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Full text of "Zehn Jahre Berliner Psychoanalytisches Institut"

ZEHN 



ERLINER 



PSYCHO- 



ANALYTISCHES 



INSTITUT 




INTERNATIONAL 

PSYCHOANALYTIC 

UNIVERSITY 



DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



I Z^chn Jahre | 

Berliner Psychoanalytisches Institut 

1 (Pouklinifc und Lehranstalt) I 



Herausgegeb en 
von der 

Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft 

Mit einem Vorwort 



von 



Sigm* Freud 



1930 

Internationaler Psychoanalytischer Verlag 

Wien 



Die Redaktion dieser Veröffentlichung besorgte Sandor Rad 6 unter Mitwirkung 
von Otto Fenichel und Carl Müller-Braunschweig 



DEM SCHÖPFER UND LEITER DES INSTITUTS 

MAX EITINCON 

GEWIDMET 



Vorwort 

Die nachstehenden Blätter schildern Einrichtung und Leistung des Berliner Psychoana- 
lytischen Instituts, dem innerhalb der psychoanalytischen Bewegung drei bedeutsame Funktionen 
zugefallen sind: Erstens unsere Therapie jener großen Menge von Menschen zugänglich zu machen, 
die unter ihren Neurosen nicht weniger leiden als die Reichen, aber nicht im Stande sind, die Kosten 
ihrer Behandlung aufzubringen, zweitens eine Stätte herzustellen, an der die Analyse theoretisch 
gelehrt und die Erfahrungen älterer Analytiker auf lernbegierige Schüler übertragen werden können 
und endlich, unsere Kenntnis der neurotischen Erkrankungen und unsere therapeutische Technik durch 
Anwendung und Erprobung unter neuen Verhältnissen zu vervollkommnen. 

Ein solches Institut war unentbehrlich, aber auf die Hilfe des Staates und das Interesse der 
Universität für seine Gründung hätten wir vergeblich gewartet Die Tatkraft und Opferwilligkeit 
eines Einzelnen unter den Analytikern hat hier eingegriffen. Dr. Max Eitingon, gegenwärtig 
Präsident der „Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung", hat vor nunmehr zehn fahren ein 
solches Institut aus eigenen Mitteln geschaffen, es seitdem erhalten und mit eigener Mühe geleitet 
Der Rechenschaftsbericht über dies erste fahr zehnt des Berliner Instituts ist eine Huldigung für seinen 
Schöpfer und Leiter, ein Versuch, ihm öffentlich Dank zu sagen. Wer an der Psychoanalyse in 
irgend einem Sinne Anteil nimmt, wird in diesen Dank einstimmen. 

Sigm* Freud 



Zur GesJiiJitc und socialen Bedeutung des Berliner 
Psychoanalytischen Instituts 

Von 
Ernst Simmel 

Im September 1918 hat Professor Freud auf dem V. Internationalen Psychoanalytischen 
Kongreß in Budapest als erster auf das neurotische Elend der breiten Bevölkerungsschichten 
hingewiesen, denen die Hilfe, die gegen solches Leid die Psychoanalyse bieten könnte, aus 
wirtschaftlichen Gründen versagt ist. „Irgend einmal", sagte er, „wird das Gewissen der Ge- 
sellschaft erwachen und sie mahnen, daß der Arme ein ebensolches Anrecht auf seelische 
Hilfeleistung hat wie bereits jetzt auf lebensrettende chirurgische. Und daß die Neurosen die 
Volksgesundheit nicht minder bedrohen als die Tuberkulose und ebenso wenig wie diese der 
ohnmächtigen Fürsorge des Einzelnen aus dem Volke überlassen werden können. Dann wer- 
den also Anstalten oder Ordinationsinstitute errichtet werden, an denen psychoanalytisch aus- 
gebildete Ärzte angestellt sind, um die Männer, die sich sonst dem Trunk ergeben würden, 
die Frauen, die unter der Last der Entsagungen zusammenzubrechen drohen, die Kinder, 
denen nur die Wahl zwischen Verwilderung und Neurose bevorsteht, durch Analyse Wider- 
stands- und leistungsfähig zu erhalten. Diese Behandlungen werden unentgeltliche sein. Es 
mag lange dauern, bis der Staat diese Pflichten als dringend empfindet Die gegenwärtigen 
Verhältnisse mögen den Termin noch länger hinausschieben. Es ist wahrscheinlich, daß pri- 
vate Wohltätigkeit mit solchen Instituten den Anfang machen wird; aber irgend einmal wird 
es dazu kommen müssen." 

Freuds Erwartung sollte sich bald erfüllen. Durch Erfahrungen in der psychoanalyti- 
schen Lazarettbehandlung der Kriegsneurotiker ermutigt, konnten E i t i n g o n und Referent 
bereits im Jahre 1919 den Plan einer psychoanalytischen Poliklinik der Deutschen Psycho- 
analytischen Gesellschaft vorlegen. Die Gesellschaft nahm unter Leitung ihres hochverdienten 



Präsidenten Karl Abraham die Anregung mit Begeisterung auf. Dank der Opferbereit- 
schaft Max Eitingons konnte die Poliklinik bereits Anfang 1920 ihre Tätigkeit aufnehmen. 

Es war ein gewagtes Unternehmen, in einer Zeit wirtschaftlichen Zusammenbruchs ein 
Institut ins Leben zu rufen, das den Versuch unternehmen sollte, die psychoanalytische Be- 
handlung gerade denen zugänglich zu machen, die an ihrer Neurose ganz besonders schwer 
infolge der gleichzeitig bestehenden wirtschaftlichen Not litten oder gerade infolge ihrer neuroti- 
schen Gehemmtheit ganz besonders der materiellen Verelendung preisgegeben waren. — Und 
wenn natürlich auch dem Ausmaß der sozialen Nachkriegskatastrophe gegenüber die Leistung 
des Berliner Psychoanalytischen Instituts nur eine verhältnismäßig geringe sein konnte, so geht 
doch sicher die soziale Auswirkungsmöglichkeit der Institutsarbeit heute weit über die Behandlung 
des Einzelnen hinaus. Die jetzt gleichzeitig laufenden 117 Analysen bilden das Zentrum einer 
sich kontinuierlich ausbreitenden psychoanalytischen Durchdringung gerade der unbemittelten 
Volksschicht. Denn die psychoanalytische Befreiung des Einzelnen von seiner irrationalen, 
komplexbedingten Einstellung zur Realität, die ihn wieder zu gesunder Aktivität befähigt, 
wirkt sich seelisch sanierend auf seinen ganzen Lebenskreis aus. 

Eine umfassendere sozialhygienische Wirksamkeit wird das Berliner Psychoanalytische 
Institut allerdings erst entfalten können, wenn die hierfür maßgebliche große soziale Institu- 
tion, die Krankenversicherung, sich mit ihm verbünden und so die psychoanalytische 
Behandlung zu ihrer eigenen Sache machen wird. Der noch immer seit 10 Jahren bestehende 
Zustand, daß unsere Poliklinik die Träger der Krankenversicherung mehr oder weniger un- 
entgeltlich, d. h. auf Kosten der Mitglieder der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft be- 
handelt, wird auf die Dauer nicht mehr haltbar sein. Denn die Erkenntnis von der Notwen- 
digkeit dieser Behandlung ist so sinnfällig geworden, daß die Versicherten, die ja ihre eigenen 
Vertreter in den Krankenkassenausschüssen haben, die Psychoanalyse in absehbarer Zeit for- 
dern werden; und zwar über die Köpfe jener Vertrauensärzte hinweg, die immer noch be- 
haupten, eine psychoanalytische Behandlung könnte zum mindesten aus fiskalischen Gründen 
nicht Gegenstand einer Krankenkassenleistung sein. 

Daß hier die Zeiten infolge der Ausbreitung psychoanalytischer Erkenntnisse sich gewan- 
delt haben, beweist die Tatsache, daß kürzlich in einer Berliner städtischen Ausstellung für 
Psychische Hygiene die bisher übliche „Psychotherapie* in einem Bilde treffend persifliert 
wurde: Der Arzt ist infolge der notgedrungenen Massenbewältigung von Konsultationen ge- 
nötigt, wie ein Briefmarken verschleißender Postbeamter Schalterdienst zu tun. An diesem 
Schalter defilieren die Kranken, von Kopf bis Fuß bereits mit Tabletten angefüllt, vorbei, 
um wiederum ein neues Rezept für Tabletten zu empfangen. Im Kontrast dazu zeigt ein 
danebenstehendes Bild die psychoanalytische Situation als die wahre 
Psychotherapie. Wir sehen auch den Proletarier als Einzelnen in der Diskretion der 
Zweisamkeit mit seinem Arzt. Auch ihm wird Recht und Möglichkeit, noch über eine ent- 
lastende freie Aussprache hinaus dem Therapeuten die Tiefen seines unbewußten Seelen- 
lebens zu erschließen. — Noch so gut neurologisch und auch psychologisch geschulte Ärzte, 
die meinen, daß dem Versicherten die Psychoanalyse vorenthalten werden dürfte, können für 

8 



die Krankenkassen in Sachen der Psychoanalyse keine Vertrauensärzte mehr sein. Solche Ärzte 
verdienen nicht das Vertrauen der Versicherten, deren Nöte sie nicht kennen. Sie 
verdienen auch nicht das Vertrauen der Wissenschaft, deren Möglichkeiten sie nicht kennen, 
und sie verdienen im letzten Grunde auch nicht das Vertrauen der Kassen, deren soziale 
Leistungsfähigkeit sie durch ihre einseitig fiskalisch orientierte Beurteilung beeinträchtigen. 
Denn wer je zusammenrechnen könnte, was die Krankenkassen unnütz an Geld für Verord- 
nungen verschwenden, gegen all die sogenannten „Psychopathien", d. h. in Wirklichkeit gegen 
Neurosen, die nur mangels psychoanalytischer Kenntnisse ungenügend diagnostisch erkannt 
werden, ferner für Verordnungen, von denen man sich „Suggestivwirkungen" ver- 
spricht, einschließlich der Hydro-, Elektro- und Strahlentherapie, auch für Medikamente und 
namentlich für die unzähligen und unseligen Patent-Medizinen, die immer neu auf den 
Markt kommen und von dem verzweifelten Praktiker hoffnungsfreudig immer neu verschrie- 
ben werden, um dem Ansturm der Patienten gerecht zu werden ; wer zusammerechnen konnte, 
welche großen pekuniären Leistungen die Kassen aufzubringen haben für die Kranken, die 
immer wieder rückfällig werden müssen, weil ihre eigendichen neurotischen Störungen 
nicht diagnostiziert wurden und sie beispielsweise, auf rein körperliche Nachuntersuchung hin, 
vorzeitig als arbeitsfähig erklärt wurden; wer nachrechnen könnte, wieviel Renten- 
neurosen dadurch entstehen, daß psychische Unfallfolgen nicht schon im Keim psycho- 
analytisch behandelt und beseitigt werden; wer dieses und noch anderes mehr zahlenmäßig 
erfassen könnte, der würde den Kassen beweisen können, wieviel sie sparen, bezw. in 
sozialhygienischer Beziehung zweckmäßiger verwenden würden, wenn sie die 
psychoanalytische Behandlung ihren Krankenkassenmitgliedern zugänglich machten. 
Der Unwille der Versicherten, die vorläufig eine Psychoanalyse von der Poliklinik gleichsam 
als halbe Wohltat noch erbitten müssen, und vor allem der Unwille der auf der langen 
Warteliste unseres Institutes Vorgemerkten, die oft die wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens 
mangels rechtzeitiger psychoanalytischer Hilfe versäumen, wird in nicht mehr langer Zeit nur 
noch die Ärzte als Ärzte ihres Vertrauens bezeichnen können, die auch für ihre psychischen 
Erkrankungen eine sachgemäße Behandlung zu vermitteln wissen. 

Und hier liegt das große soziale Verdienst Max Eitingons. Denn schließlich ist er es, 
der in nimmer müder Arbeit die Poliklinik trotz der Schwierigkeiten all dieser Jahre politischer 
Wirren und wirtschaftlicher Krisen, wo selbst staadiche und städtische sanitäre Einrichtungen 
wegen „Sparmaßnahmen" kapitulieren mußten, nicht nur zu erhalten, sondern weiter und 
weiter auszubauen verstand. — Was dieses Anwachsen des Instituts für die psychologische 
Aufklärung des unbemittelten Kranken über sich und sein Leiden geleistet hat, kann so recht 
wohl nur der erfassen, der wie Referent von Anfang an bei der Arbeit mithelfen durfte. Wie 
war vor der Zeit unserer Poliklinik der arme Neurotiker so ganz ahnungslos und verbildet 
unter dem bisherigen Regime sogenannter psychotherapeutischer Behandlungen! Vollkommen 
kritik- und wehrlos war er allen, auch den- sinnlosesten »ut aliquid fecisse videatur" -Behand- 
lungen ausgeliefert. 

Ich erinnere mich noch sehr gut einer unserer ersten Patientinnen, die sich, wie damals 



so häufig, von anderen Polikliniken her zu uns verlaufen hatte* Sie gehörte zur Schar derer, 
die als „Psychopathen" oder „ewige Neurastheniker" den anderen Polikliniken und Ambu- 
latorien nur eine Belästigung waren. — Es war eine verkümmerte Frau, die, ganz ungewohnt 
der Tatsache, zum Arzt eingehend über sich sprechen zu können, auf alle Fragen nach der 
Art ihres Leidens immer nur zu erwidern wußte: „Ja, die Ärzte sagen — ich hab's — mit 
die Nerven". Und als es mir doch noch gelang, etwas mehr über ihren Zustand zu erfahren, 
und ich mir daraufhin Mühe gab, ihr auseinanderzusetzen, was die Psychoanalytische Poliklinik 
ihr gegebenenfalls leisten könnte, ging sie doch schließlich enttäuscht von dannen, nachdem ich 
ihr ihre bange Frage: „Höhensonne haben Sie wohl keine?" abschlägig bescheiden mußte. 

Seither sind 10 Jahre vergangen. Die einzelnen Kranken wie ihre Angehörigen dringen 
jetzt auf psychoanalytische Behandlung und können die Gesundheitspolitik ihrer Kassen 
nicht verstehen. Die wichtigsten sozialen Institutionen selbst holen sich heute bei der Psycho- 
analytischen Poliklinik Rat und therapeutische Unterstützung: Berufsberatungs- und Ehe- 
beratungsstellen, der Schularzt, die Fürsorgerin schicken ihre Pflegebefohlenen der Psycho- 
analytischen Poliklinik mindestens zur Beratung. Städtische Jugendämter, das Jugendgericht 
und die Jugendgerichtshilfe überweisen ihre Klienten — Jugendliche, von Verwahrlosung und 
Kriminalität bedroht — unserer Poliklinik zur Behandlung. 

Diesen Wandel in der allgemeinen Auffassung von der Bedeutung der psychoanalytischen 
Therapie und ihren sozialen Auswirkungen verdanken wir der Arbeit des Psychoanalytischen 
Instituts. — Ganz anders vor neun Jahren! — Wie stand beispielsweise damals das Jugend- 
gericht zur Psychoanalyse? Für einen sechzehnjährigen wegen Kofferdiebstahls angeklagten 
Proletarierjungen war Referent als Sachverständiger bestellt, weil der Angeklagte einige Wochen 
in der Poliklinik in Behandlung gewesen war. Der Vorsitzende, dem das Wort Psychoanalytiker 
völlig fremd zu sein schien, apostrophierte mich der Einfachheit halber als „Herr Pfarrer". 
Und als ich am Schluß meines Gutachtens dem Gerichtshof klarzulegen versuchte, daß erst 
durch den psychischen Kausalnexus zwischen Schuld und Strafe, d. h. durch die erste Bestrafung 
im Namen der Staatsautorität, der Junge zur Auflehnung gtgcn den Staat provoziert, d. h. 
zum Rückfalls- und Gewohnheitsverbrecher werden könnte, sprang der Staatsanwalt auf und 
verlangte, daß der Richter mir das Wort entzöge, weil das Gericht nicht die zuständige 
Stelle sei, um „psychologische Spitzfindigkeiten" zu erörtern. Auch in dieser Beziehung hat sich 
die Lage seither wesentlich geändert. 

Hand in Hand mit der steigenden Frequenz der Hilfesuchenden mehrte sich erfreulicher- 
weise auch die Zahl der Ärzte, die sich in der psychoanalytischen Therapie auszubilden 
wünschten und bereit waren, auch ihre Kraft unserer poliklinischen Arbeit zur Verfügung zu 
stellen. 

Noch im März des Gründungsjahres hatte bereits Abraham mit seinen ersten Vor- 
lesungen zur Einführung in die Psychoanalyse begonnen. Die Unterrichtstätigkeit erweiterte 
sich von da an von Quartal zu Quartal, bis schließlich durch die Einführung eines systematischen, 
psychoanalytischen Praktikums für die psychoanalytischen Therapeuten die grund- 
legende Ausbildung geschaffen wurde. 

10 



Dabei ist es nicht überflüssig, hervorzuheben, wie grundlegend die Ausbildung unserer 
k" fti en Psychoanalytiker sich von der Ausbildung unterscheidet, die sonst die Ärzteschaft an 
dem Krankenmaterial in den großen Kliniken und Polikliniken absolviert. Auch dort sind es 
natur g em äß nicht die besonders hohe Honorare zahlenden Privatpatienten, an denen eine Aus- 
bildung stattfinden kann, sondern es sind die Proletarier und Kassenkranken, die das Material 
für den medizinischen Unterricht abgeben. Wir wissen, daß es bei diesem Unterricht, der uner- 
läßlich ist, oft nicht ohne Härten, manchmal auch nicht ohne gewisse Rücksichtslosigkeiten für 
den einzelnen Kranken abgehen kann. Ganz anders ist es bei der psychoanalytischen Aus- 
bildung. Es ist eine vornehme, im Wesen der Psychoanalyse selbst gelegene Konsequenz, daß 
auch ihre poliklinische Behandlung sich in nichts von der Behandlung des 
<r U t zahlenden Privatpatienten unterscheidet. Auch hier muß für die Zeit- 
dauer einer Stunde sich der Arzt im Einzelzimmer mit dem Patienten allein beschäftigen. 
Der Patient, der bei uns der poliklinischen Ausbildung dient, ist also nicht den ethischen wie 
auch ästhetischen Versagungen ausgesetzt, wie sonst so oft im medizinischen Unterricht, wo 
z. B. die Schwangere sich Untersuchungen von mehreren Studenten gefallen lassen muß, wo 
vor Hunderten von Hörern und Zuschauern ihre „schwerste Stunde" demonstriert wird u. ä. 
Andererseits ist in unserem Institut die Gefahr, daß der noch in der Ausbildung begriffene 
Psychoanalytiker mit ungenügend praktischer Vorbildung an die Krankenbehandlung herantritt, 
um vieles geringer als sonst in der medizinischen Ausbildung. Denn im Berliner Psycho- 
analytischen Institut gilt als Voraussetzung für die verantwortungsvolle Aufgabe, in wochen- 
und monatelangem Alleinsein mit dem Kranken eine Psychoanalyse durchzuführen, die Forde- 
rung, daß der Arzt — ein unerhörtes Novum für die außeranalytische Medizin — diesen 
Behandlungsprozeß am eigenen Leibe und an der eigenen Seele erfahren 
haben muß. Er muß selber erst analysiert sein, muß selbst Patient gewesen sein, um durch 
das intime Eigenerlebnis aller Reaktionen des Analysanden auf den analytischen Prozeß, in 
komplexfreier Sicherheit eine Behandlung leiten zu können. 

Der theoretischen Durchbildung dienen dabei, worüber an anderer Stelle eingehender berichtet 
wird, schon längst nicht mehr nur Vorlesungen, sondern auch seminaristische Übungen und 
Kolloquien. Planmäßig orientierte Leitsätze führen heute den auszubildenden Therapeuten 
durch das ganze theoretische und praktische Gebiet der Freudschen Psychoanalyse. 

So sind wir dank E i t i n g o n s nimmer müder Initiative zu einer kleinen Hochschule 
geworden, der auch das wichtigste Bildungsmittel, eine ausgedehnte fachliche Bibliothek der 
Medizin, nicht fehlt. Wenn wir uns dann noch erinnern, daß im Herbst 1928 die Übersied- 
lung des Instituts in größere, zahlreichere Wohnräume notwendig wurde, 1 weil für den Andrang 
der Hörer und Praktikanten, wie für die Zahl der ständig zu absolvierenden Analysen die 
Zustände in der alten Poliklinik unhaltbar geworden waren, wo noch die wichtigsten Vorlesungen 
wegen Raummangel in einem fremden Institut abgehalten werden mußten, — so sehen wir 
auch darin das äußere Kennzeichen für die Tatsache, daß das Berliner Psychoanalytische Institut 

1) Das Institut war von seiner Gründung bis Herbst 1928 Potsdamerstraße 29 untergebracht; 
seither befindet es sich Wichmannstraße 10, 

11 



das Zentrum der Psychoanalytischen Bewegung zunächst für Deutschland geworden ist. Aber 
die enge Verbundenheit unserer Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung hat es zuwege 
gebracht, daß unsere Schwestervereinigungen in ihren Ländern nach dem Vorbilde des Berliner 
Instituts eigene Institute geschaffen haben, die, auf Grund der Erfahrungen und Anregungen 
unseres Instituts entstanden, bereits ihre fruchtbare Wirkung entfalten. Die Psychoanalytischen 
Institute in Wien, London, Budapest, Haag und in nächster Zeit auch in New York, und das 
vorläufig noch ohne Therapeutikum arbeitende Institut in Frankfurt a. M., sind die Früchte 
des Wirkens von E i t i n g o n in Berlin. Aber noch immer ist es, wie wir sehen, die von 
F r e u d 1918 vorausgesehene „private Initiative", die hier Pflichten erfüllt, die eigendich 
der Gesellschaft obliegen, der GeseUschaft, die den Armen auf Grund ihrer sozialen 
Anforderungen neurotisch werden läßt, die den Neurotiker auf Grund ihrer 
kulturellen Ansprüche arm werden läßt, um ihn dann der Pein zu überlassen. Aber, daß ihr 
Gewissen erwachen wird, daß — wie Freud in Budapest sagte — „es irgend einmal dazu 
kommen muß", dessen sind wir jetzt gewiß, seit wir die Auswirkung der Tätigkeit unseres 
Instituts in der Öffentlichkeit ermessen können. Die quantitative Ausbreitung, die die psycho- 
analytische Heilkunde und Wissenschaft neben der qualitativen durch das Psychoanalytische 
Institut gefunden hat, bedeutet ein Stück psy choan aly tis eher B ehandlung der 
öffentlichen Meinung selbst, d. h. ein Stück Befreiung von den unseligen Mecha- 
nismen, die zwischen der Kultur und ihren Geschöpfen, die doch auch gleichzeitig ihre 
Schöpfer sind, zwangsläufig bestehn. 



12 



Statistischer Bericht üker die tWapeutiscFie Tätigkeit 192CW1930* 

Von 
Otto FcnicKel 

Die therapeutische Tätigkeit unseres Institutes kann nicht auf überwältigende absolute 
Zahlen hinweisen. Ihm standen und stehen nicht die Mittel und Möglichkeiten von Univer- 
sitätskiiniken zur Verfügung. Von Anfang an war der Andrang hilfesuchender unbemittelter 
Patienten weit größer als die im Rahmen des Institutes mögliche Analysenzahl. Zwar wuchs 
diese Zahl ständig und hat gerade gegenwärtig mit 117 gleichzeitig laufenden Analysen ihren 
bisherigen Höhepunkt erreicht, aber die Zahl der Analysebedürftigen ist eben doch noch ein 
Vielfaches davon. Die Folge ist die vergleichsweise geringe Anzahl der überhaupt in diesen 
zehn Jahren Behandelten; um so stolzer können wir auf die hohen relativen Erfolgszahlen 
hinweisen. 

Das Mißverhältnis zwischen Zahl der Konsultationen und der möglichen Analysen machte 
eine unangenehme Sieb arbeit notwendig. Daß dabei die überhaupt für die analytische Indi- 
kationsstellung geltenden Rücksichten, die an dieser Stelle nicht breit dargestellt werden können, 
in erster Linie herangezogen wurden, versteht sich von selbst. Daneben gab die Rücksicht auf 
die beiden Bestimmungen des Instituts den Ausschlag über Zulassung oder Nichtzulassung eines 
Falles zur psychoanalytischen Behandlung, nämlich die der wissenschaftlichen Forschung und die 
des Unterrichts. Leider widersprachen sich die Interessen der beiden Bestimmungen häufig 
strikt, was die Aufgabe des „Siebens" oft recht erschwerte: Die Natur des Instituts als wissen- 
schaftlicher Forschungsplatz ließ es ratsam erscheinen, Experimente mit Fällen zu unternehmen, 
denen auf andere Weise nicht zu helfen war und die nicht in den Bereich der klassischen 



^ *) über die Jahre 1920—1922 und 1922 — 1924 ist bereits je ein statistischer Bericht von Max 
Eitingon veröffentlicht worden. Diese Berichte sind zuerst in der „Internationalen Zeitschrift für 
Psychoanalyse" (Bd. VHI, 1922, S. 506, und Bd. X, 1924, S. 229), dann auch als Separata — der erste 
mit einem Geleitwort von Sigm. Freud — im Internationalen Psychoanalytischen Verlag erschienen. 



13 



Analyseindikation gehörten, um ihre Zugänglichkeit, etwa nötige Modifikationen der analytischen 
Technik u. dgl. zu erproben, wie leichte Psychosen, Psychopathien, Kriminelle und die mannig- 
fachen Charakteranomalien. Das Unterrichtsinteresse dagegen erforderte möglichst klassische 
Neurosenformen, Hysterien, Angsthysterien, Zwangsneurosen. Die Möglichkeiten des Instituts 
waren groß genug, so daß es keines der beiden widersprechenden Interessen opfern mußte, 
sondern an verschiedenen Fällen gleichzeitig beiden Rechnung tragen konnte. Allerdings war 
es auffallend, daß im Konsultationsmaterial überhaupt die klassischen Neurosenformen pro- 
gressiv abzunehmen schienen, was übrigens auch mit den Erfahrungen der Privatpraxis aller 
Kollegen übereinstimmt. Es kann hier nicht der Ort sein, nach den Gründen dieser Erscheinung 
zu suchen; immerhin wird die Statistik zeigen, daß noch genug Fälle auch dieser Neurosen- 
formen für den Unterricht zur Verfügung stehen. 

Man könnte meinen, daß diese beiden Rücksichten, das Experimentieren mit einem der 
Analyse neuen Material und die Tätigkeit der Anfanger, geeignet wären, die Erfolgsstatistik 
des Instituts zu trüben und einen geringeren Erfolgsquotienten herbeizuführen als er sonst 
der Psychoanalyse zukäme. Bezüglich des ersten Umstandes ist das auch nicht ganz von der 
Hand zu weisen. Die relativ große Zahl der nach kurzer Zeit abgebrochenen Analysen erklärt 
sich so; es handelt sich meist um Fälle, deren analytische Zugänglichkeit zweifelhaft war, die 
aber dennoch einer Ä Probeanalyse* unterzogen wurden, nach deren Beendigung der Analytiker 
sich negativ aussprechen mußte. (Fälle, die aus anderen äußeren oder inneren Gründen früh- 
zeitig abbrachen, gibt es viel weniger.) Auch die meisten der Fälle von exzeptionell langer 
Behandlungsdauer und ein bedeutender Prozentsatz der „ungeheilten* Fälle sind solche von 
vornherein fragliche Unternehmungen gewesen; allerdings, wie man sehen wird, auch manche 
der nach langen Zeiträumen geheilten Fälle. Dagegen scheint das Unterrichtsmoment auf die 
Erfolgsstatistik kaum verschlechternd eingewirkt zu haben. Die Ausbildung durch eigene Analyse 
und theoretische Kurse und Seminare sowie das System der „Analysenkontrolle" scheint zu 
genügen, um eventuelle Anfangerfehler der jungen Kollegen auszuschalten. 

Dagegen ist bestimmt ein drittes Moment bei der Würdigung der Statistik zu beachten: 
Praktische Interessen, sowohl des einzelnen Patienten als auch die Rücksicht auf die große 
Zahl der vorhandenen Analysebedürftigen, zwangen dazu, in sehr vielen Fällen sich mit Teil- 
erfolgen zu begnügen, wenn diese groß genug waren, dem Patienten Beschwerdefreiheit und 
Berufstüchtigkeit zu sichern. Kein Zweifel, daß viele der „gebesserten" und „sehr gebesserten* 
Fälle durch ein Stück weiterer Analyse, das durch diese Rücksicht unmöglich war, auch 
„geheilt* worden wären. 

Die Ausarbeitung der folgenden Statistik bot eine Reihe erheblicher Schwierigkeiten. Der 
Mangel eines anerkannten psychoanalytischen „Systems der Neurosen* machte die für die 
Statistik unerläßliche Diagnosestellung zum ersten wichtigen Problem. Es ergab sich bald, daß 
sowohl bezüglich Diagnostik als auch Erfolges die Kriterien der einzelnen Kollegen, die über 
die von ihnen behandelten Fälle Bescheid gaben, keineswegs einheitlich waren. Zum Zwecke 
der Vereinheitlichung war daher eine Revision des gesamten in den Krankenblättern des 
Instituts vorhandenen Materials notwendig. Die Kriterien, nach denen Diagnostik und Erfolgs- 

14 



einteilung der Statistik nunmehr endgültig gestellt sind, müssen in einem kurzen Kommentar 

dargestellt werden. 

Neurosen: Die (seltenen) Grundformen der reinen Hysterie, Angsthysterie und Zwangs- 
neurose sind ja über jeden Zweifel erhaben. Von der Hysterie wurden jene Neurosenformen 
getrennt, bei denen zwar Konversionssymptome das Bild beherrschen, aber nach analytischen 
Ergebnissen andere Mechanismen vorwiegend beteiligt sind, nämlich Regressionen zu bezw. 
Fixierungen an prägenitalen Stufen. Diese „prägenitalen Konversionsneurosen" verdienen 
eine gesonderte Anführung, nämlich Asthma bronchiale, Stottern und psychogener Tic. Abge- 
trennt wurden ferner die „ Organneurosen ", d. h. solche Neurosen, deren psychogene körper- 
liche Funktionsanomalien nicht der konvertierte Ausdruck verschobener Objektbeziehungen zu 
sein scheinen wie bei der Hysterie, sondern — autonom-narzißtischer — mehr Ersatz als Aus- 
druck ursprünglicher Objektkonflikte darstellen. (Monosymptomatische, nur an einem Organ 
oder Organsystem sich abspielende Hysterien rechneten wir also nicht dazu.) Neurosen, deren 
wesendiche Symptome nicht positive Leistungen, sondern Ausfall oder Einschränkung be- 
stimmter Funktionen sind, faßten wir als „neurotische Hemmungen" zusammen; Fälle 
von Impotenz, Frigidität, Vaginismus, Symptome, die als Begleiterscheinungen bei allen 
Neurosen vorkommen, wurden, wenn diese Störungen der Sexualfunktion das einzige oder 
wesendichste Symptom darstellten, ebenfalls dieser Kategorie eingeordnet. Es empfahl sich 
ferner, die infantile Enuresis ebenfalls von den Hysterien zu trennen und als eigene Kategorie 
zu führen. Von den Fällen mit hauptsächlich aktualneurotischen Symptomen endlich unter- 
schieden wir zwei Gruppen: solche mit vorwiegend hypochondrischen Sensationen oder 
Befürchtungen (ohne psychotische Begleiterscheinungen) faßten wir als „ Hypochondrie " zu- 
sammen, während eine Unterteilung der resdichen Fälle nicht tunlich erschien, so daß sie in 
einer Gruppe „Neurasthenie und Angstneurose" geführt werden. Hysterien, deren Anlaß etwa 
ein mehr-minder geringfügiger Unfall war, wurden selbstverständlich von anderen Hysterien 
nicht unterschieden ; dagegen wurden Fälle, die, vorher gesund, nach einem schweren Trauma, 
etwa Granatverschüttung, an den charakteristischen Symptomen erkrankten, als „traumatische 
Neurosen** geführt. 

Weit häufiger als solche „reine" Neurosenformen waren Neurosenkombinationen. 
Da diese Statistik die Anlage eines komplizierten, „mehrdimensionalen" Diagnoseschemas nicht 
erlaubte, war hier eine gewisse Willkür nicht zu vermeiden. Wir stellten die Diagnose zu- 
nächst a potiori, d. h. Fälle, bei denen Symptome und Mechanismen einer Neurosenform über- 
wogen, die einer anderen mehr nebenbei erschienen, wurden der ersten Kategorie zugezählt. 
Wenn möglich, gaben wir dabei den Mechanismen erhöhtere Bedeutung für die Diagnosen- 
stellung als den Symptomen. Bei Fällen, die danach keine Entscheidung ermöglichten, wurde 
der schwereren im Bilde erscheinenden Krankheit mehr Gewicht beigelegt als der leichteren, 
Kombinationen von Hysterie oder Phobien mit Zwangsneurose also als „Zwangsneurose" 
bezeichnet usw. 

