten Predigten dort vereinigt. >) Aber 
auch Nikolaus muls in seiner Vorlage eine solche Sammelpredigt 
gehabt haben, die er in den beiden Sermonen Nr. 12 und Nr. 13 
ausschrieb. In dieser Sammelpredigt hat sich auch das Stück 
Pfeiffer Nr. 158 befunden und ist direkt auf Nr. 120 gefolgt; ja, 
wenn Nikolaus dasselbe Verfahi^en wie sonst hier beibehalten hat, 
müssen sich in seiner Vorlage Pfeiffer Nr. 120 und 158 unmittel- 
bar an Jostes S. 43, 20 angeschlossen haben. 

14. Bl. 68*f. De circumcisione domini. Postquam con- 
sumati sunt. 

Im ersten Predigtteil werden die sieben Tage vor der Be- 
schneidung als sieben Tugenden ausgelegt. Bl. 68°: 



1) Vgl. Strauch, Deutsche Litteraturzeitung 1896 Nr. 8 Sp. 235. 



64 

Zu deme ersten male sullen wir merken an disen Worten eine gäbe 
eweger gezirde und eine lierlühtimge gotlicher gnaden, die wir versten bi der 
zal der dage. ez waren sieben dage nach Cristus geburte und an dem athen 
dage wart er besniden. dobi sullen wir merken sieben dugende, mit den wir 
5 bie besnieden sullen werden von unsern sünden, daz wir an dem athen dage, 
daz ist, so wir sterben, und an deme jüngesten dage besnieden werden von 
aller pine. die sieben dugende herluhtent unser sele unde sint bezeichent bi 
den sieben dagen, in den got zum ersten male alle dise werlet geschuf von 
nithe. der erste dag, der was der sunnen dag. da sprach got (Gen. I) : Fiat 

10 Inx (68 ö) et facta est lux et divisit lucem a tenebris, et factum est vespere 
et mane dies unus. ez werde ein lieht, von deme (worte) wart ein lieht, da 
schiet got daz lieht von deme vinsternüsse und hiez daz lieht den dag und 
die vinsternüsse die naht und mathe morgen und abent zu eime dage. astro- 
nomi, die hohen meystere, die nement den dag und die naht zuhauf unde 

15 heiszent daz einen naturlichen dag. der dag ist daz lieht, und die sunne 
herlühtet den dag. nu ist got geheiszen ein sunne der gerethekeit. wände 
der deme menschen ingüszet die erste dugent, daz ist daz lieht cristens glauben, 
so scheidet er von sime hertzen die vinsternüsse des ungelauben und herlühtet 
sine sele mit zwifeltegeme bekentnüsse, die wir versten bi deme abende und 

20 bi dem morgen des dages. daz erste bekentnüsse ist, daz wir bekennen uns 
sündere unde bekennen, daz wir unde alle creaturen gein gode sin alse eine 
naht und alse ein vinsternüsse gein deme lietben dage. daz andere bekent- 
nüsse ist, daz wir bekennen, daz got ist daz ewege lieht, der stuen schin sinre 
ewegen gude gnedeclichen allenthalben güszet. dai'ane bekennen wir an ime, 

25 daz er ist daz obirste gut, die obirste kraft und die obirste einfeltekeit. 

Im folgenden ist meder eine Eckhartpredigt benutzt, die 
N 26 '^ (Jostes Nr. 20); n, 29 (ZeitscMft für deutsches Altertum 
15, 413) und sonst (Zeitschrift für deutsches Altertum 8, 238 ff. 
35,222; Zeitschrift für die historische Theologie 1866, 468 ff.) 
überliefert ist, ia einer Baseler Hs. aber mit Unrecht dem Kraft 
von Boyberg zugeschrieben wird. Vgl. Pfeiffer, Zeitschrift für 
deutsches Altertum 8, 238; Preger, Zeitschrift für die historische 
Theologie 1866, 463; Schönbach, Zeitschrift für deutsches Alter- 
tum 35,216; Demfle, Archiv für Litteratur- und Kirchengeschichte 
2, 524 Anm. 

N: 

26 b Daruf sprichet s. Dyonisius: Heruf (69») sprichet s. Dyonisius: 

muzziget euch von allen dingen ze muszegent üch von allen dingen zu 

bekennen und ze versten daz oberst virstene und zu bekennene daz obii'ste 

gut, daz got ist. waz i) sol wir an gut, daz got ist. wir sullen bekennen 

got versten?*) daz^) er ist ein an gode, daz er ist ein einege craft. 



1) 'wan' N. 
^) 'verstet' N. 
ä) 'da' N. 



65 



N: 
einigen') craft, di in uns worcliet. 
er 3) ist aucli ein eweg gut, daz alle 
ding beweget*) zu irm gut, daz got 
selber ist, und er blibet doch selber 
unbeweget. 



Er ist auch ein lauter einvalticheit, 
und ie der 5) mensch einvaltigir ist, ye 
der mensch di einvalticheit baz verstet.^) 

Und (27 a) suln weren reht einvaltig, 
daz ist, daz wir gescheiden sin von 
allen dingen und von uns selben, zu 
bechennen unser sinne und alle werch[t] 
und 8) di creft der sei, wan alleyn di 
oberst craft, daz ist di verstantnüz, 
daz di allein wurche mit got. 

Noch^) dan stet einer iglichen sei 
daz ze lazsen und laz got allein 
wurchen an hindernüz: so wurchet 
got volchomenlich sein glicheit an ir 
und wurchet si an sich, so wurchet i") 
si mit im, so minnet si (mit) im. ditz ^^) 
ist daz wesen der volchomenheit. (Vgl. 
ZfdA. 8, 240, 1—18. 15, 414,43-415,2; 
Zfdhist. Theol. 470, 5—20). 

Der ScMuTssatz des Stückes ist 



Darumme^) suUen wir uns also eynegen 
zu ime, daz er alleine in uns gewirken 
möge und uns brenge in sine ewekeit. 
wände got ist, sprichet ein meyster 
Ai'istoteles in VlLi. Physicorum : pri- g 
mum est summe simplex et in fiue 
simplicitatis, bonitatis et eternitatis. 
got ist ein luter einfeltekeit und ist 
daz obü'ste gut und die ummerwerende 
ewekeit. got ist einvelteg, darumme -^q 
so der mensche ie einveltegii' wirt, so 
er die einveltekeit godes ie me virstet. 

Wie ') suUen wii- nu rethe einvelteg 
werden? daz ist, daz wir gescheiden 
sin von allen dingen unde von uns -£5 
selber, daz wir unser sinne begebin 
unde alle die crefte unser seien, ane 
alleine die obirste craf(t), daz vir- 
stentnüsse, daz lazen wir alleine 
wirken mit gode. 20 

Noch danne stet einre ledegen seien 
zu laszene daz unde lasze got alleine 
wirken ane hindernüsse : so wii'ket er 
voUenkommenliche , sprichet ein 
meyster, sin glicheit an ir und zuhet 25 
sie an sich, so hat sie virstentnüsse 
mit ime, so wonet sie in einre ewegen 
liebe mit ime. ^2) unde also ist die 
sele (69^) in cristeme glauben ein 
schinende lieht mit gode. 30 

von Nikolaus angeflocMen. 



1) Fehlt 0. 

2) Der folgende Satz ist in N ausgefallen, während die anderen Eckhart- 
texte ihn bieten. 

ä) Der Satz fehlt bei Nikolaus. 

*) 'webeget' N. 

5) 'der mensch' an beiden Stellen] 'du' 0; 'die sele' Basler Hs. XI, 10. 

8) 'forsteist' 0. 

') So auch Pfeiffers Text; Zfdhist. Theol. 470, 12 'wie süUen wir die ein- 
valtikeit recht verstau?'; = N. 

8) 'und di] der' die anderen Hss. 

^) Der Vordersatz bis 'hindernüz' fehlt 0. 
*") Es wird mit den anderen Hss. 'verstet' zu lesen sein. 
^0 Der Satz fehlt in und bei Nikolaus. 

12) Nikolaus bricht die Eckhartpredigt da ab, wo auch endet, während 
die anderen Hss., auch N, fortfahren. 

Hermaea II. 5 



66 

Der ander dag was der mandag. in dem mähte got den iiymmel, daz 
ist daz firmament, da die sterren ane stent, und daz scheidet die nidersten 
waszer von den obirsten. das ohirste waszer ist ein luter dar ummelaufende 
liymmel, der die niderste hymmele und die element beweget, unde secundum 
5 astronomos: primum mobüe nuncupatur. dabi yersten wir gantze zuvirsi(h)t,i) 
die der mensche sal haben gein gode unde gein deme ewegen lebene. so machet 
die wäre züvirsie(h)t*) deme menschen in sinre seien einen hymmel und einen 
thron, da got inne wonet, und scheidet von menslicheme hertzen allen zwifel 
und vinneszenheit und wirt herluhtet mit geistlicher vreuden. dovone sprichet 

10 der heylege lerere: secura mens est juge conTivium, daz ist: eia sicher 
conscientie in eime lutern gedanke ist eine stedege Wirtschaft, und daz 
kommet von der zuvirsiethe, die man hat von guden werken, wände alse daz 
wash von deme ingesiegele emphehet bilde und forme, also emphehet die sele 
von rether zuvirsiehtekeyde gnade und vreude von gode und wirt gebildet zu 

15 gode und kommet zu gode in daz (69°) ewege riebe. 

Der dritte dag was der dinstag. in deme samente got zühauf die groszen 
waszer, die al umme und umme daz ertriche gingen, und hiez die waszer 
maria, und wart daz ertriche drocken hie dirre siten, dar wir uife gen, unde 
gebar da uffe deme ertriche crudere, bäume und allerhand fruht. dabi virsten 

20 wir gotliche minne. wände die sament daz waszer des bittern rüwen zu den 
äugen, daz der mensche weinet sine sünde mit rüwen, dovon sin lip, der 
erde und essche ist, blosz stet ane süntliche(r) wollust dirre werlete: so grünet 
er danne an andaht und wesset an dugenden und gebieret also soliche gude. 
werg in gotlicher minne, die en brenget zu deme hymmelriche. 

25 Etliche*) vragent, obe wir got minnen mit der minne, do der vater 

und der sun sich mide minnent. des entwertet ein meyster unde sprichet: 
ez ist zweierhande minne ia uns, die eine ist ein dugent. an der minne 
mögen wir wassen und zunemen alle zit, die wile wir sint uf ertriche. 

Waz wir gudes gedun in der minne, daz ist eweges lones wert, aber 

30 des Vaters und sunes minne, die enwesset'») nit, wände s) ez ist der heylege 
geyst. ") die andere minne, die') an^) uns ist, die ist des vaters und des sunes. 
dovon s. Paulus sprichet (69^): Caritas .dei diffusa est in cordibus nostiis per 
spiritum sanctum, qui datus est nobis. godes minne ist gegoszen^) in unser 
hertze. von uns got sine minne gegeben hat, so hat er uns auch den heylegen 



^) Hs. 'zuvirschit'. 

") Hs. 'zuvirschiet'. 

3) Vgl. ZfdA. 8,240,18—241,3; Zfdhist. Theol. 470,21-31; auchN hat 
gleichen Eingang, fährt dann aber anders fort: 'Etlich fragen, ob wir got 
minnen mit der minne, daz wer: in der selben einicheit sold unser will alzo 
vereinet sein und daz sold uns büleich chun machen zu grozzen gaben ' u. s. w. 

^) 'enwesset] ist es' Basler Hs. XI, 10. 

8) Der Satz fehlt in der Basler Hs. XI, 10. 

^) Hierauf in der Eckhart -Überlieferung ein weiterer Satz (ZfdA. 8, 
240,25—27; Zfdhist. Theol. 470, 26 f.), der Nikolaus abgeht. 

') 'die an uns ist' fehlt in der Basler Hs. XI, 10. 

8) 'in' ZfdA. 8,240,28. 

9) 'geflossen' Basler Hs. XI, 10. 



67 

geyst gegeben, daz^) wir minnen en mit der minne, mit der er sich selber 
minnet. und'') also minnen wir got mit gotlicher minnen unde werden ir 
gewar und werden gotlicb. 

Bis hierher hat Nikolaus dieselbe Predigt, wie im ersten 
Teile, entlehnt und zwar hat er (Bl. 69° s. ohen S. 66, 25) an 5 
derselben Stelle angefangen, sie auszuschreiben, wo er vorher 
(Bl. 69 " s. oben S. 65, 28) abbrach. In war an Jener Stelle die 
Predigt überhaupt zu Ende; in N ging sie nur noch eiu kurzes 
Stück mit unserem Texte parallel; nur die von Pfeiffer und 
Preger benutzten Texte haben die gleiche Fortsetzung. Dals lo 
unter diesen die Basler Hs. XI, 10 mit Nikolaus keine nähere 
Berührung hat, dals dagegen die Hss. Einsiedeln 278 und Kloster- 
neubui'g 1141 unserem Text recht nahe stehen, geht aus einer 
Vergleichung ohne weiteres hervor. 

Der vierde dag was die mittewoche. iu der geschüf got die sunne und 15 
den man und die sterren. dabi virsten wir wisheit, damide got die sele her- 
lubtet. wände alse die sunne den dag berlühtet unde der mane unde die sterren 
die naht, also herluhtet die gotliche wisheit die sele, daz sie vernünfteclichen 
kan wirken und vollenbrengen gude werg und kan sich gehuden vor den hosen, 
und mit wisheyde flühet sie die sünde und die vinsternüsse der hellen und 20 
kommet zu deme ewegen lichte in den hymmel, da Cristus die sunne ist und 
Maria der mane, und die engele und die heylegen sint die sterren, die ir lühtent 
mit eweger vreuden. 

Der fünfte dag daz was dunrestag, in deme er machte vische unde 
TOgele. do bi virsten wir geystliche sterke, damide got die sele crefteget, 25 
daz sie ubirwindet und zu ime kommet, wände alse der visch mit cleineme 
gevidere in dem waszere (70!^) swimmet und nit herdrinket unde die vögele 
mit groszeme gevidere uf fliegent in den M t und nit envallent, also mag die 
sele mit der geystlichen craft, die ir got ingegoszen hat, vehten wider den 
bösen geyst unde wider alle sünde, daz sie von irre Sünden noth von deme 30 
betrüpnüsse dirre werlete geystlichen nit enstirbet des ewegen dodes. sunder 
sie mag dun alse der vogel, der ubir sich flüget. also mag sie mit heileger 
andaht, mit willen und mit emeste und mit groszer begirde uf fliegen zu 
gotde under sine arme unde in sine obirste gewalt, da ist sie in eime ewegen 
schirme gotdes. 35 

Der seste dag was der fritdag. in deme geschüf got die diere und daz vehe 
und die lüde, die diere sind grinunec, daz vehe ist deme menschen behülfeg, 
so ist der mensche vernünfteg. bi der gescheppede virsten wir gerethekeit, 
die auch ein lieht ist der seien, wände der mensche, der nu gereht sal sin, 
der sal haben dni ding, er sal zürn ersten male alse die diere grimmeg sin, 40 
sine eygene sünde zu rehtfertegene mit ruwen und mit bihte und mit beszerunge. 



^) 'secht, da minnen wir mit gotlicher minne' Basler Hs. XI, 10. 
") Der Satz fehlt in der Basler Hs. XI, 10. 

5* 



68 

er sal zu deme andern male beholfen sin sime ebencristen, und sal zum dritten 
male sin hertze vernünftecliclie gode reinegen, so "wirt er got anesihteg mit 
vreuden. wände ez sprichet s. Lucas :i) beati mundo corde. (70^) seleg sint, 
die de reynes herzen sint. wände die sullent got in sinre vreuden eweclichen 
5 schauwen. 

Der siebende dag was der samezdag. in deme sach got, daz aUe sine 
werg, die er bade geschaffen, beyde hymmel und erden, und aUez daz, daz 
in hymmelriche unde in ertricbe ist, daz was alles wonnenclicb, schone nnd 
gut. darumme ruwete er an deme dage von allen den werken, die er bade 

10 geworht. dovon ruwent und virent noch die Juden an deme samezdage. vonde 
aber Cristus wart gekündet uf den samezdag und wart geboren und herstunt 
von deme dode und sante sinen heylegen geyst und virwarf die alten e und 
mähte die nüweu e allez uf den samezdag, darumme ruwet unde viret die 
heylege cristenheit stedeclichen den samesdag. bi der rüwen virsten wir die 

15 siebende dogent, die do heiszet meszekeit. wände in der dogent ruwet die 
sele, sprichet ein meyster, und mit der dogent ruwet die sele in gode und 
got in der seien, darumme wer dise sieben dugende an sich niimmet, der 
wii't gereyneget und besnieden hie von Sünden, daz er an deme ahten dage, 
daz ist nach disme lebene in der ewegen zit, — da wirt er besnieden von aller 

20 piue, also daz er von alleme lidene (70<=) kommet zu hymmelriche. 

Damit sclilielst der Predigtteil; er zerfiel in sieben Stücke; 
zwei von ilmen enthalten Entlehnungen aus einer Eckhartpredigt. 
An diesen Entlehnungen ist nichts verändert, es fehlt auch 
z-\^äschen ihnen nichts von der alten Predigt. 
25 Es scheint nun, als hätte unser Otterherger Mönch dieselbe 

Eckhartpredigt in einem anderen Sermone noch einmal benutzt. 

15. Bl. 78°. De epiphania domini. Apertis thesauiis suis. 
Der erste Teil beginnt Bl. 79*: 

Zu deme ersten male suUen wir merken ein war zeichen eins schinenden 
30 glastes von der ufduunge^) des wirdegen Schatzes, dabi unser sele gewytzeget 
ist, daz sie auch gotde iren schätz ufsliezze. 

Waz ist der seien schätz ? die obirste craft, die sie geleysten mag, daz 
ist ir verstentnüsse, und daz ist auch ir schätz, und daz virstentnüsse daz 
(79 iJ) ist drivalteg nach deme drivaltegen schätze, den die künege brathen. 
35 Daz 3) eine virstentnüsse ist, daz die sele virstet die ding, die ubir") 

sint. daz andere, daz sie sich selber virstet, von deme virstentnüsse kommet 
sie in daz dritte, daz ist in die einege ewekeit,^) da^) flüszet die sele ingot- 
liche minne und wirt got ir oberster schätz. 



1) [Vielmehr Matth. 5, 8. St.] 

*) Hs. 'vfdilnunge'. 

») Vgl. ZfdA. 8,242,29—32; Zfdhist. Theol. 1866, 474,10-12. 

") Lies mit der sonstigen Eckhartüberlieferung 'ob ir?'. 

B) 'einekeit' die anderen Hss. 

^) 'da — schätz' allein bei Nikolaus. 



69 

In^) deme gotlichen schätze verluset sich die sele. wand got hat sie 
geholet von ir selher an sich, darumme sie dan ir selhes nit enist, snnder 
sie ist got in gode und swebet in dem richtüme godes imde also ist sie vir- 
eineget mit gode. 

Darumme 2) sprichet s. Dyonisius: muzzeget uch, daz ir müszeg werdent 5 
alles gemerkes unde betrahtunge; wände ein eineg aneblig der bloszeu^) got- 
heide, die got ist, der'') eyneget me die sele, danne sie geeineget mohte werden 
von allen uszirlichen werken der heylegen cristenheit. 

Darumme^) sprichet s. Paulus: laiiffent, daz ir begrifent die eynekeit 
des geystes. eynekeit des geystes ist, daz man alle ding begriffe in gotde, 10 
alse sie in gotde sint, daz man sinen ebencristen minne in also luterme liebte, 
alse iz in gode ist. daz (79 <=) ist wäre minne. unde daz man die creaturen also 
bekenne, alse sie sint in gotde, unde in der einfeltekeide ire naturen \iud in 
deme undirscheide ires uzfluszes unde in iiTQe einfeltegen wesene. unde also 
kommet man von deme bekentnüsse der creaturen wider (zu) der bekentnüsse 15 
godes. also s. Paulus sprichet: invisibilia dei a creatura mundi, per ea que 
facta sunt, iutellecta, conspiciuntur. von den sihtlichen^) dingen dirre werlete 
kommet man in daz bekentnüsse der obirsten unsihteclichen ') dinge, in daz 
war bekentnüsse, daz man got bekenne in einre naturen drier personen und 
in aller creaturen edelkeit in eime irhaben liebte in gotde, und in sime ein- 20 
feltegen wesene und in der clarheit sinre gotlichen natui'en. und daz ist auch 
godes hohester schätz. 

Zu diesem letzten Stücke bieten die verglichenen Predigten 
keine Parallele. Der erste Teil des Sermons ist damit beendet. 
Man möchte zunächst meinen, Nikolaus habe hier die in Nr. 14 
entlehnte Predigt noch einmal benutzt. Er hätte dann gegen seine 
sonstige Gewohnheit diesmal die Entlehnung nicht da fortgesetzt, 
■\Y0 er sie in Nr. 14 abbrach, er hätte ferner an dem entlehnten 
Texte selbst starke Änderungen vorgenommen, immer voraus- 
gesetzt, dals seine Quelle mit den Handschriften Einsiedeln 278 
oder Klosterneuburg 1141 so verwandt war, wie es in dem voran- 
gehenden Sermone zutage trat, Dals Nikolaus aber an dem ent- 
lehnten Texte starke Änderungen vorgenommen haben sollte, 
widerspricht seiner Gewohnheit so sehr, dals ich lieber annehmen 
möchte, er habe hier garnicht denselben Text vor sich gehabt 



1) Der folgende Absatz zeigt nur ganz lose Berührung mit ZfdA. 8, 242,32 
bis 243,4; Zfdhist. Theol. 474,12—17. 

2) Vgl. ZfdA. 8,243,4—8; Zfdhist. Theol. 474,17-22. 
^) 'bloszen gotheidej blosheit' die anderen Hss. 

•*) ' der einigt die sele me zuo gotte ' Basler Hs. XI, 10. 
^) Nur dem Sinne nach kann der folgende Absatz mit den anderen 
Texten verglichen werden: ZfdA. 8, 243, 9 ff.; Zfdhist. Theol. 474, 23 ff. 
6) Hs. 'sithlichen'. 
') Hs. 'unsitheclichen'. 



70 

wie bei Nr. 14, Er hätte dann also nui' scheinbar dieselbe Predigt 
wie dort benutzt; in Wirklichkeit aber waren es in seiner Quelle 
zwei verschiedene Predigten, welche erst in den Texten bei 
Pfeifer und Preger vereinigt erscheinen. Treffen diese Er- 
wägungen das Eichtige, dann haben der in unserer Nr. 15 be- 
nutzten Predigt nicht nur die mit den Texten von Pfeiffer und 
Preger verglichenen Sätze angehört: das ganze Stück von der 
Frage 'Was ist der Seele Schatz?' (79 '^) an bis zum Ende des 
ersten Teiles bildet vielmehr ein so einheitliches und in Gedanken- 
gang und Ausdruck auffallendes Stück, dals es nicht von unserem 
Otterberger Mönch herrühren wii'd, sondern aus einer Eckhart- 
predigt geschlossen entlehnt sein dürfte. 

Ergebnis. 

Über den Zusammenhang der Entlehnungen in Nr. 12 und 
Nr. 13, desgleichen in Nr. 14 und Nr. 15 lassen sich nur Ver- 
mutungen aufstellen ; im ersten Falle hatte Nikolaus wohl eine 
Sammelpredigt, die Nichtzusammengehöriges vereinigte, im 
anderen Falle zwei verschiedene Predigten vor sich. 

Aus den übrigen Entlehnungen ergibt sich aber folgende 
Beobachtung: wo unser Otterberger Mönch eine Predigt mehr- 
mals entlehnen will, zerschneidet er sie und bringt die Stücke 
kurz hintereinander und zwar so, dals durch Zusammensetzen 
der Stücke wieder die ganze entlehnte Predigt unversehrt vor 
uns liegt. Vgl. oben Nr. 9 Teil 1 und 2 (s. oben S. 52); Nr. 14 
Teil 1, Unterteil 1 und 3 (s. oben S. 67); Nr. 10 Teil 1 und Nr. 11 
Teil 1 (s. oben S. 58). Dazu tritt die an späterer Stelle zu be- 
handelnde Eckhartpredigt 1, 1, welche verteilt ist auf Nr. 19 
Teü 2 (s. unten S. 85) und Nr. 21 Teü 1 und 2 (s. unten S. 94. 96). 

2. Die Entlelmimg ist aus mehreren Stücken 

zusammengesetzt oder von Stücken durclilirochen, welche 

ihr ursprünglich nicht anzugehören scheinen. 

Schon der Sermon Nr. 13 (s. oben S. 61) brachte eine Ent- 
lehnung, welche aus einander fremden Stücken, nämlich den 
Fragen Nr. 120 und Nr. 158 im 4. Abschnitt der Pfeifferschen 
Eckhartausgabe, zusammengesetzt sein konnte; allerdings liefs 
die Sammelpredigt Jostes Nr. 43 auch eine andere, bessere Er- 
klärung zu (s. oben S. 63). 



71 

Es ist das aber nicht der einzige Fall, dafs wir bei Nikolaus 
Predigtstücke vereinigt finden, die anderen Überlieferungen zu- 
folge verschiedenen Predigten anzugehören scheinen. 

A) Zuweilen ist der entlehnte Text von scheinbar fremden 
Sätzen und Stücken durchbrochen. 

16. Bl. 37^f. De sancto Thoma. Vere filius dei erat iste. 
Der erste Teil beginnt Bl. 38^: 

Zu deme ersten male was s. Thomas uzluhteg an differ lere nach dem 
iinuber(38'^)wondelichen uzschine der ewegen vollenkommenheyt , die er hade 
an ime von deme geyste der wysheyde. er hat got nmme wysheyt, alse der 
wyse Salomon; und darumme gab ime got wysheyt, daz er mothe sprechen 
illud Sapientie*): optavi et datus est mihi sensus. ich 2) hau gewonsche[n]t 5 
und hegeret und mir ist gegeben der sin. ich han anegerüffet got und ist 
in mich kommen der geyst der wysheyde, gein deme alle künecriche, gewalt, 
herschaft und richdüm zümale ein dein ding ist. dovone der mensche alle 
irdinsche ding versmahet und minnet und bekennet ewege ding, die der ir- 
dinsche mensche nit bekennen mag. ein meyster und s. Gregor sprechent: 10 
were ein mensche von gode gezogen under die erden und ^) enhede nie gesehen 
sunne noch mane noch ertriche, und der ime danne segete von der sunnen 
clarheyde und von des ertriehes gezirde, er enmohte ez nit gleuben. also ist 
ez umme den menschen: die wile daz er gemenget ist mit irdinschen dingen 
und daz lieht der wysheyde in ime nit irschienen ist, waz mau ime danne 15 
dovon gesagen mag, daz engleubet er nit. hie") von sprichet ein heydens 
meyster in eyme buche, daz heyszet ein stücke der ewegen wysheyde; in 
deme (38°) buche leret er sinen jüngeren und sprichet: wilt du geystliche 
ding bekennen, so salt du dich ziehen an daz hoheste an dinre seien und an 
daz geystliche^) und salt dich enziehen von der unreinekeyt vergenglicher 20 
dinge und salt dich enbloszen und enbrechen von dem gevengnüsze dinre selbes 
naturen und salt kommen an eine vergeszenheyt dines lyplichen nutzes, so 
werdent dir zurgenglich (ding) unehteg, so sehest du danne wol, daz alle 
zurgengliche ding ein nit sint wider der wysheyde godes. 

Bis hierher geht die Übereinstimmung der Predigt Nr. 76 
bei Jostes und unseres Sermons. Nun aber folgt bei Nikolaus 
ein Stück, das nicht zu jener, sondern bei Jostes zu einer anderen 
Eckhartpredigt gehört. 



Vgl. NGl": Jostes Nr. 76 Optavi et datus est mihi sensus. Auch 
sonst knüpft Nikolaus häufig direkt an das Textwort der entlehnten Predigt 
an (s. oben S. 48). 

2) Jostes 79,25 — 80,9, im einzelnen erscheint der Text bei Nikolaus 
zusammengezogen. 

*) Hier ist der Text des Nikolaus dem von N vorzuziehen. 

*) Vgl. Jostes 80, 9—18. 

^) 'geistlichest' N, 



72 

Darumme') geruwet äer geystliche mensclie nümmer, die ewege wys- 
heyt die enwerde danne geystlichen in ime geboren und komme zu deme 
ersten Ursprünge, von deme alle ding uzgefloszen sint. daz ist der yater; den 
s. PMlippus auch weite sehen und sprach: domine, ostende nobis patrem et sixf- 
5 fielt nohis. herre, zeuge uns den vater, so gnüget uns. wände gUcher wis, 
alse der sun quillet uszer deme Teterlichen hertzen, also quillet er in eins 
geystlichen menschen seien unde wirt in ire gestlichen geboren und gebieret 
in ire geystliche ding, wände übliche ding, die sint uzwirkende, alse^) die 
fruht des baumes. die ist zu deme ersten in deme bäume; darnach flüget sie 

10 uz und hanget an deme (38 'i) bäume; zu deme dritten male vellet sie abe 
von deme bäume, also ') ist ez auch an andern liplichen dingen, die sint alle 
uzwirkende. aber geystliche ding die sint inwirkende in die sele daz gotliche 
lyeht. so") die gebort eins geschiet in eins menschen sele, der wirt nahe in 
got gefuget, geschiet sie zum andern male, so wirt der mensche noch naher 

15 in got gefuget; ie dicker dise geystliche gebort geschiehet in der seien, ie 
dycker und ie inneger der mensche in daz veterliche hertze gefüget wirt. 
diese geburt muz geschehen über hie und nu. ultra hie et nunc, 'hie' daz 
ist stat, ' nu ' daz ist zit. sie müz geschehen in ewekeit von der Intern reynen 
begerunge der seien nach gode. 

20 Damit endet die Predigt: Jostes Nr. 36, Pfeiffer Nr. 26; 

nicht aber Nikolaus, der wieder auf die anfangs entlehnte Predigt 
(Jostes Nr. 76) zurückgreift. 

Wände ^) darnach daz die begerunge heyleg und gotlich ist, darnach 
wirt sie godeliche emphangen und glich deme gotlichen liebte, und emphehet 

25 Tollenkommene uffenbarunge unsers heiren godes unde geystlicher dinge, die 
der mensche begeren sal. ein "5) meyster sa(g)te sime jungereu von der edel- 
keit der seien und geystelichen werken, die got wirket in der seien, die man 
nit gentzlichen kennen mag, die wile die sele gebunden ist in den kerker des 
libes. do der jüngere daz gehörete, do gieng ez ime so sere zu hertzen (Sd'^), 

30 daz er sich liez von einre mnren und viel sich zu dode umme daz, daz er 
queme zu den dingen, die er gehört hatte, und er det dorlichen, sprichet der 
selbe meyster, wände wir eusin unsir selbes nit. darumme ensuUen wir uns 
selber nit losen, e uns got lose, des gevangen wir sin. 

Darumme reynegete s. Thomas sine sele also luter, daz sie herlühtet 

85 wart mit deme gotlichen liebte, in deme er bekante gotliche diag und daz 



1) Vgl. Jostes Nr. 36 S. 31,38—32,6; Pfeiffer Nr. 26 S. 101,10—15. 
[Auch ia der v. Arnswalt-Berliner Hs. 3141 Bl. 50 1^. 51 » s. Langenberg a.a.O. 
S. 187 St.] 

2) Das Gleichnis fehlt bei Pfeiffer ganz; N hat es nur angedeutet. 
Nikolaus bietet den besten Text. 

ä) Vgl. Jostes 32,7. 8; Nikolaus ausführlicher. 

*) Vgl. Jostes 32, 9—13; Pfeiffer 101, 16—20; auch hier ist Nikolaus 
ausführlicher. 

5) Vgl. Jostes Nr. 76 S. 81,8f. 
«) Vgl. Jostes 81, 10—17. 



73 

ewege leben, und fibete sich an heylegen werken und an voUenkommen- 
heyde. darane er glich wart den engelen und emphieng von gnaden, daz die 
engele beseszen hant von naturen in deme hymmele. 

Damit sclilielst der Predigtteil. Der letzte Absatz rührt 
von Nikolaus lier, ebenso das kurze Stück des Anfangs, welches 
zu dem Textwort: Optavi et datus est mihi sensus hinüberführt. 
Die entlehnte Predigt Jostes Nr. 76 ist durch ein ihr fremdes 
Stück unterbrochen. Man könnte zunächst meinen, Nikolaus habe 
ein Stück eigener Arbeit eüigeschoben. Das widerspräche aber 
seinem sonstigen Verfahren. Die Stelle hat sich denn auch als 
eckhartisch erwiesen; nur gehört sie einer anderen Eckhart- 
predigt (Jostes Nr. 36) an. Soweit Nikolaus mit Jostes Nr. 36 
= Pfeiffer Nr. 26 parallel läuft, ist sein Text besser und voll- 
ständiger als jene, welche wie Auszüge erscheinen; soweit Nikolaus 
mit Jostes Nr. 76 parallel läuft, ist sein Text jenem mindestens 
gleichwertig, eher besser. 

Sollte nun Nikolaus wirklich so verfahren sein, dafs er in 
einem und demselben Predigtteil zuerst ein Stück von Jostes 
Nr. 76, dann ein anderes von Jostes Nr. 36 und zuletzt abermals 
eines aus Jostes Nr. 76 brachte? 

Man erinnere sich, wie geschlossen hintereinander er sonst 
seine Entlehnungen bringt. Ich meine, dieser Sermon beweist 
oder macht wenigstens wahrscheinlich, dals die Vorlage unseres 
Otterberger Mönches eine Eckhartpredigt enthielt, in der das 
in diesem Sermone entlehnte Stück von Jostes Nr. 36 mit Nr. 76 
so verbunden war, wie sie Nikolaus vereinigt medergibt. 

17. Bl. S"^! De adventu. Ego veni, ut indicarem tibi, 
quia vir desideriorum es. 

Der erste Teil begiant Bl. 10'*: 

Zu dem ersten male suUen wir merken, daz got unser verstentnüsse 
herluhtet in der warheide mit sinre gotlich(en) zükunft. darumme sprichet er: 
ego veni. ich bin kommen, alse ob er spreche: ich bin kommen in menslich 
naturen, daz alles menslich künne werde behalten. 

'Ich bin kummen', daz ruwete in eime reinen juncfrauwenlicheme libe, 5 
daz der mensche komme zu der reinekeyde sinre seien unde komme in die 
ewege ruwe. darumme sprach Maria : qui me creavit, requievit in tabernaculo 
meo. der (10'') mich geschaffen hat, der hat geruwet in mime gezelte, daz 
ist in mime kuschen libe. also mag auch sprechen der mensche: der mich 
geschaffen hat, der ruwet in minre seien. 10 



74 



N 

(Jostes, Meister Eckliart Nr. 4): 

7 a Und sprach di ewig wisheit von 

ir selber: der rnich geschaifen hat, der 

rut in meinen gezelt. so spricht diu 

ewig Weisheit, der mich geschaifen 

5 hat, und ist doch ungeschaffen. 



