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Full text of "Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 30"

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23ergifd?en (Befd?id?tsrereins, 

Hamens 6es üorflanöes öesfelben 
^eraus^e^eben 

»Ott 

Dr. Jßttktmav iitrle|, 

MnigHifenB 9t1)eimn ttiiivzat nnb 6taat(an4i«at ga SMIfrlbotf. 



Drci^igfter 3anb 

(ber tteuett ^folge 5it)ait5igjier Batib). 



9a$tra<tna t^d^- 



^tf jtoet JlßßtC&uttgen m «^tc^törucfi. 



(£lberfelb 189^. 

3n Kommtffiott bei B. Qactmatttt. 



^ ^p.r 



HARVA'^O Pni i rnr i irraRY 



•■J'V^!' 



lori 



Stud «on tt. OlaTtini u. fliTOItcfini in Slbcrfcn. 



§nßaCt. 



ecitt 
I. Über bie militanfc^e Unterfifttung bei» $(T}ogd von ^liii'- 

Oieot tnit4 Sian} I. von ^anlrei^ hn gelbrif^cn (hb^ 

folfleftrnte. Sott $iof({foi Dr. @(oig von SSelow ju 

ajlünfter l SB 1—7 

n. OueOen jui ©ef^i^te ber SSeböibcnoiganifation in Siali^: 

»erg im 16. 3abtbunbert. Sßon Semfelben 8—168 

m. ein SBergif*« SoUtorif »om 3abte 1639. Son Är(^tt>= 

biteftot Änton SWötotb ju Ärummou in SBöbmen . . . 169—171 
IV. aSeri^t beS üutfOInif^cn SüatS 3a(ob Om)>baIiud vom Süei^« 

togc }u ©peper (1544). »on ®. $atle^ 172-179 

V. Urhtnbe »om 6- SBloi 1437, betreff enb Sdieberloffung eine« 

«ipotbefer« >u Ste»e 180 

VI. SHe ®T&nbung bei Seineweberjunft in Stberfelb unb SSarmen 

im Ottober 1738. 3}on Sßrioatbo}ent Aart @))annagel 

}u SSerlin 181—199 

ni. Urfunbe »om 2. DItober 1290, betreff enb einen 3Beinberg 

bed ä^emplerbaufe« in Slieberbreifig ju OberboUenborf . • 200 
Vm. «Briefe Sdiebenbeinif^er öumoniften on (Sroämu« (1529-36). 

38on 3Ir*it>or Dr. Sronj SBo^ter ju SBreälou .... 201—212 
IX. Sie Sanbe ^liii unb SSeig wAbrenb ber ^Setagerung von 

Sonn 1588. Son Är^i» = äfftftent Dr. ^riebri* fiü* 

}u S)ü|felborf 213—252 

X. SUtenfUlcte, betreffenb ben Itampf im SBuppertbate gegen 
bie @rbauung eined 3;beaterd }u Qlberfetb (1806). 3Son 

D. Äorl Rrofft ju Slberfelb 253-266 

XI. J)er »eftfaiif^e Meformotor (Serborb Demifen über feine 
£eben8gefcbi*te. Son Demfelben 267-273 

XU. erjablung iti Soefter <f$aftor« ^obanned WloütTüi aber fein 

Seben biä jum 3obre 1709. Sßon Demfelben .... 274-279 



- IV — 

Xin. einige StbenSumfUlnbe tti $iet)igei3 3. S. $enCe }u £ui8- 

butg. aSon Semfetben 280—287 

XIV. Urfunbe Bom 22. »prit 1431, betreff enb empfeblung De« 
Stcentiaten $etnri(^ Slobebot au8 S^teften für ben 3üKd)= 

»ergtfien ^ofelbienft 287— 2S8 

XV. 3ur ®ef*i*te beä fitofterä »öbingen im 15. ^abrbunbert. 

8on 8tn!bi»'afrtftent Dr. Otto Ä. Kebli* ju S)üffelborf 289-293 
XVI. fStxminaä)x\äjttn. SSon ®pmnafiatäDberlebrer Dr. Jlebe 

unb D. Scbelt ju ©(berfetb 294—299 

XVU. aHa^trag ju IX 3(.HJ 

XVm. Serjei^niS ber OJlitgtieber titi iBergif^en ®ef4tcbt3berein3 

(ffiejember 1894) 3ÜI-3I1 



-*S« 



I. 