Perversionen: „Homosexualität", soweit sie als krankhaft empfunden wurde und das 
Hauptmotiv zum Verlangen nach Behandlung abgab, wurde gesondert geführt. Andrerseits 

15 



TABELLE I 

Von der Gründung bis %um 
1« Jan* 1930 gab es im Institut: 

1955 Konsultationen ; diese führten zu: 
721 eingeleiteten Psychoanalysen 

von diesen 721 Fällen sind 

t 241 abgebrochene Fälle 
[ 47 ungeheilte Fälle 
|n6 gebesserte Fälle 
| 89 wesentl, gebesserte Fälle 
(111 geheilte Fälle 
117 noch laufend. Behandlungen 



So V bß 
Ti g ja 



TABELLE II 

Konsultationen und 
Benandlungsbeginne 

verteilten sich wie folgt: 



auf das 
Jahr 



Konsulta- 
tionen 



eingeleitete 



1920 


193 


73 


1921 


171 


69 


1922 


129 


76 


1923 


133 


75 


1924 


194 


84 


1925 


184 


72 


1926 


252 


78 


1927 


213 


70 


1928 


235 


67 


1929 


251 


51 



TABELLE III 


Geschlecht 


Konsulta- 


psa. Behand- 




tionen 


lungen 


Männlich . 


969 


342 


Weiblich . 


986 


379 




1955 


721 


TABELLE IV 


Leb 


ensalter 


Konsulta- psa,Behand- 




tionen 


langen 


bis 5 Jahr 


e 9 


2 


6—10 „ 


43 


15 


11—15 » 


70 


37 


16—20 „ 


181 


79 


21—25 „ 


372 


184 


26—30 * 


358 


160 


31—35 • 


293 


128 


36—40 w 


190 


69 


41—45 » 


88 


29 


46—50 » 


80 


10 


51—55 * 


42 


6 


56—60 „ 


^3 


1 


über 60 „ 


16 


1 


ohne Alters- 


190 


_ 


angabe 







TABELLE V 


Beraf 




Konsulta 




tionen 


Arbeiter . . . 


69 


Landwirte . . . 


3 


Handwerker . . 


157 


Hausangestellte . 


46 


Büroangestellte . 


3 73 


Bankangestellte . 


25 


Verkäufer . . . 


42 


Krankenpfleger . 


24 


Sonstige Ange- 




stellte . . . 


54 


Kaufleute . . . 


124 


Lehrer .... 


123 


Beamte .... 


50 


Ärzte .... 


28 


Juristen .... 


18 


Technische Berufe 


28 


Künstler . . , 


124 


Sonstige freie 




Berufe . . . 


40 


Studenten . . . 


160 


Lehrlinge . . . 


30 


Schüler .... 


75 


ohne Berufsangabe 


313 


ohne Beruf , . 


249 



1955 



721 



1955 



721 



1955 



TABELLE VI; Diagnose 



Angsthysterie ...... 

Asthma bronchiale . . . 

Charakterstörungen 104 

Neurotische Depression . . 

Enuresis 

Epilepsie 

Homosexualität . . . . . 
Hypochondrie 



Hysterie 271 

Imbezillität ....... 

Infantilismus 

Innersekretorische Störungen 
Klimakterische Störungen . . , 
Manisch-depressive Erkrankung 
Neurasthenie und Angstneurose 
Neurotische Hemmungen . • 



Konsulta- 


psa. Behand- 


tionen 


lungen 


120 


G5 


13 


4 


104 


51 


132 


46 


12 


5 


34 


9 


35 


10 


28 


5 


271 


129 


9 


— 


29 


13 


25 


3 


20 


— 


52 


15 


69 


11 


210 


93 



Organische Nervenerkrankung . 
Organneurose ...... 

Paranoia 

Perversion 

Psychopathie 

Schizophrenie und Schizoid . . 

Senilität 

Sonstige organische Erkrankung 

Stottern 

Süchtigkeit 

Traumatische Neurosen . . . 

Tic 

Zwangsneurose 

ohne Befund 

ohne präzise Diagnose . . . 



Konsulta- 
tionen 

6l 
10 

8 

35 

84 

163 

1 

53 

42 
20 
26 

19 
192 

17 
61 



psa. Behand- 
lungen 

3 
4 

2 
13 
32 
52 



17 

5 
3 

5 

127 

2 

7 



16 






TABELLE VII 
Behandlttnssdauer 

Analysen 

A) Abgeschlossene . 

B) Abgebrochene . 

C) Noch laufende . 



363 
241 
117 

721 





Ad B: 


Ad C: 


Von den 363 abgeschlossenen 


Bei den noch laufenden 117 


Analysen dauerten: 


Analysen begann die erste 




Jahre 


poliklinische Behandlung : 


70, 


Analysen bis 7a 


im Jahre 


108 


n »1 


in 2 Fallen . . 1922 


74 


» iVz 


n 2 , . . 1924 


51 

29 


» 2 

. 2V a 


n 4 • • • 1925 
* 9 n • • 1926 
> 17 * • ' 1927 


15 


n 3 


» 4° » • ■ 1928 


16 


s über 3 


«43 • • • 1929 



Gesamtdauer der 363 abge* 
schlossenen Analysen: 

5562 Behandlungsmonate 

TABELLE VIII 
Korrelation ^wischen Diagnose, Behancllungsclauer und Ergebnis 



(ohne die am I. Januar l93o noch 


in Behandlung befindlich 


cn Falle) 














Diagnose 


Zahl 
aller 
Behand- 
lungen 


Behandlungsdauer 


Ergebnis 




1 

ho 

•8 


bis 


ho 
d 
P 


1 


(U 

t 

ho 

1 

O 


*53 
1 

ho 


e 

1» 


•3 

hß 


6 


12 


18 


24 


30 


36 


42 


48 


54 


60 


Monate 


Angsthysterie 

Asthma bronchiale 

Charakterstörungen ...... 

Neurotische Depression .... 


57 
2 
37 
37 
5 
6 
8 

4 

105 

12 

3 

14 

10 

80 

3 

3 

2 

8 

23 

45 

13 

5 

3 

4 

106 

2 

7 


25 
1 

7 

13 
3 
5 

4 
4 

3i 
5 
3 
5 
7 

24 
3 
1 
1 

3 

18 

26 

3 

3 

2 

35 

2 

7 


11 

7 
4 

19 

1 
6 
1 
1 

4 

2 
1 
2 

11 


4 
1 

6 
8 
2 
1 

4 

22 
3 

3 

l 

17 

1 
3 
3 
7 
3 

1 

1 

17 


7 

11 

2 

18 
1 

1 
2 

16 

4 

i 
u 


5 

4 
5 

7 

2 
7 

2 

3 

1 

15 


3 

1 
1 

2 
1 

1 

5 
1 

1 
1 

2 

10 


2 

3 

3 

1 
1 

1 

4 


1 

1 

1 
2 

1 
1 


l 
1 


2 

1 


1 
1 

i 


2 

4 
2 

1 
1 

6 
1 

2 
5 

1 

4 
8 
3 

1 
6 


10 

1 
12 
10 

2 

22 
5 

4 
2 

15 

1 
1 

8 
3 
1 

1 

18 


6 

8 
5 

21 

2 
1 

15 

1 

1 

2 
1 

26 


6 

7 
2 

1 

25 
1 

1 

21 

1 

2 
1 
1 

3 
1 
1 

2 
21 


25 

1 

7 

13 
3 
5 
4 
4 
31 
5 
3 
5 
7 
24 
3 
1 
1 

3 

18 

26 

3 

3 

2 

35 
2 

7 




Homosexualität 

Hypochondrie . 


Infantilismus 

Innersekretorische Erkrankung . . 
Manisch-Depressive Störungen 
Neurasthenie und Angstneurose . 
Neurotische Hemmungen . . . 
Organische Nervenerkrankung 
Organneurose 

Paranoia 

Perversion 

Psychopathie ....... 

Schizophrenie und Schizoid . . . 
Stottern . , .* . . . 


Süchtigkeit 

Traumatische Neurose .... 
Tic 


Zwangsneurose 

Ohne Befund 

Ohne präzise Diagnose .... 


604 


241 


70 


108 


74 


5i 


29 


15 


7 


3 


3 


3 


47 


116 


89 


111 


241 



17 



wurden multiple Perversionen ohne Primat eines Partialtriebes, besonders in Kombination mit 
Entwicklungsstörungen des Ichs, als „Infantilismus" geführt. Die restlichen Fälle wurden als 
„Perversionen* zusammengefaßt. Kombinationen von Perversionen und Neurosen wurden, 
besonders wenn nur die letztere zur Behandlung führte, unter die betreffende Neurosen- 
kategorie gerechnet. 

Psychosen: Ausgesprochene, „anstaltsreife "Psychosen suchten relativ selten unsere Sprech- 
stunde auf. Umso häufiger sogenannte „abortive" Fälle, etwa die als „schizophrenia lentis" 
u. dgl. bezeichneten. Fälle, bei denen Neigung zu Depersonalisationszustanden, zur paranoiden 
Reaktion, zur Wahnbildung, zu progressivem Realitätsverlust, zu verschrobenen Ideen u. dgl. 
im Vordergrund standen, wurden mit echten Schizophrenien in der Kategorie „Schizophrenie 
und Schizoid" vereinigt. Bezüglich der manisch-depressiven Störungen konnte man strenger 
sein und nur die Fälle einbeziehen, die in der Klinik etwa als „endogen" bezeichnet worden 
wären. Die zahlreichen „reaktiven" oder „neurotischen" Depressionen, die sich durchaus nicht 
immer einer sonstigen Neurosenkategorie subsumieren ließen, machten die Einführung einer 
besonderen Gruppe notwendig. Die seltene echte Paranoia wird als solche geführt, die In- 
volutionspsychosen in „Senilität" und „klimakterische Störungen" eingeteilt 

Genuine Epilepsie wird als selbständige Kategorie geführt. 

Gharakterstörungen; Hieher sind die meisten Falle zu rechnen und hier war (he diag- 
nostische Einteilung am schwierigsten. Wir sonderten zunächst diejenigen Charakterfalle ab, die in 
ihren Mechanismen sich besonderen Neurosenformen anschließen. So wurde der ausgesprochene 
„Zwangscharakter" auch ohne besondere Symptome als „Zwangsneurose" geführt, der Schizoide 
unter „Schizophrenie und Schizoid", der hypochondrische Charakter unter „Hypochondrie", 
Weiters war eine Anzahl von Fällen, bei denen chronische Schwierigkeiten einer bestimmten 
Funktion, z. B. der Berufsarbeit oder des Verkehrs mit Menschen überhaupt, z. B. Schüch- 
ternheit, „Minderwertigkeitsgefühle", Gefühlskälte, Unverläßlichkeit der Gefühlsreaktionen, In- 
telligenzhemmungen u. dgl. (immer soweit daneben keine eindeutige Neurose bestand) unter 
„neurotische Hemmungen" zu subsumieren. Menschen mit kindlichem Benehmen, solche, die 
sich infolge allzu starker Familienfixierung im Leben nicht zurechtfinden u. dgl. gehören zu 
den „Infantilismen". Ausgesprochene Psychopathien (Haltlose, Verschrobene, Impulsive) ver- 
einten wir vorläufig mit psychogen Kriminellen (Kleptomanen) und Asozialen (Verwahrlosten, 
Durchgängern, Pseudologen etc.) in eine Gruppe „Psychopathie". Dennoch blieben noch eine 
Reihe von Fällen, deren Schwierigkeiten von weniger typischer Art waren (moralischer Maso- 
chismus, spezielle Lebensschwierigkeiten neurotischer Art), die als „sonstige Charakterstörungen" 
zusammengefaßt werden mußten. 

Organische Krankheiten: Wir unterscheiden „Organische Nervenerkrankungen", 
„innersekretorische Störungen" und „Sonstige organische Krankheiten", führen darin aber nur die 
Fälle, die sozusagen „irrtümlich" in unsere Sprechstunde gekommen sind. Fälle, bei denen 
psychogene und organische Momente nebeneinander bestehen und die der ersteren wegen 
Heilung suchen, fuhren wir, ebenso wie „neurotische Überbauten" unter der Kategorie der 
betreffenden Neurosen. 

18 



Behandlung: Unter „Behandlung" verstehen wir nur die psychoanalytische Behandlung. 

Bekanntlich wurden an unserem Institut einige geeignete Fälle auch hypnotisch behandelt Da 

diese Behandlung hier nicht relevant ist, haben wir diese Fälle von den unbehandelten 

Konsultationen" nicht unterschieden, obwohl bei einer ganzen Reihe gute Erfolge erzielt 

worden sind. 

Behandlungsdauer: Da in allen Behandlungen kleinere oder größere Unterbrechungen 
vorkamen, konnte die Zahl der Behandlungsmonate nicht exakt angegeben werden; die ange- 
gebenen Zahlen sind maximale, so daß die wirklichen Behandlungszeiten etwas geringer waren. 

Bei den „fraktionierten" Behandlungen, über die Eitingon berichtet hat, wurde die 
Gesamtdauer, also die Summe der einzelnen Behandlungsdauern angegeben. 

Erfolgstabelle: Mit dem BegrifT„geheilt" haben wir es so streng wie nur möglich genom- 
men. Nur Fälle wurden hieher gerechnet, deren Erfolg nicht nur Symptomschwund, sondern 
auch analytisch rational vollkommen verständliche Wesensänderung und, wo möglich, auch 
Katamnese bestätigt. Diese Strenge bedingt es, daß die meisten der als „sehr gebessert" be- 
zeichneten Fälle praktisch den „geheilten" vollkommen koordiniert werden müssen. „Gebesserte" 
Fälle sind solche, die entweder noch in der einen oder andern Art refraktär geblieben sind, 
daher gehören die, die sich aus äußeren Gründen mit einem Teilerfolg begnügen mußten, 
ferner die, die schon im Stadium des „Obertragungserfolges", also analytisch nicht einwandfrei, 
endassen wurden. 

Är^testatistik 

Die Analysen des Instituts wurden von insgesamt 94 Therapeuten durchgeführt, von denen 
60 Mitglieder der „Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung* waren oder geworden sind. 
Im Jahre 1929 allein waren 60 Therapeuten am Institut tätig, von denen 34 Mitglieder der 
Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung sind (der Rest sind Ausbildungskandidaten). 

Als Assistenten waren seit dem Bestehen des Instituts 13 verschiedene Ärzte tätig. Gegen- 
wärtig gibt es fünf Assistenten, und zwar vor allem Dr. Anna Smelianski, die seit Bestehen 
des Instituts ununterbrochen ihre gesamte Arbeitskraft dem Institut zur Verfügung stellt, also 
seit zehn Jahren 9—13 poliklinische Analysen gleichzeitig durchführt, ferner Dr. Otto Feniche 1, 
Dr. Salomea Kern pn er, Dr. Hans Lampl und Dr. Gerhardt Witt. 



19 




Historische übersicfit üker das Leitrwesen/ 
seine Organisation und Verwaltung 

Von 
Carl Müller^BraunscKweig 

Jbinleitun$ 

Die nachstehenden Ausführungen haben zunächst die Aufgabe, die Entwicklung des Vor- 
lesungs- und Seminarwesens während der 10 Jahre des Bestehens des Berliner Psychoanalyti- 
schen Instituts darzustellen. Sie haben dann über die wissenschaftliche Vortragstätigkeit der 
Dozenten, soweit sie außerhalb des Instituts vor sich ging, sowie über die vom Institut für 
ein größeres, allgemeineres Publikum veranstalteten „öffentlichen Vorträge" Mitteilung zu 
machen, des weiteren über die Zusammensetzung und Entwicklung des Lehrkörpers, über die 
Verwaltung des Vorlesungswesens und ihr Verhältnis zum Unterrichtsausschuß, über die Auf- 
stellung eines „Studienplanes" für diejenigen Kandidaten, die zu einem vollen, auch prakti- 
schen Ausbildungslehrgang zugelassen sind, über die Bedingungen der Zulassung zu den Vor- 
lesungen, Seminaren und praktischen Kursen, über die Anzahl und Zusammensetzung der 
Studierenden und über die Verwendung der Einnahmen aus den Lehrkursen. 

Der Ref. läßt diesen Ausführungen zwei Gruppen von Verzeichnissen folgen, aus denen 
ein Bild davon gewonnen werden kann, welche Themata in den Vorlesungen und Seminaren 
behandelt worden sind, wie sich die Themata im Laufe der Jahre differenziert haben, und in 
welchem Verhältnis die einzelnen Themata und Lehraufgaben zu den verschiedenen Persönlich- 
keiten der Dozenten stehen. Die erste Gruppe der Verzeichnisse stellt eine chronologische 
Folge der Vorlesungsverzeichnisse dar, in der zweiten Gruppe sind die Vorlesungen nach den 
einzelnen Dozenten geordnet. 

20 



I) Die Vorlesungen und Seminare 
in sta>tistisch*nistoriseher Darstellung 

1) Einführungskursus 
In den Vorlesungsverzeichnissen finden wir von der Gründung des Instituts, 192c 
an den theoretischen Einführungskursus, der sich mit der Sexualtheorie, der Traumlehre und 
der allgemeinen und speziellen Neurosenlehre befaßt. Er ist zuerst von Abraham gelesen worden, 
und zwar anfänglich das ganze Gebiet (Traumdeutung, Sexualtheorie, Allg. u. Spez. Neurosen- 
lehre) in einem Kursus zusammengefaßt Abraham las diesen Einführungskursus 1920 und 
102 1 viermal. Von Oktober — Dezember 1922 an wird die Einführung in zwei Kurse aufge- 
teilt. Seit Okt. — Dez. 1924 hält fortlaufend Rad 6 den Einführungskursus. Ab Jan. — März 27 wird 
der zweite Teil des Einführungskursus (allgemeine und spezielle Neurosenlehre) seinerseits aufge- 
teilt. Während Rad 6 neben dem 1. Teil des Einfuhrungskursus als dessen 2. Teil die allge- 
meine Neurosenlehre beibehält, übernehmen einander folgend Alexander, Simmel, 
Fenichel eine in zwei Kurse aufgeteilte Vorlesung über die spezielle Neurosenlehre. 

2) Traumlehre, Libidotheorie, infantile Sexualität 

Zur Ergänzung des Einführungskursus werden frühzeitig (März — Mai 21) Vorlesungen 
über „die Theorie und die Technik der Traumdeutung" (Sachs) abgehalten und bleiben 
von da an neben der gedrängten Behandlung innerhalb des Einführungskursus ein ständig 
wiederkehrender Gegenstand einer gesonderten Vorlesung, an dessen Vortrag sich in der 
Folge Sachs, Alexander, Harnik, Müller-Braunschweig, Rado und Schultz- 
Hencke beteiligen. Im gleichen Sinne wird die „ Libidotheorie" (ab April — Juni 23), die 
„Trieblehre" und die „Infantile Sexualität" behandelt, desgleichen die „Symbolik und 
Deutungskunst". 

S) Die Technik 

Mit einer Darstellung der „Therapeutischen Technik der Psychoanalyse" beginnt März — 
Mai 21 Liebermann, es folgt Februar — April 22 Simmel (Über Einzelprobleme der psycho- 
analytischen Behandlungstechnik), Okt. — Dez. wiederum Liebermann und Jan, — März derselbe 
unter dem Titel: Klinisches zur psa. Technik. Darauf April — Juni 23 Simmel mit „Semina- 
ristischen Übungen über die psychoanalytische Technik". Von Okt. — Dez. 23 an beginnt 
Sachs einen ausführlichen Kursus über die „Psychoanalytische Technik" in zwei Teilen, 
einen allgemeinen und einen besonderen, zu lesen, den er seither in zweijährigen Abständen 
wiederholt Im Winter 28/29 hält den Technik-Kursus Frau Horney. 

4) Spezielle Theorie und Kasuistik der Neurosen, Perversionen, Charakterstörungen 

Kasuistik der Kriegsneurosen bringt Okt — Dez. 20 Simmel, der Zwangsneurose 

Liebermann, der Perversionen Jan. — März 23 ßoehm, der Hysterie und Zwangsneurose 

April — Juni 23 Abraham und Helene Deutsch (Wien, a. G.), der Homosexualität Okt. — 

21 



Dez. 23 Boehm, der Charakterverbildung Okt. — Dez. 23 und der Impotenz Jan. — März 24 
Liebermann, der Psychosen Mai — Juli 24 Abraham, der Neurosen April — Juni 28 
Härnik, Mai — Juni 29 Boehm. 

6) Theoretische Probleme 
Theoretische, u. a. metapsychologische Probleme behandeln Rad 6 in einem „Metapsycho- 
logischen Kolloquium" (April— Juni 23), in „Prinzipien der psychoanalytischen Trieblehre historisch- 
kritisch entwickelt** (Mai — Juli 24), auch in einem Kolloquium über die „Übertragung, ihre Klinik, 
Metapsychologie und technische Handhabung" (Mai — Juni 25) und in „Freuds Theorie der 
Angst und der Symptombildung" (Mai — Juni 26), desgleichen Müller-Braunschweig in 
dem Versuche eines „Systems der Psychoanalyse" (Okt.— Dez. 23, Okt.— Dez. 25, Jan.— März 26) 
und in „Uber-Ich, Identifizierung, Introjektion und andere Gegenstände der theoretischen 
Psychoanalyse" (Mai— Juni 25), Fenichel (Okt.— Dez. 26 bis Mai— Juni 27) in einer „Ich- 
Psychologie L— III. Teil (Narzißmus, Identifizierung, Realitätssinn; Ich, Es undÜber-Ich; Angst, 
Ich und Symptom) und in „Organlibido und Triebabwehr" (Okt. — Dez. 28). Metapsychologische 
Probleme sind außerdem in den „Freud-Seminarien" (siehe dort) behandelt worden. 

7) Seminare über psychoanalytische Literatur, insbesondere „Freud-Seminar" 

Mit der Abhaltung von Seminaren über die psa. Literatur, insbesondere die Freud- 
literatur der Krankengeschichten beginnt Abraham Februar — April 22 mit einem „Seminar 
über die Neuerscheinungen der psychoanalytischen Literatur". Ihm folgt Müller-Braun- 
schweig Okt. — Dez, 22 mit einem „Seminar über Schriften Freuds: Vorlesungen zur Ein- 
führung in die Psychoanalyse, III. Teil. Allg. Neurosenlehre", Jan.— März 23 mit dem gleichen 
Seminar, aber über die „Vorlesungen zur Einführung I. und IL Teil : Fehlleistungen und Traum," 
derselbe April — Juni 23 mit „Seminaristischen Übungen über die Literatur der Zwangsneurose", 
darauf Boehm Mai— Juni 25 mit einem „Seminar über die psychoanalytische Literatur der 
Perversionen" und Jan.— März und Mai— Juni 26 derselbe mit „Seminaristischen Übungen über 
ausgewählte Kapitel aus Freuds Schriften (Krankengeschichten)", Okt.— Dez. 25 Alexander 
mit „Seminaristischen Besprechungen von Erscheinungen der neueren psychoanalytischen Lite- 
ratur", Fenichel Mai— Juni 26 mit „Seminaristischen Übungen über Karl Abrahams klinische 
Arbeiten zur Psychoanalyse", und Okt.— Dez. 27 „Über Freuds metapsychologische Schriften", 
Härnik Okt.— Dez. 27 über die „Literatur der Zwangsneurose", Das „Freud-Seminar" über 
die Krankengeschichten wie über die metapsychologischen Schriften kehrte von Jan.— März 28 
regelmäßig wieder als Stück des nunmehr aufgestellten Studienplanes (siehe dort). An der 
Abhaltung der metapsychologischen Seminare beteiligen sich Fenichel, Müller-Braun- 
schweig, Rad 6, Schultz-Hencke. 

8) Referatenabende 
Seit Mai— Juni 27 existieren, von Radö eingeführt und geleitet, fortlaufend sog. „Referaten- 
abende (Kolloquien über Neuerscheinungen der Psychoanalyse und ihrer Grenzgebiete)". 

22 




9) Die Psychoanalyse und der praktische Arzt 

Mehrfach wird das Thema: „Was soll der praktische Arzt von der Psychoanalyse wissen?** 

dieser oder anderer Formulierung behandelt, und zwar von Okt.— Dez. 20, (Horney) 

an dann folgend Okt.— Dez. 21 (Simmel), April— Juni 23 und Okt.— Dez. 23 (Horney), 

Mai—Juni 25 (Lieb ermann), Okt.— Dez. 25 (Rad 6), Okt.— Dez. 26 (Lieb ermann), 

a *i T un j 28 (Horney, PsA. und Gynäkologie), Okt. — Dez. 29 (Boehm, Liebermann). 

10) Kurse für die praktisch-therapeutische Ausbildung 

Aus der ursprünglichen „Einführung in die psychoanalytische Theorie und Praxis in der 
Poliklinik" (ab 1921 unter Leitung von Eitingon und Simmel, ab Oktober 1924 auch 
unter der von Rad 6) gingen die von den Genannten und einer Reihe weiterer Dozenten 
durchgeführten „ Kontrollanalysen * hervor. 

Ab Mai — Juni 1925 tritt zu den Kontrollanalysen das von Rad 6 gegründete und zunächst 
von ihm allein geleitete „Technische Kolloquium" hinzu, an dem sich von Jan. — März 1928 
auch Karen Horney beteiligte. 

Nachdem Rad 6 zur Endastung des „Technischen Kolloquiums" ab Oktober 1928 ver- 
suchsweise ein „Technisches Proseminar" errichtete, wird ab Mai 1929 das „Technische Kol- 
loquium" mit dem „Technischen Proseminar" zu einem „Technischen Seminar" vereinigt und 
zugleich in mehrere Gruppen zerlegt, deren Dozenten nach einem jährlichen Rhythmus wechseln 
sollen. Die ersten Seminargruppen wurden geleitet von Alexander, Horney, Rado und 
Sachs. (Näheres über die Bedeutung der praktisch-therapeutischen Kurse ersehe man aus dem 
Beitrag von Rado „Der praktische Lehrgang".) 

Als erstes und unerläßlichstes Stück der Ausbildung zum psa. Therapeuten galt uns von 
der Gründung des Instituts an die Lehranalyse. In den ersten Jahren wurden diese allein 
von Sachs, dann von ihm und von Rado ausgeführt. Mit der wachsenden Zahl der Kandidaten 
wurde eine Reihe weiterer Dozenten durch den Unterrichtsausschuß mit Lehranalysen betraut. 
(Siehe dazu den Beitrag von Sachs „Die Lehranalyse".) 

11) Sonderthemata 

Die Aufzählung einer großen Reihe von Vorlesungen und Seminaren über Sonderthemata 
ist im Vorstehenden unterlassen worden, da sie nicht gut unter einen gemeinsamen Obertitel 
zu bringen sind. Sie mögen aus dem nach den Dozenten geordneten Verzeichnis ersehen 
werden, zumal die Wahl der Sonderthemata enger mit der Person des Dozenten verknüpft 
scheint als die der anderen Themata. 

12) Vorlesungen und Seminare 
über die außertherapeutische Bedeutung der Psychoanalyse 

a) Allgemeines 
Über „Die Stellung der Psychoanalyse in den Wissenschaften und in der Kultur" 
sprechen Jan.— März 25 Alexander, Mai— Juni 27 Müller-Braunschweig; über die 

23 






„Stellung der Psychoanalyse in den Natur- und Geisteswissenschaften " (innerhalb des Ein- 
führungskurses, I. Teil) Radö. 

Die „Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften" behandelt Sachs in 
einem Seminar Mai — Juni 22* 

b) Die Anwendung der Psychoanalyse auf Werke der Literatur und Kunst 
Über dieses Thema spricht mehrfach Sachs. Mai— Juni 24 behandelt er „Die Königs- 
dramen Shakespeares", Jan.— März 27 „Die Anwendung der Deutungstechnik auf den Witz 
und verwandte Gebiete", Mai— Juni 27 „Die Symbolik und ihre künstlerische Verwendung", 
Okt.— Dez. 27 „Die Psychoanalyse des Witzes". April— Juni 28 hält er ein Seminar über 
„Symbolik und Deutungskunst in Anwendung auf literarische Werke". 

Jan.— März 28 leitet Härnik ein „Seminar über Schriften zur Anwendung der Psycho- 
analyse auf Literatur und Kunst", Mai— Juni 29 Reik desgl. 

c) Psychoanalyse und Soziologie 
Die Bedeutung der Psychoanalyse für soziologische und kulturelle Probleme behandelt 
Sachs in „Die sozialen Sexualprobleme und ihre Bedeutung für die psychoanalytische Praxis" 
(Okt.— Dez. 21), in „Psychoanalytisches über den Umgang mit Menschen" (Mai— Juni 25) und 
in „Ausdrucksformen des Unbewußten in der Kultur der Gegenwart" (Mai— Juni 26). 

d) Recht und Kriminalistik 
Über die Anwendung der Psychoanalyse auf juristische und kriminalistische Fragen spricht 
Mai— Juni 25 Abraham (Die psychoanalytische Theorie des Verbrechens), (Siehe zur Er- 
gänzung Kap. II dieses Beitrags über „Vorträge außerhalb des Instituts") Seit Okt.— Dez. 1929 
besteht eine von Alexander und Staub begründete und geleitete „Kriminalistische Arbeits- 
gemeinschaft". 

e) Philosophie 

Die Beziehungen der Psychoanalyse zu philosophischen (wissenschafts- und erkenntnis- 
theoretischen, ethischen und religionsphilosophischen) Problemen behandelt Müller-Braun- 
schweig Okt.— Dez. 26 in „Philosophie der Psychoanalyse", April— Juni 28 und Okt.— Dez. 28 
in einem Seminar „Zur Einführung in die Behandlung psychoanalytisch-philosophischer Grenz- 
fragen". Wissenschaftstheoretisches auch Rad 6 (April— Juni 28 in „Wege der psychoanaly- 
tischen Forschung (historisch-kritische Übersicht; Empirie und Theorie)". 

f) Religion 
Über die Anwendung der Psychoanalyse auf Fragen der Religon sprechen Müller- 
Braunschweig Januar— März 27 in „Verhältnis der PsA. zum religiösen Glauben und 
zur Seelsorge" und Okt.— Dez. 27 in „Verhältnis der Psychoanalyse zu Ethik und Religion", 
Härnik Okt.— Dez. 28 in „Die Bedeutung der religiösen Konflikte für die psychoanalytische 
Therapie" und Reik Okt.— Dez. 28 in einer „Einführung in die psychoanalytische Religions- 
psychologie", Januar— März 29 in „Grundzüge der Analyse der Religion (I. Das Dogma)". 

24 



g) Erziehung 
Das Verhältnis der Psychoanalyse zu Erziehung und Erzieher, sowohl in bezug auf die 
Psychoanalyse dieser beiden Objekte als auch auf die Möglichkeit der praktischen Anwendung 
der Psychoanalyse in der Erziehung und der theoretischen Anwendung in der Pädagogik 
behandelt Bernfeld seit 1926 vor Pädagogen jeder Art in regelmäßigen Seminaren. Für die 
Fortgeschrittensten der so unterrichteten Pädagogen ist Okt. — Dez. ig28 diesen Seminaren eine 
ständige „Arbeitsgemeinschaft für psychoanalytische Kinder- und Jugendpsychologie (Bern- 
feld, Harnik)" angegliedert worden, Sie ist seit Jan. — März 1930 in eine „Pädagogische 
Arbeitsgemeinschaft" (Bernfeld, Müller-Braunschweig) umgewandelt worden. 

II) Vorträge außerridilo des Instituts und öffentliche "Vorträge 

Eine Reihe von Mitgliedern der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft hielt Vorträge 
in anderen Ortsgruppen (z. B. Paris, Zürich) bezw. in den sich entwickelnden psychoanalyti- 
schen Kreisen im Reiche, wie in Leipzig, Hamburg und Frankfurt a. M. 

Von mehreren Mitgliedern der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft wurden außer- 
halb der Kurse des Instituts wissenschaftliche Vorträge über die Psychoanalyse auf Kongressen 
oder in wissenschaftlichen Gesellschaften aller Fakultäten gehalten. Staub und Alexander 
suchen dem Bedürfnis der psychoanalytisch interessierten Juristen und Kriminalisten nachzu- 
kommen, Bernfeld dem der Pädagogen und PoEtiker. Der Ref. hat seit drei Jahren Ge- 
legenheit, in Vorträgen und Seminaren der Nachfrage aus Kreisen der Philosophen und Theolo- 
gen gerecht zu werden. Privatkurse hielten außerdem: Harnik für Säuglings- und Kinder- 
pflegerinnen, Fe nie hei und Horney für Kindergärtnerinnen, Boehm und Liebermann 
für Spezialisten und praktische Ärzte. 

Neben den wissenschaftlichen Kursen des Instituts fanden, mit der Absicht, ein breiteres 
Publikum über die Psychoanalyse zu informieren, mehrfach gut besuchte öffentliche Vor- 
träge in Räumen außerhalb des Instituts statt. An diesen beteiligte sich Bernfeld im 
Sept. — Okt. 24 mit einem ^stündigen Zyklus über das Thema „Psychoanalyse und Erziehung". 
Im November 24 sprachen in je istündigem Vortrag Bernfeld über „Seele und Schicksal 
des Erziehers" und Karen Horney über „Zur Ehekrisis der Gegenwart", im November und 
Dezember 25 in je 2stündigen Vorträgen Simmel über „Psychoanalyse und Erziehung*, 
Karen Horney über „Typische Frauenschicksale*, Sachs über „Psychoanalyse und Kunst", 
Müller-Braunschweig über „Psychoanalyse und Philosophie". Eine außerordentlich rege 
Vortragstätigkeit im Reiche sowohl vor einem pädagogischen wie einem allgemeinen Publikum 
entfaltet Bernfeld, ferner Simmel im Rundfunk und bei sonstigen Anlässen in Berlin. 

