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Full text of "Fetischismus. [Störungen des Trieb- und Affektlebens. (Die Parapathischen Erkrankungen) VII. Band ]"

jäSIii 



STÖRUNGEN 



DBS 



TRIEB- UND AFFEKTLERENS. 

YU. 



II 



ST() KUNDEN 



\)F.if 



TRIEB- UNI) AFFEKTLEBEN8 

(DIE PARAPATHISCHBN ERKRANKUNGEN).. 



Vu\ 



DMMLHELMSTEKBL 

(TRRVKXAIi/.T IK wtk^-. ' 



VlI. 

FETIB(JHISMU8. 



URBAN & SCH WARZENBERG 
BERLIN 
N., F-RIPDRICHSTRASSE 105b 



WIEN 

1-, MAHLERSTRASSE 4 



1923. 



■^^1! _!— _- -*^ 



g^^— pMw uw iiiiiii M ^i»«™^ 1 1 j I t^a^amam 



DER FETISC^HIHMl S 



DAHI SKSTKI.I.T l.-l'lt 



ÄRZTE UNI) KRIMINALOGKN 



VON 



I)^ WILHELM STEKEL 



NKRVKNAHi;'!' l\ WIKK. 



MiJ'l"l'Ü : 

War ioli kranke liiu mit (jhuuhvd't 
Lind wpr jsi muia Arzt gbWudDnr 
Jtttzl erst ^iaob^ icli dich (foueAKu, 
Denn geannd iett wer vt-rgaH. 

MIKTZSCHK 



.MIT ;i4 ABItri.iillNGEN 1S[ Tl-^X'I', 



URBAN & SCHWARZENBERG 
BERLIN WIEN 

N., fRIEDRICHSTHASSE lOSh ' I.. M A H I. E IJSTR A SSE 1 ■ ! 

'923. j 



rorbnlialMii. '!"■««» 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



Prlnled in Auatria 



wjpiy ~ ■ ' ■ ju i ' 



Vorwort. 



Das vorliegende Buch war schon 1914 in großen Umrissen fertig- 
gestellt. Ich war nachher in der glücklichen Lage einige neue 
Fälle analysieren und so meine längst gewonnenen Erkenntnisse 
festigen und erweitern zu können. 

Die Durchforschung der einschlägigen Literatur war im vor- 
liegenden Falle eine wichtige Aufgabe. Es handelte sich nicht darum, 
eine vollständige Kasuistik des Fetischismus zu geben. Aber die 
Kenntnis zahlreicher Beobachtungen ermöglicht eine Art vergleichen- 
der Psychologie, welche der analytischen zu Hilfe kommt. 

Ich glaube die Psychopathologie des Fetischismus um ein gutes 
Stück vorwärts gebracht zu haben, wenngleich ich mir nicht ver- 
hehlen kann, daß noch vieles zu enträtseln bleiht. Leider ist das 
Material nicht nur selten, sondern außerordentlich spröde. 

Der nächste Band wird das Thema „Masochismus und Sa- 
dismus" behandeln. Meine Leser werden schon erkannt haben, daß 
die einzelnen Bände sich organisch aus den vorhergehenden ent- 
wickeln. Deshalb ist der Fetischismus die Fortsetzung der Impuls- 
handlungen — ist er doch selb.st eine Impulshandlung — und leitet, 
wie besonders die letzten Kapitel beweisen, zum wichtigen Thema 
des Sadismus hinüber. 

Für Leser, denen meine neue Nomenklatur, die nun in dem 
ganzen Werke einheitlich durchgeführt wird, unbekannt ist, teile 
ich mit, daß überall „Parapathie" für „Neurose'\ „Paralogie" 
für „Psychose" und „Paraphilie" für „Perversion" steht. 

Es erübrigt mir noch, allen Korrektoren für die fleißige Mit- 
arbeit zu danken. Ich fühle mich besonders den Herren Havelock 
Ellis Ludwig Binswanger und Sigg für die Erlaubnis der Publi- 
kation ihrer interessanten Fälle verpflichtet. Herrn Dr. Anton Miß- 
rie°-Ier, meinem fleißigen Mitarbeiter, danke ich herzlichst für 
Kor'rektur, zahlreiche Anregungen und Abfassung der verschiedenen 
Register. 

Dezember 1922, Wien-Salmannsdorf (Lindenhof). 

Dr. Wilhelm Stekel. 



Inhaltsangabe. 



Vorwort Seiu- 

I. AbKrciixiiiig: <I<'s F«tiMcliiMiniii« 

'■■-■'- 1 ^^i 

Der F.ti.d.i.mu. dür Nommlun - Liebeab.ciiQgu.gea und orogen. " 
Zonen. - ÜR- B<Kk-utung de^ crBtni Erlebni..us. ^ Ein Fall von .pG/ifischfn 
■ Liebüsbedmgungen oinea Normalen. - Abgre.izung de« echten F<^tigcbi8- 
mus, - Einfluß der Konstitution. Bisherig, Erklü.-ungs versuche des Feti- 
subiBinuB. Moinc Auffai^sung als ZwangsiieuroKo. - Die Plueht vor dem 
Weibe. Dor Harftm^kult. Die geheime Religion. ^ Falle von scheinbai-.m 
FctiBchiEmufi. Infantilismeii. Part-ialifii.ms. Homosexualität - Die Onanie 
beim Fetischismus. - Ein Fall von rudimentärem FctiRchisrauE - nie 
puthognomon Ischen Symptome des «hten Feiisehismos, 



le 

Die 



-4U 



II. AniUyHC oükt iiulivldii« llo» IJ<'lK.*l>c,ii„g„„^r ■^_ 

Ein Fall von sclicinbiirem Busen- und PopufetischismuK. — Ein 
Griff ale Po tenzb, -dingung. Die Neigung xur Schwester. Die homosexuelle 
Komponente. Kleptomane Regungen. Die verdrängte Liebe. Verschiebung 
auf eine iindeio. Das infantile Erlebnis. - Zusammen fassung. - Ab- 
grenzung gegen dtn echten FetisehisinuB, 

III. ICrotiHclior NyinbollHiiniM . 4t_ et 

Bo/ichungen Kw.iechen FetiseJiismus un<i Impulehami langen Fälle 
von Puppmiliebe mit Kleptomanie, Kaufzwang, Droinomanie und Nnrkolü 
manie. Die Rolle der Onanie und Homose.vualität für die Vowendnng vom 
Partner. - Fälle von Seid^, Samt- und Pelzliebe mit Anästhesie und 
Impotenz., - Fälle von Kleiderliebe mit Impnl.handlung™ - 7„ 
.lammen fassung. " ' ' 

IV. nie HU'roKlyplu-ii de« IVtiwIiinten . 

Das System der FotLs,;histea. Ihre Geheimschrift der'svmbom- 'i, 
Stolz auf ihre Krankheit. - Analyse eines Waden feti seh ist . Set oL t 
pha«tae,en. Die Bedeutung der spc.ifisehen Zahlen. Der religiös £0"^ ' 
Sadismus. Homos.. uali tat. Die Autlösung der Zahlen. Pb„rt k I' "" 

Y. l'VUHfliiKiinis lind inx^^sl 

Ein Fai! von Handschuh- und (Jummifetischismus ' üi.' VuiW ' ^^~'"^ 
und Ausbildung seiner Paraphilie. Der Haremsknll V m "^""^ 

, .mpoten. Die Pi.ie.ng an die Mutter. zZ^^f^^tl/^r^^^^^ 

Bemerkungen da... Die He.ehnngen des Fet.c^llr'.ur'ir;™" 



Inhaltsangabe. yn 

-Suitn 

Askyec und Chris tusneiirose. Einige Träume diceos Fctischistin. Die in- 
fantilen Wui'zeln dcB Zwange« beim FctiRchietcii. Der Anteii der Inzest- 
wünsc-he beim Fetiethismus. — Ein FßH von Unter rocktetischiöniuB. 
Fixierung an die Mutter. — GummikissenfetiscbiBmus. Frauenhcmdcn- 
. fotiBcliiBinus. Frauen kl ei de rt'e tisch isinue. Das Inzestproblcm in tlieeen 
Fällen. 

VI. WatUMiiiiii-tialiMiiiiiM. »4adit<iiiiiM. KU^p(oiii»iiii' .... lOß-134 
Analyse eines impotenten Sadisten. Dronionianie und Kleptomanie. 
Seine Krklamng des Wadenfetiscliismus. Zwiingsvorstellungcn. Anfälle, Das 
Verhältni.^ j.iir Mutter. Die Psychogcnese Keines Sadismus. Die Rollo 
der Homosexualität. Die Inzestbeziehungen zur Schwester. Die infantilen 
Triinimn. Der „phiUoeophisehe Gedanke" als Ursache der Impotenz. — 
XuwimmenfiisKiing. Ein Opfer diespii Siidtsten. 

VII. I*arliiilisimis iiiid llar*^iuwkiill . . .....,,... 135—160 

Die Hand als Fetisch. — Ein Fall von Handpartialisinus. Ein 
«weiter Fall mit Zwangshandlungen. Narzißmu.s beim Fetischismus. Der 
Fetieehist iet ein Einsamer. — Die Wurzeln des HaremskiiltB. Fälle von 
KindiTbcttzeug-, Perücken-, Miitzen-, Schuh-, Wäsche-, Sacktuch-, Locken-. 
LiiderfctiscIiiKmus und ähnliche. — Der Gerachsinn beim FeÜKchismuR. — 
Her WiedeiholungBKwang in der Psychologie des Summlers, 

VIII. »i«-^ ISihvl iWH ]<'«>liN<-liii<tvii (ICor!i<vttfi'tiHchl»ilt'ii) . . 16\~iH 

Der Haremsknlt in Büchern. Die Satansbibel. Die sadistischen 
Phiininsini eines Asketen. Sein Kampf gegen die Onanie. Mißglückte 
PluL'hl in die Ehe. Die Zeichnungen üuü i^einer Bibel. Seine Stellung Kur 
Religion. — Ein Fall von Korsett- und Rchuhfotischismus. 

I.V. .liial.v!«c *>iiu'w Fiißl'o(iN4'liiN(<>ii 185—225 

Die Pußsymbolik. — Ein Fall von Straßenangst »nd Fiißfetischis- 
nuis. Die eingepreßten, blutigen Männerfiiße. Der Masochisraus im Feti- 
whisinue. Der Ausbau des Fetischismus. Die typische Leben sgesch ich te. 
Das erste Erlebnis. Die Eoligiosität. Die Chris tueneuroee. Die Askese. 
Traiimanalysen. Di^^ Verdichtung im teti seh istischen Symbol. Ein Schema 
dieser Parapathie. 

\. l>iT Syiiiliolisiniis «l»'N X,n'nnf;OH 22(1—255 

Der Fetisch übt einen Zwang ans. Der Heiz des Gctrefcnwerdens, 
Das erste Erlebnis. — Druckfetischistcn. Masochisnins. — Ein Kragen- 
fetischist. Die Wandlungen des Fetisch. Der Sadismus im Zwang, — Zwei 
Fälle von .Stiefclfetischismus. — Drei Fälle von Antifctischisnnis. Zwei 
Knopf fetischisten. — Die Homosexualifät im Fetischismus- Die Uniform 
als Fetriseh Der Zwang Ace Militärs. — Der Zwang awf das Genitale. 

XI. Kawuif*(iU 256-302 

Ein Schtirzcnfctischist. Aniniismus. Die Verdichinng im Symbol. ' 
— Ein Hosen Eetischist. Trauraanalyse. Die Religion im Fetischismus. 
.' Chrifitusneurose. Das Arrangement der Parnphilie. — Die Verdrängung 
der Partialt riebe. — Ein Hack enfe tisch ist. Die Religiosität ilvi' Atheisten. 
GbrisfiiBururose. Askese. 



LJ 



VIII 



Inhal tsaagabe. 



Seite 

XII. AiialyNe eincw Palleft von Seliüi-zcii l'olitiivliiHuiiiH . . . 303 37U 

Das JugcndcrlebniB. Diu Kindheit son an ie. — Impotenz. Askese 
Asthma, — Die Schürzen der Mutter. — Aiiagogiscliü Tendenzen. Christus- 
neurose. Die Liebe zu Schwangoren. Die Schürzen der Schwester, — Die 
Spiele dcf Mutter. — Homosexualität. Kriminalität. SadJBmus. Infantilis- . 
raus. — Die wirkliche Urszene. Analyse des Asthmne. — Die verdrängte 
Liebe. Zusammenfassung. Die Ursachen des Fetisciiisnius. Die Verdichtung. 

XIII. S('liiiliiiü$;el und Ali!«iit/.e in iliroii B«ziciiiiii}^eii 7:uhi 

lacliosloiii'ii 371— 39ft 

Ein Fall von Sehn hnägeUetischiB raufe. — Analyse einer Absatzphobie. 
Das Urtraunia. Onanie. Infantile Erotik, Geburt spliaiitasiön. Das Ver- 
hältniB zur Mutter und den Geschwistern. Dii' Verdichtung. — Aiiti- 
fetischisrous. 

XIV. MusUiortcr Madisntii>< (I*ai> pro («lo) 396—422 

Der Masochismus der Fetiechisten. Die sclbstdiktierte «träfe. — 
Drei Fälle von Zopfalischn eidern. .Askese, Impuls, Fixierung an die 
Familie, — Kannibalismus bei einem Zopfab sehn eider. — Sadismns bei 
' den individuellen Liebejsbcdingungen. Liebe zu Kranken und Minder- 
wcrt,igen. — K rücken fetischieten. Die Identifizierung mit dem Fetisch. — 
Liebe zu Amputierten. — Die Holle deG Sadismus beim FetiKcliismus. 

XV. Kiu Fall von orlliopitdiNvIieiii Feliwi-lilsniiiH ..... 423— ä33 

Der Sei betbe picht des Kranken. Seine Bilderbibol. — Askese. 
Onanie. Zahnarztphobie. — Die erste Erinnerung. — Identifizierung mit 
dem Fetisch. — Dir BindLn der Mutter, Schwestern und Großmutter. — 
Die Märtyrerrolle und Christusneuroae. — ödipus- und Kastrat ionskomplex. 
Heilung der Zahnarztphobie .— Dio "Überwindung der Askese. — Die 
Verdichtung. — Zusammenfassung. 

XVI. Aualynic eines Falles von TranNveslitii4iHiis 584—570 

Der Selbstbericbt der Ki'anken und die erste Erinnerung. Korrek- 
turen der ersten Angaben. Narzißmus. — Käst rat ionskomplox. — Bindung 
an die Familie. — Analyse dieser Parapathic. — Hirsi^kjelds Auffassung 
des Transvcstitismus. — Zusammenfassung. — Zusammenhänge zwischen 
Transvestitismus und FetiEchisraus. ■ 



XVII. ICiickl>Ii4-k und AiiKbliok Ö71— 598 

Koniiikt zwischen Unterwerfung und Unabhängigkeit, innere und 
äußere Freiheit. Die gl t gegen gesetzten Tendenzen und ihre Synthese im 
Fetiechismus. — Der FetisebiBrauB als Religion. — Das SyniboL Die Ge- 
schichte dieses Begriffes. Die Verdichtung im Symbol. Der Atfektwert des 
Symbols. — Der Fetischismus als Fiktion. — Die organischen Wurzeln 
des Zwanges, — Der Fetischisnms als Heilungs versuch. — Prophylaxe — 
Widerstände gegen die Behandlung. - Die Kriminalität des Fetiscbisten. 

Sachregister. . . ' , 

Autorönverzeichnis 



i 



^pa 



r. 

Abgrenzung- des Fetischismus. 

Zu den rätselhaftesten Erscheinungen der Sexualpathologie gehört 
wohl das Phänomen des Fetischismus, von dessen allgemeiner Ver- 
breitung und Bedeutung wir aber noch immer keinen recliten üegriff 
Ilaben. Wir kennen das Variationsbedürfnis des Normalmensehen und 
wissen, daß er trotzdem an gewisse Liebesbedingungen gebunden ist. 
Die individuelle Form der Geschleehtsliebe wird bei jedem Menschen 
durch eine Art von Fetischismus bestimmt. Jeder Einzelne bevorzugt 
gewisse Eigenschaften seines Öexiialobiektes, ja sie sind für ihn 
geradezu die Liebesbedingung. Hand, Fuli, Ohr, Stimme, Augen, Teint, 
Geruch, JBusen und andere Körperteile sind immer „Fetische'' gewesen. 
Man nennt sie normale Fetische. Zu pathologischen werden sie erst, 
wenn sie das ganze Wesen in den Hintergrund drängen und die Funktion 
■des Liebeeobjektes Übernehmen. Z. B. ivenn ein Liebender sicli mit dem 
Schuli des Weibes begnügt und ilun der Besitz des Weibes dabei Neben- 
sache, ja in vielen Fällen sogar störend und überflüssig wird. Ich 
sagte der Besitz des Weibes und hätte mich fast auf den Standpunkt 
vieler Autoren gestellt, welche die Tatsache niclit berücksichtigen, daß 
es einen homosexuellen Fetischismus gibt. Ja, nach meinen Erfah- 
rungen ist er sogar das Ende eines jeden Fetischismus, dessen 
tiefstes Wesen sieh eigentlich restlos als ein Ab- 
rücken von dem Weibe, eine Flucht vor dem Weibe 
erklären läßt.^) Immer geht der Fetisdiismus mit einer Ent- 
VOTtung des Weibes vor si&h, gleichgültig aas welchen Ursachen. AJnT" 
lieh in den spärlichen Fällen von weiblichem Fetischismus, die ich zu 
beobachten Gelegenheit hatte. Hier tritt eine Entwertung des Mannes 
ein und das Bestreben, eine Art der Sexualbefriedigung zu finden, welche 
den geschlechtlichen Partner überflüssig macht. Meist liegt jene wich- 
tige Erscheinung zugrunde, welche Adler die „Furcht vor dem geschlecht- 
lichen Partner" genannt hat. Diese Furcht spielt in dem Kampfe der 

') Eb wäre gerechter zu sagen: Ein Abrücken vom an deren Geschlechte, 

SffiltBl, SWrimgcn dsf U'rieb und Affuktlebons. VH, 



joi_ ^. tL J 



FctiscliismQB. 



'i 



rjG&chlechtor eine große, ja eine überragende Rolle und wirft einiges 
Licht auf manche dunkle Erscheinungen des Sexuallebens.^) 

Binet hat eine Erklärung für den Fetischismus gegeben, die sclir 
verlockend scheint und allgemein, so auch von Krafft-Ehing, Moll und 
Merzbach akzeptiert M'urde. Nach diesem verdienstvollen Autor beruhe 
jede sexuelle Perversion auf einem „Accident agiesant sur 
an sujet predispose." Der erste sexuelle Eindruck wird dauernd 
mit dem ganzen Sexualempfinden verlötet, so daß nur die Erinnerung 
an diesen Eindruck eine Erregung auslösen kann. Ein Knabe sieht 
den nackten Busen seiner Erzieherin und wird dabei zum ersten Maie 
gesohlechtlieh erregt. Er wird nun Busenfetischist und ist dann immer 
auf der Suche nach diesem ersten Eindrucke. Es ist das Gesetz von 
der Wiederkehr des gleichen, das in der Parapathie eine große Rolle 
spielt. Wir sehen aber in diesem Gedanken von Binet'-) eigentlich die 
Keime zur bekannten Theorie von Freud, in der das Trauma, wenn es 
auf ein disponiertes Individuum trifft, die Ursache einer Parapathie 
wird. Diese Theorie erklärt uns aber nicht alle merkwürdigen Eigen- 
schaften der Fetisehisten. Auch erklärt sie nicht den Umstand, \\-arum 
nicht alle Kinder auf solche Eindrücke mit der Etablierung eines 
Fetischismus antworten. 

Wir können nicht genug energisch betonen, daß sich alle diese 
Formen der Paraphilie beim Normalmenschen finden. Untersucht man 
die sogenannten Normalmenschen genau, so findet man, daß sie alle 
ihre Prädilektionsstellen (erogenen Zonen) haben, die sie bevorzugen 
und die libidosteigernd wirken. Ich stehe hier ganz auf dem Stand- 
punkt von Euhnburg^), der sagt: 

„Nur eine allgemeinere Bemerkung möchte ich noch vorausschicken. 
Die yämÜiehen eben angeführten Fürmeii sexueller Pervcrsioneii, so sehr 
sie auch untereinander verschieden sind, haben alle doch etwas Gemeinschaft- 
liches: daß sie nämlidr ihre Wurzeln bis tief hinab in den Boden de^ natür- 
lichen normalen Geschlechtslebens hineinsenken, daß sie irgendwie dort in 
den Empfindungen und Äußerungen unserer physiologischen Erotik fest ver- 
ankert smd und daß sie nur krankhaft einseitige Auswüchse oder ins Maß- 
lose gesteigerte Übertreibungen, Verzerrungen, monströse Ausartungen ge- 
wisser Teil- und Begleiterseheimingen dieser als „normal" betrachteten, 
mindestens noch als mnei-lmlb der gesunden Breit« liegend anerkannten 
Erotik darstellen So findet der Fetischismus seine physiologische Grundlage 
m den individuellen Liebesbedingungen, den auch bei der Liebesohiektwahl 
der Gesunden vielfach obwaltei>den Tendenzen bewußter oder unbewußter 
Teilaimehung - der Exhibitionismus in der auch dem normalen Liebes- 
Ich". :^:f^,^.£i ''''"'' '-' '-'''-''-'^ - -'"- --^^ ^■^^ ^'- 

=■■) liinet. Du CDtisf:hisme dans l'aznonr. Rev.,o phJlo.op]iiq„e 1577 
) Über ROXuoUe Pervereionen. Ztschr. f. 8,.vu,]wi,..t.nschaft,' lad. I, H. S, 1914. 



Abgrenziiug des Fetischismus. 3 

verkehr anhaftenden Ntigung nnd Xütweiidigkeit schamvcrJctzendor Ent- 
blößnng — Sadismus und Masochismua in gewissen häufigen Begleiterschei- 
nungen des sexuellen Orgasmus im Liebesakt (bei Tieren und Menschen), 
in der wollusterhöhenden Wirkung gewisser dem geliebtt^n Objekt zugefügter 
Yerlctzungcn oder umgekehrt von diesem erduldeter Demütigungen und selbst 
Mißhandlungen. Es verhält sich also mit dieser physiologischen Grundlage 
der sexuellen Perversionen ähnlich wie mit manchen Erscheinungen funk- 
tioneller Psychosen, z. B. dem Grüßen- und Verfolgungswahn dew echten 
Faranoikers, in dem wir auch vielfach nur krankhafte Ausartungen und 
Exzesse ihm schon vor der Erkrankung ursprünglich inhürierender Züge der 
Selbstüberschätzung und der mißtrauischen Beurteilung anderer zu erblicken 
haben. 

Auch im gesunden, normalen Liebesiebe« spielt ja, wie besonders Magnus 
Hirschfeld m einer interessanten Monographie dieses Gegenstandes durch- 
zuführen gesucht hat, dieses Prinzip der Teilanziehung mehr oder 
weniger bewußt und unbewußt fast durchwegs eine ganz hervorragende Rolle. 
Den einen reizen ausschließlich schlanke, grazile Gestalten, der andere 
schwärmt für vollentwickelte, üppige Eubenssche Fülle; der eine iür Blon- 
dinen, der andere für Brünette und auch Schwarz- und Rothaarigen fehlt es 
nicht an begeisterten Verehrern — ebenso wenig wie den poetisch fm- 
gesuugenen blauen, braunen und schwarzen Augen. Alle Sinneseinflüsse, 
spielen dabei eine mitunter dominierende Rolle; Gang, Stimme, der vom 
Körper oder einzelnen Körpert.eilen ausströmende Duft, der bekannte ,,odor 
'ii femina"' machen ihre Einwirkung geltend und werden zur Ursache 
dauernder unwidersteblichei- Anziehung (oder im umgekehrten Falle auch oft 
unüberwindbarer Abstoßung). Auf wie viele kann eine „schicke' Kleidung, 
die die Ivörpi?rreize plastisch hervortreten läßt, die Füße klein, die Taiiie 
sclmial, die Hüften üppig erscheinen läßt, oder kann schon die ganze Art 
der Aufmachung als solche, Stoff und Schnitt der Kleidung, das Werk des 
Schneiders und Kostümkünstlei-s allein im höchsten Maße verführerisch, Be- 
gierden anregend wirken! Hier haben wir allenthalben schon die Übergänge 
nicht bloß zum Körperteilfetischismus, sondern selbst zum Kleidungs- und 
Stoffetisch ismus — kurz vom „physiologischen" zum pathologischen Feti- 
schismus. Ähnliches findet sich auch bei Frauen, bei denen allerdings nicht 
nur die Vor- und Übergangsformen, sondern auch der echte pathologische 
Fetischisnms viel seltener sind oder wenigstens zu sein scheinen, weil ihre 
individuellen Liebesbedingungen, ihre „Teilanziehungon" (und Teilabstoßun- 
gen) mehr im Verborgenen bleiben, imgleidi weniger an die öfl'enilichkeit 
hei-austreten ; aber die Vorliebe für bärtige oder unbiirtige, große und starlw 
oder kleine und zierliche Manneserschoinungen und die einem Teile der 
Frauenwelt wenigstens früher nachgesagte Vorliebe für „zweierlei Tuch", 
das neuerdings häufig beobachtete Schwärmen für exotische, andersrassige 
und andersfarbige Exemplare der Männlichkeit, für braune Turkos, schwarze 
Somalis, gelbliche Ostasiaten usw. wären immerhin in dieser Richtung 7ai 
nennen." 

Viele Autnron beschreiben „individuelle Liebesbodiiigungen" ah 
Fetiecliismus. Wir w^ollen einmal einen solchen Fall näher betrachten. 
Er wurde von Garnier als Objektfetiechismus eines Invertierten (Homo- 
Rexnellcn) beschrieben. 

1« 



" 1 



4 Fetischismus. 

Fall Nr. 1. (iiistave L., 32 Jahre alt. Bedienter, von mittlerer Statur 
und normaler physischer Entwicklung, ist wegen eines Attentates auf" seinen 
treulosen Geliebten X. angeklagt. Aus seiner Lebensgeschichte ist zu er- 
wähnen, daß er schon mit 10 Jahren ein gewisses Lustgefühl empfand als 
ihn ein Ma,nn umarmte und er dabei die Berührung des Bartes auf seiner 
Wange fühlte. Er versuchte auf jede Weise wieder das gleiche Lustgefühl zu 
erreichen. Kurz danach erregte ihn der Anblick eines urinierenden Mannes so 
daii er onanieron mußte. Mit 13 Jahren bemerkte er, daß ihn Arbeiter in ihreui 
Arbeitsgewande sexuell erregten. Besonders war es eine gut sitzende Bluse 
deren bloße Vorstellung einen Orgasmus auslösen konnte. Jede andere Klei- 
dung, selbst die Uniform der Soldaten ließ ihn kalt. Er knüpfte Beziehungen 
mit Frauen an, ohne dabei besondere Lust zu empfinden. Er tat es mehr aus 
Eitelkeit, um es seinen Kameraden gleich zu tun. Eine einzige Frau konnte 
den 23jährigGn fesseln, obwohl sie schon 46 Jahre alt -w^ar, weil er in ihren 
Geliebten verliebt war. Dieser Geliebter trug auch eine Bluse. Während des 
Verkehres stellte er sich diesen Mann vor, konnte so zum Oi'gasmus kommen. 
Niehtedeetoweniger wurde er dieser Frau müde, lief fortwährend herum um 
sein Ideal zu finden, so daß er sich auf keinem Platze halten konnte. Endlich 
gelang es ihm, mit einem solchen Manne Beziehungen anzuknüpfen. In en- 
thusiastischen Ausdrücken schildert er Garnier die verschiedenen Phasen und 
Praktiken (mutuolle Masturbation und Päderastie). Sein Schmerz war 
grenzenlos, als er bemerkte, daß sein Freund Beziehungen mit Frauen hatte. 
Er erkrankte infolge der Aufregung an Gelbsucht. Nach einer schrecklichen 
Depression, kompliziert mit Schlaflosigkeit, gepeinigt von namenloser Eifer- 
sucht bedrohte er den treulosen Geliebten mit dem Revolver und kam so vors 
Geridit. 

Dieser Fall zeigt nur gewisse Züge des Fetischisten. Gustave ist 
ruhelos, er wechselt seine weiblichen Objekte, aber er ist scheinbar mit 
seinem Geliebten znfi'-ieden. Die Bluse ist eine individuelle Liebesbedin- 
gnng, welche wahrscheinlich auf infantile Eindrücke zurückzufüliren ist. 
Durchforscht man die Lebensgeschichte von Normalmenschen so wird 
man mit Erstaunen finden, daß derartige individuelle Liebesbedingungen 
in der Kindheit und speziell in den Flegeljahren (Pubertät) eine große 
Rolle spielen, daß aber im Laufe der Jahre dieser In^antilismus über- 
wunden wird und die ersten Eindrücke sozusagen verblassen. Der intel- 
lektuelle Kulturmensch legt zu großen Wert auf die seelischen Eigen- 
schaften, er freut sich der Übereinstimmung der Anschauungen und Nei- 
gungen und nur unbewußt scheint manchmal die individuelle Liebes- 
bedingung bei der Wahl des Partners den Ausschlag zu -eben Je ge 
Sünder ein Mensch ist, desto leichter überwindet er die Tyrannei der 
Sj-mboliemen. Aber wer könnte von sich sagen, daß er in dieser Hinsicht 
vollkommen frei ist? Es wäre eine lohnende Aufgabe, eine Reihe von 
Normahnenscben zu analysieren und ihre individuellen Liebesbedin- 
gungen zu erforschen. 

Havelock^ElUs hat damit begonnen, die erotische Biographie von 
Normalmenschen zu publizieren. Die Fälle sind sehr lehrreich und 



Aljgreiizuug des Fetischismus, 5 

haben aucli Freud dahin bestimmt, seme Ansichten über die Sexualität 
der Farapathikei- zu ändern. Der Parapathiker kraiikt nicht an einer 
pathologischen Sexualität, sondern er krankt an seinem Verhältnis zur 
Sexualität. Er wehrt sich gegen seine Sexualität. Ich kenne zahllose 
Beispiele, daß Menschen ganz gesund bleiben, ii'enn sie ihre Ab- 
weichungen vom Normalen nicht tragisch nehmen. Als Beispiel mag 
der folgende Fall gelten. 

Fall Nr. 2. G. S., 20 Jahre, cand. ehem. „Die Masturbation leinte ich 
kennen beim ersten Unterricht im Geräteturnen, d. h. im 8. Lebensjahr, iind 
zwar beim Kldtern sowohl an harten Eisenstangcu. wie noch lieber am 
weichen, schmiegsamen Tau. Daher war ich einer der besten Kletterer meiner 
Klasüe. Soviel ich weiß, hatte ich nur den Wunt^eh und Willen, das „schöne 
Gefühl'- (so nannte ich es} um jeden Preis herbeizuführen. Daß ich bei den 
Orgasmen nicht mal von oben heiimtergefallen bin, wundert mich heute noch. 
Ich ließ mich unter Uniständen, wenn ich vor dem Orgasinn.s oben war, 
noch einmal halb herunterrutschen, um ihn beim nochmaligen Hochklettern 
herbeizuführen. Im Hofe unserer früheren Wohnung stand ein Heck, das 
auch als Schaukel benutzt werden konnte; auch an diesen Seilen bin ich 
oft genug hochgeklettert. Das sah mein ältester Bruder einmal von einem 
Fenster seines Arbeitszimmers aus, ich wußte kaum, wo ich mich vor Scham 
verkriechen sollte. Überhaupt war ich sorgfältig darauf bedacht, es von 
Anfang an vor jedermann zu verbergen. (Weshalb eigentlich?) 

Nicht nur das Klettern, noch ctwiis anderes erregte mich wahnsinnig; 
das Reiten und alles, was damit, zusammenhing. Im Jahre 1897 verbrachten 
meine Eltern die Sommerl'ericn mit uns in ß. Wir Jungene durften dort mal 
auf den Strandeseln reiten, wobei es bei mir natürlich zur Masturbation kam, 
ich hatte dazu nur nötig, mich etwas fester gegen den Sattj?lknopf zu drücken. 
Und dabei scheute ich mich furchtbar, Worte wie: Eeiten, Satte!, Steigbügel, 
Sporn, Reithose, Reitstiefel u. dgl. überhaupt auszusprechen! 

In der Folgezeit, bis etwa zum 14.— 15. Lebensjahr, trat das Klettern 
in den Hintergrund (schon deshalb, weil ich keinen Turnunterricht mehr 
gen^ß) und das Reiten kam obenauf. Noch immer hatte ich iceiue Ahmmg, 
was das alles zu bedeuten hatte, auch masturbiei'te icli nicht mit der Hand, 
sondern folgendermaßen: ich blies ein Gummiliiftkissen, wie es mir als Sitz- 
unterlage diente, ziemlich stark auf und knickte es dann ziisanunen, so daß 

es, von der Seite gesehen, folgende Form hatte: /y^^~^~^ ^ ^^^^ ungefähr 

die eines Sattels! So legte ich es auf einen Stuhl, setzte mich darauf, stemmte 
die Hände davor, damit das weiche Gummi nicht auswich, und fing an zu 
arbeiten. So machte ich es in der Badestube auch oft mit entsprechend auf- 
getüraitcn Badetüchern. Melirmals habe ich auch des Vaters Jagdstiefel oder 
meiner Mutter hohe Gummistiefel zur Krhöhung des Lustgefühles angezogen. 
Manchmal habe ich auch in dem Pferdestall einer befreundeten Familie X. 
auf dem dort liegenden Sattel masturbiert (inmier unter großer Angst vor 
Entdeckung!), zweimal habe ich auch des Herrn X. hohe Reitstiefel, an denen 
sich noch dazu Sporen befanden, unter großen Ängsten auf dem Klosett im 
1 Stock angezogen. Die Stiefel standen ebenfalls im 1. Stock in einer dunklen 
Ecke neben dem Schlafzimmer von Herrn und Frau X. Die Häufigkeit der 



TFE^ 



6 



Fetischismus. 



' i 



Maeturbatiün ist wohl durchschnittlich l-2mal täglich gewesen Ich liatie 
iiiimer \ orstol ung.n vom Reiten und allem, was damit zusamniGiüiängt, 
sprach gewohnlich auch Worte- wie die übcngenanntcn vor mich hin Dami 
traten noch zwei mich stark erregende Dinge hinzu: Damenstiefel und "-schuhe 
mit hohen Absätzen und Sporthosen, die unterhalb des Knies mit 
knöpfen geschlossen werden. Besonders der eigenartige Faltenwnrl dieser 
Hosen boim Sitzen regit mich stark auf, so dal! ich, der ich die=e Hosci 
um keinen Preis geti'agen hiitte, lieimlich mit Strumpfbändern und Bind- 
faden dasselbe zu erreichen suchte und dabei dann n.asturbierte Hieivu 
gebrauchte ich erst zirka vom 15. Lebensjahre ab die Hand bis dahin <-r- 
zielte idi den Org.smus durch Reiben des Penis an irgend einen, anderen 
weichen Gegenstand. 

Einmal wurde ich geradezu wild, als ich in der Auslage eines Schuh- 
geschäftes ein Paar durchbrochene und bis zum Knie hinaufgehende Damou- 
stiefel nut ^^Jr hohen Absatzen wie man sie ^vohl im Zirkus sieht) erblickte 
Von diesem Anblick halte ich mehrere Wochen zu zehren; ja ich erwog ern' 
heb den Gedanken, sie zu stehlen. Oft malte ich mir auch Heitsticfel Damen 
echuhe oder dergleichen auf Papier, um mich daran zu erregen 'und den 
Orgasmus schneller hei'beizufübren. Ktwa vom 16. Jahre ab traten dann die 
ßpeziellen weibliclien Reize liinz-u. 

Schon in der untersten Klasse des Gymnasiums wurde ich von einem 
Mitäcliüler sehr unscliün „sexuell aufgeklärt". Was dieser mir erzählte glaubte 
ich wohl, doch rührte es mich im übrigen gar nicht. Icli hatte 'ja keine 
Ahnung, daß meine damaligen Masturbatlonen überhaupt einen sexuellen 
Akt bedeuteten. Natiirlieh habe auch ich mich mit meinen Kameraden über 
anrüchige Stellen der „heiligen", Verzeihung „Heiligen Schrift" und dem 
Geeangsbiich lustig goniachi, doch ohne recht zu wissen weshalb. Nun kam 
das alles allmählich hervor. Ich beobachtete selbst an mir. wie die ver- 
botenen" Sachen zunächst vereinzelt sich in meine wollüstigen Phantasien 
drängten, sich dann eine Zeitlang die Wage hielten, bis die Vorstellung der 
weiblichen Reize die Oberhand behiell und behalten hat. Denn weder" das 
Reiten noch was ii'gend damit zusammenhängt (außer vielleicht ich sehe eine 
Dame im Herrensattel reiten, z. B. bei den Sehauerdranien „Aus dem wilden 
Westen" im Kientoppü) noch Klettern oder ähnliches können mich ictrt 
irgendwie aufregen, wohl aber — doch davon nachher. 

In die Zeit des Beeuchee der drei obersten Gymnasialklassen (ich war 
etets ein oft leichtsinnig fauler, aber sehr guter Schüler) fällt auch die der 
häufigsten Maslurbationsakte, 4—5 pro Tag, Höchstlcistiing: einmal 7mal! 
Da ich vormittags im Gymnasium nicht zu masturbieren wagte, geschah die* 
fitets im Laufe des Nachmittags. Mit einem Vetter, der hei uns wohnte' 
habe ich mehrfach masturbiert, einmal sog;ir den Versuch der Immissio ueni-' 
in anuin bei ihm versucht, jedoch mit völligem Mißerfolge! 

Da ich unter dieser „üblen Gewohnheit" litt, hat es natürlich auch 
nicht an Versuchen gefehlt, die Sache endlich aufzugeben. Einmal gelang 
mir das sogar 8 Tage hindurch, hatte dann aber eine nächtliche Pollution 
und vorbei wars mit der Abstinenz. Diese längste Zeit meiner Abstinenz 
war bewirkt durch den Vortrag eines Pastors, der mich, meiner damaligen 
Meinung nach, sehr erhohen hatte. Wie die Wirkung dieses pastörlichen 
Vortrages so hielten auch die Versprechungen, die ich mir selbst gab nicht 
lange vor. Ich war immer der Meinung, zwar nicht Sunde (obwohl dieser 
Gedanke wohl auch ab und zu durchbrach), wohl aber Unrecht wenn ülwr- 



— - A 



AbgrenziiDg des Fetischisinus. -7 

liaupt dieser Begriff von dem der Sündo zu trennen ist, und vor aüein meiner 
(a propos beneidenswerten) Gesundheit Scliaden zu tun. 

Gegen Ende des vorletzten Sdiuljahres waren und blieben die weib- 
lichen Reize in meinen Phantasien vorherrschend, alle anderen Vorstellungen 
wurden durch sie zurückgedrängt. Lange Zeit hindurch war ich gegen meine 
Mutter imd Schwestei'n, besonders die älteste, sehr zärtlich und Idilite sie, 
wo ich nur konnte. Mein Verhalten änderte sich jedoch mit dem Moment,' 
als jch gelegentlich einer der äußerst seltenen PoUutiones nocturnae die 
älteste Schwester zu koitiercn suchte, natürlich im Traum. Am Morgen hatte 
ich einen derartigen moralischen Katzcnjamniei', daß ich meine Zärtlich- 
keiten von nun ab aufgab und bis heute noch keine Lust verepiire, sie su 
eiTiouern. 

Seit diesem Ereignis werde ich bis heute durch folgendes sexuell erregt: 
Nicht das nackte Weib, sondern der eben verhiillte Körper, der die 
Formen ahnen läßt oder sie eben zart andeutet, vor allem die Brust, erregt 
mich. Ich kann geradezu außer Rand und Band geraten, wenn ich ein leicht 
angezogenes Mädel laufen und ihre Brust den Bewegungen des Laufens durch 
die Bluse hindurch folgen sehe. Ferner sind wohlgeformte M-eibliehe Beine 
(die gar nicht durchaus mit durchbrochenen Strümpfen bekleidet zu sein 
brauchen) und Füßo Gegenstand meiner Phantasien. Allerdings nicht nackte 
sondern mit hübschen Schuhen mit halblangen, geraden Absätzen versehene 
Fuße, besonders wenn sie noch einen Teil des Beines freilassen; der Schuh 
für sich würde mich kalt lassen. Dabei brauchen Füße und Schuhe gar nicht 
60 klein zu sein, obwohl ich auch andrerseits keinen M^eil auf große Füße 
lege. Ich kann z. B. steinte pede eine Erektion bekommen, wenn ich ein 
hübsches und hübschgebautes Mädel gegen den Wind ankämpfen sehe der 
ihre Kleider gegen den Körper preßt. Sie darf aber kein Kor sott 
anhaben! Korsetts reizen mich nur, und zwar in erheblichem Alaße auf 
Bildern, wie sie z. B. iu den „Lustigen Blättern- und der „Jugend" u'a zu 
finden sind. Bilder von Bayros reizen mich in hohora Maße, weniger ßeznicek 
Aufgeschlitzte Röcke, die die Beine oft bis zu den Kniekehlen im Halb- 
dunkel sichtbar machen, wie es jetzt Mode ist, rufen sehr oft Erektionen 
hervor, denn was lassen sie nicht alles ahnen, wenn man in Gedanken die 
Beine höher hinauf denkt! Ausgeschnittene Kleider reizen mich nur dann 
wenn sie sehr breit und tief ausgeschnitten sind, Haare und Kleidungestücke 
für sich gar nicht. 

Seit langem und bis heute masturbiere ich manuell einmal täglich. In 
Ferien und am Sonnüig, überhaupt an Tagen, wo man nicht zu arbeiten 
pflegt, wird es zuweilen auch 2— amal; doch kann ich auch ohne weiteres 
einen oder zwei Tage aussetzen, ohne am dritten Tage das Versäumte nach- 
zuholen. Geschieht es am Tage, so hole ich mir dazu eine der oben ge- 
nannten Zeitschriften herbei und belebe die Bilder mit Phantasien: etwa 
was ich lim würde, wenn ich sie küssen würde, sie nach und nach ausziehen, 
meinen Kopf zwischen ihre Brüste vergraben würde; und schließlich würde 
sie meinen Penis nehmen und ihn in ihr'e Vagina stecken und dann würden 
wir vor Lust vergehen. Das sind die gewöhnlichen Vorstellungen, für die 
gewöhnlich solche Objekte herhalten müssen, die ich unter Tag gesehen und 
die mich erregt haben. Schuh und Strümpfe muß sie aber beim Koitus an- 
behalten zur Erhöhung der Wollust. Ich stelle mir dann vor, wie sie mich 
mit ihren Beinen umklammern soll und wir dann Leib auf Leib und Brust 
auf Brust pressen werden ... - , , 



Fetisch isjii US. 



Gelegentlidi nioines zweiten Aufeiith^ilfp- ^Q 
koitierte ,ch zniu ersinn Male, doch u H J i" ^ T"' ^^^^^ "^ ^^"gl^"'! 

begann mich mit nlien Sinnen. n,it Denken nclPM ^""^*" «^-^ualität und 
.ehnci und tue das heute mehr denn J^a S nl " T' ^^"' ^^«^^^e zu 
wohnenden Eltern besuchen mußte, u-agte iel vo t,iT u"' ^'""^^g ^ie uniern 
>ater, in Deu^chland nicht .u 'icoitloren ' 0'^? ^"^^»e^t vo,- ,„ei.,,„ 
^le ordinäre Prostitaierte, sondern ein Made l^'f-T ^^"'" ^b""' "i^ht 
mit Interes^ für Wissenschaft und Kunst ]'.,f''"'' '^"'''' ^"^^«^' 
gebcns suchte, doch immer hielt mich Schüchte n,i . ' ^'^^ ^'^ bisher ver- 
zu Hause besonders vor .neinem Vater St'Pn"?' Z"^™ ^''^^^ ^«^ 
Crott r^ei Dankl - weit genug entferrif T ^ ^^slaai war ich ja — 

.chiedene Bekanntschaft.n^vo^3i"wtTg, Jf !S^''*^ *^^"'^ ^^«^^ dort' ver- 
ver heren begann, aber die eine war nfi "u widerlTr ^'^^^^-hteniheit zu 
andere kamen nicht zum Rendezvous und no h eine L^ ^^ ^^^''^^^^"- «nige 
reizte mich auch nicht. ■ ^'"^ ''"dere war mir zu schade 

In die Heimat KurückgekohrL, habe ich d«« «, u 
doch herrscht hier - meiner Meinung nach^'^^'n. J^^' aufgegeben, 
Material. Eine sehr eklige Geschichte liielt mich terni;!?^ ^"^ geeignetem 
ab: ein guter Bekannter nnd Kollege von mi, S'^em ^T ^^'^^ '^^"'^ 
sammen bin. holte sich einen Tripper. So habe'icT hi ■ ? "'^"' '''^^ Z"- 
(für meine Verhältnisse sehr viel) am Rendezvous gebeten'".' ''" ^"^zend 
die Verabredung ein, alle anderen haben mich sitzen 1. ' ^'"''«e '''''It 

war beim folgenden Rendezvous verhindert da ließ t? ""'* ^^''''' ^'"e 
schießen. ' =" "^^ ich sie denn auch 

Trotzdem gab und gebe ich meinn Vop=„„i. 
Nacht und Nebel hinansg'elaufen' "l aliltirS h"/" 'V' '^^ ^«^ 
Ich wußte und .weiß einfach nicht, wo ich n ich Teil'^l';"',^^^''^« «<'hrie! 
dann ausgelaufen, auch wohl eine Straßenprö tituIeS '" ^'^ ^^^ '"ich 
.mmer darnach war. daß id. sie trotz me^er Sl ^ ^v"'*'^' ^^« ^bcr 
i"ul zum „Handwerk-' zurückkehrte." ^"«htbarcn Not laufen ließ 

Ich unterbreche hier die Schilderung des Herrn P /. . 
nur, daß er den Weg zum Weibe gefunden Ltnli f'^'^ ''''"^^^^^ 
etzBchistisdien Neigungen nicht al/Krailer SL t V"','^'''^ ^^-^'■ 
d.e Angabe über die Häufigkeit der Onanie Bed nkt 7' r^"''"* ''' 
um emen kerngesunden, blühend aussehenden Mam h ' ^ h ' '' '''^ 

erkennen, was von den Übertreibungen zu LTtr 7.^' '" ^^"■^^"^" 
die Sd.ädliel,keit der Onanie von den bed ulnd f ' " '" '^="^ ^"^ 
verbrochen werden. bedeutendsten «exualforsdiern 

Wir sehen aber, wie sein Fetischismus ^..f a 
zum Weibe liegt, über diesen Pu X n u^ ,>h Vl"'''^''^'^ ^^^^t'""^ 
Es wäre vielleicht vorteilhafter b iso l.en V '"^''^^^■^''^"^'- ^P'-echeu. 
Fetisdiismus zu sprechen. Son^t miZll -^^.'^""g^n gar nidit vo.. 



Fetischismus zu sprechen. W m^TZ:Z:ZZ :;^^ 



einen 



AlgrenaiiBg des relisdiiimus. 



» 



großen, einen falschen und einen efl,t»„ w t- , ■ 
Füi die« Fälle genügt es viellZt d „ A "?'"''"'""'' ->te-sche,den. 
tialismus" anzuwendel Nnn vi 1 ™ t? /'"t T" ""'""""■' "P"' 
bestlnnnlen Teiian.ielnn.gen , " D erbtelVt' p'"' *'™"* ^™» 
ffl.- fcne k„n,pliz.erten Fälle zu reser e^fL t'.rS.V''''^''^"" 
Werkes ausfülndich analysieren und besprecta "'n "' '""^ 

Stück, kann aber am-Ii Pin Ta'i ■ t- '"'^'^^ ^'^"" ^^'n ^leidungs- 

handen, s„ *d der GesehlfehtsveHit! ausglmn''"' '^""»""""' ™'- 
mtfi- niamraas usw ) ^^i^dü in iNase, Ohr, 

zu umgehen. Fü.- diese ^m^^:^ ^TZLr^^ f-'''"". 

reservieren -tarnen „i^ etischiemus" 

^=::-sn,:r?-~»~;f SSi~- 
Potenz .u-d. eh .ag« scheinbar, weii die Impotenz nur ein.r in ."t 
vor dem Geschlechtsakte entspringt, der als Sünde gewertct wird orte 
e^ner Angst vor dem gesciiJeditlichen Partner. So betont MoU daß de 
Fet,sdnsmus zur Impotenz führe und Kram-EMng kommt der Wahr- 
heit noch naher, wenn er ausführt: „So ist e. vielleid.t besser, das Kri- 
tenum lur das Pathologische auf dem Gebiete des Körperteil^Fet ■ 
gr-hismus auf ganz subjektivem psychischen Boden zu suclion Die Kon 
zentration des sexuellen Interesses auf einen bestimmten Kürnerteil 
«-elcher, das jst hier hervorzuJieben, nie eine direkte B e z i e' 
hung zum Sexus hat (wie Mammae, äußere Genitalien) führt 
die Körperteilfetischisten oft dahin, daß, sie als eigentliches 
Ziel ihrer geschlechtlichen Befriedigung nicht 



10 



Fetiscbismus. 



Hier sehen wir sdion zwoi bodeutsam.l' ! 
ervorgehobon: Es wird ein Fetil* l^, a,J^""f ™ ^^^ ^^'-'-— 
Beziehung zun, Sexus liat, manchmal auc"\ "'"' ™'- »«"■■"'« 
....t aife dieses Fetiseh der Koitus „"1 „:™ ','„ ""l' " """■* ^»™ 
statten worden, daß es Fet.sehisten gibt d L 1 „ ' ™" "'«"^ ^>- 
l»I"-en. Ich kenne auch solche Fälle wenn ?'■""""" ^""«^ aus- 

n, allen diesen Fällen wird man dt T nd»; L"'''","'''™ ™^- ^1'- 

.eiese^r^rsr ;: ;; s^f s~r '^ 7 ''- ^—en 

schismus noch nicht kennen De, Fei "',''' ^^'''^™ "'"' F^'i- 
komplizierte Religion, ei „ e k . „ s't VoTri- ' ^ ' ^"'« 
'■o„, d.e sich ihrer S t r u k t u n ac I 1 , "* '' '"^- 

'iwangsneurose vergleichen lälUT "" ' ''«r 

Wah,-heit am nächsten kommen, wenn man den Fett' T" """^ '"'' ■*" 
neurose auffaßt. ""' ' '=''s*ismu6 als Zwange- 

Es ist jetzt Mode geworden über ,lio p.f i, 

der Psychanalvse ."-uzIehen.'Tbe, „t ^tt^id. t "S^*'""" 
zu gute zu halten: Sie hat uns r,„le„„ i , ^'^'^f "'"''• il'"- das eine 

ia iah,-elang „,it den K anken u^d h er"p '"'T' "" '"™^'^'^"" 
und haben wir erst gelernt Js v ' L r'»"" ™ "'«"-ftigen. 

sehen P,.oble.stelh„;ge„ u^^LZ^tTF^utrS ""■■'°™"- 
freien, so muß diese intensive Bo.^l,.ifK ""^"''^""^^"^^tu^Sen zu be- 
vorurteilslcscn Fescher Ge gele "Ze ' "^ ^^"^ K-'^'^- 'i™ 
Krankheit, kernen zu lomen, 'di^ /x "„ke in 7 " ""''''' ^-■ 
tmd Berichten .egelmäßig versch^tigt Nun Z Z- T"^- '^™'^^" 
■ anaiyse auf dem Gebiete der Paraphilie sehi ll ? ' '''' ^'^>''^''- 
von der grundlegenden Fr.«^sdln ^rb it Dr ' 'fr'''" ^''^"" -^■ 
Sexnaitheorie" absehen, sind einige Fo.Jl'fr' f ^"^"^"^^n ^"r 
ParaphiHen (Sadger) nnd kJne StrL " ^^ ^'^*^^^ J-^'" 
M6.a/..,) zu verzeichnen, auf die «'S z "kk "''^'"^''^^"'"^ 
Das kommt da].r. weil Freuä die Paraphilie 1 ZI^fT" """■^^"■ 
das s.d. nicht weiter zerlegen und analvsieren äAt n i^'"'' '"'*''^*' 
dem oft zitierten Ausspruche dieses Forsche s.n^' ^"I^ ''' "'^^'^ 
Sublimiert es diese perversen Triebe d J, r "P'">'"'o'Th-pervers '. 
'"' ^- '^- S^^"^gt es, sie in soziale 

■) /^flwl (.«n^-.r charakterisiert den FQti.chi~t™ f . . 
e« chos. de ramour nonnai, 1. f.ti.histo, bicn ti L^ ™'''^^" = "'^^'""-^ ^a- 

"■ '"' ''\''T' ^-^'--- -t bien plutöt un in uLant !""■""'' ^""^' -' P-"* 
cl.. .0X0. .0 p,us solvent. Genitalem.«,, u poche bi „pluf;;':/ f '" ^'^ '•-■™ 



?* 



Abjreuzuug des Fetischisnins. 

Kräfte umzuwerten, so wird es ein gesunder Mensch; verdräng!, es diese 
nebe ^u. so daß s,e im ,,Unbewußfen" i],re Wirksamkeit blibehalu! 
und symptonibüdendo Kräfte darstellen, so wird das Individuu.n pai-a" 
pathisc]i; bleiben aber die perversen Triebe bestehen, so ist oder bleibt 
eigentlich der Mensch ein „Perverser". 

Hier gibt es also nichts zu analysieren. „Die Neurose ist das 
Negativ der Perversion", sap;t Freud. Ich Iiabc- diesen Satz noHi be- 
stntten, als ich mit Freud im j)ersönlichen Vorkehre stand und als soin 
bchuler unter dem mächtigen Einfluß seiner Ideen schaffte Heule kuin 
ich nur längst Gesagtes wiedei'holond auefüJiren: D i e P a r a p h i 1 1 e 
(Perversion) zeigt sehr oft nichts anderes als das 
uns bekannte Bild der Parapathie (Neurose) Dk- 
Paraphilie (Perversion) ist in vielen Fällen das Positiv einer Para- 
pafclue. Dies kann ich gerade am Fetischismus und konnte ich audi an 
der Homosexualität nachweisen. Die Grenze zu ziehen, wie weit das 
konstitutionelle Entgegenkommen und der psvcbische Überbau an den, 
Zustandekommen der Para])athie beteiligt sind, das bin ich lieule nicht 
imstande. Aber ich kann am Fetischismus den ÄPistigen Überbau nach- 
weisen, während sich die von Freudianern in ihrer Verlegenheit immer 
wieder hervorgezogene „Konstitution"' als unerforschbarei und hyiio- 
thetisciicr Faktor in den HinLergcund sf.elll. 

Freud hat seine Ansichten jetzt unter dem Drucke der Kilahrungcn 
modifiziGi-t und kennt jetzt Grenzfülle zwischen Perversion und Neurose 
Seine letzten Ansichten werden von Sadger') folgendermaßen wiedei- 
gegeben: 

„Die schon von Buiet gegebene Erklänins dos rein zufitlligen zeiüichon 
ZuEammentrcflons von Fetisch mit genitaler EiTfgung isf ;ilso mindest nicht 
erschcipleiid. Es bleibt ja auch gar nicht einzusehen, warum eine zufällige 
(fleichzGitigkeif so dauernde Macht gewinnen kimn, und die Verschiebung auf 
die Degeneration isi, mehr Ausrede als eine wirkhche Deutung." 

„Hier setzen nun die weiteren Forschungen Freuds ein. Er ging davon 
aus, daß beim Fetischismus giinz regelmäßig Verstärkung einzelner geschlecht- 
licher Teiltriebc zu finden sind, in erster Linie der sexuellen Schau-, in zweiter 
der Eiechlust. Ein Klei derfetisch ist erwies sich z. B. als einer, der von 
frfihestcr Kindheit ab Zuschauer beim Entkleiden seiner Mutier gewesen 
Nicht, duß zwirichcn beiden das geringste vorgefallen wäre. Doch jene, die 
in ihren Sohn von allem Anfang an verliebt gewesen, duldete kein „Genieren"' 
beim Entkleidon und so zogen sich beide skrupellos vor einander'aus. Dies 
steigerte natürlich die sclion konstitutionell verstärkte Schaulust bi^s zum 
Voyeurtum. Anlage und Ei'ziohung wirkten begünstigend aufeinander. AU 
syjäter seine Schaulust Verdrängung erfuhr, ward der Sohn zum Klciderfcti- 
schisten, indem er von der KleidorloBigkeit auf die Kleider verschob. Statt 

') „Die LcIjl'O von (k-n GreclilochlPvmrniiigGn (Psycliopatliia se.xualis) auf psycho- 
analytiechcr Grtm<nage." I. F. Dnilii-ko. WiGn, 1022. 



13 



Fetischismus. 



\ 



liiv daä nackte Weib Interesse zu haben, besaß er ein sülches für dessen Ge- 
wandung. Auch auf geistigem Gebiete fand sich hiezu eine bedeutsame Paral- 
lele. Der Mann war nämlich spekulativer Philosoph geworden, d. h. er hatte 
sein Interesse von den Dingen weg auf die Worte gewandt, die ja gewisser- 
maßen die Kleider der Begriffe sind, woraus sich der Reiz der Philosophie 

für ihn erklärte."' 

„Der Mechanismus des Falles war etwa so : es handelte sich um einen ver- 
stärkten Sehtrieb, der schauen wollte und durch Entkleidung zu befriedigen 
war. Die folgende Verdrängung aber ward eingeleitet durch eine Spaltung des 
IComplexes, an den sich jene Schaulust knüpfte. Ein Teil desselben, der Leib 
der nackten Mutter nämlich, hatte gänzliche Unterdrückung erfahren, der 
andere hingegen, mit dem Verdrängten in bestimmter Weise assoziiert, ward 
idealisiert, mit übertriebener Hochschätzung umgeben, zum Fetisch erhoben, 
eine Reaktion, die die Mitte hält zwischen völliger Unterdrückung und Subli- 
mierung. Der Sohn wollte also jetzt nicht mehr sehen und auch nicht mehr 
daran erinnert werden, aber er verehrte fortab die Kleider, demnach dasjenige, 
was ihn friUier am Sehen gehindert hatte, ward Kleiderfetisehist nach Ver- 
drängung der Schaulust und Spaltung des Eomplexes. Theoretisch be^ 
deutsam an dieser Aufklärung ist, daß sie uns zeigt, 
dieser Fall von Fetischismus rühre nicht von einer 
Früherinnerung, sondern einer T ri eb v erd rän gun g her, 
mit Spaltung des d a z u g e li ö r i g e n Komplexe s." 

In einem anderen Falle von Fußfetisehismus fand Fnud aber wieder die 
Schaulust entscheidend. Als Kind hatte nämlich dieser Perverse den Frauen 
stets unter die Hocke geguckt und dazu mit dem Anschauen der Füße be- 
gonnen, um an ihnen entlang die Genitalien zu erblicken. Bei dieser Sexual- 
forsehung traf ihn nun ein schweres psychisches Trauma. Er bekam zwar nicht 
das Genitale seiner Mutter zu schauen, wohl aber das seiner kleinen Schwester, 
das ihm jetzt als Beweis erschien für die Möglichkeit einer ihm schon früher 
angedrohten Kastration. Damit aber w^ar die Einschüchterungsarbeit der Er- 
ziehung vollendet. Er bekam einen großen Schreck und von da ab trat die 
Hemmung ein, zunächst eine lokale oder geographische Reaktion. Er durfte 
jetzt nicht mehr zum Genitale, sondern mußte zurück und ward jetzt gewalt- 
sam an die Anfangsstrecke dieser Bahn fixiert, d. h. den Fuß. Bei noch 
stärkerem Rückschläge wäre er nicht bloß auf diesen zurückgeworfen worden, 
sondern auf den Schuh, ja in besonders schweren Fällen hätte nicht einmal 
der Fuß mehr darin zu stecken gebraucht, der Sehuh als solcher hätte genügt. 
Die Wahl des Fußes teaß hier eine doppelte Begründung; geographisch und 
ferner auch symbolisch als Penis des Weibes. Die Bedingung dieses Falles 
war oi'fenbar, daß zunächst, die Mutter selber von Haus aus eine erhöhte Ero- 
genität des Fußes mitbrachte.i) und darum den Fuß ihres Kindes besonders 
abküßte. Hier trafen also Vererbung und Erwerb in einem einzigen Ziel zu- 
sammen, Es fand dann ferner während der Sexualentwicklung infolge Ein- 
schüchterung eine Regression statt und endlich Fixierung in der Pubertät 
Damit sieh nämlich eine Perversion einwurzeln kann, muß eine neue Verstärkun'' 
kommen in der Zeit des Reifens. Also eine kongenitale 4.nlaee 
Einschüchterung mit Rückschlag in der Kindheit und 

') ,:Diese ist nicht zu veiwuthseln nüt de.- vagen, allgemeinen uad völlig unbe- 
stimmten „nervösen Dißposition". Hier handelt es ?ioh v ielm ehr um ei n 
i;,.stimmto U'Ogenc Zone, deren Reuting oder Erregung von Hau. aus verslTrHe 
Gesehlechtslust setzt," (Sadm.) ^"^ ^trstarkte 



Absreuziiiis des Fetischismus. 



];i 



eiidlii:li eine zweite in der Pubertät, die dann erst zu 
dauernder Festleg unglühr t." 

Die Konstitution der Freudianer ist jetzt ersetzt duix-U die „Dis- 
position der erogenen /.one^. Das ist kein Fortschritt, das heißt mit 
anderen Worten: Der FetischUt ist durch die angeborene holierel.ro- 
genität bestimmter Körperstellen für sein Leiden disponiert. Die 1 ara- 
Philie entstünde dann diircli Bevorzugung eines bestimmten leütnebes. 
Der Fetisch ersetzt ein Genitale. 
■ Diese Darstellung ist einseitig, "trifft für einzelne lalle zu er- 
schöpft aber nicht das Wesen des echten Fetischismus. Auch ist der Vo,- 
..ang oft ein verkehrter, als wie ihn Sadger schildert, Gerade das Sehen 
^ines verbotenen Körperteiles kann zur Unterdrückung der Sehlust 
fahren und die anderen Smnesquahtäten hervortreten lassen Der nor- 
male Liebende sieht sein Liebesobjekt gerne, er hat Lust an der Berüh- 
rung die Küsse schmecken ihm, er ist entzückt von dem spezifischen Ge- 
rüche seines Partners, die Stimme klingt ihm wunderbar hebhch. Er hebt 
mit allen fünf Sinnen. Die Hervorhebung einer Sinnesquahtat zugunsten 
der anderen vier hängt oft mit dem Umstände zusammen daß gerade 
die unterdrückten Sinnesqualitäten der Verdrängung anheimgefallen 
sind H-eil sie mit verbotenen Regungen assoziiert smd. 

Die Darstellung von Sadger kann wohl einzelne Fälle von Par- 
tialismus erklären. Sie reicht aber keinesM-egs für den echten Fetischis- 
mus aus, der mit der angeborenen Disposition (d. ]>. mit den verstärkten 
erogenen Zonen) nichts zu schaffen hat. 

Der Fetiscliismus ist also eine Krankheit 
u n d k e i n F a t u m. Er ist eine Parapathie. Er ist eine Konstruktion 
der Kranken mit einer ganz bestimmten Tendenz. Dies läßt uns anch 
alle Fälle vom sogenannten „normalen Fctisdiisnius" als nicht zum 
Fetischismus gehörend ausscheiden. Wenn jemand für kleine Ohren 
schwärmt und sich nur Damen sucht, die kleine Ohren aufweisen, so ist 
er noch lange kein Fetiscliist. Er zeigt einfadi irgend eine Form der 
sexuellen Variationen, die so unendlich sind, daß ihre Besciireibun,; 
unmöglich wäre. Aber seine Variation hegt, um emen treffenden Aus- 
druck den Blüher in Anlehnung an Adler geprägt hat, auf der 
B e X u e n e n L e i 1 1 i n i e zum Weibe. Der normale Fetischismus er- 
möglicht dem Träger den Besitz des Weibes und steigert sogar die 
Tibido Diese Fälle haben mit dem Fetischismus, w;e 
Th n^n beschreiben will, nichts zu tun ja, sie 
stehen zu ihm im Gegensatz und man täte am 
besten in solchen Fällen gar n i cht vo n F e t - 
\hismus zu sprechen. Der echte Fetischist braucht se.nen 
Fetisch um sich das Weib zu ersetzen, der Normale bevorzugt gewisse 
" Zonen, die den Besit. des Weibes wertvoller machen. Der 



14 



Fetischismus. 



Fetisch ist entwertet das Weib, der Normale ü b e r- 
^\' e r t e t d e Ji Träger seiner bevorzugten e r o g e n e n 
Zonen. 

Das ließe sich auch in den meisten Fällen von Partialismus nach- 
weisen. So äußert sich Havelock-ElUs über den Fußfetisehismus in sehr 
intereseanter Weise: 

„Die Neigung, die wir in dieser Weise für Irüliere Kultunjerioden 
nurinal linden, namlicli <iie susuelle Symbolisierung des Fraueiifußes und 
seiner Entblößung, ferner die von ihm ausgehende faszinalive Wirkung hat 
eine gewisse Bedeutung auch füi' die Erklärung der sporadischen Erscheinung 
des Fußfetisehismus bei uns selbst. So exzentrisch der Fußfetisehismus er- 
scheinen mag, so ist er doch nur das Wiederauftauehen eines sinnlichen oder 
emotionellen Zwanges infolge einer Art Pseudoatavismus oder EnUvicklungs- 
hcmTnung, wie er von unseren Vorvätern wohl früher und wie er jetzt noch 
von unseren kleinen Kindern verspürt werden mag. Das gelegentliche Wieder- 
erscheinen dieses verschwundenen Inipulse.s und die Zähigkeit, mit der die-^er 
sich erhalten kann, werden dergestalt bedingt durch übersensible Reaktion 
eines abnorm nervösen und gemeinhin vorzeitig entwickelten Organismus auf 
Einwirkungen hin, die unter der durchschnittlichen und gewöhnlichen Be- 
völkerung Europas lieute nicht mehr gespürt oder rasch überwunden oder in 
den höchst komplexen Prozessen, die der Ablauf der sexuellen Vorgänge und 
der Tumeszenz im Individuum hervorruft, prompt unterdrückt werden." 

„In diesem Sinne kann man. wenn es auch gewagt wäre, von Feti- 
schismus als einem echten Atavismus zu sprechen, wohl vertreten daß er 
sich auf kongenitaler Basis entwickelt. Er stellt die seltene Weiterentwick- 
lung eines angeborenen Keimes, welcher in früheren Epochen häufig eine all- 
gemeinere und gewissermaßen nocli in d<?r Breite der Xorm passende Ent- 
faltung annalim." 

„Wenn auch der gewöhnliche uusensitive Durchschnittsmensch nichts 
davon zu merken lirauchfc, so sind sie für den aufmerksamen und phanlasic- 
volleii Liebenden selbst ein hervorragender Gravitatioiispunkt in der hoch- 
komplizierten Konstellation seines leidenschaftlichen Geluldscnsembles. Eine 
liesonders nervös veranlagte Person kann, wenn einmal ein solcher Sym- 
bolismus fiieh fest konstituiert hat, in ihm ein wirklieh unerläßliches Element 
des Reizes der geliebten Person finden. Schließlich ist für ein 
völlig erkranktes Individuum das Symbol die Haupt- 
sache: die Person als solche wird gar nicht mehr ge- 
sucht, nur noch als Appendix des Symbols angesehen 
odor sie tritt überhaupt vollkommen in den Hinter 
grund und nur noch das Symbol istdas Ziel undgenüet 
vollständig und allein zur geschlechtlichen Befriedi 
gung. Wenn es schon als krankhaft bezeichnet werden muß, ein Svmhol als 
fast die Hauptsache am Reize einer geliebt™ Person zu betrachten ' -o haben 
wir doch nur im letzten Falle, in weichem das Sjnnbol allein Befriedigung 
verschafft, eine echte und vollständige Perversion vor uns In T 
weniger ausgesprochenen Formen des S y m b o 1 i .T^f,^ 
wird immer noch das Weib gesucht und die Forto'fUn 
zung gewährleistet; wird das Weib ignoriert und da^ 
Symbol an sich ist ein adärjuater und s o ^ a r w ll I 



Abgrenzung des Fetischismus. J5 

kommener Stimulus zur Detumeszenz, so ist die Sache 
entschieden etwas rein P a 1 1] o 1 u g i s c li o s." 

Auch Havelock-Ellis siehi das Pathologiacht' des Fetisehisiime 
darin, daß das Symbol den gesdilechtliclien Partnei- ersetzt. Er betont 
die atavistische Grundlage des Fußfütisdiiömus, vas ja mit der Sehweiß- 
fußtheorie von Abraham und Freud übereiiistinnnen würde. Ich würde 
für den Fußfetischismus sclion lieber die Hypothese von Alfred Adler 
stützen: Wer an seiner großen Zehe gelutscht hat, der wird dann Fnß- 
fetischist. Es würde dies zu meiner Behauptung stimmen: Der Fetiscli 
entspricht der eigenen erogenen Zone. A¥ir lieben an dem anderen, \va& 
wii- an uns lieben, wir erzeugen nur an jenen Zonen Libido, deren 
Eeizung uns Libido erzeugt. 

Dieses Gesetz wird sich überall im Sexualleben bestätigen lassen. 
Allerdings kommt es dann zu allerlei Vcrsdiiebimgen. Hatte uns in 
der Kindheit der nackte Fuß Freude bereitet, machte es uns Vergnügen, 
den nackten Fuß der anderen zu sehen, so überspringt diese Libido- 
besetzung auf den Schuli, der den Fuß verhüllt. Wir haben ja im Fall 
Nr. 2, G. S., S. 5, gesehen, wie das Verhüllende den größten Reiz bildet, 
weil die Phantasie den Reiz des Verhüllten gewaltig erhöht und steigert. ' 

Studieren wir verschiedene Fälle von Fetischismus- Die j'endenz, 
vor dem Weibe zu fliehen, wird inmier wieder aufs deutlichste hervor- 
treten. Da ist der bekannte Fall, den Moll als Rosenfetischisinus be- 
schrieben hat. Ein Mann lebt eigentlich in völliger Abstinenz. Er i'ührt 
keinen Koitus mit Frauen aus, ja, er behauptet sogar, er hätte 
eine Antipathie gegen alle Frauen. Er sieht eines 
Abends eine Dame, die auf ihrem Busen eine schöne Rose trägt, und 
verliebt sich — in die Dame oder eigentlich in die Rose. AVohl verlobt 
er sich heimlich mit der Dame, aber sein Verlangen geht nur nach ihren 
Rosen. Er ruht nicht, bis diese Rosen sein Eigentum werden. Daheim 
berieclit er die Rosen imd hat die höchsten Lustgefühle dabei. Er ruht 
nicht eher, bis er eine ganze Sammlung von solchen Rosen zu Hause hat. 
eine Erscheinung, die wir immer wieder finden werden und die ich als 
Harems kult der Fetischisten bezeichnet habe. Dieser H a- 
r e m s k u 1 1 fehlt in keinem Falle von e (i !i t e m Feti- 
schismus; er ist ein charakteristisches SjTuptom des echten Feti- 
schismus und drückt die symbolische Darstellung eines latenten, im 
Kampfe mit der inneren Moi'al befmdlichcn Don Juanisinus aus. Der 
Fetischist ist ein Don Juan oder hat wenigstens seine heimlichen (le- 
lüste wie ein Don Juan. Aber er sammelt statt der Frauen seine 
fetischistischen Objekte. 

') Es wird aufgefallen aran, daß ich immer vom niäimliclien Fetischisnms spreche. 
Ich kenne nuch einen SdnnuckfcLiBchiRmup einer Frau und andere Ansatxc mm weib- 
lichen FetisehismuB. Aber der Felisohismus ist im allgenieinon eine Krankheit <ler 
Männer Für die seltenen Fälle von weiblichem Fetischismus gelten natilrlich die gleidien 



_^6 Fetischismus. 

Jeder Fetischist hat seinen Harem an Sacktüchern, Unterhosen, 
Schuhen,. Zöpfen, Photographien, Haaren, Miedern, Strumpfbändern usw. 
Jeder einzelne Fetisch verliert bald seine fetischistische Kraft und der 
Fetischist sucht gierig nach einem anderen Objekte, um das alte nach 
einer Zeit wieder hervorzuziehen, wie es ein Pascha in seinem Harem 
macht. Immer gibt es eine bestimmte Favoritin. 

Nun zurück zu unserem Rosenfetischisten. Heiratet er die Dame, 
in deren Rose er sich so heiß verliebte, daß er sich mit ihr verlobte? 
Keineswegs. Er macht es wie alle Fetischisten. Er zieht eich aus 
ii'gend welchen rationalistischen Gründen zurück. Er löst seine Ver- 
lobung und bleibt nur seinen Rosen treu. Der Fetisch hat seinen Dienst 
erfüllt. Er hat ihn vom Weibe abgehalten und das Weib ersetzt. 

Hinter dieser scheinbaren Paraphiiie steckt eine heimliche Angst. 
Dieser Mensch steht zwischen satanischen und frommen Tendenzen. Er 
ist ein Don Juan ohne den Mut zur Sünde. Das Weib verliert für ihn 
jeden Reiz, weil er den Reiz gewaltsam auf ein kleineres Objekt, die 
Rose, verschoben hat, Rosen küssen ist doch keine Sünde. Rosen 
können seine Potenz nicht erproben, es kommt bei der Rose nicht zu 
1 dem Kampfe der Geschlechter, dem der Fetischist vorsichtig ausweicht. 

1 Das erklärt uns auch eine Form des Fetischismus, der eigentlich 

in meinem Sinne eben kein Fetischismus ist. Es ist dies die Vorliebe 
] . für alte, kleine, verwachsene, häßliche, bucklige, schielende, hinkende, 

i kurz mißgestaltete Frauenzimmer. Der bekannte Fall des Descartes. 

1 der nur schielende Frauen lieben konnte, gehört hieher. Ich möchte schon 

i an dieser Stelle darauf liimveisen, daß Männer Frauen suchen, die 

) eine Krücke tragen oder ein Bein amputiert haben. Die meisten dieser 

l Fälle dürften außer der bekannten naheliegenden infantilen Wurzel 

j (Erinnerung an ein Sexualobjekt der Jugend!) noch eine andere Moti- 

vierung haben. Diesen entstellten Frauen gegenüber empfindet man 
Mitleid. Sie werden nicht als vollwertig genommen. Sie sind vom 
\ Schicksal gezeichnet und schon entwertet. Der von Merzhach beob- 

) achtete Fall, von dem ich später sprechen werde, bestätigt diese An- 

nalmie. Das Persönlichkeitsgefühl des Mannes, das bei der sexuellen 

Werbung und Eroberung eine eo große Rolle spielt, kommt diesen 

^ Krüppeln gegenüber eher zur Geltung. Sokiien halben Frauen gegen- 

I über kann sich der Mann eben als ganzer Mann fühlen. Das erklärt uns 

r 

Gesichtepiinkte, wie ich sie hier für den männlichen darstelle. Iloirard hat Fälle von 

weiblidiem KleiderfetischiKmUo beschrieben. Eine 39jährig9 Frau, die Beinkleider stiehlt. 

] eine 21iäiirige Frau, welche die UnterhoBen des seligen Mannes liebkost, ein 17iähriges 

Mädchen, das einen Haremskult mit männlichen Strumpfbändern treibt. (Ztechr. f. 
Sexualwiesenschaft, H. 3. Jänner 1914.) Weitere Beispiele von weiblichem Fetischismus 
ßaden eich im dritten Kapitel. Die sehr wichtige Frage, warum der Fetischismus 
eigentlich eine Männerkrankheit ist, werde ich im letzten Kapitel ausführlich behandeln. 



Al)p-eiiziing des Fetischismus. jj 

auch die gute Potenz mancher Männer bei Dirnen und liii Versagen hei 
anständigen Frauen. Solche Männer überöciiätzen das anständifje Weib 
und fühlen sich iln* gegenüber unterlegen, was eine öexuelle Aggression 
in vielen Fällen ausöchlielM, weil Potenz und Überlegenheitägefühl innig 
zusammenhängen. In solchen Fällen läßt sidi der Mann zum ent- 
werteten, „gezeichneten'" Weibe herab, er beglückt es mit seiner Gunst, 
während er sich sonst beglücken laßt.') 

Immer wieder werden wir bei den beschriebenen Fällen von Feti- 
schisnuis betont finden, daß der davon Befallene eigentlich iceusch ge- 
lebt habe. So sagt Lippmann von seinem Zopffetischisten : „Niemals 
zeigte er eine Spur von Sinnlichkeit. Gespräche über 
Mädchen bzw. über geschlechtliche Dinge interessierten ihn gar nicht. 
Er trat auf Wunsch eines Freundes in einen Studenten verein ein, der 
das KeuGchhoitsprinzip zur Bedingung der Mitgliedschaft machte. Er 
erklärte, daß es ilun nicht schwer laue, ein derartiges Versprechen zu 
geben." Daß es sich aber nur um verdrängte Sexualität gehandelt 
hat. beweist der Umstand, daß er einmal gegen seine sonstige Gewoiin- 
heit berauscht, auf die Wirtin zuspringl und sie bei den Haaren zaust. 
Solche die Hemmungen aufiiebende und den Charakter scheinbar ver- 



') In diizelnen solchen Fällen könnt* ich Hncn BekundiLven Bcelisi^hen Mechauismus 
kdnetatJLTeii, den idi das Prinzip der „feit igen Sache" nenne nach cinom he- 
kiinntcn Witae, den ich hier eeiiicr peyciiologisclien Wurzel wegen erzählen muß. Bin, 
Iliiiatsvermittipr trägt einem jungen Manne ein reiches Mädchen an; der Bewerber 
hüli dem Vermittler iils großen .NacJiteil der „Pni'tie" entgegen, ddß das Mädchen 
sich einmal dae Bern gebrochin habe und nun hinke. „Ach was", sagt der Vermittler, 
„stellen iSie eich vor: Sie Bind schon verheiratet. Sie gehen mit Ihrer Frau spazieren. 
Dil kommt ein Auto. Ihre Fniu wird überfahren. Jetzt müssen Sie sofort mit der 
Rettungsgesellschaft in dsiK Sanatoriiun fahren, es Itommt der Professor. Sie verleben 
einige Woelicn der fiirchterliehntj^n Aufregung, Sie luilien dann die enormen Kosleii 
au tragen. So aber kommen Sie gleich zu einer fertigen Sache." Dies Frlnzip 
dci' fertigen Sache spielt, in einzelnen Fällen von PscudofetischismuB eine große Rolle. 
Vorerst ein anderer hichcr gehörender Fall. Ein Mann kommt zu der Frau seinee 
Freundes, die ihn immer kalt gelasstn hat, und findet sie ganz verprügelt. !n diesem 
Momente erwacht seine ganze Sexualität und er stürzt sich fürmlicli auf '^i«. Die Frau 
hat aa<'h ein intensives Bedürfnis, sich an ihrem Manne zu rächin, Sie omptinden beide 
eine imgehtui'e Libido beim Koitus, die sich aber nicht wieder einstellt. Der Mann war 
ein Sadist, dem seine grausamen Instinkte nicht deu{li<'li bewußt werden durften. Hier 
kam er zu einer ,.fertigen Sache". Fetisch isten, die amputierte Frauon suclien, haben 
auch das Stück Sadismus verdrängt, das eine Zerstückelung der Frau verlangt. Der 
amputierte Arm oder das fehlende Bein ist dann das Stock Realität, an dem die 
Phiuitasie ansetzt, der Sclidn eines ruten Blutes für die farblosen Schemen. Die Psycho- 
logie des Mitleids läßt sich von diesem Gi«ichtBpunkt auch neu beleuchten. Sie arbeitet 
aueJi nach dem Prinzipe „Lust ohne Schuld"'. Die grausamen Taltn voBbringt ein 
anderer oder das Schicksal. Wir zichin unsere Lust daraus in der Form, wie sie das 
ethische Gewissen verlangt. Die Schadenfreude, welche dem Mitleide so häuSg voran- 
geht, es heimlich heglcilet. ist der bewußte Ausdruck der gleichen Tendenzen. 

Stekel, SlärunKBIl dui Trieb- und Affaktlubenl. VII. 2 



■1 o _ Fe tisch isniuB. 

änilt'i'nde Wirkungen des Alkohols kann man in sexualibus üt't beob- 
achten nnd Boldien Personen ist die Abstinenz geradezu notwendig und 
hütet sie vor Entgleisungen. {Der Fall zitiert nach Merzbach, Die 
krankhaften Erscheinungen des Geschlechtsinnes. Ali'red Holder, i9ü9.) 
Dieser Kranke gibt an: „Eine sinnliche Regung zu Personen 
anderen Geschlechtes habe er nie empfunden. Es sei ihni das recht klar 
worden, als in dem Vorein Ethoe über die Scb^-ierigkeiten gesprochen ■ 
winde, geeehlechthchon Anfechtwngen zu widerstehen. Er habe damals 
aus ehrlicher Oberzeugung gesagt, für sich könne er garantieren und 
liabe nicht begriffen, daß auf andere die Versuchung so stark einwirken 
Icönne." . . . Wir merken, daß der Patient schon von Jugend auf dem 
Weibe ausweicht, offenbar weil er es gar nicht auf den Kampf der Ge- 
sichlechter ankommen lassen will. Der Mann fürchtet immer die "Über- 
legenheit des Weibes, wie ich es schon bei der Bevorzugung krüppel- 
hafter Frauen betont habe. Ein Patient von Merzbach, der sich nur 
verwaelisene Mädchen als Partnerinnen aus\vählte, sagte, daß es seine 
Begierde mächtig errege, werui seine Partnerin und er alle möglichen 
Künste aufwenden müßten, um die verwachsene Frau durch Kissen und 
Decken in die richtige Lage zu bringen, wozu noch der Umstand käme, 
daß sich solchen von der Natur vernachlässigten weiblichen Personen 
„zur Geschlechtslust noch die Dankbarkeit ge- 
selle". . . ■ Und offenbar kommt es dem Partner nur auf die Dank- 
barkeit und auf das Gefühl der persönlichen Überlegenheit an. Die 
sclion besprochene Tatsache, daß es eine Menge Männer gibt, die bei 
der Dirne potent sind und der anständigen Frau gegenüber auch in 
der Ehe versagen, entspringt diesem feinen Spiele des Ichbewußtseins. 
Ich könnte diese Behauptungen an vielen Fällen von Fetischismus 
nachweisen, die von anderen Autoren publiziert wurden. Ob es sich um 
Neigung zu Schuhnägehi, Rosen, Taschentüchern, Korsetts liandelt, 

■ immer ist die Tendenz dieser Menschen ein Abrücken vom AVeibe, ein 
starker Zug zur Abstinenz im Gegensatz zu ausschweifenden Phan- 

■ tasien. Immer liegen Satanismus und Religiosität bei ihnen im Kampfe. 

Erotische Sonder liclikeiten (der „Picazismus" Eulenburge) haben 
nichts mit dem Fetischismus zu tun. Sie sind in den meisten Fällen 
fixierte Infantilismen, wie ich sie in Bd. V beschrieben habe. 

Ich wälile zur Abgrenzmig des Fetischismus einige Fälle aus der 
,.Sexualpatholopio" von Magnus Hirschfeld. 

Der erste Fall lautet: 

,.In einem anderen Fall wurde ein Mann von dem Drange verfolgt, 

sieh auf einen Platz zu setzen, von dem sieh unmittelbar zuvor eine 

■©ame erhoben hatte: er konnte dies in den meist stark besetzten Wagen 

der Straßenbahnen und Stadtbahnzüge unbemerkt und leicht dursh- 



^Mta 



ÄbgreuzuDg iIce Fetisch ismiie. 



19 



iülii'en. Die dem Platze noch anhaJitende Wanne des weiblichen Gesäßes 
rief bei ilini oft Erektionen hervor. Sich dorthin zu setzen, 
wo vorher ein Herr gesessen h a. 1 1 e, erzeugte in ihm 
großes Unbehagen und war ihm Gchließlich ganz 
unmöglich. In Hotels, auf der Eisenbaim und auch sonst vielfach 
benutzte er mit Vorliebe Danientoiletten, was ihm nicht selten Zureclit- 
weisungen eintrug." 

Dieser Mann hat wahrscheinlich schon in der Kindheit mit Vürüebe 
den Abort benützt, wenn ein weibliches Mitglied der Familie voriier dort 
gewesen war. Die Warnte des Brettes erzeugte ihm Lustgefühle. Die Be- 
rührung des Brettes weckte die Assoziation zur Berührung des Körpers. 
(Das bekannte Tertium defäeationis, das im Kinderleben eine große 
Rfjüe spielt.) Die verdrängte Homosexualität äußert sich in der Ab- 
neigung, sich auf einen Platz zu setzen, wo vorher ein Mann gesessen ist. 
Dieser Fall ist ein typischer Fall von „psychose-vuellem Infantihemus'" 
mit verdrängter Homosexualität und mit verdrängter Anal Sexualität. 

Nun zum zweiten Falle von Hirschfeld: 

„Ein Mann meiner Piaxis, galizischer Kaufmann, war von einem 
sadistisdien Haß gegenüber roten Haaren erfüllt. Gleichwohl heiratete 
er schließlich eine Frau mit „knallrotem" Haar. Zu seiner Recht- 
.fertipung gab er zwei Gründe an: Er hätte geglaubt, durch die eheliche 
Gewöhnung würde er sich seine AbiuMgung „abgewöhnen" können, 
außerdem sei seine Frau so vennögend gewesen, daß er um dieses Vor- 
zugs willen das körperliche Defizit in den Kauf genommen hatte, zumal 
alle, die er gefragt habe, das feurige Haar eher schön als häßlich ge- 
funden hätten. Um seinen Ekel hypnotisch heilen zu lassen,- suohte er 
mich auf. Ich schlug zunächst der Frau vor, ihr Haar färben zu lassen. 
Sie leimte dies energisch ab. Den Widerwillen ihres Mannes faßte äie 
als persönliche Beleidigung, bestenfalls als eine Marotte auf, die er, 
„wenn er sie wirklich liebe, aufgeben müsse"; ähnliche Gedankengänge 
kommen bei dei' Unkenntnis und Unterschätzung fetisciiistischer 
Zwangszustände im Publikum allzu häufig vor. Die Ehe wurde getrennt." 

Es handelt sich um einen Fall von „Partialismus", um eine indivi- 
duelle Liebesbedingung negativer Art. wie sie früher von Hirschfeld als 
„Antifetischismus" beschrieben wurde. Der Mann kämpft gegen eine 
übermächtige Neigung zu Frauen mit rotem Haar (Erinnerungsbild aus 
der .Jugend?). Er verwandelt diese Zuneigung in das Gegenteil. Er erliegt 
der Anziehungskraft des roten Haares und rationalisiert seine Heirat 
mit dem fadenscheinigen Motiv, sich durcli die Ehe den „sadistischen 
Haß" abgewölmen zu wollen. Die hemmenden Faktoren ei'weisen sich als 
stärker. Die Heilung könnte durch eine Psyehanalyse leicht vollzogen 



V I 



_„ Fetischismufl. 

weiden, ebenso wie die lisychologisclie Aufhellung dieseB Falles, der 
keineswegs in die Gruppe des Fetischismus gehört. 
; ;■ Nun zum dritten Falle von Hirschfeld. 

Ich gebe das Beispiel eines Haarfeti_s^isteiu_Patient, der über _ 
10 Jahre in meiner Behandlung steht, isL höherer Regierungsbeamter, 
50 Jahre alt; aus seinen Berichten geht folgendes hervor: 

Ale Patient 7 Jaln-e alt war, kam eines Abends, als die Kinder 
schon im Bette lagen, ihr junges Dienstmädchen zu ihnen und umarmte 
sie da- sie wegging. Dieser Moment steht Patient noch deutlich vor 
Augen, wie er ihr damals ins Haar gegriffen hat. Mit Eintritt 
der Pubertät kommt der Zusammenhang der se- 
■ xuellen Erregung beim Anblick oder Berühren 
eines schönen Scheitels zum Vorschein. Es beschränkt 
sich die Auslösung der Err^ung von da ab nur auf das Haar bei 
Mämiern. Frauenhaar flößt ilim absolut keine Beachtung mehr ein und 
auch bei Männern nur das glatte, braunschwarze 
Haar mit einem Scheitel, der durchgezogen sein 
iii u ß. Zwar beachtet Patient auch den vorderen Anfang des Scheitels, 
dodi ist die Lage nicht so sehi- von Bedeutung, ein zu weites Sitzen 
nach der Seite wird nicht als schön empfunden. Patient bevorzugt 
iunge schüchterne Leut«, sie müssen sich aber recht natürlich geben: 
besonderen Genuß und Auslösung seiner sexuellen Erregungezustände 
findet er beim Frisieren. Er nimmt dies folgendermaßen vor : Er 
■ steht hinter dem Betreffenden, feuchtet das Haar an mit Öl und Pomade, 
die er ebenso wie Kämme stets in der Tasche trägt, und zieht dann einen 
Scheitel. Beim Durchziehen des Scheitels über den 
* ' " Wirbel tritt Ejakulation ein, doch aucli schon das 

' Streichen des glatten Haares mit den Händen, das „Glätten'', löst bei 
ihm diesen Moment aus, zumal weim er die Rückseite des Betreffenden 
mit seinem Körper bei Annäherung an den Scheitel leicht berührt. Er 
entblößt dabei nicht seine Geschlechtsteile, doch meint er, daß dies ilmi 
größeren Genuß bereiten würde, aber aus Schamgefülil unterbleibt es. 
Er selbst trägt auch einen durchgezogenen Scheitel und frisiert sich 
sehr oft. Doch bringt es ihm viel größeren Genuß, wenn er einen anderen 
l \ frisieren kann. Allein der Anblick eines Scheitels läßt ihn dem be- 

treffenden Träger hinterherlaufen und ihn ansprechen; wenn er als 
junger Offizier zu einem Mädchen ging, um es zu koitie-ren, zog er sich 
selbst einen sehr gutsitzenden Scheitel; im entscheidenden Moment 
stellte er sich einen schönen Scheitel vor als höchstes Symbol seinei* 
sexuellen Empfindung. Das Absclmeiden von Haaren zur Erinnerung 
oder aus Zwang ist Patient nicht verständlich, doch könne er sich vor- 
stellen, „daß er von einem sehr lieben Freund, der auf dem Sterbebette 






■^ . 



AbgreiizuDg des FetiBchismus. 21 

läge und ihm endgültig verloren ginge, eine Locke zum Andenken mit- 
nehmen würde'". Seine Hauptideenassoziation läuft über den Anblick 
eines schönen Scheitele zurück zur Erinnerung an die schönsten Standen, 
in denen er jungen Leuten einen Scheitel ziehen durfte, „als Ausdruck 
seiner höchsten Gefühls- und Gedankenwelt, in der er sich wie in einem 
geschlossenen Ring bewegt, dessen Zentrum ein schön durchgezogener, 
festanliegender, braunschwarzer Scheitel bildet, der Brennpunkt in 
seinem Weltsystem, in dem nur wenig Licht in weiter Finsternis das 
Leben verrät". Patient, der durch sein seltsames Gebaren verschiedent- 
lich auffällig geworden, fülirt in den Lokalen, in denen er sich mit Ver- 
liebe aufhält, den Beinamen der „Frisierer". Diese Lokale entsprechen 
übrigens in keiner Weise seiner aristokratischen Abstammung, sondern 
dem volkstümlichen Milieu, in dem er sich am wohlsten fühlt." 

Auch dieser Fall hat mit dem Fetischismus nichts zu tun. Es 
handelt sich um einen typischen Fall von „psychosexuellem Infanti- 
lismus" mit Homosexualität. 

Meine Leser werden schon begierig sein, die Krankengeschichte 
. eines echten Fetischisten kennen zu lernen. Ich werde später einige ein- 
gehende Analysen mitteilen, will aber schon jetzt zur Abgrenzung einen 
sehr charakteristischen Fall von Paul Garnier') anführen: 

Fiill Nr. 3. Der 26iährige Schriftsteller Louie X. hatte im Park von 
Vincennes offenthcli onaniert und wurde wegen Verletzung der Sittlichkeit 
angeklagt und von den Gerichtsärzten Paul Garnier und Legras auf ßemsn 
GeisteszuRtand ujitersucht. Ihrem Gutachten entnehme ich folgende Tat- 

eachen; 

X entstammt einer reichen FamiHe und ist mütterlicherseits erblich 
ziemlich schwer belastet. Er zeigt keine besonderen Deg^erationszeiehen. Er 
macht einen auffallend gepflegten und eleganten Eindruck. Er tragt 
Lackecliuhe die einen ganz beeüiideren Glanz zeigen. Er benützt Zwicker 
und Monokel, ohne kurzsichtig zu sein, nur um sich eine interessante Pose 
zu seben Seine Haltung ist ruhig, seine Bewegungen beherrscht; seine btimme 
klinet monoton und eher weiblich. Er ist groß, schlank, trägt einen hell- 
blonden Vollbart Seine Hände erwecken infolge außerordentlicher Pflege den 
Eindruck soignierter Frauenhiinde ; die Näg el smd bo lang, da ß„ sie ihn au 
jeder manuellen Beschäftigung unfäliig machen., 
"""^^That eich immer einer ungetrübten körperlichen Gesundheit erfreut; 




sein Bruder, j^-i ncuv <■■■- "..■" -_ ^ . 

seinem verschlossenen Zimmer. Er zeigte stets Neigung ^Paradoxen^^_ 
Ironie und Entwertuug. Andrerseits gab er nie Anlaß zü-Tadel. weder .u 
Hiul^noch in der Schule, was mehr auf seme Passivität als auf semen Ehr- 
geiz zurückzuführen ist. 

') T.Ä Fetichietes. Paris. Bclliüre et fiU. l^^^H. 



22 V FetiacbismaB. .. 

Seine Gewohnheiten waren stete bizarr; man machte sich über seine 
Manieren lustig. Schon mit 12 Jahren verwendete er große Sorgfalt für seine 
Toilette, salbto seinen Körper mit Pomaden, puderte ihn dann ein und be- 
trachtete Bich fortwährend wie eine eitle Frau im Spiegel. Auf dem Lande be- 
liütete er in lächerlicher Weise seinen Teint und wich deu Sonnenstralilen aus. 
Oft fand ihn der Bruder in einer grotesken Pose im Bette, den Kopf mit dem 
Leintuch bededct. auf dem Bauche liegend . . . 

■ Mit 13 Jahren wurde X. im Lyzeum zur Onanie verleitet. Daheim be- 
nützte er die Ausgänge seiner Familie, um migestört zu onanieren. Von 
dieser >Ceit an konnte er beim Onanieren nur durch das 
Betrachten von Lackschuhen zum Orgasmue gelangen. 

Dieses Anstarren der Schuhe trat schon in 
frühester Kindheit auf. Alle anderen onanistischen Prozeduren, 
ausgenommen die manuellen, flößten ihm tiefen Ekel ein. Er wurde 17 Jahre 
alt, ohne irgend eine Neigung für das weibliche Geschlecht zu empfinden. Er 
kam auf die Hochschule, studierte die Rechte ohne tieferes Interesse. Die 
Schriftstellcrei zog ihn an. Er beschloß, Schriftsteller zu werden, veröffent- 
lichte mehrere Werke mit vollständigem Mißerfolg. Während des einjährigen 
Militärdienstes versuchte er sexuelle Beziehungen mit Frauen anzuknüpfen, 
da ihn seine Kameraden wegen seiner mädchenhaften Schüchternheit ver- 
lachten. Der Koitus machte ihm kein Vergnügen, er kehrte daher zur Onanie 
zurück. Nachher bereitete er sich auf das Doktorat vor und publizierte zwei 
Romane, die unbemerkt in Vergessenheit versanken. Seine Lieblingslektüre 
waren pikante Schriftsteller. 

Mit 22 Jahren fühlte er das erste Mal ein unbestimmtes Verlangen zur 
passiven Päderastie und machte eehüchtenie aber erfolglose Versuche in 
dieser Richtung. Er begann nun mit großem Vergnügen hübsclie und elegante 
Burschen zu betrachten. Sein Lustgefühl steigerte sich, wenn seine Objekte 
Lackschuhe trugen. Diese Lackschuhe stellte er sich vor. wenn er zu Hause 
onanierte, woItoi er immei' den letzten aktuellen Anlaß benützte. 

Er war immer überzeugt, daß er als Schriftsteller einen großen Erfolg 
haben werde und mißte seine Familie in geschickter Weise durch 4 Jahre zu 
täuschen. Er behauptete, bei einem Advokaten angKtellt zu sein. Er begab 
sich jeden Tag angeblich ins Büro, benützte alle mögliehen Ausflüchte, um die 
Wachsamkeit seiner Mutter und seines älteren Bruders zu hintergelien Er 
erzählte allerlei Details über sein Studium und die Intensität seiner Arbeit 
Auch von den Ei'folgen seiner Stücke -n-ußtc er zu berichten. Täglich verließ 
er zur Beiben Stunde seine Wohnung, wanderte in verschiedenen Museen herum 
oder Bammelte Schmetterlinge. Während dieser Wanderungen suchte er ver- 
geblich sein Ideal, von dem er folgende Schilderung entwirft: .,Ich sehnte 
mich nach einem eleganten, gebildeten, jungen Mann. Wir sollten täglich 
mehrere Stunden mit Gesprächen über Literatur, Philosophie usw. verbringen 
Dazwisclien sollten wir Liebkosungen austauschen und uns gegenseitig 
masturbieren. Von diesem Ideal würde ich nie die Päderastie verlangen die 
widerlichen Details könnten unsere Freundschaft zerstören. Hingegen wünscht« 
ich mir, wenigstens einmal von einem anderen Manne besessen zu werden nur 
um dieses Gefühl kenrira zu lernen. Aber keiner dieser Träume sollte' sich 
jemals erfüllen. 

Entmutigt durch die Erfolglosigkeit seiner literarischen Bemühungen' 
gepeinigt von der Angst vor der Entdeckung seines komplizierten Lügen- 



Abgreuzuiig des FetiEcbisraiis. 23 

gerebes, verstöi't durch die Uninögliclikeit, seine pädei'aetischen Träume .zu 
realieiereii, die ihm wie eine O'ata morgana schwanden, n'emi er sie durcii 
allerlei mehr oder minder burleske Abenteuer realisieren wollte, kam er nach 
Hallte, wurde erregt, mißgestimmt und von einem hartnäckigen Stirnkopf- 
sehnierz gequält. Um seine Leide nsehaft zu beschwichtigen, kam er aul den Ge- 
danlceii, den Penis durch eine Billardkugel zu ersetzen. Die erste war zu groli 
und verletzte ihn. Endlich fand er das gewünschte Kaliber. Die betreffende 
Prozedur schildert er folgendermaßen: „Mit einer rosaseidenen Danienhose be- 
kleidet, die ich lange Zeit vorher gekauft hatte, führte ich kauernd die mit 
Vaselin eingefettete Kugel in den Anus ein. Sorgsam schützte ich die Hose 
durdi einen alten Leinen! ani])üii vor Beschnmtzung. Dann drängte ich die 
Kugel mit der linken Hand gegen den Anus, um sie förmlich schnappen (ha.p- 
|ier) zu liönnen, wähi'end ich mit der rechten die Hose festhielt. In diesem 
.Monienle hatte ich nur <'ine halbe Erektion, der wahre Genuß begann für mich, 
wenn die Kugel schon im Anus eingeführt war. Während ich mit der rechten 
Hand (monierte, bemühte ich mich, die Kugel herauszudi'angen. Gehing es mir, 
so drängte ich sie mit der linken Hand wieder zurück und wiederholte dieses 
Manövei- fi— 8, 10—13 Mal. Mein Lustgefühl steigerte sich, wenn es mir gelang, 
die Kugel mit einem Griff einzuführen. Dabei versuchte ich, (iie Ejakulation 
sc lange als möglich hinauszuschieben und kam zum Orgasmus, wenn ich die 
Kugel nach ihrem letzten Ausstoßen zwischen meinen Nates fest- 

gezwängt hielt." ■ 

Die Sensationen wäliremi des Aktes schildert er als außerordentlich ■ 1 

kompliziert und viel weniger klar als die Onaniephantasien früherer Jahre. ] 

Kr hatte ein doppeltes Vergnügen: 1. Er stellte sich beim Einführen und 
Herauspressen der Kugel das Glied eines seiner letzten Objekte vor, das ihn 
durch seine Eleganz mid iieBonders durch die Lackschuhe entzückt hatte. 

..Ihre Bilder erschienen mir in Reihen von 4, 5, fi, bis ich : 

beideniverlockendstenBildestehenbliebundzum Ol- I 

g a s m u s gelangt e," 2. Es schien ihm, als ob seine Objekte ihn während 
des padei'astischeii Aktes zu gleicher Zeil masturbierten. Diese sondcj'barcn 
Prozeduren geuijgten ihm abej' niclit. Er aunoncierte an Ölfentüchen Orten durch 
stereotype Inschi-iften, die etwa folgendermaßen lauteten: „Ich biete meine 
Nates s",hönen Mäimern, welche Lackschuhe tragen, an." Dabei sparte er nicht 
mit widerlichen Verspredumgen. Während des Schreiljens des Wortes Lack- 
schuhe trat eine Erektion ein. Die Lackschuhe waren seine Zwangsvorstellung. 
\uf der Gasse sah er jedem Menschen auf die Füße. Der Dreiklang; Lack- 
ächnhc schöner, junger Mann, Eleganz, führte sofort zu einer Erektion. Stmi- 
denlan'' stand er vor Schuhwarengeschäften, machte die größten Umwege, um 
zu deirverschiedenen Läden zu gelangen, und es kostete ihm große Mülie, sich 
dem Zustande der Trunkenheit zu entreißen, in den er durch diesen Anblick 
versank Je glänzender sie waren, desto mehr erlag er ihrer Faszination. Bei 
Nachi träumte er, daß er die Schuhe aus dem Laden raubte. Endlich kam er 
auf'den Gedanken, sich ein Paar Lackstiefel zu kaufen, wie sie die Zöglinge 
der Militärschulc zu tragen pflegen. Was nun folgte, war ein Rausch des Be- 
sitzes den er folgendermaßen beschreibt: „Mit ungeheurer Erregung trug ich 
nach H-nFe Mein Herz .schlng zum Zerspringen, ich schloß mich m mein 
yLmer ein um meine Acquisition nach Herzenslust genießen zu können. Ich 
stellte die Schuhe auf die seidene Hose. Meine sexuelle Err^ung erreichte 
.it lieftiKer Erektion ihren Höhepunkt. „Endlich, endlich habe ich sie! 
V ederholle ich mir. „Vor dem Schlafengehen stellte ich meinen Schatz auf 



i) I ■ Fetisch ismus. 

das Naphlkästchen, so daß er von der Lampe grell beleuchtet wurde. leb 
konnte meine Blicke nicht abwenden. Meine sinnliche Begeisterung äußerte 
sich in periuanontor Erektion. Den nächsten Morgen mußte ich sie lange an- 
blicken, bevor ieh mich entscheiden konnte, auszugehen. Jeden Tag holte ich 
■von da an meine Stiefein aus dem Karton hervor und starrte sie lange an." 
X. behandelt die Lackstiefel mit der eifersüchtigen Aufmerksamkeit 
eii.es Geliebten. Eines Tages hatte das Dienstmädchen sie beim Aufräumen 
auf einen anderen Platz gestellt. Er war davon sehr betroffen und sperrte sie 
nun sorgfältig in einen Kasten. 

yeiiie größte Freude ist es, sie täglich hervorzuziehen und zu betracliten, 
Er versäumt kein Mittel,'um ihren Glanz zu erhöhen. Er stellt sie ins Fenster, 
um sich an dem Reflex der Sonnenstrahlen zu weiden. Er bewundert sie. Er 
isL so fasziniert, daß es zum Orgasmus kommt. Lange schwankte er, ob er in 
den Stiefeln ausgehen solle. Endlich entschließt er sieh, im Reitkostüm die 
Lackstiefel ausxiiführen. Er hofft, Aufsehen zu erregen und von einem seiner 
Objekte begehrt zu werden. Er erreicht sein Ziel nicht. ,,lch kehrte heim", 
führte er aut, „außerordentlich iibererregt und konnte keinen Bissen zu mir 
nehmen. Zwiir wendeten sich viele Leute auf der Gasse um, um meine Stiefel 
au botrachten. Aber da diese Personen meinem Ideale nicht 
entsprachen, machte es mir kein Vergnügen. tJberdies be- 
merkte ich an den Lackstiefeln einen kleinen Sprung . . . Das betrübte mich 
so, als wenn ich die erste Falte in dem Gesichte eines ge- 
liebten Wesens erblicken würde. Seit damals ziehe ich sie nicht 
nuhr an''. 

Der Fclisdi wirkt bei ihm nicht nur durch das Sehen. Auch der leiseste 
Geruch seiner Laekstiefel kann zu Orgasmus führen. Er riecht sie mit außer- 
ordentlichem Vergnügen. Ihre Berührung vermittelt ihm wunderbare Genüsse. 
Des Morgens nimmt er sie in sein Bett und drückt sie zwischen seine Schenkel, 
wobei er sich beherrschen muß, als ob er Angst hätte, sie zu beschädigen. Von 
seinen Bejiiehungen zu den Lacksliefeln entwirft X. folgendes Biid: 

Ich ziehe meine rosa Seidenhose und meine Stiefel an. Ich steige mit 
•'Hspreizten Beinen auf zwei Sessel und iwtraehte mich im Spi^el. Ich onaniere 
und fixiere die ganze Zeit immer meine Nates, meine Schenkel und besonders 
meine' Stiefel. In diesem Momente könnte ieh mich selbs-t 
lieben, meinen ganzen Körper liebkosen, wie ich ihn im 
Spiegel sehe. Der Anblick kann mich so erregen, daß ich manchmal die 
liillardkugel gar nicht benötige, um zum Orgasmus zu kommen. Mein Ziel 
ist es dann., den Strahl de.s Spermas in die Stiefelschachtött'uung m dirigieren. 
Gelingt es mir. i^o fühle ich einen Panjxismus der Lust. Ein anderes Mal reibe 
ieh vor der Ejakulation die Nales, die Schenkel und den Anus mit einem 
Stiefel, wahrend ich hartnäckig und unverwandt den Reflex des Lichtes auf 
dem anderen betrachte. Aber fast immer stelle icli jeden Stiefel auf einen 
Sessel nahe dem Fenster, drehe sie so lange, bis sie möglichst stark glänzen, 
stelle sie in eine bestimmte Distanz, um sie während der Ejakulation so er- 
reichen zu können, daß ich in eine der Öffnungen spritzen kann. Im Momente, 
d?- der Samen den Stiefel berührt, empfinde ich neben einem außerordentlichen 
Orgasmus ein Gefühl des Triumphes und des Sieges." 

Nun schritt X. zui' Verwirklichung seiner Phantasien. Er geht in seinen 
Stiefein aus. Er sieht einen jungen Radfahrer, dei ihm gefällt. Der Radfahrer 
ijliekt sieh nach ihm um und betrachtet seine Stiefel. Endlich hat er sein Tdeai 



Abgrenzung des Fetiscbismus. 



25 



erfunden' Im Paroxismue seiner Erregung exhibiert er seine Genitalien. Seine 
' ntälchung .st groß, als sich der Unbekannte kühl entfernt, Das Resu a 
dieser Demonstration war, daß er aut die Anzeige enies Passanten 
arretiert wurde. 

Das Gutachten der beider, Sachverständigen wies auf die erbliche Be- 
lastung des Kranken, auf den zwangfiaften Charakter der Impulshandlung hin 
und i'ltciierle für Intemienmg des X. in eine Irrenanstalt. Uas Gericht schlol.^ 
eich diesem Vorsehlagc an. 

Dieser bemevkenewerle, geradezu einzige Fall zeigt die charakteri- 
stischen Merkmale eines echten Fotischisten. In erster Linie sehen wir 
ein Ausweichen vor dem Weibe. X. versucht einige Male den Koitus aber 
er macht ihm kein Vergnügen. Er baut dann seine homosexuelle Kom- 
ponente aus und tut BO, als ob er einen Partner sucl^en ^vurde. Aber ei 
findet keinen. Er hat keine Kraft zu einer Aggression und weicht in 
Wirklichkeit allen Gelegenheiten aus. Zeigt ihm em junger Mann Ent- 
gegenkommen, so findet er, daß jener seinem Ideale nicht entspricht. 
Kurz, er weicht der Realität aus und lebt in seinen Phantasien. 

Der echte Fetischist lebt sich in der Onanie 
aue Es gibt keinen Fetischismus ohne Onanie. Auch X. ist ganz der 
Onanie verfallen. Die Realität hat für ihn den Wert verloren. Er lebt 
in der AVeit der Träume! ■ " ■ , " 

Aber diese Welt der Träume reicht in seine Kindheit zurück. X. ist 
.vie alle Fetischisten ein typischer Fall von psycho.exuelle.n Infanfi- 
ii^mus. Zugleich drängt es ihn zu einer Impulshandhmg Er konnte die 
S iefcl aus der Auslage stehlen! Er exhibitiomert schließhch im Bo.s de 
V K-ennes. Leser, welche Bd. V und VI studiert haben, werden die ver- 
ISenen lächerlichen Prozeduren des Herrn X '-f^t versahen ,^^^ 
Stiefel repräsentieren ihm zwei lebende Personen (vielleicht die El ein , 
rSd für ihn Symbole bestimmter Personen und Ereignisse, nni H.lfe 
Tld Verschiebungen (V e r 1 a d u n g e n) werden mächtige, aus der 
Z^^^^^^ Affekte von ihrem ursprünglichen Objekte scheinbar 
^„l und auf die Stiefel verladen. Die Stiefel werden dann ein Idol, 
ein wirklicher Gott, ein echter Fetisch. 

In allen Fällen von Fetischismus finden wir Reihenbildung und 

u 1 Hier scheint eine Treue an ein Objekt vorhanden zu sein. 

einer. Harem Hiei sche.m^ ei verschiedenen Partner, der 

p,, ff^^'f2^^'^^ZX2£.n ein halbes Dutzend vorstellt, 
Obiekte, V- ". X.n Favoriten haften bleibt. Der Wieder- 
„i, er scliheLshch '^'" ^^nistischen Aktes deutet auf die mangelnde 

Beh-iedigung hin. 1^ ^ ^ ^" ^-^ ^^^,, ersetzt worden. Es kann 

ther :::XÄ^;:ltl Erschöpfung eintreten. Wir .erden in 



2B ■ Fetischismus. 

(lön meisten dieser Fälle gehäufte Onanie bei einem Dutzend Mal im 
Tage beobaetiten können. 

Dabei besteht ein Drang zur Exhibition, zur öffentlichen Mastur- 
bation, zur Auesprache der lieimliclien Wünsche. X. kündigt eich durch 
Inschriften an, er maclit sich auffallend, er exliibitioniert schließlich an 
einem öffentlichen Orte. 

Alle diese Kranken leiden unter der gähr enden 
Kraft des Geheimnisses. Sie verbergen sich scheu 
II n d leben in ihrer Traumwelt, aber eine zweite 
Kraft drängt sie dazu, sich zu verraten, sich mitzu- 
teilen, i li r Geheimnis symbolisch oder offen aller 
Welt kundzugeben. 

Wii' sehen nuch im Falle X. das Herimilanfen in einem Dämmer- 
zustände (hyyonoischer Zustand Kretschmers}, den wir bei Besprechung 
der Tmpulßliandlungen so oft feststellen koiuiten. Wir sehen eine außer- 
ordentliche Fähigkeit zur Schauspielerei und einen Narzißmus, der sich 
im Onanieren vor dem Spiegel äußert. Der starke Narzißmus fehlt in 
keinem Falle von Fetischisnms. Das Onanieren vor dem Spiegel ist sehr 
charakteristisch. 

Wir haben also in Luuis X. einen echten Fetisehisten kennen ge- 
lernt. Wir könnten uns in verschiedene Vermutungen über die sym- 
bolische lifdeutung seiner Lackschuhe und seiner verschiedenen Mani- 
pulationen einlassen. Meine Leser werden ja selbst vermuten können, 
daß die beiden Stiefel vielleicht die Eltern vorslellen können, daß es sich 
um pluralistiBclip Phantasien, um eine \ erdichtung von Geburt splianta- 
slen und anderen sexuellen Vorgängen handelt. Ich werde ähnliche Fälle 
durch Analyse aufklären, X. ist nicht analysiert worden und kam ins 
Irrenhaus. Er hätte durcli eine Analyse von dem Leiden befreit werden 
können. 

Betrachten wii' nocJi einen interessanten Fall, ehe wir zur Abgren- 
zung des P"'etiBc]iisnuis schreiten. 

In den „Archives internat. d. Neurologie", 1922, Heft 1, veröffent- 
licht Viollet folgenden Fall: 

Fall Ni'. 4. Herr D., 25 Jahre, ist der älteste Sulm einer Familie mit 
3 hindern, die zweite Schwester ist mit 18 Jahren gestorben, die dritte ist 
1.6 Jahre ali. Der Vater leidet an chronischer Bronciiitis „et a' des habitudes 
d'ethyhsnie". Die Mutter ist lie^ehränkfc, brutal und boshaft. Sonst ist erbliche 
Belafituug nicht bekannt. 

D. ist nie schwer krank gewesen, abpr hatte stets eine sehwache Gesund- 
heit. Während des Krieges is(. er erst 3 Jahre später als seine AltcrseenosBen 
eingezogen worden und nicht ins Feld gekommen. 



Abgrenzung des Fetischismus. 21 

• Kurz VDi- der Einberufung heiratete er und hat ein 4 Monate altes Kind, 
das eine spina bifida incompleta und eine Atresie des Anus aufweist. 

Masturbiert hat er schon mit S Jahren. Er will von selbst darauf ge- 
kommen sein und hat besonders zwei Vorstellungen dabei. Die eine: Er ona- 
niert auf („sur") seinem Kopfpolster, einem Kinder- 
kopfkissen, mit Federtüllung oder indem er sich ein 
kleines Mädchen, das in der Nähe wohnt, vorstellt. 

Mit diesen Phantasien onaniert er seit seinei Kindheit. Trifft er das 
„kleine Mädchen", das jetzt 25 Jahre alt ist, auf der Straüe, so hat er sofort 
eine Erektion, gelit nach Hause, suclit sein Kissen liervor, versteckt sich ge- 
vühnlich auf dem Boden und onaniert. Wenn das Lustgefühl dann kommt, 
steht das Bild des Mädchens wie leibhaftig vor ihm und er hat ein sehr großes 
Vergnügen. - ■>.■■< 

Er versteckt sich, weil ihn seine Mutler jedesmal, wenn sie ihn beim 
Onanieren traf, furchtbar geschlagen hat. 

Einmal hat ihn auch seine Fi-au mit der Mutter zusammen vorprüg.>]t, 
um ihn zu heilen. Er wohnt nämlich mit seiner Frau bei seinen Eltern. 

Vor seiner Mutter hat er große Angsi;. Seine Frau findet er hübsch, 
aber sie ärgere sich über sein Onanieren. "" ""'■ 

Geschleclitlichen Verkehr mit seiner Frau hat er täglich, aber das ist 
für ihn weniger genußvoll, als wenn ei' mit seinem Kissen allein ist. Einmal 
fand ihn seine Frau beim Onanieren und sagte ihm, er solle doch mit ihr 
koitieren nnd das lassen, aber beim Versuche verging die Erektion sofort. 

Das ist öfter vorgekoumieu und D. versichert, daß er. wenn er mit 
seinem Kissen zusammen ist und eine Erektion hat, den Akt nie mit einem 
normalen Koitus beenden kann. 

Dieses K o p f k i e b e n muß s t e I, s dasein. Beim Schlafen hat 
es einen sauberen Bezug, aber wenn er es beim Onanieren braucht, zieht er 
einen alten schmierigen Bezug darübei-, der noch nie gewaschen worden ist. 

Einmal hatte seine Frau das Kissen xmXvr der Matratze versleckt, da 
suchte er es ängstlich, aber er onanierte nicht ohne Kissen. Erst als er es 
wieder- in Händen hatte, onanierte er. wieder. Die Vorstellung des Mädchens 
altein kann zwar eine Erektion hervurniien, aber wenn das Kissen fehlt, 
kommt es nicht zum Onanieakt. 

Mit diesem Mädciien, das in seiner Phantasie eine solche Rolle spielt, hat 
D keinerlei Bezielmngen angeknüpft, im Gegenteil, er vermeidet es sogar, 
mit ihr zu tanzen. An einen Beischlaf mit ihr hat er nie gedacht. Er stellt 
: ;„ii i„n„(T so all vor, wie sie ■«irklich ist und mit den Kleidern, in denen 
r -ie auf der Stra,ße traf. Dabei hätte or da« Mädchen, die aus den gleiclien 
r,«RPllschaftski'eisen stammt wie er selbst, sehr leicht kennen lernen, sie auch 
heiraten können. Aber er versucht (^ nie. Außerhall, seiner Onaniephan- 
tasien existiert sin nicht iiir ihn, er liebt sie nicht. 

Verfasser konnte nicht klar entscheiden, um wa^ lur eine Form der 
f Besessenheit) Zwangsvorstellung es sich handelt. B m'a ete imposs.ble 
drdSo mrir decisivement s'il s'agissait lä d'une obsession. > 

D ist ängstlich und sehr einsilbig, er ist ganz gutwillig, aber er vei- 
. ^.^ !^^„ q'inn der Fragen, die an ihn gestellt werden, wohl gar nicht. 

fLfX onanierte D. aber auch, ohne die Fran gesehen zu haben. Nur 
mußte e £ und ingestört sein und sein Kissen haben. Dann konnte auch 
i" Fra'eitphantasie völlig aus den> Spiel bleiben. 



28 ' - Fetisi^hismus. 

Abel- das Kissen und Einsamkeit waren dringejidcä Bedüilnis. Die fand 
er zu Hause schließlich nicht, da er von Mutter und Frau dauernd bewacht ' 
wurde. 

Und so wurde D. in einer Gasse nahe seiner AVuhnung von zwei Frauen 
hcuierkt, wie er auf seinem Kissen onanierte. Daraufhin wurde er verhaftet. 

Hiezu bemerkt Yiollei, dali es nicht das Bedürfnis des D. gewesen sei, 
öffeiiüicli zu onanieren, wie das üerichl aunaliin, sondern, daß er hoffte an 
dieser Steile ungestört zu sein, als er dort von den Frauen überrascht WTirde. 
Hätte er zu Hause in Ruhe onanieren können, so hätte er dazu keinen öffent- 
lichen Weg aufgesucht. 

D. ist im iibiigen von männlichem Aussehen, arbeitet ganz gut und ver- 
dient seinen Lebensunterhalt für ^ith und seine Familie. Er ist keineswegs 
ein asozialas Individuum. 

.ledoch erscheint er debil: äußeret geringe Bildung, i>eschränkter Ver- 
staiiii, krankhafte Furchtsamkeit und große Willensschwäche. Daneben ist 
er Trinker, d. h. so wie man sie häufig in Burgund findet. Die Leute trinken 
Rof-wein und kauen dazu Bi'<)tkru.sten, und zwar sehr viel Krusten. 

Aber er ist kein Alkoholikci- im strengen Sinne, Trinkersymptome weist 
er nicht auf und „der Alkohol kann in seinem Falle keine Rolle spielen". 

Da D. während seiner Militärzeit, als ci' das Kissen nicht bei sieh hatte, 
und in der Zeit, während der die Frau das Kissen versteckte, nicht onaniert 
hair, glaubt Viollut. nach Verbrennung des Kissens würde der Antrieb zum 
Onanieren fehlen. Daneben hält er gütiges und rücksichtsvolles Benehmen der 
beiden Frauen füi' notwendig. 

Es handelt sich um einen atyjiisL'hen Fall von Fetischismus, d. h. 
um eine rudimentäre Form. D. war imstande zu lieiraten und den Koitus 
auszuführen. Aber er war nicht imstande, auf seinen Fetisch zu ver- 
ziditen. Suhr deutlich sehen wir zwei Formen der Verladung: Die eine 
au! das Mädchen und die andere auf das Kiesen. In beiden Fällen handelt 
es sich um eine Regression zu einem infantilen Ideale, wahrscheinlich 
zur Mutter. Hier fehlt die Reihenbildung. Durch die Elie wurde die Aus- 
bildung des echten Fetischismus verhindert. Auch sehen wir statt der 
Reihe, statt des Harems eine pathologische Treue zum Fetisch und zum 
Mädchen, ähnlich wie sie Douis X. zu seinen Lackschuhen zeigte. Wahr- 
scheinlich würde eine tiefere Analyse die Reihenbildung nachweisen 
können. Auch in diesem Falle führt die „gährende Macht des Geheim- 
nisses" zu einem exhibitionistischen Akt, der den Täter mit dem Gesetze 
in Konflikt bringt. Die vorgeschlagene Therapie (Verbrennung des Kis- 
sens) richeiut mir lächerlich und erfolglos zu sein. Das Kissen wird wahr- 
scheinlich durch einen Harem von neuen Kissen ersetzt werden. 
Wir kommen vorläufig zu folgenden Schlüssen: 
In einem Falle von echten Fetischismus finden wir: 
1, Der Fetisch ersetzt den Partner! Dadurch 
i- II t ä t e h t ein deutliches Abrücken von der aktiven 
Sexualität. Der männliche Fetischist flieht oder entwertet das 



Abgrenzuug des Fetischismus. 29 

Weib, die weibliche Fetisehistin ist beim Manne aiiästhetiach oder sie 
vermeidet den Koitus gänzlich. 

2. Der Fetischist leidet an einem psychosexu eilen In- 
fantilismus und lebt diesen Infant iliemiis in seinen Onaniephanta- 
sien aus. 

3. In den meisten Fallen findet eine U e i he n b i 1 d u n g statt. 
(Haremskult des Fetiscliisten.) 

4. Die Tendenz, die verbotene infantile Ijust wieder zu erleben, 
füln't zu allerlei 1 ni p ii 1 s h a n d 1 u n g e n. Die Fetischisten sind 
Wanderer, Kleptouianen, Exhibitionisten usw.) 

5. Der Fetisch entsteht durvh A f f e k t v e r s i- h i eb un g und 
S y ni b 1 i s i e r u n g. Er absorbiert allmählich die ganze sexuelle 

Aktivität. 

6. Der Fetischismus ist eine komplizierte Zwangsneurose 
und dient auch a s k e t i s l- h e n Tendenzen. Er ist Buße und Lust zu 

gleicher Zeit. '« 

7. Die Impulshandlungen gehen in einer Art D ä m m e r z u- ■ M 
stand vor sich. Der Fetischist ist ein Tagträumer, dem die Grenzen 
zwischen Realität und Triumi vollkommen verschwimmen. 

8. In allen Fällen lälU sich auch eine kriminelle Kompo- 
nente nachweisen. (Sadistische Komponente des F.) 

9. Der FetischiBmus ist eine Art Religion. 

10. Der Symbolismus des Fetisrhisnnis kann nur durch eine tief- 
gehende Analyse aufgeklärt werden. 

Diese Ausführungen mögen voi'läufig genügen. In den späteren 
Kapiteln werden wir Gelegenheil haben, diesen zehn Punkten wichtigo 
Ergänzungen hinzuzufügen. 



f 

i 



r 



iV, 

! 



II. 

Analyse einer individuellen Liebesbedingung. 

Wenn wii- also den Ausdruck „Fetischismus" für jene schweren 
Fälle von Paraphilie reservieren müssen, in denen der Fetisch das Sexual- 
objekt ersetzt und den Kern eines kompliziej'ten Systems bildet, so 
müssen wir eine Menge von anderen Absonderlichkeiten aussd^eideu, ■ 
die bislier als Fetischismus beschrieben wurden. Wir begeben uns auf - 
ein bekanntes Gebiet, das der spezifischen Liebesbedingungen. Ich 
brauche meine Leser nur auf Band 111 (die Kapitel ,,Die Liebe auf den 
ersten Blick"' und „Individuelle Liebesbedingungen") und auf Band IV 
(„Die Bedingungen dei' mäimlichen Potenz") zu verweisen. 

Das Gebiet des „Fartialisnius" ist fast unerschöpflich. Jedermann 
hat seine sexuellen Prädilektionsstellen, wobei einerseits konstitutio- 
nelle, andererseits konditioneile Faktoren eine Rolle spielen. Je tiefer 
ich in die Materie eindringe, desto erstaunter bin ich über die un- 
erwartete Fülle der „erogenen Zonen" und der spezifischen Liebes- 
bedingungen. 

Ich habe nicht die Absicht, auf die verschiedenen Formen des 
Partialismus einzugehen, die wissenschaftlich an und für sich wenig 
interessant sind, bloß als Kurioea zu gelten haben. Ic!i will an Hand 
einiger Analysen nachweisen, daß die Verhältnisse oft ein bißchen 
kompliziert liegen und sich mitunter wunderbare Deterniinatiüiicn des 
Partialisnms ergeben. Ich wähle als Beispiel die Analyse eines Falles 
von sogenanntem „Busen- und Popofetischismus", der, mit einer Im- 
potenz kombiniert, leicht zur Annahme eines echt^'n Fetischismus hätte 
verleiten können. Der Fall ist interessant, weil er sich mit Klepto- 
manie kombiniert, also auch Impulshandlungen zeigt. In den nächsten 
Kapiteln werde ich zwei Fälle von Wadenpartialisraus eingehend ana- 
lysieren und etwas tiefer in die Psychogenese dieser Störungen ein- 
dringen können. 

Nun zu unserem Falle: 

Fall Nr. 5. Hen- 1. 0., Banklieamter, 38 Jahre alt, konsultiert mich 
wegeu vollßtändiger Impotenz. Seit 2 .Jahren ist er unfähig, einen Koitus 



Analyse einer individuell an LiebeEbedinguog. 



31 



] 



auszuführen. Vor einiger Zeit hatte er noch eine schwache Erektion und e& 
kam zu einer Kjaculatio praecox. Jetzt sei auch diese J^relitionsfähigkeit 
geschwunden. 

Er habe nur ein Jahr laug onaniert, als er zwischen 15 und 16 Jahre 
alt war, und dunn die Onanie auigegeben. 

Über besondere Phantasien und Bedingungen befragt, gesteht er, daß 
er eine Szene in der Erinnening liabe, die ihn sehr errege und die er eich 
immer vorstellen iiiüsse. Er war mit 17 Jahi'eu in einem Schneldergesch'-'.ft 
angestellt. Die Schneider i'aliten die Mädchen oft an den Brüsten und an den 
Hinterteilen , Diese Griffe seien seine Liebesbedinguug. 
Er stelle sich i ni ni e r vor, daß er hinter einem Mädchen 
stelle und ihren Busen greife. Ohne diesen Griff sei er 
vorher impotent gewesen. Jetzt helfe ihm auch der 
Griff nicht mehi-. 

Auf den Vorschlag einer Analyse geht er gerne ein. . , , •, -;,, 

Er erzählt die obligate, belanglose Jagendgeschichte. Sie waren 7 Ge- 
schwister, er war der Jüngste und wurde sehr verzärtelt. Er wurde nie ge- 
schlagen, lernte mit 15 Jahren die Onanie durch einen Kameraden kennen 
imd gab sie bald auf. 

Er zeigt deutliche Widerstände gegen die Analyse. 

Er habe die Überzeugung, daß man ihm nicht helfen könne. Er zweifle 
nicht an meinem Können und meinem guten Willen, er sei aber ein ver- 
lorener Fall. Er wird belehrt, daß er sich vor den weiteren Enthüllungen 
fürchte und aus diesem Grunde die Analyse abbrechen wolle. 

Er berichtet, daß er durch 8 Jahre (von 20 — 28) zu einer blonden 
Dirne gegangen war, die ihn sehr anzog, so daß er bei ihr nie impotent 
war. Dabei hatte er ein eigenes Zeremoniell, das er einhalten mußte, um 
«Ue Erekt.ion zu erzielen : Er stellte sich mit der Dirne vor 
einen Spiegel, so daß er sie nackt sehen konnte. Er 
stand hinter i h i' n n d faßte sie fest an den Brüsten. So 
blieb er eine Weile stehon, dann griff er an die Nates, 
worauf der Koitus in d e i' n a t Ü r 1 i c !i e n Lage o i' f o 1 g t e. Es 
passierte ihm oft, daß er l)ei anderen Uinifu impotent war, bei dieser konnte 
er immer den Koitus durchführen. 

„Hat diese Dirne eine Ähnlichkeit mit irgend einer Person, die in Ihrer 
Jugend eine Kolle gespielt hat?" 

Erst sagt er: „Nein", dann besinnt ei' sich: 

„Ich finde, daß sie meiner um 5 Jahre älteren Schwester auffallend 
ähnlieh ist. Nicht so sehr im Aussehen. Aber die Mienen, die Bewegungen, 
das liebe Wesen ..." 

Er gibt also die Möglichkeit einer Fixierung an seine Schwester zu. 
(Patient hat keine Ahnung von den Freui/scheii Porschmigen.) 

Er berichtet, daß er noch öfters in den letzten Jahren onaniert liat. 
Dabei muß er eine merkwürdige Position einnehmen. Er steckt das Glied 
zynischen die Füße weit nach rückwärts und massiert es dann an der Wurzel 
so lange, bis die Ejakulation erfolgt. 

Plötzlich erinnert, er sich an einen Onkel, der ihm das Onanieren ver- 
boten hatte und ihm allerlei Krankheiten prophezeite. Der Onkel starb, als 



; 1 



I . Fetischismus. 

er 8 Juiire iiU war. Er hatte also schon vor dem 8. Jahre onaniert und 
war vor den Folgen gewarnt worden. ,,..,. ■ , , u ^,. 
Jetzt verstehen \^ir. warum er heute wieder hartnackig wiederliolt ei 
wisse, er sei dnreh das Onunieren impotent geworden. Das Schnldgefuhi 
etammt aus der Kindheit. 

Er ist ein ausgesprochener Familieneklave. Er kennt nichts als seine 
Familie Er lebt mit der Mutter und einer ledigen Schwester, mit der er 
immerfort Diiterenzen hat. Wegen Kleinigkeiten kommt es zu großen 
Streitereien Er denkt oft daran, die Schwester zu verhcirateo, aber sie ist 
sehr wählerisch und schlägt alle Freier ab. Eine ältere Schwester ist sehr 
gut verheiratet, sehr wohlhabend; sie möchte sozial nicht unter der alteren 

Schwester stehen. , ■ , -i 

Er dachte sich einmal: Wenn die Schwester heiratet, so ziehe ich ku lUr. 
Dieser Gedanke wunderte ihn sehr, da er ja scheinbar die Schwester nicht 
ausstehen kann. 

Er berichtet zögerad, daß er einmal einen Traum hatte, in dem er 
die Schwester koitierte. Dieser Traum war ihm sehr peinlich 

Er behandelt jedes Mädchen jetzt wie eine Schwester, jede Weiblichkeit 

Wir verstehen jetzt, warum er die Frauen von rückwärts angehen muß. 
Er will ihr Gesicht nicht sehen, um die Fiktion einer Schwester festhalten 
zu können ^_^^^ ^^^^^^^^^ .^^ ^^.^^^^ .^^ ^.^^ „Krankenschwester--, zu 

weicht- Neigung ihm die Assoziationsbrücke „Schwester verholfen ha^^te. 
Inf c'nem Vusftuge küßte er sie und fühlte nur Hingabe und keinen \yder- 

einer Blamage den Koitus nicht. 

y ■ . ■ ^ "spTnt^n berichtet er von einer Neigung, die er .u einem schönen Mit- 

1,-u, l,«ne Es tritt eine starke homosexuelle Komponente zutage. Er 
war r'i.^^- Tagen im Dampfbade. Da rei.ten ihn oifenbar die Miumer 
Senn beim Waschen mit Seife führte er den Finger m den Anns ein und 
saTe sich- ,Das machen die Homosexuellen V Dann iuhlte er eine helt.ge 
tbscheu gegen diese Art der Befriedigung, Sonst sind ihm Homosexuelle 
nicht ekelhaft, im Gegenteil, er hält sie für bedauernswerte Geschöpfe 

Die rückwärtige Stellung erklärt sich auch aus der homosexueUen 
Triebrichtung Er denkt dabei offenbar auch an einen Mann. Er führte hei 
Dii-nen 'luch öfters das Glied rückwärts zwischen die Schenkel und erzielte 
so eine größere Steife des Gliedes, so daß er früher mit Hilfe dieses Kunst- 
griffes den Koitus ausführen konnte. 

* Patient erinnert sich, daß er bis zum 5. Jahre auf den Topf gesetzt 
wurde weil die Eltern Angst hatten, er könnte in den Abort fallen. Diese 
Angst blieb ihm noch die ersten Jahre in der Schule, so daß er einmal in 
der Not in die Hosen defäzierte. 

' Da seine Schwestern auch den Topf benutzten, kam es vor. daß er sie 
in dieser Stellung beobachten konnte. Dieser Anblick — die Schwester von 
rückwärts — dürfte der Ursprung seiner Paraphilie sein. 



Aiialysp einer iiuliviiliiülli'n l.iel'e^'bediiii.'img- 



m 



El- liiit KLihlrt^icIit' Iilinsynkiii.^^icii ims der KiiHÜK'it. iiic> ihm goiilicbni 
fiinfl. Sil k;mi] er kein HiiUcrbrüt (■st^en, Limti keine]! SchwciKerküso, weil iJuii 
<lw Genieli uiiniipenoliin ist. Die iiähi'iv [■jrlin--:elmiif; erfiilil, diill iliiTi der 
{.reriieh iiiuiiigenelmi ist. iveil er an lieii Viif^initlpenicii eriimi'i'l. l-lv ki'imt 
einen Vers, den ei in dei- vScIuilc liorte und der auf ilm einen leliliafteii ICin- 
drnck niaclite; „Scinvei/.ei'käs und Miiilrlienloeli — .-iliukeii, alter ^t-hnK'ek<'n 
-diicli!" — — — 

Von diesei' ICi'iiiiU'ruiiff hi^ /.u der l-'h.inlasio einet. Kuntiilin^ii.- int ein' 
kleiriei' Sduilt. Kv gibt zn. dalA er von t^olelien Piiantatiien lielierrselit wird, 
alier Hicli imiin'r dachte, er konnte er^ nur eiiietn reinen, apitelillicheii M.idcheii 
niitelien, Dirjieti WHi'eii iiini iiiiniei' iinappetilÜeii und mit -Miidolien iiiiderer 
.Art. luitte er nie zn tun gehabt. 

Kl' liringl eine FfiUe von EriiuieriiiiKi'n. welelie beweisen, wie er die 
Schwealer lieht und wie er iin ihr liängl. Er Imlle r^ie immer ane; dem Ünru 
;»l). sie teilten alle guten Biesen, er fiinp: mir mif ilir .<|>azieren. 



Er AvitI iiher eine merkwürdige Ereclieiniing Hesehciil wissen. Er ist 
gezwungen, immer iiachzndeiiken. was geselichen würde, wenn der oder jener 
Schwager oder gar die Mutter sterben würde. Dieser Todes^gedanken kann 
VT sich iiiehl erwehren. Anl'seidiili über die Quelle dieser Phantasien lii'iiii,'t 
uns der folgende Tranin des Kraiikeii: 

Ich war in einer Wolinung — ich weili iiichL ob ee meine oder 
eine andere war — , wo ich mich sehr lieiinlicli gefühlt liabe. Dort wohnte 
auch der soKialdeinokratische Abgeoi'dnele Domes (den ich gar nicht 
keniio). Dieser ivar dort fremd, während icli dort heimiscli war. D. war 
enthoben ah Fcldurbeitei'. Mein Schwager Max Weinberfj; war gleich- 
falls enthoben als Kaufmann, weil er anl seinem PraterkompleÄ ein 
ganz- kleines Stiickciien Feld hatte, das er bebaute. Ich rechnete es 
nioineni Schwager als besondere Tüchtigkeit au. daU er wegen dieses 
imbcdeut enden Stückchen Feldes enthoben wurde. Anf einmal sehe ich 
nieinen Urnder vor mir gleichsam an Stolle dieses Domes. Er war eiii- 
"■eriickl (?). Ich hal)i' darauf hingewiesen, wie tüchtig mein Schwager 
ist, du es ihm wegen ilieses kleinen Plätzciiens gelungen ist. onthnben zu 
werden im Gegensatz zu meinem üruder. 
Vorher ein Wachtraiun: 

Mein üindor hat mich zum Apparat gerufen und sagte mir: „Wor 
"laubst, wer dich aiifrnfl.'r' Der Kaisor!" Ich war darüber sehr erfreut 
und erwachte. 

Der Kaiser im Tranme reiinisentierl die iiei'rscheude Macht, den leidenden 

Gedanken, den Menschen, den man am meisten liebt. Wir werden bald ei- 

. fahren, wer dieser Meiisi'.li ist. Der nächste Traum verrät uns, daß es sich 

nm seine Lieblingeschwester handelt, die an Herrn Weinberg verheiratet ist. 

Die Wohnung, um die es sich handelt, .ist die Wohnung der Schwester. 
Er ist dort zu Hause und der Schwager ist eigentlich eia Fremder. Der 
Abgeordnete Domes ist unlängst gestorben. Er hörte dm emst in einer 
Versammlung reden und beneidete ihn. Sein Schwager V\ hat einen sehr 
«roßen Penis nnd seine Schwester beklagte sich, daß er ihr keine Ruhe Ia.«sc. 
Die Familie intervenierte und forderte Herrn W. auf. die .lunge iMau m 
>:chonen Ihn den Impotenten, erregte diese Eei.stungsfähigkeit auU iiochst«, ■ 



SlektJ, Sturnns" dt-s Tri«l>- unJ ÄH,.ktlst.üns. VII. 



3 



H4 



FetiKthismni?. 



■/i 



er I'aini die Schwester sehr herunlergekomineti und schlecht ituäsehend, vßii- 
ülicrte sogar die Frage einer Scheidung, tia sie sich nicht glücklich Iiihlte. 
Der Schwager betonte ihm oft. daß er koLtieren könne, wann erwtiUe. 
!'> war ein sehr tüchtiger Arbeiter „im Weinberge des Herrn". Seinem 
Bruder aber war die Frau geetorben. Wenn aber der Mann seiner Sehweeter 
im Feld gefallen wäre {er stand später an der nördlichen Froui und wurde 
schwer verwundet), kü säße er heute mit ihr in der schönen Wohnung imd 
wäre den Schwager und die Eifersucht los. AUu TodeswUneche gegen seinen 
lioehpotenten Schwager, der ein ganzer Mann war, während er sich als 
minderwertig und impotent fühlte. 

Noch tiefer in die verwickelten Probleme seiner Parapathie bringt uns 
der niicliste Traum: 

Ich ging nach Tisch in die Ungargarise zum Keitlehrinstitut. \ öt 
dem Kingangstur zog ich meine ärarisehen Schuhe aus, wahrsclieinlich 
um üu schlafen. Vor einigen Militärpprsonen, die aus- und eingingen, 
\n\üe ich Angst. Nach Sonnenunlergang nahm ich meine Schuhe, um 
sie anzuziehen, da lagen ein Paar neue, braune, ararische Halbschuhe 
aus schönem, '/.eltartigcn Sioff daneben. Ich wallte diese nehmen und 
weggehen, aber blolifüiüg konnte ich nicht und deshalb legte ich die 
Halbschuhe nehou mich und begann meine Schuhe anzuziehen. Zum 
rechten brauchte ich unendlich lange, etwa 'i. Stunde, denn os ^mde 
^chon dunkel. Da kam ein großer, energischer Mann ohne Bluse - 
ich hielt ihn für den Feldwebel — , nahm die Halbschuhe und fragte 
mieh harsch: ..Woher hast Du die Schuhe?^ Vor Angst- antwortete^ ich. 
daß sie mir gei.ören. Er drehte die Schuhe um. um das äransche Zeichen 
■ ,u suchen das ich in dem Moment bemerkte, da tnrchtet* ich. für den 
Dieb gehalten zu werde.i und wollte .ehon sagon. dalj sie hier gelegen 
waren sagte aber statt dessen; ,.Wenn sie Dir gefallen, behalte 3I'>. 
Ich sprach ihn gleichfalls per Du an. um y.n dokumentieren, daß wir 
Kollegen seien denn ich war nur Koi'poial, nlter auch 1 niei'otli/ier. 
Während dieses Gespräches begann ich meinen linken Schuli aiizu/.K'ln4i. 
die 7.unge war auch lose und mußte mit dem Kiemen durch ^ oder 
. 10 Ringe am Schuh befestigt worden. Als ich im Schuh war. bemerkt<^ 
ich 6a!^ die Zunge, die ich innen befestigt hatte, außen war und nur 
■ mit einem Ringer! am Schuh hängte; ich zog Ihn nUn wieder ans. am 
von vorne zu beginnen. Währenddem ging lier Haim ;uif und ab. dal'ei 
Rtehen bleibend und mich durchbohrend musternd. Ich konnte seinen 
Blick nicht ertragen und fürchtete mich sehr vor ihm. dachte, der ilaun 
sieht ganz intelligent aus. vielleicht ist er Hauptmann oder überhaupt 
Offizier und böse, weil du ihm Du sagtest, du mußt ihn also nächstens 
per Sie ansprechen. Dann erwacht-e ich. 
Der Feldwebel des Traumes erinnert ihn an seinen Vater. So strenge 
war sein Vater mit ihm und achtete auf die Moral des Hauses. Der Feld- 
webel wird hier der Vertreter der Autorität. (Vater — Arzt — Gott.) Die 
\ngst vor den Menschen erinnert ihn an einen Vorfall, den er in der ^Militär- 
zeit erlebte. Er hatte den Auftrag, für seine Kompagnie auf dem Lande 
Lebensmittel einzukaufen und benützte diese Einkäufe, um auch seine Familie 
zu versorgen. Auf einer dieser Hamsterfahrten wurde er von dem Gendarmen 
angehalten und angezeigt, so daß er vor das Militärgericht kam. Er stand 



!a"p 



Analyse einer iadividiicllen Lieliosbc(liuj.'iitis!;. t^py 

damals große Äuget aus. Er hat Angst vor lilleii Behörden. In dicaeiu 
Traume lurclitet er die Mjijiiier, die ein- und ausgelien. Das ist seine Aiiget 
vor dLT Homosexualität. Rci1*u symbolisiert Icoitieren. Er soll das Koiticren 
lernen. Es gibt da zweierlei Arten. Man kann e^ gewöhnlich machen 
(Komiuisscliuho) oder man kann es wie die L(4ten!iinuür niacheu (feine Halb- 
scliuhe). Aber wie soll er ein Lebemann werden, wenn er imyotent ist? Ihm 
gefallen iiimier die Frauen und die Bräute seiner Freunde und Bekannten, 
Eä würde ilni reizen, mit ilnu'ii .,;inzul)ani]clii". Er ]tlian1aöi(i!t, daß die 
Männer starben und die Frauen dann ilmi geliüreu. Wie kann er aber den 
AVeg der Mornl wandeln, ohne sich durcli Impotenz y.n schüizon? Seine 
Mannesriuhwiu-he wird durcli da^^ Si-luihiin/ielien deuilldi .sVEnbolit^iori. Das 
Hineinsteirken gelit noch, ab<'r dann gib! i's gi'nlie ricJiwierigki^iien ..anzu- 
bandeln". Rechter und linker ydiuli werden oiitßprechend der Symbolik von 
reclil.s und links') in: Trauiiic gesondfil bi^iinudelt. Rechts geht es noch imch 
groi-ier Mühe, aber links inüchl ihm die Zunge Schwierigkeiten. 

Hier wird der Traum durchsichtig »nd verrät Bezieliungen seiner Zunge ■ 
zu seiner Inijjoienz imd zu seiner ...speziii sehen Phanla,sip": Unter Wider- 
ständen giiit ei' zu. daß er sich viel in (ledLiidieii mit Fellatio und Kunni- 
lingus beschäftigt. Er würde sehr gerne den Kunuilingu^ ausfuhren, wenn 
er eine Jungfrau oder ein ,,rcines Mädchen" zur Verfügung hiitte. Auch eine 1 

Fellatio hat er sich einmal machen lassen, die AViederhohmg aber voi- ' ^ 

mieden, weil ei' der Meinung sei. daß ee ..fuiehtbar scIiLidlich"' sein niü.'^fre. .' _ 

Ich vernuite, daß ii'goud ein wichtiges Erieimis mit dem 'l'raume im 
Zusammenhange stehen müsse, was er leugnet. Er kenne keinen Feldwebel 
und glaube, das ,a;anze sei eine Eriuuening -.m Erlebnisse seiner Dienstzeit. 
Nur eine dunkle Erinneiung, als sei er als lünd einmal zu eiiu'r Schwester 
gekrochen und der Vater hätte ihn dabei erwischt. Er weiß auch, daß der 
Vati^r ihn au.'^ dem Bette der Mutter (Reilinstitul i gewie.sen hat. Vor den 
Augen des Vatei's (durchbohrender Blick!) hatte er immer Angst. Der Vater 
verlangte, dali die Kinder ihm Sie sagen sollten, walu'end in anderen Familien 
die Kin'dei' die Eltern duzten. 

Kino viel wichtigere Bedeutung des Traimies wird uns erst später be- 
kannt werden. ■ ' . ■ . ' 

Traum der nüchsten Nacht: 

Ich kam .5 Minuten nach V*9. ^l^u 20 Minuten zu spät ins Büro. 
Um dem Generaldirektor nicht zu begegnen, kürzte icli dim Weg a!i 
und ging durdi das Büi'O des Prokuhsten, der mich wegen des Zuspät- 
kommens in liütlicher Form zur Rede stellte. Ich sagt« irgend etwas 
zur Entschuldigung , . . . 

Wir linden in diesem Traume wieder die Angst vor jeder Autorität 
und die Angst, durchschaut und auf unrechten Wegen eitajjpt zu werden. 

Die Analyse geht weiter. Er erinnert .>^irh an verschiedene infantile 
Phantasien. So dacht« er oft darüber nach, die altesle Schwester zu er- 
eteehon (zu vergewaltigen!) und dann in den Kerker zu kommen. Seine Ver- 
wandten würden ihn besuchen, er aber würde stmnm bleiben und kein Wort 
eprechen. Über die Familie käme dann eine große Schande. 

'} Vgl. „Sprache (ies Traiiuiw" ilas Kapitel X. 

3* 



36 



I . 



Fei i Stil ism IIS 



I 



IIU' i'^lti-in iHbt.cu luigÜU-kiidi. Ik'r Val^ •f.-nv sehr streng niul halte 
imiuiT etwiir: im rlcr Miit.l(^r zu ladein. R-iclic])hanlaäien -schoiiiL-ii richuii eehr 
früh (üitstyiuk'ii v.u -n-in iiml «'iitsprecht-n iseilictil latenten Sadismus, der sioh 
auch in Schiiinlinif?si)iLaiilasion äulk'rl«, die nodi vor ein jinar Jahren aul- 
tanchen wollicn und vordriingt wni'don. Der Krieg mag da niLUichedci Kiir 
Heaktivicrung hcis'-lragon haben . . . 

AVonn er sich vom Klosrtt m^ Büro xnriickbcgiiit, so schiünt er sich, 
wenn er Damen liegegnet. an denen ihm gclegt-n ist. Ea ist ihm, als hätte 
er etwas ychnnilxigrs iider Verbratenes getan. 

Kr hatte lieule eine 'rages])hantLis!e von einem verlorenen King und 
berichtet über eine Zwangsvorstcllnng, die gar nicht seilen viirkuniinl. U-h 
gehe sie niit weinen Worten wieder: 

; _J(-li iiiilie die Vorstellung, wenn ich mich eineni offenen Fenster 

nähere, tial.s inelii Ring, der einen schönen reinen ÜrillantCT hat, 
von dem Piiiger llilll nnd in die Tiefe j^lärxl. Da will ich innner meine 
jiingfile tStlnvester rufen, damit sie achtgibt, dali niemand den Ring anf- 
hel)i tnid damit verschwindet. (Im Biiro bezieht sich diese Vorstellung 
aul das i-'raulein L.)" 

Zn beiden Personen habe ich das Vertnineii. ich halte sie für 
verniinftiL^ iiini eiiergiscli. Dal)ei habe ich aneh dad Angstgefühl, daß 
der Ifing iiif-lil aulgel'miden wird nnd nicht mehr zum Vorschein kommt" 

Zu dieser 'Vorstelhmg l'iilU iliin zuerst der reine weiße Brillant ein. 
Kr will seine lieinlieil niihl vcrlieicn. FränUdn L. ist ein armes, 30jä!irige5 
Mädchen das sich Ingeiulhaft erlialten liat, .V-ich seine Seliwester ist tugend- 
haft ßr liat «ich ein Junktim geschaifen. da.^ seine Impotenz del«rminiert. 
So lange icli Ingendlialt bleibe, wird meine Schwester ihre Jungfernschaft 
nicht veiJiereii,- Friinlein L- ist nur eine Imagn der Schwester. 

Man sielit. daß der Ring auch .seine Liehe darstellt. Diese wdl er der 
Sehwestei' geben. Seine ln/,eslphantasien ;iußern sicli jetzt in der Form, diiß 
w krnmi>f!iafl für die Schwester einen Ihäuligani sucht, weil er glaubt, daß 
sie ge.^chleelilliclie Bei'riedigung nötig habe. Er hat abei' aus Motiven der 
Eifersucht, nie eiTien Rollegen ins Hans eiiig<'lulnt. was ilini ,<(-ine Schwester 
schon wiederliolt vorgewoiden hat. 

Den liewnßlcn Ring erhielt er von seiuei- Familie, als er iiLri Feld giog. 
Der Ring ist ein Talisnnin und syini)olisierl die Lieiie der Familie. Nur 
wenn er die hiebe zur Familie anl'gihi, kann er sich an ein anderes Wesen 
landen. Er ist aber gegen Liebe und Ehe gut gesichert. Er sah zu Hause 
die ungliicldiche Ehe nnd seine Schwestern sind entweder nicht glücklich oder 
sie beherrschen den Mann. Ei' will aber nicht lieherrschl werden. Er ieider- 
an Angfit, vor der Ehe. Angeblich hätte er längst geheiratet. Aber wie darf 
ein impotenter Mann an eine Ehe denken? 



<l i 



El' träumte heute: 

Ich habe im Traume eine Pollution goluiht. Ich sah aal' der Decke 
einen feuchten Fleck. Ich wußte, daß die Mutter des Morgens zu mir 
hereinkommen werde nnd hatte Angst, daß sie den feuchten Fleck 
' sehen werde. 

Er erwachte und hatt« gar keine Pollution gehabt. Er schildert dann 
seine Mutter als eifersüchtig auf die Liehe ihrer Kinder. Sie habe sogar 



m 



^assm 



Analyse einer iiidiviiitielleii Liebeslieiiiiigmig. y'j 

soiiu'i- verheirateten Schwester Vorwürfe genmclit. dali aio iiuvii Mann nieiir 
liebe als ihre Mutter. 

El' ttdiliof öi't in flci- Wuliiniiie bei iliot^cr iiiui der iiiideivn Öchivi^ter 
und hörte dann, wie eine die Zärtlichkeiten des Sdiwagers abwehrte, was ilin 
[jehr erregte. Er hört^;, wie sie eiiinial sagU-: .,Gib doch eiidlii-Ii die liand 
weg!" Seit damals hat er die Gewohnheit (ein ewiges Gedenken!), die Hand 
immer hei den Genil-jilien mj halten. 

Er triiuinle; 

Ich jjabe Bnclinngen vuii der Piinia .\ii1li in das Saldu-Kunlu uijiir- 
tiagen, zirka eine halbe Suite. Wie ich i'lwa die inUite vei'liiicht hatte, 
kam mir der Gedanke: Da liast viidleiclil i-iiie Post Rebm-ht. die dii'h 
nicht tangiert und mulit die gleicli lichtig stellen. Ii:h f;diauie nach und 
sah, dail icli ganz richtig gebucht hatle (daü ich diese Post noch nicht 
gebucht haUe). 
Das JJuch war in Urdn\mg. 

Der Tramn eiithällt an« das Geheiiauis ^eine^ inneren SchnldbuduM. 
El' macht die Analyse nut sicli selbst im Traum ab. iiriift Hol! und Halien 
und ist mit sidi aulVieden. Wir jnüßfieu aber annehmen, dats er und einen 
sehr wichtigen Schnldposten versdiwiegen hat. Das drückt anch die zwei- 
radie Fassung am Schluß des Traumes an.s. Er hat die Post gebucht und 
doch nicht gebucht. 

Er ist ledselig wie gewöhnlieh, aber ^eine iMufälle hrintien viel belang- 
litses Material. 

E r h e r i c h t e 1 ii b e i' ,-^ e i n e k I e p t o m a n i ^ i- li e u R e fi ii n- 
g e n, über k I e i u u ]■ e Vergehe » u ii d Neig u u g /- u U ii r e d- 
lichkeiteu. Ich sehe, dali die Analyse — dem Patienten überlassen -- 
auf Abwege gerät und grelle, .ietzt das Thema seiner sexuellen Einstellung 
(Fi-iu von hint.cn ~ Gi'ilT an den Busen) direkt an. Idi will wissen, wann 
dieser Grifl' zuerst ei-rolgt. Er meint bei der IJinie Anna, mit der. er 8. Jahre 
vorkehrte und die seiner Schwester ähnlieh war. ^^ 

Und nun gesteht or erst, daß ihm sein Bruder diese 
I H [■ u e e ui )) f u h 1 e ii h a I) c u n d d a \> s i e a n c h d e r B r u d e i* j a h r e- 
1 a n g besuchte. 

Wir verslehoTi ihre Wertigkeit für seine Erotik. Der Bi'uder wurde 
von ihm auf den! Umweg der Dirne besessen. Die Position vuu rückwärts 
enfßpricht seinen homoeexuellen Neigungen. 

Aber diese Position ge^il-att^'t andi. sich in die Gestallt des Mädchens 
andero Mädchen liiiieinzudenken. 

Er gesteht sofort, daß er diese üble Oewolmheii. iiatte. Damals liebte 
er ein Mädchen „Franzi" in leidenschaftlicher Weise. Er heiratek> sie nicht, 
weil sie arm war und er weitauegreil'ende Pläne hatte. Er wollte innuer 

reich sein. 

Aber dieses Mädchen war dai^ einzige, das er wirklich geliebt hatte. 
Ein Jahr lang schon hatte <t jede I.iebesbezielmng zu ihr abgebrochen. Die 
I.icbesbeziehnngon bestanden in Küssen. Weiter wagl« er nidil zu gehen. 
Sie war ihm vm anständig und er fürchtete, sich zu binden und sie heiraten 
zu iniissen. Eines Tages traf er sie in einer Ecke des Ziminors (er war 
dajnak 21 Jahre all!) und da machte (■:■ das erste M;il dm erwähnten GrilV 



gg Fetiscbismuä. 

Dann wiedor holte er den üriff bei der Dirne, wobei 
er sieh F i- a ii z i vorstellte. 

Es kommt iiiinier stärker die verdrängte Ijiebe zu Fi'anzi zutage. Er 
liebte sie namenlos. Er traf sie immer nach dem Geschäfte, in dem er mit 
seinem Bfnder angestellt ■s\-ar, auf der fitraße. Sie gingen dann spazieren 
und küßtt'U sich in dunklen Ecken. Da forderte sie ihn eines Tages auf. 
sie ZU beswclien, Sie wollte ihn ihren Elt«ni vorstellen. Das fürchtete er. 
Er wollte sith niclit binden. Sie war leichtsinnig. Er hätte sie besitzen 
können. Abei' er liebte sie zu iieftig und schreckte vor dem Besitze zurück. 
Ei- wäre dann verloren gewesen und hätte «ie heiraten müssen. 

So '/.og. ('■]■ sich zurück. Aber er litt Höllentiualen. Er kam x.u seinem 
Schwager und bat ujii Kat. Er liebe dieses Wüdchen. Wie soll er vergesaeu 
konneny Sein öehwager meinte; Vergiß sie in den Armen einer anderen. 
Er stellte sicli dann immer Franzi vor, wenn er bei der Dirne Anna 
war. Auch a&m Bruder bewarb sieh um die Gunst von Franzi und brachte 
es zu einem Kueee. Eifei'süchtig wie er war, litt er unsägliche Scimierzen. 
Er hörte ihre telephonischen Gespräche, mußte sich berichten lassen, daß 
sie leicliteinnig sei und mit dem einen und dem anderen Verhältnisse hatte. 
Er folgte ihr heimlich auf der Straße nach. Er beobachtete sie und wurde 
mii. ihr nicht fertig. 

Wie tiat bald aus dem Gosc-hiifte aus und wurde Clianeonette. Er txaf 
sie noch einigr .Male, aber er flüchtete immer im letzten Aloinenle und ver- 
mied (?s. die Stätten aufzusuchen, an denen sie wirkte. Sie i\'urde berühmt 
und i-v erfuiii'. daß sie mit einem Komponisten ein Verhältnis hatte. Es war 
während det^ Ri'ieSPö, Dei- Komponist war Feldwebel. Jetzt wird der Traum 
von der Reitschule vcr,^Uiudlidi. Sie heißt . . . Schimmel. Er dachte 
iTinnei': Auf diesem Schinnnol möchte ich reiten. Er wußte, daß er keine 
Ruhe haben werde, wenn er sie nicht be.sessen habe. Im Traum schläft er 
vor einer lieitsehule (wo man Schimmel reitet). Der FeldivolK-l ist ihr 
il^ jetziger Geliebter. Sie wird auch durch die ärarischen Halbschuhe svrn- 

\\ bolifiiei't. Er ist Jude und sie Cln-islin (Arierin). Die KonnniHSchulie stellen 

die Dirne dar, Audi der Kaiser de^ Tniuuus ist Frau-/.i. l'Jbcnso bezieht sich 
die falsche Biichiuifj; auf Fi'anzi. 

Nun bricht in der Analyse die lang zuriickgestauti' Liebe hervor. Er 
fühlt, daß Ol- nur Fi'anzi begehrt und keine lüihe hndeu kann, wenn er öie 
nicht erringl. Was sollen ihm alle anderen Mädchen und Fravien. wenn er 
Franzi nicht besitzen kann? Sie steht ewig vor seiner Speie. Es ist die 
- . Macht des unertiillttu Wunsches, die eich in seiner hartnäckig festgehaltenen 

Licbesbedinguug Üußeri. Er kann es sich nicht verzeihen, daß er Franzi 
nicht genommen liat. Es wäre ihm ein leichtes gewesen und er hätte sie 
nicht heiraten brauchen. Heute nach 12 Jahren liebt er sie, wie er sie als 
Jüngling geliebt hatte. Er traf sie vor einigen Monaten auf der Straße, 
Er renommierte vor ihr wie ein Knabe. Sie fand, daß er sehr frisch und jn- 
verbraucht au,?sD]iG. Er meinte, er wisse nicht, wie sie zu der Behaii])tung 
käme. Er hätte zahllose Verhältnisse, die schönsten Mädchen und die 
feschesten Frauen. Dann reichten sie sich die Hände und gingen auseinander, 
jedes den Wunsch im Herzen, mit dem anderen zusannneuznkonnnen. Nun ist 
er aber durch seine Impotenz vor der Vcrführimg gefeit. Wie sollte er ihr 
zu nahen wagen, ihr der Erfahrenen und Kafllnierten. die schon so viele 
Münnei- erprobt hatte, wo er doch impotent war? 



