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Full text of "Vlacho-Meglen"

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Weigand, Vlacho-Meglen. 




Meglenit aus Ljumnitsa. 



Johann Ainbrosius Barth in Leipzig. 



Lichtdruck von Romniler & Jonas, Dresden. 
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VLACHO-MEGLEN 



EINE ETHNOGRAPHISCH-PHILOLOGISCHE 
UNTERSUCHUNG 

VON 

Db. gustav weigand 

PRIVATDOCENT AN DER UNIVERSITAT LEIPZIG 




J LEIPZIG 
JOHANN AMBROSIUS BARTH 
1892 



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63,45 -a/*- A 







Alle Rechte vorbehalten. 



Druck von Metzger & Wit tig in Leipzig. 



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FRIEDEICH ZARNCKE 



IN DANKBARKEIT 

GEWIDMET 



a* 



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Vorwort. 



Als ich im Som'mer 1887 von meiner Reise zu den 
Olympo-Walachen zuriickgekommen und an die Bearbeitung 
des mitgebrachten Materials gegangen war, wurde es mir 
klar, da8 noch ein zweiter und langerer Aufenthalt in der 
Tiirkei notig sein wurde, urn Klarheit zu erlangen, sowohl 
iiber die Verbreitung und Eigenart der Zinzaren, als auch 
liber ihre Sprache. Ich verdanke vor allem der Initiative 
des Herrn Geheimerat Prof. Dr. Zarncke, der von Anfang 
an meinem Unternehmen das warmste Interesse entgegen 
brachte, da8 mir die Ausfiihrung ermoglicht wurde. Wenn 
ich ihm diese Arbeit widme, so moge das als ein schwacher 
Ausdruck meiner Dankbarkeit gelten. 

Die Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, 
die Kgl. Akademie zu Berlin und die Kgl. preuBische Re- 
gierung haben gutigst die Mittel zur Reise gewahrt, wofur 
ich auch an dieser Stelle meinen warmsten Dank ausspreche. 
Am 30. April 1889 bin ich aufgebrochen und am 9. Sep- 
tember 1890, also nach mehr denn 16 Monaten, wieder 
nach Leipzig zurtickgekehrt. 

Die Ergebnisse dieser Reise sind so umfangreich und 
verschiedenseitig, daB Jahre vergehen werden, bis sie ver- 
arbeitet und veroffentlicht sein werden. An erster Stelle, 
dachte ich, sei es angebracht, der romanischen Grelehrtenwelt 



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VI 



einen selbstandigen, bis jetzt ganz unbekannten rumanischen 
Dialekt darzubringen, der von einem Volkehen gesprochen 
wird, das sich wesentlich durch Typus, Tracht, Lebensweise 
und Sitten von den Makedo-Romanen unterscheidet. Ich 
bezeichne mit Meglen (slav. meglen, moglen — Nebel) nicht 
nur das Land, wie es dort geschieht, sondern auch gleieh- 
zeitig die Sprache, um einen bestimmten Ausdruck zu 
haben; denn das dort ubliche „vlaski u — walachisch, ist zu 
allgemein. 

Der erste Teil handelt von Lan<? und Leuten. Wenn 
ich Reiseerlebnisse ausfiihrlicher schildere, als fur den 
Zweck der Arbeit notig gewesen ware, so geschah das, um 
eine Idee zu geben von den gegenwartigen Verhaltnissen 
und den Schwierigkeiten, mit denen der Reisende zu 
kampfen hat. Zur Veranschaulichung dienen vier Licht- 
drucke, sowie eine topographische Skizze. Im zweiten Teile 
betrachte ich es als jneine Hauptaufgabe, in vergleichender 
Weise die Beziehungen festzustellen, die das Meglen zum 
Dako-, Makedo- und Istro-Romanischen hat, indem ich dabei 
die heutige Sprache zu Grunde lege. Nur ausnahmsweise 
habe ich mich in Anmerkungen auf die Erklarung der 
grammatikalischen Erscheinungen eingelassen. Die Sprach- 
geschichte gedenke ich spater in einer Grammatik darzu- 
legen. Der dritte Teil bringt einige Texte mit Ubersetzung. 

Ich gebe mich der Hoffnung hin, daB die vorliegende 
Arbeit nicht nur dem Philologen, sondern auch dem Ethno- 
graphen und Geschichtsforscher zu statten kommen und als 
ein neues und wichtiges Moment dazu beitragen wird, das 
Dunkel in der rumanischen Geschichte zu lichten. 

Leipzig, im September 1891. 



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Inhali 



Seite 

I. Teil. Laud uiid Leute ix 

Wie ich das Meglen fand . xi 

Reise nach und Aufenthalt in Ljumnitsa xvn 

Ausfluge in die Umgegend xxi 

Die Bewohner xxvn 

II. Teil. Das Verhaltnis des Meglen zum Dako-, Makedo- 
und Istro-Romanischen 1 

A. Lautlehre 3 

Lautstand 3 

Vokalismus 6 

Konsonantismus 13 

B. Flexionslehre 21 

Substantivum 21 

Nominativbildung 21 

Pluralbildung 22 

Artikulation 25 

Kasusbildung 25 

Adjektivum 27 

Numerale 28 

Pronomen 29 

Adverbia 32 

Prapositionen 34 

Konjunktionen 35 

Verbum 36 

C. Wortschatz des Meglen 47 

Die Resultate des zweiten Teiles 51 

SchluBbetrachtung 52 

III. Teil. Texte 57 

Der Wahrwolf 59 

Der Wahrwolf und das M&dchen 64 

Das Marchen von der Schlange 66 

Die Barin und der Knabe 71 

Das Marchen vom Fuchs 74 

Der Winter 77 



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I. TEIL. 

LAND UND LEUTE. 



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Wie ich das Meglen fand, 

§ 1. Die erste Nachricht dariiber, da6 im Karadzova- 
Gebirge Walachen seien, erhielt ich von Zinzaren in Monastir. 
Einst zeigte man mir auch einen zerlumpt aussehenden Menschen, 
der einen mit Thongeschirr schwer beladenen Esel vor sich her 
trieb und ein muhamedanischer Walache aus Nonte sein sollte. 
Von den walachischen Lehrern in Monastir erfuhr ich, daB auch 
eininal ein Knabe von dort ein Jahr lang das Gymnasium 
besucht und in auffallend kurzer Zeit Dako-Rumanisch erlernt 
habe. Naheres wuBte man mir nicht zu sagen, und so faBte 
ich den EntschluB, einen Ausflug in jene Gegend zu machen, 
um mich an Ort und Stelle selbst zu unterrichten. 

§ 2. Ich befand mich in Rozna, dem sechs Stunden 
sudostlich von Monastir gelegenen Tschiftlik meines Freundes 
Robi. Am 4. Juni 1889 morgens 6 Uhr bei klarem Wetter 
brach ich auf, begleitet von einem Suvari aus Fiorina. Ich 
hatte nur einen Doppelsack und eine groBe Decke mitgenommen, 
da ich bald wieder zuriick zu sein gedachte. Im raschen Trabe 
ging es nach dem am FuBe der Berge gelegenen Banitsa, von 
dort die gute StraBe aufwarts, bis wir um 8 Uhr beim Dorfe 
Gornitsovo die PaBhohe erreicht hatten. Einige Minuten Aufent- 
halt benutzten wir, um uns Kaffee bereiten zu lassen. Kaum 
hatten wir die Kula (Wachthaus) passiert, als der vorausreitende 
Suvari einen gellenden Schrei ausstiefi und wie wahnsinnig mit 
seinem flinken Pferdchen einen holperigen Seitenweg hinausjagte 
und dann mit einem plotzlichen Ruck anhielt. Ich war lang- 
samer nachgefolgt und machte ihm einige Komplimente iiber seine 
Geschicklichkeit und sein flinkes Pferd, worauf er stolz und 



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— XII 

befriedigt lachelte. Turken gegeniiber kann man nicht freigebig 
genug mit. Lob sein, das gewinnt sie, ist auch Landessitte. Wir 
stiegen zu FuB ins Thai hinunter, wo wir wieder auf die StraBe 
kamen. Bald erreichten wir eine Kula, wo zur Sicherheit der 
Karawanen etwa 20 Soldaten stationiert sind. Von dort wird 
der Weg so schlecht, daB man abzusteigen genotigt ist; wir 
verlieBen ihn auch bald wieder und erreichten um 10 Uhr den 
Eand des Sees von Ostrovo. "Ober die sandige Flache, die 
dem Nordufer vorgelagert ist, ging es im Galoppe dahin, und 
wir kamen um lO 1 ^ Uhr in Ostrovo an. Fische und Eierkuchen 
schmeckten uns vortrefflich. Als ich den Handschi iiber die 
Bevolkerung fragte, gab er zur Antwort: „imis ixe*vrome ro- 
m&'ka." (Wir konnen griechisch.) Er wollte so die Antwort 
umgehen, daB sie Bulgaren sind. Das Dorf hat 100 bulga- 
rische und 50 muhamedanische Hauser. 

Um 1 Uhr setzten wir den Weg auf dem Pfade iiber den 
Berg fort und gelangten jenseits auf die StraBe. Unterdessen 
hatte sich ein Gewitter zusammengezogen, das ganz plotzlich 
losbrach, und zwar mit einer Gewalt goB der Regen hernieder, 
daB ich schon durchnaBt war, ehe ich Zeit gefunden hatte, meine 
Decke loszuschnallen und mir iiberzuwerfen. Wir ritten gerade 
in einem Thale, in das von den seitlichen Abhangen das Wasser 
in Kaskaden herunterstiirzte. Die StraBe war in kurzem fuBhoch 
uberschwemmt, und da wir keinen Schutz fanden, sahen wir 
uns genotigt, den Weg fortzusetzen. Das Unangenehmste war 
mir der Umstand, daB ich Lederhosen trug, die in hohen Stiefeln 
steckten. Natiirlich dauerte es nicht lange, daB die Stiefel 
mit Wasser gefullt und die Lederhosen durchweicht waren. Als 
auch das Unwetter langst voriiber war, wurde ich immer noch 
in der unangenehmsten Weise daran erinnert. Um 3 x / 4 Uhr 
kamen wir nach Vladova. Wir eilten, moglichst bald nach 
Vodena zu kommen, und die Schonheit des vom Kremu durch- 
flossenen Thales, das durch seine iippige Vegetation auf die 
paradiesische Gegend von Vodena vorbereitet, beriihrte mich 
damals wenig. Um 4 x / 4 Uhr ritten wir durch die engen und 
schmutzisren Gassen in Vodena ein. 



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XIII — 

Nach einigem Suchen fand ich das Haus eines gut situierten 
Zinzaren von Neveska, Namens Jorji Dimitri Tschoko, 
dessen Adresse ich bei meinem Aufenthalte in Neveska erfahren 
hatte. Ich wurde in liebenswiirdiger Weise von ihm aufge- 
nommen. Meine erste Sorge war, inich urnzukleiden. Mit Hilfe 
meines Wirtes stand ich bald im bulgarischen Kostiime da, und 
ein guter Kaki bewirkte, daB ich mich wieder behaglich fiihlte. 

Am andern Morgen besuchte ich den Kaimakam, um ihm 
meinen Empfehlungsbrief zu iiberreichen und um einen neuen 
Brief und einen Suvari zur Begleitung ins Meglen zu erbitten. 
Beides gewahrte er nur ungern. Man vermutete in mir, wie 
ich bei meiner Kiickkunft horte, einen osterreichischen Offizier, 
der gekommen sei, um zu sehen, wo man Kanonen aufpflanzen 
konne. DaB ich der Walachen wegen in den beriichtigten 
Karadzova gehen wollte, konnte man nicht begreifen. Erst um 
12 Uhr, nach mehrmaligem Drangen, erschien der Suvari. 
Zwischen Garten und Maulbeerpflanzungen hin zogen wir in 
nordlicher Richtung, iiberschritten mehrere Male einen Bach 
und wandten uus dann in nordostlicher Richtung iiber einen 
Berg an dem Dorfe Lukoverts voriiber nach Dragomantsi, das 
wir 2 Uhr 15 Min. erreichten. Hier beginnt die Ebeue, das 
sogenannte Bulgaro-Meglen. Die Langsachse geht von Drago- 
mantsi in nordostlicher Richtung bis Fustani und ist etwa 
25 km lang, die Breite der Ebene betragt zwischen 5 und 10 km. 
Sie ist eingeschlossen von steil abfallenden, hohen Gebirgszugen, 
von denen eine Menge Bache und Bachlein herunterkommen, 
die die Ebene iiberreich bewassern und vereinigt unter dem 
Namen Meglenitsa in siidlicher Richtung abfliefien. Die ge- 
schiitzte Lage, der gute Boden und Wasser in Hiille und Fiille 
bewirken eine so iippige Vegetation und eine so groBe Frucht- 
barkeit, da6 man selbst dreimal im Jahre ernten kann. Nur 
selten fallt Schnee. Die Bewohner sind zum groBten Teil 
Pomaken, d. h. muhamedanische Bulgaren ; die auch als fleiBige 
Ackerbauer bekannt sind. Durch diese Ebene ritten wir im 
schnellen Trab, iiberschritten beim Dorfe Kosturian den einzigen 
in die Ebene vorspringenden niedrigen Hohenzug und erreichten 



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— XIV — 

um 6 Uhr den Hauptort Subotsko mit 200 meist muhame- 
danischen Hausern. Ich fand Unterkunft bei dein zinzarischen 
Silberarbeiter Theodor Mischol. Wohl in jedem groBeren 
Orte kann man sicher sein einen oder mehrere Zinzaren als 
Silberarbeiter, Handschi oder Kramer zu finden. So auch 
hier. Es waren funf Personen, die gemeinschaftlich ein Zim- 
mer zum Schlafen gemietet hatten, wo auch ich gerade noch 
ein Platzchen fand, wo ich mich ausstrecken konnte, das 
ich immer noch dem Aufenthalte in dem schmutzigen Hane 
vorzog. 

Erst um 9 Uhr folgenden Morgens konnte ich auf brechen, 
begleitet von einem Soldaten. Wir uberschritten mehrere an- 
geschwollene Bache, hielten uns mehr nach dem Nordrande der 
Ebene hin, wo wir die kleinen Dorfer Sevrian, Izvor und 
Kastanki passierten, und erreichten um 12 Uhr Fustani. Als 
ich meinen Begleiter verabschiedete, geschah das Unerhorte, 
da8 er den Bakschisch, den ich ihm wie iiblich anbot, zuriick- 
wies. Auf meinen langen Reisen in der Tiirkei war dies der 
erste und einzige Fall. 

Am Nachmittage zog ich weiter meinem ersehnten Reise- 
ziele, dem Vlacho-Meglen, zu. Man mufi mehrere Hundert 
Fu8 hoch steigen, um diese zweite Ebene zu erreichen. Auch 
sie ist von den Bergen des Karadzova umschlossen mit zwei 
Ausgangen, einer nach Nordosten, der andere nach Siidwesten. 
Sie ist aber viel kleiner, etwa zwei Stunden lang, und weniger 
fruchtbar als das Bulgaro-Meglen. Immerhin wird hier noch 
Seidenzucht getrieben, und der dortige Paprika erfreut sich in 
ganz Makedonien einer groflen Beliebtheit. 

§ 3. Der Hauptort ist Nonte (Notje) mit 450 Hausern, 
l l / 2 Stunden von Fustani entfernt. Die Bewohner sind muha- 
medanische Walachen, die sich mit Ackerbau und mit der 
Topferei beschaftigen. Mit ihrem billigen Thongut ziehen sie 
weit umher. 

Das Dorf war friiher christlich, worauf die Nischen in den 
Mauern, fur Heiligenbilder bestimmt, hindeuten; ebenso ist die 
Einrichtung der alteren Hauser ganz christlich. Die Ruinen 



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XV — 

eines Klosters oder einer Kirche sollen noch verhanden sein. 
Selbst das Kirch weihfest wird noch gefeiert, und christliche Vor- 
namen sind ganz gewohnlich. 

Ende vorigen Jahrhunderts sind die Bewohner mit dem 
Bischofe an der Spitze, um den Qualereien der Turken zu ent- 
gehen, zum Islam iibergetreten. Heute sind sie gegen die 
Christen noch schlimmer, als ihre damaligen Bedriicker gegen 
sie waren. Es ist merkwiirdig, wie schnell sie sich in dieser 
Beziehung und auch auBerlich, was wiirdige Haltung, Speise 
und Kleidung betriffl, in Turken umgewandelt haben. Nur 
die Sprache haben sie gut bewahrt. 

Mein Wirt, Musta Bei, ein stattlicher Greis, an den der 
Brief des Kaimakams von Vodena gerichtet war, bemiihte sich 
eifrigst, mir den Aufenthalt in seinem Hause angenehm zu 
machen. 

§ 4. Hier horte ich zuin erstenmal den Dialekt, den 
ich kurz mit „Meglen" bezeichnen will. Sie selbst nennen ihre 
Sprache „vla$ki" walachisch, die Zinzaren hingegen die ihrige 
„arumune§te" romanisch. Da ich in dem muhamedanischen 
Hause nicht langere Zeit ohne zu storen bleiben konnte, so ritt 
ich am nachsten Morgen nach dem ein Stiindchen entfernten 
Borislaf, das am ostlichen Ende der Ebene liegt. Fiinf Poljaks 
(Dorfhiiter) begleiteten mich der Sicherheit wegen. Das Dorf- 
chen zahlt nur 45 Hauser und ist ein Tschiftlik von Nonte, 
d. h. die Bewohner sind nicht Eigentiimer des Bodens, sondern 
haben nur einen Anteil an dem Ertrage, wofur sie die Be- 
arbeitung auszuiuhren haben. Ich stieg ab bei dem Vorsteher 
Dutsu. Dieser erzahlte mir ihre Leiden, wie sie ausgesaugt 
wiirden von ihren Herren in Nonte, von der Regierung, vou 
den Poljaks und durchziehenden Soldaten. In ohnmachtiger 
Wut miissen sie die Faust im Sacke ballen. Es herrscht daher 
auch groBe Armut. Die Hauser sind nur einstockig, zwei und 
drei Familien wohnen in einem fast dunkeln Zimmer. Ihre 
Nahrung ist Maisbrot, Knoblauch, Zwiebel, Kase und Milch. 
Fleisch giebt es nur bei ganz besonderen Gelegenheiten. Und 
so ist es in samtlichen Dorfern, die Tschiftlik sind. 



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XVI 

§ 5. Am Nachmittage besuchte ich das nahe Lugunzi 
(Lunzi) und am andern Tage das hoch gelegene Osin; beide 
sind Tschiftlik. Von da aus ging ich in das reizend im Walde 
gelegene Kloster, wo drei Monche und sechs Nonnen friedlich 
miteinander hausen. Sonstiges von Interesse fand ich dort nicht. 

Abends kehrte ich wieder nach Borislaf zuriick und ver- 
brachte die zweite Nacht in einem engen Verschlag, eingehiillt 
in meine Decke und iiberdies noch mit einem Schaffliefi zuge- 
deckt, daB der scharfe eindringende Wind mir nichts anhaben 
konnte. Die Poljaks schliefen bei 8°K. im Freien, ohne 
Schaden zu nehmen. 

§ 6. Am 9. Juni, es war Pfingstsonntag, trat ich die 
Kiickreise an. Ich hatte mich uberzeugt, daB ich noch einmal 
und zwar auf langere Zeit in die Gegend kommen musse, um 
den interessanten Dialekt genauer kennen lernen. Zu einem 
langeren Aufenthalte war ich damals nicht vorbereitet. 

Auf meine Frage nach Liedern und Marchen wies man 
mich an den walachischen Lehrer an der griechischen Schule 
in dem bulgarischen Dorfe Tusin. Ich ritt nach Nonte zuriick, 
aB mit Musta Bei zu Mittag und gelangte in einer knappen 
Stunde nach Tuschin. Dieses ist, beilaufig bemerkt, der einzige 
bulgarische Ort in Vlacho-Meglen. Der Lehrer war bald gefunden, 
und er brachte mir in der That ein groBeres Gedicht, das er von 
seiner GroBmutter gehort haben wollte. Es stellte in phan- 
tastischer Weise dar, wie die Homer nach Dacien und die Tiirkei 
gekommen waren. Die Sprache war ein Gemisch aus Dako- 
rumanisch und dem dortigen Dialekt. Er gestand dann auch 
bald zu, daB er selbst der Verfasser des Gedichtes sei. Er 
war langere Zeit in einem rumanischen Kloster auf dem Athos 
gewesen und war dort mit rumanischer Sprache und Geschichte 
bekannt geworden. 

§ 7. Ich horte ein bulgarisches Lied, das so beginnt: 
Kata godina na osamnaiset otvoia mesets januari, pamet pra- 
zdnuvme na sfeti Tanas, patriarchat Alexandriski etc. 

Noch an demselben Abende kam ich wieder nach Subotsko, 
wo ich mich nach viertagiger Fleischenthaltung an einem Hammel- 



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XVII 

braten laben konnte. Am andern Tage ritt ich nach Vodena, 
besuchte die Wasserfalle, ergotzte mich an der herrlichen Natur 
und gelangte am 12. Juni abends nach einer zehntagigen Ab- 
wesenheit wieder nach Kozna, dem Ausgangspunkte dieser meiner 
ersten Tour in den Karadzova. 



Reise nach und Aufenthalt in Ljiuiinitsa. 

§ 8. Ich tibergehe einen Zeitraum von beinahe elf Mo- 
naten, in welcher Zeit ich die zinzarischen Dorfer in West-Make- 
donien, Mittel-Albanien , Epirus, Thessalien, Akarnanien, Siid- 
und Ost-Makedonien besuchte und ein reiches sprachliches, 
ethnographisches und geographisches Material sammelte. 

Freitag, den 25. April 1890, ritt ich von Dorian am See 
kommend in Gjovgjoli, Station der Strecke Belgrad-Salonichi, 
ein. Obgleich das Stadtchen ziemlich bedeutend ist, es zahlt 
etwa 3000 Bewohner, Bulgaren und Turken, fand ich doch den 
Han in einem solch ekelhaften Zustande, daB ich meinen Diener 
beauftragte, sich anderwarts nach einem Unterkommen urazu- 
sehen. Wahrend ich noch mit ihm redete, kam ein Herr in fran- 
kischer Tracht auf mich zu und lud mich in franzosischer 
Sprache ein, in sein Haus zu kommen. Dankbar nahm ich 
das Anerbieten an. Herr Mas si, so hiefl der liebenswurdige 
Herr, ein Armenier der Abstammung nach, ist franzosischer 
Unterthan; seine Frau ist eine Walachin aus Monastir, dennoch 
wollte sie lieber griechisch als ihre Muttersprache mit mir reden. 

§ 9. Kaum war ich im Hause meines Gastgebers ange- 
larigt, als sich ein gewisser Kivernitis, ein Zinzare von Vlacho- 
Livadhon, einstellte, um mich auszuforschen, wozu er als Leiter 
der griechischen Propaganda und Inspektor der griechischen 
Schulen sich verpflichtet fiihlte. Man hatte mich in griechischen 
Blattern bei der tiirkischen Kegierung als rumanischen Propa- 
gandisten zu verdachtigen gesucht. Wo ich hinkam, war ich 
bereits bekannt, und gar zu gern hatten die Griechen ocler 
rich tiger Graecomanen mich entfernt, weil sie furchteten, ich 

b 



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— XVIII — 

wolle die Walachen, diese Hauptstiitze des Griechentums in 
Makedonien, ihnen abspenstig machen. 

§ 10. Wirkliche Griechen giebt es in diesem Teile Make- 
doniens gar nicht, wohl aber haben die Bischofe, Arzte und 
Lehrer, begunstigt durch die griechisch-orthodoxe Religion, die 
armen, ungebildeten Bauern in einer Weise bearbeitet, daB diese 
nur im Anschlusse an Griechenland ihr Heil erhoffen. . Erst 
in neuerer Zeit ist es der bulgarischen Partei gelungen, von 
Norden her festen FuB unter der Landbevolkerung zu fassen. 
Trotz der groBten Anstrengung der griechischen Propaganda 
und der ungeheuren Summen, die alljahrlich geopfert werden, 
geht ein Dorf nach dem andern ihrem Einflusse verloren, die 
Leute fangen an zu sehen, auf welche Seite sie naturgemaB 
gehoren. 

Ware nicht die Furcht vor den Turken, die ihrerseits, wenn 
auch natiirlich nicht offiziell, lieber die Griechen, als die Bul- 
garen, die in ihren Augen Rebellen sind, unterstiitzen, so wurde 
die Umwandlung viel schneller vor sich gehen. 

Andererseits kommt den Bulgaren der Umstand zu statten, 
daB die griechischen Bischofe die Bauern in einer geradezu 
emporenden Weise durch die Kirchensteuer bedriicken. Sie 
werden darin von den tiirkischen Kaimakams und Miidiirs unter- 
stutzt, da sie diesen einen Teil der Beute abgeben. 

§ 11. Der oben erwahnte Kivernitis, dein ich den Zweck 
meiner Reise in den Karadzova auseinandergesetzt hatte, ver- 
lieB mich mit der Versicherung seiner Freundschaft und Unter- 
stutzung. Aber statt dessen hatte er nichts Eiligeres zu thun, 
als zum Kaimakam zu gehen, mit dem er natiirlich auf dem 
besten FuBe stent, und diesem vorzureden, daB ich die wala- 
chische Bevolkerung gegen die Turken und den Bischof auf- 
reizen wolle, und daB daher meine Abreise dorthin verhindert 
werden miisse. Ich horte dies alles am andern Tage wieder 
von einem Diener des Kaimakams, einem muhamedanischen 
Walachen aus Nonte. 

An demselben Abende und mehrere Male am folgenden 
Morgen machte ich vergeblich den Versuch, den Kaimakam zu 



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— XIX 

sprechen. Erst gegen Mittag lieB er sich sehen. Nachdem 
ich ihra mein Anliegen vorgebracht und den Empfehlungsbrief 
des Valis von Salonichi gezeigt hatte, hielt er mir vor, daB es 
zu gefahrlich sei ins Gebirge zu gehen, weil es dort von Raubern 
wimmele; er konne die Verantwortung nicht auf sich nehmen. 
Ich bat ihn dann, mir eine Bedeckung bis Ljumnitsa zu geben, 
wo ich langere Zeit verweilen wolle. Darauf erwiderte er, daB 
dort kein Militar liege, und ich aus dem Dorfe herausgeholt 
werden konne. Ich erklarte mich bereit, zwei Mann zu unter- 
halten, aber das, meinte er, konne er nicht ohne Erlaubnis des 
Valis thun. Kurz, er machte soviel Umstande und Einwande, 
daB ich schlieBlich bestimmt erklarte, ich wiirde um zwei Uhr 
aufbrechen, sei es mit oder ohne Suvari; er habe die Ver- 
pflichtung, mich zu unterstiitzen, aber nicht, mir Schwierigkeiten 
in den Weg zu legen. Damit verlieB ich ihn. Um zwei Uhr 
kamen zwei Suvari, um mich nach Ljumnitsa zu begleiten. 

§ 12. Der Weg luhrt erst durch die Ebene, dann an einem 
Bache entlang in westlicher Richtung am Dorfe M6ina voriiber. 
Auf meine Frage nach den Bewohnern dieses Dorfes, gab mein 
Keradzi zur Antwort: 

„Da wohnen Griechen, Bulgaren und Papistan." 

„Und welche Sprache reden sie?" 

„Bulgarisch, einige konnen auch etwas turkisch." 

Unter Griechen verstand er die Anhanger des Patriarchen, 
unter Bulgaren die des Exarchen und unter Papistan die 
Romisch-Katholischen. Gerade im Bezirke Gjovgjoli hat die 
romisch-katholische Propaganda groBe Ruhrigkeit entfaltet, und 
es bereits auf acht kleinere Gemeinden gebracht. 

Bald verlieBen wir das Ufer des Baches und wandten uns 
ziemlich steil aufwarts, bis wir in der Nahe des Dorfes noch 
ein Thalchen zu passieren hatten. Nach einem zweiundeinhalb- 
stiindigen Ritte hatten wir unser Ziel erreicht. 

Beim Kodzabasch (Gemeindevorsteher) stiegen wir ab. 
Er iiberlieB uns einen leidlich sauberen Raum, wo wir die erste 
Nacht verbrachten. Am andern Tage fand sich bei seinem 
Bruder Stefu Bibe ein kleines Zimmerchen, getrennt von dem 

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— XX — 

Wohnhause, in das ich iiberzog. Es war wohl die ehizige 
gedielte Wohnstube im Dorfe, die auch der Bischof bei seinem 
Aufenthalte benutzte. 

§ 13. Ich liefi vor allem von meinem Diener eine griind- 
liche Reinigung vornehmen und richtete es dann so bequem als 
moglich ein, Selbst ein Tischchen und ein Stuhl wurden, wenn 
auch mit einiger Miihe, aufgetrieben. Der Raum war aber so 
beschrankt, daB, wenn ich mich mit meinem Diener zum Schlafen 
auf dem Boden ausgestreckt hatte, fur einen Dritten kaum 
noch Platz war. Hier verbrachte ich nun drei Wochen. 