Vor der Hörerschaft der Lessing-Hochschule sprach mehrfach Heinrich Koerber über 
Psychoanalyse, desgl. (Okt.— Dez. 23 und Jan.— März 24) Müller-Braunschweig, dann 
Groddeck und Bernfeld und neuerdings (Dezember 29, Januar 30, März 30) Rad 6. 
R ei k sprach im Oktober 29 in der Humboldt-Hochschule, Sachs hielt daselbst (Okt.— Nov. 29) 
eben Einführungskursus. 

25 



Bewegung der D ozentenscka.it 

Die Dozentenschaft bestand bei Beginn der Unterrichts- und Ausbildungstätigkeit des 
Instituts, 1920, aus Karl Abraham, Max Eitingon, Karen Horney, Hans Lieber- 
mann, Hanns Sachs und Ernst Simmel. Im Okt. 22 trat hinzu Carl Müller-Braun- 
schweig, im Januar 23 der bis dahin in Budapest tätige Sandor Radö. Jan. 1923 begann 
Felix Boehm zu lesen und von Jan. 25 an Franz Alexander. Jan. 26 übernahm der bis 
dahin in Wien tätige Siegfried Bernfeld die früher aus Mangel an geeigneten Dozenten 
ungelöste Aufgabe des Unterrichts der Pädagogen. Jenö Harnik, früher in Budapest, Otto 
Fenichel, früher in Wien, beginnen im Mai 26 zu lesen. Von Okt. 27 an beteiligte sich 
auch Harald Schultz-Henke am Unterricht. Im Okt. 28 nimmt der bis dahin in 
Wien wirkende Theodor Reik, im Okt. 29 Hugo Staub die Lehrtätigkeit am 
Institut auf. 

Eine erfreuliche Bereicherung erfuhr die didaktische Leistung des Instituts durch die 
wiederholten Gastvorlesungen auswärtiger Lehrkräfte. Im Herbst 1922 las am Institut Geza 
Röheim (Budapest), im Sommer 1923 und im Winter 24 Helene Deutsch (Wien), im 
Herbst 1929 Anna Freud (Wien). 



1 VJ Die Verwaltung des Ldnterrichtswesens und ihr Verhältnis 

zum Lln terricn tsa usscn uß 

Die Verwaltung des Vorlesungswesens (Aufstellung und Redaktion, Veröffentlichung und 
Verbreitung der Vorlesungsverzeichnisse, Kassenverwaltung der Einnahmen und Ausgaben des 
Vorlesungsapparates, Einstellung und Leitung der ehrenamtlichen und besoldeten Hilfskräfte, 
Veranstaltung öffentlicher Vorträge u. A.) gehörte in den ersten Jahren des Instituts zu den 
Obliegenheiten von Abraham, Eitingon und Simmel und ging im März 1923 an den 
Unterrichtsausschuss, insbesondere an den damals zum Schriftführer dieses Gremiums gewählten 
Referenten über. 

Der im März 1923 von der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, (damals Berliner 
Psychoanalytische Vereinigung) gegründete „ Unterrichtsausschuß" bestand zunächst aus 6 Per- 
sonen, Abraham, Eitingon, Karen Horney, Müll er-Br aun s ch w eig, Sachs 
und Simmel. 1924 trat als 7. Mitglied Rad 6 und 1927, nach dem Hinscheiden Abra- 
hams, Alexander hinzu. Eine der ersten und dringendsten Aufgaben des Unter- 
richtsausschusses war die Ausarbeitung von „Richdinien für die Unterrichts- und Ausbil- 
dungstätigkeit*'. So wurden die ersten Zusammenkünfte im Frühjahr 1923 mit der Besprechung 
solcher Richdinien ausgefüllt. An Hand der Protokolle dieser Sitzungen verfaßte Ref. einen 
Vorentwurf, der nach mehrfacher Diskussion und Redaktion 1923 im Druck erschien. Im 
Frühjahr 1929 wurden bei Gelegenheit der Aufgabe, internationale „Richtlinien über 
die psychoanalytische Ausbildung* auszuarbeiten, auch unsere Berliner Richtlinien einer gründ- 

26 



, Revision unterzogen und darauf in neuer, jetzt vorliegender Gestalt in Druck gegeben 
A unter die Interessenten verteilt. (Inhaltliches über die „Richtlinien" siehe in dem Beitrag 

von Karen Horney „Zur Organisation"). 

Die laufende Arbeit des Unterrichtsausschusses unter dem Vorsitz von Max 

Eitingon besteht neben dem soeben Erwähnten in der Hauptsache: 

1. Aus den Besprechungen über die laufenden Bewerbungen um Zulassung zur vollen 
Ausbildung. Die Entscheidung über die Zulassung fällt in den Sitzungen des U. A. nach den 
in den „Richtlinien" niedergelegten Gesichtspunkten. 

2. Aus den Besprechungen über den günstigen oder ungünstigen Verlaut der Lehr- und 
Kontroll-Analysen. Bei ungünstigem Verlaufe kann der U. A. entscheiden, daß die Lehr- und 
Kontroll-Analysen unterbrochen bezw. abgebrochen werden. 

3. (Unter Hinzuziehung aller Dozenten.) Aus den jeweiligen Festsetzungen der Themata 
der Lehrkurse und ihrer Verteilung auf die Dozenten. 

4. Aus der Mitwirkung der Ausschußmitglieder an den Aufgaben der „Internationalen 
Unterrichtskommission", des zentralen Unterrichtsorgans der „Internationalen Psychoanalytischen 
Vereinigung". 

Der viele Zeit, Mühe und Takt erfordernden Arbeit der mündlichen Vorbesprechung und 
Korrespondenz mit den sich um die Ausbildung Bewerbenden hat sich von jeher Eitin- 
gon unterzogen. In den letzten Jahren haben ihn darin Karen Horney und Sandor Rad 6 
unterstützt. 

vj Der //Studienpl&n" 

Im Herbst 1927 wurde die Aufstellung eines für die „Ausbildungskandidaten" — d. h. 
für diejenigen Studierenden des Instituts, die einen vollen, auch praktischen Ausbildungsgang 
(siehe VI) absolvieren wollen — - obligatorischen „Studienplanes" beschlossen, der 
speziell die theoretischen Vorlesungen und Seminare systematisch gliedert. Ein von Alexander, 
Müller-Braunschweig und Rad 6 verfaßter Entwurf wurde im Unterrichtsausschuß disku- 
tiert und redigiert und erstmalig dem Verzeichnis Januar— März 1928 als „Studienplan" beige- 
geben. Seither wurde der Studienplan unter Berücksichtigung der Lehrerfahrungen wiederholt 
abgeändert und vervollständigt; dabei ergab sich eine Akzentverschiebung von den Vorlesun- 
gen auf die Übungen und Seminare. 

Die in dem theoretischen Teil des Studienplanes vorgesehenen Vorlesungen und Seminare 
sind für diejenigen, die einen vollen Ausbildungsgang am Institut durchmachen, obligatorisch. 
Neben diesen obligatorischen Kursen bestehen fakultative. Ferner wurden im Laufe der Jahre 
zur Pflege der angewandten Psychoanalyse spezielle Arbeitsgemeinschaften eingerichtet; aus 
diesen sollen später die besonderen Lehrgänge bestimmter Berufskategorien (Pädagogen, usw.) 
entwickelt werden. 

Wir lassen den Studienplan in dieser seiner ersten Fassung vom Dez. 1927 umseitig 
folgen: 

27 




Studicnp lan 

für eine volle, auch praktische Ausbildung 

I) Lehranalyse 
II) Theoretischer Lehrgang (obligatorische Kurse) 








Erstes Jahr 


Zweites Jahr 


L 


i. Einführung in die Psychoanalyse, 


1. Spez. Neurosenlehre, IL Teil (Charak- 


Herbst- 


I. Teil 


terfehler, Süchte, Perversionen, narz. 


Quartal 


2. Einführung in die Traumdeutung 


Neurosen, Psychosen, Kriminalität) 


(Okt.— Dez.) 




2. Die psa. Technik, I. Teil 

3. Freud-Seminar: MetapsychoL Schriften 


IL 


i. Einfuhrung in die Psychoanalyse, 


1. Die psa. Technik, II. Teil (inkl. Indi- 


Winter- 


IL Teil (Allg. Neurosenlehre) 


kationen) 


Quartal 


2. Infantile Sexualität, Trieblehre, Libido- 


2. Ich- Analyse 


(Jan. — März) 


theorie 


3. Seminar : Schriften zur Anwendung der 




3. Freud - Seminar : Krankengeschichten, 


Psa. auf Literatur u. Kunst 




L Teil 




III. 


1. Spez. Neurosenlehre, L Teil (Über- 


1. Kasuistik aus d. psa. Praxis mit bes. 


Frühjahrs- 


tragungsneurosen) 


Berücksichtigung der Indikationen 


Quartal 


2. Symbolik u. Deutungskunst 


2. Psychoanalytische Ethnologie u. Massen- 


(April—Juni) 


3. Freud - Seminar : Krankengeschichten, 


psychologie 




IL Teil 


3. Theorie und Technik der Traum- 
deutung 



III) Weitere Ausbildung: 

1. Praktisch-therapeutische Übungen (Kontrollanalyse) 

2. Technisches Kolloquium 

Berlin, im Dezember igsy* 

Den jetzt gültigen Studienplan ersehe man am Schluß der dem Beitrag von Karen H o r n e y an- 
gefügten „Richtlinien". 

Ein Studienplan für P ä d a g o g e n, die psa. Kenntnisse im Rahmen und für die Zwecke ihres Berufes 
erwerben wollen, ist erstmalig dem Vorlesungsverzeichnis Okt. — Dez. 1929 (siehe Kap. IX.) als Note beige- 
geben worden. Analoge Studienpläne für andere Berufe sind bis jetzt noch nicht vorgesehen. 

28 



V/) Bedingungen der Zulassung zu den JLehrkursen des Instituts 

TJnter den Teilnehmern an den Lehrkursen des Instituts werden Ausbildungskandidaten 

A Hörer unterschieden. Unter Ausbildungskandidaten werden diejenigen verstanden, 

A' zum vollen, auch praktischen Ausbildungsgange zugelassen sind. Dieser kann absolviert 

rden zum Zwecke der Ausbildung zum psychoanalytischen Therapeuten, er kann aber auch 

bsolviert werden von Angehörigen bestimmter Berufskategorien (prakt. Ärzte, Sozialbeamte, 

Pädagogen, Juristen, Seelsorger), die psychoanalytische Kenntnisse im Rahmen und für die 

Zwecke ihrer bisherigen Berufstätigkeit zu erwerben wünschen. 

Über die Zulassung zum vollen, auch praktischen Ausbildungsgange entscheidet im ein- 
zelnen Falle der Unterrichtsausschuß der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft nach 
Maßgabe der „Richtlinien für die Ausbildungs- und Unterrichtstätigkeit" (neue Fassung 1929) 
(siehe dazu den Beitrag von Karen Horney „Zur Organisation"). 

Unter Hörern werden diejenigen verstanden, die keinen vollen Ausbildungsgang ab- 
solvieren. Für die Zulassung als Hörer ist erforderlich entweder ein schriftlicher Antrag an das 
Institut mit Angabe der Personalien und des Bildungsganges, oder eine mündliche Rücksprache 
mit dem taghabenden Arzte des Instituts oder eine Empfehlung eines Dozenten oder eines 
Mitgliedes der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. 

Die als Hörer Zugelassenen können mit Ausnahme der Kurse über die Technik der 
analytischen Therapie, der technischen Seminare und der praktisch-therapeuti- 
schen Übungen (Kontrollanalysen) an allen Kursen teilnehmen, jedoch ist das Belegen der 
„Freud-Seminare" an die schriftliche Empfehlung eines Mitglieds der Deutschen Psychoana- 
lytischen Gesellschaft gebunden. 

vll) Anzahl und Zusammensetzung der /Kursteilnehmer 





Januar — März 


Mai — Juni 


Oktober — Dezember 


Zusamr 


1923 




— 


— 


172 


— 


1925 




105 


193 


141 


439 


1926 




200 


198 


194 


592 


1927 




217 


264 


318 


799 


1928 




324 


171 


342 


837 


1929 




279 


179 


253 


711 



Die Zahlen der Teilnehmer sind erst von 1925 an lückenlos aufbewahrt worden. Zu 
ihrem Verständnis ist Folgendes zu beachten: 

Die Teilnehmerzahlen sind aus der Anzahl der Hörer der einzelnen Kurse zusammen- 
gezogen, so daß diejenigen Hörer, welche mehrere Kurse besucht haben, entsprechend mehr- 
fach gezählt sind. Noch aus einem anderen Grunde können die Zahlen kein zutreffendes Bild 
von der Bewegung der Hörerzahl geben: Die Anzahl der Kurse ist in den einzelnen Quar- 
talen verschieden. Es wurden im Okt— Dez. 1923 8 Kurse, 1927 12 Kurse und 1928 



L 



29 



16 Kurse nebeneinander gehalten. So erklärt sich das Ansteigen der Hörerzahl im Win- 
ter 27/28 und im Herbst 28 durch eine Erhöhung der Anzahl der Kurse, während 1929 
die Anzahl der Kurse wieder herunterging. Im Ganzen ist wohl ein verhältnismäßig gleich- 
mäßiges Ansteigen der Hörerzahl zu verzeichnen. 

Über die Zusammensetzung der Teilnehmer nach Berufen mag als erstes Beispiel die 
Zusammensetzung der Hörer des Abrahamschen Einführungskursus Okt. — Dez. 1923 
dienen. Hier bestand die Gesamtzahl der Hörer in Höhe von 75 aus 54 Medizinern, 9 Päda- 
gogen und 7 Angehörigen der philosophischen Fakultät (Philosophen, Chemiker) und 1 Theo- 
logen. Bei 4 Hörern wurde der Beruf nicht festgestellt. 

Als zweites Beispiel möge dienen die berufliche Gliederung der 117 Hörer des Quar- 
tals Okt. — Dez. 1929: 

Mediziner 47 Pädagogen 12 



hiervon : Ärzte 42 



hiervon : Lehrer und Lehrerinnen . 6 



Stud. med 5 Kindergärtnerinnen ... 1 

Heilpädag-oge 1 

Dr. Phil 4 Andere ,,,,... 4 

Geistliche 1 Polizeibeamtinnen 2 

Ingenieur 1 Berufsberater 1 

Studenten verschiedener Fakultäten ... 8 Graphologen 2 

Krankenschwestern 3 Laborantinnen 2 

Fürsorger und Fürsorgerinnen 13 Steindrucker 1 

Wohlfahrtspflegerinnen 5 Ohne Beruf, bezw. ohne Berufsangabe .. 15 



VillJ Verwendung der Einnahmen aas den Lehrkursen 

Die Reineinnahmen aus den Kursen gingen von 1920 bis Sommer 1925 zu 2/3 an das 
Berliner Psychoanalytische Institut und zu 1/3 an die Dozenten. Vom Quartal Okt.-Dez. 1925 
an bis Ende 1927 wurden sie, nachdem die Dozenten auf ihre Honorare verzichtet hatten, 
resdos dem „Stipendienfonds" überwiesen (siehe dazu den Beitrag von Boehm „Der Stipen- 
dienfonds"). Seit Jan. 1928 wird eine Hälfte der Reineinnahmen als Unkostenbeitrag an das 
Berliner Psychoanalytische Institut abgeführt, die andere Hälfte dem Stipendienfonds über- 
wiesen. 

Aus den Reineinnahmen wurden überwiesen ab Okt.-Dez. 1925: 





kn den Stipendienfonds 


: An das BPI 


Okt.-Dez. 1925 


M. 679.— 


— 


Jan.-Dez. 1926 


M. 1038.— 


— 


» m 1927 


M. 1000, — 


— 


» n 1928 


M. H75«— 


M. 1475-— 


m n 1929 


M. 1456. — 


M. 1456. — 



30 




/X/ Die Vorlesungsverzeichnisse lpZ0~Xp30 
in chronologischer Ordnung 



Frühjahr 1920 
Dr. Karl Abraham: Ausgewählte Kapitel der 
Psychoanalyse (mit anschließenden Besprechungen). 
i. Die historische Entwicklung der psychoanalyti- 
schen Therapie; 2. Grundzüge der psychoanalyti- 
schen Trieblehre ; 3. Die Bedeutung der Sexualität 
in der Ätiologie der Neurosen ; 4. Traum und 
Unbewußtes; 5. Psychopathologie der Angst; 
6. Hysterie; 7. Zwangszustände ; 8. Geisteskrank- 
heiten. 

Oktober-Dezember 1920 

1) Dr. K. Abraham: Kurs zur Einführung in 
die Psychoanalyse (allgemeine und spezielle 
Neurosenlehre, Sexualtheorie, Traumlehre usw.) 
mit anschließenden Besprechungen. Dienstag und 
Freitag 8 — 10 Uhr abends. Dauer 6 Wochen. 

2) Frau Dr. K. Horney: Welche Fälle aus der 
ärzdichen Praxis eignen sich zur psychoanalyti- 
schen Behandlung? (Kritische Beiträge zur An- 
wendung der Psychoanalyse.) 4 Vorträge. 

3) Dr. E. S i m m e 1 : Über Psychoanalyse der 
Kriegsneurosen und ihre Folgeerscheinungen. 
3 Vorträge. 

4) Dr. H. Liebermann: Über den Aufbau 
der Zwangsneurosen (an Hand von Beispielen 
aus der Praxis). 4 Vorträge. 

Außer diesen für Ärzte und Mediziner be- 
stimmten Kursen fanden noch zwei Kurse statt, 
welche die nicht-medizinischen Gebiete 
der Psychoanalyse betreffen : 

5) Dr. H. Sachs: Einführung in die psycho- 
analytische Theorie (mit besonderer Be. 
rücksichtigung der Traumdeutung), 12 Vorträge. 

6) Dr. H. Sachs: Die Anwendung der Psycho- 
analyse auf die Geisteswissenschaften. 

Januar-Februar 1921 

Dr. Karl Abraham: Seminar : Referate über 
neuere psychoanalytische Arbeiten. 

Mär^Mai 1921 

Kurse für Fortgeschrittene 
1) Einfuhrung in die psychoanalytische Therapie 
und Praxis in der Poliklinik. Gehalten von 



Dr. Eitingon und Dr. Simmel. 3mal 
wöchentlich vormittags. Dauer 3 Monate. 

2) Die Theorie und Technik der Traumdeutung 
von Dr. Hanns S a c h s. imal wochendich acht- 
stündig. 

3) Therapeutische Technik der Psychoanalyse von 
Dr. Hans Lieberman. imal wöchentlich acht- 
stündig. 

4) Seminaristische Übungen über die Libido-Theorie 
der Neurosen von Dr. Karl Abraham, imal 
wochendich sechsstündig. 



Mai-Juni 1921 

Dr. Karl Abraham: Einführung in die Psycho- 
analyse (Neurosenlehre, Traumdeutung, Sexual- 
theorie). 



Oktober— Dezember 1921 

1) Dr. K. Abraham: Einführung in die Psycho- 
analyse (Neurosenlehre, Traumdeutung, Sexual- 
theorie). Mittwoch und Freitag 8—9% Uhr 
abends. Dauer 6 Wochen. 

2) Dr. M. Eitingon und Dr. E. Simmel: 
Einführung in die psychoanalytische Therapie 
und Praxis in der Poliklinik; 3mal wöchent- 
lich vormittags. Dauer 3 Monate. Nur für 
Ärzte mit entsprechender Vorbildung. 

3. Dr. E Simmel: Psychoanalytische Gesichts- 
punkte für den praktischen Arzt, 4 Vortrage, 
Donnerstag abends 8% Uhr. 

4) Dr. H. Sachs: Die sozialen Sexualprobleme 
und ihre Bedeutung für die psychoanalytische 
Praxis. 8 Vorträge. 



Februar— April 1922 

1) Dr. Karl Abraham: Psychoanalytisches Semi- 
nar, Besprechungen der Neuerscheinungen der 
psychoanalytischen Literatur* 

2) Dr. Hanns Sachs: Über die Technik der 
Traumanalyse. 

3) Dr. Ernst Simmel: Über Einzelprobleme der 
psychoanalytischen Behandlungstechnik. 



31 




4) Dr. Max E i t i n g o n und Dr. Ernst S i Hi- 
rn e 1 : Einführung in die psychoanalytische 
Therapie und Praxis in der Poliklinik. 3mal 
wöchentlich. Dauer : 3 Monate. Nur für Ärzte 
mit entsprechender Vorbildung. 

Mai— Juni 1922 

1) Dr. Abraham: Erfahrungen aus der psycho- 
analyt. Praxis. 

2) Dr. H. Sachs: Die Anwendung der Psycho- 
analyse auf die Geisteswissenschaften. Semina- 
ristische Übungen für Fortgeschrittene. 

3) Dr. M. Eitingon und Dr. E. Simmel: 
Einführung in die psychoanalytische Therapie 
und Praxis. Nur für Ärzte mit entsprechender 
Vorbildung. 

Oktober— De^emker 1922 

1) Dr. Karl Abraham: Einführung in die 
Psychoanalyse. I. Theil (Psychologie des Kindes- 
alters, Trieblehre, Traum, allgemeine Neu- 
rosenlehre). 

2) Dr. Hanns Sachs: Die Perversionen (allge- 
meiner Teil). 

3) Dr. Hans Liebermann: Psychoanalytische 
Technik. 

4) Dr. Carl Müller-Braunschweig: Semi- 
nar über Schriften Freuds: „ Vorlesungen zur 
Einfuhrung in die Psychoanalyse, III. Teil (all- 
gemeine Neurosenlehre) "• 

5) Dr. Ernst Simmel: Praktische Übungen zur 
Einführung in die psychoanalytische Therapie. 

Januar— Marx 1923 

1) Dr. Karl Abraham: Einfuhrung in die 
Psychoanalyse, IL Hälfte (spezielle Neurosen- 
lehre). 

2) Dr. Felix B o e h m : Die Perversionen (Speziel- 
ler Teil). 

3) Dr. Hanns Sachs: Seminar : Probleme des 
Widerstandes und der Übertragung. 

4) Dr. Hanns Liebermann: Klinisches zur 
psychoanalytischen Technik. 

5) Dr. Carl Müller-Braunschweig: Semi- 
nar über Schriften Freuds : Vorlesungen zur 
Einführung in die Psychoanalyse, I. und EL Teil 
(Fehlhandlungen und Traum), 

6) Dr. Sändor R a d 6 : Das Unbewußte. 

7) Dr. Eitingon und Dr. Simmel: Prakti- 
sche Übungen zur Einführung in die psycho- 
analytische Therapie. 



April-Juni 19£3 

1) Dr. H. Sachs: Libidotheorie (für Anfanger). 

2) Frau Dr. Karen Horney: Die Bedeutung der 
Psychoanalyse für die ärztliche Praxis. 

3) Dr. Karl Abraham und Frau Dr. Helene 
Deutsch (Wien, a. G.) : Ausgewählte Kapitel 
der speziellen Neurosenlehre (Besprechung ana- 
lysierter Krankheitsfalle von Hysterie, Zwangs- 
neurose usw.) 

4) Dr. E. Simmel: Seminaristische Übungen 
über die psychoanalytische Technik. 

5) Dr. M. Eitingon: Praktische Übungen zur 
Einführung in die psychoanalytische Therapie. 

6) Dr. S. R a d 6 : Metapsychologisches Kolloquium 
(zwanglose Besprechungen der theoretischen 
Grundlagen der Psychoanalyse). 

7) Dr. G. R o h e i m (Budapest, a. G.) : Psycho- 
analyse und Ethnologie (8 Vortrage). 

8) Dr. Carl Müller-Braunschweig: Semi- 
naristische Übungen über die Literatur der 
Zwangsneurose. 

Oktober-Dezember 1923 

1) Dr. Karl Abraham: Einführung in die 
Psychoanalyse, 1. Teil (Sexualtheorie, Traum, 
Allgemeine Neurosenlehre). 

2) Dr. Sändor Radö: Einführung in die Traum- 
deutung (f. Anfänger). 

3) Dr. Felix B o e h m : Die Homosexualität im 
psychoanalytischen Lichte (f. Anfänger). 

4) Dr. C. Müller-Braunschweig: System 
der Psychoanalyse (das Unbewußte, die psychi- 
schen Systeme, die Verdrängung, die Angst). 

5) Dr. Hanns Sachs: Die psychoanalytische 
Technik. I. (allgemeiner) Teil: Die Methode. 

6) Dr. Hans Liebermann: Störungen der Cha- 
rakterbildung. 

7) Frau Dr. Karen Horney: Die Bedeutung der 
Psychoanalyse für die ärztliche Praxis, (Praktische 
Gesichtspunkte für nicht - analytisch gebildete 
Ärzte und Fachärzte). 

8) Dr. Max Eitingon und Dr. Ernst Simmel: 
Praktische Übungen zur Einführung in die psycho- 
analytische Therapie. (Nur für Ausbildungs- 
kandidaten.) 

Januar-Mär* 1924 

1) Dr. Karl Abraham: Einführung in die Psycho- 
analyse, IL Teil (ailgem. und spezielle Neu- 
rosenlehre). 



32 




Dr. Max Eitingon 




Empfangszimmer von Dr. Eitingon 



2 ) Dr. Sändor R a d 6 : Einführung in die Theorie 
der Neurosen. 

£) Dr. Helene Deutsch (Wien, a. G.) : Die Be- 
ziehungen zwischen psychischen und sexual- 
physiologischen Vorgängen beim Weibe. 

4) Dr. Hanns Sachs: Die psychoanalytische 
Technik, II. (besonderer) Teil : die Anwendung. 

5} Dr. Hans Liebermann; Über Impotenz. 

6) Dr. Max E i t i n g o n und Dr. Ernst S i m m e 1 : 
Praktische Übungen zur Einführung in die psycho- 
analytische Therapie. (Nur für Ausbildungs- 
kandidaten.) 

Mai-Juli 1924 

1) Dr. Karl Abraham: Psychoanalyse geistiger 
Störungen (für Mediziner), 

2) Dr. Carl Müller-Braunschweig: Kind- 
liches Triebleben, Traum. (Für Anfanger und 
für alle Fakultäten.) 

3) Dr. Sändor R a d 6 : Prinzipien der psycho- 
analytischen Trieblehre, historisch-kritisch ent- 
wickelt. (Für analytisch Vorgebildete.) 

4) Dr. Hanns Sachs: Die Königs dramen Shake- 
speares. 

5) Dr. Ernst Simmel: Die ärztliche Kunst im 
Lichte der Psychoanalyse. 

6) Dr. Max E i t i n g o n und Dr. Ernst Simmel: 
Prakt. Übungen zur Einführung in die psycho- 
analytische Therapie. (Nur für Ausbildungs- 
kandidaten.) 

Oktofeef-Desemfeer 1924 

1) Dr. Sändor Rado: Einführung in die Psycho- 
analyse. I. Teil. (Stellung der Psychoanalyse in 
der Medizin, Grundlagen der analytischen Psycho- 
logie, Traumlehre, Libidotheorie, Psychologie des 
Kindesalters.) 

2) Dr. Hanns Sachs: Die normal-sexuelle Ent- 
wicklung, 

3) Dr. Karl Abraham: Entwicklungsgeschichte 
des Charakters. 

4) Dr. Ernst Simmel: Die Angst. 

5) Dr. Franz Alexander: Neurose und Ge- 
samtpersönlichkeit, (Die neue Entwicklung der 
psychoanalytischen Theorie in ihrer Anwendung 
auf die Praxis.) 

6) Drs, Eitingon, Simmel, Rado: Praktische 
Übungen zur Einführung in die psychoanalyti- 
sche Therapie. Nur für Ausbiidungskandidaten. 

Januat>-Mär^ 1925 

Dr. Sändor R a d 6 : Einführung in die Psycho- 



analyse. II. Teil. (Klinik und Theorie der Neur- 
osen.) 

2) Dr. Hanns Sachs: Praxis der Traumdeutung. 

3) Dr. Karl Abraham: Psychologie und Patho- 
logie der Phantasietätigkeit. 

4) Dr. Franz Alexander: Die Stellung der 
Psychoanalyse in den Wissenschaften und in 
der Kultur. 

5) Drs. Eitingon, Simmel, R a d ö : Praktische 
Übungen zur Einführung in die psychoanalyti- 
sche Therapie, 

Mai-Juni 1925 

1) Dr. Karl Abraham: Psychoanalytische Theorie 
des Verbrechens. 

2) Dr. Karl Abraham: Die Neurosen des Er- 
nährungssystems. 

3) Dr. Hanns Sachs: Psychoanalytisches über 
den Umgang mit Menschen. 

4) Dr. Ernst Simmel: Die Technik der Psycho- 
analyse, 

5) Dr. Carl Müller-Braunschweig: Über- 
ich, Identifizierung, Introjektion und andere 
Gegenstände der theoretischen Psychoanalyse. 

6) Dr. Hans Liebermann: Die Bedeutung 
der Psychoanalyse für das medizinische Denken. 

7) Dr. Sandor Rado: Die Übertragung. (Ihre 
Klinik, Metapsychologie und technische Hand- 
habung,) (Kolloquium für ausübende Analy- 
tiker, insbesondere für Ausbildungskandidaten.) 

8) Dr. Franz Alexander: Übungen zur „Traum- 
deutung", 

9) Dr. Felix B o e h m : Seminar über die psycho- 
analytische Literatur der Perversionen. 

10) Drs. Eitingon, Simmel, Rado: Prakti- 
sche Übungen zur Einführung in die psycho- 
analytische Therapie. (Nur für Ausbildungs- 
kandidaten.) 

OktokeivDesember 1925 

1) Dr. Sändor Rado: Einführung in die Psycho- 
analyse. I. Teil. (Trieblehre, Unbewußtes, Traum.) 

2) Dr. Sändor Rado: Was soll der praktische 
Arzt von der Psychoanalyse wissen? 

3) Dr. Carl Müller-Braunschweig: System 
der Psychoanalyse. I. Teil. (Metapsychologie: 
Begriff der Libido, Trieblehre, Struktur des 
seelischen Organismus, Verdrängung, das Unbe- 
wußte.) 1 . Hälfte. 

4) Dr. Hanns Sachs: Die psychoanalytische Technik. 
I. (allgemeiner) Teil : die Methode. 



33 



5) Dr. Felix Boehm: Seminaristische Übungen 
über ausgewählte Kapitel aus Freuds Schriften. 

6) Dr. Franz Alexander: Seminaristische Be- 
sprechung von Erscheinungen der neueren psycho- 
analytischen Literatur. 

7) Dr. Sändor Rado: Kolloquium über Tages- 
fragen der psychoanalytischen Therapie. (Für 
ausübende Analytiker, insbesondere Ausbildungs- 
kandidaten.) 

8) Drs. Eitingon, Simmel, Rado: Praktische 
Übungen zur Einführung in die psychoanalyti- 
sche Therapie. (Nur für Ausbildungskandidaten.) 

Januar-Mär? 19£6 

1) Dr. Sändor Rado: Einführung in die Psycho- 
analyse. IL Teil. (Klinik und Theorie der Neur- 
osen.) 

2) Dr. Carl Müll er-Braunschw ei g: System 
der Psychoanalyse : I. Teil. (Begriff der Libido, 
Trieblehre, Struktur des seelischen Organismus, 
Verdrängung, das Unbewußte.) 2. Hälfte. 

ß) Dr. Ernst Simmel: Das Symbol in der Psycho- 
analyse, seine Genese, seine Funktion, seine 
Bedeutung. 

4) Dr. Siegfried Bernfeld: Pädagogische Psycho- 
logie auf psychoanalytischer Grundlage. 

5) Dr. Franz Alexander: Neurose und Gesamt- 
persönlichkeit. (Die neuere Entwicklung der psycho- 
analytischen Theorie in ihrer Anwendung auf 
die Praxis.) 

6) Dr. Hanns Sachs: Die psychoanalytische Tech- 
nik. IL (besonderer) Teil: Die Anwendung. 

7) Dr. Felix Boehm: Seminaristische Übungen 
über ausgewählte Kapitel aus Freuds Schriften. 

8) Dr. Sändor Rado: Technisch-therapeutisches 
Kolloquium. (Für ausübende Analytiker, insbe- 
sondere Ausbildungskandidaten, persönliche An- 
meldung.) 

9) Drs. Eitingon, Simmel, Raqlo: Prakti- 
sche Übungen zur Einführung in die psycho- 
analytische Therapie. (Nur für Ausbildungs- 
kandidaten.) 

Mai-Juni 1926 

Fach- und Ausbildungskurse: 

I. Allgemeines 

1) Dr. Hanns Sachs: Ausdrucksformen des Un- 
bewußten in der Kultur der Gegenwart. 

2) Dr. Carl Müller-Braunschweig: Philo- 
sophie der Psychoanalyse. 



IL Einführendes 

3) Dr. Franz Alexander; Einführung m di e 
Theorie und Technik der Traumdeutung. 

4) Dr. Ernst Simmel: Die therapeutischen 
Möglichkeiten der Psychoanalyse (mit besonde- 
rer Berücksichtigung der Indikationsstellung). 

5) Frau Dr. Karen H o r n e y : Über Frigidität und 
andere nervöse Störungen im Sexualleben der 
Frau. (Insbesondere für Frauenärzte und Ärz- 
tinnen,) 

III. Besonderes 

6) Dr. Sändor Rado: Freuds Theorie der Angst 
und der Symptombildung (für Fortgeschrittene). 

