(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "SS Leitheft 9. Jahrgang - Heft 4 - April 1943"

SS LEITHEFT 

9. Jahrgang - Heft 4 - April 1943 



Herausgeber: Der Reichsführer SS, SS-Hauptamt Berlin W 35, Lützowstrafle 48/49. Einzelpreis des Heftes 40 Rpf 
Bestellungen, Zahlungen und Auslieferung: SS-Druckschriftenversand, Berlin SW68,Wilhelmstr. 122. Postscheckkonto: 
Berlin 6783. Bankkonto: Berliner Stadtbank, Berlin SW68, Friedrichstr.46, Girokasse 9, Girokonto: 1157 



INHALT 

Wagnis und Verantwortung 
Der siebenbürgische Leonidas 
Den Umständen nach handeln 
Die Wiege 
Kampf in der Natur 
Frühlingsbrauch und Kindersegen 
Birken weg im Frühling 
SS-Obergruppenführer Eicke gefallen 
Über Tod und Leben - die Pflicht 
Der schwere Befehl 
Heimat 



Solange eine Truppe voll guten Mutes kämpft, ist selten eine Veranlassung da, große 
Willenskraft in der Verfolgung seiner Zwecke zu zeigen, sowie aber die Umstände schwierig 
werden - und das kann, wo Außerordentliches geleistet werden soll, nie ausbleiben, - so geht 
die Sache nicht mehr von selbst, wie mit einer gut eingeölten Maschine, sondern die Maschine 
selbst fängt an, Widerstand zu leisten und diesen zu Überwinden; dazu gehört die große 
Willenskraft des Führers. Sowie die Kräfte in dem Einzelnen ersterben, diese nicht mehr vom 
eigenen Willen angeregt und getragen werden, lastet nach und nach die ganze Inertie der 
Masse auf dem Willen des Feldherrn; an der Glut in seiner Brust, an dem Lichte seines 
Geistes soll sich die Glut des Vorsatzes, das Licht der Horrnung aller anderen von neuem 
entzünden; nur insoweit er dies vermag, insoweit gebietet er über die Masse und bleibt Herr 
derselben; sowie das aufhört, sowie sein eigener Mut nicht mehr stark genug ist, den Mut 
aller andern wieder zu beleben, so zieht ihn die Masse zu sich hinab in die niedere Region der 
tierischen Natur, die vor der Gefahr zurückweicht und die Schande nicht kennt. Dies sind die 
Gewichte, welche der Mut und Seelenstärke des Führers im Kampfe zu überwinden haben, 
wenn er Ausgezeichnetes leistet will. 

CARL VON CLAUSEWITZ 



Wagnis und Verantwortung 



Als der grofle König am 29. August 1756 seinen Truppen den historischen Marschbefehl gab, der das 
siebenjährigeRingen des kleinen preußischen Staates gegen drei überlegene Großmächte einleitete, war eine 
Entscheidung gefallen, die in der eisigen Luft einsamsten Wagnisses und tiefster Verantwortung geboren -wurde, wie 
sie nur den politischen Genius umweht. Daß der König sich von Anfang an darüber klar war, daß er den Bestand seines 
Staates, das Ansehen der Krone, seine persönliche Ehre aufs Spiel setzte, davon zeugt jene Geheime Kabinettsordre an 



den Grafen Finekenstein, die er zugleich mit dem Marschbefehl erließ und in der er den Fall seiner Gefangennahme und 
seines Todes auf dem Schlachtfeld erörterte und seinen Nachfolger verpflichtete, zu handeln "ganz, als wäre er, der 
König, nie auf der Welt gewesen". Es war ein Präventivkrieg, den der König begann, ein kühner, wagehalsiger Zugriff, 
bevor die erdrückende KoalitionRufilands, Österreichs undFrankreichs denPlan ausführen konnte, den jungen 
preußischen Staat abzuwürgen. Den Anfang des Krieges konnte der König überblicken. Das Ziiel, die Rettung 
Preußens, hatte er klar im Auge. Die Entwicklung des Unternehmens und sein Ende lagen im Dunkel einer 
gewitterverhangenen Zukunft. Und der König hat es gewagt. Es wäre nicht abzusehen gewesen, welche Entwicklung 
Preußen und damit das Reich genommen hätte, wenn das Schicksal in dieser Stunde der Nal;on nicht den Mann 
beschert hätte, der das Außerordentliche wagte und alles aufs Spiel setzte, bevor er alles verlor. 

Die Geschichte grofler Völker kann jahrzehntelang scheinbar ohne Größe dahinfließen, während bedeutungsvolle 
Entwicklungen unter der Oberfläche sich vorbereiten, bis die anfgestaufen Kräfte in einem Punkt sich zusammenballen 
und plötzlich Entscheidungen von weltweiter Bedeutung verlangen. Wehe dem Geschlecht, das diesen Stunden nicht 
gewachsen ist, und wehe dem Volk, das in diesen Stunden den Mann nicht findet, der den rettenden Entschluß zum 
Handeln faßt. 

Der Weg des Führers und der jähe, aber blutig erkämpfte Aufstieg der Nation nach dem Zusammenbruch von 1919 sind 
begleitet gewesen von jenen Augenblicken, da das Zünglein an der Waage, das den Ausschlag nach dem Untergang 
oder der Rettung der Nation zu geben hatte, mehr als einmal schwankend zitterte. Die Entscheidung über die Annahme 
der Vizekanzlerschaft 1932, der Einmarsch ins Rheinland, die Verkündung der Allgemeinen Wehrpflicht sind 
Entscheidungen gewesen, die die Zeitgenossen den Hauch eines großen, geschichtemachenden Geistes spüren ließen. 
Zwar hat es von Anfang an eine stets wachsende Gruppe von Menschen gegeben, die dem Führer auf Leben und Tod 
verschworen wie eine treue Garde gefolgt sind. Mit dem Maß des zunehmenden Erfolgs, getrieben durch die steigende 
Not und die überzeugende Gewalt des Führers, ist schließlich das ganze deutsche Volk zu einer kämpfenden 
Gemeinschaft um den Führer geworden. Aber wer zählt die Tage und die Stunden, da selbst die Getreuen dem Führer 
nicht mehr zu bieten hatten als ihre Treue, ihre Anhänglidikeit, ihre Verehrung, und da er selbst, er ganz allein, den 
Schritt ins Dunkle tun mußte, den Schritt, den keiner gewagt hätte und den selbst die ihm Nahestehenden in seiner 
Tragweite kaum erahnen konnten. Viele konnten ihm nicht folgen, und viele sind an der Größe der Entscheidungen 
zerbrochen. 

Der Führer hat am 22. Juni 1941 seinen Armeen den Marschbefehl gegen den bolschewistischen Gegner gegeben. Es 
bleibt einer späteren Zeit überlassen festzustellen, mit welchen eigenen militärischen Machtmitteln das Reich den 
Kampf gegen den bolschewistischen Koloß aufgenommen hat und welche militärischen und materiellen Kräfte Stalin in 
zwanzigjähriger Vorbereitung zusammengeballt hatte, um seinen Überfall auf Europa vorzubereiten. Wenige Tage nach 
dem Einmarsch sah der deutsche Soldat, daß moderne Vermessungstürme neben den elendsten Bauernlkaten standen 
und die genaueste Landesvermessung wie ein Netz über das russische Riesenreich gebreitet war, daß die russische 
Artillerie nach den besten Karten schoß, die es gab, daß die industrielle und landwirtschaftliche Produktion auf den 
Krieg eingerichtet war, daß alles abgeschlossen war bis auf den Aufmarsch der roten Armeen, in den die deutschen 
Heere hineinprallten. Vieles davon ist der deutschen Führung seit langem bekannt gewesen. Nicht alles. Kein System 
hat sich undurchdringlicher getarnt als das der bolschewistischen Drahtzieher in Moskau. Nicht darin liegt die Größe 
des Führers, daß er die zahlenmäßige Ansammlung der russischen Machtmittel erkannte - darin konnte er sich täuschen 
- sondern darin, daß er die Gefahr rechtzeitig erkannte, die am dunklen Horizont aufstieg und die Nation und ganz 
Europa bedrohte, und daß er sofort handelte. Es will uns heute so scheinen, als ob die Entscheidung keine Stunde 
früher, aber auch keine Stunde später hätte fallen dürfen. Dieselbe Entscheidung, gefaßt im Augenblick einer etwaigen 
Invasion der deutschen Heere in England, hätte katastrophale Folgen für Europa haben können, und die 
Kriegsschauplätze befänden sith nicht Tausende von Kilometern östlich unserer Reichsl-,renze, sondern lägen mitten in 
Deutschland. Hätte die deutsche Führung das ganze Ausmaß der militärischen und industriellen Machtmittel der 
Sowjets von Anfang an übersehen, dann wäre die Stunde der Entscheidung nodi schwerer gewesen, an der 
Entscheidung selbst hätte sich nichts geändert. 

In der großen Politik und im Kriege gibt es eine Menge berechenbarer Faktoren. Wären jedoch Beginn, Verlauf und 
Ende eines Krieges Ergebnis mathematischer Berechnung, dann wären die Mathematiker immer die besten Politiker. 
Aber selbst das Berechenbare läßt sich nur auf die Gültigkeit einer Wahrscheinlichkeitsrechnung bringen: Die Zahl und 
Beschaffenheit unserer Machtmittel war der Führung bekannt, auch die moralische Verfassung unseres Volkes. Dem 
bolschewistischen Gegner gegenüber mußte auch die Wahrscheinlichkeitsrechnung versagen, da seine Stärke völlig 
unberechenbar war. Und doch mußte die Entscheidung gefällt werden. Hat man ermessen, welche Unsunune von 
Geistesgegenwart, Charakterstärke und schärfster Witterung der Gefahr in einem Manne sich vereinigen mußten, 
um den Befehl vom 22. Juni 1941 zu erwirken? 

Das Kennzeichen aller wirklich Großen im Bereich der Geschichte ist der Mut zum Wagnis, der Mut zum 
Unberechenbaren. Je größer die Verantwortung vor dem eigenen Gewissen und vor dem Richterstuhl der 
Geschichte ist, desto heroischer ist das Wagnis der einmaligen Tat. Die Tiefe der Veran twortung und die 
Konzentration der höchsten Geistes- und Gemütskräfte auf den einen Punkt der Entscheidung unterscheidet den' Spieler 



und Phanfasten vom politischen Genius. Das deutsche Heer verlangt von jedem Mann, von jedem Unterführer, von 
jedem Führer ein gewisses Maß selbständigen Handelns. Aber auch die Selbständigkeit des Armeeführers bewegt sich 
innerhalb des Rahmens der Planung des Generalstabs. Was in der Geschichte einen Ausnahmefall darstellt, die 
selbständige Entscheidung des Generals York im Jahre 1812, das ist gewissermaßen der charakteristische Zustand und 
die dauernde Forderung, die das Gewissen dem Obersten Befehlshaber und Führer der Nation stellt: Ohne Befehl 
handeln! Dabei fehlt es nicht an sachverständigem Rat. Aber niemand überhebt den Führer der Verantwortung über die 
Entscheidung, die um so größer ist, je mehr auf dem Spiele sieht. Der grofle König hat mehr als einmal gegen den Rat 
seiner kriegserfahrenen Generale gehandelt und sehr zum Wohle Preußens. 

Wir wissen, daß selbst die gewagteste Entscheidung fallen muß, wenn einem Volk nur die Wahl zwischen Leben und 
Tod gestellt ist. In Entscheidungen, die auf lange Zeiträume eingestellt sind, sind Rückschläge unvermeidlich- Ein 
Fehlschlag wird nur dann zur unabänderlichen Niederlage, wenn die sittliche Berechtigung entfällt, die zum Widerstand 
gegen ein unverdientes Schicksal geführt hat. Ein gesundes Volk zieht den Kampf um sein Leben selbst gegen eine 
zahlenmäßig weit überlegene Übermacht unter allen Umständen dem ruhmlosen Untergang ohne 
Waffenentscheidung vor. Das ist der Leitgedanke, den der Führer der Partei bei ihrer Gründung in die. Wiege gelegt 
hat. Danach ist alles gewagt worden: der 9. November 1923, das Jahr 1932, der Einmarsch ins Rheinland, die 
Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht und der 22. Juni 1941. 

Wir sind uns darüber klar, daß ein großer Führer auch von der Nation Seelengröße verlangen muß. je gröfler die 
Zeitspanne ist, über die sich eine große Entscheidung hinzieht, desto härter ist die Geduldsprobe, vor allem für die 
mittelmäßigen Besserwisser und die oberflächlichen Enthusiasten. Der Größe und der Weitsicht des Führers kann das 
deutsche Volk nur zwei Tugenden entgegenstellen: Reife des geschichtlichen Urteils und, was noch notwendiger ist, 
absolute Treue und fanatische Ergebenheit. Wir wollen aber beides. 

Gd. 



"Jeder Krieg ist reich an individuellen Erscheinungen, mithin ist 
jeder ein unbefahrenes Meer voll Klippen, die der Geist des Feldherrn 
ahnen kann, die aber sein Auge nie gesehen hat und die er nun in 
dunkler Nacht umschiffen soll." 



CARL VON CLAUSEWITZ 



Der siebenbürgische Leonidas 



Im Jahre 1809 hat eine kleine Besatzung unter dem Befehl des siebenbürgischen Hauptmanns Hensel die Straße von 
Tagliamento nach Tarvis in einem schnell ausgebauten Sperrfort 82 Stunden lang gegen die Franzosen gehalten und 
damit den Rückzug der Armee des Erzherzogs Johann vor der anrückenden Übermacht der napoleonischen Truppen 
unter dem Befehl des Prinzen Beauharnais gedeckt. 