Äualyse einer individuellen l.ieiiosbpdiiignHg. 



351 



Seine Impotenz ist .-in Selhsb^chutv. gegen Franzi. Wäre er poteuL, er 
würde fiie noch heute holen und niil ihr leben. , . ^ , 

■ Jet.t verstehe ieh, we.halb er sich so erregte, als ein Bekaimtei em 
Madchen heiratete, das schon andere vor ihm besessen ha ten. fcr tat tu cUt- 
bar entrüstet nnd orkhirl*, ihm wivre ,u otw,is nnm-JK^hch. Sein behieieu 
sollte aber nur die Sehnsucht nach Friin/,i iibertoiien. , ,. , . ^ 



1111 



sle'ist das Mädchen, das seinen iliny linden könnte. Hie ^ 
steht für Franzi. Der Hing ist seine Liebe. Sie könnte er nur an die bchwester 
wegwei'l'en oder an Franzi. 

Lange Zeit spricht er nur von der Liebe zu Franzi. Bei ihr wäre er 
potent - das wisse er sicher. Bei ihr hätte er auf Eeimn, t.nff von rudi- 
wäit« nach vorne verzichten können. Er glaubt nicht, dal.^ ^\^T^ 
.chon vorher verhingt liatte. Zniallig staud Franz. so, dab ei ^^^ ^^^^^^^^ 
greifen konnte. Dann setzte er die Liebkosung toi|^ nnd ^ " -' ^^^JJ^^^^^^^ 
Die Nates und der Busen seien das einzige was ihn an liauen interessiere, 
n-is r.iti'refi';<» allerdinKS bestehe schon seit der Kindneit. , , , .j 

E^Slt ™^^^ l-^l^tigt das Vorhandensein der beiden 

mne J-uiie .on ^ j^^ „.i^. ^5,^^,. („igeren bdnvester 

interessierte er sich für die Form der Nates. 

Bei seinen Srb>vestern interessierte ihn das Wachsen des Busens. J uiu 1 
li^i übrieens eine ge^-isse Ähnlichkeit mit seiner Lieblingsseliwestei. bie 
n dt 2eLn Augen und, wie er gh.ubt. die gleiche Figur, d.h^die gliche 
F rm d'i pSriora. Er bkrachtet alle Frauen von rückwarU. Wahrend es 
on vorkommt; daß er ein Gesicht übersieht und vorkennt, identifiziert er 
die Menschen untrüglich, wenn er sie von rückwärts sieht. 

Er war wieder bei einer Dirne und konnte ohne Hilfe des Griffes den 

.....iKoit^ ausüben. Er hat den Vorsatz bald zn --^- -- 

ut «,. „\M infsucben Er fürchtet sie noch innner, glaubt aboi, dali 

mochte ei nichi, ;i"t^'i['"^ ■ ^; -^ i^^ Identihzierimg mit .emor 

^rT 'ttS hat SbgrStlrdaG seine homosexuelle Einstellung 
Schwester ^'l'^!''^^,!',^^,,^^;,^^^^^^^ und vielleicht besessen hat, seine Liebe 
,u dem ^^^.^\^^^^'l weiß auch, daß ihre Dirnenhafti.'keit 
I'TiT™; zH de;l£Lrn^gegen_semen_TOe^angez_og^^ _ 

' ~v^i. »Iniao Bemerkungen über seine kleptomanisehen Handlungen. Es 
■ . -.f ■ fSen Xß^" ^ninier nur runde Gegenstände stiehlt. Es macht 
ist ihm '^'f e*'^^^'""' 4 T, .„, ein. Orange zu stehlen. Vor den Laden der 
^hm Freude ""^-" ^^f ^jf ^i[, ^ „,, ölst. Wenn er einen großen Apfel 
Wiener Krnmer .teben »'l^^^' ^^^^^^^ ^^ ,,^,i,,ten Tage geht er dann in 
.tehlen kann 80 ei u^^^^^^^^^^^ ^.^_ ^__^ ^^,, ,,^..^„^,^. ^^,,^11,, 

aen Laden und ^^f / J f X^l'„,,, Geld eingeschickt, um ihn zu ent- 
,,. imlten. ^^ ^"^ "-^^'^^j p,„u,den eine runde Glaskugel und einmal eine 
schädigen. E hat aucb "Jei fortgeworfen hat. Er hattx; als 

kug<Or,mde y^^^'-.S^J^^f öchwesteml die Nates zu greifen, weshalb er 
Knabe den Impiil^. ^ "™ f^ ^^^ ^mge h^^^^^ Der kleptomauische 

v.m Vater verwiesen ^nd;'"^^'^^;;^^,f,„ |„p„i,,,, der vermöge der Tn.est- 
^^,„„,, i,t f .^'"^VTSe lS'"wfschen ihni und seinem Bruder kamen 
Bcliranke unterdimckt \\'ui(1p. -'^"^" 



40 



Kciirtcliisnms. Analyse einer individuellen Lielicsbediiigtiii!:. 



li 



ilit'Wf iiiiltM Kiii(i('i!i äflir Ixilu'ljioii Gritt'i- vur. ImiiiiiuI stellto t'i- auf m^iit 
St'Ksi'J Hfirw Bi-mlors oinoii BlcnstiFt auf. so diit dt-r Briidfi* siclj hmu Nu-dci- 
wützi'ii IcH-hl vcriotxk'. Dii'Hc Syiiilii.lhaiiiiliuit,^ ist glüithfall^ stihr diirdisiclitiL'. 
Von riciiiüii wcilorTü Scliicki^iilcii isl inii' nichtt; Ijokuiiiil. 

Der Fall ist deshalb Ichri-eich, weil er uns die Entstehiiiig t.!irK'r 
speziellen Liebeabedingung nach dem 20. Lebens^ahi-e zeigt. Die an- 
gebliche Liebesbedingung war eine ewige Erinnerung an die verlorene 
Geliebte und hieß eigentlich: Ich wünsche Franzi zu besitzen. 

Seine Vorlielie für Xates und Busen ist nicht im geringsten 
pathologisch. Wie ich sehen ausführte, hat jeder Mann und jede Frau 
ihre erogenen Zonen, die sie vorziehen, rrädilektionsstellen, die für 'Ue 
l-,iebes\vahl bezeii'hnend sind und den .sexuellen Üeschniack dai-stellen. 
Diese Fuinien haben mit dem ,.Fe<ischismuf^" nichts zu tun. Sie können 
als „'reiliuizielmiig" oder „Pailialismu-s" aulgefalil werden, wenn dii! 
Befriedigung an der erogenen Zone vollzogen wird. Fs gibt Männer, 
die den Kultus inter niamnias vorziehen, ja, für die er die einzig mög- 
liche Form der Befriciiigung ist. Ich sah auch Männer, die Koitus inier 
femora mulieris a lergu vollziehen und auf den sogenannten noruiak'ii 
Koitus (in vaginani) verziciiten. Es sind Fälle von Pailiaiiiiinus, .he 
oft eine infantile Wurzel zeigen, oft aber erst in der Pubertät und 
sogar nach der Pubertät entstanden sind. Ich kenne ein Mädchen, das 
mit Kl Jahren von ihrem Chef verführl ivurde, ihn mit der Hand bis 
zur Inmiiseio zu reizen, während er sie am Nacken leckte, külito und 
biß. Diese Form der Befriedigung ist für sie aueh heute nach Hl.laln'.Mi 
diejenige geblieben, welche ihr die größte Lust bereilei. Daijei spielen 
die Zähne des Partners eine große Rolle. Wenn er in-eite, sehaufe!- 
förmige Zähne (wie der erste Geliebte) hat, wiid sie sehr erregt und 
stellt sich seinen Kuß und Biß vor. 

Auch der erste sexuelle Eindruck des Erwai-Iiseuen kann fixiert und 
zui' individuellen Liebesbedingung ausgestaltet werden. 

Dabei haben wii- dui'ch die Analyse des In diesem Kapitel besclirie- 
benen Falles gelernt, (\Ml infantile Erlebnisse und inzestuöse Einstel- 
lungen den Erlebnissen der Erwachsellen eine spezifische Resonanx 
veileihen können.. 



in. 

Erotischer Symbolismus. 
iV.irlicIic fiij riiiipcii-. Stollo iiud Kl<-i<luiigsslik'kp, die /.n linpiilsliiiiiilliiiis,'tMi fiilirl.) 

Wir haben gesehen, dali die Ivleptomanen eigentlich einem Ein- 
druck aus ihrer Jugend nachlaufen und die Vergangenheit, neu belehon 
wollen. Das stimmt nicht mit den Beo bachtun jren vf.n Chramhaitli 
überein, der eine beeondei-e Art von kieiitomanisdieni Fetidchismud, die 
Vorliebe tur ^-ewisse Steile, unter dem Namen „Hephephiüe'' beschrieben 
hat.') Er betont, daß seine Fälle eine aurhillende ClleichgUltigkeit 
f^egenüber der Vergangenheit zeigen {indillerence au paefie). Abel- Kurt 
Boati^) bezweil'elt mit Rocht die.w Annaiune und weist nach, daß eine 
genaue Analyse der Fälle gerade da« Gegenteil beweist. Er sagt: „Es 
Ijcetelit absolut keine „indiiference au passe", dagegen bedtelit oine 
sexuelle Anästhesie oder, besser gesagt, HypSfithesie gegenüber dem 
nurmalen Koitus." Es besteht also Abkehr vom sexuellen Partner, die 
wii- in vielen Fjilleu konstatieren konnlen. 

LIiete ludill'ei'cnz der Vergangenlieit gegenüber ifit eine scliein- 
bare In Wirkliciikt^it sind alle diese Kranken Sklaven der Vergangen- 
heit' Sie sind genulezu inlantil geblieben und icli hätte sie mit dem 
gleichen Rechte" in Band V als Heifi|)iele für „[.sychnsexuellen lufanli- 
iisums" beschreiben können. 

Während die Falle von echtem Fetischismus eine sehr ku.npliKierte 
psvclüsclie Konstruktion aufweisen, sind die Fälle von Partialnnziehung 
ehr einlach gebaut und mitunter sehr leicht au emen infantilen Ku. 
dnjck zurückzuführen. I">mer wieder können wir kons atu-ren. daß d.es^ 
Kranken in der Vergangenheit leben, also einen typ.schen psycho- 
sexuellen In!antiliäums aufweisen. 



..boit .udit .u Vni.un, -' ™ tL !ibt H.p.u-plü.ic--. ... ang.bli,!,. Konn 
d^ ^-eMk-heu FoiischimM^.. li.Oraß ArAm. m."\. 



sj,«*Kiia_ii 



4-2 



Fetischismus. 



,1 



leh führe nur einen Fall von Laquer als Beweis an: „So werdt- 
icli in den nächsten Wochen einen ISjährigen, schwer belasteten und 
degenerierten Musikschüler zu begutaeliten haben, der allerdings nicht 
im Warenliauee, aber aus einer offenstehenden Ladeukasse in einer 
Wirtschaft zweimal Geld zu dem Zwecke gestohlen hat, um sieh 
oinen Kinde ran zu g, Bluse und Kniehosen zu 
kaufen: In diesem Aufzuge ist der an sich in- 
fantil aussehende Mensch zwei Stunden auf den 
Straßen spazieren gegangen; denn es gewährt 
ihm „Befriedigung und Wonnegefühl, ein Kind zu 
sein" bzw. dafür gehalten, geduzt und von Erwach- 
senen geküßt zu werden. Sexuelle Momente kommen hier 
nicht in Betracht. (?) Er hat den im Warenliause erworbenen Anzug, 
nachdem er ihn getragen hatte, wieder weggeworfen. Er leide an dieser 
perversen Idee, die ihm plötzlich gekommen sei, seitdem er ein 
Institut inmitten von minderjaln-igen Knaben besuchte und den Wunsch 
hegte, ihnen gleich zu sein! 

Wir sehen in diesem Falle eine sehr häufige Kombination von 
psydiosexuellem Infantilismus und Kleptomanie — selbstverständUeli 
aus se.xaelien Motiven. Die Impulshandlung bedeutet dann eine Re- 
gression in das Infantile. Diese Art von Kombination findet sich sein- 
liäufig bei weiblichen Personen. 

Charakteristisch ist für diese weiblich- infantilen Patienten, daß 
60 oft eine Vorliebe für Puppen auftritt, ja daß sogar diese Puiipen 
zum „Fetisch" werden, daß die Puppen erst einen Wert erhalten, wenn 
sie gestohlen werden. 

Die Puppe steht dann für eine reale Puppe oder sie kami das 
Kind symbolisieren, sie kann aber ein Symbol des Genitales sein, wor- 
auf ich schon vor Jahren in meinem Buche „Die Sprache des Traumes'" 
hingewiesen habe. Sehr treffend bemerkt Kurt Boas bei der kritischen 
Besprechimg der PuppenUebe^) : 

„Als ein besonders häufiges Vorkonminis bezeichnet Vinchon die Kom- 
bination von P 11 p p e n f e t i ü e h i s ni u B u n d H o ni o s e x u a U t ä t, 
wobei der A^'erfaBser eowolil die Uranier wie die Lesbieriimen im Auge hat! 
IiL (li;i' Tat zeigt ja sein erster Fall lesbiscbe Beziehungen zu einer Pro- 
etituierten. Daß sich dies Lesbiertum nicht allein auf die beiden Weiber 
selbst bezog, sondern auch auf den Puppen ietisehismus übergriff, zeigt das 
Entgcgenliommen der anderen Partnerin: diese schenkte der Kranken eine 
große Puppe, die sie als ibr gemeinsames Kind bezeichneten. Die Pupi» trug 
prachtvolle rosa oder blaue Kleider (die Lieblingsfarben der Kranken). Sie 
ruhte auf einem kloinen Fauteuil in der Ecke ihres Zimmere und trug um 

') ttber Wafcnhiiusclip).>innen mit besonder.^ Berücksichtigung sevui-iler Motive. 
M.Groß' Archiv. Bd. 65. 



FIrotischei Symliolisoius- 43 

den Hals eine Hparbüthse, in die die vorüljergeheiideu Liebhaber der Pro- 
etitiiierteii einen freiwilligen Obuhis hineinwarfen. Daß bei den Weibero 
■die Puppe nicht nur ein Gegeiiäland zum Neppeu war, geht daraus hei'vor, 
diiß beide der Puppe wie einem wirklichen Wesen zugetan waren. Nament- 
lich die Kranke sprach von ihr mit auffallender Bewegung. 

Auffalloud häulig sind Piiitpen in den Behausungen der Deniiniondiinen, 
Prostituierten und Uurdellin^^asf^innen zu lindcti. Von letzteren hat fast jede 
ihre Puppe, der sie zumeist ihi'en eigenen Vornamen oder denjenigen ihre^ 
Kin(k-G beilegen. Stet« siiiil die Puppen woiblichcn (Jeschlechts. Es seheint, 
als ob die l'iippcii nicht l'ii]' die niiiiiulicheii JiesiH-hcr bestimmt sind, etwa 
zu gewissen perversen Zwecken. Aber zu IJekunitiontfX wecken allein dienen 
sie tiiclier auch nicht lediglich. Vielfach findet man, wie in dem Falle Vinciions, 
die KombiuLiliun des Angeuelmicn mit dem JNiitzlichen : die Puppe als Spar- 
büchse. Im übrigen haften der Puppe in solchem Falle sicher bewnßte sexuelle 
Eigenschaften ;iii: sie ist für die Prostituierte das Symbol der Reinheit, 
der Unschuld; vielleicht soll sie auch das Genitale {,.die kleine 
Schwester", wie das Genitale oft bezeichnet wird) repräsentieren. Für 
eine Lesbierin braucht man solche „Dame- deswegen nicht gleich zu liulieu. 
Ich glaube, llal.^ das Lesbicrtum bei heindiehen und kontrollierten Pro- 
stituierten besiiniiciv im Anfang iiii'cr Daufbaim eine Kolle spielt, nameat- 
lich bei genu'iiischaltlicher Freiheitsentziehung, wie sie ibirch den zwangt^- 
■weisen Aufenthalt in einer Abteilung für Geschlechtskrankheiten gegeben 
ist, Uer ältere Typus der Prostituierten hat auch diese Stuie überwunden 
nnd wird zum «chluß sexuell völlig indillVrenl. xNun' gibt es Prostituierte, 
die direkt nicht lesbisch sind, die aber dennoch Puppenfetischistiunen suul. 
Sie stehen nicht, wie im Falle Vinchons. in Beziehungen von Vater zu Mutter 
zueinander, aus <lenen das Kind, die Pnppe, entsprießt, sondern der Vater 
oder die Mutter, jedenfalls eines der beiden Eltern, fällt aus, so daß dei' 
lireilunid nur aus Vater oder Mutter und Puppe besteht. Diese Pupi» wird 
dam meist verhätschelt, wii'd ladellos ausf^talliert und nach jeder liiehtuug 
hin verwöhnt- Nachts weicht sie nicht vmi der Seito mid teilt ihr Bett mit 

dci- Fetiscliistiii- , , _. ■ j. 

Wir -eilen aul di'Ui Wege dieser Dedidctionen, wie verkehrt es ist, von 
Pimpenfetischisuius zu reden. ^Vas berechtigt, un. denn überhaupt 
dazu, hier von Fetischismus zu spreclien?" 

Boas hat. vollkoinmen iwlit. Es handelt sich um einen psycho- 
sexuellen 'infantili^mus mit Sammeltrieb (Haremskult). Wir haben bei 
der Besprechung des Infantilisnuis gesehen, daß die Patienten Bücher 
auB ihrer Jugend aufbe.vahren, kindische Erinnerungen Spielzeug und. 
damitspielen Warum nicht die Puppe, die so geeignet ist, versclnedene 
Kindheitserinnerungen 7Ai symbolisieren^ 

Ich führe zuerst einen Fall eigener Beobachtung an: 

F.ll Nr fi Frau G J-, eine Dame in den Vierzigern, will «Nieder 

FalLNr. b. J^rauvr ji. Kiudersiirache, sie trägt mit Verliehe 

ein Kind .pu-len. Sie ^enf ^^^ ^ ,e .^.^^^^^^^^^ j, ,de sehr begünstigt. Wenn sie 

ganz kurze Kleider, was die »^f^ T'", |j,„„er herum und sucht aus ihrer 

allein ist. hüpft sie wie em d hi Ä - m ^^ ^^^^^^^ ^,^^^^ ^^^^^^^^^ 

Lade die alten Spielsachen he. vo. •^■' "" ^ ^- ,,;„,, ,li, p„ppe ,u 
mit denen sie spielt wie m schone, altei /--eii- 



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Fetisthismus, 



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verzärteln und hU'IIi ^ic'n vor, il^ili ^it- seihist die Puppi' ist. Sio niüchti.' urn 
keinen Preis äll^r wcidoii. . . , 

Sie wnchs hei i'inor Tank' üiif, welche üic ganz 'luigewühnlicli vcrKÜrteUe. 
Diu Tante stur-h, als sie l-'i Jaliiv alt war. Seit dieser Zeil käniptt siie gotifu 
"das Altwt'i'den. llir Manu war die ersten Jalirc mit ihr sehr ziirtlich. Nun * 
" vernaciilässigl er sie. Sie Iiat aljei' ein inigelienres Zävtliclikeitsbedüriiüs, 
das sie bei den Pupiien stillt. 

Sie begnügte sieli mit diesem l'ui)i]enrtijiel, das läglieli im versehlasseiieii 
Zimmer slattland, Sie fühlte sieh in dieaen Stunden glücklieh und war gaiix 
Kind. Aber ihi' Mann liatle vun diesen Spielen keine .\hiiun^.'l i'^ininaj kam 
er unvei'niutet nach HaUfse nnd fand .--eine Fran uiilten in ihren Heüiniion. 
mit einer ['iippe unter dein Arm, von Puppen und Spielzeug nnigeben. ^i' 
geriet in Wnl übci" diese kindiseiien Spielereien. Mit der initrüglielien Almung 
dei- Ijielienden erkaimle er, dali die Puppen seine I^ivalen wai'en. Hie 
l'jifcrriucht luaelite ihn blind nnd unvernünrüg. Im- riß ihr ilie Puppen aus 
der Hand, zerrili sie, zerstöi-le alle Relif[nien und warf die jamincrvidlon 
Reste in den Kamin, wo ein mächtiges Feuer hrannie. 

Die arme Frau sah hilflos und stunmi dem Treilien /.u. Dann iiel .sie 
in Ohnmacht. Oder war i>s ein liysterischer Anfall':' Sie erwachte im Bette, 
ein Arnt sali neben ilir, der Mann weinte und Hellte sie uin Verzeihung an. 
Sie konnte nicht sprechen, Üer Arzt konstatierte hirhe Temperalureii. Sie 
war schwer krank. Das Fieber dane-rte vier Wichen. Die Diagnose schwanlite. 
Man tiachte an Typlius. einige Konsiliarii spinihen die Verinntung aus. es 
könntf. sicli um eine versleckt<.' Tuberknlnse handeln, ein Arzt sprach von 
livslerischem Fieber. I^as Fielier klang ab, sii' wnrde zusehends besser, aber 
iliro Naiur halle sich geändert. Sie war vnrher sehr lebenslustig nnd heiter, 
nun war sie ernst und ueigte'/.u Traum/.uständen. Sie war nichi melir fähig, 
ein Buch 'zu lesen, sii' interCKsierto sieh niclil mehr für Theater und Kunst. 
Voi'iKU- liatte sie zuweilen iieiui Kniius OrgasTinis geliahl. wur immer 
leicht von dei- Klitoris aus zu erregen und zu (.trgasnms zn hinigeii. Nun 
war sie anästhetisch. Sie konnte ihrem Manne den Murd an ihren PupiM'U 
nicht verzeihen. Sii> höile auf, ein Kind zu sein. Sie fülilte sicli all .md 
t;prii.cli oft (hivon, daU sie vom Leben nichts mehr zu erwarten liatle. Wozu 
jeht umn deniiy — dae war ihre ständige Frage. 

Und mm scdaten (Üe kh'ptemanischeii Impulse ein. Sie .stahl in Wanin- 
iiiinseni kleine und größere Puppen, die sie im Kasten versperrU'. Kines 
Tages wurde sie ertappt nnil ihr Mann entdeckte iliren Puppenharein. Sie 
hatte absuhit keine Erinnerung, daß sie ilie Pup|)en gestohlen hatte und 
hehaupttde, sie' hiltle sie gekauft. Talsächlieh liatte sie das eine uder andere 
Mal Puppen gekauft, wenn keine .\!oglichkeit vuilmnden war, sie zu stehlen. 
Sie erzählt über die Einkäufe, dali sie sich in namenloser Aufregung tre- 
fnndou hätte. Plötzlich halje sie etwas getrieben, m die Läden zu gelion 
lind mich scliönen Puppen zu suchen. Sie war wie in einem Rausch und 
zitterte am ganzen Körper, als hälti' sie ein Tlureeht begangen, Sie sprach 
immer davon, daß sie für iJir Kind ein schönes Spielzeug suche und schämte 
sich, die Lenle könnten glanluui und erkennen, daß sie die Puppen für sich 
benötige. 



L, 



') Man iviid lutwiJlkürliilj an JWhs Nora (Bin Puppenheim) eriimert. Un 
Diflitcr Bchdnt seine Beobacbtuni.' dcai Lclu'ii fntni)ninH.'n /,u kibeii. 



Erotisclicr Syinbolisnius. 



ib 



In dieserii. Wtadiuni kam sie zu mir.' Die Analyse oi-fial». daß sie als 
Kind eiiU' nierkwihdige ■Hüiifiinp: von Traumen (iiiiTliznniaclirn lmtU\ wie es 
wohl riPileii bei oiiieia Mädclicri inis liesticrcni Hause vriikimunl.. Mit TJahreu 
hatte ihr Ojäliriger Bi'uder mit llii- gi's|iiell und iin ihr den Kuiniilinfjus vul]- 
ÄOgeii. Dann brachte or einmal drei Fronudc luit, die alh> mit ihf i>iii('it<":u. 
Spät(T t=t-hliet' sie mit der Tanle im Bcitc. die sie in ülxMtrieiienor Wei^:e 
liebkoste, am gatizcii Körper HtrciehcJte mid iuuuef ,.iiiein i'iippeil" munife. 
Öie sajrte ihi' immer, :;ic sei seliön wie eine. I'n]i|H>. Das nüelislc TiMnma war 
mit dem llan>ih>hrer ihres Brndoit*. der sie id'l in einem versteckten Winkel 
des Hauses iibkiilMe un<l ihr an die (Jeiiilalien firill. Sie siht v.u. dati sie 
sehr koketl Wiir und die älteren Männer lörmlicli herauBlürdertc, mit dir 
/.n spielen. Sie war 13 Jahre alt, da wardo sie die Geliebte ihres Klavier- 
lehrcis. Rs kam wohl nicht zum Koihis, ;ii.er er giib ihr sein GÜed in die 
Hand und reizte sie inanueli. Mit 15 Jaliren wurde sie vun einem Ai-^le 
deÜoiiert. den sie eigentlich dazu aufsoierdei t hatte. Dann kamen noeh 
einige Krlebnisse. Ins sie .ihren zukünftiKen Mann kennen lernte, der sehr 
naiv war. sieli mit ihr verlobte, mil ilir immei- fi])ielte. idiue tiie zu koitieren. 
obwohl sie ihm keinen Widerstund leistet«. In den ersten Wochen der Ehe 
war er im|)o1ent nnd als ihm eiidlieh die Immissio gelang, war er so naf- 
«eregt.'diiB er gar nicht meikte, diili sie keine Virgo wiir. 

Sie iiatte sich vorgenommen, ihrem Manne Iren zu bleiben und hatte 
■diesen Vorsnlz nnsgelidirl. liii'e Untreue leide sie mil den BupiJen ans. 
Jede Pupiie steilti- ihi' eine niidere Kpisode uns üirein Lei)en d^ir. Die Fuiipen 
hatt«n Nnnien. welche den Name» aus dei' Vergangenheit entsprachen. Ihre 
T;inte liieß Kosii. Ihre Lieblingsiaippe (die Favoi'itin in dem Herein) liieß 
Hosalindi', Der Bruiler Karl iignrieite als Lotlehen [.Clmrliittchen), der 
Klavierletirei' Fruiix als Fnwnl usw. . . , 

N;K-h der grcdsi-n Szem- ndt ihrem Miinne iM'wachte ilu- Haß und sie 
'beschloß, sich zu rächen. Obwohl sie sich als Kind geliihlt hatte und wie 
■ille Klmlweiber sehr jung aussah, fühlte sie sich nun alt nnd zeigte das 
kontrastgefühl der Par;i!Kilhiker, das im Gegensatz zu ihrer Fiktion stellt 
tSie bohaiUJlete. eine alte l''raii zu sein, die nienuindein gelallcn konnte. Aiier 
«^ trieb sie die Vergangenheit wiedei' zu erleben und sich ;ui ihrem Manne 
zu rächen '>^ie widlle iiHe die Menschen aus ilu-er Vergaiigoniieit wieder aui- 
suchen ^ber wo sie hndnrr' Der Kh.vierlehivi war mittlerweile ein alter 
Mann geworden, der Bruder war in Amerika, die anderen M-inner schienen 
unnahbar und hatleii die kleine Gespielin längst vergessen. 

. Sie mnlUe dalier diese MänuL-r In der Phantasie wieder erobern. Sie 
,M-lebte das Verb.deiie in Tranmznständen und wurde Kleptomanin. 

Nacli längerer Aimlyse volikommene Heilung, 

Hier sehen wir einen Racheiminils. Der doniiiiieremle Gedanke 
lautete- Du nmiU, etwas tun, um dicli zu riiehon. Uu nuiBl denrem 
Manne etwas antun. Du mußt dir die alte Lust verschaffen die er dir 
zerstört hat- Von allen Uildern ^var das Bild der Tante und de. Klav.er- 
lohrers a.u> deutlichsten vor ihren Augen. Sic wollte wieder da. I upperl 
der Tante sein und wieder mit dem I'enis des Klavierlehrers spielen. 
So kam sie dazu, die öro/ische Formel zu erfüllen: Das \erbotene -.n 
die Hand zu nehmen. 



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K] 



1 46 Fetischismus. 

j Sonderbarerweise hatte sie sich iimner geweigert, ilu-em Manii& 

' diesen Liebesdienst zu tun. Es war die unangenehme Erinnerung an 

die Vergangenheit, die sie daran gehindert hatte. Dieser Griff geiiörte 
, einer anderen fiktiven Welt an und durfte nicht in die Realität hinüber- 
1.- genommen werden. Die Kranken hängen an ihren Phantasien und 

y" scheuen deren Entweihung durch die Realität. Die Wirliiichkeit ent- 

wertet die Fiktion und würde sie überflüssig machen. Man kann das 
sohr oft beobachten. Es ist nicht richtig, daß Parapathiker ihre 
spezifische Phantasie immer in WirkheWteit umsetzen wollen. Viele 
fliehen die Realität und reservieren die speziiisdie Szene für ihre Phan- 
tasien- und onanistischen Manipulationen. 

Wenden wir uns einigen anderen Beobachtungen zu. Da ist ein 
Fall von Dnhois.'iO}!, mehrere Fälle von Vinchoii, die ich der Arbeit von 
Kurt Boas entnelune. Leider fehlt allen diesen Fällen die psychologische 
Analyse. Trotzdem bieten sie sein- viele interessante Gesiclitspmmte 
und werden verständlich, wenn man die Analyse ähnlirher Fälle kennt. 

Ich beginne mit dem Fall von Duboisson: 

i Fall Nr. 7. Frau C. ist eine Frau von -33 Jahren, groß und stark, die 

:j iu plij'siechcr BezieliuJig keine weiteren besonderen Merkmale aufweist als 

ij] jenen biciclien, ein wenig gelblichen Teint lebt-iioidender Personen. 

2f In jungen Jahren hatte sie die verechiedenen Kinderkrankheiten, wie 

i"! Masern, Sdiarladi. Pocken usw. durchgemacht, doch wurde sie von keiner 

;i) hurt initgenomuion- Sie litt weder nn Krämplen noch an Typhus, doch zeigte 

' ' yie sich von Beginn der Puiiertätsperiode an nervös und reizbar. 

Sie regte sich schon als Kind über die geringste Kleinigkeit aid', konnte 
' uiciit auf ihicni Platte bloibon, weinte oder lachte hiat auf Wunsch, am 
häufigsten ohne Grund und znwcilen wurde sie von Lac-hkränipfen befallen, 
deren sie nicht Herr 2u werden vennochte. Der Vater starb an Lungcn- 
t'utzündung, die Mutter, die bei Lebzeiten von außerordentlicher Reizbarkeit 
war, erlag einejn Herzk^ideii. Hei der geringsten Erregung verfiel die Mutter 
in Ohnmaehtszustände, 

Zwiscben dem 1:J. luui 14. Lebensjahre erlitt Frau C. neue Anfälle. Die 
Entwiekhuig vollzog sich ^eln' langsam, das Erscheinen dei' Kegel war von 
.^ta.rkcn Schmerzen und einer niorkUchen Verschlimmerung ihres Gesamt- 
Kut^landes begleilet. Sie wälzte .sicli auf der Erde, .schrie und verfiel iu .4.n- 
l';ille, die wiri;licben Kranipfanfällen sehr nahe kamen. Gleichzeitig empfand 
eie zum ersten Mal jenes Gefühl der Zusammenziehung von Brust und Hals. 
,dafi eines der charakteristischen Symptome der Hysterie ist. 

Seither haben .sich diese Symptome eher verschlechtert als vermindert. 
Frau C. hat ein ständiges Bewegnngs- und Deplazierungsbedürluis. sogar 
ihr Schlaf ist unruhig und von Mu.skolzucknngen und .sonstigen krampfartigen 
Kontraktionen l)egleitet. Sie ist von außerordentlicher Erregbarkeit, von 
schwankender Laune nnd immer zum Lachen oder Weinen bereit. Diibei 
entsteht bei der leichtesten Erregung das Gefühl, als wenn ihr eine Kugel 
in den Kehlkopf steigen würde, eine Einzelheit, die sie als Geheimnis mit- 
1eilt. denn sie hat bis dahin ans einem nubekannten Grunde weder ihrem 



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RM!» 



Krotischcr" Symbiilismtis. ^-j 

Gatten noch ihrem Arzte von dieser Erscheinung Mitteilung gemacht. Ks 
versieht sich von selbst, daß sich diese krankhaften Ei-gcheinungen unter 
gewissen Einflüssen noch verschlimmerten. Sie ei-rcichten allmonatlich zur 
Zeit der Regel ihren Höhepunkt, ebensd zu drei verschiedenen Mulen während, 
dei' drei Seh waugcrsdiaf teil dvi Xrnnken. Zur Vervollständigung des Krank- 
heitshildes möeht« icli mich hinzufügen, daß sie von einem Leberleideii 
(Cholelithiasis) befallen ist, das sich in mehr oder weniger starken perio- 
dischen Anfällen äußei-l: und dessen Rückwirkung auf den geistigen oder 
ricelischcn Zustand der Patientin kcine.-iwegs gleichgültig erscheint. 

Wenn wir Frau C. vom psychischen Standpmiktc aus ins Auge fassen, 
sü finden wir. daß ihi'e Intelligenz sicherlich unter dem Durchschnitt steht- 
Sie hat den li^leTiientarunleriicht eiljalten. aber nichts weiter. Sie schreibt 
nithiigraphisdi richtig, versteht eine Addition, eine Subtraktion, sogar eine 
Division zu machen, vermochte aber niemals eine noch so einfache Reelien- 
auigal)e zu lösen. Zwischen ihrem 12. imd 15. Lebensjahre kam sie nach 
Deutsdiland, erlernte dort ohne Schwierigkeit die deutsche Sprache und sprach 
sie bei ihrer Rückkehr nach Frankreich ganz geläuiig. lleuto woiH sie kein 
deutsches Wort mehr. Sie gibt selbst m. daß sie da.-; Oedäclilnis vollstündig 
verloi'en hat. Dies löhrl zum größten Teile dalier. daß ihr, wie vielen Kranken . 
dieser Art, die Aufmerksamkeit vullständig abgeht. Sie vermag ihren Geist 
nicht zu fixiei'en. Daher ist sie auch zu jeder ernsten Bescli;iflit;ung un- 
tauglich. Ihr Gatte, ein hervoi'i'agender Literat, wollte sie für seine eigenen 
Arbeilen interessieren, aber alle.^. was er von ihr zu erlangen imstande wai', 
waren einige Kopien und sie hatte diese so schlecht gemacht, daß er in der 
Folge darauf verzichten mußte. 

Bevor ich auf die der Dose huldigten vurgeivoileneii llaudlungen ein- 
gehe, muß icli noch einige Details in beüug auf die häuslichen Verhältnisse 
em'ähnen. 

Es besteilt im Hause G. mir eine Storungsursaehe, nämlich ein Kind. 
Frau C, hat zwei Kinder, einen Knaben und ein Mädchen, welches das älteste 
ist und das heute r>'l- Jahre zählt, ist seit seiner Geburt die große und ein- 
zige Sorge der Mutter. Dieses Kind, das nach einer Liußerordentlich schwie- 
rigen Sehwangerschfift zur Welt kam, wurde, noch nicht drei Monate alt. 
von sehr ernsten Anfällen betroffen, die den Ärzten bald den Verdacht nahe- 
legten, daß CS sieh um tuberkulöse Hinihau1«iitzüiiduug handle. Dank der 
sorgfältigen Behandlung, die dem Kinde in überreichem Maße zuteil wurde, 
blieb es am Leben und hat heute sein 5. Lelien.sjalir überschritten, sein Ge- 
sundheitszust-and ist jedoch nicht weniger fragwürdig und macht i;iiie außer- 
ordentliche rberwachimg nötig. Von dem Tage ab, an dem dio,-:es Kind krank 
wurde, ließ Fiaii C. alles andere beiseite und lebte niii' noch für dieses. Sie 
machte sich zum Sklaven der Kleinen und widmete ihr ihren Tag und die 
Nacht. Ihrethalben beraubt sie sich jeder Zerstreuung, jedes Vergnügens; 
wenn sie manchmal ohne das Kind ausgeht, geschieht es nur. um ihm irgend- 
einen Gegenstand zu besorgen, den es nötig hat oder den es wünscht. Bis 
dahin ist nichts Außergewöhnliches zu bemerken. Viele Mütter opfern ja 
ihre Person dem Kinde, das sie lieben. Aber e,= liegt in dieser Mutterliebe 
der Frau C. noch etwas mehr dar-in, noch etwas Außerordentliches und 
Krankhaftes. Es ist bekannt., wie sehr die Mehi'zahl der Hysterilver Zwangs- 
vorstellungen unterliegen, aber im allgemeinen sind diese Zwangsvorstellungen 
wechselnd; bei Frau C. ist der Zwang unveränderlich und einzig. Der Ge- 
danke, ihr Kind zu befriedigen und dem geringsten seiner Wünsche näch- 



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48 



Fetischismus. 



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/.ugebeii. ist lipi ihr bis m ioiieiii l^iiiiktt' getntjbeii. wo- er die Givimdlioit, 
jii das Lchoii des Kinilcs fiofaiirdi^l. Cs iiiilzt di>ni von dem Gatten iinU'i- 
slützteii Ai7Ae nii'lilH. der Mutter vurzastelleii. dalS es iiii-lils Gefälirliclieres- 
gibt, als ein derartiges Enlgegenkoiumeii gegenübei' allen Fliantaaieii und 
J.aimen der kleinen Ivniidieii, die beruhigt, nicht ständig aiifgi'regt werden 
müiile. Aber alles nii1/t nielits gegen die^e überächänmende Mutterliebe. 
das einzige, was der Ar/.l zuwege liniclile. war. daß ihn die Mnltei als ihren 
Feind belrat:htele. 

KoininiT wir nun zu der verbi-echerisclien Hamlluiig. 
Auf den Rat dew Arztes j^ali sieh, dei Gatt-e. <ier übrigens über die l'ü!- 
Niditigkciten rieileuK seiner Frau ausgegebenen Summen entsetzt war, ge- 
nötigt., ilii- das lägliehe Einkaufen von W|)ielzcug zu untersagen. Er fand, 
dal.!» einige vierzig Puppen mit alh'tu ZabeluK dem Kinde eine ausreielieude 
Zerstreuung bieten iiiülJten. Da sie die ihrem Verlangen eiitgegengedctzle 
und nur zu gerechte Opposition als Animosität ;niffaIUe. wußte sie nichts 
amieres zu tun. aU das. was man ihr /.u kaufen nirhl gestaltete, einfadi weg- 
'/.atu'hmeii. indem sie sieh sagte. daÜ ihr Gatle gezwungen wäre, die Gegen- 
stände dann zu zahlen, wenn sie erst einmal im Hause wären. 

- Es Imt iii'-hl den ,-\nsehein. als ol.i eine wohlerwogene Absicht dabei 
Vf>i-hei'rs[-lile. Wenn laan iiii' darin Glauben selienken darl". so war dies ihr 
<lednnke in den letzten Novenibertagen im Magazin de Pi'intemps einem 
Gegönstiuide gegeuliliei-, der ihr geeignet erschien, das Getallen ihres Kindes 
zu err""eu (ein Sehaf); sie gab sich dieser lächerlichen Erwägung hin; sie 
{cistete"ihr aucli munittelijüi- darauf Folge. 14 Tage nachher erschien sie 
wii-iler imd liug zu wiederholten Malen gegen fil) Artikel hinweg: kmder- 
snielzeug Miiii|M'narlik<d odei SuA\ Mir Puppenkleider, alles m allem zu 
einem Werte von :ü\0 Franks. Naehdem sie ohne 1 niall nach Hau.-^e ge- 
kouunen verbarg sie alh' Gegenslämle im Schranke und erwartete ungeduldig 
den Weihnachtsabend, um da^ Kind mil all den Geschenken zn überhäufen 
und ihren Mann von ihrer Tat /.u benadirichhgen, 

Frau (-. gibi selbst zu, dalJ sie sehr gut wulMe, dab sie sieiile, alier 
in ihrem Kopfe erschien dieser Diebstald :uil>eroi'dentlic]i milde, wenn nielil 
gar durch den Gedanken völlig entädnildigt. daß ihr Mann luiweigerlidi 
Inihei' i-dei- s|Mler die Gegenstände bezahlen werde. Es war ihrer Absicht 
nach gi-wisserinalieu eine Anleila- and kein Diebstahl. Mit einer wahrhaft 
bewundernswerten Naivität erklärte sie. wie sehr sie es diesem benihigendeii 
Gedanken verdankte, dali sie sich ihren verbredierischen Entwendungen luif 
vollkommener fieelenrnhe. in voller Sicherheit des Gewissens, ohne iode Er- 
regung, sie. die Aufgeregte, und ohne die geringsten Gewissensbisse hiugeiien 
konnte. Selbst als sie auf frischer Tat- ertappt und vor den Kommissär ge- 
führt wurde, war ihre Haitung so ruhig, so heiter, daß ein zufällig hin/,u- 
getretener Zeuge nidit umhin konnte, iil)er den Geisteszustand Verdacht, zu 
schöpfen und sidi beeilte, ihrem Gatt™ davon Mitteilung zu madien. Es 
bedurfte er.st allei- Seherereien einer richterlichen Untersuchung, um sie etwas 
zu beunruhigen und ihr klar zu machen, daß die von ihr begangenen Hand- 
lungen nidit so leicht zu nehmen seien. Heute nodi ist ihre Überzeugung 
in dieser liezidmng niclit vollständig geklärt imd auf alle Fälle will sie 
nicht glauben, dal.^ es zum mindesten unentschuldbar ist, wenn man so 
handelt wie sie es getan. Frau C. kann trelTend mit einem Worte gesdiildert 
werden: Sie ist ein Kind, aber dieses :33jährige Kind ist hysterisch, 
und zwar mit allen zerebralen Mängeln, die ein solcher Zust^ind mit sich bringt. 



iM^^er; 



»RS^! 






Krntisoher Srmliolisiniis. ,,, 

4!) 

Wir öelieii einen diaraktwistisdK'ii Fall, der sidi eigentlich wmifi 
von dem meinigeri uiitorecheidet. Wie in den meiston dieser Fälle liandelt 
es sicli um eine vei'hei ratete Trau mit auegeaprochcnem psychosexueüen 
Infantiüsmus. Wir dürfen in allen diesen Fällen dae eine Mfftiv nicht 
vergessen. Die Ehe und die X'erpflichtiiiif: der Treue werden als Zwan^ 
gewertet. Die Klentomanir eii1,K|)rii-lit einer Phase im Kampf der Ge- 
öchlochtc'i-. ■ Sie liat iuu-h die Tendenz, den Mann zu kränken, ihn zii 
besL-.iiäftif,'en, ihm Kdiorereieii zu ni:K^hen, seine J^iebe auf eine harte 
Probe zu Stelleu. Et; ist f,'ar keine Frage, dxils die Frau das Kind mehr 
liebt als ihren Maini. Die l-'oniiel ihrer Handlung wäre: Irh will meinem 
Kinde Freude bereiten auf die (iehiiir hin, meinem Manne weh zu tan. 
Der Umstand, daß Frau C. iln-en Mann von der Tat am Weilmachts- 
abend verständigte, zeigt das fein ausgesponnene Rachebedürfnis dieser 
Frau. Offenbar sjiiden Erinnerungen an ihre Kindheit mit, an die Weih- 
nachtsabende, an denen sie so reich besdieiikt wurde. Ihr Mann hatte 
ihr bei 40 Puppen Halt gebolen. Nun zeigte sie ihm, dal.; sie imstande 
■war, sein Verbot zu übertreten. (So weil, kommt es, wenn du mir nicht 
in nllem nachgibst.) Die Tendenz, ihn zu demütigen und sich einen 
Triumph zu versdialicn, tritt in diesem Falle deutlieh hervor. 

Nun wenden wir uns einem Falle von Vinchov ') zu, den ich in der. 
meisterhaften Übersetzung von Kurt Boas wiedergebe. 

Fall Nr. 8. Jeamie C, Cüi'Uien genannt, wird Züm ersten Male im Juni 
190S ;mfgeiitiinnien mit rolgcmiem Ailest: ,.1'ragreseive Paralyse, Abnahme 
der geisligeii FiiliigkeiU'n, liiipliiinc. kindiwciuis Beiieiimeti, kein Kraakheitw- 
liewaßlv^piu. ]l(!r Ueginn der Krankheit srJieiiit bis Anfang Jänner zurück- 
Kuliegt'N und diiri.;li einen liefligeii luünilisi-lieii Sliuck verursaclit zu sein.'" 
Ey folgen die (iiil;irliU:ii di'eii-i' SiHrlivt^rstJuidificr. l]ie Fesl^tellimgeu in der 
K-linik liesläl igten anfäiiHbcli diese ScIdnIM'idger uiigcn. 

\m .liiiiiier ]90.'t si'liieii Uiinuen. die lieutc 45 .);Uu'e alt ist, tatsächlicli 
dais Gi'dac.lilnis verloren zu liiibon, im Aiii^rtihdi an einen Wageiiunt'all. 
Darauf war ihr Clniraktei' und ihr ganze.s Wesen ganz und gar kindi.'irli 
geworden. IIiit rriilierm Neigungen nalimcn an Stärke nur zu. Sie i;i)Ii 
alkv, wa.s sii-li in ibreni IJeroicIie befand, auf, «tibi eineni \" (U'iibergehetidcn 
eine Zeitung usw, Infolge dieser geringfügigen Geset.7.esiiberl,rei.ung wardr 

sie interniert. 

Clarmen verläßt die Irrenanstalt im Oklnl)er 1903 in sehr gebessertem 
Zustande. Ihre fhitidlungcn und Ri'deii.-!;irit'n tragen dagegen stets noch ein 
kindiscbe? Gebaren /.iir Sriiau. In guter liewiiehung bleibt sie bis 19ü(i ruliig. 
Zu (lie-seni Zeitpunkte führte sie einen vergefiliciion Diebstahl aus. Man hielt 
ihre Verhaftung nufredit, weil mau bei ihr eine Saniiulung von Gogenstünden 
fand, wdche die Verwunderung dos Polizeikommissürs erregten. Infolge 
eines foronsiscb-psydiiatrisdien Gutachtens wurde sie provisorisch unt^r Auf- 
sieht ihref, Freundes in Freiheit i)elaK3en. biik! darauf jedodi stellte sie sich 
spontan an der Pr(irt<A der „Infinuerie spednle' ein, hielt bizuri'e Aiisiiracheu 



') Journal de inediciup (1l> Paris, 1914. 

Sloliol, StÜrunffF'ii ci«K Trii-b- und AffflktlobBiiP. VII, 



50 



Fetiscbiemus. 



und wurde von neuem verhaftet. Diesmal nahm der Arzt bei ihr Simulatioß 
an obgleich er ihre Entartimg anerkannte. Bei der Aufnahme wurde t-ie 
nach einigen erregten Tagen ruhig und konnte wieder die Anstalt verlassen. 
Sechs Jahre hindurch, von 1906—1912, bot sie an krankhaften Erscheinungen 
lediglich ein kurzes schlecht auegeepro ebenes Erregungestadiura dar. Dieser 
Zußtand trat im Sommer 1910 ein. Im Sommer ist sie in der Regel ner- 
vöser und Anfällen dieser Art unterworfen. Im März 1912 wurde sie wieder 
in der Anstalt Sainte-Clotilde interniert während eines Leichenbcgängni&ses- 
Der Gutachter sah sie noch einmal als eine Simulantin an. Während ihres 
Aufenthaltes in Saint-Lazäre machte sie einen Erregungszustand durch, wurde 
einer erneuten ärztlichen Untersuchung unterzogen und auf die Abteilung 
Magnan verlegt mit der Diagnose: geistiger Schwächozustand mit manischer 
Erregung. Anfänglich war Cannen ganz und gar nicht geneigt, uns zu Ver- 
trauten ihrer Angelegenheiten zu machen. Wenn man mit ihr über ihre üieb- 
ßtahlsaEEäre sprach, gab eie an, sich an nichts zu erinnern. Trotzdem erzählte 
Bie mit einer amüsanten Verve von alter Art, eine Menge von Einzelheiten 
aus ihrem früheren Leben, u. a. die Geschichte, die bei einer Frau in ihrem 
Alter überrascht, von Puppen, die sie nicht verlassen und denen sie nur für 
einige Wochen entsagt bat, weil sie damals sich mit einem kleinen .lungen 
zu beschäftigen hatte. 

Sie hat zwei Puppen, alle lieide sind blond, die eine ist groß wie ein 
Baby und liegt stets auf ihrem Bett hinter ihr. Die andere ist von ganz 
kleiner Gestalt und sie kann sie mit sich nehmen. In zahllosen Kartons häntt 
" sie Seidenreste, Enden von Spitzen, verschiedenartige ■ Bänder an. Ihr höchstes 
Vergnügen ist es, von diesen Gegenständen Gebrauch zu machen, um daraus 
Kleider für ihre 'Puppen zu verfertigen. Sie bevorzugt namentlich die Seide 
und die stark leinwandhaltigen Stoffe, ebenso die Spitzen, deren Verarbeitung 
ihr besonders angenehm ist. Die Kenntnisnahme dieser Dinge bringt uns auf 
den Gedanken, Carmen eine kleine Puppe zu reichen, da sie eich darüber 
beklagt keine mehr zu besitzen. Carmen hat sie kaum bemerkt, als sie sie 
ergreift, sie gegen eich drückt und sie unter ihrer Kleidung versteckt. 
Sie legt dabei eine starke Erregung an den Tag, kann kaum spi-echen, murmelt 
mit erstickter Stimme: „Danke schön" und versucht uns zu umarmen. Ihr 
Aussehen drückt dabei den Höhepunkt der Uidenschaft aus. 

Eine Stunde später lassen wir sie in das ärztliche Untersuehungifziramer 
kommen Ihre Antworten sind noch verworren, die Mimik drückt die Scham 
und die Verzeming aus, bis sie sich endlich entschließt, unt: da.4 nai-hf olgende 
mitzuteilen : 

. Sie hätte viel intimen Verkehr früher unterhalten, heute hätte 
sie keine normalen geschlechtlichen Neigungen mehr. 
Fi-ülier wäre Cannen syphilitisch gewesen. Obgleich sie beliandelt worden 
sei ist es ihrer Ansieht nach heute dieselbe Krankheit, die wiederkelirt und 
ihre Erregungszustände hervorruft. Schon als Kind onanierte sie, indem 
sie sich gegen die Lehnen der Stühle und die Ecken der Tische rieb, weil 
ihre Eltern, die ihr Laster bemerkt hatten, sie veranlaßten. die ganxe Zeit 
die Hände hinter dem Rücken zu halten. Sie war ein sehr feuriges 
kleines Mädchen, das bereite mit dem Besitz mancher 
Spielzeuge den Gedanken einer sexuellen Befriedi- 
gung verknüpfte. Diese Veranlagung verschwand in der Pubertät, 
um in den Wechaeljabren wieder in Erscheinung zu treten, die vor etwa 



Krotisclier SymholismuH- Fjj 

lÜ Jahren eintraten (1903 zählte Carmen 44 Jahre). Zu dienern Zeitpunkte 
führte sie die ereten Diebstähle aus. 

Carmen hat niemals widerstanden. Es ergreift eis urplötzlidi. An den 
i'orhergehenden Tagen ist 6ie etwas aufgeregt. 

' Sic geht in eine Kirche, die sie für gewöhnlich benutzt, in Sainte- 
Clotilde, einem reichen Ki rchcnsprengel. Sie verspürt ein unbestimmtes Miß- 
behagen im Magen, dann nehmen ihre Wünsche einen bestimmten Ausdruck 
an und sie braucht einen der "kleinen Gegenständo, wie sie die Pompadours 
der Damenwelt zu heJierbergen pflegen, mit besonderer Vorliebe eine Büchse 
mit Reispuder, 

Sie versucht sich in den Besitz dieses Gegenstandes zu setzen, ihr 
Ungeschick verhindert sie jedoch an dem Gelingen, so daß sie festgenommen 
wird. In diesem Augenblick wird ihr Gesicht kongestioniert, der Schweiß 
tropft von ihrer Stirn, die Genitalorgaiie sind feucht, der Besitz des Gegen- 
standes führt eine tateäehliche geschlechtliche Wollust herbei, die sie mit 
folgenden Weiten schildert: „Dann mache ich mein Ding." Einige 
Zeit lang nimmt der gestohlene Gegenstand den Rang eines Petischs ein 
und eie reiht ihn in die Sannnlung ein, die sie bei sich trägt und deren 
Anblick für sie eine Quelle des Vergnügens ist, oder sie empfindet Ekel 
davor, macht ihn entzwei und wirft ihn fort. 

Manchmal ersetzt sie den Diebstahl duir-h den Ankauf des Gegen- 
stiuides. Dann jedoch tritt das Vergnügen weniger lebhaft zutage. Dies 
läßt sie übrigens den Gegenstand nicht verachten, denn sie denkt mit Freuden 
an die Zeit zurück, da sie das Geld mit vollen Händen ausgeben konnte 
und sich nach Hause ganze Berge von Bändern, Spitzen und kleinen Krämerei- 
artikeln schicken ließ. Ihr F.reuiid tauscht meistens diese Gegenstände wieder 
um; wenn er sie ihr beläßt, so zieht sie damit ihre Puppen an. 

Diese „Sucht zum Stehlen" — so drückt sie sieh aus — macht sie 
Bchr unglücklich, sie möchte eich am liebsten das Leben nehmen, um Ihr. 
SU entrinnen; sie empfindet jedoch bei diesen Worten ein zwiespältiges Gefühl. 
Denn es entsteht bei ihr einerseits die Eriimerung des Ekels und des Ge- 
nusses, die diesen Akt begleiten, zusammen oder getrennt. 

Kaum hat Carmen dieses Bekenntnis abgelegt, als sie darüber itcue 
empfindet und uns übelnimmt, daß wir es ihr entrissen haben. Sie verfällt 
zueret in einen heftigen Zoi'ii, der nicht vorgetäuscht ist; dann beruhigt 
BJe sich, und bittet uns, nichts davon ihrem Liebhaber zu berichten. Sie 
schämt sich dessen und will lieber für eine Diebin gelten. „Im übrigen hat 
man es in Saint-Lazare nicht schlecht, die Schwestern sind sehr nett zu ihr." 
Auf der Abteilung konnten wir einen ähnlichen Fall beobachten, der 
denen zur Seit« zu stellen ist, von denen sie uns berichtet hat. Nach 
einer kurzen Zeit, der Erregung vei" suchte sie eine« 
Morgens im Lauf des Monats Oktober 1912 ein Band an 
Rieh zu nehmen, welches das Haar einer Krankheits- 
geuossin zierte. Dieselben Erscheinungen traten bei diesem Anlaß 
zutage; nur daß es diesmal genügte, den Gegenstand lediglich zu berühren, 
um ihre wollüstigen Wünsche zu befriedigen. Alsbald ergrifl sie das Band 
und verlangte, daß es vernichtet werde. 

Was die Puppe anbelangt, so umgibt sie Carmen mit einem wahren 
Kultus. Sie hat Angst, daß man sie ihr wieder wegnimnd-, und verbirgt sie 
vor Eifersucht am Tage unter ihren Kleidorn, nachts im Bett. Sie läßt Stoif- 
reete kommen, verfertigt mehrere Kleider, namentlich einen Trikotmantel ans 

4* 



hL> 



Fetischisnuir;, 



blauer Leinwand, gcgi'n den bid ihre Wallte tnil besonderer Vorliebe roibi- 
Dirae Puppe erinnert sie K;inz an diiw kleine Kind, mit dem hip eich liiilH^r 
Sil gern zu beschäftigen ijdrgte. 

Mit der Puppe, erzählte Bio uns. !uit sie den besten tScbut/- gegen die 
diebischen Neigungen. Uicso treten nur aul, wenn ihr tipezielles Interesse 
für diese Gegcutitände erlufichcn ist, so daß sie ohne Wirkungen sind. MÜ 
dem kleinen Kinde ist es ebenso. 

Sie hat keinen UegrüF von der moralischen Bedeutung ihrer Hand- 
lungen. Die Kenntnis der Strafen, die die GesellBcliaft den Dieben zudiktieit,' 
hat niemals dazu gefiilirl, sie davon abzubringen. Sie liebt- die berufsmäßigen 
Diebinnen, oijgleieh sie sie verachtet. Hit diesen Frauen, sagt sie, kann mau 
eich vertragen wie nnm will, d. h. eher schlecht. Die zweifelhafte 
F r e u n d ir e li a f t ging einmal s u weit, daß sie 1 c s b i ri c h e 
Beziehungen zu einer Frau anknüpfte, die — es Bei dies als 
eine bemerkenswerte Einzelheit hier angeführt — in einem Kreise von Neuro- 
logen verkehrte. Eine andere Geführtin, elienfalls eine internierte Dieliin 
wie sie, und alte Kiieiit'Jillige, hat ihr vorgeschlagen, zusammen ku leben und 
„ebenso zusammen zu arbeiten" bei ihrer Eutlassung. 

Ihrem Liebhaber gegenüber scheint Carmen liebevoll zu sein, aber 
ein Nichts genügt, um sie zornig werden z n lassen. Sie 
ist unfähig, ununterlu-ochen aufmerksam zu sein und steht ständig unter 
Stimmungswechsel. Ihre große Voreingenommenheit ist das Alter und der 
physische Verfall, unter dem sie steht. 

Car-men hat alle Kinderkrankheiten durchgemacht. Ihre h^rziehung v.ar 
jammervoll und i h !■ e Mutter hat Bio sehr verwohnt. Sie konnte 
e.e nicht in der Pension aushalten und mußte im Elternhause erzogen werden. 
Eine Lehrerin erteilte ihr Unterricht und brachte ihr Lesen und etwas Mu^ik 
bei. Seit ihrem 20. Lebensjahre wohnt sie in Paris, bald als Demimondane, 
bald als Modell, je nach den Umständen ihr lieben fristend. Sie gab sich 
häufigen Champagner- und Älkoholexzessen hin, die sie sehr schlecht vertrug. 

Ich verweise auf die trefflichen epikritischen Bemerkungen, die 
Kurf Boat; an diesen Fall knüpft, und möchte nur hervorheben, daß 
die Beziehung der Vorliebe für t'uppen zur Homosexualität ziemlich 
klar vorliegt. Sie wurde von der Mutter arg verwöhnt. Sie sehnt sich 
nach dieser Zeil zurück. Sie spielt mit der Puppe ihre eigene Ver- 
gangenheit. Sie gesteht übrigens eine lesbische Beziehung offen au, 

Sehr häufig treten Wntanfälle gegen den Liebhaber auf. Ich halie 
solche Fälle öfters analysiert. Es handelt sich um Frauen, die an irgend 
eine Form der lesbischen Befriedigung gewöhnt sind. (Bei Prostituierton 
kommt der gegenseitige Kunnilingus sehr häufig vor!) Sic sind dann 
bei dem Manne ka.lt und reagieren infolge mangelnder Befriedigung aul 
geringfügige Anlässe mit Wutanfällen. Dabei betonen sie ihre nbcr- 
groüe Liebe, erzählen von den glänzenden Vorzügen ihres Mannes oder 
Liebhabers, sagen ihm im Wutanfall die gräßlichsten Gemeinheiten, 
die sie dann bedauern und zurücknehmen, betonend, daß es sich um 
sinnlose Schimpfereien, um krankhafte Ausgeburten der Phantasie 
handelt. Eine meiner Patientinnen warf dorn Manne im Wutanfailo 



Krotischer Symbol isniLis. -5.3 

homosexiiclk Verhältnisse mit soinon Freunden vor und verrief, ^o ifie 
Wurzel iliree Grolles. 

Im vorerwähnten Fall ist der Diebstahl der Puderbüchse eehi- 
fharakterietisch für Homoeeximlität, ebenso das Stehlen eines liandee, 
das eine Kranklieitsgoiiossin zierte. 

Wenden wir uns einem zweiten Falle von Puppenfetischisniuö zu, 
.den Vinchov unter dem Titel „Le Fetiehisme de la poupee et le vol 
aux etalases" im Journal do medecino, 191'i, publiziert hat.') 

Fall Nr. 9. Es handelt sicli um ein Mädchen Luise, welches einer 
Lyoner Öeidoiiweherrarailio — dieser IJci-uf ist l'ür die Hiitstehiniff der ge- 
sell leditlichoii i'erversitiit von Withligkcit — angehörte. Sie kiini dann yus 
der Provinz iinch Paris. Dort war sie Mitglied einer familiären Warenhaus- 
diebsialilgeBellridialt, der außer ihr selbst noch ihre Töchter, Schwieger- 
töchter und ihr Sehn atigeliörlen. Aus der Auamncso ist fülgcndcö von he- 
deutung : 

Der Vater und einer der Brlidei waren Epileptiker. Ein Onkel mütter- 
licherseits ist idiotisch. Eine Scliwestei- der Kranken hat Suizid begangen. 
Die Kranke selbst ist in der Schule zurückgeblieben. Sie hat erst mit fünf 
Jahren müheain zu sprechen gelernl. Mit sieben Jahren litt sie an „Neryen- 
■fieber" infolge vo]i Angstzuständen; ein -Mensch wäre ihr auf der Straße 
nachgelaufen und hatte sie bezichtigt, einen kleineu Hund gestohlen /u haben. 
In der Schule lernte sie schlecht und zog die Handarbeiten vor. 

Sie war traurig, ängstlich, litt häufig an Kopfschmerzen und suchte viel 
die Kinsamkeii üuf. Zu dieser Zeit hatte sio auch Zustände von patho- 
logischer Roizbai'keit, von hysterischer Natur, die bei der geringsten Auf- 
regung zutage traten. 

Mit fünfzehn Jahren war sie gewerblich tätig, aH)ei1ete zunächst etwas 
in allen //weigon ilor Öclmeideroi und bildete eich speziell in der Zurichtung 
von Seidciiknrsetts aus. Ihr Geschmack für diesen Stoff trat 
e e i t d e in siebenten L e b e n s j a h r in die Erscheinung, 
Einer ihrer Onkel überraschte sie damals, als sie im Begriffe war, den St'ifF 
an reiben, an dem sie gerade arbeitete. Sie empfand dabei ein Gefühl, das 
sie als eine Art von Schauer (frisson) schilderte. 

Mit siebzehn Jahren menstruierte sie zum eisten Male. Sie erkrankte 
damals im Anschluß an einen Bchwcreii Typhus an Chorea minor, die erst 
nach drei Jahren wieder vei'scbwand dank einer li^olierung in einer Anstalt. 

Nach ihrer Wiederherstellung nahm sie dann wieder ihren Beruf auf 
und wurde schließlich Voi'ai'beiterin bei einer Öchueideiin in Lyon mit einem 
Gehalte von -HiO Frank monatlich. 

Außerdem wurde sie von einem Geliebten ausgehalten, einem Schrift- 
steller, mit dem sie seit ilu-em 2L Lebensjahre zusammenlebte, und von 
dem sie ein lebendes Kind hatte. Zwei andere starben im zarten Alter, 
außerdem hatte sie drei Fehlgeburten und dann noch eine Tochter, die stets 
kränkelt Während ihrer Schwangerschaften war sie oft auf Eßwaren scharf, 
hatU' sich jedoch niemals dazu liinrcißen lassen, sich in den Besitz solcher 
durch Dielisiahl zu setzen. 



») MitBPteilt von Kurt Boa.» in H.Groß' Archiv, Bd. 68, „Kleinem Mittdlutigen". 
Weitere Beitrüge zur forensischen Bedeutung des PuppenfetisehismuB," 



54 



Fetischismus. 






Ihr Geliebter starb nach zehnjähriger (iemeinechaft. L., die damals 
31 Jahre alt war, nahm einige Zeit darauf die Gewohnheit an, mit Seide zu 
masturbieren, ist jedoch dem Seidendiebstahl noch nicht ergeben. Wutanfälle 
gehen wechselseitig einher mit hysteriformen Anfällen, wenn die Versuchung 
über sie kommt und sie sich nicht befriedigen kann. Bei anderen Gelegen- 
heiten dagegen kann sie sehr leicht widerstehen. 

Mit 36 Jahren macht sie abermals eiuen Typhus durch. Während der 
Rekonvaleszenz will sie das erste Mal gestohlen haben unter nicht näher 
feststellbaren Umständen. Seither lebt sie in Paris und von dieser Zeit iin 
datiert der Begimi ihrer Betätigung als Seidenfetisehietin. 

Die ersten Diebstähle ließen sie eiti lebhafteres Wollustgefühl verspüren 
als das von ihr früher gekannte, als sie noch mit Seidenstoffen Onanie betrieb. 
Der Kontakt der Seidts namentlich eokher von rot-er Farbe, und ihr Rauschen 
genügten, um den sexuellen ipyarismus auszulosen. Sie war derartig erregt, 
daß sie keine Vorsichtsmaßregeln traf imd eich jedesmal abfassen ließ. 

Nach dem Diebstahl emptindet sie Abscheu und Scham, versucht die 
Seide wegzuwerfen oder sie ist erleichtert und verspürt eine allgemeine Er- 
miidimg. Wie all die Kranken dieser Art emptindet Luise eine große Scheu 
davor, Fragen über diesen Gegenstand zu beantworten. 

Bald kann sie es an keiner Stelle aushalten. Man setzt sie vor die Tür 
der Warenhäuser, in denen sie beschäftigt ist, sobald man bemerkt, daß die 
Seide verschwindet. Sie wird eine gewerbsmäßige Diebin und sucht auf 
diese Weise ihren täglichen Lebensunterhalt zu gewinnen. 

Die Impulse zum Stehlen traten namentlich während gewisser De- 
prcseionszustände auf, nach ihrem zweiten Typhuslieber, bei ihrem 
Klimakt^num usw. Während dieser Perioden war sie weniger zur Arbeit 
aufgelegt als gewohnlieh und trug sich mit Selbstmordgedanken. Sie unter- 
nahm mehrfach Versuche dieser Art, versuchte sich die Pulsader mittelst 
eines Messers zu offnen, sich zu erdrosseln, sieh die Treppe oder vom Feust-er 
heruntcrzustiirzeTi und sich von einem Eisenbahnzug überfahren zu lassen. 

Luise wurde 20nuU vorluiftet, erlitt im ganzen 11 Verurteilungen zu 
m Monat-en Gefängnis und brachte 9 Monate in der Irrenanstalt äu seit 1911. 
(Sie war damals 45 Jahre alt.) Jedesmal machte sie dieselben Erzählungen, 
Während ihres jedesmaligen Aui'enthaltes stellte man bei ihr hysterieartige 
Erscheinungen fest und sie wies zu den schonen Zeichen der Hysterie die 
vollständige Gruppe der Symptome dieser Neurose auf. 

Luise entwich viermal aus der Irrenanstalt, dank der Beihilfe ihrer 
Kinder und aweifellos auch gewisser Individuen, die sich ihrer als einer 
ausgezeichneten Kraft beim Diebstahl bedienen, die sie ausschicken, um 
Seidenreste und alte Tcppiche zu entwenden, von deren Erlös sie dann pro- 
fitieren, Sie selbst verschwinden dann, sobald die Kranke verhaftet ist. 

Als Kind hat Luise die Puppen leidenschaitlich geliebt. Damals schon 
machte es ihr außerordentliches Vergnügen, ihnen kleine Seide[dvleider zu 
verfertigen. Bis in die letzten Zeiten hinein hat sie damit fortgefahren and 
sie erzählt nun seihst, daß sie, um nicht lächerlich zu erscheinen, wo sie 
einmal Mutter, sagte, sie arbeite füi- ihre Kinder, wie sie dies jetzt ihrer 
.Angabe nach für ihre Enkelkinder tut. 



Erotischer Symbolismus. 55 

Die Puppe selbst ist kein weiblicher Fetisch. Um es zu werden, muß 
sie mit einem seidenen Kleide angetan sein, wobei sie rot bevorzugt. 

Das Vergnügen, das sie bei der Manipulation verspürte, war sehr leb- 
haft und ehemals sexueller Natur. Jetzt sind ihr bloß noch die Anregungen 
an angenehme Gefühle geblieben. 

Wir haben einen typischen Fall von psycho sexuellem Infant ilisinus 
vor uns, der seinen lebhaften Ausdruck in den Puppenspielen findet. 
Wir finden hier wieder die Wutanfälle gegen den Geliebten, auf die ^ir 
im vorigen Falle hingewiesen haben. Kurt Boas hat reclit, wenn er 
betont, daß nach dem Tode des Geliebten die Regression auf die alten 
Bilder des Seidenfetiscliißmus eintraten, „die unterschwellig stets an 
der ychwelle des Bewußtseins gestanden hatten'". Eine zweite Ursache 
der Regression bildete die zweite Typhuskrankheit. Wir können es sehr 
häufig beobachten — worauf ich in Band V aufmerksam gemacht habe 
— , daß Regressionen nach einem längeren Krankenlager zustande 
kommen. Auch das Klimakterium, das kritiselie Alter der Frau, der 
Kampf gegen das Altem (vgl. Band III, das Kapitel: Das kritische 
Alter der Frau, 2. Aufl.), mag eine Rolle gespielt haben, worauf auch 
Boas hinweist, der noch einige interessante opikritische Bemerkungen 
zu dem Falle hinzufügt: 

„Zu einigen Bemerkungen Vvichons soll Stellung genommen werden. 
Zunächst wird hingewiesen auf das häufige Vorkommen des Puppen- 
kultus bei Homosexuellen, insbesondere bei Lesbierinnen." 

„Zum Beweise dessen, daß der Puppenkult häufig beiHomosexuellen 
vorkommt, führt Vinchon mehrere Fälle aus v. Krafft-Ebing an. Ein 
Fräulein Marie schrieb in einem Brief an ihre lesbische Freundin 
Sandor: „Ich liebe nicht mehr die Kinder der anderen, sondern ein kleines 
Baby meines Sandi, oine reizende kleine Puppe. Ach, welelies Glück 
gewährt mir mein Sandi." 

„Auch männliche Homosexuelle betreiben gelegentlich den l'uppen- 
kuit. Ein Fall von Laquer^) war bereits früher kurz erwälint. v. Kraffi- 
Ebino berichtet über einen Uranier, der das Bekenntnis ablegte, gern 
mit Mädchen zu spielen, die Puppen besaßen. Für letztere verfertigte 
er dann Kleidungsstücke. Noch mit dreißig .Jahren legte er ein großes 
Interesse für Puppen an den Tag. Auch die Fälle 122, 124 und 129 
■lus der v. Krafft'Ebingschen Kasuistik gaben von den Mädchenspielen 
den Puppenspielen den Vorzug und Bchneidorten ebenfalls für ihre 
Puppen." 

'^^ '1 Tnnuer Der WarenhiiUEdit-bsUhl". Kiinimluni; xvi'iLnglüBer Abhandlungen aus 
,,,.„, riL;. Hn'Nrn-rn- .„kI n.i.ü.kr.nkhritn.. H.H. ;,.S.U.07, 11.1. VII. H. .^. 



ör. 



fetischiBmii:'. 



^ 



„Vinchon selbst liebt hervoi', daß hier von einem w:bten Puppen- 
fetiöchismuB keine Rede sein könne. Dazu fehlen auch alle von StekeP) 
und mir angegebenen Kriterien." 

„Wenn Viiichov \voit('rliinänlieit,di)ß es neben dem ausgeeprochenen 
Puppenkultus (.irenzzustämle und Ilieläende "Cborgänf,'e gibt, so ist er 
zweifellos darin im Recht. Hierhin gehört die Beobachtung, daß bei 
den Wcihnachts- und anderen Bescheruni^en in den Irrenanstalten sich 
die Puppen einer besonderen Heliebthcit erfreuen und nie zahlreich 
genug als (jeschenke figurieren können." 

„Auch draußen, besonders in den Großstädten, trifft man den 
Piipiienfetischismus im gewöhnlichen Sinne des Wortes (nach Vinchon) 
sehr häuiig an, besonders in manclien Milieus, wie im Öi'.hneidcrinnen- 
und Konfektionsgewevbe. In den Nachtlokalen werden die Puppen mit 
Bonbons und Kauclmtensilien f^efüllt vcrknuft: ferner, aber daim weni'Jiev 
auffällig, in einer Schachtel, die Kokain enthält. Jede Frau hat ihi'en 
bevorzugten Puppentypus. Diejenigen, die besonders grotesk sind, haben 
oft die besten Abnehmer." 

„Vivchon führi dann Beispiele für den Puppenkultus aus den 
Zeiten der alten Oi'iechen und Römer, .lapaner und Chinesen an. Hei 
letzteren verfertigten besondere Künstler wertvolle seidene Kleider mit 
allerlei Zierat versehen und richteten allerlei Kostbarkeiten für sie an." 
„Man muß sich hüten, all diese Fälle unter der pathologischen 
liupc zu betrachten und sie von vornherein als Fetischismus zu siempelii. 
Vinchon empfiehlt, sich an die Definition von Garnier'-) zu halten, der 
ich freilich die von Stetcel und mir angegebenen Kriterien des echten 
Petischiem.uB vorziehe." 

Ich möchte diesen trcITlichen Bemerkungen von Kurt Boas nocli 
einige Erläuterungen hinzufügen. 

Der letzte Fall zeigt uns eine außerordentliche Vorliebe für ge- 
wisse Stoffe, einen sexuellen Symbolisnms ~ ich hüte mich, den miß- 
brauchten Ausdruck Fetieciiismus anzuwenden — , der außerordentlich 
häufig ist. Bekannt ist die Vorliebe für Peize, welche auch das Objekt 
kleptomanisi-.lier Gelüste werden können. Das Verständnis für die Pelz- 

') Stekd. „Zur Psychologie und TiiPi-ii[ii(! drs Frt.iKi-hisrrms". Zentralblatl ffir 
■jJ«VTlio;iniilysp iniil Psyi^botlierapii^ 1914. Bd. IV, S. .■Uli; vkI. iiiidi meine Arbeit: 
„KriraiDali-^tiricbe Studioii-'. Britmg /.iir PByrliop^.tholuKii- il.-r Frlisiaii^tcii. Lion .\n;!iiv. 
BA64, S.71. , . 

") Ich gebe sie hier nach der Dai-sliiliiitiir ViTchavn ftiirtlieb wieder: „Le fet irhisrne 
est iine iMTVcrBiiiii sexuelle oliRiyunlc et iniiiuUive eoiiterunl l:iiili"it :\ \iii ubid üiiquel 
noB ufiages pretent iiiie Rignificiiticju srxuclle (Ipt.ichipmc imporsonel). tantöt ii \ine 
partio du corpe (fetichiejiio cüriwrcl), le jioiivoir exclii'^if de l'urKLisuie geniliil, li; frtiche 
etant soit dinclemriit, soit par evocatiun om reprftsentatiun mentale l'eh^ment ü. la 
fnis necoKWiin' el «nfÜRnnt de l'excifatinn sexuelle." 



i't 



1 1. 



Erotischer Svuibolisnuis. 



67 



liebe gibt uns die Vorliebe für Haare. Die Pelze sind das Symbol des 
haarigen Körpers, besonders des Bartes, der Achselhaare, der iiaarigeii 
Vulva.') Ebonso bekannt ist auch die Vorliebe für Samt. Oft ist, 
'das Sexualobickt nur anziehend, wenn es in Samt gekleidet ist. Aber 
auch Vorhebe für ordinäre Stoffe habe ich gefunden und wir werden 
bei Besprechung des echten Fetisdüsums einen solchen Fall kennen 
lernen. Diese Anziehungskraft eines Stolfes kann auch negaliv betont 
sein. Damen in Seide verlicreii jede Anziehungski'afl, während Woll- 
stoffe Liebesbedingung sind. 

Solche Fälle von sexueller Wirkung der Stolle hat außer CUram- 
bault auch Langlois') beschrieben. Der erste vermeidet den falsche, 
Ausdruck Fetischismus, während der zweite immer wieder von StoO- 
fetischismue spricht, was Kurt Boas-') mit Recht hi seiner erscliöplenden 
Besprechung dieser Materie tadelt. Ich bringe die Fälle in, der (Über- 
setzung von Kurt Boas: 

Fall Nr 10 Die e r s i. e Patientin de ÜUrambmdts. eine 40jahritfc Frau, 
gab über ihre ViU sexualis fulgende« an: Sie sei mit 15 Jahren au.-; ,lci> 
Pen.ien gekommen. Mit IG'/^ Jaln'<-n habe sie geheiratet. An dem 
sexuellen Verkehr mit ihrem Manne habe sie nie (j e- 
(allen gehabt,' zuletzt sogar Fkel und Abscheu davoi 
empfunden. Sie hätte sich daim durcii Onanie Befriedigung verschaHt. 
Onaniert hat sie bereits vor der Ehe. 

Die Onanie hat sie Bponlau betrieben. Eines Tages war sie allem m 
ihrem Ziminer. Plötzhdi vorspilrtc sie ein eigenartiges wollüstiges Geluhl 
bei dei- plötzlichen Berührung eines Stuhles mit ihren Gesehlcchlstcilcn. Sie 
gibt hiemljer fulgende Auskunft: „Ich saß nicht aufrecht wie gewühnlich, 
sondern zu Pferde. Der Stuhl wai' mit Samt ausgeschlagen. Da ich an den 
Gefühlen Wühlgefallcn empfand, so halw icii diesen Gehrauch wieder auf- 
genommen. Ich habe damals über dergleichen sprechen hören, der Gebraacti 
des Fingers kiuii mir erst spitter," 

Die Patientin machte im ganzen 17 Schwangerschaften durch, darunter 
vier Aboite Sie halte einen Liebliabcr. dem sie sehi' Kugetan war. Der 
ü 'schlecbtliehe Verkehr mit diesem befriedigte sie jedoch stets viel weniger 
iIb die Masturbation. Jeden Mm'gen, nachdem ilu- Liebhaber weggegangen 
war masturbierte sie. Ferner hatte sie häuhg erotisclie Träume in denen 
1-Z sieh in einem geschlechtlichen Verkehr mit einem Hunde wähnte oder 
mit Miinncrn, die mit ihr außerordentliche Dinge trieben {„qni lui faisa.eiit 

(IfiR choses eijouvaatables"). „ , , , , n .■ .■ 

D c Vennüassung zu der psychiatrischen Bcbnchtuiig «ier Patientin 
war wiederliolter Seiden diebstahl. Sie war bereits viermal wegen Diebstahls 
von S idenkupons vorbestraft und zur Zeit wegen Ruckfalldiebstahl. in 
mt*rsu£"gshaft.. Den ersten Diebstahl beging sie im Alter von 32 Jahren. 

"'^n^doD auLWardnitlid, .vidit-iBcn Fall von FM. nngefiihH in U.i.lt. S. 339. 
.) Unc ol>s.rvaticn d. f.^tl.ln.in. ^ks rt.tT.. .1... la fcnm.n, Tl,^«e de M.nt.i.Mber 

1912, Nr. 51. 

») Über HiThcpliilie. Eine angetilKlio 

Hand 61. 



Fdnii des Fel.istbismiis. Groß' Ai^iiiv. 



SSPÜB» 



llt 



i' 



) 



i 



iii< 



Fetischismus. 



Irgendwelche VeranlaBSung dazu hatte sie nicht, da sie genug Seide ini 
Hause hatte. Sie empfand bei dem Diebstahl ein gewisseis 
wollüstiges Gefühl. Dies hatte sie aber nur, wenu sie 
etahl. Der käufliche Erwerb löste diesen wollüstigen Zustand nicht aus. 
Nach Ausführung des Diebstahles bringt sie die Seide in Berührung mit 
ihrem GeBchleehtBtoile und führt Reibebewegungen aus. 

Auch Hinweise auf eine gewisse homosexuelle Neigung finden sich 
bei der Patientin, indem diese maeturbiert und sich dabei ein völlig ent- 
kloidetes Ifijiihrigee Mädchen vorstellt. 

Auf die Frage, ob sie nicht das Masturbieren lassen könnte, meint sie, 
sie fühle nicht die moralische Kraft dazu. Sie wollte davon loskommen und 
hätte sieh zu diesem Zwecke einen Liebsten angeschafft. 



Bei diesem Falle wäre hervorzulieben: Sie war anästhetisch bei 
ihrem Manne, Bpäter traten Abscheu und Ekel auf; bei ihrem Lieb- 
haber eine relative Anästhesie. Die ersten Erregungen traten — ßo 
weit erinnerlich — beim Onanieren auf einem Samtsessel auf, wahr- 
Bcheinlinh in Anlehnung an einen verdrängten infantilen Eindruck. 
Schließlich die fast nie fehlende homosexuelle Determination der 
Kleptomanie, welche vielleiclit auf eine Fixierung an eine Person der 
Jugend hinweist, welche Seidenstoffe getragen hatte. Übrigens kann 
der Seidenstoff auch ein Ersatz für eine feine (seidenweiche) Haut sein. 

Fall Nr. 11. Die zweite Patientin datiert ihre Vorliebe für Samt und 
Leinwand bis ins G. Lebeuaiahr zurück. Späl-er ging sie zur Seide über und 
Stullreibeii mit den Öeidonabfällen ihrer schneidernden Schwester. Sie fühlte 
' Bieh dabei vollkommen elend. Dies hörte erst auf, als sie normalen Geschlechts- 

verkehr unterhielt. Seide kann sie heute nicht mehr tragen, trotzdem es keinen 
.größeren sexuellen Genuß gibt als die körperliche Berührung mit Seiden- 
stoffen. Samt übt keine so große Attraktion auf sie aus. Aus Liebe zur 
Seide hat sie sich ku wiederholten Malen des Seidendiebstahles Gchuldig 
gemacht. Das letzte Mal entwendete sie ein im Schaufenster eines Korsett- 
geschäfteß ausgestelltes seidenes Korsett gemeinsam mit ihrer Tochter. Gegen 
die Versuchung, Seide zu stehlen, vermag sie nicht anzukämpfen. Von be- 
sonderem Heiz für sie sind seidene Bänder, Kupons, Röcke und Korsette. 
Wenn sie das Rauschen der Seide verspürt, fühlt sie ein eigenartiges Kribbeln 
in den Nagelspitzen. Sie kann alsdann nicht widerstehen. Kämpft sie doch 
dagegen an, so muß sie weinen und fühlt sich erschöpft. Nimmt sie die 
Seide an sich, so reibt sie sie hin und her, wobei sie ein eigenartig wohl- 
t tuendes Gefühl in der Magengegend hat. Sie empfindet dann eine Art "Wol- 

lust die ihr den Atem anhält, Sie begibt sich darauf an einen einsamen 
Ort, um mit der Seide allerhand Manipulationen vorzunehmen. Wenn der 
Sinnenrauech verschwunden ist, fühlt sich die Patientin niedergeschlagen, 
ali ihre Glieder sind matt. 

In manchen Beziehungen bestehen zwischen diesem Falle und den 
zuerst geschilderten Ähnlichkeiten. In beiden ist der „Fetischis- 
iiiiis" schon sehr früh aufgetreten, überhaupt die erste Art von sexueller 
Betätigung gewesen. Erst später wurde der Übergang zum normalen 
(ii'schleithtsverkehr vollzogen. 



Enitischer Symbolismus. 59 

■ Fall Nr 12 I)(!i' dritte Fall de Clcrambaults büLriÜ't eine 45iährige 
Witwe die mit ihrem Manne stetß in gliicklieh.ter Klie gelebt hat trotz- 
dem «ie eine Abneigung gegen den g esc h ec litl i eh en 
Verkehr hatte. In den Jahren 1881-1889 ist Patientin d^^'.mal be- 
etraft, einmal wegen Diebstahl, einmal wegen Fälschung, das dritte Mal 
ans unbekannten Gründen. Mit 38 Jahren trat die Ccssatio mensiun bei ; Ir 
ein. Wegen dieser Zustände wandte ..e ..eh dem Genuß von Athei zu, 
„ahm auch Morphium, Kokain, Rum oder Eau de t^ologne mit Äther zu 
Bich Seit dem Gebrauch von Äther (mit 39 Jahren) hat a.e die Sucht, 
Setde z^ stelüen Sie verspürt dabei eigenarüge Wollustgeiuhle die sie in 
charakteristischer AVeise mitteilt. Taffet regt sie noch mehr aul da s fem. 
Seide ist. Auch für Samt envärmt sie eich, weniger jedoch aU ^^i^^'d.. 
Schwere Seidenstoffe schätzte sie weniger, sie wurden sie in zu große Aul- 
reg^g verseTzen. Gerne möchte sie in Seide schlafen, hält dies jedoch einer 
ansSdigen Frau für unwürdig. Schlafen ^^ürde sie dabei allerdings nicht 
können se Würde dabei ein brennendes Gefühl ve,.püren. aufstehen und sich 
mit wLsser abkühlen müssen. Während sie die ^\aren stiehlt, verspür .e 
ein Angstgefühl, da^ sich jedoch löst und einer wollustigen Lmphndung 
Platz macht. 

Epikrise von Dr. Boas : „Auch hier werden wir, um es gleich vorweg- 
zunelimen, die Diagnose „Fetischisume- olme weiteres ablehnen müesen. 
Die Begründung hierfür dürfen wir uns ersparen. Hier ist die „Klepto- 
manie" in den Wechseljahren aufgetreten. Die Cessatio 
niensium an sich dürfte wolil nicht für die Diebstähle verantwortlich 
'AU machen sein, sondern der dauernde Gcbraudi toxisch wirkender Sub- 
stanzen, besondei's des Äthers, der die Patientin in enien allgemeinen 
Errcfjungezust.and versetzte, in dem sie sieh der Tragweite ihrer Hand- 
lungen nicht bewußt war." 

Fall Nr 13 Fall IV de OldrambauUä. Der immnehr zur Diskussion 
suchende Fall älmclt dem eben geseliilderlen last aufs Haar. Er betrifft 
ebenfalls eine 49jahrigo Witwe, die eine fragwürdige Vergangenheit besonders 
uuch iu sexueller Beziehung hinler eich hat. S.o ist schwer belastet Vater 
ind Mutter begingen Sui.id, ein Bruder beimdet .ich m der IrrenansteU. 

Bereite mit 7 oder 8 Jahren vorlegte sich die Patientin aufs Mastu.- 
hieren das sie teils allein, teils mit einem kleinen Mädchen betrieb mit dem 
sh \';ter und Mutter spielte. Mit 12 Jahren trat bei .hr die Periode ein. 
sie \Ater una im i j od o c h ha t s ie n i emals ei n c 

^^\''^'''r''^,nrbeimKoTtus verspürt. Die Vorliebe für Seide 
• ^" T \IZI h-ühe 7-it (Uiauo Angaben hierüber lehlen leider). Ihr 
r?^ n Lmten .^^r überl-upt nur, sich in den Besitz einer schwarz- 
^'"f Lh.™ setin Ihre Worte sind so charnkteristisch, lassen sich 
seidenen Robe uset^on^ .viedergeben, daß ich sie hierher setzen 

aber m deutschci ^P'^^^J'^ ;; ^^^^ „„ .„^ri qui me fail jouir." Bereite das 
möchte: „La soie a ^ .^Te da an bringt sie in sexuelle Fksta.e. Sie emp- 
Worl Seide oder "^^^^^f^^^^^ ^^^^ .exuolles". Der Orgasmus wird vollends 
findet dabei «'"^-^^^'^'^^if dieScide gegen üire Geschlechtsorgane scheuert, 
bei ihr auBge est, ^ve"\^'J^f ^„,^7thercxze..sen und botrieb taglich Mastur- 
Sf wSltltla^t^sieih" des Warenhausdiebstahles schuldig gemacht. 



ÖCI 



Kctiscliismus. 






i 



k 



1914 brat-hle sie drei derartige Uiebstälile zur Ausführung. EititT da\(ia 
büLraf eino sdiwarKc iiohti im WimU^ von ItiO Frauke, die gie üusamim'iirüfi'te 
und unter iliroui Unlcrnifko zvvisclion dc^n JJcineii vi^ralücktc, Kiiics Tii^vs 
ging Bii3 in deiiisellxui .Iiihn' in ein Warcnliiiii^ iiiloigc einer idölzlielieu l'^iii- 
gebung, Voiiier IniU« sie Äther zu eich ^enouuiien. In der Abteilurif,' iVir 
ScidcnetofVe erblickte sie ein i^lnuweißes Seidenkleid. diLs sie in Vorziiekung 
vorsetzte. Sie Heß dusselbc in einer gi-oHen Tasche luiler ilireni Ivioiderrock 
■sdnviudeii. l);iiiu inast.urbierte sie olTonUieh vnr allen JAuilen in dHil 



ver 



Wa rcnhaiisu. 

Die Masturbation an sieh schafft ihr keine viilktaiuiige Befriedigung, 
sie muß dabei stets an das Rausehen der Seidt; (ionken, um den Orgasmus 
au erjiioleu. Manchmal bcödiäRigt sie öidi beim Maäiurliioi'en in iliter Phan- 
tasie audi mit Männern, ubgleieh diese keine -^exuidli- Anziehniig^kraft anf 
sie ausüben. 

Fall Nr. 14. Der lünite Fall von Hephephilie (Lanrjlois) betrifft 
eino 25jährige Frau, die seit 5 Jahren vtrheiralet und Mutter von 3 Kimlerii 
ist. Über ilire Vita sexuaJis ist folgendes niiLzutcilcii: 

Da.s Erwachen des Gosehlcchtstriebea datiert die Patientin vom 
18. Lebensjahre ab, wo bei ihr die ersten Menses auftraten, also zu eim'ni 
auffallend s|)ätim Termin. Bald darauf ergali si)' ^ich der MasturbiLtiun, wobei 
sie sidi zuerst des Fingers bediente. Irgendwelche suniatisdic Schädigungen 
verspürte die Patientin dabei nicht. Eines Tages entdodite sie ihre eigen- 
tümliehe Vorliebe für Samti^toffe. Sie eni|)fand, wie sie sich ausdriidite eine 
grolSe Freude und geriet in Versuchung beim Hantieren mit Samt. Sie be- 
dauerte teils, teils war sie glücklich, nicht am Samtlager des WarenhaUf^es, 
an dem sie tätig war, besehäfl igt zu sein. S i e m e i n t e, s i e h ä 1 1 e, w e n n 
6ie daselbst tätig gewesen wäre. Samt stehlen müssen, 
\\Mi b e i ihre P e r v e r b i o n ans Tageslicht g e k o m m o [i wäre. 
Damen ihrer Kundsciiaft, die in Sann wkleideL kamen fuhr sie über 
die Kleider und verspiiite dabei wollüstige Gefühle. Kiues Tages ging ihr 
der Geihmke dnrdi den Kopf, wie schön es wäre, mit Hilfe von Samt m 
niasturbieren. Sie sdiützte daher weTilge Tage vor dem Einsetx.eri der Periode 
ein Unwohlsein vor, legte sich auf das Bett mnl masturhierte imler Zuhilie- 
nahme von Samt. I)i<' Patieriliu emi.fand dabei „um' .sensati.ni indeiiiiis.-^able 
■qui la transportait et la l'aisait jouir". 

All diese Vorgänge spielten sich in ilnem LS. Lehensjahre ab und seit- 
dem hat der Trieb nur noch /.ugenommen. BeMUiders vor der Periode wird 
sie davon lieherrscht, ohne daß ihre Angeiiörigon ihr jemaU dabei auf die 
Spur gekommen wären. Sie emplindet dabei ein inten^ve^ Judigefüh! -m den 
Genitalien und ein ausgesprochenes Hitzegefnhl, die sie immer und 'immer 
wieder zur Masturliation veranlassen. Für den normalen Koitus 
empfindet sie nichts, dagegen malt sie sich (genau wie 
die vorige Patientin) die Ehe als ein M,ittel zur Er- 
langung ihrer sexuellen Wünsche in bezug auf den 
KaufvonSanitkleidcrnaus. 

Die Heirat ging sie auf Wunsdi ihrei- [-:itern ein. [)or normale Koitus 
gewährte ihr keine Befriedigung, sie gab vielmehr auf Drängen ihres Mannes 
nach. Bei der BeschafTung der Möbeleinriditiing wußte sie es so einzuriidilen 
daß das Sdilafziminer in Samt gehalten wurde. Auch der Bettüberzug wurde 
auf ihren Wunsch au.^ Samt hergeF^tellt. Man machte sich (jber diescii bizarren 
aeschmack keine weiteren Gedanken, sondern willfahrte den Wünschen der 



Erntisclicr SymiiolismiiB. 



61 



iimseii Frau Für diese b(!doiit«le (jö das liöciisk' Vergnügen, aich in diest-m 
Sii.iiünilioii iilk'in /,u borffon und der Masturbation zu trolnicri. Die Sanit- 
bekleidung nahm .io daU-i .uclil. zu Hülc iiua Furclit, d.esolbe bei ilnei. 
„lasturbatorischon Akten zu bosclimutzeu. Auch logto s,o jctzl .standig Samt- 
bekbidung an. Eines Taget hatte sie ei.ien wi-llustigen Traum m ,k.u , 
sie sich ganz nackt i.i Öanit, gehüllt wähnte In ihren G'^'l^^nken ist eni der- 
artiger Traum nicht mehr bei ihr wiedergekehrt. Im ÄnsehhiU daran trat 
«ie mit dem Ge.tändni. hervor, ihr Mann würde .le wo.t eher sexue 1 an- 
ziehen, wenn er öamtkleid.mg anlegen würde und wäre es auch nur die J ra.ht 
der Zimnierlcnte zum Beispiel. Weite,. üU'.v d>esen I nnkt he ragt, gab «le 
odi an ein anderer wie ihr Mann würde .ie .e b.l in ^amtk e.dnng re..c-n 
können Sie gilit an, daü die Vurstolhmg ihres Mannes in biLn.tkleunng hre 
sexuelle l'IrreLTuny beim nennaien Knitns .teigern würde, bie ist der tber- 
zeuruig ^be^^i^ VVolhiHt, v.u verspüren als bei der Mas i.rbation mit 

simt I ie ausdrückliche Frage, ob sie sich .u Franen .exuel! hmgezogen 
fühle, verneinte sie: <Oien.^o die l^rage, ob die SamUnaslurbatuni sie au einen 
Mann erinnere. Sie gab da.u allerdings ^•''■g^n'-'-^"^ , in, .le wurde emen - 
sonderen Genuli dabei cmi.iinden. wenn der Sand, die Geschlechtsteile ih.o. 
Mannes berührt hätte. Der Ehemaim wußte von all die.^en j.erversen \ er- 
gangen gar nichts und lülnte den Pruritus vulvae be, seiner Frau auf den .'.n 
häu«gen" geschlechtUchen Verkehr zurück anstatl anl dn- n.astnrbato- 

rischen Akte. „, , ,, ■ i. i 

Die Patientin niaaturbierte meist boi Tage, wenn der Mann infolge seiner 
Itescliäl-Ügung auswärts weilte. Wurde sie dabei erwi.clit, so sL-liülzte «e 
Migräne als Grund der Üettlagerigkeit vor. Die Patientin neigte die ge- 
schilderte Vorliebe nur für Samt, dagegen nicht lur beide, Pel/. oder andere 
StulTe riftmals b(-schnmt/.te sie mit. den Vagiiialsekretioneii die beim Maslui- 
biijren verwendeten Saiatkupons. Eine K'-wi^se Hedeulung hat die Wahl der 
Farbe Am meisten schätzt die Patientin schwarzen Samt. Meist verbrennt 
.io die Samllappon. die sie anfänglich gescheiil habe, mit den Abgangen aus 
ihren Gewclilechtsieileii zu bi-schmutKeii, 

Es' pind Fälle, die Eulenburg als sexuellen Picazismue be- 
7A:U-hnüU möditc. Charaktoristiech für dieac Frau ist die Gcsddechls- 
kälte für den nnrmalen Koitus und der Iminils. don wir wiedorliolt fils 
oiiim RiiekBtoi.i in die Vergaiifiienheii. <uithi.rvt haben. Leider IVlili die 
Psychanalyse dioeor Fälle, dio rein deskriid.iv wiedergegeben w LU-deii. 
Der Fall nähert sich aber entschieden dem echten Fetischismus. 
Die Frau iet beim Koitus anäslhetisch, was einer männlichen Impotenz 
entspreclien würde. Sie lebt ihr Sexuallehen in der Onanie ane, wobei die 
spezifische Phantasie ihrem Bewußtsein niclit zugänglich zu eein eeheint. 
Sie zeigt den gleichen klejitomanischen Impuls wie ihre Vorgängerinnen 

in diesem Buche. , . , ■ i ■-- 

Über einen „D i e b 8 1 a h 1 aus F e t i s c h i e m u s bei gleichzeiti- 
gem AI k h 1 i s m u s" berichtet zu Orofi- Archiv, Bd. XXlll, ß. 36r,, 

Kersten: 

F-ill Nr 15 „Eines Maitage 1905 stahl der 53jährige Fabriksarbeiter 
(Lampenputzer) F. in einem Städtchen auf offener Straße einem Kinde aus 



i^ 



599 



l'l'. 






[jq Fetisehistnus. 

desGfn Puppenwagen ein Puppenkopfkissen, Er gab den Diebstahl zu mit dem 
Bemerken, er sei sich selbst nicht klar darübei- gewesen, was er mit dem 
Kissen habe machen wollen, er sei angetrunken gewesen. Seine wiederholten 
Diebstahlsvors trafen, die stets die Entwendung von Bettstücken bei Kinder- 
betten betrafen, wiesen darauf hin, daß der von seiner Frau geechiö- 
dene F., der in seinem Weeen nichts Auffälliges hatte, auch seine Arbeit im 
allgemeinen zur Zufriedenheit verrichtete, ein Felischist war. 

Nach dem gerichtlichen Gutachten wurde bei ihm der Geschlechtstrieb 
angeregt durcli den Anblick von Betten und Bettstücken. Ein auch nur 
geringer Genuß von alkoholischen Getränken verstärkte 
den Trieb so sehr, daß F. ihm nicht widerstehen konnte, zumal er dem Trünke 
derart ergeben war, daß er schon allein wtgeji hochgradiger AlkoholzcrrüL- 
tung als geisteskrank angesehen werden mußte, Einstellung des Verfahrens. 

(Akten der kgl. Staatsanwaltschaft Dresden, St. A. VIII./94/05.) 

Es ist die gleiche Erfahrung, die wir bei allen Impulshandlungen 
gemacht haben. Der Alkohol zerstört die Hemmungen und macht die 
infantilen Impulse frei. 

Einen hochinteressanten Fall von homosexuellen Kleider fetischin- 
mus berichtet M. Pappenheim: 

Fall Nr. 16. „Der SSjährige Zuckerbäckergehilfe K, L. vmrde am 
]. Juni 1919 at)ends bei der belebten Endstation einer Wiener Straßenbahn- 
linie angehalten, als er emem Manne einen zusammengelegten Plüschhut 
aus dessen Rocktasche entwendete. L. hatte bei der \'erliaflung einen zweiten 
Plüschhut und vier Männergürtel bei Eich, die er sich kurz vorher bei der 
gleichen Haltestelle angeeignet hatte. Bei einer Hausdurchsuchung fand man 
sodann in der Wohnung des L. noch 8 Hüte und 39 Männergürtel, die L. nach 
seinem Geständnisse auf gleiche Weise gestohlen hatte. 
, L. war bereits dreimal, und zwar in den Jahren 1913, 1915 und 1916 

wegen kleiner Diebstähle vorlieetraft worden. Der letzte Diebstahl war analog 
dem jetzt verübten. Im Jahre 1913 war L. gleichfalle beim Diebstahl eines 
Plüschhutes betroffen worden; man hatte aber damals in seiner Wohnung 
außer 9 Plüschhüten auch einen photographischen Apparat, 3 Opemgläsor 
und 1 Zigarrentascho gefunden, dje gleichfalls von Diebstählen herrührten. 
I Im Jahre 1915 hatte L. in der Statistengarderobe der Oper, wo er aushili's- 

weise beschäftigt war, einen Winterrock gestohlen. 

L. wiU nie schwere Krankheiten durchgemacht haben. Im Alter von 9 bis 

10 Jahren habe er einen Entzündungsprozeß am Gliede gehabt, wie er glaube, 

. weil er immer mit demselben gespielt habe. Er köimo eich erinnern, daß ihn 

der Vater deswegen viel geschlagen und ihm die Nägel kurz geschnitten habe. 

Als Kind, berichtet L., sei er immer brav gewesen. Er erzählt spontan, 
mit verlegenem Lächeln, daß er schon als Kind „Eigenheiten" gehabt habe. 
Er habe immer gornomit Puppen gespielt, habesie sogar 
in der Schultasche in die Schule genommen, und sei vom 
Vater geschlagen worden, bis er sich das abgewöhnt 
habe. Zu Hause habe er gerne Krippen und Häuser aus Modellierbogen ge- 
fertigt, femer sei er am liebsten beim Herd gewesen, habe gerne gekocht, Fuß- 
boden gescheuert u. dgl. Freunde habe er nicht gehabt; er sei immer' allein 
gewoBLO, sei im Öujnmer im nahegelegenen Wald spazieren gegangen, halie 
Schmetterlinge gefangen u. dgl. Er sei immer ein ruhiger Mensch gewesen, 



RretiBcher Symbolismus. 63 

eniEtor Natur, habe alles schwer genommen. Als Kind habe er eebr gerne 
Märchen gelesen, später Eomane aus der Volksbibliothek. 

Über sein sexuelles Vorleben berichtet h. folgendes: Erotische Be- 
ziehungen zu Kameraden in. der Schule habe er nicht gehabt. Vor vielen 
Jahren, er sei damals etwa 18 Jahre alt gewesen, habe er 2— 3mal zu ona- 
nieren Versucht, da er davon sprechen hörte, habe es aber zu keiner Erektion 
gebracht. Mit etwa 19 Jahren sei er, weil ihm die andern damit aufgezogen, 
daß er noch nicht geschlechtlich verkehrt habe, und weil er viel an Aue- 
echlägon gelitten habe (an einer Akne offenbar, die man im Volke mit sexu- 
eller Eiithaltearakeit in Zusammenhang zu bringen pflegt), zu einer I'roßtl- 
tuierton gegangen, habe abor keine Erektion bekommen. Auch 
ein zweiter Versuch, während eines Zueammensoins durch eine ganze Nacht, 
sei geseheitert. Spa'terhabe erden Geschleehtsverkehrnieht 
mehr versucht, Er liabe sieh bei den damaligen Versuchen einen Tripper 
zugezogen, der bald geheilt sei. In dieser Zeit sei er auch einmal im Dampf- 
bad von einem Manne beim Gliede angepackt worden, habe aber dabei kein 
beeonderts Gefühl gehabt. Die ersten abnormen Empfindungen habe ei- nach 
seiner Rückkehr aus Deutschland, mit etwa 25 Jahren bemerkt, indem er die 
Wahrnehmung gemacht habe, da[i er, wenn er in belebten Straßen an Männer 
anstreife, „ein eigentümliches Gefühl" habe, fiie und da habe sich auch eine 
Erektion eingestellt. Er habe dann auch gerne übenragene Anzüge, ins- 
besondere solche mit Gürteln, getragen, trotzdem er es nicht nötig gehabt 
habe übertragene Sachen zu kaufen. Um diese Zeit habe er begonnen, in 
Kinos G ü r t e 1 z u B t e h 1 n. Er sei zum ersten Male bei einem Diebstjihle 
ei-tappt worden, als er das schon einige Jahre praktiziert habe. In der letzten 
Keit habe er nur Plüsch hüte und Gürtel genommen; die anderen 
Gegenstände erwiderte er auf Vorbehalt, habe er auch Männern entwendet. 
Der Mann, dem er den Winterrock genommen habe, erinnere er sich, sei 
auch sportmäßig gekleidet gewesen. 

D. schildert, wie er, wennereinenHutin einer Rocktasche 
stecken sehe, aufgeregt werde — er könne das Gefühl nicht schildern, 
es sei so ein Klopfen innen — und daß er dann häufig eine Erektion hekonime. 
Wenn das Herausnehmen des Hutes ücier das Heraus- 
ziehen des Gürtels mit Schwierigkeiten verbunden sei, 
dann komme es, — L, stellt das in seiner primitiven Ausdrucksweiee 
dar — nach einem schmerzhaften Gefühl, als ob er uri- 
nieren müsse, z u m S a m e n c r g u ß, wonach eich ein gewisses 
Gefühl von Mattigkeit einstelle. Gelinge die Entwendung des 
Gegenstandes leicht, dann habe er kein besonderem Gefühl. L. bestätigt auf 
Befragen, daß er Angst habe vor dem Ertapptwerden; daß er aber dennoch 
nicht widerstehen könne. Im Gespräche mit Männern, gibt L. aji, fühle er 
keinerlei geschlechtliche Erregung. Auch das Gefühl, das er früher beim An- 
streifen an Männer gehabt habe, habe er jetzt nicht mehr. Nur wenn er einen 
Mann mit einem Plüschhut oder einem Gürte! sehe, werde er aufgeregt, mid 
zwar wie er auf Fragen angibt, nicht eigentlich in jedem Falle. Er wisse 
mdii ob es bestimmte Leute oder bestimmte Gürtel seien, die ihn bosondcra 
anziehen Nur soviel läßt eich durch Fragen heraus bekommen, daß er 
Männer mit gesehneckelten" (gelockten) Haaren bevorzuge. Zu Hause hebe 
er die Gegenstände auf, die Plüschhüte mit einem weißen Tuch bedeckt, auch 
die Gürtel schön zueammengelegt. . Er nehme die Gegenstände oft m die Hand, 



«4 



Fetischismus. 






l.)ot!isto sie, fühle hiD und da eine leieht-p Ercktuin. Bei spinom eigenen Hut 
habe er ditises Gefühl nie, nur bei eiitwendetcTi Hüten. 

Das üeeunderc aber in dem geschilderk'ii Falle, das mir doine Vet- 
öllcnUichiing bereclitigir erscheinen ließ — ich fand bei einer, allerdings nur 
tlüchtigen Durchsieht der Literatur keinen derartigen Fall — , ist, daß im 
FctieehmuB des L. eine homosexuelle Komponente zutjigetritt, indem ihm als - 
Fetisch männliche Kleidungsstücke dienen, dio er Männern entwendet." 

, Über einen Fall von Kleidungsfeliscliismus homose.\ueller Art.'" Zeit- 
schrift für Sexualwissenschaft, Bd. VU, l)e7..'1920, H. 19. 

Es handelt sich um einen Fall von echtem Fetischismus. Der Täter 
ist. nur in seiner Phantasie liomosexuell. Der Hut, der in einer Tasche 
eteckt, symbolisiert ihm offenbar einen in einer Vagina oder im Anus 
ßteckenden Phallus. Wir sehen die überwältigende Impulshandlung, das 
Ausleben einer infantilen Phantasie luid den Haremskult. Der Hut hat 
tu^■ diesen Kranken phallisehe Uodcutung, vielleicht auch der Gürtel. 

Es ^ibt kein Kleidungsstück, das nicht zum Zentrum der fetisdiieti- 
schen Konstruktion gemacht werden könnte. Audi die spezifieche Form 
und Art der Kleider kommt dabei in Betracht. Garnier beschreibt einen 
Fall, in dem das Brautkleid Liebesbedingimg war. 

Einen Diebstahl aus Fetischismus teilt Kersteji (Groß' 
Archiv, Bd. XXV) mit: 

Fall Nr. 17. „Eines Februarabends 1906 wurde in dem Dorfe L. aus 
einem umfriedeten Garten mittels Einbruch ein Ballkleid gestohlen. Der 
als Täter ermittelte S., ein 4üjähriger Rtcinbruehsarbeiter, der seit 15 Jahren 
in kinderloser' Ehe verheiratet und bisher unbescholten ist, gestand den Dieb- 
ötahl zu: nachdem seine Wohnung durchsucht und darin eine ganz auffällig 
Sroßo Anzahl Frauenkleidei-, Unteri'öeke und dergleichen gefunden worden 
war, räumte er weitor ein, seit 2 Jahren fortgesetzt aus Gäi-ten Prauen- 
Ideuiungsstüdvc, die dort zum Trocknen hingen, zur Abendzeit unter dorn 
Schutz der Dunkelheit, zum Teil mittels Einbruchs oder Einsteigens. ent- 
wendet zu hal)en, und zwar zur Befriedigung seines Geschlechtstriebes. 

Dio geriditsärzÜiehe Untersuchung ergab, daß S. ein Fetisehist ist. 
bei dem eine krankhafte, die freie Willensbestimmung ausschließende Störung 
der Gcietestiitigkeit bei Begehung der Straftaten vorhanden war. Der uher- 
mäditige Tiieli ist bei S., der anscheinend aus einer geistig gesunden Familie 
stammt, jedenfalls auf dem Boden des angeborenen Schwachsinnes entstanden. 
Wenn S. einen Fiauenrock hängen sielit. so wird sein Geschlochtstrieij an- 
geregt, besonders daim, wenn der Rock durch den Wind Gestalt bekommt. 
Es treibt ihn mit unwiderstehlichem Drange dazu, sieh des Rockes zu be- 
riiäehtigon. Er nimmt ihn und preßt ihn an sieh, was für ihn schon eine Art 
Befriedigung ist, Heimgekehrt, zieht er den Rock nach Frauenart an und 
wohnt so seiner Frau bei. Das Bestreben S.b, der angeblich seit 2 Jahren 
niemals mehr ohne Frauenrock den Beischlaf vollzogen hat, geht dahin, stets 
einen neuen, d. h. eben erst gestohlenen Rock zu vcnvenden. Nur im Notfall 
griff er zu einem alten; dann war aber auch der Genuß nicht der gleiche,. 
?';instellung des Verfahrens." 

Akten der kgl. Staatsanwaltschaft Dresden, St. A. VU. 103/06. 



/ 



Erotisdier Sjmliolisiiius. o- 

Wir seilen in allen diesen Fällen eine Kombination des erotischen 
Symbolismus mit Impulshandlmigen kleptomani scher Natur. Der echte 
Fetischist ist ein Sammler und jodor monomane Sammler ist miter Um- 
ständen ein Dieb. Die Leser des vorigen Bandes werden verstehen, daß 
der kleptomanische Impuls in diesen Fällen ein unwiderstehlicher ist. Die 
ge«'altige Affektverschiebung ermöglicht emen Affektrausch, der das 
Bewußtsein einengt und zu einer erotischen Ekstase führt. 

Der Impuls stammt aus der Kindheit und versucht eine Neu- 
belebung der Vergangenheit. Das Stehlen der Puppen ist ein aus- 
gesproclien infantiler Zug. Es ist, als ob sich diese Parapathiker mit 
einem Griffe wieder die Vergangenlieit erobern könnten. In der voraiia- 
lytischon Ära konnte man in solclien Fällen von Degeneration und Im- 
pulshandlung auf konstitutionell-degenerativer Grundlage sprechen. Erst 
die Psychanalyse hat die Macht der infantilen Erlebnisse und frühen 
Einstellungen aufgedeckt. Aber mit der Aufhellung der infantilen Phan- 
tasien allein ist noch nichts getan. Wer den Fetischismus mit dem 
Schlüssel des infantilen 'J'raumas auflösen w^ollte, ivürde bald durch seine 
Mißerfolge eines Besseren belehrt werden. 

Der echte Fetischist ist ebenso' wie der erotische Symbolist ein 
Schauspieler und hat die Gabe, sicli durch Annullierung der Realität in 
eine Rolle hinein zu denken und hinein zu fühlen. Es gibt keinen Gegen- 
stand, den er nicht in sein System ziehen und zum Träger der Affekte 
maclien könnte. Ist der Gegenstand - wie eine Puppe - geeignet, ihm 
die Vergangenheit zu repräsentieren, kann er die symbolische Vertretung 
eines Genitales oder einer sexuellen Handlung übernehmen, um so 
leichter wird er der Träger eines komplizierten Bauwerkes, das ich ein 
„fixiertes Luftschloß" bezeichnen möchte. 

Es bleibt aber niclit immer beim Denken und Phantasieren. 
Der Zug in die Vergangonhoit, ein unerfüllter M^unsch der Kind- 
heit, das Bestreben, eine alte Szene neu zu beleben, drängen den Feti- 
schisten zu einer Impnlshandlung und bringen ihn mit den Gesetzen in 
Konflikt. Oft erreicht er dadurch ein geheimes Ziel: sich interessant zu 
machen und den Märtyrer zu spielen, zu leiden und sich an seinem 
eigenen Leide zu weiden. 



SCeksl, StürunBän dfs Triab- und AfTi^ktlabuda. VII. J^ 



f 



.v 



IV. 
Die Hieroglyphen des Fetischisten. 

Die meisten der sogenannten Fetischisten haben ein kompliziertes 
System und eine ganz besonders originelle Geschmacksrichtung. Sie 
überraschen den Arzt durch eine Fülle von Details, deren Wichtigkeit 
sie mit Nachdruck hervorheben, und fügen oft hinzu: „So etwas Ver- 
rücktes werden Sie wohl in Ihrem ganzen Leben nicht gehört haben!" 
Sie haben den heimliehen Stolz auf die neurotische Fiktion, auf ihre 
sexuelle Neubildung, auf ihre Krankheit, einen Stolz, den man in dieser 
Auebildung nur noch bei ausgesprochenen typischen Hypochondern 
findet, die man als narzißtische Fetischisten bezeiclmen könnte. Die 
Fetischisten zeigen oft Züge von Hypochondrie, während die Hypo- 
chonder aus ihrer Krankheit und ihren Symptomen einen Fetisch machen, 
in den sie förmlich verliebt sind. 

'■' ' Der Fetischist schreibt seine eigentlichen Tendenzen und die Ur- 
sachen seines sexuellen Symbolismus in einer Geheimschrift. Er bemüht 
sich, während der Analyse diese Geheimschrift immer besser zu ver- 
bergen. Er ist unglücklich, wenn er merkt, daß der Arzt seine Geheim- 
schrift zu enträtseln anfängt und orgreift gewöhnlich die Flucht. Ich 
kann daher allen Analytikern den Rat geben, ihre Erkenntnisse nicht 
zu früh preiszugeben und dem Fetischisten nicht zu früh zu verraten, 
daß sie ihn durchschaut und sein System erkannt haben. 

Es kommen nämlich die merkwürdigsten Verschiebimgen vor. Eine 
Sand, die Gegenstand eines leidenschaftlichen Partialismus ist, steht 
gar nicht für sich selbst, sondern ist das Symbol einer einmal mit der 
Hand begangenen Handlung. Je komplizierter das sexuelle System ist, 
desto verdächtiger muß es uns ei-schcinen. 

Alle diese Kranken verlangen jammernd die Heilung und ver- 
sprechen ewige Dankbarkeit, wenn man sie aus den Fesseln ihres 
sexiiellen Symbolismus befreien wird. Man glaube ihnen nicht! Sie 
stellen sich nur so, als ob sie befreit werden wollten. In Wahrheit 
hängen sie an ihrer Fiktion, klammern sich an ihre Symbole, wollen 
von einer Heilung nichts wissen. 



iwy-1-.T^... . 1^ 



Die Hieroglypiieu des Fetischisteu. 



67 



Wir haben ja gesehen, daß der sexuelle SymboHsmiis die Tendenz 
hat, seinen Träger vom geschlechllidien Partner abzuhalten, indom er 
die Bediifgungon der Liebeswahl humer mehr einschränkt und sie oft 
so unmöglicli gestaltet, daß Fetischismus gleichbedeutend wird mit 
Askese. SchlieBlich drangt er seinen Träger von dem Mensehen auf ein 
Symbol, einen Körix>rteil, der möglichst wenig Zusammenhang mit dem 
Sexus hat, oder gar auf einen Gegenstand. 

Aber immer bemüht er sieh, die Geheimschrift beizubehalten und 
deren Entzifferung mit allen Kräften äu verhindern. 

Der folgende Fall bietet hiefür ein sehr lehrreiches Beispiel. 

Fall Nr. 18. Fritz K., ein iaSjährigcr Cheunkor, leidet an voHstündiger 
Unfähigkeit zur Arbeit. Er war ursprünglich von seinem Vater zum Xauf- 
n.annsstandc bestimmt worden. Mit 17 Jahren erwachte sein Ehrgeiz, er be- 
gann zu studieren, (nachte die Reifeprüfung für das Gymnasium mit gutem 
Erfolge, kam auf die Hochschule und absolvierte seine Studien mit großer 
Mühe, EO daß er nach Überwindung innerer Seliwierigkeiten endlich seinen 
Doktor machen konnte. Nun scheint er zu jeder Arbeit unfähig. Er hat viele 
Interessen, aber er bleibt immer an der Oberfläche haften. Er ist ein ausgo- 
ücichnefer Musiker, kann am Klavier improvisieren, ober es fehlen ihm die 
gründlichen Studien, Er kann sich für keinen Beruf entscheiden. Die Chemie 
gefällt ihm nicht mehr, sie langweilt ihn. Er möchte Musiker oder Philosoph 
werden. Er glaubt, daß seine krankhafte Sexualität die Ursaclie seiner Wil- 
lensschwäche ist. Er onaniert seit früher Jugend, und zwar immer mit ein 
und derselben Phantasie; 

Er stellt sich vor, wie zwei Frauen miteinander ringen. Die eine ist 
schlank und hat ein wunderbares Tanzbein, Sie tragt weiße, durch- 
brochene Seidenstrümpfe. Die andere ist stark, robust und untersetzt und 
trägt schwarze Strümpfe. Der Kampf ist sehr hartnäckig. Es scheint, alö 
ob die Sclilanke siegen würde. Aber im letzten Moment siegen die 
schwarzen Strümpfe. In diese]n AugeiibhckG erfolgt lx>i ihm die Ejaku- 
lation. Oft aber muß er mehrere Male (sogar fünfaial in einer Nacht) - 
onanieren. 

Er ist immer miruhig und außer Stande, sich zu konzentrieren. Wenn 
er onaniert hat, wird er etwas gefaßter und aufnahmsfähigcr. 

Es ist, als ob dm ein Motor rastlos durcli die Welt treiben würde. Er 
war in vcrscliiedenen Städten, suchte Ärzte auf und verließ sie nach kurzer "" 
Zeit. In "Wien ist er uuruhig. Er k;inn nicht in seiner Wohnung bleiben, eilt ' 
ins Cafe, vom CaiÖ wieder ins Theater,, wo er sich langweilt. Er möchte ein 
Buch lesen, beginnt es mit großem Interesse und legt es nach einer Viertel- 
stunde weg. 

Er sucht fortwährend. Er lauft die Straßen auf und ab, um sich die 
entsprechenden Sexualobjekie zu finden. Ihn iiilorcssiert nur die bekleidete 
Wade. Am meisten erregen ihn Damen in durchbrochenen Seidenstrümpfen. 

Er kann ilmen stundenhuige nai-blaufen. Dann eilt er nach Hause und 
onaniert mit dem Bilde, iadom er die gesehene Dame mit einer anderen ' 
ringen läßt. . ' 

5* 



hl 



68 



FetiscliismuS. 






Er versucht auch den lu-rmaku Koitus. Er h:it gute Potenz, aber sehr 
edmadicn Orgasmus, .vähreiid der Geuuü der Onanie sehr groL^i^t. Er lat 
eehr viele analyUeche Bücher geleBen, was für die Behandlung emc schlechte 
Prognose bietet. 

Zweite Sitzung: Er kommt um eine Viertelstunde zu spät. Er habe 
beim Friseur so lange warten müssen. (Wird aufmerksam gemacht, daß der 
ihm vorausgesagte Widerstand prompt eingetreten ist.) 

Die Onanie war mitunter ein Ausbrach seiner Verzweiflung. Er wollte 
sich auf diese angenehme Weise ruinieren. Er fühlte nach jedem Akte einen 
moralischen und hvgicnischen Katzenjammer, Seit der Lektüre meines Buches 
über Onanie hat er den hygienischen Katzenjammer verloren. Der moralische 
Katzenjammer nach einem autoeroüschen Akte ist ihm geblieben. 

Das Hingen hat ihn immer sehr interessiert. Er hat als Junge ni 
der Schule sehr viel gerungen, wobei er eich die schwächeren Knaben aus- 
Buclitß um immer siegen zu können. Einmal nur hat er einen Damenring: 
kämpf' in Wirkliclikeit gesehen, der ihn sehr aufgeregt hat. Das war aber 
vor drei Jahren. Da war die Zwangsvorstellung schon giinahch ausgebildet. 
Er hat auch gegen die Onanie gerungen. (Er wird aufmerksam gemacht, 
daß er in jeder Hinsicht ein Ringer ist, und nach dem Verhältnis seiner 
Eltern gefragt) Die Eltern lebton wie Hund und Katze. Es gab immer 
Streit und er hörte nie ein zärtliches Wort zwischen Vater und Mutter. 
Der Vater war ein Trinke)' und verübte Selbstmord. (Auch einer semer 
Brüder!) Er war damals 19 Jahre alt. der \ ater 5b. 

Die Mutter war dem Vater geistig überlegen und fluchtete oft m die 
Krankheit' so daß sie ihren Willen durchsetzen konnte. Er beschuldigt aie 
Mutter sie wäre die Ursache seine. Leidens. Sie habe ihn verzar elt,_zur 
sSbstbeohachtung erzogen. Er war auch als Kind immer allem und spielte 
mH seinem St^inbaukasten. Er kam mit 10 Jahren aus dem Hause. Die 
Sefe seiner Mutter waren voll von Imperativen. Das sollst du un und 
das darfst du nicht tun. Du sollt deine Eltern ehrei^ daß es dir_woh ergone 
auf Erden Dann habe sie ihn zu fromm erzogen. Er war von o-U außer- 
ordentlich fromm. Er entsinnt eich eines sehr strengen Religionslehrers der 
aUee dazu tat um sein Herz mit Gottesangst zu füllen. Er fürchtete daher 
immer vor der Strafe Gottes. Er leidet an einem drückenden Schuldbewußt- 
sein das er bis heute noch nicht losgeworden ist. Zuletzt beichtete er noch 
rait'lS Jahren dann habe er den ganzen Krempel überwunden". Allerdings 
seien immer Ersatzreligioncn eingetreten, Er wurde erst evangelisch, dann 
schwärmte er für Johannes Müller, Lholzky, Mulford usw. 

Er sucht<? bei Gott Hilfe gegen die Onanie. Schon als Knabe kämpft« er 
gegen das „Laster". Er weiß eich zu erinnern, daß er selbst auf die Onanie 
kam Er beugte eich zum Fenster hinaus und fühlte plötzlich einen Kitzel 
in der Gegend der Prostata. Da mußte er mechaniöch die Hand an das 
Glied geben und sein Unglück begann. Seine ersten Onaniephantasien waren 
nur mit schönen Beinen verknüpft; Mädchen auf der Straße, die gelbe Strümpfe 
anhatten, waren seine ersten Lustobjekte. Seine Ringkarapfphantaeien wurden 
erst in den letzten drei Jahren syeteniatiech ausgebaut. 

Seine Onaniephantasien sind nicht immer so einfach, wie er sie mir 
geschildert hat. Die Hauptsache ist, daß die beiden Frauen 



Dio Hieroglypten des Fetiscbisten. 69 

um ihn ringen. Als ob zwei Ritter um ein Biirgfräulein kämpfen würden. 
Ihn reizt die Frage: Welche von beiden werde ich dann besitzen? Das Ver- 
schlingen der Beine beim Ringkampl' macht den größten Reiz ans. Oft stellt 
er sich vor, in jedem Lande gäbe es eine Art Gladialorensehule i'ür \yciber. 
Sie werden dort ausgebildet. Jedes Land sucht dio besten Ringerinnen fins, 
die dann miteinander ringen müssen. Die beste Ringerin wird dann seine 
Geliebte. Die Zuschauer bei diesen Ringk-ümpfon sind nur Männer. Es gibt 
drei Räume. In dem ersten beginnt der Ringkampf, dann schleift die Stärkere 
die Schwächere durch alle Zimmer in das di'itte. Dort ringt sie mit der 
Schwächeren und besiegt sie. 

Er fährt fori: Ich messe im Geiste Fessel und Wadenumfang. Z.B. 
Fessel 18, Wadenumfang 32. Die andere hat Fessel 16, aber stärkeren Waden- 
mnfans . . . also 34. Sie siegt also. Immer ringen GegensätBe. Es siegt 
meist die Schwarze über die Blonde. Er war 23 Jahre alt, da reizte ihn ein 
zehnjähriges Jlädel auf der Straße. Er kämpfte gegen den Impuls, eich auf 
das Kind zu stürzen. Er möchte gerne ein Kind vergewaltigen. Es reizt ihn, 
daß er der Stärkere ist. Wenn Frauen sich von ihm tragen lassen, liat er 
einen großen Reiz. Er trug einst ein Mädchen über einen Bach. Das erregle 

ihn gewaltig. 

Er hat gestern nicht onaniert. "Warum? (Er wird beleiii-t, dah er 
wußte, daß er sieh beobachten werde, um mir die Phantasien zu berichten.) 
Was er mir so ausführlich geschildert habe, erschöpfe seine speziüschen 

Onaniephantasien nicht. 

■ Im Beginne des Krieges war er so erregt (Ringkampf zwischen Deutach- 
land und Frankreich), daß er auf das Onanieren vergaß. Das dauerte einige 
Monate. Dann wurde er verwundet und kam ins Lazarett. Natürlich verfiel 
er dann wieder seinen Phantasien und mußte onanieren. Das Onanieren 
sei aber nicht immer Lust. Er wolle sieh umbringen und sich bestrafen. Im 
Kriege wurde es oft besser, wenn er eine ordentliche Verwendung hatte, 
wo er kommandieren konnte. 

Er schildert seinen Lebenslauf und legt dar, wie er sich vom Zufall 
leiten ließ. Er hatte immer Glück. Er fand immer Leute, die sich für ihn 
interessierten und ihm Mittel für seine Ausliildung zur Verfügung stellten. 

Er bringt wieder eine Ergänzung seiner Ringkanipfphantasien. Die Zeit 
spielt eine große Rolle. Die beiden Frauen ringen erst 5 Minuten. Da kann 
es vorkommen, daß die Schwächere siegt. Dann kommt eine längere Pause. 
Dann ringen sie 10 Minuten. In diesen 10 Minuten siegt die Schwächere viel- 
leicht nur einmal, aber die Stärkere sechsmal. Die Siegerin hat dann das 
Recht einen Koitus auszuführen. Sie stürzt sieh auf die Partnerni, um- 
schlingt sie mit den Beinen und macht die Koitusbewegungen, bis die 
Schwächere erschöpft sich für besiegt erkKrt. Die Stärkere setzt dann der 
Gegnerin das Knie auf dio Brust. In diesem Momente eriolgt der Orgasmus. 

4Ie Kind sah er in der „Modernen Kunst" ein Bild, das sich Rivalmnen 
benannte Zwei Frauen im Kampfe. Die eine liegt mit aufgelösten Haaren 
am Boden während die andere ihr das Knie auf die Brust stemmt. Er war 
Tmals 8 Jahre alt. Er glaubt, daß er dieses Bild verwendet, weil es auf 
ihn einen starken erotischen Eindruck machte. 

Er dachte schon darüber nach, oh er nicht den Koitus der Eltern 
belauscht habe. Der Vater kam oft betrunken nach Hause. Er weiß, daß 



70 



Fetischismus. 



I : 

H 



die' Mutter ihn iiiclit mein liebte. Vielleicht haijc eine Art von Eingkanipl' 
el-Littgorunden, in dem die Mutter unterlegen war. Er war vielleicht Zeuge. 
Aber er hat keine bestimmte Erinnerung. Er hält diese Annahme für eine 
wahrselicinliche Kunatruktion. 

Er hat eine ungeheure Sehnsucht nach einem feinen Weibe, nach einer 
idealen Liebe. Er lernt-e einmal voi einigen Jahren ein sehr liebes Jlädchen 
kennen. Er glaubte sie zu lieben. Er hatte in dieser Zeit gar keine Ring- 
kampfphantasien. Abel- or hat in Wirklichkeit nicht geliebt. Er glaubt, 
dio wahre Liebu zu einem edlen, geistigen Wesen könnte ihn retten. Er 
wundert eich auch, daß er bei keuschen, leinen Frauen niemals Beinphaii- 
tasien hat. Ihn erregen nur die sinnlichen, provozierenden Weiber. 

„Können Sie mir diese Erscheinung erklären?"' 

„Ich glaube: Ja! Ich verstehe auch jetzt Ihi'en RingkanipL In Ihnen 
kämpfen zwei Strömungen. Sie haben das Bedürfnis, Keeliseh zu lieben, einem 
einzigen Weibe anzugehören, sie nach den Satzungen der katholischen Re- 
ligion (nach dem Sakrament der Ehe) heimzuführen. Ich würde das die 
himmlische Liebe nennen, Sie kennen doch das bekannte Bild von Tizian; 
Himmlische und irdische Liebe?" 

„Fi-eilich! Ich kenne und schätze es." 

„Sie können nnr onanieren und Orgasmus haben, wenn die irdische 
Liebe siegt. In Ihnen kämpfen Eros und Sexualität, Trieb nnd Sublimiernng, 
Rückenmark nnd Gehirn. Sie wollen den Gott in sich ertöten, das Bedürfnis 
nach einer reinen Liebe durch rohe Sinnlichkeit niederringen. Der Teufel 
kämpft mit Gott. (Denken Sie an Hiob imd Faust!) Diesen Kampf pro- 
jizieren Sie nach außen. Sie sehen ihn bildlich vor sich." 

Der Kranke denkt nach und hestüligt mir dicge Deutung. Nun ver- 
stehen wir auch die drei Zimmer. Sie entsprechen seinen drei Jahrzehnten. 
Immer hat die sinnliche Liebe die seelische besiegt. Immer hat der Satanicmus 
ülier seinen Katholizismus den Sieg davongetragen. Auch die Minuten lassen 
eich auf diese Weise erklären. Er war 5 Jahre sehr fromm, dann kam eine 
Pause und dann kam die satanische Pei'iode. die jetzt wohl an die 10 Jahre 
dauert. Der schwarze Strumpf symbolisiert das schwarze, sündenbefleckto 
Weib, Der weilie Strumpf ist ein Symbol der Reinheit. 

Er berichtet von den Furchtbaren religiösen Eindrücken der Kindheit. 
Er entstammt einer Familie, in der immer Preigei.ster mit Zeloten kämpften. 
Ihm wurde von seiner Mutter die Religion mit den stärksten Imperativen 
ins Hirn eingegraben. Es macht ihm die größte Freude, die religiösen Ver- 
wandten zu einer modernen Religion zu l)ekehren. Drei Brüder seinei' Mutter 
eind Freigeister geworden und versuchten, sie dem Glauben abspenstig ;.u 
machen. Freilich nur mit teilweisem Erfolge. Er glaubt, daß ihre Hysterie 
erst dann ausbrach, als ihr Glaube erscliüttert wurde. 

„Wollten Sie nicht Geistlicher wei'den?'" 

Er zögert mit der Antwort. Daiin gibt er zu, daß man ihm als Kind 
einen kleinen Altar geschenkt habe. Er spielte dann Prediger, las Messen 
und gebärdete sieh als Geistliclier, Damals -war für ihn der Beruf eines 
Pfarrers das Ideal. Er hatte einen geradezu fanatischen Glauben. 

„Sie sind im Innern noch fromm geblieben. Der Glaube ist ein Gefühl, 
er ist ein Afl'ekt. Ihr Unglaube ist ein Produkt Ihres Intellektes. Der In- 
tellekt kann nie einen Affekt bezwingen. Es ist der Kampf eines Walfis^ches 
mit einem Elephanten. Sie kommen nie zusammen. Ihr Glaube hat sich ins 



H 



Die Uiorogljpbcn des Fötiscbisteu, yi 

Unbewulite zu rückgezogen und ivird durch die Parapathie gesichert, llire 
Riiigkamptphantiisie sichert Ihre Keusühlicit. iteiin Sic nähern sich dem 
Weibe in Wirklichkeit sehr sflteu." 

Er gibt zu, daß er nocli itiiinor l'iuinin i^[ und zeitweilig besondci's im 
Felde gebetet hat. Er möchte gerne diesen „lächerlichen Glauben" ausrotte», 
■was ihm bis heute noch nicht gelungen ist. 

Nun weiß er, warum er mit keinem Berufe zufi'ieden ist. Er hüll im' 
Innern an seinem Ideale fest. Er möelite Geistliclier werden. Sein Ghemie- 
studium war ein Zufall. Seine Musik ersetzt ihm die Itoligion. Kr betet, 
■während er spielt. Choräle zur .phre Gottes tauchou nach wilden Kiimpf- 
melodien iiuf. 

Die Widerstände sleigei-n pich. Er kommt später, die Einfälle sind 
etückend. Neu ist, daß er jetzt hinzufügt, er habe auch Phantasien, in denen 
6 r selbst mit einer Frau ringt. Unii ziviir nur mit dem dorb-tjinnlichen 
Weibe; niemals mit dem vergeistigten Weihe, das er verehrt und öceiisch 
lieben könnte. Den zweiten Typus möchte er nie mit seinen Waden- und 
Ringkampfphantasien in Verbindung bringen. Nur niancJimal macht er sich 
eine Kombinationsfrau: Sie ist derb-sinnlich und trotzdem feinsinnig. !l!it 
dieser kann er phantasieren, doch viel schwerer a!s mit dem ersten Typus. 

In ihm i'inf^en immer Wille und Gegenwille. Das ist ihm jetzt deutlich 
bewußt worden. Er träumte heute Nacht. Eine Stinnnc sagte: Du wirst 
dem Dr. Stekel den Traum mitteilen! Nein! sagt der Gegenwille: Du ■wirst 
jhm nichts mitteilen! Und er vergißt den Traum. Das geht den ganzen 
Tag. In ihm ringen zwei Gewalten miteinander. Es ringt auch das miiimliche 
Prinzip mit dem weihlichen. Er will ein Mann sein und bleibt doch ein 
Weib ... 

Er komiiil immer mehr zur Erkenntnis, daß die unterdrückte lieligio- 
sität die Ursache seines ,,Eetischisnms" ist. Er sieht in dem Hingkampf 
der beiden Frauen den Kampf zwischen SinnliclikeiL und Glauben. 

Er hatte diese Nacht zwei, Träume: 

Ich habe eine Bergpartie gemacht. Es itl mir, aLs ob mein Bruder 
- abgestürzt ■wäre. 

. Mein Vater hatte ein großes gesehäftliclies Unlei'nehmen.' Ein 
großer Diebstahl wurde entdeckt. Es gab einen unangenehmen Krawall . . . 

Zum ersten Traum fällt ihm ein, daß er einmal mit einem Mädchen eine 
Bergpartie machte. Sie gerieten in dichten Nebel und verloren den Weg. 
Schließlich kamen sie an eine Stelle, wo sie nicht weiter konnton. Er ver- 
suchte es und stürzte 30 Meter in die Tiefe, verletzte sich nur leicht, aber 
konnte dann den Weg zu einer Hütte linden. Dort wurde eine Kettungs- 
expcdition ausgerüstet, man suchte das Mädchen und befreite sie aus der 
unangenehmen Lage. Es war schon ünster und kalt, sie war in Gefahr zu 
erfrieren, 

Zum zweiton Traum l'ällt ihm ein, daß sein Vater in geschäftliche 
Schwierigkeiten geriet und sich aus Verzwcillung ei'liängte. Er glaubt aber, 
daß die migUirkliehe Ehe auch dazu beigetragen hat, dem Vater das Leben 
zu verbittern. " . ■ - - 



S^^B 



72 FetiachismuB. 

Es wird immer deutlicher, daß er Angst vor dem "Weibe "uiid vor der 
Ehe hat, Die unglückliche Ehe seiner Eltern wirkte auf ihn schon in der 
Jugend wie eine „ewige Warnung". Er nahm aich vor, keinem Weibe zii 
erliegen. Deshalb konstruierte er sich seinen Fetischismus, der es ihm er- 
möglichte, den Frauen auszuweichen und seine Triumphe in der Phantasie 
zu erleben. Für ihn war jede Ehe ein Ringkampf, in dem der Stärkere siegte. 
Der Schwächere mußte aus dem Leben gehen wie der Vater 

Nun wird der erste Traum verständlich. Der Bruder befindet sich in 
den Alpen und macht Bergtouren. Aus der Kindheit hat er den Wunsch, 
der Bruder möge sterben, so daß er der alleinige Erbe des kleinen Yermügcne 
Beiner Mutter wird. Aber neben diesem Wunsche hat der Traum eine andere 
Bedeutung. Der Bruder ist das Symbol seiner Parapathie, seines zweiten 
Ich, des frommen, nach Ehe und Liebe lechzenden Menschen. Er versucht 
mit einem Weibe die Höhe zu ersteigen, aber es wird Nacht, er verirrt sich 
im Nebel und stürzt ab. Der zweite Traum hat eine religiöse Bedeutung. 
Der Vater steht für Gott A'ater. Er wollte Wanderprediger werden und den 
Menschen das neue Evangelium der Liebe geben. Er wollte das Wort Gottes 
sprechen. Er liat Gott bestohlen, er hat sich um seinen Glauben gebracht. 
Daher der Aufruhr (der Krawall} in seinem Herzen. 

Er hat eine eigene Auffassung der Religion. Religion ist für ihn 
Altruismus. Wenn er für andere und nicht für den eigenen Vorteil arbeitet 
so fühlt er sich fromm. Wenn er um der Sache willen liebt (nichl um des 
Besitzes willen), 60 fühlt er, daß es die echte Liebe ist. Also Religion ist 
Liebe ohne Besitz. In ihm kämpfen der Egoist und der Altruist . . . 

Er träumt; 

In einem Postamte, in dem der Bruder Vorsteher ist, wird eine 
Revision vom Oborpostiiispcktor vorgenommen. Es gab einen großen 
Skandal, da die Bücher schleclit geführt wurden. 

Ich bin der Revisor, der mit der Analyse nicht zufrieden ist. Er selljst 
ist mit seinem bisherigen Leben unzufrieden. 

Er bringt einige bedeutsame Erinnerungen. Er war 3 Jaiire alt, 
als sein 1 4 j ä h r i g c r Bruder in sein Bett kam und i li ni 
den erigierten Penis in die Hand gab. Im S. Lebensjahre 
badete er mit einem anderen Bruder und sie spielten 
mit den Gliedern. 

Seine Sexualität begann sehr früh. Er erinnert sich sehr deutlieh, daß 
er Luetenipilndungen hatte, wenn er als kleines Kind (2—3 Jahre) mit an- 
deren Kindeni spielte und sich auf sie legte. Sie spielten Hunde, liefen auf 
allen Vieren und bellten „Wau-Wau!''; dann war er der stä,rkere Hund, 
der sich auf den anderen legte. Dabei das Gefühl einer starken Lust. Später 
hatte er beim Ringen mit anderen Knaljen immer Lustempfindungen und 
zwar in dem Momente, wo er das Kreuz des Gegners umbog 
also knapp bevor der Partner zu Boden fiel. Seine ersten Ringkampfphan- 
lasien waren rein homosexuell. Auch reizte ihn zuerst das Bein von Juugens 
Noch heute erregen ihn Jungens. Er war vor einigen Tagen im Sonnenbade' 
Da lag neben ihm ein kleiner Junge in Florstrümpfen. Sofort fühlte er eine 
heftige Erektion. 



■ 



I I , ■ ^— ^>-* 



Die Hieroglypheu des Fetischislen. 73 

Er ist sehr beim ruh igt, daß er so miiclilige sadistische Impulse hat. 
Auf der Straße kann er plötzlich Mädchen {zwischen 17 und 20) nach- 
gehen uud ringt mit dem Bedürfnis, sich auf sie zu sti)i'>!en und sie zu ver- 
gewaltigen. Das nennt er seinen Anfall. Eine Eanie, mit der 
er einen Anfall hat, ist für iiui erledigt. (Selbstsclmta!) Er verehrt jetzt 
eine Dame; es sind rein geistige Beziehungen. Plötzlich hatte er den Anfall 
(Vergewaltigungsimpuls). In diesem Augenblicke war die vorher verehrte 
Dame für ihn erledigt. 

Er iet sehr eitel und möchte immer einen gut-en Eindruck machen. 
Menschen gegenüber, an deren Urteil ihm viel gelegen ist, wird er verlegen 
und konfus. Es fehlt ihm die Harmlosigkeit des Genießens. Er (beobachtet 
eich immer. Er hatte Zeiten, wo er die fremde Aufmerksamkeit erzwingen 
und immer angesehen werden wollte. 

In seinen E,ingkampfphantasien rciKt ihn ein Gegensatz zwischen 
Fessel uud Wade. Die Wade erinnert ihn an einen Penis. Es scheint 
sieh um ein bisexuelles Symbol zu handeln. 

Immer etärkei' tritt das homosexuelle Moment hervor. Die Mädchen 
im kurzen Eock machen einen knabenhaften Eindruck. Die ringenden Frauen 
Bind iu seiner Phantasie Pagen. Deshalb befriedigt ihn ein Koitus nie. Nach 
jedem Koitus muß er onanieren. Ein einziges Mal gab es eine Ausnahme, 
das war bei einer Dirne hier in Wien, die kurz geschnittenes Haar hatte 
(einen Wuschelkopf) und wie ein Knabe gebaut war. Er mochte nämlich 
nicht in der normalen Lage koitieren, sondeni mit eng verschlungenen Beinen, 
Er schlingt beim Onanieren die Beine zusammen. Beim Druck kommt 
er in eine Art Ekstase, Vor der Ejakulation preßt er 
das rechte Bein fest an das linke. (Er spielt mit de]n reeht-en 
Bein den Mann, mit dem linken die Frau.) Bei der Frau kann er den In- 
troitus vaginae nicht finden und läßt sieh den Penis immer einführen. (Er 
sucht den Anus und möchte auch jede Aktivität, jede Schuld von sich ab- 
wälzen. Er ist der Verführte.) Es ist der Gegensatz zu seinen Vergewaltigungs- 
Tihantasicn. Der Mann in ihm war ursprünglich sadistisch, jetzt ist er maso- 
chistisch. Ihn reizen die Bewegungen der Frauen, Eine liegende Frau reizt 
ihn nicht. Nur das Bcwegimgsspiel der Muskeln, besonders der Waden reizt 
ihn Ihn reizen verschiedene Farben. Wenn die Schuhe schwarz, der Strumpf 
lieht ist, der Rock eine dritte Farbe hat, so erregen ihn die Gegensätze, 
während' gleich abgestimmte Farben ihn kalt lassen. 

Seinen höchsten Orgasmus erzielte er beim Ringen mit Knaben, wenn 
er sah daß seine Kräfte nachließen und er noch eben mit der letzten Kraft 
seinen ' Gegner umbiegen konnte. 

Plötzlich fällt ihm ein, daß seine Mutler sich sehr viel mit seinen 
Beinen beschäftigte. Sie klatschte auf die Beine, mitunter auch auf 

seinen Popo. ^ , ■ . i, ■ ■ 

Fr hat einen älteren Bruder, der schwachsinnig 
ist Er war 8 Jahre aU, als der 1 7 j ä h r i g e ein en pä d e- 
rastiVchen Akt versuchte, der aber mißlang, da er 

h eftig schrie. . , , t.. , ■ ui 1 

r. 1 ■ u ,„weilen wenn er Frauen ansieht. Ein Auge weicht ab. 
r ^'.1 ? V sk mn ei parapathisches Schielen handelt. Das Schielen 
bey^n in der l^ Z tritt'nnr zeitweilig auf. Er hatte allerlei Zwang.. 



74 



Fetischismus. 



i 



handluiigen. Ei- Impfte wie ein Frosch im Ziuuner aui' und ab und geriet iii 
eine Art Ekstase. Mitunter stellt er sich vor, er sei eine gi-uße Persönlich- 
keit uiiti führt allerlei Ritte im Zimmer ans. {Ein General, der die Front 
abreitet usw.) Er hat eine so lebhafte Phantasie, daß seine Traumgestallen 
Leben annehmen. Wenn er sieh vorstelU, nuC dem Boden einen Leichnam M 
sehen, su sieht er ihn wirklich und könnte ihn greifen. Er kann manciiinai 
Phantasie und Realität nicht auseinander halten. Er glaubt der Köiii" 
von Japan zu sein nnd geht stundenlange mit dieser Phantasie umher. 

Schrecklich ist das Erwachen. Besonders nach der Onanie. Da hat ei' 
das Gefühl, daß er wahnsinnig sei. 

Jedes Bein, das er auf der Straße sieht, ist für ihn ein neues Trauma. 
Es löst zahllose Phantasien aus. Dabei ist er ein unglücklicher Mensch. 
Das ganze Leben ist für ihn eine Enttäuschung. Ein Liebespaar auf der 
Straße stimmt ihn traurig. Er kennt das Glück der Liebe nicht Er niüchte 
in einem Weibe aufgehen Er tröstet sich mit den Phantasien für seine 
Enttäuschungen. Kadi jeder Depression onaniert er und nach dem ona- 
nislischen Akt hat er wieder eine neue Depression. Dabei hat er das Gefühl 
daß die Phantasien mit ihm durchgehen und im Nebe! zerrinnen. 

Gestern hatte er ein charakteristisches Erlebnis. Er sah ein Mädchen 
auf der Straße vor eineni Theater stehen. Sie hatte sehr schöne Beine and 
elegante, durchbrochene btriimple. Er sprach sie an. Sie zögerte erst und 
ließ sich dann bewegen, mit ihm in ein Cafe zu gehen Dort verleitete sie 
ihn zum Trinken, verlangte von ihm Geld. Willenlos gab er ihr dreimal 
Geld, immer mehr, war schrecküd, erregt, zitterte am ganzen Körper. Dann 
begleitete er s,c nach Hause Sie verabschiedete ihn vor dem Hanstore, 
obwohl sie ihm Geschlechtsverkelir verspi'ot-hon hatte Er wa-te nicht da- 
Geld zurückzuverlangen oder sie zu zwingen, ihn mitzunehmen 

Als nächste Assoziation zu dem Erlebnis fällt ihm ein ' Apachentanz 
ein, der ihn sexuell sehr erregt hatte. In die.em Apachentanz tötete der 
Tanzer schembar seme Partnern, nachdem sie ihm zu ^\'illen war 

. ^^ :''f ^' ^^ß f'- g'^g';» ^ie Phantasie eines Lustmordes kämpft. 
Er ist bc. allen Dn-nen scheu und hat Tics, so daß sie sich vor ihm fürchten, 
Eine sagte ihm: „Du bist unheimlicli! 

Er hat seinen ursprünglichen Sadismus verdrängt. Er kann kein Blut 
sehen, ist sehr mitleidig, konnte einem schwer wehe tun Trotzdem u-oiH er 
daß er die Frauen haßt und sie töten möchte. irotzdem weili ei, 



Er bringt eine Menge von Notizen. Es sind Einfälle die er während 
des Tages gesammelt hat. Ich warne alle analytisch arbeitenden Kollegon, 
diese Art von Analyse zu betreiben. Sie verdeckt den Widerstand und er- 
möglicht dem Kranken, den freien Assoziationen auszuweichen Ich lehne 
daher die Mitteilung dieses „hochinteressanten Materials" ab 

Er weigert sich, seine freien Assoziationen mitzuteilen ' Es fällt ihm 
«ichts ein. Dann aber begmnt er über mieli zu sprechen und seinen Tadel 
vorzubringen. Freilich erst, bis ich ihn aufmerksam gemacht habe, daß er 
mit meinem Benehmen unzufrieden ist. Er erwartet mehr Aufmerksamkeit. 
Spaziergange Freundschaft usw Er wird aufmerksam gemacht, daß dies 
die Analyse stören wurde, Ww benötigen das Pathos der Distanz Endlich 



Die Hieroglyplien des Fetischismus. 



75 



bringt er vor, daß er an seinen Sadismus nicht beiiingnngsloä glaube. Er 
glaube und zweilie andrerseits daran. Als.näclij-ten Eini';ill gesteht er: 

.,Ich habe einmal ein Bild gesehen, das mich geWLillig aui'gevegt hat; 
Ein Mädchen an die Eisenhalmschieneii [ingcschnallt. Man sieht den Zug 
beraubrausen, der sie überfahren und tiiteti wird." 

Den größten Eindruck empfing er, als er einst einen Stier eine Knh 
bespringeii sali. Die rolle Gewalt Imponieric ihm außerordentlich. Kr ona- 
nierte gestern mit der Phantasie, er sei ein Mann, der einen Ann verlet^;! 
hat und in einer Schlinge trägt. Ei- ringt mit einer Frau und besiegt sie 
mit eine m Arme. 

Die Onanie ist l'iir ihn eine Kastration. Kr entmannt sich für einige 
Zeit. Er liat auch die Phantasie, der Penis sei das Weib, seine recht« Hand 
der Mann. Er besiegt das Weib. 

Es lallt ihm ein altes Haus seiner Jugend ein. Dort gab es Schmutz 
und Ratten. Es war ihm unheimlich. Er traute sich nicht hineinzugehen. 
Das Haus soll mit einem nnlei-irdiscben Gang mit einem Schloß verbunden 
sein. Er wäre für sein Leben gerne in diesen unterirdischen Gang gekrochen. 
Er fürchtete sich zu sehr . . . 

Er wird aufmei'ksam gemacht, daß er bildlich seinen Widerstand gegen 
die Aufdeckung seines Unbewußten mitgeteilt hat. Seine Parapathie, seine 
Vergangenheit ist das alte Haus. Er traut sich nichl in den unterirdischen 
Gang, der zu seinem verdrängten Ich führt.') 

Er bestätigt diese Deutung und gibt zu, daß er sich nicht traut, sein 
unbewußtes Ich zu erblicken. Er würde am liebsten vor sich selbst fliehen. 



Er hatte ein aufregendes Erlebnis. Er war im Fostanile und mußte 
warten. Da sah er eine Dame vor einem Pulte stehen und etwas schreiben. 
Sie erregte ihn gewaltig, denn sie hatte wunderschöne Waden. Er sah sie 
nur von rückwärts. Er eilte nach Hause und wollle der Mutter 
einen Brief schreibe.n. Er konnte nicht. Er mußte onanieren, wobei 
er sich nur die Beine des Mädchens vorstellte. Dann schrieb er den Brief. 
Daran! verhol er in einen tiefen, tiefen Schlaf. Er erwachte d;uui wie iieu- 
eeboren. Er hätte einen Baum ausreißen können. 

Man achte auf die Sprache der Kranken. Der Vergleich ist ein psy- 
chiächer Verrat. Ich hofl'e, wir werden später sehen können, was er damit 
ausdrücken wollte. Jedenfalls scheint der ungeheure AufreguugsKuslan.l, den 
er schildert mit Phantasien inzestuöser Natur (Mutter?) zusammenzuhängen. 

Zu dem Mädchen assoziiert er den Namen Marie". {Mutter Gottes?) Er 
kann sieh aber an keine Mai'ie erinnern, die in seinem Leben eine Rolle 



gespielt hat. 



Er schildert seine parapathischcn Symptome. Er hat 
,„ A.„=t aus dem Fenster zu blicken. Es zieht ihn 



Bergen, Angst, aus dem ■ ,-■ i 

mhlt .sich schwach und klein w.e^emKmd. 



Er hat Angst vor hohen 
in die Tiefe. Er 



In eeinen llingkampfphantasien kommt es auch vor daß der Schwad.e 
■ . T n ««.inen Ringkämpfen mit den Knaben ließ er manchmal den 
siegt. Ja, '^«V^"'"'"JJ"S(, ein enormes Lustgefühl. (Phantasie mit dem 
Schwächeren ^'^^ ''"^^ Lt sich mit dem Vater, während er der Knabe 
TlH rang w d ihm nicht mitgeteill.) Oft kommt es vor, daß 



Vater zu r. 

ist. Diese Erklärung 



^) überdies enthält die Assoziation ein. deutliche Mu.le.leil.ph.ntnsie. 



ire^ 



76 



Fetischismus. 



er das Weib gegen den Mann siegen läßt. Das ist gegen sein Gefühl, aber 
es erzeugt einen großen Orgasmus. Auch wenn das Weib den Mann um- 
bringt, hat er Woliustget'ühlc. 

(Das Weibliche in ihm besiegt das Männliche und er unterwirft sich 
seinem Vater — dem Kepräsentanten des Mannes.) 

Am nächsten Tage bringt er mir einen Traum. Er mußte am Abend 
dreimal onanieren. Nach dem dritten Male schlief er ein und hatte einen 
Traum. Vor dem zweiten autoerotischen Akte hatte er eine Wachphantasie, 
die er notierte: 

Wachtraura vor dem 2. onanistischen Akt: 

Es ringen ä Menschen, wovon der eine ein Weih, der andere auch 
ein Weib (oder ein Mann) ist. Das erste Weib ist schlank, zart und 

Fesselumfang 12,3 cm, Waden- 
Differenz: 11,5 ««, also kst 



schön, (aber) 



ein 

ewandt und muskulüs. 
23,8 cw. Gewacht 112 Pfund. 



Über- 
Weib 
ihrer 



umfang 
100%. 

Das zweite Weib hat bedeutend stärkeren Knochenbau, ist von 
Natur aus stärker und überlegener (was rohe Muskelkraft anlangt), 
aber plumper, ungewandter. Fesselumfang 19,4 cm, Wadenumfang 
25,1 CHI, Gewicht 135 Pfund. Differenz: 5,7 cm, also nur zirka 30%. 

Bei dem Ringkampf geht immer wieder deutlich die rohe 
legcnheit des zweiten Weibes hervor. Trotzdem siegt das erste 
infolge ihrer größeren Gewandtheit, vor allem aber infolge 
■ feineren Muskelkraft, der größeren Differenz. 

Symbol der zarten Fessel: Schwäche. Symbol der entwickelten 
Wade bzw. der größeren Differenz: Stärke. 

Tiefer Traum nach dem 3. onanietischen Akt 
(Zeit: V=2-V.3 Uhr nachts): 

Ein älterer Herr führt mich in seinen Garten (Wohnung) und zeigt 
mir diesen. Dieser Garten. (?) liegt in der Mitte zwischen einem fremden 
Besitztum. (Was wir in diesem Garten gemacht haben, ist mir ent- 
fallen.) Plötzlich merke ich, daß ich den Haustorschlüssel vergessen 
habe. Der ältere Herr sieht auf seine Taschenuhr und sagt' Es ist 
VaO Uhr." Ich antworte: „Da komme ich gerade noch zurecht, 
um 10 Uhr muß ich zu Hause sein." Zu meinem Entsetzen entdecke ich, 
daß mir einige Kleidungsstücke fehlen. (Hosen?) 

Es kommt ein junger Mann und es wird zu Nacht gegessen. Dieser 
junge Mann sagt an der Tafel (anscheinend zur Wirtin der Frau des 
älteren Herrn): „Wenn noch einmal (VJO) so spät gegessen wird, 
kündigt er und geht!" Der ältere Herr sieht daraufhin den jungen Mann 
ganz entrüstet an und zeigt auf mich, den Besuch (sozusagen darstellend, 
daß er hier nicht „allein" ist). 

Ich tue so (schreibe), als wenn ich nichts gesehen hätte. 

Es kommt häulig vor, daß Patienten erzählen, sie hätten mehrere Male 
in einer Nacht onanieren müssen. 

Das vor rät einen unwiderstehlichen sexuellen 
Impuls, der durch die Onanie nicht befriedigt werden 



. Die Hieroglyphen des Fetisch isteii. 77 

kann, weil die spezifische Phantasie nicht zum Ben^ußt- 
B e i n gelassen und durch E r s a t z p h a n t a s i e 11 in i t i g i e r 1; 
wird. Patient meint, ihn beschäftigen nur die llingkamptphantasien, er 
weiß kein Vorhild für diese mysteriösen Hingerinnen, er sah ja einen ßing- 
kiimpf erst, nachdem er öchon in diesen Pliautasien geschwelgt hu(. Die 
Wachphaiitasie zeichnet sich durch eine merkwürdige — bis auf Zehntel 
ausgerechnete — Präzision der Zahlen aus. Solche Zahlen können nicht 
willkürlich oi'fundcn sein, sie müssen eine Beziehung zu seiner Paraphihe 
und besonders zu der spezifischen OnaniepliautiiBie haben. AVir können an- 
nehmen, daß wir durch diese Zahlen zum tieferen A'erständnis seiner Para- 
pathic gelangen werden, wenn uns der Patient willig sein Material, d. h. 
seine Einfälle überläßt. Aber ich rechne mit einem erbitterten AYiderstande. 
ich kann nicht erwarten, daß er mir das Geheimnis dieser Zahlen mitteilt. 

Ich sage ihm: „Was mich bei der ßingkampfphantasio überrascht und 
interessiert ist die Präzision der Zahlen. Haben Sie zu den Zahlen emen 
Einfall? Bedenken Sie die Differenz 11,5 und 5,7. Haben diese Zahlen einen 
Bezug zu Ihrer Farn üiengesch ich te? 

Er schweigt und denkt nach. Dann sagt er: „Solche Zahlen fallen mir 
massenhaft ein. Sie entspringen meiner spielerischen Phantasie. Ich kann 
beim besten Willen keine Bezicliung zu den Zahlen finden." 

Ich bin aber überzeugt, daß die Zahlen determiniert sind und wende 
mich zur Analyse des Traumes. Ich hoiTe, vom Traume aus einen Zugang 
zu den Zalilen zu linden. 

Da haben wir zuerst die Episode mit dem älteren Herrn, der ihn m 
seinen Garten führt. Sofort falle „ich" ihm ein. Die funktionale Deutung des 
Traumes ist klar. 

Ich füliro ihn in den Gai-ten m&iiier Wissenschaft, die zwischen zwei 

fremden Besitztümern liegt. (Religion — und Parapathie.) Er soll mir helfen, 

die Auflösungen «einer Parapathie zu finden. Aber er hat den Schlüssel 

vergessen. Ich mache ilm aufmerksam, daß es Zeit ist zu genesen und nach 

Hause zu gehen, d. h. den Weg zur Reinheit und zur Arbeit zu finden. Es 

ist schon V«lt> die Zeit der Haustorsperre kommt näher und näher. Um 10 

werden die Haüstoro gesperrt.') Er will auf den Schlüssel verzichten und nach 

Hause laufen (diesmal zu seiner Mutter, zu der es ihn mächtig zieht). Aber 

pr hat eich vor mir schon entkleidet. Es fehlen ihm einige Kleidungsstücke. 

Fr hat sich gehörig vor mir entblößt. Er irit mit der Behandlung unzufrieden. 

f1 wird zu spät zu materiellen Genüssen übergegangen. Er wird die Be- 

w^l iiir iufeebcn und gehen. Er merkt diese Tendenzen seines neurotischen 

^l^ Tstdlt sich so als ob er die Behandlung fortsetzen wollte und nichts 

T„. TT^ivfistune seines inneren Menschen, seines Bruders, merken würde. 

'"' Ibe^ er hTzu den Zahlen V^O und 10 noch ein rezentes Erlebnis 

-. fi F.. <rhnht dieses Erlebnis sei die Ursache semer onanistisehen 

?ir Fr^.. J em nach der Analyse sehr aufgeregt und hatte den Impuls, 
Akte. Er w-ai ^c^t^m ..a^ ^^ ^„^^^^^^ ^^^^ ^^.^^ ^.^ 

nmherznlanfen und em We J ^^^ ^^^^ ^^^^^ ^^^^^^ ^^ ^^^ 

Sexualobjekt mi durcUDr ^^^ ^^ ^^ ^^_ ^^^^ ^.^ g^^.^^^j_ 

f T^lrk^nn^uÄ d Strumpf angebunden sei. (Fessel und Strumpf- 
band sehen könne una wi« Eingeschnürtseins!) Er sprach era 

Shl" a^t: .aS ein?athykleidet war. Er merkte sofort, daß es eia. 
^^Wien werden um 10 Uhr c!i. Haustor. gesperrt. 