über 5ie militdrifcf^e Unterftü^ung bes ^ny>gs 

Don 2^lid\''€leve bwcd} S^an^ I. t?on Jranfreicf? 

im gelbrifd^n (Erbfolgeftreite. 

»on ?ptof. Dr. •. ». 9el*lv. 



^ie folgenben a(tenfUi<Ie ftnb unbatiert. @te ftnb aber mit 
SBoJ^rfd^nlid^teit in baS ^x 1541 }u fe^en (ogl. @. v. Selon), 
£anbta0daften oon Sälid^^eerg I, S. 342 Snm. 3 unb @. 353 
Sunt. 2). @ie bejie^n ftd^ auf bie mUil&rifd^e Untetüfl^ung, 
wtid^e ^erjog äßil^Im im gelbrifd^en Grbfolgeftreite oon ÄSnig 
%Tani I. oon ^anfreid^ erfuhr. 3ftan et^&It auS i^nen über bie 
Sin}el^eiten beifelben ganj neue Suffd^Iflffe. SCber aud^ ffir bie 
aUgemeiite ^ereSgefd^ic^te ftnb fte in mehreren fünften le^rceid^. 

^^ entnel^me |te bem 2)üffeIboTfeT Staatdard^io, Abteilung 
eieoe^STtarl, äSer^ältniffe ju (Sktbern, 9h;. 47 a. 

Ordnong der gamisoin. 

Der koning underhelt minem g. h. 100 kueritzer und 
200 arcbiers und werden in 2 banden gedeilt, jeder vend 
50 kueritzer und 100 archiers, jeder kueritzer 3 perd und 
l archier 1 pert Der kueritzer nach der ordnong in Frank- 
rich solden sin in beiden benden 25 van der meister bezalong, 
jcderen 60 g. des vierdel jairs, und 75 van der geringster 
bezalung, jederem 45 g. Aver m. g. h. hait geordent, dass 
die kueritzer glich gehalden und jederen 50 g. sulIen gegeven 
werden. Demnach gebrechen an den beiden benden jeder 
vicrdel jairs 125 g., macht des jairs 500 g. Die wil s. f. g., 



umb gelicheit zu erhalden, (Ubi legen, ^eber Jtueri|er foH 
beäl^alb jäl^rlid^ 200 ®. ^ab«ft. Der archiers sal in ider benden 
sin 75 van der meister bezalung, ju 30 ®. tjierteljäl^rlid^, unb 
25 t)on ber geringjlen, ju 22Va ®. Sal also verblieven. Welchen 
zwae archiersplaetz zugelassen werden, die sullen haven einen 
van der meister und einen van der geringer bezalung. Wilchen 
inniche archiersplaetzen zugelassen vur ire diener, derselviger 
diener nam sal in der [1] munsterzedel gestalt werden, damit 
die zail der archiers in der munsterung vol blieve. Welche 
archiersplatz für ire diener haven, sullen ouch die mit den 
archiers rieden laessen, wan es van noeden. Der lieutenant 
van jeder benden sal haven 627a g. (oietteljäl^rlid^), das banner 
50 g., das renventgen 50 g., der marschalk van dem logis 
50 g. Darzu sullen die leutenanten, baneren, renventgen und 
marschalken haven jeder einen kueritzerplatz. Die vurs. 
gülden sin franken, 20 franzoiser stuver für den gülden und 
die sonnencroen zu 45 stuver gerechent oder die seven gülden 
mit 4 ggl. zu bezalen. 

Die gamisuiner sullen dem koning und minem g. h. ver- 
plicht sin gegen jederman zu dienen, doch dem koning niet 
anders dan onder minem g. h. Welchem min g. h. verlaissen 
wil, sal ime ein vierdel jairs zuvoiren ufsagen laissen und wer 
erlonfniss wil haven, sul ouch ein verdel jairs zuvoiren ufsagen. 
Doch wilcher sich ongeboirlich oder ongeschicklich hilt, wil 
m. g. h., dass die lieutenant denselvigen alzit orluf geven 
moegen. 

