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Full text of "Über das Winden der Pflanzen"







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Ueber das 





tUtlCit fcer 





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♦ 



Eine 



botanisch -physiologische Abhandlung 



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von der medicinischen Facultat der Universitat Tiibin- 

* 

gen im Jahr 1826 als Preifsschrift gekrbnt wurde* 







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Als 



Sttauautnl = Wi8$tvt&tion 

zur Erlangung der Doctorwiirde 



in 



der 



Medicin und Chirurgie 

unter dent Praesidium 



von 



R. d. 0. d. K. W. K. 

ord% offentl. Professor der Medicin 



. 






im September 1827 der Sffentlichen Prufung vorgelegt 






von 



Ludwig Heinrich Palm 



aus Aalen* 



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Mit 3 S teindrucktaf eln« 






gedruckt bei Christian Richter 






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Die Veranlassung zu dieser Abhandlung gab folgende 
von der medicinischen Faeultat der Universitat Tubingen 

• * 

fur das Jahr 1§26 aufgegebene Preifsfrage : 



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mplectuntur adminicular quin talia baud parum 
I'cmota affectare videntur; exacte investigetur, microscopii 
quo que ope y stiuctura ad figendum faciens, sive caulis, 
qui in cuscuta, lnpulo , lonicera , convolvulo > ipomaea, 
phaseolo ? aliisque ipse cireum agitur ; sive cirrhorum » 
quibus vicia, pisum, lathyrus, cucumis, bryonia, cucur- 
bita , vitis etc. utuntur. Perquiratur, quorsum, an defi- 
rate, an varie* singulae flectantur species; quousque ap- 
petant remotiora stabilimehta? Exploretur denique, an va- 



leat ad hunc motum caloris , lucis y humoris et ventorurn 
vis; an plantae inhaereat electio attractoria 5 determinata 
fulcimentorum viciniorum figura, pondere, materie, facili- 
tate electricum ignem vel. cohibendi, vel difFundendi, po- 
sitivum vel negativum illius moduni provocandi, superfi- 
cie laevi 5 scabra , odores spirante ? varie fucata? 
















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Einleitung 



Erster Haupt - Abschnitt. 



Auf Z ahIung der Windepflanzen und ihre geographi- 

sche Verbreitung • . • 

Aufzahlung der Cirren tragenden Pflanzen und ihre 

geographische Verbreitung 

Aufzahlung der Familien und Gattungen von Win- 

- 

depflanzen . . • . ♦ 

■ 

Aufzahlung der Familien und Gattungen von Cir- 

* 

ren tragenden Pflanzen . * # t 

Urspriingliche Bewegungen der Windepflanzen . 

Von der Anziehungskraft der vorschiedenen Stiitzen 

Vermogen der Windepflanzen, entfernte Gegenstande 

zu umfassen . • • • 

Von der Richtung> in welcher die Pflanzen sich winden 

Vergleichung des Wachsthurns der Windepflanzen mit 

, ihren Bewegungen • ♦ •'■'.""♦ 

Von dem Verhaltnifs der Bliithe der Windepflanzen 



f 



zu dem Winden 






Annaherung anderer Pflanzen zur windenden Form 
Erscheinungen, welche die Cuscuta in ihrem Wachs- 

! 

thum zeigt . . ♦ . 

Veihalten der Guscuta zu fremden Korpern . . 



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Von der Richtung, in welcher sich die Cuscuta windet 
Von den Cirren im Allgemeinen . 
Cirrenj welche im BlattwinkelihrenUrsprung nehmen 
Cirren, welche den Blattwinkeln gegeniiber stehen 

Cirren, welche an der Spitze des gefiederten Blattstifa 

sitzen . 

• • • • • • # 

Von den Blattstilen mit Cirrenahnlicher Form . 












• 



Zweiter Haupt-Abschnitt. 

Von den Einflussen der Electricitat und;des fralvanismus 

Einflufs des Magnetismus 

Einflufs des Lichts ■ ' ' 

Einflufs der Warme 

Einflufs der Feuchtigkeit , 

* 

Einflufs der Winde 

• • * m 

* 

VondemanatomischenBau der Windepflanzer 
Von dem anatomischen Bau der Cirren 
Von den Wurzeln der Windepflanzen , 



Von den Bestandtheilen der Windepflanzen 
Vergleichnng des Windens der Pflanzen mit den 






scheinungen der Sensibilitat . 



Er- 



Er 



Vcrgleichung des Windens der Pflanzen mit den 

scheinnngen der Irritabilitat . 

Vergleichung des Windens der Pflanz,en mit den 

scheinnngen des bildenden Lebens 

Allgemeine Resultate ausr den Unteftuchungen uber die 

Windepflanzen und uber die Cirren 



Er- 



Seite 
51 

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75 

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89 



90 






92 



93 



97 



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PRAENOBILISSIMO ATQUE DOCTISSIMO 

DOMINO CAND1DATO 



S. P. D. P. 



* 






Tractatum tuum de motu plantarum , quo turn 
sibi ipsis turn alii s rebus circumvolvuntur, nonmo- 
do tuum plane opus sed etiam idem opus esse, quod 

i 

ab ordine Medicorum eodem loco quam alia disser- 
tatio, idem thema tractanSy habitum regioque prae- 

* 

mio ornatum est, publice tibi attestor. Nam vix 
operae pretium esse videtur, de levibus quibusdam 
tnutationibus mentionem facer e , quas communiter 



fecimusj dum tua dissertatio typis edebatur, et 
quae modo sermonem et ordinem materiarum spe- 

ctabanU " 

Quemadmodum res simplices sensibusque oh- 

noxias facilius mente complectimur ', quam compo- 
sitas atque absconditas , ita simplicior magisque 
patens plantarum vita facilius intelligi posse vide. 

■ 

tur y quani implicata animalium vita. Nihilosecius 



Physiologia animalium 
quam ea vegetabilium. 



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Haec res par tint ex eo de- 

rivanda esse videtur, quod hominum multo magis 
interest et semper inter juit j naturam animantium 
cognoscere quam earn vegetabilium; alia tamen res 
mihi adhuc in causa esse videtur. Vita plantarum 

* 

multo magis, quam ea animantium-, a caussis exter- 
nis dependet, quae remove rinequeunt, quin plantae 
destruantur vel certe omnis actio vitalis cessety et 



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ricabilis fete Phaenomenorum compli- 
r. Hinc illae difficulties omnibus no- 
tae, qui Physiologiae plantarum studia sua impen- 



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derunt. Tu, me quidem judice, magnam harum 
difficultatum partem collide superavisti, problema- 
tis ipsius strenue memor ; quae v el tnves Uganda su- 
per sunt, vel minus evidenter explorata sunt , bene- 
volus lector facile turn praescripto temporis spatio, 
turn tenuiori supellectile, turn denique ipsius operis 



natura excusabit. Gratulo 



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opus, absolutacum laude studia medica, denique op- 
timamfamam, quam ob vitae integritatem apud nos 
relinquis. In posterum amicitiae tuae me commen- 
do. Vale. 






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nleitung 



Bewegung, die man sonst als ausschliefsliche Ei- 
genscha'ft der Thierbildung ansieht, zeigt sich audi 
bei den Pflanzen , und oft sogar auffallender als Lei 
***anehenThiergeschlechtern. Die Bewegung der Pflan- 
2 en ist aber in hohem Grade von den Umstanden 
1* B, der Jahrszeit, dem Alter der Pflanze u. s, w. 
a bhangig. Bei den meisten und vielleicht alien Pflan- 
2e n findet sich eine mehr oder weniger bemerkbare 
Bewegung nach den verschiedenenTags- undNacht- 
^eiten; so z. B. die Bewegung der Blatter, welche 
von Bonnet genau beschrieben wurdej ferner die 
Bewegungen ganzer Pflanzen, wie z. B. die von Kiel- 
ttiaier beobachteten Bewegungen nach dem Laufe 
der Sonne an den Getraide - Pflanzen zur Zeit der 
Entwicklung ihrer Aehren. Besonders auffallend sind 
die Bewegungen vieler Blatter von Pflanzen aus der 
Familie der Leguminosen und einiger anderer, wie 
2 « B. Smithia sensitiva, Desmodium gyrans, Mimo- 
8 a sensitiva und pudica , Averhoa Bilimbi , Biophy- 
tum, Aesehynomene , Schrankia und Desmanthus. 
tine zweite Art von Bewegung, die nur in gewissen 
Lebensperioden vorkommt 5 wird bei manchen i flan- 
Ze n, im Moment, wo die Blume ihre Vollbildung er- 
re icht hat, angetroffen. Die Bewegung findet hier in 
den Theilen der Blume selbst statt; bald sieht man 
die Narben gegen die Antheren sich hinneigen, wo- 
durch sie befruchtet werden , und dann wieder an 
ihre alte Stelle zui iickkehren , wie diefs bei der Ni- 
gella, der Fritillaria persica, Collinsonia, Gloriosa, 

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Gaslrodla, Dipodiunij Cymbidiura? Sarcochylus, Sa- 
xifraga, Calmia unci andern der Fall ist. Umgekehrt 
findet aber auch dieselbe Bewegung statt von Seiten 






der Antheren, die sich der Narbe nahern , urn auf 
sie ihren reifeh Bliithe.nstaub auszuschutten, wie icli 
diefs selbst bei folgenden beobachtet liabe: bei'Ber- 

* 

bcris, Rrulha, Parnassia, Stachys, Leonurus, Mimulus, 
Martinia, bei mehrern Bignonien, in dem Antheren- 
c vlinder der Cynaracephalen, bei Cistus, wo sich die 
Slaubfaden aufrichten und die Narben umgeben, his 
die Befruchtung vorbei ist ^ durch eine etwas starke 
Erschiitterung aber im Augenblicke zu den Blumen- 
bJa'ttern zurucldieliren , and gleich diesen eine hori- 

■ 

zontale Richiung ann.ehmen. Bewegung finden wir 
ferner an den Blattern der Dionaea muscipula, die 
sich auf den Reiz eiues darauf sitzenden Insekts 
-schliefsen, und so lange gescblossen bleiben, bis das 
Insekt ruhig ;wird, wo sie sich daan von selbst wie- 






der offaea. Auch die Unterlippe von Calcana legt 
sich bei bevorsleiiendem Regen uad vermindert.em 
Lichte an den innei n Theil der Blurne an und schliefst 
sie. Mit diesen Bewegungen diirfen wir aber nicht 
diejenigen verwechseln , welche man besonders bei 
einigen moosartigen Gewachsen findet, imd die bald 
nach -mechanischeii * bald nach hygrometrischen Ge- 
setzen erfolgen. So beschreibt Spr en gel. eine ei- 
gene Vorrichtiing an den Saamen der Jungermannien, 
wo jedes einzelne Saamenkorn mit einer kettenarti- 
gen Schleuder versehen ist, welche, wie es scheint, 
wegen ihrer hygrometrischen Beschaffenheit bei je- 
demHauch sich windet und hiipft. Etwas ahnliches 
findet sich beim Equisetum. Die Bewegungen der 
Kelchblatter von Carlina acaulis sindhygrometrisch; 
ebenso die Borslen von Funaria hygrometrica , und 






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Grainier* von manchen Geranien und Grasern ; 



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s ° windet sich die Granne von Avena fatua auf Be- 

f euchtung, nnd die Riehtung der Windung, welclie 
Sx e macht , gelit bestandig nach links ; es scheint al- 
*o auch, dafs denen nach hygrometrischen Gesetzen 
er folgenden Windungen etwas zu Gi^unde liege 5 was 
die Riehtung bestimmt. 

Verschieden von alien diesen Bewegungen 1st die 
s piraTformige, welclie sich in dera Waehsthum man- 



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eher Pflanzen mehr oder weniger lebhaft zeigt; i 
findet sich bei einigen in der ganzen Pflanze, Lei 

andern aber nur in einzelnen Theilen. Sie findet 

entweder vollkommen fur sich statt, ohne Beriihrun^ 

rait tremden Korpern, oder sie erfolgt nur dann roll*' 
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wenn die Pflanze von fremden Korpern 



t ■ wird. 



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Nur wenige Botaniker haben ihre Meinung tiber 

iese sph alforniige Bewegungen ausgesprochen. S e a- 

ttebier halt sie fiir eine Bewegung, die nach me- 

Felix Fontana 



chanischen Gesetzen erfotee : 

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man hbnne diese Bewegungen nicht durch 



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m vielmehr die Wirkung des Pri 



einen einfachen Mechanismus erkiaren , sie scheinen 

incips von Leben 
Und Empflndung zu seyn, welches Princip er schon 
^iiher in den Tremellen des Dillenius und einigen 
andern kleinen Pflanzen entdeckt habe; Kieser 

endlicli sagt, diese Schraubenlinie seye das Produkt 
d 



\w simultaneen Action des Lange- und Breite-Pro- 
c esses, diehier zurEintraclit gekommen zu seyn scliei- 
ne «j und weder Linie noch Fla'che mehr produciren. 
Uebrigens trifft man die Spiralfoi^m auch einzeln 
■i nicht sieh vvindenden Pflanzen an; so entdecktc 
s *e Calandrini*) zuerst an der Fichte und Tan- 
n e inderLage der Blatter, bei der Araucaria** A , bil- 



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J Carl Bonnet liber den Nutzen der Blatter* 

) A, L, Jussieu &eneiaplant, scc/drd. natur. dispos. p,453 t 



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den die. sclxuppen formig iibereinander li'egenden Blat- 
ter eine adufaehe Spirale, bei Stilbe *) sind sie 
gleichfalls spiralf orriiig gelagert ; ferner in den Schup- 
pen der Tannenzapfen, in den Fruelitcapseln mehre- 

Medie^goarten,zuweilen in der Stellung der Sea- 
men beim tiirkischen Korn, und bei noch vielen an- 
dern Pflanzen spricht sich diese Form aus. 

Aber auch im thier'schen Korper finden sich 
Spiralfasern und Spiralgefafse. So besteht die mitt- 
lere Haut der Arterien aus Spiralfasern; deutlicher 
nodi findet man diefs an den Tracheen der Insekten. 

Die sich windenden Pflanzen und die Ranken 
(cirri) sind wohl zu unterscheiden von den klettern- 
den Pflanzen, wenn gleich zuweilen deutlich ein Uber- 

gang von der einen Form in die andere statt findet. 

Der sich windende Stengel ( Caulis volubilis) rollt 
sich in Form einer Spirale um eine Stiitze , welche 
die Axe der Spirale bildet, ohne diese Stiitze aber 
wird die Spirallinie unvollkommen ; die Ranke dage- 
gen windet sich sowohl um eine wirkliehe als auch 
um eine eingebildete Axe spiralformig 5 der klettern- 
de Stengel endlich bedarf immer eines fremden Rbr- 
pers, a^ welchem er ohne bestimmte Richtung em- 
porsteigt, und er erzeugt Theile, vvelche ihn befe- 
stigen- 



Was nun die W 



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s# findet wieder einUnterschied statt nach derRichtung 

der Spirale; man unterscheidet, indem man sich in 

den Mittelpunkt einer Spirale denkt, mit dem Gesicht 






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mdung nach Links. Nach dieser Bestimmung ist 

die Richtung der einzelnen Pflanzen von mir ange- 
geben. 



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) Jussieu 1. c, p, 453, 



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Erster Haupt- Abschnit t, 

•dufztihlung der TVincle - Pflanzen und Hire geo- 

graphische p^erbreitung. 



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Es ist bekannt , dafs jecles Land seine eigenen 

Pflanzen tragt, dafs dies^e Verse, ieclerJif it von der 

es Bodens , der Lage und den klimatischen Ver- 

altnifsen abhangt. Diese Verschiedenheit des Vor- 

* 

mmens der Pflanzen nach den verschiedenen Zo- 

- • 

i 

nen der Erde zeigt sich audi bei den Wind( pflanzen, 
Und vielleicht auffallender als bei den (ibrigen, Zur 

* 

genauern Uebersichtmag die ahg'ehangte Tabelle die-' 
nen , in welcher ich die F&milien, die Zahl der ge- 
nera und species angebe, die sich winden : ferner ob 

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t J s baum - oder straucharti^e Pflanzen, oder ob es 

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Wurzelpflanzen oder einjahrige Pflanzen sind; end- 
lich die Art ihrer Verbreitung in den verschied enen 
VVelttheilen, Noch lange aber wirdes nicht moglich 
seyn, eine vollkommene Uhersicht tiber die geogra- 
phische Verbreitung alier Windepflanzeii zu erhal- 
ten, wenn man bedenkt, wie wenig in den bis jetzt 

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vorhandenen Floren auf die geographisehe Verbrei- 
tung uberhaupt Riicksicht genommen ist, oder wie 

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oft nur im Allgemeinen angegeben ist, dafs die Pfian- 



ze in Africa, Asien ? America oder Inclien vorlumrmt, 
was doch noch einer vielseitigen Ausiegung lahig ist. 
Noch weniger aber wurde auf den Stanclort der Pflan- 

■ ■■ ■ ' * . 

zen Riicksicht genommen, und nur selten findet sich 
angegeben, dais die Pflanze auf Hiigeln, Bergen, 
°der am Wasser vorkomme. Ich mufste mich also 



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damit begniigen, was ich hieruber in den Werken 
voaWilldenow, Persoon,R. Brown undinden 
zwei eratenBanden des Prodromus von de Can do 1- 
re aufgezeicimetfand. Am wenigstenaber hatmanbis 



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zen berucksichtigt,' was doch , 

Jilt, mcJit ohne \ty 



wie aus der ange 



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Selbst in dem WerL-e von Scliouw*) 



wo 



die Familie der . Leguminosen ziemlich genau bear- 
beitet ist, fmde ich keine besondere Erwahnung 
der Windepflanzen in derselben. Ich zweifle nicht, 
dais sjch noeh hie und da 



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den schon bekannten fmde, die ich nicht aufgezahlt 
habe; allein ich fiihrte nur die an, wo in der Diag- 
— derPilanzen ausdrucklich gesagt ist, dafs sie 
em.en Caulem volnbilcm haben. Wir sehen auf den 
emenBlick, dafs die windende Form der Pflanzen 
sich nicht in alien Familien findet; dafs sie in vielen 
grofeern Familien ganz fehlt , wie z. B. bei den R a - 
nnncnlaceen , Malvaceen, Rosaceen , Cariophylleen, 
truciferen, Umbeilisten, und in den Composes, bis 
auf eine geringe Ausnahme ; dafs in 150 Familien der 
lhanerogamen sich ohngefifhr nur eia F.inftel Fami- 

besitzen, und 






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unter diesen sind es wieder bei genauerer Untersu- 
cnung nur 6 Familien, die mehr ais 10 Windepflan- 
zen enthalten. Es ergibt sich also hieraus, dafs die 
Windepflanzen auf wenige Familien beschrankt sind. 
Was dieDaner der Windepflanzen betriilt, so findet 
ouch hierin em Unterschied statt- 
der Windepflanzen sind Straucher oder kleine Ban- 
me, die jahrlich nene Schosse treiben , welche sich 
imtaer wieder winden ; der geringste Theil sind ein- 



der grofste Theil 






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eincr aUgomcinfn Pfanzcngcagraphie. 



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Jahrige Pflanzen, und in der 
gen 5 welche eine pei ennirende Winzel haben die 
Wlri Jahre einen neuen Stengel treibt. Die grofste 
Vers-chiedenheit aber findet statt bei Vertheilun** der 
Windepflanzen auf der Erde nach den climatischen 
Verb utnissen. Hier findet es sich , dais vier Fiinf- 



uieile aller Windepflanzen zwischen denbeeden Wen- 
dezirkeln vorkommen, so aber, dais die westliche 

Halbkugelim Verhaltnifs Hires Flacheninhaks urn ein 

hedeutendes reicher ist, als die ostliche Halbku^el • 
auf einem weit geringern Raum fmden sich auf der 
Westlichen Halbkugel 256 1 auf der bstlichen dage- 
gen 308. Es zeigt sich ferner ein Unterschied zwi- 
schen den Landern, welche nordlich vom Aequator, 
und denen, welche sudlich von demselben liejren 
die Menge der Windepflanzen ist 'namlieh b< 



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tend grofser in den Landern- ncirdlich voro 



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Aequa- 

in den sudlich gelegenen Gegenden. In 
demselben Verhaltnifs nehmen auch die Windepflan- 
zen schneller ab gegen Siiden, wahrend es nur all- 
miihlich geschieht gegen Norden. Endlich finderi 
wir noch eine grofsere Menge von Windepflanzen 
in dem bstlichen Theil jeder Halbkugel, als in dem 
westlichen. Urn das Gesagte zu erlautern > mo,?en 
die Familien der Leguminosen und der Convolvu- 
laeeen als Beispiel dienen , welche mehr als die 
Halfte aller Windepflanzen enthalten. 



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Manche dieser Windepflanzen fin den sich in 
Wehreren Welttheilen, so z. B. der Convolvulus ob- 
scums kommt unter gieichen Breitegraden , auf Su- 
rinam und Ceylon, der Convolvulus Batatas in Ost- 

1 

tind Westindien, die Ipomoea punctata in Ost- und 
Westindien und in Africa vor, die Calystegia sepium 
ist so^ar ohne Unterschied des Climas fast auf der 
ganzen Erde verbreitet, sie finden sich in ganz Eu- 
ropa, m Nordamei^ika , in Peru und in Neuholland. 
Was die Verbreitung nach den Laiigegraden betrifft, 
&o ergiebt sich diefs schon aus der Angabe der Lander. 
, Im Allgemeinen scheinen die Windepflanzen^ 
nach den wenisren Ansraben von Schriftstellern, mehr 
Pflanzen des platten und Iiiigelicbten Landes zu 
seyn , seltener auf Bergen , am wenigsten aber auf 

ukommen ; wenigstens lietert 






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hohen Gebirgen vorz 

uns Europa kein Beispiel hievon, und audi in Ame- 
rika fiihrt Humboldt*) nur den Convolvulus bo- 
gotensis bei einer Hohe von 5400 — 8700' siidlich vom 
Aequator an. Zwischen 12 —21° nordl. Breite aber 
und bei einer Hohe von l800— 6600 Fufs findet sich 

* 

Ipomoea choluccensis und Convolvulus arbores- 

} ; alie iibrigen aber horn men bis zu einer 
Hohe von lflOO' liber der Meeresflache v°r. Etwas 

x 

haufiger trifft man sie in der Nahe fliefs'ender Was- 
ser, am haufigsten aber an buschigten Orten, da 
der grofste Tiieil der Windepflanzen an sich schon 
strauch*rtig ist. Die Windepflanzen sind es vor- 
fcuglich , welche die sudamerikanisehen Walder 
so undurchdringlich machen. Es ist auch der Na« 
tur der Windepflanzen angemessen, dafs sie sich in 



•) Alex, de Humboldt de distrib. geograph, plant; 1817. 

p. * 06. 

•1 

**) Humboldt I, c, p. Hi, 












. 



/ 















I 































/ 


















10 



der Nahe soldier Pflanzen befinden , urn welclie sie 
sic/i win den konnen, was, wie es scheint, zu ihrem 
besondem Gedeihen nothwendig ist. Die Wasser- 
pflanzen winden sich, wie es scheint, nie, mit Aus- 
nalimeder.Valisneria spiralis, deren weiblicher Bin- 
mensuel sieh unter dem Wasser spiraifbrmig tim sieh 
selbst wadet, und der Utricularia volubilis in Neu- 

\ 

Holland*), bei der aber das Winden nicht unter 



Wa 



der Lui't vorcelu. 



Aufziihlung der Cirren tragenden Pjlanzen und 



> ' 



Vt 






Bei den Cirren tragenden Pflanzen fin den iranz 
andere Verlialtnisse statt , ais bei den vorigen • sie 
Koramen in noeii wenigeren Familien vor, als die- 
se ? and siad sowohl in Riicksicht der Gatlun^en 
als aueii der Arten von geringerer Anzahl. Das 
Vorkommea der Cirren tragenden Pflanzen richtet 
sich vorzugiich nach dem Punete, von welchem aus 
die Cirre an der Pflanze entspringt. Die Pflanzen, 
bei den»n die Cirren in den Winkeln zwischen Stamra 
und Biattera entspringen , kommen fast ausschliefs- 
lidi in der heifsen Zone vor ; so verbal* es sich bei 

dm Passifloren, den Cueurbitaceen und Asparageen. 



denn 



wenn 






(Letfctere rechne icb audi noch liielier , 
gleich bei dem genus Smilax, welches den gib' Is ten 
Theil unter den Cirren tragenden Pflanzen dieser 
milie ausmacht, die Cirren auf die Mitte des 
Blattstieis fuliren, so sieht man dock deullich, dais 
sie gleich den foliis decurrentibus an demselben 



beraniVteiffen und zu seinen Seiten am Stam 



m ih- 



; i 



) Dagegen die Pflanzen, bei 

■ 



denen die Cirren am Ende eines zusammen^esetz- 















•) Robert Brown prodr, flor, novae Holland, 



* . 

















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II 



ten Blattes stehen , wie cliefs bei den Leguminosen 
der Fall ist, mehr in den gemafsigten Zonen der 
Erde vorkommen. Nur selten triiTt man windende 

■ 

Pflanzen zugleich mit Cirren versehen, wie diefs 






bei Phaseolus eirrosus der Fall ist ; sie bediirfen 
auch deren nicht, da der Stengel schon fur sichim 
Stande ist 5 sich an fremde Gegenstande zu befesti- 
gen. Die meisten der 

sincl auch , wie die 




Cirren tragenden j Pflanzen 



Win 



baum- oder 



straucliartige Ge'wachse, die ihre Cirren hestandiar 



als Befestigungsmittel behalten, wak um so noth- 
wendiger ist, ais die meisten dieser Pflanzen Met- 



terjide sind, die sich nur mit ITulfe der Cirren in 
der Hohe crhalten Iiounen. Die Cirren dieser Art 

■ 

von Gewachscn sind exitwd'der aus dem Blattsticl ent- 



spririgend, wie bei den Pasdflorcn, oder*' sie sind 
dem Blatt gegeniiherstehend, mid lassen aus ihren 
verschicdenen Forrnen schliefsen , dafs sie auscetfr* 
tete Blatt- oder Blumehstiele seven, denn oft zei^en 



diese Cirren nocli an ihrer Spitze eini'ge Spnren von 
Bliithen, wie diefs in der Familie der Amuelidecn 






der Fall ist; bei anderh aber, wie z. B. bei cinigen 
Arten aus der Gattung Clematis , sind cs die Blatt- 
stiele selfest, welclie die Sielle der Cirren bei die- 
ser Art kletternder Pflanzeii vertreten. Ein zweitef 
Haufen Cirren tragender Pilanr.cn sind solclie, wel- 

ehe alle 




re einen neuen- Stengel treiben ? mid 
diese sind theils Pflanzen mit percnnirender Wur- 
fcel, theils - noch haufigei 



P enijaringe 



Pflanzen; sie 
baben entweder ihre Cirren an der Spitze eines zu- 
sammengesetzten Blattes stehen, wie diefs bei den 



Leguminosen der Fall ist, oder die Ciri 



*e sitzt im 



Blaftwiakel; zuweilen aber ist lieine eigentliche Cir- 
re vorhanden, sondern es ist der BlattstieL welcher 



opirauorm anaimmt : so verhalt es sich beiAntirrhi- 



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12 



num cirrosum und Adlumia cirrosa. Zum Beweis 
des Obigen mag die angehangte Tabelle dienen, die 
nach' Art cler vorigen eingerichtet ist, nur mit dem 
Unterschied, dais noch vier besondere Abtheilungen 
gemaelit sincl , je nachdem der Cirrus im Blattwin- 
kel oder auf dem Blatte sitzt, oder je nachdem der 
'Blattstiel oder Blumenstiel cirrenartig ist. Merkwiir- 
ist noch? dafs alle Passifloren in der neuen Welt 
xu Hause sind, wahrend der grofste Theil der Ca- 



Welt 



- 

die Cir- 



■ 

ren tragenden Leguminosen dagegen grofstentheils 
in der gemafsigten Zone vorkommen , die meistens 



einjahrige oder Wur 



sind ^ und selteii 



\ 

baumartige Gewachse oder Gestrauche. 