Meines Dieners Hauptaufgabe war, furs Essen zu sorgen. 
AuBer Zickelfleisch, Eiern, Milch und Maisbrot war nichts auf- 
zutreiben. Von Gjovgjoli lieB ich mir bei Gelegenheit besseres 
Brot besorgen. Waren auch diese auBeren Verhaltnisse keines- 
wegs angenehmer Art, so fand ich doch so viel Vergniigen an 
dem Studium des interessanten Dialektes, daB ich das Unan- 
genehme darii'ber vergaB. Mein Wirt Stefu Bibe, sowie dessen 
Verwa,ndte, die beiden Knaben Anastasios Stavro aus 
Ljumnitsa und Stavraki Christo aus Lunzi dienten mir als 
Lehrer in ihrer Sprache. Gelegentlich halfen auch andere mit. 
In den ersten Tagen meines Aufenthaltes war mir auch der 
Schullehrer bei Feststellung der Flexion von ganz besonderem 
Nutzen. Aber bald wurde er zum Schulinspektor nach Gjovgjoli 
bestellt) und nach seiner Riickkunft war er durch nichts zu 
bewegen, mir beizustehen. Und nicht genug damit, er verbot 
auch den Schulkindern zu mir zu kommen. Das hatte ich 
dem Fanatismus des Herrn Kivernitis zu danken, 

§ 14. Nach wenigen Tagen hatte ich mich in die Aus- 
sprache der Leute hineingefunden, so daB ich gut verstehen 
konnte und verstanden wurde. Mein Diener, Naki Vutschu, 
ein Zinzare aus Vlacho-Klisura, zog es vor, bulgarisch zu reden 
und selbst nach dreiwochentliehem Aufenthalte hatte er noch 
Schwierigkeiten im Verstandnisse. Die ungewohnte Aussprache 
auch haufig vorkommender Worter machte ihn mehr irre, als 
die ihm unbekannten dako-rumanischen Elemente. 



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XXI 



Ausfliige in die Umgegend. 

§ 15. Eine angenehme Abwechselung in mein einformiges 
Leben brachten die Ausfluge in die Umgegend und in die 
anderen walachischen Dorfer. Die Gegend ist gebirgig; den 
eigentlichen Stock bilden kahle, in gr5Berer Hohe auch mit 
Wald bedeckte, schroff abfallende Kalkberge, an die sich sanft 
geneigte Thonschieferlagerungen anlehnen. Der an einigen 
Stellen dunkelrote Boden ist fruchtbar und wird zu Mais- und 
Weinbau benutzt. Am haufigsten sind die Maulbeerpflanzungen, 
von denen die Dorfer umgeben sind, und die selbst ins Innere 
derselben eindringen, so daB die roten Ziegeldacher gar freund- 
lich aus dem saftig dunkeln Griin der Baume hervorlugen. 

An einigen Stellen bricht der grauweiBe Kalk auch in 
der niederen Gegend aus ,dem Lehmboden hervor und bildet 
kleinere Plateau, auf denen hochstens die Ziegen ein sparliches 
Futter finden. So findet sich eine Viertelstunde von Ljumnitsa 
nach Norden zu eine langlich runde Hochflache, „Koruna" 
(lat. corona) geheiBen, die, fast senkrecht abfallend, eine naturliche 
Festung bildet. Nur nach Osten zu ist die Flache sanfter geneigt, 
und hier fand ich denn auch die Spuren eines Steinwalles. Schon 
auf der Sudseite waren mir beim Erklettern die gewaltigen Stein- 
triimmer aufgefallen, die sich am FuBe angesammelt hatten. 
Da ich aber keine Spur von Bearbeitung oder Mortel entdeckte, 
glaubte ich, es seien Massen, die sich losgelost hatten. Aber 
die Trummer des Walles oder der Mauer beweisen unzweifelhaft, 
daB der Ort in vergangenen Jahrhunderten als Zufluchts- und 
Verteidigungsstatte gedient hat. Aber jede Erinnerung daran 
ist dem Volkchen erloschen. Man wuBte mir nur zu sagen, 
daB fruher unterhalb der Koruna ein Kloster gestanden hat. 

§ 16. Ein ahnlicher Ort ist der eine halbe Stunde von 
Ljumnitsa nach Suden gelegene „Schtur al ). Nach Norden 



*) Der Stamm „stur" findet sich in thrakischen StSdtenamen : 
JBijlaatvQag , Qestistynim, KccmatovQict, Aovqoijtoqov, Kanovaioqog in 
der Bedeutung „Feste u zu skr. stkurd — stark, cf. Pauli, Eine vor- 
griechische Inschrift von Lemnos, Leipzig 1886. pag. 22. 



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XXII — 

bemerkt man die "Oberreste von einem Steinwall und Graben, 
nach Siiden sieht man senkrecht in schwindelnde Tiefe hinab. 
Es soil einst ein groBer „Amperat" (lat. imperator) dort ge- 
wohnt haben. Spuren einer Kohrenwasserleitung sind noch vor- 
handen, auch muB unterhalb des Felsens ein Dorf gelegen 
haben; groBe Ziegelsteine , Steinhaufen und Topfscherben, die 
beim Pfli'igen hervorkommen, weisen darauf hin. 

§ 17. Am 2. Mai ging ich unter Begleitung meines Wirtes 
und Dieners nach dem etwa fiinf Viertelstunden in siidlicher 
Kichtung gelegenen Kupa. Nach t)bersteigung eines Berg- 
riickens gelangt man in ein tiefes Thai, das sich etwas weiter 
unterhalb mit dem groBten ostlichen Thale des Karadzova 
vereinigt. Das Dorfchen Kupa kommt erst zum Vorschein, 
wenn man unmittelbar davor steht. Es zahlt nur achtzig Hauser 
und ist ein sehr armes Dorf. Das Klima ist rauher als in 
Ljumnitsa, die Seidenzucht infolge dessen weniger lohnend, auch 
Ackerbau und Viehzucht sind unbedeutend. Wir kehrten im 
Hause des Pfarrers ein, dessen Frau allein zu Hause war. 
Bei meiner Ankunft erschrak sie sehr, da sie mich fur einen 
Tiirken hielt. Man kann sich dies erklaren, wenn man weiB, 
daB jeder Soldat oder Suvari, der durch so ein abgelegenes 
Dorf kommt, die Leute behandelt wie Sklaven. Wird sein 
Begehren nicht erfullt, so schlagt er unbarmherzig darauf los. 
Man muB sich wundern, wie selten man hort, daB sich der 
gequalte Bauer mit Gewalt seiner unertraglichen Peiniger ent- 
ledigt. 

Als ich die arme Frau in ihrer Muttersprache anredete, 
da erheiterte sich ihr Gesicht. Bald kam auch der Pfarrer, 
der die Ziegen gemolken hatte, und bewirtete uns mit frischer 
Milch. Beim Abschiede begliickte ich ihn mit etwas Pulver, 
wonach er groBes Verlangen hatte. 

§ 18. Acht Tage spater machte ich einen Ausflug 
nach Huma. Da der Weg durch Wald fuhrt, wollte mein 
Wirt, Stefu Bibe, aus Furcht vor den Kaubern nicht mit- 
gehen. Ich nahm den Dorfhiiter, einen Tiirken, und meinen 
Diener Naki mit. Wir waren gut bewaffnet und so marschierten 



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XXIII 

wir guten Mutes darauf los. In nordlicher Richtung an der 
oben erwahnten Koruna voriiber geht der Weg abwarts in ein 
Thai, das durchschnitten wird, dann iiber einen niedrigen Berg- 
riicken in ein zweites Thai, dem wir eine Strecke folgten. Wir 
iiberschritten den Bach und erklommen in vielen Windungen 
einen steilen Berg. Als wir die Hohe erreicht hatten, waren 
wir gerade eine Stunde marschiert und sahen Ljumnitsa in siid- 
licher Eichtung. Von dort fuhrte der Weg nordwestlich durch 
einen Eichenwald, dann an den sparlichen Ruinen des Dorfes 
Guschet voriiber, das auf unsern Karten noch verzeichnet ist. 
Die Leute sind meist nach Huma gezogen, die Felder der Ge- 
markung werden auch von dort aus noch bebaut. Vor achtzig 
Jahren ist das Dorf aus Wassermangel verlassen worden. 

Nach zweiundeinviertelstiindigem Marsche hatten wir Huma 
erreicht. Wir muBten eine gute Weile warten, bis wir in das 
Haus des fruheren Kodzabasch gefuhrt wurden. Naki briet 
das mitgenommene Zickelfleisch am SpieBe, Brot hatten wir 
auch bei uns, der Wirt lieB einheimischen Wein holen und 
dann lieBen wir es uns gut schmecken. 

Bald stellte sich auch der Lehrer ein, aber es war wenig 
aus ihm herauszufragen. Lieder singt man nur in bulgarischer 
Sprache. 

Das Dorf zahlt nur 70 Hauser, aber es wohnen oft zwei, 
auch drei Familien in einem Hause beisammen, so daB man 
immerhin 700 Bewohner zahlen kann. Es ist Tschiftlik eines 
Tiirken in Salonichi. Ackerbau, Holzhandel, Seidenzucht und 
etwas Viehzucht sind die Erwerbsquellen der Bewohner. 

§ 19. Hinter der Kirche erstieg ich eine kleine Anhohe, 
von wo man nordlich das eine Stunde entfernte walachische 
Koinsko erblickt, und wieder eine Stunde weiter liegt Sirminina. 

§ 20. Den Ruckweg nahmen wir direkt iiber einen hohen 
Bergriicken, den wir auf dem Hinwege vermieden hatten. Der 
Weg ist zwar anstrengender, aber etwas kurzer und schoner, 
da er fast bestandig durch prachtigen Buchenwald fiihrt und 
zugleich auf seinem hochsten Punkte eine wundervolle Aussicht 
bietet. Der Rodopo und die Berge jenseits Serres begrenzen 



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XXIV — 

den Horizon t, den Vardar kann man bis zu seiner Mundung 
verfolgen und selbst die weiBscbimmernden Hauser von Salonicbi 
sind fur ein gutes Auge sichtbar. 

Kurz vor Ljumnitsa geht es steil abwarts durch dasselbe 
Thai, das wir am Morgen weiter unterbalb durchschritten batten, 
und nacb ebenso steilem Aufstieg erreichten wir bald das Dorf. 
Wir batten auf dem ganzen Wege keinen Menschen getroffen, 
und das ist in jenen Gegenden auch das beste. 

Es blieben mir noch zwei D5rfer zu besucben, Tsernareka 
und Barovitsa; icb verband diese Tour zugleich mit meiner 
Riickreise, die ich am 15. Mai antrat. 

§ 21. A Is Fiihrer und Schiitzer kam wieder der tiirkiscbe 
Poljak mit. DaB mir der Abschied von dem Zickelfleiscb und 
Maisbrot und dem ekelhaften Ungeziefer nicht scbwer wurde, 
brauche ich nicht erst zu versichern. 

Nach einer Stunde hatten wir das Thai erreicht, das von 
Kupa herunterkommt. Der Anblick der von senkrechten Felsen 
heruntersturzenden Bache erinnert lebhaft an die Gegend von 
Verria und Vodena; ist auch das Schauspiel nicht so groBartig, 
wie bei letzterem Orte, so ist doch der Charakter der Gegend 
viel wilder, und die Einsamkeit verfehlt nicht, einen eigenen 
Zauber auf den Beschauer auszuiiben. Einige verschlossene 
Miihlen und Tuchstampfwerke verraten, daB auch hierhin zu- 
weilen Menschen kommen. 

Ein schmaler FuBpfad fuhrte uns aufwarts zum Sattel des 
Bergriickens. Dann hielten *wir uns rechts in den Wald hinein. 
Der Pfad wurde immer unwegsamer, und ich muBte mich tiet 
biicken, um unter den iiberhangenden Asten wegzukommen. 
SchlieBlich war ein Weg kaum noch zu erkennen. Aber mein 
Ttirke behauptete genau die Richtung zu haben, und so ging 
es denn weiter. Endlich trafen wir tiirkische Bauern von Mada 
(Majadala), die Holz fallten. Da stellte es sich denn wirklich 
heraus, daB wir den Weg verfehlt hatten. Die Richtung 
war allerdings genau, aber ein tiefes Thai trennte uns von 
dem richtigen Wege, der im weiten Bogen den steilen Abhang 
vermeidet. Ein Zuriick gab es nicht. Langsam und behutsam 



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XXV 

stiegen wir ins Thai hinab, wobei uns die Baume als Stiitzen 
dienten, und wohlbehalten, ohne daB ein Pferd gestiirzt ware, 
kamen wir unten an. 

Der Aufstieg auf der anderen Seite war ebenso beschwerlich. 
Da muBten die Pferde mit vereinten Kraften geschoben und 
gezogen werden, um iiber Felsen und umgefallene Baumstamme 
hinwegzukommen. In SchweiB gebadet erreichten wir die Hohe, 
wo wir bald auf den richtigen Pfad stieBen. 

Dieser fuhrte uns in das sogenannte „KalteThal" (Valearatsi), 
das von einem wasserreichen, rauschenden Bache durchflossen 
wird. Im Schatten der Buchen machten wir eine halbe Stunde 
Rast. 

Langs der Berge schlangelt sich von dort der Weg nach 
Tsernareka. Die Entfernung von Ljumnitsa aus betragt drei 
und eine halbe Stunde. GroBes Leben herrschte im Dorfe, es 
war Kirch weihe. Ich nahm die Gelegenheit wahr, um einige 
Momentaufiiahmen von Tanzenden zu machen, und betrachtete 
abends die auf einem Platze stattfindende Speisung der Dorfler 
von Seiten der Kirche, wozu aber natiirlich die Bauern selbst 
vorher die Mittel, sei es durch Geld oder Naturalien, geliefert 
hatten. 

Beim Kodzabasch Christo Softsche stiegen wir ab. 
Von dem freundlichen , klugen Alten wurden wir herzlich 
empfangen. Die Bewirtung lieB nichts zu wunschen iibrig, nur 
das Nachtlager, das er mir auf der Veranda anweisen wollte, 
fand nicht meinen Beifall, es war mir zu kalt. Ich quartierte 
mich mit Naki in einem neuerbauten, noch unbewohnten Hause ein. 

Die Leute hier fand ich im allgemeinen etwas kultivierter 
als in den iibrigen walachischen Dorfern des Karadzova. Die 
Bauern sind frei, haben gute Acker, und die Seidenzucht ist 
lohnend. Wenn sie doch auf keinen griinen Zweig kommen, 
sind daran die hohen Steuern schuld. „Tiirke und Bischof," 
meinte mein guter Christo, „reichen sich die Hand, um uns 
arme Bauern auszusaugen." Immerhin ist ein gewisser Wohl- 
stand, wenigstens im Vergleiche zu den anderen Dorfern, nicht 
zu verkennen. 



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XXVI 

Die Hauser sind stattlicher, auch viele sind zweistockig, 
die Kleidung der Manner ist wie die der Bulgaren der Ebene; 
die Frauen tragen seidene Tucher und Schurzen und schmiicken 
sich mit venetianischen Goldmiinzen, Veneditschko genannt. 
Besonders wohlthuend ist die iiberall herrschende Reinlichkeit. 

Die Leute haben zwar eine griechische Schule, wiirden 
aber eine bulgarische vorziehen. Die bulgarische Sprache fangt 
an einzudringen, und es wird nicht mehr lange dauern, da6 es 
in Tsernareka so stehen wird, wie in dem zwei Stunden ent- 
fernten Barovitsa, wo nur die alteren Leute noch walachisch 
reden. 

§ 22. Die Sprache zeigt einige Abweichung von der in 
Ljumnitsa, sie ist auch gemischt mit zinzarischen Wortern, denn 
eine Anzahl Zinzaren kommt von dem hoch im Gebirge ge- 
legenen Livadhi im Herbste herunter und verbringt hier die 
kalte Jahreszeit. Auch sind manche Madchen von Tsernareka 
an Zinzaren verheiratet. Der umgekehrte Fall kommt nie 
vor; denn der Zinzare ist zu stolz, als daB er seine Tochtei 
einem Bauern zur Frau gabe, die dann die anstrengende Feld- 
arbeit verrichten miiBte. 

Am andern Tage ritt ich nach Gjumendsche, das etwa 
drei Stunden von der nordostlich gelegenen Station entfernt 
ist, und kehrte von dort nach Salonichi zuruck. 

§ 23. Das nebenstehende Kartchen verbessert ganz wesent- 
lich die Topographie dieser Gegend. Die walachischen Dorfer 
sind elf an der Zahl. In Vlacho-Meglen liegen: 

1) Nonte (Notje), 450 Hauser, 3900 muhamedanische 
Walachen. Die iibrigen Dorfer sind christlich. 

2) Borislaf(Borislaftse), 45 Hauser, 450 Bewohner. Tschiftlik 
von Nonte. 

3) Lunsi (Lugunsi), 120 Hauser, 900 Bewohner. Tschiftlik. 

4) Oschin, 230 Hauser, 1500 Bewohner, Tschiftlik von 
Salonichi. 

Auf der Ostseite des Karadzova liegen: 

5) Ljumnitsa, 350 Hauser, 3000 Bewohner. (Gopcevic 
giebt an, 320 Hauser, 460 Steuerkopfe Serben, 596 Zinzaren. 



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.__._. rente tUt wabtchuchai Gthleta. 
"Wip des Reiftndc/i. 

MaTsstab 1:560000. 



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XXVIII 

Tsernareka wird bei ihm auch unter den serbischen Ortschaften 
aufgefiihrt.) 

6) Huma, 70 Hauser, 700 Bewohner, Tschiftlik von 
Salonichi. 

7) Sirminina, 60 Hauser, 500 Bewohner. 

8) Koinsko (Konitsa), 100 Hauser, 850 Bewohner, be- 
ginnt bulgarisiert zu werden. 

9) Kupa, 80 Hauser, 800 Bewohner. 

10) Tsernareka, 80 Hauser, 800 Bewohner. 

11) Barovitsa, 130 Hauser, 1000 Bewohner, fast bulga- 
risiert. 

Diese elf Dorfer zahlen zusammen 1645 Hauser mit rund 
14 000 Bewohnern nach Angabe der Kodzabasch, die dariiber 
am besten unterrichtet sind. Das zinzarische Sommerdorf Li- 
vadhi zahlt 400 Hauser mit 2000 Bewohnern. 



Die Bewohner. 

§ 24. Als ich im Anfang meiner Reise nach Monastir 
kam, wunderte ich mich iiber die Sicherheit meines Freundes 
Robi, die verschiedenen Nationalitaten zu unterscheiden, selbst 
wenn die Kleidung keinen Anhaltspunkt bot. Im Laufe der 
Zeit habe ich auch gelernt, wenigstens die Zinzaren mit Sicher- 
heit herauszufinden. Wiirde man mich aber fragen, woran ich 
die Leute erkenne, ich wiirde etwas in Verlegenheit sein. 

Meist ist es ja schon die Tracht, die die Nationalist verrat. 
Aber gerade die Zinzaren nehmen gerne im fremden Orte die 
landesiibliche Tracht an. Dennoch sind sie gut zu erkennen, 
sei es durch den Gesichtsausdruck, oder eine Geste, oder die 
Art zu sprechen. Das alien Gemeinsame ist das kluge, ernste, 
oft listig blitzende Auge, ihre lebhafte Mundbewegung und laute 
Stimme; das ist aber auch alles Hervorstechende. Im iibrigen 
kann man die allergroBten Verschiedenheiten finden. 



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— XXIX 

Es sind mir besonders zwei Typen aufgefallen, denen aber 
durchaus nicht die Mehrheit des Volkes angehort. Der eine 
findet sich haufiger im Norden: ein hoher Korperbau mit rundem 
Kopfe, gewolbter hoher Stirne und meist blonden Haaren; der 
andere findet sich mehr im Siiden, ganz besonders bei den Far- 
serioten: der Korperbau ist unter mittelgroB, breit und vier- 
schrotig mit gewaltiger Brust, der Kopf eckig, die Stirne 
niedrig, die Haare schwarz oder doch ganz dunkelblond, die 
Augenbrauen buschig, kurz das Ideal eines romischen Legions- 
soldaten. 

Vergleicht man damit den Typus im Meglen, so findet 
man ihn ganzlich verschieden. Der Gesichtsausdruck ist gleich- 
gultig, die Augen ohne Feuer. AufYallend ist das haufige Vor- 
kommen von Schlitzaugen bei Mannern und Frauen, damit 
verbunden hervorstehende Backenknochen, etwas aufgeworfene 
Lippen und sparlicher Bartwuchs. Ein Muster dieses Typus 
ist der junge Mann auf dem Bilde. Betrachtet man die Ge- 
sichter der tanzenden Madchen, so zeigt sich auch bei der Mehr- 
zahl derselben die gleiche Eigenheit. Die Gesichter sind aus- 
nahmslos plump, und die Kleidung tragt nur noch dazu bei, 
den ungunstigen Eindruck zu vermehren. 

§ 25. Man betrachte das junge Madchen im Feiertags- 
staate. Als Kopfbedeckuug dient ein silberner Deckel, um 
den herum eine oder zwei Keihen Silbermiinzen laufen. Grelle 
kiinstliche Blumen und Flitter sollen den Kopf verschonern. 
Die Haare hangen aufgelost iiber die Schultern herab. Das 
Hauptkleidungsstiick ist das schwere leinene Hemd, dessen 
unterer Rand und die Armelenden einen breiten Rand von roter 
und gelber Wolle aufgestickt tragen. Den Oberkorper umschlieBt 
ein vorn halboffenes Mieder. Unterhalb desselben befindet «ich 
eine breite Leibbinde, die zugleich die rotwollene gewebte Schiirze 
festhalt. Ein lederner Giirtel mit einem unformlich groBen drei- 
teiligen silbernen Schlosse dient lediglich zum Schmucke. Friiher 
war es Mode ganz silberne Giirtel aus vielen Gliedern zu tragen. 
Ich besitze selbst einen solchen, der zwei Pfund wiegt. 

Das oberste Kleidungsstuck ist eine Art von Mantel ohne 



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XXX 

Armel, der den Vorderkorper frei laBt. Sehr breite bunte 
Gamaschen und unformliche Schuhe geben den FiiBen ein sehr 
plumpes Aussehen. 

Die Brust wird iiber und iiber mit Glasperlen und Silber- 
stiicken behangen. Einzelne tragen sogar Silberplatten, die mit 
Reihen von Silbermunzen aus aller Herren Lander behangen 
sind, und je lauter das Silber beim Tanzen oder Gehen erklingt, 
desto stolzer ist die gliickliche Tragerin. (cf. Marchen I.) 

Alles sogenannte Silber, mit Ausnahme der Miinzen, ist 
nur eine schlechte Komposition, wie es die herumziehenden 
zinzarischen Silberschmiede den Leuten verkaufen. 

Die Mode andert sich nur ganz allmahlich, ein Stiick wird 
Generationen hindurch getragen; aber immerhin giebt es auch 
dort Moden, und neuerdings fangt auch der Weiberrock an, 
seinen Einzug in die besseren Familien zu halten. In Tser- 
nareka ist er schon allgemein iiblich. 

Fur gewohnlich fallen Silberschmuck, Gamaschen und 
Schuhe weg, auch das Hemd ist einfacher gestickt (s. das Bild). 

Eine ahnliche Tracht haben die Slavinnen westlich des 
Karadzova, wahrend die der Zinzarinnen ganzlich verschieden 
ist. Alle, auch die umherziehenden Farseriotinnen tragen 
Rocke und haben sie getragen, so lange man sich zu er- 
innern weiB. 

Die Manner tragen ein Hemd, das von der Leibbinde ab- 
warts iiber die Unterhosen und Gamaschen fallt. Man konnte 
versucht sein, es von weitem fur die Fustanella der Albanesen 
zu halten, die auch von einigen eiteln Burschen an Festtagen 
getragen wird, aber durchaus nicht national ist. 

"Cber dem Hemde tragt man meist ein kurzes Wamschen, 
dessen Enden iibereinander gehen. Der Mantel ist ahnlich dem 
der Frauen. BarfuB sieht man nie die Manner, sie tragen 
Schuhe oder Sandalen, die sich jeder selbst zurechtschneidet. 

Die Tracht der Manner stimmt mit der der westlichen 
Slaven ziemlich uberein, mit den Zinzaren haben sie nur die 
Art das Hemd zu tragen gemein. Im iibrigen herrscht bei 
den Zinzaren je nach der Gegend Verschiedenheit. 



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XXXI 

§26. Die Reinlichkeit laBt viel zu wiinschen tibrig. So- 
wohl die Kopflaus, als auch die Kleiderlaus ist hier gemein. 
Wie ganz anders bei den Zinzaren! Mein Diener war immer 
bemiiht etwaige Spuren eines Besuches zu vertilgen, und unsern 
vereinten Anstrengungen gelang es auch, uns und unsere Decken 
rein zu halten. 

Die Lebensgewohnheit der Leute bringt es mit sich, da6 
das Ungeziefer bei ihnen einen giinstigen Boden findet. Man 
schlaft, wie fast iiberall in der Tiirkei, in den Kleidern; der 
Gebrauch der Betten ist unbekannt. In der besseren Jahres- 
zeit zieht man das Freie dem dumpfen Zimmer vor, das auBer- 
dem im Friihsommer durch die Seidenraupen vollstandig in 
Anspruch genommen wird. 

§ 27. Das niedrige einstockige Haus hat in der Regel 
die Vorderwand durchbrochen, und der so entstehende nach 
vorn offene Raum dient als gewohnlicher Aufenthaltsort und 
Schlafstatte fur die Familie. Hingestreckt auf Binsenmatten, 
nur leicht mit Wolldecken oder Manteln zugedeckt, liegt die 
ganze Familie in einer Reihe da. 

Im Winter gruppiert man sich im Innern des Hauses um 
den Kamin, dessen Feuer zugleich Warme und Licht dem fast 
dunkeln Raum gewahrt.. GroBe Fenster sind nicht vorhanden. 
Wozu auch? Sie machen nur kalt, und, wenn die Raupenzucht 
beginnt, miissen sie doch verstopft werden. 

AuBer etwas Kiichengerat wie Pfanne, zwei, drei Topfe, 
Rost und DreifuB und dem runden Tische ohne FuBe, der fur 
gewohnlich an der Wand hangt, wird das Auge kaum etwas 
anderes im Zimmer entdecken. Man sitzt mit untergeschlage- 
nen Beinen auf dem festgestampften Lehmboden. 

Oft wohnen zwei Familien in einem Raume, der im Winter 
auch noch dem Vieh als Zuflucht dient. DaB da von Rein- 
lichkeit nicht viel die Rede sein kann, ist sehr natiirlich. Giebt 
es doch genug Leute, die sich nur aus AnlaB eines Feiertages 
mit Seife waschen, und das ist wenigstens ein Gutes, das die 
Festtage, etwa fiinfzig an der Zahl auBer den Sonntagen, mit 
sich bringen. 



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XXXII 

§ 28. Die Lebensbedurfnisse sind sehr gering. InLjumnitsa, 
wo man sich im Vergleich zu den iibrigen Dorfern, mit Aus- 
nahme von Tsernareka, noch eines gewissen Wohlstandes ruhmen 
darf, giebt es auBer Maisbrot, Kase, Paprika und Zwiebel, was 
die gewohnliche Nahrung der Bewohner ist, auch noch Zickel- 
fleisch, im Winter Schweinefleisch. 

Die Weinberge liefern einen leichten Rotwein, der meist 
verkauft wird; aus den Trestern macht man Branntwein. Im 
allgemeinen sind die Leute sehr nuchtern. 

Bei der schlechten Ernahrung und der Unreinlichkeit sind 
Hautausschlage, entziindete Augen, bei Kindern die Ruhr sehr 
haufig, Einen Arzt zu holen, scheuen die Leute der Ausgabe 
wegen, auch ist es schwer, uberhaupt nur einen guten Arzt zu 
finden. Die meisten bekummern sich mehr um die griechische 
Propaganda, als um das Wohlbefinden ihrer Nebenmenschen. 
Wohl oder iibel sah ich mich oft genotigt, den Kranken, so 
gut ich vermochte Beistand zu leisten. Ein „om kontat" (ein 
studierter Mann), meinen die Leute, weiB fur alles ein Mittel, 
ein Glaube, der mich manchmal in nicht geringe Verlegenheit 
brachte. 

§ 29. Stirbt j em and, so wird er sofort auf den nahen 
Friedhof gebracht und ohne Sarg ruir wenig tief verscharrt. 
Daruber legt man schwere Platten und stellt eine, die etwas 
mehr behauen ist, aufrecht. Aber kein Name, kein Kreuz be- 
zeichnet die Statte. Ein Thonkrug wird neben das Grab ge- 
stellt, damit der Tote seinen Durst stillen kann, und die groBen 
Stangen der Tragbahre bleiben liegen, um im strengen Winter, 
wenn wegen Schneefall der Weg in den Wald zu muhevoll ist, 
als Brennholz zu dienen. 

Fruher kam es auch vor, dafi man den Toten mit der 
zugespitzten Stange durchbohrte, damit er sich nicht in einen 
Vampir (Wahrwolf) verwandle. 

§ 30. An den Vampir glaubt man felsenfest, dagegen sind 
die „Albile und Dzunile" (Geister, Feen), die der Zinzare mit 
seinem Bruder in Dakien gemein hat, hier unbekannt. Unter 
Vampir stellt man sich ein Gespenst vor, das dem Grabe eines 



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— xxxin — 

sundhaften Menschen entsteigt und in der Nacht in Gestalt 
einer riesigen Fledermaus umherzieht, urn das Blut Schlafender 
auszusaugen. Manchmal nimmt es auch Menschengestalt an, 
fallt an einsamen Orten die Menschen an, zerfleischt sie und 
reiBt ihnen die Eingeweide aus dem Leibe. 

Der Vampir, der etwa unserem Wahrwolfe entspricht, spielt 
im Marchen eine groBe Rolle, zuweilen auch im Leben derLeute. 