78 



Fetischismus. 



] ; 



Jüdin war. Obwohl er ein Vollblutaricr und Deutächnationaler ist, schwärmt 
PI- iur Jüdinnen. Sio hätten mehr Rasse ... Er forderte sie auf, nüi üini 
spaaiereu zu gehen, sie willigte ein und erzählte ihre traurige Lebensgeschiclite. 
Ihre Eltern seien gesturben, sie sei bei Vc-rwandteii. Trotzdem er scheiiibur 
sehr gerührt war, hatte er sein Zit-l im Auge. Er wollte sie ins Hotel lühreu. 
Er versuchte sie zu küssen. Das Mädchen wehrte ab. „Was glauben Sie von 
mir? Ich bin ein anständiges Mädchen. Ich bin arm, aber ich bin keine 
Dii-ne." Plötzlich sah das Mädchen auf die Uhr und sagte: „Ich muß um 
VJO, spätestens um JO zu Hause sein." Er begleitete sie nach Hause imd 
i'rug, ob er sie wiedersehen könne. Das Mädchen meinte, sie wolle es dem 
Zufall überlassen. 

Dieser Vorfall war eine arge Demütigung für ihn. Er <*mpfand diese 
Antwort als Zurücksetzung. Er ist gewohnt, alle Menschen zu erobern die 
er erobern will. Und die kleine Jüdin, die er so leicht genomm-'n hatte 
zeigte so viel Widerstandskraft. Ist er nicht so Uobenswert und so anregend' 
dali jedermann glücklich sein sollte, mit ihm zu verkehren? 

I Nun gingen die Gedanken auf meine Person, Er empfindet es als 
Herabsetzung, daß ich ihn analysiere und ganz auf jeden privaten Verkehr 
verziehte. Ich lasse ihn nicht an der Intimität des Hauses teilnehmen Jm 
Traume rächt er sieh, er ist Mitglied meiner Familie, er sieht alle häßlichen 
Familieuszenen an, er ist aber diskret und macht so, als ob er nichts ge- 
sehen liättü. 

Noch deutlicher ist die grob materiale Deutung. Ihm fällt es ein daß 
der Streifen, der schmale Streifen zwischen zwei Besitztümern die Spalte 
zwischen den Hinterbacken ist. Der Garten ist der Anus, seine' Hosen sind 




T. . , , , . „ j , -t=<™8 durch eine Ab- 

sage. Er ist dann der junge Herr und kündigt mir die Behandlung 

Während die sexuelle Deutmig seinem Hirne entspringt mache' ich ihn 
auf die bevorstehende Beendigung der Behandlung aufmerksam 

Er lacht und meint, er wäre glücklich, endlich einen Arzt gefunden 
zu haben, der die Sache verstehe. Der junge Mann könnte auch jemand 
anderer sein. 

„Hat jemand diesen Ausspruch getan : ,Wenn noch einmal so spät i-e- 
gessen wird, >sO kündige ich und gehe fort!'?' 

„Naturlich", sagt er und springt auf, „das waren die Worte meines 
Bruders . 

„Welchen Bruders?" 

„Nun, meines älteren Bruders, der Selbstmord begangen hat" 

„Um wie viel Jahre i.st ihr Bruder älter?" 

„Etwa um 5 Jahre." 

..Können Sie das nicht genau präzisieren? Jahre und Monate" 

Er rechnet nach. Und siehe da: Die Altersdifferenz beträgt 5 Jahre 
und 7 Monate (5.7), während die \ltersdilTerenz mit einem anderen, lebenden 
Bruder 11 Jahre 5 Monate (11, o) ausmaclit. 

Die Zahlen hissen sieh folgendermalien erklären: W"ährcnd er 19 Jahre 
4 Monate alt war, hatte sein Bruder das Alter von 25 Jahren mid einem 
Monat. Sein eigenes Gewicht beträgt 135 Pfund! 

Die Daten des ersten Kingkampfes beziehen sich auch auf einen Bruder, 
und zwar au! den älteren Bruder. 



Die Hieiu^lypheii des Fetiscliisten. 



79 



Es zeigt ä i e h also d i o b o iii c r k o n s w e )■ 1 e T a t s a c ]i e, 
daß die Zalilen mit den weibliclion AVaden nichts au tun 
haben und nur die Alters- und Gewichtsdifferenz 
zwischen ihm und seinen Brüdern ausdi'ücicen! 

Die ganze Wadenspielerci ist Lug und Trug! Es handelt sich 
gar nicht um Frauenwaden. Es handelt sich um sein Verhältnis zu 
Reinen Brüdern. Wir wissen aus seinen Eizühlungen, daß hünioäexuelle 
Spielereien zwischen ihm und seinen Brüdern slal (.gefunden haben. Der 
Bruder führte ihn in den verbotenen Garten der Honiüsexualität. Nun 
ist der Bruder kühl, hat geheiratet und kommt für ihn als Sexualobjekt 
gar nicht in Betracht. 

Er war auf seine llriider wahnsinnig eifersüchtig. Er war eifer- 
süchtig, wenn sie untereinander zärtlicli und vertraulich waren und er 
ausgeschlossen war. Er war eifersüchtig auf den Vater und besonders 
auf die Mutter, bei der er der Hahn im Korbe sein wollte. Er wünschte 
allen seinen Rivalen den Tod. Und er hat das Schuldbewußtsein, daß 
er an dem yelbatmorde des Vaters und des Bruders Schuld habe, weil 
er ihnen den Tod gewünscht hat. 

Der Ringkampf der schwächeren mit der stärkeren Frau stellt 
seinen Kampf mit dem älteren (stärkeren) Bruder dar. Aber der 
jüngere und gewandtere siegt trotz des geringeren Körpergewichtes. 
Der Sieger besitzt dann den höchsten Preis, die Mutter, er darf ihr 
Leben teilen. Der um 11,5 ältere Bruder v.ohnt jetzt bei der Mutter. 
Das hat ihn aus dem Haus getrieben. Er will entweder den Bruder 
oder die Mutter für sich allein besitzen. 

Er trägt sich mit Mordgedanken. Er wurde Chemiker, um Leute 
aus dem Wege zu räumen. Auch in diesem Tramno wird ein Mahl 
serviert, an dem er nicht teilnimmt, sondern zusieht, als ob es ihm 

nichts anginge. 

Die Wirkung der Aufklärung, daß die Zalilen die Altersdiff'erenz 
zwischen ihm und seinen Brüdern darstelle, war verblüffend. Ich habe 
im Leben noch nie einen solchen Eindruck der tiberraschung mitgemacht. 
Er war nicht freudig erregt, sondern stand da wie ein Verbrecher, der 
auf fi'ischer Tat ertappt wird. Er wurde rot, suchte nach Worten and 
konnte die Tatsachen nicht bestreiten. 

Ich hatte gemerkt, daß ich einen Fehler gemacht habe und rechnete 
damit, daß der „entzückte" Patient nicht mehr konnnen würde. Am 
nächsten Tage sagte er meinem Stubenimidchen, seine Mutter sei krank, 
ei' müsse nach Hause reisen und verabschiedete sich von ihr, mir nicht 
eine Zeile hinterlassend. 

Monate hörte ich nichts von ihm. Dann kam ein reuiger Brief. 
Ich sei der einzige, der ihn verstanden liät.tc, er möchte um jeden Preis 



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SPSJS^ 



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80 



Fetischismus, — üie Hieroglyphen des Fetif=cliistcu. 



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die Behandlung fortöetzen. Ob ieli ihm seine Flucht verzeihen könne? 
Seino Mutter sei inzwischen gestorben, seine Ahnimg habe ihn nicht 
betrogen. Jetzt habe er nur ein Ziel: die Wadenphantasien zu über- 
«'inden und gesund zu werden. 

Ich antwortete zuetiminend, da mich die weitere Analyse inter- 
essierte. Aber Roß und Reiter sah man niemals wieder! 

In diesem Falle sehen wir die echten Zeichen eines Fetischismus. 

1. Das System. Der Fetischist baut sich ein kompliziertes 
System mit allerlei verrückten und absonderlichen Liebesbedingungen. 
Dieses System enthält die Hinweise auf die Entstehung der Parapathie 
und auf seine Familiengescliichte. 

2. Der Fetischismus wird benützt, um dem geschlechtliehen Partner 
auszuweichen. Unser Patient hat bei Frauen keinen Orgasmus, er ver- 
kehrt sehr selten, obwohl er die Frauen mühelos erobert. Er bleibt bei 
keinem Weibe länger, er verzichtet auf sie — und bleibt bei seiner 
Onanie. Im letzten Jahre hat er nur zweimal einen Verkehr versucht 
und jedesmal einen Mißerfolg zu verzeichnen gehabt. 

.3. Der Haremskult. Er hat unzählige Photos von zahlreichen 
Favoritinnen, natürlich Wadenphotos, die er abwechselnd zur Onanie 

benützt. 

4. Hinter dem Fetischismus steckt die Zwangsneurose. Er zeigt 
den bekannten Impuls zu suchen, zu laufen, was wir schon als einen 
Impuls in die Vergangenheit erkannt haben. 

5. Er ist fromm und macht aus seiner Frömmigkeit seinen Feti- 
schismus. Er ist innerlich fromm, äußerlich ein Freigeist, der die Mit- 
glieder seiner Familie zu neuen ethischen Religionen bekehrt. Der 
Fetischismus ermöglicht ihm eine Abkehr vom Weibe. Er kompliziert 
die Bedingungen immer mehr, bis er schließlich die Realität ganz ent- 
wertet hat. Denn wann wird unser Kranker Gelegenheit haben, einem 
solchen Ringkampfe beizuwohnen? 

Interessant ist, daß er diese Ringkämpfe meidet. Obwohl gerade 
in dieser Zeit in Wien Damenringkämpfe ausgefochten wurden, blieb er 
* zu Hause, angeblich um nicht seiner Paraphilie ganz zu verfallen. 

Wir wissen es besser. Die Ringkämpf er innen interessieren ihn 
gar nicht. Es ist der Ringkampf mit seinen Brüdern, der Kampf um 
die bessere Stellung im Leben, der Kampf um die Liebe der Mutter 
und um die Liebe eines jeden seiner Brüder, der ihn permanent be- 
schäftigt und zu jeder Arbeit unfähig macht. 



- 



V. 

Fetischismus und Inzest, 

Ein besonders wichtiger Fall von Fetischismus gelangte in die 
Beobachtung von Dr. Sigg. Der Autor, der den Fall in der Jahres- 
versammlung der Schweizer Psychiater (1914) vorgetragen hat, stellte 
mir das noch nicht publizierte Referat für dieses Buch zur Verfügung. 
Infolge des Krieges verzögerte sich die Drucklegung meines Werkes, 
das schon 1914 fertiggestellt war. Ich vertiefte die einzelnen Teile und 
fahndete nach neuen einschlägigen Fällen. Die Arbeit von Dr. Sigg 
wurde durch meine Vermittlung in der Zeitschrift für Sexualwissen- 
schaft unter dem Titel „Zur Kasuistik des Fetischismus" (1915) mit 
einigen ergänzenden Bemerkungen von mir („Ergänzende Bemerkungen 
zum Falle von Dt. Sigg", ibidem) publiziert. Ich bringe sie mit seiner 
Autorisation an dieser Stelle, da der Fal) ganz außerordentlich inter- 
essant und lehrreich ist. Ich lasse also Dr. Sigg das Wort: 

Fall Nr. 19. „Mit 4 Jaliron ist der körperlich gesunde, intelligente, jotzt 
30jährige Patient zu den Eltern ins Bett gegangen; man epielte zusammen. 
Er habe sich die Muttor immer mit einem Penis vorgestellt, bis er durch 
die kleinere Schwester eines Besseren belehrt wurde. Habe sich mehr an 
die Mutter als an den Vater gehalten, weil sie sanfter war. Bis zum 7. Jahre 
schlief er im Nebenzimmer der Eltern. Seine Mutter habe er mit Vorliebe 
am Halse oder auf der Brust geküßt; er habe auch gerne an seinem Peni;? 
herumgospielt, habe aber dafür immer Schlage bekommen. Es habe geheißen, 
wenn er das weiter mache, so wachse er nicht mehr. Als er mit 4 Jahre» 
eine Schwester bekam, glaubte er noch an die Storchfabel, im Gegensatze 
zum 11. Jahre, zu welcher Zeit er bereite Bexuell aufgeklärt war und wußte. 
woher seine neugeborene Schwester stammte. Erinnert sieh nicht, je seine 
Eltern nackt gesehen zu haben. Obschou er eich Mühe gegeben, die Eltern 
nachta zu belauschen, habe er nie etwas Besonderes wahrgenommen. So sei 
er durcli die zweite Schwangerschaft der Mutter (er war 10 Jalire alt) über- 
rascht worden. 

Als Knabe war er unordentlich, wasserscheu, unselbständig, nicht spar- 
sam. Einen sehr etrengen Onkel hat er seiner Schläge wegen sehr (gefürchtet. 
Spielte mit 4 Jahren gern mit dem Penis, schob ihn mit Vorliebe ganz ins 
Skrotum zurück. Sei mit 6 Jahren einem Mädchen nachgegangen, habe es 
„heiraten" wollen. Mit 7 Jahren war er viel mit einem etwas jüngeren 
Vetter zusammen, man onanierte nmtuell, preßte eich den erigierten Penis 

Stekul, Slüriingen d<i Tri«''- und Affuklli.l.Biis. VII. 6 



g^J^iSJ^ ' 



82 



Ketisrhismuj. 



11 









zwischen dic! ObeI■Bche!lk(^l dos anderen, man spielte „Vater und Mutter''. 
Neben dieKon uiuiniBtiödieu Manipulatiimeu liaUe zu dieser Zeit bereits etwsÄ 
anderes eine sexuelle Lustbetonung, das der Fatient aber stets geheim hieli. 
„aus Furcht, es könnte aufkommen-'. 

Mit Ö Jahren gab er einem inneren Verlangen nach den braunen Leder- 
handschuhen der Mutter nach, nahm sie zu sich, preßte sie sich im 
Bette zwischen Anus und Skrotum fest gegen den 
Damm, nog sie an und onanierte damit. Die Tatsache, daß sie gerade der 
Mutter gehörten, boR keine ItoUe gespielt haben. Lr habe sie „des Gefühle.-^ 
wegen angezogen", liabe „ein angenehmes Gefühl" gehabt; „das Fühlen 
des Leders machte mir Freude", Damit sei sicherlieh etwas Sinnliches ver- 
bunden gewesen. Im selben Kasten fand er Gummischläucho zu Inügtilureu, 
die er entweder mit sich, wie die Hundschuhe, in der Tasche heruintiug ^'dl^r 
gelegentlich in unbewachten Augenblicken ebenfalls gegen den Damm preiste 
oder den'-Penit; damit umwickelte. Dabei habeer einen „angenehm tm Schmerz" 
empfunden. . Um diese Zeit begann. er sich auch für die llaudsehulie von 
Mädchen au interessieren,, engagierte im Tanzkurse nur Mädchen, die Glace- 
handschulie trugen. Graue Handschuhe gefielen ihm recht gut, während ihn 
die .wollenen der Lehrerin absolut gleichgültig ließen. Er betrieb dabei 

täglich ^seihe Onanie. 

■ . Im 12. Jahre bemerkte er die erste Kjakulation. Bald daraul bekam 
auch der Handschuh eine noch ausgesprochenere sexuelle Bedeutung. Fühlte 
er das Leder der Handschuhe, so kam es ku einer Erektion, er dachte an 
Mädchen, die diese' tragen könnten; Koiiusideen will er damit nicht ver- 
bunden haben. Auf Spaziergänge!) zählte er die Anzahl der gesehenen Hand- 
eehuhe Meine Augen wa.rCn wie sefesselt.'^ Sein Hauptinteresse galt den 
schwarzeh oder braunen Handschuhen. Seidene oder gar weiße machten gar 
keinen Eindruck auf ihn. Um die gleiche Zeit kam es beim Raufen mit 
anderen Knaben zur .Erektion, auch beim Klettern stemmte er sich mit v\ol- 

lust an den Baumstamm. "1,1 1 

ZüHause gefundene Guraraisonden benützte er, um seine UreUira Dis 
in die Blase zu sondieren und spürte dabei einen „angenehmen Schmers ■. 
Selbstgemachte Rektumeinlaufe behielt er, wie auch den Urin, m.jghchst 
lange Zeit zurück. Wie für ihn. das Berühren von Leder der Haudschune 
oder von Gummieachen lustbetont war, so roch er gerne an diesen Sachen, 
bestreitet aber, je an seinen Exkrementen und deren Geruch ein Intei-esäc 
gehabt zu haben. Seine Hauptintention ging darauf hinaus, möglichst olt 
mit Gummi oder Leder in Kontakt zu kommen. (Irgendwelche Liebschaften 
pflegte er nicht, er war sehr stolz darauf, ein Knabe zu 6ein.)_ Mit \'orliebe 
blieb er möglichst lange auf dem Abort. 

Mit 16 Jahren bekam sein Autoerotismus schon weitere Grfenzcn. Er 
verwendete elastische Bänder von Schachteln dazu, sie zusammenzubinden 
und damit den Penis und das Skrotum zu umbinden oder er schob den Penis 
ine Skrotum zurück. Auch Schläuche benutzte er dazu. Mit der Zeit band 
er diese Gegenstände in ganz bestimmten Touren um die Penisi^Tirzel, das 
Skrotum oder um beides. Dabei legte er großen Wert darauf,, daß der 
Damm gedrückt wurde. Aus diesem Grunde befestigte er daselbst über nuß- 
grolie Knoten, um fortwährend den Druck gegen das Perinäum zu spüren, 
„ich hatte so immer etwas Schmerzen, aber es befriedigte mich". 

Diese neben der täglich ausgeführten Masturbation betriebenen Hand- 
lungen hatten mit der Versetzung in ein Knaben insti tut ein vorläufige? Ende. 



FflisciiisinuB iitul Ijj:;ost. 



Sit 



HiUe bei- 

zu BeLt, ■"■ill 

geiiioint, ,,es 



Immerhin versuchte er Ihuidscijuhe mit ^ich ins Bett bis zu deren Ent- 
deckung zu iiL'iiiiiGn. Dagegen brachte er es mit der H a r ii- 
r c tentiou so weit, daß schlielilicli ärztliche 
gezogen wer d c n ui ii li t e. Piitient lüg dii G Wochen 
aber au einer Aiii)enili/,itis gelitten haben. Der Arzt habe 
komme von der Onanie". 

Vor der Abreise in d\is Institut huL er mit einigen Kameraden jiiie 
Dinie aufgesucht und d;i vAun ersten Male lioiLiert. Seither drehten sich seine 
i'iiantasien beim Onanieren oit UJn die nonoaigedlillte lierriedigiing. Er ,^ing 
iiuch Mädchen nach, habe es aber bei unsehnldigen Liebeleien bewenden 
lassen. In der Fienide benutzte er dann seine Freilieit, um den Handschuhen 
wieder erneute AuiiiieiUfsanikeit xii sclienken. Er machte Bukanntschaften niil 
Uainen, die braune oder schwarze neue Handschuhe tnigen, verschenkte solche 
und verlangte sie imch einiger Zeit wieder zurück. Beim Spazieren war es 
sein größtes Vergnügen, die Jlandscluihe seines Mädcliens in seiner IJand zu 
spüren, er i'ühlte sich sexuell bei'riedigt und erregt. Ein Schaufenster 
eines S a n i t a t s g e 6 c h ä f t e s war für i ii n einer d e r g r ö ß t e n 
Genüsse. Er kaufte sich schwarze Irrigutorenachläuche, band sie sich 
nach der früheren Gewohnlieit (ourenweise um Penis und Skrotumwurzel, 
tiiig sie bei sich in der Tasche oiicr nahm sie ins Be1t. Er iiiiichle auch die 
Bekanntschaft eines älteren Herrn: es kam zu etlichen mutuellen Mastui- 
bationcn. In seinen Phantasien bct^chä ftlgte ihn dieser Herr noch oft. 

Nach Hause zurücl^gekehrt, machte er in verschiedenen Vereinen :nit. 
war in Komitees, turnte, epielt« Theater, übernahm Frauenrollen, trieb etwas 
Musik, litt aber immci' unter seiner reclit labilen Ötinnmnig. Im Grunde 
genommen war er menschonscheu, nie mit sich selber Kufrieden, hatte ölter.s 
Suizid f^erianken. 7,n Hause war er meist verslimnit. Während er als Knabe 
mit Eiter Indianergesclnchten gelesen hat, so interessierte er sich jetzt immer 
mehr für den Sadismus des Mittelalters, wo mit Folterwerkzeugen gequält 
«uj'de; er schati'te sich solche Lektüre an. Daneben kaufte er sich innuer 
reiclilichei- Gnmmiwaren ein. Mit langen Scliläuchen machte er Achtertouren 
um ilül'fen und Skrotum, hängl-e Präservativs um, rollte eine Bettflasche aus 
Gummi um Penis uiul Skrotum, stieß Schliiui'he in den After, machte fcich 
große Einlaufe, schob Sonden in Nase und Obren. Um seine sadistischen 
Gelüste zu befriedigen, suchte er mit Vorliebe verschiedene Museen auf 
und konnte sich von den Follerinstrnmenten fast nicht mehr trennen, um 
nachher sie in seinen Phantasien weiter zu gebrauchen, in denen er sich selber 
als Folterobjekt vorstellte. Zur gleichen Zeit hatte er ein se->;uoll normales 
Verhältnis, bei dem er etliche Male in der Woche normaliter koitierte. Da- 
durch Rei' die Onauie etwas znriiekgedrängt worden. Er hatte da auch _ 
weniger das Bedürfnis, seine Gummisammlung mit sieh herumzutragen. " 
Er niachfe viel Militärdienst, ohne seine Fetische mit sich zu nehmen. Wie 
sein illegitimes A'erhältnis zu Ende ging, nahm or wieder Zuflucht zu seiuen 
früheren Gepflogenheiten, er kaufte sich immer mehr Gummi ein, onanierte 
mit einer Urinflasche aus Gummi, trug sie am Tage bei sich, indem er 
Penis und Skrotum in die Üflnnng zwängte und so befriedigt herumlief. „Ich 
habe so anhaltend Wollust empfunden." Vor sexueller Infektion liatte er 
große Angst, las viel über Syphilis, will auch ans .liosem Gnmde den nor- 
Tnalen Verkehr beschränkt haben. 

Seine onanistiseheu Handlungen steigerten eich von Jahr zu Jahr. 
Dabei war es nicht sein Bestreben, es zur Ejakulation kommen zu lassen. 

6*: 



M 



Fetischismus 



fi 



sondern die Hauptsache blieb immer die mit der Onanie verbundene Phantasie, 
wie er reich sein werde, eine schöne Zukunft haben werde usw.; oder er 
phantasierto von Folterungen, die man an ihm vollführte. Er will ganze 
Nächte onaniert und dabei masoehistische Sachen gelesen haben.') 

! Schließlich verlobte er eich, hatte dabei im Auge, für sein Geschäft 
eine geeignete Kraft zu bekommen. Während der beiden Vcrlobungsjahre 
betrieb er seinen Gummi- und HandechuhfetiBehiemus weiter, er ,.wollte es 
noch recht ausnützen". Der Braut gegenüber wußte er seine, mit sich ge- 
führte Gummi sannnlung zu vertuschen. Bald nach der Heirat erwischte die 
Frau seinen Taschenvorait, merkte auch, daß es dci- Mann mit der Ordnung 
und Sauberkeit nicht genau nahm. Seinem Verlangen an sie, beim Ausgehen 
immer Handschuhe zu tragen, widersetzte sie eich. Nach 4 .Jahren konsultierte 
man verschiedene Spezialisten, die eine trübe Prognose stellten. Dabei litt 
die Frau unter den vielfachen Verstimmungen und den vielen Streitigkeiten, 
die entstanden, wenn sie den Mann bei seinen Gummispiclereien ertappte. 
GcschäftsreisGu und Ferien benutzte der Patient, um seinem geheimen feti- 
schistischen Verlangen nachzukommen, oder anderweitig zu verkehren. Die 
Frau gebar drei Kinder, von denen das jüngste schon im zweiten Jahre durch 
starken Sexualtrieb und „Spielen am Gliede und Erektionen" auffiel. 

Die Hoffnungen, die er sich einst gemacht haben will, durch die Heirat 
von seinen Pervereitiiten loszukoramen, erfüllten eich keineswegs. Die Frau 
befriedigte ihn bald nicht mehr. Dabei int«ressierten ihn die Handschuhe 
mehr als je. In der Straßenbahn nahm er mit Vorliebe einen Platz ein. wo 
er alle Damen übersehen konnte. Auch in Theater oder Konzerten schaut.e 
er nach den Handschuhen aus. Sieht er neue braune oder schwarze Damen- 
handschuhe, Eo steigt gleich der Wunsch in ihm auf, diese in seine Hand zu 
nehmen das Leder zu berühren. Er meinte, daß er nicht zu anderen Frauen 
gegangen wäre, wenn seine Frau die ihr oft zurechtgelegten Handschuhe zum 
Spazieren angezogen hätte. Er drohtß ihr daher oft, wenn sie sich weigere, 
gehe er zu solchen Frauen, von denen er wis.se, daß sie eemem \\ unwche 
willfahren würden. Die Handschuhe haben dermaßen auf ihn gewirkt, daß 
er immer ei^t die Augen habe reiben müssen, um den Blick von ihnen ab- 
wenden zu können. Gleichzeitig habe er gewünscht, mit solchen Handschuhen 
onanieren oder sexuellen Verkehr mit deren Triigem pflegen zu können. 
Sie müssen ganz straff anliegen, es darf keine Falten geben, 
sie müssen absolut sauber sein; defekte kann er nicht sehen. Auch gewohn- 
liehe' Handschuhe aus Hirschleder interessieren ihn keineswegs. Verschenkte 
Handscliuhe, die er wieder zurückverlangt« und sie gegen andere austauschte, 
trug er mit Vorliebe in der Tasche bei sich. Er schloß sie in das Innere 
eeiner Hand, drückte, rieb beständig daran herum und war dabei befriedigt. 
Er konnte lange Zeit Damen mit neuen schwarzen Handschuhen nachgehen 
und so seine beruflichen Obliegenheiten ganz vergessen. Immer aber drückte 
ihn das beängstigende Gefühl, dabei von Bekannten er^^ischt zu werden. So 
hatte er im Theater beständig Angst vor seinen Blicken auf Handschuhe. 
Er zog sich zu Hause selber Handschuhe an, onanierte dabei, aber v.wr, 
wenn er sieh sicher fühlte oder im Bett, wo er auf raffiniert© Weise seine 
Frau zu täuschen wußte. Beim Grüßen mußte er eich immer 
erst die Hände reiben, abwischen, nachsehen, ob ^ie 
trocken seien. Der Frau gegenüber machte ei' immer wieder Ver- 



') Vide den Biichcrauszug. 



lua^d 



PcliEchiGmus uiid lu^iCGt, 



85 



eprechungBn, war aber nie imstande, sich seiner Handlungen zu enthalten. 
In seinen onaiiistisehen Phantasien spielte seine Frau keine Eollej er sah 
sieh als reichen Geschäfteraann, träumte von rapider Entwicklung seines 
Geschäftes usw. 

Bald begann er sich fiir sadistische Literatur zu interessieren, kaufte 
eine Menge entsprechender Bücher und vergrößert« beständig seine Fetitich- 
tammlung. Er halt« auch eine Maitresse, die aber für perverse Betätigungen 
nicht üu haben war. Beim Verkehre mit seiner Frau befriedigte ihn immer 
mehr, was er dabei phant^asicrte. Er bcfriedigt4? üie, nicht aber sich. Einige 
Male urinierte er ins Bett. Auf seine außerehelichen Verliältnisse 
will er immer durch die Handschuhe gekommen sein. Er fühlte sich, je länger 
er verheiratet war, desto mehr als Sklave seiner Frau und doch wollte er 
ihr nicht nachgeben. Die vielfachen Zwistigkeitön und jene Momente, wo 
er eich ertappen ließ, waren in einer Beziehung auch für ihn wieder lust- 
betont. Er sah seine Frau am liebsten in Unterklcideni, liebkoste sie, hatte 
auch nach dem Essen vielfach das plötzlieho Verlangen zu sexuellem Ver- 
kehr. In seinen onanistischen Phantasien stellte er sich oft vor, als werde 
er von ilir gestraft und geprügelt. Und doch litt er wieder sehr unter den 
Streitigkeiten mit der Frau, auf die er sehr eifereüchiig war. Er hatte immer 
Angst, sie suche sich einen Ersatz, da sie ihm gegenüber öfters ihre vielen 
Bewerber rühmte. In seinen suizidalen Vorstimmungen habe er nie an einen 
Sriijstraord denken können, ohne den Vorsatz, vorher seine Frau zu töten, 
damit sie sich nicht noch einmal verlieiraten könne. Zu außerehelichem Ver- 
kehre paßten, sofern keine perversen Züge ihn anzogen, magere schlanke 
Gestalten, nicht aber Weiber von männlichem Habitue. 

Ging er auf Reisen, so schickte er im Verborgenen immer seine Fetisih- 
eiiinmlung voraus und freute sich kindlich auf die Nacht, wo er ungestört 
6ich selber leben konnte. Es war eine große K-a r to ns eh a eh tel 
mit: Magen son den. I r r i g a t o r en s chl ä u ch en, Gummi- 
flaschen, langen schwarzen Strümpfen, Badehauben, 
Eisbeutel, Präservativs und einigen Dutzend An- 
sätzen zu Pravaz spritzen, ferner fanden sich da Ledei- 
schürzen, ein mit Leder gefüttertes Korsett (selbst 
angefertigt), Ledergamaschen, cino Ledermaske über 
den Kopf mit Öffnungen für Augen, Nase und Mund, 
Lederärmel, die von der Schulter bis zu den Fingern 
reichten, und s c h w a i- z e L o d e r li a n d s c h u li e sowie eine 
Menge geBamra elter Handschuhe und kleiner Gumnii- 
ai'tikel, die er sich auch unter das Kissen legte. Patient 
eagt selber, er habe immer cjncn möglichst engen Kontakt mit dem Lcder 
gesucht und zwar habe alles möglichst fest auf der Haut aufsitzen müssen. 
Patient' war ein loidenschaftüchcr Raucher, kein eigentlicher Trinker. Immer 
epricht er vom Damme als seine am meisten liistbctonte Gegend am ganzen 
Körper Bevor er eich in seine Lederklcidung stürzte, die er eich aus feinstem 
Handechuhleder selber verfertigt hat, preßte er mit Schläuchen zusammen- 

Damm, legte Schläuche und elastische 



gerollte Handschuhe gegen semen - . , o 

Binden um Hüften und Genitalien. Er bevorzugte den Gummi zwischen den 
Beinen da dieser waschbar i,st„ wechselte überhaupt seine Utensilien ölters, 
um immer am Neuen dort wieder gleiche Befriedigung zu haben. Die mit 
warmem Wasser gefüllte Gummiblase legte er sich an den After, band 
eich die Füße zusammen. Alles am Körper mußte straff anliegen, 



m 



86 



Felisciiismiis. 



IM. 



il : I' 



wüKu eine Monge Uiemen Iwiiutzt wurden. Schließlich bedurfte ei-, um vöüig 
berriedigt zu sein, einer stundenlang anduucnidcii Onanie oline lijitkulation 
deren ungesunden Einiluß ci- immer fürchtete. Als Lektüre dienten ihm 
dabei meist „les üaiits de l'Idole- oder ähnliche pausende ininderweidige 
Komane. Wenn möglich, stellte er vis-k-vis soinom Bette einen Spiegel -ml 
um sieh darin betrachten -m können. lir meint selber, der Gummi habeVür 
liin mehr sensible, das Leder optische Bedeutung gehabt. In hicU sagte 
ilim die Ansicht von Lcder und Haut am meisten zu 

Tagfiiber legte er sieh Schlauchansätze in den Aller und ging .0 herum. 
Ion Penis huilte er mit Vorliebe in Präservativs und hielt den Urm möglichst 
lange Zeit zurück. An das Orihcium urethrae brachte er Hpntzen «nt Oliven, 
J.re itti Wasser bis 11, d,e Blase, nachdem er sich vorher mit bloßen UretiLral- 
spulnngen begnügt hatte. Seinen Penis drückt« er mit Vorliebe gegen harte 
..egeustandc oder klemiiite ihn ein. Die Erektion beim matrimoniellen Koitus 
blieb nur bestehen, wenn er beständig in die Dammgegend gezwickt wurde 
Zu eine,- Ljaen atio praecox ,st es nie gekommen. Seine passive und auch 
etwas aktive Algolagnie wnrde durch den Verkehr mit einer gleichermaßen 
.erver-sen Frau sehr unterstutzt. Immerhin behielt seine Passivität die Ober- 
liand. hr ließ sich fast blutig schlagen, ireute sich nach dem Schlafen m 
dem „warmen Gefühle-, das er mit einer Bekleidung mit wannen "noseo 
verglich. Lr ließ sich ,« Kreuzstellung mit nach b e ■. 
gewendetem Rucken aufs Bett schnallen. Bei der Geifie 
lung SCI es zu keiner Erektion gekommen, „ich ließ mi^h 
Kchlageo wcd SIC Freude daran hatte". Nachher wurde die gleiche Piozednr 
an der Dirne gemacht und beim Schlagen etwelche Wollust empfunden Sie 
stachen s.ch gegenseitig gegen 20 Nadeln in Gesäß und i:)t3er.schenkoI froiaen 
s.ch, wenn es zu heltigen Blutungen kam. Allein fesselte er sich aucL L 
K-l.^ dann in seiner- Phantasie alle n>öglichen Prozeduren, wie Kaitwa^se. 
di che, bei der genngsfen Bewegung in Funktion treten, Ey ^.imtXu 
.eiber ni.t seinen Magensonden über Pückeii, Gesäß und ObeAciienl elL 

^ach diesen &e 1 bs tgoi ß e 1 un g c n betrachtete er sich 
ir'wtü-g,'" - SP-g^l- Seine Petischistin habe er daberoft bei- 

schtießlieh t""' '"^T" ■^'■^" ™tf™idete er sich immer mehr. Er wurde 
M^hließl cti ihr gegenüber impotent, simulierte Befriedigung bis ihn die lus- 

wa?"^! :.?:,"? ""'t f ° ?^^^ "^"^ Fetisch-Onanh. nthrme ögS 

lniU4 1 ieh, I"^^' Beobachtung seitens der Fran mußte er seine au(,^er- 

L d t h<^r^^^^^^^^^^^^ a-ifgeben. Um so meiir war er an die Gummi- und 

LedLi sacht n geiesse t, konnte nicht mehr ohne sie existieren er kaoselte 

r rHei^'p^iirS^t.^^'" -'- ^^--''^^^--^ «eiSs^G^Sn;: 

Wegen der Nachstellungen seitens seiner Frau versteckte er .einen 
Vorrat in seinem nahegelegenen Landhause, trieb sich dort als Um diS 

.sich immei mit Leichtigkeit alles deeaen enthalten 
was Ihn im privaten geheimen Leben f ess el te Dago' n 
M'uJite er immer Damenbekanntschaften zu machen, diese mit seLm Hlrd 



^ 



FettBchisinus imd' Inzest. 



87 



fichnh H.,sch,s,nu,s zu tegriinden. (Mit Vorliebe suh or auch Vi,.], .dikcliten 1 
rroizdom er emle.den.chafaiche,- Raucher war, benutzt.- er Je ei f W 
ansal. ar mod,U> . ui zwischen deu Zähueu „icht leide«, er hatt« auch sehi 
Urg„ugc.n daran, dio Zigarren auf uun,erkliche Weise z« k^t^ n An den 
Bio .t.lteu dagegen w,]i er nie gekaut haben. Hatte er tagsüber keine Gmnm" 

lejj seine. Hemdes dermaßen an den Damm leeen daß er 
1 TZ "'"'" ''K Q--Pl-n<asieu wurden immer w, htfg , 'rir' du. 
bkl.ne bn.lalettT EuigrilTe, er sah sidi am liebstem an den Püßeu 

m tn «-L. ^^^'^^'"^f ^' ^°" ^"^^ ^««^h eine gewisse Freude daran gehabt 

dim>. .Sicbertappenlassen" eine eminente Holle. Kr war oft 
suilochlor Lanne. verkehrte immer weniger in Gesellschaft, litt imter dem 
steU'ii uuiuotivierten Stimumngs Wechsel. Nach seinen Exzessen war er be- 
sonders emiJÜndlich. konnte wegen geschäftlichen Kleinigkeiten fcagelanR 
nichts mehr reden. Irgendwelche Neigung zu Männern will er eeit seiner 
Jugend nie mehr gehabt liaben. 

Der körperlich völlig gesunde, ^ehr intelligente Mann im mittleren 
Alte,' könnt« s,ch unter Sedobrolbeh.ndlung mit wenigen Ausnahmen sehr 
Sd. 'l^d.^rrT" "'^^''^''"■. P^'^-'-S«" l''«""te er im Gespräch nie seine 

vern h ^ 'f"^™"\f:f*^ ''" ''^'^ ^^" Cxenitalien. Sein Äußeres 

^ernachhi.s gtc er anfangs autfallend, war aber im Verkehr völlig ungehemmt 
nrnsizim-t*, tanzte mimt.rto andere Patienten auf und wurde .schlief ein 

anSTn ?''"■■ '" T™ ^^^^^""' '™*^' «'• nichts mir ha ^ 

anfang. i uhe, sen, Interesse von den Handschuhen abzulenlam. Sein; Lieb- 

ingebeschattigung bestand in der Korbschnitzerei, in der er erfolgreich ar^ 
be,l^te. Von Tgendwehdien schizophrenen Sympton.en war nie etwas zu b^ 
merken er war aber .m Introvertierter. Seine freien affektativen Reak- 
tionen holen semer Lmgebung immer sehr auf. Er verfügte über eine -m- 
halunide Initiative zur Unterhaltung. Er wünscht« sehr sein Leiden los- 
zuwerden, mußte aber leider allzu Iwild wieder des Geschäftes wegen zunivk 
nachdem man vorher seinen giuizon Fotischvorrat und eine aus zirka fünfzig 
iJüchein perversen Inhaltes bestehende Bibliothek entfernt hatt«. Zu einer 
KohabitatJon mit seiner Frau kam es zuerst nicht. Infolge seiner Launen- 
haftigkeit gab es anfangs imhaltbare Zustände zu Hause. Ich fürchtete ein 
Kezidiv, bis er mich plötzlich aufriuHite, mir die Ei'huibni,'^ zur wissenschaft- 
lichen Verwertung des Falles ei-ieilte. Er lebe glücklich mit seiner Frau ni- 
sanunen, vorkehre normal imd befriedigt sich dabei, arbeite mit großem 
Eifer in seinem Gescliäfte. Selten könne er dem Onaniedrang nicht wider- 
stehen und müsse noch einen Handseliuh in der Tasciie tragen. Irgendwelche 
weitere Fetische habe er nie benutzt. 

Wir haben einen Menschen vor uns, der von Jugend auf immer onanierte. 
Auf der Onanie hat sich seine ganze Perversität aufgebaut. Sie wurde durch 
die fetischistischen, masochietischen und sadistischen Triebe noch e\tra lust- 
betont, in ihr gipfelte aber je länger je mehr seine ganze Sexualität. Stelcel 
hat wohl recht, wenn er den früh infantilen Erinnerungen nicht allz« großen 
Glauben schenkt. Es können nach ti'ä gliche Produkte sein. Als grundlegendes 
Moment finden wir beim Patienten mit 9 Jaliren ein großes Interesse an 
"den Handschuhen der Mutter, die er gleich zum Petißch machte, sie gegen 



f 



88 



Feiiscbismus, 



euine Genitalien prelJte, damit onanierte oder sie bei sich trug. Was aber 
die direkte Ursache dieser ereteii perversen liichtung war, darüber konnte 
keine Klarheit erhalten werden. Ob die Tatfiache, daß dies» Handechuhe 
der Mutter braun waren, nun dazu geführt haben, den späteren FetieehismuB ' 
für Handschuhe auch auf die braune Farbe zuzuschneiden, weiß man nicht, p 
Es wäre möglich, entbehrt aber des Beweises. Von Interesse ist, daß dieser ■ 
Handschuh außer am Penis noch am Damme die größte sexuelle Lust er- 
zeugt© und daß dieser primäre autoerotieche Ort für das ganze spätere iier- 
vere© Leben des Patienten immer die gleiche gi'oßo Bedeutun;; beibehalten 
hat. Das Leder machte in Jener Gegend mit der Zeit aus Reinlieh koits- und 
Billigkeitsgründon dem Gummi Platz. An stelle des früher bloßen Hand- 
schuhknäuelß kam es zu immer komplizierteren Applikationen, die alle auf 
den „angenehmen Druck" gegen den Damm hinausgingen (Koitus- 
phantasien). Er wünschte sich seinen „angenehmen Schmerz" und war damit 
befriedigt. Von einfachen Touren um Skrotum und Penis schritt er zu kom- 
plizierteren Dreiertouren, schließlich wickelte er in Achtertouren Hüften und 
Genitalien ein. Damit dehnte er seine erogene Zone schon bedeutend nach 
oben aus. Immer richtete er die Tendenz auf eine möglichst intensive Be- 
rührung des Leders mit der Haut. Diese Erotik fand auch auf alle irgendwie 
zugänglichen Schleimhäute ihre Ausdehnung. Es kam zu Sondierungen der 
Urethra und zu Blasentipülungen, zum Einkeilen von Gegenständen in den 
After und zu großen Rektaleinläuten, zu Nasen- und Magenspülungen und 
zum Verstopfen der Ohren mit Gummi. Schließlieh mußte die ganze Ilaut- 
oberfläche den Fetisch spüren. Mit Korsetts, Gamaschen und Binden kapselte 
er eich förmlich in Leder ein und fand in dieser Zwangslage seine Befriedi- 
gung resp. die günstige Vorbereitung zur genußreichen Onanie. Dieser liaut- 
fetisch mußte die Beschaffenheit seines ursprünglichen Sexualfetisch h;)beu. 
welch letzterer sein ganzes perverses Leben dirigiert hat. Vom HanAscliuh 
verlangte er, der sein Äußeres je länger je mehr vernachlässigte, peinli.-he 
Sauberkeit, desgleichen von seinen übrigen Utensilien. Die Lust war im 
Fetisch am größten, wenn er einschnürte, ein Verlangen, das schon beim 
Handschuh existiert hat. Das Gezwungene, Gepreßte, Einschnürende gehi 
durch die ganze Pci-vereilät hindurch. Der Zwang erhöhte den fetischistischen 
Genuß. Nur zu Zeiten, in denen er aus äußeren Gründen dieser Zwangiust 
nicht nachkommen konnte, genügte ihm der unsichtbare Kontakt mit dem 
Fetisch in Taschen oder unter den Kleidern. 

Neben dieser fetischistischen Richtung hat sich aber seine normale 
Sexualität ungehemmt entwickelt. Schon mit 17 Jahren kam es zum ersten 
Koitus und seither während vieler Jahre recht reichlich. \\'enn Patient be- 
hauptet, daß bei seiner Verlobung, die auf einem Balle stattfand, die Hand- 
schuhe auch ihre RoUe gespielt haben, so war jedenfalls doch die Tendenz-, 
bewußt und unbewußt. Aussehlag gebend, eine wackere Stütze im Geschäfte 
zu finden, um sieh um so eher seiner Perversität widmen zu können und um 
eich um so weniger um seine beruflichen Pflichten bemühen zu müssen, "b- 
schon während der Verlobungszeit seine abnorme Triebriclitung auffiel, so 
kam es doch zur Heirat, d. h. zur Sicherung des Geschäfteinteresses. Soweit 
wußte Patient doch sicherlich seine Lage zu überblicken, daß er es mit 
seinem Wunsche, eich noch vor der Heirat ausleben zu wollen, nicht ernst 
meinte. Die außerehelichen Beziehungen blieben auch nach der Heirat be- 
stehen, wurden sogar zum Ersätze der eheliehen sexuellen Gemeinschaft, die 
jede Fetisehbeimisehnng, soweit man sie nicht noch als normale betrachien 



FetiEchismuB nnd Inaeet. 



89 



kann, unmöglich machte. Mit der Zunahme der maeochisüschen und sadieti- 
ßchen Beigaben einerseite rückte er andrerseits immer weiter vom eigenen 
Weibe ab. Seine berufliche Minderwerügkeit wurde von der Frau zur ge- 
nüge kompensiert. Die Frau veröchaflte ihm dadurch erst recht die fae- 
k'Snheit zu seiner perversen Freiheit. Sein Verliält^is mit einer Fetischiatin 
bildet* um mit dem Patienten zu reden, den Glanzpunkt seines perversen 
Trieblebens. Strenge und unaufluiltsame Drohungen seiteuB der eigenen 
Frau sowie Angst vor öffentlicher Bloßstellung zwangen schließlich den 
i'atieuteu, wieder Autoerotiker zu werden. Gleich zeiti g_ w u r de er 
auch impotent. Es resultierte schließlich jene eigenartig autietisch- 
perverse Selbstbefriedigung, wie sie kaum noch weiter ausgebaut werden kann. 
Jland in Hand mit der Zunahme der Impotenz stieg seine Eifersucht gegen- 
über seiner Frau. Nach der Entfremdung von seiner Frau genügte ihm noch 
einige Zeit eine andere mit perverser Veranlagung, bis er endlich da anlangte, 
wo ihm der Fetisch das Weib völlig zu ersetzen schien. 

Überblicken wir diese allmähliche Entwicklung dieser abnonnen Sexua- 
lität ihr Überwuchern über die nonnalen Triebe, so sieht man dcmi doch im 
Z-en eine Zwangeneurose im vollsten Sinne des Wortes. Wir haben es 
wie es äiet«! trefflich sagt, mit einer ^^ '^J! ^, ^ " '"„ ^*: "' 
Weibe zu tun. Es ist ziemlich sicher, daß auch im Falle, daß seine 
Frau eeiner Perversität entgegengekommen wäre, sie nicht auf die Dauer 

hätte genügen können. , , , . ,- i 

Mit dem von Abraham veröffentlichten korsettfctiechiemu^ bilden wu 
hier eine Menge Übereinstimmungen. „Meine Augen wurden wie von magischer 
Gewalt auf weibliche Schuhe gezogen, . . . ein uneleganter Schuh stoßt mich 
ab und flöllt mir Abscheu ein" sagt Abrahams Patient. W'ir brauchen statt 
der Schuhe die Handschuhe einzusetzen, so stimmt der Ausspruch wörtlich 
auf unseren Patienten. Auch spielte im HandschühfctiMhlBillus stets der 
Gedanke eine große Rolle, wie die Hand in dem eng anliegciidcri Handschuh 
zusammengepreßt werde. Das Interesse für der Mutter Korsett hatte Patient 
ebenfalls mit lb-18 .Jahren, er zog es sich eUiche Male im geheimen an 
und fühlte sich wohl dai-in. Seine perversen Neigungen waren gegenüber 
seiner Umgebung immer ein strenges Geheimnis If ' f JSr 
Sfecho Traumata konnten auch nicht aufgefunden werden^ Im Interesse fu 
der Mutter Handschuhe sk-ckte schon die Perversion, dagegen differe 
imeer Fall insofern von dem Abrahams, als hier die nomale Sexualität rocht 
früh zur Geltung kam. Die Regression zum Autoerotismus erfolg erst v el 
ITw Eine Zeitlang war sein Sexualziel vorläuhg auf die Handschuhe 
TSi sein sexuelles Verlangen ging nicht über das Betrachten respBe- 
mSu von Handschuhen hinaus. Seine Schaulust war ,n dieser Beziehung 
^eauße ordentliche, übereinstimmend finden wir m beiden FaUen eine^ 
eine *^/**'"™ . Ablehnung" bei unpassender Form oder Farbe des 

Seite die 'J'^^^*^,':'^. i^'^r Johe anspruchsvolle Anfordei-ung an ilin. Da- 
^'' k^f Z dteToprophile R^^^ nicht aber die Kastrat ionsphauta- 

gegen fehl ihm '^ « •^°P™P''' ^^-^^^ Genit,ale und träumte vielfach von 
eien. Er reute f'^^^"f ^J.^'^/^ , äderen bewundert werde. Zu betonen 
dessen Große und lavo"- ^^« ^^J^^ ^„^ g,„,ehte Einlaufe zurückzuhalten. 

let auch seine Lust, die ^^'''^^'"'"'lih.tfesselunßen mitspielte, war nicht aus 
Ob diese gleiche Tendenz bei den Selb W^^ ^^_^^^^ ^^_.^^_ 

■ dem Patienten 1^?^^"^™^"^^ jÄen „^ eine Einrichtung zu phan- 

Sfe™:^Äl?3r^er,;dr^^^^^^ ^^t einer kalten Dusche 



^ 



FeliKchismusi 



:1: 



besLiahlt würde, falls er sich rege. Ich geti-aue mich aber nicht, diese Phaii- 
tasic mit seiner Lust der Zurückhaltung der Exkremente- zusiiinnienzubrinKon. 
Eine bedeutende lioile spielte auch hier die Einklemmung der Gcnitaiien, 
diese starke Betonung der Aiialzoae. In seinen Träumen war das Wasser 
auch ein immer wiederkehrendes Sj-mbol. 

Unser Patient muß schon in früher Zeit von einer besonderen psycho- 
logischen Entwicklung gewesen sein, wie die Handschuhe in seine Sexualität 
eingriffen. Vielen anderen Kindern begegnet das Gleiche, ohne daß sie da- 
durch sexuell verändert werden. Für andere bedeuten die Handschuhe einlach 
etwas anderes als es für den Patienten bedeutet hat. Er knüpfte au diesen 
ersten Fetisch eine sexuelle Betätigung in einer ganz bestimmten erogenen 
Kone. Neben dieser Perversität entwickelte sich die normale Sexualitüt 
richtig. Erst nach der ehelichen und illegitimen Sexualperiode kam es zu 
einer i-aschen Steigerung der perversen und zu einem raschen Abflauen des 
Miinri(ilen Sexualtriebes, Er ist auf Keine früheren autoelotischen Hand- 
lungen zurückgegangen, hat aber diese seiner intellektuellen Entwicklung 
gemäß entsprechend ausgearbeitet. Die Libido fand je länger je mehr homo- 
seNUollc Betätigungen. Seine Sexualität war nie eine rein nürmale. Aus der 
infantilen Zeit hat er die Onanie mit sieh genommen, sie nicht abstreifen 
können, wie es der Normale tut. Jung sagt: „E« gehört zum Begriffe der 
normalen Sexualität, daß alle früh infantilen an und für sieh nicht sexuellen 
Neigungen möglichst von ihr abgestreift werden. Je weniger dies der Fall 
ist, desto perverser droht die Sexualität zu werden. Die Grundbedingung 
der Perversität ist ein infantiler, mangelhaft entwickelter Zustand der Sexua- 
lität." Ev erblickt in der Perversität ein Zerstörungsprodukt der ausgebildelen 
Soxualit4it und nicht wie Freud eine Vorstufe der Sexualität. Den Beweis 
dafür liefert unser Fall. Die normale Sexualität war da, zerfiel aber wieder 
zu perversen Neigungen, die von neuem Ubidinös besetzt wurden. Und 
zwar war es die übertriebene, durch die Perversität bedingte und an sie 
geknüpfte Phantasietätigkeit, für welche fast die gesamte Libido aufgebracht 
■wurde, anstatt zur entepreclionden Realanwendung (Jung), fn dieser phan- 
tastischen Auwendnngswcise blieb sie stecken und kam in meine Behandhmg- 
Der Erfolg meiner analytischen Behandlung ist nun der, daß der Maim, 
der der eigenen Frau gegenüber völlig fremd und impotent gewesen ist, wieder 
normalitcr mit ihr verkehrt, arbeitsfreudig ist und keine Perversitäten mehr 
betreibt. Schon die bloße analytische kathartische Erfor.>ichuiig seiner Per- 
versität und die dadurch gewonnene Übertragung haben zu einem annehm- 
baren Ziele geführt, trotzdem die Analyse des Unbewißten fehlt. Ob der 
Erfolg daher von Dauer sein wird, weiß ich nicht, aber eine Reihe Spezialisten 
haben vor -Tahren die Prognose dermaßen ungünstig gestellt, daß Patient 
keine Behandlung gewagt hat, bis ihn die Not dazu zwang. Die gründliche 
Aussprache über die Perversität riß den Patienten aus seiner Isolierung heraus, 
welche die Perversität an sich bisher so lusUjetont gestaltet hat und die ihm 
wie jedem Perversen so wertvoll gewesen. Er hat seine Phantasien auf mich 
übertragen, sein größtes Geheimnis preisgegeben, das ihn schon mit 13 Jahren 
gefesselt hat. Dadurch verlor er die Lust an der Perversität, die er immer 
ge^heim und still betrieben hat. Einen Teil der Libido hat er außer- 
dem auf seine Frau und seinen Beruf übertragen, auf reale Objekte, statt wie 
bisTier auf seine Phantasien. Die Libido ist aus der Perversität in nonnale 
Bahnen zurückgekehrt, und falls nicht für dauernd, einzig deshalb, weil der 
Pntient weder sein Unbewußtsein kennen gelernt, noch weil 'diese Ei'kehhuns 



V 



~n1i 



l^'efischismns und Inzest. 



91 



in(;ht mit. seiiifi' Zukinil'L konstruktiv in Üljereinstimmutig hat gebracht 
werden ktiunen. 

Dil' intprt\:!,^iLiift' lOntwii-kliiug dioses FuUfs von Perversität hat mich 
KU i'iiii^r aiLsiiihrlicheu Dearlieitung voranlalH." 

Literatur dte Patienten: 

1. Die Miiclit iJcr liiili; und die Matiit der Frauen- 2. Qualvollo Stunden- 3. Die 
Peitsche iils htKlca EraiehungsmilteJ. 4. Der Sklave «einer Sklüvin. 5. Die Prügelauelit 
in der Poneion. 6. Die Sei bstbewah rang (84. Auil.)- '■ TJie Zuchtrut-e von Tante Anna; ■ 
von Else Romberg. 8. Sexuelle Irnvcee; von Sleingieescr. 9. Die Folter in der deutschen 
li.rlitspilese sonst und jctat. 1(1. Diu Leibes- und Lebenw^trafen. 11. Veiiiis im Pel»: 
ven L. V, Siicher-Maaoeh. 12. Im Eausche der Sinne. 13. Unter "Ktrenger lland. 
14. Klostfrsitten u\]d Nonnendisziplin. 15. Grausame Frauen; von L. v. Saeher-Masoch. 
l(i. Arzfljelie Unlersueliungen und Seliam- und SittliehkiitBgefühl dts weiblichen Qe- 
M-Iiledit«. 17. En 1592: Le tour d'curope d'iin FlnRellant. IS. La eeinturo de ehsKtcte 
■de Casanova. 19. Le eliätcuu du fouot. 20. En Louisiana 21. Lee grands niarches 
d'e:^duve6. aä. Uontes PaiUardri. 23. Le Journal d'une flagell^c. 24. L'eselavc gantee. 
2,',. Souvenirs cuisants. 26. Lcs millo et une nuits. 27. Le jaidin des Kupplices. 28. La 
divtno Miirt|uise. 2!!, Les deaequilibrees de l'amour; L'abbe Eeuniilleur. ;10. L'ineeste 
perverse. 31. Le fouet au nioyen age. 33. Memoire^ d'une fouetee, 33. Le trioniphe 
du fouet. 34. Kos bollcs tlagollanfes. 35. La pbilosophio du ■ fouet. 3fi. La t*rreur du 
fouet. 37. L'ecok du fouet. 3ö. Vicrgee fouett^es. 30. La rovanche du marinon, 40. Lg 
Pensionat, du fouet. 41. Les huiniliations de Mies Magde. usw. usw. 

idi lasse nun meine „Ergänzenden Bemerkungen zum Falle von 
Ik.tiigg'' folgen: 

Den genauen Kenner des echten Fetischismuß worden Fälle wie 
der vörhergeliende niutit übcrrasdien. riic sind gar nicht so selten, als 
deren Entdecker meinen und als es sich die Kranken einbilden. Aber 
sie kommen selten zur Keimtnis der .^rzte, weil das Geheimnis der 
Absonderlichkeit eines der psychischen Momente darstellt, welche der 
Krankheit Rei/, und Werl verleihen. Auch der Patient des Kollegen 
tim verlor die Freude an seinem Fetischismus, als er sein lange ge- 
hütetes Geheimnis aller Welt preisgab. 

Es gehört zur Charakteristik dieser Foiischisten, daß sie sieh ein- 
bilden der „Einzige" zu sein, der an einer solchen Porversion leide. 
Das erzeugt einen „Stolz auf die K r ankhei t'" welcher auch 
für den Hvpochonder und jeden Zwaugencurotiker charakteristisch ist. 

Wenn iL-h mir erlaube, einige Bemerkungen an die Publikation von 
J)T.Sm anzuschließen, so tue ich das, weil dieser Fall -^e^außer- 
ordenthch deuthche durchsichtige Bestätigung memer Thesen bddet. die 
ich in meiner Arbeit „Zur Psychologie und Therapie des Fetischismus '^ 
aufgestellt habe. 



r . 



/bl. r.Ps.vchounalyec, ßd.4- 1914. 



r' 



92 



Fetisch ismuE. 



1 



V\ 



Wir finden zuerst den „Haremskult", der keinem editen 
Fetischisten fehlt. Jeder Fetieehiet liat eine ganze Sammlung von 
Fetischen, welche immer erweitert wird und in der Phantasie einen 
Harem ersetzt. Unter den Fetischen gibt es immer bestimmte Favo- 
ritinnen, welche bald ihren Platz einer anderen Favoritin räumen 
müssen. 

Sehr häufig finden wir die Angabe, daü der erste Fetisch dorn 
Inventar der Mutter entnommen wurde. (Auch Gegenstände des Vaters 
und der Scliwester können eine Rolle spielen!) Das zeigt uns Brücken 
zu dem Inzestproblem, dessen Erforschung in seinen Beziehungen zmu 
Fetischismus noch aussteht. Ich stehe niclit an zu behaupten, daß der 
Keni der Fctisclmeui'ose eine verbotene Liebe zu einer nahverwandten 
Person sein kann. Diese Liebe unterliegt einer Hemmung, welclie dann 
auf das ganze Geschlecht übertragen wird. In dem Falle Slgys wäre 
das so zu verstehen: Seine erste Neigung galt der Mutter; die Hand- 
schuhe wurden der eymboliechc Ersatz der Mutter, Das mag l' i n e 
der Wurzeln sein und erklären, warum er sich auf der Flucht vor dem 
Weibe beiindet. Jedes Weib wird zur Inkarnation der Mutter und damit 
zur Vertreterin der sündigen Gedanken. Die Liebe zur Mutter wurde 
dann auf das Leder und das Gummi übertragen. Er hüllte sich in seine 
Liebe ein, sie preßte ilm, sie schnürte ihn, sie war der Zwang, dem er 
nicht entgehen konnte. 

Auch dieser Fall zeigt das Moment der „a u t o s y mi) n- 
lischen Darstellung des Zwanges", auf das ich ein so 
großes Gewicht lege. Der Fetisch muß den Zwang symbolisch zur Dar- 
stellung bringen. Also enge Hosen, enge Schnürstiefel, fest umgebundene 
Schürzen. Verbände, Mieder, Hosenträger, Bauchbinden werden bevor- 
zugt. (Unter meinen Fällen befindet sich auch ein Bauclibindenfetiscliist, 
der sich die fremden Bauchbinden so fest anlegt, daß er den Druck 
als leisen Schmerz empfindet.} Unser Patient schnürt sich in einen 
ijederanzug. So preßt ihn die selbstgewählte Neurose ein, welche eigent- 
lich ein Abrücken vom Weibe auf eine nebensächliche Saclie darstellt. 
Dies Phänomen der Verschiebung \-om Fleische 
auf totes Material zeicimet den echten Fetischisten aus. Der 
Fetisch ist nicht nur ein Neutrum, das bisexuellen Tendenzen dienen 
kann, er ist überdies eine Sache, die mit der lebenden Natur nichts zu 
tun hat, er ist der tote Vertreter einer Phantasie, wehrlos dem Willen 
des Petischisteii ausgeliefert. In negativer Form tritt die gleiche 
Tendenz in den masochisti sehen Phantasien und Betätigungen unseres 
Kranken auf. (Gesetz der Bipolarität!) Er läßt sich zwingen, sich 
schlagen, martern, empfindet dabei Lust, weil er imwillkürlich „Schuld 
imd Sühne" zu einem Akt zusammenschweißt. Beim Militär vor- 



Felischramiia iinii liiKest. 



93 



schwinden diese Tendenzen, weil der starke Zwang des Militärdienstes 
jeden anderen Zwang, auch den des Fetisch überflüssig macht. Ist doch 
der Sinn der Neurose: It-h inödite zu etwas gezwungen werden, damit 
ich niclit daran schuld bin. (Lust ohne Schuld!) 

Auffallend ist auch der spezifisch infantile Charakter der be- 
schriebenen Perversionen. Der Patient uriniert ins Bett, wird ein kleines 
Kind, das mit seinen Puppen spielt. Dazu stimmt das „Sich-Ertappen- 
hissen", ein typisch infantiles Gefühl, das auf die bekannten Kinder- 
^|)ie]e zurückgeht. 

Was ist das tiefere Motiv dieser absonderlichen Erkrankung? Was 
die treibende Kraft, weiche ihn immer in Atem hält? Ich erlaube mir 
hier meine Schlußfolgerungen aus der erwähnten Arbeit anzuführen; 

„Der Fetischismus ist eine E r s a t z r e 1 i g i o n. 
Er bietet seinem Träger in Form einer Per Version 
eine neue Religion, in der er seinem Bedürfnis 
nach Glauben gerecht werden kann. Er entspringt 
aus einem Kompromiß zwischen einer übermäch- 
tigen Sexualität und einer starken Frömmigkeit, 
Er gewährleistet seinem Träger die Möglichkeit 

minder vollkommenen Askese, 
des Satanismus.und der Liber- 
6 i c h eine F )■ ö m m i g k e 1 1, deren 
diese AVelt hinausgehen. Der 
Fetischist ist im offenen Kampfe mit jeder Auto- 
rität beson.ders aber mit Gott, dem er sich im 
geheimen unterwirft und dem er durch besondere 
Entbehrungen zu dienen glaubt." 

Mit anderen Worten jeder ecJite Fetischist kopiert Christus. Er 
leidet an einer „Christ« sneurose". Er bildet sich innerlich ungeheuer 
viel auf seine Leiden ein und erhofft sich durch die Besonderheit seiner 
Leiden einen besonderen Vorzug im Jenseits ... . ^ ^ ^ 

Diese Behauptung scheint sehr kü!m. Nur eine eingehende Ana- 
lyse kann in jedem Falle diese versteckten religiösen lendenzen auf- 
Sen Der echte Fetischist bleibt eigentlich keusch. Er ist ein Lannn 

" ""St^om Falle %.b fehlt der Hinweis auf Christus nicht. 

vorgeschwebt haben. ■ ., ■ ^ _ _ 

~ 'z7diem F^^lle ist ergänzend noch zu bemerken: Er enthalt 
eine ^^ztReihe von Bestätigungen für meine Ausfuhrungen. Wir 



einer mehr oder 
Fnter dem Bilde 
t i n a g e verbirgt 
Ziele weit über 



!*^ 



5 






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94 



Fetischismus, 



sehen erstens den ganz aiißerordentlielien Ihiremskult, ferner darf ali- 
mäliliche vollkommene Abrücken vom Weibe, Wir seilen aber auch die 
infantile Einstellung imd die Maskierung der Inzestphantaeien. Wie in 
einem Falle das von der Schwester benutzte Steckkissen Symbol der 
Schwester wurde, so wirkt hier der Handschuh der Mutter, der als 
erster die Fülle fetischistischer Beziehungen einleitet, als Symbol der 
Mutter. Wahrscheinlich sind durch die bei dor Kinderpilege entstandenen 
Streichungen dös Dammes libidinöse Emplliidungen ausgelöst worden, 
welche den Damm dann zur erogenen Zone machten. Wir sehen aber 
auch hier die Wichtigkeit des Fesseins und Schuürcns, des Einpressens 
mit deutlicher Beziehung auf die Lage in den Winddn. Denn der Kranke 
preßt manchmal das Hemd zwischen die Schenkel, ebenso wie die Windeln 
.bei Säuglingen durchgezogen werden. (Psychosexueller Intantilisuuis,) 
* Bei allen Fctiechisten finden wir die Freude an den Schaufenstern, in 
denen "Waren ausgestellt sind, welche sie fetischistisch reizen. 

Dies Starren auf eine Auslage ist eine Rückversetzung in die Kind- 
heit und hat auch eine bestimmte symbolische Bedeutung. Es ist ein 
Blicken naeli rückwärts in die Auslagen der Erinnerung, ebenso wie der 
Wandertrieb nach rückwärts tendiert. Vor den Auslagen tritt immer 
ein träumerischer Zustand ein, eine Art Absence, in der die Rück- 
Versetzung stattfindet. Auch diese Triebhandiungen gehen in diesem 
Traumzustand vor sieh, welcher dem Patienten eine Regression in die 
Säuglingszeit gestattet, vielleicht sogar in den Mutterleib, Das 
Pressen am Damm drückt die Geburt aus, welche für diese Kranken 
c;n(; religiöse Wiedergeburt bedeutet, also auch eine anagogische 
Tendenz aufweist. 

Der Gummi aber ist wieder ein Symbol und steht für den Phallus 
Was der Patient wünscht, ist ein Phallus, den er sich um den Leib 
winden kann, den er in den Anus stecken kann. Er will alle Lust aus 
eich schöpfen. Er ist der potenzierte Autoerotist. Deshalb das Ver- 
liebtsein in den eigenen Penis, das Blicken in den Spiegel. Er will 
Weib und Mann zugleich sein. Seine homosexuelle Einstellung ver- 
schwindet in dem Fetischismus. Diese typisch infantile Einstellung 
zeigt sich auch in dem ins Betturinieren, der Harnretention | Ih-in- 
sexualität ' ) 1 und in dem Sicher wischenlassen, bekanntlich bei Kindern 
eines der lustbetontestcn Spiele. Seine Frau muß immer den Popanz 
spielen, der ihn erwischt ... 

Auf die Christusneiirose deutet auch das Bedürfnis nach sym- 
bolischen Waschungen und der schon erwähnte Umstand, daß er sich 
in Kreuzstellung ans Bett fesseln und geißeln ließ. 



') Vgl. dae Kapitel „Urin Sexualität" in Band V, 



Fu ti s clii Silin M uiiil Ii]/fsl, 



95, 



^ 



Kriminelle Impiüse brechen in den eadistischon Impultieji durch;- 
so wollte er eeine fetischietieclie Partnerin erdrosseln. Es ist sehr wahr- 
scheinlich, daß sich der Haß gegen das Weib als RepräseritiUitiii der 
Sündi' richtet. Es ist dies die Auffassung der dn-istlichen Religion, 
dip Auffassung der Bibel. Das Weib ale Inkarnation der Sünde, wie 
es sich in den Schilderungen der Kirchenvüler Inulet, Wir worden bald 
^ehen, daß ein 'IVaum') diese Auffüssung vollkommen zu bestätigen 
öclieint. 

Dieser Traum, der uns so viel von der Psyche eines Fetischislcn 
erzählen kann, lautet: 

Ich belinde mich in einem äußeren Viertel einer Großstadt. (Paris?) 
Auf dem Trottoir etoht ein Tisch mit Geflügel an einer Slraßcneckc. 
Die Vorübergehenden bedienen eich, ohne etwas zu bezahlen. Ich greife 
nach einem Stücke, werde aber gleich echiof angesehen. Es kommt 
mir der Gedanke an Apachen und ich gelie schnell weg. Es springen 
Leute mit Messern auf jnich ein, springen mir nach. Ich «pringe immei' 
stärker. Eine Dirne konniiL mir entgegen, ruft: „Ich packe ihn sehen, 
ich' werde ihn stechen." Sie stach mich in die Zunge und rief: „Jelzt 
ist er vergiftet.'" Ich spüre eineu Schmerz auf dci' Zunge, iingstige niieb 
gleich wegen BiutvergifUmg, biß mil gleich ein Stück der Zunge ab . . . 
Plötzlich bin ich zu Hause im Zimmer der Eltern. Weitere Fanhlieu- 
angehörjgo sind da. Auch die Dirne erscheint, besser gekleidet als auf 
der Straße, offeriert ein Pulver, um. damit die Hände einznreiben. Die 
Hände sollten damit echün glatt werden. Ich nehme das Pulver, reibe 
meine Hände damit ein. Gleich spüre ich ein unangenehmes Kitzeln, es 
brennt, ich wiU meine Hände waschen. Im Wasser aber brennt die Haut 
erst recht, es entetohl eine Säure. Die Hände werden voll von Hlut- 
wunden, ich denke an Schwefelsäure. Ich nife den Angehörigen zu. ja 
nicht die giftigen Wunden zu berüJircn, auch das Pulver der Dirne nicht. 
Ich bekomme an beiden Händen dicke Kruaten und erwache mit einem 
starken Angstgefühl. 

(Von anderen Träumen erzählt Dr. Sigfi: Im Tiiiume hatte er oft 
öinen übermäßig entwickelten roiiis, man gratulierte ihm dafür und 
bewunderte ilm vielfach. Weiter war or im Traum viel auf dem Wasser, 
auf schmalen Schiffen, die zui' Hälfte unter Wasser oder dann in der 
Luft fuhren. Er selber ging im Traume viel in der Luft zirka 30 cw/ 
über dem Erdboden z. 11 vom Geschäfte in seine Wohnung oder zurück. 
Andere Leute, die ihn be'wundcrten, wollten es nachahmen, bracliten es 
aber nicht fertig.) " '- - ' 

' Die Analyse dieses Traumes ergibt eine ganze Menge von wich- 
tigen Clesichtspunkten. Es ist an und für sich schon sehr mei'kwürdig, 
daß er niclit von seinen Fetischen träumt. Das ist eine Ersciieinung, 



i 



' '■) Die beiden folgenden Träume wBnlcii mir in' liilx^iis würdiger Weisi> vun lioki.. 

Sigg:l(^'lilTk-i) /.in' Vcrfügting .p^stcllt. . '; , '. . .y.., ... .. 1- . . • 



I M 



m 



Fctisrhinmiis. 



J? 



die wir oft werden beobachten können. Die Träume der Fetischistcn 
leben in einer ganz anderen Welt. 8ie sündigen am Tage und werden 
in der Nacht zu Heiligen. Sie kämpfen schwere Kämpfe mit den Sünden 
und. Versuchungen und gehen aus diesen Kämpfen als Sieger hervor. 
Oder sie sind selbst Heilige und triumphieren über die anderen Sterb- 
lichen. Es zeigt sich immer, daß der Hintergrund des Fetischismus 
ein religiöser ist. Die Grundtendenz ist, das Leben zu verträumen 
oder es noch einmal zu beginnen und als reiner Mensch durchzulcben. 
Deslialb spielt der Gegensatz zwisclien weiß und schwarz, zwischen 
Hchmutzig und rein bei ihnen eine sehr große Rolle. Doch gehen wir 
zur Analyse des Traumes über, 

„Ich beflnde mich im äußeren Viertel einer Großstadt. (Paris?) 
Auf dem Trottoir steht ein Tisch mit Geflügel an einer Straßenecke." 

Die Szene spielt im Sündenbabel Paris. Das soll heißen, die Welt 
ist voller Sünden und Versuchungen. Schon auf der Gasse lauert die 
Versuchung. (Geflügel phallische Symbole. Tisch für Bett.) 

„Die Vorübergehenden bedienen sich, ohne etwas zu bezahlen. Ich 
greife nach einem Stücke, werde aber gleich schief angesehen." 

Alle anderen Menschen können sündigen und werden dafür nicht 
zur Rechenschaft gezogen. Sie brauchen ihre Sünden nicht zu büßen 
(zahlen). Ich aber muß für iede sündige Regung sofort Buße tun. 
,,lcb wage es kaum, von den Genüssen zu kosten, die allen zur Verfügung 
ste])en, und schon zürnt man mir" . . . Die Apachen sjnnbolisieren die 
Vorwürfe in der eigenen Brust. Es sind die gleichen Gestalten wie die 
Erinnyen. Sie verfolgen ihn und stedien nach ihm. Er will ihnen ent- 
Hiehen. Er flieht aucli vor den homosexuellen Gedanken. (Siehe das 
(ieflügel als phallische Symbole.) 

Nun kommt die Dirne und er wird von ihr gestochen und infiziert. 
Er macht den Versuch, die Sünde zu entfernen und sicli das Stück in- 
fizierter Zunge abzubeißen. (Kastrationskomplex. Vernichtung der 
Sexualität.) Der Mund dürfte seine stärkste erogene Zone sein. - Die 
Beziehungen zu der infantilen Lust des Saugens sind ja klar. Die 
Syphilis aber wird ein Symbol des Unreinen überhaupt und des In- 
zestes. Er ist von bösen Gedanken infiziert. Nun macht er die Re- 
gression von Paris (Quo vadis?) in die frühe Kindheit. Folgerichtig 
ist er zu Hause bei seiner Mutter im Zimmer der Eltern. Der Traum 
stellt die Beziehung zwischen der Dirne und der Mutter dar. Hier 
licheinen die Gegensätze verschwunden zu sein. Die Dirne ist auch das 
Symbol der Sirmenlust schlechtweg. Sie ist die Sünde, die Sexualität 
;il8 Gegensatz zur scheinbar asexualisierten Mutter. Das Pulver, das ■ 
eingerieben wird, scheint mir die Sünde der Onanie zu bedeuten; erat 
lustbetont und dann brennend. Er will sich dieee Sünden abwaschen. 



. f 



l''e tisch isiii II s^ imd Inzest. 

Aber im Wasser brennen die Wunden. Er wird immer mehr infiziert 
er .st von ertragen Wunden bedeckt, er ist ein Lazarus. Die ßlu wa den 
«au s.n freiwiUige. Märtyrertum, auf seinen PetischismL ht 
d^lt ri^tl". ^^-"V'^'tung, die Angst, die Mntt.r könnte von 
diesem Gifte infiziert ^Verden, läßt ilrn erwachen 

Id t f^sl. ' M '" T '?"' '" '-''''■ ^^^ ^"'^ Spennatozoenträume 
md MO besagen .He: „Ich will ein neues Leben beginnen 

zu i^andeln. ch will vor allen anderen Menschen stehen, ich will sie 
.bcrragen Ich will etwas Besonderes sein.- Jetzt ist diL Parap th 
Zlt^nen" ""' ''''''''''''''' - --h* "- -- Einzigen, zum 
Der übonnäßig entwickelte Penis seiner Träume zeigt uns aber 

h .''"\. ''""^' '' '''^^' '^^"'" ^"^ ^'^"ß*^" P™is haben, daß e^ 

^hn in den Mund und in den Anus stecken könne, richtig ist. Die Gmnmi- 

.chla«che sind die Fortsetzung seines eigenen Penis. Sie ersetzen .vie 
ein (nnnm.busen das ihm felüende Stück. Es ist ein uralter Kinder- 
traum, der sich ilmi erfüllt, den größten Penis der ganzen Welt zu 
haben, jedenfalls größer als die anderen, die er gesehen. 

Dr. Sigg stellte mir noch einige Träume dieses Patienten zur 
^ erfugung, hs 18t schwer, olrne Analyse über Träume zu urteilen 
immerhin dürften .sich einige Schlüsse ziehen lassen. 
AVeitei'ü Träume: 

1. Icji habe dem Zar Schuhe angepaßt, mußte sie breiter machen 
Ich suchl^ dann eine Droschke mit einer lüisine, ein Werkmeister war 
aucl) dabei, ich fand aber keine, idi irrte umher 

2. üuim Essen fühlte; ich midi vorletzt, ich ging do^halb vom 
Iische weg ms Zimmer, wo einer im ßetle lag und eine Flasche AVein 
trank. Der Wein lief diesem vom Munde ins Bett, was mich sehr ärgerte 
Unangenehmes Erwachen. {Dei- Wein war eine rote klebrige Flüssig- 
keit, „es gab eine Schweinoi-ei im Bett. Ich ängstigte mich, vertrieben 
zn werden, ich hatte keine Ruhe mehr, habe vor Schmer/, geweint.") 

3, Ich bin im Militärdienste als Rcknit (ist i. f. Hauptmann), sollte 
Soidatenechule auf der Straße machen. Ich mußte dazu mein Gewehr 
das auf dem Estrich lag, holen, Ich mußte zn diesem Zwecke über 7.wei 
umgekehrt daliegende Boote kriechen. Oben auf dem Estrich waren 
mehrere Zimniei' nebeneinander. Ich komme in ein kleines, sollte mich 
da umkleiden. Beim Zimmer gingen immer Leule vorbei, sie genierten 
mich. Es ging Zeit verloren. Beim Zurückgehen war ich Pourier, sollte 
für unsere Küche ein Kantonnement suchen, alles war schon mit Truppen 
überfüllt. Ein Kamerad verlangte von mir zu trinken. Ich habe keinen 
Wein bei mii'. reiche ihm eine Flasche mit Sirup. Dieser schimpft es 
sei ja nur Wasser, und wirklich überzeuge ich mich geärgert, daß nnr 
noch Wassorreste in der Flasche waren. 

Stukol, StärUBgen des Trisb- nnd Affekllebsne. Vn. . . „ 



M 



I 

1 



I 



b 



V 



Fetischismus. 

4 Befinde mich in HerrengeBellBchaft mit bis zu den Knien herab- 
gelassenen Hosen. Es ist oin Lesezimmer, keine Damen zugcgon. (.bicli 
oft wiederli ölender Traum.) 

5 leh hin unter Scliulkameraden. ich gelie b&trübt herum, da e^ 
lieißt, ich müsse fortgehen, man sprach von Gesehlechtskrankhcit. Uev 
kTit sagt, die Krankheit rühre nicht vom Geschleehtsverkehre her. Ich 
bin traurig, weil man an eine Gesclilecht^krankheit denkt. 

6 Ich spaziere mit einem Bekannten B. Wir gehen in ein Hotel. 
Da beißt es es sei jemand ermordet worden. Man habe Banknoten ge- 
stohlen Es heißt, ich und B. haben gemordet. Der Untcrsuchungsricliter 
kommt Man verhört uns. Bei B. findet man eine große Menge Bank- 
noten (B. ist mittelloB.) Mir hält der Ilnlorauchungsrichter einen Re- 
volver an den Hals, so daß ich die Kälte des Laufes verspüre. Er drohl 
mit Erschießen. Nachher geht der leichter zu B., der gesteht. Man 
schießt ihm in den Kopf, B. ist wie tot, kommt wieder zu sich, er sagi, - 
die Kugel sei noch im Kopfe drin. Man erblickt BLut auf dem Sofa- 
Audi die Banknoten liegen da. 

Der erste Traum bringt das häutige Symbol des Zaren. Der Zar, 
der Alleiiüierrscher, ist dae Symbol der dominierenden Kraft, der Auto- 
kratie, also hier des Fetischismus. (Bild des Zwanges!) Er findet seine 
Schuhe zu eng. Die Parapathio drückt ihn. Er will die Scliuhe breiter 
machen. "Er drückt die prospektive Tendenz aus, die Fesseln der Fani 
pathie, also des Fetischismus zu lockern. Dann sucht er einen Wagen, 
der ihn weiter befördern will (die Kusine als Inzeetkompromiß, als 
mitigierter Inzest) und irrt umher. Dieses Herurairren, dieses Huehen 
nach dem rechten Wege werden wir in den Ti'äumen aller dieser Kranken 
wiederfinden. Sie spielen auch das Irren am Tage, sie irren in den 
Straßen, können den Weg zum Arzt nicht finden, wissen plötzlich nicht, 
wo sie sind, weil sie ja von einem Impulse im Traumzustande einem 
unbekannten Ziele zugetrieben werden. 

Der zweite Traum seheint mir Beziebmigen zur Urinsexualität 
zu haben (Wein statt Urin!). Vielleicht Hinweise auf Urolagnie und 
Kannibalismus. Jeder Affekt ist für den Traum von Bedeutung. Der 
Affekt ist die Erkenntnis, daß sein Bettgenosse, sein alter Ego, ein 
Schwein ist, er hat Angst vor seinen eigenen Trieben . . . 

Zum dritten l'raume ist folgendes zu bemerken; Die meisten 
Fetischisten träumen, daß sie beim. Militär sind und niedere Dienste 
machen müssen. Sie sind Rekruten. Der Zwang des Fetischismus nnrd 
durch den Zwang des Militärs ausgedrückt. Er, der Hauptmann, ist 
wieder Rokrut, d. h. ein gemeiner Soldat. (Wir werden später einen 
ähnlichen Soldatentraum eines Fetischisten ausführlich analysieren.) 
Seine Demut drückt er auch durch das Kriechen aus. Er benötigt eine 
neue Weltanschauung. Das drückt er durch das Umkleiden aus. Wieder 
taucht die Trinkszene auf. Der rote Wein ist diesmal durch Sirup er- 






FetiscIiismuK iiuil luzpst. 



99 



setzt. Aber es ist gar kein Simp, es ist nur Wasser, so daß der 
Kamerad schimpft. Es scheint sich um ein rchgiöses Symbol zu handehi. 
Die heilige Kommunion. Der Leib und das Blut Christi. Aber seine 
Frömmigkeit ist ebenso wenig wie sein Fetischismus echt. 

Der vierte Traum ist von Bedeutung, weil er ein stereotyper 
Traum ist und sich öfters wiederholt. Es scheint sicli um eine homo- 
sexuelle Exhibition zu handeln. 

Der fünfte Traum drückt seine Trauer darüber aus, daU er mit 
paraphilcn Vorstellungen infiziert, daß er also nicht rein ist. 

Im sechsten Traume kommt die Wurzel seines Schuldbewußtseins 
hervor. B. ist sein zweites Ich, ist Dieb und Mörder. Die sexuelle 
Symbolik des Traumes ist sehr durchsichtig und laßt auf irgend eine 
Begebenlieit in früherer Zeit schließen, von der er noch Erinnerungs- 
spuren im Unbewußten hat. (Kugel im Kopfe.) Der Untersucliungs- 
richter dürfte der Arzt sein („Der Arzt sagt, die Krankheit komme 
nicht vom Geschlechts verkehre her" — in Traum 5), auf den er über- 
trägt. ■ Sein zweites Ich Herr B. soll getütet werden. 

So weit sich aus diesen Träumen schließen läßt, besteht eine 
hypertrophische Urinsexualität. Damit stimmt auch seine Retention, 
an der er einst gelitten hat. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, daß sehr viele Feti- 
Echisten diese Neigung zeigen, den Harn zurückzuhalten, mitunter auch 
den Stuhl. Ihr Ziel ist die Überwindung des Sexualtriebes auf einem 
Umwege, d.h. auf dem Wege einer Paraphilie. Aber auch die anderen 
Triebe fordern diese Menschen zu einem spielerischen Kampf heraus. 
Sie wollen probieren, ob sie sich überwinden können. Sie sind sehr 
Iiäufig Asketen, haben das Rauchen und Trinken aufgegeben, sind 
Vegetarier. Sie haben die Eigenschaft, Stuhl- und Urindrang zurück- 
zuhalten, bis sie Schmerzen empfinden. Die Dcfäkation und die Miktion 
sind dann mit Lustgefühlen verbunden. Diese Eigenschaft teilen sie 
mit vielen Kindern. 

Vielleicht liegt in diesem Zwange, einen or- 
ganischen Zwang zu überwinden, in dem Zwang des 
Willens gegen den Zwang des Triebes, die infan- 
tile Wurzel des Fetischismus. 

Was ist schließlich ein Heiliger? Ein Mensch, der den Zwang 
semer Urtriebe durch den Zwang der Religion überwindet. Freud hat 
die Religion treffend mit einer Zwangsneurose verglichen. Der Feti- 
schismus hat mit der Religion den Gogenzwang gemeinsam; aber noch 
mehr er hat die gleidie Tendenz: Den Sexualtrieb auszuschalten. Dio 
Religion greift dio Sexualität direkt an, der Fetischismus schiebt sie 

auf ein Nebengeleise. 

7* 



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1 1 



IQQ ■ Fetischismus. 

Das Schuldbewußtsein drängt den Fetischieten in die Bahn der 
Religiosität. Er flieht eigentlich nicht den normalen Gesclüechtsverkchr. 
Er flieht die Sünde. Und der Geschlechtsverkehr wird zur Sünde, weil 
sieh während des Koitus inzestuöse Phantasien vordrängen und das 
vorliegende Sexualobjekt mit einem imaginären verwechselt wird. Dieses 
( ; imaginäre Sexualobjekt ist in dem letzten Falle die Mutter. Das ist 

ziemlich durchsichtig. 

Es gibt aber Fälle, die eine noch deutlichere Sprache zeigen. 

Diese Inzesteinstellung teilen die Fetiscl^iisten mit vielen anderen 
Parapathikern. Wir müssen annehmen, daß es sich um Menschen mit 
einem abnorm starken Sexualtrieb handelt, um Rückechlagser schei- 
nungen. Das widerspricht der Aneicht von Freud^), der behauptet: 
[! „Eine gewisse Herabsetzung des Strebens nach dem normalen Sexual- 

ziel scheint für alle Fälle Voraussetzung. (E.xekutive Schwädie des 
Sexualapparates.)" Und in einer Anmerkung meint er: „Diese Schwäche 
entspräche dei- konstitutionellen Voraussetzung.'" Allerdings schwächte 
er die Behauptung a.b, wenn er hinzufügt: ,,Die Fsychoanaly.se hat als 
akzidentelle Bedingmig die frühzeitige Sexualeinschüchterung nach- 
gewiesen, welclie vom normalen Sexualziel abdrängt und zum Ersatz 
desselben anregt." Aber die konstitutionolle Schwäche des Sexual- 
apparates ist für Freud conditio sine qua non. Das widerspricht direkt 
meinen Erfahrungen. 

Der Fetischist ist ein Wesen mit abnorm starkem Sexualtrieb, der 
infolge dessen früh auf die Objekie der Familie gerichtet ist und sich 
durch eine starke Betonung aller Pari^philien auszeichnet. Deshalb suciii^ 
er nach Schutzvorrichtungen und findet sie — in der Rehgion. Aber 
diese frühe infantile Einstellung zur Familie mag Sadger'') bewogen 
haben, die Behauptung aufzustellen: „Der eigentliche Fetisch, der iramei' 
wieder, wenn auch in verschiedener Umhüllung oder Symbolisierung- er- 
späht und erstrebt wird, ist der nackte Geschlechtsteil von Mutter oder 
Mutter er satz." 
f, Wie stimmt das mit dem Falle von Fußfetisehismus eines Mannes, 

dem die Mutter bei der Geburt gestorben ist? Sollte die Amme oder 
die Erzieherin auch unter die verbotenen Tabii-Personen fallen? "H' 
werden sehen, daß es der Vater war, an den dieser Fetischist patho- 
logisch fixiert war. Wir können nur das eine mit Sicherheit behaupten: 
Der Fetischist zeigt eine pathologische, infantile Fixierung an seine 
Familie! 

Der nächste Fall zeigt uns die Beziehungen eines Fetischisten zu 
seiner Mutter in außerordentlich durchsichtiger Weise; 



M ürei Abliantllunueii zur Sexualtheorie. 4, Aufl., S. 20. 
-\ l.i-.S. S28. 



l''etisi:liiKm[|fi iiuii luncst. 101 

Fall Nr. 20. Max Rudolf Senf {OtoIV Archiv, Bd. 60) bcBchreibt omcn 
Fall von Unten'ockletischisnms. Der SOjälirigc kriit'lige Landarbeiter liatta 
trotz nianiiigfaclier Gelegenheit nie mit einem Wtnbe vt'rkelut. Vur 13 Jahren 
habe er begonnen, die Unterröcke der Mutter and Schwosler nwischi'ii die 
Beine zu nehmen und zu onanieren. Vorher begann er sehou mit einer Z u- 
(lecke zu onanieren, üer Mann sagte: „Die Zudecke und spater der Frauen- 
roek sind für mich ein Mädchen." Senf konstatiert auch, daß <'r bei dem 
wegen Diebritaiils von Unterröcken verhaftylen Mann einen Biiel' an die 
MlittiM' fand, der dui'ch seinen ,, überschwenglich sentimentalen Ton'' auffiel. 
Der Schreiber — ein Landarbeiter — teilt dem Mutterherz mit. daß er ein- 
mal nach Hause konmien würde und daß dann" für alle „ein neuer Liebes- 
frühling anbrechen würde, wie ihn die Dichter besinnen". 

Dieser Casus von Dr. Senf zeigt uns ein beBtimmtee Moment, das 
eo oft wiederkehrt, daß wir es als typisch für den Fetischidums be- 
zeichiiüii können. Der Landarbeiter erzählt, daß er zuerst mit dem 
Untei-i'ocke der Schwester und der Mutter zu onanieren begann. Hält man 
sich die Angaben über sein Verhältnis zur Mutter vor Augen, so liegt 
der Sßhluli nahe, daß der Fotierli sehr häufig einen Inzest ersetzt. 

Der Beginn dieses Fetischismus wirr! für das 16. Jahr festgestellt. 
Das zeigt mit anderen Erfahrungen, daß nicht immer die früheste Kind- 
heit zur Erklärung des Fetischismus herangezogen werden darf. Aber 
die Bezicliungen des Ft;tisehisnnis zur infantilen Einstellung zur Faniilie 
sind so durchsichtig, daß nur böser Wille dazu gehört, um sie nicht zu 
sehen. Es waren immer Kleidungsstücke der Mutter, n^elche als Symbol 
der ganzen Mutter zu onanistischen Zwecken benützt wurden. Das er- 
klärt uns die Neigung zur Askese. Die Enlstelmngsgeschichtc des 
Fetischismus hat große Ähnlichkeil mit der der Homosexualität. Aucii 
der Fotifichist hat einen Horror vor dem weiblichen Gcschlechte und 
Hüelitet entweder in eine asexuelle, homosexuelle oder auto-ero tische Be- 
tätigung. 

Der Weg zum Weibe ist dem männlichen Fotischisten verscliloc^scn. 
Vor dem AVeibe steht drohend die Gestalt der Mutter (und der 
Öcljweeter). So wird jeder Koitus zur scliweren Sünde. Nicht nur weil 
das Weib das Symbol des Bösen ist, sondern weil seine sexuelle Libido 
der Mutter oder ihrem iüngeron Ebcnbilde, der Schwester, gehört. Da- 
durch wird der Koitus zur zehnfacli schwereren Sünde und die Wagschalo 
der Askese lastet schwerer. Das Unerreichbare des Zieles läßt den Feti- 
öchisten auf alle Frauen verzichten. Das ewige Suchen ist aber ein Ver- 
bergen des eigentliclien Zieles. Der Fetischist benimmt sieh wie der Don 
Juan Beide haben den gleichen Haremskull. Beide stellen sich so, als ob 
bestimmte Objekte suchen würden und wollen das eigentliclie Sexual- 




wo 



/ 



I , 



.1Q2 FetischisrouB. : i 

im öymbole. Dae Symbol gleiclit jeder geistigen Nahrung. Es sättigt 
die physischen üedürfnisee nicht. Es muß eine ungeheure Kraft auf- 
gestapelt werden, weil ein unbefriedigter Wunsch unzerstörbar ist und 
sich wie ein unangetastetes Kapital auch durch die Zinsen der Begleit- 
affekte immer vermehrt. Das Verlangen wachst und macht aus dem 
Symbol bald die Karikatur des Symboles. ,'.>ii, i->i 

Oft sind die infantilen inzestuösen Bindungen verdrängt und der 
sexuelle Symbolist hat keine Atmung, wie er zu seinem sonderbaren 
Gesclunack gekommen ist. - 

Eine Patientin, die in der Jugend ihren Vater pflegte und ihm 
öfters die Urinflasche und die l..eibschüs6el reichte sowie einen Gummi- 
polster unterlegte, gestand mir, daß sie beim Anblick dieser Trias in ■ 
der Auslage von Sanitätsgeschäften unwillkürlich in Erregung l;omnn 
und deutlichen Orgasmus empfindet. Oft genügt eine Urinflasche oder 
eine Eeibachüssel, mitunter der Geruch von Gummi, der sie an das Luft- 
polster erinnert, um den Orgasmus auszulösen. Es ist selbstverständ- 
lich, daß diese Dame im Kriege Krankenschwester wurde. Ihre Ge- 
ständnisse hatte sie mir vor dem .Kriege gemacht. Sie war etwas ver- 
legen, als ich eines Tages ein Krankenzimmer übernahm, in dem sie 
als Schwester waltete. .... . . ■. ■- i;. -. i 

"■'■' Solche Erfahrungen machen uns die Fälle wie den nachfolgenden 
verständlich, der eine schöne Ergänzung zu dem Fall von Irrigator- 
liebo bildet. Es handelt sich um einen Fall, den Hirschfeld (äexual- 
pathologie, Bd. III) als Gmmnikissenfetischismus beschreibt: 

Fall Nr. 21. Herr B. Z., Student der Nationalökonomie, 21 Jahre alt, 
zeigt eine eigenartige Fonii von Fetisch isnuis, iiänilicli eine hochgradige 
sexuelle Reaktion auf G u m m i 1 u f tk i sse n. Herr Z., dessen sehr feiui- 
nincB Wesen Beiner Familie schon längöt aufgefallen war, ohne daß sie von 
den wahren Ureachen seines Wesens eine Ahnung hatte, beobachtete an sich 
nach Beendigung des 14. Lebensjahres ganz plötzlich einen merkwürdigen 
Drang, sich Luftkissen zu beschaffen, diese prall aufzublasen und sich au 
den Leib zu legen. Mit diesen heimlichen Manipulationen, die ihm völlig 
unverständlich waren, vermochte er zunüchst keine Vorstellung zu verbinuen. 
da er keinerlei Kenntnisse über sexuelle Dinge besaß. Der rein triebhafte 
Drang, eich mit den Luftkissen einzuschließen, sieh ständig mit ihnen in 
Kontakt zu wiesen, wuchs immer stärker an und führte' nach kurzer Zeit ;.h 
tiefgehenden Verstimmungen, da keine Entspannung eintrat, bis eines Abends, 
etwa 4 Wochen nach dem ersten Auftreten dieses eigenartigen Begehrens, die 
erat« Ejakulation erfolgte. Er hatte an diesem Abend wie immer im Bett 
das Luftkissen prall aufgeblasen, sieh dann spontan daraufgelegt, so daii 
sich die Genitalzone und die Unterbau eh region mit dem Luftkissen berührten. 
Die von dem Fetisch ausgehenden Reize waren in der Hauptsache taktiler 
Natur, sekundär erfolgte dann später assoziativ eine erotische Anregung 
durch die bloße Wahrnehmung des Gununigeruches, wie er dem Luftkissen 
eigen war. Auf optiseheni Wege vennocM-e das Luftkissen nur geringe sexuelle 



Fetischismus uad lu^.est. ]^0g 

Wirkungen üuszuübeii, während der akuslisclio Weg in diesem Falle gänz- 
lich ausgeschaltet war. 

Die Vorstclliingon nnn, diu während des ei-öteu, ganz spontan gcrundeuen 
Onanicaktee auftraten, der nun läglicli während der folgenden 6 Jahre mit 
wenigen Uiiterbrecliuugeii wiedeiliolt wurde, wiesen stets das gleiche Gru-ni- 
motiv auf: einen großen, starken, fetten Mann, der von der Phantasie in 
ii'gend eine Hituation mit masochistischer Tendenz gesetzt wurde. Die 'ust- 
iietouU,'Bt^.>ii Voistelluiigeri von feisten ScJicnkeln und dickem Leib wurden 
durch Betasten und Pressen des glatten prallen Luftkissens hervorgenil'eD. 
Jicmerkouswerl ist. wie in den späteren Jahren die S y m b n 1 i e ie r u n g 
von dem Drange, in den Besitz des begehrten lebenden Partners zu gelangen, 
immer mehr zu einem Surrogat hinsteuerte; da jedoch das adäquate Sexual- 
objekt nicht erreiebbai' war, arrangierte Z. eine Situation, die auf den erdl«n 
Blick narziLU-ischen Charakter au besitzen scheint, jedoch heterogener Natur 
ist. Herr Z. zog sieh einen aehi' weiten ileri'enanKug an, den er mit Hilfe 
deB aufgeblasenen Luftkissens ausstopfte; durch den Anblick des Spiegel- 
bildes, in dem er dann nicht sich, sondern das begehrte Sexualubjekt erblickte, 
erfolgte die Auslösung der sexuellen Entspannung. Ale Ausstopfungsmaterial 
wurden stets Luftkissen benutzt, da andere Gegenstände, wie etwa Feder- 
kissen, keine sexuelle Wirkung hatten. Die ersten sexuellen Regungen ti'atou, 
wie erwähnt, im 14. Jaliro auf. Jedoch konnte ein Erinnerungskumijiex i\uf- 
gefunden werden, der ans dem 8. Jahre stammt, und eine gewisse Beziehung 
zu dem LurtkisHenfetischisinus auFwoist. S n dies e m Alter 8 a h Z. 
zum ersten Male ein Luftkissen und an einem der folgenden 
Tage im Zirkus in einer humoristischen Nummer einen Mann, der wie ein 
Gummiball aufgeblasen war. Diese beiden Krlebnisse interessierten ihn sehr, 
ge-neten jedoch zunächst in Vergessenheit, um erst mit dem Einsetzen der 
sexuellen Reife von der Psyche als adäciuate Sexualniotive wieder ani- 
genommon zu werden. 

In diesem Falle fehlt die Analyse, so daß wir nur auf Ver- 
nuitnngen angewiesen sind. Aber die eingehenden Analysen in den 
iiäi'listen Kapiteln werden uns zeigen, wie kompliziert die Psychogenese 
eines solclien Falles sein kann. Wir registrieren ihn nur als Ergänzung 
zu dem Iri'igatorfall von Dr. Si{W- Analytiker mit einiger Erfaiirnng 
werden selbst die nötigen Schlüsse ziehen können. 

Sein- häufig sind es Gebrauchsgegenstände, die mit dem Körper in 
Berührung kommen, welche dann zum Fetisch werden. Es wird daher 
verständlich, daß Artikel, wie man sie zur Krankenpflege verwendet, 
erotischen Symbolttert erlangen. Alles, Avas den Körper berührt, kann 
zum Fetisch worden. Daher werden Hemden, Unterhosen, Bruchbänder, 
l'eibbiiiden unter Umständen Fetische, wobei sie irgend ein Mitglied der 
Familie zu vertreten haben. Eine große Rolle spielt das Hemd, wobei 
der spezifische Geruch des Trägers mit in Rechnung zu stellen ist. In 
den früheren Bänden finden sich einige einschlägige Beispiele. Aus meiner 
Erfahrung kann icii folgenden Fall mitteilen: 

Fall Nr 22. Herr Adolf N., 35 Jahre alt, Keisender, aus gesunder 
Faniill stammend, organisch ganz gesund, leidet an einer krankhaften Marne 



104- 



FetiscliismtiK. 



! ( I 



für Fraucnhemdeii. Er hat zu Hause eine große Saiiiinliiiif:; verschiedener 
Hemden. Er kauii viele Stunden vor DamenwäsehegeBchäfteii stehen und die 
Hemden betrachten. Er lauft oft tagelang von einem Geschäfte zum andern, 
um schließlich ein Hemd zu erstehen. Das Hemd erhält erst für- ihn einen 
Wert, wenn er einmal in das Hemd uriniert hat, so daß es einen epezifischen 
Uringeruch hat. Am liebsten würde er alte, getragene Hemden, die uaeh 
Schweiß und Urin riechen, erwerben und jeden Preis für sie bezahlen. Die 
Scheu hat ihn bisher abgehalten, ein solches Hemd zu erwerben. Dagegen 
bat er schon zweimal in Hotels Hemden gestohlen. Er macht, als ob er sich 
in der Zimmertiir irren würde. An Stelle des gestohlenen Hemdes legt er 
ein anderes, das einen größeren Wert hat. Er onaniert vor dem Spiegel, 
nachdem er sich eines der feuchten oder trockenen Hemden anzieht. Er weiß, 
daß er diese Leidenschaft schon mit sieben Jahren hatte. Ei' pllegte das Nacht- 
hemd seiner Mutter zu herieeben, das einen charakteristischen Geruch von 
Schweiß und Urin hutlo. wobei er in sexuelle Ekstase geriet. Er versuchte 
auch einmal, sich eines solchen Hemdes zu bemächtigen, um es des Nachts 
bei sich im Bette zu behalten. Aber die Mutter entdeckte das Fehlen des 
Hemdes und er hatte Mühe, sich herauszulügen, als wenn er es zwischen seiner 
Wäsche gefunden hätte. , 

Er hat einige Male den Koitus versucht und konnte dabei nicht zum 
Orgasmus kommen. Nur ein einziges Mal konnte eine Dirne bei ihm F4a- 
kulation erzielen. Sie hatte ein schmutziges Hemd an, das stark nach 
Urin roch. 

Er gibt die Inzestlixierung zu seiner Mutter zu, da er mehrere Träume 
hatte, in denen er mit seiner Mutter verkehrte. 

Die Verbindung von FetiechiEmiis und Inzest in diesem und ähn- 
lichen Fällen ist ziemlich durchsichtig. Ilieher gehört auch ein Fall 
von Gönner: 

Fall Nr. 23. Louis I., ein junger Fleischhauer, wurde in folgendem Auf- 
zuge ins Spital gebracht. Er trag unter einem weiten Überrock; 1. Ein Korsett 
aus schwarzem Tuch. 2. Darunfj^r ein zweites Korsett. 3. Noch ein Korsett. 
4. Ein Kamisol. 5, Einen Damenkragen. 6. Ein fernes Trikot. 7. Zum Schluß 
ein Frauenhemd. Er hatte feine Strümpfe und Strumpfliander an. In seinem 
10. Lebensjahre hatte er einen brennenden Wunsch; Das Hemd seiner um 
4 Jaliro älteren Schwester anzuziehen. Während seiner Pubertät sehlich .t 
sich oft in das Zimmer seiner Schwester und legte ihr Hemd an. Wenn das 
Hemd seine Haut berührte, war seine sexuelle Erregung ganz außerordentlich 
und es kam zur Ejakulation. Dann zog er traurig seine Kleider wieder an 
und kehrte in den Fleischerladen Reines Vat*?r.s zuiiick. Später kaufte er sich 
zuerst Damenhemden und nacii Jahren die anderen Toilettegegenstände, die 
auf seinem Leibe gefunden wurden, fl. c. S. 62— R3.) 

„.-Irmand Süveslre sagt vom Hemde, daß es nicht die Frau selbst sei, 
aber derjenige Gegenstand ihrer Kleidung, der ihre „Seele" am besten be- 
wahre. Zur Zeit des Direktoriums wurde die ganze Bekleidung hemdartig. 
um so das Weib als solches deutlicher hervortreten zu lassen. Die modenie 
Mode hat in der Anfertigung von seidenen, leinenen Battisthemden das denk- 
bar größte Raflinement entfaltet, so daß es kein Wunder nimmt, wenn be- 
sonders in Frankieich diese pikante Gestaltung der früher sehr einfachen 



Fetischismus und Inzest. 105 

iiitimeteii Köi-perhiillc eino große Ziihl von eogoiiiinnteii „Hemdfetiächisten"' 
erzeugt, hat, die eifrig auf die Jagd nach Fraueiibfnidoii ausgehen und in 
deren Besitze und Liebkosung einzig und allein ihre geechlechtliche Befriedi- 
gung linden. In einem Gedichte des dekadont<'n Poeten lioUinal übergibt ein 
Mädchen ihrem Geliebtt'u ihr Hemd mit den Worten: 

Conserve la toujoure! Qu'eUe s o i t p o u r ton äme 

La p h a i r m y s t e r i e n s e, et v ;i g n e d o 1 ;i f e tu m c 
Qu'eUe soit Toreiller de tee regrets moroses. 

Qu'eUe soit rorciller de tew rcgiTts moiorieö. 

Quand tu hi baiserae, eonge aux imdites roses 

Qui t'urent ton festiii chaniel! ^ 

Que les parfums ambres de ina peau qui l'inipregnent, 
Pour l'odorat subtil de U'n reves y regnent, 
Candides et hixurjeux! 

Qu'ell e ga rd I' ä jamais l'emp reinte de ni es f o rmes! 
J'ai dit a niun aniuiir: „J'exige que tu dormee 
Entre ses plis mysk'rieux", 
und der Geliebte sagt echt fetischistisch: 

„Adieu 1" — J'ai conecrve la niignonno chemise, 
Je l'exhume parfojs du coffre oii je Tai miec, 
Etjelabaieeavecforveur; 

Et juon reve est si chaud, qu'en olle il fall, revivre 
Ce coi-pe ei capiteux dont je euis encore ivre. 
Gar i! ni'en reste la eavpur.') 

Das Hemd repräsentiert die Trägerin! Es wird vermöge der „Ver 
iaduiig" apczifisclier Stoifo und vermöge der Affektverschiobung die 
Trägerin Belbst. Im Laufe der Jahre übornimmt^es dann die symbolische 
Vertretung der Pereon, von der der erste Reiz ausgegangen ist. Diese 
Person ist gewölmlich ein Mitglied der Familie. 

Ich habe bisher nocli keinen Fall von Fetischisnms analysiert, in ■ 
dem sieh nicht diese Wurzel nadnveieen ließ. Dieses ursprüngliche 
Obiekt kann entweder homosexuell oder heterosexuell begehrt werden. 
Der Fetischismus des Homosexuellen kann auf eine solche Fixierung an 
Vater oder Bruder zurückzuführen sein. Aber nicht in allen lallen. 
Ofl kann es sich um eine Fixierung an die Mutter oder Schwester, ^TroI^- 
iLe'der Tante handeln, so daß die Wurzeln des Fetischismus s.h |^ 

mit denen der Homosexualität verfilzen. 

In allen diesen Fällen zeig1 sich ein ausgesprochener psycho- 

1 ,. Tnf.ntilismus'- und eine Neigung zu „Impulshandlungen. 
dT b r m r^zestuösen Fixierung das Rätsel des Fe^sdnsmus 

Uali a-Der mit ujl^^^ werden die weiteren Ausfuhningen 

s:^::"rts rt^i w™ .,■ ..^.^^>.^^^. a..* - 

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11, r^r 



^VI. 



Waden-PartiaUsmus, Sadismus, Kleptomanie. ' ■ 

■ ■ Hat man Gelegenheit, einen Fall von Partialismue zu anaiveieren, 
so gelingt es m den meisten Fällen nachzuweisen, dal.i de.- sogenannte 
Partiahsmus ein Symptom einer komplizierten Parapathie darstellt 
das nur in Zusammenhang mit den anderen Symptomen erklärt, «erden 
kann. Oft komi^lizieren sidi die Fälle mit Sadismus und Masochismus 
und anderen Paraphiheu. Fast immer laßt sieh ein mehr oder minder 
j . ausgesprochener peychosexueller Infantilismus nachweisen In dem 

f "^"^^folg^nden Kall war der Partialismus nur ein S^-mptom in einer 

.^i schweren Zwangsneurose, die ihren Träger in seinem Berufe empfindlich 

hinderte. Ich-habe einmal die Zwangsneurose den Imperativ der Reue 
genannt. Die Reue ist aber oft nur der Vorwand, in einer lustbetonten 
ii^rinnerung der Vergangenheit zu schwelgen. 

Diese Krankon konsultieren oft den Arzt wegen Impotenz D h 
m.t anderen Worten ,hre Potenz ist an bestimmte Bedingungen ge- 
knüpft. Wenn Ihnen ihre n^dividuellen Potenz bedingungen nicht erfüllt 
werden, so geben sie das Bild eines Impotenten 

Nun ist iedem Menschen das Streben nach dem Normalen imie- 
wolinend^ Es ist sozusagen ein immanenter Imperativ. Während die 
I arapath.e auf d,e kürzeste Formel reduziert heißt: Anders sein wollen 
als d.o anderen!, zeigt sich die Heilungstendenz in dem Bestreben, norma). 
zu sein, d. h. so zu sein wie die anderen. 

Zwischen beiden Tendenzen besteht ein hartnäckiger Kampf, in 
den nun der Psychotherapeut einzugreifen hat. Jede Parapathie zeigt 
einen ausgesprochenen Konservatismus. Der Kranke will sich nicht 
verändern. Er will a.,f seine infantilen Lustquellen nicht verzichten. 
Er möchte genesen, ohne seine Phantasien und die die Phantasien de- 
terminierenden infantilen Erlebnisse zu opfern. 

Der folgende Fall zeigt uns in wunderbarer Weise die Psvcho- 
genese einer Zwangsneurose, die Ursache des Partialismus und di. 
sexuelle Wurzel doi' Kleptomanie. Er ist auch ein Beitrag zur Psycho- 
genese der relativen Impotenz. 



^■x^e: 



Wadea-l'aLrtialisnius, Sadismus, Kleptomanie. 107 

Fall Nr. 24. MeiT U. T., «in 38jälirigtsr Si;liaußpiek^r, koiiöultiert mich 
wegen Impotenz. Seit 2 Jahren verlieiiatet, ist er jetzt außerstande, einen 
Koitus mit seiner aiifFallend schönen Frau ku vollziehen. Im BcgiiiiiG der 
Ehe debütierte er mit Ejaculatio praecox. Seit 6 Monaten bei der Frau 
absoJut keine Ercktitm, während er bei anderen Fronen unter bestinimlßii 
Bodiiigungen den Koitus vollziehen kann. 

Über diese Bedingungen erfalire icti fulgondc Talteadien: Patient — 
nennen wir ihn Georg — gehört zu jener Gruppe von Männern, welche nur 
auf Waden fliegen. Wenn er auf der Gasse eine Dame mit schönen Strümpfen 
und wohigefoi'niten Waden sieht, ist er verloren. Oft Erektion heim Anblick 
der Wade und bei dei' Vürst^^llung, daß er diese Wade niif. einer Rute 
peitschen werde. 

Seit er sieh erinnert ~ und er hat eine glänzende Erinnerung bis in 
die ersten Kindorjahre — liaben ihn nur die Waden gereizt. In der Jugend 
Waden von Mädchen und Knaben, jetzt aber nur die Waden von iungeii 
Frauen, Mädchen und von Kindern. 

Die objektive Untersudumg ergibt ein kleines Genitale, ü.vniikomastie, 
weibliches Becken, sonst nonnale Verhältnisse. Keine erbliche Belastung. 
Er unterzieht öich einer analytischen Behandlung. 

Seine Vorliebe für kleine Mädchen und Knaben mit ^cliönen Waden 
macht ihm jeden Spaziergang zu einem großen erotischen Erlebnis. Er geht 
schon mit der Absicht aus, ,,Bich etwas zu finden". Dabei entwickelt er einen 
psychologischen Scharfsinn und fällt seilen liinein. Wir werden später hören, 
was er mit den Mädchen macht. In den ersten Stunden sagt er; Nur so 
kleine, ein bißerl sadistische Spielereien und das Normale. Einmal oder 
zweimal in der Woche wird er wie rasend. Er ioL unruhig, er kann nicht 
in der Wohnung, nicht im Cafe bleiben, er muß herumrennen und sich etwas 
suchen. In diesen Zuständen ist er wie verwirrt, und da fällt er hinein, da 
ist er schon sogar das Üpi'er von Dirnen geworden, während es ihm bei klaren 
riinnen nie passiert. Das Kennen ist ein un widersteh lieber Zwang. \\ enn 
pr mit einem Madclien im FTotel war, wird er etwas ruhiger. Aber nur oim' 
Weile, Dann könnte er wieder anfangen zu laufen, zu suchen, etwas zu maclien. 
Er weiß uiciu., was er nuichen würde, um sich zu beruhigen. 

In solchen Zuständen ist es schon vurgekommen. daß er gestohlen hal. 
Er macht bei seinen Bekannlf^n einen Besuch und steckt irgend einen Gegen- 
stand ein. Meistens eine wertlose Sache. Die wirft er dann wog oder schickt 
sie zurück- Er hat auch den Spaß ausgebildet, bei seinen Kollegen Taschen- 
tücher 7.U ziehen und sie ihnen zurückzugeben. Ks macht ihm Spaß, sie -lino 
Weile bei sich zu tragen. ' '■'■ 

Er hätte noch eine Passion. Von Fi'auen, die ihm gefallen, mochf© er 
die getragene Wäsche stehlen und sie bei sicli im Bette hallen. Er hal es 
aber mir einmal gelan und gesagt, es war ein Verschon. Es war em Hemd 
.einer Kusine, die ihm immer gefallen hat und an einen älteren Herrn vor- 
heiratet ist. Er hat einige Tage hei iimcn geschlafen Da hat er ihr Hemd 
zwischen seine Wäsche gegeben und das Hemd bei Nacht angezogen. 

In diesen Anfällen fühlt er auch oft den Geruch von aller Wasche .ide, 
den Geruch eines Abortes (wie Stuhl). Er kann sich diese llallazinalionen 
nicht erklären. __ _ 

Er~er7ählt a7s seinon ersten Lebensjahren: Ich ennnere mich an alle 
Ereignisse meiner Kindheit mit einer ganz außerordenü.chen Klarheit,. Meine 



108 Fetischismus. 

erste Hoxuelle Erregung stammt aus dem Ö. Lebeiiejaiire. Ich stand zwischen 
den Beiiieii der Mutter und streifte, eigentlich streichelt« ihre "Wade. Meine 
Mutter war eino selir schöne und sehr kräftige Frau. Da fühlte ich ein sehr 
starkes Lustgefühl, mein Glied wurde steif." 

„Dieser Eindruck war für mein ganzes Leben bestimmend Ich suchte 
immer wieder die Wade der Mutter und verlangte danach, sie zu streicheln. 
Anfang-s duldete es die Mutter. Bald aber bemerkte sie meine sexuelle 
hkstase und verbot mir dies Spiel. Ich wußte mir aber zu helfen. Ich 
wartete, bis die Mutter schlief und legte mich dann zu ihr ;nif da^ Sofa und 
zwar immer neben ihre Waden. Ich .streichelte .ic uud trachtete, mit' dem 
Gliede an der Wade .u wetzen. Dabei hatte ich ein außerordentliehes Lust- 
gefühl. Bald aber war unr das nicht genug. Ich begann auch ohne die Mutter 
zu onanieren. Ich suchte mir einen ihrer Unterröcke aus, ruch daran, steckte 
Ihn zwischen die Beine und begann so lange zu wetzen, bis das schüne 
Lustgefühl kam Oft überraschte mich meine um 4 Jahre ältere Schwester 
und fragte: „Was machst du da?" Ich stammeUe irgend eine Erklärung- 
Sie schwieg und sagte niemandem etwas darüber. Sie schien es verstanden 
■AU. haben, ich hatte auch eine jüngere Schwester. Weder die ältere 
noehdiejü-gere waren meine Se.xualobiekte. Sie waren 
mir nnmer ekelhaft und spielten als Sexualwesen gar 
keine Rolle, wahrend ich schon mit 5 Jahren in eine 
kjeine Kusine feurig verhebt war und immer wieder 
verlangte, zu ihr gefuhrt zu werden'- 

Mit (i Jahren kam ich in die Volksschule. Ich onanierte während der 

. ^,','."/t "'"^' ^'V^' ""? ^'f''^ '^■'""''^' ™'^ ^^'- sadistischen BlmntasTe 

jj .ladchen zu schlagen, besonders aber auf die nackten Waden ch wa 

U Jahre alt. da schaute ,ch zum Fenster hinaus. Ein Vetter g^h mir eiln 
schlag aul d.e Nates und berührte dabei meinen Anus. Das wa de Beginn 
eines schweren Leidens, das bis heute andauert. Ich glaubte er habe m-- 
das Kuckgrat verletzt und litt an einer Unmenge von Zw^Svarsttn." ' 
aber die ich spater berichten werde. Besonders verfolgte nfich dS S 
eine Ratte konnte mich „i den Popo beißen. Dabei wohnten wir in drtte 
; ^,tock. Es war unmöglich, daß Ratten hinaufkommen konnten übe dki 

war es ein englischer — nicht offener — Abort" """i*^"- uoeraio!^ 

fi ,V'''' ';^"est^ist bei Homose.xuelIen und besonders bei Unbewufit-Homo- 

"■■( sexuellen außerordentlich häufig. Ich frage daher d.m pJ- 'f?^^^"''^ ^^"^"^ 

I homosexuelle Phantasien beim Onanieren prod^iert ifattT'" "" " 

; Er wird sehr erregt und versichert, daß er niemals homosexuelle Ge- 

danken hatte. Nie habe ihn ein .Mann gereizt. Davor habe ei nur Ekel Er 
gibt aber zu, daß er in der Kindheit auch Juneenc mir^L w * t.- 

wollte. Er fahrt in seiner Erzählung fort ^""^ '"'^''^"' 

„Mit 15 Jahren wollte ich der Onanie und meinen sadisti.nlien Phan- 
ta^ieii ein Endo machen. Ich ging zu einer Dirne. Ich absolvierte den I o ?"s 
ohne Vergnügen, ch war in einigen Sekunden fertig. Diese Scliw"äcle ist 
mir bis heut« gebheben. Ich konnte niemals einen lungeren KoHurvoll- 
ziehen und habe nie den starken Genuß wie bei der Onanie^ 

■ \ -M erimiere mich auch, mit 6 Jahren die W^de^meTnerTlnl^ ge^ 
etre.chelt zu haben^ Ich war wie ein Hund. Ich .Hirzte mich aS iede W^^ 
Auch heute spie t die Wade m meinem Leben die führende Rolle. Ich weiß, 
daß ich mit 6 Jahren immer mit Gedanken an die Wade onanier Na.-U 



iii 



Wncieu-Partialismus, Sütiismiis, Ivloptomauic. ino 

dem Besucli dor Tante stellte ich mir ilire Wade vor. Ich steckte ein Polster 
zwischen die Beine und dachte, es wäre die Wade der Tante. 

Einmal erwischte mich d e !■ Vater und \' o ]■ b u 1 mir 
sehr st r enge das Onanieren. Ich wartete dann, bis dieEltcrn schliefen, 
stellte mich ychJal'end und konnte dann meinen Lüsten l'röhnon. Ich hatte 
aber ein böses Gewissen. Ich dachte; „Der liebe Gott sieht es und Vater 
hat gesagt, daß es eine große Sünde ist!" . . . Ich erhielt auch einmal 
Schläge, weil ich trotz des Verbotes des Vaters onaiiierle. 

Ich wai' sehr eitel. Ich trug lange Locken und bis zum 4. .Jahre Mädchen- 
kleider. Alles liielt iiiicli für ein Mädel und sagte: ,,Ei, ist das ein schönes 
Mädorl!" Icli sträubl-e niieli gegen die Hosen und sehnte mich immer nach 
den Mädchenkloidern. 

Ich legte oft die Kleider der Mutter an. was mich immer zum Onanieren 
reizte. Ofl. nahm ich einen Uulcrruck der Mutter ins Bett, zog ihn über den 
Kopf, SU daß ich ihren CJeruch genießen kennte, und onanierte. (Es stellt 
sich später heraus, daß es sich um Mutterleibsphantasien handelt/^.) 

Zwischen den Eltern gab es viel Streit. Ich hörte alles und nahm ge- 
wöhnlich für die Miilter Partei. Ich lag im Uetl« /,wischen den EltA;ni. Las 
weiß icii. Ich erinnere mich nicht, damals den ICuitus der Eltern belauscht 
zu haben. Später habe ich oft den Koitus der -Mutler belauscht. Der \"ater 
verarmte, er verlor im Bankrott all sein Geld, Schmalhans wurde Küchen- 
meister. Meine Mutter lioll« sich Herren, um Geld zu verdieneji. Ich war 
11 Jahre alt, sie nahm mich mit, ergattcrU^ sich einen Herrn und kam dann 
nach Hause. Wir Kinder iimßten aus dem Zimmer gelien und macliten unsere 
Spässe. Der „Herr Onkel'- versprucii mir oft Geschenke, gab mir auch Geld, 
was meine Mutter immer einsteckte und dann I i^dia u ptet*-, sie hatte es ver- 
loren. 

Später hattö meine Schwester auch Verliähnisse. wobei die Mutter die 
Kupplerin spielte.'" 

Die ersten riiasorhistischen Phantasien hatto ieli mit Ü Jahren, wenn 
ich gegen die Onanie ankämpfte, um dem lieben Gott gefällig zu sein. Ich 
stellte mir vor, daß icli geschlagen würde. Erst später entwickelten sich 
sadisti-iclic Phantasien. Doch weiß ieh uichl sicher, ob ich nicht vorher 
diese sadistischen Phantasien gehabt iialic. 

Bei uns wohnten zwei Mädchen, Klavierlehrer innen, in die ich schon 
mit 6 Jahren verliebt war. Ich war entsetzlich eifersüchtig, wenn sie mit 
den Schwestern Immdlicher waren als mit mir. Ich war auf meine Schwestern 
überhaupt sehr eifersüchtig. 

Mit 17 Jahren liatte ich eine Aversion gegen die ganze Farailie. Meine 
Schwestern waren doch Öchonheit^-n. Meine Mutter nech immer eine fesche 
Frau. Ich konnte keine ansehen, brummte immer, war mit allem unzufrieden. 

Sie haben mich aufgeklärt, daß ich mich befreien und eine Distanz 
errichten wollte. Ich verstehe jetzt meine Einstellung. Dann begannen nicine 
sadistischen Prozeduren. '■ 

Ich erkundige miclj nach seinen sadistisciien Prozeduren imd erfalire 
folgende Einzelheiten: 

Er sucht sich seine Opfer auf der Straße. Am liebsten hat er junge 
Mädchen mit kindlichem Typus. Er spricht sie an, ist sehr freundlich und 
fragt, ob sie nicht tanzen lernen wollten. Er konntC' ihnen ein glänzendes 
Engagement bei einer Tänzorinnentruppe verschaffen. Bedingung aber sei 



h 



ii 



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l\Q _■ Fetischismus. ■, ■ ■ ' 

ein strenges Training. Dann geht er mit seinem Opfer ins Hotel, wo er 
gilt bekannt ist und wo hohe Trinkgelder ihm eine bevorzugte Stellung ver- 
schafft haben. 

Das Mädchen muß sich bis auf Strümpfe und Schuhe nackt ausziehe'i. 
Nach den ersten Tanzschritten findet er einen Fehler und beginnt das Mädchen 
]eieht auf die Wade zu schlagen. Er benützt eine Gerte. Wenn sie erschreckt 
und feige ist und er merkt, dali sie gefügig ist, werden die Schläge stärker, 
mitunter schlägt er auch das Gesäß. Er bindet das Mädchen ans Fenster- 
kreuz, so daß sie auf den Fußspitzen stehen niuÜ, und weidet sich an ihren 
Schmerzen. Am Schluß vollzieht er mit sehwacher Potenz einen Ivoitue, 
der kaum einige Sekunden dauert. ■._■■■ 

Viele Mädchen zeigen für diese Prozedur Verständnis und scheinen 
fasziniert. Die meisten sind erschreckt und weinen. Wenn die Mädchen .sicii 
wehren oder schreien, hört er sofort auf und versucht einen Spaß aus der 
Sacho zu machen. Dieses Spiel wiederholt er zweimal in der Woche immer 
niit einem anderen Opfer. 

Er hat auch das Verlangen, Kinder zu schänden und auf die Waden zu 
schlagen, hat sich aljer bisher aus Angst vor dem Strafgesetz zu beherrschen 
gewußt. 



Er träumt: .■■ ' f-. ■ -, , i . - 1 ■ . " ■■, ■ ' .• 

Ich ging mit meinem Kollegen Otto spazieren. Er war sehr freund- 
lieh. Dann sah ich, daß seine beiden Hände an ein Brett genagelt waren. 



Otto ist ein Artist, der ihm sehr gut gefällt. Er möchte mit ihm spielen 
und sich karessieren lassen. Im Traume sind die Hände Ottos angenagelt, 
womit er die Tatsache ausdrückt, daß Otto verheiratet ist 

Ottos Frau ist ihm sehr unsympathisch. Er kann sie nicht ansehen. 
Aber diese Antipathie ist gleich seiner Anlipathie gegen seine schönen 
Schwestern, nur die Umkehrung einer. Neigung. (Selbstschutztendeiiz') 

Der Kollege Otto ist sein zweites Ich, stellt seine Parapathio dar. Ei' 
hat seinen inneren Menschen gefesselt. Was er ausführt, ist offenbar nur ein 
sehr kleiner Teil seines Programmos. Andrerseits ist auch zu verstehen, daß 
er an seine Parapathio genagelt ist. Ihm sind die Hände gebunden. Er 
kann nichts Böses anstellen. Er muß also mit den Händen gesündigt haben. 
Er hat auch den unbewußten Wunsch, Otto solle mit seinem Penis 
spielen. Das kann er nicht, wenn seine Hände angenagelt sind. Bretter 
stallen Fleisch dar. Otto ist verheiratet, Er ist nicht frei. Georg aber, 
i unser Patient, ist eifersüchtig und möchte Otto für sich haben. 

J So gefesselt fühlt sich auch Georg durch die Ehe. Er hat seine Frau 

1 geliebt und ist nun impotent bei ihr. Die Liebe seheint erstorben zu sein. 

Er empfindet nur seelische Liebe für sie. Endlich sehen wir einen Hinweis 
j auf Christus (Ghristusneurose). Er ist mit beiden Händen angenagelt wie 

i der Erlöser. Georg ist trotz seiner Paraphilien fromm und bestraft sicli 

täglich durch selbst inszenierte Niederlagen und Demütigungen. 



Nächste Nacht träumt er: 



. .;] Ich habe die Frau von Otto auf den Arm geküßt, am Arm ge- 

■h] sogen und dabei große Wollust empfunden. 



!!i 



Wadeu-PartidlismiiB. Sadismus, KleptomaDie. i < . 

„ , /' ^l^^*' il^m dazu ein daß ihn zuweilen auch .cl.öne Arme interessieren 

. j T. '^ii "^^" ^^^'' '"^^'^'"' ^™^ ^1^*- "^eine weiteren Einfälle Widei- 
öüuide. D]G Pran von Otto aelieint für eine andere Person m stehen. 

Ein dritter Trunni: 

Ein sehr diclver schmutziger Herr, ich glaube ein bei uns ange- 
stellter Artist, wollte auftreten. Ich scliimpftc. „Wie können Sie in " 
diesem Zustande in unser feines Loiial kuuunen? Ich werde Sie niclit 
auttreten lassen. Suldie Schweine gehören nicht in mein Geschäft." 

Um diesen Tmum zu verstehen, müssen wir uns mit seinen Zwanss- ■ 
vorek-Ilungen beschäftigen. Er hat den ganzen Tag nut Zwangsvorstellungen 
zu tun, die sich auf sein Auft.ro(^;n beziehen. Wenn er du;^ oder das nicht 
tut, wird er keinen Erfolg liaben. Er hat allerlei Zeremonielle, auf die ich 
noch zurückkommon werde. Aber das Wichtigste: Er gönnt ..ich keinen 
grolien Erlolg. Er verdirbt sich seine Erfolge. Er sagt sich immer {nacli 
omer sadistischen Szene): Du wirst jetzt keinen Erfolg haben! Du ver- 
dienst das nicht! und bringt sich so uni seine schönsten Schlager. 

Wir verstehen nun den Traum. Er ist der Mann, der auftreten s.dl 
uud 80 schmutzig ist, und er verbiete sich selbst den Erfolg. Er ist das 
bchwein! Er ist ein aueg<'sprochener Masochist und hatte als Kind eine 
auegesprochen masochistische Periode. 

Es fällt ihm nachträglich ein, daß die masochistisclie Periode nur eine 
einzige Woche gedauert hat. Vorher schwelgt« er in sadistischen Phantasien. 
Um sich die sadistischen Phantasien abzugewöhnen, dachte er, daß er ein 
sehr schönes Mädchen sei, von aller Welt bewundert, das aber von ihrem 
Greliebten geschlagen wird. 

Sein SadismiLs ist die Reaktion auf seine weiblichen Tendenzen. Er 
will ein Mann sein und den Frauen beweisen, daß er ein Mann ist. 

Eine wichtige Rolle in seinem Kinderleben spielte ein Dienstmädchen, 
das viele Jahre bei ihnen bedienstet und die Vertraute und Freundin seiner 
Mutter war. Das Mädchen teilte Leid und Freud mit ihnen. 

Sie war aber gleich seinen Schwestern füi- ihn Tabu und kein Sexual- 
■ Objekt. 

Mit 6 Jahren begannen die ersten Zwangsvoi-stellungen. Er begann zu ' 
grübeln : „Was ist die Freude? Ich darf kein Vergnüge n 
!i a b e n ! * 

Er ei'innert sich, wie ihn sein Vater geschlagen hatte, weil er frech 
war. Er stellte sich, als ob er in Ohnmacht fallen würde. Seit damals 
benützte er Krankheiten, um aus allen unangenehmen Situationen in die 
Krankheit zu flüchten. 

Nach den Sehlägen (seine Mutt«r rettete ihn; sie rief dem Vater «u: 
Jetzt ist es genug!) haßte er seinen Vater und wünschte ihm den Tod. Zur 
Strafe setzten die erwähnten Zwangsvorstellungen ein. Er verdarb sicli jede 
Freude. M^as hat man von der Freude? Tut die Freude so wohl? Mit 7 Jahren 

forderte ihn ein Mitschüler auf, sein Glied zu zeigen. Sie könnten miteinander ] 

spielen. Er empfand Ekel und wollte mit ihm nichts mehr zu tun haben. (Deck- 
erinnerung?) ' 

Kurz darnach, also im 7. Jahre, gab ihm sein Vetter den Schlag auf 
den Hintern. (Zuerst hatte er dies Erlebnis in das 14. Jahr vorlegt.) Er 



112 



Fetiscliismus, 



glaubte lange Zeit, er werde nun rückoiimai-käkraok werden. Er lauschte, 
wenn die Erwachsenen sprachen und bildete sich alle Krankheiten ein die 
erwalmt wurden. Uesondcrs fürchtete er, daß seine Adern aufreißen werden, 
(Beginnende Hypochondrie infolge von Schuldbewußtsein.) 

In dieser Zeit fiel er einmal beim Blindekuhspiel auf den Kopf schlug 
eich die Schläfe wund und war eine Zeitlang ohnmächtig. Die Mutter sagte 
Ihm damals, das sei die Strafe Gottes. Seit damals glaubte er fest, er müsse 
an einer Krankheit sterben, wenn er einen bösen Gedanken hatte 

Im J.Lebensjahre wurde er an dem Gliede operiert. Kr erinnert .ich 
an die Vorfalle nach der Operation, an die Schwestern, an den Arzt, auch 
wie Ihm vorher die Locken abgeschnitten wurden, wie er weinte, wenn er 
verbunden wurde aber er weiß nicht, warum er operiert wurde Kr war 
em ungezogenes Kmd und sagte der Wärt<.rin: „Sie können mich in den 
A lecken! 

Er litt nie an Kastrationsangst. Er war nur später unglücklich, weil 
er- ein kleines Genitale hatt* und glaubte, es wäre die Folge der Onanie. 
Lr fürchtete das Glied werde nicht wachsen, und war sehr glücklich, wenn 
es bei der Krektion großer wurde. 

V , ^'\}\ '^'"Y''^ "'"'■'^P ^'' '"'"■ ^'™"""- ^' '^'t^t« "»d glaubte, daß der 
hebe Gott ihm hellen mul von der Onanie erlösen werde \ber er benlitute 
die Onanie, um sich krank zu machen. Er war mit 13 Jahren in einem 
Geeehatte als Lehrjunge angestellt. Er wurde schlecht behandelt Da ona- 
nierte er Gmal in einei- Kacht, um sich krank zu machen und hatte am 
nächsten Tage Anlallc. Er wurde ohnmächtig. Solche Anfälle von Traum- 
zuständen und süßer Ohnmacht hatte er zu dieser Zeit auch auf der Straße 
Es war ihm plotzlicli. als ob er sehr leicht würde und er sagte sich' Ich 
liin nicht mehr da!" . . , ' "' 

In dieser Zeit verdarb er sich jede Freude, indem er sich sagte- Das 
verdienst du nicht! Er trat erst in einem \'crein als Komiker auf und hatte 
einen uiigelienron Erfolg, ifald begann er sich den Erfolg v.n verderben. 
Er mußte immer auf seine Hand sehen. (Es war die Erinnerung an die 
Onanie!) Er sagte sich vor dem Auftreten: .,Dn wirst nicht an die Hand 
denken." Natürlich mußte er den ganzen Abend an die Hand denken. Er 
wußte nicht, was er mit ihr anfangen sollte. Sie genierte ilin. Es war die 
Hand, mit der er gesündigt hatte. Die Onaiiiephantasien sind ihm nicht klar. 
Er glaubt, es wären sadistische Phantasien gewesen. 

Er hatte zwei merkwürdige Träume: * 

Frau L. hat einen Schlögcl in der Hand, es sah w^ie ein Arm oder 
wie em Bein, aus. Ich wollte es dazu haben. Die Zuwagu . . . Dann 
zeigt sie nur etwas in dem Hintergründe, das wie ein langer Knochen 
. aussah. Ich wußte, daß ich die Sachen nicht sehen darf. 
- ■ Der zweite Traum lautet: 

Ich hatte einen heftigen Streit mit meiner Mutter Ich bin im 
Zorne weggelaufen und war nackt auf der Straße. Zwei Leute kamen 
mir entgegen und machten Bemerkungen. Ich zog mir mein Nachthemd 
an. Dann war ich in einer Art Rumpelkammer. Meine Mutter sagte: 
„Das habe ich jetzt zerrissen!" — und zerriß ein rotbackiges, dickes 
Gesicht. Es war wie eine fleischige Larve. Ich war sehr wütend. ..So. 
jetzt wirst du den Vortrag halten! Ich brauche die Maske zum Vor- 



Wadcii-PartiaiismLis. Sadismus. Kleptomauie. j , ,j 

l^tiu IT' """' ''' ''' ''^^ ^^^^^ ^--" '-^- -'» -^ «t.as 

Die Analyse the ci-shm IVamn.. ergai,, dalJ der fdilondo Knod>en der 
Pem. ist In VVien erh Ut man zun. Fleisch eine Zmvage vo. Knochen K 
sucht bei Jrau L die .In, in„..o.- reizt, e.ne Zn^vaso, den n.annlichc-.. Pen 

w i' -l ^'"'^ ^''^''""'''' '^''^ '*'^ l''-"'"*" ""^'■'' ^■'"''" P™^'^ l'='*H.n De 

Wade ivar ihm e.ii Pen.sei-eatz. 

Im /.weiten Ti'aume zen-eißt die Mutter seine Lai-vc. K,- },attc schon 

l«ken \\enn d,e Mutter da..n weinU-. .ei;<tc er tiefe Itene. Seine (iieir-h- 
^'..lt.gke,t gegen d.e M.,tt... „» späteren Alte.' war nur oi..e Maske Wen , 
ei- sieh nackt ze,g(>n würde wie i.i dem Ti-ami.e auf der Stmße ode.' we.m 
man .h,., d,e he»ch]er..cl,e Larve vom Gesicht reißen würde, so müUte -.an 
.^ehen. wie er seine Mutier lieble und begehrte. Die Mutter sl.,rb vor -wej 
Jutiren^ Lr .st eic!. seiner L.zestgedanken bewußt. Aber das vierte Gebot- 
.,Ehre Vater und Mutter I"' lieli ihn er.chaue.-n uz.d er vereuchte immer wieder 
eme \ erdrangung der Inzestwünsche. Kr sah als Kind so aus wie die LaiTe- 
iiotwangig und Üeisdiig. Seine Mutter zerriß das Bild seiner Kindheit Er' 
haßte se.ne Mutter wenn sie mit fremden He,-,-en ging. Jetzt kommt der 
Haß ™ Traume zum Du.-chbnich. Kr .-eißt seiner Mutter die Lan'o von. 
Oesicht. bie war eine Hure und ist au seiner K.-ankheH schuld. Darum 
haßt er alle Frauen, In joder Fi-au martert er seine Mutter 
^ Verräterisch ist der Satz des ei-sten Traumes: „Ich wnßte. daß ich die 
.jachen n.cht sehen dariV Er e.-innert ^icli, daß sieh seine Mutter vor den 
kindem f.;ar njcht genierte and nicht mir ihre Toilette, sondern auch die 
lagi.chen Bednrfn.s,se voi ihren Kinde.-ii ve.Tichlete. Dabei sah e.- ihi-e Beine 
und noch .nehr.^ Wollte er aber als Knabe genie das Genitale sehen^ Er 
hat gar ke.ne Lnmiernng, daJi er bei den Schwestern oder bei der .Mutier 
em Gen.tale gesehen iiat. Er war ein frecher, «ehr aufgeweckter Junge Kr 
begreift es nicht, warum seine Schwestern und das Dienstmiidchen lür ihn- 
sexuell gar nicht in Betracht kamen, auch heute noch seine Schwestern ihn 
kalt lassen. Er betont das mit so viel Emphase, daß er sich verdächtig 
macht und wi.- eine Pixiening an die Öch-K'eeteni vermuten, ohne ih 
unsei-er Venuutung Mitt^nli.ng zu in;)chen. 



im von 



Wenn er einen Schrecken fühlt, so kitzeil e* in der Hodengegend Bei 
jedem gniseligen Eindnick die gleiche Sensation. Er führt das auf dio 
Operation zurück, die er im 3. Jahi-e überstanden hat. Es war eine Hoden- 
operatioii nach Quetschung des Hodens. So berichtete es ihm seine ältere 
Schwester, die er darum befragte. Er kommt auf den Kuüben zu sprectien, 
der ihm einen homosexuellen Antrag niachle. Es war in der ei-sten VoRis- 
schulklaese. Bisher hatte er angeblich doch imu.e.- mir in der PhanUisie 
genossen. Endlich gab es einen Partner. Ti-olzden. hatte er ein Grausen, 
als er das Glied dee Freundes beriihi-en sollte. Es scheint, daß der Valcr 
ihm da« Berühren des Gliedes als etwas besonders Ekelhaftes seschildrrl 
hatte. Er vermied es als Kind nach Möglichkeit, sich unten zu berühren. 
Nur bei der Onanie und beim Urinieren übertrat er das sti-enge Verbot; V.r 
mußte jede Woche mehrere Male onanieren. 

Erst mit 14 Jahren verbot ihm ein Arzt das Onanieren und er stellte es 
prompt ein. Ab9r seine Parapatliio wui-de immer schlimmer. 

Stekol, SMirnottan des Triih uiid Affiikllsbeüs, VlI. g 



114 



Fetischismiis. 



,. 



Der Gruiidzug seines Wesene ißt Trotz. Er trotzt auch mit sicli selbst 
und verdirbt sich seine besten Erfolge, Gestern hatte er den forsten gnt^'H 
Tag nach vielen Jahren und seinen besten Kriolg. Er liihlt t^irh diirt-h die 
Analyse sehr erleichtert. 

Ich setze die Analyse des letzten Traumes fort, da ich vun iJim wich- 
tige Enthüllungen erwarte und fordere ihn auf, mir die Einlalle zur .Maske 
zu sagen, die seine Mutler im Traume zerreißt. Er siigt: ' 

„Die Maske ist rot und rund. Sie hat einen Bart. Sie sah aus wio 
ein TheiTOophor. Sie hatte oben einen Riß. Die Mutter sagte: Daher ver- 
brenne ich sie . .."' 

„VerhremieV Sie .sagten doch zerreiße ich sie in der ersten F;itisun£C?" 

„Verbrenne — oder — zerreiße . . . Weil sie einen Riß hat. also 
verdorben ist." 

„Wie sah der Bart der Maeke aus?" 

„Ein Bart und Gesicht wie ein Fleischhauer. Ein rolier. ordinärer 
Geselle. Vielleicht war es das Gesicht des Anton.^* (Es war der Bursehe, 
der ihm den ominösen Stoß gegeben hatte. Deckerinnermig"-') 

„Hatte Ihr Vater diesen Bart?" 

„0 nein! Mein Vater hatte einen Spil-zbart und ein feines Gosieht. 
Es war ein ordinäres Gesieht. Ich weiß Liicht. Ich muß mich docli daran 
erinnern. Wie sah er nur aue?" (Denkt nach und ruft plötzlich aus): .,Ifih 
habs. Es war der Mann, über den wir gelacht haben. Eine lustige Geschichte. 
Dumm! Nicht wichtig!" 

„Erzählen Sie mir die Geschichte." 

„Nun, die Mutter holte sich von der Ga.sse einen Mann, der sah roh 
und ordinär aus wie ein Fleischhauer. Dann ging sie mit ihm ins Zimmer 
und sperrte die Türe ab. Ich und die Schwester wollten durchs Schlüssel- 
loch sehen und konnten nichts entnehmen. Dann horten wir Stöhnen leises 
Kichern und alleilei verdächtige Laute. Die beiden kamen dann au.^ dem 
Zinimer. Der Mann war rot im Gesichte, wischte sich den Schweiß von der 
Stirne, er sah aus wie die Maeke . . ." 

„Waren Sie eifersüchtig oder zornig auf die Mutter?" 

„Gar keine Rede! Wir lachten und unterhielten uns köstlich , . -■' 

Er schweigt eine Weile. Dann fährt er fort: 

„Ich weiß nicht, warum ich bei meiner Frau impotent bin. Sic hat die 
reizendste Wade, dii^ Sie sich vorstellen können. Tnd wenn ich eine Frau 
mit ähnlichen Waden sehe, bin ich inipul^nt. Mich reizt am meisten ein 
Kind. Mit jedem Kinde möchte ich spielen und es ([uälen. Schon als Kind 
stellte ich mir ein Mäderl vor. Am Schluß der Onanie war ich friiher selig, 
aW wi-nn ich in den Himmel fahren würde. Ein herrliches Lustgefülil! Höchste 
W«nne! Oft habe ich später ein ähnliches Gefühl gehabt, wenn ich die 
Anfälle hatte. Ich konnte sie mir künstlich auf der Gasse erzeugen " 

,,Haben Sie immer mit der Vorstellung, daß Sie ein Mäderl sti'afen, 
onaniert?" 

„0 nein. Manchmal, sehr oft gebrauchte ich. wie ich schon erwähnte, 
ein Hemd oder einen Rock der Mutter. Ich hüllte mich darin ein, roch daran 
und dachte mir dann, die Mutter wird bestraft, weil sie so — stinkt "' 

„Wer bestraft die Mutter? Der Vater?" 

„Nein! Niemals der Vater. Das störte meine Onanie. Da war mir 
die ganze Freude verdorben. Immer ein anderer. Der Vater hatte mit dev 



Wadeii-ParlialisiiiLis. Sa^lismlL^. Kleptomanie. i,= 

Muttor immer ötreit Ich erinnere midi, daß t.. für mich das gi^ößt*. Glück 
■war, wenn \ater mit Mutter ruhig .sprach. Irh fiililte mich wie im Paind™ 

ü-r schweigt ... 

.,Wijraii denken Sie':"' 
An den Traum, ich war im Traimic anf die Mutter wüUmd. Da. .r- 

uns Her, b. Lr l^am i'egehiiäßig zweimal die Wociie. „Ein ^honnent^" 

K i »^'' ''"'* ""■"■ '"'ttcn dann ein gnte« wanne. NaHitniahl l-:inmal 

fad rüden r " '' ^TT ?' ""'^"' ^'^ ^""'^ "-" ^^ Weinol KindiZ - 
tdd kauten, hr ^nn^ ,u.d die Mnlter ivdlte niclit da^ Spiolmi^ kaufen !ch 

do S,.;; '■";''" 7 ^'T' '«'^^'^''"Pt<- 'H" «-tter. „anno .iL ..Hnre", h!is 
die Mutte sich autmadit,.. das Ka,i .u kaufen. An, WVg,. sagte sie si. 

nm dann irgend eine kleiniglveit. Heute .veilS icl,. dat; ^ie das Geld fürs 

un<n,, stau, des Herrn b. ein Dienstinann mit einer Karte kam. der die Ab- 
uZ n u ! ■ '"^^''" ''" '^'''^"' '^^^f^'-* '^'^'" Ni"=">l"i^hl. nur trockene 
^ L.n. '',- T ""''■'^i%'"''' ''■"' ^'^'"'**'= '■^'^'' '"■<l^i"^'><-- i't-'Ue nicht, komnum 

M..t p ■ , 'V"' ' -'^''"'^ "" ^""^ '^'''"»**-' ^^'1«" l«-'^*'"' "\^''^e sagen Sie .« 
ilit'her ..r-rziehuNfri' 

„«ie iniissen doch die Mutter vei'achtet oder gehaßt haben?'' 

fci?" iJn ^'"/'^V'^n'/".-^'"''^"'" ^''""'""'^''^^ "■^'»" >^"-"i^ in- Hause war. 
Icli ennnere mich, daß der "S'ater der Mutter immer Vorwürfe wegen ihrer Ver- 
lan,.!, heu. nnulite. K. hat auch am Anfang der Ehe etw.t« gegeben," 

„Und das alles haben Sie gehört^ 

„Ja, meinen Eltern war es gajiz Wurst, ob ich im Zimmer anwesend 
war .der nichtDalier hatte ich so früh, ICinhIi.-k in alle diese Verhältnisse.- 

l->!imit schließt diese .Sitzung ab. 

Er-kommt anl' die Svenen mit der Mutier zurück. Er erinnert sich 
-iai.( sie alle glücklich waren, wenn der „Abonnenf Herr S. kam Sie aßen 
oft nur trockenes Brot und ein Stuckchen kalte Wurst. S bedeutete ein 
gutes warmes Nachtmahl. Trotzdem hat er die dunkle ErinneniDg daß 
sich etwas in ihm gegen S. strliulite und dal,- er doch eifersüchtig wLr Kr 
scheint seine Eifersucht gaiiK verdrängt ■/.» haben. Auch. weiß er sich nicht 
zu erinnern, ob er mit der jüngeren Schwester nicht mittlen\'eile auch «,- 
spielt hatti^. Nein! Er weiß es bestimmt. Das war ausgeschlossen Die 
jüngere Schwester war nie ein Sexnalobjekt für ihn. 

Sie unterhielten sich nur köstlich, wenn S. gana rot und-hufgeregt aus 
dem Zimmer kam. r 

,.Haben Sie durchs Schlüsselkicji gesehen?'' 

Er schweigt. Er kann sich nicht erinnern. Er meint, es könne der*' " 
Fall gewesen sein. * -, > 

Er träumte: '" , ■.'* . 

Ich hielt einen Vortrag iilDcr Luft. Dann drehte es sich um Mark-' 
und Krone. Ich sprach mit einem Deutschen darüber. Er hat mich ■ 
irgendwie beruhigt. Daim bin ich am Klosett gesessen. Das war ganz -i 
schmutzig mit Urip. Irgend jemand sagte; Es is( doch gut daß die 



116 



FetiechismiiH. 

Deutfichei. herkommen, daß da Ordnung wird! Plötzlich spüre id. riicii- 
wärts kitzeln drohe mich um und oben aus dem Loch irit ein ganz tleinei 
Rn\7. heriinügekütnmen. der mich gekii-aelt hat. Ich hatte merkwürdiger- 
weise keinen Ekel und keinen Schrecken wie im Leihen. 

Dann sind wir im Omnibus gefahren. Da war ein sehi- grober 
Kandnktßur. Meine Frau ist erst später eingestiegen und hfit sich neben 
mich geeetiit. Wi& der Kondukteur das gesehen, daß .^io keine Karli? 
genommen hat, sagte er: „Ah, Si'e reden mit der Frau!^' — als ob wir 
wegen der Karten schwindeln wollten. Dadurch bin ich in Streit ge- 
raten. Am Stephausplatz habe ich ihuL irgend ein Schimpfwort zu- 
gerufen. Er sagte: „Icli werde Sie einsperren lassen!" Ich wollte micli 
über die Brüstung herunterlassen, um nuf ihn hin 7.u fahren und mit, ilmi 
zu raufen. 

Ich war in einem Theater im Bühneneingang. Auf einmal war ein 
Paket das ich in der Hand hatt«, verschwunden. ., Machte keine Dunun- 
heiten! Das hat einer versteckt!" Ich rankelte mich mit einem kleinen 
micßen Kerl, der stärker als ich war. Ich konnte ihm nicht heikomnien. 
Dann bekam ich das Paket. Darin war ein .schweres beschmutztes Tisch- 
tuch und darin waren andere Sachen. Ich bin mit dem Paket nach 
Hause gegangen '/ai meiner Frau, habe mit ihr geschimpft, daß sie nicht 
bei mir war die ganze Zeit. Wie ich das Paket aufmache, war das i'ote 
Tischtuch weg. Ich bin zurück zum Thent^r. Da fanden sie das rote 
Tischtuch, 

Ich hin in die Wohnung nach Hause gegangen, es war wie in der 
I K...gaBSe in der Jugend, Es war liuster. Ich habe mich gefürchtet 
vor Einbrechern, Im dritten Zimmer war eine Gestalt, eine ganz magere 
alte schmale Frau. gel)ückt. Sie hatte ein Tuch um, Sie hätte nichts 
. '■■ zum Anziehen, Ich solle ihr doch etwas Kleider geben. Ich gab ihr 
etwas. Es war ihr nicht genug. Sie schaute nach und wollte Büclier 
haben, schaute in einem Stoß Bücher nach. 

Dann änderte sich die Szene. Ich suche auf der Straße einen 
Wagen. Da sehe ich plötzlich meinen Vater. Er kam mir fremd vor. 
Trotzdem hattie ich eine Freude, ihn mir einzuladen, mit dem Wagen 
zu fahren. Ich habe aber keinen bekommen. 

Wieder ein Wagen. Wir fahren drei einen Berg hinunter. Kio 
dicker Mann, ich und noch jemand. Wir fuhren ein Stückerl steil her- 
unter, da stieg der dicke Herr aus, um auf einen anderen Berg aufs 
Kloee'tt zu gehen. Der Kutscher sagte: Er hätte einen kürzeren Weg 
aus dem Klosett gehen können. 

Ich wende mich der Analyse dieses wichtigen Traumes zu. Er wird 
aufgefordert, seine Einfälle zu „Luft" zu sagen. „Gedanken sind Luft!" 
So beginnt, er, dann wundert er eich, wie sich die Luft im Traume in Mark 
und Kronen verwandeln kann. Dann allerdings kommt er auf die Ent- 
wertung des Geldes zu sprechen und m&int. das Geld sei ietzt wie Luft. 
(Wir sehen die Zusammenhänge Luft — Stuhl — Geld — Analkomplex^i 
Seine Frau habe gestern einen Wind gelassen, ohne sich zu genieren, l'''" 
sagte ihr: „Du bist wirklich ein erstklassiges Frauenzimmer, Eine ordinäre 
Person würde sich genieren und einbilden, das passe sich nicht !" Dann kommt 
«1- auf seine Mutter. Sie habe eich gar nicht geniert. Sie hatte allerlei ekel- 
hafte Gewohnheiten. Sie fuhr sich mit den Pingeni zwischen die Zehe» und 



Watieu-Partialisiuis Sadismus, Kleptomanie. 



117 



steckte eich den Schweiß in den Mund. Sie hatte oft die Hand bei ihrer 
Scheide, so daß die Hand sehr sUn-k roch. Deshalb ekelten sie eich oft beioi 
Essen. Wenn sie aui' dem Abort sali, gab es dann einen fürchte rlii;heii Ge- 
stank. Er wollte nie nuch der Mutter hinausgehen. Der Vater hingegen 
war ein peinlich reiner Mensch . . . 

Plötzlich erinnert er aJch an allerlei ividitige Dinge aus seiner Kind- 
heit. Kr roch eeinen eigenen Flatus sehr gerne. Er zog die Decke über die 
Ohren und machte sich eine Höhle, um den JF'latus recht lange festzuhalten. 
Die Defäkatiun war ihm nach seinem Ausspruche iunner ein Fest. Sie war 
mit sehr starken i^ustgeluhlen verhunden. Nach dem Stoße seines Vetters 
kam die Angst, im Abort sei eine Ratt«- (Er sagt immer männlich: ein 
Ratz!) Die Ratte werde ihn beißen. Nun war ilim die Freude im Abort 
-verderben. Erst stellte er sich auf das Brett dann aber hockte er verkehrt, 
so daß er es sehen hätte können, w-enn der E,atz hei-vorkonnnen würde. 
Später \^errichtete er seine Notdurft auf einem Papier und warf dann den 
Stuhl in den Abtritt. Erst ]nit 17 Jahi-en gab er auf das Zureden eines 
Arztes hin die Ratzphobie auf. Seit damals ist aber auch das Vergnügen 
an der Defäkation gan?- geschwunden. 

Wir sehen dcutlicli, wie er sich seine Freude selbst zei-stört hat. In 
diesem Traume tritt statt des Ekels vor dem Ratz das direkte Lustgefühl, 
ein angenehmer Ivitzel auf. 

Wir setzen die Analy.se des Traunu-s fort. Ein kurzer Traum dieser 
Nacht versetzte ihn zu einem anderen Auahtiker. Er überraschte mii:h dort, 
sieht, daß ich selber ein Paraiiatbiker hin, der sich einer Analyse untei- 
Kieht. Es ist die Rache dos Kmnkcii. der aMi der Autoi'ilJit des Ar.ites 

beugen muß. 

Seine nächsten Einfälle zu Luft sind: Es hatideli^' sich um liicke und 
'dünne Luft. Dann konnnt i-r zum Passus: „Es waren mehrere Deutsehe da." 

„Was fällt Ihnen zu den Deutschen ein':"' 

i^Deutsche sind ordnungsliebend, sie sind rein. Der Vater war auch t6m. 
Die Deutschen sind homosexuell. Ich hasse die llomosexualitäi ... Sie 
haben Jiiir eimnai gesagt daß der ßatz für einen Mann steht, für Ilomo- 
sexualitäl. Der Ratz kam aus einem Uohr heraus." 

Die weitere Analyse ergibt, dali i\i sicli um eine Mutlerleilispliaiitasia 
hand<'l1 Das Klosett ist die Mutter. Es kommen viele Liebhaber zu ihr. 
( D-is beschmutzte Klosett.) Der Vater duldet das nicht. (Es wird Ordnung 
eenvicht durch die Deutschen.) Aus dem IJohr (der Scheide) konnut der 
Penis des Vat«i-s. (Der Ratz.) Er erzählt ausfuhrlich von meinem Ekel vor 
Homosexuellen und daß er nie einen homosexuellen Akt hätte machen kunneu. 

Wir gehen zur zweiten Traiimstelle vom Omnibus über. Zum Kon- 
dukteur assoziiert er: „Ein grober/ dicker Eerl wie ein Biei'brauer. Eni sehr 

strenger Mann." . 

Wer fällt Ihnen zu dem Mann em:* . . e l. . 

"Mir kann nur der Vater einfallen. Er war sehr streng und wir fui-chteteu 

un, ^"^ ''™;'l^,.p i^insteliung «um Vater (Liebe und Haß) bricht deutlich 
A«^rh Wenn der Vater mit der Multor die Aufti-itte hatt«, so nahm er immer 
P t'i für die Mutler. Wäre er größer gewesen, er hätte den Vater %e- 
t\ \^ Tn. 'l'railWie holt er diese Reaktion nach. Der Vater sprach mit 
£ Eter oft woohenlange kein Wort. Darauf bezieht sich die Traun>- 



118 



Fetwchismus 



stelle: „Ah, Öie reden mit der Frau!" Die Fmii steht etatt der Mutler. Die 
weitere Analyse ergibt, daß er aucli eiue Verladung von seinen Schwestern 
auf diu Frau vollzogen hat. Aue diesem Grunde ist er impotent. Er hat 
mit ihr ein Verhältnis wie ßrudei' und ^iidiwester. 

Wir kommen zur Stelle vom „Einsperrenlaesen". Einsperren war für 

Ulli immer eine ekellnifte und angetbetonte Vorstellung. Er wurde als Kind 

(dl eii!f^i'tfiJiTi-l. küdi wissen wir, daß er sadistische Szenen in dem Hotel 

aufgeführt hat und Angst vor dem Gericht hatte, ja, daß er jetzt einen 

Drohbrief von einem Advokaten erhalten hat. Die Angst, eingesperrt zu 

1 werden, ist horechügt und briclit durch die Traumgedanken. Er fürchtet. 

! wegen seiner Szenen mit der Polinei in Eonilikt xu koininen. Andrerseits 

] eteilt der Onniibus eine Frau dar. Er assoziierte das bekannte Witzwort: 

„Wenn meine üroßinutti'r Räder hätte, so wäre sie ein Omnibus.'' Er hat 
die Phantasie, mit seiner Schwester im Mutterleibe eingesperrt /u sein und 
sie dort zu züchtigen. 

Sein niic.lister Einfall zu „züchtigen" ist notzüchtigen. Er hörte schon 
als Kind von Notzucht und Unzucht und zerbrach sich den Kopf über die 
"Unterschiede. Als er onanierte, sagte ihm sein ^ ater drohend, er treüw Tln- 
zucht. El- stellte sieh in der Kindheit iuimei" \-ur, daß der Mann die Frau 
■ schlägt und vergewaltigt. dai;\ er sie züchtigt. Er sah einen Hahn niiL einer 
Henne verkehren und sagte: Der Hahn züchtigt die Henne. Dabei verstand 
er, daß es sieh um einen Verkehr handelte. 

Er glaubte anch die erste Zeit, daß alle die fremden Henen die Mutter 
schlagen wiinicn und hatte Mitleid mit ihr. Die Vorstellungi Er wolle ein 
Mäderl schlagen, heißt, er wolle mit einem Mäderl einen sexuellen Verkehr 
haben. 

Er ist ein Liusgesprochenes Kind und hängt au allen seineu Infantiiismen. 
Er hat die Entwicklung zum Manne iiocli nicht mitgemacht. Er ist das Bubi 
geblieben. 

Mit seiner Frau spricht er nur in der Kmdersprache. Er iicnnl sie: 
Maupi, Kraupi, Mutzi, Schutzi, Schnuzzi und erhält von ihr ähnliche Namen. 
Wie er sich als 6jähriges Kind die Freude verderben wolltt'. war es 
seine Absicht, sich die Freude am Onanieren zu zerstören. Das gelang aber 
nicht, so daß er sieh sagen mußte: „Von dieser Freude habe ich doch etwas!" 
Schon in diesem Alter stand er oft vor dem Spiegel und bezweifelte 
seine Identität, {Dieses Phänomen können wir bei Mutterlei bspban laste» 
sehr häuhg beobacht^-ui.) Er fragte sich: „Bin ich das? Nein, das kann ich 
nicht sein!" Er kam sich fremd vor. Er bekam Angst vor dem Spiegel, 
weil er dort ein fremdes Gesicht sah und sich fragte: ..Wer ist das?"' 