IV. Seminare 

7) Dr. Felix Boehm: Seminaristische Übungen 
über ausgewählte Kapitel aus Freuds Schriften. 
(Krankengeschichten.) 

8) Dr. Otto F e n i c h e 1 : Seminar über Karl 
Abrahams klinische Arbeiten zur Psychoanalyse. 

9) Dr. Siegfried Bernfeld: Psychoanalytische 
Besprechung praktisch-pädagogischer Fragen. 

10) Dr. Sändor Rado: Technisches Kolloquium 
(nur für ausübende Analytiker, insbesondere 
Ausbildungskandidaten). 

V. Praktische Übungen 

11) Dr. Eitingon, Dr. Simmel, Dr. Rado: 
Praktische Übungen zur Einführung in die 
psychoanalytische Therapie. (Nur für Aus- 
bildungskandidaten.) 

OktobeivDesemfeer 1926 
I. Vorlesungen 

a) Einführendes 

1) Dr. Sändor Rado: Einführung in die Psycho- 
analyse. I. Teil (Stellung der Psychoanalyse 
in den Natur- und Geisteswissenschaften. 
Grundlagen der psa. Methode und Theorie. 
Traumlehre. Triebtheorie. Die Ökonomie des 
Psychischen. Die normale psychische Entwick- 
lung. Die psychische Struktur. Die Abhängig- 
keiten des Ichs; Individuum, Familie, Gesell- 
schaft). 

2) Dr. Hans Liebermann: Die Schulmedi- 
zin im Lichte der Psychoanalyse. 

b) Für Fortgeschrittene 

3) Dr. Jenö Härnik: Trieblehre. 

4) Dr. Otto Fenichel: Ich-Psychologie, I. Teil 
(Narzißmus, Ich-Ideal, Identifizierung, Realitäts- 
sinn, Ich- und Trieblehre). 



34 



c) Dr. Felix Boehm: Bilder aus der psa. 
Praxis. 

c) Allgemeines 

6) Dr. Carl Müller - Braunschweig: 
Philosophie der Psychoanalyse. (Wissenschafts- 
u. erkenntnistheoretische Vorfragen der Psycho- 
analyse, Diskussion der HauptbegrifFe u. a.) 

IL Seminare 
a) Theorie 

7) Dr. Hanns Sachs: Seminaristische Übungen 
über den Witz und verwandte Probleme. 

b) Pädagogik 

8) Dr. Siegfried Bernfeld: Psychoanalyt, Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen. 

c) Therapie 

9) Dr. Sändor R a d 6 : Technisches Kolloquium. 
Systematische Besprechungen über Fragen der 
psa. Therapie.) Für ausübende Analytiker, 
insbesondere Ausbildungskadidaten. 

III. Praktisch-therapeutische Übungen 
10) Dr. E i t i n g o n, Dr. S i m m e 1 : Praktische 
Übungen zur Einführung in die psa. Therapie. 
(Nur für Ausbildungskandidaten.) 

JanuatwMärs 1927 

L Vorlesungen 
a) Einführendes 

1) Dr. Sändor R a d 6 : Einführung in die Psycho- 
analyse, IL Teil. (Theorie und Klinik der 
Neurosen.) 

2) Dr. Jenö Harnik: Sexualforschung und 
sexuelles Wissen in der Kindheit und in 
der Pubertät. 

b) Für Fortgeschrittene 

3) Dr. Franz Alexander: Spezielle Neurosen- 
lehre, L Teil. (Zwangsneurosen und Phobien). 

4) Dr. Otto F e n i c h e 1 : Ich-Psychologie, IL Teil. 
(Struktur und Genese des Ichs, Ich und Es, 
Ich und Über-Ich, Angst, Ich und Symptom.) 

c) 

5) Dr. Carl Müller - Braunschweig: 
Verhältnis der Psychoanalyse zum religiösen 
Glauben und zur Seelsorge. 

IL Seminare 
a) Theorie 

6) Dr. Hanns Sachs: Die Anwendung der 
Deutungstechnik auf den Witz und verwandte 
Gebiete. 



b) Pädagogik 

7) Dr. Siegfried Bernfeld: Psychoanalyt. Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen. 

c) Therapie 

8) Dr. Sändor R a d 6 : Technisches Kolloquium. 
(Systematische Besprechungen über Fragen der 
psa. Therapie.) Für ausübende Analytiker, 
insbesondere Ausbildungskandidaten. 

III. Praktisch-therapeutische Übungen 

9) Dr. Eitingon, Dr. Simmel: Praktische 
Übungen zur Einführung in die psa. Therapie. 
(Nur für Ausbildungskandidaten.) 

Mai-Juni 19£7 
L Vorlesungen 

a) Elementarer Einfuhrungskurs 

1) Siegfried B e r n f e 1 d : Was ist Psychoanalyse ? 

b) Für Anfänger und Fortgeschrittene 

2) Sändor R a d 6 : Liebesleben und Sexualfunktion* 
(Problematik des normalen Sexuallebens.) 

3) Hanns Sachs: Die Symbolik und ihre künst- 
lerische Verwendung. 

4) Carl Müller-Brauns ehweig: Stellung 
der Psychoanalyse innerhalb der Wissenschaften 
und der Gesamtkultur. 

c) Für Fortgeschrittene 

5) Otto Fenichel: Ich-Psychologie, III. Teil. 
(Angst, Ich und Symptom, Ichgefühl, Psycho- 
analyse und Denkarbeit.) 

6) Franz Alexander: Spezielle Neurosenlehre, 
IL Teil. (Hysterie, Charakter). 

7) Jenö Harnik: Die Psychoanalyse als Deu- 
tungskunst. (Ausgewählte Kapitel der thera- 
peutischen Technik.) 

IL Seminare 

a) Pädagogik 

8) Siegfried Bernfeld: Psychoanalytische Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen. 

a) Für Anfänger. 

b) Für Fortgeschrittene. 

b) Therapie 

9) Sändor R a d 6 ; Technisches Kolloquium. (Ka- 
suistische Besprechungen über Fragen der ana- 
lytischen Therapie.) Für ausübende Analytiker, 
insbesondere Ausbildungskandidaten. 

III. Praktische Übungen 

io) Sändor R a d 6 : Referatenabende. 

11) Eitingon, Simmel: Praktische Übungen 



3* 



35 



1 



zur Einführung in die psychoanalytische Therapie. 
(Nur für Ausbildungskandidaten.) 

Oktober— Dezember 1927 

A) Obligatorische Kurse 

L Für Anfänger 

1) Sändor R a d ö : Einführung in die Psycho- 
analyse, I. Teil. 

2) Franz Alexander: Elemente der Traum- 
deutung. 

IL Für Fortgeschrittene 

3) Ernst S i m m e 1 : Spezielle Neurosenlehre, 
IL Teil. (Charakterdefekte, Süchte, Perversionen, 
Narzißtische Neurosen, Psychosen.) 

4) Hanns Sachs: Die psychoanalytische Technik, 
I. (allgemeiner) Teil. 

5) Otto Fenichel; Seminar über Freuds meta- 
psychologische Schriften. 

6) Sändor R a d 6 : Technisches Kolloquium. (Nur 
für Ausbildungskandidaten, bzw. ausübende 
Analytiker,) 

7) Max E i t i n g o n u. A, : Praktisch-therapeu- 
tische Übungen (Kontrollanalyse). (Nur für Aus- 
übungskandidaten.) 

B. Fakultative Kurse 
I. Vorlesungen 

8) Kritik der nicht-analytischen therapeutischen 
Richtungen, a) R a d 6 : Hypnose und Sug- 
gestion, b) Simmel: Katharsis, c) Schultz- 
Hencke: Individualpsychologie. d) Fenichel: 
Psychagogik. 

9) Hanns Sachs: Psychoanalyse des Witzes. 
jo) Carl Müller-Braunschweig: Verhält- 
nis der Psychoanalyse zu Ethik und Religion. 

IL Seminare 

1 1) Siegfried B e r n f e 1 d : Psychoanalytische Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen, a) Für 
Anfänger, b) Für Fortgeschrittene. 

12) Jenö Härnik: Seminar über die Literatur 
der Zwangsneurose. 

13) Sändor R a d 6 : Referatenabende. 

JanuaivMärs 1928 
I. Obligatorische Kurse * 
a) Erstes Ausbildungsjahr, 2. Quartal 
1) Sändor R a d 6 : Einführung in die Psycho- 
analyse, IL Teil. (Allgemeine Neurosenlehre.) 

*) Obligatorisch für Kandidaten der Ausbildung zum 
psychoanalytischen Therapeuten. 

Dem Vorlesungsverzeichnis Januar-März 1928 wurde 
erstmalig ein vom ynterriehtsausschuß aufgestellter „Stu- 
dienplan" beigegeben, (Siehe diesen in Kap. V dieses 
Beitrags.) 



2) Carl Müller-Braunschweig: Infantile 

Sexualität, Trieblehre, Libidotheorie. 

3) Otto Fenichel; Seminar über Freuds 
Krankengeschichten, I. Teil. 

b) Zweites Ausbildungsjahr, 2. Quartal 

4) Franz Alexander: Ich-Analyse. 

5) Jenö Härnik: Seminar über Schriften zur 
Anwendung der Psychoanalyse auf Literatur 
und Kunst. 

6) Hanns Sachs : Die psychoanalytische Technik, 
IL (spezieller) Teil. 

c) Weitere therapeutische Fortbildung 

7) Karen Horney, Sändor R a d 6 : Technisches 
Kolloquium. (Nur für Ausbildungskandidaten, 
bzw. ausübende Analytiker.) 

8) Max E i t i n g o n u. A. : Praktisch-therapeu- 
tische Übungen (Kontrollanalysen), (Nur für 
Ausbildungskandidaten.) 

IL Fakultative Kurse 

9) Siegfried B e r n f e 1 d : Psychoanalytische Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen. 

a) Für Anfänger. 

b) Für Fortgeschrittene. 

10) Harald Schultz-Hencke: Seminar über 
Freuds „Das Ich und das Es". 

11) Sändor R a d 6 : Referatenabende. 

ApriWuni 19£8 
L Obligatorische Kurse * 

a) Erstes Ausbildungsjahr, 3. Quartal 

1) Ernst Simmel: Spezielle Neurosenlehre. I. Teil 
(Übertragungsneurosen). Vorlesung. 

2) Hanns Sachs: Über Symbolik und Deutungs- 
kunst in Anwendung auf literarische Werke. 
Seminaristische Übungen. Nur für ausübende 
Analytiker und Ausbildungskandidaten. 

3) Otto Fenichel: Freud-Seminar : Krankenge- 
schichten. II. Teil. 

b) Zweites Ausbildungsjahr, 3. Quartal 

4) Jenö Härnik: Kasuistik aus der psychoana- 
lytischen Praxis mit besonderer Berücksichtigung 
der Indikationen. 

5) Harald Schultz-Hencke: Handhabung der 
Traumdeutung in der psychoanalytischen The- 
rapie. Seminar. 

c) Weitere therapeutische Fortbildung 

6) Karen Horney, Sändor R a d 6 : Technisches 



63 



Kolloquium. Nur für Ausbildungskandidaten 
bzw. ausübende Analytiker. 

7) E i t i n g o n u. A. : Praktisch-therapeutische Übun- 
gen (Kontrollanalysen). Nur für Ausbildungs- 
kandidaten. 

IL Fakultative Kurse 

8) Siegfried B e r n f e 1 d : Psychoanalytische Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen (für 
Fortgeschrittene). 

9) Sändor R a d 6 : Wege der psychoanalytischen 
Forschung (Historisch-kritische Übersicht. Ent- 
wicklungsrichtungen. Empirie und Theorie). Vor- 
lesung, Für Fortgeschrittene. 

10) Karen H o r n e y : Psychoanalyse und Gynäko- 
logie (Vorlesung mit anschließender Erörterung). 

1 1) Franz Alexander: Über Sublimierungen und 
ihre Pathologie (Berufshemmungen und Künstler- 
neurosen). 

12) Carl Müller-Braunschweig: Seminar 
zur Einführung in die Behandlung psychoana- 
lytisch-philosophischer Grenzfragen (Begriff der 
Empirie. Norm- und WertbegrifFe in und außer- 
halb der Wissenschaft. Verhältnis der theoret 
zur prakt. Psychoanalyse. Verhältnis der Psycho- 
analyse zur Moral- und Religionsphilosophie, 
Leib und Seele usw). 

13) Sändor R a d ö : Referatenabende. 

Oktofeeiv-DeSemker 1928 

L Obligatorische Kurse 

a) Erstes Ausbildungsjahr, 1. Quartal 

1) Sändor R a d 6 : Einführung in die Psychoanalyse. 
I. Teil. (Abriß der analytischen Normalpsycho- 
logie.) (Einleitung. Voraussetzungen der psa. 
Forschung, PsA. und Somatologie. Psychische 
Dynamik. Motiv. Sinnzusammenhang, Trieb. Das 
Unbewußte. Das Vorbewußte. Traum. Symbolik. 
Primärvorgang. Normale Triebentwicklung. Ödi- 
puskomplex. Psychische Strukturtheorie. Das Ich 
und das Es. Triebabwehr. Über-Ich. Psychische 
Ökonomie. Lustprinzip. Wiederholungszwang. 
Realabhängigkeit des Ichs. Sublimierung. Er- 
ziehung.) 

2) Franz Alexander: Einführung in die Traum- 
deutung. 

3) .Hanns Sachs: Trieblehre. I. Teil. (Der Trieb- 
begriff, Triebschicksale,) 

b) Zweites Ausbildungsjahr, 1. Quartal 

4) Ernst Simmel : Spezielle Neurosenlehre. IL Teil. 



(Charakterfehler, Süchte, Perversionen, narzißti- 
sche Neurosen, Psychosen, Kriminelle.) 

5) Karen Horney: Indikationen und Technik 
der analytischen Therapie. I. Teil. Nur für 
Ausbildungskandidaten und ausübende Ana- 
lytiker. 

6) Harald S chul tz-Hencke : Freud-Seminare 
Krankengeschichten. IL Teil. (Infantile Neur- 
osen.) 

c) Weitere therapeutische Fortbildung 

7) Karen Horney, Sändor R a d 6 : Technisches 
Kolloquium. Nur für Ausbildungskandidaten 
bzw. ausübende Analytiker. 

8) E i t i n g o n u. A. : Praktisch - therapeutische 
Übungen (Kontrollanalysen). Nur für Ausbil- 
dungskandidaten. 

IL Fakultative Kurse 

9) Otto Fenichel: Über Organlibido und 
Triebabwehr. 

10) Jenö H ä r n i k : Die Bedeutung der religiösen 
Konflikte für die psa. Therapie. 

11) Theodor Reik: Einführung in die psa. Reli- 
gionspsychologie. 

12) Harald Schultz-Hencke: Die Hemmung 
im Gefuge der Neurosen. Seminar. 

13) Carl Müller-Braunschweig: Seminar : 
Psychoanalytisch-philosophische Grenzfragen. 

14) Sändor Rado: Referatenabende. 

15) Siegfried Bernfeld: Psychoanalytische Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen (für 
Fortgesch^tene). 

1 6) Arbeitsgemeinschaft für psychoanalytische Kinder- 
und Jugendpsychologie (B e r n f e 1 d, Härnik). 

Jatmar-*Mäf2? 1929 

L Obligatorische Kurse 

1) Sändor Rado: Einführung in die Psycho- 
analyse. I. Teil. (Fortsetzung.) 

2) Hanns Sachs: Trieblehre. IL Teil. 

3) Jenö Härnik: Infantile Sexualität. 

4) Karen Horney: Indikationen und Technik 
der analytischen Therapie. IL Teil. Nur für 
Ausbildungskandidaten. 

5) Otto Fenichel: Freud-Seminar : Metapsycho- 
logische Schriften. 

6) Karen Horney, Sändor Rado: Technisches- 
Kolloquium. Nur für Ausbildungskandidaten 
bzw. ausübende Analytiker. 

7) Sändor R a d ö : Technisches Proseminar. Nur 
für Praktikanten des Instituts. 



37 



8) E i t i n g o n U.A.: Praktisch - therapeutische 
Übungen (Kontrollanalysen). 

IL Fakultative Kurse 

9) Franz Alexander: Theorie und Therapie 
der Homosexualität. 

10) Theodor R e i k : Grundzüge der Analyse der 
Religion. (I. Das Dogma.) 

1 1) Harald Schultz-Hencke: Die Hemmung 
im Gefüge der Neurosen. Seminar. 

12) Sandor R a d 6 : Referatenabende. 

13) Siegfried Bernfeld: Psychoanalytische Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen. Für 
Fortgeschrittene. 

1 4) Arbeitsgemeinschaft für psychoanalytische Kinder- 
und Jugendpsychologie (Bernfeld, Harnik). 

Mai-Juni 1929 

I. Obligatorische Kurse 
a) Erstes Ausbildungsjahr, 3. Quartal 

1) Sandor R a d 6 : Einführung in die Psycho- 
analyse, II. Teil, (Allgemeine Neurosenlehre,) 
Dieser Kurs ist vom vorigen Quartal auf 
dieses Quartal verschoben worden.) 

2) Otto Fenichel: Spezielle Neurosenlehre, 
I. Teil. Übertragungsneurosen (Hysterie, Phobie, 
Zwangsneurose) und Aktualneurose. 

b) Zweites Ausbildungsjahr, 3. Quartal 

3) Felix B o e h m : Kasuistik aus der psycho- 
analytischen Praxis. 

4) Jenö H ä r n i k : Handhabung der Traum- 
deutung in der psychoanalytischen Therapie. 

5) Theodor Reik: Seminar über Anwendung 
der Psychoanalyse auf Literatur und Kunst. 

c) Weitere therapeutische Fortbildung 

6) Alexander, Hörne y, Rad 6, Sachs: 
Technisches Seminar. Nur für Ausbildungs- 
kandidaten. 

7) E i t i n g o n u. A. : Praktisch-therapeutische 
Übungen (Kontroll-Analysen). Nur für Aus- 
bildungskandidaten. 

IL Fakultative Kurse 

1) Hanns Sachs: Trieblehre, III. Teil 
5) Sandor Rado: Referatenabende (Kolloquium 
über Neuerscheinungen der Psychoanalyse und 
ihrer Grenzgebiete). 
.3) Siegfried Bernfeld: Psychoanalytische Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen. Für 
Fortgeschrittene. 



4) Arbeitsgemeinschaft für psychoanalytische Kin- 
der- und Jugendpsychologie (B e r n f e 1 d, 
Harnik). 

Oktober~De$ember 1929 

L Obligatorische Kurse 

a) Erstes Ausbildungsjahr, 1. Quartal 

1) Sandor Rado: Einführung in die Psycho- 
analyse, I. Teil. (Abriß der psychoanalytischen 
Normalpsychologie). 

2) Franz Alexander: Einführung in die 
Traumdeutung. 

3) Jenö Harnik: Trieblehre, I. Teil. 

b) Zweites Ausbildungsjahr, 1. Quartal. 

4) Otto Fenichel: Spezielle Neurosenlehre, 
IL Teil. (Perversionen, Psychosen, Gharakter- 
störungen.) 

5) Hanns Sachs: Psychoanalytische Technik, 
L (allgemeiner) Teil. 

6) Carl Müller-Brauns chweig: Seminar 
über Freuds metapsychologische Schriften. 
(Das Ich und das Es u. a.) 

c) Weitere therapeutische Fortbildung 

7) Alexander, Hörne y, Rado: Techni- 
sches Seminar. Nur für Ausbildungskandi- 
daten. 

8) Max Eitingon u. A. : Praktisch-therapeuti- 
sche Übungen (Kontroll-Analysen). Nur für 
Ausbildungskandidaten. 

IL Fakultative Kurse 

9) Karen H o r n e y : Sexualbiologie (insbeson- 
dere für nicht-ärztliche Ausbildungskandidaten). 

10) Sandor Rado: Referatenabende (Kolloquium 
über Neuerscheinungen der Psychoanalyse und 
ihrer Grenzgebiete). 

11) B o e h m und Liebermann: Einführungs- 
kursus in die PsA. für Ärzte und die Be- 
dürfnisse der Allgemeinpraxis, 

12) Siegfried Bernfeld: Psychoanalytische Be- 
sprechung praktisch-pädagogischer Fragen. 1 
Für Vorgeschrittene . 

13) Arbeitsgemeinschaft für psychoanalytische Kin- 
der- und Jugendpsychologie 1 (Bernfeld, 
Harnik). 

1) Pädagogen, die sich im Institut fortzubilden beab- 
sichtigen, hören als Anfanger die allgemeinen Einführungs- 
kurse (Studienplan: x. Jahr, 1. u. 2. Quartal) und nach 
Wahl spezielle Kurse, soweit keine Einschränkungen 
(siehe Zulassung, Kap. VI) für die Teilnehmer bestehen. Erst 
nach Besuch du allg. Einführungskurse steht ihnen das Semi- 
nar: w Psa. Besprechung prakt.-pädag. Fragen (für Vor- 
geschrittene)" oifen. Nach Beendigung dieses Seminars 
können sie an der „Arb,-Gem. für psa. Kinder- u. 
Jugendpsychologie" teilnehmen. 



38 



ja) Anna Freud: Seminar zur Technik der 
Kinderanalyse. Nur für ausübende Analytiker. 

i x) Kriminalistische Arbeitsgemeinschaft (Alexan- 
der, Staub). 

Januar-Mars 1930 

L Obligatorische Kurse 
a) Erstes Ausbildungsjahr, 2. Quartal 
i) Sändor R a d 6 : Einführung in die Psycho- 
analyse, IL Teil. (Allgemeine Neurosenlehre). 

2) Felix B o e h m : Freud-Seminar : Kranken- 
geschichten, I. Teil. 

3) Siegfried Bernfeld: Infantile Sexualität. 

b) Zweites Ausbildungsjahr, 2. Quartal 

4) Hanns Sachs: Psychoanalytische Technik, 
II. (besonderer) Teil. Nur für Ausbildungs- 
kandidaten. 

5) Otto F e n i c h e 1 : Freud-Seminar: Theoretische 
Schriften, IL Teil. 

c) Weitere therapeutische Fortbildung 

6) Alexander, Hörne y, Rado: Techni- 
sches Seminar. Nur für Ausbildungskandi- 
daten. 



7) Max E i t i n g o n u. A. : Praktisch-therapeuti- 
sche Übungen (Kontrollanalysen). Nur für 
Ausbildungskandidaten. 

IL Fakultative Kurse 

8) Ernst Simmel: Probleme klinisch-psycho- 
analytischer Therapie (Indikation, Prognose, 
Modifikationen der Methodik). Für ausübende 
Analytiker, in der „Psychoanalytischen Klinik", 
Berlin-Tegel. 

9) Jenö H a r n i k : Zur Psychologie des Liebes- 
lebens (Bilder aus der psychoanalytischen 
Praxis). 

10) Theodor Reik: Goethe und Friederike. 

11) Karen Horney: Sexualbiologie (insbeson- 
dere für nicht-ärztliche Ausbildungskandi- 
daten). 

12) Sändor Rado: Referatenabende (Kolloquium 
über Neuerscheinungen der Psychoanalyse und 
ihrer Grenzgebiete). 

13) Pädagogische Arbeitsgemeinschaft (Bern- 
feld, Müller-Braunschweig). 

14) Kriminalistische Arbeitsgemeinschaft (Alexan- 
der, Staub). 



Ay Die Vorlesungen lpZO-30/ nach Jen Dozenten geordnet 



Dr* Karl Abraham 

1) Ausgewählte Kapitel der Psychoanalyse (mit 
anschl. Besprechungen); 1. Historische Entwick- 
lung der psa. Therapie ; 2. Grundzüge der 
psa. Trieblehre ; 3. Die Bedeutung der 
Sexualität in der Ätiologie der Neurosen ; 
4. Traum und Unbewußtes ; 5. Psychopatho- 
logie der Angst ; 6. Hysterie ; 7. Angstzustände ; 
8. Geisteskrankheiten. — Frühjahr 1920. 

2) Kurs zur Einführung in die Psychoanalyse 
(Allg. und spezielle Neurosenlehre, Sexual- 
theorie, Traumlehre usw.) mit anschließl. Be- 
sprechungen. — Okt. — Dez. 20. 

3) Seminar: Referate über neuere psychoanaly- 
tische Literatur. — Jan. — Febr. 21. 

4) Seminaristische Übungen über die Libidotheorie 
der Neurosen. — März — Mai 21. 

5) Einführung in die Psychoanalyse (Neurosen- 
lehre, Traumdeutung, Sexualtheorie). — Mai — 
Juni 21. 



6) Einführung in die Psychoanalyse (Neurosen- 
lehre, Traumdeutung, Sexualtheorie). — Okt. — 
Dez. 21. 

7) Psychoanalytisches Seminar: Besprechung der 
Neuerscheinungen der psa. Literatur. — 
Febr.— April 22. 

8) Erfahrungen aus der psa. Praxis. — Mai — 
Juni 22. 

9) Einführung in die Psychoanalyse. I. Teil 
(Psychologie des Kindes alters, Trieblehre, Traum, 
allgemeine Neurosenlehre). — Okt. — Dez. 22. 

10) Einführung in die Psychoanalyse, IL Teil 
(Spezielle Neurosenlehre). — Jan. — März 23. 

11) (Zus. mit Frau Helene Deutsch.) Ausge- 
wählte Kapitel der spez. Neurosenlehre (Be- 
sprechung analysierter Fälle von Hysterie, 
Zwangsneurose usw.). — April — Juni 23. 

12) Einführung in die Psychoanalyse, I. Teil 
(Sexualtheorie, Traum, Allgem. Neurosenlehre). 
— Okt.— Dez. 23. 



39 



13) Einführung in die Psychoanalyse, II. Teil 
(allgem. und spez. Neurosenlehre). — Jan.— 
März 24. 

14) Psychoanalyse geistiger Störungen. — Mai- 
Juni 24. 

15) Entwicklungsgeschichte des Charakters. — Okt. 
— Dez. 24 

16) Psychologie und Pathologie der Phantasietätig- 
keit — Jan. — März 25. 

17) Psychoanalytische Theorie des Verbrechens. — 
Mai — Juni 25. 

1 8) Die Neurosen des Ernährungssystems. — 
Mai — Juni 25. 

Dt\ Frans? Alexander 

1) Neurose und Gesamtpersönlichkeit (Die neuere 
Entwicklung der psa. Theorie in ihrer An- 
wendung auf die Praxis). — Okt. — Dez. 24. 

2) Die Stellung der Psychoanalyse in den Wissen- 
schaften und in der Kultur. — Jan. — März 25. 

3) Übungen zur „Traumdeutung". — Mai— Juni 25. 

4) Seminaristische Besprechung von Erscheinungen 
der neueren psychoanalytischen Literatur. — 
Okt.— Dez. 25. 

5) Neurose und Gesamtpersönlichkeit (Die neuere 
Entwicklung der psa. Theorie in ihrer An- 
wendung auf die Praxis). — Jan. — März 26. 

6) Einführung in die Theorie und Technik der 
Traumdeutung. — Mai— Juni 26. 

7) Spezielle Neurosenlehre, I. Teil (Zwangsneu- 
rosen und Phobien). — Jan. — März 27, 

8) Spezielle Neurosenlehre, IL Teil (Hysterie, Cha- 
rakter). — Mai — Juni 27. 

9) — 11) Elemente der Traumdeutung. — Okt. — 
Dez. 27, Okt.— Dez. 28 und 29. 

12) Ich-Analyse. Jan. — März 28. 

13) Seminar : Über Sublimierungen und ihre Patho- 
logie (Berufshemmungen und Künstlerneurosen). 
— April— Juni 28. 

14) Theorie und Therapie der Homosexualität. — 
Jan. — März 29. 

15) — 17) (Zus. mit Horney, Rado, Sachs.) Tech- 
nisches Seminar. — Mai — Juni 29, Okt. — 
Dez. 29, Jan. — März 30. 

18) — 19) (Zus. mit Staub.) Kriminalistische Arbeits- 
gemeinschaft. — Okt.— Dez. 29, Jan.— März 1930. 



Dt. Siegfried Bernfeld 

1) Pädagogische Psychologie auf psychoanalytischer 

Grundlage. — Jan. — März 26. 
2) — 12) Psychoanalytische Besprechung prakt.-päd. 
Fragen. — Fortlaufend alle Quartale von Mai — 
Juni 26 bis Okt. — Dez r 29. 

13) Was ist Psychoanalyse ? — Mai — Juni 27. 

14) — 16) (Zus. mit Härnik.) Arbeitsgemeinschaft für 
psychoanalytische Kinder- und Jugendpsycho- 
logie. — Okt. — Dez. 1928, Jan. — März 29 und 
Mai — Juni 29. 

17) (Zus. mit Müller-Braunschweig.) Pädagogische 
Arb.-Gem. — Jan. — März 30. 

18) Infantile Sexualität. — Jan. — März 30. 

Dr. Felix Boehm 

1) Die Perversionen (Spezieller Teil). — Jan. — 
März 23. 

2) Die Homosexualität im psychoanalytischen Lichte 
(für Anfänger). — Okt. — Dez. 23. 

3) Seminar über die psychoanalytische Literatur 
der Perversionen. — Mai — Juni 25. 

4) — 5) Seminaristische Übungen über ausgewählte 
Kapitel aus Freuds Schriften. — Okt. — Dez. 25 
und Jan. — März 26. 

6) Wie 4) — 5) (Krankengeschichten). — Mai — 
Juni 26, 

7) Bilder aus der psychoanalytischen Praxis. — 
Okt.— Dez, 26. 

8) Kasuistik aus der psychoanalytischen Praxis. — 
Mai — Juni 29. 

9) (Zus. mit Liebermann.) Einführungskursus 
in die Psychoanalyse für Ärzte für die Bedürf- 
nisse der Allgemeinpraxis. — Okt.— Dez. 29. 

10) Freud-Seminar : Krankengeschichten, I. Teil. — 
Jan. — März 30. 

Dn Helene Deutsch 

(Wien, a. G.) 

1) (Zus. mit K. Abraham.) Ausgewählte Kapitel 
der speziellen Neurosenlehre. — Apr. — Juni 23. 

2) Die Beziehungen zwischen psychischen und 
sexualphysiologischen Vorgänge beim Weibe. 
— Jan. — März 24. 

Dt* Max Eitingon 

*) — 5) (Zus. mit Simmel.) Einführung in die 
psychoanalyt. Therapie und Praxis in der Poli- 
klinik. Nur für Ärzte mit entsprechender Vor- 



40 



bildung. — März— Mai 21, Okt.— Dez. 21, 
Febr. — April 22, Mai — Juni 22» Jan. — März 23. 
6) Praktische Übungen zur Einführung in die 
psychoanalytische Therapie. — April — Juni 23. 
7) — g) (Zus. mit Simmel.) Wie unter 6). Nur 
für Ausbildungskandidaten, — Okt. — Dez, 23, 
Jan.— März 24, April — Juni 24. 

10 ) — 15) (Zus. mit Rado, Simmel.) Fort- 
laufend durch alle Quartale von Okt. — Dez. 24 
bis Mai— Juni 26. Wie 6) — 9). 

16) — 18) (Zus, mit Simmel.) Fortlaufend alle 
Quartale von Okt. — Dez. 26 bis Mai — Juni 27. 

19) — 26) (Zus. mit anderen Dozenten.) Praktisch- 
therapeutische Übungen (Kontrollanalysen). (Nur 
für Ausbildungskandidaten.) Fortlaufend alle 
Quartale von Jan. — März 28 bis Jan. — März 30. 

Dr* Otto Fenichel 

1) Seminar über Karl Abrahams klinische Arbei- 
ten zur Psychoanalyse, — Mai — Juni 26. 

2) Ich-Psychologie. I. Teil, (Narzißmus, Ich-Ideal, 
Identifizierung, Realitätssinn, Ich- und Trieb- 
lehre.) — Okt. — Dez. 26. 

3) Ich-Psychologie. IL Teil. (Struktur und Genese 
des Ichs, Ich und Es, Ich und Über-Ich.) — 
Jan. — März 27. 

4) Ich-Psychologie, III. Teil, (Angst, Ich und 
Symptom, Psychoanalyse und Denkarbeit.) — 
Mai— Juni 1927. 

5) Seminarüber Freuds metapsychologische Schriften, 

6) Psychagogik. — Okt. — Dez. 27. 

7) Seminar über Freuds Krankengeschichten. I. Teil. 

— Jan.— März 28. 

8) Freud-Seminar : Krankengeschichten. IE. Teil. — 
April— Juni 28. 

9) Über Organlibido und Trieb ab wehr. ■ — Okt. — 
Dez. 28. 

10) Freud-Seminar : Metapsychologische Schriften. 

— Jan. — März 29. 

11) Spez. Neurosenlehre. I. Teil. Übertragungs- 
neurosen (Hysterie, Phobie, Zwangsneurose) 
und Aktualneurose. — Mai — Juni 29. 

12) Spez. Neurosenlehre. IL Teil. Perversionen, 
Psychosen, Charakterstörungen. — Okt. — Dez. 

29. 

13) Freud-Seminar : Theoiet. Schriften. II. Teil. — 
Jan. — März 30, 

Anna Freud 

(Wien, a. G.) 

1) Seminar zur Technik der Kinderanalyse, — 
Sept. — Okt. 29. 



Dr. Jenö Harnik 

1) Trieblehre. — Okt.— Dez. 26, 

2) Sexualforschung und sexuelles Wissen in der 
Kindheit und in der Pubertät. — Jan. — März 27- 

3) Die Psychoanalyse als Deutungskunst. (Ausge- 
wählte Kapitel der therapeutischen Technik.) 