Ider bende beloeft sich uf 250 perde. Und wil m. g. h. uis 
ider bi sich zu hove belialden 50 perd, 10 kueritzer und 20 
archiers. Macht 100 perd, 20 kueritzer und 40 archiers. Under 
den archiers sullen sin zu hove 10 jonkeren, ider mit 2 archiers- 
platzen, einer van der meister und einer van der geringster 
bezalung, darzu ein schntzenmeister mit 3 archierplatzen, 2 van 
der meister und 1 van der minster bezalung, 13 schütten und 
4 trumpetten, jeder ein archiersplatz van der meister bezalung. 
So verbleven noch in beiden benden 400 perd, in jeder 40 
kueritzer, da die bevelhaver mit ingerechent sin, und 80 archiers 
(daironder sal ouch sin l forierer und l trompet, behalven die 
4 trumpetten vurg.), fac. 200 perd. Dese vurs. 200 perd sullen 



mit quartieren in die vlecken gelacht werden van 6 wechen 
zu 6 wechen zu versetz us ider benden 50 perd 10 kueritzer 
ind 20 archiers. Es sullen onch die vier bevelslnide, als 
lieatenant, banner, renventgen und marschalk van den logys 
ire quartier halden und einer alzit bi sinen ruiteren sin. Doch 
moegen die lieutenant af ind an rieden und einem uis den- 
selvigen quartier bevelen van irentwegen ufsicht zu haven. 
Darzu wan die gamisuiner beschreven oder von den lieutenant 
und bevelhaver gefordert wurden, sullen si erschienen. Doch 
waneir die kueritzer behalven die quartieren monsterung und 
bezalnng [1] langer dan acht daege uisblieven moisten und die 
archiers aver dat half jair gebruickt worden, so sal einen 
ideren af ein pert die zit lank nach andeel 8 embder g. des 
manetz zngelacht werden. Alle gamisuiner sullen sich selfs 
kleiden nach mins g. h. liverei und geinen pertz- oder andern 
schaeden rechenen. . . . Die 4 tnunpetten bi hof und 2 bi 
den benden machen 6 and sullen gelich gehalden werden, 
dei^estalt dat sich 3 und 3 van 6 wechen zu 6 wechen ver- 
setzen bi den benden und also irer zween steitz bi den ruiteren 
verblieven und die oeverige vier zu hof zu halden, wie für 
van den schützen vermelt Doch dass die trumpetten für ir 
persoen, wan si [sc: bi] hof sin, mit ufgain ussen und dienen. 
Die gamisuiner bi hove sullen ouch uf der monsterung er- 
schinen, ein ider bi siner benden. 



Ciedenken bi den gamisnin \\] far beide marschalken 
Wachtendonck und Plettenberg. 

Jeder marschalk als leutenant sal zugelaissen werden 
behalvcr jeder kueritzer platz und verordent gelt [I] ein 
schriever, darfur ein archiersplatz van der meister bezalung, 
noch vier archiersplatz, zween van der meister und zween 
vnn der geringster besoldung. Die beide marschalken sullen 
glichwal marchalk bliven und die 100 ggl. van dem lant- 
rentfflcister beeren und, wan zu hove sin oder in anderen 
Sachen mins g. h. gebruickt [1], gelich andere bofrede ge- 



