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Full text of "Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Hrsg. W.H. Roscher. Bd. I"

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AUSFÜHRLICHES LEXIKON 



DER 



GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN 
MYTHOLOGIE 

IM VE REIN MIT 

TH. BIET, 0. CEUSIÜS, E. ENGELMANN, E. FABEICIUS, A. FLASCH, 
A. FÜRTWÄNGLEE, A. KLÜGMANN, 0. MELTZEE, ED. MEYEE, R. PETER, 
A. PREUNEE, A. EAPP, A. REIFPEESCHEID, K. SEELIGER, H. W. STOLL, 
L. V. 8YBEL, E. THEÄMEE, P. WEIZSÄCKEE, L. WENIGES, G. WISSOWA, 

E. WÖENEE U. A. 

UNTER MITßEDAKTION VON TH. SCHREIBER 

HEK.^USGEGEBEN VON 

W. H. RÖSCHER. 




MIT ZAHLRElCHiEN ABBILDUNGEN. 



DRÜCK UND VEELA<J VON B. G. TEUBNER IN LEIPZIG. 



Pros^Dektus und Yorrede. 



Über Zweck und Plan dieses Lexikons, welches bestimmt ist das treifliche aber 
Jüereits in vielen Punkten veraltete und unvollständige Werk von Jacobi (Koburg und 
Lefpzig 1835) zu ersetzen, habe ich mich schon in den Mitteilungen der B. G. Teubnerschen 
pF^rlagsbandlung vom Jahre 1879, Heft No. 2 zur Genüge ausgesprochen. Ich wiederhole, 
lafs es uns bei der Abfassung der einzelnen Artikel in erster Linie auf eine möglichst ob- 
Je^ii)«, knappe und doch vollständige, stets auf die Quellen basierte Barstellung der litterarisch 



Prospektus und Vorrede. 

überlieferten Mythen unter gehöriger Benutzung der Monumente der hüdenden Kunst, sowie 
der betreffenden Kulte ankommt. Die Deutung steht für uns erst in zweiter Linie, sie 
soll nur da ausführlich gegeben oder der Darstellung zu Grunde gelegt werden, wo sie 
sicher oder doch sehr wahrscheinlich ist. TJm auch kunstmythologischen Ansprüchen 
einigermafsen genügen zu können, sollen dem Texte zahlreiche gute Abbildungen ausge- 
wählter, besonders charakteristischer Monumente einverleibt werden. Dafs auch die für 
Hellas und Eom wichtigeren ausländischen, namentlich orientalischen Mythen und Kulte 
mit zur Darstellung kommen mufsten, verstand sich bei dem auf möglichste Vollständig- 
keit abzielenden Plane des Werkes von selbst. Die betreffenden Artikel des Herrn Dr. 
Ed. Meyer, Privatdoc. für alte öeschichte in Leipzig, dürften in der That als eine höchst 
wertvolle Ergänzung des Lexikons allseitig mit Freuden begrifst werden. 

Dafs ein solches "Werk heutzutage ein wahres Bedürfnis ist, wird wohl allgemein 
zugestanden werden und ist mir auch von mehreren philologischen und archäologischen 
Autoritäten bestätigt worden. Ist doch seit beinahe 30 Jahren in Deutschland kein 
gröfseres, das Gesamtgebiet der klassischen Mythologie umfassendes Werk erschienen, so 
dafs eine neue, den grofsartigen Fortschritten der Altertumswissenschaft, namentlich der 
Kunstarchäologie einigermafsen gerecht werdende und das massenhafte Material möglichst 
zusammenfassende Darstellung entschieden notwendig erscheint; andrerseits dürfte bei der 
fast unendlichen Fülle der Mychen und Kulte imd bei dem beklagenswerten Mangel an 
tiefer eindringenden Forschungen hinsichtlieh ihrer Zusammengehörigkeit und ursprüng- 
lichen Bedeutung ein Lexihm weit eher zu einer einigermafsen vollständigen Zusammen- 
fassung des Stoffes geeignet sein als das zuerst von mir angekündigte systematische 
Handbuch, da ein solches im günstigsten Falle nur die Hauptgötter und Hauptheroen be- 
handeln kann, den gröfsten Teil der kleineren Mythen aber bei Seite lassen mufs. Die 
Kraft eines einzigen Mannes, möge sie noch so grofs sein, reicht eben nicht aus, um alle 
in Betracht kommenden Mythen und Kulte systematisch zu behandeln. Um das Gesagte 
recht augenfällig zu beweisen: selbst in den beiden besten und relativ vollständigsten syste- 
matischen Handbüchern der griechischen und römischen Mythologie zusammen sind nach 
Ausweis der Register kaum 300 A-namen behandelt, während unser Lexikon deren über 
800 enthält. Hierzu kommt noch der praktische Gesichtspunkt, dafs ein Lexikon zu rascher 
und zugleich sicherer Orientierung meist geeigneter ist als ein systematisches Handbuch, 
aus dessen Registern häufig erst mühsam die sämtlichen Stellen gesammelt werden müssen, 
an denen der betreffende Mythus behandelt ist. 

Da also, wie schon gesagt, ein solches Werk nur viribus unitis- mehrerer Gelehrten 
geschaffen werden konnte, so war es mein eifriges Bestreben, dem Buche die Mitwirkung 
einer beträchtlichen Anzahl tüchtiger, ja hervorragender Männer zu sichern, welche sich 
bereit finden liefsen nach den oben angegebenen Gesichtspunkten zu arbeiten. Es gereicht 
mir gegenwärtig zu hoher Freude , nunmehr ein abschliefsendes Verzeichnis meiner Herren 
Mitarbeiter geben zu können, wobei ich mich begnüge einzelnen Namen eine Anzahl be- 
sonders wichtiger Artikel beizufügen. 

Ä. Gröfsere Artilcel: Prof. Dr. Th. Birt (Marburg): Ceres, Dea Dia, Diana, Genius. 
Privatdoc. Dr. 0. Crusius (Leipzig): Kabiren, Kadmos etc. Oberl. Dr. R. Engelmann 
(Berlin): Admetos, Alkestis, Erichthonios , lo, Laokoon, Odysseus, Penelope, Tele- 
machos etc. Dr. E. Fabricius (Rom): Orion, Parthenopaios , Polyxena, Semele, Teiresias, 
Teichinen etc. Prof. Dr. A. Flasch (Erlangen): Helena, Hermaphroditos, Hesperiden, Hippo- 
Ijrtos, Hypnos, Nike, Niobe, Orestes, Poseidon, Zeus etc. Prof. Dr. 0. Eleischer (Meifsen): 
Achilleus, Aias etc. Dir. Dr. A. Furtwängler (Berlin): Agamemnon, Atreus, Dioskuren, 
Elektra, Eros, Faunus, Ge, Giganten, Glaukos, Gryps, Hades, Hektor, Herakles, Heros, 
Pan., ferner die kunstmythol. Partieen von Aphrodite, ApoUon, Ares, Athena, Gorgonen, 
Hermes. Dr. A. Klügmann (Romf): Amazonen. Prof. Dr. 0. Meltzer (Dresden): Anna, 
Dido. Privatdoc. Dr. Ed. Meyer (Leipzig): sämtliche orientalische und ägyptische Gott- 
heiten wie Ammon, Astarte, Isis, Osiris, Mithras etc. Dr. E. Peter (Breslau): viele 
römische Artikel wie Bona Dea, Dis, Epona, Fortuna, Hercules, Proserpina, Sors etc. 
Prof. Dr. A. Preuner (Greifswald) : Hestia, Vesta. Prof. Dr. A. Eapp (Stuttgart) : Attis, Eos, 



Prospektus und Vorrede. 

Erinys, Helios, Hephaistos, Kybele, Mainaden, Nymphen, Priapos, Satyros, Thanatos etc. 
Prof. Dr. A. Eeiiferscheid (Breslau): Janus, Indigetes, Indigitamenta, Juppiter, Lares, 
Manes, Penates, Silvanus, Tutela, Venus, Vertuninus etc. Privatdoc. Dr. Th. Schreiber 
(Leipzig): Artemis, Daidalos, Demeter, Dionysos, Hekate, Hera (kunstarchäologisch), 
Persephone, Selene, Tantalos, Triptolemos, Tyche etc. Prof. Dr. K. Seeliger (Meifsen): 
Argonauten, läson, Medeia etc. Prof. Dr. H. W. Stell (Weilburg): Ares, Atlas, Chariten 
und viele kleine Artikel. Prof. Dr. L. v. Sybel (Marburg): Ate, Cheiron, Daimon, Dak- 
tylen, Dione, Eileithyia, Hebe etc. Oberlehrer Dr. E. Thrämer: Asklepios, Hygieia etc. 
Prof. Dr. P. Weizsäcker (Ludwigsburg): Deukalion, Mnemosyne, Musen, Nemesis, Nereus, 
Okeanos, Phosphoros, Prometheus, Seirenen, Titanen etc. Dir. Dr. L. Weniger (Weimar): 
Themis etc. Privatdoe. Dr. G. Wissowa (Breslau): eine grofse Anzahl römischer Artikel 
wie Annona, Bonus Eventus, Carmenta, Liber, Neptunus, Ops, Eoma, Eomulus, Semo 
Sancus, Virtus, Volcanus etc. Konr. Prof. Dr. E. Wörner (Leipzig): Aiakos, Aineias, 
Anchises, Ascanius etc. 

B. Kleinere Artikel: Von diesen haben gröfsere oder kleinere Partieen übernommen 
die Herren: Oberl. Dr. J. Bernhard und Dr. Heibig (Bautzen), Dr. Gläfser (Chemnitz): 
Sternbilder, Dr. Greve (Pellin): Hyakinthos, Linos, Narkissos, Dr. J. Ilberg (Dresden), 
Dr. Lorentz (Würzen), Dr. G. Oertel (Leipzig), Dir. Dr. A. Procksch und Dr. Schirmer 
(Eisenberg), Dr. A. Schultz (Hirschberg), Dr. Steuding (Würzen): römische Artikel, Dr. 
F. A. Voigt (Leipzig), Dr. Wilisch (Zittau), Dr. Wolff .(Meifsen). 

Der Unterzeichnete wird aufser einer Anzahl kleinerer Artikel auch einige Haupt- 
götter, wie Aphrodite, ApoUon, Athena, Hermes, Hera, Juno, Mars etc. behandeln. 

Jeder Verfasser hat durch Unterzeichnung seines Namens die Autorschaft für den 
betreffenden Artikel bezeugt. 

Ein Urteil über die Leistungen meiner Herren Mitarbeiter zu fällen steht mir 
nicht zu; doch kann ich nicht umhin meiner Freude und Dankbarkeit dafür Ausdruck zu 
geben, dafs es ihnen in einer sehr grofsen Anzahl von Artikeln gelungen ist, nicht blofs 
das Quellenmaterial beträchtlich zu vermehren, sondern auch demselben eine grofse Menge 
neuer und wichtiger Gesichtspunkte abzugewinnen, so dafs das Lexikon einen nicht un- 
wesentlichen Fortschritt der mythologischen Wissenschaft bezeichnen dürfte. 

Für den rechtzeitigen Nachweis von Lücken und Citierfehlern werde ich jedem 
Leser und Benutzer des Lexikons dankbar sein und jede wirkliche Berichtigung oder 
Ergänzung nach dem Erscheinen des Ganzen in einem Anhange registrieren. 

Das Werk wird in etwa 17 — 20 Lieferungen zu je 5 — 6 Bogen erscheinen. 

Wir hoffen, dafs es sich als ein notwendiges Hilfsbucli zum Verständnis der Schrift- 
steller sowie der Monumente der bildenden Kunst bewähren werde. 

Schliefslich fühle ich mich gedrungen den Herren Geh. ßeg.-E. Dr. Jul. Fried- 
länder, Dir. des kgl. Münzkabinetts in Berlin, Dr. Imhoof-Blumer in Winterthur und 
Dr. Fränkel (Eedakteur der Archäol. Ztg.) für ihre überaus freundliche Unterstützung 
unseres Unternehmens den aufrichtigsten Dank auch an dieser Stelle auszusprechen. 

Prof. Dr. W. H. Röscher, 

Konrektor am kgl. GymnaBium zu Würzen. 



Das Lexikon der griechischen nnd römischen Mythologie erscheint in Lieferungen 

von je 5 — Druckbogen im Format und der Ausstattung des vorliegenden Prospektus 
und bezüglich des Satzes wie die umstehende Probeseite. Der Preis einer Lieferung wird 
Ji.2 . — betragen. Alle Buchhandlungen nehmen Bestellungen an. Die 1. und 2. Lieferung 
sind soeben erschienen. 

Leipzig, im Mftrz 1884. B. G. Teubner. 



AUSFÜHRLICHES LEXIKOl 



GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN 
MYTHOLOGIE 



IM VEREIN MIT 



TH. BIßT, 0. CBUSIUS, W. DEECKE, F. DENEKEN, W. DREXLER, B;/ENÖEEM4N5sr,: 
A. PÜRTWÄNGLER, J. ILBERG, 0. IMMISCH, A. KLÜGMANN (t)v MAX. MAlHER,- 
0. MELTZER, ED. MEYER, R. PETER, A. -PREÜNER, K. PURGOLD, A. RAPE, 
TH. SCHREIBEB, K. SEELIGEB, H. STEÜDING, H. W. STOLL^ L. v. SYBEL, 
E. THRlMER, P. WEIZSÄCKER, L. WENIGER, G. WISSOWA, E. WÖRNBR ü. A. 



HERAUSGEGEBEN VON 



W. H. RÖSCHER. 




ERSTEE BAND. 



MIT ÜBER 500 ABBILDUNGEN UND EINER GENEALOGISCHEN TATEL. 



LEIPZIG, 

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TBÜBNER. 
1884—1890. 



ALLEN 



FBEUNDEN UND FÖEDEBEKN UNSEBEß WISSENSCHAFT 
UND ÜNSEEES WEEKES, 



INSBESONDEEB DEN 



ITALIENISCHEN UND HELLENISCHEN 
ALTEETUMSFEEUNDEN UND -FOESCHEEN 



ZUGEEIGNET. 



Ei(ftjfiüv /^ij xö:Siataa9ai zotg fjftete^oiac xoQoTair, 
Sartg ajtuqog toiäyvöi köytov ij yvuß^rj /iij xa^aQsvst, 
i] ysvvaiav Zqyia \jxv9iijr\ firjt' tiäcv ftijT' ixÖQevacr. 



Vorrede. 



über- Zweck und Plan dieses Lexikons, welches bestimmt ist das treflFliclie 
aber bereits in unzähligen Punkten veraltete und unvollständige Werk von Jacobi 
(Koburg und Leipzig 1835) zu ersetzen, habe ich mich schon in den Mitteilungen der 
B. G. Teubnerschen Verlagshandlung vom Jahre 1879, Heft Nr. 2, sowie im Prospektns 
dieses Werkes zur Genüge ausgesprochen. Ich wiederhole, dafs' es uns bei der Ab- 
fafesung der einzelnen Artikel in erster Linie auf eine möglichst objektive, knappe 
und doch vollständige, stets auf die Quellen gegründete Darstellung der 
litterarisch überlieferten Mythen unter gehöriger Benutzung der Monumente der 
bildenden Kunst, sowie der betreffenden Kulte ankommt. Die Deutung steht für 
uns erst in zweiter Linie: sie ist nur da ausführlich gegeben oder der Darstellung zu 
Grande gelegt worden, wo sie sicher oder doch sehr wahrscheinlich ist. Um auch 
kanstmythologischen Ansprüchen einigermafsen genügen zu können, sind dem Texte 
zahlreiche Abbildungen ausgewählter, besonders charakteristischer Monumente — 
darunter viele unedierte — einverleibt worden. Dafs auch die für Hellas und Rom 
wichtigeren ausländischen, namentlich orientalischen und etruskischen Mythen und 
Kulte mit zur Darstellung kommen mufsten, verstand sich bei dem auf möglichste 
Vollständigkeit abzielenden Plane des Werkes von selbst. Die betreffenden Artikel der 
Herren Ed. Meyer, Professor für alte Geschichte in Halle a./8., und Dir. Dr. Deecke 
in Buchsweiler dürften in der That als eine höchst wertvolle Ergänzung des Lexikons 
allseitig mit Freuden begrüfst werden. 

Dafs ein solches Werk heutzutage ein wahres Bedürfnis ist, wird wohl all- 
gemein zugestanden werden und ist mir auch schon von vielen philologischen und 
iarchäologischen Autoritäten bestätigt worden. Ist doch seit nunmehr 60 Jahren in 
Deutschland kein gröfseres, das Gesamtgebiet der klassischen Mythologie umfassendes 
Werk erschienen, so dafs eine neue, den grofsartigen Fortschritten der Altertumswissen- 
schaft, namentlich der Kunstarchäologie und Inschriftenkunde einigermafsen gerecht 
werdende und das massenhafte Material möglichst zusammenfassende Darstellung ent- 
schieden notwendig erscheint; andererseits dürfte bei der fast unendlichen Fülle der 
Mythen und Kulte und bei dem beklagenswerten Mangel an tiefer eindringenden For- 
schungen hinsichtlich ihrer Zusammengehörigkeit und ursprünglichen Bedeutung ein 
Lexikon weit, eher zu einer einigermafsen vollständigen Zusammenfassung des Stoffes 
geeignet sein als das zuerst von mir angekündigte systematische Handbuchs, da ein 
solches im günstigsten Falle nur die Hauptgötter und Hauptheroen behandeln kann, 
den gröfsten Teil der kleineren Mythen aber beiseite lassen mufs. Die Kraft eines 
einzigen Mannes, möge sie noch >io grofs sein, reicht eben nicht aus, um alle in 



VI Vorrede. 

Betracht kommenden Mythen nnd Kulte systematisch zu behandeln. Um das Gesagte 
recht augenfttllig zu beweisen, bemerte ich, dafs selbst in den beiden besten und relativ 
vollständigsten systematischen Handbüchern der griechischen und römischen Mythologie 
zusammen nach Ausweis der Register kaum 300 A-namen behandelt sind, während 
unser Lexikon (die verschiedenen Homonymen mitgerechnet) deren über 1400 enthält. 
Hierzu kommt noch der praktische Gesichtspunkt, dafs ein Lexikon zu rascher und 
zugleich sicherer Orientierung weit geeigneter ist als ein systematisches Handbuch, 
aus dessen Registern häufig erst mühsam die sämtlichen Stellen gesammelt werden 
müssen, an denen der betreffende Mythus behandelt ist. 

Bald nachdem ich die Ausarbeitung begonnen hatte, wurde es mir klar, dafs 
ein so umfangreiches Werk, wenn sein Erscheinen nicht bis ins Unabsehbare verzögert 
werden sollte, nicht von einem Einzelnen, sondern nur von einem Vereine mehrerer 
Gelehrter geschaffen werden könne. Es war daher mein eifriges Bestreben, dem Buche 
die Mitwirkung einer Anzahl tüchtiger, ja hervorragender Männer zu sichern, welche 
sich bereit finden liefsen, nach den angegebenen Gesichtspunkten zu arbeiten. Die Mit- 
arbeiter am ersten Bande sind folgende Herren: 

Gymnasialdirektor Prof. Dr. Bernhard in Dresden, Professor Dr. Th. Birt in Mar- 
burg, Professor Dr. 0. Crusius in Tübingen, Gymnasialdirektor Prof. Dr. W. Deecke 
in Buchsweiler, Gymnasiallehrer Dr. F. Deneken in Berlin, Bibliothekar Dr. W. Drexler 
in Halle a./S., Oberlehrer Dr. E. Engelmann in Berlin, Professor Dr. C. Fleischer in 
Meifsen, Professor Dr. A. Furtwängler in Berlin, Geh. Hofrat Dr. Gädechens 
in Jena, Oberlehrer Dr. Greve in Fellin, Oberlehrer Dr. Heibig in Bautzen, Dr. 
P. Herrmann in Berlin, Oberlehrer Dr. Höfer in Dresden, Oberlehrer Dr. J. Ilberg 
in Leipzig, Dr. A. Klügmann (f) in Rom, Dr. E. Kuhnert in Königsberg, Oberlehrer 
Dr. Lehn er dt in Königsberg, Gymnasialdirektor Prof. Dr. 0. Meltzer in Dresden, 
Professor Dr. Ed. Meyer in Halle a./8., Oberlehrer Dr. G. Oertel in Leipzig, Biblio- 
thekar Dr. R. Peter in Münster, Professor Dr. A. Preuner in Greifswald, Gymnasiäl- 
direktor Prof. Dr. A. Procksch in Eisenberg, Oberstudienrat Prof. Dr. A. Rapp in 
Stuttgart, Dr. B. Sauer in Athen, Direktorialassistent Dr. Chr. Scherer in Braun- 
schweig, Professor Dr. Schirmer in Eisenberg, Museumsdirektor Prof. Dr. Th. Schreiber 
in Leipzig, Gymnasiallehrer Dr. A. Schultz in Hirschberg, Professor Dr. K. Seeliger 
in Meifsen, Oberlehrer Dr. H. Steuding in Würzen, Professor Dr. H. W. St oll in 
Weilburg, Professor Dr. L. von Sybel in Marburg, Privatdozent Dr. E. Thrämer 
in Strafsburg, Gymnasiallehrer Dr. K. Tümpel in Neustettin, Direktorialassistent Dr. 
J. Vogel in Leipzig, Dr. F. A. Voigt in Göttingen, Gymnasialdirektor Prof. Dr. 
P. Weizsäcker in Calw, Professor Dr. Wilisch in Zittau, Professor Dr. G. Wissowa 
in Marburg, Oberlehrer Dr. Wolff in Chemnitz, Konrektor Prof. Dr. Wörner in Leipzig.*) 

Dafs der bekannte Spruch des Terentianus Maurus „habent sua fata libelli" 
nicht blofs für die vollendeten, sondern auch für die noch im Entstehen begriffenen 



*) Für den zweiten Band haben aufser der Mehrzahl der schon genannten Mitarbeiter 
noch folgende Herren wichtigere Artikel übernommen: Dr. Leo Bloch (Berlin): Demeter, Per- 
sephone, Triptolemos; Prof. Dr. Drefsler( Würzen): Triton; Dr. Ermiann (Petersburg): Leto, Niobe, 
Zeus (mjrthol.); Oberl. Dr. Gläfser (Leipzig): Sternbilder; Dr. P. Hirsch (Königsberg): Theban. 
Kriege; Dr. M. Ihm (Rom): Matronae u. s.w.; Privatdozent Dr. Immisoh (Leipzig): Kerberos, Kory- 
banten, Kureten, Manto, Neleus, Palinuros, Phineus, Pyramos, Sarpedon, Sinon, Teukros, Thisbe, 
Thoas; Oberl. Dr. Lorentz (Würzen): Terambos u. s.w.; Dr. Maxim. Mayer (Berliu): Kottos, Luft- 
göttin, Parthenopaios, Personifikationen, Perseus, Tyche u. s. w. ; Prof. Dr. Pietschmami (Gröttingen) : 
Thoth; Mugeiunsdirektor Dr. Purgold (Gotha): Nike, Phaethon, Poseidon (kunstmjrthol.) u. s.w.; 
Prof. Dr. Studniczka (Preiburg): Kyrene; Dir. Dr. Weniger (Weimar): Iphitos u. a. w. Vgl. 
Mitfceil. d. B. G. Teubnerschen Verlagshandlung 1889 S. 36. 



Vorrede. VII 

Mcher Geltung habe, besonders wenn sie so umfangreich sind und so langdauemde 
Vorbereitung und Arbeit beanspruchen wie unser Lexikon, das hat auch der unter- 
zeichnete Herausgeber natürlich zur Genüge erfahren müssen. Hat doch die Vor- 
bereitung des Ganzen nicht weniger als fünf, die Drucklegung und Herausgabe des 
ersten nunmehr glücklieh vollendeten Bandes gar sechs Jahre voll angestrengter Arbeit 
erfordert. Es sei dem Unterzeichneten verstattet, aus „der inneren Geschichte" unseres 
Lexikons hier, nur folgende Thatsache zur Sprache zu bringen. Keinem aufmerksamen 
Leser und Benutzer des Lexikons wird es entgangen sein, dafs das erste Drittel des 
ersten Bandes teilweise nicht auf derselben Höhe steht wie die beiden andern Drittel, 
insofern mehrere wichtige Hauptartikel des Buchstaben A nicht mit derselben Ausführ- 
lichkeit behandelt, sind wie die meisten späteren Artikel von gleicher Bedeutung. 
Dieser auf den ersten Blick befremdende Umstand findet seine Erklärung und hoffent- 
lich auch seine Entschuldigung in der anfangs für den Herausgeber mafsgebend ge- 
wesenen Besorgnis, das ursprünglich laut Prospektus nur auf 17 — 20 Lieferungen be- 
rechnete Werk möchte einen zu gewaltigen äufseren Umfang annehmen und deshalb zu 
schwer und zu langsam den nötigen Absatz finden, auf den ein solches Buch wie das 
unsere, das sich keiner finanziellen Unterstützung von selten des Staates oder eines 
wissenschaftlichen Institutes zu erfreuen hat, doch immer angewiesen ist.*) Dazu kam 
noch die nahe liegende Erwägung, dafs gerade für die Hauptgötter der Griechen in 
den trefflichen Handbüchern Welckers und Prellers und in verhältnismäfsig zahlreichen 
Monographieen schon ziemlich erschöpfende Arbeiten vorlagen, daher wir unser Haupt- 
° augenmerk auf die mittleren und kleineren Artikel richten zu müssen glaubten. 
Sobald sich aber zeigte, da,fs trotz des immer zunehmenden Umfangs unseres Werkes 
die Nachfrage nach demselben im In- und Auslande sich steigerte und als schon 
während des Erscheinens der zweiten Hälfte des ersten Bandes eine ungeahnt hohe 
Äbonnentenzahl erreicht war, da fiel natürlich jene anfangs für die Redaktion mafs- 
gebend gewesene Befürchtung hinweg, und so konnte auch den weiteren Hauptartikeln 
ein weit gröfserer Umfang zugestanden werden, als ursprünglich für sie in Aussicht 
genommen war. Übrigens wird es die Sorge der Redaktion sein, in den als Anhang 
zum zweiten Bande vorbereiteten Supplementlieferungen , die aufser zahlreichen Nach- 
trägen und Berichtigungen auch eine zusammenfassende Übersicht über die mytho- 
graphische und mythologische Litteratur der Alten von Prof. Dr. E. Schwartz (Rostock) 
und eine Geschichte der neueren mythologischen Theorieen von Oberlehrer Dr. Eritzsche 
(Schneeberg) enthalten sollen, auch Ergänzungen zu jenen weniger ausführlich ge- 
-haltenen Artikeln des ersten Bandes erscheinen zu lassen, welche dieselben auf die 
Stufe der übrigen Hauptartikel erheben werden. Endlich wird auch der leider im 
ersten Bande fehlende Artikel über den Mythus und Kultus des Herakles in diesen 
Nachträgen zum zweiten Bande seine Stelle finden.**) 

Mit tiefstem Bedauern empfindet der unterzeichnete Herausgeber die Lücke, 
welche durch den frühzeitigen Tod von Reifferscheid und Klügmann in der Reihe seiner 
Mitarbeiter entstanden ist, doch ist es ihm ein grofser Trost gewesen, dafs die beiden 



*) Ganz äbnlich wie unsem ersten Lieferungen ist es auch den ersten Bänden von Panlys 
Realencyklopädie der klass. Altertumswissenschaft ergangen, die, jedenfalls aus gleichen Gründen, 
so viel weniger ausführliche Artikel enthalten als die späteren Bände, dafs die Redaktion und 
Verlagshandlung sich sogar entschHefsen mufsten, den ersten Band einer vollständigen Um- 
arbeitung zu unterwerfen. 

**) Eine kleinere Anzahl von Ergänzungsartikeln hat schon im Anhange zum ersten 
Bande geliefert werden können. Es sind folgende gröfsere daraus hervorzuheben: Baal (Ed. 
Meyer), Besä (Drexler), und Hercules im Kultus (B. Peter). 



Vni Vorrede. 

trefflichen Schüler Eeifferscheids, die Herren Prof. Dr. Wissowa (Marburg) und Biblio- 
thekar Dr. E. Peter (Münster), sich freundliehst bereit erklärt haben, die von ihrem 
verewigten Lehrer übernommenen wichtigen Artikel zur römischen Mythologie in seinem 
Sinne und Geiste zu vollenden. 

Für den rechtzeitigen Nachweis von Lücken und Citierfehlern wird die Eedaktion 
jedem Leser und Benutzer des Lexikons dankbar sein und jede wirkliche Berichtigung 
oder Ergänzung nach dem Erscheinen des Ganzen in einem Anhange abdrucken lassen. 

Wir hoffen, dafs sich unser Lexikon einerseits als ein notwendiges Hilfs- 
buoh zum Verständnisse der Schriftsteller und Inschriften wie der Monu- 
mente der bildenden Kunst andererseits als eine brauchbare Grundlage für die 
weitere mythologische und kunstmythologische Forschung bewähren werde. 

An alle Verfasser neuerscheinender mythologischer und kunstmythologischer 
Untersuchungen richtet die Eedaktion die höfliche Bitte, unser Unternehmen durch 
Zusendung ihrer Arbeiten thunlichst fördern zu wollen. ^ 

Schliefslich fühlt sich der Herausgeber gedrungen dem berühmten Numismatiker 
Herrn Dr. Imhoof-Blumer in Winterthur für seine überaus liebenswürdige Unterstützung 
unseres Unternehmens den aufrichtigsten Dank auch an dieser Stelle auszusprechen. 



Würzen b. Leipzig im November 1889. 



Prof. Dr. W. H. Röscher, 

Konrektor am Kgl. Gymnasium zu Würzen. 



X Aba (*^ßo:, Gen. -ag), Name einer Nymphe, 
mit welolier Poseidon den Ergiskos (s. d.), den 
Heros Eponymos der thrakischen Stadt Ergiske 
(später Sergentzis) zeugte: Harpocr. lex. s. v. 
'EgylaiiT] und Etym. M. 369, 54. [Röscher.] 
Der Name bietet eine Bestätigung für den von 
Aristoteles b. Strabo 445 bezeugten thrakischen 
Ursprung der Abanten. [Crusius.] 

A barb arfifi, {'Aßaqßaqsr} , vgl. ßöqßoqog) , 1) 
eine yu^Unymphe , Mutter des Aisepos und 
Pedasos , welche sie dem Bukolion, einem 
unehelichen Sohne des Königs Laomedon von 
Troja, gebar: Hom. 11. 6, 22. Nonn. 15^ 3J1. 
O rph. L a^. 455. Ilesjiejh__&.^x^ — 2) Najadö 
von Tyrös, Mütter der Tyrier: JVomw._40,__363, 

5 i2^-57g. Vgl^j^__gff.t<^»ssmj__i^)^ g, f^fmif,. 

BeUgions^es^r^^TT^TW^ "[Eöscher/j 

AbKrig^s^umTldis {"Aßägig,' -iSog und -tog), 
1) ein Eutüler, Krieger im Heere des Turnus, 
welcher von Euryalas, dem Begleiter des Äneas, 
bei- einem nächtlichen Überfalle erlegt wurde: 
Fergs^4Mi.9j344. — 2) Ein Kaukasier und Ge- 
nosse des PEingus, den Perseus tötete: Og. 
-^«LJ-.-S6,_— 3) Ein Dolione: VaLFL^ß, 
152. JBoscher.] — 4) wunderthätiger^ärzTund 
Seher, in einem besonderen Heiligtum (in 
Sparta?) .verehrt nach Stra b. 11 p. 631. 

[Schreiber.] 

Abaij^^antis ("Aßag, Gen. -Kvros und "Aßu, 
Ygl.Sut d. u. Step Ji,_Jßyz^. \. "Aßcci) , 1) der 
zwSIHe König von Argos7~Soka des Lynkeus 
und der Hypermnestra {Pi. P. 8, 571 Awll<nä. 
2,2jJ^Pa4«s^ 2^16 ,_^ i53S;3ZMl^^ 
S cmLz. Find. Pyih^^S}, nach einigen auch 
des l'Oseidon o'der OSiEön {Schol. z. 2Z;_2,_52S) 
und der Arethusa {Aristocr. b. St. ByF^s.'Aßav - 
■c^j_Hyg^J\i^T^}V^XeF'dLes'JKEnsioa, Proitos, 
Kanetnosuhd der Eidomene {ApoUod^2^^_2, 
1. 2. Schol Eur. On_965J, auch deTCESIködön 
{SchoL .Em»-. TKc^25) , Grofsvater des Kan- 
thos~'ün3"TiF Dänae , Urgrofsvater des Per- 
seus Tl. s. w. Seine Gemahlin war Aglaia 
{Am^^r%\,J^ Er gründete Abai ia Pho- 
Ms^S^gg r^yiTB. y . "ASai- Paus. 10, 35. Di 
ebenso eine KoloniFlir'TEissalieii ((Sra6o_431) 
und eroberte als König der Abanten mit die- 
sen die Insel Euböa. (Steph. JByg. s.jJ Aßavtig . 
Schol «• II- 2. 536 n ngzü~K w3C"?wife. 8 , 73-. 

Ml 



Or ehomenoP~3S6). Besonäers berühmt war sein 
Scnird, den eiust Danaos der Hera von Arges 
■geweiht, Abas aber, als er seinem Vater Lyn- 
keus die Nachricht von dem Tode des Danaos 
überbrachte, von diesem zum Geschenk erhal- 
ten hatte. Diese Schenkung soll das Prototyp 

BosGH£R, Lexikon der gr. u. röm. l^ythol. 



eines argivischen Festes {'Aanlg e| "Jqyovg G. I . 
G r. 4, 3 p. 42). gewesen sein, wobei der Sieger 
keinen Kränz, sondern einen Schild als Preis 
fab. 170 n . 273. Verg. Aen. 3 , 



Lranz, 
erhielt* (Ä 
286. u. Sermus z. 



Boeckh expl. ^ndj£i.lT6 ^Ji^M^JErj^Smmma 
<?0<<es3r27*. § 52, 2 10, die daselbstangefölirte 
Litteratur). ]Ä0scher.] ScEiI3"ün3~Kranz mit 
Inschriften auf Münzen von Argos {Kenmr^ 

10 San mlunq Flo rian Tafel 3, 6 p. ^1.. Hieran 
knüpft sichoTäs ^prucIiw5fr"o)g rrjv iv 'A^ysi 
äanlSa ■na^'sXmv asjivvsTai Zenob. 6 ,__5SL 
[Schreiber]. Endlich scheint AbasnäelTSeh An- 
deutungen des Aristot. Poet. 11 u. 18 imLynkeus 
des Tragödiendichters"TEeö3eEtes eine bedeu- 
tende Rolle gespielt zu haben, welche sich, 
jedoch nicht mehr mit Sicherheit feststellen 
läfst (vgLj2.iI--MiaZer,xfei.2ö?ceis,_J@pM.JJ3I). 
— 2) Abas = lobates (s^_d^ nach M^Mtogi. 

20 ^5LAi_lSL— — ä) Ein Troer, der denTJiieas 
nach Italien begleitete: Verg^^en. 1,121, — 
4) Ein etruskischer Fürst, der dem Äneas 
Hilfstruppen aus Populonia und llva zu- 
führte: Vera. Arn. 10. 170 u. 427. — 5) Ein 
Trojaner, Sohn des Traumdeuters Burydamas, 
von Diomedes erlegt: Hmn. II. 5, 148._g. jWrw. 
13^ 209. — 6) Desgl. von Sthenelos getötet: 
^TS^m^lA^&l- — 7) Ein Kentaur, Sohn des 
Sioh und der Nephele: 0v^Met_12^,hQ&, — 

30 8) Ein Freund des Perseus: Ö^JM^^S^läfi. — 
9) Ein Gefährte des Diomedes fetA)i der von 
Aphrodite in einen schwanähnlichen Vogel ver- 
wandelt wurde: Qv^M. 14, 505._;— 10) Sohn 
des Melampus, Vater Ter T^simache, der Frau 
des Talaos: ^^oMod. I,^9j^l3. Paus^fiS^, — 
11) Eia fabelhSterllerg inTSytheia: A pollo d. 2j 
ö^lO.^ — 12) Abas (= Ambas?), S. d. Metaneira 
(s. Äskalabos). Schol._Nik.Ther. 484. — Davon 
y^ Abantiades^(!/^aj'i:tS57]g), Abkömmling von 

40 Abäi~TTin07'Beiname des Akrisios {Ov. Met. 
i , 607) , Kanethos (Ap^Eh A., 78 u. S eholX^s 
lamon, Sohnes von A. l<rT2 io. Mi. 3. 815 u . 
H erodoros b. Schol . Zj^p. Mh. 1, 139^ vgl. a.uch 

von Är\~XOr j) h. Arg. 142) und endlich seines 
Urenkels PerseiS (Öv^__ Äm. 3, 12, 24. Met. 4 , 
673J66_!i_ä)^ [Röscher]! "" 

V Abaatias, adis {'Aßavzicig, äSog), Beiname 
der DanaeT'Toohter des Akrisios, Enkelin des 
50 Abas (S;_d^. [Röscher]. 

'^ Abderos {"Aßärj^og), Sohn des Hermes (oder 

ThroniEösT C. I. Gr. 598 4 C, 14X aus Opus 

* Nach VpTpjHAflTi üjitsfif wiirfA jener Scliild des Abas 

später vom Aneaa erbeutet und al% "Weihgeadwnk am 

Eingange des Apollotempels auf Actium aufgetiäcgt. 

1 



Acca 4 

auf dem Pontos Eux. Die Stadt Tamoi soll 

ihren Namen dem Grabe des zet«4Buttenen 

Leichnams verdanken (.vgl. auch Cie. imp. Cn. 

Pomp. 9, 22. Steph. Byz. s. v.: Toyitvg. Ov. 

Trist. 3, 9, 5 ff. Heroid. 6, 129. 12, tWj. Ganz 

anders lautet die Sage hei Apollonim Eh. 4, 

305 ff. {Straio 315). Derselbe läfst äe& Ab- 

syrtos als erwachsenen Mann der MtgQ auf 

___ji,..±Mi:sc/i l»5ü 1X7~4S^ dem adriatischen Meere entgegenfahren, um 

nrfiiÄ^ri5l5^e2r:;ä^^ abzuschneiden Medea aber lockt dal Bru- 

?gag3aO^W^^^ffl"- ^MZ'^ya- "^er in einen Artemistempel auf emer der 



3 Abellio 

und Liebling des Herakles, zugleich Epony- 
mos der thrakischen SÖidt Abdera. Er wurde, 
als er mit dem Herakles zusammen die Bosse 
des . thrakischen Königs Diomedes erbeutet 
hatte, von diesen zerrissen, worauf Herakles 
ihm zu Ehren Abdera gründete und Leichen- 
spiele stiftete, welche die Abderiten jährlich 
feierten. yiLi!^£2£tJä^=--2i,?5:,,.,Su2!^^ 

25Z^r32~^SeHerr~[RoscEer.] 

JÜSeDföTTTäme eines gallischen Gottes, wel- 
cheTiSfAltarinschriften des obem Garonne- 
thales { Orelli-Henzen l^h'i Vi erscheint. Eine 
davon lautet: Peo Abelliom Minicia lusta. _F. 
iS. L. M. [Koscher.] 

Abeona zusammen mit Ädeona eine römi- 



'AipvQTiöes vijaoi. an der Küste lUyriens , wo_ 
Jason ihn erschlägt. Etwas anders, aber doch" 
ähnlich, berichten iZy^m f. 23, 26 ui^ Orph. 
Arg. 1027 (vgl. auch Steph. B. s. ^.'A^Qti- 
öite) ; ganz vereinzelt steht die Angabe des Ehe- 
tors Leon b. Schal Eurip. Med. 167, nach 
welchem Absyrtos durch Gift getötet wurde. 
Die lateinische Schreibung Absyrtus scheint 



ADeona zusammen mii aueoua eme iuiu±- ^^lo x^,^^^^^^.. — „„.-„-o •' , ö » 

sehe Schutzgöttin der Kinder bei den ersten 20 aut der verkehrten Ableitung von- der Präpos. 
-17 !.„_ E„ tt;„ „«^ w^,.ia„foT,. Ai,.n de nh m beruhen. Weiteres unter Argonautai. 



ah zu beruhen. Weiteres unter Argonautai. 
Hinsichtlich der Etymologie ist zu verweisen 
auf Philol. Suppl. 2, 267 ff. und auf Kvhns Z. 
9, 176. [Boscher u. Seeliger.] 

AJbundanti^) eine der jüngsten Bildungen die- 
ser EicEtuhg, eine Verkörperung des Zugtandes, 
in'welchem das Volk sich im Genüsse aller Kld-_ 
turgüter befindet und niemand darbt. Eii^e reli-" 
giöse Verehnfng, wie sie für andere Gottheiten 



Versuchen im Hin- und Herlaufen: AMa^_de 
i-iv V? 4^1 n. 7,3. S. Indigitamenta , [Boscher.] 

'IBial!ißS), Ammedes GlenÖs7 eines Sohnes 
desÜRrakles. Sie gründete diesem zu Ire ('iQrj 
Hom.) in Messenien einen Tempel, weshalb 
der Heraklide Kresphontes später jene Stadt 
ihr zu Ehren Abia nannte: Pau». 4, 30,_X 
[Boscher.] Ourtius. Pelomnnesos 2 p^ lfiO. 193 
Anm. 33. [Schreiber.T ^^^^^ ,.^^^^..^^, ..„„..--.- --_--- ,, • 

"Tblims. Name eines gallischen Gottes auf so dieses Kreises bezeugt ist, hat sie wohl nie ge 



ein^ bei Nizza (Nicaea) gefundenen Altare 
(Or elli-Henzen 677 2 . . . aram posuit deo Ahi- 
niFf. [lioscher.J 

\ Abieros C^ßXrj^os), ein Troer, den Antilo- . 
ohos, der Sohn des Nestor, erlegte: Bom^Jß. 
6^2. Vgl. Res. s. V. aßXrjea. [EoscherT] 
^Bnoba Diana oder blofs Abnoba, Name 
einer Gottheit des Abnoba mons (jetzt Schwarz- 
wald, PaMj3t£eak«c.iJi_SJ£): OrdUinsci: 
19gfi_j3Ll9S^ [Koscher.] 

Abaha&.C-^ßß'ßas), Name des Adonis (s^.) 
bei denPergäem: Hesvß^juM.M- [Boscher.] 

Absyrtos ("AipvQTOs, A^VQtos Pherekyd. nach 
SchQLJBur^_Memm) , von Pacuvius bei CisL 

SÜuoh Aigialeus, von "TimonaxöTIScftol Ap. 
Eh. 3, 1236 auch Phaethon, von Dikaioge- 
nes bei Schol. Eur. Med. 167 Metapontios ge= 
nannt, Sohn des Aietes, Königs von Kolchia 



nossen; ihr Bild findet sich auf den Münzen 
der Kaiser von Elagabal bis auf Maximianus 
Hercules, und zwar wird sie in typischer Weise 
dargestellt, wie sie aus einem Füllhorn ihre 
guten Gaben ausstreut tv^\._Cohen. med.imver. 
jSZMo6«J£-i--4I«2.-Sgsjj2^ 
20 ^210. Traj a nT)e,ce 1- 2. Gmu 



ien hält sie auch Ähren in der 



^3SÄXCohenjt..^.,Ü.Jü.cMi^ 
40 40. 41) ; ganz vereinzelt und spät ist eine durch 
euT^spezielles Ereignis veranlafste Münzdar- 
steUung, auf welcher sie Münzen unter das 
Volk ausstreut ( Cohen a. a 0. Maximien Her- 
C%Z£_JL36), immerKiiriin~Bewei3 dafür, wie in 
derspäfen Zeit die realistische Auffassung an 
die Stelle der idealeren tritt. [WissowaA 
; <. Agaealli8^.Aca5tho, etc. s. Aka kallis. Akaa- 
tho, etcl 

AccSr 1) Acca Larentia, eine altrömische 



nannt, »onn aes Aieies, jvomg» vuu üuiumo ^w«. ^/ -±"— . — 7 -.V ru -t j„ 

und der kaukasischen Nymphe Asterodeia, 50 Göttin oder Heroine, deren Mythus mit den 



der Tochter des Okeanos und der Tethys, oder 
der Eurylyte (Ap. Bh. 3 , 242 u. Naupakt. b. 
Schol. z. d. St.), oder einer Nereide {Soph. b. 
Schöl. z. Ap. Bh. 4, 223 u. 3, 242), oder der 
Hypsea (? Myth. Vat. 1, 204), oder der Hekate 
(Diod. 4, 45). Die verschiedenen Versionen 
über seinen Tod lassen sich in zwei Haupt- 
gruppen teilen. Nach der einen wurde Absyr- 
tos als kleines Kind von Jason und Medea auf 



u»gen vom Hercules und Bomulus eng Ver- 
knüpft ist. Mythus, o) Unter der Eegierung 
des Bomulus oder Ancus Martius (vgl. GeU, N. 
A. 7, 7, 6. Macrob. 1, 10, 12. 15) lud einst aii 
einem Feiertage der Tempelhüter des Hercules 
den Gott selbst zum Brettspiel ein unter der 
Bedingung, dafs der Verlierende dem Gewin- 
nenden eine Mahlzeit und ein Mädchen ver- 
schaffen sollte. Als nun Hercules gewann, so 



tos als Kiemesn.ma von lason unu meuea am oviiaucu ^^j^^^. ^^^ - — "-- o-,--~' .; 

der Flucht von Kolchis mitgenommen und zer- 60 richtete ihm der Tempelhuter eme Mahlzeit 
....... T_ _-i_j?-i_„j — A;..i„„ „„-p„., ;«. fTöTvir^Ql Jiof. n-nri fiilirf.ft inm die schönste 



stückelt, um den nachfolgenden Aietes aufzu 
halten (vgl. Ov. Met. 7 , 54). Nach Phereky- 
des geschah die Zerstückelung noch-^während 
der Fahrt auf dem Phasis, nach Sophokles be- 
reits im Hause des Aietes {Schal, z. Ap. Bh. 
4, 223 u. 228. vgl. Eurip. Med. ).SSi. Kallitn. 
b. Schal, z. d. St. u. WeUleer , Grieeh. Trag. 
333 ff.), nach Apollod. 1, 9, 23 f. bei der Fahrt 



im Tempel her und führte ihm die schönste 
und berühmteste Dirne der Staclt zu, nämlich 
die Acca Larentia, mit dem Beinamen Fabula 
(oder Faula vgl. Plut. Q.B. 35. Lactant. 1, 1, 20). 
Beim Abschied sagte ihr Hercules, sie würde 
den Lohn von dem Manne empfangen, der ihr 
frühmorgens beim Hinausgehen zuerst begeg- 
nen würde. Dieser Mann war ein Tuscer Na- 



5 Acestes 

mens Tarutius (so Plut. Augustin., nicht Ca- 
rutius Macrob.), der sie zur Frau nahm und 
ihr nach seinem Tode reichen Grundbesitz 
(agros Turacem, Semurium, Lutirium \Mormn- 
^m\ et Solinium nach Cato b. Macroh. 8. 1, 
10, 16) hinterliefs. Als Larentia starb oder 
verschwand {üla non comparetite Augustin. Xe- 
yerai . . atpavi] ysvsad'cct Plut. Born. 5), vermachte 
sie ihre Güter dem Bomulus oder» dem römi- 
schen Volke (vgl. Macrob. S. 1, 10, 12f., der 
sich auf Cato beruft; Antias b. Gell. N. A. 1 
(6), 7; Plut. Born. 4, 5; Qu. B. 35; Verrius 
Flaeeus im pränestinisehen Kalender. Lactant. 
1, 20, 5; Tertull. ad Nat. 2, 10; August. C. D. 
6, 7). 6) Nach einer anderen wahrscheinlich 
von Macer erfundenen Sage (Mommsen) war 
Acca L. die Gattin des Faustulus und Amme 
des ßomulus uiid adoptierte diesen, als einer 
von ihren 12 Söhnen, den sogen, fratres Ar- 
vales, gestorben war. Seit dieser Zeit bestand 
in Rom das Kollegium der 12 arvaUschen Brü- 
der, deren priesterliches Abzeichen ein Ähren- 
kranz und eine weifse Binde (spicea Corona et 
alba infula) war (vgl. Masurius Säbinus b. 
Gell. N.A. 7 (6) 8; Plin. n. h. 18, 6; Butilius 
Geminus (?) b. Fulgent. 9 p. X Lersch. Mehr b. 
Mommsen, die echte u. d. falsche AceaL. S. 102 ff., 
der Macers Auffassung der Acca auf den Dop- 
pelsinn von lupa und die alte römische Grün- 
dungslegende von der Wölfin als Amme des 
Romulus zurückführen will. Kultus. Jedes 
Jahr opferte ihr der Flamen Quirinalis mit den 
Pontifices zusammen an ihrem Grabe, das sich 
auf dem Velabrum befand, die üblichen Toten- 
spenden (vgl. Gell. a. a. 0. Varro de l. Z. ß,23; 
Plut, Bom.it; Q. B. 24, 35; Macrob. a. a. 0. 
u. s. w. Mommsen, die echte u. d. falsdie Acca 
L. S. 94 ff. Marquardt, Bö'm. Staatsverwaltung 
3 S. 322, 5). Der 23. Dezember (nach C. I. L. 
I p. 375. Macrob. 8. 1, 10, 10 auch als feriae 
lovi bezeichnet) hatte davon den Namen La- 
rentalia [oder Larentinaha] erhalten (Festi 
ep. p. llöj 1. Lactant. Inst. 1, 20, 4. Varro de 
1. 1. 6, 23. Ovid. f. 3, 57; Macrob. 1, 10, 11. 
Marquardt a. a. 0. S. 564). Nach Plut. Q. B. 
35 u. Born. 4 wurde Acca L. als Amme des 
Romulus auch im April verehrt (vgl. Momm- 
sen a.a.O. S. 101 A. 30). Litteratur. Här- 
tung Bei. d. B. II 144 ff. Preller r. M.' 2, 26 ff. 
Pauly, Bediene. V 1, 33 f. Schwegler, Böm. 
Gesch. I S. 431 ff. _Mommsen, die echte u. d. 
falsche Acca L. in Festgaben f. G. Homeyer, 
Berl. 1871. S. 93 ff. Em. Hofmann, Die Arval- 
brüder, Abdr. aus d. Verhandl. der XVII. Vers. 
d. Philpl. zu Breslau, Breslau 1858. Preuner, 
Hestia-Vesta (1864) S. 382 ff. Marquardt a. a. 
0. 429f Deutung: Eine vollständige Deutung 
der Mythen von Acca L. ist bei der Verworren- 
heit üirer Legende und der Mangelhaftigkeit 
der Überlieferung nicht wohl möglich. Echt- 
mythisches und Ätiologisches scheint in die- 
sem Falle vermischt worden zu sein. Der Name 
Acca bedeutet wahrscheinlich Mutter (vgJ,.Skr. 
akka, gr. 'Jx^m Fick Wörterb. " S. 1). Der 
Zusatz Larentia bezeichnet wohl die Mutter 
der 12 Laren der Stadtflur, deren Vertreter 
vielleicht die 12 arvalischen Brüder, die der 
Mythus Söhne der Acca nannte, sein sollten. 



Acheloos 



6 



Wenn Mommsen a. a. 0. S. 94 A. 3 jeden Zu- 
sammenhang von Larentia und Läres wegen 
verschiedener Quantität des «.leugnet, so ist 
dies zwar beachtenswert, aber nicht beweisend. 
Vgl. Oorssen Aussprache 2, 69. Auch Romulus 
und Remus scheinen als Zwillingslaren verehrt, 
worden zu sein {Preller r. M. ' 695). Jeden- 
falls deutet der vielleicht spät erfundene Mythus 
von der Adoption des Romulus an Stelle eines 

10 der arvalischen Brüder auf das Bedürfnis bin 
den Romulus mythisch mit diesem uralten Kol- 
legium und somit auch mit der Acca L. zu 
verbinden. Der eigentümlichen Sage "von dem 
Verhältnis der Acca zum Hercules dagegen 
mögen gewisse Gebräuche, wie wir sie auch 
aus dem Kultus der Flora kennen {Marquardt 
a. a. O. S. 364, 1), zu Grunde- liegen.- Über- 
haupt ist diese Göttin in ihrem Wesen der 
Acca nahe verwandt, wie schon aus dem üm- 

20 stände erhellt, dafs von ihr fast dieselbe Le- 
gende wie von jener erzählt wurde {Lactant 
1, 20, 6). Vielleicht war die Acca L. ursprüng- 
lich mit der Dea Dia identisch, wprauf na- 
mentlich ihre beiderseitige Berührung mit dem 
Kultus der Arvalen hinweist. — 2) Acca, Freun- 
din der Camilla, der Königin der Volsker. 
Verg. Aen. 11, 820 ff. [Röscher.] 
y\ Aeegtfis, s. Ai gestpji . 
X Achalos, ^SJJalos), Sohn des Xuthos .und der 

30 Kreüsa, Stammvater der Achäer, Bruder d. Ion. 
(Apollod. 1..7._ 3. Strab. 383. Paus. 7, 1, 2 f .). 
NacFT Diow. Hol. 1, 17 wij~er der tjofan des 
Poseidon und der Larisa, nach 8ch ol. II. 2, 681 
u. JEu^. z . d. St. des Haimon ^icht Ammon), 
nach Sefi)." Verg . Aen. 1, 24 2^ des Zeus und 
der Phthia. Sein Sohn hiefa Phthios nach Steph. 
By z. 3. V. 'Elias. [Röscher.] 
>( Ac ftareilS (^Azagsig ?) , ein Pankratiast, mit 
welcEein HeraÜes in Olympia kämpfte. Hyg. 

40 f. 273. [Röscher.] ^"^ 

'>\ Achates (A%axris) 1). der bekannte treae und 
tapfere Gefährte des Äneas, welcher auch für 
den Erleger des Protesilaos galt: Sc hol. IL 2 , 
70L _ Fust. ad II. 326, 5. Jera^ Zm/TpliÖ 
n.I öfter. Ov.Fast. S, 603. Wahrscheinlich ha,t 
Vergil die Person des Achates nicht frei er- 
funden, sondern griechischen Quellen entlehnt. 
Mehr h. K lausen AtmewjVnif. — 2)-Ein Tyr- 
rhener im Gefolge des Bacchus bei seinem 

50 Zuge nach Indien: Norni. 13. 309. 37, 350 Öf - 
t er.^ [Röscher.] 
Vl Echeles (^AxsXrjg) , Sohn des Herakles und 
der Omphale nach 8chol IL 24, 616. Nach 
anderen hiefs er 'Axslrig {M ellan.b. Steph^ Byz^ 
oder 'AXiiatog ( Herod. 1. 7.') ."bder ^yf/aoc (Apol- 
? og. 2 7. 8) . S. Preller gr. 3f. M. 283. 5 . 
Koscher.] 
Acheletides {'AxBlfiriSsg), wahrscheinlich die 
ymphen des lydischen Flusses 'A][eh]g hei 

60 Smyma:PaM2/asis b. ScÄoZ.J/. 24,616. [Röscher.] 
Acheloides (AxsXcotSsg und 'AxBimäicg) 1) 
die Seirenen als Töchter des Acheloffs (s. d.): 
Ap. Bh. 4, 893. Ov. Met. 5, 652. U, 87. Sil. 
It. 12, 34. — 2) die Najaden des Acheloos : Verg. 
Cop. 15. — 3) QneUnymphen überhaupt Colum. 
10, 263. [Röscher.] ' 

Acheloos (^AxiXäog, -miog), der Gott des 
Flusses Acheloos (j. Aspropotamo), des gröfs- 



lua 
[Ri 



Acheloos 



Acheloos 8 



ten Flusses von Griechenland, der, auf dem Osann Tübtng. Kumtbl iSU N. I6i Arch. 
Gebirge La^on entsprangen, reifsenden Lau- Ztg. 1862. *. 168, 4. 0. Jahn ebds. S 321 Der 
fes mit hellem .Wasser {dqyvQoSivrig, Hesiod. Grund allgemeiner Verehrung lag hauptsaoh- 
CalUm in Cer. 13. Diony s. Per. 433, i£roIge lieh darin dafs Acheloos m dessen Namen der 
des-weilSen Bodfens seineti lielles) südwärts Stamm ccx = aqua enthalten ist, überhaupt 
zwischen Akarnanien u. Itolien durch frucht- das Element des fliefsenden Wassers bezeich- 
bare Ebenen dem ionischen Meere zuüiefst. nete, so dafs das Wort auch öfter von Uich- 
Er ist der Sohn des Okeanos und der Tethys tem einfach für Wasser gebraucht wurde, 
und der älteste der 3000 Bruderflüsse, Hes. Ephoros l f. Serv V. Ge.l 8. «fto?. ii. 24 
Theoa 340. ÄJcusilaos b. Macroh. Sat. 5, 18, lo 616. Orpheus b. Lobeck Agl. p. 952. AeschyL 
10 tfr IIa Mueller) Hyg.praef. p. 28 Bunte. Fers. 869. Eurip. Bacch. 625 Anst(^h. Lys 
Tsets Lyk 712. Auch hiefs er Sohn des He- 381. fr. 130. Lokalisiert wurde er dann als 
lios und der Gaia, oder des Okeanos und der Eigenname verschiedener FWsse unter denen 
Gaia Nat. Com. 7, 2. vgl. Se«. z.T. Ge. 1, 8. der akarnanisch-ätolische Plufs durch den Ein- 
Plut de fluv 22, 1 nennt ihn Sohn des Okea- flufs des nicht weit von seinen Quellen gele- 
nos und einer Najade und läfst ihn sich in genen dodonäisohen Orakels, in dessen Kult 
den Flufs Thestios stürzen, der nun Acheloos die nährende Feuchte eine Hauptrolle spielte, 
genannt wurde (!?). Kephalion\>. Malalav- 164 zu besonderer Verehrung gelangte. Das Ora- 
(Mueller hist. gr. fr. 3 p. 631, 8) nennt Ache- kel soll jedem seiner Spruche zugefugt haben, 
loos Sohn des Poseidonios, der beim Übergang 20 man solle dem Acheloos opfern, Ephoros 1. 1. 
über den Plufs Phorbas, vom Pfeile getroffen, Schol. II. 21, lU. 24,616. Dafs man ihm auch 
umkam und dem Flufs den Namen Acheloos in Dodona opferte, ist selbstverständlich , s. 
sab Vgl Tsetz L 671. Er hiefs früher Thoas Corp. Inscr. 2908. Aus der allgemeineren Be- 
rnd erhielt seinen Namen von Acheloos, der deutung des Acheloos erklärt es sich, dafs die 
mit Alkmaion aus Thessalien in jene Gegend Seirenen seine Töchter sind (Paus. 9, 34 2. 
kam, Steph. B. s. v. Strah. 10, 450. Acheloos Acheloides Ov. Met 5 552), die ey mit der 
soll in seinem Gram über den Verlust seiner Muse Melpomene oder KalhoT^e {Apollod. U 3, 
Töchter, der Seirenen, von seiner Mutter Gaia 4. Serv. V. Ge. 1, 8. Hyg. praef. p. 30. Bunte. 
in ihren Schofs aufgenommen worden sein, f 125 (p. 103.) 141) oder mit Terpsichore {Ap. 
worauf an dieser Stelle ein Flufs hervorsprang, 30 Bh. 4, 896. Tzetz Lyk. 660. 671. 712) oder 
Serv r Ge 1 8 oder er löste sich in einen mit Sterope, Tochter des Porthaon {ApoUod. 
Flufs auf aus Schmerz über seine Besiegung 1, 7, 10) zeugte, dafs er Vater der Quelle 
durch Herakles, Propert. 2, 25, 33. Die Be- Peirene ist (Paws. 2, 2, 3), der Quelle Kasta- 
hausung des Stromgottes wird beschrieben O«. ha zu Delphi (Panyasisb. Paus. 10, 8, 5), der 
Met 8 550 ff — Hom. IL 21, 194 nennt den thebanischen Dirke {Eunp. Bacch. 519). — 
Acheloos HostW, den Herrscher, und stellt ihn Als Nachbar des ätolischen Kalydon warb 
mit Okeanos zusammen, Flufsgötter, welche Acheloos in dem Hause des Omeus um die 
trotz ihrer gewaltigen Kraft es nicht wagen Hand semer Tochter Deianeira. Er kam, da 
könhen sich mit Zeus zu messen. Wenn man er als Wassergott die Fähigkeit hatte, sich in 
an dieser Stelle nach dem Vorgang des Zeno- 40 verschiedene Gestalten zu verwandeln , bald 
dot mit Bergk den V. 195, in welchem Okea- als Stier, bald als Drache, bald in menschli- 
nos genannt wird, wegwirft, so wird Acheloos, eher Gestalt mit einem Stierkopf, Formen m 
wie sonst Okeanos, der Strom, von welchem denen die Flufsgötter gedacht und abgebildet 
alle andernfliefsenden Gewässer stammen, Bergk wurden. Die arme Jungfrau zitterte vor solch 
die Geburt der Athena" in Jahns Jahrb. Bd. einer Ehe; da kam zu ihrer Freude Herakles 
81 S 394 f Vgl Unger, Phüolog. Suppl.-Bd. als Werber und rang dem Acheloos m schwe- 
2 S' 699 '(Ytrl Philo! 24, 395 f.). ^cheloos rem Kampfe die Braut ab. Als während des 
war der Kö^nfg der Ströme, der vor allen am Kampfes der Flufsgott sich in einen Stier ver- 
meisten geehrt wird, Akusilaos b. Macrob. l. l. wandelte, brach ihm Herakles em Hom ab. 
Während die übrigen Flüsse in Griechenland 50 und er gab sich besiegt. Sem Hom tausehte 
nur von ihren Anwohnern Verehrung genossen, er von Herakles wieder ein, indem erihm das 
wurde Acheloos in ganz Griechenland verehrt, Hom der Amaltheia dagegen gab welches die 
er wurde allgemein bei Opfern, in Gebeten und Nymphen mit Blumen und Früchten fuUten; 
Schwüren angerufen, Ephoros b. Macrob. 5, oder das Hörn der Amaltheia ist gleich dem 
18 (fr il Mueller). Seine Verehrung ist, zum Hom des Acheloos. Soph. Irach. 9ö. 510 tt. 
Teil durch aufgefundene Münzen und Inschrif- Ov. Met. 8 , 880 ff. 9 , 1 ff. s. Deianeira, Hera- 
ten bezeWt zu Athen {Plat. Phaedr. 230 B), kies, Amaltheia. Schon die Alten erklären diese 
zu byme Rhodos (Eeffter Götterdienste auf Fabel als einen natürlichen Vorgang; Hera- 
Bhod 3 66 f) hie den Sikelioten, und die an- kies habe den Kalydoniern zulieb den wilden 
wohnenden Akamanen feierten ihm auch Wett- 60 Strom durch Regelung seines Laufes geban- 
spiele Schol. II. 24, 616; femer zu Oropos, digt und ihm em blühendes fruchtbares Land 
Paus 1 34 2 in dem megarensischen Flecken abgerungen, Biod. 4, 35. Strab. 10, 458. Sdml. 
Rhus Paus. 1, 41, 2, in Mantinea und Myko- II. 21, 194. Eustath. Bion. Per. 431. - Von 
noa nach Inschriften, Stengel Jahns Jahrb. 1882, den echinadischen Inseln, welche vor der Mun- 
11 S 735- inMetapont, das von Ursprung halb düng des Acheloos durch Anschwemmungen 
ätolisch war, wurden ihm Agone gefeiert, entstanden waren, wird folgende Sage erzahlt: 
nach einer Münze von Metapont, Müller, Ar- vier Nymphen opferten an dßm Uter des ilus- 
ehäol § 403, 2 MilUngen anc. coins t. 1, 21. ses allen einheimischen Göttern, vergalsen aber 



9 



Adhemenides 



Aeheron 



10 



des Acheloos; im Zorn hierüber rifs er mit 
seinem Strom das TJferland samt den Nymphen 
fort, unddie Najaden, mit Brdreich umgeben, 
wurden zu Inseln. Die fünfte Insel entstand 
aus seiner Geliebten Perimela, der Tochter des 
Hippodamas, welche der Vater im Zorn über 
die Entehrung der Jungfrau, noch ehe sie ge- 
bar, in das Meer stürzte, Poseidon aber auf 
Bitten des Aoheloos in eine Insel verwandelte 



da sich in tiefe Abgründe versenkt, um erst 
nach längerer Strecke wieder zum Vorschein 
zu kommen, aber nicht weit von seinem Aus- 
flufs ins Meer im Gebiet der alten Stadt Bphyra 
(später K ichyros) einen tiefen sumpfähnlichen 
See mit ungesunder Ausdünstung, Uiivri 'Ap- 
QovaCa, 'Axe^oveia^, 'Axs^ovais, bildet. Bursian 
Geopr. V. G r. 1, 27 u. in Paul y M. Enc.^ a . y . 
Das Unheimliche und Schaueriiche^dieser Ort- 



Ov. Met. 8, 577—611. Nach Apollod. 1, 7, 3 lo lichkeit erweckte den Glauben, dafs hier ein 



zeugte Acheloos mit Perimede, der Tochter des 
Aiolos und der Enarete, den Hippodamas und 
Orestes. Aufserdem hatte Acheloos eine Toch- 
ter Kallirrhoe, welche Gemahlin desAlkmaion 
wurde, Apollod. 3, 7. 5. Bei Clem. Bo. Eomil. 
5, 13 heifst die Mutter des Thessaliers Myr- 
midon Burymedusa Tochter des Acheloos (Flnfs 
in der Gegend von Lamia, im Reiche des Achil- 
Die Kunst hat den 



Zusammenhang mit der Unterwelt, der Be- 
hausung der Toten sei, und seit uralter Zeit 
bestand an dem grauenhaften Gewässer ein be- 
rühmtes Totenorakel, von dem man seit alter 
Zeit vermutete, dafs es dem Homer bei seinen 
Schilderungen der Totenbeschwörung im 10. 
Buche der Odyssee vor Augen geschwebt habe, 
Hmdot_bj9i,JL^ Pause n, 5 9, 30^. 
DieBeschaflenheit dieser OrtTichkeit gaFauch 



leus StTub 9 434). - 

Acheloos dargestellt teils als gehörnten Greis 20 Veranlassung, dafs man den Aeheron, der als 
(auf der oben erwähnten Münze von Metapont), Flufs des „Ach und Wehs" (a^os) angesehen 

ward, mit dem achernsischen See und mit seinem 
Nebenflufs Kokytos. dem Flusse des „Weinens 
und Klagens" (kcokvsiv), in die Unterwelt selbst 
verlegte. Da.s'Wovt'Aiiqtov obgleich ursprüng- 
lich wohl, wie auch 'Axsi-äog, von d% == aqua 
stammm^, wurde von den Alten gewöhnlich 
von"aJos abgeleitet, ö axrj Qsmv. Fragmente 
des_ Melajiippi des und Likymnios b ei_ibYöF. 



(auf 

teils als M«erdrachen mit menschlichem Kopfe 
und Armen und Stierhörnern {Gerhard Äuser- 
les. Vasen. 2. t. 115), teils, und am gewöhnlich- 
sten, als Stier mit menschlichem Gesicht und 
langem feuchtem Bart {Soph. Track. 13). Sein 
Kopf auf Münzen von Akarnanien, Oiniadä 
und Ambrakia {Sestini Med. del M. Fontana 
4, 9. 10, 12. Mionnet 2. p. 51 u. 78. Suppl. 



3. p. 365 u. 453. pl. 14)*). Häufig findet sich so EdT^sTX^XS^SsKI^S^^^S^^^kr^. 



sein Kampf mit Herakles; so schon am amy- 
kläischen Thron {Paus. 3, 18, 8), in einer Sta- 
tuengruppe des Dontas zu Olympia (Patts. 6, 
19, 9), in einem Gemälde bei Philostratos 
{tun. 4). Die erhaltenen Kunstwerke zusam- 
mengestellt von Welcker ad Phüostr. p. 600. 
MiÜler Ärch. §. 403, 2. Gerhard a. a. 0. S. 107. 
ürlichs Ann. d. Inst. 1839 p. 266 u. 1856 p. 104. 
Man sehe noch Zoega Bass. tav. 74. Braun 



___TzetgZJ-^'lSL. (Eme an(IreAbIeitung~und 
irEIafu^giebt zu Od, 10, 513 Autenrieth im 
hom^Wortm;b^__Sijs.: a-xi^mv, euhcta alripiens, 
deFübgrundTnicht der Flufs der Unterwelt). 
— Erst in nachhomerischer Zeit tritt Aeheron 
und der ihn aufnehmende acherusische See als 
ein Hauptgewässer der Unterwelt hervor, und 
zwar als eine Grenze und Umschliefsung der- 



Gr. Götterl. §. iS3. 638 — 640 und dazu die 40 selben , über "welche die Seelen jibersetzen 

Nachweisung der Kunstwerke b. Streber Bayr. " "^'^ 

Akad. 1838. p. 537 ff. Panofka Berl. Akad. 

1846 p. 280 ff. Unger Tlieb. Parad. 183. Preller 

Gr. Myth. 1, 29 f. 450. 2, 243. Gerhard Gr. 

3Iyth. 1. §. 542. Stark Niobe 412. [StoU.] 

Achemeuldes , Sohn des Adamastos von 
Ithaka, Gefährte des Odysseus, den dieser auf 
der Flucht vor den Kyklopen auf Sicilien zu- 

rückliefs. Später wurde er von Äneas auf- , ^_^^_^__^ — 

genommen- Vera. Aen. 3, 614 ff. Ovid. Met. m Naucl^. Bekker~Anecd7 p . US. _JJi£mr:_ib 
^A ißi T>^„f <> 9 9fi n lfi7 rRnacher.l lÖsTmimurvTTMTTM Yahlen. PlgMtTrm. 



müssen, um ins Totenreich zu gelangen, lljwn^ 
4J£,440. Ljüdim ^ de luctu §. 3. Verg. Aen_ Ui, 
295. Eine eigentümliche ^^orstellung vonden 
Hüssen der Unterwelt hat PZot^j^teäjsJlÜ 
Aeheron galt so sehr als das Hauptgewässer 
der Unterwelt, dafs das Wort bei Griechen und 
Römern häufig für die Tiefen der Unterwelt 
überhauijt, für Tod und alles Verpestete ge- 
braucht wurde, So ph. Ant. sm:_Eim^JJr^.3äa 



14, 161. Pont. 2. 2, 25 u. 167. [Koscher. 

Ag^rsJLCAxBQcavX 1) ein ^l^fs der Un^ 
weKr Jftjier Ilias wird Aeheron, aB solcher 
niSferWffint; dort ist die Styx der einzige 
Flufs der Unterwel^J^enso ist's^ei Hesiod. 
Tn dfirOdvsseJ-Sa|^gTlM13) äadgx^ll^ 
wo Odysseus in A'^^est^^^Oj^^^or^mT^s 
HaileV die Seelef des TewesiuS ^Srat, wKdals 
Flufs der Unterweir'geHaaB? Aeheron, in wel 



lÖ3j,J^wtimj£^J^27T^ Valilen. Pla ut. Tr itt. 

27^J^iry^aI3m.~l^^SZSsLM£t,AUJiä^ 

^^^|3iIs^IiQZ_Sai.--5^e£:_j2io»k_iO. In Ita- 
lien war er so sehr zuin SymboT für alle 
Ahnungen vmd Schrecken der Unterwelt ge- 
worden, dafs die Btrusker sogar einen Abschnitt 
der Bücher des Tages, der sich auf die See- 
len der Verstorbenen bezog, acheruntische Bü- 
cher nannten, Arnob. 2, 62. Serv. Verg. Aen^ 



chen^der Pyriphlegethon uniKokytoB, ein Aus- 60 i^^^Jimüer_^wS7J7 «7. tUärgCjj*Lm- 
- 9a...JU.,.'fS2a, j^ Epirus' im b urt der Athena" (in Jg/mg Jöfta^lTSräagJ, 



flufs der Styx, sictje^efgen. 
Lande" der Thesproten war ein Flufs Aeheron, 
der in seinem Oberlauf durch ein wildes Ge- 
birgsland, zwischen kahlen jähen Felsen in 
engen Schluchten wild dahinstürzend, hier und 

* Acheloos, auf Münzen von Akarnanien bärtig und 
bartlos, aber nie se&%geü,: Imltoof- Blumer in der Wiener 
Numism. Z/t. X (1878) p. 26 u.'lBl Anm, 135. [Schreiber.] 



führt den Gedanken aus , ' dals der 
wie Acheloos und Okeanos, Ursprung^ 
himmlischen Luftstrom bedeutet habei|;1,.„ - 
den die Seelen der Verstorbenen zum 03*i!|irer 
Bestimmung wanderten, der aber dann später 
als Totenstrom unter die Erde verlegt worden 
sei. — Aeheron wurde auch personiflciert; er 



11 



Achernsia 



Aehilleus b. Homer 



12 



heifst Sohn der Gaia, der Demeter, und soll 
in die Unterwelt versetzt worden sein , weil 
er den Titanen im Kampf gegen Zeus zu trin- 
ken gereicht habe, -^afaLCoTO^_3j_jL__Mit Or- 
phne (oder Gorgyra, A£Öl^^7^T^^^j_^3r~Natal. 
Cixm^^LJL) zeugte er den AskalSpEos, 'Üp.'Met. 

AnmTg. iy|gs«e|[S3rT7T56^ MSUeFTTor. 

sonst Tiomint der~FlulsÄcEeron sowie der 
acherusische See vor, besonders in Gegenden, 
deren Beschaffenheit auf eine Verbindung mit 
der Unterwelt schliefsen liefs. In Triphylien 
z. B. war ein Flufs Acheron, der von dem dem 
Hades geweihten Minthegebirge herabkam und 
in den Alpheios flofs, )§ira&^^_8;_344;_,gM^ai/i. 
Hom. 1667, 59. Im GebieF^des pöntischen He- 
raklSniiels ein Vorgebirge 'AxSQOvalg aiiga 



Miscellen 1868, 1. B. p. 68) führt er Myrmidonen, 
Hellenen und Achäer in 50 Schiffen nach Troja 
2, 681. 16, 168 von Patroklos und Phoinix be- 
gleitet , welcher dem Unerfahrenen von Peleuä" 
als Berater mitgegeben wurde 9, 438, und auf 
Gehpifs der Eltern gefolgt von Epeigeus 16, 
575, als Hauptheld der Achäer 1, 284 unter 
dem Schutze der Hera und Athene stehend 1, 
55. 1, 195. 9, 254. 16, 168. 18, 203. 19, 340 ff. 

139. 21, 284. 21, 
328.22,214. 22, 226. 22,276. Helfer sind ihm 
Zeus 16, 237 ff. 21, 272, Hephaistos 21, 342 u. Po- 
seidon 21 , 284 , sein Feind Apoll. Bei dem 
Portgange des Sohnes gelobt Peleus dem Sper- 
cheios das Haar desselben zu weihen, falls er 
glücklich zurückkehre, sowie eine Hekatombe 
und 50 Widder in seinem Temenos au seinem 
Altare bei den Quellen zu opfern. Achilles läfst 
sich daher das Haar wachsen, das er aber, da 



oder 'Jxe^ovaiag %B^q6vriaoq wegen einer in 20 die Götter den Bitten des Peleus kein Gehör 



der Nähe befindlichen, in die Unterwelt füh- 
renden Schlucht, und ein durch das Vorgebirg 
ins Meer mündender Flufs (Soonautes) soll 
früher den Namen Acheron gehabt haben, Xe- 
npiih^^An^ 5, 10, 2.* Ap. Bh. 2, 353^_728f. 745. 

gplIirge^Tfe^^g'^^ ?'^"^^-" ^- ^.i3SZ3^- 
Tzeiz. L. RiJ^. Dort war auch ein Toten- 

oraEen~ P7tri. Cim'd. de ^&exa num. vind. 10. Zu 

Hermione m Argolis hatteclen ~^a,m.en' 'Jxs- 



schenken, dem toten Patroklos weiht 23, 140 ff. 
Ferner verspricht Achilles am Tage des Aus- 
zuges dem Menoitios, ihm den Sohn nebst seinem 
Anteile an der Beute unversehrt nach Opus 
zurückzuführen 18, 324 — 327. Seine Mutter 
hatte ihm als Geschick entweder ewigen Ruhm 
bei frühem Tode oder langes, aber ruhmloses 
Leben geweissagt 9, 410. Seh. II. 16, 37, und 
verkündet, er werde Troja nicht einnehmen 18, 



qovaia U\ivrj ein ringsummauerter Kaum hin- sc 440. 17, 408. 18, 8. 18, 59, sondern durch Apolls 



ter dem Heiligtum der Chthonia in der Nähe 
eines Eingangs in die Unterwelt, Paus. \ 35, 
JL-, Auch bei Cumä in Campanien war ein 
acherusischer See und ein Niedergang zum 
Hades, SetofeiAJiS— Ej<£Mk-.g2ffi,_lMI,_aß. 
Vera. Aen, 6 , 268 ff. ._i?ewtg_^ew. 6. Exe. 2. — 
2) Andronjv._JI^Jo^_^chM^_^i^ß^_^L_2^ 
sagt, äaTs .Acheron emTSnig in der Gegend 
des pont. Heraklea gewesen, dessen Tochter 



Geschosse daselbst sterben 21, 276. 19, 415. 
22, 359. 23, 80. Im Schiffslager der Achäer hat 
er den äufsersten rechten Flügel inne 8, 222. 
11, 8, wo ihm seine Myrmidonen ein Haus aus 
Fichtenstämmen gezimmert haben, dessen Dach 
aus. Schilf besteht. Es liegt in der Mitte eines 
von einem Zaune umgebenen Hofes. Das Thor 
ist durch einen einzigen Balken geschlossen, 
den nur 3 Achäer bewegen können, während 



Dardanis mit Herakles den Poimen zeugte, to Achill es allein vermag 24, 448. Das Haus 



Nach dem Tode der Dardanis und des Poimen 
seien in dieser Gegend Dardanis und Poimen 
(Berg?) nach ihnen genannt worden. [Stoll.] 

Acherusia (-ias, -is) s. Acheron. 

£cSS[enß^Axillsvs, 'Axdsvg^mgtajt. Achilles). 

I. Homerische Sagen. 

Die homerische Sage berichtet hauptsäch- 
lich nur von den Thaten des Achilles vor Troja 



birgt eine schöne Truhe, gefüllt mit Leibröcken, 
Decken und Mänteln, welche ihm Thetis mitge- 
geben 16, 222. Seine Rüstung ist ein Geschenk, 
welches die Götter dem Peleus bei seiner 
Hochzeit machten 17, 194 ff. Er leiht sie dem 
Patroklos 16, 64. 16, 131—139. Sein Speer aus 
Eschenholz vom Pelion, ein Geschenk des Ghei- 
ron, ist so schwer, dafs nur er ihn schwingen 
kann 16, 139 — 145. Die Rüstung raubt dem 
und giebt über die vor- und naohliegende Zeit 50 gefallenen Patroklos Hektor 17, 125 und trägt 



nur kurze Andeutungen. Sohn des Peleus, 
Königs im thessalischen Phthia IL 20, 206 und 
der Nereide Thetis 1, 280. 4, 512. 1, 358. 18, 
52, Enkel des Aiakos und so von Zeus abstam- 
mend 21, 187—189, nrjXiiSrjg, n-qXrjiäSriq, Hrj- 
XsLoav, AiaKiSrjg, wurde er von seiner Mutter 
im väterlichen Hause erzogen 18, 436 — 438, 
als einziger Sohn 24, 540, und als zartes Kind 
von Phoinix in der Rede- u. Kriegskunst un 



sie 17, 194. Achilles nimmt sie ihm wieder 
ab 22, 368. Die zweite Rüstung ist Werk und 
Geschenk des Hephaistos. Beschreibung des 
Schildes 18, 478 — 608; Erwähnung der übrigen 
Rüstungsstücke 18,610 — 613. Sein Busenfreund 
ist Patroklos, ihm zunächst steht Antilochos 
23, 556. 607, sein Wagenlenker ist Automedon. 
Die Namen der Rosse seines Leibgespannes 
sind Xanthos und Balios, 8, 185; das Nebenge- 



terrichtet 9, 441. Nur von ihm nahm der Knabe eo spann heifst Pedasos 16, 152. Sein Sohn Neo- 



Speise und Trank 9, 385. Cheiron lehrte ihn 
die Heilkunde 11, 831, die er wiederum dem 
Patroklos, dem mit ihm zugleich erzogenen 
Sohne des Menoitios, mitteilt 23, 84— 90. Spä- 
tere Erziehung durch Thetis im väterlichen 
Hause 18, 57. 438. Von Nestor, Odysseus und 
Patroklos in Phthia persönlich zum Kriege auf- 
gefordert 11, 765—784. 7, 127 {Brunn troische 



ptolemos wird während seiner Abwesenheit 
auf Skyros erzogen 19, 325. 24, 467. Blonden 
Haupthaares 1, 197. 23, 141, mit Augen, wel- 
che im Zorne furchtbar funkeln 1, 200, und mit 
gewaltiger Stimme begabt 18, 221 ist er der 
schönste aller vor Troja liegenden Achäer 2, 
673, sowie der schnellfüfsigste 23, 792 (wie 
denn die seine Schnelligkeit betreffenden Epi- 



13 



Acliilleus b. Homer 



Achilleus b. Homer 



14 



theta die häufigsten sind noSocs miivs, moSäiirig,, 
itoSagurig, taxvs) und stärkste und tapferste 7, 
228, ist jiiytc näeiv %QV.oq 'Axaiotaiv — nols^oio 
«axoto 1, 284. An Kampfeslust derti Kriegs- 
gotte gleicli (icog 'EwaXCm 22, 132, ßg^tos 16, 
leedurchbriclit er (e7j|?jr(ae 7, 228) löwenmutig 
[^vpiioUav 7, 228) die Reihen der Feinde, alles 
vor sicli herscheucliend und vernichtend und 
selbst den Kampf mit Göttern nicht scheuend 



solchen, die über ihm stehen, leistet. Nicht 
verachtet er die Hilfe der Götter; im Kampfe 
mit Skamandros ruft er den Zeus um Hilfe 
an 21, 273; dem Befehle der Götter folgt 
er auf der Stelle 1, 216. 24, 239. 1, 345. Ab- 
gesehen von den schon angeführten Epithetis 
werden ihm folgende beigelegt: ka&Xog, äftv- 
fimv, cpaiStnos, (leyä&vjios, Satq>Q(ov, oßQifiog, 
TiQcctsqög, 7tsl(ÖQi,og, KXvrög, Sov^C-ulvzog, ayccvog, 



(21, 265), denn Todesfurcht kennt er moht, w »ecog, &£oeUslog,äioy£vi^g, Si:og,Suipilog,oloog. 
da ihm der Ruhm das Höchste ist (19, 240. ntoUnoQ»og, xotöiisvog. 



20, 503. 9, 413). Als echtes Naturkind kennt 
er in Hafs und Liebe keine Grenzen. Furcht- 
bar sind die Ausbrüche seiner Wut und seines 
rasch auflodernden Zornes. Auf seinem Rechte 
bestehend vergiebt er dem, der ihn verletzt, 
nicht eher, als bis ihm volle Genugthuung ge- 
worden. Ist doch die ganze Ilias eine Verherr- 
lichung des Zorns des Achilles und seiner Fol- 



Vor Troja liegend zerstört er auf verheerenden 
Raubzügen 11 Städte im Gebiete .Trojas zu 
Lande und 12 zur See 9, 328. Er erobert und 
zerstört das kilikische Theben, tötet den König 
Eetion, verbrennt ihn in seiner Rüstung und 
schüttet ihm ein Grabmal auf; dessen 7 Söhne 
erschlägt er und führt die Königin als Ge- 
fangene fort, löst sie aber später aus 6, 414 ff. 



gen. Der Hafs gegen Agamemnon, durch 20 1, 366. Zur theban. Beute gehört das Neben- 
die eigenmächtige Hin wegführung der Briseis 
hervorgerufen , kann nur durch einen noch 
weit stärkeren Hafs in den Hintergrund ge- 
drängt werden, durch den Hafs gegen den 
Hektor, der ihm den geliebten Gefährten ge- 
tötet. (9, 307 Antwort des Achilles auf die 
Bitte des Odysseus und Aias ; er weigert sich, 
am Kampfe teilzunehmen; selbst dem sterben- 
den und toten Hektor gegenüber kennt er kein 
Mitleid 22, 345; die im Skamander gefangenen 30 
12 trojanischen Jünglinge schlachtet er am 
Scheiterhaufen des Patroklos mit eigner Hand 
23, 175.) .Ebenso stark aber ist er in der Liebe 
zum Freunde (18, 22 ff. 18, 81. Trauer um den 
Tod des Patroklos; nach dessen Tode überträgt 
er seine Liebe auf Antilochos 23, 556. 23, "606), 
zur Briseis 9, 343, zu Vater 24, 507 und Mutter, 
welcher er alle seine Schmerzen anvertraut, 
bei der er in Nöten stets Hilfe sucht 1, 365. 
18, 79, trotz des starken Selbstbewufstseins, das 40 
ihn beseelt 9, 352. Feind alles versteckten 
Wesens 9, 324 liebt er rasches Handeln ; langes 
Erwägen ist nicht seine Sache ; Bezeichnungen, 
welche seine Klugheit oder Weisheit preisen, 
fehlen. Nachdem sein Zorn verraucht, ist er 
rasch versöhnlich gestimmt, und weiche, milde 
Gefühle bemächtigen sich seiner (19, 56 ff. 
Aussöhnung mit Agamemnon; 24, 518 mit 
Priamos), wie denn überhaupt eine gewisse 
Weichheit ein Grundzug seines Charakters 50 
ist. Fremdes und eignes Leid ruft rasch bei 
ihln Thränen hervor 1, 349. 24, 507. Schwer 
empfindet er es, dafs ihm durch das rauhe 
Eingreifen des Schicksals der Genufs stil- 
len, friedlichen Pamilienglücks in der trauten 
Heimat versagt ist 9, 397. Die langen Tage, 
welche er dem Kampfe fern im Kreise seiner 
Lieben am Gestade des Meeres zubringt, ver- 
kürzt er sieh durch Spiel auf der Phorminx 




Achilleus (auf einer panathenäischen Amphora), 

gespann Pedasos 16, 152. Die Briseis (die 
spätere Hippodameia {Schal, ad IL 1, 392. 
Schal. Venet. in II. 1, 392. Eustath. z. Sani. II. 
1 184. Teetz. Born. v. 350. Hesych. v. 'Inno- 
Säjisia) erbeutet er nebst andern Frauen auf 
dem siegreichen Zuge gegen Lyrnessos 2, 690. 
20, 193. Das trauliche Zusammenleben des 
AchiUes und der Briseis auf Vasen bei Over- 



^^^„ ^x „,^.. ..— ~ — - öecit Gallerie heraischer Bildw. p. 386 f. Brunn 

und^Gesang^, Iseff. Gastfrei und freigebig 60 «roiscfee Mise. 1868. B. 1. p. 61 ff. Die Dio- 
empfängt er alle ihn Besuchenden 9, 197; selbst mede nimmt er mit andern Weibern bei der 



der bittflehende Feind findet gastliche Auf- 
nahme, nachdem derGroU vergessen 24, 621 ff. 
und den von Agamemnon entsandten Herolden, 
um die Briseis zu holen, läfst er das Unrecht 
ihres Gebieters nicht entgelten 1 , 335. Der 
' Pietät, welche er seinen Eltern gegenüber er- 
weist, entspricht der Gehorsam, welchen er 



Einnahme von Lesbos gefangen 9, 664. 129, 
271. Femer gehören zu seinen Sklavinnen Iphis 
aus Skyros in Phrygien (von Späteren mit der 
Insel verwechselt, vgl. den Schal, z. d. Stelle) 
9, 668, Hekamede aus Tenedos 11 , 624. Auf 
dem Zuge gegen Lyrnessos und Thebe tötet 
er die Söhne des Euenos 2, 689, den Gemahl, 



15 Achilleus b. Homer ' Achilleug b. Homer 16 

die Mutter und 3 Brüder der Briseis und zerstört an ^ihm, Achill, verloren hätten. , Auf die Ge- 
die Stadt des Mynes 19, 296. 2, 692. Mit Pa- genreden des Nestor und Agamemnon erklärt 
troklos zusammen erbeutet er troische Frauen er sich bereit, das Mädchen auszuliefern, ohne 
18, 28. 341.. Den Aineias verjagt er durch einen dafür Kache zu nehmen. Schlufs der Versamm- 
Angriff auf seine Herden vom*Ida auf dem lung — 307 (zum Streite zwischen Agamem- 
Zuge gegen Lymessos und Pedasos 20, 90. 188 ff. non und Achill vgl. Gerhard gr. Myfh. ^kh). 
ffegt den jugendlichen Sohn des Priamos Ly- BildlicheDarstellungen siehe bei Ot;«-6ecÄ;(ya??e- 
kaon auf einem Felde des Vaters und verkauft rie heroischer Bildwerke p. 382 ff). Nun /zieht 
ihn nach Lemnos an Buneos 21, 34 ff., in glei- er sich,v entschlossen fernerhin am Kimpfe 
eher Weise Isos undAntiphos, Söhne des Pria- lo nicht mehr teilzunehmen, in sein Lager zurück, 
mos auf dem Ida, läfst sie aber gegen Löse- den von Agamemnon gesandten Herolden fiber- 
geld frei 11, 104. Weitere mit Namen nicht ge- giebt er die Briseis, ruft sie aber als Zeugen 
nannte Söhne des Priamos nimmt er im Laufe der Grewaltthat an ■ vgl. Overheck a. a. 0. p. 387 ff. 
des Krieges gefangen und verkauft sie nach Am Meere sitzend klagt er der Mutter sein 
Samos, Imbros und Lemnos 24, 752. 9 Jahre Leid; sie steigt aus dem Meere auf, er erzählt 
wagen die Trojaner aus Angst vor Achilles ihr den Vorgang und bittet sie, den Zeus zu 
nicht, sich in eine Feldschlacht einzulassen, bewegen, von jetzt an den Troern den Sieg zu 
sondern halten sich innerhalb der Mauern 5, verleihen und die Achäer bis zu den Schiffen 
790; selbst Hektor wagt sich nur bis zum skäi- zurückdrängen zu lassen, damit sie und ihr 
sehen Thor und zur Buche 9, 353 f. Dort aber 20 König inne würden, was dieser verbrochen, als 
hält er dem Achilles einmal Stand, flieht jedoch er den besten der Achäer entehrte — 412. 
bei seinem Angriffe 9, 355. Hingegen erzählt Thetis verspricht Erfüllung seines Wunsches 
Agamemnon 7, 112, um den Menelaos vom und heifst um sich vom Kampfe fem zu hal- 
Zweikampfe mit Hektor abzuschrecken, selbst ten, bis sie vom Zeus Nachricht bringe, der seit 
Achill habe sich gescheut, dem Hektor in der gestern bei den Äthiopen weile und erst nach 
männermordenden Feldschlacht entgegen zu- 12 Tagen • zurückkehre. Nun bleibt Achill, 
treten. Dies die Vorgeschichte der Ilias, wie während seine Myrmidonen sich in Kampf- 
sie in ihr selbst, soweit sie den Achill angeht, spielen üben 2, 774, unentwegt in seinem Lager, 
enthalten ist. heftig zürnend und von Kampfbegierde ver- 
Im 10. Jahre des Krieges aber (Beginn 30 zehrt; vergeblich sucht er durch Gesang und 
des Ilias) beruft Achill auf Eingabe der Hera die Töne der Phorminx die Unruhe seiner 
eine Versammlung der Achäer, nachdem Apollo, Seele zu beschwichtigen 1, 488 ff. 9, 186. In- 
erzürnt, dafs Agamemnon seinem Priester Chry- zwischen bewilligt Zeus der Thetis den Wunsch 
ses die geraubte Tochter Chryseis vorenthält, des Sohnes : die folgenden Kämpfe bringen den 
9 Tage lang das Lager der Achäer mit seinen Aohäern Verderben, denn der Sieg ist stetig auf 
todbringenden Pfeilen heimgesucht, um durch Seite der Troer. Deshalb werden Aias der Tela- 
einen Seher zu erforschen, was der Grund des monier und Odysseus nebst Phoinix und 2 Herol- 
göttlichen Zornes sei 1, 8—67. Kalchas nennt den zu Achill gesandt, um ihn zu versöhnen ; 
denselben, nachdem ihm Achill Schutz vor Agamemnon verspricht nicht nur Herausgabe 
Agamemnon versprochen —100. Agamemnon 40 der Briseis, sondern auch aus der trojanischen 
willigt ungern in die Herausgabe des Mädchens, Beute Gold und Erz in Menge, und 20 der 
fordert aber als Ersatz ein Ehrengeschenk vom schönsten trojanischen Weiber, endlich bietet er 
Volke. Auf die Erwiderung des Achill, alle ihm eine seiner 3 Töchter Chrysothemis, Iphia- 
bisher gemachte Beute sei geteilt; er möge nassa und Laodike mit reichlicher Mitgift (7 
sich mit seiner Forderung bis zur Einnahme reichen Städten der Peloponnes) zur Gemahlin 
Trojasgedulden,antwortetermitBeleidigungen, an. Achill nimmt die Gesandten freundlich auf 
indem er ihm betrüglichen und eigennützigen rmd bewirtet sie gastlich, weist aber ihr An- 
Sinn zum Vorwurf macht und ihn zu unge- sinnen unter heftigen Ausfällen gegen den Heer- 
bührlichem Dienste bei der Wegführung der könig trotz des Zuredens des Phoinix zurück: 
Chryseis auffordert — 147. Hierob ergrimmt 50 nicht eher werde er am Kampfe teilnehmen, 
entgegnet Achill, Agamemnon sei sein Herr als bis Hektor die Schiffe der Achäer in Brand 
nicht; sein ganzer Ruhm bestehe in der Hab- gesteckt; von seinem Lager werde er die Feidde 
gier, mit welcher er von der Beute, die er, schon fernzuhalten wissen; zum Schlüsse droht 
Achill, auf den Kriegszügen gewöhnlich erwor- er wiederum mit baldiger Heimkehr. Unver- 
ben, den Löwenanteil für sich verlange. Um richteter Sache kehren die Gesandten zurück ; 
aber weiteren Ehrenkränkungen zu entgehen, Phoinix bleibt bei Achill, der alsdann mit der 
werde er sogleich mit seinen Schiflfen nach Diomede im Innern des Hauses der Ruhe 
Phthia zurückkehren. Ms, nun Agamemnon pflegt 9, 668, vgl. Overheck a. a. 0. p. 408 ff 
ihn mit germgsohätzigen Worten gehen heifst G. Bobert, Gesandtschaft an Achill. Arch. 
und ihm seine Sklavin Briseis zu entreifsen eo Zeit. 39 p. 138 ff. Am Tage darauf- ver- 
droht, greift Achill ans Schwert, um Agamem- folgt Achill auf dem Verdecke seines Schiffes 
non zu durchbohren: da hält ihn Athene, von stehend den Verlauf des furchtbaren Kampfes, 
Hera gesandt und nur ihm sichtbar, zurück, der sich bei dem Schiffslager der Achäer ent- 
befiehlt ihm nachzugeben und verheifst drei- spinnt, und in welchem die tapfersten griech. 
fachen Ersatz. Er gehorcht, ergiefst sich aber Helden verwundet werden, so dafs das Ver- 
m furchtbaren Schmähungen gegen den Aga- derben sich immer mehr auch seinem eignen 
memnon: bald würden die Achäer einsehen, Lager naht. Als er nun auch den Nestor einen- 
was sie für einen König hätten, und was sie Verwundeten aus dem Kampfe zurückführen 



17 Achilleus b. Homer Achilleus b. Homer 18 

sieht, befiehlt er dem Patroklos, sich bei Nestor Freude, als neue zornige Rachgier. Nachdem 
nach dem von ihm nicht erkannten Verwun- er Thetis noch gebeten, den Leichnam des Pa- 
deten zu erkundigen. Dieser folgt der Weisung, troklos vor Verwesung zu wahren, eilt er ins 
und durch die Erzählung des Nestor von dem Schiffslager , beruft eine Versammlung der 
Elend der Achäer auf das tiefste erschüttert Achäer, welche von allen, selbst von den Ver- 
bittet er zurückgekehrt Achill mit ergreifen- wundeten besucht wird, und fordert den Aga- 
den Worten, ihm zu gestatten, in des Achill memnon auf, des alten Grolls zu vergessen 
Eüstung die Myrmidonen zum Kampfe zu füh- und Friede mit ihm zu machen, dann aber so- 
ren. Inzwischen ist das Schiffslager schon g«- gleich den Kampf wieder aufzunshmen. Aga- 
fährdet: Hektor hat die Achäer in die Schiffe lo memnon geht freudig darauf ein, bittet um 
zurückgeworfen, und nur Aias der Telamonier Verzeihung und bietet unendliche Sühne 19, 
hält noch Stand und wehrt den Brand von den 138. Davon will aber Achill in edlem Eifer 
Schiffen ab. Da gestattet Achill dem Freunde nichts wissen, sondern drängt zum Kampfe, 
die Teilnahme am Kampfe in seiner Rüstung, Auf die Gegenrede -des bedächtigen Odysseus, 
befiehlt ihm aber sich mit der Vertreibung der welcher sofortige Annahme der Bufse anrät und 
Trojaner aus dem Schiffslager zu begnügen das Heer vor dem Kampfe durch Speise und 
und von weiterer Verfolgung abzustehen — 16, Trank gestärkt wissen will, erwidert er, er 
101. Als nun aber nach Überwältigung des für seine Person bedürfe dessen nicht: n\cht 
Aias sogar die lichte Lohe aus den Schiffen eher würde er Speise und Trank berühren, als 
hervorschlägt, befiehlt er Patroklos sich schnell 20 bis er den Genossen gerächt. Allein Odysseus' 
zu wappnen, läfst die Myrmidonen sich rüsten, Vorschlag findet Beifall, BriseiS wird herbei- 
ordnet ihre Reihe und feuert sie persönlich geführt, und die Sühngeschenke herzugebraeht. 
zur Tapferkeit an. Dann aber bringt er in Overbeck a. a. 0. p. 447 f. Nunmehr befiehlt 
seinem Hause dem Zeus zu Dodona ein Opfer Achill, die Schuld der Verblendung des Aga- 
dar, seinen Mannen Sieg und seinem Freunde memnon auf Zeus zurückführend, den Achäem, 
glückliche Heimkehr erflehend — 16, 239. die Mahlzeit einzunehmen und dann sich zur 

Die Myrmidonen retten unter Patroklos' Schlacht zu rüsten 19, 275. Briseis und die , 
Führung das Lager, dieser aber fällt, der Wei- Sühngeschenke werden in Achills Schiffshaus 
sung des Achill uneingedenk, in weitere Kämpfe gebracht, welchen die Anführer der Achäer 
sich einlassend von Euphorbos' und Hektors 30 vergeblich anflehen, Speise und Trank zu ge- 
Hand, der ihn der Rüstung beraubt. Während niefsen. Nach Entfernung der meisten bleiben 
der Kampf um den Leichnam tobt, bringt An- Agamemnon, Menelaos, Odysseus, Nestor, Ido- 
tilochos dem Achill die Kunde vom Tode des meneus und Phoinix bei dem Trauernden zurück, 
Patroklos 18, 18; vgl. Overbeck a. a. 0. p. 428 f. um ihm die schlaflose Nacht durch Gespräche 
unsäglicher Schmerz bemächtigt sich des Hei- zu kürzen; er aber ergeht sich in rührenden 
den. Die lauten Ausbrüche seines Schmerzes Klagen um den Heimgegangenen, der ihm mehr 
hören nicht nur die herbeieilenden Sklavinnen, gewesen, als der eigne Vater, als der eigne 
sondern auch Thetis, welche sofort erscheint Sohn, dem einst nach seinem, des Achilles', 
und ihm, als sie den Verlust des Freundes nicht mehr fernen Tode der Gestorbene hätte 
und der Rüstung vernommen, verspricht, bis 40 Vater sein sollen. Zeus aber sendet Athene, 
zum folgenden Morgen neue Waffen, von He- die ihm zur Stärkung für den bevorstehenden 
phaistos verfertigt, zu schaffen. Denn obgleich Kampf Nektar und Ambrosia einflöfst — 19, 
ihn die Mutter an den nahen Tod erinnert, ist 352. Am Morgen erscheint er in der neuen 
Rache für den Freund, Rache an Hektor sein Rüstung auf dem Kampfwagen, welchen Auto- 
einziger Gedanke. Thetis eilt fort: da erscheint medon führt, unter den kampfbereiten Achäern; 
Iris , von Hera heimlich entsandt mit der Er- mit grauenvollem Rufe feuert er sein Gespann 
mahnung , den Leichnam des Patroklos zu Xanthos und Balios an, nicht möchten sie ihn, 
schützen; als er wegen mangelnder Rüstung wie den vorigen Führer Patroklos, tot im Ge- 
in Verlegenheit ist, heifst sie ihn unbewaffnet filde zurück lassen. Da antwortet Xanthos, 
in den Kampf gehen: sein blofser Anblick 50 dem für diesen Augenblick Sprache und Gabe 
werde die Feinde fliehen machen. So schreitet der Weissagung von Hera verliehen, diesmal 
er unbewaffnet, doch von Athene mit feurigem würden sie ihn lebend aus dem Kampfe zu- 
Glanze umstrahlt, das Haupt in Gewölk gehüllt, rückbringen, allein der Tag des Tode sei nahe, 
zum Graben vor, mit furchtbarer Stimme drei- Trotzdem eilt Achill zum Kampfe — 19, 420, 
mal die Trojaner anrufend. Entsetzt fliehen die bemüht 'unter den durch sein Erscheinen er- 
Feinde, Patroklos' Leichnam wird gerettet und schreckten und zur Flucht gewendeten Troern 
ins Lager zurückgebracht. Die ganze Nacht auf den Hektor zu stofsen. Da feuert ApoUon 
hindurch dauert die Totenklage, von neuem den Aineias zum Streite gegen ihn an. Mit höh- 
verspricht Achill dem Freunde furchtbare Rache nenden Worten empfängt ihn Achill; Aineias' 
an Hektor und ganz Troja — 18, 340. Achü- 60 Lanze prallt machtlos am Schild des Peliden 
les' Klage um Patroklos dargestellt auf der ab, dessen Speer hingegen des Aineias Schild 
Tabula Iliaca. Overbeck a. a. O. p. 432. Früh durchbohrt und zerschmettert. Dieser hebt 
am Morgen überbringt 19, 6 Thetis dem Sohne gegen den mit dem Schwerte auf ihn anstür- 
die neue Rüstung, insbesonders einen höchst menden Achill einen gewaltigen Feldstein auf: 
kunstreich gearbeiteten Schild (18, 369—615) da wendet mit Beistimmung der G*ifcer Po- 
Overbeck a. a. 0. p. 442 ff.; schon der Anblick seidon von beiden die Gefahr ab, indem er 
der Waffen verbreitet unter den Myrmidonen Achills Lanze aus dem Schilde des Aineias zieht 
Furcht und Schrecken, bei Achill aber sowohl und jenem vor die Füfso legt und ihn mit 



19 Achilleus b. Homer Achilleus \ Bpruev 20 

Dunkel umhüllt, -während er den Aineias auf- nach seiner Mutter Aussage ihm bestimmt sei, 
hebt und ihn weithin über' die Reihen der im ehrlichen Kampfe vor Trojas Mauern zu 
Tioer zurück aus dem Bereiche der Waffen fallen und nicht wie ein Sauhirt in den Fluten 
des Achill an die Grenze des Kampfgewühles des Giefsbaches umzukommen. Da nahen sich 
schleudert. Dann nimmt er das Dunkel von ihm in menschlicher Gestalt Athene und Po- 
Aohill weg, der nunmehr die Achäervon neuem seidon UHd sprechen ihm Mut ein: von frischer 
gegen die Troer vorführt, welche andererseits Kraft erfüllt dringt er nunmehr von neuem 
von Hektor zum Kampfe gegen den Peliden auf den Stromgott ein. Der aber ruft den Si- 
angefeuert werden — 20, 364. Aber auf Zu- moeis zu Hufe: ein furchtbares Ringen ent- 
reden des Apoll, der ihn vor Achill warnt, lo steht. Und wiederum sind es schützende Gott- 
weicht Hektor aus dem Getümmel; Achill hin- heiten, die vom Peliden das Verderben ab- 
gegen wütet in den Reihen der Troer. Von wenden; auf Bitten der angsterfüllten Hera 
seiner Hand fallen Iphition, Demoleon, Hippo- entzündet Hephaistos die Uferbäume des Ska- 
damas, Polydoros, der Sohn des Priambs. Als mander, und durch die so erzengte Hitze wird 
Hektor aber den Bruder fallen sieht , kann er das Gefilde getrocknet und die Leichname ver- 
sieh nicht länger halten, er stürmt auf Achill brannt, ja der Strom selbst gerät in Brand, 
los und schleudert den Speer. Allein Athene so dafs der Flufsgott sich bittend an Hera 
schwächt die Eiaft des Wurfes, sodafs der wendet, dem Sohne zu gebieten, seiner zu 
Speer machtlos zu den FüTsen des Achill nieder- schonen. Dies geschieht, und der Strom kehrt 
sinkt. Hektor selbst aber wird von Apoll in 20 in sein Bett zurück, ohne am. Kampfe weiter 
dichten NebergehüUt, und dreimal sticht Achill teilzunehmen — 21,382. Achill aberstürmt 
vergebens nach ihm. Da wendet sich der Pe- weiter , vor sich her die Troer der Stadt za- 
lide gegen andere Feinde; während er vorwärts treibend. Agenor, von Apollo mit Mut beseelt, 
stürmt, fallen von seiner Hand Dryops, Phi- sucht noch einmal den Peliden aufzuhalten, 
letor, Demuchos, Laogonos, Dardanos, Tros, allein seinfe' Lanze prallt machtlos an der gött- 
Mulios, Echeklös, Deukalion, Rhigmos und liehen Rüstung ab. Apollo entrückt in Nebel 
Areithoos. Da gelangen seine Rosse an die seinen Schützling der Rache des Achill und 
Furt des Xanthos (Skamander) 21, -1, in den lockt diesen in Gestalt des Agenor vor ihm 
sich ein Teil der Troer gestürzt hatte, um dem her fliehend in ein entlegenes Feld in der Nähe 
furchtbaren Feinde zu entgehen. Aber Achilles so des Skamander, um ihn von der Verfolgung 
folgt ihnen ; cfr. Overbeek a. a. 0. p. 448 ; 12 der nach der Stadt fliehenden Troer abzulenken. 
Jünglinge ergreift er lebendig, bringt sie aus So gelingt es diesen, die Thore zu erreichen 
Ufer, bindet sie und giebt sie den Seiuen, die — 21 , 605. Inzwischen hat Apollo sich dem 
sie zu den Schifi'en führen, um später die Achill zu erkennen gegeben; dieser stürmt nnn- 
Totenfeier des Patroklos mit ihrem Blute zu mehr direkt auf das Thor los, wo Hektor allein 
verherrlichen. Dann stürzt er sich wiederum von allen Troern vor den Mauern der Stadt 
in den Flufs und stöfst auf den Lykaon, des bleibend trotz der Bitten des Vaters dem ihn 
Priamos Sohn, den er schon früher einmal ge- suchenden Peliden entgegengeht. Doch bei 
fangen und in die Fremde verkauft hatte. seinem Nahen ergreift er die Flucht, Achill 
Dieser umfafst die Kniee des Achill, der er- 40 folgt ihm und jagt ihn drei Mal um die Mauer, 
staunt ist, ihn hier wieder zu finden, und bittet der vom Apollo beschützt vergeblich die ret- 
um Schonung. Allein AchiU, des eignen ihm tende Stadt und das dardanische Thor zu er- 
nahen Todes gedenkend, stöfst ihm das Schwert reichen sucht, denn stets schneidet ihm Achill 
in die Kehle — 21, 121. Da er diese That den Weg ab und treibt ihn von der Stadt weg 
mit Worten begleitet, welche der Macht des ii^s Freie, gestattet aber den Achäem nicht, 
Skamander Hohn sprechen , so gerät der auf ihn zu schiefsen, sondern behält sich selbst 
Stromgott in Grimm und erwägt, wie er dem die Ehre des Sieges vor. Bei dem vierten 
Morden ein Ende machen könne. Als nun Umlauf läfst Zeus die Sohicksalswage über das 
Achill nach Besiegung des Asteropaios noch- Los der Beiden entscheiden: da neigt sich 
mals den Gott höhnt, dafs er nicht imstande so Hektors Schale dem Hades zu, und sofort ver- 
sei, den Troern Hilfe zu leisten, .läfst dieser läfst ihn Apoll. Athene aber tritt zu Achilles, 
warnend seine Stimme ertönen, von weiterem heifst ihn vom Kampfe ausruhen und verspricht 
Blutvergiefsen abratend. Allein Achill giebt ihm baldigen Sieg — 22, 214. Dann aber for- 
trotzige Antwort: da läfst Skamandros, von dert sie in Gestalt des Deiphobos den Hektor 
Apollo angefeuert, seine gewaltigen Wogen im Namen seiner Eltern auf, dem Achill Stand 
von allen Seiten auf den Peliden eindringen, zu halten und dem Kampfe ein Ende zu ma- 
die ihm den Schild vom Arme schlagen, so chen. Der so getäuschte Held stellt sich nun- 
dafs er den festen Standpunkt verliert — 21 mehr, auf des Bruders Hilfe bauend, dem Geg:ner, 
241. Seine Lanze hatte er vorher auf dem erbietet sich aber, falls er siege, die Leiche 
Ufer zurückgelassen. Vergebens fafst er eine 60 des Achill den Achäem zurückzugeben, das- 
am Flufsrande stehende Ulme, aber samt dem selbe verlangt er für .sich, falls Achill ihn töte. 
ihre Wurzeln umgebenden Erdreich stürzt sie Dieser aber weist jeden Vertrag zurück, und 
in die Wogen. Doch gelingt es ihm, sich auf derKampf beginnt; demSpeeredesAchill weicht 
das Gestade zu schwingen. Der Siiom aber Hektor behend aus, Athene bringt ihn unbe- 
folgt ihm, erreicht den vor ihm Fliehenden merkt dem Achill zurück. Aber auch Hektors 
mit seinen Gewässern und droht ihn zu ver- Lanze vermag nicht, den Schild des Gegners 
nichten, so dafs der Held im Gebet bei Zeus zu durchbohren. Vergebens Behauter sich nach 
Schutz und Hilfe erfleht, daran erinnernd, dafs Deiphobos um, endlich den Trug der Athene 



21 Achilleus b. Homer Achilleus b. Homer 22 

erkennend. Dazieht er das Schwert und dringt 484 ff. Bald aber wird er wieder von den 
auf Achill ein; der aber stöfst ihm den Speer Fürsten der Achäer geweckt; nun wird auf 
zwischen Achsel und Hals, so dafs er am Ge- seinen Befehl die Glut mit Wein gelöscht, die 
nick wieder herausdringt und Hektor zu Boden Gebeine des Patroklos werden gesammelt und 
stürzt. Nochmals fleht Hektor mit dem Tode in Fettstücke eingehüllt in eine goldene Urne 
ringend den Gegner an, seinen Leichnam zu gelegt; über dem zusammengesunkenen Schei- 
schonen und ihn unversehrt nach Troja zu terhaufen wird das Grabmal aufgeschüttet, 
schicken, aber AchUl bleibt unbewegt, und so Dann läfst er das Volk in weitem Kreise sich 
stirbt Hektor, den Peliden an sein nahes Ende niedersetzen , die Kamp^reise herbeibringen 
mahnend: am skäischen Thore werde er durch lo und die Leichenspiele beginnen. Das Wagen- 
Paris' und Apollos Hände fallen — 22 , 360. rennen, an dem sich 5 Achäer beteiligen, macht 
OverbecJc a.. &. 0. Tp.iiSS. Nun entkleidet Achill den Anfang. Achill stellt das Zeichen und 
den Gefallenen seiner Waffen, und nachdem er bestellt den Phoinix als Kampfrichter. Wäh- 
die ihn umstehenden und des Hektor herr- rend des Bennens schlichtet er einen zwischen 
liehen Körper bewundernden Achäer nochmals Idomeneus und dem lokrischen Aias entstan- 
an die dem Patroklos schuldige Rache erinnert denen Streit. Diomedes gewinnt den ersten 
hat, durchbohrt er ihm die Sehnen zwischen Preis, nochmals mufs aber Achill einen Streit, 
Knöchel und Ferse, zieht Riemen hindurch und der zwischen den Siegern ausgebrochen, schlich- 
bindet diese am Wagensessel fest. Dann be- ten. Den fünften übrig gebliebenen Preis giebt 
steigt er den Wagen und schleift den Leich- 20 er dem Nestor als Andenken an Patroklos. 
näm nach den Schiffen. Over&ecÄ; a. a. 0. p. 463 ff. Dann folgen Faustkampf, Ringen, Wettlauf, 
Nun zerstreuen sich die andern Achäer; den Speerkampf, Diskuswurf, Bogenschiefsen und 
Myrmidonen aber befiehlt Achill zusaramenzu- Speerwerfen. Auf den letzten Kampf verzich- 
bleiben, um nochmals die Totenklage um Pa- tet Achill und giebt dem Agamemnon den 
troklos anzustimmen und den Totenschmaus zu Ehrenpreis 23, 897. Nach schlafloser, in Trauer 
halten. Ihn selbst aber wollen die, Fürsten um den Freund verbrachter Nacht schleift 
zum Zelte des Agamemnon führen, damit er Achill Hektors Leib dreimal um das Grabmal, 
sich daselbst bade — 23, 40. Er aber weigert Dies wiederholt er jeden kommenden Morgen 
sich dessen und schwört es nicht eher zu thun, 24, 416 f. Am 12. Tage aber gebeut Zeus der 
bevor er den Patroklos bestattet, ihm ein Grab- so Thetis, dem Sohne zu verkünden, die Götter 
mal errichtet und sich das Haupthaar gescho- grollten ihm heftig, dafs er den Hektor unge- 
ren habe. Nachdem er den König gebeten, löst bei den Schiffen zurückhalte; er selber 
den Holzstofs errichten zu lassen, nimmt er werde Iris zumPriamos senden, damit er den 
teil an dem gemeinsamen Nachtmahle und Achill angehe, ihm den Sohn zu lösen 24, 119. 
ruht dann die Nacht hindurch am Gestade des Achill fügt sich dem Willen der Götter; des 
Meeres. Da erscheint ihm im Traume Patro- eigenen greisen Vaters und seines baldigen 
klos , ihn zu schleuniger Bestattung seines Endes gedenkend nimmt er den mit reichem 
Leichnams ermahnend 23, 90. Achill gelobt Lösegelde ankommenden Priamos erbarmungs- 
es. In der Frühe fällen die Mannen des reich auf, ergeht sich in Klagen über ihr bei- 
Agamemnon Stämme auf dem Ida und schlei- 40 derseitiges trauriges Schicksal, sucht aber zu- 
fen sie vom Berge herunter an das Ufer des letzt den Greis zu trösten. Als dieser jedoch 
Meeres ;dieMyrmidonen kommen herangezogen, in dringender Weise um Auslösung des Sch- 
und in ihrer Mitte tragen auserlesene Freunde nes bittet, gerät er in Zorn und warnt den 
den toten Patroklos zur Bestattungsstätte, Greis, ihn nicht zu reizen. Nur der Befehl 
Achill hält ihm das Haupt. Am Ziele ange- der Götter sei fiir ihn mafsgebend. Darauf 
langt schneidet er sich das Haar ab und legt läfst er die Lösegeschenke vom Wagen neh- 
es dem Freunde in die Hände, dann heifst er men, die Leiche Hektors waschen, salben, klei- 
die Achäer sich zum Mahle begeben, wäh- den, auf den Wagen legen und übergiebt sie 
rend die Myrmidonen das Totengerüst bauen dem Greise, entläfst ihn aber erst am folgen- 
und viele Opfertiere schlachten. Darauf legt so den Morgen. Nachdem er ihm ein Abendmahl 
Achill den Toten, umhüllt ihn mit Fett, legt zugerüstet und eine Ruhestätte für die Nacht 
die geschlachteten Opfertiere um ihn her, stellt in seinem Hause bereitet, sowie sich mit ihm 
Krüge voll Ol und Wein dazu und wirft end- über einen Waffenstillstand von 12 Tagen be- 
lieb 4 Rosse, 2 Hunde und die Leichen der 12 treffs der Bestattungsfeierlich"keiten für Hek- 
von ihm im Skamander gefangenen und nunmehr tor geeinigt hat, ruht er selbst im Innern 
erwürgten jungen Trojanef auf den Scheiter- des Hauses bei der Briseis. Am frühen Mor- 
haufen. Dann entzündet er ihn. . Da er aber gen führt Hermes den Priamos samt der Leiche 
durchaus nicht hell brennen will, ruft er den des Sohnes unbemerkt durch das Achäerlager 
Boreas und Zephyros zu Hilfe. Iris überbringt nach Ilios 24, 690. Hektors Lösung bciOver- 
den Winden die Bitte; sie stürzen sich tosend eo becJc a. a. 0. p. 464 ff. 

auf das Gerüst, so dafs die Glut mächtig em- Soweit die Erzählung der Ilias. Die Odys- 
porknattert. Achilles aber bringt die ganze see aber berichtet über die weiteren Schick- 
Nacht hindurch dem Toten Weinspenden, un- sale des Helden Folgendes: Odysseus begegnet 
ter Wehklagen den Scheiterhaufen umgehend. 11,467 in der Unterwelt der jammernden Seele 
Erst gegen Morgen, als derselbe unter dem des Peliden, welcher ihn um Neoptolemös und 
Hauche der Winde zu Asche geworden, naht Peleus befragt. Hocherfreut über die ihm ver- 
sieh ihm der Schlummer 23, 232. Zur Toten- kündete Tüchtigkeit des Sohnes wandelt seine 
feier des Patroklos vgl. Overbeck a. a. 0. p. Schattengestalt mllchtigen Schrittes die Aspho- 



23 



Aehilleus nachliom. 



Achilleus nachhom. 



24 



■ f 



deloswiese hinab. Um ihn sammeln sich, wie 
ehedem auf der Oberwelt, die Seelen der ab- 
geschiedenen befremideten Helden, Patroklos, 
Antilochos, der Telamonier Aias und Aga- 
memnon 24, 15 ff. Als daselbst Achill das 
jammervolle Ende des Agamemnon beklagt, 
erzählt dieser 24 , 35 ff. , wie Achill vor llios 
gefallen sei (der Name dessen, der ihn tötete, 
wird nicht genannt) und sich um seinen Leich- 
nam heftiger Streit erhobeii, bis es den Achäern lo 
gelungen, ihn zu erbeuten und in das Lager 
zu bringen. Und als sie die Totenklage erho- 
ben, stieg Thetis mit den Meergöttinnen aus 
dem Meere empor , um daran teilzunehmen. 
Auch die. 9 Musen kamen herbei und besan- 
gen den Abgeschiedenen 17 Tage lang. Am 
18. Tage aber wird die Leiche unter grofsen 
Opfern verbrannt, und mit Rossen und- Wagen 
umsprengen die Achäer das lodernde Toten- 
feuer. Die Gebeine aber werden von Thetis 20 
in einem goldenen Gefäfse, einem Werke des 
Hephaistos und Geschenke des Dionysos, ge- 
sammelt und mit denen des Patroklos gemischt. 
Über diesen aber, sowie den Gebeinen des An- 
tilochos häufen die Achäer am Strande des 
Meeres ein mächtiges Grabmal. Dann aber ver- 
anstaltet die Mutter nach Aussetzung herrli- 
cher Preise grofsartige Kampfspiele. Odys- 
seus selbst aber berichtet 11 , 541 ff. , dafs an 
dem Wettstreite, bei welchem Thetis die Waf- 30 
fen des Achill als Siegespreis ausgesetzt, er 
und Aias sich beteiligt hätten. Die Kampf- 
richter hätten ihm den Preis zugestanden, wo- 
rauf der Selbstmord des Aias erfolgt sei. 
So Achill in Ilias und Odyssee. 

II. Nachhomerisehe Sagen. 
Diese geben die Ergänzung zu den homeri- 
schen Mythen, indem sie dieselben nicht nur 
ausbildeten, umgestalteten und ausschmückten, 40 
sondern auch das Knaben- und Jünglingsalter 
des Achilles, seine Kämpfe auf der Fahrt naph 
Troja, sowie bei der Landung, die ersten neun 
Kriegsjahre vor Beginn der Ilias, die Abenteuer 
des zehnten Jahres nach dem Tode Hektors, 
den Tod , die Bestattung des Helden , endlich 
sein Fortleben nach dem Tode behandeln. Sie 
bilden also gleichsam den äufseren Rahmen 
zu dem Sagenkreise der Ilias; poetische Gestal- 
tung fanden sie in den nur in den Excerpten 50 
des Proklos und wenigen Bruchstücken erhal- 
tenen Epen Kypria des Stasinos oder Hegesias, 
der Aithiopis und Uiupersis des Arktinos von 
Milet, der kleinen Ilias des Lesches und den 
Nostoi des Agias von Troizene, für uns von 
gröfstem Gewicht besonders deshalb, weil sie 
uns den ältesten Kern der Sage erkennen las- 
sen und den Zusammenhang der Mythen leh- 
ren. Hauptwerke: Der epische Cyklus oder 
die homerischen Dichter v. F. G. Welcker, Joh. 60 
Overbeck, die Bildwerke zum Thebanischen und 
Troischen Heldenkreis. L. Preller, griechische 
Mythologie. 

a. Qebnrt nnd früheste Jugend. 
Nach Emi^uJM^38S^{Yon Welcker ep. C. 
2i_S2 3'iif 5en Anlaitig'~3e? KyprlerT'zurüc^fe'- 
fuhrt; ■E2«C;_ff»\jV^£^_J0Äj) erregte Zeus den 



trojanischen Krieg,"damit die Erde von der über- 
grofsen Menschenanzahl befrsit werde und alle 
Welt Hellas' gröfsten Sohn erkenne. Zeus und 
Poseidon freiten um Thetis {Pvnd. I. 8, 26 ff,), 
allein diese weissagte in der Götterversammlung, 
dafs aus einer Ehe zwischen ihr und Zeus oder 
Poseidon ein Sohn entspringen werde, der mäch- 
tiger als der Vater eine stärkere Waffe denn 
Blitz oder Dreizack führen werde. Deshalb 
standen beide Götter von der Ehe ab. Hin- 
gegen einem Sterblichen vermählt, werde sie 
einen Sohn gebären, dem zwar im Kriege zu 
fallen bestimmt sei, der aber an Stärke der 
Arme dem Ares und an Schnelligkeit der Füfse 
den Blitzen gleich sein werde; dieser künftige 
Gatte aber sei Peleus, der Herrscher von lol- 
kos. Aj^^Arqon. 4, 800. A^ollod:. 8, 18, &, 
1. Fula^^Mj/th.ä^l. Sein Geburtsort ist nach 
deta ScfioT. zull. 25,^144 das thessalische Phar- 
salos (ITsXexäyi.KOs ■i:vq>5v ij^cogftr. 176); er ist 
das siebente Kind, das Thetis aem Peleus ge- 
bar {Schjlie, äT.^L^cophr. lli. Ptol Eeph. 
6). aber von^allen vorhergeborenen Kindern 
war keines am Leben, da, wie schon das alte 
nach dem König Aigimios benannte Gedicht 
{Seh. Apfill. Ärgon^ i^Slß) im zweiten Gesänge 
erzählte,' cGe Mütter ihre Kinder, um ihre Sterb- 
lichkeit zu prüfen, in siedendes Wasser tauchte, 
wobei sie umkamen. Bei Achill aber habe es 
der erzürnte Peleus verhindert. 

Eine andere Fassung der Sage ist folgende. 
Nach Schol. II. 16,,_ai,wirft Thetis, von den 
Göttern zufHeirat mit Peleus gezwungen, ihre 
Kinder ins Feuer, im Glauben, die sterblichen 
Teile würden verbrennen, das Unsterbliche an 
ihnen erhalten bleiben. Bei dem siebenten 
Kinde überrascht sie Peleus und entreifst ihr 
den Knaben. Nach Apoll. Bh. 4, 869 und Apol- 
lod. 3, 13, 6 birgt sie, um das Sterbliche zu 
tilgen, den Knaben nachts im Feuer, am Tage 
salbt sie ihn mit Ambrosia. Ptql. Heph. 4 
erzählt, nur der Knöchel des rechten Fufses 
sei verbrannt; als Peleus aber den Knaben dem 
Cheiron übergeben hatte, grub dieser den Leib 
des unter demPallenegebirge begrabenen Damy- 
soB, des schnellsten aller Giganten, auf, ent- 
nahm ihm einen Knöchel und setzte ihn dem 
Achill anstatt des verbrannten ein. (Ebenda- 
selbst steht eine etymologisierende späte Sage. 
Thetis beschenkt den Neugeborenen mit den 
Flügeln der Arke, der Tochter des Thaumas, 
des Bruders der Iris, welche Zeus der Thetis 
als HQchzeitsgeschenk gegeben, daher noäüg- 
XTjs). Infolge der Rettung aus dem Feuer nannte 
ihn sein Vater IJvQiaaoog, die Mutter aber, 
weil ihm das Feuet eine Lippe verzehrt hatte, 
'Axilevs (d-xei^^og). Die jedenfalls jüngste Ge- 
burtssage {Stat. Achill. 1, 269. Fulg. Myth. 
3, 7. Quint. Smyrn. 3, 62. Hyg. Fab. 107. 
Serv. Verg. Aen. 6, 57.) berichtet, Thetis habe 
ihn , um ihn unsterblich zu machen , ' in die 
Styx getaucht; die Ferse, an welcher sie ihn 
hielt, sei vom Wasser unberührt und so ver- 
wundbar geblieben. 

Die Geburt des Knaben trennt die Gatten. 
Thetlj, über das Verfahren des Peleus erzürnt, 
verläfst ihn auf immer, um in das Meer zu- 
rückzukehren {Seh. Tl. u. Apollon. Bh. a. a. 0. 



25 



Achilleus nachhom. 



Achilleus nachliom. 



26 



Aristoph. Wolken 1068 ; nach Apollod. a. a. 0. 
zu den Nereiden.). Anders bei Homer; vgl. 
IL 1, 396 u. 16, 574. Peleus hingegen (nach 
Oiph. Argon. 387 flf. Thetis selbst) überbringt 
den Knaben dem auf dem Pelion wohnenden 
Kentauren Cheiron {Paus. 3, 18, 12. Seh. II. 9, 
486), welcher ihn nach Seh. II. 11,613 u. Era- 
tosth. Katasterism. 40 mit Asklepios, nach Phil. 
HeroiJcos 708 mit Protesilaos, Palamedes und 
Aias zusammen in Gottesfurcht {Pind. P. 6, 20), lo 
in edler Sitte {Eurip. Iph. A. 926), in der Tugend 
der Gerechtigkeit und uneigennützigen Wir- 
kens sowie Verachtung irdischer Güter {Phi- 
lostr. Her. 733) , in der Arzneikunde {Seh. IL 
16, 37. 9, 22. 50. 53. Plut. Tom. 2, p. 1146 A) 
sowie in der Musik (Lyraspiel und Gesang {Seh. 
n. a. a. 0. Hör. Epod. 13, 12. Erzgruppe 
in Rom in d. Säpta des Campus Martius von 
unbekannter Hand; cfr. Overbeck Gesch. d.griech. 
Plastik ^ 2, 283 ; auf dem amykl. Throne Paus, so 
3, 18, 12) im jagen, Reiten und allen ritter- 
lichen Künsten {Stat. AchilL 2, 381 — 462, 
Philost. maj. im. 2 , 2. Heroik. 730 Sidon. 
Apoll, ep. 9, 131) unterrichtete, nachdem ihn, 
den der Mutterbrust, die er nie genossen, be- 
raubten (Seh. IL 1, 1. Stat. Ach. 2, 383) als 
kleines Kind die Najaden Chariklo, das Weib, 
und Philyra, die Mutter des Cheiron aufgezogen 
und gepflegt hatten (Pind. N. 3, 75. Apollon. 
Eh. 4:, 813 u. Seh.). Bei ApolL Bhod. 1. 553 ff. so 
steigt Cheiron, als Peleus mit den Argonauten 
bei dem Pelion vorüberfährt, mit Chariklo, 
welche den Kleinen auf dem Arme trägt, vom 
Berge herab und zeigt dem Vater das Kind. 
Nach Apoll. 3, 13, 6 u. Seh. gab ihm aus obi- 
gem Grunde Cheiron den Namen Achilleus, 
während er vorher Aiyvqmv hiefs. Seine Nah- 
rung bestand in Eingeweiden von Löwen und 
wilden Schweinen, sowie dem Mark von Bären 
{Stat. Ach. 2, 384. SchoL Aphth. 2, 621. Ho- 4o 
ndl. pseudoelem. 6, 10); nach Phil. Her. 730. 
u. im. 812 in Honigscheiben und Rehmark. 
So wächst er unter fortwährenden körperlichen 
Übungen zu einem starken Knaben heran, des- 
sen Herz sich an Waffen und Musik erfreut 
{Orph: Arg. 399. Find. N. 3, 79. Stat. AehiU. 

I, 40 u. 188 ff. u. 2, 381 ff. Ovid fast. 5, 388. 
Philostr. Her. 730). Erkämpft mit Löwen und 
fängt ihre Jungen, jagt Eber und legt ihre 
im Todeskampfe zuckenden Körper dem Chei- ßo 
ron zu Püfsen; Hirsche fängt er ohne Hunde 
und Netze {Pind. N. 3, 80-90. Soph. b. Eust. 

■ IL 877, 59. Liban. tom. 4, p. 86, 18. p. 1014, 

II. Stat. A. 1, 166—170). Später nimmt er 
den Kampf mit den benachbarten Kentauren 
auf, plündert ihre Wohnungen und raubt ihre 
Herden {Stat. A. 1, 153). So trifft ihn seine 
Mutter {Stat. A. 1, 189). Die Liebe des Jüng- 
lings zur Musik und Poesie schildert PhOostr. 
Her. 730. Kalliope, von Achilles unter Dar- 60 
bringung eines Opfers um ihre Gunst angefleht, 
erscheint ihm im Traume und verspriont ihm 
soviel Kunstfertigkeit zu geben, dafs er ein 
Mahl erheitern und den Kummer beschwichti- 
gen könne; sein Hauptruhm werde nicht auf 
seinem Gesänge, sondern auf kriegerischen Tha- 
ten beyuhen. Allein sie werde ihm einen Sän- 
ger erwecken, welcher seine Thaten verewigen 



werde. Und so lernte er denn mit Leichtig- 
keit singen und die Lyra spielen. Er sang die 
alten Lieder von Hyakinthos, Narkissos und 
Adonis, sowie die neueren vom Hyllos und 
Abderoa , deren Schicksal ihn zu Thränen 
rührte. 

Nach vollendeter Erziehung giebt ihn Chei- 
ron dem Vater zurück {Seh. II. 16, 37); auf ei- 
ner Vase aus Nocera hingegen {Bull. Nap. N. 
S. 5. t. 2.) führt Hermes ihn dem Nereus und 
den Nereiden, worunter die namentlich bezeich- 
nete Thetis, zu. Nach Ovid Fast. 5, 381 traf 
Achill bei Cheiron mit Herakles zusammen; die 
spätere Sage {Eratosthen. Katasterismata 40) 
macht« Herakles zu seinem Liebhaber. Von 
dem Aufenthalte im Vaterhause nach Vollen- 
dung der Erziehung durch Cheiron berichtet 
diu Sage ho gut wie nichts. Nur zweierlei sei 
erwähnt. In diese Zeit hat man die Ankunft 
des Patroklos in Phthia und den Anfang des 
Freundschaftsbündnisses zu setzen ; beide wur- 
den später in Thessalien als Nationalhelden 
verehrt. Eine wunderbare Sage aus jener Zeit 
erzählt von ihnen Istros im 13. Buche seiner 
Attika (Plut. Theseus 34). Nach diesem wurde 
Alexandros, der in Thessalien Paris hiefs, von 
Achill und Patroklos am Spercheios besiegt, 
wozu vgl. Forchhammer, Achill p. 27. 




Cheiron und Achilleus, pompejan. Gemälde. 



b. Späteres Knaben- nnd Jünglingsalter. 

Während die ältere Sage der Kyprien von 
dem späteren Knabenalter des Achilles schweigt 
(die den Auszug des Achill wahrscheinlich in 
Anlehnung an die Kykliker darstellenden Va- 
sengemälde siehe am Schlüsse von h S. 28, 68) 
und ihm erst nach der Zerstörung von Teu- 
thrania und nach der Verwundung des Tele- 
phos durch Sturm nach Skyros verschlagen 
werden und die Deidamia heiraten läfst (so 
der Dichter der kleinen Ilias bei Euriaih. II. 
1187, 16 u. Seh. 11 19, 826) oder er nach Seh. 
11. 9, 664 SkyroB einnahm und plünderte, um 
die von Peleus abgefallenen Dolöper zu züch- 
tigen, als er sich auf dem Wege nach Aulis 



27 



Achilleus nachhom. 



Achilleus nachhom. 



28 






befand, bei welcher Gelegenheit er den Neo- 
ptolemos zeugte, berichtete die Seh. II. 9, 664 
ausdrücklich als die jüngere bezeichnete Sage, 
dafs, als die Griechen anfingen, sich zum Kriege 
gegen Troja zu rüsten, Peleus (nach Apollodor, 
Stativs A., Hygin, Ovid u. Eustath. IL 1187, 13 
die Thetis) eingedenk des Orakels, dafs seinem 
Sohne bestimmt sei als Jüngling vor Troja zu 
fallen, den neunjährigen Knaben nach der In- 
sel Skyros zum König Lykomedes gebracht 
habe. Dort sei er in Mädchenkleider gesteckt 
und mit den Töchtern des Königs aufgezogen 
worden (Soph. in Scyriis fr. 496 — 505. Wel- 
ckergr. Tr. 1, 102—107. Seneca Troad. 223. Poly-^ 
gnots Darstellung hei Paus. 1, 22, 6. Bion 15, 
5 ff. Stat. Ach. 1, 207). Da nun aber nach der 
Weissagung des Kalchas Troja ohne Achill 
nicht erobert werden konnte, so wurden Odys- 
seus, Phoinix und Nestor (bei Ovid Aias, bei 
Statins u. Philostr. jun., Odysseus u. Diomedes) 
zum Peleus geschickt, Achill zu holen. Dort 




Achilleus' Abholung von Skyros, pompeian. Gemälde. 

abgewiesen hätten sie sich nach dem von Kal- 
chas ausfindig gemachten Versteck begeben. 
Da sie den Achill unter den Töchtern des Ly- 
komedes vermuten, legen sie auf Odysseus' Rat 
den Mädchen Waifen und Körbchen mit aller- 
hand Werkzeugen zum Weben vor. Die Mäd- 
chen greifen nach letzteren, Achilles aber ver- 
rät sich, indem er nach den Waffen greift. 
Nunmehr nimmt er am Zuge teil. So Seh. II. 
16, 326. Ovid Metam. 18, 162 ff. Phil. jun. 
imag. 1. Nach Apollodor 3, 13, 8 entdeckte 
Odysseus den Achilles, indem er durch Blasen 
einer Trompete dessen kriegerische Begeiste- 



rung anfachte- Beide Sagen vereinigt bei Hy- 
gin f. 86 u. Stat. Ach. 2, 165 ff. Vgl. aufser- 
dem Ovid de arte am. 1, 697 — 706. Lihan. t. 
4 p. 192. Eust. z. II. 1187, 15. Tsetees Chil. 
4, 996. LyJcophr. 277 und dazu Tsetzes, wel- 
cher sogar eine Fabel erwähnt, nach welcher 
Achill aus Furcht vor Hektor und dem Tode 
nach Skyros geflüchtet sei. Philostr. Her. 731 
verwirft natürlich die Weibergeschichte als 
10 seines Helden unwürdig; nach ihm schickt 
Peleus den Sohn nach Skyros , um den von 
Lykomedes getöteten Theseus zu rächen. 
Achill erobert Skyros, nimmt den Lykomedes 
gefangen, läfst ihn aber frei, weil er sich recht- 
fertigt, heiratet die Deidamia und zeugt mit 
ihr den Neoptolemos. Die Entdeckung des 
Achill unter den Töchtern des Lykomedes 
wurde von Malern mit Vorliebe dargestellt. 
So von Polygnot in der Pinakothek der Pro- 
20 pyläen {Paus. 1, 22, 6) und Athenion Maro- 
nites {Plin.Sb, 134); als Gemälde erwähnt bei 
Ach. Tat. 6 , 1 und Aristaen. 2, 
5. Die bildlichen Darstellungen 
der Abholung des Achill von Sky- 
ros besprochen von OverbecJca,. a. 0. 
p. 287 ff. B. Engelmann , zwei 
Mosaiken aus Sparta. Arch. Ztg. 
39 p. 127. O. Jahn, Arch. Beiträge 
362 ff. Gerhard D. u. F. 1858 t. 
113 p. 157. Heibig Camp. Wand- 
gem. n. 1296 ff. 

Aus der Liebe zur Deidamia und 
der heimlichen Vereinigung beider 
(vgl. Bion a. a. 0. u. Stat. A. 1, 
642 ff. Seneea Troad. 350 ex vir- 
ginis concepte furtivo stupro) ent- 
springt Pyrrhos , später Neopto- 
lemos genannt. Auf eine römi- 
sche Tragödie , den Aufenthalt 
des Achilles und sein Liebesleben 
auf Skyros behandelnd, weist hin 
Ov. Trist. 2, 409 ff. Achilles führte 
selbst auf Skyros wegen seines 
blonden Haares den Namen Pyrrha 
{Ptolem. Heph. N. H. 1) , auch 
KsQiivaeQa und Issa wurde er ge- 
nannt. Daselbst werden auch zwei 
Söhne Neoptolemos und Oneiros 
erwähnt. Als legitimer Sohn hin- 
gegen in rechteiäfsiger Ehe er- 
zeugt erscheint Pyrrhos in den 
Kyprien bei Proklos, Prop. 2, 7, 
54. 9, 16. Philostr. Heroic. 732. 
Tzetz. in Lycophr. 277. Die lako- 
nische Sage hingegen {Paus. 3, 24, 
10) erzählte von einer Werbung des Achill 
bei Tyndareos um Helena, bei welcher Gelegen- 
heit er den Las getötet habe. Endlich erwähnt 
Seh. II. 19, 326 eine Sage, nach welcher Neo- 
ptolemos der Ehe des Achilles und der Iphi- 
genia entsprossen sei. Zum Schlufs die Er- 
zählung des Philostr. Heroik. 732. Thetis 
pflegt den Sohn nach seiner Verheiratung mit 
Deidamia auf Skyros; als sich aber die Grie- 
chen in Aulis versammeln, bringt sie ihn zum 
Peleus zurück und rüstet ihn mit Waffen aus, 
wie sie noch niemand zuvor getragen. Weiter 
weifs die spätere Sage betreffs seiner Aus- 



r- 



29 Achilleus naohhom. Achillens nachlioni. 30 

riistung, dafs seine Rosse unsterblich waren 

(Seh. n. 1, 131 u. 197, dagegen Philostr. Her. c- Aulis. Die Fahrten nach Troja. 
737), ein Geschenk des Poseidon bei der Hoch- Die Griechen versammeln sich in Aulis, mit 
zeit seiner Eltern (ebenso Ptolem. Heph. N. ihnen Achill an der Spitze der Myrmidonen 
H. 6); seine Rüstung und Schwert war ein mit 50 Schiffen {Bietys Cr. 1, 18), er geniefst 
Geschenk des Hephaistos, dem Peleus bei der- nach Philostr. Her. 732 schon hier neben eei- 
selben Gelegenheit gemacht nach Eust. II. ner Mutter göttliche Verehrung. 
1090, 43. Bei der Abfahrt nach Aulis {Plut. Q. 1) Erster Zug. Telephos. Bei der ersten 
Or. 28) stellt die Mutter ihm einen Sklaven Ausfahrt, so berichten die Kyprien, landeten 
zur Seite, der ihn warnen soll einen Sohn des lo die Griechen in Teuthranien in Mysien im 
Apollo zu töten, denn nach Tzetzes Lyc. 4!32 Glauben, in Troas zu sein, und verwüsteten 
lag eine Weissagung vor, dafs eine solche das Land. Telephos, der künftige Thronerbe, 
That seinen Tod zur Folge haben würde. Der eilt zur Abwehr herbei, wird aber von Achil- 
Sklave heifst Mnemon. Die Zeit des Aufent- les verwundet. Ein Sturm überfällt die Ab- 
haltes im väterlichen Hause betreffen nach Wcl- fahrenden und zerstreut sie (Achill nach den 
eher aeschyl. Tril. 2, 305 die 'AxMimg iQuarai, Kyprien nunmehr nach Skyros verschlagen; vgl. 
ein Satyrapiel. In direktem Gegensatze zu den oben). Da dem Telephos zu Delphi das Ora- 
Sagen von Skyros stehen Darstellungen auf kel^zuteil geworden, nur wer ihn verwundet, 
Vasen, den Auszug des Achilles sicherlich in könne ihn heilen, kommt er nach Argos , wo 
Anlehnung an die Kyprien wenn auch zum Teil 20 sich das Heer wieder gesammelt hat und wird 
mit grofser künstlerischer Freiheit und ohne vom Achill geheilt, da infolge eines Schick- 
peinliches Festhalten am Worte des Dichters salsspruches Telephos der Führer der Griechen 
schildernd. Vollständig neu ist, dafs mehrfach auf ihrem zweiten Zuge nach Troja sein mufste. 
Hermes und einmal Iris als Stellvertreterin Vgl. Find. 1. 8, 49. Seh. Find. 0. 9, 107. 
des Genannten als Götterboten erscheinen, um Euripides Fragm. d. Telephos. Anth. Jacobs t. 
den im Hause des Grofsvaters Nereus weilen- 2, p. 657. 11, 110. Seh. II. 1, 59. Tzetz. Lyc. 
den Achill zur Teilnahme am Kriege zu be- 209. Seh. Nub. 919. Hyg. F. 101. Prop. 2, 
wegen. Die Darstellungen zerfallen nach Br««« 1, 63. Ovid M. 12, 112. Senee. Troad. 224 ff. 
troisch. Mise. 1868. 1. B. p. 61 ff. in drei Grup- Plin. 25, 42. 34, 152. Phil. Her. 690. lAban. 
pen. 1) Einfacher Abschied des Achilles von so Deel. 3 p. 230 D. Dictys 2 , 3. 10. Suidas s. 
Thetis ohne Zuthat. Gerhard A. V. I8i. Overb. Tjjls^os. Eustath. z. II. ih, i^. Nach ScÄ. I/. 
ro/l 16, 2. p. 386. 2) Hermes erhält von Achill 1, 59 mufste Telephos vor der Heilung dem 
durch Handschlag das Versprechen der Betei- Achill versprechen , den Troern keine Hilfe zu 
ligung am Kriege. Thetis Gerh. A. V. 200. Overb. leisten. Bei Hygin lautet das Orakel : „Nur die 
*. 20, 1. p. 464, Luchenbach, Flecheisens Jahrb. Lanze, welche die Wunde geschlagen, könne 
Suppl. 11 p. 546. P. J. Meier, Durisschalen sie heilen", die Heilung erfolgt durch abge- 
arch. Ztg. 1883 p. 5 und Hermes zwischen schabteEisenspäne. Ebensobei^wrjp.l^r.JVaMefc 
Achill und Nereus stehend. Thetis. Nereiden. 725 und Plinius , welcher von abgeschabtem 
Bull. nap. N. S. 5, 2. Welcher, alte Benkm. Roste spricht. Nach Pindar erfolgt die Ver- 
5, 327. 3) Achills Auszug. Cheiron und Her- 40 wundung anj Kaikos; in diesen Kämpfen be- 
mes vor dem Viergespann, welches Achill be- reitet sich nach Weleker ep. C. 2, 150 in den 
steigt, gefolgt von Nestor und Antilochos oder Kyprien die Waifenfreundschaft zwischen Achil- 
Patroklos (Thetis kommt mit Kanne und Schale les und Patroklos infolge derThaten des letz- 
herbei) des Vergers TEtrurie pl. 38. — Anti- teren vor. Patroklos war nämlich bei der Lan- 
■lochos besteigt den von Phoinix gelenkten" düng am Kaikos verwundet worden: auf der 
Wagen , neben dem Iris sichtbar wird. Vor Vase des Sosias, Gerh. Trinksch. t. 7 verbindet 
den Pferden gerüstet Achill, dem Nestor die ihm Achilles, auch als Arzt auftretend, den 
Hand reichend. Overb. t. 18, 2. — 'Die selb- Fufs. Bei Philostr. heilt Achill den Telephos, 
ständigste Erfindung aber (so Brunn p. 71) vor Troja; nach Diotys unterstützen ihn dabei 
findet sich auf dem Kantharos des Epige- 50 auf Weisung des delphischen Orakels die Söhne 
nes Ann. d. Inst. 1850, tav. d'agg. H. I., und des Asklepios, Machaon und Podaleirios. Nach 
doch ist vielleicht der Gesamtinhalt der epi- PhUostr. war endlich der Schild des Telephos, 
gehen Dichtung hier aan vollständigsten und auf welchen Achill Anspruch erhob, von den 
tiefsten erfafst.' Auf der einen Seite: die Griechen dem Protesilaoa zugesprochen wor- 
Wogengöttin Kymothea reicht Achill den Ab- den, da er dem Telephos den Schild wegge- 
schiedstrunk. Agamemnon, jugendlicher Krie- zogen und dadurch die Verwundung desselben 
ger, Nereide; auf der andern Seite Nestor ermöglicht hatte. — Mit grofser Vorliebe hat 
dem Antilochos Rat erteilend, und Thetis die Kunst, die bildende wie die dramatische, 
mit Kanne und Schale als besorgte Mutter die Telephossage dargestellt und nach Bedürf- 
sich an den besten Freund des thatendur- 60 nis umgewandelt und erweitert. Der Kampf 
stiren Sohnes wendend. Dem Achill zur der beiden Helden war von Skopas in dem 
Seite steht ein Begleiter, welcher sich durch westlichen Giebelfoldo der Athene Alea zu 
den Namen Ukalegon als eine von' Achill los- Tegea plastisch wiodorgoffoben (Pausan. 8, 
gelöste personifizierte Eigenschaft des letz- 46, 7. Overbeck O. d. gr. Fl. ' 8, p. 18. Wel- 
teren ausweist. Nach Aristot. Bhet. 2, 22 ckcrA.T). 1 p. 199 ff. Urlichs, Skopas' Leben 
zog Achill als der jüngste der Helden, ohne u. Werke p. 18), und Flin. 86, 71 beschreibt 
durch Eid dazu verpflichtet zu sein , nach das Gemlllde de» Parrhasios, die Heilung des 
Troja. Telephos darstellend; Achill von Agamemnon 



31 Achilleus naohhom. Aehilleus nachliom. 32 

und Odysseus umgeben schabt den Rost der giebt er sich, von den Kriegern mit dem Steini- 
Lanze in die Wunde des Telephos. Der gleiche gungstode bedroht, wenngleich unter fortwäh- 
Stoff behandelt auf dem etrusk. Spiegel 22fl bei renden Versicherungen seines Beistandes in 
Gerhard und einem etrusk. Relief bei iJ.SrwnM sophistischer Weise zufrieden, als die Jung- 
rilievi delle urne Etrusche tav. 34, 18 der Auf- frau sich freiwillig der Opferung darbietet, 
fassung des Accius entsprechend. Denn auch In der für unecht gehaltenen Schlnfsrede des 
die Tragiker hatten sich des Steifes bemäch- Boten nimmt Achill sogar persönlich an dem 
tigt. Achill trat auf in dem Telephos des Äschy- Opfer der Iphigeneia teil und spricht das Ge- 
los, nach welchem wahrscheinlich Accius sein bet an Artemis. Den gleichen Inhalt vermu- 
Drama arbeitete (vgl. O. Bibheck, die röm. lotet Welcher gr. Tr. 3, p. 947 für die Tragö- 
Tragödieim Zeitalter der Bepublik p. 345); auf die' Agamemnon des Ion von Chics. Hingegen 
ihn ist vielleicht die bei Brunn a. a. 0. tav. trat, wie man aus etruskischen Sarkophagre- 
31 n. 11 dargestellte Scene zurückzuführen, in liefs geschlossen hat, Achill in der Iphigeneia 
welcher Telephos , der sich des kleinen Ore- des Ennius , welche aus der des Sophokles 
stes bemächtigt und auf den Hausaltar des und Euripides kontaminiert war, als wirklicher 
Agamemnon geflüchtet hat, demselben mit dem Verteidiger der Iphigeneia auf. Vgl. Brunn, 
Tode droht, um Gewährung seiner Bitte zu rilievi delle urne Etruschetao. 37 n.G. tav. S8. SQ. 
finden; Agamemnon, ülixes und Achill sj;ür- 40. 44, 18, 19. 45, 20. 21 u. 0. Bibbeck, Böm. 
men auf ihn ein, werden aber von Klytaim- 2V. p. 99 — 102. „Demgemäfs erblicken wir hier 
nestra zurückhalten; vgl. Friedr. Schlie: die 20 Achill schwer verwundet zu Boden gesunken, 
Darstellungen der troisehen Sagen auf etruski- unter dem Beistande eines treuen WafFenge- 
schen Äschenkisten p. 57; der Telephos des En- fährten mit der erhobenen Linken noch in der 
nius hingegen war wahrscheinlich nach dem Ohnmacht gegen das Opfer protestierend; ihm 
von Aristophanes so arg verspotteten Telephos gegenüber jenseits des Altars einen seiner wüten- 
des Euripides gedichtet {Bibbeck p. 105). Der den Angreifer aus dem Heere eben im Begriff 
'Telephos in Argos' von Agathen, erwähnt bei einen Stein zu werfen" (p. 101). In tiefe Trauer 
Athen. 10 p. 454 u. Welcher a. a. 0. 3, 989. versunken wohnt Achill (nach Brunn; anders 
'Telephos in Argos' von Moschion bei Sfo&aeMS, Heibig) auf dem bekannten pompejanischen 
Ecl. 1, 5, 1 u. Welcher 3, 1048. Der Telephos des Wandgemälde dem Opfer bei" {Heibig n. 1305 ; 
lophon, wohl nach Äschylos gearbeitet, spielte so Zahn 2, 61). Über die Bildwerke siehe (herbeck 
nach TFeZcÄers Vermutung 3, 976 auch in Ar- a. a. 0. p. 322f. 0. JaJin, Ärchäol. Beiträge 'ilSS. 
gos, alsdann würde Achill auch in ihm auf- Brunn a. a. 0., Schlie a. a. 0. p. 60 ff. Homer 
getreten sein. Über den Telephos des Kleo- weifs von der erdichteten Verlobung der Iphi- 
phon siehe Welcker a. a. 0. 1010. — Bei Quint. geneia und ihrer Opferung nichts. Nach Hygin. 
Smyrn. 4, 172 ff. heilt Achill den von ihm ver- F. 98 bediente sich Agamemnon als Boten 
wundeten Telephos mit der Lanze am Kaikos, nach Mykenai des ülixes , e r berichtet aber 
und dieser schenkt ihm dafür ein Gespann nichts von einem Eingreifen des Achill. Der 
Rosse; vgl. Quint. 8m. 7, 379. Die bildlichen Erzählung der Tragiker kommt am nächsten 
Darstellungen bei Overheck a. a. 0. p. 294 ff. Dictys 1, 20. Ülixes bringt der Klytaimne- 
O. Jahn Telephos u. Troilos Kiel ^.Bi^.. [Drs. 40 stra einen Brief des Agamemnon, wonach er 
Telephos u. Troil. u. kein Ende. Bonn 1859. dem Achill die Iphigeneia versprochen; Achil- 
Schr.] Ärchäol. Aufsätze 164 — 180. Gerhard les aber wolle nicht eher aufbrechen , als 
D. u. F. 1857.- 1. 106. 107. fi. 106. 107. bis das Versprechen erfüllt sei. So beeilt sich 

Von Argos aus begeben sich die Helden Klytaimnestra , ihre Tochter mit Ülixes ins 

nach Aulis, welches wiederum der Versamm- Lager zu senden. Während aber das Opfer 

Inngsort des Heeres ist. vorbereitet wird, ertönt eine Stimme vom Him- 

2) Zweiter Zug. Achilles und Iphige- mel, die Göttin verschmähe das Opfer und 

neia in Aulis, Landung auf Tenedos. werde Ersatz senden; zugleich erscheint Achil- 

Zwist (und Versöhnung) mit Agamem- les, welcher unterdessen einen Brief von Kly- 
non. Tod des Tenes. 50 taimnestra (neben einer Menge Gold) erhalten. 

Die Kyprien erzählen : Agamemnon läfst worin sie ihre Tochter tmd ihr ganzes Haus 

unter dem Verwände, seine Tochter dem Achill dem Achill empfiehlt. Von dem Vorhaben des 

zu vermählen, Iphigeneia von Mykenai nach Agamemnon inzwischen unterrichtet entreifst 

Aulis kommen; auf Lesbos veruneinigen sich er die Iphigeneia ihren Würgern und vertraut 

Agamemnon und Achill infolge einer Zurück- sie heimlich dem Schutze des zufällig anwe- 

setzung des letzteren von Seiten des Königs. senden Skythenkönigs an. Mit dem Aufent- 

Bei Eurip. Iph. A. erfolgt die Herbeiholung halte in Aulis bringt man gewöhnlich, wenn 

der Iphigeneia ohne Wissen des Achill, welcher auch ohne sicheren Grund, das Brettspiel des 

eben im Begriff ist, den König auf Drängen Achilles und Aias in Verbindung {Overb. Cr. 
der Myrmidonen um schleunigen Aufbruch von 60 Ä. B. 310 ff. Brunn tr. Mise. 1880 p. 173) und 

Aulis zu mahnen. Durch die erst in Aulis in diese Zeit wird wohl auch die späte 

selbst über den wahren Sachverhalt (Opfe-. Sage anzusetzen sein , nach welcher Flut. 

rung der Iphigeneia) aufgeklärte Klytaimnestra Quaest. Gr. 37 p. 225 Achill die Tanagra, die 

von dem Betrug unterrichtet verspricht Achill Mutter des Poimandros , des Königs von Ta- 

ihr erzürnt seine Hülfe, allein als das ganze nagra in Böotien, tötete {Eust. erwähnt bei 

HeerundbesondersdieMyrmidonenaufderOpfe- V^aia im Schiffskatalog, dafs die Tanagräer 

rung der Iphigeneia bestehen, und Odysseus mit sich weigerten , am Zuge gegen Troja teilzu- 

Bewaffiieten naht, um die Jungfrau abzuführen, nehmen). 



33 Aehilleus nachhom. Achilleus naolilioin. 34 

Nachdem die Griechen unter Führung des behandelte wahrscheinlich eine andere Sage 

Telephos auf Tenedos gelandet waren , wurde von ihm , welche sich mehr zur tragischen 

(vgl. II. 8, 229) von Agamemnon eine Muste- Darstellung eignete. 

rung und ein grofser Opferschmaus veranstal- Vor dem Wegzuge der Achäer von Tene- 

tet. Durch ein Versehen bei der Einladung dos erfolgte die (wefin auch nirgends ausdrüct- 

beleidigt er den Achilles (vgl. den Anonymus lieh erwähnte) Versöhnung zwischen Achilles 

mql o^yijg Volum. Hercul.Oxon.i'p. hl. Aristot. und Agamemnon, da sie vor Troja beide von 

Shetor. 2, c. 24 (381, 54 P.) und denOpferschmaus vom herein in freundschaftlichem Verhältnisse 

II. 2, 405). Hiermit wird in Verbindung gebracht leben, 
das jetzt für ein Satyrdrama erklärte Stück lo 

des Sophokles 'Axaiäv avXloyos rj avvSsmvov g\ Landung in Troia. Die ersten neun Jahre 
jj avvSunvo^. W. Bindorf P. Sc. Gr. 2 p. 127 '' , ' Kamnfes 
fragm. 146 — 161 ; vgl. Cicero ad Quintum fr. , 
2 , 16 ; Athen. 8 p. 365 ^. Vol. Herc. Ox. u. Die Kyprien erzählen: 'Als die Troer die 
Aristot. a. a. 0. Anders Weleker, gr. Tr. 1, Achäer an der Landung zu verhindern suchen, 
110—113 u. 232—240. Äsehyl. Tril. 2, 170 und Protesilaos vom Hektor getötet worden 
Anm. 108. Ilihbeclc , röm. Trag. p. 620 sagt ist, erlegt Achilles den Kyknos, den Sohn des 
hierüber: 'die Achäerhelden , welche von Au- Poseidon, und wirft die Troer in die Flucht, 
lis weiter nach Troja zogen, landeten aufTe- Nachdem die Achäer die Toten gesammelt 
nedos, wo sie Musterung und einen Schmaus 20 haben, schicken sie eine Gesandtschaft nach 
hielten. Achill, der zu spät dazu eingeladen Troja, Helena und die Schätze zurückzufordern, 
war, fühlte sich deshalb beleidigt, entzweite Auf die Weigerung der Troer machen sie ei- 
sich mit dem Agamemnon und den übrigen nen Angriff auf die Mauer. Dann aber zer- 
Fürsten , besonders auch mit Odysseus und streuen sie sich über die Landschaft und zer- 
drohte in die Heimat zurückzukehren. Bei stören diese sowie die Städte in der Umge- 
dem Gelage ging es wüst zu, der später kom- bimg. Da Achilles die Helena zu sehen wünscht, 
mende Achill wurde von den wahrscheinlich so bringen Thetis und Aphrodite beide an ei- 
Trunkenen schnöde genug empfangen.' Die von nem Orte zusammen. Als die Achäer nach 
Qiiintus Cicero angefertigte Übersetzung (Cicero der Heimkehr begehren, hält sie Achilles zu- 
ad Q. fr. a.a.O. ist mit Bücheier factam statt 30 rück. Hierauf treibt er die Rinder .des Aineias 
actam zu lesen) mifafiel dem Bruder. Bibbeck fort, zerstört Lyrnessos und Pedasos und viele 
p. 619 u. 624. umliegende Städte und tötet den Troilos. 

Der Aufenthalt auf Tenedos wird von spä- Patroklos aber bringt den Lykaon nach Lem- 

teren Sagen noch durch die Erzählung vom nos und verkauft ihn daselbst. Aus der Beute 

Tode des Tenes ausgeschmückt. Plut. Q. Gr. erhält Achilles als Ehrengeschenk die Briseis, 

28 berichtet so : Thetis hatte dem Sohne ver- Agamemnon die Chryseis. Dann folgt der Tod 

boten, den Tenes, einen Sohn des Apollo, zu des Palamedes und der Entschlufs des Zeus, 

töten und einem Diener den Auftrag gegeben, den Achilles dem Kampfe zu entfremden , um 

darüber zu wachen. Da verfolgt Achilles auf den Troern Erleichterung zu verschaffen.' So 
Tenedos die schöne Schwester des Tenes; die- 40 Proklos. 

ser schützt die Schwester und wird von Achill l)Tod desProtesilaos. Tzetses Lycophr. 
erschlagen , welcher ihn zu spät erkennt und 245 S. Nachdem Protesilaos durch Hektor ge- 
feierlich bestattet. Zur Strafe tötet Achill fallen, sprang Achill mit solcher Wucht aus 
den säumigen Diener. Tzetses su Lyh. 232 setzt dem Schiffe , dafs an der Stelle des Nieder- 
hinzu, Thetis habe die Warnung ergehen lassen Sprunges sofort eine Quelle entstand. Achill 
infolge eines Orakels , Achill werde sterben, trat auf in den Tloifisveg des Sophokles, welche 
wenn er einen Sohn des Apollo töte. Die den Tod des Protesilaos schildern. W. Din- 
Schwester des Tenes heifst bei ihm Hemithea darf, P. Sc. Gr. 2 fragm. 443—461*. Welcher 
und wirdj von Achill verfolgt, von der Erde griech. Trag. 1 p. 113—117. Der Protesilaos 
verschlungen. Der Diener heifst Mnemon; vgl. 50 des Euripides ist anderen Inhaltes. BildKche 
Lykophr. 240 ff. Der Tod, den Tenes durch Darstellungen auf Sarkophagreliefs (TFe?cfer .4. 
Achilles bei der Verteidigung des Vaterlandes JD. 3, 553 ff. Overb. a. a. 0. 327 ff.) sind auf die 
erlitten, wift auch erwähnt bei PaMS. 10, 14, 4. Tragödie zurückzuführen (vgl. Brunn troisch. 
Auf einen gleichen Tod führt auch Diodor. Mise. 1880 p. 174). 