Die Mntteiieibsph antasten haben die merkwürdige Erscheinung des 
,,Dejä vu" und auch das Gegenteil, daß ihnen eine Stiaße fremd und neu 
vorkommt. Alle Jahre erlebt er einmal eine Situation, in der er sich sagt: 
„Das hast du schon alles einmal erlebt. In der gleichen Gegend, die gleichen 
Gegenstände, die gleiche Stimmung."" 

i Er war 9 Jahre alt, als ihm ein Dienstmädchen ihre Genitalien zeigte. 
Er solle sich einen schwarzen Punkt an,?chaueii. Nachträglich kam sie mit 
Syphilis ins Spital. Er verstand schon damals, daß es sich um eine schwere 
Geschlechtskrankheit handelte. Die Hauptsache bei der Sexualität war das 
Strafen (Züchtigen)'. 

Er stellte sich auch beim Onanieren vor, daß ein Zimmerherr, der boim 
Militär diente, bestraft wurde. Der Ziniinerherr war Einjahrig-Freiwilliger 



ir 



Waden- Partiiilisin US. Sadismus. Kleptomanie. 



119 



und erzählte vou den verschiedenen Straten, wie Anbinden, FoÄseln. l-'iii- 
sperren. Diese Erzählungen gestaltete er in seiner Phantasie aus. Dann ließ 
er seine Scliulkanieradcii auf die Waden peitfichen, was eine seiner Lieb- 
lingsphantasien war. 

Alle diese Einfälle erzühlt er Ijei der Analyse des Traumen. Sie slellea 
einen Teil der latenten Traumgcdanken dar und beziehen sich auf seiüC 
Schuld. Damit kommen wir nun zur Analyse des Traumstückes, das von 
Einbrechern und von der alten Frau handelt, Zur alten Frau lallt ilun die 
Großmutter ein. Sie war eine ehrsame, rechtsehaflene Frau, ein starker 
Gegensatz, zu seiner Mutti^i'. Er fürchtet .-jich vor den lleuegedanken, die in 
seine Seele einbrechen wulleu. Diese lleuegedanken verdichten sich zur ehr- 
würdigen Gestalt seiner Großmutter, welche die Bücher seiner Seele kon- 
trolliert. Wie hast du dein Leiien verbracht? Warum bist du kein in- 
ständiger Mensch worden? Nun will er den Lebensweg mit dem Bilde dfines 

Vaters beenden. 

Der letzte Teil des Traumes enthüllt, seine Reuegedanken. daß er seine 
Frau betrügt. Er ist der dicke Mann, der unter großen Mühen ein Klosett 
auf eine]!i Berge aufsucht und ein anderes ganz in der Nahe hat. (Einlall: 
„Das Weib ist ein Klosett" aus dem Fulenburgprozeß.) 

Der Traum sagt.: „Bleibe bei deiner Frau und lasse alle Eskapaden. 
Werde ein anständiger Mensch." E^ ist die Stimme seines Gewissens, die 
in der Syniptonibildung seiner Parapathie die Dominante darstelU. 

Auch das schmutzige Tischtuch soil durch ein reines ersetzt werden. 
Er grollt seiner Frau, daß sie iim nicht vor Untreue bewahren kann. Der 
kleine micUi' Kerl ist wein zweites Ich. Er streitet mit seinem inuei'en 
Mensehen . . - 

Das rote TiGchtuch weist auf den Blutkomplex hin. Eb ist, ale ob er 
seiner Frau etwas vorwerfen müßte, was mit seinen blutigen Phantasien zu- 
riannnenhängt Er bringt molirere Einfälle, welche das Thema dos Lustmordes 
lierühren. (Will er seine Frau umbringen und ist deshalb impotent?) 



Er träumte: 

Yh-.Stckd hatte ein kleines Miiderl, welches mit seinem Dienst- 
mädchen eine sexuelle Handlung vollzogen hat. 

\h ei'sten Einfall bringt er, daß er gest«i-n Abend ein Jucken im After 

hatte 'das mit einem Wohlgefühl verbumieii w;h-. Dabei hatt* er die Phan- 

titsie'daß er ein AVeib sei. Das war ul» Kind sein größter Wunsch und er 

,^nnert sich meiner Schmelzen, als ihm im 3. Jahre seine schönen blonden 

Locken abgeschnitten wurden. Er glaubt, daß ihr Dionstmädchcn, J>e \ mzi, 

ihm die Locken abgcsclmitten hat. Zu meinem Dienstmadehen allt ihm 

S dicVinzi ein. Er erinnert sich, daß er f ^.^ ü^v im Bett gelegen ist, 

r Glaubt nicht, daß etwas vorgefallen ist. Beim Waschen habe er immer 

h ^schrieen Er sagtn? oft: „Mir wird schlecht!" - besonders nach dem 

■■StPu Stoß von seinem Vetter, so daß seine besorgte Mutter mit ihm 

SÄ ^n Irzt ging, der nicht. Ernsthaftes konstatiei-en konnte. 

Als Kind hatte er einen typischen Traum, der sich oft wiederholte: 

Auf dem Dache der Schule war eine runde Arena, wie eine Kugel, 
leb w-underte mich, wie ieli so hoch oben bleiben konnte. 



l-JO 



Fetisch ism IIa. 



Oft war in iVn'üoi- Arena Sehnet:, abei- iniiiicr in kugolföniiigfr Gf^stalt. 
Er inußto durch allcrlDi dunkle Gänge niid enge Ltichßr kriochon, um iiinaul- 
zukuiiiitien. K.-^ ist ein stereotyper Traum, dei- die Erinnerung an die gc- 
wiiitigo üriist seiner Mutter (sie war eine auffallend üppige Fi-an) fesliiüll. 
Zum liusen gelangt er nadi der Geburt, 

Er daclite olt au Geburt und Tud. Hclioii als Kind grübelte er (ibur 
die Frage, warum die Menselien sterben müssen, und hoffte, er werde mr- 
stcrblieli sein. Wemi er andere Kindei" Hebte, so mußte er sie sei lieftig drucken, 
daß sie aufschrieen. (Erinnorungen an die UmarmuBgen seiner Mutter.) 

Er lebte mit 7 Jahren einige Monate auf dem Lande. Da sah er abends 
oft, weiße Gestalten im Garten und hatte furehtbarc Angst. 

Ich übergehe einige Traumanah'sen, die alte Motive bringen: Un- 
angenehme Affären mit Mädchen, die er gesehlagen hat, Reue wegen seiner 
Untreue, homosexuelle Phantasien. ... 

Ein wichtiger Traum: 

Die Elektrische ist Kweimul vor der Haltestelle stehen geblieljen. 
Ich habe mir gedacht: Es ist schwierig, gefährlich, nniiiöglieh. an das 
Ziel heranzukommen. 

Dei' Sinn dieses Traumes ist, dali e^ gelälirlich ist, ein Ziel au erreichen. 
Welches ist sein Ziel? Ihm fallen seine sadistischen Szenen ein nnd wir 
ei-fahren, daß er eigentlich das Weib envürgen oder erstechen müchte und 
immer aus Angst vor dem Gesetze knapp vor seinem Sexualziele stehen bleibt. 

Dieses Trauma hat auch große Bedeutung: Er ist in der Analyse zwei- 
mal nahe hei den entscheidenden Enthiilhingen gewesen, aber es war unmöglich, 
lieiiinzulcommen. 

Zu seinem Wadenfetischismus fällt ihm ein. daß ei'das erste Mal an 
die Waden dachte, als er noch nicht 3 Jahre alt war. Tante Rosa bekam 
ein Kind und ihm wurde gesagt, daß aie der Storch in das Eein 
gebissen hat. 

„Wo?" fragte er. 

,,In die Wade!" war die Antwort. Er glaubte, daß die Kindei aus 
der Wade kommen. Er sucht immer Frauen mit sehr dicker Wade und einer 
kleinen Vagina. 



Er träumte: 

Ich iühltc im Traume eine schwere Hand auf dem Kopfe. Ich 
habe mich an einer älteren Frau begeilt. Sie gab mir einen Stich in 
, den Kopf. 

Ich war auf einem Rennplatz. Aul einer Anhöhe ein kleines Haus, 
in dem sich meine Frau befand. Ein Pferd ging durch. Alles flüchtete. 
Leute schrieen mir zu, ich solle das Pferd aufhalten. Das Pferd vei'- 
wandclte sich in einen Menschen, der war verrückt. Ich lief davon. 
Eine kleine Peitsche hinderte mich daran. Dann war ich in einem Zimmer 
und sperrte die Türe ab. Da bemerlrte ich mit Sehrecken, daß eine 
zwöte Tüi-e ]ioeh offen war. Ich ei-wachte mit Äugst. 

Der Traum ist leicht zu erklären. Er ist das durdigegangene Pl'eid, 
der verrückte Mann. {Er leidet an .\ngst vor dem Wahnsinn.) Er furchtet 



Wadt'u-l'urüalismiis^, SadiBmus, Kleptomanie. ' 121 

öeineii eigc^nen Öaciisinut^. Er sollte doch seine Uidenechaften liemraen (das 
Piend ■üufhiilteii) Abei' swne Lcidtaiscliaft zu pt'ilschen. hindort ihn daran, 
mit eeiiier Paraplijlie fertig zu werden. Die Haupttüre hat er verechlosBen, 
aber der Sadismufi kann durcli die andere 'rüre hereinkommen. 

Er interessiert sich für die Hinrichtung von Frauen. Er inöcht« gerne 

ein Scharfrichter sein. r- ■■ , , j vj^iw 

Eini! andere Deteiniinaüon seines FrauenhudBes: Lr nioclite das Weib 

'^ '^"'zur^Ueren 'Prau. an der er sicli hegeilt hat, lallt ihm seine Mutter 
ein an der er noch mit grolier Liebe hing, als sie sclion alt war und ihre 
Eeize verloren hatte. Die Mutter legte ihm die Hand auf den Kopf, wenn 
er Fieber hatte. Oft klagte er: „Es sticht nüch im Kopf." Dann war die 
Mutter bosüudcrs lieb und machte ihm kalte ITiiisi-hläge und süß an semeni 

*Die Steile von der schweren Hand auf dem Kopfe ivird erst später ver- 
etäJidlich werden. 

Märchen haben Mets einen äUirkeu ICindruck ■.iu\ ihn ijemacht. Die 
Stelle in Schneewittchen, da der Jäger dem Kinde das Herz ausschneiden 
sollte sah er in einer Kindervorstellung. Sie kehrt« dann in seinen Onanie- 
phantasien wieder. Er macht sehr gerne Ausflüge, traut sich aber nicht mit 
seiner Frau allein /.u gehen. Es geht immer ein Firund mit, Wie '1h\ Analyse 
ergibt, benötigt er den Freund als Selbstschutz, um sich gegen die Mord- 
tendenzen zu aiclicrn. . . 

Er war 13 Jahre alt, da spielte er mit emer kleinen Gjahngen Nichte. 
Er gab ihr Zuckoiln und brachte de dahin, dali sie sich gefallen lieli, we^in 
er ^ein Glied zwischen die Waden steckte und einen Koitus imitierte. Um 
diese Zeit hatte er schon Orgasmus mit Ejakulation. Nachträglich korrigiert 
er daß er die erste Zeit noch keine Ejakulationen hatte, sie erst mit 14 oder 
15 Jahi-en anftraten. Diese Spiele dauerten dann mehrei-e .lahre ... 

Mit 13 Jaliren verliebte er sich in einen Knaben. Es war ein wimdei- 
schöner Mitschüler. Kr woUte ihm um jeden Preis gleichen, kleidete sich wie 
or 3 buhlte um seine Freundschaft. Er war sehr eite, wollte sehr gerne 
der schönste .Mann sein. Mit 15 Jahren ging er zu einei- Dime. weil er lior.e, 
S man durch Onanie häßlieh werde, während nn Koitus ein ^ erscUone- 

'■"""'SelS einen Zimmerherrn, der ihn angehlieh nicht viel beachtete, 
^näter wurde dieser Zimmerherr sein Eehrer m der Elementarschule. Er 
Sf ein äXer Lehrer waren Homosexuelle, die sich gegenseitig schono 
Knaben schickten und mit ihnen spielten. 

Dieser Lehrer schlug die Knaben auf die nackten 
Wndflnwaßihn sehrerregte. 

C e,«h aber u. ^^^7^^^ ^T^. K.ata, .chla.«,. ,.u 
Knaben .■• _____ — — — --■- 



i 



iS2 



Fetischismus, 



n 



Die Geschichte dieser Ehe ist chHffll,-+nri^*;^„i, i- 
Er lernte .eine Frau kennen afse 6 ?2el ""'T '^'^'^■'^'^'-^"^■ 
Ihrer Bekanntschaft wurde sie sene Geliebte F, ""7^^^'^ l^"'-^'" ^^'''^ 
ihr potent war, ob.vohl er ga. £ne S^^^^ p";^'"* '''^'- ^^^* '"'^ t)ei 

wurde er jedoch ihrer iiberdSsir"lde utt , "f ^'.!^"tasien hatte. Bald 
daß sie sich ,nit .nderen mZ!' 2^^ t^ ^''^f'' ^'^ ''' '"-'^^■ 
um sie nach kurzer Zeit abemals zu vedassen l T^'f ""^ '^''^ ^""^'' 
fa^t ein Dutzeüduial. Immer war er schZ P'<^es Sp,el wiederholte sich 
verzichtete. Lebten sie zu=^ mmea so tb < "1^°f ^^^'^^^^ «'^"" «'" auf sie 
heiratete er .sie, weil er einsah dnVs^/. ' -^^""^ "^"^ -^^^^e'-. schließlich 
Ende ..ner Leiden ^rl^^^^^^^^Jl^l^^ l-nnt. nnd en. 
er bei seiner Frau impotent und ist es b\^ Z T\ ^^'' Hochzeit war 

Ich merkte, daß er eine Identil^fzlrunl T ""^'^''" '^''^ geblieben, 

hatte, und forderte ilm auf alle Knn ^ 'T'' Scliweeter vollzogen 

.m die Schwester harmitziteil^I "■""^'"' ^'^ '' ^'^'^ -i^'' -'"^«^n^^eit 

trou%;^^:^ giL":;dt;.^ ^::^:i^}r ''v-^-'- '-^^ 

erlebnisse alle E r i n n e r un gen a n \ !' '' ■^'^^^"'^' 
Schwester ausgelöscht waren n.J. f.P^^le m i i der 
Erinnerung an ,.ine Kusine vor Dunkel si-^hf f ^"'^^^ ^'''^ '"""^^ ^ie 

haus vor sieh, wo er mit uJ^l^Lttl^^tV"^^^^^^^^ 
Mutter gespielt hatte. Lieschen heißt aber alh i'""""' ^^^"'' "^^ 

Analyse ergibt, daß Lieschen .nK^ el ..o^ i^ 'Z''^!!' ^'^ "■^'^^''« 
Schwester verbirgt. Er behandelt seine S«k l' , '^ '''^ '^''^^''*^' ^''^ 
iiule me tangere. '"^ ^'^ Schwester. Sie ist für ihn 

_ In den ersten Volksschulkkssen saete ihn, ■ 
einer Schwester spielt nmn nicht da mt fuan t- T' "'" ^"^'^«^ -'^^'^ 

«in. daß er mit seiner Schw^est^r oft gtspTerhär ^"^"'■■" ^^ *"'^^^ ^""' 
die öcliwester war die reiche und er dif arml %,"; %/'? ^^^^^ ~ ^i'auen, 
einem Marktplatz zusammen, klafften iih^... ;)■ ," ^^ ^a™™ sie wie auf 
die schlechten Wirtschaftsverhältnisse ihL E«-„^n l''"\ ^^'^"^ """* ^^'^ 
.gekommen. Darauf kömie er einen Eid leL^ p ^'"'^ '''^" '^'='^* ™^- 
ganz genau. , ^ ^^^^*^"- ^r erinnere sicli an alles 

Wir wollen jetzt einen Blick auf «Pin,. 7 
Die Zwangsvorsteilungen beziehen sich .,? ^""^"/^/"'■^t^Huiigen werfen. 
Wenn es ,lnn ..chlocht geht, so mul\ : ' . ^ ^'^"'''^'' ^'^ K""^*'^'"- 
Hand schauen. Er fürchtet dan,r erw-i?ri.- ^^P^^^i^'^'-t auf die linJce 

ihn strafen w^ird. In der letzten Zeit ging ^ Z ^f ^'^ ^^^'^«"- «'«il Oott 
Du bmuchst dich nicht zu strafen, es wfrd Jin u- ' ^"'^ *^' '^^^ ^**''' ^ 
hat er aber immer die Angst es könr-tJ ii, ■ ^^ ^^"' ^'''■d!'" iJabei 

faUen. Es hat den Anschein als ob er l^L''" '^'f^"^*«'' bedanke ein- 
etrafen würde, bei dem seine Hand eine RollV .^"'u S"'^ ^^'"«^' Ji^send 
holt, daß seine linke Hand sciiwer auf sdnem V^' ,^^' ''^T^ ^''«d-""- 
^wangsvorsteUungen gibt es eine be.nnH., '■ ?' ^ ^'^^e- Unter seinen 
Oedanken ziicht vtrgessen ta (£ hat eJ«""*''"'*^ ^^^ ^'^ die schlechten 
■üese schlechten Gedanken symbolis.ort wirl) '^"^*' ""'^^ ^««»'t d«"*" 



J 



WjdL-ij-l'anialisiuus, S;.diÄjiiiLs. Klejttomaiiie. ,,,^ 

Es komnit vor, daß or einen imgetieiireii Unterschied zwischeu d«i- 
rechten und linken H.nd m^rkt. AI« ,venn e. .w.i verschiedene Hände wären 
die emandermeht kennen würden. (Auflö.nng: die .■echle Eand darf niat 
wissen, ivay die hnke getan hat.) 

Jch nuiche Hin aufincrksani, daß link. Inzest und Uomosexualität be-' 
deutet und daß ledits das Nonnah- darstellt. Seine Sehnsucht sei normal 
zu sein. Uas ^ei ihm aber nicht möglich. 

Er kommt auf die Honiusexualität .u spreche]!. Icli mache ihn auf die 
Differenz m den Angaben aulinerksam. Die Szene mit dem Vetter hätte er 
zuerst anl das 14. Jahr, später auf das 7. verlegt. Diese Unsicherheit -er- 
rate, daß es Sicii um zwei Szenen handelt. 

Er wird aiiigelorderi, die Szene mil de.n Vetter genau zu erzählen 
„Ich war / J.hrc alt m,d lehnte- zum Fenster hinaus. Da kam der 
Vetter und gab mir einen b^hlag auf den Hintern. Da habe ich gefürchtet 
er habe n.,r eUvus verletzt. Ich hielt mir immer die Hand v.r den Pcpo' 
Nadi kurzer Zeit knm die Ru.lennngst. Eine Ratte kennte mich in den 
Hintern heißen. 

[ch niaehe ihn aufmerksam, daß die ganze Geschichte etwas unwahr- 
scheinlich klingt mid daß es sich offenba,. um eine Deckeriimeruiie handelt 
ü-r Pide an Iraunizusländen und solche Menschen haben die Gabe etwas 
im Dammerzn.stand zu erleben und dann angeblich zu vergessen 

Lr solle sich dudi an den Zimmerherrn erinnern, der oflenbar zu seiner 
Farapathic gewisse Beziehungen habe. 

Er erzäiilt vüu dem Zimmerherrn, der offenbar ein perverser Man.« 
war. Er hat e mit der Mutter und wal,rscheiiiH<:h auch mit der Vinxi ein 
\erhallms gehabt. Einmal ivaren beide Erauenzimmer lange Zeit im Zimmer 
des Lehrers. Er hörte Lachen und Weinen und dann eine sein- erregte, 
hisüge Unterhaltung. ■ 

„Waren Sie nie im Zimmer beim Zimmerheirn?"' 
„Nein! Bestimmt nicht!" 

Nach einer Weile sagt er: „Oder doch ... es kommt mir so vor 
daß ei- mich unternditet hat, Er rief mich in sein Zimmer und ließ mich 
etwas lernen. Ja. jetzt sehe ich es vor mir. Er hat mich mit einer Kuie 
a.uf die Waden und auf das nackte Gesäß geschlagen." 

„Hat er sonst etwas mit Ihnen gemacht?" 

„Ausgeschlossen."' . . . 

Es folgen allerlei homose.xiielle Phantasien aus seiner Eindlieii und 
seine Erleijnisse mit ITomoscxiiellen. die ihm wiederliolt die lockendsten An- 
träge gemacht lilitteii. Er halx' alle Aniiäge mit Ekel und Entrüstung 
zurückgewiesen. 

Wälirend der Erzählung bitlcL er um Entschuldigung. Er halle plötz- 
lich einen heiligen Stiihldiang bekommen. Er kommt zurück. 

„Es ist unanständig. Aber ich muß es Ihnen sagen. Es war mir so. 
als ob ein dicker Stuhl rückwäi-te stecken würde. Und en war gar nichts. 
So kann mau sich täuschen . . ." 

Ich merke, daß es sich um eine hoinose-\ueUe Phantasie gehandelt hat 
imd mache ihn darauf aufmerksam. Er scheine eich doch über ein Erlebnis 
seiner Jugend nicht im Klaren zu sein. 



' I 



r 



m 



1 124 Fe tisch ism US. 

Ei- kann nichts dazu sagen. Die Übertragung gibt er zu, lehnt aber 
'eine andere Foiiri dor Liebe als die seelische zu Männern als gemein und 
onverBtäTidlich ab. Er habe angeblich nie homosexuelle Phantasien. 

Die liehandlung stockt. Es gibt allerlei Widerstände. Er äträiibt sieh. 
gegen eine Erkenntnis. Einige Träume bringen uns ein Stück weiter. 
Er träumte: 

Ein kleiner Raum. Ich bin mit meiner Mutter imd der Schwerter. 
Ich khnglo dem Dienstmädchen. Ein schönes blondes Mädchen erscheint 
Ich klingle lOmal. 

l ■ Zu tiiesem Traume fällt ihm ein, dali das Uienstmädchen das Glicht 

eeiner Schwester hatte. Die Zahl 10 verfolgt ihn seit einiger Zeit Vor 
j einigen Tagen wachte er auf und hörte die Zahl 10 ausrufen. 

»Der zweite Traum lautet: 
Es war in unserer kleinen Wohnung. Da-.elbst schlioien auch 
■' mehrere Aristokraten. Es war dort ein Diener, der alles a,i2uschaffen 

hatte. J^'-^var eine w.chtige Persüiüichkeit. (Ein großer Maeher.) Es 
war eme Art Wettkampt Ich hatte vom Bett ine Vor^inime. vm reiten. 
f Ich war Sieger und erhielt 6 Punkte. Dann ritten die Ari.t.,kraten mit 

.dem Diener in den Prat^n ohne sich um mich zu kümmern Ich ritt 
nach rückwärts zum Trabiennplalz. 

Dann sah ich einen häßlichen großen Vogel auf dessen Hchnabel 
meine Frau saß. Endlich .ah ich meinen Vater und mehrere andere 
Personen wegtahren. Immer weiter weg, bis sie mir entschwanden. 

AnmhuA war ihm die Frau auf dem Vogel. Es fällt ihn. ein daß 
er gestern vm wenig emnickte. Se ne Piau weckte il>,i n. \ k. - 

sondern eine alte runzelige häßliche Prau. SeSn E^tzuS Vo^Taü^^t S 
Vogel ist ein Storch, der die Kinder bringt ^ ■ 

Der Vogel ist hier also das phallische Symbol seines Vaters. Seine 

Imirt r ht" r-f ■■ ^^'r'^' ""^ ^P-''"=^tezoenlraum.) Das alte 

haliliche Gesicht erinnert ihn an die üreßmutter. Er weiß nun daß sie 
und nicht de V nzi ihm mit 'J Jahren die H-,:.,..- ,. l wcii.s nun, aAi> sie 
komplex - Impotenz. Bei seineiP^au i,i e^ 0.^ ^^^"'" "^'- ^"^TT 
fällt ihm ein, ]aß das Wettreiten v n d m Bette n"v ™'" '"'""f". ^ 
Im Vorzimmer schlief einst seine Schwester S tiß silh ■'■''h''''' n" 

ob er zu ilir geritten ist. Er weiß nur faß ,■ oin I ^ T^ I'VT'T' 
ihm ans unbekannten Granden -eggeaommL^w «""sf tw 'daraul 
onaniert zu haben. Mit der Schwester spielte er oft PferdtrI- tdi KuSer 
und Pferd. Das weggenommene Pferd scheint ak e^nl n i »^"^ -^^ 

die Schwester zu stehen. ^^^ ^'"^ Decken miening für 

Die ersten sadistischen Regungen scheint ,.,- . n^ . 

geübt zu haben. Das Pferd kam tuf den S Ld n i?T t ^\f """' 
Es wurde ihm immer versprochen: ,.Wenn Tbrarb , r^"""-'f^r''T'; 
Pferd herunter.'- A^r es kam niemals. niemair^iSr '""^'.^^ ^^'de S 
Teile des Iraumes sind derzeit nicht zu deuten ' duu<,ic 

Wir sehen hier deutlich den „Entzieh ungskomnlex" - vn„ p j K"«- 

Sprclpferde den Schwanz ausgerissen hat. 






\1 



Waden-l'artialismua. Sadismus. Kleplomaiiie. Ig5 

Ein Traum setzt da« Thema vom Pferd fort: 

Ich war tun Laui-öiiKorborg und wollte mit meiner Frau in einen 

Einspänner einsteigen. Der Kutscher fiel vuni Bück midi vorne iiljsr 

das Pferd. Ich lief dann mit meiner Fr;iu diivon und lieli den ne;iG« 

Anzug im Wagen. Idi war im Hemdo und liatte einen Anzug in der 

Hand Auf der Brandstatte kaniou aus einem Hanstor ein Mann un4\ 

eine Frau. 

Am Laurenaerberg') hatte er sein vorletztes unangenehmes Erlebnis. 

vor der Ehe Er lief damals in ein Gesdiäft, weil er eine Peitsche kaufen 

wollte Er hatte ein Mädchen gefunden, das mit ihm ins Hotel ging und 

sich dann als eine Hure entpuppte, die ihm ordentlich das Geld abknöpfte. M 

Auch anf der Brandstätte') hatU> er ein peinlidies l-^rlebuLs. das totzt« L 

vor seiner Ehe. Dann beschloß er zu heiraten, um eich von der Paruphilis • >■ 

Wir sehen also, dali seine Ehe eine Beziehung zur Paraphilie hat. 
Er fürchtet geeund au werden und seine Paraphilie ku verliere»: Darmn 
iet er bei seiner Frau impotent. Er kömite dann die Lnst an den Peitscli- 
szenen verlieren, die ein kostbarei- Schatz aus Beiner Jugend sind und sich 
auf seine Schwester zu beziehen scheinen. Der neue Anzug bedeutet die J 

neue Einstellung zum Leben. Aber der Kutscher {sein Bewußtsein) erliegt ^ 1 

der Macht der Impulse. . » ,, v, , . ' I ■ 

Er erinnert sich, daß er mit 4 .Tuhren einen Ballen gesehlagen hat, 

weil er ihm nicht gefolgt hat. Dann nahm er einen Trichter und steckte 

ihn in den Ballen, so daß er ein großes Loch machte und der Ballen dann ^ 

verdorben war. worüber er sehr weinte. 

Die näheren Beziehungen dieser Erinnerung zu semer Paraphihe sind 

noch nieiit klar. Das sadistische Moment (Ballen — Frau) scheint deutlich 

erkennbar zu sein. 

Aus verschiedenen Traumon ergeben sidi Anhaltspunkt«, daß er sein 
erstes Erlebnis mit seiner Schwester hatte. Er ei'innert sich dunkel, daß er 
als Kind zu ihr ins Bett kroch. Auch bei der Mutter lag er oft im Bette ■ 
und fühlte sich sehr wohl neben ihrem wannen weichen Körper. 

In diesem Stadium bricht er die Analyse ab . . . 



Nach einer Pause von 4 Wochen setzt er die Analyse fort und epsuclit. 
um Analyse folgenden Traiunes: 

Ich habe mit einem Kind (Mi/.zi?) etwas gemacht und irgend, eine 

Frau ist mir darauf gekommen. {Multer der Mizzi?) Nachher ist das 

Kind im Bett gelegen und hat zwei Stangen in der Luft geJiallen, dünne 

Stangen, und forderte mich auf. wieder mit ihr etwas zu machen. Ich 

' habe absiehÜich gesagt: Nein, ich maclie es nicht!, damit die es vei- 

boten hat, hören soll, daß ich es nicht mache. 

Wie ich aus dem Traume erwachU-. hatt« ich das Gefühl, daß ich mir 

recht.< und links eine Stange in die Hippen stoße. . „ , , . 

Zu den Stangen fallen ihm spontan die Bmne seinw Schwester ein. . 



') Gasse iu (iw liuturt« Stadt. 




ti*! 



'r. ■ 



i 



126 



Fciiscliismiis. 



Eb iöt uiiiiiögUch, etwas Näheres über den Traum zu ßrl*ahi-eii. I'^r spi'iflit 
über Aktualitäten, kommt zur Sitzung zu epät und zeigt heftige Widerstände. 
Ich enteehließe mich zu einer anderen Technik und hypnotisiere ihn. Er 
läßt sich leicht hypnotisieren. In der Hypnose erhält er den Aiiltrag, über 
den Traum nachzudenken und eine Szene aus der Jugend zu i'epioduzioieii, 
die ihm einfällt und welche den Ti'aum erklärt. 
Er spricht ungefähr f olgendernnißen : 

„Ich sehe meine Schwester. Ich sehe ihren schönen blonden Kupf, Sie 
liat ein blauts Mascherl. Es ist Abend. Die Eltern sind ins Theater ge- 
gangen. Vinzi (das Dienstmädel) läßt uns allein. Wir spielen Schule. Sie 
ist die Lehrei'in. Wir sitzen erst in einer Bank. Sie unterrichtet mich. Dann 
spielen wir Ilunderl. Ich bin der Hund und fange sie zu beißen an. i«li 
beiße ganz s;inft die Anne und die Wangen. Dann fällt sie zu Boden und 
liegt ruhig, wie willenlos, da. Ich ritiirzc mich auf sie und sie gibl die 
Beine auseinander. Sie i'ühit sich nicht. Dann lecke ich sie. Sie zuckt Iieftig 
mit den Beinen und hält mich umklammert. Dann springe ich auf. Sie' 
droht mit dem Finger; Du ekelhafter Bub dul — — Wir spielen wieder. 
Ich wiederhole das Spiel einige Male. Da konunt die Vinzi ins ^inmier und 
drolifc, sie wird es der Mama sagen. Sie schlägt mich ganz leiclit auf den 
Hintern. Dann sind wir still. Ich esse ein Butterbrot. Wir gehen ins Vor- 
zimmer, Vinzi ist wieder weggegangen. Sie — die Scliwester — setzt sich 
aufs Fensterbrett. Ich lecke wieder und beiße in die Wade,"' 
Er wird aus der Hypnose erweckt. 

El' weil,!! nicht, was er gesproclien hat. Die Szene wird ihm mitgeteilt. 
Er zeigt heftigen Brechreiz. 

In der nächsten Sitzung wiederholt er die Szene mit Ausschmückung 
einzelner Besonderheiten. Der Kunnilingus scheint sich mehrere .Male wiedei- 
liolt zu haben. Dann kommt es zu einer neuen Enthüllung. Ohne daß ich 
eine Frage an ihn gestellt habe, berichtet er ungefähr folgendennaßen; 

„Ich sehe einen großen, weißen — einen mächtigen Bauch. Icli 
babe meine Finger unten. Ich rieche an meinen Fingern und stecke sie in 
ilen Mund ... Ich liege zwischen den Eltern im Bette. Ich richte mich auf. 
Beide Eltei-n schlafen fest. Ich Icrieche zur Mutter ins Bett. Sie läßt -sicti 
OS gefallen. Ich krieche zu ihren Füßen und umanne ihre Waden. Ich lecke 
ihre Füße und lecke dann die Waden. Langsam krieche ich höher . - ■ 
Pause . . . Nein! Das ist nicht möglich! Doch! Ich sehe es ganz deutlich. 
Ich lecke meine Mutter. Sie schließt die Beine eng zusammen, so daß mich 
ihre Knie berühren. Sie kraut meinen Kopf . . .'') 

Es folgen dann Einzelheiten und Wiederholungen, die ich übergehen 
kann. Die Mutter war — wie mir zufällig bekaimt wurde — eine Mei-etri.-; 
und genoß den schlechtesten Ruf. Ihre Sinnliclikeit war pathologisch. Noch 
im hohen Alter oblag sie ihrem Gewerbe, teils aus Lust, teile aus Gründen 
de« En\'erbes, 

Er wird aufgefordert, seine Einfälle zur Rattenphobie zu sagen. Er 
sah (8. Jahi') im Prater zwei Riesenratten. Die hatten einen so großen Bauch 



*) Vgl. den ersten Teil des Traiumes von der „schweren Hand auf dem Kopfe" 
Seite 120. - 



I- 



W ade n-l'anialis Ullis, Sartisiniis, l\li'ptnniaiiie. 



127 



und gewaltige Schwänze. Sah in der Kindheit ein furchtbares Bild: Hatto 
im MiuiButui-m, bei Watäser und ürot öitmid. Die Mäuse liefen hin und her.. 

— Der Itatteiifänger von Hammeln. — Kaulquappen haben aucli bewegliche 
Schwänzt'. — Die Katteii haben bewegliche Schwänze. — Ich sehe Schlangen, 
die sich winden und drehen. — Ich sehe jetzt, daLs ich eine Nudel') im 
Munde habe und wie die Nudel, fett und glatt, feucht und glitschig, langsam 
hei'initerrutscht. — Ich beil.W an einem Penis und lasse ihn nicht los. wie 
ein Hund, der etwas im Maule hält und es iiiclil- ausla-ssen will. — Ich ^ehe 
einen kleinen Ponif; ohne Haare wie ein ßruunenrohi-. — Stadtpark, Donau- 
Weibchen (Kine halbnackte. Brunnenfigur.) Kinder spielen im Sande. — Mit 
einer Rute, die hin- und herbewegt wird. - Schlangonförmig wird siejwwegt. 

— Jemand schreckt uns mit dem Sehwanü einer toten Ratte . . . Ekelhaft. 

^ngst imd Ekel. — Zwei Schwänze, die sich hakenförmig in einander 

verschlingen einer hängt an dem anderen. - Zwei Männer umarmen sich, 
sie umschlingen sich. Sie gehen Hand in Ihmd mit verschlungenem Penis 
fort — Eine Ratte steigt einem Manne aul den Fali und ki'axelt ;»n ihm 
heriuf (EkeD Die Nudel im Munde. - Ein Kanarienvogel. Mit 5 Jahren 
sah ich das Glied des Vaters. Wenn ich onanierte und inir die Freude stören 

i^ dachU. ich an das GUed des Vaters und die Freude war ..ofor, ver- 
schwunden. Jetzt habe ich Ekel vor jedem Ghedo wie vor einer Ratte. L. 
fsm mir der Lehrer ein der homosexuelle, der bei uns wohnte. Er war 
eLUöne. Mai^ 4 war in seinem Zimmer. Was war in dem Zimmer?"... 
Hier bricht die Erinnerung ab. 

Seine Schwester halle ilnii mitgeteilt, daß er noch mit 13 Jahren an 
der Wade der schUifenden Mutter onaniert hatte hie war das bei ihm .chon 
gewohnt. Die UniUv hatte einen entsetzlichen Geruch. Beim Onaniereu «'ar 
ihm der Geruch nicht störend, sondern wirkte aufreizend. 



Er träumte: 

Es ißt das Zimmer in der R.-Stralii;. Ich sitze beim SchreibLirfcli. 
habe auf dem Schoß ein kleines Mäderl und lecke ihr die Augen aus, 
welche tränen. Im Nebenzimmer ist die Türe offen, da ist ein runder 
Tisch da sitzt die Familie, darunter ein Herr mit Zwicker. I «llution . . . 

Ich habe einen Streit mit Herrn Pfeifler. Er gab mir eine Ohr- 
feige ich wai- feig und habe ihm nur zum Scheine einen kaum angedeuteten 
rackenstroicli zurückgegeben, mehr au. Hotz, so daß er sich brüsten 
konnte, er habe mir wirklich eine Ohrfeige gegeben. 

li-h hatte eine Einladung in ein Sanatorium. Das Sanatorium wsr 
■luf einem Berg in Wien und doch am J.nnde. Wir sind von lückw^irts 
angekommen, es war ein schmale« Haus und wie wir hineingehou, haben 
Bauernkinder gespielt und ich habe gesagt: Schon ist es au dem i.and, 
wenn die Sonne spielt. Ein Herr, der mit seiner Frau angekommen let, 
dachte in dm Momente dasselbe. Im Foyer großer Andrang beim. 
Portier und der hat uns gekannt. (Wir waren schon einmal da.) Drmnen 
wie eine \-orstenung. Ich habe vorne emen Plat« gehabt und zwei Leute, 
larunt^r ei« niießer Jud. waren mit mir. runder gebogener Rucke,.. 
größer als ich Ich habe ein Papier genommen und es ihm rückwärts 



•'Vln Wim wird Nudel für Penis gebraöcbt. 



V 



. 1 



■ 



„ .. Fetischismus. ■-" 

1 ^o 

hineingefit<>«kt, sü daß die Leute über ihn gelacht haben. Er setztö- sieh 
auf meinen Platx. 

Der erete Traum erhält einen Nachtrag: seine Schwester war auch 
dabei Er enthalt die Wiederholung und Bestätigung der Kunniliugusszene. 
Das Auge steht für die Vagina. Der Herr mit dem Zwicker ist der Vater 
der ihn. einmal aus dem Bett der Mutt^^- gewiesen und beim OnmiieiTii ci-t.aiH>L 

und dafür gestraft hat. 

Der zweite Traum stelll- .seinen imieren Kainpl dar. 

Das dritte Traumstück erhält seine Erklärung durch den Portier, 
zu dem ihm der verstorbene Schwager einfällt. Seine Schwester führte emen 
leichtsinnigen Lebenswandel wie seine Mutter. {Im Foyer großer Andi-ung — 
das Sanatorium ist ein Bordell.) Der groise mielk .lud macht seiner Fra.u 
den Hof. Er nimmt seinen Platz ein. Er fürchtet betrogen zu werden^ wie 
sein Vater. Die Kinder, die in der Sonne spielen, sjmbolisieren die üeni- 

Es fällt mir auf, daß in dem nicht gedeuteten Traume von den Aristo- 
kraten (S. 124) Georg nach rückwärts zum Trabremiplatz reitet. In diesem 
Traum steckt er dem niießon Juden ein Papier rückwärts hinein, so dail di^ 

Leute lachen. 

Er bittet um eine Hypnose. Er wird leicht eingeschläfert und. aur 
gefordert, seine Einfälle zum Traume (S. 124) zu sagen. „Wer ist der Diener?" 
Er gibt folgende Erklärung: 

..Die Aristokraten sind die Ei'wachsenen, die Kinder si'iid die gewöhn- 
lichen Mensehen. Die Aristokraten fahren in den Prater, das bedeutet, Jat!" 
die Eltern in den Fral^er gegangen i^ind. Der Diener, der alles anzuschaffen 
hatte ist der Zirameihei'r. Er hatte auch einen Zwickei', Er war der Mann 
mit dem Zwicker. Er war der Geliebk' meiner Mutter und der Vinzi. Im 
Vorzimmer hatt^ ich mit der Schwester gespielt. Der Diener, der große 
Macher und der große Vogel sind das Glied des Zimmerherrn. Er liatte 
ein sehr großes Glied ■ ■ ■" _ 
„Woher wiesen Sie das?'" 
,.Ich habe es Ihnen ja erzählt." 
Bitte erzählen Sie noch einmal." (In Wirklichkeit hatte er nichts von 
dem Gliede des Zimmerherrn erzählt, offenbar hatte er sich vorgenommen, 
darüber zu sprechen und glaubt, daß er es getan liat, was in der Analyse 
außerordentlich häufig vorkommt.) 

. Nun ja . . . Der Lehrer hat mich unterrichtet. Wir waren oft allein 
in seinem Zimmer. Da gab er mir das Glied in die Hand, das ich in meiner 
linken Hand hielt und rieb, bis ein weißer Saft herauekam." 
Wie oft kann das vorgekommen sein?'' 
„Zehnmal ..." 
■ Sie wissen es bestimmt?" 

Ja, zehnmal." (Siehe den Traum S. 124.) ^ 

Was bedeutet das im Traume: Wir sind von rückwärts angekommen. 
Wamm stecken Sie das Papier rückwärts hinein?" 

Der Lehrer ließ mich entkleiden und schlug mich mit einer Rute gan^ 
leicht "auf die Waden. Das hat er später in der Schule auch gemadtU E'' 
versuchte auch, sein Glied in meinen After einzuführen. Ich hatte Schmerzen 
und habe sehr geschrieen. Da hat er mir den. Finger eingeführt und ich habe 



! ^ 



Wacleu-Pai'ti^lisniTis, Sailismus. Kleptomanie, 



1L>9 



dabei ein großes Vergnügen gclmlit. Ich stand ganz in öeinpiii Banne. Kr 
war der Lehror und saglo, ich niüsrio alles inadion. Wenn ich aber dan'ibur 
s^ji'cclicn würde, su müßte ich sofort stei'ben.'" 

„Wissen Sie noeh. wie der Lelirer heiiU'r"' 

„Natürlich weiß ich das. Soiinenthal!" („Schön ist es auf dorn Land, 
wenn die Sonne spielt.") 

„Er ist auch der Herr mit dem Zwicker. Kr iiat midi am gan/.en 
Körper, besonderf^ in die Wangen und in den Popo gezwicki. Er hat dann 
verlangt, ich solle mein Glied bei üim eiiiführen. Er hat daan den Eiiekeii 
nach vorne gebugen. Er war eigentlich ein mießer Jud." („Drinnen war 
Vorstelhmg. Ein mießer Jud mit rundem gebogenen Rücken war mit mir.") 

„Erinnern Sic sieli an alle diese Dinge ganz deutlieh?'' 

„Ja.'- 

„Weshalb haben Sie denn vorher nichts davon erzählt?" 

„Ich weiß es nicht. Herr Doktor, kann ich die Angeu aufmachen? Ich 
sdilafe gar nicht. Ich bin ja wach. Ich weiß überhaupt nicht, ob icli bei 
der ei-sten Hypnose geschlafen habe oder ob ich gespielt habe. Idi glaube, 
die Sache mit dem Sonnenthal habe ich immer gewußt. Ich wollte sie nicht 
wissen, wie Sie so richtig schreiben. Idi liegreifo nun, waiuai ich so auf 
der Gasse herumlaufe. Ich will alle die Sachen wieder edeben, die ich in 
der Jugend edebt habe. Ich laufe meiner Jugend nadi.- 

Es war noch die Impotenz in seiner Ehe zu erklären. Auch diese 
fand eine unerwartete Lösung. Es konniiL zum Vorschein, daß er sich die 
Impotenz selbst inszeniert. Er hat doch seil der Jugend den Kampf mit 
der Freude. Er darf keine große Fi'eude haben und liat sich schon als Kind 
eine eonderbaro Fragestellung ziirochtgelegl : Was habe ich von der Fi'cude? 
Er stellte sidi vor, er wäre nach der Freude und daim wäre ja alles das 
gleiche. Er hat bei .'deiner Frau eine gule Kieklion. Im Momente, in dem er 
den Beischlaf vollziehen will, l'iilit ihm lier ..philosophische Gedanke" ein: 
„Stelle dir vor, es ist eine halbe Stunde später. Was hast du dann von der 
Fi'eude?" . - - Und die Erektion geht dann prompt zurück. 

-. Die Erklärung dieser lusKcnierung einer Niededage gellt auf die Kind- 
lieit zurück. Er hatte ein heißes Begehren auf seine Sdiweetern. Er verdarb 
sich sein Begdireii durch die Fi'age; ,.Was host du von der Freude nach 
einer halben Stunde? Was hast du von der Freude morgen? Was hast du 
von der Freude nach deinem Tode?'' K\ivz. es gelaug dim, seine Sdiwestern 
zu entwerten und so in den Hinlergrund des bewußten Begehrens zu schieben, 
daß er im Beginne der Behandlung von dieser Einslellung keine Ahnung 
hatte und wiederholt, die Frage aufwarf, wieso es komme, daß er gar keine 
sexuellen Erinncjaingen an seine Sdiwestern habe. Nun, wir haben es gelernt, 
daß er allen Grund hatte, ein bö.ses Gewissen zu haben. Er fürchtet Gott 
uiid will sich jede Freude im Leben verderben. Kr ist bei seinei' Frau im- 
potent weil er sie begehrt und nicht verdient. Sclion als Kind glaubte er: 
Alle Menschen sind mit Gott gegen mich verschworen! Und diesen Glauben 
hat er noch heute. Er ist ein Pechvogel weil er kein Glück haben darf. 
Fr hat die schönste Frau und kann ihr nicht beiwohnen. Er boginnl. zu 
nhiloeophiercn in dem Momente, wo er koitieren sollte. Das ist kein Fatum. 
Das ist eine selbst gewollte und gesdiickt inszenierte Niededage. 



St.kBl, StÖmuBen fl«. 'rri«!.- n"d AflBlitlel.=n., VII. 



130 



Fetischismus. 



. 1 



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I' 



Die Analyse war beendet. Die Zwangsvorstellungen quälten 
Georg nicht mehr, er konnte auftreten, ohne sich seinen Erfolg zu 
hindern. Er verlor den Drang, Mädchen nachzulaufen und die sadisti- 
sehen Szenen aufzuführen und es gelang ihm nach einer Übergangszeit 
von 3 Wochen mit seiner Frau den Koitus auszuführen. Sie war ihm 
nicht mehr Schwester- und Mutterersatz. 

Der Fall bietet in mannigfacher Hinsicht ein ganz außerordent- 
liches Bild. Wir sehen erstens die Macht der infantilen Erlebnisse and 
den Einfluß des Milieus. Eine verderbte Mutter, die ihr Kind benützte, 
um mit dem Schein der Ehrbarkeit (eine verheiratete Frtiu mit einem 
Kind — ein Kunstgriff vieler Dirnen, die sich zu diesem Zwecke Kinder 
ausborgen, auch eine Spekulation auf pädophile Einstellungen) Männer 
zu erobern und ihrem Gewerbe nachzugehen. Als Gegensatz ein sitten- 
strenger Vater, der als Vertreter der Moral neben der frommen (jirof-- 
mutter die Forderungen der Religion vertrat. Der Zwiespalt in seiner 
Seele war durch diese Umgebung von Jugend an festgelegt. 

Die Heirat war ein Versuch, sich aus den Banden des Infantilis- 
mus zu befreien. Aber durch die Identifizierung seiner Frau mit der 
Schwester wurde sie Tabu — und der Weg zu seiner Paraphilie war 
wieder geöffnet. 

Wir sehen einen mächtigen Impuls, der eine Wiederholung der 
kindlichen Erlebnisse verlangt. Die Szene, die er im Hotel aufführt, ist 
eigentlich ein Mixtum compositum und aus mehreren Erlebnissen zu- 
eammengestellt. (Mutter, Schwester und Lehrer.) Sein permanenter 
Kampf gegen die Homosexualität führt zu Verdrängung und Ein- 
beziehung seines homosexuellen Erlebnisses in die spezifische Szene. 
Er wird der Lehrer und das Mädchen wird der kleine Bub, der auf die 
Waden geschlagen wird. Es erklärt sich auch, daß er bei dem nach- 
folgenden Koitus so ungeschickt ist und den Introitus vaginae nicüt 
finden kann. Er sucht eigentlich den Anus des Lehrers, 

Die Kleptomanie spielt eine nebensächliche Rolle, sie wird aber 
durch die Beziehung zur getragenen Wäsche sexuell interessant und 
geht auf einen primitiven Trieb, auf den Riechtrieb zurück. Schon als 
kleiner Knabe benützte er die Wäsche seiner Mutter, um zu onanieren. 
Reste dieser Neigung sind ihm geblieben und er würde auch jetzt als Er- 
wachsener gerne wieder Wäsche stehlen, wenn es niclit so gefährlich wäre. 
Nicht alle diese Fälle zeigen eine Beziehung zum Inzest, wie der 
vorhergehende. 

Wagner-Jauregg beschreibt emen Fall eines Dienstmädchens, 
welches die Hemden ihres Dienstherrn stahl, um sie des Nachts zu tragen. 
Ich kenne ein Dienstmädchen, das die schmutzigen Hemden ihrer Fran 
gleichfalls als Nachthemden benützte und von der Frau .überrascht 



Wiidcii-i'ai-iialisuiiis, Sadisiiiiif, Kleptomauie. 



131 



wurde. Sie erlitt einen hysterischen Anfall und wurde mir zur Begut- 
achtung gebracht. Es war nicht schwer zu konstatieren, daß dieses 
Mädchen in ihre Frau verliebt war und sich am Gerüche ihrer Wäselie 
erregte. 

Es gibt Kleptomanen, welche Unterhosen, Strümpile, Sacktücher, 
Mieder usw. stehlen, um sich durch sie zu erregen. Sic werden gcwölm- 
Ucli als Fetischiäten beschrieben. Wenn unser Patient sicli nur mit den 
Wäschestücken begnügt, sicli emen Hareui solcher Stücke angelegt, au£ 
die Frauen ganz verzichtet hätte, so könnte man ihn als FetiBchieten 
bezeichnen. Sein Wadenpart ialismus ist durch mehrere Erlebnisse de- 
terminiert. Die Behauptung von Sadger, die angeblich Freuds Ansicht 
darstellt, jeder Fetisch repi'äsentiere das Genitale (die weiblichen 
Genitalien) erscliöpft das Problem nicht. 

Als Beweis werden Fälle angeluhrt, die eich nach der Analyse 
gebessert hätten. Ein Busenfetischist {SadgerB Bezeichnung!) verliert 
nach der Analvse das monopolisierende Interesse für den Busen und 
beginnt zu koitieren, d. h. sich für das Genitale zu interessieren Das 
ist natürlich kein Beweis, daß der Busen das Genitale im ^v-orthchen 
Sinne vertritt. Jede erogene Zone kann schließlich genitahsiert werden, 
die Rolle eines Gemtäles spielen. Wird die infantile Fixierung auf- 
gehoben, so tritt das Interesse für das Zentrum der sexuellen Be- 
ziehungen in den Vordergmnd. '- ' 

Wir haben in dem vorigen Fall (Kapitel II) von Busenpartial.smus 
..esehen wie besondere Umstände das Interesse für eine bestimmte ero- 
gene Zone auch nach der Pubertät ohne inzestuöse Beziehung 
fixieren können. In dem erwähnten Falle war der Busen das Erinne- 
rungsbild der unvergessenen ersten Gehebten. , , . ,, 
Der Partialismus ist so verbreitet, daß wir ihn als eine voll- 
kommen normale Erscheinung auffassen können Er hat natürlich seine 
individuelle Begründnng. Wie viele Fäll, müßte ich anfuhren wollt 
i-.b alle Fälle von Partialismus psychologisch und analytisch aufklaren! 
Die' angeführten Beispiele mögen genügen. Das Buch hat n^chtdie 
Aufgabe ein Kuriosenkabinett zu sein. Haben wir einige dieser Kunosa 
analyt s h erklärt, so ist unsere Aufgabe vollendet und wir wenden 
uns der kompli^^i-'t- Aufgabe zu, die Fälle von echtem Fetisclnsmus 
analytisch zu deuten. ..*.,-- 

■ Kehren wir nach dieser allgemeinen Auseinandersetzung zu dem 
A.^ TT^ll 7iirück Georg spielt eine bestimmte Szene - und er 
""■'utl" li 1 M "bs i.t ilnn'ni*. geUmgon, di. intartilo Tyrannei 
? Svl Lm n%« über,vindsn und sich an ein Objekt de,- Gegenwart 
'Tffri en E° .nteriiegt dem Z.van,e der Reihenbildnng, e,- ,rt aneh 
Sohl imstande, .ein- Begehren dauernd auf e i n e Person zu r.eirten, d,e. 



ia3 



Fetischismus. 



i r 






selbe.' MasocUistiii, allen .einen Wünsdien beroit.villig ontgegenkonmit 
E V rsucM .oh! noch ein paav Wiederhoh-.ng.n, ab.r bleibt n.cht bo. 
S,nr;vüimhngen Objekte E,- .nuß aul cUe St.aße e. .uß nach neuen 
Obiekten Ausschau halten. Er sucht nicht das Mädchen, das sich-^Uhg 
felm «nd schlagen läßt.- er sucht den W > d e r s t a n d, den er über- 
winden muß und kann. ,,,,,-.- A Ivc 
Dei- Zufall fügte es daß einige Zeit nach Abechlußdieser Analyst- 
bei mir ein Kollege mit einer Patientin erschien, welcher der Meinung 
war das Mädchen leide an einer Paralogie mit Halluzinationen, weil sie 
einen ganz unwahrscheinlichen Roman üboi' ihre Vergewaltigung kon- 
struiert habe Ich ließ das Mädchen diesen Roman erzälilen und erkannte 
sofort daß es sich um ein Opfer Georgs handelte.^) Ihre Schilderung: 
deckte sich mit den mir sattsam bekannten Tatsachen. Ich konnte den 
Kollegen beruhigen. Es handelte sich nicht um eine Paralogie und Erfin- 
dungen, sondern um traurige Tatsachen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr 
ich daß Georg mir seine sadistischen „Spielereien" viel harmloser dar- 
-Geteilt hatte, als sie eich in AVirklichkeit abspielten. Das Mädchen war 
von einem Herrn an ihn empfohlen worden, um tanzen zu lernen. Geor^ 
fülirte sie auf eine halbdunkle Bühne und ließ sich einige Schritte vor- 
machen. Elise — so wollen wir das Mädchen nennen — eine 'iliährigc 
Überspannte Hysterika, hatte nur einen brennenden Wunsch: eine be^ 
rühmte Tänzerin zu werden. Sie hatte aber früher nichts gelernt und 
konnte nur einige Tanzschritte und graziöse Knixe vormachen. Georg 
sagte ihr, sie müsse sich eine strenge Schule gefallen lassen, um eine Be- 
rühmtheit zu werden. Er ohrfeigte sie und yi)errte sie eine halbe Stunde 
in ein dunkles Ziinmercben, riß sie beim Kopfe nach unten, schließhcii 
fährte er sie in sein Hotel. Dort ließ er sie bis aufs Hemd entkleiden, 
schlug sie mit einer Gerte — er konnte sich keine Reitpeitsche ver- 
schaffen — auf die Waden; wenn sie „schlechte Schritte" machte. Er 
• befahl ihr, die Hände nach rückwärts zu geben. Elise folgte willenlos 
gänzhch fasziniert von dem einen Gedanken, eine berühmte Tänzerin zu 
werden. In einem Momente hatte er ihre Hände rückwärts zusammen- 
gebunden. Dann wurde er immer strenger und gransamer. Sie begann sich 
zu wehren. Sic biß und eie schrie um Hilfe. Niemand kam. Aber er wurde 
immer böser und warf sie schließlieh quer aufs Bett, so daß ihre Beine 
an seinen Leib gepreßt waren. Sie flehte, er möge sie schonen. Sie sei 
noch eine Jungfra.u. Er lachte höhnisch und meinte: „Beim Theater 
brauchen wir keine Jungfrauen!" Ihr Widerstand ermattete und er de- 
florierte sie mit einem Koitus, der nur einige Sekunden währte, aber 
sehr schmerzhaft ^var. Dann band er sie los und gab ihr scliließlich Geld, 



>) Dio Analyse dieees Mädcliene wird iti Band VIIT als Fall von MaEOChi^mue 
erscheinen, _ r _ . . - 



Wadeu-Paitialismiis, Sadismus, Kleptomauie. 



133 



das sie widerstrebend annahm. Die weiteren Sdiicksale Elisens inter- 
eesieren uns ]ucr nicht. Einee n.öclite idi erwähnen. Sic versuchte gc- 
viditliche Schritte, wandte sich an einen Advokaten. Es war ohne Erlolg. 
£).,- Unhold hatte es so schlau angestellt, daß man ihm nichts antun 

konnte.^) _ ^ . ,- . ■ 

Wir sehen deutlieh, daß er bei seiner großen Szene vier Ereignibbe 

v.>rmengt: 1. Die Sehläge des Vaters. 2. Haß und Liebe zur Mutter. 

?, Die Szene mit dem Lehrer. 4. Die Szene mit der Schwester. 

Es war mir im ersten Momente aufgefallen, daß Elise ganzlich die 

Züge Georgs hatte. Sie sah wie seine Schwester aus und glich speziell der 

jüngeren Schwester, die ich persönlich kannte und wegen cmer schweren 

iparapathie behandelt hatte. . . -i a.^ 

Folgen wir seiner Szene, so sehe.i wir, daß den Hauptanteil das 
Erlebnis mit dem Lehrer für sich in Anspruch nimmt. 

1. E r i 6 t d e r Lehrer. 

" Er wird bestraft. Er soll angeblich im Zimmerchen lernen, wird 
aber zu einem hoi.osexuellen Akt gezwungen. Seine Ruhelosigkeit 
i:onnnt daher, daß er immer ^^'ieder diese eine Szene erleben mochte. 

2. E r i s t d e r V a t e r ! 

Der sadistische Anteil an dieser Impulsliandlung stammt von seinem 
Vater, seinem ersten Lehrer. Dieser hatte ihm „Kopfstücke" gegeben und 
strafweise in die dunkle Speisekanuuer gesperrt. 

3 Er Bchlägt seine Mutter — die Hure! 

Die Sclüäge auf die Waden sind die sadistische Umdichtung seiner 
Liebesszenen mit der Mutter. (Andererseits ^vissen wir aus der 
Analyse daß ihn die Waden schöner Knaben wiederholt sehr geieizt 
haben besonders in der Zeit zwischen sieben und vierzehn .Tahren.) 

4 El- wiederholt die Szene mit der Schwester. 
Der Koitus wird gewaltsam auf dem Bette vollzogen so daß die 

Beine seinen Leib umklammern. (Siehe den Traum S 125.) Stat de 
KunniUngus macht er den Koitus. Er gibt aber zu, daß er manchmal 

^-iTr^:T;rr".dchen,wiedieM.nne 

'^ ^^ ' E: Id^I^^^H s!::m;iem der unzähligen L.ebhaber der Mutter 

■ ""^ t^nSf- W:r gekommen, daß die Wade dasGenitale 

hs ist nici 1, beliaupten. Die Wade 

'l*^^:t':ir"s B W den detMuHs,. und dev SCwert... und den 

■ wÄ D^nSädlns ..™„,en, die in,n,e,. ,„it, nackten Waden 

r^ ^ IvnVat schrieb Elisen, daß dio Frau Georgs de wogen EliebruHi belange« 






134 



Fetiscbisiniis. — Waden -Part ialismus, Sadismus, Kleptomanie. 






und barfuß herumspazierte. Überdies repräsentieren die Waden Knaben- 
waden und den Pliallus, an den er homosexut'U.fixiert ist. Er hat einen 
ivleinen Phallus, wie viele Sadisten, welche sich dafür an der ganzen 
Menscliheit rächen wollen. Sein Haß gegen die Frauen stammt aus seiner 
Einstellung zur Mutter, die eine Dirne war. Folgerichtig hat er eine 
Frau mit einer mehr als fraglichen Vergangenheit geheiratet, d. h. zur 
Mutter gemacht. (Auch zur Schwester, die ihr Leben getreu nach den 
Lehren der Mutter begann, dann aber sich in den Hafen der Ehe rettete, 
um ihre Tugend mit einer schweren Parapathie zu bezahlen.) 

D i e „W ade" ist also ein komplexes Symbol, wie in 
dem Falle, den ich im Kapitel IV beschrieben habe, wo sie den Phallus 
des Bruders und viele andere Komplexe repräsentiert. 

Es ist gefährlich, Paraphilien mit einem einzigen Schlüssel auf- 
lösen zu w^oUen. Sie sind meistens sehr kompliziert aufgebaut. Wir 
werden bei der Analyse von echten Petisehisten diese Tatsache genügend 
zu würdigen haben. 

Im vorliegenden Falle sehen wir, wie die Erziehung einen gut ver- 
anlagten, hochbegabten, sonst liebenswürdigen und beliebten Menschen 
auf die Bahn des Verbrechens drängt. Die Schuldige ist eigentlich die 
Mutter Georgs ... • ■.-... ;,,.-.. ■. 



1- iiJ 



■j ii 



'■i-. 



;, I VII. 

Partialismus und Haremskult 

Variatiü delectat! Unermeßlich sind die Variationen, 
welfihe der Eros orfinriet, um die eintönige Langeweile des natüi-lichen 
Sexualorganes für den Sexualforscher interessant zu machen. Der 
häufigste Pailialismus ist die Leidenschaft für Füße. Es hat mich immer 
geivundert, daü es mehr sogenannte Fuß- als Handfetiscliisten gibl. 
Allerdinge habe ich die Bedeutung der Hand für das Sexualleben des 
MenscJien beim Studium des Autocrotisnms und der männlichen und weib- 
lichen Impotenz genau studiert und kennen gelernt. In den vorlier- 
gehenden Bänden dieses Werkes finden sicli Beispiele genug, welche die 
Bedeutung der Hiind für das monschlicho Sexualleben bezeugen. Verhält- 
nismäßig selten sind Partialisten, wel.-he nur nach dem Besitz der Hand 
streben, deren Begehren sich in Streicheln und Drückeii, Küssen und 
Saugen der Finger ersciiöpfi. Vie! häufiger sind die Schätzer der schöner 
Hände, welchen die Hand die Brücke zum Begehren und Lieben wird. 
Ich kenne viele Ästheten, welche keine Frau küssen können, deren 
Hände sie abstoßend finden. Andererseits sind mir Fälle von Liebe auf 
den ersfen Blick bekannt, in denen der Anblick der wohlgpforniten oder 
eine spezifische Liebeshedingung erfüllenden Hände den Kurzschluß 
zwischen Liebesbereitschaft und Verliehen ermöglichte.') 

In zwei folgenden Fällen steht die Hand in ilcm Mitteliiunkte des 
sexuellen Interesses. Beide zeigen aber ein Abrücken von dem M^'eibe. Es 
kommt dabei nicht darauf an, ob einem Kranken einmal oder mehrere 
Male ein Koitus gelungen ist. Das entscheidende ist, daß sich hinter 
dem Partialismus eine antifeministische Tendenz, sogar eine antisexuelle, 
asketische Tendenz verbergen kann. 

^■- ,- Über den ersten Fall berichtet Moli: 

Fall Nr. 25, P. f--., 28 Jahre alt, Kaufmann in Westfsilcn. zeigt keine erb- 
liche Belastung. Über eein sexuelles Leben macht Patient auf h i n z i c 1 e n d t 

■) Gabriele D'Avnmzio bat pei" Drama „Giaconik" dtn ecliimm Händen der 
DuBe gewidmet. , , , _ . . ,. 



^'U. 



136 



Fetischismus. 



V- 



V ■ 



Frat;(!u fülgeiido Angaben: Die ersten Aiilango geschk'clitUcher Erregiiiis 
stellten sich iiei Ümi, öowcit ihm in Eiinuonuig ist, büieits im 7. LobL'iitijalire 
ein. Si pueri eiusdein fere aetatis iningentis nieinl)rnni adspexit, valde libirli- 
nibiis excitatus est. L. behauptet mit Sicherheit, daß diese Aiiireguiig mit 
deutlichen Ki'cktioneii verhundon war. Verfiihi't diii-eh einen anderen Knaben, 
wurde L. im Alter von 7 «der 8 Jahren zur Onanie veranlaßt. „Als sehr leicht 
ericgbaro Natur'', sagt L., „gab ich mich sehr häufig der Onanie bis zum 
18. Leliensjahre hin, ohne daß mir die öchiidlichcn Polgen oder überhaupt über 
ilie Bedeutung des Yoigange^ eine klare Vurslcllung gckoinuien wäre". Be- 
sondere liebte er es, cum iionnullis coimnilitoiiibub uuituam mastiirbatioiiem 
tractai'c, keineswegs ab^r war es ihm gleichgültig, wer der andere Knabe war, 
vielmehr konnten ihm nur wenige Altersgenessen nach dieser Richtung hin 
geniigen. Aul' die Frage, was ihn besondere veranlaßte, diesen oder jenen 
Knatjen vorzuziehen, aiitw-ortete L., diiß ilui bei seinen Schulkameraden be- 
sonders eine w e i ß e. s c h o n g e f o r m t e IT a n d verlockte, mit ihnen gegen- 
seitig Masturkition zu treiben. L. erinnert sich ferner daran, daß er häufig 
hei Heginn der Turnstunde sich ganz allein auf einem entfernt stehenden 
Barren mit Turnen beschäftigte; er tat dies in der .\bsicht, ut quam ma.vinio 
excita-vetur idquo tanloperc asseeutus est, ut membro mann non tactb, sine 
ejaculationo — puerili aetate erat ~ voluptatem clare senserit. Interessant 
ist noch ein Vorgang, dessen der Patient sich aus seiner früheren Lebenszeit 
erinnert. Der eine Lieblingskamerad N., mit dem L. mutueile Masturbation 
trieb, machte ihm eines lages folgenden Vorschlag: ut L memlirum X — i 
apprehendcre conaretur, er, N., wolle sich möglichst sträuben und den L. 
daran zu verhindern suchen. L. ging auf den Vorschlag ein Es war somit die 
Onanie direkt mit einem Kampfe der beiden Beteiligten verbunden wobei N. 
. etets bcfliogt wurde.') 

Der Kampf endete nämlich regehnaßig damit, ut N. tandem coatus sit 
membrum masturbari. L. versichert mir, daß diese Art der Masturbation ihm 
so^\ ohi ivie dem N. ein ganz besonders großes Vergnügen bereitet, hätte. In 
dieser Weise setzte nun L. bis zum 18. Lebensjahre sehr oft die Onanie fort. 
Von seinem Freunde belehrt, bemühte er sich nun, mit allem Aufwand von 
Energie gegen seme üble Angewohnheit anzukämpfen. Es gelang ihm dies auch 
nach und nach immer mehr, bis er endlich, nach Ausführung des ersten Koitus, 
gänzlich von der Onanie abstand. Dies geschah aber erst im Alter von 
21-/= Jahren. Unbegreiflich erscheint es jetzt dem Patienten, und es erfüllt ihn 
angeblich mit Ekel, daß er jemals daran Gefallen finden konnte, mit 
Knaben Onanie zu treiben Kerne Macht könnte ihn heute dazu bringen, eines 
anderen Mannes G led zu berühren, dessen Anblick ihm schon unangcMiehm ist. 
Es hat sich jede Neigung zu Mannern verloren und Patient fühlt sich durch- 
aus zum Weihe liingezogen. 

Es sei aber erwähnt, daß, trotzdem L. entschiedene Neigung zum Weibe 
hat, doch eine abnorme Erscheinung bei ihm besteht 

Was_ihn nämlich bei dem weiblichen Geschlechte wesentlich aufregt, ist 
uerAnblicK einer schonen Hand; bei weitem mehr reizt es den L..w'enn 
er eine weibliche schone Band berührt, f|uam si candam feiuinam plane 
iiudatam adspicerel. 

Wie weit die Vorliebe des L für A\c «clinn„ u> j - ■! r u„.. 

' Z^- '"' "'« acjione Band eines weiblichen 

Wesens geht, erhellt aus folgendem Vorgang. 






') AU. 



.\il v,.M rudimeatfiren Sadismus b,i L. mi.\ M.,«„.-hkmus bei N- 



h ' 



Partialisiiius iiiid Haremskdt. 



137 



L. kannte eine schöno jungo Dame, der alle Reize zur Voifügung slaiidoii; 
;iber ihre Hand war zieiiilicii groß und hatte keine Bcliöne Purni, war viel- 
leicht auch iniinchinal niclit rein, wie L. beaiispruehte. Es war dem L. infolge 
dessen nicht nur unmöglich, ein tioforos Interesse für die Dame zu fassen, 
sondern er war nicht eiiinuil imstande, die Dame zu berühren. L. meint, daß 
es im allgemeinen nichts Ekelhafteres für ihn gebe, als uiiSLUibere Fingernägel; 
diese allein nnichten es ihm unmöglich, eine sonst noch so schöne Dame zu 
berühren. Übrigens hat L. häufig den Koitus in früheren Jahren dadurch 
ersetzt, ut pueilam ufif[ue ad eiaculatiuiiem effeclam nietuluuui suimi manu 
Iraetare iufiscrit. 

Auf die Frage, Wiis ihn an der Hand des Weibeü liesunders anziehe, ins- 
besonders, ob er in ihr das Symbol der Macht sehe und ob es ihm Genuß be- 
reite, von dem Weibe eine direkte J^eniütiguiig zu erfahren, antwiirlele 
Patient, daß nur die scliönc Für m der Hand ihn reize, daß von einem Weibe 
gedeuiütigt zu sein, ihm keinerlei Befriedigung gewähre und daß ilnu noch 
niemals ein Gedanke daran gekoniuien sei, in der Hand das S\-inljol oder das 
Werkzeug der Macht des Weibes zu finden. Die Vorliebe für die Hand des 
Weibes ist noch iieute so groß, ut maiore volu])t.ate afficiatur si nianus 
feminae membrum tractat quam coilu in vuginam. Dennoch möchte Patient 
diesen lieber ausführen, weil er ihm die natürliche, das erstere atier als eine 
krankhafte Neigung erscheint. Die Berührung seines Kon)ors durcli eine .schöne 
weibliche Hand verursachi dem Patienten .sofort Ereklion; er meint, daß 
Küssen und andere läerührungen bei weitem nicht so starken Einfluß ausüben. 

Patient hat nur in den letzten Jahren öftere den Koitus ausgeführt. 
aber es fiel ihm der Entschluß dazu a u ß e r u r d e n l 1 i c h 
s e h w e ]-. Auch fand er in dem Koitus nicht die volle B e- 
f r i d i g u n g, die er suchte. Wenn sieh aber L. in der Nähe eines weiblichen 
Wesens befindet, das er gern iiesitzen möchte, so erhöht sich im bloßen An- 
sehen der Betreffendeu zuweilen ilie sexuelle Aufrcguug des L. bis zu dem 
Grade, daß i^jakulallon erfolgt. L. ver.-!ichert ausdrücklich, daß er liiebei 
;tl>siclitlich sein Glied nicht berühre oder drücke; die unter solchen Umständen 
erfolgte Siiei'maenlleeniiig gewähre dem L. einen bei weitem größeren Genuß 
als der wirklich vollzogene Beischlaf. 

Die Triiume des Patienten L, betreffen niemals den Beischlaf. Wenn er 
des Nachts Pollutionen hat, so kommen sie fast steü in Verbindung mit ganz 
■,nde"ren Gedanken vor, als dies bei normalen Männern der Fall ist. Die l)e- 
treffendcn Träume des Patienten sind Hekapitulationen aus der Schulzeit. In 
dieser hatte nämlidi Patient, abgesehen von der oben erwähnten unitucUen 




S die den gleichen oder verwandten Inhalt habe.,, wie die ehen erwälm.en 
gjeotel, mt uu. b P;,t.ient hält sich mfolge semes unnatürlichen 

Vorgange ^^^/'^Viv^ir unfähig ein Weib dauernd zu lieben. 

Fühlens und Empirndens lui uiuaing, tm „ r,, , , 

" HicM- sehen w,r deutlich eine ausgeBproehon bisexuelle 1 endmz und 
eine Flucht vor den. Weibe. Die Träume verraten em gehenne. Sexua - 

e das dem Bewußtsein des Patienten verborgen , st Alle d.e.e Angst- 
ziel, aas aem ,, .- ^^^erden und vom Nicht-Errcichen zeigen - wie 



\ 



w 



■ i 



las 



Fetischismus. 



! 



die nicht erreidit -werden kann. Es ist ?anz falsch, zu glauben, daß die 
Angst, nicht fortig zu werden, den Orgasmus einer Pollution auslöst, Der 
psychische Mechanismus ist folgender. Hinter die gestellte Aufgabe 
schiebt sich eine andere viel größere und schwerere Aufgabe. Die Aufgabe 
wird zum Symbol eines anderen versteckten Sexuallebens. Du wirst dein 
Sexualziel nicht erreichen! (In dem Falle von Moll ist es natürlich nicht 
durch eine Analyse aufgedeckt worden.) Die Aufgabe wird dann zu 
einer Art Or akel. Wc-nn du diese Aufgabe vollendest, wird auch die 
^dere, viel schwerere Aufgabe gelöst werden. Es handelt sich aber 
um eine verbotene Aufgabe. (Meistens Inzest oder eine schwere Para- 
philie.) Daher ist der Impuls durch Angst gohemmi und gebändigt. 
Die Angstentwicklung begleitet dann die Auelösung des Orgasmus. 

Viel tiefer können wir in die psychische Struktur des Handfetischis- 
mus in dem nächsten Falle hineinsehen. 

Fall Nr. 26. Herr G. L., ein Mediziner im Alter von 23 Jahren, raöchtP 
von dner Leidenschaft befreit werden, die ihn jetzt so beherrscht, daß sie sein 
ganzes Denken in Anspruch nimmt. Er denkt den ganzen Tag an schöiie 
Frauen- oder Mädchenhände, so daß er nicht mehr arbeiten kann. Es ist e ben 
für den_echten Fetischismus sehr cliarakteristiscb, daß er das ganze Interesse 
deTTrägers in Anspruch niimiit. Wie ein Unkraut überwuchern die fetischisti- 
schen Vorstellungen den ganzen seelischen Acker. Selbst die vorübergehende 
fetischistische itelriediguiig schafft kerne walire Kiihe. Das ist eben der Unter- 
schied zwischen der normalen Befriedigung und der zwangemäßigen. Wenn 
ein Normalmensch von lieftiger Libido gequält wird, so gibt es für ihn eine 
Sättigung, nach der eine lange Pause der relativen Ruhe und sexuellen In- 
differenz kommt. Bei den fetischistischen Paraphilien, die ja Zwangsneurosen 
Bind, ist die Befriedigung und die Beruhigung nur eine sehr kurze und der 
alte unstillbare Drang tritt bald aufs neue auf. 

G. L. schildert seinen Fetiacliisnms folgendermaßen: 

„Ich habe seit meiner frühesten Kindheit eine krankhafte Vorliebe für 
Hilnde und benütze jede Gelegenheit, einem Mädchen die Hand küssen zu 
können. Die Lustcmpfmdung habe ich aber gewöhnlich nicht 
während des Handkusses, sondern wenn ich mir in Ge- 
danken den Vorgang vergegenwärtige. Die Wollust entsteht 
also bei mir wahrschcmlich nicht durch die Berührung von ,Hand und Lippe', 
sondern durch das damit verbundene Gefühl v o n D eni ü t i gu n g Ich er- 
innere mich, daß ich schon als Sjähriges Kind meiner Erzieherin die Hände 
küßte und sie - wenn niemand dabei war - „gnädiges Fräulein" nannte, was 
ihr wie mir Vergnügen bereitete. Ich habe vom 8. bis zum 17. Lebensjahre fast 
täglich, manchmal auch mehrmals täglich onaniert und malte mir dabei 
immer alle erdenklichen Erniedrigungen aus. Ich erinnere mich einer besonders 
woUüetigen Phantasie: ich träumte, Plantagenbesitzer zu sein und mich von 
meinen schwarzen Sklavinnen peitschen und mit Füßen treten zu lassen. Zur 
Onanie kam ich auf folgende Weise. Ich besuchte nur ein halbes Jahr eine 
öffentliche Volksschule. Wir hatten eine Rechenaufgabe zu lösen die mir zu 
schwer war. Ich empfand heftige Angst, die bald in ein rätselhaftes Gefühl 
von Wollust überging. Ich machte eine unwülküiiiche Bewegung mit der 



ü 



Pai'Cialisiniis und Haremskult, 139 

Hand, w o d iir c h d i (? W 1 1 11 s t g e e t i g e r t wurde. Im Gymnasium 
war ich auf iiiran gefälirliclios Gelieimnie sehr stolz, doch f;pürte ich bald eine 
starke NervenzciTÜltuiig. In den ohn^cn Khiwscn hiitle icli eine ;uisgesprocheno 
Neigung zur HomosexualitiU. Ich „1 i b 1 o"' einen Kollegen, es ist 
aber niemals außer unschuldigen Zärtlichkeiten zu irgendwelchen Vertraulich- 
keiten gekommen. Ich empfand den Umstand, daß er Antisemit war und meini* 
Schwärmerei für ilm mehr duldete als förderte, als lusteteigernd. Ich karui 
noch jetzt den Typus, den er verkörpert, nicht ohne gewisse Erregung sehen, 
n-egen ihn aber empfinde ich, als ob er meine Abnormität verschuldet hätte 
(was nicht der Fall ist), einen heftigen Haß und halie mir oft ausgemalt, dali 
ich ilm kaltbliilig ermorden könnte. Mädchen begannen mich ers't dadurch zu 
interessieren, daß ich {in Tanzschulen usiv.) veranlaßt wurde, gegen sie galant 
zu sein. iSobakl ein Mädchen allzu freundlich gegen uiich ist, gewinne ich sie 
lieb, aber sie hört auf, inich sinnlich zu reizen, Ich bin immor auf der Suche 
nach Abwechslung in den Erniedrigungen. Gegen die Lustempfindung beim 
bloßen Handkuß und beim Niederknien Imi ich schon etwas abgestumpft. Da- 
gegen habe ich durch übcrsehwängüclie Huldigungen in letzter Zeit ein Mäd- 
chen dazu gebracht, daß sie uiir nianchraal unaufgefordert die Hand zum Kusse 
reicht, daß sie dieHandanmeinoLippen hebt. In solchen Augenblicken hatte ich 
schon wiederholt Ejakulationen, die mich immer sehr erschöpften. Wenn ich 
in der Elektrischen einer Dame ineinen Platz anbiete, so fühle ich, daß uieine 
Stimme zittert. Wenn ich vor vielen Leuten einem Mädchen die Hand küsse, 
so zucken meine Lip])en, Icli spreche sehr gerne ütwr meine Leidenschaft, leide 
ül>erhaupt an einem gewissen Mangel von Schamgefühl. MasochiBtische Bücher 
habe ich bis jetzt noch nicht gelesen. Ich begehe sehr gerne Taktlosigkeiten. 
die ich nachher bitter bereue. Jeden Murgen waclie ich mit. einem heftigen 
Angstgefülil auf, das erst vergeht, wenn ich auf die Straße komme. Ich bin 
ni i t m e i n e ]■ Z e i t s e h r g e i z i g und mache mir über jede 
Viertelstunde, die ich vertrödelt habe, heftige Vor- 
wurf e. Ich hatte die Gewohnheit, sehr oft verstohlen auf die Uhr zu schauen. 
Dabei bin ich aber durch meine Nervosität oft ganze Tage arbeit.suiifäbig. Ich 
habe eine heftige Sehnsuclit naeli Selbständigkeit, lasse mir sehr ungern 
Bücher empiehlcn, habe gegen Leute, mit denen man mich zuEummenbringen 
will sofoil. einen starken Widerwillen und )iöre Ratschläge gewöhnlicli hof- 
lich''in um sie dann nicht zu befolgen. Ich lüge sehr gerne und habe gerade mit 
meinen besten Freunden vielleicht noch kein wahres Wort gesprochen. Ich 
bin manchmal sehr feige, manchmal beinahe tollkühn und immer sehr lauiiei>- 
h.ft Ich hi'be Anwandlungen von Geiz, die sich sehr komisch äußern: ich 
v'„„', ■, T^ Ulf einem ßlatt Papier keine unbesehrielmic Zeilo ohne em gewisses 
Sagt ir d überleg'mir manchmal eine Stadtbahnfahrt gebe aber 
unneuagi.! ^liil über' üss ge Sachen aus, verliere auch 

ann wiedei- ^^J^^J^JZ^,^^^ "-'^ Ortssinn und bin sehr 
hautig Geld, kh habe yd '^ J^ ^ 7^^;^, mifmerksam zuhörcu- 

.erstreut, 1^^^", wLl gerne isTLler,.ietzt kann ich mich oft kaum 

Friiherging leh ^f ;"/ j'.^^f ,X^^^^ u, habe die Gewohnheit, notwendige 

dazu zwingen, aut J^J.^^"^ "J/" ™ ,nd lasse sehr gerne Leute auf 

Arbeiten immer auf f '« ^ '^ ^^ ™;'"„ ^ nu oder vier Verabredungen gleiob- 
mich warten. Ich habe oft ^" S^nnt^g^J ^- ^^ ^^^^ ^^^^^,,^^ ^,.^^.,.,,,, ,,,,,, 

S'JbS SS^^'SeitJ ändere meme Plä^. s.ir h.ufi. 



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Foliscbisiiius. 



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dbor in diwcin eiiu'ii PUin wünk^ ich inieli durch nichts boiri-en hissen, er i^t 
beinaho zur fixen Idee gc«-urden.' Ich glaiiije auch an mein Talcnl, und hin 
gegen Neckereien von Kollegen suwie gegen sachliche Einwoiiduiigon ziemlich 
iineiiipfindlich. Dagegen können mich gnt goiiieinle Ratschläge, namenÜich 
wenn sio von auturitativer Seite kommen, zu wahren Wutanfällen- bringen 
(z. B. „Lyrik liest man nicht, es ist besser, Kaufmann zu werden"). Ich habe 
sehr oft mit dem Gedanken gespielt, Selbstmord zu begehen. Seit 10 JLihren 
fiiiire ich ein zjonilich genauem Tagebuch, das aber (wenigstens so weit es von 
mir abhängt), noch kein Mensch gelesen hat. Ich war niemals i m- 
s t II ji d e, auf normale AV e i s e g e s c li 1 e c h 1 1 i c h zu v e i- k c li r o n, 
spüre aber, daß ich von Tag zu Tag sinnlicher werde. Ich habe iibi'igcns — 
vielleicht unbewußt — auch in meinem nur für mich bestimmten Tagebuche 
die Neigung, Taisaehen so zu fälschen, daß sie mich in ein günstigeres Licht, 
setzen. Meine Träume sind häufig masochistisch gefärbt. 

Dieser Kranke zeigt eine Reihe von Zwangshandlungen, die sehr 
durchsichtig sind, wenn man weiß, daß seine Mutter am 5. November 
(ö./ll.) gestorben ist und er sidi we^^eii -der Todeswünsche gegen die 
Mutter licftige Vorwürfe macht. 

Der Patient berichtet: 

Ich beechließe jede Eintragung in mein Tagebuch seit dem Tode meiner 
Schwester rait den Worten: „Ich grüße meine Toten!" Ich habe noch niemals 
eine Zede m meinem Tagebuche freigela.ssen. Wenn auf einer Seite noch ein 
paar Zeilen frei sind, so schi'eibe ich gieichgültigo Worte )iin, um sie zu füllen. 
Bei wichtigen Ereignissen pflegte ich für meine verstorbenen Verwandten in 
lolgcnder (streng eingehaltenen) Reihenfolge zu Ijeten: Mutter, Schwester, 
Großeltern, Großvater (väterlicherseits). In meinem ersten Schmerze nach 
eines großen Künstlers Tode wollte ich auch ihn in mein Gebet aufnehmen, 
doch erschien mir das bald als eine Pietätlosigkeit gegen meine Mutter. Ich 
habe auch die Gewohnheit, vor Entscheidungen dae Wort Mutter" 5 oder 
H Mal in Gedanken zu wiederholen. Die Zahlen 5 und 11 beherrscJien mich 
ununterbrochen. Ich habe dafür folgende Erklärung: Ich bemühe mich, beim 
Treppensteigen immer mit dem rechten Fuß zu beginnen und aufzuhören. 
Dabei Btelle ich nur Aufgabe» z. B. ich muß, bevor mir jemand entgegen- 
kommt, S Stufen zunickgelegt haben („Aller guten Dinge sind drei") und diese 
drei Stufen müssen iür mich völlig Übcrwu]iden sein, d. h. ich muß mich durch 
je einen Schritt mit dem linken und dem rechten Bein vom Endpunkt (nämlich 
der 3. Stute) ent ernt haben. Mit anderen Worten: Für meine Entwicklung 
darf es keinen endgültigen Ruhe|jimkt geben. Das gleiche gilt für 9 (3 m-il :^) 
und 2 Ich zähle erst von 1 bis 11, dann von 11 bis 1 und wiederhole schließlich 
llmal das Wort „Null". Beim Telephonieren muß ich, bevor ich das Gespräch 
beginne, zuerst auf dem linken, dann auf dem rechten und schließlich auf 
beiden Füßen so lange stehen, daß ich rasch bis 5 oder bis 11 zählen kann Ich 
gerate in tödliche \ crlegenheit, wenn ich in Gegenwart meines Vaters mit 
jemandem ein Gesprach fuhren soll. Ich gebrauche bestimmten Menschen gegen- 
über immer wieder dieselben Redewendungen, ohne es zu wollen So sage ich 
z. B. einem Kollegen, so oft ich ihn treffe, daß ich sein Phlegma für verhaltene 
Kraft halte. Ein Mädchen hat mir einmal gesagt, daß sie sich für Geaphiche 
über Reisen un^I über Philosophie nicht interessiere, und so oft ich mit ihr zu- 
sammenkomme, serviere ich ihr nur diese zwei Themen, Ich habe einen Be- 






Partialismiis iiod Itareiiiskiili. ^ 141 

kannten — or ist gar nicht komieeli — boi dessen Anblick ich förinlicli Ladi- 
krämpfc bekommt', nur weil er mir einmal gesagt hat: „Sie halien su ein ner- 
vöses Lachen." Snlange icli einen Koüegen „lieliie", kiini icli täglich mehrere 
Mal u n w iil k ii r li c h a» scinoni Hause vorbei, und ivühn-nd meiner 
Schwärmerei für den großen Künstler ging ich sehr oft, beinahe ohne es zn 
wo]]en, in <)io Oper, wo er wirkte (auch vnnniltags), obwuhl ich in onlgcgen- 
gesetzter Kichiiuig vom ILul-^o weggcgiuigen war. Auf (h-r ^tralSo liabe ii-li das 
Bestreben, ni ü g 1 i c h s t viele Leute zu ü b e r li u ! e n. v u r i\\l e ni 
L i eb e s II ii a r e. Da hal>e ich die Kniijfindung: Ich bringe es im Lel>i'n (uikI 
in der Liebe) weiter als sie luid ihii> >\a<-hk<inniion. Heuer im Winier halte ich 
eine Zeillang die fixe Idee, täglich mindestens einem Mädchen die Hand zu 
küssen. Den Tag, an dem mir die Erfüllung meines WunscJies unmöglich war, 
betrachtete ich als verloren. Die Vorstellunp;, „Zeit zu verlieren", peinigt mich 
ununterbrochen. Wenn ich mich wirklich wi^hlfülilen soll, muß ich etwas, das 
sich schütleln lälil (am liebsten einen langen (Jraslialm odei' eine Haferrispe) 
in der Hand halten. Es gibt Leute, die ich sehr lieb habe und denen gegeniibei' 
ich doch noch kein herzliches Wort ülter die Lippen gebracht habe. Ich habe 
die Gewohnheit, jedes Glas Wasser,, das vor mir steht, auszufrinken, auch 
wenn ich keinen Durst habe. Auf diese Art habe ich schon manchmal ohne 
Durst, ganze Krüge ausgetrunken." 

Diese Zwansshondlungen erfordern eine eingehende Atialyso. Zn- 
c-rst gehen wir einen Tolenknlt, der an die Gebräuche der rritnitlvcn er- 
innert, welche die Rache der Toten und besondeis der CietÖteten 
fürchten.') Er hat allen Grund, die Radio der Toten zu fürchten. Denn 
sein Gefühl beim Tode eines andern isl immer Seliadenfreude und Genug- 
tuung; Gut., daß ich es nicht bin! Was für Vorteil habe icli davon? 
Also eine auBfjcsprodiene Urrcaktion, auf die er dann mit nioralisclien 
Jxulturgefiililen reagiert. Auch der To(i .seiner Mutter und seiner 
Sdiweeter war für ihn eine (Quelle der Genugtuung. Sein Vater war mm 
auf ilm angewiesen. Er konnte ihn ganz haben. Daß er für alle Verstor- 
benen helet (dabei hriislet er sidh Freif^eist und Atheisi zu sein!) he- 
il eist, daß er seine sündigen Gedanken überkompensieren will. Wenn sie 
schon tot sind, so möge es ihnen gut gehen. Was er den Lebendon nidil 
gegönnt hat, das wünscht er den Toten: Seligkeif! Nadi dem Tode eineä 
großen Künsilcrs versagte er sich, für ilm zu holen. Er hatte auch keinen 
Anlaß Denn der Tod dieses Künstlers liatte ilm wirklidi erschütlerf. Er 
hatte einen Menschen verloren, der ihm immer Genuß bereitet hatte, einen 
Mensdien, dem er nie den Tod gowünsdit hatte. 

Er verträgt keine freie Zeile in seinem Tagebuche. Er verträgt 
keinen leeren Umm im Tage. Er zeigt den bekannten horror vacu. der 
Parapathiker, die bestimmte Gedanken nicht denken dürfen, welche ,hr 
Schuldbewußtsein ausdrücken würden. Vor wichtigen Entscheidungen 
spricht er das Wort „Mutter" aus. Sic soll ihn schützen, die Frau, die er 

^^ Freud Totnu und Tab», u-kI Le.rn Brühl Das S«k-n!.),.n der Natur- 
völker, Deutsch vun ]V Jerusalem. Braumüllfr, Wien und Leipzig. 1921. 



V-S 



142 



Fetisfibismua. 



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so geliebt und der er trotzdem aus Eifersucht den Tod geAvünscht hatte, 
■weil er sie ganz allein für sich besitzen wollte. 

Die Zwangszahlen 5 und 11 erklären sich sehr einfach, wenn man 
weiß, daß der 5./XI. der Todestag seiner Mutter war. Alle seine anderen 
Erklärungen sind nur Rationalisierungen. 

Mit der llfachen Wiederholung der Null annulliert er einen ihm 
unangenehmen Vorfall der Vergangenheit. Er hat gewisse Stereotypien 
im Umgänge, die seine Verlegenheit verbergen sollen. Er gebraucht sie 
besonders bei Menschen, zu denen er sexuell eingestellt ist. Auch seinem 
Vater gegenüber ist er verlegen, besonders wenn fremde Menschen dabei 
sind, weil er fürchtet, sie könnten seine Einstellung erraten. Er könnte 
sich durch ein unbedachtes Wort verraten. Vor diesem Verrat sichert ihn 
der Mechanismus der Stereotypie. Andere kleine Züge verraten seine 
(iraueamkeit und sein Gefühl der Uberlegenlieit, das mit dem Gefühle der 
Minderwertigkeit und des Neides abwechselt. Er ist unendlich ehrgeizig 
und will der Erste sein. Deshalb arrangiert er die Wettläufe auf der 
Straße, die er als Orakel auffaßt.') ■ - 

Er ist abergläubisch wie alle Zwangsneurotiker und sieht sich von 
mystischen Wundern umgeben. Er glaubt an die Allmacht seiner Ge- 
danken. Daher ist er der Mörder seiner Anverwandten und aller Toten, 
welche er im Leben einmal beneidet hat. 

Er muß leden Tag einem anderen Mädchen die Hand küssen. Hier 
begegnen wir der bekannten Reihenbildung der Fetischisten, die sich nie 
mit einem Objekte begnügen. Unser Patient hat seinen eigenen Harem 
von schönen Händen. 

Er hat eine große Auswahl und bleibt keiner Hand treu. Das ist 
eharakteristisch und gibt diesen Fällen ihr ureigenstes Gepräge. Würde 
er die schönste Hand der Welt finden, er könnte ihr nicht treu bleiben. 
Es würde ihn zu einer anderen Hand treiben. 

Wenden wir uns zur Analyse des hochinteressanten Falles. Der 
wichtigste Punkt der Mitteilungen scheint mir der Umstand zu sein, daß 
er schon in der Kindheit, allen Leuten gerne die Hände küßte. Es war dies 
in der Kindheit ein artiges Spiel, für das er immer gelobt wurde. Es hieß 
dann: „Ei, ist der Kleine ein artiger, höflicher Junge!" Er zeigte schon 
als Kind böse Eigenschaften, die ihm bis heute geblieben sind. Er verträgt 
ee nicht, daß er den Menschen gleichgültig ist. Er verlangt, daß alle Welt 
ihn liebe und bewundere. Wo das nicht der Fall ist, wird er unangenehm 
und ärgert die Menschen. Er kann außerordentlich boshaft werden, wenn 
es gilt, Mädchen in Affekt zu bringen, von denen er merkt, daß er ihnen 
gleichgültig ist. Die Pose der Prauenverehrung ist nur eine scheinbare. 

^) Vgl. das Kapitel „Der Wettlaut auf der Straße-* in , Masken der Sexnülitäf. 
Verlag Paul Knepler, Wim 1322, 2. Aufl. 



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I'artiaJiBtnus imil Harem skiilt. i ]_43 

Er hat für die Frauen zwei Gefühle: Angst und Verachtung. Angst, weil 
or keine Herrschaft, die dauernd ist, verträgt, und "\'erachtung, weil er 
ihre Leistungen geringschätzt und sie eigentticli alle als YorfüJirer innen 
und Sexuahvesen betrachtet. („Ein Uterus mit etwas Dame daran.") Er 
behauptet auch, er könne jode Dame in sich verliebt machen. Die Poee der 
Unterwerfung, der demütige Handkuß ist nur der Weg, um so sicherer 
über alle Frauen zu triumphieren. Die Phantasie des Kusses ist ihm 
wichtiger als die Realität. Das beweist uns, daß sich gewichtige Vorgänge 
liintcr dem Handkuß verbergen, die ihm nicht bewußt sind. Seine Unter- 
werfung ist nur eine scheinbare. Er gefällt sich in der Pose des Weiber- 
freundes und Masochisten. Seine Grundlage aber ist eine durchaus 
sadistische. Es ist dies ein Moment, das wir bei der Besprechung des 
ilasochismus noch ausführlieh bespreclien werden. Die Masochisten sind 
Sadisten, die ihre Grausamkeit gegen sich selbst gerichtet haben. G. L. 
hatte auch in der Kindheit eine rein sadistische Periode, in der er in 
grausamen Phantasien schwelgte. Da er aber von allen geliebt sein wollte, 
empfand er jedes geringere Maß von Liebe als Zurücksetzung und hißte 
alle Menschen, welche dieser Liebe im Wege standen. Die Schwester war 
sein stärkster Rivale. Er wünschte ihr daher den Tod und mußte dann, als 
sie starb, von heftiger Reue gefoltert werden. Denn sein Charakter zeigt 
das Bestreben, alle die ursprünglichen sadistischen und egoistischen 
Triebregungon im altruistischen Sinne zu verarbeiten. Er krankt an seiner 
überempfindlichen Moral, welche eine strenge und geradezu fromme ist. 
Er mag sich atheistisch gebärden. Er ist innerlich fromm und durrh un- 
zählige Gelübde gebunden. 

So fesselt ihn aucli das Gelübde: „Du wirst nie ein Weih ganz be- 
sitzen, denn du mußt dich empfindlich bestrafen!" Nach dem Tode der 
inniggelieblen und wie alle geliebten" Personen, die seine geheimen 
Wünsche nicht erfüllten, auch deshalb von ihm geliaßten Mutter, gab er 
sich das Gelübde, das er nur mit Hilfe seines Handfetischismus halten 
kann. Dies Gelübde war ihm nicht bewußt und trat erst in der Analyse 

zutage. 

Wiederholt hatte er Gelegcnlieit, mit Mädchen zu verkehren, bie 
kamen auf sein Zimmer, sie boten sich ihm an. Er blieb doch immer trotz 
heftigster Erektion in den Grenzen mehr oder weniger harmloser Spiele. 

Dabei kam es ihm darauf an, den Vater glauben zu lassen, daß er 
ein großer Don Juan wäre, um seinen Vater eifersüchtig zu machen. Seme 
stärkste Liebe und die wichtigste Ursache seiner Krankheit war se.n 
Vater Nacli dem Tode der Mutter bezog er das Bett der Verstorbenen 
und schlief neben dem Vater. Dieser wieder verzichtete zugunsten semes 
Rohnes auf jedes Liebesglück. So bildete sich langsam eine Art Elm 
zwisclien den beiden aus. Nur war er dem Vater gegenüber verschlossen 



142 



Fetisfibismus. 



'f. 



so geliebt und der or trotzdem aus Eifersucht den Tod gewünscht hatte, 
weil er sie ganz allehi für sich besitzen wollte. 

Die Zwangszahlen 5 und 11 erklären sich sehr einfach, wenn man 
weiß, daß der 5./XI. der Todestag seiner Mutter war. Alle seine anderen 
Erklärungen sind nur Rationalißieruugen. , ■ 

■ ■- Mit der llfachen Wiederholung der Null annulliert er einen ihm 
unangenehmen Vorfall der Vergangenheit. Er hat gewisse Stereotypien 
im Umgänge, die seine Vürlegenheit verbergen sollen. Er gebraucht sie 
besonders bei Menschen, zu denen er sexuell eingestellt ist. Auch semeni 
^ ater gegenüber ist er verlegen, besonders wenn fremde Menschen dabei 
sind, weil er fürchtet, sie könnten seine Einstellung erraten. Er könnte 
sich durch ein unbedachtes Vl^ort verraten. Vor diesem Verrat sichert ihn 
der Mechanismus der Stereotypie. Andere kleine Züge verraten seine 
Orausamkeit und sein Gefühl der Überlegenlieit, das mit dem Gefülile der 
Minderwertigkeit und des Neides abwechselt. Er ist unendlich ehrgeizig 
und will der Erste sein. Deshalb arrangiert er die Wettläufe auf der 
Straße, die er als Orakel auffaßt.^) 

Er ist abergläubisch wie alle Zwangsneurotiker und sieht sich von 
mystischen Wundern umgeben. Er glaubt an die Allmacht seiner Ge- 
danken. Daher ist er der Mörder seiner Anverwandten und aller Toten, 
welche er im Leben einmal beneidet hat. 

Er muß jeden Tag einem anderen Mädchen die Hand küssen. Hier 
begegnen wir der bekannten Reihenbildung der Fetischisten, die sich nie 
mit einem Objekte begnügen. Unser Patient hat seinen eigenen Harem 
von schönen Händen. ■> 

Er hat eine große Auswahl und bleibt keiner Hand treu. Das ist 
charakteristisch und gibt diesen Fällen ihr ureigenstes Gepräge. Würde 
er die schönste Hand der Welt finden, er könnte ihr nicht treu bleiben. 
Es würde ihn zu einer anderen Hand treiben. 

Wenden wir uns zur Analyse des hochinteressanten Falles. Der 
wichtigste Punkt der Mitteilungen seheint mir der Umstand zu sein, daß 
er schon in der Kindheit allen Leuten gerne die Hände küßte. Es war dies 
in der Kindheit ein artiges Spiel, für das er immer gelobt warde. Es hieß 
dann: „Ei, ist der Kleine ein artiger, höflicher Junge!" Er zeigte schon 
als Kind böse Eigenschaften, die ihm bis heute geblieben sind. Er verträgt 
es nicht, daß er den Menschen gleichgültig ist. Er verlangt, daß alle Welt 
ihn liebe und bewundere. Wo das nicht der Fall ist, wird er unangenehm 
und ärgert die Menschen. Er kann außerordentlich boshaft werden, wenn 
es gilt, Mädchen in Affekt zu bringen, von denen er merkt, daß er ihnen 
gleichgültig ist. Die Pose der Frauenverehrung ist nur eine scheinbare. 

'1 Vel.dikS Kapitel ..Der Wettlauf auf der Straße" in „Mafiken der Sexualität". 
Yerlrtg Paul Kn.>pler. Wk-n 1922. 2. Aufl. 






t 



l'artialismiis und Haremskult. i J45 

Er hat für diu Frauen zwei Grfühlü: Angst und Verachtung. Angst, weil 

er keine Herrschaft, die dauernd ist, verträgt, und Verachtung, weil er ! 

ihre Leistungen geringschätzt und sie eigentlich alle als Verfühi-er innen 
und yexualweeen betrachtet. („Ein Uterus mit etwas Dame daran.") Er 
behauptet auch, er könne jede Dame in sieh verliebt machen. Die Pose der 
L'nterwerfung, der demütige Handkuß ist nur der Weg, um so sicherer 
über alle Frauen zu triumphieren. Die Pliantasie des Kusses ist ihm 
wichtiger als die Realität. Das beweist uns, daß sieh gewichtige Vorgänge 
hinter dem Handkuß verbergen, die ihm nicht bewußt sind. Seine Unter- 
worfung ist nur eine scheinbare. Er gefällt sich in der Pose des Weiber- 
freundes und Masochisteii. Seine Grundlage aber ist eine durchaus 
sadistische. Es ist dies ein Moment, das wir bei der Besprechung des 
Masochismus noch ausführlich besprechen werden. Die Masochisten sind 
Sadisten, die ihre Grausamkeit gegen sich selbst gerichtet haben. G. L. " 
iiatte auch in der Kindheit eine rein sadistische Periode, in der er in 
grausamen Phantasien schwelgte. Da er aber von allen geliebt sein wollte, 
empfand er jedes geringere Maß von Liebe als Zurücksetzung und haßte 
alle Menschen, welche dieser Triebe im Wege standen. Die Schwester war. 
.sein stärkster Rivale. Ei- wünschte ihr daher den Tod und mußte dann, als 
sie starb, von heftiger Reue gefoltert werden. Denn sein Charakter zeigt 
das Bestreben, alle die ursprünglichen sadistischen und egoistischen 
Triebregungen im altruistischen Sinne zu verarbeiten. Er krankt an seiner 
überempfindlichen Moral, welche eine strenge und geradezu fromme ist. 
Er mag sich atheistisch gebärden. Er ist innerlich fromm und durcli un- 
zählige Gelübde gebunden. 

So fesselt ihn auch das Gelübde: „Du wirst nie ein M'eib ganz be- 
sitzen, denn du mußt dich empfindlich bestrafen!" Nach dem Tode der 
inniggeliebten und wie alle geliebton ' Personen, die seine geheimen 
Wünsche nicht erfüllten, auch deshalb von ihm gehaßten Mutter, gab er 
sich das Gelübde, das er nur mit Hilfe seines Handfetischismus halten 
kann. Dies Gelübde war ihm nicht bewußt und trat erst in der Analyse 
zutage. 

Wiederliolt hatte er Gelegenheit, mit Mädchen zu verkehren. Sie , ;_• 
kamen auf sein Zimmer, sie boten sich ihm an. Er blieb doch immer trotz 
heftigster Erektion in, den Grenzen mehr oder weniger harmloser Spiele. 

Dabei kam es ihm darauf an, den Vater glauben zu lassen, daß er 
ein großer Don Juan wäre, um seinen Vater eifersüchtig zu machen. Seine 
stärkste Liebe und die wichtigste Ursache seiner Krankiieit war sein 
Vater. Nach dem Tode der Mutter bezog er das Bett der Verstorbenen 
und schlief neben dem Vater. Dieser wieder verzichtete zugunsten seines 
Sohnes auf jedes Liebesglück. So bildete sich langsam eine Art Ehe 
zwischen den beiden ans. Nur war er dem Vater gegenüber verschlossen 



144 



Fetisch ismii'S. 



M ■ 



I ^ 1 






und zeigte kein offenes Gefühl, so dali der Vater glauben konnte, der 
Sohn liebe ihn nicht. Diese scheinbare Kälte war eine Öicherung gegen 
seine allzu grolk Liebe. Er liebte eigentlich die Männer und verachtete 
: , - die Frauen. Im Leben spielte er die umgekehrte Rolle. 

] Er erinnert sich nur an eine einzige große, ihn ganz ausfüllende 

' ' Liebe. Es war dies der Kollege, der ihn wahrscheinlich an seine Schwester 

. und Mutter erinnerte. Er glaubt auch, daß er ihm selbst ähnlich war, so 
daß wir auch hier eine narzißtische Wurzel konstatieren können. Jetzt 
aber dreht sieh sein ganzes Sinnen und Trachten um den ^'ater. Er ste Ut 
eich aber so als ob er einen fanatischen Mutterkult treiben wurde. Hn; 
Bild steht auf seinem Schreibtisch, außerdem trägt er eines immer bei 
sich, ebenso wie einen Ring, den sie ihm schenkte. Diese Pietät hat die 
Tendenz, die Eifersucht des Vaters auf zustaoheln und ihm Schmerzen zu 
bereiten, weil jener ihn nicht nach seinem Sinne liebt. 

Der infantile Zug in seinem Gehaben zeigt sich in dem Festhalten 
- der kindlichen Handkußszenen und in seinen Spielereien mit der Zeit. Er 
behandelt die Zeit wie eine Geliebte, die man bald liebt, bald haßt, hv 
M'ill nicht alt werden. Er will ein Kind bleiben, denn er fürchtet den 
Moment, da ihn die Liebe zu einem Weibe von der Seite des Vaters reißen 
könnte. Denn alle Hände, die er küßt, sind des Vaters Hände. 

Er hat den Glaubon an seine große hi&torisrhe Mission. Christus 
beschäftigt ihn unausgesetzt. Er fühlt sich selbst als Christus und hat 

allerlei Erlöserideen. 

Auch die Handkußszene hat einen Zusammenhang mit seiner 
Christusneurose. Es gibt eine Szene im neuen Testamente, die ihn immer 
sehr aufgeregt hat. Es ist dies die Szene, da Maria Magdalena dem Herrn 
die Füße mit Tränen benetzt und küßt. „Ihr sind viele Sünden vergeben, 
denn sie hat viel geliebet ; welchem aber wenig vergeben wird, der liebte 
wenig." 

Diese Szene schwebt seiner Phantasie vor, wenn er eine Handkuß- 
Gpi6ode aufführt. Er ist der Büßer, der Reuige, der Sünder, dem Gott ver- 
ziehen hat. Von dem Weibe erwartet er die Erlösung. Er ist Maria Mag- 
dalena. Er spielt und lebt sich so in die Rolle ein, daß er manchmal an 
seiner Männlichkeit zweifelt, so daß er seine ganze Sexualität auf diese 
Fiktion zuschneidet. Allmählich aber geht die Idee von Cliristus und 
einem Apostel in die Auffassung über, er hätte als Dichter der Welt eine 
neue Religion zu geben. Er betrachtet sein ganzes Leben als eine Vor- 
bereitung zu diesem hohen Berufe. Frauen würden ihn stören, der Ruhm 
ist ihm wichtiger als die Liebe. 

Seine Zwangsvorstellungen sind lauter Bußhandlungen in gloriara 
Dei. Aber diese Buße soll nur Gott versöhnen, daß er milder gestimmt 
werde und seinen endgültigen Triumph nicht verhindere. Er will allen 



PartiaÜBinus und Harem^kult. ] 45 

andern vorkommen. Er ist maßlos noidisdi iiul' alle anderen Leistungen 
und will sich diesen Neid in den seltensten Fällen eingestelien. Oft 
flüditet er vor dem Neide in eine rücldiaiteloee und grenzenlose Bewundü- 
mng. Dabei fühlt er sich allen Menschen gegenüber überlegen und be- 
fioaders den Mädchen gegenüber, denen er die Hände küßt. Allee soll ih]ii 
gehören, aus allen Quellen des Wissens und der Erkenntnis will er 
trinken, jeden Zug bis zum Ende. Was er ha T-eben niclit kann (den 
Becher der Fronde leeren), das macht er in unzähligen Zwangshand- 
lungen. 

Die Hand aber soll ihm ein Schutz sein gegen alle Versuchungen 
dieser Welt. Mit der Hand hat er gesündigt, onaniert, sie zum Schlage 
gegen andere erhoben, an der Hand muß er büßen. Überall sieht er Hände. 
Vom Himmel strahlen ihm Riesenhände, die Hände Gottes, die er immer 
fiber seinem Haupte fühlt. Er ist ein Ausern-ählter und darf daher nicht 
]n die jämmerlichen Schwachheiten der gewöhnlichen Erdonkinder 
verfallen. 

Er fühll, die Absonderlichkeit seines Sexuallebens als eine Aus- 
zeichnung. Man glaube diesen Kranlcen nicht, wenn sie zum Arzte* 
kommen und um Heilung flelien. Innerlich beherrscht sie der Stolz auf 
ihre Eigenart, welche die anderen Mensclien nicht kennen. Wie schwer 
wird es einem tinderen Mamie, ein Weib zu erobern! Unser Patient 
bi'aucht ihr nur die Hand zu küssen und schon kommt es zu Orgasmus 
unii Kjakulation. Er sieht mit dieser Art von Befriediginig nicht ver- 
einzelt da. Denn ich kenne einige Männer, die sich auf diese Weise be- 
friedigen. Man beobachte mani'he Männer beim Handkuß untl man wird 
die Fetischisten sofort erkennen. Sie rierlu'n an den Händen, sie saugen 
sich daran fest und sie bekommen den eigentihnliehen Glanz in den 
Augen, der die sexuelle Ekstase erraten läßt. Ich kannte einen großen 
Künstler, der sich nur auf diese Weise befriedigte. Audi dieser Mann 
hatte immer Frlösei'ideen, war ein Religionssl ifter, wollte eine eigene 
Sekte gründen, wurde Wanderpiedigei' und sonderte sich von allen 
Menschen ab. Er verzichtete mit Hilfe dei' Hand auf den Besitz des 
Weibes und konnte seine Keuschheit bewahren, zeigte eine stark aske- 
tische Tendenz, die im späteren Alter siegreidi durdibrach, als er 
plötzlich den Entsdduß faßte. Missionär zu werden. Er hat1e Einsiedler- 
idoen, wollte eidi auf einem Berge ein einsames Häusdien bauen u. dgl. 
Phantasien mehr. 

Wie treffend schildert Havelock Ellis diese Eigenschaft der Fett-' 

schisten: 

„Die Ursache der krankhaften und gefährlichen Ti^olicrnng des Feti- 
schisten ist. in der extremen IndividuaUtät, die die Entwicklung des erotischen 
Synibnlismiis voraussetzt, zu suchen. Der Liebhaber, der sich durch alle die 

St»li"l, StiirnnBi'ii cäi'sTriflb- und AlfiiktlabBiii-. vn. 10 






~:g: 



146 Fetischismus. 

Elemente der sexuellen Selektion leiten läßt, wird stets dnreh den Gemein- 
schaftsgeist, der ihn mit der Gesellschaft der anderen menschlichen Weseli 
vei'bindet, auf seinem rechten Weg erhalten werden, er hat zur Seite das Ge- 
fühl seiner Abstammung, seiner Nation, wenigstens das der Mode. Sogar der 
];onträr Sexuelle kann sich in den meisten Fällen bald ein Milieu von PersO]ien. 
deren Ideale mit seinem eigenen übereinstimmen, schaffen. Nicht so ist es bei 
dem erotischen Symbolisten, Dieser bleibt fast stets allein. Er isi. 
von vornherein der Einsamkeit verfallen, denn es scheint, daß auf der Grund- 
lage übermäßiger Scheu und Ängstlichkeit auch die Entstehung des erotischen 
Symholismus am leichtesten sieh vollzieht. Wenn dann endlich der Symbolist 
zur Ausfüliruiig seiner Wünsche schreitet, welche ihm meistenteils als etwas 
ganz neues erscheinen, und dabei erfährt, wie weit diese von denen der anderen 
Menschen verschieden sind, so wird seine von Natur bestehende Abgesdilosseu- 
lieit noch stärker werden. Er ist ein Einsame r. Seine höchsten Ideale sind 
für alle seine Nebenmenschen Jtindische Wunderlichkeiten oder widerwärtige 
Gemeinheiten, möglicherweise auch ein Gegenstand für das Einschreiten der 
Polizei. Wir haben es vergessen, daß alle diese Impulse, die uns so unnatürlich 
ei-scheincn, die Apotheose des Fußes und anderer Körpert-eile, die Anstaunung 
der Akte der Miktion und Defäkation, die Neigung zum Kongressus mit 
Tieren, die emphatische Sclhstexhibition auch sämtlich ethisch auf uneere 
Vorfahren zurückgehen und bei diesen mit den Begriffen der höchsten LcbenP- 
gofühle und tiefmystischem Empfinden vergesellschaftet waren. 

Ohne ursprünglieli abnorme Anlage kami indessen niemand sich so weit 
von selbst in seinen Trieben von denen der sonstigen Menschenwelt entfernen. 
Zum mindesten wird er eine neuropathische Eindrucksfähigkeit für abnorme 
Reize besitzen. Nicht selten besteht noch mehr Abnormes: Deutliche Degene- 
rationszeiclien, machraal ein gewisser Grad angeborenen Sehwachsinnes oder 
eine Disposition zu Geist-^krankheiten. 

Im ganzen bieten die Erscheinungen des erotischen Sjinbolismus, ab- 
gesehen von der Häufigkeit, mit der sie auf angeborene krankhafte Ab- 
normität hinweisen, für den sorgsamen und unvoreingenommenen Seelen- 
forscher das höchste Interesse. Sie erscheinen oft als absurd, manchmal als 
widerwärtig, aber von allen abnormen und normalen sexualpsychologischen 
Äußerungen sind sie diejenigen, welche am spezifischten menschlich sind. Mehr 
als alle anderen enthüllen sie die gewaltige plastische Macht der Imagination. 
Sie führen uns den extremen Individualisten vor, der nicht nur nicht im Ein- 
klang, sondern im Gegensatz mit seinen Altersgenossen lebt, eich selbst sein 
eigenes Paradies schaffend. Sie sind der Gipfel der menschlichen 
Idealisationskraf t."*) 

Es iat sicher richtig, daß man unter den Geisteskranken und De- 
generierten häufig Ansätze zum Fetischismus findet. Das mag mit der 
stärkeren Betonung ihrer Infantilität zusammenhängen. An und für 
sich ist der Fetischismus nie ein Degeneration s- 
zeichen. Man darf nicht vergessen, daß die Paralogie eine Regression 
auf die Kindheit bedeutet. Sie zeigt die gleichen Mechanismen wie die 
Parapathie. Der Umstand, daß einer fetischistische Neigungen hat, läßt 
den Schluß auf Belastung noch nicht zu. Ich habe gerade unter den Feti- 



') „Die kraDkhaften GeechlechtEempfindungen." 



s^-™ 



l'anialismtiB UDd Harcmskult, 147 

Bcliisten Mi'iiächt'n gefunden, in deren Anamnese sich nicht eine Spur von 
Bclaetung nadnveiaen ließ, die ein hoher Intellekt auszeichnete. Zwei 
öolcher Fälle werden uns ja im nächsten Kapitel beschäftigen. Oft ist 
diese abnonne Art des geschlechtlichen Fühlens das einzig Krankhafte, 
das man an dem Menschen entdecken kann. Dann findet man immer den 
iinierdriicktcn psyfhisclion Konflikt zwischen Soxualbegehrcn und Sexual- 
angst, die Angst vor dem geschlechtlichen Partner, die innere Frömmig- 
keit und die Neigmig, die infantilen Erlebnisse für alle Zeiten zu fixieren. 

Ich will nun an dieser Stelle, die merkwürdige Eigenschaft der 
Rcihenbildiing besprechen, die ich beim Fetischismus „Haremskult" ge- 
nannt habe. Der Fetischist entschädigt sich für seine Einsamkeit durch 
eine Menge von Phantasiegeetalten, welche sich in einem Symbol leib- 
haftig verkörpern. Aber diese Vielheit ersetzt eigentlich eine Einheit, 
wie der Fall des Polster-Fetischieten (Nr. 4, S. 26) beweist. (Diese 
Fälle scheinen nach meiner Erfahrung gar nicht so selten zu sein.) 

Einer der merkwürdigsten Fälle und für unsere Untersuchungen von 
großer Bedeutung ist der von Dr. /?. Hahn. (Ein merkwürdiger Fall von 
Diebstahl aus Gogenstandsfetischismus. [H. Groß' Archiv, Bd. 60] 
1914.) 

Fall Nr. 27, Es handelte sich um einen Tischler T., der seinerzeit bei der 
Kiitwendung von Kindorbettzeug ertappt worden war und deshalb in Haft ge- 
nommen wurdo. Im Verlaufe der Untersuchung stellte ee sich heraus, daß In- 
kulpat, ein im übrigen völlig unbescholtener Mensch, bereits mehrfaeli wegen 
der gleichen Delikte vorbestraft war und daß er die Diebstülile, die aut'fälliger- 
weiso immer nur Kinderbettzeug betrafen, niemals aus oigentliclier Bereiche- 
rungsabsicht, sondern aus einem, wie es schien, sexuell betonten ahnormen An- 
triebe heraus begangen hatte. Er wurde infolgedessen gcriehtsärztlich unter- 
sucht und begutachtet. 

Sein Lobensgang bietet nichts Auffälliges dar. Er gibt an, in seinem 
12. Lebensjahre dui'ch Zufall, resp. durch die verhängnisvolle Wirkung eines 
besonderen Erlebnisses zur Onanie gekommen zu sein. Ee sei ihm damals ein 
die ehelichen und geschlccbl liehen Verhältnisse in allen Details eiitliüllendes 
Buch in die Hände gefallen, ilui'cb dessen Lektüre er sexuell in hohem Grade 
erregt iv'orden sei. Gerade um diese Zeit sei seine hoch- 
schwangere Schwester nach Hause gekommen und habe 
dioBettchonund das sonstige Kinder zeug für das er- 
wartete Kind zurechtgemacht. Das Zusammentreffen jener Lek- 
türe mit dem Anblick der schwangeren Schwester und der Kinderwäsche hätten 
einen außerordentlich starken Eindruck auf ihn gemacht, lebhafte Erektion 
bei ihm hervorgeruien und ihn dazu gedrängt, den sexuellen Antrieb durch 
Masturbation zu befriedigen, und zwar sei er darauf geraten, durch welche be- 
sonderen Erwägungen wisse er selbst nicht, zu diesem Zwecke das Kinderzeug 
zu verwenden. Seitdem onanierte er fast täglich und benutzte dazu 
möglichst immer die Steckbettchen der Schwester, da 
mit Hilfe -derselben, wie er bald bemerkt habe, der Genuß für ihn ein größerer 
gewesen sei. In der Folgezeit habe sich dann die geschlechtliche Erregung 

10» 



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148 



Fetischismus, 



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immer eugei- mit dem Gedanken an das Kiuderzeug und den Anblick desselben 
verknüpft. 

Nadi erfolgter Konfinnatiün erlernte er dae Tischlerhandwerk. Er habe 
stets befriedigende Arbeit geleistet und ein im ganzen solides, ordentliches 
Leben gi'fülii't, eine Angabe, die in den ihm Linsgestellten Zeugnissen durchwegs 
Bestätigung fand; speziell hat er niemals groben Mißbrauch mit alkoholischen 
Getranken getrieben oder Intoleranz dagegen gezeigt oder seine strafbaren 
Handlungen etwa unter dem Einfluß einer Alkoholintoxikatioii begangen. Alf 
belirling und Geselle fuhr er fort, in exzessiver Weise zu onanieren. Wieder- 
holt versuchte er, wie er beteuerte, sich von seiner verderblichen Gewohnheit 
zu befreien; angeblich gelang es ihm auch, eich mit aller Anstrengung einige 
Wochen lang des Lasters zu enthalten, darnach aber wuchs der Trieb, wie er 
immer enger mit dem Gedanken an das Kinderzeug und den Anblick desselben 
in verdoppeltem Maße niasturbierte. Dabei sei er bei Befriedigung eeinet; 
sexuellen Triebes immer an den Gebrauch von Steckbettchen, bzw. Kinder- 
wäsche gebunden geblieben. Wiederholt kaufte er sich solche zum Zweck der 
Masturbation; da er aber dasselbe Betteheu nicht gern längere Zeit benützte, 
auch nicht immer Geld zum Ankauf übrig oder zur Verfügung hatte und der 
Anreiz von solchem gekauften Zeug überhaupt niemals? so mächtig wai' wie 
von solchem, das bereits benützt war, so sei er scliließlich dazu gekommen, 
sich Steckbettchen und Kinderzeug auf wideri-echtlichem Wege anzueignen, 
sofern sie seinem Zugriffe imr irgendwie zugänglich gewesen waren. 

Am 5. N(ive]nber 1898 habe er versucht, sich aus Verzweiflung über sein 
widernatürliches Trieblebcn mittels Revolver ins Herz zu schießen. 

Mit einem Mädchen habe er niemals ein Verhältnis 
gehabt. Da er überhaupt kein sehr lebhaftes Bedürfnis nach Umgang mit 
dem weiblichen Gesehlechte empfunden habe, habe er auch niemals einen Tanz- 
boden besucht. Mit 19 Jahren habe er freilich zum ersten Male mit Hilfe einer 
Prostituierten einen Koitus zustande gebracht. Seit 1903 habe er dann öftei- 
— im ganzen aber doch nur ziemlich selten — ein Bordell frecjuentiert. 
Wiederholt habe er dort auch den Koitus in der gewohnlichen Weise voll- 
zogen; doch habe er es immer nur mühsam zu Erektion und 
K j a k u 1 a i i n g e b r a c h t, in der Regel auch mir .^o, daß er .sich Steck- 
bettchen vorstellte und die Spitze am Kopfkissen der betreffenden Prosti- 
tuierten (es scheint immer dieselbe gewesen zu sein) ins Auge faßte Wirkliche 
Befriedigung habe er aber niemals dabei gefunden; meist hal)e er die sexuellen 
Triebe n a c li dem Koitus noch durch Masturbation b e- 
friedigt. Jedenfalls sei durch diese Versuche normaler Geschlecht=betäti- 
gung seine Lage nicht im mindesten gebessert und sein leidenschaftlicher 
Drang nach Befriedigung am Kinderzeug in keiner Weise gemindert worden 
Er habe seine Versuche normaler Geschlechtsbetätigung daher auch bald 
wiedei' ganz aufgegeben. 

Selbst nach mehrfach erlittenen, zum Teil recht empfindlichen Gefäng- 
nisstrafen, die er wiederholt wegen Entwendung von Kinderbettzeug akqui- 
riert hatte, keJirto der Drang, sich Steckbettchen zu verschaffen mit unwider- 
stehlicher Gewalt immer aufs neue zurück. Wenn er nur irgendwo ~ ' 




unterzogen, habe oft die größten Schwierigkeiten zu überwinden gehabt sich 
oft sogar den drohendsten Gefahren ausgesetzt, ,nn zum Ziele zu gelangen. 



PartialismuB und ilarcmsliiilt. ' 149 

So habe oi- z. B. — und alles d:\s fand eich in den kkion durch Zoiigeniuissagen 
und sonstige Erliebungen bpstiitigt — am den Etageti heraus die am Fenster 
hängenden Bettehen heruntergeliolt, ohne daran zu denken, daß er diibei ge- 
sellen worden könnte; auch Leitern habe er gelegentlich zu solchem Zwecke 
iiorbeigeschairt, odci' ci- yei übei' Zäuiu; u. dgl. gokleUeit inul in fremde ürund- 
sliicke und Wohnungen eingestiegen usw., nur um sich in den Besitz des Kin- 
derzeugs zu setzen. Oft habe ihn dabei eine fast fieberhafte Erregung befallen, 
die erst zur LöEung gelangte, wenn er in den Besitz des begehrten Bettcliens 
gelangt war. Nie habe sich sein Drang, sich fremde Gegen- 
stände anzueignen, auf etwas anderes erstreckt; nie habe 
er sich durch diese Diebstähle etwa zu bereichern gestrebt; nie habe er sich 
in anderer Weise bisher jemals etwa strafbar gemacht. Die entwendeten Sachen 
habe er stets mit nach Hause genommen; schon ilire Erlangung habe ihm 
iiuiere Befriedigung und hohen Genuß verschafft, meist habe es ihn aber noch 
zur Masturbation daran gedrängt; zu Hause habe er sie gewöhnlich eine Zeit 
lang irgendwo verborgen geballen und zur Onanie benutzt; dami habe er sie 
schließlich immer vernichtet, weil sie ihn stets nur einige Zeit zu reizen ver- 
mochten. 

insgesamt konnten ihm etwa 80 bis 90 derartige, zum Teil unter großen 
persönlichen Beschwerden und Oefahren ausgeführte DIebslälilo nachgewiesen 
werden. 

N u r S t e c k b e 1 1 c h e n ni i t roten o d e !■ allenfalls r o t- 
und wei ßgos tr elftem Inle1, mit geblümtem Ulwrzug und Spitzen- 
besatz reizten ihn geschlechtlich so, daß er Ijei ihrem Anblick sehen Erektionen 
bekomme und nun keinen anderen Gedanken weiter habe, als eich an ihnen zu 
befriedigen. Diese V o r 1 i c l.> o für so b e s c Ii a f f e n e Steck- 
b e 1 1 c li e n f ii li i" (■ er darauf z u r ü c k, d a ß seine Schwester. 
wie er sich noch sehr genau erinnern könne, seinerzeit 
ganz ähnliches Kinde rbettzoug verwerdet habe. Je größer 
die Ähnlichkeit damit sei, um so lebhafter fühle er sich dadurch gereizt und 
zur Aneigrunig dersell)en um jeden Preis angest;Lchelt. Steckbettehen mit 
blauem, bi'amiem oder irgendwie anders beschaffenem Inlet ließen ihn stets 
ganz kalt. Beim Anblick entsprechender Bettdicn dagegen komme der Trieb 
immer ganz plötzlich und mit unwiderstehlicher Gewalt über ihn; er könne 
dann nicht ei'sf. nach Hause gehen, um :iich Geld zum Ankauf entsprechender 
Bettchen zu holen, es treibe und dränge ihn dann geradezu zu seinem wider- 
natürlichen Handeln; aber wenn er auch sein Unrecht einsehe — meist freilich 
komme ihm das Verwerfliche .meines Tuns erst hinterher so recht zum Bewußt- 
ggjjl _ Bo wisse er doch nicht, wie er sich vor seinem unglückseligen Drange 
schützen könne; ja er fürchte, daß er wie bisher so auch in Zukunft wohl 
immer wieder rückfällig werden würde. Habe er die Bettchen einige Zeit be- 
■essen so reizten sie ihn nicht mein-, dann müsse er immer wieder neue 
haben Er habe «^ich das könne or bestimmt versichern, schon oft aufs enist- 
Inftoste bemüht seinen unnatürlichen Geschlechts- und Sl^hltrieb, über den 
ftr tief unglücklich sei, zu beherrschen, zu unierdiiicken und zurückzudrängen; 
Lv wenn ihn. das auch mit Aufbietung aller Energie vielleicht eimual auf 
ise Wochen gelungen sei, beim Anblick entsprechenden Kuiderbettzeugs 
'! Alle er eben doch iunuer wieder seinem Triebe. Selbst in seine Träume 
verfolge ihn seine unglückselige Leidenschaft; er er!el=e darin oft ganz ähnliche 
!; Vitionen wie er sie schon wiederholt durchgemacht habe, wahrend er sich 
H e r's a r t i g e s e X u e 1 1 e T r ü u m e n i c h i zu erinnern vermöchte. 



150 



FetiBcfaismug. 



.und erwache dann nicht selten mit Erektion oder nach eingetretener Ejaku- 
lation. Für ihn ■wäre ee wohl, erklärt er unter Tränen, das beste gewesen, er 
hätte seinerzeit Erfolg mit sehiera Selbstmordversuch gehabt; ob er jetzt noch 
einmal den Mut fände, zum Revolver zu greifen, wisse er nicht recht ; so aber 
sei er ja doch zu nichts mehr nütze auf der Welt! 

Da das damals eingeforderte ärztliche Gutachten, dem sich das Gericht 
anschloß, die Zurechnungsfähigkeit des Inkulpatcn nicht für ausgeschlossen 
erachtete, so wurde er zu erneuter längerer Gefängnisstrafe 
verurteilt. Im Untersuchungsgefängnisse wurde er wiederholt beim Ona- 
nieren betroffen; im übrigen blieb er stets bei seinen oben skizzierton Aue- 
sagen. Sein Geschick selbst schien er mit iimercr Gefaßtheit zu ertragen. Aus- 
gesprochen psychische Störungen wurden bei ihm niemals konstatiert. Über 
das weitere Schicksal des Inkriminierten konnte Näheres leider nicht in Er- 
fahrung gebracht werden, 

Wohl selten erliält man einen so deutlichen Einblick in die Psycho- 
genese eines nicht komplizierten Falles. Die Verschiebung von den 
Sexualpliantasien mit der schwangeren Scliwester, mit dem Steekbettchen, 
muß selbst dem Kichtana)ytiker auffallen, wenn er nicht verblendet ist 
und den Zusammenhang nicht sehen will. Das Öteekbettchen ist nur 
die Brücke für die Assoziation zur schwangeren Schwester, die bald 
ein Kind haben wird. Das unerfüllte Begehren nach der Schwester er- 
zeugt einen pathologischen Drang. Das Verbotene der Neigung über- 
trägt sich auf kleptomanische Vorgänge nach emeni Mechanismus, den 
wir cingeht^nd geschildert haben. Der Hareniskult ist besonders auf- 
fallend (80 bis 90 Steekbettchen!) und erweist sich einer w^eiteren ana- 
lytischen Aufklärung zugänglich. 

Die Vielheit tritt immer ein, wenn uns ein be- 
atinimtes Objekt nicht zugänglicli ist. Die unend- 
liclie Reihe sol! den Ausgangspunkt in eine größere 
Distanz setzen und unkenntlich machen. 

Ich habe ja bei der Besprechung des Don Juan^) auf diese Reihen- 
bildung als Ersatz Bezug genommen. Unbefriedigte Wünsche erzeugen 
Symbnlhandhingen, deren unendlich häufige Wiederholung das Suchen 
und Nichtfinden symholisch ausdrücken. 

Der infantile Charakter der kleptomani sehen Handlungen und der 
ijustgcw Innung wird durch die Wahl des Sexual Objektes besonders unter- 
strichen. Der Koitus befriedigt ihn nicht, wird nur durch Hilfsvorstel- 
lungen von Steckbßttchen möglich. Nach dem Koitus kommt es oft zu 
onanistischen Akten, weil die Onanie als adäquate Befriedigung mit Or 
gasmue endet. In der onanistischen Phantasie sind offenbar die Inzest- 
phantasien eingeschmuggelt. 

Unbegreiflich ist es, daß sich Richter finden konnten, die den armen 
Kranken zu einer „längeren Gefängnisstrafe" verurteilten. Der Charakter 



M Diiiid I], Rapitd ,,Don Juan und Mess;iiiiia". 



Partialismus und Haremskuit. 151 

des übermächtigen Zwanges ist so deutlich ausgesprochen, die vermin- - 
dertc Zurechniingsfähigkeit im Momente der Tat so deutheh, daß man 
nur unsere mangelhafte Ausbildung in der Sexualwissenschaft für das 
scliwere Urteil verantwortlich machen kann. 

Der Haremskult bringt die verschiedenen kleptomanischen Sammler 
dem psychologischen Verständnis nahe. Es handelt sich um eine Reihen- 
bildung, d. h. um Ersatzobjekte. Der Impuls ist ursprünglich auf ein 
anderes Objekt gerichtet. In dem letzten Falle richtete sich der Impuls 
auf die Schwester. Der Wunsch: „0 wäre ich ihr Kind und würde ich von 
ihr gepflegt und verzärtelt", ist die treibende Kraft. Er identifiziert sich 
mit der Schwester und er ist das Kind im Steckkissen. Er spielt beide 
Rollen. Da er aber nie eine reale Befriedigung erlangt, da der wirkliche 
Wunsch unerfüllt bleibt und unerfüllt bleiben muß, so kommt der Impuls 
nie zur Ruhe. Er ist ein psychisches Perpetuum mobile. Das erklärt uns 
daf, Ruhelose und Treibende dieser Kranken. Sie unterliegen dem Wiedei- 
hoUmgszwang, der nach Freud ein Bestreben darstellt, eine vergangene 
Situation besser auszunützen, die unliistbetonte Situation in eine lust- ' 
betonte zu verwandeln, „Hätte ich mich diimals auf die Schwester ge- 
stürzt, ich hätte sie besitzen können!" Er wiederholt das Spiel mit 
Ersatz Objekten. Nach einem kurzen Rausche muß die Ernüchterung 
folgen, das Perpetuum mobile kommt nicht zur Ruhe. Das Verbotene 
des Wunsches drückt sich in einer verbotenen Handlung (Kleptomanie) 
aus. Das unterlassene Ergreifen der Schwester, die unterdrückte Ak- 
tivität tobt sich im Wiederholungezwang symbolisch aus. Es ist der 
Imperativ der Reue über die unterlassene Aggression, die ihn zu neuen 
symbolischen Aggressionen treibt. ' '■"■ 

Ich führe noch einige Beispiele von Haremskult der Fetischieten 
an ohne eine psychologische Erklärung zu geben. Nach den vorher- 
■reiiendPu Ausfühnmgen ist es klar, daß es aber eine solche Erklärung 
yeben muß. Sie kann nur durch eine Psychanalyse der Kranken er- 
folgen. 

Fall Nr '^^ ('bor einen Perückenfetisehietrai referiert Kurt Boas im 

Archiv von /^ G.O/J (Bd. 39, H. 1 u. 2, Kriminalietischo Revue). Ein aus- 

;,lwr Tranavesüte trachtet immer, eich eine große moderne Damen- 

*^''?'r , lerVcSeTund betrachtet sich dann wohlgefäUig im Spiegel. Be- 

5'"; oroht und zum erwünschten Abschluß (Ejakulation) gebracht wird 
deutend eihoh. und zum ^.^^^^ ^^^^^^^_^^^^ Damenhut setmi 

dann sen: Gluck, ^^^""^^^^^^^^^^ Storchnestform. Wenn man aus Traum- 

^^'T' ™ -S'^d'drdcr Sit das Genitale .ymholisiort, so wird Erregung und 

tätswerte depossedieri. hat. . 




lU 



Fetischismus. 



I 



» 



tielleii Trans vestiten unterschied er Bieh dadurch, daß l's niemals ungetragene 
Wäsche sein durfte. In der Hauptverhandlung vertrat ich den Standpunkt, 
daß bei dem erblich schwer belasteten Manne zum mindesten die freie Willens- 
bestiirimung nicht mit der Siclicrheit bejaht werden könne, wie es das Gesetz 
erforderte. Mein Gegengutachter, ein Universitätsprofessor, legte dem Gerichte 
dar, daß es für die Beurteilung des Diebstahls völlig unerheblich, sei, ob der 
l'äter sieh hereichern oder sexuell befriedigen wolle. In beiden Fällen suche 
er doch nur seinen Vorteil. Der Gerichtehof schloß sich dieser Beweisführung 
an und verurteilte den Mann wegen Einbruches oline mildeende Umstände. 
Wenige Tage später fand man ihn in seiner Zelle tot vor; er hatte sich er- 
hängt." {ilirsehfeld; Sexualpathologie, Bd. III.) 

Die Leser, welche die vorigen Kapitel aufmerksam gelesen haben 
und sich an meine Ausführungen über das Hemd erinnern, werden den 
Fall psychologisch sofort verstehen. Vielleicht hat der Kranke die Ent- 
Ideidung eines Familienmitgliedes beobachtet. 

Oft erreicht der Sammelfanaiiemus dieser armen Kranken eine un- 
glaubliclie Intensität. Die nächsten Fälle bringen uns schöne Beispiele: 
Fall Nr. 32. K., 45 Jahre alt, Schuhmacher, angeblich erblich nicht be- 
lastet, von eigen tiimlichea Wesen, geistig wenig begabt, von männlichem 
Habitue, ohne Degenerationszeicben, sonst tadellos in seinem Benehmen, wurde 
frtappt,'ak er am 13. Juli 1876 abends aus einem Versteck gestohlene Frauen- 
Wäsche abholte. Es fanden sich bei ihm etwa 30fl Toilettegegenstände von 
Frauen vor, darunter neben Fraucnhemden und Beinkleidern auch NachL- 
liaubcn, Strumpfbänder, sogar eine weibliche Puppe. Als er verhaftet wurde, 
hatte er gerade ein Frauenhemd auf dem Leibe. Schon seit 13 Jahren hatte 
er semem Drange, Prauenwäsche zu stehlen, gefrönt, war, das erste Mal des- 
halb bestraft, voi-sichtig geworden und hatte in der Folge mit Raffinement und 
Glück gestohlen. Wenn dieser Drang über ilin kam, sei ihm cigenthch der 
Kopf ganz schwer geworden. Er habe dann nicht widerstehen können, koste 
es, was OS wolle. Es sei ihm ganz gleich gewesen, wem er die Sachen wegnehme. 
Die gestohlenen Sachen habe er nachts im Bette angezogen, dabei sich 
schöne Weiber vorgestellt und wollüstige Gefühle und Samenabgang verspürt. 
Dies war offenbar das Motiv seiner Diebstähle, jedenfalls hatte er nie 
sich eines der gestohlenen Gegenstände entäußert, vielmehr dieselben da und 
dort versteckt. 

Er gab an, daß er in früheren Zeiten mit Weibern normal geschlechtlich 
verkehrt habe. Onanie, Päderastie und andere sexuelle Akte stellte er in Ab- 
rede. Mit 25 Jahren will er verlobt gewesen sein, iedoch sei diese Verlobung 
ohne seine Schuld zurückgegangen. Das Krankhafte Beines Zustandes, das Un- 
rechte seiner Handlungen vermochte er nicht einzusehen. {Passow Viertel- 
jahrsschrift f. ger. Mediz. N, F. XXVIII, S. 61. Kram, Psvchologic des Ver- 
brechens, 1884, S. 190.) 

Fall Nr. 33. Ein bisher unbescholtener, 32 Jahre alter, lediger Bäcker- 
gehilfe wurde ertappt, als er einer Dame ein Taschentuch stahl. Er gestand 
mit aufrichtiger Reue, daß er bereits 80 bis 90 derartiger Sacktücher ent- 
wendet liatte. Er hatte es nur auf solche abgesehen und zwar ausschließlich 
bei jüngeren und ihm zusagenden Frauenzimmern. 

Inkulpat bietet in seiner äußeren Erscheinung nichts Auffälliges. Er 
kleidet sich sehr gewälüt, zeig! ein eigentümliches, teils ängstlich depressives. 



Partialismus itinl Haremskiilt. 15ö 

teils unniännlieh devoles Wesen und Benehmen, das sieh oft bis zu einem lar- 
rnoyantcn Ton und Tränen steigert. Auch eine unverkennbare UiibehiUUchkoit, 
Scliwäche in der AuiTassung, Trägheii, in der Orientierung und Reflexion gibt 
er zu erkennen. Eine seiner Scliwesicrn ist epileptisch. Er lebt, iu guten Ver- 
hältniesen, war nie schwier Icrank, entwickelte sich gut. In der Mitteilung semer 
Lebensgeschielite zeigt er Gedäditni-sschwäche, Uiddarhcit; aucli das Rechnen 
fällt ihm schwer, obwohl er früher gut gelernt hatte und auffaßte. Sem ängst- 
liches, uneiclieres Wesen macht den Verdacht der Onanie rege. Inkulpat ge- 
stand, daß er seit dem 19. Jahre diesem Lastor in exzessiver Weise er- 
geben war. 

Seit einigen Jahren hatte er infolge seines Lasters an Abgeschiagenhcit, 
Mattigkeit, Zittern der Beine, Rückenschmerzen, Unlust zur Arbeit gelitten. 
Öfters kam auch eine traurig-ängstliche Stimmung über ihn, in welcher er die 
Leute mied. Von den Folgen geschlechtlichen Verkehres mit Frauenzimmern 
hatte er übertriebene, abenteuerliche Vorstellungen und kon]ite sich nicht zu 
solchem entschließen. In letzter Zeit hatte er jedoch an Verehelichung gedacht. 

Mit tiefer Reue und in schwachsinniger Weise gestand nun X., daß er 
vor einem halben Jahre im Mcnschengedränge beim Anblick eines jungen 
hübschen Mädchens sieh heftig geschlechtlich erregt fühlte, sich an düsselbe 
drängen mußte und den Drang empfand, durch Wegnahme des Taschentuches 
sich für eine ausgiebige Befriedigung seiner geschlechtlichen Rogimg zu ent- 
schädigen. 

In der Folge wurde er, sobald er ein ihm zusagendes Frauenzimmer ger 
■wahr wurde, unter heftiger geschlechtlicher Erregung, Herzklopfen, Erektion 
und Impetus cocundi vom Drange orfaßt, sich an die betreffende Person zu 
drängen und ihr — laute de mieux — das Taschentucli zu eiiLwenden. Obwohl 
ihm Iceinen Moment das Bewußtsein der Stratbarkoit seiner Handlung verließ, 
konnte er seinem Drange nicht Wideretand leisten. Dabei fühlte er Angst, die - 
teils durch den zwangsmäßigen geschlecliüichen Trieb, teils durch die Furcht 
vor Entdeckung bedingt war. 

Das Gutachten macht mit Recht den angeborenen Schwachsinn, den zer- 
rüttenden Einfluß der Onanie geltend und führt das abnorme Gelüste auf 
einen perversen Geschleehtetrieb zurück, wobei ein interessanter und physio- 
loeisch auch "oknnnter Konnex zwischen Geruchs- und Goschlechtssimi be- 
■stehe. X. wurde nicht liestruft. {Zippe, Wiener med. Wochenschrift, 1879, 

Nr. 23.) 

Sacktücher sind sehr bolieljtc Objekte des Haremkults, weil sie 
■ loiclit zu beschaffen, zu stehlen und zu verbergen sind, ähnhch wie 
Strumpfbänder und Halstücher. („Schaf! mir ein Halstuch von .hrer 
Brust - ein Strumiifband meiner Li.boBlusf ruft Faust aus.) Ich ver- 
weise 'auf den Fall Nr. 5 im zweiten Kapitel. Viele Patienten gestehen, 
a si n das Sacktuch das erste Mal onaniert haben. Of ist es das 
Sacktuch eines Mitgliedes der Familie, welcher Innstand duu e,n. he- 
sondere Wertigkeit gibt. 

^ über die Bcdoutung der Taschentücher berichtet ein Patient von 

Sadger. ^) 



') Die Lelire vou 



den Gosdilpchtsverirrungm. Wieu und Leipzig 1921. 



-^-■^--ü- 



156 



Fetischismus. 



.,Ja, noch etwas von den Taschen t.ü(;lieni. Das betreffende Mädchen muß 
einmal in Hur Taschentuch geweint hiiben mid dies ein wenig nach Parfüm 
riechen. Ich selic dann in dem Tuche da;^ Gesicht des Mädchens drin, so eine Art 
Photographie, die ich dann küsse. Wenn sie vorher weint, hat sie ja das 
Taschentuch an das (.Tesieht angedrückt. Das erste Taschentuch bekam ich mit 
m Jahi'eii von meiner Braut, darnach bestand ich bei jeder Bekanntschaft aul 
einem Taschentuch, doch unter der Bedingung, daß sie vorher darin geweint 
hat." — „Und welches war das allererste Weib in der Kindheit, das mit einem 
Bulch durchweinten Taschentuch in Beziehung steht?" — „Meine Mutter. Als 
ich 3, 4 .laUrc zälille, kam die Botschaft, die Großmutter sei gestorben, 
worüber meine Mutter furchtbar weinte. Ich wollte auch mithculen, brachte 
es aber nicht zus1;ande. Mutter ging den ganzen Tag mit dem Taschentuch 
herum und weinte beständig. Da wollte ich sie lehrmeistern, wie sie früher 
mich, wenn sie sagte, ich ginge wie eine Eauernliese mit einem Taschentuch 
umher, nahm ihr das Tuch weg und versteckte es. Sie suchte und suchte, aber 
ich verriet mich nicht und nannte sie auch eine Bauernliese. Natürlich Jia-tte 
ich aber doch ein b(ises Gewissen, es ließ mir keine Ruhe. Später habe ich ganz 
darauf vergessen und erst bei der Übersiedlung wurde es in der Schublade de« 
Diwane gefunden, worauf ich der Mutter alles erzählte. Sie wusch es aus und 
gab es mir mit den Worten: ,Wenn ich es ihr genommen habe, solle ich es auch 
behalten; sie behalte sich dafür die schönen Taschentücher, die sie mir gekauft 
habe.' Darauf wollte icJi na-iürlich nicht eingehen, sondern stritt fest mit ihr. 
Ich wollte es ihr durchaus zurückgeben und meine dafür bekommen, ging auch 
gekränkt schlafen und weinte die ganze Nacht um meine Taschentücher. Sogar 
im Traume setzte es sich fort. Am nächsten Tage gab sie mir Mutter w^ieder. 
Ihr Taschentuch war auch fein parfümiert wie ihre gesamte Wäsche, und für 
diese Wäsche hatte ich eine furehitbare Vorliebe.'' 



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I r 



„Nun setzte ich das Examen fort: „Warum wollten Sie in dem Taschen- 
tuch immer das Gesicht des Mädchens sehen? Sind Sie vielleicht von dem Ge- 
sicht der Mutter zui-iickgowicsen worden, daß sie sich nicht küssen ließ?" — 
„Das tat sie öfters, wenn sie mir böse war; da ließ sie sich nicht streicheln 
und nicht küssen. Dann habe ich mir rasch etwas von ihr angeeignet, um doch 
(>1was von ihr zu besitzen, Nadel, Taschentuch, Brosche oder überhaupt was. 
ich bei ihr fand, imd bin davon. Die Zopfschleifen habe ich deswegen ge- 
sammelt, um sie zu den Gitarrebändern hinzuhängen. Sie waren so eine Art 
Kriegsbeute, wenn ich ein Mädchen erobert hatte. Außerdem ist die Gitarre 
wegen ihrer Form auch ein Symbol des Weibes. Auf beiden spielt man ja 
auch." — „W'ie kamen Sie aber zu den Zopfbändorn?'" — „Die erste Gitarre 
bekam ich mit 11 Jahren. Ich hatte eine solche bei einem Freunde gesehen und 
auch, daß er durch Singen und Spielen darauf besonders Glück bei den Weibern 
hatte. Das Spielen habe ich bei ihm gelernt, eine Gitarre habe ich mir bei der 
Mutter ausgebeten und hatte dann auch tatsächlich Erfolge bei den Mädchen. 
Bei dem Freunde hatte ich auch Zopfbänder gesehen und wollte sie nun auch 
haben. Das erste war ein Zopfband der Mutter, dann habe ich mir bei allen 
bekannten Weibern Zopfschleifen ausgebettelt, gewissermaßen als Sieges- 
trophäe. Ich besitze jetzt 5d solcher Bänder und auf jedes habe ich den Namen 
des Mädchens eingeschrieben. Noch eins: Das Taschentuch meiner Braut habe 
ich beständig bei mir getragen, auch draußen im Felde, bis jetzt, wo ich mit 
ihr brach. Mir war. als hätte ich damit ein Stück von ihr, als hätte ich mir 
ihr Gesicht so mitgenommen. Da ich ins Feld ging und Abschied nahm, weinte 



PartiiilismuB und Hafomskiilt:. I;i7 

sie. ich Lrösteteund umannle sie und habe ihr zum Abschied duM Sacktuch 
weggenommen." 

In diesem Falle scheint das Taschentuch das Gesiclit. zu vertreten. 
Es handelt sich um einen Fall von symbolischer „Verladung". 

Wullfen berichtet teils aus eigener, teils aus fremder Erfahrung 
über den klopto manischen Sammler einige interessante Details. 

„Ein 4ojälingei' Schuhmachof, köi-perhcli uhne Uc-generatinnszeichen. 
stahl seit seinem ]3. Jahre Prauemväsche, Er zog sie nachts im Bette an, 
stellte sicli iiicbei Frauen vor und hatte Samenabgang. Es wurden bei ihm vor- 
aehiedene Toilotlenstiicke gefunden. Ein anderer hatte seit dem 11. Jahre den 
Drang, ein Jlcind seiner älteren Schw-ester anzuziehen, wobei es dann in 
fipäteren Jahren zur Ejakulation kam. Später kaufte er sieh immer Frauen- 
lioiuden, die er mit sexuellem Wohlgefühl anzog. Ein anderer hatte benn Zer- 
reißen von Frauenwäsche Samenabgang. Fin vierter onanierte mit 15 Jahren 
angesLclits üiner zum Trocknen aufgehängten Schürze. Später hatte er st^t-i 
angesichts einer Schürze, mochte sie ein Weib oder Matm tragen, sexueUe 
l.ustgefUhle. Die Schürze hat wohl schon durch die Leibesstclle, vor der sie 
getragen wird, sexuelle Beziehung. Ein Kleiderfetischist stahl weiße Rocke von 
den Wäscheplätzen, probierte sie an, was ihm bereits Genuß gewährte, zog 
sie an wenn er seiner Prau beiwohnte. Er liatte angel)lich seit Jahren niemals 
ohne Frauenrock den Beischlaf vollzogen. Sein Bestrehen ging dahin, inuuer 
einen neuen, eben erst gestohlenen zu verwenden. Mit Vei-wcndung eines alten 
Rockes war dei' (Icfichleclitsgenuß nicht derselbe (Kurslen). Ein anderer Feti- 
schist stellte auf einem Feldplatze Stangen im Kreiso lieruni auf und hing die 
gestohlenen Unterröcke darüber. Er ging um die Puppen herum, streichelte 
und uniarmto einige derBolbeii. Plötzlich stürzte er sich auf eine derselben los, 




Mitten in der Nacht springe er aal, eile ins Freie, hole sich ein Wäschestück 
und befriedige sich. Er sei dann so toll, daß er nicht wisse, wo er sei und was 
,.r Ine- Wenn ei' ku sich komme, linde er -sich in Wald oder Feld wieder:^ 

Dieser erotische Sammeltricb kann die merkwürdigsten Formen an- 
nehmen. Mitunter sind es die Siegest rophäen, die der Don Juan sammelt, 
wobei er verrät, daß es ihm mehr auf die Trophäen als auf die Eroberunti 
;,nkommt. Ein älterer Herr zeigte mir ein großes Buch, in das niedliche 
Visiikarlen eingeklebt waren. Sie waren alle Karten von Dirnen, die er 
vor jedem oder nach jedem Koitus verlangt hatte. Niemals besuchte er 
eine Dirne das zweite Mal. Auf jeder Karte war das Datum verzeichnet. 
Auf einigen war auch der Vermerk einer Paraphilie oder einer Infektion 
zu leeen'^Ein anderer sammelte Kotillonorden, die er der Dame auf dem 
Balle gewaltsam -ennmmen liatte. Der dritte liatte eine ]>ockensammhing. 
fBekannthch nirhf seilen.) Bekannt sind die Sammler der Schamhaare. 
Über einen solchen Partialisten berichtet Sad{,er. (1. c.) 
p n >Jr '14 Schon mit 13 Jahren habe ich statt des Geschlechtsteiles 
der Frau ihre'Schamhaare verlangt. Damals sagte ich nnserem Dienstmädchen, 



^ü^s:;^^ 






im 



Fetischismus. 



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&ie 6o11g mir ihre Haare geben, aber nicht vom Kopf, sondern zwischen den 
Beinen miisse sie sie mir herausschneiden, und diese haben mich dann riesig 
gereizt, kolossales Wohlgefühl in mir erweckt. Ich habe eine ganze Sammlung 
solcher Haare angelegt, von jeder Geliebten ein Biiechel abgeschnitten und es 
fein Gäuberlich mit einem Bändchen umwunden, auf das ich den Namen seiner 
Trägerin schrieb." Ein Anderer berichtet gar aus seinem 8, bis 9. Jahre: „Da- 
mals, zu einer Zeit also, da ich selber noch gar keine Schamhaare hatte, 
stürzte ich mich schon auf die ausgegangenen Haare im Kamm meiner 
Schwester und band sie um mein Glied herum. Wenn ich jetzt bei meiner 
Freundin ein Haar sehe, das ihr beim Kämmen ausgegangen ist, bin ich schon 
furchtbar aufgeregt, ebenso wenn ich einem Weibe durch das Kopfhaar fahre, 
oder beim Anblick ilirer Aehselhaare. Als meine Mutter schlief — sie lag da 
stets wie tot — wühlte ich, der als Kind mit ihr zusammen im Bette lag, gerne 
in ihren Schamhaaren und zog daran. Auch mit meinen eigenen zu spielen, be- 
reitet mir besonderes WoUustgefühl. Ich rieche auch sehr gerne zu den Scham- 
haaren und rege mich bei ihrem Gerüche auf. Ich erinnere mich dabei an den 
Geruch, wenn ich mit jenen der ^Mutter spielte." 

In allen diesen Fällen ist wohl zu unterscheiden, ob der Sammler 
sich mit dem Objekt allein begnügt oder ob das Objekt als Erinnerungs- 
bild den Vorgang der Eroberung repräsentieren soll. In dem letzten 
Falle spielt der Geruch eine große Rolle. Wir haben schon bei Be- 
sprechung der Leibwäeche-Fetischieten auf diesen Umstand aufmerksam 
gemacht. Hieher gehören die bekannten Sammler von Klosettpapicren 
und älmlichen mit Körperduft geschwängerten Gegenständen. Ich 
möchte in diesem Zusammenliange auf zwei einschlägige Fälle hinweisen. 

Ich verfüge nur über eine einzige älmliche Beobachtung: 

Fall Nr. 35. Frau W. H. gibt an, nur dann sexuell erregt zu werden, 
wenn der Mann J uehtenstief cl trägt. Der Geruch dieser Stiefel wirkt an 
und für eich schon so erregend, daß sie zum Orgasmus kommt. Sic behauptet, 
von einem Reitknecht in ihrem 7. Lebensjahre sehr oft gereizt worden /-u 
sein. Sie kam oft in den Stall und er setzte sie aufs Pferd. Später spielte 
er an ihren Genitalien. Das Erinnerungsbild ist wohl unauslöschlich ein- 
gegraben und verlangt nach Wiederholung. Sie besitzt eine ganze Sammlung 
von Lederflceken, die sie aus alten Stiefeln herLiusgeschiiitten hat. 

Magnus Hirschfeld (Sexualpathologie, III. Teil) berichtet über 
einen ähnlichen Fall: 

Fall Nr. 3ß. Es zeigte mir einmal eine Dame ein kleines Stück Juehten- 
leder, das sie an einem Bande befestigt unter ihrer Bluse trug. In starken 
Superlativen schildert sie die Bedeutung, welche der Geruch des Leders für 
sie besitze. Die erotische Neigung zu ihrem Manne, der von auffallender 
Häßlichkeit gewesen wäre — sie war früh verwitwet — sei ganz von Ge- 
rüchcn beherrscht gewesen, vor allem von einem „mit Mannesge-ruch ver- 
mischten Tabaks- und Juchtengeruch". Sie berausche sich noch viel an den 
Kleidern des Mamics, denen immer noch ziemlich viel von diesem „süßen 
Aroma" anhafte. Es würde für sie große Beherrschungskraft erfordern, einem 
Manne Widerstand zu leisten, der sieh ihr gegenüber dieses Lockmittels be- 
dienen würde. In einem mir bekannt gewordeneu Falle ließ die Frau sich 



l'artialianius und Haremskult, 



159 



die Hemden ihres im Felde stehenden Mamies schicken, ujii, ihren Duft ein- 
saugend, sieh bis zum Orgasmus zu erregen.') 

Ich habe die Psychologie des Saminlere ausführlich in Band IV 
beschrieben. Ich möchte nur einige ergänzende Bemerkungen hinzufügen. 
Jeder Sinn kommt beim Sammler in Betracht. In erster Linie der 
Gesichtssinn, der Geruch, der Tastsinn, abei' ich keime Fälle, bei welclien 
das Gehör und der Gesclimack eine Rolle spielen. Den Fetischisten als 
erotischen Sammler haben wir zum Beispiele beim Hemdfetischiatcn 
kennen gelernt, wobei die Geruchsqualität des Ürines und des Schweißes 
den Fetisch wertvoll macht. Die StolT-Fetisdiistin erfreut sich am 
weichen feinen Eindruck, den Seide und Stoffe beim Betasten maclien. 
Dio Absonderlichkeiten der Sammelwut finden nur durch eine analytische 
Porechung ihre Erklärung. Ich möchte nocli zwei Fälle erwähnen^ die 
ich einer Mitteilung des Herrn 0. B. verdanke. 

Fall Nr. 37. Herr N. K. sammelt Wurstscheiben aus aller Herren 
Länder. Er hat ein ganzes Museum von Wurstseheibeu, die in Formalm- 
spirituE konserviert werden. .Jedes Scheibchen steht in einer Vitrine, die eine 
Aufschrift trägt, die über Ort und Zeit der Erwerbung Kenntnis gibt. Ee 
werden weile Reisen unternommen, um das Museuiu um interessante Stücke 
zu bereichern. 

Welche sonderbaren Erlebnisse können diesen Sammler auf eine 
solche Abßonderlidikeit gebrairht haben? Wie ist sein Sexualleben? Be- 
deutet die Wurst Pliallueerfiata oder Kastration? Darauf kann niii- 
mein Gew'ährsmann keine Auskunft geben. 

Etwas tiefer war er imstande, in den zweiten Fall zu blicken und 
seine analytischen Kenntnisse zu verwerten. Ich lasse Herrn O. B.das 
Worf : 

Fall Nr. 38. ,,Icli hatte während des Krieges mein Zimmer mit Haupt- 
mann E. zu teilen. Er war ein solir entgegenkommender, aber verschlossener 
Mensch, der sich an mich gewöhnt hatte und mich eiehthch bevorzugte, so 
daß wir immer die gleichen Quaiiiere beaogen. Es war mir aufgefallen, daß 
E. außer seinem Gepäck nocti einen sehr schweren Koffer herumschleppte, den 
er sorgfältig versperrte imd in den er micli nio blicken ließ. Erst nach Monaten 
vorti'aute er mir das Geheimnis dieses Koffers an. Es befanden sich dort die 
verschiedensten SchlüsGel, dio E. nicht erworben, sondern zusammengestohlen 
hatte. Er gestand mir, daß er einen unüberwindlichen Hang habe, Schlüssel zu 
fil^iilcn. Jeder Öchlilssel erhält einen Zettel, der oben angebunden wird und 
über Ort und Zeit des Diebstahls Kunde gibt, Die Sammlung enthielt die 
verschiedensten Schlüssel: großo, kleine, grobe, feine, einfache, kunstvolle 
und kunstlose. Über den Ursprung dieser Manie konnte E. mir keine Auskunft 
geben. Eines Tages sprachen wir über Schamgefühl. Wir sahen ein Humlepaar 
kopulieren. Ich bemerkte, wie ungeheuer stark jetzt sich das Schamgefühl 



') Vergleiche au^^h Dr. A. Hauen. ..Über die gL'Sclilechtlii'hwi nerüclic". fVerl.iR 
H.Barsdorf, Berlin 1900.) 



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160 



Fetischismus, — Partialismiis unil HaremskuJt. 



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entwickelt halje. ,Ah was' - sagte E. - ,die Mensehen &ind nicht besser. Ich 
habe meine Eltern wiederholt beobachten können, als ich ein ideme.^ Kmtl wai, 
und noch später als Tjähriger Junge." 

,Wie haben Sie das bowerketelligt?' . 

,In der frühesten Kindheit haben meine Eltern ungeniert vor nur aen 
Beiselüaf vollzogen. Dann wurde ich hinausgesehickt. Aber ieh blickte durch 
das Schliieeellocli und konnte doch mein Ziel erreichen. Nur einmal kam der 
Vater daraut und spei'rtc die Türe zu, drehte den Schlüssel so um, daß ic" 
nicht durch das Loch hineinsehen konnte.' — 

Nun hörte ich auch auf meine Frage, daß E., der alle Frauen mied und 
als Sonderling galt, jenen Schlüssel, der ihm den Einblick in das Paradies der 
Eltern verweiirte, stehlen wollte, um wieder den Anblick der Kopulation gß' 
nießen zu können, ß, hatte mir damit die Wurzel seiner Kleptomanie ver- 
raten."" 