• 












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der Familien und Gattungen von 

JVinde - Pflanzen* 

■ 

Dilleniaceae. 



Hibbertia. 



Me 




oculus. M 



Calvptrii 



Cissampelos. 



Viol 



X 






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Poly galeae. 



Comesperma. VSecuridaca. 






Malp 



Byrsonema. Gaudichaudia. Banistera. Tristellateia. 
Triopteris. Aspicarpa. 







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Passiflora. 

■ 

Hippo cratea. 

4 1 



Passifloreae. 



Hippocrateaceae 



CI 



Guttiferae. 



usia. 












* \ 






Clitoria 



Indigo- 

* 

Swetia. 



1 

I J± Ampelideae. 

Petrea. > 

■ 

Leguminosae. 

I 

Trifolium. Glycine. Desmodium. 

fera. Chaetocalyx. Lespedeza. Nissolia. 

i 

■ 

Neurocarpuro. Abrus. Macranthus. Terammis. 
logania. Vigna, Amphicarpoea. Kennedya. Galac- 
tia. Lablab. Rhynchosia. Phaseolus. Odonia Fage- 
Ha. Dolichosi Otoptera. Pachyrhizus. Dioclea. Ru- 

* 

dolphia. Canavalia. Pisum. Dalbergia. 









Cueurbitaceae* 



-■* 



Momordica. 



Caprifoliaceae. 



Lonicera 



. 



Rubiaceae. 



Paederia. Sabicea. Monettia. Morinda. 



Compositae. 



Micania. 



Cainpanulaceae. 






Cyphia. 



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Jasmineae. 



Jasminum 



. 



jipocineae 



erd 



ergularia* Asclepias. Gymneraa. Periploca. 

■ 

pegia. Oxystelma. Cynanchum. Tylophora. Parson- 
sia. Apocynum. Marsdenia. Lyonsia* Sarcostemma* 
Echites. Hoya. 



Bignoniaceae. 



\ 



■ 

Bignonia. Tecoma. 

Cotivolvulaceae. 
Convolvulus* Ipomoea/ Cuscuta. Calystegia* 



Tournefortia./x'^ 



Boragineae. 









Solcineae. 



Solanura. 






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14 ~~ 



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AnlinJxiiieae 



Utricularia. Maurandia. 



Acantliaceae. 



Thunbergia. 






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A mar an Iliac eae 



WLestibudesia 






L 



VBasella. 



Clienopodeae. 






Polygoneae. 



Polygonum, 

( Cassytha. N 



Laurineae 



^ 






"Arlslolochiae 



* 

Aristolo cliia. 

8/ 






En ph orbiace ae. 



Plukenettia. Trada, 



Urticeae. 





Humulus. 
20 S 









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" Asparageae* 
Eustrophxis. Bioscorea. Medeola. Tamus. Trajafia 
r Thvrsanothus. Asparagus. RipogonumJ 



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Alstroemeria. 



Liliaceae. 




Rhamiieae. 



Berkhemia. 



Tropaeolum. 



Tropaeoleae. 



4 





















Aufz'dhlungder Familien und Gattungen von 






-> 

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Cirren tragenden Pflanzen. 

Ranunc ulac eae. 



Clematis* 



Adlumia. 



* 









FamariaQeae. 















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I Slid. 



I Airica I Asien j 
out d. i tu Ost- 



Neu- 

Holl, 




Dilleniaceae 



Menispermeae | 
Passiiloreae 



Maipighiaceae 



Hippocrateac. 



Gut titer; 



Ampeiideae 



-Legummosae 



Gucurbitaeeao 
Caprifoiiaceae 

Rubiaceae 

Compositae 
Compauulaceae j 

Jasmmeae 



Apociaeae 



Bignoiuaceae 
Couvoivuiaceae | 



iiorragiaeae 



Solaaeae 



Aatirrliimeae 



Acaathaceae 



Amaraiithaceae 
Chenopodeae 



Polygoaeae 



Lauriueae 



Aristoiochiae 



Euphorbiaeeae 
Urticeae 



Asparageae 

Liliaceae 
Rhamneae 



Tropaeoleae 



Polygaleae 



34 



Zu Seite 15 







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Ranunculaceae 



Fumariaceae 

Passifloreae 

Mai 



vaceae 



Sapindaceae 
Ampeiideae 



■ 

Rhamneae 
Terebinthaceae ! 



1 ,. 



- 



Leguminosae 



Cucurbitaceae 

ii 11 H ■ ■ 1 ■ ■ 1 ■ 

Compositae 



Apoeineae 
Bignoniaceae 



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Antirrhineae 



Orchideae 



Asparageae 



Liliaceae 

17 




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43 I 476 1 169 



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Passiftoreae 
Passiflora. Coboea. Murucuia. 



/ 



Malvaceae. 



I 



Kugania. 



Sapindaceae. 



Paullinia* Serjania* Cardiospermum* Enourea. 

■ 

i 

Amp elide ae . 
Cissus. Vitis* Ampelopsis. 



\ 



Rhamneae. 



Gouania* 






Terebinthaceae 



Rhus. 



V. 






Fab 



Leguminosae 



a. Vicia. Lathyrus. Pisum. Ervum. Entada 
Phaseolus. Bauhinia. 

i 

Cucurbitaceae. 
Momordica. Melothria. Trichosanthes. Cucurbits 
Cucumis. Bryonia. Sicyos. Sechium. Myrianthes^ 













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1 









Compo sitae* 






Mutisia* 









Apocineae. 
Lasiostemma. Pacouria. Strychnos 



) 



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Bignoniaceae 



Bignonia. 



Antivrhineae. 



Antirrhinum. 



Orchideae. 



Vanilla. 



Asparageae. 
Smilax. Dioscorea. Nepenthes. 






x 



LilicLceae. 



Gloriosa, 


















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1 


























































16 



*** - 



Vrsprilngliche Rewegungeh der Wi 



\ Pfianzen. 

Zu tier Beantwortung der Frage: m welcher Le- 
bensperiode der ■ Pflanze die Spiralform sich zuerst 
ausspreclie , schien es m'ir , nach mehreren mifslnn- 
genen Versuchen, um auf ein genaues Resultat zu 
kommen , nothwendig r zuerst die urspriingliche Be- 
wegung der windenden Pfianzen vom Anfang ihres 
Erscheinens aii zu beobachten. Ich wahlte zu die- 
sen Versuchen mehrere Exemplar e von fhaseolus 
coccineus , wtlche vorziiglich kraftig waren. Jede 
Pflanze war fur sich in einem eigenen Topf, und 
wurde gegen Osten gestellt, wo sie von Morgens 6 



Uhr bis Abends 



5 Uhr 



von der Sonne beschienen 



wurde. Wenn die Pflanze an der Oberfiache der Er- 
de erschienen ist, so zeigt sich noch kerne Spur von 
spiralformiger Win dung. Das erste Internodium von 

m 

der • Warzel bis zu den Saamenblattern ist ganz ge- 
rade v das folgende Internodium, das sieh nun bil- 

i 

det, gibt schon einige Andeutung zu der Spiralform, 
indem die Spitze etwas gebogen ist 5 doch ist es im- 
mer nur die Spitze bei den ersten 4 bis 5 internodien, 
die gebogen ist, denn iiach ihrer vollkommenen Ent- 
wicklung sind diese lnternodien ganz gerade, sie sincl 
aber auch die kiirzesten an der ganzen Pflanze und 
stehen sehr gedrangt. Ueber die.sen folgen langere, 
welche die gekriimmte Form beibehalten. Indessen 
schon bei einer Hohe von 6" fangt die Spitze Mor- 
gens an, sich in der Regel-von Abend gegen Morgen 

■ 

und wieder riickkehrend besta'ndig in einem Kreis zu 
bewegen. Dieser Kreis wird immer grofser, je mehr 
sich die Pflanze verlangert, und die freie Bewegung 
dauert so lange fort, bis der obere Theil das Ueber- 
gewicht bekommt und umsinkt. Die Pflanze ist da- 
dilrch in ihrer kreisformigen Bewegung gehindert, so 



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e, bis die Spitze sich wieder von der Erde er- 
^oben hat, worauf diese Bewegung von neuera an- 
**agt* Diese Bewegung gelit anfangs, so lange die 
Pflanze noch niedrig ist, nur langsam von statten, 

* 

Socials sie in 24 Stunden nur .Einen Kreis' beschreibt ; 
fcei zunehmendem Wachsthum aber wiederholt er 

■ 



•ieh immer otter, bis endlich in 24 Stunden 6 
s # erzeugt werden. Es hangt aber die Schnel- 



bi 




ligkeit dieser Bewegung, so fvie die Grofse desKrei- 



* 



sesauch von der Witterung, Temperatur und Tags- 
Zeit ab, denn uber Nacht erfolgt die Beschreibung 
ties Kreises nur ± bis 2mal, wahrend sie bei Ta 



g5 



bis 6 mal erfolgt; bei ungunstigem Wetter ist der 
Hreis grb'fser, als bei dem Sonnenschein, weil sich 
die Pflanze mehr von der senkrec&ten Richtung ent- 
fernt, dagegen die Bewegung bei letzterem schnel- 
Jer , als bei ersterem ; es wild hievon weiter die lie- 
de seyn bei dem Einflufs des Lichtes. Im Ganzen 
^eigten sich die Erscheiuungen voilkommen gleich 
bei Convolvulus, Phaseolus, Lonicera, welche theils 
m April, theils im-Juni und Juli beobaehtet wurden. 



U 



m nun den Einflufs verschiedener Umstande auf 



diese Bewegungen zu erforschen, stellte ich Pflan- 
Zen sowohl an einen ganz finstern Ort, als audi ixi 
den Schatten und in den Keller, wo die Temperatur 
nur 8°— 10° betrug; aber an alien diesen Orten 

* 

lauerte diese Bewegung fort, nur mit dem Unter- 

■ \ 

*fchied, dais sie im Schatten am langsten dauerte, an 
lem finstern Orte von gleicher Temperatur wie im 
>chatteu 3 bis 4 Tage, im Keller aber, wo sie lang- 
sam war, dauerte sie nur 2 Tage, und zwar beschrieb 
sie in 24 Stunden nur einen bis anderthalb Kreise, 
Wahrend sie im Finstern 3 bis 4 Kreise beschrieb 
*m Schatten aber so viele wie im Sonnenlicht. Die 
Bewegung der Lonicera erfolgte, unter gleichen Um- 

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2mal in 24 Sttirideh mehr erfolgte, als 






standee mit dim ubrigett , htir 2 — 2> *nal in 24 Stun- 
den. B cirri Hopfen faud es sich immer, dafs die Be- 

* 

wegiihg 1 

Lei den Bohiieii, Convolvulus, Ipomaea, Glycine und 
Polygonum. Bei Convolvulus und tpomaea zeigt auch 
das erste Interhodium hieht sogleich eine Krummting, 
wie diefs Lei den Bohiien und Glycine der Fall ist ; 
*s Lilden sich zuvor mehrere ganz geradc Ihterno- 
dien , ehe sich das Win den der Pflanzen zeigt, und 
Lei Polygonum Convolvulus zeigt sich das Winder* 
erst spater , und oft gar nicht, wenii die Um&tande 
hieht .giinstig sind ; der Hopfen tind Polygonum nil- 

■ 

terscheideh sich noc'i dadurch von den iibrigen, dafs 
ihre Bewegung von Gsteii nach Westcn anfangt. Die 
hamiiche Richtung dieser Bewegungen aher findet 
auch ail der Stiitze statt; mit der ersten Kriimmuiig 

der Spitze ist auch der Anfaiig zum Winden gege- 
Len , denn wenii man jetzt die Pflanze mit eiiier zu 
ihrer Grofse verhalthifsmafsigen Stiitze in Beriihrung 
hringt, so umfafst sie dieselbe und fa'ngt so an, sich 
zu winden. Ich nenne diese Bewegung uberhaupt 
Bewegung am die Stiitze , zum Unterschied von ei- 
her Bewegung, von welcher Lisher noch nicht die 
Rede war, welche die Pflanze urn siuh selbst macht, 
und welche nicht immer in derselben Hichtung und 
Schnelligkeit erfolgtj denn so lange das lnterno- 
drum in die Lange wachst, so hefolgt sie die Rich- 
tung der Bewegung um die Stiitze, hat aber das Lan- 
gen - Wachsthum aufgehort, so tritt ein dreifacher 
Zustand ein: entweder bleibt sie steheii in der zu- 
erst angenommenen Richtung) was der ha'ufigere Fall 
ist, oder sie kehrt zuriiek Lis ZU einem gewissen 
Grade, so dafs der Stengel seine Spiralform verliert, 
oder die Riickkehr geht noch weiler* und es erfolgt 
eine Windiing* die eine der ersterrt entgegengesetz- 









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\* Riehtiing hat; den letzten Fall hattd ich haufiff ztl 
eobachten GeSegenheit an den in den efsten Le- 



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Convolvulns arvensis* Mail erkenht das Daseyn die* 
aerwiiulenden Bewegttiig des Stengels tim sich selbst 
an den Kaiiten, desselben ; sie ist siehtbar bei alien 
Hindepflanzen> welch e ich beobaclvtete, tiftd friit Wei* 
c ^er Kraft sie besonders beim Hopfen erfolgt ■> da*. 
*ur mag folgender Verstich sprechen> den ich ofters 
Wiederholte. ich befestigte namlieh bei Hopfeii> der 

Um eine Stiitze sich windete* das oberste Ibterno* 
ditim so, dais zwar die Pflaiize tim die Sttitze* aber 



fticht tim sich selbst die Bewegting machen koniite, 
^nd bei giinstiger Witterung brach die Pflanze an 



dem Befestigtingsptinkt nach 6 bis 8 Tageh efttzwei 



tHeser Verstich gelingt aber nur giit bei Hopfen > 

* 

Weil hier die jtingen Triebe leichter abbreehen, was 
tei den andern Wnidepflanzen nicht so leicht ge* 
$ehieht, Weil ihre Fasern gleich anfarigs etwas £&'£ 
W sind 5 uad ihre Bewegiingen itberhaupt nicht so 
lebhaftj wie bei Hopfen* Eine ahnliche doppelte 
^ewegung zeigt sich atich bei den Blattern der Aca- 
cia : auf den Einfluls des Sonnenlichtes richteh sie 

* t 

sich alle in die Hohe; zugleich aber nimmt wieder 
Jedes einzelne Blattchen eine concave Form an $ im 

* 

&anzen aber xnachen die Blattchen der Acacien auch 
e ine kreisformige Bewegting tim ihren Stil nach den 
Tagszeitein 

Einen Unterischied von alien diesen macht die 






Cusctita , die schon als Embryo zwei spiralformige 
Kreise beschreibt* die sich aber durch das Keirneii 
^nter der Erde aufwickeln > iind wenii sie an der 
Oberflache der Erde erscheint* so zeigt sich keine 
Spur mehr hie von? Sondern die Spitze der Pltimula 
*st umgebogen> an dem untern Theil der Pflan/e 

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anliegcud und senlirecht gegen die Erde gerichtet, 
so wie sie aber vollig an der Oberflache der Erde 
ist, so richtet sie sich auf und kriimmt sich alsdanri 
an ihrcr Spitze; sie beschreibt ahnliche Kreise, wie 
die voiigen Pflanzen , aber diesen stellt sich bald 

\ 

ein Hindernifs in den Weg, die Pflanze stirbt nam- 

■ 

■ 

lich von unten herauf allmahlig ab, so dafs sie kei- 
nea festen Punkt mehr auf der Erde hat und schnell 
abwelkt, aber immer so, dafs die Spitze zuletzt ver- 
trocknet, wenn nieht die gehorige Feuchtigkeit sie 
bestandig vor Absterben schiitzt. Unter dieser Be- 



urn 



dingung wachst die Pflanze auch ohne VVurzel j 
so lange, bis sie einen lebenden Korper trifft, 
welchen sie, wenn er diinn ist, in kurzer Zeit melt- 
rere Kreise- beschreibt und sich auf eine Art fest- 
setzt, wie wir weiter unten sehen werden. Dieses 
ist auch der Grand, waium die Pflanze urspriing- 
lich nur an feuehten schattigten Orten gedeiht, na- 
menllich in den dichtesten Heken, 

AIs Resultat dieser ersten Untersuchung geht al- 
so hervor, dafs die Windepflanzen eine bestandige 
zweifache Bewegung machen , einmal die grofsere 
kreisformige Bewegung des Stengels um die Stiitze, 
dann die einen kleinern Kreis beschreibende Bewe- 

9 

sich selbst, die aber nach 



gung des Stengels um 



Verschiedenheit der Umstande mehr oder weniger 
schnell erfolgt ; dafs ferner bei dem ersten Erschei- 
nen der Pflanze liber der Erde sich noch keine Spur 
von Spiralform zeige, Und diese sich erst nach Aus- 
bildung eines oder mehrerer Intemodien ausbilde, 

winden: 



der Neijrung sich zu 



)e nach der Grofse 
dafs seibst die Cuscuta hievon keinen Unterschied 
mache- denn wenn gleich ihr Embryo urspriing- 
lich gewunden ist, so zeigt sich doch keine Spur 
hievon beim Erscheinen iiber der Erde: es lkTst 










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s ich hier kein Anfangspunkt des Windens an^ehen, 
^ie bei den ubrig- n Pflanzen, wegen Mangel an'-!n- 
ternedieii, sondern die ganze Pflanze beschreibt ill- 
*e kreisformige Bewecungeru 




ron der Anziehungskraft derverschiedenen Stiitzen. 

Die folgenden Versuche zu Beantwortung dieser 
Frage konnten nur erst nach den eben besehriebe- 
tten Beobachtungen mit Bestimmtheit angestellt wer- 
dea; ohne diese Vorkenntnifs ist est unmoglich, ge- 
fcaue Resultate zu erhalten, denn wenn man die" der 
Beobachtung unterworfene Stiitze so in die Nalie der 
I flanzen bringen wurde , dafs diese in ihren Bewe- 

» 

gungen auf die Stiitze treffen mufs, so wiirde man 
jeden Augenblick getauseht werden. Ura also Wie- 
derholung zu vermeiden', bemerke ich hier fur im- 
Jner, dafs die Gegensth'nde , welche in den folgen- 
den Versuchen vorkommen , entweder hinte 
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r die 



anze gestellt wurden, um zu sehen , ob 



sie im 



Stande seyen, die Pflanzen in ihrer normalen Be- 
wegung durch ihre Anziehungskraft aufzuhalien ., 
Oder sie wurden ausser der Peripherie des durch 
die Pflanze beschriebenen Kreises gebracht, de 



r sicli, 



Wach 



grofsert. Die Versuche wurden theils an Pflanzen 
in Scherben, theils an Pflanzen im Freien an einem 
gegen Mittag liegenden Orte angestellt. Zuerst ver~ 
suchte ich, ob nicht die lebende Stiitze vorzucs-. 
weise eine Anziehungskraft vor der todten be- 



sitze; hiezu wahlte ich anfangs 



so 'die , 



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We; 



gar 



Urtica, Lonicera Xylosteum, Lamium album, Ribes 
rubrum, Vitis , Triticum und Hordeum ; aber keine 
dieser Pflanzen war im Stand, die Bewegungen win- 
dander Pflanzen aufzuhaiten, obgleich diese sich um 






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22 



jede dieser Stutzenbei der leisesten Beruhrung leicht 
windeten; nun waklte ich solche Pflanzen , die ei- 
nen Geruch verbreiten, als EHctamnus albus, Ribes 

mgi'um* Allium, Cannabis, Juniperus, Pinus, Chei- 

» 

ranthus annuus , Sisymbrium pratense , Lavenclula 
Spioa, Mentha* Galiopsis oehroleuca, Chaerophyllum, 
Apium Peiroselinum« Urn alle cliese Pflanzen, die 
so verschiedene Geriiche verbreiten , windeten sich 






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so wife sie dieselben erreichen 






konnten, zum Beweis , dais sie kerne Abneigung 
gegen sie batten, aber keine zeigte eine besondere 



Anziehungskraft vor der todten Stiitze, ebenso we- 
»tg, als wenn ich todte Stiitzeii mil Ycrschiedenen 

I 

stark riechendeu StoiFen bestrich, So versuchte ich 
em eine Stiltze raehrmals des Tags mit 01, Tere- 
hinth. zu befeuchten, ohne Ertolg; desgleichen theil- 



y 






te ich der Sti'itze den Gerifch nach Asa foe;icla > 01. 
C. C, foetid , Citron e u - undLavendeUOehl mit, im- 
mer verfolgte d'e'Pftanze ihre normale kreisformige 
Bewegung; ich trankte endlich noch mehrere klei- 
ne Schwamme mit Essig oder mit Weingeist, hefe- 
Rtigte sie an der Stiitze, aber auch hier blieb der 

< 

Erfolg der namliche. Die letztereu Versuche wur- 

den vorzugswei.se im Seh'attea angestellt, damit die 

Verflfichtigxing nicht zu schnell vor sich gehe , was 

um so.eher gesehehen . konnte, da, wie sehon oben 

der Pflanzen im Schat-* 
ten fortdauert, 

■ 

Obgleich nun diese verschiedeneu Versuche keU 

ne besondre Ah- und Zuuexgung von Seiten der 
r indepflanzen gegen die verschiedenartigsten Stii- 
zen zu err.ennen gaben , so ist doch ausgemacht, 
dafs sich um gewisse Pflanzen einzelne Windepflan* 
zen nicht winden ; wo'rauf diefn beruhe , weii's ich 

nicht auzugeben , weil ich im Allgemeinen nur die 



/ 











) 



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Bemerkung einmal gelesen habe , dafs einige Con* 
volvulusarten in Stidamerika sich nur um gewisse 
Pflanzen winden und an keiner andern I flanze ge- 
funden werden. Ob vielleicht der Boden nicht im 
Stande ist, gewisse Pflanzen zu nahren, wahrend in 
demselben andere Pflanzen gut fortkommen, oder 
ob es die als Stiitze dienende Pflanze selbstist, die 
entweder durch ihre Form , oder durch eine beson- 
dere Ausdiinstung die Pflanzen entfernt halt >. t riiuf$ 

ich aus Mangel an eigener Beobachtung unentschie- 
den lassen. 

Zu einer dritten Reihe von Stiitzen nahm ich solche, 
die sich durch Form, Farbe und Materie aus^eichne- 
ten. Zuerstalso solche Stiitzen, die von verschiedener 






Farbe sind. Zu dieseni Zweck hatte ich Stiitzen von 

■ 

w 

schwarzer, weifser, blauer, rother, gelber und grii- 
ner, violetter und Orange - Farbe , wobei alle metal- 
iische Farbsubstanzen vermieden and so viel als mog- 

lich nur vegetahilische Farben gewahlt wurden. An- 
fangs stellte ich vergleichsweise Versuche an, eines- 
theils mit der schwarzen und weifsen Farbe,? als den 

* 

beiden Extremen in Hinsicht der War me- Absorption, 
und anderntheils zwischen der rothen und biauen 

■ 

Stiitze: allein beim ersten Umfassen findet so 

7 

wenig Unterschied statt zwischen dieser Art von 
Stiitzen , als zwischen den vorigen , und wenn 
die Stiitze einmal umfafst ist, so wird sie eben so 
gut wieder bei Tag von der Pflanze bis zu eihcra 
gewissen Grade verlassen, wie dieis bei den vorigen 
und nachfolgenden StiiUen der 






Fall ist y und gerade 



bei dieser Erscheiuung hatte es sich zeigen niiissen, 
ob die Pflanzen von der Stiitze besonders nach Vcr- 
schiedenheit ihrer Natur angezogen werden oder 
nicht. Denn eben so, wie die Pflanze ohne Stiitze 

■ 

einen bestandigen Kreis beschreibt , der den Tag 















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24 



iiber starker erfolgt, als Lei Nacht,, so verhalt es sich 

auch bei der Pflanze , wenn sie eine Stiitze umfafst 
hat. Sie vcrbvfst n^wi;^ ,-„j„„ 



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und die Entfernung ist sowohl nach den Pflanzen, 



als auch vorziiglich nach den 



aussern Umstanden 



verschieden. So entfernen sich Hopfen und Lonicera 
am meisten von der Stiitze , es betr ;gt oft 6-8", 
wahrend es bei Convolvulus, Bohnen und Glycine 
nur % 3" betragt. Die Entfernung ist am starlisten 
Vormittags und nimmt in demselben Verhaltnifs in 
dieser Tagszeit zu, als sie N .chmittags wieder ab- 

pitze mehr gegen den 
Hori/ont, wahrend sie 



nimmt. Mittags sieht die 



S 



Mo 



sclnef steht, und endlich nach Untergang der Sonne 
sich fest an die Stiitze anschliefst. Die Richtung die- 
ser Bewegung entspricht aber i mme r der normalen 
Richtung, in.welcher sich die i flanze um die Stiitze 
bewegt, so dais die Hopfen, Lonicera und Polygo- 
num Convolv. gegen den Lauf der Erde sich \ m 
Abend an ihre Stiitze anle^en. 

Ich brachte nun endlich noch in die Nahe der 
1'flanzen metallcne Kbrper, und selbst Steine, fer- 
ner Stutzen , die ganz mit Dornen besetzt waren , 
aber bei keiner fand ich einen Unterschied in den 
Erscheinungen von ilenen, welche ich bei den ubri- 
gen Stiitzen beobachtete. 

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TVindepflanzen, entft 
ande zu unifa.ssen. 



Diese Untersuchung zerfallt wieder in zwei an 
sich ganz versehiedene; denn einmal ist zu untersu- 
chen, bis zu welcher Entfernunff die 



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nach entfernten Gegenstanden strebt, und dann wa- 
re noch zu erfahren , bei welchem Alter die Pflan- 
ze die Eigeaschaft besitze, sioh zu wmden; diese 



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* 



Zweite Frage kann aber erst weiter unten vollstan- 
dig untersucht werden; es soli also hier 'bios -davon 
die Rede scyn, bis zu welch e.r Entfernung die Pflan- 

* 

£e eine Stiitze zu umtassen strebt. Naeh dem, was 
Wir in Obigem gesehen haben, dais keine l^sondre 
Anziehungskraft unter den verschiedenen Sfiitzen 
statt findet, wire! die Beantwortung dieser Frage we* 
aiger Schwierigkeit darbieten. Die Pflanze m 

■ 

vvie schon gesagt, eine bestandige kreisformige Be- 
Wegung, Durch diese Bewegung koramt sie an die 
ihr zunachst stehenden Gegenstande und umfafst sie. 
Findet sich nun in dem Umkreis, welchen sie be- 
schreibt, keine Stiitze, bis ihr oberer Theil das 
^bergewicht bekommt, so kann sie sich nicht mehr 
aufreeht erhalten und sink t urn, imd eeschieht die- 

ses Umsinken unmittelbar auf die Erde, so kann die 
1-flanze unter diesen Umstanden von da aus neue 

bekoramt iiberhaupt 
einen neuen Stiitzpunkt, die Spitze erhebt sick wie- 
und setzt ihre vorigen kreisformigen Bewegun- 
gen fort; so wiederiioit sich dieses Umsinken und 
Wiederaufrichten so oft, bis endlich die Pflanze ei- 
fte Stiitze gefunden hat, urn welche sie sich wiudet; 
diefs ist der gewohnliche Verlauf. Kommen nun 
aber mehrere windende Pflanzen 

sammen, wie diefs namentlich Lei Hopfen haufig der 
t'ali ist, der sich ohnediefs am bVngsten aufreeht er- 
halt, so vereinigen sich diese niit einander zu ei- 
nern Ganzen, so dais immer die eine Pflanze der 
audern zur Stiitze dient, und eben damit aiie sich 
lunger aufreeht erhalten. Pflanzen aber mit schwa- 
cherem Stengel, wie Convolvulus, die, wenn sie ein- 
ixial uragesunken sind, sich nnr unvollkommen auf- 
Hchten, bildeu am Ende «in wahres Netz, indem 



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in der Nahe zu- 



*ie sich unter einander verstricken. Diefs ist 



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26 



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wenigsteu der Fall Lei Hopfen, dessen Wachst.hmn 
so lebhaft ist , dais auch die umgesankene Pflanze 



die 



schnell wieder nach oben strebt. Hat nun abe'r 

■ . 