Auf dem Col di Cos wird ein zweites Sperrfort angelegt, das aber bald dem überlegenen Feind in die Hände fällt. 
Hauptmann Hensel wird umgangen und stirbt mit seiner Mannschaft den Heldentod. Eine ganze ostmärkische Armee 
wird aber durch dieses Ausharren einer kleinen Kampftruppe bis zum letzten Schuß gerettet. 

"Hauptmann Hensel meldete seinem Oberbefehlshaber die angetretene Besatzung seines Sperrforts. Erzherzog Johann 
trat vor die Kompanien. Seine Stimme klang hell und fröhlich in die Herzen seiner Soldaten. 

"Kameraden! Ich habe den Herrn Hauptmann Friedrich Hensel zum Kommandanten dieses Sperrforts ernannt. 
Hauptmann von Hermann wird auf dem Predilsattel sein Fort verteidigen. Ihr habt euch freiwillig als Besatzung 
gemeldet. Was für eine Aufgabe ihr übernommen habt, wißt ihr. Herr Hauptmann und Sie, meine Herren Offiziere, 
haben den Befehl, die anrückende Armee des Vizekönigs Prinzen Beauharnais achtundvierzig Stunden lang unter 
Aufbietung aller Kräfte aufzuhalten, damit ich die Möglichkeit habe, die Südarmee im Raum von Villach neu zu 
formieren und gegen Norden zu führen. 



Kameraden! Vor mehr als zweitausend Jahren hatte es der Spartanerkönig Leonidas übernommen, den Engpaß von 
Thermopylä mit dreihundert Mann gegen das gewaltige Heer des Perserkönigs Xerxes so lange zu verteidigen, bis die 
Flotte seines Heimatlandes Gelegenheit hätte, die Perser anzugreifen. Der Perserkönig tobte, als er den Engpaß besetzt 
fand, und vergeblich rannten seine Truppen zwei Tage lang gegen die Sperre der tapferen Spartauer. Ein griechischer 
Verräter führte in der Nacht die Perser auf Schleichwegen hinter die griechischen Reihen, und alle mußten fallen. 
Ephialtes hieß der Schuft - Namen von Verrätern und Helden leben lange. Ich will euch das Los des Leonidas und 
seiner Getreuen nicht wünschen, Kameraden. Ist es euch aber bestimmt, dann sierbt ihr als Helden und lebt weiter in der 
Geschichte unseres Staates, gleich den tapferen Sparfanern." 

Der Erzherzog hatte seinen Federhut vom Kopf genommen und schwenkte ihn hoch in der Luft. Die Stimme Hensels 
erklang laut, gleich einer schmetternden Fanfare: "Es lebe der Kaiser!" Und jauchzend stimmten Offiziere und Soldaten 
mit Heil, Hoch und Elien in den Ruf ein. Dumpf dröhnten die Trommeln den Generalmarsch. 

Erzherzog Johann sprang auf seinen Hengst. In raschem Trab sprengte der Stab in der Richtung Tarvis davon. 

Nun stand Hensel allein mit seinen Soldaten. Am hohen Nachmittag erklang von Malborgheit her der schrille Klang der 
gallischen Kriegshörner, und französische Reiterei wurde auf der Straße sichtbar. Die Besatzung des Sperrforts hatte 
strenge Weisung, nichf eher zu schießen, bis Hensel den Befehl dazu erteilt hatte, vornehmlich sollte Oberfeuerwerker 
Rauch seine Batterien nicht spielen lassen. 

Das Fort lag dunkel und ruhig. Aus dem Fellatal stromab von Malborghett leuchteten überall Lagerfeuer zu den Felsen 
hinauf, und aus der Gemeinde klang der Gesang der Feinde, die sich's aus den Fässern der Wirte wohlschmecken 
lieflen. 

Ein goldener Maientag mit tausendfachem Vogelgezwitscher war angebrochen. Hauptmann Hensel war vor 
Sonnenaufgang zu den Feldwachen hinausgegangen und hatte ihnen den Befehl erteilt, sowie die Franzosen in großen 
Kolonnen vormarschieren, auf das Fort zurückzuweichen. Dann hatte er alle Batteriestände visitiert und die 
Gefechtsstände der Scharfschützen besucht. 

Die Mannschaft weifl, dafl der 15. Mai ein Tag schwerster Kämpfe sein wird; jeder einzelne Mann ist sich seiner 
Wichtigkeit bewußt. Gelingt es, bis zum 16. den Vormarsch aufzuhalten, dann ist der Rückzug der Armee gesichert und 
ihre Umgruppierung durchgeführt. Noch hatte die Besatzung wenige Verluste von Verwundeten, und lediglich auf dem 
Col di Cos waren einige Tote gemeldet. Die Stimmung der Truppe war hervorragend, denn der Hauptmann war 
freigebig mit Essen und Wein, und die Nacht war überall ruhig verlaufen. 

Gegen sieben Uhr früh reitet eine Offizierspatrouille der Franzosen mit einer weithin leuchtenden Fahne über die 
Brücke. Ein Parlamentär bittet, vor den Kommandanten geführt zu werden. Prinz Eugen Beauharnais fordert die 
Besatzung in höflichen Worten auf, das Fort aufzugeben, da die ganze französische Armee mit siebzigtausend Mann 
vor ihin stehe und ein Kampf aussichtslos sei. 

Der erste Angriff wird abgeschlagen 

Hensel läßt dem Parlamentär mitteilen, er habe den Befehl, sich zu verteidigen und nicht zu verhandeln. Kaum ist der 
Parlamentär nach Malborghett zurückgekehrt, als schon die französische Infanterie in eng massierten Kolonnen zu 
einem Generalangriff angesetzt wird. Als Hensel die anmarschierenden Bataillone sieht, fällt ihm ein Stein vom Herzen 
- der Prinz hat also noch keine Artillerie zur Verfügung, denn sonst würde er nicht mit Infanterie stürmen lassen. Es ist 
ein beratischendes militärisches Schauspiel, das sich vor den Verteidigern entrollt. Wie auf dem Exerzierplatz, so exakt 
und genau ausgerichtet, entwickeln sich Kompanien und Bataillone. Die Fahnen flattern im Wind, die Adler leuchten 
golden in der Morgensonne, und der Wind trägt die Rhythmen der Märsche, die die Hörner in die Lüfte schmettern, zu 
den Ohren der Scharfschützen und Kanoniere. 

Schon kann man die Gesichter der Angreifer erkennen, da ertönt der Feuerbefehl für die Artillerie, und aus allen 
Geschützen brechen die Salven in den vorrückenden Feind, der in ganzen Reihen niedergewäht wird, als wäre eine 
riesige Sense vom Himmel herabgeschwungen worden. Doch die Franzosen avancieren wie auf dem Exerzierplatz; ihre 
zusammenkartätschfen Linien schließen sich, neue-Bataillone rücken vor und brechen im Feuer der Artillerie 
zusammen. Nach der fünften Salve stockt wohl an hundertfünfzig Schritt vor dem Sperrfort der glänzend ausgeführte 
Angriff, und nun schlägt das wohlgezielte Scharfschützenfeuer in die schütteren Reihen, die sich nicht mehr zu 
schließen vermögen. In wilder Flucht laufen die Überlebenden zurück, verfolgt von den Schüssen der Zwölfpfünder. 

Vom Col di Cos melden Rauchsignale äußerste Gefahr. Hauptmann Kupka macht einen Ausfall und vertreibt, 
allerdings mit empfindlichen Verlusten, das französische Bataillon, das sich bis auf wenige Schritte an die Schanzen 
herangearbeitet hatte. 



Der Nachtangriff 

Kurz vor dem Dunkelwerden gelingt es dem Wirt Reflmann, auf weiten Umwegen ins Fort zu gelangen, und er meldet, 
dafl der Prinz einen Nachtangriff vorbereite, und die französische Artillerie noch immer nicht da sei. Hensel schickt 
Reßmann mit den Verwundeten nach Villach. 

Es ist ppchfinstere Nacht. Die gesamte Besatzung steht an ihren Gefechtsständen. Die Kanonen sind mit Kartätschen 
geladen. Nichts rührt sich. Alles horcht gespannt in die Dunkelheit, die nur von dem Gefunkel der Sterne durchglitzert 
wird. Von ferne erklingen Retraitsignale der Franzosen. Hensel winkt seinen Hornisten heran: "Blas den Zapfenstreich." 

Der Korporal nimmt Stellung und setzt die Trompete an, zuerst erklingt schmeiternd der Ruf "Heimwärts, heimwärts, 
ihr Soldaten!" - Ist es das Echo, odet antwortet der Kamerad vom Col di Cos? Eine tiefe Traurigkeit steckt in den 
Tönen. Ist es der letzte Zapfenstreich, den seine Tapferen hören werden? Hensel späht in die Nacht. Nichts regt sich. 
Von den Häuptern der Berge leuchtet der Schnee, man kann die kühne Silhouette des Mittagskogels deutlich vom 
dunklen Nachthimmel sich abheben sehen. Hensel denkt an seine Heimat, seine Mutter, die Geschwister; doch sein 
Geist kehrt schnell in die Wirklichkeit zurück. Ihm ist, als höre er gedämpftes Marschieren. 

Es ist kurz vor Mitternacht. Die Franzosen sind in mehreren Angriffskolonnen vorgerückt, doch die Posten haben nicht 
geschlafen. Hensel läfit dreimal das Signal "Feuer!" geben. Nichts rührt sich. Einige Kommandos klingen gedämpft 
durch die Nacht. Da auf einmal schießt eine gewaltige Stichflamme aus brennenden Heustadeln hoch und beleuchtet 
das Vorfeld mit schonungsloser Helligkeit, in dem Bataillon neben Bataillon vormarschiert. 

Dann sprechen die Geschütze. 

Brausende Rufe der anstürmenden Bataillone. Die zuckende Beleuchtung läfit die Soldaten in ihren Bärenfellmützen 
viel größer erscheinen, als sie sind. Grausig verzerrt der ungewisse Lichtschein, der einmal vom Luftzug hoch aufloht, 
um dann wieder zu sinken, das Bild - aber es ist für die Kanoniere und Schützen hell genug. Mit maschinenmälliger 
Präzision rollt das Salvenfeuer in die heranstürrnenden Feinde. Hauptmann Kupka läfit die Schützen in abwechselnden 
Salven schießen, Oberfeuerwerker Rauebs Kanonen und Doppelhaken speien unermüdlich ihr tödliches Blei in die 
Angreifer. 

Wieder und immer wieder branden die französischen Regimenter vor, aber sie kommen über die Sperre, die das 
wütende Kartätschenfeuer legt, nicht hinüber. Rückzugssignale ertönen. Nach einstündigem Kampf ziehen sich die 
Franzosen zurück. Die Kugeln der Österreicher finden aber noch viele Feinde, bis sich die Soldaten Napoleons aus dem 
Schußbereich gerettet haben. 

Der letzte Kampf 

Hensel ging nicht zur Ruhe, bis der Morgen graute. Seine Geschütze hatten eine furchtbare Ernte gehalten. Reihenweise 
lagen die Toten, türmten sich zu Wällen. Französische Sanitäter schleppten Verwundete ab. Der Kommandant ließ 
Offiziere und höhere Unteroffiziere zu einer Besprechung antreten. Einige sind verwundet, aber alle sind guter Dinge. 
Hensel gibt zunächst Befehl zum Abtransport der Verwundeten. Auch die leichter Blessierten müssen zurück. Der ihm 
vom Erzherzog erteilte Befehl ist voll ausgeführt. Der Feind achtundvierzig Stunden aufgehalten. Hensel könnte mit 
gutem Gewissen den Rückzug antreten, aber er denkt nicht daran, denn jede weitere Stunde bedeutet für die 
österreichische Südarmee einen großen Vorteil; seine Offiziere sind derselben Meinung. Ein verwundeter Leutnant wird 
als Eilkurier zum Erzherzog abgeschickt, zu melden, dali Hensel dem Feinde auch weiter Widerstand leisten würde. 

Ein neuer Angriff der Franzosen bleibt aus, dafür aber kommt am Nachmittag des 16. Mai zum zweitenmal ein 
Parlamentär, der die Übergabe fordert. Würde sie verweigert, so sei die ganze Besatzung dem Tode geweiht. Eine 
Antwort erhält er nicht. 

Die Franzosen warten auf ihre Artillerie. Sie trifft erst am Abend ein und wird in der Nacht in Stellung gebracht. Am 
Morgen des 17. Mai ist es diesig. Leichter Regen fällt. Die Wolken hängen tief ins Tal hinab. Alle Mann sind auf ihren 
Posten. Hensel und Hauptmann Kupka haben die Lage genauestens durchgesprochen. Heute wird die Entscheidung 
fallen. Davon sind die Freunde überzeugt, denn soeben donnern die ersten schweren Kanonenktigeln der Franzosen 
gegen die felsverwachsenen Brustwehren des Sperrforts. Die Kanonade dauert den ganzen Vormittag, und sie tut den 
wackeren Verteidigern großen Schaden. Ein Meldejänger von der Schanze am Col di Cos meldet, dafl die Schanze 
nicht mehr zu halten ist, denn vier feindliche Bataillone haben sich auf die Höhe hinaufgearbeitet, und einem 
Bajonettangriff sind die zwei Züge Scharfschützen natürlich nicht gewachsen. 