halden werden. M. g. h. wil ouch den marschalken ver- 
gunnen, die 200 gülden, so voir des henptmans kueritzer- 
platz verordent, das si die moegen zustellen jeder 100 g. 
einen ansehenlichen geschickten gesellen in irem quartier 
und sunst ufsicht und bevel zu haven demselvigen jeder einen 
archiersplatz van der uieister bezalung zu geven [Jtonflruftion!]. 
Diejenigen, die itzont hoeger dan die öO gülden angenoemen 
ader den mer zugesacht were, zu berichten oder sunst zufreden 
zu stellen; die ufzeichniss zu besehen und zu erkundigen, wem 
die zusaig der groisser bezalong geschiet were, darnach mit 
inen zu handelen. Zu gedenken, 1 kueritzer 200 g. des jairs, 
macht ider monat, das jair uf 12 monat gerechent, 16 g. 12 alb. 
Wan dan den kueritzer uf ein perd gegeven wurd 8 embder g., 
machen 24 embder g. ind an franken 32 (3 embd. g voir 
4 frk. gerechent). So gebrechen noch einen kueritzer alle 
monat 15 g. oder frk. 8 alb. zu boessung, als si über ir gebuir 
gebruicht wurden. Und wan die archier über ir half jair 
dienden, sul einen van der meister bezalung zugeboest werden 
des monetz Vi embder g. ind van der geringster bezalung 
2 embd. g. 12 alb. 

So vil die 20 kueritzer bi hof belangt, sal ein ider der- 
selviger 3 perd halden und zu versetz ein half jair zum 
wenigsten zu hove sin van 6 wechen zu 6 wechen sonder ver- 
rieden. Und sullen oich sunst daerboven erschinen, wan es die 
noittruft erfordert und si verschreven werden. Die 10 junkheren 
mit 2 perden sullen stets zu hove verblieven oder mit den 
schützen rieden, wan inen solichs bevolhen wurd und sunst 
niet verrieden dan mit sunderlichem erleufiiiss us noittruft; 
doch dass si uf die angestalte zit wederkommen. Die jonkeren 
alle sowail die mit zween perden als die kueritzer sullen für 
ire persoen allein zu hoef essen und geinen zolt, foeder noch 
quatertempergelt haven. Der schutzenmeister sal haven dri 
archiersplaetz für drie pert, 2 van der meister und ein platz 
van der minster bezalung, und für die person zu hove essen, 
wan er da ist. Die 13 schützen sullen kundige dapfere gesellen 
sein und stets zu hove verbliven oder riden, dahin si geschickt 
wurden, glich wie für van den joncheren mit 2 perden vermelt. 
Ein jeder van den 13 schützen vurs. sal haven einen archier- 



plaetz van der meidter bezoldung und dairzu van den cuchen- 
schriver noch 30 ggl., dairmit si zukommen kunnen und man 
ouch guede luid bekommen möge. Die vier trumpeten bi hove 
und die zwen bi den benden sullen glich gehalden werden, 
der gestalt, dat sich dri und dri van sess wechen zu 6 wechen 
versetzen bi den benden und also irer zwen stets bi den 
ruiteren verblieven, bi iderer benden einer, und die uberige 
vier zu hoeve gehalden werden, wie für van den schützen 
vermalt; doch dass die trumpeten für ire person, wan si 
[sc: bi] hove sin, mit ufgain essen und dienen sullen. 

Ein knechtzzolt beleuft sich das ganze jair us des daigs 
zu 2 Vi rad. alb.; zu overl. gülden, den raed. alb. 18 helL, 
facit 57 g. 9 hl. Das half jair: 28'/* g. 4Vi hell. 

Item eins jongen zolt beleuft sich das ganze jair uis des 
daigs 2 rad. alb., fac.: 730 rad. alb., =^ 45 g. 15 alb. Das 
half jair: 22 g. 19 alb. 6 hl. 

Item stalmuit durch das ganz jair up ein perd nach der 
ordnong 6 gg., fac.: lO*/« g. Item das foeder für ein pert das 
ganz jair uf [!] ein half sumberea des dags, macht an haveren 
45 mL 2Vs 8. hofmass. 

Das malder, helf ein zit die ander, geschlagen uf einen g., 
fac. 45 g. 15 alb. Das half jair 22 g. 19 alb. 6 hl. 

Einem kuritzer bi hove beleuft quatertimpergelt im ganzen 
jair, dergelichen zolt für knecht und jongen und foeder voir 
drie perd das half jair 151 g. 9m 9lanbe: nu oevert noch 
einen kueritzer bi hove 49 g. für af- ind anrieden. 