10 



Wan^) got ist diu ungeborn Weis- 
heit, daz sol man vememen von der 

15 ewigen geburtht. wan der sun ist 
auzgegangen in einer geburt weis, 
wan'') ein geburt spricht alz vi! alz 
ein geschephe. alze ist diu weizhait 
gebom (7^) von dem gewalt dez vaters, 

20 uud^) der heiligeist den gute, ir 
zwaier minne, ist auzgegangen von 
in baiden, und sint doch ein an der 
nature und underscheiden an deu per- 
sonen. welches ist daz gezelt, von 

25 dem di weizheit spricht? daz ist di 
menshait unsers herren Jesu Cristi, 
da der vater in gerut hat mit dem 
sun. wan si sind glich an der natur, 
wan si sind got an der person und 

30 gotheit an der natur. ^) 



Darum ') sol si bloz bestan und un- 



Daz^) wort sprach auch die ewege 
wisheit: der mich geschaffen hat, der 
ruwet in mime gezelte. er sprichet, 
der mich geschaffen hat, unde ist doch 
ungeschaffen, wände ^) ez sprichet 
Athanasius in symbolo : increatus pater, 
increatus filius, increatus Spiritus sanc- 
tus. der vater ist ungeschaffen, der 
son ist ungeschaffen, so ist der heylege 
geyst ungeschaffen; wand sie sint ein 
war schepper aller creaturen, unde 
enist der von niemanne geschaffen. 

Darumme ist got ungeschaffen, wand 
er ist die ungeborne wisheit. daz sal 
man vememen von der ewegen ge- 
burte. wände der sun ist uzgegangen 
in eiure geburt wise von der gewalt 
des Vaters und ist die wisheit des 
vaters. unde der heylege geyst ist 
die gude unde ist ir bedir minne; 
unde sint ein an dem wesene und 
underscheyden andenpersonen. Augus- 
tinus: waz ist aber daz gezelt, da- 
von die wisheit sprach? daz ist die 
meuscheit Jesu Cristi, da der vater 
inne geriiwet mit deme sone. Avande 
sie sint, sprichet ein meyster, 
glich au der naturen unde sint got 
an den personen und gotheit an deme 
wesene und ein war got an sinre 
(10°) heylegen di'ivaltekeit, bloz, un- 
dorfteg aller dinge, wände alle crea- 
turen bedorfen sin unde er enbedarf 
niemannes. 

Darumme, sprichet der selbe 



1) Vgl. Pfeiffer Nr. 76, 1 S. 241, 3—5. Die Predigt begegnet auch sonst 
noch handschriftlich (s. Strauch, Deutsche Litteraturzeitung 1896 Nr. 8 Sp. 235; 
Zs. für deutsche Philologie 36, 75. [S. auch Lasson, Meister Eckhart S. VI St.] 

2) Das Citat fehlt N und Pfeiffer. 

3) Vgl. Pfeiffer 241, 5—15. 

*) Der Satz fehlt bei Nikolaus. 

*) 'unde der sxin diu wisheit unde der' Pfeiffer. 

«) Hierauf Pfeiffer 241, 15—36 = N: fehlt bei Nikolaus. 

') Pfeiffer 241, 37. 



75 



N: 
dürftig aller ding, so^) mag si zu got 
chumeii mit glichait, wan nicht so ser 
einget so glichait, wan got ist bloz 
und (iin)düi'ftig aller ding. 



Dicz^) ist an materie zu got ge- 
gangen, so alrest kumt di sei in di 
einung der heiligen drivaldichait. noch 
mag si seliger werden, oh"*) si volget 
der blozzen gotheit. und di di'ivaldi- 
chait ist ein Offenbarung ir selbes, in 
der blozen gotheit, da inist chein werk, 
darum wii't di sei allein Tolchomen- 
liche, daz si (sich) wirfet in di wüsten'') 
gotheit, da weder werk noch bild 
inist, daz**) si an ir selbe zu nicht 
werde, daz si sich aller ding als wenik 
(8'^) annem, alz si tet, do si nicht 
euwas. si ist an ir selber tot und 
lebt in got, und swaz da tod ist, 
daz wirt zu nicht in dem grab, alzo 
wii't di sei zu nicht, di in der wüsten 
gotheit begraben wirt. von disen 
leuten spricht s. Paulus: ir seit tot 



meyster, sol die sele bloz sten unde 
auch undorfteg aller dinge, so mag 
sie komme(n) zu gotde mit glicheyde. 
unde philosophus : simile applaudit suo 
simili. ein meyster sprichet: daz glich 5 
eyneget sich aller meyst mit sime 
glichen. 

Nu 2) ist got gereht. darumme so 
der mensche ie gerehter ist in sinre 
gerethekeyde, so er sich gotde ie me 10 
züglichet. got ist auch milte, barm- 
herzeg und gut. darumme so der 
mensche ie milter unde barmherzeger 
und güder ist, so er gode ie glicher ist. 

Mit der glichkeide get die sele ane 15 
materie zu gotde in die eynunge der 
heylegen di'ivaltekeit, die ein uffen- 
barunge ist ir selbir in der bloszen 
gotheyde, do noch weg noch wise 
enist.^) dovone sprichet ein 20 
meyster, daz sie voll enkommenliche^) 
selig wirt, daz sie sich wirfet in die 
durchglestende wüstenunge der got- 
heide, in der sie sich Verliese und 
versenke, daz sie an ir selber zu nihte 25 
werde und daz sie sich aller dinge 
alse weneg ane neme, alse sie det, do 
sie nit enwas. so ist sie au ir selber 
doht und lebet in gode. unde was 
do dot ist, daz wirt in deme grabe 30 
zu nihte. also (10 f^) wirt die sele zu 
nihte an ir selber und luhtet creftec- 
liche. in gotde, die also in der gotheide 



1) Der Nachsatz fehlt bei Pfeiffer. 

'^) Der Satz fehlt in N und bei Pfeiffer; er gehört gleichwohl in den 
Zusammenhang. 

3) Der Satz fehlt bei Pfeiffer. Nikolaus = N. 

'*) Der Konditionalsatz fehlt bei Nikolaus. 

^) Die ganze Stelle zeigt im Vergleich mit N, dafs die Abweichungen 
des Nikolaus von dem Texte Pfeiffers keineswegs auf Änderiuigen durch 
Nikolaus beruhen, denn N hat zum Teil dieselben, der Fassung bei Pfeiffer 
fremden Sätze. 

^) Hs. 'voUenkommenheit'. 

') 'vesten' N. 

8) 'daz si sich da Verliese und versenke in die wüestenunge, da si' 
Pfeiffer. 



76 



N: 
und u"vver leben ist verborgen mit 
Cristo in got. (Vgl. Pfeiffer 241, 38 
bis 242, 8.) 



10 



eglicli 



leute. 



, die wein,i) 
der beiligeu drivaldicbait 



15 Ez sint 
daz si in 
gewandelt habent, die nocb nie nz in 
selber komen. wan si wollen sieb 
selber ungern lazeu, si wollent alz 

20 zuvil haben aige(n)s nutzes und suzzi- 
cbeit des bertzen, daz si allez in zu 
zihen mit gedanken und mit begir. 
diz leute sint nicht nochvolger unser(s) 
herreu Jesu Cristi, der da nie gesucht 

25 suzzichait, wan alle piu und pittir- 
cheit in aller siuer arbeit, wan er 
sprach selber : mein sei ist betrübt in 
den tod. da meint er nicht ^) sein 
edel sei, er meint sein leiplich leben; 

30 daz was betrübt biz in den tod, piz 
allez daz voli)ra(h)t ward, daz zu 
unsern seiden gehört, piz daz getötet 
ward unser tod. 



35 



Biz 5) in den tot. ez muz auch 
unser sei betrübt sein, piz an uns 



begraben wirt. von den luden sprichet 
S.Paulus: mortui enim estis, et vita 
vestra abscondita est cum Cristo in 
deo. ir sint dot üch selber und der 
werlete und uwer leben ist verborgen 
mit Cristo in gotde. 

Wer dar zu mohte kommen, daz 
man daz von ime mohte sagen, der 
were ein voUenkommen mensche, nu 
sprichet ein lerere, daz ein iege- 
lich mensche mit gotdes helfe wole 
zu eime voUenkommen lebene mag 
kommen, darumme sal der mensche 
in gotdis willen bliben und gotdes 
gebot irfuUen und gotdes lebene nach 
volgen, so er meyste mag. wände ez 
sprichet s. Gregorius: qui dicit, se in 
Cristo mauere, debet, sicut ipse ambula- 
vit, et ipse ambulare. der do wil, daz er 
in Cristo wone und in ime blibe, der sal 
wandeln ia sime lebene, alse Cristus ge- 
wandelt hat. 2) so hat Cristus gewandelt, 
alse daz er nie gesuhte fi'eude noch 
suszekeyt, dan alle piue und bittir- 
keyt in allen sinen arbeyden. wan er 
sprach selber: tristis est anima mea 
usque ad mortem, min sele ist be- 
trabet biz uf den dot. do meinete er 
niht sine edele sele, er meinete sin 
liblich leben, daz was betrübet biz 
in den dot, biz alles daz vollenbraht 
wart, (IIa) (Jaz zu unserre selekeyde 
gehorte, biz gedodet wart unser dot. 
also*) sal auch unser sele nit suchen 
liblich vreude und werltliche susze- 
keit, sunder sie sal auch mit Cristo 
betrübet sin biz in den dot, unde biz 



^) wein = Avsenent. 

*) Bis hierher könnte der Abschnitt von Nikolaus eingeschoben sein, 
denn N und Pfeiffer bieten nichts davon. 

3) Besser als Pfeiffer 242, 16 'da meinde er sine vil edelen sele, er meinde 
ouch sin liplich leben'. 

'') Das Folgende bis 'sunder' steht nur bei Nikolaus. 

*) 'Biz in den tot. ez muz auch auch] biz in den tot muoz' Pfeiffer. 
N setzt den Text von Nikolaus voraus, und sowohl N als auch Pfeiffer sind 
nach dem vollständigeren Texte von Nikolaus zu bessern. 



77 

N: 

getötet wii't allez, daz da lett an ir gedodet wirt, waz an h' lebet 
aigens willen und eigens miczes^) und eygens willen, eygens nutzes, eygenre 
allez woUebens. und alz di sei ge- woUüste und Sünden, so die sele dan 
tötet wirt an dem leben ir begerung also gedodet wirt an deme lebene irre 
und irs aige(n)s nuczs und begraben begirde und irre sünden und begraben 
wirt in got, so ist si allen creaturen wirt in gode, so ist sie allen creaturen 
Yorporgen. da ist si unbechant, so verborgen, so enmac sie nümmerme 
mag si nimmer mer betrübt werden, betrübet werden, wände'') got ist 
(Vgl. Pfeiffer 242, 9 — 24.) danne kommen zu ire unde sie zu ime 

und ubirwindet mit ime alle ir not 
unde ist sieber des ewegen riches. 

N und der Text bei Pfeiffer handeln Yon Leuten, welche 
Jesu nicht wii'klich nachwandeln, obschon sie ihm nachzuwandeln 
glauben; der Gedanke steht nicht recht im Zusammenhang mit 
dem vorhergehenden Stücke, welches das Leben der Seele in 
Gott preist. Diesen Zusammenhang aber bietet das scheinbar 
von Nikolaus eingeschobene Stück (s. oben S. 76, 7 ff. und Anm. 2). 
Das daran sich anschlielsende Wort Gregors ist die notwendige 
Voraussetzung zu der Betrachtung über die falsche Nachfolge. 

Demnach gehört das ganze, allein bei Nikolaus stehende 
Stück der Eckhartpredigt wirldich an und geht den Sätzen 
Pfeiffer 242, 9—15 = N (oben S. 76, 15—26), welche bei Nikolaus 
fehlen, voraus. Damit bricht unser Otterberger Mönch die Ent- 
lehnung ab und auch sein Predigtteil ist zu Ende. Der Eckhart- 
predigt hat Nikolaus einige eigene Sätze vorausgeschickt, welche 
zu dem Wort der Maria: Qui me ereavit führen, von welchem 
das entlehnte Stück der Eckhartpredigt ausgeht. Ln ganzen 
stimmt die Entlehnung mit den verglichenen Texten überein, 
aber an zwei Stellen (s. oben S. 75 Anm. 5 und S. 76 Anm, 2) 
scheint die benutzte Predigt durch eigene Sätze des Nikolaus 
unterbrochen zu sein. Im ersten Falle ergibt sich durch die 
Übereinstimmung des verdächtigen Stückes mit eiazelnen Sätzen 
von N, im anderen durch den Gedankenzusammenhang mit der 
Eckhartpredigt, dals auch diese beiden Stellen nicht von dem 
Otterberger Mönch herrühren. Sie müssen in seiner Vorlage 
der entlehnten Eckhartpredigt angehört haben. 



*) 'nuscez' N. 

=*) Der Satz, der nur bei Nikolaus steht, gehört wohl noch der Eckhart- 
predigt an. 



78 

18. Bl. 44:^1 In natu domini. Tunc videbis et aMues. 

Der erste Teil beginnt Bl. 45=^: 

Zu deme ersten male suUen wir merken, daz die gude der gotheyde in 
so kortzer stnnt wirt gezogen in alle lel)endege creatm-en in dem ufgange, 
Cristns geburte, der nfgieng alse die sunne. so die kommet über daz ertriche, 
so vertribet sie die yinsternüsse und erlnbtet allez daz ertiicbe naher danne 
5 in eyme augenblicke. also det auch (45'') Cristus: do er quam über daz 
menschlich ertriche, Marien lib, do vertreyb er die vinsternüsse der Sünden 
unde herluhte alle menscheyt mit gnaden, alse s. Johannes schribet: erat lux 
vera, que üluminat omnem hominem. er ist daz wäre lieht, daz alle mensch- 
lich natui'e hat herlühtet. 

10 Von^) deme sprichet dominus Albertus: von deme vatere fluszet ein 

lieht und schienet uf alle hertzen. in disme liebte haut die propheten ge- 
wissaget und alle, die ie cristenen glauben gepredeiet haut. ^) fugete sich nu 
der mensche zu deme liebte, ez were ime also bereyt, alse den propheten hie 
Tore. wände ez sprichet s. Bernhard 3): alse der geyst uffe'') got gefellet, so 

15 vindet er in ime sin bilde, darumme so begeret er nit anders, dan daz er 
gewandelt werde in en, und daz enmag nit geschehen, ez ensi danne, daz er 
sin selbes glicheit in sich ziehe und^) in gode vorlibe und nit valle mit 
neygunge uf die creaturen, in der er vindet ein bilde der vehelichkeyt, sunder 
daz er in die creaturen luhte. 

20 Alse") ein meyster sprichet: also verre alse sich die creaturen 

büdent in die sele, also verre durchschinet sie die sele mit deme blicke irre 
formen und mit irme wesene, also verre keret auch got wider mit (45 c) sime 
liebte und mit sime werke sin selbes in die sele und herlühtet sie. wand daz 
wort, daz ewecli(ch)en in deme ') vatere geswebet hat, daz hat ein lieht wölken 

25 an sich genommen, daz ist menschliche nature. in deme liethen wölken sint 
voUenkommen worden alle creaturen und 8) sint herlühtet unde gode zugefuget 
mit einre gnedeclichen eynunge. und philosophus: simile applaudit suo simili. 
ein meyster sprichet : ein glich eyneget sich mit sime glichen, nu ist der siin 
in der ewekeide glich mit deme vatere. wan er ist ein büde des vaters. 

30 darumme was ez billiech,») daz er menslich nature an sich neme von sinre 



1) Vgl. Jostes Nr. 57 S. 57, 15—22. 

2) Hierauf in N 'daz du unwizzent pist nu, daz entschuldiget dich nicht 
hemach ' und auch im folgenden 2. Pers. Sing. 

3) N nennt keinen Namen. 

■*) 'uf di creaturen vellet mit neigunge' N. Nikolaus bietet den besseren 
Text, während N Verwirrung zeigt, s. Anm. 5. 

s) Von hier bis zum Absatzschlufs steht Nikolaus allein und bietet 
zweifellos N gegenüber die ursprüngliche Lesart. 

6) Vgl. Jostes 57, 22—34. 

') N irrig 'deinem'. 

8) 'und — einunge' fehlt N. 

°) In der Vorlage von Nikolaus ist durch Abü'ren des Auges nach 
'billiech': 'daz er menschleich e an sich neme, wan an den menschen sLat 
gesamment aUe creaturen. darum was ez mügleich' N ausgefallen. 



79 

naturliclien barmherzekeit menslicher virlomlieyde. wan^) mensliche nature 
was ein gliclinüsse der mittilsten personen in der gotlieyt nach deme glich- 
nüsse, daz eine creature[n] von der andern haben mag gegen gode. wan eine 
persone an menslicher naturen gebieret die andere natnrliche. ^) 

Also^) dut die persone des vaters an gotlicher naturen. nit daz die 5 
natnre mide geboren werde, sich zu bewisene alse die persone, alse ez hie 
gescbiehet, sunder do ist eine einvaltege nature und doch in underscheyden- 
heide der personen. daz ist etwas des glichnüsses menslicher naturen an der 
mittilsten personen (45 d) in der drivaltekeyt. 

Alleine'') diz nit ensi alse daz dine(?), wand daz üblich ist und diz 10 
geistlich, iz ist doch etwas glich, von der redelichen Intern seien ist der 
mensche glicher dan andere unvirnünftege creaturen ; also ein glas : durch sine 
lutirkeyt hat ez me giiches mit sunnen dan ein holtz, alleine sie doch beyde 
irre substancien und irre naturen unglich sin. wand kein ding enmag eime 
anderen dinge zümale glich sin, ez ensi eine substancie, ein wesen mit ime 15 
und die selbe nature, alse daz selbe ist. also ist der vater und der sun und 
der heylege geyst ein wesen in der drivaltekeit der personen. darumme sprach 
er: ego et pater unum sumus. ich und min Yater sint ein. er was daz ein- 
horn, daz sich liez vinden in der jungfrauwen schoiz Marien, quia quem celi 
capere non possunt, dicit Ecclesia. nota de unicorni. daz det er alles dar- 20 
umme, daz er den menschen hie herluhte mit g-naden unde en dort ewecliche 
zierete mit sinre vreuden in dem hymmele. 

Und darumme sprichet ein meyster, daz^) uz des vaters her tzen ist 
(ein) lieht erschienen, daz da hat allez ertriche herhihtet. und seleg ist der 
luter geist, dem^daz gescbiehet, (46») daz er darin genommen wirt, wan er 25 
darinne woUust niemet unde mit den engein in deme hymmele sich zieret und 
siebet got in ime selber und sich selber in gode mit groszer vreuden und 
Wollust, daz iz«) nieman geworten mag. 

Damit ist der erste Teil des Sermons zu Ende. Wiederum 
findet sich in einer Entlehnung ein Stück (s. oben Z. 10 — 22), 
welches sie zu dui'chbrechen scheint. Der Abschnitt steht aber 
inhaltlich mit der entlehnten Predigt so ganz in Zusammenhang, 
dals er gewifs nicht erst von Nikolaus eingeschoben ist oder gar 
von ihm herrührt. Er hat vielmehr zu der entlehnten Predigt 
gehört und fehlt nur in N. Der Otterberger Mönch ergänzt 
dann also in seiner Entlehnung meder eine Eckhartpredigt, 



1) N hat hier verkürzten Text. 

2) 'vernufticleich' N ist darnach zu verbessern. 

ä) Ygi^ Jostes 58, 1—3, doch ist der Text bei Nikolaus wesentlich voll- 
ständiger. 

'') Der ganze Absatz findet in N keine Parallele. 

6) Vgl. Jostes 58, 4. 5. 7—9. 11. 18. 19. Der Text von Nikolaus ist hier 
stark gekürzt, doch ist der Zusammenhang mit N ganz deutlich; 

«) Hs. 'ist'. 



80 

Jostes Nr. 57, wie wir dies aucli hei Nr. 17 (s. olDen S. 77) mit 
Bezug auf Jostes Nr. 4 = Pfeiffer Nr. 76, 1 feststellen konnten. 
Aus den betrachteten Sermonen ergibt sieb: wo in eine 
entlehnte Predigt ein ihr fremdes Stück eingesetzt zu sein scheint, 
rührt dieser Einsatz doch nicht von Nikolaus her; er ist eben- 
falls entlehnt und zwar aus derselben Predigt. Der folgende 
Sermon wird diese Folgerung bestätigen. 

19. Bl. 2°f. Sermo primus: de adventu domini. Novum 
faciet dominus.!) 

Der erste Teü beginnt Bl. 3*: 

Zu deme ersten male sollen vrir merken eynen tron gotlicher inwonunge 
mit nüwer uzschinender warlieit an Crlsti züknnft in dise werlet, do nuwe 
ding geschahen, die engele loheten got mit nüweme sänge unde sprachin: 
gloria in excelsis deo et in terra, hohe hymelische ere und ewege wirdekeyt 
5 si gesaget deme almehtegen gode in sime trone unde friede si allen den uf 
ertriche, die do sint eynes güdes willen, die hymele gaben eyn nuwe lieht, 
eynen sterrin, der nyeme an deme himele wart gesehen, der die dri künege 
Caspar, Balthasar und Melchior von Tharsis fürte zu Bethlehem, der luft er- 
luhte die finster naht unde gab eynen claren schin, (der) den hyrten uffe dem 

10 velde herluhte. alse s. Lucas sprichet Luc. IE: claritas dei cü'cumfulsit ülos. 
daz ertriche gab einen oleyfluz, alse Innocentius sprichet, der eynen ganzen 
dag flosz in Tybere. die wyngarten Engadi brahten balsamum blude und 
fruht, die abpetgode zu Eome vielen, und viel (3°) andere nuwe ding ge- 
schahen an Cristi zukunft. vond^) er sich selber wolte eygen ^) nuwe, darumme 

15 so wolte er auch alle ding ernüwen unde sunderliche unser sele. 

n,14 
(Eckhart Eube): 
81'' Kenovaminispiritumentisvestre. Danimme sprichet er durch s. Paulus 
sente Paulus sprichit: fornuwit uch in mund: renovamini spiritu mentis 
20 deme geiste uwiris gemudis. got ist vestre. vornuwent uch in deme geyste 
alleine nuwe und inwerdit nicht f ornu- uwers gemüdes, got ist alleine nuwe 
(82a)wit. unde inwirt vornuwet. 

Wanne alle ding unde zit sint ime 

niiwe unde gegenworteg. der erste dag, 

25 den got ie geschuf, unde der jungeste, 

die sint gode alse nahe unde alse 
gegenworteg, alse der hudige dag. 
Der engil halt wol etwaz nuwis, Der engel hat wol etwas nuwes, er 
he inist aber nicht alzumale nuwe. he enist aber nit alzemale nuwe. er ist 



1) [Isai. 43,19? Jerem. 31,22? St.] 
") vond = wand(e). 
3) eygen = öugen. 



81 



0: 

ist nuwe in der natiire, da im got zu 
dem erstin inne gesclmf, und^) in den 
bilden, di got in ume geschuf, wan 
iirae di zumale geginwertic sin, und 
auch in sime seligin werke, da lie sich 
und alle dinc irkennit in deme ewigin 
Worte, aber he inist nicht nnwe in 
sime naturlichin Averke. Avau da be- 
keuit he ein noch deme anderen, und 
in deme werke, da he mich irluchtit 
und beschinnit, wan he inraac di wile 
an einii' anderen stat nicht gewerkin, 
der fon mir ist an einir verren stat, 
daz he beste an dem Averke, he invalle 
in ein andir werc. und darumme ist 
he nicht zumale nuwe. 

Di sele werdit auch fornuwit, wan 
si ummirme hi mac waschin und zu- 
nemen. *) 

S^a Eomuwit uch in deme geiste uwi- 
ris gemudis, daz daz naturliche bilde 
geclerit und gezirit werde in der gnade, 
wa inspringit gnade? da alle dinc 
nuwe und glich und ein sint. daz ist 
iu gode. wanne alle di dinc, di uze 
gode flizin und undii'scheit an un seibin 
hau, di sint ein in gode und got 
selbe, und alda inspringit gnade in 
gode und fluzit also uz gode, daz si 
nicht abe invellit fon gode, sundir 
zumale blibit in gode. und in wilchin 
menschin gnade ist, der inist keime 
dinge also nahe alse gode — Avan Ava 
gnade ist, da ist got. 



nuAA'e in der natui'e, do en got zu dem 
ersten inne geschüf, AA'anne ime die 
zumale gegeuAvorteg ist, unde auch 
in sime obirsten Averke, da er sich 
unde alle ding erkennet in deme 5 
eAA'egen Avorte. aber er euist niht 
nuAA^e in sime naturliche(me) Averke. 
Avanne do bekennet (er) ein ding nach 
dem andern, unde aa'O er irluthet, be- 
schirmet oder AA'irket an einre stat, 10 
die wile enniag er in einre audirn 
stat nit gesin noch gcAvirken unde 
darumme so ist er nit zu male nWe. 



15 



Die sele Avirt auch virnÜAvet, Avanne 
sie hie ummerme mag AA^assen unde 
zünemen an gütlicher gnaden, in der 
sie geclerit AA'irt (S'i) unde gezieret 20 
und ane die gnade (Avirt sie) nuramer 
virnuAvet. darumme sprächet got : re- 
novamini. werdent hernuwet in der 
gnaden, wo entspringet gnade? da 
alle ding ein glich und niiAve sint. 25 
daz ist in gode. wanne alle ding, die 
uszer gode fiiszeut und undirscheit 
haut an en selber, die sint ein in gode 
unde got selber, und do entspringet 
gnade in gode und flüzet also von 30 
gotde, daz sie nit abe envellet von 
gotde und dan zumale hübet in gotde. 
und in welchem menschen gnade ist, 
der enist keime dinge also nahe alse 
gotde. wanne avo gnade ist, do ist got. 35 

Und^) Avaune got gnade guszet in 
die sele, so entwichent alle uszerliche 
ding, an den nit selekeide lit. alse 
Aristoteles sprichet VII Polit.: teste 



') 'und — geschuf' ist bei Nikolaus wohl mu* durch Homöoteleuton aus- 
gefallen. 

2) Die hierauf in folgende umfangreiche Partie, Avelche bei Nikolaus 
fehlt, handelt von dem Bild der Dreifaltigkeit in der Seele. Sie stand in der 
ursprünglichen Predigt vielleicht garnicht an dieser Stelle; jedenfalls bot die 
Vorlage des Nikolaus sie nicht. 

3) Das folgende fehlt 0, vielleicht durch Abirren des Auges. 

Hermaea II. 6 



82 



10 



Villichte vellit gnaile da in di sele, 
da alle dinc nmve, glich und ein sint, 
daz ist in deine allir inwendigistime, 
15 in deme Tvesine der sele. 

n, 32 

(Florentius von Utreclit): 

110'' Gnade ist diz hohlste licht oder 

20 bilde godis und ist daz allir erste, daz 

da gesachit wert in der sele. dafon 

alse sich got kerit zu der sele und di 

sele zu gode, alse daz antlitze des 

menschin daz erste ist, daz sich ir- 

25 hildit, alse he sich kerit zu deme 

spigile, und alse daz bilde forgeit, alse 

sich der mensche kerit fon dem spigile, 

also forgeit di gnade, alse sich di sele 

kerit von gode. wan got inkerit sich 

30 nummir fon der sele. daz prüfe man 

dabi alzuhant, alse sich di sele wider 

zu gode kerit, so ist got geginwertic. 



35 



n, 14 
(Eckhart Ruhe): 
84 b Fornuwit^) uch in deme geiste 
uwiris gemudis. daz ist in deme 



deo in bonis exterioribus non est feli- 
citas, quia ipse est felix, nullo tarnen 
bonorum exteriorum utitur. er sprichet: 
got gibet des ein gezugnisse, daz an 
uszerlichen dingen selekeit nit enlit, 
wanne er in sime luteren wesen die 
obirste selekeit ist und doch uszer- 
licher dinge nit beda{r)f . unde darumme 
die wile daz uszerliche gut weneg 
nutzet zu der seien selekeit, darumme 
so entwichet ez von der begirden der 
seien, wanne got sine gnade in sie 
güszet, und werdent dan alle ding in 
ir ein glich und (4») nuwe, daz ist 
in deme aller innewendegesten , in 
deme wesene der seien. 



Darumme ein meyster in der hej^- 
legen schrift sprichet: gnade^) 
ist daz hoheste lieht und ein luter 
bilde gotdes und daz aller erste, daz 
da gesachet Avirt in der seien, davon 
ist, daz alse sich got keret zu der 
seien und die sele zu gotde, alse daz 
antlitze des menschen daz erste ist, 
daz sich irbildet, alse er (sich) keret 
zu deme spigele, und alse daz bilde 
verget, alse sich der mensche keret 
von dem spigele, also verget die gnade, 
alse sich die sele keret von gotde. 
wände got enkeret sich nümmer 
von der seien, daz prüfet man dabi 
alzuhant, alse die sele sich wider zu 
gotde kere, so ist got gegenworteg 
mit sinre gnaden. 



Darumme*) sprichet ein meyster: 
gnade ist (ein) bilde gottes, daz da 



1) Der folgende Abschnitt findet in 11, 14 keine Parallele, wohl aber 
in n, 32 und zwar fast wörtlich. In der Fortsetzung aber wendet sich 
II, 32 anderen Gedankengängen zu. 

-) Vorher handelt II, 14 von den Kräften der Seele und von der Gnade ; 
hier erscheint sein Text wie eine breite Ausführung des kurzen Satzes bei 
Nikolaus. 



0: 

gnmde mit der gnade uwiris gemudis. 
daz ist, wan gnade nicht inspringit, 
da di crefte nudirscheidin sint, suuder 
da si ziimale gesamenit sint und ein 
sint in deme und mit deme "vvesine der 
sele; und da ist gnade ein cleit 
der sele alzumale, und alle di crefte, 
di dar nz flizin mit ubernaturlicliin 
tugindin, di da lieizin gotliche tnginde; 
und enist kein craft, snndir craft der 
gnade, wan gnade enist nicht in einir 
craft der sele, mer si cleidit di sele 
alzumale. danimme ist, daz alse sich 
got foreinit der sele in der gnade, da 
inforeinit he sich ur nicht an eime 
teile, sunder mit alle deme, daz he 
geleistin mac, und di sele wirdit auch 
wider mit gode foreinit in der gnade 
mit alle deme, daz di sele ist und ge- 
leistin mac. 

Gnade ist ein bilde godis. gnade 
heizit eginliche ein bilde der heligin 
drivalditeit, da got (85») ist daz in- 
gesigile und di sele daz wais. und daz 
allirerste bilde, daz da inspringit oder 
geborin wert, da got ockerit bermit 
di sele, daz ist gnade, alle di craft der 
heligin drivaldikeit, di werkit alzu- 
male in der gnade; alle naturliche craft 
in englin und in menschin ist wider 
der allirminnisten gnade deine, wan 
gnade nicht inwerkit in craft keiner 
creature, sunder in gotlicher craft. 
da fon halt si di macht, daz di allir- 
minniste gnade alle sunde fortiligit, 
und daz allirminniste wort, ein amen, 
daz in gnadin gesprochin wirt, daz 
fordinit ewic lebin und got selber, 
und gebe got zu lone alliz, daz he 
ie geschuf, he inlonite deme werke 
nicht, he ingebe sich dan selbir. 



83 



clej'det daz inner wesen und den 
gnmd der seien. 



10 



15 



20 
Gnade heyszet eygentliche eyn bilde 
der drivaltekeit, da got ist daz iu- 
gesigele und die sele daz Avash. unde 
daz allererste bilde, daz da entspringet, 
do got nüwe berüret die sele, daz ist 25 
gnade, unde alle die kraft der heylegeu 
drivaltekeit, die wirket alzumale in 
der gnaden; alle naturliche craf(t.) in 
engelen unde in menschen ist wider 
der aller minnesteil gnaden gotdes oq 
deine, wände (i^) gnade nit en wirk et 
in craft keinre creaturen danne in 
gotlicher kraft, dovone hat sie die 
mäht, alle Sünde zu virdiligene *) und 
die sele zu hernüwene, daz sie blosz 35 
und ledeg stet vor gotde ane sünde, 
alse sie wisheide ledeg stuut, do sie 
geschaffen wart. alse Aristoteles 
sprichet in Libro de anima: in prima 
sui creatione est sicut tabula rasa, in 4.Q 
c[ua nichil est depictum. die sele im 
ersten ingusze, so sie sich formet in 
des kindes glidere und ime leben git, 



*) Damit hört die zuletzt Avieder wortgetreue Übereinstimmung zwischen 
Nikolaus und II, 14 auf. Das Schlulsstück stammt wohl von Nikolaus selbst. 

6* 



84 

0: 

So stet sie blosz und entworfen allir 
uszirlicher bilde unde msheit. da ist 
sie miwe. sal sie abir hernmvet 
werden geystlichen , so müz sie abe- 
5 werfen alle slinde und müz sieb mit 

eyme reinen herzen zumale werfen in 
got, der alle zit nÜAve ist; in deme 
verlibet sie auch nüwe und heyleg. 

Die Entlehnung- macht einen ganz ungleichmälsigen Eindruck. 

10 Sie stimmt mit der Predigt 11, 14 zum grölstem Teile fast 
wörtlich überein, sie läfst aber ein sehr grolses Stück derselben 
völlig fort (s. oben S. 81 Anm. 2); ein anderes Stück derselben 
Predigt (s. oben S. 82 Anm. 2) ist auf einen einzigen Satz zu- 
sammengedrängt, und schliefslich ist in diese Predigt des Eck- 

15 hart Rübe ein Predigtstiick von Florentius von Utrecht ein- 
geschoben (s. oben S. 82 Anm. 1). 

Trägt Nikolaus die Schuld, dals sein Text so stark von 
dem der verglichenen Predigt abweicht? Beweisen lälst sich 
das Gegenteil nicht; wohl aber sahen wir, dafs jenes lange 

20 Stück, welches nichts mit IT, 14 gemeinsam hat, nicht Zu- 
satz des Otterberger Mönches ist, sondern ebenfalls aus einer 
mystischen Predigt herrührt. Das bestätigt nui' die mehrfach 
gemachte Beobachtung, dafs Nikolaus die von ihm benutzten 
Texte nicht mit eigenen Gedanken durchbricht oder überarbeitet. 

25 Ich meine, auch in diesem Falle muls man die Quelle des 

Nikolaus für die eigentümlichen Abweichungen von dem Oxforder 
Text verantwortlich machen, indem sie eine Predigt enthielt, 
welche der Predigt II, 14 nur in einzelnen Teilen entsprach, 
auch die Stelle aus der Florentiuspredigt schon enthielt. Da 

30 auch jene Stelle aus II, 32 von der Gnade handelt wie n, 14, 
ist die Zusammengehörigkeit inhaltlich wohl denkbar. 

