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Full text of "Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen"

Dr. Helene Deuts 









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Neue ArUaten zur ärztlickeu Psycho analyse 

Herausgegeben von Prof. Dr. Ägm. Freud 

N* V. 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 







Neue Arbeiten zur ärztlichen Psychoanalyse 

Herausgegeben von Prof. Dr. Sigm. Freud 

Nr. V 



Psychoanalyse der weiblichen 
Sexualfunktionen 

von 

Dr. Helene Deutsch 



1925 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag 
Leipzig / Wien / Zürich 



Alle Rechte, 
insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten 

Copyright 1925 

by „Internationaler Psychoanalytischer Verlag, 

Ges. m. b. H." Wien 



Gesellschaft für Graphische Industrie, Wien, III., Rüdengasse n 



I 

Einleitung 

Die folgenden Erörterungen stellen Ergebnisse dar, die auf 
dem Wege langjähriger Beobachtungen entstanden sind. 

Dieses Beobachtungsmaterial soll eine psychologische 
Orientierung und Ergänzung zu den Kenntnissen jener Vor- 
gänge schaffen, die man zusammenfassend „Sexualleben 
des Weibes" nennt. 

Um dem Vorwurf der Einseitigkeit in der Darstellung zu 
entgehen, sei gleich am Anfang gesagt, daß sich diese Beob- 
achtungen nur auf das Psychologische beschränken ; sie 
werden das Somatische nur insoweit berücksichtigen, als 
es den Ausgangspunkt psychischer Reaktionen darstellt oder 
umgekehrt zum körperlichen Ausdruck seelischer Vorgänge 
verwendet wird. 

Das kasuistische Material, aus dem sich die theoretischen 
Formulierungen ergaben, wird an dieser Stelle fast gar nicht 
berücksichtigt werden. Die Anführung desselben bleibt einer 
nachfolgenden erweiterten Publikation vorbehalten, die auch 
dem Nichtanalytiker die analytischen Erkenntnisse zugänglich 
machen soll. Diese kleine Schrift dagegen setzt eine weit- 
gehende Kenntnis der Psychoanalyse voraus. Einzelne 
Kapitel sind bereits einer psychoanalytischen Hörerschaft 
bekanntgegeben worden. (VIII. Internationaler Psychoanalytischer 
Kongreß in Salzburg, Ostern 1924: „Psychologie der Fort- 



Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Pflanzungsfunktionen"; Erste Deutsche Zusammenkunft für 
Psychoanalyse in Würzburg, Oktober 1924: „Psychologie des 
Klimakteriums".) 

Was bisher zur psychologischen Erkenntnis des Weibes 
analytisch beigetragen worden ist, wird hier berücksichtigt 
und erwähnt. Alle anderen psychologischen Forschungsergeb- 
nisse in dieser Richtung werden, insoweit sie auf bewußtseins- 
psychologischem Grunde ruhen, hier nicht angeführt werden. 
Es liegt eben im Zweck dieser Arbeit, das aufzuklären, was 
der Bewußtseinspsychologie rätselhaft bleiben mußte, weil es 
ihrer Arbeitsmethode unzugänglich war. 

Aber auch die Tiefenpsychologie ist in der Erkenntnis der 
Seelenvorgänge beim Weibe einen Schritt gegen die beim 
Manne zurückgeblieben. Besonders sind es die generativen 
Vorgänge, denen — obzwar sie den Mittelpunkt im psychischen 
Leben des geschlechtsreifen Weibes bilden — auch analytisch 
noch wenig Beachtung geschenkt worden ist. Das Kantsche 
Wort: „Die Frau verrät ihr Geheimnis nicht", behielt auch 
hier seine Gültigkeit. Sichtlich waren dem Manne die ver- 
borgenen Seeleninhalte des Mannes zugänglicher, weil wesens- 
verwandter. 

Alles, was hier an neuen Einsichten über das Seelenleben 
des Weibes in seinen Beziehungen zur Fortpflanzungsfunktion 
gebracht wird, wurde mit Hilfe der analytischen Methode 
gewonnen. 

Wir beschränken uns hier auf die Mitteilung der Erkennt- 
nisse, die mit den normalpsychischen Relationen zu den physio- 
logischen Vorgängen des Sexuallebens im Zusammenhang 
stehen. 

Wie wir häufig in unserer Arbeitsmethode erst vom Patho- 
logischen zum Verständnis des Normalen gelangten, werden 
wir uns dort, wo sich das Pathologische als Zerrbild gewisser 



Einleitung 



Konstellationen im Gesunden präsentiert, zur Vereinfachung 
des Verständnisses auf dasselbe berufen. Auch gibt es in 
den uns hier interessierenden Vorgängen psychische Begleit- 
erscheinungen, die zwar nicht als „normal" im Sinne des 
Physiologischen zu bezeichnen sind, aber infolge ihres regel- 
mäßigen und typischen Auftretens unter unseren Kultur- 
bedingungen bereits nicht mehr dem „Krankhaften" zugerechnet 
werden dürfen. 

Die Probleme, die im folgenden erörtert werden sollen, 
beziehen sich auf das Sexualleben der Frau während der 
Dauer ihrer Geschlechtsreife, also vom Beginne der Pubertät 
an. Das besondere Interesse soll den psychischen Reaktionen 
auf die verschiedenen Akte der Fortpflanzungsfunktion zuge- 
wendet werden. 



II 

Infantile Sexualität des Weibes 

Zum Grundstein der psychoanalytischen Wissenschaft wurde 
die Erkenntnis, daß das Sexualleben des Menschen schon in 
seiner ersten Kindheit anfängt. In der Pubertät geht dann die 
endgültige Vollendung der Sexualentwicklung vor sich, in der 
die infantilen Sexualtriebe zugunsten der Fortpflanzungs- 
funktion vereinigt werden. 

Zum besseren Verständnis der Vorgänge, die hier besprochen 
werden, erscheint es angezeigt, einige psychoanalytische Erkennt- 
nisse aus der Frühperiode des Sexuallebens des Weibes voraus- 
zuschicken. Wir gehen von dort aus, wo die Differenzierung 
zwischen Mann und Weib bereits vor der Latenzperiode 
in der infantilen Sexualorganisation ihren ersten Ausdruck 
gefunden hat. 

Wir wissen wohl, daß die endgültige Sonderung der 
Geschlechter erst mit dem Einsetzen der Fortpflanzungsfunktion 
(bzw. ihrer Bereitschaft) zustande kommt, daß aber schon vom 
ersten Kindesalter beim Knaben und beim Mädchen differen- 
zierende Züge auftreten. Der Abschluß der infantilen Sexual- 
organisation steht bereits unter dem Zeichen einer sehr weit- 
gehenden Differenzierung. 

Die Entwicklung der weiblichen Libido in den ersten 
Organisationsstufen ist mit der des Mannes identisch. Die zwei 
ersten prägenitalen Phasen, die orale und die sadistisch-anale, 



sind sowohl in den Triebtendenzen wie in der Besetzung der 
erogenen Zonen für beide Geschlechter vollkommen gleich. 
Ebenso ist die Zusammenfassung der Sexualstrebungen durch 
die in der ersten Kindheit erfolgte Objektwahl für beide 
Geschlechter dieselbe. Sie bildet für beide den Inhalt des 
Ödipuskomplexes, der sich für den Knaben in der Wahl der 
Mutter als Liebesobjekt, für das Mädchen in der des Vaters 
konstelliert. Für beide Geschlechter schließt diese Konstellation 
die Feindseligkeit und die Rivalität gegen den gleichgeschlecht- 
lichen Elternteil in sich. Die Psychoanalyse hat uns die 
Bedeutung dieser infantilen Einstellung gezeigt und die Rolle 
derselben sowohl für die Endgestaltung des normalen Liebes- 
lebens als auch für die neurotischen Erkrankungen aufgedeckt. 

Die Beendigung der infantilen Sexualität tritt, wie uns 
Freud gezeigt hat, in der dritten Phase, der „phallischen", 
ein, in der auch das Schicksal der Ödipuskonstellation ent- 
schieden wird. 1 

Die Einführung der „phallischen" Phase in die Libidoent- 
wicklung klärte uns auch vieles in der Entwicklung der weib? 
liehen Libido auf und machte uns die späteren Schicksale der- 
selben erst vollkommen durchsichtig. Zum vollen Verständnis 
der uns hier interessierenden Pubertätspsychologie müssen wir 
von den Vorgängen in der „phallischen" Phase ausgehen. 

Wir wissen, daß sich das kleine Mädchen (genau wie der 
Knabe) in der sadistisch-analen Phase in ihren unbewußten 
sadistisch aufgefaßten Koitusphantasien einmal mit dem Vater, 
einmal mit der Mutter identifiziert. Der Identifizierung mit dem 
Vater entspricht das sadistische Zufügen, der Iden- 
tifizierung mit der Mutter das passiv-anale Erleiden. 
Der sadistische Anteil der Phantasien setzt den Besitz des 

i) Freud: Die infantile Genitalorganisation (Ges. Schriften, Bd. V). 



aktiven Penis voraus; der passiven Rolle der Mutter entspricht 
die Phantasie vom analen Kinde. 

In der „phallischen" Phase werden die passiven Tendenzen 
ebenso wie beim Knaben verdrängt; das Interesse des Mädchens 
zentriert sich an der Klitoris, die für sie die Bedeutung des 
Penis besitzt. An der Klitoris wird die Identifizierung mit dem 
Vater fortgesetzt und kommt — wie in der vorigen Phase in 
den aktiven sadistischen Tendenzen — jetzt bereits in „männ- 
lichen" Strebungen dieses Organs zum Ausdruck. Die mastur- 
batorische Tätigkeit im Dienste des Ödipuskomplexes ist beim 
Mädchen, wie beim Knaben, genital zentriert. Die Klitoris wird 
bis zur Entdeckung des Gegenteils für ein absolut vollwertiges, 
mit großen Lustquantitäten besetztes Organ angesehen. 

Die Annahme der traurigen Entdeckung der Penislosigkeit geht 
mit Widerständen einher. Das kleine Mädchen versucht sich mit 
der Hoffnung auf die Zukunft zu vertrösten; häufig wird die Tat- 
sache des Penismangels für ein nur ihr zugestoßenes Übel gehalten 
und einmal die Mutter, einmal der Vater in den Rachephantasien 
zur Verantwortung gezogen. Schließlich wird die eigene Tat 
der Masturbation und der Ödipusphantasien als Ursache des 
traurigen Verlustes betrachtet. Die entdeckte und akzeptierte 
Penislosigkeit wird regelmäßig als vollzogene Strafe gewertet. 
Freud hat uns gezeigt, wie der Ödipuskomplex des Knaben 
an der Kastrationsdrohung zugrunde geht: der Knabe opfert 
die den Eltern geltenden libidinösen Besetzungen, um im 
narzißtischen Besitz des Penis zu verbleiben. „Die Objekt- 
besetzungen werden aufgegeben und durch Identifizierung 
ersetzt — die ins Ich introjizierte Vater- oder Elternautorität 
bildet dort den Kern des Über-Ich." 1 

Anders beim Mädchen, bei dem schließlich die Kastration als 

vollzogene Tatsache akzeptiert wurde. „Mit der Au sschaltung der 

i) Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes. (Ges. Schriften, Bd. V.) 



Infantile Sexualität des Weibes 



Kastrationsangst entfällt ein mächtiges Motiv zur Aufrichtung 
des Über-Ich und zum Abbruch der infantilen Organisation." 

Diese Vorgänge beim Mädchen gestalten sich nun etwas 
komplizierter. Wir haben gesehen, daß der vermeintliche Penis- 
besitz an der aktiv gerichteten Klitoris die Fortsetzung der 
sadistischen Tendenzen der vorherigen Entwicklungsstufe dar- 
stellte und mit einer Vateridentifizierung einherging. Mit dem 
Aufgeben der Klitoris muß auch die Identifizierung mit dem 
Vater aufgegeben werden. Für die Penislosigkeit, d. h. für die 
vollzogene Kastration, findet das Mädchen die Erklärung in der 
masturbatorischen Tätigkeit, die zum erstenmal mit intensiven 
Schuldgefühlen belegt wird. Dieses Schuldgefühl ist 
wohl nicht mit der Kastrationsangst des Knaben identisch, 
der die Strafe vor sich hat, wenn er das Schuldmotiv nicht 
aufgibt, ist aber ein drohendes Memento für die zukünftigen 
sündhaften Tendenzen, die auch für das Mädchen im Ödipus- 
komplex wurzeln. Das Schuldgefühl entsteht also beim Mädchen 
in dieser Phase, nachdem es erfahren zu haben glaubt, daß die 
Masturbation eine so schwere Strafe, wie die Kastration, nach 
sich gezogen hat. 

Der „Kastrationskomplex" wird daher beim Mädchen ebenso 
zum Antrieb zur Über-Ichbildung wie beim Knaben. Nur wird 
sich, entsprechend der bereits vollzogenen Strafe, dieselbe 
schwächer gestalten (Freud) und der „Untergang des Ödipus- 
komplexes" kommt erst auf Umwegen zustande. Wir haben 
gesehen, wie mit dem ersten Verzicht auf die Klitoris die 
Identifizierung mit dem Vater aufgegeben werden mußte. 
Dieselbe erleidet folgendes Schicksal : erstens rückt sie 
auf eine höhere Stufe, indem sie desexualisiert 
und im Über-Ich aufgerichtet wird. Die narziß- 
tische Kränkung über den Penisverlust wird durch eine 
Ich Vergrößerung getilgt. Dieselbe lautet: „Wenn ich das nicht 



lO Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



besitze, was der Vater besitzt, bin ich doch so wie er." Somit 
erfolgt auch beim Weibe die Über-Ich-Bildung im Wege der 
Introjektion des Vaters. Zweitens rückt mit dem Ver- 
zicht auf den Penisbesitz die narzißtische 
Beziehung zum Vater (die der Identifizierung 
mit ihm) auf die höhere Stufe der Obj ektlibido. 
Das Walten des Über-Ich des Mädchens erweist sich nämlich 
in dieser Phase schwächer als die libidinösen Kräfte. Die 
Klitorisversagung und die damit verbundene narzißtische 
Kränkung hat die regressiven Mechanismen mobilisiert; der 
gekränkte Narzißmus sucht sich zu entschädigen. Mit dem Auf- 
geben des aktiven Organs wird regressiv die passiv-anale 
Komponente der vorigen Phase besetzt. Die damit verbundene 
Identifizierung mit der Mutter und der Wunsch des „analen 
Kindes" als Entschädigung für den Penisverlust werden erneuert. 
Der Vater wird für die Wunschphantasien des Mädchens zu 
dem, was er für die Mutter ist, nämlich zum Sexualobjekt. 
Die Kotstange hatte schon in der vorigen Phase die Bedeutung 
des Kindes bekommen. Nach dem Aufgeben der Klitoris als 
Penis in der „phallischen" Phase wird der alte Wunsch mit 
neuen Quantitäten besetzt, aber nicht im Sinne der Progression 
von der Klitoris in die Vagina, die lange noch unentdeckt 
bleiben muß, sondern im Sinne einer Regression auf die anale 
Stufe. So zerfällt die letzte infantile Entwicklungsstufe des 
Mädchens in zwei Akte: erstens in die phallische Phase, 
in der die Klitoris mit großen Libidoquantitäten besetzt und 
dem Penis gleichgewertet wird. Ihre Tendenzen sind vollkommen 
männlich gerichtet und wurzeln in der Identifizierung 
mit dem Vater. 

In der zweiten Phase kommt es nach der Feststellung der 
vollzogenen Kastration zum Aufgeben der Klitorissexualität und 
zur regressiven Belebung der passiv-analen Tendenzen und des 



Infantile Sexualität des Weibes 



Wunsches nach dem „analen Kinde" in der Identifizierung 
mit der Mutter. Man kann sagen, daß sich beim Mädchen, 
im Gegensatz zum Knaben, an die „phallische" Phase der erste 
Passivitätsschub anschließt, der die Vorgänge in der 
Pubertät bereits vorzeichnet. 

Die infantile Organisation nimmt beim Mädchen erst in dieser 
passiv gerichteten Phase ihr Ende; erst jetzt geht der Ödipus- 
komplex des Mädchens unter. 

Freud nimmt an, „ der Ödipuskomplex wird verlassen, weil 
sich der Wunsch des Kindes nie erfüllt " Zu diesem Motiv 
kommt noch folgendes dazu : das inzwischen gebildete Über-Ich 
hat bereits die Inzestschranke aufgerichtet und die daraus 
resultierenden Schuldgefühle zwingen schließlich dazu, den 
Rivalitätskampf gegen die Mutter aufzugeben. Die Identifizierung 
mit der Mutter rückt jetzt auf die höhere Phase der Über-Ich- 
Bildung und gestaltet den spezifischen Charakter des weiblichen 
Ichideals. Das ist die idealisierte Mutterschaft und eine bestimmte, 
für das ethische Weib charakteristische Sexualmoral und 
Sexualhemmung, die aus dieser Ichidealbildung herrührt. Bei 
Mißlingen dieser Ichidealbildung durch die Introjektion der 
Mutter bleibt dieselbe „das niedrige Sexualobjekt" und die Iden- 
tifizierung mit ihr in dieser Relation liefert ihren Beitrag zur 
Bildung des „Dirnenkomplexes" des Weibes. Die Art der Ich- 
idealbildung kann nun verschiedene Formen annehmen. Ent- 
weder überwiegt die Identifizierung mit dem Vater, dann ist 
das Weib männlich-sublimierend. Herrscht die Identifizierung 
mit der Mutter vor, dann geht es ganz in der madonnenhaften 
Mütterlichkeit auf. Es kann aber auch beide Formen in einer 
ganz bestimmten Art verbinden, indem es das väterliche Ideal 
in seinem weiblichen Sublimierungsprodukt, dem Kinde, fortsetzt. 

In der „phallischen" Phase folgten der Entdeckung des 
Penisverlustes Schuldgefühle. Ebenso wird auch die letzte Phase 



des „analen Kindes" mit starken Schuldgefühlen belegt. — Man 
kann gelegentlich Fälle beobachten, deren psychogene Steri- 
lität in den Schuldgefühlen dieser Phase bedingt ist. Wie die 
Penisbewertung — nach dem Verlust durch die Kastration — 
auf das Kind hinübergeleitet wurde, so sieht sich das Mädchen 
in seinem Ubw genötigt, auch auf das Kind in einer Art von 
neuerlicher Kastration zu verzichten. Es glaubt die Hoffnung 
auf das Kind aufgeben zu müssen, wie einst die Hoffnung auf 
den Penis. 

Die infantile Sexualorganisation findet im oben beschriebenen 
Vorgang um das fünfte Lebensjahr ihr Ende und wird durch 
die Latenzperiode abgelöst. Die Erfahrungen zeigen uns, daß 
die „Latenz" dieser Zeit nur eine relative ist. In derselben 
kommen die Residuen der vorausgegangenen Entwicklungen 
mit besonderer Betonung und Fortsetzung dieser oder jener 
Komponente zum Ausdruck. Gleichzeitig bereiten sich bereits 
die psychologischen Umgestaltungen der Pubertät allmählich vor. 

Die Entdeckung der phallischen Organisationsstufe in der 
Libidoentwicklung hat uns erst die Entstehung und Bedeu- 
tung des „Männlichkeitskomplexes« restlos aufklären können. 



m 

Der Männlidikeitskomplex des Weibes 

Die psychoanalytische Erfahrung drängt uns immer mehr 
zur Erkenntnis, daß der „Männlichkeitskomplex" des Weibes 
zum ständigen Bestandteil ihrer psychischen Struktur gehört 
und daß das Vorhandensein desselben nur unter bestimmten 
Bedingungen zu neurotischen Erscheinungen führt. Sonst ist 
er in normalen Reaktionsbildungen, Sublimierungen, Charakter- 
gestaltungen und anderweitigen Äußerungen aufzufinden. Diese 
Tatsache scheint mit der Annahme der bisexuellen Anlage des 
Menschen aufgeklärt zu sein, und was an „Männlichkeit" im 
weiblichen Seelenleben zum Ausdruck kommt, wäre somit nur 
ein Residuum einer nicht restlos überwundenen Vergangenheit 
auf dem Wege der Entwicklung. Erscheint doch auch das 
Seelenleben des Mannes durchsetzt von Reminiszenzen an 
Entwicklungsphasen, die durch ihren der „Männlichkeit" wider- 
strebenden Charakter den „weiblichen" Anteil im Seelenleben 
des Mannes darstellen. Es handelt sich dann stets um das 
Persistieren von „passiven" Tendenzen aus Phasen, wo männ- 
lich und weiblich wohl noch nicht vorhanden waren, aber die 
Vorstufen dieser Polarität in „aktiv" und „passiv" bereits 
vorgebildet wurden. 

Als zweite Quelle der weiblichen Strebungen beim Manne 
betrachten wir die im Ödipuskomplex bedingte, im normalen 
Gang der Entwicklungen untertauchende Identifizierung mit 



H Psydioanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



der Mutter. Dieselbe spielt eine wichtige Rolle beim Entstehen 
der Neurosen und Perversionen. 

Legen diese Feststellungen Zeugnis für die bisexuelle Kompo- 
nente auch beim Manne ab, so spielt doch der „Männlichkeits- 
komplex" des Weibes eine viel dominierendere Rolle wie der 
„Weiblichkeitskomplex" des Mannes, so daß ihm genetisch 
eine andere Bedeutung zuzuschreiben ist. 

Zum Grundstein der psychoanalytischen Erwägungen wurde 
. die Annahme, der „Männlichkeitskomplex'' sei eine Reaktion 
auf die Benachteiligung, die das kleine Mädchen durch die 
traurige Tatsache der Penislosigkeit erlitten hat. „Anatomie ist 
das Schicksal", sagt Freud, das Wort Napoleons variierend. 
Somit würde die Identität dieses Komplexes mit dem Kastra- 
tions- bzw. Penisneidkomplex hergestellt sein. In diesem Sinne 
wird auch seit der grundlegenden Arbeit Abrahams 1 der 
„Männlichkeitskomplex" als Ausdruck der narzißtischen Krän- 
kung der Penislosigkeit betrachtet. Der weitgehenden Publikation 
Abrahams ist im klinischen und deskriptiven Sinne nichts 
beizufügen; sie enthält alles, was wir derzeit über diese Kon- 
stellation wissen. 

Die Anschauung, der Männlichkeitskomplex sei nur auf die 
Tatsache der anatomischen Benachteiligung zurückzuführen, 
scheint doch nur einem Motive die volle Wichtigkeit zuzu- 
schreiben und andere vielleicht ebenso schwerwiegende zu 
vernachlässigen. 

Die Publikation von K. Horney 2 entsprach dem Bedürfnis, 
auch andere Motive als den Penisneid für die Bildung dieses 
Komplexes heranzuziehen. Es gelang der Autorin auch, auf 



i) K. Abraham: Äußerungsformen des weibl. Kastrationskomplexes, 
Int. Ztsch. f. PsA. VII. 1921. 

2) K. Horney: Zur Genese des weibl. Kastrationskomplexes, Int. 
Ztsch. f. PsA. IX. 1923. 



^ 



Der Männlidikeitskomplex des Weibes 15 

Grund des klinischen Materials anderweitige ätiologische 
Momente aufzuweisen. 

Neben der narzißtischen Kränkung des anatomischen Mangels 
kommen, wie sie annimmt, auch andere Benachteiligungsmomente 
in Betracht, so vor allem die Unmöglichkeit, gewisse für die 
prägenitalen Phasen wichtige Partialtriebe zu befriedigen. Eine 
bedeutende Rolle spielt die Harnerotik, der Exhibitionismus 
und die leichtere Gelegenheit zur straflosen Ausübung der 
Onanie beim Besitz des männlichen Organs. 

In der zitierten Arbeit hatte K. Horney den Satz auf- 
stellen können, daß die Identifizierung mit dem anders- 
geschlechtlichen Elternteil den Ausgangspunkt für die Ent- 
wicklung des weiblichen Kastrationskomplexes darstellt. Durch 
die Identifizierung mit dem Vater wird die weibliche Rolle 
abgelehnt, ihr entspricht auch der dazugehörige Peniswunsch, 
von dem sich der Kastrationskomplex ableitet. Als Motiv zur 
Entstehung der Identifizierung wird das Scheitern am Ödipus- 
komplex betrachtet. Die Versagung der weiblich gerichteten 
Wünsche schaffe somit sekundär den Kastrationskomplex und 
nicht umgekehrt hindere der Kastrationskomplex primär die 
weibliche Entwicklung. 

Dieser Beitrag von K. Horney erwies sich als wichtig zum 
Verständnis des weiblichen Kastrationskomplexes und bildet 
eine Ergänzung zu der grundlegenden Arbeit Abrahams. 
Auf Grund weitgehender Erfahrungen kann ich die Annahme, 
daß der Identifizierung mit dem Vater in der Bildung des 
Männlichkeitskomplexes eine zentrale Rolle zukomme, vollauf 
bestätigen. Auch das Scheitern am Ödipuskomplex als Motiv 
der Regression bekommt hier die uns auch anderweitig wohl- 
bekannte Wichtigkeit, ohne jedoch die Regelmäßigkeit der 
analytischen Befunde im normalen Seelenleben voll zu er- 
klären. 



^ PsyAoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Diese Gesetzmäßigkeit der Befunde spricht für eine 
biologische, im Entwicklungsgang gegebene Ursache und 
die pathologischen Erscheinungsformen würden den regressiven 
Vorgängen, quantitativen Verstärkungen, Fixierungen usw. 
entsprechen, genau so wie wir es bei der Bildung von ander- 
weitigen krankhaften Prozessen zu beobachten gewohnt sind. 
Das Studium der phallischen Phase scheint nun zu ergeben, 
daß die dispositionellen Momente zur Bildung des Männlichkeits- 
komplexes in dieser Phase zu suchen sind, und daß alle nor- 
malen und pathologischen Äußerungen desselben in der 
Definition „phallischer Komplex" ihre Unterbringung finden. 
Die nie verwundene Enttäuschung über den Genitalverlust 
und die damit zusammenhängenden Reaktionen sind nicht nur 
m der „narzißtischen Kränkung" der körperlichen Minder- 
wertigkeit zu suchen. Sie hängen innig mit der Trieb- 
entwicklung zusammen und sind an konstitutionelle Momente 
gebunden. 

Die sadistischen Tendenzen der prägenitalen Phase werden 
in der „phallischen" auf eine höhere Stufe gebracht, d. h. sie 
zielen nicht mehr auf die Vernichtung des Objektes, sondern 
stehen unter dem Zeichen der „Aktivität«, d. h. der Aggression 
ohne Vernichtung. Die passiven Tendenzen der vorigen Phase 
geraten in Verdrängung, bzw. sie werden mit folgender Moti- 
vierung aufgegeben: Der Besitz des Kotes als narzißtischer 
Wert wird von außen und von innen entwertet; von außen 
durch Ekelreaktionen der erzieherischen Umgebung, von innen 
durch das Verlustmoment der ständig erfolgenden Lostrennung. 
Diese Entwertung führt die narzißtische Libido beider Ge- 
schlechter zur Entdeckung einer neuen Quelle am eigenen 
Körper. Für die „phallische Phase« wird das Genitalorgan zum 
Zentrum der narzißtischen Libido, wie in der vorigen der 
Stuhl. Durch den entwicklungsgeschichtlich vorgezeichneten 



r 



Der Männlidikeitskomplex des Weibes 17 

Weg endigt die prägenitale Phase mit der Entwertung 
des Stuhles und die narzißtische Überwertung gleitet auf 
den Penis. 