— Mai — Juni 27. 

4) Seminar über die Literatur der Zwangsneurose. 

— Okt. — Dez. 27. 

5) Seminar über Schriften zur Anwendung der 
Psychoanalyse auf Literatur und Kunst. — 
Jan. — März 28, 

6) Kasuistik aus der psychoanalytischen Praxis 
mit bes. Berücksichtigung der Indikationen. — 
April — Juni 28. 

7) Die Bedeutung der religiösen Konflikte für die 
psychoanalytische Therapie, — Okt. — Dez. 28, 

8) Infantile Sexualität. — Jan. — März 29. 

9) Handhabung der Traumdeutung in der psycho- 
analytischen Therapie. — Mai — Juni 29. 

10) Trieblehre. I. Teil. — Okt.— Dez. 29. 

11) — 13) (Zus. mit Bernfeld.) Arbeitsgemeinschaft 
für psychoanalytische Kinder- und Jugend- 
psychologie. — Okt. — Dez. 28 bis Mai — Juni 29. 

14) Zur Psychologie des Liebeslebens. (Bilder aus 
der psychoanalytischen Praxis.) — Jan. — März 30. 

Df* Karen Horncy 

1) Welche Fälle aus der ärztlichen Praxis eignen 
sich zur psychoanalytischen Behandlung ? (Kriti- 
sche Beiträge zur Anwendung der Psychoana- 
lyse.) — Okt.— Dez. 20. 

2) — 3) Die Bedeutung der Psychoanalyse für die 
ärztliche Praxis. (Praktische Gesichtspunkte für 
nicht-analytisch gebildete Ärzte und Fachärzte.) 

— April — Juni 23 und Okt. — Dez. 23. 

4) Über Frigidität und andere nervöse Störungen 
im Sexualleben der Frau, (Insbesondere für 
Frauenärzte und Ärztinnen.) — Mai — Juni 26. 

5) — 8) (Zus. mit Sändor Radö.) Technisches 
Kolloquium. (Nur für Ausbildungskandidaten, 
bzw. ausübende Analytiker.) — Jan.^Marz 28 
bis Jan. — März 29. 

9) — 1 1) Technisches Seminar, (Zus. mit Alex- 
ander, Radö, Sachs.) — Mai— Juni 29 bis Jan. 
— März 30. 

12) Psychoanalyse und Gynäkologie. (Vorlesung 
mit anschließender Erörterung.) — April — 
Juni 28. 

13) Indikationen und Technik der analyt. Thera- 



41 



pie. I. Teil. (Nur für Ausbildungskandidaten 
und ausübende Analytiker.) — Okt.— Dez, 28. 

14) Wie n ) IL Teil. — Jan.— März 29. 

15) Sexualbiologie. (Insbesondere für nicht-ärztliche 
Ausbildungskandidaten.) — Okt.— Dez. 29, Jan. 
— März 30. 

Dr. Hans Liebermann 

1) Über den Aufbau der Zwangsneurosen (an 
Hand von Beispielen aus der Praxis). — 
Okt. — Dez. 20. 

2) Therapeutische Technik der Psychoanalyse. — 
März — Mai 21. 

3) Psychoanalytische Technik. — Okt.— Dez. 22. 

4) Klinisches zur psychoanalytischen Technik. — 
Jan. — März 23. 

5) Störungen der Charakterbildung. — Okt.— 
Dez, 23. 

6) Über Impotenz. Jan. — März 24. 

7) Die Bedeutung der Psychoanalyse für das 
medizinische Denken. — Mai — Juni 25. 

8) Die Schulmedizin im Lichte der PsA. — 
Okt.— Dez. 26, 

9) (Zus. mit Boehm.) Einführungskursus in die 
Psychoanalyse für Ärzte für die Bedürfnisse 
der Allgemeinpraxis. — Okt. — Dez. 29, 

D*% Carl Müller^Braunschweig 

1) Seminar über Schriften Freuds (Vorlesungen 
zur Einführung in die Psychoanalyse, III. Teil ; 
Allgemeine Neurosenlehre). — Okt.— Dez. 22, 

2) Seminar über Schriften Freuds (Vorlesungen 
zur Einführung in die Psychoanalyse, L und 
II. Teil: Fehlleistungen und Traum). — 
Jan, — März 23. 

3) Seminaristische Übungen über die Literatur der 
Zwangsneurose. — April— Juni 23. 

4) System der Psychoanalyse (das Unbewußte, die 
psychischen Systeme, die Verdrängung, die 
Angst). — Okt.— Dez. 23. 

5) Kindliches Triebleben, Traum (für Anfänger 
und für alle Fakultäten). — Mai— Juni 24. 

6) Über-Ich, Identifizierung, Latrojektion und andere 
Gegenstände der theoretischen Psychoanalyse. — 
Mai — Juni 25. 

7) System der Psychoanalyse, I. Teil (Metapsycho- 
logie : Begriff der Libido, Trieblehre, Struktur 
des seelischen Organismus, Verdrängung, das 
Unbewußte). — 1. Hälfte Okt.— Dez. 25, 



8) Wie 7) 2. Hälfte Jan.— März 26. 

9) Philosophie der Psychoanalyse. — Mai — Juni 26. 

10) Philosophie der Psychoanalyse (Wissenschafts- 
und erkenntnistheoretische Vorfragen der Psycho- 
analyse, Diskussion der Hauptbegriffe u, a.) — 
Okt.— Dez. 26. 

11) Verhältnis der Psychoanalyse zum religiösen 
Glauben und zur Seelsorge. — Jan. — März 27. 

12) Stellung der Psychoanalyse innerhalb der Wissen- 
schaften und der Gesamtkultur. — Mai — Juni 27. 

13) Verhältnis der Psychoanalyse zu Ethik und 
Religion. — Okt. — Dez. 27. 

14), Infantile Sexualität, Trieblehre, Libidotheorie. — 
Jan.— März 28. 

15) Seminar zur Einführung in die Behandlung 
psychoanalytisch - philosophischer Grenzfragen 
(Begriff der Empirie. Norm- und Wertbegriffe 
in und außerhalb der Wissenschaft. Verhältnis 
der theoret. zur praktischen Psychoanalyse u. a.) 

— April— Juni 28. 

1 6) Seminar : Psychoanalytisch-philosophische Grenz- 
fragen. — Okt.— Dez, 28. 

17) Seminar über Freuds metapsychologische Schriften 
(Das Ich und das Es). — Okt.— Dez. 29. 

18) (Zus. mit Bernfeld.) Pädagogische Arbeitsgemein- 
schaft. — > Jan. — März 30. 

Dr* Sandor Radio 

1) Das Unbewußte, — Jan. — März 23. 

2) Metapsychologisches Kolloquium. — April- 
Juni 23. 

3) Einführung in die Traumdeutung. — Okt.— 
Dez. 23. 

4) Einführung in die Theorie der Neurosen. — 
Jan. — März 24. 

5) Prinzipien der psychoanalytischen Trieblehre, 
historisch-kritisch entwickelt. — Mai — Juni 24. 

6) — 12) Einführung in die Psychoanalyse, I. Teil. 

— Okt.— Dez. 24, Okt.— Dez. 25, Okt.— Dez. 26, 
Okt.— Dez. 27, Okt.— Dez. 28, Jan.— März 29, 
Okt.— Dez. 29. 

13) — 18) Einführung in die Psychoanalyse, II. Teil. 

— Jan.— März 25, Jan.— März 26, Jan.— März 2;, 
Jan.— März 28, Mai— Juni 29, Jan. — März 30. 

19)— 24) (Zus. mit Eitingon und Simmel.) 
Prakt. Übungen zur Einführung in die psycho- 
analytische Therapie. — Okt.— Dez. 24, Jan.— 
März 25, Mai— Juni 25, Okt.— Dez. 25, Jan.— 
März 26, Mai— Juni 26. 

25) Die Übertragung (Kolloquium für ausübende 
Analytiker). — Mai — Juni 25. 






42 



2 5) Was soll der praktische Arzt von der Psycho- 
analyse wissen ? — • Okt. — Dez. 25. 

27) Kolloquium über Tagesfragen der psycho- 
analytischen Therapie. — Okt. — Dez. 25. 

28) Technisch-therapeutisches Kolloquium, — Jan. — 
März 26. 

29) Freuds Theorie der Angst und der Symptom- 
bildung. — Mai — Juni 26. 

zq) — ,38) Technisches Kolloquium (ab Jan. 28 bis 
März 29 zus. mit Frau Horney). Alle Quar- 
tale von Mai — Juni 26 bis Jan. — März 29. 

^g) — 41) Technisches Seminar (zus. mit Alexander, 
Horney, Sachs). — Mai — Juni 29, Okt. — 
Dez. 29, Jan. — März 30. 

42) Liebesleben und Sexualfunktion. — Mai — 
Juni 27. 

43) Hypnose und Suggestion. — Okt. — Dez. 27. 

44) Wege der psychoanalytischen Forschung. — 
Mai — Juni 28. 

45) — 46) Technisches Proseminar. — Okt. — Dez. 28, 
Jan.— März 29. 

47) — 55) Referatenabende (Kolloquium über Neu- 
erscheinungen der Psychoanalyse und ihrer 
Grenzgebiete) alle Quartale von Mai — Juni 27 
bis Jan. — März 30. 

Dr* Gesa Roheim 

(Budapest, a. G.) 

1) Psychoanalyse und Ethnologie. (8 Vorträge). — 
Okt.— Dez. 22. 

Dn Theodor Reik 

1) Einführung in die psychoanalytische Religions- 
psychologie. — Okt. — Dez. 28. 

2) Grundzüge der Analyse der Religion (I. Das 
Dogma). — Jan. — März 29. 

3) Seminar über Anwendung der Psychoanalyse 
auf Literatur und Kunst. — Mai — Juni 29. 

4) Goethe und Friederike. — Jan. — März 30. 

Dr* Hanns Sachs 

1) Einführung in die psychoanalytische Theorie 
(mit bes. Berücksichtigung der Traumdeutung). 
— Okt.— Dez. 20. 

2) Die Anwendung der Psychoanalyse auf die 
Geisteswissenschaften. — Okt. — Dez, 20. 

3) Die Theorie und Technik der Traumdeutung. 
März— Mai 21. 

4) Die sozialen Sexualprobleme und ihre Be- 



deutung für die psychoanalytische Praxis. — 
Okt.— Dez. 2i, 

5) Technik der Traumanalyse, — Febr. — 
April 22. 

6) Die Anwendung der Psychoanalyse auf die 
Geisteswissenschaften. — Mai — Juni 22. 

7) Die Perversionen (allgemeiner Teil). — Okt. — 
Dez. 22. 

8) Probleme des Widerstandes und der Über- 
tragung (Seminar). — Jan. — März 23. 

9) Libidotheorie. — April — Juni 23. 

10) — 13) Die psychoanalytische Technik, I. allge- 
meiner Teil : Die Methode. — Okt. — Dez. 23, 
Okt.— Dez. 25, Okt.— Dez. 27, Okt. — Dez. 29. 

14) — 17) Die psychoanalytische Technik, IL be- 
sonderer Teil: Die Anwendung. — Jan. — 
März 24, Jan. — März 26, Jan. — März 28, 
Jan. — März 30. 

x8) Die Königsdramen Shakespeares. — Mai — 
Juni 24. 

19) Die normal-sexuelle Entwicklung. — Okt. — 
Dez. 24. 

20) Praxis der Traumdeutung. — Jan. — März. 25. 

21) Psychoanalytisches über den Umgang mit 
Menschen. — Mai — Juni 25. 

22) Ausdrucksformen des Unbewußten in der 
Kultur der Gegenwart. — Mai — Juni 26. 

23) Seminaristische Übungen über den Witz und 
verwandte Probleme. — Okt. — Dez. 26, 

24) Die Anwendung der Deutungstechnik auf 
den Witz und verwandte Gebiete. — Jan. — 
März 27. 

25) Die Symbolik und ihre künstlerische Verwen- 
dung. — Mai — Juni 27. 

26) Psychoanalyse des Witzes. — Okt. — Dez. 27. 

27) Über Symbolik und Deutungskunst in An- 
wendung auf literarische Werke. Seminaristi- 
sche Übungen. Nur für ausübende Analytiker 
und Ausbildungskandidaten. — Mai — Juni 28. 

28) Trieblehre, I. Teil (Der Triebbegriff, Trieb- 
schicksale,) — Okt.— Dez. 28. 

29) Trieblehre, II. Teil. — Jan.— März 29. 

30) Trieblehre, HL Teil — Mai— Juni 29. 

Dn Harald SchuIt5f«Hendce 

1) Die IndividuaUysychologie. — Okt. — Dez, 27, 

2) Seminar über Freuds „Das Ich und das Es". 
— Jan. — März 28. 

3) Handhabung der Traumdeutung in der psycho- 
analytischen Therapie. Seminar, — Mai — 
Juni 28. 



43 



4) Freud-Seminar: Krankengeschichten, II. Teil 
(Infantile Neurosen). — Okt.— -Dez. 28. 

5) Die Hemmung im Gefuge der Neurosen. 
Seminar. — Jan.— März 29. 

Dr* Ernst Simmcl 

1) Über Psychoanalyse der Kriegsneurosen und 
ihre Folgeerscheinungen. 3 Vorträge. — Okt.— 
Dez. 20. 

2)— 18) (Zus. mit Eitingon, von Okt. 24 bis 
Juni 26 auch mit Rado.) Einführung in 
die psychoanalytische Therapie und Praxis 
in der Poliklinik. — März— Mai 21, Okt.— 
Dez. 21, Febr.— April 22, Mai— Juni 22, 
Okt.— Dez. 22, Jan.— März 23. Dann alle 
Quartale von Okt.— Dez, 23 bis Mai— Juni 27. 

1 9) Psychoanalytische Gesichtspunkte für den 

praktischen Arzt. 4 Vorträge. — Okt. 

Dez. 21. 

20) Über Einzelprobleme der psychoanalytischen 
Behandlungstechnik. — Febr. — April 22. 

21) Seminaristische Übungen über die psycho- 
analytische Technik. — April— Juni 23. 



22) Die Angst. — Okt.— Dez. 24. 

23) Die Technik der Psychoanalyse. — Mai- 
Juni 25. 

24) Das Symbol in der Psychoanalyse, seine Ge- 
nese, seine Funktion, seine Bedeutung. 

Jan. — März 26. 

25) Die therapeutischen Möglichkeiten der Psycho- 
analyse (mit besonderer Berücksichtigung der 
Indikationsstellung). — Mai — Juni 26. 

26)— 27) Spez. Neurosenlehre, II. Teil (Charaker- 
defekte, Süchte, Perversion, Narzißtische Neu- 
rosen, Psychosen). — Okt.— Dez. 27, Okt.— 
Dez. 28. 

28) Spez. Neurosenlehre, I. Teil (Ubertragungs- 
neurosen). April — Juni 28. 

29) Probleme klinisch-psychoanalytischer Therapie 
(Indikation, Prognose, Modifikationen der 
Methodik) für ausübende Analytiker. In der 
„Psychoanalytischen Klinik", Berlin-Tegel. — 
Jan. — März 30. 

Hugo Staub 

1) — 2) (Zus. mit Alexander.) Kriminalistische Arbeits- 
gemeinschaft Okt — Dez. 29, Jan März 30. 



44 



Die Sprechstunde der Poliklinik 



Von 
Hans L a m p l 



Unser Institut stellte sich zunächst als Hauptaufgabe, die analytische Behandlungsmethode 
auch mittellosen Patienten zu ermöglichen. Im Anfang war der Zustrom von Patienten nicht 
allzu groß, so daß es möglich war, alle Patienten, die sich meldeten, und die sich zu einer 
Analyse eigneten, in Behandlung zu nehmen. Wenn man sonst zu sagen pflegt, daß aller An- 
fang schwer sei, so wäre ich geneigt, dieses Anfangsstadium der Poliklinik als ihr goldenes 
Zeitalter zu bezeichnen. Durch die Kleinheit des Unternehmens war es möglich, alles in einer 
Hand zu vereinigen, und dieser Umstand hatte seine großen Vorteile. 

Die zweite Aufgabe, die gleich von Anfang an vor der Poliklinik stand, und die Freud 
bei der Idee der Gründung eines solchen Unternehmens seinerzeit noch nicht vorschwebte, 
war die, junge Analytiker auszubilden. Meldete sich bei Eitingon, der anfangs die Sprech- 
stunde in der Pohklinik allein oder nur mit Simmeis Hilfe abhielt, ein Patient, der ihm als 
Fall für einen Anfänger geeignet erschien, so gab er diesen Patienten dem betreffenden Ana- 
lytiker zur Behandlung und besprach den weiteren Gang der Analyse in mehrtägigen Intervallen 
mit dem Schüler. Eitingon kannte den Patienten und den Analytiker und das schien ein 
ungeheurer Vorteil zu sein, den man in den späteren Zeiten der Poliklinik der Intensität ihrer 
Entwicklung wegen nicht festhalten konnte. 

Diese Art des Betriebes wurde während der ersten Jahre aufrecht erhalten. Aber bald kam 
eine Zeit, in der sich die Anzahl der Patienten, die die Sprechstunde aufsuchten, sehr ver- 
mehrte, und ebenso vermehrte sich die Zahl derjenigen, die in die Poliklinik kamen, um 
dort ihre Ausbildung zum Analytiker durchzumachen. Es war selbstverständlich, daß der Leiter 
allmählich seine Tätigkeiten auf verschiedene Mitarbeiter aufteilen mußte. Über die Entwicklung 
der Unterrichtstätigkeit berichten andere Beiträge. 

45 



Eine Aufteilung erhielt aber auch die Sprechstunde. Während Eitingon in den ersten 
Jahren fast täglich selbst die Sprechstunde abhielt, übergab er dieses Amt später uns Assistenten. 
Es wurde das so eingeteilt, daß an vier verschiedenen Wochentagen je einer von uns diese 
Arbeit leistete. Wenn man bedenkt, daß es Tage gibt, an denen das Abhalten der Sprech- 
stunde mehr als vier Stunden in Anspruch nimmt, wird man verstehen, daß Eitingon 
sich dieser Aufgabe entziehen mußte. Sie wird jetzt so gehandhabt, daß wir ihm nur die Fälle 
vorstellen, die für eine Analyse in Frage kommen, so daß er also nur diese schon durch- 
gesiebten Patienten zu sehen bekommt. Die Anzahl von Fällen, (solche, die uns von Ärzten 
zugeschickt werden oder Andere, die spontan unsere Poliklinik aufsuchen), die für die Ana- 
lyse ungeeignet sind, ist erstaunlich groß. 

Die Sprechstunde unterscheidet sich zunächst nicht von der in einer anderen Poliklinik. Es 
kommen Menschen mit den verschiedensten Beschwerden. Alte Leute mit hochgradiger Arterio- 
sklerose und Anfällen von Angina pectoris, Leute mit beginnender progressiver Paralyse, 
fortgeschrittene Psychosen und dann vor allem und in überwiegender Mehrzahl die Fälle, für 
die unsere Poliklinik wirklich zuständig ist, also alle Arten und Abstufungen von Psycho- 
neurosen. Wenn es notwendig erscheint, nehmen wir eine körperliche Untersuchung 
vor und schicken die Patienten zu den verschiedensten Spezialärzten, wenn wir uns allein kein 
Urteil über eine fragliche somatische Erkrankung zu bilden getrauen. Also ganz ähnlich wie 
sonst in einer poliklinischen Sprechstunde. Eine lange Zeit nimmt natürlich das in Anspruch, 
was an anderer Stelle viel kürzer behandelt werden kann: das Erheben der Anamnese. 
Neurotische Menschen sind da sehr verschiedenartig. Es gibt solche, die den Arzt sofort mit 
einem Wortschwall überfallen, die gar nicht genug reden können, und, das andere 
Extrem, sehr gehemmte Menschen, die sich vor einem „Fremden", wie es der Arzt für sie 
darstellt, sehr schwer zum Erzählen entschließen können. Es ist natürlich bei solchen, aber 
auch bei anderen Fällen oft notwendig, einen Patienten wiederholt in die Sprech- 
stunde zu bestellen, damit man sich ein Urteil über sein Geeignetsein für eine 
analytische Behandlung bilden kann. Dies ist allerdings mit einer gewissen Einschränkung zu 
verstehen: Jeder Beginn einer Analyse hat den Namen „ Probeanalyse * : auch wenn man 
meint, daß ein Patient zur analytischen Behandlung geeignet sei, kann man eine abschlie- 
ßende Bestätigung dieses Urteils der ersten Zeit der Behandlung selbst überlassen. Aber 
bei aller Anerkennung dieses Sachverhaltes muß man doch trachten, die Fälle, bei denen erst 
die Probeanalyse ein negatives Resultat ergibt, auf ein Minimum zu reduzieren. Es stellt 
meistens für die Patienten ein weitaus geringeres Trauma dar, wenn man ihnen in der Sprech- 
stunde sagt, daß sie für die analytische Behandlung nicht in Frage kommen, als wenn man das 
erst nach einigen Wochen Probeanalyse feststellt. Bezüglich des Honorars haben wir das Prinzip, 
daß jeder Patient das Maximum, das er zu bezahlen imstande ist, auch bezahlt; die Höhe 
dieses Maximums bestimmt die Selbsteinschätzung des Patienten. 

Die endgültige Entscheidung über die Aufnahme eines Patienten und seine Zuweisung an 
einen Analytiker liegt in der Hand von Eitingon. 

46 



Wie schon erwähnt wurde, ist die Anzahl von Patienten, die sich bei uns melden, sehr 
groß geworden. Leider wachsen nicht im gleichen Tempo unsere Möglichkeiten für die Unter- 
bringung dieser Patienten. Es ist an anderen als psychoanalytischen Polikliniken natürlich un- 
vergleichlich viel leichter, den Patienten „abzufertigen". Es sind dort ja gewöhnlich nur beschränkte 
Zeiträume, die der Arzt dem Patienten zur Verfügung stellen kann. Wenn man bedenkt, daß 
eine Analyse, sehr gering gerechnet, 200 Behandlungsstunden erfordert und wir gegenwärtig 
ungefähr 40 Patienten zur Behandlung vorgemerkt haben, so wird man sich leicht ausrechnen können, 
wie groß die Schwierigkeiten sind, eine relativ kleine Anzahl von Ärzten für die unentgeltliche 
Leistung von ungefähr 8000 Arbeitsstunden zu bewegen. Die Mitglieder unserer Deutschen 
Psychoanalytischen Gesellschaft haben sich freiwillig verpflichtet, ständig mindestens einen Kranken 
der Poliklinik unentgeltlich zu behandeln. 

Ein Ubelstand, unter dem die meisten Patienten und auch wir viel zu leiden haben, ist 
der, daß die meisten Krankenkassen sich — wenigstens was die materielle Seite betrifft — 
sehr ablehnend der Analyse gegenüber verhalten. So mutet es etwas grotesk an, wenn ein 
Patient von der Kasse sechs Behandlungsstunden bewilligt bekommt und in Wirklichkeit zwei 
Jahre lang fast täglich in Behandlung sein muß. 

Wir haben an dem Psychoanalytischen Institut fünf Behandlungszimmer. In diesen Räumen 
arbeiten gewöhnlich junge Analytiker, die in Ausbildung begriffen sind. Ein großer Teil un- 
serer Mitarbeiter behandelt auch die Patienten der Poliklinik in seiner Wohnung, wie 
seine Privatpatienten. Zweifellos bietet das Behandeln der poliklinischen Patienten in den 
Räumen der Poliklinik einen Vorteil. Besonders die Frage des niedrigen Beitrags für die 
Poliklinik wird von dem Patienten, wenn er sich in dem gemeinsamen Warteraum als einer 
von vielen, die sich in der gleichen Situation befinden wie er, besser verarbeitet als in der 
Privatsprechstunde. Hier wird er, wenn er sich mit den anderen Patienten vergleicht, die für 
die gleiche Behandlung viel Geld bezahlen müssen, leicht das Gefühl des Bevorzugten haben. 

Wir wollen diese Ausführungen mit dem Ausdruck der Hoffnung schließen, daß bei dem 
nächsten Jubiläum der Poliklinik der Pessimismus Freuds bezüglich der Stellungnahme öffent- 
licher Institutionen zur Psychoanalyse nicht mehr recht behält und wir, durch öffendiche Hilfe 
unterstützt, imstande sein werden, jedem Kranken, dem durch Analyse geholfen werden könnte, 
auch wirklich zu helfen. 



47 



Die Einriditimgen der Lehranstalt 



A) %\xt Organisation 

Von 

Karen Horney 

■ 

Schon in den ersten drei Jahren war die Zahl derer, die sich im Institut zu psychoanaly- 
tischen Therapeuten ausbilden wollten, so angewachsen, daß es sich als unzweckmäßig erwies, 
die Zulassung der Kandidaten und die Auswahl des Lehrstoffes der Initiative Einzelner zu über- 
lassen. Aus dem sich stets erweiternden Aufgabenkreis heraus wuchs vielmehr ganz organisch 
das Bedürfnis, die einzelnen Aufgaben geordnet zu verteilen und einen systematischen Ausbau 
des Lehrganges anzustreben. Es wurde daher im Jahre 1923 unter Leitung von Eitingon 
ein Ausschuß gebildet, der als zentrale Instanz diese Aufgaben in Angriff nehmen sollte. 

Gewisse praktisch drängende Regelungen waren unschwer getroffen, wie etwa die Auf- 
stellung eines Kursprogramms, oder die Bestimmung, daß die Verantwortung für die Zulassung 
eines Kandidaten in Zukunft grundsätzlich nur vom Ausschuß und nicht von einem Einzelnen 
getragen werden sollte. Weder über die Kriterien der Zulassung noch über Einzelfragen des 
Lehrganges bestand aber Klarheit und Einigkeit. Erst eingehende Beratung ließ damals unsere 
ersten „Richtlinien zur Ausbildung zum psychoanalytischen Therapeuten" entstehen, von denen 
manches Grundsätzliche, durch die Erfahrung bestätigt, auch in der Gegenwart beibehalten 
werden konnte, anderes uns heute unzulänglich und dürftig erscheint. Beibehalten wurde die 
grundsätzliche Dreiteilung des Lehrganges in Lehranalyse, theoretische und praktisch-poliklinische 
Ausbildung. Einzelheiten in allen drei Teilen mußten aber modifiziert, bzw. präzisiert werden. 
Den Erfahrungen entsprechend wurden nach wiederholter und eingehender Einzelberatung 
1929 neue „Richtlinien" formuliert, die Ref. später im Wortlaut folgen läßt. 

Verschiedene Beiträge werden dartun, wie sich unsere Auffassung der Lehranalyse, die 
Handhabung der Kurse und vor allem der praktischen Ausbildung entwickelt haben. Ref. 

48 




Vorlesungszimmer 




Sitzungssaal 




Zimmer des diensthabenden Arztes 




Behandlungszimmer Nr. 2 



möchte hier nur die Entwicklung verfolgen, die in der Stellung zu den Zulassungsbedin- 
gungen stattgefunden hat. 

Um zunächst mit einem Punkt zu beginnen, der wohl allgemein als Gewinn gebucht werden 
dürfte: In den ersten „Richtlinien* fehlt der Begriff der „persönlichen Eignung* noch völlig. 
Verschiedene Momente haben dazu gedrängt, gerade auf ihn besonderes Gewicht zu legen. 

Einmal bestätigte die Erfahrung die Erwartung, daß nicht alle Kandidaten mit gleich guter 
Vorbildung und Ausbildung sich als geeignet für die Praxis erwiesen. Die Enttäuschungen, die 
wir erlebten, waren im Grunde keine anderen als die, vor denen Freud immer gewarnt hatte, 
wenn er riet, die Wirksamkeit der Analyse nicht zu überschätzen. Sie kann nicht aus jedem 
beliebigen Menschen einen idealen, oder auch nur einen durchschnittlich brauchbaren Analy- 
tiker schaffen. Wir sahen, daß einer ausgesprochenen UnZuverlässigkeit des Charakters oder 
einem Mangel an psychologischer Begabung auch durch eine gute Lehranalyse nicht abzuhelfen 
sei; ja wir mußten, — wenn auch ungern — eingestehen, daß auch Menschen mit schwereren 
Neurosen durch die Lehranalyse zwar praktisch geheilt werden konnten, aber doch nicht jenen 
Grad an psychischer Stabilität erlangten, wie sie sich zur Ausübung des psychoanalytischen Be- 
rufs als erforderlich erwies. Es gehörte ein großer Mut dazu, aus diesen Einsichten in unsere 
Schranken die Konsequenzen zu ziehen, und in den neuen „Richtlinien* das Vorhandensein 
gewisser Qualitäten von vorneherein zur Bedingung der Ausbildung zu machen, wobei sich 
allerdings sofort das neue Problem ergab, woran diese zu erkennen seien. Da die Gabe intuitiver 
Menschenkenntnis bei Analytikern nicht häufiger vorzukommen scheint als bei anderen Men- 
schen, so blieb für die Fälle, in denen das doch nur begrenzt verläßliche Urteil einiger Weni- 
ger nicht auszureichen schien, dieselbe Auskunft, die wir auch in therapeutischen Analysen mit 
zweifelhafter Indikationsstellung anzuwenden pflegen: Die Probeanalyse. 

Ein zweites Moment kam hinzu, das uns zwang, auf diese Prüfung der persönlichen Eig- 
nung ein besonderes Gewicht zu legen. Es drängten sich nämlich gelegentlich auch alle mögli- 
chen, gewiß unerwünschten Elemente zur Ausbildung: alternde Frauen, die im Aufgabenkreis 
der Familie keine ausreichende Erfüllung mehr fanden; Menschen, die in ihren Studien oder 
Berufen Schiffbruch erlitten hatten, glaubten, daß sich ihnen hier ein Beruf eröffne, der im Gegensatz 
zu allen anderen verantwortlichen, geistigen Berufen ohne spezielle Vorbildung erreichbar schien. 

Bezüglich der Fragen der Vorbildung durfte man aber auch wieder nicht zu einseitig 
sein. Es will zwar einigen von uns scheinen, als sei eine gute ärztliche Bildung mit ihrer Schu- 
lung im Umgang mit kranken Menschen und mit ihrem Wissen um die Möglichkeiten und 
die Beschaffenheit somatischer Störungen trotz aller Mängel immer noch die beste Vorbildung 
zum psychoanalytischen Beruf — andererseits war aber nicht zu verkennen, daß es Persönlich- 
keiten gab, deren Bildungsgrad oder berufliche Leistungen auf anderen Arbeitsgebieten bei 
gleichzeitigen großen persönlichen Qualitäten so vielversprechend war, daß es nicht sinnvoll er- 
schien, sie nur wegen des Mangels der ärztlichen Vorbildung von der psychoanalytischen Aus- 
bildung auszuschließen. 

Wie die hier abgedruckten Richtlinien zeigen, konnten die auf diese Weise modifizierten 
Zulassungsbedingungen nur in sehr breiten' Umrissen gekennzeichnet werden. Wir können nur 



49 



hoffen, daß eine sorgfältige und kritische Prüfung der zukünftigen Erfahrungen uns auch im 
Bereiche dieser Schwierigkeiten den Weg zeigen wird, welche Vorbereitung den Anforderungen 
des Berufs am besten gerecht wird. 



A N HA N G 



Richtlinien für die Lehrtätigkeit des Instituts 



A) Allgemeines 

Die Ziele der Lehr- und Unterrichtstätigkeit des 
Instituts sind : 

a) Die theoretische und praktische Ausbildung 
in der Psychoanalyse, 

b) die Förderung der psychoanalytischen For- 
schung, 

c) die Verbreitung psychoanalytischer Kenntnisse. 

B) Organisatorisches 

Die Leitung der Ausbildung sowie die Rege- 
lung der mit ihr zusammenhängenden Fragen ist 
einem 7gliedrigen, von der Deutschen Psychoana- 
lytischen Gesellschaft eingesetzten Unterrichtsaus- 
schuß anvertraut. 

Dem Unterrichtsausschuß obliegt auch die Orga- 
nisation und Kontrolle des sonstigen psycho- 
analytischen Unterrichts (Siehe D). 

C) Zulassung und Ausbildung 
der Kandidaten 

I) Zulassungsbedingungen für Ärzte 
Die Zulassung ärztlicher Kandidaten ist an fol- 
gende Bedingungen geknüpft : 

1. Persönliche Eignung. 

Die Feststellung der persönlichen Eignung ob- 
liegt dem Unterrichtsausschuß. Er berücksichtigt 
dabei : Reife der Persönlichkeit, Zuverlässigkeit des 
Charakters und psychologische Begabung. Ausge- 
schlossen sind Personen mit schwereren neuroti- 
schen Störungen. 

2. Wissenschaftliche Vorbildung. 

Als wissenschaftliche Vorbildung gilt im allge- 
meinen das bereits abgeschlossene medizinische 
Studium. (Über die erforderliche Fortführung der 
ärztlichen Ausbildung und ihre zweckmäßige Ver- 
bindung mit der psychoanalytischen Ausbildung 
siehe G, HI). 

Der Ausschuß bestimmt über die Zulassung der 
Ausbildungskandidaten, nachdem sich diese drei 
Mitgliedern desselben persönlich vorgestellt haben. 

Ehe der Kandidat seine Ausbildung beginnt, 
verpflichtet er sich dazu, vor Beendigung der Ge- 



samtausbildung ohne Genehmigung des Unterrichts- 
ausschusses keine selbständige psychoanalytische 
Praxis zu betreiben und sich nicht als ausübenden 
Psydioanalytiker zu bezeichnen. 