Wir sehen hier ein wunderschönee Beispiel von Wiederholungs- 
zwang im Dienste des erotischen Symbolismus. E. benimmt sich so, ale 
ob er die alte Szone noch einmal "erleben könnte. Aber der Vater kann 
ihm jetzt den Anblick nicht verwehren. Er hat ihn in seinem Besitz — 
den bösen Schlüssel, der ihm den Einblick verwehrt hat. Er hält ihn fest 
in seinen Händen. Die Wiederholung bedeutet im Sinne Freude eine Kor- 
rektur einer infantilen Situation, sie bedeutet aber auch eine Wieder- 
holung, wobei jeder Schlüssel als phänisches Symbol die homosexuelle 
Komi'onente zu befnedigen hat. Der Diebstahl ersetzt die Aggression 
auf den Phallus des Kameraden. Die ganze Sexualität ist auf ein Neben- 
^elcise verschoben, was vermöge einer ungeheuren Affektverschiebung er- 
möglicht wurde. 

In allen diesen Fällen bestellt eine deutliche Tendenz zu Tag- 
träumen. Diese Menschen haben die Gabe, in einer M'elt der Phantasien 
zu leben. Auch ihre Taten werden im hyponoischen Zustande ausgeführt. 
Aber nicht alle Fälle sind so 'einfach und durchsichtig, wie der des 
Hauptmannes E. Der Fetischismus ist gewöhnlich ganz außerordentlich 
kompliziert, wie die weiteren Ausführungen beweisen werden. Aber das 
Verständnis einfacher und durchsichtiger Fälle wird uns das Eindringen 
in die komphzierten erleichtern und ermöglichen. 



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' ; ■ "■* Die Bibel des Fetischisten. ■- '■''■ 

Der Hareraekuit der Fetiscliisten kann sicli auch in der WeiBe 
äußern, daß sie sich ein Buch mit Zeichnungen und Geständnissen an- 
legen, welche ihren Petisdiismus anedrücken. Merzback besehreibt den 
Fall eines Mannes, der die Sehanihaare seiner Geliebten sammelte und 
sie in ein Buch klebte, so daß er dann eine artige Sammlung dieser 
Trophäen aufweisen konnte.^) Es liandolte eich nicht um einen echten 
Fetischisten, sondern um einen Fall von Partialismus mit Sammeltricb. 

Ich kenne aber Fetischisten, die sich eine Art letischisti scher 
Bibel anlegen. Dieses Buch öffnen sie, wenn sie ihrem Fetischismus 
frönen wollen. Sie verbergen diese Bibel sehr scheu. Es ist schwer, 
in ein solches Buch Einblick zu gewinnen. Sie geben es nicht aus der 
Hand und — wenn sie es tun — haben sie eben die Absicht, mit ihrer 
Paraphilie Schluß zu machen. Die Größe dieses Opfers kann der Normal- 
mensch gar nicht beurteilen. 

Um ein Bild von so einer fetischistischen Bibel zu geben, will 
ich hier einen Fall von Korsettfetischismus anführen, der vor 4 Jahren 
in meine Behandlung kam. Die Art und Weise, wie er die Behandlung 
einleitete, war sclion sonderbar genug. Er erkundigte sich Monate vorher 
nach der Art der Behandlung, nach dem Preise, nach der Dauer, er 
überlegte und überlegte und kam schließlich nicht, um seinen Feti- 
Äcliismus zu heilen, sondern um sich von seiner Impotenz befreien zu 

lassen. 

Es handelt sich um einen schwerkranken Menschen, der sich aus der 
Hölle satanischer Phantasien in die Reinheit eines geregelten ehelichen 

*) .Herr B. iet Kaufmann, in don 50er Jahren und ausgesprochener Liebhaber 

ruttmariger Frauen. Er hE'gnügt sich aber nicht mit dem Genüsse dfs Augenblicks. 
-Kondem er Borgt für eine WicdcraiiffriEehung dieses Genusses in seiner Brinneruns 

dadurch, daß er jeder von diesen Rothaarigen; mit der er geschl echt lieh vorkehrt hat. 
■eine Schnnihaarlocko ahBchneidot. Diese formt er zierlich, Bchmückt üie inifc einem 

schwarzen LSeideiiraden und klebt sie in ein Buch seiner Erinnerungen ein, wo er dns 
^eure Pfand güickliclier Stunden . mit Namen und Datum vereieht und seine Ue- 

friedigung in dem Durchblättern dieser fetischistiEohen Remlnifizenzen findet." 

SlBknl. StüruHB'-'" ilosTriob- iiml .^fTi-'liiluLBin. VII. ]] 



162 



Fetischismus. 



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Lebens retten will. Seine Aufzeichnungen sind ein wertvolles „Document 
huraain". 

Fall Nr. 39. Der 36jährige Polizeibeamte W. G. — nennen wir ilm 
Wilhelm — war sein ganzes Lehen lang impotent. Diese Impotenz fuhrt 
er auf maßloee Onanie zurück. Vor zwei Jahren heiratete er. Es war ihm 
trotz guter Erektion nicht möglieb, einen KoituB auszuführen. Er meint, 
es wäre die Ungeschicklichkeit seiner Frau, aber er muß zugeben, daß er 
auch bei Dirnen total versagt hat. Er ist vollkommen normal gebaut, zeigt 
keinerlei Degenorationszeieben und stammt aus einer gesunden Familie. Ki" 
gesteht, daß er sieh eigentlich nur für KorKetts uud für engein gesehniirle 
starke Weiber interessiert und daß seine Frau diesem Typus nicht eatspricht. 
Sie ist mager und trägt gar kein Korsett. Ihn reizen sehr dicke Frauen, 
die eng gemiedert sind, so daß er die Empfindung hat, sie könnten in ihrem 
Mieder kaum atmen. Dieses enge Einschnüren ist unbedingte LiebesbecÜn- 
gung. Er hat nie ein solches Weib besessen. 

Er führt sein Interesse für Mieder auf einen Eindruck der Pubei-tät /.u- 
diek. Er war 14 lahre alt, da fesselt© sein Interesse eine üppige Blondine, 
die neben seiner Wohnung lebte. Sie war sehr stark gemiedert und war an- 
geblich das Objekt seiner ersten Onaniephantasien, 

Er zeigi den bekannten Impuls der Fetischisten. Er läuft viele 
Stunden herum, bis er ein geeignetes Objekt findet, dann eilt er nach liause. 
zieht sich ein Mieder an und onaniert vor dem Spiegel mit der Vorstellung, 
daß er diese Frau ist. Bevor ich auf die Resultate der Analyse eingehe, 
will ich einige Stellen aus seiner Bibel mitteilen. Er gibt mir nämlich 
nacli einer Woche ein sehr elegant gehundenee, abgegriffenes Buch. Ich solle 
es studieren, er werde nach 14 Tagen wiederkommen. 

Der größte Teil des Buches ist stenographisch, einiges in Kurrent- 
schrift abgefaßt. Im Anfange sind mehrere längere Gedichte, die seine 
Phantasien auedrücken, gut gemeint, sehr naiv. Er ist ein schlechter Dichter 
trotz seiner lebhaften Phantasie. Dann kommen Geständnisse und schließ- 
lieh eine Reihe von Bildern, meistens Ausschnitte aus Zeitungen und Zeit- 
schriften, von denen wir später einige Proben geben werden. Die mei:^ten 
Bilder sind verändert. Er zeichnet obszöne Figuren hinein. Genitalien er- 
gänzt zu den Miedern üppige Busen usw. ... ' 

Ich beginne also mit einigen seiner Aufzeichnungen: 
Hiemit heute am 18. III. 1905 unweigerlicher Schluß sämtlicher geistigen 
Onanieaufzeichnungen! Ursache: Selbsterkenntnis, weil dadurch Ursache 
und Verlauf des Leidens genügend beschrieben, Heüung unmöglich wäre, 
Geist sich auf dem Wege des Wahnsinns {Gehirnerweichung, geschlechtliche 
Verblödung) befände! Lieber, wenn ee nicht mehr anders sein kann, Un- 
zucht mit einem Weibe, ob Jungfrau, Frau oder Witwe, besondere 
kommt da die öffentliche Hure in Betracht, in Wirklichkeit als 
zwecklose, konstant veränderliche Ent- und Abartungen bezüglich des weih- 
lichen Verkehres zu Papier zu bringen. Nur ernste, die Geschlechtssphüre 
"wirklich betreffende Aufzeichnungen, wie Ergehnisse und Verlauf diesbezüg- 
licher ärztlicher Untersuchungen sowie Abmoßtabellen über Frauen-(Huren-) 
körper sowie „Liebeeblätter"-Notizen werde ich in Zukunft notieren. Das 
walto, mit Hineicht auf meine bevorstehende Heilung von geistiger und 
körperlicher Onanie, Gott! 



Hin IJibcl dos Fctischisfeti. 163 

Gestern abends '/i8~8 Uhr orstee und violleicht doth nicht letztes Mal 
bei meinem langjährigen Beichtvater, der es seit zirka 189(3 ist, früher 
Pfarrer, P. Erhardus. lläumlichkeit: großes behagliches Zimmer und Links 
anstoßendes Kabinett. Hübseh und rein, elektrisches Licht! (Geistlichkeit 
iet recht gut versorgt!) 

Ging hin, nachdem icli am 2.11.190:5 unten in der Kirche mit ihm 
gesprochen, um zu beichten. Betonte natürlich die Onanie, mein Unglück, 
lür weiß mein Leiden, die Verkettung trauriger Umstände, er kennt meine 
niaterielleii Verhältnisse ziemlich! 

Kurzer Inhalt seiner Aussprüche, weil ich ihn dringend fragte, ob un- 
ehelicher Beischlaf absolut von GoU aus Sünde und üiiarixir oder ob dies 
dem reifen, es nicht mehf „aushaltonden Mann" gestattet sei: .> * 

„Jeder uneheliche Beischlaf, ganz gleich ob zur 
Zeit der Reife oder später ausgeübt, ist sündhaft! Kur 
die Ehe gibt das religiöse Recht, das ja dann 7.ut 
Pflicht wird." 

' Wäre jeder Mann und jedes Weib so durchdrungen von dem heiligen 
Gebote Gottes, keusch zu sein und bleiben zu müssen bis zur ehcbcheii A er- 
bindnng, gleichgültig ob die Heirat früh oder spät iniolge Existenzbedin- 
gungen vor sich geht, so fallen gut die größt« Anzahl Sorgen und t.bel 
hinv,-eg, vielleicht 99% dos Unglücks! Dann wäre das Leben nicht so elend,. 
wie es heute ist und vielen dünkt, eben weil sie sich durch Ansteckung oder 
Veriust ihrer Keuschheit nicht vor weiteren Fehltritten zu halten vermochten! 
Auf meine Behauptung, daß es ungerecht sei, so leiden zu müssen J"iC/'''ei- 
leicht erst mit 35-40 Jahren heiraten zu können, während ein ghicklieherer, 
-Existenzmittel besitzender Mensch vielleicht mit 20 Jahren heiratet, gibt er 
mit Zuversicht der Anschauung Ausdruck, daß es oft Vorsehung mid gut 
für manche ist, daß es nicht früher sein konnte. AVeiter sagte er: 

Eheliche Liebe, die ja verrauscht, muß gegenseitige Hochachtung beider 
in sich schließen und den festen Willen, auch bei etwaiger eintretender Ge- 
echlechtsunfähigkeit des einen Teiles dem anderen Teil zeitlebens treu bleiben 

Der Weg zum Verlust der Keuschheit i^t gewiß leichter und hat den 
Zwang den unehelichen Beischlaf fortzusetzen und immer tiefer hinein zu 
geraten und dann Jungfrau, Mädchen und Ehefnni, weil man e. nicht aus- 
haCkann und sich aus Leidenschaft gehen läßt, zu verführen, als die 
Eückkehr zur Mäßigung und Aufgabe des weiteren unehelichen B'^iscWafs. 
HUfsrnTttel gegen die Unkeuschheit : BesUind.ge Wachsamkeit durch Mäßig- 
keit GeStGoTtvertrauen und Arbeit. Scham, Schaffen, hartes Lager usw. 
' Er voriangte von mir schließlich das Versprechen, um mir die Los- 
sprechung geben zu können, „joden unehelichen Beischlaf mit Anwendung 
aller Mittel dagegen unterlassen zu wollen . 

,.Wenn ich kann, ja", sagte ich. , ^ ^ . ^ „ u, ' 

Ich frage nicht, wenn Sie können, denn mit den Geboten Gottes gibt 
es kein Streiten, diese müssen befolgt werden und wenn deren ErfnllunK 
noch so unmöglich erscheint und schwer fällt, sofern S.o willens sind 
und mir versprechen, keusch zu bleiben. , . .. , ■ . • ■ 

Einige Augenblicke tiefe Stille. o. v, ■. ^ 

Gespannt wartet er im Kabinett, neben mir auf einem Stuhle sitzend, 
ich knie im Betschomel ihm zugewandt, auf Antwort. 



164 



FetischTsniiis. 






, 



■,,Ncin, das kaim idi nicht versprechen', sage ich büklo'miiicii, ahor 
aufrichtig. Dieser Aiigenhlick, in dem sich Herz und Wille cntschiodoii 
gegen dos Schöpfers Vorschrift aussprachon, war mir entsetzlich, aber ich 
konnte nicht ander«. Mißtrauen gegen die Wahrheiten und Vorschriltcn der 
katholischen Religion, Widerwillen gegen die „tote Hand", gegen die Macht 
des Kleru,'-:, ein Wunsch, mich nicht der Volksverdununung zu beugen, sondern 
jetzt zuzuwarten; nach Heilung zu suchen, auch ärztlichen Ansspiiiches loil- 
haftig zu -werden und im Notfall auch als Mensch zu fehlen, im Bomißtsein. 
nicht mit frevlerischcm Übermut Gott beleidigt zu haben, sondern nur, um 
in Gottes Welt weiter zu kommen, als aus Gefügigkeit gegen die Träger 
der Religion, welche dann zur Unterdrückung menschlichen Ehrgeizes und 
Foi-techrittes gehandhabt wird, als Bekennen "der Volksaufklärung, vielleicht 
(weil ich allerdings nicht, mehr Heri' der wachsenden Leidenschaft sein kann) 
um dann zu heiraten und darai als bedrängter Familienvater mich nie des 
Lebens freuen könnte, withrend andere meiner höhnen und diesen Trieb 
nicht aus Not, sondern aus Vergnügen ausschöpften, um dann in entspredien- 
dei- Stellung besser bzw. sich sehr gnt zu verheiraten und etwas von ihrer 
Jugend hatten, während ich mit meiner Sehnsucht ungestillt früh altere. 
Ist ja doch das „Zölibaf die offizielle Keuschheit, nber doch die inoffizielle 
Xrgernisursacho, welche, weil nichts von vielen gehalten wird, dem Ansehen 
der katholischen Kirche schadet, aber, aufgehoben, ihre mit dem Mantel des 
göttlichen Nimbus gedeckte Macht schwächt. Dann erst würde ich zu einem 
Priester mit Verehrung aufblicken, weil man von ihm als Mensch nur Menscli- 
liehes und nicht, wie ich glaube. Übertriebenes, zu Entsagungä reich es ver- 
laugt, eh begreife daß viele Katholiken zum Protesta ntl^us ü mr en 

mit int^STef F '" r^T""' ''^' ^'^'T^"" '"'^'^ d^"kle ihm, füMle mich 
nut mne Khe Freude über meme AnOdärung beruhigt, sprach dann noch 
von der Entecheuhnig durch den Arzt, bat ihn. nicht bl.e zu sein 

■Vr li^n^'""',^" T^ ^\'^f-'''^'%'' «agte er imd nahm kühlen Abschied. 
!nd l . 1 , f ^'' f öffnote.Türe hinaus, versperrte hinter mir 

d?h wJ!l ^.V^^^^VV" ^''^^'" ''"^^^^' l^'"^^-- mir wahrscheinlich in 
t ^ ä r o f ■ '^'""^'T'^ S'^^i^^ä.n, beschämt mid aufgeregt schritt 
leh chneil von ihm weg und war froh, als seine Schritte innehielten, weil 
er mit dem bei der Spmseglocke im I. Stock bereitstehenden Diener sprach. 
Als ich die lur des Vorhauses schloß und in den großen Hof trat, schlug 
es 8 Uhr. 

^Aufgeregt kam ich heim. Mit Gott und der Welt hadernd mit Sehn- 
sucht zu heiraten, im Bewußteein meines Dranges, auch aus Furcht vor 
<jottes Richterspruch, wenn ich meine Keuschheit vor Eheschluß vernichte. 
Vorläufig sistiere icli weiteres Denken, lasse dann möglichst rasch Dr. F. 
die J^ntecheidung fällen, halt« aber Ausschau nach baldiger Heirat mit 
hübschem, mitverdienenden oder vermögenden Mädchen. Gelingt es nicJit. 
so mußte ich vielleicht ein lÖ^lSjähriges Mädchen verführen 10 Jahre mit 
mr gehen, bevor ich sie als kleiner Beamter heiraten könnte. Oder, wenn 

r.l-^l R ■"'l'w^""^"' ^^""' '^^"'^ ^"^'■«"- tWozu erst unaufrichtig „uu- 
ohehcher Reischlaf sagen?"') Aber ich hofie, daß Gottes Hilfe jetzt, wo dio 



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iti)C 



Die Bibgl .des Fetisch isleii. "165 

Not am größten; doch noch uücs getreu seinen Xjeboten zu. einem glüuk- 
lichen Ende, führt. . ^ 

i EinBif-hi.svo-n sage ich, Pater E. hat gesteni „goldene Worte", ge- 
sprochen. Er hat recht, ich wäre gliicklicli, so ideal voi'gehen zu können. 
Aber die Welt ist andere, nicht so gut und nicht so ideal. Und weil eben 
viel Ideales im lieben höchst real und prosaisch wjrd, eo muß aiich die 
höchst-e Idealität des Beischlafes einer natürlichen Anschauung, hervjr- 
gei-ufen durch einen unehelichen Notbeißchlaf, Platz machen. Ich glai-ibe, 
alles andere geht nielit, kann ausnahmsweise in dem Jammortale, Welt ge- 
nannt, zustande kommen. Es mag ja enthalljiame, sozusagen bedürfnislose 
Individuen geben, ich bin es nicht. 

Pater N. ganz richtiger Standpunkt, daß Beischlaf nicht ein Ver^ 
gnügen, sondeni Ijuet-Pflicht sei, denn wäre dieser Akt nicht mit so viel 
Genuß verbunden, so würde es mit dem Kindermachen dci' mächtigen Kinderr 
eorgo wegen aus sein. ^ ... 

Allerdings hat er auch Recht, als er mir vorwarf, was würde ich denn 
machen können, wenn ein von Natur, siecher Körpei- mir den. Beischlaf ver- 
bieten würde; Er sagte, daß er genug in allen Kreisen, bei Gesunden und 
Kranken, auch Irrsinnigen, Beichte gehört Imtte, genug des menschlichen 
Leides erfahren — aus eigener Schuld!. — ... 

Walmsimt kann infolge des Mißtrauens in der Kraft zum Guten, aus 
Nachgeben zur Leidenschaft, nicht aber aus Kenschheitsschaden zustand^ 
kommen. Auch sie behaupteten, es nicht aushallen gekonnt zu haben, fielen 
aber aus eigener. Schwäche, aus Glaubenslesigkeit geg-en Gottes unanfechtbar? 
keusche Sittenvorschrift. Verheiratete Frauen klagten ihm oft, mit dem Maim^ 
nicht bzw. nicht mehr leben zu können. Warum, weil . Ehebruch — vop 
Patfli- N. erfahren — dieeem Ausspruch vorhergegangen war. 

Je mehr einer gegen Gott, gegen Gebet- und Kirche ^wettert, schimpft 
und in Versammlungen dagegen schreit, dann könnte .Pater N. ruhig sagen: 
Je größer deine Abneigung, dein Geschrei gegen Gott und seine Kirche, 
desto mehr Schuld, die in deinem Herzen sich aufhäufte, bist du dir bewußt 
und suchst Euho .211 linden durch Gegnerschaft, welche, Herzensruhe du abef 
nicht finden kannst. Du fühlst des Herzens Leere." 

Daher ist Pater N. auch ein Gegner des Vereines zur Wiederverheiratung 
geschiedener katholischer Eheleute. -■-". ''■"-:'- . - " ■ ' :\ 

' - Ich wollte über letzteren Punkt nicht mit ihm debattieren; es -wäre 
sonst ins ■Unendliche gegangen. Denn ■ wie viele treten buchst^iblich brave 
Frauen wie Tiere mit Füßen. Ja, soll sie denn dem Liebe entgegenbringen; 
vieUeicht ihn erhalten und warten, bis er stirbt, anstatt doch noch an der 
Seite eines anderen glücklich zu werden? 

- Die Abneigung gegen diesen Verein ist von ihm generalisiert, vielleicht 

iesuiüech-klerikal. Allerdings auch ein Körnchen' Wahrheit liegt m seiiie: 

Meinung Hätten beide friihel- einander besser kennen gelernt, nicht erst 

. dann, als es zu spät. Er sagte dies nicht, aber ich glaube, es "Ware seine 

Antwort gewesen. . ., , , . , 

Schlußbemorkungcn:" Wie '. rich,tig die Einsicht ist, diese geistiger 
Onanie entspringenden Perversitälen ein für allemal abzuschließen, nach- 
dem schon genug in den vorherigen Aufzeichnungen davon gesprochen wurde. 
Weist das in der Buchtasche befindliche Feuilleton von Montag, den 27. März 



/ 



16(5 



FetisctiismuB. 



Ji 



1905, aus d&m „Neuen Wiener Tagblatto'' „Irrsinn und Phantasie''. Würde 
dies Buch leidenschaftlich in dieser Art fortgesetzt, dann würde dieser Ar- 
tikel mein Schicksal zeichnen. Dann Irrsinn, entstanden durch geistige und 
körperliche Onanie, durch überhitzt« Phantasie, durch krankhaft entwickelte 
Einbildungskraft, die vielleicht schaffend sein könnte. Denn der Grundziig 
und Verlauf meiner phantastischen Aufregungen in geschlechtlicher Hinsiclit 
war und ist immer folgender; 

Die meine Leidenschaft erregt habenden weiblichen Geachöpie, gleich- 
gültig welchen Alters, Standes, Bekenntnisses und Bildungsgrades, werden 
meine „Opfer"', die mir Untertan sind. 

1. Ich begeile mich platonisch an ihrem Wesen, an ihren Sinnen und 
an ihrem angekleideten schönen Körper. Ich mache dann durch mich, durch 
die Umgebung, durch mein Küssen, Umarmen, Betasten, Reden, Belästigungen 
und Handeln die Mädchen und Weiber geil, geiler und höchst geil. Quäle 
sie auch durch Nichtbefriedigung ihrer platonischen oder geächlechtlichcn 
Sinnesäußerungeii, betöre sie, blende sie durch Unterhaltung, Putz und Luxus. 

2. Ich unterwerfe sie mehr oder minder langsam, schnell, kühl oder 
heftig in den verschiedensten Toiletten, den verschiedensten sie mehr oder 
minder erregenden, schmerzlichen, aber ungefährlichen Folterungen, wie 
Liege-, Hänge-, Kad-, Binde-, Kitzel-, Peitschmassage, Hetz-, Strick-, Wasser- 
und der überaus beliebten Miederfolter. Diese Folterapoehe, 
die meiner ersten Begeil ungsepoche folgt, wird auf das verschiedenste bei 
der Frau angewendet, wiederholt stets aufs neue variiert. Z. ß. das Kind, 
Mädchen, Backfisch, Jungfrau, dann Ehefrau, Mutter, Matrone wird vielmals 
a,nders umgekleidet, wieder gefoltert, mehr und mehr ausgezogen, entweder 
von mir allein oder im Verein mit ihren „Dienerinnen" (Huren, schon ver- 
dorbenen Verführten), aufs neue abermals verschiedenen Polterqualen untei-- 
ivorfen, dabei begeilt und in der Körperkraft durch die Beugungen und un- 
gewohnte Bänder- und Strickfesselungen ermüdet, auf das raffinierteste in 
den reizendsten Stollungen Photographien, angekleidet, geschnürt, gofilzf.. 
gekitzelt, gedudelt, gezwickt, massiert usw. Ohnmacht«i. Aufwecken in ihrcu 
luxuriösen Heimen, Ejholungsaeiten, auch Unterhaltung und Nichtstun in den 
„Lustgebäuden", währenddessen Kameradinnen und Geechlechlsgenossinnen 
weiter seufzen und aufs neue mißhandelt werden. 

3. Je nach Stärke der „Gefolterten-', je nach der Schönheit und Leiden- 
schaft des Opfers sowie je nach der Beschaffenheit des sie marternden Herni 
folgt für das anständige Weib die dritte und letzte Phase des Leidens und 
der vielleicht heimlichen Freude. Größte Scham, größter Genuß, wechselnd, 
endlos geboten, nicht von einem Manne, sondern von Männern, ja selbst 
von Geschlechtsgenossinnen. Es ist der Beischlaf, die Schau dungs'epu che, die 
beste, angenehmste, aber auch aufregendste, mitunter selbst für das stärksLe 
Weib. Größter Genuß für den das Weib „behandelnden" Mann, fröhlichste 
Austohungszeit für die Gefährtinnen (Huren, und zwar immer nur fünfe) 
und kombinierte, raffinierte, nervenaufpeitschendste Lustenarten des Weiber- 
leibes. 

Wie viele Kinder, Mädchen von 10 Jahren aufwärts, Schülerinnen der 
Normalschulen und Handelsschulen, Backfische werden überfallen, genot- 
züchtigt, wie viele reife Jungfrauen und Damen geschändet, welche Zahl von 
weiblichen Bräuten, Ehefrauen, Witwen vergewaltigt, geschiedene Frauen, 
Mütter, gleichgültig ob weniger oder vieler, kleiner oder großer Kinder, 



Die Bibel des Fetischisten. 



167 



juiigo und alto Mütter and Matronen „titUare"'), echwaiigore Frauens- 
pfirsonen ein Leckerbiesen ! 

Da nützt bei alloii drei Epochen kein Wideretand der Scham, des 
Schmerzes oder der Vorzweifiung. Der BaekÜech, dio Jungfrau, die junge, 
eben verheiratete Frau, die schon verblühte Gattin, die Mutter wird dun-h 
des Mannns Krai't niedergezwungen; genügt die nicht oder will sich der Mann 
nicht anstrengen, so sind ja die fön!', zu allem, auch zu den scheußlichsteu 
Orgien mit Vergnügen bereiten, schönen, jungen und auch älteren Huren da, 
■welche, eine links, eine rechts, je einen Arm der Dulderin halten, während 
der rasenden Züchtigen je eines ihrer schönen Beine, z. B. das linke von einer 
Hure emporgehoben wird, das andere, rechte Bein seitwärts gehalten, ge- 
zogen wird, so daß der entzückte Mann die Schreiende bis zu der Schenkel- 
hohe in aufgeschlagenen Böcken sieht, ihre Kleider höher hebt, sie am . . .=) 
mit der Hand kitzelt, während die 5. Bure lächehid der. gellende Schreie, 
Flüche und Verwünschungen ausstoßenden röchelnden Halbohnmächtigen den 
Mund vorhält; jetzt betasten des Geliebten Hände ihre vollen, stark wogenden 
Brüste, Umarmungen ihres Leibes, Niederschleppen in ein Bett, die Zuckende 
ringt vergebens, die Binse wird ihr aufgemacht, das Mieder vorne auf- 
geriesen, die Seidenröcke zerknittert, oft abgerissen, das schone Höschen 
an der kitzlichsten Bauchstelle zerfetzt, in wildem Kampf helfen ott Mann 
und Hure die zu Schändende splitternackt entkleiden, Ohnmachteanfalle, 
SamenflüGse, schließlich Entkleidung des Mannes vor der bebenden bchoncn 
und ihre gewaltsame Verführung! , '''.„. 

Die Schreie verhallen, ihr "Widerstand verschwindet, man läßt die in 
Liebosrasen versunkene allein im Bette. Entweder hotfnungslos zerknirscht 
oder verzweifelt oder erleichtert, dankbar und verliebt findet sich das ver- 
liebt*^ Opfer in ihrem Blute oder in ihren Saraenausflüssen allein mit einein 
nackten liebenden Manne im sehwellenden Liebesbett und prachtvollen 
Zimmer Ruhepause. Liebesbelobnung durch achtungsvoUes Wesen ihrer sie 
vorhin schamlos behandelnden Dienerinnen durch Kleider, Unterhaltung und 
Luxus und erneute, stets leidenschaftlichere und schönere Liebesnadite. 

Das ist nur sozusagen ein Schulbeispiel aus der unzähligen Masse von 
Sittlichkeitßvergehungcn der Männer gegen Frauen. Wie viele Orgien trieb 
?;h B miM^nen schönen Mädchen und Frauen, die ich 1905 '^ <ierV. Inter- 
nat i um len Aitomobilausstellung ,n der „Gartenbau" gesehen! Wie^wurde 
ir e ner Phantasie die hochelegant gekleidete Prinzessin H. begeilt go- 
oltert ausgezogen, zwischen den iiberstarken ..... . - -'). Wie schnell 

1 H^ reizende Frau W^ plalonisch, dann auf der Folti^r geliebt, dann 

""'u 1 -^^ ,„,d „r.tpr den Achseln von zwei Männern, ad vaginam von einem 
entkleide-t xmA "^'J« /ien au .^^^ ^^^^^ ^.^ ^^^^^ ^^^_ 

r\r»ur hr Kö^^Sheiten eitiesselt hatten. Krank, halb wahn- 
sinnig "or Scham, Schauder. Ekel und Wollust wurde sie m ihr Ruhebett 
gezerrt. 

TTT^ Original, ein ordinän-r Wiener Diakkt.u.dnick: .■^^>^««''■ 

■■" - Ordinärer Wiener Dialektausdruek für Vaßina: -'l".-^-. ; 

^ Enn ordinären Wiener Dialekt an «drücken sieh ergehende Schilderung omer 
..Coh.bitiiö mt"r mamnia. eum Quin.^e eiacnlatiooibu. et cum er«.tione „erni.gn.rum 

m[imniarum". _ ^ , , _ . 

• ) FtJhili'): ^T'-wvp^ . 



1,68 . 



!■;»' ■ t'etischismKS'.v;;.- .,;.;_ 






.; I 



> < '. 



.r-,;, Wie,. .schrie die Fürstin Y n]. ; i. ,. 
mit gerade,- Front i ii r i n i h ^on li . ' " '' ^'^ Mieder 
ayf das engst« ^"«a,nn,engep-eßt u^,' H°" 7^ ^"^"^' 
aufatmend auf die weiche ^üfnt, *^' "'"^ ^ ^ *> ^"<^"- 

s:an,k,- Während A uguVt di e v oi, qn" ' '^^'^'^"'^ "^^^l«^- 
ge-Bchnürle Mitte umklammortP .-,'". ^"^ ^ ^"^ ^^^t" 

Seideohose, Strümpfe durehbroAen^ und VtlArurn""!''^.' Battisthemd, 
acböno Gestalt verschlangen und Hairul Stl t' "h ^"^^^^ "^'^ ^^^S«^^^ 
an ihr geküßt wordBu. Zitternd und halb so7^^' I ""^^ '°'-'^'' '^^^f^""«'' 
S1.1110 ihr August ihre ganze 2w"4'C w dT^i'^T f^^-Stunda lang 
jeder Form nehmea mu.se, sich 8c> wie seine Fr n.-.u''''''' '^"^^ ^'^^'^ "' 
falls ihre fünf Zoten und extra noci grau Lme Pnh '^"''" ^'^^' ""^^^ 
erzwingen würden. Wie schreit sie nur ., ? "i ^**™^'^" ^^'' "Nachgeben" 
ihr voller herausgepreßter Busen an Juiv l''Jl^ '° ^'^^ "'"'■^^^' '^^^ 
Battisthenid bekleideten Brust fast eingedHk-W 1 ■ i .f "'"" '''''"^^"' ^^^'^'^^ 
von sich. Küsse regnet es iet.t Li fhre "o, Tllln "'^^™« ^'"^^ i'^ 
Arme., Sie schreit. Jetzt duddelt er sie hnl ., '''f''^^''^^ B'-üste und 
Hemde. Klatsch! Er erhält eine Ohrfe g'e K ■ad.'' l'^^'\^'-^^'^ --^ dorn 
bis zur Miedergrenze von Busen und Schult.,t t , '^'"'^^ ''^'^ ^^^ Hemd 
.ur Tür fliehen wollende Fürstin a7ihren 1 t I-' '^^"''^' ^'"'''^ '' ^'' 

bittet Bie um Verzeihung. Stöhnend vor M .S'^'f'""'*'^" ^"''1*» '-^"d 
seine Anne. Jetzt f.... er sie ruhig am B in 7''^ ","1:^ ^^^^ ^^^ ^« 
halb ohnmächtige Aristokratin vor den SpiL ' in"" "'"^ P^"'^'^' '^"^^"^ ''i« 

und den Bauch ■). Kaum fühlt ^h- i ^^^^'''" ^'^'^^^^^ 

auf ihrem Geschlechtsteile, als sie st h sehne? ?'^^"/*^'^ Ma.neshände 
Kau.Df, bei dem das fest gesehnt Mi d^Lr"!^?' "1^^' ^'^'*«^ '^^'^ 
Wüllto vergebens auf ihr schönes SpiS üd S f °^ '' ^^^'"'''ß^" 
schnell die „Hose" schließt, seine Hand v'n Z '"'rf "^ ^^"'^<^'^t, sie 
^"■'\ "f -■ f'"-^hterlichem Geschrei die Tür auf« 7 .^"""'^'"^ ^''^'^^^' 
zu Hilfe. Rettung vor Notzucht!" l'Z aufstoßend ruft: „Zn Hilfe, 
die sieh Sträubende überall betastend ruft er d./ t /'' "'■^''^«'^t und, 
eilenden Huren zu. (Es waren ihre fünf H " « '^''^ ^^"S^" •'''^■b«'- 

welche soeben einen jüdischen, üppigen BackfSK '""S*^ ^"'^'^^^ Huren. 

Jungfrau und eine christliche XuLslotp/r'' ^'"^ I^^^^tantische 
wollen.) Schnell eilten die fünf H^'h X, Alf "".■ '^f '"■^" ^^^^-^en 
d.e Furstm verstanden, als. sie so aufgeregt 'hH*^'' ^''' ^P^«'' '^''«^'^ 
befindend, wie nur die vertrauteste Zofe 1 f l ' '" ^'"^"' ^o^t'"" ^^i^h 
Begehrungskrampfe mit einem fast fremden Mann', "i "?*^ ^'''^" ^^ ^'i'^em 
kamen aber nicht dazu, ihre Begleiterinnen zoZ',^''? ^^ ^^°"t^" ^elteu, 
zitternden drei Opfer über den Gang fori Auf i, %'^"'"'^'^ '^^^^ ^^°'-g«"g 
hielten sie eine die Wahrheit verdeckende t^u ^^"^^sches Fragen or- 

sie es noch erfahren würden. Tat6ächUch\vi] , "^'^ '^^"^ «''^^«'S«. ^aß 
Backflsch die Ida!) vergewaltigt, dt nä hlten T ^^""^ '^*^'- '^^^^'^"g^ 
wahrend einer Unterhaltung in ih^em ZiCer !tÄ ^'' ^^''^l'^^" ^^'«^ 
unten angelangt, nach Absolvierung der Wii>, ^"^' ''''^^'•^^^ die Frau, 
zurückgebracht, 2 Stunden darauf genau ^uSl . ^f'''°^"" ^" ^^^^ Zimmer 
geschehen hätte sollen. "'**^' ^^^ dieser schreienden Dame 



') Tiiilhre lociirit tiiinorit; restitcnUai'. 



Die Sib.ej-dQs' Kotischisten. 



\m 



..i'. ■.: Die Fürstin atftete auf; Aber dio Huren drängten sie zurüde, die Fürstin 
ereebrack, packten sie docli fremde Hände, fesselten ihre kleinen Füße wäh- 
rend ilir eine den kleinen Mund zuhält. Mit Entsetzen fühlte aie verdoppelt 
Auguste Angriffe, als sie sogar auf die Ottomane niedergepreßt wurde imd 
nochmals durch öffnen des wunderbar gearbeiteten Hööchens ihre '\ 

eidit^r ward, fiel sie in Weinkrämpfe. .Als sie beruhigt wurde,' hörte sie 
fTr iSl w'i f '^;^^«f^^ A^g"st volktandlg gehorchten und zur stra e 
fu Ihren Widerstand die Felf^pgeräte herbekchaffteu. Sie bat August um 

H^nr^. R,Hf H rf' ^^'^ ^°'' ^"^^' ^'^^^'' '''^^ ™r der Liege-, 

ih^Lfen und W ;■ .h^'''^.^^'"^ ^'^^^ d"^ch gesobiektes Drohen dufch 
tot foltl!.n ""t,^"^"^^ ubertnehen. Sie ließ sich lieber „tot schnüren- als 

chtln 2 ' ^ "''w^'r '^'^ ^"^"^^^ ^'''^'''' ''' «^1' «Ji" ^"l^en, bereit 
Äult ; 1 ! ^ """' Widerstand ließ sie sich jetzt schon wie eine Unro von 
August Jiei Ulli. and wenden, ja, sie sah ihn sogar verliebt an, als er 

Ihren Busen küßt« und A . . . und Bauch tätschelte. Die Huren machten 
I echt viel Lai-m mit dem Rucken der Foltern und Kichten der Riemen und 
bchnure und Stricke. „Therese, gib an neuchen Riem lier, sonst reißt der 

fW ^'^^J'' , "^ ^"'**'"' '^'^ J^ ™^^t stark und gestallt ist. festbindet.-- 
uaer. „btem bring a Reservemieder, sowie ihr jetziges ebenfalls unzerreiß- 
ba, s^i^t k.det die Fürstin «u viel und stirbt vieUeicht, w;.nn ihr die Stricke 
den Leib zu viel einschnüren täten," „Leer-den Kübel aus, Olga, sonst spritzt 
die Fuietin beim bpoiben alles an." „Glaubst net, Mizzi. daß August die 
iurstm erst ha btot von der Folter herunternehmen darf - sie vortragt 
ul^ verwohnte Jrau eh net viel -^, weil eie vorhin ihm net gehorcht hat? ■ 
Wart nur, Annerl, die Fürstin wird na spitzen, wanns auf dem Rad fest- 
bunden ist, dann tut scho alles ihm geben, aber dann is z' spät denn bis 
d]e Folterschmeizen vergangen san, is 14 Tage schwerkrank gewesen" usw. 
Die Fürstin hörte dies alles. Sie fürchtete sich nun mehr vor der 
Folter als vor der Liebe Augusts. Sie fiel in Ohnmacht. Durch einen Streit 
erwachte sie. Fingiert war er! August nahm eine Hure, die schuldig war, 
folterte sie teils selbst, teils ließ er sie von ihren Kolleginnen vielseitig 
foltern, ankleiden, dann fest zueaniraenschuUren, peitecheu und in Eisen- 
inieder einpressen. Die Hure jammerte nnd hat um Gnade, fiel in Ohmnacht 
und, anscheinend die fürchterlichsten Schmerzen bei Peitschen und Radfoller 
erduldend, küßte sie die Füße der Fürstin mit der Bitte um Fürsprache bei 
August. Bleich vor Angst und Aufregung wurde dio Fürstin, von August 
und zwei Huron gehalten, während die zwei anderen ihre Kollegin gemartc-t 
hatten, weich und da ihr neuerdings gedroht wurde, wenn sie nicht alles mit 
August dulden würde, ginge es ihr ebenso, legte sie sich ganz dicht an iiin 
auf die Ottomane nieder, schrie nicht, als er ihr in vaginani verstohlen fuhr, 
sondern schmiegte sieh geil an ihn mit der Bitte um Gnade für die in eine 
stille Ecke gezerrte schluchzende Hure. „Gebt die Steffi frei! Ich verzeih 
ihr!'' Dio 4 Zofen eilten mit ihrer müden Kollegin wieder zu der schon zuin 
Ehebruch geneigt scheinenden Fürstin und dankten ihr. „Nicht wahr, jetzt 
werde ich auch nicht mehr gefoltert", bat die Fürstin. August blieb ab- 
;ft'eJ6end und die Fürstin wurde aufgeregt. Die Huren batenfürsie. August 



») Vagina. 



-*.■£., .^',. 't 



170 



Fetiacfaismaa. 



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nahm die ihn vor Freude küssende Fürstin um ihre Taille und riß ihren 
üppigen Leib — nicht ins Bett, wie sie hollEte, eondern zur Folter. Ach wie 
schmerzlich! Auf seinen Wink wurde die reizende Frau niedergelegt, gehängt 
und gerädert. Ohnmächtig nahm man die Fürstin herab, schnürte sie auf, 
und als sie erwachte, radelte sie August noch enger zusammen. Als eje 
neuerdings von ihm am Popo erfaßt und zur Folter kommen sollte,. fiel sie 
ihm um den Hals, küßte ihn stürmisch und sagte, ihre Brüste ihm «eigwid: 
: .„Nimm mich hin, mein Geliebter, ich liebe dich, sei mein!" 

■ ,JIab6 Dank, schöne Geliebte, ich liebe dich, werde dich nicht mehr 
foltern, aber zur Warnung, daß du nicht mehr so spröde bist, noch etwas 
biegen!" Die fassungslose Fürstin im Verein mit den Huren am ganzen Leibe 
hin- und herzerrend, sie im Zimmer hetzend, Bauch und Busen wollüstig be- 
arbeitend, ihren schönen Leib so fest in ßadform auf der Ottomane zu- 
sammenbiegend, daß einige Miedemähte rissen und selbst die Huren seufzend 
die Köpfe senkten und sagten: „Lassen mir's gehen, August, es zwei habt 
schon genug!" Wahnsinnig stürzte August über das schöne, in Ohnmacht 
fallende Weib, legte sie in ihr Liebesbett und brachte sie zu eich. 

Die Huren hatten sich entfernt, die Fürstin sah keine Poltern mehr, 
in August nur mehr iliren Liebhaber — freiwillig brach sie die Ehe — und 
streckte sich in unendlicher Geilheit, nach und nach sich von August ganz 
entkleiden lassend, zum Beischlaf hin, der ihr oft und ausreichend zuteil 
wurde. So hatte die Fürstin und August ausgewoUüstet! Die Fürstin war 

genug „gep ". Nach gefiöriger Bewunderung ihres nunmehr entehrten 

Leibes schnürte August wieder die geliebte Fürstin auf 40 cm zusammen uud 
lobte ihre Körperschönheit. G^chmeichelt ließ sich die Fürstin in diesem 
heftig geschnürten Zustand p.... Wohlgefällig strich sie sieh über ihre 
vollen, kugeligen „ "i), über das Atlasmiedor, drehte ihre Wespen- 
taille und ihren weißen Bauch und ihr kräftig modelliertes Becken Sie war 
glücklich, am Vorabend den „Siegespreis" als sich am stärksten schnürende 
Dame erhalten zu haben. Den 2. „Schnürpreis'^ erhielt weil in bezug auf 
gesamte Körperbildung zu viel geradelte eine ISjährige jüdische ßallerine 
und eme 20iahrig6 christliche Konfektioneuse. Die Fürstin welche 32 Jahre 
alt war, hatte, angekleidet von rückwärts gesehen, an Taillenbi'cite nur ein 
Viertel der entsprechenden Breite des Beckens. Bei den meisten anderen be- 
trug 06 bis zu einem Drittel des Hüftumfanges. Daher war die Fürstin 
Siegerin. 

Und solche Vorgänge wurden in Unzahl variiert, mit Mädchen uud 
Frauen und Huren' . Denn auch die sogenannten Dienerinnen wurden oft 
80 behandelt mit ihren Hemnnen zugleich. Oft liegen Hunderte von ge- 
schnurtea und entkleideten Weibern in einem Orgiensaale gebunden in allen 
btellungen in den Teppichen und die Weiber sprangen, durch Peitechen- 
hiebe getrieben, auf die S. ihrer Männer los oder forderten sie wie 

Huren zum „Begatten auf. Dort sah man alle Bauarten von Weiberleibern 
beim Sprung von einem st oekhohen Trampolin in untergelegte Federmatratzen, 
weil den in vollständiger Toilette beßndlichen Damen beim Hinuntereprin^en 
die Röcke aufschlugen, viele schrien in der Luft in dieser Erkenntnis fürchter- 
lich auf, denn ihre Zofen hatten sie keine Hosen anziehen lassen und jetzt 
.sahen die unten stehenden Männer ihre weißen Schenkel und ihr süßes „F . .". 
Kaum unten, fühlten sie sich auch schon ergriffen, am „F " gef " und 






nie Bibel ties Fetischisten, 



„gep " usw. 



171 

ad 



an Scheide und Busen und Achsel abwechselnd 

"''"'ich' wiederhole kurz: Äußerlich keusch lebend eU 
ich J'Y , ^^i iplj in, Innern in krankhaUer 

^TVir/entwtc\l-g\in Verbrecher am Weibe der U 

li n 1 r r n h . u s g e h ö r t. Aber in meiner Phantasie gilt mir kern GeseU 

Ir Well keine Kinde«- und Mädchennnschnid, keine Frauenehre. So oH ich 

Onanie treibe, kehren die^e drei Grnndeleraenta wieder: Zuerst 1. begeile 

ich mich und die Weiber, ob nun angekleidet oder nicht; 2. dann toitere 

ich diese mit Geräten. Stricken. Bändern, Maschinen usw. besonders 

mit engen hochfeinen Miedern; schließlich 3. zwinge ich jie 

noch, aber nicht mehr gefoltert, zum „Beischlaf", ob es ihnen nun paßt odei 

nicht, bis sie gemig haben — und auch ich! _ „^:-j.:„6„ 

Während des ersten Punktes gebe ich w.derwühs •"«"^<^-/^^'^f;/;„; 

Selbstbeüecknng nach, welche behn --f /"^^ "rd^ei ^dSÄu^^^^^^ 

Vorbereitungen zur körperlichen Onanie treffen 1=^^^- JL"^^^^;',^^^^^^^ 

während die Unglückliche in größtem Schmerz -ch<kmh^^^^^^ ,„it 

nähern muß, erreicht ^^'^''^\^'''^^\^;'^^^^^^ Samens, 

'-^^ .:L^äi^tt ?: V^i^ m^.ioe schwäche, f. mein 

^^'^Ttt:rwiir:;::ro::^^ ..et, wachsam- 

^^'* "2"\'trr:Siene Besserung, wie Haupttreffer. ßemrde:.ung, 
lohnende Nebenbeschäftigung. platonische Liebe so wie meine 

wäre mein größte« Gluck una es ^^^.^ Vermögen heiraten kann; 

nicht heiraten konnte b.w^wei icr. __^.^^ .^^^^ ^^ 

'^^"" ti^^Tl^^'^ ^^^^-^ -^-^^^^^ "^^'^ ''^''"" ^'" 
Hure ausgeübt. ^^^^^^ 

: Bemerkungen zu den obigen un ^^ ■ ^^.^^^ .^^ ^^ j^, 

■ ^ ^- ^;:Se SÄU^ -^^^St. Mein GehaU ist größer. Aber er 

4 Frauen sind falsch ^j^^^'''^^^, '„,„armt, sonst nichU, hätte sie 
F., Sdir.ft.et.ersgatt.n 3 J - ^ ^^^ ""1^---^ .ll! 



F., Schnftsetzersgattin, 30 Jahre, ^l,^'^, und Umarmungen die 
10. XI. 1902 abends fast ^ "J^^^^^^^^^ i2jährigen Schwester dies -e.- 

Anwesenheit ihrer in der Küche 
hindert hätte. . . ...^y „ur platonischen F.-Anbetung vom 

5. Folge meiner «tünnischen > de J P^ ^^^^^^^^ ^^^^^^„^„ 32^,,,, 
IS. XI. 1901. Besuch einer am l'ranzibKi 



172 



.,,,...,■- ;Petischisuius.: L . 



1.? 



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ngen ihr gleichenden Hixrf; mein Begeilen xug sie aus, sah aber nur i-eib 
und Glieder, „I" . ." nicht, griff aber hin. Schnüren, Küssen, Umarmen, 
') usw., aber mich nicht entkleidet, nicht die „Junggeaelleuschaft" ver- 
loren!, Aber zum Teufel! Wa:-um? Hätte ich nicht „entjungfert" sein können? 
let schon ein Erfolg ala erster „Besuch" zum Zwecke der Begattung. In 
mjiine „LiebesblättfirBammlung", meine Satansbibel, als Mustor aufgenommen . 
.■. Ist mein endgültiger Sturz eingetreten und ich dwch ersten Besuch 
bei einer Hure, durch ersten „Beischlaf' nicht mehr Jüngling, sondeni Mann, 
so will ich das erste Mal meine genossene Geliebte durch TÖmalige Ab- 
messungen .mir dauernd vergegenwärtigen, um von ihrem Körperausmaße 
einen Maßstab für das .als meine Frau erkorene Mädchen zu finden. Die 
75 Maße sind Längen und Breiten und Umfangsmaße. 14 Messungen an ihr 
angekleidet vorgenommen, 14 Messungen an ihrem nackten, 27 Gliedmaßen- 
abmeseungen. 20 besondere Maße, an ihrem nackten bzw. gerichnürten Leibe 
gemessen. Summe: 75 Abm^sungen mit Zentimeter Schneidermaß. 

Vorläufig probenweise Ausarbeitung in der „Buchtasehe" genaue Rein- 
ürbeit, dann nach vollzogenem Beischlaf hier vermerkt und aufgezeichnet; 
bis dahin ad acta gelegt. Dies gilt nur vom ersten Besuch einer öffentlichen 
bzw. Bordellhure. Dann ab der zweitm „Begattung, Weibcrsehönheit" werden 
die „Liebesblätter" zur Ennnemng nur ihre Personalien und 10 an ihrem 
Körper vorgenommene Messungen angelegt. 

Diese 10 Messungen geben mir einen Überblick und Gefühl der Di- 
mensionen der Frauenkorper, so daß ich dann ziemlich genau weiß welcher 
Bau einer Geliebten mem Sinnes- und Scliönheitsbedürfuis stillen würde. 
Diese wenigen, teilweise sprichwörtlichen nackten Tatsachen beendigen 
diese bald zu weit gediehen gewesenen Abhandlungen und bezwecken (keine 
Ansteckung vorausgesetzt), mich vor der Ruchlosigkeil und Krankhaftigkeit 
jeghcher Onanie gründlich geheilt zu haben. Freilich, mit Liebe eingegangene 
Ehe, mit ihrem heiligen Beiechlafe, wäre unsagbares Glück' allmncb- 
tLger.Gott, ich bitte, -dich um mein geliebtes eheliches 
Weib -und. um ihre Freuden! 

Geschlossen am Großjährigkeitstage, den 28. April 1907. 24 Jahre! 

; 'Hier Bchließt dieser Teil des Tagebuches. Wilhelm hat seit diesem 
Tage die „Satansbibel" nicht fortgesetzt. Keine Bilder mehr ein- 
getragen, keine Phantasien mitgeteilt. Er kämpfte gegen seine furcht- 
bare Paraphilio mit aller Macht. Erst versuchte er sich durcti normalen 
Beisclilaf zu retten. Er suchte verschiedene Dirnen auf, ließ sie mit- 
gebrachte Mieder anziehen, aber konnte niemals Erektion und Beischlaf 
erreichen. Er begann, dann aber kam fürchterliches Herzklopfen, so 
daß er davonlaufen mußte. 

/'Er suchte einen Arzt auf, der eine Herzneurose konstatierte und 
ihm Schonung und Aufgeben iedes Sportes anordnete. Sein einziges 
Vergnügen waren bisher Bergpartien gewesen. Diese fielen weg und 
er kam. in Gefahr, wieder in seine Phantasien zu versinken. Die sadi- 
stischen Phantasien traten immer mehr zurück, er beschränkte sich nur 



?S?'^)-.,*tJ.ta£v''. 



.i-''\w' 



■"C>'* \1> . 



Die Bibo! äee Fetisdiisten. 



i7;i 



' ■ ■ ™n- Hpni Mieder scliUeßUeh genügte ihm 'die Vor- 

ilii-R Taille fest emsclmurt. . , . ,. >- 

Seine Frömmigkeit nahm sichtlich zu, er ging liaufigor in die 
Kirche schränkte daß- Onanieren ein. Soine Sehnsucht nach einer Ehe 
wurde 'immer stärker. Sein Gelialt war höher, aber er reichte nicht aus, 
ihm den notwendigen Luxub 25u verschaffen. Er verlangte unbednigl : 
1. Ein kleines Häuschen, womöglich eine kleine Villa 2. Einen eigenen 
großen (iarten. 3. Ein Auto. Ohne Auto konnte er dich kein glück- 
liches Leben vorstellen. 

Er suchte vergebene, fand aber schließlich ein Madchen, das ein 
eigenes (icBchäft liattc. Es war eine Hutmacherin, die^ ein ganz schiinc^^ 
Einkommen hatte. .Sie war nicht mehr jung, schon 36 Jahre alt, ab^-r 
..IC gi-tiel ihm. Er ^vußte, daß sie häuslich und sparsam war. Aber sie war 
Jüdin mid er konnte sie nur zivil heiraten. Erst sträubte sich sein 
religiöses Gefühl gegen die Heirat, dann sagte er sich: Judinnen 
^clunecken besser, sie sind leidenschaftlicher und dabei viel bessu 
Hausfrauen. Sie sind treu. Du wirst nicht betrogen werden, bie ißt 
iiicbt so schön, daß ihr andere Männer nachlaufen werden. 

Er entschloß sich zur Ehe. Das Resultat habe ich eingangs dieser 
Ausführungen geschildert. Er war impotent, es gab Streit, seine 1 rau 
war enttäuscht, sie hatte Liebesfreuden erwartet und fand einen Mann, 
<ier große Reden führte, aber es nie zu einem Koitus bringen konnte. 
Er ließ die Frau von einem Gynäkologen untersuchen. Sie müsse enien 
Fehler haben, das Hymen sei zu stark. Der Gynäkologe Jind sie nor- 
,nal, das Hymen war kaum angedeutet, es bestand kein Hnidernis fui 

die Begattung. -rr- i 

Sic hatten beide ErBparnisse. Die IdeB des klomen Hausctai. 
„..„■ keine Utopie mehr. Sie konnte ausgeführt werden Ja - 
l'L die Möglichkeit eines kleinen Autos ,vav vorhanden. Iv begam 
s fne Frau zu diesen Käufen zu überreden und memte er «rde dann 
SS r potent sein. Da kau> der Krieg und alle Ersparnisse gingen .um 
Tu 1 Nun hatte er die Frau, die er „.cht liebte, und keiner seiner 
Wüsche ging in Erfüllung. Er kam .u mir, um sieh seine mpoiniz 
V, unscm h t. -^ j, „i^ die onvälinte „Satansbibcl . 

'"'°^* ffflrnuhti^-geltellen und Bilder aus diesem Buche an die 
■ wie sih so n ganzes Denken um Mieder drehte. Er schnill 
rinno n t, :::.l sieh auf Mieder bezöge. Mr bringe iot. 

: , gXben aus seinen eigenen Zeichnungen, i ig. 1-4.) 

Fr hält einige Figuren von der Straße fest. Neben den Bildern 

. 1 i eingehende Schilderungen der Keize dieser Frauen. Man 

S:rüj::t;::t stark eingesdmürten Busen. 



Y 



r 



t 



ij, 



174 



FetiKchismus. 



Die Miederphantasien werden durch verschiedene Einleitungen mit 
hwliegender Annonce eingeleitet. (Fig. 5, 6, 7, 14—18.) , 



■ -/ 



Klg. 1. 



l'iH. 'J. 




Onglasdft&icbDDDg. 



Fi((. S, 



I'ig. •. 



J 





ü ri B i nalee i thnu ng, 

Eb folgen nun einige Miederannoncen, die alle olTenbar ein sehr 
verständnisvolles Lesepublikum finden. 

Neben den Annoncen finden sich Bemerkungen wie die nachfolgende : 

„Sehr tief ausgeschnittene Dame (auch Dienerin), sehr elegant 

gekleidet und geschnürt, erwartet spielend „Herrenbesuch". Ha, weldie 



Die Bibel des Fetisch istp.ti. 



17fr 



l^ust, die wahnsinnig geschnürte Dame auszuziehen und zu notzüclitigen. 
(Vorher reißt ihr das Mieder vor schämigen Kampf in Stücke.)" . . . 



Fig. 5. 




MiadärnDiianco. 



Kjg. 6. 




M EiidQrttnnODcfi . 



Er beginnt aber die Bilder zu verändern und hineinzuzeichnen. 
Er entkleidet im Geiste die Damen. (Fig. 8—10.) 



Pig. 7. 



fiR. 8. 




Am Binar UIsderftnoDDes. 




Aus biiiüT Aduohco. 

Tom Kranken auch Beinen 

Qeechmack Terftiiderl. 



Möbelannoncen werden benutzt, um die gefolterten Frauen hinein- 
Kuzoiclmen. (Fig. 11 u. 13.) ' ' . - • '■ . ■ . 



1^6 - 



.r.^ii : Fetisch i Sintis. 



■ - Aus verachiedenen Annoncen "ivcMen die Micderbilder gesawiiiült 
Die umfängreißlie Sammlung z.eigt, daß der Zeichner offenbar au-ch^aiif 
erotische Wirkungen auegeht. 

Jede Zeitungsnotiz wird sorgfältig gesamnieltv 'wenn sie imstande 
ist, erregend zu wirken. Mitunter werden die Notizen durch Bilder und 
Bemerkungen kommentiert, "wie das nachfolgende' Beispiel beweist- 



iPlB. »■ 







i i" i' ,^' ■ ■-■ *' '- -'.£ ~i-' ' In aine MöbeUnnonee Bingezeichnite Kreuzatoliung. 

Pia. 10. 






w 



\P: 



■ s 




■ . V .,' In oino Mübelanannca aingBKBiehnel. 

Dia Dima wird anfRoliänel. Übergang tod dar ErauESlellunB, 

(Beiästigiiiig von Tb e a t e r b pp « ch G r i nii e n.) Aue Berlin. 
30, d.,. wird uns telegraphisdi berichtet: Wahrend der gestrigen Voratellmig 
im Neuen königlichen Operatheater wurde ein hier zu Besucli weilender 
Zahnarzt vom Kriminal beamten verhaftet. Er hatte während der Vor- 
stellung Frauen und Mädchen, die gleich ihm Stehplätze benützten, in rm- 
j^rhörter Weise belästigt. Der bisher unbescholtene Verhaftete gestand, die 



Üie Bibel des FetischiäCen. 



17-7 



sittlichen Verfehlungen, iint^T denen in jiinf;el«r Zeil viele T heute rbesuche- 
rinnen litten, begangen zu haben. (;^1. 1. 19(15.) 

„Ich stellte mir mit Vergnügen dies so vor: Mit lueiner rechten 

Hand filzte ich im Deutschen Volkstheater, Stehparterre, eine üppigo 



i'i«- 11 i 








In bIda MnbvLmnoncv L-iiig*<Ei'{<'t]iiHi. Kvuuzi^ii'll.iu^ Vorbi^n^iiuiiy Hinter \'iir|{BWiiltEgitag 

Jüdin Olga P. am Oberarm, meine linke legte sirh von rückwärts um 
ihre weiclic Mitte, Busen und Bauch, meine Füße ju'eßten sich um ihre 
Röcke und Glieder. Schade, daß sicli das Rendezvous von I., Adler- 
gasse 4, zerschlug (Oktober 1902). Die ließ sich „filzen", die schwarze 
üppige Jüdin Olga P." (Fig. 19^21.) 



Siflk«^, StürUDBOtk dua Trj«b- und AffvkiJfib&nii. Vll. 



lä 



1,78 



FctiscTiismus. 



Ich beschließe damit die Mitteihmgen aus der „Satanebibel'". Man 
wird es verstehen, daß diese Kranken sich durch Lektüre solcher Bücher 



4 



['ig. ia. 



'>ii , .,. 




In eine" MObBlannoniMi BiDgeseiihnet. 



l'ip. 14. 



l'ig. 15. 



Fig. 16, 






Aiiniscri: Tur .MiBdL'rgi-werl>s. 



Mioderaiinonce- 



MiederBimoiiae. 



iiiiiiiei' wiodiM- Anregungen verschatl'eii und eich immer aui's neue die 
nötigen Reize für die onanietischen Akte verschaffen können- 



Hie Biliel des l-'etisdiiKtcu. 



179 



Sein EnlSfliluli, sich von diesem Liuclie zu Irtumen, zeigl. oinon 
etai-liPii Willen zur Genesung und entspriclit audi seiner i-cilif^ioson. 
anagogischen Tendenz. Wir seilen an diesem Beispiele sehi' deutlich die 
zwei Mächte, die um rlie ITerrachaft. in seiner 8eele ringen. Die He- 



Kif. 17. 



i 




[■■iK. IS. 




MitfdvrAiiiiDiiDe. 



Mittd'jrjinEiDiir*' mit BadiBrEBCtiem l^inFfhlB^. 



KFk, ib. 



Flg. 20. 



Vlg. 91. 






l>ii> Smhu uns di'in De iitBi.'l 111(1 VnlkelhMuliT üi ili-i I'imuUiBie di'f Kraiik™. 



ligion und dor Satanisnius. Solieinbar iial er sich dem yatanisiiuis 
unterworfen. Aber wte sieht es mit der Realität aus? Kr ist doch keusch 
geblieben. Seit dem 24. Jahre onaniert er nicht mehr, er hat .seine 
Satansbihel fortgefi^eben, er hat auch keine seiner Pliantasien au-;- 
geführt. Nodi mehr! Er ist in seiner Elie kensi-h j^eblichen. 



e^^ 



J 



180 



Fetigdiit-mui^ 



H i 



I, 



In der Analyse trat zutage, daß er den Koitus als die eigentliche 
Ureündü der Menschen betrachtet. Von dieser Sünde hält er dich fri'i, 
er kommt immer mehr auü die Bahn der Askese, er ist auf dem Wege, 
Bein altes Ideal zu erfüllen und ein Heiliger zu werden. ' - ""' ' 

Die Analyse eines solchen Fetischisten ist unendhch schwierig und 
gelingt am besten bei ganz naiven Naturen, die von der Analyse keine 
Kenntnis haben. Nun sind diese Fetischisten oft sehr komplizierte 
Naturen, hocJigebildet mid für philosophische Fragen geeclmlt. Sie ver- 
stehen es, die infantilen Motive in geschickter Weise zu verbergen. 
Unser Patient kam mit dem Willen, geheilt zu werden, aber er ver- 
langte Einhaltung seines Programnies und erst Absolvicrung seiner 
Lebensbeichtc. Diese wurde durch 6 Wochen trotz meines Protestes 
fortgesetzt. Unterbrach ich den Strom seiner Rede, so setzten die Ein- 
fälle aus und jede Bemühung war ohne Erfolg. Die ganze Teclinik der 
Analyse ließ mich in Stich. Ich erfuhr nur, daß seine Mutter eine starlio 
Frau war, die sich eng zusammenschnürte und daß er schon als Kind 
großes Interesse für das ilieder der Mutter zeigte. Er benützte 
seit dem 11. Jahre zur Onanie immer das Korsett der 
Mutter, das er anlegte und das ihm angeblich vorzüglich paßte. 
Außerdem ma^-hte er die damalige Miedermode und mehrere Eindrücke aus 
der Nachbarschaft für seinen Fetischismus verantwortlich. 

Er blieb in der Analyse aus, weil er aufs Land mußte und itam 
erst nach 2 Jahren wieder, um sich zu erkundigen, oh er zu mir kommen 
könnte, versprach, eine Stunde telephonisch zu vereinbaren, aber ( r 
kam nicht dazu. Ich sehe ihn alle Jahre ganz flüchtig zu den unmög- 
lichsten Zeiten, immer sich erkundigend, ob er kommen kann. Er kommt 
nicht. Ich weiß, daß er noch immer nicht den Koitus ausgefülirt hiit 
imd sich mit dem Gedanken trägt, sich scheiden zu lassen und Mönch zu 
werden. Seine Frömmigkeit hat zugenommen, er verträgt sich mit seinem 
Beichtvater sehr gut und hat die Opposition gegen die Kirche auf- 
gegeben.^) 

Der Fall gewährt ims einen grauenvollen Einblick in die Phantasie- 
weit eines asketischen Fetischisten. Ich habe diese Publikation gewagt, 
weil sie von höchstem wissenschaftlichem Interesse ist und uns die Kennt- 
nis der Psychologie eines Sammlers gewährt. Im Mittelpunkte seiner 
Weltanschauung st^ht die gemiederte Frau. Alles, was mit dem Korsett 
zusammenhängt, ist für ihn Gegenstand eines gesteigerten Interesses. 
Wir sehen hier mehrere Symptome des echten Fetischisten: 1. Die 
strenge, trotz der Ehe eingehaltene Askese. 2. Die krankhaft,e Phantaeie- 



') Patient war während der Drucklfgung dieses Workee bei am und verspracli, 
eich in den nächsten Monaten analysieren zu lassen, leb wordr dif Analyse — falls si« 
gelingt — im Anhang otler in der nächsten Anflagi; bringen. 



Die Bibel des FetischtsWn. 



181 



♦ 



tätigkeit, die sich im onanistischen Akte auelebt. 3. Den Haremskult, der 
■ hier diiich eine „Satansbibel" ersetzt wird. 4. Als neues Moment eine 
sadietieclie Einstellung zu den Frauen. 5. Das fetischistische Symbol 
(Mieder) drückt einen Zwang aus. 

Dieser Mann ist im Leben ein sanfter, feiner, gefälliger Mann. Nio 
hat ev sich in seiner Ehe hinreißen lassen, seiner Frau ein unzartes Wort 
zuzurufen, gesdiweige sie tätlieh zu insultieren oder gar zu martern. Er 
strebt nach einer höheren, ethischen T^ebensführung, er ist tiefreligiöa 
und zugleich in seiner Phantasie ein Lüstling, der die grausamen Prak- 
tiken eines Marquis de Sade übertreffen könnte. 

Man wendet sieh schaudernd von den Ausgeburten dieser höllischen 
Phantasie ab.. Man würde ihn für einen Verbrecher halten, wenn seine 
Realität nicht einen unüberbrückbaren Gegensatz zu seiner Phantasie- 
volt bilden würde. Aber dieser Gegensatz ist das typiedie Zeichen des 
i'chten Fetischisten. Jeder Versuch, seine Phantasie in die Wirklichkeit 
umzusetzen, scheitert. Auch bei den anderen Fetischisten, die ich be- 
(ibacbtet habe, kam es nur zu ganz schüchternen, meist erfolgtosen Ver- 
suchen, die weit hinter der Realität zurückblieben. 

Der Sadismus fehlt in keinem Falle von echtem 
Fetisc, hismus. Erscheintdieti-efsteUrsacbedieses 
Leidens, wie jeder Zwangsneurose, zu sein. 

Als Reaktion gegen diesen Sadismus wird der 
Selbstschutz der Religion verstärkt. Als Buße für 
die sadistischen Phantasien wird die sexuelle Leit- 
linie der Askese aufgestellt undmelir oder weniger 
strenge eingehalten. 

Dieser primäre Sadismus wandelt sich in 
Folge der religiösen Bußideen zum Masochismus. 
Der Fe tisch ist führt seine Martern an sich selbst 
aus.''' 

■' " Auch Wilhelm schnürte sich in Mieder und versuchte sich selbst 
zu foltern. Er legte sich im eng eingeschnürten Mieder in Kreuzesstelhmg 
aufs Bett und versuchte sich selbst zu binden. (Siehe Fig. 10 u. 12.) 

Er näherte sich damit der Fiktion, ein Märtyrer zu sein und 
näherte sich seinem Ideale — Christus. (Christus-Neurose.) Sein Gang 
zum Beichtvater, den er so drastisch geschildert hat, zeigt seine ana- 
gogisch-religiöse Tendenz. 

Andererseits ist er Satan. Er ist der Verkünder einer neuen Re- 
ligion, in deren Mittelpunkt das Mieder steht. In einem seiner Träume 
ringen Christus und Satan um die Herrschaft der Welt. Christus be- 
i'ührt den Teufel, der ein Korsett trägt, mit dem Kreuze und der Satan 
löst eich in Rauch und Dunst auf. . . - 



iT 



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i8y 



Fetischismus. 



V 



n 
'1 :■] 



ijeidei- war es nicht möglicli, die infantilen Wüiieclie seiner Para- 
philj<? aiifzmveisen. Aber die Inzesteinstellung zu seiner Mutter erklärt 
uns den Beginn und die Hartnäckigkeit des Leidens. 

Um seine Paraphilie zu verstehen, müssen wir die endopeychisdi'^ 
J)aretellung seiner Kranklieit auflösen. Er ist das Weib, das er überwäl- 
tigen will. Der Mann ist in seiner Paraphilie der Satan, der das Weib- 
]i<:he in ihm vergewaltigen will. Das Weib wird in der Phantasie das 
Syiiibo! der KeuecMieit, während es im ].eben das Inkarnat der Sünde 
daratellr. 

Dieser Gegensatz z m' i s t.- h e n b e w u ß t. e r und u n- 
bewußter Einstellung m a c. h t d e n K r a n k e i: liebes- 
II n fähig. Das Mieder stellt den Zwang der Askese dar und ist zu- 
gleich Keine höchste Lust. So vereinigen sich Aske^ie und Begierde in einem 
einzigen Symbol. Im Kampfe gegen seine Askese ruft er 5 Huren, d. i. 
seine 5 Sinne, seine leidenschaftlichen Hegiei'den zu Hilfe. Er will sich 
in die Richtung der I.,eben6freude und Sinneshist drängen, während seine 
infantile Leitlinie (Adler) zu Clott und zur ewigen Seligkeit fühi't. Er 
ist gläubig und ungläubig zugleich, ein AVüstling und ein Asket, eine 
echte Faustnaf.ur ohne die Geistesgaben eines Faust. Er sucht und flidit 
die Analyse. Er möchte gesund werden und fürchtet, die Analyse könnte 
seine asketische Weltanschauung vernichten und ihn seiner Religion 
berauben. 

Neben seiner Satanshibel lag ruandunal sein Gebetbuch. So drückte 
er symbolisch die Zcrrisscniieit seiner Seele aus, die sich im Kampfe 
zwischen Unglauben und Glauben in eine Ersatzreligion flüchtete. 

Der Korsettfctischisnms ist verhälinismäliig häufig. Immer 
handelt es sich um den Druck des Mieders und den Schmerz, den der 
Di-uck verursacht. Der Korsettfetischisnms ist oft mit Schuhfeti- 
schismus kombiniert. Einen interessanten einschlägigen Fall teilt 
Havimovd mit: 

Ftill Nr. 40. Der Patient ist ein feingebildeter, hochachtbarer Herr 
und A^ater von 4 gesunde» KiiRleni. die aus einer äußerst glücklichen Ehe 
stammen. „Früh schon-', sagte er, „lange vor meiner Pubertät, besaü ich 
dne A'orliehe \üv häusliche Besdiüftigniigen, weibliche Spiele und weihst 
Kleidung, obwohl ich es liinsichtlich der letzteren nur bis zum Tragen von 
Mädchen schuhen brachte. Ich bewunderte auch bei Damen enge Taillen iukI 
versuchte, im Alter von 14 Jahren mir selbst ein Korsett kii verschatl'en. Als 
ich älter wurde, wuchs meine Vorliebe für weibliehe Kleidung, aber da ich 
keine Schwesteni hatte, so bestand meine ganze Befriedigung darin, daß ich 
"Romane las, die von einer Frau handelten etc. Ich verfalste mehrere Er- 
zählungen unter dem Titel: ,,AbeHt<^uer in der Krinoline'' und schrieh noch 
andere Novellen ähnlichen Inhalte«. Sie wurden gedruckt und reißend ah- 



nie Hilid (los Fetischistcu, ^ 183 

gesetzt. Audi lieKlo nocl. k..(3 idi .eUe.i .i.i<= Gd^KeiilieiL voriih.rgehen, 
wenn icl, Praoc, rollen von Männern auf de. Bühne dargeslcUt seh..,, k^mn^ 
Mit 21 Jahren trug er selbst Korsetts, die er ülDer alles liebte und, ob- 
wohl er sich mehrere Jahre sehr eng schnürte, schien er doch in seiner Geeuiid- 
heit keine Jieointnichügnng wlilten %» hubeii. Er gab au dab ei 
■immer .-ine gewj^.e sinnliche 13 . I r i e d i g u n g diiduruU 
er hin gl habe. :iner.st /.wnr .teilten .ich Schiner/.unujhndinigeii n. der 
liegio pubica imd Erektionen ein. Bald aber fand er.hei-au8, wenn er sein 
Kor-s,.1t ^.^y,. 1-eFl, nn-/.og, dali die Erektionen aufhörten und Kopulation Howie 
ilaslinbalion ganz, nnmöglich wuideii. 

Aus Furcht vor der Itnpotcnic und aiideieii nachteiligen Wirkungen, 
dif infolge der Onanie eintreten konnten, vennied er ängstlich jede wiHi^iii- 
liche Sanieneiii.leerung luid hielt .ich bi« m seiner Verheu'alnng völlig üb- 
J «ünwit. l::r erinnerte sich iiulessen, daH er dreimal nnwiUkiirliche bainen- 

^ ^ntioernng«]! am Tage gehabt habe. Das erste Mal passierte dies w.in'ond des 

K-eitens, was ihn veranlaßte. diese sonst heilsame Übung a ul zugeben. I He 
anderen l'oHiitiunen traten ein, wälirend er ein Paar ganx, enge bcnuno 
(l)anienschulie mit franKÖsischen Alwiitzen) auxog und sie y.nknopHe. 

Nach seiner Verheiratung trug er kein Korsett und auch sonst keine 
Piuueiikleidnng (mit seltenen Ansnahnien), bis 2 Kinih-r ihn von seiner 
Potenz überzeugten. ... ,. 

Zu dieser Zeit l)egüiui unser Patient den Vmsuchmigen. die ilui uhiia 
Vfrfidgten. nachiiugeben und vorfiel wieder in da. alte Laster, Aber ich ^vlll 
ihn selbst reden lassen: „Ich liaufle mir-, sagte er, „eui Paar sehr elegante 
hohe llamenschuhe mit französischen .\bsätzen. die mir anfangs so 
i>ng saßen, d a IJ ich hinken m u l.s t e". Diese Stiele! trug er bei 
«chöneni Wettor oiV™ auf der Fninienado. iiideiii ei- die Heuikleidoi' hi.chliob, 
um die Absiilw /,eigeii zu können. Hei schlechtem Wetter pflegte er jene 
Stiefel mrinnü in (h'r Woche anzuziehen und sie vor einoni grolien rfpieget 
znzukiiöplen. Uies brachte fast immer eine Rrektiou und s.tgar eine feanien- 
entleei'img hervor. 

\ls dies (ieii Heiz der Neuheit verloren halt«, kaufte er sicJi wieder ein 
Kornett So oft, er nun unbemerkt lim konnte, trug er dasselbe und s^chniirle 
es manclimal so ft-sl. daii er last ohnmüHuig wurde. \hv^^' beiden Gegen- 
stünde Knöbfsphuhe und Korsetts, schienen einen ganz, besonderen hinlluti 
-nif ihn .lusziiüben, '^ft. halt.' w in der Plerdebahn. wenn eine Dame mit 
tehniaier Taille iiiul zierlichem I^iß ihm gegenüber saß, eine Art idealen 
Beischlafs "der. wie er es nannte, ein Aussirömeii seiner Gefühle zur (^e- 
lieblen hin ItiHtUauil erwälint einen ganz iilinliclien Fall, in dem ein junger 
M-mn nur bei Blondinen, wenn sie ein Korsett, hohe Stiefel und ein seidenes 
Kleid trugen nicht impotent war. Die letzti'ii drei Gegenstiinde hatten auch 
;uif unseren Patienten einen grolien Ein[luli, inoclile der Träger .iersellM-u 
ein -Mann oder eine Fiiui sein. , , , . , , 

■ Bald -ab er sich seinem Hange immer mehr hm, indem er nehen ver- 
schiedenen anderen weiblichen Kleuluiigssliicken sich schließlich em ..diwarz- 
. sfudem- Kleid kaufte, das ihm g a n /, c n g s a U und auf das er sehr stolz 
w,,,- Locken und Reifen, lalsches Haar, Ohrringe und nusennadeln, alles 
mußte seine LeidenschafVn schüren. Ja. er kmn.te slundonlang eng geschniirt 
■( wührend ein Friseur seine Haare nach Frauenart kranselte und fn- 
Üierte" i^uletzt trug er sein neues schwarzseidenes Kleid sogar, wenn er spa- 
zieren oder in die Kirche ging und hob es anl der einen Seite auf. um die 



184 



FetiKchismiiP. — Die Bibel des Fetischisteu. 



H 



weiße, gefaltete -Roekborte und die Stiefel mit den hnhen franzÖBischen 
Abyä.tzt'11 zu Kcige-n. Mit stark aufigeyolsterter Brust, eng geächnürter Taille 
und enonnon Cul de Pariji. mit phantastisch getui-iiitem Haur, Ohningeu und 
äulierst engen und unbeciuenieii Stiefeln lujnntü er zu beiner gröliten i'reude 
meilenweit gehen und stumleulang tunzeu, Ks schien wii'klieli der körper- 
liciie Schmci-z für seine Glückseligkeit notig /.u sein und er weidete sich 
fönnlich duran, wolern der SehTiierz nur durth ein weibliches Kleidungüstück 
venirsacht wurde. Wenn er auch die Manieren und Uewohnheiten von Frauen 
'nachahmte, so mißbrauchte er seine Verkleidung docli niemals zu unlauteren 
Zwecken, abgeüohen davun, daii er gelegeiulicli eine Ejakulatiun hervorrief. 
Wie bereits erwähnt, empfahl er das enge Schnüren aufs wännete; er 
"hatte viel über diese Materie gelesen und dk ganze Literatur gcsanuiiell. die 
für oder gegen diesen Gegenstand geschrieben way. Kr versuchte öfters sich 
so eng zu schnüren, daß er iihnmiicbtig werden würde, jedoch gelang ihm 
dies nicht. Er überredete auch seine Frau, sich zu schnüren und zog ihr 
Korsett täglich enger, bis er ihre Taille um fast ö Zoll im L'udange ver- 
kleinert hatte, was ihm ebenfalls eine sinnliche Beiriedigung gab. Ein Kind, 
das yie bald nachhur gebar, war vollkuiiunen gesund und wuhlgebiidet. 

,,Er zeigte mir"', berichtet l)\:. llaininnvä. der mir den Fall mitgeteilt 
hat, „mehrere Phctographien. die ihn in allen möglichen \"crkleidungen dar- 
stellten: als Ballettänzerin, als Königin l':ii,sabe1h, als eine Polin, als 3iHe 
alte Magd, als die Gottin der Freiheit, als Julia, dann in einem einfachen 
Straßenkleid, welches er einige Jahie vorher zur Kirche trug". 

Uft schwur er, davon zu lassen, aber immer wieder üel er in sein altes 
Laster zurück. Manchmal hielt er sich Wochen und Monate lang frei, jedoch 
kehrte es bald in der alten Stärke wieder. Er aß hiuiptsaphüch animalische 
Nahrung, aber kein Fett. Nur AlbuniinaLe i)i-:haglen iliiii. Ich verordnete 
ihm eine vegetabilische Diät, aber er ekelte sich so davor, daß ich ge/wungen 
war, meine Verordnung zurückzunehmen. \on Geniißinitteln gebrauchte er 
nur schwachen Tee und Kaffee. Es wurde ihm eine Zeitlang Brom veraii- 
reieht, um den ki-ankhaftcn Hang allmählich zu beseitigen. 

Dieser Fall ist kein echter Fetischismus, er wurde vielleicht von 
IHrsckfeld als Transvestismus (Verkleidungstrieb) aufgefaßt werden. 
Kr zeigt aber zwei charakteristische Momente. Das Schnüren durch das 
Mieder und das Einpressen des Fußes in enge Schuhe. Von Bedeutung 
ist in diesem Falle, daß der Patient das Mieder selbst trägt sowie auch 
die engen Frauenschuhe anzieht. Züge dieser Identifizierung des Fetiecli: 
trägers mit dem anderen Gesehlechte kommen in jedem von mir beob- 
achteten Falle vor. Ich habe immer darauf hingewiesen. Die Schmerzen 
entsprechen der nie fehlenden masochistisch-sadieti sehen Komponente. 
Ich würde den Fall als einen „rudimentären Fetischismus" bezeichnen. 

Eine sehr interessante Beobaclitung eines Falles von Fuß- und 
Korsettfetischismue verdanken wir Abraham.^) Wir werden auf diesen 
interessanten Fall später eingehen. 



') Jahrbuch für pnychoanaJytieehe Forschuagsn, Bd, III. 



^ 



IX. 

Analyse eines Fußfetischisten. 

* " " " \? " : V^H ':: e'l vl^Men A^:, es gibt au.h e,„ .ehein,es 

dal ienkcru^j Kuhlen der Urzeü .urückBinken. Es wäre mte-essant, 
'; ,„ Pot dln.us das arAaiBche Denken nachzuweisen und dm-chzu- 
t en dliede dies..- Paraphilicn eigentlich eine Eegress.on auf ■rgend 
tn UrzusLd der Menschheit bedeutet. Ich we.ß. «l-ß "-^Iff* ; 
H er,Beulischen Schulen auf diese Zusanmenhängc großen Wrt legen. 
fla;«"t H-gend eine Bedeutung für dre Praxis des Analyt.kers? Brmgen 

A ■ Prbim-ntniB der ParaiiaÜiie näher? 
^"^ '"'l^^^^^^^^^ -ischen .ndi«r und allg. 
■ Q Knlik ^ev^Ae beim Fußfetischiemus spielend durchfuhren. Wir 
„HMner ^^'^^^''^^^^^^ Arbc.t von Dr. Aigremont: „Fuß- und Schuh- , 
besitzen --/''""^ ^^ ,.^\Volklon.tische und .exualw>s.en.c.hafthd.e 
e,Tnbol.k und - Eiot.k U OIK ^j^^^^^ Usehaft, 1909), 

mtersuchungen, ^-^^l^^,,,,, Lu. Der hochgelehrte Ver- 
.vch-he jedes ^P^'f ^^"f '% ™ Die sexuelle Fuß- und 

fa..or ko,n.nt zu ^^^^f ^" ^^"'trbm et und u.alten TTrsprunges,. 
SchnhBymbolik ist _ - ^^^^ J^ ^Mbarkeit, .eil er die Erde be- 
Der .eibliche Fuß i.t ä%S>7J '%,,„,„g. Der Schuh ist das Sj-mbol 
„ihrt, der männliche das Zeichen ^^l^'^^^.j^^^,,^,. Bestätigungen 
der Vulva, der Fuß da. 'f^^^^^^^^^^^^^ Aber die ur- 

durch ethnographische und J^^^'«"'* f " . ^^^ beugen und Gebären 

.Iten heiligen ^y^^^ '^J^^j^^ verwandelten .ich 
.eheimnievolle heilige Akte gottliche i.eo Christentums zun> 

i. dPr neuen spirituali st i sehen Weltanechauu 




186 



Fttischisimis. 



Siiiiilhiif'tüii und Gemeinen. Wie in manche geöchleditliche .Symbolik 
i:clilicli sich auch in diese ein gewisser Zynismus, eine Art Frivolität ein. 

Hcliließlich meint Aigremont, bei den Forschungen über Fuß- und 
Ödmhsynibohk sei die nialto Gesehleditssymbolik nicht außer acht zu 
lassen. 

AA'ir aiierkeniion die lierechtigunf^ dieser Forderung. Aber wie weit 
«ürdf i^ine solche Forsrhung führon? Sicherlich, der Instinkt als die Er- 
lahnmg des Unbewußten spielt auch eine Rolle bei der Wahl des Symbols 
und Bittet hat sidi die Sache sehr einfach gomadit, wenngleich viele Be- 
«'badifuii^'im die Wührhcit seiner Anschauungen bestätigen. Es gibt eben 
vprscInc'dtHic l'^älle von Fetischismus. Die Fälle, die idi als echten Peti- 
sdnsiiius bezeidme, sind Lille sehi komptiziort und zeigen das Symbol in 
mehrfacher Verwendung. 

Der Fnßfetisdiismus oder sagen wir lieber die Anziehungskraft des 
Fuße« imd des Sdmhes, der M'ade und der Strümpfe ist so außerordent- 
lich groß, (laß ich diese Korperteile (und ihre Hüllen) fast zu den sekun- 
ilären Geschlechtsmerkmalen zählen könnte. Auch in der Literatur finden 
eich unzählige Verherrlii'lmngen des Fußes und des Schuhes und es lassen 
sich auch Beweise für diese Annahme erbringen. 

Wenden wir uns aber einem bestinunten Falle zu, der uns den Fuß 
nu-lit als Vermittle!- zum sexuellen Besitze des Ganzen, sondern alß 
lirenniiunkt. der Wünsdie zeigt. Wn- lernen am besten, wenn wir uns in 
^•inen Fall vertiefen und versuchen, die psychisdien M^urzeln einer 
schweren Parapathie ausfindig zu machen. 

Idi wähle aus der Zahl der Fulischwänner, die ich zu beobacMen 
Gelegenheit gehabt habe, den Fall heraus, den ich am längsten analysiert 
habe. Es war zur Zeit meiner Frewrf-Ära ,wo ich noch an die langen Be- 
handlungszeiten glaubte. Der Fall wai- mehr als ein Jahi' in meiner Be- 
obaditung und ich hatte reichlieh Zeit, ..eine Parapathie zu studieren. 

, '■'f 2"''.- ^/- "f'; ^«t^i» ■■iOjähriger, unabhängiger Privatier, dem Be- 
lub^ m.c]. Pnv:,(,gclelirfer. leidel an verschiedenen parapathiscben Svmptomen. 
^m^ <k-nvu K-,h l,c.,mders z«e, herv.>rhebe, wei! er sie «b l>ed,'ückend empfindet: 
Bcme btralienangst und semen Fußfetiscliismus. 

Er kann nicht allein ausgehen, er muß immer begleitet werden. Nur ge- 
■ft'i«.e Wege im tlmkreiee semer Wohnung kann er nhne Hilfe seines Dieners 
zurücklegen Aber zu weiteren Wegen l,enötigt er eine Begleitung. Das zweite 
leiden Btehi nn direkt..,! Gogensatz zum ersten. Er schwärmt für Füße und 
muß Menschen nudüaufcn die Füße haben, wie er sie zu sehen wünscht Trifft 
er sein „Ideal aiit der Straße, .o könnte er ihm stundenlang nachlaufen, 
mochte es ansprechen und es ersuchen, ihm den nackten Fuß zu zeigen In 
der ertön Zeit der analytischen Behandlung verlor er die Straßenangst und 
kennt* weite Strecken allein gehen. Was tat er dann am liebsten? Er suchte 
sich auf der Straße ein Tdeal aus und stieg ihm nach, e'hne den Mut zu haben, 
4las Tdeal anzusprechen. Er konnte dann stundenlang henimiaufen und lief 



Auiilyse ^iii«s l-\ißfetisclnsten, 1!S7 

a,n li...t.. .ur Donau, .o .s .e,two,.e Männergib., -l^^'« /j« Sch..h. au.- 
.i.h.n, ,li. Fm vo. .chmut.ig.n. Lappen he reien, .,e " ;1^\ ^«""^ ^f ™ 
„der in. D.Huu.waesor kühlen. B.t. b.klo mchl dev ^i^^'^'"^''^-.f ^,^'X to 

Sd>uh«.rk. wie, viel, .«inor G ..chmacksgenoseen. Er sah bc, '''^, ' ^^^^^^^ 
- Mnu» >.^1<M- Woih - /lu^rsl iUil' don Fuß imd lipurf ..Ito Lh t. nach d.m h.. u 
weH^ Fr.u n aU solch. Ucdien ihn kali- Der F.ß muß sehr enge |m S hu - 
werk .itzon. In der Vur^lollung dos Engen, (iodrücklen 1>^:S"'." ,'1'"^' ^^ »ß ''_ 
Roiz. H(d,n..raugcu roge, ihn gesr.hleHillidi auf. hr beuDubl jeden Huhne. 

.1 » g e n (j ij e r a 1 e u r. i „ ,, 4 ., ; « b 

Er Bchwärmt nur für Män.orfülio. und /.war liir '' " 1 ^'l ^ '= J "' " J// |,5 
womöglich s . h w o i IM g .. o n 1. z ü n d o t e M a n n c r E u I^ e. -ibraham 3^^ 
.Wse., Arl.c.,1 ,eh nu.h .un..kk<.nLn,ou werde, führt, bekannt ich den Fußfei. 
.ddB„u>. auf dio Unterdrndcung der [liechlu.t ^--^V ^'^^»^'^^f f " f "^J^ 
.u,i>.k and Fr.ad legt auf diu.o Hypothese großen Wert. Er '"^"'" " J^ ^ .^' 
h.he sich durch die aulrechte ^t,.llung von, Nasent.er '■"". ^"f" ^^ ^^ . 
wickelt und die Funktione,, des ««>■l''^l'^""''■^^^'■^^:"■n^^<^hla.8 gt I n >e 

schirm,,, breche die.er verdrängte Trieb (f'^i'-';^^'!^^^^''^'-^''!^'"^'^'^"'';^^ ^"f^^ , 
Fußfetisdn.le,> schwärmten eigentlich für deu f-''^^-^f.'; :/^'S>.™n 

.uruckzulühren, wurde y. ,n di....,u Falle, wo on, 8cl,we.ßtuß 1^ iz gt ^ . 
.ekoinhar .eine Bestätigung findeu. Wir werden bald ^^l]^"'. ^'^ f, ;' j"^, , ' 
tigere Mecl,m.i.nK.n hier hineinspielen. UuBor Kranker - al. ein ^»1<^ '<^ /j'' 
.r sich, und er kau, .n n.ir. u,a von der Tyrannei de. Fe ü.cli.^nms betre u 
^\erd.n -- hätte ja in Seebäderu reichliche (lolegenheit. Mannerlaße /aiM hui, 
wenn es ..ich um- uai den Fiii.s handeln würde. Er müßte .un- eine Kiii- in V\ on»- 
la.fen nach /<"n«-pj).schen Prinz!|uen- durchmachen und könnte unbeiuorkt seinei 
Pai-apliilie fr.iuen.') Aber diese leicht erreichbaren (Genüsse reizen ihn gai 
nich, Der Fuß der Reichen läßt ihn ka.lt. Der Fuß eines Mannes, der 
arbeitet der womoglicli unterdrückt ist. der ein KuecJit ist. der ^}<-h in al.- 
häii"iiier Slelbmg Iwfindet, der g e z w u n gen wird, liarfuß vai gehen iiessen 

,■,,,:,,,„, rnßeu Drucke aiisge^setzt wird, bei dem der Fuß womöglich gi- 

;,'eßl wird so daß man auf der Haut die Abdrücke d<* Schuhes sehen kann. 
,,,, ,Ue<er Fuli nm.-lil aul ihn (Mueii großen Eindruck, 

" ,,,, ,„„,i,, Hi,., ,i,u.„ Augenblick hall und verweise auf dieses so o It n 
d., Kran^ngeschich.en der ^Fct.chist.. vork— nc. Jioment^ ^^^^ 

VelVsclf Scliö; dieses >C>u.ent enthält eine symbolische Ih-rstelluiig d-. 
i e 1 =^ c "■ ^'- "'' p istdiisnnis sit vA seinem Träger wie ein enger Scinih 

FetlBC .sunuj ^^^, /^ ,,^^ f „„,, ,.,,„. starken Zwange. Hier sehen wir 
7 ^i cl il ie< Fetischisnuis mit der Zwaugsueuro..e. 

'"' 't. ml^l^Sische Zug dos Fetischisnius als Reaktnui aul deu lue 
fehlenden Sadismus -^^^^^^ ' ll^^- ^ Fetischisnuis zu befriedigen. 
W,e .r:hr ^.Sr :S; ::':^^^ T.gen .r Donau. Dor. liefen dm 

—^^ ... M„de., a, -IC MC.ZU, ^-'^J^;;^Z r ' d^ '".^rZ: 

.urück' l...- I^"'^f'^;':^'"7;; '^^^"'Euluaasm, Mh.ai-.ac., (iü- So.m.ahäder .aul 
I,il{,^.,„ isciac ,u..-li W<.nsl,ut<'n. Uie '^'^"' Al-'ti.iETr/.bc«x'g-mR.n ,oi.<.|il>cßm 



.^ 



m r g j 






188 



FetischisiriuK. 



:iriiien Arbeiter in Haufen und baden Ihre schweißigen, roten Füße. Dieser 
Anblick erregt ihn dann mächtig. Er eilt nach Hause und onaniert. In solchen 
Fällen ist ee immer wichtig, zu lionstatieren, was sich der Onanist bei dem 
Akte hinzuphantasiert. Wer glauben würde, daß Herr Beta den Fuß dieaee 
Mannes berühren wollte oder gar einen honiosexuellen Akt mit ihm auBüt)en 
wollte, der würde tiich arg tauschen. Herr Beta stellt sieh vor, er 
nei der Arbeiter mit dem roten, geschwollenen, schweißi- 
gen Puße. Dadurch erzeugt er sich den größten Orgas- 
m u B. Dies ist eine Erscheinung, die ebenfalls typisch für den echten Feti- 
tichisten ist. Der Fetischist identifiziert sich mit seinem 
Sex INI lü b jek tc. So wird Beta selbst der Träger des roten schweißig- 
schwieligen Ful'>es. 

Nun könnten wir n;ich Traumen aus der Jugend forschen und Beta hat 
uoä eine Menge dieser Dinge erzählt, die ich später in den Traumanalysen rait- 
leilen werde. Er behauptet, er habe gesehen, wie ein Soldat, der Geliebte der 
Köchin, sich die Stiefel in der Küche ausgezogen habe und bei dieser Ge- 
legenheit habe ihm der rote Fuß sehr imponiert. Auch erzählt er, daß er von 
dem Soldaten auf dem Fuße geschaukelt wurde und dabei hohe Lustempfin- 
dungen erlebte. Doch diese Vorfälle erklären uns nicht den komplizierten 
Mechanismus seiner Parapathie und sind alle eigentlich nicht präzis erimiert. 
,1a. ich halte liafür, daß sie nachträglich in seine Familien- und Jugend geschieh te 
hineingezeiehnet wurden. Ich glaube, daß sich die Fetisehisten 
eine Jugendgeschichte nachträglich dichten und in 
diepelbe alle Erlebnisse eintragen, welche auf der Linie 
des Fetisch liegen. Ihi'e Erinnerungen sind Trugerin- 
neruiigen. (Deckerinnerungen, aber nicht im Freiidechen 
Sinn e.)') 

Sil werden wir auch bei unserem Fußfetiechisten die Lebensgeschich I« 
erwarten, die uns alle Fetisehisten und auch alle homosexuellen Männer er- 
zählen. Es gab eine Zeit, da sie das ganze Weib und der ganze Manu 
intei-eesierten, besonders aber die Genitalien. Dann alxir kam es zu kleinen Vei- 
änderungen. Erst trat der Frauenfuß in den Vordergrund, dann allmählich der 
Männerfuß, und erst im Laufe der Jahre entstand das Interesse für den roten, 
geschwollenen Schweißfuß. Der erste Eindruck des Soldaten müßte aber die 
f^exuelle Leitlinie gleich in diesem Sinne determiniert haben, während wir er- 
sehen, daß er aus der Vorratskammer der Erinnerungen hervorgeeucht wurde, 
;i.ls Flucht vor der Sexualität und besonders vor dem Weibe — in diesem 
Falle auch vor dem Manne — begonnen hatte. Man bedenke: Wie viele Men- 
schen haben als Kinder solche Erlebnisse und verhältnismäßig wie wenige 
wei'den Fetisehisten ! 

Wir betonen, daß sich diese Geschmacksrichtung im Laufe der Jahre erst 
..entwickelte und zu diesem Ergebnis herausgebildet hat. Das ist auch eine 
Eigenschaft des Fetischismus, die betont werden muß. Er bleibt sich nicht 
gleich. Bas Sexualziol wird immer verändert, und zwar immer im einschrän- 
kenden, erschwerenden Sinne. Es setzen sich immer neue Zwangs- 
formeln der ersten sexuellen Formel an, ganz wie bei 



') Die Deckorinnerung FrevdB verbirgt hinter einer harmloBen Szeni- . eintn wtch- 
1igni Vorgang. Diese T rugor inneru n gen miichm aus harmloseu SzcneQ wichtige 
ErlebniKBe. Diis, Archiv dtr Erinnerung wird duriihelöbert und daraus werden braui'h- 
l»are Szenen hrrvorgehoU und neu bearbeitet. 



ADB,Iyse eioes Fullfctiscliisteii. 



189 



der Z w ii n g 8 n e u r B e. So war es hier der Frauenfuß, der schon ein Ab- 
gehen von den Genitalien bezweckU- und diis erotische Interesse von den 
Genitalien auf den geschlechtlich indiff<^rentün Fuß lenkte. Dann kam aber 
der Männerfuß dazu. Erst später entstanden die Fürderinigeü nach emeni 
roten, sehr heißen, ^esehwollenen, gepreßten Schweißfuße. Als »h sich lieta 
furchton niiiato, sein Sexualziel zu leicht" und mühelos zu erreichen. Ale ob 
er sich künstlich Hindernisse und Schwierigkeiten machen wollte, die einer 
geheimen asketischen Tendenz entspringen. 

Itci,. verkehlt über mit Frauen oder b&saer gesagt, er versucht inimei' 
wieder mit Frauen zu vorkehren. Er gehört einer Gesellschaftsschichte an, 
in der man eine Geliebte haben muß. Seine Kameraden besuchen nach enieui 
Spiele im Ktub fleißig die Bordelle und er kann eich nicht ausschließen. Sein 
Benolithcii in rincm Liipaiiar ist .sehr churakteristisdi. Er reagiert f^ehr rasch 
auf eine Meretrix, die ihm gelallt, wobei er auf die Füße gar keinen Wert legt. 
Hier suct.i er nur das schöne Gesicht. Im- bekommt .sehr bald eine ^ohr 
Btarke Erektion, die aber in dem Mumente authört, wo er die immissio in 
vaginam vollziehen will. Wir merken hier die Funktion einer Hemmung, die 
geheimen moralischen Tendenzen entspringt. Als ob eine Summe ihm sagen 
Würde: „Das darfst du nicht machen, das ist eine Sünde!'- Beta Iaht nun den 
Phallus von der Dirne extra vaginam manu stuprare usque ad ejaculationem. 
Dieser Vorgang entspricht dem Leitmotiv aller Parapathiker, das ich „Lust 
ohne Schuld" genannt habe. Seine passive Rolle beim Akte ermöglicht 
ilun die Fiktion einer Schuldlosigkeit. Diese Logik ist infantil, aber für alle 
Parapathiker sehr chai-akteristi.sch. Er sagt sich: D u bist ja nicht schuld, s i e 
hat es gemacht. Deshalb gelingen Praktiken, in denen ihm eine passive Rolle 
zukommt, Immer besser, was auch auf seine feminine Einstellung zurückzii- 
■ führen i.-t. ]i\<- immissio penig- ist, nur in sehr seltenen Füllen gelungen oder nur 
bei halber Erektion. Einmal mir gelang ein tadelloser Kongi-esBUB, als eine 
Dirne ihm einen Backenstroieh gab und meinte, er wäre Sehläge wert. Da er- 
wachte ein mächtiger Zorn in ihm, er wollte sie zurückschlagen, sie würgen, sie 
di'iiiütiri'n. iln- .^eine Kraft beweisen; in diesem Momente hatte er eine kräftige 
Erektion, er fühlte i^ich männlich, konnte eine aggreesive Stollung eiii- 
iielm'i'u iürI seine P'iteii/ ausnütKcu. 

Nach diesen Versuchen und halben Akten bei Dirnen fühlt er sich be- 
echmulzt und muß sofort ein Rad nehmen. Alle seine Pläne, sich eine schöne 
Geliebte zu nehmen, mißlangen. Verführungs versuche und eindeutige An- 
näherungen von Frauen aus seiner Üe.sellschaftsklasse halten bei ihm g;ir 
keinen Erfolg Er begann das Spiel sehr gerne, ließ es al-er ine auf eine Ent- 
Bcheidung ankommen, welclie für ihn mit einer Demütigmig hatte enden können. 

Die Anamnese und psych analytische Erforschung der Jugend ergibt aber 
viele sehr gewichtige Momente. Beta war sclion früh ein sehi> crütisclies Kmd 
mit starken aggressiven Anlagen. Er hatte in seinem 7. Lebensjahre eine 
Freundschaft mit einer Spielkollegin, die täglich aus der Nachbarschaft^ zu 
Besuch kam. Eines Tages machte er aus instinktiven Trieben heraus den W- 
.uch einer Kohabitalion, was zu einer Verletzung des Madchens fühlte Die 
Bestrafung ^ denn die Sache kam der Erzieherin, emer Engländerin, zu Ohren 
- die endlosen Reden über seine Schlechtigkeit hatten zur Folge, daß .ich 
sein Charakter allmählich verwandelte. Dieses Erlebnis wirkt« als „ewige 
Warnung" und stand drohend am Eingange seines Lebens. 

Noch immer führte seine Leitlinie zum Weibe. Es kamen dann ver- 
schiedene Liebschaften mit Kusinen, kleine Abenteuer mit Dienst mildchen. 



190 



Fctiscliismiis. 



sicli 111 oiiK' Tänzerin. Sein Vater aber W.*init7.te dJ^^ 



• ! I 



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/ 



venen^hcn K-"|-^;^^;: ^.^^l^;;r'Er;oüe";ur" vorsichtig s.,n m.l 

Hen.chat einer K---^ R-^t. Uai« zur Einsicht, daß dem 

^^ S^ Hebte ui,d verehrte, ein Ve^altnis ,nit d.r ljnz.ri.> 

,1 ih... lauiit eine jede Liaison unimgenehni wäre. E r h a n d s i cli d u ■ ^ '« 
,nd übe 1 aupt ein. J ^^_^^^^ ^ ^^ k,änke,i und, .n !a"go 

'"" ,^h nicht mit F,,u.en zn verkehren, außer h i e u n -i 

VV' :; ne! Nach einigen J.hren starb der Vater. Da. Gelübdo 

;'; ,„-i arlh-h /,..- Folge gehabt, daß er .idi den Tod des Vater, iierbei- 

■; c r^^o^^^^ ^^'--1' - -'^ -icn. De.nßl.sein.lelde bei Se.te schieben 

nX d h. m<^ht denken durfte Er „verdrängte- diesen {>,danlcen.' 

W . l-it er nun. als der Valer starh-r" Abgesehen davon, da!, er den 
Ar.(,e dl-uhte, er werde den Tod de. Vaters nicht iiberleben, leistete er .otor- 
Auu. ^'*'" , , ir,. schwor sich, e r w e r d e nun d r e i .1 a h r e tu i L 
TeiTer ?t^'^-keh-n! Also drei Jahre strenger Abstinenz! Da. 
'. Gelübde hieli er nur ein .lahr und brach es dann mit der Motivierung, es^-are 
ni/lt im Geiste seines Vaters, Aber er brach es unter heftigen inneren Wider- 
sS ir .üe psychische Impotenz prägte sich immer stärker aus und nunu. 
deulliclK.r traten die Formen seines Fetischismus zutage. 

Kalter Sclnveiß bedeekle ilni, wenn er sirdi schheßlieh gezwungen hatte. 
,„U der Dirne zu verkehren. Ein heftiges Schuldbewußtsein trat unter aller ei 
"laskiernngen auf. Beson.lers f,näUe ihn die Angst, er hätte sich eine sexuelle 

^"'^'n^r'lSieh ein Freigeist, abe. innerlich fromm. Er stand uni.,- 
,1,, Herrschaft von zwei widerstrebenden Tendenzen. Sem Vater war ein be- 
nuler Liberaler; es war die. die Tnuhlion semer tamihe. Aber ein kleri- 
kaler Er/iehcr liatie den Knaben in st, enger (ioHesfurelH erzogen und sen. 
Kinderhirn mit allerlei alierpläubisehen Vorstellungen von Sühne und \ ei- 

*^*'""'D'i(f Erklärung seines Fetischismus kam auf sonderbare Weise zustande. 
!-r L-estind' mir eines Tages, daß ihn der blutende Fuß am meisten inter- 
eiierte und besonders aufrege. Häufig habe er die Phantasie, daß er sieb 



i) U-Ii -^.iB-- 'litlil ""l"' ''■''-' ''''■^'''' ^^"'1'^'*'' f"'' ili" .JnibriviißV "iird- 
Fiir Frt'vd gU' <lie Vt-nkilii^iiaii;. Ms ei« Hiimli-Kil.U'ii ins Uiilj^uLUe. iO.< .'in Ni.'li'- 
VVim'n. l'Hir riiicU i^-t die Vmli-äii(;iiTiK i'in la.r boi ^L'ite S^liirlmi, wn tiiclit Ww*«^' 
\V.>lU-ii' 'v/('öe« l'''^ ■'"' '^''■'■' '''"*'" '^""^■'* '"'' ""■''»'■•'"'■^'■l"' I'-'yi-lKjlogic ilie Fi''*=" 
.u.fgr^nrf.Ti: ..Ist d i ■' V o r <i r a u s" 'i g ein. uicht G^wulitei. odur '■ i "^ 
' ■ .1 t Gcdachtefi?"' h* spwii iiipiiie Ülmm'ugung aus. daß die Vni'.frängiiii'^ 
l'in'nieM Grdnehtes ™i und ([.■fiiücrte die Vwdriiugu.is Liis imm ii^^ychi^du-» MectiM" 
duivli ilin wli ''iiu-ii iH^timmUn Gcuaukcii nii-bt dtaikeii woMfii, «'eil (^f 
rrLtirmnlra ü.iiu=^lH.i|.lia<!unnm i.Pso.ücrt i.l. Dicker Ücdaükc odm- s.go.i -■'J 
lirhBr diuw Vorst.llung ist vun d.m o.n.r.n HicUt., Ivnii d™. (U^^isRon!) nl. ni.j^i 
1 , 1„ -UH d.m /.'.H.rum de. ».«-.ißWiu.rdd« vmto.gt «.rd..,,. Er da.-E in - h t. 
h. \v<.rdn, nud k^miut cnU'oder in nfsativ.r Form ak E.itrürtung, Ai.Kst. odo 
' bcliie Forn. b. da. /..tnim de. .ei..i..n Dl.ekfeldo. Sn wollt. B.t. u.^ü 

"hrrr' '''-f 'i'- 1'''-' '"'-^ ^'^^"'■'' '^'''-''"■- "'" "'" ''■'■■''' ^"""" ""* '"'"'■'" 

,.u liP^inuen. 



Analyst uiiipw l'^ilifftiscliisifu. 



191 



ein<-ii Nagel in den Fiili g-istulM^ii habe unii dann blutm inüSBe. Dei' Fuß mit 
doiu Nagel kam iiimior dtnitliclu'i- in seinen ^usuellen Phantasien hevvcir. Kurz. 
CS i<ai]i li'm' Phantasie zutage, die ich so häuCiu bei Parapathikei-n konsta- 
i ieron konnte : d i c C li i' i w t ii s ii e ii r ü s e ! 

Jetzt verstehen wir seine Identifizierung mit dem Träger einet 8chweiß- 
)Hts-s. Kr w.tv pasiiioiiierler .läfjer imd S i- li w e i !.•> Iiedeutet ihm in ile.r Jägei- 
s|ii;n--lie immer nur IJlut. Er lial einen hhiteuden Fnß, der mit einem NnRol 
durchlidbrl ist, er ist Christiiö. Mit dieser Vursteüung onaniert er. 

W i [■ erkennen aber, daß der F e t i e e li i s m u e eine wir ii- 
I i g e Funktion Ii a t. Er soll seine Keuschheit s i ir li e r n, e r 
toll i h m e i n ü Askese garantieren, für die er einen ii i m ni- 
lisehenLotin erwartet. Er hat, sich durch diese Be- 
schränkung ein Anrecht auf Heiligkeit erworben! Des- 
halb interessiert ihn bloß der Fuli der Armen und der Unterdriieklen. ChristUf 
war nicht der Gott der Reichen, denen ja das Himmelreich vorschiossen war. 
ühristuB wai' der Golt der Bedrückten und Dienenden. Und je mein- man sich 
iiu diesseitigen ].,eben demütigte, desto sicherer w.iv man, im .leiiücit!; belolml 
7A\ weiden. Und da ReiT !3eta innerlich fromm war, so gab es für seinen Feti- 
schismus nur eine Heilinig: Die l^^he. Hier war der Kongressuw keine Sündf 
mehr. Dieser Fall zeigt uucii klar, daß der Fetischismus eine Maske für seine 
asketischen, fi ömmleriscben Tendenzen war. Denn in der Ehe schwand das 
Interesse für den roten, liUitenden Fuß vollkommen und die Potenz war — 
nach den ei'sten in solchen Fällen üblichen Schwankungen — vollkommen zu- 
JViedeiifit eilend. 

ich halte darauf aufmerksaiii gemacht, daß der Fetisehisnms den Hinweis 
auf einen Zwang enthalten muß. Das was drückt, preßt, einschnürt, was man 
gCKWinigeii 1111. dicnl ilci' syuibiiliscben Darstellung der PaiaiJalbie. 

Wir werden in keinem Eallc von eclileni Fclischi.-^nnis diesen Hinweis auf 
den Zwang vermissen. 

Mit ei^-erncm Zwange halte lieta sciin' lm|iul.se in das Prukriislesbett 
seiner Para|jalliic gexwiingl. Er konsirui.'rle .-iich die St raßei langst, nm den 
(iefahven der .Siraße zu entgehen. Er ivduzierte sein Begebren auf lien Fuß. 
um sich von allen anderen sün<ligeii Ciedankcn abzulenken, 

lieta halle das Unglück, seine Mutter liei der Geburl zu töten. Er fühlti- 
sich als ein geborener Frnuei im Order. Aber er haile auch Imimlse. Frauen zu 
l.ilen sie zu eiwürgen, weil er sie glühend haßie. Sein Vater war em Don 
luan'und die Frauen standen zwischen ihm und dem \ ater. Schon in der 
Jugend war er zu den Erzieliungsi)ersoiien seines llaus.'s bii.ohu- eingeslelli . 
ICr h-»ßte die Erzieherin, weil sie ancii dii- Geliebte des \ a(ers war, und «ai 
zugleich an sie lixiert. Sie halte aulfallend große Füße, die fast Männedußeir 
glichen. Aber ;nich der Fuß des Vaters war für ihn ein Sexualobjekl. 

Ich iinlerbrcche jetzl diese Darstellung, lüiüe eine Reihe von Ti'aum- 
malvsen an M die uns die vorhergelienden Hehauiitiingcn beweisen werden. Diu 
Vnah'sen sind durchwegs auf die Einialle des Patieiilen. der em denkender 
Geist war aufgebaut. Es war der erste Fall von Fetischismus, den i<-li s.. 
gründlich kennen l<Tnte. Es, wird interessant sein zu konstatieren, wie mir 
die.«e Erkenntnissi' gekommen sind. 



M Ein Tel! diiwr TraniuiUiiilvr^i'ii iM lii'rcils in ..lJii> Spniclic .ii's Trauin.'^^' 
(ll.Aiifl-. HiTyinauii. Mmirlii'iil nMlialtfo. 



^^s 



IV] 



\i 



\ 
1 



i 



I 
t 



-Q.-j ■ Fetlerhismfi'B 

= Elr träumt: ■' ' ". - 

Ich eehe ein großes hölzemea Chrietusbild vor mir. leb nehme mir 

ein Stück heraus. 
Dieser Traum ist eymboliscli aufzufassen. Der Träumer ist m seinem 
Innern noch gläubig, sogar strenggläubig, nach außen hin ein fanatischer 
Freidenker Er hatte am Tage vor dem Traume ein Buch gelesen, das sich „ba 
folie de Jesus" (Dr. Binet-SangUe, Paris, A. Maloine, 1908) betitelt. Er mußte 
plötzlich in der Lektüre abbrechen. Er kann nicht angeteii, warum. Es war 
wie ein Zwang. Wie ein Gebot: Jetzt höre auf, zu lesen! Die tieferen Beweg- 
gründe enthüllt uns dieser Traum. Er hat sich etwas gegen seine 
üofctheitherausgenommen. 

Eine zweite Determination: Er ist selbst der Christus. Aber er ist nur 
eiü Teil von Christus. Er hat sich ein Stück aus dem Leben Christi adoptiert. 
Er ist daher nicht mehr Fleisch — er ist Holz. Er kann nicht mehr in sündiger 
Fleischeslust entbrennen. Zugleich wird die hipolare Tendenz ausgedruckt : Er 
besteht uns Kolz, ;lus leicht brennbai'em Mat<;riiilc und könnte leicht in 
Flanmieii aulgehcn. Welches Stück hat er sich herausgenommen? Er weiß od 
nicht, aber wir werden es aus späteren Traumanalyseii erfahren. Das Stück, 
das er eich herausgenommen hat — solHe es nicht der Fuß sein? Sein Fetisch, 
.scims Ersatzreligion, seine Buße? ,- " - 

Weitere Bedeutungen wird ein späterer Traum enthüllen. 

Ein anderer Traum: 

Ich las von einer Klage des Herrn X. gegen den am selben Tage ver- 
>tiirli('nen Ciyduirtsialdiroktor Weihrich, Es waren drei Klagcpunkto. und 
Wcihrich würde nur wegen des dritten Punktes verurteilt, und zwar zu 
einem Gang in Sandalen und noch etwas. Das könnt« ich nicht verstehen., 

Nachtrag : 

Ich sah eine Photographie Geßinanns und sprach mit ihm davon, 
Am Vorabend aß der Träumer einen schwarzen Wecken mit Butter, 
der in Wien Boeniak oder nach einem bosnischen Insurgentenführer 
Hadschi-loja genannt wird. Er erbrach nach kurzer Zeit und hatte 
heftige Schmerzen in der Nierengegend. Wie er glaubt, wegen der Säuren. 
Alle Säuren maclii^n ihn angeblich erbrechen. Auch nach saftigen Bii'ueii leidet 
er an ähnlichen Schmerzen und Diarrhöen. 

Die Analyse ergibt wichtige Einfälle zu Direktor Weihrich. Zuerst die 
Afisoziationen: Weihrauch — Weihe — Weiher — W ei (geschrieen). 
In Verbindung mit X (-Füßen) Wei- und Geßraann, einem Wiener 
Antisemiten, eine Schmähung seines Arztes. Er beklagt sich, daß dieser ihm 
die Lust an seinen Perveisionen verdorhen habe. Man mache ihm einen 
Schwindel (Rauch) vor! Der Schwindel führt zu Schaukeln. Er erinnert 
sich, daß er als kleiner Knabe auf dem Fuße eines Sol- 
daten geschaukelt hat. 

Da? ist eine Wurzel seines Fußfetisehismus. Dazu 
kommt noch die von Adler hervorgehobene Tatsache, daß er an seiner großen 
Zehe gelutscht hat. 

Sein Verlangen geht danach, einen schmutzigen, 
schweißigen Fuß, res p. die große Zehe in den Mund zu 



Aiiiil\eL' «iiius Fulifetisfhi-iteii. 



193 



fe tfckfui. Nach 6vy syiiibulii^clicn Ok'ichung k;uiii Fuß für Hand, die große 
Zehe liH' den Daumfii, don Penis und die eine Mani.na stehen. Von hier führea 
Faden zur Paraphilie (Fellatio) und zum Ammenlojniplex 

p,«;- .B°«n>'^f< if ein Wiener Aufdruck für einen bosnisrhen Soldaten, 
Hatschi-loja fuiul .Im auf hat sehen - gehen. Sein Erbrechen, die 
bcinneraen, d,e iJiardiöe gehen auf die Phantasie zurück, eine Zehe (Butyl- 
saure - Eutt,-r) in den Mund ge^teekt und Seim-eiß.äuren geschluckt zu haben. 
Voi der ]nunuanal.y.e halte er ^Yachpluuitasion, einen großen Fuß zu 
schlucken und in sidi aufKanehiuen 

et.-,.^Pl''ir't'''' Y""''^ '^'' Fußfetischisn.u.: Man hafte ihn, den Penis als 
et^a^s bkellialtcs, dessen man sich schämen nuili, dargestellt. Er übertrug alle 
ijibitln aul den erogeii betonten Fuß. 

Cießiuann geht auf „guess'", (englisch) erraten, zunick. Ich'liin der 
Mann, der nur errät und ni.l.ts weiß. Die Photographie {«.ein Bild!) ist ihm 
■■^elip schlecht vorgokonnnen. Sie war viel zu woi ß. (Geßmaiin ist ein 
bchwarzer.) Weiß l'ülirt wieder zu Schweiß und zu seiner Idiosynkrasie gegen 
blutiges Roastbeef. Blut heißt in der Jägersprache Seh weiß. Auch das 
Roastbeef erinnert ihn an Schweiß, der durch das Gehen in S andalen 
vermindert wird. (Symbolische CTUueJuing: Blut, Scliweiß, Eiter, Schleim, Urin, 
öl^erraa, Luft, Sprache, Geld usw.) 

^^ Die drei Punkte de« Traumes sind: I. Seine Kngländerin. 2. Sein Bruder. 
•i. Der Schweißfuß. Yon den ersten beiden haije ich ilin schon durch Peych- 
aimlyse getrennt; jetzt will icii ilnn noch den Schweißfuß entreißen. Deshalb 
die bcJuiiälmng, deshalb der Vorwarf; Fuß - Plattfüße - Wei geschrieen! 
Weitere Gedanken gelieii zum „Ewigen Juden" von Eugen Sue, der wieder zu 
,.suer" (schwitzen) führt. 

Der Ahapver ist aber wieder er selber. Er ist in einer seiner Lieblings- 
phantaeien, Ahasver, der fliegende Holländer oder ein anderer ewig Ver- 
dammter. Seine Fußidecn sind alle masnehistisch gefärbt und Piißideen. Er 
muß ewig wandern. 

\\':i6 er jiiclit verstehen kann, ist das, was er bei uur lernt. Er will 
es nicht verstehen. In dem Augenblicke, wo er es versteht, ist es mit dem 
Zwange vorüber. Es hängt aber zu viel Lust an diesen infantilen Dingen. Er 
will sie nicht aufgeben. 

Dieser Ti'auin enthält eine Reihe schwerer Affekte. Es sind grobe 
Schmähungen gegen mich enthalten. Doch so versteckt, daß der Traum schein- 
bar gar keinen Affekt enthält. 

Schließlich bin ich ja gestorben. Er wirft mich zu den Toten. Der Gang 
in Sandalen ist der Marsch in die Ewigkeit, Manchmal versteht er mich nicht. 
,,Es ist ihm etwas zu geist reich." Ich werde iiier auch zu einem Geist (Geß- 
mann — Geistniann). Ein Geist ist weiß, bleich. Ich bin ihm viel zu schwarz. 
Ich lebe für ihn nur noch im Bilde (Photographie). Das führt zu einer neuen 
Fährte: zu seinem Teufelsglauben. Ich bin für ihn der Teufel. Ich will ihn 
potent machen, d. Ii. zum Weibe bringen. Er will in der Askese 
bleiben und ein Heiliger sein. Er sucht inmier Situationen, wo - 
ihm ein Unrecht geschieht. Er wird zu einer Soiree geladen. Die Hauefrau sagt 
aus irgend welchen Gründen ab. Sofort konstruiert er eich eine schwere Be- 
leidigung. Er braucht ungerechte Kränkungen! Er will unschuldig leiden. So 
sehrieb er mir nach der Absage der Soiree und einer Jagd folgenden hoch- 
interessanten Brief: ■ ■ ' ' " 



Siekfl, StrtniniiciD des Triub- und Affi-kili-ljeii'. VlI. 



13 



194 



Fetisch! Bnius. 




II 



I l 



„Die Absage der morgigen Soiree, die Einladung und die darauf sofui't 
erfolgte Absage dncs anderen Besuches hat mich in einen Zustand einer ganz 
enormen Depression gebracht, obwohl ich cigenllicli die Ablage der Jagd sehr 
angenehm eniitfand, da mich die ganze Jagd .nervös' macht. Ja, auch die De- 
pres&ion war keine verzweil'elle, sondern icli fühlte sie angenehm. Es war 
eine Enttäuschung, eine Ziii'ücksetzung, aus der ich Lust schöpfte. Ich bni 
eben Maaochist. Und ein Masocliist ist ein Passiver. Passiv ist aber die 
Frau, aktiv der Mann. Daher empfindet der Masochisl nach Frauenart mul 
will einen Mann über nicli kommen lassen, einen aktiven, daher die Vor- 
liebe für einen Berufssoldaten, einen aktiven Soldaten. Die llaniJthist de' 
Passiven, des Masodiislen ist das ,passio^ die ,Passion-, daher die Bußideen: 
seine ärgste Unlust die .Aktion', der Koitus." ' 

■ „Kri muß mir in der Kindheit einmal ein grolles Unrecht getan woi'den 
sein, aus dem ich Lustgefühl abschöpfte und dos zu reproduzieren ich stets 
ge^oiiiR'ii bin," 

" ..Und jetzt, ver,sage ich mir denn nicht alles? Meine Krankheit ist ein 
Sich-alles-versagen. Ich koitiere nicht, ich treibe Asexualität, ich sehe kaum 
einen Menschen "mehr, ich. gehe in kein Theater, ich achließe mich numer mein 
ab und umgebe mich mit lieben Büchern, ja ich gehe nicht aus, das erste, wa^ 
man machen m.iß. um etwas zu unternehmen. Meine Angst ist Schutz vor 

Jetzt habe ich Momente, in denen ich nichts sehnlicher herbeiwünschen 
würde" als zu sterben und vergessen zu werden: höchster Masnehismus.' 

^,In die.scn Depressionen kam mir auch ein ganz merkwürdiger Phantasie- 
träum (eine Wachphantasie): 

Es war ein Mann, der wegen eines Mordes unschuldig verurteilt 
-.vurde. Das Merkwürdige war, daß er sich kaum verteidigte und das Urteil 
mit einer Ruhe hinnahm, wie es eben nur .leniand kann, der fälschlich be- 
schuldigt wii'd, aber rein wie ein Engel ist. Er wird zu lebenslänglichem 
Kerker "vtrurteilt. Im Kerker ist er so groß, daß selbst alle Wärter in 
ihm einen Heiligen betrachten, er tröstet Kranke, heilt sie, ja wirkt las' 
Wunder. Nach Jahren und Jahren dringt selbst zu dem Regenten die 
Kunde von der Heiligkeit des Verbrechers. Er b e g n a d i g t ihn, ohne da.j 
Urteil aufzuheben. Es wird dem Heiligen hinterbracht. Der aber versteht. 
nichts mehr von der Welt und ihren kleinlichen Schmerzen. Er ist ganz ver 
kliiit, er ist Christus selbst; sein enormster Triumph ist. oaü 
er durch seine Heiligkeit das Genitale verloren hat. Er ist geschlechlslo.j! 
und zieht wie ein unendlicher Lichtstrahl zum Himmel- Der Regent ist 
sprachlos, aber unfähig, ihm auch nur im geringsten nahe zu kommen; ei 
lebt sein gewöhnliches Leben weiter!'" 
Hier schließt sein Brief, der wichtige Geständnisse enthält. Das 
Wiehtigsle ist wohl der mitgeteilte Tagtrauni, die Wachphaiitasie. 

Diese Phantasie enthüllt uns die Wurzel seiner Askese. Er klagt sich 
bitter an. daß er ein Verbrecher, ein Mörder ist und bedauert, daß er kern 
Heiliger ist, sondern ein sündiges Leben führt. 

Das Wort „W e i h r i c h'" ist vom Unbewußten genial gewählt. Er geht 
auf seinen Teufels- und R i oc h-Komplex. (Der Teufel stinkt!) Es führt aber 
auch zum Heiligenkomplex über Weihrauch. Dei' Direktor steht für den 
Vater. Von diesem hatte er einmal ungerechterweise Schläge erhalten. Dieser 
infantilen Situation läuff er im Leben nach. „Selig sind, die Verfolgung leiden 



LIH 



w/mm9 



"Analyse eiues FiißfetisehrKteii. 



195 



mii (k-r Gerechtigkeit willen. Denn iliiTi' ist das HinimclRucli.- Da^ ist, sein 
Leitmotiv. 

üikI or will ins 11 i mm o 1 re i c li. Er will .■^cinon Vater übertreffen. 
Er will dnrch Askive cinon hüliereii Platz im Himmel ei'nbern. Er will ein Weib 
aein mid keinen Peni.= Iiabon. Allein diese w e i !j 1 i e h o n T e n d e n z e n sollen 
dazn dienen, über ^len A'iiter xii Irin m ]) Ii i e i- e n. hn ewigen Leben wii'd er 
iiijer seinem Vaier .stehen und lriuiii|)hieren. Er der Heilige und der \';iter der 
Sünder. Vor Gottes Stuhl wird er gesen den Vater (Direktor), gegen den 
Toten drei Anklagen erheben. Allein aii^; welchen Quellen f^lanimt sein Iliiß 
:,'egen seinen ValerV Aus einer mallen JJivuliliit - wegen seiner Engländerin, 
Nie Liighuiderin wai' seine sliirksle Liebe. Naeh der iMitlassnng der Amme 
wurde ilie „nurse'- sein alles. Sie durfte mit kcineni anderen freundlich sein. 
Da konnte er wütend werden. Sein Vater war mit dei' englisclien Kinder- 
Pflegerin sehr lieljenswiirilig. Beta behiusciile viele kleine und eine gi'nlio Szene, 
ilie ihn Lief unglticklich machte. WieV ..Seine" Franziska kcmnie einen anderen 
Miinn küssenyiJas .slaehelte seine EmpliiKllielikeil und seinen Egoismus zu ver- 
biechf?rise!;eii liaciii-iihanlasien auf. l)a^ Kind ist den Gi'oHen gegenüber 
wehrlos. Aber wenn es einGift hätte, so künnt.e es sich an seinen Feinden rächen ! 
Deshalb das Erbrechen und das Übelsein, die Dianhöen nach dem Genüsse 
des Hadschi-loja! Der \iiler war ein Pascha und halte einen Harem. Seine 
masüciiisl ischen Ideen sind die Buße für die kriminellen Phantasien seiner 
Kindheit. 

iJentlich enlliüUt er seine K a s t r a t i o n s |] h a n t a s i c. Er wollt« 
den \ ater kastrieren, weil er mit iler Fiiglamieiin vei kehrte. Nun will er 
sicli stAbA eiilnmiuien. Das Stück, das er sieh entnehmen will (siehe den 
ersten Tmuin S. 192) ist das Genitale. Dann kann er Christus wei'den. Er ist 
dov Verbreclier. der Muttermörder, der doeh an diesem .Muide unschuldig 
ist. Deutlich sehen wir auch dii' Wurzel des Wände jiriebe.s (Gang in 
Sandalen) und das neurotische Zerrbild des Wand<Ttriebcs — die Straßen- 
augst. Ei' wollte auch den Bruder töten, um den geliebten Vater für sich 
allein zu haben. 

Die wichtigste Bedeutung des Traumes: Er klagt sich dreier \'erhrcchen 
an und muß wegen des dritten Verbrechens Buße tun. Er muß wandern und 
seine Sünde büßen. Welches sind {iie di'ei Verbrechen? Was hat er begangen, 
daß er auf irdisches Glück verzichten will? Darauf werden uns die weiteren 
Träume Antwort geben. 



Ein anderer Traum; 



Der kletternde Affe. 



Es war in Tirol. Die Straße war beängstigend steil. Es waren dort 
Franziska, mein Bruder, ich. Es kamen drei Lastwagen und ein Auto 
herauf. Ein einspänniger Lastwagen kam herunter. Ich kletterte wie ein* 
Al'fc und hatte enoinio Ängsten. Dann riß ich mit der linken Hand einen 
Ast aus. Meine Kraft wurde Ijewundcrt. 

Ein Onanietraum. Er ist der arme Mann, der einspännig fahren muß, 

d. h. ohne Weib, und dabei herunter kmumt. (E in e i n ts p ä n n i g e r L a s t- 

wagen kam herunter.) Er li'ägl die schwere Last einer Paraiiathie 

und l'ühll sich immer matt und zerschlagen. Im Gegensatz der Wunsch: 

M e i n e K r a f t w u r d e b e w u n d e r 1 !" Seine Potenz läßt ihn bei Frauen 

13* 



19t; 



Fetiecliismns. 



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\nnue,- in titich. Uei- Weg ..mn Weibe ist ihm zu .teil. Er ^f^et ^en \\^^^^^^^^^ 
die Vagim nicht. Kr kann nie die Imraisio penis vollziehen^ Er i^t 1^«'" ™ 
Er kann nur onanieren. (Auto und Ast ausreiße...) S<^^ne Emfalle gehen jetz 
einen merk^vürdigc.n Wog. Wir müssen ihnen gehorsam folgen. Uie ^J;^^^ 
Aß - A«t - und Last führen zu Laster und Syphilid. Lm a i- 
nennt man einen Fu.unkd. Von einem Pick- Aß handeln manche .emo, 
Träume (Pick - Wimmerl - Pocken.) Er fürchtet Infektionen. 

Wer 8ind die drei Wagen und das Auto? Drei Menschen, die ei 1k bt 
und zwischen denen er hin und her schwankt. Er ^ d en l if i z i er t sich balü 
mit dem einen, bald mit dorn andern. (Der Affe ^ni^k außer dem Tu^J 
eine, langen Schwänze, und dem K le t ter e r .elir l^^-^'^..^'^^"^^^^^^ 
de. I d e n t i f i . i e r u n fr aus.) Er macht allen alles nach. Er allt seinen 
Bruder nacli, der einen leichtsinnigen Lebenswandel führt. Die drei \^ ag 
sind: der Vater, die Erzieherin (Franziska) und die Amme. Das Auto i.^ 

"'''seine größte Angst ist: zu fallen. Das Klettern führt auf d- 
Ammen komplex. Er ist einmal von einer Ainme fallen gelassen ^ <> den. ■ 
■ fürchtet, Franziska (die Engländerin) könnte ihn fallen lassen, d. h. ihn au 
hören zu lieben. Sie könnte fallen, einem andei-en gehören sie konnte de 
Bruder, seine stärkste Eifersucht, erhören. Er entmannt den Bruder. Er re 
den Ast aus. Seine liebste Phantasie: Er ist Zeus, der den Kronos ^"fnann . 
Er hat -einen Vater entmannt und ist nun der Stärkere. Er ist aiicli aui 
Beinen Vater eifersüchtig. Wenn der Vater Gott ist (Kronos) so ist_ pl 
Gottes Solm: Christus. Er ist der Mensch, dem es gelungen ist die ieit 
fUhronus) zu überwinden. Er wird ewig leben. Er ist Ahasver. Veräucht, 
im<vlücklich ewig wandernd, ewig suchend, aber er hat em ewiges Leben. 
Das war bcine große Erfindung! Er glaubte, in der Jugend die Erfindung 
gemacht zu haben, die G^\'igeB Leben und Götterkraft verleiht. Diese Er- 
findung — bewundern wir wieder die Bipolarität aller parapathischen i-i" 
scheiiiungcn — war die Onanie. Sie war ihm in den ersten Lebensjahren nur der 
Ersatz für die Brust der Amme. Er wurde bis zum 13. Lebonsmonat an der 
Brust gelassen. Das Trauma der Entwöhnung spielt eine große Rollo in seinen 
Phantasien. Er wurde plötzlich von der Bnist weggerissen. Seine ^»«1;?' 
gedanken gehen dahin, es bei Fremden auch so zu machen. Den Busen und die 
symbolischen Ersatzstücke (Penis, Füße, alles paan\^eise wie Ohren usw.) nut 
einer Schere wegzuschneiden oder abzureißen. Er will es wie ein Affe nacli- 

machen. 

Wir stoßen wieder auf den Kastratioiiskomplex. Er reißt mit der linken 
Hand einen Ast aus, er reißt seinen eigenen Penis aus dem Baume seines 
Lehens. Er reißt sich die Sexualität aus dem Leibe. Bei der Frau ist seine 
größtöAngst. der Penis könnte eingezwickt und abgezwickt werden, sie könnte 
ihm den Penis abbeißen. Er vollzieht \a eine freiwillige Kastration, da er aul 
die Frauen verzichtet hat und sich nur gezwungen in das Bordell schleppen 
läßt wo er eigentlich gar nichts zusammenbringt. Zu dieser Selbstkastration 
benötigt er eine ungeheure Kraft, die allseitige Bewundermig erregen wird, 
denn er will ja ein Heiliger werden wie der heilige Franziskus. Der Hinweis 
auf den Fußfetischismus findet sich in dem unscheinbarem Worte Franziska. 
Er ist ja ein Franziskaner, ein Minorit, ein Bettelmöneh, der barfuß von Land 
2u Land bettelt und das Gelübde der Armut und Keuschheit gegeben hat. Des- 
halb spielt der Traum in Tirol, im Lande der frommen Bauern. Der Weg zum 
Himmel geht sehr steil und er schleppt die bewußten drei Sünden (sündig.' 



^i^ 



4 



Analyse eiues rußfetisdiistoii. ji^j 

Last) hinauf untl einu vierte Sünde, seine sclnvcrste. dii? er iiiclit iibenvitiden 
kann: das Auto. Wie eine Drohmig sieht er den Lastwagen hinunterraBen. Su 
wird es dir ergehen, wenn dti die Pfade de-r Sünde wandelst.. Du wirst immer 
mehr mid mein- lieiinilork.inniien! Du bist ja kein Henrich, du bist ein Tier, 
du biftt ein Afle! 

fni Mittoipunldo des Traumes slelit der starke Angetafleki. Die drei 
Per&ütien i^ind er .selbst: Er, sein unbewußter Bruder, seine Paraputhie und 
licine weibliclie (kastrierte) Komponente, der Franziskaner. Er muß aber in 
die Rühe kununen und alle Hindernisse überwinden. Er hat Angst, sein Ziel 
nicht zu erreichen. Er hat Angst, in die Tiefe zu sausen und die ewige Selig- 
keit zu verlieren. 

Um die polare Spannung zwischen bewußten und nebenbewußten Ten- 
denzen zu erniesaon, die ihn in die Schauspielerei einer Paraphilie drängen, 
bedenke man, daß er im bewaiüten Leben ein Freigeist ist, die Mönche und be- 
sonders die Schwestern haßt (er könnte sie zerreißen!), sich Lektüre wählt, 
welche den Glauben zerstören soll (La Folie de Jesus!) 



Es folgen nun drei Träume, die in einer Nacht geträumt wurden. 

Ich hatte eine alte Jacke mit aiten Tüchei-n in einer Sehaclitel. Nun 
öffnete ich sie, da war die Schachtel nur mehr mit roten Spänen voll, das 
war nur ein Teil vom Kreuz Christi mit seineui Blute. Nun konnte ich 
die Schachtel nur mehr mit Mühe zumachen. Nun war mein rechter 
Daumen und Zeigefinger voll Blut; ich erschrak entsetzlich und konnte 
€6 nur mit Mühe wegwaschen. 

Papa, mein Bruder und ich wollten im Orientexpreß von Pest nach 
Wien reisen. Wir sprachen mit dem Kondukteur und bestellten drei 
Plätze. Ich sagte, ich schlafe mit Papa, mein Bruder könne allein 
schlafen. 

Mein Freund M. telephonierte mir, daß ich eine Verständigung wegen 
dee Monotelophons erhalten werde. 

Das Monotelephon ist, wieder eine geistreiche Bezeichnung der 
Onanie. Die Träume sind verkehrt zu lesen. Er nmß onanieren. Er ist von 
feinem Freunde M. verständigt worden, daß die Onanie schädlich sei. 

Er wird bald sterben. Er bestellt beim Kondukteur (meistenis der Todl) 
die Plätze. Allein, er schläft beim Vater. Der Bruder, der mit Frauen 
verkehrt und ein Don Juan ist, gehört nicht zum Vater, nach dessen Tode er 
Bich ein Jahr vollkommene Abstinenz auferlegt hat, 

Er büßt eine alte Schuld. Er iiat sich gegen seinen Vater schwer ver- 
gangen. (Siehe den schon analysierten Chrisitustraum mit dem herausgenom- 
menen Stück!). 

An seinen Fingern klebt Blut! Das Biut Christi. Er kann das Blut nicht 
wegwaschen. 

Aber sonderbar, das Kreuz, das ihm einfälK. bat eine merkwürdige Form. 
Es besteht aus vier Halbkugein, die mit einander verbunden sind. 

Von diesem Kreuz kommt er auf die Vorstellung von vier blutgefüllten 
Tassen — Halbkugeln. Von Blut kommt er auf Milch. Er trinkt das Blut 
Christi. Auch der Orientexpreß geht auf die Christusphantasie. Wie ich 
schon ausgeführt habe, schwankte er zwischen zwei Extremen: Christus und 
Antichrist (Satan). 




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198 



Fetischismus. 



Die Oiiiinie war auch seine Kuße und Strafe l'üi- seine sündigen Movd- 
gedanken. An seinen Fingern Idobt Hlul.') Er möchte sich gerne rfimva stehen. 
Er möclite ein Heiliger sein. Als er mm gehört halte, die Onanie sei für die 
Gesundheit verdeililich, onanierte er, \ini sich zu sliafen und zu töten. Da 
IdebLe Jus Spernui (nach der syiiibo!i.^cheii Gleichung statt Blui) an seinen 
Fingern. Die Schachtel ist die Büchse der Pandora. Alle seine Lüste und Be- 
gierden sltiegen aus der nun nicht mehr zu schließenden Büchse. 




Alle drei Träume handeln von seiner Onanie. Die mit Sperma be- 
lle ckten Finger (S el b s t b et 1 eck u n g), der Expreßzug, das 
Monotelephon, sie sind drei Variationen des einen Themas „Onanie"'- 
Die alten Tücher beziehen sich auf die Sacktücher, die er bcini Onanieron 
verwendet. 

Der Kondukteur führt über den Leiehenk unduk t zu seinen 
Todcätliaiitasicn. Alle sollen sterben (schlafen). Er soll allein (Monotelephon) 
zurückbleiben. Die Jacke führt über Jack, den Anfschlilzer, zu Murd- 
und Blutplianta-sien, die sich in dem Bilde einer mit einem Messer aufgemachten 
alten Sehachtel unschwer erkennen lassen. (Erinnerungen an geöffnete Puppe», 
die mit Sägespan e n gefüllt waren.) 

Das wichtigste: E v i s t ein Weib und kein Mann. Er hat eine 
Jacke und eine Schachte 1.=) Er hat die Menstruation. Er schläft mit dem 
Papa wie- die Engländerin. Er hat ein Telephon mit einer Muschel. 

Dieser Phantasie entspricht seine Lage beim Onanieren. Er muß am 
Eückon liegen^ um zu einer Libido zu kommen. Seine sadistischen Morii- 
instinkte wurden als mannlich verdrängt. Als Weib ist er passiv und Maso- 
chisl. Kr duldet. Hier führt die Phantasie, ein \Veib zu sein, zu dem ans Kreuz 
gouagclten Christus. Auch seine liebste Phantasie ist es, sich nageln (besitzen) 
zu lassen. 

Die Onanie (Mono!) ermöglicht ihm das hartnäckige Feslhalten der 
weiblichen Phantasien. Dabei ht er mit der rechten Hand ein Mann unrl 
benützt seine linke Seite. Er onaniert mit bisexuellen Phantasien. Auch 
im nächsten Traume ist er das Pferd und der Reiter in einer Person. 

[•]]■ onaniert nur mit der linken Hand, (Er ist Linkshänder!) Er leiT«! im 
vorhergehenden Tiaume den Ast mit der linken Hand aus. 

Die wichtigste (funktionale) Bedeutung des Traumes. Die Jacke mit den 
alten Tüchern, die er in einer Schachtel verborgen hat, ist seine alte Fröm- 



Siiinv Mutter starb bei seiner Geburt. 

„Alte Schachtel'' nannte er ült ilie Engländerin. 



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Atmivse eines FulJfetistliistoii. 



m- 



inigkcil, rlif ihm von dein klcriku!«! Hrnielicr oLnsciriiijfi ivurdL», der ihm un- 
zjihliRi? Gof^ehicliton von ik'ii AViiiiilcrn dp^ Uliilcs Clirisli Pi'ziihll halle. Aiu'p 
er liiit seinen (ilaiihcn vci'lurvii. Die Jacki', die kleidel iiiul WLii'int, ist vorloreii! 
Es sind nur Reste von soiiieni ('hristiis da, Sägespäne. Er hat doch in oineni 
Traume dem (ilirisinK elwiit; heraiibfit'wt'iinitton. (8iclie den 1. Traum 8. 192.) 
Er hat sein Heiligenbild zei'slört. Nim klebl day IJlut an seinen Fingern. Er 
hat gegen seinen Olaiiljen gewütet! • 

Er will friiiiuii sein. Er will He.-! (die Sünde i^^t die Pest) voilassen und 
7.\] seinem \'a1er, d. h. in den Himmel, Kam hiTinulischen \'a1er. Er wird schon 
ein Zeichen \im üotl erlmlten. Er ist der Einz-ige, dei' Auserlesene, ein Stück 
von Chrislue (Mnnos!). Er wartet auf daK Wundei- der Erlenehtimg. Er möchtö 
siilehe Wunder eilcben, wie sie ihm sein Er/,ieker gesdiildeii hatte. 

Vergebens wird man in seinen Traumen die Spuren seiner Paraphilio 
i^iichon. Sehr selten tauchen se.xiielle Tiililer auf inid niemals träumt er von 
nackti?» Männeni mit sc liwei lügen FUlieii. Er ist hewLiIit ein l'aritphilei, un- 
iwwußt ein Frömmlingl 



Ein andei'or Onanietraiim des Herrn Bela: 

Mein Bruder, ein ilillmeistei', und ich rillen im Prater niii einem 
Reitburschen. Der Rittmeister und ich wai'on voraus und er meinte, ich 
sollte langHüm aTigaloppiercn, aber ja nicht zu selinell, damit die anderen 
Pferde nicht jiaciidriingten. So tat ich auch, lriitz(k>i[i drängte mein kleines 
Pferd, „Nana" gelicilk'n, und ich spielte mit den Zügeln wie mit einer 
Ehi8tiksc;!nnn-, wobei ich mich sehr nach ifickwiirts Ijeugte. ja mitunter 
liel.v ich daliei. ich glaulie zweimal, mit den Knien Ins lluiI wäre bald nach 
rückwärts gefallen. Ein bißchen Angst. 

AVioder vier Personen. Es ist ein Riti in den Tod. Der Vater stirbt 
zuerst, mahnt seinen Sohn, das Leben nicht zu vergenilen. Sein Pferd hcilit 
Nana — Nani und liedeutel. seine Onanie. Er abei' spielt mit den elastischen 
Zügeln (dem Penis) und macht daliei die chai'akterititisciu'ii Bewegungen. Er 
onaniert zu viel und vvii'd sich in den Tod onanieren. 

Er wird der erste sterben — v o r a n g a 1 o p p i e r e n. Das Pferd, eine 
Erinnerung an die Nacldolgerin der .\mine. ein Kindermädchen, das mit seinem 
Penis sjiielte. l''i- wai lurchtbar iingebüi'dig nach der Entwöhnung. Das Kinder- 
iiiädrlnn bei'uliigle iliiL dui'ch eine neue Form dei' Befriedigung. 

Dieser infantilen Kinderhist rennt er mich. Er wünscht von jedem 
Menschen diese Art der Lielikosuug Lmd veihuigle .■^ie auch von seinem Vater. 

Dceh wichtige)' isl die fuuklionah' Bedeutung des Traunu's. Es ist wieder 
ein Angsttraum mid die Angst ist: Er könnte fallen! Sein Rittmeister lehrt 
ihn. das Loben niehl zu vergeuden und nicht zu rasch zu reilen. Aber die Nana 
drängt viu'. Nana isl bekannt liili dii- Diiiienfigur, die Zola so trefflich ge- 
schildert hat. Er lui'chtet," die Dirne könnte ihn erreiclien. Er hat die Zügel 
nicht fest in der Hand. Die Zügel sind dehnliar. Pferde hedenten Leiden- 
schaften. Wird Ol' seiiu' Leidenscliaft zügeln köimen? 

Auch in diesem Traume kommen weder die Füße noch andere Hinweise 
auf seinen Fetischismus vor. Dagegen ^ohen wir die Angst vor dem Weibe 
(Nana), die in seiner Paraphilie eine so hervorragende Bi^deutung hat. 



200 



Fetischismus. 



I . 



■ / 



Der nächste Traum lautet: . ' ■ ' '-.f 

Ich war mit • meinem Bruder auf einer Roise nadi Keieheiiberg ge- 
kommen. Dort suchten ^vil■ den Biihiihof. Alles war doiitsch. Nun fanden 
wir den Bahnhof, al>er salien kein (leleisc, Vai diesen mußte man in den 
ersten Stock des Bahnhofes gehen. Mein Bruder fuhr iin Litt hinauf, aljer 
dieser blieb stecken und mein Bruder s])rang liei'aus. ÖLinn fuhr ein Be-" 
dit^nsiteter hinauf, es wurde uns gesagt, früher sei die Bahn unten im Tale 
gefahren, bis das ,.große Unglück" geschehen sei. 

Versuchen wir in der- Analyse dieses Traumes nur dem Gedankfu gange 
des Träumers zu folgen und halten wir uns /.um Schlüsse die Deulung nach 
miseren eigenen Erkeiuilnissen bevor. Hern Triiimior rilUt ?,ucrat auf, dali voii 
Jleichenberg die Rede ist. Es fällt ilini ein Sänger Roicliborg ein, 
der im Irrenhause an P a !■ a 1 y s e geslorben ist. Offenbar hatte ei- eine Lues, 
ebenso wie ein anderer Sänger G. und wie man e* vom Uichtei' Leu au be-' 
hauptet hatte. K e i e h b e r g ist aber auch der r e i c h e B e r g, d e i- B u s e n, 
die m ilch s t r t zenden Euter der Kuh. „Mir hat es inniier iui-' 
poniert", sagt dei' Träumer, „wenn Homer den Ausdruck gebrauchte: ,Die 
Euter des AekerlandeB". Den habe ich oft im Tage tausendmal wiederholt. 
Auch ein anderer Borg fällt mir ein : der M o n s v e n e r i s. Wieder denke ich 
an einen Sänger, an den armen, so früh verstorbenen R e i eh e n in a nn. Es ■ 
ist doch sicher eine Verleumdung, daß er ein , Homosexueller" war? Soll nicht 
von Reich berg eine Verbindung zu Armen tal gehen? Die llmkehrung 
wäre das arme Tal und da fällt mir eine Oper ein, in der der leider auch Gchun 
gestorbene Bassist Hescli den Marquis von IVA r mental gesmigen hat. 
Der arme Hesch! Er ist auch so früh gestorben! Ich schwärme für alle 
Bassister.". 

Ihm gefiilU. auch der Ausdruck fürbaß fichi'citen! (Hier konunt 
der Träumer auf seine wichtigste Leidenschaft, seinen Fußfctischisraus.) Baß 
bringt ihn auf das französische bas— Basis und von Iner fallt ihm der Fuß 
ein. Jeder Berg hat einen Fuß. Man spricht voui Fuße des Berges und 
man spricht von einer Talsohle; jetzt lallt ihm über Reichenberg. 
Reichmann ein gewisse)' Her m a n n ein, dessen Füße als Kind sein Entr- 
zücken waren. Er war ein kleiner Knabe von wonigen .lahren und es machte 
auf ihn eiueu gioßeu Euidruck, daß def um einige Jahre ältere H e |- m a n ii 
immer mit nackten Füßen im Hofe herumging. 

Hier verlassen die Assoziationen die Stadt Reichenberg. Wir 
merken, daß die Gedanken sich der Korpersynibolik zuwenden und daß sich 
hinter R e i c h e n b c r g eine wichtige (jestali der Jugend verbirgt . 

Nach einer kurzen Pause kommt er auf den Satz: „Dort suchten 
wir den Bahnhof" und ei'zähll mir, or habe als Kind die Gewohnheit 
gehabt, alle Worte umxukehreu. B a h u umgekehrt gab X a ii. Zu N a b fallt 
ihm Nabel ein und jelat weifi er es bestimmt, der Bahnliol stell! in diesem 
Traume den Nabel dar. Von da gehen seine Gedanken plölziidi nuf den 
Mond. Er glaubt, der Traum !i a b e sich i m' M o n d e n s c h e i n a b- 
gespielt. Der Mond hat einen Hof, daher das Wort Bahnhof. Der 
Bahnhof ißt der Nabel. Gestern hatte er im Gehen [ilötzlich beim 
„Österreichischen Hof einen heftigen Angetanfall. Jetzt fällt ihm 
ein, daß seine selige Mutter dort gewohnt hat. Der Angstanfall erklärt sich- 
durch Assoziationen,- welche auf das tiefste Problem seiner Paraphilie gehen. 
Der „Österreichische H o f'' wird mit der Mutter identifiziert, die 



Analyse eiües FiiEt'etisehisieii. 



201 



dort gewohnt hat. ,Jenäcit.ri des Bahiiholes'- (Nabel) l'ülirt ihn auf die für ihn 
charakteriätiädii; Mutterleibsphantasic. Jenseits des Nabels, jenseits der Bahn 
wai- einmal seine Wohnung. Die Aseoziationsreihen gehen über Nabel, 
Tunnel, Halle, Schmutz zur Eisenbalmiiymholik, In den Bahnhof 
fahren Züge liinein und hinaus. Ev erinnert sich an seine Onanie. Machine heißt 
französisch der Penis. II a gate sa machine. Er hat seinen Penis ruiniert . . . 
Er ist impotent. Ihm fällt ein Zug ein, der auf offenem Felde stehen bleiben 
mußte, -n-eil die Maschine verdoriien war. Er hat auch durch die Onanie seine 
Maschine [■utiiiert. Er s>inbolisiert mit Hilfe seines Präputiums auch- die Halle 
des üahnholoö sowie das Ein- und Auefahren der Züge und hat eine bestinnrite 
Angst: das Präputium könnte henmtergest reift werden; er will die Vorhaut 
auch ivälircnd des Koiigressus immer obeti lassen, als wäi'e das Mcmbrum ein 
Kind und müßte immer in- einem gescln'itzteu Räume sein. {Symboli.'iierung der 
Mutterlcibaphantasie durch den Penis.) 

Einen Tag vorher hatte ich ihm den Aufti'ag gegeben, ti'otz der Angst 
auezugehen, was er mit Hilfe dei' bisherigen Behandlung auch durchsetzte. 
Beim „Österreichischen Hof" produzierte ei' einen großen Angstanfall und es 
zeigte sich, wie richtig die von Freud betonte Regel ist, einen Angstneurotiker 
zum Gehen zu bewegen. Die Phobie ist eine Art geistiger Vorbau, ein Schutz- 
wall aus Vorstellungen, die er nicht aufgeben und nicht verraten will. Durch 
das Gehen wird nmi Angst produziert, welche uns die Elemente des Vorbaues 
paychanalytisch verständlich machen kann. Jetzt bringt dei' Träumer plötzlich 
einen Einfall, der von groiler Bedeutung ist. Er sagt: „Je kleiner der 
Kaum ist, desto w o h 1 e r fühle ich m i c li. Ich ii- e i ß auch 
heute, warum. M'' e i 1 ich etwas ober meinem Kopfe habe. 
J e g r ö ß G r der Raum ist, desto unangenehmer ist er mir, 
besonders wenn er nach oben nicht gedeckt ist,'' Wir be- 
merken sofort die strenge Durchführung, die Identifizierung mit dem Penis 
(die schützende Decke über dem Kopfe, das Präputium, das nicht abgezogen 
werden dail, sonst empfindet er Angst). Ebenso geht es ihm als Ganzem. Am 

wohlsten fühlt er sich am Klosett, weil der Raum klein und nach oben 

gedeckt ist. Das ist auch der Raum, dem er die größte Sorgfalt widmet und 
wo er sich unter Umständen sehr lange aufhält. (Eine sehr häufige Erscheinung 
bei Parapathikern, die an der Mutterleibsphantasie leiden.) 

Dem Einsichtigen wird es klar, daß hier die Miitterleibsphantaeie, die 
schon beim „österreichischen Hof" zum Vorschein kam, deutlich durchbricht. 
Jetzt verstehen wir auch, ivas das „große Unglück"' ist, von dem am Schlüsse 
des Traumes die Rede ist. Er hatte das wirkliche Unglück, die Mutter bei der 
(iebiirt zu verlieren. Er war der Mörder seiner Mutter. In den Mutterleib zu- 
riicknukehi'f'ii, das heißt in seiner symbolischen Sprache ins Grab gehen. 
Das G r a b M ein Kaum, der eng und oben gedeckt ist. Auch masochistische 
A^'orstellungon unschuldig verurteilt zu sein und in der Zelle sitzen zu 
müssen, gehen auf die Ideo des engen, kleinen Raumes zurück. 

Seine Angst auf der Gasse hängt mit dem Gehen innig zusammen. Das 
Gehen ist für ihn ein Sexualakt. Er hat als Kind beim Gehen durch das Reiben 
der Hose onaniert. Deshalb ging er immer ]uit den Füßen nach einwärts. 
{Dieser Gang hat sich während der Psychanalyse vollkoumien geändert. Et- 
geht nun auswärts, wie die Mehrzahl der Menschen.') 



') Das Gehpn als !?exTielIen Akt faßt anch Aigremont auf. Alle Sprachen iiWiuuu 
darauf Rficksielil. Im Lateinischen heillt Ijpischlnfpn i? o i r e. d. Ii. eigontlicli zusammeii- 



202 



FütischiBmus. 



Seine Angst auf der Straße ist hauptääclilich eine Gehangsi. Dii; 
Mutter Erde wird zur wirkliciien Mutter und (ielien bedeutet für ihn einen 
Sexualulit. 

Es zeigt sich aber noch ein neuer Parallelismus zwischen Gehen und 
Erotik. Er ist nicht imstande, seinen Penis in eine Viigina zu stecken. Sofort 
kollabiert der Penis, wenn die Erektion vorher noch so kräftig war. Heute fall!, 
ihm die Lösung ein. „Ich bin ja froh, daß ich aue einer Frau heransgekonunen 
bin! Soll ich so dunnn sein. d:i wieder hinein zu gehen?" Es war bei der (tO- 
burt, wie er nachträglich vernüinmen, die Hede gewesen, ihn zu opfern, um 
die Mutter zu retten. Wie leicht hätte das der Fall sein können! Er ist eigent- 
lich glücklich, ilali die Ärzte nicht i h n geopfert haben und hat infolge dessen 
für alle Arzte ein großes (ietühl dei- IJankbarkeit und Liebe. Er will also 
nicht zum Weibe, er will auch nicht in den Himmel.'} Ihm fällt ein Witz aus 
(Ion Fliegenden Blättern ein: „Lieljcr Gott, mach' mich fromm, daß ich in den 
iliuimel kounn'" soll ein Kind beten und das Kind sagt: „Ich bin gerade vom 
Himmel gekommen, ich will da nicht wieder hinein kommen." 

Jetzt kommt, eine längere Pause. IDann fällt ihm wieder etwas ein: Er 
hat als Jüngling ein Märchen geschrieben von einer Fee, die sich in einen Berg 
verwandelt (Mona veueris?) und dann wieder auseinander fällt. Die Fee galj 
einem sie erlösenden Ritter ungeheure Schätze, so daß der Ritter diese Fee 
lidiratete. Ein neuer Weg für unsere Ei'kenntnisse. Hier führt die Fee von seiner 
M u 1 t e r zu seiner Erzieherin, deren Bild mit dem der Mutter zu einem 
zusammengeschmolzen ist. Überdies wohnten beide einmal zusammen im 
„Österreichischen Hof". Diese ersten dichterischen Versuche sind vom psych- 
analyt.ischen Ötnudiiuiikte aus sohl' intcrcsäant. yip enlluilten meist den 
psychischen Konflikt, mit dem das Kind nicht fertig werden kann, und bedeuten 
einen Versuch, eich davon zu befreien. (Vgl. meide Abhandlung: .iDiclitung un-i 
Neurose" bei J. F, Bergmann, 190!).) 

Die Erzieherin, die Mutterstelle bei ihm vertrat, lehrte ihn beten, auch 
das Ave Maria. Besonders eine Stelle regte ihn sehr auf: Gebenedeit ist die 
Frucht deines Leibes. Er dachte viele Monate jeden Abend darüber 
nach: „Was ist denn das — die Frucht deines Leibes?" Wie kam die Frucht 
da hinein? Wie kam sie heraus? Am Ende gar vom Anus? Hier gehen die Ge- 
danken wieder auf den Abort und auf seine Vorliebe für kleine Räume. Im 
großen Räume hat er Angst vor P o 1 y p e n a r m e n, die sich nach ihm aus- 
strecken. Auf der Gasse hat er die Empfindung, als wenn die Häuser 
große Frauen wären, die ihn ergreifen könnten. Ein Teil 
dir Angst auf der Straße entschleiert sich als Angst vor den Prostituierten. 



i 
.. ■ 



gcliüii. Ebtiirfo Konsiwf'iiB (pigentlitli .das Xiisiimiiicnficheu'j du- Bfischlaf. Im 'Wiciipri- 
selien lioißt ,init oinoiii gph'n' mit ibrn gfsflilalitlich virkclij™. Man beacliti' fiTnPi' 
dii' AuMitrik'ko: Puhllritl. .^u^i^i-lucHuii!,'. iiiiÄsrluvdteii. Steigpii, «Tiche alle lür sexuelle 
Vorgäiigi' vunvciidit werden. Ebenso die anderen Bwegungem Springen (bpsprin^cn, 
Springer), TanKcn, welche alle eexuellu Bedeutung, wwolil im Leljeii als im Traume, 
haben. Im Engliw-bon sagt man gleidifalls ,Sbf goot ivitb lum' — sie geht mit ilita 
Im FranKOKiscben heißt .marelier* ea viel wie das dtutsehe äleigen. Le vieii.s mareheur: 
der alte Steiger. Das ißt nur eine willkürliche Ausleie. Aber sie bp-Aeist doii innigen 
Zns:immpnhnng des .Gehens' mit erotischen Vorstellungen, 
'] Nattirlii.-h nur Sehi'uspiderei vor sieh selbst. 



Analyse eines FußfetiBcbisten. 