Einen junkhem bi hove mit zwei perden beleuft stalmoit, 
zolt für einen knecht und foeder für 2 perd das ganz jair us, 
169 g. 6 alb. 9 hL Sm 9lanbe: nu oevert noch einen [1] 40 g. 
und wes si orlof kiiegen, kompt inen dairzu zu guet 

Druitzehen schützen machen jeder ein des jairs für foeder 
45 g. 15 alb., für zolt 68 g. 10'/, alb., für loen 12 ggl, für 
stalmuit 6 ggl., für kleider machen und lersen 2 ggl., den ggl. 
zu 7 mark. 



Wes van den garnisnnern, so ko. w. 

van Francreich minem g. h. herzougen zngeordent, 

ire ko. w. Bericht und verner hegert werden sol, 

Voigt korzlich angezeichent 

Anfenglich dass uia uirsachen die form des eit2 in geloften 
verändert, dweil der adel in Deutscher nation nit schweren, 
sonder bi treuen und eheren geloben und sollichs vast halten, 
das euch nit under den reutem, sonder under den knechten 
zu schweren gebruichlich. Das das h. reich allein uisbehalten, 
ist nit irer ko. w. zu nachdeil, sonder uf das minen g. h. geiu 
verwis noch irer ko. w. inniger verdacht daeruis enstaen dorf, 
wie oich in den aliancien zwischen irer ko. w. und minem g. h. 
beschien. Die curitzer haiffen 3 gueder groisser pert, nemlich 
einen jongen, der spies und helmet nafuirt, und einen knecht, 
der mit spies, hämisch, helmet und aller gestalt als sin jonker 
gerust is uisserhalb die underste scheuen. Die archiers haven 
ein guit pert geleich den curitzeren und [sc-: sint] sunst auch 
mit spiess, heuft- und ander hämisch gelich gerust als der 
kuritzer knechte. Das zu den benden 4 trompetten, die oich 
guede harde gesellen sin, gestalt. Das m. g. h. den sement- 
lichen reuteren zugesagt und versprochen, dass si nit über 
gebirchs geschickt werden sollen, es were dan, das i. f. g. selfs 
in Personen dahin zoegen. Dass m. g. h. euch den reuteren 
vur der bezalong halt gelobt und gesprochen und dameben 
verheischen, waneir si langer dienen dan ir quartier, das als- 
dan inen uf idem pert acht embder g. zer monat bezalt und 
das gebreich van siner f. g. erfult ind, waneir si beuten lantz 
verreisen, noch up andere Sonderlinge maueren als bi den 
Deutschen gebruichlich mit inen verdraegen laessen moiat [!]. 
Das s. f. g. die 100 curitzer gleich halde und einem idern 
des jaers 200 franken geben und das gebrech daran von dem 
ainen zulegen doet, umb onverstant zu furkommen und darumb 
das bi den Deutschen der bruich nit ist, das der einer mer 
hab dan der ander, dweil si sich geliche menlich und weer- 
haftich halten und erachten. Dass irtumb gewesen van besol- 
dung des marschalks vam logis, dweil in dem stait des konings 
demselbigen geliche besoldung als den banner und renfentgen 