Sic. 5, 83, welcher erzählt, auf Tenedos habe 2) Tod des Kyknos. Der Tod des Kyk- 

ein Gesetz verboten , in dem daselbst befind- nos am Kaikos (nach Sen. Troad. 237 u. Agam. 

liehen dem Tenes geweihten Tempel den Na- 216) durch die Hand des Achill war eine sehr 

men des Achill auszusprechen. Der Tod des beliebte Sage und hat daher gar manche Ent- 

Tenes kann aber auch bei einer späteren Lan- wicklungsphasen durchgemacht. Während Ptnd. 
düng .des Achill erfofgt sein. Jedenfalls ist so 0. 2, 82 (146) u. J. 5, 39 (49). Senec. a. a. 0. 

die Sage neueren Ursprungs, da sie bei kei- u. Quintus Smyrn. 4, 153 einfach seinen Tod 

nem älteren My thographen vorkommt, und hat durch Achill erwähnen (nach letzterem war er ein 

sich aus der Sage von Kyknos entwickelt, wel- Sohn des Poseidon und wurde mit dem Speere ge- 

cher von manchen Vater des Tenes genannt tötet), weifs Aristoteles rhet. 2, 22, 10 (374, 51 P.) 

wird (vgl. Seh. II. 1 , 38). Die Tragödie Te- schon zu erzählen, dafs er unverwundbar gewe- 

nes , fälschlich dem Euripides zugeschrieben sen, und sein Tod erfolgt sei, als er die Griechen 

{Vit. Eurip. Cod. Medial., W. Dindorf 3 am Landen verhindern wollte. Bei Lykophr. 

fragm. 696 u. Weleker griech. Tr. 2, p. 499 f ), 232 zerschmettert ihm Achilles die Schultern 

KoscHEit, Lexikon der gr, u. röm. Mythol. 2 



35 Achilleiis nacihom. Acbilleus naolihoni. 86 

mit einem Steine; Teetzes hingegen bemerkt, es 2, 105), jedenfalls eine Folg<! (Ich W«|JTonitUl- 
sei der Kopf gewesen, an dem allein er ver- Standes. Lykophron 171 spricht al)i>r nur ▼©«> 
■wundbar war. Palaiphatös de incred. 12 be- einer Vereinigung derselben im 'Priiumn (Aohil- 
ricMet nur, er sei unverwundbar gewesen und les der fünfte Gemahl der Ili'lonii, Tgl. 
habe, auch als er vom Achilles mit einem Steine Tzetzes zu dieser Stelle, wolchnr imch xu 141. 
getötet worden, keine Wunde davongetragen. bemerkt, dafs Achill sich nur dem 'rrimmbilde 
Ausführlicher Bictys 2, 12. 13. Eyknos über- der Helena in Liebe gesellt liiihi'. Kbniino der 
fällt die Griechen, welche, nachdem sie schon Scholiast zu II. S, 140). Die Vrroininung Ut 
das Schiffslager aufgeschlagen haben, mit der dargestellt auf einem pomixyaiiiHi'lii'ii Wand- 
Bestattung des Protesilaos beschäftigt sind, lo gemälde bei OverbecJc a. a. U. ilHfi II'. Ifelbig 
und schlägt sie in die Flucht. Da kommt a. a. 0. 327 deutet es auf Ares und Aphrodite, 
Achill zu Hilfe und tötet ihn. Am einge- Diese Liebe zur Helena bonut/.tci nun wahr- 
hendsten Ovid. M. 12, 64 ff. Achilles sucht acheinlich der Dichter der Kjpiiiiii ii.Ih MotlY 
bei der unglücklichen Landung der Achäer, dazu, dafs 

nachdem Hektor und Kyknos schon viele ge- 8) Achilles die nachltückkdhr in die 
tötet, jene im Schlachtgewühle und stöfst Heimattrachtenden Achäer ünrdokhftlt 
auf Kyknos. Dieser, ein Sohn des Poseidon, und durch beutereiche Raubzüge gogea 
ist unverwundbar, und so prallt des Achilles benachbarte Länder und Städte die 
Lanze wiederholt an seinemKörper ab. Auch Lust am Kriege bei ihnen /.n wockon 
das alsdann von Achilles angewandte Schwert 20 sucht; denn dieser zieht sich, du, die Hier 
fruchtet nicht. Da dreht er dasselbe herum infolge der ersten schweren Niederlage die 
und sucht Kyknos durch Schläge auf Kopf offene Feldschlacht vermeiden, in di(i Länge 
und Schläfe zu betäuben. Dies gelingt; Kyk- und macht keine Fortschritte (vgl. Thuhjd. 1, 
nos stürzt beim Rückwärtssohreiten über einen 11). Es folgen in den Kyprien die Züge gegen 
Stein, Achill kniet auf ihn, erwürgt ihn mit Aineias, Lyrnessos, Pedasos und andere 
dem Helmband und beraubt ihn der Waffen. , Orte der Umgegend. Während nun der Raub 
Nach Welcher Gr. Tr. 1, 116 behandelten den der Kinder des Aineias durch Achill späterhin 
Tod des Kyknos die Hotftfj'Es des Sophokles keine Erwähnung findet, sind die andern Jiaub- 
und 3 , 961 der Kyknos des Achaios. Anders züge mannigfach ausgeschmückt worden. Nach 
Urlichs. DerKyknoädesAischylos beruht auf 30 Part?!e«ios narr. am. 26 tötet er auf dem 
Vermutung. Den siegreichen Kampf des Achill Verheerungszuge gegen Lesbos {11. 9, 129. 271. 
gegen den unverwundeten Kyknos erblickt 664) den Trambelos (n. EustatJi. z. II. 343, 
Brunn tr. Mise. 1880 p. 201 ff. auf einer Trink- 5 in Milet, wo die Quelle, in welcher er sich 
schale des Duris bei Fröhner, Choix des vases nach dem Blutvergiefsen reinigte, seinen Na- 
du prince Napoleon pl. 2—4 u. Ganze, Übungs- men trug), den Sohn des Telamon und errich- 
bläifer Ser. 6, 7. Auf den Tod des Kyknos tet ihm, nachdem er von dem Sterbenden dessen 
läfst Ovid a. a. 0. 146 einen Waffenstillstand Herkunft erfahren, unter Wehklagen ein Denk- 
folgen; vor diesem aber setzt Welcher ep. OyU. mal. Ebenso Tietz. Lyk. 467, der von einem 
2, 104 einen auf einer Vase aus Vulci {ann. Zuge gegen Milet spricht. — Nach Parth. a. 
d. Inst. 5. Welcher A. D. 3, 428 ff.) wahrschein- 40 a. 0. 21 leistete Methymna ihm kräftigen Wi- 
lich nach den Kyprien dargestellten derstand. Da erblickt Peisi4ike, die Tochter 

3) aufgeh obenenZweikampfdes des Königs , ihn von der Mauer, verliebt sich 
Achilles und Hettor an, 'eine Nachahmung und schickt ihre Amme zu ihm mit dem Ver- 
des zwischen Aias und Hektor unter ausge- sprechen, die Stadt zu überliefern, wenn er 
tauschten Geschenken aufgehobenen Zweikam- sie zu seinem Weibe mache. Achilles geht 
pfes im 7. Gesänge der Ilias 273—283' (vgL darauf ein, aber in den Besitz der Stadt ge- 
Overbcck a. a. 0. p. 3331). Wenn nun Ovid kommen läfst er die Verräterin steinigen. — 
a. a. 0. erwähnt, dafs Achill im Gewühle der Ferner erzählten nach Schal. IL 6, 35 u. Eu- 

. Schlacht tiach den beiden Hauptgegnern Kyk- stath. I. p. 621, 15 Hesiod und Demetrios von 
nos und Hektor gesucht habe, so würde sich so der Belagerung von Pedasos (auch Menenia 
an die Bekämpfung und Besiegung des ersteren oder Monenia damals genannt) Folgendes. Als 
der Kampf mit dem andern sehr folgerichtig Achill schon im Begriff ist, von dem stark be- 
anreihen. Auf das im Vasenbilde geschilderte festigten Orte abzuziehen, wirft eme Jungfrau 
friedliche Auseinandergehen der beiden Hei- Pedasa, in Liebe entbrannt, ihm einen Apfel 
den lasse ich demnach folgen den von Ovid zu, auf welchem geschrieben stand, er möchte 
erwähnten nicht abziehen, sondern die Belagerung fort- 

4) Waffenstillstand, in welchen fallen setzen, da die Belagerten an grofsem Wasser- 
würde das bei Proklos erwähnte Begräbnis mangel litten. Achill folgt der Weisung land 
der Gefallenen und die vergebliche Ge- bemächtigt sich des Ortes, den er nunmehr 
sandtschaft der Griechen nach Troja 60 Pedasos nennt. BeiDictys2,lG beginnt Achill 
behufs friedlicher Heiausgabe der He- mit der Eroberung von Lesbos, wo er Uio- 
lena und der Schätze. Dann folgt mede, die Tochter des Phorbas erbeutet; dann 

5) Vergeblicher Sturm auf dieMaue r. nimmt er Skyros und Hierapolis. Da or allea, 

6) Verheerung von Troas und der was er Troja freundlich gesinnt glaubt, ver- 
umliegenden Städte. wüstet, bitten die umwohnondon ynlkümchaf- 

7) Wunderbare Zusammenkunft des ten um Frieden, indem sie ihm die 11111110 des 
Achilles und der Helena durch Thetis Ertrages ihrer Felder anbieten. AcliilleM nimmt 
und Aphrodite vermittelt (vgl. Welcher ep. C. es an und kehrt im Lager zurilck. Aber bald 



37 Achilleus nachliom. Achilleus nachhom. 38 

wendet er sich gegen Lyrnessos, erobert es und Myth. Vat. 2, 210. Als Knabe, aber doch am 
führt von dort die Astynome (urspr. Name der Kampfe beteiligt, erscheint er bei Vergil. Aen. 
Chryseis, ygl. Eustath. ad I. 77, 30. 118), die 1, 474 ff. ebenso bei Quint. Sm. 4 (155) 413. 
Tochter des Königs Eetion fort. Dann nimmt er 419 S. und Auson. epith. 18. Bei beiden also 
Pedasos, die Stadt des Brises, ein und erbeutet stirbt er in der Feldschlacht, und zwar ver- 
dessen Tochter Hippodameia (urspr. Name der legte Vergil den Kampf und Tod durch Achill 
Briseis n. UmsJ. ad IL 77, 32. Tsetz. Ante- in die Zeit des 10. Buches der Uias, Quin- 
hom. 350. Jo. Mal. p. 126). — Als besonnenen tua nach den Tod des Polydoros , welcher 
Berater auf diesen Zügen (nach Phil. Her. 733 in das 20. Buch der Ilias fällt (20 , 413), Au- 
nahm er 23 Städte ein und gewann reiche Beute) lo sonius sogar nach den Fall Hektors. Als 
bat sich Achill — so erzählt PA«7. J7er. 712, den vollbärtiger Mann hingegen erscheint er bei 
Palamedes aus, da er selbst in allzu stürmischer Tzetz. Posthorn. 384; er nimmt an den Ama- 
und wenig vorsichtiger Weise Krieg fährte zonenkämpfen teil 52, lebt noch beim Tode 
(ebenso Teetzes Antehom. 265 und 346). Bei des Hektor und wird von Achill als streitba- 
der Belagerung von Abydos wurden beide ver- rer Wagenkämpfer in der Feldschlacht am 
wundet; Achill zieht sich deshalb zurück, Pa- Skamander erschlagen. Bei Dares 33 endlich 
lamedes aber nimmt die Stadt ein. — Endlich erscheint Troilos als gewaltiger Held, der un- 
erwähnt der Schol. II. 1 , 328 unter den auf ter den Achäern grofse Verheerungen anrich- 
Seezügen erbeuteten Städten Sestos und Abydos,' tet. Hierdurch wird Achilles bewogen, wieder 
die er aber, weil zu fest, nicht zerstört habe, 20 am Kampfe teilzunehmen, wird aber von Tro- 
und Eustath. II. 2, 690 (322, 25) nennt als die ilos verwundet und gezwungen, das Feld zu 
zwölf Städte, die er zu Lande eroberte, Lyt- räumen. Tagelang verhindert am Kampfe sich 
nessos, Pedasos, Thebe, Zeleia, Adrasteia, Pi- zu beteiligen ermahnt er die Myrmidonen zu 
tya, Perkote, Arisbe, Abydos, ergänzt werden einem Angriffe auf Troilos, allein viele Myr- 
Chryse und Killa. Dafs Hesiod die Plünde- midonen fallen. Da stürzt sein Eofs und wirft 
rungszüge des Achilles besungen, berichtet &/(. ihn ab, Achill kommt hinzu und tötet ihn, 
II. 6, 35. den Leichnam initzunehmen wird er von Mem- 

Auf einem der von Achilles unternommenen non verhindert, der ihn selbst verwundet. Da- 

Streifzüge durch das troische Gebiet erfolgt rauf verfolgt er den Memnon und tötet ihn. 

9) die Tötung des Troilos, ein auf 30 — So wird ans dem zarten Knaben im Laufe 

Vasen und andern Kunstdenkmälern aufseror- der Jahrhunderte ein riesiger Kämpe, der selbst 

deutlich oft dargestellter Gegenstand. Mit dem Achill gewachsen ist. 
Hilfe dieser ist man imstande, die Erzählung Ganz anders die Sage bei Diclys 4, 9. 

des Epos resp. des Dramas zu rekonstruieren: Achill fängt Lykaon und Troilos und läfst sie 

denn die schriftlichen Zeugnisse bieten wenig. im Lager der Achäer niedermachen, weil Pria- 

Die Sage hat im Laufe der Zeit mannigfal- mos seinen Verpflichtungen nicht nachgetom- 

tige Wandelungen durchzumachen gehabt. II. men ist. 

24, 258 n^nt Priamos Hektor, Mnestor und Das erotische Element tritt zuerst hervor 

Troilos die besten seiner Söhne , welche im bei Servius Ae. 1 , 478. Achill war für den 

Kriege umgekommen seien. Und giebt Troilos das 40 Knaben in Liebe entbrannt; um ihn in seine 

Epitheton iTurtojja^fKjg. Der Scholiast bemerkt Gewalt zu bekommen, habe er den Knaben 

dazu, dafs, da dies Wort nur von einem Manne durch vorgehaltene Eingeltauben, welche die- 

gebraucht würde, man sich den homerischen ser sehr liebte, an sich gelockt, ihn festgehal- 

Troilos als streitbaren Helden zu denken habe, ten, und in seiner Umarmung wäre der Knabe 

während die Jüngeren ihn zu einem rosselie- gestorben. Ähnlich Tzetz. LyJc. 307. Achilles 

benden Knaben gemacht hätten. Er will also liebt den Troilos, ohne Gegenliebe zu finden. 

ixnwxdefi'ng in der Bedeutung 'Wagenkämpfer' Deshalb verfolgt er ihn; dieser flieht aber in 

gefafst haben, während es der spätere Mythus das schützende Heiligtum des thymbräisohen 

als 'rossefroh' fafste. Weiter bemerkt der Apollo. Nach vergeblichen Versuchen, ihn 

Scholiast zu der Stelle , in dem Troilos des 50 zum Verlassen des Tempels zu überreden, dringt 

Sophokles habe Achill diesem beim Ein- er ein und tötet ihn auf dem Altare. Infolge 

reiten von Pferden in der Nähe des thym-" dessen tötet Apollo, den Knaben rächend, an 

bräischen Heiligtumes aufgelauert {loxiv&rj- gleicher Stelle den Achilles. Hier erfolgt der 

VCCI mit Welcker statt des überlieferten öjjfu- Mord erst nach dem Tode des Memnon. So 

&rivai) und ihn getötet; das Gleiche giebt an die schriftlichen Berichte. 
Eust. a. a. 0. Die Fassung der Sage, wie wir Weit zahlreicher und stofiialtiger sind die 

sie bei Sophokles finden , geht jedenfalls auf Bildwerke. Nach ihnen hat Welcker in der 

das Epos zurück; mit ihr stimmen auch die Zeitschrift für die Altertumswissenschaft 1850. 

Kunstdenkmäler überein. Doch davon später. Nr. 4 ff. u. 13 f. und in den Annalen des In- 

Nunmehr erscheint er in den schriftlichen Zeug- 60 siiiMtes 1850 p. 66 fr. für die epische Darstel- 

nissen lange Zeit hindurch als Knabe; Nach lung (resp. die dramatische), nach welcher sie 

Apollodor Bibl. 3, 12, 12 war er der jüngste gearbeitet sind, folgende vier Momente "anter- 

Sohn des Priamos und der Hekabe, galt aber schieden: 

f iär einen Sohn des Apollo, infolge dessen hatte a) Achilles im Hinterhalt hinter dem Brun- 

sein Tod (Tzetz. Posth. 385) dem Orakel ge- neu. Overheck a. a. 0. p. 339 ff. 
mäfä den Tod des Achilles zur Folge. Sein ß) Verfolgung des lYoilos und der Poly- 

Tod durch Achilles wird schlechthin erwähnt xena Overbeck p. 344 ff. 
Dio Chr. Or. 11, 338 iE). Sen. Agam. 747. y) Troilos' Tod. Overbeck 359 ff. 

2* 



39 Achilleus nachliom. Achilleus nachhom. 40 

S) Kampf über der Leiche. Overheck 364 ff. Standbild. 734 bricht der Groll gegen den 

Welcher, alte BenJcm. 5, 439 ff. O. Jahn, Tele- Agamemnon über den Tod des Freundes in 

phos u. Troilos Kiel 1841. Gerhard D. u. F. der zur Beuteverteilung angesetzten Volksver- 

1856 w. 93 t. 91—94. Jahn, Tel ephos u. Troi- Sammlung aus. HierHclbst von Agamemnon 

los, an Welcher 16. Okt. 1859. Arch. Ztg. 1863, und Odysseus der Verriltere-i beschuldigt wirft 

57ff. Ihicl. 1871. Tfl; 48. . {Schreiler, Ann. d. er den Odysseus aus der Volksversammlung, 

Jwsi. 1875 p. 188ff. Klein, Euphronios -g. 79 ff. überschüttet Agamemnon mit Schrnfthreden und 

LucJcenbach in Jahrb. Suppl. 11 p. 600 ff. zieht sich vom Kampfo zurück. Hingegen 

Schreiber.] Brunn, urne Mr. t. 48 ff. Schlie stellt Tzetz. Antehom. 806 den Palamedes als 

a. a. 0. p. 85 ff. lo Verführer hin, ebenso Fragm. Uffcnhaeh. 681; 

Die dürftigen Fragm. des Troilos d. Soph., den Groll des Achill aber leitet er in glei- 

von dem Welcktr gr. Tr. 1 p. 124 — 129 eine eher Weise vom Mordo dos Palamedes her 

Rekonstruktion versucht hat, bei Dindorf 548 Som. 3. 

—562". Eine Komödie Troilos schrieb Strat- Die Kyprien schliefsen mit der Hinweisung 

tis, vgl. Meineice Eist. com. Or. p. 232. Viel- auf des Zeus Ratschlufa, Achill zu der Troer 

leicht übersetzte Quintus Cicero den Troilos Erleichterung vom Griechenheoro zu trennen. 

des Sophokles. Vgl. Cicero ad Quint. fr. 6, Über diesen Schlufs im Oogonsatze zur Auf- 

7 (mit Fritzsche Troilum statt des überliefer- fassnng der Ilias , wo 'Zeus nur unfern den 

ten irodam) u. Rihbeck, Rom. Trag. 618 f. Bitten der Thetis nachgiobt, den AuhUl dureli 

Mit dem von den Troern zur Rettung der 20 den Sieg der Troer zu ehren' vgl. Wdcker, 

Leiche des Troilos gemachten Ausfalle bringt ep. Cykl. 2, 149. • • 

Welcher ep. Cyhl. p. 147 in Verbindung die , „. „ ^ .„ r ^ ü. . -j 

10) Gefangennahme desLykaon. Über «) Die Sagen des 10. Jahres, soweit sie der 
die Sage bei Homer vgl. II. 21, 35. 23, 746. ^las angehören, m spaterer, besonders drama- r 
In den Kyprien [Proklos] erfolgt Lykaons Ver- tischer iassung. 

kauf nach Lemnos durch Patroklos. Quintus Nach Ribbecks Vermutung(a. a. O.p. 116 ff.) 

Sm. 4, 382 ff. giebt als Entgelt für Lykaon zwei beschäftigte sich der Achilles d(!H Arigtarchoe, ; 

silberne Mischkrüge, Werke des Hephaistos, an. welchen Bnniua in seinein Achilhn Aridtarchi 

Anders Bictys 4,5, vergleiche oben Abschnitt 9 zum Vorbild nahm, mit dem Anfang der Ilias 

S. 38. Bei Dares fällt Lykaon durch Achill in 30 und schilderte den Beginn des Btraites zwi- 

einer weit früheren Schlacht, als bei Homer. sehen Achill und den Atridon betreffs der Bri- 

Hierauf folgte in den Kyprien die seis und seine Folgen. 

11) Verteilung der Beute, welche in Livius Andronicus aber und Ennius scheinen 
den Raubzügen insgemein gemacht worden in dem von ihnen verfafsten und auf griechische 
war. Achill empfängt als Ehrengeschenk die Originale zurückzuführenden 'Achilles' die ver- = 
Briseis (II. 1, 366. 6, 414. 9, 128. 328. 11, gebliohe Gesandtschaft der Griechen an Achill, , 
625. Od. 3, 105). Nach II. 9, 665 u. Dictys ihn zur Teilnahme am Kampfe zu bewegen, : 
2, 19 behält er aufserdem für sich die Dio- und die sich daran knüpfenden Folgen behan- 
mede zurück, welche Dictys zu einer Jugend- delt zu haben, siehe Mihbeck a. a. 0. pj). 26 
genossin der Briseis macht und den Achill 40 u. 112. Die hierher gehörigen Vasenbilder' ,, 
fufsfällig anflehen läfst, sie beide nicht zu weichen in manchen Stücken von dar homeri- l 
trennen. Bei Tzetz. Antehom. 350 u. Fragm. sehen Schildernng__ab und lassen einen Rück- 
Uffenh. p. 679 aber behält er die Hippodameia schlufs auf die Änderungen machen, welche 
ohne Vorwissen der Achäer zurück , während sich der tragische Dichter gestattete. 

er die übrigen Schätze nebst der Chryseis der Die Trilogie des Äsohylus UxtXli^it bestand 

Volksversammlung der Achäer ausliefert. Nach aus drei Stücken: MvQiiiöoveg, Nriifttäff, <Ppi5- 

Phil. Her. 733 endlich läfst er sich von der ysg oder "Exropoj AuTgre und benandelt 'dea 

ganzen reichen von ihm gemachten Beute tragischen Stoff, welchen man in dorn Namen 

nur eine Jungfrau geben. IlavQÖKlsia zusammenfassen könnte, in drei 

Eine dem Homer fremde Sage ist der Eo Akten: nämlich im ersten den Zorn Achills 

12) Tod des Palamedes, auch in den bis zum Tode des Patroklos, im zweiton Achills ; 
Kyprien und in den Dramen des Sophokles Auszug und siegreichen Kampf mit Hektor, , 
und Euripides hatte Achill damit nichts zu im dritten die Auslösung des Leichnams durch 
thun. Vgl. Welcker gr. Tr. 1 p. 134. Erst Priamos' {Bibbech a. a. 0. 349). Der Inhalt 
Philostratus Her. machte den Palamedes zu der Myrmidonen , in welchen diese den Chor 
einem Jugend- und Kampfesgenossen des Achill; bildeten, ist nach Welcher, Tr. 1, 410 ff. fol- 
beide waren durch innige Freundschaft ver- gender. Achill sitzt zürnend in seinem Zelte, ; 
bunden. Her. 712 ff. Während sie Lyrnessos imbeweglich und stumm (bis zum dritten Akte 
belagern, redet Odysseus dem Agamemnon ein, redet er kein Wort); die Achäer sind in hoch- ^ 
Achill strebe nach der Oberherrschaft, Helfers- 60 ster Not; die dringenden Bitten dos Patroklos ' 
helfer sei besonders Palamedes. Er wird dem- und das Grollen des Chores hat endlich zur 
nach «unter einem Verwände zurückgerufen Folge, dafs er sie in den, Kampf entläfst. Wäh- 
und getötet. Der entrüstete AchUl hält sich, rend der Kampf tobt, erschemt eine Gesandt- 
nach der Eroberung von Lyrnessos vor Troja schaft der Myrmidonen vom Schlachtfelde, die 
zurückgekehrt, vom Kampfe fern, bringt dem Not der Achäer zu schildern und ihn zum 
Freunde Totenopfer und bittet um seine Hilfe. Kampfe zu rufen. Allein Achill bleibt trotz 
Mit Aias (716) begräbt er ihn im äolischen der Gefahr der Seinen unbeweglich und sprach- 
Gebiete und errichtet ihm ein Heiligtum und los. Das Schweigen löst endlich Antilochos, 



41 



Achilleus nachhom. 



AcMlleus nacliliom. 



42 



welclier die Kunde vom Tode des Patrokloa 
bringt. Nun yergifst der Held des Zorns, an 
dessen Stelle das Verlangen nach Rache tritt; 
den Sohl ufs bilden höchste Kam pfbegeistemng, 
feurige Rachegelübde und der Ruf nach Waf- 
fen {onXiav, onXmv äst). 

Der Anfang des zweiten Stückes, in wel- 
chem nach Welcker die Nereiden den Chor 
bildeten , setzt die Bitte des Achill an Thetis, 
ihm neue Waffen zu verschaffen, voraus. Den 
Beginn bildet die Überbringung der Waffen 
durch die Nereiden und Thetis, nach G. Her- 
mann, opusc. 5, 136 nur durch die Nereiden (vgl. 
die plastische Darstellung des Skopas Plin. 
36, 4, 7 und die Kypseloslade Patis. 5, 19, 7 f , 
wo der Kentaur Cheiron, Hephaistos, die Ne- 
reiden und ein Diener nebst Zweigespann 
Thetis begleiten). Darauf folgte die allgemeine 
Klage um den Tod des Freundes, dessen Leiche 
wahrs<jheinlich nunmehr gebracht wurde, die 
Aussöhnung mit Agamemnon durch Odys- 
seus , Übergabe der Briseis und Anlegung 
der Waffen. Alle undramatischen Momente, 
wie Kämpfe etc. mufsten natürlich in Weg- 
fall kommen. Im dritten Stücke, in denen 
Phryger den Chor bildeten und welches mit 




Münze des Pyrrhos, aus Imhoofs Sammlung. 

dem Unternehmen des Priamos (nach G. Her- 
mann a. a. 0. von Andromache begleitet), den 
Sohn auszulösen, beginnt, scheint Hermes den- 
selben angemeldet, und der Chor das Kommen 
seines Herrn vorbereitet zu haben. Den Schlufs 
machte die Erweichung des Achill durch die 
Bitten und die Trauer des greisen Priamos. 
Wie im ersten Stücke finden wir ihn auch 
hier lange in stumme Trauer versunken,' tief 
eingehüllt vor seinem Zelte sitzend. Dies ist 
der Hauptunterschied des Achill der Ilias von 
dem des Äschylus; das verhüllte Haupt und 
die Stummheit charakterisieren die tiefe Trauer 
des Helden, welche sich nicht wie bei Homer 
in äufserlichem Gebaren und stolzer Härte 
äufsert. 'Wie mit der Glorie seines Zornes 
sein tiefster Schmerz sich verbindet, war im 
mittleren Drama der Achilleis enthalten und 
wie er erschöpft im Hafs und im Trauern von 
beiden sich scheidet , im dritten , welcher 
uns vorhält, welche Frucht hinter der herrli- 
chen Blüte des Irdischen anreife'. Welcher, 
äsch. Tr. 1, 430. Der Schlufs der Trilogie ist 
wiederholt dargestellt in Basreliefs. 

Die Gesandtschaft an Achilles auf Vasen- 
gemäiden bei Overbeck a. a. 0. p. 408 ff. ; die 
Trauer des Achill Mon. d. I. 6, 19—21. Brunn 
Ann. 30, 352 flf. Totenopfer an Patroklos Mon. 
d. I. 6, 31. Ann. 1859, 353 ff. Mon. 9, 32. 33. 
Michaelis Ann. 1871, 166 ff. Sdilie a. a. 0. 
p. 120 ff. Überbringimg der Waffen durch The- 



tis Overl. p. 436 flf, «ww. 1858 iav. Q.; barbe- 
rinische Cista Monwni. 8, 31: vgl. Bull. 1868 
p.. 70. 88. 185 f 1869 p. 127. Overbeclc 432 flf. 
O. Jahn, Ber. d. Sachs. Ges. 1854, 1863. Boulee, 
choix d. V. p. pl. 14. Stephani, comptes rend. 1865, 
41 ff. Empfang des Priamos bei Achilles auf 
der Vase von Cervetri monum. 8, 27. Benndorf 
ann. 1866 p. 241 flf. und auf einer Münchener 
Vase Jahn , Münchner Vas. n. 404. Overbeck 

10 a. a. 0. 468 ff. Hier nimmt Achilles den Greis 
freundlich auf ; auf anderen Darstellungen {Ger- 
hard auserles. griech. Fas. 197. JfomMm.6,19— 21; 
ann. 1858 tav. Q.) ist er kalt und düster als 
Trauernder in seinen Mantel gehüllt. Auf dem 
Sarkophage von Ephesus 1) Rückkehr der 
Leiche des Patroklos. 2) Rüstung Achills. 3) 
Hektors Schleifung. 4) Auslösung und Abwä- 
gung der Leiche gegen Gold, wie bei Aschy- 
las.- Gonge, arch. Anz. 1864 p. 212*. Benn- 

20 dorf, ann. 1866 p. 241 f. Auf Seite 4 finden 
sich folgende Personen: Achilles, Priamos, An- 
dromache, Odysseus und Astyanax. Hekabe 
mit zwei Trojanern bei der auf dem Wagen 
liegenden Leiche ihres Sohnes. Nach den Ex- 
cerpten des Ptolemäos N. H. 6, Bietys 3, 
20 ff. Tzetees Hom. 307 ff. begleiten Polyxena 
und Andromache nebst ihren kleinen Söhnen 
Astyanax und Laodamas den Priamos, welcher 
auf Wagen Gold, Silber und kostbare Gewän- 

30 der mit sich führt, zu Achilles. Den ihm ent- 
gegenkommenden Fürsten wirft sich der Greis 
zu Füfsen mit der Bitte, Fürsprache bei Achill 
für ihn einzulegen. Nestor wird erweicht, 
während Odysseus unnachgiebig bleibt. Achill 
läfst die Bittsteller durch Automodon vor sich 
führen; in seinem Schofse hält er die Urne 
mit der Asche des Patroklos. Priamos sinkt, 
nachdem er gesprochen, in Ohnmacht, Andro- 
mache aber heifst ihren Knaben vor Achill 

40 niederknieen und bittet ihn dann selbst fufs- 

• fällig, ihr wenigstens den Anblick der Leiche 
des Gatten zu gewähren. Phoinix tröstet den 
Priamos (vgl. Gerhard auserl. Griech. Vas. 197 
u. Jahn griedi. Bilderchron. 24) ; Achill aber 
hält, nachdem er den König hart angelassen, 
mit den Giiechenführern Rat, die ihm die Aus- 
lösung der Leiche anempfehlen. Als nun auch 
Polyxena bei seinem Wiedereintritt in das 
Zelt sich ihm fufsfällig zur Sklavin anbie- 

50 tet, ist sein Groll gebrochen, er bricht in 
Thränen aus, hebt Polyxena auf, nimmt dem 
Priamos das Trauergewand ab und heifst ihn 
durch Speise sich stärken. — Achills Klage 
' um Patroklos und Abwägung der Leiche des 
Hektor gegen Gold auf dem Silbergefäfs von 
Bernay bei Overbeck a. a. 0. 481. Benndorf 
a. a. 0. p. 254; auf der Campanaschen Vase 
Monum. 5, 11 {L. Schmidt ann. 1849 p. 240 ff.). 
— Schliefslich sei es noch erwähnt, dafs bei 

60 Späteren Briseis Hippodameia heifst, siehe oben 
Homerische Myth. p. 1, 14 Z. 14, und dafs nach 
den Fragm. Uffenbach. p. 679 ff. u. Tzetg. Hom. 
V. 351. 355 nicht die Soldaten bei Verteilung 
der Beate dem Achilles die Bristsis zugespro- 
chen hatten , sondern dafs ihm vorgeworfen 
wurde, er habe sie als Beutestück verheimlicht 
und seiner Leidenschaft folgend sich wider- 
rechtlich angeeignet. — Eine Scene auf der 



43 Achilleus nacliliom. Achilleus naclihom. 44 

Kypseloslade endlich ging auf die Paus. 5, stand aus. Achill fährt darauf nach Lesbos 
19 , 2 erwähnte nachhomerische Sage , nach und wird, nachdem er dem Apollo, der Art«- 
welcher Cheiron, der inzwischen unter die Göt- mis und Leto geopfert, durch Odyaseus vom 
ter versetzt worden war , dem Achilles , als Morde gereinigt. Da kommt Meinnon , der 
sich dieser in dem Schmerze um den getöte- Sohn der Eos, in seiner von Uephaistos gefer- 
ten PatroMos aufzuzehren drohte, ein Nejjpn- tigten Rüstung den Troern zu Hilfe, Thotis 
thes zusendete. prophezeit dem Sohne das Schicksal dos Mem- 
Einen 'Axillsvg haben geschrieben lophon, non, durch dessen llaiid AnliloclioH im Kampfe 
Kleophon, Chairemon, Karkinos und Diogenes fällt, der aber darauf selbst von Achilles ge- 
vonSinope, über deren Inhalt wir nichts wissen, lo tötet wird. Dieser schlilgt dann die Troer in 
Nach dem ersten Stücke der äschyl. Trilogie die Flucht, wird abiT, eben im Itogriff in die 
hat vermutlich Accius seine Myrmidonen ge- Stadt einzudringen, von l'iirls im«! Apoll ge- 
schrieben, welches Drama wahrscheinlich mit tötet. Um seinen Leichniini cntHtclit ein furcht- 
dem 'Achilles' identisch ist; vgl. iB*6ecfcp. 349, barer Kampf, bis es d(ini Aian geliiiijt, den- 
während die Bpinausimache desselben Verfas- selben nach den Schilleii zu Inigen, wahrend 
sers wahrscheinlich einer jüngeren Überarbei- Odysseus die Troer abwclnt. Hierauf folgt 
tung der äschyleischen Nereiden entlehnt ist. die Bestattung des Antil<)(OmH unil die Aus- 
Sie beginnt mit einer Scene, welche die Ungeduld Stellung der Leiche des Achill. Du eritcheint 
des Achilles in den Kampf zu ziehen, um den Thetis mit den Musen uii<l ilncii Schwestern 
Patroklos zu rächen, schildert; den Schlufs bil- 20 und erhebt die Totenklage, ln'i der llnstflttung 
det die Versöhnung mit Priamus. Einen noch aber entführt sie den Soliu dem brennenden 
gröfseren Zeitraum umfassen Hectoris lutra Scheiterhaufen und bringt ihn iincli dur Insel 
des Ennius, da sich die Handlung vom Aus- Leuke. Die Achäer aber cnicliten ilim ein 
zug des Patroklos bis zur Auslieferung der Denkmal und feiern LinclKMiHpicUe, wobei sich 
Leiche an Priamos erstreckt, also die ganze zwischen Odysseus und AiaN Streit (Iber die 
äschyleische Trilogie umfafst (Bibbeck lid &.). Waffen erhebt. Über den ZuHamiiieidmng siehe 
Neu ist, dafa der im Kampfe von Sokos ver- WelcJcer ep. Cycl. 2, 170 11. 
wundete Ulixes sich in das Zelt des Peliden 1) Die Sagen von (l(?r l'eritli (^sileia, mit 
flüchtet und dafs dieser, nachdem er die Kunde Vorliebe von Dichtern und KüiiMtldrii behan- 
vom Tode des Freundes vernommen, voll Be- 30 delt, und die vom Tode di^s TlierHiteB ge- 
gierde am Kampfe teilzunehmen von einem stalten sich folgenderuialHc^n. 
seiner Myrmidonen Waffen leihen will, keiner Penthesileia, die Ania/.onenldlnigin ansThra- 
aber ihm den Wunsch gewährt, weil sie selbst kien (so die ausführliche Scliildening dos Quin- 
mitkämpfen wollen. — Für ein Drama des tit« Sm. 1, 476 fl^.), welclu? nach Srh. IL 24, 804 
Sophokles ^gvyfs, die "JSxröpog Xirga darstel- während des LeichenbcgiingiiiHMc^H des Uektor 
lend, treten ein Welcher {Gr. Tr. 2, 134) und vor Troja anlangte, wirft die Acliller in die 
(r.lfe)TO(tM«; andere zweifeln dies an. Aufser- Flucht, verfolgt sie bis in das l,iigui' und ist 
dem werden noch genannt die "Ejtropos lOTga schon daran, die Schule anzu/.i'lndoii , als der 
des Dionj'sios und Timesitheos, über welche bei Achilles weilende Aias dan Woligoschrei 
nichts weiter bekarmt ist. Ebenso unbestimmt 40 hört und denselben znni Kiini|ifc) auilbrdert. 
ist es, ob und in welcher Weise Achill in dem - So machen sich beid(' auf. Am» kämpft zu- 
"Ev.x(a^ des Astydamas und dem Hector profi- erst ohne Erfolg; Achill alier durchbohrt die 
ciscens des Ennius verwendet worden ist {Bib- von ihm schon an der rechtrcn Brust vcrwun- 
beclc p. 46 f.). dete Amazone mit einem zweilen Wftrfu samt 
Wie die spätere, verderbte Zeit die reine dem Pferde, so dafs sie mi Hodim sinkt. Als 
Freundschaft des Achill und Patroklos auf- er ihr aber den Helm abnimmt und ihre Bchön- 
fafste, erhellt aus der interpolierten Stelle heit gewahrt, ergreift Liebe und Trauer sein 
Plato Symp.'l,h u. Xenoph. Symp.B,Sl. Athen. Herz, dafs er sie getötet und nicht vielmehr 
13 c. 76. Flut. Amat. 5, p. 13. Aeschin. in als Gemahlin nach l'hthia gefflhrt habe. Da 
TimarcJi. p. 149. Apöllodori Bibl. 3, 13. Lu- 50 schmäht ihn Thersites, Achill alx'r tötet ihn 
cian Amor. 14, p. 457. Sext. Bmpir. Pyrrlwn. zur Freude der Achäor dun-h c^ini^n Faustsohlag 
Hypotypos. 8, 24. p. 176. Martial. Epigr. 11, in das Gesicht. Nur Diomedes, ein Verwandter 
43, 9—11. Philostr. Imag. 2, 7 p. 820. des Thersites, zürnt ihm; mit Gewalt müssen 

die Achäer ihn abhalt(Mi , gegen Achill die 
f) Der Sagenkreis der AitMopls, der kleinen Hände zu erheben — 781. Das Fragment ei- 
nlas, der Ilinpersis und der Nostoi nebst spä- ner statuarischen Gruppe, di(^ Tötung desTher- 
teren Erweiterungen. sites durch Achilles dar8iellen<l, s. b. Vv*. Schöne 
Die Aithiopis umfafste nach Proklos die Arch. Ztg. 1866. Tfl. 208, 1, 2, p. lö.Hlf. 1865. 
Sagen von Hektors Falle bis zur Bestattung Tfl. 76. 0. Jahn, Bildercliron. p. 27. [Jotztals 
des Achill und dem Streite um seine Waffen. 60 Teil einer Scyllagruppe erkannt. Seh.]. Nach 
Er berichtet: 'Den Troern kommt die Ama- Quintus erzählt den Vorgang in gleicherweise 
zone Penthesileia, eine Thrakerin^ Tochter des der Soholiast zu II. 2, 220, während der Scho- 
Ares zu Hilfe, kämpft mit Achill, wird von Hast zu Soph. Philoct. 445 hinzufügt, dafs 
ihm besiegt' und von den Troern begraben; Thersites der toten Penthesileia ein Auge aus- 
darauf tötet Achilles den Thersites , der ihn geschlagen habe, infolgedesson von Achill mit 
wegen seiner angeblichen Liebe zur Penthesi- einemFaustschlage getötet worden sei, imd dafs 
leia verhöhnt und geschmäht hat. Infolge die- Achilles die Penthesileia auch nach ihrem Tode 
ses Mordes bricht unter den Achäern ein Auf- noch geliebt habe. Gegen ersteres polemisiert 



45 AohiUeus nachhom. AcMUeus naditom. 46 

Tzetzes zu Liilcovhr. 999. Nach ihm war der die vier Püfse des Zeusthronea zu Olympia 
Her?fnAol|ender Nachdem es dem Achill einschliersei.den wandartigen Schranken yon 
Svfelen Kämpfen und öfteren Niederlagen dem Maler Panamos, dem Neffen des Pheidias 
endlich gelungen, Penthesileia zu besiegen und Faus. 5, 11 6; derselbe Moment wiedergege- 
zu töten habe er sie in Bewunderung ihrer ben auf der Pulszkyschen Gemme Ov<^leck G. 
Stärke Schönheit und Jugendfrische beweint d. gr. Fl. ^ 2, 163 Fig. 33-, womit, zu yerglei- 
und die Grfechen aufgefordert, ihr ein Leichen- chen die Amazone des Wiener Münz- und An. 
Wänmis zu gewähren Als ihm darauf von tfkenkabmetts bei OverUck ibid. ^ig. 33. i)ie 
Th^erS rkeSe LTebe zu ihr vorgeworfen Kunstwerke, Penthesileias Kampf gegen Achil- 
worden serhabe er ihn mit der Faust erschla- lo leus und ^^l^^^^^Tod darstellend zusammenge- 
gen, Diomedes aber, als Verwandter über den stellt bei Overhecli G h B p. 497tt. .^tscAr/t. 
Mord des Thersites ergrimmt, habe Penthesi- f. Ä. 50 p. 291 ff. BmZ . d. Inst. 1868, 136. 
S in den Skamandef geschleudert Ebenso Den weitereu dürftigen Bericht des Pro- 

Tzetzes Posthorn 116, nur mit der Änderung, klos ergänzt Welcher epC. p. 172 tolgender- 
iafs Achil es die besiegte Penthesileia liegen mafsen: Infolge des Mordes des Thersites ent- 
läßt, um noch andere Amazonen zu töten und steht ein Aufstand der Achaer und Streit zwi- 
die Troer in die Stadt zu jagen. Bei der sehen Achilles und Agamemnon. So verlafst 
Sückkehr von der Verfolgung findet er die im Achilles Troja, wird von Odysseus auf Lesbos 
Sskamrfe liegende, bejammert sie ete. eingeholt, von ihm zur Rückkehr bewogen und 
^TZTjoh Malalas p 161 Weitere Zutha- 20 vom Morde gesühnt. Dann folgt die Ruck- 
ten bei Ä^IT 2 Achill ergreift die Ver- kehr, an welche sich anschliefst die An- 
wiindete an den Haaren und zieht sie vom kunft des , , n 1 1 

Kerde Ke Griechen sind willens, die nur 2) Memnon. Die Angabe des Proklos aus 

Halbtote in den Plufs, oder den Hunden zum der Aithiopis siehe oben. Die Hilfeleistung 
Zerfleischen vorzuwerfen, nur Achill will sie und der Tod derselben einfach erwähnt bei 
begraben Da wirft sie Diomedes unter dem Diodor. Sic. 4, 75. Phüostr. imag. l 1. Se- 
Beifall der Griechen in den Skamander. Die nee. Agan.. 213. Troad. f ^^^'^XJ^S Ä 
einfachste Erzählung bei Tryphiodor y. 37 ff.: Find. Nem. 3, 63. Ol. 2, 83 Isthm. 5 (4)40. 
im Einzelkampfe erlegt Achtes die Amazone 8 (7) 54. Nem. 6, 50 wo Achilles vom Wa- 
ausd« Ferne mit dem Speere, beraubt sie 30 gen gesprungen den Menmon im Fufskampfe er- 
der Waffen und bestattet%ie. Des Sieges legt: ygl. Hyg /. 112. Em neues Motiv fug^e, 
wird in Kürze gedacht bei Hygin. f. ^2. Jerg wie es scheint, Aschylus der alten gage zu 
Ae 1 495 11 661 Seri. Agam. 218. Troad. der nach Plut. de aud. poet. 1, 6bK. bch. II. 
i52 Di/'Liebe zu der Getöteten erwähnt 8, 70 und 22, 208 u. 210 eine Psycho stasie der 
Serv inVerg.Aen. 1, 495. Westermann Myth. Seelen der beiden Kampfer durch Zeus auf 
Gr aw P 381. Justin. M. ad gentes 1. Prop. der Schicksalwage hinzudichtete, wahrend The- 
4 10 13 (3 11, 13) erwähnt aufserdem noch tis auf der emen, Eos auf der andern um das 
die vorhergehende Entblöfsung des Hauptes. Leben des Sohnes bittet. Am ausfuhdichsten 
Von unSrLiebe zur Toten sprechen Nenn. ist die Sage bei QuintusSm.2, 388 behandelt. 
I)tnyft&%S. Liban. Mrfet. 28 p. 967 u. 40 Nestor kommt ^^u Achill, ihm den Tod des 
50 u 51 D 1026-1028; von den von Ther- Antilochos durch Memnon zu melden. Nun 
Sites' ihm gemachten Vorwürfen ScM. in stürmt Achilles zu Fufs auf diesen em und 
Solh PMloct V 444. Endlich erwähnt Sero. verwundet ihn oberhalb des Schildes an der 
zuVerq Aen. 11, 661 eiae von mehreren an- rechten Schulter, nachdem dieser ihm selbst 
geführte Sage von der Liebe de^ Achill zur einen Felsen an den Hehn geschleudtirt hat. 
febenden Penthesileia, nach welcher ihrer Ver- Als aber auch Achi les von Memnon am Arme 
einigung Kaystros se nen Ursprung verdanke, ver,^undet worden ist, folgt em Zwiegespräch 
nach dem der lydische Flufs genannt worden dann Schwertkampf (-470). Die Gotter sind 
seT S ganz andere späte Gestaltung der geteilter Gesinnung die einen scharen sich 
Sage findet sich bei PtoZm. Heph. nov. hist. 6. 50 um Thetis, die andern mnEos und beinahe 
Achill wird zuerst von Penthesileia getötet, wäre es zwischen den erregten Gottern selbst 
auf Bitten seiner Mutter lebt er wieder auf, zum Kampfe gekommen wenn mcht auf einen 
t^et dtePenthesileia und kehrt in den Hades Wink des Zeus »ich die schwarze Ker dem 
■ zurück Ebenso Eustath. Seh. Od. 1696, 52, Memnon, die weifse dem Achill zur Seite ge- 
weTcher Teiles als Autor angiebt. Endlich er- stellt hätte. Noch wütet der Kampf weiter; 
wähnt derselbe a a 0. 1697, 55, dafs Chalkon endlich verwundet Achill, nachdem ihm die 
Tut KyparTssos! welche die Penthesileia geliebt Kampfeswage in der Hand der Eris den Sieg 
und üir im Kampfe zu Hilfe gekommen sei, zugesprochen, den Gegner tödlich durch einen 
daJei von AcWUes- Hand den Tod gefunden Stofs in die Brust. Bei DictyslB durchbohrt 
habe (so nach Asklepiades aus Myrlea). 60 er dem im Kampfe des Schüdes beraubten 

Über die Penthesilea eines unbekannten Gegner die Kehle; hei Jzetzes PosthomencaSS, 
römischen Dramatikers siehe Eibheclc 627; ei- dem Cedrenus folgt, tötet er den aus dem 
nen'XiUais ^Eg^roxröi-os schrieb Chairemon; Zweikampfe mit Aias entfliehenden Me^on 
7^ Welcker gr Tr. 3, 1086, der auch einen von. hinten durch einen Stofs m den Na<*en. 
'jfä^£% des iLathon g eichen Inhaltes vermu- über den Memnon und die Psychostasie 

tet a a 992 des Aschylus, Bestandteile der Tnlogie Ai9w- 

Achilles die sterbende Penthesileia auffan- rcig, ^. Bindorf P. 8. Gr. 1 p. 108 fr. 127»fl. 
gend war im Bilde dargestellt auf einer der Über die Athiopen oder Memnon des Sophokles 



47 Achilleus naohhom. Achilleus nachliom. 48 

siehe WeMcer, gr. Tr.l. 137 (vgl. G. Hermann versteht wohl unter dem Pfeile den des Apollo. 

opusc. 7, 343 ff. Nitzsch Sagenpoesie eoiS. 618 Bei Teetz. Lyk. 307 wird er von Apollo in 

—620 ff.), welcher auch einen Memnon oder dem Heiligtumo erlegt, das er durch den Mord 

Achilleus des Theodektes vermutet ibid. 3, 1078 ; des Troilos, des Lieblings jenes, besudelt hatte, 

über den Memnon des Timesitheos ibid. 1046. Das Heiligtum des thymbrilischen Apollo statt 

Der Kampf zwischen Achill und Memnon unter des skäischen Thores war schon bei Hollanikos, ' 
Beisein der Mütter war dargestellt am Kypselos- Bachm., Anecdota (i meca 1, 467 orwilhnt. Hin- 
kasten Paus. 5, 19, 1; ohne letzteres auf dem gegen spricht Ovid. M. 18, 600 von den Pfeilen: 
amykläischenThroneiötd. 3, 18, 12. Die Doppel- des Paris und Apollo, was so zu vorstehen ist, 
handlung im Olymp und auf Erden in Erz ge- lo wie Vergil. Ae. 6, 57 u. Orirf. M. 12, 600, wo . 
gössen von Lykios, dem Sohne Myrons in einer Apoll die Pfeile des l'ariH lenkt. AIä alleiniger - 
freistehenden Erzgruppe zu Olympia, beschrie- Urheber des Todes wird l'ariH gunaont ili'unj). 
ben bei Taus. 5, 22, 2; vgl. Overbeck G. d. gr. Androm. 655. Helcuba 387 f. l'lut. Vamp, Lys: r 
PI. 2 2, 328 f. Siehe die Kunstwerke bei Over- cum Sulla 4. Plut. (J. Siimp. tl, 18, S. Senec. 
bech G. h. B. p. 514 fi'. Mon. d. Inst. 6 , 5. Troad. 356, welche Sago kustalh. Nch. Od. 1696 , 
Conze Melische Thongefäfse Tfl. 3 p. 6. Hey- die gewöhnlichste nennt. DurKoIbo berichtet 
demann Arch. Ztg. 1'871. 168, Neapler Vasens. daselbst weiter, dafs nach Sontratos Paris, der • 
n. 2430. 2781. ibid. SA. n. 120. Die Erzäh- Geliebte des Apollo, von diüHcm in der Bo(;en- ' 
lung des Proklos wird ergänzt durch eine künde unterrichtet worden nei und von ihm 
Vase, die Fortschaffung der aus Feindeshand 20 einen elfenbeinernen Itogen empfangen habe, 
geretteten Leiche des Antilochos darstellend, mit dem er den Achill in d(Mi Luib gesohosaen 
sowie durch das von Philostratos 2 , 7 be- habe (vgl. unten die Sage bei Ptulfm. lhph.)i 
sohriebene Gemälde , welches die Totenklage — Kontamination beider Sii:g(m bei llyn. ff. 107 
des Achill über Antilochos zum Vorwurf hatte. u. 113. Apollo, erzürnt über diu l'ruhioroi des 
Der Kampf um die Leiche des Antilochos bei Achill, er allein habe, indem or den Hektor 
Overbeck a. a. 0. 517 ff. vgl. 0. Jahn archäol. erlegte, Troja erobert, nimmt iliii Uostalt des 
Aufs. p. 11. Es folgt in den Excerpten des Paris an und verwumlet Achill an der sterb- 
Proklos liehen Ferse. Zwei völlig liiurvo« abweichende 
3) Achilles' Angriff auf die Stadt Sagen bei Ftolenf. HvpU. (1. Naub_ der einen 
und sein Tod (ohne Erwähnung der Penthe- 30 empfängt Helenes, der Sohn ik'H l'riamus, vom 
sileia) durch Paris und Apollo. Apollo geliebt, von dicHeui ei iipn elfenbeinernen 
Nach II. 21, 277 hatte Thetis dem Achil- Bogen, mit dem er Achill an der Hand ver- 
les den Tod durch die Geschosse des Apollo wundet; nach der andern vnrlinri Achill den' 
jjrophezeit {Quint. Sm. 3, 80 fi".). II. 19, 416. f. ihm vom Cheiron eingcHclzüüi Knöchel des Da- 
sagt Xanthos , ihm sei bestimmt durch die mysos, als er von Apollo verfolgt wird, stürzt 
Kraft eines Gottes und eines Menschen zu fal- infolgedessen nieder und wird von lluu getOtet. 
len; bestimmter spricht Hektor 22 , 359 ihm Schliefslich sei hier orwilhnt , dafs nach 
von dem Tage, wo ihn am skäischen Thore Eust. ad Od. 1695 PenthöHiloia den Achill 
Paris und' Phoibos Apollo verderben würden, tötete, dieser wieder auflobUi, diu Punthesileia 
während 18 , 96 Thetis nur sagt , sein Tod 40 tötete und dann wieder zu 'den Toten hinab- 
werde bald nach dem des Hektor erfolgen. stieg. Achilleus Tod bei Overbeck a. a. 0. 
Pindar P. 3, 101 erwähnt blofs, dafs sein Tod p. 537 ff. 

durch einen Bogen herbeigeführt sei, während 4) Polyxena (Troilos) und Achill. 
Soph. Philokt. 332 u. Aeschyl. fragm. 340 Nauck Hierüber ausführlich lUelv. Fiirdvr , Achilleus 
berichtet 'sie sagen, er sei vom Phoibos be- u. Polyxena,. Zwei unedicrte Deklamationen 
zwungen'. Gleiches bei Horat. od. 4, 6, 3. des Choricius. Hermes 17. 1882. p. 193ff., 18 
Mythogr. Gr. Westerm. App. 378 sub 51. ^ie p. 475 ff. Luckenbach Jahrb. f. l'hüol. Sufipl. 
ausführlichste Schilderung dieser Form der 11, 600 ff. Preller gr. Mylh. 1, 488. 
Sage findet sich bei Quintus Sm. 3, 1 ff. Achill, Von Homer wird Polyxena nicht erwtthnt; 
über den Tod des Antilochos aufs höchste er- 50 allein dafs sie und ihr Verhilltnis zu Achill in 
zürnt, treibt die Achäer zum Kampfe gegen den Kyprien besungen wonlun int, güht_ aua 
die Troer; seinen letzten Auszug siehe bei 0»«-- der stattlichen Anzahl arehaischur Vaienbildec 
beck a. a. 0. p. 536 f.; er selbst wütet in ihren hervor, welche hierauf bezügliche Scenen schil- 
Reihen, und wieder füllt sich das Bett des dem (Fran9oisvase; Vase des Tinionidos aus 
Skamander und Simois mit Toten. Da ergreift Kleonä {Arch. Zeit. 1863. 'J'. 175. IJischke 
die Troer Schrecken: sie fliehen. Achilles folgt Arch. Zeit. 36, 116. Luckenbuch a.a.O. 605). 
ihnen auf dem Fufse und ist eben im Begriff, Sie gestatten betreffs der Erztlhlung der Ky- 
die Biegel der Thore zu sprengen, da steigt prien den Schlufs, 'dafs, als i'olyxena einst in 
Apollo in furchtbarer Gestalt mit Pfeil und Begleitung ihres jugendlichen liruders, des 
Bogen bewehrt vom Himmel und fordert ihn 60 Rossetummlers Troilos, ausging, um Wasser 
auf, dem Befehle eine% Gottes zu gehorchen zu holen, Achüleus sich hinter dem Brunnen 
und zu weichen. Allein Achill , daran erin- versteckt hielt, und dafs sie selbst nur in eilig- 
nemd , dafs Apollo ihn schon bei dem Tode ster Flucht entkam, während Troilos von die- 
des Hektor getäuscht habe, läfst ihn stehen sem eingeholt und erlegt wurde'. Die Sage 
und wendet sich wider die Troer. Da hüUt geriet früh in Vergessenheit, da sie sich weder 
sich der erzürnte Gott in Wolken und sendet sonst in der Litteratur, noch auf den rotfigurigen 
ihm den Pfeil in die Ferse , welcher schnell Vasen findet. Wer diese Sage in die Litte- 
den Tod herbeiführt. Auch PindT e.. a. 0. ratur eingeführt hat, ist unsicher; vgl. Förster 



49 



AcMUeus nachliom. 



Achilleus nachliom. 



50 



a. a. 0. 194 f. ; ebendaselbst die abweicbenden 
Meinungen anderer Gelehrter betreffs der Deu- 
tung des Vasenbildes. Nach Welcker Gr. Tr. 3, 
1145 wurde das erotische Element durch die 
Alexandriner hineingebracht, so dafs Pentbesi- 
leia und Polyxena einander gegenüber gestellt 
wurden, vgl. aufserdem Gr. Tr. 1, p. 183 f. u. ep. 
Cycl. 2, 176. 'In das Herbe der Opferung sollte 
durch die Liebe Achills etwas Zartes kommen. 



ringen Modifikationen (ohne die Ausschmückun- 
gen eines Dictys und Dares) findet sich noch 
bei Fulg. Myth. 3, 7. Nonnos narr, ad Greg. 
invect. 1, 8. p. 131. Schal, zu Stat. Ach. 1, 134 
und' wird berührt bei Justin, or. ad. Graec. 1. 
Giern. Alex, ström. 2, 32, § 143. Libanius ecphr. 
BJiet. gr. 1, 395 W. Christodor. ecphr. 202—208. 
Ein weiteres neues Motiv brachte Philo- 
stratos in die Sage, das der g.egenseitigen 



und doch blieb, echt alexandrinisch, dem Ganzen lo Liebe des Achilles und der Polyxena. Heroik. 



wegen des tragischen Ausganges der Charakter 
der Schwermut: erst im Tode erhielt Achill 
die, welche er im Leben nicht hatte erlangen 
können.' So Förster a. a. 0. p. 199. — Dafs 
die Scene des Todes vom skäischen Thore 
schon frühzeitig in das Heiligtum des thym- 
bräischen Apollo verlegt worden war, hat man 
aus der oben erwähnten Notiz des Eustaihius 
ad 11. p. 816, 12 (aus Hellanikos' Troika) wohl 



737 wird Folgendes erzählt: Beide verlieben 
sich in einander, als sie sich das erste Mal bei. 
der Auslösung des Hektor sehen. Priamos 
willigt in die Hochzeit, weim Achilles die Grie- 
chen bewege, von Troja abzuziehen. Zur Be- 
schwörung des abzuschliefsenden Vertrages 
wird eine Zusammenkunft in dem Tempel des 
thymbräischen Apollo angesetzt, welchen Achill 
bei dem Akte selbst als Zeugen anruft; allein 



etwas zu voreilig geschlossen. Eine weitere 20 er fällt durch Paris (und Apollo). Die über 
Veränderung der Sage ergiebt sich aus Lylco- den Mord erschrockenen Troer und Troerinnen 
phron 271, einer Stelle, welche nur Sinn zerstreuen sich; dies benutzt Polyxena, um in 
hat, 'weiin sie darauf bezo'^en wird, dafs die das Griechenlager zu Agamemnon zu entfliehen, 
Griechen den Troern für den Leichnam des tötet sich aber am dritten Tage auf dem Grabe 
Achill ebensoviel erstatten 
mufsten, als diese dem Achill 
für Hektors Leichnam ge- 
geben hatten'. Hier an 'Ver- 
rat' zu denken, ist gewifs 
nicht allzukühn, besonders 
da die alten aW Theon zu- 
rückgehenden Schollen des 
Tzetzes L%ß. 269 berichten: 
Achill, in Polyxena verliebt, 
macht Priamos das Anerbie- 
ten, auf seine Seite überzu- 
gehen, falls er die Polyxena 
erhalte. Auf dessen Zusage 
kommt man im Tempel des 
thymbräischen Apollo zu- " 
sammen, wo Alexandres den 
Achilles meuchlings mit dem 
Pfeile erschiefst. Die Troer 




Kampf Tim ÄchiUeus' Leiche, von einer archaiscljen Amphora 
(vgl. Ocerb. Galt. Taf. 23, 1). 



nehmen den 
Leichnam an sich und wollen ihn nicht eher 
herausgaben, als bis sie das für Hektor ge- 
zahlte Lösegeld wieder erhalten hätten. So 
wird denn also Hygins 110. Fabel, welche ge- 
wöhnlich für das älteste Zeugnis des bespro- 
chenen Mythos angesehen wird, auf eine ale 



des Achill mit der Bitte, ihr treu zu bleiben 
und sie auch nach dem Tode noch heimzu- 
führen. Und 732 wird hinzugefügt, dafs er 
nicht in den Waifen den Tod gefunden, son- 
dern als er, wie ein Bräutigam bekränzt, zur 
Hochzeit zu kommen meinte. Ganz ähnlich 
mit der Hauptsache nach gleichem Schlüsse 



xandrinische Quelle zurückzuführen sein. Nach 50 Tzets. Posth. 385 fi'. und zu Lyk. 323 mit der 



ihm will Achill Polyxena zum Weibe; dazu 
wird eine Unterredung angesetzt (vgl. Welcker 
gr. Tr. p. 183 f u. p. 1145), wobei er von 
Alexandres und Deiphobos ermordet wird. Das- 
selbe im Argum. Eur. Hec. Dictys. 4, 10. Tzetg. 
Posth. 385 fi'. Hingegen nennen bei dieser 
durch die Liebe zur Polyxena herbeigeführten 
Zusammenkunft Paris als alleinigen Mörder 
Schal, ad Eurip. Troades 16. Teetz. Lyk. 269, 



Bemerkung, dafs Pbilostratos der einzige Autor 
sei, welcher Polyxena ins Griechenlager fliehen 
und vor der Zerstörung der Stadt sterben lasse. 
Dem Dictys entnommen ist, dafs Achill ster- 
bend noch dem herzukommenden Odysseus und 
Aias den Namen der Mörder zu sagen vermag 
und ihnen den Auftrag giebt, seine Gebeine 
in der seiner Mutter vom Dionysos geschenkten 
Urne mit denen des Patroklos und Antilochos 



33b. Schol. Eur. Hec. ä85. Bei Servius Aen. S, Sii eo beizusetzen. 0. Jahn (Arch. Zeit. 1869. p. 5) 



erblickt Achill die Polyxena und fordert sie 
zur Gattin unter der Bedingung des Friedens. 
Im Tempel des Apollo soll er die ihm ver- 
tragsweise zugestandene Braut empfangen: da 
wird er von dem hinter dem Bilde des Gottes 
verborgenen Alexandres getötet. Ebenso Serv. 
Aen. 6, 57 u. Myth. Vatic. 1, 36. 2, 205. 3, 11. 
24. Diese einfache Form der Sage mit ge- 



erkennt den Zng der Gegenliebe der Polyxena 
schon auf dem Madrider Relief {Taf. 13, B.), 
wonach diese "Wendung der Sage zeitlich be- 
deutend heraufgerückt würde; dagegen Förster 
a. a. 0. p. 203 Anm. 2. Den gleichen Anfang 
der gegenseitigen Liebe berichten Dracontius 
deliher. Ach. p. 40 f , die Daniel. Seh. zu Verg. 
Aen. 3, 322. Malal. p. 130 B. Cedren. p. 227 B. 



51 Achilleus nachkom. Achilleus nachhom. 52 

Tzetz. Hont. 380 f. Comt. Manass. comp, chron. Begleitern und treibt die Troer, von dem andern 
1382 f. Nach Myth. Vat. 2, 205 hingegen wird Aias und Sthenelos unterstützt, in die Flucht, 
sie von Achill aum ersten Male gesehen, als Tzetz. Posth. 425 ff. erwähnt zwei Fassungen, 
sie Spangen und Ohrringe vom Turme heyab- Nach der einen trug Aias von den Troern ver- 
wirft, um Hsktors Leichnam zu lösen. Auf folgt den Leichnam ins Lager; die andere (429 f.) 
der zuletzt angegebenen Fassung der Fabel geht auf die zuerst bei 1/ykophr. 269 ff. auf- 
fufsen endlich die romanhaften Darstellungen tauchende Form zurück, wonach die Troer den 
des Dietys 3, 2 — 5. 24—27. 4, 10—11. 5 , 13, Leichnam des Ermordeten mit sich in die Stadt 
welchen mit einigen Änderungen I. Malal. nehmen und ihn nicht eher horausgeben, als 
a. a. 0. folgt, den wieder Cedren. a. a. 0. aus- lo bis sie das für Hektor ge/.ahlto Lösegeld wieder 
schreibt, und Dares 24—32. 43. Jacobs {Tsetg. erhalten. Nach Bares 24 befiehlt Alexandros, 
Posth. 498) , dem Heyne {II. 22, 359) folgt, die Leichen des Achill und du» mit diesem 
meint, dafs die Sage von der Liebe des Achill zusammen getöteten Antilochos aus dem Tem- 
zur Polyxena der Tragödie ihren Ursprung ver- pel zu tragen und den Vögohi zum Frafse vor- 
danke, was Welcher Gr. Tr. 1145 bekämpft. zuwerfen. Dem widersetzt sich Holeno»; auf 
Gegen die an gleicher Stelle ausgesprochene seinen Befehl wird die Leiche den Griechen 
Ansicht, der Tod des Achilles sei der Inhalt übergeben, welche sie ins Lager ti-agen. —An 
des Achilles des Livius Andronicus gewesen, die Aithiopis lehnt sich wahrscheinlich Proper- 
siehe Bibbeck, röm. Tr. p. 25. tius an, welcher 1, 10 (9), 9—14 Hchildert, wie 

Dieses von dem weiter wuchernden Mythos so 20 Briseis in tiefster Trauer den toten Achill mit 

reich ausgestatteten Stoffes bedienten sich die ihi-en Armen umfing, den blutigen Leichnam 

Rhetoren, um ihre Übungen daran zu knüpfen, im Simois wusch und die in oinor Urne ge- 

so Libanius u. Ohristodorus a. a. 0.; so am sammelten Gebeine des grofsun Uuhlüri in ihren 

ausführlichsten Ohorieius in den zwei von kleinen Händen trug. 

Förster veröffentlichten Reden, woraus nur das Nach Thiersch AmaUhea 1, 15« f. u. Epochen 

Eine erwähnt sei. dafs daselbst die Troer nicht 249 f. Note und Welcher Alte Dcnhm. 1 p. 44ffi, 

nur von Seiten der Amazonen und Aithiopen, war der Kampf um die Loiiiho auf dem 

sondern auch von den diesen benachbarten Westgiebel des Tempels zu Aigiiitt dirgostellt; 

Indem Hilfe erwarten. dagegen siehe Overbech Gesch. d. ffr. PI. * 1, 

Die bildlichen Darstellungen s. b. Overbech 30 132 u. Brunn, Katalog der Gliiptothek p. 78. 

a. a. 0. 339 ff. Eine Vermählung des Achill Bildwerke, Kampf und Rettung Änr Leiche dar- 

mit Polyxena auf einem Sarkophagrelief hat stellend, bei Overbech a. a. 0. p. 640 ff. L. Ur- 

O. Jahri, Archäol. Zeitg. 1869 1 ff. nachge- lichs, über die Gruppe des Pasquino, Witickel- 

wiesen. mannsprogramm, Bonn 1867. O. Donner, Ann. 

4) Kampf um die Leiche des Achill. d. Inst. 1870. 75ff. 

Totenfeier. Thetis entführt den Sohn Weiter erzählte nun die Aithiopis nach Pro- 

nach Leuke. klos: Dann begraben die Aohller den Anti- 

In der Odyssee 5, 309 erzählt Odysseus von .lochos und stellen die Leiche dos Achilles aus. 
einem gewaltigen Kampfe, der sich über der Thetis erscheint mit den Musen und den 
Leiche erhoben habe und an dem er besonders 40 Schwestern und erhebt die Totenklage um den 
beteiligt gewesen sei; nach Od. 24, 36 ff. dauerte Sohn. Ebenso erwähnt Pindar Isthm. 1,66S., 
derselbe den ganzen Tag hindurch und wäre dafs bei Achills Scheiterhaufen die helikonischen 
noch nicht beendet worden, wenn nicht Zeus Schwestern gestanden hätten und ihren Gesang 
durch einen Sturmwind die Streitenden ge- hätten erschallen lassen; Lj/ftqpAroH 278 f. lÄfst 
trennt hätte, so dafs die Achäer die Leiche ihn von den Nymphen beweint werde», d. h. 
nach den Schiffen tragen konnten. Die Sage der nach Tzetzes von den Musen. Die ausführ- 
Aithiopis siehe oben. In der ausführlichen aber lichste Schilderung dieser Episode findet sich 
lückenhaften Schilderung des Kampfes bei Quin- bei Quint. Smyrn. 3, 388 ff. Dieser schildert 
tus Smyrn. Posthorn. 3, 212 ff', sind es von selten zuerst das ungeheure Weh, welches das ganze 
dei' Troer besonders Glaukos, Aineias und Age- 50 Heer ergreift, als der Leichnam ins Lager ge- 
nor, welche die Leiche in die Stadt zu ziehen bracht wird, dann die spezielle Klage de» Myr- 
suchen. Allein Aias wehrt sie mit Erfolg ab, in- midonen, des Aias, des Phoinix, der Atriden — 
demervielevonihnentötetodergefangennimmt. 504. Vor Anbruch der Nacht wird die Lei^e 
Aineias und Paris werden von ihm verwundet, auf Nestors Mahnung schön gekleidet im Schiffia- 
aber auch der an seiner Seite kämpfende Odys- hause anf dem Paradebette ausgestellt; Athene 
seus wird getroffen. Endlich gelingt es dem Aias, schützt sie durch Ambrosia vor Verwesung. 
die'Troer zu verjagen, und die Leiche wird in Es folgt die Totenklage der Frauen und Diene- 
das Schiffslager gebracht; vgl. G. W. Nitzsch, rinnen, besonders der Briseis — 574. Durch 
Beitr. z. Gesch. d. ep. Poesie d. Gr. p. 326, die kuten Klagen werden Thetis und die Ne- 
Anm. 138. Bei Dietys 4, 12 nimmt Aias eo reiden aus dem Meere herbeigerufen, vom He-.- 
den Leichnam auf die Schulter und trägt ihn - likon aber kommen die Musen. Die laute 
aus dem Heiligtnme, begleitet von Diomedes Klage der Thetis ob ihrer unglücklichen Ehe 
und Odysseus (vgl. c. 10. Ebenso I. Malalas und ob des Todes des Sohnes, die Vorwürfe, 
131 B. u. Cedren. 228 B.). Da brechen die welche sie dem Zeus macht, der das ihr ge- 
Troer, welche nach dem Morde in die Stadt gebene Versprechen nicht gehalten , weist 
geflohen waren, heraus, den Leichnam zu Kallibpe durch die Bemerkung zurück, dafa 
rauben; ebenso eilt das Griechenheer zum auch die Söhne des Zeus dem Todeslose un- 
Kampfe. Aias übergiebt die Leiche seinen tei-worfen seien. So steht Thetis davon ab, 



53 Achilleus nachhom. Achillens nachhom. 54 

den Zeus aufzusuchen, um ihre Klagen vorzu- imperiale des scienees de St. Petersbourg. Tome 

bringen, und bleibt die Nacht bei dem Sohne, 10. 1826. p. 531 ff. 

während die Musen sie zu trösten suchen. Bei Auf den Inseln der Seligen wohnt Achilles 

Tagesanbruch beginnt wiederum .die Klage nach Hesiod Op. et Bies 159 ff.; es wird hier 

des Heeres, in welche Nereus mit einstimmt, allerdings nicht sein Name genannt, aber doch 

dann folgt Errichtung und Ausschmückung des gesagt, dafs Zeus Helden sowohl des theba- 

Scheiterhaufens, feierliche Umgehung desselben nischen als des troischen Krieges ein zweites 

durchdasganzeHeer im vollen Waffenschmucke glückseliges Leben auf den Inseln der Seligen 

und Verbrennung desselben. Zeus schützt durch am äufsersten Ende der Erde am Okeanos be- 

Ambrosiaregen den Leichnam und läfst durch lo reitet habe; nach Find. Ol. 2, 70 ff. wohnt er 

Aiolos die Winde das Feuer anfachen, welches auf Bitten der Mutter daselbst mit Kronos, 

unter dem Gestöhne des Heeres Tag und Nacht ßhadamanthys, Kadmos und Peleus als Toten- 

brannte. Dann löschen die Myrmidonen die richter, ebenso nach Kallistratos(4iÄew.Detpnos. 

Glut mit Wein, die Gebeine des Helden aber 15, c. 50. p. 541) mit dem Tydiden zusammen 

sammeln sie in einer silbernen, mit Gold ge- (Yg\.Plat.Sympos.V!9Exi.lS0B). Der Schöpfer 

schmückten Truhe. Beigesetzt aber werden sie der Sage hingegen, dafs Achilles in dem elysi- 

in der auch in der Odyssee erwähnten Urne sehen Gefilde wohne, war nach Schal. Apoll. 

(vgl. auch Stesichoros b. Schol. IL 23, 92); dar- Argon. 4, 814 Ibykos, welchem Simonides folgt, 

über wird am Hellespont das Grabmal gehäuft So noch Apoll. Arg. 4, 811 und Quint. Smyrn. 

— 742. Selbst ^e unsterblichen Rosse be- 20 14, 224. Dafs das elysische Gefilde und die 

weinen den- Helden (vgl. J. Grimm B. Myth. 1 • Inseln der Seligen ein und derselbe Ort seien, 

p. 364 f); im Begriff aber, in die Heimat zu- spricht direkt aus Lucian Ver. Eist. 2, 109 

rückzukehren, werden sie von den Göttern an- u. 112, welcher ihn ibid. p. 116 neben dem 

gewiesen, auf den Neoptolemos zu warten, zu Theseus daselbst besondere Verehrung ge- 

dessen Dienste sie bestimmt seien. Den Gang niefsen und p. 119 als Kampfrichter mit die- 

der Thetis zum Scheiterhaufen des Sohnes ist sem zusammen in den Thanatusien auftreten 

auch erwähnt im Thetishymnus der Thessaler läfst. Die Identität der Insel der Seligen aber 

bei Philostr. Her. 742. Achilles' Totenklage sowohl mit der Insel im Schwarzen Meere, als 

dargestellt auf der Tabula Iliaca: Overbeck auch mit der Insel Lenke hebt Plin. N. H. 

a. a. O. p. 555. so 4, c. 13. p. 220 ausdrücklich hervor. 

Proklos AilSiiopis. 'Den Leichnam aber ent- Andererseits aber singt schon Pind. Nem. 

reifst sie dem Scheiterhaufen und bringt ihn nach 4, J9 davon, dafs Achilles im Pontus Euxinus 

der Insel Lenke'. Diese Überführung schilderte eine glänzende Insel bewohne {s'xii-) f" S' Ev- 

das Werk des Skopas im Circus Plaminius in isivm nsläyei qiasvvccv 'Axilsvg — väaov, wozu 

Korn, vgl. 'Urlichs, Skopas' Leben u. Werke der 'Scholiast bemerkt, es sei dies die Insel 

p. 126 ff. Stark Philolog. 21 p. 445. Overbeck Lenke im Pontes, nach welcher der Sage nach 

G. d. gr. PV 2, 16 f. Während Achilles in Thetis den Leichnam ihres Sohnes gebracht 

der Odyssee 11 , 467 in der Unterwelt weilt, habe. Dafs Achilles auf Lenke begraben liege, 

wie auch Polygnot in der Lösche zu Delphi berichtet aufserdem Plin. 4, 12, 16, welcher 

auf dem die Nekyia darstellenden Bilde ihn « von seinem Grabmal redet (ebenso Martian. 

in der Unterwelt im Kreise seiner Freunde Capella 6, 663), während ihn Pomp. Mela de 

malte {Paus. 10, 30, 3), versetzt die nach- sif. ort. 2, 7 auf der Borysthenesinsel begraben 

homerische Sage ihn entweder in die ely- sein läfst. ^ei Lasches steht von einer Be- 



sischen Gefilde (so besonders die älteren stattung d" Achilles auf Lenke, wie Kayser 
Dichter) oder auf die nach der gewöhnlichen Not. in Her. 327 behauptet, nichts. Ganz ver- 
Anschauung vor den Mündungen der Donau einzelt steht der Mythos da, welchen der Thetis- 
im Schwarzen Meere gelegene Insel Lenke, wo hymnus der Thessaler enthielt (Philostr. Her. 
er ein im Laufe der Jahrhunderte mit den man- 742), wonach der sterbliche Teil des Helden 
nigfaltigsten Zügen ausgeschmücktes Nach- in Troja begraben lag , während den unsterb- 
leben führt, das man mit Fug und Recht einen 50 liehen Teil TIöi-tos h^h was natürlich nichts 
Nachhall seines ersten Erdenlebens nennen anderes bedeuten kann, als seinen Aufenthalt 
könnte. Die elysischen Gefilde der älteren auf Leuke. Die Sage von dem Aufenthalte 
Dichter Hesiod, Ibykos und Simonides wurden des Achill auf jener Insel war jedenfalls eine 
später identifiziert mit den Inseln der Seligen; sehr alte und an den Küsten desPontos schon 
aber schon Pindar kennt die feste Lokalisie- heimisch, bevor die milesisohen Küstenfahrer 
rung der Sage von der Bestattung desselben sich daselbst ansiedelten; sie brachten dieselbe 
auf der Insel Leuke. Diese wurde dann fast in ihre Heimat, wo sie den Liedern vom Tode 
durchweg für seinen Aufenthaltsort nach dem Achills einverleibt wurde (vgl. Köhler a. a. 0. 
Tode gehalten. Die Sage von dem Verweilen p. 533). Der erste griechische Dichter, welcher 
des Helden im Tartarus verschwindet allmäh- eo sowohl die Insel Leuke mit diesem Namen 
lieh fast ganz; iwciaw. DiaZ.Üforf. 15 p. 399 ff. benennt, als sie im Pontes liegen läfst, ist 
macht von der Sage Gebrauch, da er sie gut (verhältnismäfsig ap&t) Euripides Androm. 1260 
benutzen kann, während er ihn anderwärts, im und Iphig. T. 435 ff. Nach Phüostr. Her. 
Pontes Euxeinos oder in den elysischen Ge- 746 liefs Poseidon auf Bitten der Thetis für 
filden hausen läfst. Eine ausführliche Dar- Achilles und Helena die Insel aus dem Meere 
Stellung dieser Sagen giebt H. Koehler, Memoire aufsteigen, eine Sage, welche Quint. Smyrn. 3, 
sur les lies et la course consaerees ä Achille 766 ff. folgendermafsen umgestaltete. 'Um den 
dans le Pont-Euxin. Memoires de Vacademie Klagen der Thetis über den Tod des Sohnes 



55 Achilleus nachliom. Achilleus nach s. Tode 56 

Einhalt zu thun, steigt Poseidon, nur den die Achäer und Agamemnon zu erinnern, wie 
Göttinnen sichtbar, aus dem Meere und heifst viel Beute sie ihm zu verdanken hätten, uiid 
der Göttin ihrem Schmerze gebieten mit dem fordert Polyxena; sonst werde er die Heim- 
Trostworte, ihr Sohn werde gleich Dionysos kehr verhindern. Als nun die Achäer am fol- 
und Herakles unter die Götter versetzt werden. genden Morgen zum Aufbruch rüsten, erregt 
Zum Wohnsitze aber schenkt er ihm eine Insel Poseidon das Meer, so dafs sie der Forderung 
im Meere; die umwohnenden Völker würden nachkommen. Polyxena fällt auf Achilles' Grab- 
ihm göttliche Ehren erweisen; vgl. Arrian. hügel durch Neoptolemos' Hand, und sogleich 
Peripl. Pont. Eux. p. 21. Anonym. Peripl. läfst der Sturm nach. — Nach Corp. I. Gr. 1 
Pont. Eux. p. 10 ff. Und Dionys. Perieg. 541 ff. lo n. 4747 hingegen verstunimto Achilles im Grabe, 
erwähnt die Insel Leuke als Aufenthaltsort Pplyxenas Opferung bei (/«cricc/ca.a.O.p. 661 ff. 
der hervorragenden Heroen und besonders des Ich erwähne hier gleich noch einige andere 
Achill, welche ihnen Zeus als Geschenk für Erscheinungen des Acliillos nach seinem Tode, 
ihre Tapferkeit gegeben. Nach Schal. Plat. Phaedr. 243 A. erscheint er 
Den Schlufs der Aithiopis bilden folgende dem ihm auf seinem Grabe oi)ferndon und ihn 
Ereignisse nach Proklos: Die Achäer häufen herbeirufenden Homer in vollem Watfeuglanze; 
einen Grabhügel und veranstalten Wettkämpfe. dieser erblindete ; ebenso erschien er nach 
Über die Waffen des Achilles aber entsteht Philostr. Vit. Apoll. Tyan. 152 dem ApoUo- 
zwischen Odysseus und Aias Streit; von hier nius von Tyana in Troas. 
an treten ergänzend ein die Excerpte aus der 20 

IliasmikradesLesches: die Entscheidung über O) Das Leben des Achill Dach seinem Tode 

die Waffen wird gefällt, und Odysseus empfängt ^^^ ^^'' Pontosmsel. 

sie nach dem Willen der Athene. Dann heifst 1) Die Ehen des Achill nach seinem Tode, 

es weiter: Und Odysseus holt den Neoptolemos a) Die Vermählung des Achill mit der 

aus Skyros und schenkt ihm die Waffen des Medeia nach seinem Tode scheint die ältCbte 

Vaters, welcher dem Sohne erscheint'. Während der hierher gehörigen Sagen zu sein. Sie fand 

Quintus Smyrnaeus die Bestattung des Leich- sich nach Apoll^^rg. Seh. 4, 814 4)oi Ihy^ss 

rlames (siehe oben) ausführlich schildert, erwähnt und Simonides; vgl. Lycophr. .tt-8_'.Vb_^«i^-i 

er die Erscheinung nicht. Hieran schliefst sich BöStMäs^ %' 5 u. Apoll. Ph. 4, Sliü', 

nach der Iliupersis des Arktinoa das Opfer 30 "t()DieEhe des Achill mit Iphigeneia wurde 

der Polyxena: Dann zünden die Griechen die von Duris (b. Seh. IL 19, 396) in die .Lubens- 

Stadt Troja an und opfern die Polyxena auf zeit dos Achill verlegt, welcher sie aus Skyros 

dem Grabe des Achilles. Bevor sie aber ab- geraubt haben sollte ; sie gobar ihm den 

fahren, erscheint, wie die Nostoi des Agias Neoptolemos; letzteres auch bei Tzetzes zu 

von Troizen berichten, der Geist des Achill Lycwphr. 183. Eigenen mythologischen Lau- 

(des alten Haders wie in der Odyssee ver- nen folgt Trimalchio bei Petr. Sjit. hä. Allein 

gessend , vgl. Welcher ep. C. 2. p. 291) dem bei Antonius Liberalis 27 fiiiilet sich die jeden- 

Agamemnon, um ihm das bevorstehende Un- falls auf ältere Quellen zurückzuführende Sago, 

glück vorauszusagen und ihn vor der Heim- Iphigeneia sei unter dem Namen Orsilochia dem 

kehr zu warnen. Nach Eurip. Helc. 37 u. 106 40 Achill auf Leuke als Weib gesellt gewesen, 

erscheint Achilles' Geist den Griechen, als sie nachdem sie Artemis von Tauris nach Leuke 

eben im Begriff sind, nach der Heimat auf- gebracht und zu einer unsterblichen G Ottin 

zubrechen und auf dem thrakiscl^u Bosporos gemacht hatte. Ähnlich erzilhlt Eust^ad . HJQ : 

lagern, und fordert die Polyxena^ür sich als mj^. JPer._106-Von der Liebe des Skythenkönigs 

Opfer. Da sie fürchten, Achill werde, wenn sie Achill zur Iphigeneia. 

seinem Wunsehe nicht nachkämen, ihrer Heim- c) Die verbreitetste Sage _war die von der 

kehr hinderlich sein, so beschliefsen sie die VereinigungdesAchillesmit der Helena auf der 

Polyxena zu opfern. Sie fällt von Pyrrhos' Pontosinsel, welche er als ihr Gatte nach Paus. 

Hand. Ebenso 0«)i<i. Jfetam. 13, 438 ff. u. (Seweca 3, 19^11 ff. mit den beiden Aias, Patroklos 

Troad. 185 ff. u.,1165. Bei Hygin. 110 ertönt so utTdAntilochos zusammen bewohnte. Aus dieser 

die Stimme des Achilles aus dem Grabe und Ehe ging nach Ptolem. Ueph. 4 das geflügelte 

fordert einen Teil der Beute für sich; so opfert Kind Euphorien hervor, vgl. JIgrcher, N. Jajfsil. 

man die Polyxena, weil sie die Ursache seines f. Phil. Suppl. 1, 281. Nach Philostr. Her^T^ 

Todes gewesen sei. Dann führt Servius Verg. wurden Achill und Helena auf Leuke vereinigt, 

Aen. 3, 322 zwei verschiedene Passungen der ohne sich vorher gesehen zu hüben; ebenda- 

Sage an. Nach der einen forderte Achill, als selbst erwähnt er die unter Ueisuin der Meeres- 

er im Heiligtum des Apoll von Paris zum Tode gottheiten stattfindende llochzeitsfeier , 745 

verwundet im Sterben lag, nach Trojas Fall ihre daselbst durch die Parzen vereinigten 

die Polyxena auf seinem Grabe zu opfern, was Statuen. 

Neoptolemos auch that; nach der andern hören 60 4) Von einer Vereinigung des Achilles mit 
die Achäer bei ihrem Aufbruch die Stimme der Polyxena in dem elysischon Gefilde spricht 
des Achilles aus seinem Grabe erklingen, wel- endlich Sen. Troad. 954. 
eher klagt, dafs ihm von der Beute nichts zu- 2) Seine Lebensweise und seine Be- 
teil geworden sei. Kalchas, hierüber befragt, schäftigungen daselbst, 
bezeichnet Polyxena als Opfer, weil Achilles Selbstverständlich läfst die Sage den Achill 
sie bei Lebzeiten geliebt habe. Nach Quintus nach dem Tode die gewohnte Lebensweise fort- 
Sm. 14, 178 endlich erscheint Achilles dem setzen; Waffenübungen und Übungen im Lauf 
Sohne im Traume und befiehlt demselben, gehen neben den Ergötzlichkeiten des Mahles, 



57 Achilleus nach s. Tode Achilleus (Kultus) 58 

der Liebe und des Gesanges wie zu seinen Leb- über Feinde davongetragenen Sieges veran- 
zeiten einher (Philostr. Her. 747). Die am Tage stalten läfst, während die andern Autoren ihn 
auf LeukelandendenSchiifer hörten oftKampfes- zum Vergnügen sich üben lassen (so Plin. 4, 
lärm, sahen aber nichts. Die Nacht aber ge- 12, 56). Es weist dies auf eine Sage hin, der 
hörte den Freuden der Tafel und des (Jesanges. znfolge Achilles schon zu seinen Lebzeiten 
Daher war es auch streng verpönt, nachts da- (vielleicht während des troisohen Krieges) seine 
selbst zu landen Äristot. mirdb. auscuH. 106. Siege auf einem Dromos durch Wettrennen 
p. 213 ff ; nach Sonnenuntergang mufste jeder- gefeiert habe, wozu auch Eurip. Iph. T. 435 
manndielnselverlassen. Vgl.ilfa«.r?/r.Z)Ms.l5, passen würde, da der Chor, wie aus der spä- 
p. 173. Von einer Landung der Amazonen auf lo teren Frage der Iphigeneia 537, wo Achill 
Lenke, um Achill zu bekriegen, und ihrer Ver- jetzt weile, erhellt, den Glauben der Herrin teilt, 
nichtung erzählt Philostr. Her. 749 ff. Ja er Achill lebe noch. So sind denn auch die Sqö- 
beteiligte sich sogar an auswärtigen Schlachten. (lot nach dem Tode ein Nachklang der zu Leb- 
So nahm er an der zwischen den Lokrern und zeiten veranstalteten. Es ist daher zweifellos, 
Krotoniaten 560 am Sagraflusse geschlagenen dafs die Bewohner jener Gegenden von Be- 
Schlacht teil, vgl. Schol. Plat. Phaed. p. 60. suchen und Wettläufen Achills auf jener Halb - 
Hermae Schol. ibid. c. 19 p. 99. Isoer. Hei. insel auch nach seinem Tode gewufst, und die 
i?OTCom. c. 28 p. 218 f. In gleicher Weise wehrt Dichter von ihnen gesungen haben (vgL die 
er mit Athene zusammen durch sein Erschei- ögofiot des Protesilaos auf der thrakischen 
nen Alarich von den Mauern Athens ab, vgl. 20 Chersopes am Hellespont bei Philostr. Heroie. 
Syriani Hymn. ap. Zosim. 5 c. 6, 2 p. 407 f. 663.) 'Tgetges zu Lykophr. 193 und Eust. zu 
Besonders häufig aber besuchte er nach Max. Dionys. Perieg. 307 führen andere Erklärungen 
Tyr. Diss. 15 p. 173 die Ebene von Troja, wo dieses Namens an. Jener erzählt, der Dromos 
ihn die Einwohner oft im Verkehre mit andern sei nach Achill benannt worden, da nur er ihn 
Helden zu sehen glaubten. Traf er jemanden habe durchlaufen können ; dieser berichtet, 
auf seinen Wegen, so redete er ihn an, wie er Achill habe in Liebe für die durch Artemis aus 
auch auf Leuke sterbliche Gäste mit grofser Aulis nach dem Pontos versetzte Iphigeneia 
Liebenswürdigkeit aufnahm, vgl. Max. Tyr. entbrannt, diese bis in die genannte Gegend 
Diss. 15 p. 173. Philost. Her. 748 ff. u. Max. verfolgt. Ferner sei der bei Tzetges zu LyJc. 
Tyr. Diss. 27, welcher erzählt, Achill sei nach 30 192 erwähnten Sage noch gedacht, nach wel- 
seinem Tode von vielen gesehen und gehört eher Achilles auf dem Dromos fünf Jahre lang 
worden. Aber auch Heroen besuchten ihn, so die von Artemis in eine alte Frau verwandelte, 
Orestes Eusiath. Od. 11 p. 1696. Mit grofser mit dem Schlachten und Kochen der geopferten 
Vorliebe aber hat sich die Sage mit dem Menschen beschäftigte Iphigeneia beweint habe. 
Orte beschäftigt, wo Achilles nach dem Tode Zum Schlufs sei noch die allgemeine Bemer- 
seine Übungen im Wettlauf abhielt. Derselbe kung.des Schol. zu Äpollon. Argon. 2, 658 er- 
wird 'Axt-llioyg Sgöfiog oder ^j;iAJ.fios äqöfiog wähnt, dafs die breiten flachen Ufer an den 
genannt, vgl. Herod. 4, 55. Strdbo 2 c. 3 § 19 Mündungen der Flüsse die Laufbahn des Achilles 
p. 389 ff. Dionys. Perieg. 306 f. Pomp. Mela ' genannt würden, vgl. Forchhammer Achill. Kiel, 
209. Plin. 4, 12 § 26. Ptolem. Geogr. 3 c. 5 « 1854, p. 28 u. Kiepert, Lehrb. d. alt. Oeogr. 
p. 72. Teets. in Lycophr. 192. Anonym. Peripl. p. 255 Anm. 4. Noch "jetzt kommt der (mo- 
P. E. p. 7—8. Ammian. Marcell. 20 c. 8, (wel- derne) Name Chilidromia an griechischen Küsten 
eher ausdrücklich sagt , dafs Achill dort oft vor. 

Übungen angestellt habe) J'rtscJdM.Perte^r. 297 f. Die Hauptthätigkeit des Achill aber auf 

Sieph. Bysant. v. 'AxClleiog äq6[iog. Von Sqö- der Pontosinsel war ohne Zweifel die eines 

fioi sprechen Eurip. Iph. T. 435. Dionys. Beschützers der Seefahrt und Seefahrer im 

Albian. ap. Schol. Apollon. Ithod._ 2, 658. He- Schwarzen Meere, eine Thätigkeit, welche sich 

sych. V. 'AiClXsiov jcläiia. Die Überlieferung am besten gleich im Zusammenhange mit den 

sagt zwar nichts davon, dafs Achilles Leuke ihn überhaupt feiernden Kulten besprechen läist. 

verlassen habe , um auf dem Dromos sich 60 

zu üben, (wie auch Euripides a. a. 0. die m- Der Kultus und die Kultusstätten 
Dromoi mit Leuke identificiert, das sich aber "^^^ Achilles. 
seiner Natur nach wenig dazu eignet) ; allein Dafs Achilles seit alters im Schwarzen Meere 
es steht aus der von dem Dromos oder den Dro- als riovräQXTjg gefeiert wurde, bezeugen sowohl 
iroi gemachten Beschreibungen fest, dafs man die ihn mit diesem Namen bezeichnenden, am 
allgemein darunter die lange schmale Land- Nordgestade des Pontos gefundenen Inschrif- 
zungeverstand, welche den karkinitischenMeer- ten C. I. Gr. 2 p. 87 n. 2076. 2077. 2080. 
busen im Nordwesten begrenzend, sich südlich 2096 & — f., als auch die vielen schriftlichen 
von Olbia und der Mündung des Borysthenes Zeugnisse, welche über seine Thätigkeit als 
mit dem westlichen Ende weit in das Meer, 60 Beschützer der Seefahrt und seinen Kultus da- 
mit dem östlichen in den genannten Busen selbst berichten. Hiermit ist sicherlich auch 
hineinerstreckt und nur in der Mitte durch der von Ptolem. Heph. N. H. 1 erwähnte Bei- 
einen schmalen Landstreifen mit dem Fest- name nQOfirjQ^svg in Verbindung zu bringen, 
lande, dessenBewohner Achillodromiten hiefsen. Dieser Kultus scheint von Milet ausgegangen 
in Verbindung steht. Die ausführlichste Be- zu sein, wo sich auch in späterer Zeit eine 
Schreibung giebt Pomp. Mela a. a. 0. , der nach ihm benannte Quelle befand {Tzetees zu 
aufserdem einzj|[ und allein den Achill das LyJcophr. 467. Parth. Erot. 26.). Andere, z. B. 
Wettrennen auf dem Dromos zur Feier eines Köhler a. a. 0. p. 533, nehmen an, der Kultus 



59 Achilleus (Kultus) Achilleus (Kultus) 60 

des Achilles an den Küsten des Pontos sei äl- 7 p. 306. Epitotn. Strab. 86. Skymn. fr. 44. 
teren Datums jniclit von den milesischen Küsten- Dion. Per. 541. Ärrian. Peripl. p. 21. Paus. 
fahrern sei der Kult dorthin verpflanzt worden, 3, 19, 11. Ptol.3, 10, 17. Melai, 7, 2. Plin. 4, 
sondern sie hätten ihn schon vorgefunden. Ich 12, 26, 27. Prise. Perieg. p. 557. Martian. 
hingegen glaube, dafs sie nur die Sagen von Gapella 6, 668. Die Insel ist entweder namen- 
seiner Thätigkeit daselbst vorfanden, vgl. Wel- los, oder heilst Boryathenis (PtoJew. und der.Bpi- 
cJcer ep. Cycl. 2 p. 221 u. Anm., welcher die tow.d./Sirofto a.a.O.), Achillesinsel oderAchillea, 
verschiedenen Ansichten zusammenstellt und oder wird mit Leuke vor der Donaumändung 
einer Prüfung unterwirft. Durch die Pflanz- verwechselt. In Verbindung mit ihr wird sehr 
städte Milets wurde der Kultus wahrscheinlich lo häufig und wiederum oft verkehrter Weise eine 
zuerst nach dem Hellespont gebracht, wo in andere Kultusstätte des Achilles genannt, der 
dem von Mytilene und Athen gegründetem in sogenannte SQÖiiog (oder Sqoiioi) des Achilles, 
der Nähe seines Grabhügels gelegenem Orte der schon oben Erwähnung gefunden hat, vgl. 
'Axii-lütov von den Bewohnern Trojas regel- Ukert, Geogr. d. Gr. u. Jt. 3, 2 Abt. p. 455. 
mäfsige Totenopfer dargebracht werden, Strabo Kiepert, Lehrb. d. alt. Geographie p. 839, Anm. 1. 
13, 596 u. Plin. H'. N. 6, 126. Solin. Polyh. Besonderer Berühmtheit erfreute sich die unter 
40,51. Herodot.6, 94. Pomp. Mela 1, 18 Steph. jenem Namen im Pontos gelegene 18 Meilen 
Byz. V. 'AxiU.stos SQÖfiog. Philostr. V. A. T. 153. lange schmale , nur in der Mitte mit dem 
Eust. in II. 7, V. 86 p. 666 1. 55. In dem Festlande verbundene Düne, die sich (jetzt im 
Tempel daselbst stand eine Statue des Achilles 20 westlichen Teile Tender , im östlichen Djaril- 
mit Ohrringen versehen Serv. in Verg. Aen. 1, aghatsoh genannt) vor die Mündung des Bo- 
34. Tertull. de Pall. 4, 19. Allein auch aus rysthenes legt. Die Belegstellen siehe oben, 
der Ferne wurde dieses gefeierte Heiligtum Obwohl die Düne durchaus kahl war, führte 
durch regelmäfsige Theorieen geehrt. So be- doch das westliehe Vorgebirge den Namen 
sonders von Thessalien, dem Heimatlande 'Hain des Achilles' Strafto 7, 307. 9, 412. JSwst. 
Achills aus. Die ausführliche Schilderung dieser ad II. 2, 506 p. 270. Auf Tender wurden auch 
Sendungen, sowie ihre Entstehung giebt Phil. Marmorplatten mit Inschriften, eine Urne mit 
Her. 741. Das Ganze trug den Charakter eines Münzen etc. gefunden, vgl. Bulletin des sc. histor. 
Trauerdienstes, wie wir ihn auch anderswo T. 9 p. 141 (Petersb. Zeitschrift). Viele Schrift- 
treflen. Von einem Dienste elischer Frauen äo steller sind sich über die Lage dieses Dro- 
an einem Kenotaph des Achilles in einem mos im Unklaren geblieben, daher die schwan- 
Gymnasion in Elis berichtet Paus. 6, 23, 3. kenden und irrigen Angaben. Die Halbinsel 
In dem Tempel des Achilleion am Sigeion war unbewohnt, die Einwohner des angren- 
erachien der Sage nach der Held im vollen zenden Festlandes hiefsen Achillodromiten. 
Waffenglanze dem Homer, welcher dadurch Hierher gehörten die Einwohner einer andern 
das Augenlicht verlor. Westermann, Siogr. Kultusstätte des Helden: auf dem östlichen 
p. 30, 20. — Bei der Gründung des milesischen Ufer des kimmerischen Bosporos an der eng- 
Byzantium errichtete Byzas dem Achilles einen sten Stelle des Sundes lag der befestigte Ort 
Altar an der Stelle, wo später die Thermen 'Axillsiov mit einem Tempel des Achilles; 
des Achilles standen Codin. de Orig. Constan- 4ß Strabo 494. Ptolem. 5, 9, 149. Sttph. Byz. 
tinop. p. 2. Hesych. Miles. Bes Patr. Con- a. a. 0. Anonym. Peripl. p. 17, 3. Den glei- 
stantinop. ^. 47 ed. Meursius. Von dem Helles- chen Namen tragen auch befestigte Orte an- 
ponte aus ' verbreitete sich allmählich, sicher- derwärts, einen solchen in der Nähe von Smyrna 
lieh aber schon in früher Zeit, sein Kultus an erwähnt Xenoph. Hellen. 3, 2, 13. 4, 8, 17; 
den Küsten des Pontos und fafste besonders einen zweiten in Sicilien führt an Steph. 
am kimmerischen Bosporos Fufs. Von den Byz. a. a. 0. Bei Adramyttium in Mysien war 
ältesten milesischen Kolonial städten Istros, Ol- ein befestigter Graben, dessen Entstehung man 
bia und ApoUonia, deren Gründung zwischen auf Achill zurückführte Strabo 613. Hust. 
650 und 500 v. Chr. fällt, ist vor allen Olbia in II. 7 v. 277. p. 343. Von Inseln aufser- 
als Kultusstätte des Achilles zu nennen. - Er 50 halb des Pontos, welche Achill Terehrten oder 
hatte dort einen Tempel und eine Priester- doch mit ihm in irgend welchem näheren Zu- 
schaft Dia Chr. 36 pp. 80 u. 85 C. I. Gr. 2 sammenhange standen, seien erwähnt die Spo- 
introductio p. 87 u. p. 139 {tit. 2077). Spiele rade Astypalaea {Cic. de nat. deor. 8, 18, 45) 
wurden ihm zu Ehren daselbst gefeiert und .und Achillea, Insel bei Samos im ägäischen 
der Name 'AxMevg war sehr beliebt. Das Meere Plin. 5, 37. Den Namen des Achilles 
.Hauptheiligtum des Heros aber in jenen 6e- ('Axültiog lifiriv) führte ferner ein am Taina- 
genden, dem Achilleion auf dem Sigeion ver- ronvorgebirge gelegener Hafen, jetzt Bucht 
gleichbar, scheint die kleine Insel gewesen Marinari (Sfcj/Z. PeripZ. 46. Paus. 8, 26, 4), jeden- 
zu sein, welche am Ausflusse des Borysthe- falls mit dem von Steph. Byz. a. a. 0. ange- 
nes liegt, jetzt den Namen Berezan führt und eo führten in Messenien gelegenen- identisch {Bur- 
von den antiken Schriftstellern oft mit Leuke sian Geogr. v. Griech. 2, 150.), und ein Hafen 
verwechselt worden ist, vgl. Köhler a, a. 0. auf der Ostküste von Skyros (AxMeiov, jetzt 
p. 627 ff. Die Inschrift C. I. Gr. 2, 2076 (p."l36) Bucht Achili, vgl. Schol. IL 19, 826,' Bursim 
wurde auf dieser Insel gefunden; der Kultus a. a. 0. 2, 391). Verehrung fand er (nach 
auf ihr ist sonst noch bezeugt durch Dio. Chr. Köhlers Emend. a. a. 0. p. 797 au PatM. 2, 
a. a. 0. p. 78 u. 85, wo sie die Achillesinsel ge- 1 , 8) in der Nähe von Korinth an einem 
nannt und ein Tempel des Heros darauf er- den Nereiden geweihten Ort«. Unschwer ist 
wähnt wird. Vgl. Skyl. p. 30. Strab. 2 p. 125. aus den bisher erwähnten Kulten und nach 



61 



Achilleus (Kultus) 



Achilleus (Kultus) 



62 



dem Achilles benannten Ortschaften dessen enge 
Beziehung zum Meere und zum Wasser über- 
Jianpt zu erkennen. 

Aber auch im Binnenlande wurden ihm gött- 
fjfehe Ehren an verschiedenen Orten von Grie- 
ben erwiesen. Einen Halbgott nennt ihn Arist. 
374, 45 ed. Par. Schon erwähnt ist der 
luergottesdienst der Frauen in Elia, sowie 
eine Verehrung im Geburtslande durch die 
"dessäler: eine Eeiterstatue von ihm, ein Weih- 
eschenk der Bewohner von Pharsalos, stand 
Delphi Paus. 10, 13, 5. In Epirus, dem 
iide, welches später sein Sohn einnahm, wurde 
unter dem Namen 'Aanitos als Gott ver- 
lirt. Plut. Pyrrh. 1. vgl. Äristot. fr. 280''. P. 
olem. Heph. N. H. 1. In hohen Ehren stand 
1/er femer bei den Lakedämoniern, die ihn nach 
*njiinem Fragmente des Anäxagoras (Schol. Apoll. 
yMh. 4, 815) wie einen Gott verehrten. Nach 
iPoMS. 3, 20, 8 befand sich bei Sparta ein Heilig- 
tem des Achilles, welches nicht geöffnet werden 
■ "vdurfte. Die Epheben aber, welche sich in Sparta 
am Wettkampfe beteiligen wollten, opferten ihm 
TOr dem Kampfe. Prax, der Urenkel des Perga- 
• mos, des Sohnes desNeoptolemos, sollte dasHei- 
Kgtum gestiftet haben. Zu Brasiai hatte er mit 
Asklepios zusammen einen Tempel, wo alljähr- 
lich ein Fest ihm zu Ehren gefeiert wurde, 
Paus. 3, 20, 8; dasselbe wird von der Pflanz- 
stadt Tarent berichtet Aristotel. mirdbil. auscult. 
4, 93, 48 P. K. 0. Müller, Aegin. p. 162 geht 
sogar 60 weit zu behaupten, Achilles sei von 
allen Doriem verehrt worden; vgl. dagegen 
Welcher gr. Götterlehre 3, 253. Endlich gab es 
noch in der Nähe von Tanagra ein 'Axlilsiov, 
einen ihm von Poimandros geweihten Platz. 
Dieser hatte den Polykritos getötet; Achill 
führte ihn zu Elpenor nach Chalkis und dieser 
entsühnte ihn. Plut. Quaest. Gr. 368, 44 Dübn. 
Sein Speer wurde im Tempel der Athene zu 
Phaseiis in Lykien aufbewahrt. Paus. 3, 3, 8. 
Den gröfsten Ruhm aber und die gröfste 
Verehrung genofs als Kultusstätte des Achüles 
ohne Zweifel die vor den Mündungen des Istros 
gelegene Insel Leuke Eurip. Androm. 1260. 
Pind.Nem. 4, 79. Shyl. ed. Klaus, p. 209. Demetr. 
Oälatian. bei Skymn. Peripl. 43 u. 45. Ly- 
kophr. 186. Conon narr. 18. Strabo 2, 125 u. 
7, 306. Ptolem. 3, 10. Arrian. Peripl. Ponti Eux. 
21. 'Dafs diese unbedeutende Felseninsel den 
Griechen so wichtig war, erklärt sich auf dop- 
pelte Weise. Betrachtet man ihre Lage, so 
sieht man bald, sie diente in dieser Gegend, 
;: .die durch niedrige Ufer an den Donaumün- 
dungen, durch Sandbänke und Untiefen ge- 
fährlich ist, den Alten, die immer Küstenfahrer 
i,,- blieben, als Merkzeichen. Die Fahrten in den 
: I Pontes , die Anlage der Pflanzstädte daselbst 
■, ..feilen in die Zeit, da die von Homer verherr- 
lichten Heroen alg göttliche Wesen, als Helfer 
. fai der Not angesehen und verehrt wurden. 
.' Wie schon der erwähnte Dichter (Stesichoros) 
h, dn&TD. Menelaos nach seinem Tode auf einer 
Insel im Okeanos seinen Aufenthalt bestimmte. 
So wiesen Spätere dem Achilles und anderen 
, Inseln und Küstenorte in dem gefährlichen 
■ Pontos an, der als ein anderer Ocean erschien, 
Wo sie als Äetter in Gefahr angerufen wurden, 



denen zu entgehen die geheimnisvollen Weihen 
in Lemnos und Samothrake für die Seefahrer, 
am Eingang des verrufenen Meeres, empfohlen 
wurden'. Ukert a. a. 0. 3, 2 p. 442. 

Die Insel wurde von Menschen nicht bewohnt 
{Skyl. Gar. Peripl. p. 30. Arrian. Peripl. P. E. 
p. 21. Anonym. Peripl. P. E. p. 11. Phil. Her. 
746. Ammian. Marcell. 22 c. 8); doch bevöl- 
kerten sie grofse Scharen von Ziegen, welche 

10 daselbst von den Opfer darbringenden See- 
fahrern in Freiheit gesetzt worden waren {Ar- 
rian. Peripl. a. a, 0.). Die hingegen, welche durch 
Sturm dorthin verschlagen, brachten Geld dar 
mit der Bitte, kund zn thun, ob das Opfertier, 
welches sie sich unter den daselbst weidenden 
Ziegen ausersehen, genehm sei. War das Orakel 
mit dem gebotenen Gelde nicht zufrieden, so 
l«gten sie mehr zu, bis es genügend war. Dann 
stellte sich das Opfertier freiwillig. Die Insel 

20 galt für heilig und unverletzlich, Phil. Her. 248, 
und wurde nur von Schiffbrüchigen und solchen, 
welche t)pfem wollten, aufgesucht, selten von 
Neugierigen Max. Tyr. Biss. 15 p. 173; jeden- 
falls brachten auch die Einwohner der um- 
liegenden Küste^ji von Zeit zu Zeit Opfer dar, 
wenn man nicht an regelmäfsige Theorieen 
denken will Quint. Smyrn. 3, 777 — 779. Eine 
Nacht auf der Insel zuzubringen wagte niemand 
Ammian. u. Phil. Her. a. a. 0. Nach Phil. Her. 

so 749 durfte die Insel nicht von Frauen betreten 
werden. Siehe ebendaselbst die Opferung eines 
Mädchens aus Ilios, des letzten Sprosses des 
Priamidenhauses, eine Nachahmung des Opfers 
der Polyxena durch Achilles. Mit lauter 
Stimme zeigte Achill den Verschlagenen an, 
an welchem Orte der Insel sie landen sollten 
Phil. Her. 748 oder erschien den Seefahrern 
im Traume, um ihnen den Ankerplatz zu weisen 
Arrian. Peripl. p. 22 ff. Andere sahen ihn mit 

40 Patroklos zusammen, wieder andere sahen ihn 
in der Nähe von Leuke auf dem Grofsmast 
oder Klüverbaum sitzend Arrian. Peripl. p. 23, 
nach Max. Tyr. Diss. 15, 173 als jungen schö- 
nen Maim mit blonden Haaren und goldstrah- 
lenden Waffen. Auf der Insel selbst befand 
sich der Tempel mit den Altären, um die 
Opfertiere aufzunehmen Eurip. Androm. 1260 
Solin. Polyh. c. 19 p. 29." Arrian. a. a. 0. p. 21. 
Anonym. Peripl. p. 11. Paus. 19, 11. Philoslr. 

50 Her. 748, 749 u. 751; die Ruinen des aufser- 
ordentlich alten, mächtigen kyklopenartigen 
Baues sah Köhler a. a. 0. p. 602 ff. In dem 
Tempel befand sich eine Statue des Achilles 
Demetr. Calatian. ap. Arrian. Peripl. P. E. 22. 
^ma«. a. a. 0. p. 11 und Paus. 3. 19, 11, ein 
altes Künstwerk, während Philostr. Her. 745 
von den vereinigten Statuen des Achilles und 
der Helena berichtet. Aufserdem barg der 
Tempel viele kostbare Weihgeschenke, wel- 

60 che dem' Heros als Gaben dargebracht waren; 
ebenso griechische und lateinische Inschriften 
in verschiedenen Versmafsen, die das Lob des 
Achilles und Patroklos sangen. Vgl. das Epi- 
taphium bei Aristot. fr. 312 a. 318 a, P. Opfer 
und Tempelschatz beschreibt Arrian. a. a. 0., 
welcher auch von einem mit dem Tempel ver- 
bundenen Orakel erzählt, obgleich die Insel 
unbewohnt war und einer Priesterschaft nir- 



63 Achilleus in d. Kunst Achilleus (Etym. n. Deutg.) 64 

gends gedacht wird (sielie oben). Nach Ar- kannt ist; vgl. OverbecJc a,. a 0. p 551. Taf. 
rian. a a. 0. und Philostr. Her. 746 dienten 23. Nr. 5. Münzen des Pyrrhos und spatere 
die Meerrögel als Tempelhüter. Jeden Mor- thessalische Münzen zeigen den Kopi des Achül 
gen flogen sie aufs Meer , benetzten die B. Bochette Mon. ined. p. 411. V%gn. 15. IJer 
Flügel flogen dann zum Tempel zurück, be- Schild des Achill und die Kontroversen dar- 
sprengten ihn und kehrten den Fufsboden mit über sind besprochen v. /. Overleek Gesch. d. 
den Flügeln; doch wagten sie nie über den gr. Pp 1 p. 45f. , v» „'„^ 
Tempel hinwegzufliegen, Plin. N. H. 10, 78. Die sein Leben betreffenden Bildwerke sind 
Salin. Polvh. 19 p. 29. Antig. Caryst. 134. zusammengestellt v. B. Bochette &. a. U., U. 
Diesen Aufenthalt teilen aufser Helena nach lo Müller a. a. 0. 413, 2 u. 415. J.Overbkk,dte 
Paus 3 19 13 Patroklos, Antilochos und die Bildwerke zum thehisdicn und tratschen Mel- 
beiden Äias Vgl. aufserdem Athen. Beipnos. denkreis. Friedrich Schhe, die narsfellungen 
15 p 696 Strabo 7, 21-1. Arrian. Peripl. P. des troischen Sagenkreises auf etruskischen 
E p 21 Conan narrat. 18. Eust. ad Bianys. Asrhenkisten. Die ganze Cyklcn enthaltenden, 
Per 645 680. 692. Niceph. Blemm. ad Bianys. sowie die einzelne Scenen seiner Ansicht nach 
Per 1 p 414 ed. Bernh. unzweifelhaft darstellenden antiken Bildwerke 
^' " ' ■ siehe bei Brunn in Pauhjs Bcal-1'Jncyklopädie 
rv. Aehilles in der bildenden JLunst.« ymter Achilles p. 89. Das Notwendigste betreffe 
Da die hauptsächlichsten Kunstwerke schon der Bildwerke ist dem Texte an entsprechender 
im Vorhergehenden bei Besprechung der Mythen 20 Stelle beigefügt; freilich ist das Gegebene lückwi- 
Brwähnung gefunden haben, besonders dann, haft und unvollständig, da nur em das wert- 
wenn sie zur Erläuterung der schriftUchen schichtige Material beherrschender Fachmann 
Überlieferung dienten oder dieselbe ergänzten, hier Erschöpfendes zu bieten imstande wäre, 
aufserdem aber ein genaues Eingehen auf das Etymologie des Naniens und Deutung 
archäo ogische Gebiet weder hier am Orte ist ^^^^^^^ ^f ^^l^en Natur des AohiUes: 
noch im Vermögen des Verfassers steht, so uci. iii^iJ vl b 

sei nur noch kurz hingewiesen auf die sta- 1) Antike und den antiken sich an- 
tuarischen Darstellungen des Achill, sowie auf schliefsende moderne Deutungen, 
die Hauptsammelwerke, welche sich mit den Die verbreitetste Ansicht im Altertume war, 
bildlichen Darstellungen des Heros des nähe- 30 dafs der Name bedeute 'der Betruber der Hier 
ren befassen *'«^ ^0 '^X''^^ " ^°^'- ^^"W tnsveyyiHv tots lU- 
Da nach 'Plin. N. H. 34, 5, 18 die nackten eUßiv Seh. 11. 1, 1. Eustath. z IL 14 18, eine 
Ephebenstatueii mit der Lanze in der Hand Erklärung, welche schon Kallimachos hatte 
AchiUeae hiefsen, so läfst sich hieraus ersehen, [Gramer anecd. Oxan. 4, 403, 27). In neuerer Zeit 
in welcher Weise die Antike den Helden in der ist sie wieder aufgenommen von latt, Kuhns 
Kegel zu bilden pflegte. Als Werke hervorragen- Ztschr. 9, 211. Ähnlich ist die Deutung, wei- 
der Künstler sind schon erwähnt die in Gruppen- che Eust. a. a. 0. 14, ^13 giebt, oino xov a^og 
bildern angebrachten Statuen von Lykios Paus. ÜXXbiv, ntovv A«7tr)r «ftßaUsiv, was Benseier 
5 22 2 von Skopas Plin. 36, 26 u. Paus. gebilligt zu haben scheint, der das Wort mit 
s' 46 ' 7 Eine alleinstehende (?) Statue des 40 'Schmerzer' übersetzt. Dagegen siehe C«triji<s 
Achill von Silanion führt an Plin. 34, 82. Von Grundzüge 5 p. 11^9 Anm. Eine dritte Zusam- 
unbekannterHand sind die Statuen im Tempel mensetzung mit «j;os nimmt an die lirklarung 
der Astarte zu Hierapolis Lucian. de dea Syr. aus axog Xaov Seh. II. 1,1 Et. M. Ü-me zweite 
40 ein ar(rot.Xos bei Christodor 291 nackt, im beliebte Deutung war ano jov « crsqrjTLKov. 
Te'mnel von Sigeion eine Statue mit Ohrringen Kai zoi j;iiös, o iariv r) ix tmv anoqi^wv tQO(pr, 
Serv Vera. Aen 1, 30, ein löccvov ir^s jcalai&s Eust. II. 14, 18. So Enphorion A«. M.j. AtiX- 
ioyaaiag auf Leuke Arrian. Peripl. P.E. p. 21 u. Isvg nnä Eust. II. 15, 8 h i>»iriv xiXov x«r^<s 
die T) 61 Z 9 erwähnte Keiterstatue zu Delphi, nociinccv aytroTos Nanm narr, ad Greg, tnvect. 
auch auf Münzen von Pharsalos. Die charak- 1, 88 p. 157. Eine dritte heiApallador. 3, 13, 6 o« 
teristischen Kennzeichen der Bildung des Achil- 50 ta x^CXri ^aazois ov Tt^oanvfyy.s ; vgl. Tertull. de 
les finden sich bei Philostr. imag. 2, 2 u. 7 pallio 4 'ille ferarum medullis oducatus unde 
iun 1 Heraic. 19, 5. Liban. ecphras. 6 und be- et nominis consilium . Eine vierte bei izetzes 
sonders bei Heliodor. Aethiop. 2, 5. Keine der Lykophr. 178, weil er durch das leuer, in wel- 
erhaltenen Statuen ist sicher als die des Achill ches ihn Thetis nach der fieburt warf, einer 
nachgewiesen ; genannt seien nur der sogenannte Lippe beraubt war. So der pharsaliache Dich- 
Ares Ludovisi und Achilles Borghese in Paris, ter Agamestor. Eine gleiche Etymologie des 
letzterer charakteristisch durch einen gewissen Wortes, aber auf anderer Deutung fofsend 
sanften und melancholischen Zug, 'der für Ares nimmt an Forchhamnier, Achill Kiel 1853 p. 62. 
am wenigsten pafst, aber dem Achill wohl von Peleus, der lehmige Flufs («»j^oe), erzeugte mit 
einemKünstler gegeben sein könnte' (ST.O.JfÄZ- 60 Thetis, der Läuferin unter den Nerenstöchtem 
ler Handb. d Arch.d. K.^ 413, 2). Die be- (von &£»), 'den Heros der Überschwemmung, 
stimmte Deutung der Statuen wird nämlich des mündungs- und lipnenlosen Flusses, den 
durch die Ähnlichkeit der Darstellung mit Mars Lippenlosen, den Achilleus, yow xtilos AiOi 
erschwert Die Dresdner und Münchner Büste Lippe und dem verneinenden ct. Die Griechen 
hängen nach Müller mit dem Borghese zusam- nannten die Ufer der Flufsmflndungcn Lippen . 
men und fordern gleiche Deutung. Ebenso 2) Moderne Deutungen, 
zweifelhaft ist die Deutuig der schönen Mar- Vgl., hierüber CurUus a a. 0. p. 119. Ge- 
morgruppe, die unter den Namen Pasquino be- rade m der Mehrdeutigkeit eines Wortes hegt 



65 Achilleus nachhom. Adanos 66 

ein Hauptanlafs zu seiner Sohwerdeutigkeit. stein'. Ohne mich auf die Etymologie des 

Die etymologische' Wissenschaft kann also in Namens einzulgflsen, erkläre ich am Schlüsse, 

solchen Fällen sehr oft nur die Sphären an- dafs mir nach den oben gemachten Zusam- 

geben, innerhalb welcher die Deutung liegen menstellungen von Mythen und Kulten die ur- 

kann, nicht diese selbst bieten'. Infolgedessen sprüngliche Bedeutung des Achilleus als Flufs- 

Äfst Curtius die Deutung zwischen 'Axilivg = gott unzweifelhaft zu sein scheint. [Nachtrag 

'ExslaogYoYkshalter (so Misteli, Kuhns Ztschr. zu S. 64, Z. 50: Eust. z. Tl. 289, 36: oi Ss 

17 p. 186), und 'Exsluos Steinhalter offen. Die naXaiol sv^h&r^vai tfuaiv iv noXloig 'Ayaiis- 

letztere Erklärung fafst also Achilles als einen äovroi Xsyousvov, maxsq «al tbv 'Axillsa 'Ad-Tj- 

Flufsgott. Die übrigen Erklärer lassen sich lo Xia Kai tov KdXxavta XdcXticcvta. Boscher.] 

in drei Gruppen scheiden; die eine erklärt ^ [Fleischer.] 

ihn für einen Flufsgott, die zweite für einen X^Achlys C^x^^s) Trübsal, Personifikation der 

Lichtgott, die dritte nimmt eine beide Ele- tiefsten Trauer, ausführlich geschildert von 

meute vereinigende Natur als das Ursprung- Hes. Scut. Herc. 264 ff. [Röscher], 

liehe an. Für den Flufsgott Achilles tritt am Acionna, Name einer gallischen Göttin auf 

energischsten ein Forchhammer in der oben einer bei Orleans gefundenen Inschrift (Aug. 

erwähnten Schrift und Inder '(?rM«dMn(jfJBows', Acionnae sacrum etc. Orelli-Hensen 1955). 

Kiel 1868 p. 6 ff. Viele Anhänger hat die Ver- [Röscher], 

mutung J. Scaligers, in dem ersten Bestand- )<^Acis etc. s. Akis. 

teile des Namens sei das Wort 'Wasser', 20><. Acoetes (AKoixjjg?). 1) ein Mäonier (Lyder) 
aqua, gerade so wie in Achel'oos verborgen, oder Tyrrhener (nach Herod. 1, 94 sollten die 
\gl. Lobeck .AoZaopÄ. p. 952; Welcker gr. Götter- Tyrrhener (Etrusker) aus Lydien eingewandert 
lehre S,A6 u. Anm. ; derselbe sagt ep. Cycl. 2,37. sein; vgl. Ov. Met. 3, 583. 624. u. Hygin. fab. 
'Im Sohne derThetis und desPeleus erblicken 134), welcher als Steuermann auf einem tyr- 
wir einen Flufsgott. — Aus diesem Dämon rhenischen SeeräuberschifFe diente. Als seine 
Achilles mag lange vor dem troischen Krieg ein Genossen bei einer Landung in Keos einen 
Myrmidonenheld hervorgegangen sein'. Vgl. schönen trunkenen Jüngling entführen wollten, 
Preller Gr. Myth.^ 400 Anm. 1. Bückert, Tro- widersetzte sich Acoetes diesem Vorhaben, weil 
jus Ursprung p. 144. Angermann, Progr. d. er in dem Knaben den Gott Dionysos erkannte^ 
Landesschule zu Meifsen 1883 p. 11, welcher den so und sollte deshalb von den übrigen Seeräubern 
Übergang von it in ;f durch nachfolgendes J- ins Meer geworfen werden. Da offenbarte 
vermittelt annimmt. Dagege» (?. Cwriitts a. a. 0. plötzlich Dionysos seine göttliche Macht: das 
Fick, Wörterbuch d. indogerm. Grundsprache ' Schiff stand stül wie in einem Dock, Weinre- 
2, 8 erklärt es mit 'der Dunkle' (äjjl'us) = ben rankten sich von selbst um die Ruder, der 
aquilus. Als ursprünglichen Lichtgott fafst Gott selbst stand traubenbekränzt und den 
ihn Sonne Kuhns Ztschr. 10, 98, der den Thyrsus schwingend da, von Tigern, Luchsen 
Namen mit 'hell leuchtend' übersetzt. M. und Panthern umlagert, wid wahnsinnig oder 
Müller, Vorfes. über die Wissenschaft d. Spr., erschreckt sprangen alle Seeräuber, in Delphine 
deutsch V. C. Böttger^ 2, 533 Anm. 68 stellt ihn verwandelt, ins Meer. Nur Acoetes blieb übrig 
mit dem indischen sterblichen Sonnenheros 40 und folgte fortan dem Gotte als Mitglied sei- 
Ahargu zusammen. Panofka, annali delV Instit. nes Thiasos. So erzählt Dionysos selbst in^der 
Arch. 5, 130. 7, 128 hält den die Helena {SsXrjvrj) Gestalt des Acoetes dem Pentheus bei Ovid 
verfolgenden Achill für eine männliche Mond- {Met. 3, 582). Dieselbe Geschichte findet sich 
gottheit. Eine Doppelnatur, die eines Strom- bei Hygin. fab. 134 (vgl. Bunte z. d. St.) , wo 
und Sonnengottes, nahm an Gerhard gr. Myth. auch ziemlich dieselben Namen, wie bei Ovid, 
§ 878. 'Seines Namens und Wesens als ein wiederkehren. Vgl. aufserdem Hom. hymn. 7 (jn 
flutender Lichtheros (!) gedeutet'. 887 'eineshei- Ba£chum),Apollod.3,ö,3. AglaosthenesheiHyg. 
mischen Strom- und Sonnengottes Abbild in Astr.2,n. Serv. ad Aen. 1, 67 (der auch auf die 
Kraft und Schnelle'. 896 'der meerentsprossene Verwandtschaft der Tyrrhener und Lyder [Mäo- 
Sohn von Polens und Thetis im Sinn des 50 nier] hinweist), Myth. Vat. 1, 122; 2, 171 und 
schnellfüfsigen, unwiderstehlichen, wandelbaren die schöne bildliche Darstellung am Denkmal 
Stromes, auch wohl der rasch verflüchtigten des Lysikrates zu Athen bei Müller- Wieseler, 
Sonnenkraft, die er ursprünglich daheim glei- Denkm. d. a. K. 1 Taf. 37. (Vgl. Gerhard, 
cherweise bezeichnen mochte' (!). Endlich weist Auserl. Vaset^ildtr 49). — 2) Evanders Waf- 
derselbe a. a. 0. M. P. V. 2. Anm, auf den in- fenträger und nachher XJefährte seines Sohnes 
dischen Feridan und germanischen Siegfried als Pallas. Verg. Aen. 11, 30. 85. [Röscher]. 
Vorbilder und Widerspiele des griechischen < Adad (Adadus,'.45atfo«g(?)Hesych.),einheimi- 
Achill hin. Ganz abweichend von den genann- scher Name des in Rom Juppiter 0. M. Helio- 
ten Erklärungen nnd sicherlich falsch ist die politanus genannten syrischen Sonnengottes : 
von Fligier, zur prähistorischen Ethnologie der 60 Maerob. S. 1, 23. Plin. H. N. 37, 186. Vgl. 
BaftawÄaZftinse?. Wien 1877. p. 41 gegebene Den- Zachar. 12, 10. Movers Phönizier 1, 196. 2, 
tung. Achilleus ist ihm eine nichthellenische 1, 513. Preller, Rom. M. 2 ^, 402 ff. [Röscher], 
Gottheit. 'In seinem Namen erinnert er au Adamas (Aädfiag) , Troer , Sohn des Asios, 
Ahi, den feuerspeienden Drachen, d. h. die von Meriones getötet: II. 12, 140; 13, 560ff. 
dorrende Hitze, welcher diemilchgebendenKühe, [Röscher], 
die Regenwolken, geraubt, und in den Bergen Adanos ("ASavog) ^ Gründer von Adana in 
eingeschlossen hält. Der Bezwinger des Drachen Kilikien, Bruder des Saros, Sohn des Uranos 
(Ahi) heifst dann Achilaras, d. h. Drachen- und Aex Ge. St^ph. Byz. a. y. "ASava. [Schultz.] 

Boscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. 3 



67 



Addus 



Addas, Name einer wahrscheinlicli celtischen 
Gottheit auf einer Inschrift aus Altripp. Or.- 
Hensen 5610: I. O. M. Addo ex voto posmt 
pro Salute sua suorumque Manno etc. Henzen 
erklärt im Register Addus für einen Beinamen 
des Juppiter. Vgl. Addua = Adda, Adduus 
(Vell. 2, 102), Aduatuci. [Steuding]. 

Adeona, röm. Göttin, welche ebenso wie die 
Abeona (s. d.) die ersten Laufversuche leitete. 
August, de civ. d. 4, 21. S. Indigitamenta. 

" [Röscher]. 

Adephagia {'Adri(payia) , die Gefräfsigkeit, 
welche in einem Tempel Sicüiens verehrt wurde: 
Polemonh.Ath. 4:1&^. Aelv.nA,i7. [Röscher]. 

Adferenda s. Indigitamenta. 

Adganaae deae, wohl celtische Göttmnen 
auf einer Inschrift aus Galliano. Labus, Mo- 
nwm. scoperti in Ganturio p. 24: Niger 'J^ertul- 
UusSeverm Matronis et Adganais V. S. L. M. 
Orelli 2096 hat dagegen nach Redaelli „Ad- 
gnaf' liest aber im Register wie oben, /.u 
vergleichen ist vielleicht die gens Adginma, 
die jedenfalls auch celtischen Ursprungs ist; 
Ne\.'^OrelU 4018 u. a. [Steuding]. 

Adiante (ASiavzri) , Tochter des Danaos (s. 
Aigyptos). ApoUod. 2, 1, 5. [Röscher]. 

Admete {'ASv'Vn), 1) Tochter des Okeanos 
und der Tethys: Eesiod. Theog. 3, 49. Hörn, 
hy. in Ger. 421. Hyg. fab. praef. p. 28 ed. 
Bunte. — 2) Tochter des Burystheus. Da sie 
den Gürtel der Amazonenkönigin Hippolyte, 
welche ihn vom Ares als Preis ihrer Tapfer- 
keit erhalten hatte, zu besitzen wünschte, so 
wurde Herakles ausgesandt, jenes Kleinod zu 
erkämpfen {Apollod. 2 , 5, 9). Nach Tsäzes z. 
Luhophr. 1329 begleitete Admete den Herakles 
Ein Relief der Villa Albani {Zoega Boss. 2, 70) 
stellt sie dar, wie sie dem vergötterten Hera- 
kles opfert. Dies lehrt die Inschrift: iie«S 

Jsc5s 'A^rp^Sä^vrog {C. I. Gr. &984G .^g^- 
Btephani in Mem. d. Petersl. Ak.Ser.6, t. 8). Wie 
in dieser Inschrift, so gilt sie auch sonst als 
Priesterin der argivischen Hera {Synkell. Lhro- 
noqr p. 17^ ed. Par. Euseb. Chron. p. 33 bylb.). 
Nach einei von Athen. 672" mitgeteilten Legende 
soll Admete mit dem Kultbilde der Hera von 
Arges nach Samos geflohen und auch hier 
Priesterin der Hera in ihrem uralten und hoch- 
berühmten Heiligtume geworden sein. Die aut 
den sami sehen Herakult eifersüchtigen Argi- 
ver hätten nun Tyrrhenische Seeräuber überre- 
det, das Kultbüd der samischen Hera, für sie 
zu rauben. Als die Räuber im Begriffe gewe- 
sen seien, mit ihrem Raube abzusegeln habe 
plötzUch das Schilf so lange unbeweglich fest- 
gestanden, bis das Büd wieder ans Uter ge- 
bracht worden sei. Hier habe es Admete am 
nächsten Morgen gefunden, gereinigt und wie- 
der im Tempel aufgestellt. Zum Andenken 
an diese Begebenheit aber sei em samisches 
Pest, Tovsa genannt, gefeiert worden Die 
Deutung dieser ätiologischen Kultlegende ta- 
det sich bei Welcker in Schwencks etym.-myth. 
AndeutuMgen S. 276. (Vgl. auch WeWter Got- 
terl. 1, 368 u. 382, Boscher, Juno u. Hera b. 78, 
sowie den Artikel Sera). - S) Tochter des 
Amphidamas, Gemahlin des Burystheus, Mut- 



Admetos 68 

ter der vorigen {G. I. Gr. 5984 G., sonst An- 
timache (s. d.) genannt. [Röscher]. 

Admetos ("ASiiriTos, C. I. Gr. 8185 "AaiirjTos). 
1) SoEnäesl'heresund derPeriklymeneoderJKlr.; 
mene, König von Pherai in Thessalien, Teilneh- 
merander kalydonischen Jagd und am Argonau- 
tenzug {Apollod. 1, 8, 2, 4 u. 9, 6^8^ a(a?n./,14. 
173. Find.' PyHh'i, Mi. SophTLemn. fragm. 
äSSr^oU. Wi. Arg: 1, 49; FgTTT^ rg: 1, 

10 iSTWpTieus' Arg. 176. Stat. TW7T, 436). 
NäcEaeiri er Herrscher von THerai geworden, 
bewirbt er sich neben vielen andern Jünglin- 
gen um die eine Tochter des Pallas, Alkestis; 
als der Vater sie nur dem geben will, welcher 
Löwen und Eber (A pollod. 1. 9. lA ),oder über- 
haupt wilde Tiere (Buain. -f.-SÜ.Ji^M ) an den 
Wagen geschirrt habe, spannt Apollon einen 
Eber und Löwen an einen \yagen und über- 
giebt ihm diesen; damit gewinnt Admetofl die 

20 Alkestis in Jolkos {SdwjJMm^Jik. 8fi4) und 
führt sie nach Hause. Apollon beweist sick 
dem Admetos hilfreich, weil er wahrend des 
einjährigen Dienstes in Pherai {Ewi]^^_Mc^ 
Luc. dejafir. 4^ Jup,^cänU.8^ ÄfiSSu-S»-!»-^ 
OvU.}^oid.'£jihl,_ßerv. Verg. Ae.JjJ3i), zu 
dem~er von Zeus wegen der TlStung der Ky- 
klopen oder, nach Pherekydes, der Söhne der 
Kyklopen {SchoL_Eurip, Ale. 1. Lucan^Ph0X. 
6, 368. u. ScholA^llodTj^ lö4.Z?fi!i^.-/L*9) 

30 verurteilt ist, den "König wegen der freundli- 
chen Behandlung liebgewonnen hat, oder weil 
er ein Liebhaber des Admetos ' ist (QcMni, 
hvmn. ad Ap. 47. Plut. NumaJi^,JiofM/jDmn- 
10^ 323. Tibull. . 2~37 il^J^^OTd, hscoidlkM-i)- 
NacE"lÄo»ii.Mi-i ' wlfäTÄlkestis erst nach 
dem Tode"desPeIias als Gattin dem Admetos 



von lason übergeben. — Bei der Hochzeit ver- 
gafs er der Artemis zu opfern, deshalb fand 
er sein Brautgemach mit Schlajigenknäueln an- 

40 gefüllt. ApoUon versprach ihm die Schwester 
zu versöhnen, und zugleich erbat er von den 
Moiren, daTs, wenn Admetos sterben sollte, er 
vom Tode verschont bliebe, sobald jemand frei- 
willig für ihn in den Tod ginge. Nach J^sgä. 
.Bmot. 172.723. 728_hatte ApoUon die Hoiren 
trunken gemäcEFund in der Trunkenheit ihnen 
das Versprechen abgenommen. Als der Todes- 
tag für Admetos kam, und der Vater Pheres 
samt der Mutter trotz ihres Greisenalters sich 

60 weigerten sich zu opfern, erlitt Alkestis für 
ihren Gatten den Tod; sie wurde aber von 
Herakles dem Tode wieder abgerungen, oder 
Köre schickte sie wegen ihrer Gattentreue wie- 
der an die Oberwelt. — Nach gtot. Theb. 6 , 
332 nimmt Admetos bei der Einsetzung der 
nemeischen Spiele am Wagenwettrennen teil. 
Ebenso beteiligt er sich auf dem Kypselos- 
kasten (l^us. 5. 18. Ifl) an den Leichenspielen, 
die zu Efiren des Pelias gefeiert werden; am 

60 Thron des Amykläischen Apollo spannt er Eber 
und Löwen an den Wagen (P aus. 3. 18. J 9). 
Auf einem römischen Stuckrelief jÄ nn. d. Inst . 
1860S;^27] fährt er mit einem Wägen, dem 
efernoweund ein Eber vorgespannt ist, zu 
Pelias, der ihn auf dem Throne sitzend erwar- 
tet; neben ihm steht Alkestis. Über den Tod 
und die Rückkehr der Alkestis, sowie über die 
Mythendeutungen s. u. Alkestis. 



69 



Adolenda 



Adonis (Mythus) 



70 



Nach Phanodemos ( Schal. Aria fnph. vesp. 
1239) wird Admetos im Alter aus Pherai ver- 
trieben und kommt mit der Alkestis und sei- 
nem jüngsten Sohn Hippasos nach Athen zu 
Theseus, um ihn um Schutz und Hilfe anzu- 
flehen; er erhält mit seiner Familie Wohnung 
iü Attika. Auf diese Ankunft des Admetos in 
Athen wird ein in Athen vielfach gesungenes 
Skolion bezogen, 'ASjjltitov Ivyoe oder ftslog. 
YsL Schal. Aristo ph. Ach. 980. Vielleicht hängt lo 
mit dieser Vertreibung des Admetos die von 
Pai:läe21t_a:eiE,„5_ erwähnte Thatsache zusain- 
men, dafs Admetos den zehnten Teil seiner 
Unterthanen unter Führung des Leukippos aus 
der Stadt fortsendet. — Die Kinder des Adme- 
tos sind Eumelos (Hom^,B_71,4tJL2.89), Peri- 
mele , Gattin des Argos (Sohn des fhrixos) 
(A nton. Lib. e. 23), und Hippasos, s. o. V^ 
■ooeElEniciei. ^ss^2,.3?,.ll; .3, 2ß,_7.___j;VgL 
auch K^^JMssel] d, Mjithqs v. A^^ 

j'S/feJisZS^^'J:„^3Kfel&*£2J!:M^!. Röscher.] 
" — 2) Sohn des Äugeias (oder aus Argos), ein 
Cfrieche, kämpft vor Troia und verwundet im 
nächtlichen Kampf den Meges, nach Lesches' 
Dichtung. Paus. 10, 25^. — 3) Ein Trojaner, 
bei der-EinnaSmeTErStadt gefallen, in einem 
Gremälde des Polygnotos in Delphi. Pgws. 
1 0, 27. 1. [Engelmann]. 

Aitoleiida , eine römische Gottheit des Ver- 
brennens, welche zusammen mit der Commo- 30 
lenda und Deferunda bei dem Hinwegräumen, 
Zerhacken und Verbrennen eines auf dem Gie- 
bel des Tempels der Dea Dia gewachsenen 
Feigenbaumes von den Arvalischen Brüdern 
angerufen wurde. Preller r. Myth. 3, 2, 228. 
s. Indigitamenta. [Rosoher]. 

Adon == Adonis (s. d.). 

Adoneus = Adonis. Plaut. Men. 1, 2, 35. 
Gatull. 29, 8. I^Roscher]. 

Adoiiio8 (ASmviog) = Adonis. BekJc. Anecd. 40 
846, 1. [Röscher]. 

Adonis {"Adiovig, -i-Sos, auch 'AScov ("Aämv^ 
v gl. Meineke z. Theokr. 15, 149) , -mvog lat. Ado- 
fliSj -is und -idis oder Adon, -onis). Mythus: 
Der. älteste Dichter, welcher des Adonis "ge- 
denkt, ist Hesiod (b. Apollad. 3, 14, 4; vgl . 
Ptob. z. Vera. Belog. 10. 18), der ihn den Sohn 
des Phoinix und der Alphesiboia nennt, ßsi-' 
ffi§8ff war er nach Panyasis ( h. Apollod. a. a . 
O.; vg l, au ch Anto n. £i6._34) der Sohn des sy- 60 
rischen Königs Theias und seiner Tochter 
Smyma (oder Myrrha), nach Antimachus {&. 
Proliun z. Vera. Ecl. 10, 1 8') der Sohn des phö- 
atkischen Königs Agenor, nach Zoilos ( Etym . 
J tf. 117, 351 der Sohn der Aoa und des Theias, 
nachkypnscher Sage des Kinyras (Gründers von 
Ptiphos) und der Metharme ( Apollod. 3, 14, 3) , 
nach Philostephanos ( b. Proh. z. Vera. E cL_W, 
18) endlich des Zeus, von diesem, äll'^mf ohne 



SSn^mit' einer'^Trau, erieu^f. Seine Ge- 60 
«ctfWister waren nach Apollod. 3, 14, 3 Oxy- 
gdtos, Orsedike, Laogonennd Braisia. Seine 
Sdiwestem sollen sich inlfmge des Zornes der 
A^cüdite mit'ree'mSen'Männem'^epa'art haben 
Drad_^ Ägypten gestorben sein. Der erste votP 
((Samge Mythus von Adonis findet sich bei 
~, a. a. O.^^ erjyahrscheinlich aSs P^giy- 
IJanSwi wurde Smyrna v6n dief 



^zürnten Aphrodite ™ verbrecherischer Liebe 
zu ihrem eigenen Vater« Theias ImtÖammt. 
Mit Hilfe ihrer Amme (Hippolyte nach Anton . 
lAb^ransf. 34) gj|lM|vffe8 ifir zwölf Nächte 
ihrES* Vater zu tauscEeff. Als dieser endlich 

sie mit 

Götleki um llettung. Von^^sen ward sie" in 
eineg_ jferrhejibaum verwandeil. Zehn Monate 
darauf ^rst der Baum, und Adonis ward ge- 
boren;_^^ Ag^dite aber, von^seiner Schönheit 
gerä^^,^^ba|^'' dasj^d m^ ein^^asten 
und üfegab ihn' hemK;h vor den übrigen 
^ttem der''Persephönej_^|khe den-^Adoms, 
a^jSig seine Schönheit örbK^te7 nicl{t \We3er 
herausgeben wolltS (vgl. darüber Greve. d e 
Adonide^.\i) . Ben dfejffi&'sSaagnen Streit 
der beiden Göttinnen ^cfiTicffiet Zeus (oder Kal- 
liope im Auffir|1f des Zeus naph H yg. p A.it.r. 
2, 7 und einem VasengemSlcte''bei TTey dfmnnp 

p d, Ber l. ^l^]Z iÄ% l^ , ^ ^^^^^^^'^^<'^' 
dafs Adonis foftM je^eiiF Drittel des Jahres für 
sich, bei der Persephone und bei der Aphrodite 
leben sollte. Adonis aber iJescttoTs immer zwei 
Drittel des Jahres bei Aphrodite und ein Drit- 
tel bei Persephone in der Unterwelt zu^eÖen 
(T gl. Schol. z. Theokr, t(j, 3, 48. Hijg. 'f. 251, 
u. (/rpn . n . 55 , 10) , Später wurde er infolge 
des^Zomes der Artemis auf einer Jagd von 
einenlEbet getötet. ? 

Dieser ^^iUch emfacEe Mythus bei Apol-, 
lodor ist nun^^äter^^^ scheint, iS Ä- 
ni^cher Weise aüsgescftiauckt und erweitert 
w'oraen. Nach TTyginug^ (/«,?) 5S n. Ifi1) soll 
Kenchreis, die GemahlüTdes Kinyrasund Mut- 
ter der Smyrna, die Aphrodifö* dadStfch b'elS-., 
dilrt^ben, dlfs SS.ffii'Tochtef^füf schönef 
als die-Götere^lSSr" Als Smyma, voDTcTem 
Be^^|sein iM^jrerbrechmgohe'Ä Leidenschaft 

_e 

^igen gßvrufstt A^ SaSSfc habe si^j^ 
rauf Smyrna in Wäldern vSSorg^n SeBaften 
und sfei hier ans 'MiBl'eid' vonrAphrodSl (nach 
An ton. IM. Tra.n.if. 34 von Zeus) in den Baum 
verwa^St^rden , aus dem die Myrrhe, %m 
T^ShlnecEena^r Balsam, h^'^^^Billt. Als der 
Vaterlosen Baum mit seinem Schwerte gS?' 
spalteOiabe , sei Adonis geboren. (Vgl. auch 
Serv. z. Ve ra. Aen. 5, 72 n. Vu lgenlius Myt: 



3, 8). De r Schal, zu Theok r. id . 1. 107 'gleE 
als Grund des Zornes der Aphrodite a3, dafs 
Myrrha imjte fgt schöner als 'afe" der 
Göttin erHaitTabg^n Xaetent. Plac. 10 fah. 9 
(■ ^10 101 tencEföE'r'Aphrodite sei ISS die 
SSBSnh^dgrMu^tet der~Smyrnä, Kenchreis, 
eiferäBcSög gewesen; Servius z. Verg. Eü. 10, 
18, nicht Aphrodites, soÄflem des^onnengot- 
tes ^oA habfe Smyma infe Verc^en" ^^Mt. 
Mit ^Sz besonderer' VSrffeben&ben spätere 
DicfetSMBd SchriftsteUer^iamenüiciu^ 
darzustellen versuclit, auTwercheWeJM die 

^SF*dieÄ£'^^Sfi«2S^gi^'g'i°g derMywha 
^aEren^sie zu Demeai^irund den'"Vater m 
täuschen^ gewufst habe ( Oviä. Met. JO, 436 f. 
Anton. Lib. Transf. Ü. Theodor, b. SUOt. sem . 
64. 34. Schol. z. 



'pptaw . Hälieut . 3 , 403. 
3* 



Serr. 



71 Adonis (Mythus) 

2 . Vera. Ed. lO-lSV während nach anderen 
Mvrrija ohne B^^^fö^^r Amme den Vater 
tralol^n gemacM haBensbll { IJygin . fal ). 1 64° - 
.S«»;«/,.-! ad Aen. 5, 72 Vul geM. Myth. 3. 8. 
Nicephorus Proaymn. 2. 2. bei Wals ShetGr. 

^"^^Ä'ga^^s^auch i^Pff^tf der ßebnrt 
des Adonis mliöaigfache Versionen. So erzäh- 
len Ovid. Met. 10 ° 505.^ TzeM £S-£^.Ll4imhr.-J[^ 



Adonis (Beinamen) 72 

Auch ein paar sinnreiche Pflanzensagen 
haben sich dflf den Mythus vom Tode des Ado- 
nis äii^s'äftossen. So „wurde der balsamische 



Sm, welcher jecf^^%4us der"ESSde des 
Myrrhenbaumes hefvorquiBt , Thränen der 
Myrrha genannt {Anto n. Lib . Trans f. 34, jQor 
lum. de r. r. 10, 172. Opp. Hai, ß, AOß^R. 
Schol. Ävienus descr. orUTt err. b. Wernsd orf 
P oet. Lat. min. 5 p. 791 T^ iUS- Schal, z. B. 



829. "AT^v^p?.»^«., a. p. 0. 7)n,Toy)fflfer fe. TTaZg 10 18. 6). Von der Rose wifraTerMhlt, sie sei 
Tir,^i ß^ 9! r, «itfi i-ihOTf.irfStrmmfind mit Anol- ursürünelich weifs gewesen, aber als sich die 



Uhet. Gr. 2 p. 246 übereinstimmend mit Apol 
lodor, ^A Adonis aus der von selbst gebor 
stenen T^de des Myrrhenbaumes geboren sei, 
während , Smius (g, T^CTL,r-4gw.A_22^^gL 
10. 18) b -gkc'EEgt. dafs eiJmer die-gelbT^^KT 
seines Zahnes oder der^Vater mit seinem 
Schwert ( s. oben) g e^pSten'liabe. Nach Qvid^ 
im^W^li u. ServimEcl.W^^yfM^AsJ^ 
eBeiT geborene Kmd von Nymphen erzogen. _ _ 
Mit grofser Übereinstimmung wird berichtet, 20 bindun 
dafs Adonis ein wunderschöner jugendlicher ^-s^röTs* 
ffirteoder Jäger gewesen und von Aphrodite 
SSilggeliebt worden sei {Theokr. id . 1, 10 9 . 
3. 46 u. Schot 20. 34. 15. 84. Mo scli. AIS, 
Ov. Met. 10. 525. Orph.Hv.<6&. 7. Gr at. Fal. 
C yneg. 66. lo. ßamascenus Vit a Barlaam. 
i n Boissonade Anecd . Gr. 4, 248; mehrk 
Greve de Adonide _S."ll Anm. 2 u. 31. Vet-^ 



ursprünglich weifs gewesen, aber als sich die 
ifö^ sterbenden Liebling zu Hilfe eilende 
Aphrodite an einem Dom den Fufs verletzt 
habe , durch deren Blut rot geflirbt worden 
( P(ius. 6, 24, 7. Tze tzes z, Lyk^hr^Ml^-J^ 
t honius Proqym n. 2. Westermann Myt hogr. V - 
3 59. PMlostr. ep. 1 u s. w. ^^ . -j .^X'^^t^itß- }^- 
p. 11 ff.). Endlich" wurde di^'Kntslenung der 
Anemone mit dem Tode des Adonis in Ver- 
r^l^^ft Nach Ov. Met. 10. 735 
Bjjiuiou 's'ie aus dem Blute des sterbenden Ado- 
nis hervdr, während J?ifi2l_id. -1^72. singt: So- 
viel Blut dem Adonis entströmt, soviel Thrä- 
nen der Göttin. Rosen entblühten dem Blut 
und Anempnen den Thränen. 

Zu Etren ihres schönenLieblings soll Aphro- 
dite nach Ov. Met. 10. 725 f . ein Trauerfest 



Greve de A donid^K' il Anm. 2 u. 3) . te?^ .gestiftet haben. Einige spätere Schriftsteller 
^blidCMMtg^ Aphrodite IhMi: LiebHng 'fsflif;^er Erzählung vom Tojie^^kjsAdoms 
voJS^g^u sein: au£ einer, Jagd wurde er so noch fääztf Aphrodite sei untiosthch ,ub|r 
von einem Eber A KSt&^^undet und starb ihfe'^n V85ffit^ i^.feUnterwelt hina^-aiegen 
/Tj,„„-._ .,7 an 7?,VvM /.».,■* A^r,m 7f Or Mft und habe hier dieTlucIkenr des. Attonis , aut 



( Theocr. id. 30. Bion eyit. Ado n. 7 f. Ov. Met. 
1 0, 710f. Propert. 3. 5, 37 ed. Mülleju_ABol- 
l od. 3. 14, 4. Flut, svmp. 4, 5. Macroh . Sa t. 



1 , 21, 4 Jo. Damascenus a. a. U. Greve^.~ll 
Anm. 4). . j.^ 

~Säck übfe^ir^MgeiSniche Urs 
ides exSlSe?en verschiedene Über 



'rsa^e seines 
Todes esBIfiSen verschiedene ÜbeiKä|gmggn. 
Nach einigen soll der^uf Adonii eifersi^htage 



inren veriusi; in uie,um/erweiu jiiun.i>(50D>iicg» 
und habe MerJTieWc'flieFr des Adonis jai 
die Oberwelt ervmkt, und so habe dieser foi.^ 
an entweder zwei Drittel odw\die Hälfte des 
Jahres bei jener Göttin WleWT ( Theocrit. id . 
15 , 102. 136 f. 144. Hvmn.f. 251. Prjolm_^M/. 
5 6. 10. Claudian. in nupt .Honor.etMar.Jese. 
1 , 16. Jo. Damascenus b. Boissonade Änecd.jr. 
4. 248). Von derXTebe der Persephone' zum 



Nach einigen soU der.Äut Adonis eitersi^ntige ^, z^igj. .J"" ,M^„\^^>="'' „^ „ , ^ 7. 
Arfs denJberieSSSafoder sich selbst in den- 40 Adonis handelri folgende Stellen (vgL&wej. 



selten verwffidefTliaben ( Tzetzes z. Lykophr . 
831. Serv. z. Verg. Aen. 5, 7 2. z. Ver:g.EE,. 
1 0. 18. Schol. Theocr. 1, 3 u. 47. Jul. Firm i- 
cus de err. prof. rel. 9. Fudocia KioZ. l^j. 24 f. 
Nonnus Bion. 4=1, 209.' AphtKönius P rogymh. 2 
( Walz 1, 61). Anthol. Bat. eSTM esen. i^O 
U S. w 'C r reye a a. U. S. 12) 7~iiach anderen 
viSSM-änfer Artemis, die Göttm der Jagd, den 
Tod deT Adonis (A pollod. 3. 14. 4. Anth ol. Lat . 



a. 0. p . 14): Orph. hv. 56^ 9.^ Ausonius epit. 
inJxlaMciam^Jjd^Gupido cruci affixus v. 57 f., 
Clemens AI. Protr. p. 21 C . Sylb. Just. Mar - 
ty r , Apol. 1, 33^ AnftJöT.TTrr eS TJäpoBsJ, 



289, 9). Weitere^ Adonissagen s. bei Qi£m^. 
a.. O- 15 ff. 

Als Söhne des Adonis sind zu erwähnen: 

Priapos, den Aphrodite nach ihrem Umgänge 

Tod des Adonis iA. poiioa. a. 14:. i. jimrioi. ±jm . mit Adonis und Dionysos geboren haben soll 

e d. Mi ese n. 68). nach Ptol. Hephaistionn p 50 (vgl, Et^jm. M. s.V.'A§«9v(Sa. Eud<>maYl(lL.9^J- 

^°= 12 ed. Westerm.) ; endlich tötete ihn der 'Aümyig, Tsetzes s. Lyl(Qpbr._T,.3n. tctwLS. 

Mneirf:bW verwandelte ApoUon, ^ESTsfeWfn"' Th eokr, id. 1, 81. Schol J. Apoll. Bh.ijJSi), 

-«u? „„4.i,„„ „Ä""iCfe';it^Tr .iS^^'AT.lirfirlifo femer Golgos, der Eponymos von Golgoi aut 

Cypern ( Sckol. z. T heokr. id. Ig^JOQ), endlich 



183 

m'" GlUG 

Sölüi^Brymanthos zu'fecKen', d&SfAjihrodi^, 
.JSh er Ife iffl BäaeVblickt, mi^Melt 
gescflSgSnfialte. BiJae g^ ab'weicfieSäe Ver- 
sion der Adonissage s. b. Serv. z. Ve rg. Ecl. 

10. X^i ,.i „ ... Ko-w..:?*Jl 

Als der Ort,, wo. die. jf^ Adonis so Verhang- 



Als der Ort, wo ^ajM Adonis so Verbat 
nisvoUe Jagd sKSFandV wird von Provert. 



Hystaspes und Zariadres (ChitreS-MljtiiJb^Äiben. 
p 57.5) . Eine Tochter des Adonis BeroöMr^ 
wähnt Nonn. Dion. 41 ,^;16 6 u. 6.) . InBStteff^ 
der verschiedeneh Dichtöf' (S app^o. Panya sis, 



nisvoUe Jagd stattfaladV wird von Provert. 3. Praxilla u. s. w.). «pd RMSEefi^ welche den 
5 38 M. Idalion^'"T(fm; Schol. z. II 5 . 385 der 60 Adonismythus behahdelt haben, a. Greve a..a,. 
Libanon aSgegeBen. Auf den Libanon weist . 18 ff . ^ ^ . _ ^_ »j„„;„ fTV,„, 

auch di4 von Ludan {de dea Svria 8. vgl. Str a- " ' " 

b on 755. v. Baudissin.ßtud^. s pnitfiM^i^- 
a esch. j ■ 159 f.) übg«^fg^ BgShac^tungT^cLer.^ 
gy^J^n^eifiTÄKe FäJSfiHgdä a? 
TorubSrtiießgfflgn Adotiis regafiaTsig 



m ^»T^n^w^^^ T?.elcllßn der Tod des 
Adoms gefeierTwume. 



) 18 ff. . .. 

Namen und Beinamen dea Adonis. über 
die verschiedenen Formen des Jemens Adonis 
selbst s. oben. Sfe-alfe'^gehtn^rua; a*af das 
phönikische Wort Adon HeiTJ welches übrigens 
auch ein ehrendes Epitheton anderer Götter 
war. (Vgl, von Bau dissin Studien z. semiLMs.- 
l inionsaesch. Leivz . 1876 1, S. 29 95. Anfser- 



73 



Adonis (Kult) 



Adonis (Kult) 



74 



dem kommt nocVdey^ebenfalls^ phönikisolie 
Name riVyeas^if''^ietracht, def^von yCyy^ag 
oder yiWpoc mte gJ.zu^iW^^ den Gott 

als einen' mit Flötenspiel gfef eierten bezeichnet 
(, P(^x. On. 4, 10. AtTwn.XW). In Cypern 
hieKAdonis Xtpis oder Kv^tq i Hesych. u. Etvm . 
M a. ¥■) , Taüas [T'"*"'"'- Tißnphr 9.<^^) und 
Tlvyfiaiiav (TlvyitaXCmvl ' Vgl. Hesyoh. s. y. ). 
in Perga 'Jßraßaj ( Hesych. n. -E<«»t. M. b. t. ). 



der hervor und sagte , er sei auferstanden. 
( Lucian. de dea Syr. 6) ^ Ebenso scheintdas 
athenische Adonisfest üT'den Frühling geial- 
len*zirsein ((ireve.^ Hj: Adnnidp. 4.5). Die zweite 
Weise der Feier lehrt nicht TdToII' Antioehia 
( Amm. Marc. 22, 9, 15\ sondern auch AlexEtn- 



dria kennen , wo nach Ausweis der um die 
Bahre gehäuften soeben gereiften Früchte die 

^ Begehung in den Spätsommer gefalleii sein 

ein Name, de5f Engel, Movere und Preller wohl lo mufs {EngehJKywOS -8. MI)=" Sehr berühmt 
mit Recht vom semitischen abub (ambub) Flöte ist die Beschreibung der glänzenden vonPtoJe- 



ableiten wollen (vgl. die coJlegia Amlubaiarum 
h . Hnrat. S- 1 , 2, 1) Noch andere, wahr- 
scheinlich ebenfalls semitische Namensformen 
sind 'Eäos ( Schal, z. Bion. Per. 509), 'Arnos 
( Philens im . KUjm. M. n. HeniicJi. s. v.l und 



maios Philadelphos und seiner Gemahlin än- 
g^teffien Feier, welche uns Theokrit in sei- 
nem 15. Eidyllion gege'Sen'Eat. „Auf purpur- 
nem Polster ruhte Adonis, das Bild eines Acht- 
zehnjährigen in schönster JugendfüUe, neben 
ihm war auf gleiche Weise Aphrodite gebet- 
tet. Neben ihnen und rings umher standen oder 
lagen Früchte jeder Art und Adonisgärtchen, 



'ffoiTjs {fl^ydk)- Ob der Name ^s^sv-Xris [ He- 
s ytih. e. V. <^eq8ii},sa) semitisch oder griechisch 

sei, ist schwer zu entscheiden. (Vgl. übrigens „ „ - 

Greiie.. de Adfm,ide. Leipz i ger Dissertation 1877 20 in silbernen Körben Kuchen aus Mehl, Honig 

S_^2jp. iiiid Ol, allerlei [gebackene?] Tiere, fliegende 

Kult des Adonis. Ursprünglich blühte und kriechende. Auch grüne Laubdächer waren 

der Kult des Adonis vÖrzugsweiseyi der se- errichtet, mit zartem Dille belastet, über welche 

mitischen KuSI Nordasiens , namentlich A Broten hinflatterten^ wie junge Nachtigallen, 



Phönikien. Als Hauptstätten seiner Verehrung 
werden^genannt: Byblos ( Lucian de Syria Dea 
B f Strnh. 755 etc.) , Aphaka (vgl. Etym. M. 
R. V.), der Libanon ( Musaeus ra Tia^' 'H^iaVVj, 
Antioehia in Syrien (Amm. Marc. 22, 9, 15^^, 



die von Zweig zu Zweig hüpfend den ersten 
Flug versuchen. Eine Sängerin trug Aphrodi- 
tens Lob vor, wie ihr die Hören nach Jahres- 
frist den Adonis aus dem Acheron zurückge- 
führt hatten. Heute , so schlofs die Sängerin, 



Alexandria in Karlen aA Latmos ( Steph . so möge Aphrodite des Adonis sich erfreuen, mor 

Ryz.), Perga in Pamphylien, Sestos {Mm.- -* "^ — t?""i,,^(. ^,„i1ov, .„w vj^w^ar- ii-r 

s iie.uK a. a! O. 42f.;i , endlich Kypros und Ky- 
thera. Von hier aus scheint der Dienst und 
Mythus des Adonis schmi frühzeitig nach 
Griechenland gela!b'p'"zü sein. So wissen wir 
von einem Adoniskult zu Argos und Athen 
(P<M<,ü. 2, 20 , fi. Flut Nie. IZ . Alcih. 19,. Phe- 
ren. fr. 338, IVlfm Z*^ T.ys .HS9 etc.). Auch 
zu Dion in Makedonien {(rreijea.. a. 0, 29) und 



gen mit dem Frührot wollen wir Weiber ihn 
ins Meer tragen, mit aufgelösten Haaren, das 
Gewand zerreifsend, die Brust entblöfsend und 
1 auten Gesang erhebend : „Sei uns gnädig, lie- 
ber Adonis , jetzt und im künftigen Jahre! 
Freundlich kamst du und freundlich komme, 
wann du wiederkehrst." Und auch das 'zii- 
scliauende Volk singt: „Gehab dich wohl, ge- 
liebter Adonis, und zu Glücklichen komme zu- 



namentlich in Alexandrien in Ägypten scheint 40 rück!" (VgL^awwifl£ifi,jMME.JEaM=- ^^^ 
Adonis hoch verehrt worden zu sein (vgl. be- S. 221JDu ,/hnliche Festgebräuche gä¥;£8m 
sonders Theokrit. Id. 15) . Von den römischen Athen, denn auch hier finden wir einS^ Ausstel- 



lung von Tqtenbildern ( Hesych. a. t. t ia^sSga), 
au^liier Magfen'und weinten dieWeibej auf 
dentmcKem und sangen Trauerlieder und scMu- 
gen si6fi & jiie Brust (Flut. Ale. 18. Nicias 
1 3. Arist. Lys. 389 ff.). Eine besondere EoUe 
bei allen Adonisfeste» scheinen die sogenann- 
ten Adonisgärtchen (ktjjioi t4äoij»tdo^)gespielt 
zu^haben, d. h. Blumentöpfe mit "^eneikünst- 
Art'|ö^eseÖ'irse£,"Te^Bärar«di ^ lieh gtffitelffö'en*Tflanzen (Blumen, Getreide, 

den Frühling oder in den' 'fiocli8Ömmer''lSr:i2 Fenchel und LattichJ^ welche ebenso |cbneU, 
, Ent'wedertMmfeh ging ein.Trauertag voraus wie sie gewacbseii waren, auck^wiede? vgrwelk- 
Ünd die'^'VCT&reKchung de's*"^ieaeraüllefcens ten, das deutliche Symbo]d|j raM^^ufblühen- 
des Adonis folgte. oHer man stellte zuerst das 
bmfficfie Zus-^ffig^^n des Gottes mitAphro- 
dite dar, und dSffiaM sein Scheicten; aber 
nichf^ohne die Bitte .um gMcfi|fe WiedeAeitf 



Kaisern soll namentlich Heliogabalus denKu^; 
des Adonis und der mit ihm verbundenen Sa- 
lambo , d. i. der syrischen Venus , gefördert 
^ßa. (T.nimprid. itelioa. 7. Etym. M . V, 2tt- 
iäfi ßäe). D^ an allen Kultstätten gefeierte 
jährliche Fest des Adonis hiefs 'AScövia (vgl. 
datäbfir O rme tl£. Adnnid^. ^. 24—31). Die 
Gebräuche dieses Festes scheine» verschiedener so 



den und rasch wieder vCTwelkeiMen Vegeta- 
tion der schönen Jahreszeit (vgl, Grene., de 
A d.nmM S. 37 ff. Mannh arM a, a. 0. S. 279»- 
Anm. 2) . Von einer &^ntunitte1Sen Festig 



lim nächsten Jahre. Von ersterer Foraa bw^t in Byblos berichtet Lucian de dea Syr. 6 (vgl , 
Byblos ein Beispiel. Da hier di^Begefömg in 60 auch die v«n Greve a. a. S. 36 angefahrten 

den Frühling fiel (v. Bau dissi n, Studien a. a. Q. SteUen). Darnach schnitten ,sich die Frauen 

^98) steUi&man^^erst das Bild des Adonis^. beim Trauerleste die Haareab^ie die Agyp- 

' * ' les Toten aus, welcher dn!er d^lp^ ter, wenn der Apis gestolBen! mr. .Dl^i^glg^ 

(49(oviaeui,oi), Thränen und jälmmS^ aber, welche sich diesem Opfer mchf flnter- 

'det a iÖfTBrust schlagende'T^eiba: zi^eiTwoUfen , hatten die Pflicht, Bj^^gn 

mit Totenopfem und unf ei PMen'B^iSaulSg' Tag Jang den auf d_^ Marklje zusammenstrS- 

^reönutEch zu Grabe getragen" wurde. Am menden Eremd^n zilF Schää zu stellen und 

T^e darauf aber holte man ihn jubelnd wie- einem derselben ihre Schönheit preiszugeben, 



75 



Adonis (in d. Kunst) 



Adonis (Deutung) 



76 



JttW.M-l;v£ 



ideiTTSflös aber der^^itin zu weihen. Der- 
selbe Gebrauch mufs auf Cypern bestanden 
haben, wie die zur^klärung desselben erfun- 
dene Erzählung beweist, die leiblichen Sohwe- 
fetem des Adonis, Kinder des Kinyras, die Jung- 
frauen Orsedike, Laogore und Braisia hätten 
sich fremden Männern preisgegeben ( Apollod . 
' 3, 14, 3) . Offenbar wollten, wie Mannhardt 
' a. a. 0. S. 2g4 erkannt hat, die Frauen mit 
diesem Gebrauche das Beispiel der Aphrodite 
selbst nachahmen, welche mit dem wiederkeh- 
renden Adonis sich aufs neue yermählt. 

Bildliche Darstellungen des Adonis 
sind nicht e^n zahlreich und genören meistens 
der späteren Kunst an. Einzelstatuen sind bis 

jetzt, nicht sicher nachgewiesen. , Häufiger 

komfet Adonis in Kompositionen vor, welche 
dei ^^ffdieJagd reitenden und von Aphrodite 
AbscmeoneSm^den Adonis, seine Verwundung 
durch den Eber, die Trauer der Aphrodite um 
ihn u. s. w. darstellen. Solche Darstellungen 
finden sich auf Sarkophagen, etruskischen Spie- 
geln (mit der Beischrift Atunis), Wandgemäl- 
den ( vgl. Plaut. Men. 1, 2, 34) und Gemmen. 
(V gl, darüber C. 0. Müller , Hdb. d. Ärchäol. ^ 
S, 378. 3. 0. Jahn, Ärchäol. Beitr. (1847). S. 45ff . 
D ers. Sur les representations d' A. t'a ris 1846 . 
B runn in Paulvs Beal enc. l', 1 S. 178. Mül- 
le r - Wieseler , Denkm. d. a. K. 2 No. 292 
u..2„?2^^_ZMfeaw4U-J»'c'»-_.^*J!jMi-S:_J10A. 
i n. der auf gewisse Übereinstimmungen der 
Adonis- und Hippoljrtosdarstellungen hin- 
weist). Das hier nach Bouillon Musee 3. 
p. fifi Fig. 3 u. aiarac Musee de Sculpt. T. 2 



lem verpflanzten Tammuz oder Dumuzi, der 
als Geliebter der Istar (= Astarte, Aphrodite) 
gefafst wurde. Als Istar ins Totenreich geht, 
um ihren Geliebten herau£zuholen, hört alle j 
Zeugung und FruchtbarkeiT^unter den Men- } 
sehen auf. Schliefslich wird Dumuzi durch ' 
Besprengung mit Wasser wieder belebt {iißoQT.- ; 
mant, die Anfänge «L. Kultur ,2^^S.^_Mcmn- 
hardt, ant. Wald- u. Feldhulte S^2.74 f.). Ahn- 

10 liehe Mythen und Gebräuche finden sich an 
den verschiedensten Orten wieder, z. B. in Grie- 
chenland (Linosklage, Hyakinthos, Narkissos) 
in Ägypten (Maneroslied.) und in Nordeuropa 
(vgl. namentlich Mannhardt a. a. 0. S. 28fif| ;.). 
Die wesentlichen Punkte, welche der Ado- 
niskultus und -mythus mit den soeben an- 
geführten Parallelen gemein hat , sind kurz ! 
folgende: a) Die schöne Jahreszeit und ihre 
Vegetation ist personificiert als ein schöner 

20 Jüngling. 6) Derselbe wird im Kultus darge- 
stellt durck eine menschenähnliche Figur und 
die leicht welkenden Kräuter der Adonisgär-' 
ten. c) Er kommt im Frühling und tritt in 
das Verhältnis des Bräutigams oder Gatten 
zu einer liebenden Göttin , welche , mag manji 
sie nun_al8 Mond oder Venusstern fassen, vor- 
zugsweise eine Göttin der Fruchtbarkeit auf 
Erden ist. d) Im Hochsommer stirbt der Gattef 
oder Bräutigam und weilt während des Herb-i 

30 stes und Winters in der unsichtbaren Welt! 
des Todes, e) Mit lauter Klage wird seine i 
Bestattung, mit Jubel sein Wiedererscheinen 1 
gefeiert. Beide Feiern sind im Frühling und 
Hochsommer in verschiedener Ordnung ver- 



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Adonis auf der Ebeijagd. 



t)l. 116 n. 85 (vgh JtfÄHer; Wieseler ^ a. a. O. 
No. -292) abgebildete Relief der smkemTen 
Kunst aus dem Louvre stellt rechts Adonis 
mit einer Chlamys bekleidet dd!r , während 
neben ihm Aphrodite sitzt, welcher Eros den 
Spiegel hält; ein junger Jäger bringt die Nach- 
richt von den VerwüsjajDgen, die ein Eber an- 
richtet, und fojd^t Adonis zur Jagd auf. In 
der Mitte ist der von dem ungeh.eHreii Eber 
verwundete Adonis dargestellt; drei Jäger be- 

I mühen sich umsonst ihm Hilfe -zu leisten. 

1 LinEs erblickt man die letzte Umarmung des 
verwundeten Adonis und der Aphrodite , die 

j Diener und Dienerinnen beider äufsem ihre 
Trauer um den Frühvollendeten. 

Die Deutung des Adonismythus und -kal- 
tus ist in der Hauptsache schon längst gege- 

j ^ßn, Sie erhellt namentlich aus den verwand- 

I ten Mythen des aus Babylonien nach Jerusa- 



50 bunden. /) Ds« Bild des Dämons und die ihn^ 
repräsentirende Pflanze werden mit Wasser j 
begossen , in Quellen oder ins Meer geworfen 
(Eegenzauber?). g) Das göttliche Lenzbraut-l 
paar wird nachgeahmt durch den religiösen; 
Brauch eines zeitweiligen geschlechtlichen Bun- 
des eines Mannes und einer Frau. (Nach Mann - 
h ardt a. a. 0. S. 286 1. 

Literatur. Die ältere Literatur findet sich 
ziemlich vollständig zusammengestellt bei Greme, 

60 d e Adonide Leij izig, 1877 S. 2- Aus neuerer Zeit 
sind zu erwähnen: Lobeck. Aalaojih. 1 p . 460 ff'. 
1 050 ff. Mamrs^ Die Phö nizier 1 S. 19 1—253. 
W. H.Engel. Kypros 2 S. safi^MS. HJBjMgsA, 
AdonisMaae u. LinQ^UfA Berl — 1 852. Qbmul- 
so n. über Tammüz und die Mensehenv erehruna b. 
d. aUenMubylmiern. JE£tei:sb3ii:ffA&6Q. v.Hau- 
dissin, Studien z. sem it. Belipionsgesch. 1 Jj^i^. 
Ifilfi^ ö:£&r^i[jj_MsS&Xl-SJ2I2J£ SioHM 



77 



Adranos 



Adrastos 



78 



Pmlys Bealenc. 1^ S. 175 ff. Greve a . a. 0. 
Mannhardt. ant. Wald- u^ Feldkulte S . 273. 
Lemarmant,^ ü mito di Adone Tammus. Atti 
d,,_A,^.Congr^inMrnag^_d._Orient. 1878. Vol. 1. 
Paris. F. Liebrecht, Zeits chr. d. DeutscEenWör- 
In enl, Ges. 1 7 , .^97 f. n. wie(lef~aBgeHruckt in 
'desselben Zur Volkskunde. A lte u. neue Auf - 
s ätze. Heilbronn 1879 S. 251 f. [Röscher]. 