Der Lehrer Pappa Jerji erzahlte mir folgende Geschichte, 
die sich vor 50 Jahren ereignete. 

Einige Menschen starben schnell hintereinander, infolge 
dessen sich die Meinung verbreitete, daB ein Vampir umgehe. 
Um das Untier los zu werden, grub man die jiingst Verstorbenen 
aus und verscharrte sie in groBer Entfernung vom Dorfe. Als 
dennoch viele Kinder starben, wiihlte man selbst die Graber 
der vor Jahren Verstorbenen auf und brachte so an funfzig 
Leichen fort. Da starb auch der GroBvater des Lehrers und 
kurz darauf andere Leute. Es war ungewohnlich kalt und, 
als man auf den noch ganz unverwesten Korper desselben stieB, 
glaubte man in ihm den wahren Vampir gefunden zu haben. Im 
Triumphe brachte man ihn weit weg und grub ihn tief in die 
Erde ein und wirklich, das Dorf hatte Ruhe. 

Im Friihjahre kam der Bischof von Fiorina ins Dorf, er- 
kundigte sich, wie es gehe, und da erzahlte man ihm, was sie 
alles vom Vampir erlitten, und wie sie sich von ihm befreit 
hatten. Erstaunt horte der Bischof zu und sagte nichts. 

Darauf lieB er die Geistlichen zusammenkommen und fragte 
sie nach dem Hergange. Diese, ganz ungebildete Leute und 
selbst in dem Aberglauben befangen, bestatigten, was er schon 
gehort hatte. Er lieB dann auch die Gemeindealtesten herbei- 
rufen und, nachdem er sein Geld (28 turk. Pfund) in Empfang 
genommen hatte, hielt er ihnen eine Strafpredigt fur ihr' un- 
christliches Benehmen und kiindigte ihnen an, daB ihre Kirche 
geschlossen sei. Damit ritt er weg. 

Man denke sich, welche Wirkung das auf die armen Be- 
wohner machen muBte, deren ganzes Christentum im Besuche 
der Kirche und im Einhalten der Fest- und Fasttage besteht. 



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XXXIV 

Um den gestrengen Herrn zu versohnen, kaufte man das 
schonste Pferd, das man auffcreiben konnte und schickte es ihm 
nach Fiorina zum Geschenke, wodurch denn auch die Sache 
— zur beiderseitigen Zufriedenheit — ihre Erledigung fand. 

§ 31. Fur die geistige Hebung geschieht so gut wie gar 
nichts. Wenn der Bischof nur sein Geld bekommt, und die 
Leute fur Griechenland begeistert sind, dann ist ihm alles andere 
einerlei. Auch die Schule verfolgt keinen anderen Zweck, als 
den der Graezisierung. 

§ 32. Am Sonntag Nachmittage findet gewohnlich eine 
Versammlung der Manner statt, um uber Gemeindeangelegen- 
heiten zu beraten. Man sitzt im Freien im Kreise um den Ko- 
dzabasch herum. Mit vierzehn Jahren wird der Bursche durch 
BeschluB dieser Versammlung stimmberechtigt; halt man einen 
fur dumm, muB er langer warten. 

Friiher war die Gemeinde Tschiftlik; die jetzige Schule, 
das einzige zweistockige Haus im Dorfe, war die Wohnung des 
Tschorbadzi (Gutsherrn). Die Loskaufsumme ist noch nicht 
vollstandig bezahlt, und die Gemeinde liegt im Prozesse mit 
dem fruheren Herrn. Da giebt es viel zu beraten, wie sie den 
Handen des Turken entwischen konnen ; oder die Steuern sind 
eingefordert worden, oder der Kaimakam verlangt sonst unge- 
rechterweise eine Summe, wie z. B. forderte er von der Gemeinde 
5 Lira Beitrag zum Baue der Kaserne in Gjovgjoli, welches 
Geld in seine Tasche flieBt, da naturlich die Regierung die 
Kosten des Baues tragt. Mancher harte Streit entbrennt da, 
dem der Kodzabasch nicht anders, als durch Abstimmen ein 
Ende machen kann. 

Mancher kuhne und widerspruchsvolle BeschluB ist hier 
gefaBt worden, aber nicht zur Ausfuhrung gekommen. Schwache 
und Ergebung in ihr Schicksal sind die hervorragendsten Eigen- 
schaffcen des geknechteten Volkes. 

Auch bei der Erziehung der Kinder zeigt sich dies. Man 
thut ihnen alien Willen. Nicht ein Mai wahrend meines Aufent- 
haltes habe ich gehort oder gesehen, daB man die Kinder hand- 
greiflich zur Vernunft gebracht hatte. 



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XXXV 

§ 33. Mit sechzehn Jahren heiratet der Bursche. Der 
Vater sucht ihm ein Madchen aus, das sechs auch zehn Jahre 
alter ist als er, fur das er an ihre Eltern eine gewisse Sumrae 
bezahlen mu6, die sich nach der Starke und Schonheit des 
Madchens richtet. Das junge Paar macht sich gegenseitig Ge- 
schenke, womit die Verlobung als fest gilt. 

Ganz anders ist es bei den Zinzaren. Der junge Mann 
heiratet mit vierundzwanzig bis sechsundzwanzig Jahren und 
zwar ein Madchen von vierzehn bis achtzehn Jahren; er ver- 
langt auch auBerdem eine Mitgift. Doch auch hier suchen die 
Eltern oder Verwandte das Madchen aus, das der junge Mann 
kaum fluchtig gesehen hat; denn die heiratsfahigen Madchen 
werden sehr verborgen gehalten. Erst nach der Verlobung 
durfen sie sich ofter sehen. 

§ 34. Im Meglen ist der Verkehr zwischen Burschen und 
Madchen ungehindert. Selbst beim Tanze bilden sie eine Kette, 
wenn auch die Burschen den vorderen und die Madchen den 
hinteren Teil derselben einnehmen. Jeder der Tanzenden tragt 
einen ledernen Riemen um die Hiifte, den der Nachbar zur 
Rechten und Linken ergreift, wodurch die Kette geschlossen 
wird. Ein Bursche blast den Dudelsack, Gaita genannt, und 
geht im Takte vor der Kette her. Man bewegt sich in einer 
einfachen Schrittart in einem grofien Kreise um einen Platz. 
Das Tempo ist vierteilig ^ ^ J 1 J^ J JiJ J J J • Bei den 
vier Achteln stiirzt die ganze Kette schrag vorwarts, die folgen- 
den zwei Yiertel werden am Ort getreten, die letzten vier Viertel 
sind Seit- und Riickwartsbewegungen, dies wiederholt sich. Es 
dauert so eine ganze Weile, bis ein Umgang vollendet ist. Der 
Fuhrer der Kette hat dabei die Aufgabe, durch gewandte Spriinge, 
Umdrehungen und Verrenkungen die Zuschauer zu unterhalten 
und ihre Kritik herauszufordern, bis er in Schweifl gebadet dem 
Nachstfolgenden die Fuhrerschaft uberlaBt und sich weiter unten 
einreiht. Das Tempo wird allmahlich beschleunigt. Einige 
quiekende Tone des Dudelsacks verkunden eine Pause, wahrend- 
dessen die Kette aber nicht aufgelost wird, sondern sich im 
gewohnlichen Schritte weiterbewegt. 



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XXXVI 

Bei den Zinzaren tanzen die Manner meist allein, wobei 
sie singen. Zuweilen bilden auch die jungen Frauen eine ge- 
sonderte Kette, die sich ofters in entgegengesetzter Kichtuiig 
wie die der Manner bewegt. Auch der Gesang erschallt dann 
abwechselnd von den Mannern und den Frauen. 

§ 35. Ich habe in diesem Kapitel gezeigt, daB die Walachen 
des Meglen einen eigenen Typus haben, der sie von Zinzaren 
und Bulgaren unterscheidet, daB sie, was die Tracht betrifi% 
mehr mit den westlich des Karadzova wohnenden Bulgaren 
ubereinstimmen, als mit denen der Vardarebene, daB sie im 
wesentlichen dieselben Sitten und Gebrauche, denselben Aber- 
glauben wie die umwohnenden Bulgaren haben, in allem diesem 
aber von den Zinzaren ganz verschieden sind. 

Besonders verdient hervorgehoben zu werden, daB die Zin- 
zaren eher alles andere als Ackerbauer sind ; ich traf nur ganz 
ausnahmsweise in Muzakie* (Landschaft zwischen Berat in Alba- 
nien und dem Adriatischen Meere) und in der Manjana bei 
Missolongi solche, die neben der Schafzucht noch etwas Ackerbau 
treiben. Die Zinzaren sind Kaufleute, Handwerker, Keradzi, 
Handzi und Hirten, die sich unter Umstanden in Biluber 
verwandeln, der Meglenit hingegen lebt vom Ackerbau und von 
der Seidenzucht, und in Nonte beschaftigt man sich auch mit 
der Topferei. 

Der Zinzare in Livadhi fuhlt sich erhaben iiber den um- 
wohnenden Megleniten. Er ist unternehmungslustig, lebhaft, 
intelligent, der Meglenit gleichgiiltig, energielos, stumpfsinnig. 
Der Zinzare liebt die ungebundene Freiheit auf seinen Bergen, 
der Meglenit lebte oder lebt noch in ganzlicher Abhangigkeit 
vom Gutsherrn im Tschiftlik; Unterschiede genug, die verbieten, 
beide Stamme zusammenzuwerfen. 

Was uns die Sprache dieses merkwurdigen, isolierten Stammes 
im Karadzova, der nur etwa 14 000 Seelen zahlt, iiber sein 
Verhaltnis zu den sprachverwandten Walachen in Dakien, Istrien 
und auf dem Pindus lehrt, das soil der zweite Teil zeigen. 



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II. TEIL. 

DAS VERHILTOIS 

DES MEGLEK ZUM DAKO, MAKEDO 

OTD ISTRO-ROMANISCHEK 



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A. LAUTLEHRE. 



Lautstaiid. 

§ 36. Vokale: a, e, i, o, u, <?, g. 

e und o sind maBig geschlossen und finden sich wie auch 
a, i, u auf dem ganzen Gebiete, nur mit dem Unterschiede, 
dafi sie im Meglen im Gegensatze zu den ubrigen Dialekten, wo 
sie kurz und halblang vorkommen, auch entschieden lang sein 
konnen, was dem Dialekte einen eigenartigen Charakter giebt. 

p, sehr offen zu sprechen, findet sich hier sowohl lang, als 
auch kurz an Stelle von betontem g, y, (&, a) der andern Dialekte. 

g kommt nur unbetont vor, in einsilbigen Wortern nur 
dann, wenn sie satzunbetont sind. 

Anmerkung 1. Wie lauten g und u im D.-R.? Versuche mit 
den Herren Dr. Oprescu und Velculescu in Leipzig ergaben folgen- 
des Resultat: 1. Der Kehlkopf wird nach unten gedrtickt. Zur Probe 
lege man die Fingerspitze auf den Einschnitt der Schildknorpel und 
lasse bei gerader Kopf haltung langsam und ausdrucksvollS&tze sprechen. 
So oft einer der beiden Laute ausgesprochen wird, ist ein Senken des 
Kehlkopfes deutlich fuhlbar. 

2. Die Zahne stehen beinahe aufeinander, bei g ist die Offhung 
ein klein wenig grofier als bei u. Ob das damit yon mir individuell 
beobachtete Vorschieben des Unterkiefers allgemeiner ist, vermag ich 
nicht zu sagen. 

3. Die Lippen sind angepreBt. Diese drei Punkte sind das ge- 
meinsame Charakteristische der „gedeckten Kehlkopflaute". Der 
eigentiimlich dumpfe Klang wird einmal durch die Verlfingerung der 
Rachenhohle und dann durch den fast geschlossenen Mundraum bewirkt. 

4. Die Zungenartikulation von g ist die des offenen o, die von 
u gleich der des u, Der Versuch kann gemacht werden mit einem 
dunnen St&bchen, das man zu einem Drittel in den Mund eingefuhrt 
auf dem Zungenriicken ruhen lfifit. Legt man das freie Ende auf den 
Daumen und druckt den Stab sanft an den Oberkiefer, so ftthlt man 
die kleinsten Verfinderungen der Zunge auf dem Daumen. 



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5. Das Gaumensegel ist gehoben, eine Nasalierung der Laute 
findet nicht statt, was die Probe mit der Stahlklinge mit Sicherheit 
crwies. Es ist natiirlich, dafi in der Nachbarschaft von Nasalen eine 
leichte Nasalierung nachzuweisen ist, die aber sofort schwindet, wenn 
man den Vokal aushalten lafit. 

6. Der betonte w-Laut scheint mir unbedeutend linger als der 
betonte p-Laut, z. B. bgtr\in gegen spgl. 

§37. Nasal vokale kommen nur in der Nachbarschaft von Na- 
salkonsonanten vor, sehr deutlich z. B. in der Vorsilbe an lat. in. 

§ 38. Diphthonge. 

1. Fallend: a{ ao 7 au, ei, %, oi, oil, gi, qii, u% gi, i{, 

Beispiele: ma{ — mehr, ao — sie, fost-au — sind gewesen. 
(Ich bin nicht sicher, ob nicht zuweilen zweisilbig zu sprechen 
ist, ga-urg — Hohle) trej, — drei, fytg — Madchen. (Ich be- 
zeichne mit g ein offenes e, dem sich kaum horbar a anschliefit.) 
no% — wir, bou — Ochse, kqyni — Hund, tou — dein, spgrui — 
er3chrak, g% — ist (kommt nur satzunbetont vor), venii — kam. 

§ 39. 2. Steigend: ja, %e, io, {u, oa, uo, ig. 

Beispiele: jarg — Eisenfessel, jer — Eisen, %ou — ich, 
iundi — wo, rnoarg — Muhle, uom — Mensch, iljg — Tochter, 
fum$ig — Familie. 

Anmerkung 2. Wenn unter einem von zwei Vokalen nicht das 
Reduktionszeichen (^) steht, so ist zweisilbig zu sprechen, also : nume-a 
— der Name, kri-et — Verstand, bglti-a — das Beil, sti-u — weifi, 
me-u — mein, %u-g — Tag. 

Konsonanten. 

§ 40. 1. Liquida. r ist wie im D.-R, I.-R, M.-R. al- 
veolar zu sprechen. Im Dialekte der Farscherioten spricht 
man statt r die gutturale Spirans %, die im Auslaute tonlos 
wird, a%e = are — hat, yih — rar — selten, eine Erschei- 
nung, die ich in keiner anderen Balkan sprache beobachtete; auch 
die beiden albanesischen r sind alveolar zu sprechen. 

In der Manjana (sieben walachische Dorfer in der Nahe 
von Missolongi, deren Bewohner Ende des vorigen Jahrhunderts 
aus Albanien dorthin eingewandert sind) fand ich endlich die 
Losung des Ratsels, warum Daniel und Kavalliotis bald r, 
bald rr schreiben. Dort macht man noch einen Unterschied 
zwischen intervokalischem f und r auslautend oder in Verbindung 



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mit Konsonanten. Ersteres ist stark gerollt, gleich dem alba- 
nesischen f, letzteres schwach gerollt. Man spricht are — hat, 
afoh — rot, \arg — Winter, (m.-r. {arg und iarng), dagegen amdr — 
bitter, trek — gehe voriiber, kartg — Brief. Einen etymo- 
logischen Grund hat dieses r gar nicht, denn selbst in den 
Fallen, wo es fur rn stent, wird es r, sobald es in den Aus- 
laut tritt, z. B. b$r = m.-r. brun — Giirtel, pur = m.-r. prun 
(purn in Kruschevo) — Pflaume, gfr = m.-r. gry,n — Weizen. 
Heutzutage hat sich diese verschiedene Aussprache im M.-R. 
ausgeglichen, auch Kavalliotis und Daniel stimmen keines- 
wegs iiberein mit ihren r, Kavalliotis arrupu 214 ; Daniel arupe 27. 
Daniel are 38, arre 24 u. s. w. Man hat es mit einer rein 
lautlicben Erscheinung zu thun, die durch das nahe und auch 
den Walachen gelaufige Albanesisch hervorgerufen wurde. 

I findet sich alveolar: vale — Thai, palatal: Ijert — ver- 
zeihe, gglpng — Henne und guttural I = bulg. i: {el — er, 
ninet — Ring. Solche, die viel mit Bulgaren verkehren, wenden 
t immer vor a, o, u an, wahrenddem ich es bei Frauen nur 
im Auslaut beobachtete. 

Im M.-R. findet sich I dialektisch in Albanien, z. B. atsgi — 
jener, im Osten aber atsel, doch ist zu bemerken, daB dieses 
i gleich dem albanesischen, also heller als das slavische ist; 
man konnte es mit postpalatal bezeichnen. Bei den Farsche- 
rioten findet sich ein reduziertes % an Stelle von I: (ljup — 
Wolf, igte(i) = m.-r. ratel — Radchen, u(i)dk = m.-r. lulak 
(lilak) — violett. 

§ 41. 2. Nasale. 

n dental: nas — Nase, guttural vor#, k: rngndnk — esse, 
palatal: an{ — Jahre. 

m und mi: mik — klein, mieturg — Besen. 

§ 42. 3. Explosiva. 

d, *, g, k, gi ki, b, p. 

§ 43. 4. Spiranten. 

V) J j %y Sj /Vj o. 

§ 44. Vergleicht man diesen Lautstand mit dem des M.-R., 
so fehlen u, wofiir g, u im Auslaut nach Konsonanten, 8, &, die 



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— 6 — 

im M.-R. dialektisch sogar in romanische Worter eingedrungen 
sind: i&kat — (ficatum) Simt — (ventum) (Vlacho-Klisura), die 
gutturalen y, h (letzteres fand ich nur in Hristos) und das 
palatale %, ganz abgesehen von den im M.-R. dialektischen tief 
gutturalen 5 und (%) gehaucht, f, s. 

Streng genommen fehlt auch die stimmhafte palatale Spiransy 
des M.-R. (jin, jiptu etc.,) an deren Stelle sich g% findet. Mit 
i vor Vokalen bezeichne ich den Halbvokal %, z. B. jer — Eisen, 
nach Konsonanten bezeichnet % die Palatalisierung derselben: ani 
— Jahre, visuri — Traume. 

Vokalismus. 

A. 

§ 45. Fur d.-r. und m.-r. betontes g, y zeigt sich offenes 
p, fair d.-r. y\ dementsprechend g%. Im M.-R. ist die Zungen- 
artikulation der gedeckten Kehllaute so verschieden, dafl man 
an der Aussprache eines einzigen Wortes wie „granum" die 
Heimat des Sprechenden ungefahr bestimmen kann. In der 
Gegend von Monastir kennt man nur die ganz kurzen Laute 
g und y, anderwarts wird y lang gesprochen, in Klisura mit 
o-Artikulation, in Albanien mit ^-Artikulation, in Malovista, 
Gobes mit sehr enger w-Artikulation, am oberen Aspropotamus 
nahert sich die Aussprache des g der des y, in der Manjana 
ist der Charakter der gedeckten Kehllaute vollstandig geschwunden 
und reines £ geblieben, wie im Meglen q, meist sehr lang. 

§ 46. grQn; d.-r. gryn, gruti; m.-r. gryn, gryn etc., in der 
Manjana g$r. 

Ebenso: brgn — Giirtel, frgn — Ziigel, mqng — Hand, 
Iqng — Wolle, kgn — wann, plgnk — weine, Igkrum — Thrane. 

§ 47. kgini — Hund; d.-r. ky{ne; m.-r. kyne etc. mqini — 
morgen, pqini — Brot. 

§ 48. <? in der Flexion: Sarpi PI. hqrp — Schlange; 
m.-r. sarpe — Serkj,; rngnkgm — wir essen; rngrikq — er aB; 
d.-r., m.-r. mynkg. 

§ 49. Auslautendes yx wird d.-r., m.-r. und i.-r. %e, hier 



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— 7 — 



aber zeigt sich ig, das auf je beruhen mufi. ilig — Tochter, 
fumelig — Familie, ursonig — Barin, plga%g — Regen, bukurilig 
— Freude, vinjg — Weinberg, kgstonig — Kastanie, lamnjg — 
Drache, tSorbadioig — Tschorbadschi. 

§ 50. Prothetisches a, das im M.-R. so haufig ist, kommt 
nicht vor, selten im D.-R.: 

spark d.-r. sparg m.-r. aspargu 

Uerk Uerg ahtergu 

ieri ieri a{er{ 

mari mare am are — Meer 

§ 51. Anlautendes q, das auf a oder e beruht, fallt ab, 
wenn es nicht den Ton tragt: 

m.-r. adapU 
adavgu 
avdu 
avem 
aH 
aud 
m, amu amu (vereinzelt) 
t) (aistu) 

Dagegen dma — aber, trk. neben ma = ama m.-r. 

§ 52. Epithetisches a zeigt sich beim Pronomen und Ad- 
verbium im hinweisenden Sinn; auch das D.-R. und das I.-R. 
kennen diese Erscheinung, die dem M.-R. ziemlich fremd, beim 
Pronomen ganz unbekannt ist: 

tsista d.-r. athesta i.-r. tsgsta 



dap 


d.-r. adap 


dauk 


addog 


ut 


aud 


vem 


avem 


Sa 


aM 


ud 


(aitfy) 


kmo 


akmu, 


tsista 


athest 



tsela 

kota 

la (ilium) 

l{a 

na 

va 

kola 

§a 

liumintrea 



athela 
(atut) 
lu 

m> m 

ne 

vg 

akolea 

asd 

alminterea 



kota 
lo 

¥ 

ne 

ve 

kol% 

aM 



(m.-r. aistu) 
atsel 
(ahut) 



ng 

vg 

aklo 

aM 

atywmtra 



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8 — 



E. 



§ 53. %e findet sich, wo es auch in den iibrigen Dialekten 
steht : 

ier d.-r. fjer i.-r. flier m.-r. %er 

%erp — koche, jet — er, jet — Bockchen, Ijepuri — Hase, 
je$ — du bist, kriet — Verstand. 

Anmerkung 3. kriei beruht auf „crevellu", wodurch auch das 
Etymon fur das d.-r. kreerj, krerj, das man auf „crebrum" zuriick- 
fuhren will, gesichert erscheint. Das r ist eine Assimilation zu kr. 
Im M.-R. ist das Wort geschwunden. 

Anmerkung 4. joy, — ich, kann nicht iiberraschen; diese Aus- 
sprache, die sich aus jeo, jgu entwickelt hat, findet sich auch im M.-R. 
und D.-R. cf. Ijopiw. Olympo-Walachen pag. 29. 

§ 54. ja bei folgendem e, g; j wird von vorausgehendem 
S und r absorbiert. 



d.-r. eapg, japg i.-r. japg m.-r. eapg, edpg, epg 
Sapti hapte, hepte sapte Sapte 

%arbg — Kraut, gjarmi — Wurm (m.-r. jermu), giaspi — 
Wespe, PL giesp, jadirg — Epheu, jare — Eisenfessel, jarbe — 
er kocht, trebuiaSti — es ist notig, muljari — Frau, (m.-r. mtiljare 
und muliere), &ao — Sattel, kurao — Riemen. 

§ 55. £ (aus lat. e, i) wenn e, g folgt. 

v$de i.-r. v$de d.-r., m.-r. vedde 

n$o i.-r. n%u m.-r. nedo. 

sgrg i.-r. sgrg m.-r. sedrg d.-r. sedrg, sarg 

burgti — Schwamm, sftsgri — Sichel, prividqri — Wieder- 
sehen, fymini — weiblich, p$ti — Fisch, bisfyrikg — Kirche, 
z$st — Finger, pqtik — Lappen, pqdikg — Hindernis, purtsqo — 
Ferkel, mgsqo — Backzahn, turtsqhti — tiirkisch. In slavischen 
Wortern: kr^mini — Feuerstein, nevqstg — junge Frau, string — 
Dach, d$ — Hiigel, l%k — Heilmittel. g muB auf ed beruhen 
wegen § 54. 

§ 56. e (i) bleibt erhalten auch nach p y b, v, m } wo es 
im D.-R. zu g wird, wenn nicht e oder i folgt. 



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per 


d.-r. par 


m.-r. peril 


spel 


spgl 


spelu 


spinzur 


spimzur 


spinzuru 


vet 


vgd, 


vedti 


anvets 


\mvgts 


nvets 


ring 


vnng 


ving 


vint 


vynd 


vindu 


pimint 


pgmnnt 




§57. e wird o 


aus g nach $, 


ts aus t, z aus d (r). 


sot d.-i 


r. sgd (sed) 


m.-r. sedu 


tsgn 


ts\m (tsin) 


tsin, tsun 


vitsgi 


vitsgl (vitsel) 


jitsel, jitsgi 


kgtsgi 


kgtsgl 


kgtselj kgtsgi 


deSgrt 


desert 




unkolzgs 


ynkglzgsk 


ynkgldzesku 


ampgrtsgs 


ympgrtsgsk 


ympgrtsesku 


zburos 




spuresku, zburgsku 



Anmerkung 5. Von besondererWichtigkeit fur die Lautgeschichte 
ist der Umstand, daB ts und z, die aus k und g hervorgcgangen sind, 
diesen Ubergang nicht bewirkt haben : tertium — tsorts, aber incerto — 
antsert, tserp, tser, tsing, xiner etc. Es ist dies ein Beweis dafur, daB 
zu jener Epoche die beiden Laute noch verschieden gewesen sein 
mtissen, wie auch jetzt im D.-K., und zwar muB ts aus k cine breitere 
Aussprache gehabt haben, als ts aus t y weil lctzteres ubereinstimmend 
auf dem ganzcn Gebiete die spitze Aussprache hat. Meine Vermutung 
(Ol.-Wal. 55), daB der urspriingliche Reflex von k eine breitere Aus- 
sprache gehabt habe, wird hiermit zur GewiBheit. Ob dieses nun ts 
wie auf dem Olymp und in Istrien, oder th wie in Dakien gewesen 
ist, kommt wenig in Betracht, wenn wir wissen, daB fa dcs M.-R. und 
Meglen der jtingere Laut ist. 

§ 58. Auslautendes tse, je wird tsg, %g, wodurch manche 
Fern, den PLgleich dem Sg. haben : vitsg — Reben; il%g — Tochter; 
bukuriljg — Freuden. Neutra: spik — spitsg — Ahre; ark — 
artsg — Bogen; kgntik — kgntitsg — Lied; unglpi — ungljg — 
Nagel ; kupitqn{ — kupitonjg — Kopfkissen; Gen. primaverelyg — 
des Friihlings; hi TaSglig — Tasso's. 



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— 10 — 

§ 59. Auslautendes e wird *, wenn nicht betontes i vor- 
ausgeht: pqkti — Fisch, xqli — Tage, mari — groB etc., aber 
bgltie — Beil, Ungie — Steigbugel, ie — jeder. 

I. 

§ 60. Betontes i, das im D.-R. nach Zischlauten und r zu 
u wurde, erscheint hier als g, im M.-R. zeigt sich y, nur nach r, 
auf einem Teile des Gebietes auch nach dz, ts aus d{, t{. 

uzgi d.-r. auzy,% m.-r. avdzii 



uzqt 


auzut 


avdzgtg i.-r. 


awzit 


zqli 


zule 


dzile 


zile 


supsqri 


suptsure 


suptsire 




ru&qni 


ruhyne 


aruUne, arsune 




kutsqt 


kutsut 


kutsut 


kutsit 


tioi 


wtyi 


insii, essuj. 




rgt 


rud 


arudu 


grdu 


rgpg 


rupg 




grp$ 


bihqkg 


bgtykg 


beUkg 





Anmerkung 6. H — und, si — dafi, haben das i als satzunbetonte 
Worter bewahren konnen. Verba auf -sesku bewahren auch im Aor. i, 
z. B. pikisii von pikises — merken ; aber ankglxos — ankghoi. Wegen 
utsit siehe Anmerk. 5. 

§ 61. Die Vorsilbe in erscheint hier als an, im D.-R. als 
un (an), im M.-R. als un, in, n, an, im I.-R. als gn, n. 

ambet — betrinke, angljit — verschlucke, anzur — schwore, 
antrep — frage, antrek — ganz, anuntru — hinein, ansor — heirate, 
ankliid — schlieBe, ampqdik — hindere, antsert — streite, anrait 
— zornig, ankalik — besteige (das Pferd), ankg — noch 
(m.-r. ningg, nikg), ampliu — fiille (d.-r., m.-r. umplu), amflu — 
aufblasen, anschwellen (d.-r., m.-r. umflu), anmar — bitter, statt 
des erwarteten mar aus arnar, hat man wohl nur zum Unter- 
schied von mari — groB, gebildet. 

In nalt — hoch, statt analt, lieB man das a wie ein ur- 
spriingliches fallen, da man an bei folgendem Vokale nicht als 
Vorsilbe empfand. Doch vergl. auch d.-r. nalt neben ynalt 
alb. nalt. 



gittfed I 



— 11 — 

Anmerkung 7. an ist aus tin hervorgegangen, und so wird auch 
der Dat. des Pron. pers. y,n%, der sich ans Verbum wie eine Vorsilbe 
anlehnt, zu an\ geworden sein, worauf dann ats, al% al statt tds> uli, 
y£ folgten. 

§ 62. i im Auslaut wird % nach r, I, n, m bleibt es er- 
halten, nach den iibrigen Konsorianten fallt es ab, nachdem es 
seinen EinfluB gezeigt hat, nur p ist wie im Istrischen ganz 
unberuhrt geblieben. 

arburj — Baume, vitsgli — Kalber, an% — Jahre, giermi — 
Wiirmer, des — dicht PI. de§, furnigg PI. furnis, ankalits — 
du besteigst, jet PL jes — Zicklein, frate PL frats, lup PL lup 
(d.-r. lupi, m.-r. lufy, i.-r. lup), skup — speie (d.-r. skuj/p, 
m.-r. askutyu) setzen ein scupio voraus. 