II) Zulassungsbedingungen für Michtärzte 
Unter nachstehenden besonderen Bedingungen 
werden zur Ausbildung auch nichtärztliche Kandi- 
daten zugelassen, denn für die Entwicklung der 
Psychoanalyse ist die Mitarbeit anders als medi- 
zinisch vorgebildeter Wissenschaftler unentbehrlich. 
Da sich jede psychoanalytische Forschung unum- 
gänglich auf der empirischen Basis der psychoana- 
lytischen Therapie aufbaut, muß die Ausbildung 
auch dieser nichtärztlichen Kandidaten eine volle 
praktisch-therapeutische sein, die sie zur Ausübung 
der psychoanalytischen Therapie ausrüstet. 

Entsprechend diesem Grundsatze ist die Zulassung 
nichtärztlicher Kandidaten an folgende Bedingungen 
geknüpft : 

1. Persönliche Eignung. 

Die Feststellung der persönlichen Eignung ob- 
liegt dem Unterrichtsausschuß und erfolgt nach 
denselben Gesichtspunkten wie bei Ärzten. 

2. Wissenschaftliche Vorbildung. 

Als eine entsprechende wissenschaftliche Vor- 
bildung gilt das abgeschlossene Hochschulstudium 
auf einem Gebiete, das — nach Methode oder 
Gegenstand — Berührungspunkte mit der Psycho- 
analyse hat. 

Ausnahmsweise kann die Zulassung auch auf 
Grund anderweitig erworbener Vorbildung erfolgen, 
wenn der Kandidat vollwertige wissenschaftliche 
oder praktisch-berufliche Leistungen aufweisen kann. 1 

3. Wissenschaftliche Befähigung. 
Die Feststellung der wissenschaftlichen Befähigung 

obliegt dem Unterrichtsausschuß und erfolgt auf 

1) Bei Kandidaten, die die erforderliche wissenschaft- 
liche Vorbildung bzw. Befähigung durch praktisch- beruf- 
liche Leistungen erweisen, wird in erster Linie an Per- 
sonen gedacht, die sich auf pädagogischem oder sozialem 
Gebiete durch ihre Leistungen hervorgetan haben. 



50 



r 



Grund vorliegender wissenschaftlicher oder prak- 
tisch-beruflicher Leistungen, die eine erfolgreiche 
Arbeit auf dem Gebiete der psychoanalytischen 
Wissenschaft und ihrer Anwendungen erhoffen 
lassen. 1 

Vor Beginn der Ausbildung, hat der nichtärzt- 
liche Kandidat außer der für den ärztlichen Kan- 
didaten geltenden Verpflichtung (Siehe G) I) 2. 
letzter Satz) die weitere Verpflichtung zu über- 
nehmen, bei der Ausübung seiner zukünftigen 
psychoanalytischen Praxis die von der Deutschen 
Psychoanalytischen Gesellschaft festgesetzten Ein- 
schränkungen zu beobachten. 2 

III) Ausbildung der Ärzte 
Die psychoanalytische Ausbildung ärztlicher Kan- 
didaten umfaßt: i. die Lehranalyse, 2. den theo- 
retischen und 3. den praktischen Lehrgang. 

1. Die Lehranalyse steht am Anfang der psycho- 
analytischen Ausbildung und ist zugleich ihr un- 
erläßlichstes Stück. Die Dauer der Lehranalyse ist 
von der Persönlichkeit des Kandidaten abhängig ; 
sie kann nach den Erfahrungen des Lehrinstituts 
bei täglich einstündiger Analysearbeit auf minde- 
stens ein Jahr veranschlagt werden. Über die Zu- 
länglichkeit des Ergebnisses der Lehranalyse ent- 
scheidet der Unterrichtsausschuß. Er kann nötigen- 
falls eine Fortsetzung der Lehranalyse im Verlauf 
des weiteren Ausbildungsganges bzw. auch dessen 
Unterbrechung bis zur Beendigung der Lehranalyse 
verlangen. Die Lehranalyse soll nach Möglichkeit 
bereits vollständig — auf alle Fälle in ihren we- 
sentlichen Teilen — beendet sein, ehe das prak- 
tisch-therapeutische Stück der Ausbildung begonnen 
wird. Die vorteilhafteste Zeiteinteilung ergibt sich, 
wenn die Lehranalyse gleich nach bestandenem 
Staatsexamen begonnen und während der Medizi- 
nalpraktikantenzeit durchgeführt wird. Die Wahl 
des Lehranalytikers kann nur unter den vom 
Unterrichtsausschuß dazu Ermächtigten stattfinden. 
Der einzelne Analytiker hat nicht das Recht, auf 

2) Die von der Deutschen Psychoanalytischen Gesell- 
schaft für die therapeutische Tätigkeit nichtärztlicher Ana- 
lytiker festgesetzten Einschränkungen lauten : 

a) Diagnose und Indikationstellung sollen in jedem 
Falle im Einvernehmen mit einem ärztlichen Psychoana- 
lytiker bzw. mit einem Facharzt erfolgen, 

b) Psychosen und psychiatrische Grenzfälle sollen nur 
von ärztlichen Analytikern behandelt werden. 

c) Neurosen mit organischen Komplikationen und orga- 
nische Grenzfälle sollten grundsätzlich ebenfalls dem" ärzt- 
lichen Analytiker vorbehalten bleiben. 



eigene Verantwortung, d. h. ohne jeweilige Er- 
mächtigung durch den Unterrichtsausschuß, Kandi- 
daten zur Ausbildung zu übernehmen. 

2. Der theoretische Lehrgang übermittelt den 
Kandidaten den psychoanalytischen Wissensstoff in 
obligatorischen Vorlesungen und Seminaren. (Siehe 
E) Studienplan.) Außer den obligatorischen Kursen 
werden in jedem Quartal fakultative Vorlesungen 
und Seminare über verschiedene Spezialthemata ab- 
gehalten, deren Auswahl den Kandidaten über- 
lassen bleibt. Sämtliche Kurse finden in den Abend- 
stunden (8 — 11 Uhr) statt. Diese Anordnung soll 
es den Kandidaten ermöglichen, gleichzeitig ihre 
unerläßliche sonstige klinische (interne, organisch- 
neurologische und insbesondere psychiatrische) Aus- 
bildung zu vervollständigen. Ferner wird empfohlen, 
daß sich die Kandidaten — sofern sie dies nicht 
bereits im Laufe ihres Medizinstudiums getan haben 
— während der Dauer des theoretischen Lehr- 
ganges die nötigen geisteswissenschafdichen Kennt- 
nisse (insbesondere auf den Gebieten der Kultur- 
geschichte> Völkerpsychologie, Soziologie und Wissen- 
schaftslehre) aneignen. 

3) Den praktisch-analytischen Lehrgang absol- 
vieren die Kandidaten als Praktikanten (Volontär- 
assistenten) an der Poliklinik des „Berliner Psycho- 
analytischen Instituts". Dort führen sie unter An- 
leitung und Kontrolle analytische Krankenbehand- 
lungen aus und haben Gelegenheit, im obligatori- 
schen „Technischen Seminar« an Hand der von 
ihnen selbst behandelten Krankheitsfälle ihr theo- 
retisches Wissen und praktisches Können zu ver- 
vollständigen. 

Mit der erfolgreichen Beendigung des prakti- 
schen Lehrganges ist die Ausbildung abgeschlossen, 
und der Kandidat kann die selbständige Tätig- 
keit als ausübender Analytiker aufnehmen. So- 
bald er über ein gewisses Ausmaß eigener Er- 
fahrungen verfügt, kann er sich um die Mitglied- 
schaft der Deutschen Psychoanalytischen Gesell- 
schaft bewerben, die ihm zugleich als Ausweis 
seiner Ausbildung dient und ihm die Möglich- 
keit der ständigen analytischen Fortbildung sichert. 

Die gesamte psychoanalytische Ausbildung 
nimmt erfahrungsgemäß einen Zeitraum von drei 
bis vier Jahren in Anspruch. Jedes Stück des 
Gesamtausbildungsganges kann auch außerhalb 
des Berliner Psychoanalytischen Instituts an hierzu 
von der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft 
autorisierten Stellen absolviert werden. 



51 



IV) Ausbildung der Nichtärzte 
i) Die Ausbildung der nichtärztlichen Kandi- 
daten erfolgt im Wesentlichen nach denselben 
Gesichtspunkten wie bei den Ärzten, nur haben 
die Kandidaten darüber hinaus eine Reihe von 
Kenntnissen zu erwerben, die für ihre spätere 
analytisch-therapeutische Tätigkeit erforderlich sind, 
und zwar auf den Gebieten der Biologie, Psycho- 
logie, Sexuologie, Pathologie und Psychiatrie. Zu 
diesem Zweck sollen alle einschlägigen örtlichen 
Bildungsmöglichkeiten (Universität, Hochschule usw.) 
systematisch herangezogen werden. 

2. Ferner sollen die nichtärztlichen Kandidaten 
den ärztlichen Umgang mit Kranken, insbesondere 
Geisteskranken, aus persönlicher Erfahrung ken- 
nen lernen. Gelegenheit dazu soll ihnen das 
Lehrinstitut nach Möglichkeit vermitteln. 

V) Zulassung und Ausbildung der Kandidaten 
für die Kinderanalyse 

Für die Zulassung und die Ausbildung der 



Kandidaten für die Kinderanalyse gelten zunächst 
die gleichen Bestimmungen wie für den psycho- 
analytischen Therapeuten überhaupt. Für die 
speziellen Bestimmungen über die Ausbildung als 
Kinderanalytiker wird ein besonderes Statut vor- 
bereitet. 

D) Sonstiger psychoanalytischer Unterricht 

i) Für Angehörige bestimmter Berufskategorien 
(wie Pädagogen, Seelsorger, Sozialarbeiter, Juristen, 
Ärzte), die psychoanalytische Kenntnisse im Rah- 
men und für die Zwecke ihrer bisherigen 
Berufstätigkeit zu erwerben wünschen, werden 
besondere Kurse eingerichtet. 

Auf Grund der dabei gemachten Erfahrungen 
soll später entschieden werden, in welcher Weise 
und in welchem Umfange für die besonderen 
Berufszwecke dieser Kategorien weitergehende 
spezifische Bildungsmöglichkeiten zu schaffen wären. 

2. Ferner werden für den weiteren Kreis der 
Gebildeten Öffentliche Vorträge veranstaltet. 



E) Studienplan 

t) Lehranalyse 
2) Theoretischer Lehrgang (Obligatorische Kurse) 





Erstes Jahr 


Zweites Jahr 


I. 

Quartal 
(Okt.- 

Dez.) 


1. Einführung in die Psychoanalyse, 

I. Teil (Analytische Normalpsychologie) 

2. Traumdeutung 

3. Freu d-Seminar : „Drei Abhandlungen zur Se- 
xualtheorie w 


1. Spez. Neurosenlehre, IL Teil (Charakterstörun- 
gen, Kriminalität, Perversionen, Süchte, narzisst. 
Neurosen, Psychosen) 

2. Indikationen und Technik der analytischen 
Therapie, 1. Teil 

3. Freud-Seminar: Theoret. Schriften, I. Teil 


IL 

Quartal 
(Jan.- 
März) 


1. Einführung in die Psychoanalyse, 
II. Teil (Allgemeine Neurosenlehre) 

2. Trieblehre 

3. Freu d-Seminar ; Krankengeschichten I. Teil 


1. Indikationen und Technik der analytischen 
Therapie, II. Teil 

2. Psychoanalytische Ethnologie und Massenpsy- 
chologie 

3. Freud-Seminar: Theoret Schriften, IL Teil 


III. 

Quartal 
(April- 
Juni) 


1. Spez. Neurosenlehre, I. Teil, Übertragungsneu- 
rosen (Hysterie, Phobie, Zwangsneurose) und 
Aktualneurose 

2. Anwendung der Psychoanalyse auf Literatur 
und Kunst 

3. Freud-Seminar: Krankengeschichten, II. Teil 


1. Psychoanalyse und Pädagogik 

2. Seminaristische Übungen zur Deutungskunst und 
Symbolik 

3. Freu d-Seminar : Schriften zur Technik 



g) Praktischer Lehrgang 

a) Praktisch-therapeutische Übungen (Kontrollanalyse) — b) Technisches Seminar. 



52 



B) Die Lenranalyse 

Von 
Hanns Sachs 

Die Kirchen haben stets von denjenigen ihrer Anhänger, die ihr ganzes Leben in den 
Dienst des Jenseitigen und Übersinnlichen stellen wollten, also von künftigen Priestern und 
Mönchen, eine Probezeit, ein Noviziat gefordert. In dieser Übergangsfrist sollten sie lernen, 
die Weltgeschehnisse anders anzusehen, als mit Laienaugen, ihren Blick über das Sichtbare 
hinweg auf das Verborgene hin zu richten. Die Psychoanalyse verlangt von denen, die sie 
ausüben wollen-, zwar keineswegs, daß sie den Realitäten des Daseins geminderte Beachtung 
schenken oder in ihnen nur Symbole erblicken sollen, im Gegenteil, sie ist auf Empirie und auf eine 
bis ins Kleinste genaue Beobachtung des Tatsächlichen gegründet — aber diese Beobachtung 
soll sich in erster Linie auf Dinge erstrecken, die auch, — wenngleich aus anderen 
Gründen und auf andere Weise wie das Transzendente — verborgen und geheimnisvoll 
„dem Laien-Auge entzogen" sind. Es handelt sich um das Unbewußte, um die verdrängten 
Triebanteile und] die ihnen angehörigen Erlebnisse und Phantasien, auf deren Nicht-Kennt- 
nis — denn das bedeutet ja Verdrängung — ein großer Teil der Kultur-Entwicklung und 
damit auch der Erziehung und des Entwicklungsganges jedes Einzelmenschen aufgebaut ist. 

Es handelt sich darum, daß die künftigen Analytiker etwas sehen lernen, was andere Menschen 
leicht, gerne und dauernd übersehen, und daß sie imstande sind, diese Beobachtungsfahigkeit auch 
dort beizubehalten, wo das Resultat mit den eigenen Wünschen und Affekten im entschiedensten 
Widerspruch steht Da die analytische Brille nicht in der Behandlungsstunde aufgesetzt und 
danach wieder abgenommen werden kann, handelt es sich ferner darum, diese Einsichten, die 
soviel Abgründiges, soviel verborgene Häßlichkeiten und Gefahren in den menschlichen 
Beziehungen ans Licht bringen, ohne eigene Schädigung dauernd ertragen zu lernen. Die Lehr- 
analyse soll die Bürgschaft dafür geben, daß das neuerworbene Wissen trotz dieser Schwierig- 
keiten richtig verwaltet und verwertet wird. 

Wie man sieht, braucht die Analyse etwas, was dem Noviziat der Kirche entspricht. Mit 
der Erwerbung theoretischer Kenntnisse, mit einem noch so vollkommenen Buchwissen ist ihr 
nicht gedient. Sie verlangt von denen, die sie ausüben, eine ständige BHckrichtung auf Dinge 
hin, von denen wegzusehen als innere Notwendigkeit oder als sittliche Forderung gilt, wie 
z. B. die kindliche Sexualität, der Ödipus-Komplex und die Ambivalenz in den menschlichen 
Beziehungen. Der einzige einigermaßen sichere Weg zu diesem Ziele ist die Lehranalyse, die 
deshalb als ein durch kein anderes Mittel ersetzbares, wesentliches Stück des analytischen Aus- 
bildungsganges anzusehen ist. Durch die Kenntnisnahme von den eigenen unbewußten Regungen, 
sowie durch die dauernde Vertrautheit mit ihnen wird der Analytiker instand gesetzt, das 
Unbewußte anderer Menschen zu erforschen und dessen Einfluß auf ihre Handlungen und 
Leiden richtig einzuschätzen. 

Als das Berliner Institut ins Leben gerufen wurde, war das Bestreben der Begründer von 
Anfang an darauf gerichtet, für die Erfüllbarkeit dieser wichtigen Bedingung Vorsorge zu 

53 



treffen. Die Lehranalyse, die bisher von erfahrenen Analytikern sozusagen „nebenamtlich" aus- 
geübt worden war, wurde durch diesen systematischen Ausbau hier zum erstenmal ein selb- 
ständiger Zweig der Analyse. 

Es ist hier nicht der Ort, die Probleme, die in Zusammenhang mit diesem Fortschritt auf- 
getaucht sind, zu erörtern oder auch nur aufzuzählen ; nur zwei Beispiele sollen herausgegriffen 
werden : Das erste ist die Frage nach der Auswahl der Kandidaten, also nach der Vorbildung, 
den Fähigkeiten und den Charakteranlagen, die als besonders günstig, bezw. ungünstig für 
den eigenartigen Beruf des Analytikers angesehen werden müssen; daran schließt sich das 
Problem, wie man diese Dinge am schnellsten und sichersten beurteilen kann. Das zweite 
ist die Frage nach der Beendigung der Analyse, die im Falle der Lehranalyse besonders schwer 
zu beantworten ist, weil das sonst ausreichende Merkzeichen, die dauernde Beseitigung der 
Symptome, hier entweder fehlt oder nicht genügt. 

Noch sind nicht alle Schwierigkeiten auf diesem Gebiet überwunden, einige vielleicht noch 
nicht einmal voll erkannt. Aber die Tatsache, daß die Lehranalyse von höchster Wichtigkeit 
für die psychoanalytische Bewegung wie für die Wissenschaft ist, wird allgemein gewürdigt; ihre 
Förderung gehört zu den wesentlichen Verdiensten des Berliner Instituts. 



C) Der theoretische Lehrgang 

Von 
Fran? Alexander 

Der theoretische Lehrgang bildet das Mittelstück der Ausbildung zum psychoanalytischen 
Therapeuten. Nachdem der Kandidat durch seine eigene Analyse (Lehranalyse) jene typischen 
gefühlsmäßigen Widerstände überwunden hat, die die psychoanalytischen Einsichten bei der 
Mehrzahl der Menschen hervorrufen, beginnt seine Ausbildung in der psychoanalytischen 
Theorie. Auf die theoretische Ausbildung folgt dann das letzte Stück des Lehrganges, die 
Anwendung der Kenntnisse auf den kranken Menschen : die praktische Ausbildung* Die Auf- 
gabe des theoretischen Lehrganges besteht darin, den Kandidaten mit den wesentlichsten grund- 
legenden Erfahrungen und Vorstellungen des psychoanalytischen Lehrgebäudes bekannt zu 
machen. Einen systematisch durchdachten Lehrplan hat das Berliner Psychoanalytische Institut 
erst in den letzten Jahren eingeführt. Das Institut hat in den ersten Jahren seines Bestehens 
weder über genügende Lehrkräfte noch über genügende Erfahrungen verfügt, um eine syste- 
matische Lehrtätigkeit zu betreiben. Die ersten Versuche, ein planmäßig angelegtes Studien- 
system einzuführen, wurden von allen Dozenten des Instituts mit einer gewissen Skepsis unter- 
nommen. Allmählich haben sich zwar geeignete Lehrkräfte in genügender Zahl zusammen- 
gefunden, auch zeigte sich ein jährlich sich steigerndes Interesse für unsere Lehrkurse, besonders 
unter den jungen Ärzten, namentlich bei jungen Psychiatern, wir zweifelten jedoch daran, ob 
die Erfahrungsgrundlagen und theoretischen Konzeptionen unserer so jungen Wissenschaft heute 

54 



schon dazu geeignet sind, um systematisch, planmäßig gelehrt zu werden. Gewichtige Gründe 
für diese Zweifel waren fraglos vorhanden. Der Schopfer der Psychoanalyse hat von Anfang 
an zunächst vielleicht mehr intuitiv, später zielbewußt, eine frühzeitige systematische Erstarrung 
der jungen Wissenschaft sorgfältig vermieden. Damit hat er nicht nur dem ausgesprochen 
empirischen Charakter der Psychoanalyse Rechnung getragen, sondern besonders auch der Neu- 
artigkeit der von ihm begründeten Wissenschaft. Die Psychoanalyse, die erste wissenschaftliche 
Psychologie — soweit man unter Psychologie die Kenntnis der seelischen Inhalte des Menschen 
und des seelischen Apparates als eines einheitlichen Systems versteht — hatte auf keine wissen- 
schaftliche Traditionen zurückzublicken, mußte sich ihre Methode, ihre Grundbegriffe erst selbst 
schaffen. Weder die Naturwissenschaften noch die Vor-Freudsche Psychologie konnten methodo- 
logisch, erkenntniskritisch und inhaltlich Stützpunkte für die neu entstehende Wissenschaft 
liefern. Sie ist eine Art vertiefte Menschenkenntnis, die aber nicht mehr, wie bei den Dichtern 
auf rein intuitiver Einfühlung, sondern auf methodisch gewonnenen empirischen Einzelbeob- 
achtungen beruht. Eine psychoanalytische Krankengeschichte, also das empirische Substrat 
unserer Wissenschaft ist noch am ehesten mit einer guten Biographie zu vergleichen. Sie ist 
allerdings eine Biographie in mikroskopischer Vergrößerung. Der Vergleich mit einer psychia- 
trischen Anamnese ist mehr äußerlich, weil die psychoanalytischen Einsichten auf einem prin- 
zipiell verschiedenen Wege gewonnen werden und weil die psychiatrischen Anamnesen in 
erster Linie nicht auf ein möglichst lückenloses Verständnis der psychologischen Zusammen- 
hänge in der Entwicklung des Patienten ausgehen. Es ist leicht zu verstehen, daß die Lebens- 
bedingung einer solchen neuartigen Wissenschaft, die in ihren Voraussetzungen, in ihrer 
Methode und in ihrem Inhalt kaum etwas von anderen, älteren Wissensgebieten lernen konnte, 
darin bestand, ihre wissenschaftlichen Begriffe in einer plastischen Veränderlichkeit und An- 
passungsfähigkeit an das schnell heranwachsende empirische Material zu erhalten und diese 
Begriffe nicht allzufrüh zur scholastischen Präzision erstarren zu lassen. 

So liefen die Interessen der wissenschafdichen Entwicklung und des Unterrichts zunächst 
entgegengesetzt. Unterrichten lassen sich naturgemäß nur einfache präzise, bereits konstant 
gewordene Begriffe und theoretische Vorstellungen. Andererseits aber nahm die Entwicklung 
der Psychoanalyse ein außergewöhnlich schnelles Tempo an. Gewisse Grundbegriffe und Vor- 
stellungen, sowohl psychologisch-inhaltlicher wie dynamischer Natur, haben sich an einer solchen 
Fülle von Material bestätigt, daß die Grundzüge der Theorie sich bald zu einer exakten, durch- 
sichtigen Einheit konsolidieren konnten. Die Prinzipien der Traumlehre, des einheitlichsten und 
gesichertsten Teils der psychoanalytischen Theorie ließen sich auf viele pathologische und normale 
Seelenvorgänge ausdehnen. Die konsequente Durchführung der topischen, dynamischen und 
ökonomischen Betrachtungsweise hat eine gewisse Systembildung unvermeidlich gemacht, und 
damit ist die Zeit des systematischen Unterrichts näher gerückt. Eine fortschreitende vorsichtige 
Systembildung und damit parallel der systematische Unterricht sind allmählich nicht nur möglich, 
sondern im höchsten Maße erforderlich geworden. Die frühere Lebensbedingung unserer 
Wissenschaft — die von den starren Begriffen unbeeinflußte voraussetzungslose Beobachtung 
möglichst ohne systematische Zusammenfassungen — haben neuen wissenschaftlichen Erforder- 

55 



nissen Platz gemacht. Wie in jeder Wissenschaft, so auch in der Psychoanalyse haben die aus 
den Beobachtungen abstrahierten Begriffe ihre eigene Golem-Existenz zu leben begonnen. Sie 
haben nach ihren eigenen Rechten verlangt. Zu der empirischen Entwicklung hat sich eine 
begriffliche Entwicklung gesellt, und beide befruchten sich nun gegenseitig. Neben diesen im- 
manenten Gesetzmäßigkeiten der Wissenschaftsbildung hat auch die SteUung der Psychoanalyse 
in den Wissenschaften eine schärfere Begriffsbildung und den dadurch ermöglichten Unterricht 
erfordert. Die Tage der Sonderschulenbildungen sind heute gezählt. Die ursprünglichen, grund- 
legenden empirischen Funde von Freud wurden bald zur Freibeute willkürlicher System- 
bildungen. Man ist geradezu verführt, von der Zeit eines wissenschaftlichen Raubrittertums im 
Gebiete der psychologischen Analyse der Seelenerscheinungen zu sprechen. Einzeltatsachen 
wurden einseitig herausgegriffen und zur Grundlage einer verflachten psychoanalytischen 
Theorie verallgemeinert, oder die analytischen Einsichten wurden von weltanschaulichen, philo- 
sophischen oder moralischen Gesichtspunkten aus theoretisch vergewaltigt. Die Psychoanalyse 
im Sinne Freuds konnte es lange an Einheitlichkeit und Einfachheit mit den Theorien dieser 
Sonderschulen nicht aufnehmen. Die theoretisch zulässige Bewältigung des empirischen Materials 
hat eine längere Zeit korrekter wissenschaftlicher Arbeit gebraucht, um zu zusammenfassenden 
einheitlichen Gesichtspunkten zu gelangen. 

Parallel mit der zunehmenden Zusammenfassung der Einzelbeobachtungen hat sich die 
Anwendbarkeit der Psychoanalyse von dem Gebiet der Pathologie ausgehend auf andere neue 
Gebiete der menschlichen Seelentätigkeit ausgedehnt. Ja, geradezu den Prüfstein für die Kor- 
rektheit der begrifflichen Abstraktionen bildete die Anwendung auf neue Gebiete. Immer mehr 
erhielt die Psychoanalyse den Charakter einer allgemeinen Psychologie. Und so wurde das 
ursprüngliche Gebiet, die Therapie, wenn auch in Bedeutung noch immer vorherrschend, eine 
Anwendungsmöglichkeit neben vielen anderen. In diesem Stadium ist das Bedürfnis nach einem 
systematischen Unterricht in einer auch für die Nachbargebiete brauchbaren Form immer mehr 
spürbar geworden. In dieser Lage der inneren Entwicklung und der Stellung in der Welt der 
Wissenschaften wurde vor kaum 3 Jahren der von vielen Zweifeln begleitete Versuch unter- 
nommen, einen systematischen Lehrplan der psychoanalytischen Ausbildung zu verwirklichen. 
Trotz der Kürze der Zeit dürfen wir heute diesen Versuch als über Erwarten erfolgreich be- 
zeichnen. Der Studienplan ist zwar noch ständigen tastenden Änderungen unterworfen, doch 
haben sich in diesen drei Jahren die Prinzipien eines Lehrplans ausgebildet, der geeignet ist 
unter noch reiflich primitiven Bedingungen mit außerordendich geringen finanziellen Mitteln 
den analysierten Kandidaten innerhalb zweier Jahre in die theoretischen Grundlagen der psycho- 
analytischen Psychologie und Therapie einzuführen. Der theoretische Lehrgang besteht aus 
6 Quartalen, je 3 in einem Jahr. Jedes Quartal bringt je 3 obligatorische Lehrkurse und außer- 
dem dem Lehrstoff des jeweiligen Quartals möglichst entsprechende fakultative Vorlesungen. 
Der Lehrstoff der nacheinander folgenden Quartale ist planmäßig nach einer systematischen 
Entwicklung des gesamten Wissensstoffes eingeteilt. Diese Einteilung ist verschiedenen Gesichts- 
punkten unterworfen. Einer dieser Gesichtspunkte entspricht ungefähr der medizinischen Aus- 
bildung. Erst wird den Kandidaten eine Art Anatomie und Physiologie des seelischen Appa- 



56 



rates geboten. Ein Einführungskursus bringt im ersten Quartal eine psychoanalytische Normal- 
psychologie, ergänzt durch einen Kursus über Traumdeutung und durch einen über Trieb- 
lehre. In dem zweiten Quartal werden bereits die Elemente der Psychopathologie behandelt 
(Allgemeine Neurosenlehre). Das dritte Quartal bringt die speziellen Kenntnisse der Neurosen- 
lehre, zunächst jene Gebiete, auf denen die Psychoanalyse ihre ersten und wichtigsten Erfahrungen 
erwarb und heute noch erwirbt: die Hysterie, die Phobie und die Zwangsneurose. Das 
zweite Jahr beginnt in dem ersten Quartal mit den neueren Anwendungen der Psychoanalyse 
auf dem Gebiete der Psychopathologie, mit der Darstellung der Charakterstörungen, der Krimi- 
nalität und der Psychosen. Bereits in diesem Quartal setzt die systematische Darstellung der 
psychoanalytischen Behandlungstechnik ein. Dieser Kurs wird in dem zweiten Quartal fort- 
gesetzt. In jedem Quartal werden von Anfang an in der Form von Seminaren die grundlegenden 
und dem Lehrstoff des jeweiligen Quartals entsprechenden Schriften von Freud behandelt. 
So entfallen auf das erste Ausbildungsjahr drei Freud-Seminare über: 
Die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" 
Krankengeschichten L Teil. 
Krankengeschichten IL Teil, 
auf das zweite Jahr wieder drei Freud-Seminare über: 
Theoretische Schriften L Teil, 
Theoretische Schriften IL Teil, 
Schriften zur Technik. 

Während das erste Jahr hauptsächlich die empirischen Grundlagen der analytischen The- 
rapie bringt, steht das zweite Jahr ausgesprochen im Zeichen der Behandlungstechnik. Neben 
diesen hauptsächlich therapeutisch orientierten Kursen haben wir obligatorisch 3 Kurse in unse- 
rem Lehrplan aufgenommen, die einen mehr geisteswissenschaftlichen Charakter tragen, und 
zwar im dritten Quartal des ersten Jahres einen Kurs über die Anwendung der Psychoanalyse 
auf Literatur und Kunst, im zweiten Quartal des zweiten Jahres einen über psychoanalytische 
Ethnologie und Massenpsychologie und in dem dritten Quartal des zweiten Jahres ein Seminar 
über Deutungskunst und Symbolik. Bei der Einführung dieser letzteren Kurse sind wir von 
der Erfahrung ausgegangen, daß diejenigen Kandidaten, die auch über gewisse geisteswissen- 
schaftliche Bildung verfügen, in dem psychologischen Verständnis des seelisch erkrankten Men- 
schen, insbesondere im Verständnis der unbewußten Seelenvorgänge, den rein medizinisch- 
naturwissenschaftlich vorgebildeten Kandidaten meistens weit überlegen sind. Neben dem Traum 
sind ja die unmittelbarsten Äußerungen des Unbewußten in der Literatur und Kunst, haupt- 
sächlich in der Volkskunst, in den Sitten und in dem Aberglauben der primitiven Völker zu 
finden. Auch die Einfühlung in das Seelenleben eines Anderen hegt dem literarisch und geistes- 
wissenschaftlich gebildeten Menschen näher, als demjenigen, der in seiner heutigen medizinischen 
Ausbildung über das Seelenleben der Kranken und überhaupt über Psychologie soviel wie nichts, 
erfahren hat. Der weitere Ausbau dieser Seite der Ausbildung steht auf unserem Zukunftsplan 
wobei die Hauptschwierigkeit in dem Mangel an geeigneten Fachleuten der Nachbargebiete 
besteht. Als Lehrkräfte kommen ja nur Fachwissenschafder mit vollständiger psychoanalytischer 

57 



Ausbildung in Frage. Das andere brennende Zukunftsproblem des Unterrichts bildet die inni- 
gere Verbindung mit der organischen Medizin. In dieser Richtung fehlt es aber nicht nur an 
Lehrkräften, sondern auch an wissenschaftlichen Kenntnissen. Unser Wissen auf diesem Gebiet 
steht noch zu sehr in seinem Anfangsstadium und ist zum Unterricht noch nicht geeignet. Erst 
wenn die Zusammenarbeit mit den übrigen Teilen der Medizin intensiver wird, kann diese so 
empfindliche Lücke des psychoanalytischen Unterrichts ausgefüllt werden. Der Therapeut der 
Zukunft, der biologisch-medizinisch und psychoanalytisch gleichwertig geschulte Arzt ist das 
Idealbild unserer Unterrichtstätigkeit Wir versuchen, bei unseren Kandidaten von diesem Ideal- 
typ der Phantasie soviel zu verwirklichen, wie es uns heute praktisch erreichbar erscheint. 

Die Grundprinzipien des theoretischen Unterrichts lassen sich in einigen wenigen Punkten 
zusammenfassen. Unsere Bestrebung ist, bei den medizinisch vorgebildeten Kandidaten (solche 
bilden ja tatsächlich den überragenden Teil unserer Lehrkandidaten) : 

1) den meistens fehlenden Sinn für Psychologie zu entwickeln, 

2) den Kandidaten möglichst eingehend mit den grundlegenden Schriften von Freud 
bekannt zu machen, 

3) die feststehenden Grundlagen der psychoanalytischen Erfahrungssätze und des Begriffs- 
systems in einer klaren einheitlichen, dem heutigen Stand unserer Wissenschaft ent- 
sprechenden, aber in einer möglichst wenig starren, die Weiterentwicklung ermöglichen- 
den Form zu vermitteln. 