'\ Adranos {'AS^uvög), ein dem Hephaistos (Vul- 
canus) oder Zeus vergleichbarer , in Sicilien 
und besonders in Adranon am Ätna verehrter 
Gott {Serv. V. A. 9, 584), Vater der Paliken. 
l>lut. Tim. 12. Biod. 14, 37. Steph. Byz. a. v. 
'ASQavov. Hesych. s. v. IlaXiiioC. Nach Ael. nat. 
an. 11 , 20 wurden in seinem Tempel gegen 
tausend Hunde gehalten, welche die Ankom- 
menden bei Tage freundlich bewillkommneten, 
die Trunkenen Nachts geleiteten, die Schlech- 
ten aber zerrissen. Vgl. G. Hermann, Opusc. 
7, 322. Der Kopf des Adranos mit der Bei- 
schrift JJPANOT findet sich auf dem Avers 
einer Münze der Mamertiner, deren Rückseite 
das Bild eines Hundes zeigt: Eckhel, D. N. 1 
p. 224. Die Tempelstatue dps Adranos führte 
eine Lanze (Flut. a. a. 0.). Über Adranos als 
Vater der Paliken vgl. CVew^er, Symb.^S, 817fF. 
Michaelis, Die Paliken, Halle 1856 S. 50 ff. 
Welcher, Götterl. 3, 138 ff. S. auch Palikoi. 

[Röscher.] 

X Adraste {'ASg-qaxri) , eine Dienerin der He- 
^ lena. Od. 4. 123. [Röscher.] 
"X Adrasteia ('ASgäazeia , 'ASgrjßzsia, 'ASqaatia 
Hesych. u. C. I. G. 5973, lat. Adrastea u. -la) 
1) Tochter des Zeus Eur. Bhes. 342, gewöhn- 
lich mit Neiisöig ( s. A) identificiert ( Antim . 
h. Har p. u. S uid. a. y. ASo. Hesych. Strab. 588 
Verg. Cir. 2 39. Lib. narr. 4. t. 4. p. 1100 R . 
Amm,. 14, 11, 2.'S. a. jedoch auch Menandros. 
u Niknstra.tn.<< b. Suid. a. a. 0. Anth. 9 , 405. 
1 2, IRQ), daher 'ASgäarsia auch als Beiname 
der Nemesis gilt , welchen diese Göttin von 
ihrem ersten Verehrer , dem phjygischen Kö- 
rnige Adrastos ( IL 2, 828 ff. s. Adrastos 2'). er- 
halten haben sollte (Strab. Harp. u. Suid . 

a. a. O.) . Nach andern wurde der Name 
auf den argivischen König Adrastos zurückge- 
führt: iiiL_M»-.jfijtM!._a^„au._0^ Nach Deme- 
trios von Skepsis (6. Harp. a. a. 0.) war 
Adrasteia ein Beiname der Artemis, nach Plut . 
h. Stob, ed. phys. ISfi der Eifiagfievri. Beach- 
tenswert sind die Redensarten avv 'ASq. = 
BVV öinrj: JSsöU,_JR/l6S._ 46&; Ol TiQoaiivvovvzes 
Tr,v 'Aägäariiav aoipoi: Aesch. Pr. 935 ( wo Adra- 
steia offenbar = Nemesis ist) ; vgl. auch Plat. 
re p. 451^, Dem, or . 25, 37: ansirj fi 'ASgäarsia. 
L uc. Symp. 23 u. Schal. Wahrscheinlich war 
'ASgäaztia ursprünglich eine phrygische Gott- 
heit und mit der Rhea Kybele identisch. (Vgl. 
die Verse der Phoronis b. Schol. z. Ap . Mh. 1, 
lJL22^wo Adrasteia ogsCri genannt wird, und die 
Idäischen Daktylen ihre Diener heifsen, Aesch. 

b. Strab. 58 u. i b. 688. Lit eratur: Pauly s 
B ealenc. h, 527 ff. Margwardt Cyzicus S. 103 ff". 
Preller gr. My th.^' 1 , 419, Welcker^_Götterl._3, 
aiilffy Eine bildliche teils an Rheä3ybele, 
teils an Nemesis erinnernde Darstellung der 
Adrasteia auf einem den Mythus des Zeuskindes 
behandelnden Altarrelief der Ära Capitolina( Ygl. 



mnjp.r Adraiatfiia2) b. b. Müller- Wieseler, Denkmi. 

d. a . K . 2 ^,05. Vgl. anehJ2i;eckdL>-yiac&. 

Kuastm^th._Z£vg,3.^Sitj. Der Name 'AägäoTsia 
ist entweder phrygischen Ursprungs (vgl. den 
Phryger Adrastos II. 2, 828 und die Stadt 
Adrastea in Mysien) oder, wie Alexandros 
(= Paris) und Xanthos (= Skamandros), die 
griechische Übersetzung eines asiatischen Na- 
mens. In letzterem Falle ist wohl mit Snidas 

10 und Hesychius (s. v.) und Preller a. a. 0. an 
die Ableitung von öiSqücxsiv (vgl. dvanödga- 
OTog) zu denken. Der älteste Kult der Adra- 
steia war wohl der von Adrastos am Flusse 
Aisepos gestiftete (St rab. 588) . Eine Statue 
von ihr stand nach Paus. 10, 27, 8 im Tem- 
pel des ApoUon und der Artemis zu Kirrha. 
— 2) Tochter des Melisseus, Schwester der Ide, 
der Rhea den in der diktäischen Höhle auf 
Kreta neugebornen Zeus übergab; Apoll. 1, 1, 

20 6 . Callima ch. Hp. in lov. 47, wo Adrasteia 
und Ide Kvgßävzcav szagai, zintxatai fisliai hei- 
fsen. Nach Apnll. Bh. 3 , 133 ff. schenkte sie 
dem Zeus eine kunstvolle Kugel zum Spielen, 
auf welcher man Zeus auf kretischen Münzen 
sitzen sieht. Der Schol. zu dieser Stelle nennt 
sie eine Schwester der Kureten. Vgl. Span- 
h eim z. Kallim . p. 18. Böttigers Am althea 1 , 
27. Höchst wahrscheinlich ist diese Adrasteia 
ursprünglich mit der eben erwähnten identisch 

30 ( Wieseler Denkm. D.d. a. K. 2. 805 Text; vjd - 



a neii Itüea-Hybele) . [Röscher.] 
X, Adrastia, nicht sicher lesbar auf einem Al- 
tar aus der Nähe von Mikhäza, nordöstl. von 
Maroa-Vasarhely, Ungarn. C. I. L. 3, 944: In 
H. D. D. Adrastiae colleg. Utriclariorum. Viel- 
leicht identisch mit 'Adgäazsia. [Steuding.] 
X Adrastos {"ASgaazog, episch "AS^Tjarog) , 1) 

j König in Argos, Sohn des Talaos und der Ly- 
simache , einer Tochter des Abas (oder des 

40 Polybos aus Sikyon, Schol. Pind. Nein. 9, 30, 
des Kerkyon, Schol. Eur. Phoen. 150. 160), 
Enkel des Bias, aus dem äolischen Gesohlechte 
des Amythaon. Bias und Melampus, die Söhne 
des Amythaon, waren aus dem messenischen 
Pylos nach Argos ausgewandert, wo Proitos, 
der in Tiryns safs, die Herrschaft mit ihnen 
teilte. Die Gemahlin des Adrastos war Am- 
phithea, die Tochter desPronax, seine Kinder 
hiefsen Argeia, Hippodameia (die Gemahlin 

50 des Peirithoos, Hyg. f. 33. Schol. Od. 21, 295. 
Eustath. p. 1910, 6), Deipyle, Aigialeia, Aigia- 
leus, Kyanippos (Apollod. 1, 9,11. 12. 13. Schol. 
Pind. Nem. 9, 30. Schol. Eur. Phoen. 150. 422. 
Schubart Quaest. geneal. 107 ff. Gerhard Gr. 
Myth. 2. Stammtaf. p. 226. 235. 238). Nach 
Hyg. f. 69. 70 heifst seine Mutter Enrynome, 
Tochter des Iphitos, nach Paus. 2, 6, 3 Lysia- 
nassa, Tochter des Polybos; Hyg. f. 71 nennt 
seine Gemahlin Demonassa. — Bei einem Auf- 

60 rühr, der unter den drei herrschenden Geschlech- 
tem in Argos, den Proitiden, Melampodiden 
und Biantiden, ausbrach, ward der ßiantide 
Talaos (oder sein Sohn Pronax, des Adrastos 
Bruder) von dem Melampodiden Amphiaraos 
erschlagen, und Adrastos floh nach Sikyon 
zu seinem mütterlichen Grofsvater, dem reichen 
Polybos, dessen Tochter er heiratete, und nach 
dessen erbenlosem Tod erhielt er die Herrschaft. 



79 Adrastos Adrastos 80 

II. 2, 572. Find. Nem. 9, 9 ff. (20) mit Schol ten, II. 4, 376 ff. Die sieben Anfülirer waren 
zu 20 u. 30. Herodot. 5, 67. Paus. 2, 6, 3. Adrastos, Amphiaraos, Kapaneus, Hippomedon, 
Serv. V. Aen. 6, 480. Er führte nach Pindar Parthenopaios (nach älterer Sage Bruder des 
in Sikyon die pythischen Spiele ein, deren Adrastos), Tydeus und Polyneikesj einige zäh- 
Stiftung sonst dem Kleisthenes zugeschrieben len die zwei letzten nicht mit und fügen zu 
wird, und stiftete nach Schol Find. Nem. 9, Eteokloa u. Mekisteus, Apollod. .3, 6, 2. Der 
30 das Heiligtum der Hera äXiiaväQO« {Curtius ausgezeichnetste Held ist Amphiaraos {Find. 
Prfo^J. 2, 492. 495). Nachdem er so Macht ge- OZ. 6, 13ff), der vermöge seiner Sehergabe 
wonnen, söhnte sich Amphiaraos mit ihm aus, den unglücklichen Ausgang voraussah , aber 
und er kehrte auf den Thron nach Argos zu- lo durch Eriphyles Entscheidung zur Teilnahme 
rück. Er vermählte seine Schwester Eriphyle gezwungen ward , s. Amphiaraos. Adrastos 
dem Amphiaraos und schlofs mit ihm den Ver- selbst ist der Oberanführer, aber gerade nicht 
trag, dafs bei einem etwaigen Streite sie sich durch besondere Heldentugenden , wohl aber 
der Entscheidung der Eriphyle fügen wollten. durch Herrschertugenden gleich seinem Vater 
Apollod. 3, 6, 2. Schol. Find. Nem. 9,30. Schol. {Find. Nem. 10, 12) hervorragend ,. schon ein 
Od. 11, 326. Einst geschah es, dafs Polynei- älterer Mann und, wie Nestor im Heer vor 
kes, der Sohn des Oidipus, durch seinen Bru- Troja, durch Klugheit und Rednergabe ausge- 
der Eteokles aus Theben vertrieben, und Ty- zeichnet, Stat. Theb. 3, 386. 4, 38. 68. Tyrt. 
deus, der Sohn des Oineus, von Kalydon wegen fr. 12, 8 {BergTc)__Flat. Fhaedr. p. 268 a. We- 
Mordes flüchtig, zu gleicher Zeit in stürmischer 20 der Pindar noch Aschylos heben ihn besonders 
Nacht zu dem Hause des mächtigen Adrastos hervor. Adrastos ehrte vor dem Auszug die 
nach Argos kamen und dort im Vorhof um Helden in seinem Hause durch ein Gastmahl 
das Nachtlager in Streit gerieten. Adrastos, (Athen. 11 p. 459), das Antimachos in seiner 
durch den Lärm herausgerufen, nahm beide in Thebais beschrieben hatte {fr. 16—21 StoU. 
sein Haus auf und entsühnte den Tydeus von 9—14 Bübner). Zu Nenlea, wo sie dem Ar- 
seinem Mord, und d# er beide wie Löwen und chemoros (s. d.) Leichenspiele aufführen und 
Eber (die Bilder der höchsten Streitbarkeit) so die nemeischen Spiele stiften, hatte Amphia- 
mit einander kämpfen (ältere Sage), oder den raos nochmals Gelegenheit, den unglücklichen 
Polyneikes mit einem Löwenfell, den Tydeus Ausgang der Unternehmung zu prophezeihen ; 
mit einem Eberfell bekleidet sah, oder da der 30 wie konnte auch ein glückliches Ende erwar- 
eine einen Löwen, der andere einen Eber auf tet werden, da ein mit dem Vaterfluch Bela- 
dem Schüde führte, so erinnerte er sich eines dener (Polyneikes) in dem Heere war ! Trotz 
Orakels, das ihm auftrug, seine Töchter mit aller Warnung zogen sie weiter mit Übermut 
einem Löwen und einem Eber zu vermählen, und frevelndem Prahlen. Am Ismenos besieg- 
und gab seine ältere Tochter Argeia dem Poly- ten sie die Thebaner und trieben sie in ihre 
neikes, die jüngere Deipyle (Diipyle, Fhere- Mauern; aber darnach bei der Bestürmung der 
kyd. b. Schol. II. 14 , 120) dem Tydeus zur Stadt ging das ganze Heer zu Grunde , nur 
Ehe und versprach ihnen zugleich, sie beide , Adrastos entkam durch sein göttliches Rofs 
in ihre Heimat zurückzuführen und sie in ihre Areion (s. d.) ; in dunklen Trauergewändem 
Rechte einzusetzen. (27. 14, 119 ff. Apollod. 1, io ent&oh er auf dem schwarzmähnigen Rosse 
8, 5. 3, 6, 1. Hyg. f. 69. Eurip. Sxvppl. 131 ff. (sJftaTa Xvyqa (psQcnv avv 'A^slovi Kvccvozaity, 
Fhoen. 411 ff. u. Schol. 71. 136. 137. 411. Diod. Theb. Cycl. b. Faus. 8, 25, 5). II. 4, 409. Find. 
4, 65. Fam. 9, 5, 6. Myth. Vat. 2, 80. Schol. Nem. 9, 18. Isthm. 6, 10. Aeschyl. Sept. c. Theb. 
II. 4, 376. 14, 120. Eustath. ib. 380. Schol. Soph. 0. G. 12. 1249 ff. Antig. 100 ff. Eurip. 
Soph. Ant. 831. Stat. Theb. 1 , 350 ff. Mna- Fhoen. u. Suppl. Apollod. 3, 6, 6—8. Paus. 9, 
seas b. Schol. Em. Fhoen. 411 teilt den Wort- 9, 1. Schol. II. 23, 346. Eyg. f. 70. Schol. 
laut des Orakels mit). So entstand der be- Em. Fhoen. 409. Nach der älteren Sage scheint 
rühmte Zug der Sieben gegen Theben, welcher Adrastos durch seine Uberredungsgabe die 
vielfach von alten Dichtem, auch wohl schon Thebaner dazu vermocht zu haben, die Leichen 
von Homer behandelt worden ist, namentlich 50 der Gefallenen zur Bestattung vor Theben aus- 
in einem alten Epos, der tyklischen, von. den zuliefem,' Find. Ol. 6, 15. Des Tydeus Grab 
Alten zumeist dem Homer zugeschriebenen The- ward bei Theben gezeigt, Faus. 9 , 18, 2 ; vgl. 
bais oder der Ausfahrt des Amphiaraos {Wel- II. 14, 114. Die attischen Tragiker dagegen 
cker Ep. Oykl. 1, 198 ff. 2, 320 ff.), in der The- haben, um die Humanität ihrer Vaterstadt zu 
bais des Antimachos und in der öfter von der verherrlichen, die alte Sage umgebildet, indem 
alten Sage abweichenden Thebais des Statius. sie dichteten, Adrastos sei auf seinem Rofs 
ÜberdiespäterenThebaidens. TF«ZcJerfcLScÄr.l, Areion auf den Kolonos in Attika geflüchtet 
395 ff. Dieser Zug war ein beliebter Gegenstand und habe in Athen am Altar des Erbarmens 
der Tragödien, Overbeek, Galt. her. BildwerJce (Eleos) das Volk angefleht, ihm gegen Theben 
1 , S. 79. Teilnehmer des Zuges waren Bian- 60 beizustehen, das ihm die Leichen seiner Ge- 
tiden und Melampodiden aus Argos, sowie nossen vorenthalte. Theseus zog gegen The- 
auch Proitiden aus Tiryns (Kapaneus und Eteo- ben, eroberte es und verhalf so dem Adrastos 
klos, Faus. 10, 10, 2. vgl. Schol. Find. Nem. zur Bestattung seiner Freunde, Apollod. 3, 7, 1; 
9,30), nach späterer Sage auch arkadische vgL -Diod. 4, 65. Theseus brachte die Leichen 
und messenische Bundesgenossen, Faiis. 9, 9, nach Eleusis und bestattete sie dort, Eurip. 
1. Die Atriden von Mykenai dagegen betei- Suppl. Faus. 1, 39, 2. Schon Aschylos hatte 
ligten sich nicht an dem Kriege, da böse Zei- ■ davon gedichtet in der 'EXsvßtvioi, Flut. Thes. 
chen einen unglücklichen Ausgajig verkünde- 29. — Nach zehn Jahren unternahm Adrastos 



81 Adrastos Adrastos 82 

mit den Söhnen der im ersten Krieg» Gefalle- Sohnes Aigialeus weist auf Sikyon), wiewohl 
nen, den sogenannten Epigonen, einen zweiten von alters her sein Kultus auch an andern 
Zug gegen Theben. Ihr Heer war geringer an Orten bestanden haben mag, und erst als er 
Zahl als das ihrer Väter; aber sie zogen aus zu einem gewöhnlichen Heros umgewandelt 
unter ' günstigen Zeichen der Götter und er- worden war, und Arges durch die Ausbildung 
oberten Theben, wo sie den Sohn des Poly- des trojanischen Sagenkreises allgemein als 
neikes, Thersandros, als König einsetzten. Sie der Sitz der ältesten Hegemonie der Pelopon- 
kehrten alle glorreich in die Heimat zurück; aesos betrachtet wurde, versetzte man ihn, den 
Adrastos aber hatte den Sieg teuer erkauft Führer der peloponnesischen Expedition gegen 
durch den Tod seines Sohnes Aigialeus (s.d.), der lo Theben, gleichsam als Vorläufer des Agamem- 
in der Schlacht bei Glisas durch Laodamas, non, vorzugsweise nach Argos und machte ihn 
den Sohn des Eteokles, allein von den Eührern zum Herrscher der Stadt. Als Heros steht er be- 
gefallen war. II. i, 405 ff. Pind. Fylh. 8, 48 ff. sonders im Dienste der Adrasteia-Nemesis (s. d.) 
Apolhd. 3, 7, 2 — 4 (wo die Namen der Führer und ist der Held, welcher das über Theben 
aufgezählt sind). Paus. 9, 5, 7. Hyg. f. 71. verhängte Geschick zur Erfüllung bringt;^ als 
Suid. v^ 'ASqäareitt. Vor Alter und Schmerz solcher ist er der unentrinnbare Rächer (k-öi- 
über seinen Verlust starb Adrastos auf der dQuanio), s. Stoll, die ursprüngliche Bedeutung 
Kückkehr zu Megara, Paus. 1, 43, 1. Nach des Ares 29. — Am Throne des ApoUon zu 
Hyg. f. 242 stürzten sich Adrastos und sein Amyklai waren Adrastos und Tydeus darge- 
Sohn Hipponoos infolge eines Orakelspruchs des 20 stellt, wie sie den Amphiaraos und Lykurgos, 
ApoUon ins Feuer und gaben sich den Tod. des Pronax Sohn, im Kampfe hemmen (Tydeus 
Man zweifelt, ob dies der argivische Adrastos und Amphiaraos sind verwechselt Stat. Theb. 
sei. Der Name des Sohnes Hipponoos scheint .5, 660 ff.). Paus. 3, 18, 7. Heyne Antiquar. 
auf den Argiver hinzuweisen; wie diesem mit Aufs. 1, 40. Welcher Ep. Cykl. 2, 351. Zu 
Bezug auf sein berühmtes Rofs Areion ein Delphi stand seine Statue, ein Weihgeschenk 
Sohn Kyanippos zugeteilt wird, so scheint auch der Argiver , mit denen seiner Gefährten, 
der Name Hipponoos durch seine Verbindung Paus. 10, 10, 3; eine andere in Argos, Paus. 
mit diesem Bosse veranlafst zu sein. Vielleicht 2, 20, 4. In den Darstellungen der erhaltenen 
stürzte sich Adrastos nach der Dichtung, welche Vasengemälde, die sich auf den Sagenkreis der 
Hygin vor Augen hatte, mit seinem Sohn in 30 Thebais beziehen, spielt Adiastos eine hervor- 
das Feuer, welches die Leiche des Aigialeus ragende Rolle, wie in der betreffenden Poesie, 
verzehrte, wie Euadne in den brennenden Holz- vgl. Overbeck Gallerie 1 S. 81 ff. u. Tf 3, 2 — 4. 
stofs des Kapaneus. Adrastos ward als Heros Ein archaistisches Vasenbild {Ann. d. Inst. 1839. 
verehrt zu Megara, Paus. 1, 43, 1. Nach Dieu- p. 255 ff. tav. P. Overbeck a. a. 0. S. 88 n. 3. 
tychas bei Schol Find. Nem. 9, 30 war das Taf. 3, n. 4) stellt übereinstimmend mit Stat. 
wirkliche Grab des Adrastos zu Megara , ein Theb. 1, 524—539 die Aufnahme des Polynei- 
Kenotaph desselben zu Sikyon (auf dem alten kes und Tydeus bei Adrastos dar. Auf einem 
Markt, Curt. Peloponn. 2, 496). Verehrt ward vielbesprochenen etiuskischeuKarneolscarabäus 
er auch zu Sikyon, Herodot. 5, 67; auf dem der stoschischen Sammlung, bei l/ip/Jert Da^iy- 
attischen Kolonos hatte er ein Heroon, Paus, m lioth. Mill. 3. S. 2 n. 36. Müller Denkm. 1, 

1, 30, 4. In Argos sah man noch in später 63, 319. Overbeck Gull. 1 S. 81 n. 1 (Taf. 3 
Zeit die Reste seines Palastes unmittelbar neben n. 2), ist nach Welckers und Overbecks Deu- 
dem Tempel des Dionysos, mit welchem er tung die Wahrsagung des Amphiaraos im 
wohl auch hier identisch war. Paus. 2, 23, 2. Hause des Adrastos über den unglücklichen 
Bursian Geogr. 2 , 55. S. Preller Gr. Myth. Ausgang des thebanischen Zuges in Gegenwart 

2, 350—367. Gerhard Gr. Myth. 2. §. 745 f. des Adrastos, Tydeus, Parthenopaios und Poly- 
748. 802—804. 831. — Adrastos war Ursprung- neikes abgebildet; ein etruskischer Spiegel bei 
lieh ein göttliches Wesen einer veralteten Natur- Gerhard etrusk. Spiegel 1, Taf. 78 u. Overbeck 
religion, das zu einem Heros herabgesunken Gall. 1, S. 84 (Taf. 3 n. 3) stellt nach Over- 
ist, Welcher Ep. Cykl. 2, 321. Gr. Götterl. 1, 50 becks Deutung dar, wie vor Adrastos Amphia- 
447. Derselbe,zu/S'e7jJoencfeAndeutnngen302ff., raos vom Kriege abrät, während Tydeus, das 
erklärt den Sohn des Talaos (v. »äUoi) als Halsband der Harmonia in der Hand, für den 
die Fülle des Sprossens (v. aSgög, äSqög, vgl. Krieg spricht. S. Müller Eandb. d. Arch. 
aSqoavvri, Fülle der Ähren, Hes. Erg. 471), §. 412, 3. Heydemann Arch. Ztg. 1866, 130, 
so dafs er eine dem Phoroneus ähnliche chtho- T. 206. — 2) Heros der Stadt Adrasteia in My- 
nische Potenz war. Ein solches mit der näh- sien, welcher dort der Göttin Adrasteia (s.d.) ein 
renden Erde in Beziehung stehendes Wesen Heiligtum gebaut haben sollte, Apoll. Bh. i, 

' hatte Ähnlichkeit mit Dionysos, und daraus 1116 mit Schol. Strab. 13, 588. Suid. u. Sttph. 

erklärt sich die bedeutungsvolle Nachricht bei B. 'AägäßTsia. Antimach b. Strab. a. a. 0. {Stoll 
Herodot a. a. 0., dafs an die Stelle des Kul- 60 fr. 41. Dübn. 36). Eustath. zu II. 2, 828. Die- 

tus des Adrastos , dessen ncc&rj die Sikyonier ser kleinasiatische Adrastos scheint mit dem 

seit alter Zeit durch tragische Chöre gefeiert argivisch-sikyonischen gleichen Wesens {Wel- 

hätten, durch den sikyonischen Tyrannen Klei- eher bei Schwench Andeutungen 303) und mit 

sthenes ans Hafs gegen Argos der Kultus des der Zeit erst , gleich diesem , in einen Heros 

Dionysos eingesetzt worden sei. Sikyon war umgewandelt zu sein, dessen Name dann wie- 

in alter Zeit der ausgezeichnete Sitz des Adra- der in der trojanischen Sage auftritt. Vielleicht 

stos, er war dort der erste König {II. 2, 572. ist er identisch mit — 3) dem Vater der Eu- 

Schol Pind. Nem. 9, 30 ; auch der Name seines rydike, Gemahlin des Ilos, dem sie den Lao- ^ 



83 Adrias Aßdon 84 

medon gebar, Apollod. 3, 12, 3. — 4) Sohn an, und. diese verwandelten sie in eine Nachti- 
des Weissagers Merops aus Adrasteia, ein Bun- gall {ccTjSmv). Nach einer anderen Tradition 
desgenosse der Troer, von Diomedes getötet, (a. a. 0.) tötete Aedon den Itylos absichtlich 
IL 2, 828 ff. 11, 328 ff. — 5) Ein Troer, von um der Rache ihrer erzürnten Schwägerin zu- 
Patroklos getötet, II. 16, 694. — 6) Ein Troer, vorzukommen. — b) Anders erzählte Böios in 
welchen Menelaos gefangen nahm und Aga- seiner Ornithogonie (vgl. Anton. Lib. 11) die 
memnon niederhieb, II. 6, 37. 64. Tgetz. Hom. Sage von Aedon. Nach diesem war Aedon die 
120. vgl. Schal. II. 13, 643. — 7) Ein SoIhi Gattin des Künstlers Polytechnos, welcher zu 
des Polyneikes, einer der Epigonen, Paus. 2, Eolophon in Lydien wohnte, und gebar einen 
20, 4. [StoU]. 10 einzigen Sohn Itys So lange sie die Götter 
/ Adrias (Aä^lag), Sohn des Messapiers Pan- ehrten, waren sie glücklich; als sie sich aber 
son (Auson?), von welchem das Adriatische frevelhafter Weise gröfserer ehelicher Liebe 
Meer seinen Namen haben soll: EudoxosimEt. als Zeus und Here rühmten, sandte ihnen Here 
M. 19, 1. [Röscher.] zur Strafe die Eris , welche einen Wettstreit 

XArista,s{Jäglaxasoier'ATQieTag?),Ti&chPaus. in Kunstarbeiten in ihnen erregte. Da Poly- 
8, 4, 1 ein Heros, von welchem Arkas dieWoll- technosgerademit der Herstellungeines Wagen- 
arbeit (ra ig talaaiav) erlernt haben soll. Der stuhls und Aedon mit einem Gewebe beschäf- 
Name ist wahrscheinlich von ätgLiBe&ai= tigt war, so machten sie unter einander aus, 
nrivsa&ai (Hesych. s. v. öctqi^stcu) und atQiov wer von ihnen zuerst sein Werk vollende, solle 
(att. TjTQiov, vgl. Curtius Grdz. d. gr. Etym.^ 20 dem andern eine Sklavin geben. Aedon ge- 
60) abzuleiten und bedeutet also den Weber, wann mit Hilfe der Hera die Wette, Polytech- 
d. h. den Heros eponymos oder Erfinder der nos aber reiste erbittert zu seinem Schwieger- 
Weberei. Ganz ähnlich sind Namen vrie Dai- vater nach Ephesos und gab vor, von Aedon 
ton (Daites), Keraon, Akratopotes, Deipneus, geschickt zusein, um ihre Schwester Chelidon 
Mylas, Kalamites u. s. w. gebildet, welche lau- zu ihr zu fuhren. Pandareos gab sie ihm. Un- 
ter heroisierte Stifter von Gewerben und Th'ä- terwegs schändete sie Polytechnos , zog ihr 
tigkeiten bezeichnen. Vgl. darüber Boscher in andere Gewänder an, schnitt ihr das Haar ab 
Fleckeisens Jahrbb. 123 S. 670 flf. [Röscher.] und bedrohte sie mit dem Tode, wenn sie seine 
■ Adryades(^tfe'uäösg)=Hamadryades(s.Nym- Schandthat der Aedon verraten würde. So 
phai). Die Form findet sich z. B. bei Prop. 1, 30 diente Chelidon eine Zeitlang ihrer Schwester 
20, 12 u. Nonn. Bion. 2, 92. [Röscher.] unerkannt als Sklavin; als sie aber einmal an 

Adryme8(j459i5(tijs), Gründer der Stadt ^Ägi)- einer Quelle laut ihr Leid beklagte, belauschte 

(M)S in Libyen {Steph. Bys. s. v.). [Röscher.] sie Aedon, und beide erkannten sich und be- 

Adsallata, Name einer barbarischen Gottheit schlössen sich an Polytechnos zu rächen. Sie 

auf Inschriften, die bei Laibach (Aemona) und mordeten und zerstückten den Itys, setzten ihn 

Ratschach, also in Pannonia Superior gefunden dem Vater als Gericht vor und flohen zu ihrem 

sind: Orelli-Henzen 5864 u. 5911. [Röscher.] Vater. Als Polytechnos von einem Nachbar 

Adyte (Aävtri) eine der Danaiden (s. Ai- erfahren, was er gegessen hatte, verfolgte er 

gyptos Apollod. 2, 1, 5. [Röscher.] die beiden Frauen, wurde aber von den Die- 

N, Aea etc. s. Aia. 40 nem des Pandareos gebunden, mit Honig be- 

Aecetia = Aequitas (s. d.). strichen und auf eine Wiese geworfen. Des 

Aecorna (Aecuma) s. Aequoma. durch Fliegen grausam Gequälten erbannte 

A.ei(m.(^Arjäoiv), d) nach Homer Oi. 19, 518 ff. sich jetzt Aedon und wehrte sie ab. Ihre El- 
(vgl. Aesch. Ag. 1 143. fr. 283. N. Soph. El. 107, tem und ihre Brüder bemerkten es und woU- 
148, 1077. Paus. 9, 5, 9 etc.) die in eine ten sie töten, aber Zeus, der noch gröfseres 
Nachtigall verwandelte Tochter des Pandareos Unglück verhüten wollte, verwandelte alle in 
(s. d.) und Gattin des Zethos von Theben (s.d.), Vögel, den Pandareos in einen Seeadler {aXi- 
welche im frischen Laube wohnend, beim Be- aüxoe), die Harmothoe, die Mutter der Aedon, 
ginn des Frühlings ihrem aus Versehen von in einen Eisvogel (aijitxBv) , den Polytechnos 
ihr selbst gemordeten geliebten Sohne Itylos 50 in einen Baumspecht {TceXsinäv), weil Hephaistos 
ein wunderschönes melodieenreiches Lied sing^. ihm einst ein Beil {niXsKvt) geschenkt hatte. 
Die Ergänzung dieser homerischen Legende und der Baumspecht dem Zimmermann als 
liefern die Scholien z. Od. a. a. 0. u. Eu- gutes Wahrzeichen dient, den Bruder der Ae- 
stath. p. 1875 , 15 if. , die sich auf Phere- don in einen Wiedehopf {i'notp), die A8don in 
kydes (vgl. Sturz, fr. 29) berufen. Damach eine Nachtigall, welche noch immer an Flüs- 
war Aedon die älteste Tochter des Pandareos sen und im Gebüsch ihren Itys beklagt, Cheli- 
von Milet und der Harmothoe (ihre beiden donis endlich in eine Schwalbe, welche nach 
Schwestern hiefsen Kleothera und Herope) und dem Willen der Artemis in den Häusern der 
Gemahlin des Zethos von Theben, dem sie einen Menschen wohnt, weil sie bei ihrer Schän- 
einzigen Sohn, den Itylos, gebar, während ihre eo düng einst besonders jene Göttin zu Hilfe ge- 
Schwägerin Niobe (nach andern die Hippome- rufen hatte. — c) Sehr entstellt erzählt end- 
dnsa), die Gemahlin des Amphion, einen viel lieh den Mythus von Aiidon HeUadios b. Phot. 
reicheren Kindersegen hatte. Aus Neid be- bibl. 531 (vgl. Eustath. Od. 1876 , 1). Nach 
schlofs Aedon den ältesten Sohn der Niobe, ihm war Aedon die Tochter des Pandareos aus 
den Amaleus, der mit Itylos zusammen schlief, Dulichion und Gemahlin des Boreassohnes Ze- 
zu ermorden, traf aber aus Versehen ihr eige- tes und tötete ihren Sohn Aetylos(?), als er einst 
nes Kind. Trostlos darüber (oder deshalb von von der Jagd nach Hause zurückkehrte, weil 
Zethos verfolgt) flehte sie die Götter um jGnade sie argwöhnte , dafs er dem Zetes bei einem 



85 Aegiamunniaegus Aeracnra 86 

Ehebruche behilflich gewesen sei. Hierauf nen, die zuerst von Herakles getötet wurde: 

wurde sie von der erbarmungsreichen Aphro- Diod. Sic. 4, 16, [Koscher.] 
dite in eine Nachtigall verwandelt. Deutung: X Aello C^sllm), 1) eine Harpyie (s.d.), Toch- 

Es giebt wenige Sagen, deren Deutung so ter desThaumas und der Elektra: Hes. Theog. 

wenig Schwierigkeiten bereitet, wie diese. 267. Apollod. 1, 2, 6. Der Name bedeutet 

Nahe verwandt ist der attische Mythus von eigentlich die Windschnelle. — 2) Name eines 

Prokne, Philomele und Tereus (s.d.), welcher schnellen Hundes des Aktaion : Ov. Met. 3, 219. 
fast dieselben Elemente enthält; denn Tereus [Koscher.] 

wird in einen Wiedehopf, Prokne in eine Nach- X Aellopus CAelXoxovg), 1) Beiname der Iris, 
tigall und Philomele in eine Schwalbe verwan- lo bei Homer nur in der Form aBXXcmog vorkom- 

delt, nachdem sie ähnliche Frevelthaten wie mend: II. 8,409.24,77.159. — 2) Name einer 

die in der Sage von Aedon vorkommenden Harpyie, wahrscheinlich derselben, welche sonst 

Personen begangen haben. Offenbar haben Aello hiefs (s. d.). Nach Apollodor 1, 9, 21 

wir in beiden Sagen uralte Tiermärchen vor hiefs si& auch Nikothoe. Sie soll von der Ver- 

uns, erfunden, um die Eigenschaften und Eigen- folgung durch die Söhne des Boreas ermattet 

tümlichkeiten mehrerer Vögel psychologisch in den peloponnesischen Plufs Tigres gefallen 

zu motivieren. Dies geschah in der Weise, dafs sein, der später davon Harpys genannt wurde 

man die betreffenden Vögel als verwandelte {Apollod. a. a. 0.), Nach Nonn. 37, 155 (? vgl. 

Menschen dachte, deren einstige Handlungen Köchly) zeugte sie mit Boreas die Rosse Xan- 
und «Charaktere die Eigentümlichkeiten und 20 thos und Podarge (vgl. II. 16, 150). [Koscher.] 
Lebensgewohnheiten jener Tiere erklären soll- Aelmanins (?), auf einer Inschrift aus Cabeza 

ten. Vor allem war es „der schöne aber weh- del Griego, Hisp. Tarrag. Corp.I.L. 2, 3100: 

mutige Gesang der Nachtigall, der in die all- {A)lbanus { . . aelmanio \ VSV. L, M. In ael- - 

gemeine Lust des Frühlings wie ein tiefer manio, das vielleicht am Anfang verstümmelt 

Schmerz hineinklingt" (s. d. Stellen 6. Preller ist, scheint Hübner der Name eines Gottes 

gr. M."^ 2, 140, 1 u. Ho7n. hy. in Fan. 17), verborgen. [Steuding]. 

welcher den Gedanken an eine schwere Schuld "< Aeneas etc. s. Aineias etc. 

und tiefe Trauer des Vogels erweckte. Eben- '^x Aenesii die Begleiter des Aineias : Paul. 

so galt aber auch die Stimme der Schwalbe, Diac. 20, 6 Müll. [Koscher], 
des Eisvogels, des Wiedehopfs als klagend und so Aeqnitas, römische Personifikation der Bil- 

traurig {Preller a,. a. 0. 141, 4. 142, 5. 250, 1; ligkeit, welche von den Kömern gewöhnlich als 

vgl. auch Hesiod sgya 568. Opp. d. aucup. Justitia verehrt worden zu sein scheint. Die 
7), daher man sie ähnlich zu erklären suchte. älteste Form des Namens , Aecetia , findet 

Der Name "itvs oder "izvXog scheint nicht eine sich in der Inschrift einer Schale aus Vulci 
.| :/ dem eigentümlichen Gesänge der Nachtigall (G. I. L. 1 , 13): AEGETIAI POCOLOM (vgl. 

|/ nachgebildete onomatopoietische Namensform F. Mitschi, fictil. lit. 1853, p. 20, jetzt ab- 

» " ; zu sein, sondern bedeutet wohl einen zarten gedruckt in s. Opuscula Bd. 4). Die Göt- 

Knaben, Hesyeh. s. v. hvlog . . . vsog, aitaXög; . tin Aequitas erwälint aufserdem Arnob. adv. 

'. vgL'Jruios als Beinamen des Eros 0. J. Gr. 8368. gent. 4, 1 und eine Inschrift bei Grut. 76, 

Auch die Schlaflosigkeit der Nachtigall {Prel- 40 3 , wo von einem in den Tempel der Prä- 
ger a. a. 0. 142, 1) bezog man auf ihren ver- nestinischen Fortuna geweihten Bilde der Ae- 
meintlichen unaufhörlichen Schmerz. Von dem quitas die Rede ist. Häufige Darstellungen 
Wiedehopf aber glaubte man, dafs er Schwal- der Aequitas finden sich auf römischen Kaiser- 
ben und Nachtigallen verfolge {Preller a. a. 0. münzen. Hier erscheint sie als Frau mit ge- 
142,5), und hielt ihn überhaupt wegen seines öffneter Linken, Füllhorn und Wage, biswei- 
grofsen Schnabels und Helmbusches auf dem len auch wie die Monetae als Dreiverein dar- 
Kopfe für ein verfolgungssüchtiges, streitbares gestellt. Vgl. Preller, r. M.^ 2, 266 f. u. Pau- 
Tier {Preller a. a. 0. 143, 1); der Specht {ns- lys Bealenc.'' 1, 1, 403f. [Koscher]. 
Flexal') endlich ist wegen seines Schnabels, den Aeqnorna (auch Aecorna u. Aecurna) wahr- 

er wie eine Art Beil (^iXBv.vg) gebraucht, zu 80 scheinlich eine alte latinische Göttin derKauf- 
einem kunstfertigen Zimmermann (zbv.z<ov. Ho- fahrer, deren Name wohl von aequor = Meer 
Xvxsxvog) geworden {Preller r. M.^ 1, 337, 1). — abzuleiten ist. Der Name erscheint in In- 
Literatur: iVeBer,ffr. ilf.^ 2, 140ff. Schwende Schriften von Nauportus (Oberlaibach): C. I. 
Myth. d. Gr. 483 f. — 2) Name der Athene L. 3, 3776. 3831 u. f. Vgl. Mommsen zu C. 
bei denPamphyliem: Hesyeh. s. v. [Koscher]. I. L. 1, 1466 n. Jordan zu Prillers r. M.' 2, 

Aegiamnnniaegus, ein spanischer Gott auf 122 Anm. [Koscher], 
der Inschrift einer Erztafel aus Vianno del Aeracnra (Aera C.?, früher falsch Abracura 

( Bollo am Flusse Bibey in Spanien, C. I. 1. 2, gelesen), Name einer Erdgöttin und Gemahlin 

2523 : Aegiamun | niaego Antistius Placidus Cili des Dis Pater {Terrae Matri Acre Gurae C. I. L. 8, 
filius Alterniacinus V. S. L. M. Der erste 60 5526 = Orelli-Henzen 5721) in mehreren von 
und letzte Teil des Namens erinnert an den Mommsen Arch. Anz. 1865. 88* ff. und Jordan 
Allpbroger Aegus {Caesar, hell. civ. 3, 59. 79), 6. Preller P. M.^ 2, 65 behandelten Inschrif- 
sowie an Aegius und Aegia auf einer Inschrift ten (vgl. C. I. L. 3, 4396. 5, 725. 8126. 8200. 
bei <?rM*. 718, 10. Vgl, Guseme, sohre Aegia- 8970a. 6,142). Besonders wichtig ist ein den 
munniaco, deidad de los antiguos Espanoles ms. Dis, und die Aeracnra auf einem hohen Podium 
Matrit. E. 162. Padin, Galieia 1, 235. Hiib- sitzend darstellendes Wandgemälde eines an 
ner, aet. Berol. 1861 p. 815. [Steuding]. der appischen Strafse befindlichen Grabgewöl- 

\ Aella CAsXXo), die schnellste aller Amazo- bes. Mercurius als Psychopompos führt den 



I 



'S:- 



87 Aeria Aeternus 88 

beiden Unterweltsgöttem , -welchen die Fata 382 , 3 hatte der Maler Ophelion die Aerope 

Divina zur Seite stehen, zwei Frauen zu. Vgl. in Thränen, samt den Uberreeten des unseligen 

Perret, Catacombes de Borne 1 pl. 72 f. u. Orel-' Mahles und der Poine dargestellt (vgl. Brunn, 

li-Henzen 6042. Mommsen hält den Namen Künstlerg. 2, 287). — 2) Tochter des Kepheus. 

für echtlateinisch , Jordan wohl richtiger für Sie wurde vom Ares Matter des Aeropos und 

fremd. [Koscher]. starb während der Geburt, aber Ares bewirkte 

"/- Aeria CAsQia), Gemahlin des Belos, Mutter durch ein Wunder, dafs der Knabe noch an der 

des Aigyptos, auch Potamitis genannt: Cha- Brust der toten Aerope trinken konnte. Des- 

rax b. Steph. Byz. s. v. AlyvicToq. [Röscher] halb erhielt Ares den Beinamen '^qjvEtös: Baus. 
Aernus, Gottheit der Galläcer oder Astu- lo 8, 44, 7. — 3) Gemahlin des Oinopion von 

rer auf einer Inschrift aus Castro de Avelläs Chios, von Orion verführt: Hes.fr. 67 ed Göttl. 

in Portugal {Corp. I. L. 2, 2606: Deo Aerno [Röscher]. 

ordoZoelar ex voto), ist jedenfalls gleich dem ' Aeropos {'ÄEQonog) 1) nach Baus. 8, 44, 7 f. 

Beus Arnus auf 2607 ebendaher; vgl. Hühner Sohn der Aerope (Tochter des Kepheus) und 

act. Berol. 1861 p. 806. Mommsen schlägt da- des Ares , nach 8,5,1 Sohn des Kepheus, 

gegen vor auf beiden Inschriften Aeterno, mit Königs der Arkader. Nach Hcrod. 9, 26 end- 

Kompendium geschrieben, zu lesen. lieh Sohn des Phegeus (?). Sein Sohn war 

[Steading]. Echemos (s. d.). — 2) Ein Nachkomme des Te- 

> ' Aerope {'Aeeönri), 1) Tochter des Katreus, menos von Argos, der mit seinen beiden Brü- 
~ Enkelin Minos' IL, Schwester der Klymene, 20 dem Gauanes und Perdikkas nach Illyrie« und 

Apemosyne und des Althemenes. Ak ihr Vater Makedonien auswanderte: Her. 8, 187. 

einmal das Orakel nach seinem Ende fragte, [Röscher.] 

antwortete dieses , dafs er von der Hand ei- Aesculanus, Vater des Dens Argentinus, d. h. 

nes seiner Kinder sterben würde. Altheme- Personifikationen des Erz- und Silber^eldes, 

nes und Apemosyne entflohen. Katreus über- „welches letztere in Rom gelbst erst seit dem 

gab nun die Aerope und Klymene dem Nau- Jahre 48B d. St. , 269 v. Chr. , fünf Jahre vor 

plios, mit dem Auftrage sie in fremde Län- dem ersten punischen Kriege geprägt wurde, 

der zu verkaufen, Nauplios aber brachte sie woraus man zugleich eiaen Schlufs auf das 

nach Argos, wo sie den Pleisthenes heiratete. Alter dieser Gebilde ziehen kann." Vgl, Au- 
Aus dieser Ehe entsprangen Agamemnon (s. d.) so gust. d. c. Bei 4, 21. 4, 28. Plin. H. N. 33, 

nndiMenela.09 (Hesiodh. Schal. z.H. 1,7. Apol- 44. PreUer r. Jf.» 2, 222. Bauly BeaUnc. 1, 

lod. 3, 2, 1. 2). Nach Soph. Aj. 1297 u. dem 1, 430. S. auch Indigitamenta. [lloscher]. ^ 

Schol. zu d. St. (der sich übrigens auch auf Aescnlapins s. Asklepios. 

die K^Tieaai des Euripides beruft) übergab der Aeterna , Beiname der Luna , doch kommt 

Vater die Aerope dem Nauplios, um sie ins er auch selbständig .auf einer ■Weihinsohrift 

Meer zu werfen , weil sie sich gegen seinen aus Aquileja {Corp. Insc. L. 5 , 8209) , sowie 

Willen mit einem Sklaven in ein Liebesver- vielleicht auf einer solchen aus Old Carlisle 

hältnis eingelassen hatte. Nach andern gebar (7, 336) vor. [Steuding]. 

Aerope den Agamemnon (s.d.) und Menelaos nicht Aeternitas, die personiflcierte Ewigkeit, er- 
dem Pleisthenes, sondern dem Atreus(^p. 3, 10, 40 scheint auf römischen Kaisermünzen bald 

8. .BMWp.0r.16ff. J?e;.390ff. Luc.Hist.8. Schol. sitzend, bald stehend oder auf einem von Lö- 

2. II. 1, 7. Hygin. f. 97. Tzetz. Lyhophr. 147). wen oder Elefanten gezogenen Wagen fahrend. 
Deshalb hat man {Welcher gr. Tr. 2, S. 677£F. Ihre Attribute sind die Himmelskugel, die sich 
vgl.' auch Baulys Bediene.^ unter Aerope) in den Schwanz beifsende Schlange, der sich 
vermutet, dafs Aerope erst den Pleisthenes immer von neuem verjüngende Phönix, der 
und dann (dessen Sohn oder Vater?) Atreus langlebige Elefant, das Füllhorn oder Sonne 
(s. d.) geheiratet habe und dafs bei Apollod. und Mond, welche durch ihren reffelmilfsigen 

3, 2,2 die Erwähnung der zweiten Heirat Lauf die unendliche Zeit in bestimmte Ab- 
aüsgelassen worden sei. Die Nachricht, dafs schnitte teilen. Vgl. Basche, Lex. r. num. 1 
Pleisthenes jung gestorben und seine Söhne 50 p. 164 ff. EcJchel, d. n. v. 7 p. 278. Hirt, Mythol. 
von Atreus erzogen seien {Schol. Eur. Or. 5. Bilderb. 2, 139. Tölken, über d. Barst, d. Piv- 
Porph. z. IL 2, 249 , vgl. Serv. Verg. Aen. 1, 458. videntia und Aeternitas auf römischen Münzen. 
Bictysl.i. 5' 16) 'beruht vielleicht auf einem [Röscher]. 
Mifs Verständnis und scheint eine Hypothese zu Aeternus ist häufig Beiname des Juppiter.Sol, 
sein {Welcker a. a. 0. S. 679). Als Gemahlin Mithras,auch des Caelus; doch findet sich auch 
des Atreus gab Aerope ihrem Buhlen Thyestes eine Reihe von Inschriften, wo nur der deus 
das goldene Lamm ihres Gatten, das diesem Aeternus genannt wird: Oorp. Iwscr. J.. 8, 988 b. 
die Herrschaft sicherte, worauf Atreus sie ins 1286, 3327, 6258 (sämtlich aus Ungarn), 5, 
Meer werfen und dem Thyestes seine drei 769 und 770 (aus Aquileja), 8, 8928 und 9704? 
Söhne zum Mahle vorsetzen liefs {Soph. 6. Schol. 60 aus Numidien); meist ist dann jedenfalls Jup- 
z. Eur. Or. 812 = fr. 136 N. Paus. 2, 18, 2. piter gemeint, wie aus dem sehr oft vorkom- 
Hygin. f. 86. Vgl. auch Aeschyl. Agam. 1192). menden J. 0. M. Aeternus zu sohliefsen ist. 
Dieser Mythus war bearbeitet von Sophokles Sonst wird er noch als magnus {C. I. L. B, 3221) 
im 'At^svq t) MvA'r]vai:ai {Nauch fr. tr. gr. und 'ea;awditor bezeichnet (_5, 8208). Den wn- 
S 127) und von Euripides in den Kgricaai bus Aeterni sind die Inschriften C. 1. L. 5, 6991, 
{Nauck a a. 0. S. 398 ff. Vgl. auch Welcher 6992, den virtuühus dei Ä. ist 3, 988. 1 ge- 
a. a. 0. 1, 357 ff. u. 2, 675 ff.). Nach dem Epi- widmet. Ein /bns Jle<cmt wird 3, 990 erwähnt, 
gramm des Nikodemos bei Brunck Anal. 2, [Steuding]. 



89 Aethlios Agamemnon 90 

Aethliog {'Aid-hos), Sohn des Zeua und der Orakel des Trophonios (Paws. 9, 39, 6), wo 

Protogeneia, der Tochter Deukalions, oder Sohn von den um Rat Fragenden Widderopfer go- 

des Aiolos. Er war König von Elis und zeugte bracht und zugleich der Name des Agamedes 

mit der Kalyke den Endymion: Hesiod bei mit .angerufen wurde. 

Schal. Ap. Eh. 4, 57. Apollod. 1, 7, 2. 5. Paus. Ähnlich berichtet die Sage der Scliol. zu 

5, 1, 3. 8, 2. Joann. Antioch. fr. 1, 20. Hyg. Arist. a. a. 0.; nur verlegt er dieselbe nach 

f. 155. Con. narr. 14. [Röscher]. Elis zu dem Könige Angelas und läfst den 

Afer , Sohn des Libyschen Hercules , von Kerkyon bei dem Diebstahle beteiligt sein und 

dem Africa benannt worden sein soll: Solin. in Gemeinschaft mit Trophonios nach Orcho- 
p. 121, 15 ed. M. [Röscher]. lo menoa entfliehen. Als sie Augeias auf den Rat 

Afferenda s. Adferenda. des Daidalos, der die Schlingen gelegt hatte, 

Agakles ('.^yajfiijs), Myrmidone, Vater des auch hier verfolgen läfst, flieht Kerkyon nach 

Epeigeus: Jl. 16, 571. [Röscher]. ■ Athen, Trophonios nach Lebadeia. Vgl. auch 

Agamede (!4ya(i^5»)), 1) Tochter des Augeias, Flato a. a. 0. Anders erzählten Find. b. Plitt. 

die sich wie Medeia trefflich auf Heilkräuter cows. atZ4po?Z. 108, 39 fl:, und Cic. T«sc. 1, 47 das 

verstand, Gemahlin des Mulios {II. 11, 738) Ende des Agamedes und Trophonios: sie hätten 

und Geliebte des Poseidon, mit dem sie den nach Erbauung des Apollotempels den Gott 

Belos, Aktor und Diktys zeugte {Syg. f. 157. um einen Lohn gebeten; der Gott habe geant- 

Vgl. auch Eust. z. Dion. Per. 322). Nach wertet, sie würden ihn am 7. Tage (ßie. Tuse. 
Theokr. 2, 16 u. Schol. g. d. St. hiefs sie auch 20 a. a. 0. : post ejus diei diem tertium) empfangen 

Perimede, vgl. Prop. 2, 4, 8. Beide Namen und sollten sich inzwischen ihres Lebens freuen; 

beziehen sich auf grofse Klugheit und erinnern sie thaten also und wurden darauf in der 7. 

an Medeia. — 2) Tochter der Makaria oder Nacht durch einen sanften Tod hinweggenom- 

Pyrrha, von welcher eine Ortschaft bei Pyrrha men. Vgl. auch Hom. hymn. in Apoll. Pyth. 118. 

auf Lesbos4)enannt sein soll (Steph. Byz.). Benutzt war die Sage von Trophonios, Aga- 

[Roscher]. medes und Augeias schon von dem Kykliker 

Agamedes CAyaiiriSrjg), Sohn des Stymphelos, Eugammon in seiner Telegonie : s. Welcker a. a. . 

Bruder des Gortys, Urenkel des Arkas Paus. 8, 4, Über die Deutung derselben s. Trophonios. 

8. Nach Charax b. Schol. zu, Arist. nub. 500 , , . [Bernhard.] 
war er verheiratet mit Bpikaste , die ihm als 30 X Agamemnon (Ayajiifivmv), heifst nach seinen 
Stiefsohn den Trophonios zubrachte, während Yoii'ahieji'ATQsiSris, IIsXoTtiSrig, TavTaXiärjg. Bei 
er seihst mit ihr den Kerkyon zeugte. Nach Homer ist er gewöhnlich 'Atgsiärig, und seine 
einem anderen Schol. a. a. 0. ist er Sohn des farmelhaften Epitheta beziehen sich auf seine 
ApoUon und der Epikaste, oder des Zeus und Macht und Herrschaft, wie ava^ ävöqäv 'Aya- 
der lokaste, oder des Erginos. ii,iii,v(ov, tvqvKQiimv 'Ayocßs/tvcov , tiqiicov Aya- 

Alle drei, Agamedes, Trophonios und Ker- (isfivmv, v.vSiatog u. a. Ähnlich später bei den 

kyon galten als berühmte Baumeister und unter Tragikern : 'ElXävcov äva^ {Soph. El. 484), 

ihren Wunderwerken werden genannt: 1) ein 'Azqecog ^olvxoi^avog naig (Aesch. fr. i'iS), ävtiQ 

Gemach der Alkmene, Paus. 9, 11, 1. 2) ein TtavTÖasfivog {Aesch. Eum. 637), aTQarrjyog ovni- 
Tempel des ApoUon in Delphi. Schol. zu Arist. 40 ßqövtrjzog {Soph. Ai. 1386), ävS^äv vavßaxäv 

a. a. 0., Hom. h. Apoll. 296. Pind. bei Flut. aQuoarriQ {Aesch. Eum. *66), fisyietov "Ellrjatv 

cons. ad Apoll. 14. Plato Axioch. 367". Paus. <fäog {Eur. Hec. 841). In der Ilias (2 , 107^ 

9, 37, 4; 10, 5, 13. Strato 9,42t. Steph.B. a.Y. überkömmt er daa Scepter von Thyest: Gvsar 
dsltpoi. 3) ein Tempel des Poseidon in Ar- 'Ayaii,e(ivovi Xtiits cpo^fjvui, rnoXlfjaiv vi^aoiai Kai 
kadien, an der Strafse von Mantineia nach 'AgysC iiavtl äväaasiv. Der Ausdruck „ganz 
Tegea. Paus. 8, 10, 2. 4) ein Sohatzhaus des Argos" weist auf die Vorstellung hin, dafs der 
Hyrieus, des Königs von Hyria in Böotien. Sitz der Herrschaft in Argos als natürlichem 
Paus. 9, 37, 3. Vororte der nach der Stadt benannten Land- 

Von der Erbauung des letzteren erzählt Schaft sei (ebenso nennt Agamemnon Argos 
Paus. a. a. 0. eine mit dem Berichte vom 50 als seine Heimat, z. B. II. 9, 141 ; 1, 30), wäh- 

Schatzhause des Rhampsinit sich "fast deckende rend der Schiffskatalog (2, 559 ff.) den Gegen- 

Sage {Herod. 2 , 121 ; über die Ursprünglich- satz von Argos und Mykenai kennt und Argos 

keit beider Sagen O. Müller, Orcfe. 94ff. Butt- (nebst Tiryns, Epidauros, Aigina u. a.) dem 

mann, Myth.2. 227S. Welcker,Ep.Cykl.2.30lS.). Diomed folgen läfst, während Agamemnons 

Agamedes und Trophonios richteten einen der Herrschaft auf Mykenai , Kleonai, Korinth, Si- 

Steine so zu, dafs sie denselben von auTsen kyon und das nördliche Achäa beschränkt ist 

ausheben konnten, und stahlen dann immer- und keine Inseln umfafst; er stellt jedoch 

fort von den Schätzen des Königs. Der König die gröfste Anzahl Schiffe, nämlich hundert, 

Hyrieus liefs nun um die Gefäfse, in wel- und giebt noch den Arkadern 60 Stück (2, 612), 
chen das Gold und Silber verwahrt war. Schiin- eo ägtezog ejjj', naiv Sh icliCatovg ayE Xaoyg (v. 

gen und Fallen legen. Als Agamedes in eine 580) ; ausdrücklich als König von Mykenai wird 

derselben geriet, hieb ihm Trophonios das er genannt z. B. II. 11, 46. Jene Stelle des 

Haupt ab, damit er nicht als Mitschuldi- SchiffskatalogeskommentiertÄtraftoS, p. 377ff., 

ger verraten werden könnte. Vor dem Tro- und Thukydides (1, 9) gründet auf jenen Vera 

phonios that sich aber die Erde auf und ver- II. 2, 108 seine Ansicht, dafs Agamemnon sich 

schlang ihn, wo in dem Haine bei Lebadeia auch grofse Seemacht erworben und durch 

sich die sogenannte Höhle des Agamedes und FurchtdieandemHerrscherzumZngenachTroia 

eine Säule befindet. Daselbst entstand daa gezwungen habe. Reichtum ist den Atriden 



91 Agamemnon Agamemnon 92 

besonders eigen, Hesiod. frg. 157 Göttl. Die Klytaimnestra sind nach der llias (9, 142 ff.) 
Tragiker folgten dem Brauche der homerischen drei Töchter, Chrysothemis, Laodike.Iphianassa, 
Gedichte, bald Argos bald Mykenai als den und als Letztgeborener ein Sohn, Orestes. In 
Herrschersitz des Agamemnon zu bezeichnen den Kyprien des Stasinos {fr. 12, schol. Soph. 
(vgl. Strab. 8, p. 377). Ephoros (fr. 28 Muell) El. 157) war bereits Iphigeneia zugefügt und 
berichtete über das Verhältnis zu Argos, dafs von Tphianassa unterschieden worden; dann 
Agamemnon die Argiver überfiel und bewäl- kam Elektra hinzu, die der Lyriker Xanthos 
tigte, während ..die meisten mit Diomed dem statt Laodike gesetzt haben soll {Ael. v. h. 4, 
Alkmaion nach Atollen gefolgt waren; zum tro- 26; vgl. dazu Bohert, Bild u. Lied S. 173); 
ianischen Feldzug habe Agamemnon Diomed lo Elektra und Iphigeneia sind bei den Tragikern die 
wieder zurückgerufen. Eine Nachricht aus Haupttöchter, doch kennt Sophokles {El. 157) 
einem Historiker bei Paus. 2, 6,. 7 läfst Aga- daneben auch noch Chrysothemis und Iphia- 
memnon mit einem Heere sich Sikyon unter- " nassa, während Euripides nur Chrysothemis da- 
werfen. Merkwürdig ist die Tradition der alten neben annimmt (vgl. Or. 23, und schöl. dazu, wo 
Lyriker, welche Agamemnons Herrschaft weder Elektra mit Iphianasaa identifiziert wird). — 
nach Argos noch Mykenai, sondern nach Lake- — Was seinVerhältnis zu Thyest anbetrifft, 
daimon mit dem Sitz in Amyklai verlegten so liefs eine spätere tragische Fabel {Hyg. 88, 
und damit einer lokalen Tradition dieses Ortes vgl. Atreus) ihn mit Menelaos in der Jugend 
folgten; so Stesichoros und Simonides {Schol. auf Befehl des Atreus den Thyest suchen, in 
Eur. Or. 46) und so auch Pindar, nach wel- 20 Delphi finden und gefangen zu Atreus bringen, 
chem {Pyth. 11,32) Agamemnon starb v.lvratg Von der Herrschaft, die Thyest errungen hatte, 
iv 'Ati.v'nXaiq; yg\. Nem. %, \i o" x' ava Znäg- läfst Äschylos {Ag. 1605) den Agamemnon 
Tav nsloTcriCääai. Bei Herodot (7, 159) ruft dann Besitz ergreifen, indem er den Thyest 
der Spartaner Syagros, wie würde Agamemnon nebst dem kleinen Aigisthos aus dem Lande 
jammern, wenn er die Hegemonie den Spar- treibt. — Als die zahlreichen Freier kamen, 
tanem entzogen sähe. In Amyklai, im isqbv welcheHelenazur Gattin begehrten,riet Odys- 
der Alexandra (Kassandra), hatte Agamemnon seus dem Tyndareos, dieselben durch einen 
ein liv-niia, ein Grabmal {Paus. 3, 19, 6). — Schwur zu binden, nicht zu streiten oder dem 
Seiner königlichen Macht entspricht auch sein wegen der Heirat Angegriffenen beizustehen; 
königliches Äufsere, wie es die llias schildert so nach dem Schwüre wählt Helena selbst den 
(3, 166 ff.); er ist ßaailsiig dya»og und Kga- Menelaos {Hy^ 78), oder er wird ihr von 
TSQog alxfin'i^ns; er ist tibIcoqios, ijtSs t£ fieyug Tyndareos gegeben {Apoll. 3, 10, 8). Schon 
TS, doch giebt es Helden, die gröfser sind, aber das jüngere Epos kennt diese Sage. Bei He- 
er ist mehr als alle iicclog und ysQuqög; ja II. siod {frg. 136 Göttl; vgl. Bohert, Bild u. Lied 
2, 477 ff. wird er an Augen und Haupt dem S. 189), dem Stesichoros folgte, vergafs Tyn- 
Zeus, an den Hüften dem Ares, an Brust dem dareos der Aphrodite zu opfern, weshalb diese 
Poseidon verglichen. Auch Thaten des Mutes sich durch seine Töchter rächt, die aieSiyä- 
berichtet die llias, wie wenn er Menelaos als fiovg re koI tqiyäiiovg xLd'rjGi xal linsaüvogag 
zu schwach abweist und selbst dem Hektor {Stesich. fr. 35). Als nun Helena geraubt war, 
sich gegenüberstellen will. Er erhält den ersten 40 vereinigt sich Menelaos mit Agamemnon und 
Preis im Wurfe von üfthill II. 23, 890. Seine beide werben zum Rachezuge. Schon in der 
prächtige Rüstung II. 11, 16 ff. — Die Aus- llias (23, 296) wird ein Fürst, Echepolos, 
bildung der Sagen vom Hause des Atreus in genannt, der sich durch ein Geschenk vom 
der späteren Poesie brachte Näheres über Aga- Zuge loskauft und nach Odyssee 24, 115 kamen 
memnons Jugend. Er ist bei den Tragikern Agamemnon und Menelaos selbst nach Ithaka, 
Sohn des Atreus und der Kreterin Aerope {Eur. um Odysseus zum Zuge zu bereden. Ein Orakel, 
Hei. 394 u. a.) oder er ist Sohn der Aerope dasAgamemnon sich in Delphi holte und welches 
und des Pleisthenes, des Sohnes des Atreus das beginnende Ende Troias dann prophezeite, 
Apoll. 3, 2, 2; schon Hesiod hatte den Plei- wenn die Besten der Achäer in Streit kamen, 
sthenes eingeschoben (frg. 80 Göttl); bei Stesi- 5o kennt die Odyssee (8, 75 ff.). Agamemhon war 
choros heifst Agamenmon Illeiad-sviäag {fr. Oberfeldherr, was man dann entweder aus seiner 
42 B.) ; bei Äschylos {Ag. 1602) verflucht Macht erklärte (wie TfewÄ;. 1, 9; vgl. i!«'««*. od I/. 
Thyest näv xb TIX^ieMvovg ysVos. Zur Vermit- p. 185) oder als die Folge einer regulären Wahl 
telung wurde erfunden, dafs Pleisthenes jung (auf einer Volksversammlung zu Argos, Biet. 
gestorben und seine Söhne Agamemnon und Me- 1, 15. 16); bei Euripides {Iph. Aul. 84) sagt 
nelaos von Atreus aufgezogen worden seien Agamemnon selbst, man habe ihn MeviXtm 
(T2ete.wI/.p.68;S'erK.adj4eM.l,458;s. Aerope). %äqiv zum Feldherrn gewählt, wahrend Mene- 
— Gattin des Agamemnon ist Klytaimnestra laos (ib. 337) ihm vorwirft, er habe demütig 
{Apoll. 3, 10, 6. Eur. Or. 20), die Tochter des darum geworben. — Die Versammlung der 
Tyndareos und derLeda, Schwester der Helena 60 Schiffe findet in Aulis statt. Nach der llias 
{Byg. 77. 78). Nach Eur. Iph. Aul. 1149 ff. giebt Zeus beim Betreten der Schiffe zur A.b- 
heiratete Klytaimnestra den Agamemnon wider fahrt ein günstiges Zeichen durch einen Blitz 
WiUen, nachdem dieser ihren ersten Gatten (2, 350 ff.; vgl. 112. 286); vorher während des 
Tantalos erschlagen und ihr das Kind von Aufenthaltes in Aulis schickt Zeus während 
demselben entrissen hatte; die Dioskuren, ihre des Opfers eine Schlange, die acht kleine Sper- 
Brüder, kriegtendarauf gegen Agamemnon, bis lingeund deren Mutter als neunte verschlingt, 
er als Bittflehender zu Tyndareos kommt, der was Kalchas auf die neun Kriegsjahre und die 
dann Versöhnung bewirkt. Seine Kinder von Zerstörung im 10. deutet {IL 2, 303 ff.). Nach 



93 Agamemnon Agamemnon 94 

Äscliylos(Ag. 109 ff.) ereignete sich das Zeichen, und zieht dann zur Schlacht aus {II. 2); doch 
dafs zwei Adler eine trächtige Häsin zerflei- schliefst er einen Vertrag mit Priamos, dafa 
sehen, was Kalchas auf die Zerstörung Troias die Entscheidung dem Zweikampfe des Paris und 
deutet, der aber auch den Zorn der Artemis Menelaos anheim gestellt werden solle (IIS); 
vorhersagt. In den Kyprien ward nun ein der als der Vertrag gebrochen wird, führt Aga- 
llias noch unbekannter erster verfehlter Feld- memnon das Heer in die Schlacht, in der er 
zug eingeschoben, der in Mysien endet; wo- selbst mehrere erlegt (zu allererst den Hodios, 
nach der verwundete Telephos (s.d.) zu den 5,38, später den Elatos, 6, 33 und den Adra- 
bei Agamemnon in Argos versammelten Grie- stos, den Menelaos gefangen genommen hatte 
eben kömmt, des letzteren Söhnchen Orestes lo und leben lassen wollte, den aber Agamemnon 
auf Rat der Klytaimnestra raubt und so Aga- grausam niedersticht 6, 63). Den Zweikampf, 
memnon zwingt, den Achill zu bewegen, dafs den Hektor verlangt, will Agamemnon anneh- 
dieser ihn heile (Kyprien, Äschylos, s. schal. men, doch wird Aias gewählt (11. 7). Nachher 
Arist. Ach. 332, Euripides im Telephos u. a. ; s. Waffenstillstand und Befestigung des Lagers des 
Welcher, ep. Cykl. '2,100.lSSe.; gr. Trag, ins.; Agamemnon. Die erneuerte Schlacht wendet 
Bibbeck, röm. Trag. S. 104 ff. 344 ff.; Hyg. f. Zeus ungünstig für Agamemnon {II. 8). In 
101). Nach den Kyprien folgt nun eine zweite nächtlicher Versammlung der Fürsten rät er 
Versammlung in Aulis , wo Agamemnon sich zur Abfahrt, sendet jedoch auf Rat des Nestor 
gegen Artemis überhebt und einen ihr heiligen eine Gesandtschaft an Achill, um diesen zu 
Hirsch tötet (ebenso Sophokles El. 566 ff.; vgl. 20 versöhnen; dieselbe ist vergeblich {II. 9). In 
Hyg. 98) ; Artemis zürnt und schickt Stürme der Schlacht des folgenden Tages glänzt Aga- 
oder Windstille, kurz aitXoia {Eur. Iph. Aul. memnon und drängt die Troer "bis vor die 
88); nach Eur. Iph. Taur. 20 zürnt Artemis, Stadt zurück (7Z. 11, '^yajiEfii'oi'os äpiffrcta); er 
da Agamemnon ihr gelobt hatte das Schönste tötet zuerst den Bienor und dessen Genossen 
des Jahres zu opfern, da Iphigeneia geboren Oileus (11, 92), dann den Isos und Antiphos, 
ward. Kalchas verlangt das Opfer deriphi- Söhne des Priamos (11, 101), dann die Söhne 
geneia, das, sowie die Rettung der Iphigeneia des Antimachos, Peisandros und Hippolochos 
durch Artemis, schon die Kyprien erzählten (11, 122), darauf im stürmischen Vordringen 
und das ein beliebter Gegenstand der Tragödie noch viele andere Unbenannte; den Anteno- 
wurde (Iphigeneia von Äschylos, Sophokles, 30 riden Iphidamas, der sich ihm entgegenstellt, 
Welcker, gr. Tr. 107 ff., Euripides, Ennius, erlegt er (11, 221 ff.), und darauf dessen Bruder 
Bibbeck, r. Trag. S. 94 ff.; Hyg. f. 98). — Bei Koon, der ihn jedoch am Arme verwundet (11, 
späteren Dichtem (Phanokles u. a., s. Bhein. 248 ff.); er mufs sich aus der Schlacht zurüok- 
Mus. N. F. 4, 404) ward im Anschlüsse an ziehen, worauf Hektor zu den Schiffen vor- 
eine lokale Tradition vom schönen Argynnos dringt. Agamemnon berät sich im Lager mit 
erzählt, dafs Agamemnon während des Aufent- dem ebenfalls verwundeten Odysseus und Dio- 
haltes in Böotien jenen Knaben geliebt und medes. Poseidon in Gestalt eines alten Mannes 
auf seinem Grabe em Heiligtum der Aphrodite ermutigt Agamemnon zur Schlacht (14, 136 ff'.) ; 
'Aqyvvvis gegründet habe {Athen. 18, p. 603 d.; doch die Schiffe werden immer mehr bedrängt; 
Giern. Alex, protr. rp 32; Plut. gryll. c. 7). — 40 als sie brennen, schickt Achill den Patroklos, 
Endlich gelingt die Fahrt nach Troia; bei dem der die Troer zurücktreibt; nach dessen Tode 
festlichen Mahle in Tenedos oder Lemnos er- beruft Achill die Fürsten und versöhnt sich 
eignet sich der erste Streit des Agamemnon und mit Agamemnon (19, 56 ff.) ; dieser schickt grofse 
des Achill (s. d.), welch letzterer sich wegen ver- Geschenke dem Achül, darunter auch die Bri- 
späteter Einladung verletzt fühlte; dies hatten seis, die er nicht berührt zu haben scheint (19, 
schon die Kyprien erzählt und Sophokles zu 243 ff.). Von nun an tritt Agamemnon in der 
einer Tragödie verwendet (.JTaMcfc. frg. p. 128; Ilias ganz zurück. Die Tragödien, die ihren 
Welcker, gr. Tr. 110 ff.). Es begiont nun der Stoff der Ilias entlehnten, konzentrierten sich 
zehnjährigeKrieg vor Troia; zerstreuteRaub- ganz auf Achill. — In den KvytUiia war er- 
züge zersplitterten die Kraft, was Thuk. 1, 11 50 zählt, wie Agamemnon nach dem Tode des 
als Grund der langen Dauer ansieht. So zer- Achill sich fürchtet einem der Streitenden die 
störten die Griechen auch Theben, die Stadt WaffenAchUls zuzusprechen; er liefs die Kriegsge- 
des Eetion, von deren Beute Achill die Briseis, fangenenbefragen(Od.ll,547nachAristarchein- 
Agamemnon die Chryseis erhielt {II. 1, 366 ff.). geschoben; vgl. d. Schal, dazu) oder er schickte 
Im 10. Jahre der Belagerung setzt die Hand- auf Nestors Rat Horcher aus, die troischen 
lung der Ilias ein. Chryses, Vater der Chry- Frauen zu belauschen (fiiKga 'iXiäg, schal. Arist. 
seis und Apollopriester, verlangt die Tochter Equ. 1056). Nach der Zerstörung Ilions nimmt 
gegen Lösegeld zurück, was Agamemnon zu- Agamemnon Kassandra als Kriegsgefangne mit, 
röekweist, worauf ApoUon Pest sendet. Aga- die schon der Odyssee (11, 422) bekannt ist, 
: memnon wird gezwungen Chryseis frei zu geben, fio und die ihm die Zwillinge Teledamos und 
verlangt aber als Ersatz die Briseis des Achill; Pelops gebar, die später mit dem Vater um- 
hefiäger Streit der beiden Helden; Agamemnon kamen {Paus. 2, 16, 6). — Wegen der Rück- 
lä&t die Briseis durch seine Herolde Talthy, fahrt streiten Menelaos undAgamemnon; erste- 
biös und Eurybates abholen {11. 1). Zeus, der rer wiU gleich abfahren und thut es auch, 
der Thetis gelobt ihren Sohn zu rächen, sendet Agamemnon bleibt zurück, um den Zorn der 
Agamemnon einen täuschenden Tratun, er werde Athena durch Opfer erst zu versöhnen: so die 
jetrt Troia einnehmen. Agamemnon versucht Odyssee 3 , 141 ff. und ebenso die Nosten des 
ixtk das Volk durch den Befehl der Heimkehr Agias von Troizen , denen Sophokles in der 



95 



Agamemnon 



Agamemnon in d. Kmist 



96 



Polyxena folgte {Strabo 10, p. 470; Soph. fr. 
186). Die Nosten erzählten ferner, dafs, als 
Agamemnon sich einschiffte , Achills Schatten 
ihm alles künftige Unheil vorhergesagt und 
ihn zurückzuhalten gesucht habe (vgl. Welcher, 
ep. Cykl. 2, 291); dasselbe schöne Motiv be- 
nutzte Sophokles in der Polyxena; der Geist 
forderte hier Polyxena zum Opfer (Welclcer, 
gr. Tr. 178). — Nach einer attischen Sage, 



Schal, z. d. St.) inl lourgo««; doch 203 und 
284 wird der Mord beim Mahle angenom- 
men; Eur. Or. 25 ccTttiQm vcpäafiazi, Or. 367; 
Eur. El. 157 ff.; 1149. 1160; Em. Iph. Tarn: 
552; Andr. 1026; ausnahmsweise vfirdEur. El. 
8 auch Aigisth als beim Morde thätig ange- 
deutet). — Spätere Tragiker scheinen sich wie- 
der mehr an die homerische Verdien ange- 
schlossen zu haben, wonach Aigisth die Haupt- 



die Kleitodemos (/r. 12 MMeZi.) berichtete, ward lo person war; so das Vorbild des Aegisthus von 



Agamemnon mit dem Pallädion bei Athen an 
getrieben; Demophon raubt dasselbe ; zur Ent- 
scheidung wird ein Gericht von je 50 Argivern 
und Athenern eingesetzt, die sogenannten Ephe- 
ten. — Die Rückkehr und der Tod desAga- 
m emn n war bereits zur Zeit der Odyssee episch 
ausgebildet; auch die Nosten enthielten ihn; 
er ward von Stesichoros in der Oresteia be- 
handelt, die grofsen Einflufs auf die Tragödie 



Livius Andronicus, wo Agamemnon beim Mahle 
erschlagen wird {Ribbeck, r. Trag. 28 ff.); wahr- 
scheinlich ebenso der Aegisthus des Accius 
(ebenda S. 464 ff.). Eine tragische Version liegt 
auch bei Hygin. f. 117 zu Grunde, wonach 
Oiax, des Palamedes Bruder, der schon in der 
älteren Dichtung (Eur. Or. 4 12, vielleicht nach 
Stesichoros, s. Bobert, Bild u. Lied S. 184) 
als Feind des Agamemnon und Orest eine Eolle 



hatte. Die ältere epische Auffassung ist diese: 20 spielte, die Klytaimnestra durch die falsche 



als Agamemnon nach der stürmischen Überfahrt 
die Heimat erreicht hat, wird dem Aigisthos, 
(s. d.) dem Sohne des Thyest, sofort von einem 
bestellten Späher die Botschaft gebracht {Od. 
4, 524) ; Aigisthos hatte inzwischen die gute und 
sich sträubende Klytaimnestra verführt, ihr 
den Sänger genommen, der ihr Schutz sein 
sollte, und sie in sein Haus geführt {Od. 3, 263 ff.). 
Jetzt lädt Aigisth den Agamemnon zum Mahle 



Angabe, Agamemnon führe Kassandra als Kebs- 
weib mit. aufgestachelt hat, so dafs sie mit 
Aigisth denselben während des Opfers am 
Haasaltare tötete. Vielleicht folgt die Cljte- 
mestra des Accius dieser Version (Bibheck, r. 
Trag. S. 460 ff). Agamemnon hatte an meh- 
reren Orten Kulte; vor allem inLakonien, wo er 
als Z.eis 'AyaiiSiivcov, als ein chthonisoher Zeus, 
verehrt ward {Tzetz. Lykophr. 1369; Cletn. AI. 



zu sich und ermordet ihn nebst all seinen Ge- 30 protr. p. 32 P; Eustath. II. 2, 25, p. 168). In 



fährten mit Hilfe von 20 Männern, die er im 
Hinterhalte aufgestellt hatte: Od. 4, 529 ff.; 
auch Od. 3, 304 und 198 ist nur Aigisth als 
Mörder genannt, ebenso Od. 1, 35 ff. Dagegen 
Od. 11, 409 ff. (Nekyia) begeht Aigisth die 
That evv ovlofisvrj al6x<p , (ebenso heifst es 
Od. 24, 97), und dieselbe Version schwebt vor 
in dem wohl später eingefügten Verse Od. 4, 
92. In der Nekyia tötet' Klytaimnestra auch 



Chaironeia war das Kultsymbol sein Scepter, das 
man in der Nähe gefunden zu haben glaubte 
und das sehr heilig gehalten wurde; er hatte 
einen eigenen Priester, der jährlich wechselte und 
das Scepter jeweils bei sich im Hause aufbe- 
wahrte, wo ihm tägliche Speiseopfer dargebracht 
wurden {Paus. 9, 40, 11). In Klazomenai war eine 
Kultstätte des Agamemnon in den Bädern (PaMS. 
7, 5, 11). Sein Grab in Amyklai, im teqöv der 



die Kassandra und ist überhaupt bereits das 40 Alexandra, ward schon erwähnt {Paus. 3, 19, 



grausige Weib, auf welches Agamemnon die 
Hauptschuld wälzt {Od. 11, 421 ff.). In dieser 
Richtung ging die spätere Dichtung weiter. 
Die Version der Nosten ist nicht näher bekannt. 
Bei Stesichoros scheint die Sage schon wesent- 
lich wie bei den Tragikern gestaltet gewesen 
zu sein {Bobert, Bild u. Lied S. 163 ff. 171; 
176). Bei Pindar finden wir ebenfalls bereits 
Klytaimnestra allein als Mörderin genannt. 



6) ; auch in Mykenai hatte er ein Grab {Paits. 
2, 16, 6). — Sprichwörtlich war: 'Afaiiifivo- 
vog 9'vaia' inl xäv Sva7isi9äv ital eiiXi]^<äv, 
angeblich weil ihm in Troia einst ein Opferstier 
entflohen sei und nur mühsam eingebracht 
wurde {Zenob. prov. 1, 13; Diog. 1, 6); femer 
der Hexameter ävr' ivcQysairjt 'Ayajiiiivovix djj- 
eav 'AxaioC, über dessen ursprünglichen Sinn 
vgl. Welcker, ep. Cykl. 2, 295; er stand in alt- 



weiche die That noliä ^ai^rä begeht und zu 50 attischen Buchstaben an einer Herme in Athen 



gleich Kassandra hinmordet; als Motiv der 
That läfst Pindar die Wahl zwischen dem Tod 
der Iphigeneia oder der Buhlschaft mit Aigisth 
{Pyth. 11, nS.); dieselben Motive bei den Tra- 
gikern (Iphigeneia z. B. Aesch. Ag. 1417, Soph. 
El. 530), wo Klytaimnestra sich auch nur als 
Vollstreckerin der Rache für Atreus' Unthat 
hinstellt {Aesch. Ag. 1500). Der Mord geschieht 
nun in der Regel nicht beim Mahle wie im 
Epos, sondern im Bade, wo Klytaimnestra 
dem Agamemnon ein grofses Netz überwirft 
und ihn dann mit einem Beile durch drei 
Schläge tötet {Aesch. Ag. 1382 ff., zwei Schläge 
und einen dritten dem Gefallenen für den 
Hades; Soph. El. SS am Kopfe; die Kopfwunde 
kannte schon Stesichoros , s. Bobert, Bild u. 
Lied S. 171; vgl. femer ^escÄ. Eum.i&O. 683 ff ; 
Soph. El. 99. 485. 445 iiiccexocliaQ-rj (vgl. den 



{Harpoer. v. Egfiat). — Aycciieiivovsia cp^sata 
hiefs eine Gattung von Brunnen; denn Aga- 
memnon sollte in Aulis, Attika und anderwärts 
in Hellas Brunnen gegraben haben {Hesych. 
s. V.*, Eleitodem. fr. 9 Muell.). — 'Ayccfisiivo- 
vstog Salg (vgl. Soph. El. 284) jj TjäwEjo! 
nach Eustath. p. 1507 ad Od. *628 aaQoiiiia- 
Kmg ETtt zäv Sit' bXi&qat evmtovnivaiv, in an- 
derm Sinne nenne Sophokles Ayaftifivovog äai- 
ra zrjv hkt' stog yivoii-ivrjv ore xov Aya^iSfi- 
vova i^qiipav et dvsXövxtf avTÄf. — Auf 
Kunstdenkmälern ist Agamemnon immer ein 
bärtiger Mann von königlichem Äufsern, meist 
mit Scepter. Er ward früh und häufig dar- 
gestellt in Scenen der Sage. Auf dem Kasten 
des Kypselos ganz der llias 11, 221 ff. ent- 
sprechend mit Koon kämpfend, der über den 
getöteten Iphidamas tritt {Paus. 5, 19, 4). Auf 



97 



Agaraestor 



Agathodaimon 



98 






einem sehr altertümlichen Relief von Samothrake 
(g. d. Abbildg.) sitzt er, und hinter ihm stehen 
seine beiden Herolde Talthybios und Epeios 
{Millingen uned. Mon. 26; Clarac,pl. 116). Die 
Agamemnon benannte Figur einer altkorin- 
thischen Vase {D. a. K. 1, 18) ist nicht die 
bestimmte Person der Sage, sondern allgemein 
ein Herrscher (vgl. Stephani C. B. 1867, 72). 
In der Gruppe der losenden Achäer vor Troia 
von Onatas {Paus. 6, 25, 5) war Agamemnon« 
Name allein beigeschrieben. In Polygnots 
Unterweltsbild stand Agamemnon in der Nähe 




Agamemnon, Talthybios und Epeios. 

des Achill exijjrrgra xs vtio rrjv aQiersqäv fta- 

gäßSov {Paus. 10, 30, 3). Agamemnon und 
Menelaos befanden sich wegen ihres Verhältnis- 
ses zur Helena an der Basis der Nemesisstatue 
in Rhamnus {Paus. 1, 33, 8). Unter den Dar- 
stellungen auf Vasenbildern des 5, Jahrhunderts 
sind besonders hervorragend die des Hieron, 
wo Agamemnon — abweichend von der llias 
— eigenhändig die Briseis wegführt {Mon. d. 
I. 6, 19), und eine andere des Hieron, wo er 
zwischen die streitenden Helden Odysseus und 
Diomedes tritt, die beide ein Palladion her- 
beibringen {Mon. d. I. 6, 22). Erst in späterer 
Kunst erscheint die Opferung Iphigeneias, bei 
der Agamemnon gegenwärtig ist; berühmt war 
Timanthes' Bild, der Agamemnons Angesicht 
verhüllte {Overheck Schriftqu. 1734 ff.); der Zug 
ist uns in einem Pompejanischen Bilde noch 
erhalten {Heibig, Wandg. No. 1304); ähnlich 
der Altar des Kleomenes {R. Bochette, mon. 
ined. 1, 26, 1). Auch der Streit mit Achill er- 
scheint erst auf späteren Denkmälern (Pompejan. 
Wandbild: Heibig No. 1306; Sarkophag: Gla- 
rac pl. 239; Tabula Iliaca: Jahn, Büderchro- 
nihen Tf. 1). Agamemnons Tod auf etrus- 
kischen Aschenkisten s. Brunn, urne etrusche 
tav. 74f. 85, 4; vgl. Bibbeck, röm. Trag. S. 468f. 
Agamemnons Schatten auf etruskischem Spie- 
gel: Gerhard, etr. Sp. 180. — Über die Bühnen- 
tracht der 'AtQsis und 'Ayaiiifivovsq s. Pollux 
On. 4, 116: sie tragen ein MÖijtmfto; über dem 
s Chiton. [JS'ust. z. II. 289, 35 erwähnt eine alte 
^Nebenform 'AyansSiav. R.] [A- Purtwängler.] 
Agamestor('^)'a(i.75or(B9), Gemahl einer Nym- 

EOBCHER, Lexikon der gr. u. röm. Mythol, 



phe, Vater des Kleitos. Er wurde in dem von 
Megarem und Böotern gegründeten pontischen 
Heraklea als Heros verehrt: Apoll. Bh. 2, 849 
u. 8cMl. Q. Smyrn. 6, 464. [Röscher.] 

X Aganippe {'AyaviTcmrj), 1) Nymphe der gleich- 
namigen den Musen geheiligten Quelle am 
Helikon, Tochter des Plufsgottes Permessos 
oder Termessos: Paus. 9, 29, 5. Kallim. b. 
Serv. Verg. Ed. 10, 12. — 2) Gemahlin des 

10 Akrisios , Mutter der Danae , sonst Eurydike 
genannt: Hygin. f. 63. Vgl. Sdwl. Ap. Bh. 
4, 1091. — 3) Tochter des Aigyptos nach 
Plut. de fluv. 16. Davon 

\^ Aganippis (AyavniicCs), Beiname der Hippo- 
krene bei Ov. Fast. 5, 7. [Röscher.] 

)<^ Aganippos (Ayavinnog), ein Troer: Q. Smyrn. 
, 3, 230. [Röscher.] 

X. Aganos (Ayavos), Sohn des Paris und der 
Helena: Schol. Ew. Andr. 898, wo Cobet'^yauog 
schreiben will , Tzetz. Hom. 441. Schol. Ly- 
Imphr. 851. [Röscher.] 
"^ Agapenor (AyaitiivcoQ), Sohn des Ankaios, 
Enkel des Lykurgos, König der Arkader im 
Kampfe gegen Troja: Hom. U. 2, 609 ff. Hygin. 
f. 97. Seine Residenz war Tegea {Apollod. 3, 
7, 5). Nach Hygin. f. 81 u. Apollod. 3, 10, 8 
war er einer der Freier der Helena. Auf der 
Heimfahrt wurde er nach Kypros verschlagen, 
wo er die Stadt Paphos und einen Aphrodite- 
tempel gründete und fortan wohnte {Paus. 8, 
5,2. 3. 10, 10. 53, 7. Lykophr. 479 u. Schol. Strab. 
683. Vgl. auch Engel, Kypros 1, 225. 2. 80). 
Nach Apollod. 3, 7, 6 f. trafen bei ihm die 
Söhne des Phegeus, Agenor und Pronoos, mit 
Amphoteros und Akarnan (s. d.), den Söhnen des 
Alkmaion, zusammen und wurden, im Begriff das 
von der Harmonia stammende Halsband als 
Weihgeschenk nach Delphi zu bringen , von 
diesen ermordet. [Röscher.] 

4oX^ Agaptolemos ('jiyajrröAsjxos), Sohn des Aigyp- 
tos (s. d.): Apollod. 2, 1, 5. [Roscher.] 
X Agasthenes (AycccQ-evrjg), Sohn dös Angelas, 
Vater des Polyxenos, König in Elis: II. 2, 624. 
Apollod. 3, 10, 8. Pau^. 5, 3, 4. [Roscher.] 
V Agastrophos CAyäazqocpos), Sohn des Paion, 
vor Uios von Diomedes erlegt: Hom. II. 11, 
338. 373. Hesych. [Roscher.] 
X Agathippe (Aya&innrj), Geliebte des Apollon, 
Mutter des Chios: Pseudoplut. de fluv. 7, 1. 

BO [Roscher.] 

Y^ Agathodaimon (Aya96g Saificov, d. ■9'eos, 'Aya- 
&oSaiiJ,cav), wie schon der Name lehrt, die Personi- 
fikation des göttlichen Segens, namentlich des 
Natursegens, daher er von denRömern mit ihrem 
Bonus Eventus (s. d. u. vgl. Plin. N. H. 36, 23), von 
Ath. 38 d. u. 675 b mit Dionysos identificiert und 
vorzugsweise zum Weinbau in Beziehung gesetzt 
wurde. So berichtet Plut. Q. Symp. 8, 10, 3 (vgl. 
ib. 3, 7, 1), dafs der Tag, an welchem man zuerst 

60 vomjungen WeindesneuenJahres genofs.inBöo- 
tien nach ihm benaimt worden sei. Hiermit 
scheint auch die grofse Rolle zusammenzuhän- 
gen, welche der Agathodaimon bei Gastmählern 
spielte, indem man ihm unmittelbar nach der 
Mahlzeit vor Anstimmungdes Paian eine Spende 
ungemischten Weines darzubringen pflegte 
{Athen. 15, 676b. 692f., 693b. Aristoph. Eq. 
106. Schol. zu Ar. Vesp. 525. Diod.i,S. Hesych. 



99 Agathon Agdistis 100 

u. Suid s. V. 'Aya&ov Sa(fiovog. Mehr b. Hu,g schwanger geworden. Später rächte Dionysoa 

zu Fiat. Symp. ne A). Dieser seiner Beziehung furchtbar diese gegen die Ehre seiner Mutter 

zum Segen des Landbaues entsprechend bildete gerichtete Lüge. Als er nämlich später auf 

Buphranor den Agathodaimon mit einer Schale seinem Zuge auch nach Theben kam , wo ge- 

in der Hechten und mit Ähre und Mohn in rade Pentheus als Nachfolger des Kadmos 

der Linken {Plin. N. H. 34, 77), während in herrschte, nötigte er die Thebanerinnen sich 

Elis, wo er unter dem Namen Sosipolis neben an einem grofsen bakchischen Feste auf dem 

der Tyche verehrt wurde, sein Bild (als xaig Kithairon zu beteiligen. Pentheus, der Sohn 

aufgefafst) in der einen Hand das Hörn der der Agaue, welcher der Einführung des Dio- 
Amaltheia hielt (Paus. 6 , 25 , 4). Überhaupt lo nysoskultes in Theben heftigen Widerstand 

gelten die gute Tyche und der gute Dämon leistete, wurde, als er heimlich die Feier der 

für nahe verwandte Gottheiten (vgl. auch Frauen beobachten wollte, von seiner eigenen 

Arist. Pac. 300 u. Schal. Bio Chrys. 3. p. 115 M. Mutter für ein wildes Tier gehalten und zer- 

Paus. 9, 39, 5), dalaer ihre Bildsäulen hie r\s,s.sn.{Eur.Bacchae. Apollod. Z, i,i. 5, 2. Ov. 

und da neben einander aufgestellt wurden. Jfe*.3,725. Ü2/gi./'.179.184. SeM. Oed. 445fF. 629. 

So gedenkt Plinius N. H. 36, 23 einer später Theoer. id. i^. Philostr. im. 2. ^.iidted.K.Opp. 

auf dem Capitol in Rom aufgestellten Gruppe Gyn. 4, 289. Nonn. Dion. 46, 158 ff.). Nach 

beider Gottheiten von der Meisterhand des Hyg. f. 184. 240 u. 254 floh Agaue später zum 

Praxiteles, und Paus. 9, 39, 5 berichtet, dafs Lykotherses, König von Illyrien imd tötete ihn, 
bei dem Orakel des Trophonios zu Lebadeia 20 nachdem sie ihn geheiratet hatte, um ihrem 

ein gemeinsames Heiligtum des Agathodaimon Vater Kadmos die Herrschaft über Illyrien zu 

und der guten Tyche sich befunden habe. verschaffen. Darstellungen des Mythus der 

Aufserdem sind noch Tempel des Agathodai- Agaue s. bei Müller- Wieseler, JDenkm. d. a. K. 

mon zu Theben {Suidas a. a. 0.), Syrakus 2. 436 ff. O.Jahn, Pentheus und die Mainaden, 

{Plut. de s. ips. laud. 11.) und an dem Wege Kiel 1841. Bull. d. Inst. 1858 p. 170. Catal. 

von Mainalos nach Megalopolis {Paus. 8, 36, Campana 4 N. 638. Vgl. H. Brunn in Paulys 

5) bekannt, wo er 'AyccQ'og dsög (nach Pausa- Eealenc. 1, 1, p. 536. [Röscher.] 

nias' Vermutung = Zeus) genannt wurde. Die Agdistis CAyäierig, auch "AyySiatig und 'Ayyi- 

Verehrer des Agathodaimon nannten sich 'Aya- ctig auf Inschriften. Vgl. C. I. Gr. add. 3886, 
9oaai.iiovi.6tai {Hesych.) oAer — laezai und hil- so S99S, 6837 u. Keil im Philol. [1852] 7, 198). 

deten Vereine, die unvermischten Wein mäfsig Paus. 7, 17, 9ff. erzählt, einer Pessinuntischen 

tranken: Boß, Inscr.gr.S, 34. Leutschz. Apo- Sage folgend, Zeus' Same sei im Schlafe auf 

stol. 1, 10. Hermann, gottesd. Altert. § 7, 10. 67, 9. die Erde geflosse», und diese habe darauf ein 

Häufig kommt der Agathodaimon in Inschrif- Zwitterwesen hervorgebracht, welches Agdistis 

ten vor: vgl. G. I. Gr. 227*". 371. add. 2465 f. hiefs. Die Götter fesselten dieses und schnitten 

n. s. w. Agathos daemon auf einer Inschrift ihm sein männliches Glied ab. Daraus ent- 

aus Rom, bei Oreßi 1786 : ATAQÜ. JJIMONI. sprofs ein Mandelbaum, dessen Frucht eine 

Agatho Daemoni sacrum e. v. s. Später wurden Tochter des Plufsgottes Sangarios in ihren 

auch Fürsten mit diesem Gotte identificiert, Busen steckte, wodurch sie schwanger wurde, 
z. B. Philippos und Nero (C I. Gr. add. 40 Sie gebar nun einen Knaben, Attes, und setzte 

3886. 4699). ihn aus, aber ein Bock kam und pflegte ihn. 

Litteratur. Preller, gr. Myth.^ 1, 421 ff. Als nun der Knabe zu übernatürlicher Schön^ 

WelcJcer, G. 3, 210 ff. Gerhard , Agathodaimon heit heranwuchs, verliebte sich Agdistis in ihn. 

und Bona Dea, Abh. d. Berl. Ak. 1847. Der- Da schickten die Verwandten den Attes nach 

selbe, Gr. Myth. 1§ 156 f. 505. Stall in Paulys Pessinus, um die Tochter des dortigen Königs 

Bealencykl. 1, 1, 534. Hug a. a. 0. [Röscher.] zu heiraten. Schon wurde der Hymenaios ge- 

\ Agathon ('^yä'O'coj') 1) Sohn des Priamos: II. sungen, als plötzlich Agdistis erschien. Da 

24, 249. Apollad. 3, 12, 5. [Röscher.] wurde Attes wahnsinnig und entmannte sich, 

Agathyrnos (Ayä^vqvog), Sohn des Aiolos, dasselbe that auch der König von Peasinus, 
Erbauer der Stadt Agathyrnon auf Sicilien: 50 der ihm seine Tochter zur Frau gegeben hatte. 

Diod. Sic. 5, 8. [Röscher.] Agdistis aber, welchem diese That des Attes 

Agathyrsos {'Ayä^vQCog), Sohn des Herakles tiefe Trauer , heftigen Schmerz verursachte, 

und einer Jungfrau mit Schlangenleib, Stamm- setzte es beim Zeus durch, dafs der Körper 

vater der Agathyrsen: Her. i, 10. Suid. v.. Steph. des Attes unverweslich wurde. Derselbe Pau- 

Byz. s. V. [Röscher.] sanias gedenkt 1, 4, 5 eines Berges Agdistis 

Agaue (Ayaviq), 1) eine Nereide, Tochter bei Pessinus, wo Attes begraben liege. — Einen 

des Nereus und der Doris: IL 18, 42. Hes. ganz ähnlichen, nur in unwesentlichen Einzel- 

Theog. 246. Apallod. 1, 2, 7. Hyg.praef. p. 28 B. heiten abweichenden Mythos erzählt Arnabius 

— 2) Tochter des Danaos: Apallod. 2, 1,5. — adv. not. 5, 5, indem er sich auf einen Schrift- 
3) Tochter des Thyestes: Mantissae Prov. 2, eo steiler Namens Timotheos beruft. An der 

94. — 4) eine Amazone: Hyg. f. 163. — 5) Grenze Phrygiens lag ein ödes Felsengebirge, 

Tochter des Kadmos und der Harmonia, Ge- Agdus genannt (offenbar mit dem von Paus. 

mahlin des Echion und von diesem Mutter des 1,4,5 erwähnten Berge Agdistis bei Pessi- 

Pentheus (s. d.). Als ihre Schwester Semele nus identisch), an welchem auch die Sage 

(s. d.) gestorben war, behauptete sie lügen- von Deukaliou und Pyrrha haftete. Hier war 

hafter Weise, Zeus habe jene zur Strafe mit aus einem Steine Kybele entstanden, wel- 

dem Blitze erschlagen, weil sie das xmwahre eher Zeus vergeblich beizuwohnen suchte. Als 

Gerücht verbreitet habe , sie sei von Zeus ihm dies nicht gelang , liefs er seinen Samen 



101 Agelaos Agenor 102 

auf einen Felsen strömen, und dieser gebar Kalydoniern Kopf und Fell des Kalydonischen 
den Agdiatis, ein furchtbares Zwitterwesen, Ebers streitig machten. — 3) Sohn des Hera- 
das von Dionysos berauscht gemacht und in kleiden Temenos, -welcher seinen Vater er- 
diesem Zustande entmannt wurde. Ans seinem morden liefs, weil er ihn und seine beiden 
Blute entsprofs ein Granatbaum, dessen Frucht Brüder Eurypylos und Kallias gegen seine 
Nana, die Tochter des Plufsgottes Sangarius, Schwester Hymetho und deren Gemahl De'i- 
in ihrem Busen barg, worauf sie schwanger phontes zurückgesetzt hatte. Gleichwohl fiel 
wurde. So wurde Attes geboren. Sangarius die Königsherrschaft von Argos dem Deiphon- 
befahl ihn auszusetzen, aber irgend jemand tes zu, weil sich das Heer für diesen erklärte 
fand ihn und zog ihn mit Honigspeise und lo {Apollod. 2, 8, 5. Scymn. 535). — 4) Sohn des 
Bocksmilch (lac hirquinum) auf, wovon er den Stymphalos von Arkadien, Vater des Phalan- 
Namen Attis erhielt, weil der Bock bei den thos {Paus. 8, 35, 9). — 5) Ein Sklave des 
Phrygern attagus heifst. Nach andern be- Priamos , der den Paris aussetzen sollte , den- 
deutet Attis den Schönen. Als nun Agdistis selben aber wie sein eigenes Kind auferzog, 
und Kybele sich um den schönen Jüngling, als er ihn fünf Tage nach der Aussetzung von 
den Midas, der König von Pessinus, zum Gemahl einer Bärin gesäugt sah {Apollod. 3, 12, 5). — 
seiner Tochter erkoren hatte, stritten, wurden 6) Sohn des Phradmon, von Diomedes vor Ilion 
Attis und seine Begleiter durch die eif ersuch- erlegt {Rom. II. 8, 257). — 7) Sohn des Da- 
tige Agdistis in Wahnsinn versetzt, so dafs mastor, einer von den Freiern der Penelope 
Attis sich selbst unter einer Pichte entmannte 20 {Od. 20, 321. 22, 131. 241. 293). — 8) Ein 
nnd starb. Kybele begrub sein Glied, aber Grieche, den Hektor tötete {II. 11, 302). — 
aus seinem Blute wuchsen Veilchen, mit de- 9) Sohn des Euenor Q. Smyrn. 4, 334. — 10) 
nen der Fichtenbaum bekränzt wurde. Die Sohn des Hippasos Q. Smyrn. 1, 279. — 11) 
Tochter des Midas und Braut des Attis, la, Sohn des Maion ib. 3, 229. [Röscher.] 
tötete sich selbst aus Verzweiflung über das X. Agelos CAygXog), Sohn des Poseidon und ei- 
Geschehene, auch aus ihrem Blute entsprossen ner Nymphe von Chics : Jon b. Pausan. 7, 4, 
Veilchen, welche Kybele begrub, worauf ein ' 8. [Koscher]. 

Mandelbaum entstand, das Sinnbild der Bitter-^ Agenor('.4y^i'o)9),l)Stammvaterderauchüber 

keit der Trauer. Juppiter aber, von den Bitten Griechenland verbreiteten Phönikier, ein Ab- 
der Agdistis gerührt, gewährte dieser, dafs der 30 kömmling der lo. Epaphos , der Sohn der 

Körper des Attis nicht in Fäulnis geriet, seine lo, ein Lgyptei , hatte eine Tochter Libye, 

Haare immerfort wuchsen und sein kleiner welche mit Poseidon den Agenor und Belos 

Pinger sich stets bewegte. Hierdurch befrie- erzeugte : Schal. II. 1 , 42. (Bei Schal. JSur. 

digt, bestattete Agdistis den Körper des Attis Phoen. 247 ist Agenor Sohn des Belos, Bru- 

in Pessinus und stiftete zum Gedächtnis an der des PhoiniX. Ebendas. heifsen Agenor und 

ihn ein Priestertum und eine jährliche Fest- Phoinix Söhne der lo). Belos ward König in 

feier. S. die Artikel Attis und Kybele. Ägypten und zeugte mit Anchinoe, der Toch- 

DeutungundLitteratur. Dieausführliche ter des Neilos, den Aigyptos undDanaos; Age- 

Deutung dieses offenbar phrygischen Mythus nor aber ward König in Phönikien (in Sidon 
wird unter Attis und Kybele gegeben werden. 40 oder auch in Tyros) , wo ihm Telephassa die 

Hier nur soviel, dafs Agdistis nur ein Beiname Europa und den Kadmos, Phoinix und Kilix 

der Ehea oder Kybele zu sein scheint, welche gebar, wozu manche noch den Thasos und 

iiach mehreren Zeugnissen {Strab. 10, 469. 12, Phineus fügen. Als Europa von Zeus geraubt 

567. Hesych. s. v. 'AySmxiq. C. I. Gr. 8886 ; vgl. worden war, schickte Agenor seine Sölme aus, 

dagegen auch ib. 3993) so genannt wurde. sie zu suchen, mit dem Gebot, nicht ohne sie zu- 

Attis aber ist eine deutliche Parallele zum rückzukehren. Da diese die Schwester nicht 

Adonis (s. d.), also eine Gottheit der im Win- fanden, so liefsen sie sich an verschiedenen 

ter ersterbenden, im Frühling wieder aufleben- Orten nieder , in Kilikien , Theben , Thasos, 

den Vegetation. Diese Deutung wird besonders Thrakien; Phoinix siedelte sich in Phönikien 
durch die eingehende Untersuchung der Ge- 50 an , das von ihm den Namen erhielt. Apal- 

bräuche im Kultus der Göttermutter und des lod. 2, 1. 4 u. 3, 1, 1. Eerodot. 4, 147. 7, 91. 

Attis bestätigt. Vgl. Mannhardt, antike Wald- Ap. Sh. 2, 178. Schal. Eur. Phoen. 5. Paus. 

«. J'eZdfeMiieS. 291ff. v. Baudissin, Stud. g. semit. 5, 25, 7. Eurip. fr. 816 NaucJc. Hyg. f. 178. 

Beligionsgesch. 2, S. 203 ff. Preller, Gr. Myth.^ 6. 14 p. 43 Bunte. 19. Serv. V. Aen. 3 , 88. 

1, 508 ff. Müller, Hdb. d. Arch. § 395. Statt Telephassa (die Weitleuchtende) heifst 

[Bescher.] seine Gemahlin auch Argiope (die Glänzende), 

y^- Agelaos (AyeXaos). 1) Sohn des Herakles Hyg. f. 6. 178. 179, oder Antiope, Tochter 

und der Omphale, Urahn des Kroisos von Ly- des Belos, Schal. Eur. l. l. Nach Pherekydes 

dien {Apollod. 2, 7, 8). Nach Herod. 1, 7 hiefs bei Schal. Ap. Bh. 3, 1186 zeugte Agenor, der 
der Heraklide, welcher als Stammvater der 60 Sohn des Poseidon, mit Damno, der Tochter 

lydischen Dynastie galt, Alkaios. Diod. 4, 31 des Belos, den Phoinix, die Isaia, Gemahlin 

und Ovid. Her. 9, 54 nennen dagegen den Sohn des Aigyptos, und Melia, Gemahlin des Da- 

des Herakles und der Omphale Lamos, Palai- naos ; darauf heiratete er die Argiope, Tochter 

j)Äatos2ncred. 45Laomedes. S.Achelesu.Akelos. des Neilos, die ihm den Kadmos gebar. Nach 

— 2) Sohn des Oineus, Königs von Kalydon und Hesiod, und mit diesem stimmten Pherekydes, 

der Althaia, Bruder des ungleich berühmteren Antimaclios, Asklepiades überein, war Agenor 

Meleagros. ^nfow.üfe. 2 erzählt von ihm, dafs er Vater des Phoinix und dieser Vater des Phi- 

im Kampfe gegen die Kureten fiel, als diese den neus; deim Phoinix zeugte mit Kassiepeia den 

4« 



103 Agenorides Agho deus 104 

Kilix, Phinens und Doryklos, Schol. Ap. Bh. Altmaion und der Kallirrhoe erschlagen. Apol- 
2, 178. Joannes Antioch. 6. JfÄZZer fr. hist. gr. lod. 3, 7, 5. 6. s. Alkmaion und Amphoteros 
4. p. 544, 15 giebt dem Agenor undBeloa noch 1. — 8) Sohn des Amphjon und der Mobe, 
einen Bruder Enyalios und läfst aus der Ehe Apollod. 3, 5, 6. Stark, Niobe 96. 435. — 9) 
des Agenor mit Tyro den Kadmos, Phoinix, Sohn des Troers Antenor und der Theauo, Prie- 
Syros, Kilix und Europa stammen. Bei Hyg. Sterin der Athene, II. 11, 59. 6, 298, einer der 
f. 64 war Agenor Bruder des Kepheus (vgl. tapferstenTrojanerundAnführer beim Sturmauf 
Schol. Eur. Phoen. 217), Vaters der Andre- die griechischen Verschanzungen, II. 12, 93. 
meda, mit welcher Agenor verlobt war. Auch Mit andern Trojanern eüt er dem von Aias 
Dido, die Gründerin Karthagos, stammte von lo niedergeworfenen Hektor zu Hilfe (14,425) und 
Agenor ab, Serv. V. Aen. 1, 338. 641. Butt- läfst sich, von ApoUon aufgemuntert (21, 545), 
mann, Mythol. 1, 232 ff., auf den Umstand ge- mit ' Achilleus in Kampf ein (21, 590), den er 
stützt, da& Xväg der eigentliche phönikische ans Schienbein trifft, ohne ihn zu verwunden. 
Name des Agenor sei, dieser Chnas aber mit Als ihm aber jetzt von Achilleus Gefahr drohte, 
Kanaan zusammenfalle, behauptet, Agenor oder nahm ApoUon Agenors Gestalt an , so dafs, 
Chnas sei der Kanaan des Moses oder das weil Achilleus gegen ihn sich wandte, die 
Symbol der Phönikier in Asien; s. dagegen Troer zur Stadt entfliehen konnten. II. 21 a. 
Movers, Phönigier i , 1 S. 131 f. Preller, gr. E. Hgg. f. 112. Er tötet im Kampf den Ele- 
Myth. 2, 23 f. 50. — 2) Agenor und Dioxippe phenor, II. 4, 467. Tsetg. Hom. 38. Lyh. 1034, 
zeugten den Sipylos, nach welchem der gleich- 20 und den Klonios, II. 15, 340. Hyg. f. 115. 
namige Berg benannt war, Plut. de fluv. 9, 4. In der kleinen Ilias des Lesches verwundet er 
— 3) Sohn des Aigyptos, vermählt mit der den Lykomedes, Sohn des Kreon (II. 9, 84), 
Danaide Euippe, Syg. f. 170. Bei Apollod. Paus. 10, 25, 3. Auch bei Quint. Sm. ist er 
2, 1, 5 heifst des Agenor Braut Kleopatra, und einer der tapfersten Helden und tötet viele 
fiel Euippe dem Argeioa zu, eine zweite Euippe Griechen, 3, 214. 6,624. 8,310. 11,86. 188 ff. 
dem Imbros, während bei Hygin Kleopatra des 349. Er wird zuletzt getötet von Neoptolemos, 
Metalkes Braut heilst. — 4) Agenor und Bei- • 13, 217. Paus. 10, 27, 1. Ein Sohn von ihm 
lerophon waren Söhne des Poseidon und der heifst Echeklos, 11. 20, 474. — 10) Sohn des 
Eufynome, einer Tochter des Nysos , Hyg. f. Arcus, Enkel des Ampyx, Vater des Preuge- 
157. — 5) Argiver, Sohn des Triopas, aus demsones, Grofsvater des Patreus, des Begründers 
Geschlechte des Phoroneus und des Argos, von von Patrai in Achaia, Paus. 7, 18, 3. 4. Gur- 
dem Argos seinen Namen hatte,' Bruder des tius, Peloponnesos 1, 437. — 11) Ein Agenor 
lasos, nach welchem Agenors Sohn Krotopos heifst Vater der Demodoke, die wegen ihrer 
zur Herrschaft kam. Paus. 2, 16, 1. 1, 14, 2. aufserordentlichen Schönheit von vielen Män- 
Nach Hellanikos h. Schol. IL 3, 75 waren die nern mit herrlichen Geschenken umworben 
beiden ältesten Söhne des Triopas lasos und wurde, Hesiod. b. Schol. Od. 1, 98. Schol. II. 
Pelasgos; sie teilten sich in die Herrschaft des 14, 200. — 12) Sohn des Akestor, Vater des 
argivischen Landes, während der jüngste Bru- Olios , Nachkomme des salaminischen Aias, 
der Agenor die Reiterei des Vaters erhielt, Vorfahre des Atheners Miltiades, PhereJcydes b. 
mit der er Kriegszüge ins benachbarte Land 40 Marcell. Vita Thucyd. §. 2. Müller fr. hist. 
machte. Daher hiefs Argos 'laaov und TLiXa- _ gr. 1 p. 73, 20. [Stoll]. Davon 
eyiv.6v und Imtö^orov. Bei Eustath. zu ders. /*'x Agenorides {'AyrjvoqiSrig) , Sohn oder Nach- 
homer. Stelle p. 385 waren die drei Brüder komme des Agenor (s.d.). So heifsen: 1) Phi- 
Söhne des Phoroneus. Oder: Agenor war Sohn neus (Ap. Bh. 2, 178. Val. Fl. 4, 582 u. öfter), 
des Ekbasos, Enkel des Argos, der ein Sohn — 2) Kadmos (Ap. Bh. 3, 1186. Ov. Met. S, 
des Zeus und der Niobe war, einer Tochter 8. Nonn.2,S). — 3) Perseus (Ov. Met. 4, 771). 
des Phoroneus. Sein Sohn war Argos Panop- — 4) 'Ayrivo^iSai heifsen die Thebaner als Un- 
tes. Apollod. 2, 1, 2. Vgl. Hyg. f. 145. ^ terthanen und Söhne des Kadmos 6. Eurip. 
6) Sohn des Pleuren und der Xanthippe, Enkel Phoen. 217. [Röscher]. -. 
des Aitolos; zeugte mitEpikaste, des Kalydon 50 Agenoria, die weibliche Parallele zum Ago- ^ 
Tochter , den Porthaon und die Demonike, nius oder Peragenor, also eine Göttin der That- 
Apollod. 1, 7, 7. Nach Paus. 3, 13, 5 ist auch kraft von agere {Augustin d. c. d. 4, 11 u. 16), 
Thestios, der Vater der Leda, ein Sohn des S. Indigitamenta. [Röscher]. 
Agenor. Nach Hyg. f. 244 sind Agenor uiid>-l. Agestas (^yscraj?), Verwandter des Anchi- 
Plexippos die Oheime des Meleagros, die er ses. Anaxicr. in Schol. g. Eur. Andrem. 224. 
erschlug, also Söhne des Thestios. Bei Schol. Wohl identisch mit Aigestes (s. d.). [Röscher]. 
Eur. Phoen. 160 heifst der Argiver Talaos Agganaicns, wohl celtischer Beiname des 
Sohn des Agenor und dieser Sohn des Kaly- Juppiter auf einer Inschrift aus Ticinum. Or.- 
don, Enkel des Pleuren. — 7) Sohn des Phe- Hengen 5612: J. 0. M. Agganaico M. Nonius 
geus, Königs in Psophis in Arkadien, Bruder 60 Verus cum suis v. s. l. m. Petr. Vict. Äldin., 
des Pronoos und der Arsinoe, welche mit Lap. Ticin. p. 14 und Labus, man. scop. in 
Alkmaion vermählt war, aber von ihm verlas- Canturio p. 26 vermuten, dafs das Wort „An- 
sen wurde. Als Alkmaion das berühmte Hals- höhe" bedeute , und also etwa mit Juppiter 
band der Harmonia für seine zweite Gattin Capitolinus, Casius, Olympius zu vergleichen 
Kallirrhoe , Tochter des Acheloos , in Psophis wäre. Vgl oben Adganaae. [Steuding]. 
holen wollte, wurde er auf des Phegeus An- Agho dens, Name eines Gottes auf einer 
stiften von Agenor und Pronoos getötet, diese südaquitanisohen Inschrift aus der Nähe von 
aber wieder bald darauf von den Söhnen des Bagneres. OrelU 1954: Aghoni deo Labusius 



105 AglaYa Aglauros 106 

V. s. l. m. Vielleicht ist Juppiter Agganaicus die Braut des Hermes) und bittet die Aglauros 

zu vergleichen. [Steuding]. seine Bewerbung um die Schwester zu begün- 

X Agla'ia {'Aylata, 'JylaiTj), 1) eine der Chari- stigen. Athene jedoch, des einstigen Ungehor- 

' ten (s. d.). — 2) Tochter des Thespios, von sams der Aglauros eingedenk, erfüllt sie mit 

Herakles Mutter des Antiades {Apollod. 2, 7, Neid gegen die von einem Gotte geliebte 

8. _ 3) Gemahlin des Charopos, Mutter des Schwester, so dafs sie dem Hermes den Zutritt 

Nireus von Syma: Som. IL 2, 671. Diod. 5, zur Herse verweigert, wofür sie in Stein ver- 

53 -O Smym. 6, 492. Anthol. ed. Jac. 2 p. 753. wandelt wird. — d) Aglauros hatte am Ab- 

— 4) Gattin des Abas (s. d.), Tochter des Man- hange der Akropolis ein besonderes Heihgtum 
tineus Mutter des Akrisios und Pi-oitos:^poZ?orf. 10 und Priesterinnen {Herod. 8, 53. i:ur. Ion 

2, 2, 1. Schot Eur. Or. 965. — 5) Gattin des 495. Rangabe Ant. hell. 2, 1111). Mysterien 

Amythaon, Mutter des Melampus und Bias: und Weihen der Aglauros erwähnt Athenag. 

Diod. 4, 68. [Boscher]. leg. p. Christ. 1. In jenem Heiligtum {Bemosth. 

V Aglaopheme ('Jyiaoqjjjfi?)), eine der Seirenen 19,303u.(S'cÄo?.)mufstendiewehrhaftenEpheben 
' (s d.): Eustath. z. Od. 12, 167 p. 1709, 45. Schol. einen Eid schwören bei der als Priesterm der 

a.Od. 12, 39. Vgl. d. folg. Artikel. [Röscher]. Athene gefafsten Aglauros, dem Enyalios, Ares, 

V Agiao'phonos {'Aylaötptovos), eine der Seire- Zeus, sowie bei der Thallo, Auxo und Hegemone 
nen (s d.), wahrschemlich mit Aglaopheme iden- (Poll. 8, 106. Flut. Ale. 15. Hesych. s. v. Ayl. 
tisch: ScÄoZ. ^p. m. 4, 892. [Röscher]. Nach J.r. Tfeesjn. 533 u. ScÄoZ. schwören auch die 

'X Aglaos ('AyXaoi), 1) Sohn des Thyestes, Schol. 20 Frauen bei Aglauros). Auch gab es einen Demos 

Eurip. Orest. 5. 812. — 2) Sohn derHermione, 'Ay^avlij oder 'AygvXri, welcher zur Erechthei- 

Schol. Em. Andr. 32. [Koscher]. sehen Phyle gehörte und nach der Ayqavlog 

y Aglaure {'AyXavQrj) , Tochter des Aktaion : benannt sein sollte [Steph. Bys. s. v.). Wie 

Apostol 17, 89. S. Aglauros. [Röscher]. es scheint, bezog sich auf diese Verehrung der 

V Aglauros {"^ylavqog s. C. I. Gr. 7716. 7718; Aglauros als Göttin die Legende, dafs Agrau-, 
so auch Paus. Harpokr. Hesych. Suid. Ovid.) los eine athenische Jungfrau gewesen sei, welche 
oder Agraulos ("Ay^avlo?, so bei Apollod. u. sich während eines langwierigen Krieges für 
Steph B) Brstere Form ist also die besser das Wohl der Stadt freiwillig geopfert habe (PÄi- 
bezeugte (vgl. Preüer, gr. M.^ 1, 159, 4. Stoll lochorosb. Schol. z. Dem.n,303, fr. UM. Mehr 
in Pa^dys Bealenc. 1, 1, 586. Mommsen, Heor- 30 b. Mommsen, Heort. 435 Anm.) Wahrscheinlich 
töl 434 Anm. Benseier- Pape, Wörterh. d. gr. Ei- hing damit auch die Feier der Plyntenen zu- 
genn u. "AyQavlog). — 1) Tochter des Aktaios sammen (Phot. lex. p. 127. Hesych. s. v. nivv- 
(s d.), des ersten Königs von Athen, Gemahlin des T^qia). Die Deutung des Aglaurosmythus 
Kekrops, Mutter des Erysichthon, der Aglau- ist ebenso schwierig wie die Erklärung des 
res U, Herse und Pandrosos: j.po«oi. 3, 14, 2. Namens. Sicher scheint, dafs Aglauros den 
Paus. 1, 2, 5. Eur. Ion. 496. Vgl. auch Suid. Taugöttinnen Herse und Pandrosos gleichar- 
s V ^otvW^Ca yq., wo Aglauros II als Tochter tig war , sowie dafs alle drei Schwestern in 
d«s Aktaion erscheint. — 2) Aglauros II, Toch- einem inneren, wenn auch nicht ganz klaren 
ter des Kekrops und der Aglauros I, Geliebte Zusammenhang mit dem Athenakultus standen, 
des Ares, Mutter der Alkippe: Apollod. 3, 14, 2. 40 Hierfür spricht auch der Umstand, dafs Athene 
Von dieser Aglauros gab es folgende Sagen: a) selbst die Beinamen "Aylavqog [Harpokr. u. 
Als Halirrhothios, der Sohn des Poseidon, ihrer Suid. a. v.) und TlävSqoaog [Arist. Lys. 439 
Tochter Alkippe Gewalt angethan hatte, wurde vt. Schol.) führte, und dafs zu Salamis auf Cy- 
er von Ares getötet: Apollod. a. a. 0. Paus, pem, wo Aglauros zusammen mit Athene und 
1 21, 4. Eellanikos h. Suid. s. \. 'Aqtiog na- Diomedes verehrt wurde, der Aglauros ein 
yös — 6) Als noch niemand wufste, dafs die Menschenopfer dargebracht wurde (Porphyr. 
iungfräuliche Athena heimlich einen neugebor- de ahst. 2, 54. Euseb. Pr. ev. 4, 16. de laud. 
nen Knaben, den kleinen Erichthonios , warte Const. 13 p. 646b). Vielleicht waren die drei 
und besorge, einen vielgeliebten, von ihr zur Töchter des Kekrops ursprünglich Nymphen 
Unsterblichkeit bestimmten, vertraute sie ihn 50 ländlicher Fruchtbarkeit (daher 'Aygavüg vyii- 
in einer Lade der Kekropstochter Pandrosos qpij bei Porph. de abst. 2 , 54 u. 'AyQavliSsg 
(nach Eur. Ion 272 N. u. Paus. 1, 18, 2 den naQ»svot. bei Eur. Ion 23, ygl. Hesych. s. 
drei Schwestern) an, die ihn in der Lade hü- v. ciygavlot. u. aygavloy), worauf auch die 
ten, aber nimmermehr hinein sehen sollten. Namensform "Aygavlog hinweist, welche durch 
Pandrosos gehorchte, ihre beiden Schwestern Spendung nächtlichen Taues die in der Erde 
aber öfEheten die Lade und erblickten darin schlummernden Pflanzenkeime (Erysichthon) 

■ den geheimnisvollen Knaben von einer Schlange pflegen und nähren. Diese Anschauung von 

umwickelt, worauf sie nach einigen von der den tauspendenden Nymphen ist wohl schon 

Schlange selbst getötet, nach andern von Athene frühzeitig mit den beiden im Dienste der Athene 
in Wahnsinn versetzt wurden, so dafs sie sich 60 angestellten Arrhephoren kombiniert worden 

von der Akropolis herabstürzten (Apollod. 3, (Welcker, Götterl. 3, 105 f) Die Sage von dem 

14 6 Paus. a. a. 0. Ewr. Ion. 274). Varian- Felsensturz der Aglauros mag , wie Welcker 

teA dieser Legende finden sich bei Hyg. f. 166 Trilog. S. 285 vermutet, mit einer alten Opfer- 

u Antig. Caryst. 12. Vgl. auch Ov. Met. 2, sitte zusammenhängen. Vgl. Preller, gr. M. 

749 S A. Mommsen Heortologie S. 434 ff. 1 , 159 Anm. 4. Lauer S. 338. Welcker a. a. 

— c) Nach Ov. Met. 2, 710—835 verliebt sich 0. S. 286. Götterl. 2, 289 f. 3, 103 ff. Hermann, 

Hermes bei der Feier der Panathenäen in die gottesd. Alt. §. 61, 3. 4. 8. Stoll in Paulys 

Herse(nachP;o?.b.ScÄoIIZ. 1,334 ist Pandrosos Bealenc. 1,1,587. A. Mommsen, Heort. iStS. 



107 Agnias Aia 108 

Müller, Pallas Athene %.i. A. 22 u. 5, 27. Von rissene Herrschaft, wurden aber mit Ausnahme 

bildlichen Darstellungen der Aglauros des" Thersites und Onchestos von Diomedes, 

führt Brunn in Paulys Bediene, a. a. 0. eine dem Argiver, Enkel des Oineus erschlagen 

Statue im östlichen Parthenongiebel und einige {Apollod. 1, 7, 10. 8, 5. 6). Nach Ant. Lib. 

den Kaub der Oreithyia darstellende Vasenbil- 37 tötet Diomedes auch den Agrios, nach Hyg. 

der an. Vgl. Welcher, a. D. 1, 77 ff. 3, 145ff. f. 175 nimmt dieser sich nach seiner Vertrei- 

Starh, Annal. d. Inst. 1860. Vgl. auch Jahn, bung selbst das Leben, übrigens wird die 

Beschr. d. Vasensammlung in München No. 376 That des Diomedes bald vor (Apollod. 1, 8, 6) 

u. 415. — 3) Sohn des Erechthims und seiner bald nach dem trojanischen Krieg angesetzt 

Tochter Prokris: Hyg. f. 253. [fioscher]. lo (Eyg. f. 175. Ant. Lib. 37). Vgl. aufserdem 

Agnias oder Agnios {'Ayviag oder "Ayviosl), noch Paus. 2, 25, 2. Ov. Her. 9, 153. Hyg. f. 

VaterdesArgosteuermannsTiphys(s. d.). Apol- 2^2. Q. Smyrn. 1, 110. JTZ. 14, 117. Schol. H. 

lod. 1, 9, 16. Apoll. Bh. 1, 106. 560 u. ö. Orph. 2, 212 u. 14, 120. — 7) Sohn der Polyphonte 

Arg. 123.^ 544. [Röscher]. (s. d.). [Röscher]. 

Agon (Ayäv), die Personifikation des Wett- . Agron C^yQwv), ein Koer, Sohn des Eume- 

kampfes, ist von der bildenden Kunst in der los, Enkel des Merops, verehrte mit seinen 

älteren Zeit als Athlet mit Übungsgeräten (den beiden Schwestern Byssa und Meropis einzig 

Sprunggewichten) dargestellt worden, so von und allein die Erde und verachtete die übri- 

Dionysios statuarisch für 01ympia(JPaMS. 5, 26. 3). gen Götter, besonders die Athene, die Artemis 

Ahnlich ist die Figur einer rotfigurigen nola- 20 und den Hermes. Da erschienen plötzlich in 

ner Vase, Agon (inschriftlich AFON) als Jung- der Nacht die drei zürnenden Gottheiten vor 

ling mit kurzem Unterkleid, Mantel, Haarbinde der Wohnung der drei Geschwister , Hermes 

und dem langen Agonothetenstab aus der als Hirt verkleidet, Artemis und Athena in 

SchaledemHermeslibierend(Pano/'fta, J.&Ä. der Gestalt von Jungfrauen, und luden den Agron 

Berliner Akad. d. Wiss. 1856 Tfl. 2, 5). Un- zu einem Opfermahle des Hermes ein, seine 

bekannt ist die Auffassung des Kolotes , der Schwestern aber in die Haine der Artemis und 

ihn an dem Preistisch im Heraion zu Olym- Athene. Als diese Einladung mit Spott er- 

pia abbildete {Paus. 5, 20, 1). Ein jüngerer widert wurde und Agron sogar mit einem 

Typus findet sich auf attischen Tetradrachmen Bratspiefs dem Hermes zu Leibe gehen wollte, 

{Beule, Monnaiesd' Athenes p. 222): Agon, ste- 30 wurden alle drei Frevler sowie ihr Vater Eu- 

hend in jugendlich zarter Gestalt, beflügelt, in melos in Vögel verwandelt, nämlich Meropis 

der Linken Palme und Tänie, mit der Rech- in eine Nachtenle {ylav^\ Byssa in den Vogel 

ten sich den Kranz aufsetzend. Vgl. auch den der Leukothea , Agron in einen Regenpfeifer 

geschnittenen Stein J,rcÄ. .^e%. 1849 Tfl. 2, 2. {xa^aS^wg) , Eumelos m einen Nachtraben: 

Verwandt ist das Graffito einer Spiegelkapsel /Boios b. Ant. Lib. 15. [Röscher], 

schönsten Stils aus Korinth, jetzt im Museum V' Agrostinai {'Ay^coatlvai.), Bergnymphen: He- 

zu Lyon {Bevue archeol. 1868, 17 pl. 13), wo sych. [Röscher]. 

dieselbe Flügelfigur sitzend einenHahn in den ^ ; Agyrtes {'AyvQtrjg), Genosse des Phineus, 

Händen hält. [Schreiber]. der bei der Hochzeit des Perseus erschlagen 

, Agouius s. Indigitamenta. 40 wurde-: Ov. Met. 5, 148. [Röscher]. 

Agranlos s. Aglauros. .^ Ala {Ala, AlaCri b. Hcnn.) 1) mythische Insehi 

Agre {AyQ^), Hund des Aktaion: Hyg. f. ISl. im fernsten Osten und Westen. Im östlichen 

Ov. Met. 3, 212. [Röscher]. Aia wohnt Aietes (s. d.), im westlichen Kirke. 

Agrianome {'Jyqiavönr]), Gemahlin des Lac- {Hes. Theog. 1011—15 u. Schol). Später iden- 

dokos, Mutter des Oi'leus: Hyg. f. 14. p. 40, tificierte man das Land des Aietes mit Kolchia, 

16B. [Röscher]. die Insel der Kirke dagegen mit dem italischen 

Agriodos {AyQLÖSovg^) , ein Hund des Ak- Vorgebirge Circeji, indem man annahm, die- 

taion: Oü.Jfef. 3, 224 (Haupt : Argiodns). Hyg. ses sei früher eine Insel gewesen. {Strab. 232. 

f. 181._ [RoscherJ. Verg. Aen. 3, 386. 7, 10. Plin. H. N. 3, 97). 

Agriope {Ay^ioitri), Gattin des Orpheus nach 50 Nach Homer {Od. 12, 3) ist die westliche In- 

Hermedanax b. Athen. 13 p. 597 b. Vgl. Lo- selAiaie der Wohnsitz der Heliostochter Kirke 

bech, Aglaoph.^ 1, 373. [Röscher]. (vgl. auch Od. 10, 135), der Tanzplatz der Eos 

Agriopos {AyqCoTiogI) , Sohn des Kyklops und der Ort, wo Helios aufgeht, eine Vorstel- 

(oder em Kyklop?), Vater des Klytios: Schol. lung, die augenscheinlich vom Osten auf den 

II. 18, 483.^ [Röscher]. Westen fälschlich übertragen worden ist (vgl. 

Agrios {Ayqwg) 1) Bemame des ApoUon: Od. 12, 70, wo bericht'et wird, däfs auch die 

Orph. hy. 33 (34), 5. — 2) des Dionysos: ib. Fahrt der Argo nach dem westlichen Aia ge- 

29 (30), 3. — 3) Kentaur: Apollod. 2, 5, 4. gangen sei). Ebenso wie Kirke stammt aber 

Vgl. C. I. Gr. 8185c. — 4) Gigant: Apollod. auch Aietes, der Eponymos und König des 

1. 6, 2 (vgl. Hygin. praef. p. 27, 9B.). — 5) 60 östlichen Aia (vgl. d. Artikel Argonauten 7, 

Sohn des Odysseus und der Kirke, Bruder 2) von Helios (Od. 10, 137 fi'. Ses. TAeo^. 956ff ). 

des Latinos und Telegonos, Beherrscher der Man dachte sich also wohl den Sonnengott 

Tyrsener auf den seligen Inseln: Hes. Theog. von dem einen Aia empor- und zu dem andern 

1013 ff. — 6) Kalydonier, Sohn des Porthaon Aia niederfahrend, ebenso wie man auch den 

(oder Portheus, II. 14, 115) und der Euryte, Wohnsitz der Aithiopen zugleich in den äufser- 

Bruder des Melas u. des Königs Oineus, Vater sten Osten und Westen verlegte (Od. 1,23: J^ö-to- 

des Thersites , Onchestos, Prothoos u. s. w. nag, %ol Six&ä ösäcccaTcti, laxmoi ävS^äv, ot filv 

Seine Söhne übertrugen ihm die dem Oineus ent- dvaoiiivov 'Ttisqiovos 01 ö' dviövxog). Mimner- 



109 Aiakos Aiakos 110 

mos (6. Sträb. = fr. 11 B.) erwähnt die Stadt und trieb ihn in das alte Plufsbett zurück; 
des Aietes, wo die Strahlen des Helios in gol- seitdem finden sich Kohlen im Plufsbett des 
denem Gemache liegen, am Bande des Okea- Asopos; die Aigina brachte Zeus auf die Insel 
nos, wohin der göttliche lasen gelangte. Nach Oinone, Serod. 5, 46. Paus. 2, 29, 2. {Olvo- 
Strdb. a a. 0. ist hier das östliche Aia ge- -wCa Find. I. 7 (8) 45. Oenopia Ov. M. 7, 472), 
mftint, welches derselbe Mimnermos {fr. 12, welche nun den Namen Aigina erhielt, ver- 
9 ff. B.) mit dem Lande der Aithiopen ?u iden- einigte sich dort mit ihr (nach Ov. M. 6, 113 
tifioieren scheint. Apollon. Eh. 3 , 309 ff. er- nahte er ihr in Feuergestalt, ignis) und erzeugte 
zählt, dafs Kirke ebenso wie ihr Bruder Aie- mit ihr den Aiakos. Da dieser einsam auf der 
tes ursprünglich im Osten gewohnt habe, aber lo Insel war , schuf Zeus für ihn die Ameisen in 
von Helios auf seinem Sonnenwagen nach dem Menschen um. So schon Hesiod. b. Sehol. Und. 
westlichen Aia im tyrrhenischen Meere geführt N. 3, 13 (21). Kinkel, ep. Gr. fr. 1, 118 fr. 96. 
sei (vgl. Hesiod. a. a. 0.). Die eigentümliche Abweichend davon erzählt Ov. M. 7, 517—657, 
Anschauung der Odyssee , dafs das westliche die Insel sei ursprünglich von einem arbeitsa- 
Aia der Wohnsitz der Eos und der Ausgangs- men Geschlecbt bewohnt gewesen, Hera, auf 
punkt der Fahrt des Helios gewesen sei, hängt ilire Nebenbuhlerin erzürnt, sendete eine die 
wahrscheinlich mit der Annahme des westli- Bevölkerung vernichtende Pest (nach Hyg. f. 
eben Sonnenthors {Od. 24, 12), und der Heer- 52 führte dies eine Schlange durch Vergiftung 
den des Helios auf einer Insel im Westen so- des Wassers herbei); da erflehte Aiakos, als 
wie mit dem in der Sage von Atreus und 20 er an einer dem Zeus heiligen Eiche Ameisen 
Thyestes ausgesprochenen Gedanken von dem emporlaufen sah, von Zeus Menschen, so viel 
ursprünglichen Aufgang der Sonne im Westen er Ameisen gesehen habe. Nachdem der Gott 
zusammen (P?af.PoKitc. 269 A. Schöl.Il.i,im). seinen Wunsch erfüllt hatte, nannte er die 
Bei Ap. JRh. 4, 131 führt Aia mit Beziehung neue Bevölkerung Myrmidonen nach ftüpfu)!, 
auf den Sonnengott (Tirav) den Beinamen Ti- Ameise; ebenso Hyg. f. 52. Serv. V. A. 2, 7. 
rrjvig. Die ersten Schriftsteller , welche das (Beispiel etymologisierender Sagenbildung). Im 
östliche Aia mit Kolchisidentificiert haben, sind Gegensatz hierzu leitet Strato 8 p. 375 den 
Eumelos von Korinth (vgl. Epic. Gr. fr. ed. Namen davon ab, dafs die Einwohner nach 
Kinkel p. 188) und Herodot (1, 2. 7, 193). Der Art der Ameisen grabend das gute Land auf 
Name Aia (= yn) bezeichnet wohl ursprünglich 30 den Felsen trugen, um dort Feldbau treiben 
eine rings von einem ungeheuren Meere um- zu können, und weil sie, die Ziegel sparend, 
gebene Insel im Gegensatz zum Wasser (Okea- in Graben wohnten. Damit stimmte nach 
no«). Vgl. über Aia namentlich Völcker. Homer. Schot Find. Nem. 3, 21 Boeckh (vgl. Eustath. 
Geogr. u. Weltkunde S. 117 f u. 129 ff. Myth. I1.1,1S0) Theagenes in seiner Schrift über Ai- 
Geogr. d. Griechen u. Bömer 1, 114fif. Freller, gina überein: Die Einwohner der menschenarmen 
gr. Myth.^ 1, 338 f 2, 390. Welcher, Götterl. Insel hätten in unterirdischen Höhlen gelebt, 
1, 684. — 2) Eine Jägerin, die, vor dem Plufs- ohne eigentliche Wohnungen. Daher hätten die 
g'otte JPhasis fliehend, von den Göttern in die von auswärts Kommenden sie mit Ameisen ver- 
Insel gleiches Namens {Apoll. Bh. 3 , 1074 u. glichen und sie Myrmidonen genannt. Aiakos 
Schol.) verwandelt wurde: Vol. Flacc. 5, 425. « aber hätte sie mit Einwanderern, die er aus 
•V _ Davon Aiaia {Aiaia, Alairf) 1) = Aia Ap. der Peloponncs herbeiführte, verschmolzen, 
Bh. 3, 1074 u. Sdiol. — 2) Beiname der Medea: hätte sie kultiviert und ihnen Gesetze gegeben. 
Ap. Bh. 3, 1136. 4, 243. — 3) Der Kirke: Daher habe es geschienen, als seien sie aus 
Hom. Od. 9, 32. Apoll. Bh. 4, 559. Verg. Aen. Ameisen zu Menschen geworden. Anders lau- 
3, 386. Hesych. s. v. — 4) Der Kalypso : Frop. tete die thessalisohe Sage über den Ursprung 
3*10,31. Wahrscheinlich beruht hier der Bei- des Namens. \ gl.' Myrmidon. {Faus.2,29, 
n'ame Aeaea auf einer Verwechselung mit Kirke 2 weicht darin von Apollodor ab, dafs bei ihm 
(vgl. auch Mela 2 , 120 , wo Aia und Ogygia Zeus die Menschen unmittelbar aus der Erde 
verwechselt sind). [Röscher]. hervorwachsen läfst). Zur Gattin nahm Aia- 
X^ Aiakos {Ala-nög, Aeacus). Sohn des Zeus und 50 kos die Endeis, Tochter des Skeiron oder Ski- 
der Ai<^ina (s. d.), einer Tochter des phliasischen ron von Megara (vgl. Paus._ 2 , 29 , 9 ; Flut. 
Plufsgottes Asopos. II. 21, 189. Fiat. Gorg. Thes. 10, der dies als die Überlieferung me- 
p. 526 E. Apoll. 3, 12, 6. Hygin. f. 52. Biod. garischer Schriftsteller bezeichnet) , oder des 
* 4, 72. PaMS. 2, 29, 2. (Vereinzelt steht die An- Cheiron nach Schol. Find. N. 5, 12. Schol. 
gäbe bei Servius F. J.. 6, 566: Badamanthus, II. 16, 14. Hyg. f U-, (Eväritg ist wohl eine 
Minos et Aeacus ßii lovis et Earopae fuerunt.) Zusammensetzung von sv und dem I)or. Sä =y^. 
Er war der Stammvater der Aiakiden. Apol- »sa tyyaiog oder syysiog). Von ihr hatte er 
lod. a. a. 0. erzählt die Sage in folgender Pas- die Söhne Peleus und Telamon; aber der Lo- 
sung: Zeus raubte die Aigina (nach Athen. 566d. gographPherekydesnannte Telamon denPreund, 
Nonnos Bionys. 7, 2 10 ff. 13, 203 in Gestalt eines eo nicht den Bruder des Peleus und hielt ihn für 
Adlers). Asopos suchtesienndkamnachKorinth, den Sohn des Aktaios und der Glauke, der 
wo er von Sisyphos erfuhr, dafs Zeus der Räuber Tochter des Salaminiers Kychreus. (Diese An- 
sei. (Sisyphos bedang sich für die Anzeige gäbe des Logographen findet indirekt eine Be- 
aus, dafs ihm Asopos auf seiner Burg eine stätigung durch die Ilias, welche von einem 
Quelle, die Peirene, entspringen lasse, Faus. verwandtschaftlichen Verhältnis zwischen dem 
'2, 5, 1'; dies geschah, aber der Verräter wiurde Telamonier Aias und Aohilleus nichts weifs; 
später in der Unterwelt gestraft). Den verfol- darnach erscheint die Rückführung des Tela- 
genden Vater traf Zeus mit dem Donnerkeil ' mon auf Aiakos nachhomerisch, doch ist sie 



111 Aiatos Aiakos 112 

bereits bei Pindar vorhanden), Wiederum kccI ßovlaig agteros; im Fragment des Eesiod. 
wohnte Aiakos der Psamathe, der Tochter des b. Schöl. Find. N. 3, 21 heifst er Imtioxäqtiris, 
Nereus bei , obwohl sie sich, um ihm zu ent- Isokr. 12, 205 führt ihn unter den Helden auf, 
gehen, in eine Robbe (qpcoitjj) verwandelt hatte, die wegen Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Weis- 
und erzeugte mit ihr den Phokos (ßm-nog). Da heit im Lied verherrlicht wurden. Er war. 
dieser seinen Brüdern in den Kampfspielen über- ein Liebling des Zeus und schlichtete als 
legen war, trachteten diese ihm nach dem Schiedsrichter einst einen Streit unter den 
Leben, und Telamon, der ihn durchs Los zum Göttern Pindar I. 8 , 23 f. , ebenso den Streit 
Genossen des Wettkampfes erhalten hatte, zwischen Nisos und Skiron wegen der Herr- 
tötete ihn durch einen Diskoswurf und verbarg lo schaft über Megara Paus. 1 , 39, 5. Auf dies 
die Leiche unter Beihilfe des Peleus in einem und ähnliches spielt Pind. N. 8, 9 ff. an. Bei 
Gehölz. Als der Mord entdeckt wurde , ver- Pind. 0. 8, 31—44 findet sich die sonst unbe- 
bannte Aiakos die Mörder aus Aigina. (Nach kannte Sage, Aiakos habe dem Apollo und 
Paus. 2, 29, 9 hat Bndeis ihre Söhne gegen Poseidon die Mauern Trojas bauen helfen. Als 
Phokos aufgereizt, bei ihm ist Peleus der Thä- der Bau vollendet war , stürzten sich drei 
ter. Über den vergeblichen Versuch, den Te- Schlangen auf die Mauern los, zwei fielen an 
lamon machte, um sich bei Aiakos von dem dem von den Göttern erbauten Teil tot nie- 
Mord zu reinigen, und die eigentümliche Art der, die dritte drang an der von Aiakos er- 
des gerichtlichen Verfahrens vgl. Paus. 2, 29, 7.) bauten Stelle in die Stadt ein. Apollo gab 
Aiakos war der frömmste Mann seiner Zeit 20 die Deutung, dafs dort llion von der ersten 
(vgl. Plut. Thes. 10) ; als daher einst in Hellas und vierten Generation aus Aiakos' Stamm 
Mifswachs herrschte, weil Pelops den Arkader- werde erobert werden, was Boeckh zur Stelle 
könig Stymphalos arglistig und grausam er- auf Telamon und Peleus (unter Herakles) und 
mordet hatte, verhiefsen die Orakel der Göt- auf Neoptolemos und Epeios (unter Agamem- 
ter Befreiung von der herrschenden Unfruoht- non) beziehen will. — Die bei Paus. 2, 29, 6 
barkeit , wenn Aiakos für das Land gebetet erwähnte Sage verrät örtlichen Ursprung, dafs 
habe. Und so geschah es. Auch sonst findet Aiakos Aigina mit unterseeischen Riffen um- 
sich diese Erzählung; der älteste vorhandene geben habe , um die Insel gegen feindliche 
Zeuge ist Isohrates 9, 14, 15; denn bei Pind. Angriffe zu schützen. Nach Plin. n. h. 7, 197 
N. 5, 16 — 24 vgl. BoecWi ist hiervon nicht die so entdeckte Aiakos (die Lesart ist unsicher) zu- 
Rede. Isokrates spricht von einer Dürre und erst das Silber. Bei Serv. V. Aen. 8, 352 heifst 
grofsem Sterben unter der Bevölkerung ; da- es, dafs er den ersten Zeustempel in Arkadien 
rum wendeten sich die Fürsten der Städte an gegründet habe. Merkwürdig ist die Angabe 
Aiakos , in der Überzeugung , dafs er wegen des Stephan. B., dafs Aiakos der Gründer der 
seiner göttlichen Abstammung und seiner Fröm- Stadt Dia (Dion) in Thessalien sei, womit die 
migkeit durch sein Gebet am ehesten die Göt- Angabe des Serv. V. Aen. 4, 402 übereinstimmt, 
ter erweichen werde. Als ihre Bitte in Erfül- wonach Juppiter ihn den Thessalem zum König 
lung gegangen, erbauten sie in Aigina dort, gab. Nach seinem Tode wurde Aiakos einer 
wo jener gebetet hatte, ein „gemeinsames der Totenrichter der Unterwelt. Bei Homer 
Heiligtum der Hellenen". Die Sage berichtet « findet sich darüber noch nichts, obwohl er 
ebenso Paus. 1, 29, 6—8, nur weist bei ihm den Rhadamanthys bereits als Bewohner des 
Pythia die Hellenen an Aiakos. (Vgl. über das Elysions kennt Od. 4, 564 und Od. 11, 568, frei- 
Gebet des Aiakos noch Giern. AI. Str. 6 p. 753). lieh an einer spät eingeschobeneu Stelle, den 
Der Name Zeus UccveH^vios und üavsU'qviov Minos des Richteramtes, das er auf der Ober- 
für Berg und Tempel des Zeus findet sich erst weit ausgeübt hat , auch unter den Schatten 
bei Paus. 1, 44, 13. 2, 30, 3. 4. 2, 29, 6, wo walten läfst; und ebensowenig hat Hesiod die 
geradezu erzählt wird, dafs Aiakos damals den Sage, nicht einmal Pindar gedenkt ihrer, ob- 
Tempel auf dem Berge dem Zeus Panhellenios wohl er den Helden häufig preist. Apollod. 
errichtet habe. Nach Biod. 4, 61 wurde die 3,12,6.10 sagt: Auch nach seinem Tode steht 
Dürre veranlafst durch den Mord, den König 60 Aiakos in Ehren beiPlutonnnd hat die Schlüs- 
Aigeus von Athen an Androgeos verübt hatte. sei des Hades in Verwahrung. Daher nleiSov- 
Die örtliche Entstehung der Sage läfst sich x^S genannt C I. n. 6298. Diese Anschauung 
noch nachweisen. Denn Theophr. it. arjiisCcov begegnet zuerst bei Aristoph. Frösche 465 ff., 
1, 24 berichtet, dafs, wenn in Aigina auf dem wo Aiakos als Pförtner des Hades auftritt, in 
Berg des Zeus „HeUenios" sich eine Wolke gleicher Eigenschaft war er vielleicht schon 
niederlasse, dies ein Anzeichen für Regen sei, im Peirithoos des Euripides (Fragm. 594) ge- 
eine Wetterregel, die noch heute in Athen, nannt. Lucian. de luctu 4 läfst ihn an dem 
wo man den „Hagios Elias" vor sich hat, be- Niedergang selbst und bei dem adamantenen 
kannt ist. Preller gr. M.'^ 1, 118. Bursian Thor des Hades neben dem Kerberos die Wacht 
Geogr. 2, 85. Welcher gr. Götterl. '1, 170. Zu 60 halten, während er als Totenrichter nur Minos 
vergleichen sind die vom Priester des Zeus und Rhadamanthys nennt. Char. c. 2. Catapl. 
Lykaios in Arkadien bei anhaltender Dürre c. 4. nimmt Aiakos das Fährgeld als rrilojj'jjs 
veranstalteten Gebete und Opfer. Paus. 8, 38, von den Toten ein. Isokrates 9, 15 nennt ihn 
3. Auch der Kultus der alten Schnitzbilder dei^ hochgeehrten Beisitzer desPluton und der 
der Damia und Auxesia zu Oie in Aigina steht Persephone, und damit ist doch wohl sein Amt 
wohl mit dieser Sage in Znsammenhang. He- als Totenrichter bezeichnet, eine Vorstellung, 
rod. 8, 83—87. Pind. N. 8, 8 nennt Aiakos die durch die Stellen bei Plato Apol. p. 41 A. 
einen König, tüchtig in Rat und That, ^{Eigt Gorg. p. 523 Bff. bestätigt wird. An der letz- 



113 



Aiakos 



Aianes 



114 



i- 



»^ 
I 









teren Stelle heifsen Minos nnd Ehadamantliys 
die ans Asien, Aiatos der aus Europa stara- 
mende Sohn des Zeus ; Bhadamantliys richtet 
auf der Asphodeloswiese an dem Kreuzweg, 
von welchem zwei Pfade abgehen, der eine zu 
den Inseln der Seligen, der andere zu dem Tar- 
tarus, die aus Asien, Aiakos die aus Europa 
stammenden Seelen, Minos entscheidet in zwei- 
felhaften Fällen. Damit stimmen die römischen 



lichste Ableitung von JlccKog ist die von ata, 
wie Jcayiög von ^foi' oder /lia (vgl. Aaß.8a%og); 
es ist zu AiaKÖg ursprünglich &s6g oder äai- 
■fiav zu ergänzen, d.h. der Gott (Dämon) der Insel. 
Ursprünglich war dies für Aigina Zeus selbst, 
dann sein erster Priester und der erste König 
der Insel, der nach seiner gerechten Herrschaft 
auf Erden im Tode unter der Erde (als x&6- 
viog und dem Zsvg x&6viog beigesellt) weiter 



Dichter überein: Hör. Carm. 2, 13, 22. Ov. M. lo regiert und in schwerer Kampfesnot den Sei 



13, 25. Prop. 3, 20, 30. 5, 11, 19; auch 8e- 
neca de morte Glaud. 14, 15. Bei luv. 1, 10. 
Martial. 10, 5, 14 übt Aiakos das strenge Straf- 
amt aus. Als Richter der Unterwelt erscheint 
er neben Triptolemos und Rhadamanthys in- 
schriftlich bezeugt auf der Vase von Altamura : 
BuU. d. Inst. 1851 p. 40. Gerhard, arch. Am. 
1851 S. 89. Annal. d. Inst. 1864, 286 (= C. 
I. Gr. 8425b); auf der Vase von Canosa {Mül 



neu hilfreich erscheint (vgl. die Sagen von 
Karl d. Gr. u. Friedrich Barbarossa). Vielleicht 
gab es — nach den oben zusammengestellten 
Notizen — aufser dem Aiakos in Aigina auch 
einen in Arkadien und Thessalien. Dann 
wären Peleus und Achilleus ursprünglich die 
Nachkommen des thessalischen alanog &s6g. 
Die Verbindung mit Aigina setzt zur Zeit 
dieser Sagenbildung einen Einflufs der see- 



ler-Wieseler, Denkm. d. a. K. 1 T. 56 No. 275. 20 mächtigen Insel durch Handel und Gottes- 



Jahn, Münchn. Vas. n. 849) neben Minos und 
Rhadamanthys; er trägt hier den Richterstab 
(päßSos); fernerauf zweiMünzendesk.Münzkabi- 
nets zu Berlin, jlrc?t. Ztg. 1871 S. 79. — Kult. Auf 
Aigina wurde er als Halbgott verehrt, dort stand 
sein Heroon, das Ala%iiov, ein viereckiger, von 
einer Mauer aus weifsem Marmor eingeschlosse- 
ner Raum, in welchem sich ein wenig über die 
Erde emporragender Altar befand, dieser nach 



dienst auf Südthessalien voraus. Der uralte 
Zeusdienst auf Aigina erhielt sich für alle Fol- 
gezeit wegen des Ansehens, in welchem der 
höchste Berg der Insel als Wetteranzeiger bei 
den Umwohnern stand. Die Ableitung bei 
Preller Gr. M. 2 ', 392 A. 3 und bei Pape-Ben- 
seler von Df^äf(a=ffieVo> verstöfst gegen die Sprach- 
gesetze; ebenso unmöglich ist die von 0. Mül- 
ler Äegin. l. p. 22 nach Vorgang der Alten 



einer Geheimsage . zugleich das Grab des Aia- 30 angenommene Beziehung zu ahzög. — Für 



kos , rings von Ölbäumen umgeben. In der 
Vorhalle dieses Temenos waren die an Aiakos 
abgeordneten Gesandten der Hellenen in Relief 
dargestellt; hier hingen die aiginetischen Sie- 
ger die in den Festspielen gewonnenen Kränze 
auf. Paus. 2, 29, 6. Pind. N. 5, 53 mit Schol. ; 
Ala'x.iSäv füEgKEs aXeog bei Pind. 0. 13, 155 
mit Schol.; dorthin flüchteten die athenischen 
Patrioten nach der Schlacht bei Lamia Plut. 



die Erklärung des Mythus sind zu vgl. 0. Mül- 
ler, Aegineticorum Über Berol. 1817. Gerhard 
gr. M. 2. 182 §. 875 ff. PreUer gr. M. ^ 2, 390 
—405. Welcher, gr. Götterl. 1, 169. 2, 209. 
3, 269. Scholl, Aias S. 1 ff. Eückert , Troia 
S. 128 f Forchhammer, Achill, Kiel 1853. 
£Wörner] . D avon : 

V Aiakides {Aia%CSrig, Aeacides), Sohn oder 
Nachkomme des Aiakos; Herod. 5, 80. 8, 64. 



Dem. 28. Zu Ehren des Aiakos wurden auf 40 84. Das wahrscheinlich aus der Gegend von 



Aigina Aiayiuu gefeiert, mit gymnischen Ago 
nen verbundene Festspiele; vgl. Schol. zu 
Pind. O. 7 , 156 N. 5 , 78 , zu denen sich 
auch Kämpfer aus der Ferne einfanden. Schö- 
mann, Gr. A. 2 , 538. Auch zu Athen hatte 
Aiakos ein Heroon*. Denn als die Athener 
Aigina bekriegen wollten, gab ihnen das Del- 
phische Orakel den Rat, ein Temenos des Aia- 
kos zu gründen, welches nach Herod. 5, 89 an 



Dodona stammende, über die Hellenen im enge- 
ren Sinne herrschende, in Thessalien, Aigina, 
Salamis heimische Fürstengeschlecht, berühmt 
durch seine Stärke {Hesiod bei Suidas äXin^, 
vgl, Kinkel, ep. Gr.^ fr. 1. S. 169. fr. 215: 'Aly.riv 
fiiv yag ^äcoKsv 'Olvfixiog AlctKiörjaiv) und durch 
seine Kriegslust (Hesiod b. Polyb. 5, 2 AlatiC- 
äag noXiiim »£;i;o;e7ioTo;s ■^vrs SairC). Homer 
nermt Alaytiärjg nur 1) u, 2) Peleus u. Achil- 



der Agora gelegen war. Vgl. Hesych. s. v. 50 leus. Peleus: II. 16, 15 u. ö. (vgl. Hes. fr. 
Alä-Aiiev. Die Aigineten bewahrten heilige Bil- 98 b. Kinkel S. 119). Achüleus II. 9, 191. 11, 



der des Aiakos und der Aiakiden, die sie ein 
stens den mit Athen im Krieg liegenden The- 
banern zu Hilfe sendeten (Herod. 5, 80, 81), 
und vor der Schlacht bei Salamis liefsen die 
hellenischen Flottenführer diese heiligen Bil- 
der aus Aigina holen. Herod. 8, 64. 83. 84. 
Die oben erzählten Sagen bekunden, dafs Ai- 
gina, die durch Schiffahrt und Handel früh 



805. {Verg.Aen. 1, 99). 3) Pyrrhos, Urenkel 
des Aiakos Paus. 1. 13. 9. Varg. Aen. 3. 296. 
4) Telamon findet sich mit dieser Bezeich- 
nung bei Apoll. Eh. 1, 1330. Qu. Sm. 4, 450. 
6) Aias Strabo 9, 394. Qu. Sm. 3,244. 6)Pho- 
kos 0». M. 7, 668. 7) AlaiiiSrjg hiefs der Sohn 
des Neoptolemos und der Andromache. Lysim. 
in Schol. Eur. Andr. 24. — Die makedonischen 



zeitig blühende Insel, mit ihrem Zeuskultus 60 und die epirotischen Könige leiteten ihr Ge 



für eine Anzahl wohl besonders dorischer 
Stämme der Peloponnes , Mittel- und Nord- 
griechenlands ein ähnlicher religiöser Sammel- 
punkt in einer gewissen Periode gewesen ist, 
wie Delos für die lonier. Daraus erklärt sich, 
dafs auf den einheimischen Heros dieser Insel / 
gewisse Fürstengeschlechter und Völker ihren 
Ursprung zurückfährten. Denn die wahrschein- 



schlecht von den Aiakiden ab, so Perseus Verg. 
Aen. 6, 839. Sil. It. 1, 627; Pyrrhus Paus. 1, 
13, 3. Ennius bei Cic. de divin. 2, 56, 116; vgl. 
Pape-Benseler. [Vgl. auch C. I. Gr. 1907. 3538. 
6020''. 6288 B.']. [Wömer.] 

Aianes (Alävrjg), Sohn des Amphidamas, ein 
Von Patroklos (s. d.) unabsichtlich getöteter 
Lokrer, dem ein Hain bei Opus, Atavtiov %i- 



4 



I. Der Telamonier. 



115 ' Aianos Aias Telam. 116 

fisvog, geweiht war: Sträb. 9, 425. Hellan. von Homer nur den gröfsten Helden erteilt 

b. Schol. II. 12, 1 (vgl. Pherekydes b. Schol. IL wirä. Auch an Schönheit weicht er nur dem 

23 , 87). Eine Quelle im opuntischen Lokris Achill 17, 279 f., Od. 11, 550. 24, 17 f. Charak- 

hiefs Mavig, Strab. a. a. 0. Vgl. Klesonymos. teristisch für ihn ist das volle blühende Ge- 

[Roscher.] sieht 7, 212 fitiSiöav ßloavqoiai ngoatönaavv, 

Aianos (Jlavös), Sohn des Elymos, Königs vgl. Phüostr. im. 2, 7 u. Curtius, Grundzüge'^ 

der Tyrrhener, Gründer von Alane in Makedo- 538, insgemein ein Zeichen der Gutmütigkeit. 

nien. Steph. Bys. s. v. Aiavri. [Boscher.] Seine Trefflichkeit als Kriegsheld aber erhellt 

Aias {A'^ag, C. I. Gr. 7377 Aifaq-^ vgl. etr. am deutlichsten aus II. 13, 321, wo Idomeneus 

Aivas, lat. Ajax). lO sagt, Aias käme im Nahkampfe mit Speer und 

Steinwurf dem Achill gleich, wenn ihn dieser 
auch an Schnelligkeit übertreffe. So ist denn 
Aias das Prototyp des wenig beweglichen, 
A TTnmfiTM-qplifi SaePti schweren Hopliten im Gegensatze zu dem leicht- 
A. nomenscne oagen. füfsigen Peliden vgl. Lue. Paras. 46; von aus- 
Sohn des Telamon , des Herrschers von dauernder, nicht ermüdender, bedächtiger und 
Salamis, gewöhnlich TsXa[i(öviog II. 2, 528, zäher Tapferkeit behauptet er den Platz, auf 
zum Unterschiede von Aiag Ollrjog dem 'Klei- welchem er steht, ohne sich durch die Masse 
nen' II. 15, 334 auch der 'Grofse', lisyag ge- der auf ihn eindringenden Feinde irgendwie 
nannt, oft auch nur Ai'ag, während der an- 20 beirren zu lassen. Immer bewahrt er seine 
dere immer einen Beinamen hat, vgl. Wolf, Ruhe; selbst zum Weichen gezwungen zeigt 
praef. ad II. p. 29. Heyne, Hom. t. 6. p. 486. er jene auf dem Bewufstsein der Kraft be- 
Homer kennt den Telamonier noch nicht als ruhende Sicherheit und Festigkeit, die dem 
Aiakiden und Abkömmling des Zeus, wie_ die Feinde Schrecken einjagt. Daher wird er 11, 
spätere Sage, welche infolge der grofsen Ahn- 545 S. mit einem störrischen Esel verglichen, 
lichkeit, die zwischen den beiden gröfsten Hei- der aus dem Kornfelde , in dem er . seinen 
den vor Troia in der Ilias besteht (Libanius Hunger stillt, durch keine Schläge herauszu- 
avynQimg Al'avtog xai 'A^Mscog t. 4 p. 997), bringen ist, und mit einem Löwen, welchen 
ihn zum Vetter des Achill macht; denn Peleus Wächter mit Spiefsen und Bränden von der 
und Telamon erscheinen erst später als Brüder. 30 Heerde zurückzuschrecken suchen. In jeder Not 
Mit 12 Schiffen zieht er von Salamis nach Troia und Bedrängnis ist er die nie versagende Stütze 
2, 557. Eine jetzt allgemein für interpoliert und der nie wankende Halt der kämpfenden 
erklärte , der späteren Dichtung entlehnte Achäer; man denke an die Verteidigung des 
Stelle 8, 224 weist ihm den linken Flügel des Teukros , des Schiffslagers und der Leiche 
Schiffslagers am Rhoiteion an, wie dem Achill des Patroklos. Daher der ehrende Beiname 
den rechten. Doch wird 10, 112 f. erwähnt, Epjiog 'Axcciäv 6, 5. 7, 211. 13, 321. 709 und 
dafs die Schiffe des Aias und Idomeneus am die Epitheta älKi(iog 12, 349, aQ^iog Od. 3, 
weitesten von dem Zelte des Odysseus, der 109. Dem Kriegsgotte gleich geht er in die 
nach 8, 222 die Mitte des Lagers inne hatte, Schlacht 7, 207, und selbst dem Hektor pocht 
entfernt gewesen seien. Auch 2, 558 ct^cs ä' 40 das Männerherz, als er sich ihm zum Kampfe 
aymv Iv' 'A9i^vaiiov taruvxo qjäiayyEs bezeich- stellt 7, 216. Daher wird er auch dioysj'Tjg 4, 489 
neten schon die Alten als eine von Selon oder und avTi%'sog 9, 622 genannt. Nach dem Fort- 
Peisistratos zur Unterstützung der athenischen gange Achills ist er allein dem Hektor gewach- • 
Ansprüche auf Salamis im megarischen Kriege sen; er ist es auch, welcher Hektors und der 
eingeschobene Interpolation; vgl. PZttf. *Soi. 10, Troer Händen Achills Leiche entreifst. Als sein 
1. Biogen. Laert. 1, 2, 2. Strabo d p. 394. In stehenderKampfesgenosse,ihn durch seine Kunst 
Ilias und Odyssee findet sich von einem enge- als Bogenschütze unterstützend erschöint der lo- 
ten Zusammenhange zwischen Aias und Attika krische Aias (siehe diesen) ; vgl. besonders 13, 
keine Spur. Er gebietet vor Ilion als selbstän- 701 und das Gleichnis von den beiden Pflugstieren, 
diger Herrscher, der niemandem unterthan ist, 50 Von seinen Waffen ist besonders der Schild 
über seine Mannen; daher Koigavog laäv 8, zu erwähnen. Ein Werk des Tychios aus Hyle 
234. 9, 644. 11, 465. Nächst Achill der gröfste (vgl. Strabo 9, 408) besteht er aus sieben Lagen 
Held vor Troia tritt er, als dieser zürnend starken Stierleders; die achte, oberste hingegen 
vom Heere sich trennt, an dessen Stelle 2, 768. ist aus Erz. Dieser Schild leistet ihm oftgrofse 
8, 321. 17, 379. Od. 11, 468. 549. 24. 17. Dafs Dienste; vgl. Od. 7, 266. 8, 267. 11, 485. & 
ihm dieser Platz von allen Seiten eingeräumt trägt ihn vor sich her, wie einen Turm_ •^vzs 
wird, geht auch daraus hervor, dafs Agamem- nvqyov, wie er auch selbst iivQyog 'Axaiäv ge- 
non 1, 138. 145 von ihm, Achilles, Odysseus naimt wird. Selbst dem Achill würde nach 
und Idomeneus die Versöhnung mit ApoUo for- dessen eigner Aussage diese gewaltige Trutz- 
dert, und dafs er und Odysseus dazu auserlesen 60 waffe gerecht sein Od. 11, 556. In Anlehnung 
werden, den Achill umzustimmen 9, 169. Schon hieran nannte die spätere Sage den Sohn, wel- 
seine äufsere Erscheinung kennzeichnet den chen Tekmessa dem Aias gebar, Eurysakes, 
Beherrscher des Schlachtfeldes. Eine herrliche, d. h. Breitschild. Aias kämpft gewöhnlich in 
grofse, mächtige Gestalt ragt er an Haupt und Verbindung mit dem kleinen Aias (siehe diesen) 
Schultern über alle Achäer empor 3, 226 f. oder seinem Halbbruder Teukros, dem besten 
vgl. Luc. Gall. 17; daher sind die gewöhn- Bogenschützen im Heere, den er mit seinem 
liehen Beiwörter iiiyctg 5, 610 und mlägiog Schild deckt II. 8, 266 ff. 12, 370 ff. vgl. Lu- 
ll, 360 der 'riesige', ein Epitheton, welches cian. Paras. 46 all' ol tov Talafiävog Ai'ag 



117 



Aias Telam. 



Aias Telam. 



118 



T£ Mai TsmQOS, o (isv mtlkiqs äya&ös, b äs 

Die Bedächtigkeit und Ruhe, welche er im 
Kampfe bewahrt, zeigt er auch im Kate. Er 
spricht nicht oft und nicht viel, gewöhnlich nur 
auf dem Schlachtfelde, um die Seinen zur Stand- 
haftigkeit anzufeuern; seine wuchtigen Worte 
aber sind von grofser Wirkung und verfehlen 
ihr Ziel nicht. So macht er II. 9, 624 ff. den 



wohlwollend. Immer bieder gerecht und an- 
spruchslos braucht er sich niemals mit jeman- 
dem über seinen hohen Rang im Lager zu 
streiten, den alle, bei seinen grofsen Vorzügen 
ihm gern gönnen.' Bröndsted , Bronges of 
Siris p. 60; vgl. die Charakteristik bei Philostr. 
her. 706. 

Wenn er nun in der Nekyia der Odyssee 
dem Odysseus auf seine Bitten keine Ver- 



vergeblichen Verhandlungen mit dem zürnen- lo zeihung gewährt, sondern in seiner Unversöhn- 



den Achill ein schnelles Ende, nachdem er ihm 
seine Unversöhnlichkeit mit eindringlichen 
Worten vorgehalten imd zum Frieden ermahnt 
hat. Diese Verse legen zugleich beredtes Zeug- 
nis ab von dem wohlwollenden Charakter des 
Aias, seiner Biederkeit und Offenheit, Eigen- 
schaften, welche ihm allgemeine Beliebtheit, 
ja selbst das Lob des Feindes erwarben. Rühmt 
doch selbst Hektor an ihm iiiyed-ös ts ßirjv 



lichkeit verharrt, so ist in dieser Weiterbildung 
der altern Sage der Ilias , welche von dem 
Waffengericht und dem Selbstmorde des Aias 
nichts weifs, schon eine Annäherung an die 
später allgemeine Charakterzeichnung derselben 
zu erblicken, in welcher die vßqig eine bedeu- 
tende Rolle spielt. Mehr und mehr nimmt er 
in der weiteren Mythenbildung den Charakter 
des Achill an, dem er ja in der Ilias scbon in 



TS iial Ttivvzriv 7, 288. Nie bedient er sich 20 so vielen Punkten ähnelt, wenn ihm auch der 



Trotz, die Härte und Unbeugsamkeit daselbst 
fremd sind. Schliefslioh sei noch erwähnt, 
dafs die dem Achilles eigenen, oft hervortreten- 
den zarten Gefühle der Liebe und Freundschaft, 
sowie die Freude am Lyraspiei und am Gesang 
dem gewaltigen Recken nicht eigen sind; dazu 
ist seine ganze Natur zu derb angelegt. 