203 



Jfiic'f; Hiiiis ist fin Wdl).') P o l y p c ii ncnnl iiutii nbcr 1' i> | i k im 1 c u 1 o. In 
1! p i (: ii tMi be r g soUlüii die PüHKoilciile F i u. k l' liiuiilit'ii eilialteii wie in 
PrcuRpii. P i c k e 1 !i a u !j LMi, wiclitigü Assuziation zu Pocken und zu 
Lim £, Wim jsi die GedaiilaMi oiiigaiigs des Traunu's, Koichbors, (j. und 
J/onau i)i'stälif>;eii- -Die H a ii Ix' fülirl auf eine infantile SeNualthefiiac, in einer 
Hiiuijo >rei.iüren zu sein. Während dt's An^^laiif:ilteä liiilt er siu:h den Hut aui 
Knpfe krampfhaft fest, als köiuii.e der Hut infolge des \Ve!i«ns des Windes 
(( ieljuitöwdien) davonflioffcn. Das lioilJt, er könnte um ^ e i n e G 1 ii c k li- 
1] R n i) e k (I rn in n. Vir lial die infantile fSexualllienjae. dal•^ die Kinder wie 
Eier gelegf woi'den und in einer Klliant zutage konunen.-) Die Voi'Jiaul ersetzt 
ihm itucli jetzt die ICiliaut. Kr a p i e I l d i e (i e b iir t Irei jedem sexuellen Akt. 

Von Ueitheniierg, P i c ke 1 h a u he gehen die Aesciziat innen zu Deutsch. 
JJoutsch erinnert ihn nn das deutsche Laster (le vice allemand, die Homo- 
sexualität). Er tliichtet viir dem \Veil)e zum Manne. Der Kongressus ist der 
gefährlich)^ AVeg zum Weibo, wiihrend die edle Liebe znni Mainie das Leben 
erhält. Wichtige Beziehungen ergeben sieh aucli aus dem Unistande, daß die 
Mutter eine Reichsdeutsche und der Vater ein üsteia-eicher wai'. 

Der erste Teil des TramiLes heißt su viel als: Er ist sein Leben 
lang auf y (! r 8 u c h o nach dem M a n n e gewesen u n d h a t 
immer das Weib gefunden, wobei die Angst vor der Lues eine großi; 
üolle rtpielt. Nun kmuiuen wir in der Analyse zu dem Salze: ..N u n f a n d e n 
w i r d e n li a b n li i< f, a b e v f a n d e n kein (i e 1 e i s e." Da fäill ihm ein 
A\ itz ein. Ein Herr sitzt auf einer Eisenbahnfahrt einer Dame gegenüber, die 
ihr Kleid so geschickt drapie)1. hat, daß der Herr ihre durchbrt.ehenen Strümi)fo 
.sieht. Er sagt darauf: „Sie haben ja da reizende (jeleise." Kurz, sie verlangi. 
einp gewisse Summe, um die Statin n zu zeigen, wohin die Geleise führen. 



i 



') IHi /.il.iorc liirr fulKoiido selir chaMklcrislisclit' Sli'llu uus ,Das Liibeii ilc-i 
'l'iiiiniii'ü' vuu harl Alhtrl Scheruei: ,,Dio ullgonicint J^lianhisicbracicIiiiiiriB für lii'ri 
nicrLsdiliclipn Li'ib iüjiTliuüiit ist das uns .Mauer, Zii'Bd und Gi'lnlk imt teilte Ig Gi'Uuirii', 
insgemein also diij;, was wir ein ,Haus' iitnnen. Es ist ktur, daß dio Phantasie, indem 
sie diews: Svmliol für den Leib ivüliK, damit ku treffend das urj-aniselie Gebäude ile.s 
I^i'ilieü lie/eieliiiel. «elcljC;;. älinlii'li dun t!e)i;ind'' 'iiin Mauer und 'Awei']. .-eine .^r^■lnteli- 
Tiinik. iK'h-ilzt und mit dii'wii zilf-leieli eine Mentte innerer lliililnngen am! liiiuNU' «eiilein 
hat; nächst dem alu'i- i'rwdieint diireh diese Bezeiclninng die Vermmflanselinimni; «idi 
/II iiiiniifest iercn. ilat( '\v- Seele im bi'ilie wie tu iiu'cm flauöe wolinr; and eiidlieli ma;; 
das uniiiillelliarc UewutilM'in, dal.^ alle;; neltwii-kliela' llinidi'lri und Treiben de^ .Mensi'hen 
Ai-i\ ebenso an Haus and Hcrii knüpfe wie alle innere Tätigkeit der See!.' unmittelbar 
■.\ta und im Leiligebiüide vornelit und damit virsehmaliirn auftritt, zur nntajttelliaren 
Ki-n'ahhing diese? Symboles beigctranen haben." 

-') Ein KWeitor tlberban führt von EilLaiit — !'3 i zur E i cliol ycino Eieliel ist 
y.erbiei.'hlieli wie ein Ei und könnte beim Ilineinöleeken zerplatKen: oder eine Ader 
in'i der Eieliel könnte platzen. Das pelit wieder auf eine .infantile Sexiialtheorie' zurii.-It. 
ijr glaubte, beim Kaitiis müsse mall ein Stüek des Glie^le* verlieren. Das abgc.-ehnittene 
.Sttlek werde diinn liineingesteekt. Diese .infantile Sexualtlieorie' kommt aus dem Ver- 
CJokiie mit dem l'tlauxen der Bäume und mit dem Inokulieren. Sie ist gar nieht so 
selten und eine Wurzel der psyeliieelien Impotenz, .\ueli der vielni Kindern mysteriöse 
Vnrgang der Beselmeidung spielt dabei eine Rolle. Unser Patient sah als Kind ein 
Hild, d[is auf ihn einen großen Eindruck machte: .Die Beschneidnng Christi', [Kastra- 
tions-KomplexO 






204 



Fetischismus. 



Er nieiiit, die Siininie i^'äre zu liocli. Er könnte ihr um den halben Preis den 
S t a t i n s V i) r s t a 11 d mit der roten Kappe zeigen. 

Die.Geleise sind also der Weg zum Weibe, den er trotz 
allen Suehens und Beiiiüheiia wegen seiner Homosexuaütät nicht finden kann. 
Und jetzt kommt die merkwürdige Vorstellung des Traumes, daß er. um die 
Geleise zu finden, in den ersten Stock des Bahnhofes steigen muß, und sofort 
fällt ihm ein, der erste Stock symbolisiere das erste Lebensjahr. Man muß 
bis zum ersten Lebensjahre in der Analyse kommen, um ihn auf den richtigen 
Weg zu bringen. (Der erste Stock ist die Brust der Aiume!) Aber auch eine 
andere Deutung des ersten Stockes ergibt sieh, die der Auffassung von Scherner 
nahe kommt. Wenn die Yagina das ■Mezzanin oder Parterre ist, so ist der 
Nabel um einen Stock liöher. Jetzt füllt ihm Neupd ein und' das Wort; 
Vede Napoli, e poi mori ! 

Ef- taucht eine neue infanlile Sexualtlieorie auf. „Ich glaubte" sagt er, 
„die Kinder kämen aus dem Nabel. Der Bauch platzt' und^ia^ I^ind stürzt 
heraus-'. Er leidet an beständiger Angst, s e i n N a b e 1 k ci n n t e p 1 a t z e n, 
er läßt sich nicht am Nabel anrühre n. Er glaubte als Kind er sei gar kein 
Knabe, er sei ein Mädchen. Die Prau hat nur einen größeren Nabel als der 
Mann. S e i n K a b e 1 w a r s e i n e Y a g i n a. Später glaubte er, er sei ein 
Zwitter. Seine noch heute bestellende Desorientiertheit beim Weibe bei der 
er das Foraraeu nie ohne fremde Hilfe finden kann, beruht auf der Verwechslung 
zwischen Vagina und Nabel. Er steigt immer einen Stock zu hoch Weitere 
Gedanken gehen auf die Amme, die ihn noch einen Stock höher hinauf- 
geführt hat, wie ein Lift. 

Per Lift ist ihm aber im Gegensatz zur Amme etwas SchreckUche^. 
Lr leidet Angst, der Litt konnte stecken bleiben und er könnte dann nicht 
heraus. Wir ^ehen, es ist seine Äugst auf der Gasse: er bleibt dort stecken 
und kommt nicht weiter; ebenso seine Angst beim Weibe: der Peius könnte in 
der Vagina abgezwickt werden, er könnte im Mutterleibe stecken bleiben er 
könnte eingesperrt werden._ Oder eine Phantasie: Er hat einen homosexuellen 
Akt begangen oder man konnte ihn eines solchen ungerecht beschuldigen und 
ihn einsperre n. 

Seine höchste Angst_ wäre es, auf einem Balkon eingesperrt zu sein. 
Oben offen, u n t e n ei n A bg r un d. Hier kommen wir auf den früher 
erwähnten Ammenkoiuplex. Durch die Erinnerung dringt etwis durch als 
hätte ihn seine Amme einmal fallen lassen. Der Balkon, das häufigste 
.Symbol lur den starken Busen, „Nach oben offen, unten ein Abgrund" symboli- 
siert deutlich die Situation de.s Kindes am Arme der Amme Er hatte als Kind 
AngstTor dem „Schupfen und Aufheben''. Am wohlsten hat er sich schon als 
Kind im Kinderwagen befunden. Er wollte immer ein Bett mit Baldachin 
haben. Das Haus ist tur ihn immer eine Frau. Die Angst auf der Gasse- 
die Frau Icönnte ihn ergreifen und schupfen. In einem Garten hat er gar keine 
Angst, auch auf der Stmße nicht, wenn er in einen Wagen steigt, weil jeder 
Wagen für ihn dei- Kinderwagen ist. E r w i 1 1 i m m e r m i t d e n F ü ß e n 
am Boden haften bleiben. Er kann nicht gehen weil er 
e i n e n F u ß a u f h eben müßt e. Es fällt ihm eine Illustration aus den 
Fliegenden Blattern ein, in der die Häuser als Menschen dargestellt sind Die 
Häuser reproduzieren Erinnerungen an die schrecklichen Leute die ihn aufge- 
hoben und „geschupft- haben. Der Lift erinnert ihn an die \mme- to lift a 
chiki, heißt englisch, ein Kmd aufheben. To lift up heißt aufheben Er hat als 



Analyse eiues t'iißfctischisteu. 



■_'Ü."^ 



Kind r=(;lioii sein- früh nur „englisch" gesprochen. In einem Lift «npfiuid er 
oC'iüe erste Angst. 

Jetzt- konuiit ihm tlie distinkte Eriniici'ung, eine Frau iiahe ihn fallen 
lassen. Wahrsclieinlieh seine Erzieherin. Das „große Unglück" ist nicht nur 
der Tod der flhi1.U>r suiideni iiu<-li der ..eigene Fa\V\ Von Fall kommt er luif 
Siindenl'ail. Dann anf m p h a 1 e und P hall u f;. Die Gedanlicn gehen wieder 
auf den Sü n (i en f iill auf dei' Straße. Er hat besonder^; auf der Straße 
Angst, woün ein Wind weht. (Kr wäre ia. durch „Wehen" bald getötet worden!) 
Es fällt ihm ein Bild aus dem Struwelpeter ein, auf dem der Wind ein Kind 
davonträgt.') Den grüßten Eindruck hatte inmier auf ihn der (.ianymed vitn 
Rembrandt gemaclit, der die Entführung eines Knaben durch die Lüfte dar- 
stellt. Der Wind kann einen ebenso aufheben, wie die Häuser auf der Gasse. 
Es gibt ja auch eine „Windsbrauf^ Es wird ihm immer klarer: Während der 
ganzen Kinderzeit hatte er die Angst, aufgehoben zu werden. Deshalb 
schwärmt er für große Füße. Der große Fuß gibt einen sicheren Boden. Er hat 
auch Angst auf dem Schiffe, Wenn die Wellen das Schiff heben, erinnert ihn 
das an das Schaukeln, als ob ilin eine Annne schaukeln würde. Br muß dann in 
seine „enge Kabine'' flücliten und ruliig liegen; dort fühlt er rfich besser. 
Er hat auch Angst vor dem Luftballon: er könnte nie in einem Luftballon 
fliegen. (Er hatte Angst, ßleriol könnte unt dem Aeroplan auf seinen Kopf 
fallen.) Er würde aus iedem Luftballon herausspi'ingen, wie sein Bruder im 
Traume aus dorn Lift, und sieh gar nicht schämen, obwohl er sich schämte, 
wenn seine ErzieJierin auf der Gasse mit ihm zärtlicli war. Schon als Knabo 
küßte sie ihn immer imd die Leute lachten ihn aus. Deshali) kann er bei N'acht 
ohne Angst gehen, er sieht keine Menschen, die ihn auslachen. Er WLir 
12 Jahre alt, als ihn die Erzieherin einmal vor der Schule erwartete und ihn 
küßte. Er bekam einen "Wutanfall. Er will nicht ewig das Kind bleiben. Er 
möchte sich auf eigene Füße stellen. Er lernte hener tanzen, um in Gesell- 
schaft gehen zu können; es fälli ihm ein, wie seine Erzieherin iunner mit 
Kindern herumtanzte, um sie zu beruhigen. Sofort taucht eine neue Erinnerung 
auf an einen Lift in R e i c li e n h a 1 1, wo er fast eingequetscht worden wäre, 
-letzt kommt wieder eine neue Angst; er hat die Angst, daß sein Brustkorb 
eingedrückt wird. Er weiß auch, wie diese Angst zustande gekommen ist. Er 
kennt ihre infantilen Wurzeln. Seine Erzieherin war es, die ihn immer so an 
sich gedrückt hat und dabei schrie: „Ich erdi'ück' dicli noch, ich werde dich 
noch auffressen." Die Szene in EeichenhairO beim Lifi war so- 
Ein Liftboy sprang aus dem Lift; er selbst sprang ihm rasch nach, während 
der Bruder und Vater weiterfuhren. 

Hier stoßen wir auf einen wichtigen Komplex. Er will vor dem Bruder 
aus dem Mutterleib gekommen sein, er beneidet den Bruder um die Erst- 



'1 Der .S'lniwi'lprtor wiir für Jim ein uroLk's Trauma. Bcpondwe das Bild, auf dein 
der Schneider (HLecbneidor!) dem DiiumoiilutKrh« die Dnnmcn nbschneidei, li;it ilim 
Grauen und Entsetzen eingoflüßt. (KastrationR-Kiniifilix !) 

-) In Rp i [■lii'iiliü 11 ularli wiii Viiler an eini'jn Lungen leiden. Das war für 
ihn ein .grollcK Unglück'. Nach dem Tode meldete sicli das SchuldljeisTilUsein. Vorwürfe 
peinigten ilin, er halie manches versänrat, was dae teure Leben hütto retten k.iimen. Die 
Vorwürfe beKogen ihne Affekte aus der Kindheit, da der Valcr ihn mit. ürohungeij 
<Kastration!) am Onanieren und Liita'ben bindert*'. Damals dachte ev: Wenn der Vater 
stirbt, kann ich iingeetört onanieren. tJberdies kennen wir ja das Junktim, das er 
znischen dem Tode seines Vaters und seiner sexuellen Freiheit gemacht hat. 



206 



Fetisch ismiis. 



r 



r-' '' ■ 



lii 



c b u r t Wiedei' spielt die Mutterloibspliantasie eine Rolle. Auch ein anderer 
:' V a t e i- u !i d B r II d LM' s o 1 1 c n s t e r h e n (abfahren), er w i H 
Es niUt ihm ein Erlebnis liua dem fünften Leben4ahre ciLi. 



Gedanke: 
sich retten. 
Vat 



Vater imd Bruder blieben einmal im Lift stecken und er brüllte wie wahnsinnig 
vor Angst, der Vater konnte e i- drückt w e r J e n. er k ö n n t e g e- 
preßt werden. Bei der Bahn interessiert ihn am meisten der Expreb- 
zug: Er will immer nach Preßburg fahren. Matrosen interessieren ihn, 
weil sie „g e p r e ß t" werden. Er liest immer die „Neue freie Press c". 
Uiti altö Presse war ihm unsympathisch. Die Neue Freie Presse ist 
ihm sympathisch. Er interessiert sieh für das Wein pressen, weil es mit 
nackten FiilJ(=n gemacht wird. Am Sciiluswe uiiios Weges hatte er immer An{;st„ 
er ist pressiert. Seine Onanie geht durch Pressen des Penis vor sich. 
Ihn interessieren Soldaten mit engen Uniformen, Soldaten, die in die Uni' 
formen gepreßt werden. „Pedem (passum) prcmere" heißt schnell gehen. 
Um interessieren die ledernen Stiefel des Yorreilera bei der Artillerie, weü 
der Fuß hineingepreßt wird. Er fiiuict .seine größte Libido, wenn er beim Ab- 
setzen der Fäkalien stark pressen kann. 

Wenn er von einem Arzte untersucht wird, so betont er immer, daß ihm 
der Naliel nicht berührt werden dürfe, er könnte sonst sterben.') Wir sehen 
aus dieser Analyse, welche kolossal verzweigte und Wichtige (jedanken- 
giin^e sich an ein scheinbar harmloses Traumbild knüpfen können. Ich habe 
absi'c-htlich die ausführliclie und doch noch nicht erschöpfende Analyse des 
Traumes mitgeleiK, um zu zeigen, daß mit der Üljersetzung eines Traume? 
als solcher nichte gedient ist. Wir erhalten wohl einige wichtige Einblicke 
in die Struktur des Traumes, aber das wichtigste muß uns doch der Traumer 
selbst liefern. 

Wir merken, daß der verdriingte Wunschgedanke der ist: 0, waren 
der Vater und der Bruder damals in R e i c h e n h a 1 1 ge- 
storben, wie meine Mutter bei meiner Geburt gestorben 
ist, und ich stünde allein auf der Welt! Das ist tatsächlich eine 
seiner Lieblingsphantasicn. Er will der einzige sein. Alle Menschen sollen 
aussterben. !^in großes Unglück soll die Welt treffen und er allein bleibt 
beatehon. Er, der Kleine, Schamhafte, Ängstliche, Gedrückte, der dann der 
Größie und ErliabensLe wird. 

Wir sehen ferner die kolossale Bedeutung der infantilen Eindrücke des 
Aufhebens, Schupfens und Fressens von Seiten der Erziehungspersonen für 
die Entstehung der Angst. Diese Erziehungspersonen sind im Traume als 
„Ledienstete'' angedeutet. 

Diese Bedienstete führt uns auf eine neue Spur. Es ist dies eine Kindor- 
giirtnerin, die den Namen Deutsch führte und aus Preußen war. Sie wurdt^ 
„La Prussienne" im Hause genannt. Wir erinnern uns der Worte „deutseh" 
(deutsches Laster) und Preußen (preußische Pickelhaube). Es steigt die 
Erinnerung an ein großes Trauma der Jugend auf. Tiefste infantile Schichte. 
Die Bonne ging mit ihm in den ersten Stock zu einem fremden Herrn, wo- 
sclijst das Kind einer wenig verhüllten erotischen Szene beiwohnte. Das war 
auch ein „großes Unglück". Er erinnerte sich deutlich an einen exhibitio- 
nisUschen Akt des Herrn. 

Nun verstehen wir erst den Traum. Der Bruder ist sein Penis, der 
^lerausspringen will. Er hat einmal von seinem Vater eine Ohrfeige bo- 



') Homosexuelle Einstellung zum Arzte als Vater-Imago. 



1 -; 



Aualyse ciues Fiiüfetiscliisteu. 



207 



lioTiuiien, weil er auf der Fronicnadc den Penis lioraiissteekte und si> lieruiii- 
giui:. Jetzt. Iiul er die PluinlLisric. iiul nackton Füßen und einer großen Z o li c 
tibcr den Ring spuaieren zu gehen. Die Tendenz zur Exhibitiun ist durch 
eine \ i-idegung lutch unten tran.sl'(iiniieit. 

Allein, seine Angst auf der Sli'aße demaskiert sich als Angst vor seinen 
Trieben. Er möchte am üelwlen die Hose lüften, den Penis lieriuii^stocken 
uiul so herumgehen. Er fürcIiLeL, diesen Akt im Wahnsinn zu machen. 
(Reichenberg, G. Loiiau usw.). Er ivnnscht den Wahnsinn oder er niöehle 
gerne den Wahnsinnigen spielen, um dieser Lust zü rriineri. Der Osler- 
reiehische Hof", wo er den Angstanfall erlitt, liegt am F le i s ch m ar k t. 
Er möchte seine „Flei s ch bu de" cxhibitionieren. 

Warum? Weil er immer eine Szene spielt: seine Geh u r t. Der 
Penis ist der Kleine, das Abbild des Gi'oßen. Der soll geboren wei'den, ohne 
daß ein Unglück geschieht. Das heißt, er identifiziert sich mit der Mutter, 
den Penis mit ihrem Kind, sich selber. Eines von !)eiden muß geopfert werden. 
Entweder düs Kind oder die Mutlei'. Dem ersten Gedanken entsprechen 
K a st r a t ) n s phantasien; dem zweiten seine gniße Angst, die Todes- 
angst. Wenn ein Mann seinen Fuß aus dem Schuh zieht, so ist ihm das ein 
. S,ymbol der Geburl. Die große Zoho ist das selnuutzige, neugel)oreiie, ge- 
preßte, rote Kind. 

Der Angstanfall spielt die Szene in einer VerleguJig nach oben. Er 
hat Angst, daß der Hut davon fliegen könnte und hält ihn krampfhaft fest. 
Kr fürchtet, den Kopf zu entblößen. Hier steht das Kaput für die 
Ghuis penis. 

Jetzt fährt die läahn oben. Alles spielt sich am Kopf (oder an den 
Püßen) ab. .letzt spielt sich alles o ben, d. h. im Kopfe (geistig) ah. Fiüher 
ging die Onanie „unfon" vor sich. Wührend die Bahn unten gefahren ist, 
begab sich das große Unglück mit der Ohrfeige, die er noch heute nicht 
vei-gesson hat. 

Die Szene ti'itt immer deutlicher vor sein geistiges Auge, Er badete 
[uii seinem älti-ren Hiiider. Sie siiiellen mit den Geiiitaüeu, Da stüi'zte die 
Erzieherin hinein und drohte mit den strengsten Strafen. M a n w e i' d e 
den Kindern das P i p i abschneiden. Von diesem Spielen käme eine 
„fürchterli'^he Krankheit". Schließlicii erhielt er noch vom Vater eine Ohr- 
feige, y.i. der Klügere, war dei \"erf(dii-er. Der andere kam mit einei- Straf- 
predigt davon. 

Die Eisenbahn ist hier die Onanie, Er hat am GHede gezogen (Zug). 
Kr hat dadurch seine Maschine ruiniert. Er muß sierben. Die furchtbare 
Warnung seiner Erzieherin klingt ihm noch innner in den Ohren: „Wenn 
d u d a u n ten w e i tc r s p i e I s t. so w i rd d i r d a .f i' 1 jn') a b fallen 
und du wirst sterben." Dazu kam das Trauma der Ohrfeige. Für 
ihn war es ein großes Trauma, weil er vorher nie geschlagen wurde und maß- 
los ehrgeizig und cmpfindlicli war. 

Von diesem Erlebnis datieren die Haß- und Raehegedanken, die in Phan- 
tasien gipl'eln: Valei' und Prüder (lelztiMer halte ihn wi-geii dvy Olir^Mge voi- 
spottet) sollen storlien. lliei' wird zur ICrfülliing die.ses Wunsrhes die Eisen- 
hahn und der Lift herangezogen. (Das Steckenbleiben des Lifts drückt sieh 
para|iathisch in der L'niüiiigkeit aus, in einer Vagina sticken zu bleiben,) 
Ferner gönnt er seinem Bi'udei' eine Lues, an der er bald sterben soll. 



') ]n Österreich bedeutet in der K Inders p räche „Pipi" der l'euin. 





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•208 



Fetischismus. 



Warum? Weil der Briidei' reich ist (Rcinhenberg) und er sein Geld erben 
will. Der Berg (sein Märchen) soll zerfallen — und er soll die Schätze heben. 

Darum will er ein Weib sein. Einem Weibe kann man das Pipi nicht ab- 
schneiden. Einem Weitie kami das Pipi nicht aWallen. Ein Weib sündigt 
nicht. Es ist passiv. Er will ein Weib und ein Heiliger sein und so über de» 
Vater triumphieren. Oben, d. h. im ewigen Leben, wird er der Sieger sein. 
Dazu soll ilnn dio Aski-'se verhellen. Er ist nicht würdig zu genießen. Er 
war ein Mörder in Gedanken. Die Eisenbahn und der Lift hätten seinen Vater, 
seinen. Bruder und seine Erzieherin töten sollen, damit er ungestört onanieren 
könne. Eisenbahn und Lift sind hier Todessynibole. 

Schließlich betrachtet der Träumer die Zeichnung und sagt: „E.s 
handelt sieh um einen ,D u r c h s c h n i 1 1\ Dieses Bild drückt mein doppeltes 
Wesen ans: Halb Mann und halb Weib. Ich betreibe die Onanie als Weib. 
Und das wichtigste, glaube ich, ist der Umstand, daß das Allel n -auf - 
der-Straße-geheii für mich ,0 n a n i e r e n' bedeutet. Ich schäme mich 
•auf der Straße. Ich glaube noch immer, man merke mir die alte Onanie an. 
Deshalb wünsche ich, allein zu sein. Möge die ganze Welt zugrunde gehen- 
Dann kann ich ohne Scham und Angst ineiner Lust leben. Das ist mein 
,,pBychiseher Anarehismus".') 

Dieser Traum zeigt uns die sexuelle Bedeutung des Gehens und die 
mehrfache Verwendung, weiche der Fuß in seiner Phantasie gefunden hat. 
Seine Geh-Angst ist Angst vor dem Weibe, sein Pußfetiechismus Schutz vor 
dem Weibe. Er sichert sieh durch seine Askese den endgültigen Triumph über 
seinen Bruder. Sein Fetischismus hilft ihm, die Askese iü^tx-ulialten. Üei* 
Fuß malmt ihn an seine Geburt und an seine Sünden, mahnt ihn daran, daß 
«r ein büßender Pilger, ein Franziskaner ist. 

Es folgen sieben Träume: , : 

1. Traum: „Es war ein sehr hübscher, junger Mann, der mir und 
allen Damen und Herren erzählte, er sei sehr gesund, ' nur habe er 
Schweißfüße. Dagegen gäbe es nichts, die habe er ererbt 'vom Vater und 
Großvater.'" 

2. Traum: „Ich ging in ein Tal hinab und sah einen Matrosen in 
einem Landhause verschwinden. Ich suchte ihn und fand ihn nicht mehr.'' 

3. Traum: „Papa, Bruder und auch ein Herr F. und ich spielten 
Billard. Ich schlug aber auf die Bälle wie beim GüKspiel. Auch probierte 
ich sehr lange, bis ich einen trefflichen Coup vollführte, Dann säße" 
alle; Herr F. aß zwei Büchsen Sardinen aus und erklärte dann, um Mit- 
ternacht noch zu einem Freunde essen zu gehen, den er recht gerne habe, 
obwohl dieser erklärte: ,Ich bin ein Christliehsozialer'. 



')■ Die Symbole ,0 b e n' und ,U n t e n', denen Adhr im Sinae von .M U n n 1 i c b 
und W e i b 1 i c II' einen so großen Wert beimißt, finden hier, wie in vielen anderen 
Träumen, eine einfache Erklärung: Die Kinder etehen ,unten' und die E v- 
wachscncn ,o I) e n'. Dae Kind mafi zu den Erwatjhsenen emporblicken. Der psychi- 
sche Intantiliemus drückt eich durcli .unten' aus. Der brennendete ■\^'unsch des Kindes, 
,groß zu sein' und ,größer zu sein, aU die Großen' findet in Träume« 
■durch Situationen, in denen der Träumer ,ohen' ist. seine ersehnte Erfüllung. Eine 
andere schon erwähnte Determination von .Oben' und .Unten' beruht auf dem i'eligiö=<* 
Komplex und bedeutet: Himmel und Hölle. Am Balkon sieht Beta immer oben 
<!en Himmel, unteu die Hölle. 



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Auaivsi' i'iiH's Kl 1 li Ti' ti seil iiik' 11. 



209 



Diinn wur Piipa ;uif oiniiiiil sterbeiislvriink, und zwar am Kurzen. Er 
tlurffco sicii nicht rühren und es wurde nur ein halbes Abendblatt der ,N. 
Fr. Presse' gekauft, dae ich la.--. Ein ganzes hätte ihm schaden können. 
Dann w;u- aber doch ein ganzes , Erstes Nachmittagsblatt" da. Nun dachte 
ich, wie sei denn das, daß Papa noch einmal stürbe, er sei ja doch 
schon tot." 

4, Traum; „Icli war!' meine Uhr anl' den Boden, sie brach nicht, 
sondern es sprang nur der Det-kcl auf." 

5, Traum : „Ein ükononi, Herr Christians, und ich waren mit 
einem dicken Herrn iu einem kleinen Zimmer, Chntitianj; liatie ge- 
sagt : Wir werden folgendes Spiel niaclien. Zuerst wird er in einem 
Badezinniier baden, dann ich und schließlich der Dicke, wenn noch ein 
Badezinnuer da ist. Christians badet in einem Einzelbadezimmei' (nur für 
eine Person Ijestinnnt), ich in einem, das für vier war. Der Dicke 
ist weggegangen, weil kein Badezinuner meJir da war. Christians hat 
mich sexuell aufgeregt. Wir waren beide ganz nackt und ich habe mich 
gewundert, daß er größer ist als ich. Jetzt iet mein Bruder gekoamiei? 
und hat mich gefragt, was ich gemacht habe und ob ich gar nichts von 
seinem Penis gesellen habe. ,Nic]if einmal so viel!' sagte ich uTid zeigte 
auf den Finger." 

(i. Traum: ,,Eine Frau mit einem Stock oder einen Penis in der 
Hand neigt sicJi über ein Kind (Jesukiiid?) in der Wiege." 

7. Traum; „Icli will in die Gruft am Zentralfriedhof hiiuniter- 
steigen. Dann graut mir davor und ein Engel verwehrl mir den Eintritt." 

Der erste Traum betont den Fußl'etischisnius, durch den der Träumer 
ausgezeichnet ist. Er ist der „hübsche junge Mann" und er fühlt sich voll- 
kommen gesund bis auf den Fußfetiseliisinus, der hier sehr charakteristisch 
durch „Schweißfüßo" dargestellt wird. Sein erstes Kindermädchen litt an 
Scliweißiußen. -letzt besteht infolge der Verdriingung Ekel vor Schweißfüßen. 
Dage^gen gefällt ihm ein dunkel geröteter, d. li. ei'hiizler Fuß. Wir müssen an 
die zweite Bedeutung des Schweißes ,,Blut" denken. Der ,, blutige Fuß'' ebenso 
wie „der Fuß, der mit Kot beschmiert ist'" (das Hereineleigen in Kot) spielen 
in seiner Phantasie eine selir große Rolle. Eine ;niderü Bedeutung 
des Traumes: Seine Schuld stinkt zum Himmel. Dieser Traum soll alle por- 
s (in liehe Schuld auf crl)liche Belastung durch Vater und 
Großvater schicl>eii. Wii' werden spater noch eine zweite Bedeutung kennen 
lernen. Vom Vater und Großvater hat er ein großes Vermögen geerbt, 

Der zweite Traum spielt auf das schwere Trauma seines Lebens an. 
Sein Vater (der Matrose, d, h. der große Schiffei') hat in einem Landhause 
einer Biiuerir. {der Engländerin auf dem Lande) niichtlicho Besuche gemacht. 
Diesen Vorfall hat er verdriingt. Ei' wollte ihn nicht sehen. Der Traum er- 
füllt seinen Wunsch. Er sucht (die Erinnerung) und findet sie nicht mehr. 
Tm zweiten Traume stirbt der Vater wieder. Er verscliwindet in der Gruft, 
so daß er ihn nicht mehr finden kann. Der dritte Traum ist von fundamentaler 
Bedeutung, Sein Vater ist wieder am Leben, er ist auferstanden. Darüber 
wundert er eich. Er hat ein großes Wunder erlebt. Der Vater stirbt 
z u m zweite n M a i e. Das hat — wie wir wissen — eine große Bedeutung. 
Bis jetzt lebte er ihm noch. Er stand unter der Herrschaft vitterlicher Im- 
perative. Jetzt wird er frei — das ist das eine große Wunder — und jetzt 
erst ist der Papa für ihn gestorben. Das ist das wichtige Problem vom 

Stetel, Siflniniten dos Triub. und AfToktlBhcnB, VII, 14 



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Fetischismus. 



Sterben bereits Gestorbener. Der Wunsdi, mit ihnen fertig zu 
werden und sie endlich zu den Toten zu werfen. 

.r«f H^rVl^i'-f^f'* n™ ?!.''" ^'^^^ ''"' ''S'"' Bewandtnie. Es fällt ihm zu- 
erst der P lattfu ß und dann daB Fußballspiel ein. Der Ballen 

Fi^rJn lilüf '"'■* 'Y r 5'*^' ^""^ '"^■^^'"' E^' hat angeblich Ekel vor 
Fußen, die Hühneraugen haben, die er ebenfalls Ballen nennt ') Auch andeie 
Ballen interessierten ihn. nämlich die beiden Mamia De " L1 dM a 
lateinisch Sinus (der Busen) und im Deutsehen Meerbusen Se n Fußfeü- 

n,ädoh3„, d. h. das LandtrS d" EngtJSlrdl^:i''tt'tf 
Kopf (Sdiwanz) dargesWlt werden. Dolh irSarfi Jfn» -f 1°''^''°.°' 
da» er als pied-„,„„t, d. h. F . ß des Beiges a" ftuSeS S ?00 ) '°'°"' ""' 

hi.abS:rd'ti5r?;rt/ä ™ 'trsjrr^; "tt-^- ^'' 

eleich erfahren Fprr F =nlT , . '"^™- ^^^ ^las zu bedeuten hat, so en wir 
gieiLu erranien, neu 1' , soll zu einem Freund eehen dp,- p\„ ru.- n' i c ■ i - 

.St. um dort zu essen. Es handelt sieh um das l^eilil Äh h ', ^''''''] 
Griechisch-Katholischen nach Mitternacht nehiLofFt^^^^^^^^ 7^'' ^'" 
mami. Es fällt ihm aber sofort ein Sohn S ZiViL!' ?* TT 

deutung Frauenzimmennann - Don Juan) ein cST^n ^7f" ^n 

sich zu Christus bekehren und fromm werden " Zwei . n . ' ^.^^^^ ^°" 
Vat^r soll sich zu ihm (Clui.tus) bekehren D^tei-mmation: Der 

Das ißt der große Konflikt seines Lebens Wie ich rHi„„ -ut^ 
der Vater und der Großvater überzeugte Libeal^^d befe f' 

in keine Kirche. Sein erster Hofmeister war ein fTnattä '" K^? ,' ^'T" 
ist die Belastung vom Vater und Großvater. Er hat fo t' 7 r k ' ^v 
mus. d. h^ den ü n glauben übernommen. Nach außln' n "vt-Sh «^^^^^^^^^^ 

„Dann war Papa auf einmal stpi-ho« i . j 

.war am Herzen." An seinem Herzet ?raß der UnZh/ 
kehrt und erlöst werden. Deshalb durfte er nicht d'l i^S^V J^^^m 
Freie Presse" Iesen._Nur die halbe Zeitung, d l.te':'pS^",;/l"S 



konservative, fast klerikafe Mutter d N^enen Fre;™"?""^"' ^"i! f T'I'' 
Die Zeit.ung ist hier auch in zwe terSSufunrda/T ■ f ^^^^^^^ 
Presse (ein Freimädel die Männer preßt), einfw^D llI^pLe''^ de 
monde._ Ein ganzes Blatt hätte ihm schaden können. Der Papa Sollte Ä 
Tal™ n'"''" ""' '"^^ ''"'''^^"'^^' ™'t "S--"" d.T;^??ertSen 



') Später zeigte e« .ich, daß die Balle« und Hühneraugen ihn sexuoH .rregt.n. 
Die Angaben von Ekel erfolgten ,n don ersten Monaten der Behandlung. Die Hühner- 

angen waren für ihn ein „Anti-Fetiech" der Eich hnlrf i„ • d ^ .- i ■■ i 

, ,, ■ ""■'^ ^'cn Daia in einen Pro-Fetisch zurück- 

verwnndclte. 




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AiiiLljse eiues Fußfetischistcu. y, . 

Halbes AbeiidblatL-' führt zu den Gedanken vom „Heiligen Abend- 
mahl „Irrstes Nacinnittagsblatt' konnte nicht gedeutet werden, WahmcS- 
J.cl, AiiKpLehing a„ eine Wzitnc zwiflcheii Vater und Kind.Tiniidchen 

Der v.erto Traimi zeigt inis die Ubr als Symbol dos Herzens. Sein Herz 
(der Vater) stirbt n.dit. Er wirft sie zu Boden, sie bricht nicht. Er merkt mn 

Ter t^n ^"^'^^^'"V*;^*' ^''f}''^^'' ^'^-'"^^ -"■■) ^-' ^'^^-' hal ihn ,S 
Ol ersten Szene geschlafen. Aufspringen dos Deckel. - die Aulerstelun^g - 
die loten steigen aus den Gräbern. 

Der lünfto Traum brachte uns eigentlich die Lösung einer Reihe 

lo^tnnT'rf '" ' ?7, ^^■'^''■■f S^ng-^'H'n- Uonn die Analyse dauert zirka 
i^ stunden. Hier sind bloß die Resultate dargestellt 

Zum Ökonom fällt ihm sein Bruder' ein. Die Bäder blieben rätselhaft,- 
bis ich darauf dringe, daß dieser Traum Beziehungen zum religiösen Komplex 
haben müsse. Er verneint dies; findet jedoeh Anspielungen auf seinen Geiz, 
somü bucht, Geld zu erwerben, ökonomisch zu leben. Weitere Einfälle ijehen 
über Aaron zum „goldenen Kalb". 

Diese Sclimähung zielt wohl auf den dicken Herrn, der seinen Vater dar- 
stellt, obwohl er sehr ordinär, wie ein ungebildeter Fiakeikiitschcr aussah 
Auch stand ei- da wie t o t und s t a r r, was wir ja verstehen werden, da es 
sich um den toten Vater handelt. (K u t s c h o r, der L e n k e r der Familie 

- der Vater; Fiaker, Zweigespann- Ehe, Fiaker kut scher 

— Ehemann, der Vater.) 

Dann fällt ihm ein, daß es gar kein Bad war, nur eine Dusche ein Be- 
netzen des Hauptes. Schließlich erkennt er den Ökonom als einen Mensehen 
der an einem chronischen E k z e m leidet und löst ihn in „E e c o - h o ni o'' auf' 
Aaron - Jean (Jo)iannes), Ko - Kohn und Clinstus. Das Baden bedeutet 
die Taufa (Johannes der Täufer!) Christus hat als erster die Taufe ge- 
nommen. Er ist der große Einser! Der Einzige (Monos ! — Monotheist — 
siehe S. 1!>9), den er verehrt und anbetet. Er hat eine Zeithing gezweifelt, oh 
er überhaupt gelaiift wurde, und beneidete Kaiser Konstantin (er nennt seinen 
Freund Kohn konstant Ko) darum, daß er sich am Totenbette taufen ließ und 
dann rein in dm Himmel einziehen und die ewige Seligkeit erworben konnte. 
Der „abscheuliche Dicke" hat auf die Taufe und die Vinedortäufer verzichtet^ 
d. h. das Himmelreich verloren. 

Doch das wichtigste ist der Umstand, daß ihn der Ökonom im Traume 
Bfixuell erregte. Auch die Frage des Bruders, oh er den Penis gesehen habe, 
wird verständlich. Christus war seine erste religiöse u n d erotische Liebe' 
Die Schweißfiiße sind die blutigen Füße des Sohnes Gottes. 

Aber seine Sünden sind noch viel, viel größer. Er litt in der Kindheit 
eine Zeitlang an Größenwahn, selber der Sohn Gottes zu sein. Er war sieh 
selber Christus. Seine Familie war die heilige Familie. Der Vater Gott, der 
Bruder der heilige Geist und er der „Sohn Gottes''. Deshalb wundert er' sich 
im Traume, daß Christus größer ist als er. Er ist der Erlöser. Er büßt die 
Sünden seines Vaters und liat sich ans Kreuz der Parapathie geschlagen. Seine 
Hauptsiinde: sein Gott war seine erotische Lielje. Er hat es als Knabe be- 
dauert, daß Christus immer ein Tuch um die Lenden getragen hat. Eine andere 
Sünde: Er wollte einmal den Penis des Vaters sehen und sagte: „Bitte, Papa, 
zeig' mir dein Pipi." Dafür kriegte er ordentliche Hiebe und Schelte. Darauf 
bezieht sieh die Frage des Bruders am Schlüsse des Traumes. Am nächsten 
Tage träumt er eine Variante ~ den sechst^jn Traum. Die Frau schildert er: 
Eine dicke, ordinäre Person, grauslich, gewinnsüchtig. lü,stern, eine Köchin. 




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Fetischismus. 



dio ilio achlfdilen Eigenschaften aller seiner kindlichen Bekanntschalten liat. 
Der bisexuelle Chai-Eikter des Träumers ist deutlieh. Die Hauptsache, daß er 
den Vater (di'ii Dicken des fünften Traumes) als altes Weib darstellt. Er 
ist das Jesukind. Der Vater hindert ihn am Onanieren. 

Im letzten Trainne packt ihn die Rene für die Schmähungen, die er dem 
geliebten Valor angetan hat. Er will zum Vater in die Gruft hinab.^ Selbst- 
mordgedanken. Ein Engel (sein Arzt) hindert ihn daran. Der Engel erinnert 
ihn an das Bild von der Auferstehung Christi. Diese ist ja im dritten Traume 
(das Wunder als „sich wundern" ausgedrückt) ausgeführt. Auch das Springen 
des Uhrdeckels ist das Springen der Gruft, da Christus auferstand. Der Engel 
ist auch der Engel mit flammendem Scln\'erte, der die Sünder aus dem Para- 
diese vertreibt. Wir erfahren den tiefsten Grund seiner Impotenz. Er kann 
zum Weibe nicht gehen, weil er nicht würdig ist, ein Weib zu besitzen. Der 
Engel vertreibt ihn aus dem Paradiese. (Zentralfncdhof — Gruft — Vagina.) 
Er hat ein Grauen vor dem AVeibe, das ihm die Sünde personifiziert. Sein 
■ Penis klappte jedesmal zusammen, wenn er ihn in die Vagina stecken will. 
Zwischen ihm und dem Weibe stehen der Tod und die Sünde. 

Er träumt von der Auferstehung! Das ist das große Wunder. Er er- 
wartet die Renaissance seiner Potenz. Sein Penis soll auferstehen Sein Meni- 
brum ist seine Gottheit. Sein Gott ist tot. Er kann nicht glauben und nichi 
beten — aber auch nicht ein Weib besitzen. 

Der zweite Traum zeigt ihm den Tod des Vaters und die verlorene 
Potenz Er hat keinen Penis mehr. Nur einen Fuß. Sein Pußfetischismus isi 
die Buße für die vermeintlichen Sünden seines Vaters und seine eigenen 
Vergehen. 

Durch alle Träume klingt es wie Hoffnung auf eine baldige Genesung. 
Der Coup gelingt. Der Vater stirbt. Die Uhr fällt zu Boden und ein Enge! 
bewahrt ihn vor dem Verderben. 

Auch in anderer Form spielt der Glaube an seine Parapathie hinein. Er 
leidet an Straßenangst. Eigentlich Angst vor „Revenants" Der Vater 
konnte wieder auferstehen und ihm mahnend entgegentreten' Der Teufel 
könnte ihn holen. 

Es hat ein Jahr emsiger Arbeit bedurft, um diesen verschütteten reli- 
giösen Komplex zu heben. Der religiöse Komplex fehlt fast bei keiner Para- 
pathie, mögen sieh die Kranken noch so aufgeklärt und atheistisch gebärden, 
bie glauben alle, sind Frömmlinge dem Gefühle nach. Im Intellekt haben si<' 
wohl den Glauben überwunden. Aber die infantilen Affekte sind für ewig ins 
Jlerz gebrannt und melden sich in den bösen Stunden. Das Herz, das uner- 
schut^terhche Kmderhcrz glaubt nocii immer, weiui der Versland sich jenseits 
von Glauben und Frömmigkeit dünkt. 

Auch der Traumer, der an Stelle seiner Mutter die Bibel sieht, ist ein 
fanatischer Freidenker und Häckelianer. Ein „Monist" strengster Observanz. 
Doch nur nach außen. Der religiöse Komplex verschmilzt meistens mit dem 
ElternkomplBX au einem unlöslichen Ganzen, Gott Vater und der Vater 
werden zu einer Einheit. Die Sünde wider die Eltern wird zur Sünde wider die 
. Religion . 

. Wir sehen mit Erstaunen wie oft wir bei diesem Kranken auf den 
Christus-Komplex stoßen (Er drückt sich schon in den Worten „Christlich- 
aozialer un d „Christians aus. Überdies erscheint dann das Jesus-Kind.) Im 

') AiKkiitung von Nekrophilie. Er liebt auch den toten Vater. 



Aualyse eiues FllÜfetis^^llisteiI. 



ins 



iuße vereinigen bicIi die religiösen und sexuellen Symbole zu einer Einheit 
die merlaviirdig genug ist. Aber diese Verschmelzung fehlt in keiupm Falle 
von echtem Fetisehisiims, wenn man sich die Miihe nimmt, die Fälle bis auf die 
Tiefe 7.U analysieren. Freilich, die Traumanulyse ist eine Kunst und erfordert 
große Geduld imd Eingehen iuif die oft wirren Gedankengänge des Träumers. 
In den ersten Träumen sind diese Komplexe seiir versteckt angedeutet 
Man kann erst nachträglich die Bedeutung dieser ersten Träume erkennen 
die aber das ganze Problem der Paraputhio enthalten 



Ich bringe nun gegen den Schluß diesor Analyse den ersten Traum 
inemee Patienten. Solche ei-sto Träume sind sehr wichtig. Sie enliuilten 
das ganxe Programm der Parapathie, 

Ich sah ein Stück im Burgtheater. Ich war nicht allein. Jedcnialls 
mit ein paur Bekannten (M. 11. und K. R.). Da i.st ein Stiick aufgeführt 
worden, lia waren zwei Personen. Der eine war der Kainz, der andere, 
glaube ich, der Gregori. Das Stück spielte, glaube ich, im Altertum, weil 
wir alle in togaartigen Gewändern, wie in Bademänteln, gehen. Ich weili 
nur, daß wir alle darüber gelacht haben. Auf einmal hat der eine Schau- 
spieler viel geredet und ist davon gelaufen (Gregori), nachdem er fürch- 
terlich laut geredet hat. Der andere hat jetzt weiter geredet und auf 
, einmal mit dem Rufe; „Jetzt müssen alle herschauen!'' hat er seine Toga 
ausgezogen und ist folgendermaßen dagestanden: Am Oberkörper nackt, 
wie ein Handfueli um die Lenden') und jetzt kommt das merkwüi'digste! 
Vor dem Penis ein keill'örmiges, braunes Stück Holz. Auf das hin waren 
wir alle entsetzt und sind davon gegangen. Der Akt war aus. 

Jetzt weiß ich noch, daß wir gesagt haben, der nächste Akt beginnt 
in zehn Minuten, und daß wir noch länger in einer langen Gasse gegangen 
sind und dann zuiiiekkehren wollten. 

Von der Verdi<:htungsarbeit dieses Traumes kann man sich kaum eine Vor- 
.=;telliing machen. Die bedeutsamsten Vorfälle dos Lebens sind in den ehizelnen 
Traumstücken enthalten. Wer die vorhergellenden Träume des Herrn Beta 
aufmerksam gelesen hat, wird schon ohne Analyse viele unbewußte Traum- 
gedanken finden können. Bevor ich die wichtigste Bedeutung dieses Traumes, 
nämlich das Erlelmis mitteile, möchte ich nur einige Bruchstücke der Traum- 
analyse wenigstens andeutungsweise wiedergeben. 

Das Stück im Jhirgthcater weist, wie wir schon wissen, auf das EUeni- 
haus hin. Er war nicht allein; das stimmt, denn die wichtigsten Akteure bei 
diesem Stück waren außer ihm sein Bruder, die Erzieherin und der Erzieher. 
Die zwei Personen des Stückes, Kainz und Gregor i, gehen vor allem auf 
die Spaltung in seiner Brust. Er sah die beiden Schauspieler zuerst im 
., Faust'". Gregori gab den Faust, Kainz den Mephisto. Beide Seelen wohnen in 
meiner Brust; der Teufel und der nach dem Höchsten strebende Paust sind In- 
karnationen seiner eigenen Person. Gregori erinnert ihn zuerst an das 
griechische ,,£YP^1'£'t'''' (Envaehen) auch an Gregorius, den Säulen-Heiligen, 
den Fa.pst Gregor usw. Kainz spielt auf „keins'' (keines) und auch 
auf den biblischen „Kain" an. Daraus orgeben sieh die verschiedensten Be- 
ziehungen. Die Szene spielt im Altertum, d, li, in seinem Altertum, in der 



^} Nachtrag: Erinnerte ihn an uiiiL'n Künstler, den er in einem Trikot in einem 
Variete gcsebon hatte. Dieser Künstler hieß Silvester Sehäffor 



3U 



Fetischismus. 



I 



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' 



I 

i 



Kindheit. Die Schauspieler agieren in Bademänteln, wat^ ihm komisch vor- 
kommt und ihn einigermaßen an die römische Toga erinnert. Jetzt kommt 
diese merkwürdige Szene mit dem Stück Holz, die lange nicht erklärt werden 
konnte. Die wichtigste Beziehung ist wohl die, daß das Holz den Kastrations- 
komplex ausdrückt, über den wir speziell bei diesem Falle so viel gesprochen 
hahen. 

Doch nun zum Trauma, das sich dahinter versteckt. Einmal nach einem 
Bade schlichen er und sein Bruder sich vor das Zimmer der Engländerin Sie 
waren beide in Bademänteln. Sie holten nun einen Sessel, bestiegen ihn ab- 
wechselnd und konnten durchs Schlüsselloch verschiedene ergötzliche Situa- 
tionen (Koitus!) zw.schei den Personen, denen ihre Erziehung anvertraut 
war beobachten Plozhch bekam der Bruder Angst und liel schreiend davon. 
i>r begann auch fürchterlich zu schreien und wollte davon laufen blieb aber 
wi^ gelähmt im nächsten Zimmer stehen. Der Bruder war in seinem Bette 
schon in Sicherheit als auch er den sicheren Hafen erreichen woUte. Er wurde 
schließlich erwischt und bekam Ohrfeigen und Schläge, die er sich für sein 
Lebenlang gemerkt hat. Es waren die unangenehmsten Schläge seines Lebens. 
Diese Szene des Envischtwerdens, wobei er den sicheren Port, das ist sein 
Schlafzimmer, nicht erreichen kann, spielt er jetzt auf der Straße immer 
wieder, sie erweist sich als eine der wichtigsten Wurzeln seiner Straßenangst. 
Die zweite Bedeutung des Traumes geht über Kain und Abel zum Brudermord. 
Er war innner der Prügelknabe für den Bruder. Auch in diesem Falle heimste 
er die Schlage ein, wahrend sein Bruder sich ins Fäustehen lachte. Daher 
rühren seine finsteren Rachegedanken auf den Bruder Eine zweite -Rprlp.t,,nP 
geht noch über Abel. Sie waren in der Kindheit l^eim LlH W und 
Erde-', in welchem eine bekannte Mimikerin, Frau A b e 1 <?t i. "a^ m 
Sie war nackt im Trikot, und n.onatclang vergnügtn Ih' i Sbtlala^ 
einander die Konstatierung zuzurufen: „Die Abel hat kpin P;.;-^ T ,' 

kastriert. Aber auch der Abel, d. h. de.' Bruder solUeSnP^- Vi 'a 
sadistischen Iiaeliephanta.ien gingen dahin am B ndoS ein''l^ ^';- ^""' 
vollziehen. Als Strafe trägt er nun seine psych che Imnoflp? '^ 
ist auch der bisexuelle Charakter des Traum! Die ^^ i Bf^erkenswert 
mäntel, die eigentlich ein weibliches KleXgsstLk d "^^ 'n^ ^f " 
oft betont, werden in ähnlicher Bedeutung auch det t^^^^^^^^^^ "'\''' 

Schlafrock usw. verwendet.) In einem Bade 1.^1 ' ^^ Sontmo, der 

fioinem Bruder verschiedene ^--.^. ~ .- ^^" ^"^'^ ^'«1' =^^^-'S<^hen ihm und 

führte er mit seinem Brudei ..,i„i-,., :.„t ,.»„.. ...l ,. . 

der Mann, der 



jode™ ho ,^ , abg^i^'^^S. sS 

w™ spät. =., a,s «0 E,,..n...i„ „.it^::;^:s:-iSe£istr:: 



Verhältnis hatte, das so offen betrieben wurde daßHp' iTr ^f f tt". ''' . " 
das Hans verlassen mußte. Der letzte Absatz vo/j ^f ^"^^^"^^ Hofmeister 
er längere Zeit herumgeht, der ..unendMi t^grwtg-' tt''" '^^''' '' ''% 
seinen Lebensweg. Das Holz statt des Busens Die Iz'ieheHi .T^'^ 
Brett, wo er eine volle runde Brust erwarte e (Le andte ti f ^^ -' "" 
geht auf den Hosenlalz, den die steirischen HoteT haben Arj™T' 
Ziehungen zur Amme, nach deren Entlassung ei ?ü chterb h' ^f ^'■'^™ ^f 
und viele Wochen nicht zu beruhigen war. (Tiau na de, S T """^ ^^^^u 
Stärke das Urbild der Kastration ) " Entwöhnung - nach 



') Und itm Valw! 



Analyse eines Fußfetisch isten. 215 

Nach einigen Monaten brachte mir Herr Beta die letzte Lösung dieses 
Traumes. Die GeKchichto mit dem beobachteten Koitus war richtig, bezog sich 
aber auf andere Personen. (Ein Soldat und ein Kindermädchen.) Aue Rache 
wurde sie auf seinen Erzieher und Vater umgedichtet. Die traumatische Szene 
spielte sieh foigcnderinaßen ab: Die beiden Burschen waren nach dem Bade 
in einem Bette gemeinsam. Sic spielten i\!anii und Frau. Beta war unten und 
wurde m den Nabel gestoßen. Dann trieben sie allerlei Allotria. Da kam un- 
vermutet der Vater Jierein und gab jedem eine tiiehtige Traclit Prügel. Solche 
Ereignisse verhindern die Aggressionskraft des Individuums und führen zur 
Fixation einer weiblichen Rolle infolge von Trotz {Adler). So war es aucii 
hier. Er wollte ein M^eib bleiben und deshalb hat er keinen Penis, sondern ein 
Stück Holz. 

Am wichtigsten ist die Tatsache, daß er ein Stück spielt, daß er ein 
Schauspieler ist und seine Rolle glänzend ausführt. Er ist Paust, der Gott- 
siiehci', und Mephisto, der Gottesleugner, in einer Person. Er spielt als Me- 
phisto den Fetjschisten, den Paraphilen, den Entarteten, und als Faust den 
Fi-oniDien, Gläubigen, nach Erlösung Lechzenden, den Auserwählten. Das 
togaartige Gewand ist sein Mönchsgewanci. 

Und wie steht er da? Erst läßt er die Frömmigkeit laufen, dann pro- 
diiziert er sich naekt mit einem HandtucJie um die Lenden. Wir verstehen 
jotzl diese Figur: er spielt Christus. Aber er hat kein Genitale. Er hat unten 
ein Stück Holz, das seinen Penis vei'deckt und die Funktion hindert. Es ist 
dae gleiche Stück Holz, das er sich im ersten Traume (S. 192) herausgenommen 
hat. El' scliiitzt sicJi gegen die sexuellen Betätigungen durch seine Ciiristus- 
neurose. Nun will er in der dunklen Gasse des Loben« längere Zeit wandeln 
und dann zu seiner Fi'ommigkeit zurückkehren, 

Wir haben den fundaniontaleii Traum des Heri'n Beta besprochen. Ich 
habe d;is wichtige Trauniu, da,s im Ti-aume behandelt wird, mitgeteilt. Ich 
möchte nun einige Auszüge aus anderen Träumen des Herrn Beta bringen. Sie 
sind lehrreich. Denn sie zeigen, wie einzelne wichtige Elemente inmier wieder- 
kehieii. Andererseits werden wir verschiedene Uarsteilungen dieses Traumas 
kennen lernen. 

Zuerst einen kleinen Traum seines Bruders: 

Ich sollte in einem Variete als Frau auftreten. Ich saii zu meinem 
Entsetzen, daß ich nur einen Bademantel anhatte und fürchtete, daß 
dieser aufgehen könnte und alle mich sehen. Ich setzte mich dann in den 
Zuschauerraum. 

Auch der Bruder ist ein schwerer Parapathiker. Wir sehen, wie das 
gleiche Milieu, die gleichen Erziehungsfehler und das geraeinsame Trauma 
einen fast identischen Traum zeitigen. Wir finden die Schaubühne {Silvester 
Schäffei), den Bademantel, das Knlsetzcn, das Teilnehmen an einer Vor- 
stellung. ' ■ 

Ich war in einer Kinematographenvorstellung. Da sah man einen 
Gletscher, darauf kam ein Ehepaar und ein Führer herunter. Zuerst ging- 
die Frau in einem langen Toui'istenmanlel wie in einem Bademantel, dann 
kam der Mann mit einer Kapuze. Dann verschwand der Führer und an 
seine!' Stelle war ein Kreuz. Das Kreuz verwandelte sich in einen weißen 
Geist. Ich wollte aus dem Kinematographen entfliehen. Ich blieb plötzlich ■ 
stecken, der Geist mir nach. Ich erwachte mit Schrecken. 



ftf'JL. 



216 



Fetischismus. 



J^ '1 'i 
1 ^' 



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Die bokaimleii Sehemon tauchun wieder auf. Er blielit iii (Jen Kincmato- 
graplicii seiner Seele. Er sieht einen Gletscher, der wohl ein Symbol i'ür seine 
vereiste Sexualität darstellt. Sein Führer ist Christus. Er verwandelt eich ja 
in ein Kreuz! Er selbst ist in den zwei Komponenten (weiblich — männlich) 
ülä Ehepaar durgestellt. Wieder erscheinen der Bademantel und die Kapuze. 
Er ist ja bekanntlich der Büßer, der Franziskaner, Der Geist Christi verfolgt 
ihn und bedroht ihn. Er hat Angst, die Gebote der Religion zu überschreiten. 

Am Schlüsse dieser Traumreihe ein außerordentlich deutliches hypna- 
goges Bild (hypnagoger Traum). 

Ich wünsche, mein Leben sei eine Buße. Zuerst käme eine Öffentliche 
Beichte 111 der Franziskanerkirdie, dariiaeli eine lange Buße, bei den 
Mönchen, besonders öffentliche Durchpoitschungen, wobei ich auf ein 
Kreuz_ gespannt würde. Darauf fragte ich, warum ich so leiden müsse? Ja. 
ich beichtete, icli hatte Mutter und Vater getötet. Erstes ^yurde mir ver- 
ziehen letztes aber nicht. Nun fragte ich, wie hätte ich den Vater töten 
wolleii? Ja wurde gesagt, ich hätte ihn töten wollen, weil ich ihm 
das Hineinstecken mißgönnt hätte. Mir fiel die Ausseer Szene ein und ich 
horte Gott \aters donnernde Worte: „Zur Strafe, daß du ihn andern 
nicht hineinstecken ließesl, sollsl du ihn nie hineinstecken können! Dein 
Samen soll nutzlos auf den Boden spritzen! Deine Strafe soll sein deinen 
Penis 1.™ abzuschneiden und er soll dir immer wieder nachwachsen, 
eme evuge Qual! Denn du wünschtest, dem Vater den Penis abzu- 
schneiden! Nun bekam ich zur Strafe bei der Züchtigung konsiant Pol- 
lutionen, die al. ein Opfer aufs Kreuz fielen. M^J^!^^:^ ^'^^^ 
dio Mouche und wurde zu ärmeren Teufeln, den Soldaten gesleckt; mit 
diesen zog ich in den Krieg und wurde in Afrika von Schwarzen ge angen 
imd zu Tode gcmarleri. Im letzten. Moment k-nm-w p V* i -.i, 

.Ao die llc,™.t nicht „■*.. D„d. C„r«t „7:1':,^!* ^dt « 

:\rr ™»s jät^:.-" -'^ -'- -"- -^' -- ..d^S^.«., 

Dieser hypuagoge Traum spricht so beredt fr,,. ^.Jni w r,^ ,i .-. 
inerte der Christusneurose zu einem so deiUictn BiU ""** ^'^^^ ^"'/^T 
mir füglich die Analyse ersparen kann ''""'""''" ^'^^' zusammen, daß ich 

Alle diese vorgebrachten Träume variieren das «in. ti ^ . 

großen traumatischen Szene seines Lebens Sdn V^f^K^t '""i" 
Bade, als er gerade mit seinem Bruder s p Ul te Deshalb f ^"'^^'^^ " ''\" "" 
ein Spiel. (Theater, Variet, f^^^^r.^.'^:^^7S:^::':^^ 

meldeS':Srt'^Zc^2n/rdiS^;r;^r^, ^^\}f- ^^^^^T' 
innere Stimme rief ihm zu: ,,N i eh t an ; t h .'en?" ' "■'^^^'^" '^*'"' ^"'' 

Am nächsten Tage nach der Badeszene Vsm ,1«,. Vr^i , Tr u 

u.d sprach n,it jl,,», ,„hig „„d fre„„dlich"4';'Lth -etlicL'^ÖlS^dS 

-H a n K n n a a n n nicht g e li e n und m ü s s p i n. ti^ ^ c •■ u + 

werden. In dieser Belehrung sieht Herr Beta dl« '''} ^ ^^^^J^ S^i^^rt 

Lebens und die Wurzel seiner StraßenangsrErk . nT'''*t J'T '"T 
Prupliezeiung des Vaters ist eingetroffen _^ ' '^ ^ " " " ^ ^ h t g e h e n. Die 

Der Vater ist der Unglücksrabe, der ihm sein Sfiiini,. 1 -u -j. i -j. 

A„. d.se™ G^nde ™d weil de. Vale,- i^^'Z^t^^^^V^Z 



T^T" 



HBl 



AiialvsG eines Fiißfetiscliisteu. 



217 



don Bruder an den erotischen Spielen verhinderte, setzten eicii diu i'inöteren 
Kachegedaiiken in .seiner Seele fest. Jetzt verstehen wir erst seinen Fußfetisehis- 
nius. Er iet Lust und Buße zugleich. Auch diefelifichieliiiehcn Er- 
scheinungen können durch krtminelle infantile Phanta- 
Bienfixiortsein. Vielleicht iet das überhaupt der reguläre MeclKiiüsmus. 
Darüber können nur weitere Analysen, die das kriminelle Moment berüek- 
Kichtigeji, entecheiden. Im Palle Beta war das folgezidermaßen: Nach einem 
Bade (!) lief er mit nackten Füßen ohne Pantoffel im Zimmer herum. Seine 
Engländerin kam schreiend ins Zimmer und rief: „Du wirst dich er- 
kälten, dir eine Lungenentzündung li o 1 e n und sterben!'* 
iMs Barfußgeilen erhielt so eine Assoziation zum Tod. Seine (passiven) krimi- 
nellen Wünsche waren dann : 0, möge der Vater sich erkälten! Das. 
war seine Rache für die Badeszene und die Drohung wegen der Onanie. Dieser 
AVunsch wandelte sieh dann zur Angst. Der teure, vergötterte Vater durfte nie 
ohne Pantoffel durch das Zimmer gehen. Immer peinigte Beta der Gedanke, 
der Vater könnte sich erkälten. Eine zweite Angst war die Vorstellung, eich 
durrh einen Schiefer eine Infektion zuzuzielien. Audi diese Ängsten t- 
sprach einem vordrängten kriminellen Wunsche. 

Sein größtes Trauma ist der Tod des Vaters. Der Vater erkällote sieh 
und starb an einer Lungenentzündung. Der Vater hatte ihn vor einem Ver- 
hältnis mit der Tänzerin gewarnt. Er wußte, wenn der Vater stirbt, so würde 
er frei. Alte Todeswünsche erneuerten sich. Er wünschte dein Vater den Tod. 
AI? Reaktion auf diesen Wunscli traf die Angst auf, der Vater könnte sterben. 
Wir wiesen, daß er nach dessen Tode drohte, sich das Leben zu nehmen. Dats 
<ir .sieh einen Eid gab, drei Jahre nicht mit einem Weihe zu verkehren. Be- 
kanntlich hat er diesen Eid gebrochen. Er maclile A'ersuche, die allerdings 
i'esultatlos verliefen. Aber sein Fußfefischisnius wurde immer starker und 
G tärkcr. 

Nun kennen wir scino drei Sünden, die drei Lasten, die er hernnischleppt. 
Die erste d<u- Tiul der Muttur, die /.wolle der Tod des Vaters und die dritte, die 
Onanie — ist seine schwerste. Diese drei Sünden muß er büßen. 

Er will sich kastrieren und hat sich geistig kastriert. Aber er hat auch 
mit dem Gedanken gespielt, sich kastrieren zu lassen, um ein Heiliger zu 
werden und die Onanie zu überwinden. 

Seine Paraphilio ist dureh den Kastrationskonnilex noch weiter deter- 
miniert. Das werden wir gleich ersehen. 

Ich analysiere gerade mit Herrn Beta einen interessanten Traum. Der- 
eelbe lautet: 

Obwohl mein Schnurrbart kurz war, schnitt ich ihn noch mehr ab, 
und zwar mit einer Schere. Da war er so kurz, daß ich so gut wie ganz 
rasiert aussah. 

Er bringt selber die Deutung. Er will ein Weib sein und keinen Penis 
haben, Schnurrbart ist ein bekanntes Phallussymbol. Die Frauen fliegen 
auf einen großen Schnurrbart. Er verspricht gleich einer großen Nase einen 
grollen Phallus. (Blaubart, der große Frauenverzehrer, heißt nach 
Grimm ein potenter Mann mit großem scliwarzen Barle.) 

Beim Schneiden der Nägel hat Herr Beta Lustempfindungen. Er träumt 
aucli häufig vom Schneiden der Nägel. Wozu soll die Kastration dienen? 



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Fe tisch ism US, 



Mitten in der Analyse schläft er für eine Sekunde ein. Er hat ein merk- 
würdiges Traumbild. Eine Mandoline, in der er einen Menschen sieht. Dann 
merkt c-r. daß er der Mensch in der Mandoline ist. Er zeichnet sein Traumbild 
folgendermaßen auf: 




Das Traumbild lautet: 

Ich stand ober dem runden TeichT. Dann fiel ich nach vorne mit dem 
Kopfe zwischen Brücke B und Brett B' und konnte nicht heraus. 

Vorher dachte ich an einen Herrn Triasangoli, der einen bösen Rauf- 
handel mit einem Diener hatte. 

Nach allem, was wir gelernt haben, merken wir, daß es sich um eine 
Mutterleibsphantaeie handelt. Einzelne Bestandteile des Traumbildes sind iW^ 
wohlbekannt. Die Brücke, das Holz. Der runde Teich ist der Mutterleib, die 
Urueke die Vagina - der Weg ins Leben. Das Brett' verstellt den Ausgang. 

,.., , i^![ ^^^ ^^"" Beta der Träumer, der seine Mutter bei der Geburt ge- 
tötet hatte. 

Er phantasiert sich in die Lage zurück - nur mit einer Variation. Er 
kann nicht heraus . . . Eine seiner infantilen Geburtstheorien (seiner eigenen 
Geburt) ging dahin, er habe der Mutter den L^aib mit seinem großen Nagel der 
großen Zehe aufgerissen. 

h.i /''pV''''? ^^^'' ''l^'',' ^^^ -'''^^ N^Ecl der großen Zehe ist der Penis- Er 
hat die Phantasie er habe seine Mutter durch den erigierten Penis verletzt. 
Deshalb kann er keinem Weibe den Penis hineinstecken. (Oft stammt diese 
tS\ZT der Beobaditung der sich begattenden Hunde, welche häufig 
S Bill n J" ^''seinander können. Beta behauptet bestimmt, 

aies ma noch nie gesehen zu haben; dagegen will er es schon ^ 
früher,. Ja ren an Maikäfern, Fliegen und SchnSerln gen gesehen haben.) 
Sofort verschwmdet die Erektion unter Angstgefühlen 

im F.Srhtr^'V^'!^ ^'l ^^'^''^ ^^ ^"S^t^ i» de-- Scheide. Auf dem Lande, 
sl PenTs. ' ^^ '" ^™'^ (außerhalb der Vagina) steht auch 

er T?"L^^f,^'f"^ "^f^n^ "f '^'^ Verletzung. Zu Triasangoli assoziier^ 
lit al ?e t 1 'V'n'' ^''^^ ^'' charakteristische Drelzahl. die ^i-' 
erle .f P Tn '""^'S'^^}^'} ''^'^^"' ^^'^ ^^^ Angel, womit man Fische 
SnL . p-l/'r^^'^'! ^^' '^' ^"^'^^- d'« '^-* «i^" Widerhaken und 

Deshairdi«%X' H -r "^r^^ ''''^'^''''- D^^halb will er sich kastrieren! 

Phantasien bräbe' \ "" '^'l Schnurrbart abschneidet. Diese sadistischen 
4e sSL?tM Jn. ? '"""'5.^^^^ ^"^ Bewußtsein. Beta hat allen Grund, 

seine Sexualität einzudämmen. Er ist gegen die Frauen mit Haß eingest^W' 



Analyse eines Fußfetiscbistcii. 



219 



Er ist ein Frauenmörder. Er möchte einen RJesenpljallus besitaeii der die 
Frauen durclibohrt und tötet. Er ist Jack der Aufsehlitzor. 

Er muß daher den Frauen aiisweiclien und sich auf den Fuß zu- 
rückziehen. 

Das „N i c h t Ii i n e i n a t c c k e n - k ö n n e n" hat auch eine deutliche 
kriminelle AVurzel. Beta wollte Ja seinen Vater erstechen! Um eines Weibes- 
willen (wegen seiner Eügländerin) und um mit seinem Bruder ungestört 
spielen zu können, wollte er seinen Vater entleriien. Die Ohrfeigen und die 
Störung nach dem Bade halten seinen Haß aufgepeitscht. Jetzt leidet er an 
dem Imperativ der Reue. Deshalb entfernt er die Spitzen seines Schnurr- 
bartes; deshalb ist der Herr Triaeangoli, der einen bösen Rauf handel 
hatte, in dem hypnagogon Traumbildo erwähnt. Der sexuelle Akt des Hinein- 
steckens ist mit dem kriminellen Komplex zu innig verbunden. Jeder sexuelle 
Akt ist ein Mord! Jeder Mord ist verboten! 

Er hat aber auch allen Grund, sein Leben neu zu beginnen. Deshalb die 
Mutterleibsphantasie! Er ist in seinen Fetischismus eingezwängt wie die 
tigur in der Mandolmo. Er kann sich nicht mehr rühren. Er hat in dieser 
I'igur auch eine symbolische Darstellung seines Zwanges gegeben den er auf 
sich selbst ausgeübt hat. 

Andererseits muß ich hier auf eine bedeutsame infantile Wurzel hin- 
weisen, wolche uns alle diese Störungen als „ Psych osexuellen Infantilismus'- 
amfassen laßt. Der erste /:wang, deji ein Individuum erdulden inuß, ist das 
Emschnuren un Wickelpolster.^) In unserer Gegend ist das Einpacken der 
Kinder durcli Bander allgemein gebräuchlich gewesen, während es jetzt in 
besseren Kreise nicht melir üblich ist. (In Amerika und England längst auf- 
gegeben.) Das Wickelkind — nicJit. das im Stockkissen liegende Kind — ist 
oft das Vorbild der verschiedenen Einsclinürungspliantasien. Beta gleicht in 
dieser Zuiciiniing anffalloiid einen AViekelkinde. Er ist also ein ewiger Säug- 
ling, was durch manchen öciner Träume hoslätigt wird. 

Die psychische Inipidenz Betas ist nicbl nur Infantilismus, sie ist die 
Strafe für seine kriminellen Ccdanken, Auf diese Weise ist fast jede Impotenz ' 
zu erklären. Ans diesem Grunde träumen alle diese Kranken von Gewehren 
Revolvern, die nicht losgehen. Aus diesem Gründe ist der Selbstmord junger 
Leute eine so häufige Erscheinung. Wenn der Revolver schon losgehen soll, 
so ]:ann er nur gegen die eigene Brust gerichtet werden. 

Das hypnagoge Bild hat zu diesen Gedanken eine innige Beziehung. 

Die zwei B in der Zeicimung: B die Brücke und B das Brett geben be- 
zeichnenderweise BB — das ist ein Bebe, Als solches steckt er ja noch im 
llutterleihe. Er macht seine Gehurt rückgängig und konijiif als Mädchen (ohne 
Penis) zur Welt. Folglich kann seine teure Mutter am Leben bleiben. Er ist 
kein Muttermörder. (Er will aber auch kein Yatennörder sein.) 

Der runde Teich ist der Mutterleib. Der Diener symbolisiert den Vater. 
Er mußte als Kind vor dem Vater eine Verbeugung maclien, was man einen 
„Diener machen" nannte. Das hose Holz, das wir aus dem großen Traume von 
Kainz lind Gregori (S. 213) kennen, hat hier noch eine weitere Bedeutung. Sein 
Kopf ist mit einem Brett vernagelt. Die bösen Folgen der Onanie (Spielen der 
Mandoline) haben seine Parapathic verursacht. Ein Weib kann sich durch die 
Onanie nicht schwächen, weil es keinen Samenverlust hat. Dies hypnagoge 



') Vielleicht verlier d;iK Gopreßt werden 
piiantasie eine so große Bedeutung hat. 



iiji .Miilterlelb, da.« spatf-r nU Rürk- 



220 



Fetiscbisuius. 



1,.- ■ 



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Bild beweist uns, wie rasch sich die komplizierten und verworrenen Gedanken- 
gange eines Parapathikors in ein Traumbild verwandebi. Die Mutterleibs- 
phantasie setzte sich für einige Sekunden durch, als wollte er dem dringenden 
Wunsche Ausdruck geben : könnte ich mein Le b o n noch einmal 
beginnen! 

Derartige hypnagoge Bilder sind zu verstehen als ein Übergang von den 
unbewußten Tages Phantasien zu den Träumen. Oft Brechen solche Bilder auch 
bei Tage in das Bewußtsein der Patienten und Bie sind meistens sehr erstaunt, 
daß sie solche Phantasien haben. Alle diese Kranken haben ein doppeltem 
Denken. Neben dem Ijewußten Strome fließt \umnterbrochen ein Strom der 
Phantasien. 

Man kann diese Phantasien durch uin Verfahren bewußt machen, das 
ich als Produzieren von „künstlichen Träumen" bezeichnet habe. 

Man kann ruhig den Versuch wagen, jeden Menschen einen Traum 
dichten zu lassen. Dieser Traum wird häufig alle wichtigen Komplexe zum 
Ausdruck bringen und eine von den normalen Träumen sehr wenig abweichende 
Struktur zeigen. Man erhält so mühelos einen Tagtraum, der oft das- wich- 
tigste Material für die Psychanalyse zutage fördert. Ich lasse einen kiinsT- 
lichen Traum Betas folgen. Ich verdanke ihm sogar einen tiefen Einblick in 
das unbewußte Seeleniebon des Träumers. Es war gerade eine Stunde, da dem 
Kranken nichts einfallen wollte. Ich forderte ihn auf, einen Traum zu 
„dichten". Ich stell te nur eine Bedingung: Er möchte nicht nachdenken und 
sofort zu erzählen beginnen. Der Tagträumer schloß seine A.ugen mid 
• spj'ack - oiuie zu überlegen - so rasch, daß ich kaum folgen konnte: 

Ich war in einem Labyrinth mit ungezählten Gängen. Da war irgend 
wer vor mir; so sehr ich mich bemühte, ich konnte ihn nicht erreichen. 
Ich bin viel später hingekommen und mit Mühe und Not herausgo- 
kominen. Es komiiit mir vor, als wäre ich zii rasch herausgekommen. Ich 
war aiil Kreta und sah den Mlnos. Ich sah ihn mit einer Krone und einer 
furchtbar großen, dicken Schlange um den Leib. Mit der Schlange haut 
r; ^""^ 1;'' .^'^'^■'■'"^'^' ,^" daß es zusammenstürzt. Ich steige auf ein 
kleines Schiff und werde im ganzen Mittelländischen Meer von einem 
Sturni herumgcpgL b,s ich beim Papst Ruhe finde, der mich beauftragt, 
bartuß nach Jerusalem zu pilgern. Dann werde ich gesund. 

Von einem wirklichen Traume unterscheidet sich dieses psychische Ge- 
bilde durch eino gewisse logische S ruktur - es fehlt das Groteske und Un- 
smnigo mancher Traume - und durch einen siegreichen Optimismus. Der 
iraumer setzt hier mit emer Mutterleibsphantasie ein. Der Mann der vor 
Ihm war, ist der Bruder, den er um die Erstgeburt beneidet Er läuft ihm 



immer nach und kann ihn me einholen. Er hat aber eine andere Empfindung: 
Er wollte diesem „Jemand" so rasch als möglich n a c li- 
la uf an un d h atte d a b e i m , t ei nem Fußtritt seine Mutter 
umgebracht. Wir kennen ja diese Phantasien des unschuldigen Mnttei- 
morders, bei dessen Geburt die Mutter starb. Die Mutterleibsphantasie set.t 
sich im nächsten Bild fort Der Vater erscheint hier als Minos. (Vergl. „Der 
Erlkönig mit Krön und Schweif''), mit einem riesigen Hl.lr.n m.,.k,.„,» Mit 



umgebracht. Wir kennen ja diese Phantasie 

mf 

sich 

Erlkönig miL i^ron unu ocnweii j. mit einem riesigen, dicken Membrum. „Mit 

der Schlange haut er usw., verrät die Vorstellung einer Kohabitation, wobei 

die Mutter zugrunde geht. Nicht er ist Schuld an dem Tode der Mutter, 

sondern der Vater der B.e durch die Befruchtung und seine furchtbar dicke 

Schlange umgebracht hat. Auch direkte Phantasien, der Vater habe die Mutter 



,m 



Aualjse eines Fußfetisehisteu. 



•2-2\ 



umgobracht,. um mit iindefen Frauen zu leben und ihr tield zu ei'ben, sind ja 
Wi diesem Träumer nachzuweisen. Wegen dieser grundlosen Verdächtigungen 
machte er sich heftige Vorwürfe. Viele seiner Bußhandhuigen sind naehtrÜL- 
lichei' Gehorsam und tiefe Reue. 

Noch einmal (üuehl die -Miiltorleibsi)haiit;i^ie auf (kleines Schiff - Mit- 
te ländliches MeerÜ. Aber auch Mutive der Erlösung, der fliegende Holländer 
-Ahasver und Tannhauser gestalten sich zu einem Bilde. Die religiösen Heue- 
geaanken verdiebten sich ku einem Bußgan« zum Paps(, der auch den Vater 
Uap;i) rciirasentiert. Dei- Weg nach Jerusalem liat mehrfache Determination- 
1. Die lie.lige Stätte. 2. Der Ai-zt. 3. Ev lies! einen Ronum „Der beilige Öcara- 
jxuis von Else Jerusalem, dei' von Dirnen Imndelt. Religion, Medizin und die 
liaullichen l-rauen sollen ihn heilen. Dabei .soll die Buße, die der Papst ihm 
aiilerlegt, Ecnie höchste Lust sein. Mit nackten FülJen wandern ist ein per- 
manenter Kitzel, eine immerwiihiende Lust. Die Schlange weist noch auf das 
Paradies und auf den Siindenfall, Er sucht — wie der Patient Morels (B VI ) 
das 1 aradies der Tugend. Die Erde ist die Mutter — Mutter Erde Er will 
wieder mit nackten Füßen die Mutter Erde iiuaierw-ihrend berühren. 

Wundervoll ist die Plastizität dieses Traumbildes, wenn man es vom 
funh-tionulen Standpunkte aus betrachtet. Seine Seele ist ein Lahynnth mit 
ungezählten Gängen. Vor ihm geht jemand, den ei' nicht erreichen kann — 
sein Ideal Christus, der edle, roine Mensch. Er strebt einerji göttlichen Ziele 
/.ii. .\ber ei' wird gerichtet, .Minos ist dei' Richter der Unterwelt. Dieser 
Richter war icli, der ich ilun ein Spiegelbild seines inneren Menschen gezeigt 
habe. Das ganze Labyrinth seiner Parapatbie bricht zusammen. Daß ich mit 
einer Schlange das Labyrinth zerstöre, ist seine Angst, icli könnte ihn zur 
Sünde vei'leitcn. Er sucht eine anagogische Orientierung. {Silberer.) Er findet, 
daß ich ihm zu früli die Freiheit gebe. Er will noch büßen und sich in die be- 
wußte Religion retten. 

Überblicken wir die f,'anze Ki-ankeiigCHcliichte, so sehen wir i.i 
erster J^iiiie, daß der vormoiniliflie Pnrapliile (Pei'verse) eine Krankheit, 
^"cwahlt hat. die ihm i^estattet, das AVeih zu nuüden und seine Askese 
öiegreifli durchzuführen. Für alle diese Krankon ist dab Weib das Iiietru 
mentum diaboli, die Inkarnation der Sünde. Die Onanie wird noch als die 
geringere Sünde angesehen. Beta war so schlau, sich die Onanie als Strafe 
und Buße, als Icbensverldii'zondes Moment, als eigene Erfindung zurecht- 
zulegen. Wenn ich schon Lust empfinde, so zaiile ich es mit meinem 
Leben und meiner Lebenskraft. 

Seine sadistische Einstellung zum Weibe — wie oft werden wir ihr 
noch in diesem Buche begegnen! — trieb ihn in die Impotenz und diente 
dazu, die Paraphilie immer mehr auszugestalten. Der FuTs wurde ihm ein 
Symbol seiner Sünde und seines Strebens. Es war der enge, in einem 
Stiefel eingeschnürte Fuß, es war der gcQuälte, durch Druck und Hitze 
verwundete Fuß, der iiui am meisten interessierte und erregte. Der Fuß 
wurde ein Symbol seiner Kranklieit, seiner Seele, seiner eingesperrten 
Triebe, seines Ich. Impulse, die er zu fürchten hatte, wurden durch den 
Zwang des Fetist-hismus unschädlich gemacht. Er war groß in der Kunst 



222 



Fetischismus. 



tili ^i 



des UmkehrenB und Verkehmis in das Gegenteil. Sein maßloser Ehrgeiz, 
der kein Ventil fand, weil seine Kräfte zu großen Schöpfungen nicht aus- 
reichten, führte dm auf die Bahn des Verzichtens. Alles durch Aberzieht 
y.n erreichen! Ein zweiter Christus zu werden. Er, der Hasser und Mörder 
wellte cm Heiliger werden. Aber dieses Ziel war tief in seinem Innen, 
versteckt. Nach außen spielte er den Ungläubigen, den Monisten, den 
Atheisten den Freigeist, der sich über die Zeremonien der Religion 
lustig machte. Aber sein Fetischismus war eine Religion, die er sicli 
selbst konstruiert halte, und sein Gott hieß: der Fuß 

Es ist interessant, daß er die Analyse als Ungeheilter verließ. Er 

Z iwih F . "l "T ^'"'^ ^"^^^^^'^^ -d ^-nnte ihm nicht 
den liiumph. Er begab sich zu einem Masseur der ihn n-ich zw.'i 
AVochen allgemc..,- ICörpei-massage heilen korkte. ErlJ^te inet Vo;. 
v.ind zu seiner Heilung und gönnte den Sieg lieber einem unscheinbaren 
Masseur als einem Analytiker. Kurze Zeit nachher heiratete er und ist 
heute Vater mehrerer blähender Kinder. Der Fußfetischismus, die Platz- 
angst und alle anderen parapathischen Symptome sind gäizlich ver- 
schwunden. Aber er ist fromm geworden und inachf- 3,1. .^^"IJ''^" 
keit gar kein Hehl. Er benötigt nicht m 1 den rl ""^;^'"f^/7""^^S- 
Er hat einen direkten Weg zu seinem^ott gefuiZ ^^^'^'^^^^^'"^^^■ 

Er hat auf seine große historische Mission ver^inhf.f a ^, a 
Glück m erreichbarer Nähe. Sein Schuldbewuß . , '"'^'^ 

Ol- m der Analyse das Allgemein-M ns^^^^^^ ^^^^J^' ^'^ 

gelernt hatte. Er ist nicht mehr Sadist. ^ füXt '"''^ ^""" 
nicht. Er hat ihn durch das einzige Mittel ih. " Sadismus 

.hm empfohlen habe: durch die LiX Cer w!!" /d 't't '" f 
war unfähig, sich zu verlieben, weil er dTe P J, f .*^'' ^''^' "^'' ^' 
.obald er sich gefährdet sah. Er mußte erltT '"^ ' ""^ ' 

Frauen und zur ganzen Welt korrigie'-en. Umstellung zu den 

Der Fetischismus ist eine Religion rfp= H«.. ta .. 
steckt, aber er bricht bei verschiedenen Gel!Xit^r".'''t ^^VJ'"' 
Zwang führt zu Haß gegen den Zwang, dei s S^^^^^^ ^''''\ ^'^'' 

Alles und alle umschlägt. Die Zwang nerrosettt'"" T" 

Haßneurose. ^^ ®'"^ ausgesprochene 




Plexes-, welcher Ausdruck dem einseitigen WortV ^ T^ Y 
plex" entschieden vorzuziehen ist. „Kastrat.onskom- 

Die erste Entziehung war die Entwöhnun- im 1<! T .>, + 

I;h halte es f.r einen großen I^^^iehungsfeh,:r:"Kirde:'so1a^^^^^^^^^ 

1-eag.eren viel heftige,- auf die Entziehung 



Ammenbruet zu halten. Sie 



Analyse ciuos Fußfetiscliisten. 

- SSZ w^ ■^,::™'^^-^- -1^ ^'- Tä„zenn als GeUebte 

i^ogik «an „Du hast mu- so viel Lust geraubt, du wärest v.iptidVtet 
nur die geraubte Lust zu ersetzen." vLipuiciitet, 

Es ist s.br .Imraktcristisch, daß der große Ausbau seines Puß- 
ct.sc Msmus nach dem 2L Lebenswahre erfolgte, hmaor uoch war ihm 
der A\cg z«m Wo.be oflen. Da erkrankte sein gehebtor Vater und e^ 
erstor Gedanke war: „Wenn er jetzt stirbt, so bist du frei und der Wee 
.um V^eibe ist dir offen!" Als Reaktion auf diesen Wunsch trat ein! 
patiiülogisebe Angst auf, der Vater könnte sterben. Er erklärte dem 
Arxte, er werde sich sofort nach dem Tode des Vaters eracliießen Er ge- 
bürdete sich wie ein Walinsiimiger. Trotzdem konnte er am Grabe des 
Vaters keine Träne vergießen. 

Nun war er reif für die Buße. Nun konnte er sieh in seinen Feti- 
schismus vertiefen und den geschwollenen Fuß zu seinem Ideal erheben 
Er war ein großer Linguist. Er kannte, wie die Analyse beweist, die alten 
und modernen Sprachen sehr genau. Der „Scinvellfuß" war für' ihn 
8 d i p u s. 

Er hatte seine Mutter gei,ötet. Er hatte vielleicht auch seinen Vater 
getötet, weil er ihm den Tod gewünscht hatte. Er wollte auch seinen 
großen Rivalen, den einzigen Bruder töten. 

Das sind seine drei Verbrechen, um deretwillen er Buße tun muß. 
Die Fußreligion erlaubte ilnu, die Bußideen mit einer komplizierten 
Paraphilie zu einem Gebilde zu vereinen. Der Fuß wurde ihm Genitale 
und Religion, Sünde und Lust, Strafe und Belobung. 

Wir sehen, wie kompliziert die psychischen Gebilde des Petischis- 
inus gebaut sind. Als wichtigstes Moment konnten wir in diesem Falle 
die .„C h r i 6 t u 6 n e u r s e" nachweisen. 



924 



Fetischismus. 



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Aiiitlyric eines KiilifeUsKiiistoii. 



225 



Vemuchen wir dei. komplizierten Fußfeti.cliismus in seine einzelnen 
Bestandteile zu zerlegen. Der Fuß bedeutet: ' 

1. Genitale Bedeutung. 

a) Der Phallus mit der Vorhaut. (Sdiuh.) 

b) Dingam: Phallus imd Vagina. (Schuii.) 

c) Die Erektion. 

2. Seine Paraphilie. 

a) Sein Fetischismus, jt; 

b) Das Kind. 

c) Die Geburt. (Ausziehen des Schuhes.) 

d) SjTnbolißierung des Zwanges, 

3. K r i m i neU e Ideen. 

a) Der Fuß als Waffe. 
■ ■ b) Der Nagel als Waffe. 

c) Der blutende Mensch. (Objekt und Subjekt.) 

d) Der Schwellfuß. (Oedipus — Vatermord 1 

4. Religiöse Ideen. (Prospektive Tendenz.) . ' ■ 

a) Der Fuß Christi - mit dem Nagel ans Kreuz geheftet 
-: ^) i^er Büßer. (AJiasver — der fromme Pilger - Fliegende 

Holländer.) 

c) Strafe für seine Haßgedanken. 
•- d) Erlösungsideen. 

■ ' e) Der Märtyrer. 

5. M .u 1 1 e r 1 c i b B p h a n t a s i e n. 

a) Geburt. (Ausziehen des Schuhes.) 

b) Schutz im Mutterleib. (Regression — retrospektive 
■ ■ ■ Tendenz.) 

Siehe Schema S. 224. , • - ' ' 

Wir stoßen hier auf das Phänomen der Symbolverdichtung. 
Näheres über dieses und die anderen Pbünomen des Petiselnsmue 
werden wir in den nächsten Kapiteln erfahren. 



Stakel, StCransBU dsB THsb- nnd AfluktlebBOB. VII. 



16 



^ 






M 



IH 



n- 



X. 
Der Symbolismus des Zwanges. 

Ich habe am vorhergehenden Beispiele ausgeführt, wie mächtig der 
Drang des Patienten ist, einen eingezwängten Fuß zu sehen. Ein Fuß 
in einem weiten bequemen Scliuh reizt ihn gar nicht Der Frß soll 
die Spuren einer Mißhandlung, eines Schmerzes, eines Zwanges, eines 
Eingeschnürteeins tragen. 

Damit symbolisiert der Parapathiker seine eigene" ParapathJc. 
Der eingeschnürte Fuß wird das Symbol semer einf^eschnürten in ein 
künstliches System eingezwängten Parapathie. 

Jeder Fall von echtem Fetischismus, den wir analysieren wird 
dieses Zeichen des Zwanges aufweisen, .ja, der betreffende Gegenstand 
oder Körperteil kann nur fetischistisdies Svmbol werden wenn er 
einen Zwang ausübt oder wenn auf ilm ein Zwang ausgeübt werden 
kami. An dieser Erkenntnis, die wir durch zahlreiche Beispiele belegen 
können, müssen wir unbedingt festhalten. Wir ersehen aus ihr die 
spielerische Verwendung des S>™bols. Was der Petiechist einzwängt, 
das ist seine eigene Sexuaität. Ei' srbpim .■ i --i, ^ J T 
,1, , ■ -nr ■. , ., ecneint sicli über dem Normalen 

^tältt^^f :;"/ Tr/'f " ''' ™" 'i- -™-^- Gescl.lecl.ts- 
b ta igung ab. er i.t eigenthch abstinent, wie wir sehen werden fromm, 
Eisketisch und windet sich unter den Qualen der Askese 

Ich führe zur Illustrierung einen .-underbaren Fall' von lUveioC- 
Mhs n, den ich mit semer Erlaubnis an dieser Stelle publiziere.^) 
;■;;' /* ^rmge d.ese hochinteressante Krankengeschichte etw.s ver- 
kürzt. Sie bietet uns eine Fülle von Perspektiven. Ich kenne k.nn. 
einen zweiten Fall, der uns .0 viel Menschliches und Symbolisches in 
so gedrängter Weise berichten kann; 



1^1 



. ..\.L^-^t- ^ . 



iJor SyraliolismiiB dos Zwanges. ^27 

sexuellen _Dinge unkundig imd luiLte weder von Dienstboten noch von 
anderen Kindern je etwas darüber errahren, 

„Begegne ich einer Frau, die mir eehr reizvoll erscheint", schreibt er, 
„so ist mein Wune eh n i c li t, daß ich g ea chl c ch tl i cli e Ver- 
bindung mit ihr im gewöhnlichen Sinne haben möchte, 
.sondeni daß ich auf dem Fußboden auf dem Kücken liegen imd von ihr 
mit Füßt'u getreten werden möge. Dieser merkwürdige Wunsch tritt selten 
auf, nur wenn der Gegenstand meiner Bewunderung eine wirkliche Dame 
und schon geliaut ist. Sie muß clesant gekleidet sein — am liebsten in einen 
Abendmantel, ziendich hoho Absätze und niedrige Schuhe haben, die entweder 
i)ffen. so daß der Spann sichtbar wird, oder nur durch einen einzigen Riemen 
iider Band geschlossen sind. Die Rockränder müssen genügend erhoben sein, 
um mir don Anblick der Füße und eines nicht zu geringen Anteils der 
Knochelgogend zu gestatten, aber durchaus nicht etwa, bis zum Knie oder 
darüber, denn dann wird die Wirliung sehr gering. "Wenn ich auch oft eine 
geistvolle oder schöne Frau bewundere, so übt doch sexuell kein anderer 
Teil eine wirkliche Anziehung auf mich aus als ihr Bein vom Knie ab- 
wärts und der Fuß, ferner muß sie sehr sorgfältig gekleidet sein. Unter 
dieser Bedingung steigt mein Wunsch nach sexueller Befriedigung durch 
Uerühiung mit dem Teile, der nach an dem Weib interessiert. Verhältnis- 
mäßig wenige Frauen haben ein Bein oder einen Fuß, die .■schöu genug 
i^ind, um mich ernsthaft und nachhaltig zu erregen; wenn dies indes der 
Fall ist oder ich mutmaße es. so scheue ich keinen Zeitverlust und keine 
Anstrengung, unter ihren Fuß zu kommen und ich erwarte dann mit ängst- 
licher Spannung, mit der größten Energie getreten zu werden." 

„Das Treten nmß einige Minuten lang geschehen und zwar auf Brust, 
Abdomen, Inguiiiaigegßnd, zuletzt auf den Penis, der in heftiger Erektion 
längs des Abdomen zu konsistent ist, um durch die Kompression Schaden 
zu erleiden. Ich habe übrigens auch (.Tenuß daran, wenn nur durch einen 
I'Vauenfuß die Kehle zugedrückt wird." 

„Preßt die Dame scliließlich mit dem Gesicht mir zugewendet mit dem 
Niederschuh des einen Futves meinen Penis, so daß mir der hohe Absatz 
ungefähr auf das Skrotalendo des Penis fällt, während die Sohle den 
größten Teil seines. Reales bedeckt und mit dem andern das Abdomen, iu 
das ich das Eindringen des Fußes sehen und fühlen kann, wenn sie ihr 
(gewicht von dem einen Fuß auf den andern versdiielit, so erfolgt fast 
unmittelbar Ejakulation. Diese ist unter den geschilderten Umständen für 
mich ein Sturm des Entziiekens, während dessen das gamie Gewicht der 
Dame durchaus auf dem Penis ruhen nmß." 

,,Eine Ursache für meinen besonderen Genuß durch diese Art des 
Kontaktes scheint zu sein, daß zuerst der Absatz und dann die Sohle des 
tretenden Pantoffels den Durchtritt des Spemia und deshalb die wollüstige 
Krregung beträchtlich verlängert. Auch eine merkwürdige psychische Er- 
scheinung ist bei der Angelegenheit zu beachten. Ich stelle mir gern vor. 
daß die Dame, die mich tritt, meine Herrin, ich ihr Sklave sei und 
daß sie es tut um mich für einen gemachten Fehler zu bestrafen oder sich 
selbst (nicht mir) Genuß zu verschaffen." 

..Es folgt daraus, daß, je größer die .Mißachtung und die Strenge, mit 
der ich , .bestraft" werde, ist, um so grüßer mein Genuß wiid. Die Vorstellung 
von „Bestrafung" oder „Sklaverei" tritt selten auf, weim ich große Schwierig- 
keiten habe, meinen Wunsch m realisieren und die tretende Person mehr 

16* 



228 



Fetischismus. 



als gowöhiilidi hübsch und Bchwer und das Treten schonungslos ist. Ich 
bin manchmal so lange und so uiibannherzig getreten worden, daß ich 
jedesmal, wenn der Schuh auf meinen schmerzenden Körper aufgesetzt wurde, 
auszuweieheu versuchte und tagelang nachher braun und blau aussah. Icl» 
hin eifrig bestrebt, Frauen zu diesem Verfahren zu veranlassen, wenn ich 
glaube, daß ich sie nicht beleidige, und habe damit erstaunlich viel Glüdc 
gehabt. Ich muß unter den Füßen von wenigstens hundert Frauen gelegen 
haben, vnn denen viele aus der guten Gesellschaft waren, die niemals 
daran denken würden, den gewöhnlichen Sexual verkehr 
zu gestatten, die aber durch die Vorstellung, den in dieser Weise zu 
vollziehen, derart gereizt oder belustigt worden sind, dali sie es oft wiederholt 
getan haben. Ich brauche wohl nicht zu sagen, daßboiHerbeiführung 
des Orgasmus In dieser Weise weder meine noch die 
Kleidung der Damen verBchoben oder in Unordnung 
gebracht wird. Nach langen und verschieden fachen Erfahrungen kann 
ich sagen, daß memLieblmgsgewicht 10-il Stone beträgt und daß schwarze 
Schuhe mit sehr hohen Absätzen und braun..eidene Strümpfe mir anscheinend 
den größten Genuß veisehaffen und in mir die stärksten Wünsche erregen." 
Stiefel oder Straßenschnhe verleiten mich nicht entfernt so stark, 
obwohl .eh hei einigen Gelegenheiten ziemlich großen Genuß durch ihre 
Anwendung emplunden habe. N ackte Frauen stoßen mich zu- 
rück; ich finde auch kein Vergnügen, Weiber in Hosen zu sehen. Ich 
mißachte den normalen S ex u al ve rkeh r nicht und übe 
Ihn gelegentlich aus. Doch ist für mich dor Genuß viel geringer 
als der. getreten zu werden. Ich habe auch viel Vergnügen - und gewöhn- 
lich sterke Erektion - wenn ich .in W.ih .eh.,^Xhes, X ich otn 
beBchriobeu habe, gekleidet sein muß und welehftR ai,f ^ a l ^ ,. 

seinen Füßen befindliches herumtritt - etwa te Snl T. i /f 

Fußkissen, in einem Lehnstuhl mit Fußscher^e" ^L Th v I'. '1 
paar hübschen Damen hergeschlendert bei eL^ pZk t'e mem Ga^^^fi 

Als ich ein Knabe von ungefähr 14 Jahren war, befand ich mich 
einmal lange zum Besuche emiger Bekannter meiner Eltern Die Tochter 
des Hauses - das einzige Kmd -, ein hübsches kräftiges Mädchen, das 
gemS'"' ' ^1*^'- ^ar als ich, war mein hauptsächlicher Spiel- 

Di,.s.s Mädchen war immer hübsch gekleidet, besaß zierliche Füße 
und Knorhol und wußte dies natürlich. Wenn angängig, so kleidete sie sich 
so, daß Ihre Vorzuge am besten zur Geltung kamen - also mit kurzen 
Rocken und gewöhn ich mit kernen Niedersdmhen, die hohe Absätze hatten 
~ und sie war nicht abgeneigt, diese m sehr unterhaltender koketter Manier 
zur Schau zu stellen^ Sie schien eine gewisse Vorliebe zu haben auf Dinge 
zu treten die unter ihren Fußen nachgaben und zusammenfielen, z. B. Blumen, 
kleines Fallobst, Eicheln. Heuhaufen, Stroh und frisches Schnittgras. Bei 
unseren Spaziergängen durch den Garten, bei denen wir uns völlig über- 
lassen bbeben, hatte ich mir angewöhnt, ihr bei diesem Manöver zuzusehen 



■ )» 



Der SymbolismiiB des Zwauges. 



329 



und schalt eie. deshalb gewöhnlieh. Nun war es mir damals ein besonH^r«« 
Vergnügen - und ich tue es jetzt nocli gern - ausgestreckt auf einen 
dicken Kaminteppieh vor einem tüchtigen Kaminfeuer zu liegen Ein!« 
Abends befand ich micli wieder in dieser Stellung, wir waren allein und 
A. ging durchs Zurmier, um etwas vom Kaniineims au holen Statt über 
mich weg den Arm auBnuetrecken, tiat sie in neckischer Weise auf mich' 
wobei sie meint«, sie wolle mir zeigen, wie sie das mit dem Stroh und Heu 
täte. Naturgemäß gmg ich auf den Scherz ein und lachte. Nachdem öie 
einige Momeute auf mir gestanden hatte, erhob sie ihren Roeksaum leicht 
und streckte, indem sie sich an dem Kaminsims festhielt, einen ihrer zier- 
lichen Füße im brannseidenen Strumpfe und Stöckelschuh in den Lichfsehein 
dos Kaminfeuers, um ihn zu wärmen, wobei sie auf mich herabbliclae und 
über mein erhitztes Gesiclit lachte. Sie war ein ganz unbefangoncy, sehr 
reizvolles Mädchen und bin ich ziemlich sicher, daß sie, wiewohl ihr sichtlich 
meine Erregung und die Berilhrung meines Körpers unter ihrem Fuße IjL'liagte, 
bei dieser ersten Gelegenheit meinen Zustand nicht klar erkaunte, ich er- 
innere mich audi nicht, daß, obwohl mich das Verlangen nach sexueller 
Befriedigung fast anÜer mir brachte, bei ihr ein entsprechendes Gefühl durch- 
gebrochen ist. Ich faßte den erhobenen Fuß und küßte ihn und führte Ihn 
in absolut unwiderstehlichem Drange an meinen erigierlen Penis. Fast im 
Augenblick, als ilir Gewicht auf diesen liel, entstand zum erstenmal 
in meinem Leben ein vollständiger wirklicher Orgas- 
m ü 6. Keine Schilderung kann einen Bogriff von meinen Gefühlen geben ~ 
ich weiB nur, dals von dem Augenblick ab mein verschobener sexueller Brenn- 
punkt Inr ininier (jxiert war. Unzählige Male nach diesem Abende fühlte 
it-h dari Gewicht ihres zierlichen Pantoffels und nichts wird jemals dem 
-Andenken an den Genuß gleiclikommen, den ich damals bei ihr erfuhr. 
Ich weiß, daß A. mich mit eben solcliem Vergnügen trat, als ich es selbst 
daran hatte, getreten zu werden. Sie konnte sich ziemlich viel Tuilctten- 
HUBgabcn gestatten, und da sie bemerkt«, daß sie mir Vergnügen machte, 
liij kaufte" sie immerfort hübsche Strümpfe und zierliche Schuhe mit so hohen 
und spitzen Absätzen als sie finden konnte und demonstrierte sie mir dann 
mit dem größten Behagen, indem sie darauT bestand, ich müsse mich nieder- 
legen und sie auf mir anprobieren lassen. Sie gab zu, daß sie sie gerne 
in meinen Körper einsinken sehe, wenn sie darauf trel«. und freute sich 
iibei' das Knacken der Muskeln unter dem Absatz, wenn sie diesen iic^wegte. 
Nach einigen Minuten führte ich immer ihren Schuh an meinen Penis und 
sie trat bchuteam, aber mit ihrem ganzen Gewicht, ungefähr neun Stein, 
auf mich und betrachtete, mich mit glänzenden Augen, geröteten Wangen, 
zitternden Lippen, wenn sie, was deutlich der Fall gewesen sein muß, das 
Pochen des Penis unter dem Fuß spürte, wenn die Ejakulation erfolgte. 
Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß sie gleichzeitig Orgasmus hatte, 
obgleich wir niemals offen davon sprachen. Dies geschah mehrere Jahre 
liindnrch fast bei joder günstigen Gelegenlieit, die wir halten und nach 
einem oder zwei Monaten der Trennung, vier- oder fünfmal an jedem Tage. 
Einige Male maeturbierte ich in A.'s Abwesenheit, indem ich mit ihrem Schuh, 
so etark ich konnte, meinen Penis drückte und mir dabei vorstellte, sie 
träte mich. Der Genuß war dabei natürlich viel scliwächer. Niemals war 
zu irgend einer Zeit zwischen une die Kede von normalem Sexualverkehr 
und wir waren beide sehr zufrieden und ließen die Dinge so gehen. Als 
ich etwas über 20 Jahre alt war. ging ich auf Reisen, nach meiner Wieder- 



■230 



FetJBcliisQius. 



kehr, di'ci Jahro spater, [and ich siö verheiratet. Obwohl wir uns häutig 
eahen, wufde doch nie auf den Gegenstand angespielt, wir bliebun aber 
gute Freunde. Ich gestelie, ich habe dann oft, wenn es nicht beobachtet 
werden konnte, nach ihrem Fuß gesehen und würde gern das ^''ergnügen 
akzeptiert haben, das sie mir durcli gelegentliche Wiederaufnahme unserer 
tiiei'kwürdigen Praktik hätte gewähren können. Aber es kam nie dazu." 
„Ich ging dann wiederum auf Reisen. Jetzt ist sie und ihr Mann tot.'' 
„Von Zeit zu 7^e\i hatte ich gelegentlich Beziehungen zu Prostituierten, 
etets in der gedachten Weise, ich ziehe gleichwohl eine Dame aus meiner 
geeellschaftlichen Klasse oder darüber vor, die das Treten an mir ausüben 
■will. Das hat aber inerkwüi-dige Schwierigkeiten." 

„Von den etwa 100 Weihern (die meiner Schätzung nach in der Heimat 
und in der Fremde auf meinem Körper gestanden haben), kann ich sagen, 
daß 80—85 keine Prostituierten waren. Höchstens 10—1^ PmnfpnHp,, dabei 



3chst«ns 10—12 empfanden dabei 
sexuelle Erregung, aber wenn sie auch offenbar Erregung zeigten, 60 wurden 
sie doch nicht befiiedigt. Soviel ich weiß, hatte A. allein davon vollständigf^s 
sexuelles Genügen. Ich habe nie eine Fi'au mit vielen Worten aufgefordert, 
mich zu treten um micli sexuell zu befriedigen (Prostituierte ausgenommen), 
sondern immer versucht, dies m scherzhafter oder neckender Weise herbei- 
zuführen und es iet sehr zweifelhaft, oh mehr als einige wenige verheiratete 
Frauen wirklich gewußt haben, selbst wenn sie mir den äußersten Genuß 
gegeben hatten, daß sie es getan hatten, da meine Aufregung und die Be- 
wegung nieiuemeits unter ihren Füßen ebenso gut den Tritten zugerechnet 
werden konnte, mit denen sie mich regalierten. Ge^^^iß haben viele ver- 
standen, nachdem sie es einmal getan iiatteu (und die meisten taten es nur 
einmal), um wae es sich handelte, imd obwohl weder sie noch ich ie davon 
sprachen, so waren sie doch nicht abgeneigt, mich so viel zu treten als ich 
ver augte^ Ich glaube nicht, daß sie selbst dabei ein sexuelles Vergnüge.^ 
hatten, obwohl sie offen eehen konnten, daß ich es hatte und sie weigerten 
sich nie , , es mir zu gewahren Ich habe bei mancher Frau mehr als ein Jahr 
gebraucht, um meinem Wunsche immer näher zu kommen - und habe oft 
zuletzt erreicht, was _.di wollte noch öfter ist es mir aber mißglückt. Ich 
nskiere es nie bis ich sicher bin. daß ich mit meinem Verlangen Glück 
haben werde und liabe nie eine ernste Zurückrv'eismig erlebt. In sehr vielen 
FaUen kann ich sagen ist die Gewährung meines Ansinnens von dem be- 
treffenden Weil) als Nachgeben auf eine einfältige, vielleicht spaßhafte 
Grille betrachtet worden, an welcher ihr außer der Neuheit des Reizes einen 
Mann zu treten, nicht viel gelegen war. G a n z w i e b e i d e r n o r m a 1 e E 
Verfuhrung ist der Versuch, das Weib dazu zu bestim- 
men, was ich will, ohne ihrea Widerstand zu erregen, 
ein großer Teil des Reizes für mich und je höher die Gesell- 
«chafteklasse ist, der es angehört, um so schwerer wird dies und um so an- 
ziehender. Ich habe gefunden, daß drei Prostituierte anderen Männern 
denselben Dienst erzeigt haben und alles Nötige darüber wußten Es ist 
nicht uninteressant, daß diese drei Weiber sämtliche von schönem starken 
Körperbau waren - das eine ungefähr 10 Zoll und 5 Fuß und fast U Stein 
schwer -- aber eigentlich nichtssagende Gesichter hatten. Das Gewicht, 
der Körperbau und die Kleidung erregt mich gleichzeitig ebenfalls sehr stark. 
Ich hnde, daß ein plötzlicher Stoß im äußersten Moment des sexuellen Ge- 
nusses diesen zu erhöhen und zu verlängern imstande ist Mein p^vchischea 
Genügen geht auf den Umstand zurück, daß, wenn die Frau mit ihrem ganzen 



Der SymboliemiiK des Zwanges. g-j-r 

G-ewiclit auf lueiriem Penis steht, welcher awisclien ihrem Fuß und dei' 
nachgiebigen Unterlage meines eigenen Abdomen liegt, in welchen er tief 
eindringt, die Ejakulationä^eit und der Orgasmus anßeryrdontüch lange 
währt. Deshalb habe ich auch die große Vorliebe für die Niederschuhe mit 
den hohen Absätzen. Das Sporiua muß durch zwei verschiedene Hindernisse 
hindurchgepreßt werden — einmal den Druck des Absatzes dicht au der 
Peniswurzel und zweitens den Fußballon, der die obere Hälfte zusamnien- 
echnürt; zwischen diesen bleibt nur das Stück unter der gewölbten Sohle 
des Schuhs frei. Der Genuß ist durch die Urinretention sehr erhöht und 
ich suche doshalb immer soviel Urin, wie mir möglieh ist 
zurückzuhalten. Gewicht, Körperbau und Kleidung tragen sehr zii 
dem Wunsche bei, gerade von dem bestimmten Weibe, das mau liebt ge- 
treten zu werden, ^ . 

Ich habe diesen Fall hier mitgeteilt, obwohl es sich um eiae 
Mischform handelt. ÜBmi der Mann verkehrt mit Frauen, seine Para- 
pliilie verlangt die Anwesenheit der Frau, der Stiefel wird nur im 
Notfälle zur Onanie herangezogen. Die Pamphilie hat ihn noch nicht 
isoliert, noch nicht ganz vom Weibe abgedrängt. Er ist nicht impotent 
und nicht asozial. Audi die Eroberung der Frau macht ihm große 
Libido. Die Realität siegt leicht über die Phantasie. 

Aber der Fall zeigt die Mai'hl des ersten Findruckes . . . Und 
doch? Was hätte dieser Eindruck auf einen anderen Menschen wirken 
können, dessen s]iezifisc!ie Phantasien in eine andere Richtung gingen? 
Ferner läßt uns die frühe Jugendgeechichte des Herrn C. P. im Sticli. 
Wir wissen nicht, ob hinter diesem frühen Eindruck nicht noch ein 
viel wichtigerer, ganz infnntilei eich verbirgt. 

Davon abgesehen, illustriert der Casus den Kampf gegen die 
Libido und die Macht des Zwanges. Die Sinnlichkeit ist 
B t ä. r k e r a 1 s d e r T r i e b z u r R e i n h e i t. (Der antisexuelle 
Instinkt von James.) Das Weib, die Personifikation der Sünde ist 
stärker als der Mann, welcher die Widerstandskraft der Tugend sym- 
bolisiert. Was diese Szene ihrem tiefsten Wesen nach bedeutet, da^ 
werden wir erst bei der Besprechung des Masochismus ^) erörtern .imi 
ausführen können. Sicher ist, daß dieser Mensch sieh gegen die Herr- 
Fchaft des Weibes sträubt und der Sieg des Weibes nur ein scheinbarer 
ist. Denn er läßt die Frauen unbefriedigt weiter ziehen, als würde er 
Sic zum Besten halten. Als würde er ihnen sagen: „So, jetzt seid ihi- 
erregt und erwartet alle, daß ich eucli koitieren werde. Ich tue es 
aber nicht. Ich bin befriedigt und um euch schere ich mich nicht. . . .'' 
Daher mag es kommen, daß die meisten Frauen diese Prozedur 
nur einmal vollführten. Frauen lassen sich zu den sonderbarsten 
Prozeduren bringen, wenn sie dafür durch eine gute Potenz des Partners 



1) Band VIU. 








FetischismuB. 

pntsohädigt werden. Fällt diese Befriedigung aus, so haben sie kein 
Interesse an dem „erotischen Symbol ismus'' (Bavelock-EUis) ihres 
Partners. ■ . 

Ich möchte noch die eptszifische Färbung der lusterre^enden 
Objekte hervorheben. Alle Fetischisten beschreiben uns in ausführ- 
lichen Worten die besonderen Eigenschaften, die sie von ihrem Fetisch 
fordern. Je sonderbarer und verrückter, desto stolzer scheinen sie auf 
ihren Geschmack zu sein. Ich habe es beobachtet, daß sie genau auf 
das Gesicht dos Arztes blicken, wenn sie ihre Absonderliciikeiten er- 
. zählen und sehr beleidigt sind, wenn er nicht in besonderes Erstaunen 
gerät. Ich sah den Mann, der in Wien dafür liekannt ist, daß er von 
einer jeden Prostituierten verlangt, sie möge ihm Federn in den Anus 
si.ecken, worauf er lebhaft „Kikeriki" schreit. Ich hörte seine Erzählung 
an und machte mir den Spaß ihm zu sagen: „Sie sind nicht der Einzige. 
Ich kenne eine Menge solcher Männer, die den Hahn spielen ■' Er 

war darüber sehr beleidigt, war sichtlich verstimmt und bemühte sieh 
zerstreut zuzugeben, daß es für ilm sehr beruhigend wäre daß er noch 
Leidensgenossen habe . . . Wiedergesehen habe ich ihn 'nie mehr im 
Leben. . . . 

■ ^ Das zeigt, daß der echte Petischist in dem Wahne lebt der 
Einzige und ein ,,Aueerwählter" zu sein. So ist auch die Oberfläche 
des Fetischismus ein Zerrbild der großen hietoi-isrhen Mission 

Am-h Herr C. P zeigt den Stolz des Parapathen auf seine ahstruse 
Fonn der Gesrhlcrbtsbefriedigung. «ein dominierender Gedanke ist: 
Werde '^l^ diene trau dazu bringen, daß sie sieh in die spezifische 
Situat.on begibt? Hat er sie dahin gebracht, daoin triumphiert er über 
.le. . Ich kenne Manner, die eine Erau erst dann als ihren sicheren 
Wz betracMen wenn sie ihnen die Fellatio gemacht hat. Das 
Weib wird unter der Maske der Herrschaft erniedrigt. Mit außerordent- 
hchem Raffinement ist diese Situation in den Dienst eines Frauen^ 
Verächters gestell Denn das Resultat seines Lebens heißt: Alle 
Frauen sind schlecht; alle kann man mit Geduld und Ausdauer daliin- 
bringen,, wohin man sie haben will Die narbt« t? , i ■ „ 

- , -1 1, C1- ^--n. ., " - - . uie nackte Frau als soIcüb 

reizt lim nicht, bio stoßt ihn sogar ab V,- i-+ t ^ t ■ ■ 

, , T. i- 1 ■ . . - , ., '*"■■•■ i^i ist auf der Linie zum 

echten Fetischisten und m der Mitte stecken geblieben 

^ Bedeutsam ist daß der Druck auf den K e h 1 k o p f den gleichen 
Orgasmus auslosen kann. Hier schimmert die kri m in el 1 e Wurzel 
seiner Paraphilie durch, welche nach dem Gesetze der Talion gebaut ist. 
(Phantasien, einen Rivalen zu erdrosseln. Der Penis ein Symbol dieses 
Rivalen - viel eicht des Vaters. Verlegung von oben nach unten.) 
Das Weib mi dem Absatz scheint nur eine bisexuelle Bedeutung zu 
haben: Das We.b mit dem Penis, das Urideal vieler Männer. Funktional 



'\ 



Der Symbnlismiis des Zwanges. _ oaj, 

ist seine Paraphilie zu veretehen als eine symbolische Konzession an 
seine latente Homosexualität. Das Weib in ihm siegt über den Mann 
Der Mann ist der gedrückte, gepreßte, eingezwängte, unterworfene . . ,^) 
Der Druck auf den Penis, der Druck auf die Hand, der Druck 
eines Kleidungsstückes (enge Hose), der Druck des Korsetts (wir 
haben ein entsprechendes Beispiel keimen gelernt), einer engen Weste 
enger Handschuhe, die fest pressen müssen, einer engen Kappe kann 
eine spezifische Liebesbedingung sein. 

Interessant sind die Fällo, in denen von dem Besitz des Objektes 
ahgeeelien wird und der Druck allein genügt, um Orgaöuuis auszulösen. 
Es muß aber nicht wie im vorhergehenden Falle der Druck auf den 
Penis sein, es genügt der Druck auf den Arm oder auf die Zehen. 

Ein derartiger Druck kann d™ "Weg zum normalen Koitus bahnen. 
So erzählte mir ein Herr, daß er sicii ein Jahr lang vergeblich um eine - 
Dame beworben hatte. Einmal faßte er sie hart am Oberarm an, drückte ' 
sie fest und sagte: ..Ich könnte Ilmon weh tun! Sie Grausame!" In 
diesem Momente wird die Frau blaß und sinkt ihm in die Arme. „In 
den Olierai-m drücken hallen Sic nicht dürfen! Da werde ich schwach 
und kann niclit widtii^slchen." Sla wurde sein. Vergeblicli beiuüiite er 
sich den nädisten Tag, sie zu erobern, Sie widerstand hartnäckig. Da 
erinnerte er sirli an ihren Oberarm und drückte- sie so fest, daß sie 
Schmerzen empfinden mußte. Wieder wurde sie willenlos und ergab sich 
ilun. In der Folge merkte er sich, daß dieser Griff der Schlüssel zu 
iJirem Körper wai'. 

■ Ein echter Druckfetischist verzichtet auf den Besitz des Partners 
und suclit mir die Gelegenheiten, um an irgend einer Stelle des Korpers 
gedrückt zu werden. In der Elektrisclien, in den Omnibussen, in jedem 
Gedränge gibt c^ ein paar Druckfetischisten, die auf ihre Rechnung 
kommen. 

Ich bringe hier den klassischen Fall von Fer^, der wohl einzig 
dastehen wird, weil er dies Symptom in deutlichster Ausbildung zei^t. 

Fall Nr. 13. M. V., 38 Jahre alt, Branntweinbrenner. Schon in seiner 
Kindheit traten vciäcliiodeiio neurotische Zuatände auf. Er litt während des 
Zahnens an Kranipfaaialleii, hid zum Eintritt der Pubertät an Pavor nou- 
turnuri lind ;in Eiiureeis. Noch jetzt erwadit er von Zeit zu Zeit bald nach 
dorn Einsclilaten mit angtitlicben Beklemmungen, ineidlcna iid'ulge von Über- 
müdung oder VordauungüBtöruiigen. Er hat wäln-eiid seiner Studien Fleiß 
und Intclligüiiz bcwiopini; in seinem 18. Jahr hatte er zwei akademisdio 
Prüi'ungeii mit Erfolg bestundeai. Im Lyzeum, wo er, wegen seiuer nächt- 



') Der Fall zeigt duutliclio Beau'huiigcn zur Urinsexualif.üt. (Siehe Bd. V.) 
I'ie volle Ulasc erliöLt den Genuß. Sollte nicht der erste Zwang von der Blase :tus- 
gcgaiigeii Boin? Waiirscheinlich heeteliQU SpielcL-eien mit der Blase, die der Patient in 
meiner Krankengeschiclite verschwiegen hat. ■..■.- -. . --.■■: 



ä34 



Fetischismus. 



liehen Zustände, nur halb intern war, hatte man ilim wegen seines zarten 
Teiat«, seiner weichen Haut und seines mädchenhaften Aussehens den Spitz- 
namen „Fräulein V " gegeben. Er nahm niemals an don lärniendeu 

Spielen seiner Kameraden teil und liebte die Einsamkeit. Er erklärt ganz 
entschieden, während seiner ganzen Schuheit keinerlei sexuelle Regungen 
gehabt zu haben; er hat selten nächtliche Pollutionen mit Traumbildern 
oder Lustgefülilen gehabt, war aber in der Folge immer inüde und sein 
Widerwillen gegen die Gespräche seiner Kameraden über geschlechtliche 
Dinge stieg. Er hat sich nie besonders zu den Knaben, mit denen er in 
Berührung kam, hingezogen gefühlt und junge Mädchen jagten ihm seit 
seiner Pubertät einen wahren Schrecken ein, hauptsächlich jene die ihm 
wegen der Zierlidikeit semer Ersclieinung und seines Benehmens besonderes 
Entgegenkommen bewiesen. Noch die Ermnerung daran rief einen Schrecken 
hervor, welcher im erröten machte, Er war 18 Jahre alt, als er zum ersten 
Male eine sexuelle Empfindung die von einem Wolluetgefühl begleitet war, 
hatte. Er machte init emer vielköpfigen Familie in einem Break, welches zu 
klein war um mehreren Leuten das Sitzen zu gestatten, einen Ausflug; 
mehrere Kinder standen zwischen den Erwachsenen. Ein junges Mädchen 
von beilaulig 12 Jahren kam gerade vor ihm und nach und nach zwischen 
seme Knie zu stehen mdem sie ihm den Kücken drehte. Erst war er sehr 
pemlich berührt, nachdem er sich aber unbeobachtet sah, beruhigte er sich. 
Die Reibung rief bald eine Erektion hervor. Beim Hin- und Herschutteln 
des Wagens trat ihm das kmd auf den Fuß und er bemerkte daß dieser 
Druck das Wollustgefuhl und die Erregung erhöhte. Infolge ein^- heftigeren 
Erschütterung des Wagens, die einen stärkeren Dmek des Puße^ zur Folge 
hatte trat die Ejakulation ein. Er empfand eine eexuelS ß^ädlg ng die 
von keinem penihchen Gefühl, wie es gewöhnlich die nächtliche Polluüon 
zur Folge hatte, begleitet war. Am Heimwpr- w^- ^ ■ "i v,,a 

welches vor ihm den Platz des jungen Echpn? T ^l^^'^' ^ 

,-, ■ i. ) ■ L , , ■'""S'*" Maacüens einnahm. Es war eine 

traO wWe, .iO „ne,., lobhata WclJeMl Z Ze^elT™ 
Orgasmus gefolgt zu sein. D eses Fehlen dpr F^+.t, «lesmai vu« 

in ein den ganzen Tag andauerndes G fühl der F^^"^ ^""'"'^ '^l 
angenehmen Geiuhle, welche durch den ]> nck ts ^^^ diese ubera,^ 

waren, hielten den ganzen Tag an. Von da a^ h^f ':T'!^'^\T7.^^^ 
oftmals wiederholt, wobei er einen KitzeSz und Kall in^H ''t-n'"' ^' ^ 
Von diesem Augenblick an haben ihm d Anbhc^un^^^^^ 
Frauen nicht mehr dieses Gefühl der An-tTi t Berührung von 

hatte, eingeflößt; aber sie riefen keLtx^ellenwSsS '"''? T''"" M 
liehen Pollutionen, die früher sehr JX .1 ^™^"^^f ^^ch. Dienacht- 

..„„..., .u.acteeu.e,, hatt,n:t.:*:LTSr™ vtTiiJ:^. 

fahre,, and dabei f™ Gedränge ™ Sn Er hattft k '\?°=f i'"'' ,h°. 
intensive GeMÜ gehaR Die Pa'japhiHe f ^0^2 s f ,:;'etr];itt n' 
durch nur m qualenden Gedankengängen und Traumon * l --v: / i .. 
Geschlecht gar keine Anziehungskraft aTihn aus "^"^ ^^ " 

Mit 27 Jahren ist er nach Paris gekommen. Seither passiert es ihm nun 
öfters, daß er im Omnibus von Leuten Hi« ai, ;t„« paosici u es iimi 
anf den F„« getreten „i,d. Zu^uT^J^ Z '^S J^^t^^T^i 



» 1 



I , 



1 . 



Der Symbolismus des Zwanges. 



33a 



dftr 

der 
an, 
Böi 
rief 



in den gepflaatei-toii Straßen, wo eis durch die nieehaiüöt-he Tätigkeit d^i- 
Ei-ecliütterung vorbereitet war, geltend. Nach und nach lialjeii eich dieselben 
Sensationen sogar in der Trambalm eingestellt. Zuerst waren es nur junge 
Madchen, welche diese Sensationen, ohne Bein Zutun, hervorriefen. Dann 
hatten alle Frauen dieses Privilegium und er fing an die Gelegenheit m 
euchen, die diese Erregungen auslöste, trut/deni ^-ne nie genug lange dauerten 
um den Orgasmus herzuführen, öfters ]jroduziert«n diese Erregungen in dw 
darauffolgenden Naclit Träume, welche ein immer stärkeres Gefülil 
Müdigkeit bei ihm zurückließen. 

Eines Tages, als er mit dem Omnibus fuhr, sah er. daß sidi auf 
Plattfoi-m nur Frauen befunden. Er bot einer von ihnen seinen Platz 
weniger aus üöfliclikeit, als um sich den anderen nähern zu können 
jeder Unebenheit des Bodens, bei jeder Änderung der Fahrtrichtung ,,„. 
die Erschütterung ein Sciuvanken des Körpers hervor und nötigte die'PuJi- 
ttellung zu ändern. Er empland ein ungeheures LustgefüliI; da sein sexuelles 
Verlangen nur auf die Berührung mit dem Fuß eingestellt war, trat nach 
kurzer Zeit dei' Orgnsnms ein. Er nahm die Gewohnheit an, sich in den 
.Straßenbahnen su nali als möglieh zum Eingang zu stellen und die Füße 
vorzustrecken, wen» er sah, daß eine Frau an ihm vorbeizugehen sich aii- 
fcchickl-c. Es war eine Enttäuschung für ihn, wenn riie ilim auswich oder 
wenn sie sicli ont-^f.hiddigle und ihm auswich; er bemerkte übrigens, dnß dies 
seltener der Fall war als mau glauben konnte, denn die Frauen genierten 
tick nicht im geringsten und entschuldigten sich selten. Wenn das Darauf- 
treten eich wiederhülle, so eniphndet er iniinclimal voUkonnnene Befriedigung. 
Er war zirka 31 .1 a h r e ;i- 1 1, als ihm infolge v o n f r u- 
1 1 r a n e n Erregungen z u ni c i' s t i' n Mal de i' G c dank e k a ni, 
n u r m a 1 e B t- z i e h u n g e n zu s u c ii e n, besser gesagt, er sieht 
ee plötzlicli ein, eher um seine Neugierdezu befriedige ii, 
als von einem normalen Instinkt getrieben. Der Versuch 
wurde in einem öfl'entlichcn Hause gemacht; nach der Ejakulation, welche 
er nur schwer erzielte, verspürte er eine ungeheure Müdigkeit und einen mi- 
ühenvindliclien Ekel, Der Ekel wirid mnso befremdender, als das .Madehon, 
niit welchem ihm der Zufall zusammenführte, durch <lie rührende Schilderung 
ihres Schicksale eine menieiitane Sympathie und Anteilnahme in ihm wach- 
rief, die ihn noch heule in der Erinnerung in Erstaunen vei-sotzen. Ein 
zweiter Versuch, den er nicht viel später ausführte, mißlang wieder; lui- 
glücklich über seinen .Mißerfolg ließ er sich ohne Erfolg von dem Mädchen 
auf die Füße ti'eten. Scheinbar hat diese Art von Erregung mir die starke 
M'irkung, wenn sie unerwartet und in einer bestimmten AA'eise öffentlich 
hervorgerufen wird. Seit diesen wiederholten Mißerfolg macht ihn der Ge- 
danke traurig, daß er anders sei als die anderen Männer, daß man es vielleicht, 
besonders die Frauen, bemerken würde; er bekam Anfälle von Depression 
und gab 1894 seine Stellung auf. Er hat sich, allerdings ohne zu exzessieren, 
dem Alkohol ergeben; aber bald fing er an an Schlaflosigkeit und epitepsie- 
aitigen. nächtlichen Anfällen zu leiden. Als er hörte, daß der Alkohol neue 
Leiden hervorrufen könne, hat er ihm plötzlich entsagt; zur selben Zeit 
brach er brüsk alle Beziehungen ab und zog sich in die Einsamkeit zurück, 
wo er sich nur religiösen Beschäftigungen hingibt. 

Als er die epilepsieartigen Anfälle hatte, war er 34 Jahre alt. Seine 
kleine Gestalt, seine eunuchenartige Stimme, die fahle Hautfarbe und die 
blonden Haare gaben ihm aus der Feme das Auesehen eines ganz jungen 



-%---.-3«m^ 



236 



Fetiscliisums. 



II 



Mannes. Trotzdem war er wohl proportioniert, zeigte keinerlei Deformationeii, 
bis auf eine Schwimmhaut zwischen zwei oder drei Zehen auf heiden Füßen. 
8eine Geschlochts teile waren ohne Deformation und von nomialer Größe, 
(liß AL^liHcIliöhlon und der Schamberg waren ziemlich behaart, aber der ganze 
übrige Körper war unbehaart und im Gesicht trug nur das Kinn einige 
Bpärliche Härchen. Seitdem er der Melancholie verfallen ist. hat er ein 
greisenhaftes Aussehen bekommen, sein Körper ist gebeugt seine Hant ver- 
schi-umpft und runzelig und sein Blick ist stumpf geworden. [L'instinct 
sexuel. Evolution iet dissolution par OLFire, Paris 18<)q Fpliv Alrni 
Editeur {S. 262-265).] ' 

Wir besitzen leider keine Analyse dieses bemcrkcnswerton Falles, 
aber wir können konstatieren, daß sich zugleich mit dem Drnckfeti- 
Pchismus die Unfäliigkoit zeigt, den normalen VerkeJrr auszuüben. Audi 
iniiiidet som Leben in einen religiösen Dämmerzustand 

Alle diese Kranken haben ein tiefes Schuldbewußtsein. Ohng 
Schuldbewußtsein gibt es keinen echten Fetischismu. Der Fetisch 
stellt dann Lust und Strafe zugleich dar. Ursprünfrlidb soll der 
Sclmierz (he Lust vertreiben. Der Kranke will sich durch Schmerzen 
für seine sexuellen Sunden strafen. Er zieht enge Schuhe an. um durch 
den Schmerz den Fuß als Fetiscli zu vergessen. Da schleicht sich die 
Sexualität in das Malium, das sie verdrängen sollte, sie bemächtigt 
sich des Schmerzes, Unlust wird zur Lust und schließlich -ehen Unlust 
und Lust eine dauernde Verlötung ein. Aber der Hauptzweck iet er- 
reicht. Das Weib is ausgeschaltet (resp, der geschlechtliche Partner!. 
Es handelt sich in allen diesen Fällen um Infantilisten für die nur drr 
Koitus, das Hinemstecker. des Penis in die Vagina die'öünde darstellt. 
Lust von anderen erogenen oder erogenisierteu (sensibilisierten) Zonen 
ist. keine Sünde und wrd nicht als Sünde gewertet. Die sündhaften 
\orstellungen werden dann in hysterischen oder epileptischen An- 
fallen im 1 räume oder in Traumzuständen erledigt. Auch der vorher- 
gehende, sichtlich degenerierte Kranke, flüchtet in die Religion wobei 
ilim seine epilepsieartigen Anfälle ein Ausleben seiner Sexualität ge- 
statten Ob der Druck auf den Fuß dem Xagel entspricht, der den 
Fuß Christi durchbohrt, das kann ,ch nicht sagen. Die Möglichkeit 
ist nach Analogie der vorhergehenden Fälle nicht von der Hand zu 
weißen. Die Paraphilie ist dann eine Art geheime Heli-ion \uf die 
„Unnsexualität" weist seine bis zur Pubertät bestehende" Enuresis hin. 
Der Fall scheint mir wie der vorhergehende mit Mutterleibsphantasien 
verknüpft zu sein. Der späte Beginn der Paraphilie ist bemerkens- 
wert. Es dürfte sieh nur um einen parapathisdien L^berbau über ein 
lange bestehendes System handeln. Welches mögen die infantilen 
Wurzeln dieser Paraphilie sein? 

Der nächste Fall eigener Beobachtung wirft etwas Licht auf die 
Entstehung solcher Paraphilien: 



ll 



Der Syriiliolisraiis lies Zwiiii^os. ^j„^ 

FaU Nr. 44. Herr A. L„ ein 26jähriger Techniker, erzählt, daß er nur 
auf eine sonderbare Weise zum OrKasniuö kommen könne. Er versuche den 
Verkehr immer in normaler Weise. Trotü heltigeten Bemühens komme es 
zu kemem OrgasniUH und zu keiner Kjakülalion. Erst, wenn das Weib seinen 
Penis mit der Spitze des Fußes berühre, treten beide ein. Die bloße Be- 
rührung des Fußes genügt schon, um Oi'gasmue und Ejakulation hervor- 
zurufen. Zu diesem Zwecke lege er Kich innner vorkehrt, mit dem Kopfe 
nach unten, in das Bett. .... Mir fiel sofort ein, daß unter Geschwistein 
diese Position sehr häufig vorkommt. Er gibt auch zu, in der Kindheit viele 
Jahre mit einer alteren Sdiwester in dieser PoKitiou im Bette gelegen zu 
sein, -leder mit dem Kopfe nach einem 6iifgegengeset.zten Bettende Sin 
drückte wiederholt den Fuß auf seinem erigierten Penis. Er wisse jetzt nlcJil! 
ob es .\hsieht oder Zufall war. Er habe auch nicht daran gedacht Meine 
Frage habe ihn auf diesen Ziisanimeiihang gebracht. 

So eine älinliclie Ätiologie mag auch in dem vorhergehenden Falle, 
wie auch in anderen älmlidien Fällen, anzunciiinen sein. Daß die 
Menschen dann immer eine und dieselbe Szene spielen, bi'aucht uns nidit 
Wiuidei' zu ne]nnen. Der Parapathiker ist oben der Mensch, der seine 
\'ergangenhcit nicht überwinden kann, Ilun schwinden die Grenzen 
zwisc.!u-n Phantasie und Eealität und das Symbol wird zum alles domi- 
nierenden Alli-inlierrschcr. 

Sehr charaktcristischo Aul'klärunj< über das wichtige Moment des 
Einpressens und Bocngtseins bringen uns spätere Fälle. Ich luöehle 
bei dieser Gelcgcnlieit auf die zahlreichen Fälle in Band V (Psyclio- 
eexuellcr Infiintilismus) aufmerksam madicn. Die infantile Wurzel iet 
dort durchsichtiger als bei den hier erwähnten Fällen. Aber wir dürfen 
nicht vergessen, daß die Kinder durch die Windeln und diirdi das Steck- 
bett außerordentlich stark eingeengt werden, was bei der Psj'chogonese 
des Fetischismus eine große Rolle spielt. Denn alle Fetischisten sind 
ausgesprochene Infantilisten. Das zeigt schon die hartnäckige Per- 
sistenz eines infantilen Eindruckes. 

■ Wir müssen eben bedenken, daß ein parapatliisches Symptom 
niemals allein durch eine Determinante zustande kommt. Immer re- 
präsentiert das Symptom eine Vielheit von Ursaclien, die oft hetero- 
genster Natur sind. Die Parapathie zeiclmet sicii ja eben durch diese 
Kompromißnatur aus. Jedes Symptom ist ein Kompromiß aus ver- 
schiedenen Regungen. Der Fetisch ist Zukunft Und Vergangenheit, Kind- 
heit und Gottheit, Zwang und Freiheit, Schein und Realität . . . 

Lebt tatsächlich in jedem Menschen das Erinnerungsbild an ilio 
Zeit, wo er in den Windeln eingeschnürt die Wonne empfand ein Kind , 
zu sein?i) Ich erinnere an den Fall (Band V, Nr. 19) eines Mannes, 



■» 



^) Eine Mütter teilt mir fülgüiirle feini> Beobachtung mit: ..Mriii kleiner öj^'iJirincr 
Sohn pflegt schon seit seiner Mtieeteii Kindheit eich mit Vorliebe die Püläe uiitfjh;Ub 
<3er Kniee zusammenzubinden. Er versucht dann zu geben, was natürlich kaum möglich 



238 



Fetisfhismu«. 



ii 



? 



der sich in Leintücher einband und deiazierte, um das Kind zu spielen. 
Ich glaube daran, daß die ersten Ursachen in somatischen Reizon 
liegen, sozusagen der primäre Kern des Leidens. Später kommt es ^» 
einem psychischen Überbau, so daß der Druck den Zwang symbolisiert, 
den man auf sich selbst ausübt und den die Umwelt auf uns lasten läßt. 
Die Parapathie ist der Spiegel des inneren Kampfes, sie drückt den 
Ijsychischen Konflikt und seine Kompromißlösung aus. 

Der nächste Fall stanunt aus der Praxis von Löwenfeld unJ 
bietet gleichfalls sehr interessante Gesichtspunkte. 

■ ' Fall Nr. 45. Die erste Syur einer perverKeii Neigung merkte ich an 
mir echon in nieimm Kinder- \yak. Kiialietijaiireii; damab empfand ich schon 
eine wollüstige Emplindung, wenn ich an anderen Knaben Rohretiefel mit 
steifen Schäften eah, besondors solche mit Lackleder. Ich muß hier vor 
aliem oinsrlialtcn, daß der Vater von B e r u f Schuhmacher war, ich 
also ein großes Feld für meine Leidenschaft hatte. Deutlich erinnere ich 
mich noch, in den^erstsn Sehuliahien öfters einem Knaben nachgeschlichen 
au sein, der solche Stiefel trug. Biese Neigung nuhm aber bald einen größeren 
Umfang an und richtete sich auch auf Mädctien, die weiße Strümpfe und 
Schuhß mit Spangen trugen, wie man dies früher oft sehen konnte. Als 
ICnndschaft hatten wir unter anderen auch einen Professor H. der di'ei 
hübsche rciaende Miidchcn haft^?. die oft hei uns plauderten und hei der 
Arbeit zusahen. 

Damals schon verstand ich es. wenn diese Madchen da waren, mir einfii 
geeigneten Platz zu suchen rmd mit der ratHnieiten Sinnlichkeit eines Er- 
wachsenen diese Mädchen zu heohachten, wie ihre Füße in den verschiedensten 
Paraden sich zeigten, wie sie neue Schuhe anprobiei-ten usw Auch trieb 
ich damals schon Onanie. Ich konnte mich im Bette in eine gewisse wollüstig'' 
Stellmig bringen, mich meinen Gedanken an Schuhe hingeben und ein ge- 
wisses Höchslgofühl \'on Wollust haben. Später einmal las Ich etw.is über 
Onanie der Kinder, über Abgang eines gewissen Samenhauches und erinnerte 
mich an meme damahgen Handhingen. Wenn zu iener Zeit Schuhe von diesen 



ist. ihm abor uiigplieuriii Spaß bei-fitet. Er spieLt sehr geme mit Gürteln dir pi' sh-h 
in allen möglichci Formm, um dm Loib legt. Mich bittet er immer icli niiigu ihn do'-h 
Linden! Er verklmdet Bich furchtbar gerne, nieht dann von mir Klei dun gäslQcice an, 
die ihm erreichbar sind. Dae Uauptvorgnügra dabei ist für ihn eich das Gesicht -ji"- 
/upudern. Sein Ideal wäro aber, woon ich ihn einmal ak Babz verkleiden wüi'de. Kr 
bettelt midi immer an, ich soll ihn doch einbinden wie einen Säugling in eine Deck« 
wickeln und dann hernrntragen. ' 

Wichtig ist Bicherlieh der Umstand, daß mein Jnnge unendlicli an mir h&ngt 
und leider bj8 zu semem -zweiten Jahr zu mir ine Bett kam wo er sehr zartUeh . 
init mir war. Er litl bis vor kurzem an Eimreeis und Pavor nocturnus Ich weiß seit 
der Lektüre Ihrer Büclier, daß ich Eehr viel schnld an Ruinen neurotischen Zuständen 
bin, weil i«,ch ich meme ganze Zärtlichkeit an ihn vergeh wendete, und ihn dadurch an 
mich linierte. 

Eines Beiner Lieblings spiele war ee auch, sich die RoiileaUächnur als ScUint^e 
'um den Hüls zu legen. wol)ei er sie (est anzog. Dann rief er „Schau Mama ich erwfirs^ 
■mich!-' 



~-iä7S3:^^S^;=-=^ü=r5=-SS 



i'er Syiiibolisnms des Zwau^es, „..^^ 



hübsch™ Kindeni da waren, konnte ich sie nicht Kenue bfit^st*« w ■ u 
und vor allem iiincingrcifeii. ^ ^ t^tasten, benechoii 

So vergingen Jahre. Mein echreddichcr Hang für Schuhe vermf^hH. 
...h nur «nd dehnte dch auch auf Knopfstiefel, Mbsche hohe Schnü? 
6 tief 6l aus. Ich wurde im Geschmack förmlich raffiniert vnr .,,1 
ehrt. .:h solche Stiefel und Schuhe, d.e Mädchen todF™' angeh t^tL" 'd,': 
nur wenig oder gar keinen P u ß . ch w e i ß hatten. Die Schuld von S'ch' 
verghch ich im Geiste nur mit einem „engelreinen KelcL" S 
reizten mich auch vor allem .olche Kiiopfstiofel. die mit weißem Fh^H? 

;" i"<-''neii ersten Schuljahren hatte icli auch öftere ohne allen Grund 1*1' 

eintretende Erektionen; diese SteilTieit des Gliedes war aber ma keS^^^t ^ 

Wolliietgefahl, sondern mit einem Brennen im Glied, allgemeinem Unbel 
hagcn im Unterleihe verknüpft. Aiich litt ich zu jener Zeit an Bettnässen ' 
dies alles verlor ich aber wieder. Noch mehr aber, als die Leidenschaft füi- 
Stiefel, machte «ich nach und nach eine schrecklichere und nachhaltigere in 
mir breit, eine merkwürdige Neigung, unter der ich letzt schon über 2Ö Jahre 
leide, und der ich ungeziihlte schnicrzüclie Stunden zu verdanken habe Ich ■ 
mochte vielleicht 10-12 Jalire zählen, als ich anfing, solche Knaben und 
Madchen mit Interesse zu beobachten, die steife Kragen trugen. Zu jener 
Zeit waren gewisse breite Leinencliemisettcu iür Knaben und Mädchen im 
Gebrauch, und e^ innchie mir ein Wolhistgefühl, an diesen steifen Kragen 
zu kratzen. Ich erinnere mich an einen kleinen Verwandfen, damals einen 
hübschen Jungen, der ein solches Ding am Halse hntle; er sagte zu mir, 
ee sei ihm zu eng. und zeigte mir eine wunde Stelle nm Halse, die ihm 
der Ki'agen verursacht hätte; damals empfand ich eine heftige geschlecht- 
liche Erregung. Seit jener Zeit war ich wie von einem höllischen Zauber 
umstrickt, die Gedanken an steife weiße Kragen gewannen immer mehr Raum, 
insbesondere konnte mich der Anblick eines solchen Kragens au einem 
hübsehen Mädchen ganz rasend nuicheu. Ich bekam jedesmal heftiges Herz- 
klopfen und goschleehiliche Erregung; woun der Kragen hoch war, 
ein föi-mliches Gefühl von Schwindel. Dazwischen kamen auch noch die 
Neigungen für Schuhe. Knopfstiefel usw. lu meinem 13. Jahre hatte ich ' . 

schon eine Ahnung von dem unseligen Drang, der mich erfaßt hatte, obwohl 
mir der eigentliche Begriff „pervers" noch fremd war; so glaubt« icli bereits, 
daß mein Zustand ein besonderer sei, ein unheilbarer, wie ich dies 
eigentlich noch jetzt glaube. Damals schon las ich einzelnes über Selbsl- 
befleckung usw. Ich sollte nun auch irgend einen Beruf mich widmen: 
einige Handwerksmeister verschiedener Professionen schilderten ihr Gewerbe 
aber selbst in ungünstigem Lichte, warnten förmÜdi vor ihrem Handwerk. 
und so kam es, daß ich damals das Geschäft des Vaters lernen sollte. Trotz 
meiner Leidenschaft für Stiefel verspürte ich hierzu keine rechte Lust, das 
Sitzen wollte mir nicht recht behagen, auch hatte ich ein Gefülil, daß ich 
hier ewigen Anfechtungen ausgesetzt sei, es wäre besser für mich, etwas ' 

anderes zu ergreifen. Um keinen Preis aber hätte ich mich entdecken mögen. 
So kam es also, daß ich zu Hause blieb und mich der Schuhmacherei widmet«. 
Das Werk Dr. MoUs kam im 22, Jahre in meine Hände. Ich möchte 
hier noch erwähnen, daß icli auch in jener Zeit mit einem Bekannten zu einer 
Prostituierten ging, der Erfolg war der bekannte. Über eine anfängliche 
Erektion brachte ich es nicht hinaus; ich ging mit der halben Überzeuguu" 



340 



L'ctischisiiuii-, 



»! 



impotent zu sein, und ähnlich den Pereouen in Krafft-Ebinge Werke ver- 
epUrte ich keine Lust ni^hr, zu einer Öilentlichen Dirne zu geheu. 

Von den Mitl-eln, die ich damals ergriff, meiner Triebe Herr zu werden, 
möchte ich die weiten Spiizicrgängo nennen, die ich damals unternahm, um 
nur i-echt müde zu werden. Die Freude au den Schönheiten der Natur ist es 
haiipteächlich auch heute, die mir mein Los erträglicher macht. 

Wenn ich z.B, eine (am besten schwarsi gekleidete) Dame sah, die 
einen liehen, engen Kragen trug, so ging ich ihr oi't solange nach, bis sie 
mit der Hand eine Bewegung am Kragen machte, oder beim Umsehen oder 
Seitwärtssehen eine, gewisse Kopfhaltung machte, als ob der hohe Kragen 
i li r eine Unbequemlichkeit v c )■ u r s a c h o — in diesem Momente 
i'iililto ii-li immer einen Schlag, einen Druck am Herzen, den ich am Besten 
mit einer Bliitwello vergleichen möeht«. Sobald aber 'diese obenerwähnte 
Bewegung an Kopf oder Hand des weiblichen Wesens geschah, blieb immer 
ein gedankonerzeugender Moment dazwischen, in dem sich der Begriff 
herausschälte: „Kräftig wirkt der Zauber und so bist du verloren" und 
gleich darauf fühlte ich prompt den Druck, die Blutwelle in der Brust. Und 
so ist es heute noch. 

Ich kaufte einem Jlädchen damals einen hohen Leinenl;ragen, ein paar 
Manschetten und fi'eute mich wahnsinnig, einen genußreichen Abend 7.u 
haben. Sie /.eigle auch hierfür viel 8inn, ich könnt« mich nicht satt sehen 
jenen Abend an ihr. buclistäblich gesprochen, s'ie mußte mir unzählige 
Male immer wieder den Kragen, den sie sich auf mein glühendem Bitten 
recht eng gerichtet hatte, mit dem Finger lockern, und als ich be- 
merkte, daß an ihrem Hals eine aufgescheuerte Stelle entstand verspürte 
ich die ßiiineslust, wie sie ein Sadist vielleicht empfindet. So oft ei'<> die Hand 
an den Ki'agen legte, gingen mir die sinnlichen Wollen durch den Korper. 
Ähnliches konnte ich schildern, als sie einst neue Knopf^tict'el tru"- ah ich 
die neuen hübschen Stiefel sah, stund mir schon wieder der Genuß vo'r Augen, 
den mir das Ausziehen geben würde. 

Das Verhältnis blieb aber nicht immer so ungetrübt und wurde eben- 
falls nach kurzer Dauer gelost. 

Es folgte eine dritte Liaison, diesmal mit einem Mädchen, das sich 
als geschwängert und von ihrem Liebhaber verlassen erwies. Es heißt dann 
weiter: „Ich ihri hier nicht vergessen, eine neue Liebhaberei zu erwähnen, 
die sich bei mir schon seit geraumer Zeit gebildet hatte: die Liebhaberei 
für enge Ärmel. Dem Madchen mm wußte ich hierfür Intoresse einzu- 
flößen. Sie war von etwas voller Figur, und es machte mir Genuß, ihr unter 
den Arm .u greifen und den Schweiß spüren zu können, wenn sie eine an- 
gehheßendeiaille getragen hatt^. Ich verstand es jetzt vortrefflich, das 
Madchen abzurichten. Große Beredsamkeit, listige Komplimente, immer- 
wahrende Schmeichelei über ihre körperlichen Vorzüge wandte ich an um 
-sie füi' meine perversen Liebhabereien empfanglich zu machon und ich kann 
eagen. es gelang mir auch. Im Laufe der Monate entstand' ein fömlicher 
Briefwechsel m dieser Hinsicht zwischen uns; ich schrieb ihr die phantasie- 
reichst«n beb i Iderungen, und sie antwort-eto entsprechend Die«e Briefe habe 
ich, verbrannt, um dem Reiz zu entgehen, den sie doch immer gehabt hätten. 
Der Inhalt ist mir aber doch noch im Gedächtnisse'" 

„Über eine andere Gofiihlserscheimmg möchte ich noch berichten; 
nämlich daß eine weibliche Person, die einen Zwicker trägt mir auf jeden 
Fall nur wenig oder kein Interesse einflößen kann wenn sie auch die b^ 



SA,, 



■?M 



Der Symliolismus des Zwaagee, „.^ 

treffenden AUnbuto am Leib hat. yondcrbar ist mii' auch «chnn .,.. k- 
d.ß mich «og.r im Traum die.o .^.o>:kU^cn mlLrt,^ °^ , --■ 
..nma oftcT« und m.rkwürdigorweiso imm«r dieselbe JlaadE 

Ich muß hier Vümu.schicken. daß icli alijährli.-h mindestens ein- nrl.,- 
ziveimal eme gewieso Undschaft aufsuche; einen mir ■ib^ob.t ,T , " 
.cheinondon Platz, der mir als eine Zaflucbt vor Irelnen D^gt ersleS 
- von dieser Gegend nun bringt mir der Tn.um ein Bild vor dleS^b S 
h.er plötzlich ein Gcbände steht, nnd wenn ich erstaunt unw Sig .'^ ^dt 
Ecke des Hausos gehe, so begegnet mir plöfzUch eine ältere Fvt, L 
üoden sieht, gelbigt von drei hübschen Mädchen, die zu Sor R. r 
das .eigen, dem zu entiliehen ich gekommen wir. Bestürzung 

Es gibt Zeiten, wo ich glaube der Sache gegenüber geklärter zu stehen 
dann wieder kommen Momente von tiefsinniger entsetzlicher TrauriSS?' 
In formbchen Schrecken und sinnliche Aurrogung kann mich auch etwt 
Gedrucktes bringen, das meine Leidenschaft berührt 

Ich nnii.-!ife nun ku dem übergehen, was mir als das Wichtigste uml 
Bedeutendste erscheint, nämlich zu dem Gefühl des doppelten Ich das mir 
bei besündorem Aultrekn der perversen Gefühle zum Ausdruck kommt \Vio 
schon bericht^'t, bemühe idi mich ja fortwähreiui, die perversen Gefühle und 
die damit veibimdenen Laster zu unterdrücken, teilweise gelingt es aber 
mmier kommen die Zeiten der Uttckfälle; es ist wie mit einer auf- und al»- 
stcigenden Periode. Es gibt Zeiten, wo die perversen Neigungen stärker als 
sonst auftreten, der Körper befindet sicli wie in einem fieberhaften ent- 
zündJichcn Znstand, das Druukgofiihl unter einer Leiden- 
schaft zu stehen, die von Normalen nur mit äußerstem Spott bedacht 
wird, die Meinung, daß auch (kv beste Arzt hinterher echließlich auch nur 
ähnlich denkt, wirkt lähmend auf alles. Und wenn dann wieder ein be- 
sonders reizvoll erseheinendes weibliches Wesen mir über den Weg küinmt, 
dann tritt der gefürchtete Augenblick wieder ein, wo ich sehe, wie schreck- 
lich tief das Übel Wurzel gefaßt hat. (Auszug aus Löwenfeld, „Sexualleben 
und Nervenleiden", 5. AuÜ., I. P. Bergmann, Wiesbaden 1914.) 

Dieser P'all zeigt uns wieder einmal, wie das „Beengende" so 
leicht zum Fetisch wird. Der infantile Eindruck der drei hübschen 
Mädchen kehrt auch in den Träumen wieder. Die Vergöttlichung des 
Petisch zeigt sich in dem Vergleiche der Schuhe mit „engelroinen'' 
Kelchen. Die Abneigung gegen Schwoißfüße mag vielleiclit einer ver- 
drängten Neigung entsprechen und unterstützt die Beliauptungeu 
Abrahams, daß der Scliweißfuß in der Psych ogencsc des Fußfetisdiismus 
eine gewisse Rolle spielt.^) Die Beziehungen zur Homosexualität sind 
eelir durchsichtig. Das Interesse springt immer von Knaben auf 
Mädchen. Es fragt sich, ob überhaupt ohne sehr starke Beteilung aor 
Homosexualität ein Fetiscliiemiis zustande kommen kann. Denn immer 
wieder zeigt sich diö Abkehr vom Weibe, die Neigung zu Knaben 
Erst läuft er Knaben nach, dann überträgt sich die Neigung auf Mäddien. 

*) üiG aktive llirchhiBt und difl Bedeutung des Schweißes für si'in Koxuaüpben 
beweist die Tateaeliu, tiaB ihn der AchBciRthweiß ecKuell erregt und daß it direkt unter 
den Ärmel greift, um den Schweiß zu Epürcn. 



Stotel, Slllrungen di'f Tritb und AffolillobonK, Vil. 



1<) 




5'i ' 



1 . 



o 



!? 



242 



Fetisch] Bmne. 



Die eteifen großen Leinonkragen interessieren ihn gleicherweise bei 
Mädchen und Knaben. Daß er impotent ist, weil er vor dem Weiho 
flieht ist ebenso klar, wie daß er bei Prostituierten nicht reüssieren 
kann Wir sehen aber, wie das Interesse überhaupt dem eingeschnürten 
Körper zugewendet ist. Erst ist es der Fuß, dann kommt die Kragen- 
manie und dann der enge Änuel. Er dieht vor der Homosexualität, 
vor den Schrecken des Weibes in eine Parapathie, er fixiert sich an 
ein Symbol. Die merkwürdigen Traum- und Schlafzustände, die wir bei 
der Besprechung des Infantilismus und der Impnlshandlungen hervor- 
gehoben haben, sind auch hier zu konstatieren. Deutlich ist auch die 
vorgeschrittene Spaltung der Persönlichkeit, die allerdings nicht zu 
epileptischen Zuständen geführt hat. 

Bemerkenswert ist in diesem Falle, daß die Paraplülie vom Fuße 
axii den Hals übergegangen ist. Das erinnert an den klassischen Fall 
von Havelock-Ellis, in dem das Pressen des Kehlkopfes das Pressen des 
Gliedes ersetzen kann. Sicherlich spielen sadistisch-kriminelle Phan- 
tasien mit, deren sich der Kranke nicht bewußt sein will. Hängt es mit 
dieser aktiv-sadistischen Einstellung der Fetischisten zusammen, daß 
wir so selten weibliche Fetischisten beobachten konnten? 

Einen weiblichen Fall von Stiefelfetiscliismus beschreibt H.Hnri- 
Hellmyth.'') 

Fall Nr. 46. Es handelt eich um eine Generalstochter, die von Jugend 
auf eine besondere Leidenschaft für die glänzenden Reiterstiefel ihre« Vaters 
zeigte. „Ein Mann zu Pferd mit den hohen Stiefeln ist eigentlich erst ein 
echter Mann." Sie wies verschiedene Bew^erbungen zurück und verlobte sich 
mit einem um 30 Jahre alteren Oberstleutnant. (Vater-Imago!) Sie wies 
alle Vorstellungen der Famihe mit Hinweis auf seine entzückenden Füße 
(Reiterstiefcl) zurück. Der Bräutigam starb vor der Hochzeit und sie 
lieiratcto einen auffallend häßlichen Oberst wegen seiner hohen Eeiterstiefeh 
Sie ist sterblich verliebt in seine entzückenden Rciteratiefel. Ein 
Zivilist mit niedrigen „verhatschten" Schulten ist für sie gar kein Mann. 
„Vor Reiterstiefeln kann man zittern und sie zugleich lieben. Natürlich 
fällt die Ehe unglücklieh aus. Wahrscheinlich ist sie anäethetisch. Sie rat 
einer Freundin nicht zu heiraten, weil nackte Füße schrecklich seien. Ein 
Mann mit nackten Füßen ist ein Sdicusal. „Wenn ich mir nur die große 
Zehe vorstelle (offenbar ein Penis-Sj-mliol!), graust es mir schon. Und die 
Mgel, die immer verkrüppelt sind und die kleine Zehe, die nicht wachsen 
kann, das ist ein greulicher Anblick." Sie selbst trag gerne möglichst hoch 
hinaufreichende Stiefletten, wegen des strammen Aussehens und des an- 
genehmen Gefühles des Ein ges chn ür teei ns! Hohe Stiefel 
sind entzückend dezent, weil sie die Formen der Wade verhüllen, während 
sie Ledergamaschen und Wadonstutzen unanständig scharf hervortreten 
lassen. 



^) Ein Faü von weibiicliem -Fuß, nchtiger StiefeUotiechieiiiue. Int. Zeit&'lir- 
für ärztl. Psycho anal yec, S.Jahr, 1915, H.2. 



f 



Der SymboIismiiH dos ZH-anges, 'Jd.-' 

AIb Kind wünschte sie sich hohe Keiterstiefe! und war glücklich als 
ihr der Vater an dem Geburtstage hohe Reiters tief ein schenkte. (Identi- 
fizierung mit dorn V:itor!) 

Hellmuth bemerkt zu diesem Falle: „Für den Charakter dos 
echten FetiBchismuB spricht der Umstand, daß ilir volles und einziges 
Interesse an einem Manne dessen Fußbekleidung galt, daß der Mann 
sozusagün die unvermeidliche Staffage zu dem Fetisch war, was sie 
selbst in klaren AVorten ausspricht. Sie verzichtet nicht bloß auf das 
normale Sexualziel, sondern sie nimmt zur Voi'stullung ihres Fetisch 
Zuflucht, um sich die ehelichen Pflichten erträglich zu machen." 