So wie sich einst der Anus den passiven, so stellt sich jetzt 
der Penis den aktiven Tendenzen zur Verfügung, wobei ihm 
allerdings seine narzißtische Bewertung auch Reste analer 
Tendenzen zuführt (Kot — Penis). 

Die passiven Tendenzen der vorigen Phase werden mit der 
Entwertung des Produktes aufgegeben und mit ihnen auch die 
Identifizierung mit der Mutter. 

Wir haben bereits gesehen, daß die phallische Phase für den 
Knaben ebenso wie für das Mädchen unter dem Zeichen der 
Vateridentifizierung steht. Die Pathologie lehrt uns, daß die 
Mutteridentifizierung beim Knaben mit dem Kastrationswunsch 
und mit dem Festhalten an der analen Komponente der Libido 
einhergeht. Normalerweise werden die nun zum Verlassen be- 
stimmten analen Strebungen beim Manne zu einer wichtigen 
Sublimierungsquelle. Das Produkt der Arbeitsleistung in seiner 
Kot-Kind-Bedeutung wird aus derselben hergeleitet und auf 
diese Weise die feminine Triebkomponente des Mannes verwertet. 
Das Schicksal der analen Strebungen beim Weibe haben wir 
bereits früher besprochen. („Passivitätsschub.") 

Jedenfalls wird in der jetzt erfolgten Besetzung des Genitales 
einerseits mit narzißtischer Libido, andererseits mit sadistisch- 
aktiven Tendenzen die Klitoris vom Mädchen ebenso bewertet 
wie der Penis vom Knaben. Die unter dem Zeichen der Vater- 
identifizierung stehende Libido hat das Vorhandensein eines 
aktiven Organs in ähnlicher Weise zur Voraussetzung wie der 
Sadismus die Körpermuskulatur. Für diese „phallische'' Ent- 
wicklungsphase stellt der Besitz des aktiven Genitalorgans eine 
biologische Notwendigkeit dar. Diese Phase bedeutet für den 
Knaben einen Schritt vorwärts in der Richtung der zukünftigen 

Deutsch, Weibliche Sexualfunktionen a 



18 



Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Entwicklung zur Sexualreife, für das Mädchen stellt sie den 
letzten Akt der bisexuellen Anlage dar, den Kreuzungsweg, an 
dem berate in der infantilen Sexualorganisation die Differen- 
zierung Mann und Weib zum erstenmal auftreten wird 

An der Vollwertigkeit der als männliches Organ fungierenden 
Klitoris zweifelt das kleine Mädchen gar nicht; sie fühlt sich 
im Besitze des Organs, das von den aktuellen Libidostrebungen 
gefordert wird. Das intensive Drängen der Klitoris, die dunkle 
. Ahnung des Mangels, das Lenken der Aufmerksamkeit auf die 
lustbesetzte Zone, die innerste Notwendigkeit des Organs for- 
dert zur Forschung, zum Vergleich, zur sekundären Entdeckung 
des Unterschiedes und zur Bildung des „Kastrationskomplexes« 
heraus. 

Der „Männlichkeitskomplex'' baut sich also auf einer in der 
Entwicklungsgeschichte biologisch bedingten Männlichkeitsphase 
auf, für die die Identifizierung mit dem Vater nicht als 
regressiver, sondern als progressiver Vorgang zu bewerten ist 
Die Klitoris hat für diese Phase den realen 
Berns wert und erst das Aufgeben dieser Bewertung führt 
zur Bildung des Kastrationskomplexes. 

Mit der Überführung der narzißtischen Libido auf das 
Genitale wird dieses Organ mit jener Verlustangst belegt die 
in den vorigen Phasen real begründet war. Wurde doch wie 
oben gezeigt, das Verlustmoment eben zum Impuls zur Schaffung 
der neuen erogenen Zone. Die ganze Aufmerksamkeit des 
Kindes zentriert sich jetzt nach zwei Richtungen: Auf das Oro- an 
selbst und auf die Reaktion der Umgebung. Zu betonen Ist 
daß vor der Entdeckung des Penismangels, also vor der Bildun- 
des reaktiven Kastrationskomplexes, das kleine Mädchen dieselbe 
Besorgnis um die Klitoris entwickelt, wie der kleine Bub um 
den Penis. Die analytische Erfahrung läßt uns zur Genüge die 
Kastrationsangst des Mädchens kennen lernen, die vollkommen 




Der Männlidikeitskomplex des Weibes 19 

identisch mit der des Knaben ist und die Existenz des Organs 
zur Voraussetzung hat. Die Genese dieser Angst ist in der 
Entwicklungsstufe noch vor der Entdeckung des anatomischen 
Unterschiedes zu suchen. In der Erwartung der Strafe für die 
Masturbation lauert das Kind auf die Äußerungen der Umgebung 
und alles dazu Geeignete wird ihm zur Kastrationsdrohung. 
Dieselbe muß somit nicht in direkter Form geäußert werden, 
um vom Kinde als solche empfunden zu werden. 

Mit der Zentrierung des Interesses am Genitale und durch 
die Beobachtung seiner Umgebung entdeckt das Kind, Knabe 
und Mädchen, den Genitalunterschied. Diese Entdeckung wird 
jetzt bereits im geschlechtsdifferenzierten Sinne verarbeitet. 
Der Knabe gibt die Lustfunktion auf, um den anatomischen 
Besitz zu retten. Beim Mädchen ist der Vorgang ein anderer: 
vor allem muß mit dem Organmangel die phallische Phase und 
mit ihr die Identifizierung mit dem Vater, d. h. die Männlichkeits- 
konstellation aufgegeben werden. Bevor dies geschehen ist, 
kommt es zur Reaktionsbildung auf die narzißtische Kränkung 
der neugemachten Entdeckung. Interessant erscheint dabei die 
Beobachtung, daß die Erkenntnis des Geschlechtsunterschiedes 
erst dann die traumatische Reaktion hervorruft, wenn sie in 
der phallischen Entwicklungsphase vor sich geht. Die vor 
dieser Phase gemachten diesbezüglichen Beobachtungen werden, 
wenn auch visuell aufgenommen, nicht affektiv verwertet und 
bekommen nachträglich in der phallischen Phase ihre schwer- 
wiegende Bedeutung. 1 

1) Ein kleines Mädchen nahm im Alter von eineinhalb Jahren anläßlich 
der Geburt eines Brüderchens den Geschlechtsunterschied wahr, ohne 
irgend welche Reaktionen. Der bald erfolgte Tod des Bruders gab ihr 
später keine Gelegenheit mehr, den Eindruck aufzufrischen. Die Genese 
ihres Kastrationskomplexes gehörte einer viel späteren Kindheitsperiode 
an und brachte den frühzeitig gewonnenen Eindruck erst in diesem 
geeigneten Momente zur Auswirkung. 



^ Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Unter besonderen Entwicklungsbedingungen kann die Fixie- 
rung in der „phänischen" Stufe erfolgen, so daß das Mädchen 
die infantile Genitalorganisation in derselben Entwicklungsphase 
beendigt wie der Knabe. 

Der Kastrationskomplex als Reaktion auf die „narzißtische 
Kränkung" kann nicht in der gewohnten Weise erfolgen, 
denn das Mädchen bleibt in diesem FaUe an der einmal ange- 
nommenen Realität des Penisbesitzes haften, akzeptiert nicht 
den Geschlechtsunterschied, identifiziert sich weiterhin mit dem 
Vater. Sie bildet ein Über-Ich nach männlichem Typus; im 
Verhältnis zum Objekte wird sie homosexuell oder wählt eine 
heterosexuelle Beziehung, in der sie die männliche Rolle 
behalten darf. 

Normalerweise wird mit der Entdeckung der Penislosigkeit 
die Identifizierung mit dem Vater aufgegeben und die nun 
folgende Phase des Kampfes um den verloren gegangenen 
Penis, die Tendenz, bei der Vateridentifizierung zu verbleiben, 
die Reaktionen auf das Fehlen des Organs, die Trost- und 
Erklärungsversuche, die Annahme der vollzogenen Bestrafung, 
der Penisneid, die Rachetendenzen usw. bilden den Kern des 
Kastrationskomplexes, der, wenn auch, entsprechend 
überwunden, immer seine Niederschläge im Ubw hinterläßt. 

Die Beendigung dieses Kampfes ist gleichbedeutend mit 
dem Aufgeben der „phallischen" Organisation. Jede abnorme 
Äußerung dieses Komplexes bedeutet somit eine Regression 
der Libido zur „phallischen" Phase. Ebenso sind 
gewisse Formen von Charakterbildung beim Weibe als Ab- 
kömmlinge dieser Phase zu bewerten. 

Abraham 1 hat nach der Art der Reaktionen zwei Typen 
als „Äußerungsformen des weiblichen Kastrationskomplexes" 
aufgestellt: einen Wunsch- und einen Rachetypus. Nach dem 

i) loa cit. ~ ~ " 



Der Männlidikeitskomplex des Weibes 21 

oben Gesagten können wir hier noch eine dritte Form auf- 
stellen: das ist der erwähnte Typus, der die Vateridenti- 
fizierung nie restlos aufgegeben hat, an dem realen Besitz des 
Penis festhält und ein Kompromiß zwischen der Realität und 
dem Lustprinzip abschließt, indem er die Penislosigkeit ab- 
leugnet. Das weibliche Genitale bleibt da andauernd unentdeckt 
(Frigidität), die Klitoris behält die voll befriedigende Sexual- 
rolle, der Penis wird nie gegen den Kindwunsch umgetauscht. 
Dieser Typus neigt zur homosexuellen Objektwahl, erreicht 
nie die feminine Einstellung zum Manne, erweist sich stark 
männlich in den Sublimierungstendenzen. Es ist der reine 
„Männlichkeitskomplex", bei dem die reaktiven Bildungen des 
„Kastrationskomplexes" im Hintergrund stehen. 

Als Ausdruck der Reaktionsbildungen auf die wahrgenommene 
Kastration entstehen zwei Typen: 

i) die Kastration wird als Bestrafung bewertet, es kommt 
zu charakteristischen Minderwertigkeitsgefühlen, die einerseits 
in der körperlichen Benachteiligung, andererseits im Schuld- 
gefühl ihren Ursprung haben; 

2) die „narzißtische Kränkung" wird als erlittenes Unrecht 
empfunden, der Objektwelt gegenüber bestehen intensive 
Rachetendenzen (Rachetypus nach Abraham). Im Mittelpunkt 
steht der P e n i s n e i d. Dabei ist zu bemerken, daß der Neid 
vor allem dem Bruder gilt (er war bereits im Geschwister- 
verhältnis vorgezeichnet). Die Äußerungen des Penisneides 
kommen im späteren Leben besonders häufig als Konkurrenz- 
und Rivalitätseinstellung zum Ausdruck. Die aktiven Kastra- 
tionswünsche dem Vater gegenüber haben einen mehr objekt- 
libidinösen Charakter und dienen den Rachetendenzen für 
nicht erfüllte libidinöse Forderungen. Dagegen wurzelt der 
aktive Kastrationswunsch dem Bruder gegenüber in der rein 
narzißtischen Kränkung des Penismangels. In der Analyse wird 



22 



Psydioanalyse der weiblichen SexualfunkÖc 



sich stets erweisen, daß der „Rachetypus« bereits in der 
prägemtalen Phase stärkere sadistische Regungen verraten hat 
und dieselben m die aktiven Tendenzen der phänischen Organi- 
sation mitgenommen hat. 

Somit haben wir in der phallischen Phase eine Entwick- 
lungsstufe der Libido kennen gelernt, in der die bisexuelle 
Anlage des Weibes ihren Höhepunkt, aber auch ihren Abschluß 
erreicht. 

Wie dann die Entwicklung zur Mutteridentifizierung vor 
sich geht, haben wir bereits besprochen. 

Die letzte Phase der infantilen Organisation bedeutet für 
das Eichen der „weiblichen Einstellung« einen Fortschritt, 
Fdoch eine Regression im Sinne der Libidoentwicklung (s o ) 
Dieser regressive Charakter ist für die „Weiblichkeit« charak- 
teristisch und läßt uns verstehen, wieso die Gleichsetzung 
weiblich-infantil so häufig in verschiedenen psychischen Kon 
stellationen vorkommt. 1 



Libido auch aufgeSlen sei ** ^^^ EntwickI ™g der weiblichen 



IV 

Differenzierung von Mann und Weib in der 
Fortpflanzungsperiode 

Wir haben bereits der Tatsache Rechnung getragen, daß schon 
im frühen Kindesalter beim Knaben und beim Mädchen differen- 
zierende Züge auftreten und daß der Geschlechtsunterschied 
in der „phallischen" Phase zu einem weitgehenden Fortschritt 
gelangt. Dennoch haben wir zu betonen, daß die endgültige 
Sonderung der Geschlechter in Mann und Weib (im psycho- 
logischen Sinne) erst in der Pubertät, also mit dem Einsetzen 
der Fortpflanzungsfunktion (bzw. deren Bereitschaft) zur Tat- 
sache wird. So werden wir uns im folgenden mit der Psycho- 
logie der Frau in jenen Lebensäußerungen beschäftigen, in 
welchen sie ganz weiblich ist, biologisch und psychologisch 
vom Manne divergierend. 

Die Identität weiblich-passiv, männlich-aktiv bekommt erst 
jetzt in der Fortpflanzungsperiode ihre volle Gültigkeit und 
deckt auch dieBegriffe weiblich-masochistisch, männlich-sadistisch, 
u. zw. nicht nur im Sinne der Funktion, sondern auch des 
schmerzhaften Erleidens, bzw. Leidzufügens. Die nun eintretende 
Differenzierung legt vor allem dem weiblichen Wesen ein viel 
größeres Maß von Arbeitsleistung auf, nicht nur im Körper- 
lichen, sondern auch im Seelischen. Während die Fortpflanzungs- 
funktion des Mannes in der sadistischen Bewältigung des Sexual- 



24 



PsydioanaJyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Objektes besteht und mit der Erreichung der Organlust erledigt 
ist, fängt die komplizierte Tätigkeit des Weibes zum Zwecke 
der Erhaltung der Art nun erst an. Von diesem Momente an 
verwandelt sich die Rolle der Frau als Sexualwesen in dem 
Sinne, daß sie über ihre individuellen Strebungen hinaus zum 
„vergänglichen Träger des Keimplasmas wird" (Freud). Die 
psychische Leistung des Weibes diesen neuen Aufgaben gegen- 
über besteht in der Bewältigung der nun entstehenden Konflikte 
zwischen den „ichlibidinösen" und den Fortpflanzungstendenzen. 
Wir haben bereits in der Psychologie der „phallischen" Phase 
gesehen, wie die Entdeckung des Penismangels mit einer 
„ichlibidinösen" narzißtischen Kränkung vor sich geht und wie 
die Entschädigungstendenzen in den Kindeswunschphantasien 
des kleinen Mädchens zum Ausdruck kommen. 

Der Konflikt zwischen dem Ich und den Objektbesetzungen findet 
auch im normalen Seelenleben statt und seine entsprechende 
Bewältigung bildet den Maßstab der psychischen Gesundheit. 
Die Art der Fortpflanzungsfunktion des Weibes gestaltet diese 
Konflikte komplizierter als beim Manne und schafft dadurch 
auch eine größere Disposition zu neurotischen Erkrankungen. 
Das Gesamtbild des Verlaufes dieser Fortpflanzungstätigkeit 
setzt sich zusammen aus einigen großen, einschneidenden 
Ereignissen, die sich alle durch ein Typisch-Gemeinsames aus- 
zeichnen: sie haben für den Körper und für die Psyche den 
Charakter von Traumen im Sinne der Zerreißung einer 
Kontinuität und des schmerzhaften Erleidens. 

Im Körperlichen und im Psychischen stellen sie an das weib- 
liche Individuum Neuforderungen, verursachen eine Veränderung 
in den äußeren und inneren Relationen und bilden eine Be- 
lastungsprobe für das Organische und Psychische des Weibes. 
Im Körperlichen haben alle diese Erschütterungen den 
Charakter des blutigen Traumas, u. zw. gilt dies für die 



Differenzierung von Mann und Weib in der Fortpflanzungsperiode 25 

Menstruation, die Defloration, die Befruchtung, die Entbindung 
und das Klimakterium. 

Im Leben des Mannes gibt es im wesentlichen nur eine 
biologisch bedingte Situation, die durch das Einsetzen des 
neuen Sexualzieles eine gesteigerte Forderung mit sich bringt: 
Das ist die Pubertät, deren Schwierigkeiten für den Mann 
rein in der Anpassung der bisherigen psychischen Konstella- 
tionen und frühinfantilen Einstellungen an diese Forderung 
des neuen Sexualzieles bestehen. Die psychische Leistung 
beruht in der Ablösung und Überwindung niedrigerer Ent- 
wicklungsstufen. 

Anders ist es beim Weibe: Erstens gestaltet sich die Pubertät 
schwieriger durch psychische Konflikte, in deren Zentrum das 
erste Auftreten der Menstruation steht. Auch bedeutet das 
periodische Auftreten der Menstruation jedesmal die mehr 
oder weniger abgeschwächte Rückkehr des ersten traumatisch 
wirkenden Menstruationserlebnisses und wiederholt gleichzeitig 
— als Reminiszenz — diese erste, mit so vielen Schwierigkeiten 
verbundene Situation — gleichsam eine wiederkehrende Pubertät 
und ihre Kämpfe. 

Zweitens erfordert jedes einzelne der oben erwähnten 
Sexualerlebnisse, ähnlich wie die Pubertät, eine psychische Um- 
gruppierung, eine Anpassung an eine neue biologisch auferlegte 
Sexualfunktion, eine Neuordnung im libidinösen Haushalte. 



V 
Psychologie der Pubertät 

Die psychoanalytische Erfahrung hat uns gelehrt, daß die 
endgültige geschlechtliche Differenzierung erst in der P u b e r t ä t 
auftritt. Bis dahin steht das unreife Individuum, trotz der bereits 
in den infantilen Phasen vollzogenen Vorbereitung, unter dem 
Zeichen der Bisexualität; seine Sexualwünsche und Phantasien 
sind noch nicht gänzlich der heterosexuellen Objektwahl zu- 
gewandt. Die Pubertät und ihre Kämpfe beweisen, daß die 
Leistung des letzten Aktes der infantilen Entwicklung mit 
ihrem „Passivitätsschub", im Sinne der intendierten Weiblichkeit, 
nicht zur vollen Auswirkung gelangen konnte. Dafür mögen 
u. a. die aktuellen Versagungen verantwortlich gewesen sein, 
die vor allem den Wunsch nach dem Kinde betrafen. Es hat 
den Anschein, als würde bereits in der Präpubertätsphase 
eine neuerliche Belebung des seinerzeit aufgegebenen Penis- 
wunsches begonnen haben. Denn die Aufgabe der Pubertät 
besteht wieder in der Bewältigung des männlich gerichteten An- 
teiles des Sexuallebens. Diese männlichen Tendenzen knüpfen 
auch jetzt an die Klitorismasturbation der Vorpubertät an Wir 
wissen bereits, daß dieses Organ nicht nur entwicklungs- 
geschichthch, sondern auch psychologisch für die Phantasien 
des Mädchens den Penis darstellt. 

Normaliter wird in der Pubertät die Klitorismasturbation auf- 
gegeben und der Verzicht auf diese erogene Zone ist identisch 
mit dem Aufgeben der an dieses Organ gebundenen männlich 



Psychologie der Pubertät 27 



gerichteten Strebungen zugunsten der restlosen Weiblichkeit. 
Dieser Pubertätsverzicht geht nicht ohne Kämpfe vor sich. Im 
Mittelpunkt derselben steht das Ereignis der 

ersten Menstruation. 

Die analytische Erfahrung zeigte uns, daß das erste Auf- 
treten der Blutung — in einer Determinante — für das Unbewußte 
des Mädchens eine Bestrafung für die Klitorismasturbation 
bedeutet. Im Ubw des kleinen Mädchens spielte schon früher 
— wie wir gesehen haben — die Vorstellung, sie habe einen 
Penis gehabt, der ihr jedoch weggenommen, kastriert wurde, 
eine wichtige Rolle. Die phantasierte „Kastration" wurde mit 
dem Schuldgefühl der Masturbation verbunden. Mit dem Auf- 
geben der Klitoris als Erregungsorgan und mit dem Auftreten 
der Menstruation vollzieht sich für das junge Mädchen, wie 
man sagen könnte, eine reale Kastration im Sinne des 
Verlustes eines Lustorgans, das als Penisersatz fungiert hatte. 

So bedeutet die erste Menstruation eine „narzißtische 
Kränkung" im Sinne des endgültigen Verlustes eines gewünschten 
und schmerzlich vermißten Körperteils. Die dabei entstandenen 
reaktiven Tendenzen, den Penis (Klitoris) zu behalten, 
bekommen ihren deutlichen Ausdruck in einer bestimmten 
Tatsache: die bereits aufgegebene Klitorismasturbation kehrt 
in vielen Fällen nur zur Zeit der Menstruation wieder, gewisser- 
maßen als Reminiszenz der ersten Blutung und des mit derselben 
verbundenen Verzichtes auf die Klitoris als lustspendendes 
Organ. Die „narzißtische Kränkung" des Penisverlustes in der 
Pubertät wird durch eine entschädigende Ichbefriedigung 
getilgt. 

Die nun einsetzende innersekretorische Tätigkeit der Drüsen, 
die Entwicklung der sekundären Geschlechtscharaktere führt 
zur Ausbildung neuer weiblicher Körperreize. Die narzißtische 



28 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Libido wird vom Genitale auf das Körperganze verschoben. 1 Auf 
diese Weise haben sich die narzißtischen Tendenzen sekundär 
in den Dienst der Fortpflanzungsfunktion gestellt. 

Für das Bewußtsein des Mädchens bedeutet das Eintreten der 
Menstruation die langersehnte sexuelle Reife und ein Inaussicht- 
stellen des Kindes, das ihr eine restlose Entschädigung für alle nar- 
zißtischen Kränkungen bieten soll. Im Gegensatz dazu tritt in der 
Tatsache der Menstruation die ärgste Enttäuschung und Versagung 
dieses Versprechens auf. Biologisch bedeutet die Menstruation 
eine nicht stattgehabte Befruchtung und war — nachgewiesener- 
maßen — beim primitiven Weibe, das vorzeitig begattet und 
gleich nach der ersten Ovulation befruchtet wurde, kaum bekannt. 

Psychologisch bedeutet die Menstruation somit für das. Ubw 
dasselbe, was sie biologisch tatsächlich ist und als was sie auch 
später bewußt bewertet wird: die Versagung eines 
Kindes. Sie wird so zur zweiten großen Enttäuschung, u. zw. 
jetzt bereits im Sinne von weiblich gerichteten Tendenzen. 

Die psjrchoanalytische Erfahrung hat uns gezeigt, wie das 
Kind die Frau für den Penismangel entschädigen soll und wie 
durch die narzißtische Befriedigung am Kinde die andere nar- 
zißtische Kränkung, nämlich die der Penislosigkeit, getilgt wird. 

Typische Menstruationsbeschwerden. 2 

Wir haben nun erfahren, wie die Menstruation beide 
Kränkungen — kein Kind und kein Penis — in sich enthält 
und wundern uns somit nicht, daß sie sich besonders eignet, 



i) J. H ä r n i k : Schicksale des Narzißmus beim Mann und Weib. Int. 
Ztschr. f. Psychoanalyse IX (1923), 278 ff. 

Auch Härnik ist auf Grund seiner Erfahrungen zur Erkenntnis gekommen, 
daß die erste Menstruation für das Ubw eine Kastrationsblutung bedeutet. 

2) Es soll an dieser Stelle nicht auf die zahlreichen neurotischen 
Symptome eingegangen werden, die als Menstruationsstörungen auftreten. 



Psychologie der Pubertät 29 



Enttäuschungsreaktionen hervorzurufen. Es gibt unter unseren 
Kulturbedingungen kaum ein weibliches Wesen, das nicht mit 
Leidenssymptomen auf die Menstruation reagieren würde. 

Die Analyse dieser Symptome, die von leichtesten Beschwerden 
bis zu psychisch und körperlich schwersten Krankheits- 
erscheinungen führen, ergibt, daß sie sich durchwegs um die 
zwei narzißtischen Kränkungen „kein Penis, kein Kind" 
gruppieren, bald von der einen, bald von der anderen ihren 
Inhalt schöpfend. Zu ständigen Begleiterscheinungen der Men- 
struation — also noch in die Grenzen des Physiologischen — 
gehört der Symptomkomplex: Kopfschmerzen, Depression und 
Gereiztheit, sowie mehr oder minder intensive dysmenorrhoische 
Beschwerden. 

Die Analyse ergab regelmäßig, daß von diesen typischen 
Symptomen der Kopfschmerz dem Kastrationskomplex angehört, 
u. zw. in dem Sinne, daß der Kopf als Sitz des Intellektes 
männliche Leistungsfähigkeit verkörpert. Selbstverständlich ist 
jedes dieser Symptome mehrfach determiniert und in seiner 
Bedeutung individuell variierend. Eine weitergehende Mitteilung 
analytischer Erfahrungen würde uns zu weit führen. 

Die psychischen Symptome tragen in sehr bezeichnender 
Weise den Charakter von Reaktionen auf einen erlittenen 
Verlust und können sich bis zum Krankheitsbilde einer schweren 
Melancholie steigern. Auch sind jedem Psychiater die men- 
struellen Verschlimmerungen der Melancholie und die depressiven 
menstruellen Phasen im Verlaufe der Manie bekannt. Diese 
Depressionen stehen unter dem Zeichen beider Verluste „kein 
Kind und kein Penis". 

Diese psychischen Reaktionen können nun ihren menstruellen 
Charakter verlieren und auch in der Zwischenzeit bestehen 

Ich verweise auf die wertvolle Publikation von Jos. M. Eis ler: „Über 
hyster. Erscheinungen am Uterus." Int. Zschr. f. PsA. IX (1923), 266 ff. 



?ü Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



bleiben. Der Zusammenhang mit der Menstruation läßt sich 
dann erst psychoanalytisch feststellen. 

Wir haben bereits darüber gesprochen, wie die Pubertäts- 
zeit die verlassenen infantilen Libidopositionen auffrischt und 
wie das um diese Zeit so üppig wuchernde Phantasieleben 
noch stark unter dem Zeichen regressiver Momente steht, d h 
mit der Rückkehr zu frühinfantilen Einstellungen einhergeht 
Wir werden uns somit nicht wundern, wenn wir erfahren daß 
die Objekte der Phantasiegebilde im Unbewußten das Antlitz 
der infantilen Objekte, also des Vaters und der Mutter tragen 
Die bereits genital zentrierte Libido enthält ja doch noch 
Tendenzen, aus denen die Mobilmachung verlassener prä- 
genitaler Organisationen zu erkennen ist. 