D) Der praktische Lehrgang 



Von 
Sändor Rad 6 

Die praktische Ausbildung der angehenden Analytiker stellte unser Institut vor eine 
schwierige Aufgabe. Die Eigenart der Psychoanalyse macht es unmöglich, die altbewährten 
Methoden der persönlichen Anleitung, deren sich die Unterweisung in den praktischen Künsten 
zu bedienen pflegt, auf diese neue Disziplin zu übertragen. Greifen wir zur Veranschaulichung 
unserer Situation etwa das Beispiel der Chirurgie heraus. In der Chirurgie wird der Neuling 
zunächst angehalten, den Operationen des Meisters als passiver Beobachter beizuwohnen. Dann 
wird ihm gestattet, sich an dessen Arbeit als Gehilfe zu beteiligen. Eine spätere Phase bringt 
die Vertauschung der Rollen, der Jünger hat jetzt selbst die Eingriffe vorzunehmen, aber der 
Meister ist noch als Helfer dabei. Erst in einer vierten Etappe wird die Abhängigkeit des 
iungen Operateurs von einer ihm überlegenen Assistenz gelöst, seine Anerkennung als selb- 
ständiger Arbeiter vollzogen. Im Falle der Analyse läßt sich das alles nicht nachmachen. Die 
analytische Therapie ist eine Prozedur zu zweit, sie muß notgedrungen auf die beiden Betei- 
ligten — den Analysanden und den Analytiker — beschränkt bleiben. Hier kam der An- 
fänger die Arbeit des Erfahrenen nicht beobachten, weder als Zuschauer noch als Gehilfe, 
und ebensowenig kann ihm, wenn er selbst die ersten therapeutischen Versuche macht, der 

58 



Erfahrene als Helfer zur Seite stehen. Der analytische Unterricht muß also auf die — an Be- 
deutung jedes andere Hilfsmittel der Didaktik überragende — Fühlungnahme von Lehrer und 
Schüler in der gemeinsamen Arbeit verzichten, und die Erreichung des alten Zieles auf neuen, 
der Wesensart der Analyse angemessenen Wegen anstreben. Dies ist das zentrale Unterrichts- 
problem, um dessen Losung sich unser Institut in vorsichtiger, „empirisch vorwärtstastender* 
Arbeit seit einem Jahrzehnt bemüht. 

Eine feste von Freud geschaffene Grundlage zum Ausbau des analytischen Unterrichts 
fand unser Institut fertig vor. Ich meine natürlich die Lehranalyse, die über ihre nächste, 
anders und tiefer begründete Zielsetzung hinaus zugleich das Anfangsstück der „praktischen 
Ausbildung" im engeren Sinne ist. Die Lehranalyse dient — wie an anderer Stelle erörtert 
wird — der Absicht, beim künftigen Analytiker das eigene Seelenorgan als das Instrument 
der psychologischen Leistung für die Zwecke dieser Leistung zu verfeinern; sie soll die Per- 
sönlichkeit durch Aufhellung ihrer verborgenen Anteile bereichern und in ihrem Gefüge 
festigen. Soweit ihre Funktion als Analyse. Dabei führt sie — und dies ist dann ihr Ertrag als 
Lehrvorgang — dem Lernenden den sonst nicht demonstrierbaren Gang der Behandlung vor, 
läßt ihn deren Wirkungsweise am eigenen Selbst erleben und gibt ihm Gelegenheit, seinem 
Analytiker „die feinere Technik des Verfahrens abzulauschen" (Freud). 

Es gab eine Zeit, in der die analytische Ausbildung nur aus der Lehranalyse bestand, 
alles andere mußte sich der Schüler aus dem Studium der Fachliteratur holen. Es war dann 
auch eine Glückssache, ob er für seine therapeutischen Anfänge geeignete Fälle bekam oder nicht. 
Erst die Errichtung der Berliner Poliklinik und ihre baldige Ausgestaltung zur festen analyti- 
schen Lehrstätte konnte in diesen Verhältnissen Wandel schaffen. Das Institut organisiert die 
Lehranalysen, ergänzt die Ausbildung durch die Angliederung eines theoretischen Kurses und 
bringt die Kandidaten, sobald ihre Vorbereitung genügend weit fortgeschritten ist, in seinem 
poliklinischen Betrieb als Praktikanten unter. Der Poliklinik ist der Zuwachs an neuen Arbeits- 
kräften willkommen, sie steigert dadurch ihre therapeutische Leistung, Andererseits finden die 
Kandidaten in der Poliklinik jede Bequemlichkeit vor, die man sich für die Zwecke einer 
praktischen Lehrzeit nur wünschen kann: geeignete Behandlungsräume, eine Fachbibliothek 
und vor allem ein überreiches Krankenmaterial. Die Sprechstunde der Poliklinik ist vpn Hilfe- 
suchenden überlaufen und die Leitung besorgt die Auswahl der Fälle, die den jeweiligen Be- 
dürfnissen des Lernenden am besten entsprechen. 

Für die innere Ausgestaltung des Praktikums waren zunächst zweierlei Notwendigkeiten 
maßgebend. Der Leiter der Poliklinik, der ja für den Betrieb die oberste Verantwortung trägt, 
mußte sich unumgänglich die Möglichkeit verschaffen, in die Arbeit der Anfänger Einblick 
zu nehmen und sie in wirksamer Weise zu überwachen. Diese organisatorische Forderung 
entsprach völlig den didaktischen Interessen der Praktikanten, die sich in der technisch gebo- 
tenen Isolierung ihrer therapeutischen Arbeit auch nicht wohl fühlen konnten. Der Kandidat 
erwirbt die praktische Kenntnis der Technik in der Lehranalyse und soll sie jetzt in einer 
neuen Situation anwenden, die ihn aus der passiven Rolle des Analysanden in die aktive des 
Analytikers versetzt. Dieser Wechsel ist mit Schwierigkeiten verbunden, über die sich Eitin- 

59 



g o n an anderer Stelle eingehend geäußert hat. 1 Der junge Analytiker hat das Vorgehen, das 
er in der Lehranalyse an sich erfahren hat, den individuellen Verhältnissen seiner Fälle anzu- 
passen und ist dabei in besonderem Maße auf Rat und Beistand eines erfahrenen Praktikers 
angewiesen. Da die Analyse in direkter Form keine Beaufsichtigung und keine Hilfe zuläßt, 
wurde ein indirektes Verfahren eingeschlagen, das beide Bedürfnisse in einem befriedigt. Die 
Praktikanten hatten über den Gang ihrer Behandlungen dem Leiter der Poliklinik in kurzen 
Abständen Bericht zu erstatten und wurden dabei von ihm in allen Fragen der Behandlung 
beraten. Solche Besprechungen finden in der Regel in Abwesenheit des Kranken statt, nötigen- 
falls werden jedoch auch Konsilien unter Einbeziehung des Kranken veranstaltet. Diese Ein- 
richtung hat sich unter der Bezeichnung „ Kontrollanalyse a fest eingebürgert und als die beste 
erreichbare Form der praktischen Unterweisung erwiesen. Die Vermehrung der Praktikanten 
machte es bald erforderlich, zur Entlastung des Institutsleiters fortschreitend eine Reihe von 
anderen Dozenten mit der Funktion des Kontrollanalytikers zu betrauen. 

Zur Kontrollanalyse kam nach einigen Jahren als zweite regelmäßige Veranstaltung des 
praktischen Lehrganges das „Technische Seminar" hinzu. Seine Bestimmung ist, die praktische 
Ausbildung der Kandidaten nach einer anderen Richtung hin zu intensivieren. Der Analytiker 
studiert den Einzelfall mit einer Gründlichkeit, wie sie sonst in der Medizin nicht vorstellbar 
ist; aber er muß diese Vertiefung durch einen enormen Zeitaufwand und eine entsprechende 
Einschränkung in der Anzahl seiner Fälle erkaufen. Die Erfahrung des analytischen Praktikers 
geht in die Tiefe und nimmt an Breite nur langsam zu. Wie soll sich da der Anfänger recht- 
zeitig den Überblick über die bunte Mannigfaltigkeit der Fälle verschaffen, der zur Schärfung 
des Urteils und Sicherung der Orientierung so unerläßlich ist? Unsere Antwort lautete: In- 
dem die Praktikanten in ihre Arbeit gegenseitig Einblick nehmen. Sie treffen sich zu diesem 
Zweck wöchentlich im „Technischen Seminar", tragen dort ihre Fälle vor, die dann — unter 
der Leitung eines Erfahrenen — von allen Teilnehmern eingehend diskutiert werden. Insbe- 
sondere werden erörtert: Die Indikationsstellung, die Struktur des Falles und das eingeschlagene 
technische Verfahren. Das Seminar ist gleich nach seiner Gründung so unentbehrlich geworden, 
daß wir uns kaum mehr die Zeit vorstellen können, in der wir ohne diese Institution aus- 
kommen mußten. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß sich die Arbeitstechnik des Seminars 
mit zunehmender Erfahrung ständig differenziert und verbessert hat. In der äußeren Anord- 
nung des Seminars ist vor Jahresfrist insoferne eine Änderung eingetreten, als uns das An- 
wachsen der Teilnehmerzahl genötigt hat, das hypertrophierte Plenum in eine Anzahl kleiner 
und selbständiger Gruppen zu zerlegen, die jährlich abwechselnd von verschiedenen Dozenten » 
geleitet werden. Die Praktikanten können auf diese Weise die individuelle Arbeitsweise 
mehrerer Erfahrener kennen lernen. Ferner schien es im Interesse der jeweils neu Hinzukom- 
menden geboten, die Dauer der Beteiligung am Seminar auf die im engeren Sinne genommene 
Ausbildungszeit zu beschränken. Dem jungen Analytiker, dessen Ausbildungsgang als abge- 
schlossen gilt, öffnen sich die wissenschaftlichen Sitzungen unserer Deutschen Psychoanalytischen 

1) In der Konferenz über die Unterrichtsfragen auf dem IX. Internationalen Psychoanalytischen 
Kongreß. S. den Bericht darüber in der Internat. Zeitschrift f. PsA., Bd. XI. (1925), S. 515, 

60 



Gesellschaft, die ihm den engen Anschluß an die Gleichstrebenden und die weitere Fortbildung 
sichern» 

Dies ist der gegenwärtige Aufbau unseres praktischen Lehrganges. Man darf aut 
Grund der bisherigen Erfahrung urteilen, daß die mit ihm erzielten Resultate in nichts hinter 
dem zurückstehen, was sonst die übliche klinische Schulung leistet, wahrend sie an einem Punkte 
— dem der Lehranalyse — einzigartig und unvergleichbar sind. Obwohl wir demnach die 
Grundformen unseres praktischen Lehrsystems als bleibend und gesichert ansehen dürfen, sind 
wir doch andauernd bestrebt, unsere Organisation weiter auszubauen und ihre Leistungen zu 
vervollständigen. So ist für die nächste Zeit die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft in Aus- 
sicht genommen, in der die fortgeschrittenen Praktikanten zur selbständigen wissenschaftlichen 
Verarbeitung ihres klinischen Beobachtungsmaterials angeleitet werden sollen. Der weitere Weg 
unserer Entwicklung ist vor allem davon abhängig, ob es uns einmal gelingen wird, unserem 
Institut eine geschlossene psychiatrische Station anzugliedern. Von einer geschlossenen Abteilung 
dürften wir uns nicht nur eine außerordentliche Bereicherung unseres Lehrbetriebs, sondern 
auch den fortschreitenden Ausbau unsres Instituts zu einem psychoanalytischen Forschungsinstitut 
erhoffen. 



E) Der analytische Unterricnt für Pädagogen 

Von 
Siegfried Bernfeld 

Es liegt im Wesen der psychoanalytischen Ausbildung, daß sie für alle jene, die nicht 
Psychotherapeuten zu werden beabsichtigen, sondern die bloß ein gewisses Maß von Kennt- 
nissen erwerben wollen, um sie in ihrem Beruf zu verwenden, unzulänglich und unsystematisch 
bleiben muß. Denn auf das Kernstück unsrer Ausbildung, die Lehranalyse, muß bei dieser 
Gruppe der Institutshörer aller Regel nach verzichtet werden. Daher hat man allgemeinzu- 
gängliche Kurse, die insbesondere das Interesse der Pädagogen an der Psychoanalyse befriedigen 
sollen, von vornherein mit begrenztem Lehrziel eingerichtet. Sehr bald aber zeigte sich, daß 
die Zahl der Pädagogen beachtlich ist, die keine Mühe scheuen, um ein Maximum an analy- 
tischen Kenntnissen zu erwerben. Diese Hörerschichte — Kindergarten, Volksschule, Fürsorge- 
wesen, Heilpädagogik sind ziemlich gleichstark vertreten — ist selbstverständlich vor allem 
praktisch eingestellt und drängte daher zur seminaristischen Ausgestaltung der Kurse, die eine 
Reihe von Semestern hindurch als „Besprechung praktischer Fragen der psychoanalytischen 
Pädagogik" unter intensiver Mitarbeit der Teilnehmer geführt wurden. Allmählich entwickelte 
sich ein so starker Wissensunterschied zwischen Neuhinzukommenden und den „Stammgästen", 
daß er für die Arbeit des Seminars hinderlich zu werden begann und eine Teilung in An- 
fänger und Fortgeschrittene nötig wurde. Eine Anzahl der Absolventen des Seminars für Vor- 
geschrittene schloß sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, in der praktische und theoretische 

61 



Probleme der psychoanalytischen Kinderpsychologie und der Anwendung auf die Pädagogik in 
Referaten der Teilnehmer und in Diskussionen behandelt werden. In den Seminaren für 
Anfänger wurden Freuds „Vorlesungen" (1. und 2. Teil) und die „Drei Abhandlungen" mit 
besonderer Berücksichtigung der pädagogischen Anwendung durchgesprochen; in den Semi- 
naren für Fortgeschrittene wurden „Einführung des Narzißmus", „Massenpsychologie und Ich- 
Analyse", spezielle Fragen des Kinderspiels, der Schuldisziplin, Onanie und Verwahrlosung 
behandelt und einfachere Fälle aus der Praxis durchgesprochen. Dabei zeigte sich aber, daß im 
Anfängerseminar gewisse Ungleichmäßigkeiten im psychoanalytischen Kenntnisniveau die Be- 
handlung der Grundlagen der Psychoanalyse in Vorlesungsform erfordere. Eine besondere 
Einführung in die Psychoanalyse für die Pädagogen zu lesen, wäre aber weder nötig noch 
angebracht; es wird daher seit 1929 den Pädagogen empfohlen, die allgemeinen Einführungs- 
kurse des Instituts mit den Therapeuten gemeinsam zu hören. Nach Beendigung dieser all- 
gemeinsten Einführung besuchen die Pädagogen das Seminar für Fortgeschrittene, das im ersten 
Quartal die Probleme der Anwendung der Psychoanalyse auf die Pädagogik grundlegend und 
unter Betonung theoretischer Gesichtspunkte behandelt, in den folgenden Quartalen wie bisher 
Referate und Diskussionen bringt. Nach Erlangung der entsprechenden Sicherheit in der psycho- 
analytischen Psychologie kann die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft erfolgen, die sich als 
Dauereinrichtung zu bewähren scheint. 



Neuerdings hat der Unterrichtsausschuß für die psychoanalytische Unterweisung berufstätiger Päda- 
gogen folgenden „Studienplan für Pädagogen" aufgestellt; 

I) Theoretischer Lehrgang (obligatorische Kurse) 

I. Quartal : 1) Einführung in die Psychoanalyse» I. Teil : Analytische Normalpsychologie 

(Okt.— Dez.) 2) Traumdeutung 

3) Freud- Seminar : „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" 

IL Quartal: 1) Einführung in die Psychoanalyse, II. Teil: Allgemeine Neurosenlehre 

(Jan.— März) 2) Trieblehre 

3) Psychologie des Kindesalters 
III. Quartal; 1) Psychoanalyse und Pädagogik 

(Apr.— Juni) 2) Neurotische Störungen im Kindesalter 
3) Psychologie des Erziehers 

II) Praktischer Lehrgang 

1) Pädagogisches Seminar 

2) Pädagogische Arbeitsgemeinschaft 

Außer den hier vorgesehenen Kursen hören die Pädagogen am Institut nach Wahl aud: andere 
Kurse, soweit für die Teilnahme keine Einschränkungen bestehen. Mit der Durchführung dieses Planes 
wird das Institut im Studienjahr 1930/31 beginnen. 

62 



F) Der Stipendienfonds 

Von 
Felix BoeKm 

Die ordentliche Generalversammlung am 30. Januar 1923 beschloß auf Antrag des Ref. 
für eine spätere Erweiterung unserer damaligen Poliklinik in der Potsdamerstraße einen Aus- 
baufonds zu schaffen, und zwar durch eine Selbstbesteuerung samdicher Mitglieder und durch 
Geschenke von Freunden unserer Bewegung. Abraham und Eitingon brachten der Idee 
von vorneherein ein warmes Interesse entgegen. Im ersten Jahre flössen die Spenden ziemlich 
reichlich, so daß trotz der Inflation bis zum Januar 1924 eine Summe von 1780 Goldmark 
gesammelt worden war. Unter dem Druck der schweren wirtschafdichen Verhältnisse gleich 
nach der Stabilisierung der deutschen Valuta sank die Opferfreudigkeit ; auch zeigte sich, daß 
die während der Inflation entstandene Hoffnung, mit Hilfe dieses Fonds unserer Gesellschaft 
in absehbarer Zeit zu einem eigenen Heim verhelfen zu können, aufgegeben werden mußte. 
Infolgedessen wurde im Mai 1924 beschlossen, den Ausbaufonds in einen Stipendienfonds 
umzuwandeln. Aus diesem sollten Ausbildungskandidaten Darlehen zur Bezahlung ihrer Lehr- 
analyse gewährt werden und einzelnen Mitgliedern bei plötzlich eingetretenen Schwierigkeiten 
Hilfe geleistet werden können. Trotzdem die vorhandenen Mittel in den ersten Jahren des 
Bestehens unseres Fonds gering waren und der Etat nur unter großen Schwierigkeiten balan- 
ciert werden konnte, wurde schon im Oktober 1924 einem Kollegen ein größeres Darlehen 
gewährt, und seit dem November 1924 konnten verschiedene Lehranalysen finanziert werden. 
Für die Lehranalysen wurden den Ausbildungskandidaten Zuschüsse von 4 bis 10 ML 
für eine Analysenstunde bewilligt. Der Modus war folgender: der Fonds zahlte die Honorare 
direkt an die einzelnen Lehranalytiker, und die Lehranalysanden verpflichteten sich dem Fonds 
gegenüber zur späteren Rückzahlung der gewährten Darlehen. Die Ausbildungskandidaten, 
welche vom Stipendienfonds Darlehen erhielten, wurden dem Kuratorium zur Verwaltung des 
Fonds vom Unterrichtsausschuß vorgeschlagen. 

Die Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Etats machten es notwendig, an eine 
Änderung des Selbstbesteuerungs Verfahrens zu denken. Infolgedessen beschloß die General- 
versammlung am 29. Januar 1927 folgenden Modus: Jeder Kollege garantiert für zehn Monate 
des Jahres (d. h. mit Ausnahme der Sommermonate) einen bestimmten monatlichen Beitrag; 
und diese Beiträge werden regelmäßig per Nachnahme eingezogen — ein etwas rigoroses Ver- 
fahren, welches sich ausgezeichnet bewährt hat und welches bei vielen deutschen medizinischen 
Gesellschaften für die Einkassierung der Mitgliedsbeiträge üblich ist. 

Die monadichen Beiträge betragen 3 bis 40 Mk. ; wobei eine statistische Berechnung fest- 
gestellt hat, daß die Summe aller Beiträge bis zehn Mark inkl. jedes Jahr etwas höher gewesen 
ist, als die Summe aller Beiträge über zehn Mark ; woraus entnommen werden kann, wie wichtig 
es ist, daß ieder bei noch so geringer Praxis seinen kleinen Beitrag für den Fonds leistet. 

63 



Man kann aus dieser Tatsache den Schluß ziehen, daß auch durch viele kleine Beiträge ein 
großes Ziel erreicht werden kann. 

Wesendiche Summen flössen dem Stipendienfonds dadurch zu, daß sämtliche Dozenten in 
großzügiger Weise zugunsten des Fonds auf ihre Honorare verzichtet haben. Da das neue 
Institut in der Wichmannstraße eine hohe Jahresmiete erfordert, werden die Unterrichtshonorare 
seitdem geteilt: eine Hälfte bekommt der Stipendienfonds, die andere das Institut. 

Bis jetzt wurden neun Lehranalysen mit Hilfe des Fonds durchgeführt; auch war es 
möglich, einer ganzen Reihe von Kollegen weitgehend zu helfen. Die Schwierigkeiten, welche 
Kollegen bei ihrer Niederlassung angesichts der Wohnungsnot bei der Beschaffung einer eigenen 
Praxiswohnung hatten, konnten in verschiedenen Fällen mit Hilfe unseres Fonds überwunden 
werden. 

Im Laufe der Jahre stabilisierten sich infolge der Regelmäßigkeit der Eingänge die Ver- 
hältnisse derart, daß das zur Verwaltung des Fonds eingesetzte Kuratorium bei der Eröffnung 
des neuen Institutes in der Wichmannstraße seinem Leiter, Max Eitingon, 2500 Mk. 
zur Bildung eines Grundstockes einer wissenschaftlichen Bibliothek übergeben konnte. Weiter 
konnte das Kuratorium beschließen, zum zehnjährigen Jubiläum wieder 2500 Mk. zur Ver- 
größerung der Handbibliothek des Institutes beizutragen und einen jährlichen Beitrag von 
500 Mk. für das Abonnement von Fachzeitschriften zur Verfügung zu stellen. So war es 
möglich, im Institut einen Lesesaal einzurichten. 

Zu seiner großen Genugtuung kann Ref. mitteilen, daß der Fonds zurzeit die Höhe 
von 28.000 Mk. erreicht hat; in Anbetracht der großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten vieler 
jüngerer Kollegen eine stattliche Summe, insbesondere wenn man an unsere relativ geringe 
Mitgliederzahl denkt. 

Die Beiträge der Mitglieder, ständigen Gäste und der Dozenten sind der Weg, auf welchem 
wir dem Stifter und Leiter unseres Institutes einen kleinen Teil unseres Dankes abzutragen 
in der Lage sind. 

O) Die Werbetätigkeit des Instituts 

Von 

JL H antik 

Schon einige Jahre nach Gründung unseres Instituts stellte sich bereits die Notwendigkeit 
ein, das vorhandene Lehrpersonal auch in den Dienst der Propaganda zu stellen. Das refrak- 
täre Stadium, in dem unsere Bewegung mit dem großen Publikum keinerlei Kontakt hatte, 
schien vorüber, — ein Bedürfnis war vorhanden, dem durch die Veranstaltung öffentlicher 
Vorträge entsprochen werden mußte. Die organisatorische Seite dieser Aufgabe wurde aber 
sehr bald von so gut wie sämtlichen freien Hochschulen Berlins übernommen, die nach und 
nach die besten Lehrkräfte des Instituts herangeholt haben und auf solche Weise den Bedarf 

64 



an populär gehaltenen Kursen und Vorträgen für alle gebildeten und nach Bildung strebenden 
Schichten der Bevölkerung reichlich zu befriedigen in der Lage sind. 

Dem Institut selbst erwuchs inzwischen die bedeutsamere und wohl auch schwierigere Ver- 
pflichtung, ganzen Gruppen der verschiedensten für die Psychoanalyse intensiver interessierten 
Fachkreise Lernmöglichkeiten darzubieten. Hier waren und sind neue Unterrichtsmethoden zu 
finden, welche den Angehörigen der intellektuellen Berufe, — für die die Ausbildung zum 
Analytiker nicht in Betracht kommt, — ermöglichen sollen, sich wesentlich vertieftes analyti- 
sches Wissen anzueignen und im Bereiche ihrer Fachwissenschhaft und Fachtätigkeit fruchtbar 
zu verwerten. Das meiste ist in dieser Hinsicht bisher für die Heranziehung der Pädagogen 
geschehen, hoffnungsvolle Ansätze zeigen sich mit Gruppen von Kriminalisten und in der ärzt- 
lichen Praxis tätigen Medizinern, Die Zusammenfassung der Interessenten in spezialisierten 
Arbeitsgemeinschaften scheint den Anforderungen des hier gestellten Lehrziels am ehesten zu 
entsprechen. 

Ein intimes Instrument dieser auf Intensivierung und Vertiefung hinzielenden Werbearbeit, 
die Bibliothek des Instituts, sollte noch größere Aufmerksamkeit als bisher auf sich ziehen. 
Sie besteht aus einer Leihbibliothek und einem davon gesonderten Handapparat, 

Die Leihbibliothek enthält derzeit in 400 Bänden die gesamte psychoanalytische Lite- 
ratur und verzeichnet eine lebhafte und sich immer steigernde Frequenz, insbesondere auch 
seitens der Lehranalysanden. Ihre Benutzung ist durch einen sorgfaltig angelegten, auch die 
Titel sämtlicher in unseren Zeitschriften erschienenen Einzelarbeiten registrierenden Zettelkatalog 
sehr erleichtert. 

Die Handbibliothek besitzt nunmehr 1200 Bände und führt nebst dem psychoana- 
lytischen Gesamtwerk große Teile aus der Literatur der Grenzgebiete unserer Wissenschaft 
(Ethnologie, Biologie, Medizin, Psychiatrie, etc.). Einen bedeutenden Zuwachs (450 Bände) er- 
hielt sie aus dem Nachlaß unseres frühzeitig verstorbenen lieben Kollegen Walter Cohn. 
Beide Abteilungen der Bibliothek haben seit Begründung derselben durch Eitingon ver- 
schiedendich Vermehrung erhalten auch aus Mitteln, die von der Deutschen psychoana- 
lytischen Gesellschaft (Stipendienfonds) und ihr nahestehenden Privatpersonen gestiftet 
worden sind. Auf dieselbe Weise ist es ferner möglich geworden, eine Reihe von Fachzeit- 
schriften zu abonnieren, die nun im Lesesaal ständig ausliegen. 



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Ausländisches Interesse am Institut 



A) Aus Amerika 

Von 
Gregory Zfilhootg 

Bloomingdale Hospifcat, White Plane, New York 



Wer sich lange Jahre nicht mit der psychoanalytischen Bewegung befaßt hat und sich 
durch die Ergebnisse seiner klinischen oder wissenschaftlichen Interessen veranlaßt fühlt* 
nach Berlin zu kommen, um dort die Analyse zu lernen, den verwirren notwendigerweise die 
ersten Eindrücke; die Gefühlsspannung zu Beginn der eigenen Analyse trägt noch zu dieser 
leichten Verwirrung bei. Und schon während dieser Anfangsstadien nimmt allmählich der Kon- 
takt mit dem Berliner Psychoanalytischen Institut zu. Man erhält eine Reihe von Eindrücken, 
die im Verlauf der Zeit bestimmter, tiefgehender, bedeutungsvoller werden, Eindrücke, die man 
in sein Heimatland, in seine Berufsarbeit und in die wissenschafdiche Betätigung mitnimmt. 
Gerne will ich anläßlich der zehnten Wiederkehr des Gründungstages des Instituts einige 
dieser Eindrücke wiedergeben; wenn ich auch nur von mir berichten kann, bin ich doch ge- 
wiß, daß meine Eindrücke von all meinen amerikanischen Kollegen geteilt werden, die das 
Glück hatten, einen großen Teil ihrer Studien am Berliner Institut zu absolvieren. 

Einem Amerikaner drängt sich der Gegensatz zwischen der Psychoanalyse in unserem Land 
und in Berlin am meisten auf. Daheim haben wir uns, besonders in den letzten Jahren, an 
eine sonderbare Arbeitsmethode gewöhnt: Zuerst wird ein tadelloses Werkzeug erdacht und 
ausgebildet, dann erst beginnt die Arbeit; diese Methode ist nicht immer von großem wissen- 
schaftlichem Erfolg gekrönt; wir bauen wundervolle Gebäude, möblieren sie sehr behaglich, 
wir sind in räumlicher und finanzieller Beziehung sehr großzügig — und dann erst setzen wir 
uns, mit aller Bequemlichkeit ausgestattet, zur Arbeit hin. Es geschieht nicht selten, daß, wenn 

66 



so ein tadelloses Werkzeug erdacht und hergestellt worden ist, es dann schwer, wenn nicht 
unmöglich ist, den richtigen Meister zur Handhabung dieses ausgezeichneten Werkzeugs zu 
finden. Das alles ist nur eine Umschreibung, um zu sagen, daß unser materielles Wachstum 
viel rascher erfolgt als unser geistiges. Dies ist einfach ein Ergebnis der industriellen Entwicklung, 
die eines der ersten Danaer-Geschenke war, ein faszinierendes und gefährliches zugleich, das 
das alte Europa der Neuen Welt überreichte. 

Wenn man sich das alles vergegenwärtigt, wird man das naive Erstaunen eines Neu- 
ankömmlings über rein äußerliche Dinge begreifen. Es berührt sonderbar und klingt kaum 
glaublich, daß ein Institut, das über hundert Analysen führt, nur über sechs Behandlungszimmer 
verfügt, von denen eines dem Direktor und eines dem diensthabenden Arzt zugehört. Ist es 
nicht erstaunlich, daß eine unmoderne tragbare Schreibmaschine, wie man sie bei uns in 
Amerika in keinem ordenriichen Büro sehen würde und die Arbeitsleistung einer nur zeitweilig 
angestellten Sekretärin genügen soll für die Führung der ganzen Korrespondenz, Registratur, 
Listenführung usf.? Ist es nicht erstaunlich, daß ein solches Institut weiter funktioniert ohne 
offizielles Budget, sogar ohne Bankkonto? Man staunt darüber, wie es möglich ist, mit Hilfe 
eines so unvollkommenen Instruments so viel Arbeit, rein quantitativ, zu leisten. 

Ich hatte das Glück mit meiner Arbeit im Institut in der Wichmannstraße zu beginnen, 
das, wie man mir sagt, im Gegensatz zum früheren geradezu als luxuriös bezeichnet werden 
muß. Doch konnte man sich schon wenige Wochen nach seiner Eröffnung des Gefühls nicht 
erwehren, daß es schon einer weiteren Vergrößerung bedürfte. Und wieder mußte man sich 
über den Gegensatz zwischen daheim und Berlin wundern, jetzt aber in einem anderen Sinne. 
Im Weiteren wurden einem erst allmählich die Augen geöffnet über die gegenwärtige geringe 
Menge unseres Materials und unserer wissenschaftlichen Hilfsquellen im Vergleich mit denen 
von Berlin. Es ist aber hier nicht der Ort, um die tieferen Ursachen des langsamen Fortschritts 
der Analyse in Bezug auf wissenschaftliche Forschung und Ausbildung in Amerika zu ergrün- 
den ; diese Tatsache soll hier nur nebenher erwähnt werden, um das Wesen des oben ge- 
schilderten Kontrastes zu verdeudichen. 

Es ist kaum nötig, die außerordentliche Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft Dr. Ehin- 
gens, des Direktors des Instituts, zu erwähnen. Schon die erste Begegnung mit ihm läßt 
einige der Gründe erkennen, die das Institut zu einem so bedeutenden geistigen und wissen- 
schaftlichen Mittelpunkt analytischer Ausbildung machen. Wir haben es hier mit ernster Hin- 
gabe an die Sache, mit wahrer und ehrlicher Forschung zu tun, die sich sofort fühlbar macht, 
und deren Kenntnis an Breite und Tiefe gewinnt, sobald man nach und nach mit Kontroll- 
analytikern, Vortragenden, Seminarleitern in Fühlung tritt. 

Aber noch mehr Gegensätze sind da : Es ergab sich, daß der Sinn fürs Praktische und die 
psychologisch begreifliche Neigung zur Verwertung des Werkzeugs der Analyse in einfachster 
Weise und in kürzester Zeit ihre Entwicklung in Amerika als rein therapeutisches Instrument 
bestimmte; hier wiederum (es mag naiv und ein Gemeinplatz sein, es auszusprechen) werden 
nicht gering geschätzt die zahlreichen Anwendungsgebiete der Psychoanalyse, wie aus den Kurs- 
ankündigungen hervorgeht: Psychologie, Literatur, Kunst, Philosophie, Anthropologie, Erzie- 

5* 

67 



hungslehre, Soziologie. Die ungeheuren, allumfassenden synthetischen Möglichkeiten der Psycho- 
analyse und ihre aktuellen Leistungen werden einem ebenso klar wie wissenschaftlich exakt 
dargelegt. 

Die Begeisterung der zahlreichen Teilnehmer an der Arbeit des Instituts, die große Summe 
von Arbeit, die von ihnen tatsächlich in den Stunden geleistet wird, deren Zahl sogar die 
unermüdlichsten Verehrer amerikanischen Tempos überraschen würde; die ständige Kund- 
gebung an Selbstaufopferung, die oft wenig sichtbar wird, da die meisten der Patienten des 
Instituts in der Privatordination ihrer Ärzte behandelt werden, ist ebenso erstaunlich wie be- 
wundernswert. 

Man verläßt das Institut mit der ernsten Überzeugung, daß die Psychoanalyse eine große 
und wichtige Arbeit ist. Damit wül ich nicht sagen, daß Skeptiker überzeugt oder Ungläubige 
bekehrt werden. Es ist doch kaum die Aufgabe des Instituts, Proselyten zu machen unter 
denen, deren Abgeneigtheit zu sehen größer ist als ihre Neugier; überdies sympathisieren die, 
die herkommen, um zu lernen, von vornherein mehr oder minder mit der Psychoanalyse. Die 
Aufgabe des Instituts scheint mir mehr darin zu bestehen, daß das allzu heftige Feuer des 
Enthusiasmus eher gedämpft, und daß beim Gläubigen ein gesunder wissenschaftlicher Skepti- 
zismus erzeugt wird. Soviel ich weiß, gibt es in Amerika oder Europa keinen Ort, an dem 
die 35jährige psychoanalytische Forschung sorgfältiger systemisiert, klarer herauskristallisiert und 
dem Anfänger mit so imponierendem Ernst und Hingabe geboten wird. 