Würde es sich um einen Mann handeln, so würde er wahrscheinlich 
für den normalen Koitus impotent sein. Ein Weib kann trotz An- 
ästhesie noch immer Kinder gebären und den Koitus passiv erduMe-n. 
Wir sehen aber deutlich ein Abrücken von der normalen Sexualität. 
Sie wählt eicli ältere Mäimer und flieht die jungen, nicht nur nm einen 
Vater-Ersatz ihr eigen zu nemien, sondern um dadurch der stürmiseiien 
Loidenschaft der Jugend zu entfliehen. Sic zeigt gleichfalls das S>iiiptom 
„des symbolischen Zwanges" in ihrer Freude, in hohen Schaf tstiefletlen 
f-ingcschnürl zu sein. Ihr Ekel vor dem nackten Fuß entspricht wolii 
dem Ekel vor dem nackten Penis. Keineswegs hewieson ist es aber — 
wie Saßger und Hellmuth es annehmen — , daß der Stiefel bloß Ponis- 
Ersatz ist. J^eider ist der Fall nicht analysiert. Er ist aber durch- 
sichtig und charakteristisch genug, um hier erwälmt zu werden. 
. ■ Ein ausgezeichnetes Beisiiiel, wie das Symbol das Geschlechtliche 
ganz vordrängen kann, bietet der nächste Fall Löireiifelds, der wieder 
das Thema der Schaftstiefel behandelt. 

Fall Nr. 47. .,WaB nun die geschlechtliche Fragß betrifft, so muß icli 
wohl als Kind einmal irgendwo im Theater oder auf der Stralie eine Reit- 
dame zu Geeicht bekommen haben, die hohe Sehaftetiofe! trug. Das hat anf 
mich einen bleibenden Eindruck gemacht; denn ich habe als Knabe iauner 
die merkwürdige Tendenz gehabt, mit Vorliebe mir den Anblick von Ecit- 
damon zu verBclmflen, sei es in natura oder auf Abbildungen, und awnr waren 
es vor allem die hohen Stiefel, dio mein besonderes Interesse erregten, 
aber nur wenn von weihlichen Personen getragen, dagegen von Männern, 
absolut nicht. Als Jüngling entstand beim Anblick derartiger Damen dann 
Samenerguß, und ich gestehe, daß mich die Neigung so packte, daß ich, 
wenn sich mir Gelegenheit bot, im Theater, Zirkus, in der Nähe von Reit- 
echulen, einen solchen Anblick mir zu verschaffen, ich der Versuchung absolut 
nicht widerstehen konnte. Dabei erfolgte dann stets Samenerguß. 

■ Infolgedessen pflegte ich keinen normalen geschlecht- 
liehen Verkehr, sondern suchte meinen Geschlechtstrieb auf diese Weise 
zu befriedigen. Da eich in dieser Frage niemand um mich bckiimniert hat, 
60 habe Ich es bis zum 26. Jahre so weiter gemacht. Im 2f>, Jahre suchte ich 
endhch in M. einen italienischen Psychiater auf, Prof. A, R. und hat um 
Ratechlag. Derselbe riet mir ein geeignetes Mädchen zu suchen, dasselbe 



544 



FetisrhismuS, 



'^ 






SO zu kleiden ' wie es meine Phiintasie liebe und dann dc-ii üoächlerihl.-^ala 
zu versuclieii. ' Dlis tat Ich und der G eschlccM*ak:t gelang; ich fiidelti> den 
Donnalen Geschlechtavcrkelu- iangsiim ein. Ich versuchte nun auch ohne 
Kleid und Stiefel den Akt zu vollbringen, manchmal gelang er, manchmal 
auch nicht- bei entsprechender Kleidung ist eben mehr Sicherheit vorhanden. 
"Die weiblichen Geschlechtsteile interessieren nrich 

wenig. 

Es hat sich nun bei mir die Tendenz herausgebildet, auf der Strai-le 
die Fußbekleidung der Frauen bisweilen zu beobaehtcn und ruft h o li o 
elegante Fußbekleidung leicht Erektion hervor, die sich zum Samenerguß 
stcigoi-n kann, wenn ich der betreffenden Person folge. 

In Schaufensterauslagen rufen wohl hohe und Schaftstiefel für 
Damen einiges Interesse hervor, jedoch keine Erektion und Samenerguß. 
Derselbe tritt erst ein, wenn der Gegenstand von der Person getragen wird. 
Da ich nun jedoch den Schlüssel zum normalen Geschlechtsverkehr 
gefunden habe, so suche ich meine Neigung im Zaum zu halten und den 
richtigen Geschlechtsakt einmal in der ^Yochc zu vollbringen. Diese Neigung, 
mit der ich behautet bin, ist für mich von größtem Schaden; leicht schweben 
mir Gaukelbilder von Reit^amen vor, auch bin ich ziemlieh indifferent im 
Geschäftsverkehr. Ich betreibe hier ein Geschäft und wäre es später vielleiclit 
von Vorteil für mich, wenn ich heiraten könnte, um eine Hilfe im Geschäft 
zu haben. Jetzt unterstützt mich noch mein Vater, aber er ist alt. Das 
Heiraten wird jedoch absolut nicht gehen, so lange ich solche merkwürdige 
Neigungen habe. Der italienische Professor, mit dem ich einmal darüber 
aprach, sagte mir, ich solle eine lieitdame heiraten. Das mag nun theoretisch 
vielleicht richtig sein, aber praktisch ist es nun nicht durcliführbar; denn 
was tuö ich in meiner Lebenslage mit einem Sportsweibe, aiißerdem müßte ich 
doch erst Bekanntschaften machon. Ich würde beim Anblick der Kleiduu" 
und speziell der Stiefel dcr betreffenden Dame dann immer in Aufregung und 
Samenvorlust geraten, was mich noch mehr schwächen würde.'' (Ans „Sexual- 
leben und Nervenleiden", Löwenjeld, 1. c.) 

Alle diese Fälle zeigen eine Übertreibung des spezifischen Go- 
Bclunaclces, die oit an das Absurde grenzt, wenn die analytische Anf^ 
Ißsung dieser Eigontümlichkciten keine Aufklärung bringt. Der eine 
liebt Damen init Zwicker, der andere betont, daß sie keinen Zwicker 
tragen dürfe. Diese negative Einstellung ist eine Eigenschaft, die Hirsck- 
!eid irrtümlicherweise »An t if e t i s chi s m u s''^-) genannt hat. 

Natürlich sind die Abneigungen ebenso zu werten wie die Be- 
gierde. Ob der Fetisch negativ oder positiv wirkt, das ist dem Psycho- 
logen ganz gleich. Er sieht in beiden Formen Ausdrucksarten einer 
und derselben Kraft. Ich kann daher den Antifetischismus HirschfeUs 
als selbständige Paraphijie ebensowenig gelten lassen, wie seinen 
Transvestismus. Die psycho sexuelle Teilaversion-) ist nur eine markierte 
peychosexuelle Teilanziebung. Einer seiner Patienten hat eine un- 

') Audi der „Zwicker" dient häufig der Symbolisiorung des Zwanges 
') Über Horror BexualiB partialis (sexuolle Teilaversiün, antifetiEchistisdic 
ZwaLgsvorstellungen, Fetischhaß). Neurolog. Zentral bl., 1911, >Jr 10 



L_ 



l'i^r Symbolismus des Zwanges. 9^ = 

überwindlicli« Abneigung Regen wciblidie Brüste und sclieut sich sogar 
da& Wort Urust auszusprechmi. Er ist Arzt und kann die Frauen 
vorne nicht perkutieren und auskultieren, gcsdnveige denn die Mamma 
palpioren. Er wurde doshalb Kindei'arzt. Die Ursache dieser Anti- 
])athie wisse er nicht. Nun kommt die bekannte Tlirasc der Parapathiker 
nnd besonders der parapathi sehen Ärzte: „Er habe sich genau geprüft 
unt! nichts entdecken können, worauf diese Abneigung zurück -eli+. " 
IJae ißt natürlich kein Beweis, wie der eigene Fall von Antifetrschi^- 
iiius, den ich dann referieren werde, zeigen wii'd. . . . Eine andere 
Piitientin halit die Männer mit einem Vollbarte, der dritte haßt "eihe 
Sc-hulic, so daß er sie sogar in Hotels beschädigt, wenn sie vor der 
Türe stehen. Ich lasse nun einen solciien rharakter ist Ischen Fall aus 
der Kasuistik von Uirschfdd folgen. Er ist sehi' verräterisch und zeigt, 
dii[J hinter dem Anfil'etisohisnms auf (iegenstündc der sexuelle Ekot 
steckt, der diese Gegenstände als sexuelles Symbol wertet, wie wir es 
ja bei der Bes]irociuing der Kleptomanie kennen gelernt haben. 

Fall Nr. 48. Mechaniker, 31 Jahre ult, leidet an einem „wahren Haß'' 
pcgeu „Wäschek nöpf e"'. Er köimo sich nicht eriiuierii, diese tief in 
ihm wurzelnde Abneigung jemals nicht l)escssnn zu haben, er sei sich aber 
erst ypiiler dniiiber khir gi^worden. daß sie mit f^eiiiem Cie.^chleclit.strieb zu- 
sammenhänge, der sonst ganz normal und ausscliließlich au( das Weib ge- 
richtet sei. P. sagt: „Alle Arten von Knöpfen an der AVäsehe erseheinen 
mir unanstänilig, ja ßugar nach meinem uamaßgeblichen Urteil unsittlicli; 
je größer nnd glänzender sie sind, um so liÜßUcher, um nicht zu sagen griil5- 
liehcr finde ich sie. Die bescheideneren mit weißem Stoif überzogenen stören 
mich weniger. Lebhuft erinnere ich mich, wie ich im Alter von 7 bis 
12 Jahren gegen die Knöpfe vorging, die eicb an AVäschestnckcn meiner 
Schwester befanden. Abreißen kennte icli den Knopf nicht, denn es war mir 
nicht möglich, ihn anzufassen, deshalb schnitt ich ihn mit einer Schere 
rasch fort imd beförderte ihn dann durch Stoßen mit dem Fnli weiter. T':h 
wurde öfter von meinen Eltern wegen dieser Unart bestraft, konnte aber von 
dieser Absonderlichkeit nicht lassen, trotzdem ich sonst ein folgsames sanft- 
mütiges Kind war. Auch beute noch liassc icb diese Knüpfe, wo ich sie finde. 
Gebe icb liinler einer Dame hei', die von vorne oder von weiloin gesehen 
mir sjTiipathisch war, und ich entdecke dann eine nur mangelhaft oder garnicht 
verdeckte Knopfreihe am Kückensclihiß der Bluse, so wird njir die Bluse 
und ilire Trägerin höchst un^jinpaihiscli. Ein Monstrum an llaßlietikeit sind 
für mich jene lieforin- oder Gesundheitskorsetts, die an Stulle des üblichen 
Hakenversehlusses Knöpfe hallen. Abstoßend häßlich würde mir ein iu 
solcher Verpackung steckender, selbst körperlich schöner Weibtypus vor- 
knmnien. .Je nieJir der wideiwäitigen Knöpfe in einer Reihe stehen, utu so 
ekelhafter ist es mir. Merkwüi'diger weise nndi icli seit meinem 37. bis 
ISL'Jahre bei ihrem Anblick immer an die in einer K e i h o stehenden 
Brustwarzen von M u 1 1 e r s c b w c i n e n oder 11 ü n di n ii e n 
denken. Am lieljsten wäre mir, wenn an der Damenwäsche. Idenid- 
blueen usw. alles gebunden wäre. Ich babe aber nicht für Bänder einen 
FetiBchismuB. Auch Haken nnd Ösen oder Druckknöpfo sind für nnch keine 



246 



Fetisch! Bm US. 



EL I 



I 



Ärgemiserreger, dagegen fühle ich einen an EkeL grenzenden Abseheu, wenn 
ich an mangelhaft zugeknöpften Blusen und Taillen der Frauen H e ra d- 
lücken entdecke. Trotz meines furchtbaren Widerwillens suche ich un- 
willkürlich nach diesen abstoßenden Sachen und entdecke sie leider ziemlich 
oft. Sehe ich an solehon schlecht zugemachten Kleidungsstücken entblößte 
Knöpfe, 60 kommt mir ein solches Weib schlimmer vor, als ob sie nackt ginge. 
Der Ekel steigert sich dann aufö höchste und nie könnte ich mit einer solchen 
Frau verkehren, auch nicht ungeschlechtlich, geschweige denn geschlechtlieh." 

Es ist nicht schwer zu erkennen — und wird vom AntifetiGchisten 
feelbet betont, daß diese Knöpfe nur symbolisch als Mamillen aufzu- 
fassen sind. Gerade bei dem Fetischismus zeigt sich die ungeheure 
Bedeutung des Symbols für das Sexualleben. Auf die sadistische Kom- 
ponente weist das Abschneiden der Knöpfe an Wäschestücken, die seiner 
Schwester gehörten. Dabei benützte er eine Schere und schleuderte den 
Knopf mit dem Futie weg. Es scheint sidi um eine Haß Verladung 
von seiner Schwester, der Rivalin in der Liebe seiner Mutter, auf ein 
Objekt zu handeln. Das „M u 1 1 er seh wein" mit den zahlreichen 
Brustwarzen spricht eine deutliche Sprache. Der verdrängte „Voyeui''" 
verrät sich in seinem affektbetonten Abscheu vor Enthüllungen des 
Busens. 

Als weibliches Gegenstück zu dem vorigen Falle berichtet Hirsch- 
fetd (Sexualpathologie, III.Bd.)- 

Fali Nr. 49. „Ein höchst eeltsamer Fall meiner Beobachtung betrifft eine 
Dame, die an K r ug e n kno pf f e t i s ch i s mu s leidet. Ihre Grund- 
empfinduiig ist ein intensiver Fetischhaß gegen diesen Toilettengegenstand, 
dessen Anblick am Halso, einschließlich der Druckstellen, die er vielfach 
in der Haut hintei-lülit, sie stark irritiert. Erweckt aber iemand in ihr eine 
starke geschlechtliche Begierde — gewöhnlich sind dies, wie sie sich aus- 
drückt, „stilreine" Lebeniünner, so verwandelt sich diese mit Berührungsfurcht 
einhergehende Aversion bei ihr in heftige Neugierde, das sonst verabscheute 
Objekt zu sehen, in den Mund zu nehmen und wenn möglich, zu 
zerstören. Für den Üoruhlsumschlag eines negativen in einen positiven 
Tropieinus und umgekehrt, sind solche Fälle überaus lehrreich " 

Dieser Fall ibt ebenso durchsiditig wie der vorhergehende. Der 
Fetischhaß ist eine verdrängte Fetischliebe — in diesem Falle Abwehr 
einer Fellati o-Phantasie. 

Ich möclite nocli erwähnen, daß Ilirsckfeld in der erwähnten 
Arbeit den Roman „Fetisch-Haß" von Gustav Adolf Weber (Berlin, 
York-Verlag) zitiert. Es wird dort die Lebensgeschichte einer Frau 
geschildert, die eine leidenschaftliche Abneigung gegen den Frack hatte. 
Sie hat allerlei /'-ueanimenstöße mit befrackten Kellnern, erstickt fast 
Uli diesem Haß und . . . verliebt sicli in einen jungen deutschen schwarz- 
bi'fracktcn Zimmerkellner. Der Autor schildert, wie der Haß gegw 
seine Kleidung mit ihrem Verlangen streitet, bis sie unterliegt. Als 



Iv. 



■ V 



Der Symbolismus des Zwanges. 



247 



sie nach dorn ersten intimen Verkelir, die Augen aufschlagend, den wieder 
angekleideten Geliebten in seinem Frack erblickt, „durchtobt plötzlich 
eine ungeheure Wut, ein ungehinderter Haß ihr Gehirn; wie rote 
Flanunen, auG denen der schwarze Frack hölinisch hervorleuclitete 
tanzt es vor ihi'eii Augen, und ehe sie es ausdenken kann, hat sie einen 
im Schubfach liegenden Revolver ergriffen und ihn auf Reinhards — 
so ist der Name des Kellners — Eopf abgefeuert." 

Dem Analytiker sind diese Fälle klar. Es handelt sich ja um 
das psychologische Abc. Solcher Fälle vom scheinbaren Anti-Fotischis- 
nius könnte icJi eine ganze Zahl anführen. Ich erinnere mich an eine 
I'rau, die mir sagte, sie hätte nur eine Abneigung: Große starke, selbst- 
bewußte Männer mit einem „Es ist erreicht" -Sclinurrbart. Ihr erster 
Geliebter, der sie zu Fall brachte, zeigte diesen Typus, gegen dessen 
Anziehungskraft sie sich durch diesen Antifetischismue schützen wollte. 

Die Reihe dieser Fälle möge eine eigene Beobachtung schließen, 
die HirschfeM gewiß als „Antifetiseliismus'' bezeichnet hätte. 

Fall Nr. 50. Der achtzehnjiihrige \V. B. leidet seit einigen Monaten 
Uli einer völligen Unfähigkeit zu Studioren. Er war ein guter fleißiger 
Schüler, küm immer mit einem guten Zcugiiie davon, hatte noch Zeit Neben- 
studien zu betreiben. Seit einiger Zeit wurde es ihm immer schwerer aiif?;«- 
papsen imd dem Unterrichte zu folgen. Er kann nicht lernen, wenn nicht der 
i-lauelchn'r eder seine Mutter bei ihm sitzt, Er ist reizbar und hypochondrisch, 
immer verstimmt, zeigt gar keine Lebensfreude und keine Interessen. Er 
klagt über Rückonsch merzen, schläft sehr schwer und spät ein. ist morgens 
schwer zu onvccken und meist niiido, fühlt Kopfschmerzen, die vom Nackeu 
biß in den Rücken ausstrahlen. 

Da solche Erscheinungen sehr häufig nach oder bei sexueller Abstinenz 
auftreten, frage ich nach seinem Sexualleben. Er hat nie o n a n i e r ts da 
er schon mit 12 Jahren von einem Onkel belehrt und vor 
den fürchterlichen Polgen der Onanie verwarnt wurde! 
Er hat auch nie einen Geschlechtsverkehr gehabt. Er wurde mit 14 Jahren 
von Mitsehiilem sexuell aufgeklärt und erzählte das seiner Mutter, welche 
wieder den Onkel beauftragte, ihm die notwendigen Mitteilungen zu machen. 
Dieser erzählte ihm von den sehreckhchen Folgen des allzu frühen Ge- 
Bclileehtsverkehrcs. Man werde rückenmarksleidend, man ergebe sich leicht 
der Ausschweifung, es gäbe verheerende Geschlechtskrankheiten, an denen 
man zugrunde gehen oder sein ganzes Leben leiden könne. Er möge sich 
nur beherrschen und warten, bis nr heiraten könne 

In letzter Zeit wurden die sexuellen Phantasien übermächtig und er 
wulite sich manchmal keinen Rat. Er hat öfters erotische Träume, die mit 
einer Pollution enden, nie mit Männern, immer nur mit Frauen. Er sieht sich 
alle Frauen aut der Gasse an und spinnt seine Phantasien weiter. Plötzlich 
sagt er spontan: Ich habe eine unüberwindliche Abneigung: 
Frauen mit großen F ü ß o u. Vor diesen habe ich einen 
großen Ekel. Ich könnte mit so einer Frau nicht zärtlich 
sein. Wenn ich eine Frau betrachte und ich bemerke zu- 
fällig einen e r o ß o n F ii li. f= o ist sie für mich erledigt. 



'248 



fctiscliisrnus. 



lil 



Diesen „AnüteüschiemiiH" führt er auf einen seiner ersten infantilen Ein- 
drücke zurüelt. Er war 12 Jahre alt, da zeigte ihm ein Kollege eine Slowakin, 
wie sie in Wien so zahlreich zu sehen sind. Sie tragen kurze Röcke, so daß 
man ihre Waden sehen kann. Der Kollego sagt«: „Schau, was die für fesdie 
Wadeln hat!'" Er sah hin und bemerkte külo.ssale Waden die fast über die 
Füße hinunterhingen." Seit damals sei ihm der Ekel vor großen Prauen- 
füßen bewußt. 

„Hat Ihre Mutter oder Schwester große Füße?" 
„Nein, meine Mutter hat wunderschöne, eher auffallend kleine Füße 
Er erzählte dann daß er in der Jugend sehr fromm gewesen sei, 'so 
daß er .jeden Morgen m die KutIic ging. Dann hatten sie einen sehr strengen. 
Ihm antipathischon Kehgicmsprotesso.'. Er haßte ihn und wurde durch den 
Einfluß eines aufgeklarten Kollegen, eines getauften Juden, vollkommen un- 
abhängig von ( er KuThe. E,- gla,dK- wohl an einen Gott, aber nicht an die 
Normen der kathoh.xlien Kirche. Penier sei er ungeheuer abergläubisch und 
werde dainr in der Fanube verlacht. Er hat seine Unglückstage, glaube an 
die verhängnisvolle Rolle der Zahl 13; der Freitag sei ein besonderer ün- 
glucksl^g und solcher Dinge mehr. Er glaube auch an glückbringende Orakel, 
z.B. daß der Professor ihn immer jene Seite pHife. die er sich gerade durrh- 
gelesen habe. ... -^ - 

Er sei sehr mißtrauisch und vertraue keinem Mensehen. Seine Mutter 
«berwachc ihn immer und wolle ihm gar nichts glauben. "Er gehe täglich 
spazieren, seine Mutter aber glaube, er sitze im Cafe oder bei irgend einem 
Kollegen. Er sei leicht zu beeinflussen. Wie ihn der erwähnie Freund der 
Famihe absi.enstig gemaclit habe, sei ihm das aufgefallen. Er habe sich sofort 
gegen die l'amilie emnelunen lassen. Er habe eich schon einmal hvpnotisieron 
lassen lind sei soloii. eingesclilafeii. 

^ Er schwärme tiir diö Kunst und besonders für alte Bilder. Die modernen 
Bilder könne er nicht leiden, sie seien Parbenkleckse. Aber die allen Bildei' 
zeigten schäm' abgetönte Farben und eine wunderbare Ruhe während die 
modernen unruhig waren und das Gemüt nicht erheben könnten 

Er haßt alle Menschen. Die anarchistischen Bücher ziehen ihn W r 
ordentlich an und er begreift ihre Lehren als selbstverst^'ndllrh p 
findet iede Autorität als störend und stallt sich Tu ilu ^ti? xti ^"l^' 

macht ihm eine Freude, wenn er hört, daß die \narchi-tl 7 f "' 
Attentat .„sgo.bt h.bon. Ich ».-Märe ta. iA dtTt'S^lh.T n>nbl" 
von einem Haß gegen seinen Vater stamme. »^"iiiih uncnuai 

Das gibt er sofort zu. Er ist ein uneheliche« ICinH .^„a i . - 
Vat... nicht Dj. MuU«- hat ih,„ „,e™al, den SSnt „'es t^"" 3^^ 
Aber er haßt ihn mgnmmig und er wurde ihn töten won„ V fienannt. 

erfahren wiirde. Wie dürfe man ein Kind in dFe Weit « '\ ^'"-T 

darum weif^u- zu kümmern? Sein größter Schmer, lil TT' """' 't 
Schule weiß, daß er ein uneheliches Kind ei Er kön^' ^T. '"1 f^'' 

Seine größte Angst ist aber, daß sein Va1.r vielldcht et jTde ^i" Denn e^tn 

er .u^^aussehe, tr.gt gerne ein Kreu. . ^ ^^TtT^^^^. 

Nach einigen Stunden erzählt er. daß er ^(^^:■ r.\fr. ■■ w i 
Schwes^r sei. E- zähle die Minuten .^nnlie^kltstef utgthe^ ^ :^ 
den Mann umbrmgen, der seiner Schwester nahetreten ^^iirde. Schließlich 



Der SjmlinLiBniuB des ZwaugoE. 



249 



gibt er freiwillig m, daß er die Schwester liebt, daß or wiederhoH gegen 
den Gedaiilioii kämpfen muß, die Schwester zu seiner Geliebten zu machen 
Auch die Inzestphantasien, die sich mit der Mutter befassen, sind ihm be- 
wußt, Ti'äuuio Yon Vorkehr mit Mutter und Scliwcster sind außerordentlich 
hitufig, Ei- wagt es nicht mit fremden Madchen zu verkehren. Da er 
seinen Yatcr nicht kenne, so könnte ja dies Mädchen 
zufällig seine Schwester sein, (Solche Umwege liehen die Para- 
pathiker, wenn sie in jedem weiblichen Wesen ein Uild ihrer Schwester 
seilen. Jede Frau wii'd ilun zur Scliwester . . .} Alle diese Kräfte drängen 
ihn in die homosexuelle Richtung. Er interessiert sich für schöne Männer; 
Einem feschen Offizier kann er nachgehen und ihn immer so bewundern 
als wenn er ein Mädchen wäre. Er ist besonders bei :<einer Schwester auf 
Offiziere eifersüchtig, weil ei' fülilt, daß man ihrem Werben nicht wider- 
stehen kann, 

„Gestern,- fängt er zu erzählen an, „sah ich einen Offizier, der mir 
sehr gilt gefiel. Ich ging ihm eine Viertelstunde nach . . .'■ 

„Haben Sie auch seine Füße beobacliict?" 

„Die sehe ich nie an. Da schaue ich nicht hin ..." 

,. Warum denn?" 

„Weil . . . ich kann es Ihnen nicht sagen." 

„Ist es so peinlich, daß Sie es verschweigen wollen?" 

,,.Ta , . . ich habe Ihnen nie davon 'gesprochen. Mtinner reizen mich 
nicht. Ich sehe sie nur platonisch an. Aber wenn sie einen schönen Fuß 
haben, elegante Schuho und Sporen daran, n'erde ich sexuell seiir aufgeregt. 
Ich fürchte micli dann, ich konnte homosexuell werden." 

„Muß der Fuß dier Offiziere, wenn er sie erregen soll, klein oder 
groß seitt?" 

,,!•] igentlich erregt mich ein große ]■ Fuß und eine 
große Nase. Ich habe von einem Kollegen geiiört, daß Männer mit großen 
Füßen und einer großen Nase auch ein großes Glied haben . . ." 

Ich breche hier die Unterredung ab. Es zeigt sich, daß der Antifetiech 
die Ei'innerung an den Männorf uß ist. Außerdem ergibt die Analyse, daß 
ihm als kleinen Knaben der große Fuß der Mutter sehr interessiert hat. 
Er versuchte ihre Schuhe zu tragen und steckte immer sein Kinderfüßcheii 
hinein. Obwohl die MulU.^ sehr kleine Füße habe, war der Schuh ihm innner 
zu groß. Das war sein Schmerz. Er wünschte eicli einen so großen Fuß zu 
haben, daß er in den Scluili der Mutter passe. Es handelt sich auch um einen 
erotischen Symbolismus, wobei der Fuß ein phallisches Symbol repräsentiert. 

Sein Antifetisch ist eine Sichenmg gegen die Inzeelgedanken und gegen 
die aus der Verdrängung der Inzestgedanken aufkeimende Homose.vualität. 

Wir sehen in diesem Falle die infantile Wurzel seines Partialis- 
mue um einen solchen handelt es sich ja. (Anti-Partialisnuis könnte 
man mit llirschfeld sagen.) Es ist der Fuß der Mutter, der ihm als 
Kind sehr yroB erschien. Andrerseits sehen wir die dciitlicho homo- 
eoxuelle Komponente. Er !mßt das Weib, wenn es ihn an einen Mann 
erinnert. Der unbokaiinle Fuß seines unbekannten Vaters ist es, de« 
er sucht nnd haut. Er würde diesen Vater töten — sagte er, wenn 
er ihn finden würde. Er weiß nur, daß er ein reicher Mann ist und auf 
croßem Fuß lebt. Diesen Ausspruch liörtc er oft von seiner Mutter, 



250 



Fetischismus. 



', 1 

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die auch so lange auf großem Fuß lebte, als eie die Geliebte des Mannes 
war, während sie jetzt von den Zinsen seiner Abfertigung lebt. Jede 
Frau, die elegant ist und auf großem Fuß lebt, weckt in ilun die 
Assoziation: Das ist auch eo eine „ausgehaltene Maitrosse". Seine 
Angst ist, die Schwester könnte eine Maitresse wie die Mutter werden. 

An Offizieren reizt es ihn am meisten, wenn sie in ilire Uniform 
eingeschnürt sind, Am vorlockendsten erscheinen ihm Husaren mit vielen 
Schnüren, engen, prall sitzenden Hosen und hohen Schaftstiefeln, D e r 
große Fuß muß iu einen engen Stiefel gepreßt sein. 

Seine Vorhebo für Oftiziere entspriclit einem hartnäckig fest- 
gehaltenen Infant ilismue. Auch die Vorliebe der Frauen für das zwei- 
farbige Tuch entspricht einerseits einem Infantilismus, andrerseits der 
Vorstellung, daß sich die Offiziere und Soldaten durch besondere 
Manneekraft auszeiclmen. Übrigens findet sich diese Anziehungskraft 
des färbigen Tuches aucli bei Homosexuellen, bei denen man alle Formen 
des Partialismus beobachten kann. Immer wieder hörte ich die An- 
ziehungskraft der gut sitzenden Uniform preisen. Der Soldat ist ja 
&n und für sich ein Symbol des Zwanges, der „euphemistisch" Disziplin 
genannt wird. 

Sogenannte fetischistisclie Neigungen sind bei Homosexuellen 
ebenso häufig wie bei Heterosexuellen, (Wir werden einen solchen Fall 
kennen lernen,) Es kann sich dabei nur um Toilanziehung oder um 
echten Fetischismus handeln, wobei der Fetisch den Mann ersetzt. Be- 
sonders beliebt sind die verschiedenen Soldaten, was entschieden auf 
die infantile Wurzel dieser Neigungen hinweist. Denn jedermaiui weiß, 
was für eine große Rolle die Soldaten im Seelenleben des Kindes spielen. 
Sie sind vermöge der Uniform geeignet, den Sinn des Kindes, seine 
Phantasie zu erregen. Ferner kommen die kriminellen Instinkte zur 
Geltung, da sie ja Träger von Waffen sind und das Ersteclien und Er- 
schießen auf diese Weise gespielt werden kann, ohne daß die auf- 
keimenden sozialen Gefühle das hindern. Hirschfeld betont diese Eigen- 
scliaft der Homosexuellen. Seine Ausführungen über diesen Punkt sind 
sehr interessant: 

„Abor auch hier gibt es innerhalb jeder Gruppe immer noch sehr starke 
DÜferenzicriingen; .«o finden wir unter den „Soldatenfreiem" solche die nur 
für die Mannschaften mklmieren, darunter wieder welche, die fast ausschließ- 
lich am Unteroffiziere, andere, die fast nur auf Offiziereburschen „fliegen"; 
<iann gibt es welche, dio sich nur mit Offizieren befassen. Daneben spielen die 
verschiedenen Truppengattungen eine Rolle. Für viele existiert nur die In- 
fanterie, für andere die Kavallerie, für dritte dio Marine. Ich kannte einen 
HoraOBOxuolIen, für den nur die „ersten Garde-Ulanen" von erotischer Be- 
deutung ^\'aren, die ganze übrige deutsche Armee schien für ihn nicht vor- 
handen au sein. Vor einiger Zeit hatte ich einen Arzt zu begutachten, der aus- 
schließlich Kavallerieoffiziere liebte. Da er mit ihnen anikTWcitig nicht in 



i 



I>cr Symbolismus deB Zwangen. ^\. 

Konnex kommen konnte, hatte er sie dadureli auf sein Zimmer zu locken 
veretandon, daß er mit ihnen Geldgeachäfle eiitrierte. In allen diesen Fällen 
Bpielt offenbar der Fetischismus eine beträchtliche Rolle, von dem eich 
Anklänge übrigens auch bei allen anderen Homosexuellen meist unschwer 
nachweisen lassen. 

„Daß oe sich hier talsächUch um Fetischismus handelt, geht daraus 
hervor, daß, wenn der Feiisch fehlt, an die Stelle dor eoxuellon Attraktion 
oit völlige Indifferenz, wenn nicht gar Aversion, tritt; so erzählen Soldafcen- 
Iremido, wie völlig „abgekühlt sie seien, wenn ihre früher geliebten Freundo 
sie als „Reeorvisten" aufsuchen. Diese wiederum, meist sehr erfreut über 
die schon längst ersehnte Zivilkleidung, sind oft nicht wenig verwundert über 
das gänzlich veränderte Bcneimicn ihrer Gönner. Ein junger Priester 
schreibt mir: „Ich bin vollständig homosexuell. Der Typus, der mich an- 
zieht, ist der kräftige, schöne Mann im Alter von 25 — 40 Jahren. Ob dieser 
Typus nun blond oder schwarz ist, ist mir gleichgültig, nur muß er sym- 
pathische Gesichtszüge und vor allem einen Schnurrbart — aber ja keinen 
Viillhart — haben, bartlose Männer können mich auf keinen Fall reizen; wie 
M'hr die geschlerhtÜche Heizung von dem Schnurrbart abhängt, ülustriere 
lolgendes: Mein Onkel — ein hölieror katholi.scher Geistliclier — bei dem 
ich nüch studienhalber aufhielt, hatte einen Kaplan, der jeueu kräftigen 
si-höncn Typus darstellte, den ich liebe, und welcher als katholischer Geist- 
licher keinen Bart tragen durfte?. Wir beide verkehrten freundschaftlich 
miteinander, ohne daß ich meincrecite sexuell von ihm erregt wurde. Ich 
brachte nun eines Tages einen beim Friseur gekauften Schnurrbart mit heim 
und bat ihn. er möge ihn anlogen, was er auch tat. Sofort bemächtigte sich 
meiner eine tiefe Erregung und ich hatte Mühe, ihn nicht an mich zu reißen 
imd zu verküBsen." 

„Wie ungemein detailliert und sjiezialisiert die Geschmacksrichtung der 
Homosexuellen sein kann, mögen noch einige seltenere Fälle belegen. Ich 
kannte Urninge, die sich erotisch ausschlielilich für Schutzleute mtereesierten, 
aridere, die nur .,Studeiitcn mit Schmissen" liebten; einen Urning lernte ich 
kennen, dessen ausschließliche Leidenschaft Hirten waren. Nach diesen lugt« 
er aus weiter Ferne aus. „Einmal," so ei-zählte er, „erblickte ich in der Gegend 
von San Remo oben auf dem Borge einen Hirten inmitten seiner Herde; leider 
hatte ich meinen Feldstecher vergessen. Da mir seine Gestalt jugendlich er- 
schien, machte ich mich zu ihm auf den Weg, es war ein sehr beschwerlicher 
Weg durch ein tiefes Tal, wohl über eine Stunde. Als ich oben angelangt war, 
i^ah ich, daß es ein ganz, alter Mann war. So ist es mir mehr als einmal ge- 

Ein anderer wurde durch den am Nacken stiirk hervortretenden 
siebenten Halswirbel mächtig angezogen, andere durch Kahlköpfe; von zwei 
urnischen Brüdern, die ich in Briissel kennen lernte, liebte der eine nur 
„Chasseure'', der andere nur Chauffeure." _ 

Ich kannte einen Urning, der prinzipiell nur mit Rhomlandera, Woet- 
faien und Pommern sexuell verkehrte, „ ganz ausgeschlossen-' seien für ihn 
Sachsen Hamburger und Elsässer; einer wurde nur durch Leute, die kurze 
Shaghpfeife lauchten, erregt. Verschiedene Urninge und Urlinden teilten mit, 
daü schöne Menschen sie kalt ließen, dagegen fühlten sie sich angezogen 
durch Leute von grotesker Häßlichkeit, Überhaupt ist bei den homosexuellen 
Frauen diese Differenziertheit des Geschmackes ebenso groß. So konnte sich 
eine mir bekannte Urlinde nur für verheiratete Frauen interessieren, eine 



^m 



252 



Fetischismus, 



^ 



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■ 






amieii.' nur füi* Dienstiiiädclieii, ciiiü weitere wurde durch Pelze, eine andere 
durch große Ohri'inge mächtig angezogen, eine liebte „Frauen nicht iuiUt 
200 Plund." 

„Wenn Kriogsminislcr von Einem über die Homosexuellen oagte' Ich 
habe aus Broschüren und wiseensehaftlichen Sclinl'tcn gelesen &d\l Jen»; 
Männer, die mit dieser Leidenschaft behaftet sind, sich diejenigen Männer 
aussuchen, die ihnen die Verkörperung der Stärke und Vollkommenheit .u 
sein >=chemeu : z B sollen Lastträger, Rollkutscher und Dierkulsclier ganz 
besondere Objekte direr Lust se.n." so zeigte er sich nur sehr einseitig 
orientiert. 

,,Ein speknlaUver MiUliirschncider in Berlin, der ein vielbesudites Ab- 
sleigquartmr ur Hen.osexuellc unterhielt, hatt« in seinen Schränken alle 

m Lianen, Land- in heesoUlaten umwandeln konnte. \uch sonstige Reoui- 
siten, nnt denen er fetischistischen Ansprüchen genügen konnte lehllen nidU : 
vom Apachcniialstuch bis zum Prie^terl;!-.»^« i-^T,, c- ' ' , , 

vMudlc- Ab»nJc,.lid.koito bis m dL G fZ^'^r "[=»«=1>™, »l*"' "»1'- 

'■Jf'i.i'^' 7" Jiteotat richtig. Beobachtung des Autors. Auch der 
k Ute Patien den .ch als Antifetischistcn beschrieben habe, hatte selbst 
sehr grote Fuße und krankte sich darüber. Aus den, zu kl inen Kinder- 
Mchen war e„, R.esenfuß ge.-orden. Ursprünglich .-ar er auf diesen 
tu s oz dann stell te s.ch d,e polare Einstellung in den Vordergrund. 
D^o analytrsche Durchforschung dieser Fälle ,vird imu.er die infantile 
Wurzel der mdn-,duellen Geschmacksrichtung nachweisen 

Eni r«l der von Hirschfeli erwähnten Fälle hat mit dem echten 
Iet,sch,smus nichts zu tun. Es handelt sich um Fixierung infantiler 
Emdrucke -- um Falle von Partialismus. Aber auch d.ese Fälle zeigen 
un. das Phänomen des Zwanges. Der Partialist ist in eine b st mmte 
Geschmaeksr.chtung eingezwängt. Er kämpft oft gegen den Zwang und 
,st außerstande ,hn zu rfterwmden. Sollte ein einziger intartilor 
Eindruck „nstaride sem, das ganze Leben als Zwang zu wirken' Ich 
zwerflo an der Theorie von «„, seit ich die FäUe^nalnisth durch- 
lorseht habe, bio ist zu billig 

Daß abor damit das Wesen des Partialismus und Anti-Partiali.- 
mus n,ch erklärt ist, das beweist uns die Psychogeneso des letzten 
Jalles. Hier war der große Fuß das S,™ibol einer Maitresse. Aller- 
dings findet sich auch das sexuelle Interesse für den Fuß und der H.n- 
weis auf den großen Fuß der Mutter. Aber eine analytische üur.h- 
forschung der Falle zeigt, daß es gefährlich ist, sich auf eine bestimmte 



—^rr=-r-^v^ 



Der Symljolisnius des Zwanges. 9-0 

Hypothese festzulegen. Ko ließ ßieh im letzten Fülle kein Aniialts- 
punkt finden, daß der Scliweißfuß eine Rolle in der Ätiologie dieses 
Pal-tialisitms s|)iclt. Es ist auch a priori nicht anzunehmen. Denn ich 
hahe viele Fälle von Hand-Partialisnuis gesehen, die an Intensität dem 
Fuß-Partialiemue iiidit nadistanden. In koijiera Falle war ein Anhalts- 
punkt für eine Hchweißhand vorhanden. Bald war es die Hand der 
Muttei', die mit deifi Gliede während der Kinderpflege gespielt hatte 
bald die Hand einer Erzichungspei'son, bald dei- Hinweis auf die Onanie 
und viele andere Zusanniion hänge. Diese Fälle haben mit dem Feti- 
schismus nichts zu tun. Ganz anders der Fall eines Handschuhfeti- 
schiston, der die Handschuhe der Frauen sammelte und den es besonders 
erregte, wenn der Olacehxlerhandschuh sehr enge anf der Hand saß 
so daß er die A'orstelhnig haben konnte, die Finger seien in den Hand- 
schuh fest eingepreßt worden. Interessant ist der Umstand, daß dieser 
Patient nur durch festes Drücken und Zusammenpressen seines Penis 
Orgasmus erzielen konnte. 

Doch ich würde mich iiiy Fnendliciie wiederholen, wollte ich die 
adäqiiaten Vcrhälf ni.';s{i beim Handl'etischidnms aufweisen, wie ich .*ie 
beim Ful.U'etischismus finden konnte. 

Gemeinsam ist beiden Kraiüiheiten der Zwang, die Vorstellung 
des Eingeschnürtseins, das Abrücken vom geschlechtlichen Partner und 
der Haremskult. 

Oft führt das Bedüi'fiiis nach einem Zwange den Patienten dazu, 
sich das Glied einzuzwängen. Oft hört man, daß parapathischo Xranke 
ihren Penis mit Stricken oder Bändern eingebunden haben. Viele legen 
eine solche JJinde des Nachts an, andere tragen sie am Tage. 

Viele sonst rätselhafte Vorgänge finden auf diese "Weise ihre 
Eiklärung. Maresch demonstrierte in der Gesellschaft der Ärzte 
in Wien ein Referat {„ein Fall von jahrelanger Einsclmürung des Penis 
durcli einen Fingerring", Wiener klin. Wochenschr., 1920, Nr. 5). Der 
Ring hatte zur Entstehung einer Urethralfistel geführt. 

Die vorgeiKiimiicncii katamncsli scheu Keclicrclieii ergaben, daß dür Vei-- 
elorbenc, der vei'bciratet gewesen war, in den letzten zehn Jahren keinen ge- 
Kchlechtliclieii Verkehr mit seiner Frau gepflogen hatt-e, und daß er damals 
(also vor aohn Jahren) über lästige echmerzhafle Erektionen geklagt h;il>e. 
Scdno Frau halte ilim den Rat erteilt, einen Arzt zu befragen, nnd als sie 
sich später wieder nach seinem Befinden erkundigte, meinte er. es sei eine 
ärztliche Konsultation nicht mehr notwendig. Von dem Itinge wußte die Frau 
nichts. Wir wei'den daher nicht feiilgchen, in dieseu Zeitpunkt die Applikation . 
des Ringes und die Inkarzeration des Penis zu verlegen, zumal der ana- 
tomische Befund dieser Annahme durchaus nicht widerspricht. Der Mann 
hat die mit gewiß nicht unbeträclitliehen Beschwerden verbundenen Folgen 
der Inkarzeration ohne ärztlidio Intervention ertragen und sich auch mit der 
UreUn-alfistel abgefunden. Deim hätte er einen Arzt konsultiert, so wäre er 



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254 



Ketiscliismus. 



zumindeEt von dem Ring befreit worden. Der Pfleger und die Zimmei- 
genossen gaben auch an, daß dcc Kranke auffallend häufig das Klosett auf- 
euchte und sehr viele Tücher verbrauchte, mit denen er sich — und wie das 
Präparat zeigt, erfolgreich — vor einem Ekzem bewahrte.') (Siehe Abbildung 

Nr. 24.) ■-,.■.:■ 



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Einfache MenBchen wählen ein einfaches Bild oder Werkzeug dos 
Zwanges. Je komplizicrtei- die Psyche des Menschen ist, desto kompli- 
zierter der Mechanismus des Zwanges. 

Ein wichtiger Umstand erfordert eine gesonderte Besprechung. 
Wir haben gesehen, daß es eich in allen diesen Fällen um Impulshand- 
Inngcn dreht. Viele dieser Fußfetiscbisten sind Kleptomanen, sie stehle» 
die Schuhe, von denen sie ein ganzes Lager haben, sie stehlen Hand- 
schuhe, sie stehlen Mieder. Wie verhält sicli nvm der Impuls zu diesem 
merkwürdigen Symptom des Zwanges? 

Erstens empfindet der Kulturmensch diesen Impuls wie jede IIi'- 
reaktion als lästigen Zwang. Der Kulturmensch kämpft gegen die 
Triebe, er will sie überwinden, er will diesem Zwange nicht erliegen. 
Die innere Freiheit - das höchste Ideal eines jeden Menschen — ist 
nur zu erreichen durch Überwindung des Zwanges. Der ursprünglidie 

') Einen ähnliehm Fall von Sclbstverstrimmlung hat Jeanseime in der Jt"i"' 
nunimor 1921 des „L'Enccplialc" vcröffintlicht. Ein r^Jähriger hatt^? sich den Pem^ 
im Sulcue so eingeschnürt, daß diu Glang gangränös nurdo und während des Urinierena 
abfiel. Zu dißBom Fall macht Sam^re in der „Int. Zeitschr. f. Psychoanalyse" (1922. 
Bd.VIlT, H.3. Bemerkungon ku einem Fall von Selbstvorstüramelung) einige intcrcesante 
Bemerkungen. Fr erwägt die Mögli<:hkeit von Kastrationsideen, verwirft sie aber, wü 
dw Knabe Bonst den Penis an der Wurzel abgeschnürt hätt«. Meiner Ansicit nach 
scheint es sich um eine symbolische Darstellung eines Zwanges zu handeln, der voni 
Genitale ausgeht und am Genitale bestraft werden soll. Auch an Schutzmaßregeln gegw» 
Onanie ist in solchen Fällen zu denken. 



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Uer SyraboIiBmus des Zwanges, „ 

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Zwang ist im echten Fetiechismue nicht mehr zu erkennen. Der Imnul« 
liat eich verwandelt, der Affekt ersciieint versdioben, der Zwan/ha^ 
B.ch vom Sexuellen auf ein Sj-nibol verschoben. Der Kranke strebt 
nicht mehr nach dorn Besitz der bogehrten Person, er erliegt wohl den. 
_>;wange. aber in einer symbolischen Form, die seiner asketischen 
(endonz dadurch gerecht wird, daß er dem Gesdileclitsverkehre entgeht 
oder Jim auf ein Minimum cinsdiränkt. Er hat dem Zwang einen Gegen- 
zwang entgegengestellt. Zwangssymptorae sind Reaktionen des Ge- 
wissens auf eine unerfüllbare 1'riebforderung. Die Urroaktion ver- 
wandelt sich in eine vollkommen atypische Kulturreaktion. Er erliegt 
wohl einem Zwange, aber es ist ein Zwang, den er sich selbst geschaffen 
hat, um der ursprünglichen Forderung seiner Sexualitiit zu entflielien. 
Der Fetischist hat sich in eine Parapathie hineingezwängt, um einem 
anderen Zwange zu entkommen. Er spielt den Paraphilen und bleibt 
der Asket. Der Zwang der Kultur, der Erziehung, der Religion, des 
Ethos bleibt dodi siegreich. Aber er empfindet diesen Zwang nicht 
mehr als das Fremde, weil ja die Parapliilie seine eigenste Sdiöpfung 
ist. In Wirklidikoit reizt ihn der Fuß gar nicht. Er benimmt sidi 
nur so, als ob er ilm reizen würde (VaihingeT). Er arbeitet mit einer 
Fiktion, um der Realität der Sexualität zu entgehen. Die bipolare 
Tendenz, Don .luan, Satan, Libertin, untreuer Ehemann einerseits, 
Priester, Heiliger andrerseits kommt in seiner eigensten Schöpfung 
'/.um Ausdruck. Dann wird der Trieb als das Fremde und der Fetischis- 
mus als das Eigene empfunden. Der Impuls wird sozusagen durdi deu 
FetisdiismuB immunisiert, er wirrt für das Leben unschädlich gemacht. 
Die Kraft des Impulses geht nicht verloren. Er wird nur von dem 
oigentlidien Strombett abgelenkt und gezwungen Arbeit zu leisten, die 
seiner Tendenz feindlidi ist. Er wird dann ein Teil von jener Kraft, 
die stets das Böse will und doi'h das Gute schafft. 

In dem eingeschnürten Symbol drückt der Kranke dann beide 
Tendenzen aus: den Zwang des Triebes und den Gogenzwang der 
Zwangsneurose. 

So komme ich zu meiner alten Formel zurück: Der Fetischismus 
ist nur eine Abart der Zwangsneurose, seine psychische Struktur kann 
nur als Zwangsneurose verstanden worden. Der erotische Symbolismus 
des Fetischismus drückt diesen Zwang in der Wahl des sexuellen 
Fetisches aus, der diesen Zwang anschaulich und überzeugend vor 
Augen fülirt. 




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1 






■ ■ ■ XL 

Kasuistik. 

Alle unsere Untersuchungen liaben das eine Resultat ergeben; 
Der FetiscliismuB ist ein Zwang, den der Kranke sich selbst aus Motiven 
der Buße auferlegt." Es ist scheinbar eine Paiaphilie, in Wahrheit eine 
Religion, ein Kult. In dieser Religion herrschen die Götter der Kind- 
heit. Der Fetisch muß imstande sein, den Zwang dieser Religion, die 
ja immer den Cliarakter eines Zwanges') hat, symbolisch darzustellen. 
Er muß etwas Schützendes, Umhüllendes, Einschnürendes sein. Aus 
diesem Grunde eignen sich Schuhe ganz besonders, denn sie schützen 
den Fuß vor Verunreinigung. Es eignen sich auch enge Hosen 
sowie Korsetts zum Fetisch. Ee ist nun klar, daß auch eine Mehr- 
heit von Fetischen nebeneinander bestehen kann, wenn sie das Gleiche 
ausdrücken. Es ist so, als ob man einen Ausdruck in zwei verschiedenen 
Sprachen verwenden würde. Es kann sich daher der Schuh fetischisnuis 
mit einem anderen kombinieren. Einen solchen Fall beschreibt auch 
Abraham -) und über diesen Fall möchte ich einige Worte sprechen. 
Fall Nr. 51. A. beschreibt einen SSjährigen Hochscliüler, der sich 
sciion in der Pubertät von anderen Altersgenossen dadurch unterschied, 
daß er sich für das weibliehe Geschlecht nicht interessierte. Er hielt sieh 
für impotent. Mit 14 Jahren begann er sich zu fesseln. Mit 15 Jahren 
begann er elegante Schuhe der männlichen Mitschüler zu beobachten. 
Nun kam das typische Erlebnis. Er verschob dies Interesse auf die 
weiblichen Schuhe. Besonders erregte ilin der Gedanlfe, wie unbequem 
das Gehen in soldien Schuhen sein müsse. 

Er verwechselt die Schuhe, den rechten und den linken, um aus 
eigener Erfahrung zu lernen, wie das Gefülil des quälenden Druckes 
beschaffen sei. Diese Verwechslung von links und rechts ist eine wunder- 

^) Vergleiche die Aupfülirungen über die Darstellung der Parapatliie im Traume. 
Zbl. f. Psychoanalyse, Bd. III, S. 6G. Der Scln:h ist ein sehr häufigee Symbol (fe-r P'"''''' 
pathio seihst. EbenKO der Handschuh. 

*) Psychoanalyse eines Falles von Fuß- und KorsettfetischiBmuB. Jahrbuch für 
pBTclioanalytieche und psycho pathologische Forschungen. III. Bd., 1932. 



t_'vx 



Kasuistik. „ 

bihöne eymboliöche Handlung. Er möchte aus einem Manne ein Weil» 
ijerden. Das dürfte aus einem eminenten Idontifizierungsprozease mit 
i^emer Mutter stammen. Denn mit 16 Jahren naJim er ein altee Korsett 
der Mutter, schnürte sich darin fest ein \md ging so damit auf 
der Straße spazieren. Wieder begegnen wir dem Fetischismus mit. Re- 
quisiten aus der Toilette der Mutter, Patient erziUiit : „Sehe ich eiii- 
-eselmürte Frauen und Mädcheii und vergegernväi'tige ich mir den Druck 
des Korsetts auf ihre Brust und Unterleib, so kann ich Erektionen er- 
zielen." Seine Träume handeln oft von Korsetts und vom Schnüreu 
c-iii Gegensatz zu den mir bekannten Fällen. Er hat ausgesprochen 
kepiophile Rieclilusl, die auf seinen Iniantilismus zurückzuführen ist 
Eine seiner häufigsten Erimiecnngcn ist eine Szene, in der die Mutter 
im Wasser watet. Ich sehe darin den Kern seines Fußfetischismus. 
Kl- war bis zum 10. Lebensiaiire mit seiner Muttei- sehr z.artlich und 
hatte bis dahin aucii sehi- häufig ihi' BetI aiifgc^uciil Sehr stark ist 
:Jeine Sehnsucfu, ein Weib zu ^ein. DaunI dürften seine Kastralions- 
]ihantasien zusamnieidiängen. Er zeigt die charakteristische infantile 
Neigung, den Hiirn und den Urin zurückzuhalten. Seine Fesselungen 
iVaidcn meist im Klosett, statt. Sie dürften der Phaniasie entstammen, 
in Windeln i'ingehunden zu sein. . . . Dazu stimmt, daß er sich seine 
(ienitalien gern einsclmürtc 

Abraham bringt auch einen Traum des Patienten: 

Er ist mit seinem Brudei' iiuf einem Schiffe, das durch einen Hafen 
fährt. Um au? dem Üafcn zu koiiuiicn, mii^^eii sie einen eigentümlichen 
wie ein iiaiis über dem Walser gebauten Du^chliit^ pasMieron, Sie fahren 
dann durch freies Wasser, sind dann aber plötzlich auf dem Lande und 
fahren mit dem SchiHe durch eine Straße, ohne jedech den Beden /u 
lieriihi-eii. Sii^ fahren in der Jjiiri; ein Sclnitumuiin reicht ihnen rliilx^i zu. 

Der Traum ist in seiner fundamentalen Bedeutung von Ahrnham 
nicht erkannt worden, da er in jener Zeit der Publikation die Symbolik 
der Spermatozoenträume noch nicht kannte. Der wichtige Einfall des 
Patienten „Koloß von Rhodos'" erklart deix Traum. Der Koloß stellte 
einen gewaltigen Mann dar, der mit ausgespreizten Beinen über dem 
Hafen von Rhodos stand. Er erinnert den Patienten an den urinierenden 
Vater. Der Traum stellt den Patienten als Spermatozoon dar und be- 
schreibt seine Reise durch den Körper der Mutter. Daher dai^ merk- 
würdige Fliegen . . . (vgl. den Mutterleibstiaum eines voi'hergehenden 
Falles, S. 218), Der Sinn des Traumes heißt: Ich möchte noch einmal 
auf die Welt kommen und ein neues lieben beginnen. Ich möclite noch 
einmal Kind sein. Einmal träumt der Patient, daß die Schuhe hinton 
niedergetreten sind, so daß die Ferse sichtbar ist. Das bedeutet neben 
anderen Determinationen, daß er seine Parapatlüe zu verlieren glaubt. 
Das ist in der Psychanalyse häufiger der Fall, als es die Analytiker 

SlBkel, SlOtangon dos Trieb, aud i-ffuliUebeas. VH. yj 



■'/ 



258 



Fetischisniuii. 



selbst wissen. Denn diese fetischistischen Neigungen verlieren für ihrra 
Träger den größten Wert, wenn er sie einmal mitteilt. Sie sind sein 
tiinge behütetes Geheimnis nnd entschließt er sich einmal sie mit- 
zuteilen, Bo ist er sthon halb entschlossen sie aufzugeben. Richtig ist, 
daß — wie Abraham betont — die Ferse die Bedeutung einos Genititl- 
ereatzes hat. Jeder Fetisch ersetzt das Genitale und kommt zustand-', 
weil eine erogetie Zone dabei beteiligt ist, aber damit ist das Wesen 
des Fetischismus noch nicht erklärt, wie wir ja bereits gesehen habeu- 
niese Itomerkungen über den Fall Abrahams mögen vorläufig ge- 
nügen. Über seine Auffassung des Fulifetisuhismus will ich mich später 
äußern. Ich mache liier nur auf die starke Tendenz aufmerksam: U-\\ 
will ein Weib sein! Diese Tendenz fehlt in keinem Falte von echtem 
l'otisehismus und erklärt uns auch das riierkwürdige Ausspielen lies 
Fetischismus gegen das Weib. Sammelt der Fetischist Frauenschuhe, 
so stellt er sich vor, wie sie ihm passen würden: so geht es ihm mit 
den Hemden, Korsetts, Schürzen, Hüten usw. Die homosexuelle Grund- 
lage des Fetischismus setzt sich in diesem Wunsche mächtig durch. 
Auch der Spermatozoentraum mag neben anderen Bedeutungen auch 
diese haben: Wenn ich nochmals auf die Welt komme, möchte ich eine 
Frau wie die Mutter oder die Schwester sein. Von diesem Wunsche 
biß zum Transvcstiemits von Hirschfeld ist nur ein kleiner Schritt. In 
der Tat zeigen alle Transvestiten die Kigenschaftcn der Fetischisten, 
sie sammeln weibliche Toilettestücke, sie treiben den Haremskult sie 
versenken sich in eine ihnen verschlossene Welt mit der ganzen Macht 
einer irregeleiteten Phantasie. 

Der nächste Fall zeigt uns alle diese Momente neben anderen 
sehr interessanten. Er ist von Dr. Olto WaWier publiziert worden. ^^ ir 
liissen ihm darüber das Wort: 

Fall Nr. 52. M. K., .Journalist, war zur Zeit seiner .\ufnalmie in die 
irronaiifitalt xweck^ Beobachtung seines GcistesziistJiiidcs 3(i .I;ihre alt. Ülwr 
orblicIiP Uida^ilniig w;ir nichts zu erfahren. Er hat in der Schule mäßig ge- 
lernt, ahoi- doch luil. 20 .Jahren sein Maturitätsexamen bcsümdcn. In Berlin 
imd Marburg hat K. dann Rechts- und Staat swjssensehaften studiert. Nach- 
dem fi in lviis.-icl zweimal vorgeblich die erste juristische Staatsprüfung vor- 
quellt lial, wurde er nach dem Tode (^pines Vaters .Jounialist und hat sich dabei 
durchwegs pekuniär gut gestanden. Vom Hause aus war er so gut wie ver- 
mögenslos. Meint war K. an konservativen Zeitungen tätig, so in W., wo er 
eine recht iingcwcheiio Stellung einnahm, in den ersten Kreisen veikehrto. 
Mitglied des konservativen Wahlvereinea war usw. 1895 verheiratete er sich, 
die Ehe blieb kinderlos; 1898 adoptierte er ein kleines Mädchen auf dringenden 
Wuuscli seiner Frau. Mit seiner Frau hat K. geschlechtlich 
nicht verkehrt. 1899 bis Juni 1900 war er als Chefredakteur in K. 
l.ätig. Nach Angabe des Zcitungs Verlegers hat er stets zur Zufnedenhcit. 
gearbeitet. 



! 



KuüuiÄtik. 



2.")!1 



K. witifle anfe'pkiagt, wegen iriehrfach vtrsuchten, aber nicht vollondoteii 
Iktrugrü;, indem er unter Vorspiegelung fälschet- Tatsachen, erstens oiii Gut 
in Schlesien zu erwerben versiiehte, zweitens wohlhahondo Loutp um Darlehen 
iiiigegnngen hatte. 

Erst als rinr Staatsanwalt 3 Jahre Gefängnis beantragte und das GericiiL 
die Ur(<'ilsvcikiiniligiiiig verlagt hatte, machte er seinem. Vei-l«idiger die Mit- 
teilung, dali er das Gut nielit allein ans Interesse an der Landwirtschaft 
kaufen wollte, sondern weil er f,'laul)t(\ daß m- auf dem Lando seine Neigung 
hoHser knltiviei'on kännc. Kr habe iiämlicli mm ilini unerkläiliclie Neignu" 
KU Schiiiztin und Waschkleiduni unil glaubte, daß seine Frau in der ländlichen 
Einsamkeit sich eher dazu entschließen küime, sich seinen Wünschen ent- 
sprochetiil xii kleiden, als in der Stadl. Kr bat den Vortoidiger noch weilen- 
Mitteilungen u\)vv Tagebiiclici, liricle und einen KonÜikt mit der i'uiizei in 
Ilr. wegc'n angeblichen Sittlichkeita Verbrechens gemacht. Der Verteidiger 
boanlragto daraiillnu Unlcrsuchuog de.^ Geisteszustandes dos K. Diesem An- 
irago wird ritallgegebt'n und K. einer Anstalt zugelulirt. 

Er datiert seine Neigung zu Schürzen schon von früher Jugend her, 
N'acli seiner Ansicht ist die Neigung dadurch liervorgprnl'on, daii seine 
Kind e r f |- a u i h in z u r li o r ii h i g u n g Schürzen ins Bett g c- 
gohon hat. /uniiclist beschi'anktft sich diese l^eidenschaft auf Öcliürx.eu der 
Mutter und der Schwester, die er lianlig heimlich an .sicji genommen 
uml versteckt batle. Trutz teilweise recht e!Hi)tindliclier Strafen blieb die 
Neigung biisteheu. Auch als Slndent ist liic \eigung stets vorhanden gewesen, 
lind als er sicli noch als ein Student mit seiner jetzigen Krau verlobt hatte, 
bat er bei den häufigen Besuchen bei seiner Braut heimlich einVx'lue ihroi> 
Schürzen mit nach Berlin genommen, in dieser l^eit erwachte ancli all- 
mählich (lic Liebe zu Waschkleidern nach seiner Ansicht, weil seine Braui 
und deren Schwestern häufig Waschkleidei" trugen, aber am liebsten sind 
ilim bis heute die Schürzen geblieben. 

Die Scliüizen müssen aus Waschstoff sein, auch müssen sie gewisse 
Farben und Muster xeigen. Am liebsten sind ihm Schürzen und Kleider, 
die getragen sind, ja .s cli m u t zi g sein können, er duldet z. li. 
nicht, daß seine Sachen gewa.«chen werden. Per Gedanke, daß seine ., Sieben 
tjehürzchen" nicht sorgfältig behandelt, ja durch Waschen mißhandelt 
werden, bereitet ihm fast öinen körperlichen Schmerz, tlberhaupt ist es ihm 
peinlich. Schürzen und Kleider, dio seinem Geschmacke entsprechen, von 
Fremden getragen zu sehen, weil er dabei immer den Gedanken 
hat, man gehe nicht ordentlich und zärtlich mit den Sachen um. Di^lialb, und 
weil eben seine Leidenschaft für solche Sachen durch den Anblick erregt 
wird, ist er häulig den Trägerinnen ULichgegangen und hat die fraglichen 
Kleidungsstücke zu kaufen versucht, obgleich er ganze Seh ranke 
und Körbe voll im Laufe der Zeit angesammelt hat. Bei 
einer solchen Gelegenheit ist er in Dr. in den Verdacht des beab^jicht igten 
Sittlichkeitsverbrechons gekommen. Er hatte ein kleines Mädchen mit einer 
ihm zusagenden Schürze gesehen, war ihm bis zur Wohnung gefolgt und 
hatte CS beauftragt, die Mutter zu fragen, ob sie die Schürze nicht an ihn 
verkaufen wülite. .Kr wolllo am Abend wiederkommen und die Schürze hulen. 
Bei dieser Gelegenheit wurde er verhaftet. Er erklärte der Polizei, daß er 
nur die Schürze für seine Sammlung habe kaufen wollen. Die Polizei Heß 
nachsuchen und fand eine große Anzahl von Schürzen und Kleidern, über 
deren Erwerb und Schicksal C4' in gleichfalls gefundenen Büchern gewisser- 

17* 



.W' 



260 



PetischiBmus. 



I.., 



'ii; 



)Raßen Tagobiieh geführt hatte (vom Jahre 1897 an). In B. beauHraglö 
er eine Althändleriii, Frau U., für ihn eine Schürze, die er bei einem Kinde 
gesehen hat, zu kaufen und trägt ihr auf, noch andere Schürzen für ihn /u 
ei-werhcn. Aber nicht nni' alte Schürzen hat er geliauft, sondern, wenn er in 
einem Gescliät't ein ihm zusagendes Stück fand, hat er es eich angeschafft. 
Über sein Geschlechtsleben äuliert er sieh: 
' Nnr als Student hat er kurze Zeit onaniert-, jedoch ohne besondere Be- 
1 riediguiif;. Wie er dazu gekommen ist, will er nicht mehr wissen, aber 
jedenfalls haben seine Schürzen uew. nichts damit zu tun. Er hat dann bald 
ohne jeden Zwang die Onanie unterlassen nach Lektüre eines Buchee über 
die Schädlichkeit der ünanic. Mit einem Weibe hat er 
nie geschlechtlich verkehrt, auch nicht mit seiner Frau 
während der nunmehr 8jährigen Ehe. Das ist häufig die Ur- 
feacho zu häuslichen Unfrieden gewesen, da seine Frau sehr kinderlieb ist. 
lleshalb hat er seiner Frau wegen ein Kind adoptiert. Er meint, ecin Vei- 
kehl' mit seinen Schürzen und Kleidern müsse wohl als Ersatz für den 
Oeeclilechtsverkelir angesehen werden, nach welchem er nie Verlangen gehabt 
habe. Mit seiner Frau verbände ihn eine auiriehtise Neigung, die aber 
wohl nichts mit Sexualität zu tun habe, wie ihm ja auch die Trägerinnen 
seiner Scbürzen iu dieser Hinsicht gleichgültig seien, es interessiere ihn 
eben nur der Gegenstand, den sie trügen, Nach seiner Angabe ist ihm sehou 
niehi'cre Male der Gedanke gekonuncn. den Wunsch seiner Fiim zu erfüllen. 
in dem Gedanken, daß er für sein zu erwerbendes Gut einen Erben haben 
wollte, aber die Sehürzehen haben sich ihm hindernd in den Weg gestellt. 
Es sei gewesen, als ob die lieben Schürzchen zu ihm gesproch?n hätten; 
das dürfe er ihretwegen nicht tun. 

Seinen Verkehr mit den Schüi-zen und Kleidern schildert er: 
Der Besitz und der Anblick seiner Schürzen und Waschkleider, sowie 
der Verkehr mit diesen, gewährt ihm ein Gefühl des Wohlseins und der 
Befriedigung, Zu einer sexuellen Erregung kommt es dabei nie, ebensß 
benutzt er sie nicht zu onanistischen Zwecken. Er findet seine Befriedigung 
darin, daß er sie ansieht, wenn sie von Frau und Kind getragen werden. 
Ferner urngilJt er sieh nachts mit Schürzchen und Kleidern, und die ihm 
gerade liebste Schürze nimmt er auch ins Bett, immer ohne sie zu ona- 
nistischen Zwecken zu benutzen. Am Tage hängt er sie im Zimmer auf 
und eti'eichelt sie, küßt sie und redet mit ihnen „wie mit P r a u und 
K i n d". Auch auf Reisen hat er immer eine oder mehrere Schürzen mit- 
genommen, so auch auf seine letzte Reise nach Pommern. (Er hat tatsächlich 
bei seiner Verhaftung zwei Schürzen bei sich gehabt.) 

Eine große Freude gewährte ihm auch das Füliren von Tagebücheri 
(von 1897 an), worin er eich über den Erwerb, Auesehen und Schicksal 
seiner Schürzen und Kleider ausläßt. 

Da .^ieh Frau imd Kind häufig weigerten, die zum Teil unmodernen, 
zum Teil schmutzigen Kleider und Schürzen zu tragen, ist allmählich der 
Godanke bei ihm laut geworden, daß sie sieh auf dem Lande wohl nicht 
mehr wcigeni würden, weil sie sich dort in ländlicher Einsamkeit nicht zu 
genieren braucliten. Daher ist allmählich die Absicht groß geworden, ein 
Gut zu erwerben- Hierbei spielt nun nach seiner Angabe nicht allein der 
Wunsch, seine Schürzenleidenschaft auf dem Lande besser kultivieren zu 
können, eine Bolle, sondern dazu kommen noch allerlei Vorstellungen, die 
eich in den letzten Jahren bei ihm festgesetzt haben. Er glaubt näralidi, 



KasiiiBtik. 



261 



im Besitze eines Rittergutes allerlei Pläne verwirklichen zu können, die ei' 
y.ur Verhcseei-ung der sozialen Verhältnisse seiner Mit- 
men sehen vor hat. Er will zunächst gar nicht mit diesen Plänen 
heraus, läßt sich aber schließlich herbei, einiges davon zu verraten. Bei 
meinen parteipolitischen Verbindungen glaubt er, als Gutsbesitzer eventuell 
ein Rcichetagsniandat bekommen zu kcinneii, dadurch in Fühlung mit hühr>n 
und höchBte.n Kreisen zu koiiuiien. Er spricht von Tiitigkeit im Ministerium, 
ta ganz heimlich taucht auch der Gedanke auf, selbst Minister werden 
zu können. In diesen Stellungen hofft er, eben seine Pläne zur Verbesserung 
der sozialen i^age ausführen zn können. Wgs er für Pläne hat, will er noch 
nicht sagen. Ven seiner Tätigkeit als Redakteur spricht er keineswegs mit 
(Tberhebung, sondern gibt nur an, daß er stets zur Zufriedenheit seiner 
Auftraggeber gearbeitet habe- 

Aus dei' weiteren Krankengeschichte während seines Anstältsaufen t- 
haltee ist noch zu erwähnen seine Angabe, seit 3— 4.)a]iren (1S98— 1899) 
au anfallsweisen Koplschmerzen zu leiden, die vorwiegend in Stirn imd 
Hinterkopf sitzen. Hat Jalü' und Tag bis 3 Migränepulver genommen. Seit 
2— 3 Jahren ist der Schlaf ungenügend mit tiäuligeni Anischrecken. Er vei- 
hingt dauernd die bei seinen Sachen lieiindlichen Kinderschürzen, die er seibat 
bei sich gehabt habe und ohne die er es nicht aushalten könne. Ist häufig 
weinerlich verstimmt. 

Ich lasse letzt einen Aueztig aus seinen Tagebiieliern folgen: 

„Dunkelblaue Schürze mit blaugcslreillem Rand. Band die Schürze 
wieder früh, r)achdcm sie angezogen war, um, auf meine Bitte. Heute aber 
erst, nachdem sie auch Marga gewaschen und angezogen hatte, so daß mir das 
Furchtbare erspart blieb, zu sehen, wie sie in der süßen Schurze Marga 
wäsclit. Frühstückte darin und trug m ihr das Geschirr in die 
Küche. Wusch Margas Haar in ihr mit Bayrum ein. Zog ui ihr Marga 
die Kamascheu <ler Gummischuhe an, berührte dabei mit ihren Annen die 
l.erabhängende Schürze, die dadurch wieder ganz zusammengebogen und .ge- 
knutscht wurde usw. Schürzidel hängt zu meinen. furchtba.-sten bchmerz 
ganz zerkniitscht und zusammengebogen herunter, ist voller Knulscli teilten, 
die sich von oten bis unten hinziehen, auch der blaugestrei te Rand ist 
auf lieiden Seiten voll direkter KnutschfalUm und der süße blaugestreifto 
Stofl' ist oben rechts und links ganz zusammengebogen und zerknüllt. Ich 
bin tief traurig, daß das süße Schürzidel durch das Umbinden so fnrehlbar 
mitgenommen usw. 

Kleine dunkelblaue Schürze. 

Sonntag ,1 band zu meiner innigsten Freude wieder die kh'ine dunkel- 
blaue Schürze um, und zwar gerade zum Sonntag, trotzdem Eie noch unge- 
waschen und schmutzig war. und ich gar nicht erwartet hatte,, daß sie ^16 
«ich in N-Str. umbinden würde. Das herrliche Schürzidel ist noch von R., 
W St Dr. und St., ja sogar noch von 0. sclimutzig und ungewaschen, seit 
sie 'sie'vor nahezu 12 Jahren in 0. umgebunden hatte. Beim ITmlnnden ei- 
innert*> sie mich daran, daß das eine von ihren ältesten Schürzen sei usw. 
Zu meiner tiefsten Betrübnis sagte J. dann weiter, die Schürze sei sdMU 
fadenscheinig und würde wohl bald mal wie Zunder auaeinanderfallen usw." 

Schildert dann einen Streit mit seiner Frau über das Tragen dieser 
Schürze. Frau gibt nach. 






96? 



Fetischismus. 



Fülgoii noch Geechichteu über einige undeie Öcliiirzeii, ao z. B. weiLve 
geripptf Scliürze mit ßchmalcn Kaspcln, bl angestreifte gerippte Schürze, 
(hmkolhlaii gerippte Schürze mit rotgcrippt-eii Borten und Halskragen 
(.ydilieljtfchiJrKo), kleine mittelhlau, gerippte Schürze mit rotgeblümt«r Kantt-, 
Jidlgclb gerippte Schürze mit blaugerippter Borte. 

Dazwischen Schilderungen von WaBclikleidern : Blaugestreifle Blueo 
mit Matrosenkragen. Blaugestreiftet- geripptes Waschkleid. Dunkelblau ge 
ripptes Wasclikieid usw. 

Auch aus Briefeu an seine Frau geht die Sorge um seine Schürzen 
und Kleider hervor. Er schreibt, daß sie in seiner Abwesenheit ja niciit seine 
lieben, süßen Schürzidel umbinden solle usw. 

Seine Alutter gibt bei der gerichtlichen Vernehmung an, daß ihr Sohn 
als Knabe und auch als älterer Gymnasiast eine eigentümliche Neigung iui 
Schürzen gezeigt habe, und zwar hauptsächlich für. blaue Schüi-zen.° K s 
wäre (j t' 1 vorgekommen, daß ihr von ihren eigenen 
Schürzen Stücke fehlten, die sie dann oft erst nach 
"Wochen in e i n d m W' i n k cl oder einer Ecke eines Kom- 
me il en s t-hub fach c s ihres Sohnes wiedergefunden habe. 
Ermahnungen und härtere Strafen halfen nichts. Ihr verstorbener Mann 
Imbi' e,-^ fiii' eine Spielerei gehalten, wenigstens als die Neigung auttrat. Sie 
i-x'llisl glaubte zuerst auch, daß die Sache von einer alten Kinder- 
frau ihres Sohnes herrühre, die ihm ihre Schürze zum 
Spielen zu geben pflegte. Wie die Neigung sich später eutwickelt 
habe, und ob sie noch bestände, wisse sie nicht. Sie erinnere sich jedoch, 
daß ilir verstorbener Mann ans Briefen ihres Sohnes, die er au Anfang des 
LiebesverhiiltniseeB zn seiner jetzigen Frau au diese geschrieben habe daß 
er auch ihr gegenüber die alt^^ Neigung für SehÜi-zen betätige. Von 'einer 
■ PaBsioii für andere Kleidnngsstücke sei ihr gar nichtig bekannt. Sie habe 
ihren Sohn seit IL. fahren nicht gesehen. 

Die Ehefrau des K. bestätigt bei ihrer gerichtlichen Vernehmung im 
großen ganzen die Angaben ihres Mannes in bezug auf die Neigung für 
Schürzen und Kleider. Sie bestätigt auch, daß dadureh viel Unfrieden ent- 
standen sei, namentlich wenn sie sich geweigert habe, sich nach dem Ge- 
Bchnmcke ihres Mannes anzuziehen. Bezüglich des Gutskaufs ist sie der An- 
^iclit. daß ohne Zweifel der Gedanke alleinbestimmend war daß sie und 
(las angcneminene Kind eich dann nach seiner Laune und aciiien Kei'^ungeu 
cnf^sprecheiid kleiden kömiten, Sie schildert ihren Mann als durchaus" spar- 



sam und arbeilsam So lange er noch nicht die unglückliche Idee sich ein 
(nit /,n kuulen, gclmbt habe. se>en sie bei ihrer Sparsamkeit stete ohne 
Sdiuiden mit dem Gehalte ihies Mannes aufgekommen, hätten sogar Ideine 




in unabhängiger Stellung ein bequemeres Leben führen zu können Ferner 
hebt sie noch hervor daß außer den ihrem Manne besonders zusagenden 
Farben, wie blamveiß gestreift blau und rosa, auch die Zeichnung des 
.Musters eine Rolle spielt. Es käme vor, daß trotz zusagender Farbe und 
Form das Muster nicht seineu Anforderungen entspräche und dadurch das 
ganze Stück für ihn wertlos sei, während er für ilm passende Stücke viel 
Geld ausgeben könne, was sonst nicht in seiner Art Hege Als Ersatz für 



•lii 



Ui 



Kiieuistik. 



363 



Jen uonnaleu GeöchJechtäverkobr bleibt eben iiur uuter diesen Eindrücken 
der Verkehr mit seinen Sehürzeri und Kleidern bestellen und befähittt 
ihn seine Neigune, wenn auch zum Teil unbewußt, sein sexuelles Bedürfaiö 
nur im Veikelir mit seinen Suliüry-en zu befriedigen, ohne diiÜ es zu Äuße- 
iimyen dci' Cicnitaluryaiu: kumnit. Allein der Besitz, der Anblick und der 
"Unigimg mit «einen Üehiirzen bereiten ihm das Vergnügen und die- Befriedi- 
frniig, die der iioniiale Menseh im legel rechten GeBellöclial'lsveikehr empfindet, 
Ji<i= Weib ülri öuldiey tritt ganz bei ihm in den ilinU^rgrnud, wenigsLena 
ist z. B. KCine Neigung zn aeiiiur Frau erst in zweiter Linie sexueller Natur 
insorern er sie ula 'J'riigeriu «einer Schulzen und Kleider ansieht. (FeÜsehisrawa 
Dnd l'ayelitxic. Ein Beitrag zur Kasuistik. Inaugural-Diseertatioii. Otto 
Walfher. llostüek. Carl Buldt'schc Hol'-Buehd ruckerei, lüOfi.) 

Diüsur ganz außerordeiitlielio Fall bringt uuh in oJnei- ßeltenoii 
lifinkultur alle Charakteristika eines celiteii Feiisdüeiiiua. Wir lindau: 

1. Der Fetisch bat eins Weib voilkonunen ersetzt. Fr ersetzt sogar 
ui'.' Onanie und gestattet dem Patienten eine relative Keiiaehhcit. 

± Der Hareniskult ist besonders deutlich ausgesprochen. 

;i. Die infantile Wurzel besonders dcutlidi. Die ersten Fetischo 
\\iren Schürzen dei' Mutter und Kchwester. Die Iteinniung, die ihn ver- 
hindert ein Weib zu besitzeii. scheint in geheimen Inzestmotiven zu 

liegen. 

4. Er trägt die Schürzen selbst, will ein Weib sein, identihziert 

eicii mit seiner Mutter. 

5. Der Weg zur Homosexualität wurde niclit eingeschlagen, dafür 

Entstand der Fetischismus. 

6 Der Glaube an seine große liistoriseho Mission reicht nicht bis 
zm Gottheit empor. Kr will Minister werden. Er ist nicht sicher, 
ob nicht eine genaue Fsychanalyse die Chnstusneurose nachweiGWi 
würde Leider haben wir keinen Traum des Patienten zur Verfugung. 
r.ocb könnte nach meinen Erfahrungen die Schürze für die. Schurze 
stehen die Christus auf den Bildern tragt. Ich vermute, dali der 
Kranke ein Heiligenbild sah, auf dem Christus eine weiße Schurze 
tni- (blau - die Hinnnelsfarbe). Doch es ist eine bloße Vei- 

mutun" und natürlich nicht zu beweisen, wird aber aus einem ähn- 
lichen Fall dessen ausführliche Analyse folgen wird, zu ersehen sein. 
Srfion das 'Führen eines Tagebuches läßt auf seinen inneren Größen- 
wahn schließen. . 

7. Er hat ein Gehehnnis, das ilmi allem eigen ist - einen kost- 
baren Schatz. ,, . , P ■ M 

Eine besondere Besprechung verdient- das Moment, dali er ein Ab- 
rützen der Schürzen fürchtete. Die Schürze ist das Symbol der Pani- 
T,.thie Sie schützt ihn vor dem Schmutz der Welt. Diese Sicherung 
darf nicht verloren gehen. Sein Fetischismus darf sich mcht abnützen, 
sonst ist seine Keuschheil verloren. . . . Ferner scheint mir die Liebe 



11 



i 



i 



2tH 



Fetischismus. 



? 



zur MuUer dnt' iibevi-agende Rolle zu spielen. Es nidcht nichts aus, 
daß er sie llJahre nicht gesehen hatte. Die Schürze stand für die 
Mutter und begann die Mutter volkomnien zu ersetzen. Doch scheint 
mir, daß das Gut nur gekauft werden sollte, damit die Mutter hinkomnu'ii 
sollte. Das sind nur Vermutungen und der Ankauf des Gutes kann 
a.uch das Erwerben des höchsten Gutes bedeuten. Ich muß gestehiTi. 
daü dieser Fall an Plastik alle anderen mir bekannten übertrifft. Er 
ist. in der Tat ein Triumph der men schlief len Phantasie, ein hartnäckiges 
Ringen um das Ideal der Keuschheit, mit einer Versenkung in ein 
Symbol, wie es wohl selten zu linden ist. Für sein Symbol wird K. zum 
Verbrecher. Hier erwacht in ihm die Angst und er gesteht sein lange 
gehütetes Gelreimnis. ... . - ' . ' ' 

Ich bin in der seltenen Lage, einen ganz analogen Fall mitzu- 
teilen, der einer eingehenden Analyse unterzogen wurde. Er wird uns 
später beschäftigen und uns beweisen, daß die Verhältnisse beim Feti- 
schismus noch viel komplizierter liegen, als wir es bisher geschildert 
liaben. 

E r \v ä h n e n s w e r t ist hier die a n i m i s t i s c h e Ten- 
denz. Die Scliürze lebt und spricht zu ihm, die 
Schürze leidet beim Waschen, sie ist kein totes 
Gebilde, sie ist ein Teil seines Ich. 

Noch tiefer in das Wesen des Fetischismus führt uns der nächste 
Fall. Er zeigt uns in wunderbarer Weise die ganze Systembildung, 
die dieser Parapathie zugrunde liegt und die man umnöglich mit fmeni 
infantilen Erlebnis erklären kann. Auch werden wir hier an Hand einei' 
Traumanalyso einen tiefen Blick in die Psychogenese dieser Krankheit 
werfen dürfen. 

Fall Nr. 53. Es handelt si.h um einen 27jährigen sehr kräftigeu 
Mann, nennen wir ihn Herrn K a p p a, der sich für Mäimerhoscn mid 
y.war für Sporthosen interessiert. Er konsultierte zuerst verschied- nc 
Arzte, die sich nicht zu helfen wußten und schließlich Schrenk-NotzU"/, 
der ihn zu hypnotisieren versuchte und ihn in der mißlungenen Hypnose 
den Auftrag gab, zu einer Dirne zu gehen. Dies versuchte Herr Kapi.a 
Aber mit welchem schrecklichen Erfolge! Im Lupanar brach ein Schweiß 
aue, er wurde von Schüttelfrost gebeutelt, es kam zu keiner Erektion, 
so daß er verzweifelt davonlief. Trotzdem mußte er noch einige Male 
diesen Versuch wiederholen, jedesmal mit demselben negativen oder 
nur halben Erfolge. Doch lassen wir Herrn Kappa das Wort zur 
Schilderung seines Leidens. Denn auch er leidet unt«r diesem Sporl- 
Iioeenzwange sehr bedeutend und bittet um Abhilfe außerdem ist er 
Masochist und huldigt dem Flaggelantismus. Wir haben Herrn Kappa 
ersucht, uns eme möglichst genaue Darstellung seines Svstemes zu 



! 



JJII ILI1-- 



^r-M 



Kasuistik. 



265 



geben. Denn darum handelt es sich ja iiamei- in dieaen Fällen und wir 
lassen hier seine eingehende Schilderung folgen: 

„Eine geschlechtliche Erregung findet statt, wenn die Kleidung 
irgend eines männlichen Individuums im Alter bis zu etwa 30 Jahren 
der Vorstellung Raum gewährt, daß sie ihrem Träger lästig ist oder 
daß er bei deren Tragen c i n o ni Zwange unterliegt. Djeso 
Vorstellung erwecken in erster Linie Hosen oder Röcke oder ganze 
Anzüge aus Manchester, in zweiter Linie aus anderen minder- 
wertigen Stoffen wie imitiertem Leder oder aus echtem Leder. 
iCine bevorzugte Stellung nehmen mit minderwertigen Stoffen 
bekleidete .Schüler ein, namentlicli ältere und solche höherer Lehran- 
stalten. 

Der Reiz erhöht sich, sobald zu der Besonderheit des Stoffes Be- 
sonderheiten des Schnitteö der Kleidung kommen, d. h. sobald diese eng 
anliegend gearbeitet ist, so daß Nates oder Oberschenkel oder auch die 
Kniegelenke plaetisch hervortreten. Erregend wirken ferner e i n- 
schnürende Bestandteile der Kleidang, wie Leibriemen oder die 
Knievorschlüsse von Sporthosen, weiterhin lange Stiefel, Stiefel mit 
-enagelten Sohlen oder lederne Gamaschen. Die Wirkung eng sitzender 
Kleidungsstücke ist unabhängig von der Besdiaifenhcil des Stoftes, 
was 2. B. bei Soldaten zur Geltung kommt. 

Die Fetieehkleidung gewinnt an Reiz, wenn sie Spuren lanf^en 
(iebrauches zeigt, wobei das Gesäß den Vorrang einnimmt. Sehe ich 
jemanden radfahren, so wirkt aiicli dio VoiateUung von dem körperlichen 
Gefühl erregend, das die Berührung des Anus nnt tlem Sattel hervoiruft. 

Bekleidungsstücke aller geschilderten Arten nehmen auch di-ini 
mein sexuelles Interesse in Anspruch, werai sie u n b e n u t z t etwa in 
einem Schaufenster zu sehen sind oder sich in meinem Besitz befinden. 

Olme all diesen Anloi'derungen betrefi's der Kleidung entspreclien 
zu müssen sind ferner solche Leute Verursacher sexueller Lust, deren 
äußeres sie als Angehörige körperlich arbeitender oder 
dienender Stände erkennen läßt. Soldaten sehe ich zuweilen an 
auf die Heschaffenlieit ihrer Hände hin, ob diese vermuten läßt, daß 
,hre soziale Stellung im Gegensatz zu dem Rang 
steht, den ein dreijährig dienender Soldat e i n- 

"'"* Gegenstand meiner Schaulust sind weiterhin Knaben oder junge 
Männer, deren Gesichtsauedruck gewissen Anforderungen entspncht. 
Es soll entweder etwas Keckes oder Sinnende« dann hegen Bartlos>g- 
keit ist ebenso reizvoll wie das Vorhandensein eines nicht zu großen 
Schnurrbartes Starke oder interessant gezeichnete Augenbrauen, lang 



11 



266 



FetiächiEmus. 



lj|*i 



bewimperte Lider, kleine oder lebhafte oder ^roße dunkle Äugen, ge- 
bräunte Gesichtsfarbe, eine in Falten gezogene Stirn, regelmäßig ac- 
etellLe weiÜc Zähne, Haupthaar, das im Nacken in einen spitzen Winkel 
ausläuft, sind reizvolle Kinzclhuiton. Dunkle Behaarung genießt ehien 
Vorzug vor heller. Eine schlanke Taille wiegt viele andere Vorzüge auf. 
Uei der llctrachtung derart gckcimzcichnetcr Männer entsteht 
uft der Wunsch in mir, so schön und so jung wie das je- 
weilig e S c h a u o b j o k t z u g e i n. ,■.,-.*. . - - ■ 

Eine andere Art meiner Sexualbetätigung besteht darin, feti- 
sdiistiscli verehrte Kleidungsstücke zu kaufen und anzuziehen und mich 
darin vor den Leuten sehen zu lassen. Jedech werde ich ihrer in der 
Regel schnell überdrüssig und verlange nach neuen Reizen. Die 
Bevorzugung einer bestimmten Farbe des in jeder Hinsicht am höchsten 
bewerteten Manchesters unterliegt stetem Wechsel ; in allen Ab- 
scliattungon wiid bald braun, bald grau, bald grün, bald blau oder 
sdiwarz bevorzugt. Der Reiz der Fetisehkleidung würde sich erst dann 
voil entwickeln, wenn ich gezwungen wäre, sie täglich zu tragen, und 
dadurch iin'o Haltbarkeit erproben und Spuren der Abnutzung hervor- 
rufen würde. Dicseni Mangel lielfe icli zuweilen durch scheuernde J3e- 
:*-weginigen mit dem Anus auf Stuhl oder Fußboden ab. Mit einer 
' F c t i s c h h s c angetan, vermeide ich es, mich auf einen gepolster- 
ten Sessel zu setzen, was ich sonst bevorzuge. Jedesmal enttäusclit 
mich die Fetischklcidung in bezug auf iin-e Haltbarkeit. Breit ge- 
rippter Manciicstcr wird höher bewertet als sclmsal gerippter. Seine 
. weiteren Reize sind sein glänzendes Aussehen, das er allein, und 
sein Geruch, den er mit anderen minderwertigen Stoffen gemeinsam 
hat. Eine lange Manchesterhose entfaltet erst dann ihren höchsten 
Reiz, wenn sich der Glanz von schwarzen Stiefeln dazu gesellt. Einen 
weiteren Vorzug der minderwertigen Stoffe erblicke ich In der Dicke, 
die sie vor anderen voraushaben. 

Was den Flagellantismus anlangt, so werde ich ilnn in der Haupt- 
. Sache mit Hilfe eines Stockes gerecht, dessen bloßer Anblick oft schon 
genügt, um Erregung zu erzeugen. Die Schläge versetze ich mir auf 
• die Schenkel und, . soweit es geht, auf das Gesäß, das entweder nackt 
oder besser noch mit einer Fetischliose bekleidet ist. Besonders be- 
achtenswert erscheinen mir die Hautveränderungen, die nach den 
Schlägen sicli vollziehen. 

Ein nie fehlender Bestandteil sadistischer Phantasien ist die 

Forderung, beim Geschlagenwcrden keinerlei Schmerzensäußcrung von 

Bich zu geben. Häufig erscheint das Schlagen als eine beabsichtigte 

■ Gewöhnung an das Ertragen von Schmerzen. Gewisso Vorbereitungen 

; inbetreff der Kleidung vor dem Geschlagenwerden, wie etwa das Weg- 



4 



KaBtiistik. 



267 



lassea von Unterkleidung oder das Anziehen dünner enger lloäeii die 
UnJfoi-m für irgend eine angenommene Kategorie von Leidensgcfalirten 
sind, gehören weiter zu den Phantasien. Prügchuaschinen, die vor- 
iiehmlicli für den eigenen Gebrauch dienen sollen, und J3än]<.e mit An- 
schnall vorridi tu ngcn konstruiere ich in Gedanken. Desondere Lust 
erweckt die Vorstellung, daß jemand halb freiwillig, halb u n-' 
freiwillig sich bückt und sein Gesäß den Schlägen darreiclit 
Nach der l'ruzedur evecheint der Gedanke reizvoll, dali der Gesclilagene 
unter der Kleidung, versteckt vor den Leuten, als Be- 
cken der hei t, von der nur er weiß, die Spuren der 
Schläge mit sich h e r u m t r ä g t." 

Wir eehon nun aus diesem Beispiele erstens die genaue Dar- 
stellung der Hystembildung. Et; liegen eine Reihe verwirrender Details 
vor, die einer eingehenden Analyse bedürfen. Ferner erkennen wir die 
Neigung, sich einen Harem anzulegen. Unser Patient hat eine- stattlidie 
Sammlung von süldicn Hosen, die er versdiicilentlich verwendet. Ferner 
sehen wir wiodei' wie im vorhergelieudeii Falle, daß die Voisl.ellung 
des Zwanges heim Fetisch erregend wirkt. Audi Kappa muß sich 
denken, daß die Hose dem Träger lastig ist und er einem Zwange 
unterliegt, Er symbolisiert schon im Fetisdi seine ganze Krankheit. 
Er cmplindot seine Krankheit als lästig und unterliegt einem Zwange. . . 
Wieder begegnen wir den minderwertigen Ötoflen und dienenden Indi- 
viduen, Wieder spielten die Einsdinürung mid der Sdmm-i durch den 
Fetisdi eine große Holle. (Die unbenutzte Hose dagegen ist ein syni- 
bülisdiei- Ausdruck seiner unbenutzten Männlidikeit, die er sidi bisher 
aufgespart, hat und aud. dieser Gedanke hat für ilu. einen großen 
Reiz) Wichtig ist aber. dai,> die Fetisditräger Angehörige der Arbeiter- 
oder niedrigen Soldatenklasse sind, wobei ihre ursprüngliche soziale 
-Stellung einen Gegensatz zu ihrem nmmid.rigen zeigen so I. Das ist .0 
zu verstehen: Merkt er, daß Leute mit feinen Händen und intelligenten 
(Jesiditszügen drei Jahre als gemeine Soldaten dienen miissen, so erregt 
das seine Sinnlichkeit in besonderem Maße. Auch hier hnden wir eine 
] )arstel]ung seines Lebens und s e i n e r Tendenzen. Er ist der Sohn 
eines reichen Mannes, besitzt große Intoliigenz ist sdn-iltstelierisch 
be-abt und hat es zu nidits ^.cbracht. Er haU sich gewaltsam von 
. 1 ü eil Stufenleiter fern und dient der Menscldieit als Gememor. . , 
n iedem Sinne des Wortes. Er hat ein anderes Ziel im Augo a s d e 
Erf Ige dieser Welt. Wir merken ferner die "- /^'^^^ «^^^ J ^ ^ V^ 
fizierung mit dorn f et i seh i s 1 1 sehen Objek t e^ Lr 
. ,,. „„,1 sn sdiön zu sein, wie das Schauobjekt. 



II 



ü^ 



268 



Fetischismus. 



; 1 
( 



daß er <;& sich recht hart, im Leben gemacht und sieh nicht weicl] ge- 
bettet habe. Er ist der Büßer, der halb freiwillig, halb unfreiwillig 
sich bückt und sein Gesäß den Schlägen darreicht, und es freut ihn, 
daß niemand sein Leben kennt und erkennt. Denn pr sagt: „Nach der 
Prozedur erseheint mir der Gedanke reizvoll, daß der Geschlagene 
untei' der Kleidung versteckt vor den Leuten als Besonderheit, von der 
er nur weiß, die Spuren der Schläge trägt.'- So freut ihn seine Para- 
pathie, die er sich zurechtgelegt hat, weil sie von den Mensehen nicht 
bemerkt wird. . . . IJieser Patient wurde von einem erfahrenen Schüler 
Freuds durch 14 Monate analysiert und durch die ganze Hölle der 
Sexualsyinholik geführt. Und das Resultat? Es war beschämend genug. 
Die Jagd naeJi infantilen Traumen, nach einem „Erlebnis mit einer 
kurzen Hose" ergab gar kein Resultat. Der Kranke war verzweifrlt 
lind der Arz1 machte ihm noch Vorwürfe. Der Psydmnalvtiker könne 
nichts leisten, wenn der Kranke nicht dä^: Material bringe. Er braclite 
iihoY genügend Material. Das Material bestand in einer langen Reihe 
von Träumen, zu dem dem Patienten gar nichts einfiel. Ich liatte dann 
Gelegenheit, den Kranken, der mich um seinen Rat fragte, zu analysierou 
und konnte das gesamte Traunmiaterial und die gewissenhaft «tepo- 
graphiech notierten Einfälle kontrollieren. Es war eine heitere Lektüre 
die nafürlich nicht eines tragischen Beigeschmackes entbehi-te. Eine 
Reihe von Ti-iiumeii dienten nur dazu, dem Holme Über den Trautiidenrer 
Ausdruck v.» geben. So lautete ein Traum: 

„k-li liege -.mi dem Sola. Hinter mir siUl. Dr. X, un,t träufelt iort- 
wiihreiul wiirmea WaHser über mein Haupt. Ich denke, .so lan^e mein 
Helm fest anliegt, kann das Wasser nihig plätschern' . 



Die stenographischen Notizen 



■^ 



zeigen, daß dieser Traum lüs 
Zeichen der „Urmerotik" aufgefaßt ^^■urde. Als ein infantiler Wunsch 
den analysierenden Arzt mit Urin zu beträufeln! Einfach unglaublich 
und doch wahr! Und der Traum heißt: Ich liege bei dir am Sofa^und das 
warme Wasser deiner Rede ergießt sich über mein Haupt. Ich habe aber 
meine Parapathie (Helm!) in giiter Hut und höre nicht auf dein Gerede. 
Aus seinem Seelenleben wären folgende für die Psychogenese' 'ies 
Fetischismus wichtige Tatsachen zu konstatieren. Er stand unter einem 
sehr starken Eindruck der Kindheit. Wenn \ui- nachforschen, so werden 
wir in der Anamnese der, schweren Parapathiker inmier einen Todesfall 
in der Familie finden, von dem aus die Parapathie ausgeht. Er ist die 
Ursache des Schuldbewußtseins. Der geheime Glaube an die Allmacht 
der eigenen Gedanken, das Vertrauen auf seine eigenen übernatürlichen 
Kräfte läßt den Gedanken aufkommen: Der Tod kam zustande weil 
du es wünschtest. Du bist eigentlich ein Mörder. Wir dürfen aber diese 
komplizierten Prozesse auch in den ersten Kinderj,ahren annehmen. Sie 



L_. 



7S^ 



Kasuistik. 



2m 



treten mit den kriminellen Gedanken auf und bilden den Kern der 
Parapathie. Unserem Kranken starb ein Schwesterchen an Dipliieiitis 
als ei' kaum drei Jalu-o alt war. Sie wurde durch ihn infiziert. Er muß 
iliren Tod mit offener Schadenfreude begrüßt haben. Denn er zeigte 
ak primäre Grundlage seiner Paraphilie echon sehr früh deutlicJi 
eadistische Züge. Er vorhaute Sofakiesen und selbst andere Jungens. 
Er fessolic mit 11 Jahren einen Mitschüler mit einem Stricke, er freute 
Eich grausainor Darstellungen, er tötete Insekten usw. . . . 

Autj diesem primären Sadismus, der schon früh kompensiert wurde 
bildete sich ein starker Maeochismus aus. Sclion mit 6 Jahren schnürte 
er sicii mit einem Riemen im Bette die Beine zueaninicn. Mit 13 Jahren 
sclilng er sich selbst auf Oberschenkel und Gesäß. Das Einschnüren 
zeigt deiitlicli infantile Phantasien an das Steckbott, ebenso wie sie 
seine mlanlilen Spiclereioii mit dem Stuhl und Urin, die er als Kind 
schon sehr gerne zurückhielt, eine Erscheinmig, die für den psychischen 
Infantilismus typisch ist und die wir so häufig schon bei echten Peti- 
scliisten feststellen komiten. 

Er zeigt die hier schon erwähnte typische Vorliebe aller Feti- 
sciiieten, vor Schaufenstern zu stehen und die geliebten Fetische zu 
bewundern. Dieses und das Stehen vor dem Spiegel sind Blicke in die 
Vergangenheit und versetzen ilm in die Sf immung des Halbti■aume!^. 

Charakteristisch ist eine Wnnzenfurcht des Krank('-n. Sie ent- 
spricht der Angst vor Infektionen und vor Gewissensbissen und ror 
Flecken in der Kleidung. Er zittert vor den Insekten, welche alle Vor- 
■würfe symbolisieren. 

Er onaniert, seit der frühen Kindlieit, mitunter exzessiv bis zu 
sechsmal in einer Nacht, dazwischen aber konunen Perioden längerer 

Zurückhaltung vor. 

Während er auf seinen Fetischismus .tolz ist, zeigt er eine un- 
geheure affektative Abwehr gegen seine Homosexualität, die sehr stark 
ausgeprägt ist. Dieser Widerstand gegen die Homosexuahtat ist vielen 
männlichen Fetischisten eigentümlich. Die Homosexualität wird ihnen 
noch mehr als das Weib der Vertreter der Sünde._ Wie ich im v;ongen 
Kapitel ausführte, ist Fetischismus oft ein Ausweichen vor der Homo- 
sexualität durch einen Zwang. Auch unserem Kranken .st das am 
stärksten lustbetonte Moment der Umstand, daß jemand gezwungen sein 
könnte, sich in minderwertige Stoffe zu kl^den. n der gezwungenen 
Demütigung liegt der größte Reiz. Die Parapathie ist nach den 
treffenden Ausspruche des Kranken eine überkomponsation, .st eme 
bis in die letzte Konsequenz getriebene Symbolisierung, wo das Smbol 
di. Realität vollkommen ersetzt. Die Paraphilie ist ein Umweg zur 
Askese, zu deren Verherrlichung der Patient entschieden neigt. Er ist 



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270 



FetJBchifimiiSi 



nicht der Mensch, für den man ihn hält. Man halt ihn für einen Paia- 
philen und er ist ein frommer Asket. Das besagt auch ein Traum, der 
ßßhr charakteristisch ist. Er lockt einen schwarzen Pudel an sich, der 
sich in einen Menschen mit einem schwarzen Manchesteranzug ver- 
wandelt. Der schwarze Pudel ist das Symbol des Bösen, des Tierisi-heii 
wie im Faust. Er vorwandelt aber die Sünde in eine Buße. 

Zum Beweise dieser Auffassung könnte ich das ganze Traumbin^ii 
des Patienton veröffentlichen. Ein jeder Traum erzählt von diesen 

Kämpfen um seine Heinhcit und verrät uns das geheime Ziel die 

(.Tottwei'dunj^ seines tierischen Ich. 

Er hat die Paraphilic, sich selbst zu llagellieren. Charakteristij^cli 
ißt, daß er von seiner Mutter geschlagen wurde, -was in lustbetont t-u 
Träumen als wichtiges affektbetontes Erlebnis wiederkehrt und nach 
Wiederholung verlangt. Aber Schmerzen muß man ohne Schmerzens- 
äußerung ertragen können wie ein antiker Held. 

Einer seiner ersten Eindrücke ist die erste Hose, die er erhielt. 
Sie war aus Samt. Er hatte seinen Bruder sehr beneidet, daß er schon 
längst Hosen tragen durfte. N"un kam es ihm wie etwas Außerordent- 
liches vor. Er sei der einzige Bub in Samthosen. Diese Freude ein dem 
Besonderen, Außerordentlichen ist ihm auch bis heute gebliehen und 
eine Wurzel seines Systems geworden. Aber diese Tendenz zu kost- 
baren Stoffen hat or eben wie seinen Sadismus in das Gegenteil ver- 
wandelt. Er hat den Zwang, sich in minderwertige Stoffe zu kleiden. 
Dabei hat er ein Gefühl des Hochmuts über seine Maskerade: „Tch bin 
gar nicht der arme Kerl in minderwertigen Kleidern, für den ihr niicli^ 
haltet. Tch hin ein Edelstein von Schmutz und Kot bedeckt.-' 

Nun lasse ich einen der vielen Träiime dieses Kranken folgen, . 
Er gewährt uns einen tiefen Einblick in die Stmktur der Parapathie . 
und in die Motive seines Fetischismus. Ich bemerke, daß ich die Ana- 
lyse erst ohne die Einfälle des Analysierten durchführte und daß er 
allerdings dann durch seine von mir gelenkten Emfälle das dazugehörige 
Material in überreichem Maße brachte. Gerade diese Trauraanalyse ist ' 
(un glänzcndci- Beweis, daß man in den meisten Traumen mit der Methode 
Freuds nicht weiter kommt und unbedingt nach meiner Methode ar- 
beiten muß, wenn man zu neuen Erkenntnissen kommen will. Freiliclu 
es. ist bequemer, auf den Einfall des Träumers zu warten, als durch 
eigene Einfälle auf die richtige Deutung zu kommen. Es ist' auch nicht 
iedormann für diese Art der Traumdeutung begabt . . . Ich möchte noch . 
betonen, daß mir dies TraummateriaP) deshalb so wertvoll ist, weil es- 

■) kh l.e«it.e vier Traumbücher diesem Patienten, die er während der Hmonat- 
lichen Anal.vBc anlegte. Er war hesondcrs für den vorliege.nden Tramn infeix-ssiert, dii 
n von eeinem .^rzte nicht gedicutt-t werden könnt*. 



KHeuJBtik. 



271 



von mir gar niclit beeinflußt wurde. Denn ich habe wiederholt betont. 
daß unsere Kranken in dem Jargon ti-äiimen, den sie bei uns lernen 
und die Tranmanalyse dazu benützen, sich über den Arzt lustig y.n 
iiiacJien und über ihn zu triumphieren . . . 

Der Traum lautet also: 

,,Wir sind zu ciiioi' Pelddientitübiing aiisgerüdct. Ich erhalte doii 
scliriitliclien BcMü, um 7 Uhr ÖO-Min. südlich an der Elster, dort, wo 
der Weg nneli dem l.)r;iclienloch abuM-eipt, zur Verfügung des Obersten 
zu stellen. Ich sondoro mich sofort von der Kompanie ab, tim irgend 
etwas an uioinem Anzug in Ordnung zu bringen. Die Kompanie 
[nar.^chiert in der Richtung, die anch ich einzuschlagen habe, weiter; 
ich muß. wenn ich fertig bin, sehr schneli gehen, um sie zu überholen 
imd noch vor ihr ;in dem bozeichncton Rcndezvoueplatz eiiiznlrefl'en. 
Die Zeit ist ao knapp, daii ich knnm schon um 7 dort sein wenlc. 
Obendrein geht das IJniziehen sehr langsam von .blatten, so, als ob ich 
in meinen Bewegungen roriwährend gehemmt würde. Endlich bin ich 
so weit fertig, daß ich nur noch die FuiMteklei(bm2 zu weclijjeln habe. 
Mit Itncksicht daranl' aber, daß ich gar keine Zeit mehr habe, und 
.seihst auf die Gefahr hin. mir die Füße wnud zn lanlen. stehe ich davon 
ab. Nur weiß ich freilich uichu wo ich die llesei vefiißbekleidung las.^en 
soll. Vor mir stellt ein Soldat, vielleiclit mein Burpclus mit einem 
Tournister. in den ich schon allerlei hineingestopft liabe. Rs geht nun 
aber nichts mehr hinein. .\ni der i^andstraßo passieren fortwährend 
weitere Truppen. — Ich lüii mit dem Oberst in einem liallenähnliciieii 
Raum zii.eauuTieii. Kr zeigt mii' eine Karte, die ein Schema für den 
späteren Gelechtsbericht enthält. Einzelne Angaben darauf. Striche und 
Ähnliches, sind sehr .sauber mit roter Tinte oder Farbe verzeichnet 
(wohl ein Werl; des Regimentssclireiljcrs. denke ich hei mir; nioiiie 
eigene Schreib- und Zeidienkunst würde mich dabei völlig im Stich 
la-ssen). Die erste auf der Karte vorged ruc-kl e Frage fragt nach der 
„Kultur". Ein dicker, roter Strich gibt die Antwort darauf. Das heiiM. 
so erklärt der Ober.st. seine I'artei sei der Feind. Nach seiner Auf- 
fassung sei das die richtige Antwort auf die Frage nach der Kultur. 
Dann folgen auf der Karte niichstaben und Ziffern, die offenbar die 
Truppenteile angeben, aus denen das Delachcment besteht. Ich weit! 
das traue mich a.ber nicht mit der Sprache heraus, als der Oberst nacii 
der Bedeutung dieser Zeichen fragt, l'^r läßt mich die Stelle in der 
Felddienstordnung aufschlagen, die darüber Auüknnft gibt. Wenn idi 
auch sonst meine Unwissenheit nicht verbergen kann, so zeige ich 
wenigstens Gesehicklichheit beim Nachstldagen in der Felddienstordnung. 
Mir ist fortwährend sehr schwach zn Mute, Meine Besorgnis wach.M. 
)6 mehr mir klar wird, daß der Oberst offenbar beabsichtigt, mir einm;il 
gründlich auf den Zahn m fühlen. Es ist jetzt noch sein Bursclie 
zugegen, ein hübscher Mensch mit einem blonden Schnurrbart. Dieser 
sei viel pünktlicher dagewesen als ich, wird mir vorgehallen. Ich ver- 
wahre mich gegen jeden ^'orwurf in dieser Richtung, indem ich auf-s 
bestimmteste erkläre, ich sei Punkt. 7 zur Stelle gewesen. — In die 
Halle dringen jetzt fremde Soldaten ein. Einige von ihnen tragen, wie 
mir .jchelnt, gelbe Lederhosen. Sie machen sofort kehrt, als sie uns 



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il 



272 



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Fetischismus. 

gewahren.. Der Oboi-st jedoch hat sich über sie aus irgend eiiiem Grunde 
ontrüstet und gibt mir den Befehl, sie zurückzurufen. Obwohl ich niehr- 
male, so laut wie ich es vormag, „Half" gebiete, kümmert man eich 
doch wenig darum: einige verhalten zögernd, andere drängen in? Freie 
hinaus. Noch che ich (etwas unsicher überhaupt, was ich kommandieren 
Süll) Befehle gegeben habe, etwa wie: „Ganze Abteilung — kehrtV 
und dann „ohne Tritt ~ marsch'", iahrt der Oberst auf mich los nud 
luaciit sich vor allen Leuten über die Art meines Koninmndos histig. — 
Es tauchen für einen Augenblick (.^uediinburger Damen und Herren auf, 
wie ich sie einmal gelegentlich einer Tagung des Vereines vom roten 
Kreuü in München vei-siimmelt gesehen habe. Öie wollen sich als 
Schlachtenbummler betätigen, — Der Oberst steht jetzt wie eine 
Garderobefrau hinter einem Drüsen und beschreibt mir auf umständ- 
liehe Weise den Ort, wo icii ihn erwarten soll. Ich höre aus seinen Worten 
etwas von einer Wand und einem Ziekzackw"cg heraus, und obwohl ich 
hei7,lich wenig von der Beschreibung verstanden habe, bitte ich doch 
nicht um eine Wiederholung, sondern bringe es nur zu dem zustimmenden 
,.Zu IJefehl, Herr Oberst!" Bei der Vorstellung jedoch, ich möchte ihn 
vprielüen, wird mir schwach zu Mute. Vor dem Dj-äsen befinden sich die 
Damen des ObereU^n, Während ich mich von diesem streng militariscli 
verabschiede, mache ich jenen eine halbe Verbeugung (die, wenn sie üliei- 
liaupt nötig war, in ihrer mangelhaften Ausführung leicht als das Gegen- 
teil von der beabsichtigten Höflichkeit ausgelegt werden kann, fällt mir 
hinterher ein), — Ich habe mich an einer Stelle der Landstraße etabliert, 
lialh hinter einer Höhe versteckt, und hin dabei, einen Gefechtsbericlit 
KU Hchreibüii, was jetzt meine Hauptaufgabe ist. Der Oberst kommt 
imd tadelt sofort den eingenonnnenen Platz. Es sei nicht der von ihm 
angeordnete. Er zeigt dabei auf einen Häuserkomplex halbrechts im 
Gninde als auf den Ort, der dei- richtige gewesen wäre. Ein hoher 
Schornstein besonders, der aus den Gebäuden hervorragt, hätte das 
l'reilich auch mich erkennen lassen können. Der Oberst erfüllt nun 
seine Führerpflichten, naelidem er mir noch gesagt hat, ich äoUe, um 
ganz unsichtbar zu sein, im Liegen meine Aufzeichnungen machen. 
Mir schwebt dabei eine niedrige Stellage mit schrägem Brett vor. da^ 
mir als Unterlage beim Schreiben dienen soll. Der Oberst sprengt mit 
seinem Pferde Stufen liinan, die fast senkrecht auf einen Berg führen. 
In eigentümlicher Weise springt er. während das Pferd vom zieht, mit 
den Füßen, dem linken zuei'sl, die Stufen hinauf. Diese Leistung des 
alten Mannes flößte uns allen Bewunderung ein. Auf halber Höhe /er- 
harrte er. Wieder erscheint die erwähnte Quedlinburger Gesellschaft. 
Man unterbau eich iiljer die Möglichkeiten, nach Hause au gelangen. 
Ein umständlich fahrender Zug (es werden Namen von echleswig- 
holst^inischen Stationen genannt) wird vorgeschlagen. Ich könnte ihn 
empfehlen, da ich einmal mit ihm gefahren bin. unterlasse es jedoch. 
— Ich beginne den Gefeehtsbcricht damit, daß ich auf der Karte, die 
ich glücklicherweise in der Rocktasche flnde, den Namen des Ortes nach- 
sehe, wo ich weiio. Er klingt wie Vita oder Zita. — Ich hatto micii 
von meinem Beobachtungsposten entfernt und kehre nun zu ihm zurück. 
Ich bin darum liesorgt, nicht vom Feinde gesehen zu werden. Besonders 
verräterisch ei-scheint mir mein blitzender Helm. Nicht auch dadurch 
noch mag ich den Oberst gegen mich aufbringen, daß ich unsere Stellung 



1 



vüi 



Kasai Etile. 



273 



verrate. Km einzelner Mensdi, holTe ich, wird nicht gL-sohcii werden 
Obendrein erBclieiiie ith jetzt als Zivilist, mit eiaom Strohhut auf deni 
K,üpf und oinem Stock in der Hand. Der Generalmajor von Ende mit 
aeiiiein Adjutanten von Fcslcuberg-Uackisch kommen über das Feld 
gesprengt. Erst^rer ist sehr zornig und schimpft über eine , blödsinnige 
Meldung". Wie sei es mügiich. daß der Kerl 2 Tage vorher ihn Namen 
des Obersten gewußt habe! Der Oberst reitet vor mir vorbei. Ich höre 
die AVorte: So ein Eseil und kann sie ebenso gut auf den vom General- 
major Gemeinten wie aiil' micJ! lie/iebi-Ti. .-\n meinem Stimdnrt angelangt 
will ich micJi wieder an den unglückseligen UefecJitäbencht macheu] 
obwohl ich eigentlich nichts dazu weiß und andere nach ihren Bcob' 
achtiingen fragen muß. Es sitzen mehrere l.eute an einem Tisch. Meinen 
Platz nimmt ein gewisser Sonlje ein, gibt ihn aber, etwas widerwillig 
freilich, auf mein Verlangen frei. — Der Oberst erscheint aufs neue. 
Er will sich eine Zigarre anzünden und hat schon seine Streichholz- 
schachtel herausgeholt. Ich beeile mich, ihn mit Pouor zu versehen. 
Er murmelt so etwas wie: Ei'weisen sie mir welligsten:- diesen Liebes- 
dienst! Meine Hände zittern heftig dabei. Ein Streichholz erlischt, ein 
anderes bricht entzwei. Dann nimmt er mir die Schachtel aus der Hand, 
In der Weise bin ieli ihm nun behili'lich. <hil^ ich meinen Rock auf- 
schlage, um den Wind abzuhalten. Der Schweißgeruch, den mein 
Körper ausströmt, scheint ihn wider meine Erwartung nicht zu be- 
lästigen. Plötzlich fragt er: Sie sind bomoae-xuoll'^ Auf meine öu- 
etürzte Frage, wolier er das wisse, antwortet er ausu'eieliend. Diie 
Stuarts seien davon gestorben, fügt er warnend hinzu, ich solle mich 
vor dem Tode in Acht nehmen. Er entfernt sich, während mir der Ge- 
danke durch den Kopf schießt: Nun, nachdem mein Gclieimnis verraten 
ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als mir das Leben zu nehmen. 

Dieser merkwürdige Traum erfordert eine eingehende Analyse. Er 
ist durchsichtig, wenn man einmal den Sehlüseol gefunden hat. Wir 
können uns nicht anders helfen, als daß wir Satz für Satz der Analvße 
unterw^erfen, um an einem großen Beispiele zu zeigen, daß die Soxual- 
ss-mbolik allein noch keinen Traum restlos erklären kann. 

„W ir sind zu einer Felddienst Übung auege- 
rückt. 1 c Ii erhalte den schriftlichen Befehl, um 
7 Uhr 50m südlich von der Elster, dort, wo der Weg 
nach dem Draclienloch abzweigt, zui' Verfügung 
des Obersten zu stehe n." 

Die Fei ddi ens t ü b u n g ist das Leben. Das beweist uns 
noch später das plötzlicli auftauchende „Vita". Der Oberste ist 
liier ein Symbol der liöeheton Gewalt, also Gottes. Der „schrift- 
liche Befehl" bezieht eich a.uf die heilige Schrift. Er ist 
Protestant und kennt seine Bibel sehr genau. Sein Leben wird also als 
eine "Übung, als eine Vorbereitung zu einem anderen Leben aufgefaßt. 
Das Drachenloch symbolisiert den Eingang z\u- Hölle. Die Be- 
deutung der Zahl 750 ist ihm wohlbekannt. Er hat den geheimen Glauben, 



Stokol, Störnncen dps Trieb- nod ABoktlobene. Vtl. 



1( 



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Fetischismus. 

75 Jahre alt zu werden. Der urste Satz hat also folgendpn Sinn: „I ch 
s-oU mich nach vollbrachtem Leben vor Gott v e i'- 
antworten, wie ich es in der heiligen Schrift ge- 
lesen habe und es soll entschieden werden, ob ich in 
den Himmel oder in die Hölle kommen werde.'" 
Fahren wir fort: 

„I(-h sondere mich von der Kompanie ab, um 
irgend etwas an meinem Anzug in Ordnung au 
bringen. Die Kompanie marschiert in der Richtung, 
die ich auch einzuschlagen habe, weiter; ich muß, 
wenn ich fertig bin, sehr sciinell gehen, um sie zu 
überholen und noch vor ihr an dem bezeichneten 
Rendezvousplatze einzutreffe n." 

Er sondert sich von den frommen Menschen, die hier als „Streiter 
Gottes", also als Soldaten erscheinen, und geht seiner eigenen Wege. 
Sein Kleid ist nicht in Oi-dnung. Hier merken wir schon, daß das 
Kleid') das Symbol der Parapathie und seines Glau- 
bens wird. Der Rendezvousplatz ist der Himmel respektive der Ort, 
wo die Menschen geprüft und gewogen \\^erden ... Er will alle Mit- 
streiter überholen, d. h. übertreffen und den ersten Platz einnehmen. 
Er will sich durch einen besonderen Eifer im Glauben auszeichnen. 

„D i e Z e i t i s t k n a p p, d a ß i c h It a u in u m 7 U h r d r t 
sein werde. Obendrein geht das Umziehen sehr 
langsam von statten, so als ob ich in moinen Be- 
wegungen fortwährend gehemmt würde. Endlich 
bin ich so weit fertig, daß ieh nur noch dieFnIi- 
bekleidung zu wechseln habe. Mit Rücksicht dar- 
auf aber, daß ich gar keine Zeit mehr habe, und 
selbst auf die Gefahr hin, mir die Füße wund- 
zulaufen, stehe ich davon ab. Nun weiß ich nicht, 
wo ichdieReaervüfußbekleidung lassen soll. Vor 
mir steht ein Soldat, vielleicht mein Bursche, mit 
meinem Tournister, in den ich schon allerlei hinein- 
gesteckt habe. Es geht aber nun nichts mehr hinein. 
Auf der Landstraße passieren fortwährend weitere 
Truppen." 

Auflösung: Alle Truppen gehen in einer Richtung, gegen d&n 
Hinunel. Das Üben ist kurz bemessen. Er muß sich noch uraziehesi- 
Das erfordert eine genauere Erklärung. Er spielt im Leben den 

') Habe icti wiederholt gefunden: Der Anzug für Jen Charakter dos 
Menechen. 



StS^ 



Kai^iiistik. 



■275 



Nieizscheaner und Freigeist. Er muß seine Konversion zum Glauben 
vollziehen, er muß als Frommer^) (andere Fußbekleidung!) durch das 
Leben wandern. Allein sein Intellekt liommt ihn. Aber er kann j.a als 
Atheist durch die Welt pilgern, denn er hat eino Reservehißbekleidung, 
einen Reservogiauben. Dieser Reservcglauben ist sein 
F et isehi smuB, der eine besondere Form der Religion darstellt. 
Sein Bursche ist das Symbol seiner Parapathie, seines „neben- 
bew'ußtBH Ich". Freilidi hat er diesem so viel aufgeladen, daß 
nichts mehr hineingeht. „Er hat in den Tornister allerlei hineingestopft'', 
das ißt wohl die am meisten verräterische Stelle. Das stellt die ganze 
Konstruktion der Paraiiathie dar. Was mußte sie nicht alles aufnehmen! 
Religion und Sexualität, Sicherung der Keuschheit und seinen ganzen 
IjsyehoHexuellen Infant ilismus. — — 

Nun geht der Traum weiter und er erscheint vor Gott, der ilmt 
mitteilt, was er von seinen Lebenskämpfen (GcEerhtsbericht) hören will. 

„Ich bin mit dem Obersten in einem hallen ähn- 
lichen Räume-) zusammen. E r z u i g t m i r c i n e K a r t e, 
die ein Schema für den späteren Gefechtsbericht, 
enthält. Einzelne Anlagen sind mit roter Tinte 
oder Farbe bezeichnet, wohl ein Werk des Regi- 
men t «schreib er s denke ich mir. Meine eigene 
Schreib- und Zeichenkunst würde mich dabei im 
Stiche lassen. Die erste auf der Karte vorgedruckte 

Frage fragt nach der „Kultur". Ein dicker roter 
Strich gibt die Antwort darauf. Das heißt, so e r- 
klärt der b e r s t, s e i n e P a r t e i s ei der F e i n d N a oli 
seiner Auffassung sei das di^e richtige Antwort 
auf die Frage nach der Kultu r.'" 

Wie ein T,ehrer hat der Oberst einzelne Fehler rot angestrichen. 
Die Farben stellen die Flecken dar, an .ienen das Leben eines Menschen 
so reich ist. Sehr schön ist die Vorstellung vom Regimentssdireiber. 
In vielen religiösen Träumen wird man die Vorstellung finden daß de. 
liebe Gott aFle Sünden in einem großen Buche von einem Schre her 
notieren läßt. Unser Träumer seufzt, daß er über sein Leben eigen id. 
so wenig Bescheid weiß. Gleich die erste Frage Gottes nach der Kultur, 
de rot angestrichen ist, kann er nicht beantworten Gott -t, aber seh 
gnädig in diesem Traume und erklärt ihm, die Kultur sei der Fmd 
Gottes und der Frommen. Damit hat sich der 1 räumer, der alle Kultur- 
bestrebungen verfolgt und unterstützt, als Frommimg entpuppt, der 
die Kultur als Werk des Teufels betrachtet. 



"^TatT barfüßiger Pilger wie Beta, der Fußtetiechiet. 
■') Kirclie! 



18- 



276 



Fetischismus. 



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„Dann folgen auf der Karte Buchstaben und 
Ziffern, die offenbar die Truppenteile angeben, 
aus denen das Detachement besteht. Ich weiß das, 
traue mitili aber niclit mit der Sprache heraus, als 
der Oberst nacli der Bedeutung dieser Zeichen 
fragt. Er läiJt mich die Stelle in der Felddienet- 
ordnung nache.ch lagen, die darüber Auskunft gibt. 
Wenn ich auch sonst meine Unwissenheit nicht ver- 
bergen kann, so zeige icli wenigstens Geschicklich- 
keit beim Nachschlagen in der Felddienstordnung. 
Mir ist fortwährend sehr schwach zumnte. Meine 
Besorgnis wächst, je mehr mir klar wird, daß der 
Oberst offenbar beabsichtigt, mir einmal gründ- 
lich auf den Zahn zu fühle n." 

Die Ziffern und Zeichen sind die Stellenangaben der Bibel, die 
hier als „Felddienet Ordnung" symbolisiert wird. Er ist sehr 
bibelfest, fürchtet aber trotzdem die Prüfung Gottes, der ilvm einmal 
auf den Zahn fühlen und nach seinem Lehen und seinen Sünden fragen 
will ... 

„Es ist jetzt noch sein Bursche zugegen, ein 
hübscher Mensch mit einem blonden Schnurrbarl- 
Bieser sei viel pünktlicher dagewesen als ich, wird 
mir vorgehalten. Ich verwahre mich gegen jeden 
Vorwurf in dieser Richtung aufs bestimmteste nnd 
erkläre, ich wäre Punkt sieben zur Stelle gewese n." 

Wer ist dieser fremde blonde Bursche, der früher da war? Es ist 
wohl in erster Linie sein Bruder, der ihm zuvorgekommen ist. (Erst- 
geburtsthema!) Die viel wichtigere Determination ist ;iedoch die reli- 
giöse. Der Bursche des Obersten, der früher dagewesen ist, syniboüsiert 
Christus. Auch unser Träumer leidet an der von mir schon oft 
erwähnten Christusneurose. Er hat den Glauben an seine große histo- 
rische Mission und will nicht daran verzweifeln. Er beneidet Christus, 
daß er die Menschen erlösen konnte. Er sagt eich immer die Verse von 
Schiller vor: 

Es iai kein leerer, sehmeichelndcr Wahn, 
Erzeugt im Gehirne des Toren, 
Im Herzen kündet es laut sich an: 
Zu was Besserem sind wir geboren: 
Und was die innere Stimme epricht, 
Das täuscht die hoffende Seele nicht. 

Der Ausdruck „Bruder in Christo", die Erstgeburt (das Früher- 
kommen), geben die Brücke vom Bruder zu Christus. Er will auch 



J !'■ 



Kusu is tili. 



S7T 



leiden wie Christus und seine Ptirapathie ist das 
Kruzifix, an das er sich genagelt hat. Wir werden später 
die spezifischen Eigenschaften der Parapathie unterstreichen, die auf 
die Identifizierung mit Christus zurückzuführen sind. Gehen wir jetzt 
in der Traumanalyse weiter: 

„In die Halle dringen jetzt fremde Soldaten 
ein. Einige von ihnen tragen, wie mir scheint, gelbe 
L e d e r h s e n. Sie machen sofort kehrt, als sie uns 
gewahren, Der Oberst jedocli hat sich über sie aus 
irgend .einem Grunde entrüstet und gibt mir den 
Befehl, sie zurückzurufen. Obwohl ich mehrmals so 
laut ich vermag Halt! gebiete, k ü iii m er t m a n sich 
doch wenig darum. Einige verhalten zögernd, an- 
dere drängen ins Freie hinaus. Noch ehe ich (etwas 
unsicher überhaupt, was ich kommandieren soll) 
Befehle gegeben habe, e t w a wie „Ganz e Ab t ei Ung 
- kehrt!" und dann „Ohne Tritt - marsch! , fahrt 
der Oberst auf mich los und macht dich vor alUn 
Leuten über die Art meines Kommandos lustig. 

Diese Episode ist nur zu erklären, wenn man weiß, daU die ein- 
zelnen Gedanken als Streiter (Soldaten) ge:ceiclmet sind, die 
miteinander im Kampfe liegen.') Die Hallo wird zum Symbole ^-^es Ge-' 
hirnes, die Frömmigkeit liegt im Kampfe mit dem Intellekte. F omde 
Gedanken dringen in seine Seele und verlangen Aufklärung und Ab- 
schwören der alten Gefülde. Er will diesen rebelhschen kulturgodankeu 
Halt'" gelueten; sie verhalten sich aber verschieden. Eimgo Schemen 
sich m seinem Intellekte festsetzen zu wollen. Aber Goit^^f^r^pen^u 
ganzen Glauben und eine gründliche Purifikation ^^-^[.^^^^^^^^J' 
auch über die laue Art, w.e er die Kultur .md Aufklarung bekämpf , 
nicht zufrieden. Wunderscliön dringt durch die Traumgedanken das Ge- 
fühl der Unsicherheit, welche ihm ,cde Orientierung m Leben erschwert 
und seine Parapathie als Schutzmittel erfordert. o ,i e d 1 i n 

Es tauchen für einen Augenblick Q u c d 1 1 n^ 
"buiger Damen und Herren auf, wie ich sie gelegent- 
lich einer Tagung des Vereines v o m R o t e n Kreuze 
,n München versammelt gesehen habe.^^Sie wellen 
sich als Schlachtenbummler betätigen 

Das Rote Kreuz deutet schon auf die fromme Bedeutung dieses 
Vereines. "Überdies fällt ihm ein Quedlinlnirger pietist.scher Kirchen- 

""T^ Soldaten mit LoderhOBoa sind adne Pmphili«. die Lhm Gott vorhält 
a. dei.cn er ol.-as Anstößige, findet. Diese Par.pb.Uen panoron .bm meht. Er .1 
unsicher, ob und wie er sie behemchon solL. -■■;..', " -.-r ■ ' - .V. 



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278 



Fetischismus. 



verein ein, der sich ja in der Tat an den Kämpfen für den Glauben be- 
teiligt. Die Färbung dee Bildes wird konstant mit großer Geschick- 
lichkeit festgehalten und der unerfahrene Deuter könnte wirklich ver- 
leitet werden zu glauben, es handle sich nur um einen harmlosen 
Manövertraum eines Reserveoffiziers. Es sind aber die anderen 
Menschen, die keine so ernste Prüfung durehKuinachen haben wie er. 

„Der Oberst steht jetzt wie eine Garderobe- 
frau hinter einem Dräsen und beschreibt mir auf 
umständliche und schwer verständliche Weise den 
Ort, wo ich ihn erwarten soll. Ich höre aus seinen 
Worten etwas von einer Wand und einem Zickzack- 
vieg heraus und obwohl ich herzlich wenig von der 
Beschreibung verstanden habe, bitte ich doch nicht 
um eine Wiederholung, sondern bringe es nur zu dem 
zustimmenden „Zu Befehl, Herr Oberst!" Bei der Vor- 
stell ung, i ch möchte i h n v e r f eh 1 en, wi rd mi r schwach 
zu M ute." 

Hier baut sich eine Brücke zu seiner Paraphilie. Der Oberst, der 
liebe Gott, ist eine Garderobefrau, Er gibt jedem für das Leben ein 
Kleid, das man tragen muß. Er gibt Gestalt, Rang, Konfession, kurz 
er bestimmt das Kostüm, in dem wir auf Erden wandeln werden. Wir 
bekommen es nur geborgt für das kurze Leben, wie man eine Maske 
oder ein Kostüm in einer Lcihanstalt borgt . . . Doch hat man einmal 
das Kostüm von Gott erhalten, so ist es nicht so leicht, ihn auf dem 
recliten Wege wieder zu finden. Gott zeigt une zwar den Weg durch 
seine heilige Schrift. Aber wie sie verstehen und sich auskennen? 
Welches ist der richtige Weg? Jedenfalls geht unser Träumer keinen 
geraden Weg, sondern trachtet durch allerlei Kunstgriffe und Kunst- 
stücke in den Himmel zu kommen. Wieder wird er „schwach" bei 
der Vorstellung, Gott zu verfehlen und durch ein sündiges Leben um 
die ewige Seligkeit zu kommen. 

„Vor dem Dräsen befinden sich die Damen des 
Obersten. Während ich mich von diesem streng 
militärisch verabschiede, mache ich jenen eine 
halbe Verbeugung (die, wenn sie überhaupt nötig 
war, in ihrer mangelhaften Ausführung leicht als 
das Gegenteil von der beabsichtigten Höflichkeit 
ausgelegt werdenkann, fällt mir hinterherein")..-"' 

Die Damen der Familie sind Maria, die Mutter Gottes, und 
einige katholische weibliche Heilige. Er zeigt eine deutliche Neigung 
zum Katholizismus wie alle Parapathiker, die nicht Katholiken sind, 
denen der mystische Sinn des Katholizismus sehr anziehend erseheint. 



Kasuistik. 



279 



Er zeigt einen gewiesen Marienkult (die halbe Verheugung) , macht 

sich aber auch über diesen K,ult lustig. M'^er diese sonderbare Form der 

Religionssymbolik, welche die Götter entttiront und menschlich näher 

bringt so wie die antiken Religionen, nicht lernt, der wird den religiösen 

Sinn cinee Traumes wohl nie entziffern können. Hier vorbirgt er seinen 

Katholizismus, welcher den rechten Weg zur allein scligniachenden 

Kirche darstellt. Auch möchte er die Religion wie ein Kleid wechseln 

und so den alten Adam ausziehen. Nebenbei wird seine (halbe) Stellung 

zum Weibe in geschickter Weise mit dem religiösen Motiv verquickt. 

Doch fahren wir weiter: 

,,I c h habe mich an einer anderen Stelle der 

Landstraße etabliert, halb hinter einer Höhe ver- 
steckt, und bin dabei, einen Gefechtsbericht zu 
schreiben, was jetzt meine Hauptaufgabe ist. Der 
Oberst kommt und tadelt sofort den eingenomme- 
nen Platz. Er sei nicht der von ihm angeordnete. Er 
zeigt dabei a u f e i n en H äu e e r k o m p 1 ex h al b rechts 
im Grunde als auf den Ort, der richtig gewesen 
wäre. Ein hoher Schornstein, der aus dem Gebäude 
hervorragt, hätte das freilich auch mich erkennen 

lassen könne n." 

Der Weg ist ein falscher und führt nicht zu Gott, er ist gar nicht 
nach dem Willen Gottes. Seine versteckte Frömmigkeit will Gott nicM 
gefallen.') Er sollte sich an die rechten Parteien (die Konservativen) 
halten Der hohe hervorragende Schornstein ist eine Maske des K i r c h- 
turmee. Zurück zur Kirche! - lautet die Losung dieses Traum- 

fttiickcB 

,- Der Oberst erfüllt nun seine L eh r e r p f 1 i c h t en, 

nachdem er mir noch gesagt hat, ich solle um ganz 
„nsichtbar zu sein, im Liegen meine Aufzeich- 




D ese Leistung des alten Mannes flößt uns allen 

Bewunderung ein. A u f h a 1 b e r H ö he v e r ha r r t e r u n d 

.eder erscheint d.e erwähnte Quo dl . nbu r ger G e- 

leHBchalt. Man unterhält sich über d,e Möglich- 



') Seine fetiBchifitiechn Stplluiij! ist aur 



.■li uii;ht dtT von (iiitt gewollte Plata.^ 



980 



Fetisi'liismiii;. 



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ommeu 
[ozoen- 



lieiteji, nach Hause zu gelangen. Ein umständlich 
fahrender Zug wird vorgeschlagen. Ich könnte ihji 
empfehlen, da ich einmal mit ihm gefahi'en hin, 
unterlasse es jedoc h." 

Sein Gefechtehericht, dies ist die Beichte über sein ganzes Leben, 
ist noch nicht fertig und Gott zeigt ihm als Lehrer den ''rechten Weg! 
Er solle seine Frömmigkeit verbergen und im Liegen seine Auf- 
schreibungen machen. Ein artiges Wortspiel des Traumes, denn es heißt 
„im Lügen". Er solle nur alle Welt belügen und sich als Freigeist 
deklarieren, wahrend er innerlich fromm bleiben könne.^) Die Schreib- 
vorrichtuQg, die or nun beschreibt, ist ein Betpult. Der Oljerst sprengt 
wie Odm (das Bild stammt aus der Ballade „Odins Ritt") in den 
Kimmol zu lichten Höhen. Er zeigt ihm gewisserinaßon, ™ man mit 
dem linken Fuße, also mit der Sünde, doch in den Himmel komm 
kann. (Hier mengen sich erotische Motive in die religiösen Der kundi 
Deuter wird ja sclion längst erkannt haben, daß auch Spermat 
Phantasien und Mutterleibssituationen eine anderweitige Determination 
zulassen würden.) Hier imponiert die Reitleistung des alten Herrn seinem 
Schüler.-) Brauche ich das noch zu erklären' Dfp Tl^m^r, pt- 

scheinen wieder und man berat, welcher Weg am sichersten und sclinellsten 
zu Gott (nach Hause!) führe. Unser Träumer verrät daß er einen 
„sehr umständlich fahrenden" kennt. Freilich, sem Zug ißt 
wohl der komplizierteste, den je ein Mensch ausgeheckt hat 
,, „Ich beginne den Gefechtsbericht damit daß 
ich auf der Karte, die ich glücklicherweise in der 
Rocktasche finde, den Namen des Ortes nachsehe 
wo ich weile. Er klingt wie Vita oder Z i t a " ■' 

■ Er weiß jetzt, daß es sich um das Leben (Vita) handelt Zita 
geht auf die andere Determination zurück und ist der Name der Ex- 
kaiserin, die eben in dieser Zeit geheiratet hatte. 

Ich hatte mich von meinem B e o b a cht u ng s- 
Posten entfernt und kehre zu ihm zurück. UhbiW 
darum besorgt, nicht vom Feinde gesehen zu werden. 
Besonders verräterisch erscheint mir mein blitzen- 
der Helm. Nicht noch dadurch mag ich den Obersten 
gegen mich aufbringen, daß ich unsere Stellung 
verrate. Ein einzelner Mensch, hoffe ich wird 
nicht gesehen werden. Obendrein erscheine ich 
^etz^ls Zivilist mit einem Strohhut auf. dem 

Das „Liegen" ist auch die SteUung der Domut und Unterwerfunfc 
=) Mau denke auch an den Analytiker, der die Oberst- und Vater-taago i.t und 
■do Semen Schüler. , ' ' ^ 



Ö 



Kasuistik. 



281 



Kopfe Ulli] laineni Stocke in der Hand. Dor General- 
major „von Ende" mit seinem Adjutanten .,v o n 
Fostenberg-Rakißch" kommen über das Feld ge- 
s p r n g t. Der e r s t e r e ist sehr zornig und s c ii i m p f t 
über eine blödsinnige Meldung. „W ie ist es möglich 
daß der Kerl zwei Tage vorher den Namen des 
Obersten gewußt habe?" Der Oberst reitet an mir 
vorbei. Icii höre die Worte: „So ein Esel!" und kann 
sie eben so gut auf den vom Generalmajor ge- 
meinten als auf Uli eil beziehen." 

Der blitzende Helni des Glaubens ist seine Farapathte^). seine 
Farapliilic, die ihn gegen alle Gefahren schützt. Sein Lebensplan ist, 
seine Frömmigkeit nicht zu verraten und zwei Tage vor dem Tode sich 
als gläubig für Gott bekennen. Der Generalmajor von Ende 
ist der Tod! Die Namen sind seinem militärischen Bekannt enicr eis 
entnonmicn. Er trägt jetzt nur einen Struhhut, d. Ii. ein leicht brenn- 
bares Kleidungsstück, seine Paraphilic, die unter dem Bilde des Lasters 
seinen Glauben verbirgt. Zwei Tage vor dem Tode will er fromm werden. 
Darüber ist der Tod, der hier einen höheren Rang hat als Gott, ent- 
rüstet. Auch der liebe Gott, der jetzt immer melir dem Vater ähnlich 
wird, unterläßt es nicht, ihn einen Esel zu nennen, was er im Traum 
ganz richtig ebenso aul' sich bezieht wie den Ausspruch des Todes. Denn 
OS ist offöiihiir eine Eselei, sich ungläubig und lasterhaft zu stellen 
und dabei innerlich fromme Ziele zu verfolgen . . . 

„A n m e i n e m S t a n d o r t o a n g e 1 a n g t, w i 1 1 ich mich 
wieder an den unglückseligen Gefechtsbericht 
machen, obwohl icheigentlich nichtsdazuweißund 
andere nach ihren Beobachtungen fragen muß. Es 
sitzen mehrere Leute an einem Tisch. Meinen Platz 
nimmt ein gewisser S. ein, gibt ihn aber etwas 
widerwillig auf mein Verlangen wieder f r e t." 

Seine Lebensbeichte, die Schilderung seiner Kämpfe wird immer 
schwerer Er betont seine Unwissenheit, seine mangelnde Orientierung 
im Leben und den Umstand, daß er unselbständig auf fremde Fülining 
angewiesen \^t. Wie ein Bhtz taucht sein Bruder^) auf (Herr S.), der 
als' der Erstgeborene ihm immer im Wege stand und dem er nun den 
Platz streitig macht, was schon vorher in der Determination einer 
Spermatozoenphantasie zu erkennen ^var. Alle diese Phantasien heißen 
ja, wie Silberer selir richtig betont hat: Ein neues Leben beginnen. 
Doch hören wir die Fortsetzung; •. ■ ' .' ■" ■ *■■ 
— ■ ... - ..'-■ X : ' r ■ 

^) Verglüicho dDn Traum auf S. 268. _^ 

') In einer anderen sehen erwäint^n Determination sein Vorbili! „C li r i r 1 ii s 




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FetiBchiBmus. 



„Der Oberst orecheint aufs Neue. Er will seine 
Zigarre an zünden und hat schon seine Streichholz- 
schachtel herausgeholt. Ich beeile mich, ihn mit 
Feuer zuversehen. E r murm e 1 1 e t w a s w i e: Erweisen 
Sie mir wenigstens diesen Liebesdienst! Meine 
Hände zittern heftig dabei. Ein Streichholz er- 
lischt, ein anderes bricht entzwei. Dann nimmt er 
mir die Schachtel aus der Hand. 1 n de r W e i s e b i n i ch 
Ihn. behiin.ch, daß ich meinen Rock aufschlage, um 
den W,nd abzuhalten. Der Schweißgeruch, den 
mein Korper ausströmt, scheint ihn wider meine 

o:??o!""^."'.^''*''^,''.l^^.^^'g^"■ PlötzUch fragt er: 

meine bestürzte Frage, 

Die 



Sind Sie homosexuell? Auf 

woher er das wisse, antwortet er aueweichend. ^ . -■ 
htuarts seien daran gestorben, fügt er warnend 
hinzu. T^h solle mich vor dem Tode in acht nehmen.-' 
Diese Stelle ist für das Studium der Traumanalysen sehr wichtig 
und zeigt, wie stark d'e Tendenz des Kranken ist, sieh über seinen Arzt 
lustig zu machen und Ihn hinters Licht zu führen. Man könnte diese 
Szene für emen Dnrchbrueh der Homosexualität halten und der 



lysierendc Arzt, dem die ersten Szenen 



ana- 



ein undurchdringliches Dunkel 



waren und blieben, .türzte sich mit Feuereifer auf diese Stelk, welche 
eigentlich eine homosexuelle Beziehung zwischen Vater und Sohn zu 
schildern schien. _ .... 

Man sei aber sehr vorsichtig, wenn intelligente Patienten - und 
um einen solchen handelte es sich in diesem Falle - er war seinem Arzte 
turmhoch überlegen - m ihren Träumen plötzlich irgend ein Trauma 
oder eine sexuelle Beziehung Bchndem, die der Arzt von ihnen erwartet. 
Sie stellen Ihm gewiß eine Falle, in die er hineinfällt, wenn er nicht 
foi'twahrend auf der Hut ist. 

Hier erhellt der Sinn des Traunipc ai,^ a -, . u 

,, o- , . ,. . ■^^'^^imes aus dem ganzen Traurabilde. 

Jei' binn kann nur cm religiöser sein unA ;,-». i . 
. ,. .■ u r, * ■ '^ ^^'^ ^^'" "nd ist auch ein religiöser, waE 
ia die erotische Determination nicht ausschließt. Er will sein Feuer an 
Gott entzünden. Er will glauben Gotf ™i T \ 

r,- + n n^ V Vi ^^ verlangt von hm d esen 

einzigen Dienst^ Den Glauben. Er versteckt sich in seine Kleider, um 
den bösen Wnd die Bewegung der Zeit abzuhalten, die das keine 
flackernde Lichtdien seines Glaubens erlöschen könnte. Er zittert um 
sem Stuckchen Glauben Er soll sich im Schweiße seines Angesicht. 
sein Brot verdienen. Er hat sich aber sein Leben durch die Paraph.lie 
und den Masochismus sauer genug gemacht. Dieser Schweiß kann Gott 
nur l'reude machen und ihn nicht genieren 



iJi, 



— — " 



Kasuistik. 



283 



Jetzt koinint die EnUarvimg. Nämlich die Frage; öind Sie homo- 
sexuel]? Diese Frage enthält ein artiges Wortspiel. Der Homo ist kein 
iuiderer als wieder Christus. Sein stärkster Eindruck ist ein Bild von 
Tizian, das bekannte „Eece homo!" Auch er ist ja ein Christus. Ancli 
er leidet für die Menscliheit, um sie zu erlösen. Die Frage lautet also: 
Liebet du C h r i s t u e? Bist du katholisch? Die Stuarte 
seien daran gestorben, Eine rätsolhaftp Stelle, deren klare Deutung 
mir erst nicht gelungen ist. Sie scheint sich auf Maria Stuart') zu 
beziehen, welche als Künstlerin der Liebe und als fromme Frau galt. 
Hier spielen auch Reminiszenzen aus dem Drama von SdiÜler eine 
Rolle . . . Die spätere Warnung Gottes, er solle sich vor dem Tode 
in acht nelunen, finden wir jetzt verständlich, da er wieder fromm 
werden will, d. h. offen sich zu seiner Frömmigkeit bekennen will. 

„Er entfernt sicli, während mir der Gedanke 
durc'h di'ii Ko])i' schießt: Nun, nachdem mein Ge- 
heimnis verraten ist, bleibt mir nichts anderes 
übrig, als mir das Loben zu nehme n." 

(Sott hat jetzt erkannt, .daß er fromm ist, an Christus und Maria 
glaubt, daß er immer ironun war. Sein Glauben hat sicii an dem Feuer 
Gottes entzündet, er kann jetzt ruhig sterben. 

Wir erkennen, wie dieser Traum die ganze Lösung seiner I ara- 
nhilie und Parapathie enthält. Denn nie hat ein Fall klarer dargelegt. , 
daß der Satz von Freud: „Die Neurose ist das Negativ der FcTverBion 
niohi zu halten war. Die Perversion (Paraphilie) ist eme Neurose 
(Parapathie) und zeigt den gleichen seelischen Mechan.smus wie die 
Ldei.^ Neurosen. D a s g-a n z e L e b e n d i e s e s ^^-^\'\^l 
■Lnf das Zielgerichtet, den Himmel zu erobern-und 
ich die I iebe G o 1 1 e s z u b i ch e r n. Sein ganzes Gehaben 
;it auf die Identifizierung mit Christus zurück, den orbenei et un 
offenbar übertreffen wilh Sein geheimer Glaube an s e i n e groß, 
h i s t o r i s e h M i B s i n" ist eben unerschütterlich. 

Wekhe Momente in der Parapathie unterstützen unsere Auf- 

''''" dL Paraphilie ist eine selbst diktierte Strato für seinen Unglauben 
Die Paiapnii ^^^^^^^^ ^^^^^^^^ ^1^,^ p^^. 

und seine Sunden, l'.^r tragt t-a «» uh.;A^,- träet die einen 

halb erregt ihn die Vorstellung, daß jemand kleide, tragt, die einen 
Halb eriegi um u „.üKsen minderwertige Stoffe sein. Auch 

Zwang auf *" au..*». Es ,u Ben ^^^^^^^^^^^^ ^^^^^^^^^^ 

se,n L«do„ gM .hm -ta^B Bü ^^^^^^ ^^^^^^^^^ ^_^___^ ^^^^ ^ 
minderwertig .1 *''!°=™™„J; .„^j ,e,ner Parapathie. Die Paraphilie 
^r*fL1::t iil^^rln Lehe„ enttr^det, s,e .st ein a.rf- 
;71S;h.,äglich .rtuh, id, die D»t.™: Sl..rl i.t to W«b. ; ■ 



234 



FetiscUisinuB. 



: ■ 



ßrlegter Zwang, tio regen ihn die Kleider auf, welche einschnüren, 
Riemen, welche binden, lange Stiefel usw. Wir kennen diese Gegen- 
stände ßchon aus anderen Träumen als Symbolismen, welche die Para- 
pathie beschreiben. Unser Patient regt sich also über seine eigene Para- 
patliiö auf, er schöpft sexuelle Lust aus seiner Parapathie, er berauscht 
sich a;n sich selbst und seinen genialen Konstruktionen. Alles Dienen 
und Gehorchen regt ihn auf, weil er sich auch als Soldaten, als Diener 
Gottes betrachtet. 

Warum aber hat sich dieser Kranke gerade die Sporthose als 
Fetisch auegesucht? Wird diese Wahl wirklich durch ein infantiles Er- 
lebnis determiniert"? Hat sein Bruder in der kurzen Hose auf ihn einen 
Eolchen starken Reiz auegeübt? ^., . . 

Diese Erscheinung werden wir nur verstehen, wenn vnr die Tat- 
sache kennen, dali der Fetisch im Laufe der Jahre degeneriert. Er wird 
verändert, so daß er seinen ursprünglichen Charakter besser maskieren 
kann. Wir haben ja gesehen, wie aus dem mit einem Nagel durch- 
stochenen Fuße von Christus ein roter schweißiger Fuß geworden ist 
und daß dann später das wichtigste Attribut, der Nagel, wegfiel.^) Auch 
unser Patient hat seinen ursprünglichen Fetisch verändert. Denn es 
reizte ihn ursprünglieli ein Tuch, wie es die Orientalen um die Lenden 
tragen. Dies Tuch erwies sich als Abkömmling des Tuches, das Christue 
um die Lenden trägt. Der He]m ist wieder neben dem Symbol des 
Glaubens der Ersatz der Dornenkrone, welche ja die unsichtbaren 
Schläge ins Physisclie übersetzen. ' --'.'■ ■ 

' Der Simi der Parapathie lautet: Ich bin Christus, ich 
b'in ein Erlöser und wenn iehniich mit Chri'stus 
identifiziere, so empfinde ich die höchste Lust. 

Eine andere Quelle seiner Erkrankung ist sehi überbetonter Nar- 
zißmus. Er ist in sich verliebt und bewundert sich auch, überall sucl-t 
und sieht er nur sich und seine Selbstliebe ist sehier ohne jede Grenze. 
Er sieht sich in kecken und sinnenden Knaben, in bartlosen Männern 
und wünscht sich so schön zu sein wie die anderen, d. h. er identifiziert 
sich mit den Objekten, die ilun am besten gefallen. 
■■..■- Seine ßußideen dringen in den masochistischen Prozeduren deut- 
lich durch. Er straft sich für seine sexuelle Lust und die Strafe selbst 
wird ilmi zur Lust. Er beherrscht sich aber und leidet. Und er bezieht 
seine stärkste Lust aus diesem Leiden ohne Klagen. Er schlägt 5i--h 
ja fortwährend mit den Widerwärtigkeiten des Lebens herum. Er ver- 
sagt sich jede Freude und jeden Erfolg und hat sich an die Paraphilie 

^) Nachträglich goetand jener Patient ein, daß er eine LiuMingsphantasie habe; 
Mit einem riesigen Nagol am Fuße über dio Ringstraße zu gehen 



Kasuistik, 2Sb 

geschnürt wie an eine Folterbank. Er bückt sich freiwillig vor Gott 
und reicht seinen Leib freiwillig zur Strafe. 

Den beimliclien Stolz auf. die kunstvoll gebaute Parapathie ver- 
rät aber der Satz: „Besonders reizvoll erscheint mir 
der Gedanke, daß der Geschlagene unter der Klei- 
dung versteckt vor den Leuten als Besonderheit, 
von der er allein nur weiß, die Spuren der Schläge 
herumträgt." Das ist sein Stolz. Er hat eich selbst geschlagen 
und leidet und kein Mensch weiß es, daß ein so heiliger frommer Mann 
unter den Menschen wandelt, der zu hohen Taten bemfen ist und die 
Menschheit, erlösen soll. 

Es wirft sich die Frage auf, wie eine solche Paraphilie entsteht 
und wodurcli sie festgehalten wird. Diese Paraphilie ist eine Karikatur 
der Erziehung mit iln-em Zwange, ihren Schlägen, ihren Einschnürungen. 
Uie Kinderhose zeigt schon auf die Kinderzeit. Sie stellt eigentlich eine 
Abart des Infant! lisnius dar. Der Kranke möchte noch ein Kind sein 
und Kinderhosen tragen. Solche Wünsche (welche ja auch aus seiner 
Determination des Traumes als Spermatozoenphantasic liervorgehen). 
deuten auf innere Unzufriedenheit mit dem bisherigen Leben und tiefe 
Reue. Er möchte noch einmal leben und dann würde sein Gefeditsbericht 
ganz anders ausfallen. Diese Unzufriedenheit mit sich selbst stammt 
aus einer Zeit, da or dem Vater den Tod wünschte. Der Tod des Vaters 
würde ilm von iedem Zwange befreien und ihn selbständig machen. Eben- 
so haßte er seinen Bruder, der iluu als Kivale in der Gunst der Mutter 
und des ^'aters im Wege stand. Auch diesem wünschte er den Tod. 
Erst die Erkenntnis dieser eigenen Schlechtig- 
keit erzeugte in'ihm das Gefühl der Minderwertig- 
keit und er sagte sich, daß er weder Freiheit noch Glück verdiene. 
Seine Religiosität riß ihn immer tiefer in den Strudel der bchuldgefuhle 
und bald gab es für ihn keine andere Rettung, als sich vom Glauben 
zu emanzipieren. Er wurde Atheist und Freigeist Mit welchem Erfolge, 
das zeigen sein Traum und seine Parapathie. Aber innorUch wurde er 
immer frömmer, je nntiklerikaler er sich nach außen gehardete 

Die Parapathie schien aber unlöslich durch cm .Tunktim (Adler) 
das er sich gemacht hatte. S o I a n g e e r d i e s e A r t d e r b e x u a 1- 
befriedigung betreiben werde, so lange werde sein 
Va t er 1 ben Dieses Junktim entfernte ihn vollkommen vom AVeibe. 
Es war aber auch die Quelle neuer Konflikte. Jetzt mußte er ^.'Unschen, 
daß der vi er sterben sollte, wenn er zum Weibo kommen wollte. Die 
Angst vor dem Weihe als dem Symbole der Sunde^) war aber so stark, 

^etz^ch. betont ebentalk dia „c^'igc FnebcH des Ma.nos vor dem Ew.f,- 
weibliciieu". " 



386 



Fetischismus. 



; ;. 



! 



daß er diesen Öchutz gerne vertrug. Wäre nun der Vatei- gestorben, so 
-Mite trotz alledem die Befreiung nicht eintreten können. Dann wäre 
das Schuldbewußtsein wieder in den Vordergrund getreten, etwa wie: 
Du bist Schuld an dem Tode des Vaters. (Die Allmaclit der Gedanken! 
Freud ) Er hätte sich neue Sclmld und Bußjahre diktiert und sich so 
wieder vor dem Weibe geschützt, das für ilm gleichbedeutend mit dem 
Tode ist und sich im Traume im Symbole „Maria Stuart" nennt. Hüte 
dich vor den Frauen! — lautet ein geheimer Imperativ seines 

Inneren. 

In einem anderen Traume sagt er : „E i n M a n n li a t andere 
grausam behandelt. Der Rächer tritt auf in Ge- 
stalt eines anderen älteren Mannes. Dieser be- 
fiehlt mir, einen Kasten, der so groß ist, daß ich ihn 
mit beiden Händen tragen muß, mitzunehmen und 
geht, den Übeltäter vor sich hintreibend, eine enge 
Treppe hinauf, die offenbar zum Hausboden führt. 
Unterwegs erhält der Schuldige fortwährend 
Schläge. Oben angelangt, entnimmt der Rächer 
meinem Kasten einen großen Lederknüppel und 
schlägt damit den Übeltäter in grausamer Weise." 
Er ist der Sünder. Der Kasten sjTnbolisiert den Hirnkasten, der 
alle grausamen Strafen enthält. Ebenso der Dachboden. Der Kasten 
ist wieder eine Darstellung seines Hirngespinstes, der Parapathie . . - 
Er schlägt sich als sein eigener Radier und Richter für seine Sünden . . . 
Aber nun hat er den Schlüssel zu dem Leiden, das in seinen Träumen 
als sein Bruder symbolisiert wird. So sagt er in einem Traume: 

„Ich finde den Schlüssel zu dem Sehranke, in 
welchem die Sachen meines Bruders liegen. Das 
ist mir sehr unangenehm, weil ich fürchte, man wird 
den Schlüssel brauchen und darnach suche n." 

Der erste analysierende Arzt hielt den Schlüssel für den Phallus 
und übersah die wichtige Bedeutung: Ich fürchte, der Arzt könnte den 
Schlüssel zu meiner Parapathie finden und -mich gesund machen. Er 
raubt mir dann den Weg zur Seligkeit . . . Und wir sehen wieder die 
Angst vor der Genesung und den Stolz auf die Parapathie. 

Betrachten wir die ganze Paraphilie, so erkennen wir, daß es 
sich gar nicht um eine wirkliche Paraphilie handelt. Es handelt sich 
um ein Arrangement im Sinne Adlers,, er benimmt sich, als ob er ein 
Paraphiler wäre. Sein Fetischismus ist eine künstliche Konstriüttion, 
eine zweite Religion, welche ihm den verlorenen Glauben ersetzt und 
als Ersatz für die verlorenen Freuden dieser Welt, für den Verzicht 
auf Ehre, Ruhm und das Weib den Himmel sichert. Festgehalten wird 



Kasuislik. ^o 

aber dieso l^ara])hilio, diese Karikatur einer ParaphiliL' kÖTinte man eher 
sagen, durch ein Gelübde. Dies iiiüchto ich besonders unterstreichen 
Sein Vater wird so lange leben, so lange er dem Weibe entsagen wird' 
Ein älinlii:heß Gelübde war auch in all den anderen von mir analysierton 
Fällen gegeben werden. Erst dieses Junktim macht die 
P !i ]• a p a t h i e unlöslich und enthält die Strafe für d ie 
vcrbree herischen Todeege danken. Das Weib ist dan 
Symbol der Sünde. Aber hinter der Angst vor der Sünde steckt auch 
hier die Purchi vor dem Weibe, die Furcht vor einer Niederlage im ge- 
j^diieehtliclion Ijeben. Dagegen finden wir keine Spur einer organischen 
Minderwertigkeit als Grundlage der Parapüthie und ich nmß iimner 
wieder betonen, daß ich diesen Teil der Lifhre Adlers für unrichtig halte 
und das Gefülil der Minderwertigkeit nur als Folge des Schuldbewußt- 
seins auffassen muß. 

Wie wunderbar ist jedoch die geniale Konstruktion unseres 
Kranken, den Perversen zu spielen und der Fromme zu bleiben! Wie ich 
es in meinem Aiirsatzo „Der Neurotiker als Schauspieler"^) sagte: 
„Der Neurotiker (Parapathiker) ist Akteur und Publikum in einer 
Pereon. Kr spielt mit seinen parapathischcu Symptomen eine bestimmte 
Szene." So spielte dieser Kranke vor sich selbst den Paraphilen und war 
ein FrÖramling in der Maske eines Satanisten , . . Die Paraphilie 
riichertc ilm vor dein Weibo und vor der Sünde. So wurde seine feti- 
schistisdie Sünde zur frommen Handlung und die Frömmigkeit zur 
Sünde wider seinen Intellekt ... ' . 

Wir sehen, wie kompliziert sich die Analyse eines Falles von 
echtem Fetiediismus gestaltet. Sieherlich führen auch bei diesem Falle 
Fäden zur primären Inzesteinstellung. Er betont, daß Manchester wie 
Urin riecht und kommt wiederholt auf sein Verhältnis zur Mutter zurück. 
Es ist ja möglich, daß er die Mutter eimnal in prall sitzenden Unter- 
hosen gesehen hat. Leider spricht er nichts davon und seine Träume 
enthalten nur Andeutungen, daß er ein Geheimnis verschweigen will, 
verraten aber nicht die Art des Geheimnisses. 

Dies aber zugegeben, ist die Parapaihie dieses Kranken ein so 
kompliziertes Gebilde, daß sie sich nicht einfach mit einem Sclüüssol, 

wie der Inzest es ist. auflösen läßt. Auch der Rieclitrifb, der bei diesem , 

Kranken sehr stark ausgebildet ist, gestattet noch keine Erklärung 1 , 

dieses komplizierten religiösen Überbaues. Wir merken nur eine un- '< 

widerstehliche Tendenz, die sexuelle Aktivität durch den Schein einer ' ■ 

Sexualität zu ersetzen. ,, ,■ -^-^ ■ 

Abraham betont die Herabsetzung der sexuellen Aktivität seines 
Patienten. Das konnte ich ja in allen meinen Fällen konstatieren. 

') Zeaitralbl. f. Psychoanalyse. 1911- S. 38. I. Bd. 



•288 



Fetischismiis. 