So lassen uns die mit diesen Phantasien eng verknüpften 
Symptome analytisch ihre Verkettung mit den infantilen Nieder- 
schlägen erkennen. 

Die oben erwähnten dysmenorrhoischen Beschwerden gehen 
mit unbewußten Entbindungsphantasien einher, die ihrerseits 
unter dem Zeichen des „Ödipuskomplexes« stehen. 

Die Analyse der so häufig — besonders bei jungen Mädchen 
— auftretenden Amenorrhoe ergab als ihren unbewußten Inhalt 
meist Schwangerschaftsphantasien. 1 

Wie sonst die Genitalblutungen als hysterisches Konversions- 
symptom benutzt werden, wie sie zu verschiedenen Zwecken 
der Abwehr, Flucht oder Beweisführung usw. psychisch ver- 
wendet werden können, gehört nicht in den Rahmen dieser 
Arbeit (Groddeck). 

Wie sich in diesen Fällen die Relation zwischen dem Soma- 
tischen und Psychischen herstellt, muß an dieser Stelle uner- 
örtert bleiben. Auch ist das Wesen dieser Beziehungen noch 
zu problema tisch und ungeklärt. 

i) Eisler a. a. O. " " ' 



Psychologie der Pubertät 31 



Schwierigkeiten der Pubertät 

Dieses erste ins Dasein des weiblichen Individuums so tief 
einschneidende Pubertätsereignis steht, wie wir gesehen haben, 
im Mittelpunkt der Schwierigkeiten, die mit den neuen Auf- 
gaben der vollzogenen Geschlechtsreife an das nun Weib 
gewordene Mädchen herantreten. 

Von dem Ausgang dieses ersten großen Entscheidungs- 
kampfes, d. h. von der entsprechenden Überwindung der 
männlich gerichteten Vorpubertätstendenzen, von dem günstigen 
Einsetzen der Fortpflanzungsbereitschaft — die sich allerdings 
endgültig erst später, wie wir sehen werden, einstellt — hängt 
das zukünftige Schicksal des Weibes im Sinne der psychischen 
Gesundheit und der Glücksmöglichkeit ab. Es gilt jetzt nicht 
nur die narzißtische Kränkung der verlorenen Männlichkeit zu 
überwinden, sondern auch die nun unbrauchbar gewordenen 
und für die sexuelle Bewegungsfreiheit hemmend und störend 
wirkenden infantilen Überreste der prägenitalen Entwicklungs- 
stufen und der früheren Objektwahl günstig zu erledigen. 

Die Schwierigkeiten ergeben sich auch aus den kulturellen 
Bedingungen, die besonders für das weibliche Individuum eine 
mehr oder weniger lange dauernde Frist zwischen Sexualreife 
und Befriedigungsmöglichkeit einschieben. Die Forderung, sich 
der realen Versagung vollkommen anzupassen, wird vom 
Mädchen meist ernster genommen als vom männlichen Indivi- 
duum. Diese Forderung des restlosen Verzichtes drängt das 
junge Mädchen von seinem normalen Streben nach der Reali- 
sierung wachgewordener Sexualwünsche in das Phantasieleben 
zurück, so daß sich später die Rückkehr in die freiwerdende 
Realität schwerer gestalten kann. Die eintretenden Schwierig- 
keiten finden dann mannigfachen Ausdruck: in abnormen 
Charakterbildungen, in der Erschwerung der Objektwahl, in 



32 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



neurotischen Symptomen, vor allem in der Frigidität und 
gewissen stark psychisch determinierten Formen der Sterilität, 
erschwerten Beziehungen zum Kinde vor und nach der 
Geburt usw., kurz in allen jenen Situationen, die die volle 
weibliche Einstellung erfordern. So kann schon die Tatsache 
des Verbotes der Realisierung sexueller Wünsche in der ersten 
Abstinenzzeit zur Folge haben, daß sich von da an dieses 
Verbot mit jeder sexuellen Wunschregung verknüpft und nur 
die Durchbrechung des Verbotes zum besonderen Reize wird. 1 
Jede sexuelle Empfindungsfähigkeit ist dann nur unter der 
Bedingung des Unerlaubten möglich; dahin gehört die Wahl 
des Liebesobjektes gegen den Wunsch der Eltern oder eine 
Genußfähigkeit im Sexualakt nur außerhalb der sozialen Sexual- 
ethik usw. Es gibt z. B. Frauen, die unter dem Einfluß dieser 
Liebesbedingung in der Ehe frigid bleiben und auf jeden 
außerehelichen — also verbotenen — Verkehr mit stark posi- 
tiven Empfindungen reagieren. 

Typische Pubertätsphantasien 

Gewisse typische Phantasien, die in der Pubertätszeit be- 
ginnen und in wachsender Intensität die Zeit der Sexualreife 
bis zur realen Befriedigungsmöglichkeit ausfüllen, gehören 
zum ständigen Rüstzeug des Weibes und werden, wo sie zur 
stärkeren Abkehr von der Außenwelt und zur intensiven 
Introversion in die Phantasiewelt führen, zum Ausgangspunkt 
neurotischer Störungen und gewisser Charakterbildungen. 
Diese Phantasien sind, auch wo sie nicht zu pathologischen 
Reaktionen führen, für das weibliche Wesen so charakteristisch, 
daß ihre Erwähnung in diesem Zusammenhang nicht umgangen 
werden kann. 



i) F r e u d, Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens (Ges. Schriften, 
Bd. V). 



Psychologie der Pubertät 33 



Die einen sind die — von mir so genannten — parthenö- 
genetischen Phantasien, die anderen die Dirnen- 
phantasien; 

Beide haben ihre Wurzel im Ödipuskomplex und im 
Kastrationskomplex und bilden weitere Reaktionen auf die 
oben besprochene durch das Auftreten der Menstruation 
erlittene Kränkung „kein Kind, kein Penis". 

Die parthenogenetische Phantasie 1 lautet: „Ich besitze ein 
Kind aus mir selbst, ich bin ihm Mutter und Vater. Ich brauche 
und will keinen Mann zur Zeugung dieses Kindes." 

Charakteristischerweise wird diese Phantasie bei einem 
gewissen stark männlich strebenden Frauentypus zum voll- 
kommen bewußten Wunsch. Sie setzt sich selten, aber doch 
gelegentlich in der von diesen Frauen durchgeführten Zeugung 
eines Kindes mit dem „ersten besten", dessen Rolle auf die 
Befruchtung reduziert wird, wirklich durch. 

Die Entwicklung dieser Phantasie steht in restloser Analogie 
zu jenem biologischen Vorgang, dem sie ihren Namen ver- 
dankt. Wie die parthenogenetische Form der Fortpflanzung 
aus einer amphigenen, d. h. zweigeschlechtlichen mit Rück- 
bildung der Befruchtung entstanden ist, so wurde auch das 
parthenogenetische Phantasiekind ursprünglich zweigeschlecht- 
lich in der Ödipuskonstellation vom Vater konzipiert und erst 

i) Einen interessanten Beitrag zu dieser Phantasie liefert uns die Nonne 
Antoinette Bourignon, die im 17. Jahrhundert gelebt hat. Sie entwarf 
religiös-wissenschaftliche Theorien, aus denen hervorgeht, daß die Erlösung 
der Menschheit dann eintreten wird, wenn die Frauen die Fähigkeit 
erreichen werden, aus sich selbst, ohne Hilfe des Mannes, Kinder zu 
gebären. „Cet etat d'innocence n'est pas celui de Vasexualite, mais une sorte 
d'hermaphroditisme." Nach Angabe ihrer Biographen pflegte dieselbe Nonne 
ihre geistig-produktive Tätigkeit mit körperlichen Schmerzen zu verbinden, 
die ganz den Charakter von Geburtswehen hatten: „. . . eile ressentit de 
grandes douleurs corporelles et comtne de pressantes tranchees d'un enfante- 
ment" (vgl. R e in a ch: Cultes, Mythes et Religions: Une Mysüque au 
XVII. Siecle). 

Deutsch, Weibliche Sexualfunktionen 3 



?t Psydioanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



als Reaktion auf die Menstruationskränkung in ein partheno- 
genetisches verwandelt. 

Die Phantasie enthält Wunscherfüllungen nach mehreren 
Richtungen. So befreit sie von einem Teil des Schuldgefühls, 
das im Ödipuskomplex wurzelt, indem sie die Herkunft dieses 
Kindes vom Vater ableugnet. 

Dann mildert sie die Kastrationswunde, indem sie an Stelle 
des nun restlos verloren gegangenen Penis eine andere Ver- 
größerung des körperlichen Ich aus sich selbst schafft im 
selbsterzeugten Kinde in der narzißtischen Genugtuung: „Was 
der Mann tun kann, kann ich auch." 

In der Sublimierung äußert sich diese Phantasie im Streben 
nach Selbständigkeit und in der Schaffung „parthenogenetischer 
Kinder«, der geistigen Produktion nach männlicher Art. Doch 
hier erweist sich in den meisten Fällen, wie unmöglich es ist 
diese Strebungen restlos zu realisieren; denn andere psychische 
Tendenzen im Weibe - auf die wir noch weiter zu sprechen 
kommen - bewirken, daß auch ihre geistigen Kinder nie das 
Zeichen der Parthenogenese tragen können und nur durch den 
geistigen Befruchtungsakt vom Manne zustande kommen. 

Wohl ist das sporadische Auftreten einzelner weiblicher 
Individuen, deren geistige Leistungen ganz originell und voll- 
wertig sind, nicht zu leugnen; wir trachten aber, unvorein- 
genommen psychologisch zu verstehen, warum dies nur in 
Ausnahmefällen möglich ist. 

Wir haben in unseren Analysen den Eindruck gewonnen 
daß das Überwiegen der „parthenogenetischen" Phantasien 
sowie der Reaktionen auf diese Phantasien in der Schicksals- 
gestaltung (Tendenzen zur geistigen Betätigung) und Symptom- 
bildung für einen bestimmten Typus von Frauen charakteristisch 
ist. Es ist dies jener Typus, der auf die narzißtische Kränkung 
des Penisverlustes in der Pubertät mit einer Art Verlegung 



Psydiologie der Pubertät 35 

„von unten nach oben" reagiert hat und sich das mangelnde 
Organ durch die Überwertung des Intellektes ersetzt. 

Die zweite Gruppe der Phantasien, die wir „Dirnen- 
phantasien " genannt haben, wurzelt auch im Ödipus- und 
Kastrationskomplex; auch sie entsteht im Anschluß an die 
Pubertätsereignisse und ist nur eine andere Äußerungsform 
jener besprochenen Enttäuschung. Sie besagt: „Ich gehe als 
Dirne auf die Straße, gebe mich in der Erniedrigung jedem 
Manne." Sie enthält die Reaktion auf die Liebesenttäuschung 
beim Vater: „Wenn mich der Vater nicht haben will, werfe 
ich mich jedem hin." Diese psychologische Determinierung 
führt sehr oft im späteren Leben aus der nun realen Situation 
einer erlittenen Verschmähung durch den Mann zur bewußten 
Ursache des Dirnentums: „Weil er mich verschmäht hat, ver- 
schmähe ich mich selbst." 

Auch eine Art „übermoralischer" Sexualerziehung, die das 
junge Mädchen vor dem Überschreiten des Verbotes schützen 
will, erzeugt in ihr die Vorstellung, daß ihre Sexualneugierde 
und -Sehnsucht mit Dirnentum identisch ist; daher verknüpft sie 
jeden erotischen Wunsch mit der Vorstellung Dirne zu sein. 

Diese Phantasie bezieht auch aus dem Kastrationskomplex 
ihren Inhalt. Sie zielt darauf hin, den Wunsch nach Rache für 
die erlittene Kastration zu erfüllen. Dies äußert sich in der 
Tendenz, allen Männern im Koitus etwas ihrem Körper Ange- 
hörendes fortzunehmen und in der Verschmähung wegzuwerfen, 
zum Unterschied zu mütterlichen Tendenzen normaler Frauen, 
die zwar auch im Koitus vom Manne etwas nehmen wollen, 
aber nur um es als Kind zu behalten und in dieser neuen 
Form auch wieder dem Manne zu schenken. 

Wir sehen, wie ein Frauentypus den Trost und die Ent- 
schädigung für die genitale Kränkung in der Überwertung des 
Intellektes und dem geistig-männlichen Streben sucht, den „Kopf" 



^ Psychoanalyse der weibüdien Sexualfunktio: 



nen 



sozusagen zum Ersatzorgan macht und in der Phantasie das 
parthenogenetische Kind schafft. 

Dagegen scheint der mehr zu Dirnenphantasien und deren 
Realisierung neigende Typus jener zu sein, der die Befriedigung 
des gekränkten Narzißmus aus der libidinösen Besetzung des 
ganzen Körpers (also in der Verschiebung vom Genitale auf den 
ganzen Körper, wie wir es. früher auseinandergesetzt haben), 
d. h. aus der eigenen Körperschönheit zieht. 

Es erscheint uns klar, daß beide Phantasiearten im Gegensatz 
zur „Mutterschaft« stehen und keine günstige Beziehung 
zum Manne erzeugen. Ihre weitere Gestaltung beeinflußt somit 
die normalen Relationen des Weibes zur Fortpflanzungsfunktion, 
wobei betont werden muß, daß es im psychischen Geschehen 
keine scharfen Grenzen gibt, daß z. B. neben der intensivsten 
Mütterlichkeit die üppigsten Dirnenphantasien bestehen können 
und umgekehrt. 

Noch eine typische Pubertätsphantasie wollen wir nicht un- 
beachtet lassen: die Vergewaltigungsphantasie, deren 
Inhalt in der Vorstellung wurzelt, der Sexualakt gehe mit einer 
Vergewaltigung des Weibes von seiten des Mannes einher. 
Diese Phantasie vermindert wiederum das Schuldgefühl, das 
dem Verbotenen anhaftet; denn wenn etwas mit Gewaltan- 
wendung geschieht, so bleibt doch der Vergewaltigte unschuldig 
- so darf man wunscherfüllend phantasieren, ohne das 
Gewissen zu belasten. Außerdem belebt die erste Genitalblutung 
wiederum regressiv die infantile Koitusauffassung, die in der 
Phantasie des Kindes beinahe regelmäßig einen sadistischen 
Charakter hat und etwas grausam Blutiges darstellt. Anderer- 
seits birgt die Vergewaltigungsphantasie die ahnende Erwartung 
des blutigen Deflorationsaktes. Als pathologische Äußerung 
dieser Phantasie sehen wir häufig die Einbrecherangst der 
jungen Mädchen und die lügenhaften Behauptungen Hysterischer 



Psychologie der Pubertät 37 



vergewaltigt worden zu sein. Diese masochistische Erwartungs- 
einstellung ist der Ausdruck der nun vollzogenen passiv-femininen 
Einstellung, unter deren Zeichen jede Triebäußerung des Weibes 
Steht. Wir sehen also, daß die psychologische Aufgabe der 
Pubertät und der Menstruation auch in der Herstellung eines 
neuen Passivitätsschubes besteht, der das Weib zum maso- 
chistischen Erleiden des sadistischen Angriffes von seiten des 
Mannes bereit macht. 

Triebschicksal in der Pubertät 

Nach zwei Richtungen also muß sich die Leistung der 
Pubertät beim Mädchen auswirken. Die eine vollzieht sich am 
Trieb und beruht auf der Überführung männlich-aktiv-sadistisch 
gerichteter infantiler Tendenzen in eine feminin-passiv-maso- 
chistische Einstellung. 

Die andere wirkt sich in der Schaffung einer neuen 
erogenen Zone aus, die sich den passiven Tendenzen zur 
Verfügung stellt, Beide Leistungen stellen den letzten Akt eines 
Prozesses dar, dessen Vorbereitung bereits, wie wir gesehen 
haben (s. o.), in der letzten Phase der infantilen Sexualent- 
wicklung als Abschluß der infantilen Genitalorganisation statt- 
gefunden hat. Es handelt sich jetzt um den endgültigen Verzicht 
auf die Klitoris als erogene Zone und um die Überführung der 
passiv-analen Strebungen, die bereits im ersten, postphallischen 
Passivitätsschub durch einen regressiven Prozeß in Funktion 
getreten sind, auf die Vagina. 

Diese zwei Forderungen gestalten den Entwicklungsprozeß 
der Libido beim Weibe viel schwieriger als beim Manne. 

Der Fortschritt von der phallischen Phase geht beim Manne 
nicht durch einen komplizierten Verdrängungsschub vor sich, 
sondern beruht auf einer Bejahung des Vorhandenen und 
auf der Bereitwilligkeit zur Verwendung des von selbst 



38 



Psy&oanalyse der weiblichen Sexualfunkäonen 



Drängenden. Die Leistung beruht hier in der entsprechenden 
Bewältigung der Odipuseinstellung und Überwindung der damit 
zusammenhängenden Schuldgefühle. 

Beim Mädchen muß sich außer dieser Leistung Doppeltes 
vollziehen: 

O Verzicht auf die an die Klitoris gebundene Männlichkeit 
und Verwandlung der damit einhergehenden sadistischen 
lendenzen in masochistische (Passivitätsschub). 

2J Entdeckung des neuen Genitalorgans im Übertritt von der 
„phänischen" in die „vaginale" Phase. 

Beide Leistungen werden erst im Sexualakte endgültig voll- 
zogen, und zwar im masochistischen Bewältigtsein durch den 
Penis im Akte der Defloration und in der Entdeckung der 
neuen Lustquelle in der Vagina unter der aktiven Wegweisung 
durch das männliche Organ. 

Bevor jedoch der letzte Akt vollzogen wird, muß in der 
Entwicklung der weiblichen Libido eine Bereitschaftseinstellung 
erreicht werden, von deren Reifung das Gelingen des Sexual- 
aktes im Sinne der weiblich-vaginalen Phasen letzten Endes 
abhängig ist. 

Diese Vorbereitungen zum Weibsein haben bereits, wie wir 
gesehen haben, in den frühinfantilen Entwicklungsphasen 
begonnen und fanden in der normalen Odipuseinstellung am 
Wege der Identifizierung mit der Mutter ihren Ausdruck In 
allen Phasen der infantilen Entwicklung divergiert dennoch der 
psychische Habitus des kleinen Mädchens trotz der bisexuellen 
Anlage von dem des kleinen Buben und weist darauf hin daß 
die Entdeckung der Vagina nur den letzten Akt eines allmählich 
fortschreitenden Prozesses darstellt. Die Beobachtung der Kinder- 
spiele zeugt unzweideutig von der passiv-femininen Einstellung 
des kleinen Mädchens. Die Träume der Latenzzeit ebenso wie 
die Vorpubertätsphantasien verraten die masochistische Tendenz 



Psychologie der Pubertät 39 



der in ihnen enthaltenen Vergewaltigungswünsche lange vor 
ihrer intensiven Besetzung in der Pubertät. Daß es sich hier nicht 
bloß um Erziehungs- und Identifizierungsvorgänge handelt, 
ergibt sich auch aus Beobachtungen an Tieren, bei denen 
Begattungsversuche im Sinne des Bespringens beim Männchen 
und des Niederkauerns beim Weibchen lange vor der Fort- 
pflanzungstätigkeit zustande kommen. Damit will betont werden, 
daß die so komplizierte psychologische Differenzierung Mann 
und Weib konstitutionell vorgezeichnet ist und daß der 
letzte „Passivitätschub" beim Weibe auch durch die inner- 
sekretorischen Sexualvorgänge im Sinne ihrer hemmenden Ein- 
flüsse bedingt ist. 

Was wir über den psychologischen Mechanismus des 
„ Passivitätsschubes " wissen, erschöpft sich in der obenerwähnten 
Definition, die uns Freud gegeben hat. Wie aber die Ver- 
drängung der männlich-aktiven Tendenz beim Weib zustande 
kommt, von wo aus der Schub inauguriert wird und wieso die 
Verdrängung der Männlichkeit mit dem Erreichen der weib- 
lichen Einstellung identisch ist, ist uns eigentlich bis jetzt nicht 
klar geworden. 

Wir wissen, daß die Steigerung des Geschlechtstriebes mit 
einer erhöhten Aktivität im allgemeinen verbunden ist. So 
berichten z. B. Tierzüchter von der ungewöhnlichen Zunahme der 
Motilität bei Steigerung des Geschlechtstriebes beim Männchen 
und Weibchen, die zu Gewalttätigkeiten und zum Morde 
führen kann. 

Diese Zunahme der aggressiven Tendenzen mit dem Ein- 
treten der Geschlechtsreife hat ihre einfache Erklärung in der 
Steigerung des Triebes, dessen quantitative Vermehrung gleich- 
bedeutend ist mit Aktivitätszunahme, denn der Trieb ist „immer 
aktiv" und je intensiver er auftritt; desto aktiver wird er sich 
gebärden. 



4° Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Die Intensitätszunahme des Triebes in der Pubertät findet 
beide, das Mädchen und den Knaben, in derselben aktiv-männ- 
lichen phallischen Entwicklungsphase, die bei beiden an den 
Penis, bzw. Penisersatz — die Klitoris - gebunden erscheint. 

Die Triebsteigerung beim Manne geht mit der Tendenz der 
Eroberung des Objektes in der Außenwelt einher. Man kann 
sagen: die Aktivität der phallischen Phase bekommt eine Ver- 
stärkung — die neue, bzw. verstärkte Funktion drängt zur 
Schaffung eines neuen, ihr zur Verfügung stehenden Organes. 
Dieses Organ ist beim Manne bereits vorhanden, die an ihn 
gestellte neue Leistungsforderung dokumentiert sich durch seine 
Wachstumstendenz und vor allem durch die an ihm selbst zum 
Ausdruck kommende Tendenz, das Objekt in der Außenwelt 
zu finden und sich seiner zu bemächtigen. Der Penis wird in 
dieser Phase zum Bemächtigungsorgan, seine Leistung ist ein 
sadistischer Vorgang — sadistisch im Sinne der aktiv-libidinösen 
Bemächtigung des Objektes. Wenn die Beziehung zum Sexual- 
objekte die Grenzen der Bemächtigung im Sexualakte über- 
schreitet, also auf die feindselige Vernichtung zielt, erst dann 
wird sie «sadistisch« im Sinne der prägenitalen Phasen. In der 
„genitalen" Phase ist beim Manne: sadistisch-aktiv-männlich 
identisch. 

Dieselbe aktive Tendenz des gesteigerten Sexualtriebes in 
der Pubertät, die beim Manne in seiner Männlichkeit zur Aus- 
wirkung kommt, gilt auch für das Weib. Der Trieb ist immer 
aktiv, seine aktiven Tendenzen wachsen mit seiner Intensitäts- 
zunahme. Die analytische Verfolgung der Entwicklungswege 
der weiblichen Libido zeigt uns unzweideutig, daß auch beim 
Weibe die Pubertätsentwicklung, genau wie beim Manne, mit 
einer Zunahme der Aktivität, also mit einem „Aktivitätsschub", 
vor sich geht und somit der uns wohlbekannte „Passivitäts- 
schub« nur den letzten Akt eines verwickelten Weges darstellt. 



Psychologie der Pubertät 41 

Wie beim Manne wirkt sich die aktive Tendenz beim Weibe 
„geradlinig" (Freud) in der Verstärkung der phallischen Phase 
aus: wie der Penis, drängt auch die Klitoris „männlich" in die 
Außenwelt. Was aber zur autoerotischen Betätigung ausreichte, 
versagt nun als Bemäch tigungsorgan in seiner Relation zur 
Außenwelt. Die aktiv gerichtete Funktion erlahmt infolge des 
Mangels des Ausführungsorgans, welches zu schaffen sie nicht 
imstande ist. In der jetzt — man könnte sagen: endgültig — 
zum Ausdruck kommenden Penislosigkeit, erhebt sich für die 
phallisch-aktiven, männlichen Tendenzen des Weibes die Ver- 
sagungsmauer, an der der aktiv gerichtete Trieb zurückprallen 
muß. Das nun eintretende Schicksal dieses Triebes ist uns von 
wo anders her bekannt. Er wendet sich gegen die eigene 
Person, d. h. er verwandelt sich in seinen Partner,, den Maso- 
chismus, in dieser Wendung wird die Aktivität zur Passivität. 

In seiner Arbeit „Das ökonomische Problem des Masochis- 
mus" 1 sieht Freud im femininen Masochismus das typische 
Beispiel des ursprünglichen, erogenen Masochismus, d. h. des 
primären, im Organismus wirkenden Destruktionstriebes, der 
libidinös gebunden im Objekte verbleibt, während der Haupt- 
anteil des Todestriebes nach außen als Sadismus abgeführt wird. 

Der oben angenommene Mechanismus des „Passivitätsschubes", 
der infolge des Organmangels nicht nach außen zur 
Abfuhr gelangte Bemächtigungstrieb, verbleibt im Organismus 
und nimmt die eigene Person zum Objekte, wäre somit 
eine Anwendung und Ergänzung der Annahme Freuds. 
Tatsache ist jedoch, daß seine Mobilmachung, bzw. sein Manifest- 
werden im Passivitätsschub der Pubertät erst dann zustande 
kommt, wenn der sadistisch nach außen gewendete Trieb 
infolge des Abprallens an der Abfuhrunmöglichkeit sekundär 

1) Freud: Das ökonomische Problem des Masochismus. (Ges. Schriften, 
Bd. V.) 



42 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



regressiv nach innen gewendet wird. In dieser Bedeutung ist 
der weibliche „Passivitätsschub" das typische Beispiel des von 
Freud so genannten „sekundären Masochismus ", der erst aus 
dem regredierenden Sadismus entstanden ist. Er summiert sich 
zum primären, erogenen; beide zusammen ergeben die „maso- 
chistische Einstellung" des Weibes. 

Mit dem „Passivitätsschub" wird auch das bisherige aktive 
„Organ", die Klitoris, zur Vernichtung bestimmt. Sie muß 
zurücktreten, weil sie den gesteigerten Aktivitätsansprüchen 
nicht nachkommen konnte. In dem neuen masochistischen Schub 
unterliegt sie der Selbstkastration, von der aus die weitere maso- 
chistische Einstellung in der Deflorations- und Vergewaltigungs- 
phantasie fortgesetzt wird. 