zugeschreben und s. f. g. dieselvigen marischalk gleich den andern 
doen bezalen. Dass bi den Deutschen nit gebruichlicb baessen [!] 
zu fueren dan zu triumf oder tornirong, ouch oerer rustongen 
halven nit zu erhalten, wanne inen sunst gein waegen zagelaessen 
und besoldet wurden. Darumb ir ko. w. die gestalt zu be- 
richten, nachdem si alle sich aller gebuer und gleiche willich 
halden werden. Das m. g. h. zu den sementlichen reuteren 
2 lieutenanten, 2 banner und 2 guidons, ouch 2 marischalx 
vam logis angenomen unde die alle on vemer onkosten irer 
ko. w. tun vernuegen ; derhalver zu begeren, das die ouch also 
Yerbliven moegen. Das s. f. g. 100 curitzer und 200 archiers 
angenomen in solcher gestalt, als m. g. h. herzouch Karl von 
Gelre lobl. ged. gehat und oich für und für van Kei. M. also 
bi hoichg. herzougen und sunst noch gehalten [!], damit ouch 
die ventger des zu besser besatzt und bedeckt moegen werden. 
Und nachdem sweirlich sin sol die 50 archiers umb mennigerlei 
onverstant nu wederumb zu erleuben, stelt s. f. g. zu ihrer 
ko. w., ob derselben gefallen wol, die oich bi dem anderen zu 
behalten und gleich denselvigen bezalen zu lassen; wo nit, wol 
s. f. g. die uberige erleuben und von dem sinen zufreden stellen. 
Das i. ko. w. bericht werde, minem g. h. zu gestaden in stat 
derjenigen, so absterfen oder erleufenis nemen, anstont andere 
anzusetzen und ire bezalong vurgaen zu laessen, wabi die 
plaetzen zu iderer zeit verfult und in irer ko. w. dienst bereit 
gehalden werden. Das ouch i. ko. w. sin er f. g. oder irer mt. 
gesanten zu iderer zeit bevelhen wol, die munsterong zu tun, 
wabi onnoedige onkosten verschoent werden. Dass i. ko. w. 
geliven wol, zu ider quartiren das gelt durch den tesaurier zu 
uberschicken und denselben zu bevelhen, das er sollich gelt 
in banden mins hem oder wem es s. f. g. bevelt zu averant- 
worten und dargegen ein generaelquitanz vur s. f. g. zu nemen, 
wie dan ouch von den 2 irsten quartiren beschien, dweil den 
reuteren zu vil malen gelt vurgestreckt werden moiss und si 
snnst oich weiter bezalt werden sollen. Doch allet zu irer 
ko. w. wolgefallen. 



IL 

Quellen 5ur (ßcfd7id7te ^cr Bcf^ör^cn= 

orgamfatioit in 3ülid7=Bcrg 

im \6. 3al^rf|un6?rt. 

Son •. ». «etoi« uitb 9. «Ieid|. 



3)te roettgretfenben Änberungen, roeld^e bte SJerroaltuiigäorganU 
yatton ber beutyd^en S^erritorien im 16. Qal^r^unbert erfahren ^at"), 
ftnb in neuefler 3rft für »erfd^iebene ©ebiete eingebenb bargefletit 
roorben. SBir erinnern nur an bie arbeiten »on Stojeiitl^al, SRanfreb 
3Rat)ex, ^leubegger über SSdern unb »on Ärufd^ über Sraunld^roeig. 
gär ben 9lieberrl)etn ifl biä^er erft roenig gefd^el^en. Unb bod| bep^t 
aud^ biejer gerabe für jene SSerl^dltniffe ein fel^r reid^g Ouetten: 
material. ®ie l^ier folgenbe ^ßubttfation, roeld^e mit ber 9Jer= 
roertung be8 le^teren einen Anfang mad^en roitt, bejiel^t ftd| auf 
3[ütid|=S9erg. Sine SJarfiellung ber SJerroaltungäorganifation »on 
ßleoe^SKarf befinbet ftd|, roie roir l^ören, in Vorbereitung. 

®ie unten mitgeteilten SlftenflüÄe entnel^men wir jroct ga8cifeln 
be« ©üffelborfer ©taatiSard^iBä. 3)er eine (mit ber Signatur: 
3[üIid^»S9erg, ^milienfad^en 5ir. 21) entl^ält Smtgorbnungen auä 
ben 3al^ren 1532—88 in glcid^jeitigen Sufteid^nungen. SSon ben 
24 Sihimmem beäfelben gelangen ^ier 11 jum SbbrudE. 3)er jweite 
tjaäcifet (mit ber Signatur: ®efe|gebung 91t. 15) befielet au8 (leiber 
fel^t fel^ter^aften) Äopien »on 3lmt8orbnungen ber jroeiten §älfte 
be8 16. 3al^rl^unbert8; bie Äopie ifl am Anfang be« 17. angefertigt 
roorben. ®ie l^ier gebotenen 25 ©tüdEe ftnb im folgenben fämtlid^ 
berüdt|td|tigt roorben. ®ie aftenflüÄe au8 bcm erflen i5a8cifel [irA 
unter A, bie au8 bem jrociten unter B jufammengefafet'). 