Die Thaten, welche die Ilias von ihm 

berichtet, sind folgende. Im Kampfe mit den 

Spur zu finden. Eine tiefe Gottesfurcht beseelt 30 Troern erschlägt er den Simoeisios 4, 473 und 

ihn. Als Zeus die um Achills Leichnam Strei- den Amphios 5, 610; zur grofsen Freude des 



heimlicher oder gar unehrlicher Mittel. Wel 
che Ofi'enheit spricht aus 9, 625 ff.; welches 
Wohlwollen und welches gute Herz aus 9, 639 ff. 
Dafs einem solchen Helden, .der Verständigkeit 
mit Herzensgüte vereinigt, Übermut fremd ist, 
ist selbstverständlich. Zwar ist er selbstbe- 
wufst und freut sich seiaer Kraft und Stärke 
7, 196 ff. ; jedoch von Hochmut und eitlem Trotz 
ist bei dem homerischen Aias vor Troia keine 



tenden in grause Finsternis hüllt, fleht er 
jenen in brünstigem Gebete an, die Tages- 
helle wieder erscheinen zu lassen 17, 645, und 
7, 194 im Begriff mit Hektor den Zweikampf 
einzugehen hält er es nicht unter seiner 
Würde, die Achäer um leise Fürbitte bei den 
Göttern anzugehen. Wo er im Kampfe das 
direkte Einschreiten der Gottheit wider ihn 



Volkes 7, 182 durch das Los zum Zweikampf 
mit Hektor bestimmt, wirft er diesen durch 
einen Steinwurf nieder; allein den Kampf tren- 
nen Herolde, die Helden versöhnen sich; Hektor 
giebt Aias zum Andenken sein Schwert, dieser 
jeneiü den Leibgurt vgl. Overheck, G. h. B. 
p. 406 und das Bild des Kypseloskastens b. Paus. 
5, 19, 1. Nach dem Kampfe ehrt Agamemnon 



erkennt, weicht er gehorsam zurück: 16, 120. M denvondenAchäerninsLagerbegleitetenHelden 



Aber auch im Verkehre mit den Menschen tritt 
sein verständiger, billig denkender Sinn zu 
Tage. Trotzdem, dafs er im Zweikanipfe mit 
Hektor wesentliche Vorteile errungen hat, geht 
er doch auf die Mahnung der Herolde, den 
Streit zu beenden, willig ein und besteht nur 
darauf, dafs Hektor als der Herausforderer 
zuerst seine Bereitwilligkeit erkläre 7, 284. 
Neidlos blickt er auf den jungem Achill und 



durch einen Schmaus 7, 206 ff. In den für die 
Achäer so unglücklichen Kämpfen des 8. Buches 
gehört er zu den 10 Helden, welche auf die 
Aufforderung des Agamemnon es nochmals 
wagen, sich dem siegreich vordringendem Hek- 
tor entgegenzustellen. Mit seinem Schilde 
deckt er den Teukros, der mit seinen Ge- 
schossen den Troern grofsen Schaden zufügt 
8, 265, und als dieser von Hektor schwer ver- 



sucht ihn nicht nur zur Wiederaufnahme des 60 wundet wird , schützt er ihn vor den angrei- 



f!u Kampfes zu bewegen, sondern läfst auch, als 

V» Patroklos' Leiche von den Troern ernstlich 

'••^^y, bedroht wird, dem Achill Kunde vom Tode des 

"f. Freundes zukommen, um ihn dadurch zum 

' W>, Kampfe zu veranlassen. Seine Selbstlosig- 

/,;'' keit offenbart sich endlich auch darin, dafs 

'*' er in den bei der Bestattung des Patroklos 

i 'y veranstalteten Spielen sich auch an solchen 

'^ Kämpfen beteiligt, wo er von vornherein im 



f enden Feinden 8, 331. Endlich aber von der 
Übermacht zum Weichen gezwungen wird er 
von den bei Agamemnon versammelten Fürsten 
auf Rat des Nestor 9, 179 mit Phoinix und 
Odysseus zu Achill gesendet, um ihn mit Aga- 
memnon zu versöhnen. Da die Zureden jener 
nichts fruchten, so rät er 9, 624 zum Abbruch 
der Verhandlungen, um die noch versammelten 
Fürsten so schnell als möglich von dem Schei- 



Nachteile ist, so im Ringkampfe mit dem be- 60 tern des Versuches zu unterrichten; zugleich 
1 __ j „ -i-.i TT — i — :j!c 1 — .111 — j — g^^gj. jjg^jj; gj. jjj \3üii(iiger, eindringlicher Rede 

dem Achill seine Unversöhnlichkeit, Hoffart 
und Gefühllosigkeit gegenüber den in Angst 
und Not schwebenden Landsleuten vor; vgl. 
Overheck a. a. 0. p. 410. Arm. d. Inst. 1858 
p. 356. In der folgenden Schlacht kommt 
er 11, 472 dem von den Feinden schwer be- 
drängten Odysseus zu Hilfe, verscheucht jene, 



henden , keinen Kunstgriff verschmähenden 
Odysseus und im Diskoswurfe mit dem als 
Diskoswerfer gefeierten Polypoites. 'Aias Te- 
lamonios ist überhaupt in der Ilias ein Held 
von altem Schrot und Korn. In der Schlacht 
furchtbar und unwiderstehlich, niemals aber 
hinterlistig oder grausam, aufserhalb dersel- 
ben sogleich wieder gelassen, gutmütig und 



119 Aias Telam. Aias Telam. 120 

tötet den Dorjklos, Priamos' Sohn, den Pan- scUägt, so dafs er nur nocli den Stun^f ip 
dokos, Lysandros, Pyrasos und Pylartes; den der Hand behält 16, 102, da erkennt er das 
Hektor aber zu bekämpfen wird er von Zeus Eingreifen der Götter 120 und wendet sich zur 
verhindert, der ihm plötzlich Furcht einflöfst, Flucht, so dafs nunmehr die Troer Feuer in 
so dafs er, voll Angst, das Schiffslager möchte die" Schiffe werfen können. Zu dem Kampfe 
erstürmt werden, den Schild auf dem Rücken vgl. Overbeck a. a. 0. p. 421. — Auch in dem 
sich langsam zum Eückzug wendet 11, 544 ff. letzten grofsen Kampfe, den er in der Ilias zu 
So versperrt er den ihn in Massen umschwär- bestehen hat, ist er nicht sonderlich vom Glücke 
menden Feinden den Weg zu den Schiffen. begünstigt, trotzdem dafs seine Tapferkeit sich 
Auf Eurypylos' Zuruf, welcher die Bedrängnis lo wiederum auf das glänzendste bewährt. Als 
des Aias sieht 11, 587, scharen sich endlich Hektor 17, 128 die Leiche des Patroklos zu 
die Danaerhelden wieder um ihn, und der den Troern schleifen will, sie der Rüstung. zu 
Kampf kommt zum Stehen 11, 596. Bei dem berauben, naht Aias; Hektor läfst die_ Leiche 
Kampfe um die Mauer eilt er dem Menestheus liegen und verläfst den Kampfplatz. Aias aber 
zu Hufe, tötet den Epikles, der schon die Brust- umwandelt, vom Schilde gedeckt, schützend 
wehr erklommen, mit einem Steinwurf 11, 379 den Leichnam, während die Troer von allen 
und stöfst den Sarpedon 405 von der Mauer. Seiten einstürmen 17, 233. Obgleich er viele 
Nach Erstürmung derselben wendet sich Eo- tötet, fordert er doch, die Übermacht fürchtend, 
seidon, um die Schiffe der Achäer besorgt, den Menelaos auf, ihm Hilfe zukommen zu 
persönlich an die beiden Aias, sie zu tapferem 20 lassen. Die Achäer folgen seinem Rufe. Er 
Widerstände gegen Hektor und zur Verteidi- erlegt den Hippothoos, welcher die Leiche 
gung der Schiffe auffordernd und ihre Seelen schon am Fufse gefafst hat, ferner den Sche- 
mit Mut erfüllend 13, 46. Bei dem ersten An- dios und Phorkys. Mit dichtem Dunkel um- 
griff des Hektor stöfst Aias diesen mit der hüllt Zeus die um den Leichnam vergammelte 
Lanze zurück, als er den erschlagenen Amphi- Kämpfergruppe; nur mit Mühe gelingt es Aias, 
machos der Rüstung berauben wiU 13, 190; die von Schrecken erfafsten Genossen zu hal- 
auf ihn setzen die A-chäer, als sich der Sieg ten, da Zeus den Troern weiteren Sieg gewährt 
immer mehr auf die Seite der Troer neigt, ihre 356, bis er endlich seine verzweifelte Lage er- 
letzte Hoffiiung 13, 313; gegen ihn und seine kennend Zeus anfleht, das Dunkel zu zerstreuen. 
Schiffe führt Hektor seine Mannen 13, 681; 30 Als dies geschehen, geht er den Menelaos an, 
nur seine vmd des Teukros Krieger leisten Antilochos zu Achilles zu senden, ihm den Tod 
unter Leitung ihrer Führer so tapferen Wider- des Freundes zu melden und ihn dadurch zum 
stand, dafs die Troer schon daran denken, von Kampfe zu bewegen. Nunmehr tragen Merio- 
dem Sturme auf die Schiffe abzustehen 11, 723; nes und Menelaos die Leiche aus "dem Ge- 
da sammelt Hektor von Polydamas angeregt tümmel; Aias mit den Seinen deckt den Rück- 
die Tapfersten der Troer und führt sie in den zng 17, 716 vgl. Overleck a. a. 0. p. 425. Zum 
Kampf. Aias sucht den Hektor mit lautem Schlüsse sei noch der Wettkämpfe gedacht, 
Zurufe dadurch zurückzuschrecken, dafs er ihn an denen sich Aias bei Gelegenheit der Be- 
an sein nahe bevorstehendes Ende erinnert 13, stattung des Patroklos beteiligt; vgl. Mon. d. 
808 ; nur der Zorn der Götter habe die Grie- 40 Inst. 4 t. 31. Er ringt mit Odysseus 23, 708 ; 
eben in den letzten Kämpfen unterliegen lassen. zwei Gänge bleiben unentschieden, den dritten 
Vergeblich; Hektor antwortet in hochfahrender verhindert Achilles und giebt beiden den Preis. 
Weise und der entscheidende Kampf zwischen Auch der Waffengang zwischen ihm und Dio- 
den beiden Helden beginnt 14, 402. Der prah- medes bleibt unentschieden, da die Achäer, 
lende Hektor wird durch einen Steinwurf des um Aias besorgt, die Beendigung des Kampfes 
Gegners so getroffen, dafs er aus dem Kampfe wünschen. Beide teilen den Preis. Im Dis- 
getragen werden mufs 14, 412. Alsdann tötet koswerfen unterliegt er 23, 842 dem Polypoites. 
Aias den Archelochos 464 und Hyrtios 511. In der Odyssee 11,469 begegnet Odysseus 
Als nun Hektor von Apollo mit neuer Kraft dem Aias im Hades; dieser aber, erzählt jener 
ausgerüstet wieder auf dem Platze erscheint, 50 544, sei von ferne stehen geblieben, weil er 
wendet er sich 15, 415 gleich wieder gegen ihm noch gezürnt habe wegen des Sieges, den 
Aias, der den Klytios erlegt, als dieser im Begriff er bei dem Wettstreite um die Waffen des 
ist, Feuer an das Schiff zu legen 420. Aias feuert Achilles durch die Kunstfertigkeit seiner Rede 
zwardieAchäerzutapferer Gegenwehr an 520 ff., vor den Preisrichtern {Smaiö^svoi) über ihn 
sieht sich aber doch genötigt, den bisher mit davongetragen hätte; die Kämpfe seien von 
Glück verteidigten Strand und die Zelte zu Thetis angestellt worden; Richter seien die 
verlassen und sich mit seinen Genossen auf Söhne der Troer und Athene gewesen. Der 
die Borde der Schiffe zurückzuziehen, welche Selbstmord des Aias wird nicht ausgesprochen, 
er nunmehr mit einer mächtigen, 22 EUen sondern 11, 549 nur angedeutet; vgl. Welcher, 
langen, durch Ringe verstärkten Stange ver- 60 U. Schriften 2 p. 274. Als nun Odysseus ihn 
teidigt 15, 676. Aber auch von hier verdrängen um- Verzeihung bittet, 554, wendet er sich 
ihn die Troer; er flüchtet 15, 728 auf die Steuer- schweigend ab und geht zürnend davon. Auch 
bank, feuert von neuem die Achäer mit ge- über die Art und Weise des Gerichtes ergeht 
waltiger Stimme an und verwundet mit der sich Odysseus nur in Andeutungen. Aristarch 
Lanze jeden der mit Bränden sich dem Schiffe strich 547 nafäss Ss TQmcov e\ß. DenimWaffen- 
zu nahen wagt. So fallen binnen kurzer gericht unterlegenen Aias maltenParrhasios und 
Zeit 12 stürmende Troer 15, 746. Als ihm Timanthes im Wettstreite Flin. N. H. 35, 71, 
aber Hektor die Lanze mit dem Schwerte zer- vgl. Overheck, Schriftquellen 1699—1700, Lobeck 



121 



Aias Telam. 



Aias Telam. 



122 



Aias^ p.208 und dazu Welcher, ep. Cykl. 2 p. 180 
Anm. Die Darstellung des Redekampfes auf 
einem soliwarzfigurigen Vasenbilde Ann. d. 
Inst. 1865 t. F. ist von dem Drama beeinflufst, 
vgl. Brunn, troisch. Mise. 1880 p. 177. In der 
Unterwelt treffen wir Aias in Gesellschaft des 
Achilles, Patroklos und Antilochos Od. 11, 467 
u. 24, 17. Zusammen mit Helden, welche dem 
Odysseus feindlich gesinnt waren, stellte ihn 
dar Polygnot in der Nekyia der Lesche zu lO 
Delphi Paus. 10, 31, 1. 

B. Nachhomerische Sagen. 

a) Geburt, Jugend und Auszug nach 

Troja. 

Schon in den die Geburt und Jugend des 
Aias behandelnden nachhomerischen Sagen tritt 
der immer mehr um sich greifende Einflufs des 
Achilleusmythus zu Tage. Natürlich suchte 20 
man auch verwandtschaftliche Beziehungen her- 
zustellen. Während Pherekydes Telamon und 
Peleus nur als Freunde, nicht als Brüder an- 
erkennt (vgl. Apollodor. 3, 12, 6), gelten sie 
später allgemein als Söhne des Aiakos (s. d.) 
und der Endeis auf Aigina, sind also Enkel 
des Zeus, vgl. Dictys 2, 48, wo Aias infolge 
seiner Verwandtschaft mit Achill sich guten 
Erfolg von seiner Sendung verspricht, und 8oph. 
Aias 389. Telamon und Peleus müssen wegen 30 
des an ihrem Bruder Phokos begangenen Mor- 
des flüchten; so kommt Telamon nach Sala- 
mis. Er vermählt sich mit Periboia, der Tochter 
des Alkathoos, einer Enkelin des Pelops, so 
dafs Aias auch mütterlicherseits von Zeus ab- 
stammt {Apollod. 3, 12, 7. Xenoph. Kyneget. 1, 
9. Pam. 1, 42, 4) oder Eriboia {Pind. I. 6, 65. 
Diod. 4, 72. Tzetz. LyTc. 454. Seh. IL 16, 14) oder 
Meliboia {Istros bei Athen. 13 p. 557 a) oder 
Phereboia (bei PhereJcydes a. a. 0.) Die attische 40 
Sage hingegen berichtete, um ihn zu einem 
Athener zu machen, seine Mutter Periboia sei 
eine von den attischen Jungfrauen gewesen, 
mit denen Theseus zum Minotanrus gezogen 
sei Paus. 1, 17, 3, und habe den Theseus ge- 
heiratet Plut. Thes. 29. 

Den grofsen Boien entlehnt sind folgende, 
von Späteren mannigfach veränderte und aus- 
geschmückte Sagen, welche den Herakles zum 
Verkünder der Geburt des Aias und seiner 50 
Tüchtigkeit machen. Als jener nämlich nach 
Aigina kam, um Telamon zur Pahrt nach Troia 
abzuholen, findet er ihn schmausend: da stellt 
er sich auf seine Löwenhaut und betet, die 
goldene mit dem Weihetranke gefüllte Schale 
in den Händen haltend, zu Zeus, er möge dem 
Telamon einen Sohn schenken von solch' zäher 
Kraft, wie sein Löwenfell, und von solchem 
Mute, wie er selbst sei. Als Zeichen der Er- 
hörung aber sendet Zeus einen Adler {ataTÖs), 60 
und daher sei der Knabe Jüag genannt worden 
Pind. I. 5, 37 u. Schol. Apollon. 1, 1289. Schol. 
Theokr. 13, 38. Apollod. 3, 12, 7. Nach einem 
infolge wörtlicher Deutung des Gebetes ent- 
standenen späteren Mythus hüllte Herakles 
den bei seiner Ankunft schon geborenen Knaben 
in sein Löwenfell und betete zu Zeus für ihn 
um Unverwundbarkeit (vgl. Plato Symp. 



p. 219 E); nur die Stelle des Körpers, wel- 
che bei Herakles von dem Köcher bedeckt 
und deswegen von dem Pell nicht berührt 
worden war , blieb unverwundbar, eine Stelle 
an der Achsel, Hüfte oder Schlüsselbein, wie- 
derum eine den Achillesmythen nachgebildete 
Sage. Einen vorüberfliegenden Adler deutet 
Herakles auf Erhörung seines Gebetes und 
nannte nach ihm das Kind {Tzetz. Lyk. 455. 
457. ScJi. II. 23, 821. Argumentum zum Aias 
des Soph. Aisch. Thrak. in Sctwl. Ai. Soph. 
833. Philostr. Heroik. 719). Nach Lyk. und 
Tzetz. schenkte Herakles das Löwenfell dem 
Aias. Von der Unverwundbarkeit des Aias 
weifs die lliaa nichts; der Kampf mit Dio- 
medes 23, 822 beweist das Gegenteil. Bei 
Aesch. fr. 78 hingegen sucht sich Aias vergeb- 
lich in sein Schwert zu stürzen; es biegt sich, 
bis ihm ein Dämon die verwundbare Stelle zeigt. 
Falsch verstanden hat die Erklärung der ver- 
wundbaren Stelle der Scholiast zu Soph. Ajax 
815. — Wie Achilles dem Peneios, so weiht 
nach Philostr. Her. 720 Aias dem llissos sein 
Haupthaar. Als Jüngling gehört er zu den 
Freiern der Helena Apollod. 3, 10, 8. Hyg. 

Während aber in der IHas Aias als ein 
Hecke ohne Schuld und Fehle erscheint, ge- 
horsam gegen die Götter, nachsichtig und be- 
scheiden gegen die Mitmenschen und insofern 
sich wenig zu einem tragischen Helden eig- 
net, sannen die späteren Mythenbildner, be- 
sonders die Tragiker darauf, seinen in der 
Odyssee nur angedeuteten jähen Untergang 
durch Vergehen, welche er schon in seiner Ju- 
gend und vor dem Kriege mit Troia den Göttern 
gegenüber sich zu schulden kommen läfst, aus 
dem dadurch hervorgerufenen Hasse der Athene 
gegen ihn zu begründen und zu rechtfertigen. 
Wie Achilles' Tod eine tragische Folge ist 
seiner an der Leiche Hektors begangenen Grau- 
samkeit, so mufsten auch die Epiker und noch 
mehr die Dramatiker, welche seinen Selbst- 
mord zu besingen gedachten, ihm Eigenschaf- 
ten beilegen, welche der homerische Held nicht 
hat, allzugrofses Selbstvertrauen, Übermut und 
Verachtung der Götter, vgl. Welcker, kl. Schrift. 
2, 269fF. Welcker vermutet daselbst, dafs 'die- 
selben von ihm ausgestofsenen ßeden, welche 
bei Sophokles nach der Erklärung des Kalchas 
die Unzufriedenheit veranlafst haben, schon in 
dem alten Epos den Grund seiner Demütigung 
und seines Falles abgaben'. Soph.Aj. 762 wird 
erzählt, dafs, als ihm bei seinem Aufbruche nach 
Troia der Vater den weisen Rat gegeben TSKrov 
ÖOQSI ßovlov KqccTSiv (icv , avv &sä ä' äsl kqu- 
reiv, er in übermütiger Weise geantwortet habe, 
mit Hilfe der Götter könne auch der Schwache 
siegen, er hingegen gedenke auch ohne ihre Hilfe 
Ruhm zu erwerben. Und der Scholiast zu 217 
berichtet, um speziell den Hafs der Athene zu 
begründen, Aias habe die nach väterlichem 
Brauche auf seinem Schilde gemalte Athene 
weggewischt. Der Abschied von Telamon bild- 
lich dargestellt siehe bei Overbeck a. a. 0. 
p. 276. Der Auszug des Aias und Menestheus 
von Melite und ihr Abschied von Lykos, dem 
Bruder des Aigeus, auf der Kodrosvase Braun, 



123 Aias Telam. . Aias Telam. 124 

d. Schale des Kodros, Gotha 1843. C. I. Gr. Kampf 4, 17. Bei der Verfolgung der den von 

8440b. Jahn, archäol. Aufs. p. 181 ff. Philoktet getöteten Paris forttragenden Troer 

Nach Bictys 1, 13 trifft er zuerst von allen wird er , an der Mauer angelangt , Yon einem 

Helden an dem Versammlungsorte Argos ein, Steinregen überschüttet; sein Schild und die 

begleitet von seinem Bruder Teukros {Bares 14) Pfeile des Philoktet retten ihn. 5, 10 wird er 

und wird 1, 16, nachdem Agamemnon zum unter den Helden genannt, welche dazu erko- 

Oberbefehlshaber erwählt worden ist , neben ren sind, mit den Troern Frieden zu schliefsen. 

Achilles und Phoinix zum Anführer der Flotte Nachdem die Stadt genommen, fordert Aias 

gemacht. Später aber wird ihm 1, 19 neben aus der Beute das Palladium ; alle, selbst Dio- 

Palamedes, Diomedes und Idomeneus in Aulis lo medes, willigen in die Forderung; nur Odysseus, 

vom Heere der Oberbefehl gegeben, als das- von den Atriden unterstützt, verweigert es 

selbe den Agamemnon auf seine Weigerung, ihm. Aias hatte nämlich nach der Einnahme 

den Mord der heiligen Hindin zu sühnen, sei- der Stadt unter grofsem Beifalle des Heeres 

ner Stelle entsetzt hatte. Bei der Landung in den Tod der Helena als Sühne für das viele 

Mysien 2, 3 wendet sich das Kriegsglück den vergossene Blut gefordert; allein Odysseus hatte 

Griechen erst dann zu, als Achilles und Aias bewirkt, dafs sie dem Menelaos unversehrt 

die Leitung übernommen haben. Letzterer übergeben wurde. Daher der Zorn der Atri- 

tötet den Teuthranius, Bruder des Telephos (vgl. den gegen Aias. So wird denn dem Ulixes 

Achilleus S. 29 ff.). Bei der zweiten Zusam- das Palladium zugesprochen. Dies führt zu 

menkunft der Griechen in Argos liegt ihm, 20 einer Spaltung unter den Anführern 5, 16. 

Achilles und Diomedes die Sorge um das Heer Aias droht offen mit Rache; die Atriden um- 

ob 2, 9. Bei der Landung zeichnen sich be- geben sich mit Schutz wachen; die ihnen feind- 

sonders Achilles und Aias durch Tapferkeit lieh gesinnten Anführer scheiden mit Einbruch 

ans 2, 12. der Nacht unter Drohungen und Verwünschun- 
gen der Weiberhelden. Am Morgen findet man 

6) Die Kämpfe vor Troja. Aias von einem Schwerte durchbohrt. Das 

Aus der den Kämpfen des 10. Kriegsjahres Heer gerät in die gröfste Aufregung: allge- 
vorausgehenden Belagerung .berichtet die spä- mein werden die Atriden des Mordes besohul- 
tere Sage nur von einigen Beutezügen des Aias. digt, welche, von ihren Mannen beschützt, die 
Nach Soph. Aj. 20 S. u. 487 ff. zerstörte er auf 30 Öffentlichkeit meiden. Neoptolemos errichtet 
einem Raubzuge die Stadt des phrygischen den Scheiterhaufen und verbrennt den Leich- 
Königs Teleutas, führte dessen Tochter Tek- nam, dem 5, 16 die Griechen eine dreitägige 
messa mit sich fort und machte sie zu seinem Totenfeier bereiten. Am Schlüsse derselben 
Weibe. Von der Ermordung des Teleutas durch legen sämtliche Anführer mit Ausnahme des 
Aias sagt Sophokles nichts, um so die innige Odysseus, welcher entflohen ist, ihr Haupthaar 
Liebe der Tekmessa zu Aias , zu rechtfertigen. am Grabhügel des Helden nieder. Seine Söhne 
Ebenso nimmt Quint. 5, 540 an, dafs ihre El- Aiantides (Mutter Glauca) und Eurysakes (Mut- 
tern nach der Eroberung der Stadt vor Aias' ter Tekmessa) werden dem Teukros übergeben. 
Tode auf eine nicht näher bezeichnete Weise So die Sagen des Dictys im Zusammenhange, 
gestorben seien. Von der Liebe des Aias zu 40 Schliefslich sei hier noch erwähnt, dafs nach 
Tekmessa spricht auch Horaz 4, 2, 5. Anders Bares 35 Neoptplemus auf Aias' Bat aus Sky- 
die Erzählung des Bictys 2, 18, welcher zuerst ros herbeigeholt' wurde. 

von einem Einfalle des Aias in die thraki- Die nachhomerische Zeit hielt das Urteil 

sehe Chersonnes berichtet, wo Polymestor, ein der Ilias und Odyssee , welche den Aias für 

Schwiegersohn des Priamos, Herrscher war. Der den zweitgröfsten griechischen Helden vor Troia 

König ergiebt sich dem starken Feinde, liefert erklärte, fest, vgl. Alcaeus fr. 48. Seh. Pmd. 

den Polydoros, einen Sohn des Priamos, der ihm N. 7, 27. Soph. Aj. 1340. Hör. Serm. 2, 3, 

von diesem zur Erziehung übergeben war, aus, 193. Philostr. Her. 719 f. Bictys 4, 5 (vgl. 

zahlt eine grofse Summe Goldes, versorgt die Find. N. 2, 19. J. 4, 39. Ovid M. 13, 384. 
Griechen auf ein Jahr mit Getreide und wird 50 Plut. Conv. §. 9, 5, 1). 

Bundesgenosse derselben. Von dort geht Aias Schon oben ist darauf hingewiesen worden, 
nach Phrygien, erlegt den Teleutas im Zwei- dafs der Charakter des nachhomerischen Aias 
kämpfe, erobert und verbrennt die Hauptstadt insofern ein anderer ward, als sich ihm die 
und führt Tekmessa als Beute mit sich fort. Hybris zugesellte. Da nun die nachhomerische 
In der dem Anfange der Ilias unmittelbar vor- Poesie und zwar schon das Epos des Arktinos 
angehenden Zeit plündert er 2, 27 eine Menge und Lesches sich teilweise gegen die schliefslich 
Städte Kleinasiens und treibt die auf dem Ida siegreichen Griechen wandte , so wird jene 
weidenden Herden der Feinde weg. Ein an- neue Charakterzeichnung des Aias wohl auch 
dererRaubzugbeiDic<j/s2, 41. Bei den Leichen- auf dieses zurückzuführen sein. Zu den schon 
spielen zu Ehren des Patroklos geht er ibid. 3, eo angezogenen Beweisen gottlosen Hochmuts bei 
19 aus dem Faustkampfe als Sieger hervor. seinem Auszuge aus Salamis fügte die Dich- 
Nach 4, 14 läfst er dem Achill auf seine eignen tung nach Soph. Aj. 777 aus seinem Auf- 
Kosten am Sigeion das Grabdenkmal errichten enthalte vor Troja noch einen dritten hinzu, 
und zürnt den Griechen, weil sie den Verlust Als er einst von Athene im Kampfe zu emeu- 
ihres gröfsten Helden so wenig betrauern. Als tem Vorgehen aufgefordert wurde, entgegnete 
Neoptolemos nach Troja kommt, ehrt er den er ihr, sie möge sich zu andern Griechen 
Aiß,s wie einen Vater, und mit ihm zusammen stellen; bei ihm werde die Schlacht nicht wan- 
eilt er an der Spitze der Myrmidonen in den ken. So wird das Selbstgefühl der Ilias zu 



125 



Aias Telam. 



Aias Telam. 



126 



rückaichtslosem Hochmute , der ihn nach den 
Gesetzen der sittlichen Weltordnung, die das 
Drama lehrt, zum Untergange führen mufs. 

Aus Kunstwerken dürfen wir schliefsen, 
dafs er sich in den späteren Epen auch an den 
Kämpfen gegen die Amazonen und gegen Mem- 
non in hervorragender Weise beteiligte. Im 
Kampfe gegen eine Amazone dargestellt bei 
Bröndsted , Bronzes of Siris. In dem grofs- 
artigen Kunstwerke des Lykios, Myrons Sohn, lo 
zu Olympia Patts. 5, 22, 2, welches Achill und 
Genossen dem Memnon und seinen Genossen 
kampfbereit gegenüberstellte, während die bei- 
den Mütter den die Schicksale der Helden 
wägenden Zeus anflehen, war Deiphobos der 



Bei den Kampfspielen beteiligt er sich am 
Waffenkampfe gegen Diomedes 217 ff. , der 
Kampf bleibt unentschieden und wird vom 
Nestor getrennt; den von Thetis ausgesetzten 
Preis, vier lesbische Jungfrauen, welche Achill 
früher erbeutet, teilen sie unter einander; im 
Diskoswurfe und im Faustkampfe erhält Aias 
den Preis, da sich ihm kein Gegner zu stel- 
len wagt. 

Aus der Odyssee 11, 469, dem Scholion da- 
zu und Eustath. 1698 ergiebt sieh nun, wie 
ungefähr Arktinos die Sage des näheren be- 
handelt hat. In der Versammlung der Achäer, 
welche darüber entscheiden sollten, wem von 
beiden die von Thetis dem Retter des Leich- 



Gegner des Aias. Der Vorwurf dieser, auf nams ihres Sohnes ausgesetzten Waffen ge- 
einer halbkreisförmigen Basis freistehenden Erz- bührten, verfochten beide ihre Sache mit Wor- 
gruppe war dem Arktinos 
entnommen , vgl. OverbecJc, 
Gesch. d. gr. PV 1, 328 f. 
Aus rein schematischen, die 
Namen der Kämpfer ange- 
benden Vasenbildern, welche 
Kämpfe des Aias mit Troern 
darstellen, auf poetische Quel- 
len schliefsen zu wollen, wäre 
nach Brunn, troisch. Mise. 
1880 p. 181 f. falsch. Aias bei 
der Totenklage des Antilo- 
chos bei Philostr. imag. 2, 
7, kenntlich äno roü ßloav- 
90«; vgl. II. 7, 212. 

Die letzte grofse Helden- 
that des Aias, die Rettung 
der Leiche des Achillaus 
den Händen der Troer, in 
der Odyssee 5, 309 ff. nur 
kurz erwähnt, war ausführ- 
lich geschildert in der Äthio- 
pis des Arktinos; vgl. Seh. 
Arist. Equ. 1056. Die Worte 
des Proklos lauten: ''und als 
über dem Gefallenen ein har- 
ter Kampf entsteht, hebt Aias 
den Leichnam auf und bringt 
ihn nach den Schiffen, wäh- 
rend Odysseua die Troer ab- 
wehrt . . . Über die Waffen 
des Achill entsteht Streit zwi- 
schen Odysseus und Aias.' 
Nach Sopholcles Phüoht. 373 
schreibt sich Odysseus allein 
die Rettung der Leiche zu, 
wie er auch Ovid M. 13, 384 
sagt, er habe auf seinen 
Schultern den Leichnam und 
die Waffen des AchiU zu- 
gleich getragen. Anders bei 
Quintus 3 , 217 ff. Bei ihm 
beteiligen sich zwar auch 
Aias und Odysseus besonders 
ander Verteidigung, und Aias schlägt zuletzt die 
Troer in die Flucht 3, 362, allein das Herein- 
schaffen der Leiche geschieht währenddem ohne 
Erwähnung des Odysseus in aller Ruhe. Die 
betreff. Bildwerke b. Overbeck S. 540 ff. Aias 
erhebt 3, 427 zuerst die Totenklage um den 
Gefallenen, dann Phoinix, dann Agamemnon. 




Aias mit Achilleus' Leiche (vgl. Overbeck, Büdw. d. iheb. u. tr. U. S. 551 ff.). 



ten. Ausführliche Behandlung des Redekam- 
pfes bei Ovid U. 13, 284 ff. u. Quint. 5, 123 ff., 
vgl. Overbeck, G. h. B. p. 663 ff. und Lübbert, 
Ann. d. Inst. 1865 t. F. p. 82 ff. ; die Gemälde 
des Parrhasios und Timanthes siehe oben Ab- 
schnitt A. a. E. Allein da man zu keinem 
endgültigen Resultate kommt, schlägt Aga- 



127 Aias Telam. Aias Telam. 128 
memnon, um den Schein der Unpaiteilich- «ptcis bildeten die Troer als Ricliter den Chor; 
keifc zn wahren, vor, troische Gefangene zu aus der Nachahmung des Pacuvius (vgl. O. Jiib- 
Schiedsrichtern zu machen. An sie wurde die beck, röm. Trag. 218) Ämwrum mdtcium Wst 
Frage gestellt, wer von den beiden Bewerbern sich erkennen, dafs Aias den Vorschlag (des 
den Troern den meisten Schaden zugefügt habe. Agamemnon), um die Waffen zu kämpfen. 
Diese entschieden für Odysseus. Ebenso PM- von vornherein abwies dieselben für sich 
lostr Her 720ff., welcher behauptet, die Troer in Anspruch nahm und den Odysseus als 
hätten aus Hafs oder Furcht vor Aias gegen ebenbürtigen Gegner nicht anerkannte. Den 
ihre Überzeugung geurteilt, vgl. Quint. 5, 157. gleichen Stoff behandelten Accius m dem 
Tzetz Posthorn. 485. Bei Eustath. 859 erkennt w Drama gleichen Namens {Bihbeck a. a U p. 
Podaleirios den in den Augen des Aias auflo- 369), Theodektes im Drama Aias und Antisthe- 
dernden Zorn, vgl. Welclcer, hl. Sehr. 2, p. 274 nes in der Schulrede Aiocg. Vgl Loheck ad 
und dieser tötet sich denn auch nach Schol. Pind. Ajac. p. 363. Bei Accms beruft sich Aias auf 
Isthm. 4, 58 in früher Morgenstunde mit eigner den doppelten Anspruch der Geburt und der 
Hand Wahnsinn und Hinschlachten der Herde Tapferkeit'. Der zweite Teil schliefst sich an 
wird hier ebensowenig erwähnt, Tvie in der die weiter unten zu behandelnde Tragödie des 
Odvssee, (vgl. iedoch die Schilderung des Sophokles an. In dem mittleren Drama der 
Qumtus, welcher 5, 318 ff. u. 352 ff verschie- äschyleischen Trilogie &^r,aGai bildete der 
dene Sagen kontaminiert), wo im Gegenteile Selbstmord den Mittelpunkt. Der Chor bestand 
11 555 betont wird, dafs die Griechen seinen 20 aus kriegsgefangenen Frauen. Das Schlulsstucfc 
Tod gleich dem des Achill betrauert hätten, bildeten vielleicht die Zalap-tj'tai; vgl. Welcher, 
sondern der Zorn über die ihm widerfahrene kl. Schriften p. 276 f. ,. „ , ,, , 
Kränkung drückt ihm das Schwert in die Hand. Hingegen hat sich an die Behandlung des 
_ Der Dichter der kleinen Ilias hingegen liefs Stoffes durch Lesches (s. o.) Sophokles m sei- 
nach Seh. Äristoph. Equ. 1056 den Nestor dem nem Al'ccg fiatfriyo^ogos angeschlossen. Über 
Heere den Rat erteilen , einige Griechen an die Vorfabel des Stückes , welche den lod 
die Mauern Troias zu schicken, um die Ge- des Helden zur Folge hat, vgl. oben. Die 
Süräche der Troer zu belauschen und so zu Charakteristik des sophokleisohen Aias giebt 
erfahren, welchen der beiden Helden sie für Welcher, hl. Schriften 2, 84 , den Gang der 
den tapfersten hielten. Die Kundschafter aber 30 Handlung die alte Hypothesis des Dramas, 
hätten das Gespräch zweier troischer Jung- wozu vgl. TTeZcfc«»- a. a. 0. 293 ü. u. 326 ö u. 
frauen mit angehört, von denen die eine dem Schnüdewin-NaucV Einleitung z. boph Aia,s 
Aias den Vorzug gegeben, weil er die Leiche p. 45 ff Hier mögen nur einige charaktensti- 
des Achill aufgehoben und aus dem Getümmel sehe Eigentümlichkeiten der sophokleischen 
getragen habeT was Odysseus nicht hätte thun Darstellung Erwähnung finden. Vorher sei be- 
wollen Die andere aber habe ihr auf Einge- merkt, dafs der sophokleische Aias nicht nur 
ben der Athene (vgl. Proklos Exe.) widerspro- in vielen Charakterzügen, sondern auch we- 
chen Odysseus habe nun, sagt Proklos, nach gen der vielen Eemimscenzen in seiner sprach- 
dem Willen der Götter die Waffen empfangen, liehen Form an den homerischen Aias leb- 

Aias aber sei in Raserei verfallen, habe die im 40 haft erinnert. , , . - ■ . 

Kriege erbeutete Herde der Achäer vernichtet Nach Sophokles begründet Aias seine An- 

und sich selbst getötet. Sprüche auf die Waffen nicht sowohl durch 

Nach Eust. 285 gestattete der zürnende - seine Verdienste bei der Wiedergewinnung der 

Agamemnon die Verbrennung der Leiche nicht, Leiche des Achill, als durch seme rühmlichen 

vll Hör Sat 2, 3, 187 ff., während Quintus Kämpfe gegen den Hektor; besonders befont 

und Dictys dieselbe erwähnen. er 1276 ff den Zweikampf und die Vertei- 

Pindar folgt dem Arktinos, indem er den digung der Schiffe. Ja, Odysseus selbst giebt 

Selbstmord ohne vorhergehenden Wahnsinn es PMloht. 1350 zu, dafs dem Aias die Waf- 

erfolgen läfst N. 8, 23. 7, 25. J. 4, 57; vgl. fen gebühren. Ferner läfst Sophokles den 

OvidM l3 385 Tzetz. Posthorn. 490. Eustath. 50 Aias bei vollem Verstände den Racheplan tas- 

a a Bei ihm scheinen die Aussagen der sen (Schneidewin-Nauch a. a. 0. p 41), em 

Troer nur die Unterlage für die Abstimmung weiteres Motiv für Athene, die von ihr gelieb- 

der Achäer, welche selbst das Gericht bilde- ten Achäer und besonders Odysseus- vor Aiaa 

ten, abgegeben zu haben. So auch Chrysippos zu schützen und ihn, auch abgesehen von den 

hei Schol - Pind. Isthm. 3, 58. Bei Ovid n. früherenBeleidigungen,zu strafen. Eine weitere 

a stimmen die Achäerfürsten ab; er ist Erfindung des Dichters ist es, dals er den 

der erste welcher von Betrug bei der Abstim- Chor und Tekmessa durch eine voni Aias ge- 

mung spricht; es seien für Odysseus Stimmen haltene zweideutige Rede über sein wahres 

untergeschoben worden, und die Redekunst des Vorhaben, d. 1. den Selbstmord tauschen la&t. 

Odysseus habe auf diese Weise den Sieg da- 60 Während sie glauben , er ha,be ihren Bitten 

von getragen. In theatralischer Weise läfst Gehör gegeben, wolle sich am Meerstrande von 

Owd den Aias sich in der Versammlung mit dem Verbrechen reinigen, die beleidigte Gott- 

dem Schwerte durchbohren, während er bei heit versöhnen und das verderbliche Schwert 

Quintus (vgL Tzetzes u. Eustath. z. Od. 454) des Hektor vergraben, haben furihn und den 

geistig gestört die Versammlung verläfst. Zuhörer die von ihm gesprochenen Worte 

Die Darstellung des Arktinos liegt auch einen ganz anderen Sinn. Ferner pafste die 

der äschyleischen Trilogie zu Grunde, welche Schroffheit des im Hades weilenden Aias mit 

das Ende des Aias behandelte. In der Snlcov welcher er den Hafs gegen Odysseus festhalt 



129 



Aias Telam. 



Aias Telam. 



130 



(vgl. Hör. Sat. 2,3, 203), nicht zu den sitt- 
lichen Anschauungen , welche Sophokles auf 
der Bühne vertrat, nicht zu dem Zwecke, wel- 
chen er hei seiner Dichtung im Auge hatte, 
den Athenern einen ihrer bedeutendsten Stam- 
meshelden in seiner sittlichen Gröfse vorzufüh- 
ren. Es ist dem Aias Ernst mit seiner all- 
mählich vor sich gehenden Unterwerfung unter 
den Willen der Götter und unter die gesetz- 
lichen Einrichtungen. Auf 'unbändige Vermes- lo 
senheit' folgt 'grofsartige Reue' {K. Fr. Her- 
mann). Dieser auch von Welcker, kl. Sehr. 
286 ff. u. 322 ff. vertretenen Ansicht wider- 
spricht natürlich weder der selbstgewählte 
Tod , noch der vor seinem Ende gegen die 
Atriden und das ganze Heer geschleuderte, 
echt antike Fluch. Auch ein Achill würde 
seinen Groll mit in die Unterwelt getragen 
haben , wäre ihm von Agamemnon nicht Ge- 
nugthuung gegeben worden. Die Verteidigung 20 
des Aias , welche in dem redseligen Athen 
natürlich nicht fehlen durfte, ist von Sopho- 
kles in die Hände des Tenkros und des Odys- 
seus , des alten Nebenbuhlers gelegt worden, 
der hier in edler Uneigennützigkeit die Atri- 
den, welche die Bestattung verweigern, zum 
Nachgeben bestimmt und an der Aufhebung 
der Leiche selbst teilnimmt. Neu ist es auch, 
dafs Kalchas den Ausspruch thut, der Zorn 
der Athene werde nach der Entscheidung 30 
nuf noch einen Tag währen; würde Aias die- 
sen überleben , so würde er gerettet sein. 
Die tragische Ironie läfst diese Kunde den 
Aias zu spät erreichen: sie findet nur einen 
Toten. Was das Waffengericht betrifft , so 
wirft zwar Teukros dem Menelaos Betrug vor, 
der Beweis aber wird nicht erbracht. (Anders 
der Scholiast zu 1135, nach welchem die Ent- 
scheidung durch die einzige falsche Kugel des 
Menelaos herbeigeführt wurde.) Der Fürsten- 40 
rat entscheidet unter Leitung der Atriden 
in heimlicher Abstimmung 98. 100. 302. 390. 
443. 449. 838. Durch das innige, zarte Ver- 
hältnis , welches den Helden mit Tekmessa 
und seinem Sohne verbindet, hat Sophokles 
die rauhe Gröfse des Aias dem Menschenher- 
zen viel näher gerückt. Wie schön ist ferner 
das zwischen dem Herrn und den den Chor 
bildenden salaminischen Schiffsleuten waltende 
Verhältnis! Auch das innige Gefühl und der 50 
SinÄ für die ihn umgebende Schönheit der Na- 
tur 863, sowie die heifse Sehnsucht nach dem 
Vaterlande sind Zuthaten des Dichters, welche 
das Gemüt des Zuschauers dem unglücklichen 
grofsen Helden zuwenden müssen. Die engen 
Beziehungen zu Athen hat Sophokles beson- 
ders in den Chören zum Ausdruck gebracht. 
DieSchiffgleute(202 Erechtheiden genannt) wün- 
schen die Heimkehr nach Athen 121 f. Aber 
auch Aias nimmt Abschied von Athen 821 ff.; 60 
vgl. Schneidewin-Nauclc' Einleitung p. 63. 

Nach Sophokles dichtete einen Atas fiai.- 
vöiisvog Astydamas der Jüngere, einen Jiccg 
Karkinos und Theodektes von Phaseiis, Livius 
Andronicus den Ajax mastigophorus , Ennins 
den Ajax und TelamQ; Pacuvius Armorum iu- 
dicium und Teueer, Accius den zweiten Teil 
von Armorum iudicium und Eurysaces, Julius 

RosCHEB, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. 



Cäsar Tecmessa. Auch Octavianus Augustus 
hat sich an einem Drama Ajax versucht {Suet. 
Oct. 85. Macrob. Sat. 2, 4. Suid. v. Avyova- 
rog; \gl. Lydus de mens. 3, 39). Einen Mimus, 
die Raserei des Aias darstellend, welche un- 
mittelbar nach seiner Niederlage im Waffen- 
gericht selbst ausbrach , erwähnt LuJcian de 
saltat. 82 u. 46. 

Die vom Drama beeinflufsten bildlichen 
Darstellungen des Redekampfes siehe bei 
Overheck a. a. 0. 563 ff. vgl. Carl Meyer, Ann. d. 
Inst. 1836 p. 22 ff. Lübbert, Ann. 1865 p. 82 ff. 
*. P. Heydemann, Neapol. Vas. n. 3358. Bib- 
beck a, a. 0. p. 222 ff. Brunn, troisch. Mise. 1880 
p. 177. Aias im Wahnsinn gemalt von Timoma- 
choB Clc. in Verrem 4, 60, 135. Plin. n. h. 7, 38, 
126. Anth. Plan. app. 1. Pal. n. 83. Philostr. 
Vit. Apoll. 2, 22; vgl. 0. Jahn, Bilderchronik 
p. 29. Stephani, compt. rend. 1869, 44 f. Zu 
den Darstellungen des Selbstmordes siehe Over- 
beck G. h. B. 568. Bull. Napol. N. S. 1 t. 10. 
Man. d. Inst. 4 t. 33. Heydemann, arch. Ztg. 
1871 , 60 ff. Nur etruskische Künstler haben 
sich an der Wiedergabe dieses für die Vasen- 
malerei kaum darstellbaren Gegenstandes ver- 
sucht. Das die Auffindung der Leiche durch 
Diomedes und Odysseus darstellende Bild (vgl. 
Brunn, troisch. Mise. 1880 p. 177) weicht von 
der sophokleischen Darstellung ab. 

Auch das spätere Al- 
tertum betrachtete das 
Unterliegen des Aias im 
Wettstreite als eine Un- 
gerechtigkeit, vgL Pind. 
1. 3, 54. Plat. Apol. p. 41 B. 
Aristot. Päan auf die'ÄQS- 
TCL 14. Epigr. des Aristot. 
Pepl. 7 (Bergk p. 508). 
Epigr. d. AsklepiadesAnth. 
Pal 7, 145. 

Dem vom sophoklei- 
schen Aias ausgesproche- -*-'^' sinnend unter den 

nen Gedanken 466 f, ob T'""^'T,n'T'?".l.',T 

, . . ' Karneol Wverb. S. 6C7). 

er sem wahnsmniges Ver- 
fahren nicht durch einen von ihm allein aus- 
geführten Angriff auf Troia und durch den damit 
notwendiger Weise verbundenen Tod sühnen 
könne und solle, entspricht die Erzählung des 
Philostr. Her. 721, wonach die Troer den Aias 
im Wahnsinn noch mehr fürchteten als vor- 
her und den Poseidon und Apollo um Beistand 
gegen ihn anflehten; vgl. Bibbeck ine. frg. 33. 
Während Philostratus aber damit den Selbst- 
mord des Aias verbindet, erzählt die Hypo- 
thesis z. Soph. Aj. a. E., dafs er, bei einem 
solchen Angriffe auf Troia von Paris verwun- 
det, blutend in das Schiffslager zurückkehrte; 
vgl. Dares 35. Ebenso berichtete nach Tsetz. 
Lyk. iGi der alexandrinische Grammatiker An- 
tikleides, dafs Aias von Paris mit dem Pfeile 
verwundet gestorben sei. Die Angaben des 
Dictys s. o. Eine andere Angabe der Hypo- 
thesis erzählt, die Troer hätten ihn infolge 
eines Orakels, weil er unverwundbar gewesen, 
mit Erde überschüttet und so erstickt, welche 
Wendung Sophron frg. 44 benutzte. Telamon 
beschuldigte den Teukros des Mordes, doch 
konnte sich dieser rechtfertigen. Paus. 1, 28, 2. 




131 Aias Telam. (Kult) Aias Telam. (Kult) 132 

Nach Quintus 5, 654 legten die Achäer und den Aias ihm gleichsam unterordnen, von 
seine Gebeine in eine goldene Truhe und häuf- der Hand eines Atheners herrühren. Doch mo- 
ten über derselben nicht weit vom Khoiteion gen die Athener , um ihre Ansprüche auf die 
einen grofsen Grabhügel, welcher später nach Insel zu begründen, schon vor Selon bemuht 
Strabo 13 595 ein Heroon erhielt. Auch Philostr. gewesen sein, sich den Aias durch den Mythos 
Her 721 n. Eustath. z. II. 285 berichten, dafs zu verbinden. Nach Didym. b. Schal. Find JSI. 
er auf Weisung des Kalchas als Selbstmörder 2, 19 u. Flut. Sol 10 überliefsen die höhne 
nicht verbrannt, sondern begraben worden sei, des Aias Eurysakes und Philaios gegen Üm- 
und dafs als Odysseus weinend die Waffen des tausch des attischen Bürgerrechtes Salamis an 
Achill auf dem Grabe niederlegen wollte, es lo Athen; ersterer liefs sich in Brauron, der an- 
ihmTeukros verwehrt habe. In einem zur Zeit dere aber in Melite nieder. So wurde Aias zum 
der Antonine vom Meere an den Strand ge- Stammvater des Peisistratos (Flut. a. a U. 
spülten riesigen Skelette wollte man das des Pherekydes b. Mareellm. v. Thuc. 3), desMü- 
Aias erkennen. Der Kaiser liefs es wieder tiades und Kimon PhereJc. a. a. 0. Merod. 6, 
bestatten Faus. 1, 35, 3. Nach einer bei den 35, 4, des Harmodioa Fiat. Symp. 1, 10, 3 und 
späteren Bewohnern von Troi& gehenden Sage des Alkibiades Flut. Alle. 1 p. 121 a bo war 
trieb das Meer die bei dem Schiffbruch ver- er der Ahnherr zweier berühmter atheniensi- 
loren gegangenen Waffen des Achilles bei dem sehen Familien, der Philaiden und Eurysakiden. 
Grabhügel des Aias ans Land Faus. 1, 35, 4. Kleisthenes nahm den Aias (nach Herod. 5, 66 
Anth. Fol 9, 115. 116; vgl. 2, 146-148. Nach 20 mit Rücksicht auf jenen^Vers ^des bchifis- 
Ftol. 5 (Westerm., Mythogr. p. 192) hingegen kataloges) in die Zahl der ijeeo^s sKoi'tjfioi aut, 
wurde nur der Schild angespült und, auf das und sowohl er als sein Sohn genossen in Athen 
Grab gelegt, vom Blitze getroffen, vgl. Anal. noch zur Zeit der Antonme götthche Uhren 
«Jöj'trjr n. 390. Aus seinem Grabe blühte nach Faus. 1, 35, 2. 1, 5, 2. Ihnen war der Tag 
Euphorion fr. 36 (Mein.) eine rote Hyakin- nach dem Neumonde sowie der zweite Becher 
thosblume auf; vgl. Theohr. 10, 28. Faus. 1, des Mahles geweiht; ein Gebot des Drakon 
35 3 Ovid. M. 13, 394. Die Blätter der Iris sprach ihnen alle Erstlinge der Fruchte zu 
communis sind nämlich mit AI gezeichnet. und befahl ein jährliches Opfer von Festkuchen 
Nach Faus. 3, 19, 11 weilt er nebst andern Forphyr. de abst. 4, 22. Seme Phyle luhrte 
Helden mit Achill zusammen auf der Insel so den Namen AlavtCq und erfreute sich ganz.be- 
Leuke, während nach platonischem Mythos PZaf. aonderer Vergünstigungen In den Choren 
Fol 620 (vgl Flut. Q. com. 9, 5) die Seele durfte ihr niemals der letzte Platz zugewiesen 
des Aias in Erinnerung an das ungerechte werden, und bei Marathon stand sie aut dem 
Urteil aus Unwillen gegen die Menschenge- äufsersten rechten Flügel, Flut Q. com. 1, 10, 
stalt den Körper eines Löwen zum Wohn- 2.3. Herod. 5, &6 nemi Aias aQi6Toye,tcov kui 
sitze wählte. Bei LuMan dial. mort. 29 ist er ai(i(iaxog. Ygl. Flut. Themlh. Vor der Schlacht 
wie in der Odyssee in der Unterwelt; nach den bei Salamis riefen die Athener ihn um Hille 
verae Histor. 7 aber rast er noch, als er in an und weihten ihm nach gewonnenem biege 
die Unterwelt kommt, so dafs die Bewohner der einen phönizischen Dreiruderer^^ Herod. 8 , 64. 
Insel der Seligen zweifelhaft sind, ob sie ihn in 40 121. Seine Statue als eines jiQmg inmvviiog 
ihre Gemeinschaft aufnehmen sollen, besonders stand in Athen unweit des Kathauses Faus. 1, 
da er Selbstmörder ist. Bhadamanthys aber 5, 2; auch befand sich daselbst ein ihm ge- 
fällt das Urteil, er solle Helleborus trinken weihtes Lectistermum mit Vollrustung i^mrf. 
und dem Hippokrates zur Kur übergeben wer- N. 2, 19. So wurde denn a,uch seine Mutter 
den um dann an dem Gelage der Heroen teil- Briboia zu einer Athemenserm Xenoph. Kyneg. 
zunehmen 1> 9- Diodor 4, 72 und Fhilostr. Her. 721 er- 
zählen, er habe sein Haar dem attischen Flusse 
C. Kultus. llissos geweiht, den Eurysakes nach attischer 
Der Ausgangspunkt der Verehrung des Aias Sitte erzogen und nach vaterländischem Brauche 
ist seine Heimat Salamis, deren Heros er war 50 dessen dritten Geburtstag im Monat Antheste- 
Pind JV 4 68 (76). Er hatte daselbst einen rion gefeiert, wobei er sich attischer Opter- 
Tempel mit Bildsäule aus Ebenholz. Das ihm krüge bedient habe. Nach semem Tode hatten 
zu Ehren gefeierte Fest hiefs AlavrEi«, woran die Athener seine Leiche ausgestellt und Me- 
sich Athen noch zu Pausanias' Zeit {Paus. 1, nestheus habe die Leichenrede gehalten 
35, 2) durch Epheben beteiligte; vgl. Hesych. Es ist na,türhch, dafs wir die Verehrung 
V Mävriia. Corp. I. gr. 108. 232. K Curtius, des Aias auch m dem Staate finden, welcher 
Nachr d. Ges. d. W. zu Göttingen 1860 n. 28. Athen den Besitz von Salamis so lange strei- 
A Mommsen, HeoHologie p. 411. Nach der tig machte, inMegara. Die Megarer machten 
Erwerbung von Salamis unter Selon suchten seine Mutter Penboia zu einer Tochter ihres 
die Athener den grofsen Helden, den die Insel 60 Königs Alkathoos; in dem megarisehen ByzMz 
gezeugt auf alle mögliche Weise zu dem ihren wurde er neben Achilles verehrt (vgl He- 
zu machen. Schon im Altertume galten die sych. Miles. Bes patr. Constata. p. 47 Codm\ 
Verse des Schiffskataloges, nach welchen Aias de orig. Const. p. 2), mit welchem Kultus a,uch 
zueinemNachbarund Kampfgenossen der Athe- der Name der am Bosporus gelegenen btadt 
ner wird für eine von Solon oder Peisistratos Aianteia in Zusammenhang gebracht wird Hio- 
veranlafs'te Interpolation, ebenso wie die Verse, nys. Byz. Anapl. Bosp. Thrac. p 91. Das 
welche den Athener Menestheus als einen der goldene Bild der Athene im Athenetempel von 
ersten griechischen Fürsten vor Troia hinstellen Megara soll nach Pausanias Ansicht (1, 52, 4) 



133 Aias d. Lokrer Aias d. Lokrer 134 

Ton Aias herrühren. Die Megarer lasen die Rosse Achills aus Feiijdeshand 17, 507. 531, 
oben angezogenen Verse des Schiffskataloges wobei er dem Menelaoswd Meriones seinen 
nach Plut. tiol. 10 u. Strabo 9, 294 so, dafs Schutz angedeihen läfst. Bei der Leichenfeier 
Aias als Führer der Salaminier und Megarer Achills gerät er infolge seines hochfahrenden 
erschien. Bin berühmter Tempel des Helden Wesens mit Idomeneus 23, 473 in Streit; Achill 
stand auf dem Vorgebirge Ehoiteion; er ent- schlichtet denselben, später aber wird Aias von 
hielt die Statue desselben Plin. 5, 125. PaMS. dem durch Athene unterstützten Odysseus, 
1, 35, 3, welche Antonius der Kleopatra nach welche ihn in den Kot der geschlachteten 
Ägypten schickte , Augustus aber zurückgab Binder geraten und hinstürzen läfst, im Wett- 
iStrabo 13, 595. Derselbe Schriftsteller (14, 672) lO laufe besiegt 23, 754, so dafs er nur den zweiten 
erwähnt ein Al'avTog tä^v/ia rov Tsvtiqov, Preis, einen Stier, erhält. Auf einem vulcenti- 
welches sich in der kilikischen Stadt Olbe im sehen Wandgemälde ist Aias bei der Leichen- 
Tempel des Zeus befand: «al ot nlstatoC feier des Patroklos dargestellt: Mon.d.Inst. 6 
y« tmv iSQtveaiiivcov (ovo[i,d^ovxo TevKQOi ij t. 31. Bei Phüostr. imag. 2, 7 ist er auf 
A'CavTsq. dem die Trauer des Achilles um Antilochos 

Hinsichtlich der nicht im Texte erwähnten darstellenden Gemälde kenntlich anb zov itoC- 

bildlichen Darstellungen des Aias vgl. /lov , an dem Ausdrucke der Entschlossenheit, 

Müller, Handb. d. Archäol. d. Kunst p. 416 vgl. oben Aias 1 p. 125 u. Phüostr. Her. 706. 

Vi. Brunn in Pauly, B.^ 1, 628; die Etymologie JSug. Pappenheim erklärt Philol. II. Supplem. 

und Deutung des Namens folgt am Schlüsse 20 p. Iff. II. 2, 528—630. 23, 449—498 und den 

des folgenden Artikels. ÖQÖfiog 23, 754ff. teilweise für interpoliert, vgl. 

Von dem grofsen Al'ag ist zu scheiden p. 10: 'Die Zeit, welcher die ersten drei Vier- 

xT»- JC11.J /-v-i -1-T1. teile unserer Ilias angehören, kennt den Lok- 

n. Aias der Sohn des Oileus, gevsrolinlich .■ 1 • ^/r i tr ' r t- i.i- 1 -i 

der kleine oder der Lokrer e-enannt • '^r Aias als amen an Mut, Kampfestu«htigkeit, 

der Kleine oder der L,okxer genannt. Gemeinsinn , Disziplin nicht nur tadellosen, 

A. Hamerische Sagen. sondern geradezu hervorragenden Mann' und 

Al'ag 'Oilidärig {IL 16, 330; 'OU^og 2, 527), p. 15: 'der Dichter beider Stücke in ?P hat 

Sohn des Oileus, Königs der Lokrer, und der von dem Helden nicht mehr die Achtung und 

Eriopis 13, 697, Halbbruder des Medon, 2, 727. Verehrung gebietende Vorstellung, wie die Sän- 

13 , 695, führt die Lokrer in 40 Schiffen nach 30 ger der früheren Rhapsodien, das Bild, das ihm 

Troia und zeichnet sich daselbst fast durch- von , Aias vorschwebt , ist in ein pejus ver- 

weg im Vereine mit dem Telamonier Aias wandelt.' 

kämpfend (2, 406. 4, 273. 280. 285. 5, 519. 6, Die Odyssee erzählt von ihm 4, 499 ff., dafs 
.436. 7, 164. 8, 262. 10, 298. 12, 265. 342. 354. er, als die Flotte der Achäer infolge der be- 
13, 46. 197. 201. 16, 555. 752. 17, 507. 531. gangenen- Frevel 4, 499ff. 5, 108 (vgl. 1, 327. 
669. 731. 747. 18, 157; Ngl. Bröndsted, Bronzen 3, 133 ff. u. Eustath- z. d. Stelle), von Athene 
V. Siris p. 50 ff. Scholl, Soph. Ajax Einl. p. 40 an den gyrischen Klippen (an der Südostspitze 
n. 50 ff.) durch trotzigen Mut und wüde Tap- von Euböa, nach anderen in der Nähe von My- 
ferkeit aus. Im Gegensätze zu jenem durch konos und Naxos) zerschellt wurde, er zuerst 
Körpergröfse hervorragenden und als schwerer 40 in die Tiefe sank, von Poseidon aber auf die 
Hoplite kämpfenden Helden ist er von kleiner Felsen gerettet ward. Als er aber kaum ge- 
Statur, daher jificov genannt (bei den Lateinern rettet hochmütig prahlte , er werde trotz des 
gewöhnlich nach dem Vater benannt, vgl. Cic. grimmen Hasses der Göttin dem Meere ent- 
Tusc. 3, 29, 17. de or. 2, 66, 365. Verg. Aen. 1, fliehen, habe Poseidon mit dem Dreizack den 
41. Ovid. M. 12, 617. Syg. 81. 97. 114. Biet. Felsen gespalten und den Teil, worauf Aias 
Oret. 1, 6. Sil. 14, 479); nur mit einem Leinen- safs, in die Fluten gestürzt. Sein Frevel aber 
panzer angethan {Xivo^taqT]^) glänzt er als zog einen grofsen Teil des Griechenheeres ins 
Leichtbewaffneter, wie die Lokrer überhaupt, Verderben. Nach Plin. 25, 60 malte Apollo- 
(vgl. 12, 717), im Speerkampf, worin er alle an- dor den Untergang des Aias, möglicherweise 
dem Hellenen übertrifft. 2, 530, während er im 50 das Gemälde, welches Phüostr. imag. 2, 13 
Lauf nur dem Achilles nachsteht 23, 791 f., vgl. schildert, vgl. Brunn, die phüostr. Gem. p. 259. 
2, 520, daher der Beiname To:%i)s(Sbr. c. 1, 15, 18). Woraus der Hafs der Göttin entstanden, sagt die 
Seiner Tüchtigkeit sich bewufst, erbietet er sich Odyssee nicht. Dafs aber eine feindliche Stim- 
zum Zweikampfe mit Hektor 7, 164; nach PoMS. mung der Athene gegen Aias infolge seines 
5, 23, 5 stellte ihn Onatas in der Statuengruppe Übermutes schon vor der Eroberung von 
der um den Kampf mit Hektor losenden Helden Troia, mit welcher der Zorn der Göttin von 
dar. Mit Erfolg beteiligt er sich , von Posei- den Kyklikern gewöhnlich in Verbindung ge- 
don angefeuert, an dem Kampfe um die Schiffe bracht wird, bestand, geht aus dem oben er- 
13, 46; dem von ihm erlegten Imbros haut er wähnten Verfahren der Göttin bei den Leichen- 
13, 126 den Kopf ab und rollt denselben dem so spielen des Patroklos hervor. Dazu kommt 
Hektor vor die Füfse; drängt 13, 701 mit dem noch, dafs sie ihn durch den Sturz in den 
grofsen Aias die Troer zurück, tötet 14, 442 Mist und durch das anhaltende Ausspeien des 
den Satnios und 521 viele der vor ihm her- Kotes im Angesichte des ganzen Heeres öffent- 
fliehenden Feinde, nimmt 16, 330 den Kleobu- lieh lächerlich macht, ein drastisches G«gen- 
los gefangen und schlägt ihm das Haupt ab. stück zu der Selbstüberhebung, welche seine 
Auch an der Verteidigung der Leiche des Pa- zu Idomeneus gesprochenen geringschätzigen 
troklos nimmt er in hervorragender Weise teil, Worte bekunden. Er hatte somit einer uns 
17, 256. 732. 752 ; ebenso an der Rettung der nicht weiter bekannten 'Sage nach durch seine 

5* 



135 Aias a. Lokrer Aias d. Lokrer 136 

Hvbris den Zorn der Göttin schon früher ge- Lasche zu Delphi berichtet, dafs Aias auf der- 
weckt Bildet er also bei Homer schon seiner selben mit dem grofsen Aias, Pa amedes und 
äufsern Erscheinung und seiner Kampfart nach Thersites, sämtlich Feinden des Odysseus, wur- 
einen schroffen Gegensatz zu dem grofsen Aias, felnd dargestellt war, und hinzufugt, der Haft 
so gilt dies auch von seinem Charakter und des Aias gegen Odysseus stamme daher, dafs 
seinem Gebaren gegen die Götter, gegen seine dieser den Hellenen geraten, den Aias wegen 
Feinde und gegen seine Landsleute. Kennzeich- des Frevels an Kassandra zu steinigen, so 
net schon das mehrfach erwähnte Abschneiden würde sich das Ganze der Sage bei den Ky- 
des Kopfes des besiegten Gegners den rohen klikern wohl folgendermafsen gestalten :Odys- 
Helden so steht damit in engem Zusammen- lo seus klagt den Aias der Vermessenheit {tol- 
hange seine Prahlerei, die Begleiterin der ^V«) an, dafs er die Kassandra von dem Al- 
Rohheit. Deshalb steht er im Rufe eines lieb- tare der Athene auf den sie gefluchtet war 
losen Zänkers und Lästermaules. Und so ruft und den sie umfafst hielt gewaltsam wegge- 
ihm denn Idomeneus IL 23. 483 zu: Aias, im rissen und dabei das Götterbild von seinem 
Zanke der erste, Du Lästerer ! Anderer Tugend Postamente heruntergezogen habe, und bean- 
trägst Du wenig im Volk, da Dir unfreund- tragt Steinigung. Allem Aias weifs sich zu 
lieh Dein Herz ist. (Vgl. Pappenheim p. 15f.). rechtfertigen und wird freigesprochen. 

Der Charakteristik des Homer ist die bei An diese Fassung der Kykliker lehnte sich 
Phüostr Her. 706 gegebene angepafst. Dieser jedenfalls Sophokles in semem Aiag AoyiQog 
erzählt, dafs Aias als Held auf gleicher Stufe 20 an. Während man nämlich m früherer Zeit 
mit Diömedes und Sthenelos gestanden habe, {Heyne, Brunck) den Untergang des Aias als 
dafs seine Einsicht aber eine schwächere ge- Vorwurf der Tragödie annahm, vermutet TTeZ- 
wesen sei. Dem Agamemnon sei er nicht cker a. a. 0. p. 131 mit weit grofserer Wahr- 
freundlich gesinnt gewesen , weder den Atriden, ^cheinlichkeit , dafs der Frevel an Kassandra 
sagt er noch einem andern werde er dienen, und das Achäergericht dem Dichter den btoö 
so lange er noch seinen Speer schwingen könne. geliefert habe. Der Gang des Dramas wurde 
Nicht der Helena wegen sei er nach Troja alsdann gewesen sein: Frevel an Kassandra, 
gekommen, sondern um die Barbaren den Hei- Aufstand der Griechen, Gericht und Los- 
fenen dienstbar zu machen. Philostr. erwähnt sprechung. Die Angabe des Zenobms 6, 14 
aufserdem seinen wilden Blick, sowie das tro- so mg cpnaiv AiaxvUg iv ^tavtt -lo«?» beruht 
tzige Schütteln des Haupthaares, welches die nach Dmdorf, dem TTeZcfcer beipflichtet, aut 
Entschlossenheit seines Charakters gekenn- Verwechselung von ^icjl^ios mit Ä^oxlr/S. Hin- 
zeichnet habe (to xng yvm^ng 'izo^i-ov). gegen berichtet Ätosir.ifer. 706 Agamemnon 
^ < ' ■- \i2A)e. die Jungfrau gesehen, als Aias eben im 

T, T^ r, T. • j TT-^vuvn. „„,1 fli-n oi-oTi Begriff war, sie in sein Zelt zu führen, habe 

B. Der Sagenkreis der Kykliker und die sich ^^g ^ ^.^ \^r\i^\,i, sie dem Aias weggenom- 

daran anschliefsenden späteren Sagen. j^g^ „^j^ als bei Verteilung der Beute dieser 
In den Kreis der Äthiopis würde nach sie als von ihm erbeutet in Anspruch nahm 
Bröndsted die Darstellung des Kampfes des und Streit darüber zwischen beiden entstand, 
Aias mit einer Amazone auf einer Bronze von 4o sie nicht herausgegeben unter dem Vorgeben, 
Siris gehören, vgl. Jahn, arch. Aufs. p. 168. Aias habe gegen die Athene gefrevelt. 
Über den in der Iliupersis geschilderten Frevel Von emer Schändung der Kassandra durch 
an Kassandra sagt. Proklos folgendes: 'Als Aias, noch dazu an geweihter Stelle weifs die 
Aias der Sohn des Oileus, die Kassandra mit Sage der Kykliker und des Sophokles nichts. 
Gewalt fortschleppen wollte, rifs er auch das Ihr folgen Verg Aen. 2, 403. Hyg. 116. Ms 
Pallasbild mit tbrt; deshalb wollten ihn die 5, 12. Jzete. Posthorn 735, und ausdrücklich 
darob erzürnten Achäer steinigen. Er fluch- widersprochen wird der Schändung von Phi- 
tete sich aber an den Altar der Athene und lostr. Her. 10<öu.TzeU. Lykophr. 360. Aberm- 
vrarde so aus der drohenden Gefahr gerettet'; vgl. folge eines unter 'Kultus naher zu beschreiben- 
Welcker, ep. CyU. 2 p. 185 u. 522. Der Kas- 50 den Sühnopfers, welches die Lokrer jährlich 
sandraraub dargestellt auf dem Kypseloskasten seit uralter Zeit der troischen Pallas dar- 
Paus. 5, 19, \. Eurip. Iroad. 69 ff. Zahlreiche brachten, und welches auf ein schweres Ver- 
Bildwerke bei Overhech G. h. D. p. 615. 617. brechen, an der Jungfräulichkeit der Gottm 
635. Heydemann, Mupersis p. 29, 4. E. Cur- begangen, schliefsen liefs, war es naturhch, 
tius in Arch. Ztg. 1882. S. 159 ff. Taf. 8; vgl. daft die gelehrten Mythenbildner durch den 
iedoch Bohert, Bild und Lied S. 71. Die be- Mythus einen Zusammenhang herzustellen such- 
deutendsten in diesen Sagenkreis gehörigen ten und deshalb das Vergehen des Aias bis 
Gemälde waren die lUupersis des Polygnot in zum höchsten Grade steigerten. So als erster 
Delphi Paus 10 26, 3 und in der Stoa Poi- Kallimachos sv Jitwis Seh. IL 13, 66 bchneide- 
kile zu Athen Paus. 1, 15, 2, gewifs in An- 60 win fr. 13 d und im Anschlufs aii diesen Ly- 
lehnung an die Iliupersis gemalt, wenn auch kophr. 360. 1141 f Prop.J 1 USS Servim 
bei dem delphischen Gemälde Lesches nicht ^ew. 1, 41. Plut.T.^.y. 651. Mo 13 p. 895. 
■ genannt wird, vgl. Welcher, gr. Tr. 1, 163. Quint. 13, 422. Iryphiodor p.-647 Eustathius 
Den Mittelpunkt des ersten Gemäldes bildete z. Od. 1460; vgl. Ctc. de or. 2, 66, 265 
das Achäergericht, den des zweiten der Eeini- Nach ProMos YerlegbeHegias in den Kosten 
gungseid dSs Aias am Altare der Athene. den Sturm, welcher die Gnechenflotte vernich- 
Zieht man nun noch Paus. 10, 31 ff. heran, tete, und den Tod des Aias an die kapherischen 
wo dieser von der Nekyia des Polygnot in der Felsen (Südostende von Euböa), ebenso die mei- 



137 



Aias d. Lokrer 



Aias d. Lotrer (Kult) 



138 



Krieger mit Helm und Schwert, im Angriife den 
Schild vorhaltend, vgl. EcMiel doctr. num. vet. 2 
p. 192 ; aufeiner Münze, vielleicht der epiknemidi- 
schen Lokrer, findet sich der Kopf der Pallas und 
ein Blitz, beides mutmafs- 
lich in Zusammenhang zu 
bringen mit der oben an- 
gezogenen Sage vom Un- 
tergänge des Aias durch 



sten andern Quellen; in der Anordnung (erst 
Sturm, dann Untergang) folgen ihm Lykophr. 365 
—467. Sabinus epist. 1,75. Didys 6,1. Die umge- 
kehrte Folge, erst Tod des Aias, dann allge- 
meiner Untergangb./SewecaJ..?. 547 IF. Hyg. 116. 
Quintus 14, 532 ff., vgl. auch Eurip. Troad. 69fif. 
Kallimachus Seh. II. 13, 66. Verg. A. 1, 43 u. 
Servius. Ovid. M. 14, 468 ff. Bictys 6, 1 u. 
TTcZcfcer, ep. Cj/R 2 p. 280. BeiVergil Aen. 1, „ 

43 u. Hyg. a. a. 0. tötet Athene selbst den lo den Bhtz der Athene, vgl. 
Aias durch einen Blitzstrahl, vgl. die lokri- EcMel a. a. 0. p. 191f. O, 

sehen Münzen unter C. Kultus, das Gemälde ' ' - . - ~ 

des ApoUodor bei Plin. 35, 60 Ajax fulmine 
incensus u. PUlostr. imag. 2, 13. Einen Mimus, 
die Ai'avTos iv xaig nixgaig uTicöleia darstellend, 
erwähnt LuUan de saltat. 46. Auch betreffs 
des Todes des Aias weicht PUlostr. Her. 707 
in manchen Zügen von der gewöhnlichen Dar- 
stellung ab. Agamemnon habe, um den oben 




Jahn, arch. Aufsätze Tp. 16S. 

Nach Schol. Pind. Ol. 9, 166 

wurden in Opus AlävxHa ge- ^^^^ ^- °p"'- 

feiert, und ein bei Tzetzes Lyk. 365 erwähntes 

Trauerfest, bei welchem ein Schiff verbrannt 

wurde, erinnert an das brennende Schiff bei 

der Leichenfeier des Aias vor Ilion (s. c). Auch 



die epizephyrischen Lokrer ehrten das An- 

, erwähnten B,aub der Kassandra zu rechtfertigen, 20 denken ihres grofsen Stammeshelden dadurch, 
imGriechenheereverbreitet, die erzürnte Athene dafs sie für ihn in der Schlachtreihe emen 



werde das Heer vernichten, wenn sie nicht den 
Aias töteten. Da habe dieser, eingedenk des 
Todes des grofsen Aias und des Palamedes, in 
einem kleinen Fahrzeug nachts Troia verlassen 
und sei gegenüber Tenos und Andres bei den 
Gyren untergegangen. Als aber die Kunde 
von seinem Tode zum Heere gelangt sei, habe 
sich grofsartige Reue und Trauer der Gemüter 



Platz freiliefsen; als einst der Krotoniate Auto- 
leon es versuchte, durch die Lücke in die Reihen 
der Lokrer einzubrechen, wurde er so schwer 
verwundet, dafs er nach Ausspruch des Orakels, 
nur von Aias geheilt werden konnte. Er be- 
gab sich deshalb nach Leuke und fand dort 
Heilung. Conon narr. 18 (== Westerm. Mythogr. 
p. 131) u. Paus. 3, 19, 11 erzählt, dafs ihn 



bemächtigt. Und zur Sühne hätten sie sein 30 die italischen Lokrer in der Schlacht gegen 
Schiff mit Holz angefüllt, wie zu einem Schei- '■■ i^— ^— --' '—• ^"- o-^-i-i".. «i.« 

terhaufen, schwarze Opfertiere geschlachtet, 
schwarze Segel aufgezogen, es fahrbereit ge- 
macht und, als der Wind vom Ida kommend 
zu wehen angefangen, das Schiff entzündet und 
in die hohe See hinausgesandt. Dort sei es 
verbrannt. 



Einzelheiten der späteren Sage. 



die Krotoniaten anriefen. Den Schlufs mache 
die Erzählung der Sendung lokrischer Jung- 
frauen nach Troia. Tzets. zu Lykophron 1141 
berichtet: Drei Jahre nachdem die Lokrer von 
dem Zuge gegen Troia wieder heimgekehrt 
waren, brachen Seuchen und Mifs wachs aus, 
weil der Frevel an Kassandra noch ungesühnt 
war. Das Orakel, darum befragt, antwortete, 
Athene werde wieder versöhnt werden, wenn 



Nach Hyg. 97 ist seine Mutter die Nymphe 40 die Lokrer 1000 Jahre lang jährlich zwei durch 



Rene; er stammt nach Strabo 9, 425 aus Na 
ryx oder Narykos, Stadt der ozolischen Lokrer, 
daher Ovid. M. li, 468 Narycius heros. Als 
ehemaliger Freier der Helene {Apollod. 3, 10, 
8 u. Hyg. 81) zog er in den troischen Krieg, 
nach Hyg. 97 mit 20 Schiffen, begleitet von 
einem fünf Ellen langen Drachen PUlostr. Her. 
706, der ihm wie ein Hund folgte, und den er 
auch im Schilde führte, und erlegte vor Troia 14 
Troer Hygin. 114. — Aristot. Pepl. 16. Bergk 
p. 510 erwähnt sein Grab auf Mykonos; nach 
Kallitn. Seh. II. 13, 66 begrub ihn die mit- 
leidige Thetis, nach Lykophr. 402 auf Delos, 
nach Teetz. z. Lyk. a. a. 0. auf der Klippe 
Tremon, wohin der Leichnam von den gyri- 
schen Felsen her verschlagen worden war, un- 
"ter Beihilfe der übrigen Nereiden. Nach sei- 
nem Tode verweilt Aias mit Achill und an- 
deren Helden auf der Insel Leuke Paus. 3, 19, 



das Los zu bestimmende Jungfrauen nach Troja 
schickten. Da die TVoianer die zwei ersten 
vor der Stadt töteten und ihre Asche ins 
Meer warfen, suchten die nächsten heimlich 
in Troja einzudringen, wo sie den Dienst 
im Tempel der Athene verrichteten. Daraus 
entwickelte sich der bei Lykophron geschil- 
derte Brauch, nach welchem sie bei ihrem 
Kommen unter Todesängsten eine nächtliche 
Bergk 50 Jagd des Pöbels , der sie mit Stöcken etc. 
verfolgte, zu erleiden hatten. Entkamen sie 
ihren Verfolgern, so kehrten sie das Heilig- 
tum der Göttin mit nackten Füfsen und blie- 
ben bis ins höchste Alter ehelos. Nach der 
Erzählung der Hier Strabo 13, 600 f begannen 
diese Sendungen kurze Zeit nach der Einnahme 
von Ilion, sie scheinen aber erst zur Zeit der 
Perserkriege eingesetzt worden zu sein {Strabo 
13, 601) und bestanden nach Plutarch Ttigl 



llyi. Comn narr. 18 {Westerm. Mythogr. p.ni),e() TävßQaäsmgzitiiOQoviiivcav t. 2 P-^557 noch 

Ygl.AchilleusTp.b6il. Hingegen verneint iw- - ^ ""■ ^ ^ ^ 

kian Ver. 2, 17 seinen Aufenthalt auf der 
Insel der Seligen, weil er gottlos gewesen. 



C. Kultus. 
Die opuntischen Lokrer verehrten Aias als ihren 
Stammesheros; daher wird er auf ihren Münzen 
(s. d. Abbildg.) dargestellt, und zwar als nackter 



zu dessen Zeit; vgl. Euphorion p. 28. Poly- 
bius 12, 5 p. 393. Enniush. Servius Aen. 1, 41. 
Aelian b. Suid. v. notvri. Jantblichm V. P. 42. 
Eckhel a. a. O. p. 262 f. Welclecr, gr. Tr. 1, 
164. Preller, gr. Myth. 2, 461. 

Eine Statue des jugendlichen, unbärtigen 
Aias ohne Waffen erwähnt ühristodor Anthol. 
Pal. 2 v. 209 ff. 



/ 

139 Aiatos Aigaion 140 

Aietes (^ijjtrjs, lat. auch Aeeta), Sohn des 

VI. Etymologie nnd Deutung. Helios und der Okeanide Peraeii {Hes. Theog. 

Soph. läfst den Aias Vers 430 seinen Namen 957, Äpollod. 1, 9, 1) oder Perse [Persa] {Eom. 

von dem Weherufe al ableiten, Yg\. Etym. M. Od. 10,139. Äp.Bh.i,b9t. Hygin. praef.), oAsi 

■ u. Eustafh. p. 127, während in den grofsen der Antiope nach Eumelos b. Schol. Find. Ol. 

Eoeen und bei Pindar (siehe oben) Al'ag mit 13, 74 (53), wo erzählt wird, Aietes habe von 

ai8t6g in Verbindung gebracht wurde. Döder- Helios zuerst die Herrschaft über Korinth er- 

lein Gl. n. 997 übersetzt es mit 'der Staunens- halten und sei von da nach Kolchis ausgewan- 

werte', Hermann mit 'der Bewegliche' von dert. (Vgl. auch Epimenides u. Biophantos b. 
al'aaco. Da jedoch die Vaseninschriften die lo Schol. g. Äp. Eh. 3 , 242). Seine Schwestern 

ursprünglich digammierte Form des Namens waren Kirke und Pasiphae {Hom. Od. 10, 136. 

festgestellt haben Jl'J=ag, ('vgl. Des Vergers Apoll, a. a. 0.), seine Gemahlin die Okeanide 

TEtrurie et les Etrusgues 1 pl 21 u. 22. Bull. Idyia (Hes. Th. 960), oder die Eurylyte, oder 

arch. 1860. N. 5, p. 117), so bringt Sonne, Hekate (mehr b. Schol. Ap. Bh. 3, 242; vgl. 

Kuhns Ztschr. 10 p. 126 u. Anm. denselben Biod. 4, 45), oder die Nereide Neaira (Soph. 

in Zusammenhang mit indog. aiva, skr. e«;aLauf, b. Schol. z. Ap. Bh. 3, 242), seme Kinder Absyr- 

Gang, gebilligt von Brugman, Stud. z. griech. tos (s. d.), Medeia und Chalkiope {Apollod. 1, 

u. lat. Gramm. 4, 180. Die Bedeutung 'der 9, 1. 23). Nach 4p. Bh. 3, 242 zeugte Aietes 

Schnelle, der Läufer' würde aber nur auf den den Absyrtosmitderkaukasischen Nymphe Aste- 
schnellen Sohn des Oileus, nicht auf den grofsen 20 rodeia, noch ehe er sich mit der Idyia vermählte . 

Aias, den miles statarius passen, welcher nie- (vgl. auch Soph. b. Schol. z. Ap. Bh. 4, 223). 

mals bei Homer ein derartiges Beiwort hat. Diorfor 4,45 (vgl. -Efi/3. f. p. 31 Bm.) nennt dage- 

(Die Stellen, die Ebeling, Lex. Hom. für raxve gen Aietes den Bruder des Perses, des Königs 

citiert, beziehen sich beide auf denkleinenAias). von Taurike, mit dessen Tochter Hekate, einer 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs zwei ver- Prevlerin und Giftmischerin, Aietes die Kirke, 

schiedene Stämme dem gleichlautenden Namen Medeia und den Aigialeus gezeugt haben soll, 

beider Helden zu Grunde liegen. Ein Flufs Aietes war König von Aia (s. d.), seine Burg 

Al'ag in Epirus in der Nähe von Epidamnus stand in der Stadt Phasis {Menand. Protect. 

wird von /S«ra&o 6, 271. 7, 316. Ovid. Met. 1, p. SU Bonn). Berühmt ist er namentlich durch 
580 erwähnt, vgl. Plin. N. H. 3, 145 Flumen 30 die Argonautensage geworden. Später wurde 

Aous, a quibusdam Aeas nominatum. Ein Vor- er von seinem Bruder Perses seiner Herrschaft 

gebirge Aianteion, auf Magnesia s. bei Ptolem. beraubt , aber von Medeia wieder eingesetzt 
3, 13, 16. Plin. n. h. 4, 9, 16, 32. Bursian, (Apollod. 1,9, 28). Seinem Charakter nach 

Geogr. v. Griechenl. 1 p. 101. [Fleischer.] ist er oXoöcpgmv und tofiög (Hom. Od. u. Biod. 
Aiatos (Ai'aTog), Sohn des Pheidippos, Vater a. a. 0.). Vgl. die Artikel Argonauten, lason 
des Thessalos, Bruder und Gemahl der Poly- und Medeia. Nach Xen. An. 5, 6, 37 war Aie- 
kleia, ein Heraklide; Steph. Byz. s. v. //cöptbv. tes noch in seiner. Zeit der gemeinsame Name 
Polyaen. 8,44. Vgl. auch Paus. h. Eust. Hom. der Könige von Kolchis. Bildwerke: Clarac, 
p 331, 21 und Zenöb. 4, 29, wo Aiatog statt Mus. de sc. pl. 199 (Pariser Sarkophag), Arch. 
'AQucTog zu schreiben ist. [Boscher.] 40 Ztg. 1847 Taf. 3 (Vase v. Canosa; vgl. 0. I. 
Aichmagoras (Al%^ay6gag), Sohn des Hera- Gr. 8424).' Philostr. im. 11. Vgl. H. Brunn 
kies und der Phialo, der Tochter des Arka- . in Paulys BealencycU 1, 1, 222. [Röscher.] 
ders Alkimedon. Nach der Geburt des Aich- Aiga siehe Aix u. Amaltheia (Hyg. Astr. 

magoras wurde derselbe samt seiner Mutter 2 , 13). 

im Gebirge ausgesetzt. Das Wehgeschrei des Aigaion (^^yatW), 1) Sohn des Uranos und 

Kindes hörte ein Häher (Kiaaoc) und ahmte der Gaia (Hesiod. Th. 147; Apollod. 1, 1, 1; 

dasselbe nach. Als nun zufällig Herakles vor- Hygin. p. 27 Bu.), so genannt in der Sprache der 

überkam, hörte er die Stimme des Vogels und Menschen, Briareos in der Sprache der Göt- 

ging derselben , in der Meinung , ein Kind ter (Hom. H. 1, 403). Nach II. 1, 396 ff. ist er 

schreien zu hören, nach. So fand er Mutter 50 hundertarmig, mit gröfserer Gewalt begabt als 

und Sohn, befreite sie aus ihren Banden und sein Vater. Als die Olympier Hera, Poseidon 

rettete das Kind. Davon heifst eine nahe und Athene den Zeus fesseln wollten, rief The- 

Quelle Kissa (Häherquelle). So lautet die Phi- tis schnell den Aigaion zu Hülfe auf den Olymp, 

galische Sage bei PaMS. 8, 12, 3— 4. [Röscher]. und er setzte sich (kvösC yaimv) neben Zena, 

Aichmodikos (AlztiödiKog) , Geliebter der so dafs die Götter sich fürchteten, den Zeus 

Metope oder Amphissa, der Tochter des Bebe- zu fesseln. Seine Brüder waren Gyges(Gyes)^ 

tos, s. d. Schol. Od. 18, 85. [Schultz.] und Kottos. Alle drei werden als ungeheure 

A'idoneus s. Hades. Biesen geschildert mit 50 Köpfen und 100 

-, Aidos (Aläeig, AiSm), Personifikation der Händen, daher der Gesamtname der Hekaton- 

■ Sittsamkeit , welche für eine Beisitzerin des 60 cheiren oder Centimanen (IjiaröyjisteEs od. Exa- 

Zeus und Amme der Athene galt, weswegen xöyxeiqoi, centimanus Gyes Hör. carm. 2, 17, 

ihr auch in Athen auf der Akropolis ein AI- 14; 3, 4, 69; centumgeminus Briareus Verg. 

tar errichtet war: Hes. Op. 200. Soph. 0. G. Aen. 6, 287; bei Hesiod. Th. 502 auch Ovqa- 

1268. Paus. 1, 17, 1. Anth. 2, 341. Luc. Am. vCSai). 

37. Sviid. Bekk. An. 355. Eustath. II. 1279, 42, Aus Furcht vor dem Ubermais ihrer Kralte 

(22 , 451). Ein uraltes Bild der Aidos befand schliefst sie Uranos ins Innere der Erde. Die 
sich nach Paus. 3, 20, 10 in der Nähe von Mutter Gaia, darüber betrübt, sinnt auf List, 
Sparta. Vgl. auch C. I. Gr. 7421. [Boscher.] die That des Uranos zu rächen, und sucht für 



141 Aigaion Aigaion 142 

ihren Plan die nicht eingekerkerten Söhne, ger («oTtstr- rvntsiv Hes.) Früher nahm man 
die Titanen zu gewinnen. Der listige Kronos nach G. Hermanns Vorgang Gyges als »Mem- 
erbietet sich das Werk zu übernehmen, und 6ro", Gliedermann, Gliederkräftiger. [Sehr 
Gaia verbirgt ihn, mit einer Sichel bewaffnet, wahrscheinlich hat zu der Vorstellung vielarmi- 
im Hinterhalt Als nun mit Einbruch der Nacht ger Meeresriesen auch die BeobachtungderPoly- 
Uranos die Gaia zu umarmen sich anschickt, pen beigetragen, die oft eine bedeutende Grofse 
entmannt Kronos den Vater {Hesiod. Th. 147ff.). erreichen und dann selbst Menschen gefährhch 
Nachdem hierauf mit dem Sturze des Uranos werden: vgl. Leng, Zoologie d. alten Griechen 
zeitweilige Befreiung der Hekatoncheiren er- m. Bömer S. 618 ff. Piiw. Ar.B.9, 30,48. Darstel- 
folo't isUApollod. 1, 1, 5; Eesiod. ölOff u. 618), lo lungen solcher Polypen, vielleicht zu Amulet- 
werden sie — wetzen erneuter Unbändigkeit — ten bestimmt, finden sich auf den ältesten zu 
abermals eingekerkert, dann aber durch Zeus, Mykenai ausgegrabenen Goldsachen: vgl Schlie- 
der sie im Kampfe mit den Titanen braucht, end- mann, Mykenai Nr. 240 u. 424 MücMofer, 
ffültiff befreit (vgl. JEres»0(?.rÄ. 147 f. 616f.734ffi, Die Anfänge der Kunst 5. 29 ff. Koscher], 
wo eine sehr lebendige Schilderung der Kampf- Mit dieser Auffassung smd denn auch zum 
weise der Hekatoncheiren [sie schleudern Felsen] Teil die weiteren Sagen im Einklang, die sich 
segeben ist- Palaeph. de incred. 20. Nonn. Dia- im Laufe der Zeit an den Namen Aiga,ion-Bria- 
nm 39 287) und zu Hütern der in den Tar- reos angeknüpft haben. Nach der einen die- 
taros hinabgeschleuderten Titanen bestellt. Im ser Sagen ist er der Sohn der Gaia und des 
Widerspruch damit versetzt sie Hes. Th. 811— 20 Pontoe {Eumelosh. Schol.Äpollon.Mh. 1, 1165), 
819 in die Tiefe des Okeanos, und Poseidon nach einer anderen der Sohn des Poseidon 
macht den Briareos zu seinem Schwiegersohn, {Eust. ad II. 1, 397ff., Ed. Bas. ^. 122, 31 u 
indem er ihm die Kymopoleia zur Gemahlin 124, 3), oder der Thal assa (Ion b. Schol. 
giebt (Über die verschiedenen Erklärungen Apoll, a. a. 0.); eine dritte macht ihn zu emem 
dieser Stelle vgl. Schümann, die Hesiod. Theog. Meerungeheuer, das mit seinen Riesenarmen 
p 227—240) Eine Abweichung von der obi- die Wale umklammert (Ovid. Met. 2, 10. bchol. 
senDarsteUung, die offenbar den Kern des ur- z. Apoll. Bh. a. a. 0.), eine vierte (euhemeristi- 
sprünelichen Mythos enthält, bildet die Sage, sehe) zu einem gewaltigen Meeresherrscher, der 
■ dafs Aigaion im Titanenkampfe nicht Bundes- von Euböa aus die Herrschaft über sämtliche Ky- 
«enosse der Olympier, sondern der Titanen ge- so kladen an sich rifs {Eust. a. a. 0. 123, 37 ff.), wo- 
wesen sei (Eumel. b. Schol. Apollon. Bh. 1, 1165. mit es denn auch zusammenhängt, dafs nach He- 
Verci Aen 10 565 ff.), und ganz aus diesem s^/cÄ. s.v. Ttiravido! die Insel Euboia als Tochter 
Eahmen heraus tritt die Erzählung II. 1, des Briareos galt. Ahnlich die Sage hei Eust. 
394ff (vgl Nonnus Dionys. iS , SGiS. -and 12^,34:11. Tarrhaeosh. Schol. Apoll. &. a,.ü., di& 
Cernut denat. deor. 17 p. 172 ed. Osann), nach ihn als Biesen schUdert der, aus Euböa vertrie- 
welcherAigaionBundesgenossederThetiswar, ben, in Phrygien am Flusse Ehyndakos nicht 
als Hera Poseidon und Athene den Zeus zu weit vom Meere unter einem Hügel begraben 
fesseln gedachten, wo sich seine Stärke als liege, aus welchem an 100 Quellen hervorbre- 
sewaltiser erwies als die seines Vaters Posei- chen, welche Hände des Briareos heifsen. — 
don (Schol u. Eust. z. d. St. p. 122 u. 124). 40 Und auch anderweit fehlt mrgends die Bezie- 
Vergl die gefstvoUe' Betrachtung Welckers, hung zu dem Meere und der Meeresherrschalt. 
Götterl 3 156 über diese Variation des Mythos. So wenn er für den Erfinder der Kriegsschiffe 
Die Hekatoncheiren sind wohl Personifika- galt (Archemach. b. Plin. 7, 57), oder wenn er 
tionen der gewaltigen Naturkräfte, die zur Zeit als Schiedsrichter zwischen Helios und Posei- 
der Entstehung des WeltaUs sich regten don auftritt und dem letzteren den Isthmos, je- 
und in ihrer Gewaltthätigkeit selbst" die Exi- nem die Burg von Korinth zuspricht (Paus. 2, 1, 
stenz ihrer Erzeuger, des Himmels und der 6; 4, 7); oder wenn er mit Poseidon die Fehde 
Erde in Frage stellten; sie stehen also auf aufnimmt und von diesem ms agaische Meer 
eleicher Stufe wie die Titanen und die drei versenkt wird, das von ihm den Namen tragt 
Kvklopen Brontes, Steropes und Arges 50 (Schol. Apoll Bh. a. a. 0., Claud. rapt. Pros. 3, 
(Preller Gr Jkf. Ip. 41ff.). Der Name Aigaion 345, Steph. Byg. s. Kagvatos), oder endlich, 
führt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf wenn er mit seinem gewaltigen Haar die Sonne 
die Kraft des tosenden Meeres, da er von al- verdunkelt wie das aus dem Meere aufsteigende 
vss den hochaufsteigenden Springfluten (gleich- Unwetter (Nonn. Dionys. 39, 287). Die spätere 
viel ob dies Wort auf ai% Ziege oder auf in- Sage freilich hat von der ursprünglichen Aut- 
EiVfl) [CMrtiMs] zurückgeht), von at'y'S» von dem fassung nur das Bild des Eiesen bewahrt: 
Beinamen des Poseidon^^yo:fos(P?ierefc.b.&Äo?. daher hiefsen die Säulen des Herakles auch 
Avoll Bh 1 831 Strabo 9, 405) nicht wohl Säulen des Briareos, Betageco OTrjXai Hesych. 
zu trennen ist Aigaion war auch Beiname Schol. zu Dionys. Perieg. 64 u. 456 ; Pind. Nem. 
des Poseidon, Philostr. v. Apollon. 4, 6. Am eo 3, 38. Ja nach Arist. b. Aelian. v.h. 6. 3 
natürlichsten denkt man dabei an das Erd- ' war dies der ältere Name: erst nachdem He- 
beben welches sich die Alten als Folge des rakles Meer und Erde von den Unholden ge- 
empörten Meeres dachten {Preller a. a. 0.). säubert hatte, wurde der Name ihm zu Ehren 
Gves wäre dann der Repräsentant der ttoarj geändert. Vergl. dazu Izetz. cxeg. II. p. 23, 
als (Ap Bh 2, 595; vgl. yvr}S, YvCov, yvaXov; 11 ff.: Beiäpfcos »j» Hecc-ulrie naXcciotSQOS Va- 
Kiaa ist nach Cwrtius Grundz.'- 157 verwandt ter des Herakles nennt ihn Zenoh. 6, 48. Daher 
mit .iiJros (Höhle) und jtoaog; vgl. «üfia kvq- endlich bei Vergil die Verwechsluag mit den 
rov KVQxa>&sv b. Hom.), Kottos der Sohlä- Giganten {Verg. Aen. 6, 287, und Servius z. d. 



143 Aigaios Aigesthios 144 

St., ib. 10, 567, Callim. hymn.in Bei. 141; vgl. nehmer Troer ein und heiratete eine derselben 

auch C. I. Gr. 8182). Kallimachos versetzt inSicilien, wo sie denAigestos gebar. Dieser 

ihn an Stelle der Giganten Typhon und Enke- nahm die einheimische Sprache und Sitte an 

lados unter den Ätna. Bei Verg. Äen. 10, 567 und kehrte später mit Erlaubnis des Priamos 
erscheinen die 50 Köpfe feuerspeiend: ein Zug," -während des trojanischen Krieges in sein Vater- 

der sonst in den Quellen nicht wiederkehrt. land zurück, entkam aber nach Trojas Fall 

In Betreff der bildlichen Darstellungen, mit Elymos nach Sicilien (so auch Schol. zu 

die Aigaion mit Blitz und Dreizack ausgerüstet Lykophr. 965, wo Elymos ein unechter Sohn 

oder Felsen schleudernd zeigen, s. Gaedechens, des Anchises heifst und Serv. V. A. 5, 73). 
Glaukos d. Meergott S. 117 und den Aufsatz lo Dort trifft er mit Aineias bei dessen Landung 

von Vinet, Bevue archeol. 10 p. 200 ff. — 2) zusammen, der für ihn die Städte Aigesta und 

Eiuer der ruchlosen Söhne des arkadischen Elyma gründet, vgl. Aineias Abschn. 12. Diese 

Königs Lykaon, den Zeus tötete. Apoll. 3, 8, "Wendung der Sage kennt auch Servius zu F. 

1. [Bernhard.] A. 5, 30; merkwürdig ist dort die Notiz, dafs 

Aigaios [Alyatog) 1) Beiname des Poseidon Aigesta (Segesta) , nach Troja zurückgekehrt, 

(s. d.): Strab. 9, 405. Verg. Aen. 3, 74. Phe- die Gattin des Kapys geworden sei und den 

rekyd. b. Schol. Ap. Eh. 1, 831. — 2) des Ne- Anchises geboren habe. Nach Sirafto 6 p. 254. 



reus: Stat. Theb. 5, 49. — 3) Alyatog Ttotafioe, 272 halfen dem Aigestos bei der Gründung 

Flufs auf der Phäakeninsel (Kerkyra): Ap. Bh. Aigestas Genossen des Philoktetes. Vgl. auch 
4, 542. 1149. Er galt nach dem Schol. z. d. 20 B. Stühle, Philologus 15 S. 601 ff. d) Die Na- 

St. und Steph. Byz. s. v. 'TUetg als Vater mensform schwankt zwischen AiysaTog Dion. v. 

der Melite (s. d.), der Geliebten des Herakles. H. und Alysarrig Schol. zu Lylophron u. Stra- 

[Roscher.] bo (?), die Form Acestes bei Vergil (vgl. S^- 
Aige {Aiyri, lat. Aege) Amazonenkönigin, gin. ed. M. Schmidts. 148, 12) setzt eine grie- 
Eponyme des ägäischen Meeres, in welchem chische Form 'Jxe'ötjjs voraus, die sich aber 
sie stirbt. Paul. Diacon. p. 21. [Klügmann.] bei griechischen Schriftstellern nicht findet; 
Aigeiros {AlysiQog), eine Baumnymphe, Toch- vielleicht in mifsverstandener Ableitung von 
ter des Oxylos und seiner Schwester Hama- aKsrcfl-at „der Heiler"; bei Vergil 5, 718 heifst 
dryas: Ath. 3, 78 b. [Röscher,] die Stadt Segesta Acesta, nach Cic. Verr. 
Aigeoneus (Alyemvsvg), Sohn des Priamos: 30 act. 2, 3. § 83 (vgl. Plin. n. h. 3, 91) waren* 
Apoll. 3, 12, 5. [Röscher.] die Acestenses (od. Acestaei) eine denSegesta- 
Aigestes (Aiyiexrig, auch 'EyECiTjs, Aiyeexog) nern benachbarte Gemeinde. Der Name Aiys- 
lat. Acestes), 1) Sohn des sicilischen Flufsgot- exog ist wohl nicht griechischer Herkunft. Die 
tes Krimisos und einer Troerin Egesta oder Sage selbst deutet an, dafs Acestes und Bly- 
Segesta, der den Aineias in Sicilien freundlich mos schon angesiedelt waren, ehe die Aineias- 
aufnimmt Verg. Aen. 1, Idb. 550 ff. 5, 36 ff. sage in der Westecke Siciliens anlangte. In Be- 
711ff. Ov. M. 14, 83. Heyne zu F. A. 5. Exe. treff der Herkunft der sicilischen Elymer von 
1. a) Hauptstelle Servius zu F. A. 1, 550 : Als den asiatischen Elymäem vgl. Holm, Gesch. Sic. 
Laomedon dem Poseidon und Apollo den Lohn 1, 86 ff. und DuncJcer, G. d. A. 4* 87 f Ace- 
für die Erbauung der troischen Mauern ver- 40 stes wurde aber in die Aineiassage aufgenom- 
weigert hatte, und Poseidon das Land von ei- men und scheint mit ihr nach Latium gekom- 
nem Seeungeheuer verwüsten liefs, dem nach men zu sein. Darauf deutet hin: 2) Aigestos 
Apollos Ausspruch edle Jungfrauen zum Frafs ein Lavinischer Priester. JDion. H. 1, 67. Als 
ausgesetzt werden mufsten , sendeten viele die von Lavinium nach Alba Longa gebrachten 
Troer üire Töchter in die Fremde, so auch Götterbilder der Penaten immer wieder nach 
Hippotes oder Hippostratos seine Tochter Egesta. Lavinium zurückkehrten, wurde Aigestos an 
Diese kam nach Sicilien, wo der Flufsgott der Spitze von sechshundert Familienvätern 
Krimisos, der die Gestalt eines Bären oder von Alba Longa dorthin zu ihrer Pflege zu- 
eines Hundes angenommen hatte, mit ihr den rückgesendet. Vgl. Schwegler B. G. 1, 319. 
Acestes zeugte. Dieser wurde der Gründer der 50 Preller-Jordan B. M. 2' S. 313. 330, der mit 
Stadt Egesta oder Segesta. 6) Variante im Recht im Namen Aigestos eine Hindeutung auf 
Schol. z. Lykophr. AI. v. 952. 964. {Kinkel): den Zusammenhang der lavinischen Aineiassage 
Phoinodamas riet den Troern dieHesione dem mit Segesta erblickt. Klausen Aen. u. d. P. 
Seeungeheuer auszusetzen; Laomedon, darüber S. 689 erklärt den Aigestos für einen latini- 
erzümt, überlieferte die drei Töchter des Phoi- sehen Cärimonialgeist und zwar für den 'Bs- 
nodamas Schiffern, welche dieselben in Sici- sigdämon der Vorratskammer', eine Kombina- 
lien wilden Tieren vorwerfen sollten. Aphro- tion, die auch Gerhard, Gr. M. § 943 (mit Anm.) 
dite rettete sie; einer wohnte Krimisos in ernsthaft genommen hat. — 3) Aigestos, Sohn 
Hundsgestalt bei und zeugte mit ihr den Ai- des Numitor nach Bion. H. 1, 76, von Amu- 
gestes, der später die Städte Aigesta, Eryx 60 lius auf der Jagd ermordet. Vgl. Cass. Bio. 
und StyUa (= Styella?) oder Atalla [wohl Frg. 4, 11 der ihn Alysatrig nennt. — 4) Em 
Enteila am Krimisos! Röscher] gründete, c) mythischer Anführer der Thesproten m Epi- 
Weitere Variante bei Bionys. ü. 1 , 52. Ein rus , die nach ihm sich Aiyiaraioi nannten. 
Ahnherr des Aigestos verfeindete sich mit Lao- Steph. B. ["Wörner.] 

medon, gegen den er die Troer aufreizte, und "< Aigesthios {Alyio»iog), Sohn des Zeus, Vater 

wurde von ihm getötet. Laomedon übergab der Idäisohen Daktylen, welcher dem Idage- 

seine Töchter Kaufleuten, die sie mit hinweg- birge nach seiner Geliebten Ida den Namen 
führen sollten. Mit ihnen schiffte sich ein vor- gab : Plut. fluv. 13, 3. [Röscher.] 



145 



Aigeus 



Aigeides 



146 



V Aigeus {Alysiq), 1) Sohn des Pandion und 
der Pylia, Tochter des Königs Pylas von Me- 
gara, in Megara geboren. Dorthin hatte 
sein Vater Pandion sich vor den Metioniden 
geflüchtet; er wurde später König des Ltndes. 
Nach Pandions Tod eroberte Aigeus mit sei- 
nen Brüdern Pallas, Msos, Lykos Attika zu- 
rück und erhielt bei der Vierteilung des Rei- 
ches die Oberherrschaft und Athen, verdrängte 



28. Bygin. F. 26. Ov. Met. 7, 402 ff. Just. 2, 
6. Plwt. Thes. 12. Paus. 2, 3, 8. Schol II. 
11, 741. Preller gr. If. 2' 291 erkennt in der 
Sage den Einflufs der euripideischen Tragödie 
Aigeus. Die Erkennungsscene zwischen Aigeus 
und Theseus vergegenwärtigt ein Terracotten- 
relief 0. Jahn, Arch. Aufs. 185, 6. Starh, Arch. 
St. 93. Heydemann, Analecta Thesea. Diss. 
Berl. 1865 p. 13 f. Bei Ankunft seines Sohnes 



später auch seinen Bruder Lykos aus dem Be- 10 befand sich Aigeus in bedrängtei; Lage. Pal 



sitz seines Anteils, der Diakria und der Tetra- 
polis Apoll. 3, 15, 5—7. Paus. 1, 5, 3. 4. Strabo 
p. 392. Scfiol. zu Lykophr. 494. ed. Kinkel. 
Preller gr. M.^ 2, 156. Manche nannten den 
Aigeus einen Sohn des Skyrios, der von Pan- 
dion untergeschoben worden sei , Apoll. 3, 15, 
5, oder des Phemios Schol. z. Lykophr. 1324 
ed. Kinkel. Seine beiden ersten Frauen Meta, 
Tochter des Hoples, und Chalkiope, Tochter 



las und seine fünfzig Söhne, die den Aigeus 
nur für einen angenommenen Sohn des Pan- 
dion erklärten, erhoben sich gegen ihn, wur- 
den aber durch Theseus vernichtet. Plut. Thes. 
13. Auch am Tod des Androgeos sollte Aigeus 
schuld sein. Paus. 1, 27, 10. Diod. 4, 60, und 
mufste sich dafür vonMinos den schimpflichen 
Tribut auferlegen lassen. Als Theseus es unter- 
nahm Athen von diesem Tribut zu befreien. 



Bhexenors , blieben kinderlos. Aigeus soll, 20 verabredete der Vater mit ihm , dafs er bei 



weil er dies dem Zorn der Aphrodite Urania 
zuschrieb, ihre Verehrung in Athen eingeführt 
haben Paus. 1, 14, 7. Aus Furcht vor seinen 
Brüdern, besonders vor den starken Söhnen 
des Pallas, wendete er sich an das Orakel zu 
Delphi. Diese Scene Aigeus in Delphi, The- 
mis als Pythia bei Gerhard A. V. 4, S. 103. 
104. T. 327. 328. 0. Müller, BenJcm. d. a. K. 
2 , 947. Da er den dunklen Ausspruch der 



glücklicher Rückkehr weifse Segel auf seinem 
Schiffe aufspannen solle (nach Simonides b. 
Plut. Thes. 17 war es ein scharlachrotes). Aber 
der siegreiche Theseus vergafs bei der Rück- 
kehr die schwarzen Segel, welche das Schiff 
führte, abzunehmen, und Aigeus, in der Mei- 
nung, sein Sohn sei umgekommen, stürzte sich 
von dem Felsen , von welchem er nach The- 
seus ausschaute, ins Meer, welches nach ihm 



Pythia nicht verstand, begab er sich zu dem 30 den Namen empfing. Bei Diod. 4, 61 stürzt 



weisen Pittheus, dem Sohne des Pelops, nach 
Troizen. Dieser, den Sinn des Orakels durch- 
schauend, machte den Aigeus trunken und 
legte ihn seiner Tochter Aithra (s. d.) bei. 
Dies geschah in derselben Nacht, in welcher 
bereits Poseidon der Aithra genaht war, diese 
gebar später den Theseus. Plut. Thes. 3. Nach 
Hygin F. 37. Paus. 2, 33, 1 fand das Beila- 
ger des Gottes und des Aigeus mit Aithra 



sich Aigeus von der Akropolis hinab, bei Plut. 
Thes. 22 von einem Felsen; unbestimmt drückt 
sich Paus. 1, 22, 5 aus, des Meeres wird bei 
keinem Erwähnung gethan. Hygin. F. 242 sagt : ' 
in mare se praecipitavit, ex quo Aegeum pela- 
gus est dictum; ebenso Servius V. A. 3, 74. 
Paul. ep. p. 24. Suidas Aiyatov nslayog. In 
Athen hatte Aigeus ein Heroon, Paus. 1, 22, 
5; er war Heros Bponymos der Phyle Myrjtg 



(s. d.) im Heiligtum der Athene Apaturia auf 40 Paus. 1, 5, 2 und hatte als solcher eine Bild- 
der Insel Sphairia statt. Hygin Ba,gt aasävück- " ' ' ' '' " """" ' " ' ' 

lieh: Neptunus, quod ex ea natum esset, Aegeo 
concessit. Daher wurde Poseidon für den ei- 
gentlichen Vater des Theseus gehalten IsoJcr. 
10 18. Ein Vasenbild, Poseidon und Aithra 
bei Gerhard A. V. 1 S. 51 ff. T. 12. Über des 
Sohnes Geburt und erste Jugend vgl. Theseus. 
Bei Euripides Med. v. 663 ff. fleht Medeia des 
Aigeus Schutz an, als dieser, von Delphi kom 



Säule nahe an derAgora, Paus. 1, 5, 1; seine 
Statue stand auch zu Delphi, geweiht aus dem 
Zehnten der marathonisohen Beute Paus. 10, 
10, 1. Aufser den oben genannten Bildwerken 
findet sich Aigeus in Gerhard A. V. 3 S. 40f. 
T. 162, 1 , dem Kampf des Theseus gegen den 
marathonischen Stier zuschauend, ebd. 3, S. 49. 
T. 168 A. auf einer Darstellung von Antiopes 
Entführung. In den Sagen von Aigeus und 



#/ mend, sich eben' nach Troizen begeben will,' 50 Theseus sind uns die ältesten Überlieferungen 



und erhält die Zusicherung seines Beistandes, 
nachdem sie ihm versprochen hat , dafs sie 
seiner Kinderlosigkeit ein Ende machen werde. 
Nach ihrer Flucht von Korinth wird sie in 
Athen des Aigeus Gattin und bekommt von 
ihm den Sohn Medos. Apoll. 1, 9, 28. Hygin. 
F. 26. Ov. M. 7, 402 ff. Plut. Thes. 12. Paus. 
2, 3, 8; vgl. Medeia. Als Theseus, zum Jüng- 
ling herangewachsen, unerkannt nach Athen 



des attisch-ionischen Poseidondienstes erhalten. 
„Aigeus ist der zum Heros gewordene Posei- 
don selbst." PreUer Gr. M. 1^ 472. Etymo- 
logisch hängt Aiyivis mit alycg, Wellen, zu- 
sammen. Gurtius, Gr. Et.^ 180. Preller 1^ 466. 
Wichtig ist, dafs es Heroen gleichen Namens 
noch anderwärts gab. [Vgl. auch C. I. Gr. 2374. 
6047. 7718b. 8440b. Röscher.] — 2) Ein Nach- 
komme des Kadmos , Sohn des Oiolykos, 



kommt, findet er dort Medeia im Hause des 60 Androtion b. Tzetz. z. Lykophr. 496. Paus. 



Vaters vor. Diese, welche weifs, dafs sie den 
rechtmäfsigen Sohn des Aigeus vor sich hat, 
will durch Gift in Übereinstimmung mit Ai- 
geus, der sich vor Nachstellutjjen fürchtet, den 
unbequemen Ankömmling beseitigen, aber beim 
Mahl zieht Theseus das Messer, an dem Aigeus 
den langersehnten Sohn erkennt. Medeia ent- 
weicht mit Medos nach Asien. Apollod. 1, 9, 



3, 15,8. 4, 7, 8. Herodot 4, 149; er hatte ein 
Heroon in Sparta, da seine Nachkommen dort- 
hin eingewandert waren; vgl. Aigeides 2. — 3) 
Sohn des Phorbas, Bruder des Aktor, mythi- 
scher König der Eleer. Diod. 4, 69. Davon: 
; Aigeides {Alytläru, lat. Aegides), Nachkomme 
des Aigeua (s. d.), 1) Theseus II. 1, 265 (inter- 
poliert =) Ues. Scut. 182. Ov. M. 8, 174, u. ö. 



147 Aigiale . Aigina 148 

Eer 4 59 15 221 Trist. h,i, 26, dann Nach- mos des attischen Demos Alyaiä: Philem. b. 
komme des Theseus Ephor. in Schot Find. P. Ath. 14, 652e. Sehol. Theoer. 1, 145 
6, 101. Ov. Her. 2, 67. - 2) AljüSoa, Nach- . . _ ^ o t. ., t. [^""''^"iJ. 

kommen des thebanischen Aigeus, die nach -^ Aigimios (^lyt/tios), Sohn des Doros,mythi- 
der thebanischen Sage mit den Herakliden scher König, Stammvater und Gesetzgeber der 
nach Sparta gekommen waxen. Herod. 4, 149. Dorer, als diese noch im Noraen Thessahens 
und AUcht z. St. vgl. Find. F. 5, 73 ff. mit im Peneiosthale (Histiaiotis) wohnten. Vergl. 
Schal, I. 6, 15 mit Schal. Freller gr. M. 1' 205. Diod. 4, 37. 58. Herod 1, 56 Strah 427. 
A 3 2' 281 A. 5. rWörner.l Steph. Byz. s. v. Jio^iov). Pindar (P. 1, 64) 

■ .' . . ■, is . i • /^7 '1 „ j/ ..i1o.™^ 10 gedenkt der uralten dorischen Satzungen des 
Aigiale od.. Aigialeia(^;y.al,,u.^;y.ai»«^ nennt die Dorer 8"«yo,;o. Aiyn^Cov 

Tochter des Adrastos oder seines Sohnes Ai- ^ . Aigimios und Hyllos 

gialeus und derAmphithea daher Jdp^^^^^^^^ ^^ {Li Aigina einnehme! (P. 5, 72. fr. 4. 
genannt, Gemahlin des Diomedes(B d.), Königs Als Aigimios von den Lapithen unter 

von Argos (Hom Ji 5, ^^^ und «c^jf; ^^/l^^^ Eoronos hart bedrängt wurde, rief er Herakles 

8, 6. 9, 13). Als ihr Gemahl nach Trojage- ^ dieser verschaffte ihm den Sieg. 

zogen war T^^^^^f „f^/^tr ^^.lendete s^ Z™ ^anke dafür adoptierte , er Hyllos, den 
sucht nach ihm spater aber verblendete sie des Herakles, und gab ihm dasselbe Erb- 

die dem Diomedes zürnende Aphrodite so ^^wf^^^'i^^^ eignen^ Söhnen Dymas und 

dafs sie mit ^^"^'^^f^'J^Zs^'^lf^eäT^AZ 20 Pamphylos. (Andefs Schol. Find. F. 1. 121, 

Ehebruch trieb , zuletzt mit Kojnetes, dem PamBhvlos Dymas und Doros als Söhne 

Sohne des Sthenelos (nicht mit Sthenelos, dem der / J?f f »^^^^^y'^Qj^^ ^i^^ ^i, Stammväter 

Sohne des Kometes ScfcoZ. B. u.Eust.z 11 ^^^^^f°^^ der drei dorischen Phylen, 

5, 412). Als Diomedes heimkehrte mufste er un^ ^P°^y'" ^^^ Pamphylen {Epho- 

vor den Nachstellungen der Aigi^e mid des ^e^ "yueer i^y P ' Apollod. 2, 

Kometes an den Altar der Hera (oder Athene) rosX>. Stepn. fV^- f « ^^ p^J 

und später nach Hesperien fliehen, worm er 7, 7 ^J«"' ^^ ^ tl^„^' ^^^ ^j i^^j^, 
die Rache der von ihm vor Troja verwundeten ''J^^^^^ dargestellt in einem uralten Epos, 

Aphrodite erkannte (SM u Eust z^Il.^ J^ -«^^^^^ ^ ^.^,^ ^^ bald dem He- 

a 0. Lykophr. 6IOI u.ScM %f «*■!*' ^'^^ 30 siod, bald dem Kerkops . von Müet zugeschrie- 
Vgl.auchFerflr.4m.il, 269). Nach X»tct 6, 2 , ' ^ yi Epic. Gr. fr. ed. Kinkel 1, 
hatte Oiax , der Bruder des Palamedes , nach ben wi^ae g. p Westermann in 
Tzet,es Nauplios der Vater der beiden die °^„"XX;, 2 . 2, 229. Vgl. auch C. I. 
Klytämnestra und Aigiale gegen ü^re Manner ^«'^f^f^^'^-^^elleicht hängt der Name Aigi- 
durch die Nachricht erbittert, dafs diese von ^^ ;^«*°- J ^ unbekannten Stadt Aly.- 
Troja Frauen mitbrachten, die sie ihnen vor- ^/^?^^J^^^^^^^ ^e,3^ g^^^. und Zonaras ge- 
zögen. [Koscher]. Senken. [Roscher.l 

' Aigialeus (Aiyialsvg) 1) Sohn des Aietes, Aigina (Ji'yw'O!), Tochter des Flufsgottes Aso- 

Königs von Kolchis, gewöhnhch Absyrtos ge- Mutter des Aiakos (s. d.). Sie wurde 
nannt (s. d.). - 2) Sohn des Inachos und der ^^ fj^rem Vater von Zeus (nach Nenn. H. 7, 211 ff. 

Okeanide Melia, Bruder des Phoroneus (nach ^g ^^^g 24 77 ff. Clem. Hom. 5, ISinAdler- 

Schol. Eur. Or. 932 u. 1248 Sohn des Phoroneus '^u nach' Ov. M. 6, 113 verwandelte sich 

und der Peitho). Als er kinderlos starb, wurde ^g^^ j^^ peuer) entführt und nach der Insel 

das spätere Achaia nach ihm Aigialeia ge- oinone {Herod. 8, 46) oder Oinopia (Find. I. 

nannt {Apollod. 2, 1, 1. Faus. 7, 1, 1. 2, 5, 5. ^ gl (45) Ov. Met.T, 472 ff.) gebracht, die da- 

Steph. Byz. s. v. AlyiaXoq). Nach sikyonischer ^'^^ ^^^ Namen Aigina erhielt. Apollod. 3, 

Sage war Aigialeus Gründer und erster Herr- j^ e. Find. I. 7, 21. Herod. 5, 80. Eur. 

scher der früher nach ihm Aigialeia benann- j^ j^ gg,j jjy^ ^ 52. 155. Nach Apollod. 

ten Stadt Sikyon: Faus. 2, 5, 5. 7, 1, 1. Ma- 1933, 12, 6. Myth. Vat. 1, 165 verriet 
Icd. Chron. 4 p. 68 Bonn. Curtius Felop. 2, ^^ g-g ' jj^g dem Asopos den Entführer seiner 

484. — 3) Sohn des Adrastos und der Demo- Xochter. Auf Aigina gebar sie den Aiakos (s. d.). 

nassa. Er war der einzige Epigone, der vor gpäter kam sie nach Thessalien und heirathete 

Theben (von Laodamas) getötet wurde {Apol- j^j^j. ^^^ Aktor, welchem sie den Menoitios, 

lod. 1, 9, 13. 3, 7, 2 f. Hyg. f 71. Faus. 9, ^^^ y^^^gj. ^^^ Patroklos, gebar: Find. Ol. 9, 

5,7. Find. F. 8, 60f. u. Schol. Em. SuppLViU). ^^^/^ ^^^ g^J^gl jjaeh einer andern Uberliefe- 

In Megaris hatte er sein Grab und ein Heroon, ^^^ ^^j. jyfenoitios der Sohn der Damokra- 

das sogen. AiyiAUiov (Paws. 1, 44, 7. 9, 19,2). ^^j^^ ^^^ Tochter der Aigina, und des Aktor 

Die Argiver weihten sein Bild nach Delphi: ig^jl^i pi^ß,. Ol. 9, 107). Der Raub der Ai- 

Faus. 10, 10, 2. Vgl. Brunn, Künstlerg.l, 294. - ^ ^^^ ^^ beliebter Gegenstand der grie- 
[Roscher u. Stell.] ^ chischen Plastik. So berichtet Paus. 5, 22, 4 

^, Aigikorens (AiyMOQSvg, auch -ris), Sohn des „nd 10, 13, 3 von zwei Darstellungen des Rau- 

lon Stammvater und Eponymos der attischen |,es, welche die Phliasier noch Olympia und 

Phyle der AlymoQtLg: Her. 5, 66. Schol. Dem. Delphi geweiht hatten. Das olympische Bild- 

24, 18. Steph. Byz. s. v. AlyiKÖqecog. ^rerk enthielt viele Figuren, aufser der Aigma 

[Röscher.] selbst waren noch Zeus , Atropos und die 

Aigikoros (AlyUoqog), Beiname des Pan: Schwestern der Aigina, Nemea, Harpina, Ker- 

Nonn Bion. 14, 75. [Röscher.] kyra und Thebe dargestellt. Flin. 35, 122 er- 

Aigilos {Ai'yilog), Stammvater und Epony- wähnt ein Gemälde der Aigina von Elasippos. 



149 



Aiginetes 



Aiffis 



150 



Erhalten sind uns zwei sichere Darstellungen 
des Raubes auf Vasen {Mus. Gregor. 2, 20 u. 
Be Wüte, Cat. Durand 3). Vgl. Müller, Arch. 
351, 4 u. Brunn in Paulyß Bealenc." i, 1, 234. 
Müller- Wieseler, B. d. a. K. 2, 47. Preller, 
gr. M^ 2, 394. Mehr b. Overbeck, Gr. Kunst- 
myth. Zeus S. 399 if. [Röscher.] 

Aiginetes {AlyivTqrris) , Sohn des Bereites, 
Vater des Pelias Patis. 7, 18, 5. [Röscher.] 



kenArm geschlagen, alsSchild dienen 
kann." Vgl. die altertiiümlichen Athenesta- 
tuen bei Müller- Wiesder, Benkm. d. a-KjJ^^ 
3 4, 36, 37:''^7^gg u. 230 , eowlelin^thene tC 
der ägmetischeiT Uiebelgn ippe ebenda l.Taf. 6 f. 
Später „wir3~aie"Aigis immer mehr zusammen- 
gezogen und wird zu einem an der Brust an- 
liegenden meist geschuppten Panzer , der in 
der Mitte das Gorgoneion trägt ( vgl. Herod. 



Aigios {Ai'yiog), Sohn des Aigyptos Äpollod. lo 4, 189). Öfter ist die Aigis nur angedeutet 



2, 1, 5. [Koscher.] 

Aigipan s. Pan. 

Aigis {Aly^s), der aus Homer bekannte Schild 
des Zeus, Yon dem dieser Gott den Beinamen 
alyioxog erhalten hat. Wenn Zeus die betrod- 
delte, hellglänzende Aigis ergreift und schüt- 
telt, dann hüllt er zugleich den Ida in Wolken 
und blitzt und donnert laut, dafs Schrecken 
und Grausen die Menschen erfafst ( /?. 17, 593ff.) . 
Zeus zürnt, wenn er die dunkle AigisicEut- 



telt, 

'';167^ 



durch das Gorgoneion und Schlangen am Saume 
des Gewandes um den Hals wie bei der Athene vV> 
Yon Velletri" (v gl, die Bildwerke bei MS ^fer- 
TFieseZer 2 Taf . 19—22). Bei dem ApöHon^vom 
Belvedere" und~dem "Apoll on Stroganoff ist sie 
nur als ein beutelartig mit der geschlossenen 
Linken zusammengeprefstes Tierfell zu denken 
( Q. Jah n, Aus d. A Itertum swissens ch. S. 273. 
Wieselef~,"Äpoir6n Stroganoff^ B. 10. VgI7~j etzl 

20 auch' X^^^23°^3^l-^^2ZII2§l35^^--Ji' 
Wahrscheinlich ist die Aigis, wie schon der 

Name lehrt, ursprünglich als ein mit Troddeln 
versehenes Ziegenfell (vgl. alyCSa dficpiSä- 
oeiav II. 0, 309 u- Schal.) zu fassen , das in 
der ältesten Zeit oft die Stelle eines Schil- 
des vertreten mochte (v gl. Paus. 4, 11. 3 . 
Schol. Ap. Bh. 1,_324." P lut. Alcib. 39. J2v. 
25. 16. Böm. IT 5, 453 . He rod. 7 , 9lj. So 
zeigt auch eine Gemme bei Müller- Wieseler 



B. beim Untergang von Troja {II. 4, 
Sonst wird die Aigis noch von Athene 
jg,und ApoUon geführt. II. 5, 738ff. legt Athene 
die betroddelte Aigis um die Schultern, die 
furchtbare, um welche ringsum Phobos (Flucht) 
dargestellt ist, auch Eris (Streit), Alke (Wehr- 
kraft) und die schaueriiche loke (Verfolgung) 
ist darauf, endlich das Gorgeische Haupt des 

schrecklichen Ungeheuers, furchtbar und ent- „ ^ 

setzlich, des ägisführenden Zeus' Zeichen, so 2, 24 einen jugendlichen Zeus , der siöEr"aie 



jftNach II. 2j_446fi'. ist die Aigis, welche Athene 
trägt, unsterblich, an ihr hängen hundert gol- 
dene Troddeln, alle wohlgeflochten, jede hun- 
dert Rinder wert; damit fährt die Göttin 
blitzend durch das Volk der Achäer und treibt 
sie an. In der Götterschlacht triift Ares sie 
auf die Aigis, die betroddelte, furchtbare, die 
auch Zeus' Blitz nicht bewältigt (JZ. 21, 400). 
Als Apollon auf den Befehl des Zeus die Ai 



Linke mit der Aigis umwickelt hat. Um die 
Aigis als Waife des Zeus und der Athene 
zu motivieren, existirten, so viel wir wis- 
sen, zwei Mythen. Nach Hygin. Poet . Ast. 2, 
1 3 u. Eratosth. Cat. 13 nahm Zeus, als es ihm 
zum Kample mit den Giganten (Titanen) an 
Waffen gebrach , das unverletzbare mit dem 
Haupte der Gorga versehene Pell der Ziege, 
die ihn gesäugt hatte. Nach .DJod._3, 70 da- 



gis in die Hände nahm und gegen die Achäer 40 gegen war Aigis ein schreckliches , Flammen 



schüttelte, flohen diese (Jl.__15v229); mit ihr 
bewehrt schritt der Gott vor Hektor her, um 
die Schultern eine Wolke, und hielt die stür- 
mische Aigis , die furchtbare , dichtbesetzte, 
prächtige, die Hephaistos dem Zeus gab, sie 
zu tragen im Krieg der Männer (SOIff^); so 
lange Apollon die Aigis ruhig hielt, stand der 
Kampf gleich; da er aber, den Danaern ins 
Antlitz schauend, sie schüttelte und laut da- 



sprühendes Ungeheuer, das Phrygien, den Tau- 
rus, Libanon, Libyen und zuletzt die Waldun- 
gen des Keraunischen Gebirges verheerte , wo 
es von Athene erlegt wurde, die nun sein Fell.v 
als Brustharhisch trug. 

Deutung. Dafs die Aigis nur als Symbol 
der dunkeln , furchtbaren , Sturm , Blitz und 
Donner mit sich bringenden Wetterwolke ver- 
standen werden kann, geht aus folgenden Er- 



zu rief, flohen sie^318if.l. Mit goldner Aigis 50 wägungen hervor. 1) Noch bei_Äschylos {Cho. 



hüllt Apollon den Leichnam Hektors ganz ein 
{II. 24, 20). Vgl. j;. Sybel. Myth. d. Ilias 262. 
Zweifelhaft ist es , ob Homer sich die Aigis 
als ein Ziegenfell oder als einen Schild oder 
endlich als eine Art Panzer gedacht hat, doch 
scheinen namentlich die Ausdrücke xiväaasiv 
und jrsgi 9' aiylSi itävtu kkIvtctsv (II. 24. 20) 
für die erstgenannte Gestalt zu sprechen (vgl. 
Bader in Fhckeisem Jahrb. IS JS_S^_bl££} 



594) bedeutet aiyis eine Wetterwolke, Aristo- 
teles^ bezeichnet den Orkan oft mit Kcctaiyig, 
und alyi^siv,- Kaxaiyi^siv bedeutet ursprünglich 
das Mederfahren des Sturmes aus den Wol- 
ken (v gl. Jioscher, Bie G orgonen S. 1 25 A. 266 ). 
— 2) wird die Aigis deutlich "mit IJewitterer- 
scheinungen in Verbindung gesetzt {II. P 693 ff. 
2 203 ff. Ferff. J-ew. 8 ,352fF. Sf». J-jäm. 648ff. ., 
Sn:T?."12, 72ö: — 3) Die Schlangen o^IerTröfl^ .N' t^" 



WahrscheinEcEBingt die homerische Vorstel- 60 dein bedeuten Blitze , das Gorgoneion ist das 



lung noch in den älteren Bildern der Athene 
nach. In der Regel erscheint nämlich ""liier 
die Aigis als ein grofses mantelähnliches Fell, 
meist geschuppt, statt der Troddeln mit Schlan- 
gen umsäumt, mit dem Gorgoneion besetzt und 
so um die Schultern geworfen, dafs es zum 
Teil die Brust deckt , zum Teil am Rücken 
weit herabhängt, und dafs es, über den lin- 



hauptsäohlichste Symbol des Gewitters {Bo- 
seher a. a. 0. 64ff. u. ISft".). — 4) Die home- 
rischeiiTJpitheta Igeuvri (vgl. vitpta iQtßsvvä 
u. s. w.), öeif/rj, u,aQiiaQ8r] deuten ebenfalls 
unverkennbar auf furchtbare , blitzglänzende, 
dunkle Wetterwolken hin. Literatur: Stoll^ 
in Pauhjs ÄcoZcwc." 1^1 , 236- Preller , IS r. 
Myth.''\, 94. Lauer ~ Syst. d.jr. Myt höl S. 192, 



151 



Aigisteas 



Aiaisthos 



152 



Creuzer , Symb.^ .4^ 304. Gerhard, Gr. M ytL 
2Ü57T WeMer^ Gotterl 1, % _iMTB_oscher 

S. 124 t. JiaderinFlecIceisens Jahrb. 

^7lg~gfewgereFen aa 1882 S. 618 ff, 
"[Ho scher?] 



■ Aigisteas oder Aigistaios (Jlyiatsag, Aiyi- 

azaiog), Sohn des Midas. Sprictwörtlich war 

geworden die Redensart Alyiateov w^drjfia von 

einem kühnen Unternehmen {Kallisthenes b. — „— , t - j » • • ii, 

^«ost 1 58 b. u Arsen. 1, 99). Wahrschein- lo auch Klytaimnestra nicht mehr, und Aigisthos 

lieh ist Aigisteae mit Anchuros (s. d.) iden- war frech genug den Göttern für das endliche 



Tod in Mykenai {äyqov In hß%axii\v, ofl'i 8m- 
fiara vals ©vioTrjs tÖ ngiv, äxciQ xox ivait 
@vs6TidSris Aiyie&os). Während der Abwesen- 
heit des Agamemnon suchte Aigisthos dessen 
Gemahlin Klytaimnestra zu verführen, doch 
anfangs vergeblich, so lange ihr ein edler 
Sänger als ratender und belehrender Haus- 
freund zur Seite stand. Als es Aigisthos ge- 
lungen war, diesen zu beseitigen, sträubte sich 



tisch, da von beiden genau derselbe Mythus, 
an die Sage von M. Curtius erinnernd, erzählt 
wurde. [Eoscher.] 

Aigisthos (Aiyi6»og\ Sohn des Thyestes, und 
(nach tragischer Überlieferung; vgl. Soph. fr. 
227 N.) seiner Tochter Pelopia. Thyestes 
schändete seine Tochter nach dem Rate eines 
Orakels gewaltsamer Weise (als sie eben in 
einer flüstern Nacht zu Sikyon der Athene ge- 
opfert hatte), ohne jedoch von ihr erkannt zu 
werden. Die Pelopia, welche bald darauf den 
Atreus heirathete, setzte den. aus jener Blut- 
schande entsprossenen Aigisthos gleich nach 
der Geburt aus ; doch wurde er von Hirten 
aufgefunden und mit Ziegenmilch genährt, da- 
her sein Name. Später wurde er von Atreus, 
der ihn für seinen eigenen Sohn hielt, erzogen. 
Da Pelopia in der für sie verhängnisvollen 



Gelingen seiner Schandthat Dankopfer und Ge- 
schenke darzubringen (Od. 3, 263 ff. Ath. 14b). Da- 
rauf stellte er eine Wache am Ufer aus, um 
nicht unvermutet von Agamemnon mit seinen er- 
probten Kriegern überrascht zu werden, ging 
ihm, als jener gelandet war, mit erheuchelter 
Freundschaft entgegen, bereitete ihm ein Mahl 
und liefs ihn mit seinen Begleitern während 
20 des Schmauses von zwanzig in einen Hinter- 
halt gelegten Männern ermorden. Noch zu 
Pausanias' Zeit zeigte man in Mykenai die 
Gräber des Agamemnon, der Kassandra, ihrer 
beiden Söhne Teledamos und Pelops und des 
Wagenlenkers Eurymedon, welche ebenfalls 
von Aigisthos ermordet wurden {Od. 4, 524ff. 
1, 35. 3, 234. 4, 91. 11, 387. 24, 22. 97. 
Aristut. Fepl. 1, 2 ed. B. Paus. 2, 16, 5). Nach 
Hygin. f. 117 töteten Aigisthos und Klytai- 



Nacht dem Thyestes sein Schwert abgenom- 30 mnestra den Agamemnon, als er gerade den 



men und es dem Aigisthos gegeben hatte, so 
wurde dieses Schwert später zum Verräter der 
Schandthat. Als nämlich Thyestes in die Ge- 
walt des Atreus geraten war, wurde Aigisthos 
von diesem mit jenem Schwerte abgesandt, 
seinen Vater zu töten. Thyestes erkannte das 
Schwert als sein Eigentum und frug den Ai- 
gisthos erstaunt, woher er es habe. -Als nun 
dieser antwortete, er habe es von seiner Mut- 
ter , veranlafste Thyestes den Aigisthos die- 40 
selbe zu holen und enthüllte beiden das Ge- 
heimnis seines Verhältnisses zu ihnen. Dar- 
auf stiefs sich Pelopia entsetzt das Schwert 
in die Brust, Aigisthos aber tötete den Atreus, 
welcher gerade am Ufer des Meeres opferte, 
und beherrschte nun zusammen mit Thyestes 
das grofsväterliche Reich. Vgl. Hygin. f. 87, 
88, 252, der aus Tragödien des Sophokles (vgl. 
Fr. ed. Nauck p. 127. 146. 161. 231) und 
Euripides {Fr. 395 JV. vgl. aufserdem Nauck 50 
a a 0. p. 737 unter QvEexrig) geschöpft zu 
haben scheint: Preller, qr.M.^ 2.389, 2. Ael. v. 
h. 12, 42. Ov. Ib. 361. Dio Chrys. 66, 6 p. 221 D. 
Seneca Ag. 30.. Mythogr. Vat. 1, 22). Etwas an- 
ders erzählt ÄschylosJ.5raOT.1583fF. den Mythus. 
Nach ihm wurde Aigisthos , der dritte Sohn 
des Thyestes, als kleines Kind mit seinem 
Vater vom Atreus vertrieben und kehrte spä- 
ter mit dem Vorsatze der Rache zurück. Bei 



Göttern ein Dankopfer für seine glückliche 
Rückkehr darbrachte, mit Beilen (vgl. das von 
Overbeck, Gall. her. Bildw. S. 680 besprochene 
Bildwerk; mehr unter Agamemnon oben S. 95). 
Nach dem Morde des Agamemnon herrschte Ai- 
gisthos sieben Jahre über Mykenai, im achten 




Orestes tötet d. Aigistlios (v. e. Vasenbilde b. 
Oberbeck, Gall. T. 28, 10). 

kuhrte, wie es dem Aigisthos schon vorher durch 
Hermes verkündigt worden war (Od. 1, 30), 
Orestes zurück und rächte den Mord seines Va- 



ters {Od. 3, 305 ff. Aesch. O/iO. 931ff. Soph. Fl. 

uc. ^.v «.^ - -- 1495 ff. Für. Fl. SMS. Hyg. f. 119. Ptol. H.i. 

Homer" findet sich noch nichts von allen die- 60 S. auch den Artikel Orestes). Bildliche Dar- 
sen Sagen, die, wie es scheint, auf späteren Stellungen des Aigisthos finden sich aufetru 



Epikern und Tragikern beruhen und dem Be 
dürfnisse, die Frevel im Hause des Agamem- 
non auch in das frühere Geschlecht zurückzu- 
tragen, entsprungen sein mögen (vgl. Weleker, 
Gr. Trag. 1, 358 ff. Stall in Paulys Realenc.'^ 
1, 2, 2044, Preller gr. M.^ 2, 389). Nach Od. 
4, 517 ff. herrschte Aigisthos nach Thyestes' 



skischen Aschenkisten, welche en relief die Er- 
mordung des Agamemnon darstellen {Overbeck, 
Gall. S. 682), sowie in Gemälden, Vasenbildern 
und Reliefs, auf denen die Bache des Orestes 
abgebildet ist {Overbeck S. 694ff. Mon. d. Inst. 
5, t. 56. Bobert, Bild u. Lied 149.). Vgl. auch 
C. Ii- Gr. 2374. 7701. 8419. Auf dem bei- 



153 



Aigle 



Aigyptios 



154 



stehenden Sarkophagrelief aus c^em Palast Circi 
in Rom (abgab, b. Overbeck, Gall. T. 28, 9; vgl. 
Mus. Pio-Clem. 5, tav. d'agg. A No. 6) wird 
Aigisthos auf dem Throne von Pylades getö- 
tet , während Orestes die Mutter mit dem 
Schwerte ersticht. „Zugleich greift von der 
andern Seite Elektra den Buhlen ihrer Mutter 
an, gegen dessen Haupt sie einen Schemel mit 
Tierklauen als die erste beste Waffe, die zur 
Hand ist, erhebt. Die hinter Pylades herbei- 
eilende Frau kann als Chrysothemis gelten; 
den darauf folgenden Mann werden wir als 



kedämon in Athen eingewanderten Hyakinthos 
(s. d.). Sie wurde am Grabe des Kyklopen 
(ieraistos zur Abwehr einer zur Zeit des Mi- 
nos wütenden Pest samt ihren Schwestern ge- 
opfert, Apollod. 3, 15, 8. [Röscher.] 

)<. Aigokeros (Alyo-nigtoe), 1) Beiname des Pan, 
dessen Haupt Ziegenhömer trug: Hygin. f. 196. 
— 2) Der Steinbock im Tierkreise (lat. Capri- 
cornus)Lucr. 5, 613. Germ. Amt. iOlS.Eyss. 

10 Luean. 9, 537. 10, 213. Vgl. Hygin. f. 196. 

[Röscher.] 
VC Aigolios(^^yo)Xtös), ein Kreter, der mit Laios, 




Relief des Sarkophages im Palazzo Circi (Bom), Tgl. Ocerbeck a. a. O. S. 698 ff. 



^, 



einen entweichenden Therapon oder Leibwäch- 
ter des Aigisthos fassen dürfen, die auf die- 
sen folgende Frau als eine Haussklavin. Eben- 
so kräftig ist die Gruppe des die Mutter er- 
mordenden Orestes gedacht. Der Sohn hat 
die Mutter zu Boden geworfen und an den 
Haaren ergriffen, er kniet auf ihren Schenkel 
und zückt das Schwert gegen ihren entblöfs- 
ten Hals. Die hinter Klytaimnestra erschei- 40 
nende Frau ist vielleicht eine Dienerin." Die 
Deutung der übrigen Figuren ist nicht ganz 
sicher (vgl. Overbeck, Bildw. z. theb. u. tr. 
Heldenkreis 698 ff.). [Röscher.] 

Aigle [Ai'ylri), 1) Gemahlin des Helios und 
utter der Chariten, eine Naiade: Antimachos 
b. Pam. 9, 35, 5. Verg. Ed. 6, 20 f. — 2) 
Eine der Hesperiden (s. d.) Apollod. 2, 5, 11. 
Ap. Mh. 4, 1428 ff. Hesiod. b. Serv. g. Verg. X 
Aen. 4, 484. Hygin. f. praef. p. 26 B. — 3) 50 
Tochter des Helios und der Klymene (oder 
Rhode, Schal. Od. 17, 208). Sie wurde mit 
ihren Schwestern , den sogen. Heliaden, beim 
Tode ihres Bruders Phaethon (s. d.) in eine Pap- 
pel ver-vandelt; vgl. Hesiod. b. Hygin. f. 154 u. 
156. Heracl. de incred. 36. Westermann, Mythogr. 
p. 345, 14. Vgl. Wieseler, Phaethon Galt. 1857 
S. 5 und die bildlichen Darstellungen ebenda. ' 
— 4) Tochter des Asklepios (Schal. Ar. Flut. 
701. Plin. n. h. 35, 137), der selbst alyXriHg, 60 
cdyldriQ heifst {Hesych.). Vgl. Welcker, Göt- 
terl. 2, 742 ff. — 5) Tochter des Panopeus, Ge- 
mahlin des Theseus, der aus Liebe zu ihr die 
Ariadne verliefs Hesiod. b. Plut. Thes. 20 u. 
29. Hesiod u. Kerkops b. Athen. 557 a. — 6) 
Eine der thrakischen Bakchantinnen, Amme des 
Bakchos Nonn. Bion. 14, 221. [Röscher]. 
Aigleis {Alyttik), eine Tochter des aus La- 



Keleos (?) und Kerberos in die Geburtsgrotte 
des Zeus, worin die heiligen Bienen hausten, 
eindrang, um Honig zu stehlen. Zeus stand 
im Begriff sie mit dem Blitzstrahle niederzu- 
schmettern, als Themis und die Moiren da- 
zwischentraten, da in jelier Höhle niemand 
sterben durfte. Darauf verwandelte Zeus alle 
vier Räuber in Vögel: den Aigolios in eine 
Nachteule {alyaUos), den Laios in eine Dros- 
sel (iaios), den Keleos (?) in einen Strandläu- 
fer (Ksifös, v.oXoiöq'i), den Kerberos in einen 
Kerberos (?). Vgl. Boios b. Anton. Lib. 19. 
Deutung: Wahrscheinlich ist der ganze My- 
thus der schon von den Alten gemachten Be- 
obachtung entsprungen, dafs gewisse Vögel- 
arten den Bienen schädlich sind: Arisiot. ed. 
Didot. 3, 198, 24ff. Plin. 11, 61. [Röscher.] 
Aigypios (AlyvTtmg), Sohn des Antheus und 
der Bulis, liebte eine Witwe Namens Timan- 
dra, deren Sohn Neophron den Aigypios listig 
zu täuschen wufste, so dafs er einmal seiner 
eigenen Mutter statt der Timandra beiwohnte. 
Als nun die Bulis ihren und ihr«s Sohnes Irr- 
tum erkannte , wollte sie dem Aigypios die 
Augen ausstechen und ihren Sohn töten; doch 
Zeus erbarmte sich ihrer und verwandelte sie 
in Vögel: den Aigypios und Neophron in Geier 
{aiyvnioC) , die Bulis in einen Wassorvogel 
\nmvy^), die Timandra in eine Meise [alyi^aX- 
löq). Vgl. Boios b. Anton. Lib. 5. Deutung: 
Auch diese Sage beruht auf gewisseft Eigen- 
tüinlichkeiten der genannten Vögel. Der Poynx 
oder Phoynx friiat nämlich besonders die 
Augen der von ihm erbeuteten Tiere imd ist 
ein wütender Feind gewisser Raubvögel {An- 
ton. Lih. a. a. 0. Aristot. ed. Didot. 3, 185, 
6 f.). [Eosoher.] 



155 Aigypllos Aigyptos 156 

, Aigyptios {JlyvTcnog) , ein greiser Ithake- geboren waren. Die übrigen bestimmte das 
sier, Freund des Odysseus u^d •Celemachos, Los zu folgenden Paaren: 3. Busiris und 
der die von Telemachos berufene Volksver- Automate. 4. Enkelados und Amymone. 5. 
Sammlung eröffnete. Aigyptios war Vater von Lykos und Agaue. 6. Daiphron und Skaie. 
vier Söhnen. Der erste, Antiphos, folgte dem 7. Istros Hnd Hippodameia. 8. Chalkodon 
Odysseus nach Troja und wurde später vom und Ehodia. 9. Agenor und Kleopatra. 10. 
Polyphemos getötet , der zweite , Eurynomos, ■ Chaitos und Asteria. 11. Diokorystes und 
befand sich unter den Freiem der Penelope, Hippodameia (Pholodameia). 12. Alkis und 
der dritte und vierte bewirtschafteten das Gut Glanke. 13. Alkmenor und Hippomedusa. 14. 
des Vaters: Hom. Od. 2, 15fF. [Röscher.] lo Hippothoos und Gorge. 15. Euchenor und 
' Aigy^^to» (^Al'yvTCTog), 1) Sohn des B e 1 o s und Iphimedusa. 16. Hippolytos und Rhode. 17. 
Aer Anchinoe Äpollod. 2, 1, 4, oder Anchi- Agaptolemos und Peirene. 18. Kerkestes und 
rhoe Schol Plat. Tim.-p. 25 '-B (falsch b. Tzetz. Dorion. 19. Eurydamas und Pharte. 20. Aigioa 
Lykophr. 1155 Achiroe); Enkel des Poseidon und Mnestra. 21. Argios und Buippe. 22. Ar- 
uud der Libya {Äpollod. Schol. II. 1, 42), Bru- chelaos und Anexibie. 23. Menachos und Nelo. 
der des Danaos, (nach Eurip. b. ApolM. auch Ohne Los wurden nach der Gleichheit des 
des Kepheus und Phineus), König von Ägypten. Namens verbunden : 24. Kleitos und JKleite. 
Nach Charax b. Steph. Byz. v. Aly. war er Sohn 25. Sthenelos und Sthenele. 26. Chrysippos und 
der Aeria (s. d.), die auch Potamitis hiefs, nach Chrysippe. Dann wieder durchs Los bestimmt: 
Antioch. in Müller, fr. h. gr. 4 p. 544, 15 Sohn 20 27. Eurylochos und Autonoe. 28. Phantes und 
der Side; P?Mi. de /(m«. 1157, lOff. nennt ihn Theano. 29. Peristhenes und Elektra. 30. Her- 
Sohn des Hephaistos und der Leukippe. Als mos und Kleopatra. 31. Dryas und Eurydike. 
dereinst Ägypten von grofser Trockenheit heim- 32. Potamon und Glaukippe. 33. Kissens und 
gesucht wurde, gab der pythische Gott den Antheleia. 34. Linos und Kleodore. 35. Im- 
Bescheid, nur durch das Opfer der Königs- bros und Euippe. 36. Bromios und Euroto. 
tochter könne das Unglück abgewendet werden. 37. Polyktor und Stygne. 38. Chthonios und 
Da führte Aigyptos seine Tochter Aganippe zum Bryke. 39. Periphas und Aktaia. 40. Oineus 
Altar und stürzte sich nach ihrer Opferung aus und Podarke. 41. Aigyptos und Dioxippe. 42. 
Betrübnis in den Flufs Melas (Nil), der dann von Metalkes und Adyte. 43. Lampos und Oky- 
ihm den Namen Aigyptos bekam {Flut. a. a. 30 pete. 44. Idmon und Pylarge. 45. Idas und 
0.). Nach Manetho b. loseph. c. Apion. 1, 15 , Hippodike. 46. Daiphron und Adiante. 47. 
wurde er identificiert mit dem ägyptischen Paiidion und K^Uidike. 48. Arbelos und Oime. 
König Sethosis oder Sethos , sein Bruder Da- 49. Hyperbios und Kelaino. 50. Hippokorystes 
naos mit jenes Bruder Armais (ibid. 1, 26), und Hyperipte {Apollod. 2, 1, 4. Das Ver- 
Eusebios b. Synkell. Chronogr. 165 .B. dagegen zeichnis bei Hygin f. 170 ist anders, aufser- 
identificiert ihn mit Ramesses, den Danaos dem lückenhaft; s. die Ausg.. v. /ScÄmidip. 32 ff.), 
mit Armais. Mehr bei Meiniseh in Paulys Als nun auf diese Weise die Danaiden yer- 
BE. u. Aegyptus p. 327 ff. — Nach Apollod. heiratet waren, gab Danaos einer jeden einen 
(a. a. 0.) weist Belos dem Danaos Libyen, Dolch mit der Weisung, ihren Ehemann in 
dem Aigyptos Arabien als Aufenthalt an; der « der Brautnacht zu ermorden. Alle vollzogen 
letztere selbst erobert das Land der Melam- den Befehl mit Ausnahme der Hypermnestra, 
poden' dazu. Von vielen Frauen werden ihm die des Lynkeus schonte, weil er ihre Jung- 
50 Söhne geboren (vgl. jedoch Müller, fr. h. gr. fräulichkeit nicht angetastet. Dafür liefs sie 
4, 432, 1. Tgets. Chil. 7, 368 ff.), dem Danaos Danaos einkerkern und bewachen. Die übrigen 
50 Töchter. Später geraten sie unter einander Schwestern aber warfen die Köpfe ihrer Ver- 
in Zwietracht wegen der Herrschaft. Nach- mahlten in den Lemasee, begruben die Lei- 
dem Aigyptos das Land der Schwarzfüfsler chen vor der Stadt, und wurden dann auf Be- 
unterworfen, fängt er an seinen Bruder Danaos fehl des Zeus von Athene und Hermes von 
zu bedrängen, dieser baut auf Rat der Athene ihrer Schuld gereinigt. Nach Paus. 2, 24, 3 
das erste fünfzigrudrige Schiff, macht sich 50 waren umgekehrt die Leichen in den See ge- 
aus Furcht vor des Aigyptos Söhnen mit seinen worfen worden, weil dort der Mord begangen 
Töchtern auf die Flucht und kommt schliefs- war (daher das Sprüchwor^yfEgT'rj KccKmv. Strabo 
lieh in Argos an. Die Söhne des Aigyptos 371. Zenob. 4,86), und die Köpfe, welche die 
(nach Phrynich. fr. 1 Nauck auch Aigyptos Danaiden abgeschlagen und als Beweis der 
selbst) folgen ihnen aber nach, wünschen die Bei- vollzogenen That dem Vater überbracht hatten, 
legung der Feindschaft und werben zu diesem auf dem Wege zur Akropolis beerdigt worden. 
Zwecke um die Töchter des Danaos. Dieser, An derselben Stelle befand sich ein Denkmal 
mifstrauisch und wegen der Flucht grollend, zur Erinnerung an die Gemordeten. Nach 
ist zunächst abgeneigt, willigt aber schliefs- einer Sage der Patraier, deren Patis. 7, 21, 
lieh ein. So fiel 1) die Hypermnestra dem Lyn- co 6 gedenkt, floh Aigyptos aus Furcht vor Da- 
keus*) ohne Los zu, desgleichen 2) die Gor- naos nach Aroe und starb dort aus Gram 
gophone' dem Proteus, weü diese beiden Söhne über das Leid seiner Söhne. Ein Denkmal 
dem Aigyptos ans königlichem Geblüte, von für ihn war im Tempel des Serapis zu Pa- 
der Argyphia (Argyphe TzetZ. Chil. 7, 372), trai. Sprichwörtlich war Alyvictov yäfiog von 

den zu ihrem Unfflück Vermählten. JQioqen. 

*), Lynkeus erloste a«oh die KaW'; J f ^^J''^; 2, 55 u. Apost. 5, 24. - Aufser den vorauf- 

zeichms b. Apolkfdor scheint dies fälschlicher Zusatz zu ' -51 ' ,. _ xr n j.- t i -i. 

sein, weu sich sonst 61 Töchter des Danaos ergeben, s. gehenden Citaten moge der Vollständigkeit 

Westermann zu Apollod. a. a. o. wegen noch Aesch. fr. 42 N. Anst. ran. 1206, 



157 



Algyros 



Aineias b. Homer 



158 



V 



Plato Menex. 245'i, Aesch. Suppl. 9, 322, 334 
u. ö. erwähnt sein. Die weitere Variation der 
Sage nach Paus. Hygin. u. s. w. s. unter D a n a o s. 
Die Deutung ist verschieden, vgl. Preller 2, 45 if., 
Beinisch. a. a. 0., Gerhard GM. 2, 134. Aufser- 
dem s. den Artikel Danaiden. — 2) Aigyptos 
,ein Sohn des Obigen; s. Nr. 41. [Bernhard.] 
, Aigyros (Jiyvqog), nach sikyonischer Sage 
ein Sohn des Thelxion und Vater des Thuri- 
machos , Abkömmling des Aigialeus (s. d.). 
Paus. 2 , 5 , 7. Seine Ahnenreibe war nach 
Paus. a. a. 0. folgende: Aigialeus, Europa, 
Teichin, Apis, Thelxion. .Aigyros' Enkel war 
Leukippos, der Vater der Kalchinia. [Röscher.] 
Alias oder Aiioragatng(?), altspanische Gott- 
heit auf einer Inschrift aus Clunia Sulpicia 
(Penalba de Castro) Hiap. Tarag., C. I. L. 2. 
2772: Aiioragato L. Äemilius Quartio Lapi- 
dariu v. s. l. m. [Steuding.] 



kommt ihm aufser Hektor niemand im Eange 
gleich E 180. N 463 ff. P 485. T 83 ; ihn und 
Hektor belastet die meiste Kriegsarbeit der 
Troer und Lykier, weil sie die Besten sind zu 
jeglichem Zweck im Kampf und im Rat. Z 77 
(vgl. Verg. A. 11, 283—92). Daher wird er im 
Volk der Troer wie ein Gott verehrt A 58, 
und geniefst gleiches Ansehen wie Hektor 
E 467; seine Epitheta: Tqwcov ayrij u. ßovltj- 
10 qoöpos, iii^armg cpößoio E 217. 180. 272. 311, 
«val ävSQäv E 311, weil von Zeus abstam- 
mend (vgl. Gladstone, hom. Studien übers, v. 
Schuster 86 ff., 94 ff.), fisyalrivioQ T 175, Sai- 
<pQ(ov T267, atcclavTOg "Aqtji N bOO , noSag 
ra^vg N 482. Auch die Feinde wie Meriones, 
Sthenelos, des Diomedes Wagenlenker, Idome- 
neus erkennen seine Stärke an. JI620. E 244 ff. 
JV^483; mit dem Achilles trifft er T 158 ff. als 
ebenbürtiger Gegner zusammen. Während im 



Aüklos ('ACiilog), Bruder des Ellops und 20 Buch E Diomedes Wunder der Tapferkeit voU- 



Kothos, aus Athen, Gründer von Eretria. Strab. 
p. 321. 445. 447; Scymn. 575; Alcm. 66 (26) 
ed. Bergk; Steph. Byg. s. v. 'Elev&eqig. Nach 
Plut. Quaest. gr. 22 war er Sohn des Xuthos. 

[Schultz.] 
V Ailinos (Ai'Uvog), Sohn der Kalliope, wie es 
scheint, der Erfinder der Dichtungsart atlivov : 
Suid. s. V. aiXivov. S. Linos. [Röscher.] 
Ailios {Ailwg, richtiger "Eliiog), Sohn des 



bringt, bewegt Aineias denPandaros auf seinen 
Wagen zu steigen und vereint mit ihm dem 
Wütenden entgegen zu fahren. Nachdem Pan- 
daros von Diomedes' Hand gefallen, umschreitet 
Aineias die Leiche Xsmv mg üIkI meitoL^cög 
E 299 unter furchtbarem Geschrei; da wird er 
von Diomedes mit einem Feldstein getroffen, 
doch als er bewufstlos ins Knie gesunken (v. 
310), trug ihn Aphrodite aus dem Kampfe, 



Pelops und der Hippodameia, Schol. i'^rip. so und da sie selbst von Diomedes verwundet ihn 



Orest. 5 u. Bindorf z. d. St. [Stoll.] 

Aimylia {AijivUa = Aemilia), Tochter des 
Aineias und der Lavinia: Plut. Bom."i. 

[Röscher.] 

/^v Ainarete (Alvagkrj), Tochter des Deimaohos, 
Mutter des Athamas, Königs von Böotien: Schol. 
Plat. Min. 315 c. [Röscher.] 

X^ Aine {Aivri) , Name einer zu Ekbatana ver- 
ehrten Göttin, Polyh. 10, 27, 12. Vgl. Aineias 
Kap. 23. [Wörner.] 
"iiN Aineias {Aiveiag, Aeneas), Sohn des Anchises 
und der Aphrodite. 

1) Homerische Sage bis zum Tod Hek- 
tors : Alvsiag, rbv vn' 'Ay^lerj tsKS öf ' 'A<pQO- 
Shr], ISt]s £v KvrjfiOLai &sa ßQorm svvrj&Biaa. 
B 820. E247. 313. T208, vgl. den 4. hom. Hymn. 
slg 'AcpQoSkrjv u. Hes. Theog. 1008 ff.; er stammt 
aus dem troischen Herrschergeschlecht, T215 
— 240 ist seine Ahnenreihe angegeben: Kapys 
sein Grofsvater, dann Assarakos, Tros, Eri- 
chthonios, Dardanos, er stammt also väterlicher- 
seits von Zeus. Alkathoos, der Gemahl seiner 
Schwester Hippodameia {N 428) erzog ihn als 
Kind in seinem Hause, nach dem hom. Hym- 
nus 257 ff. liels ihn Aphrodite durch Berg- 
nymphen erziehen und führte ihn erst im fünf- 
ten Jahre (v.277) dem Vater zu mit der Weisung, 
er solle ihn für das Kind einer Nymphe aus- 
geben. (Nach IKenophon de venat. 1, 2 gehörte 



fallen liefs (v. 343), rettete ihn Apollo in dunk- 
ler Wolke, stiefs dreimal den Diomedes zu- 
rück und scheuchte ihn zuletzt durch drohen- 
den Zuruf (v. 440), den Aineias brachte er in 
seinen Tempel auf Pergamos, wo ihn Leto und 
Artemis heilten, während sich Troer und Grie- 
chen um ein Scheinbild des Gefallenen schlugen 
(v. 449 ff.). Bald darauf kehrt Aineias neu ge- 
stärkt von Apollo in den Kampf zurück (v. 512) 

40 und erlegt das Brüderpaar Krethon und Orsi- 
lochos (v. 541); an Diomedes verlor er damals 
seinen Streitwagen und das Z wiegespann , ein 
Geschenk seines Vaters, Rosse, welche von den 
unsterblichen Rossen abstammten, die Tros 
einst als Ersatz für Ganymedes von Zeus 
empfangen hatte. E 265. 323. Wieder in den 
Vordergrund tritt Aineias beim Sturm auf die 
Schiffsmauer, wo er erster Anführer der vierten 
Heerschar ist M 99, die der Dichter vermut- 

50 lieh aus Dardanem bestehend denkt, während 
die drei ersten vermutlich troischen Heerhaufen 
von den drei Söhnen des Priamos Hektor, 
Paris, Helenes geführt werden. Als beim 
Kampf um die Schiffe (iV) Idomeneus sich her- 
vorthut und unter anderen Alkathoos, den 
Schwager des Aineias, getötet hat, ruft Dei- 
phobos den Helden gegen Idomeneus zu Hilfe. 
Dieser sieht kaum Aineias heranstürmen, als 
er seine Genossen anruft, aus Besorgnis, der 



Aineias zu den Zöglingen des Kentauren Chei- go schnelle, starke, jugendliche Held möchte ihn, 



ron). Am Krieg nahm Aineias erst dann teil, 
als Achill seine Rinderherden auf dem Ida 
überfallen und ihn nach Lymessos verjagt 
Latte. Lymessos wurde erobert, Aineias ent- 
kam von Zeus geschützt. T 90 f. 187—194. 
Darauf führte er die Dardaner in den Krieg 
JB 819, die dem Range nach das zweite Volk 
nach den Troern sind. Im troischen Heere 



den alternden, überwinden iV 480. Beim Zu- 
sammenstofs gehen die Speere beider fehl, in 
der Fortsetzung des Kampfes erschlägt Aineias 
den Aphareus N 541, aber im übrigen Verlauf 
des Buches läfst der Dichter den mit solchem 
Nachdruck eingeführten Aineias fallen. Da- 
gegen' tritt nr beim Kampf um die Schiffe (S) 
wieder hervor, nachdem Hektor von Aias durch 



159 



Aineias b. Homer 



Aineias b. d. Kyklikern etc. 



160 



einen Steinwurf betäubt worden ist. Aineias 
schirmt mit Polydamas, Agenor, Sarpedon und 
Glaukos den Gefallenen, bis er aus dem Ge- 
fecht getragen ist: Ä 425. Als durch Patro- 
klos die Troer aus dem Schiffslager getrieben 
worden sind, und Sarpedon von der Hand des 
Patroklos gefallen ist, deckt Aineias neben 
Glaukos den Rückzug und kommt dabei mit 
Meriones in ein unentschiedenes Gefecht 11 608. 
Im Kampfe um die Leiche des Patroklos for- lo 
dert er, von Apollo — in des Heroldes Pe- 




20 



Aineias um die Leiche des Patroklos kämpfend, 
von e. Vasenbilde b. Overbeck, Gall. T. 18, 3. 



riphas Gestalt — ermutigt , den Hektor zum 
Widerstand auf, bringt die Troer zum Stehen 
und erlegt im Angriff den Griechen Leiokritos. 
P 319—45; Hektor fordert ihn, als den tapfer- 
sten Genossen, zur Erbeutung von Achills 30 
Bossen auf P 484; hinter den mit Patroklos 
Leiche zurückweichenden Griechen drängen 
vor allen Aineias und Hektor an P 754. Beim 
Wiedererscheinen Achills tritt zuerst Aineias 
in den Kampf gegen diesen ein T 79, von 
Apollo in des Lykaon Gestalt angetrieben, 
da Achill nur der Sohn einer geringeren Göt- 
tin sei, Aineias von Zeus' Tochter abstamme. 
Nach wortreichen Reden werfen die Helden 
auf einander die Speere, ohne sich zu verwun- 40 
den, Achill dringt darauf mit dem Schwerte 
an, Aineias schwingt einen Feldstein, wie ihn 
zwei Männer nicht trugen; bevor es zur Ent- 
scheidung kommt, entrückt Poseidon den 
Aineias aus dem Schlachtgewühl und giebt 
ihm die Weisung, erst nach dem Fall Achills 
wieder unter den Vorkämpfern zu erscheinen. 
(Wegen ihrer geschwätzigen Breite wird die 
ganze Partie T 199 ff. den spätesten Bestand- 
teilen der Ilias zugerechnet.) Poseidon sagt 50 
dort ausdrücklich, dafs aufser Achill kei- 
ner der Griechen Aineias töten könne T 339. 
Demselben Gott legt der Dichter die künftige 
Bestimmung des Aineias in den Mund, dafs 
er nach Priamos Fürst der Troer werden und 
das Geschlecht des Dardanos fortsetzen^ solle 
T 307 f. vvv Sl Sri AlviCao ßiri Tgciseaiv dvä^si 
v.al ■naiStov natSsg, Toi %iv (tSTonricS'S yivmv- 
rai, womit zum Teil wörtlich die Weissagung 
des 4. homerischen Hymnus v. ^196 f. überein- 60 
stimmt: eol S' iatai cpiXog «Cos og ev Tprä- 
eaaiv ava^ei Kai TcatSeg itaiSseai Siafiits^sg 
iKvsyäovtat. Daher wirft Achilles T180f. dem 
Helden vor, dafs er solche Hoffnungen hege. 
Aus N 460 folgerte man, dafs Priamos eben- 
deswegen Aineias zurückgesetzt und sich dafür 
dessen Groll zugezogen habe, obwohl die frü- 
heren Bücher für diese Auffassung keinen An- 



haltbieten. T298f. ist die Frömmigkeit des 
Aineias gegen die Götter gerühmt , Achill er- 
kennt aus seinem Verschwinden, dafs jener ein 
Liebling der Unsterblichen sei T 347. — Aus 
alledem ersieht man, dafs Aineias in der Ilias 
— denn in der Odyssee wird seiner nicht ge- 
dacht — zwar mehrfach als der bedeutendste 
Held der Troer nach Hektor bezeichnet wird, 
aber dafs der Dichter ihn doch nirgends eine 
That vollbringen läfst, die diesem Ansehen 
voll entspräche. Die schwersten Gefahren über- 
steht er nicht durch eigne Kraft, sondern er 
wird aus ihnen durch unmittelbares Eingreifen 
der Götter, der Aphrodite, des Apollo, des 
Poseidon gerettet. Li der Darstellung der Ilias , 
ist er bereits der unter besonderer göttlicher 
Obhut stehende und zu Höherem bestimmte 
Held, aber nach der Ilias und dem homerischen 
Hymnus ist er der künftige Herrscher über die 
Troer in ihrem Mutterlande. In dieser Weise 
erklärte schon Stralo 13, 608 richtig Homers 
Worte; mit der späteren Sage sucht Bionys. 
V. Hai. 1. c. 53 die Worte in Einklang zu 
bringen. Vorzüglich auf Homer beruht das 
Bild des Aineias, welches Phüostratus Her. 13 
entwirft ; daraus ist bemerkenswert : „die Achäer 
nannten den Hektor die Hand, den Aineias 
den Verstand der Troer und bekannten, dafs 
Aineias' Mäfsigung ihnen mehr Not mache, 
als Hektors Kampfeswut." 