Pflanze eine Stiitze erreicht, so schliefst sie sich 
genau &$ dieselbe an, wenn nicht eine rauhe Ober- 
fla'che es verhindert, so dais die Dicke der Stiitze 
die jedesmalige* Weite des Spirals bestimmt; es 
scheint bei dem genauen Anliegen , als-wenn die 
Pflanze aus der Stiitze noch Nahrung Ziehen woll- 
te, wie diefs wirkiich der Fall ist bei der Cuscuta. 
Ein ahaliches Beispiei liabe ich bei Couvoiv. arvens. 
ig. l.) ge'funden, der sich urn Euvonyixius euro- 
paeus windete und m ihrere Papillen in der Nahe 
des Biattwinkels bildete, mittelst deren er Nahrung 
aus der fremden Pflanze zog. Ohne Zweifel find en 
sich. auch andre Wiadepflanzcn, die auf ahnliche Art 
Nahrung zu. Ziehen im Stande sind, was ich aber 
bis jetzt zu beobachten nie Gelegenheit hatte, Ei- 
ne solche Ernahrun* mcichte aber auch durch die 

* 

Ausdiinstung der lebenden Stiitze bis zu einem ge- 




wissen Grade ersetzt werden konnen , was freilich 

■ 

nicht so ieicht lh erweisen ist. Die Pflanze strebt 
nun bestandig nach oben in der ihr eigenen Rich- 
tung , und diese Eigenschaft bleibt den Windepfl 



dai 






s sit 



zen, gleich den meistea Pflanzen , eigen, 

sich iramer senkrecht auf den Horizont erheben 

Ich suolite auf vielfaehe Art diese se'nkrechte Rich- 

* 

tung abzuhalten, aber es war mir auf keine Weise 
moglich; keine Stiitze yermag etwas dagegen : so 
wie die Stiitze einen Wink el abwarts niit dem Ho- 






rizont macht, so wird sie von der windenden Pilau- 
ze verlasseu) die sich senkrecht erhebt, und nur 
dann , wenn sie nicht mehr im Stand ist, sich auf- 
recht zu erhalten, kann es durch Zufall geschehen, 
dafs die Pilanze wieder auf die alte Stiitze zuriick- 



^•^^^^^■^■^ 









smkt, urn diese eine his zw«i Windungen macht und 



da 



an aufs neue von ihr abweicht. 



^ 



bra elite zu 



diesem Zweck an roehrere PHaa^en Stutzen. in ho- 
rizontaler Richtung , aher nie folgten sie denseiben 
ihrer ganzen Lange nach, sondern nur irnraer so 



Ian 



ge , bis sie wieder festen Fufs gefalst haf/ten; 



Wo aher die Stiitze eine vollkommen senkrechte Rich- 



tun g hatte 



da wich die Pflanze unter keiuer 



dingung von ihr ah. Ich versuchte es hier noch he- 
bonders, oh die lebende Stiitze durchaus keinen be* 
sondern Eiuflufs vor der todten Stiitze habe, indem 
ich eine lebende Stiitze quer an eine senkrechte todte 
befestigte, an welcher sich eine Pflanze windete, 
aber sie hatte nicht den geringsten Einilufs, eben 
so wenig war ich im Stande, eine Windung gegen 
die Erde hervorzubringen; zu diesem Zvveeke befe- 
stigte ich den Ast einer Haselnui'sstaude so, dais die 
Spitze gegen die Erde sah, und an diese befestigte 
ich wieder die Windepflanze, ehen falls mit nach uu- 

■ 

ten gerichteter Spitze , aher immer kehrte sie wie- 

i 

der zuruek und a treble uach oben, selhst wenn ich 
der Pflanze das Licht entzog und sie sich ganz im 
Finstern be f and. Nur bei Convolvulus und Ipomaea 
gelang es mir, einige Windungen nach unten her- 

* 

vorzubi ingen, wenn namlich die Pflanze ihre Stiitze, 
die zu kurz war, uberschritten hatte, so senkte sie 
sich durch das Uebergewicht abwartsij wenn sie nun 
hier eine Stiitze traf, so windete sie sich urn die- 
selbe 2~^5 ma l uach unten und kehrte von da wie- 
der in die normale Richtung nach oben zuriick, Hier 
ist also der Grund dieses Abwartswindens ein met 






chanisches Hindernifs ? denn der schwaehe Stengel 

■ 

mufste dem Gesetz der Schwere folgeu und konnte 

sich somit nicht selbststanclig erheben, wohl aber 

i 

Seine gevvokute Bewegungen machen: somit war es 






























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28 

* 

■ 

* ■ 

snoglich, dafs der Stengel, sich einigemal nach unten 
wittdete und dann erst sich erhob , nachdem er fe- 
sten Fufs gefafst hatte. Das Gelingen dieses Ver- 
suchs hangt aber noch von andern wesentlichen Um- 
standen ab, wovoa bei dem Ein-flufs des Lichtes 
die Rede seyn wird. 



Vo 



i 



Richtung y in <X>elcher die Pfl 



$ich winden* 



. 



Wi 



wie bekannt, 



nicht alle in derselben Richtung, sondern bald ge- 
schieht es inch rechts , bald nach links 5 ich wercle 
also <zuerst angeben , in welcher Richtung sich die 
verschiedenen Pflanzeu winden, und dann 



versu- 



Wiad 



Seite erfolge* 



Unter den 



Wind 



habe 



ich 52 genera aufgeftmden, in welchen ich die Rich- 

I 

konnte , theils von 
3lle **} angegeben 
fand, und unter diesen 22 genera, welch 



tung theils selbst Lestimmen 
J u s s i e u *) und d e C a n d 



) 



e sich 
die sich nach 



* * 



) 



die Zahl der Gattungen an und nicht die der Arten 

7 

weil ich durch viele Beobachtungeu , z. B. bei Con- 
volvulus, Phaseolus, gesehen habe, dafs sich die ver- 
schiedenen Arten einer Gattung immer nach dersel- 
hen Seite windeten. Wenn nun diese Gleichf'ormig- 
keit, wie es rnir sehr wahrscheinlich ist, durch al- 
le Gattungen durch statt findet, so ist es wohl eben 
so wahrscheinlich, dafs diese Gleichformigkeit auch 
unter den Gattungen derselben naturlichen Familie 









c ) Jussieu 1. c, 

**) de Gaudolle Prodro 



mus syst* nat, regui vegetabilis 



t 













29 



gleichbleibenwerde; wenigstens sprecl en dafiir meh- 
rere Beispiele, Die Familie der Convolvulaceen ent-, 

■ 

halt 4 Gattungen mit windenden Pflatizea, deren 
verschiedene Arten sich alle nach links winden; 
ebeuso winden sich alle mir bekannte Arten von 
. Leauminosen nach links. In der Familie der Meni- 
spermeen sind 3 Gattungen, wovon ich 2 kemie, die 
sich nach links winden , und aus der Familie der 
Apocineen kenne ich 5 Gattungen, die sich nach links 
winden. Folgendes sind nun die Pflanzen - Gattun- 
fien , die sich nach links winden: Coculus ; Meni- 
spermum, Dolichos, Nissolia, Abrus, Cuscuta, Con- 
volvulus, Ipomaea, 1 Calystegia, Clitoria, Thunbergia, 
Passiflora, Periploca, Momordica , Banisteria , Lith- 
somia, Asclepias, Cynanchum, Tragia, Chantransia; 
rJie folgenden aber winden sich nach rechts : Calyp* 
trion, Lonicera, iiasella, Tamus , Polygonum , Ha- 
mulus, Morinda, Ophioglossum, Dioscorea und Ra*. 



* 



)ania 



Ob man die Windepflanzen willkiihrlich bald 
nach der einen , bald nach der andern Seite konne 
winden lassen, dariiber machte ich folgende Versu- 
che. Das erste war, dais ich der Pf^anze einfach 

■ 

eine ihrer gewohnlichen entgegengesetzte Richtung 

* 

gab , aber sie kehi te bald wieder in die alte Rich- 

/ * 

lung zuriick, was bei heiterem Wetter oft sehon in 
wenigen Stunden erfolgte , weil iiberhaupt um diese - 
Zeit die Bewegungen der Pflanzen lebhafter sind. 
Nun machte ich denselben Versuch bei weniger gun- 
stiger Witterung, bei welcher die Bewegungen we- 
niger lebhait sind und die 1 flanzen lainger in der 
gegebenen Richtung verweilen, aber der Eriolg war 
nicht besser , die Pflanze kehrte nur langsamer in 
lire normale Richtung zuruck ; dasselbe land statt 
tVdhrcnd der Nacht in einem ganz fmstern Orte , 












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dais tiamlich die Rewegung hfug'saftte 



r war , als bei 



Tag; aber ittimer fand eine Riickkehr statf, so lan- 
ge die Vegetation nicht ganz iinterbrochei 



n war. Nun 



befestigte ich die Pflanze lcicht mit einem Band in 

/ m 

abnormer Jlichlung, so dais sie nicht zuriiduiehren 
konnte, uml in dem JMaas , als sie sich verian< r e«e 
legte ich fast jeden Tag ein neues Band an, aber 



onn- 



wahrend zehnta'gigero wiederhollen Anbinden k 

te nichts bezweclu werdenj das Ende war imuier* 

dais die* Pflanze wieder 



in ihre normale Richtutig 






zuriickkehrte. Ich stellte nun noch den Verstteh an, 
ob sich nieht dtrreh zwei verschiedenc Pflanzen, wo- 
von die eine nach reehts-, die andre nach links sich 
windet) eine Ab;:m!eiung in der Richtuiig bevvirfceii 
lasse ; in der Absieht i i c i_V> ich Convolvulus tmdBoh* 
nen urn Hopicii winden , aber jede folgte ihrer ur- 



spriinglichen Rich tun *r oiine 



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leriugste Abwei* 



chung. Merkwurdig ist bei diesen Versuchen* was 



zu.tti Theil sehon atis dem 



Obigen hervorgeht, dais 



* namlich ein so grolses Streben bei den Pflanzeit 
vorhandeii ist, sich cm sich seibst zu bewesen, und 

•dais bei sehr saiiigen Piianzen , z. B> Hopfen der 
Stengel, wenii er in dieser Rewegung gehindert vvird 
cntzwei brieliL Die Rewegung der Pflanze uni sich 



seibst dauert nidi auch in der norraalen Rich tun <* 
fort> wenn gieich dein Stengel eine abnorme Rich- 
lung gegebenwird* Ich babe nun den grofsten Theii 

des Sommers die verschiedenen Win dep flan zen, die 
bei uns einheimisch sin.d , beobachtet , und in der 
Windung des Stengels um die Stiitze nie eine Ah* 
weichung von der normalen Richtuiig,' wohl abei" 
die Windung des Stengels iim sich wechselsweise 



s gesehen ; woher 1 



bald nach rechts , bald nach link 

dieis komme, darauf werde ich spa'tei- zuriick 
. kommen. 
























? 



) 



b 



Pergleichung des Wachstliums der Windepfianzen 

i 

mit ihren Bewegungen* 
Es verhalt sich mit dem Wachsthum tier Win- 
depfianzen, wie mit alien iibrigen Pflanzen, dais es 
von den Einfliissen der Witterung und Temperatur 
abhangig ist, und da die Windepfianzen im Durch- 
schnitt im Verhaltnifs 2u ihrer Starke in kiirzerer 
Zeit eine grofsere Hcihe erreichen und schneller waeh-> 
sen , als die meisten andern Pflanzen 5 so geht schon 



daraus hervor , dafs sie 



demselben Verhaltnifs 



auch von aussern Umstanden mehr abhaiigen, 
die iibrigen Pflanzen. Nachdem ich bemerkt hatte, 
dafs die Hoplenpflanzen im April bei gutem Wetter 
in 24 Stunden um i| Zoll sich verlangerten , \vah- 



rend sie bei schlechtem W 



wie 



zu Ende 



Aprils der Fall war, wenig oder gar nicht an Lan- 
ge zunahmen, wie aus der angehangten Tabelle zu 
ersehen ist, so . suchte. ich vorerst zu bestimmen, 
ob das Winden oder nicht Winden einen grofserii 



W 



■0 

vvahlte ich 4 Hoplenpflanzen , wovon die zwei er* 
sten von gleicher Starke, die eine 19 Zoll lang oh> 
ne Stiitze, die %te 194 Zoll, an einer Stiitze sich be* 



fanden 



; vom 19 



— 26- April, wahrend es in den 4 
ersten Tagen sehr schon war mit kalten Nachten , 
in den folgenden Tagen aber Regen oder Schnee , 
War die erste urn 12 Zoll? die %Xq um 10 Zoll yei> 



laagert. Zwei andre Pflanzen, die eine von 15 Zoll 
an einer Stiitze, die andre von 15 Zollohne Stiitze* 
Verlangerten sich in demselbigen Verhaltnifs , wie 
die vorigen, erstere um 9J Zoll, letztere um ijjZoll* 
Aehnliclie Versuche wiederholte ich ofters und der 

i 

Erfolg war immer der, dafs bald mit, bald ohne 
Stiitze die Pflanze um etwas zunahm. Ich wieder- 



hoite diese 



Mo 



Juni und Juli mit 


















* 






























• 




















/ 
































































32 






Bohnen und Convolvulus unci siegaben dieselben Re- 
sultate, nur hetrug die Zunahme , obgleich unter 
weit gunstigern Umstandenrverhaltnifsmafsig nicht 
mehr, well die Hopien bedeutend schneller wachsen, 
als die Bohnen und Convolvulus. Nun versuchte ich 
ob cin Unterschied statt finde , wenn ich die eine 
Pflanze bald in der r.ormalen Richtung sich winden 
lasse, bald in der abnonnen : zu diesem Zweck 



wahlte ich eine- Pflanze von 1^ Zoll Lk'Bge. welche 
sich in der normalen Richtung windete, eine 2te 
von 19? Zoll Lange, abnorm si c h windend, eine 3te 
von 13 Zoll Lange, gleiehfaHs in abnormer Rich- 
tung, und cine 4te von 13 Zoll Lange in normaler- 
Richtung. Nach ft Tagen hatte die erste Pflanze 
uib 12 Zoll,- die £te vm iQ, die 3te um &!._ die 



"te 



um ll| Zoll sich .verlangert. Weitere ahnliche Ver- 
suche, an den verschiedenen Windepflanzen gemacht, 
ubergehe ich , weil die Resultate immer dieselben 
waren. Es ergibt sich nkmlich aus alien diesen Ver- 






3 Zoll betragt, so betragt er bei Bohnen und 



suchen, dais das Wachsthum der Pflanze wesent- 
lich gchindert wird, wenn sie in eine abnorme Rich- 
tung geawungen wird, und wenn der Unterschied, 
wie aus dem Qbigen hervorgeht, beim Hopfeu schon 

2 

Convolvulus, wie ich in weitern Versuchen land 
&ogar 4 — 6 Zoll. Es lafst sich ferner hieraus 
klaven , warum exotische Pflanzen in Gewachshau- 
sern b'fters durchaus nicht gedeihen wollen und 
gar xu Grunde gehen , wenn man sie in abnormer 

* 

Richtung beiestigt. Ob die lebende oder todte Stu- 

* 

ae'einea groisen Einflufs atif das Wachsthum ha.. 



er- 



so- 






- 

be, daraber konnte ich beim Hopfen nicht auf be- 

* 

stimmte Resultate gelangen, weil es schvver halt, 
immer Pflanzen genau von derselben Starke zu er- 
Iialten, und wo diefs nicht der Falli&t, da findet 



7 



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55 






Wach 



?6icht ein Unterschied von io — 12 Zoll im 

thum statt innerhalb kurzer Zeit, ohne dais man 
den Grund davon der Verschiedenheit der Stiitze 
^uschreiben konnte j anderntheils konnen die Ver- 
*uche mit Hopfen nur eine gewisse Zeitlaug fortge- 
setzt werden, weil ihr Wachsthum so sehr bescMeu- 

* 

fiigt ist, und die Pflanze, wenn sie einmal zu grofs 
*st, weniger geschickt wird zum Experimentiren. 
Nach dem* was ich fand, betrug das Wachsthum 
an der todten Stiitze 6— 12 Zoll mehr, als an der 
lebenden: aber ich mochte mich darauf nicht mit 

J 

Gewifsheit verlassen , einestheils, weil die Pflanzen 
keine besondre Neigung zu der lebenden Stiitze voir 
der todten aussert 5 und anderntheils mir spatere 
Versuche mit Bohnen, Convolv* und Glycine besta- 
tigten, dafs weder die todte noch die lebende Stiize 



das Waeh 



und ich a!- 



so die Versuche an Hopfen als unrichtig ansehen 
muls. 

■ 

die Dicke der Stiitze betrifft, so sah ich 



Was 



eben so gut Pilanizen um Baume bis zu einem Fufs 
im Durchmesser sich winden, wie um den diinnsten 
Faden, nur mit dem Unterschied, dais so lange die 
Windepflanze noch niedrig ist , die Stiitze in dem- 
selben Verhaltnifs diinn seyn mufs ; in diesem Fall 
Wird sie keine dicke Stiitze umfassen, so wie um- 
gekehrt die grolser Pflanze nicht leicht wieder ei* 
ften sehr diinnen Korper umfafst. So glaubte icli 
lange, dais die Windepflanzen sich nicht um einen 

* 

Korper winden, wenn er zu diinn sey ; als ich aber 
die Versuche wiederholte, und zwar mit jiingem 

■ 

Pflanzen, so eri'olgte das Winden ohne Schwierigkeit. 

Eine merkwiirdige Regelmafsigkeit findet beim 

Hopfen darin statt, wenn man die Pflanze an eine 

^erhaltnifsmafsjg dicke Stiitze bringt, wie ich diefs 






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I. 













mfangs mit|,Zoll dlcken Stiitzen versuchte, so bil- 
den die 6 ~8 ersten Internodien, welche sich win- 
den (denn die untersten 3 — 4 sind sehr kurz und 

windeci sich. nie), jedes einzelne Internodium genau 
nur Einen voILkomrfienen Hreis um die Stutze , so 
dafs dieselben Blatter des lnternodiums genau liber 



einander zu stehen Itommen, und zw 



















waren sie 



immer in den gemachten Beobachtungen gegen Abend 
gestellt; je dicker nun die Stutze ist, desto voll- 
kommener zeigt sich diese Regelmafsigkeit, weil 
das einzelne Internodium alsdann nicht mehr im 
Stande ist, einen vollkommenen Kreis um die Stutze 
2U bilden i ahQr ™n einem Zoll Dicke abwarts bis 
zum dunnsten Faden findet dasselbe Verhallnifs statt, 
nur mit dem Unterschied, dafs mil dem Verhaltnifs 
der Dicke der Stutze die Spirale audi mehr oderwe- 
niger in die Lange gezogen ist. Jedes einzelne In- 
ternodium nimmt von unten nach oben an Lange zu, 
bis zu einem gewissen Grad, von welehem aus sie 
dann wieder abnebmen und kiirzer werden 5 so wie 
nur die Lange des lnternodiums nicht mehr im Ver- 
hallnifs zur Dicke stent, so bildet nach und naeh 

* 

das einzelne Internodium zwei Kreise 



um die Stii- 



ze : 



so fahrt es wieder eine Zeitlang fort, indem es 



so 



die Blatter auf derselben Seite stehen hat, und 
kann zuletzt ein Internodium 5 Kreise um eine 4 X 
Zoll dicke Stutze beschreiben. Von da an nehmen 
sie wieder ab und werden kiirzer ; diefs ergibt sich 



M 



M 



issungen ausgehoben habe. Bei einer Hopfen- 
pflanze, die 15 Internodien hatte und 5' lang war, 
war das te Internodium das langste und hatte 7f- 
Zoll, von da an nahmen die Internodien nach oben 
zu wieder ab; bei einer 2ten mit 14 Internodien und 
8' 6£" Lange war das 9te Internodium das langste 




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35 






und hatte \% u . Mit dem alter werden der Pflanze 
hemerkt man 2- — 5 m &l ein Fallen und Steigen in 
der Lange der Internodien; so hatte ich 2 Pflanzen 
Jede mit 26 Internodien, wovon die eine 15' 6 U lang 
War, die andere 10' 65"; bei der ersten war das lite 
nternodium 7 lang, von da nahmen die Interno- 
dien ab und xu y so dafs das 20te Internodium wie- 
der 7* f/ lang war; bei der 2ten war das lite Inter- 

* 

Sodium tV l lang und das 21^e t\\ bei einer weite* 
*en Pflanze, die 56 Internodien hatte und 20 / 8* 



i/y 



Jang war, waren das iste und 25$te Internodium die 
langsten, jedes hatte IO4;" Lange; letztere Pflanze 
hatte ihr Waehsthum in der Lange vollendet und 
War im Be griff zu bliihen. So findet ein Steigen und 
fallen in der Lange der Internodien statt, wovon 
ich aber nicht behaupten mochte, dais es allein von 
dem Einflufs der Witterung abhange ; diefs bedurf- 
te wohl der Erfahrung von mehreren Jahren, urn 

* 

dariiber urtheilen zu leonnen ; so viel aber ist im 

1 

Allgemeinen bekannt, dafs das Waehslhum zu ei- 

wird und 



V 



ner gewissen Zeit im Sommer* iangsamer 



t> 



fcach diesem noch ei'nmal kraftig hervortritt. Bei 
den andern Windepflanzen fand ich dieses Verhalw 
nil's unter den verschiedenen Internodien nicht so 
libereinstlmmend, wie bei Hopfen ; denn mit dem> 
dais das Bestreben naeh oben nicht so lebhaft ist. 



auch uin sick 



wie bei letzterem, stehen auch ihre Spiraie mehr 
gfcdrairgt, wahrend sie bei dem Hopfen mehr in die 
Lange gezogen sind. Allen Windepflanzen ist aber 
gemein, dais in dem Verhaltnifs , als die Pflanze 
Urn die Sttitze sich windet, sie sich 

I 

selbst windet; diefs entspricht sich in alien fallen, 
die ieh beobachlete, genau; wenn also ein Interno- 
dium nur Einen vollliommeneii Kreis um die Stiztze 
bildet , so findet auch nur Eine Windung des Stan* 

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36 



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gels um sich selbst statt ; diese 
der Basis des Internodiums aus, 

drangt ist , und zieht sich nach oben mehr in die 
Lange. „ 



I 

Win dung geht von 
wo sie mehr ge- 



• 



Die 



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Win depfl 



sita, wie Humulus und Lonicera; indessen ist daa 



Winden nieht dieser Art Pflanzen 



ei- 



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■ 

gen, wie ich fruher glaubte , sondern auch andere 
Pflanzen., die folia alterna haben, winden sich nach 

■ 

reehts, wie z. B. Calyptrion , Basella und Tamus; 
aber das Eigene haben die mit fol. opposit. , dafs 
jedes einzelne Internodium fur sich ein geschlosse- 
nes Ganzes ausmacht, was ich aus dem sehliefse, 



Wi 



immer 



em 



einzelnen Internodium fur sich dasteht und nicht in 
die Windung des folgenden Internodiums verlauft. 
Ich sehliefse es ferner aus einem andern Umstand, 
den ich sogleich angeben werde. Zuvor aber mufs 



i 



* 



Wi 



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ich angeben , wie es sich bei dem Winden um sich 
selbst bei den Pflanzen mit fol. alternis verhalt. Hier 

le Blatt, das ihr 
entgegengesetzt steht, und beendigt sich an dem 
zweiten Biatte, das auf derselbigen Seite steht, mit 
demjenigen, von welchem aus die Windung anfing. 
Der Raum ist also zwischen zwei einzeln stehenden 
Blattern, wie diefs bei den fol. alternis der Fall ist, 
.nicht als ein ganzes Internodium anzusehen, 
dern nur als ein halbes , und our der Raum, wel- 
cher nach untcn und nach oben von 2 auf dersel- 
ben Seite stehenden Blattern hegranzt wird, ist als 

ein volikommenes Internodium zu betrachten. Ich 
sehliefse diefs ferner aus folgendem Versuch, der 
zugleich als Beweis dienen mag, dafs ein vollkom- 
menes Internodium als ein geschlossenes Ganzes an- 
zusehen sey. Die Zunahme der Pflanzen geht 



son- 



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57 



tonten nach oben , und wahrend die Spitze sich be- 
standig verlangert und immer neue Internodien bit- 
det, so kommen die untern Internodien ihrer Aus- 



M 



Wach 



Dicke fahrt alsdann fur sich noch besonders fort. 
Wenn ich nun an Hopfen, der fol. opposita hat und 
en ich langere Zeit in abnormer Richtung gewuri- 
den erhielt, die Spitze abschnitt, so dafs nur noch 
ein unvollendetes Internodium in Hinsicht seines 



Lain 



Wach 



dennoch wieder in die normale Richtung zuriick, 
obgleich die Zunahme, bei vor- und nachher ange- 
fitellter Messung, oft nur » bis §" betrug ; war aber 
das Internodium der Lange nach ausgewachsen , so 
behielt es die abnorme Richtung, wenn es auch nicht 
mehr angebunden wurde. Wenn ich nun aber die- 

1 

selben Versuche an Pflanzen mit fol. alternis , wie 
Bohnen und Convolvulus, anstellte, so kehrte nicht 
bios der einzelne, zwisehen zwei Blattern sich be- 
findende Absatz in die normale Richtung zuriick, 
sondern es war immer der Raum, welcher unter und 
iiber einem Blatt ist, der sich in die normale Rich- 

■ 

tung zuruckbegab, zum deutlichen Beweis, dafs hier 
das Wachsthum von 2 halben Internodien immer pa- 
rallel geht, und nur ein Ganzes bildet. Es beweifst 
diefs ferner, dafs die Bewegung der Pflanzen mit 
dem Wachsthum in die Lange gleichen Schritt halt 
undbeide zu gleicher Zeit aufhb'ren ; dafs diefs wirk- 
lich so seye , mbgen endlich noch folgende Tabel- 
len deutlicher darthun , welche. ich in Folge meiner 
Versuche entwarf und wobei ich jedesmal das Wachs- 
thum der Pflanzen mit der gleichzcitigen Bewegun^ 
angegeben habe, woraus man ersieht, dafs die Pflan- 
2e nicht zu jeder Tagszeit gleichweit von der Stii- 
*« entfernt ist. Die Versuche mit Hopfen, die hier 



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2 







38 







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angefiihrt sind, wurden mif, weiblichen Pflanzen ge- 
macht. Ich stellte aber gleichzeitig ahnliche Mes- 

anzen an , aus welchen 



sungea an mannlichen Pflh 



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Wa 



Linien mehr betrug, als bei den weiblichen Pflan- 
zen , die im Allgernehien schwacher sijid ;■ und da- 
mit sind auch die Bewegangen der mannlichen Pflan- 

* 

sen lebhafter, als die der weiblichen; diets ist aber 
audi alles , was sich zum Unterschied von beiden 

■ 

sagen lafsl, dean die Bewegung geht in derselben 
Richtung vor sich, und die ubrigen Verhaltnisse 



sind die alien andern W 



n gemeinen • 



zwi- 






auch bei Tamus communis, den ich zu beobachten 
Gelegenheit hatte , findet dasselbe VerhXlt.nifs 
sell en m*nnlichea und weiblichen Pflanzen statt. 
Wenn sich aber -ein Unterschied findet zwischen den 
Hopfenversuchen, im April angestellt, und den Ver- 
suchen an " Phaseolus im Juni, in Hinsicht der Ent- 
fernung von der Stiitze , dafs namlich die Hopfen 
sich Abends an den St?itzen anlegten, Wahrend die 



andern auch bei Nacht sich 



eistens etwas von der 



8 



wenn die 



Sonne ft&f&agt kraftig -zu scheinen. Ich habe dieses 
in der Tabelle nicht beigefiigt, weil es eine allge- 
meine Regel ist und far alle gleich gilt. Indessen 

zeigt sich auch hier wieder Verschiedenheit zwischen 
Pflanzen, weiche 



unserm Clima eigen sind , 



wie 



lien unci Taruus , und solchen*. weiche hur bei 



Stiitze' entfernt hieiten, so liegt der Grand hievon 
allein in der Verschiedenheit der Temperatur und 
Witterung, denii bei spatern Beobachtungen, weiche 
ich an Hopfen gleichfalls im Juni miehte , fand es 
sich, dafs sie sich gleichfalls von der Stiitze ent- 
fernt hieiten, wenn die tfaohte warm waren. Den 
hochsten Grad der Entfernung erreichen die Pflan- 







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Juni 



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Zjx Seite 39 



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sthum 



Entfenu v. d. Stiitze 



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Temperatur 



Vor 



Artenl m ^ tta s s mittags 



Nach- 



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Nachts IMorgcns Mittags Abends gMorgens Mittags Abends 



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Anlie- 
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Ostwind* 



Morgens W 



Wolken. Abends Sonne u. Ostwind, 



W 



Ostwind. 



starker NebeL spSter Sonne* 



Morgens starker NebeL Wo Ik 
Sonne* W oik en. Abends 6 
und Ostwind. 






w 



abwechseind* 



mit Sonne 









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Westwind ; unbest* Wetter 






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Zahl 

der 

Arten 



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e r s u c % <t mit H o p / 



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Wachsthum 




Entfern.v. d. Stiitze 



Temperatur 



- 



Nachm, 
1-7 Uhr 



Nachts fMorgens 



Naehm, Abends! Morgens 



Witterung und Winde 



Mittags 




Truber Hitnmel, etwas Regen, kalter 
Westwind* 




W 



* * 



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wenig Schlof$en> Abends Regen. Nord- 



wind* 



1 ■ 



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Schnee alif deh Bergm* bei Tag ztoweilen 
Schlofsen. Starker Italter Westwind* 



Regenwetter* 
Westwind 



d 



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NebeL 



Westwin 



etwas Sonne ; 



I; zuweilen 
Himmel* 



» ■ 



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• 













guter Witterung fortkommen; w'ahrend ersterc noch 
bei ziemlich schleehtem Wetter ihr Wachsthum nnd 

; so stehen sie Lei den 



ihre Bewegungen beginnen 



ex 



otischen urn diese Zeit noch ganz- still. 