>) SsL borttier ^i\tm. Xaf($en(u($ 1887, &. 303 ff.; &itL 9t(. 9xim*n 
1890, ©. 308 ff. 

') Son b«m, roaS Bisher übtt bie SettvaltungSorgamfatton t>on 3ait($:8(Tg 
im IB. Sa^^nbert publiiitxt i\t, tft iai toi($tig^e bie $ofotbnung eon 1534 
bei £acomb[et, Src^ie 6, @. 103 ff. unb bit Slesimenteotbnung bon 1592 in 
3tf($r. btS e. (B.<S. 2, e. 212 ff. 



9i 



SHe abfd^riften ber in bem smeiten '^tOciltl ent^Itenen Stntd: 
otbnungen unb ebenfo bie ron iioei Orbnungen aus bem erfien ^be 
id^ feiner 3nt genommen unb fte ie|t $erm ®eid^ sur ^ublibition 
}ui Serfügung gefleQt. $err &nä) ^at itai 'Slatenal inawifd^en 
oerooQflinbigt unb wirb ber 33er5ffentltd^ung ber älmtöorbnuiigen 
nettere Stubien Ober bie SSenoaltungdorgantfation von 3üliö^-'9erg 
im 16. 3a^r^unbert folgen laffen. 

@. V. Selon). 



A. 

I. Usznch US den alden gedenken in decembri 
anno 47 zn Dasseldorf nfgezeichent 

Anzeichnus zu machen, wie mit einem jeden ampt der 
losen und verfrinng halver verdragen und wes daruf usgericht 
ist oder wirdet. 

Klare aiizeichnus zu machen, wes man den ruitem noch an 
besoldung und perdzschaden schuldig, mit welchem gerechnet 
sei oder nit, uf dass mit denen, so gerechent haven, verdragen 
und mit den andern gerechent werden möge. 

In ein boich klairlich und underscheidentlich zu setzen, 
wie mit einem jederen verdragen ist, oder noch wirdet und 
dnrch wen die bezalung geschieht. 

Udenheimers rechnung van dem Munsterschen zug, van 
dem Türkenzug und van der veden zu hoeren und gegen die 
andere, darvon er entfangen oder den er gelievert, zu con- 
ferieren, als rentmeisterWassenberg, rechenmeister und andere, 
damit solichs allenthalben moege klair gemacht werden. 

Auch der anderer rechenschaften zu hoeren, so noch 
nngehoert sein. 

Uszoch von allen hinderstendigen pensionen zu machen 
und 80 die an andern orten, dan in den amptem, daruf sie 
verschreven, bezahlt worden oder wurden, solichs in die rechen- 
schaft, da si verwist, zu setzen, damit künftig gein irtumb 
derfaaWen sei 



10 



Uszoch zu machen van allen hindersteudigen stuiren, da- 
mit die ingefordert, oder die ruiter, pensionarien und andere 
schuldener daran verwist werden mögen. 

Instruction zu machen, wie die rentboecher sullen ufgericht 
werden, insgemein und neben instruction us den rechenschaften, 
alden rentboechern, anzeichnussen und gebrechen der rechen- 
schaften, waruf in jedem ampt insonderheit und fürnemlich 
erkundigung geschehen sol. 

Luide und zit zu verordnen, die rentboecher ufzurichten. 

Wes die verordenten sich erkundigen und befindeu werden, 
in ein klair anzeichnus zu stellen, in die rechenchamer zu 
brengen und zu besehen, ob es recht und ordentlich gestalt, 
auch in der canzl6i zu suichen, ob es alles inbracht sei. 

Wan diser bericht ankommen, recht and gut befonden, 
alsdan die rentboecher in gleubliche form stellen und durch 
die gerichtere ufrichten zu lassen. 

Einem jeden bevelhaber seine rechenschaft einmail zu 
stellen, wie er die jar für jar darnach machen und doin sal, 
mutatis mutandis, und welche die form verandern, oder nit 
nach der Ordnung stellen wurden, dieselvige rechenschaften nit 
anzunehmen, sonder uf Unkosten der bevelhaber zu verwerfen. 