2) Der epische Kyklos, die Sage bei 
Quintus Smyrnaeus, bei Dares und Dic- 
tys, bi^ zum Ende der Kämpfe: 

Die direkten Nachrichten aus dem Kyklos 
sind sehr spärlich; gänzlich fehlen uns solche 
über die Beteiligung des Aineias an den Kämpfen 
vom Tode Hektors an bis zum Falle Trojas. 
Nach den Kyprien bei Froklos Chrest. l. 1. 
(Kinkel, Ep. gr. fragm. 1 S. 17) befahl Aphro- 
dite dem Aineias Paris auf der Fahrt zur 
Helena zu begleiten (ebenso bei Bictys 1, 3. 
Dares c. 9. 38), nach den Kyprien gehört, wie 
in der Ilias, der Überfall der Herden des Ameias 
und seine ■ Verfolgung durch Achilles in den 
Anfang des Krieges, nach den Kyprien und der 
kleinen Ilias des Lesches hiefs seine Gemahlin 
Eurydike {Paus. 10, 26, 1 so auch bei Mimus 
nach Cic. de Biv. 1, 20, 40), nach der lüu 
Persis des Arktinos (um 780 v. Chr.) stimmt 
ein Teil der Troer dafür, das von den Griechen 
zurückgelassene hölzerne Pferd ins Meer zu 
stürzen oder zu verbrennen; gegen ihren Rat 
wird es in die Stadt gezogen, das Volk über- 
läfst sich den Freuden des Friedensfestes; da 
ereignet gich das Wunder, dafs Laokoon und 
einer seiner beiden Söhne durch zwei plötzlich 
erscheinende Schlangen erwürgt werden; worauf 
Aineias und die Seinen aus der Stadtnach demida 
abziehen. ZiMM,a.a.0.S.49. Dies geschah dem- 
nach bei Arktinos vor der Zerstörung Troias, 
und es könnte also nach der Iliu Persis Ameias 
im Lande geblieben sein. (So Niebuhr B. G. 
S. 102 f. Ausg. in 1 Bd. 1853.) Irrtümlich ist 
die Angabe des Tsetses zu Lykophr. AI. y. 1232 
u. 1263, Lesches in der kleinen Ilias habe er- 
zählt, dafs Andromache und Aineias als Kriegs- 
gefangene dem Neoptolemos übergeben und 
von ihm nach Pharsalia, der Heimat Achills, 



161 Aineias b. d, Kyklikem etc. 

abgeführt worden seien (Kinkel, Ep. gr. fragm. 

5. 46 u. Lykophr. AI. praef. 5). — Über das 
Auftreten des Aineias in den Kämpfen vor Troja 
nach Hektors Fall giebt Quintus Smyrnaeus 
(Ende des 3. Jhd. nach Chr.) die ausführlichste 
Auskunft; einzelnes findet sich in den späten 
Machwerken, die unter Dares' und Dictys' Na- 
men gehen; manche dieser so erhaltenen Züge 
gehen wohl mittelbar auf alte Überlieferung 
zurück. Die Auffassung der homerischen Ge- 
sänge hat bis in diese späten Zeiten nachge- 
wirkt. Aineias ist Vorkämpfer und Berater 
der Troer; Dares c. 18 nennt ihn neben den 
Söhnen des Priamos und neben Memnon als 
Anführer der Troer (vgl. JW 99); seine Fröm- 
migkeit ist hervorgehoben Biet. 4, 17. 18; bei 
der Landung der Griechen tötet er Protesilaos 
Dict. 2, 11; nach Daves c. 21 deckt er den 
von Menelaos und dem kleinen Aias verfolg- 
ten Paris mit seinem Schild und führt ihn 
nach Troja zurück, in einer andern Schlacht 
erlegt er Amphimachos und Nirens c. 21. Nach 
dem Fall der Penthesileia gehört er zu denen, 
welche zum Frieden raten, Dares c. 37; Pria- 
mos weist die Ratschläge zurück c. 38, worauf 
Antenor sich mit Aineias und anderen zum 
Verrat der Stadt verbündet c. 39 ä. — Bei 
Qmntus Sm. tritt Aineias zuerst auf unter den 
Helden, die den Leichnam des Achill hinweg- 
zuziehen suchen 3, 214; er kommt darüber mit 
dem Telamonier Aias in einen Einzelkampf, 
aus dem er verwundet nach Ilion zurückkehrt 
3, 286. Der Mysier Eurypylos, Sohn des Te- 
lephos, erkiest den Aineias unter andern zum 
Vorkämpfer 6, 316; im Kampf betäubt Aineias 
den Aias, des Oileus Sohn, durch Steinwurf 

6, 520; sein Schild wird von Teukros durch- 
stofsen, er selbst bleibt unverwTindet, und er- 
legt noch Pheres und Antimachos, Genossen 
des Idomeneus (vgl. Dares c. 21). Nachdem 
Neoptolemos zu den Griechen gestofsen, tötet 
Aineias in der Schlacht, in welcher schUefs- 
lich Eurypylos von Neoptolemos überwunden 
wird, den Aristolochos durch S.teinwurf 8, 93 
und später den Damas aus Aulis v. 303. Als 
auch Phüoktet am Kampf teilnimmt, kämpfen 
die Troer gegen den Rat des Polydamas, er- 
mutigt durch Aineias, vor den Thoren 10, 26 ; 
Aineias tötet mit der Lanze den Böotier Har- 
palion und den Kreter Hyllos v. 74. 81; dar- 
auf zwei Diener des Bpeios: Deileon und Am- 
phion V. 111. Nach dem Tode des Paris ist 
wieder Ainßias Vorkämpfer, er erschlägt die 
Kreter Bremen und Andromachos, Apollo selbst 
ermuntert in der Gestalt des Priesters Po- 
lymestor ihn und Eurjmiachos, den Sohn des 
Antenor, zu weiterem Kampf 11, 129 (vgl. T 79 ff. 
P 319 ff.). Beide Helden treiben darauf das 
Heer der Griechen vor sich her 11, 165. 183. 
Aineias durchbohrt mit der Lanze den Aitha- 
lides v. 201 ; als aber Neoptolemos die Fliehen- 
den zum Stehen bringt und den Kampf auf- 
nimmt, hemmt Aineias zuerst die Flucht der 
Seinen v. 235; Thetis, die sich vor Aphrodite 
scheut, lenkt den Neoptolemos von Aineias ab 
V. 240, und als die Gefahr wächst, entrückt 
die göttliche Mutter ihren Sohn in einer Wolke, 
aus Furcht vor Pallas, die den Argeiern bei- 

BoaOHEB, Lexikon der gr, u. rüm. Mythol. 



Aineias b. Untergang Ilions 162 

steht v. 289 (vgl. T 318 ff., E 431 ff.). Nach- 
dem die Troer in die Stadt zurückgeworfen 
sind, verteidigt Aineias das nach der Ebene 
zu gelegene Thor gegen Odysseus und Eury- 
jiylos V. 355; als die Griechen unter einem 
Sohilddaeh gegen das Thor vordringen, zer- 
schmettert Aineias mit mächtigem Stein das 
Schilddach und treibt durch seine Steinwürfe 
die Griechen zurück 404 — 426 (es scheint Verg. 

10 Äen. 2, 440 ff. 476 ff. nachgeahmt zu sein), den 
Lokrer Alkimedon, den Gefährten des Aias, 
stürzt er durch einen Steinwurf von der schon 
erstiegenen Mauer hinab 11, 460; vor dem 
sichertreffenden Geschofs des Phüoktet schützt 
Aphrodite ihren Sohn, dieser erlegt dafür mit 
einem Steinwurf Toxaichmes, den Genossen 
des Philoktet, v. 487, worauf letzterer höh- 
nisch den Aineias zum Einzelkampf vor den 
Mauern herausfordert v. 491. Als die Stadt 

20 gefallen ist, und Aineias im Strafsenkampf 
„noch viele Feinde" getötet hat, flieht er zu- 
letzt, an der Rettung Trojas verzweifelnd, den 
Vater auf den Schultern, den Sohn an der 
Hand 13 , 300 (Kreusa wird nicht erwähnt) ; 
Aphrodite geht schützend voran. Vor den 
Schritten des Fliehenden weichen die Flammen 
zurück, und die Geschosse der Feinde fallen 
kraftlos nieder 329. (Dieser Zug schon Verg. 
Äen. 2, 632 f. Ovid. M. 15, 861. 441. Fast. 4, 

30 800; weitere Stellen bei Klausen, Aeneas und 
die Penaten S. 161.) Über die Darstellung der 
Kämpfe des Aineias auf Vasenbildern u. s. w. 
vgl. unten Kap. 22. — Nach Hygin. Fab. 115 
tötete Aineias achtundzwanzig namhafte Feinde ; 
in der Ilias sind nur sechs genannt , vgl. 
M. Schmidt z. St. S. 101. 

3) Aineias und die letzten Schick- 
sale Trojas. 

Den Abzug des Aineias aus der Stadt und 

40 zwar, wie schon Arktinos erzählt hatte, noch 
vor ihrer Eroberung berichtete auch Sophokles 
(496—406 V. Chr.) im Laokoon nach Dionys v. 
Halik. 1, 48 : Aineias habe sich teils auf Anchises' 
Befehl, und des Auftrages der Aphrodite einge- • 
denk, teils durch das kürzlich den Laokoontiden 
widerfahrene Wunder, woraus er das nahe Ver- 
derben der Stadt ahnte, bewogen zum Abzug 
nach dem Ida gerüstet. Aineias steht im Kreis 
seiner Hausgenossen am Thor, den Vater auf 

50 den Schultern, eine Menge Volkes schliefst 
sich dem Abziehenden an, und zwar ist von 
einer zu gründenden Kolonie der Phryger die 
Rede. Auch sonst gab es Nachrichten, dafs 
Aineias zur Zeit der Zerstörung nicht in Ilion 
gewesen sei; Dien. 1, 48 sagt, nach den einen 
habe er sich im Seehafen der Troer (etwa An- 
tandros?), nach anderen auf einem Kriegszug 
in Phrygien befunden. 

Verbreiteter ist die Sage, dafs Aineias 

60 aus der eroberten Stadt abzog; nach der 
Tabula Iliaca folgte dieser Sage schon Stesi- 
choros von Himera in der Iliu Fcrsis (c. 680 — 
550 V. Chr.) , eine alte Münse von Aineia aus 
der Mitte des 6. Jahrh. v. Chr. deutet auf die- 
selbe Sa^e hin. JhlUmikos von Mytilene, der 
ältere Zeitgenosse des Herodot, erzahlte in den 
TfiafKÜ ausführlich, Aineias habe in der ver- 
hängnisvollen Nacht die Burg Trojas, wo sich 

6 



163 Aineias b. Untergang Ilions 

die Heiligtümer, die Schätze und der Kern des 
Heeres befanden, tapfer verteidigt, habe dort 
die Flüchtigen aufgenommen, dann aber das 
wehrlose Volk nach dem Ida abziehen lassen, 



Aineias bleibt im Lande 



164 




Aineias mit AncUses und Askanios. Teiracotta nach 

Kekule, die antiken Terracotten, Bd. 1. Taf. 37 

(s. S. 185. Z. 65). 

die Burg habe er noch eine Zeit lang gegen 
den stürmenden Neoptolemos gehalten, dann 40 
sei er mit dem Kern des Heeres in Schlacht- 
ordnung den anderen nachgezogen, auf einem 
Doppelgespann seinen Vater, die heimischen 
■ Götter (darunter das echte Palladion Dion. 1, 
69), Weib (Kreusa, nach Bion. 3, 31) und 
Kinder und alle wertvolle Habe mit sich füh- 
rend. Unterwegs holt er die Vorausziehen- 
den ein und besetzt nun die festen Plätze des 
Ida: Bion. 1, 46. 47. Bei Verg. Aen. 1. 2 wird 
Aineias in der Nacht durch die Erscheinung 50 
Hektors gewarnt und aufgefordert die Penaten 
des Staates aus dem Untergang der Stadt zu 
retten. Der Held beteiligt sich darauf zu- 
nächst am Kampf in den Strafsen, hilft die 
Königsburg verteidigen, erst nach dem Fall 
derselben und nach dem Tod des Priamos läfst 
er sich durch die Erscheinung seiner göttlichen 
Mutter bestimmen in das eigene Haus zurück- 
zukehren. Dort widersetzt sich Anchises .hart- 
näckig der Flucht , bis auch ihn göttliche 60 
Wunderzeichen eines Besseren belehren. Den 
Vater, der die Götterbilder trägt, auf den 
Schultern, den Mus an der Hand verläfst der 
Held die Stadt, seinen Schritten folgt die Gat- 
tin Kreusa. Vor den Thoren bemerkt er den 
Verlust der Kreusa und eilt in die brennende 
Stadt zurück. Dort erscheint ihm der Schatten 
der besuchten und verkündet ihm ihren eige- 



nen Untergang und sein künftiges Geschick. 
Aineias zieht darauf, zu den Seinen zarück- 
gekehrt, bei Anbruch des Morgens nach dem 
Ida ab. Quintus Smyrn. 13, 300 ff. folgt der 
Tradition Vergils. Vgl. oben Kap. 2 am Ende. 
Die Angabe des Macrobius Saturn. 5, 2, 4: dals . 
Vergil den Inhalt des 2. Buches wörtlich aus 
Pisander entlehnt habe, hält man für emen 
Irrtum und glaubt, Macrobius habe den alten 
Pisander von Kameiros (c. 640 v. Chr.) ver- 
wechselt mit Pisander von Larenda aus der 
Zeit des Alexander Severus oder mit einem 
Pseudonymen Dichter der alexandrinischen Zeit. 
Schwegler r. G. 1. 297 f. Bernhardy gr. L} 2, 
1. S. 316 f. Welcher ep. C. 1 (1836) p. 97 ff.— 
Eine besondere Wendung dieser Sage erscheint 
zuerst bei Xenophon de venat. 1, 15: Aineias 
trug durch die Rettung der Götterbilder und 
seines Vaters den Ruhm der Frömmigkeit da- 
von, so dafs die Feinde ihm allein verstatteten, 
das Seine zu behalten; ebenso setzt er bei 
Lykophron AI. v. 1263 ff. u. Schol. (Kinkel) der 
Rettung der Götterbilder und seines Vaters 
Weib und Kinder und alle Habe nach. Auch 
Varro im 2. Buch rerum human, nach schol. 
Veron. zu Acn. 2, 717 ed. Mai (vgl. Serv. 
Verg. Aen. 2, 636) erzählte, Aineias habe sich 
auf der Burg behauptet, bis er freien Abzug 
erlangte, worauf er, alles andere verschmähend, 
mit Anchises auf den Schultern auszog, dann 
von den gerührten Griechen Erlaubnis erhielt, 
die Penatenbilder, endlich seine ganze Habe 
mitzunehmen; weiter ist dies ausgeschmückt 
bei Biodor'. frg. Mhr. 7, Aelian v. h. 3, 22 u. 
b. Quintus Sm. 13, 344 ff.; dort verbietet aus 
diesem Grunde Kalchas den Achäem, aui den 
fliehenden Aineias zu schiefsen, und verkündet 
ihnen, dafs der Held am Tb^mbris eine Stadt , 
gründen und über ein grofees Volk gebieten 
solle, seine Nachkommen würden vom Aufgang 
bis zum Untergang der Sonne herrschen, er 
selbst einst unter die Himmlischen aufgenom- 
men werden. — Über die Darstellung der Flucht 
des Aineias auf Vasenbildem, Münzen u. s. w. 
vgl. unten Kap. 22, — Die eigentümliche An- 
gabe Varros (Schol. Veron. z. Verg. Aen. 2, 
717), dafs Aineias zwei Söhne Ascanius imd 
Eurybates mit sich nahm, findet eine teilweise 
Bestätigung durch das Schol. z. Lykophr. AI. 
V. 1263, wo seine und der Kreusa Söhne Aska- 
nios und Euryleon heifsen. Naevius erzählte 
von Gattinnen des Anchises und Aeneas, die 
verhüllten Hauptes, weinend die. Stadt ver- 
liefsen. Serv. Verg. Aen. 3, 10. — Nach Paus. 
7, 19, 7 liefs Aineias eine heilige Cista mit 
dem Bild des Dionysos in Troja zurück, weil 
er wufste, dafs sie den Findern Unheil bringen 
würde. Vgl. die Sage von Eurypylos, Sohn 
des Euaimon (unter Aisymnetes). 

4) Aineias bleibt im Lande. Troisch- 
phrygische Lokalsage. 

Der Abzug des Aineias nach dem Ida fand 
sich bei Arktinos, Hellanikos, Sophokles, Ver- 
gil; nur bei Stesichoros scheint er (s. die 
Darstellung der Tabula Iliaca) gleich die 
Schiffe bestiegen zu haben. Dafs Aineias im 
Lande blieb, war vielleicht schon die Auffas- 
sung der Iliu Persis des Arktinos (vgl. oben 



165 



Aineias wandert aus 



Aineias in Thrakien etc. 



166 



Kap. 2) ferner die dos Logographen AJcusilaos 
aus Argos (c. 510 v. Chr.) nach Schol. T307: 
Aphrodite stiftete den troianischen Krieg nur 
zu dem Zweck an, um die Herrschaft an das 
Haus des Aineias zu bringen. Das Vorhanden- 
sein der Sage, dafs Aineias als Herrscher im 
Lande geblieben sei, bezeugt ßion. 1, 53 (vgl. 
l'zetzes z. I^ykophr. AI. 970); nach einem Ana- 
xikrates im 2. Buch seiner 'AgyalLiiä {Schol. 



des Aineias ist die Iliu Persis des sicilischen 
Dichters Stesichoros von Himera (c. 630 — 550) 
nach der Angabe der Tabula Iliaca; auf ihr 
ist dargestellt, wie Aineias beim Sigeion den 
kleinen Askanios an der Hand, den Trompeter 
Misenos hinter sich, Anchises mit der Adicula 
der Götterbilder voraus , das harrende Schiff 
besteigt, beigeschriebensind die Worte : „Aineias 
mit den Seinigen, wie er nach Hesperien ab- 



Venct. z. JSur. Androm. 224) blieb er nach lo fährt." Unter Hesperien versteht man Italien. 



Trojas Fall mit Anchises in Dardanos; Ahas, 
Verfasser von Troica (vgl. Servius Verg. Aen. 9, 
264) erzählte, dafs Aineias nach Abzug der 
Griechen den von Antenor vertriebenen Astya- 
nax wieder in Arisba eingesetzt habe. Nach 
Dion. 1, 53 behaupteten einige, Aineias, der 
Aphrodite Sohn, sei mit seinen Troern gar 
nicht nach Italien gekommen, sondern es sei 
dies ein ahderer Aineias oder Askanios, des 



Eine ähnliche Überlieferung hat Hellanikos, 
der angebliche Verfasser der Chronik der ar- 
givisohen Priesterinnen, und sein Schüler Da- 
mastes von Sigeion, beide Zeitgenossen des 
Herodot (vgl. Bion. 1, 72) : „Aineias sei aus 
dem Gebiet der Molosser gemeinsam mit Odys- 
seus nach Italien gekommen , habe dort die 
Stadt Rom gegründet und sie nach dem Namen 
der Ilome, einer der llierinnen, genannt, wel- 



Aineias Sohn, gewesen, während wieder andere 20 che der Irrfahrten überdrüssig ihre Genossinnen 



sagten, Aineias habe zwar sein Jleer nach 
Italien geführt, er sei aber von dort nach Troja 
zurückgekehrt, habe dort als König geherrscht 
und seinem Sohne Askanios die Herrschaft 
hinterlassen. Das Grab des Helden wurde in 
der phrygischen Stadt Berecynthia gezeigt. 
Fest. p. 269 iJoma»!. Demelrios von Skepsis, 
ein Schüler Aristarchs, (vgl. Strato 13, 607) hielt 
seine Vaterstadt Skepsis für den Königssitz 



aufgefordert habe , die Schiffe in Brand zu 
stecken." Nach dem Dichter Simmias (um 
300 V. Chr.) hatte Aineias wie Helenes den 
Neoptolemos als Gefangener nach Epirus be- 
gleitet (vgl. Schol. z. Eurip. Androm. 14). 
Auch Sophokles wufste nach Strato 13, 608 
um die freie Auswanderung des Aineias. In 
seinen Antenoriden (nach Nauck fr. tr. Gr. 
133 ff.) verliefs der Held mit Anchises, Askanios 



des Aineias, wo die Nachkommen des Aska- so und vielem Volke zu Schiff sein Vaterland; 



nios und des Hektoriden Skamandrios noch 
lange das Königtum besessen und sogar unter 
demokratischer Verfassung den Königstitel und 
besondere Ehrenrechte behalten hätten. Ahn- 
liches fand sich schon in den Troika des Hel- 
lanikos (bei Bion. 1, 47) : Aineias sendet vor 
seinem Aufbruch aus der Heimat den Askanios 
als König zu den Daskyliten an der Propontis ; 
dieser kehrt aber bald mit Skamandrios und 



wohin er ging, ist nicht gesagt; nach dem 
Vorausgehenden aber läfst der Dichter den Ante- 
nor und seine Söhne erst nach Thrakien, dann 
nach dem Veneterland an der Hadria auswan- 
dern. Möglich also, dafs schon Sophokles von 
Aineias' Fahrt ins Westland gewufst hat. Fast 
denselben Weg, wie Antenor bei Sophokles, 
zieht Aineias bei Bictys. Aineias bleibt nach 
dem Heimzug der Griechen in Troas; als er 



den übrigen von Neoptolemos aus Griechen- 40 das Volk auffordert , den Antenor aus dem 
" ^ ' "" ' ''- ■• - -'^ Reich zu treiben, hindert ihn dieser an der 

Rückkehr nach Troja. Gezwungen wandert 
Aineias mit seinem Erbe aus, kommt ins Adri- 
atisohe Meer und gründet Corcyra Melaena 
5, 17. Bei Bares mufs Aineias auf Befehl des 
erzürnten Agamemnon die Stadt verlassen, weil 
er Polyxena, die sich während der Zerstörung 
Ilions zu ihm geflüchtet hatte, verborgen ge- 
halten, hat; er segelt mit 22 Schiffen und einer 
50 Mannschaft von 3400 Köpfen ab c. 43. 44. — 



land entlassenen Hektoriden in das heimat- 
liche Reich nach Troja zurück (vgl. Konon, 
Narr. 41); nach Stephanus Bys. führten die 
troischen Städte Askania und Arisbe auf Aska- 
nios ihre Gründung zurück, Gentinos auf einen 
der Söhne des Aineias. Wir haben es also 
hier mit einer am Ida einheimischen, bereits 
in der Hias angedeuteten, sodann aus dem 6. 
imd 5. Jahrh. v. Chr. gut bezeugten Sage zu 
thun. 



In der Anschauung, dafs nach dem Priamos 
die Herrschaft des Landes an Aineias über- 
gegangen sei, dafs dieser überhaupt eiu ge- 
föhrlicher Nebenbuhler der Königsfamilie ge- 
wesen (vgl. Ilias T 180. JV 460), ist die Wen- 
dung der Sage begründet, die nach Bionys. 1, 
48 Menekrates von Xanthos vertrat, Aineias 
habe, weil er durch Paris von den Ehren- 
ämtern ausgeschlossen worden, den Priamos 
gestürzt und die Stadt an die Aohäer verraten, eo 
die ihm für diesen Dienst die Rettung seiner 
Familie erlaubten und ihn überhaupt zu einem 
der Ihrigen machten. Dieser Zug findet sich 
auch bei Bictys unter anderer Motivierung des 
Verrates, vgl. 4, 17. 22. 5, 12, und bei Bares 
c. 87—40. 

5) Aineias wandert aus. 

Die älteste Quelle für die Auswanderung 



Im Laufe der Zeiten bildete sich eine formliche 
Wandersage des Aineias aus; die wichtig- 
sten Quellen für dieselbe sind Bionysios von 
Halikarnassos im 1. Buch der 'Ponfiaiiirj 'Aqxcho- 
Xo-jia und Vergil in der Aeneis. Vgl. E. Würner, 
die Sage von den Wanderungen des Aeneas bei 
Bionys von H. und Vurgil Progr. Lpz. 1882. 

6) Aineias auf der Wanderung: In 
Thrakien, Makedonien, auf Samothrake. 

Für Samothrake und Ainos an der gegen- 
überliegenden thrakischen Küste berichtete die 
Sage von einem vorübergehenden Aufenthalt 
des Helden, für die Halbinsel Chalkidike und 
für Aineia von bleibender Ansiedelung. Nach 
Atticus {Schal. Veron. z. Vera. Aen. 2, 717) 
brachte Aineias die Bilder der Penaten aus Sa- 
mothrakü, \a\. Scrv. Verg. Aen. 7, 207. 8, 679. 
3, 12. 264. Auf Samothraku wurden die Dios- 



167 



Aineias in Delos u. Kreta 



Aineias in Kythera etc. 



168 



kuren identifiziert mit den Kabiren oder grofsen 
Göttern, und auch mit der Verbreitung des 
Kabirenkultus scheint Aineias schon in früher 
Zeit zusammengebracht worden zu sein. Pli- 
nius n. ?«. 35, 10, 71. In Samothrake wurde 
ein von Aineias geweihter Schild in einem 
Tempel gezeigt. Serv. Verg. Äen. 3. 287. Saon, 
der erste Salier , sollte mit ihm aus Samo- 
thrake nach Latium gekommen sein. Fest. 
p.329 {Müll). — Verg. 3, 6. 1, 381 läfst Aineias lo 
im Sommer nach Troias Fall mit 20 Schiffen 
von Antandros aufbrechen, er nimmt mit sich 
Anchises, Ascanius, die Penaten und grofsen 
Götter seiner Heimat 3, 12, landet an der thra- 
kischen Küste, gründet dort eine nach ihm be- 
nannte Stadt (Aeneadae), aber durch die Stimme 
des dort ermordeten Polydor gewarnt verläfst 
er bald wieder das Land. Vergil hat an Ain o s 
gedacht, wo des Polydor Grabhügel gezeigt 
wurde. Plin. n. h. 4, 11, 43. Mela 2, 2, 8. Serv. 20 
Verg. Äen. 3, 1. Aurel. Vict. de orig. g. r. 9, 
4. — Hellanikos in den Troika (Dion. 1, 47. 
48) erzählte : Aineias erhält von den Griechen 
durch Vertrag freien Abzug aus dem Ida, er 
nimmt seinen Vater, seine Kinder aufser Aska- 
nios und die Götterbilder mit sich, rüstet eine 
Flotte und fährt mit dem Rest der Troer nach 
Pallene. Die Auswanderer bleiben dort wäh- 
rend des Winters, bauen auf einem Vorgebirge 
einen Aphroditetempel und gründen die Stadt 30 
Aineia am thermäischen Busen. Dion. 1. 49. 
50; Tgl. Konon Narr. 46. Eine Münze von 
Aineia, die der Mitte des 6. Jahrh. v. Chr. 
angehört, bestätigt dies 
als eine einheimische 
Überlieferung; vgl. C. 
Robert, Arch. Ztg. 1879. 
S. 23. Friedländer, Mo- 
natsher, d. Berl. Ah. 1878. 
S. 759 ff. In Aineia soll m 
Aineias, Anchises aber 
am Berge Kalauros in 
dortiger Gegend gestor- 
ben sein I)ion. 1, 49. 
Schol. z. II. N. 459 {Din- 
dorf) Steph. Bye. s. v. Aivsia. Über den Kul- 
tus des Helden in, Aineia vgl. Liv. 40, 4, 9. — 
Wenn Sirato 13, 608 angiebt, dafs sich Aineias 
nach gewissen Nachrichten in der Gegend des 
makedonischen Olympos angesiedelt habe, so 
so läfst sich dies dahin erklären, dafs die Sage 
sich von Pallene aus nach Süden bis zum Olymp 
verbreitet hatte. Aineias als Kriegsgefangener 
in Thessalien und zwar in pharsalischem 
Gebiet nach dem Diohtei Simmias: Schol. Eur. 
Andr. 14. 

7) Aineias in Detos und Kreta. 
Inbetreff der Fahrt zum König Anios stimmen 
Dion. 1, 50 u. Verg. 3. B. überein; es soll nach 
Dionys dort viele Anzeichen der Anwesenheit 60 
des Aineias und der Troer gegeben haben, I>joto. 
1, 59 erwähnt die Angabe griechischer Mytho- 
graphen, dafs Launa (= Lavinia) eine Tochter 
des Anios gewesen sei, dem Aineias als Bera- 
terin undProphetin mitgegeben. Serviusz. Verg. 
Aen. 3, 80 weifs von einem vertrauten Um- 
gang des Helden mit einer Tochter des Anios,' 
die von ihm einen Sohn gebar, vgl. Aur. Vict. 




Münze V. Aineia (s. S. 185 
Z. 33). 



c. 9. Bei Vergil ist Anius zugleich Priester 
des Apollo; der Gott giebt dem fragenden 
Aineias die Weisung, die Troer sollten ihr ur- 
sprüngliches Mutterland aufsuchen. Anchises 
bezieht das Orakel auf Kreta. Daher geht die 
Fahrt dorthin weiter. Aineias gründet auf Kreta 
die Stadt Pergamum (vgl. Plin. n. h. i, 59), 
aber Pest und Hungersnot treiben die Aus- 
wanderer von dort weg; im Traum verkünden 
die Penaten dem Aineias, dafs das Orakel auf 
das Westland Oenotria oder Italia zu beziehen 
sei, aus dem einst der Ahnherr der Troer Dar- 
danus auswanderte. Nur wenige Ansiedler 
bleiben in Pergamum zurück. Nach Serv. Verg. 
Aen. 3, 133 gab es über diese Stadt eine drei- 
fache Überlieferung: erstens, die Stadt sei von 
A.ineias, der durch einen Sturm dorthin ver- 
schlagen worden, so benannt; zweitens, die 
Stadt sei gegründet von kriegsgefangenen 
Troern, die durch ein Unwetter von der heim- 
kehrenden Flotte des Agamemnon getrennt und 
dorthin verschlagen worden seien; drittens, in 
Pergamum selbst glaubte die Bevölkerung, 
Aineias, der Ahnherr der Stadt, sei, als Uion noch 
stand, dorthin zu einem Heiligtum des Apollo 
gekommen und habe mit der Tochter seines 
Gastfreundes Umgang gehabt; sie gebar einen 
Sohn, der des Vaters Namen erhielt; dieser 
griff die heimkehrende Flotte des Agamemnon 
an; mit ihm verbanden sich die Troer, welche 
durch das Unwetter von der Flotte des Aga- 
memnon getrennt nach Kreta sich gerettet 
hatten, und er, der zweite Aineias, gründete die 
Stadt und gab ihr den Namen. Diese kretische 
Sage hat Vergil offenbar für seine Zwecke frei 
benutzt. 

8) Aineias auf Kythera, inLakonien, 
Arkadien, (Argos). Dion. 1, 50: 

Von Delos kommt Aineias nach Kythera, wo 
er einen Aphroditetempel erbaut. Nach der 
Abfahrt starb Kinaithon, der Genosse des Ai- 
neias, der auf dem benachbarten Vorgebirge 
Kinaithion (am messenischen Meerbusen auf 
lakonischem Gebiet Strabo 8, 360) bestattet 
wurde ; hier erneuerten die Troer mit den Ar- 
kadem den Bund der Verwandtschaft und 
liefsen einige Leute zurück. Dionys ist hier 
nicht vollständig; denn nach Paus. 8, 12, 8 
gründete der Held an der Kythera gegenüber- 
liegenden Küste Lakoniens die Städte Aphro- 
disias und Etis; letztere Stadt sollte nach des 
Aineias Tochter Etias genannt sein. Paus. 3, 22, 
11; in Arkadien gab es eine einheimische Sage 
von längerem Aufenthalt oder von bleibender 
Ansiedelung des Helden. Nach den A^Kaäma 
des Ariaithos aus Tegea liefs sich Aineias im 
arkadischen Orchomenos, und zwar in der so- 
genannten Nesos nieder. Die Stadt Kanvai. 
(vgl. Strah. 8, 388) sollte dort Pflanzstadt des 



Aineias und der Troer sein, nachKapys genannt: 
Dion. 1, 49. Ähnliches findet sich bei Strabo 
13, 608; Dionys und Strabo werden ergänzt 
durch Paus. 8, 12, 8; darnach bestattete Aineias 
an der nach Orchomenos führenden Strafse 
den dort verstorbenen Anchises am Pufs des 
Berges Anohisia; in der Nähe lag ein Aphro- 
ditetempel. Der arkadische Dichter Agathyllos 
wnfste von zwei Töchtern, die Aineias mitKo- 



169 Aineias auf Zakynth etc. Aineias in ünteritalien 170 

done und Antliemone gezeugt und in der ar- 10) Aineias in Epirus und dem Be- 
kadischen Nesos zurückgelassen hatte. Dion. reich des adriatischen Meeres. 
1,49. Der Sammelpunkt der Sage in Arkadien Dion., 1. c. 51: Von Ambrakia fährt An- 
war die Gegend zwischen Orchomenos und der chises längs der Küste nach Buthrotos. Dort 
Handelsstadt Mantineia. Die Sage auf Kythera hiefs der Ort des Schiffslagers noch in späte- 
hängt wohl zusammen mit dem dortigen ural- rer Zeit Troja (bestätigt durch Varro b. Her- 
ten Kultus der phönizischen Aphrodite. Aineias vius V. A. 3, 349). Aineias begiebt sich mit 
verdrängte vielleicht dort einen älteren semi- auserlesener Mannschaft zu Lande nach Do- 
tischen Heros. Durch uralte Handelsverbin- Jona, um das Orakel zu befragen. (Nach Varro 
düngen der Küste mit dem Binnenlande wurde lo b. Scrv. V. A. 3, 266 erhielt er dort das Ora- 
die Sage wohl in die Nähe Mantineias getragen. kel von dem Verzehren der Tische, ^ach Dio- 
Vergil hat von diesen Sagen nichts aufgenom- nys. 1 , 65 schon in der Heimat von der ery- 
men, dafs er die arkadische Sage kannte, be- thriÜBchen Sibylle.) Dort trifft er Troer unter 
weist Äen. 5, 298 f. Den hier genannten Arka- Helcnos an, ehorno Mischkessel mit altertüm- 
der Salius sollte Aineias aus Mantineia nach liehen Inschriften wurden dort als Weihge- 
ltalien gebracht haben, damit er die Jünglinge schenke des Helden gezeigt. Von Dodona 
den Watfentanz lehre. Fest. p. 329 {Müll.) u. kehren sie zum Schiffslager zurück , darauf 
Saiios u. Serv. Verg. Aen. 8, -285. (Ob es auch geht die Fahrt lilngs der Küste nach Anches- 
in Argos eine Sage von Aineias gab, wissen wir mos oder Onchesuios, ursprünglich = Anchises- 
nicht° aber es stand dort auf dem Marktplatz 2ü hafen. (Dort sollte nach der Sage der Bin- 
seine' Erzstatiie. Paus. 2, 21. 2). wohner Anchises verschwunden sein. Prokop. 
9) Aineias auf Zakynth, Leukas, in Goth. i, 22.) Hierauf folgt die Fahrt über 
Aktion, in Ambrakia. das Ionische Meer, und zwar sind Akarnanen 
Auf der Weiterfahrt werden die Troer zu- die Führer der Flotte, welche zugleich Patron 
nächst in Zakynth wegen ihrer Stammverwandt- von Thurion und seine Genossen zur Teilnahme 
Schaft freundlich aufgenommen, die stürmische an der Fahrt bewegen. — Vergil hat den Zug 
See zwingt sie dort zu überwintern. Die von nach Dodona übergangen; von Actium läfst 
ihnen bei dem neu errichteten Aphroditetem- er die Schiffe gleich bis zum Hafenplatz von 
pel gestifteten Festspiele bestanden besonders Buthrotum gelangen , dorthin verlegt er das 
in einem Wettlauf der Jünglinge; sie waren so Zusammentreffen des Aineias mit Helenus und 
noch zur Zeit des Bionys in Übung. Dem Ai- dessen Gemahlin Andromache. Diese, Herren 
neias und der Aphrodite waren dort Holzbilder des Landes, welches ihnen Neoptolemus hin- 
errichtet. Von dort ging es nach Leukas, wo terlassen hatte, haben am Bache Xanthus eine 
auf der kleinen Insel zwischen dem Kanal und kleine Stadt Troja gegründet, 3, 349. Helenus 
der Stadt der Tempel der 'Acfgoäitrj Aiveidg unterstützt seinen Landsmann mit Rat und 
gestiftet wurde. (Münzen von Leukas tragen Weissagung über die weitere Fahrt. und die 
vorn das Bild des Aineias, auf dem Revers zwei künftige Ansiedelung; die Stelle der Überfahrt 
Dioskurenmützen, vgl Kap. 6). Dann fuhr Aineias ist bei Vergil dieselbe wie bei Bionys; den 
weiter nach Aktion; vom Vorgebirge des ambra- Akarnanier Patron kennt auch Verg. 5, 298. 
kischen Golfes gelangt er nach der Stadt Am- 40 NachD*«2/s 5, 17 besiedelte Aineias imAdria- 
brakia; in Aktion bekundet ein Tempel der tischen Meer die Insel Corcyra Melaena, 
'^qjeodtrrj^iVsias und nahe dabeiein Tempel der auf der sich erst um 580 Griechen niederge- 
grofsen Götter, in Ambrakia ein Aphroditetem- lassen haben sollen. Vgl. oben Kap. 5. 
pel und ein Heroon des Aineias die Anwesen- 11) Aineias in Unteritalien, 
heit der Troer. In dem Heroon mit dem alter- Bion. c. 51. Die meisten Schiffe landeten 
tümlichen Sohnitzbild des Helden versahen am iapygischen Vorgebirge, die übrigen mit 
Priesterinnen den Dienst. Fer^iZ hat auch hier Aineias am sogenannten 'A&rivciiov (castrum 
die ausführliche Sage für seine Zwecke ver- ' Minervae), einem Vorgebirge mit einer Sommer- 
kürzt, er übergeht den Aufenthalt auf Za- reede, seitdem Aphroditehafen genannt. Hierauf 
kynth, Leukas und in Ambrakia ; die drei 50 fuhr man durch den tarentinischen Golf bis zur 
Tage und Nächte lang seit dem Aufbruch von Meerenge, im Tempel der Hera (Inno Lacinia) 
Kreta von einem Seesturm verfolgte Flotte läfst wurde eine Phiale mit des Aineias Namen ge- 
er an den Strophaden, dem Wohnsitz der Har- zeigt. Verg. 3, 506 ff. läfst im ganzen über- 
pyien, landen. Von diesen Unholdinnen wer- einstimmend die Flotte in den Jlafen von 
den d'ie Troer bei der Mahlzeit gestört; als sie castrum Minervae einlaufen, wo den Troern 
sich zuletzt mit den Waffen verteidigen, weis- Pferde, Anzeichen des Krieges, am Gestade 
sagt ihnen Celaeno, dafs sie in Italien nicht erscheinen; sie bringen am Gestade der Mi- 
eher die verheifsene Stadt mit Mauern um-, nerva und Inno Opfer, die übrige Fahrt bis 
geben würden, bis sie der Hunger gezwungen zur Meerenge wie bei Diowj/s. Andere Quellen 
die eigenen Tische zu verzehren (3, 253 ff.). 60 lassen auf längere Anwesenheit des Helden 
Dieses Strophadenabenteuer scheint Erfindung im • südlichen Italien schliefsen. Wahrschein- 
Vergils zu sein. Die Flotte erreicht sodann lieh war es einheimische Sage, im Aphrodite- 
das Gestade von Actium, im Tempel des Apollo hafen sei Anchises gestorben und bestattet 
hängt Aineias den Schild des Abas (s. d.) als worden. Denn nach Varro bei Servius V. A. 
Weihgeschenk auf, bei dem Tempel veranstal- 4, 427 hatte Diomcdes die Gebeine des Anchi- 
ten die Troer gymnische Spiele. (Letzteres mit ses ausgegraben und mit sich umhergefübrt, 
Rücksicht auf die von Augustus gestifteten aber später, durch Unheil gezwungen, gab er 
ludi Actiaci). Das Jahr geht zu Ende. sie samt dem Palladium dem Aineias herauf. 



171 Aineias in Sicilien Aineias in Karthago 1-72 

Wie Dionys. 12 , 22 erzählt , begegnete dort Thukydides 6 , 2 bezeugt , der seine Anga- 
(in Calabriea) Diomedes dem opfernden Aineias ben aus Antiochos v. Syrakus geschöpft hat. 
und wurde dadurch Veranlassung, dafs dieser Da Stesichoros von Eiinera unseres Wissens 
sich verhüllte und damit einen von den Nach- zuerst von Aineias' Fahrt ins Westland gesun- 
kommen bewahrten Opferbrauch schuf. Vgl. gen hat, so ist die Sage wohl Ende des 7. oder 
Verg. 3, 545 u. Servius z. St.; so hatte erzählt Anfang des 6. Jahrhunderts auf Sicilien heimisch 
Varro nach Servius zu V. A. 2, 166 (3 , 407). geworden. Vielleicht verdrängten Aineias und 
Die Stadt Siris am tarentinischen Golf in Lu- Anchises am Eryx ältere Heroengestalten, 
canien nannte sich eine troische Gründung 13) Aineias in Karthago, 
und suchte dies durch Vorzeigen des troischen lo Dionys schweigt gänzlich von dieser Sage. 
Palladiums zu erhärten, Strabo 6, 264; nach Vergil hat sie im 1. und 4. Buch mit Vorliebe 
Aristoteles mirab. ausc. & 79 wurde Diomedes ausgeführt; vor ihm fand sie sich schon bei 
von Aineias, der König des Landes geworden Naevius und Varro. Das Abenteuer in Kar- 
war, meuchlings ermordet. Es scheint dem- thago verlegt Vergil zwischen den ersten und 
nach, dafs in Calabrien und Lucanien die Sage zweiten Aufenthalt zu Drepanum. Die bereits 
eine Zeit lang heimisch gewesen, später aber durch das tyrrhenische Meer segelnde Flotte 
erloschen ist. Vergil hat die Beziehungen läfstluno durch einen Sturm zurück an die Küste 
zwischen Aineias und Diomedes 11, 243 — 295 Afrikas treiben. Dido (s. d.), die Königin des 
(vgl. 8, 9 ff.) als freundliche dargestellt. Landes, nimmt die Schutzsuchenden in Kar- 
12) Aineias in Sicilien. 20 thago freundlich auf und fafst auf Veranstal- 
Dion. 1 , 52. In Sicilien landet Aineias tung der Venus eine heftige Leidenschaft zu 
bei Drepa,na und trifft mit Troern zusammen, Aineias (1. 1) ; von ihrer Schwester Anna darin 
die unter Elymos und Aigestos (s. d.) vor ihm bestärkt ergiebt sie sich dem Helden auf einer 
aus Troja geflüchtet waren. Nachdem er ihnen Jagd in einer Grotte des Waldgebirges (vgl. 
die Städte Elyma und Aigesta erbaut hat, Selene und Endymion); luno hatte mit Venus 
läfst er einen Teil seiner Mannschaft zurück, verabredet, dafs Aineias die Dido zum Ehege- 
nach Dien, die der Seefahrt Müden, nach an- mahl nehme und beide Völker vereinige. Das 
deren die Mannschaft der Schiffe, welche durch Gerücht verbreitet die Verbindung in den Städ- 
troische Frauen verbrannt worden waren. (Dies ten Libyens. larbas, >einer der verschmähten 
Ereignis -verlegten Hellanihos, Damastes v. Si- so fürstlichen Werber, fleht zu seinem Vater lup- 
geion und Aristoteles nach Dion. 1, 72 an die piter, dafs der Bund wieder aufgelöst werde. 
Küste von Latium). Denkmale der Anwesen- luppiter befiehlt durch Mercur dem Aineias, der 
heit des Aineias sind dort der Altar der Aphro- unter Didos Einflufs verweichlicht, Karthago 
dite Atvsiäg auf dem Elymoshügel und ein zu verlassen; dieser gehorcht, im Schmerz über 
Tempel des Aineias in Aigesta, ersterer vom sein Scheiden stürzt sich Dido in das von 
Helden selbst, letzterer von den zurückgelas- Aineias zurückgelassene Schwert, nachdem sie 
senen Troern errichtet. Die Gründung Segestas den Holzstofs bestiegen (1. 4). Nach Macröb. 
durch Aineias kennt auch Cicero Verr. Act. 2, 5, 2, 4 (vgl. Servius Verg. Aen. 1, 198) ist der 

4, 72; Strabo 13, 608 berichtet: Aineias sei Anfang der Aeneis dem Jv'^aeOTMS nachgedichtet; 
mit dem Troer Elymos nach Aigesta gekom- 40 Naevius hat die Sage nicht erfunden, er fand 
men , habe den Eryx und Lilybäum in Besitz sie vor und gestaltete sie für seine Zwecke 
genommen und die Flüsse um Aegesta Ska- um. Die übliche Version der Sage giebt Jmsüm. 
mandros und Simoia genannt. — Bei Verg. 3, 18, 6: der König larbas verlangt von zehn 
554 ff. landen die Troer zuerst am Pufs des Häuptlingen der Karthager unter Androhung 
Ätna, nehmen den zurückgelassenen Geföhrten eines Krieges die Elissa (= Dido) zur Gemah- 
des TJlixes, den Achämenides, dort auf und flie- lin; durch eine List wissen diese die schein- 
hen vor den Cyklopen auf die hohe See. Die bare Einwilligung der Königin zu erlangen. 
Südküste der Insel umfahrend gelangen sie Aber nach der Bedenkzeit von drei Monaten 
nach Drepanum, wo Anchises sthbt (3, 710). besteigt sie selbst den Holzstofs, den sie an- 
Die Besiedelung Siciliens erwähnt Vergil beim 50 geblich den Manen ihres ersten Gemahls Acer- 
zweiten Aufenthalt des Helden zu Drepanum bas errichtet hatte, und giebt sich mit dem 

5, 35 ff. Acestes und Elymus (5, 73. 300 f) Schwerte den Tod. Dafs Vergil diese Sage 
nehmen ihn auf, er feiert dort zu Ehren sei- gekannt hat, ergiebt die Passung seiner Er- 
nes verstorbenen Vaters Leichenspiele (unter Zählung; er hat sie aber wahrscheinlich nach 
diesen auch das trojanische Spiel). Während dem Vorgang des Naevius mit einer andern 
der Spiele stecken die der Seefahrt überdrüssi- Sage kontaminiert. Denn nach Varro bei Ser- 
gen Frauen die Schiffe in Brand; der Priester vius Verg. Aen. 4, 682. 5, 4 hat Anna (s. d.) den 
der Minerva, Nantes, giebt zuerst den Rat, die Aineias geliebt und sich im Schmerz über 
Frauen , Greise und Schwächlinge bei Acestes seine Untreue den Tod gegeben. Vielleicht war 
zurückzulassen und eine Stadt Acesta zu grün- 60 die karthagische Sage ursprünglich so gestal- 
den; darin bestärkt den Sohn die Träumer- tet: Die freundliche und geföllige Anna liebt 
scheinung des Vaters. Aineias gründet Acesta, den Aineias und ergiebt sich ihm gemäfs ihrer 
stiftet der Venus Idalia auf dem Gipfel des Natur und als Vorbild der Töchter des Lan- 
Eryx einen Tempel, setzt für den Grabhügel des, die im Dienst der Astarte (s. d. und 
des Anchises einen Priester ein und legt nm Adonis S. 69 u. 75) das Gleiche zu thun hatten, 
das Grabmal einen heiligen Hain an. (Vgl. Die heitere Göttin liefs wohl in der ur- 
Hygin. Fab. 260. Serv. V. A. 1, 570.) Das sprünglichen Fassung der Sage den unsteten 
Vorhandensein der sicilischen Sage ist durch Aphroditesohn ruhig weiter ziehen. Ihr Selbst- 



173 Aineias in Campanien Aineias am Tiber 174 

mord ist aus der Didosage lierübergenom- bei zur Mündung des Tiber (bis 7, v. 36). Bio- 
men. Naevius hat den Aineias statt ftit der nys hat vor Vergil voraus die Orte Leukosia 
politisch unbedeutenden Anna mit der Städte- und Prochyte, PUnr n. h. 3, 12, 82 fügt hinzu 
gründerin Dido zusammengebracht, um dadurch die Insel Aenaria, nach Servius Verg. Aen. 
dem Hafs der Karthager gegen die Römer ei- 9, 710 sollte auch Bajä nach der Boia, der 
nen grofsen Hintergrund zu geben; darin ist Amme des Euximus, eines Genossen des Ameias, 
ihm Vergil gefolgt. Nachdem sich einmal die genannt sein. Aber mehrere dieser Namen 
Sage von Aineias in der WesteckeSiciliens fest- hatten früher der Odysseussage angehört; so 
gesetzt hatte , ist sie bei dem engen Verkehr war Leukosia ursprünglich eine Seirene, Strabo 
zwischen beiden Küsten auch nach Karthago lo 6, 252. Plin. n. h. 3, 85; den Kumäem gal- 
hinübergetragen worden; diese Übertragung ten Misenos und Baios, der Eponymos von 
wurde erleichtert durch die nahe Verwandt- Baiä, für Genossen des Odysseus, Straho 1, 26. 
Schaft des Kultus der erycinischen Aphrodite 5, 245. Servius Verg. Aen. 9, 710 (letzterer 
und der karthagischen Astai;te. Vgl. J5. Wör- nach Varro); später, als dieAineiassage auf- 
ner, die Sage von den Wanderungen des Aeneas kam, wurden sie in diese hinübergenommen. ■ 
etc. S. 18 f. E. Oberhummer , Phoenizier in — Vielleicht beruht es auf alter Uberliefe- 
Akarnanien, Münch. 1882. S. 56. Jedenfalls rung, dafs Prochyte (bei Bion.) und Aenaria 
war die punische Sage älter als Naevius. {hei Plin.) als Haltepunkte der Fahrt gelten; 
14) Aineias an der italischen Küste es waren dies ursprünglich chalkidische Han- 
des tyrrhenischen Meeres (bes. in Cam- 20 delsfaktoreien; erst spater begründeten die 
panien). Ansiedler auf dem Pestlande Kumä. Die wich- 
Bionl 1, 53. Von Drepana geht die Fahrt tigste Ditt'erenz zwischen Bionys und Ver- 
nach dem Palinurushafen in Lucanien, der gil ist der Besuch des Aineias bei der Kumäi- 
nach dem dort umgekommenen Steuermann sehen Sibylle; auch hierin scheint Vergil dem 
Palinurus genannt ist , dann nach der Insel Naevius gefolgt zu sein, der eine kimmerische 
Leukosia bei Paestum, genannt nach der Sibylle anführte {Preller r. M.'' 267), denn die 
verstorbenen Nichte des Aineias, von da zum kimmerische Sibylle ist nur em andrer Name 
Misenoshafen im Land der Opiker, nach für die kumäische, vgL Strabo b, 244. Als 
einem edlen Trojaner genannt. Der nahen In- die Aineiassage ins Land kam, hiefs es auch, 
sei Prochyta gab man den Namen von einer so Aineias habe dieses berühmte Orakel besucht. 
dort verstorbenen Verwandten, dem Vorge- Für den Campaner Naevius war dies heimat- 
birge Caieta in Latium {Kai^trf) von der liehe Sage. Auf Campanien scheint auch hin- 
Amme des Helden. Darauf gelangen sie nach zuweisen die Glosse bei Paulus , dem Epito- 
Laurentum. Fer?. 5, 762 ff. u. 6 B. (Anfang) hat mator des Festus (p. 20,6 Müller): Aenesi 
gleichfalls den Unfall des Palinurus (vgl. (= Aenesii) dicti sunt comites Äeneae. Vgl. 
auch 6, 337—83), darauf läfst er die Schiffe IJ. Wörner a. a. 0. S. 23. Bionys hat die 
an der Küste von Kumä landen. Aineias be- campanische Sage nicht erwähnt, weil er mit 
giebt sich zum Tempel des Apollo und zu der Varro den kumanischen Ursprang der römi- 
mit diesem verbundenen Grotte der Sibylle, sehen sibyllinischen Bücher leugnete (vgl. -Law^e 
beide gelegen im Hain der Hekate (6, 13). 40 B. A. 1, 448) und dieselben aus Erythrä ab- 
Die Sibylle Deiphobe, des Glaucus Tochter, leitete, vgl 1, 55; er führt aber 1, 49 ausdrück- 
weissagt ihm schwere Kämpfe in Latium, und lieh die sibyllinischen Sprüche als Zeugnisse 
als Ursache dieser Kämpfe bezeichnet sie die für Aineias' Ankunft in Latium an. — Über den 
fremde Braut. Auf des Helden Bitte, ihn zu Einflufs der sibyllinischen Orakel auf die Ai- 
Anohises in die Unterwelt zu führen, giebt sie neiassage vgl. O. Müller: Explicantur causae 
ihm die Weisung aus dem nahen Hain den fdbulae de Aeneae in Italiam adventu {Classical 
goldhen Zweig zu holen, der den Eingang zur Journ. 1822 T. 26, 308 ff.). Weil auf der Tab. 
Unterwelt öffnet, zuvor aber den Gefährten zu Iliaca der Trompeter Misenos im Gefolge des 
bestatten, den er tot bei den Schiffen finden Aineias erscheint, glaubte Sclmegler, schon Sie- 
werde. Nach der Rückkehr erfährt Aineias den 50 sichoros habe den Helden in die Gegend von 
Tod des Misenus, Sohnes des Troers Aeolus (s. d.), Kumä wandern lassen. Für das Vorhandensein 
der am besten verstand mit der Trompete die einer campanischen Aineiassage spricht auch 
Männer zum Kampf zu rufen. Triton, der zum der Umstand, dafs nach Caelius Antipater {Scr- 
Wettkampf heraus geforderte Seegott, hatte vius Verg. Aen. 10, 145) Kapys, ein Vetter des 
ihn am Strande ertränkt. Für den Scheiterhau- Aineias, für den Gründer Capuas galt. 
fen holen die Troer aus dem nahen Walde 15) Aineias kommt an derTibermün- 
Stämme, dabei fliegen zwei Tauben, die heili- düng an. 

gen Vögel der Venus, vor Aineias auf und ge- Bion. 1, 53. Bei Lauren tum errichten 

leiten ihn zu dem goldnen Zweig. Diesen die Troer ungefähr vier Stadion vom Meere 

trägt er zur Sibylle , während die andern den 60 ein Lager mit Wall und Graben, der üit hiefs 

Misenus am Fufs des nach ihm benannton Ber- Troja, c. 64. Unter den Ankömmlingen befand 

ges bestatten. Am Averner See liegt eine sich auch Anchises (ebenso bei Strabo 6, p. 229) 

Höhle, der Eingang zur Unterwelt, durch diese c. 55. Als die Troer mit ihrer Flotte auf der 

führt die Sibylle den Helden in die Unterwelt Reede von Laurentum vor Anker lagen und 

hinab. Nach seiner Rückkehr fahrt Aineias an der Küste wegen Wassermangels Durst lit- 

vonKumä aus nach dem Hafen, welchem Caieta ten. kamen, wie Bionys von den dortigen An- 

dnrch ihren Tod den Namen giebt. Von dort wohnern hörte, von selbst Quellen des besten 

gelangt die Flotte am Gestade der Kirke vor- Wassers aus der Erde , so dafs das ganze 



175 Aineias in Etrurien etc. Aineias in Latium 176 

Heer getränkt wurde. Die Vertiefung, in wel- leicht die Aineiassage früher bekannt gewor- 
cher sich das Wasser zeigte, war der Sonne den, aM in Latium. Auch der Trompeter Mi- 
geheiligt. Dort standen auch zwei von den senus im Gefolge des Aineias weist auf etruri- 
Troem erbaute Altäre , einer nach Osten, der sehen Binflufs hin , da den Griechen die Tyr- 
andere nach Westen gerichtet, an denen Aineias rhener für die Erfinder der Trompete galten, 
sein Dankopfer dargebracht habe. Von dieser Schol. zu Eurip. Phoen. 1377. 
Sageweifs Fer^i7 nichts, bei ihm fährt (7, 25 ff.) 17) Die Aineiassage in Sardinien, 
die Flotte in die waldumgebene Tibermündung Paus. 10, 17, 6: Nach der Eroberung Ilions 
ein und legt am Ufer des Flusses an; dort kam ein Teil der Troer, die sich mit Aineias 
wird das Lager errichtet (v. 157 ff.), der Ort lo gerettet hatten, durch Stürme verschlagen nach 
desselben hiefs Troia; vgl. Servius Verg. Aen. Sardinien; sie vermischten sich dort mit den 
7, 158 (nach Cato xmALivius). Naevius (vgl. eingewanderten Hellenen, zogen sich aber in- 
Servius Verg. Aen. 1, 170) liefs den Aineias mit folge des Andringens der Punier, durch welche 
einem einzigen Schiff ankommen, dem Prokop die Hellenen vermchtet wurden, später in die 
bell. Goth.4:,22 wurde in Rom noch das Schiff Gebirge zurück, 'Dis zur Zeit des Pausanias 
gezeigt; nach Cassius Hemina bei Solin 2, 14 Hier {'lUsig) genannt. Wie hier, sollten sich 
zählte die Mannschaft 600 Köpfe. Die An- auch im Elymergebiet Siciliens Troer mit Grie- 
kunft fäUt in den zweiten Sommer nach Tro- chen vermischt haben, Thuc. 6, 2. Die einge- 
jas Zerstörung Dion. 1, 63. Sol. 2, 14. — Varro wanderten Griechen mögen die Sage ins Land 
erzählte (Serv. Verg. Aen. 1, 382. 2, 801), dafs 20 gebracht haben, die Hier pflanzten sie als Tra- 
Aineias seit seinem Aufbruch von Troja täglich dition fort. 

den Morgenstern, den Stern der Aphrodite, 18) Die centrale Lage Latiums in Ita- 
gesehen, bis er an das laurentische Gestade lien, an der Mündung des gröfsten italischen 
kam, wo der Stern verschwand und dadurch Stromes, mufs schon frühzeitig den Seehan- 
anzeigte, dafs die Troer das verheifsena Land del dorthin gezogen haben. Die Erzeug- 
erreicht hätten. Wie Aineias in der Sage, such- nisse der höheren griechischen, phönicischen, 
ten sicherlich unternehmende Kauffahrer oft etruskischen Kultur, besonders auch Gegen- 
genug vor alters am Gestade Latiums sich stände des Kultus wurden dem günstig gele- 
festzusetzen. In dem ersten zwischen Karthago genen Lande zugeführt (vgl. Liv. 5, 64. Cic. de 
und Rom geschlossenen Handelsvertrag {Po- 30 rep. 2 , 5) ; im Gefolge des griechischen Han- 
lyb. 3, 22) wird ausdrücklich verboten, auf dels kamen die Sagen ins Land, zuerst die 
latinischem Gebiet ein festes Lager zu errich- homerischen, später die Aineiassage, die letz- 
ten; dort ist auch Laurentum genannt. Die tere nun in verschiedenen Versionen, je nach- 
Sage bei Bion. 1, 55 scheint auf phönicischen dem sie von Griechen , oder von Puniem und 
Binflufs zu deuten. — Bevor die Sage von der Etruskern erzählt wurde, da die beiden letz- 
Ansiedelung des Aiaeias in Latium berichtet tereu sie auch erst von den Griechen gehört 
wird, mögen noch die übrigen Wanderungen und in ihrer Weise umgestaltet hatten. Auf 
des Helden zusammengestellt werden. den Binflufs Kumäs und Campaniens weisen 
16) Aineias in Etrurien. die sibyllinischen Bücher hin mit ihrer Be- 
Nach Verg. B. 8 begiebt sich Aineias von sei- 40 deutung für die Aineiassage; auf Etrurien Tar- 
nem Lager aus zu Schiffe nach Pallantenm zu chon, der Stammvater der Tarquinier, unter 
dem Arkader Euander und bittet ihn um Bei- deren Herrschaft etrurisch-griechische Kultur 
stand; dieser weist ihn an die gegen den ver- nach Rom kam, sowie die Sage von Dardanus' 
triebenen Tyrannen Mezentius von Agyllaver- AbstammungausCortona(vgl. Fergr.^ew.7,205ff. 
bündeten Etrusker (8, 470— 519). Bei Gäre hegt 240ff.); auf etruskisch-campanischenEinflufsder 
ein dem Silvanus geweihter Hain, bei dem Trompeter Misenus ; aufSicilien der Kultus der 
das Heer der Etrusker unter Tarchon lagert. erycinischen Venus, welche Aineias unter dem 
Dort schliefst Aineias mit Tarchon ein Bündnis, Namen der Frutis nach Latium gebracht haben 
er wird zum Führer der vereinigten Heere ge- sollte {Solin. 2, 14. Serv. Verg. Aen. 1, 720); 
wählt; so hatte es den Etruskern ein Orakel 50 auf Karthago die Sage von Anna, der Schwester 
befohlen; mit der Flotte der Verbündeten fährt der Dido, die später Aufnahme bei Aineias fand; 
er nach der Tibermündung zurück. Unter den vgl. Ov. Fast. 3, 545—655 unA Martial 4, 6'4, 
Schiffen der Bundesgenossen werden angeführt 16. So mag der Handelsverkehr mit Kumä, 
Schiffe aus Populonia (10, 170ff.), Pisa (10, mit den etrurischen Küstenplätzen, mit Sici- 
175ff.), Gäre {ib. 170), Pyrgi (182ff.). Dafs lien und mit Karthago zusammengewirkt haben, 
dies nicht eine Erfindung des Vergil ist, be- der Aineiassage in Latium frühzeitig (etwa 
weist Lylcophrons Alexandra v. 1235—80: Ai- in der 2. Hälfte des 6. Jhd.) Eingang zu ver- 
neias kommt irrend an die heifsen Gewässer des schaffen und in der Folgezeit.die Sage im Lande 
Lingeus (b. Populonia), nach Pisa und zu den lebendig zu erhalten. 

lämmerreichen Schluchten von Agylla (= Gäre). 60 19) Aineias siedelt sich inLatium an. 
Dort schliefst er mit Odysseus eine Eidgenos- Die Gründung Laviniums. 
senschaft und nimmt in diese die beiden Söhne Dionys. 1, 55ff. : a) Als die Troer am Ufer 
des Telephos, Tarchon und Tyrsenos auf; da- das Mahl einnehmen, geht da« Orakel vom 
rauf besiedelt er oberhalb der Latiner und Verzehren der Tische in Erfüllung (vgl. Kap. 9, 
Daunier das Land der Boreigoner (Aboriginer?) 10) ; denn einige verzehrten aufser den Spei- 
mit dreifsig Burgen. — Nach Lykophron also sen auch die Unterlagen derselben, welche 
kam Aineias aus Etrurien nach Latium; in den nach den einen aus Eppichblättem , nach an- 
genannten Küstenplätzen Btruriens war viel- deren aus Kuchen von Weizenmehl bestanden. 



177 



Aineias in Latium 



Aineias in Latium 



178 



Ascanius bricht zuerst in die erlösenden Worte 
aus, durch welche sich das Wunder erfüllt; 
ebenso berichtet Vergil Aen. 7, 107 — 148. 
(Vgl. Stralo 13, 608; Eonon Narr. 46; Bio 
Cass. fr. 4, 5. Aur. Vict. de orig. g. r. 10, 5 ff.) 
6) Der zweite Teil des Orakels besagte, wenn 
sie diesen Ort gefunden, sollten sie einem vier- 
füfsigen Führer folgen und, wo das Tier rasten 
würde, eine Stadt gründen. Die Götterbilder 
werden ans Land gebracht und am Ort der 
Erfüllung das Opfer vorbereitet. Allein das 
zum Opfern bestimmte trächtige Mutterschwein 
reifst sich los und läuft landeinwärts, bis es 
auf einem 24 Stadien vom Meer entfernten Hügel 
ausruht. Dem nachfolgenden und über die 
schlechte Lage des Ortes bestürzten Aineias be- 
fiehlt eine aus dem nahen Wald ertönende Stimme 
am Orte eine Stadt zu bauen; nach so vielen 
Jahren, als das Schwein Frischlinge werfen 
würde, würden seine Nachkommen eine grofse 
und gesegnete Stadt gründen. Tags darauf 
wirft das Schwein auf der Stelle des sptlteren 
Lavinium dreifsig Frischlinge; nach eben so 
viel Jahren erbauten die Trojaner Alba Longa. 
Aineias opferte das Schwein samt den Jungen 
an Ort und Stelle, läfst das Lager auf den 
Hügel verlegen und die Götterbilder dorthin 
bringen; es beginnt der Bau der neuen Stadt. 
Dion. c. 56. 57. So auch Varro l. l. h , 144. 
Nach Biod. frg. 8 B. u. Cass. Bio frg. 4, 5 
bezeichnete Fabius Pictor als Ort des Vor- 
gangs die Gegend von Alba Longa, vgl. aber 
hierüber Jordan, Hermes 3, 413. Die Wei- 
sung zum Bau erhielt nach anderer Überlie- 
ferung Aineias durch die Traumerscheinung 
seiner vaterländischen Götter (= der Penaten). 
Bion. c. 56 (vielleicht nach Fabius P. , vgl. 
Cic. de divin. 1, 21, 43. Biod. frg. 8. B. Pe- 
ter, Hist. Born. Bell. 1, 6. und nach Cato; vgl. 
Aurel. V. de orig. g. r. 12, 5). — Nach Varro 
r. r. 2, 4, 18 standen die ehernen Bilder des 
Mutterschweines und der dreifsig Jungen auf 
einem öffentlichen Platze in Lavinium , die 
Priester zeigten sogar eine Art Mumie der 
Bache. — Vergil berührt nur die Sage; vgl. 
3, 390 mit 8, 42—49, 81 ff., an letzterer Stelle 
verändert er wülkürlioh den Ort der Hand- 
lung. Beide Sagen hängen mit dem Laren- 
und Penatenkultus zusammen. Die erste 
Sage bezieht sich auf den Brauch der mensae 
panieeae, die bei jeder Mahlzeit den Penaten 
dargebracht wurden; die zweite Sage auf den 
Kultus der Laren: da-s Schwein ist das ge- 
wöhnliche Larenopfer. Die 30 Ferkel zeigen 
symbolisch die Laren der 30 latinischen Bun- 
desstädte an. So nimmt sich die Sage schon 
bei Lykophron A. 1255ff. aus, die Deutung auf 
die 30 Jahre spätere Gründung von Alba Longa 
gehört dem Fabius Pictor, Cato, Varro an. 
c) Bionys. 1, 57—59. Latinus, König der Abo- 
riginer, der gerade mit dem Volk der Eutuler 
(um Ardea) Krieg führt, eilt herbei, um die 
Ansiedlung zu hindern ; aber in der Nacht be- 
fiehlt ihm die Erscheinung eines einheimischen 
Gottes (rtg kitixci^ioq Salfuov) die Hellenen (!) 
ins Land aufzunehmen. In derselben Nacht 
erhält Aineias durch seine heimatlichen Götter 
die Weisung, das Land von Latinus zu er- 



bitten. Es kommt der Friede und ein Bünd- 
nis zwischen Aboriginern und Troern zustande 
{Justin. 43, 1, 10; Bio Cass. fr. 4, 7 läfst den 
Latinus erst im Krieg besiegt werden, ehe er 
dem Aineias die Tochter giebt; beide Überlie- 
ferungen kennt Liv. 1, 1, 6). Die Troer er- 
halten vierzig Stadien Land ins Geviert von 
jenem Hügel aus gerechnet; (400 Stadien nach 
Appian bei Photius hibl. p. 16b., 12. Bekker, 

10 500 jugera nach Cassius Semina bei Solin. 2, 
14 ; 2700 (oder 700) jugeranach Catos Origines bei 
Verg. Aen. 11 , 816 zwischen Laurentum und 
den castra Troiana). Mit den Troern verbün- 
det unterwirft Latinus die Rutuler, der begon- 
nene Bim des Städtchens wird darauf zu Ende 
geführt, welches Aineias nach des Latinus Toch- 
ter Lavinia {Aavva) Lavinium nennt. (An- 
dere Version in Kap. 7). — Lavinium war die 
geistliche Metropole, die Laren- und Penaten- 

20 Stadt Latiums, lietQÖnolte tov AazCvtav ysvovg 
Bion. 5, 12. 8, 49. Dort opferten alljährlich 
die römischen Priester und die höheren Ma- 
gistrate beim Antritt und bei der Niederle- 
gung ihres Amtes den Penaten und der Vesta. 
Ascon. zu Cic. Scaur. p. 21. Serv. Verg. Aen. 
2, 296. 3, 12. 8, 664. Schol. Veron. Vera. Am. 
1, 260. Liv. 1, 14. 5, 52; Bionys. 2, 51. 52. 
Val. Max. 1, 6, 7. — Bion. 1, 59 erzählt das 
symbolische Wunder, das sich bei Laviniums 

30 Erbauung ereignete: das Feuer im Wald, ge- 
nährt durch Wolf und Adler, bekämpft durch 
den Fuchs; vgl. Preller r. M.^ 681 f. Preu- 
ner , Hestia- Vesta 398. — Nach Erbauung 
der Stadt vermählt Latinus seine Tochter 
mit Aineias , dem Beispiel der Fürsten folgen 
die Unterthanen, Troer und Aboriginer ver- 
schmelzen darauf zu dem Volk der Latiner. 
Bion. o. 60 (übereinstimmend Strabo 5, 229). 
Die Gründung Laviniums fällt nach Bionys in 

40 das Ende des 2. Jahres nach Trojas Zerstö- 
rung, c. 63. Nachdem Aineias die Stadt mit 
Tempeln und Denkmalen geschmückt hatte, 
herrschte er allein über die Troer. Bionys 
erwähnt nicht, dafs in der Nähe Von Lavinium 
ein Aphroditetempel, Bundesheiligtum der La- 
tiner, welches unter der Obhut der Ardeaten 
stand, und bei Ardea ein Aphrodision lag, wo 
die latinischeu Bundesstaaten zusammenkamen, 
Strabo 5, 232. Diese Tempel weisen auf aus- 

50 ländischen, vorhellenischen Einflufs und Han- 
del hin; später, als sich der griechische Ein- 
flufs durch den Handelsverkehr, die homerischen 
Sagen und die sibyllinischen Bücher besonders 
von Kumä aus an dieser Küste bemerklich 
machte, setzte er die Aineiassage in Verbin- 
dung mit diesen älteren Aphroditetempeln. 
(Beweis für den Zusammenhang mit Aphro- 
dite , den Aineias auch in Latium bewahrt, 
ist die Sage von Anna, der Dido Schwester, 

60 welcher er bei sich Aufnahme gewährt. Vgl. 
Ov. Fast. 3, 545 ff.). Von hier aus kam Aineias 
als Überbringer seiner heimatlichen Götter in 
den altlatinischen Kultus der Laren und Pena- 
ten hinein, welche letzteren mit den grofsen 
Göttern des Trojaners (den Kabiren) identifi- 
ciert wurden. — Die Resultate der Forschun- 
gen Schweglers, Klausens, Tiambergers, Prellers, 
Preuners fafst zusammen Hild, la Ugende d'Fnee 



179 



Aineias' Kämpfe u. Tod 



Aineias' Kämpfe u. Tod 



180 



avant Virg. Paris 83, p. 40 — 73. — Vergil er- 
zälilt die Gründung LaTiniumg night, deutet 
aber daraufhin Am. 1, 268f. 12, 193ff. 

20) Aineias' Kampfe und Ende in La- 
tin m. 

a) Die Sage nach Dionys (Varro). 

Turnus (Tt;pCT''°s)' Schwestersohn der Amata 
{'J(iiT(x), der Gattin des Latinus, von den ßu- 
tulern zum Anführer gewählt , eröffnet gegen 



in den Origines die Sage folgendermafsen er- 
zählt habe : Aineias kommt mit Anchises nach 
Latium, schlägt ein befestigtes Lager, Troja, 
auf ;S«re. Ver'g. Aen. 1, 5. 7, 158. Die Tro- 
janer werden von Latinus freundlich aufgenom- 
men und ihnen 2700 (oder 700) Juchert Landes 
bewilligt, dem Aineias die Hand der Lavinia. Da- 
rauf werden Aineias und Latinus von Turnus, dem 
König der Rutuler und früheren Verlobten der 



Latinus den Krieg, im Zorn darüber, dafs lo Lavinia, welcher von Mezentius ünterstüzung 



Aineias ihm seine frühere Braut, Lavinia, ent 
rissen habe. Amata selbstj welcher die Ehe 
mit dem Fremden verhafst ist, hat ihren Ver- 
wandten zum Krieg angetrieben. In der Schlacht 
fallen Latinus und Turnus, des Aineias Genos- 
sen siegen. Dion. 1, 64 (vgl. Just. 43, 1, 11. 
Liv. 1, 2, 2 erwähnt nur den Tod des Latinus, 
Sio. Cass. frg. 4, 7 lafst Latinus und Turnus 
im Zweikampfe fallen. Zonar. 7, 1 p. 313b. 



empfängt, bekriegt. Als aber die Trojaner im 
Gebi.et des Latinus plünderten, verfeindet sich 
dieser mit seinem Schwiegersohn und zieht mit 
seinem ehemaligen Gegner Turnus gegen Ai- 
neias. In der Schlacht bei Laurolavinium 
fällt Latinus. Turnus entweicht zu Mezentius 
und liefert mit dessen Hilfe eine zweite 
Schlacht, in der er selbst getötet wird, aber 
auch Aineias verschwindet. Der Krieg wird 



— Latinus wurde als luppiter Latiaris verehrt 20 hierauf zwischen Ascanius und Mezentius fort 



nach Fest. p. 194 s. v. Oscillantes; Scliol. Bob. in 
Cic. Plane, p. 256). Aineias regierte nach des 
Latinus Tod, da Lavinia die einzige Erbin 
war, über das ganze Reich noch drei Jahre 
lang; im vierten Jahr lieferte er ein Treifen 
gegen die Rutuler , die von dem Tyrrhener- 
könig Mezentius (Msaevtiog) unterstützt wur- 
den. Während der Entscheidungsschlacht bei 
Lavinium verschwindet Aineias ; die einen glaub- 



gesetzt. Letzterer hatte von den Eutulem den 
Ertrag der Weinernte jedes Jahres gefordert, 
dafür treten die Latiner aus Furcht vor einem 
ähnlichen Verlangen ihm feindlich gegenüber 
und verbünden sich wohl von nun an mit 
Ascanius {Macroh. 3, 5, 10, vgl. fasti Prae- 
nest. im C. I. L. 1, p. 392). In der dritten 
Schlacht wird Mezentius vom Ascanius getö- 
tet; vgl. Serv. Verg. Aen. 11, 316. 6, 760. 1, 



ten, er sei unter die Götter versetzt worden, 30 267. 570. 4,620. 9,745. Klausen Ml. Schweg- 



die andern, er sei in dem benachbarten Flufs 
(Numicius), bei welchem gekämpft worden war, 
umgekommen. (Nach Aurel. Vict. 14, 2 trat 
während der Schlacht ein Gewitter ein, wäh- 
rend dessen Aineias in den Flufs stürzte; später 
erschien er dem Ascanius und anderen in ver- 
klärter Gestalt am Numicius; ebenso Scliol. 
Veron. zu Verg. Aen. 1, 260.) Die Latiner er- 
bauten ihm ein Heroon, einen Grabhügel von 
Bäumen eingefafst, das Denkmal trug die In- 40 
Schrift: „dem Vater und einheimischen Gotte, 
dem Gebieter des numicischen Flusses." Was 
bei Dion. 1, 64 Q'ibg x^öviog, ist Pater oder 
luppiter Indiges bei Liv. 1, 2, 6; nach letzte- 
rem lag das Heroon oberhalb des Numicius. 
— Dionys kennt noch eine andere Überliefe- 
rung , wonach Aineias dieses Heroon seinem 
Vater Anchises erbaut habe, der ein Jahr vor 
diesem Kriege gestorben sei. — Den Kämpfen 



ler i, 283. Kuschel, über die Quellen von Verg. 
Aen. Progr. Breslau 1858. S. 23. 32. H. Pe- 
ter, Historicorum Born. Belliquiael,Tp. 138 (Prol.) 
u. p. 53ff. (Text). Bei Ov. Fast. 4, 879ff. weiht 
Aineias gegen Turnus und Mezentius den Ertrag 
der Weinernte dem luppiter und siegt; so nach 
Varro; vgl. Plut. quaest. B. 45. PUn. n. h. 
14, 88; wieder etwas anders bei Dionys. 1,65. 

c) Die Sage bei Vergil. 

Vergil hat in den letzten sechs Büchern 
die Sage von den Kämpfen mit dichterischer 
Freiheit behandelt; doch steht er in den Haupt- 
zügen dem Cato näher als äem Dionys (Varro). 
Bei Vergil wie bei Cato ist das erste Zusam- 
mentreffen der Troer und Aboriginer ein freund- 
liches. Aineias sendet nach Lanrentum an La- 
tinus eine Gesandtschaft und bittet um ein 
Stück Land für die heimatlichen Götter (7, 229 f.). 
Latinus kommt dem Gesuche entgegen und 



mit Turnus und Mezentius liegt eine dunkle 60 bietet , eingedenk eines Orakelspruches des 



Tradition von Kämpfen zwischen den zur Mee- 
resküste sich Bahn brechenden Latinem und 
den Etruskern (Tyrrhenern) zu Grunde, welche 
letztere einst vom Fufs der Alpen bis zum 
Vesuv geherrscht haben sollen. Turnus (Tvq- 
QTivög) , der Bundesgenosse des Mezentius von 
Agylla (Cäre) , ist ein etruskischer Lucumo, 
Ardea eine tuscische Stadt {Schwegler r. G. 1, 
331). Die oben gegebene Darstellung des Dio- 



Faunus, dem Helden die Hand der Lavinia an. 
Turnus, den die Königin Amata begünstigt 
(7, 56f), rüstet sich zum Krieg gegen die 
Fremden; die Latiner treten auf seine Seite, 
als bei Gelegenheit einer Jagd ein blutiger 
Streit zwischen ihnen und den Begleitern des ^ 
Ascanius ausgebrochen ist (B. 7). Aineias sucht 
gegen die Übermacht Hilfe bei Euander in 
Pallänteum und wird von diesem an die 



nys geht vielleicht auf Varro zurück ; mit ihm 60 Etrusker gewiesen, die sich unter Tarchon ge 



stimmt im wesentlichen Liv. 1 , 1 ff. überein, 
nur ist bei ihm Ascanius der Sohn der Lavi- 
nia. Livius hat vielleicht aus Q. Fabius Pic- 
tor geschöpft. (iMchmann, de fontibus Livii 2, 
p. 50 ff.) 

b) Die Sage nach Cato. 

Auf Grund der kurzen, nicht immer deut- 
lichen Angaben des Servius scheint es, dafs Cato 



gen den Tyrannen Mezentius von Cäre erho- 
beii hatten (B. 8). Während seiner Abwesen- 
heit wird das trojanische Lager von Turnus 
bestürmt; zur Zeit der höchsten Not segelt 
von Etrurien die Flotte heran, welche die Be- 
lagerten entsetzt; im Kampfe fällt Pallas, Euan- 
ders Sohn, von Turnus' Hand, Aineias erschlägt 
zuerst den Lausus , des Mezentius Sohn, dann 



181 



Aineias' Kämpfe u. Tod 



Aineias gründet Rom etc. 



182 



den Mezentius selbst; Turnus aber ist vorher 
von Inno vor Aineias gerettet und aus der 
Schlacht entfernt worden (B. 9. 10). Zu Lau- 
rentum herrscht Schrecken, die Meinungen sind 
geteilt; Latinus, gegen dessen Willen der Krieg 
begonnen worden ist , rät zum Frieden , Tur- 
nus dringt auf Krieg. Dem gegen Laurcn- 
tum heranrückenden Aineias werden Reiter- 
scharen entgegengesandt, Turnus legt den 
Troern einen Hinterhalt. Es erfolgt eine Rei- 
terschlacht Yor den Mauern der Stadt, Tod der 
Camilla und Flucht der Latiner. Darauf rückt 
Aineias gegen die Stadt vor, Turnus eilt ihr 
zu Hilfe (B. 11). Nach den beiden verlornen 
Schlachten erbietet sich Turnus den Krieg 
durch einenZweikampf mit Aineias zu entschei- 
den. Während zu diesem Zwecke Aineias 
und Latinus feierliche Eide leisten, begin- 
nen plötzlich die Rutuler vertragsbrüchig von 
neuem den Kampf. Aineias wird verwundet, 
aber durch göttliche Hilfe wieder geheilt. 
Nun erfolgt eine dritte Schlacht (vgl. Gato), 
zuletzt bestürmen die siegenden Trojaner Lau- 
rentum. In dieser Not erhängt sich die ver- 
zweifelnde Amata (nach Fabius Pictor tötete 
sie sich durch Hunger, Serv. Verg. Äen. 12, 603), 
Turnus erbietet sich von neuem zum Zweikampf, 
durch den Tod des Gegners rächt Aineias den 
Fall seines Freundes Pallas (B. 12). Die spä- 
tere Verheiratung mit Lavinia, die dreijährige 
Herrschaft und die Vergötterung des Aineias 
deutet der Dichter nur an 12 , 937 und 794 ff. 
1, 258. 1, 265 f Da Vergil den Ascanius als 
lieblichen, wenn auch rüstigen Knaben schil- 
dert , so hat er die That , welche die Sage 
sonst dem Sohne zuteilt, dem Vater zugewie- 
sen. Ein einziges Mal beteiligt sich Ascanius 
am Kampfe 9, 629 ff. — Ovid (vgl. Kap. 20 b. 
a. E., 19 c.) führt Jfei. 14, 581ff. die Apotheose 
des Helden weiter aus; er läfst sie erfolgen, 
nachdem Aineias die Herrschaft für lulns im 
Frieden befestigt hat. Dies setzt eine län- 
gere friedliche Herrschaft des Aineias vor- 
aus ; derselben Anschauung scheint Verg. 
Aen. 6, 764 zu folgen; dort gebiert Lavinia 
dem Hochbetagten (longaevo) den Silvius, 
vgl. Gell. 2, 16. Die Darstellungen auf der 
pränestinischen aus guter republikanischer 
Zeit stammenden Cista (vgl. Brunn, Mo- 
num. d. arch. Inst. Bd. 8. T. 7. 8. Ann. d. 
Inst. Bd. 36. S. 356 ff.) stimmen merkwürdi- 
ger Weise zu Vergils 11. u. 12. Buch. War 
vielleicht die Cista nach dem beliebten Epos 
des Naevius gearbeitet? (vgl. Ilor. Ep. 2, 1, 
53). Dann würde sich ergeben, dafs Vergil 
in den beiden letzten Büchern dem Vorgange 
des Naevius in einigen Zügen gefolgt ist. — 
Hinsichtlich der Verehrung des Aineias als 
luppiter Indiges am Numicius setzt Hild , la 
legende d'Enee avant V. S. 42 ff. gut auseinan- 
der, wie wohl ursprünglich bei Lavinium der 
Flufs Numicius als luppiter Indiges (= divus 
pater indiges) verehrt wurde, und daneben, da 
Lavinium die geistliche Metropole Latiums 
war, als luppiter Latiaris. Dieser luppiter La- 
tiaris vermenschlichte sich später in dem König 
Latinus, der im Numicius verschwand; dieser 
trat wieder seine göttliche Würde eines luppi- 



ter Indiges an Aineias ab, als diese Sage frucht- 
baren Boden in Latium gefunden hatte. Vgl. 
PrelUr r. M.^ 83. Schwegler r. G. 1, 328 f 1, 
287. Anm. 21 und 309. Anm. 5, welcher etwas 
von obiger Erklärung abweicht. 

21) Aineias direkt mit Roms Grün- 
dung zusammengebracht. 

a) Aineias gründet Rom. 
IHon. 1, 72. Die älteste Nachricht geht 

10 auf Hellanikos, den Zeitgenossen Herodots, zu- 
rück, wenn anders dieser die Chronik der ar- 
givischen Priesterinnen verfafst hatte. Aineias 
der aus dem Lande der Molosser nach Italien 
gekommen ist, mit Odysseus , gründet Rom. 
])ion. 1, 78; vgl. Kap. 6; hei Lykophr. AI. 1266 ff. 
(der vielleicht dem Timäus folgte) schliefst 
Aineias in Tyrrhenien einen Bund mit Odysseus 
und mit den Söhnen des Myserkönigs Telephos, 
Tarchon und Tyrrhenos, gründet im Land der 

20 Boreigoner(Aboriginer'(') dreifsig Burgen, aufser- 
dem aber auch Burgen bei Circeji, bei Cajeta, 
am Flufs Titon bei Circeji, bei Kumä; rätsel- 
haft ist die Angabe, dafs er auch eine Burg 
am lacus Fucinus (?) im Land der Marser er- 
baut habe , v. 1275 Schal. (Kinkel). Sallust 
Cat. 6 bringt die Anfänge Roms direkt mit 
Aineias und den Trojanern zusammen ; ebenso 
Prohop. h. Goth. 4, 22 p. 573, 3. Bind. 

b) Aineias nennt mit Euander die schon 
30 bestehende Kolonie Valentia mit dem Namen 

Rome: Fest. p. 266 Bomam., Serv. Verg. Aen. 
1, 273. 

c) Des Aineias Gattin giebt der Stadt 
den Namen; sie heifst Rome, Tochter des Te- 
lemachos, nach Clinias bei Serv. 1, 273, oder 
Rome, Tochter des Italos und der Lucania, oder 
Tochter des Telephos, Plut. Pomul. 2. 

d) Söhne des Aineias gründen Rom: 
Romus (älteste Quelle der Gergithier Kepha- 

40 Ion imd andere bei Dionys. 1, 72), einer der 
vier Söhne des in Thracien verstorbenen Ai- 
neias, die anderen Söhne hiefsen: Ascanius, 
Euryleon, Romulus; [Romus ist Nachkomme 
des in Phrygien begrabenen Aineias nach 
AgathoJcles, Geschichtsschreiber von Kyzikos bei 
Fest. p. 269 Bomam, vgl. Kap. 4;] Romulus 
und Remus (= Pröftos) nennt ein römischer 
Schriftsteller bei -DioM. 1, 73; ähnlich Sc/to/. zu 
Lykophr. 1226. (Kinkel); die Mitgründer Roms 

50 sind Hektors Söhne Astyanax und Sapernioa; 
oder: Ascanius erhält nach Aineias' Tod da« 
ganze Reich und teilt es mit seinen Brüdern Ro- 
mulus und Romus; er gründet Alba Longa, Ro- 
mus gründet Capua, so genannt nach süinc^iii llr- 
grofsvater Kapys, Anchise nach seinem Urofx- 
vater Anchises, Aineia (das spätere laniculumH 
nach seinem Vater Aineias, Romu grüntlot umt 
nennt er nach seinem eigenen Namen: röin. 
Schriftsteller bei Dion. 1, 73; vgl, .SV<i/)/t, Ih/I. 

60 Atvsitt. Romulus und Romua, Söhne dotAinem« 
und derDexithea, Tochtdr des Pliorbw, Rrfln- 
den die Stadt nach l'lut. Hont, 'i ; Horaulu», Sohn 
des Aineias, in Hesperion geboren nach Agathyl- 
los bei Dion. 1, 49. Lykophr. 1460. Schol; 
Romus, Mulus (» Uomuhu), Mayllei(Mj^0B?, 
vgl. Schol. Lykophr. 1446. Kinkel) »indKinder 
des Aineias von der Lavinia, Romus giebt der 
Stadt den Namen nach ÄpoUodor bei Fest. 



183 



Aineias in d. Kunst 



Aineias in d. Kunst 



184 



p. 266 Bomam. Premier, Hestia- Vesta p. 376 A. 
2. vermutet Aemilia statt Maylles. 

e) Enkel des Aineias gründen oder 
benennen die Stadt. 

Romulus und Eomus (= Kemus), Söhne ei- 
ner Tochter des Aineias, röm. Schriftsteller bei 
Dion. 1, 73; so auch Naeeius u. Ennius, vgl. 
Serv. Verg. Aen. 1, 273. 6, 778. Cic. de divin. 
1, 20, 41, Ungenannter bei Biod. frg. 1. 8; 
Romus, Sohn des Ascanius, Erbauer Roms 
nach Dionys von Chalkis bei Dion. 1, 72; so 
auch Eratosthenes (275 — 194 v. Chr.) nach 
Serv. Verg. Aen. 1, 273; Eomus, Urenkel 
des Aineias nach dem Sikelioten Alcimus bei 
Fest. p. 266 Bomam; Romulus, Sohn der Ae- 
milia, Tochter des Aineias und der Lavinia 
nach einem Anonymus bei Flut. Born. 2. — 
Rome, Enkelin des Aineias, Tochter des Asca- 
nius, nennt der Anonymus bei Plut. Born. 2. 
u. Agathocles bei Fest p. 269 Bomam. Sol. 1, 3. 
Den ganzen Wust der Nachrichten bespricht 
Schwegler r. G. 1, 400 ff., der sie mit Recht 
für Erfindungen der Griechen hält, hervorge- 
gangen aus dem Streben, den Ursprung der 
italischen Städte und Nationen mit den Ereig- 
nissen des troischen Sagenkreises zu verflech- 
ten; a. a. 0. S. 406. Es ergiebt sich daraus, 
dafs die historisch beglaubigten ältesten Zeug- 
nisse, vgl. Hellanikos, Timaios, Eratosthenes, die 
„gemachte" Sage geben, während jüngere 
Nachrichten uns die latinische Sage erhalten 
haben. Vgl. Preuner, Hestia- Vesta p. 375—80. 
22) Archäologisches. 
Ä) Über die äufsere Erscheinung des 
Helden haben sich die Alten öfters ausgespro- 
chen: nach Philostratus Her. 13 ist Aineias dem 
Hektor an Wuchs und Alter gleich, doch seine 
Gestalt nicht so heiter und gleicht mehr der 
eines gesetzten Mannes, das Haar ist lang ohne 
künstliche Pflege; mit seinem durchdringenden 
Blick hält er die Krieger in Ordnung. Davon 
weicht Bares c. 12 mehrfach ab und stimmt 
zum Teil überein mit Malalas Clwonogr. 5 
p. 106 (Bonn). Bei Verg. Aen. 4, 215fF. 9, 
614ff. 12 , 99 wird Aineias von den Feinden 
als Halbmann verspottet wegen der Phryger- 
mütze, des salbentriefenden Haares, der wei- 
bischen, buntgestickten Kleidung. Die von 
Venus verklärte Schönheit des Helden schildert 
Verg. Aen. 1, 388flf., die ihm innewohnende, 
alles bezaubernde Liebenswürdigkeit Konon 
Narr. 46. 

B) Darstellungen der alten Kunst. 
1) Nur litterarisch bezeugt sind folgende: 
Paus. 2, 21, 2 erwähnt eine Erzstatue des Ai- 
neias auf dem Marktplatz zu Argos ; nach Paus. 
5, 22, 2 befand er sich in einer aus zehn Sta- 
tuen bestehenden Gruppe des Lykios, welche 
den Kampf des Achill und Memnon dar- 
stellte (Aineias dem Diomedes gegenüber). Die 
Gruppe war ein Weibgeschenk der illyrischen 
Apolloniaten zu Olympia. Parrhasios hatte 
ihn mit Kastor und Pollux auf einem Bild 
vereinigt, Plin. n. h. 35, 71. (vgl. oben Kap. 6). 
Varro wies dem Bild des Aineias seine Stelle 
im 1. Buch der Imagines an und entlehnte die 
Darstellung von einer Brunnenstatue in Alba. 
lo. Lydus, de magistr. 1, 12 p. 130 (Bonn), vgl. 



Bitschi. ind. Schal. Bonn. 1858., Bhein. Mus. 
12, 153. 13, 468. 476. Augustus weihte unter 
den Statuen auf seinem Forum Aenean onera- 
tum pondere sacro Ov. F. 5, 563; auf dem Fo- 
rum zu Pompeji stand eine Statue des Aineias, 
zu welcher die Inschrift erhalten ist bei Momm- 
sen J. B. N. No. 2188. [C. /. L. 1. p. 283] 
Aeneas Veneris et Anchisae filius (cum nimbo 
exort)o non c6n{paruisset dietus) est Indiges 
10 {et in deorum) numero relatiiis. Statue des Aineias 
beschrieben bei Christodor Ecphr. Anth. Pal. 1, 
S. 43. V. 145. 2) Erhaltene Darstellungen, 
a) Ereignisse vor dem troischen Krieg. 
Aineias kommt als Begleiter des Paris zu Me- 
nelaos und Helena; beide als Jünglinge in 
leichtem Wanderkleid. Overbeck, d. Bildwerlie 
z. theh. u. tr. HeUenkr. S. 263 f. T. 12 No. 9. 
Aineias bei der Entführung der Helena durch 
Paris, in jugendlicher Gestalt der Gruppe vor- 
20 anschreitend (vgl. Kap. 2) auf einer Trinkschale 
aus der attischen Töpferei des Hieron, gemalt 
von Makron, aus dem letzten Drittel des 
5. Jhd. V. Chr., gefunden in Bosco d'Acerra 
(dem alten Suessula), vgl. Gas. archeol. 1880. 
S. 87ff. — 6) Kämpfe vor Troja: bei dem 
Kampfe um die Leiche des Troilus: Vasen- 
bild bei Overbeck, d. Bildwerke gum theban. u. 
troisch. Heldenkr. S. 365. T. 15. No. 2; beim 
Kampf um die Leiche des Patroklos: Vasen- 
80 bild bei Overb. S.427. T. 18. No. 3. a.uclo.Miille.r, 
D. a. K. 1, 207 (s. o. S. 159), Aineias kämpft 
schwergerüstet gegen Aias; Aineias als Beistand 
des Hektor gegen Aias Monum. delV Inst. 2, 38. 
Mus. Greg. 2,1; beim Kampf um die Leiche 
des Achill eus: Vasenbild bei Ovet-b. S. 540 f. 
T. 23, 1. Aineias kämpft gegen Aias; auf ei- 
nem andern Vasenbilde Overb. S. 541 fl^. T. 23. 
No. 2 bei demselben Kampfe Neoptolemos gegen- 
überstehend. In der Äginetengruppe des west- 
40 liehen Giebelfeldes kämpft nach Welcker (vgl. 
Overb. S. 545. T. 23. No. 12) Aineias auf troi- 
scher Seite voran gegen den Telamonier Aias, 
der den gefallenen Achill verteidigt. Auf dem 
Silbergefäfs von Bernay {Overb. S. 545. T. 19. 
No. 12) dringt Aineias mit Glaukos und Agenor 
gegen Aias vor, der die Leiche des Achill da- 
vontragen will. Die beiden Aias gegen Aineias 
und Hippokles: Vasenbild Ann. d. Iiist. 1862, 
t. B.\ vgl. Ann. d. I. 1866, t. §, wo Aineias 
50 als Zweikämpfer zwischen zwei Knappen er- 
scheint und allein benannt ist. Die Rettung 
des Aineias durch Aphrodite ist viel- 
leiclit dargestellt auf einem Vasenbild bei Ger- 
hard, auserl. Vasenb. 3, 194 No. 3, vgl. Overb. 
S. 394. Auf dem Aufsenbild einer Trinkschale 
erscheint Diomedes im Kampfe gegen die 
dem Aineias zu Hilfe eilende Aphrodite: Jour- 
nal of Philol. 7, 215, dieselbe Scene auf zwei 
Gemmen Overb. S. 395. T. 16. No. 5, sowie auf 
60 der Tabula Veronensis zur Uias, Gesang E. — 
c) Auszug ausTroja. Auf einem Bronzehelm 
{Overb. S. 619 ff. Heydemann, lUupersis S. 32) 
Bind zwei Scenen dargestellt. In der . ersten 
trägt Aineias seinen Vater auf der linken Schul- 
ter, in der zweiten ist er mit der Rettung seines 
Sohnes beschäftigt, der sich auf einen Altar 
geflüchtet hat, es scheint als wolle Kreusa dies 
hindern! Typisch ist auf den Vasenbildern 



185 



Aineias in d. Kunst 



Aineias in d. Kunst 



186 



(vgl. Overheck S. 618. 655ff.) die Gruppe des 
Aineias mit Anohises, der auf des Sohnes Rücken 
hockt, die Arme um seinen Hals geschlun- 
gen, von ihm entweder unter den Knieen oder 
unter den Schenkeln gehalten. Meistens blickt 
der Greis vor sich, zuweilen auch zurück. 
Auf den Vaaenbildem mit roten Figuren, auf 
Gemmen und Münzen sitzt Anchises auf des 
Sohnes Schulter. Askanios fehlt häufiger, 
als .er sich findet, indem zwei knabenartige lo 
Gestalten, welche neben, vor oder hinter Aineias 
dahineilen, sich als kleingemalte Männer aus- 
weisen. Krensa erscheint meistens als eine 
Aineias folgende, oder auch vorausschreitende 
Frau; in mehreren Exemplaren sind zwei Frauen 
dargestellt, die eine, Aphrodite, tritt gewöhn- 
lich dem Zug entgegen , bisweilen schreitet sie 
demselben voran; auf der Tabula Iliaca schrei- 
tet Hermes voraus. Da, wo sich nur ein Ge- 
fährte des Aineias findet, ist wohl Achates ge- «o 
meint. Overh. S. 618. T. 25. No. 24. .u. bes. 
T. 27, No. 8. 11. 12; Owrftecfc notiert S. 667 ff. 
zwölf Exemplare von Amphoren; vgl. Hcyde- 
mann, Iliupersis S. 3lf. Auf den Gemmen 
trägt Aineias den Vater auf der Schulter, 
den Askanios führt . er an der Hand. Overb. 
S. 660. T. 26, No. 10. Entsprechend ist die 
Komposition auf den Münzen; Overbeck führt 
solche von Segesta , Patras in Achaia (T. 27. 
No. 9), llion (T. 27. No. 10), Da,rdanos, 30 
Othrus-in Phrygien, 'Berytus in Syrien an; 
aufserdem Münzen des Julius Caesar und 
eine dßs Antoninus Pius. Die älteste und 
interessanteste Münze, welche die Scene dar- 
stellt, ist die von Aineia (Mitte des 6. Jhd. 
vor Chr.), vgl. Friedländer, Monatsber. der Berl. 
Ah.d. W. 1878. S. 759 ff. E.Curtius, Sitzungs- 
^er. der Ak. d. W. 1882, 43. 44. S. 947. C. 
Uobert,arch. Ztg. 1879 S. 23 (s. o. S. 167). Aineias 
trägt seinen kahlköpfigen Vater auf der Schulter, 4o 
vor ihm schreitet in hastiger Flucht eine Frau 
(Kreusa), die ihr langes Gewand mit kräftigem 
Griff in die Höhe zieht und den Kopf zur fol- 
genden Gruppe zurückwendet; sie trägt auf 
ihrer linken Schulter ein Kindlein, aus dessen 
langem, den Oberkörper umschliefsenden und 
bis zu den Füfsen herabfallenden Gewand Bo- 
bert schliefst, dafs es nicht Askanios, sondern _ 
eine Tochter des Aineias darstelle. Auf einem 
in Turin befindlichen Relief (Overb. S. 661. 50 
T. 27. No. 16) erscheint Aineias gerüstet, An- 
chises, der die Hiera im Schofse hält, sitzt auf 
seiner Schulter, Askanios geht mit einem La-- 
gobolon im Arme an der Hand des Vaters. 
Eine zu Pompeji gefundene Terracottalampe 
zeigt dieselbe Gruppe reliefartig gearbeitet 
und bemalt, vgl. die Abbildung S. 163. Eey- 
demann Ärch. Ztg. 1872 S. 120. Anm. 33. Ke- 
kule , die antiken Terracotten Bd. 1 S. 48 ff. 
Tal 37. Auf einem pompejanisohen Wandge- 60 
mälde ist die Scene durch Affen karikiert, vgl. 
Helbig, Wandgem. No. 1380. S. 310 ff. und die 
dort angeführte Litteratur; Kekule, a.a.O. Bd. 1. 
S. 48, 2. Fig. 25. Die Beziehung der Sage 
zu Roms Gründungsgeschichte tritt hervor auf 
der Tabula Iliaca, vgl. Mtis. Capit. Tom. 4, 
Pars 2, p. a53ff. MilUn, Gal. mythoU)g. t. 150. 
In Troja sieht man den bewaffiieten Aineias, 



wie er seinen Vater beschwört, die in einer 
aedicvla eingeschlossenen Götter in die Hand 
zu nehmen (vgl. Verg. Aen. 2, 717), d. h. sich 
zur Flucht zu entschliefsen M. C. 4. P. 2. 
p. 363; femer: der aus dem Thor der Stadt 
schreitende Aineias trägt den greisen Vater auf 
den Schultern, daneben Kreusa, Aineias führt 
den Askanios mit der rechten Hand, die linke 
Hand des Aineias hält Hermes, der voranschrei- 
tet, die Heiligtümer trägt Anchises in der ae- 
dicula (a. a. 0. 364). Aphrodite steht in gött- 
licher Ruhe auf der Mauer, der vollbrachten 
Rettung zuschauend, Heydemann a. a. 0. S. 31. 
d) Die Abfahrt nach Hesperien findet sich 
gleichfalls auf der Tabula Iliaca : am sigeischen 
Vorgebirge liegt das Schiff, über eine Brücke 
steigt Anchises, mit beiden Händen die aedi- 
cula haltend, zu demselben empor, mit der 
linken Hand unterstützt ihn von hinten Ai- 
neias, der an der rechten den Askanios führt, 
hinter ihnen wartet Misenos mit einem Ruder 
und der von der Schulter herabhängenden 
Trompete (a. a. 0. 856). e) Ereignisse wäh- 
rend der Wanderung. Aineias mit Anchi- 
ses und Askanios bei Helenes (?): Helbig, Wand- 
gem. No. 1391b. S. 320; Aineias bei Dido: 
ebd. No. 1381. S. 310; Aineias die Sibylle be- 
fragend (?): ebd. No. 1391. S. 318. /■) Ereig- 
nisse und Kämpfe in Latium. Auffindung 
der troia (kreifsenden Sau) auf einer ara bei 
Bochette Mon. ined. t. 69, 3 ; auf die Gründung 
Laviniums beziehen sich auch die Wandge- 
mälde eines Grabes auf dem Esquilin : C. Bo- 
bert, Annali 1878, 235. Monum. 10, T. 60; 
Aiaeias steht dem eiae Rolle haltenden , an 
einem Baum sitzenden Latinus gegenüber, zu 
seinen Füfsen die Sau mit den Ferkel4: Vis- 
conti Piocl. 6, 20. Mus. Chiaram. 3 T. 19. 
Ein 1862 aufgefundenes pompejanisches Wand- 
gemälde stellt denlapyx vor, der dem Aineias 
mit der Zange eine Pfeilspitze aus dem Schen- 
kelknochen zieht (vgl. Verg. Aen. 12, 3910". 
und oben Kap. 20 c): Helbig, Wandgem. S. 312. 
No. 1383 ; ein anderes will Helbig (ebd. No. 
1382) auf Aineias, der von Venus die Waffen 
empfängt (Fer^. Aen. 8, 608 ff.), beziehen. Merk- 
würdig sind die Darstellungen der pränesti- 
nischen Cista, welche H.Brunn in die Zeit 
des hannibalischen Kriegs oder wenig später 
setzt; vgl. Mon. d. a/rch. Inst. Bd. 8. T. 7. 8. 
Ann. d. Inst. Bd. 36. S. 356ff. Der verstüm- 
melte, und zwar um die Hälfte verkürzte Kör- 
per der Cista zeigt wechselvolle Kämpfe, der 
wohlerhaltene Deckel denFriedensschlufs. Beide 
Darstellungen gehören zusammen ; dcrsolbo Held, 
welcher unten den Todesstreich vorsetet, Ittfst 
auf dem Deckel die Leiche seinos Gegners 
herbeitragen. Auf dem Deckel sieht man, 
wie auf der einen Seite der Uufallene mit 
seinen Spolien von zwei Kriopem herangetra- 
gen wird, daneben Todesguniui mit brennen- 
der Fackel. Auf der andern Seite eine Frau, 
die aufgeregt hinwogstürBt, neben ihr ein dem 
vorigen entsprechender Genius, nooh im Schlafe 
begriffen. In derMittö reicht ein alter König 
dem Sieger die Hand und beschwört mit er- 
hobener Rechten, auf abgelegten Waffen ste- 
hend, den Frieden. Neben imn zwei Frauen, 



187 



Aineias (Etymol.) 



Ainelas (Deutung) 



188 



die eine scheint dem König zuzureden , die 
andere, mit dem Kranz geschmückt, wendet 
sich von der fortstürzenden ab. Unten liegt 
ein Silenus, ein Plufsgott und eine Nymphe. 
Auf dem untern Streifen kommt unter den 
Kämpfenden auch eine Jungfrau zu Eofs vor 
(vgl. Camilla bei Yergil). Brunn deutete die 
Darstellung auf des Aineias letzte Kämpfe, wie 
sie Vergil schildert , der damit nur die alte 



hibl. Realwörterb. unter Elam. Über die Ab- 
leitrmg des Namens von Aine vgl. auch Mo- 
vers, Gesch. d. Phon. 1, 627. (Ob noch wei- 
tere Namen von Städten, Orten, Völkerschaften 
auf diese Aine zurückgehen, bedarf der Unter- 
suchung.) Kulte und Gottheiten des Hinter- 
landes Asien haben auf die Sagen der Küsten- 
landschaften Phrygien und Troas Einflufs ge- 
habt, dies geht überdies aus dem Umstände 



Sage wiedergegeben habe. Vielleicht liegt die lo hervor, dafs Hos und Assarakos, die zu der 



Sache so, dafs der Künstler zu seinen Darstel 
lungen durch eine zu seiner Zeit berühmte und 
beliebte Dichtung angeregt war; am nächsten 
liegt es an das bellum Punicum des Campaners 
Naevim zu denken. Dann gäbe uns jene Cista 
ein Bild von der nävianischen Auffassung der 
letzten Kämpfe des Helden, welcher sich Ver- 
gil nicht durchgängig, aber in wichtigen Zügen 
angeschlossen hätte. Indessen bleibt dies nur 



Ahnenreihe des Aineias gehören, assyrische 
Gottheiten sind = ''Ilu' und 'Assur der Grofse', 
vgl. F. Lenormant, Gaz. Archeol. 1879. p. 239 
mit Anm. 

24) Zur Erklärung der Sage. 

Die hellenischen Ansiedler von Troas fan- 
den eine einheimische Sage von Aineias vor 
und gaben ihr die hellenische Färbung. Die 
Sage knüpfte sich, wie sie selbst sagt, an 



eine Vermutung. Gegen Brunn erklärt sich so die Herrschaft älter einheimischer Fürsten- 



Nissen, sur Kritik der Aeneassage. Fleclceisens 
Jahrb. 91. 1865. S. 375ff. 

23) Etymologie des Namens Aineias. 
Die Formen des Namens sind: Alvsiag bei 
Homer, Hesiod, Dionys von Halikarnafs, Al- 
vsirjg Menekrates von Xanthos bei Dion. 1, 48 
auf Vasen AINEEZ = AivsCrjg, Alvsag bei So- 
phokles, Pindar, Thukydides, Xenophon, eben- 
so auf Vasen, Alvriag aus römischer Zeit auf 
der Tabula lliaca und auf einem Basrelief troi- so 
scher Scenen, Bevue de philol. 1, 441. Über 
die verschiedenen Etymologieen vgl. Wörner 
a. a. 0. S. 28. Die älteste Deutung giebt der 
homerische Hymnus auf Aphrodite v. 198: 
zä Sl %al Aiviiag ovofi,' ioastai , ovvsiiä fi' 
cclvov taxev axog, tVfito; ß^orov avs^og Sfins- 
aov cv.vri. Etym. magn. : naqa zo uivbv zo 
ösivbv yivizuL Aiviag v-ai Aiveiuq. -ri ■naqa 
zo aivog , o arjfiaivei zbv inaivov Aiviag yicA 



geschlechter an und erhielt durch Weissagungen 
einheimischer Sibyllen, die zunächst diesen Ge- 
schlechtern galten, ein erhöhtes Ansehen. Durch 
die homerischen Dichter wurde sie für immer 
in den troischen Sagenkreis aufgenommen und 
gelangte zu allgemeiner Berühmtheit. Im Ge- 
folge der homerischen Gesänge ist sie aus 
Troas nach dem Westen gewandert, nach 
Westen, weil vom 8. bis zum 6. Jahrh. der 
grofse Zug der hellenischen Auswanderung nach 
den Küsten des ionischen und adriatischen 
Meeres, nach Sicilien und Unteritalien anhielt. 
Die einzelnen Stationen der Wanderung lassen 
sich noch erkennen. Dieselbe Kraft, welche 
die homerischen Gesänge ausbreiten half, der 
alte Seehandel der Hellenen, hat auch u,nsre 
Sage mit nach Westen genominen. Ob für die 
nächste Station Aineia auf Pallene und für 
Thrakien-Makedonien überhaupt neben dem 



Alviiag. Daher Benseier- Pape: „Lobe" oder 40 Handelsverkehr noch ursprüngliche Stammes 



„Schreck". Fick , d. griech. Personennamen 
1874 erklärt den Namen aus dem Vollnamen: 
Ai'vMJtog 'Bofslob', vgl. II. E 265 ff. 323 ff. (?). 
Wahrscheinlich ist äer Name abgeleitet von 
Ai'vri (s. d.), Name einer zu Ekbatana verehrten 
Göttin {Polyb. 10,^1, 12 Ä^isc/*), deren Kultus 
mit dem der 'AvaCzig, der 'AvaCa, der Aphro- 
dite Urania übereinstimmte. AivBiag bedeutet: 
Sohn der Aine, vgl. 'Epftfids, BoQiag. Die 



Verwandtschaft und Kultusgemeinschaft mit- 
gewirkt haben, bedarf weiterer Untersuchung. 
Vgl. Herodot. 7, 20. W. Deeeke, Mhcin. M. Bd. 
36, 1881. S. 596. Duncker, Gesch. d. Altert 1^ 
S. 450 ff. Die Aineiassage blieb auch auf ihrer 
Wanderung ihrem Ursprung treu, sie setzte 
sich an Orten fest, an denen ein alter Aphro- 
ditedienst heimisch war; für mehrere dieser 
Orte kann es als erwiesen gelten, dafs dem 



Aphrodite des troischen Ida ist dann eine so hellenischen Aphroditedienst ein phönizischer 
hellenisierte JiV»; oder '.^vattts; der Name AI- Astartekultus vorausgegangen war; Aineias ver- 

■ ■ drängte an solchen Orten wahrscheinlich emen 

nichthellenischen Heros. Vgl. Fr. Fiedler, de 
erroribus Äeneae ad Phoenicum colonias perti- 



vsiag, der Monatsname AiviKog (der Ainemonat) 
aufKypros, der Name der Stadt^iVfio; auf Pallene 
sprechen für die Ausbreitung des Dienstes dieser 
Göttin in alter, wahrscheinlich noch vorhelle- 
nischer Zeit. Die Aphrodite Alvsiug in Leukas, 
Actium, bei Segesta im Gebiet der Elymer 
gewinnt nun tiefere Bedeutung. Merkwürdig 
ist, dafs Dion. 1, 73 auch auf der Stelle des 



nentibus Progr. Wesel 1827. Duncker, Gesch. 
d. AH. l^ 268. 271. 328 f. 333 f. 337 ff. 342. 
343. Städte, Tempel sind von Aineias gegrün- 
det worden, heilst nichts anderes als: alte 
Geschlechter dieser Städte leiteten sich von 



späteren laniculum bei Rom eine alte Stadt 60 dem Helden, oder von Söhnen und Töchtern 

Al^veicc erwähnt als Überlieferung römischer ^— -'^- -^ — ' « — -"" "^ """1 

Schriftsteller. Holm, Gesch. Sic. 1, 86 ff. ver- 
mutet, dafs die sicilischen Elymer Abkömm- 
linge der asiatischen Blymäer, der Bewohner 
von Elam, und durch Vermittelung der Phöni- 
zier nach Sicilien gekommen seien, ygl.Duncker, 
Gesch. d. Altert. 4,* 87 f.; die Blymäer wohn- 
ten der 'Aine' in Ekbatana nahe genug. Winer 



desselben, oder von seinen Genossen ab und 
begründeten damit ihre Ansprüche auf das 
Priestertum der betreffenden Tempel und auf 
andere Vorrechte. Parallelen giebt B. Weil, 
Mitteil, des deutsch. Arch. Inst, in Athen. 6. 
Jahrg. S. 11. — Auch an der Küste Latiums 
findet sich gerade bei Lavinium ein Aphro- 
ditetempel, Bundesheiligtum der Latiner; ein 



189 Aineias (Deutung) Aineias (Deutg. u. Litt.) 190 

gleiches , vielleicht noch älteres bei Ardea. hin. Was darunter zu verstehen, haben ScMie- 
Diese Tempel sieht man wohl mit Recht als manns Ausgrabungen gelehrt; man darf dazu 
die Eingangspforten an, durch welche Aineias wohl auch rechnen die Idole der asiatischen 
in die latinische Sage eintrat. Die latinische Geschlechtsgöttin (= Aphrodite), wie sie ScWie- 
Sage zeigt übrigens Spuren phönizisch-kartha- mann aus allen Schichten aufgegraben hat, 
gischen, sicilischen, kumäischenund etrurischen vielleicht auch die Idole der sogenannten 
Einflusses. Es scheint, dafs in der zweiten grofsen Götter (= Kabiren). Sehr fraglich 
Hälfte des 7. Jahrh. v. Chr. die Sage von Troas wird es so, ob Mommsen, r. G. 1*, 472 ff. mit 
aus auf die Wanderung gegangen und gegen seiner Behauptung recht hat, dafs Timäus 
Ende des 6. Jahrhunderts in Lätium angekom- lo der eigentliche Vollender der später geläufigen 
men ist; es bedurfte Jahrhunderte, ehe sie Fassung der Troerwanderung, und dafs die Er- 
hier heimisch wurde. Bis zu Vergil herab bil- Zählung seine eigene nichtsnutzige Erfindung 
det dies einen festen Bestandteil der Sago, sei. Die Sage selbst bewegt sich in An- 
dafs Aineias die Bilder und den Dienst seiner Behauungen , welche die Unabhängigkeit des 
heimatlichen Götter nach Latium gebracht Latinerbundes von Rom zur Voraussetzung 
habe {Verg. Aen. 7, 229 f. 12, 192. 836). Man haben, weist also auf eine Zeit, wo Rom als 
verstand darunter das Palladium und die Pe- eine von den latinischen Bundesslädten wie 
naten (letztere schon bei Naevius nach Pro- alle übrigen an den Sagen von Lavinium An- 
6ms Verg. Ecl. 6, 13 p. 14 Keil). Der altein- teil hatte. Die Verwendung des Senats für 
heimische Penatenkultus erhielt iii den Augen 20 die stammverwandten liier bei einem Seleukos 
des Volkes dadurch ein höheres Ansehen, dafs und damit die erste Aufserung des Staats- 
man ihn durch einen gottbegnadeten Helden dogmas von der troischen Abstammung der 
von weit her ins Land bringen liefs. Der Tra- Römer setzt Mommsen 1*, 473 in das Jahr 282 
dition scheint folgendes zu Grunde zu liegen: v.Chr., vgl. Suet. Claud. 25. (Dngen H. Nissen, 
Der Seehandel zwischen den Völkern des Mit- Zur Kritik der Äeneassage. Flecheisens Jahrb. 
telmeerbeckens umfafste nicht nur Bedürfnisse 91 (1865) S. 375 ff.). Ehe in dem konserva- 
des täglichen Gebrauches und des Luxus, son- tiven Rom eine solche Sage Staatsdogma Wer- 
dern auch Gegenstände des Kultus. Hierher den konnte , mufste sie durch jahrhundert- 
gehört die Nachricht des Solin 2, 14, dafs lange, vielfach im Lande verbreitete und in 
Aineias "das Götterbild der Frutis (= Aphrodite) so die Familienchroniken der Patricier überge- 
aus Sicilien (Segesta und Eryx) nach Latium gangene Tradition geheiligt sein. Eine grofse 
gebracht habe. Phönizier, Hellenen, Tyrrhener Anzahl römischer Häuser rühmte sich troi- 
legten an den Küsten der Völkerschatten, mit scher Abstammung, vgl. JDion. 1, 85. Schwegler 
denen sie in Ilandelsverbindung traten, feste 1 S. 334 f ; unter ihnen leiteten sich die lulier 
Lager an, welche zugleich zu Warenniederlagen von Aineias' Sohn lulos, die Aemilier von seiner 
i>nd Werkstätten dienten und durch Altäre zu Tochter Aemilia ab. Die Beziehungen der gens 
Kultusplätzen der heimatlichen Götter, besonders lulia zur Aineiassage sind noch nicht völlig auf- 
der Aphrodite, wurden. Solche Plätze wurden an geklärt; die lulier galten für ein altes alba- 
den Festen der Göttin Sammelpunkte für die Be- nisches Geschlecht Bion. 1, 70. 2, 63. Liv. 1, 30 
völkerungderUmgegendmitschwunghaflenMes- 40 (dort ist lulios für Tullios zu schreiben); nun 
sen. Die Landeabevölkerung kaufte dort ne- ist Askanios-Iulos der Gründer Alba-Longas; 
ben den anderen Erzeugnissen einer höheren was lag näher, als dafs sich ein albanisches 
Kultur auch die kleinen Idole aus Terracotta Adelsgeschlecht von dem Gründer Albas ab- 
oder Erz, die sie daheim auf ihren Hausaltar leitete? Gerad« eine Reihe der ältesten Julier 
setzten und* als Penaten verehrten. Der Handel führen den Namen lulus z. B. C. lulins lulus 
mit solchen Idolen lag in der Hand des den Konsul 489 Dion. 8, 1. Vielleicht giebt Bion. 
Kultus der Gottheit versehenden Priesters; er 1, 70 die Tradition des luliachen Geschlechtes, 
und seine Nachkommen setzten sich zur wonach lulus nicht Askanius selbst, sondern 
Göttin und ihrem Sohn in einp Art ver- dessen ältester Sohn war, der anstatt des al- 
wandtschaftliches Verhältnis, vgl. B. Weil a. 50 banisohen Königtums gewisse priesterliche 
a. 0.; sein Geschlecht trat unter günstigen Würden erhielt, die sich dann in seinem Ge- 
Verhältnissen im Lauf der ^eit mit den ein- schlechte forterbten. Yg\. Schwegler l.SSb!. Auf 
geborenen Adelsfamilien in Verbindung; so Münzen der lulier erscheint der Venuskopf zuerst 
wurde Aineias , der Sohn der Aphrodite , all- um die Mitte des 2. Jahrh. v. Chr. : Mommsen, 
mählich in die latinische Sage aufgenommen Gesch. des r. Mümw. Nr. 106. 107. — Cuno, 
und galt im Glauben des Volkes für den Über- Vorgesch. Borns 1 S. 217 ff. stellt die unur- 
bringer der Penaten. Die Kolonisationssage wiesene und unerweisliche Behauptung auf, 
bis auf Vergil hat offenbar kulturhistorisch die Aineiassage und der Venuskult sei im 
wahre Züge aufbewahrt. (Vgl. E. Curtius, Veneterland heimisch gewesen und habe 
die Griechen in der Biaspora. Bitgungsber. der 60 sich von dort über das mittlere Italien auB- 
Berl. Ah. d. W. 1882. 43. 44. S: 944 ff. be- gebreitet, und zwar hätten die urtpränglich 
sonders S. 951). Die Angabe des limaios bei unweit des SagrusflussoB sitzenden Saoraner 
Bion. 1, 67, dafs die Heiligtümer im inneren die Sage und den Kullua nach Latium ge- 
Tempelgemach zu Lavinium KTjQviiia aiärjQÜ bracht (?). Ja der Name Aenea« loll sogar 
xal xaliiä yial v.Bqafi,og Tgmiiiög seien, bestätigt vom etruskischen oesar (Gott) abgeleitet wer- 
die obige Auffassung. Die Heroldsstäbe weisen den. Aeneas — ABineaa, QottoBBOnn, 
auf die schutzsuchenden ersten Ansiedler, der 26) Litturatur. 
rtiqaiiog Tqtainöe auf die mitgebrachte Ware Die vori8Üglich«te, noch jetzt unentbehrliche 



191 



Aineades 



Aiolos 



192 



Darstellung giebt Ä. Schwegler , röm. Gesch. 
1. Bd.2 (1867) S. 279—336, und in den folgen- 
den Abschnitten; dort 279—83 eine treffliche 
Würdigung der früheren Literatur. B. H. Klau- 
sen, Aeneas u. die Penaten 2 Bde. Hamb. 1839. 
40, unerschöpfliche Fundgrube für die Kennt- 
nis der Sage, aber oft dunkel und wirr. Prel- 
ler, gr. Myth. (vgl. das Register) u. Preller- 
Jordan röm. If." 2, 310 ff., mit einigerneueren 
Litteratur. L. Lange, B. A. 1^ S. 76 mit An- 
gabe neuerer Litteratur, S. 73. 448. Preuner, 
Hestia-Vesta 373ff. Die deutschen Forschun- 
gen fafst gut zusammen: I. A. HM, la legende 
d' Enee avant Virgile. Paris 1883. S. 3 f. An- 
gabe der Litteratur, darunter neuere französ. 
Werke. Einzelachriften sind an den einschla- 
genden Stellen der obigen Darstellung ange- 
führt. [Wörner.] Davon: 
< Aineades {AlvsäSrig, lat. Aeneades), Sohn und 
Nachkomme des Aineias. So heifsen 1) Asca- 
nius: Verg. A. 9, 653. — 2) die Mitglieder des 
sich vom Aineias ableitenden Julischen Ge- 
schlechts: Ov. Pont. 1, 1, 35. D. Cass. 62, 18. 
— 3) Die Römer überhaupt: Polystr. ep. {Anth. 
7, 297). Agdth. ib. 9, 155. Hadr. ib. 9, 387. 
6 332. Ablab. ib. 9, 762. Vgl. auch Lucret. 
1, 1. Ovid. fa. 4, 161. Met. 15, 682 ff. — 4) 
Die Troianer: Verg. A. 1, 157. 565. 3, 18. 7, 
616 u. ö. [Röscher]. 

• Ainete {Alvrixrj), Tochter des Eusoros, Ge- 
mahlin des Aineus, Mutter des Kyzikos: Ap. 
Eh. 1, 950 (m. Schal) Orph. Arg. 506. 

[Röscher.] 
Ainetos. {Aivetoe), Sohn des Deion und der 
Diomede: Apollod. 1, 9, 4. 

[Röscher.] 

Aineus (Mvsvg), Sohn des ApoUon und der 
Stilbe, Gemahl der Ainete, Vater des Kyzikos: 
Apollon. A. 1, 948 u. Schol. Orph. Arg. 505. 

[Röscher.] 
Ainios (^iVios), ein von Achilleus am Ska- 
mander erschlagener Päonier: II. 21, 210. 

[Röscher.] 

, Ainippe {AivCnnri), Amazone auf einer Hy- 
dria in England, vgl. Bröndsted, Vases of Cam- 
panari Nr. 28. [Klügmann.] _ 

Aino (Aivä), Troerin auf einem Vasenbüd 
b. Gerhard, Arch. Ztg. 1846 p. 302 f. (vgl. C. 
I. Gr. 7379). [Röscher.] 

Ainos (^Ivos) 1) ein Troianer: Q. Smyrn. 11, 
79. _ 2) Bruder des Guneus, nach welchem 
Ainos in Thrakien benannt war: Steph. Byz. 

[Röscher.] 

Aiole {Aiöln), Tochter des Aiölos und der 
Telepora (Telepatra?) : Apostol. 1, 83. Schol. 
u. Eust. z. Od. 10, 6. [Röscher.] 

Aiolia {AloUa, Alolirf), 1) Tochter des Amy- 
thaon, Gemahlin des Kalydon, Mutter der Epi- 
kaste und Protogeneia, Grofsmutter des Oxylos: 
Apollod. 1, 7, 7. — 2) mit und ohne viiaog, 
eine mythische Wunderinsel, schwimmend (nXco- 
zTi), felsig und von einer ehernen Mauer um- 
geben, der Wohnsitz des Aiolos (s. d.), des 
Beherrschers der Winde: Od. 10, iff. Q. Smyrn. 
14 474. Nonn. 13, 388. Strab. 1, 40. Strabo 
276 versteht unter Aiolia die äolische Insel 
Strongyle. Nach andern war es die Insel Li- 
para: Biod. Sie. 5, 9. Strab. 1, 20. Vgl. Völcker, 



Hom. Geogr. S. 113 ff. Pauly, Bealenc.^ 1, 1, 
393. [Röscher.] 
^> Aiolios {Alölwe}, Freier der Hippodameia, 
der von ihrem Vater Oinomaos im Wettrennen 
überwunden und getötet wurde: Eoienh. Paus. 
6, 21, 11. Suid. Schol. Pind. Ol. 1, 127. 

[Röscher.] 
X Aiolopeus (AloXorccvg), Freier der Hippoda- 
meia: Schol. Pind. Ol. 1, 127. Vgl, AlöUog. 
jQ [Röscher.] 

•>< Aiolos (Al'oXos). 1 und 2) Aiolos L, Sohn des 
' Hellen und der Nymphe Orseiis, Enkel des Deu- 
kalion, Bruder des Doros und Xuthos, Stamm- 
vater der Aiolier. Er herrschte im thessalischen 
Magnesia und zeugte mit der Enarete, der 
Tochter des Deimachos (oder der Eurydike 
n. Gregor. Cor. Bhett. vol. 7 p. 1313 W.; vgl. 
Nauck fr. trag. p. 404) sieben Söhne, Kre- 
theus, Sisyphos, Athamas, Salmoneus, Deion, 
20 Magnes, Perieres, (nach andern auch den Ma- 
kar oder Makareus: vgl. Hy. in Ap. Del. 37. 
Paus. 10, 38, 4. Hyg. fab. 242, den Aethlios, 
Paus. 5, 8, 2, und den Mimas, Diod. Sic. 4, 
67) und fünf Töchter, deren Namen in vielen 
Genealogieen vorkommen: Kanake, Alkyone, 
Peisidike, Kalyke, Perimede; nach Pausanias 
auch die Tanagra und die Arne {Paus. 9, 20, 
1 u. 40, 5). Vgl. Eurip. fr. 14 N. Apollod. 
1, 7, 3. Schol. Piiid. Pyth. 4, 253. Paus. 4, 2, 
30 5. 6, 21, 11, 22, 2. Müller, Orchomenos^ etc. 
S. 138 ff. 464. Gerhard, Gr. Myth. 2, 223. 
Schulart, Quaest. geneal 76 u. 78. Seine Toch- 
ter Kanake tötete er nach Hyg. f 238, weil 
sie Blutschande mit ihrem Bruder Makareus 
begangen (vgl. Ov. Her. 11). Nach Hyg. f 
243 tötete Kanake sich selbst. Tüach Sostratos 
b. Plut. Parall. hist. gr. et rom. 28 {Mor. 312"). 
war Aiolos ein tyrrhenischer König und Ge- 
mahl der Amphithea, mit welcher er sechs 
40 Söhne und sechs Töchter zeugte (vgl. C.L Gr. 
6047; wie es scheint, überträgt Sostitiios willkür- 
lich Mythen von einem anderen Aiolos (s. No. 3) 
auf Aiolos I.). Als der jüngste Sohn Makareus 
eine seiner Schwestern entehrt hatte, sandte 
ihnen Aiolos ein Schwert, womit sie sich beide 
töteten; diese Sage behandelte Euripides in sei- 
ner Tragödie Aiolos (vgl. Ov. Her. 11. Trist. 2, 
384. Sostratos b. Stob.Floril. 64, 35 (= II p. 394. 
Mein.). Welcher, gr. Tr. 2, S. 860 ff. Fragm. 
50 tr. Gr. ed. Nauck. S. 291 ff.). Bei Hyg. f 125 
wird dieser Aiolos mit dem homerischen Be- 
herrscher der WiJide verwechselt. Nach Paus. 
9, 40. 3 war Aiolos auch der Vater der Arne, 
der Personifikation einer gleichnamigen Stadt 
in Thessalien und Böotien {Müller, Orchomcnos^ 
391 ff.) [Diod. 4, 67 und der Schol z. Od. 10, 2 
nimmt 3 Aiolos an. Danach war Aiolos I der 
Sohn des Hellen, AioIosIISohn desHippotes und 
der Melanippe, Enkel des Mimas, Urenkel von 
60 Aiolos I, Aiolos IH der Sohn des Poseidon und 
der Arne, der Tochter von Aiolos IL] Diese Arne 
wurde von Poseidon Mutter des 2) Aiolos II 
und Boiotos {Euphorion u. MkoJcrates b. Stqph. 
Byz. u. Et. M. s. v. Boimtög und Bounlcc. 
Müller, Orchomenos^ 392). Von diesem Aiolos II, 
der vielfach mit dem Beherrscher der Winde 
indentifiziert ist, handelten 2 Tragödien, die 
MsXavinnr\ n aotpn \xnd äsafiÜTis des Euripi- 



193 Aiolos Aiolos 194 

des (Natick. fr. tr. 404 u. 408 ff. Hi/g. f. 157 Aiolos I genealoprisch zu verbinden und zu- 
u. 180). In der MiXavUnn rj Staimug wird Me- gleich mit Aiolos II, dem Bruder des Boiotos, zu 
lanippe, Tochter des Desmontes (aus Desmotis identifizieren, entsprungen. Zu diesem Zwecke 
entstanden?) oder Aiolos I, in Aer Mslaviifnr] n erfindet Diodor einen neuen Aiolos (= A. II), 
aorpri Tochter des Aiolos I und der Hippe, Toeh- durch den er Aiolos I mit Aiolos III verbindet, 
ter des Cheiron, statt der Arne als Mutter von sodafs folgende genealogische Reihe entsteht: 
Aiolos TL und Boiotos genannt. In der Mela- Aiolos I, Mimas, Hippotes (Sohn des Mimas 
nippe n aoipn kam "die Aussetzung und Ent- nnd der Melanippe), Aiolos II, Arne, Aiolos III. 
deckung der von Melanippe geborenen Zwilliuge, Von seinem Aiolos III, den wir oben Aiolos II 
deren Rettung durch ein Geständnis der Mutter lo genannt haben, erzählt Diodor. 4, 67 u. 5, 7 t. 
und ihre Blendung und Einkerkerung durch folgendes. Arne, die Tochter von Aiolos II, 
Aiolos I vor. Nach Hyg. f. 186, der aus. der wurde von ihrem Vater, als sie von Poseidon 
anderen Melanippe des Euripides schöpfte, liefs geschwängert worden war, einem zufällig an- 
Aiolos I (Desmontes?) die Melanippe nach wesenden Metapontier übergeben, der sie in 
der Geburt des Aiolos II und Boiotos blenden seine Heimat mitnahm. Als nun Arne inMeta- 
und einkerkern , die Söhne aber aussetzen. pontion den Aiolos und Boiotos geboren hatte 
Hiiften fanden die beiden von einer Kuh ge- nahm ihr kinderloser Gastfreund diese auf 
säugt und erzogen sie. Als Theano, die Gat- Geheifs eines Orakels an Kindesstatt an. Heran- 
tia des Königs Metapontos von Ikarien, von gewachsen und infolge eines Aufstandes Konige 
ihrem Gemahl wegen ihrer Kinderlosigkeit ent- 20 von Metapontion geworden, töteten sie die 
lassen werden sollte, schob sie die Söhne der Autolyte, die Gattin ihres Pflegevaters, welche 
Melanippe unter. Da ihr später zwei eigene mit Arne in einen Streit geraten war, und ent- 
Söhne geboren waren, überredete sie diese, den flohen mit ihrer Mutter. Aiolos ging auf die 
Aiolos II und Boiotos zu ermorden. Aber diese äolischen Inseln im tyrrhenischen Meere, die 
besiegten die Söhne der Theano im Kampfe, nach ihm benannt wurden, und baute daselbst 
und Theano tötete sich selbst. Später töteten die Stadt Lipara (oder Liparos, der Sohn des 
sie ihren Grofsvater, befreiten ihre Mutter, Auson, gab ihm seme Tochter Kyane und die 
welcher Poseidon das Augenlicht wiedergab, Herrschaft der Insel, während er selbst nach 
und zogen zu Metapontos, welcher die Mela- Surrentum auswanderte; vgl. Btod. 5, 7). Mit 



una zogeil zu juenapuunu», wcii^xicj. »üc jxj.^10.- .jui^^,»»«—^ „„„..„_ , jj- > -. 

nippe heiratete. (Vgl. den folgenden Artikel). 30 der Kyane aber erzeugte Aiolos sechs Sohne: 
— 3) Aiolos III, nach Homer ein Sohn oder Astyochos, Xuthos, Androkles, Pheraimon, lo- 
Abkömmling des Hippotes (daher 'lanorä- kastos und Agathyrnos, alle ebenso vrie ihr 
ärig), ein Freund der Götter, Vater von sechs Vater durch Gastfreiheit, Frömmigkeit und 
Söhnen und sechs Töchtern (die paarweise Tugend ausgezeichnet. Nach Sc/ioi. z. Oci. 10, 6 u. 
mit einander vermählt sind und ein glückli- Apostol. 1, 83 erzeugte Aiolos mit der Telepatra 
ches Leben in Saus" und Braus führen), der (Telepora?) , der Tochter des Laistrygonos 6 
Beherrscher der schwimmenden Insel Aiolia Söhne und 6 Töchter. Die Söhne heifsenlokastes, 
(s d) im westlichen Okeanos und Schaffner Xuthos, Phalakros, Chrysippos, Pheraimon (vgl. 
(zaaias) der Winde {Hom. Od. 10, 1-27 f.). Apost. 1, 83), Androkles, die Töchter Iq}»ri 
Er empfing den irrenden Odysseus freundUch 40 (?vgl. Apost. 1, 83), Aiole, Penboia, Dia, Asty- 
und beherbergte ihn einen Monat lang. Beim krateia, Hephaisteia (vgl. nnch Parth. i,r. 2). 
Abschied gab Aiolos dem Odysseus einen leder- Dieser Aiolos, sagt Dtod. 5, 7, ist derselbe, zu 
nen Schlauch mit, worin die ihm ungünstigen dem Odysseus auf seinen Irrfahrten gekommen 
Winde eingeschlossen waren. Aber die Ge- sein soll. Man erzählt von ihm, dafs er den 
fährten des Odysseus öf&ieten, während er Gebrauch der Segel erfunden und es verstan- 
schlief, neugierig den Schlauch, und alsbald den habe, aus Vorzeichen, die er an dem vui- 
brausten die Winde heraus und rissen das kanischen Feuer seiner Insel beobachtete (vgl. 
Schiflr wieder mit sich zurück nach der äoli- PUn. 3 , 94 u. Strab. 6 p. 275 f.) Wind und 
sehen Insel (s. Aiolia). Odysseus flehte zwar Wetter vorauszusagen, weshalb ihn »le öage 
den Aiolos abermals um Hilfe an , wurde 50 auch zum Beherrscher der Winde gemacht hat. 
aber von diesem als ein von der Rache der Deutung. Die einzelnen Züge der home- 
Götter Verfolgter schroff zurückgewiesen. Nach rischen und virgilianischen Sage von Aiolos dem 
Fe»ö Aen 1, 52 ff. wohnt Aiolos auf einer der Beherrscher der Winde lassen sich leicht er- 
sogenannten äolischen Insehi (vgl. Ap. Rh. 4, klä,ren. Der Name MoXog soU wohl die Be- 
764 u. Schoi. z. 4, 761), wo er die sausenden weglichkeit und VeränderUchkeit des Windes 
Winde und Stürme in einer festverschlossenen ausdrücken (vgl. alöllm und aiolog), das Leben 
Höhle bändigt. Aiolos selbst sitzt auf der in Saus und Braus, welches Odysseus im Paläste 
Höhe des Berges und läfst die Stürme nur des Aiolos findet, die auch sonst sprichwort- 
dann und wann durch eine mit seinem lanzen- lieh gewordene Gefiräfsigkeit der Winde (vgl. 
artigen Scepter in die Seite des Berges ge- 60 den Artikel Harpyien und Boscher, Uermes 
stofiene ÖBEuung heraus fahren. Diese Vor- S. 105. Schwartz, Poet. Naturanschauimgen 2, 
Stellung ist überhaupt bei späteren Dichtern 63). Der Windschlauch des Aiolos erinnert 
die herrschende geworden: Quint. Smyrn. 14, dagegen an die bei Griechen und Germanen 
475 Ov Met. 1, 262. 11, 748. 14, 223 ff. Vol. vorkommende Sitte den Wind m einen back 
Flacc 1 576. Die euhemeristische Darstel- oder Schlauch zu bannen {Boscher, Eernies 
lung des Mythus vom Aiolos bei Diodor. 4, S. 41, 73, 105). Ebenso wie Aiolos dem Odys- 
67 u 5 7 f. ist augenscheinlich dem Bestreben, seus sollen auch die Lappländer den bchittem 
Aiolos 111, den Beherrscher der Winde mit Beutel und Schläuche mit eingeschlossenen 

BoscHBR, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. ■ 



195 



Aiolides 



Aisakos 



196 



Winden mitgeben {Vofs , mythol. Br. 1, 58. 
Schaejfer , Lapponia etc.). Der Vergilischen 
Aiolossage scheint einerseits die Vorstellung 
von den in Berghöhlen hausenden Winden 
{BoscJier a. a. 0. S. 20), andererseits eine an 
die natürliche Beschaffenheit der Insel Stron- 
gyle angeknüpfte weit verbreitete naturwissen- 
schaftliche Spekulation zu Grande zu liegen 
(Vgl. Piin. n. h. 3, 94. Strab. p. 275 ff. Sen. 



König von Arkadien, Vater des !^ypselos, wurde, 
weil er in den Tempel des Poseidon zu Man- 
tineia eindringen wollte, von dem Gotte ge- 
blendet und starb bald darauf: Paus. 8, 5, ^. 
10, 3. — 2) Jüngster Sohn des messenischen 
Königs Kresphontes und der Merope, Tochter 
des Kypselos, also Urenkel des vorigen. Als 
sein Vater und seine Brüder in einem Auf- 
stande ermordet wurden, hielt Aipytos sich 



Q. Nat. 6, 18. Farbiger z. Verg. Äen. 1, 52). lo gerade bei seinem Grofsvater Kypselos auf und 



Aufserdem ist wohl zu beachten, dafs mancher- 
lei Züge aus der Sage von Aiolos dem Wind- 
gott auf Aiolos I und 11 übertragen sind. Vgl. 
J)iod. 5, 7. Sostratos b. Stob. flor. 64, 35 und 
bei Plutarch, Parall. hist. gr. et. roin. 28. Oc. 
Her. 11, 9 ff. Hyg. f. 125. Literatur: Stoll in 
Paulys Bealeric.^ 1, 1, 395. Preller, gr. M.'' 1, 
495. Jacöbi , Handwürterh. unter Aeolus. — 
4) Ein Freund uiid Begleiter des Äueas aus 



entging so dem Tode; als er aber zum Manne 
herangereift war, kehrte er mit Hilfe der Ar- 
kader und der dorischen Fürsten (der Söhse 
des Aristodemos und des Isthmios) nach Mes- 
sene zurück und rächte den Tod seines Vaters, 
indem er den Polyphontes, der den Kresphon- 
tes erschlagen und seine Witwe Merope wider 
ihren Willen geheiratet hatte, tötete. Darauf 
gewann er durch seine treffliche und kluge 



Lyrnessos, der in der Schlacht gegen Turnus 20 Regierung solches Ansehen bei den Vornehmen 



bei Laurentum fiel: Verg. Aen. 12, 542 ff. Vgl. 
auch Aen. 6, 164 u. 9, 774, wo Söhne eines 
Troianers Aiolos (Misenus und Clytius) genannt 
werden. [Roseher.] Davon: 
^X. Aiolides {AloXiärig), Sohn oder Nachkomme 
des Aiolos ( s. d. ). — 1) Sisyphos: TL 6, 154. 
Ov. Met. 13, 26. — 2) Kretheus : Od. 11, 237. 
— 3) Athamas: Ap. Bh. 3, 1093. Ov. Met. 4, 
511. — 4)Iokastos: QiIMm.JiJl2eiz.Jj]ß^ 732 



und im Volke, dafs man seine Nachkommen 
.nichtmehrHerakliden,sondernAipytidennannte. 
Sein Sohn und Nachfolger hiefs Glaukos. Vgl. 
Eur. fr. 452ff. N. Paus. 4, 3, 6 ff. 5, 1. 8, 5, 
7. Hyg. f. 137. 184. Apoll. 2, 8, 5. Enn. b. 
Auct. ad Her. 2, 38. Von Hygin. a. a. 0. wird 
Aipytos Telephontes, von Euripides Kresphon- 
tes genannt. Vgl. auch Welcher, gr. Tr. 2, 
828 ff. und Müller, Dorier 1, 99. — 3) Sohn 



5)Magnes: Paus. 6. 21, 7. — 6)Makareus: so des Blatos, König von Phäsane am Alpheios 
"• " "'■ "" ' " in Arkadien (Pind. Ol. 6, 33 (55), Herr- 

scher von ganz Arkadien nach dem Tode des 
kinderlosen Kleitor (Paus. 8, 4, 3. 7), wurde 
auf einer Jagd von einer kleinen Schlange ge- 
bissen und starb auf dem Berge Sepia unweit 
der Kyllene, wo er auch begraben wurde {Paus. 
8, 16, 2 f.). Sein Grab erwähnt bereits Homer 
II. 2, 603. Vgl. d. Schol. z. d. St. Br erzog 
Euadne (s. d.) und ging bei ihrer Schwanger- 



Ov. Met. 9, 506. — 7) Misenus: Verg. Aen . 6, 
164. — 8) Miuyas: Ap. Rh. 3, 1093 (u. Schot ). 
— 9) Triopas: MaxcelL^ep. {Anth.App. 50). 
Schol. Call, h. in Ger. 100. — 10) Bellerophon- 
tes; Pind. Ol. 13. 96. — 11) lason: Pind. P . 
4, 127. — 12) Phrixos: Ap. Bh. 2, 114. Vcd. 
Fl. 1, 286. — 13) Idmon: Ap. Bh. 2, 851. — 
14) Kephalos: Ov. Met. 6, 681. — 15) Odys- 
seus: Verg. Am. 6. 529. [Röscher.] 



X Aiolion (ACoUmv), Sohn des Aiolos, d. i, 40 sohaft zomvoU nach Delphi, um ihren Ver 



^akar: Hom, hymn. in Ap. Del . 37. | Röscher.] 
^''■. Aiolis (Alolig), Nachkommin des Aiolos. — 
1) Alkyone: Ov.Met . 11, 573. — 2) Polymele: 
Barth. Er . 2. — 3) Kanake: Ov. Her . 11, 5. 

[Röscher.] 
*--Aion {Äläv), 1) Eine späte Personifikation 
der Zeit oder Ewigkeit {Q. Smyrn. 12 , 194. 
Nonn. Dion. 7, 10 u. ö.), entweder Sohn des 
Chronos {Eur. Heracl . 900) oder des Wind- 



führer zu erfahren. Das Orakel antwortete ihm, 
dafs Apollon selbst der Vater des Knaben 
(lamos) sei, und dieser dereinst ein mächtiger 
Prophet und Vater einer zahlreichen Nach- 
kommenschaft werden solle: Pind. Ol. 6, 33 ff. 
u. Schol. — 4) Sohn des Neileus (Neleus), En- 
kel des Kodros, der Gründer vonPriene: Strdb. 
633. Paus. 7, 2, 7. Eustath. ad Dion. 825. 

[Röscher.] 



gottes Kolpias und der Baau (= Nyi) , Vater bä"^- Aisa (Alea), poetischer Name der Motqa bei 
" ■ ~ _ - - _ . Dichtern: Aesch. Cho. 647. Soph. Jr. 604 D. 

Q. Smyrn . 1, 390. 10, 331 ö. S^Moaai. 



des Genos und der Genea, Bruder _^dgs^Pjpto- 
gonos, der erste Mensch, welcher Baumirüchte 
Sjenofs (Philo Bybl. b. Eus. pr . ep. 1, 10); jline 
vatikanische, iffl^r Commodus verfertigte Sta- 
tue stallt Aion dar „als Mensch mit L§wen- 
gesicht, geflügelt, von einer Schlange umwun- 
den, deren Kopf gerade über der Mute seines 
Gesichts liegt, mit einem Blitz ^ö»8Lavif der 
Brust, einen Schlüssel in der rechten und einer 



[Röscher.] 

^. Aisakos (Ai'aaKos), 1) Sohn des Priamos und 
der Arisbe, Tochter des Merops (Apoll. 3, 12, 
5. Schol. II. 24, 497), oder der Alexirrhoe, Toch- 
ter des Granikos (Ou. ikf. 11, 763), Gemahl der 
Asterope oder Hesperia, Tochter des Flusses 
Kehren (Apollod. a. a. 0. Ov. Met. 11, 769). 



Fackel, sowie mit einem Scepter oder Mafs- 60 Nachdem er von seinem Grofsvater Merops die 



stabe in der linken Hand, zu seinen Füfsen 
rechts einnarnrner und einS^'ZSnge, links ein 
Caduceus, eiETflälm und ein Pinienapfel." S. 
Müller- Wieseler Denkm. d. a. K. 2, 967. Zoe ga 
Abh. 187 ff. Layard in d. Anih delV Inst, arch. 
13 p. 170. — 2) Sund des Aktaion (Aithon?): 
Hyg. f. 181. [Röscher.] 
Aipytos (Ai'itvTos) 1) Sohn des Hippothoos, 



Traumdeuterei erlernt hatte, weissagte e» dem 
Priamos, dafs ein Sohn der Hekabe (Paris) den 
Untergang Trojas herbeiführen werde, und riet 
deshalb jenen nach seiner Geburt auszusetzen. 
(Apollod. a. a. 0. Lykophr. 224 u. Schol.). Als 
seine Gattin Asterope oder seine Geliebte (Hes- 
peria) an einem Schlangenbifs starb, und Aisa- 
kos vor Gram sich ins Meer stürzte, wurde er 



•J--'^f ¥KP"ll^ra^>5ä^(!*'?«E^'»iSi:flT«»r.!BLiI^' 



197 Aischreis Aither 198 

von der mitleidigen Thetis in einen Taucher Dionysos, einem von Zeus einst dem Darda- 

verwandelt (Apollod. u. Ov. a. a. 0.). — 2) Ein nos geschenkten Werke des Hephaistos, zuteil 

Anführer der Kentauren: Nonn. D. 14, 190. geworden, das nach einigen Aineias, nach an- 

[Roscher.] deren Kassandra zurückgelassen haben sollte, 

X^ Aischreis {Jlax^rjis), eine der fünfzig Töoh- um den künftigen Besitzer ins Unglück zu 

ter des Thespios, von Herakles Mutter des stürzen. (Nach einer andern Überlieferung 

Leukones: Apollod. 2, 7, 8. [Eoscher]. sollte Eurypylos, der Sohn des Dexamenos von 

XL Aisepos {Alar]nog), 1) Sohn des Okeanos und Olenos, den Kasten mit dem Bilde vom Hera- 
der Tethys, Gott eines mysischen Flusses, der kies erhalten haben, als er diesen auf seinem 
bei Kyzikos in die Propontis fällt: Besiod. lo Zuge gegen Uipn begleitete). Sobald nun Eu- 
Theog. 342. Som. II. 2, 826. Q. Smyrn. 2, rypylos nach Öönung des Kastens das Bild 
590. PUn. 5, 141. — 2) Sohn des Bukolion des Dionysos erblickte, wurde er wahnsinnig. 
*~nnd der Nymphe Abarbaree (s. d.), ein Troer : Um Heilung zu finden, fahr er nicht nach Hause, 
II. 6, 21. [Röscher]. sondern nach Delphi, wo ihm die Antwort zu- 

y^ Aison {Ai'emv), Sohn desKretheus, des Grün- teil wurde, er solle den Kasten dort weihen 
ders von lolkos, und der Tyro, der Tochter und sich dort niederlassen, wo er ein fremd- 
des Salmoneus, oder der Skarphe, Gemahl der artiges Opfer erblicken würde. Vom Winde 
Polymede, der Tochter des Autolykos (Apollod. nach Aroe in Achaia verschlagen , landete er 
1, 9. 11. 16. Hes. fr. 111 Göttl. Hom. Od. 11, hier gerade in dem Augenblicke, als man der 
259. Tzetz. Lyk. 872. Sehol. II. 2, 532), oder äo Artemis jenes obenerwähnte •Menschenopfer 
der Alkimede \Ap. Eh. 1, 46. 233. Scholz. 230. darbringen wollte. Da wurde plötzlich Eury- 
Ov. Heroid. 6, 105. Hyg. f. 3. 13), oder der pylos geheilt und die Bewohner von Aroe stif- 
Amphinome {Diod. Sic. 4, 50) oder Polypheme teten, als sie den fremden Fürsten mit seinem 
(Herodor. b. Schal. Ap. Rh. 1, 45) oder Poly- Götterbilde sahen, ein Fest des Dionysos Ai- 
mela {Hesiod. b. Schol. Od. 12, 69) oder Theo- symnetes. Die Entstehung dieses eigentümli- 
gnete {Andron b. Schol. Ap. Eh. 1 , 45). Er eben Mythus erklärt sich wohl zweifellos aus 
war der Halbbruder des PeUas und Vater der Verdrängung eines uralten barbarischen 
des lason (s. d.). Nach Apollod. 1, 9, 27 Kultus der Artemis durch den mildere Opfer- 
wollte ihn Pelias unmittelbar vor der Rück- gebrauche heischenden Dionysoskultus, 
kehr der Argonauten aus dem Wege räumen, 30 [Röscher]. 
Aison aber bat um die Erlaubnis sich selbst >y Aitlialides {Al&aliSrn), 1) Sohn des Hermes 
töten zu dürfen, trank das Blut eines Opfer- und der Eupolemeia, der Tochter des Myrmi- 
stieres und starb davon. (Vgl. Röscher in Fleck- don, aus Phthiotis (Alope oder Larisa), der 
eisens Jahrbb. 1883, S. 158 ff.). Nach Diod. 4, 50 Herold der Argonauten, zugleich ein tüchtiger 
mufste er auf Befehl des Pelias Stierblut trin- Bogenschütze (Apoll. Rh. 1, 54 u. Schol. Orph. 
ken. Die Nostoi (Schol. in Eur. tom. 4, 2,2 Arg.iSi. Vol. Fl.l,iä7. Hygin f. li), der von 
Dind.) und Ov. Met. 7, 163 u. 250 ff. erzählen da- seinem Vater die Gabe eines unverwüstlichen 
gegen, dafe Aison die Rückkehr seines Sohnes selbst im Hades noch fortdauernden Gedächt- 
erlebt habe und von Medeia wieder verjüngt nisses erhalten hatte und abwechselnd in der 
worden sei. S. den Art. Argonauten. Davoii 40 Unterwelt und auf der Oberweit leben durfte 
X Aisonides (Aiaoviärjs) , Beiname des lason, (Ap. Rh. 1, 641 ff. Pherek. b. Schol. z. 1, 645. 
des Sohnes des Aison: Ses^JÜL 993. Ap^^Bh. Tzetg. Ghil. 4, .520). Pythagoras verwertete 
1, 46.468.887. 4, 785. Theoer. 13, 17. Orph . bekanntlich diese Sage für seine Lehre von 
A. 57. Ov. Met. 7, 164 u. s. w. [Röscher]. der Seelenwanderung, indem er behauptete, 

X Aisyetes (Alevrirrig) , ein Troer , Vater des die Seele des Aithalides habe sich nach meh- 

Alkathoos (IL 13, 427), dessen Gralshügel dem reren Wanderungen mit seinem Leibe verbun- 

Polites als Warte diente (ZL.2 , 793). Vgl. den und sei sich aller ihrer früheren Zustände 

auch Strab. 13, p. 597. [Röscher]. und Erlebnisse nach deutlich bewufst (Reracl. 

X Aisyle (AlevXri), Name einer der Hyaden P. b. Biog. Laert. 8, 1, 4. Sehol. Ap. Rh. 1, 

(s. d.), bezeugt von Pherekydes in den Schol. 50 645. Porphyr. V. Pyth. 45. Tg. Chil. 4, 520. 

z. II. 18, 486, wahrscheinlich identisch mit der Welcher, Aeschyl. Tril. 209. 276). — 2) Grie- 

bei Hyg. Poet. Astr. 2, 21 vorkommenden Phae- che, von Aneas vor Troia getötet: Q. Smyrn 

syle(?). [Röscher]. 11, 201. — 8) Einer der tyrrhenischen Seeräu- 

X Aisymnetes (AlaviivrjTrjg) , ein Beiname des ber (= Aithalion, s. d.), welche den Dionysos 

Dionysos, imter welchem er zu Paträ in Achaia entführen wollten imd in Delphine verwandelt 

verehrt wurde (Paus. 7, 19, Off. 20, 1. 21, 6). wurden: Hyg. f. 134. [Röscher.] 

Die Entstehung dieses Kultus erzählt Paus. a. X Aithalion (Atd'alitov) , einer der Tyrrhener, 

a. 0. folgendermafsen. Infolge eines im Tem- die von Dionysos zur Strafe in Delphine ver- 

pel der Artemis Triklaria begangenen Frevels wandelt wurden: Ov. Met. 3, 647, s. Aitha- 

forderte diese Göttin das jährliche Opfer des eo lides 3. [Röscher.] 

schönsten Knaben und des schönsten Mädchens, "l*^ Aithe (A'id-rj), eines der Rosse Agamemnons, 

doch war zugleich vom Orakel zu Delphi ver- nach Schol. II. 23, 346 vom Areion abstam- 

kündigt worden, dafs dieses Opfer aufhören mend: II. 23, 296 ö. Paus. 5, 8, 3. Plut. 

solle , wenn ein fremder König den Kultus Gryll. i. de aud. poet. 12. Suid. [Eoscher.] 

eines fremden Gottes einführen "würdfe. Nun x^ Aither (Al&^^), die in der mythischen Kos- 

war dem Eurypylos, dem Sohne des Euaimon mogonie der_Griechen vorkommende Personi- 

nach der Eroberung von Troja bei der Tei- fikation des Äthers, d. hL der oberen reineren 

lung der Beute ein Kasten mit dem Bilde des Himmelsluft (= caelum), welche, wie bei den 



7 



* 



199 Aitheria Aithra 200 

Indern, als §i{z des Lichtes und der oBeren (vgl. Ai&oip , Eur. b. 4ih. 466''): Eumel. b. 

Götter, namentlich des Zeus, gedacht wurde Syg. f. 183. [Röscher]. 

(v gl. Cie. n. d. 3 . 44. 5 3 f. Lucret. 5 ,49 8. Aithon(^i'«'o)j'),l)Rofs d«sHektor: IZ. 8,185. 

Verg. Am. 12, 140. Cornut. n. d. 1. Lehrs — 2) Rofs des Sonnengottes : Of. Jf. 2, 153. Eu- 

deArist. stud. Eom. 167 ff . Eoth in der Z lschr. hemeros(?)h.Syg.f.-l.83. JlfytÄ. Fat. 1, 113. Schol 

d._Mschn. morqenl Ges. 6 , 68. Kaegi, Her Eur. Phoen. 3. — 3) Rofs der Eos: Serv. Verg. 

Bigveda. Zürich 1879. S. 22. Anm. m) . He- Aen. 11, 89. — 4) Rofs des Pluton: Claud. 

siodi.jnh.J3A fäfst Aither als Sohn des Ere- rapt. Pros. 1, 284. — 6) Rofs des Pallas, des 

bos und der Nyx und Bruder der Hemera Sohnes des Evander, das seines Herrn Tod be- 

(v£l,_^uch Cmt;_ dl.i»af-„d:_JJ.) , Myc/i^? fab, lo weinte: Verg. Aen. 11, 89. — 6) RoIb des Ares : 

praef. als Sohn des ÖEaos und der Caligo, Q. Smyrn. 8, 242. — 7) Der Adler, der den 

Bruder der Nox, des Eretios und der Dies. Prometheus quälte: Hyg. f. 81. Vgl. II, 15, 

Mit der Dies (Tag) ^u^'er Erde, Himmel 690. — 8) Hund des Aktaion: Hyg. f. 181.— 

und Meer, mit der Erde eine Reihe von Übeln 9) Name, den sich Odysseus beilegte, um die 

oder Lastern z.B. Schmerz, List, Zorn, Trauer, Penelope zu täuschen: Od. 19, 188. — 10) Bei- 

Lüge, Eidschwur u. s. w. ferner Oceanus, The- name des Erysichthon (oder des Phlegyas) 

mis, Tartarus, Pontus, die Titanen, Bri^reus, wegen seiner Gefräfsigkeit (von liiios a^ei» 

Gyges , Steropes, Atlas, Hyperion, Satumus, = Heifshunger) : Tsetzes z. LyJcophr. iä96. Hel- 

Üps, Moneta, Dione, die drei Furien ( Hyg. lan.\). Athen.Xd, i=l?,h. Ael. V. H.i,^l. Cvä- 
ax_&„.0-- \S^: Qk- n. d.ß^±i:2. In den Or- 20 Mm. Dem. 67. [Röscher], 

phischen Hymnen (v gl. Orph. Hv. 5) ötscKSint Aithops {Al&oip) , 1) Sohn des Pyrrhasos, 

Aither als Weltseele, d. h. als fMng^s*Lebens- Gefährte des Memnon, von Antilochos getötet: 

element aller lebenden Wesen. Später iden- Q. Smyrn. 2, Ml. — 2) s. Aithiops 8. 

tiflzierten einzelne Dichter Aither und Zeus [Röscher.] 

oder Uranos und liessen ihn in ein eheliches Aitkra (Ai^ga oder Ae&qa C. I. Gr. 7746), 

Verhältnis mit der Erde treten: Verg. G. 2 . 1) Okeanide, (iemahlin des Atlas, Mutter der 

325 u. Farbiger z. d. St. -Z-Mcr. lj_251^. 2^^991. Hyaden und des Hyas: Timaios b. Schol. Z. IL 

{ Ys\.Aeseh.fr.iäN:) . Nach Cic. &. a. T) &K. 18, 486. Oü. fast. 5, 171. Hyg. f. 192. — 2) 

ist er Vater des luppiter und Caelus, GroTs- Tochter des Königs Pittheus von Troizene, 

vater des Sol. Der S£h&L..^,._Th.eQkr, 1 i,_12J^ 30 besonders berühmt als Gemahlin des Aigeus 

nennt. Pan Sohn des Aither und der Öineis (s. d.) vmd Mutter des Theseus (vgl. Apollod. 

oder einer Nereide. 'Sikoh ^AMuß.il&QS ])..ScMl. 3, 10, 7. Hyg. f. 14. Plut. Tlies. 8). Nach 

z^ Theokr. 13 (arg j e^ötigte Aither mit der Paus. 2, 31, 12 kam noch vor Aigeus Bel- 

Nyx den Eros. [Röscher.] lerophontes nach Troizen und warb um Ai- 

Aitheria oder Aitherie (Ai&tgirf), Tochter thra, wurde aber noch vor der Vermäh- 

des Helios und der Klymene, Schwester des lung verbannt. Derselbe Paus. (2 , 83 , 1 f.) 

Phaethon, nach dem Tode ihres geliebten Bru- erzählt von Aithra , dafs sie , von Athene im 

ders wie die übrigen Heliaden in eine Pap- Traume aufgefordert, einst auf die zu Troi- 

pel verwandelt: Hygin. praef. n.fab. 154. 152. zen gehörige Insel Sphairia (später Hiera ge- 

156. Ov. Met. 2, 340 ff [Röscher.] 40 nannt) gegangen sei, um dem Sphairos, dem 

Aitliilla (Al'&iUa), Tochter des Laomedon, Wagenlenker des Pelops, ein Totenopfer dar- 

Schwester des Priamos. Nach der Zerstörung zubringen. Als sie hier von Poseidon über- 

llions wurde sie die Gefangene des Protesi- rascht worden, habe Aithra einen Tempel der 

laos(?). Als dieser, um Wasser einzunehmen, Athene Apaturia, d. i. der Täuschenden, ge- 

bei Mende und Skione landete, überredete Ai- stiftet imd zugleich den Brauch eingeführt, 

thilla ihre Mitgefangenen, die Schiffe in Brand dafs die troizenischen Jungfrauen vor der Hei- 

zu stecken, sodafs Protesilaos (?) gezwungen war rat ihre Gürtel der Athene weihten. Nach 

dort zu bleiben: Conon Narr. 13. Pomp. Mela Apollod. 4, 15, 7 u. Hyg. f. 37 soll Poseidon 

2, 2, 33. Polyaen. 7, 47 (hier heifst sie Anthia), der Aithra als neuvermählter Gattin des Aigeus 
Tzetg. z. LyTcophr. 921. 1075 (wo sie Aithylla 50 beigewohnt haben, während Plut. Thei. 6 die 
genannt wird). Alle diese Schriftsteller schöpf- Sache so auffafst, als habe Pittheus die Sage, 
ten wohl aus den Nostoi. [Röscher.] dafs Poseidon der Vater des Theseus »ei, blofs 

Aithiolas (,4iö-w)Aas), Sohn des Menelaos und deshalb erfunden, weil Poseidon der Haupt- 

der Helena, zusammen mit seinem Bruder Ni- gott von Troizen war. Wahrscheinlich er- 

kostratos in Lakedämon verehrt : Schol. II. klärt sich die Annahme der gleichzeitigen dop- 

3, 175. Eust. z. II. 400, 32. Suid. [Röscher.] pelten Vermählung der Aithra mit Aigeus und 
Aithiou (AL&icov), 1) Seher, Genosse des Poseidon aus der ursprünglichen Identität beider, 

Phineus, bei der Hochzeit des Perseus und der denn Aigeus (s. d.) scheint nur ein zu selb- 
Andiomeda von Perseus getötet: Ov. Met. 5, ständiger Bedeutung gelangter Beiname des 
146. — 2) Sohn einer helikonischen Nymphe, 60 Poseidon zu sein. Später wurde, als Theseus 
der auf dem Zuge der Sieben gegen Theben und Peirithoos gerade in der Unterwelt ab- 
fiel: Stat. Theb. 7, 756. — 3) Name eines Ros- wesend waren, Aithra, welcher Theseus die ge- 
ses des Euneos: Stat. Theb. &,i&h. [Röscher]. raubte Helena anvertraut hatte, von den beiden 
Aithiops {Ai9'iöil>) , 1) Beiname des Zeus: Dioskuren von Aphidnai oder Athen (Paus. 5, 
Lykophr. 537 u. Schal. Eust. 2. Od. 1, 22 p. 1385, 19, 4), wo sie sich aufhielt, nach Sparta ent- 
öl ed. R. — 2) Sohn des Hephaistos, von führt und kam so schliefslich als Sklavin der 
dem Äthiopien benannt worden sein soll: Plin. Helena nach Troia (//. 3, 144. Hyg. f. 92. 
N. H. 0, 187. — 3) Name eines Sonnenrosses G. I. Gr. 6125). Nach der Eroberung dieser 



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201 



Aithusa 



Aitolos 



202 



Stadt wurde sie hier unter den übrigen kriegs- 
gefangenen Sklavinnen von ihren eigenen En- 
keln, Demophon und Akamas, den Söhnen des 
Theseus (Pseudodem. 60, 29 nennt fälschlich 
Akamas einen Sohn der Aithra), erkannt und 
auf deren Bitte von der Helena freigegeben. 
(Vgl. aufser den schon angeführten Belegen 
Arktinos Iliupersis fr. 3 Kinkel. ' Apollod. 3, 
16, 1. Paus. 5, 19, 1. Lesches ib. 25, 7f. Hyg. 
f. 14. 37. 79. 92. Biet. 1, 3. 5, 13. Ov. Her. 
10, 131. Plut. Thes. 3, 4, 6, 34 f. Vgl. auch 
G. I. Gr. 7743'ä. 8440''. 7746. Nach Hygin. f. 
243 tötete sich Aithra später selbst aus Gram 
über den Tod ihrer Söhne. 

Bildwerke. Bereits auf dem Kasten des 
Kypselos war Aithra als mifshandelte Sklavin 
der Helena dargestellt {Paus. 5, 19, 4. Bio 
Chrys. or. 11). Ähnlich war ihre Darstellung 
auf dem Gemälde Polygnots in der delphi- 



nach Alkimos eine Tochter des Uranos und 
der Ge, nach Seilenos b. Steph. Byz. s. v. Ila- 
liKiq des Okeanos, nach Demetrios von Ealla- 
tis des Briareos, Schwester des Sikanos, nach 
welcher der bekannte Vulkan benannt worden 
sein soll. Simonides erzählte von ihr, sie sei 
in dem Streite, welchen Hephaistos und De- 
meter um den Besitz Siciliens führten, als 
Schiedsrichterin aufgetreten {ßchol. Theoer. 1, 
10 65). Nach Seilenos a. a. 0. und Serv. z. Verg. 
Äen. 9, 584 war sie von Hephaistos (oder Zeus) 
Mutter der Paliken. — 2) der Vulkan Ätna auf 
Sicilien, der schon frühzeitig eine Rolle in der 
Mythologie spielte. Entweder galt er für den 
Berg, welchen Zeus auf den Typhon schleu- 
derte: Aescli. Prom. 365. Pind. Pyth. 1, 20. 
Apollod. 1, 6, 3. Strab. 626. Hyg. f. 152. Ov. 
Her. 15, 11. f. 491. M. 5, 352. Val. Fl. 2, 
24, oder man glaubte, dafs Enkeladoa (Orph. 