Vb 



Vt 



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zur 






- 

So wenig auch hieriiber zu sagen ist, so glaube 
ich doch,- dais es einige Beachtung verdiene und 

Autklarung des Ganzen etwas beitragen konne. 
Die Bliithe, welche] der letzte Zweck der Pflanze 
ist, mit deren Erscheihen die Pflanze ihren hoch- 
sten Grad von Vollkommenlieit erreicht hat, bedarf 
nothwendig als der wichtigste Theil der Pflanze ei- 
nen grolsen Aufwand von Kraften zu ihrer Ausbil- 
dung ; diese Krafte werden dadurch andern Theilen 
der Pflanze entzogen und somit ihr Wachsthum wo 
nicht unterbrochen, doch wenigstens erlangsamt. 
Diefs sehen wir nun auch bei den Windepflanzen ; 
beim Hopfen erscheint die Bliithe hoch oben , und 

JL 

* 

mit ihrem Erscheinen ist auch clas Winden der Pflan- 

V 

zt beendigt; die Pflanze konnte sich bis dahin urn 
so mehr verlangern , als ihr keine Krafte fur die 
Bluthebildung entzogen warden; sie bedurfte aber 
uch dieser Krafte, um den Grad von Vollkommen. 
heit zu erreichen, bei welehem Bluthebildung mog>- 
lich ist. Viele Hopfenpflanzen erreichen die sen Grad 
gar nicht und daher bliihen sie auch nicht. Wenn 
nun also bei Hopfen mit derBildung der Bliithe das 



Winde 



so ist es bei den andern Winde- 






pflanzen wie bei Bohnen und Convolvulus, nur ge~ 
schwachf auch hier ist das Wachsthum am lehhaf- 
testen vor der Bliithe, und eben damit auch die Be- 
w6gung; so wie aber an den einzelnen Theilen der 

Pfl a «-TD^ip Rliithen hcrvor£?ehen, so wird da&Wachs- 



V 










































/ 














40 















■ 


































thum und die Rewegung der Pflanze erlang9amt, 
wie ich diefs sc^onbei Messung der Internodien ge- 
zeigt habe. Diefs dient nun gleich zur Beantwor- 
tung der Frage, welche ich oben schon aufgeworfen 
hfabe: ,,bis zu welchem Zeitpunkt des Pflanzenle- 



W 



7 



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zen treihen auch in der Regel keine Aeste , so Ian- 






5 



Wach 



■ 

geht und die Pflanze sich an einer Stiitze senkrecht 
erheben kann. Es ist aber leicht, kiinstliche Aeste 
an Hopfen hervorzubringen • wenn man den Haupt- 
stamm nach unten biegt, so bilden sich 2—5 Aeste, 
die ihn bald an Lange iibertreffen. Bei Bohnen, 
Convolvulus tin d Glycine entstehen aber nur dann 
Aeste an der Basis des Hauptstammes, wenn dieser 



in 



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die Bl 



diefs ist also ein zweiter 



Wach 



st&mmes zu erschopfen. In der Regel sind die 
Bewegungen und das Wachsthum dieser Aeste lang- 

samer, als es bei dem Hauptstamm der Fall ist. 






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Anrtaherung cinder er Pfianzen zur windenden Form. 

Unter alien Pfianzen stehen offenbar die klet- 
ternden '(scandentes) den Windepflanzen am nach- 
sten in Hinsicht der Form; sie streben gleich den 

- 

Windepflanzen nur mit Hiilfe eines Stiitzpunktes in 
die Hohe, und wahrend bei den Windepflanzen der 
Stamm unmittelbar es ist, der sich an der Stxitze 
festzuhalten im Stande ist, so ist es bei kletternden 
Pfianzen entweder eine Cirre oder ein Blattstil, mit- 
telst dessen sie sich befestigen , oder es sind die 
Aeste der Pfianzen selbst, welche eine vollkommen 
gewttndene Form annehmenyund somit den Ueber- 
gang machen zu den vollkommenen Windepflanzen. 

la den meisten Fallen treffeu >yir wo nicht in der- 









/ 




















• 



41 



*^ 



selben Gattung 



Win 



' 



epflanzen enthalt, auch kletternde Pflanzen 



an. 






Windepfla 



scheint eine Stufe hoher zu ste- 



5 



.-. 






hen als die kletternde; es findet Uebergang von der 
letztern in die erste Form statt , und zuweilen hat 

i 

es die Natur in grofsen Familien nur bis zur klet- 
ternden Form gebracht. Viele Gattungen -dagegen, 
in welchen der grofste Theil der Arten sich winded 
wie bei der Gattung Convolvulus, enthalten auch 
wieder Pflanzen, bei welchen sich keine Spur von 
windender Form, nicht einmalvon kletternder zeigt* 
























lich bei solchen Pflanzen 



b 



Win den 



t * 



* 



zu erzeugen, die unter 



den gewohnlichen Umstanden sich nieht winden, die 
aber aus einer Gattung sind, in welcher einzelne 
Arten sich winden. Ich fiihre hier als Beispiel die 



I 






■ 



Gattung Asclepias an. 
von der Asclep. nigra: 



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Willdenow *) 
in fertiliori solo ineipit 






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scandere sub volubili caule". Dafs diefs wirklich 



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so 



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sey, 



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eue wieder iiberzeugt in dem hiesigen botanischen 
Garten , wo ich sie an einem schbnen Tag die ihr 
dargebotene Stiitze schon in 24 Stun den umfassen 
sah, und zwar in der Richtung nach links, in wel- 
cher auch die andern Asclepias sich winden. Ein 
Zweites seltenes Beispiel beobachtete ich an Ascle- 
pias Vincetoxicum , die in der Regel sich gar nicht 
windet, sondern einen ganz geraden Stengel hat; 
ich fand die Pflanze auf einem sehr sonnigen Hu>el 
in kraftigem Boden, und hielt sie auf den ersten 

t 

Anblick, wegen ihrer gegen die Spitze zu gewunde-. 
nen Form und wegen ihrer schmalen Blatter K fit 
Asclepias nigra 5 es fanden sich aber daneben iii%m 









* 






v. 



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*; Willdeuo \r spec, plant. Vol, J[ t , p, ls ^ 






























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42 



g ere Pflanzen , welche die gewoknlicke Form von 
Asclepias Vincetoxicum hatten ; hier scheint wir we- 
ni^er der Boden die Ursache gewesen zu seyn, wel- 
che das Winden hervorbrachte, als aadere Umstan- 
de, welche das Wackstkam in die Lange b .sckleu- 
ni-ten, wie Lickt u.ul grofae Warme , neben geho- 
riger Feuchtigkeit; es sprach sick dieses audi wirk- 
lick in dem gan.en Habitus der Pflanze aus ; der 



Stengel war sekr latig, 



die Blatter ungewohnlich 



schmal, uad nack oben zti 



war 



der Stengel nicht 



allein um sick selbst, sondern auck urn die Stiitze 
gewundcn, zum deutlichea Beweis, dais hier alle 
Rrafte Mm Wachstkum der Pflanze in die Lange 
verwendet warden und dadarck das 



W 



die Breite abnakm, dafs aber mit diesem gesteiger- 
ten La'ngenwackstkum auck 



das W 



sick ein- 



stellte & Nack diesem ist es nun wakrsckeinlick, dafs 
man auck aadere , den windenden nake verwandte 



W 



\ 



, — 

Ein eanz gewoknlickes Beispiel der 



Art liefert 



uns das Polyg. ConvoU r. ; Pflanzen, die ick im Win- 
ter und Frtthfatfrm Scherben hatte, die BUithenund 
Fruckte trugea, seigten vvahrend dieser ganzen Zext 



selbst 



nickt die geringste Neigang ^m W 
wena ich sie an Stiitzen in der iknen sonst norma - 
len Ricktung befestigte 5 mitten im Sommer aber 
winden sick alle diese Pflanzen, und je giinstiger 

die Pllanze an > 



W 



sick *u winden; endlick im Herbst trifft man oft 
nock ganz vollkommen ausgebildcte Pflanzen dieser 
Art, die weit kraftiger ausseken, ^^\ Som ^' 
pflanzen, aber keine Neigung 






zum W 



mekr 



ieigen. Als ein 4 tes Beispiel der Art mockte ick 
nock das Ophioglowum japonicum anfiikren da. 



. 






Winte. A 



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1 



i 



4 















4* 



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sich 2 Stengel urn sich selbst nach reelits windeten; : 



W 



War (denn sie sahen selir vergcilt aus) oder ob es 
in der Natur der Pflanze liege, was ich bezweifle, 
Weil ich hieriiber nichts Naheres augegeben fmde, 
Und mir iiberhaupt kein Beispiel von einem winden- 
den Farrenkraut bekannt ist, wds icb niclit genauer 

- 



- 

anzugeben 



Es ist mir ferner nacli diesem nicht 



unwahrscheinlich , dafs die Periploca graeca, wel- 
che auch in Sibirien wachst, urspriinglicli in die- 
sem Vaterland sich nicht winde und erst in einem. 
bessern Ciima, wie es bei uns der Fall ist, das 

snricht sich bei die- 






W 



denn 



V 



ser Pflanze nicht am ganzen Stengel aus , sondern 



X 



nur an den obersten Aesten, und auch dann nur, 

*a^^^l *"■■■■■ 

wenn sie mit einem andern Gegenstand in Beriih- 

rung kommen. 

Ich urltersuchte auch andere kryptogamische 

ausser den Farrenkrautern, besonders 



anzen 



Pfl. 

aber solclie, welche sehr lange Faden bilden und 



VV 



M 



sen die Fontinalis antipyretica, die bei uns die liau- 
ii^ste in iliefseaden Wassern ist: allein ich konnte 
keine Spur von Spiralform daran entdecken, Auch 
teobachtete ich mit Hiilfe des Microscops die ver- 
schiedenen Conferven des siifsen Wassers, die bei 
Uns vorkommea , ohnc gewiinschten Erfolg ; auch 
an einigeBl Flecbten, welche an Baumen vorkommen, 
hoffte ich etwas zu finden , und namentlich an der 
Cornicularia jubata , welche bei uns so haufig in 
den Waldern von den Aesten der Baume herabhangt ; 
I *Hre Haare sind vielfach unter sich verstrickt ohne 
ktistimmte E'orm. Ebcnso untersuchte ich einige Ar- 

* 

ten. yon Batrachospemum. EndLich) als ich schoa 















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44 



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35WC 



* 

etwas in dieser grofsen Pflanzenfamille 
zu finden, was mit der windenden Form iiberein- 
lcarne* so v entdeckte ich noch eine Chantransia, de- 
ren Aeste um sich selbst von rechts nach links win- 
qen, tmd die ich fur Chantransia glooierata halte • 
ich versuchte nun, ob es nieht moglieh ware, 

■ ■ A ■ ° ' 

auch utn fremde Kbrper winden zu lassen • das 
Schwierige dabei ist aber, dafs die Pflanze im flie- 

teinen befestigt ist und dureh 



sie 



Was 



Weil 



Was 



;ers in bestandiger Bewegung 
erhalteu wird ; ich befestigte nua an den Steinen und 
in ihrer Nahe verschiedene Stutzen, mit welchen die 
Pflanze nothwendig in Beruhrung kommen mufste 
und die auch zum Theil den Bewegungen der Pflan- 
ze bis zu einem gewifsen Grade folgten. Ich wahlte 
dazu festeu Stahldraht, der etwas spiralformig ge- 



wunden war 
mit VVach 



ferner iiberzog ich 



Faden von Seide 
eicht im Wasser 



erweichen konnten , endlich befestigte ich noch ei- 
nige steife Korper, wie Strohhaime , in ihrer Nahe ; 
ailein wkhrend drei Monaten gelang es nicht die 



Wi 



gen; indessen weifle ich nicht, dafs es durch wie- 

werde , nach dem , wa9 



ich erst kurzlich von de 



en 



y bei Chan- 



est 



transia rivularis angegeben fand: „Cette espe<?e 

; , et ses longs filaments s'entortillent 
I'ils rencontrent". Vaucher fiihrt sie 
erk iiber die Conferven p. 129. unter 
dem Namen Prolifera rivularis auf , und hat 
Tab. XIV. Fig. i. abgebildet. Wenn nun meine L 
cies , wie ich nicht zweifle , Chantransia glomerata 



libre 
W* corps 

m s einem 




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sie 



i«t, so wird auch sie sich unter giinstigen Umstan- 






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Vol. II. p, 51. 






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45 



den urn fremde Korper windeh. Indessen konnen 
di^se Versuche nur im 



Wi 



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• 



* 

anzutreffen sind. 



8 en und in fliefsenden Wassern 

denn im Sommer traf ich von alien diesen 1 fianzeh 

keine Spur mehr an den Orten , wo ich sie den 

Winter -znvor zu heohachten Gele< 



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Erscheinungen y welche die Cuscuta in ihrem 



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Wachsthum 



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Die Cuscuta zeichnet sich durch so verschiedene 
Eigenschaften von den iibrigen Windepflanzen aus, 
dafs ich es fur besser hielt, sie fiir sich besonders 

■ * 

Zu beschreiben. Von der Gattung Cuscuta trifft man 
*n Europa 2 Arten an, welche Will d enow beide 
^nter dem Namen Cuscuta europ. anfuhrt, und die 
Cuscuta Epithymum fiir eine Varietat der ersteri* 
hielt; de Can do lie aber hat sie als 2 in der That 
Verschiedene Arten in Cuscuta major und minor ge-* 
trennt. Die Cuscuta major habe ich besonders in 
der Ehene. an Heken und Strauchen. ^pjtpii 



■ 



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fcacht getroffen 7 die Cuscuta minor aber an grafcigen 
Stellen auf Hiigeln und Bergen. Die Cuscuta ent- 

■ 

Wiekelt sich nur an feuehten und schattigten Stellen/ 
**nd es gelang mir nur dann, dieselbe zum Keimen 

* 

* 

^u bringen, wenn ich entweder den Saamen gerade* ' 
£u mit einer leichten Sehichte Erde bedeckte, dariiber 
eine Lage Moos brachte und das Ganze bedeutenct^ 
feucht erhielt; aber auch zwischen 2 Blattern FliefsWi 

i 

papier, welche ich bestandig befeuchtete, 





e dec 
Saamen im Schatten , und noch schneller als in der 

Erde. So w ie sich der Saame offnet, so ers 
ein diinner spiralformig gewundener Korper 7 der 
%~Z\ Kreis (Fig. 4-) beschreibt und keine Colyle- 
donen hat; er entrollt sich und zeigt, wenn der 



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Saame in die Erde gesaet wurde , beim Erscheiften 

■ . 

iiber der Erde keine Spur von spirallormiger Win- 
dung (Fig. 5.) ? sondern die Pflanze steigt senkrecht 
aus der Erde hervor luitum'gebogenerund senkrecht 

- 

gegen die Erde gerichteter Spitze. Die Spitze rich- 
tet sich aber in wenigen Stunden 
sich schnell , und damit ist auch bei dieser Pflanze 
der Anfang zu einer kreisformigen Bewegung gege- 
bejij wahrend auch diese Pflanze sich urn sich selbst 
bewegt, was aber nicht so sichtbar ist, wie bei den 
andern Wiiidepflanzen, weil die Knoteh am Stengel 
fehlen • es kann nur bei langercr Eeobachtung ent- 



uf, verlangert 






de 



werden. 



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Wur 



4 el, alles geht auf die Entwicklung des Stengels los; 



( 






wegen 



dieses M 



an Wurzeln kann sie sich 



auch nur an feuchten und dunkeln Orten erhalten j 

* 

von 5 — 4" erreichen , 



%o kann sie aber die Lange 



1 

wahrend sie an Dicke urn nichts zunimmt. Siezeigt 
an ihrer Spitze bestandig cine leichte Kriimmung, 



. < 



so wie sie anfangt zu wachsen ; aber es zeigt sieh 
keine Spur voil Schuppen oder kleinen Afterblatt- 
then , denn eisrentliche Blatter hat die Pflanze be- 
kanntlich gar nicht. Hat nun aber die Pflanze eine 
jindere Pflanze mit krautartigem Stengel erreichtj so 
legt sich die Spitze an dieselbe an, wenn'es im 

* 

Schatten ist, setzt sich an derselben mittelst kleiner 
Papillen fest, zieht durch diese Nahrung aus der Pflan- 

ze und quillt an diesem Punktzu eiilem dicken Kno- 
ten auf. So verhalt es sich, wenn die fremde Pflan- 
ze einen etwas dicken Stengel hat und die Beriih- 

r' 

rung an einem fins tern Ort geschieht. Ichhatteaber 
in einen Scherben zugleich Saamen von Lamium al- 

r 

bum und Urtica dioiea gesat- diese waren schon frii- 
her hervorgewachsen , so dais ihr Stengel schon ei- 
ne halbe Linie diek war, als die Cuscuta erschien ; 



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e $ nicln allein die Spitze der kleinen Ciisciitapfla'n- 
2e , welche die fremde Ffianze beriihrte , sondern 
s ie machte ixi einer Stunde in der Sonne z - 






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dungen um dieselbe, so weit es ihre Lange mid die 
Entiernung erlaubte ; dann aber stand sie stille in 
ihrem Wachsthum nach oben, wahrend sie von un- 

* 

ten herauf abstarb, bis an den Funkt, wo sie die 
Pflanze beiilhrte; liier fing die Bildung von Papil* 

len an, durch welche sie Nahruug aus der fremdeti 
Pflanze zieht, nnd nach deren Bildung die Spitze 
erst wieder fortfahrt, sich weiter zu verlangern; 
Wahrend dieser Zeit konnte aber auch die Cuscuta 
an der grupen Pflanze vertrocknen 1 , wenn die Hitze 
2u grofs war* stellte ich aber die Pflanze an eineri 
dunklen Ort, nachdem sie sich nm dieselbe gewuiw* 
den hatte , so kam die Fapillenbildung voilkommen 
lu Stande und die Pflanze verfolgte nachher ihr 
Wachsthum iu die Lange; diei's ist ein deutlicher 
Beweis, dais die Pflanze nur an einem dunklen feuch- 
ten Orte sich festsetzen kann. Immer ist es das 
fetzte unterste Ende der Cuscuta, wo die kraftigste 
Anziehung von Saften aus der fremden Pflanze statt 
findet; diei's beweist der grofsere Wulst,' der hier 
s ich bildet, was bei den darauf folgenden Papillen 
tticht so sehr der Fall ist, obgleich auch der 'Sten-* 
gel sich an ihnen etvvas verdickt. Von da an fahrt 
die Pflanze fort, im Lichte sich urn fremde Pflan- 
fcen in gedrangten Spiralen zu winden , indem die 
Papillen immer seitener werden, und mit dem, dais 
sie hinreichende Nahrung aus der fremden Pflanze 



i 



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fcieht, verlangern sich die Spirale immer mehr ; end- 
lich aber bedarf sie neuer Nahrungssafte, sie win- 
^t sich wieder in gefd* angten Spiralen, es bilden 
sich wieder neue Papillen in grofserer Menge, es 
























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48 









fcntsteht audi wohl ein neuer metir oder Wenigef 
-grafter Wulst, und dasselbe Verhaltnifs in Hinsicht 
der Spirale wiederholt sich. In diesem Verhaltnifs 
verfolgt sie die Lange der fremden Pflanze^ von der 

sie sich auch wohl entfernt > wenn sie zti kurz ist> 

■' ■ / 

Oder andere Hindernisse sie an dem weitern Auf- 



V 



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steigen hindern, und sucht eine neue Stiitze auf, an 



der sie sich festsetzt; so kann dieselbe Cuscuta an 
einer IVeihe verschiedener Pflanzen sich winden, aus 
ihnen Nahrungssafte ziehen, ohne dais sich eine An- 

in dem Ansehen der Pflanze zeigte. Mit 




dem, dafs die Pflanze nun an einem fremden Kor- 

T 

per festen Fufs gefafst hat, zeigen sich an der sich 
verlangernden Spitze kleine Schuppen und endlich 
fcei vollkommener Ausbildung erscheint die Bluthe. 



i 



Verhalten der Cuscuta zu fremden Korpern. 

Es zeigt sich ein auffallender Unterschied der 



\\ 



dafs sie 



sich nicht urn todte Gegenstande von der verschie 



Mat 



densten Art windet; ich versuchte es mit versehie- 
denen verhaltnifsmafsig kleinen todten Stiitzen von 

■ 

Pflanzen, die verschiedene Geriiche verbreiteten, aber 

H. * * ■ 

nie machte die Pflanze nur die geringsteKriimmung 
um die Stiitze, sondern sie verfolgte ihre Windung 
ruhig um sich selbst; eben so wenig hatten metal- 
lene Stiitzen einen Einflufs: auch thierische 
rien, als Borsten und Federn, zeigten keinen bes- 
sern Erfolg. Ganz anders verhalt sich die Pflanze 
gegen lebende Korper, wenn auch ihr Stengel schon 
dem Holzigten sich nahert : hier findet offenbar ei- 

* ■ 

ne Anziehung schon auf einige Entfernung statt und 
zwar gegen ganz verschiedene Pflanzen, als gegen 
riechende und andere Pflanzen aus lier Familie der 






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Crueiferen, gegen Legumiuosen und 















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Eraser, gegen Reseda odorata, He'dera Helix, gegeii 
^inus und Juniperus, gegeii Euphorbia, Galium, Co-" 
r ylus und Euvonymus. ' iefs sinddie wenigen Pflan- 



*cn, an denen ich Versuehe anstellte 



aber 



ist 



*ohl mit Gewifsheit anzunehmen, dafs bei weiteren 



V 



ersuchen auch solche FfLaitaeri sich linden werden, 



gegen welehe sie sich niclit hinneigt, denn man iin- 
uet die Cuseuta m der Natur immerntir um eine ge- 
^ifse An^ahl Pflanzen sich winden; so gelaiig.es 






^ir nie, sie um Moose winden zu lassen% sie ent- 



/ 



fe 



rnt sich immer wieder von denselben* 






ver- 



$Uchte nun ferner, ob die Pflan-e nicht allmahlich 

a 

*n todte Stutzen gewohnt werden konnte; theils 

wachte ich eine todte 

Beruh 



Stilt 



ze mit der Cuseuta 



i 

rung, nachdem sie auf einer lebenden Stutze 
Sich schon festgesetzt hatte und die nothigen Safte 
aus ihr zog, aiiderntheils Wahlte ich frische Zwei- 
§e von verschiedenen Pflanzen, von Ribes Grossula- 

i 

* 

*ia und rubrum, von Hedera Helix und Nadeln von 
£inus silvestris ; ich stellte sie an einen warmeii Ort, 

- 

Vor dem unmittelbaren Zutritt der Sonne geschiitzt; 
ie Cuseuta umfafste sie, bildete Papuien, und 



di 



erhielt sich auf diese Weise oft bis 6 Tage iii grii- 

ttendem Zustand; so wie aber diese Pflanzentheile 
allmahlich vei dorrten , starb auch die Cuseuta ab* 
^lan darf al&o mit Gewifsfteit annehmeri , dais die 
Cuseuta sich riie um todte Gegensiande^ wenn auch 
j fifit ihnen in Beriihiung gebracht, winden werde; 

flafs aber die lebende rfianze dieselbe schon auf 

I 

^inige Entfernung anziehe, scheint auf einer Aus- 

diinstung lebender Pflanzen zu beruhen , mittelst 

belcher die Cuseuta angezbgeii wird. Ich hdifte nun^ 

durch eine kii istliche Ausdiinstung eine der leben- 

<^n Pflanze ahnliche Anziehungskraft hervorzubrin- 






§ e u, und nach mehreren mifslungenen Versuchen 



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50 



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machte ich endlich foteende Vorrichtun^, welche mi£ 

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noch am nieisten die Ausdunstung der lebenden 
Pflanze zu ersetzen schien;*ich fiillte mehrere Sten- 
gel von Hanf, die ihres Bastes entblost waren, nach- 
dem ich das eine Ende mit Klebwachs verstopft und 

_ 

mit einer Blase verbunden hatte , mit Wasser, das 
mit Kohlensaure geschwangert war ; das obere En- 
de verstopfte ich wie das untere und verband es fest 
mit einer Blase : so zugerichtet steckte ich diese 
kleinen Rohren in die Erde , auf einige Linien Ent- 
fernung von der Cuscuta, und stellte das Ganze in 
die Sonne* Durch die Warme dehnte sich nun da9 

I 

kohlensaure Wasser aus und mufste nothwendig 
durch die porosen Cylinder als Wasserdampf 5 mit 

w 

Kohlensaure gescliwangert; sich verfluchtigen. Der 

Erfolg iibertraf meine Erwartung und die Pflanze 
naherte sich der Sttitze und machte l — 2 Spiralwin- 
dun g; en urn dieselbe; mit dem aber, dafs die Aus- 
diinstung aufhorte, sey es nun, dafs ich den Scher- 
J>en in Schatten stellte oder dais die Verdiinstuns 
von selbst aufhorte, verliefs die Cuscuta auch die 
Stiitze wiederum von selbst. Ich wiederholte diese 






Versuche ofters und imraer war der Erfolg dersel- 

be, wenn ich dabei die gehcirige Genauigkeit beo- 
bachtete, und besonders Cylinder wahlte, deren 



Wandungen von gleicher Dicke waren. Ich hatte 



gewunscht, solche Versuche auch mit andern Fliis- 
sigkeiten anstellen zu konnen, allein ein grolses fciin- 
dernifs ist immer diefs, dafs diese kleinen Pflanzen 
unter den gewohnlichen Umstanden nur 6 — Q Tage 
dauern unci dann absterben. Die Angabe von Sco- 

■ 

poli*), wenn er von der Cuscuta sagt : „parasita 
variarum plantarum nee arborum aut fruticum", fin- 



•) Flora Carniolica 1772, Tom, I, Pf 116. 

