In der Psychologie der weiblichen Pubertät kommt physio- 
logisch regelmäßig jener von mir so bezeichnete „Aktivitäts- 
schub" zum Ausdruck: alle Mädchen machen eine Phase durch, 
in der ihre Bisexualität im Sinne der Männlichkeit eine Ver- 
stärkung erfährt. Vor allem drückt sich dies in der verstärkten 
Sublimierungsfähigkeit, in der nun manifest werdenden Homo- 
sexualität und im ganzen psychischen und physischen Habitus 
aus. Die Beobachtung dieser auffallend regelmäßigen Steigerung 
des Maskulinen knapp vor der Entwicklung zur Weiblichkeit 
ist zum Ausgangspunkte meiner theoretischen Annahme 
geworden, 

Dieser Aktivitätsschub geht also mit einer Mobilmachung des 
„Männlichkeitskomplexes" einher, der, in der phallischen Phase 
entstanden, erst jetzt zur endgültigen Erledigung bestimmt ist. 
Sein Schicksal liegt in der Verarbeitung des Aktivitätsschubes 
und die ungünstige Leistung derselben führt einerseits zu 
Charakterbildungen im Sinne der „Männlichkeit", andererseits 
zu jenen Pubertätsneurosen, die unter dem Zeichen des 
Kastrationskomplexes stehen. 



Psychologie der Pubertät 



43 



Der oben beschriebene Mechanismus entspricht dem Weg, 
auf dem die weibliche Bereitschaftseinstellung vollzogen wird. 
Die Schaffung der neuen, passiven erogenen Zone geschieht 
erst in der Entdeckung der Vagina als Lustorgan im Akte des 
masochistischen Bewältigtseins durch den Penis, der zum Weg- 
weiser zu dieser neuen Lustquelle wird. 



VI 
Der Deflorationsakt 

Die vollzogene Bereitschaft zum masochistischen Bewältigtsein 
findet ihren höchsten Ausdruck im sadistischen Eingriff von 
selten des Mannes, im Deflorationsakt, diesem zweiten blutigen 
Ereignis im Sexualleben der Frau. 

Eine Verkörperung des zu erleidenden Lustschmerzes bildet 
das Hymen - eine Materialisation des ganzen passiv-maso- 
chistischen Erleidens. 

Über die phylogenetische Bedeutung dieses Gebildes sind wir 
trotz verschiedener Erklärungsversuche nicht klar geworden 
Tatsache ist, daß es in der ihm zukommenden Funktion erst 
beim Menschen anzutreffen ist, und daß die Hautfalte, die man 
bei höheren Tieren findet, und die man in Beziehung zum 
Hymen zu bringen versucht, nur mit der Koitusstellung dieser 
Tiere zusammenhängt, andauernd bestehen bleibt und dazu 
dient, das Abgleiten des Penis zu verhüten. 

Man kann sich nicht des Verdachtes erwehren, daß sein Ent- 
stehen in dieser Form und Funktion ein Züchtungsprodukt 
ist, das im sadistischen Bemächtigungstrieb des Mannes und im 
masochistischen Erleidenwollen des Weibes seinen Ursprung 
hat. Dafür würde auch der Umstand sprechen, daß zahlreiche 
Sitten und Gebräuche wilder Völker dahin zielen, die Wollust 
des Sexualaktes durch ein intensiveres Schmerzzufügen einer- 
seits und Erleiden andererseits zu steigern. Zu diesen Gebräuchen 



Der Deflorationsakt 45 



gehört auch die Infibulation, eine Wiederherstellung des nicht 
mehr vorhandenen Hymens durch Vernähen — eine Sitte, die 
vielleicht den besten Wegweiser zur Ursprungsstätte des Hymens 
bildet. 

Bei der Besprechung der psychischen Reaktionen des Mädchens 
auf die erste Menstruation haben wir gesehen, wie die psychische 
Leistung darauf beruhte, das traumatische Enttäuschungserlebnis 
zu verarbeiten. 

Wie die erste Menstruation, bedeutet auch die Defloration 
für die Frau eine restlose Enttäuschung nicht nur im Sinne 
der erwarteten sexuellen Lust, sondern auch als narzißtische 
Kränkung. 

Erst nachdem es dem seelischen Mechanismus gelungen ist, 
diese Enttäuschung auszugleichen und Entschädigungen zu 
schaffen, wird das Weib zum genießenden Partner, zum voll- 
kommen reifen Sexualwesen. Im Körperlichen drückt sich dieser 
Reifezustand in der Verlegung der bis dahin auf die Klitoris 
zentrierten Erregbarkeit auf die Vagina aus. Dieser Vorgang, 
der erst allmählich auf dem Wege eines recht komplizierten 
Mechanismus vor sich geht, ist verschiedenen Schwierigkeiten 
ausgesetzt, sein Mißlingen wird zur Ursache vieler neurotischer 
Störungen. Im „Tabu der Virginität" beleuchtet Freud, von 
gewissen Zeremonien primitiver Völker ausgehend, die Psycho- 
logie des Deflorationsaktes. 1 

Diese Zeremonien und Vorschriften legen Zeugenschaft dafür 
ab, daß die Defloration bei den primitiven Völkern nicht nur 
ein ebenso folgenschwerer Akt wie bei Kulturvölkern ist, sondern 
daß sie auch den Gegenstand religiöser Gebote und Verbote 
bildet, also einem „Tabu" unterliegt. Die Tabuvorschriften 
teilen den ersten ehelichen Sexualverkehr in zwei Akte, in einen 

1) Freud: Beiträge z. Psychologie des Liebeslebens DI. (Ges. Schriften, 
Bd. V.) 



zeremoniellen die Defloration, die manuell oder instrumental, 
jedenfalls nicht durch den Ehegatten ausgeführt wird, und in 
den nachfolgenden Geschlechtsakt, der schon dem Manne über- 
lassen wird. 

Die psychologische Bedeutung des Tabu liegt nachgewiesener- 
maßen * in der Abwehr einer Gefahr, die der Primitive ahnt und 
befürchtet. Die an den Deflorationsakt geknüpften Tabugebräuche 
deuten darauf hin, daß der Primitive durch dieselben einer ihm 
drohenden Gefahr auszuweichen versucht, und daß den Vor- 
schriften das Motiv zugrunde liegt, dem zukünftigen Ehemann 
etwas ihm Gefahrbringendes zu ersparen. Im Gegensatz zu 
diesen Sitten der Primitiven stehen die Ansprüche unserer 
Kultur, die von dem Mädchen die Erhaltung der Virginität bis 

ZU , r r^?- r ! hUng f ° rdern Und die Defloration als das aus- 
schließlich dem Ehemann gebührende Vorzugsrecht betrachten. 
Irotz dieser Divergenz der sittlichen Anforderungen haben 
uns eben psychologische Erkenntnisse am Kulturweibe 
darüber Aufschluß gegeben, vor welchen wirklichen - im 
Sinne der psychischen Realität - bestehenden Gefahren sich 
der Primitive ahnungsvoll durch seine Tabuvorschriften zu 
schützen sucht. 

Es ist eine allgemein gültige Erfahrung, daß der erste, mit 
der Defloration einhergehende Sexualakt für das Weib - wie 
schon oben gesagt worden ist - eine Enttäuschung bedeutet, 
deren Überwindung sich erst allmählich und unter Voraussetzung 
günstiger psychischer Bedingungen einstellt. Ist dies nicht der 
Fall, so bleibt das Weib auch späterhin frigid, wie dies im 
Uellorationsakt fast immer die Regel ist. 

Diese anfängliche Frigidität gelangt für uns meist erst in 
solchen Fällen zur analytischen Beobachtung, wo sie sich an- 

™^!i^^^ hat. IhreMotivie- 
x) ^eud: Totem und Tabu. (Ges. Schriften, Bd. X.) ' " 7 



Der Deflorationsakt 47 



rung durch den zugefügten Schmerz sowie durch die schwere 
Zugänglichkeit des jungfräulichen Genitales usw. erweist sich 
als ungenügend; dafür spricht auch die Tatsache, daß sich diese 
Frigidität erhalten kann, auch wenn das obige Motiv wegfällt. 
Die analytische Erfahrung lehrte uns nun, daß der Deflorations- 
akt dieselben nie restlos überwundenen Spuren infantiler 
Regungen mobilisiert wie die Menstruation und daß die blutige 
Zerstörung eines Organs die psychische Wunde des „Kastrations- 
komplexes" auffrischt. Somit wird der Deflorationsakt zu einer 
neuerlichen „narzißtischen Kränkung" für das Weib und die 
feindseligen Rachetendenzen gegen den Mann lassen die volle 
zärtliche Hingabe nicht zu. Werden diese wachgerufenen, feind- 
seligen Regungen nicht durch günstige Liebeseinstellung über- 
wunden, so bleibt ihr Ausdruck im Sexualakt als Frigidität 
bestehen. Daraus ergibt sich die psychologische Erklärung der 
„Hörigkeit des Weibes" gegenüber dem ersten Mann nach 
zwei Richtungen hin. 

Erstens kann dieselbe durch den positiven Anteil des Kampfes 
zwischen zwei entgegengesetzten Gefühlstendenzen bewirkt 
werden; es bedurfte einer hohen Anspannung der Liebes- 
beziehungen, um die Feindseligkeit zu unterdrücken. Ebenso 
bedurfte es einer großen psychischen Überwindung, um den 
Sexualwiderstand des jungen Mädchens zu durchbrechen. Diese 
zwei Momente sind meist die entscheidenden bei der „Hörigkeit". 

Weiters kann es aber auch die feindselige Strömung sein, 
die nicht vollzogene Rache, die das Weib an den heftet, der 
als erster im Deflorationsakte ihre Feindseligkeit mobilisiert hat. 

Von hier aus werden uns auch die Schutzvorrichtungen der 
Primitiven in ihren psychologischen Begründungen verständlich. 

Wir sehen schon jetzt, wieviel psychische Schwierigkeiten 
auf dem Wege zur Erreichung der vollkommenen sexuellen 
Reife zu besiegen sind. Gestaltet sich die Pubertäts- und Nach- 



4 8 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Pubertätszeit durch die Notwendigkeit der Überwindung 
infantiler Niederschläge und ihrer Spuren in den Phantasien 
dieser Phase schwierig, so kompliziert sich der weitere Weg 
durch das Dazutreten des sexuellen Partners. An diesem spielt 
sich nun der Kampf zwischen den zärtlichen und feindseligen 
Regungen ab. Die letzten Spuren vergangener Entwicklungs- 
stufen versuchen ebenfalls durchzubrechen, bevor sie der voll- 
zogenen Reife im Sinne des Primates der Vagina als leitendes 
Sexualorgan endgültig weichen. 

Wir haben gesehen, wie der Deflorationsakt jene Entwicklungs- 
stufe, deren Ausdruck der „Kastrationskomplex" ist, wieder- 
belebt. Die narzißtische Kränkung des Weibes, die in dieser 
psychischen Beziehung wurzelt, wird darin mobilisiert und 
wirkt sich als Frigidität, d. h. Liebesentzug am Partner aus. 
Die Erfahrung zeigte uns, daß auch bei günstig vollzogener 
Entwicklung, im Sinne des „Passivitätsschubes", die Reaktion 
auf den Deflorationsakt immer noch unter dem Zeichen des Pro- 
testes steht und die restlose weibliche Einstellung erst nachträg- 
lich, mit der Schaffung der neuen erogenen Zone, vor sich geht. 
Für das Bewußtsein des Weibes liegt die Enttäuschung 
infolge der Defloration im erlittenen Schmerze, de facto aber 
in der nunmehr eingetretenen Versagung der gewohnten 
Klitorisbefriedigung, einer quasi vollzogenen Entthronung der 
Klitoris in der Lustfunktion und in der blutigen Zerstörung 
eines im Genitale befindlichen Organs, welches jetzt ebenso 
die Bedeutung des wiederum zerstörten Penis bekommt, wie 
die Klitoris bei der ersten Menstruationsblutung. 

Erst mit der Genitalisierung der Vagina, d. h. der Schaffung 
eines neuen, mit genügend Libidoquantitäten besetzten Organs, 
tröstet sich das Weib über die erlittenen Verluste. 



VII 
Psydiologie des Sexualaktes 

Der psychologische Mechanismus der Überleitung der Reiz- 
zone von der Klitoris auf die Vagina ist ein komplizierter, und 
die Tatsache, daß viele Frauen die Klitoriserregbarkeit nie 
zugunsten der Vagina aufgeben, legt Zeugnis ab für die 
Schwierigkeiten dieses Weges. Diese Überleitung wird erst 
im Sexualakte erreicht und das Verständnis dieses Prozesses 
ergibt sich erst durch die psychologische Erfassung des Sexual- 
aktes in seiner Bedeutung für die weibliche Libido. 

Die endgültige Tat des Mannes im Sexualakte beruht in 
der Entdeckung der Vagina in der Außenwelt und in der 
sadistischen Eroberung derselben. Den Weg dazu weist ihm 
sein ihm bereits wohlbekanntes und zur Eroberungstat drängen- 
des Genitale. 

Das weibliche Individuum muß dieses neue Sexualorgan an 
seinem eigenen Körper erst entdecken, und zwar vollzieht sich 
diese Neuentdeckung, wie wir bereits besprochen haben, im 
Akte des masochistischen Bewältigtseins durch den Penis. 

Nicht die Befriedigung des infantilen Peniswunsches im 
Sexualakt ist die letzte Aufgabe der vollzogenen weiblichen 
Einstellung, sondern die gelungene Entdeckung der Vagina 
als Lustorgan, ein Umtauschen des Peniswunsches gegen den 
realen und gleichwertigen Besitz der Vagina. Dieses 
neuentdeckte Organ muß für die Frau, ebenso wie Ferenczi 

Deutsch, Weibliche Sexualfunktionea. 4 



es in bezug auf den Peniswert für den Mann definiert, 1 
„Miniatur des ganzen Ich", „Verdoppelung des Ich" werden. 
Wie diese Umwertung des eigenen Genitales vor sich geht 
und in welchem engen Zusammenhang dasselbe mit der Fort- 
pflanzungsfunktion des Weibes steht, werden wir im folgen- 
den aufzuklären versuchen. 

Wir wissen, in welcher Reihenfolge die verschiedenen 
Organisationsstufen der Libido einander ablösen, wobei jede 
nachfolgende Elemente der vorigen mitzieht, so daß keine Stufe 
vollkommen überwunden erscheint, sondern nur ihre zentrale 
Rolle verliert. Auf diesen Verbindungswegen der Entwicklung 
tendiert dann die Libido höherer Stufen regressiv, die ursprüng- 
lichen Positionen zu erreichen, was ihr auch auf verschiedenen 
Wegen gelingt. 

Aus diesem Pendeln der Libido zwischen verschiedenen Ent- 
wicklungsformen ergibt sich, daß nicht nur die höheren Phasen 
Elemente der niedrigeren enthalten, sondern auch umgekehrt: 
die Libido nimmt auf ihren Regressionswegen Bestandteile 
höherer Phasen mit, um sie dann mit den früheren zu ver- 
weben — ein Vorgang, den wir später in Phantasiegebilden 
und Symptomen erkennen. 

So ist die erste orale Phase eine autoerotische, das 
Objekt existiert weder narzißtisch im Ich noch in der Außen- 
welt. Und doch wissen wir, daß die Entwöhnung im Nieder- 
schlag des Ubw die erste narzißtische Kränkung bedeutet. Die- 
selbe erfolgt aus der Tatsache, daß die mütterliche Mamma — 
als Bestandteil des eigenen Körpers bewertet — mit großen 
Quantitäten narzißtischer Libido besetzt ist, wie später der 
Penis. Ebenso geht aus der oralen Befriedigung des Saugeaktes 



i) F e r e n c z i : Versuch einer Genitaltheorie (Internationale Psycho- 
analytische Bibliothek, Bd. XV). 



Psychologie des Sexualaktes 51 

die Entdeckung der Mutter und mit ihr die erste Objektfindung 
hervor. 

Das Rätsel des heterosexuellen Anteils an der Libido des 
kleinen Mädchens erhält schon in der frühesten Entwicklungs- 
phase eine erste Aufklärung. Die zärtliche Liebe, die dem 
Vater, dem nächsten neben der Mutter bestehenden Objekt, 
(„Der schützende Mann") zugetragen wird, bekommt als Zuschuß 
auch „einen großen Teil der vollsexuellen Libido, die, von der 
Mundzone her, die mütterliche Brust besetzt hat. Die Analysen 
zeigen uns, daß für das Ubw in einer Entwicklungsphase 
der väterliche Penis als Saugorgan mit der mütterlichen Brust 
gleichgesetzt wurde. Diese Gleichsetzung deckt sich mit der 
dieser Phase eigenen Auffassung, daß der Koitus eine Beziehung 
zwischen dem Munde der Mutter und dem Penis des Vaters 
ist, und findet ihre Fortsetzung in der Geburtstheorie von der 
oralen Befruchtung. Die Schleimhaut der Mundzone ergibt in 
dieser das passive Ziel, die Mamma das aktiv leitende 
Lustorgan. 

In der sadistisch-analen Phase verliert der Penis — für das 
Phantasieleben — seine Bedeutung als Saugorgan und wird 
zum Organ der Bemächtigung. Der Koitus wird als sadistischer 
Akt aufgefaßt; in der Schlagephantasie übernimmt, wie wir 
wissen, das Mädchen entweder die Rolle des Vaters, oder es 
erleidet in der Identifizierung mit der Mutter den Akt 
masochistisch. 

In dieser Phase stellt der Anus das passive Ziel dar, 
die Kotsäule das leitende Lustorgan, das, wie die Mamma der 
ersten Phase, gleichzeitig der Außenwelt und dem eigenen 
Körper angehört. Letzten Endes bekommt der Kot durch 
Besetzungsverschiebung die gleiche narzißtische Bewertung, wie 
in der oralen Phase die Mamma. Die Geburtsphantasie dieser 
Phase ist die vom „analen" Kinde. 



5 1 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Die biologische Analogie zwischen Anus und Mund ist 
uns bekannt. Zwischen Mamma und Penis als aktiven Leitorganen 
ergibt sie sich aus der Funktion. 

Es müßte eine leichte Aufgabe für die weitere Entwicklung 
der weiblichen Libido sein, sich nun der dritten Öffnung 
des weiblichen Körpers - der Vagina - zu bemächtigen: 
Ist doch dieser Weg bereits in der embryonalen Entwicklung 
biologisch vorgezeichnet durch die Tatsache des gemeinsamen 
Ursprunges in der Kloake. Der Penis als Reizorgan und aktiver 
Leiter für diese neue erogene Zone könnte seine Funktion in 
der Gleichsetzung Mamma = Kotsäule = Penis erlangen 

Die Schwierigkeit ergibt sich aus dem Umstand, daß die 
bisexuell angelegte Entwicklung zwischen dem Anus und 
der Vagma als erogene Zone die männliche Klitoris ein- 
schiebt. In der „phallischen« Entwicklungsphase reißt die 
Klitoris ein großes Ausmaß von Libido an sich, die sie erst 
nach mühevollen, nicht immer gelungenen Kämpfen zugunsten 
r„-T iu gerichteten * Vagina abgibt. Die an die 
phänische Phase ansetzende regressive Belebung der passiv- 
analen Tendenzen wirkt vorbereitend für den späteren Über- 
gang auf die passiv gerichtete Vagina. Die Leistung des 
letzten Stadiums - der Übergang von der „phallischen« zur 
„vaginalen« Phase - (die sich mit der von Abraham« soge- 
nannten „postambivalenten« deckt), ist die schwierigste Aufgabe 
auf dem Entwicklungsweg der weiblichen Libido 

Der Penis wurde vom Knaben bereits in der frühinfantilen 
Epoche autoerotisch entdeckt. Außerdem war es ihm durch 
seine exponierte Lage ermöglicht, verschiedene mit der 
Korperpflege usw. verbundene Aktionen als Reize zu emp- 
f !^J^!^^^ seiner 

^i^piy7 l^^!ir ChiChte dCT Ubid0 (NeUe Arbeiten zur 



= 



Psychologie des Sexualaktes 53 

sexuellen Funktion zur erogenen Zone werden. Alle drei 
masturbatorischen Phasen stehen unter dem Zeichen dieses 
Organs. 

.Die Klitoris — dieser tatsächlich so wenig vollwertige Er- 
satz für den Penis — nimmt in der ganzen Zeit der Ent- 
wicklung dieselbe Bedeutung wie der Penis an. Die verborgene 
Vagina spielt keine Rolle, ihre Existenz als Lustorgan ist dem 
kleinen Mädchen unbekannt, vielleicht durch dumpfe Ahnungen 
vorgezeichnet. Jeder Versuch, das kleine Mädchen aufklärend 
im Penisneid zu trösten, mit der Angabe, sie habe doch auch 
„etwas", erlebt mit Recht ein absolutes Fiasko, denn man 
kann sich nicht mit einem Besitz zufrieden geben, von dem 
man nichts sieht und nichts fühlt. 

Der Klitoris als Zentrum fehlt jedoch die Intensität des 
Penis — es gelingt ihr doch nicht, auch in der intensivsten 
masturbatorischen Betätigung so viel Libidoquantitäten an sich 
zu reißen wie dem Penis. Deshalb bleibt mehr Libido an den 
ursprünglichen erogenen Zonen haften — ein Umstand, der 
bewirkt, daß die Frau schon von Anfang der Entwicklung 
mehr „polymorph-pervers" bleibt, mehr infantil, vom Charakter : 
„der ganze Körper ein Sexualorgan" (Freud). Bei dem neuen 
Entwicklungsschub der Pubertät verstärkt sich diese Erogeneität 
des ganzen Körpers, indem die die Klitoris befallende Ver- 
drängungswelle bewirkt, daß ein Teil der Klitorislibido (auf 
dem Wege der inneren Sekretion) den ganzen Körper besetzt. 
Eine Tatsache, die — wie Ferenczi hindeutet — für die 
weiteren Schicksale wichtig erscheint, indem sie die Frau 
regressiv in den Zustand versetzt, in dem sie in sexueller 
Hinsicht an der Mutterleibsexistenz festhält. 

Die Aufgabe besteht jetzt darin, die Libido aus drei Quellen 
der Vagina zuzuführen: i) vom ganzen Körper, 2) von den 
meist besetzten frühinfantilen erogenen Zonen, der oralen und 



^ Ps ychoanalyse der weiblichen Sex ualfunktionen 

analen, 3) von der Klitoris, die noch einen großen Betrag der 
Libido behalten hat. 

Die Schwierigkeit liegt darin, daß die Klitoris nicht so leicht 
ihre Rolle aufgibt, daß sich der Pubertätskampf an das 
traumatische Ereignis der Menstruation knüpft, daß dasselbe 
nicht nur die Kastrationswunde auffrischt, sondern auch gleich- 
zeitig im biologischen und im psychologischen Sinne das Ent- 
tauschungsereignis einer frustranen Gravidität darstellt Die 
periodische Rückkehr der Menstruation ist gleichsam jedesmal 

™r/uT SZenZ d6r Pubertätsk ämpfe und eine gemilderte 
Wiederholung derselben. 

Allerdings ist der ganze Vorgang der Menstruation auch 
geeignet, auf die Vagina erotisierend und vorbereitend zu 
wirken. 

Die ^Aufgabe, die Libido von den oben erwähnten Quellen 
der Vagina zuzuführen, fällt der Aktivität des Penis zu 
u. zw. auf doppelte Weise. ' 

Erstens: Vom ganzen Körper - also in voller Analogie zur 
mütterlichen Mamma, die sich aktiv des kindlichen Mundes 
bemächtigte und die Körperlibido des Säuglings an diesem 
Organ zentralisierte. So übernimmt jetzt die Vagina unter der 
Reizleitung des Penis in der Verlegung „von oben nach unten« 
die passive Rolle des saugenden Mundes in der Gleichsetzung 
Penis = Mamma. Diese orale, saugende Tätigkeit der Vagina 
ist im ganzen anatomischen Bau vorgezeichnet 

Die zweite Aufgabe beruht auf der Überführung der rest- 
lichen Khtonslibido auf die Vagina. Dieser Anteil der Libido 
bleibt auch in der vaginalen Verwendung „männlich« gerichtet, 
d. h. die Klitoris verzichtet auf ihre männliche Funktion zu- 
gunsten des Penis, der dem Körper von außen zugeführt und 
wunscherfüllend als Organ des eigenen Körpers bewertet wird 
Wie ernst die Klitoris ihre „Männlichkeit" in der Identifi- 



Psychologie des Sexualaktes 55 



zierung mit dem väterlichen Penis ausübte, so übernimmt die 
Vagina die Klitorisrolle, indem ein Teil ihrer Funktion unter 
dem Zeichen der Identifizierung mit dem Penis des Partners 
steht. 

Die orgastische Tätigkeit der Vagina steht z. T. in Analogie 
zur Tätigkeit des Penis, u. zw. in ihrem sekretorischen und 
kontraktorischen Anteil. Der letztere, ist auch wie beim Manne 
ein „amphimiktischer" Vorgang urethraler und analer Ten- 
denzen (Ferenczi) — allerdings in stark gemilderter Form. 
Diese beiden Partialtriebe gelangen erst in der Fortsetzung 
des Sexualaktes — in der Schwangerschaft und in der Ent- 
bindung — zur vollen Tätigkeit (wie wir im weiteren sehen 
werden). 

Für diesen Anteil der vaginalen Funktion, der am Wege der 
Identifizierung mit dem Penis entsteht und für den der Penis 
einen Besitz des eigenen Körpers darstellt, liegt die psychische 
Bedeutung des Sexualaktes in der Wiederholung und 
Bewältigung des Kastrationstraumas. 

Die wirklich passive, feminine Einstellung der Vagina liegt 
in ihrer oben besprochenen oralen, saugenden Tätigkeit. 

In dieser Funktion bedeutet der Koitus für die Frau eine 
Herstellung jener ersten Relation des Menschen mit der Außen- 
welt, in der das Objekt am oralen Wege einverleibt, introji- 
ziert wird. Also jenen Zustand vollkommener Wesenseinheit 
und Harmonie, in dem die Grenze zwischen Subjekt und 
Objekt aufgehoben war. Auf diese Weise bedeutet die Er- 
reichung der höchsten genitalen nachambivalenten Phase eine 
Wiederholung der ersten, vorambivalenten. 

Im Verhältnis zum Partner ist die Einverleibungssituation 
eine Wiederholung des Saugens an der mütterlichen Brust, 
also eine Wiederholung und Bewältigung desEntwöhnungs- 
traumas. In der Gleichsetzung Penis = Mamma und in der 



fache Bedeutung vor tu renC T Zl) be kommt jetzt eine mehr- 

» *^i££zrJ%Sr' mit derMuttw 

der sadistischen S.ü^*»'*— « » <«- «« 

Relation, die ihre Fortsetzung in ^ fl c u ~ eine 

* *r « gleichzeitig ££ 1^^™ "«' 

Bedeutung- des Ppnt« olo q, genießt (in der 

wir, wie letzten E „ des der K „L ftr * " ™' !"? *"" 
orale Einverleibung d«T Vi ^ * 

zum Kinde ,.»,, h , S . . Vaters darstellt, der 

eintretenden oder p h L,as Lrlen S 7 *" ** '" 

Di. ma.ernaf " ^"'^^ 
Koitus für die Fran J, Ferenczis. findet im 

Der letzte ^L^tT* * «? ^-tion. 
Mutterleib, - die beim ItfZ , ~~ RMl *ehr in den 

er M i. «, reaLLTsS" ; m di n S k t n Ts d r **" 
schaff in der resUosen I dm «L Schwanger- 

Kind. Wa.hfmen.ng zwischen Mutter und 

^^^J^^^^, der ganze psvcho- 

I) H <*rz»nzw i . 17 , . x J 



, ,-, — b 1 *""^ twyuiu- 

x z rerenczi: Versuch Pin«,, r- 7T7~, ' ■ — — __ _ 

tische Bibliothek, Bd XV) Gemtaltheori e Q*^ri^te¥^^. 



r 



Psychologie des Sexualaktes 57 

logische Unterschied zwischen Mann und Weib in ihrer Be- 
ziehung zur Objektwelt aus. Der Mann bemächtigt sich aktiv 
eines Stückes der Welt und erreicht auf diesem Wege die 
Glückseligkeit des Urzustandes. Das ist auch die Form seiner 
Sublimierungstendenzen. 