Der zweite Teil beginnt: 

Zu dem andern male sollen wir merken ein uzbilden des sunes nach 
hoher meysterschaft usz der ewegen gewalt des vatir, der do sante sinen vor- 
35 boden Jeremia in diz bittir jamerlant dirre eilende werlete, Jesu geburt zu 
kündene, und sprach: 

Ecce^) dies veniunt, dicit dominus, et suscitabo Davit germen iustuni. 
Jeremie prophete. nement war, die dage komment, in den ich usze dem abpet- 



1) Vgl. 1, 1 Ecce dies -yeniunt. ZfdÄ. 15, 373,1—7. Die Eckbartpredigt 
findet sich auch in einer Kasseler Handschrift (C). Betreffs der Lesarten von 



85 

gründe miner (4") craft gebere den almehtegen sun, der do eyne wisheit ist 
und gerelit und gerehtekeit wirket uf ertriche. nn sprichet Salomon : ein gilt 
bode von eyme verren lande ist als') eyn knie waszer, daz^) ist gnade des 
heylegen geystes eynre diu-stigen sele, die ^) da von der Sünden bant verre ist 
von deme hyuie]i[ch]schen riebe. 5 

Wände*) nach der ahte der Sünden so ist der mensche verre von gode. 
darumme ist ime daz hymmelriche als ein verre fremede lant. also s. Augus- 
tinus sprach von ime selber, do er noch imbekeret was, daz er sich veri'e vant 
von gode in eyme fremeden lande der unglichheit, in regione dissimilitudiuis. 
ez ist ein jemerlich ding, daz der mensche von deme ist, ane den er 10 
nit gesin mag. der die allerschouesten creatiiren, die'-) got geschaffen hat in 
dem hymel, neme uz dem gotlichen liebte, under deme sie stent — wände 
alse nahe als sie under deme gotlichen liebte sten, also vil sint sie wonneclich 
und lustlich — unde were ez godes wille und gestedete er, daz sie genummen 
Avorden uz deme gotlichen liebte und gewiset eim-e seien, sie enmohte keine 15 
Wollust darane haben, danne ir gruwete dovone unde erschreke. 

Darumme^) sprach der propheta David: adherere (4'^) deo bonum est. 
daz obirste gut, daz der mensche gewirken mag, daz ist, daz er sich halte 
zu gode und in gotdis willen blibe, ane den er kein gut mag gedün und 
auch sin nit enmag. 20 

So") ist noch jemerlicher, daz der mensche ist von deme, ane den er 
kein wesen gehaben mag. 

Daz^) ist got, daz obirste gut, daz da wesen gibet. von deme sprichet 
Plato in Tliymeo : Dens est summum bonum ultra oninem substantiam, omncm 
naturam, quem cuncta expetuut, cum ipse sit plene perfectionis et nullius 25 
societatis iudigens. er sprichet: got ist daz obirste gfit, daz da ist über alles 
wesen unde über alle nature, den^) alle ding begerint unde er niemannes bedarf. 

So") ist ez aller jemerlichste , daz der mensche ist ane den, der sine 
ewege selekeit ist, zu deme der mensche doch kommen mag mit güden werken, 
alse Aristoteles spricbit in Libro 11 de celo et mundo:") est res bona et nobilis, 30 



und C s. ZfdA. 15, 373. — Nikolaus beginnt die Entlehnung wieder mit dem 
Textwort der fremden Predigt. 

1) Hs. 'an'. 

2) 'daz ist— geystes' fehlt OC. 

■*) 'die — riebe' fehlt OC. Beide Texte weichen auch im folgenden 
ziemlich gleichmäfsig von Nikolaus ab. 

*) Vgl. ZfdA. 15, 373, 8—20. 

^) Hs. 'die der die'. 

6) Der ganze Satz fehlt OC. 

') Vgl. ZfdA. 15,373,201 

^) Auch dieser Abschnitt ist in 00 zu ergänzen. Nikolaus hatte einen 
ausführlicheren Text zur Grundlage; oder sollte er hier wirklich eigene Sätze 
eingeschoben haben? 

») Hs. 'die'. 

") Vgl. ZfdA. 15, 373, 2t ff. Damit bricht die Eckhartpredigt ab; Nikolaus 
benutzt sie später noch einmal in Nr. 21 (s. oben S. 70). 
1') De ceelo H, 12- 



86 

iiou indig-eus oi)eratioiie , qxm fiat uobilis, cuius participatioue iiobiles(?) fiunt 
nobilia, (luecunciue sunt nobilia. ad illnd antem nobile perveuiunt, qnecuuciiie 
nata sunt pervenire per operationes. got ist, spricliet er, ein liebte wunne- 
berende craft aller gude unde aller edelkeyt, der do nit enbedarf (5") arbeyden 
5 noch wirken umme sine hohe wirdekeyt, danne von siure deilheftegen nz- 
gieszunge sinre gnaden nnd siure edelen güde so ^Yerdent guadenrich alle 
lueuslich creatui'en. und darumme so mag sunderlichen der cristine mensche 
komen mit gfiden werken zu der obirsten edelkeit und zu deme ewegeu lone. 

Der dritte Teil beginnt: 

10 Zii deme dritten male sollen wir merken in desen Avorten geweltege 

melitekeit der ewegen herschaft, dovou sprichet s. Bernhard : quam dives es 
in misericordia, quam magniiicus in iustitia, quam munificus in gratia, dorainc, 
deus uoster. o herre, wie bist du so rieh in dinre barmhertzekeide, wie bist 
du so mehteg in dinre gerehtekeit, wie bist du so gifteg in dinre gotlichen 

15 gnaden, wer ist dirre herre so rieh unde so gewelteg? ez ist got, von deme 
Apuleius sprichet de deo: nichil deo perfectius et poteutius. ez ist nüsnit 
weder in hymmele noch uf erden, daz sich glichen möge der voUenkommeuheit 
und der geweite godis. Avaude er ist alle ding und hat in ime alle ding und 
flieszint uz ime alle ding, daz sal man merken von giiden dingen, von er 
Sünde nie hat gemäht. 

20 

11,2:1) 
60* Ein^) iclich dinc werkit in Wan'') er Avirket gut in uuAA'esenc. 
Avcsine. kein dinc inmac gcAverkiu (5'>) g dau wesen AA'cre, do AA'orhte got. 
pobin sin AA'esin. daz fuir inmac nicht er Avorhte A\-esen, do uit Avesen Avas. 

25 gCAA'erkin dan in deme holz, got AA'er- darumrac sprichet ein nieyster: 
kit pobin AA-esin in der AA-ide, da he got ist ein iuther Avesen. ein iegclich 
sich geregin mac. he AA'erkit in un- ding AA'irket in AA'esene. kein OAng 
Avesine. e dau AA'esin AA'ere, du A\*orchte mag gCAvirkcu über sin AA'csiu. daz 
got. he Avorte AA'esin, du nicht AA'esin für enuiag nit gewirken dan in sime 

30 inAvaz. (Vgl. Jostes 25, 27-29. 28, 14 Avesene unde inme holtze oder in 
bis 16 ; Pfeiffer 268, 31—30.) anderen materien, aber got der Avirket 



an alle materien. 



59'^ Waz ist got ujid tempil godis? 

A'iere und zventzic meistere quamen 

35 zusame und Avoldin sin'echiu, AA^az got 

Avere. und brachte er igelich sin AA'ort. 

der neme ich nu ein teil. 



1) Dieselbe Predigt steht N 38 » (Jostes Nr. 31); Pfeiffer Nr. 84; s. auch 
Strauch, Deutsche Litteraturzeitung 1896 Nr. 8 Sp. 235; Jahrbuch für nieder- 
deutsche Sprachforschung 10, 16: v. ÄniSAA'aldt-Berliner Hs. 3141 El. 25''. 

2) Die Eckhartpredigt hat vorher, aber in anderer Weise als Nikolaus, 
vom Wesen Gottes gehandelt. 

^) Nikolaus, dem N am nächsten steht, gibt die Sätze in umgekehrter 
Eeihenfolge. 



87 



0: 

Einir sprach: got ist, gegin deme 
alle wandilbere dinc und zitliche dinc 
nicht insint. und alliz daz wesin halt, 
daz ist for ume deine, der andere 
sprach: got ist etwaz, daz da ist pobiu 
wesin fon noit, daz in ume selber 
nimaunes bedarf und des alle dinc be- 
dorfin. der dritte sprach: got ist ein 
formiftikeit, di da lebet in sines alleiue 
bekentnisse. ich laze si alzumale und 
neme daz andere, daz got etwaz ist, 
daz von noit über wesin sin m^iiz. 

Waz wesin hat, zit odir stat, daz 
iururit zu gode nicht, he ist da in- 
pobin. got^) ist in allen creaturen, 
alse si wesin habin, und ist doch da 
inpobin. daz*) selbe, daz he ist in 
alliu creaturen, daz ist he doch da 
inpobin. waz da in°) fil diugin ist, 
daz muiz fon noit pobiu di dinc sin. 
(Vgl. Jostes 25, 8-18 5 Pfeiifer 267, 35 
bis 268, 13.) 

Damit hört die Benutzung- auf. 

Darumme ist (er) auch über alle ding und heltet alle ding und herfullet 
alle ding unde begrifet alle ding unde rithet alle ding mit sinre wisheide. 
darumme sprichet s. Bernhard : deus est longitudo, latitudo, (5 °) sublimitas et 
profundum. got ist eine lenge der ummerwerende(u) ewekeit und ist ein 
breides rosenvelt gotlicher minne. er ist ein hohe au sinre gewalt unde eine 
diiffede an sinre grundelosen wisheyt. er ist eine unhersreckeliche craft, ein 
urabegrifenliche miltekeit, ein eweger schin, ein undotlich leben, er ist, alse 30 
s. Augustinus sprichet , ein ewege warheit , ein wäre minne , eine rainnesame 
ewekeit, er ist die obirste suszekeit und aller liehte clarheit. darumme so 
rüffen wir got ane mit unsers herzen andaht, daz er unser sele und unser 
sinne irluhte mit deme liehte sinre gnaden, daz wir von deme liehte der 
ewegen vreuden nümmer gescheiden werden, des helfe uns der vater und der 35 
sun und der heylege geyst. amen. 

Dieser erste Sermon enthält demnach in allen drei Teilen 
zusammenhängende Stücke mystischer Predig'ten, von welchen 
zwei (0 I, 1 und II, 2) Meister Eckhart, eine (0 II, 14) dem 



Unde*) darumme ist er etwas, alse 
ein meyster sprach, gegen deme 
alle wandelbare unde zitliche ding nit 
ensint. unde was do wesen hat, daz 
ist vor ime deine, eyn ander 2) meyster 5 
sprach : got ist eine vernünftekeit, die 
da lebet in sines alleyne bekentnisse. 
der dritte meyster sprach: got ist 
etwas, daz do ist über wesen von not, 
daz in ime selbes uiemanes bedarf 10 
unde des alle ding bedürfen. 

Wände was wesen hat, zit odir stat, 
daz enruret zu gotde nit. er ist dar- 
über, daz selbe, daz er ist in allen 15 
creaturen, daz ist er doch darüber, 
wände was in vil dingen ist, daz müz 
durch not über den dingen sin. 



20 



^0 



^) Das Folgende geht in den übrigen Texten der letzten Entlehnung voraus. 

2) Der zweite und dritte Meister sind bei Nikolaus umgestellt. 

^) Der Satz fehlt bei Pfeiffer und Nikolaus. 

*) Diesen und den folgenden Satz hat N in umgekehrter Eolge. 

^) 'in vil dingen ein ist' N und Pfeiffer. 



88 

Lesemeister Eckliart Bube zugescliriebeii wird. Es ist beacliteus- 
Avert, dals alle di'ei Entleliiiimgeu in entlialteii sind. 

Von diesen Entlelinimgen weicht die des zweiten Teiles 
(0 1, 1) ziemlicli stark von den vergliclienen Texten und C 
ab, sodals man an eigenmäclitige Änderungen des Otterberger 
Slönclies denken möchte; die Entlehnung im dritten Teil (0 II, 2) 
dürfte mit der Quelle des Nikolaus übereinstimmen; die Ent- 
lehnung im ei'steu Teil aber zeigt eine Aneinanderreihung zweier 
sonst nicht zusammengehörender Stücke (0 II, 14 und 32). 

B. Der entlehnte Text besteht aus mehreren aneinander- 
gereihten Stücken verschiedener Predigten. 

Wir haben gesehen, dafs in Entlehnungen, in welche fremde 
Sätze eingeschoben zu sein schienen, diese Sätze tatsächlich in 
die Entlehnungen gehörten (s. oben S. 80). Ob Nikolaus in solchen 
Fällen, wo wir bei ihm Avie in Nr, 19 Teil 1 verschiedene fremde 
Stücke aneinandergereiht finden, diese Stücke schon in seiner 
Vorlage vereinigt fand, oder ob erst er selbst sie aneinander 
fügte, darüber läfst sich zunächst kein Urteil fällen. Ich er- 
innere aber an folgendes : in der als Nr. 13 behandelten Predigt 
hat Nikolaus die Fragen Nr. 120 und 158 im 4. Abschnitte der 
Pfeifferschen Eckhartausgabe gewifs schon in seiner Vorlage mit 
Jostes Nr. 43 vereinigt gefunden; ebenso hat das in Nr. 15 mit 
den übrigen Sätzen vom „Schatz der Seele" vereinigte Stück 
ZfdA. 8, 242, 29 — 243, 8 sich bereits dort in einer und derselben 
Predigt befunden. Sodann liegt ui'sprüngliche Zusammengehörig- 
keit scheinbar aneinandergesetzter Stücke vielleicht in dem 
folgenden Sermon vor: 

20. Bl. 114 '\ Dominica HE post epiphaniam. Indulte 
vos sicut electi. 

Der zweite Teil beginnt Bl. 116'': 

N 
(Jostes, Meister Eckhart Nr. 6 u. G7): 

Zu deme auderu male suUen wir 
merken den steden adel der wirdegen 
ercu godes, iu der(?) (116 <=) die reiue 
sele ruwet. 



^) Die Lesarten von Jostes Nr. 6 und 67 sind im foigendeu mitN» und 
"Nb bezeichnet. 



89 



N: 

10 a (78 f') Daz ander, daz got di sei 
in sich gezogen bat, daz') kein schin 
da belibet, daz^) di sei wirt iugeruket 
von got in di tangeu stille der Ver- 
borgenheit irs ä) wesen, daz si (wenic) 
yemant lauchte[n]t sam irm glich, da 
bekennet di sei cheinnnderscheid; Avan 
der, der"*) si in sich gezogen °) hat, 
der si^) an sich neigit. si weiz wol, 
daz si ist, si weiz aber nicht, waz si 
ist. (Vgl. Pfeiifer 524, 21—25.) 

In etlichen landen ist ^ sunne so 
heiz, daz chein fruht do gewaszen mak 
auf der erde, und Avurket doch die 
sunne vil gutes in der erden, alzo ge- 
schihet ez an dem menschen, in dem di 
dar sunne gotlicher uature wirket") 
ir glich, da wii-kt'") si alle werk 
und wiirkt ein bloz einicheit. (Vgl. 
Pfeiffer 524, 27—31.) 

Hie von spricht Johannes: ez ist 
noch nicht offiubar, Avaz Avir sein, 
oder^^) SAvan Avir in [e]in gewandelt 
AA'erden, so sul avü* dan erscheinen, 
Avaz Avir sein. Avan '^) di gotheit ist 
ein geistlich substancie, di ungrunt- 
lich ist, daz nieman dovon ensi)rechen 
mak noch enkan, wi (daz) sei, daz got 
ist in der drifeltikeit. er ist ein lebend 
lieht in einen claren schein, daz ist 



Ez sprichet ein nieyster, daz 
got die sele zühet in die stille der 
Verborgenheit ires Avesenes, daz sie 
Aveiieg iemanne lühtet danne iren 
glichen, da enbekenuet sie kein undir- 5 
scheit; AA^anne der sie in sich gezogen 
hat, der hat sie an sich geneiget, do- 
von sie Aveis, daz sie ist, abir Avaz sie 
ist, des euAveis sie nit, von ') sie etAvie 
vil mit ime Avirt vereinet. 10 

Alse ein lerere sprichet, daz 
in etlichen landen ist die sunne also 
heisz, daz da keine fruht gcAvassen 
mag uf der erden und*^) do Avirket 15 
doch die sunne vil gütdes in der erden, 
also geschiehet auch in deme menschen, 
in deme die sunne gotlicher naturen 
Avirket ir glicheit und auch solche 
einekeit, die'') uns rcAven lüden ist 20 
verborgen. 

Alse S.Johannes sprichet: ez enist 
noch nit uffinbar, Avaz Avir sin, Avan abir 
Avir in (in) gCAvandelt Averden, so suUen 
Avir danne herschinen, daz Avir sin. in 25 
enkünnen Avir nit hergründen. Avanne 
ez sprichet ein meyster, daz die 
gotheit ist ein geistlich Avesen, daz 
ime selbir abgründeg ist. dovon doch 
nieman kan gesprechen, wie'") daz 30 
selbe sfotlich Avesen in der drivaltekeit 



1) 'daz — von got' fehlt bei Nikolaus. 

2) 'daz ist: die sele Avirt ingedrukt' N^; 'daz ist also, diu sele wirt 
gerucket' Pfeiffer. 

3) 'seines' Ni) und Pfeiffer. 
'den' Nb. 

^) 'gerukket' N». 

«) 'hat sich in si geneiget' N*»; 'hat si in sich geueiget' Pfeiffer. 

") Den Zusatz hat nur Nikolaus; 'von = wan'. 

8) 'und — erden' fehlt N». 

3) 'Avirket. da wirken ('Avürket' Pfeiffer) si ir geleich' Ni> und Pfeiffer. 
'") 'verAvirket si alle dunlikeit ('dunkelheit' Pfeiffer) und Avirken ein 
bloz ('Avürket bloze' Pfeiffer) einikeit' N^^ und Pfeiffer; Nikolaus ist kürzer. 
") Den Nachsatz hat nur Nikolaus, doch vgl. Pfeiffer 524, 31—33. 
12) 'oder— sein' fehlt N". 
■ä) Der ganze Absatz von hier an fehlt N». 
") Der Text bei Nikolaus zieht zusammen. 



90 



N: 
also gesproclien, claz si in der naturen 
iiiht dau ein sint und sint an den 
Personen underscheiden. (Vgl. Pfeiifer 
524,33—525,1.) 
5 Daz 1) daz leben ist, euist daz lieht 
niht, daz der schein ist, daz lehen 
niht. disse ^) rede snlt ir versteu von 
der drivaldicheit der person ; daz leben 
nemen wir bei dem vater, den sun 

10 bei dem lieht, den beilegen geist bei 
dem scliein. bei dem leben nemen 
wir den vater, in dem alle ding ge- 
lebet habent ewiclichen '') an^) sich 
selben alz in irm Ursprung; bei dem 

15 sun""') ueme "vvir daz liht, in deme 
alle dinch ewiclich geleuchtet habent 
an') sich selbe alz in irm bilde; bi 
dem schein neme wir den heiligen 
geist, in dem alle ding ewiclichen ein 

20 sind an*) sich selben alz in irm nicht, 
(Vgl. Pfeiffer 525, 1—9.) 

Nicht alzo, daz ein person daz leben 
sei und di ander*") daz liht. di drei 

25 person sint ein leben und ein lieht.") 
die drivaldicheit ist ein hertze güt- 
licher nature. daz ") sult ir also ver- 
stau, daz hertze daz Avirkit in dem 
menschen leben '^) in allen gelid- 

30 mazzen") und gib(t) werch in*'') allen 



heiszc ein lebendeg lieht in eime 
claren schine. und ist ein an der 
nature und an den persouen \inder- 
( 116 d) scheiden. 

Daruf sprichet ein meyster in 
der heylegen schrift: daz daz leben 
ist, daz enist daz lieht nit und daz 
der schin ist, daz enist daz leben nit. 
alse^) Athanasius sprichet: alia est 
persona patris, alia filii, alia spiritus 
sancti. wanne bi deme lebene nemen wir 
den vatir, in deme alle ding gelebet 
hant ane sich selber eweclichen alse 
in irme Ursprünge, und quod factum 
est in principio, vita erat. Joh.I. bi 
deme liebte") virsten wü' den sun, in 
deme alle ding eweclicheu gelühtet 
hant ane sich selber alse in irme bilde, 
bi deme schine nemen wir den heylegen 
geyst, in deme alle ding ein sint ge- 
wesen^) eweclichen ane sich selbir 
alse in irme nitte. 

Nit also, sprichet ein lerere, 
daz eine persone daz leben si und die 
andere daz lieht, wanne die drivalte- 
keit ist ein leben und ein lieht und 
ein hertze gotlicher naturen. wanne 
alse daz hertze wirket in deme 
menschen leben in allen lidemezzen 
und giebet in craft und zühet sie zu 



*) N" hat nur den verstümmelten Satz 'daz ist daz leben niht'. 

^) 'daz sol man also verstau daz von den drein personen' N'> = Pfeiffer; 
'disse — schein' fehlt bei Nikolaus. 

^) Der folgende Satz steht nur bei Nikolaus. 

») Fehlt Ni\ 

•■') 'suuder' N^ 

") Nikolaus hat allein die richtige Anordnung. 

') 'an sich selbe' fehlt N'' und Pfeiffer. 

^) 'sunder sich selber' N^. 

8) Sonst Präsens. 
10) 'andern' N». 

*') Hierauf 'und ein schin. daz sprichet S.Augustinus: di drei personen 
leuhtent ein wesen alz di dreu liht ein schin schinen' N=i. 

'-) 'dizz sol man also versten' N^^ = Pfeiffer; fehlt bei Nikolaus. 
") Fehlt Na. 
") 'lideu' Nb. 
w) 'zu' Na. 



91 



N: 

lideni) \mi zeuhet si^) zu im. da- 
von 3) heizet ez ein liertze. sich,") alzo 
ist ez lim di gotheit. di Avnrcht nicht 
an 5) ir natnr; allez daz si wirket, daz 
wirkt si mit den persouen. 



Sich, davon lieizet di drivaldikeit 
ein hertze gotlicher') naturen, wau 
si alle ir werc mit ir wurkt, wan si 
Ursprung ist aller ding und auch alle 
ding wider in si[ch] eude(n)t. (Vgl. 
Pfeiffer 525, 10-20.) 



ime, also ist ez umme die gotheit, 
sprichet ein meyster: allez daz sie 
wirket, daz wirket sie mit personcn, 
mif) deme vatere und mit deme sunc 
und mit deme heylegen geyste. unde 5 
opera trinitatis sunt iudivisa, dicit 
magister in primo libro sententiaruni. 
wanne (117") die werg der heylegcu 
driveltekeit sint ungeteilet. 

Davon heiszet die driveltekeit ein 10 
hertze gotlicher naturen, von sie alle 
ir werc mit ir wirket und ein Ursprung 
ist aller dinge und alle ding wiedir in 
sie endent. dovon sprach Aristoteles: 
deus est fiuis omnium. got ist ein 15 
ende aller dinge von sinrc einveltegen 
naturen, die unbegriffenlichen ende- 
los ist. 



(Jostes, Meister Eckhart JS'r. 6) : 



11 1 Dicz") ist daz weseu des puutes. 
nu vernemet, waz der cirkel sey, den 
si umblauffen hat. der cirkel ist alles, 
daz di heileg drivaldicheit ye ge- 
Avorcht. und Avavon Leizzet daz Averch 
der drivaldicheit ein cirkel? dicz 
merket: sie hahen geAvorcht, di drei 
person, ir eigen bild au allen dingen, 
di redlich sint. alzo ist di drivaldicheit 
ein Ursprung aller ding und alle ding 



Darumme^) sprichet die sele in der 20 
minuen buche: ich hau den cirkel 
ximmelauffen, ich enkunde nie zu ende 
kommen. 

Den cirkel, den die sele ummelauffen 
hat, daz ist allez, daz die beilege dri- 25 
valtekeit geAvorhte. daz Averg der dri- 
valtekeide heiszet ein cirkel, sprichet 
ein meyster. AA'anue die dri personeu 
hant geAvorht[etJ ir eigen bilde an allen 
dingen, die do redelich sint. also ist 30 
die driveltekeit aller güden dinge ein 



1) Fehlt Na und Pfeiifer. 

2) 'si alle' Na. 

2) 'daz heizt ez daz hertz' N^; der Satz fehlt bei Nikolaus. 'Avan 
alliu gelide nement von ime, da von' Pfeiffer. 

") 'sehent' Ni>; 'seht' Pfeiffer. 

^) 'in iren naturen' N^. 

") Das Folgende bis 'ungeteilet' nur bei Nikolaus. 

') 'der gütlichen natur' Ni>. 

<") Vgl. Pfeiffer 503, 17—19. 

°) Jostes Nr. 67 und Pfeiffers Traktat XIII haben von hier an keine 
Berührung mehr mit Nikolaus, nur Jostes Nr. 6; dazu tritt als Parallele jetzt 
eine andere Stelle bei Pfeiffer: 503, 20 ff. Dazu vgl. Strauch, AfdA. 9,126 
Anm. unter Nr. 10. 



92 



N: 

di eilent wider in iren tirsprunk. daz 

ist (der) cii-kel, deu di sei uml)lauffe[n]t. 

wenne uinblauffet si den cirkel? 

swenne sie bedenkt allez, daz er ge- 
5 schaffen hat, daz er dez tausent stunt 

mer oder an mazze geschaffen mocht 

haben, ob er wolt. alzo hat si den 

cirkel nmlauffen, si en(lli>)kan ez 

ober nicht ze ende chomen. daz ist 
10 daz aller minst, daz er geschaffen hat, 

daz enkan si nicht diu'chgrundeu an 

siner "wirdicheit. swen di sei alle 

diuk alzo umblauffen hat, so Avii-ft si 

sich von allen dingen in daz punt dez 
15 cirkels. daz punt ist di mugenheit der 

drivaltikeit, in der si alle dinch ge- 

worht ha[ben]t nnbe"we(ge)lich. darin 

■wivt di sei alvermugend. (Vgl. Pfeiffer 

503, 20-34.) 

20 Der Predigtteil schliefst oline weitere Eiitlelimmg: 

Alse s. Paulus sprichet : omnia possum in eo , qui me confortat. dovon 
alleine in deme selben gotlicheu weseue ist der seien rinve. wanne in ime ist 
ein zuflusz aller richtilmme und ein zuflusz aller gflde. wanne got iu sirae 
wesene ist ein lieht und ein vriede und ein rüwe unde eine vreude und ist 
25 seibir die hymmelsche crone und ist in siure milten güde die obirste ere, die 
der seien louet mit der obirsten selekeit. 



Ursprung, und alle ding ilent Avieder 
in iren lu'sprung. diz ist der cirkel, 
den ummeleuffet die sele, wanne sie 
gedenket an alles, daz got geschaffen 
hat, daz er des dusentstunt me oder 
unmezlichen me geschaffen mohte han, 
ob er wolte. also leuffet sie den cirkel 
umme, sie enkan ez abir nit zu ende 
kommen, wanne daz minneste, daz 
got (117'') geschaffen hat, daz enkan 
sie nit durchgj-ünden au sinre wii'de- 
keit. wanne die sele danne alle ding 
also durchleuffen hat, so Avirffet sie ■) 
sich von allen dingen in daz centrum 
des cirkels, daz ist in die gewalt und 
in daz einfeltege wesen der beilegen 
drivaltekeit, iu der die sele alle ding 
virmag. 



Von kurzen eigenen Sätzen eingerahmt stellt in diesem 
Sermon eine Entlelinung, welche zAvei verschiedene Eckhart (?)- 
stücke aneinandergereiht zu haben scheint. Der erste Teil der 
Entlehnung findet seine Entsprechung in Pfeiffers Traktat XIII 
V071 dem anefluzze des vater = Jostes Nr, 6 und 67 ; der zweite 
Teil in Pfeiffers Traktat XI, 2, dem zwar Jostes Nr. 6, aber niclit 
mehr Jostes Nr. 67 entspricht. Zunächst sind die beiden ge- 
nannten Traktate bei Pfeiffer zweifellos aus verschiedenen 
Predigten zusammengesetzt. So hat Pfeiffer XI, 1 (= Jostes 
Nr. 2) 2) mit XI, 2 und 3 (= Jostes Nrr. 37. 6) ») eigentlich nichts 



1) Hs. 'er'. 

^) Auch Stuttg. Cod. theol. et phil. 155 fol. 131. 311"— 315 d [hier nennt 
sich zweimal ein Bruder Hans als Verfasser. St.]; v. Arnswaldt-Berliner Hs. 3156 
Bl. 143=' (Laugenberg S. 185). 

») Stuttg. Cod. theol. 8" Nr. 18 Bl. 213 ^ hat die Polge XI, 2. 3. 1 (s. 
AfdA. 9, 126). 



93 

zu tun, nur die beiden letzteren Stücke werden von Meister 
Eckhart herrühren. 

Das Entscheidende für die Beurteilung des Verfahrens 
unseres Otterberger Mönches liegt darin, dafs auch Jostes Nr. 6 
die Stücke aus Pfeiffer XIII und XI, 2 mit einander vereinigt 
zeigt. Mögen diese Stücke ursprünglich einer und derselben 
Predigt angehört haben oder nicht, jedenfalls gab es Sammel- 
predigten, welche diese Stücke vereinigt hatten, und eine solche 
Sammelpredigt, in der unser Stück aus Pfeiffer XI, 2 direkt 
auf das andere Stück aus Pfeiffer XIII folgte, muls Nikolaus 
als Vorlage gedient habeu. Dem Sinne nach ist eine unmittel- 
bare Verknüpfung der beiden Stücke, wie sie Nikolaus bringt, 
Avohl denkbar. Von dem Gedanken, dals Gott ohne Ende ist, 
war der Übergang zu dem Bilde des Zirkels für das Wesen der 
Gottheit leicht gegeben (s. oben S. 91, 17 f.). 

Hat aber hier Nikolaus nicht zwei einander fremde Stücke 
aneinandergereiht, sondern in einer Sammelpredigt (wie Jostes 
Nr. 6) ein geschlossenes Stück schon vorgefunden, so kann auch 
für Nr, 19 jetzt als wahrscheinlich gelten, dafs er dort im ersten 
Teile die beiden Stücke aus II, 14 und 32 nicht willkürlich 
aneinandersetzte, sondern sie bereits vereinigt einer und derselben 
Predigt seiner Vorlage entnahm. 

21. Bl. 15*. Dominica IE de adventu. Quecunque 
scripta sunt, ad nostram doctrinam scripta sunt. 

Der erste Teil beginnt Bl. 16'': 

Zu deme ersten male suUen wir wiszen, daz die sündere sullent lesen 
in deme ersten buche der künste, waz sie dun oder laszen sullent. nnd daz 
■\viset sie aucli der proplieta David und sprichet: declina a malo et fac bonura. 
du daz güde unde laz daz böse, (16°) so wirdest du behalten ewecliche. der 
mensche sal laszen allez, daz got verboden hat, und sal irfüUen allez, daz 5 
got geboden hat, daz sint die zehen gebot, und sal nachvolgen dem wisen 
raden unsers herren Jesu Cristi, der uns redet zu aller voUenkommenheit. 
diese drü stücke sint bezeichent bi drin dingen, die wir in deme paradyse han. 
daz sint zwene bäume und ein bume. der erste bäum heiszet lignum scientie 
boni et mali. wer des baumes fruht iszet, der erkennet übel und gut. alse 10 
Adam, da der disses baumes fruht az, do bekante er gotdes güde und gotdes 
wisheit und sine eygene sünde und sine bloszheit mit schäme und verbarg 
sich, also emphehet der mensche bekentnüsse übeles und gudes von der ver- 
nünftekeyt der verbodenen dinge gotdes. der andere bäum der heyszet daz 
lebende holtz, lignum vite. wer der baumes fruht iszet, der lebet gar lange. 15 
bi dem bäume aint uns bezeichent die zehen gebot, wer die heltet, der hat 



94 

ein ummerwereude leben in gotde. daz dritte, daz wir vinden in deme para- 
dyse, daz ist ein bnrne, der allez daz paradys berhefteg machet nnd deilet 
sicli in viere fliisze. also bat der lebende bnrne Jesus Cristns, der ist nz- 
gequollen von deme grundeloseu abpetgruude gotlicher woUustekeit, der(lG<i) 
5 bat sich uns berhefteclichen uzgegoszen und redet uns in dem evangelio, daz wir 
snllen halten senftmüdekeit, küschekeit, armüde und gotliche minne. damide 
mäht du wieder kommen ane allez hindernüsse in daz hymmelsche paradys. 

Wände i) do der mensche uszer dem paradj'se gestoszen wart, da satzete 
got davor drierleye hüde. die eyne was engelsche nature. die andere was ein 

10 swert, daz^) da zu beden siten sneit. die dritte was, daz daz swert füreg was. 
engelsche nature bezeichent luterkeit godes. wände da der wäre gotdes snn 
Jesus Cristus quam uf daz ertriche, der ein luter Spiegel ist ane flecken, da 
brach 3) er die erste hude uf unde brahte xmschult und luterkeit in mensliche 
nature uf daz ertriche. 

15 Die*) andere hude was daz snidende swert. daz was meusliche jamer- 

keit, die nam imser herre uf sich an deme hohesten. darumme sprichet Ysaia: 
vere languores nostros ipse tulit. er sprichet: got der hat durch uns werlichen 
geliden und hat unser sünde vordileget und hat mit sime menslicheme lideue 
tmser ewegez liden abegenoramen. 

20 Daz 5) furege swert bezeichent die gotliche furege minne, ane die der 

mensche nit mag zu hymmel kommen, die brahte der gotdes suu mit ime 
unde (17") brach die dritte hude uf. wände er hatde mit der selben minnen 
den menschen lieb, e dau er geboren wart, und Jeremie : (in) caritate perpetua 
dilexi te. darumme^) so ist nu der hymmel uffen ane allerleye hüde, daz der 

25 mensche kün[t]lichen mag gen zu gotde mif) gotlicher minnen. 

On,31:«) 
Ecce nova facio omnia. 
108 a Daz allir eginlichiste werc der 
heljgin ist minne. wan minne ist daz Wände minne ist daz allerhoheste 
30 allir groiste werc. si ist so groiz, daz werg und ist also grosz, daz nümmcr 
uuramer kein mensche, die wile he hi kein mensche , die Avile er hie lebet, 
lebet, da zu cumit, daz he voUiu muge darzü kommen mag, daz er vollen 
irkennin, waz minne si. möge bekennen, waz minne si. 



1) Vgl. 1, 1: ZfdA. 15, 375,62—71; s. auch oben Nr. 19, S.84 Anm. 1, 
wo auch auf die Varianten in einer Kasseler Hs. (C) hingewiesen ist. steht 
Nikolaus hier näher als C. 

2) In OC sind hier und im folgenden die Eigenschaften des Schwertes 
umgestellt. 

3) Hs. 'brahte'. 

*) Vgl. ZfdA. 15,375,77—370,81, doch weicht gegen Ende Nikolaus 
von 00 ab. 

5) Vgl. ZfdA. 15,375,72—76. 

«) Vgl. ZfdA. 15, 376, 82. 83. 

') 'mit gotlicher minnen' nur bei Nikolaus. 

^) Vgl. Preger, Geschichte der deutschen Mystik 2, 155. Als Autor der 
Predigt wird in ein Barfüfser Lesemeister genannt. 