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det ihre Beschr'Inluing in Hinsicht der Gestraiiche ; 

■febende Pflanzen, seyen es nun strauch - oder kraut- 
ar tige , besitzen Anziehungskraft fur die Cuscuta, 

* 

Wem alle diese Pflanzen ausdiinsten ; aber einUn- 
^tschied fmdet statt in so fern die Cuscuta nur an 
Weicheren Stengeln sich festsetzt, in welehe sie ihre 

den holzigteh 
Pflanze einmal 



^apillen einschieberi kann ? was 
tticht moglich ist. Wenn aber die 



auf dem krautartigen Stengel festen Fufs gefafst hat, 
dann windet sie sich auch um den einjahrigen Ast 
von Gestrauchen, namentlich von Corylus und Pru- 
&us spinosa, und zieht auch aus ihnen mittelst Pa- 
pillen Nahrungssafte. 



Vo 



* 

Richtung <> in welehe r sich 

cut a windet. 



Cus- 



Die Cuscuta windet sich von der Rechten zur 

* i 

Linken, gleich den Convolvulaceen, in welehe Fami- 



He sie gehtirt. Diese Richtung habe ich immer un- 
Verandert gesehen, trotz der maniiigtaltigsten Hin- 
dernisse: ich verweise in dieser Hinsicht, um Wie- 
derbolung zu vermeiden, auf die bei den andern 
Windepflanzen angestellten Versuche , 



nor- 



ttiale Richtung abzuandern , so viel es die Feinheit 
ihres Baues erlaubte ; aber die Richtung blieb be- 
ttaadig dieselbe; selbst die verschiedensten Pflan- 
zen, um welehe sie sich windete, hatten keinen Ein- 
fluis darauf , ^hen so wenig andere Windepflanzen, 
*vie Convolvulus, Sepiuni, Bohnen und Hopfen. Es 
sprache sich also auch hier wieder das allgemeine 
Gesetz aus dais die Windepflanzen sich bestand 



in der ihnen eigenen Richtung bewegen* 



1 

} 

Von den Cirren im Allgemeinen. 

1 

Von der geographischen Verbreitung der Cirren 
t^agenden Pflanzen war schon oben die Rede^ Die 

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52 



Cirren Itonimen entweder in Familien vof , welche 
windende, oder wenigstens in solchen, welche Met- 
terndePflanzen eiithalten ; nicht immer sind es Met- 

- 

ternde Pflanzen> an welchen sie vorkommen, wie 
diefs in der grofsen Abtheilung der Vieieen der Fall 
ist, aber nie scheinen sie bei den kletternden Pflan- 
/en zu fehlen, und wenn es auch nur ein Analogon 
einer Cirre wire , wie diefs bei dem Blattstil der 



M 



Wind 






pflanze. Haufig aber trifft iiian in derselben Gat- 
tung windende und Cirren tragende Pflanzen zugleich 
an. Diefs alles zusammen deutet auf eine nahe 
Verwandtschaft zwischen den windenden, den Cir- 
ren tragenden und den kletternden Pflanzen. Die 

Cirren sind haufig mit Haaren besetzt, entweder ftir 
sich allein oder aber die ganze Pflanze ist zugleich 
behaart; die Haare mogen gleichfalls als Anhaltspunk- 
te fiir die Cirren dienen und durch ihr gegenseitiges 



W 



der Cirren 



erzeugen. Ich theile die Cirren, welche ich au beo- 

bachten Gelegenheit hatte, in folgende Abtheilungen ; 

1. Abtheilung; Cirren, welche in den Blattwinkeln 

* * 

ihrenUrsprungnehmen (Cirri axillares); diese 
sind entweder einfache, wie bei den Gurken, Pas- 






sifloren und Smilax > oder sie sind zusammen- 

gesetzte, wie die der Kiirbis. 
% Abthlg. : Cirren, welche dem Blattwinkel gegen- 

xiber stehen, wie bei Vitis und Cissus, (Cirri 

oppositifoiii.} 
5- Abthlg.: Cirren, welche an der Spitze der Blat- 

» ■ 

ter vorkommen , wie bei den Vieieen und der 
Coboea. (Cirri terminales.) 
4. Abthlg.: Biattstile, welche cirrenahnliche Form 






annehmen. 



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, welche im Blattmrikel ihrtn Vrsprung 

nehmen. 

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Die Pflanzen dieser Abtheilung kommen mei- 
stens uur in der heifsen Zone vor; ihre Cirren sind 
die regelmafsigsten, sie bilden meistens vollkomme- 
tte Spirale. Sie sie entweder bios einfache, wie bei 
den Passifloren und der Gattung S mil-ax ; oder sie 
sind in derselben Familie und Gattung bald einfach, 

■i 

bald aestig, wie bei den Cucurbitaceen. 

Die Cirren der Kiirbis und Gurken nehmen fol- 
genden Verlauf in ihrer Entwicklung : nicht in 

■ 

dem Blattwinkel traf ich eine Cirre bei den Gurken, 
Wohl aber bei der Kiirbis ; letztere hat 3 und mehr- 



fach getheilte Cirren , wahrend erstere immer nur 
einfache haben. Die Cirren der Gurken und Kiir- 
bis sind bis in die oberste Spitze des Stengels , 
weit man es mit dem Vergrofserungsglas verfolgen 
kann , Schneckenformig aufgerollt, in der Form, wie 
es die Abbildung angibt (Fig. 24- 250* Dieses Auf- 

* 

Pollen nimmt immer mehr zu, bis zu 4 — 5 Kreisen, 
endlich aber rollt sich das Ganze wieder ab > stellt 

r 

I 

einen langen Faden dar , der schnell an Lange zu- 

nimmt, und nach 3—4 Tagen fangt er von seiner 
Spitze aus aufs neue an sich aufzurollen > aber in 
ttmgekehrtem Sinne (Fig. 26)? so dafs, wahrend das 
erste Aufrollen gegen den Stengel auf warts gerieh- 



tet war. 



W 



gegen den Stengel jetzt ab- 



1 

Warts geht. Trifft nun die Cirre einen fremden Ge 
genstand wahrend diesem zweiten Aufrollen^ so win- 



det sie sieh um denselben. Bei Cucumis Colocynthis 
trifft man ahnliche zusammen gesetzte Cirren, wel- 
che sich eben so aufrollen, wie die Cirren yon Cu- 
curbita; dagegen geht die Win dung bei Sicyos an- 
gulata, welche ich zu beobachten Gelegenheit hatte, 
weniger ordentlich vor sich ; der Hauptast der Cir- 
















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Aeste Unordnung entstande ; 



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sehr fein ; diefs wiirde iibrigens nichts hindern a# 
dem regelmafsigen Aufrollen dieser Cirre , wenii 

i 

nicht durch die vielfache Beriihrung der einzelnen 

denn auch bei der 

■ 

Bryonia koramen oft ahnliche feine Cirren vor, die 
sich dem ungeaehtet eben so regelmafsig aufrollen? 
wie bei dickeren Cirren. Die Cirren der Bryonia 
unterscheiden sich schon dadurch von denen der 

* 

Kiirbis und Gurke , dafs sie von ihrem ersten Ur- 
sprung an in gerader Linie fortwachsen , bis sie ihr 



Wachsthum In der Lange vollendet haben , nnd 
dann erst anfangcn, sich von der Spitze aus gegen 
ihre Basis hin aufzurollen ; dafs aber auch wahrend 
dieser Zeit eine Win dung um sich selbst statt fin- 
de> sieht man deutlich an der vertrockneten Cir- 

re, was im lebenden Zustand nicht sichtbar ist; 

\ 

diese Windun^ geht aber von der Basis der Cirre 
aus, denn gegen die Spitze hin ist sie nur schwach 
und kaum merkbar. Um mich aber auch im leben- 
den Zustand davon zu iiberzeugen , so befestigte 
ich an die Cirren gegen die Basis hin ein feines 
Haar> an dessen andrem Ende ich ein ganz kleines 
leichtes Sandkornbefestigt hatte ; in dem Maas nun, 
als sich die Cirre um sich selbst windete, wickelte 
sich das Haar um dieselbe; die Windung geht nun 

* 

sowohlbei diesen, als bei den folgenden dieser Ab- 

> 

theilung abwechslungsweise bald nach rechts , bald 
iiach links von statten , jedoch so , dafs der Wech- 
sel seltener ist an der Basis der Cirre , als an Hi- 
rer Spitze. Bringt man nun an ein^n Theil der Cir- 

- 

re eine Stiitze irgend einer Art, so verfolgt die Cir- 
re die Stiitze in derselben Richtung, ohne zu wech- 

* 

seln, und dieses Winden kann durch Beriihrung frii- 

her erzeugt werden ; als es von Natur geschthen 



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Ware. Hier zeigt sich also der Einflufs der Stiitze 

j 

auf das Winden deutlich. 
♦ Die Cirren der Passifloren . , welche de Can- 



■ 

do lie fur unfruchtbar gebliebene Blumenstile hi% 



zeigen ganz dieselben Erscheinun 
Br/onia, nur konnte ich an 










wie die der 
keine Win- 



dung um sich selbst bemerken, auch nicbt im ge- 
trockneten Zustande; ohne Zweifel fehlt sie aber 
auch hier nicht. Das Verhalten gegen die Stiitzen 

* ■ 

ist ahnlich den vorigen. 

S 

Den Grund, warum ich die Cirren der Smilax 



auch hieher rechne, habe ich schon angegeben. De 



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Candolle nennt sie Cirri stipulares und sagt, es 

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sey eine Verlangerung und Umwandlung der After- 
blatter: es s'teht zu jeder Seite des Blattstils ufige- 



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eine einfache Cirre, die sich 



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* 

um sich selbst windet, oderum irgend einen frem- 
den. Gegenstand, mit dem sie in Beriihrui 



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Ich habe sie bei Smilax mauritanica , aspera und 
Sassaparilla gesehen 5 und in diesen waren sie sich 
vollkommen gleich. 



Cirren y welche den Blattmnkeln gegenilber stehen. 

Hieher gehoren als die bekanntesten die Cirren 
des Weinstocks, mit welchen ich allein Versuche 
machen konnte. Diese Cirrea sind deutlich unfrucht- 

4 

bar gebliebene Blumenstile; sie stehen immer nur 
da den Blattern gegeniiber, wo ein fruchtbarer Blu- 
menstil fehlt ; sie tragen selbst ofters Spuren von 
Bliithen und zuweilen sieht man auch an den wirk- 



lich Blumen tra^enden Stilen einiare W 



trag 



53 






Diese Cirren sind selten einfach, und immer ntir 



die untersten ; die meisten sind aestig und haben 
an Hirer Spitze eine leichte Kriimmung, in Form ei- 

* 

nes Hackchens, mit welchem sie sich an freinde Ge- 



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genstande fest.setzen und von da an sie umfassen* 



Sie winden sich um ieden Gegenstand ohne Unter- 
schied d'e* Materie; die Richtung der Windung wlrd 
nurBvon d 



Beriihrungspunkte der Stiitze bedingt 
und erfolgt ohne bestimmte Gesetze nach alien Sei- 
ten. Fremde Korper sind nixr so lange fahig, sie 



W 



zu brineen, als sie ihr Wa 




nicht vollendet haben: nach dieser Zeit werden sie 
von keinem fremden Korper mehr afficirt, und sind 
dann nicht, wie die Cirren der vorigen Abtheilung, 
im Stande, sich selbststa'ndig ohne Stiitze zu win- 
den , sondern sie bleiben unvera'ndert, mehr oder 
wenigergeMmmt, stehen. Mehrere Varietaten des 

_ 

WeJnstoc&a haben Cirren mit einer besondern Art 
von Haaren sparsam besetzt, die man besser Wolle 

M 

nennen kann-> denn sie unterscheiden sich von den 
eigentUchen Haaren wesentlich dadnrch, dais sie 

I 

nicht aus einzelnen Zellen bestehen ;. ferner unter- 
scheiden sie sich dureh eine besondere Form , wel- 
che vollliommen die der abgerollten einfachen Spi- 
ralgefafse nachahrat; sie sind ausserordentlieh hy- 



W 



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wenn die Cirre von der Pflanze getrennt ist, dauert 
die Bewegung noch einige Stundea fort, lch beo- 

bacbtete sie an den Pflanzen selbst zu verschiede- 
denen Tagszeiten mit dem Microscop, und wenn das 
Wetter nicht zu heiis war oder es unmittelbar zuvor 
nicbt geregnet hatte, so wa< en sie bestandig in Be- 
wegung. Da sie keinen zelligen Bau zeigen, son- 
dern mehr bandartige Form haben und sich bestan- 
dig in Form eines Spirals winden, so sieht es aus, 
wie wenn sie die letzten Endungen der Spiralgeiafse 
waren, so wie man die Haare als die letzten En- 
digungen der Zellen ansehen konntej die Richtung 












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57 



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ihres Spirals geht bald nach rechts, bald nach links ; 



s *e haben aber viele Aehnlichkeit mit den Spiralge- 
■fafsen der Cirren selbst, die gleichfalls bald nach 
*echts, bald nach links gewunden sind, wahrend 
*ch imgriinen Stengel die meisten Spiralgefafse nach 
links gewunden sah. Hievon wird weiter unten die 



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e seyn« 

Die Cirren von Cissus hederacea verhalten sich 



Wie die 



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sind tend sich leichter krtimmen; sie sind aber auch 
an ihrer Spitze deutlich mit einem kleinen Hack- 
chen versehen. 

* 

Unter diese Abtheilung bringe ich endlich noch 



die Cirren von Cardiospermum Halicacabum ; 



sie 



stehen auf dem Bliithenstile, der zwar im Blattwin- 
kel steht, aber sie sind gleich den Vorigen verlan- 
gerte unfruchtbare Blumenstile ; es sind immer nur 
2 einfache Cirren an der Basis der Bliithentraube 
sich gegeniiber stehend. Im unausgebildeten Zustand 
sind sie iiber die Bliithentraube hingebogen, mit 
Entwicklung der Blum en 
fcnd winden sich nach unten zu auf, gleich den Cir- 
*en der Gurken ; auch sie k6nnen durch Beriihrung 
ttiit einem fremden Korper friiher zum Winden ge- 



aber verlangern sie sich 



fcracht werdeiu 



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stils sitzen. 



Diese Abtheilung begreift den grbfsten Theil 
der Cirren tragenden Pflanzen; sie sind mit wenig 
Ausnahmen nur einer Familie eigen, Sie scheinen 
ein verlangerter Blattstiel zu seyn, dessen seitlichen 
Aeste die Mitteirippe eines jeden Bl ^ttchens vorstel- 

■ 

* e n, tind bei vielen kann man oft deutlich den Uber- 



gang von dem seitlichen Blatte in die Cirre nach 
















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58 



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weisen. Bei der vollkommen ausgebildeten Pflanze 
sind sie immer aestig, und nur bei der jungen Pflan- 
ze trifft man in der Regel die *o bis 12 untersten 
Blatter rait einer einfachen Cirre versehen an • bei 
der Faba sativa sind sie an der ganzen Pflanze ein- 
fach und nur einer Spur nach vorhanden, als ' &ie 
erste Andeutung zur Cirrenbildung. Die Aeste der 
zusammengesetzten Cirren stehen sich bald gegen- 
iiber, bald abwechslungsweise. Bei den einfachen 
untersten Cirren beobachtete ich haufig einen Wech- 

O 

« el in der Rlehtung der Spirale , so dafs die Cirren 
in einer Aufeinanderfolge bald nach rechts , bald 
nach links sich windeten. Diefs ist vorzugsweise 

■ 

bei den grofsern Cirren tragenden Leguminosen der 
Fall, z. B. bei Lathyrus, wo es sich deutlicher aus- 

spricht. Doch ist dieser Wechsel nicht constant und 
erleidet zuweilen Abanderung. Wenn es iibrigens 
erlaubt isjt 7 nach der Mehrheit der Falle zu schlie- 
fsen, in welehen ich Gelegenheit hatte, ihn zu bee 

- 

bachten , so moehte ich doch glauben , dafs ihm et- 
was Bestimmtes zu Grunde liege, und dafs die Ab' 
weichuugen, welche sich linden, mehr von fremden 



Einfltifsen bedingt werden, wenigstens 



war es re 



gelmafsig in den angefiihrten Fallen von Legumino* 
sen, wo ich jede Beriihrung rait fremden Gegen- 
stande'n sorgfaltig verhxitete. 



Bei den zusammengesetzten Cirren dieser Ab" 
thexlung konnte ich nichts Bestimmtes in der Win' 
dung der einzelnen Aeste beobachten; sie bewegefl 
sich gleich den Wmdepflanzen , besonders bei un' 
raittelbarem Einflufs des Lichtes, und wahrend die" 

■ 

ser Bewegungcn umfassen sie jeden Gegenstand bb' 
ne Uaterschied in Hinsicht der Form und Materia 
und ist dor umfafste Theil nachgiebig , wie z. #• 
Blatter, so pressen sie ihn in ihre Spirale zusatf*' 







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men', was auf die bedeutende Kraft hindeutet, auf 
Welcher die Bildung der Spirale beruht; denn nur 



dann, wenn der Theil niclit nachgiebt, nimmt die 
Windung die Form de.s fremdea Kbrpers an. Bleibt 
aber die Cirre sich selbst iiberlassen , und kommt 

eriihrung , so 




sie nicht mit fremden Korpern in 
biegt sich jeder einzelne Ast riickwarts mid bildet 
i— -2Kreis-e; haufig aber verwickeln sich die ein- 
zelnen Aeste unter sich selbst, was schon gesehieht, 
ehe die Cirre ihr Wachsthum in die Lange vollen- 
det hat? weil die einzelnen Cirfen - Aste bestandig 
sich bewes'en und auf diesem Wege zusammentref- 
fen. Weil aber die Bewegnng besonders schnell bei 
Tas und im Sonnenliehte statt findet, und eben urn 
diese Zeit auch das Bestreben, fremde Korper zu 
Umfassen, gesteigert ist, so braucht es mir eine lei- 
se Beriihrung, damit die Cirre den fremden Korper 
umfafst. Von diesem Beriihrungspunkte hangt nun 
aber auch die Regelmafaigkeit der Spirale ab. Wenn 
namlicli der fremde Gegenstand so weil entfernt ist, 
dafs er nur von der Spitze der Cirre beriihrt wird, 
so setzt sie sich in Form eines Hackchens an dem- 
selben fest, und dann erfolgt kein weiteres Umfas- 

i 

sen der Stiitze , wenn 






gleieh die Cirre sich noch 



mehr verlange.rt; sondern es bilden sich unforniii* 
die Kriinimungeii zwischen der Spitze und der Ba- 
sis der Cirre; wenn aber der fremde Korper an die 
Basis dev eanzen Cirre oder eines einzelnen Astes 
derselben gebracht wird, so erfolgt die Windung in 
reffelmjifsi^en Kreisen von untcn nach oben urn den- 
selben, bis die Spitze sich festgesetzt hat, und da- 
mit hoft dann die Windung auf ; geschah nun die- 
se Beriihrung am Ende dcs Wachsthums der Cirre, 
so bleibt die Spirale in der elnmal ai 
Form: erfolgt sie aber vor voliiger Beendigung des 






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selben, so bilden sich wieder riickwarts von da un- 
fdrmliche Kriinimungen. Diese Unformllchkeit ist 
aber der haufigste Fall, vyeil die Zeifder VSadftng 
vom An?zn% der Beriihrung an in keinera Verhalt- 
nifs mehr steht mit der Zeit, die noch zur Vollen- 
dung rles Wachsthums erforderlich ist, denn bei gu- 
tern Wetter ual is° R. erfolgten in einem Tage 2 

m urn die Stiitze. Dieses Mil's ver- 



- 



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haltnifs macht aber keine Ausnahme von der Kegel* 
dafs die Bewegungen auch bei den Cirren gleichen 



wie bei den 



Schritt halten rait ihrem Wachsen , 
Windepflanzen: denn wenn ich einen fremden Kor- 

* 

per an die noch ganz junge Cirre brachte, die hoch~ 
stens einen halben Zoll lang war, so erfolgte die 
Windung nur in dem Grade, als das Wachsthum zu- 

* 

nahm. Dieser Versuch gelingt ankeinern Korper mit 
rauher OberfLiche , an welelxer sich die Spitze der 
Cirre festsetzen konnte, sondern an einem sehr diin- 
nen Eisendraht oder einer diinnen Glasrohre mit 
ganz glitter Oberflache. Hier kann sich das Hack- 
chen der Spitze der Cirre nicht festsetzen, sie ver- 
langert sich nach oben zu und bildet somit mehre- 
re voilkommen spiralformige Windungen. Diefs 

macht also eine Ausnahme von den Erscheinun^en* 

wo rait Beruhrung einer rauhen Stiitze durch die 

Spitze der unvollendeten Cirre eine uuibrmliche Spi- 
rale entsteht. 






Die Riehtungder Spirale kann willkiihrlich nach 
rechts oder links bewirkt werden' je nachdem man 
den fremden Korper mit der Cirre auf der einen 
oder andern Seite in Beruhrung bringt ; diefs geht 



aber nur bis zu einem gewissen Grad an : ich 



ver- 



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suchte es oft, der Cirre dann noch eine willkuhr- 
liche Aichlung zu geben, wenn sie eben ihr Wachs- 
thum vollendet hatte und nun ohne fremden Kor- 



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per anfing, sich selbststandig aufzurollen. Alleia 

dieis gelang mir nie^ die Cirre verfolgte die einroal 

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^genommene Richtung. Dieser Versuch gelingt nur 
gut bei den einfachen Cirren dieser AI#heiIung, weil 

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to an dann nicht von seitlichen Aesten gehindert ist, 
Uberhaupt bediirfen diese Versuche an Cirren einer 
kestandigen Auimerksamkeit, denn neben dem> dafs 



die Cirre 




sich schon Bewegungen macht, be* 



^vegt sich die 1 flanze auch wieder nach dem Stand 
der Sonne , so dais sie sich Morgens bei ihrem Er- 

r 

acheinen urn 2 — 5" g^ J § en s * e neigt ^ wenn also der 
Versuch gelingen soli, so mufs der freinde Korper 
Xu einer Zeit der Cirre genahert werden 3 wo die 
grofste Neigung zum Umfassen statt findet, und 
^veil dieses schnell erfolgt, so Itann dann die Cirre 
ttifiht mehr der Bewegung der ganzen Pflanze iol- 
gen. Die hier angefiihrten Erscheinungen sind nuE 
ganz dieselben bei den Cirren von Vitis und Cissus, 
nur dafs bei diesen das Umfassen langsamer erfolgt, 
als bei den feinen Cirren der Leguminoseri. 

Die Cirren umfassen die verschiedenen fremden 
Korper, als Hoho Faden , Gias , Me tall, Seide und 
lebende Pflanzen ohne Unterschied, bis auf die He- 

■ 

dera Helix; gegen diese Pfianze seheinen die Cirren 

ft 

Abneigung zu haben, namentlich gegen die frischen 
Pflanzen; wenn sie aber vertrocknet waren, so 
schien mir einige Annaherung statt zu linden* Ich 
brachte sie in den verschiedensten Riclrtungen mit 
den Cirren in Beriihrung, aber nie schienen sich die- 
se viel urn sie zu bekummern. 

Zu dieser Abtheilung gehort endlieh die Cobaea 
scandens , die am Ende des gefiederten Blattes ei- 
&e zusammengesetzte Cirre sitzen hat, wovon ich 
*ur eine Beschreibung geben will, da ich nicht Ge- 
legeaheit hatte 3 dieselbe naher zu beobachten. Die- 









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se Cirren smd am meisten von alien, die ich sese- 
hen habe, veraestelt; es ist ein fiinffach getheiltef 
Hauptstamm, dessen letzte Zweige sich in zwei ga- 
belformige Hackchen enden, die.haufig die Form ei- 
nes- Ankers- haben: unit diesen Hackchen kann sich 
die Cirre sehr fest an frexnde Gegenstande anheften. 

Die Cirre weicht aber von denen &ev Le<mminoseii 

/. ° 

darin ab , dafs sie schon an ihrem Hauptstamm an- 
fangt, sich zu winden, Mas bei letztern nicht der 
Fall ist. Die Windung gebt abwechslungsweise bald 
nach rechts, bald nach links * die feinern Aeste aber 
sind meistens in einen Knauel verwickelt; man be- 

jnerkt ferner eine Windung urn sich, was ich nur 

A 

in seltenen Fallen bei den Cirren der Vicien zu beo- 
bachten Gelegenheit hatte. 









- 































Von den Blattstilen rait Cirren dhnlicher Form. 

Wahrend es bei der vorigen Abtheilung der rer- 
langerte Blattstil nach oben ist 5 so ist es bei dieser 

v 

Abtheilung der Stil unter dem Blatt , welcher Cir- 
renform annimmt. Beide benennt de Candolle 
mit dem Namen Cirri petiolares. Von Pflanzen , 
welche in diese Abtheilung gehoren, kenne ich nur 
3 Gattungen; sie zeichnen sich schon dadurch von 
den Cirren der. 3 ersten Abtheilungen aus, dafs sie 
in der Fiegel nur durch Beruhrung zum Winden ge~ 
bracht werden, wahrend die Vorigen mehr oder we- 
niger von selbst winden. Hieher gehoren die Blatt- 



stile von Adlumia 



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osa , emige Arten von Cle 



xnatis , die sich auf Beruhrung rnehreremal um den 
sie beriihrenden Korper winden. 



Die Richtung der 



Spirale kann aber, wie bei der vorigen Abtheilung, 
nach -Willkiihr bestimmt werden; ebenso ist die 
Windung nur so lang moglich, als der Blattstil sein 

Wachsthuzn nicht vollendet hat. Bringt man einen 



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fretndeu Horner in den Blattwinkel des gefiederten, 






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Gntgegengesetzter Ricbtting. Diefs ist ein weiterer 
^eweis , daf- der Beriibrungspunkt cler Stiitze die 



ftio.ktnn<r' der Windun 



Bleibt 



<W Blatt ohne Berfthrung bis zur . Vollendtmg des 
^Vachsthums, so bleibt der Blattstil nachher gera- 
de und zeigt ktine Spur von Kriimmting. 