0. 

§ 63. Jedes anlautende o wird uo, bei der Brechung 
durch e, g zeigt sich ga. Ich weifi nicht sicher, ob diese 
Erscheinung im D.-R. vorkommt, im M.-R. und I.-R. ist sie 
unbekannt. 

uom — Mensch, uopt — acht, uou — Ei, uor — Tanz, 
uos PL gasi — Knochen. 

§ 64. ' Im iibrigen verhalt sich das Meglen wie die andern 
Dialekte: 

o bewahrt: korn — Horn. 

o gebrochen zu ga durch g, e, fur welch letzteres sich jetzt i 
zeigt: ngapti — Nacht, kgastg — Rippe, grgapg — Graben, 
(grop — Grab bulg.), pits' or PL pithgari — FuB, Bein, not 
PL ngadi — Knoten, glgabg — Geldstrafe bulg. ; doch stoning — 
Krug. 

Anmerkung 7 a. Das im Stiicke II vorkommende krqblg — Mehl- 
kasten, Korb konnte lat. „corbla, corbula" sein, wogegen allerdings o 
statt des erwarteten ga spricht; ein Verhoren meinerseits ist nicht 
ausgeschlossen bei der groBen Ahnlichkeit von o und ga. Das Wort 
existiert nicht im Rumanischen, auch in keiner Balkansprache. 

§ 65. ozuw vor n, mp: skunt — verberge, kumpgr — kaufe, 
frunzg — Laub, frunti — Stirn, kurung — Kranz (d.-r. kununti). 



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12 — 



U. 



§ 66. Von besonderem Interesse ist zu wissen, wie sich 
das Meglen zu der im Rumanischen stattgefundenen Vermischung 
von U gleich o und u stellt. In den wenigen Worten, die o, 
oa zeigen, wie d.-r. cot, scot, nor, toamng, ploa%e, moare stimraen 
alle Dialekte uberein, aber in 

%uni d.-r. fame m.-r. dione 

rumik rumeg arodmigu 

stellt es sich auf Seite des D.-R. 

§ 67. Auslautendes u fallt ab, wo es nicht durch Muta + 



Liquida geschiitzt war, 


wie im D.-R. 




negru 


d. 


-r. negru m.-: 


r. negru (Zagori) 


sokru 




sokru 


sokru 


domn 




domn 


domnu 


son 




somn 


somnu 


kglkoni 




kglkuiil 


kglh&niu 


Hi 




fiu 


Xil{u 


lup 




lup 


lupu (lupu) 


vet 




ved 


vedu (vedti) 


an 




an 


ante (an) 


tserp 




tierb 


tserbu 



§ 68. DaB u nach gl zu i wurde, findet sich auf dem 
ganzen Gebiet: anglpt — verschlucke, sugtyits — schluchzen. 

Anmerkung 8. iundi = d.-r. unde — wo, konnte vielleicht durch 
iu, i%u — wo, der durchziehenden Zinzaren veranlaBt sein. 

§ 69. u nach a wird behandelt wie im D.-R., das I.-R. 
bietet w (labio-labial), das M.-R. bietet v, f. 

gaurg d.-r. gaurg m.-r. gavrg (Aspropotamos) 

dauk adaog adavgu 

ut aud avdu i.-r. awdu 

kat — blicke kat, kaut kaftu — suche kawtu 



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— 13 — 

Koiisonantismus. 

E. 

§ 70. r wird nicht wie im D.-R. einem folgenden n assimiliert: 
serin d.-r. senin, kurung d.-r. kunung, ankurunari d.-r. kv/nunare, 

rv wird rb: korp — Rabe, %erp — kochen etc. 

Anmerkung 9. serbes — arbeite, das einem d.-r. serbesk, serbire 
entsprechen wtirde, hat mit d.-r. serbex — feiere nichts zu thun; es 
ist lat. servire, das sich hier erhalten hat; d.-r. Serbesk — diene, findet 
sich im 71. Psalm des Psaltire des Ivan din Vasluiu von 1710;*) soil 
sich auch in Transilvanien in der Bedeutung „arbeiten" erhalten haben. 

L. 

§ 71. 1% wird bewahrt wie im M.-R. und I.-R. 
ggliing d.-r. gging m.-r. golfing i.-r. ggljr$ 

ul%it uit ult (aggrhesku) ut 

a%l% aiil ct,il%u (tsesdn) 

gol PL gol{ — leer, Ijert — verzeihe, moMlj, — die alten 
Manner, Ij/umintrea — anders, U% — Sohn etc. 

§ 72. I intervokal wird r wie anderwarts: burik — Nabel, 
Bauch etc., dagegen kglgari — Warme (m.-r. kgrodre, neben 
kgldurg) wohl durcb Dissimilation aus kgroare entstanden. D.-R. 
und I.-R. haben das Wort verloren. 

§ 73. -ella wird ep: step, d.-r. stea, m.-r. stedug, stem, i.-r. ste c 
-ulla wird ug: midug, d.-r. mgduvg, m.-r. mgdug. 
I — n: lantu neben laltu m.-r. alantu. 

likhor, m.-r. lihor, niSor, nikhor, d.-r. uhdr. 
§ 74. I im Auslaut wird I, fallt bei der Artikulation ; 
doch in Kupa ist es auch da noch erhalten. 

ninel d.-r. inel m.-r. neliX i.-r. (Maj. arel??) 

kal kal kalti, ka 

artik. kahc kalu kalul kalu 

puiampu paing\inu pangul-(u) pawuku 

N. 
§ 75. n wird behandelt wie im M.-R., abweichend vom 
D.-R., auch der Rotazismus des I.-R. (D.-R.) ist unbekannt. 

*) Gaster, Chrestomathie roumaine, Leipzig 1891. 



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— 14 — 

vinig d.-r. vije (vin%e Banat) m.-r. jinje 

grgn gruu (gran) grun grawu 

bini bine (bire) gine i.-r. bire 

PL an{ an% a% an% an% 

kgstgnig — Kastanie, kglkqni — Ferse, kupitqni — Kopf- 

kissen. 

§ 76. w-Vorschub findet sich in numer, wie im M.-R. 
und D.-R. neben umgr, ferner in ninei — Ring, d.-r. ineU 



m.-r. 



M. 

§ 77. mi erscheint hier erhalten wie im D.-R. in: 
durmire d.-r. dormire m.-r. durniire i.-r. durmi 



mik 




mik 


niik 


mik 


miruses 




mirosesk 


niirusesku 




Untie — 


Wert 




Unite 




PI. giermi 




vjfirmi 


jerni 


lierm 


II. P. blastimi 




blestemi 


blgstini 




mieturg 




mgturg 


meturg si. 


miturg 


meMuk 




miilok 


njqldxukU 


me&lok 



§ 78. In andern Wortern findet sich ni wie im M.-R. 
oder Doppelformen, was ich mir nicht anders als durch den 
Verkehr mit den Zinzaren von Livadhi erklaren kann. 

ni&rkj mjerk d.-r. merg 

nj^s mp% 

mierlg, nierlg mi&rlg 

mierkuri, nierkuri mjerkuri 

niel mjfil 

niari miere 

fumigg furnikg 

Anmerkung 10. un%k — wenig (putsin ist geschwunden) scheint 
mir un mik zu sein. Im M.-R. fand ich in KruSovo die Form niak 
fur niiky was ein Anhaltspunkt fur obige Etymologie ware. 

§ 79. mn (gn) wird im Meglen ganz verschieden reflektiert. 
Uberraschend ist skand im I.-R. und Meglen. 



m.-r. njergu 


i.-r. meg 


njfidxu 


(mei?) 


nprlg 




nierkuri 




nielti 


mlp 


niare 


mlyxre 


fumigg 


fumigg 



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— 15 — 

domn d.-r. domn m.-r. domnu i.-r. domn 

son somn somnu somn 

skant skaun skamnu skand 
semt — Zeichen semn semnu — Narbe, bilek — Zeichen 

lemn lemn lemnu lemn% 

kumndt kumnai kumnatU (kunjat it.^ 

pvlm — Faust pumn (buhl pumn 

pulmg— Handvoll „ pulmu 

Anmerkung 11. d.-r. amnar, das Miklosich, Lambrior von 
igniarium ableiten, ist zweifellos man-dry wie auch die Form im M.-R. 
und Meglen (mandr) und die Bedeutung (Handgriff, Stiel, auch Feuer- 
stahl) beweisen. 

Anmerkung 12. amnu — gehe, ebenso im I.-R. und M.-R. neben 
imnu, y,mnu; D.-R. bietet umblu. 

T. 

§ 80. t% wird uberall gleicb behandelt, selbst „teneo". 

tsgn d.-r. tsin, tsun m.-r. tsin i.-r. tsir. 

supsgri — diinn fur suptsgri, urzikg — Nessel, d.-r. urzikg, 
m.-r. urdzikg zeigt uberall einen durch den EinfluB des r her- 
vorgerufenen stimmhaften Laut. 

§ 81. -tionem wird thuni: Ijertgthmi — Verzeihung, an- 
klinithuni — GruB (ebenso im M.-R., im D.-R. unkingthune) , 
galithini — Verhatschelung mit slav. Stamm, perithuni — Ab- 
nebmen des Mondes. 

D. 

§ 82. d% wird z wie im D.-R. und I.-R., dz im M.-R. 
und Moldauiscben. 

%ug d.-r. %iug, %i m.-r. dzug i.-r. zi 

uzgi auzi%, auzui avdzii (awzit- am) 

§ 83. Im Auslaute werden im Meglen alle stimmhaften 
Laute stimmlos. 

ors (d.-r. orz, m.-r. ordzu) aber artikuliert orzu. 

tyt, hgs, hadi = d.-r. hed, hez% hade. 

§ 84. d im Auslaut nach n fallt in: kon — als, kurgn 
— eilig. 



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— 16 — 

P. B. 

§ 75. pi, bi wird erhalten wie im D.-R. und I.-R., wahrend 
im M.-R. und in der Moldau der entsprechende Palatallaut 
eintritt: 



pert d.-r. 


per d, pier d m. 


-r. kierdu i. 


-r. plierdu 


per 


per, pier 


kier 




lup PI. lup 


lup, Ivpi 


lup, luki 


lup, lup 


spik 


spik 


skiku 




spin 


spin 


skinu 


spir 


skup 


skuip 


askuki 




skupii 


skmpai 


askukiai 




pikg 


pik 


kikg 




pikgturg 


pikgturg 


kikutg 




pin 


pin 


kin 




pitsor 


pitsor 


tsitsor 


pittor 


pikgses — merke 


akikgsesku — verstehe 


pis' 


pis 


kis 


pis 


bine 


bine 


gine 


bire 


korp, korp 


korb, korbi 


korbu, korgi 


korb, korbi 


%erp II. Pers. 


ferbi 


/ergi 




zber 


zbier 


zgilesku, zgier 




alp, PI. ailp 


alby albi 


albu, algi 


ab, alb 



§ 86. Drei Worter scheinen eine Ausnahme zu machen, 
indem sie sich auf Seite des M.-R. stellen; merkwiirdigerweise 
bilden zwei derselben auch im I.-R. eine Ausnahme, das dritte 
fehlt dort. 

kiept d.-r. piept (kiept) m.-r. kjeptu i.-r. kljfipt 

kiaptine pieptene (kkptene) kiaptine ihaptir 

proki apropii (aprokii) aprokiu 

Anmerkung 13. Wir liaben es in den beiden ersten Wortern 
mit dem Typus piekt zu thun. Wenn man beriicksichtigt, da6 ct zu pt 
wird, und zwar ausnahmslos auf dem ganzen Gebicte, so entstand piept 
und hieraus durch Dissimilation unterstutzt durch Organassimilation 
kiept, kiaptine, ebenso aus propiu prokiu. Diese beiden ersten Worter 
konnen recht gut den AnstoB zu der Bewegung gegeben haben, da8 
im M.-R. die Labialreihe durch die Palatalreihe ersetzt wurde. Es 



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— 17 — 



w8re auch nicht unmoglich, da6 „piect ti durch Metathese zu k%ept, dann 
erst der Obergang von ct znpt allgemein geworden w&re; dann ware 
letzteres der jtingere Vorgang, was nicht gut anzunehmen ist, da er 
auf dem ganzen Gebiete verbreitet ist. cf. Olympo-Walachen 40. 
Anmerkung 14. „ipse" findet sich hier unter der Form gn§ — Per- 
sonen, m.-r. inh (ngsy, — er), (insu-ni — ich selbst), d.-r. inh%. „nupta u 
ist nuntg = d.-r.; m.-r. nuntg, numtg, lumtg. cf. §91. 



§ 87. k palatal wird ts wie im M.-R., tS iml.-R., t§ imD.-R. 
tser — Himmel, tsing — Abendbrot, dultsi — suB, tsgpg — 
Zwiebel, antsert — streite etc. 

Anmerkung 15. In tSinuSg — Asche, tStreS — Kirschbaum haben 
wir es mit einer Assimilation an das folgende s zu thun oder richtiger, 
s verhinderte, da6 die Verengung zu ts eintrat. Anmerkung 5. 

§ 88. kt wird pt iiberall: dirept — recht, g%ipt — Nahrung, 
kopt — reif, opt — acbt etc. 

§ 89. Einige Worter machen eine Ausnahme. cf. Anin. 16. 
htet d.-r. ahtept m.-r. ahteptu i.-r. hteptu 

dehtept dihteptu 

dehteptat diMeptat 

fat fapt (fgkut) faptg fakut 

§ 90. ks, x wird s (+ i = h). Formen auf ps, die vereinzelt 
im D.-R., haufiger im M.-R. vorkommen, konnte ich nicht ent- 
decken. 



d.-r. 



lasiX 



tsgs 


tsgs 


tsgsil 


duh 


duty (dusei) 


duh 


%%h 


zisi (zisei) 


dzih (dxghi) 


%m 


iesii 


inUi 


dauh 


adau&j, (adausei) 


adap§(u) 


leS 


ales' (alesei) 


alephfuj 


frih 


friph (fripsei) 


friph[u] 




frasin 


frdpsing- 




koapsg 


koapsg 


ans&r 


u-ns&r 


y,ns6r 



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— 18 — 

Anmerkung 16. Im Meglen haben die si-Perfekta iiberhand- 
genommen und nicht nur die auf psi verdr&ngt, sondern auch andere, 
wie feth, das jetzt fes lautet, nach ars, %ih etc. J£ine weitere Folge 
war, daB dann auch die Participia ihr p verloren, fat statt fapt, oder 
in eine andere Klasse iibergingen wie fris (m.-r. friptg) les (m.-r. aleptu 
adj. neben ales verb.). In Substantiven und Adjektiven wurde pt be- 
wahrt. kopt adj. — reif. htet verb, gegeniiber dirept adj. 

§ 91. net (nx) zeigt meist nt (ns) wie im D.-R., wahrend 
das M.-R. mt (mps) zeigt, das sich dialektisch sogar in Worter 
eingedrangt hat, die urspriinglich nt hatten. 



unt 


d.-r. unt m. 


-r. umtu 


frqnt 


frunt 


fry,mtg 


frqrik 


frunh (frunsei) 


frumphfu] 


strimt 


strumt 


strimtu 


sqmt 


sy,nt neben Sumtsi 


symtu 


vint 


vunt 


vintu, vimtu, Simtu 


tuntsea 


atunthi 


atumtsia 


punte 


punte 


punte, pumpxg, punge 



G. 

§ 92. g palatal wird z, das auf dz beruht; D.-R. zeigt 
dz, M.-R. dz, I.-R. L 

zenukfyu, d.-r. dzenukiu, m.-r. dzenuktyu, i.-r. zerunkliu, 
ziner — Schwiegersohn, lark PI. Iqts — weit, zeni — Augen- 
brauen, zest — Finger (m.-r. dzeddzitu, i.-r. zazet, d.-r. dedzet), 
sgn(d)zi — Blut, mdr(d)zini — Schwelle. 

Anmerkung 17. Ich fand in meinen Aufzeichnungen bei ver- 
schiedenen Wortern dz nach n und r. Was ich in Anm. 5 iiber k 
gesagt habe, gilt auch fur g. 



§ 93. j wird wie im D.-R. durch z (£ im I.-R.) reflektiert, 

das M.-R. bietet dz. 

zok d.-r. zok (dzok) m.-r. adzokit i.-r. zok 

zuni zune dzone zure 

zut — helfe, zunk — erreiche, zimitati — Halfte, zos — 

unten (m.-r. g%os, gies), zur — schwore, zungtyu — schlachte etc. 



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— 19 — 

Anmerkung 18. xak — ich liege darnieder, zeigt % auch im D.-R. 
und I.-R. Das M.-R. hat das Wort verloren. 

Anmerkung 19. di findet sich nur in Fremdwortern, wie 
diamur% — Scheiben, dxumgdani — Jacke von Wolle, Art vonWeste. 

V. 

§ 94. vi ist wie im D.-R. bewahrt in 
vin — Wein d.-r. vin m.-r. (Moldau) jinic i.-r. vir 

vin — komme vin jinti vir 

vinjg vie jinjfi 

vis vis jisit vis 

vitg — Tier vitg — Vieh (jitsel — Kalb) 

vitsg vitsg jitsg 

§ 95. v% wird g% eine Erscheinung, die ich bei den Zin- 
zaren nur in dem Dorfe Malovista fand, wo man auch g$n — 
Wein, g%is — Traum etc. ausspricht; es soil auch in Rumanien 



vorkommen. 








g%armi 


d.-r. vierme i 


m.-r. jermu 


i.-r. li&rm 


gjaspi 


viespe 


jaspe 




giiu 


viu 


jiu 


viu 


giies 


(vietsuesk) 


(bgnedzu) (iivesku) 


giatsg 


vjutsg 


(bang) 




giipt 


vipt 


jiptu 


vipt 


Anmerkung 20. giies ist eine Bildung auf esku von dem Adj. 


g%iu; ebenso giatsg d.-r. viatsg von 


viu -\- eatsg. 


cf. dultse-eatsg, fru- 


rnuseatsg etc. 


F. 






§ 96. fi 


wurde %i, wie im 


M.-R. und in der Moldau, und 


dann zu i, i, 


indem / abiiel. 






iU d. 


-r. fiu m.-r. 


Xiliu i. 


-r. fit* 


Hip 


fiikg 


Xiljfi 


filie 


ier 


fier 


Xer 


flier 


iare 


fiare 


Xeare 




ierp 


fierb 


X&rbu 


(kuhesk) 


ikg 


(smoking) 


Xikg 




ir 


fir 


Xirti 


(atse) 


i — jeder 


fie-kare 


(ka&e) 


(fije = „fial") 

2* 



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— 20 — 

Anmerkung 21. fit ist schon in einer frtihen Periode /t ge- 
worden, wie das Moldauische und das M.-R. beweisen. In einer sp&teren 
Periode, die speziell dem Meglen angehort, fiel anlautendes Xi un d 
wurde im Inlaut durch /"ersetzt. Aus dem slavischen Stamme kix~ wurde 
kifkgies — huste. x ^ J e * z * e * n dem Meglen unbekannter Laut. Die 
Erscheinung beruht auf bulgarischem Einflusse. Im dortigen bulga- 
rischen Dialekte sagt man itro fur x^° — schlau etc. 

H. (slav.-griech.) 

§ 97. h (gutturale stimmlose Spirans) scheint wie die pa- 
latale Spirans geschwunden zu sein oder richtiger, sich durch 
u vertreten zu lassen. 

strgug — Dach, m.-r. strgahg; surumdu — arm, i.-r. siro- 
mdh; y>or — Tanz, m.-r. horu, d.-r. horg. 

Anmerkung 22. In Erisio hat sich h erhalten; statt Huma sagt 
man auch Uma (Dorf bei Ljumnitsa). 



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B. FLEXIONSLEHRE. 



Substantivum. 

Nominativbildung. 

§ 98. Die Feminina der I. Dekl. endigen auf g, ebenso 
im D.-R. und M.-R., das I.-R. bietet g. 

pulpg d.-r., m.-r. pulpg i.-r. pup% 

§ 99. Die Maskulina aus der II. und IV. Dekl. bilden 
den Nom. wie im D.-R. und I.-R. meist mit Abwerfung des u, 
wahrend das M.-R. das u meist bewahrt. (Olymp. pag. 35.) 



domn 


d,r., 


i.-r. domn 


m.-r. domnu 


korp 




korb 


korbu 


lup 




lup 


lupti, 


an 




an 


an 


sokru 




sokru 


sokru 



§ 100. Die Fern, der III. Dekl. bieten i, anderwarts e; 
t^bergange in die erste Klasse zeigen die Substantiva auf ia, 
die anderwarts %e lauten, hier zu jg wurden. cf. § 49. 
punti d.-r. punte m.-r. punte 

ilig ■ (fiikg) /Hie 

vinjg vie jinje 

Anmerkung 23. numi fem., d.-r. nume neutr., i.-r. lume ist im 
M.-R. abweichend numg. lume sagt man auch in Dacien im Distrikte 
VlaSka. 

§ 101. Die Mask, aus der III. Dekl. endigen auf i aus e, 
das anderwarts bewahrt wird. 



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— 22 — 



frati d.-r., i.-r., m.-r. frate. (Moldau, Olymp frati.) Wo 
das M.-R. "Obergange in die II. Dekl. zeigt, hat sich hier die 
alte Eudung meist bewahrt, im D.-R. kommen beide Formen vor. 

birbetsi d.-r. berbethe m.-r. birbekU i.-r. birbetse 

gjarmi vjerme jermu lierm 

p$ti pehte, pesku 

pontitsi puntetSe py,ntekti 

hoarik Soarethe Sgdrikti horek 



Pluralbildung. 

§ 102. Die Maskulina bilden den Plural auf % das sich 
nur nach n, m, I, r und Vokalen halt; s, t, d, k, g in &, ts, s 
(aus %), is, s (aus d%, z) verwandelt und nach $, p (b) spurlos 
wie im Istrischen fallt. 



prun, pruni PL d.- 


-r. pruni m - 


-r. pruni 




pom, pomj. 


pomi 


poni 




leal, kal% 


kai 


ka%li 


i.-r. kali 


arbur, arbur\ 


arbori 


arburi 




bou, boi 


boi 


boi 




(qns), Otis' 


nnsi, insi 


insfij 




bgrbdt, bgrbdts 


borbatsi 


borbatsi 


bgrbats 


iet(-du), ies 


fczi 


iedxi 




porky ports 


porthi 


portsi 


ports 


(pipirugg, pipirus fern.) 








mohj moh 


mosi 


(auh) 




lup, lup 


lupi 


lufy 


lup 


korp(-bu), korp 


korbi 


korgi 


korb 


rieti, riets 


arietsi 


arietsi 


arets 


frati, frats 


fratsi 


fratsi 


frats 


sarpi, horp 


Serpi 


§erki 


Serp 


giarmi, gjprmi 


viermi 


. jern% 


liermi 



§ 103. Die Feminina bilden den Plural meist auf i aus e; 
die auf dg f tg, kg, gg werden wie Maskulina behandelt. Im 
D.-R. und im M.-R. finden sich vielfach Doppelformen. 



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— 23 — 
a) grQapg, groapi Plur. d.-r. gropi m.-r. groape, groty 



ropg, rgjn, rqp 


rupe, rypj. 




i.-r. grpe 


kasg, kasi 


kase, kgs% 


kase, kg§, k$suri 


kase 


mga§g, moaH 


mgdke 


mgake 




koafy, kgazi 


kofy 






Suing, kimi — Eiche 








b) grindg, grins 


grinx% 


grinz 




pojatg, poj#ts 


pgietsi 






fumigg, furnis 


furnidfy 


furnits 




HhQkg, bihgts 


bgMtty 


befits 





ngprqtkg, ngprgtki muBte wegen der Konsonanz tk i bewahren. 

§ 104. Feminina auf i werden behandelt wie die Maskulina. 

punti, ptmts Plur. d.-r. punts{ m.-r. punts 

noaptij nopts noptsi nopts i.-r. noptsi 

floare, flori flori 

numi, numi f. nume n. nume f. lume n. 

krutsi, kruts kruthj, kruts 

buti, buts butsi buts 

§ 105. Eine Eigentumlichkeit des Meglen bilden die Fe- 
minina auf tsg, %g, die im Plural unverandert bleiben. cf. § 58. 

vitsg, vitsg d.-r. vitse m.-r. jitse 
ebenso sgatsg — Genossin, niatsg — Katze, ursganjg — 
Barin, ilig — Tochter, bukurilig — Freude etc. 

§ 106. Feminina auf eo haben eli. 
step, steli d.-r. stele m.-r. steale, stele i.-r. stele 
ebenso vngheo — Backenzahn, purtseo — Ferkel weibl. 
Einzelheiten : 
hao, tyili = hali Plur. d-.r. Me m.-r. Sale 

kurao, kuroity = kurali kurele kurale 

zug, zgli zile dzile 

sorg, surori surori surori 

norg, nurori nurori 

Anmerkung 24. nurori — Schwiegertochter ist Analogiebildung 
zu suror%. nor — Wolke, bat ndrur%. 



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— 24 — 

§ 107. Einige Feminina bilden den Plural auf ur%. 
vali, voliuri — Thai, Bach; ramg, ramuri — Zweig; jarbg, 
yxrburi — Kraut; prahti, pros' turi — Schleuder. 

§ 108. Die Neutra haben im PL 1) i anderwarts e, 2) g, wenn 
ts, i vorausgeht, 3) ur%. Es sind meist dieselben, wie anderwarts. 
1) skant, skandi Plur. d.-r. skaune m.-r. skamne L-r. skande 



zest, xesti 




dedxete, deSte 


dxeddxite 


idzete 


piih&r, pithgari 




pithoare 


thithgare 


pitsore 


OS, QOSl 




gase 


gase 




not, ngadi 




nodurj 


ngade 




pulm, pulmi 




pumni 






ninel, nineli 




inele 


neale 




kiept, kiepii 




piepturi 


kiepts 




arbet, arbeti — Kiicken 








lemn, lemni 




lemne 


leamne 




thelik, ihelixi — Dachbalken 






2) spik, spitsg 




d.-r. spikurj. 


m.-r 


. skitse 


ark, artsg 




arkuri 




artse 


burik, buritsg 




burikuri 


, buritse 


buritse 


buburek, buburetsg - 


- Niere 






mustdk, mustatsg 




mustgtsi 




mustgts 


kqntik, kgntitsg 




kuntethe 




kuntitse 


ggrnuts, ggrnutsg — 


Kornchen 






ungliu, unglig 




ungi{ 




ungl%e 


kglkqinj,, kglkganjg 




kglkuje 




kglkiinie 


3) grop, grobur% 


d. 


•r. gropi 






timp, timpurj. 




timpurj. 


i.- 


•r. timpuri 


dor, doruri 




dorur% m.-r 


'. dorur% 




vis, visurj. 




visuri 


jise 




hoik, kolkurj— Schenkel 








drum, drumur% 




drumuri 






kupirit, kupirituri 




(koperihurj,) 






simenat, simendturi 




sgmungturi 






nor, noruri 




nori 


noruri, nuori 



frik — Kalte, friguri — Fieber = d.-r. (m.-r. arkgare, xiavrg). 



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— 25 — 

Anmerkung 25. Beziiglich der Plurale auf tsg bemerke ich, da6 
auch im D.-K. dialektisch tsg, sg, rg fur tse, se, re gesprochen wird. 
Ich habe dies im M.-R. nicht beobachtet, wohl aber werden im Norden 
(Monastir) samtliche Maskulina auf Its, nts, rts statt in % in g geendet, 
also: multsg, muntsg, portsg. 

Artikulation. 

§ 109. Die Maskulina haben im Sg. u wie im D.-R. und 
I.-R., die auf i haben li fur le, wie uberall. Im PL steht 1% 
vor dem das reduzierte i volltonend wird. D.-R., I.-R. zeigen 
i, i y M.-R. l%i. 
Sg. uom-u 
PL odmini-li 
Sg. pork-u 
PL portsi-li 
Sg. frate-li 
PL fratsi-li 

Anmerkung 26. In Huma ist das / des Artikels noch horbar, 
aber mit sehr gutturaler Aussprache, die im Begriffe ist, sich im vor- 
ausgehenden u aufzulosen. Im M.-R. hort man meist om-lu, in Zagori 
omu-lu, in Malovista omu-l. —jermu-l, pangul, sokrul etc. hort man auf 
weiterem Gebiete. 

§ 110. Die Feminina haben a im Sg., li im PL, wobei zu 
bemerken ist, daB e vor a bewahrt wurde, und % vor li voll- 
tonend wird. 



d. 


-r. om-u 


m.-r. om-lu (omul) 


i.-r. om-u 




odmini-i 


oaminl%i 


omir-i 




pork-u 


porku-lu (porkul) 


pork-u 




portU-i 


portstyi 


ports-i 




fratele 


frate-le 


frate-le 




fratsi'i 


frats-lii, fraslii 


frats-i 



Sg. kasg, kasa d.-r. kas-a m.-r, 


, kas-a i -r. kasa-a 


PL kasi, kasili kase-le 


kase-le kase-le 


Sg. noapti, noaptea noapte-a 


?wapte-a nopte-a 


PL noptSy noptsili noptsi-le 


noptsi-li nopte-le 


PL fokur% fokurili fokuri-le 


fokur[i]-le fokur-le 


Anmerkung 27. apg in der Bedeutung 


„Bach" kommt auch als 


masc. apu vor. 