Zu Mittag steigen Rauchsäulen vom Col di Cos auf. Gleich darauf rücken aus Malborghett mehrere Regimenter aus und 
entwickeln sich auf den Wiesen. Im Geschwindmarsch kommen sie heran. Die Fahnen flattern, gellend klingen die 
Hörner. Abermals halten die Geschütze des kleinen Sperrforts blutige Ernte in den Reihen der Angreifer, aber diesmal 
kennt der Prinz kein Zurück. 

General Paethods Jägerbataillone haben den Col di Cos erstiegen 'und können nunmehr das Fort umgehen. Am frühen 
Nachmittag beginnt der Endkampf. Die Franzosen haben sieh bis unter die Felsen, auf denen die Batterien stehen, 
vorgearbeitet. Nun erreichen sie die Kartätschen Rauchs nicht mehr, aber es sausen Rollbomben in die eng 
zusammengedrängten Kolonnen und reißen grauenhaft blutige Rinnen in sie. 

Für einen Kampf nach zwei Seiten ist das Sperrfort nur schlecht eingerichtet. Eine schwere Explosion erschüttert das 
Fort. Das Pulvermagazin ist getroffen und in die Luft geflogen. Die Herren vom Hofkriegsrat, die nie Geld für 
zweckmäßige Festungswerke ausgeben wollten, würden vor Entsetzen vom Schlag gerührt werden, könnten sie den 
Fluch Hensels hören, der ihnen gilt. 

Nun kann es nur noch Minuten dauern. Die Kanonen des Oberfeuerwerkers arbeiten ruhig und sicher weiter und stören 
den weiteren Aufmarsch der Armee, aber durch die Bresche, die die Explosion geschlagen, stürmen die Franzosen. 
Batterie I fällt. Blockhaus 1 1 ist umzingelt. Ein Entkommen ist unmöglich. Hauptmann Kupka ist schwer verwundet. 
Weiterer Widerstand erscheint ihm zwecklos. Er will sich mit dem Rest seiner zumeist verwundeten Mannschaft 
ergeben, doch er wird von den anstürmenden Franzosen erschlagen. 

Hensel steht auf der Brüstung. Ergebung? Nein! Weiterkämpfen! Dem Feinde schaden so viel wie möglich. Eguchs 
Batterie schießt immer noch, also hat die Verteidigung noch Zweck. Jede Kartätsche, die in den Feind schlägt, hilft dem 
Vaterland, schadet Napoleon! Eine letzte Schar von Scharfschützen umringt den Führer. Sie schießen wie die 
Wahnsinnigen. Immer wieder müssen die Franzosen zurück. Zu Hunderten stürmen sie jetzt ins Fort. Hensel verteidigt 
den Zugang zur Batterie, die unentwegt, feuert. 

Da streift ein Schuß Heinseis Schläfe. Das Blut schießt in hohem Strahl von der Stirn. Er drückt sich sein Taschentuch 
auf die Wunde und stürzt, den Degen in der Faust, den Franzosen entgegen, die im Bajonettangriff auf die Brüstung 
springen. 

"Mut, Kameraden!" ist sein letzter Befehl. Dann bohren sich die Bajonette in seine Brust. 

Aber die Batterie des Oberfeuerwerkers dröhnt noch immer und speit Tod undVerderben in dieFeinde, bis 
feindlichePetarden dieEingänge sprengen. Zweiundachtzig Stunden lang haben die tapferen Männer den Vormarsch der 
siebzigtausend Mann starken Armee aufgehalten, einer mehr als zweihundertfachen Übermacht kühn die Stirn geboten. 
Mehr als siebentausend Tote und'Verwundete hat Napoleon vor Malborgheit verloren." 

Heinz Reimesch 



Jeder kann morgen schon wie dieser Hauptmann auf sich allein 
gestellt sein. Dann gehorcht er nur dem inneren Gebot. Dieses aber 
ruft ihm zu, so zu handeln, als ob von ihm allein das Schicksal des 
ganzen Volkes abhinge. 



"Den Umständen nch handeln!" 

Insterburg. Mitte Juni 1812. Der große Aufmarsch Napoleons gegen Rußland ist in vollem Gange. Eine halbe Million 
Soldaten hat der grofie Korse zusammengebracht, der geringere Teil nur sind Franzosen, die anderen Völker Europas 
sollen diesmal den größten Teil der Lasten des Krieges fragen, vornehmlich die Deutschen. 200 000 Söhne des 
deutschen Volkes hat Napoleon unter seine Fahnen gezwungen. 



Die Stadt ist voll von Truppen. Seit den frühen Morgenstunden wird der Kaiser erwartet. Immer wieder fliegen 
Ordonnanzen vorbei, hohe Offiziere reiten die Paradeaufstellung ab. Die Bevölkerung drängt und schiebt sich auf den 
Straßen. General von Grawert wartet schon seit Stunden auf dem Flügel des preußischen Korps. Da ein Gewirre von 
Stimmen! Ganz in der Ferne hebt ein Brausen an: der Kaiser! Jetzt ist er in Höhe der Polen, jetzt bei den Italienern, jetzt 
muß er bei den Rheinbündlern sein. Schon lösen sich einzelne Rufe aus dem Chor der Stimmen: "Vive L'Empereur! - 
Es lebe der Kaiser!" Jetzt reitet der General von Grawert ihm entgegen, um Meldung zu machen. Da ersterben die 
Hochrufe Plötzlich, und als der Kaiser die Höhe des ersten preußischen Detachements erreicht hat, ist eine eisige Stille 
eingetreten. Da der Lärm eben noch so groß war, wirkt diese Stille jetzt um so kühler. So groß ist sie, dafl man mit 
einem Male wieder den Hufschlag der Pferde hört. 

Der Kaiser lüftet den Dreispitz, reitet weiter. Seine Augen suchen die östliche Ferne. Sie haben einen bösen Glanz 
bekommen. Wie die Augen eines Fieberkranken. Hält diese harte Zügelhand auch dein Schicksal, Preußen, dann wehe 
dir! 



Das Schicksal hat uns Deutschen im Laufe der Geschichte manche harte Nuß zu knacken gegeben. Aber die schwerste 
Aufgabe, die deutschen Männern je gestellt wurde, ist die, mit der großen Armee nach Rußland zu marschieren. Vor 
allem gilt das für die Preußen. Denn wenn Napoleon ,g,eschlagen wird, dann wird das ganze preußische Korps von 20 
000 Mann mutmaßlich mit in den Untergang hineingezogen. Siegt er aber, so wird er - das ist so gut wie sicher - das 
immer noch unbequeme Preußen von der Landkarte hinwegwischen. Dann ist niemand mehr imstande, ihn daran zu 
hindern. Es verdichtet sich bereits das Gerücht, er habe Schlesien dem .Österreicher als Gegengabe für seine 
Waffenhilfe versprochen. Hart spüren die Preußen das Joch: In den Pariser Verträgen hat Napoleon nicht nur die 
Gestellung des preußischen Hilfskorps, sondern auch freien Durchzug und das Recht auf unbeschränkte Requisitionen 
erpreßt. Ostpreußen ist bereits restlos ausgeplündert. Darum schweigen die Preußen, als der Kaiser vorüberreitet. 
Müssen sie schon auf Befehl ihres Königs marschieren, so können sie es nur schweigend tun. Würden sie je die Lippen 
öffnen, so müßte ein Haflgesang daraus werden. Sie wünschen sich eher den Tod, als dem Kaiser den Sieg. Haben sie 
auch Grund, den Russen zu mißtrauen - denn diese haben sie ja 1807 im Stiche gelassen -, so stehen auf der anderen 
Seite doch die besten Deutschen, unter ihnen der Freiherr vom Stein. Eine Anzahl junger Männer, darunter Clausewitz, 
haben dem Zaren sogar gegen Napoleon ihren Degen angeboten und sich in der deutsch-russischen Legion 
zusammengeschlossen. Deutsche hier wie dort unter fremden Fahnen! 



Der General York, der Mitte August das Kommando über das preußische Korps übernimmt, glaubt es der Ehre des 
preußischen Namens schuldig zu sein, den Befehl seines Königs so korrekt wie möglich auszuführen. Er behält sein 
Korps fest in der Hand, hält Abstand von den Franzosen - er untersteht dem Marschall Macdonald, der die linke 
Flügelarmee führt - und sdilägt sich tapfer, wo es von ihm verlangt wird. Von den preußischen Patrioten, die auf der 
Gegenseite kämpfen, hält er nicht viel. Er selbst hat einmal als junger Offizier wegen einer Eigenmächtigkeit die 
Uniform ausziehen müssen und hat sieben Jahre im fremden Kolonialdienst gestanden, jetzt will er nur noch Preuße 
sein und ist zu einem Fanatiker der Pflicht geworden. Den "alten Isegrimm" nennen ihn seine Soldaten, wie "gehacktes 
Eisen" dünkt ihnen seine Art. Das ist der Mann, dem nun das Schicksal eine weltgeschichtliche Entscheidung zuschiebt. 



Als Napoleons Hauptarmee geschlagen ist und in voller Auflösung westwärts strebt, muß auch die linke Flügelarrnee 
schließlich am 20. Dezember den Rückzug antreten. Macdonald übergibt York die Führung der Nachhut. Jetzt sollen 
also die Preußen den Rückzug decken, um ihrem griminigsten Feinde wenigstens eine Armee züi erhalten. Und wenn 
sie selber draufgehen, was schert's den Franzosen? Vielleicht hofft er sogar, daß das preußische Korps aufgerieben 
wird. Die Schwächung der preußischen Kampfkraff kann für ihn nur eine Minderung der Gefahr bedeuten. Die 
seelische Last türmt sich bergehoch. York aber versucht, den bitteren Weg der Pflicht zu Ende zu gehen. Dieser Weg ist 
für ihn jetzt ein schmaler Grat geworden. Denn er muß doch seinem König auf jeden Fall das Korps erhalten. Die 
Russen drängen unter dem General Lewis scharf nach, und bald versucht nun auch noch das Korps Wittgenstein von 
Süden her, Macdonald den Rückweg zu verlegen. Nach harten Abwehrkämpfen schieben sich die Russen zwischen 
Gros und Nachhut, am ersten Weihnachtstage ist York abgeschnitten. Noch könnte er sich wohl unter Opferung seiner 
Artillerie und seiner Bagage zu Macdonald durchschlagen. Dieser mahnt ihn an seinen soldatischen Gehorsam und 
befiehlt den Durchbruch. Am 29. Dezember erreicht ihn dieser Befehl. Das Gesetz der Pflicht verlangt von ihm, das 
Äußerste zu wagen und möglicherweise sogar sein Korps zu opfern. Das Widersinnige ist jedoch, daß dieses Gesetz nur 
dem wirklichen Feinde hilft. Soll Preußen mit in den Untergang der Großen Armee hineingerisseii werden? 



Seit Anfang November versuchen die Russen mit Yorlc in Veriiandlungen züi Icommen. Wittgenstein und sein 
Unterführer, General Diebitsch, beide deutschen Blutes, machei ihm Angebot über Angebot. Er soll sich ihnen 
anschließen und Macdonald gefangennehmen. Noch am 25. Dezember schlägt ihm Diebitsch ein Neutralitätsabkommen 
vor. Als guter Deutscher kann York nur das Ende der Freindherrschaft herbeisehnen. Aber geht es hier nicht um eine 
politische Entscheidung? Und ist es seine, ist es des Soldaten Sache, diesen entscheidenden Schritt zu tun? Kann er die 
Folgen dieses Schrittes, die er nicht übersieht, überhaupt verantworten? Nur der König kann hier entscheiden. Am 5. 
Dezember schickt er den Major von Seydlitz nach Berlin, um von dort neue Weisung einzuholen. Seydlitz kommt nicht 
zurück. Am 27. Dezember sendet er eine Stafette hinterher. Endlich am 29., gleichzeitig mit Macdonalds 
Durchbruchsbefehl, trifft Seydlitz ein. Jedoch was er bringt, ist mager genug: York solle Jen Umständen nach handeln!" 
Also fällt die Last der Verantwortung doch wieder auf ihn zurück. Gibt es nicht eine höhere Pflicht, die befiehlt, die 
Schranke des Gewohnten und Normalen zu durchbrechen, wenA es das Schicksal erfordert? Aber darf er so vermessen 
sein, sich zum Vollsfrecker des Schicksals aufzuwerfen? Hängt nicht von seinem Handeln das Schicksal des ganzen 
preuflischen Staates ab, mehr noch: das des ganzen deutschen Volk-es? Wird er mit seinem Schrift nicht einen Sturm 
entfachen, von dem er nicht weiß, ob er nicht ein alles vernichtender Orkan werden wird? 



In der schlaflosen Nacht vom 29. zum 30. Dezember türmen sich diese Gedanken vor dem General auf. Gleichviel: "es 
gibt Fälle, wo das höchste Wagen die höchste Weisheit ist". Als Diebitsch am 30. in der Poscheruner Mühle bei 
Tauroggen einfrifft, um Yorks Entscheidung zu holen, sind die Schatten der Nacht von diesem abgefallen. Seine 
wiedergewonnene Sicherheit blitzt dem Unterhändler entgegen. York unterzeichnet. Das preullische Korps - so wird 
vereinbart - soll nunmehr den Küstenlandstrich zwischen Memel und Tilsit besetzen und bis zur Entscheidung neutral 
bleiben. Dies Abkommen, das Ostpreulien den Russen freigibt, muß zum Bruch zwischen Preußen und Frankreich 
führen. Ein Brief des Zaren gibt jedoch der künftigen preußischen Außenpolitik die Grundlage: Dieser verspricht, 
Rußland werde den Krieg bis zur endgültigen Wiederherstellung Preuflens und bis zur Befreiung Europas führen. 