Antirrhinum cirrosum hat einfache Blatter und 






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einen sehr feinen Blattstil; so lange dieser nicht 
***it irgend einem Rorper in Beriihnmg kommt > 
s o bleibt er gerade stehen ; haufig aber geschieht 
die Windung ura den Stangel selbst, und jixiv l~g 
^al, wegen Kiirze des Blattstils; diefs ist aber nur 
i>ei den Blattern der einen Seite der Fall, welche, 
indem sie sich gegen das Licht richten, mit dem 
Stengel in Bern ung kommen; mit ihrer Hiilfe ist 
aber auch der Stengel im Siande, sich an fremden 
Gegenstanden zu erheben, denn er nahert sich et* 
^as der kletternrien Form. Die Blattstile von An- 
tirrh. Elatine nahern sich ein wenig den vorigen. 



^ v /MP«f. 



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Zweiter Haupt* Abschnitt. 

In diesem 2*en Abschnitt werde ich suchen, den 
^rund des Windens aufziifind.cn , und zwar zuerst, 
ob es auf aussern Einfliissen beruhe, und alsclann, 
ob und wie weit es in der Pflanze selbst begrlindet 
sey, und ^uletzt dann die Schliisse aus dem Gan- 

Sen ziehen. 

Von den Einfliissen, der Electricitat und des 

Gcilvanismus* 

Ob en habe ich die Versuche mit den verschie- 



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64 



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denartigsten Stutzen angefuhrt, welche alle keinen 
Einflufs auf das Winden der Pflanzen ausserten, so 
wenig, als sich die Pflanze vorzugsweise gegen die 
eine oder die andere Stiitze hinneigte ; diese Ver- 
suche zeigen nun zugleich, dais weder die schlech- 
ten Leiter fiir Electricitat, wie Glas , Seide, trock- 
nes Holz, Faden und eine mit Bernstein iiberzoge- 
ne Stiitze Einiiufs auf die Pflanzen zeigten , noch 
die guten Leiter, M ie Eisen , Messing und griine 
Pflanzen; undwenn auch wirklich Einflufs.statt fan- 
de, so ware er wenigstens schvvach und in keinem 
Verhaltnifs zu demiiberwiegenden Einflufs des Lichts* 
In der Bewegung der Pflanzen konnte ich bei Ta* 
keinen Unterschied wahrnehmen, ob sie sich an ei°- 
nem Leiter oder Nichtleiter windeten, und mit der 
Nacht legten sich die Pflanzen mehr oder 
an die Stiitze an , je nach dem Grade der Tempe- 

Es blieb mir also nur noch der Versuch ubrig 
ob nicht durch kiinstlich erregte Electricitat sich ei» 
Einflul's auf das Winden der Pflanzen 
so haufig sich widersprechenden Versuche , die bis 
jetzt mit der Electricitat an Pflanzen angestellt wur- 
den, wurden es vielleicht weniger seyn , 
immer unter gleichen Umstanden und 
ben Grad der Electricitat angestellt worden waren • 
aber wahrend man bei dem einen Versuch den grofs- 
ten Grad von Electricitat einwirken liefs , wodurch 
die Pflanze selbst schneil getodtet wurde, 
dete man in einem andern Versuch einen niederern 
Grad an, und weil in diesem Fall die W irkung nicht 
eben so schneil, wie im vorigen, sich aussprach 






weniger 



ratur. 



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aussere. Die 



wenn sie 
mit d ems el- 



so wen- 



so erklarte man die 



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der Electricitat fiir 



mchtig. Ich wahlte z« meinen Versuchen 2 Platten 
von Zmk und Kupfer von 4 " Breite und 6" Lange ; 

diese waren von einander durch kleine Stuckche* 



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«olz getrennt, so wie es de la Rive angibt, und 
^omit man schon im Stande ist, einen feinen Drath 
*Um Gliihen zu bringen. Dieses Plattcn-Paar brach- 
te ieh in ein hohes Glas, welches mit Sal z und Sal- 
Petersaure gesa'uertes YYasser enthielt. Die Versu- 
c he stellte ich in der Mitte Juni an, wo das Ther- 

■ 

^ometer Mittags im Schatten auf 20—24° R. stand 
Ich 



versuchte nun zuerst, ob es Einfluls auf die 
indung der Pflanze habe , wenn ich mit der StiU 



*e bald den positiven, bald deu negativen Pol in 
«eruhrung brachte, da 



man 



^ugsweise Einflufs auf die Vegetation zuschreibt* 
*ch wahite zur Stutze einen starken 5'" dicken Me* 
^lldrath, den ich durch eine Glasrbhre, welehe un* 
gesehlossen war, von der Erde isolirte; an die* 



ten 



seni windete sich ein Convolv. 



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in der ihm eigeneu 



inks y ohne dafs ich eine Verande 



rung an demselben wahrnehmen konnte. Eben 



so 



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mit 



denselben Versuch anstellte. Der Versuch wurde 
*mmer so lang fortgesetzt, besonders an jiingern 
pflanzen, bis die Pflanze einige windungen um die 



stutze gemacht hatte, wo dann keine Veran- 



war* 



an 



detail 

ue ^ung in der Riditung mehr zu erwarten 
Nun versuchte ieh die Drathe der beiden Pole 
die Pflanze selbst zu riehten und entwederabwechs* 
lungsweise bald bios den negativen , bald den posi* 
uven Pol, oder aber beide zugieich, den eineu an 
den obern Theil der Pflanze, den andern an ihren 
untern Theil zu bringen ; diese Versuche lielseu 
fciieh aber in Ungewifsheit uber deu Einflufs des 



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wegung 



der Pflanzen. Bei einigen Pflanzen konnte ich eia 



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r *ud andere keine Veranderung zeigten; ich hatte 



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66 






noch zur genauern Vergleichung immer ahnliche 
Pflanzen von ziemlich gleicher GrbTse und unter den- 
selben Verhaltnissen in der Nahe ohne Beruhrung 
mit dem Galvanismus gelassen, urn ihr Wachsthum 
mit denen dem Versuch unterworfenen Pflanzen zu 
vergleichen; aber auch hier zeigte sich keine Ver- 

* 

anderung in der Richtung der Pflanzen, wenngleich 
ihr Wachsthum und Bevvegung lebhafter war. Giinsti- 
gerwaren aber die 1'olgendenVersuche fur den Einflufs 






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Wind 



und einige Stunden in Schatten legte , wo, wie es 



mir •chien > diese Art Pflanzen schneller verwelk- 
ten , als andere krautartige Pflanzen , und ich diese 
alsdann einzeln in verschiedene Glaser vertheilte 
welche reines Wasser entliielten* und dann den ei- 
nen Pol in das Wasser leitete ,. den andern aber an 

■ 

die Spitze der Pflanze mittelst eines ganz feinen 






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die Pflanze nicht im 



Auirichten. gehindert werde , so zeigte sich, dais 
diese Pflanzen sich. .schneller aufrichteten , als die, 
welche ohne Beruhrung mit den Polen biieben. Die- 
se Erscheinung erfolgte meistens 



um | und soga* 



einigemal um die Halfte fruher,, als bei den letztern. 



em 



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Ich wiederholte diese Versuche bfters , inc 
die Pole wechselte, und mit Jemselben Erf'olg. Die 
Pflanzen kehrten immer, wenn man auch in ihrem 
erlahmten Zustand durchaus keine bestimmte Rich- 
tung erkennen konnte, wieder in ihre normale Rich- 
tung zuruck.. Damit schien aber auch der Einflufs 
des Galvanismus beendigt zu seyn , denn die wie- 
deraufgerichteten Pflanzen nahmen in 8 Tagen nur 
um einige Linien zu ; eben so unmerklich wareu 
auch ihre Bewegungen, wenn auch in die Sonne ge- 

gtellt, nachdem ich jeder Pflanze eine Stutze gege- 









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ten hatte; sie blieben grun , und nacli Verlauf von 
14 Tagen hatten die meisten Wurzeln gebildet, und 



Von hier aus begann dann erst 
thum und auch das Winden. 



Wach 



Einftufs des Magnetismus. 
Ieh fiihre die wenigen Versuche, welche ich mil 
dem Magnetismus anstellen konnte, nur der Voll- 
^tandigkeit wegen an , da bekanntlich die Wirkung 
desselben auf lebende Korper weit sehwacher ist , 
*ls die der Eleetricitat und des Galvanismus. Un- 
ter den verschiedenen Versuchen , welche ich mit 
der Cuscuta anstellte , wollte ich auch den Einflufs 
einer magnetischen Nadel auf dieselbe bei ihrem er~ 
sten Erscheinen iiber der Erde beobachten : zu die- 
sem Zweck wa'hlte ich mehrere Nadeln, die ich bald 

mit dem Sud- bald mit dem Nord-Pol mit der Pflan- 

ze in Beriihrung brachte, allein sie blieb indifFerent 
gegen dieselben, gleichwie gegen alle ubrigen tod- 
ten Korper, obgleich die Nadeln 4 



Wo 



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nun auch an 



her noch eben so magnetisch waren, \ 

Dieselben Versuche vviederholte ich 

Bohnen., Convolvulus und Hopfen mil einem dieken 

Eisendrath: die Pfianzen windeten sich urn densel- 

ten, aber die foigenden Ersch<jinungen waren nicht 

abweiehend von denen, welche die Pflanzen an nicht 

ttiagnetisirten metailenen Stiitzen zeigten. 

* * 

Einflufs des Lichts. 
Aus den bisherigen Versuchen geht schon der 
Einfluls des Lichts auf die Pflanzen im Allgemei- 
nen hervor. Daraus, dafs so viele Pflanzen einen 

■ 

taglichen Ciclus nach dem Stand der Sonne besehrei- 
ben , laf'st sich schon auf den grofaen Jcinfluis des 
Sonnenlichtes auf die Bewegungen der VVindepflan- 
*eu schliefsen f welche ohnediefs lebhafter sich zei*, 






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68 



























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seyn 



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gen', als die der iibrigen Pflanzen. Das Licht 1st 

uberhaupt das Alles belebende Agens , und ohne 
Licht kann nichts Organisches vollkornmen 
Mangel an Licbt ist sowohl fur das fhier- als Pflan 

I 

zenreich hochst nachtheilig, und wenige Pflanzen 
nnd Thiere machen hievon keine Ausnahme: denn 
neben dem, dafs sie von sehr niederer Organisation 
sind, so spricht sich noch bei ihnen der Lichtman- 
gel durch Mangel an Farbe aus. Der Einflufs des 
Lichts erscheint also als ein doppelter : einmal, in- 
dem er die Bewegungen der Pflanzen, ferner , 
dem er die chemische Mischung derselben bedingt. 

Ich brauche hier nicht die so oft gemachten Ver- 

suche anzufiihren, die sich jeden Tag bestatigen, 

dafs die Pflanzen sich nach dem Lichte richten* 

selbst wenn sie in ganz finstern Orten eingeschlos- 

sen sind und das Licht nur durch eine kieine OeiT- 

. nung Zutritthat. Man kann schon eider jedeu Pflan- 

ze, welehe man alle paar Tage um Etwas dreht; 

eiae gewundene Form geben. Diefs riihrt von dem 

alleinigen Einflufs des Lichtes her. Bei den Win- 

depflanzen haben wir gesehen, dafs die Spitze der 

Pflanze sich jeden Abend mehr oder weniger der 

Stiitze nahert, und mit jedem Morgen sich von der- 
selben entfernt, und diese Entfernung um so grbfser 
ist unter dem unmittelbaren Einflufs des Sonnen- 
lichtes. Gegen diesen Lichtreiz vermag keine An* 
ziehungskraft etwas, weder die einfachen, noch die 
elektrisirten, noch magnetisirten, noch, wie wir wei- 

* 

ter unten sehen werden, die erwarmten Stiitzen* 
Die von der Stiitze entfernte Spitze der Windepflan- 



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fcich besta'ndig nach dem Stand der Sonne richtet. 

* 

Diese Erscheinung ist alien Windepflanzen gemein; 
denn wenn gleich die geringste Anzahl derselben 
sich nicht nach dem Lauf der Erde windet, so ma* 
chen doch die nach links sich windenden Pflanzen 
eben so, wie die nach rechts sich windenden die 
Bewegung von Osten nach Westenj beide haben 
Morgens ihre Spitze nach Osten gedreht, abei: wah- 
lead die letztern auf der Siidseite der Stiitze nach 
West sich bewegen und somit einen halben Kreis 
Um dieselbe beschreiben, so bewegen sich die er- 
stern auf derNordseite der Stiitze, und sind gleich- 
falls gegen Abend gedreht wie die vorigen, und nur 
foeim Eintreten der Nacht spricht sich der vollige 
Gegensatz der Richtung durch Anlegen an der Stii- 
Ze und Vollendung ihrer taglichen Umkreisung der- 
selben wieder aus. Auf dieser Bewegung von Ost 
nach VVest beruht aber auch der Um stand, dafs man 
zuweilen mitten im Tag namentlich Bohnen an der 
Stiitze anliegend findet; wenn namlich die Stiitze 
im Verhaltnifs zum VVachsthum der Pflanze zu dick 
ist, so findet zwar das Bestreben statt, den gewohn- 
lichen Ciclus zu beschreiben, allein die Dicke der 
Stiitze verhindert diefs , was also keine Ausnahme 
Von dem allgemeinen Gesetz macht. Wahread nun 
aber die Pflanze an der Stiitze in 24 Stunclen nur 
einen Ciclus besehreibt, so wiederholt sie ihn ohne 



Stiitze oder 



serhalb 



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g mal in der 



gleichen Zeit. Die Bewegung geschieht hier eben 
so oft mit dem Lauf der Erde, als gegen denselben. 
Hier lafst sich nun freilieh nicht der. Lauf der Erde 
als Ursaehe dieser Art von Bewegung nachweisen, 
eben so wenig der Stand der Sonne y allein es tritt 
doch der Unterschied zwischen Tag und Nacht auch 

bei dieser Bewegung wieder deutlich hex v or j denn 













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wahrend diese freie Bewegung 1 — \\ Kreise ttb«< 



Nacht beschreibt, so wiederholen sich diese 



im 



Lauf 



des Tages 6 — 7 mal; was aber noch deutlicher den 
Einflufs des Sonnenlichts beweist, ist der Versuch, 
wenn man unmittelbar das Sonnenlicht urn Mittag 
auf diese sich frei bewegende Pflanzen einwirken 
lafst; es bedarf oft kaum 10 Minuten, so richtet sicb 
die Pflanze auf bis an cinen kleinen Theil der Spit- 
ze, die aber fortfdhrt, ihre gewbhnlichen Kreise zu 
►beschreiben. Mit diesem Aufrichten wird aber auch 
der Kreis um mehr als die Halfte kleiner , wahrend 
er bei Nacht um so viel grofser ist. Ich glaube •? 
dafs sich dieses schnelle Aufrichten unter dem Ein- 



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flufs des Sonnenlichtes am einfaehsten durch den 

v 

♦vermehrten Andrang von Saften erklaren lasse, wo- 
durch damn erne Spannung in der vorher erschlaff* 
ten Pflanze eintritt, und damit dann das schnelle 

* 

Aufrichten gegeben ist; denn ich habe eben so oft 
die Beobachtung gemacht, dafs wenn gegen Abend 
die Sonne die I'flanze verlassen hatte , es oft nicht 

* 

5 Minuten dauerte , bis sich die Spitze der Pflanze 
um 2—3 Zoll niedersenkte ; ich mocb-te diesen letz> 
ten Zustand vieimehr als den normalen annehmen , 
den sie bestandig den Tag liber behalt, so lange 
nicht das Sonnenlicht unmittelbar auf sie einwirkt ; 

denn mit diesem Einflufs ist nicht immer grofsere 
Beweglichkeit gegeben, vieimehr sah ich sie in den 
jneisten Fallen etwas langsamer, wahrend bei etwas 
getriibtem Himmei und warmem Wetter das grofste 
Wachsthum und eben damit die grofste Beweglich- 

keit statt fand. 

Wenn nun , wie ich oben anfiihrte % der ver- 
schiedene Grad des Lichtes die Bewegungen der 
Pflanze verschieden modificirt, so erscheint in .Fol* 

gendem der Einflufs des Lichts auf die Bewegungen 









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71 









W 



deutlicher. Mit. plotzlichem Entziehen des Lichts 
hort zwar das Bewegen der Pflanze nicht sogleich 



auf, es 



dauert noch einige Tage 



fort, wenn die 



Temperatur dieselbe bleibt $ wird aber audi diese 
niedriger, so gehen die Bewegungen im Ganzen viel 
langsamer vor sich und hbren nach 1-2 Tagen vol. 



lig auf. W 



aber die Windepflanzen. nie unter 



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auch keine 



Einflufs des Lichts stunden, so zeigte sich 
, . o ., o^rnlfnrmicrpr Win dung : ich 



habe diese Versuche mit alien mir zu Gebot stehen 



W 



unter den verschiedensten 



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Pflanzen verhielten sich wie alle iibrigen Pflanzen, 
die kein Licht erhalten , sie wuchsen stark m 






Hbhe, zeigten aber nie 



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Stiitze. W 



Win den 
all- 



mahlig an das Licht gewbhnte , so bekamen sie ihn 
re natiirliche griine Farbe , und damit fingen sie 
auch an zu winden. Mit diesem aber ist nicht streng 



bewiesen 



dafs das Licht die unmittelbare Bedin- 
eung des Windens seye, sondern nur die niittelba- 
re, indem es die normale Mischung der Saftemasse 
erhalt , eben damit das Wachsthum befbrdert und 
mit diesem sich das Windenallein aussprechenkann. 
Die Pflanze ohne Licht befindet sich in einem krank- 
haften Zustand, in welchem sie nicht im Stande ist, 



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gen 



folgt bios die senkrechte Richtung , die s 1C h 

bei dem ersten Keimen des Saamens unter der 

de zein In der Dunkelheit nimmt dxe Pflanze we- 



schoa 



niger 



Feuchtigkeit auf und diinstet wemger aus. 



Der Bau der Pflanze ist unvollkommen, sie besteht 



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dropischem Zustand befinden, wahrend die hbher 



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72 

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©rganisirten Spiralgefafse ganz verdrangt sind. Fol- 
gendes lafst rnich aber noch weiter an dem unmit- 
telbaren Einflufs des Lichtes auf das Winden der 
Pflanzen zweifeln, dean die Bewegungen der Pflan* 
zen horen nicht sogleich mit Entziehung des Lich- 
tes auf, sondern sie dauern bei gehbriger Feuchti 0- - 

fort, und erst 
dann, wenn durch die langere Abwesenheit des Lich* 
tes der Chemismus der Pflanze nothleidet, wo durch 

I 

gerath, horen die Be- 
wegungen ganz auf. Deutlich lafst sich endJich noch 



keit und W 



noch 



emige 



Tage 



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der Einflufs des Lichtmangels bei der 



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Hscuta er<- 



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kennen; obgleich sie meist an ganz dunkeln Orten 
▼egetirt, so ist doch ihre erste Bewegung, nachdem 
sie sich an eine fremde Pflanze festgesetzt hat, nur 
ein Bestreben nach oben , ohne Spur von Windung 
zu zeigen, wenn gleich sich ihr viele Gegenstande 
dazu darbieten: dabei ist sie blafs von Farbe , und 
erst mit 'dem,- daft sie vollkommen an das Licht 

■ 

tritt , fk'rbt sie sich mehr oder weniger roth , und 
fa'ngt an , sich zu winden. 

Aus den angefuhrten Versuchen und Beobach- 
tungen fiber den Einflufs des Lichts ergibt sich nun 
zwar, dais ohne dasselbe keine Windung erfol^e, 
dais mit zunehmendem Licht die Bewegungen leb- 
hafter, und die Pflanzen von der Stfitze abgeleitet 
werden; es blieb aber immer noch die Frage : ob 



es nicht moglich sey, mit Hfilfe des Sonnenlichts 
die normale Richtung der Windepflanzen abzuan- 
dern, und es schien mir von dieser Seite aus noch 
einige Mb'glichkeit dazu vorhanden , da der Licht- 
reiz sich bis jetzt als der kraftigste in den Bewe- 
gungen der Pflanzen geaussert hatte ; aliein alle Ver- 
suche, die ich zu diesem Zweck anstellte, mifslan- 
gen, denn gerade unter dem JEinfliifs des Lichtes 









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73 






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Wet die 



grofste Neigung statt, in die normale 



Hichtung zuriickzukehren. 



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Einfiufs der Warme. 









Der Einfiufs des Lichts und der Warme hangen 
s o genau mit einander zusammen 7 dafs man oft 
**icht mit Gewifsheit sagen kann , welcher von bei- 
den einen grofsern Antheil habe; indessenhat doch 
l **i Allgemeinen "das Licht einen grofsern Einfiufs 
a uf die Bewegungen, als die Warme; letztere kann 
*Ueh kunstlich ersetzt werden bei den Pflanzen, das 
^icht aber nieht ; die Pflanze wachst zwar im "Fin- 

* 

stern bei gehoriger Warme und Feuchtigkeit, aber 
s *e wird we der griin , noeh windet sie sich, eben 
$o wenig, wenn man kiinstliches Liclit anwendet. 
Das Tageslicht und das Sonnenlicht mufs also mebr 
thun, als diebeiden vorigen ; es bedingt das Wachs- 
thum und die normale Mischung, die sich in der 
griinen Farbe ausspricht, und eben damit tritt das 
Winden ein. Indessen unterstutzt doch die Warme 
<las Licht bedeutend, und ohne Warme vermag das 
fclofse Licht nichts auf die Vegetation. Wenn gleich 
«ci einer bedeutenden Kalte noch mehrere Pflanzen 
v egetiren, so gibt es doch endlich einen Grad von 
**aite, bei welchem alle Vegetation authort. So se- 
**ea w ir gegen den Nordpol die Vegetation allmah-" 
lig abnehmen, und endlich unter dem 80° nordl. 
fireite findet sich nur noch eine Pflanze yon der 
^iedersten Organisation, der Uredo nivalis, welchec 
den Schnee roth farbt. Wenn gleich von dem Ae- 
quator an gegen die Pole hin das Soniienlicht be* 
deutend abnimmt, so steht es doch in keinem Ver~ 
^altnifs mit der unter den Polen herrschenden Kal« 
V so dafs von Seiten des Lichts wohl noch Vegq- 

t*tion moglich ware, wenn nicht Warme ein 



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nothwendige Bedingung hiebei 



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umgekehrt 



dagegen sehen wir mit zunehmender Warme gegen 
den Aequator hin die Vegetation bedeutend zuneh- 
men , sowohl der Anzahl der Pflanzen nach , als 
a'uch in Hinsicht ihrer Vollkommenheit. Wenn nufl 
das Licht mehr die Bewegungen der Pflanzen er- 
hoht , wahrend die Warme das Wachsthum befor- 
dert, Wachsthum und Bewegung aber, wie ich schoa 
ofters zeigte, gleichen Schritt halten, so sind diese 



bei den Agentien nothwendige Bedingung 



fur das 



Winden der Pflanzen. Urn aber durch Versuche 

» 

weiter zu erfahren , ob nicht vermehrte Warme in* 
Stande ware, den Lichteinflufs zu iiberwiegen, so 
machte ich folgenden Versuch in der Mitte des Fe- 
bruars : an einem schonen helien Tag, an welchem 
groistentheils die Sonne schien und die Witterung 
selif gelind war, setzte ich einen Topf mit einer 
12 ' hohen Bohnenpflanze gegen Morgen an ein Fen- 
ster, der Topf wurde noch zur gleichfbrmigern Tern- 
peratur in einen kleinen holzernen Hasten gestellt; 
die Fflanze war ohne Stiitze und machte ihre ge* 

* 

wohnlichen kreisformigen Bewegungen ; die Warms 
des Zimmers wurde bis auf 24° R- gesteigert, al' 

H P 

lein die Richtung veranderte sich nicht. Wenn ich 
dagegen den unmittelbaren Lichtzutritt von ihr ab- 
hielt, so richtete sie sich gegen den Ofen hin, def 
15' davon entfernt war. 4 ALehnliche Versuche in ei- 
nem nbrdlich gelegenen Zimmer waren nicht gun- 

stiger. 

im Juni bei war men Nachten brachte ich ab" 

wechslungsweise Hop fen, Bohnen , Convolvulus und 
Glycine, die sich alle urn fremde Gegensta'nde win- 
deten , bis auf einen Fufs Entfernung an eine klei' 

k 

ne Oeffnung des Hauses ; bei Tag war nun die in' 

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nere Hauswarme immer urn mehrere Grad niedrige^ 












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75 



*ls die aussere, und es zeigte sich weder Lei liellem 



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OefFnuns : mit dem aber, dafs es Nacht wurde und 
die innere Hauswarme die aussere urn 2 — 3° uber-, 
8 *ieg, neigte sich die Spitze der Pflanze gegen die 
Oeffnung, aus welcher eine warmere Luft ausstrom- 
*e. Die Warme iiberwog somit die Neigung ;zur 
Stxitze , indera sich die Spitze der Pflanze von die- 
$er entfernte. Hier zeigte sich also bei geringer 
Erhohung der Temperatur in der Nahe der Oeffi* 
&ung ein bedeutender Einflufs auf die Bewegung der 
pflanzen bei Abwesenheit des Lichts ; dieser Ein- 
flufs der War me spricht sich ferner dadurch aus 
dafs bei warmen Nachten sich die Spitze der Pflan- 
2e weniger der Stiitze nahert, als bei kalten. 

An diese Beobachtungen schliefsen sich nun 
Uoch die Versuche mitStutzen an, die einen hohern 
W.trmesrad erreicheu konnen , als metallene und 
verschiedenartig gefarbte ; aber gerade in der Son- 
ue, wo diese Sviitzen warmer werden , iiberwiegt 

\ 

der Lichteinflafs den der Warme , und die Pflanze 
ttiacht ungestort ihre gewohnlichen Bewegungen. 
TVqq Rpsnltat ist also, dafs zwar die Warme als 

nden der Pflanzen Einflufs habe, 



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dafs sie aber in dieser Eigenschaft dem Lichtein* 
flufs bedeutend nachstehe. 




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Die Feuchtigkeit ist eine dritte wichtige Bedin- 

* 

gung fur die Vegetation. Je mehr die Pflanzen wach- 

■ 

sen, des to mehr diinsten sie aus; diinstet eine 
Pflanze viel aus , so mufs sie aueh viel einsaugen. 
hie Windepflanzen gehoren unter diejenigen, wel- 
die schnell wachsen> sie diinsten also auch viel aus 

* 

ttnd miissen in demselbeu Verhaltnifs viel einsau* 



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iissiger 



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oder' in Dampfgestalt in ihr Inneres auf. Von ei- 

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geh'tllchen Wasserpflanzen sind mir nur 4 bekannt, 
die sich winden , namlich die Utricalaria volubiH 5 
aus Neuholland, wo aber wahrschelnlich der Sten- 



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der weib 



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liche Bluthenstii von Vallisneria spiralis, und d* e 
Chantra'nsia glomerata und rivularis , die sich in 1 

Wasser selbst winden. Wenige Windepflanzen sind 
in der Nahe fliefsender Wasser, die meisten aber 
in dichten Waldern , wie in Brasilien, wo sie den 
grofsten Theil der Feuchtigkeit in Dampfgestalt auf- 
nehmen. Warme Feuchtigkeit in Gasgestalt scheint 
es yorziiglich zu seyn, was das Wachsthum und so- 

* 

mit die Bewegungen der Pflanzen begiinstigt. Ich 
habe mehrere Windepflanzen, namentlich Hopfen? 
Bohnen und Convolv. sepium allein in reinem Brun- 

■ 

nenwasser wachsen lassen; sie windeten sich alle 
gleichandern in der normalen Richtung, ausser daft 

* 

sie schwachlicher waren , als die in der Erde erz,o- 
genen , zeigten sie ganz dieselben Erscheinungen 

* * 

wie die iibrigen Windepflanzen. Ein in der Nahe 

■ 

der Spitze cier Pflanze befestigter , gehorig feucht 

erhaltener Schwamm zeigte auffallend den Einflufs 
der Wasserdampfe auf die Bewegung der Pflanze; 
bei starkem Sonnenschein neigte sich zwar die Spitze 
der Pflanze nicht besonders gegen den Schwamm 
bin, liatte sie ihn aber im Laufe ihrer Bewegungen 
erreicht, so verweilte sie langer in seiner Nahe, als 
sie sonst zu thun pfiegte: wenn aber der Himmek 



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neben 






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rung, bedeckt war? so ' neigte 

* 

sich die Pflanze sichtbar gegen den Schwamm hin* 
Diese Versuche, welche ich ofter wiederholte, blie* 
ben sich immer gleich. Ein in der Nahe der Win* 
depflanze in die Erde gegrabener Topf, der exneti 






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Schwamm mit Wasser enthielt und leicht bedeckt 

.s, 

War, bewirkte ausser starkerer Entwicklung der 
Wurzeln auf der Seite des Topfes keine Verande- 
*ttng in der Richtung der Bewegung. 