95 



0: 

Man halt wol hoffeniiDge da, daz 
man in der minne si, und zechin. ez 
mac ancli ein niensclie wiszin fon 
godis ofünbarunge , daz he in der 
minne si, he inmac aber nicht wizzin, 
ivaz minne si. 

Wan wilich diuc man irkeunin sal, 
des Sache mniz man irkennen und daz 
ende des dingis, da zu ez ist (dazu am 
Eande: id est ohiectnm). 



Nu ist got alleine der eiginliche 
Tviderworf der minne, alse di varwe 
ist der geginworf des augin. 

Wan dan niman mac irkennen, waz 
got si, darumme inmac auch niman 
irkennen, waz minne si. 

Wan minne sezit si(ch) zumale in 
got und got in si und der des ein noch- 
volgin sal hahin, der muiz habin ein- 
trcchticliche minne, und ie die minne 
eintrechticlicher ist, ie si uns me in 
got setzit und got in uns. und fon 
der cinunge wirdit der mensche got- 
var, also daz he gotliche werc werkit 
zu allin zidin, und darumme werdin 
alle ire werc almechtige werc. 

Alse man sprechit fon den heiligin 
in deme ewigin lehine, daz ir werc 
almechtic sin, wan der almechtige got 
in un werkit, wan nicht inist, daz 
got fordinin muge, wan he fordinit 
sich selbe uns in uns. und dafon ist, 
daz ein mensche, daz in der warin 
minne ist, nummer äuge uf noch zu 
getuit, ez ensi ewigis lonis wert, und 
hifon ist auch daz, daz der in der 



Man hat wole lioffenunge darzu, daz 
man in der minne si, und zeichen, ez 
mag ein mensche wiszen von gotdes 
uffinbarunge, daz er in der minne si, 
er mag aber nit wiszen, was minne si. 5 

Wände ez sprichet Aristoteles primo 
Physicorum : quod ') tunc unumquoque 
arbitramur, cum causas et principia 
eins cognoscimus usque ad elementa. 10 
er sprichet: welech ding man erkennen 
sal, des sache müz man erkennen und 
daz ende des dinges, darzu ez ist. 
Obiectum caritatis. 

Nu ist alleiue got der widerworf 15 
der niinnen, alse die varwe ist der 
gegenworf des äugen. 

Wände nu nieman mag erkennen, 
waz got si, darumme auch nieman 
mag erkennen, vraz minne si. 20 

Wanne minne setzet sich zumale in 
got und got in sie unde (17^) der des 
ein nachvolgen sol haben, der müsz 
haben ein(t)rehtecliche minne, und ie 
die minne eintrehteclichir ist, so sie 25 
uns ie me in got setzet und got in 
uns. und von der einuuge wirt der 
mensche gotvar, also daz got wirket 
in allen sinen werken, unde danimme 
werdent alle sine werg almehtege 30 
werk. 

Alse man sprichet von den heylegen 
in deme ewegen lebene, daz ir werg 
almehtege werg sint, wände der al- 
mehtege got in en wirket, wände nit 35 
enist, daz got vordienen möge, wände 
er verdienet sich selber uns in iins. da- 
von ist der mensche, der in der waren 
minne ist, obe er nümmer aiige uf 
noch zu getede, eAveges lones wert. 40 
er get auch ummerme vor sich ixnd 



^) Das lateinische Citat nur bei Nikolaus. Dal's gleichwohl solche ein- 
gestreuten lateinischen Citate nicht von Nikolaus herrühren, beweist die mit 
Nikolaus übereinstimmende Eandnote in (vgl. Z. 10 und 14). 



96 

0: 

warin minne ist, mumirme for sich nimmet ummerme zu an dugenden 

geit un ummirme zu nimit an dem und an heylekeit, biz er kommet zu 
Worte, daz he sprichit: alle.i) deme himmele. 

Nikolaus hat ohne eigenen Zusatz hier Entlehnung- und Predigt- 
teil beendet. 

Der zweite Teil beginnt: 

Zu dem andern male sol der drege mensche in deme andern buche 
der gewiszende lesen mit sines hertzen andaht und betrahten mit rüwen alle 
sine Sünde, die er hat vollenbraht, und merke auch alle sine sumnüsse unde 
pruve, was er davon hat verlorn: daz ist daz ewege leben, des lesen wir 
5 ein Urkunde in der alten e, daz der küneg Balthasar von Babylonien fiir zu 
Jherusalem und beraubete den tempel und nam daz güldene gefesze, daz zu 
(17c) deme elter gehorte, und fürte ez mit ime gein Babylonien und drang 
daruz. und da er zu einre zit saz in sime sale in groszer hoffart mit sinen 
dieneren, die auch drunken uszer den neppen, da sach er an die wende eyne 

10 haut schriben drü wort, mane techel phares. id est: numeravit, appendit, 
divisit. der sehrifte bedütnüsse wart ime gesaget, daz got hete sin riebe ge- 
zalt und gewegen und hette ez geteilet sinen vienden. daz geschach auch 
kurzlichen, sine viende quamen und erslugen en und deileten sin riebe uuder 
sich, also ist deme sundere gesrieben : mane thechel phares. got hat zu deme 

15 ersten male gezelet alle dine sünde, unde der ist vile. so hat er zu deme 
anderen male gewegen dine guden werg und hat weneg funden, vond dinre 
Sünden viele ist. unde darumme volget daz dritte darnach, daz din gut ge- 
teilet wirt. an dime lesten ende so wirt din gut der werlete, din fleisz den 
wormen und dine sele deme düfele, ist ez, daz du in dotsünden stirbest. an 

20 deme jüngesteu dage so geschiehet al diese deylunge, so wirt des sünderes lib 
und sele mit einander geteilet von alleme hymmelli(s)cheme here in den helle- 
grunt. und darumme daz wir it also abegeteilet werden, so suUen wir be (17 ^')- 
trahten unser sünde mit ruwen und mit bihte und mit bekerunge. damide 
so kommen wir zu der obrrsten selekeit. und darzu wecket uns got und ruret 

25 uns degelichen mit sinre gütlicher gnaden. 

Wir'^) lesen in dem evangelio, daz der engel rurte in einre stunden 
daz waszer. dovon gewan ez so grosze craft, daz ez die lüde gesunt mähte 
von allerleye suhte. unde^) daz was ein grosz ding, vil groszer ist, daz gotdes 
sun rurte mensliche nature in unser vrauwen libe. dovon ist alle menslich 

30 nature seleg worden, noch groszer selekeyt ist daz, daz got mit sime libe 
rurte daz waszer in deme Jordane, da er geteufet wart, damide hat er craft 
gegeben allen waszeren, also (daz) der getaufte mensche gereiniget wirt von 
allen Sünden. 



^) Damit geht der Barfüfser Lesemeister zu einem neuem Predigt- 
teile über. 

2) Hier brach oben S. 94, 25 die Eckhartpredigt 1, 1 ab, um nun fort- 
gesetzt zu werden. Vgl. ZfdA. 15, 376, 86—93. 

8) 'unde— ding' fehlt in OC. 



9? 

Aber*) noch groszer selekeit ist daz, tiaz got deu süiidere i;f ertriclie 
alle zit rüret mit sinre gotlicben gnaden, und raanet en zu bekeninge sinre 
Sunden, und Torbaz me die sunde lasze und daz gude du, daz er deylliefteg 
werde des hymmelsclien riches. daz ist die obirste selekeit. 

Der Predigtteü ist liier zu Ende, In diesem Sermon hat Nikolaus 
eine, schon im zweiten Teil von Nr. 19 benutzte Predigt in zwei 
Teilen nochmals verwendet. In Nr. 19 brachte er den Anfang, 
hier in Nr. 21 bringt er im ersten und zweiten Teile Mitte und 
Ende jener Eckhartpredigt. In seiner Quelle mag sie so aus- 
gesehen haben, wie sie durch Zusammensetzung der drei Ent- 
lehnungen vor uns liegt. 

Auffällig ist, dals Nikolaus im ersten Teile dieses Sermons 
an jenes mittlere Stück der Eckhartpredigt eine dieser nicht ange- 
gehörende Stelle aus eines Barfülser Lesemeisters Predigt anhängt. 

Wie, wenn die ganze Stelle doch eigentlich in die Eckhart- 
predigt gehörte! Wenn sie in der Quelle des Nikolaus dem 
Eckhartstiick ZfdA. 15, 375,62 — 83 unmittelbar folgte! Die 
Predigt 1, 1 ist doch nur ein mageres Exzerpt. Aber freilich 
auch C (s, oben S. 94) weiCs von dem Stück von der Minne 
nichts. 

Es muls dahingestellt bleiben, ob hier eine einheitliche 
Predigt als Vorlage angenommen werden darf, oder ob unser 
Otterberger Mönch sich eine Ausnahme gestattete, indem er 
Stücke verschiedener Predigten aneinanderreihte. 

Ergebnis. 

Die im zweiten Kapitel gefundenen gemeinsamen Züge der 
Entlehnung haben sich im allgemeinen bestätigt. Es ist in den 
Sermonen des dritten Kapitels noch deutlicher hervorgetreten, 
dals Nikolaus die Entlehnung gern von dem Testwort der be- 
nutzten Predigt ausgehen lälst und dafs auch die lateinischen 
Citate der fraglichen Stellen nicht erst von ihm herrühren. 
Dazu hat sich ergeben, dals Nikolaus fremde Predigten zwar 
zuweilen zerlegt, sie dann aber kurz hintereinander verwendet 



1) Der folgende Abscbnitt stimmt nicht mehr mit OC übereiu ; er könnte 
von Nikolaus herrühren, andererseits scheint er der Abschlufs eines zusammen- 
hängenden Stückes zu sein, welches von der „obersten Seligkeit" (s. oben Z. 4) 
handelt. 

Hormaea II. 7 



98 

und zwar so, dals die einzelnen Stücke gewöhnlich in der Eeilien- 

folge bleiben, die sie in der ursprünglichen Predigt hatten. 

Ferner zeigte sich, dals solche Entlehnungen, in welche er 

eigene oder Stücke anderer mystischer Predigten hineingeflochten 
zu haben scheint, dennoch von ihm unangetastet übernommen 
worden sind, und dals solche Stücke oder Sätze, die scheinbar 
fremd zmschen Stücken der gleichen entlehnten Predigt stehen, 
doch schon in der Vorlage des Nikolaus dieser Predigt angehörten 
und jedenfalls nicht von ihm selbst herrühren. Man darf endlich 
für eine kleine Gruppe von Sermonen, in denen einander fremde 
mystische Predigtstücke aufeinander folgen, vermuten, dals diese 
Aufeinanderfolge schon in der Quelle des Nikolaus zustande ge- 
kommen war, wenn sie nicht gar ursprünglich ist. 

Damit ist die wichtigste Frage der Einleitung gelöst. 
Nikolaus von Landau hat die mystischen Predigten so unver- 
ändert übernommen, dafs sein Text durch seine Entlehnungen 
eine wertvolle Fundgrube für die Feststellung der 
Predigttexte Meister Eckharts und seiner Schüler wird. 



Viertes Kapitel. 

Die Quelle der entleimten mystischen Predigten. 



Es sind noch zwei Fragen der Einleitung zu beantworten: 
ob Nikolaus aus einer fremden Sprache entlehnte und woher er die 
entlehnten Stücke nahm. Es wäre denkbar, dals Nikolaus selbst 
Meister Eckhart gehört hätte und nach der Erinnerung, viel- 
leicht durch kiu'ze, selbstgemachte Notizen unterstützt, dessen 
Predigten für seine Sermone ausgenutzt hätte. Die wörtliche 
Übereinstimmung langer Satzreihen von Nikolaus' Text mit 
anderen Texten, vor allem mit 0, lälst sich indessen ohne eine 
geschriebene, ausführliche Vorlage unmöglich erklären. 

Diese Sammlung von Predigtexzerpten, die nicht nur Eck- 
hart, sondern auch anderen mystischen Predigern wie Florentius 
von Utrecht, Hermann Franko, Helwig von Germar, Hane dem 
Karmeliter, Hermann von Loveia, Eckhart Rübe, Bruder Kraft 



99 

und dem Barfüfser Lesemeister (s. im einzelnen Anhang- b) zu- 
gesclirieben werden, rührt gewifs nicht erst von unserem Otter- 
Tberger Mönche her. Denn Otterberg möchte ihm wenig Gelegen- 
heit zu so imifassenden Aufzeichnungen gegeben haben. Durch 
den freundschaftlichen Verkehr der Klöster untereinander, im 
engeren Kreise der Cisterzienser, i) etwa von Eberbach her könnte 
ihm die Sammlung in die Hände gekommen sein. 

Die nächste grölsere Stadt war für ihn Mainz. Dort, wo 
mit dem Verkehr auch das geistige Leben schneller pulsierte, 
Avird auch die neue Predigtweise Verbreitung und einen schrift- 
lichen Niederschlag gefunden haben. In oder um Mainz glaube 
ich den Entstehungsort der Predigtsammlung suchen zu müssen, 
welche Nikolaus in seinen Sermonen ausgeschrieben hat. 2) 

Dals unser Otterberger Mönch aus einer fremden Sprache, 
der lateinischen, seine Entlehnungen entnommen und übersetzt 
haben sollte, ist nach dem bisherigen Gange der Untersuchung, 
obwohl ein Satz der Einleitung (in linguam maternam reäegi 
s. oben S. 7) darauf hinweisen könnte, von vornherein sehr wenig 
wahrscheinlich. Wir besitzen nur eine lateinische Predigthand- 
schrift von Eckhai't. 3) Seine lateinischen Predigten waren auch 
damals schwerlich weiten Kreisen zugänglich. Sie sind in Auf- 
bau und Ausführung straffer und vollständiger ^) als die deutschen 
Texte, welche ja nur auf Nachschriften beruhen. Gerade auf 
solche Exzerpte und Nachschriften aber weisen die Entlehnungen 
des Otterberger Mönches mit ihren mancherlei Kürzungen und 
Fehlern hin. Wie würde auch Nikolaus ganze Stücke hindurch 
manchmal genau dieselben Ausdrücke wie die verglichenen 
deutschen Texte gefunden haben, wenn er aus dem Lateinischen 
übersetzt hätte! Nikolaus von Landau hatte sicherlich eine 
deutsche Vorlage, aus der er seine mystischen Stücke ausschrieb. 
Nur so finden gewisse Lücken und Satzverstümmelungen in seinem 
Texte eine Erklärung. Solche Lücken (s. oben S. 45 Anm. 1 und 
S. 49 Anm. 7) finden sich auch in der folgenden Predigt. 

S. die EinleituDg; Priebsch, Deutsche Handschriften in England 1, 143 
und namentlich Sievers, Oxforder Benediktinerregel. Tübingen 1887. 

^) Die Osforder Hs. (Land. Mise. 479) stammt aus Mainz (Diefs hiiclie 
ist der Carthuser by Ments 331. 65^ am Eande; Iste liher paitnet ad domum 
montis sancti Michaelis prope Magunciam ordim's Carthusiensis Bl. 1141*). 
Priebsch, Deutsche Handschriften in England 1, 148. 

^) Vgl. Denifle, Archiv f. Litt, und Kirchengesch. des Mittelalters 2, 675. 

") Vgl. Denifle, ebenda 5, 358 ff. 



100 



De purificatione. Suscipe benedictionem, 



22. Bl. 110«=. 
quam attuli tibi. 

Der zweite Teil beginnt Bl. 112'': 

Zu deme andern male sullen wir merken, daz daz seldenriche opplier, 
daz Maria alse linde brahte in den tempel, daz was eine berlieftege gäbe, die 
in ir Mit alle begnngede nnserre notdorfte. die begnngede quam von sime 
segene. benedictione. segen ist also vil, alse ein wolreden. nn hat Cristus 
wol geredet, da er cristenen glauben lerete in deme tempel. wanne er bat 
die seien damide brabt in eine zünemende berbeftekeit sinre gnaden mit Avis- 
beide und mit sinre gotlicben lere. 

N 



(Jostes, Meister Eckbart Nr. 44) : 
10 GO^ Cristus saz und lert. an disen 
werten sint bedeutet dreu dincb. daz 
erst ist, er sacz ; daz ist ein ru. swer 
da sitzet, der ist bereiter, lauter dincb 
volbringen, dan der da stet oder get. 
15 sizzen bedeutet ru, stan bedeutet ar- 
beit, gen unstetikeit. herum sei di 
sei sitzen, daz ist in einer verdi'ucten 
dimuticheit uuder allen creaturen. 
darum chomet si in einen gerasten 
20 frid. den frid ercbriget si in einem 2) 
libt ; daz libt Avirt ir gegeben in einer 
stilheit, da si in sitzzet und Avouet. 
(Ygl. 1, 15. ZfdA. 15, 383, 2-384, 8.) 



25 



30 Heruf bischof Albrecht : dicz si sach, 
daz man di meister sezze, di da lern 
sullen di chunst. Avan AA'er lige[n]t, 
dem gent di groben geist, daz ist daz 
grop blut, uf in daz hirne unde ver- 

35 dunstern daz verstantnüz. Avan aAA'er 
der mensche sitzet, so sinchet, so 
sitzet daz grob blut und die erlaubten 



Dovon sprach der evaugelista : Jesus 
sedebat in templo (112«) docens. er 
spricbet : da Jesus Cristus, unser herre, 
AA^olte die AA'erlet bekeren, da saz er 
in deme tempel und lerete cristenen 
glauben, daz er saz, daz bediidet 
ruwe; Avamie sten, daz bedüdet arbeit, 
und gen bedüdet unstedekeit. dar- 
umme sal die sele sitzen, wanne ez 
spricbet Aristoteles in quinto Physi- 
corum, quod anima sedendo et quies- 
cendo erit prudens. wanne die sele 
in einre stillen rmve sitzet, so wirt 
sie wyse. so ist sie in einre ver- 
drucketen demüdekeit ; so kommet sie 
in einen geruwegen vrieden. den 
viieden herkrieget sie in eime liebte ; 
daz lieht wirt ir gegeben in einre 
stilheit, da sie inne sietzet und ruwet 
und wonet, sprechent die lerere. 

Ez sprichet auch ein meyster: daz 
ist die Sache, daz die meystere sitzent, 
die do leren sullent die kunst. wanne 
wer da liget, deme gent die groben 
geyste, daz ist daz grobe blut, uf zu 
deme hirne.^) 



*) [Auch in der v. Aruswaldt-Berliner Hs. 3136 Bl. 196 a, s. Langenberg 
S. 184. St.] 

2) 'einen' N. 

3) Homüoteleuton bat den Ausfall bei Nikolaus bedingt; er schrieb also 
nach einer Vorlage. 



101 



N 



er. 



geist tragen si iif ze dem hirue, so So wirt daz gehugnüsse lierMhtet. 

wirt die memorie erlaubtet, heruml) und darunime saz Cristus in deine 

saz Cristus in dem tempe], daz ist in tempele, daz ist in der sele, die er 

der sei. daz ander Avas, daz er lerete. lerete. 

er*) lert unser verstantnuz, wi di 5 

wurclien sold. wan waz da leren sol, Waz uu leren sal, sprich et ein 

daz leret nach dem, daz er selber ist. meyster, daz leret nach denic, daz 

darum wan Cristus ein verstantnuz ez selbir ist. von nu Cristus ein lixter 

(ist), so lert er unser verstantnuz. verstentuüsse ist, darumme so leret 

(Vgl. ZfdA. 15, 38i, 9—19.) er auch unser virsteutnüsse. 10 

N: 

Eia, uu merchent dicz wort mit fliz. ditz spricht ein hoher meister 
von den chunsten: Cristus hat vier hand chunst in im. di ein chunst, die 
er nach der gotheit hat, di ist, daz er hechennet allez, daz der vater bechant 
in dem wesen und in den person, und allez, daz er getan hat und nu tut 
und tun sold und daz er tun mobt, ob er wold. dicz hechennet er in dem 15 
wesen und auch di bild alle, di in der mittel person siut, di der vater ansiht 
in dem sun und der sun in dem vater nach den person. alein ez ein got si 
an dem wesen, da ist doch underscheit an den person nach der reden, dicz 
hat er von der gotheit. wan es mobt in kein creature. ditz ist got und ist 
kein creature. ein chunst het er von der menschet, daz ist, daz (er) di 20 
mugentbeit enphahen mag und daz si auch erfüllet wirt. in di mugeutbeit 
bat er gedrucht di bild. in der mittelsten person sint si alz verre, alz muglich 
was, daz di sei bechent alle diuch, di da geschehen sint und di noch geschehen 
suUent. awer (61 i^) di got noch tun möcht, ob er wold, und daz nimer ze 
liht cliumt, des enchant si nicht, daz gebort got alein ze. dicz-) übt ist 25 

creatur und ist doch seiner seien übernatürlich; doch wo sein sei , schauwet 

si got, als si heut dicz tages tut. di ander 3) chunst ist di gemeinheit mit 
den eugeln, daz ist, daz di diuch in ir*) gebildet siut. 

Her'^) of spricht s. Dyonisius: da got di engel geschuff, da gab er in 
bild aller dinge, daz habeut si natürlich, alze hat Cristi sei in ir naturlich 30 
aller ding bild, eigenlichen ze vernemen von sein[e] selbes bild, daz er in^) 
gegeben hat, und er doch daz bild selber nicht enist. alz daz ingesigel seine[r] 
form dem wachse gibt und es doch mit im nicht vermenget wirt. daz vierd, 
daz Cristus hat, daz was ein zenemen der chunst. daz lag an den liplichen 
sin(n)en, alz wir hernach beweisen wollen, nu merchent die vermugentheit, 35 
di er bat an iglicher chunst. 



1) Der Satz fehlt bei Nikolaus. 

=>) Vgl. ZfdA. 15,384,311 

3) Eichtiger wäre 'di dritte' s. Z. 12 und 20. 

Lies 'in'? Vgl. 104,28. 

=) Zu Z. 29-33, vgl. ZfdA. 15, 384, 33—38, ebenso Nikolaus S. 102, 31 ff. 
und Nikolaus bringen also an anderer Stelle nur einen Eest dieses ganzen 
Predigtteiles. 

c) Lies 'ir'? Vgl. ZfdA. 15, 384,36 imd unten S. 102,36 bei Nikolaus. 



102 



N: 

Di erst chuust, di got ist, damit 
beeliaut er daz da ist an der ewigeu 
fursilitikeit. alles das gescheheu ist 
und nn ist und ummer uier werden 
5 sol und noch geschehen moht, ob er 
Avold, und doch nimmer mer ze liht 
chumt, daz hat doch wesen an seineu 
Avesen und nicht au im. mit dir 
chunst sach er in der leu[h]t herzen 

10 und alle di werch, di der gotheit ze- 
gehornt, di worht er mit diser craft. 
dicz vermoht Cristus an der chunst, 
di got ist. (Vgl. ZfdA. 15, 384,20 
bis 25.) 

15 Di ander chunst Cristi di ist crea- 
ture. daz ist gesprochen von der seien, 
di ir ingegozzen Avart an ir geschephe. 
daz ist über natur. darum gebrauchet 
si (gotes suu)^) und schamvet got an 

20 seinen Aveseu. hie^) an eagiench im 
ui ze noch abe. mit diser chunst ver- 
moht er daz, daz er bechant allez, 
daz ie geschah und nu ist und immer 
mer geschehen sol. sunder*) daz, daz 

25 gotz vermugentheit vermoht, ob er 

AYold, daz si nicht au got, daz Avas 

ir verborgen. (Ygl. ZfdA. 15, 3Si, 25 

bis 31.) 

Die di'itt chunst ist, die er hat mit 

30 den eugeln. di habent pild aller ding, 
als hat Cristus. di ist ir imturlich. 
her an ennam si*) ze noch ab. hi 
mit vermoht si, daz si bechant alle 
gegeuAvertige dinch und di nu Averdeut; 

35 aber di nicht, di noch Averden schullen. 
als der eugel nicht becheunet ze- 
chuuftig dinch, si Averden im dan ge- 
offeuAvaret von got. er hat es niht von 
uaturen. (Vgl. ZfdA. 15, 38i, 32-41.) 



Cristus lerete vierlej'e kunst. die^) 
erste (112'') kunst Avas gotliche. da- 
mide bekante er daz da ist an der 
eAvegen vorsiethekeide , uit alleine, 
daz da ist und Averden sal, auch allez, 
daz er selbir vermag in siure grunde- 
losen gotheide. mit dirre kunst sach 
er in der lüde hertze und in ir sinne 
unde in ii" gedenke und Avorhte mit 
dirre kunst Avoudir unde zeychen und 
Avaz er Avolte. 



Die andere kunst Cristi unsers 
herreu, die ist geschaffen, daz ist die 
kunst, die sinre seien iugegoszen A\'art, 
da sie geschaffen Avart. und die kunst 
ist ubirnaturlich. darumme gebruchete 
sie godes sun und schauAvete got an 
sime Avesene und bekante allez, daz 
got ie durch in geschuf, daz*) be- 
kante er in deme ubtfuaturlichen 
liebte siure seien; AA'ande er Avas got 
unde mensche. 



Die dritte kunst, die bade er mit 
den eugeln. die haut bilde aller 
dinge, species concreatas. s.*) Dyo- 
nisius der sxnichet: da got die eugele 
geschuf, da gab er in bilde aller dinge, 
daz haben sie natm'lichen. also hat 
Cristi sele an ir uatm'Hche aller dinge 
bilde, daz er ir gegeben hat, sprich et 
ein meyster, und er doch daz selbe 
nit enist. alse daz ingesiegel deme 
Avashe sine forme gibet und doch ein 



') In Einzelheiten geht die Vorlage des Nikolaus in diesem Abschnitt 
ihre eigenen Wege. 

2) 'gotes sun' fehlt N, 'sun' fehlt 0; Nikolaus allein hat den richtigen Test. 

3) Der Satz fehlt bei Nikolaus. 

*) Alle di-ei Teste gehen eigene Wege. 

=) Vgl. ZfdA. 15, 384,33—38; s. S. 101, 29 ff. und Anm. 5 daselbst. 

8) 'he' 0. 



N: 



Di vird chunst, die er hat, daz was 
an der siuneliclieit. wan waz di sin 
begriff ent von') in fluzzen, da(z) wirt 
geistlich getragen in di hilderinne, 
und'*) daz verstautunz schamvet uns 
an(?). alse hat er ein zenemen als 
wir. ditz sjmcht ein hoher meister 
Thomas, daz er zenemen hah von den 
creften der sinne. (Vgl. ZfdA. 15, 
385, 42-46.) 



Nu merchent mit fleiz, waz er uns 
lert mit disen chunsten. di erst chunst, 
di got ist, auz der geflozzeu siut alle 
dinch, mit der chunst lert er uns, Avi 
Avir wider clieren sulleu unde orden 
alle dinch in iren ersten orsijrung. 
daz geschieht gentzlichen in der seien 
an dem menschen, in den gesammet 
wirdit alle manigveltig dinch und alle 
leiplich dinch in iren ersten Ursprung, 
daz got ist. und wenn der mensch 
darzu kumet, daz er sich ein mit got 
rindet, dan alrest so cheret er alle 
dinch in ii' erst sach. herauf spricht 
s. Bernhard : herre, waz ist der mensch, 
daz du in so reht lip hast, dicz he- 
schid er uns und sprach: er ist ein 



103 



mit ime uit enist. an dirre kunste 
ennam er weder zu noch abe (113"') 
und veruam alle geschehene ding. 

Die vierde kunst, die er bade, die 
was an der sinlichkeit. wanne was 5 
die sinne begriffent, daz wirt geist- 
lichen getragen in die fanthasie, daz 
ist in die bilderinnen. alse Aristoteles 3) 
sprichet in Libro de anima: oportet 
intellegeutem fantasma speculari. eine ±q 
craft der seien in deme libe heiszet 
fanthasia. in der craft sament unde 
vaszet sich daz, daz da von den uszern 
sinnen wirt vernomen und Avirt also 
braht in daz Tirsteutnüsse. dovon 15 
der mensche mag zunemen an wis- 
hej^de. an der kunst bade auch Cristus 
ein zunemen. alse s. Thomas sprichet, 
quod puer Jesus crescebat vii-tutibus 
sensitivis. Jesus Cristus, unser herre, 20 
der witsch'') in sinre mensheit an den 
creften der sinne. 

Nu suUen wir merken au disen 
kuusten. die erste kunst, die got ist, 
uz der gefloszeu sint alle ding, mit 25 
der leret er uns, Avie Avir AA'iderkeren 
sullen unde orden alle ding in iren 
ersten Ursprung, daz geschiehet in 
deme menschen, in deme gesame(n)t 
Avirt alle manegfeltekeit, die also uf- 30 
getragen Avirt in got in iren ersten 
orsprung, sprichet ein meyster. 
und Avanne der mensche darzü kommet, 
daz er sicli ein mit gode vindet, danne 
alrest keret er alle ding zu iren ersten 35 
Sachen. (113^) hie von sprichet s. Bern- 
hard : herre, Avas ist der mensche, daz 
du in so sere geminnet hast, er ist 
ein gut, in deme gesament Averdent 



^) Lies — mit 'fon büzin' — 'von enbuzen'? 
^) 'und — anj und da so vazzit iz daz iublickin des f orstentuisses ' 0. 
^) Das Citat ist in NO nicht erhalten, die Ausführung dort stark 
verkürzt. 

") wusch = wuhs. 



104 



N: 
gut, iu dem gesament werden alle 
maiiigveltige diuch iu (eine) eiaicheit. 
dicz lert er uns mit der ckuust. (Vgl. 
ZfdA. 15, 385, 47—57.) 
5 Nu merchent, waz er uns leret mit 
der chunst, di ubematurlich ist. da- 
mit lert er uns, daz wir ubergen 
scliullu alle uatiuiicheit. zu dem 
ersten mal schuUeu wii' ubergen unser 

10 eigen sinnen und darnach dnnchen 
und wenen. nu (öl*') schreit, edel sei, 
tue an dein schreithschuch! welhes 
siut der sein schreithschuch? daz ist 
verstantnuz und minne. damit schi'eit 

15 uher di werch deiner creft und schreit 
über diu eigen verstantnuz und schreit 
über di ierarchie und uher daz liht 
deiner creft und springe[t] in daz 
herze gotz, daz ist iu sein verhorgeu- 

20 heit, da solt du in verborgen werden 
allen creaturen. dicz lert (er) uns mit 
(der) übernatürlichen chunst. herauf 
sx)richet s. Paulus: ir seint tot und 
ewer leben ist verborgen mit Cristo 

25 in got. (Vgl. ZfdA. 15, 385, 57—67.) 

Nu merchent, waz er uns lert mit 

der naturlichen chunst, die er het mit 

den engelu, di aller ding bild in in^) 

habeut: also hat di sei ein muglicheit 

80 in ir, alle ding ze begriffen, herumb 
schol (si) wonen in ir selben, wan di 
worheit ist von innen und nicht von 
auzen. herauf sjuicht s. Augustinus: 
herre, wi vil der ist, di auzer in 

35 selben gegangen siut zu suchen di 
worheit, di noch ui ze in selben wider 
inchomen! darumb haut si di wor- 
heit nicht funden; wan got ist der 
seien innerst iuuercheit. dicz lert er 

40 uns mit der natürlichen-'') chuust. 
(Vgl. ZfdA. 15, 385, 67—75.) 



alle manegfeltege ding in eine eine- 
keit. daz lerete er uns mit der kunst, 
die got ist, er selber. 

Was leret er uns danne mit der 
ubiruaturlichen kunst sinre seien? 
damide leret er uns, daz wir ubirgen 
allez, daz naturlich ist, daz wir ubirgen 
unsir eigene sinne und dünken unde 
wenen, und daz die sele an sich cleide 
minne und verstentnüsse und domide 
schride ^) ubir die werg ü-e crefte und 
ubir eigene Vernunft und ubir die dri 
ierarchien und springe in die vir- 
borgene heimlichekeit godes, da inue 
sie verborgen ist allen irdinscheu 
creaturen. daz leret er uns mit der 
ubirnatiuiichen kuust. darurame 
sprichet s. Paulus : mortui enim estis, 
et vita vestra abscondita est cum 
Cristo in deo. ir siut dot, abir uwer 
leben ist verborgen mit Cristo in gode. 



Was leret er uns mit der natür- 
lichen kunst, die er hat mit den eugeln, 
die aller dinge bilde haut an in? 
dainide leret er uus, daz die sele 
auch also hat eine mügeliehekeit von 
godes Avilleu alle ding zu begriffene, 
sprichet ein meyster. darumme 
solte sie woueu in (113 <=) ir selber, 
wanne die warheit ist von innekeide. 
dovou sprichet s. Augustinus : o herre, 
Avie vil ist der, die uz in selber siut 
gegangen zu sucheue die warheit, die 
doch nie zu iu selbir quamen! her- 
umme euhaut sie die warheit nit 
vouden, wände got ist die warheit 
unde ist der seien innerste innekeit. 



1) Hs. 'schi'ibe'; das kühne Bild hat bei Nikolaus viel an Frische 
verloren. 

2) 'ir' N. 

^) 'übernatürlichen' ist zu bessern. 



105 



N: 



(laz leret er uns mit der naturlichen 

knnst. 
Nu merclient , waz er uns lert mit Damide ') leret er uns , Avie wir 
der zuneraeuden cliunst. daz ist, wi uusir menslieit und unser leben ordenen 
wir den uszern menschen orden schul- sullen und riecliten uf ertriche. und 5 
len , kiu'tzlich gesaget , in allen Iren die riehtliche ordenunge unscrs lebens 
Sachen, di ordenung- wirt volbracht wirt vollebraht mit pruvene und mit 
in hruven (der mensche sin es selbis. hekentnüsse sin selbes, wanne ez 
wan daz) der mensch sich selben er- sprich et ein lerere: daz sich der 
kennet, daz ist pezzer dan bechautnuz mensche selber bekennet, daz ist 10 
aller ding. (Ygl. ZfdA. 15, 385, 75— 80.) beszer, dan daz er allez daz bekente, 

daz got ie geschuf in hymmelriche 

und uf ertriche. 
Dise kunst hat got den menschen 

geleret in deme tempel, daz ist in der 15 

reynen seien, die ein tempel rinde ein 

wonende godes ist. 

Damit endet der Predigtteil. Die liier entleliute Predigt ist, wie 
die Fassuug von N zeigt, bedeutend länger gewesen, als sie in 
und bei Nikolaus erscheint. Nikolaus Avird demnach ein Exzerpt 
der vollständigen Predigt benutzt haben. In diesem Sermon 
sind uns zwei Stellen begegnet, Avelche Lücken im Zusammen- 
hang zeigen, die offenbar nur beim Schreiben nach einer Vorlage 
entstehen konnten (s. unten Anm. 1 und S. 100 Anm. 3). Dals 
die uns erhaltenen Sermone des Nikolaus Original sind, hat noch 
niemand angezweifelt. 2) Trifft aber Nikolaus selbst die Schuld 
an diesen Fehlern, so muls er ja nach einer deutschen Vorlage 
geschrieben haben, denn nur durch die gleichen deutschen Worte 
konnten derartige Versehen möglich werden. 