In einem ausführlichen Schreiben verantwortet sieh York vor seinem König. So schließt er seine Rechtfertigung: "Ich 
erwarte sehnsuchtsvoll den Ansspruch Eurer Majestät, ob ich gegen den wirklichen Feind vorrücke, oder ob die 
politischen Verhältnisse erbeischen, daß Euer Majestät mich verurteilen. Beides werde ich mit treuer Hingebung 
erwarten, und ich schwöre Euer Königlichen Majestät, daß ich auf dem Sandhaufen ebenso ruhig wie auf dem 
Schlachtfelde, auf dem ich grau geworden bin, die Kugel erwarte. Ich bitte daher Euer Majestät um ctie Gnade, bei dem 
Urteil, das gefällt werden muß, auf meine Person keine Rücksicht nehmen züi lassen." 



So keimte in jener Nacht der Mittwinterzeit, während der Schneesturm um die Hütten Tatiroggens brauste und bittre 
Kälte die Erde in Fesseln hielt, ein neuer Völkerfrühling. Im Donner der Schlachten holten die Deutschen den Stern 
Napoleons vom Himmel herab und er zerbarst Im Anfang aber war die Tat. 

Heinrich Gaese 



Die Wiege 

Erzählung aus dem Dreißigjährigen Krieg 

Zögernd dämmerte nach dreifligj ähriger Brandnacht blanke Morgenhelle über das deutsche Land, das sieh zu Tode 
gestöhnt hatte unter würgendem Morden. In blutiger Pestilenz waren die grotimächtigen Herren über Tod und Leben 
erstickt. Ihre blind verrosteten Waffen fielen müde zur Erde, die das Blut der Brüder durch dreißig Jahre als furchtbare 
Saat empfangen hatte. Zerschunden, lahm und verkrüppelt waren die letzten Söldner davongezogen. Im dreißigsten 
Hungerjahre rollte aus den verödeten Westfalenstädten Münster und Osnabrück ein träger Friedenswürfel über das 
Land, und leer höhnte das Echo von den Alpen bis zum rauschenden Meer: Friede. 

Und die brandschwarzen Mauern hohnlachten: Friede. 

In diesem Jahr ging der Bauer Pankraz Frieli auf der zerfahrenen Straße von Ansbach gen Nürnberg. Der breite Mann 
schien in sieh zusammengebrochen, so als trüge er eine unsichtbare Last. Er ging stockend und ziellos, obgleich ein 
Bauer um diese Jahreszeit weiter und stärker hätte ausgreifen müssen, um an den wartenden Acker zu kommen. Aber es 
,vartete niemand auf seine Ankunft. Vor zehn Jahren war er mit Mühe seinem gebrandschatzten Hof entronnen, der vor 



Nürnbergs Mauern gelegen hatte. Seitdem trieb es ihn umher, und mit jedem Tag fraß sich das Grauen der Zerstörung 
tiefer und tiefer in sein Herz. Nun ging sein Blut nur noch müde durch die Adern, und die Schritte schleppten. 

Es begegnete dem Alten selten ein Mensch auf der Straße. Die ihm aber entgegenkamen, trugen die Zeichen des 
Bruderkrieges sichtbar an ihren Leibern. Da kam aber zu mittäglicher Stunde ein Mann, hochgewachsen, mit hellem 
Haar, dem trieb der Wind die losen Jackenärmel empor. Als Pankraz Frieß Gruß und Frage hinüberrief, reckte der 
Ankommende die Armstümpfe, und als er abermals angerufen wurde, sagte er leise und zerbiß die Worte zwischen den 
Zähnen, dafi die Schindknechte seine Saat rauben wollten für ihre Gäule, und als er es ihnen verwehrte, hätten sie sich's 
genommen auf diese Weise. 

Er schwieg und ging, ohne sich umzuschauen, hastig weiter. Zu viel Not hatte der alte Friefl gesehen. Es schüttelte ihn 
nur ein leiser Schauer. Er ging aber ein wenig schneller. 

Um ihn drängte sich das geheimnisvolle Wachsen der Erde und tastete an sein verhärtetes Herz. Er verspürte die Erde 
ringsum - diesen Schoß alles Lebendigen - mit so starkem Bewußtsein wie nie vordem. Er roch den Duft von Säften 
und Gräsern, und seine Hand griff ungefüg einen Ballen Wurzelwerk. Er unischlofi ihn krampfhaft und legte ihn an sein 
Ohr. Hörte er den Wind schon durch tausend und abertausend ungewachsene Gräser streifen? Welche Gewalt wirkt da! 
Schon ruht im Keim die ungeborene Frucht und in der ungeborenen Frucht die künftige Blüte und wahrt das Geheimnis 
nach planvollem Gesetz für alle Zeit. 

Der Bauer Pankraz öffnete die Hände. Seine Blicke wanderten in den unausmeflbaren Kreis des Landes. Es war -still 
und geduldig seinem schauenden Blick ergeben. Hügel lehnt sich an Hügel, wogend weht der helle Wind des Frühlings 
darüber hin, und der matte Widerschein der glänzenden Wolken liegt auf den Feldern. Aus Erde, Wasser und Luft 
strömt ein tiefvertrautes Walten, eine beständige Gewißheit in das dumpfe und von vielfältiger Not ausgehöhlie Denken 
de's Bauern. Es steigt ja aus der geheimnisvollen Verwandtschaft des Blutes mit dieser Erde. 

Es ist ja die Erde der Mütter! 

Es sind ja die Äcker der Väter! 

.Lautlos fiel der Abend auf das weite Land. Der Wind wurde straffer, ein wenig wärmer und erfüllt von Würze und 
gärender Unrast. Er zerrte und stieß im kahlen Gezweig der Bäume, die am Straflenrand aufwuchsen. Im Unterholz 
rauschte und knackte es unentwegt. Ein zitternder Schein rann über die Wolkenkämme. Die versinkende Sonne brannte 
am Himmelsrand. 

Das erdunkelnde Land wurde lebendig unter den Schritten des Bauern. 

Im Nachglanz des ertrinkenden Tages gewahrte Pankraz Frieß die Uinrisse eines Hauses. Ein Teil des Daches war 
eingefallen, aus den Fenstern wucherte Brombeergestrüpp. Durch Schutt und Gedorn bahnte er einen Weg. Vermorscht 
und verfault starrten Dachsparren in die Luft. Ein Rabe kreischte heißer an seinem Ohr vorbei. 

Plötzlich stand vor ihm ein Weib, entschlossen faßte es einen Mordhaken. Auf seine Frage, ob er zur Nacht bleiben 
könne, sagte sie mißtrauisch, daß niemandem zu trauen sei. Dann erkannte sie in ihm aber wohl den Bauern und hieß 
ihn folgen. Stolpernd ging sie durch die Finsternis voran. Er hörte sie leise einen Namen rufen. Eine Tür kreischte in 
rostigen Angeln, rotes Ollicht fiel in seine Augen, er fühlte, wie scharfe Blicke ihn musterten. 

"Bin Bauer", sagte Pankraz laut und trat in die Stube. Mit beiflendem. Rauch brannte ein Holzfeuer auf der Herdstelle. 
In der glühenden Finsternis sah Pankraz Frieß drei Frauen in der engen Kammer hantieren. Sie sagten nichts, als die 
Frau, die ihn hereingeführt hatte, bedeutete, dati der alte Bauer eine Nachtstatt bekäme. Dabei wies sie auf eine Schütte 
Stroh, das sich in einer Ecke häufte. Er ließ sich müde darauf nieder. Die Stille im Raum war beengend, nur das Feuer 
atmete heiß und der Wind stob um das Haus. Unterm Dach klapperte und kreischte es. Nach einer Weile holte der 
Bauer einen Kanten Brot aus seiner Jacke und kaute bedächtig daran. Von Zeit zu Zeit traf ihn ein schräger Blick aus 
den Augen der Frauen. Die Älteste von ihnen hing einen Kessel Wasser in den Kaminhaken. Durdi die morschen 
Wände dröhnte das unruhige Brummen einer Kuh. Da ging eine der Frauen hinaus und kam zurück mit dem Bescheid, 
dafl es soweit sei. Nun erhob sich auch der Bauer. Sie gewährten, daß er mit in den zerfallenen Stall ging, wo eine 
kalbende Kuh sich tief und urhaft stöhnend wand. Scharf umhüllte der schweiflige Tierdunst die Helfenden. Ein 
Talgflämmchen warf rötliches stumpfes Licht. Die Kuh quälte sich lange Zeit: in schmerzhaften Stößen trieb sich das 
neue Leben aus ihrem Leib. Ihr Brummen wurde tiefer und lauter, es riß sie hin und her, das wuchs und quoll, das 
drängte ungestüm aus ihr. Die Kreatur war ganz der Gewalt der Geburt ausgeliefert. Endlich lag das nasse, unbeholfen 
und armselig schreiende Kuhkalb in dem blutigen Stroh. 

Als Pankraz Frieß aus dem kleinen Stall ins Freie trat, atmete er tief den klaren Wind der Frühlingsnacht. Er fühlte die 
Stöße des Windes auf seiner Haut, und aus der erregten Nacht strömte die aufbrechende Erde mit ihrem prallen und 



starken Leben. Er war zu föhniger Wärme angeschwollen, und man hörte die Bäume und Sträucher ächzen vor 
Lebenskraft. 

Der Bauer war verwirrt in seinem Innern. 

Als er die Tür der Kammer wieder aufstieß, stieg eine Beklommenheit in seiner Brust hoch, wie er sie seit den ersten 
Schmerzen der Kindheit nicht mehr gespürt. 

Betroffen verharrte er auf der Schwelle, vor dem Bild, das seinen Augen sich darbot. Die jüngste der Frauen -, sie war 
nur noch allein in der Stube - saß unter dem Joch einer großen Not über einer leeren Wiege gebeugt. Indes ihr Fuß die 
knarrende Wiege schaukelte, sprach sie mit geborstener Stimme Worte eines Liedes in das leere Nest des Lebens. 
Worte, die Pankraz Friefi aus dem Mund seiner Mutter kannte. 

"Sollst werden einst ein großer Held, eia dea eia." So ging es eine ganze Weile fort. Dann gefroren die Worte in 
schweigender Qual. Knisternder Rauch schwelte zwischen den Wänden. Die Stille lastete stumm. 

Da die Frau nun die ganze Zeit über reglos und starr dasaß, schien der plötzliche Ausbruch rasender Verzweiflung wie 
eine wilde Feuerlohe. Eine Flamme fuhr der Frau durch Leib und Antlitz. Von Drangsal und hilfloser Not überwältigt, 
sprang sie auf- und zerschlug mit unheimlicher Kraft die Wiege. Das splitternde Holz schrie lauter als ihr Mund. Sie trat 
mit den Füßen in das knirschende Holz, packte es mit beiden Händen und warf es in die Glut. Sprühend stob das Feuer 
empor. Es war anzusehen, als stände die Frau in einem Brand ohne Maß. Die Flammen griffen gierig ins trockene Holz. 

Hell und heiß war es in der Kammer. 

Die Frau war wieder still geworden. Mit weiten, fast irren Blicken starrte sie in die jubelnde Macht der Flammen. 

Den alten Mann rührte die Not gewalttätig an. Er trat hinter sie und suchte lange und vergeblich nach einem Wort. 

Unterdes waren aber auch die beiden anderen Frauen hereingekommen. 

"Es ist da", sagte die Ältere, stockte aber, als sie die junge Frau sah und die Flammen, die die Wiege nun vollends 
zerstörten. Da löste sich auch in den anderen die erstarrte Qual und sprang in schwere und bittere Worte. Es hatte jede 
von ihnen eine Anklage, und der Bauer mußte schweigend anhören, was er seit langem wußte: 

Nur wenige Männer fanden nach den dreißig furchtbaren Brandjahren, nach Brudermord und Kämpfen wieder heim. 
Viele Frauen jedoch hatten sich verbergen können in den Wäldern. 

Ganze Dörfer waren vernichtet. Wo früher in einem Flecken hundert Menschen gelebt, waren noch zwanzig Frauen 
geblieben, und es mochten bei gutem Glück vier Männer aus dem Söldnerium wieder auf den Acker zurückfinden. 

Aus Schutt und Asche, aus Trümmern und Zerstörung konnten fleißige Hände wohl wieder neue Häuser des Friedens 
bauen. Auch die ersten Äcker konnten zu neuem Wachstum bestellt werden, wenn harte Hände zu roden begannen und 
die Schultern der Menschen wieder die Mühe des Anfangs auf sich nahmen. 

Aber der Tod würde hinter den werkenden Frauenhänden hergehen und ihr Werk verhöhnen, denn während die Furchen 
Frucht trugen, würden die Wiegen in den neuen Hütten verdorren, und statt des ewigen Lebens legte sich der Tod 
hinein. 

Die Heimat war ohne Kinder. 

Das Mark des Lebens ward dürr. 

Die unausmelibare Reihe der Ahnen erstarrte ohne Enkel. Die jahrtausendalte Gewalt des Blutes erblaßte, verlosch. 
Und in jedem Handgriff wohnte der Tod. 