PIM 



Eine übergroße Aktivität führte zu der DroGse- 
lung derselben durch einen Fetischismus. Die Angst 
vor der eigenen Sexualität fülirt zur scheinbaren Ertötung derselben, 
zur Abbiegung von der sexuellen Leitlinie, die ursprünglich aiif den 
ganzon Mann und die ganze Frau geht. Diesen Bestrebungen ent- 
riprechen wieder als symbolische Ausdrucksraittel die Kaetrations- 
phantaeien, an denen alle Fetischieten leiden. Sie haben in der Tat eine 
ideelle Kastration an sich vollzogen, spielen auch mit dem Gedanken 
der wirklichen Kastration, was ja einer völligen Entsagung gleich käme 
und auf der Linie ihrer aBketisch-frömmlerischen Tendenzen liegt. 

Aber Abraham, der schon die Mischung von Parapattiie und Feti- 
schismus bemerkt und auch betont, daß Freud seine Ansicht, „die Neu- 
rose sei das Negativ der Perversion", nicht mehr aufrecht erhält, sieht 
als Ursache der Parapathie: Dem Fuße kommt die Bedeutung eines 
Genitalersatzes zu. „Schautrieb und Rieehtrieb, von 
jeher in auffälligem Maße auf das Exk rem enteile 
gerichtet, wurden einer weitgehenden, freilich 
sehr ungleichen Umwandlung unterzogen. Der 
Riechtrieb wurde in weitem Ausmaße verdrängl, 
der Schautrieb hingegen um so stärker betont, 
freilich von seinem ursprünglichen Interessen- 
gebiet abgelenkt und idealisiert. Dieser Vor- 
gang, dem nur der eine von beiden in Frage 
kommenden Trieben zum Opfer fällt, verdient dsn 
ihm von Freud gegebenen Namen der ,Partia!- 
V o r d r ä n g u n g'." 

So weit geht das Bestreben der /'Veurfschule strenger Observanz, 
alle Erscheinungen der Parapathie auf verdrängtes Triebleben zurück- 
zufüliren! Wie würde aber Abraham mit seinem Riechtrieb den Fall 
von SporthosenfetisehismuB erklären oder einen Fall von reinem 
Korsottfetischismus auslegen, wie er mir bekannt ist? Wir sehen, wie 
wichtig die Kenntnis der rehgiösen Motive und der von mir geschil- 
derten Mechanismen für das Verständnis dieser komplizierten Fälle isl- 
Ich stehe nicht an zu erklären, daß ich jetzt diese Fälle psycho- 
logisch begreifen kami, während die Part ial Verdrängung nichts bleibt 
als eine geistreiche Hypothese, die ein nicht unwesentliches Detail als 
Hauptsache behandelt . . . 
■ ' Abraham betont auch die therapeutische Machtlosigkeit seiner 

Analyse und meint, der Patient hätte größere Widerstandskraft gegen 
seine fetischi et i sehen Regungen erhalten. Dies beweist, daß diese Art 
von Analyse ohne Aufdeckung der wichtigen Mechanismen, welche Simi 
und Zweck der Parapathie, das geheime Ideal verraten, eben nicht von 



Kasuistik. ■ 906 

"Wirkung sein kann, wie eehon der vorher geschilderte, 14 Monate ana- 
lytisch behandelte Patient beweist. 

Der Fetischismus ist eben eine Krankheit, nicht nur eine zweite 
Religion. Er ist auch ein geistiger Parasit, der seinen Träger zu jeder 
anderen Donkbarkeit untauglich macht. Alles wird in den Dienst dos 
Fetischismue gestellt und in der Spraclie des Fetischismus ausgedrückt 
Sehließlicli kann der Fetischist ganz arbeits- und lebensunfähig werden 
Er versinkt in Sfine Ti'äuiiiereion. Er kann den Affekt nicht mehr auf 
seine sozialen PQichten richten, er bringt keine Aufmerksamkeit für 
den Beruf auf, weil alle seine Affekte an andere Interessen gebunden 
sind (Bleuler). Diesem Umstände verdanke ich es, daß der sonderbare 
Fall, von dem ich jetzt sprechen, werde, in meine Behandlung kam. 

Fall Nr. .'54. Es handelt sich um einen zirka 30.iährigen Beamten, 
der nicht mehr im Amte bleiben konnte, weil ihm die krankhaften feti- 
schistischen Ideen keine Ruhe lielien und ihn iirbeitsuiifähig machten. 

Er ist wohl einer der merkwürdigsten Fälle, die je publiziert 
wurden. Unser Patient — nennen wir ihn Herrn Lambda — 
interessiert sicii nur für Männer, die eine ge- 
schwollene oder vorletzte Backe haben und ver- 
bunden sind. Es sollen womöglich junge bartlose Männer oder nur 
mit einem Anflug von Bart sein. Er benimmt sich sehr sonderbar, wenn 
er ein solches Sexualobjekt siclit. Er sitzf; beispielsweise im Kaifce- 
haiiso lind sieht zum Fenster hinaus. Plötzlich sielit er einen Mann mit 
einem schwarzen Tuche um den Kopf. Oder mit einem verbundenen 
Kopfe. Er ruft mm in höchster Aufregung: Kellner zahlen' Kommt 
der Kellner nicht sogleich, so wird er sehr ungeduldig, schimpft, hält 
sich auf, daß er gehindert wird und läßt das Geld am Tische liegen, um 
sein Obj^ckt zu suchen. Wenn er den Mann nicht mehr findet, ist er sehr 
erregt, unglücklich und in höchster Spannung. Er kann viele Stunden 
den gleichen Weg absuchen, warten, ob er nicht vielleiclit zurückkommt, 
ja auf dem Platze, wo er ihn gesehen hat, bis zu 6 Stunden stehen und 
ausharren, in der Hoffnung, er werde doch kommen. Er geht dann am 
nächsten Tage wieder um dieselbe Zeit auf die gleiche Stelle und wartet 
wieder und das kann er eine Woche so fort machen, bis ein neuer 

Fetisch die Vorstellung des alten verdrangt hat. Immer aber bleibt 
ilim die Empfindung, als ob er gerade bei dem versäumten Objekte be- 
sondere Sensationen und überhaupt etwas Besonderes er- 
lebt hätte. Nehmen wir aber jetzt den Fall an, er habe sein Objekt 
doch erreicht. Er beginnt ihm zu folgen, ihm vorzugehen und ihn von 
allen Seiten möglichst unauffällig zu beobachten und umkreisen. Geht 
der Fetisch in ein Geschäft, so wartet er geduldig stundenlange, bis er 
wieder zum Vorschein kommt. Dann spricht er ihn unter irgend eniem 

Stekal, StSmngon das l'riub- und AffökUebenfl. TU- 19 



f 



•290 



FetischisiiiQK, 



'i 



1 I 



Vorwande an. Meistens e r se. hier fremd und bitt. darum, 
' leht g,„ ^V3g I^^^^^^,^ ß^. ^.^^^^ Gelegenheit fm-^t er auch 
n.«.d.g, woran der Herr le.de, ob e. große Schmerzen habe^Jd 
. dagegen mache. &o geht er eine Weile neben ihn, her, so lange er 
T' t" 'T''\''\ '' ^^^' ^'^^-^ d- Ma.n n;oint, er . '.f de^ 
gle.chen Weg sie könnten ein Stück miteinander gehen Wenn " 
sich dann verabschiedet hat, seht er in f>m r. i ^L , , 
om Tuch, ähnlich wie das isltlel I der P.ttf ^r^^^^^ ^f ^f' 
1-nd.toif, eine schwarze Binde usw.) Je e nSr , nT^ f ' ■^\"'' 
stellender der Fetisch ist destn ..■■- '^^'""^^'^^' ""^ ^o?Aal niedrig 

andet Lambda ein: e:L Xr ^^En uH '^'^'"- ''^''^ ''''- 
l..-es Verlangen, das nicht er^im:^^et2t^'J: 7 T^"' 
imt dem J-'etisch allein zu bleiben oder .«,- . i ^ ' Tendenzen, 

Akt zu vollziehen. ^"' "^'^ '^™ *""«" homosexuellen 

Im Gegenteil! Nun kommt die '/.,^H ■ i 
benutzt, um sich die höchste Lih do u tL ff ^ E '^7 'f "' 
den Spiegel, legt sich den Verband an, lZ7ntljLf "^'^ Z 
s t e i 1 1 e i c h u u n V r, d a ß e d e I ^ ^^'^'■'^^'" ""'^ 

geistige lüontiiizierungmit dem Se^al M kt ^ ZI'?' ''' '^"^ 
er «ud blickt dabei immer die Binde an "J.! T ^^ ?' ^"" """^"'''^ 
ganzen Harem. Meist verloren «t Z\ ^^"^'" ^"^ '' ^'"™ 

f..her die Wirksamkeit.^tr:!:!:^ Ä^ V'' 
al er vergessener Liebling wird wieder Favorit «t. V 1 ' 'T 

solchen Fetisclien ist unstillbar und übermäch g Fr 2, ^'^ T 
falirenden Autobus, aus der Elektrischen wenn er ^ T '"' '^'"' 
hat; er hißt die Karte verfallen, die er si;hreirer W '' f n'" 
oder einem Konzerte mühsam erobert hat- er v^ Theatervorstellung 
die Rendezvous, die Arbeit, wenn ilmi i'n Fetr ,7' ''' '''™''"'' 
Damen und Vorgesetzte stehen, mit denen er IrCi ^^'^"'^- ^' ' 
iBt. (Interessant ist, daß der Zwang des Mimärf ^^T'"''" °'''""'^'" 
des Leidens. Er versäumte während ine t. n ^^-l"" ''' '"' 
Übung und lioß sieh von keinem Fetisc Hin t !f "'''^"' '"'"' 
die Anpassungsfähigkeit aller dieser ra,S.'' '"^'^^^' ""' 
immer das Gesetz des geringsten Wid s^d '^t" A?'"-? ''" f'' 
wir oft diese Tatsache bestätigt hören. BoiTmüS":] U 
eiserner Zwang. Dieser Zwang ersetzt dann den Dn '';"'^'^''\,^'" 

De^ Imperativ wird durch den I.« d^rM:;^::^:^^ 

kommen °''- ^' '"^ ^'^ ^«^hlen W.g abR.^ 



I^RMBü 



Kasuistik. 

29] 

ilm sein Vater einen We. durd 2 c V^ '^ ^^"^ ™'' ^'''''t'^ 

vorbei. Monatelang konntf ^'.^ Zctt: 1 r'^ß '" '^^^^"'^^^•^^^ 
Weg zu goJien. Erst nacl, oinigci Ze t k,r ü; """^ '"^^^^'"^ 

ilim der liebste der in d,e MarialWIo,;? , r T" ^^'^'^' ™" '^''"'■'" 

an deren Ende eine Ki.che ^^^ '^^t'^T ''^^"f """"'' ^^^^'^' 
m die Kirche, „außer wenn er einmal .hö,;, T ""'' ^'"'^ "'^ 

Er hat in der antiklerikalen Bewogu"^ " j 'I "'""" '""" ^^■'"'' 

Rollo gespielt und ..rdo deshalb 'J^J^-^I^^TV'''''''' 
aiigegrifTen. ' '^'^'^i^alen Zeitungen 

furchtbar ist sein Jähzorn. Er fürciitet R,.m» r -.^ 
Z.ei Jahre lang ..r er do,n Spieltoulo, .J^S. Zl^^^^Z 
ennogon e,n. S.ne Stellung verurteilt ihn zur Einsan,keit aufd:" 
Landa l.r muß u. d,e nächste Stadt fain.n, ,nn scnor Leiden chaft 
zu frohnen und em Objekt zu Buchen. Zu diesem Bciuifo kleidet e l^h 
um, veranstaltet eme förmliche Maskerade. Er ist Amtsperson und n2 
auf eme Wurde schauen. Desiialb verschwindet er aus der kleinen 
fatadt, um e,ne größere aufzusuchen, postiert sieh in der Nahe dos Spitals 
oder emes Zahnarztes, bis endlich das Obickt m:t der gesclnvol Ionen 
oacke zu sehen ist. 

Vorübergehend ^vollte er ein Trinker werden. Er bleibt aber immer 
ke^e Freude "" '"'" ^''"'''' ''^'''''^'"- ^^' '^'''''^'" "^^^ht ihm 

Seine einzige Lust .st die Onanie vor dem Spiegel, wenn er sich 
das lach um das Gesieht gebunden hat. Er kann aber auch ohne Spiegel 
m lange J raumereien versinken, wobei er ganz geistesabwesend i^t Am 
bchlusBo der Miktio hat er ein Lustgefühl. Er war ziemlich 
lange Bettnässer und zeigte die für die Fetischisten charak- 
teristischen Blasonstöruiigen.') 

Sonderbar ist sein Benehmen mit Frauen. Er ist mit selir vielen 
j^rauen bekannt, mit denen er sehr gerne plaudert. Er weicht aber än"st- 
hdi sexuellem Verkehre aus. Ursprünglich hatte er ein sehr lebhaftes 
Interesse für Madclien, war schon mit 12 Jahren in eine Kusine leiden- 
schaftlich verhebt. Vor 6 Jahren verliebte er sich in ein Mädchen das 
ilun sehr gut gesinnt war und auch zu verstehen gab, daß sie seiner 
Werbung kein Nein entgegenstellen würde. Er stand nahe vor der Ver- 
lobung und führte dann, um das Mädchen zu prüfen, einen Freund, einen 
■ ßdimuckeu Offizier, bei ihr ein. Nach einigen ^tlonaten verliebte sich 
der Offiz ier in das ebenso schöne als wohlhabende Mädchen. Aber seine 

^) Auf drn ZuEammrahaitg zwischen Blascnstöruneon und Zwanssueurose hat 
zuerst Hitschmann aufmcrksaro gemacht. 

19* 



292 



FetiscliiSBius. 



,1 [ 






Werbung hatte erst nach einiger Zeit Erfolg. Das Mädchen wartete 
immer darauf, daß Lambda sich erklären würde und nalim erst den 
anderen, als sie alle Hoffnung, eine Erklärung Lambdas zu provozieren, 
aufgab und verzweifelte, ihn zu erreichen. Ihre Verlobung war aber für 
Lambda der Anlaß zu einer schweren, monatelang währenden Depression. 
Er fühlte sich unglücklicii und betrogen, verlassen und verraten. Hier 
zeigt sich wieder dieser heuchlerische, spielerische Zug, der diese Art 
von Kranken auszeichnet. Denn er hatte ja selber mit schlauer Be- 
rechnung den Offizier in das Haus eingeführt, um einer Entscheidung 
auszuweichen, seine Angst vor dem Weibe und der Ehe zu bemänteln 
und um ein Eecht zu erlangen, sich unglücklich zu fühlen. Er wollte 
sich sagen können: Du hast dein Möglichstes getan, um zu heiraten. 
Du kannst nichts dafür, wenn die Mädchen so unverläßlich, so falsch 
und so treulos sind ... - ■ .■ 

Momentan — verrät er mir — steht er in ähnlichen Beziehungen 
zu einer Kusine. Diese könnte er heiraten und bei dieser werde er 
bestinunt potent sein, wie er ja an seiner Potenz nicht zweifelte". Aber 
heiraten hieße seine Paraphilie aufgeben . . . und das war er vorläufig 
nicht imstande. Es sagte ihm zwar eine innere Stimme, daß er in der 
Ehe den Weg zum "Weibe finden würde, aber er hatte noch nicht die 
Kraft, dieser Stimme zu folgen. 

Diese merkwürdige Erscheinung werden wir in vielen Fällen von 
Fetischismus konstatieren körmen. Die kunstvolle Fiktion einer Para- 
philie bat ursprünglich nur den Zweck, den Träger gegen die Gefahren 
des außerehelichen (sündigen) Koitus zu sichern. Denn nur dieser wird 
als Sünde angesehen. Mit der Zeit aber wird diese sexuelle Leitlinie 
verdeckt, der Weg zum Weibe versandet und die Möglichkeit einer Ehe 
wird immer geringer. Trotzdem ist die einzige Heilungschance die Ehe 
, und ich habe schon zwei Fälle in der Ehe den Weg ins Normale finden 
gesehen. Grundfalsch ist eine Therapie, welche die Fetischisten zu 
heilen sucht, indem sie ilmen den Kongressus mit Puellis publicis oder 
anderen außerehelichen Verkehr empfiehlt. Die innere überempfindliche 
Moral dieser Mensehen sträubt eich dagegen und die Erfolge wenn sie 
überhaupt zu erzielen sind, halten nicht lange. Meistens sind es aber 
Mißerfolge, die das Vertrauen des Kranken erschüttern und ihm den 
Weg zur Ehe versperren. Manchmal verlangen solche Menschen eine 
Garantie ihrer Potenz oder sie wollen es erst bei einer Publica ver- 
suchen, um sicher zu sein. Solche Versuche mißlingen in der Regel.' 
So war es auch bei diesem Fetischisten. Die Versuche seines Hausarztes, 
der mit ihm sogar ins Lupanar ging und die Dirne untersuchte, weil 
Angst vor Infektion als Sicherung vorgeschützt wurde, mißlangen voll- 
kommen. „Nun kann ich ja nicht heiraten und meine Geliebte ist mir 



Kasuistik. 



293 



ewig verloren", jammerte der Kranke, der so wieder einer Entscheidung 
aoBweiclien konnte. 

Er wollte aber seine Paraphilie nicht aufgeben, weil er einen großen 
Stolz auf seine Krankheit hatte. Er war der einzige, der eine so ver- 
rückte Form der Soxualbefricdigung gefunden hatte. Dieser Wider- 
stand äußerte sich sofort in der Behandlung, indem er mir schon am 
zweiten Tage mitteilte, er glaube nicht an die Möglichkeit einer Ileilung, 
die ich in weiser Voraussiclit gar nicht vereprochen hatte. Ich versprach, 
ihn wieder arbeitefähig zu machen. Ich wollte dem Kranken keine Ge- 
legenheit geben, am Schlüsse der Behandlung über mich zu triumphieren 
und mir vorzuwerfen, daß ich mein Wort nicht gehalten hatte. Tcli 
erwartete aber die Heilung, weil ich wußte, daß diese Krankheit 
nach gelungener Emsiclit in eich zusammenfallen mußte. Schon am 
di'itten Tag hatte der Kranke nichts zu erzählen und gestand mir 
später, daß er sich gedacht hatte: „Justament sage ich dem Doktor 
nu-Jits. Wie wird er sich helfen? Er soll midi hoiten, ohne daß ich fort- 
während reden muß." Dami ließ er schon die vierte Stunde aus und kam 
nicht. Er hatte verschlafen, Wir wechselten die Stunden, da er jeden 
zweiten Tag die Morgenstunde verschlief. Der Widerstand war einen 
Tag besser, dann kam er ancli am Nachmittag zu spät und brachte es 
sogar zustandcs bis in den Naclmiittag hinein zu schlaren. Die ganze 
Behandlung war ein fortwährender Kampf, der den Kranken immer 
wieder überzeugen mußte, daß er nur ein Ziel hatte: Seinen Fetischis- 
mus zu behalten und über den Arzt zu triumphieren. 

Doch versuchen wir, der Frage der Tarapathienwahl näJier zu 
treten, wie Umbda gerade zu dieser sonderbaren Form der Paraphilie. 
kommen konnte und mußte. • 

Sein Hausarzt teilte mir mit, daß Lambda als Knabe eine schöne 
(louvernante gehabt habe, die er eehr liebte und die viel an Zahn- 
schmerzen gelitten hat, also oft verbunden war. Wir sehen hier die 
Aufmerksamkeit des Kindes früh auf ein verbundenes Gesicht gerichtet. 
Aber wie viel geliebte Mütter und Pflcgepersonen haben verbundene 
Gesichter und es kommt nicht zu einer so sonderbaren Fixierung des 
sexuellen Begehrens! Dio Gründe müssen tiefer liegender Natur sein. 
Keineswegs können sie damit erschöpft sein. 

Wir erfahren nun aus seiner Jugend folgende Tatsachen. Er hatte 
ein geradezu immenses, unstillbares Bedürfnis nacli Zärtlichkeit. Zu 
seinem Leidwesen war der ältere Bruder immer krank und zog die gan.e 
"rksanikeit der Eltern auf sich. Die Eltern, besonders der Vater^ 
fl fn dn« z-xrte Kind in rührender Weise; wiederholt wurden Bade- 
;S unt n " 1 -s der jüngere mit eifersüchtiger Kegung über- 
Tchte und immer sehr schmerzlid. empfand, besonders wenn der Bruder 



'294 



Fetischismus. 



; 



von den Wundern der neuen Gegenden erzählte. Der Bruder reizte ilm 
immer und setzte iiin immer herunter. Was er machte, war kindisch und 
nebensäclilich, was der Bruder machte, war schon etwas GroiScs, obwohl 
nur ein Jahr Unterschied zwischen beiden war. Infolgedessen sonderte 
sich Lambda ängstüch-von ilmi ab. Er hatte seine Spielsachen für sidi 
und war unglücklich, wenn der Bruder sie berührte. Einmal ging er 
mit einem Schießgewehr auf den Bruder los und schlug ihn so lieftig 
aufs Auge, daß der Bruder um ein geringes das Auge hätte verlieren 
können. Der Bruder trug damals das Auge und die 
Wange verbunden und er selbst erhielt eine omphndlicho Strafe 
neben endlosen Ermahnungon über seine Schlechtigkeit und Bosheit, er 
werde noch ein Verbrecher werden, man müsse sich seiner schämig, der 
liebe Gott werde ihn dafür schwer bestrafen. . . . Wir sehen also, er 
hat auch ein Motiv für die Krankheit, das dem Schuldbewußtsein ent- 
springt. Die Talion verlangt, daß die Erinnerung an 
sein Verbrechen immer wieder behalten und ihm wie 
ein Memento vor Augen geführt wird. Überdies war ihm ein jüngerer 
Bruder gestorben, was ihn damals mit großer Befriedigung erfüllt hatte. 
Oie Erinnerung an diese Schadenfreude trübte sein Gewissen und die 
Vorstellung, daß es Revenante gäbe und die Toten sich rächen können, 
spielt in dem Fetisdiiemus eine eigentümliche Rolle, von der wir noch 
später eprechm werden, wenn wir das Mysterium seiner Religion um! 
seines Leidens ganz entschleiert haben. 

Er war mit 5 Jahren an Rotlauf erkrankt und wurde durch eine 
Woche in aufopfernder Weise von den Eltern betreut. Er wurde wie 
alle lebensgefährlidi erkrankten Kinder mit Zärtlichkeiten überhäuft 
und jeder seiner Wünsche aufs schnellste erfüllt. ... Das war die 
schönste Zeit seines Lebens und nacli dieser Zeit 
tieht sein ganzes Sehnen. Wir haben erzählt, d^iß er immer 
wieder die a 1 1 e n Wege gelit und zu Orten zurückkommt, wo er einmal 
gewesen. Er blickt eigentlich immer in die Vergangenheit. 

Er möchte diese Krankheitstage noch einmal erleben, da er von 
einem Arm in den anderen wanderte. Damals war sein Gesicht auch mit 
Salben bestrichen und verbunden, Er sucht also sich und die 
Jugendzeit. Er geht immer die alten Wege, das sind die Wego 
der Jugend, wie wir bald sehen werden noch aus anderen Motiven. Aber 
sein Fetischismus hält die Erinnerung an die schöne Zeit der Krank- 
heit fest. So möchte er sein ganzes Leben verbringen immer Krank sein 
und immer von den Eltern behütet. Es war auch sein heimlicher Triumph, 
daß er jetzt so schwer krank war und den Eltern großen Kummer be- 
reiten konnte. Sein Bruder war längst genesen und ein stattlicher Mami 
in Amt und Würden. Er aber war jetzt der schwer und vielleicht un- 



i^mmmt 



Kasuistik. 



295 



heilbar Kranke. Der Hausarzt mußte seinem Vater von der Schwere 
der Erkrankung Mitteilung machen, der Vater mußte ihn unterstützen, 
für längere Zeit einen Urlaub zu nelnnen, mußte die j^roßen Kosten für 
eine Behandlung aulbringen, kurz ... er konnte den lange vorbereiteten 
und langersehnten 'l'riumph auskosten, der Sohwerstkranko in der 
Familie zu sein. Nun hatte sich das allgem-eine Mitleid der Familie 
auf ihn konzentriert. Parapathiker erpressen die Liebe in Form von 
Mitleid und es macht ilmen ein unbändiges Vergnügen, wenn die Eltern 
für sie Geld ausgeben müssen. Dies Geld wird dann auch ein Grad- 
messer der Liebe. So kommen parapathische Kinder leicht ins Ver- 
schwenden hinein, wenn es sich darum handelt, die Langmut und Liebe 
des Vaters immer wieder auf die Probe zu stellen. So auch in diesem 
Falle. Er hatte eines der Ziele erreicht, das ilun seit der Kindlieit voi- 
geschwebt hatte: Er war krank, der am meisten Kranke in dei- Familie, 
er war arbeitsunfähig, sein Vater mußte ihn erhalten und er hatte eine 
Kranklieit in einer absonderlichen Form, wie sein Bruder sie nie gehabt, 
hatte, wie sie überhaupt kein Mensch vor ihm gehabt hatte. . , . Seine 
Krankheit war seine größte Leistung und sein größter Stolz! 

Ein anderes Erlebnis spielte noch in seine Jugend hinein. Die 
Schwester, die um zwei Jahre jünger war, ging in ihrem achten Lebens- 
ialire an einem Laden vorbei, in dem eine Explosion stattfand. Sie 
wurde am Obersehenkel verletzt. Es machte ihm die Wunde - er war 
im Zimmer, als sie vom Arzte verbunden wurde - einen großen Ein- 
druck Allgemein sprach man davon, daß sie hätte blind werden kennen, 
wenn sie im Gesicht getroffen worden wäre. Ob es sich hier auch um 
das Phänomen handelt, das Freud die Verlegung von unten nach oben 
nennt, das wage icli niuht zu entscheiden, da der Patient darüber nichts 
zu sagen M-eiß. Dagegen von einer anderen Verlegung. 

Er hatte sich Phantasien über die Geburt gemacht und schwangere 
Frauen erschienen ihm immer als g e s ch w o 1 1 e n. Als ihm der Zahn- 
arzt einmal mit der Zange einen Zahn gezogen hatte, he e^ ihm eni. 
,, wäre auch mit der Zange zur Welt gebracht worden und hatte längere 
Ze einen geschwollenen Kopf gehabt. Um beschäftigt sehr lebhaft das 
T en a von der Wiedergeburt. Auch bat er sich die Frage vorgelegt, 
obTein G hirn bei der Geburt durch den furchtbaren Druck der Zange 

tJZ. S — " GlrU-ien und an die wi.tige 
Frage der Wiedergeburt. 

Fr habe doch manchmal so sonderbare Ideen. E^ ^i^^« "''''^J- f 
„. lob! od: geelrhen sei, Manelm^al glaube er, er sehe Tote auf der 



! 



) : 



Fetischismus, 




Straße. Ja, er erinnere sich, einen wie furchtbaren Eindruck aiif ihn 
der Anblick eines Toten gemacht habe. Dem toten Briiderlein ivurdf 
auch das Gesieht verbunden und man verbinde Toten immer das Ge- 
sicht, um das Herunterfallen des Kiefers zu verhindern 

Er sucht also aul der Gasse seinen t o t e n B r u d e r. Er sucht 
Tote, die vom Grabe auferstanden sind. Wenn ihn seine Rachepliantaeien 
peinigten und er grausa^ne Todesarten erfand, an denen er seinen Bruder 
sterben lassen würde, so quälte ilm der Gedanke, daß der Tote wie ein 
Varapyr wieder kommen und sich rächen könne. Und ein abergläubisches 
Kindermädchen wußte eine Menge solcher Schauergesclüchten und sie 
prägten sich so tief in sein empfänglidies Herz ein' Er suchte 
einen solchen Wiedererstandenen. Er suchte das 
Wunder auf der Straße. Er suchte seinen toten 
Bruder, d.h. sich selbst, alles Schöne und Fromme 
;n ihm, das längst tot war. 

Aber die Krankheit war durch ein Junlctim mit seinem Schuld- 
bewußtsein verbunden, die sie schier unlöslich machte. Ich habe darauf 
anlmerksam gemacht, daß in kemem Falle von Zwangshandlung oder 
Zwangsvorstellungen die Todesklausel fehlt. Auch unser Fetischist hat 
semo Todesklausel und diese muß ich in Kürze mitteilen. Sem Vater 
hatte seine erste K rau verloren und hatte die Schwester der Verstorbenen 
geheiratet Der Knabe hatte wiederholt Gelegenlieit gehabt, manche 
Auseinandersetzung des Vaters mit dem Hausarzte zu hören. Seine 
Mutter war auch kränklich und schwächlich. Immer wieder mußto der 
Vater für ihr Leben zittern. Tud der Knabe hörte, wie der Vater sagte: 
■ .'".' ^. .'l' ^'" '^'^^ "i^^^^^- P>-au könnte ich 

,rH . ""v"] t7- ^"^ ''^''^' ™^^- ^"i" if^»-^^' Grabe eine Kugel 
durch den Kopf schießen . . ." Auch sein Bruder hörte diesen Ausspruch 
und es war einer der wenigen Momente brüderlicher Harmonie, an die 
er sich erinnern kam», daß er mit dem Bruder -über diesen Aussprach 
des Abends im finsteren Zimmer plauderte. Nun lag er viele Wochen 
seh aflos und dachte darüber nach. Er war schon 12 Jahre alt, als die 
Mutter wieder emmal erkrankte. Ihm fiel sofort der alte Ausspruch 
des Vaters em Damals hatte er mit einer Art Grauen darüber nach- 
gedacht, wie das wäre, wenn beide Eltern sterben würden. Er käme 
dami zum Großvater, m der Schule würde man ihn so bemitleiden, alle 
Leute in der Stadt würden ihn bedauern. ... Es regte sich etwas wie 
e,n Wunsch nach dem schrecklichen Erlebnis in seiner Seele. Nun 
kamen die furchterhchen Bilder wieder und er schwur sich, so lang« 
kern Weib anzurühren, so lange Gott die Eltern leben ließe. Er brachte 
seine Sexualität Gott als Opfer dar, wofür er das Leben der Eltern 
verlangte. Und er glaubt an dieses Junktim. Er, der aufgeklärte Frei- 



Kasuistik. 



^97 



seist gesteht mir, daß er die „Perversion", wie er seinen Zustand nennU 
nicht aufgeben kann, weil er der Ansicht ist, dann würde sofort der 
Vater oder die Mutter sterben. . . . Mit diesem Junktim hat er sich 
den Wes zur GesundlieJt verschlossen. Es ist das jener Zustand, den 
ich auch das Vexierschloß der Parapathio genannt habe. Stirbt sein 
Vater so kommt ein neues Gelübde und das Weib ist dann mit so viel 
Zäunen von Stacheldraht des Gewissens umgeben, daß es nicht .möglidi 
ist, diese Hindernisse zu überwinden. 

Solche Gelübde spielen m allen Zwangshandlungen eine groß« 
Rolle Die Analyse bringt sie selten zutage. Die Zwangsneurotiker sind 
in dieser Hinsicht genial. Sie bringen es zuwege, ein Jahr mit einem 
Arzte zu reden und ilim die wichtigsten Dinge zu verschweigen. So 
erzählte der Fall von Abraham ihm eine verwirrende Fülle von ex- 
krementellon Details, als er merkte, daß der Arzt sich für seine kopro- 
philen Tendenzen interessierte. Ja, die Patienten gehen so weit, Mate- 
rial zu erlinden, um das zu verschweigen, was den Kern der larapathic 
ausmaclit: das religiöse Problem. Und das möchte ich ietzt an unserem 
Falle besprechen. 

Ich betonte t;chon seine prononzierto antiklerikale Stellung. Kr 
h.tte ein klerikales Gymnasium besucht, an dem er von kathohschen 
Priestern unterrichtet wurde. Bis zu seinem 14. Lebensjahre war er 
selir fromm. Er hatte sich vor seinen aggressiven Phantasien und ve.- 
breeherischen Neigungen zu Gott und in die Religion gefluchtet. Em n 
besonderen Eindruck hatte auf ihn im Gymnas.uni sein KoLgumBlehu. 
gemacht als er die Geschiclite der Heiligen und Wunder vortrug. Und 
Wu nsd ein solcher Heiliger zu werden und ein Wunder zu o^ebei. 
wurde übermächtig in ihm. Er konnte ^^^^^^ ^^J^ ^^f'^f^l 
Gebete vor einem Heiligenbilde knien, um ein Wunder und um 1.1 
fö ung von dl Sünden bitten. Da sich in der Pubertät surm.scb sein 
■ir?e' e er von Kollegen hörte, sie hätten schon em Weib besessen 
IJlut re le,^ u ^. j^ ß betriebene Onanie, von deren 

■In der vierten Gymnasialklasse 1«™*^ "-^ «'" ^^^^^^^^^ ^^^ beimlirli 
einen äußerst aufgeklärten Vater ha te. ^ f ^ ^^'^^^„ton Er warf 
mit allerlei B^chej-n bekann^^^^^^^^^^^ ^^.^,,,„ ,,, 

den ganzen ^^^^g^^^J^jf ^^^^^h Bald begann er Philosophen zu 



r? 



29K 



FctiEehismus. 



M 



!■ i1 









gelesen und erklärt wuiden. Und so kam er in die Stellung eines leidon- 
scbaftliclien Antiklerikalen. 

Aber iede Leidenschaft ist verdächtig. Solche Wandlungen sind 
als Befrei ungs versuche von der — übermächtigen Autorität Gottes auf- 
zufassen. Das Individuum revoltiert gegen die Alleinherrschaft und All- 
gewalt Gottes. Es macht einen heroischen Versuch, das Schuldbewußt- 
sein abzuGchüttehi und sich frei zu machen. Eigentlich ist der Kampf 
ein Kampf gegen ieden Zwang. Jeder Parapathiker kämpft gegen alle 
Autorität und ist auf dem halben Wege zum psychischen Anarchismus. 

Doch die Analyse ergab, daß diese Freigeisterei nur eine schein- 
bare war. Er zeigt eine Reihe von Zügen, die deutlich seine versteckte 
Religiosität beweisen, wie ich sie in meinem Aufsatze „Masken der 
Religiosität" 1) nachgewiesen habe. Er trug bis vor kurzer Zeit noch 
das, Ökapuher, das er als Schüler als Schutz gegen den Bösen getragen 
hatte. El- hatte noch immer sein Gehetbueli und seinen Katechismus 
aufbewahrt und kramte wiedoriiolt wie zufällig in seinen Büchern, um 
sie in die Hand zu nehmen und „aus Kuriosität" diese „Durainlieiten", 
wie er geringschätzig sagte, zu lesen. Auch er war ein Frömmler in 
der Maske eines Freigeistee, auch er hoffte durch die Askese den Rang 
eines Heiligen zu erobern. 

Er hatte sieh eine sonderbare Art zu beten zurechtgelegt. Des 
Morgens im Halbschluminer und des Abende ebenfalls in einer Art Halb- 
narkose sagte er eich Gebete vor, von denen sein Bewußtsein dann gar 
nidiLs mehr wußte. Seine Wege gingen immer an Kirchen vorbei und 
e.> ei-laubte sich manchmal, wenn er müde war, in eine Kirclie hinein- 
zugehen. Deshalb hatte er in meiner Behandlung seinen ersten Wog 
immer wieder und immer wieder so gern gemacht, weil er zur Stefans- 
kircho führte. Er wollte den ersten Weg, den Weg des kindliclien 
Glaubens gehen, der zu Gott führte. Besonders hatten auf ihn in der 
Kindheit die Geschichten von den Martern gewirkt, denen Heilige aus- 
gesetzt waren. Er hatte sich selbst eine Reihe von solchen Hartem 
auferlogt. Er konnte sich plötzlich mit einer Zigarette die Hand an- 
brennen, ohne eine Miene zu verziehen. Er schlug sich mit einem Hammer 
gegen die Zähne und war wütend, daß er niemals an Zahnschmerzen 
litt. Lr wäre glücklich gewesen, wenn er eich einmal im Ertragen von" 
Schmerzen hätte üben kömien. Er fragte seine Objekte auch immer 
genau über ihre Sdnnerzen aus und wie sie die Schmerzen ertragen 
wurden. Er konnte sich mit einem Stocke schlagen, legte sich auf dm 
harten Fußboden schlafen. 

Sein größtes Interesse aber galt Christus. Diese Figur be- 
schaftigte li m immer und er sagte: „Ich bewundere Christus als Mensch 

'1 Maskm d.'r Religiosität, Z™tra!bl. f. Psychoanalyse. III. Bd. 



M 



]i^ 



Kiiauiütik- 



'i99 



und nicht als Gott. Er war der größte Mensch, der je gelebt hat." 
Dabei brach aber sein Neid gegen den McnBchensohn, der es zum Gotte 
gebracht hatte, immer wieder darch. 

In der Analyse kam auch eeine innere Frömmigkeit immer mehr 
zum Vorschein, wie wenn bei der Restaurierung eines alten Bildes die 
übermalung weggebracht und das alle Heiligenbild zum Vorschein 
kommt. Diu wichtigste Lösung aber brachte die Frage des Wunders. 
Was ihn in der Zeit der beginnenden Zweifel am meisten beschäftigte, 
war eben die Frage des Wunders. Er erwartete von Gott ein Wunde r, 
um seinen Glauben neu zu stärken. Der Religionslehrer hatte ihnen 
erklärt daß die Zeit der Wunder nicht zu Ende war. \A'under waren 
noch vor kurzer Zeit vorgekommen und er liatte ihnen sogar aus einem 
dicken Buche die Wunder von Lourdes vorgelesen. Warum sollte er 
nidit das Wunder erleben können? 

Es kam zutage, daß er noch immer das Wunder 
erwartete. Ch r i s tus w andelt unter den Menschen. 
Er wird Christus sehen. Der Mann mit d e r g e- 
schwoUenen Backe erwies sich aU eine Ent- 
stellung dos leidenden Gottes mit der Dornen- 
krone. Diesen hoffte er unter den Leidenden z„ 
finden Er war auf der Suche nach Christus. Und er 
stellte sich dann beim Onanieren vor, daß er Christus wäre er h „ 
dann am Kreuze die Schmerzen des Erlösoi-s und konnte daduich die 
höchste Libido erzeugen. 

Die Analyse ergab neben dieser anagogischen Tendenz en.e zwei e: 
die satanische Er Zeigte Inzestphantasien hetero- und homosexueller 
tt und üb^u.s die Scste eines psycho sexuellen Infantilismus. Eine 

71, seinem Vater: Haß und Liebe. 

rmöchte noch einen Traum dieses Patienten anfuhren, der d,e 
geheimen Motive des Fetischismus aufdeckt: 

„,H .,.■ ™t ."-- -- -- n„°r ™s= "SS 

Kirche. AI. wir hn y"f"'""f, ,f'", ^^^ p, ft ug, die .^ aucli ablegte, 
meine Mutter eine sonderbare Sc uu au. icU g, _ ^^^^^.^^^^^ u,„ 

Ich fragt«: Zu was dieut ^lese ^^ J^^^ ,^.,,, ;,, ,, ,ie„ Spiegel 
Vcrküiilungen zu verhüten ^»Jh n ^^^.^^^ ^^^.j^^, ^^.^^^^^ g^^^,„g 

■ und sah, daß ich ""'■^f>^'"*' "?;''!'',. la^niiß mich rasieren lassen und 
und die Schuhe sc mmtzig. Ich sagto. 1 ^^^^^^^_ .^^ ^^ ,,^^i, j,.« 

meine Ivleider putzen, sah aut aie ui.. 



300 t'etitichismus. 



zum Essen Zeit dazu. Ich eioK mit mr>inon i.-)t, e ^ .. 

dem Palai. auf die Straße IrLraJ ich e^lfü - ""' ^r 

Bürste, konnte aber keL finden bis ^rnnr". ^"^'^*^ "^^^^ einer 
reichte. Ich .prach mit .nei^;: j";ud äZZ^a T" f"',"- ^''" 
ui Folge der Protektion des mit „n« hl '. rf'' ^^''»'"■^'^i'^^nl"^" 
Bischof geladen wurde. Wir keh" «n nun in p" '" ^""^'^'^'™ ^' ^"^ 
sofort in den Spei.o.aal, .vo das Diner ^l,.?, ''''' ^"''^'^ "'"' ^^"8^" 
vom Sitzo auf und ging ia SnomT-p n '^^"''- ^'' Bi^i^-hof stand 
wo er mit einer düni t we.biiZ SLZ ^""l '""' "*^^"*^^ F^»^^^'' 
tärischo Komn.ndo.orte Mnat He\ ' ^^ wl^kt^a^^^^^ °^^'" 

Mürnento hofromdend. Dann dachtP i^, >, T ^"^ "^^*^'' ™ ^'"ö^" 
Recht, die bei einem Gottidioltt t'' '^'' ^'"'^'^^ '"ätte das 

kommandieren." ^otte=d,enet erschienene Ehrenkompanie /.. 

auf 'nl^TSCtSralirr'^^^ ""^"'--"' ^"^ ^^'^ "^ 
d. Analogie mH de.u Trll: des In-I^ "r'" ""' '^^""'^^'^ ^^'^" 
nisvolle Stolle i.t der Pelz, den die Mutter S^'^T?'" ""'' ^''^''"^" 
eino erotische Färbung unterlegen 'könne TM Tr ./"" ™^" ^^ ^'^'^'' 
das Symbol seiner Parapathie n st T ":. ^ ^^''^^^' '^^ ^^^' ^i.r 
ziinmor abgelegt werden soll Das hei U '"/''''' ^^' '"^ ^°'- 

ablegen. Ihm schwebt da. Bild vor En wL ^''"''^^ ''''' ^^'^ 
deutet lachend: Ich bin gerade das Y.X^ , V"^ Schafspelz und er 
Das ist in der Tat das Ltse ^Lr Pat tth "rT ^" '^^^^'^^^^^•■ 
dieser Traum sein Schuldbewußtsein aus' p''^" > "'' ^'"^ ^'''"^' 
rasiert, er muß sich den Erdenstaub abh f ^^™^"tzig, or ist nicht 
geilen die glücklichen weißen Lämmer und weißen . V.^^^'^''"^ '^''''" 
und er hat kaum Zeit, die nötige Umwon^ '''^^' ^"' ^""^ ^""^^ 

vorzunehmen. Das E^sen. zu £m er ein^r, ""' ^^°'''' ^" ^^ ^chaf 
Abendmahl. ■ *' eingeladen wurde, ist das heilige 

Wieder stoßen wir in diesem religiösen "iv ' . 
emer militärischen Organisation: Ecclesia m,l! , w ' ^"^ '^''^ ^^'^ 
des Herrn Kappa der Oberst, ^otZ^'l^'^^ ^;^^^ 
ganze Kompanie ... "'^"^ ^^r Bischof die 

Genug von dieser Analyse. Ich will in ;. ^- 
Traumanalysen bringen, sondern nur zeieen 1^ iT' ^'^"'^ ^^"'^ 
denken dieser Kranken in ihren Träumen ve^h^f l ^''*''""''" ^'"■ 
_ ^ernuiit und unverhüllt zeigen. 

'J Vorgleiclm moimn Aufsatz: Die DarstellunK drr «. 
f. I'B.vdioanaljsp. IJI.Bd. ^ '^' ^^"''^^' "" Traume. Zentralbl. 



Kasuisiik. ,,., , 

Das Bild vom Schafe im Wolfspelz ist das beste Charakteristikum dieser 
Fälle von Fetischismus. 

Wir sehen aber, wie kompliziert diese Fälle von FetischismuB 
gestaltet sind und wie schwer es iet, ihnen mit den bisherigen Erklärunss- 
methoden gereclit zu werden. Wir können aber aus den hier vor- 
geftUirten Fällen einige Schlußfolgerungen ziehen. 

Der Fetischismus ist eine Ersatzreligion. 
I^r bietet seinem Träger in Form einer Paraphilie 
eine neue Religion, in der er seinem Bedürfnis 
nach (Hauben gerecht werden kann. Der F&ti- 
schismuB ist demnach keine Paraphilie, er ist nur 
die Karikatur, die Fiktion einer Paraphilie. Er 
entspringt aus einem Kompromisse zwischen 
einer über mächtigen Sexualität und einer starken 
Frömmigkeit. Er g e \\' ä h r 1 e i s t e t seinem Träger die 
Möglichkeit einer mehr oder minder vollkommenen 
Askese. Unter deiTi liilde dos Satanismus und der 
Libortinage verbirgt sicli eine Frömmigkeit, deren 
Ziele weit ii b (m- diese Welt h i n u u s g e h e n. Der Feti- 
schist ist im offenen Kampfe mit jeder Autorität, 
besonders aber mit Gott, dem er sieh im geheimen 
unterwirft und dem er durch besondere Ent- 
behrungen zu dienen glaubt. 

Meine Fälle zeigen das deutliche Bild der Christusnouroso. Weitere 
Untersuchungen müssen erst erweisen, ob es sich um ein allgemein 
gültiges Gesetz handelt. Für alle Entbehrungen im irdischen Leben 
erwartet der Fetischist eine Kompensation in der anderen AVclt. Er 
ist nicht die Folge einer dcgenerativeu Anlage, sondern als Versuch 
eines starken Triebmenedien aufzufassen, von seiner sexuellen Leit- 
linie abzubiegen. Der scheinbare primäre fetischistische Trieb erweist 
sich als sekundäre Bearbeitung und Vergewaltigung des primüren 
normalen Gesclüechtstriebes. 

Zu betonen ist das Bestreben der Fetischieten, die Paniimthie 
unlösbar zu machen. Dies geschieht mitunter durch ein geheimes 
Junktim welches das Loben teuerer Familienmitglieder von dem Fort- 
bestand 'des Leidens abhängig macht. Für das Brechen des heimlichen 
Eides droht als Strafe der Tod und die ewige Verdammnis. Dieses 
Junktim kam zustande, weil der Kranke in seiner Kindheit aus Gründen 
der Rivalität gerade dem Menschen den Tod wünschte, den er jetzt zur 
. Wahrung seiner Askese in die Todcsklausel einbezieht. Hier, ergeben 
sich Beziehungen zu Inzestphantasien, die mir in keinem Falle zu' fehlen 




>^S4 



m^ 






302 



Fetischismus. ~ Kasuistik. 



schüinen. Der Fetiechismus iet eine Kinderreligion, er if5t aber auch 
ein hartnäckiges Festhalten an den infantilen sexuellen Idealen i) 

Die Therapie muß mit diesen Tatsachen rechnen Die Analyse 
hat dio gclicime Frömmigkeit und die religiöse Tendenz der Parapathie 
aufzudecken den Kranken mit der Realität auszugöhnen und seine 
Ziele vom Himmlischen ins Irdische zu verlegen. D.e Ausgänge sind 
dann entweder offene römmigkeit oder vollkommener, nicht getrübter 
Atheismus. Der Kranke muß sich für vollkommene Frömmigkeit oder 
wirkhche mncro Ircheit entscheiden. Als einzige mögliche sexuelle 
Befriedung erscheint in den meisten Fällen das Eingehen einer Ehe. 

') Es ist kein \V idersprucli. wenn ich vorliiü den FctiPchifimi.« ^T 7 
unä iot.t als Religion au/faßt., d.nn di. Zwangsneurose iTtHelbt ^,7^"""" 
(\r\. Freud. Imago, 1. S.m-. „Die Hv.torio ,^i oin 7,.rllu i ^'^'^""^ 

ein. Zwan..K.u.se ein. Heli^ion. ^n ,..:.Z:r ^VZ^'"''''''^? 
6o,,]n.du.n 8j.stcn.."} E. i«t a.eb nchtig. daß sowohl beide 7want ' t 

d.r ].eli,ioa der Kernpunkt im Verhältnis z.m ^M.rlZZTTTT/' 
diizelnon ZwangHneLirose und beim ciiiK.lnen Fall ^■r,n V r .. ''™. '"■ ■^''^'' ^^^ d9r 

ni,.„t .,„ d,. K„„, „„„.„ „„ u.. „r Z;;™rK™' '"*" - •«i' *° 



1 



XI i. 
Analyse eines Falles von Schürzenfetischismus. 

Fall Nr. 55. 

Allml G., Olli ;iOiiihi-igor Beamter, will von seiner unglückseligen 
Leitlonsdiatt i'iir 8diiirzon und von seinen quälenden Angstzuständen 
befreit werden. Er komito bis vor einigen Jalireu eeino Frau mir be- 
gatten, wenn sie eine fcuclite, womöglich sciunutzigc SchürzD anhatte. 
In der letzten Zeit merkt er, daß er das ecxuelle Interesse für die Frau 
immer luelu' verliert und sich wieder ecinor Schürzennpignng nähert, die 
in der Jugend sein großtoe „Ideal" war. Mit 14 Jahren hatte er eine 
Anzalil Schürzen gestohlen, darmiter war auch eine seiner Mutter, die 
lir teile im Keller, teils am Dachboden versteckt liielt. Er onanierte dann, 
wenn er sich die ächürze umgebunden hatte, manchmal manuell, manch- 
mal nur durch Bewegungen. Mit 28 Jahren heiratete er aus Liebe und 
komite in den ersten Monaten seiner Ehe den Koitus olme Schürze aus- 
führen, dann nur mit Hilfe einer Schürze. Seine Frau kennt seine 
„Marotte" und trägt immer Scliürzen im Hause. Er wird sehr ärgerlich, 
wenn sie die Schürze wechselt, weil er die Objekte reclit sclumitzig haben 
möchte, was natürlich auf die Dauer unmöglicli ist, da sich seine Frau 
vor den allzu schmutzigen Schürzen ekelt. 

Er ist körperlich bis auf leichte Degcncrationszeichen am Ohr und 
der Andeutung eines Spitzschädels normal, hat sich normal entwickelt, 
?.eigt Spuren von asthenischem Körperbau und bekleidet eine gute Stel- 
lung in einer größeren Firma, bei der er infolge seiner organisatorischen 
Talente und seiner mathematischen Fähigkeiten sehr geschätzt wird. 
Er beherrscht mehrere Sprachen, hat aber kein besonderes Interesse für. 
Wissenschaft und Kirnst. 

Er interessiert sich eigentlich nur für Schürzen, kann sie in den 
Auelagen stundenlang anschauen. Ein Mädchen mit einer schmutzigen 
Schürze regt ilm auf; er ist gczwimgen, ihr nachzulaufen. In früheren 
Jahren pÖegte er, angetan mit einer Schürze, vor dem Spiegel zu ona- 
nieren und sich vorzustellen, daß er das Mädchen sei, dem er nach- 
gelaufen ist. 

Dies das Ergebnis der ersten Sitzung. 



304 



Fetischismus. 



Schon in dor zweiten bringt er viele wichtige Änderungen soiiier 
erster. AngEibon. Über die Entstehung seiner Schurzenleidenschaft, die 
mit einem merkwürdigen Wasserspiel kombiniert ist, erzählt er folgende 
interessante Details: 

„Ich liihre meine Krankheit auf ein Jugenderiebnis zurück. Als 
Junge von iÜ Jahren^) ging ich mit mehreren Kameraden in dem Hoch- 
wasserbett der Isar fischen. Dabei mußten wir die Hosen aufstülpen, 
um nicht naß zu werden. Einmal geriet ich nun in ein tieferes 
Loch und wurde bis zum Bauche naß. Wie das Wasser 
meinen Bauch bespülte, hatte ich ein außerordentlich wohliges Gefühl, 
das ich mir damals noch nicht erklären konnte. In der Folgezeit wollte 
ich dies süße Gefühl wieder erzwingen, ich suchte mir daher immer tiefere 
Stollen aus, um trotz aufgestülpter Hose wieder naß zu werden. Das 
ging natürlich nur im Sommer, den ich zu diesem Zwecke gehörig aus- 
nützte. Aber — o wehe! — der Herbst kam, es wurde kalt und ich durfte 
nicht mehr ins Wasser. Man hatte sich ohnedies gewundert, daß ich in 
deji Oktobertagen, wenn es kühl und regnerisch war, immer wieder fischen 
iring. Nun wurde es mir strenge verböten. Ich wollte aber um jeden Preis 
wieder das Wohlgcfühl genießen. Ich verfiel auf den Gedanken ein 
größeres Schaff auf den Speicher zu tragen und mit Wasser zu fiillen. 
xVber meine Kleider durfte ich um keinen Preis naß machen. Da hätte 
ja man meine Spielereien, deren Charakter mir bewußt war. entdeckt' 
Ich entkleidete mich und suchte andere Kleidungsstücke auf dem Speicher 
und fand welche: einen alten Rock der Mutter, einige Fetzen, vielleicht 
waren "Überbleibsel einer alten Schürze darunter, ferner einen groben 
Sack. Ich band diese Stücke fest um meinen Leib, so daß ich enge ein 
geschnürt war, und setzte mich in das Schaff, in dem gewöhnlich nur der 
mittlere Teil meines Körpers Platz hatte. Ich hatte eine heftige fast 
schmerzhafte Erektion, wenn das Wasser durch die Stoffe drang und 
mein (llied naß wurde. Ich schaukelte hin und her, so daß das Wasser 
auch durch gewisse Stellen durchrinnen oder, besser ausgedrückt durch- 
sickern konnte. Nach einiger Zeit des Bespülens der Genitalien empfand 
ich die höchste Wollust. Bald darauf erfolgte eine Erschlaffung des 
Gliedes und des ganzen Körpers. (Damals hatte ich noch keine Samen- 
cntloerungcn.) 

Ich fühlte mich nach solchen Akten schuldbewußt. Ich wurde ängst- 
lich, echänite mich und hatte ein unerklärliches Gefühl der Reue als ob 
ich eine schlechto Handlung begangen hätte. 



') Man beachtr die WiderBprüche. Zuerst will er mit 14 Jahren begonnen 
haben. Viele Parapathiker zeigen difse TentJtnz zur hietorischen Fälechung ihrer 
Anamnese. 



! 



AnaJjsR eines Falles vou SchürzcnfetiBchismna. ■ ^q^ 

lull iieli ;il)(;i' niclit ab. Im Gegenteil! Ich erfand neue raffinierte 
^Steigerungen meiner Wolhiet. Ich band mir die Fetzen enger um den 
Leib und kraxelte mit den feuchten Lappen auf die Speicherbaiken oder 
rutschte auf dem Kellerboden hin und her. Mein Zweck war: mich 
schmutzig m maclien. Der auf den Balken oder auf dem Boden liegende 
Staub und Schmutz haftete den nassen Fetzen an, ich gab Wasser hinzu, 
bis mein Bauch recht schmutzig wurde. Diese Kletter- und Rutsch- 
partien erhöhten mein I>ustgefühl bis zur Ekstase. Am liebsten ver- 
wendete ich zu diesem Zwecke eine Schürze meiner Mutter oder einen 
alten Sack, der wie eine Schürze umgebunden wurde. 

Diese Art der Befriedigung dauerte bis zu meiner Heirat. Ich 
scljänie mich, es Ihnen zu gestehen, daß ich Sie m der ersten Sitzung be- 
trogen habe. Icii habe diese Art von Onanie nach der Verheiratung fort- 
gesetzt. Ich onanierte aber immer seltener, weil ich rastlos dagegen 
ankämpfte. Seit zwei Jahren onaniere ich überhauptr nicht mehr. Meine 
Frau mußte aber die Schürzen übernehmen. Sie mußte immer Schürzen 
anhaben. 

Ich wünschte, daß sie naß und schmutzig werden, dann konnte ich 
Orgasmus erzielen. Ein Koitus ohne die nasse (schmutzige) Schürze 
verlief ohne oder nui- Tiiit einem minimalen Orgasmus. Jet.zt hilft mir di? 
Schürze auch nicht mehr. Ich bin bei meiner Frau impotent 
und lobe seit zwei Jahren eigentlich das Leben 
eines Asketen. 

Mit dem Beginn der Onanie bin ich sehr menschenscheu geworden. 
Es fällt mir auch lioute sehr schwer, Freundschaften zu schließen, ja 
auch nur Bekanntschaften anzulniüpfen. Die Furchtsamkeit macht sich 
besonders benu-rkbar, wenn ich allein bin, sei es nun bei Tag oder bei 
Nacht. 

Im Walde erschreckt mich alles, wenn ich allein in einem Dickicht 
bin, wo ich keine freie Aussicht habe. Das Rascheln der Blätter, Ge- 
räusche von Tieren, Schritte hinter mir oder aus der Ferne, selbst das 
Fallen der Blätter, das Summen der Insekten und der Ruf der Vögel 
versetzen mich in Schrecken. Auch wenn ich mich in einem größeren 
Büro oder in meiner Wohnung allein befinde, habe ich keine Ruhe. Ich 
kann nicht allein sein! 

Bei Nacht steigern sich die Angstgefühle. Ein leises Geräusch 
macht mich orbeben, die Erregung wird so stark, daß mein Herz zu zer- 
springen droht, daß meine Glieder zittern, Ich habe Schüttelfrost, fülüe, 
daß ich in Ohnmacht fallen werde. 

Dabei fehlt mir der Mut, die natürliche Ursache der Geräusche zu 
erforschen. 

Siekel, StliruiiKon dti Tritli iinii Affaktlebens. VH. 20 



I 



r306 . u - Fetischismus. .: -. - 

! ■ -; Nebenbei will ich bemerken, daß ich schon mehrere Male in der Fat 

verfolgt wurde! Darüber ein anderes Mal! 

■ f I;(. Meine Ängstlichkeit äußert sich besonders beim Zusammentreffen 

i mit fremden Personen, mit Unbekannten, besonders, wenn sie gesell- 

i ■ schaftlich höher stehen als ich, oder wenn ich glaube, daß sie gebildeter 

j sind, daß ich micli blamieren werde, daß sie höhere Schulen besucht 

haben als ich, der icli bald nach den ersten Klassen der Mittelsdiule in 
eine Handelsschule kam. ■.• _; ^. 

Sehr oft bleiben mir bei solchen Gelegenheiten die Gedanken 
stecken oder sie verschwinden, sobald ich reden möchte. Dieses Abreißen 
dor Gedanken kommt aber auch oft im täglichen Leben vor und stört 
mich in meinem Berufe. Ich schreibe einen Brief. Plötzlich vergesse ich 
die Worte, die sich mir schon im Geiste geformt hatten, ich fange zu 
zittern an, die Feder verliert ihre Haltung, die Schrift wird unleserlich 
und kindlich, icli kann den Brief nicht absenden, ich muß ihn noch einmal 
schreiben, nachdem ich mir alle Gedanken zurecht gelegt habe. 

Ich bin auch ängstlich beim Betreten eines Gasthauses, wenn ich 
nicht gleich einen für mich günstigen Platz erwische, das heißt, einen 
freien Tisch. Ich würde mich nie zu fremden Leuten hinsetzen. Lieber 
.renne ich gleich wieder fort. Älmlich geht es mir im Eisenbahnwagen. 
Am liebsten steige ich in leere Kupees. Ebenso peinlich ist mir das Ein- 
kaufen, das Eintreten in fremde Geschäfte. Ich gehe oft zehnmal vorbei. 
,. _ ehe ich eintrete. Ich wiederhole das gleiche Spiel einige Male, immer mit 

dem gleiclicn Erfolge. Dabei habe ich etwas Wichtiges zu kaufen was 
ich notwendig brauche. Ich blicke immer in das Geschäft, ob viele Leute 
dort sind, ob ich allein sein werde, wie die Lage des Gescliäftes beim 
Eintritt ist, ob mich viele Leute anstarren werden usw. Besonders schwer 
fällt es mir, etwas zu verlangen, wenn andere Käufer anwesend sind 
und zuhören können. Ich werde verlegen, bekomme einen roten Kopf 
ich schwitze, meine Stimme zittert, ich stottere zuweilen, mein Herz 
klopft und ich fühle mich unbehaglich, ich möclite am liebsten hinaus- 
laufen. . ■ . 

„„ Ich trachte daher immer, nur mit e i n e r Person zu sprechen, und 
wenn es nicht möglich ist, lieber auf die Erfüllung meiner AVünsche zu 
verzichten. Nun kommt es vor, daß ich stundenlang herumlaufe von Ge- 
schäft zu Geschäft, immer hineinstarre, als ob ich etwas suchen würde 
mich überzeuge, ob Leute drinnen sind. Gestern wollte ich mir eine Zahn- 
bürste und Kalodont kaufen und rannte von einem Geschäft zum anderen, 
es dauerte zwei Stunden. Ich war schon ganz ermüdet und trat endlich 
:n einen Laden, wo nur eine Verkäuferin war. Da sah ich rückwärts den 
Eigentümer, ich wollte schon wieder hinauslaufen. Aber mit dem Mute 
der Verzweiflung brachte ich mein Ansinnen vor, kaufte die erste Bürste, 



i \ 

[ 



AoaljBe eines Falles von Seliürzeufotisehismiis. 3Q7 

die mir vorgelegt wurde, gab zitternd das Geld und eilte davon wie 
ein Verbrecher, der etwas Böses begangen hatte! 

Diese Eigenschaft, diese Angst vor Fremden hat mir schon viel 
Ungemach gebracht. Und täglich leide ich neue Qualen. Ich kann bei 
meinen Gesprächen, Handlungen niemanden um mich haben, außer schon 
sehr gute Bekannte, an die ich mich schon gewöhnt habe. Jeder neue 
Beamte, der ins Geschäft eintritt, ist für mich ein Gegenstand des 
Schreckens und der Fein. 

Ich wurde aus T. nach Wien versetzt, also in ein neues Büro. 
Wissen Sie, was das für Qualen für mich bedeutete? Ich habe es noch 
nicht zuwege gebracht, mich mit den hiesigen Kollegen in größere Ge- 
spräche einzulassen, ich spreche nur das Geschäftliche und nur das ab- 
solut Kotwendige, so daß ich den Ruf habe, ein ciugebildeter und un- 
zugänglicher Kollege zu sein. Und niemand wäre glücklicher als ich, wenn 
ieli mit den Kollegen so ungeniert verkehren könnte, wie die anderen 
normalen Menschen. Ich trachte mich zu überwinden imd meine Erregung 
zu verbergen. Ich habe bei allen neuen Bekanntschaften während dei' 
ersten Worte immer eine erregte, zitternde Stimmung, aber ich über- 
winde mich, eo daß ich jetzt in der letzten Zeit kaum etwas merken lasse.'" 

„Meine Hauptstörungen sind die schlaflosen Nächte. Ich huste, 
huste, huste die ganze Nacht, ohne etwas auswerfen zu können, höchstens' 
nach Stunden ein kleines bißchen Schleim, ich ringe nach Atem, ich 
wechsle die Lage, setze mich hoch und dann lagere ich mich wieder tief, 
rolle mich in die Decken ein wie ein Igel, um dann wieder alle Hüllen ab- 
zuwerfen; ich stöhne und puste — kurz es ist ein Jammer! 

Die ersten Störungen der Atmung bemerkte ich vor 6 Jahren ge- 
legentlich einer Urlaubsreise in Salzburg und ein paar Tage darauf in 
Traunstein. Sie äußerten sich folgendermaßen; 

Nach einem Schlafe von zirka 3 bis 4 Stunden erwachte ich aus 
einem Traume, an den ich mich nicht mehr erinnern konnte, mit einem 
Druck im Halse und einer Beklemmung auf der Brust, he Atmung gmg 
nicht mehr so frei von statten, ich konnte mich von den Gedanken an 
irgend welche harmlose Vorgänge des Vortages nicW: bere.ensie ver- 
folgten mich wie Zwangsgedanken. Ich ging zum Lenster, öffnete es 

und rang nach Atem. , t „ 

Das war der erste Anfall. Der zweite kam nach ein Pjar TV^^n 
mit den gleichen Erscheinungen zur gleichen Nacld^tande. Allmahhch 
steigerten sich die Anfälle, sie dauerten bis zu zwe, StA.nden, s,e dehnten 
sich den Tag hinein aus, bis schließlich im Mai dieses Jahres das Asthma 
durch 3 Wochen anhielt. Alle internen Mittel waren ohne Erfolg. An- 
fangs hatte ich nur einen trockenen Gaumen, später kam d^r Husten- 



■ ' I 



oQg Fetischismus. 

reiz dazu endlich wenn das Asthma länger aniitelt. kam audi '.'in 
sdileimig-eitriger Auswurf, von gezai:kten und gewellten, feinen Fäden 
durchzogen. Die Zwangsgedanken durchtobten dabei mein Hirn, icli 
schwitzte am ganzen Körper, die Hände wurden schwacli, es überkam 
mich dann zum Schlüsse eine grolie Müdigkeit, die Gedanken flössen 
träger ich war wie in einer Narkose. Die Anfälle zeigten immer den 
gleichen Beginn. Nach 2- bis Sstündigom Schlafe wachte ich mit den ge- 
schilderten Beschwerden auf, quälte mich bis zum Morgen, auf dem Wege 
ins Büro linderten «ich die Symptome und verschwanden daselbst im 
Verlaufe einer Stunde vollkommen. 

Ich war armer Leute Kind und hatte daher keine gute Erziehung 
genossen. Wahrend der Ferien mußte ich meinem Schwager, das 
heißt dem Schwager meiner Mutter') den Laufburschen abgeben. Er 
hatte meine Eltern dazu überredet, damit ich beschäftigt sei und etwas 
Geld verdienen konnte. Das kränkte mich außerordentlich, besonders 
wenn meine Mitscliüler mich mit den Waren durch die Stadt laufen sahen. 
Ich war ein guter Schüler und brachte gute Zeugnisse heim. Ich kam 
dann frühzeitig in die Handelsschule, die ich mangels an Mitteln ver- 
lassen mußte. Ich wurde Lehrling in einem Geschäfte, hatte bis V-.9 Uhr 
abends /.u tun, so daß mir keine Gelegenheit geboten war, mich fort- 
zubilden. 

Ich wurde nie sexuell aufgeklart. Mit 17 Jahren kam ich ins Aus- 
land, war selbständig und auf mich allein angewiesen. Mir fehlte ein 
Führer, ein Wegweiser in meinen Nöten. Ich kämpfte gegen meine 
Menschonsclieu und vcrsurhte alle möglichen Mittel. Mit 21 Jahren kam 
ich nach München zurück und trat in verschiedene Vereine ein, um micli 
zu zwingen, Bekanntschaften zu machen und meine Scheu abzulegen Icli 
war sogar Mitglied eines dramatischen Klubs, trat nach einem dramati- 
schen Untcrriclit in kleineren Rollen auf. Ich lernte schwimmen — natür- 
lich in einem Schwimmverein, ich kaufte mir Bücher, naschte von allen 
Wissenschaften. las natürlich viele populär-medizinische Werke die 
mich vollends zum Hypochonder machten. Aber meine Menschenscheu 
blieb bestehen. 

Es kostot mich eine große Überwindung, meine Briefe einem Fräu- 
lein in die Maschine zu diktieren. Ich schreibe sie oft allein mit der 
Feder. Mein Gedärhtnis läßt mich oft im Stich — zum Glück nicht in 
geschäftlichen Angelegenheiten. Aber Wiedergabe von Witzen, Erzäh- 
lungen, Liedern, Versen ist mir unmöglich." 



Rr neaDt (kn Mann seiner Tante immir ..Sthwager". 



Analyse i'ines I'alles von SchürzpnfptiKchismiis. 303 

Mich interessierten in diesem Bericlite vor allem die Anfälle von 
Asthma. Patient wird aufguf ordert, zu erzählen, an welche „Kleinig- 
keiten" er zwangsmäliig beim ersten Anfalle gedaclit hat. 

Er kann sich der Details niclit erinnern. Er glaubt, es wäre ein 
Gespräch mit seiner Frau gewesen. Er bringt einen Tramn, den ersten 
Traum in der Analyse, der gewiß von grolkr Bedeutung ist. Der Traum 
lautet : 

Ich war im Tlieater und wollte dem Spiele von der Büline aus 
zusehen, weshalb ich mich auf die Bühne schlich und hinter einer 
, Kulisse einen versteckten Platz einnahm. 

Eine Sängerin war gerade im liöchsten Spieleifer, als sie 
während ihres Spiels weiter zurück auf die Bühne kam, mich hinter 
der Kulisee entdeckte. Sie mußte hierüber furchtbar erschrocken 
sein, denn ee schien, als ob sie im ersten Momente ihre Stimme ver- 
loren hätte, konnte sich aber rasch fassen und weiterspielen. Mit 
dem wahren, von tiefer Auffassung zeugenden Spiele aber war ob 
vorüber. 

Als ich dies merkte, machte icli mich auf, wollte die Bülme ver- 
lassen, es kam mir aber schon ein Bülinenpolizeimann mit enian 
Gewehre auf dem Rücken entgegen, um mich zu fassen. Ich ent- 
schuldigte mich sofort mit den Worten: „Verzeihen Sie, ich habe - 
glaube ich — eine große Dummheit begangen, aber ich hatte so 
großes Verlangen, einmal hinter die Kulissen zu kommen." 

Der Polizeimann zeigte mir hierauf Handschellen mit der Be- 
merkung, er hätte Auftrag, mich gefesselt abzuführen, doch scheint 
ein Mißverständnis vom Präsidenten vorzuliegen. Er ließ mich un- 
gefesselt. Nunmehr weiß ich, daß icli in einen Garderobcraimi ge- 
kommen bin. Ob ich durch ein Trinkgeld ganz frei gelassen wurde 
und ungehindert das Theater verlassen koimte, ist nur verschwom- 
men noch in Erinnerung. 

Der Traum ist in jeder Hinsiclit sehr interessant. Betrachten wir 
erst seine Einstelhmg zur Analyse. Er ist die Sängerin und hat die Auf- 
gabe, sich zu beobachten. Aber er wird ergriffen, gefesselt und entkon.mt 
schließlich. Das zeigt den bekannten Fhichtreflex aller Petiseh.sten die 
vor der V^ahrhcit fliehen und nichts sprechen wollen, was das Wesen 
ihrer Fiktion vorraten köimte. Die Sängerin verliert in dem Momente, 
wo sie sich beobachtet fühlt, die Stimme und mit dem wahren Spiel ist 
es vorbei Wir müssen uns daher auf einen harten Kampf mit dem 
Kranken gefaßt machen. Schon bei der Besprechung der Zwangsgedanken 
(Ursaclie des Asthmas) versagte sein Gedäclitnis, er konnte sich an kern 
. bestimmtes, determinierendes Detail erinnern. 



310 



FetiKcliiamus. 



: I 



'■■ Noch interessanter sind dio Beziehungen zum Fetischiemüsund zu 
seiner Parapatliie. Fetischisten haben sehr oft Schauspielerträume. 
(Auch Bt'ta debütierte mit einem solchen Traume.) Und zwar sind oft 
die ersten Träume bozeiclmendcrweise Theaterträume. Damit drücken sie 
die aehauspielerieche Natur ihrer Parapathie aus.') Er spielt eine be- 
stimmte Rolle und beobachtet sich selbst dabei. Doch er sieht ein, daß 
er eine große Dummheit begangen hat. Er liat eich aber selbst gefesselt, 
Sein moralisches Ich legt ihm Handschellen an. Wir sehen hier wieder 
den Zwang des Fetischismus, den wir in jedem Falle feststellen konnten. 

Die infantile Wurzel dieses Traumes ist unbedingt die wichtigste. 
Wir erkennen, daß er etwas in seiner Kindheit belauscht hat, was er nicht 
hätte belauschen sollen, wofür er vom Vater (dem Präsidenten) erapfind- 
licli bestraft wurde. Um ihn nicht auf eine falsche Fährte zu bringen, 
fragen wir, wer ihm zu der Sängerin des Traumes einfällt. •■ ■"" 
! Er sagt sofort: „Es war Fräulein R., die in raemem Leben eine 
große Rolle gespielt hat." ■ ....;;, ^ ' '.- j 

Nun soll er seine weiteren Einfälle Bagen und die Rolle des Fräu- 
leins R. feststellen. Er produziert einen Hustenanfall, kann nicht reden, 
wie die Sängerin des Traumes, die Zeit läuft ab. 



Am nächsten Tage bringt er seine Einfälle aufgeschrieben. Ich gebe 
sie mit seinen Worten wieder: . _., 

„Die Sängerin des Traumes erinnert mich an die kleine Hedwig R- 
in München. Ich wurde in das Haus ihrer Eltern durch meinen leider ni- 
zwiechon gefallenen Freund Otto eingefülirt. Er war mit der älteren 
Schwester verlobt und wollte mich als Schwager haben, um unsere 
Freundschaft enger zu knüpfen. Seine Braut hätte ich gleich genommen, 
aber gegen die kleine Hedwig hatte ich meine Bedenken. Sie war flatter- 
haft, kokett und liebte die Abwechslung. Sie hatte auch einen kleinen 
Schönheitsfehler — eine leicht gerötete Nasenspitze. Trotzdem hätte 
ich sie Otto zu Liebe geheiratet, um immer mit ihm durch enge Bande 
vereint zu 6ein.=) Aber sie schwärmte damals für einen bekannten Schau- 
spieler, Lothar M., sandte ihm unzählige Liebesbriefe, Ansichtskarten 
Blumen usw. Ihr Werben war - wie ich hörte - ganz erfolglos Sie 
sprach immer über Lothar zu mir, was mich natürlich kränkte, und mich 
in dio zweite Reihe stellte. Ich wollte der Erste bei ihr sein und fühlte 
mich gedomütigt und zurückgesetzt. Ich wünschte dem Schauspieler alle 



") Vgl.mcinrn Aufsatz: Der Neoroüker al« Schauapiclcr. Zbl f Psv,.l,oanülvse 
Bd.l, 1911, Verlag I. F. Bcrgniimn. Wiesbaden. '■ '■ f»)'-üoaü^ljse, 

') Wir werden apäUr ein ander« Motiv g^hen - 

Schwager eoin. 



Er wollt« auch ein 



AnalysB eines Falles von Schürze iitetiediismus. 3j^j^-. 

böson Unfälle und CrGuie mich, wenn ich eine schlechte Kritik über 
ilin las. - "■ ' 

- ■ Auch fürchtete icli ihvo Leidenschaft. Ich hatte bisher noch nie bei 
Frauen einen ordentlichen Erfolg gehabt. Meine Onanie mit den Schurzen 
ging mir über alles. Werde ich ihr genügen? Sic schien mir überaus tcui- 
peramentvoll. Dabei zogen mich ihr munteres Wesen, dir scharfer \ er- 
stand und ihr Mutterwitz an. Ich langweilte mich nie in ihrer Gesell- 
schaft. Dann versuchte ich wieder, sie zu entwerten. Ich fand Fehler, bie 
sei zu anmaßend, sie werde zu große Ansprüclie stsllen, sie werde keine 
gute Hausfrau sein. , 

. , So sehwankte ich hin und her, bis ein unerwartetes Ereignis mich 
eines Tages fast aus dem Gleichgewichte gebracht hätte. Wir hatten 
immer unsere kleinen erotischen ^'ergnügungen. Unter dem Tische traten 
sich unsere Püßc, wir saßen immer enge bei einander. Trotzdem hatte 
ich nie eine Erektion. Frauen ohne Schürze reizten mich 
ja niehtmehr. 

Da waren wir eines Tagee im Familienbad. Wir hatten benachbarte 
Kabinen und ich bemühte mich, durch eine Ritze ihr Auskleiden zu ver- 
folgen. Es gelang mir auch; ich sah, daß sie ehien kleinen, sehr schoueu 
Busen hatte und wurde etwas erregt. (Erster Beitrag zum Verstandms 
dee Traumes. Er hat etwas Verbotenes gesehen, die Sängerin Hedwig. 
. Oberste Traumschichte.) Hedwig sang beim Entkleiden ein lustiges Lied 
vor sich hin. Sie hatte eine schöne Stimme und icii hörte ihr gerne zu. 
Die Melodie hatte etwas aufreizendes, was mich an einen Geschlechts- 
verkehr mahnte. Dann hetzten wir und jagten wir herum. So lange sie 
trocken war, ließ sie mich eigentlich kalt. Ich tat alles mehr aus einem 
knabenliaften Gefühl des Übermutes als aus einem heißen Verlangen 
heraus. Dami gingen wir ins Wasser. Im Wasser stieg mein Begehren. 
Ich hatte heftige, schmerzhafte Erektionen, wenn ihr nasser Leib sich an 
meinen schmiegte. Schon verlor ich die Besinnung, Wir gingen seitwärts 
und ich wollte sie besitzen - was natürlich mich für ewig an sie ge- 
bunden hätte - da war die Erregung so stark, daß ich mich nicht mehr 
beherrschen konnte; ich hatte eine Pollution und die Gefahr war vor- 
über. Der Eindruck des nassen Leibes war so überwältigend, daß ich ihn 
nie im Leben vergessen werde. Am Lande war ich auch erregt, wed sich 
die nassen Kleider gleich einer nassen Schürze um ihren Bauch 
schmiegten. Nachher vermied ich es, mit ihr wieder ms Bad ^^ f^-^- }'^^ 
wußte, daß sie mir im Wasser gefährlich war. Ich verlor sie bald ausdem 
Auge, denn ich mußte München verlassen, und hörte auch von meinen, 
Freunde nur sehr selten." 



/ jfc^ 



3J2 - - Fetischismus. 

Analysieren wir seine Erzählung, so merkeTi wir, daU er unter 
einem homosexuellen Antrieb (Liebe und Freund) versuchte, Hedwig 
näher zu kommen. Allein seine Angst vor dem Weibe trieb ilin dazu, sie 
zu entwerten und allerlei Fehler zu finden. Er fülilte sich gedemütigt, 
weil sie ihm einen Schauspieler vorzog; er fand sie flatterhaft. Dann aber 
vollzog er die „Flucht vor dem Weibe". Er fühlte sich glücklich, daß er 
der Gefahr entronnen war. Ja noch mehr. Er hatte eine Stellung aulser- 
iialb Münchens angenommen, um dem Mädchen zu entHiehen. 

Er meint, er liätte fast eine große Dummheit gemacht. (Nun ver- 
stehen wir die große Dummlieit des Traumes.) Nur unter dem Eindrucke 
ihres nassen Körpers konnten die Hemmungen überwunden werden. Aber 
eine Ejaculatio praecox wirkte als Schutzfunktior,.') Wir werden bald 
sehen, daß noch andere Fluchtinotive vorhanden waren. 

Ich betone ihm, daß noch ein älterer infantiler Eindruck im Mate- 
riale des Traumes verarbeitet sein müsse. 

„Haben Sie schon vorher darnach getrachtet, eine Frau navkt zu 
sehen?" 

Nach einer Pause sagt er: 

„Ich weiß daß ich mich bemüiU habe, die Mutter nackt zu seilen'. 
Ich raochte 10 Jahre alt gewesen sein, da hörte ich, wie sie sich wusc).. 

w If , w' '" 'i V ^" '^' ^™'" ^'^ ^t^'""i "ackt vor dem 
Waechtiedi. Wie sie mich sah, nahm sie eine alte Schürze und 
d e c k t e s i c h v r n e z u. Sie wurde rot im Geeicht und schrie- Mach' 
daß du hmaus kommst! Du Lausbub! Habe ich dir nicht verboten ein^ 
zutreten wenn du nicht vorher klopfst?' Später bekam ich von ih; und 

vom Schwager tiichtige Haue und wurde, weil ifh t^>,.h 
N. , ir i n- , . ^" irecn War, m eine 

fmslere Kammer gesperrt. Einmal blickte ich durch das Schlüsselloch 
Dann lauschte ich hinter der Türe. Mein Schwager kam herein und ich 
wurde als ,Spion von der Mutter verprügelt.'' 

Somit hätten wir ein Erlebnis, das die Schür zenmanie erklären 
könnte. Aber, wie w>r später sehen werden, hat sich sein Fetischismus 
aus vielen Komponenten aufgebaut. Jedenfalls hat das erwähntP Fr Zi 
dazu beigetragen, die Schürzenmanie zu fixieren Wir J^neonis 

die Sängerin des Traumes die Mutter, der Theaterpoiizisrd^" V.' 1 
den Schwager (Verdichtung) symbolisieren. Inzwischen geS I^ rEn 
fälle in eine andere Richtung. 

„Es fällt mir auf, daß ich dem Polizisten ein TrinL- i^ 
habe. Diese Stelle des Traumes muß einen Sinn haben ]b\^l" 

pathologisches Verhältnis zum Trinkgeld. Ich fürrtif« -,^ ^'" 

1 LI, j 1,-- -11 "ii-iiue immer, zu wenig 

gegeben zu haben und schäme mich dann vor den Kellnern TJ !■■ 

ich mit mei ner Frau 14 Tage in einem Hotel. Ich zerbrach mir den Kopf' 

'] Vgl.Baüd IV das KapiU-J über ..Ejaiiulatio praecox". 



Aualyse eines Falles v.mi SchilrzeufetiscIiiBmus. 315 

Wie Viel .nan geben BoUte. Ich half mir schließlich aus dem Ditoia, ' 
indem ich meine Frau die Trinkgelder geben ließ. Aber ich ließ micli 
nicht mehr im Hotel blicken, weil ich die enttäuschten und unzufriedenen 
Geeichter der Kellner und Stubenmädchen nicht sehen wollte 

Auch Armen weiß ich nicht, ^vie viel zu geben, und sclrame mich 
oft vor ihnen. In Tr.est gab os im Beginne des Kriogos ,roPe Not. man 
^vurde sehr häufig um Unterstützung gebeten, selbst ^on besser ge- 
kleideten Menschen. Das sind für mich äußerst schmerzliche Empfm^ 
düngen. Ich möchte am liebsten meine ganze Börse ausleeren. Das war 
mirnicht möglich. Deshalb wählte ich Straßen, wo .eh ^v^ßt^ ich ko nte 
nicht angebettelt werden und machte große Umwege. Ich kann mcht 
weiter gehrn, ohne etwas zu gehen. Daher umging ich oft Bettler, .pielte 
„VogehStrauß-Politik", als ob ich sie nicht sehen ^^'''^^_- '''f^^^ 
drängte mich etwas, hinzusehen und wenigstens einen Blick aul den 

Bettler zu werfen. . . 4. „„ 

Ich vertrage kein Unrecht und keine Bedrückung, ich vertrage 
nicht, wenn ich sehe, daß andere «ehlecht behandelt werden. Dann kann 
ioli meine Scheu verlieren und mich überall einmengen. 

Ich möchte alle Welt lieben und von aller Welt 
geliebt werden, ich möchte wie ein Heiliger durch 
Tugend alle anderen Menschen überragen. Imtre- 
achäfte muß ich mir großen Zwang antun, um meinen Untergebenen 
gegenüber die Haltung zu bewahren und nicht entgegenkommend zu 
werden. Ich möchte alle zufrieden stellen. Ich vertrage aber 
nicht, schlecht behandelt und beherrscht zu werden. 

In dieser Hinsicht habe ich hier schlechte Tage. In Triest war ich Ab- 
teilungschef, hier habe ich noch keine richtige Verwendung und fühle 
mich wie in einem Gefängnis, wie gefesselt.'- (Siehe die Handschellen 
des Polizisten!) 

Am nächsten Tage beginnt er von eeincr Frau zu sprechen. „Den 
größten Genuß hatte ich bei ihr, wenn sie badete und im nassen Bade- 
kostüm war. Das war in Triest oft der Fall, wo wir im Meere badeten. 
Ich ging dann mit ihr in die Kabine und vollzog den Beischlaf. Es war 
ein unwiderstehlicher Drang und meine Frau wußte schon, daß jedes Bad 
eine oder mehrere Umarmungen nach eich zog." 

„Wirkt das nasse Kleid stärker als die Schürze?" 
',Das kann ich nicht sagen. Ich stelle mir oft die Frauen und 
Mädchen im nassen Badekostüm vor, wo man alle Formen sieht. Dann 
ist es lierrlich, den nackten oder eng bekleideten Körper zu fühlen. Das 
nasse Kleid kam erst nach dem Erlebnis mit der Hedwig auf. Sonst inter- 
essierte ich mich und interessiere mich noch heute für jede Weiblichkeit, 



^iA, - . ■. . Fetischiemns. ■•;»I ■. 

wenn sie eine Schürze trägt. Mein Entzücken bilden Köchinnen, Kell- 
nerinnen, Dienstmädchen in Schürzen. Ich habe einige von ilmen verführt 
und gebraucht. Sie mußten sich aber in Kleidern mit der Schürze ergeben. 
Sonst war ich fast impotent. In ein dauerndes, ernstes Verhältnis habe 
ich mich daher nie eingelassen. Meist ging ich diesen Mädchen in der 
Dunkelheit auf der Straße nach und scheute mich vor verkelirsreichen 
Straßen. Ich hatte auch nie ein Gefühl der Liebe für diese Geschöpfe. Ich 
sah in ihnen nur die Schürze, und da meistens nur die schmutzige 
Arbeitsschürze. Weiße Schürzen berühren mich wenig. Es kränkte mich, 
daß die 'Schürzen nicht naß waren. Ich suchte meine Objekte daher am 
liebsten bei Regen, wenn die Mädels keinen Schirm hatten, bot ilmen, 
wenn sie ordentlich durchnäßt waren, meinen Schirm an und hatte so die 
Gelegenheit, mein Ziel zu erreichen. Viele Mädels wollten die nassen 
Kleider ablegen, ich aber schützte Mangel an Zeit vor und vollzog den 
Koitus in nassen Kleidern, was für mich ja der Hauptreiz war." 

„Haben Sie nie wirklich geliebt?" 

„Das kann ich nicht sagen. Ich habe zweierlei Richtungen. Bei der 
Schürzensache ist nie wirklich Liebe dabei. ^ Zu anderen Mädchen fühlte 
ich schon Liebe, aber eine blasse, schwache Liebe, ein dunkles Gefühl von 
etwas Hohem und Reinem. Zu einer wirklich hohen, heißen, alle Sinne be- 
rauschenden, hinreißenden Liebe ist es nie gekommen. Meine Sinne waren 
nie ganz berückt! So eine Liebe habe ich leider nie kennen gelernt Sobald 
ich mit den idealen Mädchen Beziehungen hatte, machte sich in mir der 
berechnende, überlegende, kritische, scharf beobachtende Menscli bemerk 
bar. Und wenn ich sah, daß die Verbindung materiell nicht günstig sein 
könnte, so Heß ich mich gar nicht ein." 

„Sie wollten also unbedingt reich heiraten?" •:■;.. '■ 

„Ja, ich war armer Leute Kind, hatte die Armut qualvoll emp- 
funden und wollte emporkommen. Meine Kinder sollten es besser haben " 

„Sie wollen auch Geld haben, um andere beschenken zu können?"' 
■' „Das ist mein größter Genuß. Eigentlich etwas anderes Ich habe 
eine Angst, ich könnte für einen „Schmutzian" gehalten werden." 

„Dabei ist doch Ihr Ideal eine schmutzige Schürze !" 

„Das sind eben die merkwürdigen Gegensätze in meiner Brust Ich 
bin im Leben ein peinlich reiner Mensch - auch in moralischer Hinsicht 
Ich vertrage kein Gespräch über „Schweinereien", lasse mir nie obszöne 
Witze erzählen, ich würde mit Frauen niemals Zweideutigkeiten reden 
Ich bin ein strenger Sittenrichter. Ich sagte Ihnen ja, ich hätte Hedwig 
geheiratet, wenn ich sie sexuell gebraucht hätte. Ich habe nie das so- 
genannte „Stinkfinge rln" getrieben, wie man bei uns sagt " 

:; ') Diese Behauptung orweist eicii am Schluß der Analyse ala falsch! 



Analyse eiues b'aUes von Scli ü rzen f et i sc hieraus. 315 

Eine Weile schweigt er und kommt dann auf eeiiie Mutter zu 
sprechen: „Als ich ein Hjähriger Junge in Ala war bat ich die altero 
Tochter meiner Wirtin um die Erlaubnis, sie mit Mutter ansprechen zu 
dürfen und verlangte von ihr, geduzt zu werden, worauf s.e leider nicht 

einging," ., , ,, ,.„„o" 

„Hatte sie eine gewisse Älmlichkeit mit der Mutter. 
Ja, entschieden. Ich brauchte einen Ersat. ur meine Mutter, ob- 
■ gleich ich eigentlich froh war, von München -^f «T^^^^^rj, 
. ,- Plötzlich gehen seine Einfälle von der Mut er auf ^"^^^ Sruc!' 
'- „Das Wasser übt immer auf mich einen faszinierenden EindrucK 
aus. mmer.ichtes mich zum Wasser -<i besonders zu grolle en 
- Wassermengen. Ich war 8 Jahre lang Radfahrer Bin jeder A-^'-^^™'^ 
zu einem See führen. Ich suchte stets eine Wirtschaft od r ein Cafe m 
Aussicht auf den See oder mit einer Terrasse auf den Se^ -laus und .a 
überglücklich, wenn ich es gef^deu hatte und dort m den Anblick de. 
Sees versunken sitzen konnte. Ich geriet in eine Ar Ekstase m e men 
schwärmerischen Tagtraum, aus dem mich meine Kollegen erst weckten 
was mir oft Hänseleien eintrug. In Tnest wohnte ich nur m Zimmern mit 
Aussicht auf das Meer. -Jede freie Zeit benützte ich zu Schiffsaus flu gen 
,md starrte stundenlang in die Wogen- Sturm und Wellenbewegungen 
lösten direkt sexuelie Gefühle aus. - ■ ■■' ' 

-i Jedes Wannenbad war für mich eine ee.xuelle Gefahr, es endete mit 
einem onanistiechen Akte. Die Versuchung war zu groß. Da war warmes 
Wasser da gab es Badetücher, die ich eng um den Leib binden konnte, 
ich war allein, wie hätte ich da widerstehen sollen! Deshalb ging ich in 
München immer in die Schwimravereine, um stets von Menschen umgeben 
und beobachtet zu sein. So schützte ich mich gegen meine krankhaften 
Regungen. 

Damit m Zusammenliang fällt mir ein, daß ich eine jede Frau 
mustern muß, oh sie nicht schwanger ist. Wasser und Schwangerschaft 
haben bei mir Beziehungen. 

Man crzälilte mir als Kind, daß der Storch die Kinder aus dem 

Wasser bringt 

Ich habe ein feines Üefüht für jede Sel^wangerschaft. Ich rieche sie 
förmlich Ich erkenne sie am Glanz der Augen, am Teint, an einer sonst 
für jeden anderen unmerklichen Rundung der Figur. Konstatiere ich eine 
solche beginnende Gravidität, vielleicht im Stadium nach dem ersten 
Ausbleiben der Periode, so üben diese Frauen eine riesige Anzieliungs- 
kraft auf mich aus. Ich möchte mich am liebsten auf sie 
s t ü r z e n u n d s i e n m a r m e n. Ich könnte ihnen stundenlang nach- 
laufen ' Im Gedränge suche ich nach schwangeren Frauen. Es glückte mir 
einmal den Bauch einer Graviden zu berühren; in diesem Momente war 



^ fc^ 



ifmm!^#^ 



316 



Fetischismus. 



IJ 



>f- 



ich Überglücklich und hatte eine Samcnentleeiung mit gröRtem Or 

gaemue. 

Auch während der Schwangerschaft meiner Frau war ich — he 
sonders in den ersten Monaten — überglücklich, ich trachtete, sie immer 
am Bauche zu berühren und wohnte ihr fast jeden Tag bei. viel öfters, als 
in den gewöhnlichen Zeiten. 

Ich interessiere mich beyoiiderö für den Hinterteil der Frauen- 
Frauen in Hosen (aucli meine Frau) reizen mich besonders (lionio- 
eexuelle Kumponente!). In den Seebädern und Faraihenbädern blicke ich 
immer auf den Bauch der Frauen. Entdecke ich eine Gravide, so bleiben 
meine Blicke wie gebannt haften. Ich schaue anstandehiilber etwas weg. 
um sofort wieder auf die Stelle des Bauches zu starren. 

So erinnere ich midi an eine Geschichte aus dem ^■origen Jahre. 

Auf meinem Büroweg fiel mir einmal eine jüngere Frau auf bei 
der ich Schwangerschaft vermutete. Von da ab begegnete sie m.r'fast 
täglich und ich brauchte nicht allzu lange zu ^varten, imi meiner Ver- 
mutung sicher zu sein. 

Die Begegnung war für mich jetzt ein tägUches freudiges Ereignis. 
Bß schmerzte nndi sehr, wenn ich sie enunal eines Tages nicht sah. Auch 
hatte ich nicht übel Lust, s,e anzusprechen, doch hielt mich nn Moment 
des gefaßten Entschlusses eine Lrresung über den ganzen Körper und l>e- 
sonderes Zittern in den Füßen ab. Ernst damit zu macb.n. Idi bemerke 
aber dabei, daß diese Dame - vielleicht war es ein Fräulein^ - keine 
Schürze trug sondern mtweder ein rotes Jaquet oder einen langen Saint- 
mantel anhatte. Außerdem war sie hellblond. Dies ist meine Liebiin-s^ 
^rbe! Hellblonde, goldblonde, auch schon mit einem SüTl^':^, 
Haare tragende I rauen hatten ,mmer aucli eine besondere Anziehungs- 
kraft auf mich ausgeübt. '^ 



Er fühlt sich m M'ien sehr schlecht. Er war selbständiger Bürochef 
in Triest, wurde naclrWien berufen um einen Oberbuchhalte':: eise t en 
der einrucken sollte. Dessen Emruckung wurde aufgeschoben daher steht 
er ohne entsprechende Beschäffgung da und sträubt sich Lege, min- 
derwertige Dienste zu leisten. Vor allem wiederholt er, .laß er sich nicht 
beherrschen lassen kann. 

Damit dürfte zusammenhängen, daß er nie pünktlich ■ B" 
kommt. Er kommt auch zur Behandlung regelmäßig um 10 Minuten 
später, die seine Unabhängigkeit und Unbotmäßigkeit n>arkieren sollen 
Er geht lieber em bißchen spazieren, wenn er zu früh vor dem Büro oder 
vor meiner V/ohnung erscheint, als daß er den Gehorsam der Pünktlich- 
keit zeigen würde. 



Analyse ''ines Falles von Schürzenfctischismus. ^ 317 

Handelt es sich aber um sehr wichtige Angelef^^eiüieiten, so daß er 
pünktlich sein muß (Vorgesetzter - Kommissionen ~ dringende 
Arbeit), so wird er unruhig, verliert die Beherrsdiung semer Kräfte, 
imcht irgend einen Unsimi. Dagegen ^vill er das Büro immer pünktlich 
verlassen und nicht eine Minute länger arbeiten, als es die Pflicht vor- 
schreibt. In Triest war das nicht mögUch. Er sollte warten, um die Post 
zu unterschreiben. Es kostete ihm tägUeh einen schweren Kampf zu 
bleiben, er wurde wütend, hätte am liebsten etwas zerrissen und richtoto 
es nach Möglichkeit ein, daß sie fertig wurden. Seine grenzlose Herrsch- 
sucht, seine übergroße Emptindiichkeit, sein pathologischer Wille zur 
Macht drücken sich in diesen Zügen deutlich aus. Er kämpit um seine 
Unabhängigkeit, wie alle Fetischisten,, die unter einer infantilen Fixie- 
rung zu leiden liaben. Sic haben genug mit dem einen Zwange, bie sind 
nicht fähig, eine stärkere T3elastung mit fremden Imperativen zu er- 
tragen. 

Er bringt folgenden Traum, den zweiten in der Behandlung: 

Ich fuhr nach Triest zurück, um meine Familie nach Wien zu 
holen. Vor der Abfahrt in Triest wurde ich darauf aufmerksam ge- 
macht, daß die Italiener inzwischen vorwärts gekommen seien und 
gegenwärtig die Granaten in und in nächster Nähe des Bahnhofes 
Nabresina oder Opcina (nicht ganz klar) einschlagen, wie ich mich 
selbst überzeugen konnte. 

Ich ging nun ans Fenster — es war Nacht — und überzeugte 
mich selbst von dem Einschlagen der Granaten, die furchtbare 
Feuergarben aufspringen ließen. Es war fast eine helle Nacht durch 
daß Feuer der Explosionen. 

Ich fi'ug, ob denn der Zug dennoch über Nabresina oder Opcina 
seinen Weg nehme und erhielt eine bejahende Antwort. Daraufliin 
wollte ich von der Reise abstehen und sagte zu meiner Frau, unter 
solchen Umständen könnten wir immöglieh reisen, doch bestand 
meine Frau auf Abreise und wir fuhren. Von da ab war der Traum 
unklar und ich glaube mich erinnern zu können, daß die Granaten 
neben unBcrcm Zug einschlugen und glaube auch, einen Waggon 
trafen, wir aber trotzdem unverletzt durchkamen. 

Dieser Traum bringt uns das wichtige Thema seiner Ehe. Er weiß 
nicht recht, warum ei' geheiratet hat. Er wollte um jeden Preis seine 
Paraphilie überwinden. Seine Frau hatte etwas Geld, sie gefiel ihm ganz 
gut und er wollte nun absolut einmal eine Jungfrau besitzen. Das malte 
er eich als höchste Wonne aus. Aber er kann sich in die Ehe nicht finden. 
Er ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, zu stark an seine Phantasien 
gekettet. Ihn locken alle anderen Frauen, wenn sie seine Liehesbedin- 






S18 



Fetisch iamua. 



T 



; 



gungen erfüllen, während der Reiz seiner Frau immer mehr abninmiL. 
Nun zeugte er vier Kinder, um Wonnen der beginnenden Gravidität aus- 
kosten zu können. Der Arzt hat weitere Gravidität untersagt. Er muß 
Coitus interruptus machen, seine Potenz hat abgenommen, er verzichtet 
auf den Verkehr. Er lieht seine Kinder nicht. Er ist zu sehr Egoist, um 
jemanden anderen heben zu können. Er ist angeblich liehesunfähig. 

Die Analyse des Traumes zeigt, daß er mit Todesgedanken gegen 
ßeine Familie kämpft. In diesem Traume, dessen Schluß er willkürlicli 
unter dem Einfluß einer moralischen Zensur redigiert hat, läßt er seine 
Familie zugrunde gehen. Er ist wieder Junggeselle. 

Ich frage üui, seit wann er an Husten und Asthma leidet. Es zeigt 
sich, daß die Beschwerden n a c h der Verheiratung aufgetreten sind. Seine 
Frau war damals im vierten Monat der ersten Schw^angexschaft. Ihr Reiz 
verlor sich immer mehr und ihm graute vor dem Gedanken, ein „versim- 
pelter Familienvater" zu werden. Er fürchtete den Verlust seiner Frei- 
heit. Er haßte jeden Zwang, wie alle Fetischiston, die so unter dem 
Zwange ihrer vergewaltigten Sexualität leiden. Er wollte wieder unab- 
hängig sein und reisen. Er haßte auch den Zwang des Militärs und war 
glücklich, daß seine schwache Konstitution es seiner Firma ermöglichte, 
ihn von jedem Dienste entheben zu lassen. 

Vor dem ersten Erstickangsanfall, den er uns auf Seite 307 so an- 
schaulich geschildert hatte, war er im Kino. Er sah ein Stück, in der ein 
Mann seine Frau erdrosselt hatte. Dies Stück hatte ihn sehr aufgeregt, 
denn das Erdrosseln, hatte ihn immer außerordentlich . interessiert und 
seine Phantasie beschäftigt. 

Er versuchte sich auch als Schriftsteller und hat eine kleine Novelle 
geschrieben, in der eine Frau erdrosselt wird. 

Er haßt die Unannehmliclikeiten der Ehe. Er möchte wieder Mando- 
line spielen und darf es am Abend nicht, weil seine Kinder gestört werden. 
Was gehen ihn seine Kinder an? Er will sein Vergnügten haben! Er 
möchte gerne singen und sich von seiner Frau am Klavier begleiten 
lassen. Sie hat für ihn keine Zeit. Alles für die Kinder! In solchen Mo- 
menten haßt er seine Kinder. 

Er beginnt zu begreifen, daß er seine Frau erdrosseln wollte und 
daß der Hustenreiz und sein Astiuna mit kriminellen Phantasien zusam- 
menhängen. Wie lästig er jeden Zwang empfindet, das beweist die Auf- 
zeichnung, die er in der folgenden Nacht machte und die uns ein deut- 
liches Bild von seinem Seelenzustande gibt. 

„VaS Uhr morgens! Gestern abends brachte meine Frau die 
Kinder etwas später als gewöhnlich (^/JO) zu Bett und kam aus dem 
Schlafzimmer mit aufgelösten Haaren zurück. Dies gab mir einen Stich 



-i 






Analyse eines FaUes von Schfirzonfctischisiniis. 3^9 

durch den ganzen Körper, denn ich empfand darin eine indirekte wortlose 
Aufforderung, zu Bett zu gehen. 

Ich las ehen im „Platen" („Natürliche Heihnethoden") über die 
Kapitel: „Die Luft xmd das Licht", worauf ich im ziellosen Herum- 
blättern gerade stieß. Ich hatte vorher nachgesehen über „Huflattich- 
tee", den ich gegenwärtig als Bicrersatz trinke, zeigte hierauf meinen 
Kindern die farbige Abbildung der Pflanze mit gleichzeitiger Aui- 
forderung, auch einen solchen zu trinken. Während mein älterer Sohn 
sonst nie freiwillig derartige Tees trinken wollte, griff er diesmal rasch 
m, probierte ihn und fand ihn gut. Icli hatte dabei merkwürdigerweise 

ein unangenehmes Gefülil. ■ • *" t, 1 1 n 

Auf die Aufforderung meiner Frau hin schloß ich das Buch, obwohl 
mich das nächste Kapitel: „Wie sollen wir wohnen?" interessiert hatte 
(trotzdem ich es schon einmal gelesen hatte) und ging auch zu Bett. 

Idi muß hiebei bemerken, daß wir stets zusammen zu Bett gehen. 
, ... Einschlafen jedoch konnte ich nicht und stand endlich um 2 Uhr 
wieder auf und fing an, diese Zeilen zu schreiben. Der Hustenreiz hat 
merklichnach gelassen. 

Abertausend Gedanken schössen durch meinen KopE, als wenn d'" 
Fäden eines Weberschiffchens unendlich rasch durcheinander laufen 
würden. Ich wollte schreiben und meine Gedanken fixieren. Da fiel es 
mir ein, daß ich ein armer, eingebildeter Narr bin. 

Mein Hauptschmerz ist, daß ich keine Originalität habe! Ich könnte 
daran zugrunde gehen. Mein Bestreben ist, originell zu erscheinen. Ich 
will kein Alltagsmensch sein! Ich will nicht als dummer Philister enden." 

Wir sehen, wie er sich dem Zwange fügt und mit seiner Frau 
schlafen geht, wälirend er noch lesen möchte. Er wagt es nicht, offen zu 
rebellieren. Er ist der Anarchist mit der Faust in der Hosentasche. Aber 
seine Erregung ist so groß, daß er keinen Schlaf findet. Ich gehe zuerst 
von dem Tliema der Originalität aus und sage ihm: 

„Ihre Sehnsucht nach Originalität haben Sie mit Ihrem Fetischis- 
mus erfüllt. Daher sind Sic stolz auf Ihre Krankheit!" 

Er leugnet erst diesen Stolz, dann aber gibt er zu, daß er wohl der 
Ansicht ist, er sei der einzige, der aneine r solchen ver- 
rückten Perversion leidet. 

Er möchte aber etwas Außerordentliches leisten. Der Weltkrieg 
hat ihm gezeigt, wie schlecht die Menschen sind. Er möchte eine neue 
Religion der Liebe verkünden. Er möchte wandern von Ort zu Ort und 
überall Liebe und Vertrauen predigen. Darin hindert ihn jetzt seine 
Familie. Sein geistiger Aufschwung ist gehemmt, seit er verheiratet ist. 
Jetzt ist die Gelegenheit, sich auszuzeichnen, für den Frieden einzu- 



.. ; 1 



ii 



320 



Feti Schiern US. 



I • : 



i 






■; 1 



treten, ein Märtyrer zu sein, für seine Idee zu sterben, aber er muß für 
seine Familie leben. - , ■ 

Nun führe idi ihn auf die EpiBode vom Tee und frage ihn, warum 
er den Kindern den Huflattichtee gegeben hat. Er meint, damit sie sich 
später an die Schrecken des Krieges erinnern sollen. Aber langsam er- 
kennt er, daß andere Gedanken sich eingemischt haben, w-elche uns 
seine Eischcmungen nach dieser Episode und seine Aufregun- nachher 
erklären helfen. Er hEiltc die Phantasie, seine Kinder und ganzl Familie 
zu vorgiften. Wie leicht kann man den Huflattichtee mit einem anderen 
giftigen Tee verwechseln! Wie leicht kann ein Unglück geschehen und 
eine ganze Familie zugrunde gehen. Vor einigen Tagen hatte er in der 
Zeifung gelesen daß eine ganze Familie nach dem Genüsse giftiger 
Schwämme gestorben sei. Wie hatte ihn diese Notiz erregt! 

So kämpfen immer zwei Tendenzen in seiner. Brust, ' die religiöse 
und die satanische. Er will ein Heiliger sein und ist in Gefahr ein Ver- 
brecher zu werden Auf den kriminellen Komplex deuten schon 'der erste 
'l'raum und sein Schuldbewußtsein, seine Menschenscheu, seine An^st 
mit anderen allein zu bleiben. ° ' 

Noch weiß er nicht - oder will es nicht wissen, warum er diese 
Angst hat. Wir erhoffen von der Analyse die Aufklärung dieser dunklen 
Punkte. 



\ 



. \ 



Er hat einen sonderbaren Traum: 

Ich befinde mich in einer Kirche. Der Prediger spricht von der 
Uebe der Menschen und von der Pflicht, für den Kaiser zu sterben, 
Dann werde ich erregt imd rufe aus: „Zuerst kommen die Pflicliten 
gegen sich selbst und gegen die Familie!" Große Erre-une m der 
Kirche Ich springe auf die Kanzel. Alle meine Scheu ist ver- 
schwunden. Ich rede m. emer solchen Begeisterung, daß alle 
Menschen auf d,e Knie faUen. Sie drängen sieh um mich, sie küssen 
meine Hände und meine Fuße und den cjan.rv, ■ \~. j 

,, . c V ■ ^ ■ TT ,- ^^""^ meines Gewandes. 

Manoho rufen: „Er .s ein Heiliger!" Ein alter Mann lacht höhnisch 
auf. Ich will mich auf ihn stürzen. Er hat eine Hacke in der Hand 
und we.Bt auf emo Schurze hm: „Diese habe ich in Stücke zerhackt. 
So werde K-h auch diesen Schwindler entlarven!" Die Menge stockt 

und b ickt mich sprachlos an. Ich famre 711 =+^.+4 , ^■ 

_ ,^ , ,' -, '"'f'^ 2u stottern an und verliere 

meine Kra t. In diesem Momente fällt eine Bombe in die Kirche. Ein 
Flieger hat sie geworfen. Em Splitter fällt dicht neben meinen Kopf. 
Ich erwache mit Schrecken . . , 

Es fällt ihm zuerst ein, daß es eine katholische Kirche war Er ist 

Protestant, zeigt aber große Neigung zum Katholizismue. Er möchte 



AnaiyBi; eiuGS Falles von Scliilrzenfotischismua. gg. 

gerne mit Beiner Frau und seinen Kindern zuin Katliolizisuius Übertreten. 
Aber seine Frau wehrt sich dagegen. Er geht immer in die katlioÜBche 
Ivirdie, die ihm viel besser gefällt als der nüchterno protestantieclie 
Gottesdienst, 

Am liebsten würde er eine neue Religion gründen, die zwisclien 
beiden Religionen steht. Er war sehr fromm in seiner Jugend und dachte 
daran, ein Mönch zu werden. Er schwärmt für Christus und beschäftigt 
sich viel mit den Christuslegenden. 

Andererseits mischte sich seine Sexualität in den Glauben. Er 
fragte sich als Knabe oft. ob Christus auch wie ein Mensch gebaut sei 
und versuchte hinter das Tuch zu blicken, das die Geschlechtsteile Chi-isti 
verhüllt. Da sah er einst ein Hild in der Kirche: Die Beschnciduj:;: 
Cliristi. Dieses Bild machte einen großen Eindrui'k aid ilm. Er spielte 
oft mit dem Gedanken, sich zu kastrieren und ein Heiliger zu werden. 

El- H;ollte ein zweiter Christus sein. Er wollte 
die Selvte der Wiedertäufer einführen. Das Wasser 
16 1 ein Symbol der Wiedertaufe. Die Scliürze isi 
ein Symbol der Schürze, die das heilige Bild Christi 
verhüllt. - . 

Von Christus gehen seine Gedanken auf seinen Vater, der auch ei^i 
frommer Mann war. Er war aber iähzornig und kam manclimal betrunken 
zu Hause. Er quälte ihn und schlug ihn grundlos. 

Der Vater trug oft bei der Arbeit eine 
schmutzige Srhürze. Einmal nahm Patient ein Beil 
und zerhackte diese Schürze in tausend Stücke. 

Er fürchtete, daß man seine Missetat entdecken werde, nahm die 
einzelnen Fetzen mit sich und warf sie in die Isar. 

Der Traum zeigt uns, wie diese Sünde sein Gewissen belastet. Er 
weiß es im Unbewußten, daß dies Zerhacken der Schürze ein symbolischer 
Vatermord war. Und er, der Verbrecher, will jetzt das Wort Gottes pre- 
digen! Gott wird ihn bestrafen. Eine Bombe wird ihn zei-sdiinettern, weil 
er seinen Vater nicht geehrt hat. (Der Kaiser im Traum ein Symbol dm 
Vaters! Die Bombe erscheint schon im zweiten Traum auf S. 317.) 

Unter Widerstreben erzählt er einen Vorfall, der sich in seinem 
17. Jahre in Ala abspielte. Er ging einmal in das Klosett und fand dort 
alten Kot. Er dachte, das ist der Kot seiner Hausfrau oder einer ihrer 
Töchter. Er nahm, eine alte Decke und gab den Kot in die Decke. Damit 
eilte er zur Etsch. An einem versteckten Orte breitete er die Decke aus. 
Dann legte er sich auf den Kot, so daß die Feuchtigkeit seinen Baucli 
benetzte. Er wälzte sich so lange, bis Ejakulation und heftiger Orgas- 
mus eintraten. Dann versenkte er die Decke in die Etsch, badete sich rein. 

Slekol, StUruiiBOQ dea Trieb- und Affoktloboiis. VU. 21 



332 



Fctiscliismti'i. 



I 



I.. 



: 



'] 









Nachher tiefe Reue und Beschämung. (Er spielte einen Säugling in den 
Windeln.) Der ganze Vorfall ist ilun unerklärlich. Er handelte unter 
einem Impulse, der umviderstehlicli war. Er war wie in einem Traume. 

Im Anschluß daran erzählt er, daß er sich ursprünglich vor deji 
Bchmutzigen Schürzen der Mutter geekelt hatte. Die Schür3en der 
Mutler waren angeblich für ihn niemals Sexual- 
Objekte. 

Er haßte seine Mutter, weil sie roh war imd ihn sehr oft ungerecht 
geschlagen hatte. Er führt seine Krankheit auf die Schläge zurück, die 
er ungerechterweise bei den geringsten Kleinigkeiten von seinen Eltern 
erhalten iiatte. 

Er hatte zwei Träume: 

1. In einem Restaurant sagte der Kellner zu mir; „Die Ita- 
liener sind mir doch lieber als die Slovenen, weil sie sich nicht so tief 
Gingrahen." . , . . 

2. Ich war in Nürnberg und sollte eine neue Stellung an- 
nehmen. Ich sagte „Unter Vorbehalt!". Kollega Neuleben sagte mir, 
daß der neue Posten mit einem Verzicht auf Geld verbunden sei. 

Der erste Traum drückt die Kämpfe in seiner Brust aus. In Triest 
gab es Immer Streitigkeiten zwischen Italienern und Slovenen. Er eym- 
pathisiert mit den Italienern. Die Slovenen sind ihm zu falsch. Die 
Italiener seien ehrlicher. Die Italiener symbolisieren hier die katholi^t-ben 
(frommen) Tendenzen im Gegensätze zu den satanischen, weleiie die S!o- 
v(Tie]i übernehmen. Die satanischen sind tiefer eingegraben. Er will sie 
nicht ausgraben. Den gleichen Widerstand gegen das neue Leben (Neu- 
leben!) drückt der zweite Traum aus. Er behält sich vor, die alte Stel- 
lung (lies Einstellung) zu behalten. Er will auf die Genuese der alten 
Paraphilie (Geld ein Symbol für Liebe und Sexualität) nicht verzichten.. 

'Wh können aus der Kotepisode in Ala ersehen, wie mächtig sein 
Infantihsmus ist. Seine mysophilen Instinkte hängen irgendwie mit der 
Mutter zusammen, mit einer infantilen Phantasie, deren Bedeutung wir 
noch nicht gefunden haben. 



Er bringt plötzlich eine Erinnerung, welche uns seine Leidenschaft 

ur beginnende Gravidität in deutlicher Weise erklärt. Ich habe an diesen 

K.anken sehr wemge Fragen gerichtet, weil ich den Gang der Analyse 

mcht beeinflussen wollte. Ich erkundigte mich auch nicht nach seiner 

i- amil^ngesdnchte, m der Hoffnung, daß er selber daraufkommen werde. 

.,. vi. f. ''^'' '^cf .^"" ^'^' ^"^ "'■'■ '^ ^*ädchen, das ihn an .eine 
um v.er Jahre altere Schwester erinnerte. Er war 13 Jahre alt, als er be- 






Analyse einee Kalles vtiu S trhilrzenfe tisch isinuB. -j^jy 

merkte, daß etwas mit ihr vorging. Sie hatte schon seit einem Jahre eine 
heimliche Liebschaft mit einuiii Studenten. Nun glaubte er zu entdecken, 
daß sie gravid war. Er beobachtete sie eehr genau und i'and immer mehr 
Anzeichen, die dafür sprachen. Bald kam es im Hause zu einem Skandal. 
Der Vater drohte, er wci'de sie aus dem Hause jagen. Aber die Mutter 
legte sich ins Mittel. Der Student war aus sehr reichem Hause. Sein Vater 
zahlte eine größere Summe, t^o daß die Gravidität der Schwester als 
gutes Geschäft stillschweigend hingenommen wurde. Er aber sdiämto 
sich, weil seine Kollegen und dio Nachbarn darüber sprachen. 

Aber er gibt jetzt zu, daß er die Schwester mit lüsternen Augßn 
betrachtet und den Studenten beneidet hatte. Er wäre gerne an seiner 
Stelle gewesen. Nachträglich fällt ihm ein, daß er seine Schwester öfters 
hei ihrer Toilette beobachtet hatte. (Die Sängerin des Traumes. Ver- 
dieliLung.) 

Bei dieser Gclegenlieit fällt ihm auch ein, daß er als ganz kleiner 
Knabe (5 Jahre alt!) den Koitus der Eltern belauscht hatte. Die Mutter 
titöhnte sehr und der Vater sagte: „Mir scheint, dcv Bub echlalt niehf\ 
weil Alfred plötzlich gehustet hatte. Darauf wurde die Mutter ruhig. 
Er wußte nicht, um was es sich handelte, ahnte aber dunkel, daß es ver- 
botene Dinge wären. 

Zum Nürnberger Traum trägt er nach, daß er sich in Nürnberg sehr 
für die Folterkammer interessiert hatte. Foltern und Martern regten ihn 
m der Jugend sehr an. Die Folterknechte trugen alle 
Schürzen, und blutige Schürzen ecii einen in dei- 
Parapathie eine große Rolle zu spielen. 

Endlich sagte er: 

„Die Schwester trug auch sogenannte Schür- 
ze n k I o i d e r, um ihre Schwangerschaft zu verdecken. Diese Schürzcn- 
kleider sind wohl für mich die größte Anziehungskraft, wenn sie feucht 
und schmutxig sind. 

Seine Vorliebe für die Schwangeren erklärt sich aus diesen Mit- 
teilungen von selbst. Sie bedarf ki'ines Kommentars. 

Er bemüht sich, an seine Jugend zurückzudenken und meint, sich 
an eine Begebenheit zu erinnern, als er 5 Jahre alt war. Er wurde ein- 
kaufen geschickt. Da traf er auf der Straße vier Elefanten, die von 
Hagenbeck auegebrochen waren. Sie wurden gefesselt heimgebracht. 

Es scheint sich um eine Deckerinnerung zu handeln. Interessant ist, 
daß die Fesselung schon hier vorkonunt, die bei jedeni Fetischisten eine 
solche Bedeutung hat. Heißt die Deckerinnorung: Ich habe meinen wilden 
Trieb gefesselt? 

Sil* 



FetiBChianius. 
334 



Dann folgt die Erinnerung an den Koitus der Eltern und später 
eine in der Zeit naheliegende: Zwei Knaben onanierten sich gegenseitig 
in einem Pissoir; er sollte mittun mid weigerte sich. 
, . ■^.^^ folgen wieder einige Schür zen er innerungen: 

Ein Frcmid, der in einem KolonialwarengeGchäft angestellt war, 
trug eine Schürze! Er beneidete ilm und zog öfters seine Schürze an. 
Auch die Ladenarbeitcr hatten Lederschürzen. Er half mit, nur um 
Schürzen anziehen zu können. 

Die ölarbciter hatten Schürzen aus Säcken, die vorne feucht vom 
■ Ol waren. Großer Reiz! Versuch, sicli eine solche Schürze zu verschaffen. 

Selbstmordtendenzen sind bei ihm sehr häufig, seit er Todes- 
wünsclie gegen seine Familie hat. Er dachte auch daran, sich und seine 
Familie zu töten, wcim es mit ilmi nicht besser \\1irde. Er ist oft depri- 
miert. lioBondcrs in "Wien, weil er keine rechte Stelle hat, Er scheint 
seinen Posten in Triest verloren zu haben und will nicht recht mit der 
Sprache heraus. Ich verharre in der Taktik, alle Geständnisse an mich 
1/ ' herankommen zu lassen. 

Er spricht von seinem Stolze. Er konnte schon als Kind nicht 
„IJanko" sagen und wiu-de oft dafür geschlagen. Er erhielt auch in der 
Schule öftere Prügel auf den Hintern, weil er sieh nicht bedankte. Er 
kann auch Beinern Chef nicht danken, wenn dieser ihn befördert oder 
ihm eine Remimeration gibt. 

• ■, Lieber möchte er sterben ... . " ' • ,.■■ ^>' 



' 



Er bringt als Illustration seiner EinsteUung folgenden charakte- 
'. ristischen Traum: 

Dr. Stekel hatte am Fenster zu tun, bekam das Übergewicht 

und drohte herauezustürzen. Dies sehend sprang ich herbei und mi1 

Aufwand aller meiner Kräfte und unter Einsetzung des eigenen 

Lebens konnte ich Herrn Doktor vor dem Sturze bewahren 

f ' I*^'^ '^■■'''^^'^ ^^^ Rettungsmedaille und außerdem sind mir noch 

die Worte: „Nun sind wir quitt!" aus einem Gespräche nachträglicii 
in Erinnerung gekommen. 

Der stolze Patient verträgt nicht den Gedanken, daß ich ilm retten 
soll und er mir dann Dank schulden sollte. Er rettet mir das Leben und 
mm sind wir quitt. 

Freud hat eine treffliche Analyse des Rettungstraumes gegeben 
Einen retten heißt ilm sexuell besitzen. Es melden eich homosexuelle 
Gefüllte der "Übertragung. 



Analyse eines Falles vou ScliiirzenfefiscliiBmus. ggpj 

Er erzählt: •"- "'■ ■ ■ ■ 

. „Wie ich in A. war (17 Jahre), speiste ich in einem Wirtshause, wo 
zwei sehr schöne Schwestern waren, die Schürzen trugen. Ich schlich micli 
einmal in das Kebenzinuner, zog eine Schürze an und onanierte. Die 
Situation war scln^ecklich, man hätte mich leicht erwidchen können." 

„Einmal stahl ich einem Bierträger eine alte Decke, wickelte mich 
zu Hause damit ein, schnürte mich zu, machte den Boden naß, legte mich 
darauf «nd wetzte so lange, hie die Nässe den Bauch erreichte, darauf 
sofort Ejakulation." 

„D i 6 S c h ü r z e n müssen festgeschnürt sein, j o 
fester sie zusammengebunden sind, desto gröUer 
das Verlangen. Zierschürzen, die rückwärts nicht zusammen- 
gebunden sind, reizen mich gar nicht." 

„In A. ging ich mit zwei Kollogcn ins Bordell, hatte vorher ein?- 
sehr starke Erektion ~ aber trotzdem Impotenz. (Honi. Ziel!) Ein Kol- 
lege regte sich so dabei auf, daß er später im Cafe ein Eis bestellte und 
den Penis vor uns damit kühlte." 

Er onanierte mit der Decke, als er mit einem Kollegen in A. im 
gleichen Zimmer wohnte. Jedesmal nach der Onanie Ekel und Angst — 
vorher geht er in den Keller, holt die Schürze, hat nie Angst. Nach dem 
onanistischen Akte sieht er Gespenster und zündet 
Kerzenan. 

Wir können aus diesem Umstände ersehen, daß sieh mit der Schür- 
zenonanie kriminelle Phantasien verknüpfen. Er kann aber die Phanta- 
sien niclit schildern. Er sei zu aufgeregt, um einen Gedanken fassen zu 
köimen. 

Nach einer kurzen Pause oi'zählt er folgende verblüffende Tat- 
sachen: „Meine Frau hat die Gewohnheit, mit den Genitalien der beiden 
Buben zu spielen (sie sind 4 und 6 Jahre alt!). Ich fragte sie, warum sie 
das mache. Sie sagte, sie habe es bei ilu-cr Pflegemutter gesehen, die sehr 
kinderlieb war und viele Kinder heranzog. Sie spielte immer mit den 
Genitalien ihrer Pflegekinder. (!) ■ 

Ich erinnere mich, daß die Mutter meinen Neffen (7 Jahre alt) 
badete und dabei mit den fienitalien spielte." 

Plötzlich sagte er: „Nim habe ich meine erste Erinnerung. Ich mag 
drei oder vier Jahre alt gewesen sein. Die Mutter spielte mit meinem 
Gliede. Sie spielte sehr lange und ich hatte ein großes Vergnügen daran. 
Ich habe es offenbar bei ihr gelernt. Denn wie ich acht Jahre alt war, be- 
schäftigte ich mich sehr viel mit meinem Neffen. Ich trug ihn ins Bett, 
ich schlief oft mit ihm zusammen und hatte nachts beim Einschlafen sein 
Glied in der Hand." : ■ . . 

-- Er beginnt heftig zu husten. ' ■' ■'--■ ■■ ■ ' "< 



32ti 



fetischismus. 



r) 



I 
^1" 



Wissen Sic, was der Husten bedeutet?" 

"n ■ — aber mir fällt ein, daß ich das Glied des Neffen in den 
Mund 'genommen habe. Ich glaube, meine Mutter hat es auch mit mir gü- 



ich zu erinnern, daß sie ee auch dem Neffen tat."^ 



tan. Donn ich meine m 

S 'n Trotz geht so weit, daß ihm das Beten schwer fällt. Er ist 

1" ]'s und kann trotzdem nicht seinen Nacken beugen. Er karm Gott 

"■ -1 1 danken, nur in der höchsten Not entringt sich ein stammelndes 

Gebet. 

im Gewitter erkennt er die Macht Gottes. Er zittert und kann nicht 

allein bleiben. Das sind die Momente seiner größten Angst. Da fühlt er 
das Gewaltige der göttlichen Macht, das iim niederschmettert und be- 
weist, daß der sich empörende Promcthevis nur ein kleinwinziger Erden- 
wurm ist. 

Dabei macht er die gewühnlidien Umwege der anarchistischen Pani- 
pathiker, die Gott in Form eines Aberglaubens lieber anerkennen als '\'> 
gläubigen Gebeton. Er neigt zu jedem Unsinn, der sich als Aberglaube 
aufdrängt. So lieli er sich ein Horoskop stellen und glaubt bestimmt, daß 
alles in EriuUung gehen werde. Das Horoskop prophezeit ilim nach un- 
endlichen Mühen eine überragende Stellung und ein sehr langes Leben. 
Er glaubt fest an seine Mission. 

Der Husten war seit der Analy.so eine Zeit lang besser, für einige 
Nächte sogar verschwunden und kehrt nun wieder. So geht ee immer, 
wenn man eine Determination des Symptoms entdeckt. Es schwindet für 
einige Zeit, um wieder zu kommen, weil es vielfach determiniert ist und 
jede Parapathio, also auch jedes parapathisehe Symptom mehr dimensio- 
D&l aufgebaut \si. 

Zum Husten bringt er einige neue Einfälle. 

„Ich hustete schon zwischen ß und 8 Jahren. Meine Mutter hustete 
auch, ebenso der Schwager (der im Hause und in seiner Parapathie eine 
so große Rolle spielt). 

„Es gab aber im Hause einen Gesellen, der war tuberkulös und 
hustete sehr viel. Dieser Geselle — es war um die gleiche Zeit f6— 8) — 
spielte mit meinem Gliedc und gab mir auch sein Glied in die Hand." 
Er führte ilm in das anatomische ]\fuaoum und in die Pinakothek wo er 
ihm die nackten Frauen zeigte.-) Dort sah er Adam und Eva. ' Beide 

') Leider eind dicee VorkoiamniBBC beim Volke nicht so selten, als ich es hühoi 
got'laulit luibr. Audi in den „be^tpn Kroieen" habe ich ähnliche MissetMrn der Mutter 
koiiKliitit'i'cii ivönnen. 

') Ich sehe wiederholt kleine Kinder in den ve rech irdenen Bildergalerien. Einmal 
Sah ich, wie ein engliacher Viitei- seinem drcijährif^cn Söhnchen die Grausamkeiten des 
Kindermorclea von Bethlehem erklärte. Andere Kinder gehen hin, um ihre Schaulust. 
7.(1 befriediKin- Auch die sadistische Komponente kommt reichlich auf ihre Rüchnuns. 



!.' 



Aualyee eiaee fallen vou SchHrzcnfetiscliismus. -inn 

hatten Feigenblätter, die wie Schürzen aussahen. Der Geselle sagte ihiii: 
„Du weißt ja, was dahinter steckt!" — Der Mann war ein Homosexueller 
oder ein Bisexueller. 

Jetzt hat er einen Ekel vor allen Homosexuellen. Er könnte nie 
wieder ein männliches Glied in die Hand, geschweige demi in den Mund 
nehmen. Ais Beweis erzählt er die Episode mit einem dicken Wirt, der 
ihn verführen wollte, was dem „widerlichen Kerl" nicht gelang. 

Er berichtet, daß er während des Hustens einen Zwangegedanken 
bat, der ilim hilft, den Husten zu überwinden. Er muß sich denken: „S i c 
sind alle vergessen!" Manchmal sagt er sich die Zauberformel 
laut vor. 

Wir sehen, daß er gegen die Erinnerungsbilder der Fellatio käinpl'l, 
und sic'h vormachen muß, daß sie alle vergessen sind. 

Ein bemerkenswerter Traum; 

Ich sah einen Mann in einem tiefen Brunnen in Lebensgefalu-. 
Es gab aber eine Person, die ilm vor dem Verhungern schützte und 
ihm Speise und Trank zuführte. Eines Tages kam die Befreiung. Er 
wurde durch einen Strick herausgezogen, halb Imlf er sich aeU)fit 
heraus. 

„Der Traum dauerte sehr lange. Ich sah die Leiden dieses Mannes 
und sah, wie er ernährt wurde, und sah die Rettung, die ziemlich lange 
dauerte." 

Die funktionale Deutung des Traumes ist ja klar. Es lebt in ümi 
ein „besercs Ich", das nie gestorben ist, das heimlirh genährt wird, das 
iinagogische Ich (Silberer), dem .jetzt die Rettung naht. Ich soll ihn au.-^ 
der Parapathie befreien und er hilft mit. Der tiefe Brunnen ein Symbol 
der Seele.') 

Ihm fällt zu dem Mann im Brunnen ein Arbeiter in Triest ein: 
Tiberio. Das war ein ehemaliger Athlet mit einer wunderbaren herkuli- 
schen Gestalt, der sehr gefürchtet war, man wußte wohl, daß er ein Dieb 
war, aber konnte ihm nichts anhaben. — Jetzt stocken seine Einfälle, 
wie immer, wenn er auf Dicbetahl zu sprechen kommt . . . 

Dann gibt er zu, daß Tiberio ihn sehr gereizt habe. Er habe oft 
nachgedacht, wie groß der Penis dieses Athleten sein müsse. Die zweite 
Bedeutung seineB Traumes: Die homosexuelle Komponente wird langs-im 
ans Licht des Tages gezogen. Es folgen mehrere Bestätigungen, daß er 
fich für siOiöne Männevkörper interessiert. 



') SiehiC „Die Träume dn- Dii-Iilür" 'las rrst.' Kapilcl ..Uer tieff Rruniicn-. 



r: 



^:r 



«28 



■L.i.i.: 



E'ßtiscViisniiis. 



' t 



Er hatte eine böse Nacht. Er hustete 60 arg, daü seine Frau ihm 
sagte: „Mir sclieint, du hast einen Keuchhusten." — Da fiel ilim ein, daß 
er im ö. Jahre einen schweren Keuchhusten zu überstehen hatte. Seine 
Mutter war rührend lieb mit ihm, Btand unzählige Male in der Nadit aui', 
gab ihm warmen Tee (eiehe den Traum vom Huflattichtee), nahm ihn 
zu sich ins Bett und beruhigte ihn oft durch dae alte, unfehlbare Mitte! 
Sie spielte mit seinem Penis! ■- - 

Seine Husten anfalle sind als W-unech nach 
Wiederholung der mütterlichen Z ä r 1 1 i c li k f> i t e ii 
aufzufassen. 

Seine Mutter lebt noch, aber er schreibt ihr sehr selten. Er grollt 
ihr, ohne über die tiefere Trsache des Zwistes orientiert zu sein, Er meint. 
weil sie ihn oft ungerecht geschlagen habe. -- ' 

Er träumte: 

Ich bin wieder in Tnest am Molo und sehe dem Wellenspiel des 

■ Meeres zu. Es ist kurz vor memer Abreise. Ein Leichenzug zieht 

■ vorbei. Umstehende Personen sprechen, als ob der König von 

Griechenland den schweren Kämpfen erlegen sei 

Die Deutung .st nicM schwer. Seine Krankheit soll sterben und 

oegraben werden^Er halt die schweren Angriffe der Analyse nicht mehr 

lange aus Zum Konig fall ihm ein, daß er Konstantm heißt und daß 

.r die ubie Gewohnheit hat, das Wort „konstant" bei allen mögliche,.. 

Gelegenheiten zu gebrauchen. Er denkt eben Irnnct + 

fantile Szenen. ^'" ^"'^'^^"* ^" ^«^'^.^« '"' 

, Ihm r.nte. Spielkamerad ei^^)^^^^^ 

erstickte^ weü er kerne Luf mehr hatte. Er leidet unter der ^ngst, durch 
em Stuck Schleim „n Munde (Pellatio-Phantame?) zu erstf^en Er er- 
zählt mir, daß kürzlich hier in Wien eine Proetitnil-t k a m' Zr 
Fellatio erstickt sei. t'-'oetituierte bei Ausübung de. 

Er trachtete friüier immer, am Abend zu koitieren, um eine ruh.ge 

r Hai: ^^. ^r Kiti^s:^" r ?^^- ^--^ r 

/inn Diirphhn,r-h P..t l '^^'^^^^^ ^"c^ und kam des Nachts 

Bum Liuichbiuch. (gestern nach zwei labi-^^n ,u, ^ ir ■, v, 

Dflbfti l.^ttQ ^. „ri.j IV , Janien der erste Koitusvereuch. 

Dabei hatte er wieder nacliher den unei-tracrlip^m, vi i ■ tt , /c 

sich dann tcigert. Vielleicht auch um kriminelle Impulse gegen sein. 

Frau. Erwürgen? Selbstverständlich wird ihm keine Mitteilung von der 

letzteren Vermutung gemacht. Die erste Deutung gibt er s her / 

Unvermutet kommt er auf seine Sü,mli/ J ' 

l.nge an der Bru.t der Mutter, TglauU dar"" ^ ^l "" T n', 

gidUDt, daß pr zwei .Jahre gestillt 



Analyse emes FüJIgb von SchürnODfotiEchismuB. 



329 



wurde. (Im Anfalle verlangt er nacli warmer Milch, ivas oft den Anfall 
zu kupieren imstande ist.) Diese Zeit ist ilmi unvergessen. Weim er eins 
Frau ein Kind stillon sieht, so beneidet er den Säugling. Er hat auch, 
während seine Frau Amrae war, wiederholt an ihrer Brust gesogen. V.a 
bereitete ihm einen großen Genuß. Er ist ein „ewiger Säugling" und die 
Fellati o- Phantasie ist nichts anderes als der Brustersatz beim Manne. 
Die Atembeschwerden traten in Salzburg nach einer schlaflosen 
Nacht auf. Er hatte zufällig eine Frau gesehen, die seiner Mutter sehr 
ähnlich war. Auch war er im bischöflichen Palast und ließ sich Schauer- 
geschichten von den Foltern erzählen. Dann ging er in das schon ev- 
wälmte Kino. Er hatte Todesgedanken gegen seine Frau und dachte, er 
würde, wenn er frei wäre, in München — bei seiner Mutter — leben. Das 
ißt ihm erst jetzt ganz klar geworden. 



Er leidet an WutanfäUen. Er stürzte sich einmal auf seine 
Schwester mit einem Messer und wollte sie erstechen. 

Er bildet sich ein, daß er eine zu enge Speiseröhre hat und daW 
die Bissen stecken bleiben. (Verlegung von unten nach oben. Es dürfte 
bald das Thema des Anus darankommen.) Im Gasthaus hat er immer 
Angst beim Essen, wenn ihm die Männer (!) zuschauen. Er muß dann den 
Kopf nach links ft-enden (nach der homosexuellen Seite), dann wird es 
besser. Er kommt vom Essen auf Kunnilingus zu sprechen, den er Öfters 
ausführt. Mit Vorliebe macht er auch 69. (Kunnilingus mit Fellatio 
kombiniert.) n ■- 

■ Er hat heute das Gefühl, daß ihm etwas konstant im Halse steckt. 
„Was soll in Ihrem Hülse stecken?" 

„Ein Wurm! Ich habe einmal als kleines Kind einen großen Wurm 
erhi'oclien. Ich leide unter schrecklicher Angst vor Bandwürmern. Ich 
hörte einmal, daß er mehrere Meter lang aus dem Mastdarm heraus- 
kommt. Schrecklich! — Jetzt fällt mir die Zahl 1889 ein, die ich zwangs- 
mäßig diese Nacht sagen mußte." 

Ich frage um Rinlällc zu dieser Zahl und er bringt zuerst die Tat- 
sache, daß er 8 bis 9 Jahre alt war, als der Geselle mit ihm spielte. Er 
habe mit ihm im Bette geschlafen. ' • ■■ -■ 

Er wird sehr erregt. 
- Etwas muß da vorgefallen sein. Ich habe ^etzt ein furchtbares 
Kitzei; im After, als wenn ich Würmer hätte. Ich glaube, «r versucht^ 
mir sem Glied einzuführen. Ich habe geschrien. Es war :m Schlafe. Ich 
sehe es nur undeutlich. Mehr eine Empfmdung als eme wn'kl.che E,- 

"""Seine (lldanken gehen auf Blut. Er kann kern Blut sehen. Enje 
blutige Metz-gerschürze ist ihm ekelhaft. Er konnte hrechen und fühlt 



I ''' 



330 Fetisch ismut:. 

einen kalten Schauer. Trotzdem muß er sieh die Metzgergesellen an- 
schauen und hat schon mit der Versuchung gekämpft, eine solche Schürze 
zw stehlen. 

„Wie sind Sie von dem Gesellen auf den Metzger gekommen?" 
„Ich habe vorher etwas ausgelassen, weil ich mich geschämt habe. 
Ich erzälilte vom Kunnilingus. Ich genierte mich aber zu gestehen daß 
'ich das mit besonderer Vorliebe in der Menstruation gemacht habe' Das 
brachte mich auf Blut. Der Geselle zu Hause hatte einmal eine blutige 
Schürze, weil er cm Huhn geschlachtet hat." 

Die Ursache seiner Wutanfälle ist ihm unbekannt. 



Er bringt zwei Träume; 

hn Kene!tr!''rv1"^'?'"''^ °"^'^*^'-^"- '^-^" '«^"^ befand mich 
nn Keller und traf \ orbere.tungeo, konnte e. aber nicht ausführen 
weil drüben das Waschhaus besetyf- w^t- n ausiunren, 

in kurzen Hosen (Pumphos mt Blus^nrT ^^^^\^^T 
■ schmutzige Wäsche. Ich suchte den Spefche Hi'c ' , ""f" '" 
Gesellschaft befunden haben, denn ich traf J?J;;"'^ "^^-^I^ ^^er .n 
erwachte ich mit starker Erektion un^ätj^ K S!: T" 
lang andauernder Husten folgte. Kitzelreiz, dem ein 

Ich schlief wieder ein und hatte einen zweiten Traum: 
! II ■ '^- I'''! gi"g mit meiner Gesellschaft ai,f «;„ d' ., 

■■ ^ ein Kissen am Arme. Dort angelangt nete'l " d "T 

■ ich; „Nun muß ich zu meiner Frau und 7,, . ' ^"" '^^*'' 

Ich fand sie in Gesellschaft mein" We „"sT'' *^^^^^"^^'^^^'" 
kur. und kühl begrüßte. Meine Frau saß in h 'f '''' ^'^ ''^ 

der inneren meine Mutter mit' vielen VortändtT '^ " ^'""- ^" 
„Hast du schon Vetter B. und Tante V he^rmJ^."^^^^ '"^ ™''^ 
„Vetter hin und Tante her, Onkel hin und ScW , ^^^^^ *^''' 

mich in dieser Gesellschaft nicht wohl {f^"^' '>«'"'" «nd fühlte 
distische Worte, suchte mir einen entfernteren S7'*'^"'"^se paro- 
meiner Frau: „Komm, schauen wir daf\ wir , '^ ^^^*^^ ^'^^ 

herauskommen." ' ' ^^« ^'^ser Gesellschaft 

Dieser Traum liat eine große Bedeutung weil 
die spezifische Phantasie seiner Onanie zu heben E ^"-n^"^ ^^^^^^" '''*""' 
Frauen in Pumphosen stören ilm. Damit drückt ^ 1 °"^"*®^™' ^^«'' 
Wesen seiner Phantasie aus. Dann sehen wir d a\ ^^^ bisexuelle 

etwas mit dem Waschen zu tun hat Die Forts^t ! onanieren irgend 

Beziehungen zu seiner Mutter, die im inn.r! iJ"^ T^^^mes ergibt 
, .^itzt., u-ährend seiner Frau nur ein äußerer f^tflrrerT P^at!™ 



Aualyse eines Fiilks von ScliuiüeutctiBchismtiB. ggj 

wiesen ist. Die Mutter war eine Verwand temiärr in, die mit allen Ver- 
wandten einen förmlichen Kult trieb. Er war aber so an sie fixiert, dali 
er sie ganz allein für eich haben wollte. Er war mit den Verwandten 
immer unfreundlich, was ihm oft Schläge eintrug und eeinen Haß ver- 
mehrte Sein siieziellcr Hali war ihr Schwager, der hier durcli den 
Schwager seiner Frau dargestellt ist, den er kurz und kühl begrüßt. Der 
Schwager ließ ihn in den Ferien in ein Geschäft gelien, um ungestört 
mit eehier Mutter chaiinieren zu können. So war der Verdacht des Jun- 
gen, der einmal die Mutter überrascht hatte, als der Schwager-sie küßte. 
Er sagte es seinem Vater und erhielt für diese „Lügen" wieder -- 
Schläge. Seit damals bedachte ihn der Sohwager mit seiner Abneigung 
und er haßte ihn wie keinen zweiten Mensciien auf der Welt. 

Die Ursache seiner WutanfäUe war Eifersucht auf den Schwager 
und auf die anderen Verwandten, auch die Ursache des Hasses gegen 
Beine Schwester, die er bekanntlich auch ermorden wollte. 

Am nächsten Tage bringt er wieder wichtige Traume: 

Herr \i. machte neue Vorschläge, die die Mögliclikeit in sich 
schließen sollten, die Filiale Triest verlustlos durcli den weiteren 
Krieg zu ziehen mid wollte schon bedeutende Transporte vorliegen 
haben, so daß ich schon zurückkehren könnte. 

Ich besah mir die vorliegenden Avisen und konstatierte, daß 
es sich wohl um viele Sendungen handeln würde, doch von einem 
wji'klichen (lewinn dabei keine Hede sein könne. Es handelte sich um 
die Sendungen der Apotheke rtirma J. S., Triest, die schon von Spe- 
diteur zu Spediteur gewandert ist und als ganz besonders preis- 
drückend bekannt ist. 

Außerdem handelt es sich bei den vorliegenden Avisen um 
pharmazeutische Artikel, deren Ausfuhr gegenwärtig verboten ist 
und die Expeditionen nur mit Falechdeklarationen vorgenommen 
werden könnten. Weiters sind die meisten Sendmigen für Italien. 
Verona, Mailand liestimmt, also für unsere Feinde, was zu Un- 
annehmlichkeiten führen könnte. 

;• Er erzählt: 

.Darauf anfgewa.-ht, tauchte ein Geschäft vom vorigen Jahrevor 
,nir auf, und zwar: Wir hatten für einen Zwischenhändler für Tnest, 
der früher in Lebonsmitt,el handelte, 2 Waggon Teigwaren .n Itahen 
abzudisponieren und nach Triest zu expedieren. 

Die Waggons kamen kurz nacheinander an, ™-den verzoll 
nnd gegen Bezahlung von Fracht. Zoll, Spesen übergeben und regelrecht 
verbucht Kurze Zeit darauf kam eine Verfügimg des Ministeriums, wo- 



VT 



oA'2 Fetischismus, 

nach Melil uiicl Mehlprodukte zollfrei eingefülirt werden komiten und 
'i'.. .die Verordnung wurde mit Rückwirkung auf einen bestimmten- Tag vei'- 

» 'J lautbart. 

Unser ZoHspediteur fand nun heraus, daß ein Waggon von den 
beiden schon unter die neue Verordnung fiele und der Zoll hiefür zurück- 
verlangt werden könnte. Ich berichtete diei? Herrn B.. welcher sofort 
bemerkte: „Dies gibt ein Geschäft für uns."' 

Die^Zollbollette wurde herausgesuclit, der Zoll reklamiert und 
nach einigen Wochen auch tatsächlich rückvergütet 

Herr B. wollte nun dem Empfänger, da dieser selbst nicht darauf 
gekommen und für seine beiden Waggons Wucherpreise erzielte, den 
Zoll nicht ohne sein Verlangen vergüten und ih]n eo noch einen weiteren 
: , mühelosen Gcwimi zuschicken, sondern er teilte den Betrag zwischen 

J «ch dem Zollspediteur und mir unter der Bedingung, daß, falls der 

; Empfänger noch daraufkommen sollte, das Geld wieder herausgegebei> 

, werden müßte. 

Mi , ,, ^r ^'7; Erinnerung konnte ich m,cl. nun für mindestens 1 bis 

^ I 2 Stunden n.cht mehr befremn. Alsdann tauchten die schon oft gehabten 

'f- Gedanken wegen Ansied uns in Syrien p ■ * , ^ j 

ließen dm schon oft gesehl^n Bildn 7p, . ' -^'^^ "'^''" ""^ ""^ 

ziehen. Weiters bekam ic^vfo^Jitn'^^r^""' '" "" ^""'r'" 

■ wunderte die Zähigkeit, mit der si h " ^ ".^^^^"^^"^ zu tun und be- 

Schlingen zieht, ohne eine Selb nd /?' "' '" '^" '"""^ ''''"''" 
Hidie besonders zu stören. ''''^'^^'"^'^^'"^ ^'" verli.reu und ohne die 

Ich-zog Parallelö mit meiner gegemvärfi.. t \' ^ 

mir verschiedene Gedanken wi. ^7^"'y^^^'Se" T^age und es kamen 

wahren könnte." ' ^" ""'^'^ "=^ ">eine- Unabhängigkeit be- 

Wir wissen, es ißt sein Schmer? d^H.j 7" ^ " 

Meer hat verlassen müssen. In W e^ W 'f '''"' '^^''''^ ""^ '"' 

Donau ist ihm zn fern. Der Tram'^ T "''^'^ ^^'^^^ S^""- ^'' 
Traumes, in dem ihm Handschellen n 'eleS ^H '" ^f '""^ '^^ "'''" 

Er ist ein übertrieben ehrlicher mIT 7'"'"' 
redlichkeH zuschulden kommen laltn E I Tt ''' ^"^ ''"l 1." 
der em leichtsinniger Fraueniäeer und T f ^^'"^"^ Freunde B-, 

den Zoll eingesteckt, den er reklaTert wf' "S" ^^'^^-'^''^'' '''• 
schlimmerte sich sein Befinden seinTMl« ^ " ^'' "'^"^^ ^^*' ^''' 
ärger. Er ahnt letzt, daß sein; Csetr;:^^^^^^^^ 

mehr als sein Freund B. entlassen wurde ^"'"^''' ''^' "'" "" 

Er würde am liebsten den ganzen V^vF.n 

, soine gute Stellung zu verlieren. SeLo Seih tri '? !^'"' ^^'''''' "^''' 
einen realen Grund. " " ^^^^bstmordabsichten haben also 



Aualyso eiues Falles von Sclitirzonfetischismiis. ggg 

liitorotiüant ist, daß er das Geld geuomnien hat, um die Bettlei- 
beschejiken zu können; ein Motiv, das wir bei der Kleptomanie schon 
kennen gelernt haben und das die Erhöhung des Persönlichkeitsgefühles 
durch Beschenken (Erniedrigen) anderer, die danken müseen (was er in 
nicht kann) bezweckt. 

Unsere Vermutung, daU es eich um ein reales kriminelles Faktum 
handeln müsee (siehe S.320), erwies sich also als unzutreffend. 

Die Aussprache und das Geständnis erleichtern ihn sichtlich. Er 
meint, es werde nie mehr in seinem Leben vorkommen und ninmit siclj 
vor, der betreffenden Firma das Geld anonym einzusenden und so den 
Schaden wieder gutzumachen. 

Die Metzgei'pliiiutasien drängen sich immer mehr m den Vorder- 
grund. Er träumte: ^ ..; . 
Ich suchte naeh Butter und kam in einen Metzgerladen; da 
war ein großer Biillen wie ein halbes Faß. Meine Frau meinte, ich 
hätte falsfh gesellen, es sei nicht Butter, sondern Margarine. Sh- 
ging fort, ich gab ihr lÜ Kronen, sie aber griff in meine Tasche, um 
sich mehr zu holen und sagte dabei: „Laß mich tippen." Ich wollte 
mich überzeugen, ob "es wirklich Butter war, sah auf dem Pulte den 
Ballen liegen. Er war Margarine. 

'■. Seiner Frau hatte er den Vorfall in Triest — es scheinen mehrere 
yeweseri üu sein — ganz versdiwiegen. Fr ist falsch. Er ist die Marga- 
rine, wahrend sein Chef und seine Frau glauben, daß er Buiter sei. 

Er wundert sieh, daß in einem Metzgerladen Butter vorkauft wird. 
AVie kam er nur auf den Metzgerladen? Das muß etwas mit seiner 
Schürze zu tun haben! 

Plötzlich fällt, ihm ein, daß er in München jedes Jalu- den Metzger- 
srii'ung gesehen hat. Die .langen Metzgerburechen kamen auf Pferden, sie 
zogen Felle an und etürzten sich in einen Brunnen (siehe den Brunnon- 
traum S. 327) nnd kamen dann naß hervor. 

Er ist voll von sadistischen Phantasien und Erinnerungen. Er warf 
einmal (5—6) eine Kntze vom vierten Stock auf die Erde, sie bliel) 
lebend aber er quälte sie dann entsetzlich. Er lebte ganz in Karl May 
und seinen Indianergesehichten. Er tötete in seinen Träiunen alle seine 
Widersacher. Er sah gerne zu, wenn in Triest die Skorpione aufgespießt 
und dann lebend verbrannt \^^^rden, 

Oft denkt er an einen vierfachen Raubmord, der sich in Salmdorf 
ereigaete. Vier Frauen mirden ennordet. Er zählt andere Raubmorde. 
die ihm in Erinnerung geblieben sind. ■ ■ 

Er trug bis zum 10. Jahre selber eine Schurze! 



'(, 






(1 



' ■ 334 KrtiseliiMDiiK. 

I I 

Mit 2:^ Jaliren war er Zeuge, wie ein Geisteskranker sich auf daä 
i! Pflaster wart und zcrBchinettert liegen blieb. (Vgl. den Traum S. 324.) 

'^ Ei- lief davon. Er kann nicht unmittelbar helfen, wenn es gilt zu handeln. 

In Träumen, die ich übergangen habe, kam das Wort A u r i e 1 vor, 
das ihn zwangsmäßig verfolgt. Der Name hat Beziehungen zu seinem 
Verbrechen. Auch hatte er mit einem Freund Aurel sexuelle Bczielmngen 
(12—14). Seine Schwägerin reizt ihn sexuell, weslialb er auf seinen 
Schwager eifersüchtig ist. Er fühlt eine sexuelle Erregimg, wenn er von 
ihr „Schwager" angesprochen wird. Erinnert sieh an Konditorgehilfen 
(7), die lialbnackt waren oder Schürzen um hatten. 

Nun ei'innert er sich an den Beginn seiner Parapliilie. Er war 

i2 Jahre alt, da lullte er ein Schaff mit Wasser, zog die Hose aus, legte 

sich in das Schaff und machte Wiegebewegungen. Damals tauchte er mif 

den Popo ein. Erst seit der Schwangerschaft seiner Schwester ivurde auch 

f ; der Bauch benetzt. Mit 4 Jahren wurde er von seinen Eltern in eia 

Variete mitgenommen und sah eine indische Bauchtänzerin, die ihm 
gewaltig imponierte. Hatte damals den Wuiiöch, eine Bauchtänzerin zu 
g( werden. 

Er sah gerne zu, wenn die Schwester ihr -Kind stillte und beneidete 
den Säugling. ^ 

Htirt gerne von Verbrechen und Mördern und liest in der Zeitung 
zuerst den „Gerichtesaal" und die Mordgeschichten. Am meisten regte 
ihn die Geschichte von „Jack the ripper" auf. Er wurde nicht müde, die 
Geschichte zu lesen. Er schlitzte einmal ein Badekostüm seiner Schwester 
mit einem Messer auf und onanierte in den Schlitz. (Phantasie eine^ 
aufgeschnittenen Weibes.) Wenn die Schürzen verdorben waren, schnitt 
er sie mit großem Vergnügen entzwei, hatte dabei Erektion! 

Vielleicht erklärt das die faszinierende Wirkung der roten Farbe. 
Sah einmal in einem Wirtehausc eine appetitliche Köchin in einem 
roten Kleide jnit emer weißen Schürze und wurde sexuell sehr erregt, 
Jim; Während ihn sonst weiße Schürzen kalt lassen. 

1.1; " ^'■'' '^'^'^'■*^" ^'■^^^" stoßen ihn schmutzige Schürzen ab (Mutter?). 

er kann nicht hinsehen. 

Er hustete sehr stark, hatte eine förmliche Ideenflucht dabei, 
konnte aber keinen Gedanken festhalten. 

Er hat1e vor dem Einschlafen ein hypnagoges Bild: Ein offener 
Mund, die Zahl 10 (Zähne). Er bezieht das Bild auf die Phantasie einer 
Fellatio. (Befindet eich im Stadium starker Übertragung, wollte mich 
bei Nacht an sein Bett rufen lassen, weil er sich so schlecht fühlte.) 



Analyse eiües FallcB von Si'lLiiizeulcliscIlisiijiis, 335 

Kr sah in Triest Abbildungen von Orgien, die ihn «ehr erregten 
Beeonders die nackten Männer mit den erigierten Phalluesen regten ihn 
üuf. Für gowöluilich lassen iim die Bilder nackter Frauen ganz kalt. 

Er gibt eine ZuBainmenfassimg seiner Angetzustände. Er hat 
Angßt zu fallen, aus dem Fenster zu stürzen. Er geht in der Oper nie 
dm d.e vierte Galerie, er kami nicht hinunterschauen. Angst vor dorn 
AJleingehen, vor finsteren Gängen, vor einem Überfall (trägt einen ge- 
iadenen Hevolver). Ein Mann, der hinter ihm einherschreitet, ist ihm 
wmeimhch. Dreimal lief er vor Männern davon. Hört bei Nadit oft Ge- 
' ansehe und hat nicht den Mut, sich zu überzeugen, woher die Geräusdie 
i^ommen. Er ist in joder Hinsicht ein Kind geblieben. 

Er hatte folgenden Traum; 

Ich sitze mit meiner Familie bei Tisch. Es wird eine Torte ver- 
abreicht, die giftgrün ist. Ich sage; „Das kann man nicht essen.'"- 
Meine Frau sagt: „Du kannst sie ruhig essen." Mein Bub kostet , 
zuerst und verfärbt sich. Auch die anderen Kinder wechseln die 
■carbe. Sie haben alle schon von der Torte gegessen. Auch meine 
. Frau würgt und bricht. Ich rufe ihr zu: „Ich bin nicht schuld! Du 
hast die Torte ins Haus gebradit!" 

Er kämpft mit Mordgedanken. Er möchte seine Familie vergiften. 
Er hat immer Sublimatpastillen (mit dem Totenkopf) zu Hause und 
fürchtet jedesmal, wenn er den Kindern oder der Frau Aspirin gibt, er 
habe das Aspirin mit dem Sublimat verwechselt. 

Er hat aucJi Angst, daß Gas ausströmen könnte und Überzeugt sich 
emige Male, ob der üaehahn geschlossen ist. (Ideen, die Familie durch 
GasauBströmcn zu töten.) 



Er siolit jetzt seine starke Homosexualität ein und gesteht, daß 
es ihn mehr zu Männern in Schürzen zieht als zu Frauen. Seine erste 
Schürzenliebe waren Metzger mit blutigen Schürzen. 

Und plötzlich fällt ihm etwas wichtiges ein. Er war in S., dem Ge- 
burtsorte seiner Eltern, bei seinem Onkel. Vom rückwärtigen Trakte des 
Hauses sah man in den Hof eines Metzgers. Er sah zu, wie die Schweine 
geschlachtet und wie die Würste gemacht wurden. (Siehe den Traum 
von der VcrwandtecJiafL, wo die Familie des Onkels B. vorkommt. S.330.) 
(4—6.) Ferner fällt ihm ein, daß er die Köchin mit der weißen Schürze 
»nd dem roten Kleide schon in der frühen Jugend gesehen hat (7 — 8). 
Der Wirt war Metzger und schlachtete seine Schweine und Kälber selbst. 

Auf der Gasse sieht er nur Schürzen. Jetzt reizen ihn besonders 
hlaue Schürzen. Er flieht vor dem Bhitkomplex. Daher hat er die 
Metzgerschürze, die seine erste Liebe war, mit Ekel belegt. Er kann 



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■^;'g - Fetischismus. 

'1,- ' 

kein Blut sehen, er kann keine Blutwurst, kein blutiges Roötbeel' essen. 
Kr kann in der Küche nicht das rohe Fleisch sehen, weil er es dann 
nicht essen kann. 

- Er hat beim Raseur Angst, das Messer könnte ihm den Hals ver- 
letzen. Er rasiert sich deshalb selbst. Das Halsabdrehen der Hennen und 
Tauben kann er nicht sehen. Er hat Zeiten, in denen er gar kein Fleiscli 
GBsen kann. Er versuchte oft, Vegetarier zu werden, aber die Ärzte rieten 
ihm immer wieder Fleisch an, weil er eine schwache Lunge hat, Ale Kind 
ging er gerne auf den Friedhof,- besonders beim Onkel. Nun kann er keinen 
Friedhof bcsuclion, kann keinen Leichenzug sehen (siehe Traum S. 328). 
eine Leiche anzusehen, wäre ihm immöglich. (Nekrophilie?) Als Kind 
lief er den Leichenzügen nach und besuchte gerne die Toteji, wenn sie 
ausgestellt waren. 

Während der Gravidität pflegte er seine Frau so stark an sich zu 
nrücken, daß sie ausrief: „Alfred, gib acht auf das Kind!" — Er weiß, 
daß er das Kind im Mutterleibe zerdrücken wollte. Beim ersten Kind war 
es ein dunkles Gefühl, beim zweiten war es ihm vollkommen bewußt. Das 
Kind litt an Darrakatarrh und sah elend aus. Er hatte „Mitleid" mit dem 
Kinde und hoffte, es werde sterben, um erlöst zu sein. Er trug eich mit 
dem Gedanken, das Kind heimlicli zu erdrosseln. Seit dieser Zeit ver- 
stärkte sich der Kitzel im Halse. 

Er ißt wieder potent bei seiner Frau. Gestern beobachtete er sich 
beim Koitus. Er stößt immer mit aller Gewalt und hat dabei eine Art 
Traumzustand. Der Penis wird zimi Messer. Er schlitzt seiner Frau den 
Bauch auf. Er sieht jetzt alle kriminellen Gedanken ein und sagt: „Wie 
werde ich mich von den kranken Gedanken befreien? Solche Gedanken 
kommen mir vor wie konservierte Mumien." 

Es wird ihm erklärt, daß Mumien oft zerfallen, wenn sie in das 
Lidit des Tages gebracht werden, was ihn sehr beruhigt. 

Er sah gestern einen Metzgerwagen und kämpfte mit Brechreiz. 
El' erzählt, daß ihm das sehr unangenehm war, weil er gerade einer an- 
genehmen Erinnerung nachhing. Er verliebte sich mit 10 Jahren in einen 
entzückenden Blondkopf. Das Mädchen trug eine reizende cremefarbene 
Schürze. Er lief ihr immer nach und -suchte ihre Bekanntschaft zu machen. 
Sie ging in eine Klavierschule und er sekkierte zu Hause so lange, bis 
man ihm erlaubte, auch in derselben Schule Klavier zu lernen. Damals 
ging er im Sommer einmal fischen, seine Hosen wurden naß. Er hatte 
eine sexuelle Erregung. Das beschäftigte ihn so sehr, daß er das Mädchen 
■ vergaß. 



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' ^ Analyse ßines Falles von Sclnir/pnfciiscbismus. 

Eigentlich war es keine rechte Liebe. Er hat angeblich nur einmal 
im Leben geliebt, und zwar nur den -Fi'eund, der ihn mit Hedwig bekannt 
machte. (Siehe 8. 310.) Allerdings war er sehr früliroit' und hatte schon 
mit 5 Jahren eine kleine Braut, der er bis zum 7. Jahre treu blieb. Doch 
interessierte ihn als Kind am moiaten das Glied der Männer. Schon im 
4. Jahre sah er immer zu, wenn die Burschen im Hofe urinierton. Ein 
Nachbar mit einem sehr großen Gliode imponiei'tc ihm um meisten und 
er lief immer zum Fenster, um zu sehen, ob dieser Mann kommen würde. 

Er hatte folgenden Traum: 

Für das Gast- und Schankgewerbe tritt wieder eine Steigerung 
ein, und z^var für Lagerbier. Als ob ein Kind vor das Haus gelegt 
werde, aber man darf es nicht drücken, daß nichts passiert 

Er fürchtet eine neue Gravidität seiner Frau, die hier das Lager- 
bier darstellt. Sein Haus wird als Gast- und Schankgewerbc ausgedrückt. 
Gedank