Kasusbildung. 




§ 111. 1) w-Maskulina. 




Sg. N. Ac. domnu 


PL domnili 


G. d&mnului = lu domnu 


domnilor 


D. la domnu 


la domnili 


V. domnuli 


domnili 



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— 26 

§ 112. 2) e-Maskulina. 
Sg. N. Ac. frdteli 

G. frdtelui = lu frateli 

D. la frateli 

V. frati = frateli 

§ 113. 3) a-Feminina. 
Sg. N. Ac. ste\ua 

G. ste/ulig = lu st$ua 
D. /a ste]ua 
V. s^'wa 

§ 114. 4) e-Feminina. 
Sg. N. Ac. muliarea 

G. muliarilig = /w muliarea 
D. /a muliarea 
V. muljuri 



PI. fratsili 

fratelor = fratsilor 
la fratsili 
fratsili 

PI. s^/i7i 
stqlilor 
la stelili 
stelili 

PI. mulierili 
mulierilcyr 
la mulierili 
mulierili 



§ 115. 1. Der Genitiv wird gewohnlich durch lu mit dem 
artikulierten Nom. gebildet, wie im Istrischen, sehr selten auf 
lui, in welchem Falle nie a vorausgeht wie im M.-R. oder al etc. 
wie im D.-R. Das Femininum bietet lig fiir lie, cf. § 58. 
M.-R. Ijfii, fyi, D.-R. ei, 

2. Der Dat. wird immer durch la gebildet, was bedingungs- 
weise auch im D.-R. und M.-R. geschieht. 

3. Der Vokativ wird wie im D.-R. gebildet. Stuck V: 
fokuli, lupuliy pinuli etc. Das M.-R. hat diese Bildung ver- 
loren, indem es sie durch die slavische ersetzte (e fiir Mask., 
o fiir Fem.). Auch im Meglen sind Formen auf o (u) furs 
a-Fem t in Gebrauch: matso! sorof teto! 

Die Bildung auf lor im Vok. PI. im D.-R. scheint im 
Meglen nicht vorhanden zu sein. 

Anmerkung 28. Der Gen. kann dem regierenden Subst voraus- 
gehen, z. B. la Domnului grop — nach dem Grabe dcs Herrn. 

§ 116. 1st das Subst. mit dem unbestimmten Artikel oder 
mit einem Adjekt. verbunden, so geschieht die Flexion immer 
durch lu fiir den Gen., la fiir den Dat. 



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— 27 — 

§ 117. Eigennamen: Janku Gen. lu Jankglig; lu Tahgl%g. 
Dies ist eine merkwiirdige Doppelbildung, einmal auf lu, und 
dann nach Art der Fern, auf l%o. Dat. la Janka. Vok. Janku. 
Im D.-R, lautet der Gen. lui Janku, im M.-R. a lui Janku oder 
al Janku. 

Anmerkung 29. Ich hfttte auch noch eine Neubildung auf ta 
als eine Art Ablativ anfuhren konnen; da sich diese aber nur bei 
wenigen Substantiven findet, so schien es mir richtiger, sie bei den 
Adverbien § 138 unterzubringen. 

AdjektiTum. 

§ 118. 1) alp, albg; ajJLp, albi. 

gros, groasg; gro$, grgasi. 

2) verdi; vers. 

3) nott, noaug; no%, noaug (m.-r. nale). 
rgu, raug; rgil% rali. 

greti, greo; greHi, greli. 
d.-r. grey,, grea; gre% grele. 
m.-r. greu, gre/ZQ; gre% y greale (grele). 
i.-r. grewuy gr$; grel% grele. 
Anmerkung 30. Wie die Formen auf eale im Meglen, M.-R. und 
I.-R. Analogiebildungen zur Gruppe sieaug — steale sind, so hat man 
im Meglen und I.-R. aus dem Fern, eale ein Mask, eli gebildet. Diesen 
Adj. hat sich das Pron. poss. angeschlossen, das im Meglen und I.-R. 
iibereinstimmt. 

§ 119. Die Verbindung des Adj. mit dem Subst. geschieht 
wie im D.-R. uomu tsela bunu, PI. odminili tselia bunil%. Im 
M.-R. macht man einen Unterschied zwischen omlu atsel bun 
omlu atsel bunlu. Ersteres bedeutet allgemein „der gute Mann", 
letzteres „ein bestimmter, mir bekannter guter Mann". „Porkulu 
atsel ayrulu" = „Das in Erzahlungen bekannte Wildschwein", 
porkulu atsel ayru — das Wildschwein. 

§ ,120. Die Komparation geschieht durch mai, wie im 
D.-R. und I.-R., wahrend das M.-R. ma und kama benutzt. 

§ 121. Die gebrauchlichsten Adjektiva: 

mik — klein, PI. minuts, {mits wird nur als Subst. „die 
Kleinen, die Jungen" gebraucht). mari — groB, Yl. rngtSkdls, 



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— 28 — 

selten mgr%. (muthku — beifie) d.-r. mghkdt — groBkornig. 
tiner — Jung, bitgrn — alt, anvakgt — bejahrt, vekliu — alt, 
%uni — kraftig, supsor — fein, schwach, bukurds — freudig, 
anrait — zornig. (Diese Form macht es mir wahrscheinlicher, 
daB wir es mit einer Metathese aus „in~i-ra~tus", als mit dem 
Stamme y ,reus" zu thun haben, wie Miklosich will. m.-r. ngrgit, 
ngrlgitU laBt nichts erkennen.) skgmp — teuer, eftin — billig, 
ubaf — schon (m.-r. muhat ist unbekannt), urgt — schlecht, ab- 
scheulich, nebun — haBlich, sgtui — satt, flgmunt — hungrig, 
bi§6s — stinkend, per 6s — haarig, serbitsus — fleiBig, lends — 
faul, anvitsdt — erfahren, geschickt, kgntdt — gelehrt, Uiiit — 
gescheit, glubaf — dumm, skutsgt — spitz, thokuit — kastriert (ge- 
hammert), uskdt — trocken, takut — schweigsam, still, ampera- 
tesk — kaiserlich, negru — schwarz, alb — weiB, bistri — hell, 
roh — rot, galbin — gelb, verdi — grun, vinet — blau, lurekos 
glatt, serin — heiter. 

§ 122. Das Meglen neigt auf Seite des D.-R. durch die 
Komparativbildung mit ma% durch die Adj. bukords, sgtul, flg- 
munt, lurekds, serin, die samtlich dem M.-R. fehlen. 

Numerate. 

§ 123. Kardinale. un fern, ung, doi fern, doaug, tre% patru, 
tsints y hasi, hapti, uopt, nQaug, xetsi; unspretsi, daospretsi, tres- 
pretsi, daozgts, tre%x6ts etc. 

ung sutg, ung miljp. 

ung ist die Form des M.-R., o die des D.-R., I.-R. 

§ 124. Die Kontraktionen unspretsi etc. sind wie im D.-R. 
unsprethe, wahrend M.-R. uspredzatse in usparatse ktirzt. 

§ 125. daQZQts ist gleich dem d.-r. douxeihi, dagegen hat 
das M.-R. jingits, I.-R. dvajzet. Auch hier kann man wie im 
Istrischen haufig slavische Zahlen horen. 

§ 126. Ordinale. prima (invar.) der erste, auch als adv. 
zuerst. St. IV. puni la tu prima — lege du ihn zuerst. St. III. 
prima %ug — der erste Tag. Man gebraucht auch das der 
vgltrk. Sprache entnommene piHm: iou sam di piUm la skol%6 
— ich bin der erste in der Schule. 



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— 29 — 

prima findet sich in keinem rum. Dialekte; da weder die 
umwohnenden Bulgaren, noch die Turken (ias Wort haben, 
auch eine Einschleppung durch die griechische Schule ausge- 
schlossen ist, so muB das Wort als ein echt rum. betrachtet 
werden, das sich nur hier erhalten hat. (d.-r. primgvarg, pri- 
marg, m.-r. primgvearg.) tertius findet sich hier als tsqrts, 
d.-r., m.-r. tsgrts in dem Ausdrucke an tsqrts — vor zwei Jahren. 

Andere Ordinalia existieren nicht; auch im M.-R. konnte 
ich nur an wenig Orten das Vorkommen der von Bojadschi 
gegebenen Formen feststellen mit Ausnahme von primlu, das 
ich nirgends fand. 

Anmerkung 31. „Um drei Uhr" wird im Meglen mit „la treiti 
ori" also mit dem artikulierten Kardinale ubersetzt. Im M.-R. heiBt 
es „tu treili", was ich mit zu ergftnzendem ore (ori oder sghgts) er- 
klSrt habe. Olympo - Walachen p. 75. Dazu bemerkt Tiktin, Lt. f. 
germ. u. rom. Ph. 12. 464, es sei offenbar der m&nnliche Artikel Sg. 
vgl. d.-r. y,n al optulea tsas. Ich mochte nur gem wissen, welches 
Mask, zu erg&nzen w&re. ihas ist unbekannt und garg und sghate 
sind fem. Es besteht kein Zweifel, dafi wir es mit einer Nachbildung 
des gr. v eig rag Tqeig" zu thun haben. 

§ 127. Distributivum. kgti tre% — je drei, ebenso im 
D.-R. und M.-R. tre% or% kgti patru fak daospretsi. kgti dgaug 
ori an %ug — je zweimal im Tage. 

Anmerkung 32. kgti ist immer satzunbetont, kann daher g be- 
wahren. 

§ 128. Die in §§ 124, 125 angefuhrten Formen nahern 
das Meglen dem D.-R. 





Pronomen. 






§ 129. Personale 


konj. 






Sg. N. jpu 1 ) 


tu 5 ) 


iel 


ia 


D. a-n% 2 ) 


a-ts, St, s, z 2 ) 


a-li 2 ) 


a-li 2 ) 


A. mi 


ti 


la*) 


ao, u 


PI. N. noi 


voi 


ifili 


\ali 


D. na 3 ) 


va 3 ) 


la 3 ) 


la 3 ) 


A. na s ) 


va 3 ) 


lia*) 


li. 



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— 30 — 

1) iou gleich d.-r., i.-r. ieu, %o, m.-r. mine im Norden, ieu, igu, 
iou im Westeii und Siiden. 

2) an% ats, al% sind dem Meglen eigen; d.-r. um% mi, i.-r. m%i, 
m.-r. nii. Die Meta these st fiir ts habe ich im M.-R. nicht beobachtet. 
nu-st-la dau — ich gebe dir es nicht. Die Abschleifung zu s, resp. % 
ist auf dem ganzen Gebiete gebr&uchlich. 

3) Die Dative na, va, fo.stehen d.-r. ne, vg, le, m.-r. ng, vg, Ig, 
i.-r. ne, ve, li% gegeniiber, denen sich auch die Ac. PL na, va anschlieBen, 
die auch in den andern Dialekten gleich lauten. 

4) Besonders auffallend ist der Ac. Sg. la, PL tya fur d.-r. ul, i, 
m.-r. lu (ul) lit } i.-r. lo, lit. 

Anmerkung 33. Die Formen auf a: na, va, la> l%a entstanden 
aus ng, vg, Ig (ul), lit, + a, es sind Neubildungen des Meglen, keines- 
wegs Formen, die den iibrigen Dialekten lautlich entsprechen. 

5) tu ist im M.-R. zu Gunsten von tine vollstandig geschwunden, 
auch da, wo sich ieu erhalten hat. Boj. giebt tu an. 

§ 130. Pers. absol. 

Der N. ist gleich dem Pers. konj., der A. Sg. lautet mini, 
tini, %el, ja, der G. wird durch di, der D. durch la mit dem 
A. gebildet. Im PL hat man dieselben Formen wie der N. 
des Pron. konj. 

Lui und lor finden sich nur beim Pron. poss. wieder, 
noug, voug sind geschwunden. 

§ 131. Pron. reflex. 

D. as, A. si; d.-r. H, se, m.-r. Sg, sg, i.-r. se, se. 

Als absol. Reflex, verwendet man das Pron. pers. der 
III. Pers., z. B. tatg-su la lat-au ku jel — sein Vater hat ihn 
mit sich genommen. d.-r. ku sine, i.-r. ku sire, m.-r. ku ngsu. 
Dieses ngsic wird im M.-R. nicht nur als Reflex., sondern ganz 
gewohnlich als Personale der III. Pers. gebraucht. 

Anmerkung 34. Zuweilen wird das Fem. ag = u als Neutr. ge- 
braucht, was ich auch im M.-R. und Albanesischen beobachtet habe. 
u-am fat — ich habe es gethan. St. I. li-u dedi la kgini — 
sie schlug den Hund; im M.-R. sagt man: au deadi pisti kapu — er 
schlug auf den Kopf. au htiu — ich weiB es, etc. 

Es ist Regel, das Obj. durch das Pron. vor dem Verbum anzu- 
kiinden, wie im Big., Alb., weniger im M.-R. und Neugriechischen. 



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— 31 — 

§ 132. Possessivuin. 

meu, m%, me$% meli 

tgu, ta; tg%li, tali. 

su, sa; sejlj, sali (lui). 

nostru, ngastrg; nohtri, ngas'tri. 

vostru, vgastrg; vohtri, vgaMri. 

lor ; lor. 

Die Formen me%l%, tgili, sefii finden sich im Istrischen 
wieder: meli, teli, sel%. cf. § 118. 

Ngas'tri, vgastri stimmt auch nur mit dem Istrischen iiber- 
^in, die anderen Dialekte haben noastre resp. anoastre etc. 

§ 133. Die Anwendung des Poss. ist iiberall gleich; man 
sagt: men frati, fratili men, aber in der dritten Person fratesu, 
ohne Artikel. Die Uinschreibungen mit lui und lor sind ge- 
wohnlich. 

§ 134. Demonstrativum. 

1. tsista, tsesta; tsiMa, tsehti. 
G. D. tsistuja; tsistora. 

2. tsela, ts%; tselia, tseli. 
G. D. tseluia; tselora. 

Auffallend ist die Ubereinstimmung mit dem Istrischen: 
tsela, ts%, tselia, tseli. Auch mit dem D.-R. zeigt sich inniger 
Zusammenhang, da auch dort die Formen mit nachgestelltem 
a haufig sind: atsela, atselu%a. Das M.-R. weicht ab; es kennt 
weder tsista, woftir aistu (aestu) in Gebrauch ist (auch in der 
Moldau), noch die Formen auf a. 

§ 135. Relativum, Interrogativum. 

tsi und kari kommen iiberall vor. Letzteres wird auch 
fur d.-r. thine, i.-r. tsire angewandt. Im M.-R. kommt tsine 
neben kare vor, doch meist letzteres. 

§ 136. Indefinitum. 

1. 'win — jemand; d.-r. we-un; m.-r., i.-r. wun. 

2. tsiUiukare — irgend jemand; m.-r. tsuMukare. 

3. nitsi un — niemand; d.-r. nits un; i.-r. nits-ur; m.-r. 
vgrun nu, seltener nitsi un. 



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— 32 — 

4. tsiva — etwas (nichts) = m.-r. und i.-r. Das d.-r. nimik 
ist unbekannt. 

5. i, ie — jeder, i xug — taglich; d.-r. fie-kare; m.-r. ka&e. 

6. sfakg — jeder; i.-r. saki (slav.). 

7. tari — solcher; d.-r. atare; m.-r. ahtare. 

8. tot, toatg — ganz, tots, toati — alle; im M.-R. auch tut, 
tutg, tuts, tute. 

9. niMikqts — einige; m.-r. neskgnts. 

10. kgta — soviel, so; i.-r. kgta; d.-r. atut; m.-r. ahut. 

11. kot — wieviel; d.-r., m.-r., i.-r. kuL 

12. lalant, lalt — anderer; d.-r. glalt; (i.-r. at); m.-r. alantu. 
Das Meglen zeigt Ubereinstiminung mit dem I.-R. in 6, 10, 

mit dem D.-R. in 5, 7, mit dem M.-R. in 2, 9, mit dem D.-R. 
und M.-R. in 12, mit dem I.-R. und M.-R. in 4. In 1, 3, 8, 
11 stimmen alle uberein. 

§ 137. Selbstandig zeigt sich das Meglen in den Formen 
des Personale, ganz eng verbunden mit dem Istrischen durch 
die Formen des Possessivums, Demonstrativums und kgta — so- 
viel , das sich nur in diesen beiden Dialekten findet. In den 
Formen tu, besonders aber in tsista stellt es sich auf Seite 
des D.-R. 

Adrerbia. 

§ 138. 1. Das Adv. bine wird nur in wenigen Wendungen 
gebraucht: bine vents, bine afla% bine jfis", sonst wird es durch 
bun ersetzt, was ich anderwarts nicht beobachtet habe. 

2. kuron — schnell, eilig, m.-r. ku jie; i.-r. vreda. 

3. kgterqu — schnell. 

4. kgtelin — langsam; d.-r. kgtinel; m.-r. ngadale alb. 
und pay ale gr.; i.-r. pomalo si. 

5. ung H ung — im Nu. St. I. 

6. din ding oarg — mit einem Mai. St I. 

7. preuna — zusammen; d.-r. umpreung; m.-r. de adun. 

8. l%umintrea — anders; d.-r. aVminterea; m.-r. al%umtra. 

9. mult — sehr; d.-r. foarte; m.-r. multu; i.-r. kruto. 
10. cf. de bun ma% bun — ganz vorziiglich St. III. 



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— sa- 
il, tuku — nur big.; d.-r. nuniai; m.-r. ma$. 

12. kgta mare — so groB; d.-r. aha de mare; m.-r. ahut 
mare; i.-r. kgta mare, 

13. ka, kahi — wie. 

14. ha — so, ja; d.-r. aha; m.-r. ahi, ahitse, akhitsine; i.-r. aha, 

15. na — nein; 15 b. dip big. = ith, trk. = d.-r. de loo — 
gar nicht. 

16. %undi — wo; d.-r. wide; m.-r. iu; i.-r. deride Quve), 

17. diundi — woher; d.-r. denude; m.-r. diu; i.-r. dende. 

18. ud — hier; d.-r. aitty; m.-r. and; i.-r. ats, ansfaj, 

19. kola — dort; d.-r. akolea; m.-r. akloftsej; i.-r. kole, 

20. nginte — vorn. 

21. ngpoi — hinten. 

22. nuntru — drinnen. 

23. ngfarg — drauBen; d.-r. afarg; m.-r. ngfoarg; i.-r. far%. 

24. din zur — ringsum. 

25. zos (anzos) — unten; m.-r. ngjps, ngjes. 

26. sus (ansus) — oben. 

27. dinkoa — diesseits; d.-r. dinkoathe; m.-r. y,nkoa. 

28. detsindea — jenseits; d.-r. dethindea; m.-r. dindparte. 

29. proapi — nahe. 

30. dirept — geradeaus. 

31. dir^pta — rechts. 

32. leva — links big.; d.-r. la sty,nga, m.-r. la styngg. 

33. l%urea — anderswo. 

34. kgn — warm; d.-r. tynd; m.-r. kundu; i.-r. kgnt. 

35. kmo, motsi (Kupa) — jetzt; d.-r. akmu; m.-r. tora, 
amu; i.-r. kmo. 

36. ankg — noch. 

37. des — oft; d.-r. des. 

38. tuntsea — damals, dann. 

39. napkum — dann, big.; cf. i.-r. pokle. 

40. prima — zuerst. 

41. mqnka — friiher. 

42. di vakqt — seit langem. 

43. an timp — fernerhin. 

3 



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— 34 — 

44. as, azg — heute; m.-r. azg, cistgdzg, dstgndzg; i.-r. astes. 

45. jer% — gestern. 

46. odltari — vorgestern; d.-r. alaltgier%; m.-r. aoaltadz; 
i.-r. ater. 

47. mgini — morgen. 

48. pojmoini — ubermorgen. 

49. pustalantg — iiberuberinorgen. 

50. Auf ta: strata — am Abend, dimnqsta — am Morgen, 
moptista — am folgenden Tage, jarnata -r- im Winter. 

51. kQtsi — warum; d.-r. kgtty; m.-r. kgtse; i.-r. xats. 

§ 139. Selbstandig zeigt sich das Meglen ganz besonders in 
3, 40, 49, 50, weniger in 1, 5, 6, 10, 11, 15 b, 32, 41, 42, 
43, in 46 ist die Bildung wie im D.-R. und I.-R, die Form 
des ersten Teils wie im M.-R.; mit letzterem hat es nur 9, 

18, 24 ausschlieBlich gemein, mit I.-R. 12, 39, mit dem D.-R. 
(2), 4, 7, 16, 28, 37, 51, mit dem D.-R. und I.-R. 14, 17, 

19, 23, 25, 35. In der Mehrzahl der Adverbien herrscht 
TJbereinstimmung auf dem ganzen Gebiete, doch lafit sich nicht 
verkennen, daB das Meglen mehr auf Seite des D.-R. und I.-R., 
als auf Seite des M.-R. steht. 

Prapositionen. 

§ 140. di — aus, von; tophi dingo — Ballen aus Schnee; di 
frikg — aus Furcht; di frik — wegen der Kalte, durch die Kalte. 

din — aus (ortlich); m.-r. din und ditu. 

din %wrdi — um . . . herum. 

dintru ts% — aus diesem Grunde. 

dila — von. 

an — in, nach; d.-r. yn; m.-r. y,n, tu. 

a kasg — zu Hause. %-dusi kasg — er ging nach Hause. 
Die Weglassung der Prap. a fand ich auch im Istrischen wieder, 
z. B. me lasdt-aw kasa — sie haben mich nach Hause gelassen. 

la — bei, nach, an; ku — mit; forgdi — ohne. 

pri kal — zu Pferd; an&ur pri domnu — ich schwore bei 
Gott. 



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— 35 — 

pristi kap — auf dem Kopfe (m.-r. pisti; d.-r. peste); 
pristi noapti — mitten in der Nacht. 

prin pgzgriUi — iiber den Markt hin; pin badig — durch 
den Kamin hindurch. 

pringg = pri langg vali — langs des Baches. 

angg mini — neben mir; d.-r. lungg; m.-r. ningg. 

Anmerkung. angg ist eine Neubildung aus pringg, woraus man 
ingg resp. angg bildete. 

sup n%ua — unter dem Schnee; m.-r. sub, suptu, suntu. 

suprg, disuprg — iiber. 

kutru — gegen, nach. 

dupu — hinter; d.-r. dupg; i.-r. dup%; m.-r. dipu, dupg. 

pqnan — bis (zeitlich). 

pgnla — bis (ortlich). 

pgndi — bis (ungefahr). 

§ 141. Die Prapositionen sind iiberall ziemlich gleich. 
In der Form abweichend ist kutru, dupu, an, in der Bildung 
angg. Besondere Beachtung verdient, daB es nur mit dem 
Istrischen (D.-R.?) die Weglassung von a bei kasg gemein hat. 
Das im M.-R. so haufige tu, tru — in, findet sich nicht selbst- 
standig, ebensowenig ditu — aus. 

Koiijunktionen. 

§ 142. 1. H — und; H . . . &i — sowohl ... als auch. 

2. nitsi . . . nitsi — weder . . . noch. 

3. ma, ama — aber; d.-r. dar; m.-r. ma, ama; i.-r. ma. 

4. si — daB (folg.), daB (Absicht). 

5. kasi — daB, damit; d.-r. ka sg; m.-r. ta si, trisi(kasg). 

6. kasi — wenn (aku big. ist gebrauchlicher) ; d.-r. dakg; 
m.-r. kara. 

7. fgrg si — ohne daB; pqn si — bis daB. 

8. kakum si ie — wie es auch sei. 

9. ka — 1) wie, als; 2) denn, weil; 3) daB; d.-r. ka, kg; 
m.-r. kg; i.-r. ke. 

10. kgn — als, wahrend. 



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— 36 — 

§ 143. Das Meglen ist an Konj. ebenso arm, wie das 
Istrische; ka muB fur die verschiedensten Verhaltnisse herhalten: 
Tuku %-vini, xisi f$a, ka veru{d, ka-je tetg-sa. Ka s-f$si ngdptea, 
vini vgmpiru etc. — Komme nur, sagte das Madchen, denn es 
glaubte, d a 6 es seine Tante ist. A 1 s es Abend wurde etc. St. II. 

§ 144. Neubildungen sind nicht vorhanden; dem d.-r. dakg, 
m.-r. kara, karasi steht das bulgarische aku — wenn gegeniiber. 
"Ober tna, ama, ebenso im M.-R. bin ich nicht im Zweifel, daB 
wir es mit einem Lehnwort aus dem tiirk. ama (auch bulg.) 
zu thun haben, und nicht mit lat. wiagis, das hier durch rnaj, 
reflektiert wird. Beim M.-R. kann auch das alb. und neugr. 
ma mitgewirkt haben, im Istrischen das ital. ma, 

Verbum. 



§ 145. Infinitiv, 








kglkari 


vidqri 


zitsiri 


durmiri 


d.-r. kglkafrej 


videare 


xithere 


durmire 


m.-r. kglkare 


videare 


(dxitseare) 


durnj/ire 


i.-r. purtd 


vid{ 


xitse 


durmi 



D.-R. und I.-R. stimmen formell und auch im Gebrauche 
uberein, wahrend das Meglen und das M.-R. sich zwar formell 
der weiteren Form des D.-R. anschlieBen, im Gebrauche aber 
abweichen. In beiden kann der Infinitiv nicht nach Hilfsverben 
stehen, sondern er ist auf den substantivischen Gebrauch be- 
schrankt (big. EinfluB). Immerhin kann man ihn im Meglen 
noch haufiger finden als im M.-R. 

St. I. la periri uq trimqsi — um umzukommen schickte sie 
sie. St. VI. dila viniri primaverelig — auf das Kommen des 
Friihlings. bung prividgri — gliickliches Wiedersehen, ist die 
gewohnliche Abschiedsformel ; d.-r. la revedere; m.-r. s-ne vedem. 

„Ich kann nicht kommen" heiBt im Meglen: nu pot si vin; 
m.-r. nu pot sg jin; d.-r. nu pot veni; i.-r. nu pok vin. 



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37 — 



§146. Prasens 


Ind. 










I. kalk 


II. 


vet 


III. 


zik 


IV. 


dorm 


kalts 




ves 




zits 




dormi 


kalkg 




vedi 




zitsi 




doarmi 


kglkqm 




videm 




zitsim 




durmim 


kglkdts 




videts 




zitsets 




durmits 


kalkg 




vet 




zik 




dorm 



In I., II., IV. herrscht iJbereinstimmung auf dem ganzeu 
Gebiete, abgesehen von den lautlichen Veranderungen wie p 
fur g, ves fur vez, vedz etc. Aber in III. in der 1. und 2. PL 
sind nur Meglen und D.-R. stammbetont: imzim, bdtim, vin- 
dim etc., wahrend I.-R. und M.-R. sich der Betonung der II. 
angeschlossen haben: undzem, bgtem, vind&m, ein Vorgang der 
sich im M.-R. auch in den schwankenden Formen des Infinitivs 
zeigt: arudere neben aridedre, bdtere — bgtedre etc. 

§ 147. Prasens Konj. 

Nur die III. Person Sg. und PI. hat eine bestimmte 
Form auf g: kalkg, vedg, zikg, doarmg, ebenso im M.-R. Im 
D.-R. zeigt die I. Konjugation noch eine Endung e, die iibrigen 
sind gleich. Im I.-R. ist der Konj. bis auf geringe Spuren 
geschwunden. Der Gebrauch ist wie anderwarts, um die Un- 
gewiBheit, Absicht auszudriicken, also namentlich nach si, kasi, 
auch in Relativsatzen: xia nu ari twm tsi nu ajbg bidiiklii — 
ici il rCy a pas d'homme qui n'ait pas de poux. 

§ 148. Imperativ. 

kalkg ves bati doarmi 

Das Meglen stimmt im wesentlichen mit dem D.-R. iiber- 
ein, in der I. und III. haben wir die III. Sg. Pras., in der 
II. die II. Sg., in der IV. bald die II. Sg., bald die III. Sg. 
Prasens. Das I.-R. zeigt fast immer die III. Prs. Sg. Pras. 
Das M.-R. bevorzugt die Umschreibung mit sg und der II. Prs., 
offcer findet man auch die III. Prs. Sg. angewandt, selten aber 
die II. Sg. 

Vereinzelt haben sich alte Formen erhalten und zwar auf 
dem ganzen Gebiete: 



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zi 


du 


d.-r. zi 


du 


aa.-r. dzi 


du 


i.-r. zi 


du 



— 38 — 

fa dg stgi 

f9 fy stgi 

fg d 9 st oi 

fa d% st$ 

Anmerkung 35. stqi konnte auch durch das big. stoi beeinflufit 
sein , wfihrend das Istrische stg auf stg — „sta u hinweist. ielg bulg. 
ist gewohnlich fiir vino (d.-r., m.-r., i.-r.). Beim verneinten Imper. 
kann nicht, wie im D.-E. der Infinitiv stehen: nu fa oder si nu fats. 

§ 149. Imperfektum. 

I. 



kglkdm 


II. vidqm 


kglkdi 


vidqi 


kglkd 


vidq 


kglkdm 


vidfyn 


kglkdts 


vid{ts 


kglkdu 


vidqu 



Wie vid$m gebt aucb hgt{m (duts$m, fatsgm) und vinqm 
(durm(m). 

Die Formen auf %m, hervorgegangen aus edm cf. §§ 54, 
55, 160 sind Neubildungen, denen sich auch die Verba der IV. 
angeschlossen haben. Hervorzuheben ist, dafi das Meglen das 
u in der III. Prs. PL bewahrt hat, wie im D.-R., wahrend es im 
M.-R. geschwunden ist; kglkd gegeniiber kglkau. Das Istrische 
geht seine eigenen, ganz abweichenden Wege: kglk^ia, vidfya etc. 