Nackt war das Land in die Hände der Schaffenden gegeben, nackt wie am Uranfang, aber die Hände der Enkel fehlten 
am Pflugsterz. Der Tod würde über dem Land herrschen, viel gewalttätiger als in den vergaAgenen dreißig Jahren, in 
denen er über Acker und Wälder durch Dörfer und Städte in rasendem Blutrausch ritt. 

Das Leben verdorrie bis in den Wurzelgrund. 

Da stöhnte der alte Bauer auf in der flackernden Stille und wandte sich ab von den unerbittlich klagenden Frauen und 
ging hinaus. 



Es war tiefe Nacht. 

Ihn aber trieb eine heiße Wirrsal und schmolz alle Gedanken, die quer durch sein Hirn fuhren in diese einzige Not: 

Das Land ohne Kinder. 

So verließ der Bauer das sterbende Dorf. Er fand die Straße gen Nürnberg und ging ihr nach, solange die Nacht währte. 
Als sich vom Rand des Himmels der erste Morgenglanz erhob, sah er die Mauern der Stadt vor sich liegen. Das 
geschändete Land ringsum duckte sich, aber der Bauer sah kaum noch auf die dornigen Äcker und versumpften Wiesen. 
Das verwilderte Gesicht der Heimat schreckte ihn nicht. 

Denn eine größere Not als das Wissen um die Erde ohne Kinder konnte es nicht geben. Ein schwerer Kampf erhob sich 
in seinem Innern. Seit dreißig Jahren fühlte er sich zum erstenmal einer Gewalt ausgeliefert, von der er nicht wußte, ob 
sie des Teufels oder Gottes war. 

Als er durch das offene Stadttor Nürnbergs traf, war jedoch eine helle Klarheit wie eine Erkenntnis und ein Licht Gottes 
in seinem Herzen auf,gestanden. 

Und verließ ihn nicht. 

Im großen Ratssaal Nürnbergs saßen die Männer des fränkischen Kreistags, um zu beraten, wie dem Land zu helfen 
wäre und die furchtbaren Menschenverluste des Dreißigjährigen Krieges auszugleichen seien. 

Vor ihnen stand Pankraz Frieß. Das Licht einer tiefen und göttlichen Einsicht machte sein Antlitz hell. Ein Wunder 
waren den erregt zuhörenden Männern die anklagenden und erkenDtnishaften Worte aus dem kargen Bauernraund. Als 
er vom sterbenden Land sprach und vor ihren Augen die Sorge erstehen ließ und die Dörfer aufzählte, in denen ganz 
vereinzelt ledige Männer zurückgekehrt, aber noch viele starke mütterliche Frauen lebten, fanden alle ihre eigene Not in 
diesen hartbewegten Worten ehern zusammengefaßt. Es war kaum ein Widerstand in ihnen, als er den einzigen Weg zur 
Rettung vor dem Tod der Menschen der Heimat verkündete. Als der Dekan, empört darüber, daß nun die antiehristliche 
Zügellosigkeit sogar zum Gesetz erhoben wurde, den Saal verließ, sagte Pankraz Frieß nur: 

"Gott hat zugelassen, daß uns genommen wurde das Leben und die Heimat - seine Diener schwiegen im Werk der 
Zerstörung, ja, von ihnen ist alle Not gekommen. Nun wird Gott es auch zulassen, wenn wir in tiefster und letzter Not 
das menschliche Gesetz brechen, auf dafl das Volk für ewig weiterbestehe." 

Und die Männer faßten in der Morgenstunde dieses 14. Februar 1650, getrieben von der Furchtbarkeit des ewigen 
Todes, in klargefügten Gesetzesworten die Rettung des ewigen Fortlebens der Menschen des Heimatlandes. Und es 
ward verkündet: 

"Es sollen hinfort innerhalb der nächsten zehn Jahre von junger Mannschaft oder Mannsperson, so noch unter sechzig 
Jahren alt sind, in die Klöster aufzuDehmen verboten werden. 

Den Priestern, Pfarrherrn, so nicht Ordensleute sind, anbefohlen, sich ehelich zu verheiraten. Jedem Mann zwei Frauen 
zu heiraten erlaubt sein. 

Dabei seien jedoch alle Männer ernstlich erinnert, sich dergestalt dabei zu verhalten und vorzugehen, daß sie sich 
völliger Ehrfurcht und Versorg befleißigen, damit er sich als ein ehrlicher Mann, der sich zwei Weiber zu nehmen 
getraut, beide Ehefrauen nicht" allein notwendig versorge, sondern auch unter ihnen allen Unwillen verhüte." Pankraz 
sagte, da das Gesetz verkündet"Es werden die Männer und Frauen des Landes ihr Leben so heilig nehmen wie das 
Sakrament - und sie sollen es so heilig nehmen wie den ersten Schrei aus Kindermund." 

Dann sehr leise und wie zu sich selber: 

"Wir beladen uns mit allen Lasten, auf daß unsere Wiegen wieder erfüllt sind vom jungen Leben, das nie vergeht." 

Der Bauer Pankraz Frieß verließ die Stadt Nürnberg und suchte die verödete Stelle, wo einstmals sein reicher Hof lag. 
Dort stand er lange. Er wünschte, mit seinen zitternden Händen noch einmal fromme Furchen in die Brache reißen zu 
können, hatte aber nicht mehr die Kraft, den Pflug zu führen Er fühlte sich plötzlich alt, uralt wie die Erde unter seinen 
Sohlen. Er fiel auf den verkrauteten, wüsten Acker nieder. 

"Ich habe einen größeren Acker bereitet." 



Das Herz stockte. 

Er wehrte ihm nicht. 

"Ich habe einen größeren Acker bestellt", stöhnte seine Stimme inbrünstig und sein Kopf fiel auf den trächtigen Boden. 

"Denn ich diene dir - über - den - letzten - Herzschlag — hinaus." 

Max Wegner 



Kampf in der Natur 



Neben so manchem anderen fragwürdigen Geschenk der nahezu zweitausendjährigen geistigen Versklavung durch den 
nahen Orient hat der nordische Mensch auch die Vorstellung von einem Traumland aufgezwungen bekommen, die ihm 
unter dem Namen "Paradies" eine Welt vorgaukelt, die niemals bestand noch jemals bestehen wird. Süßlichkeit und 
Verweichlichung bilden den Grundion dieses semitischen Gedankengutes, das, auf die Schwächen des südlichen 
Menschen abgestimmt, von ungetrübier Liebe und Güte spricht und den reißenden Löwen voll Sanftmut neben dem 
duldsamen Esel schreiten läßt. 

Solche Wunschträume sind der Ausdruck einer dekadenten Naturfremdheit. Niemals hätte der klare und gesunde 
Verstand eines deutschen Menschen solchen Unsinn erfinden können. Dazu war er immer schon oder noch zu 
naturverbunden und stand zu sehr mit beiden Füßen im Kampf in und mit der rauhen Wirklichkeit. Es ist daher hoch an 
der Zeit, dafl wir endgültig mit solchen ausgesprochen fremdrassigen Belastungen unseres arischen und naturnahen 
Innenlebens aufräumen und zu der dem deutschen Gemüt einzig und allein zustehenden Wahrheit zurückkehren. 

Alles Geschehen auf Erden und alle Kräfte der Natur beruhen auf einem Für und Wider. Jeder Druck bedingt einen 
Gegendruck, jede Zunahme dort erheischt eine Abnahme da. Das Leben des einen setzt häufig den Tod des anderen 
voraus. So war es immer und wird es immer sein, zumindest so lange die Erde Leben zeugt. Aus diesem ewigen 
Naturgesetz heraus hat jedes Lebewesen um sein Dasein zu kämpfen, gleichgültig, ob es Pflanze, Tier oder Mensch ist. 
Dieser Kampf kann sehr vielfältig sein. Demgemäß sind auch die Waffen sowohl des Angriffs als auch der 
Verteidigung überaus verschieden. Fast möchte man sagen, so viel Formen des Lebens, so viel Formen an 
Kampfmitteln. Und da keine Tier- oder Pflanzenart einer anderen völlig gleicht, gibt es nahezu so viele verschiedene 
Kampfmittel als es Arten gibt. Außerdem ist der Lebenskampf eines höher entwickelten Wesens größer als der einer 
einfachen Zelle. Daher hat auch ein tüchtiger Mensch mehr Gegner als ein bedeutungsloser. Einen Menschen ohne 
Feind gibt es überhaupt nicht, und wenn doch, dann ist er eine Niete, die beseitigt werden muß. Und in weiterer Folge: 
je tüchtiger ein Volk ist, desto zahlreicher sind seine Neider und damit seine Feinde. 

Der natürliche Kampf erstreckt sich über alle Phasen des Lebens. Schon der erste Augenblick im Dasein eines 
Geschöpfes ist gleichbedeutend mit Kampf, mit Ringen um Luft und Nahrung. Der Nahrungskampf zieht sich durch das 
ganze Leben eines Wesens bis zum letzten Pulsschlag. Ihm gesellt sich aber noch eine Reihe anderer Kämpfe hinzu, die 
sowohl auf Angriff als auf Verteidigung beruhen: Der Kampf gegen die Umwelt, gegen die Unbilden der Witterung, 
gegen Hitze und Kälte, gegen Trockenheit und Feuchtigkeit, gegen Schatten und Licht oder um das Licht. Zu all dem 
kommt noch der Kampf um den Geschlechtspartner, um die Vermehrung, um das Kind, um das Heim, um den 
Lebensraum und endlich gegen den persönlichen Feind. Die Kampfmittel können mittelbar oder unmittelbar sein, sie 
können in körperlicher Kraft und in der Körperform, in der Farbe, in der Schnelligkeit, in der Art der Bewegung, in der 
Ausdauer, in der Größe oder Kleinheit, in der Anzahl der Nachkommen oder in ungezählten Sonderbildungen, aber 
auch in geistigen Fähigkeiten liegen. 

Im Körper eines jeden Lebewesens, ob einzellige Amöbe, ob vielzellige Pflanze, oder ob Tier oder Mensch, vollzieht 
sich andauernd ein Stoffwechsel, der aus der Luft, aus dem Boden oder aus der aufgenommenen Nahrung Verbrauchtes 
zu ersetzen und Aufbaustoffe zu bilden hat. Außerdem ist jedes Lebewesen in ständiger Entwicklung begriffen. Einen 
Stillstand gibt es nicht. Das Einzelwesen wächst vom Augenblick seiner Zeugung bis zu dem für es erreichbaren 
Höchstzustand; aber auch dann verändert es sich andauernd, jedoch in rückläufiger Richtung. Es baut ab, es altert, stellt 
eine Funktion nach der anderen ein, um schließlich der Triebkraft des Lebens überhaupt keinen Nährboden mehr zu 
bieten und zu verlöschen. 

Und so, wie das Einzelwesen, verändert sich auch fortwährend die Gemeinschaft, Bloß besteht hierbei ein großer 
Unterschied: die Lebensdauer der Gemeinschaft überragt die der Einzelwesen um vieles. Ein Volk beispielsweise 
vermag Jahrtausende zu leben, wenngleich seine Angehörigen, also die einzelnen Volksgenossen, nur ihr kurz 



bemessenes Dasein leben. Da aber stets einer an die Stelle des anderen tritt, ist, die lückenlose Beständigkeit und 
völkische Gesamtheit durch unübersehbare Zeiträume gewährleistet. Die Lebensdauer eines Geschlechtes, eines 
Stammes oder eines Volkes hängt in erster Linie von inneren und äußeren Umständen ab, die zum guten Teil in den 
Lebensgrundsätzen wurzeln. Ein Volk, das sich der menschlichen Naturverbundenheit klar bewußt ist, das den Bogen 
seiner zivilisatorischen Entwicklungsmöglichkeiten niemals überspannt, also niemals alt und schwächlich wird, sondern 
durch die richtige Anwendung der Gesetze des Lebens und damit des Blutes und Bodens sich andauernd erneuert, ist 
jedem anderen Volke gegenüber, das diese Vorbedingungen nicht erfällt, an Tüchtigkeit und Dauer des Lebens weit 
überlegen. Allerdings erfordert diese bewußte Einstellung zum Leben andauernd Kampf, Kampf in mannigfacher Form. 
Vor allem Kampf um die Erhaltung der eigenen Rasse, Kampf um den Raum und Kampf im Rahmen von 
Arbeitsleistungen. 

Den Höhepunkt des natürlichen Kampfes bildet der Paarungskampf. Er kommt sogar schon in der Pflanzenwelt zum 
Ausdruck. Die vollendete Pracht der Blüten ist eine Herausforderung dazu. Eine Blüte Überbietet die andere an 
Farbschönheit, an bizarrer Gestalt oder an Wohlgeruch, um die Befruchtung herbeizuführen und damit die Vermehrung 
zu sichern. Das bunte Volk der Schmetterlinge, aber ebenso ungezählte andere Insekten, stellen sich zwar ungewollt, 
aber vom natürlichen Walten vorbestimmt, in diesen Dienst. In den Tropen sind es außerdem zahlreiche Vögel, darunter 
die winzigen irisierenden Federklümpchen der Kolibris, dann die farbenprächtigen Honigsauger und viele andere. Auch 
Säugetiere können Liebesboten zwischen männlichen und weiblichen Blüten sein. 

Die vollendete Form des Paarungskampfes stellen jedoch die oft unter erbittertem Ringen stattfindenden Brunft- oder 
Balzkämpfe dar. Sie spielen sich sowohl bei den Säugetieren als auch bei den Vögeln und Reptilien und sogar bei den 
Insekten ab. Die Kämpfe der Hirschkäfermänneben sind uns davon ja noch aus unserer Jugendzeit in Erinnerung. Und 
wir kennen das auch von den schweren Zweikämpfen unseres Hirsches. 