Das Institut erscheint als lebendiges Laboratorium, in dem nicht nur neue Analytiker 
herangebildet werden, sondern auch als Laboratorium, an dem tatsächlich die Synthese aller 
Verzweigungen der Analyse auf Grund eines sorgfältigen Unterrichtsplanes erfolgt. 

Für uns, die wir aus anderen Teilen der Welt herkommen, steht das Institut da als 
Quelle manchen fruchtbaren und schöpferischen Gedankens und als Vorbild systematischer 
Orientierung. Erst wenn man sich die sonderbaren Lebensbedingungen in Amerika vor Augen 
hält, ist man imstande, die unerhörte Bedeutung des Instituts außerhalb der Stadt Berlin und 
Deutschlands richtig einzuschätzen. 

Es gibt noch ein anderes Merkmal des Instituts, das für jeden, der Psychoanalyse studiert, 
von großer Bedeutung ist; das ist seine allgemeine historische Rolle, die einen großen Antrieb 
in unserm Identifizierungsprozeß mit der psychoanalytischen Beurteilung menschlichen Ver- 
haltens darstellt. Die letzten zehn Jahre der Entwicklung waren besonders für die Ausbreitung 
der Analyse von Wichtigkeit und das Berliner Institut hat zweifellos ganz wesentlichen Anteil 
daran. Jemand mit Vorliebe für Statistik meinte, daß es sogar im Zeitalter der Elektrizität 
zwanzig Jahre brauche, bis ein neuer Gedanke in der Welt Aufnahme finde. Da die An- 
nahme der Analyse von tieferliegenden Faktoren abhängt als der Geschwindigkeit der Ver- 
breitung wie sie etwa das Radio bietet, ist ernsthafte, systematische Ausbildung für uns wichtiger 
als bei jedem andern Zweig menschlichen Wissens. Das Institut, das Mittelpunkt und Forum 
der Ausbildung darstellt, bekommt so eine besondere Bedeutung: Es ist nicht nur ein Mittel- 
punkt, von dem Gedanken ausstrahlen; es wird für viele von uns ein Mittelpunkt, von dem 
aus sich klares kritisches Denken bildet und erhält. 

68 



j 



Ich kann mir kein besseres Denkmal für Freuds Lebenswerk vorstellen als die Arbeit 
des Berliner Instituts; dieses hat noch eine besondere Bedeutung darin, daß es zu Lebzeiten 
des Gründers der Psychoanalyse erschaffen und ausgebaut wurde. 

Ein halbes Dutzend von offiziellen Lehrstühlen für Psychoanalyse an ehrwürdigen Univer- 
sitäten würde weniger bedeuten und weniger Leistungen hervorbringen, da jede offizielle An- 
erkennung einer so freien Wissenschaft wie der Psychoanalyse von den anerkannten Wissen- 
schaften zum Dogmatismus und zu allzu praktischer Vereinfachung führen würde. 

Vielleicht darf ich am Schluß noch ein Wort persönlichen Dankes an das Institut bei- 
fügen, in dessen Räumen ich ein Jahr arbeitete, und besonders ein Wort wärmsten Dankes 
an Dr. Eitingon, der als erster mir das Institut zugänglich machte, und für den ich ein 
warmes Freundschaftsgefühl mitnahm. 



B) Aus Norwegen 



Von 

Ola Raknes 

Lysaker b. Oslo 

Zunächst muß ich meiner Freude Ausdruck geben, daß mir, einem der jüngsten und von 
den Zentralstätten unserer noch jungen Wissenschaft entferntesten Schülern der Psychoanalyse, 
in dieser Publikation Gelegenheit gegeben ist, einige persönliche Eindrücke von der Bedeutung 
des Berliner Psychoanalytischen Instituts für das Ausland mitzuteilen. Ich habe diese Eindrücke 
in der dreifachen Eigenschaft des analytisch unwissenden unterrichtsbedürftigen Ausländers, 
des am Institute Studierenden, und des Teilnehmers am Elften Internationalen Psychoanalyti- 
schen Kongreß erhalten. 

Es waren meine religionspsychologischen Studien, die mir es zuerst sehr wünschenswert, 
vielleicht sogar notwendig erscheinen ließen, die psychoanalytische Methode aus erster Hand 
kennen zu lernen, um in das psychologische Verständnis der Religion tiefer eindringen zu 
können. Als ich mich nach einer Unterrichtsstätte erkundigte, wurde mir von Analytikern, die 
selbst keine persönliche Kenntnis der Berliner Kollegen hatten, das Berliner Institut als das 
geeignetste empfohlen, denn dies Institut genießt im Ausland den Ruhm einer ernsthaften, 
wissenschaftlichen und gastfreien Lehranstalt, im Besitze der ausgedehntesten Erfahrungen so- 
wohl in der psychoanalytischen Therapie wie im Unterricht in der psychoanalytischen Methode. 
Bei persönlicher Anfrage am Institut wurde mir bald klar, daß dort die im allgemeinen sehr 
begrenzte Zeit eines Ausländers am besten verwertet werden kann. 

Während meines leider nur einjährigen Aufenthaltes am Institut selbst hatte ich die vollste 
Gelegenheit, durch eigene Erfahrung bestätigen zu können, daß der Ruhm ein wohl begrün- 
deter war. Von der Arbeit und der Arbeitsordnung am Institut berichten andere in dieser 
Schrift; mir bleibt nur übrig zu sagen, daß in keiner wissenschafdichen Lehrstätte, die mir 

69 



persönlich bekannt ist, gewissenhafter und intensiver gearbeitet wird — was in einem Institut, 
in dem nur Leute mit stärkstem Interesse und erprobter persönlicher Eignung zum Studium 
zugelassen werden, ja auch zu erwarten ist. Wir Ausländer genossen am Institut volles Bürger- 
recht, ein jeder nach seinem jeweiligen Ausbildungsstadium, wir, die wir als Anfänger dorthin 
kamen, ebenso wie ältere Analytiker, die das Bedürfnis nach Fortbildung und Meinungsaus- 
tausch mit Kollegen nach Berlin geführt hatte. Durch das Zusammensein mit den Berliner 
Kollegen und miteinander erfuhren wir manches von den verschiedenen Bedingungen und den 
speziellen Schwierigkeiten, die unsere Wissenschaft in den verschiedenen Ländern vorfindet. 
Durch die Vielseitigkeit der Vorlesungen über psychoanalytische Theorie und Praxis, durch die 
große Anzahl von Fällen, die in zwanglosen und eingehenden Diskussionen in kleinen Arbeitsge- 
meinschaften, der sogenannten technischen Kolloquien, und in Seminarien besprochen werden, 
wurden wir von einem Sektirertum, in das jede neue, nicht offizielle Wissenschaft so leicht 
verfällt, ferngehalten. An aller Arbeit durften wir uns als vollkommen gleichberechtigt betei- 
ligen, ja die Leitung des Instituts verschaffte uns jede Erleichterung für eine solche Teilnahme, 
soweit sie uns nur ohne Benachteiligung der Inländer gestattet werden konnte. Ich glaube, 
daß diese Zusammenarbeit so vieler Personen verschiedener Nationalität die wertvollste Bürg- 
schaft für die Einheit und Allseitigkeit der psychoanalytischen Bewegung in der Zukunft 
bietet, und sehe darin die allergrößte Bedeutung des Berliner Instituts für das Ausland. 

Am Oxforder Internationalen Psychoanalytischen Kongreß Juli 1929 glaube ich diesen 
Eindruck von der zentralen, allgemein vermittelnden und verbindenden Stellung des Berliner 
Instituts von allen Seiten bestätigt gefunden zu haben. Ich hatte Gelegenheit, mich mit Teil- 
nehmern aus fast allen dort repräsentierten Ländern zu unterhalten, und bei allen wurde mir 
als Schüler des Berliner Instituts ein Empfang zu Teil, der mir von dem allgemeinen Ansehen 
des Instituts den stärksten Eindruck gab. Ich hatte das Empfinden, daß es überall unter 
Analytikern als die Zentralstätte für psychoanalytischen Unterricht betrachtet wird. 

Es steht mir nicht zu, mich über den Anteil eines jeden Beteiligten an dieser Stellung 
des Berliner Instituts zu äußern, und es wäre vermessen, wenn ich versuchen würde, den 
Einsatz Dr. Eitingons zu würdigen. Es sei mir dennoch gestattet, einen Eindruck, der sich 
mir vom ersten bis zum letzten Tag aufdrängte, wiederzugeben: daß das Institut nicht nur 
die Schöpfung Dr. Eitingons, sondern auch von seinem Geiste erfüllt ist. Wenn auch 
mancher Ausbildungskandidat wie ich selbst mit ihm persönlich nur verhältnismäßig — nicht 
absolut — wenig in Berührung kommt, so merkt doch ein jeder überall sein Verstehen und 
sein Können, seine ebenso feste wie geschickte Hand. 



70 



i 



A NMA N G 



Ansprache bei der Einweinitng der neuen Institutsräume 

am 3o. September I9Z8 gehalten von 
M* Eitingon 



Verehrte Anwesende! 

Die Anerkennung, die Sie mir in so hohem Maße zollten durch den Mund Dr. S i m m e 1 s 
und durch Ihren Beifall zu seinen Worten, muß ich gleich an unsere ganze Gesellschaft weiter- 
geben, ohne deren opferfreudige Mitarbeit wir jetzt nicht hier und nicht so dastünden, muß 
ich vor allen Dingen an Dr. Simmel selbst zurückgeben, dessen hohes soziales Verantwortungs- 
gefühl und dessen schöpferischer Optimismus uns von Anfang an und dauernd die größten 
Dienste geleistet haben. Dank gebührt auch unserem Dozentenkollegium, das seine glänzenden 
Gaben in der uneigennützigsten Weise in den Dienst unserer Sache gestellt hat. Ich nehme 
Ihren Beifall als Erlaubnis, auch weiter Opfer zu verlangen, und wenn nötig noch mehr, denn 
Leistung verpflichtet. 

Wenn wir jetzt die Räume unseres Instituts, die dank dem Architekten, Herrn Ernst 
Freud, sich so schön präsentieren, unserer Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft über- 
geben, so drängt es uns, nachdem wir dankbar von dem alten Heim in der Potsdamerstraße, 
das unsere Anfänge gesehen hat, Abschied genommen haben, uns darüber Rechenschaft ab- 
zulegen, was wir gewollt und was wir bisher erreicht haben. 

Als wir vor nunmehr 9 Jahren mit Dr. Simmel den Plan faßten, eine Poliklinik zu 
gründen, den wir dann auch sehr bald unter steigender Sympathie der damaligen Berliner 
Vereinigung realisierten, so schwebte uns zunächst das eine vor, die Psychoanalyse als Behand- 
lung einem möglichst größeren Kreise zugänglich zu machen. Wir haben es in dem dem Ber- 
liner Psychoanalytischen Kongreß vorgelegten ersten Bericht der Poliklinik eingehend geschildert* 
Wir sagten auch, daß wir es deudich und klar empfunden haben, daß es nicht wenig Mut 
gebraucht habe, großem Bedürfnis kleine Erfüllungsansätze gegenüberzustellen, vor kleinen 
Anfängen nicht zurückschreckend, die Analyse einem größeren Kreise zugänglich machen zu 
wollen, wußten wir doch, daß auch dieser größere Kreis naturnotwendig noch klein genug 
bleiben müsse, wenn wir auch nicht mehr als Einzelne der großen Zahl der Hilfesuchenden 
gegenüberstehen würden. Wir wußten auch von Anfang an, daß, wenn wir helfen wollen, 
wir Helfer werden schaffen müssen, daß wir Ärzte für die Patienten, auch neue Ärzte, her- 
anzubilden haben würden. Nicht ganz klar waren wir uns darüber, ob die Erweiterung des 
Kreises unserer Tätigkeit neue Möglichkeiten oder gar Notwendigkeiten für die Abänderung 
unseres technischen Vorgehens mit sich bringen würde. Hatte doch Freud selbst in seinem wie 

71 



immer außerordentlich wegweisenden Vortrag auf dem Budapester Kongreß über die zukünftigen 
Chancen der psychoanalytischen Therapie, auf die kommenden psychoanalytischen Institute hin- 
weisend, damit gerechnet ; doch wurde uns ziemlich bald klar, wie wir auch in unserem ersten 
Bericht aussprechen mußten, daß für die psychoanalytischen Ambulatorien die seither oft zitierte 
Budapester Prophezeiung von Freud: „daß wir bei der Massenanwendung unserer Therapie 
das reine Gold der Analyse werden legieren müssen" nicht zutraf, weil wir kein Metall zu 
solchen Legierungen haben. 

Methodisch neues konnten wir nicht zu bringen hoffen, wie sehr viel uns daran liegen 
mußte, mit dem Problem der Zeit fertig zu werden, Verkürzungen zu erreichen, lastete doch 
der Druck wartender Patienten bei der größeren Öffentlichkeit eines Ambulatoriums weit 
stärker hier auf uns als auf die Praxis des einzelnen Analytikers. 

Nun, 8 Jahre nach dem ersten Bericht müssen wir aus der immer größer werdenden 
Erfahrung das Fazit ziehen, daß scheinbar verkürzende Seitenwege meist nur eine Gewähr 
bieten, nämlich die, das Hauptziel zu verfehlen. Wohl haben wir bei der großen Menge der 
Konsultationen und auch durchgeführten Analysen eine Menge gelernt, Indikationen besser zu 
stellen, Verläufe und Verlaufsarten besser zu übersehen, die Rolle einer Reihe von Momenten, 
die außerhalb der eigentlichen analytischen Situation liegen und diese nur komplizieren, richtiger 
einzuschätzen. Dank den Quanten, mit denen wir es zu tun haben, war die Prognose leichter, 
Aussichten und Chancen begannen sich zu klären. Innerhalb einer größeren Arbeitsgemein- 
schaft übersah man gleichsam auch die Erfahrungen der anderen. 

Während der 8% Jahre unserer bisherigen Existenz haben etwa 1600 Hilfesuchende in 
unserem Institut vorgesprochen. Analysiert worden sind davon ca. 640. Wenn wir die durch- 
schnittliche Dauer einer Analyse, was doch nicht zu hoch gegriffen sein dürfte, auf 1 Jahr 
berechnen, so haben wir einen Arbeitsfilmstreifen von etwa einem halben Jahrtausend. 

Gegenwärtig laufen — und damit haben wir die bisherige Höchstieistung erreicht — etwa 
100 Analysen wenig oder ganz Unbemittelter nebeneinander. Wenn man annimmt, daß durch- 
schnittlich mindestens 4 Stunden wöchentlich auf jede Analyse kommen, so haben wir eine 
Wochenarbeitsleistung von über 400 Stunden. Alle, die Bescheid über das Extensive der ana- 
lytischen Arbeit wissen, werden sich ein ungefähres Bild machen können von der Größe des 
Apparats, der dazu notwendig ist. In diese Arbeit teilen sich unsere Assistenten, die Schüler 
unseres Instituts und die Mitglieder unserer Gesellschaft. Erstens, die Assistenten : Wir arbeiten zurzeit 
mit 5 sehr erfahrenen und bewährten Assistenten, und Sie würden es an dieser Stelle gewiß sehr 
vermissen, wenn ich, allen unseren Assistenten dankend, trotz meiner Tendenz nicht in die 
Details zu gehen, die älteste und treueste aller treuen Mitarbeiter unerwähnt ließe, die Kol- 
legin Smeliansky, die allein dauernd 10 bis 12 poliklinische Patienten versorgt. Zweitens, die 
Schüler unseres Instituts: Hier ist die Stelle, wo der schwere und unvermeidliche Konflikt 
zwischen der therapeutischen und der didaktischen Seite unserer Arbeit aufklafft, eine Anti- 
nomie, die auch in den Welten schönster prästabilierter Harmonien nur mehr oder weniger 
geschickt verborgen ist. Einerseits hat der Kranke ein Recht auf Gesundheit, auch wenn er 
arm ist, und um so mehr Recht, je kränker er ist, andererseits aber dürfen wir die noch zu 

72 



. 



schwachen Schultern des Lernenden nicht zu schwer belasten mit schwierigen Fällen. Diese 
Antinomie ein wenig zu lösen, hilft uns die dritte Kategorie unserer Mitarbeiter, die Vereins- 
mitglieder, die älteren Kollegen, die schwere Fälle von der Poliklinik übernehmen, nach einem 
ungeschriebenen Gesetz, dem sich opferwillig die meisten beugen, nämlich daß jedes Mitglied 
der Gesellschaft mindestens einen poliklinischen Fall zu übernehmen hat, Leichter lösbar ist 
diese Antinomie geworden, seitdem wir, wie Ihnen bekannt ist, die Lehranalysen aus dem 
poliklinischen Betriebe herausgenommen haben und nicht mehr unentgeltlich machen. Ich hoffe, 
Sie werden unseren Grundsatz nicht allzu anfechtbar finden, und ich bitte vor allem unsere 
Schüler darum, unseren Standpunkt einzusehen, daß, wenn der kranke Mensch, sobald es einen 
Weg zur Heilung gibt, ein Recht auf Gesundheit hat, selbst unter Opfern unsererseits, ein 
Mensch auf einen Beruf nur dann Anspruch hat, wenn er selbst dafür Opfer bringt. Eine Aus- 
nahme gilt natürlich für die Fälle, an denen die Gesellschaft ein Interesse hat, in unserem 
Falle unsere große Vereinigung und unsere Bewegung. Für solche Fälle haben wir in Berlin 
vor Jahren einen Stipendienfonds geschaffen, der unter der Leitung seines Initiators, Herrn 
Dr. F. Boehm, unserer Arbeit die dankenswertesten Dienste leistet. 

Einige Daten jetzt aus unserer didaktischen Tätigkeit. Im ganzen wurden etwa 66 Ana- 
lytiker bei uns ausgebildet (die Zahl der Mitglieder der IPV beträgt jetzt etwas über 400) ; 
gegenwärtig sind in Lehr- resp. und Kontrollanalyse noch 34 Kollegen. 

Ich darf an dieser Stelle wohl eine kleine Anekdote erzählen: Vor einigen Monaten be- 
suchte mich ein leitendes Mitglied des Department for Mental Hygiene des Staates New York. 
Er fragte mich, ob auch wir die Erfahrung gemacht hätten, wie die Dispensaires dieses Depart- 
ments in Amerika, daß nämlich die Kranken, die jetzt Hilfe in solchen Instituten suchen, 
ganz anders sind als die Kranken, mit denen man es früher zu tun gehabt habe, nämlich un- 
glückliche Menschen, die irgendwie im Leben gescheitert sind und nun zur Erkenntnis kommen, 
daß nicht mehr äußere Ursache allein, sondern innere Momente dafür verantwortlich zu 
machen seien, um deren Abstellung sie nun unsere ärztlichen Instanzen ersuchen. Ich mußte 
ihm zugeben, daß auch wir sehr reichlich solche sehen, daß wir aber nebenbei vielfach oder 
überwiegend noch mit so schweren wirklich Kranken im alten klinischen Sinne zu tun haben, 
daß selbst wir es gar nicht leicht haben, für sie die entsprechenden Ärzte zu finden. 

Nun, mitten in einem größeren Material war das Übermitteln der Kenntnisse leichter. 
Die sehr bald sich aufdrängende Notwendigkeit, in größerem Ausmaße neue Analytiker auszu- 
bilden, machte das Lehren in einer ganz eigentümlichen Weise zu einem lebendigen. Es 
scheint mir, daß, wie unser ganzes Tun, so auch unser Lehren etwas selbstverständlich Inten- 
sives und Organisches hatte. Entgegen dem akademischen docendo disämus lehrten wir, indem 
wir selbst lernend arbeiteten und wirkten. Das Problem der Kontrollanalysen ergab sich so 
ganz zwanglos. Daß wir Programme machten, und wie es manchen geschienen haben mag, 
preußisch viel zu regeln, ja zu reglementieren suchten, nimmt unserem Werk doch vielleicht 
nichts von seiner Spontaneität, denn wir haben doch erst getan und nachträglich nur, uns auf 
unseres Tuns Art und Weise besinnend, die Regeln aufgestellt. Nicht ein Muster stellten wir 
hin, von uns erzählend, auf die Gefahr hin, daß andere uns zum Beispiel nahmen, dabei 

73 



sollte man es viel besser machen, nur etwas wollten wir zeigen: seht es ist möglich, denn 
wir sind. 

In ganz kurzen Worten kann ich zusammenfassen, was wir sind : ein gelungenes Wagnis 
nämlich. Nicht so sehr das ist ein Wagnis, daß wir mit geringen Mitteln Betrachdiches unter- 
nommen haben und ohne Sicherheiten uns auf einen langen Weg begeben haben, das eigent- 
liche Wagnis bestand darin, daß wir den Mut gehabt haben, Autorität sein zu wollen, und 
das in einem Moment, wo die Psychoanalyse sich der Welt gegenüber in einer Situation be- 
fand, die unser Meister — und ich darf das in einem iener unvergeßlichen Gespräche mit ihm 
von ihm gebrauchte Wort wohl hier wiederholen — als eine Phase der noch Pariahaftigkeit 
bezeichnete. Man hört auf unsere Vorschläge, soweit sie analytische Belange betreffen, disku- 
tiert sie auch schon, gibt zu, daß, wenn die Analyse überhaupt gelernt werden soll, wir die Orte 
sind, wo sie zu lernen ist. Wir sind also auf dem Weg, die Autorität zu erringen, die man zu 
jedem Tun braucht, das man nicht mehr einzeln verrichtet, und die man vor allem dazu 
braucht, die Welt daran zu hindern, Stücke der Analyse statt ihrer Gesamtheit zu nehmen, 
Teile zu akzeptieren und den Rest zu verwerfen. 

Lieber Herr Professor Freud, es ist kein Gelübde mehr, das wir vor Ihnen heute ablegen, 
sondern der Ausdruck einer freudigen Entschlossenheit und Gewißheit, daß es uns gelingen 
wird, das Ganze Ihres Werkes bis zu dem ultima Thule jener doch hoffentlich nicht allzu 
fernen Zeit zu tragen, wo die Welt der Analyse selbst die Lehrstätten bieten wird, die ihr 
gebühren. Und wir wünschen und hoffen, daß es Ihnen auch bald vergönnt sein wird, den 
Grundstein zu einem eigenen Haus zu legen, für welches immer auch von unseren Instituten. 
Neidlos würden wir es auch einer Schwestergruppe gönnen, ist doch alles für die gemeinsame 
Sache: Ihr Werk. 






•• 



74 



Inhaltsverzeichnis 



Seite 



Sigm, Freud: Vorwort 5 

Ernst Simmel: Zur Geschichte und sozialen Bedeutung des Berliner Psychoanalytischen Instituts 7 

Otto Fenichel: Statistischer Bericht über die therapeutische Tätigkeit 1920 — 1930 13 

Carl Müller-Braunschweig: Historische Übersicht über das Lehrwesen, seine Organisation 

und Verwaltung . .. . 20 

I) Die Vorlesungen und Seminare in statistisch-historischer Darstellung 21 

II) Vorträge außerhalb des Instituts und öffentliche Vorträge .... 25 

III) Bewegung der Dozentenschaft 26 

IV) Die Verwaltung des Unterrichtswesens und ihr Verhältnis zum Unterrichtsausschuß . . 26 

V) Der Studienplan 27 

VI) Bedingungen der Zulassung zu den Lehrkursen des Instituts 29 

VII) Anzahl und Zusammensetzung der Kursteilnehmer 29 

VIII) Verwendung der Einnahmen aus Lehrkursen . 30 

IX) Die Vorlesungsverzeichnisse 1920 — 1930 in chronologischer Ordnung 31 

X) Die Vorlesungen 1920 — 1930, nach den Dozenten geordnet 39 

Hans L a m p 1 : Die Sprechstunde der Poliklinik 45 

Die Einrichtungen der Lehranstalt 48 

A) Karen H o r n e y : Zur Organisation 48 

Anhang : Richtlinien für die Lehrtätigkeit des Instituts ...... 50 

B) Hanns Sachs: Die Lehranalyse 53 

C) Franz Alexander: Der theoretische Lehrgang 54 

D) Sändor R a d 6 : Der praktische Lehrgang 58 

E) Siegfried Bernfeld: Der analytische Unterricht für Pädagogen 61 

F) Felix Boehm: Der Stipendienfonds 6g 

G) J. H a r n i k : Die Werbetätigkeit des Instituts 64 

Ausländisches Interesse am Institut 66 

A) Gregory Z i 1 b o o r g : Aus Amerika « 66 

B) 01a R a k n e s : Aus Norwegen 69 

Anhang : 

M. Eitingon: Ansprache bei der Einweihung der neuen Institutsräume ........ 71 



Bildbeilagen : 

Dr. Max Eitingon , , na fo Seite 32 

Empfangszimmer von Dr. Eitingon . «-«•..». vor „ 33 

Vorlesungszimmer . nQ ^ n ^ 

Sitzungssaal # 48 

Zimmer des diensthabenden Arztes . , , vor m 4g 

Behandlungszimmer Nr. % , , ; m m *g 



75 



Internationale Zeitschrift für 
Psychoanalyse 

Offizielles Organ der 

Internationalem Psychoanalytischen Vereinigung 

Herausgegeben von 

Signa. Fremd 

Redigiert von 

M. Eitingon, S. Ferencri, Sandor Rado 

Jährlich 4 Hefte, ca. 600 Seiten Lexikonformat 
Jahresabonnement M. 28. — 

Der XV. Band (1929) enthielt u. a. folgende Beiträge: 



Franz Alexander 
Marie Bonaparte 
Mary Chadwick 
Michael Josef Ei sie 
Paul Federn . 
Otto Fenichel 
S. Ferenczi . 
J. C. Flügel 
Eduard Glover 
Susan Isaacs 
Melanie Klein 
Yrjö Kulovesi 
Rene Laforgue 



Ruth Mack Brunswick 
J. H. W. van Ophuijsen 
Theodor Reik . . . . 
Joan Riviere .... 

I. Sadger 

N. Searl 

August Stärcke . . . 
Gregory Z i 1 b o o r g . , . 



Strafbedürfnis und Todestrieb 

Identifizierung einer Tochter mit ihrer verstorbenen Mutter 

Die Furcht vor dem Tode 

Ober wahnhafte Selbstanklagen 

Über einen alltäglichen Zwang 

Eine Traumanalyse 

Das unwillkommene Kind und sein Todestrieb 

Symbolik und Ambivalenz in der Kleidung 

Zur analytischen Grundlegung der Massenpsychologie 

Entbehrung -und Schuldgefühl 

Die Rollenbildung im Kinderspiel 

Zur Entstehung des Tics 

Absperrungsmechanismen in der Neurose und ihre Beziehung 

zur Schizophrenie 
Nachtrag zu „Freuds Geschichte einer infantilen Neurose" 
Das Sexualziel des gewalttätigen Sadismus 
Neurosentherapie und Religion 
Weiblichkeit als Maske 
Genitale und extragenitale Libido 
Die Flucht in die Realität 
Das Gewissen und die Wiederholung 
Schizophrenien nach Entbindungen 



76 





Imago 


Zeitschrift £üt 


• Anwendung der Psychoanalyse 


auf die Natur* und Geisteswissenschaften 




Herausgegeben von 




Sigm. Freiad 




Redigiert von 


Sauden* Ratio, Hanns Sachs, A. J. Storfer 


Jährlich 4 


Hefte, ca 560 Seiten Lexikonformat 




Jahresabonnement M. 22. — 


Der XV. Band (1929) enthielt u. a. folgende Beiträge : 


Siegfried Bernfeld * . . . 


. Der soziale Ort und seine Bedeutung für Neurose, Ver- 




wahrlosung und Pädagogik 


Siegfried Bernfeld und 


r 


Sergei Feitelberg .... 


. Das Prinzip von Le Chatelier und der Selbsterhaltungs- 




trieb 


Marie Bonaparte .... 


. Der Fall Lefebvre 


Imre Hermann ...... 


. Das Ich und das Denken 


Max Mengeringhausen 


. Die Entwicklung der Flugtechnik und die Mythen vom 




Fliegen 


Theodor Reik 


. Zur Psychoanalyse des jüdischen Witzes 


Theodor Reik 


, Künstlerisches Schaffen und Witzarbeit 


Hanns Sachs. . . .. . . . 


. Kunst und Persönlichkeit 


Philipp Sarasin 


. Goethes Mignon 


Alfred Winterstein . . . 


. Dürers „Melancholie* im Lichte der Psychoanalyse 


M. Wulff. 


. Zur Psychologie der Kinderträume 


Hans Zulliger 


. Elternbeobachtungen über die Sexualität kleiner Kinder 



77 



1 



Die psydioanaly tische 
Bewegung 



Erscheint zweimonatlich 

Herausgegeben von 

A. J. Storfer 

Jahresabonnement M. 10. — 



Der I. Jahrgang (1929) enthielt u. a. folgende Beiträge: 

Richard Behrendt . . Das Problem Führer und Masse und die Psychoanalyse 

Ewald Böhm Die Psychoanalyse auf der Weltkonferenz für Erziehung in Helsingör 

H. Cornioley . , . . Sexualsymbolik in der „Frommen Helene" von Wilhelm Busch 

M. Eitingon. . . . . Ansprache in Oxford 

S. Ferenczi Männlich und Weiblich. Über die Genitaltheorie und über sekundäre 

und tertiäre Geschlechtsunterschiede 
G. KL Graber .... Geburt und Tod 
E. Hitschmann . . . Knut Hamsun und die Psychoanalyse 
W. Jensen (f 1911) , . Drei unveröffentlichte Briefe an Sigm. Freud 
Ernest Jones Die Insel Irland. Ein psychoanalytischer Beitrag zur politischen 

Psychologie 

Thomas Mann Die Stellung Freuds in der modernen Geistesgeschichte 

Wilhelm Reich . . . .Die Stellung der Psychoanalyse in der Sowjetunion 
Theodor R e i k . . , , Anspielung und Entblößung 

Hanns Sachs Zur Psychologie des Films 

E. Sterba Pflastersteine. Zwangsgewohnheiten auf der Straße 

R. Sterba Das Problem des Kunstwerks bei Freud 

R. Wälder Sexualsymbolik bei Naturvölkern 

A. Winterstein.. . Motorisches Erleben im schöpferischen Vorgang 

Fritz Witt eis Le grand amour 

H. Zulliger . . . .. „Hysterie infolge Verdrängung ethischer Regungen" 
Arnold Zweig Freud und der Mensch 

Askese und Sadomasochismus — Psychoanalyse im Schlafwagen — Zu Freuds Deutung der Cordeliagestalt — 
Ackerbau und Sexualsymbolik — Vom Ekel — Erotik und Reklame — Psychoanalyse bei psychischer Impotenz 
— Abstinenz, Coitus interruptus und Angstneurose — Das Stabilitätsprinzip in der Psychoanalyse — Neue 
Literatur über den Traum — Kevelaar über Psychoanalyse — Karl Kautsky und der, Ödipuskomplex — 
Bolschewistische Kritik an Freud — Der Gegensatz von Arzt und Volk — Psychoanalytische Heilung und 
christliche Bekehrung — Marcel Prevost und die Psychoanalyse — usw. 



78 



Zeitschrift fifir 
psychoanalytische Pädagogik 

Erscheint monatlich 
Herausgegeben von 

Paal Federn, Anna Freud, Heinrich Meng 
Ernst Schneider, A. J. Storfer 

Jahresabonnement M. 10, — 

Der III. Jahrgang (1929) enthielt u. a. folgende Beiträge 

Siegfried Bernfeld Selbstmord 

Charles Baudouin Leidvoller Verlust und Regression im Kindesalter 

Mary Chadwick Über Selbstmordphantasien 

Edwin Denby Über seelische Rückwirkungen der Gymnastik 

Havelock Ellis Die neue Mutter 

Paul Federn Selbstmordprophylaxe in der Analyse 

Dorian Feigenbaum Psychologische Probleme der Kindheit 

Anna Freud Die Beziehungen zwischen Psychoanalyse und Päd- 
agogik 

Josef K. Friedjung Der Schularzt 

Gustav Hans Graber Realitätsflucht und Weltuntergangsphobie 

W. Hoffmann Lehrerhaß 

Hans Kalischer Beobachtungen an einem jungen Verschwender 

A. S. L o r a n d Der Selbstmord von Miß X 

Heinrich Meng Zur Psychologie der Nacktkultur 

Carl Müller -Braunschweig . Triebleben und Charakter 

Oskar Pf ist er . . Elternfehler 

Wilhelm Reich Wohin fuhrt die Nackterziehung 

Theodor R e i k Ein Kind betet 

I. Sadger Kinder und Jugendliche als Verleumder 

Ernst Schneider * Die Todes- und Selbstmordphantasien Tom Sawyers 

Editha Sterba. .....,., Nacktheit und Scham 

Richard Sterba. . . . . , . . . Der orale Ursprung des Neides 

Hans Zulliger Der Wendepunkt in der Analyse eines Zwangslügners 



79 



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ZEHN 



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ERUNER 



PSYCHO* 

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ANALYTISCHES 



INSTITUT 



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