§ 150. Aorist. 



kglkdi 


II. vizui 


III. 


zih" 


IV. 


durmfy 


kglkds' 


vizus 




ziseh 




durrmk 


kglkg 


vizu 




zisi 




durmi 


kglkgm 


vizum 




zisim 




durmim. 


kglkdts 


vizuts 




zisits 




durmits 


kglkara 


vizura 




zisira 




durmira 



Selbstandig zeigt sich das Meglen in der II. Prs. PL, wo die 
Formen auf ts eingedrungen sind, wahrend M.-R. und fruher 
auch D.-R. Formen auf t haben: kglkdt etc., ferner in der 
III. Prs. PL auf ra, aus rg hervorgegangen, wie man auch in 
einigen Dorfarn noch spricht. 



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— 39 — 

Anmerkung 36. Offenbar hatte der p-Laut in der Nachbarschaft 
von r noch so viel von seiner ursprunglichen a-Artikulation bewahrt, 
denn wir haben es mit Plusquamperfektformen {-rant und nicht -runt) 
zu thun, da6 er in der Periode, wo die gedeckten Kehllaute zu schwinden 
begannen (o fur y) zu reinem a werden konnte. 

§ 151. Nach vizui gehen Verba der II., wie hezuj, 
potui, tgkuj, und der III., wie bgtui, vindui, kriskui, perdiij, 
tsgsui. 

§ 152. Die s-Praterita sind gut erhalten, haben auch 
andere in ihren Kreis gezogen: arh, ankl%is, dauh, „adauxi" 9 
(m.-r. adapSu), du§, fe$, frip§, fron§, ier§ („ferbui"), kop§, les („elegi")> 
mer§, plonS, pu§, spu§, ros, rgmd§, spars, stinh, string, tors', turih, 
nnh, utsxh, vinh, zi&, zunh. Im D.-R. sind obige Form en ver- 
altet, im M.-R. haben sie sich erhalten und zwar unter den 
Formen arhu, arsu, ark 

Die II. Prs. Sg. ist im Meglen immer flexionsbetont, im 
M.-R. (auf dem Olymp und in Za/ori) finden sich stammbetonte 
Formen wie arupsiS, aumphik, drhih gegeniiber rupse§, unseh> 
arses im Meglen. 

§ 153. „veni" ist im Meglen, wie im D.-R. in die schwache 
Flexion iibergegangen : venij, — venira, wahrend M.-R. die starke 
bewahrt hat mnj, — vinirg. 

„dedi" flektiert: det, dides, dedi, dedim, dedits, dedira. 

m.-r. dedu, dides, deade, dedim, deditti, dedirg. 
oder dedu, deddih, dedde, deddim, dedditU, deddirg. 
skup — speie, Aor. skupii, m.-r. askukjai, d.-v.skuipai, skujpi^ 
ampliu — fulle, Aor. ampljai, m.-r. umplu% d.-r. wmplui 
spar — erschrecke, Aor. spgru% m.-r. aspgrd\, d.-r. spgria% 

§ 154. Participium Perf. Pass. 

I. kglkdt II. vizut III. zis IV. durmit 
Ebenso im D.-R. und I.-R., das M.-R. steht allein mit 
seinen Formen auf g: kglkdtg, vgdzutg, dzgssg, durmitg. 

Anmerkung 37. Ein etymologischer Grund ist fur dieses g eben- 
sovvenig vorhanden, wie fijr das dialektische -org (fosigrg) im D.-R* 



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§ 155. 
auf s: ars, 
formen: 

rupt 

kopt 

%ert 

fat 
adj. strimt 

strins 
adj. front 

frons 

uns 

fris 

pious 

les 



— 40 — 

Die meisten der s-Praterita bilden auch das Part. 
ankliis etc. Einige zeigen t oder haben Doppel- 



d.-r. rupt 
kopt 
fiert 
fgkut 
strympt 
stryns 
frunt 
(frum) 
wis 
fript 
plum 
ales 
spars, spart 



m.-r. rupto 
kopto 
Xertg 
faptg 

strumt% strimtU 
strumtg 
friimtH 
frumtg 
umtg 
friptg 
plumtg 
adj. aleptu, verb, alesg 
spartg 



(pisiit) skris (skriat Banat) skridtg 

§ 156. Perfektum. 

Wie im D.-R. und I.-R. kann das Hilfsverbum nachge- 
stellt werden, ein Gebrauch, den ich im M.-R. me beobachtet 
habe. 

kglkat-am, ebenso d.-r."und i.-r.; m.-r. am kglkatg. Zuweilen 
hort man im Gesprach ein Perfektum mit sam, was ich meist 
als eine Analogiebildung zu dem big. Verbum feststellen konnte, 
die rein individueller Natur war. Immerhin konnen einzelne 
Verba, wenn das Resultat einer Handlung hervorgehoben werden 
soil, mit „sam" verbunden werden: St. V. pinu ra kriskut — 
Die Fichte war gewachsen (als er sie wiedersah, und nicht, 
wahrend er fort war). 

Ahnliches im M.-R.: noi avem venitg and de mult kero — 
Wir sind vor langer Zeit hierhergekommen ; noi X^ m venits din 
Lwnga — wir stammen von Lunga. 

§ 157. Plusquamperfektum. 

AuBer dem oben angefuhrten „ra kriskut (i kann ich kein 
Plusquampf. anfuhren. Es wird ersetzt durch den Aorist und 



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— 41 — 

das Perf. Im M.-R. kann man sehr gut sagen „aveam kglkatg" 
im D.-R. kglkasem. 

Im I.-R. wird es meist durch das Perf. oder bei wieder- 
holter Handlung durch die Neubildung kglkavejt-am ersetzt. 

§ 158. Futurum. 

Das Meglen weicht ab von den iibrigen Dialekten. Im 
D.-R. und I.-R. bildet man das Fut. durch vo% + Inf., im M.-R. 
durch va sg + Konj. im Norden, durch va + Konj. im Siiden; 
im Meglen durch si + Konj. 

AnmerkuDg 38. Wir haben als Slteste Vertretung fur das Futurum 
voi -f- Inf. anzunehmen, das sich im D.-R. (wenn auch in geschw&chter 
Form) und im I.-R. erhalten hat. Als im Siiden des Gebietes durch 
big. EinfluB der Gebrauch des Inf. im Abnehmen begriffen war, ge- 
wann die Ausdrucksweise mit der Konjunktion sg und dem Konjunktiv 
die Oberhand: voi sg fakU, vre% sg fats, va sg fakg etc. Durch das 
Eindringen der III. Prs. Sg. entstand die im Norden gebrauchliche 
Ausdrucksweise va s-fakfi, im Siiden durch griechischen EinfluB va 
fakU = &a xa{t(o. Im Meglen, wo man im Gegensatze zum M.-R. das 
Fut. haufig durch das Pras., wie im Big. ersetzt, hat man sich mit der 
Konj. si begniigt, ahnlich wie im Big., wo man kio nicht als Verbum 
empfindet. Im Alb. (Elbassan) richtet man sich nach dem Anlaut des 
Verbums, vor Vokalen wird tg erhalten, vor Dentalen f&llt es immer, vor 
anderenKonsonanten nach Belieben : do t-ap; do kam (do 1g kam)\ do thel 

§ 159. Conditionalis. 

Er wird wie im Big. durch das Imperf. ersetzt: 

ako v$m pari, ag kumpgrdm kasa. 
big. ako da imah pari, to kupvah kgk(ata. 

d.-r. dakg aveam ban{, kumpgram kasa; 

oder dakg ah avea ban% ah kumpgra kasa. 

m.-r. kara s-avedm pardts, vream sg kump&rdm kasa. 
i.-r. se v$a pines', res kumpgra kasa. 

§ 160. Verba der IV. Konj. auf Zischlaut oder fremde 
Verba der IV. Konj. auf r haben infolge des Lautgesetzes § 60 
ihre eigne Flexion. Das Imperf. lautet auf am, urspninglich 
iam, und beweist, daB die Formen auf $m Neubildungen sind, 
die erst dann eingetreten sind, als * bereits von dem voraus- 
gehenden Zischlaute aufgenommen war. 

(iizori?) = „audire". 



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— 42 — 

Pr. ut Impf. uxdm Aor. uzq{ P. P. uzqt 

us uzqh 

udi uxq 

uzqm uzqm 

uzqts uzqts 

ut uzqra 

Ebenso: %es 9 %eh, ehi, isqm, ihqts, ies. Impf. team. Aor. ihqi, 
m.-r. bi&ij.. P.P. i$ qt, m.-r. insitg. umor Impf. umr dm. Aor. umrqi, 
P. P. umrqt. 

Dasselbe finden wir im D.-K. Pras. omor, omorum, 
Impf. omor am, Aor. omoruj,, P. P. omorut. Ebenso die Verba 
auf Zischlaute, wenigstens in der Moldau: auzu% = uzqi, auzut 
= uzgt. Im M.-K. dagegen meist avdzi%, avdzitg, doch auch 
im Norden avdzui, avdzutg. 

§ 161. Inchoativa. 

1) serves — arbeite, Impf. serb$m 9 Aor. serbii, P. P. serbit 
serbes" 

serbesti Imperat. serb% 

serbim serbits 

serbits 
serbes 

giies — lebe, anraes — werde zornig, mi pothudes — er- 
staune, mi thides — iiberlege, mintes — mische, desmintes — ent- 
wirre, pgstres — reinige, pisies — schreibe, me anluMs — werde 
krank, biles — schale, ubides — suche, zggrpes — zerreiBe, mi 
anvgrtes — ich wende mich, kinises — breche auf. 

2) ankglzqs — erwarme, Impf. ankglzdm, Aor. arikglzq% 

oh P. P. ankglzqt 

dhti Konj. ankglzeskg 

qm 

qts 

qs 

futsqs — ich schnarche, silts' qs — ich drehe, walze, ampgr- 
tsqs — teile, mi dismorqs — ruhe mich aus. 



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— 43 — 

§ 1 62. Die zweite Klasse der Inchoativa entspricht dem 
d.-r. (Moldau) unkglxgsk, urgsk. 

Im M.-K. haben die r-Stamme e bewahrt: 

gresku — spreche laut, muntresku — schaue hin, buresku 
(presku) — ich sehe, nehme wahr, upgresku — verbriihe, me 
mgresku — ich mache mich groB. Einige Verba fremder Her- 
kunffc zeigen im Norden (Monastir) g: zburgsku — spreche, 
urgsku — hasse. Auf dem Olymp und im Suden sagt man: 
spuresku. (Ich habe Olymp.- Wal. 40 wahrscheinlich falschlich 
sburesku geschrieben.) 

Anmerkung 39. Die Verba auf es (gs) haben friiher die Endung 
esku gehabt und sind nicht etwa durch Mischung der Verba auf edxu 
entstanden, deren Endung lautlich auch zu es werden muBte. Wir 
haben es mit dem Abfall des k zu thun, das im Konjunktiv fserbeskg) 
wiedererscheint. Auch die Form %eS — du bist, fur j&kt% entsprechend 
serbeh fiir serbes'ti weist darauf hin, ferner der Konj. %es — ich sei, 
m.-r. iesku — ich bin. 

§ 163. Verba auf ex (m.-r. -edxu, -ets) sind wie im I.-R. 
vollstandig geschwunden oder in die I. Konj. iibergegangen : 
bates Impf. batesdm. Aor. batesdi, d.-r. bgtex, m.-r. bgtedxti, pgtets, 
i.-r. krhtesk. — (serbesj, d.-r. lukrex, m.-r. lukredxti, i.-r. lukru. 

§ 164. ire? — „esse". 
1) Pr. Ind. sam, sgm d.-r. sy,nt m.-r. esku, %iu i.-r. 



e&H, xn 


ghti 


easte, je 


g% ei 


/im 


sgn, gsmo 


/its 


gste 


suntu, suntu 


9 s 



<*&> i, 9i fate, jfi 

im suntem 

its suntets 

sa f sg sunt, us 

Im Meglen sind drei slav. Formen: sam, a\e, sa, im I.-R. 
gar vier sgm, gi, gsmo, gste eingedrungen. In im, its stellt 

sich das Meglen auf Seite des M.-R. 
2) Pr. K. ies d.-r. flu n 

fas' fii 

ie fie 

im fim 

its fits 

ie fie 



X%u 


i.-r. sgm 


xn 


(ft) 


Xttg 


fije 


/im 


(fijen) 


Xits 


(fijets) 


Xibg 


9 s 



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erai 


» 


era 


» 


eram 


fij&an 


erats 


fij&ats 


era 


Aim 



— 44 — 

%es wird nur als Konj. resp. Fut. benutzt, es entspricht 
m.-r. esku. Die eingeklammerten Formen des I.-R. dienen nur 
als Imperativ. ie ist gleich d.-r. fie, wahrend M.-R. eine Ana- 
logiebildung zu a$g zeigt: /ibg, cf. htibg von Mm. 
3) Impf. ram d.-r. {eram m.-r. eram i.-r. fijeja 

ra{ %era% 

ra {era 

ram \eram 

rats {erats 

ran jerau 

Das Meglen ist selbstandig, indem es e fallen lafit, schlieBt 
sich dem D.-R. an in ran; das I.-R. zeigt Neubildung. 

4) Aorist: fu%, fus", fu, fum, futs, fura zeigt die Neubil- 
dung futs (d.-r. fost, m.-r. futti). Das I.-R. hat den Aorist 
verloren. 

5) P. P. : fost, d.-r. fost, m.-r. futg, i.-r. fost Nur das M.-R. 
ist abweichend. 

§ 165. ve? — „habere". 

am Impf. vem Aor. vu% P. P. vut 

aj, vej, vu§ 

ari, au, Konj. a%bg ve vu 

vem vein vum 

vets vets vuts 

au Konj. a%bg veu vura 

1. Nur das Istrische zeigt wie das Meglen die Formen 
ohne anlautendes a: ren = vem, rets = vets, v$ja = vem, vut = vut 
= m.-r. avutg. 

2. Nur bei dem Perf. bedient man sich der kurzeren Form 
au wie D.-R. a, dagegen im M.-R. meist are. 

vut-au — er hat gehabt; d.-r. avut-a; m.-r. are avutg; 
i.-r. vut-aw. 

§ 166. Reflexivum. 

mi bukur — ich freue mich. 

ti bukur% 



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45 



si bukurg 

na bukurgm 

va bukurdts 

si bukurg 

Im M.-R. ist dieses Wort geschwunden, ebenso mi rok — 
ich bitte. jpu ats mi rok = d.-r. me rog tsie = te rog — ich 
bitte dich. 

§ 167. Auf dem ganzen Gebiete dient das Reflexivum 
zugleich als Passivum. St. I. ka si mgtsing grgnu — als der 
Weizen gemahlen war. 



§ 168. Impersonalia. 






merzi ploaio 


d.-r. 


ploug m.-r. 


da ploaje 


da neo (grindini) 


nindze 


da neao 


tung 




tung 


tung 


fatsi frik 




ie frig 


je aratsi 


fatsi koloari 




je kald 


ie kald 


triskuteSti 




fuldzerg 


askapirg 


trebujas'ti 




trebuie 


prinde, lipseah'te 


anj, si fatsi 




pare 


se veade 


§ 169. tfbersicht der Zeiten. 




Meglen 


D.-R. 


M.-R. 


I.-R. 


Inf. (portari) 


porta 


(portare) 


porta 


Ger. 


portund 


portundalui 


(portando) 


Part. P. portal 


portdt 


portatg 


portdt 


Pras. port 


port 


portu 


portfu] 


Impf. portdm 


portdm 


portdm 


portaveja 


Aor. porta% 


portai 


portai 




Perf. portat-am 


portat-am 


am portatg 


portat-am 


Plusq. 


portasem 


aveam portatg 


portavejt-am 


Fut. I. si port 


vo% porta 


va-s-portu 


voi porta 


Fut. II. 


voi fi portdt 


voi fost porta 


Fut. Konj. 




portarim 


portdr 


Kond. I. 


ah% porta 


mea[m]s-port 


u res porta 


Kond. II. 


asi fi portdt 


res fost porta 



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— 46 — 

In der Entwickelung der Zeiten zeigt sich das Meglen 
am armsten, das L-R. ist auffallend durch seine Neubildungen, 
doch rauB hervorgehoben werden, daB das Perfektum zugleich 
als Aor., Plusquamperf. und zuweilen auch als Imperf. dient, 
die Formen portavtya, portav^t-am dienen wesentlich zur Be- 
zeichnung der wiederholten Handlung. 

Das Fut. wird im Meglen meist durch das Pras. ersetzt, 
der Kond. immer durch das Imperf. Ich konnte keine Spur 
des Ger. entdeken, das im Siiden des M.-R. sehr haufig an- 
gewandt wird; doch siehe kurqn — eilig. 



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C. WORTSCHATZ DES MEGLEN. 



§ 170. Wir haben im Laufe unserer Betrachtung eine 
ganze Anzahl Worter kennen gelernt, die das Meglen aus- 
schlieBlich mit dem D.-R. gemein hat, auch solche, die es mit 
dem M.-R. gemein hat. Da im M.-R. viele Worter lat. Ur- 
sprungs durch fremde Worter ersetzt worden sind oder manch- 
mal sich nur in einem kleinen Gebiete oder selbst nur in einem 
Dorfe bewahrt haben, wir auch kein alteres Denkmal als Ka- 
valliotis besitzen — ich habe in Ochridha ein groBeres Manu- 
skript aus dem Anfange dieses Jahrhunderts entdeckt, an dessen 
Bearbeitung ich noch nicht herangetreten bin — so miissen wir 
in erster Linie unser Augenmerk auf diejenigen Begriffe richten, 
fur die sich im M.-R. und D.-R. abweichende Worter finden, 
und dann sehen, welchem von beiden Dialekten sich das Meglen 
anschlieBt. Ich berucksichtige nur die Substantiva und Verba, 
da ich die anderen Redeteile bereits an ihrer Stelle behandelt 
habe. Die Liste kann naturlich keinen Anspruch auf Voll- 
standigkeit machen. 

§ 171. I. Worter lat. Ursprungs, in denen das Meglen 
mit dem D.-R. ubereinstimmt, wahrend das M.-R. einen andern 
lat. Stamm zeigt. Ich stelle diese Gruppe in den Vordergrund, 
weil sie am auffalligsten den innigen Zusammenhang zwischen 
D.-R. und Meglen zeigt. 

trimet — schicke d.-r. trimet m.-r. pitreku i.-r. trimet 
utsit — tote uthM vatgm utsld 

pimint — Boden pgmunt lok pgmlnt 

nas — Nase nas nare nas 



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— 48 



nari — Nasenloch d.-r. nare 



rost — Mund 


rost, gurg 


m.-r. gurg i.-r. gu? 


frik — Kalte 


frig 


arkoare 


frigurj, — Fieber 


frigurj. 


Xiavrg 


kriei — Gehirn, Verstand 


kreer% minte mgdug, minte 


Ump — Zeit, Jahr 


Ump . 


(kero, vaht) an 


gdurg — Loch 


gdurg 


guvg {gavrg Asprop.) 


antseleg — verstehe 


untseleg 


prindu (Alb.), dukesku 


nurngr — zahle 


numgr 


misur 



§ 172. II. Rumanische Worter, in denen Meglen und D.-R. 
iibereinstimmen, wahrend das M.-R. ein Fremdwort zeigt. 
plgptsindg — Kuchen d.-r. plgtUndg m.-r. pitg 



vink — siege 


y,nving 


nikisesku 


mi bukur — freue mich 


me bukur 


n%-e haraug 


mi rok — bitte 


me rog 


pgrgklgsesku (rog - bete) 


skimp — wechsele 


skimb 


aleksesku 


floari — Baumbliite (Blume) 


floare 


MUtSe 


arxlnt — Silber 


ardiint 


asime 


pisg (Tsernareka)— Katze 


pisikg 


matsg 


drum — Weg (griech.) 


drum 


kale (lat.) 


uljAt — verges se 


uit 


aggrs'esku (w^Grebena) 


vitg — Tier 


vitg — Vieh 


prgvdu — Tier, Vieh 


nalbg — Malve 


nalbg 




pqdikg — Hindernis 


peadekg 




pgstres — aufbewahren 


aufbewahren 


reinigen 


urmg — FuBsohle 


Spur 




semt — Zeichen 


semn 


Narbe (bilek) 


kurqn — eilig 


kurund 


ku jie (kury,nd Alb.) 


peritsuni- Abnehmen des 


Verderben 




Mondes 







§ 173. III. Fremde Elemente, die das Meglen und D.-R. 
gemeinsam haben, wahrend M.-R. abweicht. 
mo§ — Greis d.-r. moh m.-r. auk 

trgjes — ertrage lebe pgtsesku 

po%atg — Stall po%atg 



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49 



sfgrsit — letzte d.-r. 


sfursit m.-r. askapatU 


vremi — Wetter 


vreme 


kero 


vlagg — Feuchtigkeit 


Kraft 


umiditate? Neveska 


babg — Groflmutter 


babg 


maja 


lek — Arznei 


leak 


iatrie 


tsapg — SpieB 


tsapg Mol. 


sulg 


oglindalg — Spiegel 


oglindg 


jdlie 


vrgptMn — Sperling. 


vrabie 


pdsere 



§ 174. IV. Meglen und M.-R. stimmen uberein, D.-R. 
weicht ab: puskg — Essig, d.-r. otset; mes — Monat, d.-r. lung; 
furtati — Freund, m.-r. Gast, Brautfuhrer (oaspe — Freund), 
d.-r. prietin; buburek — Niere; m.-r. gewohnlich arnikliu, in 
Neveska buburek, d.-r. rgrunk%U; rao — Reif, m.-r. araug y 
d.-r. brumq; il{g — Tochter, m.-r. %ilie, d.-r. fiikg; rnaskur — 
mannlich, d.-r. Schwein; xburgs — spreche, m.-r. zburgsku, 
d.-r. vorbesku; kgloari — Warme; m.-r. kgrgari, d.-r., m.-r. kgldurg. 

§ 175. V. Elemente, in denen das Meglen vorztiglich mit 
dem Istrischen ubereinstimmt: 

domn — Gott i.-r. domnu d.-r. dumnezeu m.-r. dumnidzeu 

kuljp — Nest kul%ib ku#> ku$b[ar] 

skant — Stuhl skant skaun skamnu 

mgrikg — Muhe monk% munkg zore 

flgmund ni-e fgame 

ttur tsir 

ra% paradis 

kgtiin, sat hoarg 

rupg — (Fels, Anhohe) kjatrg 
uit aggrhesku 

§ 176. VI. Elemente, die nur im Meglen vorkommen: 

1) serbes — arbeite; tumbg — Anhohe (d.-r. tumbg — 
Purzelbaum); urdini — Reihe, scheint nicht direkt mit m.-r., 
d.-r. urdin vrb. zusammenzuhangen ; prima — zuerst; krgblg — 
Mehlkasten lat.? 

2) In der Bildung abweichend sind: bunitati, m.-r. buni- 
tedtse; dqpgr, m.-r., d.-r. apgr; ninel, d.-r. inel, m.-r. nel; mastik — 



flgmunt — hungrjg hlgmunt 



thtr — Sieb 


tsur 


ra% — Paradies 


ra% 


kgtiin — Dorf 


kgtun 


rgpg — Stein 


grp 


iU%it — vergesse 


ut 



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— 50 — 

kaue, d.-r. mestik — kaue, mische, m.-r. ameastikU — mische; 
mutSku, d.-r., m.-r. 7nusku. 

3) gustes — bewirte, d.-r. gustes — koste, m.-r., d.-r. gustu 

— friihstucke, m.-r. ngustedz — fresse; bibg — Fleisch 1 ); stimnes 

— blende. Woher? (ngr. &anfl(6vco) da$ — Spiellammchen oder 
Zicklein, stelle ich zu alb. das' — Widder und denke an den 
Stamm „da§" lieb, von de§a y Aor; dahiru — Liebling bei Boj. 213. 

§ 177. Besonders zahlreich sind die slavischen Elemente 
ins Meglen eingedrungen und zwar in den kleineren Dorfern 
weit mehr noch, als in Ljumnitsa. Durch die Vermittelung 
des Slavischen resp. Makedo-Bulgarischen sind auch eine ganze 
Anzahl tiirk. und griech. Worter den Walachen gelaufig geworden. 

ruthqs — esse zu Mittag tuldriMi — Marktplatz 

pistes — schreibe (si.? In Serbien ein 

verujes — glaube Dorf „Tulari u .) 

kuptH — Schnalle ubides — suche 

zobi — Futter v ikies — rufe 

arbet — Riicken tures — giefie 

liutemk — Nacken utfor — Schlussel 

dedo — GroBvater usng — Lippe 

tetg — Tante remi — Unwohlsein 

putso, putkg — ma-nnl., weibl. Scham vujpcg — Onkel 

ravnik — Ebene. (Diese Form ist dodg — altere Schwester 

ostbulg., in Maked. ramng.) Mlkg — Schildkrote 

stomng, stomnits'kg — Krug saris' i — Glas 

kolk — Oberschenkel (si.?) strok — Storch 
slovej — Kotkehlchen (si. Nachtigall) lastgvitsg — Schwalbe 

piperiigg — Schmetterling themik — Maulbeerbaum 
Die onomatopoetischen Worter „grap", „kau", „kukuriku" 
sind wie im Slavischen, ebenso die Vornamen: Bude, Dutsu y 
Dzedzu, Diipu, Gono, Marko, Mirtse, Moska, Mure, Pite, Stojp, 

Trepan, Vuku, Vothi; weibl.: Donu, Kanu, Maru. Nedu, Tipo, 
Tusu, Veliko. 



l ) bibti scheint mir das bulg.-tiirk. biba — Truthenne zu sein. 
Das Fleisch dieses Vogels ist sehr beliebt. 



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— 51 — 

Die slavischen Vorsilben %a, pri sind haufig auch iu Ver- 
bindung mit rum. Wortern getreten: zglatgr — belle, zgkdts — 
ergreife, prived — sehe wieder etc. Die tiirkischen Worter 
biriket — Feldfriichte, mimliket — Heimat, sindufy — Kiste, 
tyngie — Steigbiigel, koldn — Gurt, kimer — Giirtel, kuvet — 
Kraft, und die griechischen miruses — rieche, arises — gefalle, 
pikises — begreife (alb. pikds — vermute, m.-r. akikgsesku — 
verstehe), kinises — mache mich auf, pustanes — ermiide, und 
andere sind auch im Mak.-Bulg. gebrauchlich. 

Die Resultate des zweiten Telles sind folgende: 

§ 178. Im Lautstande zeigt das Meglen eine Vermin- 
derung gegeniiber den iibrigen Dialekten, namentlich dem M.-R. 
Hat letzteres durch griech. und alban. EinfluB an Lauten zugenom- 
men, so hat das Meglen durch bulg. EinfluB eingebiifit. § 44. 

§ 179. Im Vokalismus 

1) zeigt es Eigenheiten durch den Laut p, § 45 — 48, aus- 
lautendes ig 49, Abfall des anlautenden a 50, 51, g aus e 57, 
auslautendes tsg, ig 58 (49), e zu i 59, uo Anlaut 63. 

2) schlieBt sich dem D.-R. an durch epithetisches a 52, 
q aus i 60, u (iuni) 66, Behandlung von auslautendem u 67, 
u in mi 69. 

3) schlieBt sich dem M.-R. an durch e erhalten 56. 

4) schlieBt sich dem I.-R. an durch epithetisches a 52, 
durch g 55, Abfall von i nach p im Auslaut 62. 

§ 180. Im Konsonantismus 

1) zeigt es Eigenheiten durch die Behandlung von mn 
(gn) 79, stimmhafte Kons. im Auslaute werden stimmlos 83, 
d fallt im Auslaute 84, p vor t fallt 89, p vor s fallt 90, 
vi-gi 95, fi-%i-i 96, h-u 97. 

2) schlieBt sich dem D.-R. an durch Schwinden von / beim 
Artikel 74, m% 11, d-z 82, pi b% 85, nct-nt 91, j-£ 93, vi 94. 

3) schlieBt sich dem M.-R. an durch r bewahrt 70, 1% 71, 
ella^o 73, n% 75, m{% n{ 78, k-ts 87, doch siehe Anmerk. 5. 

4) schlieBt sich dem I.-R. an durch 1% 71, skant 79, 
d-z 82, fyept 86, g-z 92. 

4* 



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— 52 — 

§ 181. In der Flexion 

1) zeigt es Eigenheiten durch Plur. auf g bei fern, und 
neutr. 105, 108. 2, Hi im PL 109, apu Anmerk. 27, Gen. auf 
% 115. i, 116, Dat. 115. 2, 116, Stellung des Gen. Anm. 28, 
Eigennamen 117, Pron. pers. 129. 2. 3.4, refl. 131, Verbum 149* 
150, 157, 158, 160, 161 und Anm. 38, 163, ram 164. 3. 4. 
Armut an Zeiten 169. 

2) schlieBt sich mehr dem D.-R. an durch die Nominativ- 
bildung 99, Anmerk. 23, Artikulation 109, Vok. 115.3, Kom- 
peration ma% 120, Adj. 122, Num. 128, Demonstr. 134, 137, 
Adv. 139, ka si 142. 5, Verbum 146, 148, 149, 153, 154, 155, 
156, 160, 162, ie — sei 164. 2. fost 164. 5, an 165. 2, 166, 168. 