Dieser Kampf ist der sinnfälligste Ausdruck des urgewaltigen Zeugungstriebes. Er bleibt jedem unvergessen, der ihn 
jemals schaute und erlebte. Durch den nebelbehangenen Herbstwald dröhnt der Brunftschrei des Hirsches. Er bedeutet 
Herausforderung. Zwei mächtige Recken treten aufeinander zu. Weithin hallend schlagen die starken, vielendigen 
Geweihe aneinander. Zwei alte Kämpen voll Kraft und Erfahrung messen sich im ritterlichen Zweikampf. Lange tobt 
das Ringen unentschieden. Das weibliche Hochwild steht abseits und verfolgt das männliche Tun seiner Bewerber mit 
angespannten Sinnen. Endlich ist der Kampf entschieden. Der Geschlagene tritt ab und überläßt dem Sieger die 
Erfüllung seiner höchsten Lebenspflicht. Aber auch jetzt ist noch nicht ausgekämpft. Denn das ewig Weibliche macht 
auch vor dem Kahlwild nicht Halt. Dem Kampf um das Weib folgt der Kampf um die Willfährigkeit des Weibes. Das 
Triebleben beim Tier gleicht nämlich in vielem dem des Menschen. 

Abwegig, doch nicht sinnlos ist das Benehmen des Weibes der Gottesanbeterin nach dem Liebesakt. Die 
Gottesanbeterin ist eine Verwandte unseres Heupferdehens und lebt im Süden, aber auch in einigen wärmeren 
Gegenden unseres Reiches. Sie wird nach ihrer Befruchtung zur Gattenmörderin. Hat nämlich das Männchen seiner 
Zeugungspflicht Genüge geleistet und somit seine Lebensaufgabe erfüllt, so wird es vom größeren Weib gepackt und 
regelrecht, mit Putz und Stingel, aufgefressen. Es ist das ein Beispiel dafür, daß es der Natur in erster Linie um die 
Erhaltung der Art und nicht um die eines Einzelwesens ankommt. 

Mit der Vermehrung hängt die Erhaltung der Art zusammen, je geringer die Anzahl der Nachkommen, desto größer die 
Gefahr für den Aribestand. Daher erzeugen auch jene Tierarten, deren junge unter besonders gefährlichen Umständen 
leben, eine entsprechend große Anzahl von Nachkommen. Man braucht dabei nur an die Fisele zu denken, von denen 
die Weibchen mancher Arten hunderttausende, ja über eine Million Eier ablegen. Es ist das eine Abwehrmafinahme 
gegen die zahlreichen Gefahren, denen die Nachzucht im Wasser ausgesetzt ist. Andererseits gibt es Tiere, wie etwa 
den Bart- oder Lämmergeier, dessen Brut meist nur alle paar Jahre aus einem Jungvogel besteht. Bei einer solchen Art 
ist natürlich die Gefahr des Aussterbens groß, namentlich dann, wenn irgendein neues Gefahrenmoment in das Leben 
eines solchen Tieres tritt. Das war beispielsweise beim Bartgeier der Fall, indem sein Bestand vom Menschen dank der 
weittragenden Gewehre stark gezehntet wurde. Die weitere Folge davon war, daß dieser mächtige Vogel 
bedauerlicherweise vor etwa fünfzig Jahren aus dem gesamten Alpengebiet verschwand. Der Mensch hat übrigens eine 
ganze Reihe von Tieren niedergekämpft. Aber nicht nur aus Gründen der Selbsterhaltung oder Nutznieflung, sondern 
oftmals nur mutwillig. In diesen traurigen Fällen hat der Kampf ums Dasein sein natürliches Ausmaß weit überschritten 
und eine Form angenommen, die gegen die Gesetze des Lebens verstößt. 

Im übrigen steht der Mensch dauernd im Kampf mit seiner lebenden und leblosen Umwelt. So braucht man nur an die 
Schädlingsbekämpfung zu denken. Allerdings ist die Übervermehrung der sogenannten Schadenstiere, seien es nun 
Mäuse, Ratten oder Insekten aller möglichen Arten, fast in allen Fällen die Folgeerscheinung einer einseitigen 
menschlichen Maßnahme. Denn die meisten Insekten vermehren sich nur deshalb so zahlreich und werden dadurch zu 
Schädlingen, weil eben der Mensch ihre Nahrungspflanzen in unnatürlichein, "geschlossenem Feldanbau züchtet. Das 
gleiche gilt für die Feldmäuse, die nur infolge der einheitlichen Getreidefelder zur so gefürchteten Mäuseplage werden. 
Hausmäuse und Ratten hingegen verdanken ihre Überproduktion der menschlichen Vorratswirtschaft. Die Ratten sind 
aber nicht nur Schädlinge der Wirtschaft. Der Kampf gegen sie gilt auch den von ihnen übertragenen 



Krankheitskeimen. Überhaupt ist der Kampf des Menschen gegen die Kleinlebewelt ein ungeheuerer. Denn viele der 
mit freiem Auge nicht mehr wahrnehmbaren Kleinwesen bilden eine dauernde Gefahr für Pflanze, Tier und Mensch. 
Deshalb befassen sich bekanntlich zahlreiche Forscher ausschließlich mit der Bekämpfung der krankheiterregenden 
Bakterien. 

Aus diesen wenigen Andeutungen ersieht man schon, wie verwurzelt das Leben mit Kampf ist, ja daß ein Leben ohne 
Kampf überhaupt undenkbar ist. 

Prof. Dr. Eduard Paul Tratz 



Frühlingsbrauch und Kindersegen 



Wenn die Frühlingssonne hell am Himmel steht und die Tage länger und auch wärmer werden, wenn an den Bäumen 
die Knospen schwellen und die ersten Blumen schüchtern blühen, dann ziehen durch die Dörfer frohe Kinderscharen, 
Glück und Segen bringend und von den Bauern gute Gaben heischend. Es ist die Zeit, da unsere Fastnacht längst 
vergangen ist; das Narrengewand hängt wieder still im Schrank; die Feuer auf den Bergen sind erlos~chen; die 
brennenden Räder, die Funken sprühend ins Tal hinabliefen, sind nur noch heimliche Erinnerung. Ostern aber kommt 
heran. Da geht der Zug der Kinder von Haus zu Haus mit lautem Sang und mit schön geschmückten frühling shaften 
Stäben oder Bäumchen. Von Schlesien ~ieht sich solcher Brauch durch ganz Mitteldeutschland bis in die Pfalz im 
Westen und von Holland nadi dem Süden bis in die Alpengebiete. Zwar ist der Zeitpunkt in den -einzelnen Gegenden 
manchmal verschieden; es kann der Mitif astensonntag sein, der Sonntag Lätare oder ein ihm benachbarter Sonntag, es 
kann auch dieser Umzug erst an Ostern stattfinden oder in der Woche vor diesem Feste; auch der Palmsonntag ist als 
Tag eines solchen Umzuges sehr beliebt. Immer aber handelt es sick um den gleichen Brauch. Tannen-, vipfel, mit 
Buntpapier und Gebacken, ganz altertümlich auch mit Schneckenhäusern malerisch behängt, werden als 
Frühlingszeichen herumgetragen. Schön geschmückt mit buntem Kräuselpapier und frischem Grün sind anderwärts die 
Stecken. Als Sinnbilder des Segens, des Glückes und der Fruchtbarkeit hängen an ihnen grotie Brezeln. Diese sind oft 
zur Verschönerung noch mit Zöpfen fein belegt und mit grünen Buchsbaumzweiglein lieblich besteckt. Auch die Äpfel, 
die uralten Fruchtbarkeitssymbole, dürfen nicht fehlen. Ähnlich sind, trotz großer Vielfalt im einzelnen, die 
Palmstecken, die schon dadurch ihre echt volkstümliche und gänzlich unkirchliche Herkunft zeigen. Groß oder klein, 
schlicht oder reich haben sie Gebäcke und Grün, bunte Ketten und Fähnchen, Apfel und allerlei helle Flitter. Besonders 
sinnig sind diese Palmstäbe in Niederdeutscbland und in Holland. Wundervolle Radgebäcke, oft reich und sehr 
kunstvoll gezöpft, spielen hier eine wichtige Rolle. Fast nie aber fehlen die gebackenen Vögel, die klein und keck, aber 
auch groß und plump die Spitze dieser Palmstöcke zieren. Es sind Hähne oder Schwäne, Tiere also, die im Letzten aus 
den Mythen unserer Vorzeit stammen und einen Nachklang ihrer tiefen Bedeutung in solchen Gebacken, vor allem aber 
in Sagen und Märchen, bis heute bewahrt haben. Besonders eine Art ist seltsam lustig und doch voll heimeligen, zarten 
Sinnes. Da setzt der Bäcker auf den Rücken eines solchen Vogels drei, vier, ja acht, neun, zehn junge aus Teig, hinter- 
und übereinander in diebiem Gedränge, so zierlich und lebendig, daß man ein vielstimmiges munteres Gezwitscher zu 
vernehmen meint. Gibt es ein schöneres Sinnbild der Segensfülle, des fortwachsenden Reichtums im Jahr, der 
kommenden Fruchtbarkeit des hohen Frühlings als diese Darstellung von Mutter und Kindern? Hier setzt sich der 
Volksglaube ein deutliches Denkmal, hier zeigt sich, was der gesunde deutsche Mensch als höchstes Sinnbild des 
Lebens still in sich trägt, hier lebt der Glaube, daß Glück und Reichtum und wahrer Segen vor allem in vielen 
Nachkommen zu finden ist. Fröhliche, lebensfrohe, lachende Kinder selbst bringen dieses Glück von Haus zu Haus, 
fröhlich und lachend empfangen sie die Gaben, die ihnen gern und freudig gespendet werden. So lebt der alte gute Geist 
unseres Volkes in diesem schlichten Frühlingsbrauch. 

Daß das, was hier in diesen holländischen Vogelgebäcken noch zu ahnen ist, nicht nur vereinzelt, selten und abseitig 
steht, beweisen andere ähnliche Vogelgebäcke. In Tirol kennt man hie und da zu Weihnachten als Patengeschenk für 
die Mädchen eine grofle gebackene Henne, die auf ihren breiten Flügeln viele Schnecken als Küken sitzen hat. Bis zu 
dreißig solcher Küchlein können es sein, ein Reichtum, den das beschenkte Kind ganz deutlich und stolz empfindet und 
der uns allen ebenfalls als segensvoller Kinderreichtum klar bewußt wird. In ihrer treuen Fürsorge für ihre Kleinen ist 
uns die Henne so recht ein Sinnbild wahrer Mütterlichkeit. Sie führt ihre Kinder aus, sie schützt sie vor Gefahr, sie 
nimmt sie unter ihre Flügel. In solcher Weise kommt auch in Schweden die Goldhenne auf dem Weihnachtskuchen vor, 
um sie geschart als reicher Kindersegen die vielen goldiggelben Küchlein. Weit in die Vergangenheit zurück leitet uns 
ein ähnliches Geschehen. Vor mehr als 1300 Jahren schenkt die Langobardenkönigin Theudelinde dem Dom zu Monza 
eine goldene Henne mit sieben goldenen Küken. Die kostbare Goldschmiedearbeit dieser pickenden Vögel, die uns 
erhalten blieb, ist ohne Zweifel von tieferer Bedeutung, ist sie doch auch neben Weihekronen und anderen Gaben im 
Bogenfeld über der Domtür eingehauen und dort heute noch zu sehen. Daß die Königin damit etwas Besonderes 
spenden will, und daß sie dabei germanischem Brauche folgt, ist angesichts des heutigen, in weitverstreuten Gebieten 
noch lebendigen Volksbrauchs sicher. Hier kann noch ein weiterer Brauch genannt werden, der uns aus Sachsen bis in 



die Gegenwart belegt ist. Es schenken da die Paten ihren Patenkindern eine tönerne Sparbüchse in Gestalt einer Henne, 
der viele Küchlein auf dem Rücken sitzen. In leicht verständlicher Symbolik ist auch hier angedeutet, wie das Geld sich 
tüchtig vermehren und dauernd wachsen soll, der Vogel mit seinen jungen ist also glückbringend gemeint wie bei 
unseren Frühlingsfesten. Kindersegen als höchstes Glück, als Gewähr für ein nie versiegendes Leben, als Zeichen 
ewigen Aufstiegs im Frühling des Jahres, das ist so der Sinn der frohen Umzüge unserer Kinder in der Osterzeit. Es 
flattern die Bänder im Winde, es rauschen die Zweiglein, süß aber duften die Brezeln, Räder und Vögel. Hinter allem 
aber ahnt der tiefer Blickende uralten Sinn. 

Friedrich Mössinger 



Birgenweg im Frühling 

Schneehell blühen die Birkenstämme 

Schmiegsam und innig am Weg, 

Der in sanft gewundener Steigung 

Vom Dorf durch die Felder führt. 

Lerchen wirbeln dort auf aus feuctbrauner Furche. 

Stark wie Tagesgestirne 

Stehen sie steil überm Zweighaar 

Der knospenden Bäume. 

Frühe Bienen fliegen hier gern, 

Gelbe Falter und Mücken. 

Sturm und Gewölke meiden den stille Pfad. 

Feierabends, wenn sich die Glockenvögel 

Vom Turmnest schwingen. 