Aithra und Theseus, welcher Schwert und Schuhe des Aigeus unter dem Felsen 
hervorholt, Relief in Villa Älbani (Bom). 



sehen Lesche (Paus. 10, 25, 7). Aufserdem 
findet sich Aithra von Poseidon überrascht 
(Gerhard, Auserl. Vas. 1, 12), mit Theseus 
Paus. 1, 27, 8. Zoega Bassir. 48. Mus. Borb. 
2, 12. Campana' op. in plast. t. 117. Gerhard 
a. a. 0. 3, 158. Mon. d. Inst. 6, 22. Braun, 
die Schale des Kodros. Gotha 1843 (vgl. C. I. Gr. 50 
8440* u. s. w.), endlich nach der Eroberung 
Uions von ihren Enkeln zurückgeführt (Ovcr- 
beelc, Gull. her. Bildw. S. 618 ff.). Vgl. Brunn 
in Paulys Bealene.^ 1, 1, 484. Ein sehr schö- 
nes Vasengemälde, welches die Führung der 
Aithra aus der Stadt ins Grieohenlager durch 
ihre Enkel darstellt, befindet sich an einem 
Krater aus Vojlci, jetzt im Britischen Museum 
(vgl. Mon. d. inst. 2, 25). — 3) Gemahlin des 
Phalanthos (s. d.) Paus. 10, 10, 8. [Röscher.] 60 

Aithusa (jiüd'ovaa), 1) Tochter des Poseidon 
und der Alkyone, Geliebte des Äpollon und 
Mutter des Elenther: Apollod. 3, 10, 1. Paus. 
9, 20, 1. — 2) Thrakerin, Mutter des Lines und 
Urahnin Homers: Charax b. Suid. s. v. "Oftrj- 
Qog. Vgl. Loheck Agl. p. 323. Wtlcker, Ep. 
CycV 1, 137 f. [Röscher]. 

Aitne {Akvrf) , 1) eine sicilische Nymphe, 



A. 1257. Verg. A. 3, 578. Opp. Gyn. 1, 273. 
Glaud. r. Pros. 1, 155) oder Briareos unter ihm 
begraben seien (Gallim. h. in Del. 143). Vgl. 
aufserdem Strab. 248. Sil. It. 14, 58. Glaud. 
r. Pros. 1, 160. Gell. 17, 10. Macrob. S. 5, 17). 
Später hielt man ihn auch für die Wohnung 
und Werkstatt des Hephaistos (s. d.) und der 
Kyklopen: Eurip. Gycl. 298. Gallim. Bei. 144. 
Gic. de div. 2, 43. Hör. ca. 1, 4, 7. Prop. 4, 
1, 45. Strab. 1, 20 fi'. Lucil. Aetna i^. Solin. 
55, 16 M. [Röscher]. 

Aitnaios (Jhfaiog, lat. Aetnaeus), 1) Bei- 
name des Zeus , welcher auf dem Ätna ver- 
ehrt und dem ein Fest, rcc Alzvata, gefeiert 
wurde: Pind. Ol. 6, 162 u. Schol. Nem. 1, 6. — 
2) Beiname des ebendaselbst verehrten Hephai- 
stos: Ewrip. Cykl. 599. Val. Fl. 2, HO. Ael 
h. an. 11 , 3. — 3) Beiname der am Ätna 
wohnhaft gedachten Kyklopen: Verg. Ae. 8, 
440. 11, 263. 3, 668. Ov. Pont. 2,2, 115. — 
4) Sohn des Kabiren Prometheus, welcher in 
Böotien wohnte, und welchem Demeter eine 
geheimnisvolle Gabe anvertraute : Paus. 9, 25, 6. 
[Röscher]. 

Aitolos (Aitoilög), 1) Sohn des Endymion 



203 AiusLocutius - Akakallis 204 

und der Nymphe Seis oder Neis, oder der Iphia- Aius Locutius (Loquens CicX der Sprecher 

nassa, Herrscher yon Elis Apd 1, 7, 6. Nach eine Gottheit der Römer (derselbe Öegriff durch 
I^ausantas (s. u.) ga,lt aufserdem für seine Mutter zwei synonyme Worte bezeichnet wie hei Vica 
bald Asterodia bald Chromia, bald Hyperippe. Pota, Anna Perenna). Vor der Eroberung 
beme Geschwister aus derselben Ehe waren Roms durch die Gallier liefs sich eine Stimme 
raion, lipeios und Burykyde (oder Euryphyle vernehmen, die vor der Ankunft der Gallier 
fr?«iN ^^"l-'^^^^V?- f''?f*- i°^cÄoi./Z. warnte. Man achtete derselben nicht, nach- 
11, t,88). üehuts der Entscheidung über die dem sie sich aber bewährt hatte, liefs Camil- 
Thronfolge ordnete Bndymion einen Wettlauf lus nach Vertreibung der Gallier, um die Nicht- 
zwischen seinen Söhnen in Olympia an, in lo achtung jener Stimme zu sühnen, dem ver- 
weichem EpeiosSiegerblieb, worauf erdieHerr- meintlichen fiufer ein Heiligtum mit einem 

Schaft erhielt. Aus Gram über die erlittene Altar auf derselben Strafse gegenüber der Stelle 

bchmach floh Paion m weite Feme, und das errichten, wo die Stimme gehört worden war. 

Land jenseit des Axiosflnsses in Makedonien Liv. 5, 32, 6; ÖO, 5. Gell. n. AU. 10, 17. Cic.de 

bekam von ihm den Namen Paiomen. Aitolos div. 1, 45; 2, 32. Plut. Garn. c. 14; 30; de fort 

aber blieb im Lande und wiirde nach der Mom. 318, 46. S. IndigÜamenta. [Bernhard.l 
Flucht des Paion dessen Nachfolger. Da traf Aix {Ail) , 1) s. Amaltheia. - 2) Sohn dis 

ihn wahrend der dem Azan zu Ehren veran- Python: Plut. Q. Gr. 12. Vgl. Mommsen, Del- 

stalteten Spiele das Mifsgeschick, dafs er un- pMka 210f. [Röscher-] 

vorsätzlich den Apis tötete und infolge dessen 20 Akademos (AiiäSrjiiog), attischer Lokalheros 
vor Apis Söhnen aus der Peloponnes ent- der den Tyndariden bei ihrem Einfall in At- 
fliehen mufste (nach StraboS, p. 357 vertreibt tika verriet, dafs ihre von Theseus geraubte 
Ihn balmoneus) Er entweicht in das Flufs- Schwester Helena in Aphidnä gefangen gehal- 
gebiet des Acheloos m das Land der Kureten, ten werde. Deshalb wurden ihm von jenen 
tötet dort Doros Laodokos und Polypoites, die hohe Ehren zuteil, und die Lakedamonier ver- 
bohne des ApoUon und der Phthia, die ihn gehonten seitdem jedesmal bei Einfällen in 
gastlich aufgenommen hatten, und nachdem Attika die nach Akademos benannte Statte 
vor ihm die Kureten das Land geräumt, erhält der Akademie. Von einigen wurde er auch He- 
von Ihm deren Gebiet den Namen Atollen. kademos oder Echedemos genannt. Plut Thes 
laT\!k k ^~^-.^F^^^' ^' ,^/-/*''"^°^.23; 30 32. Biog. Laert. 3, 9. Steph. B^z. s. 'E^aSri- 
463—466. bcymn. 476. Gomn. 15. Aufser Paion, y,ua. Eupol. in Meinek. frq. com. qr. 2 p 487 
Jipeios und der Eurykyde werden noch als ScUl. Arist. nub. 992. Schol. Dem. 24. 786. e' 
seine Geschwister genannt Naxos, St. B. s. v. rBernhard 1 
TO*^ f''";' £^'"'^b-^'"'^n^^2/fi?- 1, i%. Schal. Akakallis (A^a^aUCg), eine Nymphe. Nach 
iÄeoSr. 4, 29. Seme Gemahlin war Pronoe, einer Sage der Elyrier auf Kreta naht sich 
die lochter des Phorbos, mit der er den Pleu- ihr in der Stadt Tarrha, im Hauso dos Kar- 
ren und Kalydon zeugte, Apd. 1,7,7. manor, ApoUon und zeugt mit ihr den Phvla- 
TT ^.le^age von Aitolos ist mythologische kides und Philandros. Eine Ziege in Erzjrufs 
Umdichtung der historischen Thatsache, dafs welche jene Kinder säugte, hattln die Bewoh- 
^iV j"' ^f F^'anfang der griechischen Ge- 40 ner.von Elyros nach Delphi als Weihaeschenk 
schichte durch irgend welche Macht aus der geschickt. Paus. 10, 16, 3. - 2) Tochter des 
Peloponnes vertrieben, sich in dem Lande der Minos (s. d.), von Hermes Mutter des Kydon 
Kureten dem nachmals sogenannten Atollen, {Paus. 8, 53, 5. Schol. zu Apoll, lih 4 1492^ 
niedergelassen haben: der Stamm flüchtet von ApoUon Mutter des Naxos (Schol. m AvoU 
unter dem N^men des Stammesheros, Rh. a. a. 0.), des schönen Miletos (Anton. Lib. 
so dals also die alte Deutung des Namens 30) und des Amphithemis und Garamas. Als 
^i,ro)iosals„Bettler", „Fremdling" (£^i2/m.»«a5iM. sie mit letzterem schwanger ging, sandte sie 
u. smloq- anoxiav ftg o) ^rj/iocTcov ovofhttTu dg Minos nach Libyen {Apoll. Bhoä 4 1490 fifV 
log, oiov . .aiTio ahtoXog wenigstens mit Be- nach der Geburt des Miletos entflöh sie aiw 
zug hierauf eine sinnige ist. Zwei ätolische 50 Furcht vor ihrem Vater und set7,te den Sohn 
btadte trugen übrigens die Namen seiner im Walde aus: auf Apollos Geheifs aber 
Sohne Pleuren und Kalydon , ^pd 1 , 7 , 7. nährten und pflegten ihn Wölfe, bis ihn 
— il bohn des Oxylos (aus Elis) und Hirten fanden und bei sich erzogen Unt. Zt6. 
derPieria, Bruder des Laios, Paus. 5, 4, 4: a. a. 0.). Bei Apollod. 3, 1, 2 ist ihr Name 
Nach semem frühzeitigen Tode errichteten ihm Akalle. Als Mutter des Kydon bezeichnete 
seine Eltern nach einem Orakelspruche, dafs sie die kretische Sage; nach tegeatisoher war 
seme Leiche weder aufserhalb noch innerhalb Kydon ein Sohn des Tegeates und mit seinen 
der btadt ruhen dürfe, unmittelbar unter dem beiden Brüdern Archedios (?) und Gortys in 
ihore, welches nach Olympia und dem Tempel Kreta eingewandert. Paus. a. a Nach 
des Zeus führte, ein Grabdenkmal Noch zu 60 StepÄ. Byz. s. v. KvSmvCa war Kydon ein 
Pausamas Zeit brachte alljährlich dort der Sohn des ApoUon, und Akakallis auch Mut- 
Gymnasiarch em Totenopfer. - 3) Sohn des ter des Oaxos, nach welchem die gleichna- 
Ia^^. ,^?>"' -^^.^^ *^®' DeukaUon. Scymn. mige Stadt am Ida benannt war. 15 Betreff 
590. Steph. B u. ^a^og. — 4) Sohn des Oi- der Deutung des Mythos s, Boacher, ApoTlon 
neus. Hecat. b. Athen 2 35 B. - 5) Sohn «. Mars S. 78 ff., der ihn mit derLegen(fo yon 
des Ares, der zuerst den Schwungriemeu am Romulus und Remus vergleicht. - 8) Name 
Wurfspeer angebracht haben soU. Plin.-T, 56, für die Narcisse. Eumaclws b. Athen. 15, 681« 
201. [Bernhard.] [Bernhard.] 



205 ' Akakos Akanthis 206 

Akakos {"A^a-nos), ein Sohn des Lykaon, Epo- dorthin geweihten ehernen Rosse neben anderen 

nymos und Gründer von Akakesion in Arka- Landesheroen auch die beiden Theseussöhne 

dien {Paus. 8, 3, 2) und Erzieher des Hermes heraus, Paus. 1, 23, 10. Zu Delphi war er in 

( Paus. 8, 36, 10), der nach Paus. a. a. 0. ihm der Lesche auf Polygnots Gemälde von Ilion 

seinen Beinamen 'AiiaxriBw? verdanken sollte, mit abgebildet, Paus. 10, 26, 2, auch hatte er 

während derselbe in Wirklichkeit wohl den dort eine Statue, 10, 10, 1. Andere Kunstwerke, 

Gott als Abwehrer des Unglückes und Spender in denen er mit Aithra (s. d.) und Demophon 

guter Gaben {Smtmg iäcov) bezeichnen sollte. gruppiert ist, s. b. OverbecJc, Bildw. z. theb. u. 

(Vgl. auch Steph. Byz. s. v. 'Aiia%rieu)v). tr. H. 632fF. u. Gerhard, etr. u. camp. Vasen 

[Boscher.] lo Taf. 12, beim Streit des Odysseus und Diome- 

Akalanthis (ÄKaXav&ig) , 1) eine der neun des um das Palladion Mon. d. inst. 6, 22, und 

Töchter des Pieros, welche, weil sie sich mit bei Trojas Zerstörung Bull. d. inst. 1843, 71 

den Musen in einen Gesangswettstreit einzu- (s. Paulys Encyhl.^ 1, 1, 28, Anm.). Nach 

lassen gewagt, von diesen in Vögel verwandelt Plut. Thes. 35 zieht er und sein Bruder 

wurden. So soll Akalanthis in einen Stieglitz mit Elephenor, Chalkodons Sohn, zu wel- 

(äiialavd-ie, ccv.av&i'g) verwandelt worden sein. chem Theseus beide bei seiner Flucht von 

{Nihandros bei Antmi. Lib. 9 ; vgl. auch Ov. Athen gesandt, gegen Ilion, nach dem Tode 

Met. 5, 295 ff. u. 670 ff.). Wahrscheinlich liegt des Menestheus kehren beide mit der Aithra 

der Geschichte von den Töchtern des Pieros nach Athen zurück und gelangen wieder zur 

ein altes Tiermärchen zu Grunde, welches den 20 Herrschaft. Nach einer anderen Überlieferung 

Unterschied des kunstlosen Vögelgesanges und wird er schon vor dem Auszuge der Griechen 

der musischen Kunst hervorheben sollte. — mit Diomedes nach Troja geschickt, um die 

2) Beiname der Artemis (4j-. av. 873 u. Scliol). Hölena zurückzufordern, Parth. nar. am. 16. 

[Röscher.] Tzetz. Antehom. 156. Da entbrannte des Pria- 

Akalle CAKÜUrj) = Akakallis (s. d.). Apollod. mos Tochter Laodike für den jugendlioh- 

3, 1, 2. [Röscher.] schönen Mann in so heftiger Liebe, dafs sie 

' Akainantis ('AyiafiavTig), Beiname der Aphro- die jungfräuliche Scham überwand und sich 

dite bei Parthenios: Plin. nat. liist. 3, 35. der Philobia, der Gemahlin des Perseus, des 

Steph. Byg. s. v. Kvnqog und 'AKa^dvrwv, (wo Herrschers von Dardanos, anvertraute. Diese 
Meinehe, analecta Alexandrina p. 362 annimmt, 30 wufste durch Vermittelung ihres Mannes eine 

dafs der Name falsch auf die Stadt bezogen Zusammenkunft zwischen Akamas und Lao- 

sei). [Crusius]. dike in Dardanos zu bewerkstelligen. Akamas 

Akamas {'A^idiicig = „der Unermüdliche"), nahte sich ihr und zeugte mit ihr den Muni- 

1) Sohn des Antenor und der Theano, Füh- tos (bei Plut. Thes. 34 ist Munitos Sohn des 

rer der Dardaner im troischen Kriege , im Demophon), der von Aithra, der Grofsmutter 

Verein mit Aineias und seinem Bruder Archi- des Akamas, nach Trojas Fall mit zurückge- 

lochos rühmlich beteiligt am Kampfe gegen nommen wurde, aber zu Olynth auf der Jagd 

die Schiffsmauer. Als Aias den Archilochos durch Schlangenbifs umkam. Biet. 1, 5. Tzetz. 

getötet hatte, brachte Akamas dafür den Pro- Lykophr. p. 495. — Akamas war mit im Bauche 
machos um, worauf er selbst durch Meriones' 40 des hölzernen Pferdes bei der Eroberung Trojas 

Hand fiel. JZ.2,822; 12,100; 14,476; 16,343. (rerg.Aen.'i,262. Hyg. 08,1. Paus.1,23, 10. Qu. 

Schol. zu II. 13, 643. Hes. s. v. 'AKäfiavra. Bei Sm. 12, 326. Tryphio/l 177, 662. Tzetz. Posthorn. 

Qu. Sm. 10, 168 fällt er durch Philoktet. Vgl. 647) ; nach der Eroberung fiel ihm Klymene als 

auch Antenor u. Antenoriden. — 2) Sohn des Beute zu, Dict. 5, 13. Auf der Rückkehr ver- 

Euss6ro8,FürstderThraker, IZ. 2, 844. Schol. weilt er eine Zeit lang in Thrakien, gefesselt 

Ap.Bh. 1, 948. Biet. 2, 35, berühmt durch Tap- von der Liebe zu Phyllis; dann aber verläfst 

ferkelt und Schnelligkeit (JZ. 5, 492), fällt durch er sie und findet auf Kypros, wohin er eine 

des Telamonischeu Aias Hand {11. 6, 7. Schol. zu Kolonie geführt hatte, beim Sturze vom Pferde 

13, 943), nach Biet. 3, 4 dagegen durch Idome- in sein eigenes Schwert fallend, den Tod. Vgl. 
neus. — 3) Ein Kyklope , Diener des Hephai- 50 auch Schol. zu LyJcophr. 496. Die Liebesge- 

stos , Val. Fl. Argon. 1, 583. — 4) Sohn des schichte mit Phyllis wird auch von Demophon 

Theseus und der Phaidra, Heros Eponymos erzählt, wenn auch mit anderem Ausgange, 

der Akamantischen Phyle; Bruder des Demo- Eyg. 60, 24; 136, 8. Ov. Her. 2. ars am. 3, 

phon , mit dem er öfter verwechselt wird (s. 37. Coluth. rapt. Hei. 208. Das Genauere s. 

d.); beide sind Helden des troischen Krieges, unter Phyllis und Demophon. — Die Stadt 

welche der attische Patriotismus erst spä- Akamantion in Grofsphrygien war nach ihm 

ter in den troischen Sagenkreis einschwärzte; benannt, Steph. B. s. v., aufserdem die oben- 

bei Homer selbst kommen sie nicht vor, vgl. genannte akamantische Phyle und der Berg Aka- 

Preller gr. M. 2, 465; zuerst hat sie Arktinos mas auf Kypros. VgL Tzetz. za Lykophr. a.ei.O. 
vonMiletinseiner'n&uwtpcismitdertroischen 60 Strabo 14, 681—83. Luc. nav. 7. Hesych. Ptol. 

Sage verwoben (vgl. Welcher, ep. CyM. 2,' 1, 15, 4; 5, 14, 1. Anon. st. mar. magn. 204, 

222; 528), ihm sind dann die Späteren, inson- ö. Sext. Emp. mathem. 1, 257 [vgl. auch C. I. Gr. 

derheit auch die Tragiker, gefolgt, vgl. Soph. 7746. 8142. 8154R.]. [Bernhard.] 

Phil. 562. Eur. Hec. 125. Heracl. 35. Tr. 31. AkantMs oder AkanthylUs (AKav9ig, 'Anav- 

Qu. Sm. 4, 332. Paus. 1, 5, 2; 3; 10, 10, 1; »vUig). Autonoos und Hippodameia hatten 

10, 26, 3. Strabo 14, 683. Biod. Sic. 4, 62. vier Söhne: Anthos, Erodios, Schoineus, Akan- 

Hesych. Aesehin. 2, 31 u. Schol. Bern. 60, 29. thos und eine Tochter Akanthis (Akanthyllis). 

Auf der Akropolis zu Athen sahen aus dem Die letzteren waren also benannt nach det Un- 



ii|pp»«^pi?ppB^^»"*^*np!["wwm^ 



207 Akantho Akastos 208 

fruchtbarkeit des Landes, das dem Autonoos nur 417. TJiukyd. 2, 102. EpUor. b. Straho 10, 

Binsen {axoi!vovg) und Dornen (aKcivd-ug) trug. 462. Scymn. 462. Nach dem Schal, zu Phid. 

Dagegen war er reich begütert an Herden Ol. 1, 127 war Akarnan mit unter der Zahl 

und hütete diese selbst mit seinem Weibe und der von Oinomaos getöteten Freier der Hippo- 

seinen Söhnen. Eines Tages überfielen seine dameia. [Bernhard. J 

Stuten den Anthos, der sie wild gemacht hatte, Akaste (yfxäorr;), eine der Okeaniden (s. d.) 
indem er sie von der Weide ausschlofs , und nach Hes. Th. 356, welche sich nach Hymn. in 
zerfleischten ihn. Da trauerte die gesamte Cer. 421 auch unter den Gespielinnen der 
Familie um den Tod des Anthos, bis Z^us Persephone befand, als Hades diese raubte, 
und Apollo sich ihrer erbarmten und alle lo [Röscher], 
in Vögel verwandelten: den Autonoos in eine Akastos {"A-^aarog), 1) Sohn des Pelias, des 
Rohrdommel, die Hippodameia in eine Hau- Königs von lolkos , und der Anaxibia, der 
benlerche, den Anthos, Erodios, Schoineus, Tochter des Bias , oder der Phylomache, der 
Akanthos und die Akanthis in die gleichna- Tochter des Amphion, Bruder der Peisidike, 
migen Vögel. Anton. Lib. 1. Erodios war be- Pelopeia, Hippothoe und Alkestis {Apollod. 
nannt nach dem geringen Umfang seines Wei- 1, 9, 10. Ap. Eh. 1, 326. Kurip. Alk. 732), 
deplatzes: „eweI avrbv '^giärjasv o x^Qog". Ant. Yüter der Steiope (Apollod. 3, 18. 8), Sthenele 
Lib. a. a. 0. [Bernhard.] (^^oZi'oii. 3, 13,8) und Laodameia (//?/.(/./'. 103 f.). 
Akantho (Akccv&o)), in dem auf hellenistische Seine Teilnahme am Argonautenzug wird be- 
Quellen zurückgehenden (vgl. Didymi fr. ed. 2o zeugt von Ap. Rh. 1, 224, 321. Apollod. 1, 9, 
Sc/iBud« p. 363) euhemeristischen Göttersystem 16. Hyg. f. li. Val. Fl. l,UtiS. iSiS. Orph. 
bei Cicero de nat. deorum 3, 21 p. 595 Gr., Arg. y. 224 (Konjektur). Dafa sie gegen Wis- 
235 Schöm. = Arnob. 4:,li}>. Hb Orelli (anders sen und Willen des Vaters erfolgt sei, erzahlte 
Ampelius 9, 3. lo. Lyd. u. a.) Mutter des vier- auch Demagetos bei Schol. Ap. Rh. 1 , 224. 
ten Helios auf Rhodos. Vgl. KüvSatog Sohn Seine Beteiligung an den Kämpfen der Argo- 
des Helios und der Rhodos (zu KavSaXog, av- nauten heben hervor Ap. Uli. 1 , 1041. 1082. 
*ea| Hes.l Curtius Etym. p. 511). Der Name Val. Fl. 6, 720. Doch bleibt er eine sekun- 
ist wahrscheinlich einer (von einem hellenisti- däre Figur in der Argonautensago. Seine Teil- 
schen Dichter behandelten) Verwandlungssage nähme an der kalydonisclien Jagd ist bezeugt 
entnommen. Vgl. av.avQ'og und die Klytia- so von Ov. Met. 8, 306, inschriftlich gesichert in 
[Cruäius.] der Darstellung der kalydonischen Jagd auf 



Akanthos s. Akanthis. der Vase des Klitias und Ergotimos Mon. d. 

Akarnan (Av.aQvdv), Sohn des Alkmaion Jwsf. 4, 54. Arch. Zeug. S,'l\ 2',i, ü. Akastos 

und der Kalliöhoe, Stammvater der Akar- ist des Vaters Nachfolger in der Herrschaft 

nanen, die früher Knreten hiefsen. Apollod. 3, über lolkos "und veranstaltet diesem zu Ehren 

7, 5 ff. Pam. 8, 24, 9. Alkmaion hatte, nach- die berühmten Leichenspielo, Apollod. 1, 9, 27. 

dem er den Mord an seiner Mutter Eriphyle Syg. f. 273 , die dargeHt(^llt waren auf der 

begangen, nach mancher Irrfahrt im Ge- Lade desKypselos; vgl. /"aws. 5, 17, Ö roiStm äe 

biete des Acheloos eine Ruhestätte gefunden, (seil. 'ltfiv.Xia) viv.mvTi opt'yfi xbv aretpttvov b 

die Tochter des Acheloos Kallirrhoe geheiratet 4o "A-naarog, am Throne des araykliUsohen Apollo 

und mit ihr zwei Söhne Akarnan und Ampho- von dem Magnesier Bathykles {Paus. 3, 18, 16 

teros gezeugt. Weil Kallirrhoe nach dem Pe- «czt 6v "A-naazog i^-rj'x.iv ciytävu inX nazgl) und 

plos und dem Halsband der Harmonia (s. d.) im Anakeion zu Athen auf cinum Gemälde des 

Verlangen trug, kehrte Alkmaion zu seiner Mikon {Paus. 1, 18, 1: xat of xr^g f^otiffig jj 

früheren, von ihm verlassenen Gemahlin Ar- aiiovörj luiliata ig "Akccotov kuI tove &iiiovg 

sinoe, der Tochter des Königs Phegeus von £j;ei toü 'Av.dazov). Am ausführlichsten behan- 

Psophis, zurück, der er beides als Geschenk delt die Sage des Akastos Verhiiltnis zu dem 

zurückgelassen, als er fluchbeladen aus Psophis Aiakiden Peleus. Die Fabel, dafs l'eleus, bei 

entwich, und entwendete durch List dem Phe- Akastos von dessen Gemahlin, deren leiden- 

geus jene Geschenke. Als dieser den Trug so schaftliche Liebe von dem keusehen Jünglinge 

erfuhr, liefs er ihn durch seine Söhne er- zurückgewiesen worden ist, verleumdet, bei der 

morden. Da erbat sich Kallirrhoe von Zeus, Jagd auf dem Pelion durch göttliche Hilfe den 

dafs ihre Söhne alsbald zu männlicher Voll- Nachstellungen seines Gastfreunde» entgeht, 

kraft gediehen, und als sie ihres Wunsches ist im einzelnen verschieden ausgeführt wor- 

ErfüUung erlangt, sandte sie dieselben aus den. Hesiod hat die Sago nur kurz berührt: 

zur Rache des Vaters. Sie erschlugen zunächst Akastos habe des Peleus Schwert, ein Geschenk 

die Söhne des Phegeus, mit denen sie zufällig des Hephaistos, verborgen, damit jener, es su- 

im Hause des Agapenor (s. d.) in Tegea zusam- chend , von den Kentauren im Peliongebirge 

mentrafen, wandten sich dann gegen die Resi- getötet werde {fr. 72. Goettl. bei Porphyr, zu 
denz des Phegeus selbst und mordeten dort die- 60 II. 6, 164. fr. 110 bei Schol. Find. Nem. 4, 95). 

sen samt seiner Gemahlin. Dann brachten sie, Pindar nennt Nem. 4, 54 ft'. des Akastos Ge- 

mit Hilfe der Tegeaten und Argiver glücklich mahlin Hippolyte (vgl. Hör. Od. 3, 7, 17f), 

ihren Verfolgern entronnen, dem Gebote des durch deren Intriguen der König veranlafst 

Acheloos gemäfs Halsband und Peplos als worden sei dem Peleus aus dem Hinterhalt 

Weihgeschenke nach Delphi. Endlich iogen Tod zu ersinnen; nur dem Cbeiron verdanke 

sie nach Epirus, wo die Landschaft Akarna- dieser seine Rettung. Nem. 5, 26fF. führt er 

nien nach dem älteren Bruder den Namen er- Kretheis Hippolyte (lasons Schwester, Iby- 

hielt. Apollod. a.. a. 0. Vgl. Ov. Met. 9, 412— kos bei Schol. Ap. Bh. 1, 287, die Enkelin 



■'j^: 



209 Akeles Äkko 210 

des Kretheus?) als die Verleumderin des Pe- Steph. Byz. s. v. '^«6^»;, s. auch die Artikel 

leus bei Akastos ein. Der Schol. zu Nem. Acheles, Agelaos uad Acheletides. 

4, 88 nennt sie Kretheis, die Tochter des Hip- [Röscher.] 

polytos, und erzählt, dafs Peleus, von Akastos Akesamenos ('Ayisa{e)aiisv6g), König von Pie- 

in der Einsamkeit des Pelion den wilden Tie- rien, Gründer, und Eponymos von Akesamenai, 

ren oder Kentauren zur Beute zurückgelassen, einer Stadt in Makedonien {Steph. Byz. s. v. 

von Hephaistos das rettende Schwert empfan- '^xEcafifvat'), Vater der Periboia {II. 21, 142). 

gen habe. Am ausführlichsten ist Apollod. 3, [Röscher.] 

13, 3. Nach ihm kommt Peleus, nachdem er Akesidas('v4>tf<rt'*as), ein Heros, der zu Olym- 
seinen Gastfreund Burytion wider Willen ge- lO pia einen Altar hatte , welcher von einigen 

tötet hat, nach lolkos und wird durch Akastos Altar des Idas, des idäischen Daktylen (Kure- 

von diesem Morde gereinigt (irrtümlich bei ten), genannt wurde: Paus. 5, 14, 7. S. Dak- 

Ov. Met. 11, 409, Fast. 2, 40 von dem Morde tyloi. [Röscher.] 

seines Halbbruders Phokos). Von dessen Ge- Akesis C^ufcts), ein epidaurischer Heilgott 

mahlin Astydameia verleumdet, wird er bei aus dem Kreise des Asklepios, yon Pausanias 

der Jagd auf dem Pelion zurückgelassen, sein (2, 11, 7) dem sikyonischen Euamerion und 

Messer aber verborgen ; beim Suchen nach dem pergamenischen Telesphoros gleichge- 

demselben von den Kentauren gefangen, wird stellt (vgl. C. I. G. add. 511). [Röscher.] 

er vom Cheiron gerettet. Der Scliol. zu Ap. Akeso {'Av-sam), weiblicher Dämon des Hei- 
Bh. 1, 224 riennt des Akastos Gemahlin Kre- 20 lens, Tochter des Asklepios und der Spione 

theis oder Hippolyte; na'ch ihm wird Peleus {Suid. s. v. 'Hmövri). Vgl. auch Akesis. 

von Hermes oder Cheiron mit dem von He- [Röscher.] 

phaistos gefertigten Messer beschenkt , mit Akeste ('^«Effrrj), Amme der Töchter des ar- 

welchem er die wilden Tiere des Pelion tötet givischen Adrastos, Stat. Tlieb. 1, 529. [Stoll.] 

(vgl. Ar. Nub. 1063). Vgl. noch Anton. Liier. Akestes ('JK£CTr;s(?), b. Verg. Aen. 1, 550 ö. 

Metam. 38. Preller, G. M.^ 2, 397. In enger Acestes), Eponymos und Gründer von Segesta, 

Verbindung mit der besprochenen Sage steht welches auch Aiyaexa und "Eyseta hiefs. S. 

die von der Eroberung der Stadt lolkos durch Aigestes und Agestas und vgl. Serv. z. A. 

Peleus. Nach Pind. Nem. 3, 33 hat Peleus a. a. 0. [Röscher.] 

sie allein ausgeführt, vgl. Nem. 4, 55 f. {nagi- 30 Akestor {'Av-saTcoo) , der Heilbringende; 1) 

Saiiev Atiiövsaaiv) mit Scliol. z. d. St. Nach Sohn des Bphippos aus Tanagra, von Achilleus 

Pherekydes bei Schol. Pind. 3, 55 wurde ihm getötet. Flut. qu. gr. 37.-2) Sohn desEpidy- 

von den Dioskuren und lason Hilfe geleistet, kos (-lykos?). Nachkomme des Aiakos, Vater 

vgl. Apoll. 3 , 13 , 7. Nicol. Damasc. fr. 56 des Agenor, ein Athener, Stammvater des Mil- 

{Hist. Gr. fr. 3, 389) und Suidas s. v. 'Ata- tiades und Thukydides. Pherecyd.'m Marcell.v. 

lävTTi. Nach Apollod. a. a. 0. wird dabei von Thm. 3 (ed. Krüger). — 3) Beiname des Apol- 

Peleus des Akastos Gemahlin getötet, nach /ScÄo/. Ion (s. d.). Vergl. ^r. wsp. 1221. Eur. Andr. 

Ap. Bh. 1, 224 mit dieser Akastos selbst {äg 890. [Bernhard.] 

(pafft tivig). Dagegen ist die Andeutung in Akidusa {'AKßovacc), Gemahlin des Skaman- 
der Ilias 24, 488, dafs der alte Peleus in 40 dros (Sohnes des Deimachos und der Glaukia), 
des Sohnes Abwesenheit von den Nachbarn be- von welcher eine Quelle in Böotien ihren Na- 
drängt werde, dahin ausgeführt worden , dafs men erhalten haben soll. Ihre 8 Töchter wur- 
Akastos ihn aus seinem Lande vertrieben habe den göttlich verehrt und Jungfrauen {UaQ&s- 
(Eur. Troad. 1127f.) oder nach Schol. II. Sl 488 voi) genannt. Wahrscheinlich sind darunter 
A\a,aios und seine Söhne 'ÄQxcväQog Koi'AQii .. . die 3 Chariten zu verstehen {Plut. Q Gr. 41. 
Der Überlieferung, dafs lason den Peleus Bursian Geogr. v. Gr. 1, 223). [Röscher.] 
unterstützt habe, entspricht die Wendung, Akis ('^xis), Gott des gleichnamigen Plus- 
Akastos habe lason und Medeia aus lolkos ses , der auf dem Ätna entspringt , von dem 
vertrieben (Apo?7. 1,9, 27. Tzetz. LyJcophr. nb); Ovid {Met. 13, 750ff.) erzählt, er sei ein Sohn 
dagegen hat nach Biod. 4, 63 (vgl. Hyg. f. 24) 50 des Pannus und der Nymphe Symaithis (vgl. 
lason dem Akastos die Herrschaft in lolkos den sicilischen Flufs Zviiai^og) und der von 
freiwillig abgetreten und ist diesem nachher der Galateia begünstigte Nebenbuhler des Ky- 
Thessalos, des lason Sohn, gefolgt {Biod. 4, 55). klopen Polyphemos gewesen. Dieser soll ihn 
Als Herrscher wird Akastos nach Pherai ver- mit einem Felsstück zerschmettert haben, wor- 
setzt von Mnasigeiton bei Plut. Kstfi. 'Ei- auf erindenPlufs Akis, derunter einemFel- 
Xriv. 19 p. 388. Vgl. 0. Müller, Orchome- sen entsprang, verwandelt wurde (Od. a. a. 0. 
nos'^ 256. 882 ff. Serv. z, Verg. Ecl. 9, 39; vgl. PMlox. 
Von den Neueren spricht nur H. B. Mül- fr. 6ff. B.). Ein vielleicht hierauf bezügliches 
ler, Gesch. d. gr. St. 1, 224 von Akastos, der BüAwerk behandelt O.Jahn in Gerhards Benkm,. 
nach ihm den Stamm der Aioler gegenüber 60 u. Forsch. 1852. Nr. 37. S. 416. JRoscher]. ^ 
dem achäischen Peleus und dem thessalischen Akkö. {'Av.116), ebenso ^jA^Alphito {'AXtfurä) 
Thessalos repräsentiert; sein Name sei ein und Mormo (TVTogfioj) einer OCTTopanze, womit 
Schimpfwort: „der Ungeschminkte" {a-v.aS).— die Frauen unartige Kinder schreckten {Chry- 
[2) König von Dulichion: Od. 14, 336. [Ro- sijjp.h. Plut. de stoic. rep . 16.: äiav ta Ttai- 
scher.] [Seeliger.] äägicc tov KaKoaj^oiJ^ ai yvvaiv,tg aviigyovaiv). 
Akeles {'Aiiilris), Sohn des Herakles und der Wahrscheinlich sind die Ausdrücke ättyiiliiv, 
Malis, einer Dienerin der Omphale, Epony- -eß&ai {Hesych^tym^M^ und ä-KKiafiög da- 
mos der Stadt Akele in Lykien: Hellanikos b. von abzuleiten, zu deren Erklärung später die 



211 Aklemon Akontios 212 

Geschichte von einer albernen Frau Akko erfun- saus, der , indem er für diesen streitet , durch 

den wurde, welche wir b. FMt^^prov. -AI- ß5. das Gorgonenhaupt versteinert wird. Ov. Met. 

M.JI^LjL9^^3,.Smd,8.:s,aji^ 5, 200ff. — 2) ein Latiner, der gegen die Troer 

Vgl._auch jif. Schmidt ThMesych.s.y. ämös. fällt. Verg. Aen. 11, 612fF. [Bernhard.] 

Möglicherweise hängt der Name Akko mit Akontios {'Av.övriog) 1) == Akontes (s. d.). 

«ffjtds (lakonisch «kmo? Hesych. ) zusammen; 2) „Ein schöner Jüngling aus der Insel Keos, 

so dafs unter Akko ursprünglich ein Gespenst von guter, jedoch nicht eben vornehmer Ab- 

mit einem Sacke oder Schlauche gemeint kunfl und von wohlhabenden Eltern. Dieser 

war, dazu dienend die unartigen Kinder hinein- befand sich bei dem jährlichen grofsen Feste 
zustecken. So erklärt sich auch zugleich der lo zu Delos und sah dort ein die Herrlichkeiten 

Name Alphito , da man Gerstenmehl (älcpita) des Ortes in Begleitung ihrer Amme beschanen- 

nach Od, % 354f,„a80_Jn Ledersäcken oder des, so schönes Mädchen, dafs er auf der Stelle 

-schlauchen aufbewahrte. Vgl. auch Hesycb- verliebt in sie ward. Kydippe war eines 

s^v. äcxrä q)Xav^CSsig und M, Sc&iBi(|t z. d, St. vornehmen Mannes Tochter, die ebenfalls des 

Lobeck Bhemaiilcm p. 325 1 [Röscher.] Festes wegen nach Delos mit ihren Eltern ge- 

Aklemon (!4jtXi3fWBj') , Name eines Kerkopen reist war. Er folgte ihr nach dem Tempel 

(s. d.)bei Tzetg. Öhil. 5^81. Nonn. exp. in Greg. der Artemis; und als er sie, des Opfers War- 

Naz. 1, 39 (vgl. Lobeck Aglaoph. p. 1298c. v. tend, dort sitzend sah, pflückte er eine der 

Leutsch zu Zenob. 5, 10) ; bei EudoUa 72 p. 47 schönsten Quitten und warf sie hin , nachdem 
(p. 80 Flach) heifst er vielmehr "AKfiaiv. Wei- 20 er die Worte darauf geschrieben : ,.Ich schwöre 

teres siehe unter 'Kerkopen'. [Crusius.] bei dem Heiligtum der Artemis, dem Akontios 

Akmeiiai (Aiiiirjvc!l{?) vififfuC), Beiname der mich zu vermählen." Die Amme hebt den 

Nymphen zu Olympia: Paus. 5, 15, 6. Apfel auf, reicht sie dem Mädchen und heifst 

[Röscher.] sie die Inschrift lesen. Kydippe liest laut, und 

Akmon ('^xfiraj'), 1) einer der idäisohen Dak- errötend wirft sie den Apfel weg. Aber die 
tylen (s. d.), also wahrscheinlich die Personi- Göttin hatte ihre Worte gehört: und so hatte 
flkation des Ambos {a-nfimv): s. die Verse der sie geschworen, was Akontios wollte. Darauf 
Phoronis b. Schol. Ap. Eh. 1, 1129; Strab. 473. kehrte Akontios nach seiner Heimat zurück, 
C. I. Gr. 2374. — 2) Sohn der Gaia, Vater wo ihn die Sehnsucht nach der Geliebten ver- 
des Uranos, Eros, Charon: Hesiod. b. Schal, z. 30 zehrte. Unterdessen bereitet Kydippes Vater 
Simmias b. Jacobs Anthol. P. 3, 824. AlJcman seiner Tochter ein Ehebündnis nach seiner 
fr. 108 B. (vgl. Eust. II. 1154, 25. Eudoc. 26. Wahl. Allein sowie die hochzeitliche Feier 
Cornut. de nat. deor. 1). Antimach. fr. 35 Kin- beginnen soll, erkrankt Kydippe plötzlich und 
kel Kallimach. M. M. 4:9, id. Anth. 15, 24, 1. so bedenklich, dafs die Hochzeit eingestellt 
Nach andern war Akmon ein Beiname des werden mufs. Schnell genest sie wieder: die 
Okeanos oder des Aither {Et. M. a. a. 0.). Anstalten werden erneut, aber mit ihnen auch 
Yg\. auch nesych.'AKiicov OvQav6g-a.'Aiiiiovi'ärie. die Krankheit. Die dreimalige Wiederholung 
Da im Zend agman Stein und Himmel bedeutet, erregt allgemeines Aufsehen. Die Kunde da- 
so ist wohl daraus zu schliefsen, dafs der von gelangt zu Akontios, er eilt nach Athen, 
Himmel {ovgccvös) ursprünglich atijKov = stei- 40 wo er täglich und stündlich nach seiner Ge- 
nern hiefs: Curtius, Grundz. d. gr. Et.^ 131 u. liebten Zustand sich erkundigt. Wirklich war 
Poth, Kuhns Z. 2, 42. S. auch Akmonides. auch seine Liebe unbeachtet zwar, aber nicht 

— 3) Ein Gefährte des Diomedes, aus Pleu- unbekannt geblieben; und da ein aufsernatür- 
ron in Aitolien, welcher von Aphrodite in ei- lieber Einflufs sichtbar war, so regte sich so- 
nen schwanähnlichen Vogel verwandelt wird: gar der Verdacht eines von ihm ausgehenden 
Ov. Met. 14, 484—510. — 4) Sohn des Klytios zauberischen Frevels. Der delphische Gott, 
aus Lymessos in Phrygien, Gefährte des Ai- den der Vater befragen liefs, brachte endlich 
neias: Verg. Aen. 10, 128. — 6) Sohn des Manes, die Wahrheit an den Tag, verkündend seiner 
des phrygischen Hauptgottes, Eponymos und Schwester Zorn über begangenen Meineid. 
Gründer der Stadt 'Ainiovia in Phrygien, Bru- 50 Alles übrige entdeckte das Mädchen nunmehr 
der des Doias {Steph. Byz. s. v. 'Av,fiovCa. und der Mutter. Der Vater anerkennend , dafs 
JoiavTog tcsSCov), nach Schol. II. 3, 189 Vater Akontios in keiner Hinsicht seiner Tochter 
des Mygdon , welcher gegen die Amazonen unwürdig sei, fügt sich willig dem Winke der 
kämpfte, vielleicht identisch mit No. 1. — 6) Götter, und eine glücklich nunmehr von stat- 
Bin Korybant: Nonn. Bion. 13, 143. 28, 313 ö., ten gehende Hochzeit bringt den Jüngling zum 
vielleicht auch identisch mit No. 1. — 7) s. Ziel seiner Wünsche." Dies ist Buttmanns 
Aklemon. [Röscher.] Rekonstruktion einer bei Ovid Her. 20. 21 

Akmonides ('^«(iovtSTjs), 1) eiuKyklop, sonst (vgl. Trist. 3, 10, 73 f. und Aristainet. ep. 1, 

Pyrakmon (s. d.) genannt : Ov. Fast. 4 , 288. 10. (s. auch Anton. Lib. 1) erhaltenen Le- 

— 2) Beiname des Charon nach Hesych. s. v. eo gende, welche schon früher von Kallimachos 

— 3) Beiname (Patronym.) des Uranos (s. oben in einem Kydippe betitelten Gedichte behan- 
Akmon) und des Eros {Anth. 15, 24). — 7) S. delt worden war. Vgl. darüber Buttmann, 
Aklemon. [Röscher.] Mythol. 2, 115ff. und die treffliche Mono- 

Akontes {Atiävtrig), auch Akontios {'A'xövriog), graphie von Dilthey , de Callim. Gydippa, 

Eponymos und Gründer der Stadt Akontion in Lips. 1863. Eine ganz ähnliche Geschichte 

Arkadien, Sohn des Lykaon: Apollod. 3, 8, 1. erzählt uns Nikandros h. Anton. Lib. 1. S. 

Steph. Byz. s. v. 'Ayiävtiov. [Röscher.] die Artikel Hermochares und Ktesylla. Vgl. 

Akontens {'Av.ovTBvg) , ein Genosse des Per- auch die rhodische Legende von Ochimos 



. ::kwt- „|,,_. ., . ii i iiw p wwwwww . I juj i i i iw i. .j. jit%...»„t3. - y^ 



-^13 Akraffas 



Aktaion 214 

wifl £Äd?esef regete?^del\ytrZ St' ^l«rr-\~,n, kämpften die 

Kybele und Attis, von Aphrodite S AdoZ Sp n /"'q'^V'-i^^'^A'^^^* ™d erfanden dabei 

alBO von der Liebe ein« GöL z„ eS tlLftn ^"^'Jt? ^"'"''!''^- ^k Akrisios ge- 

Sterblichen erkennen, worauf aUerdin/fd^^ nt" •^' ^^"^^^^ ^' den Bruder aus Argos. 

Taube, in welche sich dTe Ktesylla Xan Sder A^'T "™> ''^«^Lykien zum lobftes 

delt, sowie die von Anton Lib TTo^T (oder Amphmnax) und heiratete dessen Toch- 

wähnte 'A^^oSlrr, Kr^Xu. oder KrLu. Jen Me^^^ ^tT? ''''^'*^T^°^^ (''^^ 
'Exa.'py,, von lulis auf Keos hinweist ^Wn! n^f ^- I^^^tes unterstützte ihn mit 

Minweisi. einem Heere und verschaffte ihm die Herr- 

Akragas CA^^gäyag, avros) SohA des Zel '" S ^^" ^^'^^' ^"J-^*^^« ^'^«^ '^i'' Evklopen 

und de? Okeanide Asterope,^ 'der Erbauer von Toll '/ umgaben, Schol Eur. Or. 965. Die 

Agrigent auf Sicilien. SUpi Tyz .TaIT Sana^rv^l'^^^T'^K"^'^/,".^"^'^^'^« ^^' 

VavTsg. - 2) Ein Flufs arf der Südküste Si TT^l^^l^ Pherehyd b. ScM. Ap. Bh. 4, 1091. 

ciliens, als schöner Jüngling Lgesteltund WtVe «ip L^T ^^^«^f d« Gott geweissagt 

von den Agrigentinern als G?tt veS A^ A W. +-7 '^''.. «i«™ Sohn gebären, der den 

«.Ä. 2. 33 [Bernhard 1 ''''^^ ^^'"'^^^- ^«'- -^krisios toten würde. Dieser Sohn war Perseus, 

Akraia ('AigccCa) , Tochter des Flufs^ottes ,^^t\f^l^%'^''^'' ?™^? """^ P«'-^*^'^^ <^^- 

Asterion. Er hatte drei Töchter Eub^a Pro ^!= r r ^'« ^^'f^s. den Nachstellungen sei- 
symna und Akraia, welche Cmen der Her; .o d! r^' '^^*''k &i«'=™«5' entronnen war und 

waren. Nach der letzteren wS et FeTshl^el er mirD?r^^'"i?^' ^"'^T''*'" ^^**''' '^''^■t« 

bei Argolis benannt, wie ein anderer ebS Sek „^ ' mdAndromeda nach Argos zu- 

nach ihrer Schwester Euboia auf welchen, p1^ ™ck , um seinen Grofsvater zu sehen. Dieser 

Heiligtum der Hera la.. und nach der drittel P ?' ^% ^"' ^"'^'"^* ^°^ ^^"^ Orakel nach 

Schwester Prosymna di^ ganze Gegend unter f to'f de V^'^-^'^^'^V^"- "' ^'- ^''''^- ^P- ^^■ 

halb dieses Heraion. pL 2 if 2 - 2 l'.^») dem König von Lanssa seine Burg baute. 

Beiname verschiedener Göttinnen ind ^yS- WettsS mit "i^d^f^f '^'\^-^^^^'^^<^^ 

phen, insofern sie auf den Höhen der TW« "[e^^t'^eite mit und tötete aus Versehen den 

Kultusstätten hatten. arOer Hera inKorinth ^rf« J "^^^ f em D,,kos, wodurch das Orakel 

Eur. Med. 1379 (JVaJ) iXd 1 9 IsNo p^^^^^^^^^ ^0«^ 

Straho 8, 880. Paus. 2, 24 1 i»> 32' 2S ?n »v ^ ^"f^^'^l^gher ist die Erzählung des Phe- 

6) Der Aphrodite in Knidos Pat^ 1 i 3 t " if ' ^^•"./'^'»ö^- ^- ^P"??- Rh. i^ 1091, die 

Trözen, id. 32, 6, auf KyprofXa&J li fiS9 ««^^ °o* ^e^ter aus P„«s. 2, 16, 2. 4. 23, 7. 

in Argos Hesyk. s. v. Äu 'loL t\ De; f 'n yf'P"/"'? ¥'} ^^''^ ^'^^- ^P- ^^l a. 

Artends in Argos Hesych l To' d) Der Pp ' ^^^^"d sich das Grab (Heroon) .welches 

Tyche in Sikyof Pa«/|, 7 5 Vgl auch Sx ten «Tr^t t' i^^'Ä "^^'^ ^^"^^«^ ^^-^^-te- 

9'^tos, Beinamen des Zeis.' Bicafarch defcT 2qÄ ''^[^^'^'^ "^f.Stadt, nachCZem. JL^rf^o«. 

ffr. /-r. 2 8. In betreff der örtlirkdt' ilfzu at fl\7&kt'^Ctr,f ""'. '". ^T" 

vergleichen Cw^ms, Peloponnesos 2 559 ff aJL lr.^A iJ .\ den m Senphos für 

, opo«wesos A 5520 den Polydektes veranstalteten Leichenspielen 

Gründer^derboioWUÄAkraUtriS* ilch'a'j r?7o?PfR*"t- n^*^^'^"" ^^'• 

Traf *"P"*^V'^''\-^°"-''«)' "- Heros des Jk^'^Csch:?! ^'''" ''■"^- ""' '' '''■ '• 
S£^t' 3rc.'';sTST '"^"'' '^""'""^ '^^ Akren U^::i f.,. Acren), ein Grieche 

Akrätes CA«gäToe), Dämon aus dem Gefol<.P Yl ^""^^^Z ^^ S'"'*°°^^' Bundesgenosse des 
desDionyso^s, i^ A^a verThrptT. t 2 f tlTff ' rRÄf " "'^'''^^^ '^""''- ^^" ^^■ 
f^'^X^JtSXL^Z:^^^ Akre£-SL.,,einPhäake: 0.8.111, 

S..^"39 - ^S^i:"pÄt L^^ri^^Bli'^s^egc;^:^ 

^•^^^Sf Ä,rrffif JT^^^^ -n des Aristaios 

Akrete CA^gr,ri vgl. W..roc) eine der Wäl O^p' ^"i*"?"^ .Tochter des Kadmos , von 

terinnen des dIo^.sL: loJ^^^I^. ^l^J^^^^^ ^.S^ 

.^^^»i-? !r^ Sä ^" =^^{r^^e^S^^^d^^s 

er ein Lakedaimonier und Gränder^n Akrfl cZ^' ■'''^ ^'' gangbarsten Sage, weil er die 

war. S. Akrokomos. rRoscwT P ^i ™ gargaphischen Thale, in der Quelle 

Akrisios (U^giatos), Sohn des Abas und der A^^T! '^ ^^^^ ^^'^^^°- ^''''"^- ^- 9" 

Aglaia (sonst OiBleii\grScZEuTor<iR^^ An ^-J'^*/. ^^^- f' ^«^- ^''"'»- ^■«»- 5. 

der Tochter des MaktÄeus Schon £" Mut^' flr^'f- ^1" ^' ^.^^*^- ^<'"»'«- ^- -?«« 

terleibe stritt er mit seinem lÄ^J^ "«^.^ÄTs^' J^il^Ä' ?is ^G^d 



215 



Aktaion 



Aktaion 



216 



der Verwandlung durch Artemis wird auch an- 
gegeben, dafs er die badende Göttin belauert 
und ihr Gewalt anzuthun teraucht habe, Hyg. 
f. 180; dafs Zeus ihm gezürnt, weil er die Se- 
meleheirathen wollte, Akusüaos b. Apollod. a. a. 
0., Stesiclioros b. Paus. 9, 2, 3; dafa er sich 
rühmte, ein besserer Jünger als Artemis zu sein, 
Eurip. Bacch. 337. Vgl. Dt od. 4, 81. Dem Paw- 
sanias (9, 2, 3) zeigte man auf dem Kithäron 



lende Winde und Tau erflehte , sowie auch 
mit Apollon kktios {Lauer, System 230. Ger- 
hard, Gr. Mylh. §. 322, Ic). Die Bilder des 
Aktaion, die man auf Bergen und Felsen auf- 
stellte, dienten dazu, die verderblichen Folgen 
der Hundstage abzuwenden; daher die Sage, 
dafs Cheiron durch ein Bild des Aktaion die 
wütenden Hunde desselben zur Buhe gebracht 
habe. In der Gegend von Orchomenos war, 



am Wege von Megara nach Plataiai den Fei- lo zur Befreiung von einem Gespenst, zur Abwehr 
sen des Aktaion, wo er nach ermüdender Jagd der Unfruchtbarkeit des Landes, ein ehernes Bild 
zu ruhen pflegte und von wo aus er die Arte- des Aktaion an einen Felsen angeschmiedet, das 

noch Pausunias sah , und 
die Orchomenier verehrten 
den Heros jährlich durch 
Toteuopfer, Paus. 9, 38, 4. 

— Äschylus hat den My- 
thus des Aktaion auch auf 
die Bühne gebracht in sei- 
nen To^oxiSng, s. Nauek, 
fr. Trag. p. 60 f. Auch 
Phrynichos , lophon und 
Kleophon dichteten einen 
Aktaion , Suid. v. $qvvix-j 
'/oqp. , Kleocpäv. Die ge- 
hörnte Maske des Aktaion 
erwähnt Pollux i, 141. Der 
Name Aktaion kommt, wie 
der des Aktaios, von ä»i^ 
(nicht von Zeus ccKtaiog), 
Meintlce, Vindic. Strab. p. 
133 , und scheint zunächst 
auf das Küstengebirge Pe- 
lion zu gehen. Müller, Or- 
chom. 248. 349. Proleg. 195. 
Welc]cer,gr. Götterl. 1, 204 f. 
616. Kleine Schriften 3, 34. 
Preller, Gr. Myth. 1, 375 

— 377. IL D. Müller, My- 
tliol. d. gr. Stämme 2, 1 S. 
108 fF. Das Geschick des Ak- 
taion war ein häufiger Ge- 
genstand der alten Kunst, 
welche übrigens seine Ver- 
wandlung teils gar nicht, 
teils durch das Überwer- 
fen eines Hirschfells , am häufigsten jedoch 
durch ein Hirschgeweih auf der Stirn an- 




Aktaion u. ArtemiB, Metope v. Selinns (s. Arch. Ztg. 1888 S. 239), 



mis im Bade gesehen. Die berühmten Hunde 
des Aktaion, 50 an der Zahl, werden mit Na- 
men aufgezählt JZyfjf. 1^. 181. Ow'd. M. 3, 206ff. deutet. Polygnot hatte in seinem Gemälde 
Aeschyl. b. Pollux 5, 47. Apollod. a. a. 0. Nach- 50 der Unterwelt zu Delphi ihn und seine Mut- 



dem sie ihren Herrn, den sie nicht erkannt, 
zerrissen hatten, suchten sie ihn überall und 
wurden nicht ruhig , bis Cheiron ihnen ein 
Bild desselben zeigte, Apollod. a a. 0. — Der 
Hund ist ein Symbol der Sonnenhitze zur Zeit 
der Hundstage; Aktaion, der von seinen 50 
Hunden (den 50 Hundstagen) zerrissene Sohn des 
gegen die Sonnenglut der Hundstage schützen- 
den Gottes Aristaioa, ist ein Bild des durch 



ter dargestellt, auf einem Hirschfell sitzend 
und ein Hirschkalb in den Händen, bei ihnen 
einen Jagdhund und in ihrer Nähe die Maira, 
ein Symbol der Siriushitze, Paus. 10, 30, 3. 
Die Denkmäler sind zusammengestellt b. Mul- 
ler , Handh. d. Arch. §. 365,, 5. Denkm. d. a. 
K. 2, Taf. 17 n. 183—187. Jilite ceramogr. % 
99 — 103B. H. Brunn in Paulys Bediene, u. 
Aotaeon, Amn. p. 140. Am bekanntesten ist 



die Hitze der Hundstage zerstörten schönen 60 die marmorne Statuette des Aktaion im Brit. 



Erdenlebens, der Lust der Frühlingszeit, und 
sein Kultus hing zusammen mit dem auf dem 
Pelion existierenden Kult des Zeus av.taiog 
(oder vielmehr a%Qttiof;, wie bei Dihäarch, 
Müller fr. hist. gr. 2, 262, 8 nach aufgefunde- 
nen Inschriften zu lesen, Starh b. Gerhard D. 
u. F. 1859 S. 92. Preller, Gr. Myth. 1, 114, S), 
von dem man zur Zeit der Hundstage küh- 



Museum {Müller, Denkm. 2 n. 156). Bin Sar- 
kophag zu Paris {Clarac Mus. de seulpt. 2 pl. 
113—115. Millin G. m. pl. 100—101) giebt 
dis Fabel in 4 Akten: Auszug zur Jagd, Be- 
lauschen der Artemis, Kampf mit den Hun- 
den, Bestattung. Die Annahme, dafs auf 
einer Bronzemünze von Orchomenos (Mül- 
ler, Denkm. 2 n. 187) Aktaion dargestellt sei, 



-^S?".! "IW"" ,,'!■ ««■';. #*i|is«|..Mfl 



^•ffP''??5'?^s%rrss?t^ 



^l*^ Aktaios ,, 

• j ., Aktorion 91 ö 

des Aktaionmythus hatte man zu Korinth "^"*^" Menoitios von der Aigina (g d^ 
Em schöner Knabe von Korinth, Akteion To£ fß Tl t'i t\ ^^J'^^klos. Apollod. 19 1' 
des Mehssos, wurde von dem Bakchiaden a7 oi a \nl' l^^'-^'^t- H- 112 u. 113. äJ' 

äfhÄet^SlSnriS B-i^-"''«-ÄÄ^S 

blh?T ^«"^^l^eimsuchte.' Das OrakS tersSt fri.°^A '^''*°! ''^^'' ^^'^ ThessX 
befahl den zürnenden Gott der isthmischen fv^r + ^^ ^^^^ ''*^ «^"^ zugleich durch Iros 

Spiele Poseidon, zu versöhnen und den Aktaion Mp ^^''^'^'t ^'"y*^«'^ 4p M. 1 69-r4 

zu rächen^ Die Bakchiaden wurden verSben sehen ^Lv''^^"°^. ''^^ pMhiischlthessaU: 
und Archias gmg nach Sicüien und grtoS M^7?' P^^'^'^chen und opuntischen Aktor s 

Syrakns^ Plutnärr am. 2. ÄcÄoZ 4 m 4 £ td 1^'^ P"-''^- ^ ^^ ««»^ ^es Phor: 
ini Alex. Aet. h. Parthen. U. (fr 1 Ä/Li^n rfm.ifi j t,^^^""'"^' ^^der des Augeias 

dew. Delect 1). Vgl. PM. Sert 1 WdZr ™d TT ^ ^°^'°"^' '"^ ^^«l^l^er er Kteatos 

fonAttIf/d'' '1? - ^^ ^^^^i»'^. alteSS 69 3lZ'°! ^eugte, König in Elis. BMi, 

vonAttika,der8elbewieAktaios(s.d.),Vaterdef 2 «ifffV'i ' ^^^ ^,' ^^' ^ "■ ö- :Eust. z I 

Phomike, nach welcher die #om«WVJ'^^^^^^^^ ^^ l^ Y\^1'\{'- "■ '^09. 750. 13, 185 
benamit waren, BeU. Äneed. 782, 19^^^ v ifn \ ^^ ^^- ^^t«rion und Moli^nes 

^o*wx,,„ yp^^ „. ^^ ^ y«- b^-J. Z.*l,0;rchomenier, Sohn des Azeus, Vater der 

n.te. Lylc.J,03. Apostol. 20, 29 TtÄ zu uÄ "' ""'* ^"^'^^" ^'^^ den AskalaphoB 

^f^t^i^^C^''-«^-''^), 1) Vater der Aglauros 30 •^%f^T''^*'\?^PP^^°^ Wo<Z. 1, 9 'T 

welche Kekrops, der erste König, von Attikä iT.h l ?^° desAkastos, von Peleus un^bs cht 

heiratete (^poHod 3, u,. iq.^^Ich X«« ^'^'»"f der Jagd getötet. Schol. LycSrlll 

1, 2, 6 war nicht Kekrops, sondern ^^2; ."^"^^^''deni kommt der Name Aktor-^ohne wei 

der erste König von Attika, nach eker eben vlt ^l''^''}°^'<^^^ Bestimmung noch vor as 

da 14, 7 erwähnten Lokalsage des Demos" l^X^I^l""^'^ ^'- ^- '■ '^^«^'?> des Podar 

Athmonia auch nicht dieser, t^ndern Porphy S ,«Q !?*''• «^^ ' ', P" ^»1 ; des^Echekles /Z 

rion. Nach Steph. Bys. s. y 'Äy,xri welche. A I ?! ^''^ Sthenelos Schal. Ap Eh 2 911 • 

sich anfPavorinus beruft, wir der KönT' aI ^aI^^T'' ^'^°^- ^^- L 16 u. 36^ der En' 

taios zugleich Eponymos 'von AttTk^, wflctes" Sinr.fW^^ '°-/^'^''^- ^'- 16 175. -S^ 

xiz aes hkamon, welche uns Suidas q v ,,,„, i" . ■' ^™ Thebaner, Bruder des Fvnpv 

Val^ /rrr "'^'^'^^f'^^*' -o-cVAltatr Ve?bretut- f"' ''f.- T ^^^ di «Sfche 

Ih P,, • -t^^^""" ('• d)- Herse, Pandros^s Aktor,L^-i-^u '"yt'ii^chen Geschlechts der 

und Phoinike gewesen sein soll, nach welcher Wi^ "'^«''la^Pt s. d. erschöpfende Ab- 

die cpo<.vt^cu yp. benannt worden seien vlT f'^"dlung von Dr. Schultz, die ATctorionen 

Äs Rnnl'"- ~ ^). ^''^ des Flnfsgottes Doch diV w^t"'^"'^ x?'\ UnterVeltgottes 
Isteos_^Bu„desge der Troer: P^^^^^^ ^och^s.^ die weiter^ Nachweise im Irtikel 




R^^^'foi'l''"«)' S»''« des Helios und der vXl^' KT*' ^' ^"^ '^ ^rithos 0«;. Jfei 5 80 
- Sof'fv'- '■ '»""i""«- [Ko".ch.Jj ''■ „ Akte SZ S^"i°r"' ■'"«>■ "««»»»n» de. 

, »eDracht. sie geleiten zu seinen Spielen auf 



219 Aktorion Aktorion 220 

dem Isthmos eine Proceasion {Paus. 2, 15, 1) Plut. de Pyth. or. p. 400, 43ff.D., die Euer seien 
und werden von ihm in der Schlacht beschützt von den Korinthiern ausgeschlossen worden, 
{Rom. IL 11, 751). Die Mutter heifstb. Paus. weil sie sich einer Forderung der Körinthier 
5, 2, 2. 8, 14, 9 Moline*). Über ihren Ur- und Delphier nicht gefügt hätten. Diod. a. 
Sprung waren verschiedene Sagen im Umlauf. 0. läfst Herakles von Pheneos zu dem Zuge 
Meist erscheinen sie als körperlich selbstän- aufbrechen und macht irrtümlicher Weise Eurj- 
dige Zwillingsbrüder aufgefafst, so wohl auch tos zu einem Sohne des Angelas. Nach Apollod. 
bei Homer. Erst die spätere Deutung nahm 2, 7, 2 erkrankt Herakles auf dem Zuge gegen 
sie als körperlich verwachsene (SicpvsLg) Brü- Augeias und schliefst deshalb mit den Akto- 
der in verschiedener Auffassung: vgl. Phe- lo rionen einen Vertrag. Als diese aber von sei- 
relc. b. Schol zu II. 11, 709 und Aristarch ner Krankheit Kunde bekommen, greifen sie 
zu 23 , 638 u. 639. Nach der letzteren Stelle ihn an und töten viele seiner Streiter, so dals 
hatten sie zwei Leiber, waren aber zu- Herakles vor ihnen den Rückzug antreten 
sammengewachsen, nach der ersteren hatten mufs. Erst in der dritten dara,ut folgenden 
sie einen Leib , zwei Köpfe , vier Hände und Isthmiade tötet er sie bei Kleonä im Hinterhalt 
vier Füfse. Nach Ihyk. b. Athen. 52 waren bei dem- erwähnten Zuge zur Festfeier. Die 
sie aus einem silbernen Ei als Zwillinge ge- Zahl der Kleonäer, die dem Herakles beige- 
boren, hatten einen Kopf und einen Leib und standen und im Kampfe gefallen waren, giebt 
ritten auf weifsen Rossen (vgl. auch Plut. Ael. v. h. i, 5, 7 auf 360 an; zu ihren Gunsten 
de frat. am. 1. u. adv. stoic. 44). Nach Hom. 20 verzichtet er auf die ihm selbst von den Kleo- 
II. 11 710£F. sind sie die Verbündeten des näern bestimmten Ehrenbezeugungen, womit 
Königs' Augeias im Kriege mit den Pyliern. sie ihn für die Befreiung von dem nemeischen 
Noch" jung verstehen sie sich wenig auf das Löwen ehrten. (Vgl. Schol. Pind. a. 0. u. He- 
Kriegshandwerk und würden deshalb von Nestor rakles). An der Stätte, wo die Molioniden ge- 
überwältigt worden sein, wenn sie nicht von fallen waren, war ihnen ein Grabmal errichtet, 
ihrem Vater Poseidon durch eine schützende Paus. 2, 15, 1: (ij-^nc 'Evqvtov xal Kreätov. 
Nebelwolke dem Kampfe entrückt worden (Vgl. dazu Schultz, die Aktorionensage in ihrer 
wären (a. 0. 750ff.). Weiter gedenkt Homer Verflechtung mit andern Sagen p. 6. Hirsch- 
ihrer J«. 23, 630 ff. bei den Leichenspielen des berg 1881). Über die Aktoriden als Kalydo- 
Amarynkeus , wo sie den Nestor im Wagen- 30 nische Jäger s. Ov. Met, 8, 308. Kteatos zeugte 
kämpf überholen; eng verbrüdert wie immer mitTheronike den Amphimachos und Burytos, 
in ihrem Handeln schwang der eine die Geifsel, mitTheraiphone denThalpios. Hom. IL i, 620 ff. 
der andere führte die Zügel (an ein kör per- 13, 185 ff. Paus. 5, 3, 3. — Der Name Mollav 
liches Verbundenaein ist hier wenigstens nicht wird mit Recht von den Neueren als ein ur- 
notwendig zu denken). Als Neffen des Augeias spröngliches Appellativum gedeutet und zu - 
(s. Aktor 3) finden wir sie mit diesem noch rückgeführt auf die Wurzel ftoi; Metronymikon 
einmal im Bunde gegen Herakles. Als Hera- ist das Wort bei den Griechen erat im Laufe 
kies nämlich wegen des verweigerten Lohnes der Zeit geworden. Die Bedeutung des Appel- 
gegen Augeias zu Felde zog (s. Herakles und lativum liegt ganz offen zu Tage bei Hom. IL 
Augeias) , "übertrug dieser den Aktoriden die 40 11, 750, wo MoUove und 'Aktoqicovs unverbun- 
Führung des Krieges. Da Herakles im offenen den neben einander stehen, und unbegreiflicher 
Kampf "nichts ausrichten konnte, so benutzte Weise bisher die Ansicht gebilligt worden 
er die Zeit, wo die Körinthier den isthmischen ist, dal's zwei Personen in einem Athem mit 
Festfrieden angekündigt hatten; er legte sich dem Metronymikon und Patronymikon bezeich- 
in den Hinterhalt, und als nun auch die Akto- net werden könnten. MoXCiov ist hier „der 
rionen im Auftrag der Elier sich auf den Weg mutig in die Schlacht gehende". _ Man denke 
machten um das Fest zu beschicken, überfiel an das homerische iierä fimlov Lmv, an Mars 
er sie und tötete sie. Lange Zeit blieb der Gradivus(Pj-eZZer(Tr.ilf.2,237. Schultza.0.%.%). 
Mord verborgen, bis die Mutter denThäter in Daherauch bei iTesycÄ. die Deutung /iO!j;ij*i^e,^ei 
Erfahrung brachte. Auf ihren Betrieb ver- 50 JSwit ad IL 882, 21 ff. die Erklärung fMujI'ftot 
langten die Elier von den Argivern die Aus- v.al oq^r\xnoL Eine Reminiscenz an diese Be- 
lieferung des Herakles, der damals gerade im deutung liegt vielleicht noch verborgen in dem 
argivischen Tirynth sich aufhielt. Die Argi- Sprichwort ovStv nqos rniäg ot Moi.ioviSai 
ver verweigerten die Bestrafung des Herakles, {AposL 13,54), wenn man auch natürlich leicht 
worauf die Elier sich an die Körinthier wand- an eine andere Entstehung denken kann. Eines 
ten, dafs sie alle Argiver von den isthmischen anderen die Kraft der Aktoriden andeutenden 
Spielen aussohliefsen möchten. Als ihnen auch Sprüchworts gedenkt Eust. a. 0. 882, 86: Jt^ös 
dieses Verlangen abgeschlagen wurde, sprach Svo oväh 'Hgaiilris, mit Beziehung auf des Hera- 
Molione über alle Elier einen Fluch aus, die kies Kampf gegen die Aktoriden um Elis (s.ob.). 
sich von den isthmischen Spielen nicht fortan 60 — Die Deutungen des Geaamtmythus von den 
fern halten würden. Diese Satzung hielten Aktorionen oder Molionen, von Eurytos und 
denn auch die Elier noch in späterer Zeit. Kteatos, sind sehr verschieden. Vgl. Cremer 
Paus. a. a. 0. SchoL Plato Phaed. 152, 16. Symbolik 2 p. 387 ff. G. Hermarm, Briefe über 
SchoL Pind. Ol.U,2S. Diod. 4:,33. Dagegen sagt das Wesen der Mythologie t^. bb. Schwenck, 

Zeitschr. f. Altertumswissensch. 1837. S.' 410fi'. 

*) Bei Besiod, den die neueren Mythoiogen fast aUe gj^^ merkwürdige Deutung versuchte Welcker, 

unter den QueUen fflr den Kamen Molxomden anführen j^igi„, Schriftenl S. 102ff.: 'Die Molionen wnd 

kommt derselbe nicht Yor. Nur ins Schol. zv. IL 23, eSit .ii.o<-w.i- ^v , t7- >/ i l. v„ n.,1.1..^ ^ O 

u. Emt. ad IL a. O. citieren ohne nähere Angabe Hesiod. Aloiden in der IllOS (Vgl. auch Hp. LyklmS 1. b. 



221 Alabandos Alastor 222 

2 14 ff. GöWeW. 1, 424), indem er die Molionen als fr. adesp. 83,3: 'AlcclKOfisvivg XC(ivai vnsQ 
Symbole der paarweise mahlenden Mühlsteine KcofiaCSog {| Tt^Azog av'ö'gojTtft)»' ccvsaxtv, woraus 
nahm, ohne jedoch mit dieser Ansicht Anklang erhellt, dafs er in böotischer Sage als erster 
zu finden. Preller a. 0. 239 verzichtet auf Mensch und als Sohn der Erde galt. Vgl. 
eine Deutung. Kürzlich hat einen neuen Weg 'übrigens auch Fherekydes b. Schal, in Eurip. 
eingeschlagen Schulte a. a. 0. Er nimmt als Phoen. 159 u. K. O. Müller, Gesch. hellen. St.^ 
Ausgangspunkt des gesamten Mythenkomplexes 1, 213. — 2) Sohn der Mobe: PhereJc. a. a. 0. 
Thessalien, sucht ihn als äolisch nachzuwei- [Koscher.] 
sen und findet mit demselben untrennbar ver- Alalkomenia (AXaXKO[i,cvia, bei Suid. 'AkaX- 
knüpft die Beziehung zu Tod und Unterwelt lO notisvsia), Tochter des Ogygos (oder Ogyges). 
(S. 17ff.): „Aktor ist Treiber (aym) und Hirte Vion.h. Suid. u. Phot. u. ü^a^iSixrj (s. d.), ihre 
der Herden der Unterwelt , Eurytos ist der Schwestern waren Thelxinoia und Aulis, heilige 
Gewitterregen, da Gewittemacht und Unter- Erdgöttinnen, die am Tilphusischen Berge bei 
weit untrennbare mythologische Begriffe sind, Haliartos in Böotien ein Heiligtum hatten, 
und Kteatos ist von dem Urkern der Sage blofs in Kopf bildern verehrt wurden und Tier- 
ausgeschieden als ein mythologisch nicht gleich- köpfe zu Opfern erhielten. Paus. 9, 33, 2 ff. 
wertiger Begriff." „Er scheint erst hinzugefügt, Steph. B. \i. T^tfiCXrj. Suid.a,.a,.0. Yg\. Mül- 
als man neben dem einen doppelleibigen Ak- ler, Orch. p. 128. Meurs. regn. Athen. 1, 6 S. 24. 
torionen einen getrennten Doppelgänger dachte" [Bernhard.] 
S. 9. Schultz nimmt als Reste der alten Sage 20 Alanninns, Beiname des Juppiter auf einer 
nur diese drei: Aktor, Eurytos und Thalpios Inschrift aus Brescia, Orelli 1220 = Labus, 
(s. d.). [Bernhard.] Marm. Bresc. n. 15 : I. 0. M. Alannino M. 

Alabandos (AXäl^avSog) , Sohn des Kar und Nonius Agathonicus. Der Name scheint von 

der Kallirrhoe, nach welchem Kar die Stadt seiner Kultstätte abgeleitet zu sein. [Steuding.] 

Alabanda in Karlen nach einem im Reiter- Alaiitedoba, wohl eine keltische Göttin auf 

kämpfe gewonnenen Siege genannt hatte; denn einer Inschrift aus Ossimo im Val Camonica 

'AXäßavöog bedeutet nach Steph. Byz. u. 'AXa- am Oglio, C. I. L. 5, 4934 (echt, trotz Orelli 

ßav&ci in der Sprache der Karier dasselbe wie zu 1956. 1957); Alantedobae Sex. Cornelius 

iTiTcöviKog und ^vi^itog. So aufser Steph. Bye. Prirmis v. s. l. m. Vgl. in betreff des ersten 

auch Cic. not. deor. 3, 15, 19. [Bernhard.] so Bestandteiles des Namens den deus Alus (s. d.), 

Alagabalus (= Elagabalus), Beiname des der auf zwei Inschriften des nahen Brescia 

Sol auf einer Inschrift aus Szöny bei Komorn erwähnt wird. [Steuding.] 

(Pannoniasup.), Corp. /. i. 3, 4300, vgl. ^wj/iM- Alastor (AXäetmq), 1) allgemeiner Name 

dates. [Steuding.] ' für folgende dem Volksglauben entsprungene 

Alainos (^AXaivog), unehelicher Halbbruder Vorstellungen, deren Träger und Interpreten 

des Diomedes: Lykophr. 619 u. Schol. z. d. St. insonderheit die Tragiker waren: a) für den 

[Rösche;-.] „Irrgeist" {äXäaO'ai.), der den Frevler überall- 

Alala (AXaXd), die Göttin des Schlachtrufes, hin verfolgt und , indem er die ünthat rächt, 

Tochter des Polemos: Pind. fr. 122 B. {Plut. der Treiber zu immer neuem Frevel wird, so 

glor. Ath. 7). [Röscher.] 40 namentlich der in einem Geschlechte fort- 

Alalkomeueus (AXaXiioiisvevg, nicht -rjg, da wirkende Rachegeist. So schiebt Klytaimnestra 
Plut. de Daed. Plat. 6 wohl -ti und -frag, ihre Unthat an Agamemnon auf den alten 
Schal. II. 24, 602 wohl -scog statt -so zu lesen Alastor des Atreus, des Mörders seiner Bruders- 
ist). 1) mythischer Gründer und Eponymos von kinder. Aeschyl. Ag. 1465 — 1508. Vgl. Soph. 
Alalkomenai oder Alalkomenion in Böotien 0. C. 788. Trach. 1235. Eur. Or. 1556. Xe- 
(Paus. 9, 33, 5. Steph. Byz.&.y. 'AXccXiioiiiviov), narch. b. Athen. 2, 64 f. 6) für den ,, Teufel", 
wo ein uralter Athenetempel {A. 'AXccXiiOfis- den bösen Geist, der zur Sünde verführt, ohne 
VTjig IL 4, 8) stand, den Alalkomeneus ge- deshalb als Rächer eines Frevlers aufzutreten. 
baut haben sollte {Steph. Byz. a,. a. 0. Etym. Eur. Electra ^18. Iph.Aul.i)i5. c) Endlich ent- 
M. 56, 14. Euit. z. II. p. 439, 34). Nach 50 wickelte sich die Bedeutung des ruchlosen. 
Paus. a. a. 0. u. Schol. II. 4, 8 soll Athene verderbenbringenden Menschen, wie bei J.escÄ. 
bei ihm aufgewachsen sein {rqaqy^vai). Steph. jPers. 354. E^mj». 237. J-few. 12, 541<=, und daraus 
Byz. a. a. 0. nennt seine Gemahlin Athenais, wurde ein allgemeines Scheltwort, wie es vor- 
Tochter des Hippobotos , und seinen Sohn liegt bei Dem. de cor. p. 324. Beisk., de falsa leg. 
Glaukopos, Namen, die offenbar aus demalten p. 438u.ö. d)Aufserdemkommt das Wort vor als 
Athenekult von Alalkomenai abstrahiert sind. Beiname rächender und strafender Götter, des 
Plut. de Daed. Plat. 6 erzählt, er habe dem Zeus und der Erinyen. Eesych. Etym. M. 
von Hera verlassenen Zeus geraten, ein Bild Ausführlicheres über Etymologie . und Bedeu- 
derselben von Eichenholz fertigen und im tung bei Welcker , Götterl. 3 p. 95 — 99. Nä- 
Hochzeitszuge umherführen zu lassen, woraus 60 gelsbach, de religionibus Oresteam Aesehyli can- 
das sogenaimte Dädalenfest entstanden sei tinentibus 1843. Derselbe, Nachhom. Theol. S. 
(näheres- s. unter Hera). Nach Schol. z. II. 24, 335ff. Saaff. 482. Stall in Paulys Bealenc.^ 1, 
602 u. Emtath. p. 1367, 20 hiefs seine Ge- 1, 641. — 2) Sohn des Neleus(/S'cM. 4;joZZ. UTj. 
mahlin Niobe. Wie alt der Mythus vom Alal- 1, 152) und der Chloris (Apollad. 1, 9,9), wurde 
komeneus ist, ersieht man nicht blofs ans der samt seinen Brüdern mit Ausnahme des Nestor 
Bezeichnung avz6%9'«jv bei Paus, und Plut. von Herakles bei der Zerstörung von Pylos 
a. a. 0. sondern auch aus dem interessanten getötet. Nach Parth. erat. 13 freit er um Har- 
{Pindarisdien?) Fragmente bei Bergk P. L.^ palyke (s. d.),des Klymenos Tochter. Als er 



223 Alateivia Albuneä 224 

die Neuvermählte heimführen will, gerent den ist altgallisch, = lateinisch rea;; vgl. Ämbiorix 

Schwiegervater sein Versprechen, er eilt dem u. a. [Steuding.] 

Alastor nach und führt Harpalyke, zu der er Albsis Pater, Name eines Gottes auf einem 

selbst in blutschänderischer Liebe entbrannt Erztäfelchen mit der Widmung Albsi Patre 

ist, in sein Haus nach Argos zurück. — 3) {CLL. 6, 3672. Ephem. epigr. 2, 198). Viel- 

Ein Lykier, Genosse des Sarpedon, der von leicht bedeutet der Name einen Flufsgott (vgl. 

Odysseus erlegt wird. II. 6, 677. Ovid. Met. 13, Alburnus, Albula). Vgl. Preller, r. M* 2, 138, 1. 

257. — 4) Ein Grieche II. 4, 295, der mit [Bescher.] 

Mekisteus den verwundeten Teukros rettet. 11. Albnla = Albunea (s. d.) b. Stat. Süv. 1, 3, 
8, 333 ff., desgleichen den Hypsenor 13, 421 ff. lo 75. [Röscher.] 

— 5) Vater des Tros, II. 20, 463. — 6) Name Albunea (oder Albuna?) und Albula {Stat. 

eines Rosses des Pluto: Glaud. rapt. l'ros. 1, Süv. 1, 3, 75), die Nymphe einer schwe- 

284. [Bernhard.] felhaltigen, weifsfarbigen Quelle (albnlae aquae) 

AlateiTia, Name einer Göttin auf einer In- bei Tibur, die aus der Tiefe des Lage 

Schrift aus Xanten, Or.-Hengen 5865: Älatei- della Solfatara entspringt, und deren Bach 

viae ex jussu i{psius) Divo Medicus. Vgl. Ala- schliefslich in den Anio (Teverone) mündet, 

tervae matres. [Steuding.] Dieser Bach bildete einen Wasserfall und flofs 

Alaterrae matres, wahrscheinlich keltische dann durch mehrere Haine, in deren einem 

Göttinnen der nährenden Erde, auf einer In- sich das Orakel des Faunus befand. Daher 
Schrift aus Nether Cramond, C. I. L. 7, 1084: 20 heifst es bei Verg. Aen. 7, 8lff. : At rex . . . 

Matrib. Alatervis et matrib. Campestrib. coh. oracula Fawni . . . adit lucosque sub alta con- 

I Tungr. Sie sind wohl mit den gleichfalls sulit Albunea, nemorum quae maxuma sacro 

keltischen Gottheiten Alus und Alantedoba fönte sonat saevamque exhalat opaca mephitim. 

(s. d.) vielleicht auch mit Alateivia u. Alator 'Der König sucht das Orakel des Taunus auf 

(s. d.) etymologisch zu verbinden. Da neben und die Haine unter dem Sturz der Albunea, 

Alus Saturn und neben den Alatervae matres die welche grofs vor den Bächen des Waldes da- 

matres campestres genannt werden, so darf man hinrauscht mit dem heiligen Wasser ihres 

diese Namen wohl alle auf al, alati nähren Quelles und aus dem Dunkel Schwefelgeruch 

zurückführen. [Steuding.] haucht'. Vgl. Servius und besonders Lade- 

Alator, Beiname des Mars auf einer Weih- 30 wig-Schaper z. St.. Die Schönheit des Ortes 

Inschrift m Rooky Wood, Hertfordshire, C. I. L. preist Horat. Carm. 1, 7, 12 ; die domus Albuneae 

85: D. Marti Alatori. Dum (nonius) Censorinus resonantis, die •wiederhallende Grotte der Al- 

Gemelliß.v.s.l.m. Warddenktdabei an casica bunea, lag vielleicht in der Nähe ihres eige- 

Alatorum. S. jedoch Alatervae. [Steuding.] nen Wasserfalles oder bei dem Sturze des 

Alaunius oder Alaunus, Beiname des Mer- Anio.(?) Bormann, altlat. Ohorogr. S. 49 ff. 

curius auf einer Inschrift aus Mannheim, Or.- sucht das von Vergil beschriebene Orakel nicht 

Hemen^S66: Genio Mercur. Alauni lul. Ac. . . in Tibur, sondern bei der Solfatara d'Alßeri 

niusAugustal? ex v. 5. 1 1. m. Wegen der grofsen in der Gegend von Ardea, weil Probus zu Verg. 

Entfernung vom Fundort ist die Ableitung G. 1, 10 sagt: oraculum eins {Fauni) in Albu- 
Henzens von Alauna im Nordwesten, oder von 40 nea, Laurentinorum silva, est. Die Stelle bei 

Alaunium im Südosten Galliens nicht wahr- Vergil wird gewifs fichtig auf Tibur bezogen ; 

scheinlich, aber vielleicht sind diese drei Na- vgl. Servius Verg. Aen. 7, 83. Albunea be- 

men auf einen Stamm zurückzuführen. Dann zeichnete übrigens nach Servius a. a. 0. so- 

dürften die Alounae (s. d.) aus der Gegend wohl die Quelle, wie den Hain. Vergil läfst 

von Salzburg zu vergleichen sein. Die Ver- den König Latinus wegen der Wundererschei- 

bindung mit den Alauni = Alani des Ptolem. nungen, die er an Lavinia beobachtet hatte, 

hat nicht viel für sich. Vgl. Zeufs, Gr. Gelt. dieses hochangesehene Traumorakel aufsuchen. 

774. [Steuding.] In dem heiligen Haine ruhte der Orakelsuchende 

Albloii s. Alebion. während der Nacht auf ausgebreiteten Schaf- 

Albionae. Eine Gruppe römischer Gott- 50 vliefsen und wurde wahrscheinlich unter Ein- 
heiten, die uns nur aus einer einzigen Notiz Wirkung der Schwefeldünste, welche die vor- 
des Paulus (p. 4) bekannt ist, aus welcher wir beifliefsende Albunea aushauchte , in eine Art 
erfahren, dafs ihnen ein Hain in Trastevere Hallucination versetzt. (Vgl. Servius z. St.: 
geweiht war, und sie das Opfer einer weifsen Mephitis proprie est terrae putor, qui de aquis 
Kuh empfingen. Diese wenigen Angaben ge- nascitur sulphuratis , et est in nemoribus gra- 
nügen natürlich nicht, um daraus Schlüsse auf vior ex densitate silvarum). Daier kam es, 
diiT eigentliche Natur dieser Gottheiten zu dafs Albunea selbst als weissagende Nymphe 
ziehen; doch macht es der Umstand, dafs auch aufgefafst wurde, als die Carmentis Tiburs 
im Kulte der Dea Dia das Opfer einer uacca (Servius Verg. Aen. 8, 336), d. i. eben die weis- 
honoraria alba eine Rolle spielt {ygl. Uengen, go sagende Nymphe von Tibur {Servius: antique 
Acta fratrum Arual. p. 20 f. ebenso wird auch vates carmentes dicebantwr); als von Kumä 
der Bona Dea agrestis eine innix alba ge- aus der griechische Sibyllenkultus nach Lati- 
opfert C. I. L. 6, 68), wahrscheinlich, dafs wir um kam , fafste man die Albunea als eine 
es auch hier mit Gottheiten der Ackerflur zu Sibylle auf, und so heifst sie bei Suidas unter 
thun haben. [Wissowa.] ZißvXlai. die zehnte;, Sibylle, ebenso Lactant. 

Albiorix, Beiname des Mars auf einer In- 1, 6, 12, vgl. Creuzer, zur Gesch. altröm. Kul- 

schrift aus Avenio, Or.-Henzen 5867: Marti tur S. 101. Es scheint zu Tibur über sie eine 

Albiorigi Sex. Cornelius etc. Die Endung rix Sage gegeben zu haben, sie habe ihr Orakel- 



225 Alburnus Deus Aleos 226 

buch mitten durch den Anio getragen, ohne Utym. M. Florent. in Millers 'Melanges' p. 21 

dafs die Kolle vom Wasser durchnälst worden "AIS log) b Zeig, dg svra^rj xfig Zvqiag rtfiätai- 

sei. Tibull. 2 , 5. 69 : quasque Aniena sacras -nuqa xo älSaCva, zb avidvm • b sni t»js avl»}- 

Tiburs per flwnina sorles portarit sicco pertu- esmg zS>v v-a^näv Mi&oäiog: Etym. M. p. 58, 

lentque sinu. Vgl. Heyne zu der Stelle {ed. alt. 20 Gaisf. [Crusius.] 

vom Jahr 1777. S. 126. observat. in T.S. 1251). Alebion (MeßCcov), Sohn des Poseidon, in 

Nach Lactantius 1, 6, 12 wurde sie am Ufer Ligurien wohnhaft, welcher samt seinem Bruder 

des Anio zu Tibur göttlich verehrt, noch heut- Derkynos von Herakles erschlagen wurde, weil 

zutage steht in Tivoli über dem Abgrund, in sie es gewagt hatten, ihn der aus Brytheia 
den der Teverone stürzt, ein Tempel der „Si- lo entführten Rinder zu berauben: Apollod. 2, 5, 

bylle" (vgl.Jö;co6j.Efa«dt(/6. unter Albunea), und 10. Pomp. Mela 2, 5, 78 nennt ihn Albion. 

zwar erzählt Laetantivm, dafs das Bild {simula- Wahrscheinlich ist Alebion Eponymos der 

erum) der Sibylle, ein Buch in der Hand hal- von Strabo 202 erwähnten Stadt "Akßcov. 

tend, im Strudel des Flusses gefunden worden [Röscher.] 

sei, eine Angabe, die offenbar mit der von Alegenor (Aksyrjvmq), Sohn des Itonos, En- 

TiömH berührten Sage in Zusammenhang steht. kel des Boiotos, Vater des Klonios, der vor 

Ihre Sprüche (sortes) liefs später der Senat Troja fiel, Diod. 4, 67. Schul. II. 2, 494, wo 

nach Rom bringen und auf dem Capitol auf- der Vater Eteonos, nicht Itonos heifst. [StoU.] 

bewahren. Lactant. a. a. 0. — Servius z. Verg. Alelsios s. Alesios. 

Aen. 7, 84 sagt, dafs Albunea mit dem Gott 20 Alekto (Al[l]riKrcä), eine der Erinnyen (s. d.). 

Mephitis verbunden gewesen sei, wie Venus Vgl. Apollod. 1, 1, 4. Orph. Arg. 971. Hyinn. 

mit Adonis, oder Diana mit Virbius; freilich 68, 2. Cornut. 10. Schol. Eur. Or. 37. 321. 

gilt sonst Mephitis oder richtiger Mefitis für Phot. u. HarpoJcr. s. v. EvfisviSsg. Verg. Aen. 

eine Göttin; z. B. hält man die Mefitis Fisica 7, 324 ö. Teetz. Lyh 406. Theog. 81. 

bei Mommsen, I. N. n. 307 für eine heifse [Röscher.] 

Schwefelquelle. Preller, r. M. (3. Aufl. von Alektor (Alsyttag), 1) Sohn des Anaxago- 

Jordan 1, 113, 3. 448, 3. 2, 144 ff.). Die Sache ras, Vater des Iphis , König in Arges. Apd. 

scheint so zu liegen : Albunea war der latei- 3 , 6 , 2. Paus. 2 , 18,4. — 2) Sohn des 

nische Name für solche Schwefelquellen, eben- Epeios, König in Elis, macht aus Furcht vor 
sogut für die berühmte bei Tibur, wie für die 30 Pelops den Phorbas aus Olenos zum Teilhaber 

weniger bekannte im Gebiet der Laurenter der Herrschaft und zeugt mit dessen Toch- 

(P<-üi>MS a.a.O.). Mefitis bezeichnete wahrschein- ter Diogeneia den Amarynkeus. East. IL -p. 303. 

lieh ursprünglich dasselbe, es ist ein fremder Diod. Sic. 4, 69. — 3) Vater der Iphiloche 

bisher noch nicht erklärter Name: Jordan zu oder Echemela, die mit Menelaos' Sohn Me- 

Preller, r. M. 2, 144. 4 (3. Aufl.). Manche gapenthes verheiratet wurde. Hom. Od. 4, 10. 

übersetzten den Namen Albunea etymologisie- Nach Eust. ad Moni. p. 1479 , 21 Sohn des 

rend mit Leukothea (vgl. Servius Verg. Aen. Argeios und der Hegesandra, Enkel des Pe- 

7, 84), welche letztere ursprünglich mit der lops. Vgl. Pherecyd. b. Schol. zu Od. 4, 22. — 

Albunea wohl nichts zu thun hatte. Wie die 4) Vater des Argonauten Leitos. Apd. 1, 9, 
kalte Schwefelquelle , äpäter ein besuchtes 40 16 (bei Hom. IL 17, 602 Alektryon genannt). 

Heilbad, immer mit aquae Albulae oder mit [Bernhard.] 

Albula bezeichnet wurde {Strabo 5, 238. Paus. Alektryon (AlsKtqvmv), 1) Vater des Argo- 

4, 35. Plin. n. h. 31, 10. Vitruv. 8, 3. Suet. nauten Leitos. IL 17, 602 (vgl. Apd. 1, 9, 16 
Oct. 82. Ner. 31. Martial. 1, 12, 2), so nannte u. Alektor 4). — 2) Ein junger Diener des Ares, 
auch Statius Silv. 1, 3, 75 die Albunea selbst den er sich für seine Besuche bei Aphro- 
Albula: illic sulfureos cupit Albula mergere dite zum Wächter bestellt hatte. Einmal war 
crines. Der Name Albunea hängt wie Albula er eingeschlafen und so die Veranlassung ge- 
mit albus zusammen. Servius Verg. Aen. 7, worden, dafs Helios die Buhlerei zwischen Ares 
83 erklärt richtig: Albunea dicta est ab aquae und Aphrodite entdeckte und dem Hephaistos 
qualitate, quae in illo fönte est. Die Form AI- 50 verriet, der jene mit einem Netz umstrickte 
buna stand früher als Konjektur TibulL 2, 5, und dem Gespött der Götter preisgab. Zur 
69, nicht unrichtig gebildet, vgl. Fortuna, Va- Strafe verwandelte ihn Ares in einen Hahn, 
cuna. Die Albunea hat ein treffendes Analo- Luc. Gall. 3. Eust. ad Hom. 1598, 61. 

gon am 'Al^siög, vgl. G. Curtius, Gr. Etum.* [Bernhard.] 

5. 293. A..Bötticher, Olympia S. 44 f Über Alemon (Alrtfimv), ein Argiver, Vater des 
die Lage der Albunea ist man noch nicht einig. Myskelos, des Gründers von Kroton: Ov. Met. 
Vgl. Bonstetten, Voyage sur la scene des six 15, 19 u. 26. [Röscher.] 

derniers livres de l'Eneide p. 205 ff. Nibby, Alemona s. Indigitamenta. 

Viaggio 1 p. 109. Kephalides, Reisen durch Aleos ('^Itös, auch '^AEcasund'^lfos), l)Grün- 

Italien 1 S. 125. Jacobi, Handwb. unter AI- 60 der und Eponymos vonAlea in Arkadien, Sohn 

bunea. [Wörner.] des Apheidas, Enkel des Arkas, Gemahl der 

Alburnus Deus, ein rätselhafter Gott, dem Neaira, Vater des Lykurgos, Amphidamas, 

M. Ämilius einen Tempel gelobt hatte, wel- Kepheus, der Alkidike und Auge, Teilnehmer 

ches Gelübde jedoch später der römische Senat an der Argonautenfahrt und Erbauer des Tem- 

nicht bestätigte: TerL Apolog. ^. adv. Marc. 1, pels der Athene Alea zu Tegea: Ewrip. b. 

18 (wo Varro Quelle ist). Vgl. Preller, r. M.^ Dion. H. de comp. verb. 26 {fr. ed. N. 697). Ap. 

1, 155, 1. [Röscher.] Bh. 1, 163 u. SchoL (Vgl. auch das Argo- 

Aldemios (AXärtfiiog, Nebenform "AlSog, im nautenverzeichnis b. Ap. Bh. ed. Merkel p. 536, 

Koscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. 8 



227 Alesios Aletes _ 228 | 

11). Apollod. 3, 9, 1. 1, 9, 16. 2, 7, 4. Sfrab. nannte sie /lios KÖQiv^og, weil das Orakel 

615. Diod. S. 4, 33. 68. Paus. 8, 4, 4. 8 ö. von Dodona ihm den Weg zur Broberunff ge- 

Steph. Byz. e. v. 'AUa. [Röscher.] — Auf rö- zeigt hatte. Die Fortsetzung s. u. Hellotia. 

mischen [Münzen ^der Stadt ward Aleos mit Etwas anderes erzählt Flut. prov. 1, 48 p. 328 

Namensbeischrifl (AAE02J) dargestellt Eehhel nach Duris den Hergang mit der Erdscholle: 

2 I 299. Mionnet 2, ,256 No. 73^ [Schreiber.] Als Aletes aus Korinth vertrieben worden war, 

— 2) Thebaüischer Heros : Flut. gen. Socr. 5 versuchte er nach einem Orakelspruche wieder 

(vgl. Flut. Lys. 28). [Röscher.] dorthin zurückzukehren; wie ernun im Lande 

Alesios (JlrjOiog, auch 'Alsiaiog), Eponymos umherzog und einen Hirten um Speise bat, 

und Gründer der II. B 617 u. A 757 erwähn- lo nahm dieser aus seinem Ranzen einen Klofs 

ten Ortschaft 'AlrjCiov oder 'AXeiawv in Elis, (^mlov) und gab ihn dem Aletes; der fal-te 

nach Steph. Byg. s. v. 'Alrieiov entweder Sohn die Gabe als glückverheifsend auf und rief: 

des Skillus und Freier der Hippodameia oder Sejc^tai. v.al ßälov 'Ali^trjg, Aletes nimmt auch 

Sohn des Gargettos und Begleiter des Felops. einen Klofs an. Die Worte bilden einen Hexa- 

Vgl. auch Aristarch b. Schal, z. II. A 1hl (der meterausgang und sind vielleicht einem alten 

ihn 'AXiaiog nennt) und Eust. z. II. B 617. Gedichte entnommen, enthalten aber jedenfalls 

[Boscher.] die früheste Erwähnung des Aletes; nächst- 

Aletai (AXrizai) oder Titanen, zwei Figuren dem folgt Pindar. Ganz ähnlich erzählen He- 

der phönikischen Mythologie bei Fhilo ByM. sydhios (AX-firrig) und Biogenian (4, 27); nur 

fr. 2, 10 {Muller FHG. 3, 567). Dazu Bimsen 20 beziehen sie /Jiog KoQiv&og darauf, dafs die 

p. 36. Movers Phon. 1, 664. [Wilisch.] Erdscholle von Zeus herrührt. Aletes teilte 

Aletes (Alrttrig), 1) Sohn des Hippotes, der die Stadt nach einem Orakelspruch in acht 
durch Phylas und Antiochos ein Urenkel des Bezirke und richtete acht Phylen ein (Suid. 
Herakles war {Apoll. 2, 8, 3. Paus. 2, 4, 3. Kävxce oytzm. Apostol. prov. 13, 93); er unter- 
Schol. Find. Ol. 13, 17). Geboren zur Zeit nahm auch einen Zug gegen Attika, welches 
des Einfalles der Dorer, als sein Vater, eines der Opfertod des Kodros rettete {Gonon. 26); 
Mordes wegen verbannt, ein unstetes Leben dabei wurde Megara dorisiert (Ilerod. 5, 76. 
führte, erhielt er den Namen des „Schweifers" Paus. 1, 39, 4. Schol. Find. N. 7, 155) mit 
{Mym. Magn. 'A^trjg), vertrieb später die Si- besonderer Hilfe der Messenier {Scymn. 504). 
syphiden und die von ihnen beherrschten lonier so Die Eroberung Korinths durch Aletes setzt 
aus Korinth {Ephor. b. Strab. 8, 389. Conon Vell. Fat. {1,1?,) 952 Jahre vor die Zer^örung 
narrat. 26. Vell. Fat. 1, 3) und gründete die durch Mummius , also in das Jahr 1098. Di- 
Stadt von neuem; deshalb heifsen die Korin- dymos {Schol. Find. Ol. 13, 17) läfst ihn erst 
ther naiäBg 'AXdva {Find. Ol. 13, 17) oder 'AXrj- 30 Jahre später als die anderen Herakliden 
ziöai {Schol. Find. Isthm. 2, 19) oder 'Al-rjTiä- kommen (1074), womit die Fassung des Conon 
öai {Callim. fragm. 103 Blomf.). Nach Fausa- (s. o.) übereinstimmt. Anders der auf Apol- 
nias (a. a. 0.) siegte er in einer Schlacht, ver- lodor fufsende Bericht des Siodor {fragm. l. 6 
trieb das Volk, liefs aber Doridas und Hyan- p. 635), nach welchem die Herakliden bei der 
thidas, die letzten Nachkommen des Sisyphos, Teilung Korinth aussondern, den Aletes holen 
die ihm die Herrschaft abtraten, unbehelligt. 40 lassen und ihm die Landschaft übergeben. Er 
In seinem Heere befand sich auch Melas, des war ein hervorragender Mann, erhöhte die 
Antasos Sohn, aus Gonussa bei Sikyon, den er Macht Korinths und herrschte 38 Jahre ; bei 
zuerst, durch ein Orakel gewarnt, nicht hatte Malalas Script. Byz. p. 90 B {Oxon. 111) 
aufnehmen wollen, zuletzt aber doch als Ge- aber 35 Jahre. — Vgl. K. O. Müller,^ Do- 
nossen zuliefs. Der Nachkomme dieses Melas, rier 1, 84 flg. Baoul-Bochette, hist. de Vetahl. 
Kypselos, stürzte später die Bakchiaden, wel- des col. Grecqu. ä, 21. Grote, Gesch. Griech. 
che (freilich wohl mit Unrecht) als Abkömm- 1 , 395. 635 {Meifsner). Weifsenlorn , Hellen 
linge des Aletes galten {^Faus. 2. 4, 4. 5, 18, 41. Duncker, Gesch. d. Alt. 3, 226. E. Cur- 
8). Die Eroberung Korinths erfolgte durch tius, Feloponn. 2, 518. Griech. Gesch.^ 1, 659. 
Verrat der Töchter des letzten Herrschers 50 Wagner , de Bacchiadis Cor. p. 3. Haaeke, 
Kreon, worüber ausführlich das Schal, z. Find. Gesch. Kor. bis z. Sturz d. Bacch. 6. J. Holle, 
Nem. 1, 155 berichtet: Als Aletes um Korinth de Feriandro 4 (der ihn für die Personifiia- 
stritt, befragte er das Zeusorakel in Dodona; tion der Handelsthätigkeit der Korinther hält), 
das verhiefs ihm die Einnahme der Stadt, Wie die Aletai des Philo , der Bergmann in 
wenn jemand ihm eine Erdscholle (das alte Neukarthago und der Kadmos 'Alrjvrig des Non- 
Symbol der Ergebung) überreichen würde; er nos, so ist auch der korinthische Aletes 
solle aber an einem kränzereichen Tage an- eine Gestalt der phönikischen Mythologie, wor- 
greifen. Die Bedingung ging in Erfüllung, auf noch besonders seine Verbindung mit 
als Aletes im Korinthischen einen Landmann Hellotis (s. d.) hinweist; zu dieser steht er in 
um Brot bat und eine Scholle erhielt. Nun 60 gleichem Verhältnis wie Kadmos zur Buropa. 
trat Aletes, als eben in Korinth ein Toten- Phönikischer Einflufs in Korinth ist auch sonst 
fest gefeiert wurde {fniiqa nolvexBcpavog), und mehrfach bezeugt, und vielleicht hängt selbst 
die Bevölkerung bei den Gräbern verweilte, die Einteilung der Stadt in acht Regionen und 
mit den Töchtern des Königs Kreon in Ver- acht Phylen damit zusammen; denn die Acht- 
bindung und versprach der jüngeren sie zur zahl kommt auch in Theben beim Apollo Is- 
Frau zu nehmen, wenn er die Stadt gewinne. menios (Bschmun) in Beziehung auf altphöni- 
Da liefs sich das Mädchen bereden und öff- kischen Kultus vor {Her. 5, 59. Apoll. 3, 4, 2. 
nete das Thor. Aletes nahm die Stadt und Paus. 9, 10, 4. K. 0. Müller, Orch. 220). Nach 



229 Aletheia Alibas 230 

Movers 2, 2, 100 wurden die phönikischen ben ist. Nach Ael. h. an. 8, 11 weidete er 

Kabiren 'AlijtciL genannt, das Etym. magn. setzt als Jüngling die Rinder auf den Abhängen des 

'Al'^Tris geradezu gleich nlavrjTi^g. Dadurch Ossa und war so schön, dafs eine gewaltige 

erklärt sich auch der Vergleich von sieben Schlange sich in ihn verliebte, sein Haar küfste, 

Kämpfern mit den lariQi&fiiOKiiv Kiijratg bei sein Antlitz beleckte und ihm allerlei Gaben 

Norm. Bion. 13, 170. Bondorff, lonier aufEuböa brachte. [Eoscher.] 

S. 28. Die nüchterne Überlieferung über die Alexandra (AXi'gavSqcc), 1) = Kassandra (s. 
Einnahme Korinths vom solygeischen Hügel d.): vgl. Paus. 3, 19, 6. 26, 5 und den Titel 
aus, wie sie Thuc. 4, 42 giebt, liefs einen in- des Gedichtes des Lylcophron: Luc. Lex. 25. 
dividuellen Führer vermissen ; so trat als lo — 2) Amazone auf einer rotfigurigen Vase aus 
Lückenbüfser für den nicht vorhandenen Do- Kameiros im Britischen Museum: Salzmann, 
rerhelden eine seit der Zeit phönikischer Kameiros pl. 58. [Klügmann u. Koscher.] 
Herrschaft am Isthmus heimische astronomische Alexandros (Alii,avSQog) 1) = Paris, Sohn 
Gestalt ein und die Sage wurde dem Bedürf- des Priamos. Wahrscheinlich ist Alexandros 
nis entsprechend umgestaltet. Vgl. Wilisch, die griechische Übersetzung des phrygischen 
Jahrl. 1878 S. 735 flg. und 1881 S. 170 flg. Namens Paris (vgl. Xanthos-Skamandros, Hek- 
Dagegen nimmt Sdnuenck {rJiein. Mus. 6, 280) tor-Dareios. Res. s. v. Jaqetos u. s. w. Curtius, 
an, dafs Äletes keine Beziehung zur Hellotis Grundz. d. gr. Et.^ 278). Nach Apollod. 3, 
hatte, sondern „die verbannten Herakliden be- 5, 12 wurde Paris so genannt, weil er seine 
zeichnete , welche als al^tai aus 'der Fremde 20 Herden vor Räubern beschützt hatte. Alexan- 
zurückkehrten". — 2) Sohn des Ikarios und dros erscheint schon oft in der Ilias, sodann 
der Najade Periboia, Schwager des Odysseus. hei Herod. 1, 3 u. a., namentlich auch inVasen- 
Äpoll. 3, 10, 6. — 3) Sohn des Aigisthos, der Inschriften: C. I. Gr. 4, 3, 17 (Itidices). — 2) 
sich auf die Kunde vom angeblichen Tode des Sohn des Akamas: Steph. Byz. s. v. XvxqoC. 
Orestes des Thrones in Mykenai bemächtigte, — 3) Sohn des Eurystheus, nach Apollod. 2, 
von Orestes aber erschlagen wurde {Hygin. f. 8, 1 von den Athenern im Kampfe mit jenem 
122. 124). — 4) Erfinder des Silberffergbaues Verfolger der Herakliden getötet. [Röscher.] 
bei den Karthagern, dem deshalb göttliche Alexanor (AWgdvcoQ), Sohn des Machaon, 
Ehre erwiesen wurde und ein Hügel bei Neu- Enkel des Asklepios, Bruder des Sphyros. Er 
karthago geheiligt war. Polyh. 10, 10, 11. — 30 baute in Titane beiSikyon dem Asklepios einen 
5) Bejahrter Genosse des Äneas (Verg. Aen. Tempel und hatte daselbst ebenso ^ie Euame- 
1, 121), der den Nisus und Euryalus zu ihrem rion ein Bild, dem man als einem Heros nach 
Vorhaben beglückwünscht (ib. 9, 246). — 6) Sonnenuntergang opferte: Paus. 2, 11, 6 ff. u. 
Beiname des Hippotes (s. AI. 1), der bei Tzetzes 23, 4. Wahrscheinlich ein alter Beiname des 
ad Lyc. 1388 als dorischer Oikist von Knidos Asklepios, der zu selbständiger Bedeutung ge- 
genannt ist. Diod. 5, 9. K. O. Müller, Dar. langte. [Rosoher.] 

1, 124 Anm. — 1) Beiname des Kadmos bei Alexiares (AU^iuQrjs), Bruder des Aniketos, 

Norm. Bion. 1, 321. 4, 225. 13, 350. — 8) Bei- Sohn des Herakles und der Hebe: Apollod. 2, 

name eines Arkaders Bakis aus Kaphye, der 7, 7. Offenbar sind die beiden Söhne aus Bei- 

auch noch Kydas hiefs. Philetas im Schol. 40 namen des Herakles hervorgegangen. Alexia- 

z. Arist. pax 1036 (1071). [Wilisch.] res bezeichnet demnach ungefähr dasselbe wie 

Aletheia (Alri^titt), die personificierte Wahr- 'Als^i^axog oder "Als^ig, 'AviuriTog ist Beiname 
heit, Tochter des Zeus {Pind. Ol. 11, 6 u. des Herakles C. J. Gr. 3817 (vgl. auch den 
Schol. , vgl. auch II. A 526) , nach Philostr. Herakles KaXXCvmog C. I. Gr. 2385 u. öfters). 
Leon. 43 neben Amphiaraos und Oneiros in [Röscher.] 
weifsemGewandedargestellt, vonApellesindem Alexida (AXs^iäcc), Tochter des Amphiaraos, 
Bilde der Verleumdung gemalt (iwcmw. de ca- von welcher die Elasioi ('EXdaioi.), die Ab- 
lumn. 6). Die Römer hielten die 'AXri^scu (Veri- wehrer der Epilepsie, argivische Dämonen, ab- 
tas) entweder für eine Tochter des .gaturnus stammen sollten: Plut. Q. Gr. 23. [Röscher.] 
=^ Kqövog {Plut. Q. Born. 11) oder der Zeit .00 Alexinomos (AXs^Cvofjiog) , Vater des Mela- 
(Tempus): Gell. N. A. 12, 11. Hör. c. 1, 24, 7 neus und Alkidamas, welche Neoptolemos er- 
nennt sie nuda (unverhüllt?). Nach Ael. V. H. legte: Q. Smyrn. 8, 78. [Röscher.] 
14, 34 trug der ägyptische Oberrichter ein Amu- Alexippos (AXs^mTcog), Diener des Memnon: 
lett aus Sapphir am Halse, das Aletheia ge- Q. Smyrn. 2, 365. [Röscher.] 
nannt wurde. Plut. Q. Symp. 3, 9, 2 nennt sie Alexirrhoia (AXs^iqqoi'k und -gorf), Tochter 
eine Amme des Apollon. [Röscher.] des Antandros (?), Mutter des Karmanor von 

Aletis {'AXr}ti.g), Beiname der Erigone, der Dionysos: Schol. II. 24, 497. Plut. fluv. 7, 5. 

Tochter des Ikaros (s. Aletes 2) und zugleich Vgl. auch Nat. Com. 5, 13 p. 497. [Röscher.] 

Name eines Gesanges zu ihrer Ehre. Athen. 14, Alexis (AXs^ig), Sohn des Eleios, Enkel des 

618 jB. Pollux 4, 55. Welcher, Nachtr. zur ßo Poseidon, Bruder des Epeios: Aristot. b. Schol. 

Tril. 224. Fest in Athen und Name eines Ta- 11. 11, 688. [Röscher.] 

ges. Hesyeh. [^Wilisch.] Algea CAlysa), Töchter der Eris, Personifi- 

Aleuas (AXsvag), ein Heraklide in Thessalien, kationen der ans dem Streite hervorgehenden 

Stammvater des alten thessalischen Adelsge- Schmerzen: Hes. Th. 227. [Röscher.] 

schlechtes der Aleuaden : Pind. Pyth. 10, 5 u. Alibas (AXi^ag) ('Totenbach' : vgl. Plut. aqua 

Schol. Theokr. Id. 16, 34. Schol. z. Bern. Ol. an ign. util. 2. Schol. Aristoph. Man. 186 = 
1, 22. Polyaen. 8, 44, wo nach Westermann Bidym. fr. p. 248 Schm.), Strom im Hades: 
{Pauly Bealenc- 1, 704) 'AXsvag zu schrei- Suid. s. v., Etym. M. p. 550, 33 (= Styx). 



231 Aliplieros Alkathaos 232 

Daher die fingierte Phyle 'AUßavrig Lucian. Apollod. 'Ji.iiäd'ove)., 1) Sohn des Pelops und der 
Necyom. 20. [Crusius.] Hippodameia, Bruder des Atreus und Thyestes, 
Alipheros (JUcpriQog) , Gründer der arkadi- Gemahl der Pyrgo und Euaichme, Vater der 
sehen Stadt Aliphera, Sohn des Lykaon, von Periboia, Automednsa und Iphinoe, des Ische- 
Zeus mit seinem Vater und seinen Brüdern polis(Echepolis) undKallipolis. jHes. TÄeo^. 772. 
wegen Gottlosigkeit mit dem Blitzstrahl er- Apullod. 2, 4, 11. 3, 12, 7. Paus. 1, 41, 4. 
schlagen: Apollod. 3, 8, 1. Paus. 8, 3, 4. 26, 42, 4, 6. 43, 4-5. Pind. Isthm. 7(8), 148. 
6. Steph. Byz. s. v. 'AXCtpeiqa. [Röscher.] Apoll. Bh. 1, 517 Schol. Xen. Gyneg. 1, 9. Als 
Alistra (AXCotqa), Mutter des Ogygos von Euippos, der Sohn des Königs Megareus, von 
Poseidon: Tzetg. Lykophr. 1200. [lioscher.] lo dem Kithäronischen Löwen getötet worden 
Alkaie (AlKairf), Amazone auf einer Hydria war, versprach dieser demjenigen die Hand 
in England: Bröndsted vases of Campanari seiner Tochter und die Thronfolge in Megaris, 
n. 28. C. I. Gr. 7573. [Klügmann.] der den Löwen erlegen würde. Auf diesen 
Alkaios {'Altiaios) , 1) früherer Name des Ruf eilt Alkathoos aus Elis herbei, tötet den 
Herakles : Diod. 1 , 24. 4, 10. S. Emp. adv. Löwen, stiftet darauf der Artemis Agrotera und 
dogm. 3, 36. Ael. i). h. 2, 32. Bio Chrys. or. dem Apollon Agraios einen Tempel und erhält 
31 p. 338 Jf. Auch Beiname desselben: C.I.Gr. die Euaichme als Gattin und später die Nach- 
1759. 5984 B. (vgl. 'AXv.eCS^l; ib. 3123. 6303. folge auf dem Throne. Auch galt er für den 
'Al'iuöjjs 1167). — 2) Sohn des Herakles, Ahn- Wiederaufbauer der Mauern von Megaris, nach- 
herr des lydischen Königs Kandaules; Herod. £o dem diese' durch die Kreter zerstört waren. 
1, 7. Suid. Diod. 4, 31 nennt ihn Kleolaos. Bei diesem Bau opferte er als der erste den 
S. Agelaos und Acheles (Akeles). — 3) Göttern, welche nQoSgoiisig genannt wurden, 
Sohn des Perseus und der Andromeda , Ge- und Apollo selbst war ihm beim Bau behilf- 
mahl der Hipponome (Tochter des Menoikeus lieh. Noch zu Pausanias' Zeit zeigte man den 
aus Theben), Vater des Amphitryon und Altar jener Götter und den Stein, auf welchen 
der Anaxo: Hesiod. Sc. 26. Apollod. 2, 4, 5. Apollo während jenes Baues seine Zither ge- 
Schol. JSur. Hek. 886. Nach Paus. 8, 14, 2 legt haben sollte; warf man auf diesen einen 
war seine Gemahlin Laonome, Tochter des kleinen Stein, so tönte er wie eine geschla- 
Guneus aus dem arkadischen Pheneos , oder gene Zither. Paus. a. a. 0. Ou. met. 8, 14 ff. 
Lysidike, Tochter des Pelops. — 4) Sohn des so trist. 1, 10, 39 ff. Ps.-Verg. Cir. 104 tt". Anfh. 
Androgeos, Enkel des Minos, mit seinem Bru- Pal. 2, 297, p. 711. Nach Apoll. Bh. a. a. 0. 
der Sthenälos von Herakles, nachdem er seinen mufste Alkathoos wegen des Mordes seines 
Vater und dessen Bruder getötet hatte, ent- Bruders Chrysippos aus Megara fliehen und 
führt und mit der Herrschaft über Thasos be- während er sich aufmachte , sich eine neue 
lehnt: Apollod. 2, 5, 9. C. I. Gr. 5984 C. Nach Wohnstätte zu suchen, traf er auf den Löwen, 
Diod. 5, 79 war er einer der Heerführer des zu dessen Tötung auch noch andere gleichzeitig 
Rhadamanthys und erhielt von diesem die Insel ausgeschickt waren. Er bezwingt ihn, schneidet 
Paros zum Geschenk. — 5) Trojaner, von Me- ihm die Zunge aus (vgl. d.Tristansage)und kehrt 
ges getötet: Q. Smyrn. 10, 138. [Röscher.] nach Megara zurück. Als nun die Ausgeschick- 
Alkaudre ( AX-uävÖQri) , Gemahlin des Poly- « ten mit dem Anspruch zurückkehren, ihnen ge- 
bos im ägyptischen Theben: Od. 4, 126. Ath. bühre das Verdienst, das Land von dem Un- 
191b. [Röscher.] gethüm befreit zu haben, widerlegt sie Alka- 
Alkaudros CAlKccväQog) , 1) Lykier: II. 5, thoos durch Vorzeigung der Zunge des Löwen. 
678. — 2) Sohn des Trophonios in Lebadea: Dem Alkathoos zu Ehren feierte man inMega- 
Gharax b. Schol. Ar. Nub. 508. — 3) Ein Ge- ris Spiele {'Aluäd-oia Pind. Nem. 5, 84 u. Schal,), 
fährte des Äneas, von Turnus erlegt: Verg. nach seinem Namen war die Burg von Mega- 
Aen. 9, 767 (vgl. II. 5, 678). — 4) Sohn des ris benannt und in der Nähe des Apollotem- 
Molosserkönigs Munichos und der Lelante, pels war sein Heroon. Ebenda war ein Grabmal 
ebenso wie sein Vater ein trefflicher Seher. des Kallipolis, welchen der Vater mit einem 
Als einst seine ganze Familie (darunter seine 50 brennenden Scheite beim Opfer getötet hatte. 
Geschwister Megaletor , Philaios , Hyperippe) Als nämlich sein Bruder Ischepolis bei der 
von Räubern überfallen wurden und ihre Burg Kalydonisohen Jagd umgekommen war , eilte 
in Brand gesteckt wurde, rettete Zeus die we- Kallipolis, der dies zuerst hörte, zu dem Vater 
gen ihrer l'römmigkeit von ihm geliebten Men- Alkathoos , brachte ihm die Trauerbotschaft 
sehen vor dem Peuertode dadurch, dafs er sie und rifs dabei das heilige Opferfeuer auseinan- 
alle in Vögel verwandelte. So wurde Hyperippe der. Im Zorn darüber und in dem Glauben, 
ein Taucher (aSS'Di«) , Munichos ein Falke dafs sich Kallipolis habe an dem Gotte ver- 
(rgiögjjjjs), Alkandros ein Zaunkönig {oqx^^^s), sündigen wollen, tötete ihn der Vater. Paiis. 
Megaletor und Philaios zwei kleine Vögel Na- 1, 42, 4ff. — 2) Sohn desPorthaon und der 
mens ixvevjimv und kvhov , die Lelante ein go Buryte. Apollod. 1, 7, 10. 8, 6. Quint. Sm. 
Baumspecht («ijtai). Anton. Lib. 14,. [Röscher.] 10, 352. Nach Paics. 6, 20, 17. 21, 10 war 
Alkauor {'AliiäviaQ, lat. Alcanor), 1) Troja- er einer von denen , die Oinomaoa bei der 
ner vom Idagebirge, Vater des Pandarns und Bewerbung um seine Tochter tötete. Nach J.j>oZL, 
Bitias , welche den Aneas begleiteten: Verg. §. Sinj/i-w. u. Dtorf. 4, 65 tötete ihn Tydens, doch 
Aen. 9, 672. — 2) Ein Rutuler, welchen Ai- war nach dem Schol. zu IL 14, 120 dies ein 
neiaa verwundete: Verg. Aen. 10, 3S8. [Röscher.] Sohn des Agrios. — 3) Sohn des Aisyetes, 
Alkathoe s. Alkithoe. • ein Führer der Troer im trojanischen Kriege. 
Alkathoos ('AXxäd'oog; die Prosaiker aufser IL 12 , 93 ist er im Verein mit Paris und 



233 



Alke 



Alkestis 



234 



Agenor Anführer der zweiten Ordnung beim 
Sturm auf die Schiffsmauer; Gemahl der Hip- 
podameia, der ältesten Tochter des Anchises. 
11.13, 427. 466; nach der letzteren Stelle war 
er Erzieher des Aineias und wurde von Ido- 
meneus mit Poseidons Hilfe beim Kampfe um 
die Schiffe getötet. Nach Quint. Sm. 3 , 158 
fällt __er durch Achilleus. — 4) Ein Begleiter 
des Äneas , von Cädicus getötet, Verg. Aen. 
10, 747. [Bernhard.] 

Alke (Ahiri), 1) Tochter des Olympos und 
der Kybele I)iod. 5, 49. — 2) Amazone in Tra- 
,ians Gedicht: Anthol. lat. n. 392 Biese. — 3) 
Hund des Aktaion: Hyg. F. 181. Ov. met. 3, 
217 (vgl. Xen. Gyn. 7, 5. Colum. r. r. 7, 12.) 

[Röscher.] 

Alkeides CAlv.U8r]g, dor. -ag, lat. Aleides), 
Beiname des Herakles (s. d.), des Enkels von 
Alkaios oder Alkeus (s. d.), auch des Amphi- 
tryon (s. d.), des Sohnes des Alkaios: Hes. sc. 
112. Kallim. Vian. 145. OrpJi. Arg. 297. Q. 
Smyrn. 6, 222. 292. Anth. 14, 4 ö. C. I. Gr. 
1167. 3123. 6303. Verg. Aen. 5, 414 ö. Nach 
Apollod. 2, 4, 12 war Alkeides früherer Name 
des Herakles, der auch Alkaios hiefs (C I. Gr. 
1759. 5984 D). [Koscher.] 

Alkeis CAXv.riis), Tochter des Antaios: Pj- 
sand. b. Scliol. Find. P. 9, 183. [Röscher.] 

Alkestis ('Alv.riazis), Tochter des Pelias und 
der Anaxibie {Hygin. f. 51), zeichnete sich vor 
ihren Schwestern (Amphinome und Euadne 



ihres Vaters teil, zu welcher die Peliaden von 
Medeia überredet waren (vgl. dagegen Palaiph. 
de incred. c. 41). Von ihren vielen Freiern 
erhält Admetos, König von Pherai, den Vor- 
zug, weil er das Gebot des Pelias erfüllt und 
(mit Hilfe des Apollon) Eber und Löwen vor 
den Wagen spannt. Nach Diod. 4, 53, 2 wird 
sie erst nach dem Tode des Pelias durch lason 
mit Admetos verheiratet, wohl um denWider- 

10 Spruch zu beseitigen, der zwischen ihrer frü- 
heren Vermählung und ihrer Gegenwart beim 
Tode des Pelias liegt. Als ihr Gatte sterben 
soll und sich niemand findet, der freiwillig für 
ihn in den Hades zu gehen übernimmt, erklärt 
sich Alkestis bereit {Eurip. Alkestis). Sie stirbt, 
doch Herakles, der an demselben Tage nach 
Pherai kam, auf dem Wege nach den Rossen 
des Diomedes begriffen, ringt sie dem Tod 
beim Grabmal ab und führt sie dem Admetos 

20 wieder zu. So wohl schon Phrynichos {fragm. 
trag. Phryn. 2 u. 3), nach ihm Euripides ; nach 
andern wird Alkestis von Herakles aus dem 
Hades geholt {Luc. dial. mort. 23 kuI vijv 
ofioyivri jiov "AlKrjOtiv nagBitiiiipaTS 'HqayiXtl 
XaQi^OfiEvoi, vgl. Apollod. 1, 9, 15 "AiSij liccxs- 
adfi8vog , Hygin. f. 51 Hercules ab inferis re- 
vocavit), oder sie wird von der Persephone 
wegen ihrer Gattentreue wieder zurückgesandt 
{Plat. Symp. 179 0. Apollod. 1, 9, 15. Hygin. 

30 /'. 51. 251. Schot Aristoph. Vesp. 1239, vgl. 
noch'ijtc. de luctu 4). Sie wurde als eine der 




Alkestis auf d. Kiankenlager , Mittelstüok d. Sarkophagreliefs in Villa Albani (s. S. 286 Z. 32). 



nach Diod. 4, 53, 2, Pelopia, Medusa, Peisidike, 
Hippotboe nach Hygin. f. 24, auf dem Bilde 
des Mikon, wohl dem in Athen im Tempel 
der Dioskuren befindlichen, Asteropeia und 
Antinoe genannt nach Paus. 1, 18, 1 u. 8, 11, 
2) durch Schönheit {Hom. B 714 äia ywamätv 
— IlMtiO &vyaT^äv elSog dqiarrj) und Fröm- 
migkeit aus {Diod. 4, 52, 2). Sie allein nahm 
nicht an der Ermordung und Zerstückelung 



60 edelsten Frauen im Hades neben Penelope, 
Euadne und Laodameia gefeiert, vgl. Athen. 
13, 559 G. Aelian. var. hist. 14, 46. de nat. 
an. 1, 15. Propert. 2, 5, 16. Tzetzes Antehom. 
238. Pragmatisch wird der Mythus erklärt 
von Plutarch. amat. 18. Palaeph. de incred. 
hist. 41. — Der Mythus der Alkestis wurde viel- 
fach auf der Bühne vorgeführt, vgl. Juven. 6, 
662 spectant subeuntem fata mariti Alcestim; 



235 Alkeus Alkimedusa 236 

als Stoff eines Pantomimus nennt ihn Lucian des korinthischen Heros Bunos. Kwuelos bei 
de Salt. 62. Paus. 2, 3, 10. Als „Binspannerin, ein weib- 
Über Darstellungen der Alkestis bei der Hoher Triptolemos" erklärt von iVeJcIcer gu 
Ermordung des Pelias s. u. Peliaden, Alkestis Schweneics Andeut. 326. [Wilisch.] 
bei den Leichenspielen des Pelias, allein von Alkidike (AIkiSUti), Tochter des Aleos, (Je- 
den Peliaden benannt, auf dem Kasten des mahlin des Salmoneus, Mutter der Tyro, Apdl- 
Kypselos, Paus. 5, 17, 11. Admet und Alkestis, lod. 1, 9, 8. Biod. 4, 68. Hellanikos b. Schol. 
die auf den Tod des ersteren bezügliche Orakel- Plat. p. 376. Tgete. L. 175. 872. [Stoll.] 
rolle empfangend, pompejanische Wandgemälde Alkimache ('JlMiidxrj), 1) Tochter des Aiakos, 
nicht sicherer Deutung : ifrffcjgr, TFowdgfem. 1157 10 von O'ilens Mutter des Medon, eines Stief- 

— 1161. Sogliano, le pitture murali eampane bruders des Lokrers Aias, Schol. II. 13, 694. 
(in: Pompei, Ja regione sotterrata dal Vesuvio, Nach II. 13, 697. 15, 336 war die Stiefmutter 
Napoli 1879) Nr. 506, vgl. Bull. d. Inst. 1877 des Medon, die Mutter des Aias, Eriopis, nach 
S. 27. 1879 S. 69. Sicher nicht hierher gehört Hellanikos Eriope; aber nach Porphyrion, Phe- 
Stephani, Compte rendu de St. Petershourcj 1860 rekydes und Mnaseas war des Aias Mutter 
Taf. 2. Abschied der Alkestis von Admetos, Alkimache, die Tochter des Phylakos. Der 
etruskisches Vasenbild, Ärch. Zeit.\%6i T. 180; Verf. der Naupaktika sagte, des Aias Mutter 
vielfach auf etruskischen Urnen, vgl. DiitscMe, habe zwei Namen gehabt, Eriope und Alki- 
Antike Büdwerhe in Oleritalien unter Alkestis, mache. Schal. 11. 15, 333. 336. — 2) Alkimache 
doch ist ihre Zugehörigkeit nicht sicher. Ab- 20 und Alkimaoheia, eine Mänade aus Lemnos, 
schied und Eückkehr unter Geleit des Herakles Tochter des Harpalion, Begleiterin des Diony- 
auf römischen Sarkophagen, vgl. K. Dissel, der sos nach Indien , wo sie durch Morrheus fiel, 
Mythos von Admetos und Alkestis , seine Ent- Nenn. Dien. 30, 192. 210. — 3) Beiname der 
stehung und seine Darstellung in der bildenden Athene, Suid. s. v. [Stoll.] 

Kunst, Brandenburg 1882, 4 (Schulprogramm), Alkimede {'AlmfisSrj), Tochter des Phylakos 

S. 12, und die Recension desselben Philolog. und der Klymene, der Tochter des Minyas, 

Bundschau 3 S. 270 {Dütschke). Doch mit tJn- eine Schwester des Iphiklos, Gemahlin des 

recht nimmt er die von K. Bobert, Thanatos Aison, Mutter des lasen, Ap. Bh. 1, 45. Phe- 

39 , Winckelmanns-Progr. Berlin 1879 aufge- rekydes b. Schol. Ap. Bh. 1, 45. 230. Schol. 

stellte Deutung des ephesischen Säulenreliefs 30 Od. 12, 69. Hyg. f. 13. Ovid. Heroid. 6, lOs! 

als sicher an. Vgl. noch Mats, antike Bildw. Bei Hyg. f. 14 wird statt Olymene zu schrei- 

in Born unter Alkestis. Der eingefügte Holz- ben sein Clymenes, s. Aison, Jason. [Stoll.] 

schnitt, das Mittelstück eines in der Villa AI- Alkimedes (AlKi/iiärig), ein Genosse des Lo- 

bani (No. 140) befindlichen Sarkophagreliefs, krischen Aias vor Troja, Quint. Sm. 6, 557. 

zeigt Alkestis auf dem Krankenlager, wie sie [Stoll.] 

dem Pädagogen eine Rolle, ihren letzten Wil- Alkimedon (Alv.iiisScav) , 1) ein arkadischer 

len , übergiebt.; vor dem Bett jammern ihre Heros, von welchem eine Ebene im Gebiet von 

beiden' Kinder, hinter der Kline stehen zwei Mantineia den Namen hatte, Vater der Phialo, 

Dienerinnen; die Figur des Admetos erblickt mit welcher Herakles den Aichmagoras zeugte! 

man rechts, wahrscheinlich dem Herakles ent- 4o Mutter und Kind wurden von Alkimedon im 

gegen eilend (das Rpief ist unvollständig); vgl. benachbarten Gebirge ausgesetzt; aber Hera- 

Zoega bass. ant. fi , 43. Miliin Gal. myth. kies fand sie auf, geleitet von den klagenden 

108, 428. Tönen eines Hähers (Ki'aea). Danach wurde 

Nach K. Dissel, der frühere Deutungen des eine Quelle Kiaea, Häherquelle, genannt, die 

Mythos zurückweist, ist Admetos der Sonnen- in der Nähe von der Höhle des Automedon, 

gott, und Alkestis, „die Strahlende", ist die wo dieser gewohnt haben sollte, entsprang! 

Morgenröte; zugleich soll sie aber auch das Paus. 8, 12, 2. Curtius Pelop. 1, 243. 269, 

abendliche Halbdunkel (Abendrot?) bedeuten, 12. Bursian, Geogr. 2, 207. 214. — 2) Einer 

was für den Gatten stirbt, damit er am an- der tyrrhenischen Schiffer, die den Bakchos 

dem Morgen in neuem Glänze im Osten auftau- so entführen wollten imd deswegen in Delphine 

chenkann. [Vgl. auch C. J. ör. 231. 6047.6235. verwandelt wurden, Ov. Met. 3, 618. Hyg. f. 

6336. R.] I^Engelmann.] 134. — 3) Sohn des Laerkes und ein Anführer 

Alkeus {Alnsvg, Grundform zu 'AlKSt'örig), der Myrmidonen unter Patroklos, II. 16, 197. 

Vater des Amphitryo nach Suid. s. v. 'AX-usi- Als dieser gefallen war und Automedon allein 

drig, identisch mit Alkaios, s. d. [Crusius.] auf dem Schlachtwagen Aes Achilleus stand, 

Alkibie {'Alyußirj), Amazone im Gefolge der übergab er dem Alkimedon die Leitung der 

Peuthesileia vor Troja, von Diomedes getötet, Rosse, um selbst zu Fufs zu kämpfen II 17 

Quint.^ Sm. 1, 45. 260. [Stoll.] 466 fif. — i) Ein Genosse des Lokrers Äias! 

Alkidamag (JlmSäiias) , 1) Vater der Kte- Er versuchte bei dem Kampf gegen die Mauer 

sylla (s. d.), wohnhaft auf der Insel Keos, eo von Troja auf einer Leiter hinaufzusteigen; 

Anton. Lib. 1. Ov. Met. 7,369; vgl Akontios. aber Aineias zerschmetterte ihm mit- einem 

— 2) Sohn des Alexinomos, wohnhaft in Kau- Steine das Haupt. Quint. Sm. 11, 547 S. 
nos, mit seinem Bruder Melaneus vor Troja [Stoll.] 
von Neoptolemos getötet, Quint. Sm. 8, 77. — Alkimedusa (AlKtiisSovea), eine Tochter des 
3) Em Mysier, Sohn des .Aktaios, von Neopto- lykischen Königs lobates , die er dem Belle- 
lemos vor Troja erlegt, Tgetg. Posth. 556. rophon zur Ehe gab. Sie wurde auch.Kassan- 

,^.^ , [Stoll.] dra genannt. Schol. II. 6, 192, vgl. Schol. II. 

Alkidameia (JAMtäcffttia), von Hermes Mutter 6, 155. [Stoll.] 



237 Alkimenes Alkinoos 238 

Alkinieues (AlKiiisvrjg), 1) Sohn des Glaukos (7, 69), deren verständiges Urteil auf seinen 

zu Korinth, von seinem , Bruder Bellerophon Entschlufs von bedeutendem Einflüsse ist. 

unvorsätzlicher Weise getötet. Er heifst auch Freundlich nimmt er den armen Schiffbrüchi- 

Deliades oder Peiren. Apollod. 2; 3, 1. Tzets. gen auf und thut alles, ihm sein trauriges 

L. 17 p. 293 Müller. — 2) Einer der Söhne Los zu erleichtem (7, 186fF. 8, 28flF. 248. 546flf.). 

des lason und der Medeia , zu Korinth er- Scharfsinnig erkennt er , nachdem er sich da- 

zcugt. Als lason sich mit der korinthischen von überzeugt hat, dafs OdysseuR nicht, wie er 

KönigstochterGlauke vermählen wollte, wurden zuerst vermutet (7, 199), ein Gott sei, in dem 

von Medeia seine Söhne Alkimenes und Tisan- Fremden den~^bedeutenden Mann und wünscht 

dros (der dritte, Thessalos, entfloh) ermordet lo ihn sich zum Eidam (7, 313). Teilnehmend 

und im Heiligtum der Hera von den Korin- und rücksichtsvoll gegen den noch nicht er- 

thiern begraben. Diod. 4, 54. 55. [Stoll.] kannten Gast, läfst er den Demodokos, als er 

Alkiinos CJXv-l(ii,os), 1) Sohn des Hippokoon, merkt, dafs dessen Gesänge in dem Fremd- 
der zu Sparta ein Heroen hatte, Paus: 3, 15, linge traurige Erinnerungen wachrufen, den Ge- 
2. ATkinoos bei Apollod. 3, 10, 5. — 2) Ein sang abbrechen (8, 94. 9, 533), und in gleicher 
Myrmidone, Wagenlenker des Achilleus, II. 19, Weise sucht er den ausbrechenden Zorn des 
392. 24, 474. — 3) Vater des Ithakesiers Men- Odysseus (8, 536) und die Verstimmung der 
tor. Od. 22, 235. — 4) Sohn des Neleus, Schal. Phäaken durch Gesang und Tanz zu be- 
II. 11, 692. — 5) Grieche vor Troja, von De'i- schwichtigen. Einsichtig und vernünftig er- 
phobos getötet, Quint. Sm. 11, 86. — 6) Ein 20 kennt er die Vorzüge anderer an und ist Feind 
sehr frommer und milder König von Lydien, stolzer Selbstüberhebung (8, 236); seine Unter- 
unter welchem tiefer Friede und grofse Wohl- thanen lehrt er diese Fehler ablegen (8, 538). 
habenheit herrschte, Xanthos b. Suid. v. Säv- Höchst zartfühlend vermeidet er es anfangs 
9os [vgl. C. I. Gr. 3064. E.']. — 7) Ge- den Fremden nach Namen und Herkunft zu 
mahl der Areta, Philostephanos b. Et. M. v. fragen; er verspricht ihm die Heimkehr, ohne 
'Agsräv, wo Sylh. 'Äkmvov schreibt statt 'AXv.C- zu wissen, wen er vor sich hat, und selbst frei- 
fiot). [Stoll.] gebig fordert er auch die Fürsten zu Geschenken 

Alkinoe (AI-aivoti), 1) Tochter des Sthenelos für den verständigen Fremdling auf (8, 389 u. 
und der Nikippe, von mütterlicher Seite Enke- 13, 13). Erst spät ersucht er den Ankömm- 
lin des Pelops , Schwester des Eurystheus, 30 ling, seinen Namen zu nennen, doch auch dies 
Apollod. 2, 4, 5. — 2) Eine Nymphe, deren geschieht in aufserordentlich feiner, rüoksichts- 
Bild sich an dem Altar der Athene zu Tegea voller Weise (8, 550). Hat er ihm schon vor- 
befand. Paus. 8, 47, 2. — 3) Tochter des Ko- her die Rückkehr versprochen und Anstalten 
rinthiers Polybos, Gattin des Amphilochös, dazu getroffen, so bekümmert er sich nunmehr 
des Sohnes des Uryas. Da sie einer Weberin persönlich darum, ob seine Befehle in genü- 
Nikandra den schuldigen Lohn verweigerte, gender Weise ausgeführt worden seien. Vor- 
so veranstaltete Athene, an die sich Nikandra sorglich besichtigt er in eigner Person das 
gewendet, dafs sie sich in einen Samier Xan- Schiff, welches den Odysseus nach Hause bringen 
thos verliebte und mit diesem, Haus und Kind soll (13, 20). Der Adel seines Charakters er- 
verlassend, entfloh; aber unterwegs sprang sie, 40 hellt aber am besten aus dem Umstände, dafs 
von bitterer Reue ergriffen, ins Meer. Parihen. er den Odysseus entsendet, obgleich er weifs. 
Erat. 27. [Stoll] dafs ihm die Heimsendung arges Übel bringen 

Alkinoos ('Alyiivoos). 1) Der homerische kann (vgL Plin. 4, 12, 19 u. Procop. B. G. 

Alkinoos, König in dem Lande der Phäaken, 4, 22). Noch jetzt zeigen die Einwohner von 

die selig leben wie Götter (Od. 5, 35) auf der Korfu allen Fremden von Kanoni aus die kleipe 

nördlich von Ithaka gelegenen Insel Scheria, «inem Schiffe gleichende Insel Pontikonisi 

einem fabelhaften, durch Reichtum ausgezeich- als das in Stein, verwandelte Fahrzeug der 

neten, wunderbaren Lande (5, 37), ist ein Enkel Phaiaken. Gleich hier füge ich die von der 

des Poseidon (vgl. 13, 130) und Sohn des Nau- homerischen Sage abweichende Darstellung 
sithoos, welcher durch die ihm überlegenen so des Dictys 6, 6 bei. Daselbst erfährt Ulixes 

Kyklopen aus der Heimat Hypereia vertrieben, bei Alcinous die Zustände, welche bei ihm 

die Phäaken nach Scheria führte, die Stadt zuhause herrschen. Deshalb überredet er den 

erbaute und das Land verteilte, Gemahl der König, ihn nach Ithaka zu begleiten, um 

Arete, seiner Nichte, seines jungverstorbenen die Unbill zu rächen. Dies geschieht, und 

Bruders Rhexenor einziger Tochter, Vater von beide töten mit Telemach zusammen die trun- 

fünf Söhnen (6, 62), des Laodamas (7, 170), kenen Freier. Telemach aber heiratet die 

Halios und Klytoneos (7, 123) und einer Toch- Nausikaa. In einer Komödiensoene einer unter- 

ter, der Nausikaa (6, 17). Mit Weisheit von italischen Vase Ann. d. Inst. 1859. p. 384. 

den Göttern ausgerüstet (6, 12. 7, 13) waltet Mon. ined. 9, 35, 2 erkennt Wieseler die Auf- 
er der Herrschaft, hoch wie ein Gott im phä- 60 nähme des Odysseus durch Alkinoöa und Arete. 

akischen Volke geachtet (7,11), und wird von Alkinoos in der Argonautensage, 

den Unsterblichen geehrt, welche ihm und . Schon Strdbo 1, 21 setzt ausführlich aus- 

seinem Volke sichtbar erscheinen (7, 201). Ruhi- einander, dafs der Dichter der Odyssee die 

gen, gleichbleibenden Gemütes (7, 301) nimmt Fahrt des lason nach Aia, die Sagen von der 

er, obgleich er sich seiner Herrscherwürde und Kirke und Medeia etc. aus älteren Liedern ge- 

der damit verbundenen Pflichten wohl bewufst kannt habe (vgl. Od. 12 , 70. //. 7, 467. 21, 

ist (11, 353), doch von älteren Fürsten Rat an 41. 23, 747. Od. 10, 108. Od. 11, 256. Apollon. 

(7, 155). Hoch achtet er seine Gemahlin Arete Eh. 1, 957 u. Schol. Orph. Arg. 496. Müller, 



239 Alkinoos , Alkiopos 240 

OrcÄomewos p. 278); es ist daher nicht unmög- Königs stattgefunden. Die Erzählungen des 
lieh, dafs schon die alte Argonautensage von Apollodor 1, 9, 25 u. Hypin. 23 bieten nichts 
einem Besuche der Argonauten auf der von Neues. Zur Erinnerung aber an die gerechte 
der Phantasie der Dichter mit allen Wundern Entscheidung des Alkinoos («ara zov vöfioir) 
ausgestatteten Phaiakeninsel und dem daselbst stiftete Medeia dem Apollo Nomios auf der 
gebietenden Könige erzählt und vielleicht auch Insel ein Heiligtum nach Schol Apoll. 4, 1218. 
Homer der alten Sage manche Züge entlehnt Die Deutung der Vase von Ruvo (Jahn Münchn. 
hat. Apollonius Bhodius aber in den Argonau- Vas. 804), nach Panoßa, arch. Ztg. 2 p. 256 
tika und der ihm folgende Pseudoorpheus in die Aufnahme der Argonauten auf Kerkyra 
dem Gedichte gleichen Namens halten sich in lo darstellend, ist nicht haltbar, vgl. Pyl, de Me- 
der Hauptsache an die homerische Erzählung; deae fabula Berol. 1850 p. 18 ff. und die Lit- 
betreffs der Besuche der Argonauten bei Alki- teratur des Sagerikr. der Medea Ztschrift f. 
noos aber berichten sie folgendes : Zu Alkinoos A. W. 1854 n. 51—54. 61-63. F. Vater der 
dem Sohne des Phaiax, Enkel des Poseidon Argonautenzug Kasan 1845. S. auch ' den 
und der Kerkyra, der entführten Plufstochter Artikel Argonautenzug. Über den Antritt der 
von Phlius, nach welcher die Insel genannt Herrschaft des Alkinoos berichtet endlich 
wurde (Hellan. bei Steph. v. ^aia^ {fr. 44). Conon narr. 3 {Westerm. Mpthogr. 125) fol- 
Apollon. 4, 567. Biodor. 4, 72. Pausan. 2, 5, gendes. Nach dem Tode des Phaiax, des 
2. 5, 22, 5. Steph. v. ZxsQi'a. Schol. Odyss. 5, Königs von Scheria, gerieten seine beiden Söhne 
35. 13, 10), König der die Insel Drepane (im 20 über die Nachfolgerschaft in Streit, einigten 
keraunischen Meere am Eingange des io- sich jedoch dahin, dafs Alkinoos in Ithaka 
nischen Meeres) bewohnenden von Zeus ab- König wurde, Lokros aber mit dem Schatze 
stammenden Phaiaken (Apoll. Bh. 4, 990 ff.), und einem Teile des Volkes nach Italien aus- 
kommen die vor den Kolchern flüchtenden Ar- wanderte und Lokroi stiftete. Das Schol. z. 
gonauten und werden gastlich aufgenommen. Theokr. 4, 32 hingegen nennt als Bruder des 
Da erscheinen die Kolcher und fordern Heraus- Alkinoos Kroton , welcher Stifter der gleich- 
gabe der Medeia. Im Weigerungsfalle drohen namigen Stadt wird. Alkinoos hatte auf Ker- 
sie mit Kampf. Diesen verhindert jedoch AI- kyra einen Tempel und wurde als Heros ver- 
kinoos, gewillt auf friedliche Weise den ehrt (Thuk. 3, 70); nach JEustath. zu. Dion. 
Streit beizulegen (1010). Medeia aber nimmt 30 Per. 492 war ein Hafen der Insel nach ihm 
ihre Zuflucht zur Arete und den Phaiaken, benannt. Die verschiedenen Ansichten über 
welche voll Kampfbegier ihre Hilfe zusagen. die ursprüngliche Bedeutung des Volkes, wel- 
In der darauf folgenden Nacht beraten sich ches Alkinoos beherrscht, hat Welcher, Kl. 
Alkinoos und Arete über das Geschick der Sehr. 2 p. Iff. zusammengestellt und beur- 
Jungfrau, Wie nun die Königin den Ge- teilt. Er selbst erklärt sie als „die Pähr- 
mahl mit Bitten angeht, der Medeia zu hei- männer des Todes in irgend einer auslän- 
fen, offenbart er ihr, dafs er folgenden Schieds- Jäisch entfernten Religion und Sage, die, in 
Spruch fällen werde. Sei Medeia noch Jung- / die hellenische Heldenpoesie gezogen , eine 
frau, 80 werde er sie den Kolchem zusprechen; schöner erfundene Beziehung nie erhalten konn- 
im entgegengesetzten Falle werde er sie dem 40 ten als die, den geprüften Dulder Odysseus 
lason lassen (1007). Darauf entschlummert nach allen Seefahrten in seine oberirdische 
er. Arete aber beeilt sich, einen Boten an Heimat zurückzubringen" p. ] 5 ff. Mit 'AX^ivov 
lason zu schicken mit der Weisung, sich so- ästo^oyot bezeichnete man späterhin entweder 
fort mit der Medeia zu vermählen, sich aber eine erdichtete Erzählung (Plato Polit. 10 
nicht an den Alkinoos zu wenden, da dieser p. 614 6), die an das Wunderbare streifte (Lu- 
entscheiden werde, wie sie ihm mitteile. In cian var. hist. 1, 3. Lyhophr. 764 u. Tzetz.) 
der Höhle der Makris wird das Beilager oder lange Reden insgemein(Po?Z. 2, 118. 6, 120). 
gefeiert. Als ihm dies bekannt geworden, — 2) Alkinoos, Sohn des Hippokoon, wurde 
entscheidet Alkinoos, unbekümmert um die von Herakles, als er den von Hippokoon aus 
Drohungen des Aietes, dessen grofse Macht 50 Lakedaimon vertriebenen Tyndareos zurück- 
ihm wohl bekannt ist, zu gunsten des lason. führte und wieder in die Herrschaft einsetzte, 
Die Kolcher aber, den Zorn ihres Königs furch- samt seinem Vater und seinen elf Brüdern 
tend, bitten um Aufnahme in Scheria, die ihnen erschlagen, JLpoZ?o<i. 3, 10, 5. [Fleischer.] 
auch zuteil wird (vgl. Apollod. 1, 9, 26). Bei Alkiope (AXmönri), Geliebte des Apoll, Mutter 
Pseudoorpheus 1298 ff. weicht die Darstellung des zweiten Linos bei Photios Lex. s. v. Aivov 
m emigen Zügen ab. Hier läfst Alkinoos die p. 389 N. Kaum mit Recht schlägt Naher das 
Jungfrau m seinen Palast holen, und der Vor- gebräuchlichere 'AXxinnrj vor, da in diesen hel- 
schlag, die Auslieferung der Jungfrau von ihrer lenistischen Verzeichnissen homonymer Götter 
Jungfrauschaft abhängig zu machen, geht von mancherlei Singuläres vorkommt (vgl den Ar^ 
Arete aus. Als Alkinoos den Vorschlag an- 60 tikel Akantho) und da die von Kuhn Zeitschr. 
nimmt, eilt die den Minyem gewogene Hera f. vgl. Spr. 9 S. 412 erschlossene Bedeutung 
m Gestalt einer Magd zu den Schiffen und . 'starkstimmig' (vgl. Fick, gr. Personennamen 
verrät den Entschlufs der Herrscherfamilie, S. 201 unten) für die Mutter des Sängers vor- 
worauf lason schleunigst auf seinem Schiffe trefflich pafst. Überdies wird der Name ge- 
Hochzeit hält und infolgedessen die Medeia sichert durch die Analogie von Alkiopos (s i.) 
zugesprochen erhält (— 1354). Philetas hin- [Crusius.] 
gegen sagte im Telephos (Schol. Apoll. Bh. Alkiopos ('AlKionog) , bei Plutarch Quaest. 
4, 1141), die Hochzeit habe im Hause des Gr. 57 Vol. 3 p. 374 Duebn. ein Koer, dessen 



241 Alkippe Alkmaion 242 

Tochter Herakles heiratete , als er auf der der Agrionien der Priester des Dionysos Jung- 

Rückkehr von Troja Schiffbruch erlitten hatte frauen aus dem Geschlechte des Minyas mit 

und nach Kos verschlagen -war. [Crusius.] gezücktem Schwerte verfolgte und die, welche 

Alkippe (Alunnri) , 1) s. Alkyonides. — 2) er en-eichte, töten durfte. Buttmann, Mythol. 

Tochter des Ares und der Aglauros, der Toch- 2, 201 i. Müller, Orchoni. 166 f. Welcher, Tril. 

ter des Kekrops, welcher Halirrhothios, der 591. A. Denkm. 3, 138 ff. Preller, gr. Myth. 1, 

Sohn des Poseidon, Gewalt anthat, wofür Ares 567. Gerhard, gr. Myth. 1 § 454, 4. [Stell.] 
ihn erschlug, s. Ares und Halirrhothios. Apollöd. Alkmaion {'AX-nfiaimv), Sohn des Amphiaraos 

3, 14, 2. Pavs. 1, 21, 7. Eurip. Iph. T. 919. und der Eriphyle, aus Argos, älterer {Paus. 

El. 1258. Preller, Myth. 1, 268. — 3) Ama- lo 10, 10, 2) Bruder des Amphilochos. Als Ani- 

zone, von Herakles getötet, Diod. 4 , 16. — phiaraos mit den Sieben gegen Thehen in den 

4) Gemahlin des Atheners Metion und von Krieg zog, wozu ihn sein Weib, bestochen 

ihm Mutter des Eupalamos, des Vaters des durch das Halsband der Harmonia, gezwungen 

Daidalos, Äpollod. 3, 15, 8. — 5) Tochter des hatte, obgleich er, der Seher, seinen Tod vor- 

Oinomaos, Gemahlin des Buenos, Mutter der ausgesagt, trug er seinen beiden Söhnen, Alk- 

Marpessa, Plut. Parall. 40. Eustath. zu Hom. maion und Amphilochos, auf, weim sie heran- 

p. 776. — 6) Ein Mädchen, welches von ihrem gewachsen wären, seinen Tod durch Ermor- 

Bruder Astraios im Pinstern entehrt wurde. düng der Mutter zu rächen und dann gegen 

Als er nachher an einem Ring seine Unthat Theben zu ziehen. Siehe Amphiaraos. Hom. 

erkannte, stürzte er sich in einen Plufs, der 20 Od. 15. 244 ff. Apollod. 3, 6, 2. Diod. 4, 65. 

von ihm Astraios, später Kaikos hiefs. Plut. Hygin. f. 73. Der Abschied des Amphiaraos 

de fluv. 21. — 7) Sklavin der Helena in Sparta, von Kriphyle und seinen Kindern war ein 

Od. 4, 124. [Stell.] häufiger Gegenstand der Kunst. Auf dem Kasten 

Alkis {"AlKig), Sohn des Aigyptos (s. d.): desKypselos standen vor dem Hause des Am- 

Apollod. 2, 1, 5. [Röscher.] phiaraos Eriphyle mit dem verhängnisvollen 

Alkithoe(^ijtifl-ö») oder y^ixK'S'öjj), Tochter des Halsband, neben ihr ihre Töchter Enrydikc 
Minyas im böotischen Orchomenos, Schwester und Demonassa und Alkmaion als nackter 
der Leukippe und Arsippe (Aristippe Aelian; Knabe; den unmündigen Amphilochos hatte eine 
Arsinoe Plutarch). Als der Dionysosdienst in alte Amme im Arme. Amphiaraos, schon im 
Böotien sich verbreitete, und alle Frauen und 30 Begriff, den Wagen, neben dem sein Wagen- 
Jungfrauen von Orchomenos zu Ehren des Gottes lenker Baten steht, zu besteigen, wendet sich 
in den Bergen umherschwärmten, hielten sich noch einmal gegen Eriphyle um, zürnend und 
Alkithoe und ihre Schwestern fern vom Feste, mit gezücktem Schwerte. Paus. 5, 17, 4. 
da sie die Göttlichkeit des Dionysos, des Sohnes O. Jahn, archäol. Aufsätze S. 152 ff. Overbeck, 
der Thebanerin Semele, nicht anerkennen woU- Gallerie h. Bildw. 1 S- 91 ff. — Als die Epi- 
ten, und safsen ruhig zu Hause in emsiger gonen sich zum Rachezug gegen Theben rnste- 
Arbeit am Spinnrocken und Webebaum. Sie ten und das Orakel ihnen den Sieg verhiefs, 
schafften den ganzen Tag bis zur Abenddäm- wenn Alkmaion die Anführung übernehme, 
merung. Da ertönte plötzlich durch das Haus weigerte sich Alkmaion mitzuziehen, eingedenk 
der Schall von Flöten und Pauken, Epheu und 40 des vom Vater erhaltenen Auftrages, dafs er 
Weinranken umgrünten die Webstühle , und vor dem Kriege gegen Theben die Mutter töten 
die Fäden am Spinnrocken wandelten sich in solle (wahrscheinlich wollte er durch die Nicht- 
Reben; das Haus bebt, flammende Fackeln teilnähme an dem Kriege auch der schweren 
durchleuchten die Räume, und Scharen von Pflicht des Muttermordes sich entziehen); aber 
wilden Tieren stürmen heulend umher. Von Eriphyle überredete ihn mit seinem Bruder 
Schrecken erfafst, eilten die Frauen davon und zur Teilnahme, von Thersandros, dem Sohne 
suchten sich in dunkeln Winkeln zu bergen; des Polyneikes, zum Verderben des Sohnes durch 
sie waren in lichtscheue Fledermäuse verwan- den Peplos (schleierartiges Gewand) der Har- 
delt. Ov. Met. 4, 1 — 41. 389 — 415. Bei Anton. monia bestochen, wie früher von Polyneikes 
Lib. 10 hatte Dionysos selbst in Gestalt einer 50 durch das Halsband der Harmonia zum Unter- 
Jungfrau die Schwestern zur Teilnahme an der gang des Gatten. Die Epigonen wählten Alk- 
Festesfeier aufgefordert; da sie aber nicht maion zum Anführer und gingen in den Krieg, 
folgten, wandelte er sich im Zorn in einen Apollod. 3, 7, 2. Biod. 4, 66. In dem Epigo- 
Stier, Löwen und Pasther, und Nektar und nenkrieg ist Alkmaion der eigentliche An- 
Milch flofs aus den Bäumen der Webstühle. führer, während Adrastos nur als das Bundes- 
Da wurden die Schwestern von Wahnsinn und haupt galt, und der ausgezeichnetste Held des 
von Begierde nach Menschenfleisch ergriffen, Heeres (Alkmaion heifst der Starke). Als die 
sie losten um die Ehre , dem Gott ein Opfer Epigonen vor Theben anlangten, befragten sie 
zu bringen. Das Los traf die Leukippe, und den Amphiaraos, d. h. das Orakel desselben 
diese gab ihren zarten Sohn Hippasos zum eo zu Potniai bei Theben, wo er von der Erde 
Zerfleischen hin. Dann stürzten sie aus dem verschlungen worden war, und erhielten die 
Bta,use und schweiften in wilder Wut in den Antwort, dafs sie siegen würden, und dafs Alk- 
Bergen umher, bis Hernies sie in Nachtvögel maion, der tapfere Erbe seines Ruhmes, den 
verwandelte, d. h. in eine Fledermaus, eine Eule bunten Drachen auf seinem funkelnden Schilde 
und einen Uhu. Vgl. Aelian. V. H. 3, 42. schwingend, als der erste in die Thore von 
Plut. Quaest. gr. 38. Plutarch knüpft an die- Theben eindringen werde ; doch werde Aigia- 
sen Mythus den zu Orchomenos bis in späte leus, der Sohn des früher allein geretteten 
Zeiten dauernden Brauch, dafs an dem Feste Adrastos, foUen. Pind. Pyth. 8, 38 ff. In der 



243 Alkmaion ■„ 

Alkmaion 244 

der Thebaner Laodamas. de/sohnes de Eteo wlnt Abschied des Alkmaion von seiner 
kies, aber diesen erschlug daraxrf aI Won- SpV ^' if"" '." ^'^ ?™S ^'=h>'^'^t= ''^ei 
er rächte den Tod des Freundes wie vor S ?!^^ • t ^''^•'^f ' 'l'^f " "'"«» APISTOS bei- 
AohiUeus den des Patroklos unl des AntUo ™f " w -k*'/*"^^" ^"^ ^i'^'^'' Quadriga, 
chos an Hektor und Memnon VoKo/ 3 7' Z%!^1 'l^' .'^""'i ''^^ Beischrift als Eri^ 
3. WelcUr, ep. Gyklus 2, 385 Spau,' l' Ä" ^^^"/^^^et schreitet vor den Pferden 
9, 2 (vgl. 9, 8, 3) erschllgt zwar Laodamas ^"^ ^^'^^T^^^^^^l'^^e^d und rückwärts blickend, 
den Aigialeus, wird aber nifht'n der SchSt ,n fcM^T ?'' v-' ^^'^ ^"^""^^^ ''''^ ^er Ab- 
getötet, sondern zieht mit den besTegten The- 11 8 iTt'^M°V°'' n'^t^^'l ^'''^''^ 
banern in der nächsten Nacht nach TllvW^n t' oä t j m ^»"«'•^ -Dew^m. <?. a. K. 1. 
Ein Teil der Thebaner blieb i^ der Stadt z"' f ^^- ,1°, der Tragödie Alkmaion von Asty- 
rück und wurde belagert D^ sie erkannten" u l "^^ ^t^.T'' '^'""^ ^"t^'- °^^^ «^ 
dafs sie sich nicht halten konnten knünften T^fnl T'°m I'^*'"' S^- Trag. 3 S. 1056. - 
sie auf den Rat des Teiresias ün erhandluntn den Irinver. vff 7^.'^^ ""^'!? ^''^'"^^«'^ ™" 
an, veriiefsen aber in der Nacht mit Weih if^^ w^ Jinnyen verfolgt {Hygm. f. 73) und kam 
Kind heimlich die Stadt und retteten sichln If^'^^^»"'?^™«'-^* "ach Arkadien zu Oikleus, 
die Weite. Die Argiver dZgen in d^e Tho^e ''.?f">, "^* /f P^is. zu Phegeus, der ihn ent- 
ein, Alkmaion voran, plündern und zerstJren ,n 1° p""* ^hm ^eine Tochter Arsinoe (Alphe- 
die Stadt und setzen den Sohn des PolYneilrP? «^^o^a, Pa„s. 8, 24, 4) zur Ehe gab. Alkmaion 
Thersandros, als Herrscher des Landes efn' f« W *' '^'•'" f?' f aisband und den Peplos 
Äpollod. 3, 7, 3. 4. Biod l 66 A«s 9 57' t% T^T^'r ^'l f^^^ ^^"^^'^ Unfruchtbar- 
Bildsäulen' des Alkmaion und der andern Li ' tt tl "^ ■ ' ^^- 1 ^^?"; ^^^^ '^'^'^^ ^«««««i«« 
gonen zu Argos, Paus. 2, 20 4 Tu Dalnh' «pL^ fl°'t1" '"? "^"^*^ minderte, nahm er 
Paus. 10, 10, 2. - Der Muttermörd des Alk \IT " .* ™ dem Orakel zu Delphi, das 
. maion, welcher dem des Orest^^sehr ähntcb" weissagte, er solle zu Acheloos gehen, 

ist, wird - und dies war dfe ältere Form der Z^Z""" diesem Befreiung seiner Leiden lu er-' 
Sage - von AsMepiades bei S o7 11 ^T^'A^f^ ^'-^J ^V- ^''^ ^P««*- 8' «4, 4 
■ 326 {^gLEustath. zur Od. a a. 0) und wahr' 3„ dahT^Ä'' '?'7?"'^ dieser Ausspruch näher 
scheinlich auch von dem kyklischen Enos Alk ^ bestimmt dafs er m ein Land wandern 
maionis, sowie von Ä'oi,Äofeä seiner Cidl' IT' '^^\'''i "^''^ ^^^ 2«* des Mutter- 

Epigonen oder Eriphyle vor den Tus/uTdes Tlv^ "f'^T^'''^. f/ ™'^ "^^^^ '^i«" «»it 
Alkmaion gegen Theben verlegt wS t SSien '^r f '"l *^""''; .^^**? '^'^^^ ^''^den 
Cykl. 2 S. 391. Griech. Traq 1 S 272 Dar,ft =1 '""^ !"" '°'«''<'' ^''^^d in der An- 

stimmen auch Eygin. f iz \ BM f 6^ ^chwemmung am Ausflufs des Acheloos, in der 
Dieser erzählt, dafs Alkmaion als er von' den llff A'°°v.?'''''f ^'j ^° ^^ ^^^^ niederliefs 
Epigonen zum Anführer erwäht worden ^ar rathete'Jdf.'^-l'' ^T ^'r^'^""' ^""^"^""^ ^^^i- 
nun auch selbst den Gott in Delnhi über Zr,' i. If xr^i" "J™ Akarnan und Amphote- 
Feldzug gegen Theben und über dL Bestrafung ^ P?„l- ' ^^'^'^/i'"«?'^- 3. 7, 5 kam er von 
der Mutter befragte; diese war äS 3 r Fr'ir-1 T'^'V" 0^"«"«' dem durch seine 
Amphiaraos. an sein; Teiltohme C K We der \ fr ^^^^^^l"" -^""^^ ^'"^ ^alydon, 
geknüpft worden. Apollon brfahl ihm bei Ihp^Wp """^f-^'*!. bewirtete, dami zu den 
des zu thun, weU Eriphyle nfcht bCfs das Jn Z O n' ^a '^, ^«'^«gten, und zuletzt 
goldene Halsband zum Verderben des Vater, fL ^ ^"^"t'' t^ ^"heloos. Dieser entsülmte 
sondern -auch den Peplos zurUnteSnIede; Tnil^ V^^i -^^ i^*"*- ^' ^^^ "^^ ^^^ i»>™ ««««> 
Sohnes genommen habe. Darauf berShtft nun ,^ H T„^''"'"^°'' fT ^^^^«' ^«^^"^ er sich 
Diodor von dem Mutte^mordenicW sondern vprif f "'^'°,r'^l' ^°''"^°°' niederliefs. Später 
erzählt blofs den Krieg gegen Theben- aber es Zl H? J^'^l'"^/« S"* *°* '''^^ Halsband 
versteht sich von selbst dafs Alkmal-of L?! . -^ ^n" ^"^P^"' ^^"^ Harmonia; daher begab 
er in dem einen dem Gotte f^ «"'a^ch it z^ P^"°" -ider seinen Willen nach #so- . 
ihm in dem andern gehorsam war und also t^l a #'"' T*^ ^^* '*'" "^"^ den Schmuck, 
seme Mutter noch vor^dem Auszug tötete wie dem wT ^«'^8'^^^?' .f «^i ihm Befreiung von 
Amphi^aos ihm vorgeschrieben ^irS T t^A fT^'l ^f^^'^f^en, wenn er das Hals- 
Tm^.a^O. Nach4o«ZoT3 7 5 wecWde; ^^"'i""^ •°.!.'P^°' "**^ ^^'P*^^ ^«'''«- (Nach 
Neuerung irgend einef Tragikers fo7gte tötete Sit t ^^^T' ^ ?• ^^^ ^' ^''^''^ Alkmaion 
Alkmaion dfe Mutter nach^se^L ffi ™ ^«Ä v"" ^'^^T.*/"^ ^^^^^ des Orakels 
Theben, nachdem er erfahren Taft ffe^afch w •? ?\' ^^''^/"• '^^'°" «^ ^o«» Wahnsinn 
zu seinem Verderben GescLnkesenom^en Zd ^he '""'^"•^ ^^^^''"^ ^^^ ^'>"' ^'«'des; als er 
nachdemApollonihndurchseinOrak^rdT;«^ «"^ r -1^^^ ^^""'S ?'"''" ''''' Alkmaion Erfuhr, 
getrieben. Vmaion thatdTes entweder alldn JoUe «riief ^''^•?"''^/'l^"'J^"'^°^ ^""^«^ 
oder mit seinem Bruder AmDhilocho« dp. f^t^ ' \. ^"^ '^"^ durch seine Söhne Pro- 

zur Seite stand, wi? PyTades dem Oieste? T" «nd Agenor (Apollod. 3, 7, 6) oder Te- 
Dies. letztere auch in desCokles Bp?™ ZTl ^^T ^K"""?' «' 24, 4) auflauern 

Wekker, gr. Trag. 1 S. 270 273 S 1^ ^"1^° ermorden, Arsmoe, die ihren Gemahl 
apollodorischen Version der Sa'Ierklärt 0«t- desCZ ^t^'.f^^ ^}^^^ &ad«m wegen 
hech Gall. 1 S. 159 f die Darstellung Mf dem fn «• ^- V '^^'5*? verscUossen sie dieselbe 



f^ f imfm 



2^^ Alkmaioii Alkmene 246 

qÄ''"'- t^ ^f^ i~^ ^^!"'^?n ^«PO^-'let. tum in der Nähe des Hauses des Pindar, der 

to KalHrrhorden%nt"t ^es Alkmaion und ihn seinen Nachbar und seiner Besifaung Hüte 

der Kalliuhoe den Tod ihres Vaters an Phe- nennt, Find. Pyth. 8, 57 (80). Auch scheint 

geus und seinen-Sohnen (s Amphoteros): Apol- nach derselben Stelle dem^ A kmaion wTe sel 

?244^r-^i^;Hnf'''/-Ti,'''.''*^^n^^^-*''*- "'^^ ^^''' Weissagungsgabe zugeschrieben 

und d'er TnnbS^i PI ^ '^'' Alkmaion worden ™ sein; der Moliast bizieht dies 

Zh Fli?t^-1 r ^^T' R^--!"" ^'°?'''' •''''^°'=^ ^"f ^''i^^'^ V^ter. Siehe auch die neue- 

M^?tter di'p l^L V T -^^^ B'^^'J"". ,^e>°er ren Erklärer dieser Stelle. In Oropos dagegen, 

Mutter, die seinen Vater erschlagen, nicht zu- wo das berühmteste Heiligtum des Amphia- 

■Z^ZZtZ\^''^\-^r-- '.^ -''/• ^r ''''■''' ^««^^"-ä- hatte Alkmaion an dtr Ehre 

Ä^or, 1h i'^ «"^ *if " c?T*^"°S ^^^ "''''^' ^=^*«^« ™d seines Bruders Amphüochos 

mn? n °uf.^e.''°^ ^^' ^*lf"'.^ P- ^2^- ^''g'^" «eines Muttermordes keinen Teil. Von 

SSn^achderfl. ^'^*- "l" ^-^^ •°- ''j^^' ^^''- ^emgrofsen, infünf Abteilungen geteilten Opfet 

maion nach dem thebanischen Kriege den Dio- altar war die dritte Abteilung der Hestia dem 

Sf ItTl enTlltf r^'r^ auf dem Zuge Hermes, dem Amphiaraos und^AmpSlSs ge 

wkde,^^! ,P,-^Ä ^^*'' -^ ^T °'"»r ^eiht;Alkmaionaberbliebausgesc£lossen. Pal«, 

wieder m seine Herrschaft einzusetzen. Als 1, 34, 2. - Laodameia, welche dem Peleus die 

autriet, zog Diomedes mit; aber Alkmaion blieb Schol. 11. 16, 174. C. I. Gr 6047 R 1 rStoll 1 
"achSLZ&ude df'^'t', \'^°t' ^""^ -^0 Alkmaon f^/.^««.), Sohn des TkUrbe 

Vgl S 10 n ^9 ^T^'i°r^v''''? "T**^- i" Erstürmung des griechischen Lagers von 

Vgl. 6ha6. 10 p. 462. — Wie Alkmaione Aus- Sarpedon getötet, II. 12, S94 Der Scholiast 

Z,s^X" L tr '"" ^Mir^" Stoff für das z. d^ St. bezweifelt, ob er' ein Bruder de Ka - 

Epos war so war sein Muttermord mit seinen chas gewesen sei. fStoll 1 

bösen Folgen und sein Tod ein fruchtbarer Alkmene ('j;i««,5,;^, die Starke" Alcumena^ 

Gegenstand für die Tragödie. Aristot. Foet. 13. Tochter des EleM^on und de7Anaxo eS 

WÄ- (\ '!?'u' *^- = ^'^""^ ? ?• ''' ^- Tochter seines BruLs Alkaios! bride a^s dem 

SophoUes behandelte m semer Eriphyle oder Gesohlechte der Perseiden. Apollod. 2 4 5^ 

den Epigonen die Ermordung der Eriphyle, in TzeU. Lylc. 932. Schol. II. 14 323 NachJD orf 
seinem Alkmaion oder Alphesiboia die Ermoi- so 4, 9 heifst ihre Mutter Eurydike Tochtef des 

uaZv o fl,f /■ -l ,^?« Eunpides 'M^- 7, 49. Schol II. 19, 116 Lysidike, Tochter des 
dfe Hennw H.^TlV "' " ^^^t^'^lt warschemlich Pölops (Schwester des Pelops* Schol. Find. Ol. 
die Heilung des Alkmaion durch Bhegeus und 7, 46). Siehe Amphitryoa isws bei Faus 5 
seine Vermahlung mit dessen Tochter. Welcker 17, 4'nennt AlkmLe^ine tochter derim- 
a. au. 2 b. 575fiF Den Inhalt einer Tragö- phiaraos und der Eriphyle Sie war ansie- 
dle des Sunp^des 'Al^i,aia,v 6 ö^oc Ko^Mov zeichnet vor allen Frauen durch kWenSiln 

wi inne's rze:fte''/lV'= " ^""^ ^-f^J"?' i^'"" '"'''' ""'^ ^^öne Gestalt, ife^lfch wie 

der TocMer dpfTp^P»-'""!^'"'.* ^^f"' ^'"^ goldstrahlende Aphrodite. Res. Scut. 4 ff. 
der lochter des Teiresias, zwei Kinder, Am- io Hom. Od. 2, 120. KaUi'amvoos Res Theoa 

philochos und Tisiphone. Er brachte die Kind- 526. 95Ö. Simonid. 173 X«!^ Über ihre Ve?: 

lein nach Korinth zu dem König Kreon, dafs mählung mit Amphitryon dem sie nach The- 

dieser sie aufziehe Später verkaufte die 6e- ben in die Verbannung fol<.te s Amnhitrvon 

mahlm des Kreon die durch Schönheit ausge- Als eben Amphitryon auf de^ Rückkehr aus 

zeichnete Tisiphone, weil sie fürchtete, dafs dem Kriege gegen ^die Teleboer begriffen war 

SkmaioTk^uftr^f t'"'''- "''^f "" ^^'^'^ "^^*« ^'^' i^ ^- Gestalt des Amphft^onTe; 

hiirsfe eklilnvt M ''" 1 ^^""""'^ T^ i^^'"''"*^ ^"^ ^"''Ste mit ihr den Herakles. 