3) schlieBt sich mehr dem M.-R. an durch die Zeitangabe 
Anm. 31, fern, als neutr. Anm. 34, Indef. 136. 2. 9, Verb. 145, 
147, 152, wir sind — im 164. 1, ich sei — jes 164. 2. 

4) schlieBt sich dem I.-R. an durch Gen. lu 115. 1, Adj. 
PI. auf eli Anm. 30, Possess. 132, Dem. 134, 137, Adv. 139, 
kasa 141. Konj. 143, Verbum 156, 164.5, Formen ohne a 165^ 
a = aw 165, 2. 

Schlufibetrachtung. 

§ 182. Das Meglen zeigt eine solche Menge von Eigen- 
heiten, die sich in der Zeit seiner Selbstandigkeit entwickelt 
haben oder durch slavischen EinfluB hervorgerufen wurden, daB 
wir es als einen besonderen Dialekt des Rumanischen neben 
dem D.-R., M.-R. und I.-R. betrachten miissen. Wollte man 
rein mechanisch die Punkte zahlen , in denen es mit den an- 
deren Dialekten ubereinstimmt, so wurde das D.-R. unbedingt 
das tlbergewicht erlangen. Aber man hat bei solchen Ent- 
scheidungen nicht nur die Quantitat, sondern noch mehr die 
Qualitat der Falle ins Auge zu fassen. Und da zeigt es doch 
mit dem M.-R.' einige Punkte gemeinsam, die schvver wiegen. 

Ich hebe hervor die Bewahrung 1% und n{ und dann ts 
aus k. Andererseits hat es wie das D.-R. pi, ty. m% bewahrt, 
d zu x y j zu % entwickelt, wie im Istrischen ist % (%) der Ver- 
treter fur palatales g, wahrend D.-R. dz> M.-R. dz bietet. Es. 



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— 53 — 

ist bewiesen worden, daB die makedonischen ts, dz aus k, g 
nicht die urspriinglichen Laute sind. Anm. 5. 

In der. Flexion stellt es sich entschiedener auf Seite des 
D.-R., eine Position, die wesentlich verstarkt wird durch die 
§ 171 angefuhrten Worter. 

§ 183. Das Istrische hat zwar auch wie das M.-R. l{ 
bewahrt, aber auch wie im D.-R. die ganze Labialreihe, wahrend 
das M.-R. und das Moldauische die Palatalreihe bieten. Auch 
r fur n fand sich im D.-R. und der Wortschatz und die Flexion 
zwingen uns, es dem D.-R. naher zu riicken. In einzelnen 
Punkten zeigt es eine uberraschende Ahnlichkeit mitdemMeglen; 
ich habe dabei die durch slavischen EinfluB hervorgerufene 
Ahnlichkeit ganz unberiicksichtigt gelassen. 

Ich fiihre hier noch einen weiteren Grund an, der von 
nicht zu unterschatzender Bedeutung ist: Wahrend der Zinzare 
mit einer schreienden ] ), energisch hervorgestoBenen Sprechweise 
einen harten, knallenden Stimmeinsatz verbindet, gefallt sich der 
Meglenit in einer breiten, iibermaBig gedehnten Aussprache mit 
leisem Stimmeinsatze (udm, %U7idi, iapg). Ebenso hat der Walache 
Istriens den leisen Stimmeinsatz und die breite Aussprache, wenn 
auch nicht die ubermaBigen Langen. kasg wird im Istr. kgasqa 
gesprochen; ich habe die einfache Orthographie beibehalten. 

§ 184. Aus diesen Grunden nehme ich an, daB das M.-R. 
am langsten selbstandig gewesen ist, sich also zuerst vom Ur- 
rumanischen trennte, dann gleichzeitig Meglen und I.-R. und 
spater teilten sich auch diese. Auf Zeit und Erklarung der 
lautlichen Erscheinungen einzugehen, wird Sache der historischen 
Grammatik sein; vorher aber ist es no tig, den Wortschatz, zu 
dem ich ein reiches Material gesammelt habe, zu ordnen und 
zu bearbeiten. 

§ 185. Fassen wir die Resultate des ersten und zweiten 
Teiles dieser Arbeit zusammen, so finden wir: 

I. Die Megleniten sind ein von den Zinzaren 
wohlunterschiedener Volksstamm. 



x ) Griechen und Albanesen sagen von den Zinzaren: „Drei 
(fiinf) Walachen bilden einen Markt." 



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— 54 — 

11. Die Sprache, das Meglen, verbindet das D.-R. 
mit dem M.-R. so innig, daB jeder Versuch beide als 
selbstandig aus dem Latein entwickelte Sprachen be- 
handeln zu wollen, zur Unmoglichkeit wird. 

III. Das Meglen neigt in der Flexion und im 
Wortschatze mehr auf Seite des D.-R., in der Laut- 
lehre vielleicht mehr auf Seite des M.-R. 

IV. Das Istrische schlieBt sich in verschiedenen 
Punkten eng dem Meglen an, zeigt aber auch Eigen- 
heiten, die es dem D.-R. naher riicken als dem M.-R. 

V. Keiner der von mir aufgestellten Unter- 
schiede ist derartig, daB er nicht seine Erklarung im 
Urrumanischen fande, wahrend die Dialekte in ihrer 
Gesamtheit sich scharf von den iibrigen romanischen 
Sprachen abheben. 

Anmerkung 40. Ich habe fur uberfliissig gehalten, hier, wo es 
darauf ankam zu sondern, die alien Dialekten gemeinsamen Merkmale 
besonders hervorzuheben. Wenn man die Texte vergleicht, mehr noch 
wenn man Leute aus den verschiedenen Gegenden reden hort, dann 
ist man uberrascht durch die oft auffallende tlbereinstimmung in der 
Ausdrucksweise, in Redewendungen , in der Wahl der Bilder, kein 
Zweifel, eine und dieselbe Seele belebt die vier Dialekte. 

§ 186. Fragen wir nach der Vergangenheit der Megleniten, 
so ist nach allem Vorausgegangenen ausgeschlossen, daB sie 
wie die Zinzaren auf jene Walachen zuriickgehen, die im 
Mittelalter die „ May aloft ha/ 1 a" im westlichen Thessalien mit 
den Gebirgen inne hatten, von denen Nikitas, Anna Komnina, 
der spanische Jude Tudela berichten. Sehen wir uns nach 
anderen walachischen Stammen urn, so horen wir, daB gegen 
Ende des 12. Jahrhunderts die Bulgaren unter Fuhrung von 
Walachen sich aufgerafft und die Griechen bei Serres geschlagen 
haben, worauf ein bulgaro - walachisches Reich eine Zeitlang 
erscheint. Die Geschichte jener Periode ist noch sehr wenig 
erforscht, aber das scheint sicher, daB die Walachen nicht sehr 
zahlreich waren. Die meisten von ihnen werden spurlos unter 
den Slaven aufgegangen sein, andere mogen, namentlich nach 



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— 55 — 

jenem furchtbaren Schlage auf dem Amselfelde sich in die 
Gebirge zuriickgezogen haben, wo sie erhalten blieben. Wenn 
ich nun die Megleniten mit jenen Bulgaro-Walachen in Be- 
ziehung setze und sie als den letzten Rest derselben betrachte, 
so glaube ich kauin irre zu gehen, wenn ich auch dafiir als 
direkten Beweis nur den Typus anfuhren kann; denn alles an- 
dere, das auf slavischen Einflufi hinweist, kann recht gut erst 
in spaterer Zeit angenommen sein. Manche von ihnen mogen 
sich mit ihren Stammesgenossen auf dem Pindus und in Albanien 
vereinigt haben. Bestimmte Anhaltspunkte dafiir finde ich in den 
nordlichsten Dorfern der Zinzaren: Ober- und Unterbeala, nord- 
westlich vom Ochridasee und in Malovista, nordostlich vom 
Presbasee. Hier gebraucht man einige Worter, me kulku, ntsepii, 
die die iibrigen Zinzaren nicht kennen ; auch gj, fur ji aus vi, 
ferner die Artikulation omul weisen darauf hin, dafl irgend ein 
nicht zinzarisches Element hinzugekommen ist. Wenn sich diese 
Spuren nicht in Krusevo, Mon astir, Trnovo, Megarovo, die 
auch sehr nordlich liegen, finden, so kommt dies daher, dafi 
diese Ansiedelungen viel spater, erst im vorigen Jahrhundert 
von Walachen aus Muskopolje, Grammosti, Linotopi u. s. w. 
gegriindet wurden. 

Weitere Spuren von solchen Walachen findet man in 
Serbien, wo der Name Starovlach in Gemarkungen vorkommen 
soil. In einem Dorfe in der Nahe von Kumanovo soil man 
friiher walachisch gesprochen haben. 

Der bedeutendste Rest jener Bulgaro-Walachen sind eben 
unsere Megleniten, die auf den Bergen des Karadzova Schutz 
suchten und fanden. Vielleicht ist die im ersten Teile be- 
schriebene „Koruna" ein solcher Ort, wo sie hinter Steinwallen 
sich verteidigten. Es ist auch wahrscheinlich, dafi erst nach 
und nach die ganze Masse der jetzt dort lebenden Walachen 
sich zusammengefunden hat. Die in fast volliger Abgeschlossen- 
heit liegenden Dorfer auf der Westseite werden die alteren sein, 
dann folgten die Dorfer auf der Westseite. Der gute Boden und 
das milde Klima veranlaBte sie, das Nomadenleben aufzugeben. 

Erinnerungen an die Vergangenheit sind vollstandig ge- 



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— 56 — 

schwunden. Selbst der stolze Name „Argmtini" — Romani, 
den die Dazier und Zinzaren bewahrt haben, ist bei den 
Megleniten und Istriern verloren, das slavische „Vla§" und 
„vla§ki" muB Volk und Sprache bezeichnen. 

DaB ihr Typus von dem der Zinzaren so verschieden ist, 
wurde verursacht durch das slavische, vielleicht sogar durch 
echt bulgarisches Element, das sich ihnen schon in der altesten 
Zeit, als sie noch in Mosien ihre Sitze hatten, zugesellte. Wenn 
ich diese schlitzaugigen, gelb-schmutzigen Gesellen und diese 
Weiber mit den hervorstehenden Backenknochen und den 
straffen Haaren betrachtete, konnte ich mich des Gedankens 
nicht erwehren, das anderes als kaukasisches Blut in ihren 
Adern flieBen miisse. Die Sprache beweist nur eine ehemalige 
Sprachgemeinschaft, aber keine Stammesgemeinschaffc. Aus 
eben diesem Grunde hebt auch der oben angefiihrte Satz I 
den folgenden nicht auf. Und auBerdem haben ja auch nicht 
alle denselben Typus, nicht einmal die Halfte. 

§ 187. Ehe wir mit Hilfe der Sprache an die fruhere 
Geschichte der Rumanen herantreten konnen, miissen einige 
andere Fragen gelost werden. Es unterliegt auch nicht dem 
geringsten Zweifel, daB D.-R. und M.-R. auf derselben Grund- 
lage beruhen, und nur der Geschichtsforscher wird es auBer 
acht lassen, dem diese Thatsache nicht in sein Phantasiegebilde 
paBt. Wohl aber kann man die Frage aufwerfen, haben nicht 
vielleicht die Zinzaren in Albanien, auf dem Pindus oder in 
Makedonien romanisches Element vorgefunden und dieses in 
sich aufgenommen? Sind nicht vielleicht die Farserioten ein 
alteres romanisches Element? Wie kommen einige nicht neu- 
griechische Elemente (taldr — FaB, pgrpodz — Strumpfe. apo- 
ksiliX — steif, agno — Bleiwiirfel) ins M.-R.? Vielleicht durch 
die Farserioten aus alterer Zeit bewahrt? 

Die slavischen Elemente miissen einer Untersuchung unter- 
worfen werden, ebenso die Elemente, die das Albanesische mit 
dem Rumanischen gemeinschaftlich hat. Erst dann wird es 
moglich sein, mit einer positiven Unterlage an die Frage iiber 
die Herkunft der Rumanen heranzutreten. 



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m. TEIL. 

TEXTE. 



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Vomplru. l ) 

Fost-au uno oarg uno muliari 
ku doaug feti, uno, ao vg llig, 
nu ra bung, ma tsg lalta, tsi 
nu vg nitsi tatg, nitsi mumg 
ra mult bung. La luj fgto ali 
ra numea Nedu, ara tsg lalta 
ali ra numea Maru. 

Si uno zuo mumosa ali dedi 
uno tOrbg ku gron si ali dedi 
trei talupi, si li toarko si zlsi: 
„Du ti la moarg, si ao matsini 
tsgsta tOrbg si z-vini moini ku 
tOrbg nigtsinato." 



Tsgsta feto, ka kinisi, as I9 
ku ia kojnili si matsa si kukotu. 
Si ka si dusi la moaro, ao pusi 
tOrba si la massing gronu. Ka 
si mgtsino gronu, as fgsi ung 
turto si kon mgnka* tsg turto, 
zglgtgr^ koinili si zlsi: 



Der Wahrwolf. 

Es war einmal eine Frau 
mit zwei Madchen, eine, sie 
hatte sie zur Tochter, war nicht 
gut, aber die andere, die weder 
Vater noch Mutter hatte, war 
sehr gut. Ihrer Tochter war 
der Name Nedu, aber die an- 
dere hieB Maru. 

Und eines Tages gab ihr 
ihre Mutter einen Sack mit 
Weizen und gab ihrdreiFlocken 
Baumwolle um sie zu spinnen 
und sagte: „Geh in [die] Miihle, 
damit du diesen Sack mit Wei- 
zen mahlst und kommst morgen 
mit dem gemahlenen wieder." 

Das Madchen, wie es auf- 
brach, nahm mit sich den Hund 
und die Katze und den Hahn. 
Und als sie in die Miihle ge- 
kommen war, setzte sie den 
Sack nieder, um den Weizen 
zu mahlen. Als der Weizen 
gemahlen war, machte sie sich 



x ) „Vgmpiru" mit „Der Vampir" zu tibersetzen, hielt ich nicht 
fur thunlich. Unsere Auffassung vom Wahrwolf entspricht ziemlich. 
Siehe dazu im I. Teile die Bemerkung tiber den Aberglauben § 30. 



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— 60 — 



„Do-ni dodo 1 ) Maro unek 
turtg!" 

Si tsg fgt§, alj dedi. Napkum 
zgmjoriz^ niatsa si tseru unek 
turtg si ali dedi si la matsa. 
Napkum pritsgp6 kukotu: 

„KukurIka, do-ni dodo Maro 
unek turto." 

. Si ts§ ali dgdi; §i mgnkara, 
tots si dupo unek vakot zg- 
khimburi la usg vgnipiru si 
kgts§ si grgbgiasko la usg si 
zlsi: 

„Albg 2 ) Maro, deskliidi Usa 
la dedo." 3 ) 

Si tsgsta feto pikosi, k-£Je 
vgtnplru si zlsi la k^ini: 

„Kum, koini, si fak?" 
K^inili zlsi: 

„Trimeti la, lassi ljea un 
sindukj di pari si ka si vino, 
si ali diskljldim." 

Si-li zlsi la vgmplru si vom- 
plru z-dusi, lo un sinduki di 

r ) „Dodo a gebraucht man nur als Beiwort bei M&dchennamen, 
auch redet die jiingere Sch wester die altere so an. 

2 ) „Albg", eigentlich „weiB", dann auch „schon", „glucklich" wie 
im D.-E. und M.-B. — v alb& s-/i" = „alb&si" ist die gewohnliche Dankes- 
forniel im M.-E. aber nur Madchen gegenuber. Im Alban. auch bei 
Mannern: „tg pathim fak%e bardg." 

3 ) „Dedo", alter Mann, GroBvater. 



einen Kuchen, und als sie jenen 
Kuchen aB, fing der Hund zu 
bellen an und sagte: 

„Gieb mir, liebe Maru, ein 
wenig Kuchen." 

Und das Madchen gab ihm. 
Darauf miaute die Katze und 
verlangte ein wenig Kuchen, 
und sie gab auch der Katze. 
Darauf krahte der Hahn: 

„Kikeriki, gieb mir, liebe 
Maru, ein wenig Kuchen." 

Und sie gab ihm; und sie 
aBen alle, und nach kurzer Zeit 
klopfte der Wahrwolf an [die] 
Thiire und fing an zu kratzen 
an [der] Thiire und sagte: 

„Schone Maru, offne die 
Thiire dem GroBvaterchen." 

Und das Madchen merkte, 
daB es der Wahrwolf ist, und 
sagte zum Hunde: 

„Wie soil ich es machen, 
Hund?" Der Hund sagte: 

„Schicke ihn, laB ihn eine 
Kiste mit Geld bringen und, 
wenn er kommt, werden wir 
ihm aufschlieBen." 

Und sie sagte [es] dem Wahr- 
wolf und dieser ging, nahm 



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— 61 — 



pari si la lgso la uso si zg- 
grgbgii la usg si zisi: 

„Albg Maro, diskljidi usa 
la dedo." 

Si fete zisi: „Kum, matso, 
si fak?" 

„Trimeti la, las si liga un 
sindukj di rubi si ka si vino 
si-li diskliidim usa." 

Fete ali zisi sa la vgmpiru 
si tsista, ung si ung, si dusi si 
I9 un sinduki di rubi si la 
I9S9 la usg si napkum zggrg- 
bgji ara si zisi: 

„Albo Marg, diskliidi a§a 
la dedo." 

Si fete zisi: „Kum, ku- 
kotuli, si fak?" 

Si kukotu zisi: 

„Aie kolaj tsista lukru. Jou 
ka si fak: Kukuriku si k^Jnili, 
ka s-fakg: kay, kau, si matsa, 
ka s-fakg: miau, miau, j[el 
s-fugg." 

Totstreili pritsopara din ding 
oarg; vgmpiru fuzi. Si ka si 
privezu dimngtsata, is§ fete la 
uso si ka vizti multi lukri, 
pari, rubi, si anvesku ku bunli 
rubi si la lo sindukju di pari 
n-kap si kinisi si z-duko kaso. 



eine Kiste mit Geld und lieB 
sie bei der Thiire und kratzte 
und sagte: 

„Schone Maru, schlieB auf 
die Thiire dem GroBvaterchen." 

Und das Madchen sagte: 
„Wie, Katze, soil ich [es] ma- 
chen?" 

„Schicke ihn, laB ihn eine^ 
Kiste mit Kleidern holen und, 
wenn er kommt, werden wir 
ihm die Thiire aufmachen." 

Das Madchen sagte ihm so 
und dieser, eins, zwei ging und 
holte eine Kiste mit Kleidern 
und lieB sie an der Thiire und 
dann kratzte er wieder und sagte : 

„Schone Maru, schlieB auf 
die Thiire dem GroBvaterchen." 

Und das Madchen sagte: 
„Wie, Hahn, soil ich [es] ma- 
chen?" 

Und der Hahn sagte: 

„Leicht ist diese Sache. Ich 
wenn ich mache: Kikeriki und 
derHund, wenn er macht: hau, 
hau und die Katze, wenn sie 
macht: mijau, mijau, wird er 
fliehen." 

Alle drei schrieen mit e i n e m - 
male; der Wahrwolf floh. Und 
als es am Morgen hell wurde, 
ging das Madchen aus der 
Thiire heraus, und als es die 
vielen Sachen, Geld, [und] Klei- 
dersah, bekleidete es sichmitden. 



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— 62 — 



guten Kleidern und nahm die 
Kiste mit Geld auf den Kopf 
und machte sich auf den Weg 
nach Hause. 

Zuerst trat der Hund ins 
Haus und sagte: 

„Siehe, da kommt die schone 
Maru, bekleidet und mit Geld 
behangen und macht: tschring 
tschring" (klingling). 

Die Frau nahm eine Gerte 
und gab damit dem Hund. 

Nach kurzer Zeit kam die 
Katze und sagte: „Siehe 
u. s. w." 

(Ebenso beim Hahn.) 

Darauf kam die schone Maru. 
Als jene Frau sie sah, wurde 
sie bose, denn sie hatte sie um 
umzukommen in die Miihle ge- 
schickt. Am anderen Morgen 
schickte sie auch ihre Tochter, 
dafi auch sie Geld fande, und 
gab ihr einen Sack mit Weizen 
und schickte sie mit dem Hund, 
der Katze und dem Hahn zur 
Miihle. 

Als sie zur Miihle gekom- 
men war, mahlte sie den Weizen 
und machte einen Kuchen und 
fing an zu essen; und der Hund 
sagte: 

*) Haufig tragen die Madchen auf der Brust eine mit mehreren 
Reihen Geldstttcken behangene Platte. Beim Gehen oder Tanzen schlagt 
das Geld an, das entstehende Gerausch ahmt man durch „tsring" nach. 



Antro n-kasg prima k^inili 
si zisi: 

„Ja, vini alba Maru, anves- 
kutg, ngriditg 1 ) si tsronggsti." 



Ts§ mulidri lo ung vergg si 
lj-u dgdi la koini. 

Dupu unek vakot vini matsa 
si zisi: „Ja etc. 

Dupu unek vak6t vini ku- 
kotu etc. 

Napkum vini alba Maru. 
Tsg muljari k-ao vizii, alj si fgsi 
zailj, k-ao trimgsi la periri la 
moaro. M^Jnista ao trimgsi si 
lui fgta, ka si aflo si ia pari 
si ali dedi uno torbo di gron si 
ao trimesi ku kojnili si ku 
matsa si ku kukotu la moaro. 



Si ka si dusi la moarg, la 
mgtsino gronu si fgsi ung turtg 
si kotso si monankg; si zisi 
koinili: 



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63 



„Do-ni, dodo Nedo, unek 
turto." 

Si ts£ lj-u dedi ku verga 
li zisi: 

„U, pustuli^, j[ou nu am 
nitsi di mini, nu si di tini." 
Si napkum tserura si matsa si 
kuk5tu, ma nu la dedi la ieli. 



/ 



Strata vini vomplru la uso 
si kots^ si grobgiaskg §i zisi: 
„Alb9 Nedo, diskljidi la dedo." 



Feta zisi: „Kum, kojni, si 
fak?" 

K^inili zisi: „Kum ts-umon- 
kas turta, sa-ts fo. Ara kotso 
si grobojaskg, vomplru si fgta 
lja-ntreb^ matsa si kukotu, 
ama si tsista zisira: 



„Kum ts-u monkas turta 
sa-ts fo." 

Vomplru ka li-u dedi la 
usa, ao fronsi usa si antro an 
moara si ao monko tsg fgtg 
si-li skoasi matsili si li anvil 
di kos. 



„Gieb mir, Hebe Nedu, ein 
wenig Kuchen." 

Jene gab ihm mit der Gerte 
und sagte: 

„Oh, verfluchter, ich habe 
nicht einmal fiir mich, viel 
weniger fiir dich." Darauf woll- 
ten auch die Katze und der 
Hahn, aber sie gab ihnen nicht. 

Am Abend kam der Wahr- 
wolf an die Thure und fing 
an zu kratzen und sagte: 
„Schone Nedu, mach auf dem 
GroBvaterchen. " 

Das Madchen sagte: „Wie, 
Hund, soil ich [es] machen?" 

Der Hund sagte: „Wie du 
fiir dich den Kuchen gegessen 
hast, so mache es fur dich. 
Wieder begann der Wahrwolf 
zu kratzen und das Madchen 
fragte die Katze und den Hahn, 
aber diese sagten: 

„Wie du allein den Kuchen 
gegessen hast, so mach es 
allein." 

Als der Wahrwolf gegen die 
Thure schlug, zerbrach er sie 
und trat in die Miihle ein und 
fraB jenes Madchen und zog 
ihr die Eingeweide heraus und 
wickelte sie um den Korb. 



') „pust lc eigentlich „verlassen", „ode", dann aber, genau wie 
im Gegischen „s&re£", bei Verwunschungen gebraucht. „Moi Janin, 
Janine hkret, tg raft %iari e tg diekit" Verfluchtes Janina, das Feuer 
treffe und verzehre dich! 



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64 



Si mumo-sa, ka si privezu, 
stet6, stet6 z-ving fgtg-sa. Nap- 
kum z-dusi, la moarg, si ka li 
vizu mdtsili anviiti di kOs, 
kgts$ si ptyngg. Kon stetg 
an mQarg, is9 vgmpiru din kos, 
iundi si V£ skuns si ao mgnk$ 
si mumg-sa. 



Si Jou ani vinii di kola. 



Und ihre Mutter, als es hell 
wurde, wartete [undj wartete^ 
daB ihre Tochter komme. Dann 
gihg cie in die Miihle und als 
sie die Kte&ow e iden urn den 
Korb gewickelt safr, fing s j e m 
zu weinen. Als sie j n d er 
Miihle stand, kam der V^hj> 
wolf aus dem Korbe, wo -> r 
sich verborgen hatte und frab 
auch ihre Mutter. 

Auch ich bin von dort ge- 
kommen. 
Mitgeteilt von 

Anastasios Stavro aus Ljumnitsa, 14 Jahre alt- 



II. 



Vomplru si feta. 

As fost-au ung oarg ung 
muljari ku un fits6r si ku ung 
fgtg. Tsela fits6r fost-au an- 
glgvit an un kgttin si si dus-au 
mumg-sa si alj dukg kgmesli 
si ao, lgS9 fgta kasg singurg. 
F^ta dgr§ tsing bung, iso ng- 
farg si all vikii la tetg-sa: 



„Teto, Jelg la noi, ka sam 
singurg si dgr&i bung tsing." 



Der Wfthrwolf und das 
Mtidehen. 

Es war einmal eine Frau 
mit einem Knaben und einem 
Madchen. Jener Knabe war 
als Diener in einem Dorfe, und 
seine Mutter war gegangen urn 
ihm Hemden zu bringen und 
lieB das Madchen allein zu 
Hause. Das Madchen bereitete 
[ein] gutes Abendessen und 
ging hinaus und rief ihrer 
Tante: 

„Tante, komme zu uns, denn 
ich bin allein und habe ein 
gutes Abendessen bereitet." 



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Ttintsea si uzgvt vgmplru 
din groburj si zisi: „z-vln, ama 
ai bung tslng?" 

„Am, am, tuku z-vlni," zisi 
figta, ka verui&, k-aje tetg-sa. 
Ka s-figsi noaptea, vlni vgm- 
plru si anti*9 n-kasg. Fgta, 
ka la vizu, si spgrd mult si 
zisi: 

jjD^doli 1 ), kotsi ts-ai tori 
ros 6kliili?" 

„J6u ku tsista oklji tini s-ti 
beu 2 )." 

„D£doli, kotsi tori mgtskati 
ungljili ts-ai?" 

„Ku tsgsti ungiy J6u la tini 
si-ts fak: grap 3 ), grap." 

„D£doli, kotsi tori mgtsk&ts 
ts-ai dintsili?" 

„Ku tsista dints, Jou tini 
s-ti monank." 

o 

Si fig ta zisi: 

„D£doli, las mi ngf&rg, si 
fak apg." 

Si vgmplru zisi: 

„ya fo apg." 

Si figta zisi: 

„Lggg mi ku ung funi, aku 
nu veruies." 



65 — 

Da riefi der Wahrwolf aus 
[den] Grabern und sagte: „Ich 
werde kommen, aber hast du 
gutes Essen?" 

„Ja gewiB, komm nur," sagte 
das Madchen, denn es glaubte, 
dafi es seine Tante ist. Als 
es Nacht wurde, kam der Wahr- 
wolf und trat ins Haus. Als 
das Madchen ihn sah, erschrak 
es sehr und sagte: 

„Vaterchen, warum hast du 
so rote Augen?" 

„Mit diesen Augen werde 
ich dich trinken." 

„Vaterchen, warum hast du 
so groBe Nagel?" 

„Mit diesen Nageln werde 
ich dir machen: kratz, kratz." 

„Vaterchen, warum hast du 
so groBe Zahne?" 

„Mit diesen Zahnen werde 
ich dich fressen." 

Das Madchen sagte: 

„Vaterchen, laB mich hinaus, 
ich muB Wasser machen." 

Und der Wahrwolf sagte: 

„Hier mach Wasser." 

Das Madchen sagte: 

„Binde mich mit einem 
Stricke an, wenn du nicbt 
glaubst (traust)." 



*) Hier, wie auch im Stiicke I. wird der Wahrwolf als alter 
Mann bezeichnet. 

*) Mit Blicken verschlingen. 

3 j Da von das Verbum „grgbgies" — ich kratze. 



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66 — 



Si vompiru aQ leg$ di pit- 
s5r ku uno ftini si ka is6 figta 
noforg, vg kapri kola; si kqteq 
uno kapro si ao lego di pits6r. 
Vompiru, ka stet$, ao trasi 
funea, si kapra zbir§, si vom- 
piru zisi : „nu zbgro, mogorotso x ), 
tuku ielo ua." Dupu un£k 
vakot is^ ngfkr§, si, k$n ao 
vizu kapra, alj si fgsi zaili; 
ama fgta ra skunsg an kroblg 
di forin§. §i vompiru k§ts$ 
si ubidgskg si ao flo si ao 
monk6. Si k-ao, mgnk^, ali 
skoasi matsili si li anvil din 
zur di kroblg. Si ka vinf 
mumg-sa, li vizu matsili di 
krobl§ si kgtso si plongo. 



Si iou anj vinii di kola. 