Damit ist die Frage der Einleitung, ob Nikolaus aus dem 
Lateinischen übertrug, Avenigstens für seine Entlehnungen aus 
dem Gebiet der deutschen Mj^stik gelöst; was er aus diesem Ge- 
biet übernahm, hat er in deutscher Sprache vorgefunden. 

Unter dieser Voraussetzung, dals Nikolaus eine Sammlung 
deutscher Predigten von Eckhart und anderen Mystikern benutzte, 
könnte man vermuten, dafs eine der uns erhaltenen Handschriften 



1) Bei Nikolaus fehlt die Frage. Auch diese Lücke wird bei der Ab- 
schrift aus der Vorlage entstanden sein, vielleicht wieder durch Homöoteleuton : 
Tgl. 'daz leret er uns mit der natürlichen kunst' worauf N 'Nu merchent, 
waz er uns lert mit der zunemeuden chunst' folgt. 

') Vgl. Allgemeine deutsche Biographie 17, 587. 



106 

solcher Predigten die Vorlage des Otterberger Möiiclies gewesen 
sei. Es fragt sicli, welche miserer Sammelliandscliriften mit den 
Eutleliuimgen des Nikolaus am meisten gemeinsames hat und 
Avelcher Text im Wortlaut ihm am nächsten steht. 

Da scheiden nun zuerst alle Handschriften aus, welche 
Pfeiffer (Deutsche Mj'-stiker Bd. II) verarbeitet hat; soweit diese 
von Pfeiffer benutzt worden sind, findet sich unter all den Predigt- 
stücken, die mit des Nikolaus Entlehnungen übereinstimmen, ') 
nur eines (Pfeiffer Nr. 50),-) welches nicht zugleich in oder N 
eine Entsprechung fände und in einem dieser Texte mit Nikolaus 
wörtlicher übereinstimmte als in Pfeiffers Texte. Es kommen 
unter den verglichenen Handschriften also nur N und in Frage. 
N selbst bleibt als solche natürlich ausgeschlossen; denn diese 
Handschrift ist jünger als die Niederschrift der Sermone, nur die 
Quellen, aus denen sie schöpfte, könnten die gleichen sein Avie 
die des Nikolaus. 

Unsere bisherige Untersuchung hat ergeben, dals bei 16 3) 
Entlehnungen, avozu sich im folgenden noch drei*) gesellen, N 
mitbeteiligt ist; fünfmal steht N allein neben dem Texte des 
Nikolaus. •^) 

Vergleicht man mit Jostes Nr. 57 (s. oben S. 78) und Nr. 68 
(s. oben S. 37) die Entlehnungen bei Nikolaus, so erscheint der 
Text unseres Mönches entschieden bessei- und vollständiger als der 
A^on Jostes; umgekehrt scheint der Text des Nikolaus kürzer 
und schlechter als der von Jostes bei einer Vergieichung mit 
Jostes Nr. 41 (s. oben S. 38); endlich macht die Entlehnung in 



Vgl. S. 9ff. -= Pfeiffer Nr. 30; S. 16 ff. = Pfeiffer Nr. 52; S. 32 ff". 
= Pfeiffer Nr. 53; S. 53 ff. iiutl 56 ff'. = Pfeiffer Nr. 97; S. 61 ff. = Pfeiffer 
Teil IV Nr. 120. 158; S. 72 = Pfeiffer Nr. 26; S. 74 ff. = Pfeiffer Nr. 76, 1; 
S. 86 ff. = Pfeiffer Nr. 8i; S. 89 ff. = Pfeiffer Traktat XI, 2 iiud XIH; S. 113 ff. 
= Pfeiffer Nr. 32 imcl 36. 

2) S. obeu S. 49. 

3) Vgl. S. 9 ff. = Jostes Nr. 70 ; S. 23 ff. = Jostes Nr. 71 ; S. 26 ff. = Jostes 
Nr. 2-1; S. 32 ff. = Jostes Nr. 60; S. 37 ff. = Jostes Nr. 68; S. 88 ff- = Jostes 
Nr. 41; S. 59 ff. imd 61 ff. = Jostes Nr. 43; S. 64 ff'. = Jostes Nr. 20; S. 71 ff. 
= Jostes Nr. 76 und 36; S. 74 ff. = Jostes Nr. 4; S. 78ff. = Jostes Nr. 57; 
S. 86 ff. = Jostes Nr. 31; S. 88 ff- = Jostes Nr. 6 uud 67; S. 100 ff. = Jostes 
Nr. 44. 

') Vgl. S. 108 ff. = Jostes Nr. 46; S. 111 ff. = Jostes Nr. 69,1; S. 113 ff. 
= Jostes Nr. 1. 

5) Vgl. S. 26 ff. = Jostes Nr. 24; S. 37 ff. = Jostes Nr. 68; S. 38 ff. = 
Jostes Nr. 41; S. 71 ff. = Jostes Nr. 76; S. 78 ff. = Jostes Nr. 57. 



107 

der Predigt de sancto Thoma (s. oben S. 71 f.), in welcher Stücke 
ans Jostes Nr. 76 und 36 nebeneinanderstellen, eine Abliänglg-keit 
des Nikolaus von N durchaus nmvahrscheinlich. Für eine Ver- 
wandtschaft zwischen Nikolaus und N spricht freilich der Um- 
stand, dals beide in demselben Stücke Stellen aus Pfeiffers Traktat 
XI, 2 und XIII bringen (s. oben S. 88 ff. = Jostes Nr. ö") und 
ferner, dals die Frage Nr. 120 aus Pfeiffer Teil IV" mit derselben 
Eckhartpredigt bei Jostes (Nr. 43) verbunden ist wie bei Nikolaus 
(s. oben S. 61 ff.). Beide Fälle aber machen doch nur wahrschein- 
lich, dafs ähnliche Sammelpredigten, wie sie in Jostes Nr. 6 und 
43 vorliegen, auch in der Vorlage des Nikolaus gestanden haben. 

Gegen eine Abhängigkeit des Nikolaus von N spricht recht 
deutlich die Entlehnung des letzten Sermons (s. oben S. 100), in 
welcher Nikolaus der kurzen Fassung von I, 15 zu folgen 
scheint, während N (Jostes Nr. 44) viel vollständiger ist. 

ist zunächst nui- an 13 i) Entlehnungen beteiligt, unter 
ihnen sechsmal-) allein. Auch weicht erheblich von dem Text 
des Nikolaus ab (s. oben S. 29 ff. = I, 13 und S. 80 ff. = 
II, 14). Dennoch steht der Test von durchgängig dem des 
Nikolaus am nächsten, wenn auch die Gleichheit selbst im Aus- 
druck nicht immer so deutlich hervortritt, wie in dem Sermon 
De adventu domini (s. oben S. 82 = II, 32) und in dem Sermon 
„Quecunque scripta sunt" (s. oben S. 94 = 11, 31). 

Zum Schlüsse sollen drei Sermone, welche in ihren Ent- 
lehnungen mit NO in Beziehung stehen, die Stellung des Nikolaus 
zu jenen beiden völlig aufklären. 

28. Bl. 272''. Pentecoste. Factus est repente. 

Der erste Teil beginnt Bl. 274"^ : 

Zu deine ersten male wart den zwelfbodeu gegeben die gäbe des lieylegin 
geistes in eiu(r)e swiude(n) zukunft; wände sie erber waren an lieilegime 
wandele allermeist offe diseu dag. wände uacli der zit heltit sich der mensche, 
und so der dac ie heileger ist, so sich der mensche ie wirdeclicher haltiu sol. 



1) Vgl. S. 16 ff. = n, 3; S. 23 if. = II, 6; S. 29 ff. = 1, 13; S. 41 ff. 
= II, 12; S. 48ff. = 1, 3; S. 52ff. imd 55ff. = II, 28; S. 59ff. = I, 5; 
S. 64 ff. = n, 29; S. 80 ff. = 11,14: und 32; S. 84 ff. = I, 1; S. 86 ff". 
= II, 2; S. 94 ff. = I, 1 und II, 81; S. 100 ff. = 1, 15; es folgen 
aher noch drei Entlehnungen: S. 108 ff. = 1, 30; S. 111 ff. = II, 25; S. 113 ff. 
= 1, 24. 

2) Vgl. S. 29 ff. = 1, 13; S. 41 ff. = H, 12; S. 80ff. = n, 14; S. 82 ff. 
= n, 82; S. 84ff. und 94fl\ = 1, 1. 



108 



nu was dirre pingestdac in der altin e undir allin dagen der hohlste, wanne 
in disme seibin dage ivorden die zehen gebot geben zw Synai offe deme berge, 
dirre dac was der fünfzegiste ') dac nach deme ostirdage 2) und wart gefiert von 
alleme volke nnd b3'zeyche(u)te aunnni iubileiim.") daz was daz L. jar, in deme 
5 mau alle scholt ledic liez und alle gevaugiu worden irlost nnd alle eigene 
lüde Avorden fri und allez nmmügeliche gut müste mau wieder geben, dovon 
hilteu sich auch die zwelf bodeu alse hüde wirdeclichen gein gode und darumme 
verdieneten sie alle den heylegen geyst. darumme sprichet s. Lucas Act. II: 
repleti sunt omnes spiritu sancto, daz die zwelf bodeu alle wordin herfuUit 
10 mit deme heylegeu geiste. 

1,30 
(Haue, der Karmeliter): 
Emitte spiritum tiium. 
53 a Ein meister sprichit: ez ist 
15 ein uugeschafün geist, daz ist got, 
und ein geschaffin geist, der da iiuzit 
von deme uugeschaffinen geiste; daz 
ist der engel und di sele. (Vgl. N 63'^ 
Jostes Nr. 4G S. 48, 21—28.) 
20 



25 Der yadir kerit sin äuge in sin 
eigin Avesiu, daz sin uatnre ist, und 
sihit sich selbiu an. und da he sich 
selbe aue sihit, da sihit he alle dinc 
zumale. und da so formet he ein 

30 wort und sprichit sich selbir in daz 
wort und alle dinc. und daz wort 
sprichit sich wider in den vader. (Vgl. 
Jostes 48, 24—30.) 



Nu'') sprichet ein meyster von drier- 
hande geiste. daz eyne ist ein (247 '•) 
uugeschaffen geyst und die andern 
sint geschaffen, der uugeschaffene 
geist ist got. wanne er ist ein 
schöpphere und ist von niemanne ge- 
schaffen, unde darumme ist er uuge- 
schaffeu. die geschaffen geiste sint 
die engel und die seien, und die 
fliiszeut von deme ungeschaffen geiste, 
daz ist von gode, der in drin per- 
souen ein wesin ist. 

Daruf sprichet ein meyster, 
daz der') vater kerit sine äugen offe 
sin eygen wesin, daz sine nature ist, 
und siebet sich selbir aue. und do 
er sich selbir anesiehet, da siebet 
er alle dinc zumale. und da so formet 
er ein wort und sprichet sich selbir 
in daz Avort und alle dinc. unde daz 
Avort sprichit sich AAaeder in den vater, 
(luia verbum erat apud deum. Job. I. 



') Hs. 'füufzehinste'. 

3) Hs. 'obirsten'. 

3) [Vielleicht kann die Stelle für die Abfassungszeit des zAveiten Bandes 
der Sermone von Bedeutung sein. Dafs Nikolaus in dieser Pfingstpredigt über 
das Halljahr spricht, erinnert daran, dafs Klemens VI. in der Bulle Unigenitus 
Dei ülius 1343 das Jubeljahr, welches 1850 gefeiert Averdeu sollte, zu dem 
alttestamentlichen Jubeljahi' in Beziehung setzte und dafs er in jenen Be- 
stimmungen an die Ausgiefsung des heiligen Geistes anknüpfte. Die Gedanken- 
verbindung des Nikolaus könnte aus diesen Bestimmungen hervorgegangen 
sein. Die Jahre 1343 und 1350 würden, da der erste Band der Sermone 1341 
fertig Avurde, recht gut als Abfassungszeit des zweiten Bandes denkbar sein.] 

•*) Im folgenden ist Nikolaus vollständiger als NO, Avelche kürzen. 

*) Nikolaus und gehen im folgenden zusammen, während N im 
einzelnen abweicht. 



109 



0: 

In disir ricliir anegesiclite, da sich 
der vadir sihit in sime sone und sich 
der son so riche sihit in deme vadere, 
da inne hahint si so groze lust, daz 
alle di wonne, di alle geiste ie ge- 
Tvnnnen nnd joch Maria selbir, daz 
ist ein nicht wider der nmmezigir 
lust, di si da fon hant in einir offin- 
barnnge gotlicher nature. alda fiuzit 
nnd also fluzit di dritte persone fon 
in beidin, daz ist der heiige geist. 
(Vgl. Jostes 48,30-36.)^) 

Snlle wir nu inphahin den heiigen 
geist, so snlle wir nns haldin in der 
wise, alse sich heldit godis geist. wir 
sullin di augin nnsir fornnft in uns 
kerin (53 '^) und sullin anesehin di 
edilkeit unsis geistlichin wesines, wi 
wer gebildit sin noch gode und daz 
wer dazu geschaffen sin, daz wir fon 
gnadin mugin geeiugit werdin godis 
geiste. (Vgl. Jostes 48, 38 — 49, 6.) 

Alse wer dan ane sehin di richheit 
unsis selbis, daz wer sullin siner rich- 
heit mit ume gebruchin, da fon sohle 
uns so groze freude instein, daz wer 
nicht uze insuchtin. also sohle wer 
uns haldin glich deme uugeschaffinen 
geiste. (Vgl. Jostes 49, G— 10.) 

Daz andir ist ein geschaffin geist, 
daz ist der eugil. noch deme sohle 
wer uns haldiu, suIle wer den heiigen 
geist inphahen tegiliche.^) (Vgl. Jostes 
49, 11—13.) 

Wan der engil starrit an uudirlaiz 
in den spigil der gotheit, und igilicher 
inphehit des gotlichin lichtis mer und 
minuir noch sinir wirdikeit, alse he 
zu gode geordinit ist. igelicher in- 
phehit und gibit deme anderin fort.") 
(Vgl. Jostes 49, 13—16.) 



In diser richer anegesiehte, da sich 
der vater in sime sone siebet und sich 
der sun so riche siebet in deme vatere, 
darinne hant sie so grosze lust, daz 
alle die wonne, die ie geiste gewonnen 5 
und auch Maria selbir, daz ist ein nit 
wieder der unmczzegin lust, die sie 
dovon hant in einer uffinbaruiige got- 
liclier nature. und also fluzit da die 
dritte persone von in bedin, daz ist 10 
der heylege geist. 

Sollen wir nu emphahen den hey- 
legen (274c) geist, so sullen wir uns 
haltin in der wyse, alse sich godes 15 
geist heltit. daz ist, wir sullen die 
äugen unser Vernunft in uns kerin 
und sollen ane sehen die edelkeit 
uusirs geistlichen wesins, wie Avir ge- 
bildet sin nach gode und daz wir darzii 20 
geschaffen sin, daz wir von gnadin 
geeyueget mogin werden godis geiste. 

Von-) deme andehtegen anegesiehte 
kumniet der mensche in die vrcude 
des beilegen geistes. 25 



Daz andere ist ein geschaffen geist, 30 
daz ist der engel. nach deme sullen 
wir aucli uns haltin, wollin wir den 
beilegen geyst emphahen degelicben.^) 

Wanne der engel der siebet ane 35 
undirlasz in den Spiegel der gotheide, 
und jegelieher emphehit des gotlichin 
liehtes me daune der andere nach 
sinre wirdekeit, alse er zu gode ge- 
ordent ist. jegelieher emphehit und 40 
giebet deme andern vorbaz.") 



1) Jostes 48, 36. 37 fehlen und Nikolaus. 

2) Hier kürzt Nikolaus gegenüber der besseren Überlieferung in NO. 

ä) Die Lesart von N ' werdiclichen ' verdient gegenüber und Nikolaus 
den Vorzug. 

") N liest 'wert, und di andern geben den nidersten wert'. 



110 

0: 

Also solde wir alle zit starrin in Also soltin auch, wir allezit sehen 

den spjgil der gotheit, nnd daz uns in den sj^iegel der gotheit, und daz 

geofnnharit worde fon gode, daz solde eime offenbaret worde von gode , ez 

wer fort*) gemeniu den, di^) ez nicht were liplich oder geistlich, daz solte 

5 blozlich iniAahin und di doch der er vorhaz gemeinen den andern, und 

seibin nature sint. daz dritte daz also niohte eins jegelichen sele, die 

ist der redeliche geist. darnoch siüle da ist ein redelich geist, von gnadin 

wer nns haldin, sulle wer den heiigen emphahen den heylegen geist.. 
geist inphahin. (Vgl. Jostes 49, 16—21.) 

10 Wan der redeliche geist heldit sich Und mogent sich danne haltin in 

in daz licht sines selbes bekentnisses daz lieht irs selbes bekeutniisses und 

nnd schanwet ane di worheit in allin schanwen an die warheit in (274'^) 

dingin alse in eime redelichin lichte, allin dingen in eime gotlichen liebte. 

Tiud da sal he forwerfin alliz, da,z got so yersmahit in danne allez, daz got 

15 nicht iuist. Eide Aver etc. (Vgl. Jostes nit enist. 
49,21—23. 30 f.) 3) 

Damit hat die Predigt in NO und die Entleliming' des Nikolaus 

ein Ende, Dieser schliefst : 

So swebet danne ubir der seien der heylege geist in eyrae unsietlichen 
20 liebte, alse er hüde sichtlichen swebete ubir den zwelfboden. so wirt der 

seien in deme liebte gegeben daz gesetze gotlicher minne, rehte alse Moysi 

bilde offe deme berge wordin gegebin die zehen gebot in eyme gotlichen füre. 

so ist danne die sele kommen ad annum iubileura, daz ist in der zit, in der 

ir alle ire sünde werdent vergebin iinde alle dugent wirt ir ingegoszen. nnd 
25 wirt herfüllet die gelnbide des vatii's unde des sunes an deine hj'melischen 

riebe, daz got der seien eweclichen wieder giebet. 

Die Predigt von Hane, dem Karmeliter, ist hier in derselben 
Fassung, wie sie hat, von Anfang bis zu Ende entlehnt. N 
und Nikolaus stehen einander ferner: einmal weicht N durch- 
gängig im Ausdi'uck von den beiden anderen Texten ab, sodann 
bringt N Sätze, welche in keinem der anderen Texte stehen 
(s. unten Anm. 3 und S. 109 Anm. 1). Ganze Sätze hindurch 
zeigen und Nikolaus fast gleichen Wortlaut, dafs man meinen 
möchte, selbst sei die Vorlage des Nikolaus gewesen. 

Dagegen spricht jedoch, dafs der Text des Nikolaus im 
Anfang vollständiger ist als (s. oben S. 108 Anm, 4), anderer- 
seits an einigen Stellen kürzer und schlechter ist als (s, unten 
Anm, 2 und S, 109 Anm, 2), Dals nahe mit dem Text des 
Nikolaus verwandt, aber nicht selbst dessen Vorlage ist, beweist 
auch der folgende Sermon. 



1) 'wert' N. 

2) Der folgende Eelativsatz in NO fehlt Nikolaus. 
8) Jostes 49, 23—30 fehlen und Nikolaus. 



111 

24. Bl. 162^. Benedictiis vir, qiii confldit in domino. 

Der diitte Precligtteil beginnt Bl. 165=': 

Zu deme dritten male suUen wir merken an s. Benedicten liymmelsclien 
Ion und grosze wirdekeit, die er hat von deme ewegen sogen gottes, alse sin 
name hewiset. er lieiszet Beuedictus. daz ist also vil alse gesegeut von 
gotde. wanne er was und ist gesegent in die hjanmelsche (vrende) nnde in 
daz luter bekentnüsse godes von druerhande lielite,i) die er hate von gode. 5 
nnde wer in also riebe gnade gotlicher vreuden gesegent sol werden, der mnz 
diese drü lietb ban. 

Daz 2) erste ist ein naturlicb lietb, domide der mensche von natiiren 
sich ^) virstet, daz in gode ist allez gut, und alle güde, die allen creaturen ge- 
teylet ist, daz die zumale ist besloszeu in der einegen ewegen sachen aller 10 
dinge, in causa prima, daz ist in gode. und dovon minnet die sele got von 
naturen. und philosophus: omnia bonum appetunt. ein meyster sprichet: alle 
ding begerent daz da gut ist. die sele minnet auch ein jegelich ding nach 
deme, daz ez gut ist. dovon sal sie godes begeren und sal in minnen vor 
allen dingen und ubir alle ding von naturen, die Avile er ist daz obirste gut. 15 

Daz") andere ist ein geystlicb lieht, (165^) daz enspringet in deme 
glauben, wanne allez, daz der glaube in ime besloszen hat, darin mag die 
sele von naturen nit gereichen, der glaube ist, daz dri personen sint in eyme 
wesene und ein wesen (in) dri personen. herzu ist zu deine allez naturlich 
verstentnüsse. wanne allez naturlich lieht enmag kein glichnüsse herzii ge- 20 
leisten, wanne ^) allez, daz die (dri) personen wirkent, daz ist uz einre einekeit; 
alleine dri[er] personen, sie enwirkent doch nit alse dri, sunder sie wirkent 
alse ein got.^) 

Daz') dritte ist lumen glorie, ein gotlich lieht, daz emphehet die sele 
in ir obirste craft, in intellectu. in disme liebte bekennet man got ane mittel. 25 
also verre, alse sich daz lieht senket in die obirste crefte der seien, also verre 
wirt got bekaut, in disme liebte bekennet die sele aller dinge edelkeit in 
gotde. wanne allez, daz ie uz gevloz oder noch uz flüszet oder ümmer uz 
flieszen sal, daz hat eweg wesen und leben in gotde. quod factum est, in 
ipso vita erat. Job. I. nit also alse ez brechlich ist an der creaturen, sunder 30 
alse ez sin eygen wesen ist, wanne ez (ist) sin nature. got hat sin eygen 



1) Vgl. N 81«: Jostes Nr. 69 S S. 67, 35 ff.; 99»: 11, 25 lUumiua oculos 
meos (Preger 2, 455). Preger schreibt 2, 108 ff. 125 ff. die Predigt dem Bruder 
Kraft zu(?). "Vgl. noch Strauch, Deutsche Li tteratiirzeitung 1896 Nr. 8 Sp. 235. 
Nikolaus hat den ersten Satz der Predigt in seine eigene Einleitung ver- 
flochten. 

2) Der Absatz findet bei Jostes 68, 1—13. 23 ff.; Preger 2, 455, 20 bis 
456,1. 10 ff. seine Entsprechung, jedoch mit manchen Lücken und Abweichungen 
im einzelnen. 

3) Hs. 'sie'. 

4 Vgl. Jostes 68, 25-32; Preger 456,11—17. 

') 'wanne— einekeit' fehlt 0. 

«) Das in N folgende (Jostes 68, 32—35) steht weder in noch bei Nikolaus. 

') Vgl. Jostes 68, 36-69, 11; Preger 456, 17—31. 



112 

Tvesen von^) keim andern ding danne von sin eygen naturen, und die ist 
etwaz in ir selbir. die nature go (165") des die ist grundelos. dovon wirt si 
aiicli uit gegründet danne von eime grimdelosen bekentniisse. nu ist aller 
creaturen versteutnüsse gemeszen, davon hat ez grünt; und darumme enkan 
5 iz daz grundelose verstentnüsse godes nit begriffen.*) 

Ez spricliet ein meyster Boetius in: De consolationephilosopMe: finitum 
ad iiifinitum nnlla est proportio. ein geendit ding ist nit bequemelich eime 
geimendeteu. die creaturen sint geendet und got ist ane ende, darumme') 
mugen") in die creaturen uit begriffen an sinre eygenen naturen, die grundelois 

10 ist, sie beden danne ein grundelos verstentnüsse, und des enbant sie nit, sunder 
got alleine. 

Daz 5) verstentnüsse godes ist nit anders, danne daz die nature selber 
ist. also begriffet sich got alleine an sinre eygenen naturen in eyme liebte, 
da nieraan zu kommen enmag. alse s. Paulus sprichet : Cristus inaccessibilem 

15 lucem inhabitat. got wonet in eime umbegriffenlicheu liebte, daz nieman 
lierscbeppen mag noch hergründen in sime claren wesene. 

Damit sclilielst Nikolaus in Übereiiistimmiiug mit die Ent- 
lehnung-, wälirend in N niclit daliingehöriges folgt. Nikolaus 
beendet den Sermon: 

20 In daz lieht der hohen gotheide ist s. Benedictus irhaben und erhöhet 

und also vrolichen irluhtet mit der claren gotheyde und mit hymmelscher 
vreuden, daz er nit me begeren enmag. (165 <^) darumme bieden wir got. 

Auch hier ist eine Predigt vollständig, und zwar in dem diitten 
Teile des Sermons entlehnt. Auch diesmal wird N gewiCs nicht 
die Quelle sein, aus der Nikolaus schöpfte, denn obschon sein 
Text mit N eine Stelle gemeinsam hat, welche in fehlt (s. oben 
S. 111 Anm. 5), so bringt N doch mehrfach Sätze, die bei Nikolaus 
wie in fehlen, die andrerseits, weil sie in auch fehlen, 
nicht von Nikolaus selbst ausgelassen sein werden (s. unten 
Anm. 5 und oben S. 111 Anm. 6.) Doch auch mit stimmt 
Nikolaus nicht überein; denn N und sind in Ausdruck und 
Satzfolge, abgesehen von den besprochenen Fällen, fast identisch, 
wälirend Nikolaus ziemlich stark von ihnen abweicht und ein 
Stück der Predigt vollständiger gibt als jene beiden Texte 
(s. unten Anm. 3). 



^) 'von — danne] nicht von nichte, er hat ez' NO. 

^) Hierauf haben NO noch 'noch Cristum noch der menscheit'. 

3) Vgl. Jostes 69, 11—13 ; Preger 456, 31 f. — Der ganze Absatz ist bei 
Nikolaus vollständiger, in NO gleiclmiäfsig gekürzt. 

Hs. 'mag'. 

=) Vgl. Jostes 69, 18—18; Preger 456, 33—35. Nikolaus steht im Aus- 
druck näher ; N (Jostes 69, 15. 16) ist die breitere Ausfülu'ung eigen. 



113 

Nikolaus "besafs die Predigt, die er entlelmte, also in einer 
anderen Fassung- als sie bietet, und kann demnach nicht 
selbst die Vorlage des Otterberger Mönches gewesen sein. 



25. Bl. 12*^1!. De sancto Andrea apostolo. Imposuerimt 
illi portare crucem post Jesum. 

Der erste Teil beginnt Bl. 13°: 

1,24:^) 

iß^ Di*) spise und den tranc, den 
ich for Tirzen nachtin nam, der ist 
gewandilit in min bluit und in min 
fleis nud in min natnre. daz ist fon 
der craft der sele, di daz furit in 
mine natnre imd ist also egiuliche 
ein mit mir, alse daz mit mir geborin 
wart. 



Zu deme ersten male sullen wir 
merken an s. Andrea ein reines leben 
in geystlicher znhte, doTon sine sele 
mit irre yernnft in der gnaden got- 
des molite nfdringen über alle crea- 
tnren in got. 



Also*) eginliche nimit di craft des 
heiigen geistes daz lutirste und daz 
cleinlichiste nnd daz hohiste und daz 
fnnkelin der sele nnd treit cz alliz 
nf in dem brande [in] derminne. alse") 
der sonnen craft: di nimit in der 
worzelin des bonmis daz lutirste und 
daz cleinlichiste und zuhit ez bit in 
den zvic, da ist ez eine blome. also^) 
wirt alle wis daz funkelin in der 
sele ufgetragin in deme lichte und 
in deme belegen geiste itnd also uf- 
getragin in den erstin orsprunc und 
wirt so gar ein mit gode und süchit 
so gar in ein und ist eginlichir ein 



Wände die craf(t) des beilegen 
geistes, die nimmet eygentliche daz 10 
lutirste und daz hoheste, daz funkelin 
der seien, und dreit ez allez uf (in) dem 
brande der minnen. alse der sunnen 
craft nieniet in der worzeln des baumes 
daz lutirste und daz behendeste und 15 
zihet ez biz in den zwig und do ist 
ez eine blume. also wirt glicher wis 
daz funkelin der seien ufgetragen") in 
den ersten Ursprung und wirt ver- 
eineget in gotde und ist eygentliche 20 
mit gotde und ist ein geystlich lieht 
von gotde. 



1) Vgl. Pfeiffer Nr. 32; N l» (Jostes Nr. 1). [Auch v. Arnswaldt-Berliner 
Hs. 3141 Bl. 471^. St.] 

2) Vgl. Pfeiffer 112, 27 — 30; 'Daz ich vor virzehin tagen az, daz ist alze 
(ein) mit meiner natur alz daz ich in meiner muter lib enphie. vil mer und 
naher wird din sei in got gefuget und verainet' N. 

3) Der folgende Satz fehlt in N und bei Pfeiffer. Vgl. aber an anderer 
Stelle: Nr. 36, Pfeiffer 124, 35 ff. 

") Vgl. Pfeiffer 112, 38 — 40; 'Ich wil sprechen, alze daz der sunnen 
chraft zeuhe[n]t daz edelst saff von der würze in di este und würket daz zu 
binde, dannoch ist der sunne chraft ob im' N. Pfeiffer und N stimmen fast 
wörtlich überein, von und Nikolaus weichen sie stark ab. 

^) Das Folgende fehlt in N und bei Pfeiffer. 

6) Hierauf dürfte bei Nikolaus 'in dem liebte und in deme heylegen 
geyste und also uf getragen' nur durch Homöoteleuton ausgefallen sein. 

Hermaea II. g 



114 



0: 

mit gode, dan di spise si mit mime 
lebine. ') 

47" Icli^) spreche, ez ist ein liclit 
obine in der sele, da di sele fon 
5 nature rurit englische nature und 
flnzit sich in englische nature, daz ist 
fon gode, und guzit sich ebine in die 
sele pohin der nature. 

10 Etliche^) sprechin, ez si ein craft. 

des inist nicht, noch spreche wer 

fon eime knechte, daz ist fornuftikeit. 

da rurit di sele englische nature und 

ist ein bilde godis. 
15 



lu^) disime lichte halt di sele mit 
20 den englin ge (47 ^) meinschaf t und auch 
mit den englin, di in der hellin for- 
vallin sint. da steit diz funkelin 
bloz sundir allirhande lidin uf gerichtit 
in daz wesin godis. 
25 Si glichit sich auch den gudin englin 
in dirre craft, di da stede werkin in 
gode und nemint (got) in gode und 
tragen alle werc widir in got. 



30 



35 



Ez^) ist zweier hande lieht in der 
seien, daz eine ist ein lieht obene in 
der seien, do die sele von naturen 
rüi'et engelsche naturen. daz andere 
(13 "J) lieht ist, von deme ich die rede 
anefieng. daz lieht güszet sich obene 
in die seien über die naturen. 

Etliche sprechent, ez si eine craf(t) 
in der seien, daz enist nit. ez heiszet 
synderesis. ez ist die vernünftekeit, 
[daz] die ein füukelin ist gotdes des 
Taters uz der gotheit gütlicher naturen 
gegeben von gotde und ist ein bilde 
gotdes ane aller hande undirscheit. 
in deme ummecreisze do ruret sie 
englische naturen. 

In disme liebte hat die sele gemeine- 
schaft auch mit den engein, die in 
die helle sint gestoszen. da stet der 
funke blosz ane allerhande liden uf- 
gerihtet in daz wesen gotdes und hat 
dabi luterlichen sine nature. 

So hat sie auch gemeinschaft , die 
vernünftekeit, mit den guden engelen, 
die do stede wirkent in gotde und 
flieszent von gotde und tragent alle 
ir werg wieder in got unde nement 
got von gotde in gotde. 

Diesen 5) guden engelen glichet sich 
die vernümftekeit und drinket got in 
sime ewegen gesmacke sinre leben- 
degen suszekeit und in sime eygeneme 
gründe, vond sie ist sunderlichen ge- 
schaifen von gotde und ist ein werbende 



1) Hierauf folgt in ein Stück = Pfeiffer 113, 17—19. 112, 31—37. 
113, 6-14. 29—32. - 

s) = Nikolaus; N und Pfeiffer haben den Satz nicht. 

3) Vgl. Pfeiffer 113, 33—35; 'Zu dem dritten mal duncht mich, daz dir 
chnecht sei der funch der sei, der do ist geschaffen von got und ist ein licht 
von oben an ein (gedrücket) [di gründet] und ist ein pild gütlicher nature ' N. 
und Nikolaus stehen hier für sich allein. 

■*) Das folgende fehlt in N und bei Pfeiffer. 

^) Den Satz hat nur Nikolaus. 



115 

0: 

Dit licht treit di sele in nr. di lieht itnd ein ingedrücket bilde got- 
meistere sprechin , ez si ein craft in licher naturen, daz die sele an ir dreit. 
der sele, die heizit siuderesis. i) des die meystere sprechent, sie heisze 
iuist nicht, daz sprichit alse vil alse sinderesis. daz sprichet alse viele alse 
daz alle zit gode zu hangit nnd ez daz alle zit gotde zuhänget nnde (14») 5 
enwil mimmir nicht nbiles. ez enwil niimmer nbeles gedün. 

lu^) der helle ist ez geneiget zu In der hellen, sprichet Augustinus, 
gode. ez erigit ummir in der sele ist ez geneiget zu ^) gotde. ez erleget 
wider allis, daz nicht lof ist noch got- Timmer in der seien wieder allez, daz • 
lieh inist. luther noch gotlich nit enist. 10 

Darumme sprichit he: he sante uz Iz'') enteret sich auch weder an 
sine knechte. gotlich herschaft noch an gut. ez 

dringet of in den zwig gotlichen 
wesenes unde ist ein war gotdes hode, 
der den menschen ledet und zuhet zu 15 
der hymmelichen Wirtschaft: et misit 
servum suum hora cene. 

Hiermit hört die Benutzung der Predigt auf. 

Also liez sich s. Andreas ziehen und laden zu gotde mit sinen guden 
werken, in den er sich glichete gotde. wände ez sprichet commentator 20 
Averrois : quia omnia entia nihil aliud intendunt in suis actionibus naturalibus 
nisi ut assimilentur perfecto nobili secundum quod eis est inuatum acquirere 
et ei assimilari. er sprichet, daz alle ding begerent in irme naturlichen werke 
sich zu glichene gotde also vil, alse sie darzü geschaffen sint und ire nature 
verh enget, waz nu gotde aller neheste ist, daz ist aller meyst darzü ge- 25 
schaffen, daz ez sich ime zugliche, alse der engel und der gude mensche, wer 
sich aber von ime verret mit sunden, der glichet sich ime nit und ist hose. 
und philosophus in n. Cell et mundi: illud, quod a summo nobili est remotius, 
est vilissimum in reram natura, darumme sprichet ein meyster, (14^) daz 
daz ding, daz aller verreste ist von gotde, daz ist auch aller böseste, alse 30 
daz ertriche daz aller verreste (ist) von deme obirsten hymmele, der do heiszet 
celum empyreum, ein fürender hymmel gotlicher clai'heyt, do got unde die 
engele und die beilegen seien inne sint. under dem hymmele ist ein hymmel, 
der heiszet cristallinum vel primum mobile, der hymmel beweget allez, daz 
under ime ist, mit sime swindeu ummelaufe. under deme hymmele ist ein 35 
hjTumel, da die sterren ane stent, der heiszet firmamentum vel celum stellatum. 