,WK t ^ ■ xr^^l " ^^"""l '"''''" ^''- ^'^- ^^- 10. 15. Isthm. 7 (6), 5 (in letzterer 

iinth kam, um seine Kinder zurückzufordern, Stelle kommt Zeus um Mittemacht in einem 

et" «V^ra S"579 ff ^firi''-.^-."^''- '' r«^^''" ^-^^^ -- Himmel hTab) Auf dm 

euer, gr. Ir 2 S. 579 ff Scholl, über die Tetra- Kasten des Kypselos in Olympia war Zeus als 

logte des att. Iheaters S. 53 u. 69. F.A.Base- Mann im Chiton dargestellt wie er der Alk 

dau, de ^ur^p^d^s fabula 'AU^i^v S.ä Ko- mene einen Becher ufd ete HlSschnur übet 

e«;^o^. Rostock 1872. Achaios schrieb eine reicht, angeblich Beutestücke und Zeichen des 

gulrag.i S. 962 994. über andere gnechi- Schol. Od. 11, 266. Athen 11 p 781 C T) 
sche^agiker, welche dieselben Stoffe behandel- (c. 16) 474 F. 475 C. vgl. 11 p. 498 C Der ße- 
ten TFeZcfer a. a. 3 S. 1015 1056. 1075. 1087. such des Zeus in komischer Auffassung («Flau- 
st ff 2T57r%/ivr *''%'r?- '?'f- "• t"«'Ä-Phitruo) auf einem Vasenbilde,^nX 
I^'^ A- li^ 'ytesichoros verfafste ein lyri- eo SühnenwesenT:&i.9.n,Ys\.12. Miliin Gall mvth 
r 744 ^^i\^."^^^^^' ^f'fk -^'''*- ^V'- ^" ^«8, 428. Oven. K.Mlzlus, l^^^^'^S^n 

l- i/«fÄoT1 l%fi?Ä l ^}, '''• J:fr' ^''^^' ^^»«"' 2^»^^ ^^^' d^ei Nächte bei At 

i'efüRlT ?; P \.^'''^r'^' ar- Mythol. 2 mene geruht, indem erden Helios bat, einen Tag 

§ 662 816 - In Psophis zeigte man das Grab nicht aufzugehen; daraus haben manche drei 

des Alkmaion, umgeben von einem Hain hoher Tage und drii Nächte gemacht (dahrr"p.l„eel 

5cKbM'ebwrir.f;'de""f ""''">. °r*' """^ 'H9--^^,r,a.n.U.v%chol.ll:u%:'S^U^::. 

Fa^s 77i\t ThP^P wf' heilig waren. 33 Jacobs, Anthol Fal. p. 827). In d^selben 

Faus. 8, 24, 4. In Theben hatte er em Heilig- (oder der folgenden) Nacht kam Amphitryon 



247 Alkmene Alkmene ^48 

zurück, der sich wunderte, dafs er ohne sonder- unter den schutzflehenden Herakliden zu Athen 
liehe Freude von der Gattin empfangen ward. in einem Gemälde von ApoUodor, Schal. Äri- 
Da er ihr seine Thaten erzählen wollte, sagte stoph. Flut. 385. Nach Pherekydes bei Anton. 
sie ihm, dafs er ja schon ihr Lager bestiegen TJ,h. 33 wohnte Alkmene nach des Eurystheus 
und ihr alles erzählt habe. Von dem Seher Tod mit den Herakliden in Theben und starb 
Teiresias erfuhr Amphitryon, dafs Zeus seiner hier in hohem Alter. [C .T. 6r. 8492. R.] Als nun 
Gattin beigewohnt (Apollod.), oder er merkte die Herakliden sie bestatten wollten, sandte Zeus 
selbst, dafs eine Gottheit hier mit im Spiele den Hermes, sie wegzunehmen und auf die Inseln 
sei; seit dem Tage hielt er sich von ihrem derSeligenzubringen, damit sie dort mitRhada- 
Lager fem (Hygin.). Von Zeus gebar Alkmene lo manthys vermählt werde. Statt der Alkmene 
den Herakles, von Amphitryon den Iphikles, legte Hermes einen Stein in den Sarg, sodafs 
Zwillingskinder. Hes. Scut. 27 ff. Tlieog. 943. die Herakliden denselben nicht wegbringen 
Apollod. 2, 4, 8. Diod. 4, 9. Scliol. II. 14, 323. konnten. Sie öffneten daher den Sarg und fan- 
Tzetz. Lyk. 33. Hyg. f. 29. Aristid. p. 53. Luk. den den Stein, den sie wegnahmen und in dem 
Dial. Beor. 10. Ovid. Amor. 1, 13, 45. Senec. Haine bei dem ihr geweihten Heiligtum auf- 
Agam. 814 ff. Iphikles soll eine Nacht später stellten. Bin Grab der Alkmene gab es zu 
empfangen und geboren sein als Herakles, Theben nicht. Vgl. Paus. 9, 16, 4. Plut. Bo- 
Theokr. 24, 2. Plin. 7, 48; nach Find. Pyth. mul. 28. Biod. 4, 58 sagt, Alkmene sei nach 
9, 88 (149) wurden sie zugleich geboren, s. des Hyllos Tod nach Theben gegangen und 
Schol. Alkmene war die letzte sterbliche Frau, 20 daselbst gestorben: als sie darauf verschwun- 
der Zeus beiwohnte. Biod. 4, 14. Aus zwei den, habe sie bei den Thebanern göttergleiche 
Vasenbildern scheint eine eigentümliche Wen- Ehre empfangen. Auf einem Relief zu Kyzi- 
dung der Sage hervorzugehen, nämlich, dafs kos (Epigr. Cycic. 13) führt der verklärte He- 
Alkmene zur Strafe für ihre vermeintliche Un- rakles die verklärte Mutter nach Blysion, um 
treue von Amphitryon auf einem Scheiterhaufen sie dem Rhadamanthys zn vermählen. Alk- 
verbrannt werden soll, aber durch die Da- mene neben Semele im Elysion, Marcell. ad 
zwischenkunft des Zeus und ein von ihm ge- Begill. 47. 59. Andere lassen sie mit Herakles 
sandtes Unwetter gerettet wird, vielleicht nach im Olymp vereint sein , wie Semele und Dio- 
der Alkmene des Euripides (früher als Apotheose nysos, Gerhard, hyperbor.-rö'm. Studien 1 S. 304. 
Aer PAkmene gedeutet). Engelmann, Ann. d. Inst. 30 Alkmene, ihren Sohn begleitend bei der Ver- 
1872,5 — 18. [Drs. Beiträge zu J?Mr. 1. Alkmene. mählung desselben mit Hebe, in einem bei 
Progr. d.Friedrichs-Gymn. Berlin 1882. (Schrei- Korinth gefundenen Relief von einem Tempel- 
berj]. PreZZer,grr.lfj/«?».2S.176— 178. Wie durch bruimen (jetzt in England im Besitz Lord 
Hera die Geburt des. Herakles zurückgehalten, Guilfords), s. Overbeck, Gesch. d. gr. Plastik 1 
die des Eurystheus beschleunigt wird, so dafs S. 133 ff. Nach Paus. 1, 41, 1 starb Alkmene 
Herakles in die Dienstbarkeit des Eurystheus auf dem Wege von Argos nach Theben im 
kommt, 6. Herakles. Vgl. Galinthias. Darstellun- Gebiet von Megara, und da die Herakliden 
gen der Alkmene bei der Geburt des Herakles: darüber stritten, ob man die Leiche nach Ar- 
Millin,Gal.myth.l09. i'id. Fio-Clem.i.37. — Ans gos oder nach Theben bringen sollte, verkün- 
dem späteren Leben der Alkmene wird erwähnt, « dete der delphische Gott, dafs es besser sei, 
dafs sie, als Herakles, von der Knechtschaft sie in Megara zu begraben. Pausanias sah 
des Eurystheus befreit, mit seinem Bruder Iphi- noch ihr Grabmal. Durch die Sage von der 
kies und dessen Sohn lolaos sich in Tiryns, Vereinigung der Alkmene mit Rhadamanthys 
dem alten Sitz ihres Hauses, niederlassen wollte, im Elysion ist die Sage voü der Ehe beider in 
als Witwe ihre Söhne begleitet habe, aber mit dem diesseitigen Leben entstanden. Nach dem 
ihnen von Eurystheus wieder ausgewiesen wor- Tode des Amphitryon nämlich soll Alkmene 
den sei, der den Herakles beschuldigte, er den Rhadamanthys geheiratet haben, der we- 
strebe nach der Königsherrsohaft. Biod. 4, 33. gen Ermordung seines Bruders aus Kreta nach 
Zur Zeit der Apotheose des Herakles hatte Böotien entflohen war und in Okaleia oder dem 
Alkmene nach Sophokles Track. 1151 ff. mit 50 nahen Haliartos wohnte. Apollod. 2, 4, 11. 3, 
einem Teil der Kinder ihres Sohnes ihren Sitz 1, 2. Flut. Lysand. 28. Tzetz. Lyk. 50. 458. 
in Tiryns, ein anderer Teil befand sich in The- Eudokia p. 210. Der durch seine Tugend und 
ben, andere in Trachis. Nach Pherekydes bei Gerechtigkeit ausgezeichnete Rhadamanthys 
Anton. Lib. 33 wurden die Herakliden, bei leitete die Erziehung des Herakles {Aristot. 
denen sich Alkmene befand, von Eurystheus ans bei Schol. Theokr. II. 13, 9) und lehrte ihn 
Tiryns vertrieben; auch aus Trachis, wo der die Kunst des Bogenschiefsens , worin ja die 
König Keyx sie nicht gegen Eurystheus zu Kjreter Meister waren. Teetz. a,.a.O. ZuHaliar- 
schützen vermochte, wurden sie ausgewiesen. tos wurden auch die Gräber des Rhadaman- 
Apollod. 2, 8, 1. Biod. 4, 57. Hekataios bei thys und der Alkmene gezeigt, Plut. a. a. 0. u. 
Longin. de subl. 27, 2. Darauf fanden sie Auf- eo de genio Soor. 5. Agesilaos liefs das Grab der 
nähme und Schutz in Attika. Als Eurystheus Alkmene öi&en, um die Überreste nach Sparta 
sie auch von dort vertrieben haben wollte, zu bringen. In dem dem Herakles geweihten 
wurde er in einer Schlacht besiegt und fand Kynosarges zu Athen war aufser den Altären 
seinen Tod; sein Kopf wurde von Hyllos der des Herakles und der Hebe ein Altar der Alk- 
Al km ene nach Athen gebracht, die aus Rache mene und des lolaos. Paus. 1, 19, 3. Alkmene 
ihm die Augen mit ihren Haarnadeln ausgrub. und Hebe in der Nähe des attischen Demos 
Eurip. Herakliden. ApoUod. 2, 8, 1. Biod. 4, Aixone, Corp. Inscr. n. 93. 214. Vgl. auch 
57. Strdb. 8 p. 377. Paus. 1, 32, 5. Alkmene O.Jahn, Bilderchr. S. 51 f. S. Pi-eller, gr. My- 



249 Alkmenor Alkyone 250 

thol. 2_ S. 280 f. Es gab eine Tragödie Alk- mische Meeresgewölk des Winters" Preller), 

mene von Äschylos, Welcher, gr. Trag.l S. 32, Geliebte des Poseidon, dem sie den Hyrieus 

von Euripides, ib. 2 S. 690, von Ion, ib. 3 oder Urieus, den Eponymos der böotischen 

S. 954, von Astydamas, ib. 3 S. 1060. Anfser Hafenstadt Hyria oder üria (oder der Stadt 

den schon erwähnten Kunstwerken sind noch zu Hysiä am Kithairon? Preller, gr. Myth. 2 S. 30) 

nennen: Alkmene in Darstellungen des schlau- gebar, sowie die Aithusa, den Hyperenor, den 

genwürgenden Herakles : PZiw. 35, 63. Philostr. Hyperes und Anthas (die Gründer von Hype- 

iun. imag. 5. de Witte, Cot. Durand, n. 264. reia und Antheia, aus deren Zusammenziehung 

Mülin, Gal. myth. QT, iSO. 110, i'Sl. Statuarisch Troizen entstand; doch wird Anthas auch nach 
von Kaiamis gebildet, Plin. 34,71. [C I.Gr. lo Anthedon versetzt, Paus. 9, 22, 5. Apollod. 

7559 B.] [Stoll.] 3, 10, 1. Hygin. Praef. 2. Fab. 157. 192. Paus. 

Alkmenor (^^»(ijjviBe) , Sohn des Aigyptos, 2, 30, 7. Ovid. Her. 18 ^9), 133. Fast. 4, 173. 

vermählt mit der Danaide Hippomedusa,,^poZ- Scliol. II. 2, 496. 18, 486. Diod. 3, 60. Von 

lod. 2, 1, 5. [Stell.] Hygin. F. 157 wird noch Ephokeus (Epopeus?) 

Alkon ('^^»«»1'), 1) Sohn des Ares, aus Thra- als Sohn de'r Alkyone und des Poseidon ge- 
kien, einer von den kaly donischen Jägern, nannt. Vgl. FoMer, JopeJ. GescW. S. 108 f. 116 tf. 
Hyg. F. 173, s. Bunte z. d. St. — 2) Ein Sohn — Die Alkyone, welche mit Anthedon den 
des HippokooninLakedämOD, ebenfalls einkaly- Glaukos Pontios zeugte {Mnaseas bei Athen. 
donischer Jäger (i/y^r. a. a. 0. u. dazu JfMwcfter), 7, 296^, vgl. Völcker, lapet. 127), ist wohl 
von Herakles mit seinen Brüdern erschlagen. 20 auch diese Pleiade. Die Entführung der Al- 
Br hatte zu Sparta ein Heroon. Apollod. 3, kyone durch Poseidon am Throne des amy- 
10, 5. Paus. 3, 14, 7-. 3, 15, 3. -r- 3) Ein Kreter Maischen Apollon, Pau^. 3, 18, 7. — 2) Toch- 
und Begleiter des Herakles auf seinem Zug ter des thessalischen Aiolos und der Enarete 
nach Erytheia, ein so geschickter Bogenschütze, (Apollod. 1, 7, 3 f.), Gemahlin des Keyx, des 
dafs er durch einen auf den Kopf eines Men- Königs der den Doriem nahe verwandten Ma- 
schen gestellten Ring schofs, dafs er mit sei- lier in Trachis, des Freundes von Herakles 
nem Pfeil Haare spaltete und eine Schlange, (Hes. Seut. 354. 472 ff.), welcher bei Schal. 
die seinen Sohn umstrickt hatte, so traf, dafs Soph. Trabh. 40 Bruderssohn des Amphitryon 
er die Schlange tötete, ohne den Sohn zu ver- heilst. Dieses Königspaar ist schon früh mit 
wunden, Sen. Verg. Ecl. 5, 11. Anihol. Pal. 6, 30 dem Ehepaar in N. 3 verwechselt und vermengt 
331. Manil. 5, 304. Preller, Mythol 2, 210, 3. worden, wie bei Apollodor a. a. 0. — 3) Toch- 
— 4) Ein Heros der Heilkunde, der mit Askle- ter des Winddämons Aiolos, der mit dem thes- 
pios bei Cheiron auf dem Pelion seine Kunst ge- salischen Aiolos (s. d.) vermengt worden ist, und 
lernt hatte und in Athen verehrt wurde, wo der Aigiale, Gemahlin des Keyx, der ein Sohn 
der Dichter Sophokles sein Priestertum be- des Heosphoros oder Hesperos und der Nymphe 
kleidete. Anonym. VitaSoph. 8]^. 128. Westerm., Philonis war. Ihre Geschichte ist hervorge- 
wo Meinehe "AXiitovog für "AXcovos hergestellt gangen aus einem alten Naturmärchen. Die 
hat; Meinehe, Fr. Com. gr. 2 p. 683. Paucker, Pabel von ihnen heifst bei Schol. II. 9, 562: 
de Sophocle medici herois sacerdote. Dorpat 1850. Die beiden Ehegatten nannten einander aus 
Bergic, P. lyr. gr.^ p. 460. Gerhard, gr. Myth. to Hochmut Zeus und Hera, weshalb Zeus sie zur 
1 § 506, 2. Preller, gr. Myth. 1, 427, 4. — Strafe in Vögel verwandelte, Alkyone in einen 
5) Sohn des Erechtheus aus Attika, Vater des Meereisvogel {älKvmv) , den Keyx in einen 
Argonauten Phaleros; er floh mit seiner Toch- Taucher (xiju|, ktj^). Da die verwandelte Al- 
ter Chalkiope nach Buböa, und als der Vater kyone am Meeresufer (ituQci toig alyiaXoig, als 
ihn zurückforderte, lieferten die Chalkidier äxTaia o^vig, Ap. Rh. 1, 1087 — daher ihre 
ihn nicht aus. Ap. Eh. 1, 96 u. Schol. Hyg. Mutter Aigiale) nistet-e und deshalb ihre Jungen 
F. 14 p. 41 Bunte. Val. Flacc. 1, 398 schreibt von den WeUen weggerafft wurden, so verbot 
ihm die Bogenkunst von N. 3 zu. Nach Orph. Zeus , der sie über den Verlust weinen und 
Arg. 142 kam dieser Phaleros, Alkons Sohn, klagen sah, aus Mitleid den Winden, zur Brut' 
zu den Argonauten vom Aiseposflufs und war 50 zeit der Alkyone 14 Tage lang im Winter 
der Gründer von Gyrton in Thessalien. — 6) (7 Tage vor und 7 Tage nach dem kürzesten 
Troer, Sohn des Megakles, von Odysseus, den Tage) zu wehen. „Der Meeresvogel, welcher 
er im Kampf um die Leiche des Achilleus ver- seine Jungen um die Zeit des kürzesten Tages 
wundet hatte, getötet, Quint. Sm. 3, 308. 4, am Meeresstrande ausbrütet und daher seine 
594. — 7) Ein ausgezeichneter toreutischer Brut leicht in den Stürmen und Wogen dieser 
Künstler der heroischen Zeit, Ovid. Met. 13, Jahreszeit verliert, ist zum Bilde einer ängst- 
684 (s. No. 8). — 8) Ein Kabire von Lemnos, liehen Sorge und Klage um die Kinder, aber 
Sohn des Hephaistos und der Kabeiro, Bruder auch einer treuen und zärtlichen Liebe ge- 
des Eurymedon, Nonn. Dion. 14, 19 ff. Gerhard, worden, und der Taocher (Keyx), weil er auch 
Myth. 1 § 166 , 2. Panofka, Ann. d. Inst. 17, 60 ein Vogel mit klagendem Ton ist {Mosch. Id. 3, 
58 (s. No. 7). — 9) Nach Cic. N. B. 3, 21 (ei- 40), ward zum Gatten der Alkyone gemacht." 
ner zum Teil verdorbenen Stelle) Sohn des Pelo- Preller, gr. Mythol. 2"S. 248 ff. Vgl. Apollod. 
piden Atreus; er und seine Brüder Melampus 1, 7, 4. Schol. Tlieokr. 7, 57. Die Tage der 
und Tmolos werden als die dritten Dioskuren Brutzeit der Alkyone hiefsen die alkyonischen 
genannt. Gerhard, Myth. 1, 165, 1. Panofka, Tage, 'AlKvovCäig (AXv.vöv£iai.) fiivs^ai, Aristot. 
Arch. Ztg. 9, 310. [Stoll.] ^ Hist. anim. 5, 9. Bekher, An. 1. 377, 27. Ari- 

Alkyone, auch Halkyone (AX-nvovri), 1) Toch- stoph. Av. 1594. c. Schol. Alciphr. 1, 1. Tzete. 

ter des Atlas, eine der Pleiaden („das stür- Lykophr. 750. „Der Vergleich mit Zeus und 



251 Alkyoneus Almops 252 

Hera ist motiviert durch die Schönlieit dieser Phlegrä, nachdem er Troja erobert und auf 
Vögel und das regenbogenartige Spiel ihi'er Kos, von wo er nach Pallene ging (ÄpoHod. 
Farben." Preller a,.a,.0. Lange, vermischteSchr. 2, 7, 1), die Meroper bezwungen; der Riese 
S. 211. Die treue Liebe dieses Paares, die hatte aber vorher mit einem grofsen Stein 12 
sich bis in den Tot bewährt, motiviert die Vierspännige Wagen zertrümmert und auf den- 
Verwandlung bei Hygin. I?. 65 : Als Keyx in selben 24 Genossen des Herakles getötet. Der 
einem Schiffbruch umgekommen war, stürzte Scholiast zn Find. Nem. a.a.O. verlegt diesen 
sich die liebende Gattin aus Schmerz in das Kampf auf den Isthmus von Korinth, wo He- 
Meer, und nun wurden beide von den Göttern rakles die Rinder des Geryones aus Erytheia 
in Eisvögel verwandelt. Ähnliches erzählt lo vorbeitrieb. Nachdem der Riese die 24 Ge- 
Ovid. Met. 11, 410 — 750, indem er Keyx, den fährten des Herakles mit dem Felsblock ge- 
Sohn des Phosphoros, undAlkyone, die Toch- tötet, schleuderte er ihn gegen diesen; der 
ter des Windgottes Aiolos und der Aigiale, aber , schlug mit der Keule den Fels ab und 
welche wahrscheinlich den westlichen Griechen tötete den Alkyoneus. Der Felsblock soll noch 
angehörten, nach Trachis versetzt'. — 4) Toch- auf dem Isthmus liegen. Der korinthische Isth- 
ter des attisoh-megarischeu Räubers Skiron, mus ist hier mit dem thrakischen bei Pallene 
welche, von dem Vater aufgefordert, sich einen verwechselt. Scliöl. Find. Isthm. a. a. 0. Auch 
Gatten zu suchen, glaubte, nach Belieben sich von Alkyoneus wird gesagt, dafs er die Rinder 
jedem Manne hingeben zu dürfen; deshalb von des Helios aus Erytheia weggetrieben, Apol- 
dem erzürnten Vater ins Meer gestürzt, ward 20 lod. 1, 6, 1. Deshalb nennt ihn Pindar Nem. 
sie der Vogel Alkyone. l'robiis zu Verg. Ge. 1 6, 36 zov ßovßözav. Vgl. die Schölten. Diese 
extr. s. Müller, fr. hist. gr. 4 p. 514. — 5) Sage ist Veranlassung geworden , dafs der 
Ein Nebenname (Ter Kleopatra, der Gemahlin Kampf des Herakles und des Alkyoneus, der 
des Meleagros, welche von den Eltern Alkyone sonst einen Teil der Gigantomachio bildete, 
genannt wurde, weil ihre Mutter Marpessa, eine Episode der Geryoneis ward. Siehe die 
von ApoUon geraubt, geweint hatte, aXv.vövog Vasenbilder, herausgegeben und erklärt von 
nolv7i£v&£og olzov hxovaa. II. 9, 561 flF. Nach O. Jahn, Berichte der sächs. Gesellschaft 1853. 
Hygin. F. 172 grämte sie sich, nachdem Me- t. 5, 7 — 9. S. 135 — 145 und Stephani Farerg. 
leagros gestorben, zu Tode. — 6) Alkyone er- archaeol. 15 {mel. greco-rom. 1) S. 587 fl'. Frel- 
zeugte mit Perieres den Halirrhothios, den Vater 30 ler gr. Mythol. 1, S. 58. 2, S. 206f. Nach Fhi- 
des Seros (Semos, Samos?) aus Mantinea, der lostr. Her. p. 671 u. Claudian. rapt. Fros. 3, 
zur Zeit des Herakles zuerst in Olympia mit 184 dachte man sich später in Neapel den 
dem Viergespann siegte. Schol. Find. Ol. 10, Alkyoneus unter dem Vesuv liegend, wie Ty- 
83. Hesiod. fr. 95 (Göttl.). — 7) Eine Schwester phoeus unter dem Ätna, wie andre Giganten 
des Eurystheus, von dem Kentauren Homados unter Kos, Mykonos und unter Bergen. — 2) 
bewältigt, der deswegen von Herakles erschla- Sohn des Diomos und der Meganeira. Als 
gen ward. Diod. 4, 12. Wohl dieselbe, welche das Ungeheuer Lamia oder Sybaris, das in ei- 
von Apollod. 2, 4, 5 Alkinoe genannt wird. ner Höhle der Kirphis bei Krissa hausete, 

[StoU.] die Delphier schwer bedrängte und das Ora- 

Alkyöneus {'Jliivovtvg), 1) einer der gewal- 40 kel verkündete, dafs sie, um von dem Unheil 

tigsten und riesigsten unter den Giganten, die befreit zu werden , einen Jüngling bei je- 

bei Apollod. 1,6,1 Söhne des Uranos und ner Höhle aussetzen sollten , traf das Los 

der Ge, bei Hygin. Praef. Söhne des Tartaros den Alkyoneus , einen schönen Jüngling und 

und der Ge heifsen. Findar in dem von Schnei- einzigen Sohn. Er wurde , als Opfer be- 

deicin {Philol. 1, i21il. 437) zuerst herausgege- kränzt, zu der Höhle geführt. Da begegnete 

benen Fragmente aus Hippolyt. ref. haer. 5, 7 ihm durch göttliche Schickung Eurybatos, der 

p. 136 {Bergk, Lyr. Gr. p. 1058 ff.) führt ihn, Sohn des Euphemos, und als er, von der 

den phlegräischen Alkyoneus, TtqBel^vxoiTov Ti- Schönheit des Jünglings überrascht, nach dem 

yävxav, unter den menschlichen Autochthonen Zwecke des Zuges gefragt, liefs er sich selbst 

auf, er nennt ihn Isthm. 6(5), 32(46) ovqs'i i'aov. 50 an die Stelle führen , ergriff das Ungeheuer 

In der Gigantenschlacht auf dem phlegräischen und stürzte es vom Felsen herab. Aus diesem 

Felde, das man gewöhnlich auf die thrakische entsprang nun eine Quelle , die den Namen 

Halbinsel Pallene verlegte, spielte Alkyoneus Sybaris erhielt. Anton. Lib. 8. — 3) Ein 

eine Hauptrolle. In derselben durchbohrte ihn Äthiope, Gefährte des Memnon vor Troja. 

Herakles mit seinem Pfeil; da aber Alkyoneus Quint. Sm. 2, 364. [Stell.] Davon 

unsterblich war, wenn er auf dem Boden, wo Alkyonides {'AX-nvovidss) , die Töchter des 

er entstanden, kämpfte, und jetzt auf der Erde Giganten Alkyoneus , welche sich nach dem 

wieder warm und lebendig wurde, so zog ihn Tode des Vaters von dem Vorgebirge Kana- 

Herakles auf Rat der Athene über die Grenzen straion auf Pallene ins Meer stürzten und von 

von Pallene hinaus, worauf er starb. [C. I. Gr. GO Amphitrite in Eisvögel {älytvovse) verwandelt 

3145 R.] Apollod. 1, 6, 1. Tgetz. Lykophr. 63. wurden. Ihre Namen waren Phthonia, Chtho- 

Herakles, den Alkyoneus unter Anleitung der nia, Anthe, Methone, Alkippe, Pallene, Drimo, 

Athene mit Pfeilschüssen tötend, 0. Müller, Asteria. Vgl. Hegesander b. Bekker An. 877, 
Denkm. d. a. K. 2, n. 8S1. Yg\. Hirt, Bilderbuch 30. Suid. s. v. 'AluvoviSsg i^fisgat. Eust. z. 

S. 198. 'Sa.ch Find. Nem. i, 27(40) erlegte Hera- Hom. 776, 18. 36. [Röscher.] [Stell.] 
kies in Gemeinschaft mit seinem Waffengenossen ' Almo s. Tyrrhus. Verg. Aen. 7, 532. 575. 

Telamon (vgl. Isthm. 6(5), 32. Schol. Ap. Bh. Almops {"Aliimtp) , ein Riese , Sohn des Po- 
1 , 1289) den grofsen gewaltigen Kämpfer in seidon und der Helle, nach welchem die Land- 



253 Almos Aloadai 254 

Schaft Almopia in Makedonien benannt war, (Schol. II. Jüiistath. z. Hom. 1687, 36); oder 

Steph. B. V. 'AXf,fonia. Preller Myth. 2 , 315, Apollo schickte , als sie der Artemis Gewalt 

1. Gerhard Myth. 2 §. 688, 3. Deimling Le- anthun wollten, die Hindin {Hyg.). Beide 

leger ]32. [StolL] warfen mit ihren Speeren nach ihr, trafen aber 

Almos CAlfios), ein Sohn des Sisyphos. Er statt der Hindin sich selbst. In der Unter- 
kam zu Eteokles in Orohomenos, der ihm in \?elt sind sie zur Strafe mit Schlangen an 
seinem Gebiet einen Wohnort gab, welcher eine Säule gebunden und werden durch das 
nach ihm Almones genannt wurde, Paus. 9, 24, Geschrei einer Eule (azog) gequält {Hyg.) Die 
5. Später hiefs der Ort Olmones; deshalb Sage gehört dem thrakischen Volksstamme an 
nennt Steph. Byg. v. "Olfiavsg den Sohn des lo und erscheint daher meist in Gegenden , die 
Sisyphos Olmos, vgl. Schol. II. 2, 511. Seine auch sonst als thrakische Siedelungen bekannt 
Tochter Chrysogone erzeugte mit Poseidon den sind. In Thessalien soll ihr Vater Alos (Hes. 
Minyas, der Orchomenos gründete, Schol. Ap. b. Schol. Apoll. Eh.) oder sie selbst Aloion ge- 
jRfe. 3, 1094. Müller Orch.l'di. Völcker,' lapet. gründethaben (Steph. Byn.a.x.'Almiov). Sieer- 
Geschl. 196. Preller Myth. 2, 315, 1. [StoU.J bauten die Stadt Askra am Helikon und grün- 

Aloadai od. Aloeidai {'AltoäSai., 'Alasiäca), deten den Dienst der Musen Melete, Mneme 
Otos und Ephialtes, sind die Söhne des Aloeus und Aoide {Paus. 9 , 29 , 1. 2). In Anthedon 
(IJ.) oder Poseidon. Alle Jahre wuchsen sie zeigte man ihre Gräber {Paus. 9, 22, 5). Nach 
eine Elle in die Breite und eine Klafter in die Naxos (Strongyle genannt) werden ihre Mutter 
Länge (nach Serv. u. Syg. neun digiti' jeden 20 Iphimedeia und ihre Schwester Pankratis (Pan- 
Monat) , so dafs sie im neunten Jahre nenn krato b. Parth. Erot. 19), die als Ammen des 
Ellen in die Breite und neun Klaftern in die Dionysos in Thessalien bezeichnet werden, 
Länge mafsen. Sie fesselten den Ares und geraubt. Dorthin kommen sie selbst, von 
hielten ihn dreizehn Monate lang in einem Aloeus abgeschickt, um jene zu suchen. Sie 
ehernen Fasse oder Gefängnis (MEpaftog) gefan- bemächtigen sich der Herrschaft der nun Dia 
gen. Ares wäre zu Grunde gegangen, wenn benannten Insel und fallen schliefslich im 
nicht Beriboia , die Stiefmutter der Aloaden Kampf gegen einander. Dort wurden sie auch 
es dem Hermes verraten hätte, der den Ares später als Heroen verehrt {Diod. 5, 51. 52); da- 
aus seinem Gefängnisse rettete {II.). Auch her auf einer Inschrift auf Naxos ein Temenos 
wollten sie den Ossa auf den Olymp und den 30 des Otos und Ephialtes erwähnt wird (C. I. 
Pelion auf den Ossa türmen, um in den Hirn- Gr. 2, No. 2420). In Kreta befand sich eben- 
mel zu steigen. Aber da sie noch nicht zur 'falls ein Grab des Otos {Plin. 7, 73. Sali. b. 
Reife der Jugend gelangt waren, vermochten Serv. Aen. 3, 578). Dort soll nach Steph. By.z. 
sie ihr Werk nicht zu vollenden, sondern wur- s. v. Ehwog die Fesselung des Ares stattge- 
den von Apollo getötet {Od.). Hom. IL 5, fundeii haben. In Mylasa in Karlen wurde 
385 ff.; Od. 11, 305ff.; Apollod. 1, 7, 4; Hyg. Iphimedeia verehrt {Paus. 10,28, 4). Vgl. Kal- 
f. 28. Serv. z. Verg. Aen. 6, -582. Ihre Mutter lim. hymn. in Dian. 264. Qu. Smyrn. 1, 516. 
Iphimedeia ist entweder Tochter des Triops Nonn. Dion. 1, 277. Stat. Theb. 10, 848. Plato 
{Apoll.) oder des Poseidon (iZy^.). Sie gebiert conv. 190B. Arist. de mundo 1. Luc. Ikarom. 
die Aloaden dem Aloeus {II.) oder als Gattin 40 23. rhet. praec. 13. contempl. 3 mit Schol. 
des Aloeus dem Poseidon {Od. Hes. bei Schol. Agath. mare Erythr. IB. Chrysost. or. 29 
Apoll. Bh. 1,4:81. Apoll, a. a. 0.). NiMhApol- p. 297. Die moderne Deutung sieht in ihnen 
lod. ging Iphimedeia aus Liebe zu Poseidon entweder Repräsentanten von Erdrevolutionen 
beständig ans Meer und schöpfte sich mit den (Creuzer, Symh. 2^, 386; zugleich 'Tennenmän- 
Händen Wasser in den Busen, bis Poseidon ner'), oder Lichtgottheiten ((S'cÄM;€wcfc,J.»ideMf«)i- 
mit ihr die Aloaden zeugte. Bei Ov. Met. 6, gen p. 222), oder gewaltige dem Olymp, den 
116 überrascht sie Poseidon in Gestalt des Göttern und ihrer Weltordnung feindliche 
Flufsgottes Enipeus. Tiei Eraiosthenes in Schol. 'HiÄchte {Wehrmann m Jahns Archiv 18, p. 5 ff.), 
Apollod. 1 , 482 heifsen sie Erdgeborene und oder die mythischen Heerführer der thrakischen 
werden von der Frau des Aloeus nur aufge- 50 Kolonieen , Kanalgräber und Austrockner der 
zogen. Ihre Stiefmutter Eeriboia oder Eriboia Sümpfe (0. Müller, Orchom. p. 387). Die mei- 
heifst Tochter des Eurymachos {Schal. II.). sten Erklärer jedoch deuten sie als Personifi- 
Der Frevel gegen die Götter wird auch ab- kationen • des Ackerbaues , indem sie Aloeus 
weichend motiviert. Bei Apollod. wollen sie und die Aloaden von älm-q (die Tenne oder 
das Meer zum Festlande, und das Land zum das Saatland) ableiten und Otos und Ephial- 
Meere machen; bei Verg. cul. 233* die Welt tes auf das Stofsen und Stampfen des Getrei- 
einreifsen; oder Ephialtes strebte nach dem des oder Keltern der Trauben beziehen (von 
Besitze der Hera, Otos nach dem der Artemis (bS'eod und scpällofiai). Somit sind es Wachs- 
{Apoll. Schol. II.). Den Ares fesseln sie aus tumsgeister, wie .sie von Mannhardt in den 
Zorn, weil er den Adonis auf der Jagd getö- 60 antiken Wald- und Feldkulten so vielfach auf 
tet , aber Hermes entführt ihn nach Naxos griechischem Boden nachgewiesen sind , die 
{8<ä»ol. IL). Auch ihre Bestrafung variiert. Zeus sich teilweise zu ausgebildeten mythischen Fi- 
schleaderte den Blitz bei üfta«. narr. 34 p. 1110, gnren entwickelten, teilweise (wie der Dämon 
oder Artemis tötete sie, indem sie in Gestalt 'Eqjiairrjg, s. d.), entsprechend den deutschen 
einer Hirschkuh mitten zwischen ihnen hin- Alpen, zu Hausgeistern wurden. Vgl. noch: 
durchsprang nach Pind. Pyth. 4, 88(156) mit Welcker, Anh. zu Schwencks And. p. 813. El. 
Schal.; Frgm. 137. Apoll, a. a. 0.; oder Arte- Sehr. 2, 102; Eberz in Zeitschr. f. d. Alter- 
mig sandte eine Hindin zwischen ihnen durch tumswissenschaft 1846 No. 99. Nitzsch Erl. z. 



255 Aloeas Alpheios 25*6 

Hom. Od. 3, p. 247; Schwende, Myth. p. 297; sehen Tragödie Alope. Welclcer, gr.Tr.2. 8. 111 
Lauer 1, p. 244. Gerhard 1 %. 356. 670; Frei- —717. EmKelief ander Vorderseite eines Sar- 
ler l^ p. 81f. H. B. Müller Ares p. 51. Stoll, kophags in Villa Pamfili zu Rom, bei Winckel- 
die ursprüngliche Bedeutimg des Ares p. 39. mann Mon. ined. 94, scheint auch die Tragödie 
Pott in Zeüschr. f. vergl. Sprachw. 9, p. 205. des Euripides zum Vorbilde zuhaben. [Vgl.Jfate 
Büntger in Jahiis N. Jahrb. 1849 Bd. 56, —v.Buhn, Antike Bildwerke in Born 'i'So.'iSSS. 
p. 61. [Schultz.] (Sehr.)] Welcker a. a. 0. und Alte Benkmäler 
Aloeus {'Jlco8vg), 1) Sohn des Poseidon und 2. S. 202 if. Stephani compt. rend. 1864, 147 if. 
der Kanake, Bruder des Hopleus, Nireus, Epo- Welcker schliefst aus der Darstellung des Re- 
peus und Triops, vermählt mit Iphimedeia, der lo liefs, dafs die Erkennungsscene von Euripides 
Tochter des Triops, Vater der Aloaden, Apol- auf den Tag verlegt worden sei , wo Alope 
lod. 1 , 7 , 4, s. Iphimedeia und Aloadai. Die von dem Vater eben mit einem Jüngling ver- 
Stadt Alos in Atollen (?) soll von ihm gegrün- mahlt werden sollte. In der Tragödie Alope 
det sein, Schol. Ap. Bh. 1, 482. — 2) Sohn des des jüngeren Karkinos sagte Kerkyon zu sei- 
Helios und der Antiope (Ferse , Tzete. vgl. ner Tochter, wenn sie ihm ihren Buhlen nenne, 
Schol. Od. 10, 139), Bruder des Aietes, Vater wolle er sich nicht betrüben. Als sie dies 
des Epopeus. Er erhielt von seinem Vater that, entsagte Kerkyon aus Kummer dem Le- 
das Land Asopia, während Aietes Korinth be- ben. S. Welcker, gr. Trag. 3. S. 1064. Nach 
kam; dieser aber zog nach Kolchis und gab Plutarch. Thes. 29 soll Theseus nach Erlegung 
Korinth an Bunos, Sohn des Hermes, und als 20 des Sinnis und Kerkyon deren Töchter mit 
dieser starb, empfing Epopeus die Herrschaft von Gewalt mifsbraucht haben. Die thessalisehe 
Korinth. Baus. 2, 1, 1. 2, 3, 8. Eumelos b. Stadt Alope an der Südküste der Achaia 
Schol. Bind. Ol. 13, 74^52). Tzetz. 174. 1024. Phthiotis hatte ihren Namen von Alope, der 
Markscheffel, Hesiodi, Eumeli cet. fr. p. 397 ff. Tochter des Kerkyon, oder (nach Philonides) von 
Welcker in Schwenck Andeutungen 325. Ger- der gleichnamigen Tochter des Aktor. Steph. 
hard Myth. 2 §. 823 u. p. 237 f. [Stoll.] JSi/2.v.'JiÖ7t>i. [S. auch C'./.ör. 6047. B.] [Stoll.] 

Alope {'AloTtri), die schöne Tochter des Ker- Alopekos ('.^ioiwsKos) s. Astrabakos. 
kyon, des eleusinischen Unholds. Sie gebar Alopios (AXöniog), Sohn des Herakles und 
ohne Wissen des Vaters dem Poseidon ein der Thespiade Antiope, Apollod. 2, 7, 8. [Stoll.] 
Kind, das sie durch eine Amme aussetzen liefs. 30 Alos (Alos) , eine Dienerin des Athamas, 
Eine Stute säugte das Kind; ein Hirte fand die ihm verriet, dafs Ino, um Mifswachs und 
es, in ein königliches Gewand gehüllt, und dadurch den Tod ihrer Stiefkinder herbeizu- 
nahm es mit sich nach Hause. Da ein andrer führen , die Saatfrucht geröstet habe. Er be- 
Hirte das Kind zu haben wünschte, gab er nannte nach ihr die Stadt Alos im phthioti- 
ihm zwar das Kind, aber nicht das kostbare sehen Thessalien. SUph.Bye.B.\. Vgl. Atha- 
Gewand; deshalb klagt der zweite Hirte bei mas. [Stoll.] 

dem König Kerkyon, und so kommt die ganze Alotlanus , Name eines Genius auf einer 
Sache ans Licht, indem der König das Kleid Inschrift zu DTorenz, Orelli 2363: Ex imperio 
erkennt und die Amme alles gesteht. Alope genü Alotiani Euaristus seroitor deorum ex 
wird zum Tode eingesperrt, das Kind aufs 40 viso Hb. an. Bei dem griechischen Namen des 
neue ausgesetzt und wieder von einer Stute Weihenden darf man vielleicht an die 'Alä- 
genährt. Die Hirten finden es wieder und na der Tegeaten, d. h. also an einen Genius 
ziehen es auf, da sie hier ein göttliches Wal- der Sonne denken. [Steuding.] 
ten erkennen. Der Knabe erhält von den Hir- Alouii(ae), in der Gegend von Salzburg ver- 
ton den Namen Hippothoon (Hippothoos) und ehrte Gottheiten, auf einer Inschrift ebendaher 
wird der Eponymos der attischen Phyle Hip- C. /. L. 3, 5581: Bedaio Aug. et Alounis sacr. 
pothoontis. Die Alope selbst verwandelt Po- etc. (219 n. Chr.) und auf einer solchen aus 
seidon in eine Quelle gleichen Namens, die Ghieming bei Traunstein, C. I. L. 3, 5572: 
im Gebiete von Eleusis gezeigt wurde und Bedaio Aug sacr Alaun Ar Setonius Maximia- 
auch den Namen ^Uorrig hatte (Hesych. v. 50 iius etc. (237 n. Chr.). Beide Male sind sie 
'AXo-nTj. Hygin. f. 187. 238. 252. Harpokr. v. also neben Bedaius, dem Gotte von Bedaium 
'AXoiiTi. Bemosth. Epitaph. -p. V6^8. Beisk. Schol. genannt, so dafs sie wohl als Schutzgöttinnen 
Aristoph. Av. 560. Et. M. 'In7iiö»mv. Paus. {matres) dieser Gegend aufgefafst werden dür- 
1, 5, 2). Im Gebiete von Eleusis nahe an der fen. Orelli zu 1964 vergleicht passend die 
Grenze von Megara befand sich ein Grabmal Acounae aus dem nicht weit südlich davon 
der Alope, und nicht weit davon wurde der gelegenerf Innichea, die auf einer Inschrift 
Ort gezeigt, wo Kerkyon die Fremden nie- {Orelli 1995) ganz derselben Zeit (219 n. Chr.) 
dergerungen und getötet haben soll, bis The- erwähnt werden. [Steuding.] 
seus auf seiner Wanderung von Troizen nach Alpheios {'Alrpsiog), der Gott des durch Ar- 
Athen ihn tötete. Baus: 1 , 39 , 3. Bursian, 60 kadien und Elis fliefsenden Alpheios, des gröfs- 
Geogr. v. Griechenl. 1. S. 331. Damals kam ten Flusses in der Pelopounes. Bei Hesiod.'l'heog. 
Hippothoon zu dem Sieger und erbat sich 338 finden wir ihn im Katalog der Flüsse, der 
von ihm die grofsväterliche Herrschaft , und Söhne des Okeanos und der Tethys, vgl. Hy- 
Theseus übergab sie ihm gern, da Kerkyon gin. praef. Bei Homer IL 5, 545 ff. (vgl. Od. 
keinen Sohn hatte und er wufste, dafs Hippo- 3, 489. 15, 187) heifst er Vater des Orsilo- 
thoon ein Sohn des Poseidon war , von dem chos (von Telegene, Tochter des Pharis, Baus. 
er selbst stammte, Hygin. f. 187. Die Erzäh- 4, 30, 2), Grofsvater des Diokles, des Herr- 
lung Hygins ist ein Auszug aus der euripidei- schers von Pherä in Messenien. Der Arkader 



257 Alpheios Alpheios 258 

Phegeus keifst Sohn des Alpheios, Hygin. f. v. Griechenl. 2. S. 288. Eine Quelle Arethusa 

244. 245. Wie die Flüsse allgemein, hatte AI- war in Elis am unteren Alpheios sowie auf 

pheios in seinem Lande Verehrung und Opfer, Ortygia bei Syrakus , s. E. Curtius in Finder 

besonders bei den Eleern, Paus. 5, 10, 7. Leu- u. Friedländers Seiträgen zur älteren Müng- 

kippos in Arkadien weihte ihm sein Haupt künde 1, S. 234fiF. Paulys Beal-Encycl. 1, 2. 

haar. Paus. 8, 20, 1. Nestor opferte dem AI- S. 1507. An der Gründung von Syrakus {Ol. 5) 

pheios an seiner „heiligen Strömung" einen durch die Korinthier hatten sich auch Leute 

Stier, und einen Stier dem Poseidon, ein Kind aus der Gegend von Olympia beteiligt, nament- 

der Athene, II. 11, 725ff. In Olympia, das lieh Mitglieder des lamidengeschlechtes , das 

am Ufer des Alpheios lag,- opferte ihm Hera- lo zu Olympia am Altar des Zeus, welchem vor 

kies, als er nach seinem Sieg über Angelas das allen Flüssen Alpheios Ueb war (Paus. 5, 13, 

Fest einsetzte, unter 12 Göttern, Pind. Ol. 11, 5), das Weissageramt verwaltete. Diese Aus- 

48. Er errichtete dort 6 Doppelaltäre, sodafs Wanderer von Olympia brachten den Kultus 

je zwei Götter einen Altar gemeinschaftlich und die Sage von ihrer Artemis Alpheiaia mit 

hatten ; davon war einer dem Alpheios und nach der Insel Ortygia , auf welche die ur- 

der Artemis geweiht. Pind. Ol. 5, 5(10) und sprüngliche Niederlassung sich beschränkte, 

Schol. Paus. 5, 14, 5. In der Nähe desselben und da auf der Insel kein Plufs war, Artemis 

war noch ein andrer Altar des Alpheios, Paus. Alpheiaia oder icoxa^Ca aber des geliebten Flus- 

a. a. 0. Mit dem „nährenden" Flusse Alpheios ses Alpheios nicht entbehren konnte , so bil- 

wurde die arkadisch -eleische Artemis, eine 20 dete sich der Glaube, die ihrem Tempel be- 

GOttin der nährenden Feuchte, der Seen, Quel- nachbarte Quelle Arethusa enthalte heiliges 

len und Flüsse, in Elis unter dem Namen 'AX- Alpheioswasser {Ihyk. bei Schol. Tlieokr. Id. 1, 

(pitaia (Paus. 6, 22, 5. Schol. Pind. Nem. 1, 117), und diesem Glauben kam' zu Hilfe, dafs 

3. Pyth. 2, (7) 11), 'Alqysiiavici und 'Altpsiovau sich in der wasserreichen Quelle grofse Fische 
{Strab. 8 p. 343; vgl. Meineke, Vindiciae Stra- befanden {Diod. 5, 3. Schol. Pind. Nem. 1, 1). 
honianae p. 105) und als noxaykia. (Pind. Pyth. Daraus entstanden dann die Sagen, Alpheios 
2, 7) in Verbindung gebracht. Zu Letrinoi am sei der Artemis oder der Arethusa unter dem 
Ausflufs des Alpheios ins Meer hatte Artemis Meere hindurch nach Ortygia gefolgt. 0. Mül- 
Alpheiaia einen Tempel , und die Einwohner ler Prolegg. z. e. w'iss. Mythol. S. 135fF. Darier 
erzählten als Veranlassung zu dem Bau des so 1. S. 375ff. Bissen, Explic. ad Pind. Nem. 1. 
Tempels, der von Liebe zu Artemis entbrannte p. 350. Die Vermischung des Alpheios mit 
Alpheios habe, da er durch Überredung und der Quelle Arethusa bewies man durch die 
Bitten nichts bei ihr erreicht habe, beschlossen, Erzählung, dafs eine Schale, die man zu Olym- 
Gewalt gegen sie zu gebrauchen; Artemis aber pia in den Alpheios warf, zu Ortygia wieder 
habe zu Letrinoi sich und ihren Nymphen, mit zum Vorschein gekommen sei , und dafs die 
denen sie hier ein nächtliches Pest feierte, Quelle trüber werde, wenn man in Olympia 
das Antlitz mit Schlamm bestrichen, so dafs Stiere schlachte. Strab. 6. p. 270. Vgl. Se- 
Alpheios sie nicht erkennen konnte und eich neca Quaest. natur. 3, 26. Serv. Verg. Ecl. 10, 
entfernte. Paus. 6, 22, 5. Curtius Peloponn. 4 u. Aen. 3, 694. Fulgent. Mythol. 3, 12, der 
2. S. 73. Nach anderer Sage verfolgte AI- 40 überdies dem Wasser des. Alpheios die Wir- 
pheios die Artemis bis auf die im Hafen von kungen der Lethe zuschreibt. Das Tauchen 
Syrakus gelegene Insel Ortygia, wo sie auch unter dem Meere hin aber hatte Alpheios schon 
als Alpheiaia einen Tempel hatte. Schol. Pind. in Arkadien gelernt , wo er öfter unter die 
Pyth. 2, 12. Nem. 1, 3. Artemis vor Alpheios Erde taucht imd unter ihr eine Zeitlang fort- 
flüchtend, Telesilla fr. 1 Bergk. An die Stelle fliefst. Paus. 8 , 44 , 3. 54 , 1—3. Strab. 8. 
der nach alter Landessage von dem Flufsgott p. 343. Bursian, Geogr. v. Griechenl. 2. S. 186f. 
geliebten Artemis Alpheiaia trat in jüngerer Pseudo-Plut. fluv. 19 erzählt , Alpheios , ein 
Sage die Quellnymphe Arethusa. Die Nymphe, Abkömmling des Helios, habe mit seinem Bru- 
zu dem Kreise der Artemis gehörig, war eine der Kerkaphos in der Tapferkeit gewetteifert 
Jägerin; Alpheios, ebenfalls Jäger, liebte und 50 und ihn erschlagen; von den Brinnyen verfolgt, 
verfolgte sie,und als sie, um seiuenBewerbungen stürzte er sich in den Strom Nyktimos, der 
zu entgehen, auf die Insel Ortygia floh und dort nun den Namen Alpheios erhielt. Nach Eu- 
eine Quelle ward, wurde Alpheios durch die rip.Iph.Aul.ilOS.war an Nestors Schiff das 
sehnsüchtige Liebe in einen Flufs verwandelt, Bild des Alpheios , ein Stierleib mit mensch- 
der , unter dem Meere fortfliefsend , mit der lichem Antlitz , und darnach ist zu erklären 
Quelle sich vereinigte. Paus. 5, 7, 2.. Oder: die Gemme bei Miliin P. gr. 46 J..; Alpheios 
die Nymphe Arethusa badet einst in dem in menschlicher Gestalt mit FüUhorn , Zoega 
Flufs Alpheios; der Flufsgott erhebt sich und Bassir. Änt. 1, 1. Müller, Benkm. d. a. K. 2.' 
verfolgt die Nackende. Artemis umhüUt sie Taf. 7. n. 76. Sein Bild im Ostgiebel des 
mit einer Wolke, verwandelt sie in eine Quelle 60 Zeustempels zu Olympia, Paus. 5, 10, 2. Über 
und läfst diese wieder auf Ortygia zu Tage die Bildung der Flüsse (Alpheios als Mann) s. 
kommen, vereint mit dem Wasser des Alpheios, Aelian. Var. hist. 2, 33. Nicht vollkommen 
der seine menschliche Gestalt abgelegt hatte. gesichert ist die Authenticität eines Gemäldes 
Ovid. Met. 5, 752 flf. Vgl. Serv. Verg. Ecl. 10, der von Alpheios verfolgten Arethusa, Mon. 

4. Verg. Aen. 3, 694. Lukian. Bial. marit. 3. d. Inst. 3 , 9. Bull. 1853. p. 22. Kupfermün- 
Stat. Silv. 1,2, 203. Theb. 1, 271. 4, 239. zen des Caracalla und Septimius Severus mit 
Ibyk. b. Schol. Theokr. Id. 1, 115. Pind. Nem. dem Bilde des Alpheios bei Curtius, Pelopon- 
1, in. u. Schol. Mosch. Id. 7. Bwrsian Geogr. msos 1. S. 394A. 15. [Stoll.] 

RoscHEK, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. " 9 



259 Alphenor Althaimenes 260 

Alpheuor (Al(priv<aq) , Sohn der Niobe und Weissagung bewogen, nimmt Althaia das Scheit 

des Amphion , von ApoUon erschossen , Ov. und birgt es in einer Lade. Meleagros wuchs 

Met. 6, 248. Stark, Niobe p. 96. [StolL] nun heran zum tapferen, unverwundbaren Mann. 

Alpheslboia ('Alfpsaißota), 1) Gemahlin des Da geschah es, dafs er beider Jagd des baly- 

Phoinix und Mutter des Adonis , Hesiod bei donischen Ebers um den Ehrenpreis des Kam- 

Apollod. 3, U, 4. Probus zu Verg. Ed. 10, 18. pfes (s. Meleagros) mit den Brüdern seiner 

Vgl. Adonis. — 2) Tochter des Phegeus in Pso- Mutter in Streit geriet und diese tötete. Al- 

phis, Gemahlin des Alkmaion, Paus. 8, 24, 4. thaia aber streckte im Zorn und Schmerz über 

Hyg. f. 244. Von Apollod. 3, 7, 5 wird sie den Tod der Brüder den Brand ins Feuer und 

Arsinoe genannt. Curtius Peloponnesos 1, 388. lo Meleagros mufste so eines plötzlichen Todes 

400, 34. Vgl. Alkmaion. — 3) Tochter des Blas sterben. Nach einer andern Sage tötete er 

und der Neleustochter Pero, Gemahlin des Pe- seine Vettern in dem Kampfe zwischen Kureteu 

lia.s,Theolcr.3,ib\i.Schol. Pherekydesh. Schol. und Kalydoniern ,(s. Meleagros) , den Artemis 

Od. 11, 287. Bei Apollod. 1, 9, 10 heifst sie im Zusamm'enhang und Verlauf der kalydoni- 

Anaxibia. — 4) Eine asiatische Nymphe, die, sehen Jagd erregt hatte, und nachdem ihn 

von Dionysos heftig geliebt, nicht bewogen deshalb Althaia mit schrecklichen Flüchen ver- 

werden konnte sich seinem Willen zu fügen, wünscht, findet er kämpfend den Tod, wäh- 

bis er, in einen Tiger verwandelt, sie durch rend Althaia mit eigener Hand ihrem Leben 

Furcht dahin brachte, sich von ihm über den ein Ende macht. Vgl. Ovid. Met. Apollod. Hom. 

Flufs Sollax tragen zu lassen. Er zeugte mit 20 Eurip. Ant. Lib. a. a. 0. Diod. 4, 34. Paus. 

ihr den Medos , der, nachdem er erwachsen, 10, 31, 3fle. [Bernhard.] In Darstellungen der 

ienen Flufs Tigris nannte. Flut, de fluv. 24. Meleagersage erscheint Althaia sehr häufig 

[StolL] z. B. Clarac M. de sc. pl. 201. Zoega Bassir. 

Alphios l^AXcfios), einer von den Leuten des tv. 46. Benndorf-Schoene Later. Mus. Tfl. 10 

Menelaos auf dem Polygnotischen Gemälde in No. 509, Matz-Duhn, Antike Bildw. in Born 

Delphi Paus. 10, 25, 2. [Schultz.] No. 3236 ff. Vgl. Kekule, de fabula Meleagr. 

AlpWto ('Mwna), ebenso wie Akko (s._i.) p. 33 ff. A. Surher, Die Meleagersage. Zürich 



ein PSpEtfz, mit welchem die Weiber die un- 1880. [Schreiber.] 
äftigeii Kinder zii-lctofecken p!fegten:JPZMi. de Althaimenes {'AX&aitiivnq) , Sohn des Ka- 
Stoic rep 15. S. die unter Akko gl|eBehe 30 treus , Königs von Kreta , Enkel des Mmos, 
EFEIarung des Namens.'" [Röscher.] Bruder der Apemosyne, Aerope und Klymene. 
Alsir, Name einer Göttin oder Heroine auf Da Katreus den Orakelspruoh erhalten hatte, 
einer Cista aus Präneste, C. I. L. 1, 1501. Die- dafs er durch seinen Sohn sterben werde, ver- 
selbe erscheint daselbst nackt, nur mit Schu- liefs Althaimenes, begleitet von seiner Schwe- 
ben, Arm- und Halsschmuck versehen; sie ster Apemosyne, freiwillig Kreta -und landete 
stützt sich auf eine Säule, neben ihr stehen in Rhodos an einem Orte, den er Kretinia 
Atalanta und Helena und diesen gegenüber nannte (zu Kameiros , Diod.). Er bestieg den 
Paris, so dafs wohl an ein Analogen des be- in der Nähe gelegenen Atabyrios, den höch- 
kannten Parisurteils zu denken ist. Der Name sten Berg der Insel , von wo man bis nfl,ch 
Alsir ist vielleicht etruskisch, doch bezeichnet « Kreta sehen konnte, und gründete hier in Er- 
ihn Beecke, etr. Forsch. 3 p. 23 als rätsei- innerung an die Götter seiner Heimat den 
haft. Die bildliche Darstellung erinnert aber (ursprünglich phönikischen) Dienst des Zeus 
ganz an die jugendlicher Göttinnen des aphro- Atabyrios. (Nach Lactant. 1, 22 thut dies ein 
disischen Kreises auf etruskischen Denkmälern. Atabyrios, der einmal den Zeus bei sich be- 
0. Müller, Etrusker hrsg. v. Beecke 2 p. 112 f. herbergt hatte.) Damach wurde Althaimenes 

[Steuding.] zuerst der Mörder seiner Schwester, dann der 

Altes C^Xrjjs), König der Leleger zu Peda- seines Vaters. Hermes verfolgte mit seiner 

SOS , dessen Tochter Laothoe , eine Frau des Liebe die Apemosyne, und als er sie nicht or- 

Priamos, diesem den Lykaon und Polydoros haschen konnte — denn sie war schneller als 
gebar, IL 21, 85. Vgl. Strab. 13, 584. Beim- 50 er — breitete er ihr frische Pelle auf ihren 

lin'g Beleger 11. [Stell.] Weg, so dafs sie ausglitt und seine Beute 

Althaia (AX^aCa), Mutter des Meleagros, ward. Althaimenes wollte die Angabe der 

Tochter des Thestios und der Eurythemis, Schwester nicht glauben und tötete sie, erbit- 

Schwester der Leda, Gemahlin des Oineus, tert über ihre Schande, durch einen Fufstritt. 

Königs von Kalydon in Atollen. II. 9, 529ff. Katreus hatte inzwischen seine beiden andern 

ii/w. fr. 519, 4 (i\r.). ^poZZod. 1, 7, 10; 8, 2— 3. Töchter wegen ihrer gemeinen Leidenschaft 

Biod. Sic. 4, 34. Paus. 8, 45, 6; 10, 31, 3-4. dem Nauplios gegeben, dafs er sie in fremde 

Strabo 10, 466. Hygin. f. 27, 19; 28, 2, 18; Länder verkaufe, und wünschte nun in seinem 

29, 7; 47, 4, 7, 8; 112, 8; 134, 2; 138, 9 (ed. verwaisten Alter dem Althaimenes sein Reich 
Schmidt). Anton. Lib.^. Ov. Met. 8, U5S. Nach eo zu übergeben. Er geht zu Schiff und landet 

Schol. Apoll.Bh. 1, 146 u. 201 u. war sie Tochter an einer öden Küste von Rhodos , wo er mit 

der Deidameia, oder der Laophonte. Bei Hyg. il, Hirten, welche ihn und seine Schar für Räu- 

10 heifst sie auch Schwester des Iphiklos von her halten , in Kampf gerät-. Althaimenes 

der Mutter Leukippe. Als Meleagros 7 Tage kommt hinzu und tötet den Vater, den er 

alt war, traten die Moiren zu Althaia und nicht erkennt, durch einen Speer wurf. Als er 

weissagten: das Kind werde sterben, wenn erfuhr, was geschehen, irrte er verzweifelt in 

das auf dem Herde brennende Scheit von den Einöden umher und grämte sich zu Tode 

der Flamme verzehrt sein werde. Von dieser {Diod.) oder wurde auf sein Gebet von der 



261 



AlthepMos 



Amaltheia 



262 



Erde verschlungen. Infolge eines Oratelspruchs 
wurde er yon den ßhodiern als Heros ver- 
ehrt. ApoMd. 3, 2, 1. 2. Biod. 5, 59. Vgl. 
Heffter, Gottesdienste auf Bhodos 3. S. 16ff. 81. 
Preller, gr. Mythol. 2. S. 127ff. [Stell.] Vgl. 
auch Aug. Beclcer, de Bhodiorum primoräiis 
{Dissert. Jen. 2) p. 121 ff. [Schreiber.] 

Althephios {'AX&rjcpiog), ein Naohkomine des 
Alpheios, von welchem eine Weinsorte 'Jl9ri 



Amaltheia (AfiäXQ'sm), 1) Nährerin des Zeus- 
kindes, entweder als Nymphe oder als Ziege 
gedacht. Der eben geborene Zeus wurde in 
Kreta von der Mutter Rhea der. Themis und 
von dieser der Nymphe Amaltheia übergeben, 
die den Knaben mit der Milch einer Ziege 
nährte. Diese Ziege (Aiga, Aix), von Helios 
stammend, war von so schrecklichem Aussehen, 
dafs die Titanen ihren Anblick fürchteten, und 



hiefs. Atlien. 31c. Suid. s. v. 'Jl9ri(piäg. lo die Erde sie auf ihr Bitten in einer Höhle 



cpiag 

Zonar. 126. [Röscher.] 

Althepos (^ÄX&rinog), nach welchem der trö- 
zenische Bezirk Althepia den Namen erhalten, 
Sohn des Poseidon und der Le'is (Saat), der 
Tochter des trözenischen Königs Oros (Zeiti- 
ger). Unter ihm stritten Poseidon und Athene 
um das Land. Paus. 2, 30, 6. 32, 7. Über 
die Bedeutung des Namens {ak&aCv(o) und sei- 
nen Zusammenhang mit Poseidon q>vTal^iog 



Kretas barg , wo sie den Zeus nährte. Als 
Zeus, zum Manne herangewachsen, den Kampf 
gegen die Titanen unternahm, wappnete er sich 
auf den Rat der Themis mit der Aigis (s. d.)^ 
dem Felle jener Ziege, welches undurchdring- 
lich und mit dem Gorgoneion versehen war. 
Diese aus der dem Musaios zugeschriebenen 
Theogonie genommene Erzählung (bei JSra- 

^_ ^ _ tosth. cat. C.13. Hygin. poet. astr. 2, 13) wird 

s. Preller, gr. Mythol. 1. S. 480. Völclcer,' Ja- 20 von Schömann (de levis ineunab.^. 12 == Opusc. 



pet. Oeschl. S. 164. 169. Welcher zu Schwende 
Et.-myth. Andeutungen S. 296. [Stoil] 

Altor s. Indigitamenta. 

Alus, wohl- ein celtischer Gott auf zwei In- 
schriften aus der Gegend von Brescia, C. I. L. 
5, 4197: Alo Sex. Nig. Sollonius v. s. l. m. 
und 5, 4198 : Deo Alo Saturno Sex. Commodus 
Valerius v. s. l. m. (= Orelli 1510, der falsch 
Arvalo hat; beide sind trotz Orellis Verdacht 



acad. 2 p. 258) für die verhältnismäfsig älteste 
Form der Fabel gehalten. Der Scliol. z. 11. 
15, 229 hat aus derselben Quelle geschöpft, 
nur setzt er für die Nymphe Amaltheia eine 
Ziege Aiga. Eine Nymphe, die den jungen 
Zeus mit der Milch einer Ziege nährte, heilst 
Amaltheia an vielen Stellen, Tochter des Okea- 
nos ißcUl. II. 21, 194. Hygin. F. 182 und 
dazu Muncker) oder des Haimonios {ApoUod. 



echt) Da Alus in letzterer Inschrift mit Sa- 80 2, 7, 5. Tzetz. Lyh. 50), oder des kretischen 



Königs Melisseus (Laxitant. Inst. 1 , 22 , 19. 
Hygin. Poet. Astr. 2, 13. Fab. 182), oder des 
OlenoB (Theon zu Arat. 64). Nach Ovid. Fast. 5, 
115 barg die Nais Amaltheia den Zeus in Kreta 
in Wäldern und nährte ihn mit der Milch der 
olenischen Ziege. Nach iactont. a. a. 0. nährten 
des Melisseus Töchter Amaltheia und Melissa 
den Zeus mit Milch und Honig; daher sieht 
man auf kretischen Münzen sowohl die Ziege 



turnus zusammen genannt wird, dürfte auch er 
sich auf den Ackerbau beziehen. Jedenfalls 
hängt derselbe mit der auf einer wenig nörd- 
lich von Brescia gefundenen Inschrift erwähn- 
ten Göttin Alantedoba (s. d.) zusammen. 

[Steuding.] 

Alykos ("AlvTiog) , Sohn des Skiron. _ Er 
kämpfte auf Seiten der Dioskuren, als diese 
Aphidnä stürmten, und fiel. Nach Hereas soll 

er durch die Hand des Theseus gefallen sein. 40 als die Biene. Als Krono 
Er lag in Megaris begraben. Plut. Thes. 32. das Zeuskind suchte, um es 

[Stoll.] 

Alyzeus (Alv^svg), Sohn des Ikarios, Bruder 
der Penelope und des Leukadios, herrschte mit 
dem Bruder nach des Vaters Tod in Akarna- 
nien. Die Stadt Alyzia war nach ihm benannt. 
Alkmaionis b. Strab. 10, 452. Steph. Byz. v. 
'AXvtiiu. [Stoll.] [J. Gr. 3064. [Röscher.] 

Alxeiior {'AXi,rivm(i) , ein teischer Heros: C. 



zu vernichten, hängte seine 
Amme Amaltheia es in ei- 
ner Wiege an einen Baum, 
damit das Kind weder im 
Himmel noch auf der Erde 
noch im Meere zu finden 
wäre, und liefs die Kure- 
ten um den Baum Lärm 




Alxion CÄUimv), Vater des Oinomaos, der 50 machen, damit Kronos den Amaltheia mit d. Zeus- 
sonst für einen Sohn des Ares gilt, Paus. 5, Knjen^nichtschrei^entote. ^^^^^^ZtJZ.t:^,':' 



1, 5. [Stoll.] 

AmaUeides ('Afiav.XsCä7ig , vielleicht falsche 
Lesart im'AvaKXsCSrjg^OTi ÄvaiiXiig: Fiele S. 11), 
einer der Tritopatoren nach den orphischen 
^veiiuk bei Tzetz. ad Lykophr. 738. Schol. Od. 
10, 2. Suid. s. V. TQiTOTCÜToqig (wo kaum rich- 
tig 'A(t,aXv.sl8rig überliefert ist, vgl. den zweiten 
IlQmxov.Xiig) = Etym. M. p. 768. Ygi. LobecJc 
Aglaoph. p. 753 ff. [Crusius.] 

Amalens (AiiaXsvg), Sohn des Amphion und 
der Niobe (oderHippomedusa). Aedon (s.d.), die 
Gemahlin des Zethos, wollte ihn ans Neid 
über den Kindersegen der Niobe ermorden, 
tötete aber durch Verwechselung in der Nacht 
ihren eigenen. Sohn Itylos. Schol. u. Fustath. 
Od. 19, 518. Stark, Niobe 96. 370. 383. Bei 
Eust. heifst er Amphialeus, s. Aedon. [StoU.] 



ker haben die Amaltheia 
zur Gemahlin des Melissos gemacht und deren 
Töchter Ida und Adrasteia (s. d.) zu Ammen des 
Zeus, s. Lobeck, Aglaoph. p. 614. Bei Hygin. 
F. 182 heifsen die Ammen des Zeus Ida, Amal- 
theia und Adrasteia, Töchter des Okeanos oder 
des Melisseus, auch wurden sie dodonäische 
60 Nymphen genannt, was darauf hindeutet, dafs 
man den Zeus auch zu Dodona, erzogen glaubte. 
Auch Apollod. 1, 1, 6 nennt die drei Namen; 
aber nur Ida und Adrasteia sind dort Nymphen 
und Töchter des Kreters Melisseus, Amaltiieia 
dagegen die nährende Ziege. Als die Ziege, 
welche den jungen Zeus auf Kreta säugte und von 
ihm «um Lohn unter die Sterne versetzt wurde, 
erscheint Amaltheia vielfach : Hygin. Poet. 

9* 



267 



Amatheia 



Amazonen(Kämpfe) 



268 



Mutter der Lavinia. Sie wurde, als Latinua 
dem Aeneas seine Tochter zur Gemahlin anbot, 
durch luno angestachelt, diese Heirat zu hin- 
tertreiben, zumal da sie ihre Tochter vorher 
schon ihrem Schwestersohn Turnus versprochen 
hatte. Verg. Aen. 7, 343 ff. Als sie wähnte, 
dafs Turnus vom Aeneas getötet sei, erhing sie 
sich selbst: Aen. 12, 602 f. Jedenfalls hängt 
die Sage von Amata mit dem alten latinischen 
Vestakulte in Lavinium zusammen, da jede lo 
Vestalin bei ihrer captio durch den Pontifex 
maximus Amata genannt wurde {Oell. N. A. 1, 
12, 14. 19). Vgl. Schwegler , röm. Gesch. 1, 
287. Preller, röm. Myth^ 2, 161. 330. Preuner, 
Hestia-Vesta 276 u. 396 f. Klausen, Aeneas 
u. d. Penaten 775. [Eoscher.] 

Amatheia (Ji^ä^sia), Nereide, II. 18, 48. 
Braun, gr. Götterl. § 96. 99. [StoU.] 

Amathos I^Ay.a%'og) , 1) Sohn des Königs 
Aerias, welcher den Tempel der Aphrodite zu so 
Amathus auf Kyptos gebaut haben soll: Taeit. 
Ann. 3, 62, vgl. Steph. B. s. v. 'J^a&'ovs, nach 
welchem Amathos ein Sohn des Herakles sein 
sollte. — 2) Sohn des Makedon, Gründer der 
Stadt Amathia in Makedonien, Bruder des 
Pieros, der die Stadt Pieria gründete, Schol. 
II. 14, 226. [Stell.] 

Amathusa (A(i.ä9ovaa), -Mutter des Kinyras, 
Gründerin von Amathus auf Kypros. Steph. 
Byz. 8. V. 'AfiaQovs. [Boscher.] 30 

Amazonen (Afia^övis, episch 'Ana^oviSeg). 
1. Mythologisch. Die Amazonen er- 
scheinen als mythische Kriegerinnen fremden 
Stammes, welche mit den berühmtesten Heroen 
der Griechen kämpfen, auf ihren Zügen Epo- 
nyme von Städten werden und auch in Ver- 
bindung mit dem Kultus von Gottheiten treten. 
Ihre Kämpfe sind fast die einzigen, deren die 
Ilias in älterer Zeit in Asien Erwähnung thut; 
aber sie gedenkt der Amazonen überhaupt nur 40 
kurz. Eingeführt in die nationale Poesie hat 
sie erst Arktinos, welcher Penthesileia die 
erste der von fernher Troja zu Hilfe eüenden 
Helden sein läfst. Die in voller heroischer 
Würde, aber einzeln auftretende, nach tapferem 
Kampfe Achill erliegende Amazone ist eine 
Schöpfung von höchstem poetischen Interesse, 
die zu allen Zeiten Nachahmung gefunden hat. 
Die Heraklessage läfst umgekehrt den Vor- 
kämpfer der Griechen in das Land der Ama- so 
Zonen ziehen und dort das ganze Volk besie- 
gen. In der attisch- theseischen Sage folgt der 
Raubfahrt des Theseus der ßachezug der Krie- 
gerinnen und ihre Niederlage in Attika. Wäh- 
rend diese drei Sagen in Litteratur und Kunst 
hochgefeiert sind, haben die in der Ilias er- 
wähnten nur geringe Entwicklung gefunden. Den 
Kampf mit Bellerophon {II. 6, 186) denken 
sich die Schol. in Lykien, vgl. Aristid. Areop. 
118; Pindar Ol. 13, 86 vielleicht im Norden; 60 
die einzige Kunstdarstellung, ein Wandgemälde 
gehört einem Bellerophoucyklus an {Bullet, d. 
Inst. 1871 p. 204; rgl. aufserdem Annali 1873 
p. 48). Die Hilfe, welche Priam'os den-Phry- 
^örn gegen die Amazonen geleistet {II. 3, 186), 
liefs sich, wie Strabo 12, 552 meint, nicht 
wohl mit Penthesileiaa Auftreten vereinigen. 
Die vielspringende Myrine, als deren Grabmal 



die Sprache der Götter den Hügel bei Troja 
bezeichnete {II. 2, 814), hat in den lokalen 
Bponymiesagen eine Rolle gespielt. — Aus 
Arktinos' Aithiopis überliefert Proklos: Pen- 
thesileia, Tochter des Ares von thrakischem 
Stamme, kommt den Troern zu Hilfe; nach 
einer Aristeia ihrerseits tötetAchill(s.d.)sie, die 
Troer bestatten sie, vgl. Welcker, Ep. GyJcl. 2 
S. 169 if. Jahn-Michaelis BilderchroniJcen S. 27. 
111. Diese Hauptzüge finden sich im ersten 
Buche von Quint. Smyrn. reiner wieder als in 
den von epischer Auffassung weit entfernten 
militärischen Schilderungen von Tzetzes Posih. 




Amazone des Polyklet (?) , Berliner 
Museum (s. S. 277 Z. 15). 

init.Dictys Cret. 4, 2. Malalas 5 p. 125. Phi- 
lostratos, der Heroic. 20, 49 — 47 einen Zug der 
Amazonen nach Leuke zu Achills Grab frei 
erfindet, ahmt ibid. 3, 34 — 36 in der Sage von 
Hiera und den Myserinnen Arktinos nach. 
Sehr gefeiert wurde Achill's Liebesgefuhl für 
die sterbende Feindin, vgl. Achilleus u. Penthe- 
sileia. — Herakles' Zug an den Thermodon, 
um den Gürtel der Königin zu gewinnen, wird 
entweder von ihm allein unternommen, wie in 
den Darstellungen der Zwölfkämpfe, in wel- 
chen diese That gewöhnlich die neunte, seltener 
die sechste Stelle einnimmt, vgl. Annali 1864 
p. 304, oder er ist von vielen Heroen begleitet, 
sodafs das Unternehmen dem Argonautenzuge 
ähnlich wird, mit welchem es auch von eini- 
gen Epikern in nähere Verbindung gesetzt 
wird, vgl. Apoll. Ehod. 2, 967. Selwl. Pind.. 
Nein. 3, 38. Valer. Flacc. Arg. 5, 132. Figuren- 
reich war der Kampf am Zeusthron in Olym- 



269 



Amazonen(Kämpfe) 



pia {Paus. 5, 11, 4), vgl. die grofsen Friese von 
Phigaleia, vom Maufsoleum und von Magnesia 
und manche. Vasen Ännali 1864 p. 239 fif. Mo- 
numenti 9, il. — Apollodor 2, 5, 9, 7, Viodor. 

4, 16 und jene Epiker geben verschiedene Be- 
richte über den Kampf. Die Königin wird 
getötet oder giebt den Gürtel, um eine ge- 
fangene Schwester auszulösen, letztere Scene 
auch auf Vasenbildern Mus. Borbon. 6, 5. Bull. 
Nap. N. S. 7, 13, in den anderen Darstellungen lO 
tritt der Gürtel nicht besonders hervor, vgl. Hip- 
polyte, Melanippe. — Dietheseisch-attische 
Sage überliefert hauptsächlich Plutarch Thes. 
26 fF. Theseus ist Genosse von Herakles in den 
Nosten Paus. 1, 2, 1 und bei Phüochoros; nach 
Pherekydes raubte er Antiope auf einem selb- 
ständig unternommenen Zuge, nach der Tabula 
Albani (Jahn- Michaelis Bilderchron. S. 73) und 
Schol Arist. Panath. 118, 4 nahm er sie erst 
in Attika gefangen. Der Rachezug der Ama- 20 
Zonen ist von den attischen Künstlern des 

5. Jahrb., von Mikon in der Poiküe (Arist. Ly- 
sistr. 679. Arrian Anab. 7, 3, 10) und im The- 
seion {Paus. 1, 17, 2), vonPheidias am Schilde 
der Parthenos {Michaelis Parthenon Taf. 15 
Schreiber, Athena Parthenos. Abh. d. sächs. 
Gesch. d. Wissensch. 1883 p. 601 ff.), auch in 
Olympia {Paus. 5, 11, 7), ebenso von Aeschy- 
los Eumen. 655 als Vorbild der Perser- 
kämpfe gefeiert. Die Atthidenschreiber, be- so 
sonders Kleidemos knüpften viele Traditionen 
von Drtlichkeiten und Kultusgebräuchen an 
den Kampfan. In den Prunkreden des 4. Jahrh. 
wurde die völlige Niederlage der Amazonen 
eine stehende Phrase. Fürsten wie Attalos 
und Hadrian ehrten die Stadt noch mit monu- 
mentalen Darstellungen derselben {Paus. 1, 17, 
2, 25, 2); vgl. den Artikel Antiope. Stephani 
C. B. 1866. Klügmann, Die Amas. in der 
alt. Lit. u. Kumt. Die einzelnen Sagen wer- 40 
den bei Biodor. 2, 46 f. luslin. 2, 4 in prag- 
matischer Weise durch Aufstellung einer länge- 
ren Beihe von Königinnen, einer Doppelherr- 
schaft und weit ausgedehnter Kriegszüge, die 
durch Herakles oder Theseus ihr Ende finden, 
vereinigt. 

Die llias nennt die Amazonen avxiävnqai, 
d. i. Aristarchs Lehre und dem epischen Sprach- 
gebrauche gemäfs männergleich, nach Auffas- 
sung anderer aber männerfeindlich, vgl. Schal. Bo 
u. Eust. ad II. 3, 189. 6, 186. Pind. Ol. 11. 
17. Letztere entspricht auch dem Beiwort bei 
Aeschylos Prom. 726 axvyävcoQ. Sie galten als 
der Liebe abgeneigt, die späteren Dichter feiern 
mit Vorliebe ihre Keuschheit. Nach allge- 
meiner Ajinahme bildeten sie einen Weiber- 
staat. Die Überlegenheit der Weiber ward 
auf eine in einem auswärtigen Kriege erfolgte 
Niederlage der Männer oder auf klimatische, 
selbst auf astronomische Verhältnisse zurück- 60 
geführt: Steph. Byz. v. 'AiiaSöveg. Ptolem. de 
astr. judic. 1,2p. 18. Für den Staat nahm 
man entweder gynaikokratische Einrichtungen 
an, die Männer wären vorhanden aber geknech- 
tet gewesen, die Knaben nach der Geburt ge- 
blendet oder gelähmt, später als Handwerker 
verwendet: Hesych. v. ßovlsipirj. Biod. 2, 45. 3, 
53. Sext. -Emp. 3, 217. Steph. Byz. a. a. 0., 



Amazonen (Charakter etc.) 270 

vgl. das Sprichwort aQiata j;o)ios oicpst bei den 
Parömiographen. Oder die Amazonen sollten 
zu bestimmten Zeiten mit Fremden zusammen- 
gekommen sein, um Kinder zu erzeugen, und 
nur die Mädchen zu Jagd und Kampf aufge- 
zogen haben, vgl. Bion bei Plut. Thes. 26. 
Hellanicus und Lysias bei Tzetg. Posth. 14. 
Ephoros fr. 103. lustin. 2, 4, 9; die Erzählungen 
von Alexander und Thalestris bei Clitareh, 
Strabo 11, 504. Schol. Apoll. Bhod. 2, 965. 
Philostr. Heroic. 20, 42. — Das homerische 
Beiwort Myrines jtoXiSöJtaefl'.uog {II. 2, 814) 
wird nach Analogie der bvohccq&iioi i'Tcnoi Po- 
seidons auf die Schnelligkeit ihres Gespannes 
bezogen, allein wie atiaCgsiv ein rhythmisches 
Hüpfen und Tanzen bezeichnen kann, so gab 
es auch eine nach den Amazonen Ijeliannte 
Tanzweise pecten Amazonicus, von Stat. Ach. 
2, 84 dem Ringtanz gegenübergestellt. Kalli- 
machos bei Schol Theokr. 13, 25 nennt die 
Pleiaden als die ersten Jungfrauen, welche 
Chortanz und Nachtfest feierten, Töchter der 
Königin der Amazonen. Im Hymnus auf Ar- 
temis 237 ff. schildert derselbe, wie die Ama- 
zonen der Göttin in Ephesus erst Kreistänze, 
dann Reihentänze aufführen; letztere hatten 
in Aufstellung und Bewegung etwas Militäri- 
sches, Gebrauch der Angriffswaffen wird nicht 
erwähnt. Dabei erschollen Syringen, Flöten 
aus Knochen waren noch unbekannt, vgl. die 
Erzählung bei Mart. Capell. 9, 313, Alexander 
habe die Königin durch das Geschenk einer 
Flötenbläserin sehr erfreut. — Die Gottheit, 
welcher sie vorzugsweise dienen, ist Ares, der 
auch Vater vieler einzelner und selbst aller 
Amazonen genannt wird; sie bringen ihm 
Pferdeopfer auf der Aresinsel im Pontus {Ap. 
Bh. 2, 387) und in Athen dar {Aristoph. Lysistr. 
191 c. Schol.) Ihre Mutter ist nach Pherekydes 
bei Schol. Apoll. Bhod. 2, 990 die Najade Har- 
monia am Thermodon, nach dem Bhetor Niko- 
laos Progymn. 6, 11 Athene; im übrigen wer- 
den sie mit Athene nur selten in Verbindung 
gebracht, vgl. Biod. 3, 71. Statins Theb. 12, 
531, häufiger mit Artemis, sie sind ihre Jagd- 
genossinnen {Biod. 4, 16), opfern der nordischen 
TauropoloB (Dioi. 2,46) und werden besonders im 
Kultus der ephesischen Artemis (vgl. unten) 
genannt, bei Pyrrhichos im Peloponnes schrieb 
man ihnen die Kultusbilder der Artemis Astra- 
teia und des ApoUon Amazonios zu (Pausan. 
3, 25, 3). Nach Pindar Olymp. 8, 47 ist Apollo 
ihnen freundlich, aber in ihren Kämpfen mit 
Herakles und Theseus begünstigt er letztere, 
vgl. Macrob. Saturn. 1, 17, 18 und den Fries 
von Phigaleia. Auch Dionysos kämpft gegen 
sie in der ephesischen Sage (Tacit. Ann. 3, 61. 
Plutarch Quaest. gr. 56), was auf einem Sarko- 
phage in Cortona {Arch. Ztg. 1845 Taf 30) an- 
gedeutet ist. — Zu manchen Erzählungen bot 
der N am e Anlafs. Die meisten Späteren leiten 
ihn ab von k priv. und fia^ög und berichten, 
die Amazonen verstümmeln den Mädchen die 
eine oder beide Brüste, damit sie besser den 
Bogen spannen und den Speer schleudern 
{Schol. und Eust. II. 3, 189. Biodor. 2, 45. 
lustin. 2, 4, 5. Apolloä. 2, 5, 9. ArriamAnab. 
7, 13, 2) ; vgl. auch die lateinische Bezeichnung 



271 Amazonen (Name u. Tracht) Amazonen (Waffen u. Wohnsitz) 272 

Unimammia bei Plaut. Curcul. 3, 75 und den ausgesetzt bei FerjiZJ.ew. 5, 311. NonnusBion. 
Namen Oinumama auf einer pränestinisohen 37,117. Daneben führen sie wie die Schützen 
eiste (Monum. G , 65). Abweichend erklärt die ffäya^ts, secwm, die Axt mit einer Schneide 
Philostr. Heroic. 20, 42, die Amazonen wurden und einer Spitze, von Xenophon Anab. 4, 4, 
nicht an der Brust gesäugt. Herodian bei 16 der persischen Waffe gleichgestellt. Pen- 
Gramer Äneed. 3 p. 293, 9 mifsbüligt jene thesileia ist Erfinderin der seouria bei Plin. 7, 
Etymologie, denn fiajog habe ein kurzes a, 201. Spätere weisen ihnen auch die zwei- 
'Jiici^mv aber ein langes wie (iä Ja Gerstenbrot. schneidige Axt nsUiivg, hipennis zu, vgl. Q. 
Einen Hinweis auf letzteres Wort kann man Srmjrn. 1, 597 und besonders Plutarch Quaest. 
auch bereits in dem Beiwort der Amazonen lo gr. 45, wo das bekannte Attribut des Zeus von 
bei Aeschyl. Suppt. 274 VQSoßÖQoi erkennen. Labranda von Herakles' Beute hergeleitet wird. 
Vgl. die Notiz bei Steph. Eye., daXs die Am a- Ihr Schild heifst TieXza oder ysQQov wie der 
Zonen Sauro^atiden heifsen nccqa rb accv^ag Schild der Thraker oder Perser. Verglichen 
Ttatsiv y.ccl se&Cnv. Andere Etymologieen von wird er einem Khombos (Paus. 1, 41, 7. Plut. 
Themistagoras bei^ Gramer, Anecd. Oxon. 1 Thes. 27) oder häufiger einem Halbmond, wie 
p. 80 ort evv tats ^mvaig dfimaai und bei Isidor die Glossa Placidi bei Mai 3 p. 496 genauer 
Orig.'9, 2, 64 quasi afia fräffa/,. — Einzelna- sagt, einem Viertel- oder Drittelmond. Neben 
m e n sind sehr zahlreich, Genossinnen der Pen- der rundlichen Pelta mit einem Ausschnitte 
thesileia zählen_§. Smyrn. 1, 42 ff. Tsetz. Posth. findet sich auch die breitere mit zwei neben 
174 ff., Gegnerinnen von Herakles Diodor. 4, 20 einander liegenden Ausschnitten. XeMop7»ow bei 
16, andere Hygin. 163, Schol. II. 3, 189, Tra- Pollux 1, 134 vergleicht sie einem Epheu- 
jans Gedicht in Anth. lat. n. 392 Kiese auf; blatte, Plinius 3, 43 der Formation der Ost- 
dazu kommen viele auf Vasenbildem , vgl. küste von Bruttium (eine zweite Notiz bei Plin. 
Stephani C. B. 1866 S. 175 u. 2. Pott, Ztschr. 12, 5 ist irrtümlich, vgl. Theophrast. Hist. plant. 
f. vgl. Spracht. 8, 425 ff. hebt hervor, dafs die 4, 4, 4). Dargestellt ist sie zuerst auf apuli- 
Namen wenig oder nichts Barbarisches an sich sehen Vasenbildern. Bei Vergil. Aen. 11, 611; 
^aben; den Gesamtnamen hatte derselbe Etym. Stat. Theb. 12, 524, auf einigen Vasen und dem 
Forseh. 1836. 2 S. 261 von a priv. und zend. bemalten Sarkophag aus Corneto Monum. 9, 60 
mas'ya Mensch abgeleitet (ein etymologisches kämpfen sie vom Streitwagen herab. Gröfse- 
Gegenstück zu den skythiBcheji'Evagssg Herod. 30 ren Ruhm aber hatten sie als Reiterinnen, zu- 
1, 105), Göttling, Gomment. de Amas. 1848 von mal in der attischen Sage (Pindar Ol. 8, 62. 
a priv. und [läaaciv = quae contrectari sese a viro Euripid. Herc. für. 405. Ilippol. 306. 582. 
nonpatitwr. — Ihre Tracht ist diejenige der Aristoph. Lysistr. 679). Nach Lysias Epitaph. 
Männer, der Griechen sowohl als der Fremden. 4 waren sie die ersten , welche zu Pferde 
Wie griechische Krieger tragen sie oft den kämpften. — Ihr gefeiertster Sitz ist Themis- 
kurzen Chiton in der Weise, dafs er die rechte kyra am Thermodou im späteren Pontus. Nach 
Brust nackt läfst; in der späteren Kunst ist epischer Anschauung {Paus. 1, 2, 1. Diodor 4,, 
dies oxrifia 'Afiatovfuov {Philostr. Imag. 2, 5, 2), 16) ist Themiskyra eine Stadt mit einer Königs- 
hahitus Amazonicus {Lampridius Vita Gommodi bürg; auch leiten Appian Mithrid. 78. Eust. 
11), das von den römischen Dichtern oft ge- 40 ad 11. 2, 814 Namen und Gründung der von 
feierte seminudum pectus ganz konventionell. Luculi belagerten gleichnamigen Stadt von 
Arrianl, IS, 2 und Curtius e, b, 19 wissen diese den Amazonen her; die Logographen jedoch 
Tracht mit der Verstümmelung der Brust nicht bezeichnen damit eine Ebene amThermodou. 
zu vereinigen, Servius ad Aen. 1, 492 sagt km-z Pherehydes fr. 25 nennt als Teile von ihr die 
nudant quam adusserunt mammam. In der doiantische Ebene und den akmonischen Hain, 
Kunst ist die Verstümmelung nie dargestellt. wo Ares mit der Najade Harmonia die Ama- 
Der berühmte Gürtel der Königin, nach Apol- zonen gezeugt habe. „Nicht vereinigt in einer 
lod. 2, 5, 9, 2 das Symbol der Herrschaft, Stadt, sagi Apollon. Bhod. 2, 996, wohnen sie, 
heifst gewöhnlich JeoCT^g wie derjenige der sondern über das Land hin zerstreut, in drei 
Männer. Bio Ghrysost. 8, 136, Nonn. Bion. Bo Stämme gesondert, die einen in Themiskyra, 
25, 250 unAClaudian 11, 37, welche von fffli/ij getrennt von ihnen die Lykastischen und wie- 
und fiCtQa sprechen, fassen das Lösen des derum getrennt die speerwerfenden Chadisi- 
Gürtels in erotischem Sinne auf. Der lateini- sehen." Von letzteren hatte schon Hekataios 
sehe Ausdruck schwankt zwischen balteus und gesprochen; vgl. Schol. Nach Herodot 4, 110 
cingulum. Euripides Herc. für. 410 u. Ion 1143 kommen die Amazonen vom Thermodon (s. d.) an 
gedenkt eines reichverzierten Mantels der Koni- die Ufer der Maiotis, nach Aeschylos Prom. 
gin, den Herakles in Delphi gestiftet habe. 723 umgekehrt von Kolchis zum Thermodon, 
Die fremdländische Tracht erwähnt Strabo 11, ebenso nach den späteren Historikern Nicol. 
604. Palaephatus 33. — Nach ,der älteren im Bamasc. fr. 158. Sallust. fr. 3, 46. ed. Kritg. 
Epos meist beibehaltenen Anschauung kämpfen eo Justin. 2, 4, 2. Ammian. Marceil. 22, 8, 17. 18. 
die Amazonen mit den schweren Waffen der Ihre Anwesenheit im Norden der Maiotis ent- 
griechischen Heroen; andererseits bezeichnen sprach besonders den Vorstellungen der Athe- 
sie schon Pindar Ol. 13 , 125. Nein. 3 , 38. ner. Für Euripid. Herc. für. 416 ist die Maio- 
Aeschylos Suppl. 292. Eum. 564. Polygnot bei tis sogar das Ziel des herakleischen Zuges, 
Pausan. 10, 31, 8 ak ruhmvolle Schützinnen, auch hei Propert. 3, 11, 14. Statius Achill: 2^ 
ihr Bogen ist der stythische oder gekrümmte, 86. Seneca Hippol iOO. Glaudian de raptu 
der mit dem Köcher an der linken Hüfte ge- Proserp. 2, 60 gilt der Norden als die eigent- 
tragenwird. Amazonenköcher als Kampfpreise liehe Heimat; der Tanais wird zum Amazonen- 



273 Amazonen (Wohnsitze) Amazonen in Ephesos etc. 274 

flufs, oder der Thermodon wandert mit in den Herakles habe den Amazonen das Gebiet von 
Norde». Dort sind sie auch Feindinnen der Pitane bis Mykale überlassen, denn ihre Sagen 
Greife geworden, viele spätere Vasenbilder und finden sich nur innerhalb dieses Gebietes, 
Terracottenreliefs zeigen ihre Kämpfe mit diesen sogar, wie es scheint nur in bestimmten Ge- 
Fabeltieren, vgl. Klügmann a. a. 0. S. 54 f. genden desselben. Besonders hat Ephoros die- 
Aeschylos Prom. 415 nennt sie des kolchischen selben behandelt und in Verbindung mit der 
Landes einheimische Jungfrauen, und bei Sta- Ilias gebracht, vgl. Strabo 11, 505. 12, 550, 
tius Silv. 1, 6, 53 ist selbst der Phasis ein die äolischen auch der Mytilenäer Dionysios; 
Amazonenflufs. Der Kaukasos wird auch in die äolischen Städte sind Myrine, der in der 
Clitarchs Erzählungen von Thalestris erwähnt; lo Ilias (2, 814) gefeierten Amazone gleichnamig, 
doch wandert dabei alles vom Schwarzen zum Kyme , deren alten Namen Amazoneion schon 
Easpischen Meere, vgl. Strabo 11, 505. Diodor Hecatäus erwähnte (Steph. Byz. v. Kifir}. Bio- 
IT, 77. Curtius 6, 4, 17. 5, 24. Genauer b^ der. 3, 55. Mela 1, 90), Gryneia, wo nach 
sprechen werden die kaukasischen Amazoneii Serv. Aen. 4, 325 Apollo die Amazone Gryne 
von Pompejus' Begleitern im mithridatischen schändete, Pitane und Mitylene {Diodor a. a. 0.). 
Kriege Strabo 11, 504. — Andere Sagen gehen Dann ist Smyrna eine Amazonenstadt: Tacit. 
westlich. Wie nach Arktinos Penthesileia von Ann. 4, 56. StepJi. Byz. s. v. PUn. 5,. 118. 
thrakischem Stamme war, so sprechen auch an- Aristides p. 372. 440, vgl. Synkellos p. 340 
dere Epiker vonAmazonen in Thrakien, vgl. MvQiva 17 nagd xtfft Zfiugva Xsyofisvr] iyiTia&Tj. 
Vergil Aen. 11, 659 ff. Q. Smyrn. 1, 1G8. Ama- 20 Besonders reich und mannigfaltig sind die 
zonen in Illyrien erwähnt Servius Aen. 11, S4:2, ephesisohen Sagen, vgl. öw/iZ, SpÄesiaca.Die 
bei den Vindeliciern ibid. 1,243, vgl. üora*. Eponymie schlofs sich an verschiedene Ört- 
Carm. 4, 4, 17, der wohl auf Domitius Marsus' lichkeiten in der Stadt, so an das dortige Sa- 
Amazonis anspielt. Vindelicia ist als Amazone mornaoder Smyrna, Sisyrbe, seltener an Ephe- 
dargestellt und noch die Sagen von Augsburg sos selber; vielmehr galt die Priesterin Bphe- 
in Sigm. Meisterlins Chronik knüpfen an den sos als Mutter der Amazo oder der Stifter des 
troischen Krieg an, während die Erzählungen Heiligtums Ephesos als Enkel von Penthesileia. 
von Libussa und dem böhmischen Mägdekriege Andere erzählen im Anschlufs an die Ableitung 
den Einflufs der libyschen Märchen des Mi- von sepsivai, Herakles habe den Amazonen das 
tylenäers Dionysios zu zeigen scheinen. Letz- 30 Land überlassen, die Göttin ihnen Kettung zu- 
tere liest man bei Diodor 3, 53 ff. mit Beru- gestanden, vgl. Strabo 14, 633. Schol. IL 6, 
fung auf erdichtete uralte Quellen. Von ihrem 186. Steph. Bye. v. "Ecpeaog, SiavQßrj. Hesych. 
Sitze am Tritonsee durchziehen die Amazonen v. 'AjjLa^m. Etymol. M. v. "Etpsaog Kävex^og. 
unter ihrer Königin Myrine Libyen und Asien Eustath. ad Dion. Perieg. 828. Sie sind die 
bis in die äolisohe Heimat des Dionysios, von frühesten unter den Sterbliehen, die das Asyl 
der aus sie auch Samothrake besuchen; dann des Tempels genossen {Tacit. Ann. 3,61. Paus. 
kehren sie heim und werden von Herakles ver- 7, 2, 7), auch die berühmte Statuenreihe stellt 
nichtet. Von diesen Thaten der Myrine weifs sie wohl als Schützlinge dar. Nach Pindar 
sonst nur ein Epigramm der Anthol. lat. n. bei Paus. a. a. 0. haben sie das 'Hieron er- 
860 Riese. Amazonen in Aithiopien schildert 40 richtet, d. i. das berühmte Bild der Göttin, 
Zenothemis Schol. Apollon. 2, 965. — Wichtiger Kallimachos H. in Dian. 238 schildert ihr 
sind die Eponymiesagen von Städten an Opfer und ihre Tänze. Später schreibt man 
der kleinasiatischen Küste, vgl. Philologus 1870 ihnen in summarischer Weise den Bau des 
S. 524 ff. Westlich von Themiskyra ist zu- Tempels und die Gründung der Stadt zu, 
nächst Sinope zu nennen, die dortige Ama- Mela 1, 88. Hygin. 223. 225. Ampelius 8, 18. 
zonensage erwähnten Hekataios und Andren Solin. 40, 2, oder läfst sie als Vorgänger Hero- 
von Teos bei Schol Apollon. Bhod. 2, 946. strats den Tempel verbrennen: Euseb. Chronic. 
Scymn. Chius 941. Tabula Albani Jahn- ad ann. 871. Clemens Alex. Protr. 4, 52. In 
Michaelis Bilderchr. S. 72 ; vgl. lustin. 2, 4, 17. der Nähe hatten Latoreia {Athen. 1, 57), Pygela 
Herakles vertrieb die Amazonen von dort, wie 50 {Strabo 12, 551), Ana.ia,{Steph.Byz. s.v.), Samos 
die Städtesagen überhaupt besonders an seinen {Plutarch Quaest. gr. 56), auch Patmos {Stadias- 
Zug anknüpfen. Der Bithyner Demosthenes mus Maris magni 283) Amazonensagen. Wie 
nannte eine Amazone als Bponyme der Stadt alle diese Orte am Meere liegen, so wird auch 
Amastris (s. d.) Steph. Bys. s. v. Tgetses. Chil. 13, die Eponymie von Meeresteilen auf Amazonen 
134. Ein anderer Bithyner Arrian hat das- zurückgeführt, vgl. Aege bei Paul. Diac. p. 21 
selbe für viele Städte seiner Heimat über- und Myrto bei Schol. Apoll. Bhod. 1, 752. — 
liefert, (s.d.) vgl. S*epÄ. By«. V. 'JfiofgoVffov, ©t- Im eigentlichen Griechenland haben nicht 
ßatg , Kvvva , MvqIsicc. Eustath. ad Dion. Städte , sondern nur Gräber und Lagerplätze 
Perieg. 828. Eudocia p. 38. Für Pythopolis Najpen von ihnSn, vgl. Plutarch Thes. 27, so 
bei Nikaia beruft sich Plutarch Thes. 26 auf 60 in Athen, wo das Amazoneion nicht vom Areo- 
Menekrates' Geschichte der letzteren Stadt. pag zu trennen ist, in Chalkis, Megara {Paus. 
Nach Eustath. a. a. 0. sollen hier auch 1, 47, 7), Troezen {Paus. 2, 32, 9), bei Chaironeia 
einige Quellen gleichnamig mit Amazonen sein, in Böotien {Steph. Byz. v. 'Aiioc^öveiov), wo es 
womit wohl die Sage der von Nonnos Dion. auch einen Flufs Thermodon gab, bei Skotussa 
15, 313. 16, 26. 225. 247. 17, 6. 48, 825 als und Kynoskephalai in Thessalien. Während 
Amazone bezeichneten Nymphe Nikaia zusam- diese Sagen sich an die attische anschliefsen, 
menhängt. FürÄolis undlonien ist die An- bleibt die auf die Amazonen zurückgeführte 
gäbe von Herakleides Pont. fr. 34 wichtig, Stiftung der Xoana der Artemis Astrateia und 



275 Amazonen (Deutung) Amazonen in d. Kunst 276 

des Apollon Amazonios zu Pyrrhichos in La- lisierung der Sage beigetragen haben In den 
konien isoliert (Pausan. 3, 25, 3). In Unter- äolisch-ionischen Sagen sohemt die Eponymio 
Italien endlich soll die Stadt Klete nach Pen- wichtiger zu sein als der Kultus um so Ue- 
thesileias Amme benanut sein: Lykophr. 993. merkenswerter ist, dafs der den Orottern be- 
Schol YS. 1331 und Steph. Byg. v. 'Aiiaiovis. kannte Name der Myrme sicli an den drei 
Müller, Borer 1, 391 hat aufgestellt, dafs Hauptstätten jener Sagen wiederholt. In üphe- 
den Griechen die Amazonensage aus dem Kul- sus sind die Amazonen als Fremde Stittermnen 
tus und speziell dem Hierodulenwesen der des fremdartigen Kultusbildes, das Wesen der 
Göttin TOn Komana am Iris erwachsen sei. Göttin bleibt ihnen fern; ihren Kultus haben 
Viele haben dies gebilligt und die Züge und lo sie nicht verbreitet. Normaler ist ihre Ver- 
Kämpfe der Amazonen im allgemeinen als bindung mit Ares m Athen, iur üponymie- 
Ausbreitung des Dienstes asiatischer Mond- sagen waren sie ihres Geschlechtes, ihres ge- 
und Naturgöttinnen aufgefafst, vgl. StacfceZ6«</, feierten, kriegerischen Charakters , ihrer un- 
Apollotempel zu Bassä, Bichlefs und Oruber begrenzten Zahl wegen sehr geeignet. *ur 
in der EneyMop. Gerhard, Gr. Myth. 2 S. 175ff. die Sagen im Westen lafst sich auf gynaiko- 
332. Preller, Gr. Mythol. 1\ 254 f. 2^85f. kratische Sitten illyrischer und liburnischer 
Doch sind Hierodulen, an welchen die Griechen Stämme {Slcylax p. 21. Nicol. Damasc. fr-}ii), 
den kriegerischen und jungfräulichen Charakter für Dionysios' libysche Erzählungen auf die 
austreprä^t finden konnten, der für sie das seltsamen Jungfrauenkämpfe bei libyschen btam- 
Welen der Amazone ausmachte, weder in je- 20 men (Herod. 4, 80) hinweisen. Bei römischen 
nem Komana (vgl. Strabo 12, 559) noch anders- Soldaten Amazoneusagen hervorzurufen genügte 
wo bekannt. Mit den asiatischen Gottheiten die Beteiligung der Weiber am Kampfe oder 
kommen die Amazonen überhaupt nicht in Be- auch Analogie der Waffen so in dem Kriege 
rührung, ebensowenig mit Minos undKadmos; am Kaukasus und gegen die Khater. — J^i*; 
Züge in das innere Asien werden kaum erwähnt teratur. Die ältere s. bei Volclcer Mythol. 
(über Pindars Bezeichnung der Amazonen als Geogr. S. 217 ff. Von der neueren sei hier aufser 
syrisches Heer vgl. Hermes 5 S. 444 f), und den bereits angeführten besonders C7fcert, ^6ÄÄ 
die berühmtesten Niederlassungen der Phöni- d. I. Kl. der hayer. Akad. 1849 dann A. l). 
kier weisen keine Amazonensagen auf. An- Mordtmann , Die Amazonen Hannov 1862, 
dere Gelehrte, wie FreVc*, Memoir.äeTaead. d. so Ba-gmann , Les Amasones dam Ihistotre et 
inscr. 21 p. 106fF. Welcker, Ep. Cykl. 2 S. 200 ff. dans la fahle. Colmar. W.Stricker, die Ama- 
Stoll in Paulys Bealenc. s. v., Klügmann in der eonen in Sage und Geschichte Berlin 1868 ge- 
angeführten Schrift haben die grofse Überein- nannt. • i, r>- k^- 4.i„ 
Stimmung der Sitten der Frauen nordischer IL Kunstarchaologisch. Die Kunstlei 
Völker mit denen der Amazonen hervorge- haben siestetsalsKrie gerinne naufgefafstund 
hoben. Was die Ilias 13, 5. Aeschyl. fr. 192. durch Tracht wie Haltung deutlich von Athene 
Hippokrates de aere 10. Herodot 1, 125 f. 216. unterschieden von den Sagen aber nur den 
4 9 116f Plato leqq. 7 p. 804. Pausan. 1, allgemeinen Inhalt dargestellt. Auf archaischen 
21, 6 über das Reiten und Jagen, die Kriegs- VasenmitTierreihensmd Amazonenbüder sehr 
dienste der Weiber, die Pferdeopfer, den Ares- 40 selten, auf allen spateren häufig, besonders die 
kultus, die Ernährung durch Fleisch und Milch, Gruppe, in welcher der Grieche vordringt die 
die Verstümmelung des Busens, die Waffen, Amazone halb unterliegt halb flieht. Auf den 
die Gürtel bei den Hippomolgen, Skythen, Sau- schwarzflgurigen, wo Herakles Kampf am be- 
romaten, Massageten erzählen, findet sich in liebtesten war, sind sie griechisA gerüstet 
den Amäzonensalen wieder; Tomyris tritt auf und kämpfen zu Fufs, von den Heroen nur 
wie eineAmazonenkönigin;dieSkythen bezeich- durch Farbe, Form f « ^^"^gS-U und den das 
neten die Amazonen als Oiorpatai, d. i. Männer- Gesicht weniger bedeckenden Helm ^terschie- 
töterinnen oder Männerherrsoherinnen: Herod. den; die m der Tracht skythischer Schützen 
4 110 Zeufs, Die Deutschen S. 295. Müllen- auftretenden sind nur Nebenfiguren, vgl. z. B. 
hoif Ber. d. Bert Akad. 1866 S. 555. Cum, so Gerhard, A. F. 95. 104 207. Auf den rot- 
Forschunqen S. 197. 282. Einen Stamm bei figurigen erscheinen sie häufig als Reiterinnen, 
ihn<inneÄiEyhorosrvvaiyio^Qatov^svor.Skymn. sind dann nie besiegt oft sogar "g^V orteil; 
Ghius 881. Skylax p. 70. Mela 1, 19, 116. die fremdartige Tracht und Bewafliiung ist 
Plin 6 7 19. Die nordischen Völker, Kim- ihnen gegeben, um Uniformitat zu vermeiden, 
merier und Skythen, sind mehrfach in Klein- Die Gruppierung ist meist einfach. Die Namen 
asien eingebrochen; ihre Züge dehnten sich weisen oft nach Athen, vg die Zusammen- 
weit aus und führten an einzelnen Stellen zu Stellungen Annah 1867 p. 211 ff. 1874 p. 1 tf., 
Niederlassungen, so in Antandros und beson- aufserdem Kämpfe mit den Greifen. Die spa- 
ders in Sinope, das Themiskyra nicht ff^rne ten grofsen unteritalischen Vasen haben fnes- 
lieat Auch die Völkerschaften im Osten des 60 artige, figurenreiche Kompositionen mit leb- 
Thermodon die Chalyber, Skythenen weisen hafteren, mannigfaltigeren Gruppen, die weib- 
Spuren von Verbindungen mit dem Norden liehen Körperformen sind deutlicher angegeben, 
auf Es gab dort Waffen und auch Tänze, die rechte Brust entblofst, die Tracht ferbig, 
weiche an diejenigen der Amazonen erinnern, die Waffen kaum jemals noch griechisch die 
XenophonAnab. 4, 7, 16. 5, 4, 12. Ein Heilig- Schüde epheublattformig ; ^gh Annah 1876 
tum des Herakles und ein nach ihm benanntes p. 173. Unter den Statuen gehört allem das 
Vorgebirge in der Nähe des Thermodon {Apoll. berühmte Fragment in Wien dessen Ü-rgan- 
Ehod 2 367 ff. 963 ff. c. schol.) wird zur Loka- zung zu der von Achül gehaltenen Penthesi- 



277 



Amazonen in d. Kunst 



Amazonen in d. Kunst 



278 



mannigfaltig wurde, sich nicht nur mit grö- 
fserer od er geringerer Treue an späteren Athena- 
schilden wiederholt, vgl. 'Michaelis Parthenon 
Tat'. 15, sondern hat mit ihren höchst charak- 
teristischen Kampfmoti- 
ven auch auf andere 
Werke Einflufa gehabt. 
Die grofsen Friese zu 
Phigaleia und Magnesia 



leia durch die Darstellung eines geschnittenen 
Steines gesichert ist (Sacken, die ant. Skulpt. 
Taf. 1 S. 3 f.) der archaischen Kunstweise an, 
die Sterbende ist von grofser Anmut und Züch- 
tigkeit. Stattliche, wenn auch ermattete Krie- 
gerinnen stellen die Statuen dar, welche, in 
zahlreichen Exemplaren vorhanden, als Kopieen 
.der von Pheidias, Polyklet, Kresilas u. a. her- 
rührenden und im Tempel zu Ephesus gestif- 
teten betrachtet werden. Da es nur wenige lo und am Maussoleum 
litterarische Nachrichten über sie giebt (vgl. feiern Herakles' Zug wie 
Plinius 34, 8, 18, 48. Lucian Imag. 4, 6), 
so ist man für die Bestimmung der einzelnen 
gröfstenteils auf stilistische Beobachtungen 
angewiesen. Für die polykletische (s. die Ab- 
bildg. S. 268) wird jetzt insgemein diejenige 
gehalten, welche den rechten Arm auf den Kopf 
gelegt hat (JlfoMMm. 9, 12); über die beiden an- 
deren, welche* sich auf Lanzen stützen (üfÄZ^er 
Wieseler ~ ' 




Amazonenkampf , {Kmnee, 
Arch. Ztg. 1876. Taf. 1). 



eine nationale Grofs- 
that. Auf dem Friese 
von Shigaleia (gut ab- 
gebildet in den Anc. marbles vol. 4) sind die 
Figuren stämmig, die Gesichter ohne viel Aus- 
druck, die Gewänder nicht immer glücklich 
gelegt, die Bewegungen energisch, die Kampf- 
zugleich aber in anziehender 



scenen wild , zugleich aber in 
Denkm. 1, 137. 138), schwankt das Ur- 20 Weise von Scenen des Mitleids und der Göt 




Amazone des Pheidias (?) 
mit Lanze, vgl. Klägmann, 
d. Amaz. i. d. alt. L. u. K. 
S. 64. 



terhilfe unterbrochen; günstiger urteilt KekuU 
Kunstmus. zu Bonn No. 140. Der Fries des 
Maussoleum, an welchem Skopas und. seine Ge- 
nossen wetteiferten , nur zum . Teil erhalten 
{Monum.h, 1—3, 18—21), hat bei grofser Man- 
nigfaltigkeit der Erfindung von Kampfmotiven 
schönen Flufs der Linien, klare Umrisse, No- 
blesse in den Formen und eine sehr feine Cha- 
rakteristik der verschiedenen Geschlechter und 
schwieriger, da einer 30 Lebensalter. Der Fries am Tempel der Arte- 
der beiden Typen noch mis zu Magnesia Glarac. pl. 117 C — I, dessen 
Entstehungszeit nicht feststeht, zeugt von tief- 
gesunkener künstlerischer Bildung. Erfindung 
und Ausführung sind gleich schwach. Von , 
anderen gleichfalls späten Marmorfriesen giebt 
es an manchen Orten dürftige Beste. Aus der 
Zeit der höchsten Kunstblüte rühren noch ein- 
zelne kleinere Metall und Thonreliefs her, 
so vor allem die schönen Bronzen {Bröndsted, 



teil nicht nur zwischen 
Pheidias und Kresilas, 
sondern es werden auch 
andereKünstler genannt, 
die nicht für Ephesus 
gearbeitet haben, na- 
mentlich Strongylion, 
Plinius 34, 82. Eine 
Entscheidung ist um so 



nicht in einer völlig er- 
haltenen sicheren Kopie 
vorliegt und es zweifel- 
haft ist, ob er, wie die 
übrigen, eine ermattete 
Kriegerin dargestellt 
hat, vgl. Jahn, Ber. d. 
Sachs. Ges. d. W. 1850 



S. 37 ff. Steiner, über den Ämagonenmythus in 40 Bromes of Siris 1837), welche einen Harnisch 



der ant. Plastik 1857 S. 55 ff. Scholl, Philo- 
logus 20 S. 416 ff. M. Hofmann ebendas. 23 
S. 397 ff. Klügmann, Bhein. Jf ms. 1866 8. 322 ff. 
Friederichs Bausteine S. 114 f. Kekule in Com- 
mentat. in hon. Momms. S. 481 ff. 

Von einigen wird auch die Bronzestatuette 
einer Reiterin von einfacher, aber kräfti- 
ger Bewegung (Mus. Borb. 4, 21) auf Stron- 
gylion zurückgeführt. Von sehr grofsartigem 



oder Helm verzierten, auch die Phalerae ans 
der Krim Compte Bendu 1865 pl. 5. Aber 
nicht nur Waffen, sondern auch Geräten ver- 
schiedenster Art gab man ähnlichen Schmuck, 
vgl. die in Unteritalien wie in Etrurien häufigen 
vergoldeten Thonvasen mit ringsumlaufen- 
den Kämpfen (ilfowMm. 9, 26), einzelne Gruppen 
auch von Greifenkämpfen auf kleinen Gefäfsen, 
bisher noch wenig publiciert, die Gruppe von 



Stile ist die Statue einer, wie es scheint 60 Achill und Penthesileia und eigentümlich kom- 



kaieend fortgeschleppten Amazone in Palazzo 
Borghese zu Rom (Matg-Duhn , Ant. Bildw. 
No. 947, abgebildet Monum. 9, 37). Unter 
den Statuen, welche von Brunn Annal. 1870 
p. 292 fi'. als Überreste der von Attalos auf 
der Akropolis zu Athen gestifteten Gruppen 
erkannt sind, befindet sich nur eine Amazone; 
tot auf einen Felsen ausgestreckt, läfst sie die 
Eigentümlichkeiten der pergamenischen Kunst 



ponierte Kämpfe auf den Friesplatten aus Ter- 
racotta bei Campana Op. in plast. tav. 74ff. 
Ferner Reliefs und Zeichnungen aus der ili- 
schen und herakleischen Sage auf Teile tten- 
cisten und Spiegeln bei Gerhard Etr. Sp. 
Taf. 9. 10. 136. 233. 341 u. s. w. Schöne, Annali 
1866 p. 163. 166. 171. Monum. 6, 55. Arch. Ztg. 
1876 Taf. 1. Auf den Wandgemälden der 
campanischen Städte sind Amazonensagen sel- 



nur in geringem Mafse erkennen. Eine Reihe 60 ten; als rein dekorative Figuren sind die Krie- 



anderer unter einander nicht verwandter, meist 
noch wenig behandelter, später Statuen und 
Gruppen ist aufgezählt von Klügmann , Die 
Amaz. in d. alt. Litt. u. Kunst S. 83 n. 117. 
Unter den Reliefs hat die Komposition des 
Schildes der Parthenos von Pheidias, die durch 
die steil aufsteigende, an den Schauplatz des 
Kampfes in Athen erinnernde Fläche sehr 



gerinnen benutzt Mus. Borb. 6 tav. 3, Uelbig 
n. 1248f u. S. 460. Wie am Maussoleum, so 
sind Amazonenkämpfe später auch an vielen an- 
deren Grabmonu mon ten dargestellt, worauf 
vielleicht die Rolle , welche sie in den Epita- 
phien spielten, eingewirkt hat, vgl. die Stele 
aus ApoUonia Monum. grecs 1877 pl. ä, dann die 
Sarkophage. Von ihnen zeigen eine centrale 



279 



Amazonen in d. Kunst 



Ambrosia u. Nektar 



280 



Komposition mit feinabgewogener Symmetrie 
der Nebengruppen der berühmte Wiener Sarko- 
phag (Saclcen, die ant. Skulpt. Taf. 2. 3) , ein 
früher in Vigna Altoviti zu Rom befindlicher, 
und die Reihe der besonders in Rom häufigen 
Penthesileiasarkophage, z. B. Visconti Mus. P. 
Cl. 5, 21, auf deren Deckel dann auch wohl 
andere Scenen der ilischen Sage dargestellt 
sind. Miliin Gall. mytii. n. 592 ; vgl. auch den 
etruskischen Monum. 8, 18 und den schönen 
bemalten aus Corneto Monum. 9, 60. Die übri- 
gen Sarkophage scheiden sich hinsichtlich der 
auf ihnen dargestellten Gruppen in zwei Klas- 
sen; die eine, welche mehr Scenen der Nieder- 
lage als des Kampfes zeigt {Ärcit. Ztg. 1876 



Ambi. sagrus primus operi. po l. l. Der Name 
ist wohl aus amhhi = um, zu beiden Seiten 
und einer Ableitung von saghura = haltend, 
gewaltig, gebildet, so dafs er der Bedeutung 
nach mit conservator oder den Beinamen tutor, 
twtator, custos zusammenfallen würde. 

[Steuding.] 
Ambrakia {'AiißgctKia) 1) Tochter des Phor- 
bas, Mutter des Dexamenos. SUJB^Jj^Ab- , 
10 l^üiüSi. — 2) Tochter des Angelas. StB. 
s. Y. xuJEust. zu B ionys. Per^ _i92. — 3) Toch- 
ter des STfrilTneiriTScEwester" des Eurytos. 
Ant. Lib. 4. Von ihnen soll der Ort Ambra- 
kia'"aen' Namen haben. [Bernhard.] 

Ambrax ("Jftßeal), Sohn des Thesprotos, 




Amazonenkampf vor Troia, Sarkophagielief t. Saloniuhi in Paris (Cterac, Mus. 2 pl. 117 A u. B) 



Taf. 7) schliefst sich vielleicht an Athen an, 
die andere, von welcher das Umgekehrte gilt, 
ist nur in Rom und Italien vertreten , vgl. 
z. B. Foggini Bassirü. d. Mus. Cap. tav. 23. 
Über die Darstellungen des Dodekaathlos vgl. 
Annali 1864 p. 304ff. 1868 p. 249ff. Die Mo- 40 
numente, auf welchen die Amazonen als Re- 
präsentanten von Städten oder Ländern 
erscheinen, sind nicht zahlreich; das früheste 
scheint das sogenannte Schwert des Tiberius 
{Lerach, Bonner WincJcelmannsprogr. 1849) mit 
der Darstellung der die Doppelaxt haltenden 
Vindelicia zu sein. Auf der puteolanischen 
Basis vereinigt keine der 14 kleinasiatisohen 
Städtefiguren die Tracht einer Amazone mit 
den ihr eigentümlichen Waffen; ebensowenig 50 
ist dies der Fall bei den auf der Piazza Pietra 
zu Rom gefundenen Darstellungen der Provin- 
ciae, und unter den kleinasiatischen Münzen 
der Kaiserzeit bieten nur diejenigen Smyrnas 
häufige und zweifellose Amazonentypen. Phi- 
lologus 1S10 8. bSOK [A. Klügmann.] [Auch 
die neuerdings von Benndorf aufgefundeneri in 
Wien befindlichen Reliefs des Heroen von Gjöl- 
baschi (Lykien) enthalten einen Kampf zwischen 
Griechen und Amazonen : vgl. darüber den 60 
„Vorlauf. Bericht über zwei österr. arckaeol. Ex- 
peditionen nach Kleinasien" von 0. Benndorf, 
Wien 1883 , sowie die „ArcMolog. - epigraph. 
Mittheilungen aus Oesterreieh" 6, 2. [Röscher.] 

Ambas s. Abas 12. 

Ambisagrus, Beiname des luppiter auf der 
Inschrift .eines kleinen Altars aus Aquileia, C. 
I. L. 5, 790: I. 0. M. & (= conservator) et 



Enkel des Lykaon, nach welchem die Stadt 
Ambrakia benannt war, Steph. B. s. v. 'AfißgaKia. 
Eustath. z. Bionys. Per. 492. Bionys. A. B. 
1, 50 nennt ihn Sohn des Dexamenos, Kö- 
nig von Ambrakia. [Stell.] 

A mbrosia^ l)Amb^sia(äfiß^^c!)undNek|^' 
tarjtJ«'"^«?)- Grewonnlic^ ist vEater^mbrosia 
di§^yfeeisej^unter Nektar der TranK der Göt- 
ter zuverltenen, auf deren Genufs wesentlich 
ihre Unsterblichkeit mit beruhte (vgl. die Sa- 
gen von Demophoon und Achilleus , welche 
durch Salben mit Ambrosia unsterblich wer- 
den sollten, von Tantalos, der nach Find. Cß, 
1^91^ durch den Genufs von Ambrosia und 
Sefiar unsterblich geworden war, sowie Stel- 
len wie Ii...Ä14Q f. r 38 f. Hes.Theog, 793 ff. 
Od. B l^Jju endlich die Gleichsetzung von 
äjZPgöetöTTind ä^avaaia Luc.^Bial-^jDeOTtJ:. 
Schal. Pind._P.J,_US). In den homerischen 
Gectichtenwerden Ambrosia und Nektar in dem 
angegebenen Sinne häufig neben einander ge- 
stellt (II. T 352. Od. e 199 u. 92. t359^_vgl. 
auch HyimrMefc^^ZMJQ^^IlSs^^Sti^- 
6 39 ■ 796) . "ebenso wie eirog r}Ss xozrjg, anog 
■nal fis9v, attog Jtal olvog u.___S;_w. Bisweilen 
wird auch jeder der beiden Ausdrücke allein, 
ohne den andern, gebraucht {I}. Ä 597^_,^_a, 
Od. ii 62. Hymn. in.4£-. B«Ll®^ SeErson- 
defbäFlst daher S^jnm^Jn.JEen.Mi. die Ne- 
beneinanderstellung von aitm t ceiißQoairj zs, 
wofür wahrscheinlich ekm äfißgoaim (vgl. afi- 
ßQoaiov dSaQ u. ähnl. II. N 35. E 369) zu 
schreiben ist. Aber schon in den homerischen 
Gedichten kommt Ambrosia aufserdem auch 



281 



Ambrosia u. Nektar 



in der Bedeutung Satoe und Reinigungs- 
mittel {QVjijia) vor, z. .B II S 170, wo von 
Hera erzählt wird, dafs sie ihre~Häut mit dfi- 
ßQoairi gereinigt habe , 0^^eV92j_ wo Athene 
die Penelope mit ambrosischer Seife (jiäiisi 
dfißQoaiay) wäscht, II- JI 670, wo der Leichnam 
des Sarpedon, wahrscheinlich, um ihn vor Ver- 
wesung zu schützen , mit Ambrosia gesalbt 
wird u. s. w. (yg\-ääsh^^mn. in_Cer._^T. 
I l._ ^ 185. Ap. Bh. A.J >lL.3i-Jkhol. ÄmÖod. 
3^ 13. 6.) Diese ambrosische Salbe wird so- 
gar gelegentlich von den Göttern zum Hei- 
len von Wunden benutzt (Bion. 11. Vera. 
AerijAi, 419). Ferner erscheinen ICÜJlTT^ek- 
taf^ und Ambrosia als Einbalsämiernngs- 
mittel, da von Thetis erzählt wird, sie habe 
der Leiche des Patroklos, um sie vor Verwe- 
sung zu schützen, Ambrosia und Nektar durch 
die Nase eingeflöfst, wie es nach Herodot2j86, 
die Ägypter mit ihren Einbalsamierungsmitteln 
zu thun pflegten. Vielfach wird auch der 
aufserordentliche Wohlgeruch des Nektars 
und der Ambrosia, sowie ihre Lieblichkeit 
und Süfsigkeit hervorgehoben, daher z. B. 
Bidothea dem Menelaos, um den Übeln Robben- 
geruch zu vertreiben, Ambrosia unter die Nase 
legt (Q d. ö 4 45. Vgl. auch Theogn. 8. Philox. 

h.Ath?-mtZTjiSocrriirir,-2grT^cFrx^v:. 

Aniri7JTr.'_J^Jli. TerW. Geö. 4 . 415. '0»; Met. 
4,"?50,_10^_73jjr~Höch?{ merEwürdig~TsF^s 
en3IiSi, dafs neben der Tradition des Homer 
und Hesiod, welche in Ambrosia die Götter- 
speise, in Nektar den Göttertrank erblicken, 
noch eine zweite^(^^bOT|al^s recht alte bestand, 
wonach das TJnig'eK'en^rte der Fall ist. Vgl. 
S apphg fr. 51 B erpk^_Alkman fr. 97B_,__^w- 
aaJaw^mte£_b,l!jBE3^1jt.. l8 a U;_jZÄng;^_iÄgp. 
rr^S^^/wcTvon einer Quelle 3er AmOToiiiun 
piesperidengarten die Bede ist. Offenbar ist 
nier derselbe Ort gemeint, von wo nach QA, 
(i 62 die niUiui. = mrjta^sg (v gl. Ath. 489 eff ^ 
M iistath z. Od. yt, 62) dem neugebornen Zeus 
Ambrosia bringen, indem sie dabei durch die 
Irrfelsen hindurchfliegen müssen. Neugebo- 
rene Götterkinder dachte man sich auch 
sonst mit Nektar und Ambrosia gefüttert (-Hunm. 
JnA p. Bei. 123. P twd. Ptfife. 9, 64 .BöeS^. 
Wenn Ambrosia auch als Futtergras für die 
Götterrosse erscheint (iXE 369. 777. iV.3§), 
so beruht dies wohl aiäT~"eTner ubertiragung 
des Begriffes Unsterblichkeitsspeise von den 
Göttern auf ihre Rosse. — Wie erklärt sich 
nun die Vieldeutigkeit des Ausdruckes Ambro- 
sia, welcher nicht nur die SpeisgjSgndem auch 
die Salbe und das Reinigungsmmel, eine Ein- 
balsamierungsessenz und ein Parfüm, ja sogar 
im Austausch mit Nektar den Trank der Göt- 
ter bezeichnet? Sehr wahrscheinlich aus der 
mannigfaltigen Verwendung des Honigs, der 
genau dieselben Funktionen wie Ambrosia und 
Nektar hat, d. h. bald als Speise, bald in 
verdünnter Form als Trank gebraucht wurde 
(Met, jisXCii^aTov, vSqo^sXi). Ein berauschender 
Honigtrank spielte bei den Griechen vor Ein- 
führung des Weinbaues eine grofse Rolle 
{Hehn^KuUw^^ b^^Por- 

pfei/r. de äpföw^iCSö'j 468 a)if6rner wnrdeHo- 
nigalsSaibe {P lin.n.h .Xl, 37f. 22,108. Aristot. 



Ambrosia u. Nektar (^ Honig) 282 

d e an. h. 9, 40, 21. Proll. 1. 2. Galen, ed. K . 
1 ^. 731. 12, TÜTTjTs. 6. .6. 34\rg]i rSeif e (Ari - 
stot. iProBT \J\'^^S^n7ydr^rWlh§$j._X'^, 
7Sn^|s. 5, l^,_]Pmr§Kyr.'Sejintro n. 16. Ja- 
eo^~I>el. epigr. (/r. .6j .46^^ aß Elhbalsamie- 
rungsmittel {Herod. 1,198. Strab. 746. Dio.d. 
15j_93^ Xen. Hell. 0*11. i,MCr. X 88C ßo- 
ItmTB'jiö. Stob..Flot\6, 3.__Stat.J§>^'3^ 

i^IZImph- ■dnt:JL2*IZBin.ÄJLn.JSi8 

10 etej benutzt. Auchsehrieb man dem Genüsse des 
Honigs eine gesundmachende, lebenver- 
längernde Wirkung zu {A th. 2, 46efF. ggo gow. 
15, 7. Lcurt. I)Jog. vitaPtj^r^^^^^^ll^^^^Ji. 
V. 1^<Ä^ 9J.., Äw. 7j. n^ 22jJJJtXund brauclite 
ilin"Tn"unzähiligen EranEheitsfällen als wirk- 
samstes Arzeneimittel (A ristot. Eth. Nie. 5, 9, 
1 5. Plin. n. h 22 , 107 u 110 ). Ja es~[ä!st 
sich sogar nachweisen, dals der Honig gera- 
dezu als Götterspeise, und der aus ihm 

20 bereitete Met als Göttertrank betrachtet 
wurde (ygLHymn. in Merc,_b&2l '9'sräj' riSsia 
eSoaSi^. OfsS^Jb7PöFpEyr. 3e antrojn._l.6. Ba- 
trachom.J0). Auch als erstenSTäThriing neu- 
geborener Götterkinder kommt Honig vor, ge- 
radeso wie sonst Nektar und Ambrosia (vgl. 
A poll Bh. 4. 1 131. Diod._bjJ[0.4'nton. Lib. 
19." A£ZJiWlwm2§£-ħ.-H*~§- ^ie ArtiEeT Me- 
lis^Tjinr Melisseus)T~Vom jungen ZeüF"gäb 
es demnacE"zweiTraditionen. Nach der einen 

so sollten ihn die Peleiai, dj^^die Pleiaden (s. 
oben), mit Ambrosia und Nektar (Od. tt 62. 
llk^oJh^Ath,. 491b. Overbeck, Kunstmi/m. i, 
1 {Zeus) Sr329)7Äach"der ändern Bienen mit 
Hbnig ernährt haben. Beide Versionen ge- 
hen offenbar auf denselben Grundgedanken 
zurück, denn die Bienen fangen erst nach dem 
Aufgang der Pleiaden an Honig einzutragen 
{Ari8totJ[.>^-a^ 5, 22, 4. Plin.ji,JhJl^m: 
nee omnino prius yerglIiänim~eicortu [niel fllj). 

4,0 Endlich ist noch auf die für unsere Gleichsetzung 
von Ambrosia - Nektar und Honig besonders 
beweiskräftige Thatsache zu achten, dafs das 
ganze Altertum den Honig für einen wie 
Manna vom Himmel auf Pflanzen und Bäume 
fallenden Tau, also schon an und für sich 
für eine Art Himmels- oder Götterspeise hielt. 
(Vgl. unsern Ausdruck «Honigtau" = ccsqo- 
lJi,e}.T,~Vqöäofsii^vov jisli und folgende Stellen: 
T heophr. fr. 190. Galen, ed. K, ß^ jaä. .AtiUQt. 

50 h.an. 5 22, i. Plin. n.h. llj 30. AÜLt 500 c. 
Pöl^^SA^Z^ riDiöcriT. 75 n.'s. w .1. Aucli 
insofern stinimen~3ie Vorstellungen von Am- 
brosia und Nektar mit denen vom Honig wunder- 
bar überein, als beide als Inbegriff der Süfsig- 
keit, Lieblichkeit und des Wohlgeruchs be- 
trachtet und in metaphorischer Bedeutung von 
der Süfsigkeit der Rede und des Gesanges ge- 
braucht wurden. (Vgl;_ZiJB._ II. .4 249,i_. JifiS. 
Theog. 83. Find. Nem. 3, 74..' 'Öl. 7, 7. Anth. 

60 gy'r?.'^, '3): W'kös (\>:A:m.jffhj ^Tgi:iScKoi . 

Pi^T^^.9, 113. J'^etg. Jitsfr8i.984) bezeicbnet 
die" AmbfSsiä" aü'nSühScEe Potenz des Honigs. 
— Litteratur: Röscher, Nektar und Ambro- 
sia, Leipzig 1883. Bergk in Fleckeisens Jahrbb.- 
1860 (Bd. 81) S. 377 fi. Sioll in Paulys Beal- 
enc.^ 1 unter Ambrosia. Buttmann, Lexil. 1, . 
p. 133. Nägelsbach, Hom. IheoU p. 41. Prel- 
ler, Gr. Myth.' 1, 88, 1. — 2) Tochter des At- 



283 



Ambrosius 



Ammon (in Theben) 



284 



las und der Pleione , eine Hyade und dodo- 
näische Nymphe , • Amme des Dionysos ( j/w . 
J\ laa u. 192 . P. Ästr. 2, 21. Pherekiidesp. 
Schot /;. 'Ts'rTSß). NacF'^ygmtor'Bton. 2i, 
irftrSSa.'A'mep^s b. Hyc/, ^_F.Ästr,_2 ,21 
wOTcTe sie , als 3er "König Lykuvgos den Dio- 
nysos und seinen Thiasos verfolgte, in eine 
Rebe verwandelt. Vgl. das Sarkophagrelief 
der Villa Borgheseb. MßM6t-Wi?seler,B._sL 



verehrt werden. Gewöhnlich steht neben dem 
obersten Gotte seine Gemahlin und ein Sohn 
(oder eine Tochter); an sie schliefsen sich die 
untergeordneten Gottheiten und Dämonen des 
Ortes an. So besteht die Trias von Theben 
(oder richtiger des diospolitischen Nomos) aus 
Amen, seiner Gemahlin Mut (oder Mut urt = die 
grofse Mutter) und ihrem Sohn, dem Mondgott 
Chunsu. Die Etymologie des Namens Amon 



K. 2, 37, 441 



und das Bildwerk des von lo kennen wir so wenig wie die der meisten ande- 



re Witte J^mTHT/^st.. 17j^.p,, JJt£A£jaJ?„bfi- 
scErTeBenehTnäsbechers {Stoll in Pqulys Beal- 
ewc^ljS^}; Was die DeutuHg" dieser Ambrosia 
an"Be5fiBt7so war dieselbe ursprünglich wohl 
die .Personifikation des Honigtaus (■So» (isU, 
äs^öfieli, ä^oGÖiisU), worüber zu vergleichen: 
jRoscÄer, Nektar u. Ambrosia ß, 14ff. . Dafür 
spricEFaücE die Sage von der Ernährung des 
neugeborenen Dionysos mit Honig {Boscher 



ren ägyptischen Götter; die Theologen der spä- 
teren Zeit erklären ihn als den "'geheimnisvollen', 
'verborgenen' und dachten dabei . unzweifel- 
haft an den schon früh in der Geheimlehre 
vorkommenden Gott, „dessen Namen verbor- 
gen (amen) ist", d. h. die grofse pantheistische 
Gottheit, von der alle Einzelgötter nur Namen 
sind und deren eigentlicher Name unbekannt 
ist. Daher Flut, de Is. 9, wo der Name 



wo auf Aq. Bh. 4, 1134. ver- ^o'AnoHv nach Manetho xo KetiQVfiiisvov aal Trjv 



a. a. -. _. „ ,_. ,. , 

wieseiiTst,) und der Umstand, dafs die Hyaden 

ebenso wie die Pleiadea , die ebenfalls die 

deutlichsten Beziehungen zum Honig haben (s.o.), 

Töchter der Pleione sind {Boscher S. 28ff.). 

[Röscher.] 
Ambrosins, ein Dolione, von Peleus getötet, 

ValJElaai. 3, 138. [Schultz.] 
Anibrosos {'AjjißQCäaog), Heros eponymos der 

phokischen Stadt Ambrosos, P.a^ts._lö^_36J_2• 

Der Name lautet auch "J^ßQvaog {^aka), "Afi- 

cpqvaoe {Ste^Jim-)- ^g^-BursianGeogr.J., 

183,.3, .[StöUJ 

Ameinias {'Aiisiviae), Liebhaber des spröden 

Jünglings Narkissos (s. d.) in Thespiai. Alä 

dieser ihn hartherzig versehmähte und ihm 

zuletzt ein Schwert schickte, tötete er sich 

mit demselben vor der Thüre des Narkissos, 

nachdem er vorher um einen Rächer gefleht. 

Narkissos verfällt in Liebe aa sich selbst, fühlt 

sein Unrecht und bringt sich um, Konon 24. 40 11 ff., der die von WH- 

Vielleicht ist 'AfivvCas , d. i. der Rächer, zu kinson, Parthey u. a. 

schreiben , oder auch 'Afiiviag , da in vielen 

Namen i für v eingetreten ist, Welcker Aesch. 
Tril. 613. A. Denkm. 4, 166, 5. [Stoll.] 
Amestrios {'AjirieTQiog), Sohn des Herakles 

und der Thespiade Eone, ApoEätL-^^-JUS- 

■^ [Stoll.] 
Amisodaros {'AinacöSaQog, auch 'A(i,i,e6SaQos), 

König in Lykien oder Karien, der die Chimaira 

zum Verderben der Menschen aufgezogen haben 50 Gottes. Noch gewöhn- 
soll , IL 16, 328. Apollod. 2, 3, 1. Eustath. lieber bildet man ihn 
Hom. 1062, 57. Aelian. N. A. 9, 23. Euheme- 
ristisohe Erklärungen s. bei Tzets. L. 17, p. 300 
Müller. Phit. de mul. virt. 9, nach welchem 
Amisodaros bei den Lykiem 'laüqag hiefs und 
aus der Kolonie der Lykier in der Gegend des 
troischen Zeleia war. Preller, Myth. 2, 82, 3. 
Seine Söhne Atymnios und Maris, Gefährten 

des Sarpedon, wurden vor Troja von den Söh- _ _ 

neu des Nestor getötet, II. 16, 317ff. Von 60 die meist als Stiere 
Späteren wird er mit lobates vertauscht und oder Widder aufgefafst 
. Schwiegervater des Bellerophon genannt, Schol. 
II. 6, 170. 16, 328. [Stoll.] 

Ammon, richtiger Amon (Afi^mv) ist der 
Name des Stadtgottes des ägyptischen The- 
ben. Durchweghaben in Ägypten die lokalen 
Distrikte, die Nomen, ihre besonderen Gott- 
heiten, die in den Tempeln dgs Hauptortes 




K^vipiv bedeuten soll (vgl. Jambl. de myst. 8, 
3). Seiner ursprünglichen Funktion nach scheint 
Amon ein Gott der Fruchtbarkeit und Zeu- 
gung gewesen zu sein; daher wird er so häufig^ 
ithyphallisch dargestellt; sein heiliges Tier,, 
in dessen Gestalt er erscheint {Herod. 2, 42), 
ist der Widder, und zwar ein Widder mit 
nach unten gekrümmten, die Ohren umschlie- 
fsenden Hörnern, den sogen. Ammonshörnem. 
30 Dagegen wird der in 
der Gegend des ersten 
Katarakts heimische, 
aber auch sonst in Ägyp- 
ten viel verehrte Gott 
Chnum(Kneph) als Wid- 
der mit horizontal ver- 
laufenden Hörnern dar- 
gestellt, s. Lepsius, Z. 
für äg. Sprache 1877 S. 



vertretene Behauptung , Amon als Widder. 
Ammon werde in Ägyp- 
ten nie widderköpfig dargestellt, völlig wider- 
legt. Auch die grofsen Widderflguren, welche 
in langen Reihen an 
den thebanisohen Tem- 
pelstrafsen standen, 
sind Darstellungen des 



allerdings in Menschen- 
gestalt, mit blauer Haut- 
farbe ; dann kommen ihm 
als. charakteristisches 
Abzeichen zwei hohe 
Federn zu, die er auf 
der Haube trägt. Alle 
Götter der Zeugung, 



werden, sind in Ägypten 
teils von Anfang an, 
teils infolge theologi- 
scher Kombination zu- 
gleich Sonnengottheiten. Denn die Sonne, deren 
tägliche Schicksale den Mittelpunkt der ge- 
samten ägyptischen Mythologie bilden, wird 




Amon mit Federliaube. 



285 



Ammon (in Theben) 



Ammon (in Äthiopien) 



286 



u. a. auch sehr häufig als 'kräftiger Stier' ge- 
dacht, der zeugend inmitten des Himmels steht 
und von der Himmelsgöttin den Sonnengott des 
nächsten Tages, zugleich seinen Sohn und sich 
selbst, erzeugt. So ist auch Amon schon sehr 
früh zum Sonnengott geworden und trägt 
als solcher den Diskus mit der Uraeusschlange 
— dieselbe bedeutet die vernichtende Sonnen- 
glut — auf dem Haupt. 

In der ältesten Epoche der ägyptischen Ge- 
schichte, als der Schwerpunkt des Landes in 
Memphis lag, spielten wie Theben, so auch 
seine Götter gar keine Rolle. Erst als die 
Dynastien der Pyramidenbauer ins Grab ge- 
sunken waren, etwa gegen Ende des dritten 
Jahrtausends v. Chr., mit dem Kegierungsan- 
tritt der 12. Dynastie, wurde Theben die Haupt- 
stadt des Landes. Damals waren die religiö- 
sen Anschauungen ganz Ägyptens bereits völ- 
lig von der monotheistischen Geheimlehre be- 
herrscht , nach der alle Götter nur Namen 
oder Formen des Einen uranfänglichen und 
ewigen Sonnengottes waren. Der Hauptname 
dieses Gottes war nach den lokalen Kulten 
verschieden; für die Reichsreligion traten be- 
greiflicher Weise die Gottheiten der Haupt- 
stadt in den Vordergrund. So wurde Ämon- 
Ba', d. i. der mit dem Sonnengott identificierte 
Amon, die angesehenste Gottheit ganz Ägyp- 
tens, in dessen Namen die Könige kämpften 
und siegten , der ihnen , seinen Söhnen , die 
Krone aufs Haupt setzte, dem sie gewaltige 
Tempelbauten errichteten und einen bedeuten- 
den Anteil von den Einkünften des Reiches 
und der Kriegsbeute überwiesen. Amenemha't 
I , der Begründer der 12. Dynastie , legte zu- 
gleich den Grund zu dem grofsen Reichatem- 
pel des Amon in Theben (Kamak) , an dem 
alle folgenden Geschlechter bis auf die Ptole- 
mäer hinab weiter gebaut, aus dem sie all- 
mählich das gigantischste Tempelgebäude der 
Erde geschaffen haben. Auch die Zeiten des 
Verfalls, der Fremdherrschaft der Hyksos, hat 
die Herrscherstellung des Amon überlebt. Ein 
thebanisches Königsgeschlecht war es , dem 
(etwa um 1530 v. Chr.) die Befreiung des Lan- 
des gelang, und unter den grofsen Kriegsfür- 
sten und Bauherren der 18. Dynastie , vor al- 
len Dhutmes III und Amenhotep III, stieg das 
Ansehen und der Wohlstand des Gottes im- 
mer mehr. 

Dann trat eine höchst interessante Reaktion 
ein. Es hatte sich eine Partei gebildet, welche 
mit der Geheimlehre Ernst machen , den 
Monotheismus wirklich durchführen wollte. 
AUe Götter sollten nicht wie bisher lediglich 
für Formen des einen Sonnengottes erklärt, 
sondern definitiv beseitigt werden , die „Son- 
nenscheibe" (absichtlich wählte man das Appel- 
lativum , nicht einen der alten Namen der 
Sonnengottheiten) ausschliefslich verehrt wer- 
den. Der König Chuenateu („Abglanz der 
Sonnehscheibe", urspr. Amenhotep IV) wurde 
für die Reformation gewonnen und führte 
dieselbe mit gröfster Energie durch ; dem einen 
Sonnengotte baute er (in Teil Amarna) einen 
neuen Tempel und verlegte die Residenz hier- 
hier. Alle alten Götter wurden beseitigt^ ihre 



Namen an den Tempelwänden wo man sie 
erreichen konnte, ausgemeiselt. Begreiflicher- 
weise wurde kein Gott stärker von der Ver- 
folgung betroffen als der bisherige Hauptgott, 
Amon. — Dauernden Bestand hat die Refor- 
mation indessen nicht gehabt; in den lang- 
wierigen Wirren nach Chuenatens Tode ge- 
langte die alte Orthodoxie wieder zur vollen 
Herrschaft, die Bauten des Königs wurden zer- 

10 stört, die Tempel und die Priesterschaft ge- 
wannen ihre alte Macht aufs neue. Die 
nächste Dynastie (die neunzehnte) , der vor 
allem Seti I und Ramses 11 angehörten, war 
dem Amon eiÄg ergeben, von ihnen stammt 
u. a. die berühmte grofse Säulenhalle von Kar- 
nak. Das Ansehen und der Wohlstand des 
thebanischen Gottes, d. h. der Oberpriester des 
Amon, wuchs immer mehr und drängte schliefs- 
lich das Königthum völlig in den Schatten. 

20 Die Inschriften der späteren Ramessidenzeit 
lehren uns, dafs alle wichtigen Angelegenhei- 
ten, z. B. politische Prozesse, direkt von dem 
Gotte entschieden wurden, indem die Amons- 
statue selbst die Orakel ertheilte. (S. darüber 
vor allem Navüle, inser. histor. de Finodgem 
III, 1883). So konnte schliefslich um 1050 
V. Chr. der Oberpriester Hrihor es wagen, die 
legitimen Herrscher bei Seite zu schieben, und 
sich selbst die Krone aufs Haupt zu setzen, 

30 Auf die Dauer hat sein Geschlecht dieselbe 
nicht behauptet; inTanis erhob sich ein neues 
(das 21.) Königshaus, das auch über Theben 
die Herrschaft gewann. Aber während der 
folgenden Jahrhunderte, in denen die äufsere 
Macht des Staates mehr und mehr verfiel, be- 
hielten die Amonspriester von Theben (jetzt 
gewöhnlich königliche Prinzen) , immer die 
angesehenste Stellung nach dem König. 

Inzwischen hatte sich in dem lange Zeit 

40 yonÄgypten beherrschtenLandeKu8ch(griech. 
Äthiopien, das heutige Nubien) ein neuer mäch- 
tiger Staat gebildet, mit der Hauptstadt Na- 
pata. Die Kultur und Religion von Äthiopien 
war völlig ägyptisch, und so erscheint auch 
hier der (menschenköpflg gebildete) „Amon 
von Theben" als Hauptgottheit. Neben ihm 
wird , wie es scheint von Taharka (um 700 
V. Chr.) an ein zweitei-, widderköpfig gebilde- 
ter „Amon vom heiligen Berge" (d. i. Gebel 

50 Barkai bei Napata) verehrt. Die Inschriften 
lehren, dafs auch die Theorie der ägyptischen 
Priester hier völlig durchgeführt war; das Ora- 
kel des Amon entscheidet über alles, ja der 
Gott erwählt die Könige vmd kann sie ab- 
setzen. Wie wir aus Diodor 3, 6 erfahren, 
hat zur Zeit des Ptolemäos Philadelphos Kö- 
nig Ergamenes diesem Unfug ein Ende ge- 
macht. 

In der. zweiten Hälfte des achten Jahrhun- 

60 derts eroberten die äthiopischen Könige Ägyp- 
ten und haben um den Besitz desselben lange 
Jahre hindurch erst mit den einheimischen 
Fürsten , dann mit den Agsyrern Kriege ge- 
führt. Schliefslich unterwarf Asarhaddon von 
Assyrien (um 671) ganz Ägypten und plünderte 
Theben; sein Sohn Assurbanipal stellte nach 
einem Aufstände die Herrschaft wieder her 
und schlug die Äthiopen 'aufs neue' aus dem 



287 Ammon (in d. lib. Wüste) 

Lande. Die Befreiimg YOn der Fremdherrscliaft 
gelang dann Psammetich I (seit 663 v. Chr.), 
der einem unterägyptischen Fürstengesclileclit 
wahrsclieinlicli libyscher Herkunft entstammte 
Er nahm seine Residenz in Sais im Delta, und 
seitdem ist der Schwerpunkt des Landes 
dauernd in Unterägyptefa gebUeben; Theben 
hat seine herrschende Stellung für alle Zu- 
kunft verloren. Daher kommt es, dafs von 



Ammon (b. d. Griechen) 



288 



nannten Oase von Siwa erteilte der Gott Orakel. 
Die Schilderung , welche die Griechen von 
dem Verfahren dabei geben — dieselbe geht 
bei allen Schriftstellern auf Alexanders Be- 
gleiter Kallisthenes zurück, dem sie zunächst, 
wie es scheint, Aristobul entlehnte {Strabo 17, 
1,. 43. Diod. 17, 50 f. Gurt. 4, 7, 23 f.; vgl. 
Herod. 2, 58) — entspricht genau den bild- 
lichen Darstellungen, welche die Berichte über 



Sf rÄ.^ss= aj^äE » E S1ÄI 's^Sef Jsr ü 



Olli. OiXAIjU. U.Ci. vxi.yj rjiMM.M.j..j^^^ 

tritt. An den einzelnen Hauptkultusstätten 
verehrt man nach wie vor die lokalen Gott- 
heiten als die höchsten und „einzigen"'; für 
die ßeichsreligion gelangen namentlich die 
Götter von Memphis, Ptah und sem Kreis, 
wieder zu mafsgebender Bedeutung. 

Wie nach Äthiopien ist der Amonskultus 
auch in die anderen Dependenzen des altägyp- 
tischen Reichs gedrungen; z. B. wissen wir 



der Zeit der letzten Ramessiden und der 21. 
Dynastie begleiten (s. o.). Das Bild der Gott- 
heit \Curt. 4, 7, 23 umbilico maxime similis est 
habitus (des Götterbildes) beruht auf einem 
absurden Mifsverständnis] befindet sich in einer 
Kapelle (oiiKOs), die inmitten der heiligen reich- 
verzierten Sonnenbarke steht. Letztere wird 
von den Priestern in feierlicher Prozession auf 
den Schultern getragen, ein langes Gefolge 



Ä'Lm^efm.ÄT^inen Lmo^m^S. Z h^ri^^P^- die Hymnen zu^hiSn 
von xidMiseB jjLi, ua,_o .,,.,. j.„r. fi„j„f j„„ fjnti.pa s^nD-fiTi. schliefst sich an. Dann er- 



im südlichen Palästina errichtete; doch hndet 
sich von einem Bindringen des Amon in die 
Religion der syrisch- phönikischen Stämme keine 
Spur. Dagegen hat er in den Oasen der liby- 
schenWüste dauernd Eingang gefunden. Die- 
selben , oder jedenfalls die wichtigsten von 
ihnen, die grofse Südoase (Uäh ed-'daohile ' und 
el-chärige) und die kleinere Nordoase (Uäh 
el-bachriie) sind jedenfalls seit dem Anfange 



des Gottes singen, schliefst sich an. Dann er- 
teilt das Götterbild selbst das Orakel, und 
der Oberpriester (wgo^Tjrjjs) legt es aus. 

Durch die Gründung der Kolonieen in Kyre- 
naika (um 630 v. Chr.) haben die Griechen 
den Ammon zunächst kennen gelernt, und 
zwar als den Orakelgott der Ammonsoase. Dafs 
man den Hauptgott Ägyptens und der Oase 
dem Zeus gleichsetzte, ist natürlich. Als solcher 



'^^''^tS^^^rTt^.^lZB^^^l 30 wurd7"ei-%H alten Zeiten eifng ja geradezu 
des neuen Äeicßs in agypt » , Hauntsott Kvrenaikas verehrt (Find. Pyth. 



als Hauptgott Kyrenaikas verehrt {Find. Pyth. 
4, 28. Fiat. Politic. 257 B., vgl. Pausan. 10, 
13, 5). Wollte man den Zeus Ammon bildlich 
darstellen, so fügte man dem gewöhnlichen 
Zeustypus die nach unten gewundenen Widder- 
hömer bei (vgl. u.). In dieser Gestalt erscheint 
er wiederholt schon auf archaischen Münzen 
der kyrenaischen Städte 
(Kyrene, Barka, Euesperi- 



werden in den Volkslisten der Pharaonen seit 
Dhutmes IH häufig erwähnt. Die weiter west- 
lich gelegene und durch grofse Sandwüsten von 
den Kulturländern getrennte Oase von Siwa, 
oder wie die alten Ägypter sie nennen, die 
„Oase des Palmengeflldes", soll dagegen nach 
Herodot 2, 42 eine Kolonie der Athiopenund 
Ä-rypter sein, wäre also, wenn die Angabe 

zuverlässig ist, erst zur Zeit der Athiopen- , ■ ^ - ■• 

herrsohaft um 700 v. Chr. besetzt worden. In «, des u. a.) und wd spa 
mbis, der Hauptstadt der grofsen Oase (daher ter der bei weitem häufigste 
'Aaivrißig d. i. Amon von Hibis 0. /. Gr. 4955), 
wie in Siwa haben die ägyptischen Könige 
dem Amon Heiligtümer gebaut. Der grofse 
Tempel von Hibis (el-chärige) , dessen Wände 
einen berühmten Hymnus auf Amon enthal- 
ten, in dem er als der einzige , ewige Gott, 
der Schöpfer, von dem die andern Gottheiten 

nur Gestalten sind, gepriesen wird, ist erst „ . . - ^ 

L der Perserzeit, von Dareios I erbaut und von bo ihn den libyschen Bac 
Nechtharheb, einem der letzten einheimischen chus {num. de lanc. Afi 
Herrscher Ägyptens (um 375 v. Chr.) , er- 
weitert worden, und dem Naruen des letzte- 
ren begegnen wir auch in den Überresten des 
Amonstempels von Ummbeida bei Siwa. In- 
dessen zweifellos hat es hier schon früher 
kleinere Heiligtümer desselben Gottes gegeben, 
und es ist sehr möglich, dafs die noch wenig 
untersuchten Ruinen des Hanpttempels der 




Münztypus derselben. Ne- 
ben ihm findet sich auf 
den Münzen vereinzelt vor 
Alexander und sehr häufig 
in der Ptolemäerzeit ein 

bartloser Kopf mit Amons- X 

hörnern, dessen Bedeutung Ammon, Gemme. Oner- 
unsicherist. Müller nennt beck, k.-m. Zeus, Gem- 

" meutaf. 4, 3. 

1, 101 ff.); [daneben findet sich in späterer 
Zeit auch der griechische Dionysos]. Der be- 
kannte Mythograph Dionysios von Mitylene 
erzählt nämlich (bei Diod. 3, 66—74), der li- 
bysche Dionysos sei ein Sohn des Ammon und 
der Rhea gewesen, und werde von den Libyern 
wie Ammon widderhömig gebildet (c. 73). 
Natürlich ist, was Dionysios von seinen Thaten 



rrnras;Vrgrmi,Ttwa"TMrnTrdH^^ eo ^Cabsölüt wertlose Fabelei; aber d« 
Amonsoase cm ^garmi e w ^pi,„rfi letztere Angabe mag richtig sein. Möglich ist 



von Ummbeida vgLDwi. 17, 50, 4) um mehrere 
Jahrhunderte älter sind. Dargestellt wird Am- 
mon in den Tempelskulpturen von Siwa im- 
mer als widderköpfiger Gott Herod. 4, 181; 
8 die Abbildungen bei Jomard, voyage ä Sy- 
diuA, und V. Minutoli, Heise mm Tempel des 
Jup. Amon. 

In der von den Griechen Ammonion ge- 



letztere Angabe mag richtig sein. Möglich ist 
es, dafs wie LepsiusZ. f. äg. Spr. 1877, 19 aus- 
geführt hat, der einheimische, widderkoplige 
Gott Harschef, der naxpentlich in Herakleopolis 
als Hauptgott verehrt wurde, aber auch im 
Ammonium vorzukommen scheint, diesem 
griechisch libyschen Typus zu Grunde liegt. 
[Von anderen Münztypen findet sich nament- 



289 



Amnion b. d, Griechen 



Ammön b. d. Griechen 



290 



lieh Apollo, der bekanntlich in einer derGrün- 
dungssagen eine Rolle spielt, und Athene, d. i. 
oifenbar Neit, die Hauptgöttin der libyschen 
Stämme an der Grenze des Delta, die von 
den Griechen seit alter Zeit mit der tritoni- 
schen Göttin identificiert wurde. Beide Typen 
sind rein griechisch gebildet. Das Wappen 
der Stildte ist bekanntlich das Silphium, aufser- 
dem findet sich einige Male ein Rofs. Siehe 
vor allem Müller, Numism. de Vanc. Afrique lo 
1. 1860. 

In Griechenland ist der Ammonknltus nie 
weit verbreitet gewesen. Pindar war ihm, 
wohl wegen seiner Beziehungen zu Kyrene, 
besonders ergeben upd hat dem Gott einen 
Hymnus geweiht, der später im Ammonium auf 
einem Altar aufgezeichnet war (PaMsa«. 9, 16, 1, 
vgl. Find. fr. 36 Bergk); ebenso hat er ihm in 
Theben ein von Kaiamis gearbeitetes Götter- 
bild errichtet. Sonst werden Kultusstätten 20 
des Gottes nur in Sparta und Gythion erwähnt 
{Pausan. 3, 18, 3. 21, 8). Dagegen genofs das 
Ammonsorakel seit dem fünften Jahrhundert, 
wo man bekanntlich überall begann, sich aus- 
ländischen Kulten zuzuwenden und den frem- 
den Göttern mehr zu trauen als den einheimi- 
schen, hohes Ansehen. In der delphischen 
Kroisosfabel wird es unter den angesehensten 
Orakeln genannt {Her. 1,46), und die Prophe- 
tinnen von Dodona erzählten dem Herodot 30 
eine Geschichte , dafs zwei schwarze Tauben 
aus Theben in Ägypten ausgeflogen seien and 
die eine das Ammonium, die andere Dodona 
gegründet hätten, eine Geschichte, die natür- 
lich die thebanischen Priester mit geringen 
Modifikationen (die Tauben wurden in heilige 
Frauen verwandelt) bestätigten {Her. 2, 54 f.). 
Die Spartaner sollen seit alten Zeiten den Gott 
eifrig befragt und geehrt haben; bekanntlich 
suchte dann Lysander (der dem Gott auch in 40 
dem thrakischen Aphyte einen Tempel bauen 
liefs) mit Hilfe des Ammoniums seine ehr- 
geizigen Pläne durchzusetzen {Plut. Lys. c. 20). 
Auch die Athener holten sich im Ammonium 
wie in Delphi und Dodona Rat {Aristoph. Aves 
619. 716. Plat. legg. 5, 738 C. Alcib. 2 p. 149 D. 
Plut. Nie. 13. Cim. 18), und eine Rechnung 
aus dem Jahre 333 v. Chr. erwähnt u. a. die 
von den Strategen dem Ammon ausgerich- 
teten Opfer (0. I. gr. 157 = C. I. AU. 2, 50 
741). Zum höchsten Ansehen gelangte das 
Orakel dann durch den Zug Alexanders. Was 
der Priester dem König verkündete, hat die- 
ser bekanntlich nie verraten; wohl aber ist 
es allgemeine Überlieferung, dafs er ihn als 
Sohn des Ammon (Zeus) angeredet habe, und 
es knüpfen sich daran die bekannten , wie 
es scheint zum Teil von Alexander begün- 
stigten Erzählungen von seinem übermensch- 
lichen Ursprung. Im Munde des Ägypters war 60 
die Anrede durchaus keine übertriebene Schmei- 
chelei; seit den ältesten Zeiten gelten die 
Pharaonen als Inkarnationen und Söhne der 
höchsten Götter, des Ra', des Horus u. s. w., 
und unzählige Male wird der König des 
neuen Reiches in den Inschriften von Ammon 
(wie von allen anderen grofsen Göttern) als 
sein Sohn, den er sich gezeugt und zur Herr- 

ßosCHEU, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. 



Schaft berufen hat, angeredet. Mehrere der 
ägyptischen Könige, vor allem Amenhotep III 
und Ramses II, haben die letzte Konsequenz 
dieser Anschauungen gezogen und „ihrem leben- 
den Abbild auf Erden" in Nubien (als Lan- 
desgottheit der Provinz) Tempel gebaut. Hier 
pflegen die divinisierten Könige in mensch- 
licher Gestalt, aber mit dem Ammonshom an 
der Schläfe , also ganz in der Weise der grie- 
chischen Ammonsbilder dargestellt zu werden. 
Die beigegebene Abbüdnng zeigt König Amen- 
hotep III in dieser Gestalt; durch den ihm 
aufgesetzten Halb- und VoUmond wird er zu- 
gleich mit dem thebanischen Mondgott Chunsu, 
dem Sohne Ammons , idenflficiert. Diese Sitte 
ist von den Griechen übernommen. Ptolemäos I 





König Amenhotep als 
Ammon. 



Von einer Lysimachos- 
münze. 



und Lysimachos haben auf ihren (teils auf 
Alexanders, teils auf ihren eigenen Namen ge- 
prägten) Münzen häufig den Kopf Alexanders 
mit Ammonshörnern dargestellt (s. Müller, 
numism. d'Alex. S. 29 ff. Münzen des Lysima- 
cJlus S. 8 ff. ; vgl. auch Ephippos bei Athen. 
12 , 537 c) ; ebenso ha.* sich Seleukos häufig 
mit den Hörnern abbilden lassen. Bis in die 
arabische Tradition haben diese Anschauungen 
nachgewirkt; wenn die Koraninterpreten den 
sagenhaften König von Jemen Dhu-lqarnain 
d. i. „den Herrn der beiden Homer" für Alexan- 
der erklären, so liegt dabei eine Erinnerung 
an die ihm zugeschriebenen Ammonshörner zu 
Grunde. 