Die Frau introjiziert sich im passiv erduldeten Einverleibungs- 
akte ein Stück Objektwelt, die sie in sich einzieht. 

In ihrer Rolle als Saug- und Einverleibungsorgan wird die 
Vagina nicht zum Behälter des Penis, sondern zum Behälter des 
Kindes. Für diese Funktion schöpft sie ihre Kräfte nicht von der 
Klitoris, sondern, wie oben gesagt, von der libidinösen Besetzung 
des ganzen Körpers, die auf dem uns bekannten Wege der 
Vagina zugeführt wird. Sie wird selbst zum Kinde und wird 
dadurch mit jenem Betrag narzißtischer Libido besetzt, der in 
der Fortsetzung des Aktes dem Kinde gilt. Sie wird zum 
„zweiten Ich", zur Miniatur des Ich, wie der Penis für den 
Mann. Gelingt; es dem Weibe, diese mütterliche Funktion 
der Vagina herzustellen, indem sie auf den Anspruch der 
Klitoris als einen Penisersatz verzichtet, so hat sich die 
Entwicklung zum W e i b s e i n vollzogen. Das Weib hat die 
postambivalente, genital-passive Phase erreicht. 

Diese mütterliche Einstellung zum Manne im Koitus setzt 
eine restlos gelungene Sexualentwicklung voraus. Bleibt das 
Weib an einer Stelle dieser durchgemachten Entwicklungen 
fixiert, steht ihr somit nicht die volle Libido zur Herstellung 
der Mutter-Kind Relation zur Verfügung, so bleibt sie frigid. 
Vor allem sind es jene feindseligen Regungen, die wir zum 
Teil im Kastrationskomplex und in seiner Wiederbelebung im 
Deflorationsakte kennen gelernt haben, welche die restlose, 
endgültige Hingabe verhindern. 

Wie die Vorbereitungsakte zur Herstellung einer Einheit 
zwischen den beiden Ichen dienen, so drückt schon die Um- 



armung in der Begattung diese restlose Einheit aus. Die 

druTdl ^r akti0n ^ ^^ WIdet den *** Au ! 
druck d ie ser Umarmung. 

Das feindselige Sichverweigern von selten des Weibes kann 
schon nn Vorbereitungsakt eintreten und die Vorlus heJmen 
oder erst m der letzten - der vaginalen Umarmung zum 

t !£? did° mm h T : in d6r gGnitaIen ' Verwe ^rnden Gebärde 
„ich will dich mcht zu meinem Kinde machen.« 

Die Feindseligkeit kann sich in der groben Äußerung des 
Vagunsmus kundmachen, durch den dem Manne der Ebtrit 
zur Vagina verwehrt wird, oder als „Penisneid« hn vadnal n 
Kramp mit Einklemmung des Penis, der behalten werdT^ 
sich geltend machen. n SOU| 

funtttn 111 * dem , Ei T zen der no ^en vaginalen Geschlechts- 
funktK.n wird d Frau zum fer%en SexuaIwe 

Anschauung nach, die wir noch im weiteren zu begründen 
trachten werden, ergibt sich schon aus der oben geschl derten 
paschen Konstellation des Weibes, aus mt^S^SZ 
Verhältnis zum Objekte und aus dem psychologischen Stan 

und de Fortpflanzungsfunktion beim Weibe - wohl nicht 
lm biologischen, aber im psychologischen Sinne - decken 

Im Geschlechtsakt erreicht die Differenzierung der Geschlechter 
ihn» höchsten Ausdruck: im männlich-aktiven Abstoß S 
weibich-passiven Behalten. Dieser Ausdruck istind^T 
tionsfunktion des Mannes und in der Aufnahme des Spermas" 
von selten des Weibes gegeben ^peimas 

sitJ^*' r 8 SlCh ™ Wdbe gGgen die P assiv e Aufnahme- 
Nation und gegen das Insichbehalten richtetet weib-feindl"h, 

Schon die gröbere Beachtung des Koitusvorganges JeCt 
deutlich dieses Verhalten: Während der Befriediget 2 



Psychologie des Sexualaktes 



59 



Mannes mit der Ausstoßung des Genitalsekrets beendet ist, 
zeigt sich bei der Frau auch nach dem Abflachen der Koha- 
bitationskurve (die an und für sich langsamer abfällt als beim 
Manne) die deutliche Tendenz, in der Einverleibungssituation 
zu verharren. Die orgastische Ekstase des Weibes hat absolut 
den Charakter des Insichaufnehmens, des Dranges mit dem 
Partner eins zu bleiben im Sinne der Einverleibung. Im 
Wunsche der Frau, den Penis beim Koitus im Körper 
zu behalten, ist nicht nur der Penisneid enthalten, sondern 
auch die Tendenz, mit dem Kind-Mann identisch zu bleiben. 
Das zärtliche Anschmiegen des Weibes nach dem Koitus 
entspricht psychologisch einer Schwangerschaft, in der es 
sich — in dem Gleichnis Mann = Kind — unbewußt zu fühlen 
glaubt, und in der es verbleiben will, während der Mann nach 
der Entspannung eher das Bedürfnis nach Alleinsein und nach 
Schlaf äußert. 



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VIII 
Frigidität und Sterilität 

Wir sehen somit, daß die Übernahme des Primates in der 
Sexu al f unkt durch die Vag . na ^ e . ner n de 

hbidxnösen Einstellung von selten des Weibes verbunden ist 
Dam: soll nicht gesagt werden, daß eine Störung im libidL n ' 

se fmit ei ^ **?"* * ^ ***** ^bedeutend 
em lte mer Störung m der Fortpflanzungsfunktion. Im Gegen- 
teil, wir kennen verschiedene Arten der Frigidität mit un 
gesäter Fortpfl a n Z u n gsfunktion und umgekeh« Steril" Z 

m!z^r fmden - ° ft treffen wohi Fri ^ tät - *■* 

Die moderne Gynäkologie beginnt ebenfalls die große Be- 
deutung des Psychischen für den organischen Verlauf der Fort- 
Pflanzung anzuerkennen. In der letzten Zeit wurde sogar von 
dieser Sexte der Anschauung Ausdruck gegeben daß d^e 
Stenhtät in vielen Fällen eine Folgeerscheinung 2 Fr gidiS 
Tei CM ^ ^ ° rgaStiSCher -dorischer Entladung 

düngen, die dann das organische Substrat für Sterilität und 
somatische Erkrankungen des Sexualapparates bilden 

Wenn diese Beziehung zwischen Frigidität und Sterilität 

DE. Kehr er: Ursachen und Behandlung der Unfruchtbarkeit. i 922 . 



Frigidität und Sterilität Ol 



analytische Erfahrung, daß sie meist verschiedene Ausdrucks- 
formen desselben unbewußten Protestes gegen die Übernahme 
der vollen weiblichen Einstellung sind. Den zahlreichen seeli- 
schen Determinierungen entspricht einmal dieses, das andere 
Mal jenes Symptom als Ausdrucksmittel. Wenn eine Frau — 
um ein grobes Beispiel zu nehmen — sich dem Manne im 
Sexualakt bewußt hingibt, aber gleichzeitig aus unbewußten 
Motiven verweigert, so ist anzunehmen, daß sie dem Manne, 
den sie im Sexualakt nicht ganz in sich aufnehmen wollte, 
auch das Kind als Fortsetzung dieses Aufnehmens verweigern 
wird und somit gleichzeitig frigid und steril bleibt. Es 
geschieht aber sehr häufig, daß die Frau frigid bleibt und doch 
mehrere Kinder zur Welt bringt, oder umgekehrt, daß sie zum 
vollen Orgasmus kommt und dabei — ohne primäre organische 
Ursache — steril bleibt. Im ersten Falle gelingt es dem Unbe- 
wußten nicht, die autonome Tätigkeit der Kopulation zwischen 
Ovulum und Spermatozoon zu stören, im zweiten haben die 
unbewußten Tendenzen den Kinderwunsch von den Beziehungen 
zum Sexualobjekt unabhängig gemacht. 

Zu den mannigfaltigen Möglichkeiten, die sich hier ergeben 
und die wir in Traumanalysen und Symptombildungen beob- 
achten konnten, kehren wir im weiteren zurück. Jedenfalls 
sehen wir schon jetzt die beiden Störungen (Frigidität und 
Sterilität) ineinandergreifen und sich gegenseitig beeinflussen. 

Es ist eine sehr auffällige und psychologisch noch immer 
ungeklärte Tatsache, daß die Frigidität des Weibes an Häufig- 
keit die analoge Störung des Mannes — die psychische Impo- 
tenz — bedeutend übersteigt. Wenn es auch nicht leicht 
sein dürfte, die Zusammenhänge hier vollkommen aufzuklären, 
so wollen wir doch versuchen, einiges zum besseren Ver- 
ständnis derselben beizutragen. 

Wir dürfen nicht vergessen, daß die Frigidität ebenso wie 



62 



Pysdioanalyse der weiblidien Sexualhmktionen 



we^S: ^ MameS ^ neUr ° tiSCheS »» Wertet 
Dieselben Mechanismen, die uns analytisch bei der Symptom- 
büdung bekannt smd und auf die wir an dieser Stehe nicht 
eingehen können, behalten auch hier ihre Geltung. So gehen 
m dieser Beziehung die Impotenz des Mannes und dieFrigldhlt 
des Weibes ein Stück weit parallel. 
Welche spezifischen ursächlichen Momente treten nun beim 

Freud' hat darauf aufmerksam gemacht, daß eine der 

^ rsa da e ß n e der /rf en impotenz in dem umst - d - -ht 

ist, daß es durch bestimmte Hemmungen in der Libidoent- 

1« "und ' 2U SP 1 Un ^ '" ^^ ^ ^ KomponenTen 

Diese Snl 2 T, m " 2ärÜiChe Und Sbnliche Strö ™^- 
Diese Spaltung fuhrt zu einer nur bedingten Fähigkeit der 

ObTI f , etät / g \ ng " d6m Sfnne < daß das ertlich gelieb 
Objekt nicht .gleichzeitig zum sinnlich begehrten werden darf 
und umgekehrt . Das Qbjekt( dem en da f 

Hchke.t frei äußern darf, muß geringgeschätzt, erniedrigt 
imßachtet sem. Diese Einstellung, die zur Impotenz fuhS 
kann, gestattet dafür dem Manne in Bezug auf die Kohu 

de 10 Ob S t St T "c gl " Ößere Bewe ^^iheit in der Wahl 
des Objektes. D ie se Spaltungstendenz nämlich, die spurenweise 
bei jedem Manne vorhanden ist, kann zwar zu pathologisch" 
Auswirkungen im Sinne „wo er liebt, kann er nicht begeben" 
fuhren, aber auch die Formel annehmen: „er vermag auch 
dort zu begehren, d. h. potent zu sein, wo er nichUiebt « 
Somit wird eine günstige Bedingung für die Breite der sexu- 
ellen Betätigungsmöglichkeit geschaffen. 

Bd X)^Freud: Beiträge zur Psychologie des Liebeslebens. (Ges. Schriften, 



Frigidität und Sterilität 63 



Für das normale Weib besteht unter unseren Kulturbedin- 
gungen diese Möglichkeit nicht; ihre Liebesfähigkeit drückt 
sich meist in der Formel aus: „wo sie nicht liebt, kann sie 
nicht begehren." 

Dieses divergierende Verhalten erklärt sich aus der ver- 
schiedenen Art der Reaktion auf die reale Versagung, die sich 
— wie wir schon oben in einem anderen Zusammenhang 
besprochen haben — dem sexuell reifen Jüngling und dem 
reifen Mädchen in der Pubertätszeit entgegenstellt. 

Dem jungen Manne gelingt es schließlich, die Versagung zu 
durchbrechen. Infolge der bereits entstandenen inneren Kon- 
flikte aus dem Ödipuskomplex vollzieht sich dieser Durchbruch 
häufig nur unter der Bedingung der Erniedrigung des Liebes- 
objektes, an der dann im späteren Liebesleben festgehalten wird. 

Diese Spaltungskonstellation findet sich beim Mädchen nicht, 
denn es muß an der realen Versagung bis zur bereits ge- 
statteten Objektwahl festhalten. Es verbleibt deshalb länger 
bei den unbewußten Phantasien in der Klitorismasturbation. 

Die Objektwahl vollzieht sich dann ohne Spaltung, jedoch 
mit um so größerer Einschränkung der Wahl und mit Gefahr 
der inzestuösen Fixierung. 

Eine weitere Ursache, daß die Frigidität häufiger auftritt als 
die Impotenz, liegt im Überwiegen des psychischen Elementes 
im Sexualleben des Weibes. Die Psychoanalyse hat uns gezeigt, 
wie der Mann durch die Sublimierung der nicht zur Ver- 
wendung gelangten sexuellen Triebkräfte höhere Kulturwerke 
schafft und so auf Kosten der sexuellen Triebe zur Befriedigung 
der Ichtendenzen gelangt. Anders beim Weibe! Die Subli- 
mierungsfähigkeit des Weibes, vielleicht quantitativ nicht 
geringer, hat andere Richtlinien wie die des Mannes. Die 
Produktionsfähigkeit des Mannes, die in seinen geistigen und 
sozialen Werken zum Ausdruck kommt und die narzißtische 



6 Ä Psychoanalys e der weiblichen Sexualfunkti 



lonen 



Befriedigung schafft, erledigt sich beim Weibe im engen 
Kreise des Sexuallebens, in der Produktion des Kindes. AlS 
was ihr narzißtische Befriedigung schaffen soll, ist eng andTe 
Sexualfunktion geknüpft. Die unbrauchbar wordene Trieb! 

sSnTd 11 werd T d r seelischen Vertiefun ^ und in —- 

steigerung der psychischen Komponente der Erotik zugeführt 
Die ganze Libidoquantität, die beim Manne der Sexualität ent 

WeSe 1 ; dei die if Au , ßenWeIt ***** wird, verbleibt bem 
Weibe in der Sexualfunktion zentriert. Von da aus ergibt sich 
wiederum die Überladung der sinnlichen Komponente dm h 
die seelische und die Erschwerung der Liebesbedingungen 

Weibes zur Geschlechtskälte müssen wir uns noch einmal an 
de bereits besprochenen Pubertätsschwierigkeiten erinneni 
Sie hegen hauptsächlich (zum Unterschied vom Manne) in dem 
Verdrängungsschub, dem die Sexualbetätigung der Vorpubertä 
endgültig unterliegen muß. Sie war an L llitori gebunden 

dS Irthlft^ " ^^ Ve ^~ub un 2 
ledigt bleibt, schafft ein störendes Moment für die vollen! 

wickelte Weiblichkeit, ein Moment, welches durch die perL- 
:: ä ^ eAehr der Me -ruation, Jenes traumatisc n 
Pubertät ereignisses, immer wieder aufgefrischt wird Diese 
nicht voh erledigte Klitorisphase wird zur häufigen Urfa2 
der Engidität des Sichnichtfügenwollens in die weiblich ^Z 
vaginal aufnehmende Rolle. P 

Ober die Nachwirkungen der Pubertätsverbote und des 
Deflorationsaktes und deren Beziehungen zur Frigidität haben 

Z b d ? re F tS - g 7 PrOChe ;- Auchmaci — ir daraufLfm r k at 
stein k 7 Und die ^ ch ^^ Sterilität dieselben Ent- 

stehungsbedingungen haben wie die Neurose. Sie werden also 
wie dieselbe von der Intensität der infantilen Fixierungen ton 
den Schicksalen des Ödipuskomplexes, von dem HafteSiben 



Frigidität und Sterilität 



65 



an früheren „erogenen Zonen" usw. abhängig sein. Wobei an 
die Tatsache erinnert werden soll, daß die beim Weibe nor- 
maliter stärkere Besetzung der „erogenen Zonen" als beim 
Manne auch die stärkere Fixierung an diesen Zonen zur Folge 
hat. Besonders die Mundzone und die Mamillen geben ihre 
erogene Bedeutung zugunsten der Vagina ungern ab. 



Deutsch, Weibliche Sexualfunktionen. 



IX 



Schwangerschaft und Geburtsakt 

der sexueUen E„ ttpannung durch ^ e^XJ 

Ausstoß zu Z^ D * "CA" f^ 

nZ /', dieSCr V ° rgan « fc Ausstoflung dt Fort 

ÄSEÄ 1 - **"«--* «5 Weihen 

aber e l;rr hliCh , en Weibe ™ rd di ^ «** durchgeführte 



Sdiwangersdiaft und Geburtsakt 67 

ersten durchtränkt. Ich nehme sogar an, daß der Geburts- 
akt die Akme (den Gipfelpunkt) der sexuellen Lust dar- 
stellt, durch die Entspannung von der Reizwirkung des Keim- 
plasmas. Der Geburtsakt wäre dann ein „Autotomievorgang" 
wie die Ejakulation (nach Ferenczi), 1 der jedoch erst des 
intensiven Reizes der gereiften Frucht bedarf, um in Funktion 
zu treten. Die Anschauung, die Groddeck zuerst mutig am 
Haager Kongreß ausgesprochen hat, der Gebärakt sei durch 
seine Analogie zum Koitus mit Lust verbunden, würde dann 
eine Korrektur erfahren: der Koitus wird zu einem lustvollen 
Akt hauptsächlich durch die psychologische Tatsache, daß er 
den Versuch und den Beginn des Gebäraktes darstellt. 
Zur Unterstützung meiner Auffassung möchte ich folgendes 
anführen: 

Wir wissen von Freud, daß die sadistischen Destruktions- 
triebe zu ihrem höchsten Ausdruck gelangen, wenn die vom 
Eros ausgehenden Sexualtriebe ausgeschaltet werden. Dies ist 
der Fall nach ihrer Entspannung im Befriedigungsakte. Der 
Todestrieb bekommt dann freie Hand und kann seine Ansprüche 
ungestört zur Geltung bringen. Ein klassisches Beispiel dafür 
liefern jene niederen Tiere, deren Sexualakt zum Tode führt. 

Das gilt für das befruchtende Männchen, wiederholt sich 
jedoch meiner Ansicht nach mutatis mutandis auch beim 
Weibchen, wenn das befruchtete Ei, nach einem länger und 
kürzer dauernden Intervall der Fruchtreifung im mütterlichen 
Leibe, abgestoßen wird. Bei einer ganzen Anzahl von Tierarten, 
z. B. bei gewissen Spinnen, geht das Weibchen nach der 
Beendigung der Fortpflanzungsfunktion zugrunde. Wenn die 
Freiwerdung des Todestriebes eine Folge der Befriedigung 
sexueller Strebungen ist, kann man konsequenterweise nur 



1) 1. c 



68 



-^^^^S^^" 



™^ä. Tjztrtr^r r die feem Akt 

sichtlich rW Wo t Todesahnungen entsprechen 

lÄS^E"*-"* '" Dr ° hU "^ fc Werdende» 

mit der gleichzeitig T Wie beim Man *e 

gieicnzeitigen Trennung- von Snmp »„,* iz ■ . 

einhergeht und Kei mplasma 

. SfWangersdiaft 

drLtn 86111 f^ Unmenh ««« mußte sich uns die Frage auf 



„physiologisch", ruft aber doch im normal-somatischen Ver- 
halten im Sinne des Stoffwechsels, Blutkreislaufs, der Dislokation 
der Organe, der Funktionsänderungen, der körperlichen Neu- 
forderungen eine solche Umwälzung hervor, daß wir schon 
allein aus der Tatsache des von uns anerkannten Parallelismus 
körperlicher und psychischer Erscheinungen längst die Frage 
hätten aufwerfen müssen: wie stellt sich dazu der seelische 
Apparat ein? Dabei dürfen wir nicht außer acht lassen, daß 
dieser Zustand auch neue Objektrelationen mit sich bringen 
muß und daß er durch das Dazutreten eines neuen realen 
Objektes — des Kindes — eine Veränderung der ganzen 
Lebenseinstellung bedingt. 

Wir haben im obigen erwogen, wie die Zeit der eintreten- 
den Geschlechtsreife beim Weibe mit narzißtischer Kränkung 
einsetzt, wie die späteren Vorgänge der periodisch rückkehren- 
den Menstruation, dann der Defloration, immer wieder ein 
Trauma im Sinne des gekränkten Narzißmus darstellen und 
wie sich das beeinträchtigte Ich im Kampfe gegen die Ein- 
griffe der Fortpflanzungsfunktion zu entschädigen sucht. Als 
entschädigende Prämie für das Erlittene wurde dem weib- 
lichen Ich das Kind versprochen. 

Wie reagiert nun dieses weibliche Ich auf die erfolgte 
Wunscherfüllung? Wie werden die narzißtischen Kränkungen 
getilgt? 

Im obigen haben wir uns mit dem weiblichen Wesen 
vom Momente der Geschlechtsreife an beschäftigt und den Ent- 
wicklungsgang bis dahin als einen dem männlichen und weib- 
lichen gemeinsamen, bisexuellen betrachtet. Wir müssen an dieser 
Stelle noch einmal einen Rückblick auf diese infantile, sagen 
wir „vorweibliche" Periode machen, nachdem wir bereits wissen, 
daß alle Entwicklungsphasen im Unbewußten Niederschläge 
hinterlassen, die in geeigneten Momenten wiederbelebt werden. 



— ^ "" c " ^cAaau unktionen 

von zahlreichen Theorien rfil "*"**"= des Kindes ist voll 
versuche von Seiten dTä™rf ^ *** ' a ' SCher E *>änmgs- 
*nr Bildung d£ e r Phaf LT !?? e, " Stehen ' '"• die T ^ 
stark, da/sie l h STorri 6 ' ^ *** ^ » 
richtige sexuelle Zfkfc ^^rchsetzt, wo dem Kinde die 

*eser%h™ n t U n f r™"f " ^ VOrentha,,e " ""* «*» 
solcher Hartnackig ta cW T " nd „!****« -* «* 

feiern einen so ^^bSTÄ "* Me ° SChe "' 

Symptome und kehren ,%, L f Bddung neurotischer 

so regelmäßig zu^dS ^"t"* Subl --rung S formen 

ständfgen Invema de 1l 7 Z ***** ^ dies ^n zum 

typisch zu nennenden Ph, Ußten ZU ^ Zu dies - 

Befruchtung^ W d iefe aS16n ^ ^'^ der oraI - 
P^t^^t^^^™ -«"-^ **■*. ^ letztere 

ergänzt, ein Gleicht ^das„th T ZUnffK °^ Penis==Kind 

im Kinde ein direkter Iw 1 / GrSChemt für die Frau 
vermißten Penis NuT.TfT t ^ Bn » Kas ^tionskompl ex « 
-t den il LT ZuSaffimenha ^ d -ser Phantasien 
möchten wir tetL5^ P9 T tel Entwick Wsformen 

J* Vorgänge **%£? ^Z^T^T ^ 

Beziehung zwischen ri. iv/r J lierarten - ln denen d le innige 

"ch wird! eCo is f l M v t ^ *"" Genitala PPa-t deu't- 
funktion und den Exle VtSbadao * zwis *en der Genital- 
Beides sind Forlf 7 tl0nSV ; rgängen <** äußerst hä ^e. 
™ Ausdruck rmef Be"d T t0 r etiSChen ^^ 
d er oralen und dTe 1 H "* Phantasien ' die vo * 

(Ges. Schritten, Bd^^"™*^^^ 



ÜB 



Schwangerschaft und Geburtsakt 71 



stehen ihrerseits in engster Verknüpfung mit den entsprechen- 
den prägenitalen Entwicklungsphasen der Libido (s, o.). 

Es erscheint uns von psychologischem Interesse, nachzu- 
forschen, ob diese infantilen Phantasien in der Realisierungs- 
situation der Fortpflanzung in irgendwelcher Form mobilisiert 
werden (nachdem wir erfahren haben, daß sie, im Unbewußten 
aufbewahrt, auch sonst ihr Bestehen verraten). Wir wissen, 
daß diese unbewußten Seeleninhalte beim Manne den Subli- 
mierungsweg zur geistigen und sozialen Tätigkeit durchmachen 
und daß sie beim Weibe in die Fortpflanzungsfunktion ver- 
woben werden. 

So findet schon im Koitus, der für das Weib (psychologisch) 
den Beginn der Fortpflanzungstätigkeit darstellt, in gewissem 
Sinne die Unterbringung niedrigerer Libidopositionen statt. Es 
kommt, wie wir gesehen haben, zu einer Introjektion des 
Sexualpartners, zur Einverleibung eines Teiles von ihm durch 
Vermittlung des Genitalsekretes. Diese Einverleibung hat eine 
weitgehende Analogie zur Saugetätigkeit des Kindes, in der 
sich der Säugling einen Teil des mütterlichen Körpers durch 
eine von ihm sezernierte Flüssigkeit „einverleibt". Die Analogie 
dieses Aktes läßt sich restlos herstellen. Im sexuellen Vor- 
bereitungsakte wird die Trennung Ich und Objekt aufgehoben; 
das Objekt befindet sich zwar in der Außenwelt, aber wie beim 
saugenden Kinde der Gegensatz Ich — Mutter nicht besteht, 
indem die stillende Brust zum Teil des eigenen Körpers 
wird, so besteht in der Ekstase des Sexualaktes der Gegen- 
satz Ich — Objekt auch nicht. Hier übernimmt der Penis als 
säugendes Organ die vermittelnde Rolle, die Vagina als ein- 
saugendes, die orale Funktion. Die infantile Theorie von der 
oralen Befruchtung findet hier in der Verlegung der oralen 
Tätigkeit auf die Vagina ihre Unterbringung. Die Fellatio als 
Perversion ist der pathologische Ausdruck dieser Relation. 