1) Vgl. Pfeiffer 113, 40. 

2) Vgl. Pfeiffer 113,35—38; 'Und ist alle wech chrigent wider allem 
dem, daz noch ('noch' fehlt Pfeiffer) nicht (gütlich) ist (hierauf bei Pfeiffer 
noch 'und ist niht ein kraft der sele, als etliche meister wolten '), und ist alle 
zeit zu gut geneiget und dannoch in der helle ist ez zu gut genaiget' N. 

3) Hs. 'von'. 

*) Den Abschnitt hat nur Nikolaus; er bildet aber die richtige Ergänzung 
und den Übergang zu dem Worte ' et misit servum ', vgl. (Z. 11). 



116 

under deme siut siel)ene andere liymmele, die sieben planeten, die lieiszent 
qninta essentia. under den sint die element. zu dem ersten daz für, under 
deme der luft, under deme lüfte daz waszer, under deme waszere daz ertrlche, 
und get ie eins umme daz andere, darumme swebet daz ertriche mitten in 
5 deme liymmele. darumme ist ez under den anderen elementen daz unedelste, 
daz drubeste und daz swereste. also ist auch der sündege mensclie: der sine 
sinne von gotde keret zu irdinschen dingen mit sinen Sünden, der ist gotde 
verre, er ist drube und' vinster von Sünden und ist also swere, daz er zu 
gotde nit kommen mag. unde darumme wolte s. Andreas daz ertriche und 
10 alle irdinsche wollust fliehen mit libe und mit seien, den lib erho(14:C)hete er 
von der erden an ein criize, an deme er starb, alse Cristus, deme er nach- 
volgete. so kerete er sine sele allewege in gotliche betrehtnüsse biz an sin 
ende, dovone drüg er ein hymmel(s)ch leben. 

Damit ist der Predigtteil beendet. Die Entlelinimg zeigt unseren 
Text in engem Znsammeiihang mit 0. Nur bringt eine Eeilie 
von Sätzen in derselben Fassung und Vollständigkeit wie Nikolaus 
(s. oben S. 113 Anm. 3. 4, S. 114 Anm. 2—4); nur bringt neben 
Nikolaus jene Stelle, welclie bei Pfeiffer in einer anderen Predigt 
(Nr. 36) steht (s. oben S. 113 Anm. 3). 

Die Verwandtschaft der beiden Texte stellt liier aufser 
Zweifel. Aber Nikolaus hat auch hier Sätze, welche in die 
Eckhartpredigt hineingehören und doch auch in nicht stehen 
(s. oben S. 114 Anm. 5, S. 115 Anm. 4). So gewifs demnach 
der Vorlage des Nikolaus am meisten verwandt ist, ist doch 
nicht selbst seine Quelle. 

Ergebnis. 

Nikolaus von Landau benutzte in seinen Sermonen eine 
Sammlung deutscher Predigten, welche Meister Eckhart, Hermann 
von Loveia (S. 29), Helwic von Germar (S. 41), Haue den Karme- 
liter (S. 43. 108), Johannes Franko? (S. 59), Bruder Ki-aft von 
Boyberg? (S. 64. 111), Eckhart Eube (S. 80), Florentius von 
Utrecht (S. 82) und andere (S. 94 Anm. 8) zu Verfassern haben. 

Keine der bekannten Eckharthandschriften erweist sich als 
seine Vorlage, aber steht dieser so nahe, dafs beide einen ge- 
meinsamen Ursprung haben müssen. Der Ursprung beider ist in 
Mainz oder in der Nähe dieser Stadt zu suchen. Nach Mainz, nach 
den Klöstern der Cisterzienser in der Rheinebene reichten die 
Beziehungen des Otterberger Mönches. Von Mainz, von den Kart- 
häusern auf dem Michelsberg, vielleicht ursprünglich von Eber- 
bacli, ist die Schwesterhandschrift (0) seiner Quelle ausgegangen. 



117 

Anhang. 

a) Tier weitere Sermone des Nikolaus Yon Landau, welche 
Entlehnungen gleicher Art enthalten. 

(Verbesserter Abdruck a. d. Progr. d. kgl. Gymn. zu Lauban i. Schi., Ostern 1904.) 

1. Bl. öl'^ff. De natu domini. 

Ecce, evangelizo vobis gaudiiim magnum, quod erit omni poi^ulo, quia 
natus est nobis hodie salvator noster in civitate David. L\ic. II. illud re vera 
est gaudium magnum, quod est gaudium verum; sed verum gaudium non est 
nisi a deo, secundum quod narrat beatus Bernardus in epistolis dicens: illud 
solum et verum est gaudium, quod non de creatura sed de creatore concipitur, 5 
cui con(51'=)parata aliunde omnis iocuuditas meror est, omnis simvitas dolor, 
omne dulce amarum, omne decorum fedum, omne postremo, quodcumque delec- 
tare possit, molestum. ergo illud verum gaudium, quod est a deo, est magnum, 
quia illud etiam est magnum gaudium, guod erit omni populo. sed nativitas 
salvatoris est huius modi, ergo gaudium nativitatis salvatoris nostri est mag-num. 10 
sed illud magnum verum gaudium a deo collatum angelus domini pastoribns 
evangelizare debuit. ideo congruenter ipsis intonuit verba thematis preas- 
sumpti dicens: ecce evangelizo vobis. circa quod est advertendum, quod 
angelus in verbis premissis tria de nativitate Cristi ostendit. primo quod ipsa 
nativitas sit multe iocunditatis propter summum spleudorem ad illustrandum 15 
cum dicitur: evangelizo vobis gaudium magnum. secundo quod sit magne 
utilitatis propter summum fervorem ad salvandum cum additur: natus est 
vobis hodie salvator. tertio quod sit immense congruitatis propter summum 
vigorem ad producendum cum concluditur: in civitate David., 

Der almelitege got. (51'^) diese wort, die icb zu latine hau uzgeleit, 20 
die bescbribet uns s. Lucas und kündete sie der eugel Gabriel in der naht, 
do Cristus geboren wart, den hirten uffe deme velde und sprach: sehent, icli 
künden iich grosze vreude, die gemeine wirt alleme volke, wände üch ist hiide 
geboren ein beheiter, Cristus, in der stat zu Bethleem, die den küneg David 
ane gehöret, die gebui't hat grosze vreude braht aUer menscheit. nu sprichet 25 
die Schrift, daz daz grosze vreude si, die da war unde stede ist. nu ist wäre 
vreude nit dan von gode, alse s. ßernard sprichet : daz ist aUeine wäre gantze 
vreude, die von keiui'e creaturen dan von gotde alleiue wirt emphangen, und 
gein der gotlichen vreuden ist alle werletliche vreude ein weinen und druren 
und gein der obirsten süszekeit ein smertze und eine piue und gein der 30 
hymmelschen wonne ist alle menslich woUust bitter und val(s)ch und gein der 
ewegen gezirde ist unstede gezirde unreine und unlusteg und allez daz, daz 
da vreude und woUust breugen mag uf ertriche, daz ist alles leitsam und 
Avidermudeg und nüsniht gein der ummerwerenden selekeide, die got deme 
(52'"^) menschen gibet. darumme ist die wäre vreude, die got gibet, alleine 35 
groz, wand die vreude ist grosz, die sich gemeinsamet alleme volke. alse die 
geburt unsers herren Jesu Cristi: die ist so gemeine der Averlete, daz er alle 
lüde behalten wil, die behalten soUent werden, darumme ist die freude der 



118 

geborte imsers behelters groz, und die selbe grosze wäre gotlicbe vreude solte 
der eugel künden den birten nffe deme velde. und darumme spracb er zu en 
dise Torgenanten "wort: ecce evangelizo vobis. sebent, icb künden ucb von 
gode grosze vreude, die gemeine wii't alleme volke, wände ücb geboren 
5 ist bude uwer bebeitere, Cristus, in Davides stat, daz ist zu Betblebem. in 
disen Worten bewiset uns der engel drü ding von der geburte unsers berren 
Jesu Cristi. 

Zu deme ersten male suUe wir merken, daz die geburt unsers berren 
Jesu Cristi ist gar vrolicb von deme obirsten scMne sinre gotlicbeii gnaden, 

10 damide er den menseben bat berlubtet mit gnaden, wände er ist selber daz 
liebt, daz die menscbeit in deme vinsteruüsse der Sünden bat berlubtet mit 
gnaden, darumme spracb der propbeta Davit: (52^) exortum est in tenebris 
lumen rectis. den gerebteu ist in deme vinsternüsse dirre werlete ein liebt 
erscbieuen. daz liebt ist Cristus und Cristus ist menscbe und got und der 

15 ist daz liebt, daz alle die werlet berlubtet. er ist daz liebt, daz alle liebt 
gescbaffen bat, er ist daz liebt, getn dem alle liebt sint ein vinsternüsse. 
wände ez spricbet ein meyster in astronomia, quod ad presentiam luminis 
maioris obfuscatur lumen minus, wo ein grosz liebt ist alse ein mebteg für, 
da ist eine deine liebt ummer glicb alse die sterren. wie daz sie scbone 

20 lübtent in der nabt, so aber die sunne kommet über daz ertricbe, so dünket 
uns, daz die sterren nümme lübtent. daz ist von deme groszen sunnen scbine, 
der sie ubü-glestet unde ir liebt aucb von ime uement. also ist aucb aller 
eugele und aller beylegen und aller giiden lüde beylekeit, gnade uud luterkeit 
nüsnibt gein der guedegen lutern clarbeide godes. wände er ist die obirste 

25 sunne der geretbekeit und ist daz liebt, daz sunne und mane und sterren und 
aller liebte scbin gemacbet und gescbaffen bat durcb berlübtunge des meuscben, 
und ist selber des menscbeu Hebt in deme vinsternüsse dirre werlete und ist 
(52<') alse bint geboren in dise werlet, daz er den meuscben mit ime selber 
berlübte. darumme spricbet er: ego sum lux mundi; qni sequitur me, non 

30 ambulat in tenebris. icb bin ein liebt der werlete, wer mir uacbvolget, der 
enget nibt in deme vinsternüsse, sunder er bat ein liebt des ewegen lebeus. 
wer got bat, der bat ein scbone liebt, wände ez ist daz bymmelscbe liebt, 
daz sinen scbin gar wide bat gespreidet. er ist daz vreudenricbe liebt, de 
von der engel spracb: evangelizo vobis gaudium maguum. icb künden ücb 

35 von gode grosze vreude. wände die vreude, die diz Avare lieht, Cristus', got 
selber liez von ime scbinen uf ertricbe, die was so ubirswenlieg, daz sie ubir 
sieb lübte in den bymmel und die engele also gar ubü'giestete , daz sie sieb 
nit mobten enthalten, sie musten ü'e vreude aucb künden dirre werlet. wände 
alse ein menscbe, daz da groszlicben ist bervrauwet, daz enmag nit gelaszen, 

40 ez enuffenbare doch iemane sine vreude: also daden auch die engele, die also 
ubirflüszeg waren worden an gotlicber vreuden, die sie baden von deme uz- 
schine Cristus geburte, daz (sie) ir vreude (52^) auch uffenbareten den birten 
uf deme velde. zu den spracb der engel Gabriel: icb künden üch grosze 
vreude, daz ücb bilde geboren ist üwer beheitere, zubaut do er daz wort 

45 gesprach, da was bi ime eine grosze metbege schar engele, und die sungen 
mit vreuden und mit lobe und sprachen: gloria in altissimis deo et in terra 
pax hominibus bone voluntatis. lob und ere und ewege wirdekeit si gesaget 
gode in deme obirsten throne und vreude und gnade und ewege selekeit si 



119 

uf ertliche den hiden, die do sint güdes willen und guder meimmge. die 
vreude Cristns geburte uf ertliche, die was so groz, daz si auch undir sich 
rei(c)hete in die vorhelle und die heiiuhte und heiiosete die, die da waren und 
saszen in deme vinsternüsse und ia deme scheden des ewegen dodes. alse 
Ysaia der propheta sprach: populus gentium qui ambulabat in tenebiis, vidit 5 
lucem magnam. die vi'eude des ewegen liehtes, daz Cristus alse hiide geboren, 
die ist auch also fiüszeclichen uzschinende, daz sie durchluhtet die[se] breide 
disses ertriches und auch die lenge dirre weiiete. wände die dii heydensche 
künege durch die vi'oliche (53=') liebe, die sie haden zu Cristo, der da was 
ein eweger nüwer küneg unde ein eweges nüwes lieht nach der gotheide, so 10 
quamen sie von verren landen zu iine gein Eetlileem. wand wo ein lieht ist 
in eime vinsternüsse, zu deme vliegent gerne die vögele und werdent do ge- 
vangen. nu spiichet s. Johannes : et vita erat lux hominum et lux ia tenebris 
lucet. capitulo piimo. der wäre godes sun, der da ist und was daz ewege 
leben, der was auch ein lieht der lüde, und daz lieht, daz schinet und lühtet 15 
in deme vinsternüsse dirre sündegen unhekanten werlete. und darumme 
daden die künege alse die vögele, die des liehtes begerent, und quamen zu 
deme lichte, zu Cristo, und worden da ummevangen mit gotlicher liebe und 
mit cristenenie glauben, wan got wolte, daz die heydenschen künege und die 
jüdenschen hirten zu ime also zitlichen quemen, darumme daz er von den 20 
zwein weiieten beide von den heiden und von den jüden mehte eine cristen- 
heit. alse er auch det. dovone eiiühte er die heiden und die jüden mit 
wareme glauben und mit retheme bekeutuüsse und buwete die cristenheit uf 
sich selber, und darumme (53^) enmag sie nümmer me vergen biz an den 
jüngesten dag. 25 

Zu deme anderen male sullen wir merken, daz die gebiu't unsers herren 
Jesu Cristi ist sere nütze und woUüsteg von der groszen hegirde, die er hat 
uns zu behaltene, und darumme ist er mensche Avorden, daz der sündege 
mensche werde godes kint. er ist worden Marien kint nach der menscheide 
und ist des waren godes sun, die mittelste persone, in der gotheide. darumme 30 
sprach zu ime der vater in der gege(n)wortekeit des hejlegen geistes, alse si 
dri ein war got sint: hie est filius meus dilectus, in quo mihi complacui. Luc. III. 
diz ist min lieber sun, in deme ich mir wole gevallen. 

An dieser Stelle geht Nikolaus zu einer Predigt über, welclie 
dem Bruder Erbe geliört (Hie est filius meus); s. 1, 11, Preger 35 
2, 444. 

Do*) bi bewisete er, daz der sun mit ime ist der selben naturen, der 
auch der vater ist, und ist ein wesen mit ime. dovon nennet en s. Paulus 
eine figure sinre substancien, daz ist siues weseues. alse eine figure ist ein 
gesteltüüsse und ein ummecreiz, alse ist der sun auch eiu gesteltnüsse got- 40 
liehen weseues. 

Darumme 2) wart ein astronomus, ein mej'ster, gefraget, was got were. 
do sprach er: deus est spera incircumscriptibilis , cuius centrum est ubique. 



1) Vgl. Preger 4M, 23— 25 und 445,39-446,4. 

2) Vgl. Preger 446, 4-6. 



120 

circumferentia nusq^uam. *) (53 <=) got ist ein cirkel, der umbegrif lieh, undotlicli 
und uumezlich ist, des pimt allenthalben ist und alle ding herfallet und sines 
wesius enkan man doch nie kein ende vinden. 

Die^) heydensche meystere giengen hie vor daruf mit groszer kunst, 
5 wie daz sie einen cirkel viereckete mehten, also daz ez doch sinnewel wer. 
nu ist in der gotheit ein sinnewel cirkel, Avande^) die gotheit hat kein ende 
und ist doch also endelosz viereckete Avorden. die eine ecke ist die almehtege 
gotheit, die andere sine gehurt an der menscheide, die dritte sine grosze 
martele, die vierde ecke was sin bitherlicher dot, den er leit an der menscheide 

10 und nit an der gotheide. 

Wau") er ist ein lieht und ein bilde des vaters uzgegangen von der 
vernuft des vater, sp riebet ein meyster. unde alleine sie uuderscheiden 
sint an den personen, so habent sie doch eine naturen und ein Avesen mit der 
obirsteu bequemlichkeide und mit der grozsten glicheide der CAvegen wol- 

15 luste godes. 

Davon sprach Aristoteles in X Methaphysicorum , quod mirum est de 
continu(it)ate voluptatis primi, cum in ipso sit continue et eterualiter huius modi 
voluptas. ez ^) ist wonder von der stedegen Avolluste godes. wände die eren- 
riche (53 <i) Avollust, die Avir uf ertriche nit bekennen und uns Aveneg ruret, 

20 die ist in gode in stedeger eAvekeit Avesiuliche endelos, Avan sin verstentnüsse 
ist über aller engele und menschen verstentnüsse und sinne, darumme ist die 
Avonne, die in deme so hohen edelme verstentnüsse durchneteclichen SAvebet, 
AvoUüstiger danne alle vreude. 

In") die wollust begeret uns got zu ziehene mit der gnaden, daz er 

25 uns hat erlost mit sinre geburt und sime dode, und mit sinre barmherzekeit, 
damide er uns beheltet, imd mit sinre Intern bekentuüsse, daz er güszet in 
die reine sele, davon sie kommet in die voUenkommene begnugede aller 
suszekeyde, aller AvoUuste, aller vreuden, aller sicherheide und aUer selekeide 
und ruAve alse eAveclichen in gode. 

30 Zu deme dritten male suUen wir merken, daz die geburt unsers herreu 

ist ziimale bequemlich dem menschen von der obirsteu craft sines eAvegen be- 
heltnüsses, die ime dovoue uzfluszet. und darumme ist er geboren deine in 
der deinen stat zu Bethleem, daz er beAAäsete sine demüdekeit unde damide 
uns lerete, daz Avir mit demudekeide hie suUen grünen uf ertriche und sullen 



^) Das lateinische Citat fehlt 0. 

2) Vgl. Preger U6, 6—9. 

5) Die Auslegung ist in nicht die gleiche. Auch hat der Satz dort 
die Form einer Erage: 'enist disir cirkü (22'') uic^it "^ierececht Avorden' u. s. av. 
Pregers Wiedergabe ist ungenau. 

'') Vgl. Preger 4i6, 9—20. Nikolaus hat von dem Anfang dieses Stückes 
nur einen Rest. 

s) Der Text von läuft nicht mehr parallel, doch besteht noch ein 
Zusammenhang der Gedanken. Bruder Erbe sagt, Lust ('gelust') d. h. AVohl- 
gefallen, Freude liege in der Geburt Jesu, Lust liege an Erkenntnis und Lust 
habe eigentlich allein Gott in sich. 

°) Erst an dieser Stelle beginnt Avohl wieder die eigene Arbeit unseres 
Mönches. 



121 

■wassen in daz hymmelriche. davone sprach (54:^) er in deme evaugelio: discite 
a me, qnia mitis sum et humilis corde. Math. XI. lernent an mir, wände ich 
hin milte und hin eins demüdegen hertzen. darumme deniüdegent i\ch, so 
vindent ir ruwe üwer seien in deme ewegen lebene des ohirsten liehtes. 
Cristus ist selber daz ohirste lieht, darnmme wolte er werden gehören in der 5 
vinster naht, daz er vertriebe die vinsternüsse der Sünden und daz lieht sinre 
gnaden lieze schiuen in die vinstern hertzen der sundere. dovone sie werdent 
herlühtet und entzündet in gode, alse got selbe sprach imme evangelio : ignem 
veui mittere in terram. Luc. XII. ich bin kommen, die werlet zu herluthene 
und daz für des beilegen geistes zu sendeue uf ertriche, und wil, daz ez en- 10 
zündet werde, wa sal ez werden enzüudet? ez sal werden entzündet in des 
menschen sele, daz der mensche abeneme an deme vinsternüsse der Sünden 
und zimeme an deme liebte der gnaden und also kommen möge in die ohirste 
herluhtunge der heylegen, daz er von disme eilende kommen möge zu deme 
hj'mmelschen vaterriche. und darumme woite Cristus geboren werden in deme 15 
wege zu Bethleem in deme uifenen huse, daz er uns wisete den (öi^) weg 
des ewegen lehens. wan wir lesen, daz in der selben zit was ein gemeine 
vriede über alles ertriche und was der keyser Augustus gewelteg über alle 
irdensche riebe und wolte alle die werlet ime zinshaft macheu und wolte 
wiszen, wie vil riebe imd wie viel stede unde bürge und dorfer und wie vil 20 
lüde weren uf ertriche, und det daz allez geschriben und gebot, daz die dorf- 
lude und die liide von den deinen steden quemen in die heubetstede, zu den 
sie horten, und gülten deme keysere sinen zius und lüszen sich aneschriben. 
daz daden sie. vonde nu der heylege Joseph, Marien hudere, was hürteg von 
Bethleem von des küueges Davides geslete unde darumme gieng (er) und 25 
Maria von Nazareth zu Bethleem, daz auch sie worden ane geschrieben unde 
iren zins gülten. und da si dare quamen, da henahteten sie an deme Avege 
in eime uffeu huse, durch daz ein iegelich mensche mohte gen, wände ein 
weg gieng da durch, und da was auch die zit kommen, daz Maria solte ge- 
boren unde gebar in deme huse iren eingeboren sun Jesum Cristum. der 30 
wolte darumme an deme wege geboren werden, daz er si unser geleydere und 
unser fui'ere {54:") und unser wegewisere zu der hohen stat der ewegen vreuden. 
und darumme sprichet er : ego sum via , veritas et vita. Joh. XIIII. ich biu 
der Aveg unde bin die warheit und bin daz leben, er ist selber der weg, den 
wir suUen gen zu der ohirsten selekeide, und ist die warheit, die uns geleidet 35 
zu deme ohirsten hymmelthrone , und ist daz ewege leben, zu deme wir 
kommen sullen. wände er ist daz leben, daz uns zelet in die schar der uz- 
erweleten, er ist daz leben, daz uns an daz lebende buch schribet, unde ist 
daz leben, daz uns lebendeg machet und uns bestedeget unde versichert in 
den ummerwerenden vriedeu und in daz vreudenriche ewege[s] leben, darumme 40 
bieden wir got. 

Wie immer beginnt die Predigt mit einer lateinischen Ein- 
leitnng; daran scliliefst sich dann eine deutsche Einleitung, welche 
denselben Gedanken ziemlich breit ansspinnt. Inhaltlich ist von 
den di^ei Predigtteilen mir der zweite von Interesse; die Ab- 
handlung über die „Natur des Sohnes" stammt aus einer Predigt 



122 

des Bruders Erbe, eines jüngeren Zeitgenossen Eckliarts. Den 
Namen desselben nennt unser Möncli niclit; dem entlehnten Stück 
gellen einige Sätze eigener Arbeit voraus; niclit so deutUch, wie 
der Anfang der Entlelmung, ist ilir Ende zu erkennen. Sicberlicli 
bat die fremde Predigt unserem Nikolaus nicbt in der Form 
vorgelegen, welche der Text von bietet; zwischen beiden 
Texten bestehen zuviel Varianten. Nikolaus ist anfangs breiter, 
zuletzt unvollständiger im Text als 0, seine Ausdeutung der vier 
Ecken (s. oben S. 120 Anm. 3) ist nicht die gleiche wie in 0. 

Diese Änderungen könnten von Nikolaus selbst herrüliren, 
wenn das nicht seiner Gewohnheit widerspräche. Er entlehnt 
sonst so getreu, dals auch diese Abweichungen nur auf seiner 
Quelle beruhen können (s. oben S. 48). 

2. Bl. öT'^ff. De s. Johanne evangelista. . 

Cibavit illiim paue yite et intellectus et aqua sapientie salutaris potavit 
illum. Ecc. ille, qui est causa movens primaria, et actu est pauis Yite et 
aqua sapientie salutaris. cibavit s. Johaunem pane vite et intellectus et potavit 
eum aqua sapientie; sed Cristus est huius niodi, ergo et e converso. maior 
liuius rationis est mauifesta per diceutes philosophos, causam primariam plus 
5 influere super suum causatum quam aliqua causa secundaria, ut habetur in 
Libro de causis. et Aristoteles in tertio Physicorum dicit , quod semper esti- 
mabitur aliqua species movens actu, quia nihil agit nisi in quautum est actu. 
sed minor declaratur Joh. VI, xibi salvator de se ipso dicit. ego sum, inquit, 
panis vivus. fons sapientie verbum dei in excelsis. a quo fönte Johannes in 

10 cena stillas celestis sapientie hausit profundius et pauem vite et intellectus 
degustavit suavius, ut merito de ipso dicantur verba preassumpta : cibavit illum 
pane vite. in quibus verbis beatus Johannes tripliciter introducitiu*. primo 
introducitur altissime provectus, secuudo clarissime dilectus, tertio dulcissime 
refectus. subvectus (öS") ampliori excellentia. hoc jn-obat singularis demon- 

15 stratio, cum bis dicitur: illum illum. dilectus cariori amicitia. hoc probat 
familiaris propinatio, cum dicitur, quod cibavit et potavit ipsum. sed quod 
refectus dulciori influentia, hoc probat spiritualis recreatio, quia pane vite et 
intellectus et aqua sapientie salutaris potavit illum. 

Der almehtege got. dise wort, die ich zu latine hau uzgeleit, die be- 

20 schribet küneg Salomon von s. Johanne und sprichet, daz got hat s. Johannem 
gespiset mit deme brode des lebens uude des verstentnüsses und hat en ge- 
drenket mit dem Avaszere der heilsame(n) wisheide. nieman mohte s. Johannem 
spiseu geistliche und drenken mit vei'stentnüsse und mit deme ewegen lebene 
und mit eiveger wisheit danne der alleine, der daz wäre leben und die ewege 

25 wisheit in ime selber ist und die erste sache aller dinge, wände ez sprechent 
die meystere, daz die erste sache sich me ergiesze in die ding, die geschaffen 
nnd voUebraht sint, und beweget sie me dan keine andere sache. wan was 
da it bewegen sal, daz miiz gegenworteg sin an der stat. modo deus est 
actus pui'us. in Physicorum. nu ist (58 1') got ein luter dat, allenthalben 



123 

gegenworteg, uud ist die erste sache, von der alle ding gefloszen sint, und die 
alle ding beweget und den menschen üblichen und geistlichen spiset. wände 
er sprach: ich bin daz lebende brot Yon deme hymmel kommen, wer von mir 
gespiset wirt, der sal ewecliche leben, er dreuket auch den menschen mit eweger 
wisheit, wan er ist in ime selber ein hiter verstentnüsse, ein M'ares leben und 5 
ein burne der ewegen wisheyde. dovone der wyse Salomon sprichet: fons 
sapientie verbum dei in excelsis. der godcs snn ist in hymmelriche und iif 
ertriche ein lebender burne der gotlicher Avysheyde. über deme burne ruwete 
s. Johannes an deme grünen dorustage zu naht, do er Cristo seig in sinen 
schoz unde do under sinen brüsten eutslief. da schuf er uszer deme burnen 10 
der grundeloseu gotheide hymraelsche wisheit und virsüchte auch do die geist- 
liche spise des ewegen lebens. darumme sprichet der wyse Salomon von ime 
dise voi'genanten Avort: cibavit illum pane vite, ut supra. daz en got hat 
gespiset mit veruuft und mit ewegeme lebene und hat en gedreuket mit 
sinre ewegen (58"=) wisheide. in disen worten wirt s. Johannes drivalteclichen 15 
gelobet. 

Zu deme ersten male sullen wir merken, daz s. Johannes von gode ist 
wirdeclichen erhaben in libe und in heylekeyde unde in wisheide imde in 
glicheide godes, doch nit alse got, sunder alse ein bilde von gode gemäht und 
geAvorht. 20 

Nu sprichet ein hoher meyster, ') daz der hymmelsche vatir geworhte 
nie kein AA^erg, daz minre were dan er selber, darumme vraget man, wo daz 
geworthe werg also edele und also vollenkommen si alse der Avergmeister. 
Avande der AA'ergmeyster ist got. und Avere daz also, so mnsten alle AA'erg got 
sin, die der vater ie geAvorhte. 25 

Darumme'^) merket man ZAveier hande Averg. est opus operans et opus 
operatum, dicit quidam. daz eine ist ein Avirkende Averg, uud daz ist got, 
der hymmelsche vater, der nie kein Averg geivorbte, daz minre Avere dan 
er selber. 

Daz 3) sullen Avir also virsten, daz deme vater eygentliche alleine ein 80 
Averg zuhöret nach sinre eygeu[t]schaft, daz ist die CAvege geberunge sines sunes 
an deme eAvegen flusze personliche in deme Intern Avesene der claren got- (58 <^) 
heit. daz werg boret deme vatere alleine zu nach der veterlichen einlicheit. 

Nu*) mohte man sprechen, obe der eAvege flusz des sunes von deme 
vatere ein werg möge heiszen. daz mogent also merken, sprichet ein meyster 35 
philosophus: omue, quod est, propriam habet Operationen!, allez daz da ist, 
daz müz haben (sin) eygen Averg. alse daz fiir sin eygen werg hat, daz da ist 
sine hitze, also ist ez umme daz verstentnüsse : ir AA^erg ist, daz sie sich ver- 
stet, sehet, also ist daz Averg nit minre dan der Avergmeyster. darumme 
heiszet Avole der sun ein Averg des vater, Avande er gebar en CAvecliche person- •40 



1) Vgl. Pfeiffer Teil IV Nr. 137 S. 673, 19—22. Genauer entspricht die 
Fassung des Textes im Cgm. 133 Bl. 10^: 'her uf ist eine vrage Avan Averde 
daz Averch also groz, alse der AA'ercmeister; Avan der Avercmeister , ist got, so 
muezen alle di Averc got sin, die der vater ie gCAvorbte. 

2) Vgl. Pfeiffer 673, 23 f. 

3) Vgl. Pfeiffer 673, 26—30. 
Vgl, Pfeiffer 673, 32-39. 



124 

liehe unde wesinliche. er*) ist usz ime gefloszen personliche und ist in ime 
blihen ane imderscheyt Avesinliche, vonde vater und sun unde heyleger geyst 
ein wesin sint. 

Daz 2) andere werg ist ein geworht werg und daz enmag got nit gesin, 
5 von ez creature ist. wände daz geworhte Averg gibet man nit alleine deme 
vatere, mau gibet ez drin personeu und eime gotde, der do ist die erste sache, 
von deme alle ding komment. 

Alse ein meyster sprichet: pliilosoplius in primo Celi et muudi: prima, 
inquit, causa est nobilissima, que non alteraüir nee mutatur, sed in sempiternum 

10 completa, perfecta, quod ipsa est causa omnis (59") cause, got ist die aller- 
edelste sache aller dinge, die nit wirt verändert noch virwandelt in irre 
CAvegen craft, sunder sie blibet eweclichen erfüllet an gnaden und voUen- 
kommeu an berhaftekeit hymmelscher "vverke. wände die sache, die got ist, 
hat alle sache und alle gude ding geschaffen, darumme hat er auch geworht 

15 und geschaffen s. Johanuem, der ist ein werg von gode geworht nach bilderichen 
formen godes.^) 

Wände die heylege drivaltekeit sprach in deme liebte der ewegen got- 
heide: faciamus hominem ad ymaginem et similitudinem nostram. Gen. wir 
suUen machen einen menschen nach unserme bilde und nach unserme glich- 

20 uüsse. also wart Adam gemäht, der erste mensche, unde sine nachkommenden 
und suuderliche s. Johannes, der was gode enlich von der groszen luterkeit 
sins rej'nen lebeus, daz er bade vor andern zwelfboden. wände ez sprichet 
s.Hierouymus: quanto virginitas fuit vii'ginitati congruior, tanto Johannes ceteris 
escellentior et verbo fuit similior. er sprichet, alse vil alse eine dugent der 

25 andere dugent glicher ist und eine juugfrauweliche küschekeit der andern 
glicher ist dan (59^) keime andern dinge, also vil was auch s. Johannes über 
die anderen zwelfboden hoher und wirdeger und gode glicher an heylekeide 
und an dugendeu und an reiuekeit, die er bade usz wendig und iunewendig 
au libe und au sele. darumme sach er me hymmelscher heymlichekeit und 

30 vreuden dan die anderen, darumme was er auch gode under allen zwelfboden 
der liebeste und darumme bevalch iaie Cristus an deme cruze sine muter, die 
auch eine reine maget was. 

Zu deme andern male suUen wir merken, daz s. Johannes an heymme- 
licher fruntschaft ist gode sunderliche under den zwelfboden allerliebeste ge- 

35 weseu. darumme drenkete er en mit wisheide unde spisete en geistliche mit 
verstentnisse und mit deme brode des ewegen lebeus, daz got selber ist. der 
was sine leste spise, von deme er bade auch einen ubirfloz aller geistlichen 
suszekeit. rehte alse daz volk von Israel in der wustenuuge von dem hymmel- 
brode, daz en smackete, wie sie wolten, unde übliche worden gesterket, also 

40 was s. Johannes von der craft des ewegen lebeus also richlichen gesterket und 
so crefteclichen (59 o) ii'hohet in gotliche gnade, daz en von der suszekeit der 



*) Hier ist Nikolaus ausführlicher. 

2) Vgl. Pfeiffer 673, 24 f. und 30-32. 

2) Mit diesem Satze, welcher noch die eckhartische Sprache zeigt, geht 
Nikolaus zu seinem Thema Avieder über. Ob die Sätze vorher, welche in 
Pfeiffer keine Parallele mehr haben, der Eckhartpredigt angehörten oder Eigen- 
tum unseres Mönches sind, bleibt zAveifelhaft. Ich halte sie für eckhartisch. 