So sehr nun aber auch ein gehoriger Grad von 

* 

Feuchtigkeit das Wachsthum begiinstigt., so ist doeh 



dem W 



sehr nach- 



*u grofse Feuchtigkeit 

l heilig ? besonders wenn der Lichteinflufs geschwacht 



*$t und die Ausdiinstung nicht eben so lebhaft er- 
folgt. Ich hatte Gelegenheit, eine Menge Convolv* 
8 epium an einem schattigten Ort an und in dem 
'Wasser wachoen zu sehen ; die Richtung blieb im* 
**ier unverandert nach links, aber die Pfianzen wa- 
r en schwach und mager, und nur erst dann, wenn 
die Spitze der Pflanze an das Licht trat, wurde ihr 
ganzes Aeusseres kraftiger. Die I euchiigkeit ist fer- 



ner nachst der Warme vorziiglich nothwendig fur 

die Entwicklung der Cuscuta vnd fur ihr FesUetzen 
an fremden Pfianzen. Erst dann , wenn diese Pe- 
*iode voriiber ist, wird das Licht als £ter Faktor 
^othwendig zum Winden. Diese i'eriode ist es , in 
belcher sich erst die YVur^el entwickclt, und da be 
Wntlich die W 









m tier Erde ausbil- 



um 



et, wozu Feuchtigkeit und Warme die alleinigen 
^edingungen sind , so erklart sieh daraus, wa 
die Cuscuta immer nur an ieuchten Orten ihr en Ur 
sprung nehmen kann ; sie biidet gitichsam das Mit- 



W 



der Erde und 



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— 

urzelbildung in der Luft, wie man es so haufig 
i der Familie der Crassuiaceen antriitt. Der er* 



1) 

*te wurzelahnliche Ansatz der Cuscuta dauert aber 
*ft der Regel nicht das ganze Leben der Pflanze bin- 
*Wch, sondern nur so lange, bis die Pflanze nach 

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°ben zu mehrere Papillen gebiidet hat, und damit 
*tirbt dann die erste Wiu 



ab. 



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aber die Cuscuta immer wieder neue Papillen bilde ; 
und selbst danu, wenn sie sich um eine zweite Gus- 
cutapflanze windet, erklare ich mir aus dem Man- 
gel der Blatter; die Blatter iuhren der Pflanze eine 
bedeutende Menge von Nahrung durch Aufsaugen 
gasformiger Stoffe zu; wo nun diese fehlen, da mufi 
auf eine andere Art Ersatz statt finden. Damit ist 
nun die wiederholte Papillenbildung ge«;ehen , dentf 
anders lalst sich nicht wohl denken , dafs 
schwachliche Pitanze so viele Safte bedarfe. ■ ' Die 






eine so 






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wiederholte Papillenbildung lalst sich aber auch zutfi 
Theil durch das Absterben der alten Papillen erkla- 
ren. Wir sehen viele Pflanzen, die sich grofsten- 
theils auf Kosten der Blatter ernahren , weil ihre 
Wurzeln sehr klein und holzigt sind, oder weil sie 

auf dttrrem Boden wachsen ; andere, Pflanzen sehen 
wir, welche starke Wurzeln unci grofse Blatter ha- 
ben, wie z. B. die Runkelriiben, die dessen unge- 
achtet den grofsten Theil der Nahrung aus der Luft 
Ziehen, was dadurch erwiesen wird, dais nach ih* 

■ 

rem Anbau die Erde anfs neue fahig ist, anderi 
Pflanzen zu ernahren, was vorher nur sparsam ge- 
"schehen ware. Umgekehrt leben die grasartigen Ge* 
traidearten fast allein aus der Erde, weilihre schma- 

* 

len Blatter nur wenig Nahrungsstofi zui'iihren konnen- 



Einfiufs der Win&e. 

Der Einflufs des Windes auf die Bewegungefl 
der Pflanzen lalst sich zum Theil schon aus dem; 

■ 

was bei dem Warme-und Feuchtigkeits-Einflufs g£' 
sagt wurde, schliefsen, indem er bald trocken, bal^ 
feucht, bald warm, bald kalt ist, oder je nachdeJ* 1 
er schnell eintritt oder aufhcirt, weil ehen damit ft 
der Regel eift Wechsel in derTemperatur undFeuch' 
tigkeit gegeben ist, Der Wind hat aber auch Ei#* 



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flufs auf die Pflanzen * indem er Bewegung hervor- 
krinart, denn oft bedarf es nur der geringsten Er- 



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schftuerung, damit die Pflanze ihre Richtung urn et- 
Was verandere ; es scheint namlich , als wenn die 



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tes in einer gewissen Spannung sich befanden , in 
der sie langere Zeit verharren konnten ; ich habe 
ofters die Beobachtung gemacbt, dais wennman wah- 
fend einee solchen Stillstandes die Pflanze beriihr* 



W 



te die Pflanze eine Bewegung von 2 — 3" in wenig 
Minuten : .die schien das nachzubolen , um was sie 
^n Beschreibung ihres Ciclus zurlickgeblieben war. 
Am deutlichsten zeigt sich diese Bewegung sowohl 
Morgans . friih mit Erscheinung der Sonne, als auch 

m • 

Abends bei ihrem Untergange. Fand der Ubergang 
Vom Licht in Schatten bei Windstille statt, so biieb 

• ■ 

die Pflanze in ihrer friihern Richtung stehen , und 

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nun bedurfte es nur eine geringe Erschiitterung, urn 

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die Bewegung beobachten zu konneu* Der Windist 

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also em mechanisches Hiilfsmittel fur die Bewegung 
der Pflanzen, er stellt das Gleichgewicht wieder her, 
Wenn eine der Thatigkeiten in Stocken gerathen ist. 

Wie sich Erschiitterung schon bei dem thierischen 
Korper als kraftiges Mittel zur Resorption stocken* 
der Safte . beweist, so mages sich auch bei denPflan- 
Sen verhalten. Der Wind erscheint also somit als 

i 

fcothwendige Bedingung bei dem Wachsthum der ifian- 
Sen, indem er das Gauze in bestandiger Oscillation 

* * 

erhalt: K aber der Wind einer Windepflanze eine 



besondere. anhaltende Richtung ertheiltn konne, da- 
Von habe ich kein Beispiel gesehen; allerdinga wird 

* 

sin anhaltend starker und trockener Wind die Pflan- 
*enfasern. austrocknen , wenn nicht der Safteersatz 
il * demselben Maas eriblgte, wie die Ausdiinstung, 



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wodufch das Winden der Pflanzen gestort werden 
kann, aber wohl uie unterbrochen, so lange der Er- 
satz von Feuchtigkeit nicht feh'lt. Zu heftiger Wind 
wird aber auch den Einiiufs des Liehtes uberwie* 
gen, wie ich diefs zu beobachten ofters Gelegenheit 
hattej und die Pflanze dadiirch eiae abnorme Form 
annehmen; ailein diefs liana nur von den Interne- 
dien gelten, welehe wahrend der Dauer des 
ihr Wachsthum in der Lan** vnll^nrl^iPn • A\ 



Windes 



den die Richtung behalten, in welehe sie durch den 

aber die Spitze der Pflan- 



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Wind gezwungen wurdeu, 

ze, welehe fortfahrt sich zu verlangern, wird sich 
wieder in die ihr normale Richtung zuriickbegeben 
Ahnlichen Einfluis hat nun audi der feuchte W 
er wird als mechanisches Mittel die Pflanzen zwar 
auf einige Zeit in eine andere Richtung zwingen, 
ailein es verhalt sich hier wie bei den Versuchen, 
wo ich die Pflanzen in einer abnormen Richtung an 
die Stiitzen befestigte, immer wird die Ruckkehr 
in die normale Richtung erlolgen. Es bleibt mir 
nur jetzt noch iibrig, des Windes als eines bestim^ 



zu erwahnen ; 

nd, indem 



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digen Erneuerungsmittels der Luft 

diese erfolgt aber aueh schoii ohm 

die Luft selbst in einem bestandigen Oscillations- 

zustand sich befindet. 

* 

hous, Bonnet, de Saussure und Seunebier, 



mit andern Pflanzen angestellt, mb'gen hier fiir den 



Die Versuche von ingen 



wichtigen Einfluis der Luft auch auf die Bewegun- 
gen der Windepflau/en sprechen. Sennebier hat 
zwar zu wiederholten Malen Bohnen uuter den Re- 
cipienten einer pneumatischen Maschine gestellt und 
tiarin eihe Viertelstunde Pang im luttleeren Raum 
gelassen, ohne dais er eine Vera'nderung an denseP 
ben bemerkte , ailein diefs beweist niehts fur die 
Sache, denn in der Dunkelheit uud seibst an ku> 









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fen Orten dauert die Bewegung noch einige Zeit fort, 
^m also hieriiLer bestimmter urtheiien zu. konnen, 
*&ufsien die Versuche TageJang iortgesetzt werden. 
Dagegen beweisen die Versuche von Bonnet mehr 
fiir die Sache Er fand nemlich, dafs wenn er den 
Slattern eine veranderte Lage im luitleeren 
gab, so kehrten sie nicht in die normale Richtung 
^uruck. Ingenhous stellte eine Menge Versuche mit 
v erschiedenen Gasarten an, und das Resultat war 
^mer, dafs mit dem , dafs die Luft ihre gehorige . 

^iscbur 

$en. Also aueh die Luft und namernlich de* Sauer- 
8 loff, als Beforderung&mittel des Wach 



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Bei Betrachtung der aussern Form der Saamen 
der verschiedenen Windepflanzen findet sich durch- 
aus keine Uebereinstinimung in threr Form im All- 

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gemeinen; haniiger trifft man Uebereinstimmung un- 
l er den verschuden Gattungen einer Familie , wie 
difs z. B. der Saamen von ipomaea, Convolv. und 
Calystegia zeigt; dagegtn weiehen die Saamen der 

Cuscuta schon wieder von der Form der 3 vorigen 
a b • die grolste Aebnlichkeit herrscht aber unter den 
*aamen der Leguminosen , sowohl solcher, welcbe 
sich winden, ais auch solcher, welcbe sicb nicht win- 
den, z. B. der Saamen von Bohniii, Genista, Cytisud 
**nd vielen andern haben dieselbe Sormj dagegen 
ttahert sich die nierenartige Form der vorigen mehr 
der rundlicben bis vollkommen iunden bei den ^ir- 

■ 

* entragenden 5 fianzen dieser Familie ; nur die Saa- 
*nen derselben Gatturig sind sich vollkommen in ih- 
r em Aeussern gleich. 



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tier Form und Lage des Embryo an ; bei einige** 



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(Fig. 3. 4.), Basella (Fig. 10.) 






te dadurch leicht verfuhrt werden, zu glaubeu, daft 



Wind 



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lein einestheils trifft man , diese 3 Beispiele ausge- 
nommen, bei keinem andern Saamen von Winde- 
pflanzen diese Form an, sie verliert sich allmahlichj 



bei Convolvulus (Fig, 13.) und 



(Fig. 140 



bildet der Embryo nur noch einen einfachen Kreis; 
bis sich die gewundene Form bei den Leguminosen 



ganz verliert, 



Form 



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l6.) von Bohnen und Glycine zeigt; anderntheils 
linden wir aber auch bei andern Pflanzen einen voll* 

* 

kommen spiralformigen Embryo , ohne dais sich in 
der Pflanze die geringste Spur von kreisformiger 
Bewegung aussprache. Das schonste Beispiel der Art 

liefert uns der Embryo von Salsola kali (Fig. J20? 

1 

der ganz sehneckenformig gewunden ist, welche Form 
iiberhaupt der ganzen Familie der Chenopodieen mehr 
oder weniger eigen ist, wahrend sich in dieser Fa- 
milie nur die einzige Gattung Basella findet, welche 
sich windet. Dazu kommt noch, dais so wie die 
Plumula iiber der Erde erscheint, sich keine Spur 
mehr von der Spiralform des Embryo ^eigt, wieich 
diefs bei der Cuscuta angefuhrt habe. Die Richtung 
der Spirale bei dem Embryo der Cuscuta entspricht 
zwar der Richtung iiber der Erde 5 ob aber diefs 
auch bei den andern der Fall sey , namentlich bei 

1 

Hopfen, hatte ich nicht Gelegenheit, in der Natur 
fcu beobachtenj ich liefere hier nur die Abbildung 
von Gartner zum Beleg des Obigen. 

Ich habe die Embryonen von mehreren Win- 

depflanzen mittelst des Microscops bei einer Ver- 



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g^ofserung von 490 genau untersucht und fand im- 
^er nur sehr unvollkomraenes Zellgewebe neben ei~ 
**er grofsen Menge von langgestreckten Zellen; als 
^eispiel mag hier der Embryo von Ouscuta (Fig. 6) 



enen. Hat sich die Cuscuta an einer griinen Pflan* 
7 e festgesetzt, so vvird auch ihr Bau vollkommener 
^nd man entdeckt auf diese Art dreyerley verschie- 
dene Formen von Zellgewebe (Fig, 7-^9) ; die deuU 
^chste Form findet sich an den Stellen, wo der Sten- 
gel aufgewulstet ist , man bemerkt hier deutlich die 
•tatereellular - Gange ; das Unvollkommenste findet 

ft 

s *ch gegen die Spitze der Tflanze, und ein mittlerer 
Grad von Vollkommenheit kommt gegen die PapiU 
l^n hin vor. Eine andere Lage von kurzen Zellen 
**nigibt die ausserste Sehichte der Pflanze und ent- 
hailt in einzelnen Zellen den rothen Farbstoff, der 
fticht gleichformig in alien diesen Zellen (Fig* 9.) 
Verbreitet ist. An den Stellen nun, wo sich Papil- 

I 

len gebildet haben ? findet sich das vollkommenste 
ellgewebe , die Papillen selbst scheinen aus der 
Mitte der Pflanze liervorzusprossen, denn man ent- 
deckt an ihrer Peripherie keine langgestreckten Zel- 
len , sondern sie enthalten bis in ihre Spitze den 
toittlern Grad von Vollkommenheit des Zellgewebes; 
auf jeder einzelnen Papille sitzen wieder eine Men- 

1 , 

ge kleiner durchsichtiger Blaschen* welche ihnen 
selbst wieder ein warziges Ansehen unter dem Mi- 
croscop ertheilen. Spiralgefafse aber lassen sich in 
der Pflanze nicht entdecken ; sie scheinen durch an- 

■ 

dere lange Gefai'se ersetzt zu werden, die sich im 
Centrum derj Pflanze finden; ich fand sie zuerst im 
Querdurchschnitt und spater immer beim Langen- 
achnitt; sie sind mehr braunlich gelb gefarbt, wah- 
*end ihre Umgebung griin und die ausserste Schich- 

t 

te roth ist. 






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Bei dem Hop fen (Tig. ift. 200" fconnte ich die 
Spiralgefafse lange nicht entdecken : ich fand immet 
nur lang gestreckteZellen unci unvollkommnes Zell- 

* i 

gewebe, weil ich anfangs nur die Internodien un- 

I 

tersuchte, die ihr Wachsthum in die Lange nocb 
nicht vollendet hatten, bis ich en&lich bei vollkomm- 
nerer Entwicklung der Internodien einfache Spiral- 
gefaf&e fand und spater auch netzformige mit voll- 
kommnem Zellgewebe; die eirifachen Spiralgefafse 
sind aber bald nach rechts, bald nach links gewun- 
den, es findet hier so wenig ein bestimmtes GesetZ 
statt, wie in der Richtung der Spiralgefafse anderer 
Pflanzen. Ich wiederholte diese Versuche an ver* 
schiedenen Stellen der Pflanze und zu verschiedenen 
Zeiten, und erhielt immer dieselben Resultate. 

Eine 3te Pflanze , welche ich untersuchte, war 
Lonicera caprifoiium. Die Spiralgefafse waren ein- 
fachund leicht aufzufinden, und das Zellgewebe hat- 

- 

te schon emen bedeutenden Grad von Vollkommen- 



ht : 



sowohl solche Theile? 



die schon ausgebildet waren und Bliithen trugen, als 
auch solche , die erst in diesem Jahre gevvachsen wa- 



ren. 



(Fig. 440 



Weise untersuchte ich die Bohnen (F 



ren alle nach links gewunden ; alleinesist moglieh? 
dafs nach Analogic der andern Pflanzen sich auch 
nach rechts gewundene flnden werden. Auf gleiche 

230 und 
Convolv. (Fig. 36. 37.)- Ic* 1 *i n S an den untersten 

Theilen der Pflanze an und untersuchte den Bau ei- 
nes jeden Internodiums mit Hlilfe des Microscops; 
in den untersten Internodien findet sich vollkomme- 

4 * 

nes Zellgewebe, lang gestreckte Zellen, einfache und 
porose Spiralgefafse, nebst Intercellular-Gangen; je 
xaehr nach oben, desto mehr verschwanden die po- 
roses Spiralgefafse^ dieses Abnehmen geht aufwarts 






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*o lange fort, bis zu den Internodien, die sich noch 



bewegten, und also ihr 



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in die Lange 



ttoeh nicht vollendethatten; von hier an verschwan- 

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den auch die Spiralgefafse und ich fand nar noch 
langgestreckte Zellen an ihrer Stelle neben kleinem 

< 

ttnvollkommnem Zellgewebe; in den vollendeten In- 
ternodien sind die Spiralgefafse in Biindel vereinigtj 

&ei den Bohnen, wo der Stengel sechskantig ist, sit^t 
*u jedem Winkel eine dreifache Reihe von Spiralge- 

■ 

fefsen in einen Biindel vereinigt, und zwischen zwei 
Hinkeln sitzen noch 2 Spiralgefafsbiindel, wo von 
jeder Einzelne nur aus einer Reihe von Spiralgefa- 

■ 

fsen besteht. Bei Convolv.: und Ipomaea dagegen 
Wo der Stengel von Natur rund ist und nur durch 
die Windung urn sich selbst diese Form verliert, 
fand ich bei mittlerem Grad von Entwicklung eine 
Menge von einfachen Spiralgefafsen gegen die Peri- 
pherie zusammengedrangt, bei altera Stengeln aber 
fand ich nur noch einzeln stehende Spiralgefafse 9 
seltener zwei beisammen , die porbs waren ; den 
grofsten Theil machen in dieser Pflanze die Mark- 
fcellen aus, die aus mehr oder weniger regelmafsi- 
gen Sechsecken bestehen, die am fruhesten beim 
Hopfen einschrumpfen und einen hohlen Stengel hin- 
terlassen. Der anatomische Bau von Glycine ist der- 
selbe wie bei den Bohnen, ich habe nun verglei- 
chungsweise Phaseolus humilis , der sich nicht win- 
det, nach alien Theilen untersucht und fand in Jem- 
selben vollkommene Uebereinstimmung mit den an- 
dern untersuchten Arten von Bohnen und Glycine. 
Der Blumenstil von 'Phased, coc.cineus und mehrere 
Convolvulusarten, die keine Spur von Windung zei- 
gen, hatte bei alien diesen Pflanzen denselben Bau, 
^ie ihr Stengel; ebenso stimmt auch der Bau von 
Convolv. tricolor, der sich nicht windet, genau rait 















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36 



den andern Convolvulusarten tiberein. Bei Diosco- 
rea villosa fand ich die Spiralgefafse, wie bei Con- 
volve, einzeln stehend ip ein.em Kreis nach Aussen; 



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es fanden sich porose Spiralgefafse neben einfachen, 
vollkonimnes Zellgewebe und lang gestreckte Zel- 
len; im Ubrigea war kein Unterschied von andern* 
Der Stengel von Menispermum canandense ist 
rund und hat ganz feine Fallen ; die Spiralgefafse 

( F *g* 580 8 » n( i nier n ach 









sind bier nach Aussen gedrangt , emzeln 

stehend, umgeben von lang gestreckten Zellen; der 

ganze inn ere Bau des Stengels besteht aus Mark- 
zellen. 

Bei Tamus communis fand ich die Spiralgefafse 
5—6 beisammen stehend, weiter aber konnte ich in 
dieser Pflanze nichts finden, weil sie schon getroek- 
n et und der Stengel ganz verschrumpft 



war, tin 



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urspriingiiche Form erhielt. Die Chantransia glo~ 



merata 



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ein- 



blos aus schlauchformigen Zeilen, in weJchen 
zelne kleine Korner enthalten sind, die der Pflanze 
die lebhafte grune Farbe ertheilen. Dafs die Win- 
depflanz^n derselben Familie aile dieselbe Organi- 
sation haben , ist wahrseheinlich , wenigstens fand 
ich auch bei andern nicht sich windenden Legumi- 
nosen denselben Bau, wie bei Phaseolas und Gly- 
cine. In der Familie der Convolvulaceen machtaber 
die Cuscua eine Ausnahme , indem man nicht ein- 
il Spiraigefrtfse bei ihr fiadet; wemgstens haben 
sie eben so wenig Andere gefunden, wie ich; indes- 
sen findet sich doch, wie es mir scheint, eine An- 
deutung dazu. Spiralgefafse scheinen nie in den 
Theilen TOrzukommen, die ihr Wachsthum in die 
L nge erst begiunen, sondern erst mit dem , dafs 

sicu das In tern odium dem Ende des J.„n ^n.v. ..he. 



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thums nahertt erscheinen auch die ersten einfachen 
Spiralgefafse; da aber die Bewegung der Pflanze 



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nur so lange dauert, als das einzelne ? nterno< 
fortfahrt , sich zu verlangern , so ergibt sich eben. 



Wach 






■ 

Lange ohne Spiralgefafse statt finde. Dadurch fa lit 
also die Vermuthung hinweg, dafs die Spiralgefafse 



Winden 



denn 



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nicht bios , dafs man dieselbe auch in nicht sich 
windenden Pflanzen findet , so fehlen sie auch in 
Pflanzen, die sich winden, wie in der Cuseuta und 
Chantransia; endlich fehlen sie auch in den Inter- 
nodien , so langc als diese sich bewegen. Am we- 
nigsten lafst sich abei 4 Aehnlichkeit flnden in dem 
anatomischen Bau zwischen den Windepflanzcn ver- 
schiedener Familien. Jede Familie hat ihre Eigen- 

* 

■ 

heiten, die nicht einmal in alien Gattungen glieich 

sind. 






\ 

ybn dem anatomischen Bau der Cirren. 

In der Familie der Cirren tragenden Pflanzen 
fand ich bestandig Uebereinstimmung in dem ana- 
tomischen Bau unter den Pflanzen derselben Gattung 
und sogar derselben Familie, wie bei den Cucurbi- 
taceen. Es findet aber auch Uebereinstimmung statt 
zwischen Stengel und Cirre : da die Cirre entweder 
unmittelbar aus dem Stengel, oder doch aus dem 
Blattstil ihren Ursprung nimmt, da dieser aber die- 
selbe Organisation hat, wie der Stengel, so lafst sich 
schon im Voraus vermuthen , dais sie sich auch in 

r 

der Cirre vorfinde. Diefs beslatigten meine Unter- 
suchungen : die Spiralgefafsbiindtl nehmen zwar an 
Zahl ab in den Cirren, aber immer sind sie noch 
vorhanden. Ich fand aber immer nur einfache Spi- 
ralgefafse > und es scheint nicht, dafs sie eine ho- 



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88 



h«re Stufe von Vollkommenheit in den Cirren er- 
reichen. / c h babe viele Cirren zergliedert, die langst 
au^ewachsen waren, und fand immer nur einfache 
Spiralgefafse. Die Richtung derselben wechselte 
bald nach rechts, bald nach links, und es scbien 
mir immer, als wenn bei den Cucurbitaceen (Fig. 
27. 33 nur die dem Mittelpunkt nahern Spiralge- 
fafse nach rechts windeten, und die mebr nach aus- 
sen stehenden nach links Da die Richtung bei den 
Cirren der Cucurbitaceen und Passifloren sich mehr- 
rnals verandert, so hoffte ich, hieruber in dem ana- 
tomischen 13au einen Aufschlufs zu erhalten ; ich 
verglich diesen immer an verschiedenen Stellen, da 
wo sie sich nach rechts und wo sie sich nach links 
windeten, und in dem Theil, welcher sich zwischen 
beiden befand ; ich konnte aber in keinem Fall ei- 
ne Veranderung wahrnehmen. 



Die Cirren (Fig. 34. 35.) des Traubenstocks ha- 
ben vollig denselben Ban, wie die einjahrigen Aste, 
und die Spiralgefafse sprachen sich in diesen Cir- 
ren viel deutlicher aus, als in denen der Cucurbita- 
ceen. Die wolligten Haare , welche auf vielen Cir- 
ren sparsam sitzen, dringen nicht bis in das Inne- 

re der Cirre, sie sitzen nur auf der aussern Ober- 
flache auf, wahrend man hei den Haaren der Cu- 
curbitaceen deutlich sieht, dafs sie aus dem Zellge- 
webe ihren Ursprung nehmen. Indessen haben sie 
ganz die Form der abgerollten Spiralgefafse, und 
letztere bewegen sich oft gerade, me diese Wolle 



wenn sie abgerollt sind. 






Ich beobachteie nun ferner noeh in den Cirren 
der Vicieen (Fig. 59 . 40 .) gan2 dieselbe Structur, 
me im Blattstil und Stengel; die Struetur bleibt 
unverandert seibst bei Orobus und Astragalus, 

ich die grpiste Aehalichiteit fand. 



wo 



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3. 



Es ergibt sich also aus diesen Untersuchungen, 
dafs die Cirren nichts Abweichendes von dem Sten- 
gel und den iibrigen Theilen der Pflanze in Hiri- 

* 

* 

sicht ihres anatomisehen Baues zeigen, dafs sie aber 
*n so fern mit den iibrigen Windepflanzen tiberein- 

^ornrnen, dafs auchsie bei ihren ersten Bewegungen 
**och keine entwickelten Spiralgefafse enthalten und 
diese sich erst bei vollkommenem Wachsthum aus- 
hild 



en; 



dafs ferner in dies em unvollkommensten 
^ustand schon Windung statt finde , wie diefs bei 
den Cirren der Gurken und Kurbise ( Fig. 27* 29 ) 
am deutlichsten sich zeigt. Ich verfolgte diese Cir- 
ren mit bewaffnetem Auge bis an die ausserste Spi- 
^e des Stengels, und so weit ich sie auffinden konn- 
te 5 sah ich sie audi immer gewunden. Diefs ist 



also 



ein Beweis, dafs auch bei den Cirren keine 



Vollkommne Elernentar- Organe und namentlich kei- 
tte Spiralgefafse zum Winden nothwendig seyen. 