Rast begehrend in trostbedürftigen Herzen, 

Gehen die Alten hier lang, die verrunzelten Hände 

Kämmen das feine Gezweige, 

Und die müden Gedanken fliehn 

Zu anderen Märzen und Birken. 

Aber dann, wenn sie heimgehn. 

Kommen die halberwachten Mädchen daher. 

Denen das Herz zu voll und zu schwer ist zum Singen, 

Drängen die Stirn an die freidige Kinde, 

Schlingen den Arm um den schwellenden Stammleib, 

Trauernd vor Zährtlicher Wehmut 

Und bang vor dem nahenden Frühling. 

Johannes Linke 



SS-Obergruppenführer Eicke gefallen 

Da war die Nachricht, unfaßlich zunächst und wie eine Lähmung: Der Obergruppenführer gefallen! Die Männer 
verharrten einige Augenblicke schweigend; sie starrten zu ihren Führern hinüber, als wäre in deren Gesichtern noch 
eine Hoffnung zu lesen. Aber sie sahen darin nur einen verbissenen Trotz. Sie achteten nicht mehr auf den eisigen 
Wind, der sich ihnen entgegenwarf, vor ihren Augen waren nur noch die Bilder der feurigen Tage und Nächte, die sie 
durchschritten hatten, waren Ebenen und Wälder, rauschende Schlote und Dörfer, auf denen der Feind zurückwich, 
langsam, nach blutigen Gefechten, waren die eisigen Tage des Winters, in denen sie sich in die Erde festgekrallt hatten. 
Und inmitten der verhaltenen Freude nach bestandenem Gefecht, inmitten der verbissen durchkämpften Tage, Wochen 
und Monate war ihnen der Name ihres Kommandeurs bewahrt geblieben als der Inbegriff einer mitreißenden 
drängenden Leidenschaft. Es war ihnen sein Gesicht wieder gegenwärtig, das sieh väterlich und befehlend, strenge und 
gütig zugleich immer wieder ihnen zugewandt hatte: das Gesicht des Obergruppenführers Eicke. Jetzt lag er dort 
drüben, hinter den feindlichen Linien. Sie hatten seinen Aufklärer noch vor kurzem über sich hinwegdonnern hören und 
hatten gedacht: Da ist er wieder, der "Papa" Eicke, unser Eicke; der Erste unter uns, im Gefecht wie im Leben. 



Dann schwieg die Erinnerung und sie folgten nur nocli den leisen verdeckten Stimmen, in denen ein verborgener Zorn 
klirrte. Sie rafften ihre Waffen zusammen, und da war schon der Stoßtrupp gegliedert und gefechtsbereit: ein starker 
Stoßtrupp, und sie waren nur noch wilde, entschlossene Männer. Sie traten zum Angriff an, und vor ihrem gnadenlosen 
Stoß zerstob die Masse der Bolschewisten, die übermächtig den Triumphring um den Ort geschlossen hielten, wo ihr 
Kommandeur lag. Sie bahnten sich eine blutige Gasse, und wo sie antraten, gab es keine Gnade. 

So holten sie ihren gefallenen Kommandeur heim in die Mitte seiner Division. Die Schwärme der angreifenden 
Bolschewisien stoben wieder heran; feuernd bahnten sich die Männer ihren Weg zurück, und umschlossen von ihrer 
Treue war unter ihnen der Geist ihres Kommandeurs wie in den alten herrlichen Tagen, wie in den Stunden der Not und 
des Grauens, und sie dachten, sie hätten es ihrem "Alten" so wohl recht gemacht wie einst in den dunklen und 
schöneren Tagen. 

Oft prägt schärfer als das Leben der Tod selbst das politische und menschliche Profil der Männer, die nur von einem 
Gedanken bewegt sind: die Sturrnfahnen des Führers vorwärts zu fragen. So wie einer dieser Männer stirbt, ist die letzte 
Entscheidung gefällt über den Geist, von dem sie erfüllt waren, die Schwurhand auf die Fahnen einer Welt zu legen, in 
der ein männliches Leben immer wieder in die Bereitstellung gefordert wird, ist ein einmaliger symbolischer Akt des 
Bekennens; doch erst das Leben selbst, das die Kraft des Schwörenden verlangt zu nie versagendem, nie erlahmendem 
Einsatz, prüft und prägt die Beständigkeit der Entscheidungen. Die Bewährungen sind es, die das Leben solcher Männer 
ausglühen zu höchster Reinheit. 

Auf dem schweren Wege der Bewährungen hinter den Siurmfahnen des Führers, hinter der Fahne der Schutzstaffeln 
vorwärts geführt zur großen Krönung seines soldatischen Lebens, hat SS-Obergruppenführer Eicke die Stunde der 
letzten Rechenschaft so würdig bestanden wie jene erste, die ihn sich dem Führer seiner Zeit verpflichten ließ. Der 
Umriß eines poltitisehen Soldatentums ist mit einem Leben erfüllt worden, das auf ein unbesiegbares Herz sich 
gründete. Dieses Herz hatte gewählt, und Wille und Geist wurden von hier aus gelenkt zu den Taten eines gefreuen 
Lebens. 

Mit SS-Obergruppenführer Eicke hat der Begriff des politischen Soldateniums eine unüberhörbare Bestimmung 
erfahren. Er sieht in der Frontlinie der Männer, die die Tugenden des Soldatentums verbinden mit der Leidenschaft des 
politischen Deutschen, das versinkende Reich emporzureißen. Härte und Unerbittlichkeit sind die Kennzeichen eines 
solchen Wesens, aber diese Härte, diese Unerbittlichkeit umschließen eine grofle und volle Liebe zu dem Dauernden 
unter den flüchtigen Erscheinungen der Zeit, zu jenem Beständigen des Volkes, das vor den immer drohenderen, 
niederziehenden Sümpfen behütet werden muß. Ist der Kasernenhof und der Exerzierplatz die Schule der soldatischen 
Tugenden, so ist das Feld, auf dem sie sich bewähren müssen, weiter gesteckt: Es gilt sich nicht nur zu rüsten für den 
Krieg, vielmehr für das unablässige Ringen um das Reich. Und hier mögen die Tugenden des Soldaten zur vollen 
Wirkung gedeihen: Haltung, Disziplin, Kameradschaft, Treue zu den beschworenen Idealen, Tapferkeit in der 
Durchführung der Befehle, Gehorsam vor dem, der selber im strengsten Gehorsam gegenüber den Befehlen des 
Reichssellicksals steht: dem Führer! 

An den Fronten des Weltkrieges hat SS-Obergruppenführer Eicke schon einmal die Prüfung seiner soldatischen 
Bewährung mit jener Treue, Tapferkeit und seinem Gehorsam bestanden, die dem Soldaten zukommt. Doch lehrte das 
Jahrhundert, daß eine andere Bereitschaft noch vonnöten ist, soll das Leben des Reiches, das damals verhüllten Fahnen 
gleich über den zurückmarschierenden Heeren zurückgefragen wurde, seiner Ohnmacht entrissen werden. So wächst 
dem Soldaten das Wesen des politischen Deutschen zu, entfaltet sich und wird fortan zum alles bestimmenden 
Ausdruck seines Lebens. Bald 'steht dieses Leben im Barinkreis des Führers; hier, ist eine verlorengegangene Einheit 
wieder in kühnen Umrissen zu erkennen. Die Deutung des politischen Soldatenfurns, das vom Führer als die Grundlage 
einer deutschen Erhebung gezeichnet wird, ist schließlich nur die Deutung seines eigenen Wesens: fortan kann es nur 
im Banne der Ideen reifen, die hier verkündet und gelebt werden. 

Einer der ältesten Mitkämpfer des Führers wird auch zu einem der ersten Führer der Schutzstaffeln der 
nationalsozialistischen Bewegung. Das Bild einer deutschen Ordnung, das der Reichsführer SS den Männern der 
Schutzstaffeln verbindlich setzt und dem unverletzbaren Gehorsam zu schwören nur die Besten und Treuesten 
aufgefordert werden, ist ja die allmählich sich vollendende Ausprägung des Geistes, aus dem der Führer das Reich in 
seinem inneren und äußeren Bestand sichern und mehren will. Diesem Geisfe verbunden und selber ein Teil davon führi 
der Standartenführer Eicke schon während der Kampfzeit eine in der Pfalz aufgestellte Einheit der SS. 

Das Jahr der Machtübernahme ist der Aufruf zu neuen Aufgaben. Nicht eher ist die Revolution gewonnen, ehe sie nicht 
in alle Tiefen des Volkes wirkt, und so ist der Tag der endgültigen nationalsozialistischen Erhebung auch für den 
damaligen Standartenführer Eicke eine neue schweigend getroffene Vorbereitung. Sie findet ihren vorläufigen 
Abschlufl in der Aufstellung der SS-Totenkopf-Division, deren Führung er am 16. Oktober 1939 übernimmt. 

SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Eicke ist ihr Kommandeur, als die Division im Westfeldzug 
antritt. Sie greift nach mehrtägigem Eilmarsch in die gewaltige Umfassungsschlacht in Flandern ein. Sie kämpft sich 



über Cambrai und Arras vorwärts, sie kämpft am LaBassee-Kanal, bei Le Cornet Malo und Paradis. Ihr Ansturm bricht 
den Widerstand englischer Elite-Regimenter. 

Die Division steht am 22. Juni des Jahres 1941 zum Kampf gegen den Aufstand der bolschewistischen Massenwelt 
angetreten. An der Spitze seiner Division erzwingt der Gruppenführer Eicke den Durchbruch durch die befestigte 
Stalin-Linie. 

Dann sind die großen Angriffs- und Verfolgungsschlachten geschlagen. Der Krieg im Osten wird breit. Er wird härter 
und gnadenloser. Er verlangt noch mehr an seelischer Kraft, noch mehr an Bereitschaft zu widerstehen, noch mehr an 
Kühnheit, das Gesetz der Führung im Kriege an sich zu reihen und zu behalten. Unter der Führung ihres Kommandeurs 
hat die Totenkopf-Division einen wahrhaft heroischen Kampf gekämpft, und die Kriegsgeschichte wertet schon heute 
ihre Leistungen als nicht wegzudenkende Voraussetzungen großer strategischer Erfolge. Niemals werden die Männer 
der Totenkopf-Division jene härteste Erprobung ihrer seelischen und körperlichen Kräfte in der Winterschlacht des 
Jahres 1942 vergessen, in der sie, monatelang eingeschlossen von einem übermächtigen Gegner, allen Angriffen 
standhielten und alle Aufforderungen zur Kapitulation mit dem berühmten Spruch des Götz von Berlichingen, weithin 
sichtbar auf Tafeln gemalt, beantworten. 

Die Division folgte ihrem Führer auf dem Wege der Bewährungen, und ihre Siege sind ebenso wie der Preis, der dem 
mutigen Standhalten der Division in den schweren Tagen der Winterverteidigung der Festung Diemiaosk zuerkannt 
wird, vor allem der Kraft und der Kühnheit des Mannes zu danken, der sie geführt hat. 

Der Führer verlieh ihm das Ritterkreuz und später das Eichenlaub. Er wurde zum SS-Obergruppenführer befördert. Alle 
diese Auszeichnungen und das goldene Parteiabzeichen sind schöne und würdige Bestätigungen eines kämpfend 
begonnenen und vollzogenen Lebens, doch ist die letzte Ehrung, die der gefallene Obergruppenführer erfuhr, die 
gewaltigste, und nicht ohne Ergriffenheit hören wir, wie sie geschah: Mit ihren Leibern den Gefallenen deckend, 
schlugen die Männer der Division eine blutige Straße durch die feindlichen Massen und führten den Kommandeur in 
ihre Mitte zurück. 

SS-Kriegsberichter Cornelius van der Horst 



Über Tod und Leben - die Pflicht 

Das Holzfeuer vor uns gibt den Gesichtern unseres kleinen Kreises fliehende Lichter und Schatten. Die warme Röte 
spiegelt ein flammendee Leben wider und bricht sich aufleuchtend in den Augen der Männer. Um die Holzwände 
unserer Unterkunft wirbelt die ganze Nacht schon der Schnee stürm und verweht Weg und Pfad. Im monotonen 
Rhythmus von Abschuf und Einschlag zittern die Scheiben der kleinen Fenster, als ob der eiserne Uhrenschlag des 
Krieges uns auch in dieser Stunde nicht die Zeit vergessen lassen wollte. 

Dennoch verschiebt sich das Maß der Zeit für alle hier draußen im Osten für alle, die den Winter nicht mehr so sehr als 
Jahreszeit erleben, sondern als Schicksalsstunde der Entscheidung. Die großen Schlachten, seit Beginn des Krieges 
gegen den Bolschewismus sind zum Stundenschlag eines männlichen Lebens geworden, das niemals einer härteren 
Probe unterworfen worden ist. Dazwischen stehen höchstens, wie ein stilles Anhalten des Atems, die Tage des Urlaubs, 
von denen jeder spricht wie von etwas ganz Besonderem, ganz Eigenem, als müßte er dem Kameraden Anteil geben an 
einer fremden, unvorstellbaren Freude. Die Aufgabe des Soldaten in dem mörderischeii Feuer dieser Winterschlacht 
kennt sonst keine Begrenzungen mehr, es sei denn die des letzten Opfers. 

Was einmal war, ganz früher im Frieden, scheint ausgelöscht für diese Männer, was kommen wird, morgen oder 
irgendwann, hat nur Sinn in der Aufgabe, die sie finden werden und meistern, meistern solange das Herz noch schlägt. 