Anastasios Stavro, 



Und der Wahrwolf band sie 
am FuBe an, und als das Mad- 
chen hinausging, waren da Zie- 
gen; und sie ergriff eine Ziege, 
und band sie am Beine fest. Als 
der Wahrwolf wartete, zog er am 
Strick, und die Ziege meckerte 
und der Wahrwolf sagte : 
„Meckere nicht, Dummkopf, 
komm nur her." Nach kur- 
zer Zeit ging er hinaus und, 
als er die Ziege sah, wurde er 
bose; aber das Madchen war 
verborgen im Mehlkasten. Und 
der Wahrwolf fing an zu suchen 
und fand sie und frafi sie auf. 
Und als er sie frati, zog er ihr 
die Eingeweiden heraus und 
wickelte sie rings um den 
Kasten. Und als die Mutter 
kam, sah sie die Eingeweiden 
um den Kasten und brach in 
Weinen aus. 

Auch in bin von dort ge- 
kommen. 
14 Jahre, aus Ljumnitsa. 



III. 



Prikazma In sarpili. 



As vut-au un yom, mult suru- 
m&u, ku uno muliari si ku 
tsints fitsori. Vinit-au pastu; 



Das M&rcken ron der 
Scklange. 

Es gab einmal einen Mann, 
[der] sehr arm [war] mit einer 
Frau und fiinf Knaben. Ostern 



1 ) Von „mggdr" — Esel. 



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67 



nu vut-au tsiva, nitsi rubi, nitsi 
poini. Prima zuo lja ankljls-au 
fits6rili n-kasg, si nu gsg ng- 
f&rg si lja vedg lumea, ka nu 
vgu rubi pri jeli si rau flg- 
munts. Di mSzloka zuo z-dusi 
bgrbatu ku kgfalu 1 ) la vinig 
si sgzd pri ung ropg mari si 
kgtso si sfir^skg ku kgfalu. Di 
mult mirakj, tsi vg, sfir6 mult 
bun si lokrumj alj pikau din 
okliili. Si ia, iso un sarpi di 
sup ropg. Si sporu mult, ama 
sarpili ztsi: 



„Nu ti spari, furtati, tuku 
sfir^, ka si zok, ka mult mi 
aresi ta sfirbg. Si Jet sfiri si 
zuko sarpili si napkum antr6 
an gaurg, lo ung veneditskg 2 ), 
lj-o dedi si zlsi: 



„Moini ara si vlni." 

Tsista uom z-dusi prin pg- 
zgristi, kumpgro pojni si karni 



kam; sie hatten nichts, weder 
Kleider, noch Brot. Am ersten 
Tage schlossen sie die Knaben 
ins Haus ein, damit sie nicht 
heraus gingen, daft die Leute 
sie sahen, denn sie hatten keine 
Kleider auf sich und waren 
hungrig. In der Mitte des 
Tages ging der Mann mit dem 
Kafal in den Weinberg und 
setzte sich auf einen groBen 
Stein und begann mit dem 
Kafal zu pfeifen. Wegen des 
groBen Herzeleides, das er 
hatte, spielte er sehr schon, 
und [die] Thranen tropften ihm 
aus den Augen. Und siehe 
da, eine Schlange kam unter 
dem Steine heraus. Er er- 
schrak sehr, aber die Schlange 
sagte : 

„Erschrick nicht, [mein] 
Freund, pfeife nur, daB ich 
tanze, denn dein Pfeifen gefiel 
mir sehr. Er blies und die 
Schlange tanzte und darauf 
ging sie in die Hohle, nahm 
ein Goldstiick, gab es ihm und 
sagte: 

„DaB du morgen wieder 
kommst." 

Der Mann ging auf den 
Markt, kaufte Brot, Fleisch 



*) kgfdl, big. kaval ist eine Art langer Pfeife mit fiinf Lochern. 
2 ) veneditSkg ist ein in Venedig gepragtes Goldstiick. 



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si rubi la fitsOri, z-dusi kas§, 
aQ fty ankljisg usa si viknt la 
muliari-sa. Muljari-sa aQ di§- 
kljisi usa, ama nu vizti, tsi 
purtd, ka ptyndz^. Fits6rili 
k-ao vizura p$inea si kamea, 
si bukurftra mult si si ampliara 
di bukurijlig. Si zisi la mu- 
ljari-sa: „Puni mgsa 1 ), ka si 
monk^m pc^ni 2 )." Muljari-sa, 
ka vizti, tsi vg, antreb§: 



„Kari tsorbadzi 3 ) la fgsi tsista 
bun ku noi?" 

„Domnu, muliari, na la fgsi," 
zisi iel. 

Si fitsorili napkum isOra an 
tularisti. 

Lalanta zug z-dusi ara la 
vinig si sfiri si is6 sdrpili. 

„Bini venis, furtati!" 
„Bini afl6m, furtati!" 

„Sfirg-ni, ka si zok!" 

Si tsela sfiri, si zuk$ sar- 
pili. Napkum dgdi uno vene- 
ditsk§ si iel I zuo si duts£ si 



68 — 

und Kleider fur die Kinder, 
ging nach Hause, fand die 
Thiire verschlossen und rief 
seiner Frau. Diese machte die 
Thure auf, aber sah nicht, was 
er trug, denn sie weinte. Die 
Kinder, als sie das Brot und 
das Fleisch sahen, freuten sich 
sehr und erfullten sich mit 
Freude (waren auBer sich vor 
Freude). Und er sagte zu seiner 
Frau: „Mach den Tisch zurecht, 
daB wir essen." Als die Frau 
sah, was er hatte, fragte sie: 

„Welcher groBe Herr that 
uns dieses Gute?" 

„Gott that es uns, Frau," 
sagte er. 

Darauf gingen die Knaben 
auf [den] Marktplatz hinaus. 

Am andern Tag ging er wie- 
der in den Weinberg und spielte 
und die Schlange kam heraus. 

„ Willkommen, Freund ! " 

„Wohl habe ich dich ge- 
funden!" 

„Pfeife mir [etwas], daB ich 
tanze!" 

Und er pfiff und die Schlange 
tanzte. Darauf gab sie ein 
Goldstiick und er kam jeden 



J ) puni m$sa — stell den Tisch auf. Der Tisch besteht nur aus 
Platte und Zarge und wird nach dem Gebrauch an die Wand gehangt. 

2 ) point — „Brot" wird allgemein fur „Essen, Nahrung," gebraucht. 

s ) thorbad&i— eigentlich „Suppenbereiter" (ehemals hohes Amt bei 
den Janitscharen), ist die gewohnliche Anrede bei vornehmen Herren. 



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— 69 



si figsi mari uoni ku multi 
pari. 

Dupg un6k vak^t pusi mi- 
rdki la burik 1 ) si z-dukg la 
d6mnului grop si mai marili 
fits6r la anvitso si sfirgskg ku 
kofalu de bun ruai bun. Si 
ung zug la lo fitsoru si la dusi 
la vlnjg si zisi: „Sfir£." J£, is^ 
sdrpili si fitsoru si spgrti. „Nu 
te spari," zisi tatg-su, „tuku 
sfirg." 



Si ali zisi la sarpi: 

„Furtati, ioy s-mi duk la 
d6mnului grop si fitsoru meu 
z-ving u& I zuo si-ts sfirg sko." 

S&rpili zisi: 

„Furtati, ankg nu lj-e kopt 
krielu la fits6r, nu fats bun." 

Ma tatg-su zisi: 

„S-nu ts-je friko, kg meu 
fits6r aj-ankriel&t," si la lgs§ 
s&rpili. Ma fitsoru I zug sfir£ 
si ali ded6 pari sarpili.' Ung 
zug fgsi prin pgzgristi si flo 
doi furtdts, tsi vinira ku iel 
la vlnig. Sfiri fitsoru, vint 
sarpili, zuk$, dgdi pari si fuzi. 



Tag und wurde ein groBer Mann 
mit vielem Gelde. 

Nach einiger Zeit bekam er 
groBes Verlangen nach dem 
Grabe des Herrn zu wandern. 
Und seinen altesten Knaben 
lehrte er auf dem Kafal spie- 
len [und zwar] wunderschon. 
Eines Tages nahm er den 
Jungen mit sich in den Wein- 
berg und sagte: „Spiele." Siehe, 
da kam die Schlange hervor, 
und der Knabe erschrak. „Er- 
schrick nicht," sagte sein Vater, 
„spiel immer zu." 

Und er sagte zur Schlange: 

„Freund, ich werde zum 
Grabe des Herrn gehen und 
mein Sohn wird jeden Tag hier- 
her kommen, um dir zu spiel en."' 

Die Schlange sagte: 

„Freund, noch ist dem Jungen 
der Verstand nicht reif, du 
thust nicht gut." 

Aber der Vater sagte: 

„Habe keine Furcht, denn 
mein Junge ist verstandig," und 
verlieB die Schlange. Aber 
der Knabe spielte jeden Tag 
und die Schlange gab ihm 
Geld. Eines Tages nahm er 
den Weg iiber [den] Markt 
und fand zwei Freunde, die 



v ) pusi mirdki la burik — er setzte Verlangen in den Leib (Nabel). 
mi dgari buriku — ich habe Leibschmerzen. 



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70 — 



Tselia fitsori zisira: 

„Ai, furtati, zunglig-la sar- 
pili, ka ari sup rOpg un kgzan 
di pari si si-ts li liei di ung 
oaro; toati; ka nu trebuiasti s-ti 
duts 1 zuo la vinig." 



Lanta zug z-dusira la vlni§ 
si ka is$ sarpili lj-u dgdi ku 
kofalu si li-u rupsi kQada. Ama 
sdrpili ka si anverin9, la mut§k$ 
fitsOru, si muri. 



dusira la 



Tselja fitsOri si 
mumg-sa si zisira: 

„T9U fits6r la mutsk^ 
sarpi si murf la Yinjo;." 



un 



Mumg-sa k§ts9 si pl9ng9 si 
napkum si dusira, la lara fit- 
soru si la angrupara. 

Si tatg-su vini di la d6m- 
nului grop si antreb^: 

„Jundi ai fitsoru marili?" 

Muljari-sa zisi: 

„Nostru fits6r la mutsko 
un sarpi la vinjo si muri." 



mit ihm in den Weinberg ka- 
men. Der Knabe blies, die 
Schlange kam, tanzte, gab ihm 
Geld und floh (verschwand). 

Jene Knaben [aber] sagten: 

„Wohlan, Freund, tote die 
Schlange, denn sie hat unter 
dem Felsen einen Kessel mit 
Geld und du wirst mit einem- 
mal alles nehmen; denn es ist 
nicht notig, daB du jeden Tag 
in den Weinberg gehst. 

Am andern Tag gingen sie 
in den Weinberg, und als die 
Schlange herauskam, schlug er 
sie mit dem Kafal und brach 
ihr den Schwanz ab. Aber 
die Schlange, als sie zornig 
wurde, bifi den Knaben, und 
er starb. 

Jene Knaben gingen zu 
seiner Mutter und sagten: 

„Deinen Sohn biB eine 
Schlange, und er starb im Wein- 
berge." 

Seine Mutter fing an zu 
weinen, und dann gingen sie, 
nahmen den Knaben und be- 
gruben ihn. 

Und sein Vater kam vom 
heiligen Grab und fragte: 

„Wo ist der groBe Junge?" 

Die Mutter sagte: 

„Unsern Jungen biB eine 
Schlange im Weinberg und er 
starb." 



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— 71 

Tuntsea as spusi n-kriel: 
nu fss bun, ka nu skultaj 
furtatu. 

Si lanta dimnetec; z-dusi ku 
kgfalu la vinig-lui si sfiri. 
Js6 sarpili di sup ropg si zlsi: 



Da sagte er in seinem Ver- 
stand : „Ich that nicht gut, daB 
ich nicht auf den Freund horte." 

Am andern Morgen ging er 
mit dem Kafal in seinen Wein- 
berg und spielte. Die Schlange 
kam unter dem Felsen hervor 
und sagte: 

„Willkommen, Freund ! " 

„Wohl habe ich dich ge- 
funden." 

„Wie geht's?" 

„Gut, und dir? Warum ist 
dein Schwanz abgebrochen?" 

„Dein Sohn hat ihn mir ab- 
gebrochen. Noch einmal werde 
ich tanzen ; denn dieses Wieder- 
sehen ist das letzte. Denn ich, 
wenn ich dich sehe, habe Ver- 
langen nach dem abgebrochenen 
Schwanze, und du erinnerst dich 
an den Sohn, den ich biB." 
Darauf verschwand sie, und 
so oft er ging um zu pfeifen, 
sie kam nicht heraus. 
Prosu Stoju, Ljumnitsa, 50 Jahre alt. 



„Bini venis, furtati!" 
„Bini afl6m, furtati!" 

„Kum jes?" 

„Bun, si tu? Kotsi ts-aj 
koada rupt§?" 

„Tou fitsor nj-ao rupsi. Ank§ 
di-ng Qar§ si zok; ka ts^sta 
videri ai sforsitg. Ka Joy, kon 
ti vet, am mir£ki di koada 
rupto si tu ti duts n-kriel 
fitsoru, tsi mutskaj. Si nap- 
kum fuzi, si di koti 5rj[ z-dusi 
si sfiro, nu iso. 



IV. 



Ursonla si fitsoru. 

Un tatg as vut-au un fitsor. 
Tsista zlsi ung Qaro: „Tati, 
tser un das 1 )." Tatg-su zlsi: 



Die Barin und der Enabe. 

Ein Vater hatte einen Sohn. 
Dieser sagte einmal: „Vater, 
ich mochte ein Lammchen." 



*) dah — LSmmchen oder Zicklein, mit dem die Kinder spielen. 
Im Alban. bedeutet das Wort „Widder". 



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„Sg ! )-ts ligu, iljuli." Kinisit-au 
sg z-dukg an pgzgristi, & fitsoru 
zlsi: „Si iou sg vln, tati." 
Tatg-su la lat-au ku Jel. 



Kg x ) pustani an drum, tatg-su 
la las§ pri un arburi. Kola 
vini ung ursonig si zlsi: 

„Disf9 ti, kg Jou-ts sgm tetg." 
Si fitsoru si disfgsi si la lo 
ursonja fitsoru, si dusi kasg 
ku iel si zlsi la urs: „Ves, iou 
tsi lof ban dus 2 )? Du-ti tu, 
sg li vikgjes lanti vlti dlvi, 
kg Jou tser sg dar 2 ) rutsok." 



Ursu z-dusi. 

Ursonia, kon tsire sg la 
zunglig 3 ) fitsoru, ali zlsi: 
„Puni-ts-la kapu pri prak." 

Fitsoru la pusi opku, ama 
ursonia zlsi: „Nu-i bun pus." 

Zlsi fitsoru: 



Sein Vater sagte: „Ich werde 
dir [eins] verschaffen, Sohn." 
Er brach auf , um auf den 
Markt zu gehen, aber der Knabe 
sagte: „Auch ich werde mit- 
kommen, Vater." Sein Vater 
nahm ihn mit sich. 

Als er unterwegs ermudete, 
lieB ihn sein Vater auf einem 
Baume. Dorthin kam die Barin 
und sagte: 

„Mach dich los, denn ich bin 
deine Tante." Und der Knabe 
machte sich los, und die Barin 
nahm ihn, ging mit ihm nach 
Hause und sagte zum Baren: 
„Siehst du, welche gute Jagd- 
beute ich herbeigebracht habe. 
Du geh, dafi du die andern 
wilden Tiere einladest, denn ich 
will [das] Mittagessen bereiten." 

Der Bar ging. 

Als die Barin den Knaben 
schlachten wollte, sagte sie ihm : 

„Lege deinen Kopf auf die 
Schwelle." 

Der Knabe legte ihn ver- 
kehrt, aber die Barin sagte: 
„Er ist nicht gut gelegt." 

Der Knabe sagte: 



*) In Lunzi, Borislaftse, Osin, Nonte, also im Westen des Ka- 
rad^ova sagt man eg, kg, xisirg, im Osten si, ka, xisira und so ofters 
a fur g. 

2 J „dus, dar" fiir „aduk, adar u der anderen Dialekte. 

3 J „%ungliari u — schlachten, im M.-R. gebraucht man in diesem 
Sinne tgliare, das hier nur von „schneiden, Holz fallen" gebraucht wird. 



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„Nu stiu so la pun, puni la 
tu prima sg vet." 

La pusi ursonia si fitsoru 
ao lo boltia si li-o dedi pristi 
kap si ao zunglj[6. 

Aq drubi ursonia, ao pusi 
an oalo sg iarbg si Jei si pusi 
an atoli 1 ) 

Kg vinirg lantili vlti, kg 
stetarg, stetarg ursonia z-ving, 
zisirg : 

„Ai, sg kgtsom sg rutsom; 
Ja si dusi sg la turgskg s^nzili 
lu fitsoru pri vali." Kgtsarg 
sg mgnankg si zisirg: 



„Bre, tsi dultsi karni." 
Si fitsoru din at5li zisi: 

„Ka di ursonig." 

Ttintsea vitili kgtsarg sg 
tsopg si kgtsarg sg pung pgr- 
tali 2 ) sg la zungg fitsoru, ma 
nu potti ursu. Napkum si 
pusi lisitsa si lupu, ama si 
jeli nu poturg. Napkum vinl 
matsa si sgri an atoli si tsir^ 
sg la katsg fitsoru, ama tsista 
sgri prin badzg si iso ngferg 



73 — 

„Ich weifi nicht, wie ich ihn 
legen soil, lege du ihn zuerst, 
damit ich [es] sehe." 

Die Barin legte ihn, und der 
Knabe nahm das Beil und 
schlug ihr auf den Kopf und 
sehlachtete sie. 

Er zerstiickelte die Barin, 
legte sie in den Topf, damit 
sie koche, und er setzte sieh 
auf den Bodenversehlag. 

Als die andern Tiere kamen, 
als sie warteten und warteten, 
daB die Barin komme, sagten 
sie: 

„Auf, wir wollen anfangen 
zu essen; sie ist gegangen, um 
das Blut des Knaben im Baehe 
auszusehiitten." Sie fingen an 
zu essen und sagten: 

„Ei, was fur siiBes Fleiseh." 

Der Knabe vom Verschlage 
sagte: 

„Wie von einer Barin." 

Darauf fingen die Tiere an 
zu schreien und fingen an, alte 
Kleider hinzulegen, um ihn zu 
erreiehen, aber der Bar konnte 
[es] nicht. Darnach versuch- 
ten [es] der Fuchs und der 
Wolf, aber auch sie brachten 
es nicht fertig. Dann kam 
die Katze und sprang auf [den] 



1 ) atqli — der zwischen Decke und Dach befindliche Raum. Das 
Wort ist mir dunkel, auch unbetontes a im Anlaut befremdend. 

2 ) PQrtali — Lumpen, Gerumpel etc. 



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si tato-su vin£ din pgzgristi si 
la lo fitsoru si z-dusirg kasg 
ku das, si iou vinii di kola. 



Boden und wollte den Knaben 
ergreifen, aber dieser sprang 
durch den Kamin und gelangte 
ins Freie und sein Vater kam 
gerade vom Markte, und er 
nahm den Knaben, und sie 
gingen nach Hause mit dem 
Lammchen. Auch ieh bin von 
dort gekommen. 

Stavro Christo aus Lunzi, 13 Jahre. 



V. 



Prikazma lu lisitsa. 

As vg ung lisitsg un dzgn- 
ggras si-lj zisi la un pin: 

„Na-nj[ la ts§ni dzgnggrasu, 
iou sg mi duk sg fur ggliini, 
sg z-dau 1 ) si la tini." 

La zgkgts$ di pin dzgn- 
ggrasu si si dusi sg furg gg- 
liini si li mgnk$. Kg vinl 
lgngg pinu, ra krisktit nalt si 
nu put£, sg la lig dzgnggrasu. 
Zisi lisitsa: 

„Do-nj[ la dzgnggrasu, pi- 
nuli!" 

^u-st-la 1 ) dau." 



Das Mftrchen rom Fuchs. 

Ein Fuchs hatte ein Schell- 
ehen und sagte zu einer Fichte : 

„Da, halte mir die Schelle, 
ich werde gehen, um Huhner 
zu stehlen und werde auch dir 
geben." 

Er hing die Schelle an die 
Fichte und ging Huhner steh- 
len und fraB sie auf. Als er 
zur Fichte kam, war sie hoch 
gewachsen, und er konnte die 
Schelle nicht nehmen. Der 
Fuchs sagte: 

„Gieb mirdieSchelle, Fichte." 

„Ich gebe sie dir nicht." 



*) „tsi" dir, wird in Verbindung mit ,,/a, li" immer umgestellt 
in „st-la" „st-li", „z-dau" fur „tsi-dau, s-dau". 



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— 75 — 

„Sg mi duk sg-li zik la bgltia, „Ich werde zum Beile gehen 
sg ving, so ti talig." und ihm sagen, daB es komme 

und dich falle." 
Pfnu zlsi: „Du-ti." DieFichte sagte: „Geh nur." 

„Ai, boltiu, so la tajli pinu. „Auf, Beil, felle die Fichte," 
Bgltia zisi: „Nu vin." Das Beil sagte: „Ieli komme 

nicht." 
„Sg mi duk la foku, so-lj „Ich werde zum Feuer gehen, 
zik, sg ving, sg ts-o ardg ihm sagen, daB es dir den Stiel 
drgzaua." verbrenne." 

Bgltia zisi: „Du-ti." Das Beil sagte: „Geh nur." 

Li.: „Ai fokuli, sg li-o ars Fuehs: „Auf, Feuer, ver- 

drgzaua la bgltia." brenne dem Beile den Stiel." 

Foku zisi: „Nu vin." Das Feuer sagte: „Ich komme 

nieht." 
Li.: „Sg mi duk, sg vikiSs Fuchs: „So werde ich das 
valea, sg ti stingg." Bachlein rufen, daB es dich 

auslosche." 
Foku zisi: „Du-ti." Das Feuer sagte: „Geh nur." 

Li.: „Ai, vali, sg la stins Fuehs : „Auf, Bachlein, losche 
foku." das Feuer aus." 

Valea zisi: „Nu vin." Das Bachlein sagte: „Ich 

komme nicht." 
Li.: „Sg mi duk, sg la vikiSs Fuchs: „So werde ich den 
bou sg ti be/' Ochsen rufen, daB er dich 

trinke." 
Valea zisi: „Du-ti." Das Bachlein sagte: „Geh 

nur." 
Li.: „Ai, bouli, sg o b^i Fuchs: „Auf, Ochse, trinke 
valea." das Bachlein." 

Bou zisi: „Nu vin." Der Ochse sagte: „Ich 

komme nicht." 
Li.: „Sg mi duk, sg-li zik Fuchs: „Ich werde gehen, 
la lupu, sg ti mgnankg." dem Wolfe sagen, daB . er 

dich fresse." 
Bou zisi : „Du-ti." Der Ochse sagte : „Geh nur." 



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Li.: „Ai, lupuli, sg la mg- 
n&nts bou." 

Lupu zlsi: „Nu vin." 

Li.: „So mi duk, so-lj zik la 
lovatsu, sg ving so ti tglts^skg." 

Lupu zTsi: „Du-ti." 
Li.: „Ai, luv&tsuli, so la 
tgltsos lupu!" 

Lovatsu zlsi: „Nu vin." 

Li. : „Sg mi duk, sg la vikies 
so&riku sg-st-li rgadg urSkljili." 

Lovatsu zlsi: „Du-ti." 
Li.: „Ai, so&rikuli, so li 
mondnts urekljili la lovatsu." 
So&riku zlsi: „Nu vin." 

Li.: „Sg mi duk, so viki6s 
matsa, so ti mgnankg." 

Soariku zlsi: „Du-ti." 

Li.: „Aj, matso, sg la mg- 
n&nts soariku!" 

Matsa zlsi: ,Jundi JS?" 
Matsa dupu SQarik, soariku 
dupu lov&ts, lovatsu dupu lup, 
lupu dupu bou, bou dupu vali, 
valea dupu fok, foku dupu 
drgz&ug, bgltia dupu pin, si la 
tglio pinu, si lisitsa as la lo 
dzgnggrasu si si dusi kasg. 



Fuchs: „Auf, Wolf, friB den 
Ochsen." 

Der Wolf sagte: „Ich komme 
nicht." 

Fuchs: „So werde ich dem 
Jager sagen, daB er komme 
und dich ersehieBe." 

Der Wolf sagte: „Geh nur." 

Fuchs: „Auf, Jager, schieBe 
den Wolf!" 

Der Jager sagte : „Ich komme 
nicht." 

Fuchs: „So werde ich das 
Mauschen rufen, daB es dir 
die Ohren abnage." 

Der Jager sagte: „Geh nur." 

Fuchs: „Auf, Mauschen, friB 
dem Jager die Ohren ab!" 

Das Mauschen sagte: „Ich 
komme nicht." 

Fuchs: „So werde ich die 
Katze rufen, daB sie dich 
fresse." 

Das Mauschen sagte: „Geh 
nur." 

Fuchs: „Auf, Katze, friB das 
Mauschen!" 

Die Katze sagte : „ Wo ist's ? " 

Die Katze hinter der Maus, 
die Maus hinter dem Jager, 
der Jager hinter dem Wolf, 
der Wolf hinter dem Ochsen, 
der Ochse hinter dem Bache, 
der Bach hinter dem Feuer, 
das Feuer hinter dem Beile, 
das Beil hinter der Fichte und 



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Si iou vinij di kola. 



fallte sie und der Fuchs nahm 
seine Schelle und ging nach 
Hause. 

Auch ich kam von dort. 

Stavro Christo aus Lunzi. 



VI. 



Jarna. 

Jarnata ropoasg pimintu si 
dung nou kuv6t dila viniri 
primave'relig. Fatsi si pimintu 
kakum uomu, si \el rgpoasg 
strata si doarmi noaptea si si 
amplio di kuv6t si si skoalg 
napkuma dimn£tsata(dimn£sta). 
Po&mili perdurg kmo ubavilju- 
rili si staii farg di frunzi. 
Florili sa sparti 1 ), iarburili us- 
kati si tQati 2 ) sa takuti. Nitsi 
un puli nu kontg kmo si nitsi 
un vulovar (vakar) dutsi kmo 
vatsli an munti. 



Frik mult si fatsi nisti ori 
iarnata, si oaminili dintru tsg 
si kupire*s ku greU rubi si ku 
kuzatsi si ttintsea nu pQati 
nitsi un sg ao lasg soba 3 ). Aq 
ankglz^s mult bun, kotsi sg 



Der Winter. 

Im Winter ruht die Erde 
aus und sammelt Kraft fur 
das Kommen des Friihlings. 
Auch die Erde macht es wie 
der Mensch, auch er ruht am 
Abend und schlaft in der Nacht 
und fullt sich mit Kraft und 
erhebt sich dann am Morgen. 
Die Obstbaume verloren jetzt 
die Schonheiten und stehen 
ohne Blatter da. Die Blumen 
sind verwelkt, die Pflanzen 
verdorrt und alles ist ruhig. 
Kein Vogel singt jetzt und 
kein Kinderhirte fiihrt jetzt die 
Kiihe auf [den] Berg. 

GroBe Kalte entsteht manch- 
mal im Winter und deshalb 
bedecken sich die Menschen 
mit schweren Kleidern und 
Pelzen und dann kann niemand 
den Ofen entbehren. Sie feuern 



*) „sparti a — verdorben, so ubersetzte er t-iefxaqn^ieru — verwelkt. 

2 ) „tQati" — erganze, „lukrili" im Sinne von „6'A« U — alles. 

3 ) In den Dorfern kennt man nur Kaminfeuerung. 



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— 78 

ie l ) odaili kaldi. Mults siromas 
gamini nu au l^mni, nitsi rubi 
si dintru teg la-i frlk. Ah, s§ 
put£m sg lja zut! 



Apa angljeteo di frlk si 
kur^n si fatsi gliets. Voliurili 
sa kupiriti di gliets. Di frlk 
angljeteg si apa di boari si 
kadi ka ngo. Neua kupir^sti 
si kupiriturili si drumurili si 
agrili ku albo fats§ si mai 
stimngsti okljili lu druinutoru. 
Sup ngua i&rnata simenaturili 
kresk ubaf, kotsi li veklig di 
frlk. Nu put£m iarnata so 
is^m nofero so amn6m k9ta 
des, kotsi zolili tson tuku uopt 
pon di no&Q sati si nisti ori 
vremea oj mult nebuno. Tsi 
ubaf oi, kon ueo kadi. 



Tuntsea fitsorilj daro topki 
di neo. 



ihn sehr gut, damit die Zimmer 
warm sind. Viele arme Men- 
schen haben kein Holz, auch 
nicht Kleider und daher frieren 
sie. Ach, wen a ich ihnen hel- 
fen konnte! 

Das Wasser friert vor Kalte 
und wird schnell zu Eis. Die 
Bache sind bedeckt mit Eis. 
Vor Kalte erstarrt auch das 
Wasser in der Luft und fallt 
als Schnee. Der Schnee be- 
deckt die Dacher und die Wege 
und die Acker mit einer weiBen 
Oberflache und auBerdem blen- 
det er die Augen des Wanderers. 
Unter dem Schnee wachsen im 
Winter die Saaten schon, denn 
er schutzt sie vor Kalte. Wir 
konnen im Winter nicht hinaus- 
gehen, um so oft spazieren zu 
gehen, weil die Tage nur acht 
bis neun Stunden dauern, und 
manchraal ist das Wetter sehr 
schlecht. Wie schon ist es, 
wenn Schnee fallt! 

Dann machen die Knaben 
Schneeballen. 



Mitgeteilt mit Benutzung eines griechischen Lesestiickes 
von dem Lehrer Petro Papa no e in Lunzi bei meinem ersten 
Aufenthalte im Karadzova-Gebirge 1889. 



r ) ie III. Prs. Plur. vom Konj. Pras. „%es u — ich sei. 



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