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In der ausseren Form und dem inneren Bau der 



. 



wei- 



Wurzeln der Windepfl 

chendes an ihnen von den Wurzeln anderer Pflan- 
Sen 

Hoi 



; einige haben sehr lange Wurzeln, wie z. B. 

> fen, Bohnen, Convolvulus sepium und arven- 
s *s ; wahrend die Wurzeln der Bohnen mehr senk- 
*echt in die Erde eindringen, so sind die Wurzeln 
der andern mehr unter der Erde fortkriechend; die 
Wurzeln der Bohnen haben ferner das Ausgezeich- 
&ete, dafs die Hauptwurzel mit 4 Reihen kleiner 
Wiirzelchen besetzt ist, wie diefs schon Bonnet 
angefuhrt hat. 

Von den Best and theilen der Windepflanzen. 
Die Bestaadtbeile der Win lepflanzen sind sehr 

v erschiedea and haben aur seiten Aeimliehlieit mit 






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einander. Der grofste Theil, welcher in der Fami- 

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lie der Leguminosen enthalten ist, enthalt ganz in- 
differ ente Stoffe; der Hauptbestandtheil ist Stark - 
?hl ; man findet es in der ganzen Pflanze in Form 
kleiner Koraer zerstreut, selbst bis in die Cirren 
(Fig. 59.) findet man diese Amylum-Korner , von 
deren Daseyn ich mich noch weiter mittelst Jod- 

* 

Auflosung iiberzeugte. 

* 

Eine zweite Hauptelasse von Windepflanzen r 
die Convolvulaceen , enthalten 
2u den vorigen ein scharfes drastisches purgiren- 
des Harz, wie z. B. C. Jalappa, C. Turpethum, C. 
Scarnmonium. Die Familie der Menispermeen ent- 
halt mehr giftige Bestandtheile , wie M. Cocculus. 
Die Familien der Chenopodieen und Polygoneen ent- 
halten indilFerente oder 

StoiFe; kurz es findet die 

in den Bestandtheilen der Windepflanzen statt. 



ganz im Gegeusatz 



nur wenig adstringirende 



Man 



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1 

Vergleichung des TVindens der Pfianzen mit den 

Erscheinungen der Sensibilitat. 

Die Sensibilitat, die den thierischen Korper be- 
sonders characterising wird nur durch die Nerven 

vermittelt ; aber schon bei den vollkommenen Thie- 
ren treffen wir einzelne Theile , welche keine Ner- 
ven haben, und defshalb auch keiner Empfindung 
fahig sind* Wenn nun das Vorhandenseyn von 
Nerven die Sensibilitat bedingt, so fehlt den Pflan- 
sen dieselbe gftrisfc, denn bis jetzt war Niemand im 

1 . 

Stance, in den Pfianzen Nerven nachzuweisen. Die 
Vervnuthung also, dafs die Erscheinungen, die beim 
Wind a n der Pfianzen vorkommen, Erscheinungen 
der Sensibilitit seyen, ahnlich der bei Thieren vor- 
tommenden, in so weit sie von den Nerven bedingt 
werden, iallt somit von selbst hinweg. Da es aber 





















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91 



Wele Thiere gibt, bei welchen bis jetzt keine Spur 
Von Nerven nachgewiesen 1st, und sie doch Em- 
pfindung zeigen, so kann audi nicht bei alien Thie- 
*en das .Das-eyn von Nerven als nothwendige Be- 
dingung der Empfindung angesehen werden, und 
hierin naherten sich also die Pflanzen den nieder- 






sten Thieren. Aber ein anderer Untersehied zwi- 
$chen den Bewegungen der Pflanzen und Thiere, 

* 

der durchgreifender ist, als der vorige, beruht auf 
uer Willktihrlichkeit der Bewegungen, die sich aueh 

* 

bei dem niedersten thier'schen Organismus aus- 

_ ^ 

spricbt, wo sich keine Spar von Nerven nachweisen 
lafst. Ich habe eine Menge Infusionsthierchen ge- 
^ehen, die nur aus einem Blaschen bestanden, durch 
lessen Mitte ein dunkler gefarbter Streif sich ver 



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Hef, und bei den lebhaftesten Bewegungen zeigten 
sie immer Willkiihr, indem sie sieh gegenseitig 
auswichen und nie auf einander slieisen, obgleich 
°ft 30—40 solcher Thierchen in einem kleinen Trop- 
in Wasser enthalten waren. Eine gleiche Will- 
kiihr in den Bewegungen ftndet sich nicht bei den 
Windepflanzen ; ihre Bewegungen sind an bestimm- 
te Zeiten gebunden und sind nicht das ganze Leben 
ti-ber vorhanden ; der Theil der Pflanze, welcher 
der Bewegung fahig ist, bewegt sich nur bei einem 



gewissen Grad von Au bildung; ist diese vollendet> 

so hort dann auch die Bewegung der Pflanze auf. 
Gauz anders verhalt es sich bei den Thieren; sie 
b.ehaiten das Vermogen zu empfinden und zu will* 
kuhrlichen Bewegungen das ganze Leben iiber , so- 

i 

Wohl bei der Abnahme , als bei der Zunahme des 



* 



orpers. 



So wenig man nun wirkliche Sensibilitat 

I 

so wenig 



bei den Pflanzen annehmen kann, ehen 

dai;f man hier eine in.ninctmafsige Bewegung ann?h« 

*&eu, wie diefs bei den Thieren der Fall iatj-denn 










































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92 



1 

der Instinct ist ein auf dunkle Vorstellungen ge»riia- 
detes Handein, welches an die Stelle der Intelli- 
geuz bei den vollkommneren Thieren tritt. Etwas 
der Art gibt es nicht bei den Pflanzen; zwar be- 
haupten sie auch ihre Unabhangigkeit von aussern 
Einfliissen bis auf einen gewissen Grad, sie wirken 
den allgemeinen Naturkraften entgegen , aber selbst 
die unvollkommensten Spuren eines geistigen Lebens 
sind bei ihnen nicht wahrzunehmen. 






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Pfi 



den 



Erscheinungen der IrritabiliUit. 



Wind 



erfolgt unter densel- 
ben Einflussen, denen alle iibrige Pflanzen unter- 
worfen sind, es bedarf also keiner besondern Rei- 

es wird aber durch die 

Feuchtig- 



ze , urn sich zu zeisen: 
verschiedenen Reize von Licht, W 
keit u. s. w. , wenn diese kraftiger einwirken, ge- 
steigert, die Bewegungen werden lebhafter, sie rich- 
ten sich nach dem Pnnkte , welcher den Grund des 
Reizes enthalt , und folgen diesem in seinen ver- 
schiedenen Stellungen, In dieser Hinsicht kannmaa 



Winden der Pflanzen von Rei 



lzen 



sagen, dafs das 

abhangig seye. Vergleicht man aber die jjewegun- 

gen der Thiere, die auf Reke erfolgen, und die 

der Irritabilitat derselben zuschreibt , mit den 



man 



Bewegungen der Pflanzen, so zeigt sich, dafs die 



thier'sche Bewegung auf die Einwirkung des Rei- 
zes sofort einrxitt, und sich vollendet und aufhort, 



auch 



wenn 



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noch fortwirkt, dafs bei der 



thser'schen Bewegung die Organe, die sie vollbrin- 
gen, keine bleibende Veranderung inihrer Grofse und 
ihrem Aussehen erleiden, dafs endiich gewisse Ageu- 
tien, wie z. B. die Electricitat, vorzugsvveise geeig- 
net sind, thier'sche Bewegungen zu erregen. Von 






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^nd namentlich ihrem Winden, das Gegentheil statu 
£>ie Bewegung dauert bestandig fort* wenn die aus- 
$ern Bedingungen giinstig sind ; mit der Bewegung, 
Und ganz im Verhaltnifs mit ihr, wachst die I flan- | 

I 

2e und dehnt sich aus ; mit vollendetem Wach 
thum hort die Bewegung auf, und endlich haben 
die Reize, welcbe die kraftigsten Erregungsmittel 
thier'scher Bewegung sind, wie die Eiectr/citat, fcei- 

■ 

ften oder einen hochst geringen Einflufs auf die 
Pflanzenbewegungen. 

s 

Hieraus geht hervor, dafs die Bewegungen der 
fflanzen auf einem ganz andern Princip beruhen, 
als die Xrritabilitats -Bewegungen der Thiere. Der 
^mstand dagegen, dafs mit erlangsamtem Wachs- 
thum audi die Bewegungen der Piianzen erlangsa- 
toen y dafs sie bei aufhorendem YVachsthum ganz 
aufhoren, wenn gleich die i flanze noch lange nicht 
abstirbt? und endlich, dafs diese Bewegungen bei 
dem starksten Vv achsthum am starksten sind, be* 
Weist den voilkommensten Zusanmenhang dersel- 






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eichung des Windens der P flame n n 

Erscheinungen des bildenden Lebens. 



w 



;nn wir die Ausbildung des thier'schen Em* 
bryo zum Beispiel nehmen, so sehen wir, dafs sich 
im Anfang keine bestimmten Systeme nachweisen 
lassen • wir sehen kaum Blutgelafse, viel weniger 
den Unterschied zwischen Arterien und Venen, am 
Wenigsten aber .N erven und lympha tis che Geiafse 
t)ie Bildung erfolgt aber dessen ungeachtet, sie 
apricht sich im Bleinsten aus , und zwar in einer 
Hichtung ,- . die iiir jede Thiergattung eine bestimm- 
te ist 5 und die sich ihr gauzes Lebeu iiber gleich 
















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bleibt. Die angenommene Form aber ist in diesero 
Fall nur allein der Ausspruch der bildenden Tha- 
tigkeit, denn in dieser Periode lafst sich keine an- 
dere Thatigkeit nachweisen ; irritabilitat nod Sen- 

■ 

sibilitat fehlen, weil die einzelnen Systeme , durch 
welche sie sich in der Regel aussprechen, noch 
nicht gebildet sind. 

L 



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il 



den Pflanzen ubergehen, bei denen sich ihr ganzes 
Leben tiber keine andere, aJs die vegetative Tha- 

• t 

tigkeit ausspricht, diese aber bei den einzelnen 
Pflanzengebilden mit verschiedener Starke auftritt, 



so zeigt sich auch bei Pflanzen 



nach dem Typus 



9 



den ihnen die bildende Thatigkeit eingepragt hat, 
die Neigung zur Spiralfoim bald friiher, bald spa- 
te r, wie diefs bei einzelnen Pflanzen oehon im Em- 
bryo , bei einigen erst im Stengel , nur fruher oder 

spater, bei noch andern nur in den Aesten, oder 
gar endlieh nur in einzelnen Theilen der Pflanze 
sich zeigt. Bei Cyclamen Europ. zeigt es sich so- 
gar erst nach der Bliithe in dem filumenstil mit ei- 
nem nach links gewundenen Spiral. Wenn nun die 

* 

Tendenz zu Bildung der Spiraliorm der Pflanze ein- 



mal von Natur eingepragt ist, so erklart 



es sich ? 



dafs durch Steigerung der bildenden Thatigkeit die 
dunkle Neigung zum Winden sich deutlicher ent- 
wickelt. Die bildende Thatigkeit kann aber kraf- 
tiger sich aussprechen, ohne dais damit die Pflan- 
ze sich windete, wenn gleich Neigung dazu vor- 
handen ist, wie bei Polygonum, Convoiv. und As-. 
clepias vincetox. ; ersteres bildet im Herbst die 
ikraftigsten Pflanzen und zeigt daneben keine Spur 
von Windui 







es im Sommer leicht win- 



det, ohne dafs die Pflanze sehr kraftig ware; letz- 

teres ist im gewohnliehen Zustandc eine sehr kraf- 












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95 



tige Pflanze, ohne die geringste Spur von Windun* 



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Hier ist es nun das Licht und 



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m etwas aueh die 



me, die sich als die nothwendigsten Agentien 



Winden 



daher bei pft 



ianzen nut 



Windepflanzen zeigt 



sich 



schwacher Neigung das Winden sich nur im hoheu \ 
Sommer zeigt. Bei den 

die Annaherung zu der Spiralform ehe nan noeh 
deutlich die Form der Theile im Innern wahrnimnit. 
Die Neigung zur Spiralform liegt also bestimmt 
&chon in dem ersten Keim der Pflanze. Diese be* 

■ 

siimmte Neigung bleibt unter alien *Ein$iis sen con- 
stant; sie kann zwar von einigen, wenn sie iehlen, 
aufgehoben, oder wenn sie vorhanden skid, je nach 
dem Grad ihrer Starke momentan, aber nie fur im- 



toer veraudert werden« Am wenigsten aber laft 
sich diese Neigung einem bestimmten innern Bau 
der Pflanze zuschreiben, denn das Winden zeigt 
sich, ehe der Bau sich deutlich ausspricht. Ferner 
findet die grofste Aehnlichjkeit im Bau unter dersel- 
ten Gattung von Pflanzen statt, ob sie sich winden 
oder nicht, so wie im Gegentheil grofse Unahnlich- 

keit sich zeigt unter den Windepflanzen der ver* 



schiedenen Gattungen. 






Es fragt sich nun noch, worauf die Neigung be* 
*uhe, vermoge welcher die Pflanze bald nach rechts 
bald nach links sich windetj diese Frage getraue 

i 

ich mir nicht vollstandig und mit Bestinimtheit zu 
beantworten; das Folgende scheint mir noch das 



Wahrscheinlichste zu seyn. Bei der Spiralform der 
Pflanzen sprechen sich bestandig zwei Bewegungen 
aus , die sich bedeutend von einander unterschei- 
den. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden 
ist der, dafs die Bewegung um sich selbst fort- 
dauert mit dem Wachsthum in die Breite , wenn die 
cJewegung um die Stiitze mit voilendetem Langen* 
































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Wachsthum langst aufgehbrt bat. Ferner unter- 
scheiden sie sich dadurcli, dafs letzlere Bewegung 
sich bis jetzt als eine coustan te unverk'nderliche ge- 
zeigt hat, erstere aber als eine veranderliche, in- 
dem sie nur so lange parallel mit der. ersten geht, 
als diese erfolgt, mit ihrem Aulhbren aber in der 
Richtung sich verandert. Nehmen wir nun hier ei- 
nen polarischen Gegensatz an. Der eine Pol (die 
Bewegung um die Stutze) ist der bei vveitem iiber- 
wiegende; der die Richtung des schwacheren Pols 
(die Bewegung urn sich) bedingt; mit dem Abneh- 
men des starkern Pols (und rait vermindertem Lan- 
gen - Wachsthum) treten die beiden Pole eine Zeit- 
lang ins Gleichgewicht ; daraus entsteht entweder 



Wech 



unter den verschiedenen Interuodien, oder 

steht daraus eine gerade Linie , so dafs die Kanten 



es ent- 



auf dem gewundenen 



Stengel 



ganz gerade verlau- 



fen; ■ endhch aber verschvvindet der starkere Pol 
ganz, weil er nur stark ist, so lange das lnterno- 
dium sich verlangert; die Tendenz des schvvachern 
Pols , eine dem starkern entgegengesetzte Richtung 
anzunehmen, spricht sich sojnit aliein aus, und nun 
kann es geschehen, dais mehrere Internodien, in 
der Vvindung urn sich, eine der erstern entgegen- 
gesetzte Richtung erhalten, die sich mehr oder we- 
niger stark zeigt, je nachdem Kraft dazu vorhan- 
den war, aber immer bleibt der letzte Pol im Ver- 
haltniis zum erstern der schwachere, daher die Ruck- 
liehr von der zuerst angenommenen Richtung nur 
langsam und zuweilen gar nicht erfolgt. 
Diesen VVechsel der Wind 

%# — - — 

ders haufig an Hopfen und an Convolv. sepiumund 
arvensis beobachtetj er findet sich am haufigsten 

gegea die Basis des Stengels zu und nimmt nach 















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°ben zu ab. Dasselbe polarische Gesetz spricht sich 
**Un auch axis, zwischen dem Langen- und Breite- 
Wachsthum > auch hier zeigt sich wieder das gleich- 
Seitige zwischen Wachsthum und Bewegung ; Wachs- 






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thum in die Lange und Bewegung um eine Stiitze 
kommen gleichzeitig, verlaufen raschund verschwin- 
<3en mit einander; Wachsthum in die Breite und Be- 
Vvegung um sich selbst erfolgen langsam. Aus die- 

■ 

•em erklarte sich nun die Verschiedenheit in der 
Rich tin 



* 

der Bewegung um die Stiitze; in dem ei- 
tien Fall, wie bei Hopfen, ware derjenige Pol der 
tiberwiegende, welcher die Richtung nach rechts be- 
dingt; im andern Fall aber, wie bei Convolvulus , 
der, welcher die Richtung nach links bedingt. Bei 
den Cirren dagegen miifste man ein Schwanken zwi- 
$chen den zwei Polen annehmen, so dais bald der 
eine > bald der andere der iiberwiegende ware, und 
daraus der Wechsel in der Richtung der Spirale ' 

* 

entstande. 






Allgemeine Resultate aus den Untersuchungen Uber 

die WindepAanzen und uber die Cirren. 



\ 



Aus dem Bisherigen geht nun hervor, dafs die 
Windepflanzen sich nicht in alien Familien und Gat- 
tungen linden, sondern nur auf wenige Familien be- 
achrankt seyen; dafs sie fast aussehliefslich uewohner 
der heifsen Zone und des ebenen Landes seyen, nur 
Wenige Reprasentanten gleichsam in der gemafsigten 
Zone, und fast gar keine in der kalten Zone haben; 
dafs sie eine doppelte Bewegung machen , und diese 
sich bald friiher, bald spater bei der jungen Pflan- 



Ze zeige ; 



dafs sich die Wind 



nach 



*echts , theils nach links winclen; die Richtung der 
einzelnen Art um die Stiitze eine unter alien Umstaii- 
den constante seye, die der Pfianze um sich selbst 



7 
































































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98 






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aber Varire ; dafs die Windepflanfcen einer Gattung 
und hochst wahrscheinlich einer ganzen Familie die- 



selbe Richt 



ung haben; 



dafs keine Stiitze von def 
verschiedenartigsten Nattir im Stande seye, diese 
normale RicJitung zu andern , mid eine in abnorme 
Richtung gezwungene Pflanze in lhrem Wachsthum 

- 

bedeutend nothleide, wahrscheinlich aber doch Ab- 
neigung gegen einzelne Pflanzen statt finde ; dafs 
die Cuscuta von alien iibrigen Windepflanzen eine 
Ausnahme mache , indem 



Pflanzen, oder solchen Stutzen, die 



sie sich nur lebenden 



eine diesen 



Win 



depflanzen, mit Ausnahme der Cuscuta, keine be- 
sondre Anziehungskraft fiir fremde Kbrper aussern, 



durch ihre Bertihrung aber friihe 
rieigt werden ; dafs die Bliithen < 



Wind 
Windepfl 



erst bei einem gewissen Grad von Vollkommenheit 
der Pflanzen erscheinen, nie in solchen Interno- 



dien , 



Wach 



nicht vol 



mit 



lendet haben und sich noch winden, und dafs 
ilirem Erscheinen das Winden entweder" geschwacht 



oder 



Wach 







der Pflanze in die Lange und ihre Bewegungen aufs 
innigste verknupft seyen und immer gleichen Schritt 
halten; dafs jedes einzelne vollkommene Interno- 
dium als ein Gauzes dastehe , und Wachsthum und 
Bewegung unabhangig von den andern Internodien 
voliende, bei unvolikommenen Internodien aber sich 
immer zwei halbe im Wachsthum und Bewegung 
entsprechen; dafs mit aufhbrendem Langenprocefs 
die Bewegungen um die Stiitze aufhoren, und Al- I 



les , 

Wa 



was sich in der darauf folgenden Zeit 



aes 



hsthums in die Breite bildet, nur die Spirale 
der zweiten Bewegung hervorbringe ; dafs durch 

iussere Einflime das Winden erregt, die schlum* 












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99 






tternde Neigung aufgeweckt, die kaum angefangene 
aber gesteigert werde, und man eine Stufenreihe in 



der Neigung zum Winden aufstellen konnte, m wel- 
cher Cuscuta und Asclepias Vincetox. die Leiden 
Extreme bilden warden ; dafs Electricitat, Galva- 

i 

nismus und Magnetismus keinen Einflufs auf die 
Richtung der Spirale haben, der Galvanisrnus das 
Wachsthum etwas beschleunige und somit auch die 
Bewegungen; das Licht bis jetzt dasjenige Agens 
seye, welches am meisten auf die Bewegungen der 
Pflanzen Einflufs liabe, indem es Wachsthum und 

im Stande seye, 

zu andern ; 
WindeDflan- 



Bewegung befordere, aber nicht 

die Richtung der Spirale fur immer 



W 



seye fiir 



zen, der aber dem Lichtreiz bedeutend nachstehe, 

Und nur dann zu aussern sich vermoge, wenn jenvv 
fehle ; Feuchtigkeit aber den Warmereiz iibertref- 

* 

fe und im Stande seye, die Bewegungen der Pflan* 
ze im Licht sogar zu erlangsamen; die Winde end* 
lich vorzugsweise als mechanisch wirksames Er- 

1 

schiitterungsmittel das Wachsthum und die Bewe«- 
gungen der Pflanzen befordern ; dafs aber nur un. 
ter dem Conflict dieser 4 Agentien ein vollkomme- 



Wi 



wenn 



gleich ihr Einflufs von verschiedener Starke sey, 
doch nicht das Eine durch einen hohern Grad des 
Andern ersetzt werden konne; dafs der Grund des 
Windens nicht in dem Bau der Pflanzen liege, nnd 
die grofste Verschiedenheit unter den einzelnen 
Gattungen von Windepflanzen herrsche , die Win- 
depflanzen aber selbst wieder im Bau von denen 
nicht sich windenden Pflanzen derselben Gattung 
sich nicht unterscheiden; dafs das Winden in den 
jtingern Theilen der Pflanze anfauge , bei welchen 

sich uoch keine Spur von voHkommenea Elemen- 






\ 



; 
























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HHMBiAllMl 




tar-Organen vorfindet, den Spiralgefafsen der Pflan- 






I 




zen also nicht der Grand 



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Wind 




zen bald ganz fehlen , bald da , wo sie vorhandefl 
sincl , nicht ausschliefslich ihnen zukommen : daft 

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von der Form des Embryo nicht auf die Form 
der Pflanze schliefsen di'irfe, und weder ausschliefs* 






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re Fall seye ; dafs weder die Wurzeln , noch die 



Bestandtheile der ganzen Pflanze Aehnlichkeit un- 
ter den verschiedenen Windenflanzen 



zeigen , un 



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selbst in derselben Familie schon bedeutend varire. 



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Dafs in Hinsieht der Verbreitung der Cirren ei» 
Unterschied herrsche, und die eine vollkommnere 
Form fast ausschliefslich in der heifsen Zone 
komme, wahrend eine zweite weniger vollkomme- 
ne Form fast nur der gemafsigten Zone eigen ist; 
dafs die Cirren eine doppelte Bewegung maehen , 
die aber nicht nach bestimmten Richtungen erfol- 
ge, ihre Richtung aber bestimmter werde durch 












Beriihrung fremder Korper vor beendigtem Langen 



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dafs ein Theil der Cirren von der 



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sey, nachher sich 









sten Entstehung an gewunden 
gerad strecke , und nun erst in entgegengesetzter 
Richtung die Spiralform annehme, wahrend andere 
urspriinglich gerade erst in 









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Zeit- 



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dafs die Cirren bis jetzt nur gegen Eine Pflanze 
Abneigung gezeigt haben ; dafs ihre Bewegungen 
paralell gehen mit dem Laocen- 



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zu gleicher Zeit aufhoren; dafs sie sich gegen den 



Einflufs der verschiedene 



a Imponderabilien , der 




Wiade , ahalich den Wind 



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, verhalten; dafs ihr anatomischer Bail sich 

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durchaus nicht von dem der iibrigen Theile der Pflan- 
ze und von andern Pflanzen derselben Gattung un- 
terscheide; dafs aber audi hier die Spiralform sich 
vollkommen ausspreche, bevor sich noch die voll- 

kommenen Elementar - Organe entwickelt haben. 





















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Seite JK>. Zeilc 13, von oben L J a l 

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app« statt Jalpapa 











































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Erklarung der Zeichnungen. 

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^ig- 1. Ein Ast von Convolv. sepium. N 

a* a* a. Papillen , init welchen die Pflanze aus einef 

fremden Pflanze Nahrung zog 4 
2. Sameni von Cuscuta major. 

3* Der Embryo von Cuscuta mit dem Albumen in 
der Mitte. 

* 

4* Der entwickelte Embryo* 

5* Der Embryo bei seinem Erscheinen fiber der Erde* 
6« Anatomischer Bau des Embryo der Cuscuta, 
7. Anatomischer Bau der Papillen der Cuscuta. 



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sich keine Papillen befanden. 



9* Verticalschnitt der Cuscuta an einem Theil 4 wd 
keine Papillen waren. 

10* Samen der Basella» 

a. Lage des Embryo im Saamen. 

b. Der Embryo ausser seiner Hulle* 
11. Der Embryo von Hopfen. 

a. Lage des Embryo im Saamen. 

b. Freier Eiribryo* 









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13» Der Embryo von Convolvulus 
14 • Der Embryo von Ipomaea. 



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15» Der Embryo von Ph 
16* Der Embryo von Glycine. 

17. Naturliche Grofse des Hopfenstengels im Horiz 

taldurch^chnitt. 

18. Horizontaldurchschnitt des Hopfenstengels aus ei- 

nem Internodium, das sich dem Ende seines Lan- 
gen - Wachstbums naherte* 

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19. Dasselbe von einem Internodium mit vollendetem 
Langen- Wachsthum. 

20* Verticalschnitt von einem Hopfeninternodium mit 

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vollendetem Langen - Wachsthum# 






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Fig. 21* ■ Horizontalschnitt eines Bohnenstengels in natiir- 

licher Grofse. 

22* Horizontalschnitt eines voliendeten Internodium* 
von Bohnen. 

25* Verticalschnitt des Vorigen. 

* • • - 

24* Cirre von Gurken, wie sie zuerst erscheint, 







25- id. von Kurbis, 



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• die im Begriff ist, sich liickwarts aufzurollen. 

* 

27« Horizontalschnitt der Gurken cirre an ihrer Basis* 
28* id. an ihrer Spitse. 

29. Horizontaldurchschnitt der 
Basis* 

30« Verticalschnitt der Kurbiscirre. 
31. idem von einer Gurkencirre. 








nscirre an 



ihrer 



32- idem von Bryonia. 

33. Horifcontalschnitt von Bryonia. 

34* Horizontalschnitt ans einer Traubencirre. 

$55 • Verticalschnitt axis einer Traubencirre. 

1 

36* Horizontalschnitt aus Convolvulus. 

■ 

37- Verticalschnitt aus Convolvulus. 

38. ^ori-zontalschnitt aus Menispermum canadense. 

39. Verticalschnitt aus der Cirre von Pisum sativum. 

40. Verticalschnitt aus der Cirre von Vicia sepium. 

41. idem aus dem Stengel von Orobus vernus. 

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• 

42. . Horraontalschnitt von einem ausgewachsenen Sten- 

gel von Polygonum Convolvulus. 
43* Verticalschnitt von ebendemselben. 
— 44* Verticalschnitt von Lonicera Caprifolium. 

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