Aber unter ihnen gibt es ein Kalendarium unlöslicher Verpflichtung, jene Gemeinsamkeit des Kampfes. Bei Luga, heißt 
es, das ist Zeit, Ort und Geschehnis, am Wolchow oder jetzt: Südlich des Ladogasees. 

Dann ist die Stunde der Schlacht wieder lebendig, dann steigt das Bild auf vom großen Geschehen, aber genau so die 
Erinnerung an den oder jenen, der nicht mehr dabei ist. 

Wollten wir uns nicht mit unserem Gast, Hauptsturmführer O., unterhalten über den heldenhaften Einsatz seines 
Bataillons, das vor wenigen Tagen noch im Brennpunkt der Kämpfe stand, das einen wichtigen Punkt gegen eine 
erdrückende Übermacht von Bolschewisten zu halten hatte, eingekesselt wurde und sich dann wieder durchgekämpft hat 
durch die feindlichen Linien? 



Früher einmal, als der Krieg für uns alle noch so neu war, damals kam Frage und Antwort auf, damals wurde das 
Erlebnis noch zum Wort, aber heute will es nicht mehr gelingen, so sehr von außen erfüllte Pflicht zu fassen. Es ist wie 
eine geheime Absprache unter denen, die diese Stunden durchkämpft haben, sie verstehen sich mit wenigen Worten, 
aus denen plötzlich eine ingrimmige Freude aufbricht. 

"Wie die Panzer kamen, na, ich brauche es Ihnen ja nicht zu sagen, Sie wissen es ja...." 

"Und dann wie der Schuß saß!" 

Dann wird es unter ihnen wieder still, sie denken daran, wie sie die letzte Gewehrmunition abzählten und verteilten, sie 
denken daran, wie die letzte Verbindung mit der eigenen Truppe abriß, als der Funkapparat versagte, sie denken daran, 
wie der Befehl kam, dafl sie sich durchkämpfen sollten zu den eigenen Linien. 

Sie denken jetzt daran, woran keiner von ihnen dachte in dieser Nacht, dafl dieser Kampf vielleicht ihr letzter hätte sein 
können. Sie denken daran, aber sie sprechen nicht davon. Denn das Gesetz der Pflicht ist stärker als sie. 

Soldat sein, heißt wissen, wo der Tod wohnt. Aber Soldat sein heißt auch, niemals danach fragen, wann er unser 
Nachbar wird. Plötzlich spinnt sich das Gespräch um diese Frage. Weiß der Teufel, wie sie aufkamen, ob sie uns 
zuflogen aus der verlöschenden Glut des Feuers, ob aus der Stunde der Nacht, ob aus der kurzen Pause nach dieser 
Schlacht. Ahnung, Schicksal, Bestimmung? Laßt diese Fragen den Philosophen züi ruhigerer Zeit! 

Der Hauptsturmführer wischt sie weg mit einem Wort. 

"Ich habe meine Pflicht zu tun!" Denn jede Rechnung ist falsch. Wahrscheinlichkeit und Ahnungen, sie sind zu billig. 
Aber notwendig ist, eisern notwendig bleibt die Erfüllung der Pflicht. 

Wie schwächlich muß doch das Jahrhundert gewesen sein, das sich den Reiter über den Bodensee erdichtet hat! Jede 
Stunde im Leben dieser Soldaien wiegt seinen Ritt auf und jede neue Stunde befiehlt die Wiederholung. 

"Ich habe meine Pflicht zu tun!" Dieser innere Befehl ist stärker als alles andere, denn er überwindet jedes Hingeben an 
blindes Schicksal, er verlangt den Willen und die Kraft, allem Trotz zu bieten und Herr zu sein. 

Denn hinter allem steht das Leben, das niemand heißer und tiefer erlebt als der Soldat, hinter allem steht das grofie 
Versprechen einer Jugend, die zum Durchbruch kommen will, die plötzlich ausbricht in einem Lachen, in einem Lied, 
die sich bekennt, bekennen muß mitten in dieser Schlacht um Sein oder Nichtsein! 

Die Scheite im Feuer sind verglimmt. Das Gespräch ist verklungen. Grau dämmert der Morgen hinter wehendem 
Schnee. 

SS -Kriegsberichter Dr. Walter Best 



DER KRIEG STELLT DEN EINZELNEN AUF DIE HARTESTE 
PROBE SEINER SEELISCHEN UND KÖRPERLICHEN 
WIDERSTANDSKRAFT, DAHER WIEGEN IM KRIEGE DIE 
EIGENSCHAFTEN DES CHARAKTERS SCHWERER ALS DIE 
DES VERSTANDES, MANCHER TRITT AUF DEM 
SCHLACHTFELD HERVOR, DER IM FRIEDEN UDERSEHEN 
WURDE. 

Aus H.Dv. 300/1 "Truppenführung", Seite 1 



Der schwere Befehl 

Seit jene Sache dort am Brückenposien vor L. geschah, wegen der sich Unferscharführer F. vor unserem Kompaniechef 
verantworten mußte, seitdem sprechen und sinnen wir viel über den Sinn der soldatischen Befehle. Nicht, daß wir erst 
jetzt darüber nachdächien! Zu tief gräbt sich in jedes Rekrufenherz jene erste Belehrung über Befehlsrecht und 
Gehorsamspflicht, über dieses eherne Begriffspaar, das alles von ihm verlangt und jeden Soldaten an jeden anderen 
bindet, den kleinsten Mann an den obersten Befehlshaber. Und doch, erscheint uns diese Belehrung heute nicht doch 
wie ein erster Keimling nur, der uns damals eingepflanzt wurde? Als Keim, der sich erst im eigenen Reifen als Soldat 
unter Donner und Feuer entwickelte, und der erst jetzt alle seine Wurzeln und Verzweigungen offenbart, seitdem er in 
der Härte des östlichen Winterkrieges unser festester innerer Halt geworden ist? 

Haben wir nicht alle aus jener Rekruienbelehrung den törichten Schluß gezogen, dafl der arme Rekrut nur zu gehorchen 
hätte und jeder andere mit Winkel, Litze oder Sternen ihm befehlen dürfte? Und schien uns nicht das Befehlen so leicht, 
der Gehorsam aber so überaus schwer? - Das war freilich auf dem Kasernenhof. 

Dann kamen wir an die Front. Wir kamen ins Feuer, griffen an und wurden angegriffen. Wir fuhren im großen Strom 
der sieghaften Division und zogen in kleinen Spähtrupps ins Niemandsland, um den Feind aufzuspüren. Und jedesmal 
begleiteten uns Befehle. Es waren Befehle von "ganz oben", die uns im Rahmen taktischer Ziele unsere Aufgabe 
nannten. Wir hörten Befehle, die sich nur auf die Munition in unseren Taschen bezogen und jenen anderen, 
unvergefilichen, der nur in einem Schrei unseres Grappenführers bestand und in einem Aufzucken seiner Hand nach 
rechts. Da lagen wir unter schwerem Feuer und sehnten uns alle nach links, wo wir die Straße und die Unsern wußten. 
Er aber riß uns rechts hinüber, und er riß uns richtig zu den Unsern und entzog uns dem Feind. Woher aber wußte 
Gerhard, daß wir nach rechts mußten?? - Nun, er war hingelaufen, nach rechts wie nach links. Von dem Streifschuß, der 
ihn dabei traf, sprach er nicht. Wir aber begriffen schon an diesem Tage, daß Befehlen wahrscheinlich doch schwerer ist 
als Gehorchen... 

Jeder Tag im Einsatz hat uns diese Erkenntnis tiefer bestätigt. Wer gehorcht, der ist von Entscheid und Verantwortung 
entbunden. Wenigstens gegen andere. Wer aber befehlen muß, der übernimmt damit alle Verantwortung vor sich, den 
anderen und seinen Vorgesetzten. Er muß sich Kenntnis und überblick verschaffen, die er für seinen Befehl braucht. Er 
muß die Folgen voraussehen und verantworten, die sich aus seinem Befehl ergeben. Und diese Folgen können in Tod 
und Wunden der Kameraden schwer und bitter vor ihn treten 

Soweit waren wir in unseren Reden und Überlegungen. Die Meinungen flogen hin und her über den Tisch aus 
Kistenbiettern. In den Bunker trat unser Kompaniechef, der den Unterscharführer F. gestern zur Verantwortung 
gezogen hatte. Er kam näher, schaute sieh im Kreise um und lächelte. "Ihr kaspert wohl immer noch über die Sache am 
Brückenposten gestern? Scheint euch wohl noch nicht klar? Gut, deswegen bin ich ja hergekommen. Denn ihr sollt die 
Sache nun mal von allen Seiten sehen, das wird jedem gut tun, gerade in den harten und verzwickten Kämpfen, die wir 
jetzt haben. - - Wie war denn die Lage? Unterscharführer F. hatte von mir den Befehl, unsere Rollbahn dort an der 
Brücke zu sichern. Nur wenige Männer konnte ich ihm mitgeben. Sie hätten gerade gereicht, die Brücke zu schützen. Er 
baut sich ein, macht alles tadellos und wartet. Da geschieht es, daß er seitlich von sich den Sowjetpanzer anrollen sieht, 
der einen anderen deutschen Stützpunkt beschießt. Die Männer im Stützpunkt können sich schlecht wehren. Sie haben 
keine Pak und kommen auch von vorn nicht an ihn heran. F. hört das, als er einen Melder hinüberschickt. Er weiß auch, 
daß dieser Stützpunkt ihm die eigene Flanke sichert, und daß der Panzer wahrscheinlich gegen ihn losgehen wird, wenn 
er dort drüben fertig ist. Da macht er sich mit einem Mann in der Morgendämmerung auf, schleicht den Panzer an, 
erledigt den Posten draußen und sprengt das Biest mit einer Mine. - Soweit gut. Aber gleichzeitig hört er es bei seiner 
Brücke knallen. Da liegen nur noch drei Mann am MG. Und ihnen gegenüber ein starker Spähtrupp der Sowjets von 
sicher 20 Mann. Er tut jetzt, was er kann. Wohl einen Kilometer ist er mit dem Kameraden durch den Schnee gerannt 
und gekrochen. Er hat dann den Spähtrupp flankierend gefaßt und geholfen, ihn zusammenzuhauen. Aber zwei Mann 
an der Brücke verwundet, er selbst, wie ihr wilit, ebenfalls. - Was wäre aber geschehen, wenn die Bolschewisten die 
Brücke erreicht hätten? Sie hatten Sprengladung bei sich. Sie hätten uns die Rollbahn für viele Tage gesperrt, und vorn 
wäre ein ganzer Abschnitt ohne Nachschub geblieben. Es ging ja noch alles gut ab. Aber seht, das darf ich doch nicht 
ohne Verantwortung durchlassen. 

Ich habe darum den Kameraden F. bei seinem Durchtransport zur Rede gestellt. Ihr habt wohl nur gehört, daß ich ihn 
zusammengestaucht hätte. Und nun habt ihr gekaspert, ob das wohl recht war. Jawohl, das mußte ich tun. Denn mein 
Befehl war mir ja selbst gegeben worden. Ich trug die Verantwortung für die Brücke und die ganze Rollbahn. Und ich 
mußte also wissen, daß unsere Brücke so gesithert blieb, wie ich es befahl. Wo kämen wir hin, wenn bei so verworrener 
Lage jeder nach seinem Kopf handeln wollte? Unterscharführer F. mußte also zuerst an seinen Befehl denken und 
gehorchen, auch wenn der Panzer ihn noch so sehr lockte." 

Wir schauten zu Boden und dachten nach. Ja, der SS-Führer sah die Sache doch ganz anders als wir. Und er hafte recht 
von seiner höheren Warte aus. Aber hatte Unterscharführer F. nicht auch...? Unser Chef lächelt. Er klopft die Asche von 



seiner Zigarette und beginnt wieder: "Na, icii selie, iiir wißt docii niclit alles. Als unser guter F. nämlich 'jawohl' gesagt 
hatte, da habe ich ihm auf die gesunde Schulter geklopft und gesagt, daß ich vielleicht in seiner Lage genau so 
gehandelt hätte. Und nun wäre ja wohl sein EK. I fällig, nicht bloß wegen des Panzers, vor allem auch wegen seiner 
Entschlußfreudigkeit, seiner Umsicht und wegen seines kameradschaftlidien Einsatzes für den bedrohten Stützpunkt. 
Und die Brücke wäre ja audi noch heil.... Und damit ist er dann ins Lazarett weitergereist." 

Der Chef grüßte und ging. Aber es blieb lange still in unserem Bunker. 

SS-Kriegsberichter Willbald Janzowski 



Heimat 

Manchmal faßt es dich in jäher Süße, 
nur ein Traumlaut ist's, ein leiser Keim. 
Eine Birke nur rauscht wie daheim, 
eine Amsel singt dieselben Grüße. 

Doch der Ring, der streng dein Herz umschließt, 
löst sich nicht. Es strömt nicht selig heiß. 
Nur in dir die alte Quelle fließt 
wie die Wasser unter fremdem Eis. 

Einmal aber wächst der treue Laut, 
schwillt und braust und füllt die Fremde aus, 
und der alte Kinderhimmel blaut 
über dir und deinem Vaterhaus. 

Und die Birke rauscht, die Amsel singt; 
doch das rauscht und singt schon überm Meer, 
das dein Herz umspült, das dein Sehnen trinkt, 
das dich tief in dunklen Zauber zwingt, 
in des ersten Traumes Wiederkehr. 

Robert Hohlbaum