125 

himmelsclien spise die bifcterkeit des (Todes nit mohte geruren. wände ^) daz 
Mtzec oley, daz ime der keyser Domitianus zu Eome uf sinen bloszen lib hiez 
schuden, daz letzete en nüsnit. da versaute en der keyser zu Pathmos in die 
insule, da wart er des ewegen lebens also vol, daz er (nit) alleine sicli lebendeg- 
hilt in gode, sunder er mähte auch andere lüde lebendeg an libe und an sele. 5 
also wir lesen, do der keyser gestarb, und er wider guam, do drug man 
Drusiam,2) sine wirten, gein ime dot uf einre baren zu kirchofe, da hiez er die 
baren niderstellen und spi-ach: Drnsia, stant uf und wirt wider lebendeg in 
dem namen des vaters und des sunes unde des heylegen gej'stes und gang 
wider heim und bereyde dine spise, ich wil noch hi\de mit dir eszen. wir 10 
lesen auch von zwein jüngelingen , die waren riebe an gulde und an silbere 
und an edelme gesteine. die brahte s. Johannes darzii, daz si ez allez armen 
lüden gaben dorch got und volgeten sinre lere nach, da si da sahen, daz die, 
die ir knethe waren gewesin, an gewande unde (59 <•) an giule so rilich waren 
und sie so arm, do rau sie ir gut, daz sie baden gelaszen. do sprach s. Johannes : 15 
holent rüden uz dem walde und steine von deme mere; da si daz brathen, 
do mähte er die rüden zu gulde und zu gemmeu imd die mersteine zu also 
edelen steinen, daz alle goltsmiede und kunstenriche meystere (sageten), daz sie 
nie schonre golt noch edelre gesteine gesehen, den schätz gab s. Johannes den 
jüngelingen wider vor er erste gut und sprach: gent inweg in blüwender 20 
jugent uf ertriche, daz ir (in) der hellen eweclichen dorrent ! sint hie riebe, daz 
ir dort ümmer arm blibent! und sagete en von ses stücken, dovone der mensche 
irdens gut sal versmahen. zu deme ersten male von deme riehen kargen manne, 
der von dem dyfel Avart gefui't in die hellesche piue und flamme, unde Lazarus 
der arme, der vor des riehen mannes dure hungers starb, der wart gefuret in 25 
die vorhelle, in der saz er mit groszen vreuden, bis daz en got selber holete 
und en fürte in daz hymmelsche riebe, daz andere, daz der mensche von 
naturen wirt nacket unde blosz geboren und scheidet auch nacket von dirre 
werlete. darumme sal er alleine geystlichen schätz samenen (60") in den 
hymmel, der ime eweclichen blibet. daz dritte, daz sunue und mane und 30 
sterren ire craft gemeinesament disen irdinschen dingen, und ir lieht und iren 
schin gieszent sie uf daz ertriche unde sint doch keius lones darumme wartende 
alse der mensche, dovon der mensche vil mügelicher sal daz irdinsche gut 
den armen lüde(n) gemeinsamen, von er darumme wartende ist des hymmel- 
schen lones und des ewegen güdes. daz vierde ist, daz der riebe man wirt 35 
dicke ein kneht des dyfels und ein dienere des irdinschen gudes. wände er 
dienet deme gfide me dan ez ime diene, daz fünfte ist, daz der mensche naht 
und dag hat arbeit, wie er 3) daz gut gemere, und hat sorge, wie er^) daz gut 
behalte, unde hat vorhte, daz (er) ez it vorliese, uud vorlieset ez doch zu jungest, 
daz seste ist, daz der mensche dicke in dirre werlete von deme zurgenclicheme 40 
gude wirt herhaben in hoffart, darumme er in genre werlete eweclichen ver- 
dammet wirt. darumme sol der mensche gerne versmahen diz irdinsche gut 
durch des hymmelschen güdes willen, imd do er en also vorpredeiete, do drüg 
man gein ime einen doden uf einre baren, den (60^) mähte auch s. Johannes 



^) [Zum folgenden vgl. Legenda aurea ed. Grässe S. 56 ff. St.] 
^) [In der Legenda aiu-ea: Drusiana.] 
») Hs. 'ez'. 



126 

wider lebendeg, und do er sich von der baren tifritliete und die jüngelinge 
anesach, do sprach er: o ir unsinnegen dore, waz hant ir gedan! ir sint von 
gode gefloszen zu deme dyfele. ich sach üwer engele rethe alse oh sie -weineten 
und drureg "waren, daz ir üch Ton deme hymmelriche hant gekeret zu der 
5 hellen, er sprach auch: vidi, quod pallatia^) vestra referta erant epulis in 
eternum mansura. ich sach daz üwere wouunge in deme hymmele was vol 
geystlicher spise, daz ist vol hymmelscher vreuden und eweger woUüste, die 
uümmer zurgienge, ob ir bi gode hlihent. voud ir nu ime abedrünneg werdent, 
darumme ist üwer wouunge bereit in der hellen, und in der hellen sint 

10 hellesche slangen, worme, vinsternüsse, hitze, vrost, gruwelich anegesiehte der 
dyfele und daz ewege für. woUent ir daz lieber verdienen danne daz hymmel- 
riche, so gent e(n)weg mit uwerme güde und lebent der werlete und dienent 
den Sünden! da worfen si von en den schätz und vielen ime zu füsze und 
baden en, daz er en gnade erworbe gein gode. da hiez er sie driszeg dage 

15 in rüwen sin und got bieden, daz daz edele gesteine und daz gult sich wider 
virwendelte zu holtze (60°) und zu mersteinen, alse ez vore was. daz geschach 
und darnach spisete er sie mit gütlicher lere also lange, biz daz sie quamen 
zu deme ewegen lebene. also spisete er auch andere lüde geystlichen an der 
seien und auch sich selber von der craft des lebendegen brodes, daz got selbir 

20 ist: und darumme vant man und vindet alle zit in sime grabe hymmelbrot 
alse deinen saut ufquellen. zu deme andern male was s. Johannes der ewegen 
wisheide godes also drunken, daz ime kein uszerlicher drang nit enschatte. 
wände do er zu Asyam quam unde die temple und abpetgode zurstorete und 
cristenen glauben predeiete, do sprach Aristodemus, der rytder: waz wilt du, 

25 daz ich dir du? sol ich cristen werden, so müst du e virgift drinken, schadet 
dan dir daz nit, so gleuben ich an deinen got. und hiez bereyden einen ver- 
gieftegen drang und hiez den di'ang versuchen zweue man, die virorteylet 
waren zu deme dode. do sie den drang emphiengen in den munt, do sterben 
sie des gehen dodes. da nam s. Johannes den drang und drang en zu male 

30 usz unde (60^) schadete ime zumale nüsnit. und darumme drinket man noch 
s. Johannes minne, daz der mensche it geletzet werde von keime wider- 
wortegenie dinge, der in sime namen drinket. do nu s. Johannes diz gedet, 
do sprach Aristodemus : ich hau noch einen arcwan zu dime glauben, machest 
du die zwene doden wider lebendeg, so wil ich glauben an got. da bat 

35 S.Johannes got umme der doden leben, biz daz sie lebendeg worden, do wart 

der herre cristen und allez daz laut bekerete sich zu cristeme glauben von 

sinre lere, darumme was er wol gedrenket von der ewegen wisheyde godes etc. 

Zu deme dritten male kürtzlichen suUeu wir merken, daz s. Johannes 

von gode ist gespiset mit suszeme influsze geistlicher herquicgunge, daz ist 

40 mit gotlicheme verstentnüsse. Pane intellectus cibavit illum. wollen wir zu 
deme verstentnüsse kommen alse s. Johannes, so suUen wir nit alleine ii'dinsche 
gut versmahen, sundir wir suUen auch mit Avillen unde mit gedenken darvon 
keren. wände (ez) sprichet der wise man : terrena cogitatio deprimit (61») sensum 
communem et intellectum.'-') irdinsche betrehtnüsse swechet sinne unde vernuft, 

[In der Legenda aurea S. 58f. : palatia quae sunt — copiosis epulis 
referta, — gaudiis gloriosa permansura.] 

-) [Vgl. Sapient. 9, 15 : terrena inhabitatio deprimit sensum multa cogi- 
tantem. St.] 



127 

dat sie nit mogent Isekennen got noch gotliclieu leben, wände der mensclie, 
der sicli vil und süntliclien bekomraert mit ii-dinschen dingen, der ist glich 
deme mulwelphe, der get in der erden nnd ist swartz nnd blint, so er aber 
stirbet, so gent ime die angen uf. also ist der mensche, der irdinscher •wolInst 
pliget, der ist nf ertriche swartz und unreine von Sünden nnd blint an geist- 5 
licheme verstentnüsse. so er aber gestirbet, so verstet er sich danne wol nnd 
bekennet und siebet, daz er gescheiden ist von gode, von den engelen, von 
den heiligen nnd von allen hymmelschen vrenden, nnd siebet die dyfele, die 
en furent durch daz vegefür in die bitter helle, die er lebendeg nit wolte be- 
kennen und aneseben, die müz er anesehen und eweclichen liden. aber der 10 
gude mensche, der got in sime hertzen dreit und sine sinne und sinen willen 
keret zu geistlichen dingen und zu güden werken, der hat uf ertriche mit 
vernuft ein gotschauwende leben und wirt nach disme eilende von den engelen 
gefuret in daz hymmelriche, da er frolichen siebet (61^) die engele und die 
heylegen und got selber, in deme er so grosze vi'eude und wonne siebet, daz 15 
der prophete sprichet: quoniam mille anni ante oculos (tuos). herre, dine 
vreude in dime riebe ist also groz, daz dusent jar vor dime riehen anegesiete 
sint von vrenden alse kui'tz alse ein dag, der uns gestern ist enweg gegangen. 

Der zweite und längste Predigtteil enthält bekannte 
Johanneslegenden, der dritte Teil wird durcli den Vergleich mit 
dem Maulwurf etwas belebt, schwere Gedanken enthält nur 
der erste Teil. Das eckhartische Stück vom „opus operans" 
und „opus operatum" ist geschlossen und unverändert wieder- 
gegeben, mit einem Satze eigener Arbeit wird es am Anfang 
eingeflochten, unverhältnismälsig länger ist das Stück eigener 
Arbeit, welches an die Entlehnung angereiht ist. 

3. Bl. 224'^fE. De tempore resurrectionis. 

Hec est dies, quam fecit dominus, exsultemus et letemur in ea. Ps. 
secundum diffinitionem diei secundum philosophos dies est latio solis super 
terram. ideoque dies est sei lucens super terram. unde Aristoteles in primo 
Metaphysicorum dicit, diem et noctem causari a sole, diem scilicet per eius 
presentiam, noctem vero per remotionem solis ab emisperio nostro, qnod fit, 5 
quando terra dividit inter nos et solem. et hoc est, quod Plato dicit in 
Thymeo, tempora permaxime causari per motum solis. ortus enim diei et 
noctis motu cotidiano solis in Oriente ad occidentem et a converso alterna 
fit successione tenebrarum et lucis, quam fecit dominus, ut idem philosophus 
testatur in eodem libro dicens : lucem clarissimam, quam solem dicimus, creavit 10 
omnium conditor deus, ut tam celum, quam orania, qne infra celum sunt, eins 
luminis adminiculo viderentur. sed certura est, quod deus conditor omnium, 
qui solem et omnia fecit, fecit etiam et haue exsultationis diem. et hoc est, 
quod (225») psalmista in verbis prelibatis premittit dicens: hec est dies, quam 
fecit dominus, ubi supra. unde s. Augustinus de bac die loquens dicit: et si 15 
deus omnes dies fecit, hanc tantura singulariter fecit, non quia eam pre aliis 
sed quia in ea plus quam in aliis fecit, quia eam precipue refulgere fecit. 



128 

dies enira dicitur a Dyonisio, quod est darum, ideo videamus, qnafti Intainoäa 
fuerit ista dies, circa qiiod est advertendum, quod in ea multiplex lux eifulsit 
scilicet lux spiritualis, corporalis et rationalis. prima est splendorum emissiva, 
secunda est gaudiorum informativa, tertia est apostolorum illustrativa, quemad- 
5 modum videbitur. 

Der almehtege got. dise wort, die ich zu latine hau uzgeleit, die te- 
schribet uns der propheta unde spricliet, daz dirre dag der ostirlichen zit ist 
der dag, den got selbir hat gemacht, in deme sullen wir uns vrauwen. ez 
sprechent die meystere, daz ein dag ist nit anders danne der sunnen umme- 

10 gang, von deme da sie ufget uhir daz ertriche hiz dar sie underget. so ist 
ein naturlicher dag nacht unde dag zuhauf, biz (225^) die sunne zümale 
ummekommet an daz selbe punt, da sie des morgens ufget. darumme ist der 
dag der suunen schin, der daz ertriche herluhtet. von deme liebte sprichet 
Aristoteles, daz von gotdes ordeuunge die sunne alleyne machet dag unde 

15 nacht, dag mit irre gegenwortekeit unde nacht mit irre abewegunge, und mit 
irre abewesunge, wanne sie underget, so blibeu wir in deme scheden des ert- 
riches unde daz heizzen wir nacht, darumme wirt von deme degelichen 
ummelauffe der sunnen gesachet nacht unde dag, vinsternüsse unde lieht, unde 
daz hat alles got geschaffen, dovon sprach ein heydinsch meyster: got, aller 

20 creaturen scbeppfer, hat geschaffen ein luter dar lieht, daz ist die sunne, daz 
man von der helfe ires lichtes möge gesehen den hymmel unde allez daz, 
daz under deme hymmele ist. von nu got alle ding hat geschaffen, alse der 
propheta sprach in disen vorgenanten werten : hec est dies, quam fecit dominus, 
diz ist ein da[u]g, den got hat gemach(t), in deme wir uns sullen vrauwen. ez 

25 sprichet S.Augustinus, daz got wole alle ding hat gemacht, abir den öster- 
lichen dag hat er sunderlichen (225«) gemäht mit groszeme uzschine sinre 
gnaden unde sins gotlichen lichtes danne keynen anderen dag. unde darumme 
sullen Avir merken, daz uffe diesen ostirlichen dag drierhande lieht uzschinen. 
Zu deme ersten male sullen wir merken daz liplich schinende lieht, die 

30 sunne, daz sie uffe den osterdag gar luhter schein, wanne ez sprichet s. Äm- 
brosius, daz von deme urstende unsers herren wart der luft heylsamer und 
die sunne liehter unde daz ertriche berhefteger danne vor unde alle element 
vrauweten sich, alse Maximus, der lerere, sprichet, daz uf den osterdag die 
sunne lutirre schiene danne vor. daz was gar mügelich, von sie iren schin 

35 auch vor bade verlorn an deme druregen dode unsers herren Jesu Cristi, der 
da ein lieht der werlete was und ist. unde da die jüden daz gotliche lieht 
verlescheten unde dodeten, do verlasch auch die sunne unde wart eyne ge- 
meyne vinsternüsse über alles ertriche von sexten zit biz zu uone, von die 
sunne do also vinster wart zu eyme zeychen einre drurekeyde. darumme 

40 herschein sie deste liehter an Cristus urstende der seien zu eyme (225 '^) zeychene 
einre ewegen vreuden, in die sie mag bersten mit gotdes helfe, obe sie wil 
got suchen mit gantzeme rüwen. 

So wirt got ir lieht unde luhtet ire in deme vinsternüsse dirre werlete 
unde durchbricbet sie mit der hitze sinre gotlichen minne, daz sie kommet 

45 in ir erste unschult und rüwet in deme vi'ieden gotdes. ') 



^) Die mystische Ausdrucksweise läfst vermuten, dafs schon dieser Satz 
jxicht mehr Eigentum unseres Mönches ist. 



129 

Ez sprichet eiu lerere in der lieylegen schrift: swannei) der 
sunnen hitze des mittendages durchbrichet den luft uude machet in heiz, so 
Teilet danne die hietze des abindes darzü unde wirt noch heiszer, darumme 
ist an deme abende aller heiszest von der züvalleude(n) hitze. 

Älso^) hat auch daz jar siuen ahent, daz ist der auwest; so ist ez 5 
allerheizzeste in deme jare. 

Also •^) ist ez in eiure gotmin(n)enden sele mitdag nnde abent. der abent 
ist hiter rüwe, de wol durchbrochen ist und inhitzeg in gotlicher minne. 

In der minne') got ist mit sime gotlichen vrieden, alse er was nnder 
sinen jüngeren, dovou der evaugelista sprichet: stetit Jesus in medio eorum 10 
et dixit: pas vobis. ez was abent des dages, do quam unser herre zu sinen 
jüngeren unde (226») stünt mitten under in und sprach: yriede si mit uch. 
und der gotes viiede, der ubir alle sin(n)e ist, alse s. Paulus sprichet, et pas 
dei, que exsuperat omnem sensum, der ist der seien dag, unde des dages sunne 
ist got. 15 

Unde °) daz naturliche lieht der seien, daz ist der morgen, swanne sich 
danne die sele brichet in daz hoheste unde in daz luterste in deme liehte, so 
get sie uf in engelsche Ternunft. in deme liehte ist iz mittenmorgen ; unde 
also get die gotminnende sele uf mit des engeis liehte in das gotliche lieht, 
daz ist der mittendag. unde der (sele) luter ruwe ist der abent des dages der 20 
seien, der stede ist unde luhtet in die ewekeit, in der die sele ist in einre 
stille unde in einre ruwe uude in eyme ewegen vrieden mit deme liehte gotdes, 
in deme die sele danne aller inbrüusteger ist worden unde durchgh^vet in 
gotlicher minne. 

Zu deme andern male sullen Avir merken, daz von deme urstende unsers 25 
herren uzlühte ein geystlich lieht, daz was die vreude, die die engele in 
deme hymmele unde die lüde uf ertriche und die gevangeu in der hellen 
frolicheu (22G^) herlühte. darumme sullen wir uns dirre zit vrauwen. wanne 
die engele haden drifeltege vreude von gotdes urstende. dovon sprach Johel, 
der propheta, verlange in der alten e : in illa die stillabunt montes diücedinem 30 
et coUes flueut lac et mel. in deme dage, sprach er, so soUent die hohen 
berge süszekeit gieszen unde die niedern berge unde die dele flieszent mit 



1) Ygl. Pfeiffer Nr. 38 S. 129, 15-18 und Jostes Nr. 69 1' S. G9, 35—38. 
Nur Nikolaus bringt den Satz als Wort eines Lehrers. Jostes und Nikolaus 
sind im Text nahe verwandt; Pfeiffer weicht stark ab. 

2) Vgl. Pfeiffer 129, 18—20; Jostes 70, 1 und 2. Pfeiffer weicht wieder 
stark ab. 

3) Vgl. Jostes 70, 2 und 3. Pfeiffer bietet keine Parallele. 

*) Pfeiffer und Jostes bieten keine Entsprechung, dennoch wird auch 
dieses Stück aus der Eckhartpredigt stammen. Das Bibelwort, zu welchem 
Nikolaus die Illustration gibt , — s. oben Z. 12 ' vriede si mit iich ' — ist das 
Textwort der Eckhartpredigt ; an den Satz ' der ist der seien dag ' (Z. 14) klingt 
noch im Texte von Jostes (70, 6 f.) an : ' also en ist ez niht in dem tag 
der seien'. 

^) Vgl. Jostes 70, 7 — 13. Ohne Zweifel hat Nikolaus hier den ausführ- 
licheren Text. Die Annahme, dafs das vorhergehende Stück auch eckhartisch 
sei, wird dadurch bestärkt. 

Hermaea II. 9 



130 

honege unde mit milche, daz ist, die oMrsteu engele in deme hohen throne 
des hymmels nnd die mitte(l)sten unde die nydersten engele die werdent von 
deme gotlichen urstende unsers herren herfüllet mit hymmelscher suszekeyde 
gotdes unde fi'auwent sich der geselleschef te der heylegen, die nu zu hymmel- 
5 riche komment imde herfüllent die zal der verstozzenen engele. sie vrauwent 
sich der herlosunge des menschen, ez sprichet s. Gregor: gaudium est ange- 
lorum dei super uno peccatore penitentiam agente. die engele gotdes frauwent 
sich, so ein sünder ruwen hat umme sine sünde. die wyle die engele sich 
nu vrauwent von eins sünders bekerunge, so muste ir vreude gar groz sin, 

10 da got alle sündere herloste und mit sime (226«=) urstende allen sünderen he- 
zeychen unde züversiehte gab, daz sie in sime urstende mohten von allen 
Sünden bersten, unde des vrauweten sich die engele unde vrauweten sich auch 
allermeyst der wirdegen luterkeyde gotdes, in der Cristus herstünt von deme 
dode. nach deme engele vrauwet sich der mensche, der do ist die mittelste 

15 gotdes creature mitten zwysschen den engein unde den in der hellen, dar- 
umme sprach Maximus der lerer: letemur in hac die, que vivos circumfulget, 
mortuos vivilicat et venturos illuminat. wer suUen uns frauAven an disme 
dage, sprichet er, wanne dirre österliche dag ummeschinet die lebendegen uf 
ertriche mit gantzer züversiehte, er machet die doden alle lebendeg, daz sie 

20 vrolichen wieder komment zu deme ewegen lehene, und die noch geboren suUent 
werden, die herlühte dirre dag mit deme liebte, daz got selbir ist. von deme 
s. Jobannes sprach capitulo I: erat lux vera, que illuminat omnem hominem. 
got ist daz wäre lieht, daz mit gotlicher gnaden alle die werlet herlühtet. 
daz lieht herlubte auch (226 ■') vrolichen die gevangen in der vorhellen, e danne 

25 diese werlet wyste umme Cristus urstende, da vrauweten sich die gevangen 
in der vorhellen, wanne den herschein er e mit eyme groszen liebte, alse der 
wyssage sprach Ysaia: populus gentium, qui ambulabat in tenehris, vidit 
lucem magnam. daz volg, daz do wonete in deme eAvegen vinsternüsse der 
hellen, deme herschein ein grosz lieht, unde den, die do woneten ia der vor- 

30 hellen, den lühte daz lieht, von deme liebte worden sie herfrauwet, Avanne 
daz lieht, daz was got. der herloste sie und nam sie uszer der geselleschefte 
der hosen geyste unde fürte sie uszer der druregen stat und brahte sie in die 
obirste friheit zu der geselleschefte der engele in daz ewege hymmelsche riche, 
daz in vreuden nümmerme gebristet. 

35 Zu deme dritten male sulleu wir merken ein redelich lieht der ver- 

nünftekeide, daz mit heyleger lere an den zwelfboden also hude von gotdes 
urstende so getürsteclichen uzlühte, daz got sine zwelfboden lobete unde sprach : 
vos estis lux mundi. Matth. V. ir sint ein lieht der werlete. daz ist war. 
vonde sie mit gotlicher lere die werlet (227 1') baut herluhte[n]t. dise lieht, 

40 die zwelfboden, die verlaschen alle au deme lideue unsers herren. wanne do 
die Juden Cristum vingen, do flohen die zwelfboden alle von ime. alse der 
evangelista sprichet : relicto eo omnes fugierunt. s. Johannes , der sprichet, 
daz sie sich hesloszen in eyme huse vor der vorhte der jüden unde waren von 
deme dode unsers herren [unde waren] in deme vinsternüsse der irrunge cristens 

45 glauben, wanne ez sprichet s. Lucas capitulo XXIV, daz sie waren dorehte 
unde di-eges hertzen zu gleubene daz urstende gotdes nach der meuscheyde. 
abir hude wart ir vorhte von der helfe gotdes, der in herschein, gewandelt 
in also getorstege stedekeit, daz sie darnach ane alle vorhte predeieten cristenen 



131 

glauben, davon spricliet s. Lucas Act. IV: virtiite magna reddebant testimonium 
resurrectionis domini nostri Jesu Cristi. die zwelfboden, an den Tore cristen 
glauben besloszen was, die Avorden do von gotde, deme hymmelscben liebte, 
also gnedeclicben lierluhtet wa.de wieder enzündet, daz sie mit grozzeme 
glauben bredeieten uude lereteu unde ein war gezuguüsse gabe(n) des urstendcs 5 
nnsers berreu Jesu Cristi. (227 1^) und worden also getürsteg, alse s. Lucas 
spricliet, daz die fürsten von Jherusalem sprachen zu den zwelfboden: wir 
gebieden ücb, daz ir numme lerent noch predeient in deme namen Jesu Cristi. 
do sprachen sie : obedire oportet magis deo quam hominibus. Act. V. wir 
mnszen unde suUen gotde me gehorsam sin danne der werlete. unde enliezzen 10 
von deme gotes worte uit durch keinreleye vorhte der werlete. wanne sie 
vorhten niemannes daune got, der bade iren Unglauben gewandelt in rehten 
cristenen glauben, er bade ir dorheit gewandelt in eyne vernünftege wisheit. 
er wandelte ir dragheit in eyne endeliche ubunge gotdes dienstes und wandelte 
ir drurekeit in eyne gotliche vreude. dovon sie in irre seien also luter unde 15 
also reyne waren, daz sie mohten emphahen den gegenwortegen schin des 
gotlichen liehtes. ez sprichet Aristoteles in tertio Metaphysicorum, quod omuia 
Corpora receptabilia radiorum solarium, ut aer et aqua et huius modi ad hoc, 
ut recipiant formas luminosas mediantibus eisdem radiis, oportet quod siut 
quieta, pura et clara. allez, daz da emphehet den schin der sunuen alse der 20 
luft (227°) unde alse daz Avazzer unde alse das glas und waz des ist, daz 
von der sunuen schine sal dui'chglestet und also durchluhtet werden, daz man 
dar durch mag gesehen, daz müz sin also geruweg, daz iz werde gehalten 
gein deme schine der sunuen; ez muz auch sin luter unde dar, Avanne were 
ez trübe unde unreyne, so eumohte die sunne nit also wol dardurch geschinen 25 
und enmohte auch ez von deme schyne der suunen nit also ]yehte[n] formen 
unde gesteltnüsse emphahen, alse were ez auch luter in ime selbir. nu waren 
die zwelfboden solich, daz sie ruwete(n) alleyne in gotde. von der ruwe 
sprichet Aristoteles in libro Physicorum: quod anima sedendo et quiescendo 
erit prudens. die ruwende sele wirt wyse. nu ruweten die zwelfboden in den 30 
geboden unsers herren und liilten sich alle zit also gein ime, daz sie sinen 
willen voUefurten. dovon worden sie von gotde mit also groszer %vysheyde 
herluhtet, daz ir wyse lere wart in aller der werlete gehöret, alse der pro- 
pheta sprach: in omnem terram exivit sonus eorum. Ps. sie waren auch also 
luter in irre gewiszende uude also rej'ne in iren gedeucken und also gut in 35 
iren willen unde also dar (227 '') in irre sele, daz sich keyne unreynekeit der 
Sünden in irme gemüde mohte verbergen noch enthalten, und darumme her- 
luhte sie got mit sime gotlichen liebte und bildete sich in irre sele mit also 
grozzer gnaden, daz sie von der craft des heylegen geystes also worden be- 
stedeget und hernüwet in gotde, daz sie gotde vrolichen dieneten biz in iren 40 
dot. unde darumme füren sie nach irme dode derihte zu hymmele in den 
schin der obii'sten clarheyde gotdes, in deme sie ümmerme blibent unde in 
deme sie sich eweclichen vrauwent. darumme bieden wir got. 

Die Entlelmuiig bescliränkt sich in diesem Sermon ebenfalls 
auf einen, den ersten Predigtteil. Ein gröXseres Stück eigener 
Arbeit gebt ihr voran, dagegen fäUt das Ende der Entlehnung 
mit dem Ende des ersten Predigtteils zusammen; der Otterberger 



132 

Möncli sclilielst diesmal nicht mit einem Stück eigener Arb'eit 
ab. Die vergliclienen Texte der liier benutzten Eckbartpredigt 
■weichen voneinander und von Nikolaus stark ab ; augenscheinlich 
ist Pfeiffers Text am meisten verstümmelt; Nikolaus und Jostes 
entsprechen oder ergänzen sich; Nikolaus hat .doch wohl den 
ausführlichsten Text jener Predigt vor sich gehabt. 

In diesem Falle bietet er uns demnach eine willkommene 
Ergänzung und Vervollständigung einer unvollkommen über- 
lieferten Eckhartpredigt. 

4. Bl. 250=^0. Dominica IV post pascha. 

Si autem abiero, mittam eum ad vos. Joli. XVI. si secundnm dictum 
sapientis in malivolam aiiimam non iutroibit sapientia nee liabitabit in corpore 
siibdito peccatis, sequitur per coutrarium, quod inhabitabit et introibit in 
benivolam animam et inuoceutem. nam secundum Angustiniim sicut anima 
5 est vita corporis, ita deus est vita auime, iu qua liabitat per gratiam. sed 
buic yite est opposita mors culpe, que privat vitam iunocentie, nam per peccatum 
mortale deus separatur ab anima et sie spiritualiter moritur. et ideo ante- 
quam apostoli Cristi morerentur niorte culpe et per consequens morte iebenne, 
tunc promisit eis salvator in aniniis eorum stans mittere spiritum vite et 

10 veritatis per verba tbematis preassumpti, diceus : si autem abiero, mittam eum 
ad TOS. in quibus quidem verbis tria notautur. primo (250^0 allegatur sal- 
Tatiouis poteutia, eum premittitur: si autem abiero. secundo inflammatur 
affectionis dementia, cum additur: mittam eum. tertio demonstratur con- 
solationis frequeutia, cum subiuugitur: ad tos. 

15 Der almebtege got. dise wort, die icb zu latine han uzgeleit, die be- 

scbribet uns s. Jobauues büde iume evaugelio unde spracb sie Cristus zu sinen 
jüngerin. do er von in zu bj-mele varin wolte unde sie des betrübet waren, 
do drostete er sie mit disen worteu und spracb: ist iz, daz icb von üeb fare, 
so senden icli üch den hej'legeu geist. die wile nu nacb des wysen mannes 

20 Worte die ewege wysbeit unde der bej'lege geyst nit enkommet in die böse 
sele nocb enwouet in deme sündegeu übe, darumme so Avonit er in reynen 
unscbuldegen seien, wanne die ewege wisbeit unde der beylege geist sint 
mit deme Tatere ein war got, der ein leben ist der seien, dovon spracb 
s. Augustinus : alse die sele ist ein leben des libes , also ist got ein leben der 

25 sele, die si[e]cb luter unde reyne beltit, und wonit iu der reynen seien mit 
siure gnaden, dovon die sele (250 <=) geistlichen lebet, abir deme lebene ist 
die Sünde ein wiederworteger dobt, der daz unschuldege leben zurstoret. 
wanne von der dotsünden des menseben seheydet sich got von der sele, dovon 
stirbet die sele geystlichen in den Sünden, unde darumme daz die Jüngern 

30 unsers herren auch it sterben an irre seien geistlichen von den Sünden und mit 
den Sünden quemen zu deme dode der hellen, so globete in unser herre (in) ir 
heylege (?) sele zu sendene sinen hey legen geyst in disen vorgenannten worten: 
ist iz, daz ich vare, so senden ich üch minen heylegen geyst. in disen worten 
sullen wir merken dru ding. 



133 

Zu deme ersten male wirt uns vorgeleit die gewalt unsers herreu an 
sirae ufgange zu deme hymele, damide er uns mit sime vorgange Tvyset unde 
lerit, daz wir irae nach sullen gen zu deme ewegen lebene. darnach vragete 
der propheta unsern herren unde sprach : domine, quis habitabit in tabernaculo 
tue? aut quis requiescet in monte sancto eins? Ps. herre, wer sal rüwen in 5 
dime gezelte des gemachis unde der rfiwe unde wer sal rüwen ulfe dime 
heylegen berge? daz ist in der hohe dinre hymraelischen vreuden. da (250^) 
wart ime geantwortet von deme heylegen geyste : qui iugreditur sine macula. 
der an sime ende funden wirt ane dotliche sünde und in sime lebene wirket 
und voUenhringet die gerehtekeit, der kummet zu der obirsten wonne. und 10 
daz was glich der vrage, die er zum anderen male det unde sprach: quis 
ascendet in montem domini? aut quis stabit in loco sancto eins? wer sal ufgen 
in den berg unsirs herren, daz ist, wer sal ufgen in die hymmelsche vreude 
unsers herren oder wer sal ümmerme Avonhefteclicheu sten unde bliben in der 
heylegen stat der unzurgengclichen selekeide godes? do wart ime auch ge- 15 
antwortet: innocens manibus et mundo corde. der unschuldec ist aller bösen 
werke und eins reynen hertzen ist, der hat cyneu sicher(n) ufgang zu gode. wer 
nu ufgen sal, der wirt gar schiere gehindert, ist') iz, daz er swere ist imde 
nyt lyhte unde der ufganc hohe ist unde er auch damide crang ist an creften. 
also ist iz auch in der sündegin seien, die mit dotlichen Sünden ist begriffen: 20 
die verlyset ire lyhtekeit, daz ist die gotliche gnade, die ein Ursprung ist der 
lyhtekeyde unde des ufganges zu gode der seien unde eyne suuderliche helfe, 
die die sele irhebit in got. abir von den sünden (251-'') wirt die sele swere, 
und nüsnit en swerer ist danne die sünde. so scheydet die sünde den menschen 
verre von gotde unde vortribet von ime den heylegen geist, der sine sele 25 
solte creftegen unde herlühten. unde darumme der die sünde vertribet mit 
ruwegeme hertzen und mit ubunge guder werke, der vertribe auch damide die 
swerekeit sinre seien unde werde sine sele herlühtet mit gotlicher minne unde 
gnaden, wanne ez sprichet ein meyster in Logica : peccatum mortale et gratia 
sunt privative opposita vel saltem contrarie inmediata propter quod remoto 30 
uno opponitur reliqiium respectu subiecti apti nati etc.(?) dotliche sünde unde 
gotliche gnade, die sint also gar wider einander, daz sie bede bi eynander nit 
mögen gesin in eime menschen, darumme avo gotliche gnade ist, da enist 
nit Sünden, abir wo die unreine sünde ist, do enmag die gotliche gnade nit 
gesin. darumme der sine sünde mit heylegenie lebene diligitte, der worde 35 
nach sinre mügelichkeit gar balde mit der gnaden des heylegen geystes irhaben 
zu gotde. wanne ez sprichet s. Augustinus : quod inter mentem nostram et 
deum nuUum est medium, sed tarnen peccatum dividit. zwüschen uns unde 
(251^) gotde ist kein mittel nit danne die sünde. dovon sprach auch Ysaias, 
der wyssage, Ysaia LIX, quod iniquitates nostre diviseruut inter nos et deum. 40 
daz unser sünde die scheydet uns von gode unde virseuchet den sündere in 
den grünt der hellen, dovon ein meyster in der heylege(n) schrift sprach, 
quod peccatum est infirmitas, qua muudus dissipatur, iniquitas, qua demon 
amplectatur, et deformitas, quam deus attestatur.-) die sünde ist eine süchede, 
davon die werlet wart zurstoret bi Noes geziden, da got die siutflnd liez 45 
kommen ubir allez ertriche Tinde zurstoret die werlet, von sie nit alleyne diz 

1) 'ist' bis 'got' (Z. 28) rot eingeklammert. 
-') [Lies 'detestatur'? vgl. S. 134 Z. 15. St.] 