7 1 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Somit stellt der Koitus jenen restlos harmonischen Zustand 
dar, m dem die Identität zwischen Subjekt und Objekt wieder 
hergestellt ist. Die reale Einverleibung des Objektes findet in 

das ItllT*! '^ ^ Wlrd ^ im Kinde f °^ esetzt - auf 
das die Rofle ^ einverleibten Objektes verschoben wird; die 

ir_ R Kirab Subjekt - obiekt spieit - h i~^n 

W D eZr n f ~ im KindG ~ intr °i izierte ° b i^t wird ins Ich des 
Weibes aufgenommen, um es zu erweitern und zu bereichern 
Der Vorgang ist hier, wie wir im weiteren sehen werden 
^rchmerere Momente kompliziert. Einerseits wird das Kind 
als Objekt auf dem Wege der Identifizierung ins Ich aufge- 
nommen und bildet so einen Bestandteil des Ich, so daß ein 

t n- T ° n ZWiSChen Mutter - Kind si <* im Ich voll- 
£?K r ' u? mS 6rgibt SiGh aUch aus der Tatsache, daß 
das Kind auch körperlich einen Teil des Ichs darstellt, indem 
es wirklich mit dem mütterlichen Leibe eine Ganzheit bildet 
; Andererseits jedoch stellt das Kind für die Mutter bereits 
im Uterus ein Stück der Außenwelt dar und wird somit zu 
--außerhalb des Ich gelegenen Objekte, an dem saTtHcS 
Ob ek trelationen der Mutter in ihren positiven und negativen 
GefuhlseinsteUungen wiederholt werden. Als leibliche Fort- 
setzung des Sexualpartners durch den Introjektionsvorgang ist 
das Kind gleichsam dieser Partner selbst geworden. Aus der 

wfrd da r s W Ki r" "r *"* aU ^ frischt - Ödipuskonstellation 
wird das Kind zum Träger der Vaterliebe seiner Gebärerhr 
so setzt sich m der Erfüllung des weiblichen Wunsches nach 
dem Kinde auch in der Sexualreife das infantile Begehren 
ein Kind vom Vater zu bekommen, fort ' 

Diese Beziehung der Mutter zum Kinde drückt sich zeit- 
lebens besonders in ihrem Verhältnis zum ältesten Sohne au 
der dazu bestimmt wird, alle Qualitäten des Großvaters mütter- 



Schwangerschaft und Geburtsakt 



73 



licherseits zu wiederholen, und zwar so, wie ihn die Mutter 
einst mit überschätzenden Kinderaugen gesehen hatte. Nach 
Aussagen von Familienforschern ist tatsächlich der älteste 
Sohn der Tochter meist auch äußerlich dem Großvater ähnlich, 1 
Somit wird das Kind in dieser Objektbeziehung zum Träger 
eines hohen Menschenideals in der Formel: »Du sollst so 
werden wie mein Vater war.'' Die analytischen Untersuchungen 
schwangerer Frauen haben uns belehrt, daß auch diese 
Objektbeziehungen zum Kinde nicht so einfach sind. So wie 
die ganze Zärtlichkeit, die einst dem Vater und im günstigen 
Falle dem Sexualpartner galt, auch auf das Kind — in der 
oben besprochenen Identifizierung mit den beiden — übergeht, 
werden auch die feindseligen Gefühlseinstellungen in den 
Beziehungen zu diesen beiden Objekten auf das neuentstandene 
Kind übertragen. Diese Ambivalenz der Gefühle, hatte einst 
eine ihrer Ursachen in der Liebesverweigerung, die das kleine 
Mädchen vom Vater erlebt hatte. Die im Unbewußten fort- 
dauernde, durch Zärtlichkeit überdeckte Feindseligkeit wurde 
gleichzeitig mit den positiven Gefühlen auch auf das spätere 
Liebesobjekt übertragen, an dem sie durch nachfolgende Erleb- 
nisse (Deflorationsakt) wiederum verstärkt und mobilisiert 
werden konnte. 

Diese den Objekten geltenden feindlichen Beziehungen 
kommen besonders in den unbewußten Tendenzen der 
Schwangerschaft zum Ausdruck und werden erst später am 
lebenden Kinde korrigiert. Sie bekommen auch aus anderen 
Quellen ihre Verstärkung. 

Schon in dem oben beschriebenen Einverleibungsvorgang ist 

i) Bei manchen primitiven Völkern herrscht wirklich der Glaube, daß 
im Enkel der Großvater mütterlicherseits wiedergeboren werde. Zur 
Analyse dieses Glaubens vgl. Reik, Die Couvade in „Probleme der 
Religionspsychologie", I. Teil. (Internationale Psychoanalytische Bibliothek, 
Bd. V.) 



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Tendenaen^inb rg h T.De SS f *?' a -*»* ^-ej 
einstellnng zum Objekte S t" 1 " 11 *'^ 

~Äi~tf=h^-: 



Schwangerschaft und Geburtsakt 75 

akte des Säuglings. Somit wiederholt die höchste Entwicklungs- 
stufe der Libidoentwicklung die niedrigste, nämlich die 
orale, die durch die Identifizierung mit dem Objekt charakterisiert 
ist. (Abraham). 1 

Der einmal eingeschlagene Weg der Regression sucht nun 
in der unendlichen Erschütterung des Libidohaushaltes in der 
Schwangerschaft alle verlassenen Libidodispositionen auf. 

Nicht nur die alten, der genitalen Organisation angehörigen 
infantilen Objektbesetzungen werden am Kinde wieder mobi- 
lisiert. Wir haben die Regression in die orale Phase in ihren 
Äußerungen besprochen und sehen nun, wie in dem Gleichnis 
Kot = Kind die Genitalorganisation wieder eine Erniedrigung 
in die sadistisch-anale Phase erfährt. 

Wie in der Einverleibung dem Kinde als Teil des eigenen 
Ichs (in der Identifizierung zwischen Kind und Ich) eine Menge 
narzißtischer Libido zugeflossen ist, so ist die aus der Identität 
Kind = Kot herrührende Beziehung wiederum eine narzißtische. 
Sie hat ihre Quelle in der hohen Wertung, die einst in der 
Kindheit den Exkrementen des eigenen Körpers galt. Ebenso 
wird in der Identifizierung Kind = Penis die narzißtische 
Wertung des Penis beibehalten und auf das Kind übertragen. 

Die Regression zur sadistisch-analen Phase gibt sich nicht 
nur in den Phatasien und Träumen der Schwangeren kund. 
Wir erkennen sie in den passageren, sehr typischen Charakter- 
veränderungen der Schwangeren, die entsprechend den analy- 
tischen Erkenntnissen in der sadistisch-analen Entwicklungs- 
phase ihren Ursprung haben, z. B. Trotz, Launenhaftigkeit, 
besondere Reinlichkeit, an Geiz grenzende Sparsamkeit, eine 
Art Sammeltrieb. Diese sich einstellenden Eigenschaften finden 
ihre gute Rationalisierung in der „Sorge um das kommende 
Kind." 

i) 1. c. 






^ ° b i ekte '*** auchfaren Zd 5T A * bivaIe -einstellung 
der Schwangerschaft. Difwet^t ? ^^ S 3™Ptom e f 
der Entbindungsfrist h ä X^ ? TV" "^ ^ Vor 
entspricht als Ausdruck ^ d er A f« ' Ur8achen auftritt > 
ambivalenten Einstellung zum Kii St ^ Stende ^n dieser 
t-en Tendenzen, so to ^^ tb^T'^ dieSe ne ^ 

Auch manche Schwan«, u < rtUS koi «men. 

Zusammenhang ^^2^^ "*» *"" 
besprochene Erbrechen oft " u t ." ' * ^ daS frü ^ 
gefohle. Wir wissen, daß L Kn, ( t* typischer Ekel- 
*> n gegen die ursprüngliche t Z ^ ^ * der Ko- 
nkremente mit Ekel besSf " arzißtlsch « Überschätzung der 
Ekelhaften wird. £' ^ÄT d^S^^ ^ ü ^ 
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^gemeines Gefühl auftraten *L ^ ^^ ° der als 
Beziehung Kind «Kot g " aUCh der unbewußten 

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nach ZW ei Richtungen detennfnt ^ ISt dieSe Tats ache 

*» -h diese selbständige ^o™ ^ rÜckt das ^ind 

Außenwelt, wodurch ^^ Le ' st ^ mehr in die 

mütterlicher Liebe zuströmen " ** Zärt ^hkeit und 

Als Bestandteil des mütterlichen 1?* 
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d as Kind die ^^tÄf' ^en, verliert 
d er ihm geltenden Libido gZ n Tjf » d ?\ narzißtis ^ Anteil 
^ufe, wird genitalisiert. D*^™?^*»^™*» 
gesetzt und übernimmt auch n d eserTed T *** ^ Ch " 

DaT V S n T dbeS ^ ^ ^ -^ " ^ EntSChä " 

uas Verhältnis 7i. m v j 



Schwangersdiaft und Geburtsakt 77 

steckend, wird jetzt doch auf eine höhere Entwicklungsstufe, 
auf die „phallische" gebracht. Gleichzeitig dokumentiert das 
Kind durch eine gewisse, jetzt zur Entfaltung kommende 
Selbständigkeit seine Zugehörigkeit zur Außenwelt und rückt 
auf diese Weise mehr in Objektbeziehungen zur Mutter. Der 
Ambivalenzkonflikt erscheint dadurch gemildert, die Aus- 
stoßungstendenz wird geringer, das Kind darf behalten werden. 

Wir sehen also, wie neben diesen rein narzißtischen Rela- 
tionen zum Kinde gleichzeitig und parallel die Objektbezie- 
hungen bestehen, wie das Kind bereits im Uterus auch die 
Bedeutung der Außenwelt besitzt und zur libidinösen Abla- 
gerungsstätte verschiedener Objektbesetzungen wird. 

Verfolgen wir noch einen Moment sein Schicksal in der 
rein narzißtischen Bewertung. 

Das im Sexualakt introjizierte Objekt-Kind wird zum 
Bestandteil des eigenen Ich des Weibes. Die dem sexuellen 
Partner im Sexualakt zufließenden Libidoquantitäten werden 
im Introjektions Vorgang in narzißtische verwandelt. Diese 
Quantitäten sind sehr erheblich, denn sie enthalten, wie wir 
gesehen haben, ein großes Ausmaß maternaler und vor allem 
dem Vater zukommender Libido. Diese dem Ich zuströmende 
Libido stellt den „sekundären" Narzißmus des mütterlichen 
Weibes dar, indem sie zwar dem Objekt-Kind gilt, das Objekt 
aber gleichzeitig einen Teil des Ich darstellt. 

Die durch den Introjektionsvorgang vor sich gehende Ich- 
veränderung des schwangeren Weibes ist die Neuauflage eines 
Prozesses, der schon einmal stattgefunden hat: das Kind wird 
für sie zur Inkarnation des bereits früher entwickelten Ichideals. 
Zum zweitenmal wird dieses durch die Introjektion des Vaters 
aufgebaut. 

Die narzißtische Libido wird auf dieses neuaufgestellte Über- 
ich verschoben, welches zum Träger aller Vollkommenheiten 



?L Psydioanalyse der weiblichen Sexualfimktionen 



wird, die einst dem Vater zugesprochen wurden. Eine ganze 
Menge libxdmöser Objektbeziehungen werden von der Außen- 
welt zurückgezogen und dem Kinde als Über-Ich zugeführt. 
Auf diese Weise spielt sich am Kinde der Sublimierungsprozeß 
des Weibes ab. v 

Während der Mann sein Ichideal an seinen Sublimierungs- 
J er ?T- T , d T Außenwelt mißt ™* kontrolliert, verkörpert sich 
das Ichideal der Frau im Kinde, und alle Sublimierungstendenzen, 
die der Mann für seine geistige und soziale Tätigkeit verbraucht, 
strömen beim Weibe dem Kinde zu, als ihrem Sublimierungs- 
werke (im psychologischen Sinne). 

Freud hat im Verhältnis der Eltern zu den Kindern über- 
haupt den höchsten Ausdruck der narzißtischen Liebe gefunden 
Dieses Verhältnis erreicht jedoch beim Manne nie die gleiche 
Intensität wie beim Weibe, bei dem es sozusagen biologisch 
vorgezeichnet ist. Ist doch das Kind auf dem Wege der Intro- 
jektion ms eigene Ich des Weibes entstanden und es sind ihm 
große Quantitäten narzißtischer Libido zugeflossen, bevor es 
zum Objekte wurde. Auch in seinem späteren Dasein wird das 
Kind für die Eltern zum Träger ihrer unerfüllten Wünsche 
und Ideale und hat die Aufgabe, sie für die erlittenen Ent- 
täuschungen zu entschädigen. Die erste Relation Mutter-Kind 
in der das Kind noch einen Teil des mütterlichen Ichs darstellt' 
steht schon unter diesem Zeichen. Wie wir gesehen haben,' 
entspricht das find in diesem Verhältnis jenem Anteil im Ich 
der für das Weib das Ichideal darstellt. Alles, was als psychisch 
wertvoll, erstrebenswert, schuldlos bewertet wird, findet jetzt 
seine Materialisation im Kinde. 

Dieses ursprünglich im Sexualakt am Partner erreichte Ver- 
hältnis der vollen Harmonie, in dem die Grenze zwischen 
Subjekt und Objekt nicht besteht (s. o.), wird am Kinde fort- 
gesetzt und so stellt das Verhältnis Mutter-Kind eine restlose 



Realisierung des Urzustandes dar, wo es noch keine Trennung 
zwischen Ichlibido und Objektlibido gab. 

Dieser Urzustand wird aber durch zwei Momente gestört: 

i) Durch einen Sublimierungsprozeß wird das Kind zum 
Über-Ich der Mutter. Dieses kann — wie wir aus anderweitigen 
Erfahrungen wissen — in einen starken Gegensatz zum mütter- 
lichen Ich geraten. 

2) ist das Kind gleichzeitig ein Objekt der Außenwelt, an 
dem sich die Ambivalenzkonflikte aller Entwicklungsphasen der 
Libido abspielen. 

Die Beobachtungen der psychischen Veränderungen, die die 
Schwangerschaft mit sich bringt, läßt uns eine sehr individuelle 
und mannigfaltige Reaktionsweise feststellen. Daß einerseits 
körperliche Momente, aktuelle Lebensbedingungen usw. eine 
große Rolle in diesem Verhalten spielen, läßt sich nicht leugnen. 
Andererseits muß die große Umwälzung im Libidohaushalte 
Reaktionserscheinungen ohne Rücksicht auf das Aktuelle 
mit sich bringen. Die analytische Beobachtung hat unsere 
Vermutung bestätigt, daß dispositionelle Momente, die im 
normalen Zustande noch nicht zum Ausdruck kommen, jetzt 
reaktiviert werden. Wo sie überstark sind, führen sie zum Aus- 
bruch psychischer Erkrankungen (Schwangerschaftspsychosen, 
Puerperal-Laktationspsychosen usw.). Im Normalen rufen sie 
eine gewisse Veränderung des psychischen Habitus noch in 
den Grenzen des Physiologischen hervor. 

Die Beobachtung zeigt uns zwei charakteristische Frauentypen 
in ihren psychischen Reaktionen auf die Schwangerschaft. 
Eine Anzahl von Frauen trägt ihre Schwangerschaft mit sicht- 
lichem Unbehagen und mit Depression. Gleichsinnig tritt bei 
ihnen eine ungünstige Veränderung des körperlichen Habitus 
ein; sie werden häßlich, schrumpfen förmlich zusammen, so daß 
sie sich tatsächlich mit der fortschreitenden Entwickelung des 



8Q Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Kindes zu einem sich selbst unbehaglichen Anhängsel ah das 
Kind verwandeln. Der andere Frauehtypus ist das Weib das 
in der Schwangerschaft seine höchste körperliche und W 
chische Blüte erreicht. ■> 

Im ersten Fall hat der Narzißmus des Weibes eine Einbuße 
zugunsten des Kindes erlitten; einerseits hatte sich das 
Uber-Ich des Ich bemächtigt, andererseits hatte das Kind als 
Liebesobjekt ein so großes Ausmaß von Ichlibido an sich gezogen 
daß das Ich verarmt ist. Von da aus erklären sich vielleicht! 
die bchwangerschaftsmelancholien. 

Bei dem anderen Frauentypus vollzieht sich die Libido- 
verteilung in der Schwangerschaft anders. Der jetzt der 
Außenwelt entzogene Teil der Libido wird dem Kinde als 
Be S t andt eil des Ich zugeführt. Dies gelingt nur, wenn die 
Bildung des Über-Ich weniger intensiv ist und das Kind 
weniger als Objekt und mehr als Bestandteil des Ich bewertet 
wird; dann kommt es zur Steigerung des sekundären Nar- 
zißmus, der S1 ch in gesteigertem Selbstgefühl, Selbstzufrieden- 
heit usw. äußert. 

Aus dem oben Gesagten ergibt sich, daß die Einheit Mutter- 
Kind nicht so restlos friedlich ist, wie es uns scheint 
_ Die anfängliche, im Introjektionsvorgang des Sexualaktes 
inaugurierte Harmonie des Urzustandes wird bald durch die 
Ambivalenzerscheinungen gestört, die sich im Uterus am Kinde 
abspielen. Im Lichte dieser Einsicht erscheint der Gebärakt als 
Endresultat eines lange wütenden Kampfes. Der unerträglich 
werdende, von der Leibesfrucht ausgehende Reiz, drängt zur 
Entladung. Alles, was an feindseligen Regungen schon im 
Laufe der Schwangerschaft mobilisiert worden ist, erreicht in 
Lesern Entscheidungskampfe die größte Intensität. Im Körper- 
lichen findet dieser Kampf seinen Ausdruck in der Kontraktions- 
tätigkeit der Muskulatur und deren Tendenzen: des Behaltens 



und des Ausstoßens. Schließlich tragen die letzten ihren Sieg 
davon. Es gelingt das introjizierte Objekt in die Außenwelt zu 
projizieren, u. zw. auf demselben Wege, auf dem es im Koitus 
introjiziert worden ist. 

Wir haben gesehen, wie das introjizierte Objekt in der 
hergestellten Icheinheit die Stelle des Ich-Ideals eingenommen 
hat. In die Außenwelt hinausprojiziert behält es diesen Cha- 
rakter, indem es weiterhin die Verkörperung eigener, nicht 
erreichter Ideale darstellt. Dies ist der psychologische Weg, 
auf dem die Frau, wie Freud sagt, „vom Narzißmus die 
volle Objektliebe erreicht." 

Auf Grund dieser Mutter-Kind-Identität erlaubt uns der 
psychische Zustand der Frau auf den psychischen Zustand des 
Kindes während der Geburt zu schließen. Die letztere — der 
Amnesie verfallen — wird später nur dunkel in Traumgebilden 
und Phantasien erinnert. 

Es ist tatsächlich für die Frau, als würde eine Welt aus 
den Fugen gehen und versinken; ein chaotisches Sichnicht- 
zurechtfinden, ein aus den Geburtswegen in den Kopf ver- 
legtes Gefühl des Druckes und des Platzens, verbunden mit 
intensiver Todesangst. Wahrscheinlich eine volle Wiederholung 
der an das Trauma der Geburt gebundenen Angst, eine Er- 
ledigung derselben durch reale Reproduktion. Was der Mann 
im Koitus zu erreichen sucht, was ihn zu mühevollen Subli- 
mierungen treibt, wird bei der Frau in der Fortpflanzungs- 
funktion erreicht. 

Es ist eine bekannte Tatsache, daß Träume schwangerer 
Frauen sehr häufig ein schwimmendes Kind darstellen. Dieses 
ist immer als die Träumerin selbst zu erkennen, mit einer Eigen- 
schaft ausgestattet, die sie sich selbst besonders wertvoll macht 
oder in der Kindheit gemacht hatte; gleichsam als Beweis und 
Illustration der Ich-Idealbildung im Kinde. Die Geburts- 

Deutsch, Weibliche Sexualfunktionen. 



Phantasien von Frauen, die schon selbst geboren haben, lassen 
bei genügender Nachforschung erkennen, daß sie Einzelheiten 
zweier Geburtsakte, die zu einem verwoben wurden, dar- 
stellen. Sie sind die Verdichtung der eigenen — nie erinnerten 
— Geburt und der durchgemachten Entbindung. 






X 
Psychologie des Wochenbettes 

Der psychische Zustand der Frau nach der Entbindung steht 
im Zeichen mehrerer Strömungen. 

Zuerst überwiegt das erlösende Gefühl eines siegreich 
beendeten Kampfes. Dann folgt ein sehr kurz dauerndes Stadium 
einer grenzenlosen Leere und Enttäuschung. Dieses Stadium 
verfällt gewöhnlich der Amnesie und kann meist nur von 
Frauen mit besonders guter, introspektiver Beobachtungsgabe 
wiedergegeben werden. Dieses Gefühl ist der höchste Ausdruck 
jener narzißtischen Kränkung, die wir schon in anderen 
Zusammenhängen als die Enttäuschungsreaktion „kein Kind 
und kein Penis" kennen gelernt haben. Es ist ein Verlust an 
dieser Libidoposition, die dem Kinde als dem Teil des eigenen 
Körpers galt, somit ein Verlust am Ich, eine Verkleinerung 
am eigenen Körper, eine neuerliche Kastration in der Gleich- 
setzung Kind = Penis. 

Diese Leere wird erst in jenem Momente ausgefüllt, in dem 
sich die endgültige Beziehung zum Kinde als Objekt der Außen- 
welt herstellt und ein Anteil der bis dahin narzißtischen Libido 
diesem neuentstandenen Objekte zugetragen wird. In der Glück- 
seligkeit dieses Neuerwerbs der Libido findet tatsächlich das 
Weib im günstigen und normalen Verlauf der Fortpflanzungs- 
funktion eine Entschädigung für die früheren Kränkungen. 



Sehr charakteristisch verläuft der Entbindungsakt bei Frauen, 
die sich den letzten Wehenschmerz durch Narkose zu ver- 
mindern suchen. Die Phase der Leere und Enttäuschung ent- 
fällt hier, dafür ist die freudige Neueinstellung zum Kinde nicht 
so beglückend und in ihrer Intensität nicht so überraschend, 
wie beim natürlichen Ablauf des Geburtsaktes. 

Sichtlich ist dieses „letzte Enttäuschungsmoment" notwendig, 
um die Freude der „Entschädigung" voll empfinden zu lassen! 
Außerdem ist es eben dieses letzte Moment des „Durch- 
schneidens" des Kopfes, das die Analogie zum Koitus (Immissio 
Penis) vollinhaltlich erfüllt. 1 Im vaginalen Durchgangsweg 
liegt jene Grenze, an der das Kind zum letztenmal ein „Teil 
des eigenen Körpers" und gleichzeitig schon das ausgestoßene 
Objekt darstellt. Also eine Wiederholung jenes Momentes des 
Sexualaktes, in dem das Objekt noch als ein Stück Außenwelt 
empfunden wurde, aber eben introjiziert, sich an der Grenze 
zwischen Außenwelt und Ich befand. So findet auch die bereits 
im Uterus begonnene Vollendung der Objektbeziehung zum 
Kind im Geburtsweg ihren Ausdruck, und die Brücke zu dieser 
Beziehung wird restlos im lustvollen, masochistischen Schmerz- 
erleiden hergestellt. Wo sie entfällt, wird das Kind anfänglich 
mit Fremdheitsgefühl empfangen. 

Der Einfluß, den die Schwangerschaft auf die Psyche des 
Weibes ausübte, findet seine Fortsetzung im Wochenbett. 
Erstens ergibt sich die Notwendigkeit einer seelischen Um- 
gruppierung aus der Tatsache, daß das Kind nicht mehr einen 
Teil des mütterlichen Körpers darstellt, sondern bereits gänzlich 
zum Objekte der Außenwelt geworden ist. Dieser Umstand hat zur 
Folge, daß der Anteil der Libido, der während der Schwanger- 
schaft dem Kinde als Teil des mütterlichen Ich zugetragen 

n-ul Y. gL , ^"i;. J rauma der Gebur t (Internationale Psychoanalytische 
Bibliothek, Bd. XIV). 



Psychologie des Wochenbettes 



85 



wurde, diese narzißtische Besetzung verliert und zu neuer Ver- 
wendung drängt. Zweitens komplizieren sich die Vorgänge noch 
dadurch, daß das Kind jetzt auch für die anderen Personen, 
die in Gefühlsrelationen zur Mutter stehen, zum selbständigen 
Wesen geworden ist und häufig als Konkurrent der Mutter 

auftritt. 

Das Verhältnis des Weibes zum Gatten kompliziert sich vor 
allem dadurch, daß demselben von Seiten der Frau ein großer 
Teil jener libidinösen Beziehungen entzogen wird, die aus der 
mütterlichen Einstellung des Weibes zum Manne resultierten 
und die jetzt dem Kinde zugetragen werden. Infolge des 
körperlichen und psychischen Schwächezustandes, in erster 
Linie aber infolge ihrer Identifizierung mit dem Neugeborenen, 
wird das Weib selbst zum Kinde und fühlt sich in ihrer Stellung 
als Mittelpunkt, dem einst in der eigenen Kindheit die ganze 
Zärtlichkeit und Fürsorge der Umgebung galt, benachteiligt. 

Die bereits in der Schwangerschaft sich kundgebende ambi- 
valente Beziehung zum Kinde wurde durch die narzißtische 
Bewertung des Kindes als identisch mit dem eigenen Ich unter- 
drückt und gewinnt nun im Wochenbett, nach der Trennung 
dieser Einheit, an Intensität. 

Die innersekretorischen und chemischen Vorgänge, die während 
der Schwangerschaft eine starke Allgemeinbeeinflussung des 
Körpers bedingen, stehen sicherlich auch in weitgehender 
Korrelation mit den von uns beschriebenen psychischen Ver- 
änderungen. 

Insbesondere wird ihr Beitrag beim Entstehen der Schwanger- 
schaftspsychosen nicht zu unterschätzen sein, vor allem bei 
den Verwirrtheitszuständen, die häufig als Reaktionen auf 
toxische Noxen entstehen. Die psychische Erschütterung durch 
den Gebärakt und die nachfolgende Notwendigkeit der Libido- 
umstellung, aber auch die Veränderungen in den Stoffwechsel- 



86 



Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Vorgängen, im Blutkreislauf, das Dazutreten infektiöser Momente 
usw. führen häufig zum Ausbruch psychotischer Zustände im 
Wochenbett. Es ist charakteristisch, aber aus der oben be- 
schriebenen Einstellung zum Neugeborenen leicht verständlich, 
daß die im Erregungszustand auftretende Aggressivität sich 
häufig gegen das Kind richtet und, bei mangelnder Über- 
wachung, auch zur Tötung desselben führen kann. Beim Aus- 
fall der Hemmungen setzt sich eben die hinter der wirklich 
bestehenden Mutterliebe lauernde Haßkomponente durch. 