In der hellenistischen Zeit tritt, wie in 
Ägypten selbst (abgesehen von den jetzt rein 
lokal gewordenen Kulten in Theben, in der gro- 
fsen Oase u. a.), so auch in der griechischen 
Welt, der Gott wieder völlig zurück. Das Ansehen 
des Orakels erlosch (tö iv 'Afii^mvi exsäov rt 
l-ulsXsfTCTai xQTjarrjqiov sagt Strdbo 17, 1, 43), 
nur die römischen Dichter verwerten es noch 
mitunter. In Inschriften wird (aufser in Ägyp- 
ten selbst) Ammon kaum je erwähnt; während 
Isis, Osiris, Sarapis überall gefeiert und als die 
mystischen Urgötter eifrig verehrt werden, 
nennt eine einzige Inschrift aus Kios, die den 
Anubis verherrlicht, als seine Eltern die Isis 
und den Osiris, der mit Zeus Sarapis, und dem 
/iEyas oßqifiog "Afifimv identisch sei {C. I. Gr. 
3724). Sonst findet sich Ammon im C. I. Gr. 
nur 4535 bei Beirut, 4696 in Kanopos, 5142 in 
Kyrene, ferner in thebanischen und Oasenin- 
schriften genannt; in lateinischen Inschriften 
kann ich ihn nirgends nachweisen. Etwas 
häufiger (abgesehen natürlich von Kyrenaika) 

10 



291 



Ammudates 



Ampelos 



292 



findet er sich auf Münzen abgebildet; verein- 
zelt finden sich Büsten und Masken (s. die Zu- 
sammenstellung bei Overbeck, gr. Kunstmyth. 
2, 277 fF.). Die ganz hysterogenen und wertlosen 
Bearbeitungen der Mythengescbichte, in denen 
er vorkommt — das Orakel wird in die Ge- 
scbichte von Perseusund der Kassiopea und von 
Herakles' Zug nacb Ägypten verflochten (beides 
knüpft an die Alexandergeschichte an und ist 
zuerst von Kallisthenes erfunden, s. Strdbo l. c. 
Arrian 3,3); Dionys von Mitylene erzählte 
ausführlich von den Thaten Ammons und sei- 
nes Sohnes Dionysos (jDiod. 8, 68 ff. s. o.) u. a. 
— verdienen keine eingehendere Besprechung. 
Dagegen ist' Ammon von den Griechen 
und Römern mit einem phönikischen , in 
Nordafrika eifrig verehrten Gotte verschmol- 
zen worden, dem Ba'al ohammän d. i. dem „feu- 
rigen Ba'al", einer Form des Sonnenba'als; der- 
selbe erscheint namentlich im karthagischen 
Gebiet in zahllosen Inschriften als Hauptgott 
und wird hier immer mit seiner Gemahlin Tnt 
(Aussprache unbekannt, vgl. ZDM. 31, 728) 
zusammen verehrt. Ihm verdankt Ammon zu- 
nächst das H, das ihm die Römer gewöhnlich 
geben (z. B. auch C. I. Lat. 8, 9018 Juppiter 
Hammon) , um seinetwillen nennt Vergil Aen. 
4, 198 den Jarbas Hammone satus. Auch dife 
Angabe des Macrobius {Sat. 1,21, 19) , der 
übrigens bekanntlich alle Götter zu Sonnen- 
gottheiten macht, die Libyer hielten den widder- 
hömigen Ammon für die untergehende Sonne, 
wird hierher gehören, und auf alle Fälle die 
uKQa "Aniicövog BaXi&avog bei Thapsos {Strabo 
17, 3, 16, vgl. Steph. Byg. s. v. BäXig). 

Litteratur. Böckh, Staatshamhalt 2" 132 f. 
Parthey, das Orakel und die Oase des Ammon, 
in Äbh. d. Bert Ak. 1862. Overbeck, gr. Kunnt- 
mythöl. 2 , 273 ff. (der durch Parthey und an- 
dere verführt, die Existenz des widderköpfigen 
ägyptischen Ammon bestreitet und den Gott 
aus Griechenland ableiten will). Lepsius, die 
widderköpfigen Götter Ammon und Chnumis, 
in Ztschr. f. äg. Sprache 1877, 8 ff. Ferner die 
numismatischen Werke von L. Müller u. s. w. 
sowie die betr. Abschnitte meiner Gesch. d. 
Altert. Bd. 1. [Eduard Meyer.] 

AmmndäteS) is, Beiname des Sol auf einer 
Inschrift aus Szöny bei Komorn, C. I. L. 3, 
4300 : Deo Soli Alagabal(o) Ammudati miL 
leg. I. ad {iutricis) etc. Sonst erwähnt ihn nur 
Commodianus instr. 1, 18: Ammvdatemque suum 
cultores more colebant. Magnus erat Ulis, qwando 
fuit aurum in aede. Mittebant capita sw nu- 
mine quasi praesenti. Ventum est ad summum, 
ut Caesar tolleret aurum: Defecit numen, aut 
fugit, aut transit in ignem etc. Hier ist also 
von seiner vergoldeten Standsäule die Rede. 
Der Name bedeutete die 'Standsäule' (arab. 
'ammudat', kegelförmig zu denken). Vgl. Mordt- 
mann, Z. d. dtsch. morg. Ges. 31, 91flf. u. Meds- 
lob ebenda 32, 733, sowie den Artikel Blaga- 
balus. [E. Meyer u. Steuding.] 

Amnisiades (AftviaiäSeg und 'Afiviei'Ssg), die 
Nymphen der Quelle und des Flusses Amnisos 
auf Kreta, welche besonders im Dienste der 
Artemis standen, Kallim H. in Dian. 15. 162. 
Ap. Rh. 3, 881. Steph. B. v. 'Aiiviaög. [Stoll.] 



Amoime {'Afioi^rf) , Danaide , vermählt mit 
dem Aigyptiden Polydektor , Hyg. F. 170. 
Bunte schreibt nach Apollod.2, 1, 5 Polyktor. 
Auch Amoime scheint korrupt; eine Oime 
kommt Apollod. a. a. 0. vor. [Stoll.] 

Amor s. Bros. ÄMÖut<:lÄrt, 

Impelos {"AiJiTtBlog), der WeiuBtock als Per- 
soniükation. Ein junger schöner ^^ifelÄjßohn 
eines Satyrs und einer Nyn^hgj^iBDli^ des 

10 Dionysos in Thrakien. WaHrffiS' der Knabe 
von einer an einer Ulme aufrankenden Rebe 
Trauben pflückte, stürzte er herab und starb. 
Dionysos versetzte ihn als Vindemitor unter 
die Sterne. Ovid. Fa,st._ _3^J^J^_^a,ch JSlhunos 
Bionys. 10, II AM- kam der in den Wäldern 
Lydiens gefundene Liebling des Dionysos um 
durch einen Sturz von einem wildgewordenen 
Stier, auf dem er spielend ritt. Zeus verwan- 
delte ihn dem Dionysos zu Liebe in eine Rebe, 

20 deren Frucht ihn seitdem entzückt. Eine schöne, 
zwischen Rom und Florenz gefundene Marmor- 




Ampelos a, Dionysos, Gruppe d. 1)rit. Museums. 

gruppe des Britischen Museums ( j^neieiit M ar- 
blesi n_ the^ British Museum P. 3. pl. 11. Spe- 
evmens of ancient ^m^twre ~yol7^_^jJ__pl. 50. 
üo Mmm'TTJmlänrJ. a7 g. faf. 32>n, 371) stellt 
derT i.naEen~3är, wie er, eben in der Verwand- 
lung begriffen, dem ihn liebevoll umarmenden 
Dionysos eine Traube darbietet. V gl. Hinter . 

nos ii.'^K'~SMSSZSbetSdi& SiSj!h..äSS. ^2?*" 
MQrHr3SJfr Müiler, Hgndb. d."4rc fe. §■ 3" 8&>-3- 
E. Braun,gr. Götterl. %. 531 . Gerhar^^^ßromus 

ri^^K'KünsSS!aiäMgLSZ^xJ&' t^töilTf' 



293 Ampheres Amphiaraos 294 

Amplieres ('^fKpijprjs), Sohn des Poseidon com. AU. p.219). Seine Heldentugenden und 
und der Kleito, Herrscher in Atlantis, Plat. seine Sehergabe finden wir Yielfach gerühmt, 



Kritias lUb. [StolL] Pindar Nem. 10, 16. Ol. 6, 26—30. 

Ainphlalos CAiMfCaXog), 1) ein Phaiake, Sohn des b. Sclwl. z. d. St. Soph. Oed. Col. 1313, seine 
des Polyneoa, bei den Spielen des Alkinoos Besonnenheit, Gerechtigkeit und Frömmigkeit 
Sieger im Sprung, Od. 8, 114. 128. — 2) Sohn war selbst von den Feinden anerkannt, Aesch. 
des Neoptolemos und der Andromache, Hyg. <Sept. 568, 609— 612. Von der späteren Sage wird 
F 123. — 3) Name eines Griechen auf dem er auch in die wichtigsten Ereignisse der vor- 
polygnötischen Gemälde der lliupersia zu Del- historischen Zeit verflochten. Eckermann, Mel. 
phi Paus. 10, 25, 2. [Stell.] lo S. 72. So nimmt er an der kalydonischen 
Äinphianax (!4p,9K)Ji'aa), 1) König in Lykien, Jagd teil {Apoll. 1, 8, 2. Sygin f l^S/irgl. 
der dem aus Argolis geflüchteten Proitos seine Xenoph. Cyneg. 1, 2), im-Giebelfeld des Athene- 
Tochter Anteia oder Stheneboia zur Ehe gab tempels zu Tegea war Amphiaraos m der einen 
und ihn wieder nach Argolis zurückführte. Jägergruppe mit dargestellt. Paus. 8, 45, 4; 
Er wird auch lobates genannt. Apollod. 2, 2, ebenso ist er unter den Argonauten (s. d.) zu 
1 Schol II 6, 200. Pherekydes b. Schol. Od. finden {Apoll. 1,9,16, Deiloehosh. Sehol. Apoll. 
11, 326. vgl. II. 6, 157 ff. — 2) Sohn des An- Bh. 1, 189) und zwar als Seher neben Mopsos 
timachos, Vater des Oitylos, nach welchem die und Idmon (vgl. Schol. Pind. Pyth. 4, 337). Bei 
Stadt Oitylos in Lakedämon benannt war, den Leichenspielen zu Ehren des Pelias siegt 
Paus. 3 25, 7. Pherekydes b. Schol. II. 2, 585. 20 er im Lauf, Stesichoros b. Ath. 4, 172 e {Bergk 

[StolL] fr. 3). . . . ' 

Amphiaraos (dor. 'AiKptÜQäos, Pind. Nem. Amphiaraos verdrängte m Verbindung mit 

9 30 'Aawiägrios, ion. 'AiitpiäQsmg, oft auch bei den Anaxagoriden (Proitiden) den Adrastos 

Attik. u. Sp. 'A<piäQS(og C. I. Gr. 7710. Overb. aus Argos und nötigte ihn zur Flucht nach 

Bildw 102, 13. 'AiKpiÜQTtg Pind. Nem. 9, 57. Sikyon, Menaichmos b. Schol. Ptnd. Nem. 9, 

vgl. Meineke, Anal Alex. p. 109. 'Aficpig Aesch. 30. Herod. 5, 67. Paus. 2, 6, 6. Dieser söhnte 

frgm. 404 ed. Nauck; vgl. Fick, gr. Personen- sich aber später wieder mit Amphiaraos aus, 

namen S. 10), Sohn des Oikles und der Hyper- indem er ihm seine Schwester Eriphyle zum 

mnestra (Klytaimnestra b. Hygin f. 250) Pind. Weibe gab, deren Entscheidung bei etwaigen 
Pyth. 8 55. Apollod. 1, 8, 2. 3, 6, 3. Paus, so neuen Zwistigkeiten Amphiaraos sich zu un- 

3 12 5. Biodor 4, 68. Schol. Aesch. Sept. v. terwerfen eidlich gelobte, Schol. Find. a. a. 0. 

569 Hygin f. 70. 73 — bei Späteren auch ^poiJod. 1,9, 13. 3, 6, 2. Diofior 4, 65, Asklepia- 

Sohn des Apollo, Hypiw f. 70. 128. Welcker,ep. des h. Schol. Od. 11, S'i6. Als nun Adrastos 

üykl 2, 322, 5 — , Enkel des Antiphates (nach das seinem Schwiegersohne Polyneikes gege- 

Paus. 6, 17, 6 des Mantios), Urenkel des nebst bene Wort, ihn nach Theben zurückzuführen, 

dessen Bruder Blas von Pylos nach Argos ein- einlösen wollte, verweigerte Amphiaraos seine 

gewanderten Melampus (Odyss. 15, 225—248. Teilnahme an dem Zuge, wohl beim Königs- 

Schol. Pind. Nem. 9, 30 u. Böckhs Anmerkg. z.' mahl im Hause des Adrastos {Apoll. 3, 6, 1. 

d St Herod. 9, 34. Paus. 2, 18, 4) — Amphia- Antimachos b. Athen. 11, 475 d, 482 f. Stat. 
raos wird daher von Dichtem als ^ogaviiärig 40 Theb. 3, 345), da er dessen unglücklichen 

bezeichnet(PaMS. 7, 17, 7) — VaterdesAlkmaion Ausgang vorauswufste , und warnte auch die 

und Amphilochos {Od. 15,248. Paus. 2, 18, 4 übrigen; vgl. die Darstellung der Weissagung 

u. 20, 5. Apollod. 3, 7, 2. Herod. 3, 91), des des Amphiaraos (mit Beischrift) im Hause des 

Oikles nach Biodor 4, 32, femer der Eurydike Adrastos in Gegenwart des Adrastos, Polynei- 

und Demonassa und, nachAsios, der Alkmene kes, Tydeus, Parthenopaios auf einem etrus- 

{Paus 5 17, 4. L. Attius Fpigon. frgm. 11). kischen Karneolskarabäus, Welcker, ep. Cykl. 

Seine Stammtafel s. bei Gerhard, Mythol. 2, 2, 322, 25. Overh., Bildw. S. 81, Taf. 3, 2, 

S 225 Eckermann, Melampus S. 171. AI- anders Preller, Myth. 2, 357, 2, und die Ab- 

exida als Tochter des Amphiaraos nennt PZm- bildung auf einem etruskischen Spiegel: Am- 
tarch quaest. gr. 23 {Panofka, Asklepios u. d. Bo phiaraos (mit Beischrift) dem Adrastos vom 
Askl. Berlin 1846. p. 1.) Bei lateinischen Kriege abratend, während Tydeus für denselben 
Schriftstellern werden drei andere Söhne als spricht {Overh., Bildw. S. 84, Taf. 3, 3; vgl. 
die Erbauer von Tibur erwähnt (nach Solin. auch Ghristodor Anthol. Palat. ed. Jae. 1 p. 48, 
c 2 8 Enkel des Amphiaraos, von dessen 259). Da gewann Polyneikes auf den Rat 
Sohne Catillus abstammend): Tiburtus, Coras, des Anaxagoriden Iphis die Eriphyle (nach 
CatiUus {Aen. 7, 670. 11, 640. Hör. od. 1, 18, Schol. Od. 11, 326 Tochter des Iphis) , durch 
2. 2, 6, 5. Plin. 16, 44, 87). das goldene Geschmeide der Harmonia für 

Als berühmter Held und Seher war er ein sich {Hom. Od. 11, 326. 15, 247. Soph. El. 
Liebling des Zeus und Apollon {Od. 15, 245, 836 u. Schol. Plat. Beip. 9, 590. Paus 9, 41 

253. u. Eustath. ad h. l. Plato , Axiochus 60 Cic. Verr. 4, 39, vgl. Athen. 6 p. 232 f.), und 
368 A). Die Sehergabe erhielt er in dem so wurde Amphiaraos von Eriphyle , die trotz 
mantischen" Hause zu Phlius, in welchem er seines Verbotes von Polyneikes das Geschenk 
eine Nacht geschlafen hatte Paus. 2, 13, 6. angenommen, zur Teilnahme gezwungen. Da 
Eine ganz hervorragende Rolle spielte er im er aber seinen Untergang vorherwufste, so trug 
Zuge gegen Theben, weshalb er den Mit- er seinem Sohne Alkmaion (s. d.) als dem älteren 
telpunkt der kyklischen Thebais (auch 'A,i- {Asklep.a..a..O. Diodori,e5. Hyginf.73. Paus. 
w£qsoo ^lelueCa genannt) bildete {Welcker, ep. 5, 17, 7. 10, 10, 4), Tiaxh Apollod. 3, 6, 2 seinen 
Cykl 1 187. 2, 324, 8 gegen Bergk, de relig. Söhnen (vgl. Welcker, ep. Cykl. 345, 52) aut, 

10* 



295 



Amphiaraos 



Ampbiaraos 



296 



vor dem eigenen Zuge gegen Theben ihn 
an der Urheberin zu rächen. Mythogr. gr. 345, 
8, Tgl. auch Phüostr. Vit. Apoll. 4. 38. Hör. 
Od. 3, 16, 11. Dem jüngeren Sohne Amphilochos 
(s. d.) gab er bei seinem Abschied noch gute 
Lehren, in denen er bescheidenes Wesen und 
Fügsamkeit gegen Fremde wie im Unglück 
fordert {Find. frgm. ine. 68—70 ed. B. Wel- 
cher, ep. CyU. 324, 8. 346). Abweichend von 



zornigen Antlitzes mit gezücktem Schwert nach 
Eriphyle zurück. Das Hauptmotiv dieser Scene 
findet sich auch auf einem alten Amphorage- 
mälde : Overl. S. 92, Taf. 3, 5. 0. Jahn, arcJi. 
Aufs. S. 155. Ber. d. sächs. G. 1858 S. 105. 
Bedeutend milder ist die Auffassung auf dem 
Avers einer Neapler Vase ; Amphiaraos (mit 
Beisohrift G. I. Gr. 7711) neben Baton in voller 
Ruhe auf dem Wagen, vor demselben Eriphyle 



der allgemeinen Tradition, welche die Schuld lo den Blick zur Erde gewandt, Overb. S. 94, Taf. 



der Eriphyle anerkennt (vgl. Hotn. Od. 11, 
325. Soph. El. 844. Ath. 6 p. 288 a), stellte 
Stesichorus in seiner „Eriphyle" (Bergk, P. 
lyr. p. 979) als das Motiv ihrer Handlungs- 
weise die Vaterlandsliebe hin, Schleiermacher, 
z. plat. Bep. p. 608. Welcher, ep. CyU. 392. 
Eckermann, Mel. S. 50. Overl)., Bildw. S. 101. 
Von der Bestechung der Eriphyle durch Adra- 
stos vermittelst eines Halsbandes, das er hatte 



3, 7. Hierher gehören ferner eine Vase von 
Caere und eine Lekythos von Cervetri, Overb. 
S. 102: Amphiaraos (mit Beisohrift G. I. Gr. 
7710) mit dem Helme in der Hand, Eriphyle 
mit einem Söhnchen auf dem Arme, das Hals- 
band erhebend. Ein freundlicher Abschied 
findet sich nur auf einer Hydria von Vulci, 
Overb. S. 104, Taf. 4, 1 : Amphiaraos (mit Bei- 
sohrift C. I. Gr. 7709) reicht der Eriphyle die 



anfertigen lassen, berichtet Hygin f. 73 (vgl. 20 Rechte, hinter ihr eine Tochter, femer Oikles (?; 



Schol. Soph. El. 836. Eustath. Od. 11, 325 
{EudoJc. p. 22) Bibbeck, röm. Trag. S. 488, 1), 
ebenso von einem geheimen Versteck des Am- 
phiaraos, das Eriphyle verraten; vgl. Serv. Verg. 
Aen. 6, 445. Hierauf scheint sich auch die 
Aufserung des Cic. Epist. ad fam. 6, 6 zu be- 
ziehen : vel pudore vietus ut in fabulis A. Wel- 
cher, ep. Cyhl. 345, 51 vermutet hier eine Ver- 
wechslung mit Alkmaion. — So kommt es zum 



und Baton (?)Oi)er&. S.105, 26. Aufserdem wer- 
den hierher gerechnet ein Amphoragemälde aus 
Caere, Overb. S. 97, Taf. 3, 6, zwei andere im 
Britischen Museum, Overb. S. 97 u. 99, und zwei 
aus der Durandschen Sammlung Overb. S. 103 u. 
104, ferner die Gemälde auf einer Hydria {Ger- 
hard, auserles. Vasenbild. 2, Taf. 9 1 . Overb. S. 96) 
und einer anderen im Britischen Museum {Overb. 
S. 99). Über zwei andere Vasengemälde s. Overb. 



Auszuge, Giern. Alex. Strom. 1, 400 P, trotz so S. 104, über eine Vase im Britischen Museum 
der ungünstigen Zeichen des Zeus Find. Nem.. s. Bobert,Ann. 1874 S. 82; vgl. auch J. de Witte, 
9, 44 f Der Abschied des Amphiaraos bil- Ann. 1863 S. 233 [u. Bevue arch. 22. 1870. 
dete mit eine der Darstellungen auf demKyp- p. 261 ff.] 

seloskasten, Faus. 5, 17, 4. Vor dem Hause Das erste Abenteuer bestehen die Helden 

bei Nemea. Während Hypsipyle, die 
Wärterin des Opheltes, Sohnes des dor- 
tigen Königs Lykurgos, dem dürstenden 
Heere einen Brunnen zeigt, wird der 
Knabe von einer Schlange getötet. Die 
Helden erlegen dieselbe (trotz des Ein- 
spruches des Amphiaraos) und bestatten 
darauf das Kind. Amphiaraos, der in 
dem Schicksale des Knaben das Vorzei- 
chen ihres eigenen Unterganges erkennt, 
giebt ihm den bezeichnenden Namen 
Archemoros (s. d. u. vgl. Arguments 
zu Find. Nem.). Nach der Aussöhnung 
mit den Eltern {Hygin. f. 74. Myth. Vat. 

2, 141) stiften die Helden, dem Toten 
zu Ehren, die nemeischen Spiele (Apoll. 

3, 6, 4, Argumente zu Find. Nem., Schol. 
Find. Nem. 8, 85. Faus. 2, 15, 2 n. 3. 
Hyg. f. 74. Tzetzes zu Lyhophron 373. 
Stat. Theb. 5, 738. 4, 718—722, vgl. Bib- 
bech, röm. Trag. S. 160, 157 u. 158). Auf 
einer ruveser Amphora finden wir drei 
Helden im Kampfe mit dem Drachen, 
den Amphiaraos aber in warnender Stel- 
lung abgebildet, Overb. S. 112, Taf. 4, 
2. Als Lykurgos in der Wut des Schmer- 
zes an der Wärterin blutige Rache neh- 
men will, tritt Tydeus ihm feindlich ent- 
gegen, doch gelingt «s dem Adrastos und 

Amphiaraos diesen zurückzuhalten und die 
Sache zum gütlichen Austrage zu bringen, Stat. 
Theb. 5, 660 f. Eine Darstellung am amykläi- 
schen Throne bezieht sich hierauf {Faus. 3, 18, 
7), wo aber Tydeus und Amphiaraos verwech- 




Eriphyle und Amphiaraos (Oeerbeck, Bildw. d. theb. n. troj 
Heldenkr. S. 102). 

steht Eriphyle mit dem Halsschmuck, daneben 
Eurydike, Demonassa und Alkmaion, den Am- 
phüochos trägt eine Alte, Amphiaraos schon 
im Begriff den Wagen zu besteigen (die Rosse 
zügelt sein Wagenlenker Baton) wendet sich 



297 Amphiaraos Amphiaraos 298 

seit sind, vgl. 0. Jahn, arch. Aufs. S. 158. abwendet. Pherekyd. h. Schol. II. 5, 126. 

Welcher, ep. Cykl. 351, dagegen Boulez, Vases Eustath. II. 5, 413. Paus. 9, 18, 1. Tzetzes zu 

du m. de Leide p. 55; vgl. ferner 6 Vasen- Lykophr. 106G. Mythogr. gr. -p. 374, 16 f. Nach 

bilder besprochen von Jahn, Ber. d. sächs. G. Apollod. 3, 6, 8 verleitet Amphiaraos aus Hafs 

1853 S. 21—30 u. Taf. 3. Nach Argument 2 gegen Tydeus denselben zu der erwähnten 

zu Find. Nem. läfst Eurydike, die Gemahlin Unmenschlichkeit, um ihm die Unsterblichkeit 

des Lykurgos, die Hypsipyle einkerkern. Am- zu entziehen; in betreff des Textes des Äpol- 

phiaraos aber zeigt vermöge seiner Kunst lod. vgl. Welcker, ep. Cykl. 365, 107. Over- 

deren SöhnenThoas und Buneos das Gefäng- beck, Bildw. S. 131, Taf. 5, 8 u. 9 bezieht die 
nis und bewirkt so deren Befreiung. Eine lo Darstellung einiger Gemmenbilder hierauf (Am- 

ruveser Amphora [Ov. S. 114, Taf. 4, 3) zeigt phiaraos mit dem Kopf des Melanippos in 

uns in der Mittelscene den Amphiaraos (mit ruhiger nachdenklicher Haltung; andere Er- 

Beischrift C. I. Gr. 8432) als Beistand der Hyp- klärungen s. ebendas.). 

sipyle vor Eurydike ; die ebenfalls abgebildete Doch auch den Amphiaraos ereilt schliefs- 

feierlicheBesorgungder Leiche deutet Ö»e»-6. auf lieh sein Geschick. Infolge des Sehreckens, 

den Erfolg des Amphiaraos und fafst sie als den Zeus in die Reihen der Argeier sandte 

Hinweis auf die folgenden Leichenspiele. Ver- {Find. Nem. 9, 63. Faus. 9, 9, 2), wendet sich 

mutliche Quelle des Bildwerkes ist die Hypsi- auch Amphiaraos am Ismenos zur Flucht, ver- 

pyle des Euripides {Welcker, gr. Tr. 2, 554 f.) folgt von Periklymenos , wird aber, noch ehe 
Overi. S. 115, 30. Ein anderes Vasenbild be- 20 dessen Lanze ihn erreichen kann, in die vom 

schreibt Jahn, Ber. d. sächs. G. 1853 S. 30. Blitzstrahl des Zeus gespaltene Erde nebst sei- 

Auch die Darstellung auf einer apulischen Am- nem Wagenlenker und Zweigespann aufgenom- 

phora Ov. S. 119, Taf. 4, 4 {Jahn, a. a. 0. S. 31 men. Find. Nem. 9, 57—65. 10, 14—16. Olymp. 

u. 32) und (?) ein etruskisches Aschenkistenre- 6, 19—22. Apollodor a. a. 0. Diodori, 65. Faus. 

lief (vgl. Overb. S. 121, Taf. 5, 1) werden hier- 2,23,2. Eur. Suppl.S'ib-dil. Aesch. Sept. 587 

her gerechnet, vgl. noch Archäol. Ztg. 1854. {Welcher, ep. Cykl. 366, 111). Soph. El. 837. 

t. 67, 68. Boulez, Ann. 1867 S. 150 ff. Bibbeck, Athen. 6 p. 232 f. Diogenes L. 4, 48. Agathar- 

röm. Trag. S. 160, 159. Bei den Leichenspie- chides b. Fhotius Bibl. p. 443 b, 18B. Mythogr. 

len siegte Amphiaraos im Wagenrennen {Val- gr. 374, 15. Hygin f. 73. Stat. Iheb. 7, 816 
chen. al^ccTi, Welcher, ep. Cykl. 353, 74) und 30 —820, 8. So endet er in der Blüte seiner Jahre 

Diskuswerfen, Apollod. 3, 6, 4. Odyss. 15, 246. Von nun an waltet er als 

DasHeerrücktedaraufgegenThebenher- göttlicher Prophet. Soph. Electr. 841 u. Schol. 

an. Die 7 Heerführer besetzten die 7 Thore der {Suid. s. v. näiiipvxog) , Schol. Aesch. Sept. v. 

Stadt {Sophokl. Oed.Col.lS23. Eur. Suppl.926. 589. Strabo 16 p. 762. Faus. 1, 34, 2 u. 5. 

Apollod. 3, 6, 8. Diodor 4, 65. Hyg. f. 70, vgl. Xenoph. Cyneg. 1 , 8. Fhilostr. vit. Apoll. 2, 

Stat. Th. 8, 353), Amphiaraos nach Aesch. Sept. 37, vgl. heroic. 680. Cic. de div. 1, 40. Valer. 

570 das Homoloische, nach Eur. Fhoen. 1109 Maxim. 8, 15, 3. 

das Proitische, Yg\. Apollod. 3, 6, 6. Auch hier Die beiden Rosse Thoas und Dias stamm- 
scheint Amphiaraos seine Wahrsagung wieder- ten nach Stat. Theb. 4, 214. 6,' 319—322 aus 
holt zu haben, dafs es dem Adrastos allein 40 Amyklai von Kyllaros, dem Rosse des Kastor, 
beschieden sei heimzukehren. Aesch. Sept. v. 50 (vgl. Antimachos b. Schol. Find. Ol. 6, 21 {cod. 
u. Schol. Welckei-, ep.Cyhl. 326; vgl. die Dar- davetätovg), Stoll, Antim. frgm. 34), nach an- 
stellung des Amphiaraos auf dem den Opfer- deren waren sie von thessalischer Rasse {Schol. 
tod des Menoikeus darstellenden Gemälde Fht- Find. a. a. 0,, Euphorion frgm. 19), bei dem 
lostr. imag. 1, 4. Als Tydeus, der nach Aeschy- sie zur Quelle ^aäSsia entfliehen (vgl. Mei- 
los am proitischen Thore steht, kampfbegierig nehe. Anal. AI. p. 54). Ein Viergespann wird 
den Ismenos überschreiten will, widersetzt erwähnt bei Soph. frgm. 870 ed. Nauch., Eur. 
sich Amphiaraos der ungünstigen Opfer wegen Suppl. 501, 927. Fropert. 2 , 25 , 39 und fin- 
{Aesch. Sept. 378, 273—276, vgl. Eur. Fhoin. det sich auf den betreffenden bildlichen Dar- 
171 — 174 u. Schol.; 1110) und gerät so mit 50 Stellungen {Overb. Inf. 3, 5 ist nur ein Drei- 
jenem in Streit (v. 382—394. 571 — 575; über- gespann erkennbar). 

haupt ist Tydeus Hauptgegner des Amphia- Die älteste Sage nennt die Gegend von 

raos bei Aeschylos). Theben als den Ort seiner Niederfahrt, 

Nach dem Tode der Brüder entbrannte der vgl. die Dichter von Homer Od. 15 , 247 und 

Kampf von neuem. AmTage vor der Schlacht der Thebais an bis Pmtiar und S'opTwMes, ebenso 

flog ein Adler herab, entführte die Lanze des Hygin, Flin. nat. h. 16, 44, 87. Solin. c. 2, 8; 

Amphiaraos, der mit den übrigen Führern beim mit der Verpflanzung seines Kultus wandert 

Mahle safs, und liefs sie dann wieder fallen. aber auch diese Sage. So erzählte man von 

Sie grünte als Lorbeerbaum aus der Erde auf. seiner Niederfahrt bei Oropos Schol. Find. 6, 

Trisimachos bei Flut, parall. gr. et rom. c. 6. eo 18, 22, 23. Tertull. de anim. 46. Nach tana- 

In der Schlacht selbst tötet Amphiaraos den gräischer Sage fand dieselbe beiHarma in der 

Melanippos, Sohn des Astakos, durch welchen Nähe von Mykalessos statt {Paus. 1, 34, 2. 9, 

Tydeus schwer verwundet worden war, nach 9, 4, Trisimachos bei Flut, parall. c. 6), das 

Schol. Find. Nem. 10, 12 auf Tydeus' Bitten, seinen Namen von dem hier gebrochenen 

und bringt demselben das Haupt. Dieser und zurückgelassenen Wagen des Adrastos 

schlürft das Gehirn des gespalteten Schädels, erhielt (nach anderen vom Wagen des Am- 

worauf sich Athene, die eben im Begriff war, phiaraos, der leer hierhergeeilt, nachdem Am- 

ihm die Unsterblichkeit zu verleihen, entsetzt phiaraos in der Schlacht aus demselljen ge- 



299 



Amphiaraos 



Amphiaraos 



300 



stürzt) Strdbo 9, c. 404, vgl. Eustath. II. 2, 
202, 31. Hermann, Gottd. Altt. § 13, 4; auch 
das attische Harma hei Phyle wurde später 
in diese Sage von der Flucht hineingezogen, 
TJnger, Farad. Theb. p. 41, vgl. Bursian, Geogr. 
1, 252. Auf seine Niederfahrt bei Oropos be- 
zieht sich das Gemälde, das Philostrat. Imag. 
1, 27 {Eudohia 23) beschreibt: Die beiden 
weifsen Rosse in wilder Flucht, Amphiaraob 
auf dem Wagen statt des Helmes die Infula 
auf dem Haupt, mit den verklärten Zügen des 
Sehers, der gähnende Schlund mit dem Thore 
der Träume sichtbar, Oropos als Jüngling dar- 
gestellt. Der Wagenlenker wird nicht erwähnt, 
vgl. Eur. Phoen. 172. [Erhaltene bildliche Dar- 
stellungen sind selten. Ein Sarkophagrelief 
der Villa Panfili {Mate- v. Duhn, Antike Bild- 
werke in Bom No. 3339. Overb. S. 148. Taf. 
6, 9) zeigt Amphiaraos in voller Rüstung mit 
Helm vornübergebeugt auf einem Zweigespann 
fahrend; unter den Rossen eine weibliche Ge- 
stalt mit blofser Brust ans einer Felsspalte 
hervorragend. Auf einer etruskischen Aschen- 




Amphiaraos' Niederfahrt, TOtt e. etrusk. ABchenkiste (rgl. 
M. troj. Heldenkr. S. 148). 

kiste zieht eine Furie das Viergespann mit 
Amphiaraos und Baten in den Erdschlund 
{Overb. S. 148. Taf. 6, 8). Andere Darstellungen 
(das herrliche Relief von Oropos Overb. Taf. 
6, 6 und das sog. Monochrom aus Herculaneum 
elaend. Taf. 6, 7). sind jetzt richtiger als auf 
die agonistische Übung des Apobaten bezüg- 
lich gedeutet. Vgl. Koerte, Antike Sculpturen 
aus Boiotien {Mitfh. d. deutsch, arch. Inst, in 
Athen Bd. II) S. 413 No. 193. Schreiber.] 

Die älteste Verehrung des Amphiaraos 
ist in der Gegend von Theben zu suchen. 
Hier besafs er ein Traumorakel CA^q)iaQdsu)v, 
Aiiqiiägsiov), das noch zur Zeit des Mardonios 
in hohem Ansehen stand {Herod. 8, 134), später 
aber durch das oropische in Vergessenheit ge- 
riet. Den Thebamem selbst war die Befragung 
desselben untersagt. Herod. a. a. 0. Die reichen 
Gaben des Kroisos, der es ebenfalls befragt 
hatte, sah Herodot 1, 42 im Tempel des isme- 
nischen Apollo, mit dem ein unmittelbarer 
Kultuszusammenhang stattgefunden zu haben 



scheint (PreZter, Ber. d.sächs. Ges. 1852 S. 167). 
Aus diesem Heiligtum erteilte Amphiaraos 
auch den Epigonen den Orakelsprüch (ein spä- 
teres versiflciertes Machwerk besafs das oro- 
pische Paus. 1, 34, 3) Find. Pyth. 8, 55—78. 
Bissen ad Find. p. 288 gegen Böckh , adnot. 
p. 313—315. Welcker, ep. Cykl. 381, 1. Auch 
bei Flutarch Arist. 19 u. de def. orac. 5 ist 
wohl an dieses Heiligtum zu denken. Dasselbe 
10 war vermutlich zwischen Potniai und Theben 
in der Nähe des Ortes gelegen, wo Amphia- 
raos nach thebanischer Sage von der Erde ver- 
schlungen worden war. Noch Paus. 9,8,2 
fand jenen Platz umfriedigt und mit Säulen 
geziert vor, vgl. Schol. Tricl. Soph. Elect. 
V. 838; Welcker, gr. Göttl. 3, 296. 

Ob das Heiligtum des Amphiaraos zuKno- 
p ia, von dessen Verlegung nach Oropos Strab. 
9 c. 404 berichtet, mit dem genannten iden- 
20 tisch ist (so Preller, Ber. S. 167. Müller, Or- 
choni. p. 475), bleibt zweifelhaft, vgl. TJnger, 
Farad. Theb. 162—170. 408—416. Welcker, a. 
Denkm. S. 174. Bursian, Geogr. 1, 200. Das 
hochberühmte oropische, 
schliefslich das einzige Ora- 
kel des Amphiaraos, stand 
in dem Bezirke von Psophis 
{Strato 9, A. 612. Suid. s. 
V.), Yj Stunde vom Meere 
entfernt (DJonys.ai'ayp.p. 142 
ed. Mein.), 1% Stunde süd- 
östlich von Oropos (irrige 
Angabe b. Pausan. 1, 34, 
1) an der Strafse von Oro- 
posüber Aphidnai nach Athen 
{Dikaiarch p. 142 ed. Fuhr), 
am linken Ufer eines was- 
serreichen Baches {Liv. 45, 
27), und war von bedeuten- 
dem Umfange. Der Philo- 
soph Menedemos weilte hier 
längere Zeit {Diogen. L. 2, 
142. Philol. 1854, 26). Lea- 
Overheck, BiUw. z. iheb. ^es Annahme JV. Greece 2, 440, 
dasselbe an die jetzt Mav- 
goST\Xieei genannte Stelle zu 
setzen, ist durch die dort vorgenommenen Aus- 
grabungen bestätigt worden: Preller, Ber. 1852 
S. 140 ff. mit Berichtigungen von Bursian, Ber. 
60 1859 S. 110; vgl. Geogr. 1, 220. Der aus 
weifsem Marmor erbaute Tempel {Paus. 1, 34, 
2) lag am linken Bachufer oberhalb des Ab- 
hanges (Reste einer antiken Terrassenmauer 
erkennbar) , das Stadion auf dem Abhänge 
selbst hart am Bache (die Seite gegen den- 
selben durch eine Mauer gestützt), das Te- 
menos erstreckte sich auch auf das rechte 
Ufer. Nach der Tradition der Oropier ver- 
ehrte man ihn hier zuerst als Gott , als sol- 
60 eher wird er auch Zsvg 'A. genannt: Dikaiarch 
a, a. 0., Freller, Mythol. 2, 362, 1. Welcker, 
gr. Götterl. 3 , 296. Im Innern des Tempels 
stand ein Marmorbild des Gottes: Paus. a. a. 0. 
Sein Büd war dem des Asklepios ähnlich, 
vgl. den Kopf auf einer oropischen Münze 
Overb. S. 161, Taf. 6, 10. Der Hauptaltar hatte 
5 Abteilungen, von denen die erste dem 
Zeus, Herakles und Apollo-Paion, die zweite 



301 Amphiaraos Amphiaraos 302 

den Heroen und Heroinen, die dritte der Hestia, Preller, Ber. d. Sachs. Ges. d. W. 1852. S. 

dem Hermes, dem Amphiaraos und seinem 148, 17. 

Sohne Amphilochos, die vierte der Aphrodite, Sölin. 7, 24 {Pomp. Mela 2, 3, 6) erwähnt 
Panakeia, laso (Tochter des Amphiaraos [oder ein fanum Ämphiarai in Ramne. Auch in 
AskleTpios], Aristoph. Sehol. Flut. 101. Hes.s.y.), der Stadt Argos gab es ein Heiligtum des 
Hygieia und Athene Paeonia, die fünfte den Amphiaraos in der Nähe des Dionysos- 
Nymphen, dem Pan,'Acheloos und Kephissos tempels und des Hauses des Adrast {Paus. 
geweiht war. Paus. 1, 34, 2. Wer den Gott 2, 23, 2), femer ein von den Söhnen des 
befragen wollte, mufste auf diesem Altar zu- Tyndareos ihrem ävstljidg 'A. errichtetes Be- 
erst ihm und den übrigen Göttern ein Ka&äq- lo roon in Sparta, Paus. 3, 12, 4; ebenso hatte 
aiov darbringen (nachdem er sich 3 Tage des er ein Heroon in Sykai, einer Vorstadt von 
Weines enthalten und einen vollen Tag ge- Byzanz, Hesych. Mit. fr gm. 16, Fr gm. Mstor. 
fastet Philostr. vit. Apoll. 2, 37, 90) — alsdann Gr. 4, 148. 

einen Widder opfern, auf dessen Felle er hierauf Sein Standbild befand sich in Athen neben 

im Tempel schlief und die Offenbarungen des dem der Eirene, Paus. 1, 8, 2. In Delphi zeigte 

Gottes im Traume erwartete, Paws. a.a.O. § 3. man unter den Weihgesclaenken der Argiver 

Eyperid., Bede f. Euxenippos. Herrn., gottesd. aufser der Gruppe der 7 Führer (unter denen 

Alt. §, 41 , 8. In der Nähe des Tempels be- Amphiaraos) auch den Wagen des Amphiaraos 

fand sich eine Quelle (^A. mriy-q). Da Amphia- mit Baton, ein Werk des Aristogeiton und Hy- 

raos hier als Gott aus der Erde emporgestiegen 20 patodoros : Paus. 10, 10, 2. Welcher, a. Denkm. 

sein sollte, so war der Gebrauch derselben zu S. 178, 11. 

gottesdienstlichen Verrichtungen verboten; da- Abgesehen von der kyklischen Thebais, die 
gegen erforderte die Sitte, dafs die durch die das meiste, was wir über Amphiaraos Teil- 
Eingebungen des Gottes Genesenen aus Dank- nähme an dem Zuge gegen Theben wissen, 
barkeit Gold- oder Silbermünzen hineinwarfen, enthalten haben mufs, und den Thebaiden des 
Paus. a. a. 0. Antimachos von Kolophon, Antagoras von Rho- 

Aufserdem werden noch die Bäder des Am- dus, Menelaos von Aigai, des Ponticus Lyn- 
phiaraos {Iovtqcc 'AfitfiaQÜov oder 'Ay^cpLagsia) ceus (Teuffei, M. L. 244, 3) und der des Sta- 
genannt, eine von der genannten verschiedene tius, der vielfach von der Tradition abweicht (bei 
und nach Bursian ebenfalls innerhalb des hei- 30 ihm kommt Amphiaraos zuerst, das Brüder- 
ligen Bezirkes liegende Quelle (vgl. Preller, p&ax zaletzt um, -vgl. Welcher, M. Sehr. S.S95G.) 
Ber. S. 185, 97. 148, 17. Anth. Pol. Epigr. d. und den erwähnten Tragödien des Aischylos 
Arat. p. 490 Jac. Euphorien b. Steph. B. v. und Euripide^ den Phoinissen des Strattis und 
'Uganös. Meineice, Anal. AI. p. 108) mit be- Aristophanes, der Septem des Amphis und Ale- 
sonders kühlem Wasser {Xen. Memor. 3, 13, 3. sis, in denen Amphiaraos eine gröfsere oder 
Brasistratos und Euenor b. Athen. 2 p. 46 c u. d. geringere Rolle spielte, war Amphiaraos auch 
Aristoph. frgm. ed MeineTce 2 p. 950). Die hohe der besondere Gegenstand dramatischer Poesie. 
Bedeutung und Wirksamkeit dieser Heilanstalt So schrieb Karkinos einen Amphiaraos {Nauck, 
ersieht man aus G. I. Gr. 1570b. tr.gr. fr. 619), desgleichen Kleophon (Swifi. s. v.), 

Auch Festspiele fanden zu Ehren des Am- 40 Sophokles ein Satyrdrama gleichen Namens 

phiaraos {'Ainpiagäia, C. I. Attic.1111 u. 1177, (iV^ciMcfcp. 122. Welcker,Nachtr. z. Ä. Tr.^i.i^T. 

gen. 'Aiicpnqdav, 1174 u. 1198 'AiitpiiQtCmv, 1193 318. Eckermann, Mel. S. 56); Komödien gab es 

^fi.qDtorieftai»') in Oropos statt (Didymosb. /ScitoZ. von Aristophanes {Meineke, frgm. com. 2, 2 

Pind. Olymp. 7, 153). Sieger in den musischen p. 949 ff.) ApoUodor (jBT. mt. p. 463). Philippides 

und gymnischen Spielen sind uns inschriftlich (ib. p. 472; vgl. noch p. 167). Die römische 

bezeugt, Pittakis, ephem. archaeol. 1853 n. 1317 Tragödie eines Anonymes erwähnt Mihbeck, 

u. 1319. Preller, Ber. 1852 S. 150 u. Ber. 1854 trag. rom. frgm. p. 364. 

S. 203 u. 204, wie auch Agonotheten für diese Amphiaraos gehörte zunächst als heü- und 

Spiele. CJ.^tt. 1171, 1173, 1174, 1177, 1193, sühnkräftiger Prophet den chthonischen 

1198. Als Beamte des Tempels lernen wir 50 Gottheiten und zwar wie Melampus dem 

aufser dem TfpEvg (C. I. Gr. 1570a. Preller, Kreise des Dionysos an. Als Lokalgott war 

Ber. 1852 S. 158 n. 5, S. 167 n. 7) die tsgäq- er kein anderer als Hades selbst, Suid. s. v. 

Xcci. und den avXXoysvs kennen, C. I. 1570 a. mifi'^vxog, Eckermann, Mel. S. 70. Darauf ist 

Dafs das Amphiareion eine Art Staats- wohl auch das Symbol des Wagens zu deuten, 

archiv für die Oropier war, geht namentlich das seinen Kultus stets begleitet (vgl. Ger- 

aus C. I. Gr. 1566 hervor. In betreff dieses Am- hard, Myth. § 436, 2 e. Müller, Orchom. S. 140). 

phiareions vgl. noch Preller, Ber. 1852 S. 145, Später tritt er dann gleich der Mehrzahl der 

9 u. 10. C. I. Att. 3, 25 u. 61 A. 1 Z. 13. Melampodiden in den Kreis apollinischer 

' Philostr. vit. Apoll. 4, 24. Imug. 1, 27. Steph. Mantik, weshalb wir ihn als Seher und als 

Byg. s. V. KogoTtTj. Giern. AI. Protrept. 10 P. 60 Sohn des Apollo bezeichnet ünden. Als Heil- 

Auch in Harma bei Mykalessos scheint ein gott wird ihm ähnlich wie dem Asklepios die 

Heiligtum gewesen zu sein; Stellen siehe bei laso beigesellt. Böotien, das eigentliche Land 

Unger (der Harma mit Knopia identificiert) der chthonischen Götter und der Mantik, war 

p. 164, desgleichen bei dem attischen Har- die Hauptstätte seines Kultus, der sich dann 

ma: Müller, Orchomenos S. 475. Eckermann nach Argos und über ganz Griechenland ver- 

Melamp. S. 66, vgl. Bursian, Geogr. 1, 252. breitete, Paus. 1, 34, 2. Val. Max. 8 a. E. 

Beiden waren Iovtqcc 'A. zugesellt : Eustath. Seinem Kult wurde später auch Fremdartiges 

IL 2, 202, 31. Steph. Byz. s. v. "Aq^a; vgl. beigemischt; so soll Amphiaraos sich zuerst 



i j ip.1- i n i iw.'ipn i 



^03 Amphibia Amphiktyon 304 

der Bohnen enthalten haben, welche diePytha- llion trug. IL 10, 266 ff. — 4) Ein König von 

goreer mieden: Bidym. Geopon. 2, 35 p. 183. Chalkis auf Buhöa, der gegen die Lretrier hei 

Eckerrmnn, Mel. S. 67. Die böotischen Orakel und zu dessen Andenken seine Söhne Spiele 

mögen seine Persönlichkeit schon vor der dich- stifteten, bei denen Hesiod (über Homer siegend) 

terischen Ausbildung in den thebischen Sagen- den ersten Dichterpreis gewann , einen golde- 

kreis aufgenommen und dadurch zur Ausdeh- nen Dreifufs, welchen er den Musen vom He- 

nung und Erweiterung seines Mythus beige- likon weihte. Hes. Opp. 652 f. Hes. et Rom. 

tragen haben, Müller, Orchom. 222; auch die certamen 3. 14. Plut. emw. sept. Sap. 10. -- 

Sage von seiner Aufnahme in die Unterwelt 5) Vater der Naupidame [Nausidame? K.J, 
scheint am Orakelorte selbst entstanden zu lo welche mit Helios den Augeias zeugte. Ey- 

sein, Welcher, ep. Cyhl. 2, 366. Jedenfalls gin. f. 14. — 6) Vater des Klytonymos (oder 

stand er zur Zeit des Sängers der The- Kleisonymos , Kleonymos u. s. f. s. Heyne, 

bais bereits in hohem Ansehen. Deshalb not. crit. ad Apollod. a. a. 0.) m Opus, wel- 

spielt er jene bedeutende Rolle auf dem chen Patroklos als Kmd erschlagen hatte. II. 

Zuge gegen Theben, namentlich als Seher, 23, 87 mit den Schollen und &7«o?. 12, 1. Apol- 

ohne den die Heere der Heroen nie auszogen. lod. 3, 13,8. In den Scholien heifst der Knabe 

Fast ans allen Zügen seines Mythus leuchtet auch Aianes (s. d.) und Lysandros. — ') Va- 

sein göttlicher Ursprung hervor, wie sich ter der Harmothoe , der Gemahlin des Pan- 

derselbe auch bei seinem Ende zeigt, wo dareos. Schol. Od. 20, 96. — 8) Einer der Hei- 
er mit seinem Wagenlenker lebend in die 20 den , die im trojanischen Pferde waren. Try- 

Tiefe fährt, während die übrigen Helden phiod. excid. II. 182. [Stoll.] 

vom Tode dahingerafft werden oder ent- Amphidikos (AiicpiSwog), Sohn des Astakos, 

kommen; zu vergleichen ist die Sage von ein tapfrer Thebaner, der m der Schlacht mit 

lasion Der Name 'J^cpiä^aos selbst wird von den Sieben vor Theben, nach der Sage der 

Welcher , Trilog. S. 164. Preller , Mythol 2, Thebaner, den Parthenopaios erlegte. Dies that 

354 als der Beter ((Je?)Tw) gedeutet, vergl. nach Euripides {Phoen. 1160 ff.) und der ky- 

Eckermann, Mel. S. 41, 2, von Pape-Benseler, klischen Thebais Periklymenos , der Sohn des 

Wörterb d. gr. Eigenn. 1 S. 78 als der Er- Poseidon. Apollod. 3, 6, 8. Paus. 9, 18, 4. 

flehte. Eme seltsame Ableitung giebt Ptolc- Pausanias nennt ihn Asphodikos und sah 
maus Heph. bei Phot. Ubl. 140 , A. 36 {My- 30 sein Grab bei Theben an der Oidipusquelle. 

thogr.gr. p. 186, 27): Stv 'A. M^»n, f'"" ,., . „, ,, , ^, A TT'} 

aawco Ol ti}g fiijtpös ■fovi-tg -^Qdaavto aixrjv Amphldokos (^jxqptöoxos), bohn des Orclio- 

avsv rsKSiv aöyov. Vgl. auch Mch , gr. Ei- menos, Bruder des Asplodon und Klymenos. 

genn. S. 9, 9 u. 10, 103. [0. Wolff.] Hesiod bei Eustath. p. 272, 18. Steph. Byz. 

Amphibia (Aiitpißicc) , Tochter des Pelops, 'AanXr\S(äv. [Stoll.] 

Gemahlin des Sthenelos, Mutter des Eurystheus, Amphiklos (^fiytKios), ein Trojaner, von 

Pherelydes bei Schöl. 11. 19, 116. ' Hesiod Meges getötet II. 16, 313. [Schult?.] 

a a nannte sie Artibia, Tochter des Am- Amphiktyon {'AfirfiiLtvasv), 1) ein m das at- 

phidamas; bei Apollod. 2, 4, 5 heifst sie Ni- tische Königsgeschlecht eingeschobener Auto- 
kippe Tochter des Pelops. [Stoll.] 40 chthon, der seinen Schwiegervater Kranaos, Ko- 

Amphidämas \'A^(fiSaii,ag), 1) Arkader aus nig von Athen, vertrieben und sich die Herrschaft 

Tegea, Sohn des Lykurgos und der Kleophile angemafst hatte, aber nach 10 Jahren von 

oder Burynome, Vater des Meilanion und der Erichthonios wieder gestürzt wurde. Paus. 1, 

Antimache [oder Admete (s. d.) E.], der Gemah- 2, 5. Apollod. 1, 7, 2. 3, 14, 6. Nach lustm 

lin des Eurystheus. Apollod. 3,9,2. [C. I. 2, 6 lebte er zur Zeit der deukalionischen Plut, 

Gr 5984 G. R.] Nach Hesiod bei Schol. II. gab der Stadt den Namen Athenai und weihte 

19, 116 war die Mutter des Eurystheus, Ge- sie der Athene. Von Apollodor (1, 7, 2) so- 

mählin des Sthenelos, Artibia (nach andern wie von Eusebius, Chronic, fragm. G. p. 118 

Antibia), eine Tochter des Amphidamas. Bei ed. Scaliger wird er Sohn des Deukalion und 

Schol. II. 2, 603 ist der Stammbaum dieser: 60 der Pyrrha genannt und mitNo. 2 identificiert. 

Zeus, Arkas, Amphidamas, Aleos, Aukaios, Mit seinem Namen verknüpfen die Athener die 

Agapenor; ibid. 609: Zeus, Arkas, Amphida- Einführung des Dionysoskultus von Eleutherai 

mas Lykurgos, Ankaios, Agapenor. Nach nach Athen. Pegasos soll von Eleutherai nach 

Paus. 8, 4, 6 \x.-Ap. Bh. 1, 161 ff. (vgl. 2, 1046) Athen eingewandert und dort mit semen bak- 

ist dagegen Amphidamas Sohn des Aleos und chischen Heiligtümern von dem König Am- 

somit Bruder des Lykurgos, des Kepheus und phiktyon freundlich aufgenommen, Dionysos 

der Auge und selbst mit Kepheus und An- selbst von Amphiktyon bewirtet worden sein, 

kaios, den Söhnen des Lykurgos, ein Teil- Paus. 1, 2, 4. 20, 2. 38, 8. Schöl. Aristoph. 

nehmer am Argonautenzug, womit auch Hyg. Acharn. p. 383. G. Der Name Pegasos, der 

f. 14 (der seine Mutter Kleobule nennt) über- 60 Quellmann, der Wassermann, deutet auf die 

einstimmt. — 2) Sohn des ägyptischen Königs Mischung des Weines mit Wasser, welche Dio- 

Busiris, von Herakles mit diesem zugleich er- nysos den Amphiktyon gelehrt haben soll, 

schlagen, als sie ihn opfern wollten. Apollod. 2, weshalb dieser ihm im Tempel der Hören einen 

5,11. Bei /ScÄo?. J.p. iJÄ. 4, 1396 heifst er Iphida- Altar und daneben den Nymphen emen Tem- 

mas. — 3) Ein Held aus Skandeia auf Kythere, pel weihte. Philochoros bei Athen. 2 p. 38 c u. d. 

Gastfreund des Molos, dem er den von Auto- 4 p. 179 e. Eustath. zu Homer 1815, 61. — 

lykos empfangenen Helm des Amyntor schenkte, 2) Der mythische Stifter der delphisch-pyli- 
welchen dann des Molos Sohn Meriones vor sehen Amphiktyonie, ein Sohn oder Enkel des 



305 



Amphilochos 



Amphilochos 



306 



Deukalion. Theopomp, bei Harpokr. s. v. Dio- 
nys. Hai. Ant. 4, 25. Paus. 10, 8, 1. 2. Schal. 
Eurip. Or. 1087. Marmor Ox. Ep. 8 p. 19. 
21. Suid. u. Zonar. s. v. Er hatte bei Anthela 
an den Thermopylen , einem Mittelpunkt der 
Amphiktyonie , neben dem Heiligtum der De- 
meter Amphiktyonis einen Tempel {Herodot. 
7, 200) und soll nacb der parisohen Chronik 
in Thermopylai, nach Skymnos v. Chios (v. 587) 



des Kalchas und Mopsos und den Tod des Kal- 
chas, wie auch andere thaten, nach Kilikien, 
indem er es Pamphylien nannte. Sirab. 14 
p. 675. Pamphylien und Kilikien, Stammsitze 
semitischer Nationen, waren ein rechtes Prophe- 
tenland, weshalb die Griechen bei zunehmen- 
der Hellenisierung dieser Gegenden auch ihre 
Propheten hierher gelangen liefsen. Die Pam- 
phylier leitet Herodot. 7, 91 von dem mit Kal- 



über die Lokrer geherrscht haben. Nach lo chas und Amphilochos aus Troja gekommenen 



Eustath. zu Hom. p. 277, 19 zeugte er mit 
Chthonopatra den Physkos, den Vater des 
Lokros; nach Steph. Byz. v. ^vayiog war Aito- 
los der Sohn, Physkos der Enkel Amphiktyons. 
Itonos wurde in Thessalien von Amphiktyon 
erzeugt, Schol. Ap. Eh. 1, 551, vgl. Tsets. 
ii/A. 1206 S. No. 1. [Stell.] 

Amphilochos {^A(i<fiXo%og), 1) Sohn des Am- 
phiaraos ui»d der Eriphyle, aus Argos, junge 



Volke ab. Vgl. Strab. 14 p. 668. Quint. Sm. 
14, 367. Die Stadt Poseideion an der Grenze 
von Kilikien und Syrien nennt Herod. 3, 91 
eine Gründung des Amphilochos. Zn Mallos 
in Kilikien hatte Amphilochos ein berühmtes 
Orakel (iiarteiov ütfievSearatov zäv stc' Jfioü, 
Paus. 1, 34, 2). Es galt als eine gemeinschaft- 
liche Gründung des Mopsos und Amphilochos. 
Strab. 14 p. 675, vgl. Clc. de divin. 1, 40, 8^. 



rer {Paus. 10, 10, 2) Bruder des Alkmaion. 20 Nach der Gründung ging, wie Strab. 14 p. 676 



Hom. Od. 15, 248. Als Amphiaraos (s. d.) von 
Eriphyle in den Krieg gegen Theben und den 
vorausgesehenen Tod geschickt wurde, trug er 
seinen beiden Söhnen (oder dem Alkmaion 
allein, wahrscheinlich weil Amphilochos noch 
unmündig war, Diod. 4, 65) auf, wenn sie 
herangewachsen wären , seinen Tod an der 
Mutter zu rächen. Apollod. 3, 6, 2. 7, 2. S. 
Amphiaraos und Alkmaion. Den Muttermord 



erzählt, Amphilochos nach Argos, kehrte aber, 
da ihm die dortigen Verhältnisse nicht gefielen, 
nach Mallos zurück, und da Mopsos ihm den 
Anteil an dem Orakel verweigerte, gerieten 
sie in einen Zweikampf, in welchem beide 
fielen. Ihre Gräber bei Megarsa am Flusse Py- 
ramos waren feindlich geschieden, man konnte 
von dem einen aus das andere nicht sehen. 
Vgl. Lykophr. 439 ff. Teetg. zu Lyk. 439. 440. 



führte entweder Alkmaion allein aus oder mit 30 444. 980. Lukian. Alex. 29. Beor. concil. 12. 



Amphilochos, Apollod. 3, 7, 5. Alkmaion allein 
nach Asklepiades bei Schol. Od. 11. 326. Biod. 
4, 65. Hyg. f. 73, wahrscheinlich auch in dem 
kyklischen. Epos Epigonen und in den Epigo- 
nen des Äschylos. In Sophokles' Epigonen 
(oder Eriphyle) stand ihm sein Bruder zur 
Seite, wie Pylades dem Orestes. Welcker, ep. 
Cykl. 2 S. 345. Gr. Trag. 1 S. ^70. 273. Am- 
philochos zog mit seinem Bruder in den Krieg 



Euphorion bei Meinehe, Anal. 90. Über das 
Orakel zu Mallos G. Wolff, de noviss. orac. aet. 
30. Vgl. Preller, gr. Myth. 2 S. 481 ff. Nach 
Hesiod b. Strab. 14 p. 676 ward Amphilochos 
von Apollon bei Soloi getötet. Selbst in Spa- 
nien glaubte man an eine Einwanderung des 
Sehers Amphilochos. Strab. 3 p. 157. Justin. 
44, 3. Nach Thukyd. 2, 68 (vgl. Strab. 7 
p. 326. 10 p. 462. Paus. 2, 18, 4) kehrte Am- 



gegen Theben. Apollod. 3, 7, 2. Schol. II. 4, 40 phüochos von Troja nach Argos zurück und 



404. Paus. 2, 20, 4. In dem Verzeichnis der 
Teilnehmer bei Hyg. f. 11 fehlt er. Die ky- 
klischen Nostendichter machten ihn zum Teil- 
nehmer des trojanischen Krieges, und so kommt 
er unter die Freier der Helena {Apollod. 3, 10, 
8) und in das hölzerne Pferd {Quint. Sm. 12, 
323). Nach Trojas Fall soll Amphilochos, als 
Weissager mit Kalchas und Mopsos zusammen- 
gebracht, an verschiedenen Orten der klein- 



begab sich dann, unzufrieden mit den dortigen 
Verhältnissen, nach Akarnanien, wo er Argos 
Amphilochikon gründete. Vgl. No. 2. Amphi- 
lochos hatte ein Heroon zu Sparta, Paus. 3, 
15, 6; in Athen einen Altar, Paus. 1, 34, 2. 
In Oropos wurden er und seine Kinder nelaen 
Amphiaraos verehrt , Paus. 1. 34, 2. S. Alk- 
maion. — 2) Sohn des Alkmaion und der Manto, 
der Tochter des Teiresias, s. Alkmaion. Er 



asiatischen Küste Städte und Orakel gegründet so gilt für den Erbauer von Argos Amphilochi- 



haben. Nach Schol. II. 2, 135 blieben Kalchas 
und Amphilochos, als die Sieger von Troja heim- 
kehrten, zurück, weil ihnen die Schifte nicht 
mehr seetüchtig schienen, und zogen zu Land 
von Troja weg. Oder sie blieben beide zu- 
rück, da sie als Seher das Verderben der grie- 
chischen Flotte an den kaphareischen Felsen 
voraussahen; „denn beiden war es bestimmt, 
zu den Städten Pamphyliens und Kilikiens zu 



kon in Akarnanien, dessen Gründung übrigens 
auch seinem Vater Alkmaion und dem Amphi- 
lochos No. 1 zugeschrieben wird. Apollod. 3, 
7, 7. Tsdz. Lykophr. 440. 980, wo auch in 
anderer Beziehung die beiden Amphilochos ver- 
wechselt werden. Von väterlicher wie mütter- 
licher Seite vongrofsen Sehern abstammend, von 
dem Melampodiden Amphiaraos und von Tei- 
resias, wurde er, selbst ein Seher, als der 



kommen." Quint. Sm. 14, 360 ff. Sie kamen 60 Stammvater der ätolischen und der akarnani- 
- — - ■ ~ ' • „ , , , , gehen Sehergeschlechter angesehen. Aristid. 

1 p. 77. Melampodiden in Akarnanien, desseii 
Seher vor allen berühmt waren {Paus. 9, 31, 
4. Lobeck, Aglaoph. 310), werden erwähnt He- 
rodot. 7, 221. S. Prcller, gr. Mythol. 2 S. 369f. 
— 3) Sohn des Dryas, Gemahls der Alkinoe, 
einer Tochter des Korinthiers Polybos. Par- 
then. Erat. 27. [Stoll.] 



nach Klaros bei Kolophon, wo Kalchas starb 
aus Gram, dafs der Weissager Mopsos ihn be- 
siegt hatte. Strab. 14 p. 642. Nach Kallinos 
sollen darauf die Leute des Kalchas mit Mo- 
psos über den Taurus gegangen und zum Teil 
in Pamphylien geblieben, zum Teil sich in 
Kilikien und Syrien zerstreut haben, Strab. 14 
p. 668. Sophokles verlegte den Seherstreit 



^ 



307 'Aficpdoyim Amphion 308. 

•A^<paoYUv, personiflcierte Wortstreite- des Odysseus welche von der Skylla ver- 
reiei^ Töchter der Eris, Hes. Theog. 229. Braun, Bchlui,gen wurden Schol ^^; ^2, 257. [Stoll.j 
ar Götterl S, 261. 267. TStoU.] Amphion (Aiicpimv) 1) Sohn des Zeus und 

'' \mSul\Z CMaxos) , 1) Sohn des der Antiope (s. d.), einer Tochter des Asopos 
eÄT Königs yoÄykeneVund der Anaxo, oder des Nykteus, Königs in Hyna oder m 
des Alkaiös Tochtel Bruder der Alkmene, der dem an der Nordseite des Kithairon gelegenen 
St !einerB"n'im Kampfe mit den Söh- Hysiai (Mmer, OrcUrn. B. 99. ^*«J^.^^«6^ 
nen des Pteifelaos, welche des Vaters Rinder 361 f. PreUer gr-^yt^'l S. ^O) ^^^^^'^g^ 
wegtreiben wollten, umkam. Äpollod. 2, 4, bruder des Zethos. ^«^ ^^^ A 't ?35 und 
5 6-2') Sohn des Kteatos und der Thero- lo lod. 3, 10, 1. Paus. 2, 6, 2. Äp.ßh.l, 735 und 
nike Freer der Helena {Apollod. 3, 10, 8. Scholiast, der fälschlich zwei Antiopen an- 
sToin f 7l) Enkel des Aktor oder des Po- nimmt, Tocht.y des Nykteus und Tochter des 
sefdon/i« 13 185 206), einer der Anführer Asopos,und diese zurMutterderZwilhngsbruder 
der Epeier lor Tro a (ll.' 2, 620 u. Schol. Hyg. macht. An den Kithairon (vgl. ^^er dessen Be- 
? 97) von Hektor erlegt, II. 13, 185. Paus. deutung m der griechischen Mythenwelt Sml 
5 ^ \ ArM Pepl 31 {Bergk). - 3) Sohn a. a. 0. S. 364. 387) und seine Umgebung smd 
des 'ptlyxenos eines Führers ^dir Epeier vor besonders die Sagen von Antiope und der 
Troja (IL 2, 623), der seinem Sohne, welcher Jugend ihrer Kinder geknüpft^ I- fthairon 
ihm nach der Heimkehr von Troja geboren war ihr wegen ihrer Schönheit (Paws 2, 6, 2 
wSde aus Liebe zu seinem gefallenem Freunde 20 Ap. Eh. 4, 1090. Syg^n.f. 8. ^'i''*«-*^ 1' ^. 5' 
Imph machos No. 2 dessen Nan.en beilegte. ihr BUd war von den Sikyoniernn den Tempel 
Sein Sohn war Eleios. Paus. 5., 3, 4. - 4) der Aphrodite gestellt, wie eines der Helena 
IXn des Nomion , der mit seinem Bruder Paus. 2, 10, 4) Zeus genaht, und zwar in Ges att 
Nastes die Karer den Troianern zu Hilfe führte, eines Satyrs, was vielleicht zuerst von Üuripi- 
aber von aS US m de'n Skamander gestürzt des in feiner Tragödie Antiope gedichtet war 
ward II 2 870 f u Schol. Quint. Sm. 1, 281. {Starlc S. 365 . Schol. Ap Bh. 4, J1090 Ovid. 
X.on äv 17 - 5) EinVeche, d;r im Wei. 6, 110. SW. rÄe6. 9 423. Mphogr 
teSnischen' Pferde wir. Quint. Smyrn. 12, Tat. 1, 1^^ lo.Malal. p. 49. ^e^S^S[\l, 
325. - 6) Amphimachos und Donakinos fan- p. 44. S. ^-rfcfer gr. Trag 2 ». 817 der 
den die im Gebiete von Schoinus gelandeten so S. 811-828 die Antiope des Euripides be- 
Leichen der Ino und des Palaimon und brach- spricht. Vgl. Valclcenaer BiaU c. 7. 8 p. 58- 
ten sie nach Korinth zu Sisyphos. Tzetz. Ly- -87. Heyne, AnUqu. Aufs. ^S- 206-212. 
I-nnÄr 107 229 Eudoc V 238 l'StoU.l Nauck, fragtn. trag. Graec. ip. 326 sqq^. PrcUer, 

fipWmaros ('fÄaeo^Sohn^ des ksei- gr. Myth 2 S, 32. Den Inhalt der e-i^|de^ 
don zeugte mit Urania den Linos. Paus. 9, ischen Tragödie, welche Ämws f.'«^*»^*!!^^* 
29 3 VgL^M.ta*A. p. 1163, 62. [Stoll.] hat (0. Bibheck, Trag^c.lat. ««*3«- P- 279) 

Ämphimedon CA^.^lsa>v), 1 Ithakesier, Sohn giebt Hygin f. 8 folge-idermarsen: Ant ope 
defMelaneus, bei welchem sich Agamemnon die Tochter de| ^ykte'is I^urde weg^^ 
als Gastfreund aufhielt, als er den Odysseus Schönheit von Zeu^geschwaeht.Da der Vater 
7um Zuse nach Troia aufforderte. Als Freier 40 sie deswegen strafen wollte, entüoh sie iinü 
de^ Äope wuide er von Telemachos er- traf zufällig mit Epopeus {Hygvn schreibt Epa- 
schlagen ^1 22" 284. 24, 103. 115. -- 2) Ein phus für Epopeus -^^ -f ,^7* ^^ J^^" 
Libver Genosse des Phineus, bei der Hochzeit sehen Grammatiker z. B Schol. Stat.lheb.n 
des Pe'rseus getötet Ovid. Met. 5, 75. - 3) Mythogr. Vatic), dem Konig von Sikyon zu- 
Tfoianef vofdem Lokrer Aias erlegt. Quint. sammen, der sie mit sich nach Hause nahm 
Ä« l^ail rStoUl und heiratete. (Oder sie floh direkt nach Sikyon 

nrpMnömt\'iÄ), 1) eine der Ne- -Epopeus und heiratete ihn, ^^0^^^^^^^ 
vpiden II 18 U Eustath. p. 1130, 10. Hyg. vgl. Schol. Ap. Bh. 4, 1090) ^yirteus starD 
W - 2) Mutter des lason, Gemahlin les aus Gram und Zorn (oder tötete sich selbst 
iison, welche, als Pelias das ganze Geschlecht 60 Apollod.) beschwor ^^«^^tef.^'^^^XrUef! da^^^ 
des läson vertilgen wollte, sich selbst tötete, Lykos, dem er die Herrschaft hmterliels, dals 
nachdem sk den Pelias an seinem eigenen er Antiope (und Epopeus) bestrafe. Lykos zog 
He' deTerfluchthatte. Diod. 4, 50. Vgl. %oll. gegen Sikyon, tötete den Epopeus und^uhrte 
1 q 27 Dieser nennt sie (1, 9, 16) Polymede, Antiope m Fesseln mit sich fort. Im Jlitnai 
VoH m 1 45ffTAlkimede S Aison und ron (bei Eleutherai, Apollod^ gebar Antaope 
la^on - 3) Tochter des Pelias, von lason mit Zwillinge und liefs sie dort zurück. (Nach 
tdraimon vermählt. Diod. 4, 53. - i) Mutter Schol Ap. Bh. hatte -«-^^ ^J^im^'^ir- 
des Böotiers HarpaUon, welchen Aineias vor zug des Lykos gegen S>\y°.° f^^ Z^Umge ge 
Troia 6rleste Gemahlin des Arizelos. Quint. boren und im Kithairon bei einem Hirten aus- 
iroja erlegte, ^emamm -ti gesetzt). Ein Hirte (ein Höriger des Pandio- 

^TänomoB SL,o,), 1) Sohn des Ni- niden Oineus, wohnha'ft zu Eleutherai am Nord 
sosZoXchion Freier der Penelope, von abhang des Kithäron, Dw Chrys. Xh p. 447, 
Telemachos erlegt Od. 16, 394. 18, 395. 412. ohne Zweifel nach Euripides) ^og die Knaben 
22 89 Xa& 7 p 328 - 2) Vatei^ der Thy- auf und nannte sie Zethos und Amphion Ly- 
ria mit welcher ApoUon dei Kyknos zeugte. kos übergab Antiope seiner Gemahlin Dirke 
Xi i* 12 - 3) Ein Trojaner, von Neo- zur Peinigung (Lykos und Dirke pemigen sie 
ptole^B erschlagel ilvnt. Lyrn. 10, 88. - in Gemeinschaft ^P'>««f ■); ^^er «- entflieht 
4) Nach Pherekydes emer von den Gefährten später bei gunstiger Gelegenheit (die ieaseln 



309 Amphion Amphion 310 

waren ihr von selbst abgefallen, jedenfalls auf Amphion, welche auf einem Gehöfte der Dirke 
Veranstaltung des Zeus, Äpollod.) und kommt aufgewachsen und daher ihre Diener waren, 
in dem Kithairon zufällig zu dem Gehöfte, wo übergeben, damit diese sie durch Stiere zer- 
ihre indes herangewachsenen Söhne wohnten. reifsen {Siaanäaai) liefsen, weshalb Dirke her- 
Zethos hält die um Schutz Flehende für eine nach derselben Strafe verfällt. Wahrschein- 
flüchtige Sklavin und weist sie zurück. Unter- lieh erlitt auch bei Euripides Dirke die der 
dessen kam Dirke , welche als Bakchantin Antiope zugedachte Strafe durch die Zwillings- 
mit andern Frauen im Kithairon umher- brüder, indem sie von einem wilden Stier 
schwärmte, zu demselben Gehöfte, fand An- zu Tode geschleift wurde. Welcher S. 825. 
tiope und schleppte sie fort, um sie zu töten, lo Die Scene , wie Dirke von den beiden Brü- 
(Dirke übergab sie ihren Söhnen, um sie zu dem zur Strafe an den Stier gebunden wird, 
töten, Schul. Ap. Eh.). Da entdeckte der Hirt ist dargestellt in der berühmten Kolossal- 
den Jünglingen, dafs Antiope ihre Mutter sei. gruppe in Neapel, dem sogen. Farnesischen 
Sie eilen der Dirke nach und entreifsen ihr Stier (toro Farnese), gearbeitet von den tral- 
die Mutter; die Dirke aber binden sie mit den lianischen Künstlern ApoUonios und Tauriskos, 
Haaren an die Hörner eines Stieres und töten Plin. 36, 4, 10. Winclelmann, W. 6, 1 S. 128 ff. 
sie so. Da sie im Begriffe waren, auch den (vgl. 2 S. 233). 7 S. 190. Heyne, antiguar. 
Lykos (welchen sie unter dem Vorwand her- Aufs.i S. 182. Welcher, alte Bcnkm.l^.^tiS. 
beigerufen, ihm die Antiope übergeben zu wol- O.Jahn in der archäol. Zeitung 1853, n. 56 f. 
len ScJwl Ap. Sh.) zu töten, verbot es ihnen 20 vgl. n. 58. 3Iüller , Handb. d. Arcli. § 157. 
Hermes, der dem Lykos befahl, die Herrschaft Denhm. d. a. K. 1, Taf. 47, n. 215 a. Over- 
dem Amphion abzutreten (nach ^jpo?Zo(Zor töten lech, Gesch. d. griech. Piasfift 2 S. 240 ff. Die- 
sie ihn). So die Erzählung bei Hygin. f. 8, selbe- Gruppe auf einer Münze von Thyateira 
womit im allgemeinen Apollodor und Scliol. {EcTchel, N. anecd. tb. 15, 1, vgl. D. N. 3 p. 91. 
Ap. Eh. a. a. 0. übereinstimmen. Nach Paus. 122. Müllir a. a. 0. n. 215 b) und auf ßehefs 
2, 6, 2 hatte Epopeus des Nykteus Tochter aus etruskischer Totenkisten {archäolog. Zeitung 
Theben geraubt. Nykteus zog gegen Sikyon, 1852, S. 502 f ). Eine freiere Nachbildung die- 
wurde in einer Schlacht besiegt und auf den ser Gruppe auf einer Gemme bei Miliin Gall. 
Tod verwundet. Sterbend übertrug er seinem myth. pl. 140, n. 514. Müller a.. a. 0. n. 215c.*) 
Bruder Lykos die Rache. Da aber Epopeus 30 Dirke wurde von Zethos und Amphion m die 
unterdessen ebenfalls an einer in der Schlacht gleichnamige Quelle geworfen (Apollod. 3, 5, 5. 
empfangenen Wunde gestorben war, so war Paus. 9, 25, 3) oder von Dionysos, dessen Ba- 
Lykos des Kriegs überhoben; denn Lamedon, kchantin sie war (Paus. 9, 17, 4), in diese Quelle 
der Nachfolger des Epopeus, lieferte freiwillig verwandelt. Hyg. f. 7. Eine Quelle Dirke war 
die Antiope aus. Auf dem Wege nach The- im Kithairon, der bei Stat. Theb. 9, 678 ff. 
be;i gebar sie die Zwillinge. Als den Ort, wo mons Dircaeus heifst. Preller, gr. Myth. 2 S. 
Antiope die Knaben niederlegte, nennt Paus. 33. Stark, Niobe S. 365. Bekannter ist die 
1, 38, 9 eine Grotte bei Eleutherai; in deren Quelle Dirke bei Theben, von der dieselbe 
Nähe war eine kalte Quelle, in welcher der Sage gilt. Stellensammlung über Dirke bei 
Hirte die Knaben wusch. Hygin. f. 7 giebt 40 IJnger , Theb. Paradox, p. 82—103. Antiope 
uns noch eine andere Version der Sage: Antiope, ward von dem durch den Tod der Dirke er- 
des Nykteus Tochter, war des Lykos Gemah- zürnten Dionysos in Wahnsinn versetzt und 
liu und wurde von ihm, da Epopeus ihr heim- schweifte umher, bis Phokos in Tithorea sie 
lieh beigewohnt, verstofsen, worauf Zeus ihr heilte und heiratete. Hier starb sie und ruhte 
nahte. Lykos heiratete jetzt die Dirke, und mit Phokos in gemeinsamem Grab. Paus. 9, 
da diese Verdacht hatte, dafs ihr Gemahl heim- 17, 4. 10, 32, 7. Den Lykos versetzte Posei- 
lich noch die Antiope liebte, liefs sie dieselbe don auf die Seligen Inseln. Apollod. 3, 10, 
durch ihren Diener fesseln und einkerkern. 1, s. Starh, Niobe 393. — In der Stille des 
Als die Zeit ihrer Geburt nahte, entfloh An- Landlebens hatten die Zwillingsbrüder sich zu 
tiope mit dem Willen des Zeus in den Kithai- 50 zwei ganz verschiedenen Charakteren heraus- 
ron, wo sie eine Stätte zur Niederkunft suchte gebildet. Zethos war kräftig, rauh und harten 
und an einem Zweiwege gebar. Deshalb be- Sinnes {Horaz nennt ihn severus, Properz du- 
nannten die Hirten, welche die Knaben wie rus, Seneea trux) und der Jagd und Vieh- 
ihre Kinder aufzogen, den Zethos ämb toi ^tj- zucht ergeben, Amphion dagegen, von weiche- 
TSiv zÖTCov und den Amphion ort tv SiöSm fj rem und zarterem Gemüt {mollis, Properz), 
ort afiipl oSov avxov hev.sv. Ebenso Eur'ipi- liebte Gesang und Saitenspiel, ein Gegensatz, 
des: Ticcqä tÖ naqä i:r]V aficpoSov fjyovv na^a der von Euripides in der Antiope und von 
t6 cciitpi Trjv bSov ysvvrjQ-^vai. (Fr. 182 bei anderen Schriftstellern so entwickelt ward, dafs 
Nauch, fragm. trag. gr. p. 328) und Zethos sie zu Vertretern des musischen und banausi- 
von irjreiv (vgl. 184). Et. M. p. 92, 27. Ari- m sehen, des philosophischen und praktischen 
stoph. fr. 304. S. Starh S. 367, der den Namen Sinnes und Lebens geworden sind: Eubul. bei 
Amphion von der Doppelseitigkeit der Brüder Athen. 2 p. 47, vgl. 8 p. 361 B. Apollod. 3, 
und Zethos von Je» herleitet. Eifersucht der 5, 5. Auct. ad Herenn. 2, 27, 48. Ctc. de inv. 
Dirke gegen Antiope bei ihrer Peinigung neh- 1, 50, 94. de or. 2, 37, 156. de rep. 1, 18, 30. 
men auch an Propert. 3, 15. Lutat. zu Stat. Verg. Ed. 2, 23 und Serv. Lutat. zu Stat. 
Theb. 4, 570. Mythogr. Vat. 1, 97. 2, 74. Epi- 
gramm V. Kyzih. 7. Nach Schol. Eurip. Phoen. *) Andero Monumente sind puyiiolert von Dilthey, 
102 wurde Alltiope von Dirke dem Zethos und Archäol. Zeitumj 1878 Taf. 7—9. [Schreiber] 



311 



Amphion 



Amphion 



312 



Ächül. 1, 13. Horat. Ep. 1, 18, 41. Propert. 
3, 15, 19. 41. Senec. Herc. für. 916. Bio Chrys. 
or. 73 extr. S. Welcher, gr. Trag. 2 S. 818— 
823. Auch in der Gruppe des farnesisohen 
Stieres ist der Kontrast im Charakter der 
Brüder sichtbar. [Noch deutlicher ist er an- 




Amphion u. Zethos, Eelief des Pal. Spada {nach Braun, Zwölf antike Basret. Taf. 3). 

gegeben in dem schönen Kelief des Palazzo 
Spada, wo Zethos als rüstiger Jäger, Amphion 
als Freund des Leierspiels fein charakterisiert 
wird {Mats-Bulin, Antike Bildwerke in Born 
No. 3565. Brai^n, Zwölf antike Basreliefs Taf. 
3. Schreiber]. Asios in den Versen bei Paus. 



2, 6, 2 scheint den Amphion als Sohn des 
Zeus, den Zethos als Sohn des menschlichen 
Epopeus anzunehmen (das gleiche Verhältnis 
bei Kastor und Polydeukes), und darin schei- 
nen ihm manche von den Späteren gefolgt 
zu sein. Das musikalische Wesen, das auch 
in den Dioskuren von 
Sparta vorausgesetzt 
wird, aber wenig ent- 
wickelt ist {Tlieö- 
krit. Id. 22, 24 ruft 
sie an als iitjtrjsg, v,i- 
9aQiatal, di&lrjrij- 
Qig, äoiSoC), tritt bei 
Amphion (dem böo- 
tischen Dioskuren) 
ganz besonders her- 
vor. Er war berühmt 
imter den mythi- 
schen Sängern und 
Musikern, wurde ne- 
ben Thamyris , Or- 
pheus und Linos ge- 
stelltund galt wohl 
auch für den älte- 
sten Sänger, den Her- 
mes mit der Leier 
beschenkte und das 
Spiel lehrte , der 
Tiere und Steine mit 
sich fortrifs. SoEu- 
melos in der Buro- 
pia und der Verfas- 
ser der Minyas bei 
Paus. 9, 5, 4. In 
den alten musika- 
lischen Überlieferun- 
gen von Sikyon war 
Amphion an die 
Spitze der Kitharö- 
den gestellt, Phit. 
de musie. c. 3 p. 
1132. Myro (Paus, 
a. a. 0.) sagte, dafs 
Amphion von Her- 
mes mit der Leier 
beschenkt worden 
sei, weil er ihm zu- 
erst einen Altar (al- 
so einen Kultus) ge- 
gründet habe. Vgl. 
Panj asis und Alexan- 
der Aitolos bei Pro- 
bus ad Verg. Ecl. 2, 
24, wo zu schreiben : 
quod primus ei aram 
dedicaverit oder qu. 
pr. ei in ara libave- 
rit (Meineke, Anal. 
p. 251). Auf Hermes 
wird gewöhnlich die 
Kitharödik des Am- 
phion zurückgeführt (vgl. Apollod. 3, 5, 5. Sehol. 
Eurip. Phoen. 115. Horat. Carm. 3,11, 1. Lutat. 
ad Stat. Theb. 1, 10. Achill 3, 11. Plin. N. H. 
7, 56, 204. Stark, Niobe S. 373 f. über Am- 
phions Stellung zu Hermes) , oder auch auf 
Zeus {Eustath. Od. 11, 262. Herakleides bei 



Ki 



313 Amphion Ainphion 314 

Flut, de music. 3. Eudoc. Viol. p. 18), oder der von Kadmos erbauten Burg Kadmeia, Paus. 

auf die Musen (Pherekydes und Armenidas b. 2, 6, 2. 9, 5, 3. Homer sagt nichts von der 

Schol.Ap.Bh. 1, 740. tichol.Hom.il. 13,301), musischen Kunst des Amphion und der Zu- 

aber auf ApoUon erst spät; erst Dioskorides, sammenfügung der Mauern durch seine Leier, 

ein jüngerer Epigrammendichter, läfst den Am- Schon Hesiod, der höotische Sänger, soll nach 

phion die Leier von Apollon erhalten, und die Palaeph. 42 erzählt haben , dafs Zethos und 

späteren Rhetoren wie die Byzantiner schlie- Amphion die Mauer von Theben durch die 

fsen sich dann an. Schal Äp. Bh. 1, 740. Kithara erbaut hätten {Hes. fr. 204. Lehrs). 

Menand. it. S7iiäeiv.t. 16 p. 327, 12. Eustath. Auch Eumelos in der Europia hatte davon 
t Od. 11, 262. Eudoc. p. 18. lul. Valer. de reb. lo berichtet, Paws. 9,5,4. Die weitere Sage bringt 

* gest. Alex. 1, 66. — Der Mythus von Zethos auch in diesen Mauexbau den Gegensatz der 
und Amphion haftet an verschiedenen Or- Brüder: während der rauhe und starke Zethos 

:; ten Böotiens und der Nachbarschaft, konzen- die Steinblöcke mit gewaltiger Kraft zur 

j friert sich aber zuletzt auf Theben. Euri- Mauer auftürmte, setzte Amphion an seiner Bau- 

pides in der Antiope nimmt Hysiai als Wohn- stelle die Steine, und noch gröfsere, ohne An- 

j ort des Nykteus und Lykos an; bei Apollod. strengung durch seine Laute in Bewegung, 

3, 5, 5. 7 wohnten Nykteus und Lykos , von ein Gegensatz , wie wir ihn auch zwischen 

ü Euböa flüchtig, in Hyria, von wo aua^ Lykos Poseidon und Apollon bei dem trojanischen 

|s den Laios in Theben der Herrschaft beraubte; Mauerbau sehen. Ap. Bh. 1, 735. über den 
% er wurde' von den Thebanern zum Kriegs- 20 Mauerbau von Theben s. Apollod. 3, 5, 5. Schal. 

•£ fürsten (■jcolefiaQxog) erwählt und nach einer Ap. Bh. 1, 740. 763. Schal. Eurip. Phoen. 116. 

I Herrschaft von 20 Jahren von Zethos und Am- TeeU Lyk. 436. 598. 1209. Hygin. f. 9. Ho- 

f phion, nachdem sie die Dirke bestraft hatten, rat. Od. 3, 11, 2. Ars poet. 394. Propert. 1, 

* getötet, worauf diese selbst sich zu Herren der 9, 10. Ovid. Met. 6, 178. Senec. Herc. für. 
t Stadt machten. Nach ihrem Tode wird Laios 262 f. 915. PAoem. 566 ff. Stat. Silv. 2, 2, mS. 
S König. Nach Paus. 9, 5, 2. 3. 5 ist Nykteus Theh. 4, 357 ff. und sonst. Plut. de princ. 5. 

* während der Minderjährigkeit des Labdakos Norm. Dionys. 25, 415 ff. Unger Theb. Parad. 
König in Theben, und nach ihm wird Lykos c. 2. 3. Die Stadt erhielt 7 Thore, weil die 
Vormund des Labdakos und darauf des Laios. Leier Amphions 7 Saiten hatte (Eustath. Od. 
Zethos und Amphion besiegen den Lykos- in 30 11, 263), und Amphion benannte die Thore 

: einer Schlacht und nehmen dem Laios die nach den Namen seiner Töchter, Hygin. f. 69, 

1 Herrschaft. Nach PhereJcydes bei Schal. Ap. doch stimmen die angeführten Namen der 

tBh. 1, 735 ummauerten Zethos und Amphion Töchter nicht mit denen der Thore, s. Stark, 

Theben, um es gegen die Phlegyer zu schützen, Niobe S. 381 ff. Auch die Bewohner von Epi- 

fi welche dem damaligen König Kadmos feind- damnos rühmten sich von Amphion erbauter 

l" selig waren. Nach Syneell. p. 157. Euseb. Mauern (Stellen bei Unger, Theb. Parad. 1, 3 

I p. 29 n. 632 verjagen sie diesen. Polydoros, p. 43—52), und eine athenische Inschrift einer 

J des Kadmos Sohn, vertreibt sie wieder, Diod. trefflichen Mauer stellt die zauberische Sanges- 

i jj 19, 53. Vor der thebanischen Herrschaft safsen kunst des Amphion und Kyklopenhände zu- 
■ f sie in Butresis bei Thespiai, das sie ummauer- 40 aammen. Göttling in Ber. d. K. S. Ges. der 

ten, Straba^ p. 411. Steph. Bye. v. Eur^cig. Wiss. 1853 Mai. Stark, Niobe S. 376. — In 

y Eustath. II. 2, 502. So werden die Mitglieder Theben vermählte sich Zethos mit Thebe {Apol- 

I dieses kriegerischen Geschlechtes von Hyria lad. 3,5, 6) oder Niobe (Schal. II. 24 , 602) 

-t' . an verschiedenen Stellen in das thebanische oder mit Aedon und starb ans Trauer , als 

Königsgeschlecht der Kadmiden eingeschoben; diese durch eine unglückliche Verwechselung 

l sie unterbrechen es als Usurpatoren der Herr- ihren eigenen Sohn getötet hatte , s. Aedon. 

f schalt und bilden als Kriegsfürsten (noXificiQ- Amphion heiratete Niobe , die Tochter des 

'•:' x<") einen Gegensatz gegen das priesterliche Tantalos. Dies ist vielleicht- schon seit He- 

% Königtum (ßaeiluLg) der Kadmiden. Eine Ver- siod (s. Apollod. 3, 5, 6), entschieden aber seit 
S bindung des amphionischen Geschlechtes mit 50 Pherekydes von Leros die herrschende Angabe 

;? den Kadmiden findet nicht statt. S. Müller, (Stark, Niobe S. 368f.), während eine ältere 

: l Orchom. S. 99. 227 if. Andere lassen noch vor Tradition ihm die Hippomedusa zur Gattin 

:■' Kadmos den Zethos u. Amphion in Theben sitzen giebt, Eustath. Od. 19, 518. Spätere Autoren 

und die Stadt zum Schutz gegen die raube- erzählen, dafs Pelops, als er aus Asien nach 

^ ' rischen Phlegyer ummauern. Nach ihrem Tode Griechenland flüchtete, seine Schwester Niobe 

kam der Phlegyerkönig Eurymachos heran und dem Amphion in Theben vermählt habe. iVi- 

■^. zerstörte Theben. Die Stadt lag verödet bis zur col. Bamase. Müller, Frgm. hist. gr. 3 p. 367, 

* Ankunft des Kadmos, der sie aufs neue aufbaute. 17. Strab. 8 p. 360. vgl. Paus. 6, 20, 8. Bei 
§ Schal, n. 13, 301. Eustath. Od. 11, 262. Müller, der Hochzeit der Niobe wurde nach Pindar 

* Orchom. S. 191. — Allgemein bekaimt ist die 60 (Plut. de mus. 15 p. 1136, 22. Find. Fr. 42 
*' Befestigung Thebens durch Zethos u. Amphion. Bergk) zuerst die lydische Harmonie gelehrt und 

Hom. Od. 11, 262 sagt, dafs beide zuerst lyrische Weisen kamen dabei zur Aufführung; 

den Sitz des siebenthorigen Thebens gründe- Amphion hatte sie infolge der Verwandtschaft 

ten und ummauerten, da sie, obgleich stark, mit Tantalos gelernt, Paus. 9, 5, 4. Ober die 

die Stadt nicht ohne Mauern und Türme be- Kinder des Amphion und der "Niobe und das 

wohnen konnten. Die Unterstadt Theben (^ tragische Ende des Amphionischen Hauses s. 

■nüzm TtöUgj-'Tnod-rißrj oder auch ©ijßrj) wurde Niobe. (Amphion bei der Tötung seiner Kin- 

von den Brüdern ummauert, als Neustadt zu der in lleliefdarstellungen auf Sarkophagen s. 



-*, 



315 



Amphion 



Amphios 



316 



St<M% Niobe S. 192. 196; ob auch in der be- 
kannten Niobidengruppe? S. 311 f.). Amphion 
selbst gab sich nach dem Untergang der Söhne 
den Tod {Ovid. Met. 6, 271) oder ward eben- 
falls nach Erlegung seiner Kinder erschossen 
{Apollod. 3,5, 6). Nach Paus. 9, 5, 5 kam 
die ganze Familie des Amphion, also wohl 
auch er selbst, durch eine Pest (die Pfeile des 
Apollon) um. Nach Lukian. de sali. c. 41 ward 



Grundidee nicht so stark und vielseitig ent- 
wickelt, wie bei den spartanischen Dioskuren, 
die einen weitverbreiteten Kultus hatten. Eu- 
ripides {Herc. für. 29. Phoen. 606) nennt sie 
die weifsrossigen Söhne des Zeus, die weifs- 
rossigen Götter, Schutzgötter Thebens. Vgl. 
Hesych. u. Phavor. v. /Iiöav-ov^oi. Pherekyd. 
bei Schol. Od. 19, 523. Welcher, Gr. Götterl. 
1. S. 614f. Der Kaiser Tiberius errichtete vor 



Amphion wahnsinnig. Als er den Tempel des lo dem Tempel des Dionysos zn Antiochia zwei 
Apollon (das Ismenion bei Theben oder den del- v-^-- ck-i™ - wi---" --■ =* ^«-.«*r,. v/=„- 
phischen) zu stürmen und zu vernichten ver- 
suchte, erschofs ihn Apollon. Hygm.f.9. My- 
tliogr. Vat. 1, 156. Nach der Angabe des Tinia- 
goras in den Thebaika [Schol. Eurip. Phoen. 159. 
Müller frgm. hist. gr. 4, p. 520) kam Amphion 
mit seinem Hause um durch eine Eeaktion 
der älteren Bevölkerung gegen die mächtigen 
Eindringlinge. Er erzählt , dafs die Spartoi, 



hohe Säulen zu Ehren räv £| AvzioTcrie ysv- 
vrjQ'svtcov zlioeKovQmv. lo. Matal, p. 234, 17. 
In ihre Sage, in welcher manche Namen noch 
an ältere allegorische Naturmythen erinnern, 
sind dann historische Bestandteile, welche ver- 
schiedene Orte und besonders Theben betref- 
fen, eingewebt. Über das Verhältnis des Am- 
phion zum Apollo und zum Dionysoskult s. 
Stark, Niobe 385 f. 387 f — Vgl. im .allgemei- 



von Amphion und seiner Familie bedrückt, 20 nen Bwrmeister de fabula, quae de Niobe eius- 
diesen, als sie nach Eleutherai zu einem Fa- ~- '-'-•-•" ""-' ^'"— ^°«« w^.z-w ß. 
milienopfer gingen, einen Hinterhalt legten 
und sie erschlugen. In der Unterwelt ward 
Amphion auf dieselbe (jedoch nicht bekannte) 
Weise wie Thamyris, der wegen seiner Prah- 
lerei gegen die Musen büfste, gestraft , weil 
er gleich Niobe gegen Leto und ihre Kinder 
mit Worten gefrevelt (S . . . aniqgiips). Minyas 
bei Paus. 9, 5, 4. Welclcer JEp. Gycl. 1. S. 258. 
Stark, Niobe S. 386. — In Theben existierten 
später noch manche Erinnerungen an Amphion 
und seine Familie. Eine Anhöhe nordöstlich 
von der Kadmeia hiefs to 'Jfitpsiov. Xenoph. 

Hellen. 5, 4, 8. Arr. Anab. Alex. 1, 8, 6. Stark 

S. 378. Bursian, Geogr. v. Griechenl. 1. S. 228. 

Nicht weit davon war das gemeinsame Grab 

des Amphion und Zethos. Paus. 9, 17, 3. 10, 

32, 7. Aeschyl. S. c. Theb. 527. Eurip. Phoen. 

146 mit Schol. Suppl. 665. Aristot. Pepl. 41. 

Plut. gen. Soor. 4. Stark S. 378 f. Bei dem- 
selben lagen als Grundmauer benutzte, nicht 

sehr sorgfältig bearbeitete Steine, welche nach 

dem Volksglauben der Leier des Amphion ge- 
folgt waren. Patis. 9, 17, 5. In demselben 

Stadtteil, in der Nähe des prötischen Thores 

waren auch die Grabdenkmäler der Kinder des 

Amphion, die der Töchter getrennt von denen 

der Söhne. Paus. 9, 16, 4. Stark 379 f. Ein 

halbes Stadion davon lag die Pyra derselben. 



que liberis agit, Wismar 1836. Welcker , Gr. 
Trag. 2. S. 811— 828. Alte Denkm. 1. S. 352ff. 
Kret. Kolonie in Theben S. 82 ff. Heyne, Ob- 
serv. in Apollod. 3, 5, 5 f. Schwenck, Et. myth. 
Andeutungen^. 196 f. 0. Jahn, Archäol. Zeitg. 
1853 n. 56. 57. C. Bötticher, Dirke als Quelle 
u. Heroine, Berl. 1864; s. auch Lit. Gentralbl. 
1866, 369. Stark, Niobe u. d. Niobiden, Leip- 
zig 1863, besonders S. 361—395. Unger,Theb. 
Parad. p. 14 ff. Stuhr , Mythol. 2 S. 108 ff. 
Gerhard, Gr. Myth. 2. §. 716. 739—741. Prel- 
ler, Gr. Mythol. 2. S. 21. 30—34. — 2) Sohn 
des lasos (oder lasios), König im böotischen 
Orchomenos. Seine jüngste Tochter Chloris, 
die er mit Persephone, der Tochter des Min- 
yas, zeugte, heiratete den Neleus, König in 
Pylos. Hom. Od. 11, 281ff. c. Schol. Paus. 9, 
36, 4. Auch Pelias, der Bruder des Neleus, 
hatte eine Tochter dieses Amphion namens 
Bei' dem- 40 Philomache zur Gemahlin. Tgdg. Lyk. IIb 
(p. 434 Müller). Chloris ist öfter mit der Toch- 
ter des thebanischen Amphion gleichen Na- 
mens verwechselt. Apollod. 3, 5, 6. Diod. 4, 
68. Hygin. f. 10, 14. Paus. 2, 21, 10. Heyne 
z. Apollod. 1, 9, 9. In der älteren Sage ist er 
vielleicht identisch mit No. 1, mit dem er 
auch später öfter vermengt wird. Müller, Or- 
choin. S. 231. 370. Buttmann, Mythol. 2 S. 214f. 
Stark, Niobe S. 356-360. Prelter, Gr. Myth. 



von welcher man noch inPausanias' Zeit Asche 50 2 S. 315. Schwenck, Bh. Mus. N. F. 10, 3. 



bewahren wollte. Paus. 9, 17, 1. Auch zu 
Tithorea am Parnafs, wo Antiope begraben war, 
hatten Zethos und Amphion ein gemeinsames 
Grab. Steph. Byz. v. Ti^oQaia. Paus. 9, 17, 
3. 10, 32, 6. Wenn die Sonne in das Zeichen 
des Stiers trat (im April, Ovid. Fast. 4, 716. 
5, 603), suchten die Tithoreer von dem Grabe 
des Zethos und Amphion in Theben Erde zu 
rauben, um sie auf ihr Grab der Antiope zu 



S. 369—392. — 3) Ein Sohn des thebanischen 
Amphion und der Niobe, mit seiner Schwester 
Chloris von Apollon verschont. Apollod. 3, 
5, 6. Paus. 5, 16, 3. Stark S. 354. — 4) Em 
Anführer der Epeier vor Troja. B. 13, 692. — 
5) Sohn des Hyperasios und der Hypso, Bru- 
der des Asterios (Asterion, Hygin.), Argonaut 
aus Pellene in .Achaia. Ap. Bh. 1, 176. Orph. 
Arg. 214. Hygin. f. 14. Valer. Flacc. 1, 365ff. 



bringen, weil dadurch ihr Land fruchtbar, das 60 nennt den Bruder_Deukajion,^iSiarÄ S. 367. — 
thebanische unfruchtbar würde, und deshalb "' "-- "'^-^ fni,-.i„ j«„ i?„„,^^ 
bewachten die Thebaner um diese Zeit das 
Grab des Amphion. — Amphion und Zethos 
waren ursprünglich göttliche INstenzen (Mächte 
des Lichts), welche sich zu einem ähnlichen 
engverbundenen Zwillingspaar von Zeussöhnen, 
Dioskuren, wie Kastor und Polydeukes zu Lake- 
dämon, herausgebildet hatten; doch ist ihre 



_, Ein Waffengeföhrte des Epeios vor Troja. 
Quint. Sm. 10, 110. — 7) Ein Kentaur. Diod. 
4, 12. [StolL] 

Amphios CAficpiog), 1) Sohn des Selagos aus 
Paisos in Mysien, Bundesgenosse der Troer, 
von dem Telamonier Aias erlegt. II. 5, 612. 
Tzetz. Homeric. 89. — 2) Sohn 'des Sehers 
Merops aus Perkote in Mysien, mit seinem 



317 



Amphiro 



Amphitrite 



318 



Bruder Adrastos vor Troja von Diomedes ge- 
tötet. Der Vater hatte beide nicht in den 
Krieg ziehen lassen wollen, weil er ihren Tod 
voraussah. II. 2, 828flf. 11, 328ff. [StoU.] 

Amphiro ('AiKpigm), Okeanide, Hes. Theog. 
360. Schoemann, Opuse. Äc. 2, 148 übersetzt; 
Bifida. Braun, Gr. Göiterl. §. 161. [StoU.] 

Aniphis rAiiq>ig), verkürzter Name für Am- 
phiaraos (ov avyv.anri, aXla jiSTaa^rificiTieiiög), 



Schwangerschaft dorthin gebracht. Er zeugte 
mit der Nymphe Tritonis den Nasamon und 
Kaphanros, welchen Hyg. f. 14, p. 44 Bunte 
Kephalion nennt. Äp. ßh. 4, 1490 ff. u. Scliol. 
Agroitas b. Herodian. n. (lov. is|. p. 11, 19 
nennt eine Anzahl von Söhnen, welche Amphi- 
themis in Libyen mit Nymphen erzeugte ; doch 
sind ihre Namen schwer zu entziffern, s. Mül- 
ler fr. hist. gr. 4 p. 294, 1. — 2) Kentaur, be- 



Aeschylos (fr. 404 Nauck) bei Et. M. p. 93, lo gleitet den Dionysos nach Indien, Nonn. Dion. 



51; vgl. p. 159, 31. Zon. Lex. p. 165 

^ ^ • [StoU.] 

Amphissa ('^fiqptcca), 1) Tochter des Makar, 
Enkelm des Aiolos, eine Geliebte des ApoUon, 
nach welcher die gleichnamige Stadt der Lo- 
krer benannt war. Sie hatte hier auch ein 
Denkmal. Paus. 10, 38, 2. 3. — 2) Tochter 
des durch seine Grausamkeit berüchtigten Eche- 
tos, Königs von Epirus, der sie, weil Aichmo- 



14, 191. [StoU.] 

Ampliithoe {'Jficpi&öri), Nereide, II. 18, 42. 
Hyg. praef. p. 28 Bunte. Braun, Gr. G&tterl. 
§. 98. [StoU.] 

Amphitrite {'A^(fixQCtri) , die Königin des 
Meeres, ihrem Namen nach die „die Erde um- 
rauschende Jfteeresflut"; denn der zweite Teil 
des Wortes wird von einem in Tgi'Joj, -iqv^m 
enthaltenen Stamme abzuleiten sein, der auch 



dikos sie geschwächt, blendete und eiserne 20 dem Namen des Triton, des lärmenden und 
" • ■ ■• '■ '• " •' ■• -TT tosenden Brausers des Meeres, zu Grunde liegt. 

Schwende (Etym. - myth. Andeutungen S. 182) 
leitet das Wort von tgiia, „drehen, zittern, 
d. i. pt'oj" ab und erklärt die „Erdumwogende"; 
ähnlich Welcher {Gr. Götterl. 1 S. 311), mit 
Berufung auf Hesych. xqirta , gsv/ia, tQÖfji-os, 
qjößog, und Schömann Opp. 2 p. 167 (= Cir- 
cumflua). Homer erwähnt sie nicht in der 
Dias, dagegen mehrmals in der Odyssee, doch 
kaum als eine lebensvolle Persönlichkeit. 
Während Poseidon bei Homer ein lebendiger, 
frei über dem Meere waltender Gott ist, er- 
scheint Amphitrite mehr wie eine Allegorie 
des Meeres, des Meeres als Elementes des Welt- 
ganzen; sie wird ia der Odyssee immei' nur 
in Bezug auf die Meereswoge («üfia 'Afitpix^C- 
Tjjff, Od. 3, 91. 12, 60), die sie wider die Fel- 
sen treibt, und auf die Meerwunder und See- 
ungeheuer genannt, die sie nährt und pflegt. 



Gerstenkörner mahlen liefs, mit dem Verspre 
chen, er werde ihr die Sehkraft wiedergeben, 
wenn sie die Gerste gemahlen habe. Auch 
den Aichmodikos verstümmelte er aufs grau- 
samste. Amphissa wird auch Metope ge- 
nannt. Schol. Od. 18, 85. Eustath. Hom. 1839, 
1. [StoU.] 

Amphissos ("^fi^iccos), Sohn des Apollon 
und der Dryope , einer Tochter des Dryops, 
Königs im Oita; sein Stiefvater war Andrai- 
mon, der Sohn des Oxylos. Zu einem starken 
Manne herangewachsen, baute er im Oita die 
Stadt Oita, wo er herrschte, und dem Apol- 
lon einen Tempel Auch den Nymphen, welche 
seine Mutter in ihre Gemeinschaft aufgenom- 
men hatten, gründete er einen Tempel und 
Spiele , bei denen Frauen sich nicht zeigen 
durften. Anton. Lih. 32. Vergl. Ov. Met. 9, 
326 ff. [StoU.] 



AmpMstheues {'Ajii,€pi.a&sv7ig), Lakedämonier, 4,0 mit denen sie bisweilen die Schiffer aus der 



Sohn des Amphikles , Enkel des Agis , Vater 
des Irbos, dessen Söhne Astrabakos und Alo- 
pekos das Bild der Artemis Orthia fanden und 
rasend wurden. Paus. 3, 16, 6. [StoU.] 

Ampliigtratos {'AfKpiBt^atog) , mit Krekas 
Wagenlenker (rivioxog) der Dioskuren; beide 
blieben von dem Heere des lason in Kolchis 
zurück und wurden dort Stammväter des Vol- 
kes der Heniochen, Strab. 11, 496. Arist. Pol. 
8, 3, 4. Justin. 42, 3. [StoU.] 

Amphithea {'Aii(pi&ia), 1) Gemahlin des Au- 
tolykos , dem sie die Antikleia, Mutter des 
Odysseus, und den Aisimos, Vater des Sinon, 
gebar. Od. 19, 414ff. Tzetg. Lyk. 344. — 2) 
GemahUn des Adrastos, Tochter des Pronax, 
Apollod. 1, 9, 13. — 3) Gemahlin des Lykur- 
gos in Nemea, der ein Sohn des Pheres war, 
Mutter des Opheltes; sie heilst auch Eurydike, 
Apollod. 1, 9, 14. — 4) Gattin des etruski- 
schen Königs Aiolos, Plut. par. min. 28. Stoi. « 
Flor. 64, 35. — 6) Amphithea oder Hemithea, 
Tochter des Kyknos , Schwester des Tenes, 
Hekat. b. Steph. Byz. v. TsvsSog. Vgl. Paus., 
10, 14, 2. Tzets. Lyk. 232. [StoU.] 

Amphithemis {'A^(fl&s(i,ig), 1) auch Garamas 
genannt, ein Sohn des Apollon, welchen ihm 
Akakallis (s. d.), die Tochter des Minos, in Li- 
byen gebar, nachdem Minos sie während ihrer 



Tiefe schreckt (5, 422. 12, 97). Nitzsch, Anm. 
0. Odyssee 2. S. 64. Nägelsbach, hom. Theolog. 
S. 78 f. Ihre Epitheta bei Homer sind Klvrri, 
äyäatovog, Kvavänig. Wahrscheinlich ist sie 
auch Od. 4, 404 (vgl. Schol.) als Kal-^ 'Alo- 
avSvT] bezeichnet, ein Wort, das als Epitheton 
ihrer Schwester Thetis und der andern Nerei- 
den gebraucht wird {II. 20, 207. Ap. Bh. 4, 
1599 u. Schal.). Bei späteren Dichtern wird 

50 ihr Name oft für das Meer gesetzt , Eurip. 
Kykl. 702. Oppian. Halieut. 1, 83f. 343. 4£2f. 
Bionys. Perieg. 53. 99. Quint. Smyrn. 8, 63. 
Catull. 64, 11. Ovid. Met. 1, 14 u. sonst. Op- 
pian. Hai. 1 , 14. 386 nennt sie geradezu @ä- 
laaea. Homer erwähnt nichts von verwandt- 
schaftlichen Verhältnissen der Amphitrite. He- 
siod. Theog. 243 u. 254 nennt sie unter den 
Nereiden, den Töchtern des Nereus und der 
Doris, vgl. Apollod. 1, 2, 7, der sie aber 1, 2, 2 

60 unter den Töchtern des Okeanos und der Te- 
thys aufzählt, vgl. 1, 4, 6. In dem angebli- 
chen Hymnus des Arion auf Poseidon b. Bergk 
Lyric. Gr.^ p. 662 heilst sie die Mutter der 
Nereiden, so dafs hier eine Okeanide Amphi- 
trite statt der Okeanide Doris als Gattin des 
Nereus angenommen werden mufs. Überhaupt 
werden Okeaniden und Nereiden, sowie Okea- 
nos und Nereus öfter vermengt, wie auch in 



319 Amphitrite Amphitrite 320 

den Katalogen des Eesiod {Theog. 240ff. 349ffi) Tempel und Feste hatte sie mit Posei- 

manche Namen von Okeaninen und Nereiden den zusammen in Tenos , wo der Erzgiefser 

identisch sind. Schoemann Opp. 2. p. 165 ff. Telesias beide in Kolossalstatuen von 9jEl- 

Amphitrite und Thetis erscheinen als die aus- len Höhe dargestellt hatte {Clein. Alex. Protr. 

gezeichnetsten unter den Nereiden; sie sind p. 41. Strab. 10. p. 487. Böckh O. I. Gr. 2. 

die Chorführerinnen derselben, und Amphi- n. 2329. [^Taeit. Ann. 3, 63. Schreib.] 2331 

trite verkehrt auch als Herrseherin der See —2334), auf Lesbos , wo (xara x^riofiov 'Afi- 

noch gerne mit den Schwestern. Mit Rück- cpitQitrig) Poseidon als Opfer einen Stier, Am- 

sicht auf diesen Chor der Schwestern , der phitrite und die Nereiden eine Jungfrau aus 
EXttTÖfiJtodfs Ntjgyäsg {Soph. O. B. 722), heifst lo dem königlichen Stamm der Pentheliden ver- 

Amphitrite bei Sophokles (fr. 607) in den Hy- langten, die lebendig ins Meer versenkt wurde 

drophoren sroAiJjioti'Os. Hesych.Y.Koivög. Schal. {Plut. Sept. Sap. conv. 20. de sol. anim. 36. 

Soph. Antig. 1. Poseidon, der in ältester Zeit Athen. 11, 15) , ferner in Syros und Mykonos 

vielfach mit Demeter in Verbindung gestan- {Bofs, Inselreisen 1. S. 9. Inscr. P. 2. n. 107. 

den, erwählte sich die schöne Nereustochter 135). Dargestellt war Amphitrite mit Posei- 

Amphitrite zur Gemahlin. Er sah sie auf don am Altar des Hyakinthos zu Amyklai 

Naios mit ihren Schwestern den Beigen tan- {Paus. 3, 19, 4), am Thron des Zeus zu Olympia 

zen und entführte sie. Schal. Od. 3, 91. Eu- (Paus. 5, 11, 3), im westlichen Giebelfelde des 

stath. Hom. p. 1458, 40. Oder als Poseidon Parthenon {Müller, Denkm.d. a. K. 1. Taf. 27, 
um sie warb, flüchtete sie verschämt zu Atlas, 20 n. 121. Overbeck, Gesch. d. griech. Plastik 1. 

in die tiefe Verborgenheit des Weltmeers {Op- S. 275. 288). Mit Hestia, der Göttin der fest- 

pian. Halieut. 1 , 388 iv 'Sliisavoto Söfioiai) ; gegründeten Erde , wurden Amphitrite und 

nach langem Suchen fand sie der Delphin und Poseidon als die Repräsentanten des erdum- 

führte sie dem Poseidon als Gattin zu, was- gürteten Meeres öfter in Bildwerken verbun- 

halb der Gott zum Danke den Delphin unter die den, wie zu Olympia, Paus. 5, 26, 2. Auf der 

Sterne versetzte. Eratasth.Cat.31. Hygin. Paet. Schale des Sosias {Monum. ined. d. Instit. tv. 

Astr.i,n. Der Raub der Amphitrite auf Vasen 24. n. 25. Müller, Denkm. 1. Tf. 45. n. 210 b) 

dargestellt: i;Ztfe ceVamogrr. 3. pl. 19— 25. Als sitzt Amphitrite neben Hestia.*) In gröfseren 

Poseidon mit der schönen Nymphe Skylla Um- Kompositionen erscheint Amphitrite an der 
gang pflog, warf seine Gattin aus Eifersucht so Seite des meerbeherrschenden Poseidon- ent- 

Zauberkräuter in die Quelle, in welcher Skylla weder thronend oder auf dem Wagen (den sie 

badete, und verwandelte sIq dadurch in das dem Gatten wohl auch ausspannt, Ap. Bh. 4, 

bekannte Ungeheuer. Tzetz. Lykophr. 45. 650. 1325. 1365 ff.) über das Meer hinfahrend oder 

Vgl. Verg. Cir. 70ff. Dem Poseidon gebar Am- im feierlichen Hochzeitszuge heimgeholt, um- 

phitrite nach Eesiod Theog. 930 (vgl. Hygin. geben von den mannigfaltigen niederen Wesen 

praef.) den Triton, wozu Apollad. 1, 4, 6. 3, der See. In dem Heiligtum des Poseidon auf 

15, 4 (vgl. l^ykophr. 886) noch die Töchter dem Isthmus standen im Pronaos zwei Bilder 

Benthesikyme (die Wogerin der Tiefe) und des Gottes mit einem Bilde der Amphitrite 

Rhode oder Rhodos (die Rauscherin, vgl. poO-sra) und dabei das derThalassa; im Innern befand 
fügt. Bei Pindar jedoch heifst Rhodos Toch- 40 sich als ein Weihgeschenk des Herodes Atti- 

ter der Aphrodite, Gemahlin des Helios, nach cus ein kostbares Kunstwerk: Poseidon und 

Asklepiades Tochter der Amphitrite und des Amphitrite auf einem Viergespann stehend, in 

Helios , nach andern Tochter der Aphrodite der Nähe Palaimon auf einem Delphin, neben 

und des Helios, nach Herophilos Tochter des dem Gespann Tritonen, auf dem Postamente 

Poseidon und der Aphrodite. Pind. Ol. 7, 14 des Wagens die Geburt der Aphrodite (Tha- 

(24) u. Schal. Als Gemahlin des Poseidon ge- lassa das Kind Aphrodite emporhebend) und 

langte die Meernymphe zu hohen Ehren. In auf beiden Seiten derselben Nereiden, ferner 

dem homerischen Hymnus in Apoll. Del. 94 ist die Dioskureu , die Retter zur See , Galene 

sie mit den ehrwürdigsten Göttinnen bei der (Windstille), Thalassa, ein Hippokamp, Ino, 
Geburt des Apollon zugegen, wie auch in dem bo Bellerophon mit seinem Pegasos. Paus. 2, 1, 

Relief des Gitiadas zu Sparta {Paus. 3, 17, 3) 7 f. Der Hochzeitszug des Poseidon und der 

mit Poseidon bei der Geburt der Athene. Amphitrite ist dargestellt auf einem schönen 

Neben dem Meereskönig Poseidon ist sie die Relief zu München, 0. Jahn in d. Berichten 

Königin der See , wie Hera neben Zeus Koni- d. sächs. Gesellschaft 1854 p. 160ff. t. 3—8. 

gin im Olympos, Persephone neben Hades in S. 160ff. Overbeck, Atlas d. griech. Kunstmyth. 

der Unterwelt. Oppian. Hai. 1, 391 nennt sie Tf. 13, 16; vgl. Ber. d. sächs. Ges. 1876 p. llOff. 

aXog ßaeiXua, sie hiefs IloasiSavia oder JTo- Unter den erhaltenen Bildwerken sind noch 

asiSmvri in demselben Sinn, wie die dodonische weiter zu nennen der in Constantine gefun- 

Gattin des Zeus Jimvri hiefs. Schal. Od. 3, dene Mosaikboden mit dem Herrscherpaare auf 
91. Lobeck Praleg. Pathol. p. 32. n. 27. Wie 60 einem Viergespann, Explor. scient. de TAlge- 
Zeus ■nöaig "Hqrjg genannt wird, so Poseidon 

TCÖaig 'A[l,tfixghrig , Pind: Ol. 6 , 104. Quint. *) InsohriftUcli bezeugt erscheint Amphitrite auf der 

Smyrn. 7 , 374. Die Seeleute opferten dem von Euphronios gemalten Schale aus Care , jetzt im 

Poseidon , der Amphitrite und den Nereiden, LoUYre, neben Theseus und Athena (nach dem von Paus. 

Arrian. de Venat. 34. Als die weibliche Seite ^< *'' S'''*''"™ Mythus), während Poseidon ausgelassen 

des Meeres wurde Amphitrite an vielen Orten r'-„tM"?'*^,T'"" T'^' '^'' f^' l' .^»^'n^T 

r,,-.»l»;«l, ;4- TD« „*j«_ -u L j • T^ j. leg&)latter 5, 1. \ gl. Klein, huphromos (auch in den i>ewi- 

zugleich mit Poseidon verehrt und m Kunst- ,,,„;^,,„ ^. ',^,,„,, ^^^^ ^. ^^ ^^ ^9 p. 9 u. 67 ff.) und 

werken ihm ebenbürtig an die Seite gestellt. überhaupt Om/-««<*, ä-. jfj,,«- Pos«*« p.sso ff. [Schreiber.] 



321 



AmpMtryon 



Amphitryon 



322 



rie. Archeol. pl. 19. 20. 139-141. Amphitrite 
auf einem Eelief bei Zoega Bassir. t. 1; Am- 
phitrite bei der Hochzeit des Peleus auf der 
Fran9oisvase, Mon. d. Inst. 4. t. 54. 55. Overb. 
Gall. T. 9 , 1 ; Amphitrite und Poseidon beim 
Göttermahle, Mon. d. Inst. 5, 49. Die thro- 
nende Amphitrite El. ceramogr. 3 , 10 u. 25., 
Amphitrite mit der königlichen Kopfbinde, 
ib. 27. Die Kunst giebt. der Amphitrite die 
Bildung der Nereiden, nur wird sie oft durch 
königliche Attribute vor den Schwestern aus- 
gezeichnet und kenntlich gemacht, sie erscheint 
dann als eine schöne, reizende Göttin, der Aphro- 
dite ähnlich, mit feuchtem fliefsenden Haupt- 



des Blektryon (s. Alkmene), bei Äpollod. a. a. 0. 
u. Tzets. LyJcophr. 932 Gemahlin des Mestor, 
eines Bruders des Alkaios und Elektryon. Eine 
Tochter dieses Mestor , Hippothoe , hatte dem 
Poseidon auf den eehinadischen Inseln an der 
akamanischen Küste , wohin er sie gebracht, 
den Taphios geboren, der sich auf einer die- 
ser Inseln, Taphos, niederliefs und sein Volk 
Taphier oder Teleboer nannte. Sein Sohn war 
10 Pterelaos (nach Schol. Ap. Eh. 1, 747 war er 
Sohn, nicht Enkel des Poseidon und der Hip- 
pothoe), dessen Söhne, sechs an der Zahl, mit 
den Taphiern (schlimmen Seeräubern, Schol. 
Ap. Bh. a. a. 0.) nach Argolis kamen und von 




Aus d. Hochzeitszuge des Poseidon u. der Amphitrite 



^lief in München). 



haar, das wohl auch mit dem Netze umflochten 
ist. Als Meeresgöttin trug sie bisweilen, wie 40 
auch Thetis und andere Wassergottheiten, an 
den Schläfen Scheren des Seekrebses; so eine 
Statue zu Rhodos, die nach Konstantinopel über- 
geführt wurde, vgl. Gedren. comp. hist. p. 265. 
Winekelmann Werke 2. S. 505 {Fernow). Auf 
Gemmen und Münzen und Vasenbildem er- 
scheint sie häufig auf Seetieren sitzend oder 
von ihnen gezogen. Ihre Büste auf Münzen 
der Gens Crepereia, auf Gemmen und am Bo- 
gen des Augustus zu Ariminum, Müller, Handb. 50 
d. Arch. §. 356, 2. Denkm. 2. Tf. 7. n. 79—81. 

(Die auf Amphitrite bezügl. Inschriften s. im 
ndex z. C. I. Gr. Vol. 4, 3 p. 17. E.] [StoU.] 
Amphitryon {'Aii(fiiTQva>v, Amphitryo, in älte- 
rer Schreibweise Amphitruo, der „Vielgeprüfte", 
„Vielgeplagte", ein von seinem Sohne Hera- 
kles abstrahierter Name, von rgvca, E. Braun, 
Gr. Götterl. §. 542; doch s. auch Preller, Gr. 
Mythol. 2. S. 176), Sohn des Alkaios, Königs 
von Tiryns, und der Astydameia, der Tochter go 
des Pelops (Peleus fälschlich bei Schol. II. 19, 
116), oder der Laonome, Tochter des Menoi- 
keus, ein Enkel des Perseus. Apollod. 2, 4, 5. 
Paus. 8, 14, 2. Schal. II. a. a. 0. Nach Pau- 
sanias a. a. 0. mufs die Mutter des Amphitryon 
von manchen auch Lysidike, Tochter des Pe- 
lops , genannt worden sein; gewöhnlich aber 
heifst diese Mutter der Alkmene , Gemahlin 

BOBCBBR, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. 



Elektryon, dem König von Mykene, den An- 
teil ihres Grofsvaters Mestor an der Herrschaft 
forderten. Da Elektryon sie abwies , trieben 
sie dessen Binder fort. Die 8 Söhne des Elek- 
tryon, die Brüder der Alkmene, eilten zur Ab- 
wehr herbei und fielen alle im Kampfe; auch 
die Söhne des Pterelaos kamen alle um mit 
Ausnahme des Eueres, der die Schiffe bewachte. 
(Nach Schol. Ap. Bh. a. a. 0. fiel auch Elektryon, 
und Alkmene versprach dem die Ehe, der den 
Tod ihres Vaters rächen werde; dies that Am- 
phitryon und ward ihr Gatte). Diejenigen 
Taphier, welche entkamen, nahmen die Kin- 
der mit und übergaben sie dem Polyxenos, 
König der Eleier. Von dem kaufte sie Amphi- 
tryon und brachte sie nach Mykene zurück. 
Als nun Elektryon, um den Tod seiner Söhne 
zu rächen, gegen die Taphier auszuziehen be- 
absichtigte, übergab er dem Amphitryon die 
Herrschaft und seine Tochter Alkmene, nach- 
dem er ihn hatte schwören lassen, dafs er sie 
bis zu seiner Rückkehr nicht berühren wolle. 
Bevor aber Elektryon auszog, tötete ihn Am- 
phitryon , ohne es zu wollen. Als nämlich 
Amphitryon die ihm übergebenen Rinder in 
Empfang nahm , lief eins von der Herde 
fort; Amphitryon warf nach ihm seine Keule, 
und diese, von den Hörnern des Rindes ab- 
springend, traf den Elektryon tötlich. (Nach 
Hes. Scut. IJ erschlug ihn Amphitryon j;toeK- 

11 



323 AmpHtryon Amphoteros 324 

usvoe nsol BovaL Vgl. Schal. 11. 14, 323 ßomv der von den Teleboern mitgebrachten Beute 
LJaßnrriaLs taqvv). Dies nahm Sthenelos, weihte Amphitryon zu Theben dem Apollonemen 
der Bruder des Elektryon, zum Vorwand, den Dreifufs, Paus. 9, 10,4 Herodo«A 59, vgl. 4tÄ«n. 
Amphitryon aus Argolis zu vertreiben und sich U, p. 498 c. Theolcr. Id.U, 4. Wahrend seiner 
der Herrschaft von Mykene und Tiryns zu be- Abwesenheit in diesem Kriege zeugte Zeus m 
mächtigen. Amphitryon zog mit Alkmene nach der Gestalt des Amphitryon mit Alkmene den 
Theben , wo er von dem König Kreon vom Herakles, s. Alkmene. Von Amphitgon gebar 
Morde Bereinigt ward. Da Alkmene dem, der Alkmene den Iphikles SM. Ap. Sh. 1, 1241 
den Tod ihrer Brüder rächen werde, ihre Hand nennt eine Tochter des Amphitryon und der 
versprach, so beschlofs Amphitryon den Zug lo Alkmene Laonome, Gemahlin des Argonauten 
gegen die Taphier oder Teleboer. (NachHes. Polyphemos. Nach Ifwm. ^29 zeugte Zeus 
Scut 12 ff folgte Alkmene aus grofser Liebe den Herakles, während Amphitryon gegen Oi- 
dem' wegen des Mordes ihres Vaters Flüchti- chalia ausgezogen war. Vgl. Serv. Verg Aen. 
gen als Gattin nach Theben und lebte dort 8, 103. Den Chalkodon, Konig d^r Chalkidier, 
mit ihm, doch ohne ehelichen Umgang; denn der gegen die Thebaner m den Krieg gezogen 
Amphitryon hatte ihr schwören müssen, nicht war, tötete Amphitryon in der Schlacht, iLu- 
eher ihr Lager zu berühren, als bis er ihre stath. Hom. p. 281, 45 Paus. 8, 15, 3 9, 17, 
Brüder an den Taphiern gerächt habe, vgl. 2. Amphitryon fand tapfer kämpfend seinen 
Schal. Find. Nem. 10, 15(25). Schal. II. 14, Tod in einer Schlacht gegen die Mmyer von 
323 Schot. Od. 11, 265. Nach Bioä. 4, 10 20 Orchomenos und ihren Konig Erginos, die er 
floh Amphitryon erst nach- der Geburt des He- gemeinschaftlich mit Herakles (s. d.) bekriegte 
rakles von Tiryns nach Theben). Amphitryon {Apollad. 2, 4, 11), und wurde m 1 heben be- 
forderte den Kreon zur Teilnahme an dem graben. Paus. 1, 41 , 1. Pind. lyth. 9, 81. 
Zuge auf, und der versprach sie, wenn Amphi- Nem. 4, 20 mit d. Schol In f «"P- Herc für 
tryon Theben von dem teumessischen Fuchs (WelcUr, Gr. Trag 2. S. 694 ff.), dessen Fabel 
befreie Dies geschah mit Hufe des Atheners nach jenem Minyerkriege fallt, ist Amphitryon 
Kephaios (s. d.). Amphitryon zog jetzt mit noch am Leben und wäre auch von dem ra- 
Kephalos, Kreon, Heleios von Argos und Pa- senden Sohne getötet worden , wenn Athene 
nopeuB gegen Pterelaos aus (vgl. -Hes. Scui. es nicht noch rechtzeitig gehindert hatte 
23ff) und verwüstete die Inseln der Taphier. so (v. 908), indem sie nach thebamscher Saga 
Solange aber Pterelaos, den sein Vater Poseidon ihm einen Stein an die Brust warf, worauf er 
durch ein goldenes Haar unsterblich gemacht in tiefen Schlaf versank und dann wieder zu 
hatte, am Leben war, konnte er Taphos nicht sich kam. Pa«s. 9 11 1. In Theben zeigte 
nehmen Da zog die Tochter des Pterelaos, Ko- man noch zur Zeit des Pausanias die irummer 
maitho,'5ie sich in Amphitryon (oder Kephaios, des Hauses des Amphitryon, in welchem er 
Tgefe £#932 u. 934) verliebt hatte, dem Vater nach seiner Flucht aus Argos mit Alkmene 
das Haar aus, dafs er sterben mufste, und alle gewohnt hatte, mit dem Gemache der Alk- 
Inseln wurden nun unterworfen. Amphitryon mene; Trophonios und Agamedes (s. d.) sollten 
fuhr, nachdem er die Komaitho getötet, mit es ihm gebaut haben. Paus. 9, 11, 1. b das 
der Beute nach Theben und übergab die In- 40 Vasenbild bei Winckelmann, Monum. med. P. 
sein dem Heleios und Kephaios, welche dort 1. n. 190. Müller, Denkm. d. a. K.2 taf^ 3. 
nach ihnen benannte Städte gründeten. (Nach n. i^. Preller, f^.MytM.J.S 176ff [Vgl. 
Kephaios wurde KephaUenia benannt, Tzetz. auch C. 1. Gr. 5984p. 8492 R.] [StoU.] 
Pam 1, 37, 4.) Äpollod. 2, i, 5-1. VergL Amphoteros ^(i-')PO"eos),l)em Sohn des Alk- 
Tzete. Lyk. 932. Schal. Ap. Bh. 1, 747. Plut. maion (s. d.) und der Kallirrhoe, der Tochter des 
narr am 3 Die Hypothesis J des hesiodi- Acheloos, Bruder des Akarnan (s. d.). A^ Alk- 
sohen Schildes bei GOttling enthält manche maion von den Söhnen des Phegeus, des Königs 
Abweichungen. Dort sind Elektryon und Am- in Psophis, Pronoos und Agenor {Apollad:) oder 
phitryon Brüder und Söhne des Alkaios. Der Temenos und Axion (Pa«s. 8, 24 4ff.), erschla- 
ältere Elektryon enthält dem jüngeren Amphi- 50 gen worden war, erflehte seine Gemahlin Kal- 
tryon, als er erwachsen, seinen Teil von dem lirrhoe von Zeus, der sie liebte, dafs er ihre 
väterlichen Vermögen vor, weshalb Amphi- beiden noch zarten Sö^ne alsbald reife Man- 
tnyon die Taphier und Teleboer zu Hufe ruft. ner werden lasse, damit sie sogleich Uache 
Elektryon mit seinen Söhnen wird besiegt und nehmen könnten an den Mördern ihres Vaters 
getötet Die Sage von dem Zuge gegen die Zeus erfüllte den Wunsch. Amphoteros und 
Taphier war berühmt, und es gab sogar ein Akarnan, plötzlich grofs geworden, ziehen zur 
eigenes Gedicht darüber, s. Schol. Od. 3, 267. Rache aus; sie treffen die beiden Sohne des 
Auch Pindar gedenkt der Thaten des Amphi- Phegeus, welche a,uf dem Wege nach Delphi 
tryon gegen die Teleboer, Nem. 10, 13. Er ist waren, um das Halsband und den Peplos der 
ein tapferer Krieger und besonders geschickt 60 Harmonia dort dem Apollon zu weihen, m 
in der Kunst des Wagenlenkens, worin er auch Tegea bei Agapenor (s d.) und toten sie. Darauf 
seinen Sohn Herakles selbst unterrichtete, Piwd. gehen sie nach Psophis und toten den Phe- 
Pyth 9 81. Apollad. 2, 4, 9. Theakr. 24, 120. geus nebst seiner Frau. Halsband und Peplos^ 
Attius scheint eine Tragödie über diesen Zug die sie den Söhnen des Phegeus abgmonunen, 
gegen die Teleboer gedichtet zu haben, s. Pib- weihten sie auf Befehl ihres Grofsvaters Ache- 
6eclPöm.2Vaa.p.327sqq. Über die Tragödie loos dem Göttern Delphi (Sa^h Athen. 6 
Amphitryon von Sophokles s. Welcker , Gr. p. 232E. hatte Alkmaion den Schmuck nach 
Trag.l S. 371ffi, üb. Piawtws' Ai6. 1478f. Aus. Delphi geweiht.) In der Hut des beruhigen- 



^25 Ampykos Amykos 326 

den Gottes rahte der an den Kostbarkeiten dameia (Paus. 10, 9, 5) oder Leaneira (Äpol- 

haftende Finch Daim ziehen sie nach Epirus, lod. 3, 9, 1), die GemaMin des Arkas, Daphne 

sammeln daselbst viel Volks und lassen sich (Phyl. b. Flut. Ag. 9. Parth. Erot. 15) Heses- 

in Akarnanien nieder das diesen Namen von andra {Schol. Od. 4, lOu. 22) und als Sohwes- 

Akamim erhalten hat Apollod. 3,7, 6. 7. ter des Hyakinthos Polyboia (Paus. 3, 19, 4). 

Ovid. Metam. 9 413. Vgl P««s 8, 24, 4. S. Amyklas gründete die Stadt Amyklai (Pam. 

Alkmaion u Akaman. Das Halsband und 3, 1, 3. Steph. Byz. s. v.) und wa/nach Oim. 

den Peplos der Harmonia nahmen später aus Homü. 5, 15 ein Liebling des Apollo - 2) 

dem Tempel zu Delphi die Führer des heüi- Sohn der Niobe, welcher von deren Kindern 
gen Krieges, um sie ihren Weibern zu sehen- lo allein mit seiner Schwester Meüboia oder Chlo- 

ken, und bei diesen richteten sie neues Un- ris am Leben blieb {Telesilla b. Apollod. 3, 5, 

If ^- ,/*''?•/; ?; ^^^^•*- ^'*^"**"- ^^''*- 6^ ^«^- 2, 21, 9). Er fehlt in der Aufzählung 

25. Mythogr. lat 1, 151. 2, 78. Das Halsband der Niobiden Apollod. 3, 5, 6 u. Ryq fab 11 

wurde auch zu Amathus im Tempel derAphro- sowie in der Schilderung des Ovid (Met e' 

dite und des Adoms gezeigt, Paws. 9, 41, 2, 224 fif.). [Schirmer.! 

fjl l'f^\'"' -^^'"ft ^ »ri^° T™, ■'^^'"P*'^ AmykosC^^t-xos, der Zerfleischer, v. .Jf^tScaa,), 

der Doto, Paus, i 1, 8. - 2) Ein Lykier, vor 1) König der Bebrvker in Bithynien, in der 

Troja von Patroklos getötet. II. 16, 415. Gegend von Chalkedon, ein Sohn des Poseidon 

. >,, „„ ,„. X 1^ n • X , [Stoll.] und der bithynischen Nymphe Melie (Bithynis 

Ampykos (Aij.nvHog), 1) Priester der Deme- 20 hei Apollodor), ein roher ungeschlachter Kiese 
ter bei den Kephenern, auf der Hochzeit des wie so viele Poseidonssöhne, gewaltiger Paust- 
Perseus von Phineus getötet. Ovid. Met. 5, kämpfer und Erfinder des Castus und des über- 
l n^ ■' ^fy^'^.^^l Sehers Mopsos, Gemahl trieben künstlichen Faustkampfes, der ieden 
/' il f • ^^^^^''ö^^^^?^- i^««-^c«*- 181- Fremden, welcher in sein Land kam, zum 
f^\T: ^h.\^^- ^"^f: 4-^: ^''- ^' ^^' "^^ Paustkampfe zwang und so tötete. Ap. Bh. 
iZ l^^\I^xV^Yl\\^^ If*-- ^y^^""- 2, IflF. Apollod. 1, 9, 20. Hyg. f. 17. Servius 
881 (vgl 980) heifst der Vater Titairon. Paus. Verg. Aen. 5, 373. Plat. Legg. 7 p. 796 A 
5 17, 4 nennt ihn /j^nvl ~ 3) Vater des c. Schol. Sein Bruder war Mygdon, welchen 
Idmon. Orph. Arg. 721. [Stoll ] Herakles tötete. Apollod. 2, öfg, .^gl. Schol. 
o^^P^ ^i^r^^'o^l '• f^Py^o« No. 2. - 30 Ap. Bh. 2, 758. Der Faustkampf des Amykos 
2) Sohn des Pelias, Sohns des Aigmetes. Paus. mitPolydeukes war eine wesentliche Episode der 
7, 18, 4. — d) iLin Genosse des Phineus, von Argonautensage (s. d.), ausführlich erzählt von 
Perseus durch das Medusenhaupt versteinert. Ap. Bh. 2, 1-163 u. Theokr. Id. 22 27-134 
Ovid. Ma. 5 184. - 4) Ein Lapithe, der auf Vgl. Orph. Arg. 656 ff. Valer. Flacc. 4, 118 £ 
der Hochzeit des Peirithoos den Kentauren Sidon. Apoll, carm. 5, 162 f. LuMan. Bial. D. 
Echeklos erlegte Ovtd. Met. 12, 450. [Stoll.] 26, 1. Teetz. Lykophr. 516. Als nämlich die 
Amnces, Inschrift zweier einander völlig Ai-gonanten an der Küste des Amykos lande- 
gleichender Spiegel aus Präneste und Madrid, ten, kam dieser hinzu und forderte mit wildem 
von denen der eine nach Brunn wohl eine Drohen den Besten unter ihnen zum Zweikampf 
moderne Nachbildung des anderen, echten sein 40 heraus. Polydeukes nahm die Forderung an. ein 
durfte, ist die etrusk^sche Umbildung von "J/tv- gewandter und starker Jüngling, schön wio ein 
r^nVfl 7' rox j- I' ^^- ^^'^- 1 P- 55*- strahlender Stern gegenüber dem plumpen, 
' *™ ii .4 '^"o ?^tI- xr X, , '^«™ Typhoeus vergleichbaren Riesen, und 
AmjKla. {Ay.vyilcc). Dieser Name beruht auf erschlug jenen nach hartem Kampfe (Ap 
falscher Lesart Apollod. 3, 5, 6 statt des band- Bh.). Nach Theokrit trafen nach der Landu4 
sohrittlichen Jii,vKlas; dieser Niobide wird mit Kastor und Polydeukes im Walde den gewal- 
Meliboia dem nach andrer Tradition gerette- tigen Amykos, der, in ein Löwenfell gehüllt 
ten Paare Amphion und Chloris entgegenge- an einer schönen Quelle lagerte und deS Trunk 
'.X iy^- ^e^9hPoet. Lyr. Gr. Telesilla fr. aus derselben nur gestatten wollte, wenn einer 
5). _ Ebenso gehört Paus. 2 21 , 9 der Aoc. 50 von ihnen im Faustkampf mit ihm sich messe 
Ä^%Xav, wie sich aus dem folgenden svicc(,,i- Der Besiegte solle sich dem Sieger ganz zu 
roüsergiebt, zudemNom. ^ft«»^o;s. S. Amy^ eigen geben. Polydeukes nahm den Kampf 
klas No 2. [Schii;mer.] auf, nachdem die Bebryker und Argonauten 
Amyklas {A^vv.lug) , 1) Sohn des Königs herbeigerufen worden waren, und überwand 
Lakedaimon und der Sparta, einer Tochter des den Gegner; aber er tötete ihn nicht, sondern 
Eurotas, Bruder der Enrydike; er zeugte mit liefs ihn bei seinem Vater Poseidon schwören 
Diomede, der Tochter des Lapithas, von Söh- dafs er in Zukunft keinem Fremden mehr feindl 
^^''o , i. 7"°'^*®^ ""^^ Hyakmthos {Apollod. 3, Hch entgegen treten wolle. JSpicharmos, der 
10, 3; letzterer war nach Apolhd. 1, 3, 3 Sohn eine Komödie Amykos geschrieben, wie So- 
,a^ ?f',°f^"f°^i'ri-^-?-^*- Oü. Met. 10, 60 phokles ein Satyrdrama desselben Namens 
196. 13, 396 des Oibalos), femer den Harpalos (Böckh, Tr. Gr. c. 10. Welcker, Nachtr. zw 
(i'OMS. 7, 18, 5) oder Argalos, der als der äl- äschyl. Trilogie S. 287), und der Epiker Wei- 
teste dem Vater in der Herrschaft folgte (PaMS. sandros lassen den besiegten Amykos von 
3, 1, 3 Jhct.Cret. 1, 9), und nach Arist. Mi- Polydeukes gebunden werden. Schol. Ap. Bh. 
les. b. ScUl. Ptnd. Pyth. 3, 14 (B.) den Leuk- 2, 98. Die zu Präneste gefundene, zur Aufbe- 
ippos, der nach Apollod. 3, 10, 3 von Perie- wahrung von gymnastischem Geräte gebrauchte 
res einem Soline des Kynortes, stammte. Als- sog. Ficoronische Cista, [jetzt im Mnseo Kir- 
1 echter des Amyklas werden genannt: Lao- cheriano des CoUegio Romano zu Rom] auf 

11* 



327 



Amymone 



Amyntor 



328 



welcher die Landung der Argonauten (s. d.) an 
der bithynischen Küste dargestellt ist, ent- 
hält in dem mittleren breiten Streifen die 
Scene , wie Polydeukes in der Nähe einer 
Quelle den besiegten Amykos an einen Baum 
bindet, wahrscheinlich um eine ähnliche Rache 
an ihm zu nehmen, wie Apollon an dem im 
musischen Wettkampfe besiegten Marsyas. 
Abbildungen dieses schönen Kunstwerkes sind 
Teröffentlicht \on Bröndsted (Kopenhagen 1847), 
Marehi 1848. E. Braun (Leipzig 1849) u. O. 
Jahn, (Leipzig 1849), den Mittelstreifen s. in 
0. Müllers BenTcm. d. a. K. 1, Taf. 61. n. 3Ö9, 
vgl. Hcmdh. d. Archäol. § 173, 3 (s. Argonauten). 
Die Bestrafung des Amykos auch auf einem 
etrnskischen Aschengefäfs, Bartoli, Sepolcri t. 
95. Bempster, Etr. reg. 1, 9. Auf einem in 
der Ficoronischen Cista gefundenen Spiegel 
stehen Amykos und Polydeukes zum Kampfe 
bereit, Müller, Benkm. n. 310. Gerhard, Spie- 
gel T. 171. Der Mythograph Ptolemäus Chen- 
nus {Script, histor. poet. ed. Gale p. 322) sagt, 
dafs nach einigen Jason, nicht Polydeukes mit 
Amykos gekämpft habe. Der Platz des Kampfes 
heifse lasonslanze und die nahe Quelle Helena. 
In Bithynien, an einer Stelle, die Aniykos ge- 
nannt wurde, fand sich ein rjQäov 'A[ivkov j auf 
des Amykos Grrabe wuchs der Tolllorbeer, der 
überall, wo mau ihn hinbrachte. Streit erregte, 
Schol. Ap. Eh. 2, 159. Plin. N. H. 16, 44. 
[Vgl. noch C. I. Gr. 5984 C. B.] — 2) Ein 
Kentaur, Sohn des Ophion, der auf der Hoch- 
zeit des Peirithoos den Lapithen Keladon 
erschlug und dann von Pelates erlegt ward. 
Ov. Met. 12, 245 flf. — 3) Ein Troer, Gemahl 
des Theano, Vater des Mimas. Verg. Äen. 10. 
704. — 4) Sohn des Priamos, Bruder des Dio- 
res, Gefährte des Äneas, von Turnus erlegt. 
Verg. Äen. 1, 221. 12, 509, vgL 5, 297. — 6) 
Amycus, Elati filius, unter den Weissagern auf- 
geführt bei Hyg. f. 128 (eine wahrscheinlich 
korrupte Stelle; man vermutet Ampycus). — 
6) Amykos (oder Amyklos?), Sohn des Talos, 
ein Kreter, Tzetz. Lykophr. 431. [StoU.] 

XTaymöne ('Jfivfitavri), eine von den Töchtern 
des Danaös, die ihm von verschiedenen Frauen 
geboren waren. Die Mutter der Amymone hiefs 
Europe. Apollod. 2,1, 5. Als Danaos mit 
seinen Töchtern, vor den Söhnen des Aigyp- 
tos flüchtend, an die Küste von Argos kam, 
fand er das Land wasserlos, weil Poseidon aus 
Zorn über Inachos, der das Land nicht ihm, 
sondern der Hera zugesprochen, die Quellen 
hatte versiechen lassen {Paus. 2, 15, 4). Er 
schickte deshalb seine Töchter aus, Wasser zu 
suchen. Amymone warf, während sie verein- 
zelt suchte, ihren Spiefs nach einem Hirsch, 
traf aber einen schlafenden Satyr. Als dieser 
ihr Gewalt anthnn wollte, erschien Poseidon; 
der Satyr entfloh, und Amymone ergab sich 
dem Retter, der ihr die Quellen von Lerna 
zeigte. Apollod. 2, 1, 4. Nach Ryg. f. 169 
rief die jagende Amymone , von dem getrof- 
fenen Satyr bedrängt , die HUfe des Posei- 
don an. Der stiefs an der Stelle, wo sich ihm 
Amymone verbimden hatte, mit seinem Drei- 
zack Wasser aus der Erde, welches die lernä- 
ische Quelle und der amymonische Flufs ge- 



nannt ward. Oder: Die nach Wasser für ein 
Opfer ausgesandte Amymone war aus Müdig- 
keit eingeschlafen. Als ein Satyr sie bewäl- 
tigen wollte und der um Hilfe angerufene Po- 
seidon seinen Dreizack nach ihm warf, heftete 
sich der Dreizack in einen Felsen ein. Nach- 
her hiefs er die Amymone, um sie zu belohnen, 
denselben herausziehen, und es sprangen drei 
Quellen hervor, welche der amymonische, später 
10 der lemäische Quell genannt wurden. Der 
Sohn des Poseidon und der Amymone war 
Nauplios,der Gründer von Nauplia. Hyg. a. a. 0. 
u. f. 14. 157. VgL Strabo 8 p. 368. 371. LuM. 
Bial. Marin. 6. Paus. 2, 37, 1. 38, 2. 4, 36, 

2. Ap. Rh. 1, 134. c. Schal, u. Schal. Ap. Bh. 

3, 1240. 4, 1091. Eurip. Phaen. 188. Orph. 
Arg. 200. Schol. B. 4, 171. Eustath. B.„y. 461. 
Propert. 2, 26, 45 ff. Philastrat. 1, 8. Äschylos 
hat die Fabel von Amymone in einem Satyr- 

20 drama behandelt. Welcher, Nachtr. zur Trilog. 
S. 308. Broysen, Übersetzung des Äschylos 2 
S. 103. Die „tadellose", „vortreffliche" Quelle 
Amymone des wasserreichen Distriktes Lerne, 
welche sich in der von Natur an Wasser armen 
Umgegend von Argos durch die Fülle ihres 
Sprudels auszeichnet und als Bach nach kur- 
zem Laufe sich in das Meer, den Busen von 
Nauplia* ergiefst, hat die Veranlassung ge- 
geben zu dem Mythus von der Liebe der 

30 Danaide Amymone und des Poseidon. Völ- 
cker, lapet. Geschl. S. 192 ff. Buttmann, My- 
thol. 2 S. 93—107. Preller, gr. Mythol. 1 
S. 480. Curtius, Peloponnesos 2 S. 369. Bursian, 
Geogr. von Griechenland 2 S. 67 u. in Paulys 
Meal-EncyU. 1, 1 S. 926. Stark, Niohe S. 347. 
Die Liebe des Poseidon 
und der Amymone war ein 
Lieblingsgegenstand der 
Kunst , s. Hirt in Böttigers 

io Amaltheia 2, 277 — 301. 
Müller, Handb. d. Archäol. 
§ 356, 3. Benkm. d. a. K. 
1, Taf. 40. n. 172. 2, Taf 
7, n. 82 — 84. Gerhard, 
auserl. Vasenb. Taf 11. Spie- 
gel Taf. 44. 0. Jahn, Vasen- 
bilder S. 34—40 u. Taf 4. 
Archäol. Aufs. S. 28 ff. Elite ceramogr. 3, 17. 18. 
26 — 30. B. Bochette,peint. de Pomp. t. 2. Heyde- 

60 mann., Neap. Vasens. n. 1980. [Ö. I. Gr. 8352 
R.]*). — Als Danaos seine Töchter mit den 
Söhnen des Aigyptos vermählte, ward Enkela- 
dos ihr Gemahl, Apollod. 2, 1, 5; bei Hyg. f. 
170 hat der Vermählte den wahrscheinlich kor- 
rupten Namen Midamos. [Vgl. noch C. I. Gr. 
2374. R.] [StoU.] 

Amyntor (AiivvttoQ) , 1) Sohn des Ormenos, 
nach Achaios bei Schol. Pind. Ol. 7, 42 {B.) 
Enkel desselben, Sohn des Pheres, nach an- 

60 deren Sohn des Zeus, auf den Amyntor selbst 
sein Geschlecht zurückführte, König in Hellas 
{n. 9, 447 f), nach U. 10, 266 in Eleon, das 
nach n. 2, 500 in Böotien zu suchet ist. Die 
Grammatiker, wie Krates bei Strabo 9, 439, 
verlegten es auf den Parnafs, weil in dieser 




PoBoidon u. J^mymone, 

Münze von Argos ans 

Imhoofs Sammlung. 



*) Die Denkmäler gesammelt bei Overbeck, Kunstmyth. 
Poseidon 8. 350 ff. Sehr. 



329 Amyros Anaitis 330 

Gegend Autolykos ansässig war (Od. 19, 394. Anagyros {'AväyvQog) , ein attisclier Heros, 
411), der auf einem Streifzuge in das Gebiet Eponymos des BeiaoB 'AvctyvQovg. Wegen Ver- 
seines Grenznachbars Amyntor diesem den vor letzung seines Heiligtumes strafte er furcht- 
Troja von Meriones getragenen berühmten bar einen in der Nähe -wohnenden Greis. Ze- 
Helm raubte (II 10, 266 ff.). Nach Apollod. 2, noh. 2, 55. Apostol. 9, 79. Suid. [Eoscher.] 
7, 7 und Diod. 4, 37, 4 fiel er als König von Auala {'Avaia), Amazone, Eponyme der Sa- ■ 
Ormenion im magnesischen Thessalien , das mos gegenüberliegenden Ortschaft , wo sich 
sein Vater Ormenos gegründet hatte (D. Ske- ihr Grab befand; vgl. JSphoros liei Steph. 
psios bei Strabo 9, 438; vgl. Eustath. p. 762, Byz. s. v. Schol. u. Eustath. zu 11. 3, 189. 
34 ff.), im Kampfe mit Herakles. Ov. Met. 12, lO [Klügmamx.] 
364 heifst er König der Doloper, wohl weil Anaideia ('Av aiS sia) , Personifikation der 
sein Sohn Phoinix nach seiner Flucht vor dem Schamlosigkeit (Xenoph. Conv. 8, 35) , welche 
Vater jenes Volk beherrschte {II. 9, 484. Apol- zu dem Sprichworte Veranlassung gab &sbe r] 
Zod. 3, 13, 8). Diesen trieb Amyntor, nachdem dvaidiia mit dem Sinne: auch Unverschämt- 
er ihn verflucht, nach Apollod. 3, 13, 8 auch heit hat ihr Gutes {Plut. Prov. 25. Suidas v. 
geblendet hatte, aus dem Hause, weil er auf Ssög). Nach Cic. legg. 2, 11 gab Epimenides 
Geheifs seiner Mutter Hippodameia mit Klytia, nach der Reinigung Athens vom kylonischen 
der Geliebten des Vaters, Umgang gepflogen Frevel die Weisung, ihr und der "T^gig einen 
hatte (Eust. a. a. 0. 42. Das Nähere s. unter Tempel zu errichten. Clemens Alex, ad gent. 
Phoinix). Kinder des Amyntor waren aufser 20 2, 26 erzählt, er habe jenen Gottheiten Altäre 
dem erwähnten Phoinix Euaimon, der Vater geweiht (vgl. Theoph. b. Zenol. 4, 36, wo Epi- 
des Eurypylos {Eust. a. a. 0. 36), femer Kran- menides nicht erwähnt wird). Istros erzählte 
tor, der, vom Vater dem siegreichen Peleus nach Suid. a. a. 0. von einem lEgov 'AvaiSsiag 
als Geisel übergeben , dessen Waffenträger in Athen. Vielleicht beruhen diese Notizen 
wurde {Ov. Met. 12, 361 ff.), und Astydameia auf der von Paus. 1, 28, 5 berichteten That- 
{Apollod. 2, 7, 8. Schol. Pind. Ol. 7, 42), die sache, dafs die beiden Steine, auf welchen vor 
er nach Diod. 4, 37, 5 zu seinem Verderben dem Tribunal des Areiopag der Angeklagte 
dem Herakles verweigerte. — 2) Gemahl der und der Kläger standen, nach der Hybris und 
Danaide Damone, wenn die Lesart Syg. f. 170 Anaideia benaimt waren; sie konnten in spä- 
riohtig ist. Beide Namen fehlen Apollod. 2, so terer Zeit leicht für alte Altäre gehalten wer- 
Ij 5. — 3) Sohn des Phrastor, Enkel des Pe- den (vgl. Grote, Gesch. Griech. übers, v. Meißner 
lasgos und der Menippe, der Stammeltern der 2, 68, Anm. 78). Nicol. Dam. fr. 21 {Müller) 
Pelasger {Hellan. b. Dion. Eal. Ant. B. 1, 28). erwähnt einen xä^og 'AvociSsilag in der Nähe 

[Schirmer.] von Troja, wo ein Herold der Gattin des Sa- 

Amyros CAfivQog), Sohn des Poseidon, nach mon, eines Bundesgenossen des Skamandros, 

welchem Stedt und Flufs Amyros in Thessa- Gewalt anthat. [Schirmer.] 

lien benannt sein sollen. Steph. Byz. s. v. Anaitis {'AvaCxig) pers. Anähita, Name einer 

Ydler. Flacc. 2, 11. Schol. Ap. Bh. 1, 596. persischen Göttin, welche die Griechen in 

[StolL] der Eegel der Artemis gleichsetzten. Schon 

Amythaon {'Jfiv&äiav), ein Aiolide, Sohn des 40 dadurch ist ausgedrückt, dafs sie eine Göttin 

Kretheus in lolkos und der Tyro, einer Toch- des Naturlebens und der Fruchtbarkeit ist. 

ter des Salmoneus, Bruder des Aison und Phe- Denn wo immer die Griechen eiue fremde Göt- 

res, wohnhaft zu Pylos in Messenien, zeugte tin als Artemis bezeichnen, ist unter letzterer 

mit Eidomene, Tochter des Pheres, den Blas die ephesische, und nicht etwa eine Mondgöt- 

und den Seher »Melampus. Apollod. 1, 9, 11. tin oder etwas Ähnliches, gemeint. 

Hom. Od. 11, 235. 258. Diod. 4, 68. Anti- IndemHeimatlandederparsischen(zoroastri- 

machos bei Schal. Eurip. Pfweniss. 150. Schol. sehen) Religion, dem nordöstlichen Iran, wurde 

Ap. Bh. 1, 121. 143 u. nach 4, 1781 im revog eine mächtige Göttin verehrt, unter deren Ob- 

'AnoUaiv. p. 682 {Keil). Schol. Pind. Pyth. 4, hut vor allem die Wasser stehen und die den 
2-23 (126). Schol. Hom. II. 2, 591. Tzetz. Lyk. so seiner Bedeutung nach nicht sicher zu erklä- 

175. 872. Seine Tochter Aiolia war Gemahlin renden Namen Ardvi süra Anähita (nach Geld- 

des Kalydon. Apollod. 1, 7, 7. Nach Pindar ner in Kuhns Ztsehr. 25, 374 „die hilfreiche 

Pyth. 4, 125 (220) kam er mit den übrigen lautere oder jungfräuliche [letztere Übersetzung 

Gliedern seines Hauses nach lolkos in das ist mir im höchsten Grade unwahrscheinlich] 

Haus des Aison, um für dessen Sohn lason Ardvi") führt. Ihrem Ursprünge nach ist sie, 

von Pelias das Reich zu fordern. Paus. 5, 8, wie es scheint, zunächst die Göttin des Oxus- 

1, nennt ihn unter denen, welche die olym- stroms. Es heifst von ihr, dafs sie „gewaltig 

pischen Spiele erneuert haben soUen. Die dahinströmt vom Berge Hukarja zum See 

Amythaoniden waren ausgezeichnet durch Ver- Vorukascha", dafs sie „tausend Arme und tau- 
standeskraft, wie die Aiakiden durch Stärke, 60 send Kanäle" hat, eine Beschreibung, die nur 

die Atriden durch Reichtum. Hesiod b. Nikol. auf den Oxus pafst. Ein Hymnus des Avesta 

Damasc. in Excerpt. Valesü p. 446; vgl. Suid. {Jascht 5), der freilich in seiner jetzigen Fas- 

'AHri. [Stell.] sung, wie die Behandlung der Mythologie lehrt, 

AnabestaB) Inschrift einer auf dem Palatin nicht in alte Zeiten hinaufreichen kann, der 

gefundenen Säule C. I. £.6, 21. NachMomm- aber für uns die einzige einheimische Quelle 

sen ist es ein Dat. plur. eines Göttemamens, für den Kultus dieser Göttin ist und zweifellos 

der mit derselben Präposition wie Angerona, manche alte Züge bewahrt hat, preist sie als 

anceps gebildet ist. [Steuding.] die Göttin des Wassers und der Fruchtbarkeit, 



331 Anaitis Anaitis 332 

welche Herden und Wohlstand vermehrt, den gleichgesetzt, ehenso in der bekannten Stelle 
Frauen Fruchtbarkeit, leichte Geburt und gute Ser. 1, 131 {oilHqaai) iicni^£(ia9t[Via6i Mal tri 
Milch gewährt, den Samen der Männer reinigt. OvQavi'rj &v8iv, aaqä te 'Aaavgicav fia&övrsg 
Wie auf Erden so strömt sie auch im Himmel; xal 'jQccßimv. Kcclsovei Sh 'AaavQioi xr{v 'Acpgo- 
nach einer in allen Mythologieen gewöhnlichen äkriv Mvlixta (Belit = Baaltis) , 'Agä^toi Sl 
Übertragung ist der See Vorukascha, der zu- 'AXitta (rect. 'AliXär = AUät Her. 3, 8), IIsq- 
nächst nur der Aralsee sein kann, zugleich der eai Ss Mhqav. Hier hat Herodot ohne Zwei- 
Himmelsooean und der Urquell aller Gewässer ; fei die beiden zu seiner Zeit den Griechen 
Anähita wird von Zoroaster angerufen, aus noch nicht geläufigen Namen Mithra und Anä- 
der Sternen weit auf die Erde herabzukommen, lo hita verwechselt; im übrigen ist seine Angabe 
um die Verehrung der Gläubigen entgegenzu- insofern richtig, als die spätere Form des Kul- 
nehmen und ihnen ihre Wohlthaten zu ge- tus der altiranischen Göttin ganz von babylo- 
währen. nischen Elementen durchsetzt ist. Dies lehrt 
Soweit wir bis jetzt die Bntwickelung der schon der oben angeführte H3rmnus des Avesta, 
iranischen Religion verfolgen können, ist die in dem die natürlichen Grundlagen des Kul- 
reine Lehre, welche an den Namen des Zara- tus sehr zurücktreten; vor allem aber die An- 
thuBchtra anknüpft und die Verehrung des Ahn- gaben der Griechen, nach denen der Anaitis- 
ramazdaverkündetjZvinächsteine wesentlich ab- kult völlig zu einem dem babylonischen . Isch- 
strakte Religion gewesen. Der gute Gott, wel- tar-Nanä-dienste (s. Art. Astarte) entsprechen- 
oher Himmel und Erde geschaffen hat , ver- 20 den Kult der Göttin der Zeugung geworden 
langt von den Menschen, dafs sie sich seinem ist. Auch das Bild der Anaitis ist dem dieser 
Dienst ergeben, die Wahrheit üben und die babylonischen Göttin nachgebildet; im Avesta 
Lüge hassen, die richtigen Formen und Satzun- {Jascht 5, 126) wird eine, wie Halevy (in Dar- 
gen des Kultus beobachten , das Reich des mesteters Zendavesta 2, 53) bemerkt, jedenfalls 
Guten durch ihre Thaten, durch Urbarmachung der stereotypen Form des G ötterbildes entlehnte 
des Bodens und Pflege des Viehs, durch Opfer Beschreibung der Göttin gegeben, nach der sie 
und Bekämpfung der Lüge und der Dämo- ein schönes starkes Mädchen ist mit Schwei- 
nen mehren. Ihm gegenüber stehen die feind- lenden Brüsten; auf dem Haupte trägt sie eine 
liehen Dämonen der Lüge, Ahriman an der goldene Sternenkrone; Ohrringe und ein Hals- 
Spitze; umgeben ist er von einer Schar guter 30 band von Gold schmücken sie. Bekleidet ist 
Geister, die im wesentlichen reine Abstraktio- sie mit einem Gewände von Biber(?)fell. Mit 
nen sind. In dieser Form predigen die Gäthä's Ausnahme des letzteren erinnern alle diese 
die Religion, in diesen Anschauungen ist Da- Züge lebhaft an die bekannten Darstellungen 
rius aufgewachsen, sie verkündet er in seinen der babylonischen Göttin (s. Art. Astarte). In 
Inschriften. „Die andern Götter , welche es der Hand hält sie den heiligen Baresmazweig, 
giebt" treten für Darius vollkommen in den der zweifellos eine Umgestaltung der Blumen 
Hintergrund gegen den einen Ahuramazda, „den ist, welche semitische Göttinnen tragen, 
gröfsten der Götter". Indessen diese abstrakte Seit der Perserzeit hat sich die iranische 
Religion vermochte sich auf die Dauer nicht Religion nach Westen verbreitet. Armenien 
rein zu erhalten. Die Masse des Volks wird. 40 ist ganz iranisiert, in Eappadokien finden wir 
sich von den Naturgottheiten, die es zum in Zela ein Heiligtum der „persischen Götter" 
Teil seit uralter Zeit verehrte , nie losgesagt und überall im Lande persische „Feuerzünder" 
haben; sie waren ihm weit fafsbarer, man (äthravan = nvgai&og, Strabo 15, 3, 15); auch 
konnte sie weit leichter durch Formeln und im westlichen Kleinasien begegnen uns per- 
Opfer beeinflussen und von ihnen Schutz er- sische Kulte. So tritt uns dann auch Anaitis 
hoffen, als von den hohen verstandesgemäfs in diesem Gebiete mehrfach entgegen, und 
gedachten Wesen, die an der Spitze der Reichs- zwar infolge ihrer Gleichsetzung mit der Ar- 
religion standen. So ist es gekommen , dafs temis Tauropolos häufig in der Umformung Ta- 
allmählich diese Gottheiten, an ihrer Spitze ratg (so auch bei Berossos a.a.O.; vergL dazu 
der Sonnengott Mithra und die Anähita, immer 00 G. Hoffmann, Auszüge aus syrischen Akten persi- 
bedeutender hervortraten und den idealen Kern scher Märtyrer, in Abh.für Kde. des Morgenl. 
der Religion ganz in den Hintergrund dräng- 7, S. 135). Im lydischen Hierocaesarea fahrte 
ten. Berossos berichtet uns, Artaxerxes II (404 man den Kult der Diana Persica auf Kyros 
— 362) habe den Kultus der Anaitis bei den zurück {Tac. Ann. 3, 62, vgl. Paus. 5, 27, 5), 
Persem eingeführt, ihr in Babylon, Susa und in Philadelphia werden Anaitisspiele {'Avati- 
Ekbatana, den drei Hauptstädten seines Reichs, xsia) gefeiert {Lebas- Waddington, voyage arch. 
femer in Persepolis, Baktra, Damaskos (?) und inscr. 3, 3424); vgl. Paus. 3, 16, 8 AvSäv als 
Sardes Altäre und Statuen errichtet. Diese iatlv 'Agtiiiiäog lsqov 'AvaUxiSos. In Armenien 
Angabe ist auf das schlagendste durch die wird die Landschaft Akilisene am obem Eu- 
Achämenideninschriften bestätigt worden: Ar- 60 phrat auch Anaitica [und TuvaCxiq] genannt 
taxerxes II ist der erste, welcher neben Ahura- (Sirafto 11, 14, 16. P/m. 5,83. 33,82. IHoGass. 
mazda den Mithra und die Anähita (hier Ana- 36, 48. 53, vgl. Procop. Goth. 4, 5. Fers. 1, 17). 
hata geschrieben) anruft, während in den zahl- Von dem Kult der Göttin berichtet' Strabo, 
reichen Inschriften des Darius und Xerxes dafs ihr Sklaven und Sklavinnen geweiht wur- 
beide nie genannt werden. — Bei Berossos den, dafs auch die Töchter des Landes bis zu 
fr. 16 , aus Clem. Alex, protr. 1 , 5 [ebenso den höchsten Ständen hinauf sich ihr zu Ehren 
in dem angeblich. Berossosfragment bei Aga- prostituierten. Femer erfahren wir, dafs ihr 
fhias 2, 24] wird die Göttin der Aphrodite Kühe heilig sind, denen „die Fackel der Gott- 



333 Anaitis Anaxarete 334 

heit" als Mal eingebrannt wird {Plut. Luc. 24). ferner Stickel, de Bianae pers. nwnum. Graech- 

Im pontischen Zela {Straho 11, 8, 4f. 12, 3, wyUano,'Ptogi. Jena 1856) die Anaitis vielfach 

37) wurde Anaitis mit Omanos und Anadates für eine semitische Göttin erklärt und mit al- 

(Amandates?, s. Lagarde, ff es. AftÄ.) zusammen len möglichen andern Gottheiten ('Anat, Tnt, 

verehrt, von denen jener der Ameschaspenta Neit u. s. w.) identificiert. Alle diese Annah- 

Vohumano „der gute Sinn", dieser vielleicht men sind völlig unhaltbar; s. m. Aufsatz Z. 

Amertatät „der Genius der „Unsterblichkeit", 2>. M. 31, 716ff. 

ist; nach späteren Anschauungen sind sie die Litteratur. Aufser den Werken über 

Schirmhe