134 

hinfliezzeude leben kürtzet, daz wir dragen uf ertriche, sunder sie zurstoret 
auch ane underlaz daz geystliche leben der seien, die ir verbenget hat, nnde 
brenget sie zu deme ewegen dode der hellen, die sünde ist auch eine bosheyt, 
die der böse geyst sere begeret, wanne er engerüwete in sesz dusent jarin 
5 uude nie nie von unmuszen, daz er die werlet bringe zu den Sünden, und 
darumme da in unser herre got eins vragete, da er stiint under den godes 
kiuden, wannen er queme, do sprach er : circumivi (251 <=) terram et ijerambulaTi 
eam. Job I. ich hau daz ertrich ummeTaren. warumbe ummefur er alles 
ertrich? darumme daz er alle lüde versuchte, obe er ieman künde vinden, 

10 den er brechte zu deme valle der Sünden, dovon sprach s. Petrus: tamquam 
leo rugieus circuit, querens quem devoret. 1. Petri V. daz der böse geyst 
umme (get) als ein ruffender lewe, der gruwelich ist, der suchet, wen er vor- 
slynde. also suchet er vorburgenlichen , wen er bringe zu der vorseuffunge 
der helleschen pine. deme sal man undirsten mit cristin glaxiben. die sünde 

15 ist auch ein ungestaltnüsse , daz got verortalet und haszet. dovon lesin wir, 
daz got hat laszen virderben maneg volg irre Sünden halb, Avanne got haszet 
die Sünde also sere, daz er den engel mit den Sünden von deme hymmelriche 
vorstiesz. er haszet sie also sere, daz er Adam uzzer deme paradyse vertreib 
mit sinen sünden, er haszet sie also sere, daz er selbir von deme hymmele 

20 herabe uffe diz ertriche quam, daz er vortribe die sünde von dem menschen, 
unde leit den dot durch des menschen sünde. darumme sullen auch wir die 
Sünde haszen, wanne (251 d) an deme jüngesten dage kummet got aber durch 
der sündere willen unde auch durch der guden willen zu geriehte unde vor- 
fluchet und verorteylet die sündere mit den sünden in daz ewege für der hellen. 

25 Zu deme andern male wirt entzündet die miltekeit menslicher begirde 

an der sendunge des heylegen geystes mit ubirfluzzeger gnaden gotdes. wanne 
vater und sun und heyleger geist sint ein got. 

I, 31 

(Florentius von Utrecht). 

30 53 J^ Tres sunt, qui testimonium dant Dovon s. Johannes sijrach: tres sunt, 
in coelo: pater et verbum et Spiritus qui testimonium dant in celo: pater, 
sanctus. et hü tres unum sunt. verbum et Spiritus sanctus, et hi tres 

unum sunt, ez sint dri, die geziig- 

uüsse gebeut in deme hymmele, der 

35 vater und daz wort, daz ist der sun, 

unde der heylege geyst, und die dri 

sint ein got. 

Ein iclich werc halt dru dinc au Nu hat ein iegelich werg drü ding 

ime, ein begiu, eiu mittil und ein ende, an ime, ein begin, ein mittel unde 

40 da sich daz werc anehebit , daz ist eiu ende, da sich daz werg anehebet, 

daz begin; da ez zunimit, daz ist daz daz ist der begin, der anevang; da 

mittil ; di voUinbrengunge des werkis, iz zimiemet , daz ist daz mittel ; die 

daz ist daz ende. volleubringunge des werckes ist daz 

ende. 
45 Gnade ist daz begiu fon allin geist- Also ist gnade ein begin au allen 
lichin und go(54 ')ilelichiu werkiu. geistlichen und gotlichen wergken. 
dit werc nimit auch zu in der gnade, daz werg niemet aiTch zu in der 



135 



0: 

gnade ist auch ein ToUenhreugvinge 
des werkis. also ') siut alle dise dru 
foreinit in der gnade. 



S. Johannes sprichet : tres snnt. dri 
sint etc. he sprichit, daz dri personen 
sint, Aveder minnir noch me. ein nn- 
geleuhic meister sprach, daz dri got- 
liche personen Averin. he wolde abir, 
daz nicht dan ein persone got -were, der 
Tadir, nnd die anderin zwa, der son nnd 
der heiige geist, daz di creature Averin. 
nnd di hiz he darum gotlich, wan he 
"wolde, daz si an edilkeit hohir irhabin 
Averin dan andere creature. wefe daz 
also, so mochte vil me personen sin, 
Tvan got macht hait in ime unzellichin 
vil und edile creature zu schepphine 
ubrr di he nu gescbaffin hait. 



Ein 3) andir ungeleuhic meistir Sa- 
hellius, der sprach, daz der personen 
nicht dan eine were, und der gehe man 
manigin namen, durch mauigirhaude 
Tolmachtheit, di in ir werin, alse ge- 
walt, wisheit, gude. und were daz 
also, so mochte noch vil me personen 
sin, wan man gode noch tu me namen 
gegebin mochte, dit laze man ligin, 
wan ez ist alliz yelsch, und redin fon 



gnaden, so ist gnade auch eine vollen- 
biingunge des werkes. (252'') also 
ist ein iegelich gotlich werg, in deme 
sich eine iegeliche sele sol übin mit 
deme anevange und mit deme mittele 5 
unde mit deme ende in gotlicher 
gnaden, so ist iz eine voreinunge der 
seien mit gotde. 

Also sint die dri personen in deme 10 
gotlichen Avesene. ein ungeleiibegir 
meister Arius sprach, daz dri personen 
weren. er wolte abir, daz nit dan 
ein got "vvere, der vater, unde die 
andern zwo personen, der sun und der 15 
heylege geyst, daz die [dri] crea- 
tairen Averen. unde die hiez er dar- 
umme gotlich, AA'anne'er Avolte, daz 
sie an edelkeyde hohir AA^eren danne 
andere creaturin. unde were daz also, 20 
daz sie creaturen AA'eren geschaffin 
von deme vatere, so mohten noch vil 
me personen sin dan dri. von got 
macht'-) hat in ime selbir unzelichen 
vil creaturin unde edele zu schepphene 25 
iibir die er nu geschaffen hat. 

Daz 8) enist nit, sie ensint nit 
creaturen, Avanne sie ensint nit ge- 
schopphet von deme vatere. von sie 
mit deme vatere ein got sint, de 30 
alle creatiu'en hat geschaffen. 



35 



40 



^) hat nur einen Best; den ausfülirlichen Text bietet Nikolaus. 
^) Hs. 'gemach'. 

2) eriJrtert noch die Ansicht der Sabellianer und Aviderlegt auch diese. 
Beide Texte ergänzen sich in ihren Sätzen, 



136 



0: 

unsime gelaubin, daz dri personell sint 
und di sint ein. 

Daz man dit forneme, so muz man 
mirkin di rede, di di meistere hifon 
sprechin. nicht inist, daz undirscheit 
mache under den personen dan dit, 
daz eine persona fon der anderin ist 
nnd eine ein begin der anderin ist. 



10 



15 

Daz auch hegin halt in gode, daz 
muz sin mit eime inhlihinden Averke, 
mit deme werke des forstentnisses und 
des willin. waz begin hait in gode 

20 mit dem werke des forstentnisses und 
des willin, daz muz also volmachit 
sin, als ez ummirme gesin mac. der 
vader ist ein begin der anderin per- 
sonen, he ist ein begin ane begin. 

25 hirumme") so mac numme gesin dan 
ein vadir, wau (bi^) vadir ist ein be- 
gin. werin zwene vedere, so muistin 
zwei begin sin, und so inwere nicht 
ein fon deme anderin. 



Darumme sprichet ein lerer, daz 
iiit ensi, daz underscheit mache von 
den personen, danne daz eine ist von 
der andern und eine ist ein begin der 
andern. 

Dovon^) sprach Athanasius: filius a 
patre (252 '^) solo est non f actus, non 
creatus, sed genitus, spiritus sanctus 
a patre et filio procedit. der sun ist 
von deme vatere nit geschaffin noch 
gemachit, sunder eweclichin geborn, so 
fliiszet der heylege geist von in beyden. 



Der vater ist ein anevanc, alse er 
selbir sprichet: ego sum alpha et o. 
ich bin ein anegende aller creaturen 
unde bin ein ende, in daz sich der 
mensche enden sal. er ist ein anegende 
ane anegende, und in deme anegende 
ist der sun eweclichen gewesen. 



30 Daz ä) bewerit s. Johannes und sprichet : in principio erat verbum. in 

deme anegen was daz wort, daz ist der sun, in deme vatere. Avaune Cristus, 
unser herre, sprach uf ertliche: ego et pater unum sumus. ich unde der vader 
sin ein Avesen. darumme ist auch vater und sun ein wesen und heyleger 
geist. wanne der heylege geist ist ir beyder minne. 

35 Er ist daz für, daz got sante in die hertzen sinre jüngirn, dovon ir 

seien Avorden entzündet in gotde. rehte alse ein virloschin kole in deme fiire 
hitzec unde furec wirt, also Avorden sie in deme lichte des heylegen geystes 
entzündet und herlühtet mit bekentnüsse, mit geystlicher süszekeyde, mit 
drostlicher (252") andaht, mit inbrüusteger minne, mit gotlicher gnaden und 

40 mit gantzer züvirsiehte des eAvegen lebens. 

Zu deme dritten male suUen Avir merken den fliz gotliches drostes. 



1) Der Satz fehlt in 0. 
-) Von hier an fährt völlig anders fort. 

^) Vielleicht gehörten auch die folgenden Sätze noch der entlehnten 
Predigt an, Avenigstens bleiben sie in demselben Gedankenkreis. 



ö 



137 

wanne got gelotete sinen nndirdanen zu sendene sinen heylegen geyst, der 
sie drostete hie mit gnaden unde dort mit vrenden. wanne got der erit sine 
uzzerweleten in deme hymmelriche und gefründit sie zil ime imde machet sie 
riche an vreuden und machet sie selig an libe unde an sele. dovon sprach der 
propheta: nimis honorificati sunt amici tiü, deus. herre got, dine frunt sint 5 
gar vil und gar sere geerit. sie sint hie geerit mit cristeme glauben, sie sint 
hie herfrauwet mit deme hej'legen geyste unde sint hie uf ertriche herniiwet 
mit deme blude unsirs herren und sint selig, von sie in dragent in irme 
hertzen. darzu manet sie unde uns s. Paulus unde sprichet: empti enim estis 
pretio magno, glorificate et portate deum in corpore vestro. ir sint herlost 10 
mit grozzeme lone, daz ist mit deme unschuldegen binde unsirs herren. dar- 
urame lobent in und dragent in (252'^) in uwere seien und in üwerrae hertzen. 
wie daz ein iegelich mensche got drage in sime gemüde, so sint doch sunder- 
lichen fünf creaturen, die got ime selbir uzzerwelete darzu. die eine creature 
was Maria, die drüg unsern herren Jesum Cristum mit heyleger heimlichekeit 15 
demudeclichen in irme reynen kuschen libe, von deme er sine raenscheit nam 
unde was in ir uüu mende nach der art meuslicher nature. und damide hat 
iz ') getrostit, daz er zu uns kummet, ist iz, daz wir uns kuszlichen und reyne 
gein ime halten, die andere creature was de hej'lege Symeon, der forhte got 
und was gereht. darumme wolte got durch sine gerehtekeit zu ime in den 20 
tempel. da enphieuc in Symeon under sine arme, da liz sich de gerehte 
mensche in kindeswis den gerehten menschen dragen uns zu eime byzeichen, 
daz got die gerehtekeit also lieb hat, daz er sich selbir in die gerehtekeyt 
mischet unde zu deme gerehten menschen kommet, die dritte creature, die 
got drüc menslichen, die was der esel, den unser herre reyt gein Jherusalera. 25 
der esil ist gar ein einf eltig demudeges dier. darumme Tirsten wir bi deme 
esele einen andechtegen einfeltegen (253 ^i) menschen: der alle manegfeltekeit 
der werlete leszet und der sünden unde sich mit eime demudegen hertzen ein- 
felteclichen keret zu gotde, der gewinnet eine gotdrageude sele und wirt 
voreynit mit gode. alse s. Bernhard sprichet: qui adheret deo, erit unus 30 
Spiritus cum eo in eternum. wer sich gentzlichen zu gode heltit, der Avirt 
ein geist mit gode, also daz er wirt ümmerme geistlichen vereynet mit gotde. 
die vierde creature, die got drug, was daz heylege cn\ze, daz druc Cristum 
also gar herteclichen unde also gedulteclichen, daz iz leit die nagele, die 
Cristo dui'ch hende und füsze giengen, und bedüdet einen gedultegen menschen 35 
in siure arbeide, der den dot unde die wonden unsers herren in sime hertzen 
dreit mit eime mideliden. alse s. Paulus , der do sprach : ego Stigmata Jesu 
in corpore meo porto. ich dragen die wontmal Jesu Cristi in mime libe. er 
goz sine sele also lidelichen in got, daz got was sin leben, davon druc er 
an ime unsiehteclichen die wontzeichen unsirs herren, die s. Franciscus sieht- 40 
liehen hade an sime libe, do er starp. also sal auch noch der mensche die 
wenden unsirs herreu, die er bitterlichen leit au deme crüze, die sal er geist- 
lichen dragin in sime hertzen unde in (253^0 sinre seien mit andaht und sal 
dabi gedulteg sin in sime lidene, so ist got bi ime. die fünfte creature, die 
got drixg, was s. Cristoforus. von deme sprechent etliche,^) daz er grozzer were 45 
danne man zu der zit keynen man künde viuden iif ertriche. und darumme 

1) [Lies 'er'? 'und damit hat er Bürgschaft geleistet'. St.] 

2) [Vgl. Legenda aurea ed. Grässe S, 430ff. St.] 



138 

enwolte er auch uiemanne dienen danne deme geweltegesttyi herren, den er 
künde vinden, und was uncristen und quam docli zu eyme cristen künege zu 
dieneste. den sach er underwilen sich seinen unde vragete in, -warumme er 
also mit den henden crüze mechte. do sprach der küneg: er seinde vor dem 
5 ungehürin dj'fele. do spracli Stopberus: die wile du in nu forlitest, so ist er 
gewelteger und mehteger danne du, unde darumme wil ich ime dienen und 
dir uit. unde get uz*_) suchen den difel und kumit in ein gewiltnüsse, da 
offenherete sich ime der dyfel, rechte alse ohe er were ein groz herre gewesen, 
uffe eyme groszen rosze mit groszeme gesinde, die schienen alse lüde und 

10 waren allez dyfele, und da er vernam, daz er sinen herren fanden hade, da 
machte- er sich zu ime. und darnach gehorte in enweg uz zu farene. da stünt 
ein crüze, da schühitte der dyfel und für uzzer deme wege. (253 °) do vragete 
in Stopherus, warumme er daz dede. do sprach doch zulest der dyvel, er 
eumohte nit gevaren under deme Schede des crüces unde schühitte darumme 

15 daz crüze, von der heheltere were an deme crüze gehangen, der ime sine helle 
hede berauhet und sine gewalt hede geswechet. do sprach Stopherus: enmohte 
du dich des nit erwerin, so ist er mohteger danne du. darumme wil ich dir 
numme dienen unde Avil den suchen, der die werlt irloset hat. unde quam 
in eynen walt zu eyme guden menschen und vragete den nach gotde, der 

20 sagete ime von der almehtekeyde godis xmd leyte ime vor cristen glauben 
und von er groz unde starc was, da wj'sete er in ein groz sorchlich wazzer, 
da weder stec noch brücke ubir gieng, unde sprach, daz er die lüde da ubir 
drüge dorch got, so queme er zu gode. und do er daz etwie lange gedet, do 
horte er in der naht eins kiudes stimme, daz sprach: Stophere, hole mich ubir. 

25 da wüt er ubir und envant niemannes. da er da Avieder ubir gewüt, da horte 
er abir des kindes stimme, daz er iz holte, da Avüt er abir ubir und envant 
aber niemannes. und da er zume dritten male (253 "i) ubir gewut, da her- 
scheia ime ein cleyues kint, daz was got selbir, Cristus, unser herre. da nam 
er daz kint oüfe sich und wolte iz über tragen und da er mitten in daz Avazzer 

30 quam, do duhte in, daz er nie SAverrern last getrüge, unde st(r)uchLlte driAverbe 
under daz Avazzer. do sprach daz kint zu ime: du bist biz her geheyszen 
Stopherus. du salt virbaz heiszen Cristophorus. Avanne du hast Cristum ge- 
tragen, unde Cristus der hat dich gedauft. und zühant do ensach er des 
kindes nümme. ach, Avie Avas daz so gar ein heyleg cristen man, den Cristus 

35 selbir cristin machte. Cristus bestedegete in also vesticlichen in cristime 
glauben, daz er sich liez marteln umme cristen glauben und wart ein groszer 
licylege in deme hymelriche von der groszen begirde, die er zu gotde hade. 
also suUen auch Avir begirde hau zu gotde. Avanne got lonit mit der obirsten 
selekeyde sinen fründen, die sin begerint unde in süchent. darumme bieden 

40 Avir got. 

In diesem Sermon enthält der zweite Teil den Anfang 
einer Predigt des Florentius von Utrecht; die Entlehnung 
beginnt mit dem Textwort der benützten Predigt. Die ver- 
glichenen Texte laufen geraume Zeit parallel, an einer Stelle er- 
gänzen sie sich augenscheinlich (s.obenS.135 Anm.3): wie weit die 

1) Hs. 'uch' [in der Legenda aurea: 'discessit'J. 



22 


„ 82<i 


26 


„ 71c 


29 


„ 139 a. 



139 

Entlehnung- des Nikolaus reiclit, ist nicht erweislich; wahrschein- 
lich sind auch die Sätze, welche in keine Entsprechung mehr 
finden, jedoch in den gleichen Gedankenkreis gehören (s. oben 
S. 136 Anm. 3), Bestandteile der Predigt des Florentius von Utrecht. 

b) Yerzeichnis der Tbehandelten Sermone 

in der Keihenfolge der Untersuchung mit Angabe der 

entlehnten mystischen Predigtstellen. 

S. 8 Bl. 118''. Dominica in Septnagesima : Sic cnrrite, \\t compreliendati?. 

Teil I = Pfeiffer 30. Jostes 70. v. Arnswaldt-Berliner Hs. 3141 

Bl. 4:5'^ (s. JahrbiTch für uieclerdeiitsche Sprachforschung 10, 17). 
„ 15 „ 145 c. Dominica III in XL: Et cum eiecisset demonium. Teil I 

-= Pfeiffer 52. II, 3. 

Dominica iufra octavam epiphanie: Post triduum invenerunt 

illum. Teil I = Jostes 71. II, 6. 

De epiphania domini : Erat apud patrem. Teil I = Jostes 24. 

Dominica I in XL: Ductus est Jesus in desertum. Teil I 

= 1, 13. 
32 „ 34^. Dominica IV: Ego vox clamantis in deserto. Teil I = Pfeiffer 53. 

Jostes 60. V. Arnswaldt-Berliner Hs. 3141 Bl. 59'' (Nd. Jb. 10, 17). 

Cheltenham Phill. 21155 Bl. 106 » (Priebsch 1, 138). 
36 „ 94 c. Dominica II post octavam epiphanie : Leprosus veniens. Teil IV 

:= Jostes 68. 
38 „ 97<'. De conversione Pauli : Ponam arcum meum. Teil 11 = Jostes 41. 
40 „ 85 c. Dominica post octavam epiphanie : Vocatus est Jhesus. Teil II 

= n, 12. 

43 „ 19c. De sancto Nicoiao: Elegit enm dominus in sacerdotem sibi. 

Teil I = I, 3. 
49 j, 30 c. Dominica III. adventus domini: Quid existis in desertum videre? 

Teil I. n = Pfeiffer 50. v. Arnswaldt-Berliner Hs. 3141 Bl. 52^' 

(Nd. Jb. 10, 17). 
52 ,, 47''. De natu Cristi: Ego sum genus et radix David, Stella splen- 

dida et matutina. Teil I und 
55 „ 54 b. De sancto Stephane: Beuedictio domini super caput iusti. 

Teil I = Pfeiffer 97. II, 28. v. Arnswaldt-Berliner Hs. 3136 

B1.1771' (Nd. Jb. 10, 9). 
59 „ 41 '^. De natu domini: Gras faciet dominus verbum istud in terra. 

Teil n = Jostes 43. I, 5. Klosterneubiirg 1141 Bl. 50 (Preger 

2, 174 Anm.). 
61 „ 61 K De Innocentibus : Sine macula sunt. Teil I = Pfeiffer IV, 120 

(S. 668). 158 (S. 681). Jostes 43. 
63 „ 68". De circumcisione domini: Postquam cousumati sunt. Teil 1,1 

= ZfdA. 8,238. Zfdhist.Theol.l866,468f. Jostes 20. 011,29. 

Teil I, 3 = ZfdA. 8, 238. 
68 „ 78c. De epiphania domini: Apertis thesauris suis. Teil I = ZfdA. 

8, 242 f. Zfdkist. Theol. 1866,474. 



140 

S. 71 El. S?«!. DesanctoThoma: Vere filius dei erat iste. Teil I = Pfeiffer 26. 

Jostes 36. 76. Vgl. v. Arnswaldt- Berliner Hs. SMl El. öOb 

(Nd. Jb. 10, 17). 
„ 73 „ 8^. De adventu : Ego veni, ut indicarem tibi, qiiia vii- desideriorum 

es. Teil I = Pfeiffer 76, 1. Jostes 4. S. aucli oben S.74: Anm. 1. 
„ 78 ,; 4A^. In natu domiui: Tunc videbis et affines. Teill = Jostes 57. 
„ 80 „ 2 c. De adventu doniini : Novum f aciet dominus. Teil I = 11, 14 

und 32. Teil II = 1, 1. Teil HI = Pfeiffer 84. Jostes 31. 

On, 2. V. Arnswaldt- Berliner Hs. 3141 f. Bl. 25^ (Nd. Jb. 

10, 16). 
„ 88 „ 114^1. Dominica rv post epiplianiam: Induite TOS sicut electi. TeilU 

= Pfeiffer III, 11. 13. Jostes 6. 67. 
„ 93 „ 15'^. Dominica II de adventu: Quecunque scripta sunt, ad nostram 

doctrinam scripta sunt. Teil I. II = 1, 1- Teil I = II, 31. 
„ 100 „ 110°. De purificatione : Suscipe benedictionem. Teil II = Jostes 44. 

1, 15. V. Arnswaldt-Berliner Hs. 3136 Bl. 196 ^^ (Nd. Jb. 10, 9). 
„ 107 „ 272 <!. Pentecoste: Factus est repente. Teil I = Jostes 46. 01,80. 
„ 111 „ 162 '1. Benedictus vir, qui confidit in domino. Teil III = Jostes 69, 1. 

II, 25. 
„ 113 „ 12"^. De sancto Andrea: Imposuernnt illi portare crucem. Teil I 

= Pfeiffer 32. Jostes 1. I, 24. v. Arnswaldt- Berliner 

Hs. 3141 Bl. 47b. 

De natu domini : Ecce evaugelizo vobis. Teil II ^ I, 11. 

De s. Jobanne: Cibavit illum. Teil I = Pfeiffer IV, 137. 

De tempore resurrectionis : Hec est dies. Teil I = Pfeiffer 38. 

Jostes 69^. 
132 ,, 250 ^ Dominica IV post pascha: Si autem abiero. Teil II = 01,31. 



c) InlialtsaiigaTbe der vier Bände Sermone des 
T^ikolans von Landau. 

Die in der Abhandlung benutzten Sermone sind mit einem -j- 
bezeichnet. Wo ich sonst Benutzung mystischer Predigten ge- 
funden habe, ist dies durch ein * kenntlich gemacht. 

Incipiunt themata novoruni se(r)monum. 

Bl. 2° S. 80. f 1. Prima dominica adventus: Novum faciet dominus. 

Yeuit fortior post me: idem. 
Ego veni, ut indicarem: idem. 
De sancto Andrea: Imposuernnt illi. 
Dominica secunda: Quecunque scripta sunt. 
De sancto Nycolao : Elegit eum dominus. 
Idem : Homo ad laborem nascitur. 
Idem: Invenit gratiam. 
Dominica tertia: Quid existis in desertum. 
Dominica quarta: Ego vox clamautis. 



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141 

El. 37 '1 S. 7i. fll. Thome apostoli: Vere filius dei. 

De virginali natu doraini: Cras faciet domiuus. 
Idem: Tunc videbis et afflues. 
tl4. Idem: Ego sum gemis et radix. 

De natu domini: Ecce evangelizo vobis. i) 

De s. Stepliano: Beuedictio domini. 

De s. Johanne evangelista : Cibavit illnm. 

De iunocentibus : Sine macnia sunt. 

Dominica infi'a octavam natus domini: Positus est 

bic in ruinam. 
De circumcisione : Postquam consumati sunt. 
De epipbania: Erat apud patrem. 
Idem; Tres reges stabunt in Perside. 
Idem: Apertis thesauris suis. 2) 
Dominica infra octavam epipbanie: Post triduum in- 

venerunt. 
Dominica post octavam: Vocatus est Jesus. 2) 
Agnetis: Tota pulcbra est. 
Vincentii: Hec est victoria.'') 

Dominica II post octavam epipbanie : Leprosus veniens. 
Pauli: Ponam arcum meum. 
Dominica III: Surgens Jesus imperavit. 
In purificatione : Apud te est fons vite. 
Idem: Columba venit. 
Idem: Suscipe benedictionem. 
Dominica IV: Induite vos sicut electi. 
Septuagesima: Sic citrrite, ut. 
Sexagesima: Esiit, giü seminat. 
Catbedra Petri: Servus mens es tu. 
Mathie: Ego elegi te. 
Quinquagesima : Ecce ascendimus. 
De ieinnio: Convertimini ad me. 
Quadragesima : Ductus est Jesus. 
Dominica II in XL: Hec est voluutas. 
Dominica III in XL: Et cum eiecisset. 

Expliciimt themata primi libri. 

Incipiimt themata secimdi libri. 

Bl. 151 =>■ 1. Dominica in media XL: Est puer unus. 

), 15i<i 2. Dominica passionis: Jesus autem abscondidit se. 



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37. 


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38. 


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39. 


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142° 






42. 


145° 


II 


15. 


t43. 



1) Die Hs. nennt Nr. 15 vor 13 und 14. 
^) Die Hs. nennt Nr. 23 vor 22. 

^) Die Hs. zäblt Nr. 25 als 26 und von da an falscb bis zum Ende. 
*) Hs. 'Vincentii: leprosus veniens'. Nr. 27 und 28 sind als eine Predigt 
gezählt. 



142 



Benedicti: Pons parvus. 

Ideiji: Beuedictus vir, qui confidit. 

Idein: Quasi sol refulgeus. 

Anuuntiationis : Hortus conclusus. 

Idem: Benedicta est filia. 

Wem: Quomodo fiet. 

Palmarnm: Dies festi eins. 

Idem: Conversi sunt iu hictum. 

Idem: Expedit vobis. 

In cena domini: Sacramentum regis. 

Parasceve: Annuntiate inter gentes. 

Idem: Seutite de domiuo. 

Idem: Dolores uostros ipse. 

Vigilia pasche: Venit Maria Magdalena.*) 

Pasche: Surresi, ut aperirem. 

Idem: Quis revolvet nobis lapidem. ') 

Idem: Jesum queritis. 

Feria 11: Mane nobiscum. 

De tempore resurrectionis : Hec est dies. 

Octava pasclie: Gavisi sunt. 

Dominica II post pascha: Ego sum pastor. 

Marci: Exaltavi electum meum.^) 

Dominica III post pascha : Iterum autem videbo vos. 

Philippus et Jacobus: Beati, qui persecutiouem pati- 

uutur. 
In inventione sancte crucis: Qui iuYenerit me. 
Dominica IIII: Si autem abiero. 
Dominica V: Si quid petieritis. 
De ascensione: Ascendit super omnes celos. 
Idem: Videntibus illis. 
Idem: Hie Jesus, qui assumptus. 
Dominica infra octavam: Estote prudentes.*) 
Pentecoste: Pactus est repente. 
Idem: Ego niitto promissum. 
Idem: Paraclitus autem. 
Idem: Eefulsit sol in clypeos aureos. 
De trinitate: Viam sapientie monstrabo. 
De corpore Cristi: Puteus altus. 
Idem: Probet autem se ipsum homo. 
De festo corporis Gristi: Accipite et manducate. 



1) = I, 26 (ZfdA. 15, 389 Nr. 7; Pfeiffer 34; Jostes 48; auch S. Gallen 
966, 94 ff.). 

=") = I, 21 (Pfeiffer 31; Jostes 35). 

3) == II, 17 (Pfeiffer 62). 

*) = ZfdA. 15, 430 Nr. 25 (Kasseler Hs. Ms. theol. 4". 94). 



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3. 


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S. 111. 


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5. 


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6. 


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7. 


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9. 


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10. 


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11. 


„ 189 c 




12. 


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13. 


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14. 


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15. 


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*16. 


„ 209.1 




17. 


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*18. 


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19. 


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20. 


„ 224.1 


„ 127. 


t21. 


„ 2274 




22. 


„ 231b 




23. 


„ 234b 




*24. 


„ 237d 




25. 


„ 242a 




26. 


„ 246 a 




27. 


„ 250 a 


„ 132. 


t28. 


„ 253 d 




29. 


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30. 


„ 261c 




81. 


„ 265a 




32. 


„ 269 c 




*33. 


„ 272.1 


„ 107. 


t34. 


„ 276 a 




35. 


„ 279 c 




36. 


„ 282.1 




37. 


„ 286 a 




38. 


„ 289 b 




39. 


„ 292 d 




40. 


„ 295d 




41. 


Explicii 


mt tliemata 



143 

Incipiunt themata tertii libri. 

1. Dominica I post festum trinitatis: Fili, recordare, quia re- 

cepisti bona. 

2. Dominica II: Homo quidam fecit cenam magnam. 

3. Dominica III: Hie peccatores. 

4. Johannes baptista: Quis, putas, puer. 

5. Idem: Quasi Stella matutiua. 

6. Idem: Dedi te in lucem gentium. 

7. Petri et Pauli: Angeli eins. 

8. Idem: Principes apostolorum. 

9. Idem: Duo viri stetenmt. 

10. Estote misericordes. 

11. Dominica V: Sedens Jesus docebat. 

12. Dominica VI: In boc vocati estis. 

13. Dominica VH: Accipiens Jesus Septem panes. 

14. Magdalene: Eemittuntur ei peccata multa. 

15. Jacobi: Vitam petivit a te. 

16. Dominica YIII: Omnis arbor bonus fractum. 

17. Ad vincula Petri : Misit Herodes Petrum in carcerem. 

18. Dominica IX: Pacite vobis amicos. 

19. Laurentii: Igne me examinasti. 

20. Dominica X: Domus mea. 

21. De assumptione: Signum magnum apparuit. 

22. Idem: Que est ista, que progreditur. 

23. Idem: Abiit David et abduxit. 

24. Bernhardi: Quasi vas auri solidum. 

25. Idem: Multiplicate sunt aque. 

26. Ambula coram me. 

27. Dominica XI: Qui se humiliat. 

28. Bartholomeus : Lumen illius. 

29. Dominica XII: Bene omnia fecit. 

30. Dominica XTTI: Beati oculi, qui videut (que) tos (videtis). 

31. Dominica XTV: Spiritu ambulate, et desideria carnis. 

32. Nativitas s. Marie : Sapientia edificavit sibi domum. 

33. Idem: Egreditur virga de radice Jesse. 

34. Idem: Sol oriens in altissimis. 

35. Exaltatio s. crucis: Exaltabo ad populum. 

36. Dominica XV: Querite primum regnum dei. 

37. Mathei: Sol illuminans per omnia. 

38. Dominica XVI: Dens visitavit plebem suam. 

39. Michaelis: Angelis suis. 

40. Dominica XVII: Amice, ascende. 

41. Dominica XVIII: Diliges dominum. 

42. Dominica XIX: Veuit in civitatem suam. 

43. Luce evangeliste: Elegit eum ex omni carne. 

44. ündecim milium virginum: Vos estis lux. 

45. Dominica XX: Videte, quomodo caute ambiüetis. 

46. Simonis et Jude: Pastores ovium. 



144 



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47. Dominica XXI: Hec cum audisset. 

48. Omnium sanctorum: Sicut letantium. 

49. Idem: Fecit deus lucem magnam. 

50. Idem: Omnes sancti in manu dei sunt. 

51. Animarum: Considera Israel. 

52. Dominica XXIE: Qui cepit in nol)is(!) opus bonum. 

53. MarLiui episcopi: Homo sanctus in sapientia manet ut sol. 

54. Dominica XXHI: Viam dei in veritate doces. 

55. Dominica XXIV: Hie est vere propheta. 

56. Katharine: Ego sum olyva fructifera in domo dei. 
Expliciunt themata tertii libri. 

Incipiunt tliemata quarti libri. 

1. De apostolis: Isti sunt potentes. 

2. De apostolo: Tu signaculum similitudinis , ijlenus sapientia 

et perfectus decore. 

3. De martyribus: Benedicite celi domino. 

4. De martyre: Exivit vincens, ut yinceret. 

5. De confessoribus : In diebus suis placuit deo. 

6. De virgine: Pulcbra est casta generatio. 

7. Sermones communes: In ipso vivimus (et) movemur. 

8. Communes: Eegnum dei dabitur. 

9. Communes: Pater noster, qui es in celis. 

10. Visitationis : Visita vineam istam. 

11. Idem: Separavit tos dominus ab omni populo. 

12. Idem: Ut videam voluntatem domini. 

13. Generalis: Laudate dominum de celo. 

14. Nobiscum deus, gui fecit. 

15. Parate viam domini. 

16. Dedicationis: Vidi civitatem sanctam. 

17. Idem: Ecce nova facio omnia. 

18. Idem: Gloriosa dicta sunt de te. 

19. Idem: Venit nobis iilius hominis. 

20. Idem: Vita iustorum. 

21. Idem: Si quis cognoverit plagam cordis. 

22. Idem: Dixit, qui sedebat in tbrono. 

23. Ipsi populus eins erunt. 

24. Subditos: Visitabo oves meas. 

25. Idem: Querite deum et vivet anima vestra. 

26. Ad clerum: Diligite lumen sapientie. 

27. Ad religiosas: Auro locus est, in quo confiatur. 

28. Idem: Eevertere, revertere. 

29. Idem: Introite in conspectu eins. 

30. Idem: a. b. c. d. e. f . g. etc. 
Expliciunt tliemata libri quarti. 



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Geuther, Karl. Studien zum Liederbuch der Klara Hätzlerin. 1 

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leben des antiken Romans in spätem Zeiten. 1895. 8. Jk 

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Wirth, Ludwig, Die Oster- und Passionsspiele bis zum XVI. .! 
hundert. Beiträge zur Geschichte des deutschen Dramas. 1 



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f*fV'.Erwm2. Wilhellin^ Die Handschiiftenverliältnisse des Ü^AeluiigenlJ 

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^G^mMl ,Kaä|..Sftidien zumV^iMerbueh der^^Klara-'Hätzlerin.-^ 

"'"'^ii^^erK^JFrleafii^^ Die Kam||schilderün^eii^lieL Häft^imruvojtt 
" nn^'^irnt von Gravenberg. i-SS'S.' ''8^ '-" - M 






U-' Kraus, Carl, Das sogenannte 11. Büchlein .und Hartmanns/»^ 



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1898. gr. 8. 

Aus: Abhandlungen zur germanischen Philologie , 

^''c-^ Heinrich von Veldeke und die mittelhochdeutsche pioEterBpx 
Mit einem Exkurs von Edward Schröder. 1899?,'"'8r' ^ 



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^^^^Smerischen TJebersetzung des Neuen Testaments", welch 

;'-^W'^'^'^ihrhundert im Druck erschienen. 1889:^8.- ^ ^^ 







— i'- Bem'erkungeü zu Wolframs Parzival. ' '1898^. gr. 8. 
/AusÄ^bfiandlnngen zur germanis9hen* Philologie. 






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