00* 



XI 
Laktation 

Der Schmerz der leiblichen Trennung vom Kinde wird 
beim ersten Ansetzen desselben an die Brust getilgt. Die Ein- 
heit Mutter— Kind wird wieder hergestellt und der Ein- 
verleibungsvorgang, der im Sexualakt ebenfalls unter Benützung 
der oralen Saugemechanismen durch die Vagina vor sich ging 
und in der Schwangerschaft seine Fortsetzung fand, erfährt 
jetzt seine Wiederholung. Allerdings in der Umkehrung der 
Rollen zwischen den beiden Partnern des Saugeaktes. Die 
volle psychologische Analogie beider Saugesituationen, i. e. des 
Koitus und der Laktation, ergibt sich vor allem aus dem 
Umstand, daß in beiden die Grenze zwischen Subjekt und 
Objekt verwischt ist, und aus der Identität der oralen Ein- 
verleibung des Objektes im Saugeakt. Wiederum eine Gleich- 
setzung des Penis und der Mamma. Wie sich im Koitus der 
Penis der Vagina bemächtigte und ein erogenes Zentrum im 
Bewältigungsakt schuf, bemächtigt sich jetzt die im Erektions- 
zustand befindliche Mamilla des kindlichen Mundes. Wie dort 
die Erogenität des ganzen Körpers der Vagina zugeflossen 
ist, so fließt die ganze disseminierte Libido des Neugeborenen 
seinem Munde zu. Was dort das Ejakulat, leistet hier der 
Milchstrahl. Die in der kindlichen Phantasie hergestellte 
Identifizierung zwischen der mütterlichen Brust und dem 
väterlichen Penis findet zum zweitenmal ihre Realisierung: im 



Ü? Psydioanalyse der weibli&en Sexualfunkti 



ionen 



Koitus, in dem der Penis die Rolle der Mamma übernimmt 
- im Laktationsakt, in dem die Mamma zum Penis wird In 
der Identifizierungssituation verschwindet die Grenze zwischen 
den Partnern - und auch in dieser Relation Mutter-Kind 
hebt die Mutter noch einmal das Entwöhnungstrauma auf 

Eine merkwürdige Laktationsstörung, die ich analytisch 
beobachten konnte, hat mir diese Identität Penis = Mamma 
besonders klar gezeigt. Eine junge Mutter mit sehr ambivalenter 
Beziehung zum Kinde mußte auf ihre Säugetätigkeit verzichten 
trotzdem sie sie wünschte und im Besitz einer üppig funktionieren- 
den Mamma war. Der Vorgang verlief jedoch so, daß im Intervall 
zwischen den Mahlzeiten des Kindes die Milch im Strom aus- 
floß, so daß die Brust bereits leer war, als sie dem Kinde 
gereicht werden sollte. Die Prozeduren, die die Frau zur Um- 
gehung dieses unglückseligen Zustandes ausführte, erinnerten 
an das Gehaben eines an Ejaculatio praecox leidenden Mannes 
der den Sexualakt krampfhaft beschleunigen will, aber von 
seiner Störung stets überholt wird. So versuchte auch sie die 
Mahlzeiten zu beschleunigen, aber mit demselben Mißerfolg 
- es wurde immer zu spät. Die Analyse dieser Störung führte 
auch bei ihr zum urethralen Ursprung zurück. Eine häufigere 
Laktationsstörung - das Versiegen der Sekretion - steht 
unzweideutig unter der Vorherrschaft der anderen (analen) 
Komponente des Vorganges. 

Wir wissen schon lange, daß die Vorgänge am Genitale und 
an der Brust in engster korrelativer Beziehung zu einander 
stehen, u. zw. in psychologischer und innersekretorischer 
Hinsicht. 

Diese gegenseitige Abhängigkeit äußert sich in einer ganzen 
Anzahl von Ausdrucksformen. So kommt es bei der Reizung 
der Mamillen nicht nur zu Reaktionen am gereizten Organ 
sondern es können auch intensivste Erregungszustände am 



Laktation 89 



Genitale bis zum Orgasmus auf diesem Wege erreicht werden. 
Beim ersten Ansetzen des Säuglings an die Brust kommt es 
bekannterweise zu mehr oder minder intensiven Kontraktionen 
an dem sich bereits im Ruhezustand befindenden Uterus. 
Und umgekehrt, beeinflussen die Vorgänge am Genitale in aus- 
giebigster Weise die Laktation. 

■ Es gehört zu den ältesten Erkenntnissen der Psychoanalyse, 
daß die erste Organisationsstufe im Verlaufe der Sexualent- 
wicklung des Menschen die an die Ernährungstätigkeit des 
Säuglings gebundene, die orale ist. So erwies sich, daß die 
Saugetätigkeit des Kindes nicht nur der Befriedigung des 
Selbsterhaltungstriebes dient, sondern auch gleichzeitig eine 
libidinöse Handlung darstellt. 

Die weibliche Brust spielt in der Einheit Mutter = Kind beim 
säugenden Weibe ebenfalls die Rolle eines sexuellen Befrie- 
digungsorgans. Die große Lust der stillenden Mutter ist nicht 
nur in der Nahrungsspendung und in der Freude am Gedeihen 
des Kindes begründet, sie ist auch ein sexuelles Genießen, in 
dessen Zentrum die Mamilla als erogene Zone steht. Aus dieser 
„Erogenität" der Mamilla ergeben sich häufig Schwierigkeiten 
des Stillens, deren psychogener Ursprung noch vielfach ver- 
kannt wird. Sobald eine starke Überbetonung der sexuellen 
Rolle des Säugeapparates zustande kommt, setzt die Verdrän- 
gung ein. Die Verdrängung des libidinösen Anteils kann aber 
auch die andere, auf die Nährfunktion gerichtete Komponente 
miteinbeziehen, und so wird auch diese verleugnet. Es kommt 
dann zu einer Unfähigkeit des Stillens, die oft durch keinerlei 
Mittel zu beeinflussen ist. 

Die Schwankungen der sekretorischen Tätigkeit der Milch- 
drüsen unter dem Einfluß psychischer Momente sind wohl 
bekannt. Unbekannt ist es jedoch, daß deren Hauptmotive im 
Unbewußten liegen und daß eine Wiederholung der bereits 



OO Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



in der Schwangerschaft stattgehabten Konflikte in der Mutter- 
Kind-Beziehung während der Laktation vor sich geht. Der 
ganze Ambivalenzkampf des Gebens und Versagens, des Ent- 
leerens und Versiegens vollzieht sich wiederum, ohne daß die 
verzweifelt um ihre Stillfähigkeit ringende Mutter eine Ahnung 
hat, daß die Störungen aus der feindseligen Einstellung zum 
geliebten Wesen herrühren. 

Im günstigen Falle gelingt es, die negativen Tendenzen 
durch positive Beziehungen zu besiegen, bis die neuerliche 
Trennung der Einheit durch den sadistischen Impuls des Kindes, 
der sich im Beißen der mütterlichen Brust kundgibt, restlos 
gestört wird. 



XII 
Das Klimakterium 

Wir haben nun die Entwicklung des weiblichen Sexuallebens 
von seiner Geschlechtsreife bis zur vollkommenen Erfüllung der 
Fortpflanzungsfunktion verfolgt. Aus der infantilen Vor- 
geschichte dieser Entwicklungsphasen haben wir nur das 
hervorgehoben, was uns zum Verständnis unbedingt notwendig 
erschien. 

Das letzte „traumatische Erlebnis" des Weibes als Sexual- 
wesen — das Klimakterium — steht bereits unter dem 
Zeichen einer unkorrigierbaren „narzißtischen Kränkung". Im 
vollen Parallelismus zum körperlichen Vorgang stellt dasselbe 
im Schicksal der Libido eine „Rückbildungsphase" dar, einen 
Regressionszug zu verlassenen, infantilen Libidopositionen. 

Die „realen Versagungen" dieser Lebensperiode, die mit 
dem Abbau libidinöser Bedürfnisse nicht parallel laufen, schaffen 
eine psychische Situation, deren Bewältigung eine große 
seelische Leistungsfähigkeit erfordert. 

Wir haben gesehen, wie die „reale Versagung" im Pubertäts- 
alter des Mädchens ihre Entschädigung findet, und wie die 
„narzißtische Kränkung" beim endgültigen Verzicht auf die 
Männlichkeit durch die „sekundären Geschlechtscharaktere" 
und durch die neuentstandenen weiblichen Körperreize 
getilgt wird. 



Im Klimakterium wird von dem weiblichen Wesen alles das, 
was ihm die Pubertät gespendet hat, zurückgenommen. Gleich- 
zeitig mit den genitalen Rückbildungsprozessen setzt die 
schönheitsspendende Tätigkeit der inneren Drüsensekretion aus, 
die sekundären Geschlechtscharaktere stehen unter dem Zeichen 
des Verlorengehens der Weiblichkeit. 

Die Libido, nun ohne Besetzungsmöglichkeit und mit ver- 
minderter Sublimierungsfähigkeit, muß zurücklaufend frühere 
Positionen aufsuchen, also den Weg einschlagen, der uns aus 
der Bildung neurotischer Symptome bekannt ist. 

Es ist anzunehmen, daß das Genitale nicht leicht und nicht 
ohne langen, mühseligen Kampf seine Funktion aufgibt. Hat 
doch jede durchgemachte Entwicklungsphase der Libido die 
Tendenz, ihre Besetzung zu behalten, und die Beharrungstendenz 
äußert sich auch nach dem Verlassen einer Entwicklungsstufe 
in der Faszination, die sie andauernd ausübt und durch die 
sie den Regressionsweg für die Libido ebnet. Das Persistieren 
niedrigerer Entwicklungsstufen ist auch wahrscheinlich die 
Vorbedingung dafür, daß der Abbau der Libido in der 
klimakterischen, sagen wir postgenitalen Phase sich in den 
Bahnungen früherer Phasen vollzieht. 

Wie diese physiologische Regression vor sich geht, wie und 
wann sie inauguriert wird, welche Kämpfe die genitale Libido 
ausführt, bevor sie sich von der erreichten Höhe dethronisieren 
läßt, ist analytisch noch wenig erforscht worden. Meine 
Erfahrungen, die ich hier mitzuteilen versuchen will, betreffen 
nur das weibliche Involutionsalter und ich bin nicht imstande, 
irgend welche Vergleiche und Parallelen zum männlichen 
Klimakterium aufzustellen. Ich habe jedoch den Eindruck, daß 
hier der psychologische Vorgang beim Weib stark von 
dem des Mannes divergiert — ist ja schon das biologische 
Geschehen vollkommen anders, komplizierter und stellt im 



Das Klimakterium 93 



Organischen und Psychischen mehr Forderungen an die 
Leistungs- und Anpassungsfähigkeit. Was jenseits des Klimak- 
teriums liegt, der vollzogene Abzug der Libido vom Genitale, 
ist in seinen wesentlichen Zügen mit den infantilen Sexual- 
phasen auch darin identisch, daß hier zum zweitenmal 
männlich und weiblich nicht existiert. Bevor jedoch dieser 
Rückzug der Libido vom Genitale vollzogen wird, vor dem 
endgiltigen Eintritt der postgenitalen Phase, wird noch der 
Verteidigungskampf um die zu verlierende Festung ausgeführt 
und im Zeichen dieses Kampfes steht jene Phase des Lebens, 
die wir Klimakterium nennen, also Mitte der vierziger bis 
Mitte der fünfziger Jahre der Frau. Diese Phase kennzeichnet 
sich durch bestimmte somatische Vorgänge, die in sicherem 
kausalem Zusammenhang mit den Abbauschicksalen der genital 
gerichteten Libido stehen, in Wechselbeziehungen, in denen 
schwer zu unterscheiden ist, was primär und was sekundär 
entsteht. Diese Schwierigkeit ergibt sich schon aus der Tat- 
sache, daß der ganze Prozeß in seiner biologischen Bedeutung 
unklar ist, daß er scheinbar für das menschliche Weibchen 
charakteristisch ist, ohne daß wir in den Vorgängen beim 
männlichen Individuum einerseits, in der Tierreihe andererseits 
eine Analogie zu ihm finden. 

Wie bei den Pubertätsvorgängen die Vorbereitungsaktionen 
in der Vorpubertät, zwischen dem achten und elften Lebens- 
jahr, beginnen, so geht auch dem Klimakterium ein Vor- 
klimakterium um das dreißigste Jahr herum voraus, in 
dem der Kampf inauguriert wird. 

Zuerst im Organischen: Beginn des Rückzuges der oben- 
erwähnten Entschädigungsprämien, wobei in der Regel die 
innere Wahrnehmung des stattfindenden biologischen Prozesses 
früher eintritt als die organischen Veränderungen. Das noch 
konzeptionsfähige Weib fühlt bereits die drohende Entwertung 



94 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



des Genitales als Fortpflanzungsorgan, dazu kommen die 
äußeren Versagungen dieser Funktion (soziale Schwierigkeiten 
usw.). Die schwere narzißtische Kränkung, mit der dieser Prozeß 
vor sich geht, steigert die narzißtische Libido und von da aus 
beginnt der Kampf um die Behaltung der nun entschwindenden 
Pubertätserrungenschaften. Dieser Kampf geht mit Verstärkung 
genitaler Tendenzen vor sich, die Steigerung der Libido ist 
narzißtisch bedingt; das Genitale will sich behaupten. Es ist die 
Frage aufgeworfen und vielfach bejahend beantwortet 
worden, ob es sich nicht bei der vorklimakterischen Libido- 
steigerung um einen rein hormonalen Prozeß handelt, bei dem 
alle psychischen Symptome nur Folgen und Begleiterscheinungen 
dieses Prozesses seien. Sicherlich wird der ganze psychische 
Vorgang durch ein biologisches Signal inauguriert, genau wie 
in der Pubertät. Der Unterschied liegt darin, daß dort das 
Signal im Sinne des Aufbaues, hier im Sinne des Abbaues 
gegeben wird, dort im Sinne des Hinauf, hier im Sinne des 
Hinunter. 

Die späteren, rein regressiven Schicksale der Libido bieten 
das Bild eines gleichsinnig mit den somatischen Vorgängen 
einhergehenden Involutionsprozesses und es ist schwer anzu- 
nehmen, daß der Abbau durch eine wirkliche Steigerung der 
Funktion inauguriert wird. Derselbe liegt rein im Psychischen, 
ist eine Reaktion auf Abbauvorgänge, eine Überkompensierung 
derselben. Es läßt sich psychologisch eine volle Analogie 
zwischen dieser ersten Phase des kaum beginnenden Klimak- 
teriums und dem letzten Schub der Pubertätskämpfe herstellen, 
die eben in der Erreichung der drängenden Aufnahmsbereit- 
schaft der Vagina und in dem der Außenwelt zuströmenden 
Objekthunger siegreich beendet wurden. Aus dieser Bereit- 
schaftseinstellung, die jedoch unter dem Drucke des verbieten- 
den „zu früh" steht, resultiert ein bestimmter, typischer 



Das Klimakterium 95 



Habitus des Mädchens während der Pubertätszeit. Das Motiv 
dieser typischen Einstellung ist in den charakteristischen 
Pubertätsphantasien und in der masturbatorischen Tätigkeit 
an der Klitoris, die jetzt dem Untergange bestimmt ist, aber 
durch die reale, auf die Vagina gerichtete Versagung wieder 
mobil gemacht wurde, zu suchen. Hier ergibt sich bereits die 
volle Analogie im psychischen Vorgang des Klimakteriums und 
der Pubertät: Was in der Pubertät das „zu früh", bewirkt hier 
das „zu spät", und nach der Phase der sich behaupten wollen- 
den vaginalen Besetzung tritt die Libido ihren regressiven 
Abstieg an. Den Anstoß dazu gibt die fortschreitende Ent- 
wertung der Vagina in ihrer Bedeutung als Fortpflanzungs- 
organ sowie die Versagung von außen her durch die 
Erschwerung der Objektfindung, nach welchem ein gesteigerter 
libidinöser Hunger im narzißtischen Bedürfnis, begehrt und 
geliebt zu werden, besteht. Es ergibt sich die für das Weib 
so tragikomische Situation, daß je älter und häßlicher es wird, 
desto größer seine Sucht nach dem Geliebtwerden erscheint 
Unter dem Drucke der Versagung gibt die Vagina den Kampf 
auf und scheinbar parallel mit den Vorgängen am Organ selbs 
kommt die regressive, neuerliche Besetzung der Klitoris als 
Erregungszentrum — also Regression in die phallische Phase, 
bzw. in jene erste Pubertätsperiode, in der die Vagina die 
Leitung noch nicht übernommen hatte. 

Diese zwei klimakterischen Phasen, beide Wiederholung 
der Pubertätsphasen in umgekehrter Reihenfolge, inaugurieren 
die photographisch treue Wiederholung der Libidoentwicklung 
in der Regression auf bereits vorgebildeten und vorgezeichneten 
Bahnen. Aus der Analogie zwischen dem Beginn dieser 
Regression und der Pubertät ergibt sich uns die Psychologie 
des Weibes im Frühklimakterium, im s. g. „gefährlichen Alter". 
Ich wiederhole: erste Phase, stark auf das Objekt gerichtet, 



96 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



vollkommen fähig zur genitalen Realisierung, mit stark vor- 
herrschender narzißtischer Sehnsucht, geliebt zu werden. 
Zweite Phase: vaginale Enttäuschung, Regression auf neuer- 
liche Klitorismasturbation, Abwendung von der Realität, ver- 
stärkte Phantasietätigkeit. 

Natürlich gehen beide Phasen fließend ineinander über; das 
Überwiegen der Elemente der einen oder der anderen im 
seelischen Geschehen variiert individuell. 

Jedenfalls ergeben sich beim psychologischen Verlauf ziemlich 
typische Veränderungen des Verhaltens, in denen sich die eben 
aufgestellte Parallele zwischen der Libido der klimakterischen 
Frau und der des Mädchens in der Pubertät auch im Affektleben 
kundgibt. Der neuerliche Schub der vaginalen Besetzung der 
ersten Phase wird von der Frau selbst als ein Plus des 
seelischen Turgors empfunden; sie fühlt sich wie ein junges 
Mädchen, kann, wie sie sagt, ihr Leben noch einmal beginnen, 
sei zu jeder Leidenschaft fähig usw. Sie fängt an ein Tagebuch 
zu schreiben wie damals, für eine abstrakte Idee zu schwärmen 
wie damals, ändert ihr Verhalten zur Familie wie damals, ver- 
läßt das Heim aus denselben psychischen Motiven wie das 
Mädchen in der Pubertät usw. Das Verhältnis zum Objekt 
ändert sich und es ist interessant, wie mannigfaltig und indi- 
viduell verschieden sich das Sexualempfinden gestaltet. Viele 
Frauen, die in der Zeit der Fortpflanzungsfunktion frigid 
waren, werden jetzt sexuell empfindlich, andere werden jetzt 
erst frigid, meist im bisherigen monogamen ehelichen Ver- 
hältnis, das dem nun gesteigerten Narzißmus keine Befriedigung 
liefern kann. Andere, die ihre eventuelle Frigidität bis dahin 
gut vertragen haben, fangen jetzt an, alle typischen Begleit- 
erscheinungen der Frigidität zur Schau zu tragen: Wechsel 
der Stimmungen, Unausgeglichenheit und Gereiztheit stellen sich 
ein und werden zur Pein für die Frau und ihre Umgebung. 



Das Klimakterium 97 



Sehr charakteristisch gestaltet sich jetzt das psychische Ver- 
halten des Weibes, dessen Leben unter dem Zeichen des gut 
sublimierten Männlichkeitskomplexes stand. Ich meine gut 
sublimiert in dem Sinne, daß die männlichen Tendenzen nicht 
zu neurotischen Entgleisungen geführt haben, sondern der 
ganzen Lebensgestaltung ein bestimmtes Gepräge gaben. Bei 
diesen Frauen macht sich die präklimakterische vaginale Ein- 
stellung in der Weise kund, daß die bis dahin gut unterdrückten 
weiblichen Tendenzen ihre Ansprüche erheben und in Kon- 
flikt mit dem Männlichkeitskomplex geraten. Diese Frauen 
erkrankten nicht am Männlichkeitskomplex in der Pubertät, sie 
erkranken am Weiblichkeitskomplex im Klimakterium. 

Dieser oben beschriebene Kampf der Vagina um die Be- 
haltung des Primates kann sich in pathologisch verzerrten 
Fällen zur höchsten sexuellen Erregung steigern, zu einem 
„Genitalrausch", der unter dem Bilde einer Hypomanie ver- 
läuft. Schließlich gibt die Vagina, in ihren Tendenzen durch 
Versagung von außen am Objekte und von innen an der ein- 
tretenden Sterilität enttäuscht, den Kampf auf. Die in der 
Realität nicht mehr unterzubringende Libido regrediert zu 
onanistischen Phantasien. Die libidinöse Beziehung zur Außen- 
welt gerät jetzt in die „Zu späf'-Konstellation und zwingt zur 
Intro vertierung wie in der Pubertät das „zu früh". 

Der Inhalt dieser Phantasien, ihre Beziehung zum Objekte 
und die Konvertierung in neurotische Symptome ist eine so 
absolute Spiegelung der Pubertätskonstellation, daß man immer 
neu überwältigt wird von der unerschütterlichen Gesetz- 
mäßigkeit des Wiederholungsprinzips im psychischen Geschehen. 

Durch die vollzogene Regression der Libido von der Vagina 
und durch die Neubesetzung der Klitoris als leitende Zone 
bekommt die ganze Sexualität einen mehr infantilen Charakter; 
die Erfahrungen aus den Analysen klimakterischer Frauen 

Deutsch, Weibliche Sexualfunktionen. 7 



98 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 

zeigen uns, daß die Leistung der Pubertät, die in der Bewäl- 
tigung des Ödipuskomplexes und des Männlichkeitskomplexes 
bestand, eigentlich nie voll gelungen ist, auch dort nicht, wo 
sie der Neurose glücklich ausgewichen ist. Die Neugestaltung 
des Sexualmechanismus und die damit einhergehende Um- 
stellung der Libido im Klimakterium ist doch nur eine Neu- 
belebung der sichtlich nie beendigten Pubertätskämpfe. Aller- 
dings habe ich den Eindruck, daß die Bewältigung des Klimak- 
teriums um so leichter vor sich gehen wird, je gelungener die 
Pubertät ausgefallen ist, und daß die Bildung der klimakterischen 
Neurose davon abhängen wird, wie weit die Schutzvorrichtungen 
der Pubertät ausreichend gewesen sind. Bei einer gewissen 
Erfahrung wird sich die Prognose des Klimakteriums aus den 
Pubertätsschicksalen rekonstruieren lassen. 

Im Zentrum der klimakterischen Phantasietätigkeit stehen die 
typischen Pubertätsphantasien: die Vergewaltigungsphantasie, 
die Dirnenphantasie. Die neuerliche Klitorismasturbation 
mobilisiert wiederum den Kastrationskomplex, die daraus 
folgende Angstentwicklung und das Schuldgefühl. Es ist 
interessant, wie Frauen, die den Kastrationskomplex im Sinne 
der vollzogenen Weiblichkeit gut erledigt haben, nun mit ein- 
tretendem Rückzug derselben neuerdings unter die Herrschaft 
des Kastrationskomplexes und seiner neurotischen Reaktionen 
geraten. Die Mobilmachung dieses Komplexes scheint an die 
Klitorismasturbation und an die klimakterischen Menstruations- 
anomalien gebunden zu sein. 

Die obenerwähnte Phantasietätigkeit ist nicht nur inhaltlich, 
sondern auch in ihren tiefsten unbewußten Determinanten eine 
Wiederholung der Pubertätskonstellationen des Ödipus- 
komplexes; sie ist eigentlich seine veränderte, modifizierte 
Neuauflage, sagen wir, sein Epilog. 

Es soll hier nicht das kasuistische Material ausgebreitet 



Das Klimakterium 99 

werden, aber aus empirisch gewonnenen Einblicken ergab sich, 
daß die regressive Tendenz der klimakterischen Libido, genau 
wie in der Pubertät, die Inzestschranke durchbricht und die 
unter dem Inzestverbot stehenden Objekte mit neuen Libido- 
beträgen besetzt. Es hatte sich ja im Laufe der Jahre nur eine 
Umgruppierung des Ödipuskomplexes vollzogen, und zwar 
nicht nur durch die neurotischen Verwertungen einerseits und 
die normalen Entwicklungen andererseits; die nie über- 
wundenen inzestuösen Fixierungen erlebten in ihrer ursprüng- 
lichsten Form eine Neubelebung an den Kindern, die jetzt zu 
Trägern der asexuellen Liebe geworden sind wie einst die 
Eltern. Hinter der den Kindern geltenden reinen Zärtlichkeit 
verbergen sich wie dort große Beiträge der sexuellen Kom- 
ponente. Ich habe früher darzustellen versucht, wie in mühe- 
voller Sublimierungsarbeit das Ichideal im Sohne neu auf- 
gerichtet wird und der Sohn auch in dieser Leistung zur 
väterlichen Imago wird. Aber auch die einst dem Vater geltende 
libidinöse Beziehung wird unbewußt auf den Sohn übertragen. 

Die regressive sexuell stark betonte Überbesetzung der zärt- 
lichen Liebe zum Sohne ist das typische Libidoschicksal nach 
den oben geschilderten Versagungen des Frühklimakteriums. 

Von da aus verstehen wir, wie die Neuauflage der Ver- 
gewaltigungsphantasie die masochistische Einstellung zum Sohne 
ausdrückt. Ihr Inhalt ist, vom Sohne geliebt, koitiert, geschlagen, 
ermordet zu werden. 

Die Realisierungen dieser Phantasien sehen wir in ver- 
schiedenen Variationen im Mutter-Sohnverhältnis, im Verhältnis 
zu Schwiegersohn, Schwiegertochter usw. 1 Die Dirnen- 
phantasien drücken inhaltlich dasselbe wie die analogen Puber- 
tätsphantasien aus — nur ist jetzt in ihnen der Sohn an Stelle 
des Vaters getreten. 

i) Freud: Totem und Tabu (Ges. Schriften, Bd. X). 



IOO Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



Eine in klimakterischen Schwierigkeiten stehende Patientin, 
Mutter eines heranwachsenden Sohnes, phantasiert: sie habe eine 
Freundin, die aus heldenmutiger Opferfreudigkeit heranwachsende 
Jünglinge zärtlich in die Mysterien der sinnlichen Liebe einführt 
— diese Phantasie wurde mit glühendsten Farben ausgemalt und 
verriet bald, daß die Freundin sie selbst sei und die Jünglinge 
ihr Sohn. 1 Eine andere bis dahin gesunde Patientin inauguriert 
den Ausbruch der Neurose mit einem Angsttraum, der den 
Koitus mit dem Sohne darstellt. 

Diese inzestuösen Beziehungen zu eigenen Kindern verraten 
sich, wie wir schon lange wissen, in der typischen Objekt- 
attraktion der alternden Frau durch den Jüngling, des alternden 
Mannes durch das heranwachsende Mädchen. Wir wissen auch 
aus Neurosenanalysen, wie die Ödipusfixierungen auf eigene 
Kinder übertragen werden. Das also, was ich als typisch für 
das Klimakterium bezeichne, ist nur eine Mobilmachung, eine 
quantitative Verschiebung im schon Bestehenden. 

Die nun eingetretene Rückwendung der Libido auf die unter 
dem Inzestverbote stehenden Objekte sowie das Über- 
wuchern des seelischen Lebens durch ubw Phantasien rufen 
jene charakteristische Veränderung der Persönlichkeit wie auch 
die zahlreichen organischen Symptome, die meist den Charakter 
von Konversionsbildungen tragen, hervor. 

Die typische Reizbarkeit der Unbefriedigten, ihre Neigung zu 

i) In diesem Zusammenhang erinnere ich an einen Traum, der von 
Dr. Hermine v. Hug-Hellmuth verzeichnet worden ist und von 
Freud verwertet wurde (Freud: Vorlesungen zur Einführung in die PsA., 
IX. Vorlesung). Die Träumerin ist eine Frau von 50 Jahren, „die Tag und 
Nacht keinen anderen Gedanken hat, als die Sorge um ihr Kind?" Im 
Trauminhalte erweist sie sich bereit, „in Erfüllung einer patriotischen 
Pflicht ihre Person zur Befriedigung der Liebesbedürfnisse des Militärs 
Offiziere wie Mannschaft, zur Verfügung zu stellen." Diese libidinöse Traum- 
phantasie scheint mir mit dem Wachtraum meiner Patientin identisch 
zu sein. 



Das Klimakterium IOI 



Depressionen, zahlreiche Angstäquivalente (Schwindel, Herz- 
klopfen, Wallungen usw.) haben eine volle Ähnlichkeit mit 
den häufigen, in der Pubertät sich kundgebenden Beschwerden. 
Die Depressionen drücken im Inhalt des Ubw dasselbe wie 
die menstruellen Depressionen aus, die auch bei relativ gesunden 
Frauen häufig in der Pubertät auftreten. Sie stehen unter dem 
Zeichen des Verlustes in doppelter Richtung: der vaginalen 
Fortpflanzungsfähigkeit und des wieder mobilisierten Kastrations- 
komplexes: also einer bereits irreparablen Kränkung des weib- 
lichen Narzißmus. 

Von den zahlreichen organischen Symptomen, wie Kopf- 
schmerzen, Neuralgien, vasomotorische Störungen, Herz- 
sensationen, Darmbeschwerden usw., ist ein großer Teil als 
Konversionssymptom zu werten, wenn auch sicher die ein- 
tretende Dysfunktion der innersekretorischen Drüsen sowie die 
beginnende organische Involution eine Organbereitschaft her- 
stellen. 

Interessanterweise ist in neuester Zeit von nicht psycho- 
logischer Seite festgestellt worden, daß die körperlichen Sym- 
ptome des Klimakteriums auffallend an jene erinnern, die an 
den betreffenden Individuen in der Pubertät zu beobachten 
waren. Ein Wiener Internist, Prof. J. Wiesel, schreibt in 
seiner im „Handbuch der Biologie und Pathologie des Weibes" 
erschienenen Arbeit „Innere Klinik des Klimakteriums" fol- 
gendes: „Es ist mir aufgefallen, daß beispielsweise die während 
der Pubertät zur Beobachtung kommenden Störungen von 
Seiten des Magen-Darmkanals außerordentlich häufig auch das 
Klimakterium einleiten, unter den ganz gleichen Symptomen 
wie dort. Weiters kann man feststellen, daß dort, wo sich im 
Entwicklungsalter Hyperthyreosen einstellen, die sich später 
verloren, ohne im Verlauf des Lebens wieder manifest zu 
werden, auch das Klimakterium unter dem Bild der Hyper- 



102 Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen 



thyreose einsetzt. Oder wo während der Pubertät Änderungen 
der Hautpigmentierungen aufgetreten waren, sehen wir das 
Gleiche während der Klimax. Dasselbe gilt für vasomotorische 
Störungen, Ekzeme, Wachstumsanomalien usw. Interessant 
. erscheint mir die Beobachtung einer Patientin, bei der sich in 
den Entwicklungsjahren ein dicker Strähn schneeweißen Haares 
ausbildete, der sich dann verlor, um im Klimakterium an der- 
selben Stelle und in der gleichen Ausdehnung wieder auf- 
zutreten." Zum Schlüsse sagt Wiesel: „Ich wollte zeigen, 
wieviel in der Symptomatologie der Pubertät sich mit Vor- 
kommnissen während des Klimakteriums vergleichen läßt. " Ich 
sehe in diesen rein somatischen Beobachtungen Wiesels 
eine gute Bestätigung meiner Anschauungen. 

Was nach dieser Phase des vaginalen Kampfes und des auf- 
gefrischten Klitorisprimates folgt, ist ein allmähliches Übergleiten 
ins Senium mit seinen prägenitalen Regressionen, die ebenso 
in Charakterveränderungen wie in körperlichen und psy- 
chischen Erkrankungen zum Ausdruck kommen. Wo hier die 
Abgrenzung des Klimakteriums in Bezug auf den Beginn und 
auf die Beendigung desselben liegt, ist vom psychologischen 
Standpunkt ebenso schwer zu beantworten, wie vom organischen. 
Gewöhnlich nimmt man als Charakteristikum das Verhalten 
der Menstruation an, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, 
anatomisch etwas Charakteristisches, Umgrenztes aufzustellen. 
Psychologisch würde ich den Beginn des Klimakteriums in die 
oben beschriebene Phase des Kampfes der Vagina um ihr 
Primat, bzw. der Regression auf die Klitoris verlegen. Sie 
wird wohl durch Störungen in der chemischen und nervösen 
Korrelation der Sexualvorgänge inauguriert — im Mittelpunkt 
derselben steht das beginnende Versagen der Ovarialfunktion. 
Zuerst jedoch dokumentiert sich die Umwälzung in psychischen 
Umstellungen, lange bevor das Somatische zum Ausdruck 



1 



kommt. Das Ende des Klimakteriums würde ich — unter nor- 
malen körperlichen Bedingungen — ebenso wie die Somato- 
logen — vom Erlöschen der Menstruation abhängig machen. 
Meiner Ansicht nach dokumentiert die Menstruation die be- 
stehende Genitalfunktion auch im psychologischen Sinne. Die 
gegenseitige Abhängigkeit des psychischen Verhaltens von der 
Menstruation und der Menstruation von libidinösen Vorgängen 
gewinnt in dieser Lebensepoche vielleicht die stärkste Bedeutung. 
Als Beispiel mögen folgende zwei Fälle dienen: Eine Patientin, 
die im 36. Lebensjahr die Menstruation endgültig verloren hat, 
hatte bewußt das Empfinden, diese Tatsache hänge mit der 
nahenden Reife ihres Sohnes zusammen. Die nähere Beobachtung 
konnte die Vermutung der Frau bestätigen, daß die stark 
libidinöse Beziehung zu ihrem Sohne und die Inzestscheu sie 
ins Frühklimakterium flüchten ließen. 

Eine geisteskranke, im Spätklimakterium sich befindende 
Dame, die ich in Vertretung eines im Krieg eingerückten 
Kollegen beobachten konnte, behielt ihre Menstruation auf- 
fallend lange zugunsten dieses Kollegen — verlor sie bei 
seinem Einrücken und ließ sie in sehr unregelmäßigen Inter- 
vallen zu Urlaubsbesuchen des Betreffenden wieder erscheinen. 
Aus dem Inhalt der Wahnideen, an denen sie litt, ließ sich 
das Psychogene dieses Verhaltens feststellen — es wäre sonst, 
im Ubw verborgen, nicht so leicht verständlich geworden. 

Was in diesen, von mir oben geschilderten Phasen des Früh- 
klimakteriums psychoneurotisch vor sich geht, steht gewöhnlich 
unter dem Zeichen der Hysterie. Was nachher pathologisch 
im Psychischen entsteht, ist bereits unter dem Zeichen des 
Prä- d. h. Postgenitalen, also zwangsneurotisch, melancholisch, 
paranoisch. 

Die typischen Charakterveränderungen des Involutionsalters, 
die depressive Stimmung und die paranoiden Züge gehören 



ebenso wie die s. g. Involutionspsychosen, d. h. die typische 
Involutionsmelancholie und Involutionsparanoia, der späteren 
postgenitalen = prägenitalen Phase an. Dabei sind die dis- 
positionellen Momente ebenso für das Überwiegen der analen 
oder oralen Regression wie für den Zeitpunkt und die Inten- 
sität im Auftreten dieser Veränderungen maßgebend. 

Es gibt Individuen, bei denen die genitale klimakterische 
Phase sehr bald von der postgenitalen abgelöst wird und 
umgekehrt. Auch kann man im Körperlichen und im Psy- 
chischen zwei Seniumtypen aufstellen, von denen der eine 
unter dem Zeichen der oralen Regression steht, der andere 
unter dem Zeichen der analen. 

Dieselben Momente, die bei der Neurosenwahl entscheidend 
sind, müssen wir auch für das Individuelle im Verlauf des 
Klimakteriums verantwortlich machen. So gibt es Frauen, die 
das Klimakterium, bzw. seine genitale Phase glänzend über- 
stehen und erst bei späteren Regressionen in psychische 
Schwierigkeiten geraten, oder umgekehrt, nach einem stür- 
mischen Klimakterium in einen ruhigen Altershafen gelangen. 
Jedenfalls hat es den Anschein, als würde sich das weib- 
liche Klimakterium viel schwerer gestalten als das männliche, 
wofür zum großen Teil die verschiedene Art der Sublimierungs- 
möglichkeit bei beiden Geschlechtern verantwortlich zu machen 
ist. Während die Sublimierungsfähigkeit des Weibes zum 
großen Teil in der Fortpflanzungsfunktion absorbiert war und 
mit dem Erlöschen derselben auch der Regression verfällt, 
bleibt die Sublimierungsfähigkeit dem Mann doch viel länger 
erhalten, als seine genitale Tüchtigkeit. 

Zwei Wege bleiben dem Weibe als Schutz vor der Trost- 
losigkeit des Alters: die Fortsetzung der psychischen Mutter- 
schaft im Verhältnis zur Außenwelt oder die nun biologisch 
aufgefrischte, sich häufig auch im körperlichen Habitus des 



Das Klimakterium 105 

alternden Weibes äußernde bisexuelle Anlage, von der aus sie 
nach dem endgültigen Erlöschen der Weiblichkeit männlich 
gerichtete Beziehungen zum Leben aufrecht erhalten kann. 

An diese zwei Möglichkeiten knüpft sich die Hoffnung eines 
therapeutischen Erfolges im Involutionsalter für die Psycho- 
analyse. 

Eine Analyse, die knapp vor dem Klimakterium oder gleich 
zu Beginn der durch das Klimakterium bedingten Schwierig- 
keiten einsetzt, könnte meines Erachtens nach vieles im Sinne 
der Prophylaxis erwirken. 



Register 



Abortus 76 

Abraham 14, 15, 20, 21, 52, 75 

Aktivität des Penis 54 

— der sadistischen Tendenzen 16 

— sschub beim Weibe 40 

— der weiblichen Pubertät 42 

— und Männlichkeitskomplex 42 
Ambivalenz zum Kinde 85 
Amenorrhoe 30 
„amphimiktischer" Vorgang 55 
anales Kind io, 70 

— und Schuldgefühl 12 
Anus als passives Ziel 51 

— und Mund 52 

Aufgeben der phänischen Phase 20 
Ausstoßungstendenzen 76 

Besetzung der erogenen Zonen 65 
Bisexuelle Anlage 13 
Bourignon 33 

Defloration als narzißtische Kränkung 

45» 47 

— Frigidität im D.akt 46 

— und Kastrationskomplex 47, 57 
Depression und Menstruation 29 

— im Klimakterium 100 
Deutsch Felix 68 
Differenzierung zw. Mann und Weib 

6, 39 

— in der Pubertät 26 

— im Geschlechtsakt 58 
Dirnenkomplex d. Weibes 11 
Dirnenphantasien 33, 35, 98, 99 
Disposition zur Geschlechtskälte 64 
Durchbrechung der Versagung 68 

Einbrecherangst 36 f 
Eisler 29, 30 



Entbindungsphantasien 30 
Entdeckung des Genitalunterschiedes 

19 

— des Penis 52 f 

— der Vagina 49 
Entwöhnungstrauma 88 

— als narzißtische Kränkung 50 

— und Sexualakt 56 
Erniedrigung d. Liebesobjektes 63 
Erogenität d. ganzen Körpers 53 
erogene Zone, Schaffung einer neuen 

37 
Exhibitionismus 15 

Fellatio 71 

Ferenczi 49, 50, 53, 55, 56, 67, 68 
Fixierung i. d. phallischen Stufe 20 
Freud 7, 8, 9, 11, 14, 24, 32, 39, 41, 

45, 46, 53. 62, 67, 7°, 7 8 > 81, 99, 100 
Frigidität und Fortpflanzungsfunktion 

60 

— u. psychische Impotenz 61 f 

— als Neurose 64, 74 
Frühklimakterium 99 

— Hysterie des 103 

Gebärakt als Kampf 80 f 

— psychischer Zustand des 81 
Geburt, narzißtische Kränkung der 83 

— sakt, sexuelle Lust des 67 

— sphantasien 82 
„Gefährliches Alter" 95 
Genitale u. Mamma 88 
Genitalorgan und narzißtische Libido 

i6f 
Genital unterschied, Entdeckung d. 19 
Geschlechtstrieb und Aktivität 39 
Groddeck 30, 67, 68 



Harnerotik 15 

Härnik 28 

Homosexualität in der Pubertät 42 

Hörigkeit gegenüber dem Mann 47 

Horney 141 

Hug-Hellmuth 100 

Hymen 44 ff 

— phylogenetische Bedeutung 44 
Hypomanie 97 

Ichideal, männliches 78 

— weibliches 11, 78 

— bildung und Sexualmoral 11 
Identifizierung mit dem Vater 7, 9 

— u. Männlichkeitskomplex 15 

— im Sexualakt 56 

— mit dem Kind 72 

— zwischen Kind und Ich 75 

— bei der Laktation 87 
Impotenz und Frigidität 61 f 

— und Spaltungstendenz 62 
Infibulation 45 

Involutionsalter und Psychoanalyse 105 
Involutionspsychosen 104 

Kant 4 

Kastration beim Mädchen 8f 

— u. Schuldgefühl 9 

— sdrohung und Ödipuskomplex 8 

— skomplex 18 

— skomplex, Kern des 20 

— skomplex, Entwicklung d. weib- 
lichen 15 

— skomplex im Klimakterium 98 

— phantasierte 27 

— Reaktionsbildung auf K. 21 f 

— strauma und sexuelle Aktivität 55 

— swünsche, aktive 21 
Kehrer 60 

Kind = Penis 70, 76 

Kind u., Ödipuskonstellation 72 

— als Über-Ich 77 

— esbewegungen 76 
Klimakterium, Depressionen des 100 

— Neurose des 98 

— u. dipuskomplex 99 

— Organbeschwerden des 100 

— Psychologie des 92 f 

— u. Pubertätsphantasien 95 

— Regression der Libido im K. 92, 96 
Klimakterische Phantasien 97, 98 



Klitoris-Libido und Vagina 54 

— männliche Strebungen der 8 

— masturbation und Pubertät 26f 

— masturbation u. Menstruation 27 

— masturbation im Klimakterium 98 

— phase u. Frigidität 64 

— Peniswert der 14 

— in der phallischen Phase 52 

— rolle i. d. phallischen Phase 8 

— rolle der Vagina 55 

— rolle im Klimakterium 95, 97 ' 
Kloake 52 

Kohabitationskurve, Abflachen der 59 
Koitus u. Gebärakt 66, 67 

— u. Laktation 82 

— u. Objekteinverleibung 72 

— u. Saugetätigkeit 71 

— auffassung, infantile 36 . 
Konflikt zwischen ichlibidinösen und 

Fortpflanzungstendenzen 24 
Kot, Entwertung des 16 

— = Penis 17 

— Stange = Kind 10 
Kopfschmerz und Kastration 29 

Laktation 87 

— Ambivalenz der 90 

— u. Genitale 89 

— sstörung 88 
Latenz 12 

Leistungen der Pubertät beim Mädchen 

T . 37 

Libidoquellen der Vagina 53 

Mamma, narzißtische Besetzung der 50 

— als Lustorgan 51 
Mamilla als erogene Zone 89 
Männlichkeitskomplex 13 

— u. Aktivitätsschub 42 

— biologische Ursache des 16 

— im Klimakterium 97 

— und Penislosigkeit 14 

— reiner 21 
Männlichkeitsphase 18 
Mann = Kind 59 
Masochismus, femininer 41 

— beim Gebärakt 68 

— primärer 41 

— sekundärer 42 

Masturbation und Kastrationsdrohung 
19 



Register 



109 



Maternale Regression 56 
Menstruation 25, 27 

— sbeschwerden 28 f 

— biologische Bedeutung der 28 

— Erlöschen der 103 

— u. frustrane Gravidität 54 

— psychologische Bedeutung der 28 

— u. Vagina 54 
Miniatur des Ich 50 
„Missed labour" 66 
Mutteridentifizierung des Knaben 17 
Mutter-Kindidentität 81 

— Kindverhältnis 78 

— Sohnverhältnis 72 f, 99 

Nachambivalente Phase 55 
Narkose b. d. Geburt 84 

Ödipuskomplex 7 

— u. Kastrationsdrohung 8 
Odipusfixierungan eigenen Kindern 100 
Orale Befruchtung 51, 70 

— Einverleibung des Vaters 56 

— Phase 50 

— Tätigkeit der Vagina 54 
Orgasmus der Frau 66 
Orgastische Kontraktion der Vagina 58 

Parthenogenetische Phantasien 33ff 
Passiv-anales Erleiden 7f 
Passive Tendenzen des Mannes 13 
Passivitätschub 11, 17, 26, 38, 48 

— Mechanismus des 39 

— u. Organmangel 41 
Pendeln der Libido 50 

Penis als Bemächtigungsorgan 40 

— Entdeckung des 52t 

— als Saugorgan 51 

— = Mamma 54, 56 
Penislosigkeit als Strafe 8 

— neid 21 

— wert der Klitoris 18, 53 
Phallische Phase ff, 10, 95 
Phallischer Komplex 16 
Polymorphe Perversität der Frau 53 
Postambivalente Phase 52 
Postgenitale Phase 92 
Prägenitale Phasen 6f 
Psychisches Element im Sexualleben 

des Weibes 63 



Psychogene Sterilität 12 
Pubertät des Mannes 25 

— des Weibes 25 

— sneurosen 42 

— sphantasien 32 
Puerperal-Laktationspsychosen 79 

Rank 84 
Reich 22 
Reik 73 
R einach 33 



Sadistisch-anale Phase 7 t 

— Ambivalenz der 76 

— Regression zur 75 
Sadistisches Zufügen 7 
Schlagephantasie 51 
Schuldgefühl 36 

— u. Kastration 9, 11 
Schwangerschaft, Ambivalenz der 73 

— Ekelgefühle der 76 

— Erbrechen 74 

— Geschmacksgelüste der 74 

— u. maternale Regression 56 

— Melancholien 80 

~ normal-somatische Umwälzungen 
der 69 

— Objektbeziehung z. Kinde i. der 73 

— Phantasien d. 30 

— psychologische Vorgänge der 68 ff 

— Psychosen 79 

— Reaktionsweisen der 79 

— ubw Tendenzen der 73 

— Träume 81 

— Typen der 79 f 
Schwierigkeiten der Pubertät 31 
Selbstkastration der Klitoris 42 
Senium, prägenitale Regression des 

ioif 

— Typen des 104 

Sexualakt und Kastrationstrauma 55 
Sexualorganisationen, infantile 12 
Sexualtheorien, infantile 70 ff 
Spaltungskonstellation b. Mädchen 63 
Spaltungstendenz und Impotenz 62 
Sterilität, psychogene 12 

— als Folge der Frigidität 60 
Sublimierung 34 

— sfähigkeit des Weibes 63 

— stendenzen d. Mannes 57 



HO 



Register 



Tabu der Virginität (Freud) 45 

— psychologische Bedeutung des 46 
Todestrieb 67 

Trauma der Geburt 81 
Triebschicksale in der Pubertät 37 ff 
Triebsteigerung beim Manne 40 

Uber-Ich nach männlichem Typus 20 
Über-Ich-Bildung beim Weibe 10 
Übermoralische Sexualerziehung 35 
Umtausch des Peniswunsches 49 
Umwertung des Genitales soff 
Untergang des Ödipuskomplexes 9, 11 
Urzustand, Realisierung d. 79 

Vagina, Entdeckung der 49 

— u. Kind 57 

— als Miniatur des Ich 50 

— orgastische Kontraktion der 58 

— orgastische Tätigkeit der 55 

— als Verdopplung des Ich 50 

— als zweites Ich 57 
Vaginaler Durchgangsweg 84 

— Krampf und Penisneid 58 



Vaginale Phase 38, 52 
Vaginismus 58 
Verdopplung des Ich 50 
Vergewaltigungsphantasie 36, 98, 99 
Verhältnis von Eltern und Kindern 78 
Verlegung von oben nach unten 54 
Verwirrtheitszustände nach der Ent- 
bindung 63, 85 
Verzicht auf die Klitoris 37 
Vorambivalente Phase 55 
Vorbereitungen zum Weibsein 38 
Vorklimakterium 93 
Vorklimakterische Libidosteigerung 94 
„Vorweibliche" Periode 69 

Wehentätigkeit 76 
Weiblichkeitskomplex d. Mannes 14 

— im Klimakterium 97 

Wendung d. Aktivität z. Passivität 41 
Wiesel 100, 101 
Wochenbett 84 ff 

— psychotische Zustände im 86 
Wunsch- und Rachetypus des weib- 
lichen Kastrationskomplexes 20 f 



Inhalt 

Seite 

I. Einleitung 3 

II, Infantile Sexualität des Weibes 6 

III. Der Männlichkeitskomplex des Weibes 13 

IV. Differenzierung von Mann und Weib in der Fortpflanzungsperiode 23 
V. Psychologie der Pubertät 26 

Die erste Menstruation 27 

Typische Menstruationsbeschwerden 28 

Schwierigkeiten der Pubertät 31 

Typische Pubertätsphantasien 32 

Triebschicksal in der Pubertät . 37 

VI. Der Deflorationsakt 44 

VII. Psychologie des Sexualaktes 49 

VIII. Frigidität und Sterilität 60 

IX. Schwangerschaft und Geburtsakt 66 

X. Psychologie des Wochenbettes 83 

XI. Laktation 87 

XII. Das Klimakterium 91 

Register 107 



Über die Fortschritte der psychoanalytischen Theorie und 
Praxis unterrichtet fortlaufend die 

Internationale Zeitschrift 
für Psychoanalyse 

Herausgegeben von 

Prof. Dr. Sigm. Freud 

1925 erscheint Band XI 

(Vier Hefte, Gesamtumfang über SOO Seifen. Großoktav. Hobfreies Papier. JährliA Mark 20.-) 



Im Jahrgang 1925 (XI) erscheinen u. a. folgende Beiträge 

Abraham: Ein Beispiel koinzidierender Phantasien 
bei Mutter und Kind 

— Eine unbeachtete kindliche Sexualtheorie 
Alexander: Traumpaare und Traumreihen 

— Metapsycholog. Darstellung d. Heilungsvorganges 
B e n e d e k : Ein Fall von Erythrophobie 
Bychowski: Psychoanalytisches aus der psychia- 
trischen Abteilung 

Deutsch Helene: Zur Psychologie des Sportes 

— Zur Genese eines Tic-Falles 
Chadwick: Ober die Wurzel der Wißbegierde 
Fenichel: Kastrationskomplex und Introjektion 

— Bewußtseinfremdes Erinnerungsmaterial im 

Traume 
Ferenczi: Psychoanalyse v. Sexualgewohnheiten 
Freud: Notiz über den Wunderblock 
Jones: Theorie u. Praxis in der Psychoanalyse 
H a p p e 1 : Ein Fall von Päderastie 



K e m p n e r : Beitrag zur Oralerotik 
Klein: Beitrag zur Genese des Tics 
K o v ä c s : Ein Fall von „tic convulsiv" 
Landauer: Realwert und Lustgewinn der psychi- 
schen Krankheitsmechanismen 

— Gedanken bei der Analyse einer „folie du doute« 

— Äquivalente der Trauer 
Nunberg: Ober den Genesungswunsch 
Radö: Die Herrschaft des Nirvanaprinzips 
Reich: Die therapeut. Bedeutung der Genitallibido 

— Eine hysterische Psychose in statu nascendi 
Sachs: Metapsychologische Gesichtspunkte z. Wechsel- 
beziehung zw. Theorie u. Technik in der PsA. 

Simmel: Eine Deckerinnerung in statu nascendi 
Teller: Libidotheorie und Artumwandlung 
Wanke: Psychoanalytische Anstaltsbehandlung 
Zul liger: Elternbeobachtungen Ober die Sexualität 
kleiner Kinder 



Die drei vorigen Jahrgänge (FIII-I 9 22, IX-I 9 2), X-I 9 2 4 ) enthielten u. a. 



Alexander: Kastrationskomplex und Charakter 
Binswanger: Zu Rorschachs „Psychodiagnostik" 
Boehm: Zur Psychologie der Homosexualität 
Brun: Selektionstheorie und Lustprinzip 
Bryan u. Flügel: Die englische psychoanalytische 

Literatur 1920 — 1923 
Carp: Die Rolle der prägenitalen Libidofixierung in 

der Perversion 
D e u t s c h F. : Bildung des Konversionssymptoms 
Deutsch Helene: Ober die pathologische Lüge 
fcisler-.Uber hysterische Erscheinungen am Uterus 
Endtz: Über Träume von Schizophrenen 
Federn: Die Geschichte einer Melancholie 
Feldmann: Über das Erröten 
Ferenczi: Soz. Gesichtspunkte bei Psychoanalyse 
rreud: Über einige neurotische Mechanismen bei 

Eifersucht, Paranoia und Homosexualität 

— Die infantile Genitalorganisation 

— Das Ökonomische Problem des Masochismus 

— Der Untergang des Ödipuskomplexes 

— Der Realitätsverlust bei Neurose und Psychose 
txarley: Über den Schock des Geborenwerdens 
Harnik: Schicksale des Narzißmus bei Mann u. Weib 
Hattmgberg: Analyse der analyt. Situation 
Hermann: Zum Wiederholungszwang 



Hitschmann: Experimentelle Wiederholung der 

infantilen Schlafsituation 
Hollös: Psych oneurose eines Frühgeborenen 
Horney: Genese d. weibl. Kastrationskomplexes 
j elgersma: Eine eigenartige Sitte auf d. Insel Marken 
J okl: Zur Psychogenese des Schreibkrampfes 
Jones: Krankheit, Kälte und Geburt 
Kielholz: Genese u. Dynamik d. Erfinderwahns 
Klein: Die Rolle der Schule in der libidinösen Ent- 
wicklung des Kindes 
Levy: Zur Psychologie der Morphiumwirkung 
Wunberg: Über Depersonalisationszustände 
Rank: Perversion und Neurose 
Reich: Ober Spezifität der Onanieformen 
Rombouts: Askese und Macht 
Sachs: Zur Genese der Perversionen 
Sauvage-Nolting: Ober den Verfolgungswahn 

beim Weibe 
Schilder: Eine Psychose nach Staroperation 
bimonson: Schleichs Psychophysik und Freuds 

Metapsychologie 
Wälder: Ober Mechanismen und Beeinflussungs- 
möglichkeiten der Psychosen 
Weiß: PsAnalyse eines Falles v. nervösem Asthma 
Westerman-Holstijn: Retentio urinae 



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Dr. Helene Deutsch 






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