Glichermassen die quitanzien zu stellen, wie sie die ent- 
fangen sullen, und so sie die anders entfangen wurden, solichs 
in der rechenschaft uszudoin und nit zu passieren. 

Wan die rechenschaften gehört werden, alsdan die quit- 
anzien zu conferieren gegen die concepten nnd formen, so den 
bevelhavem zugestalt. 

Als auch in den rechenschaften meidung geschieht von 
zedulen, damit die rechenschaften nit zu lank werden, den 
bevelhavem ein form zu geven, wie die zedulen zu stellen sein. 

Das ein jeder bevelhaber sine rechenschaft klair stelt und 
im anfank des meis in die rechenchamer schickt, sampt den 
bizedulen, nach der Ordnung beiein gebonden. 

Das die rechenschaften, alsbald das ankommen, in der 
rechenchamer durchsehen werden, ob die auch recht und nach 
der formen, so den bevelhavem gegeven und vermog der Ord- 
nung gestalt sein, auch die rechenschaft und zedulen zu calcu- 



11 



Heren und alles zu conferieren, ob es sich recht und der gebur 
befind. 

Den bevelhavern mass und form zu geven, wie sie ge- 
brechen bei der rechenschaft stellen und ubergeven sullen 
and wa inen in dem gebflrlichen ufboeren ichtwas mangelt, 
das sie nit krigen kunten, solichs nit us der reclienschaft zu 
lassen on erleufnis uf der rechenschaft^ sonder in den gebrechen 
desselbigen jars zu erkennen zu geven mit allem bericht und 
keineswegs zu verswigen, wa ichtwas unufgeboert bleve. 

Den bevelhavem anwisung und behulf zu doin zu dem- 
jenigen, so inen furenthalten und si nit krigen können, und 
wa inen nit verhelfen kunte werden, alsdan in den künftigen 
rechenschaften zu kurzen. 

Wa aber in dem gewonlichen usgeven ichtwas anstain bleve 
und nit behalten wurde, solichs in der rechenschaft sampt den 
Ursachen zu vermelden. 

Jedem bevelhaber sinen staet zu machen van dem usgeven, 
nach gelegenheit des ufboerens, und so jemant den ubertreden 
ward, solichs nit zu passieren. 

Nottnrftige personen in die rechencamer zu stellen, die 
gebrechen und antwort, auch m. g. h. bevelh, und wes daruf 
nsgericht, und anders, so noedig, ordentlich zu registrieren, 
jar far jar. 

Alle gedenken, so zu der rechencamer gehoeren, in ein 
anzeichnus zu brengen, und wes daruf usgericbt wirdet, dabei 
zu sagen, mit anwisung, wa es zu finden; wes aver in dem jar 
nit usgericht werden kan, in das künftige jar fttran zu setsen. 
Als bevelh geschehen der rotzehenden halver und etliche 
bevelhaver daruf bericht uberschickten, den zu durchsehen 
und rait zu halden, wes uf ein jedes nszurichten und den 
bevelhavem zu antworten. Welche aber den bericht nit uber- 
Bchickt, van denselbigen den noch zu fordern und nachdem 
etliche bewis van mins g. h. fttrfadem haven, das inen der 
rotzehende verlassen, darvan gleubwirdige copien zu nemen. 
Uszoch zu machen in jederem lande, wa die nuzte lesen [!] ') 
zu doin sein und mit denen, so die gueder haven, zu ver- 
dragen, dass sie van hondert 5 nemen, oder sovil daruf legen, 

') b. ff. bit niM}(i(^flen (SinISfungen. 



12 



als sie mehr haven und reversalen geven, das inen das zu- 
behoer usgedruckt werde. 

Bei einer jederer recbnung zn samein die copien von 
allem dem, wes us demselvigen ampt verschreven nnd die in 
ein boich zu binden, und welche man bei hove nit finden 
kunte, durch die bevelhaver oder sonst forderen zu lassen. 

Von allen rechenmeistem, keinem, zolnem und andern, 
die rechenen, bürgen zu nemen fOr dasjenige, so sie ufboeren 
van wegen m. g. h. 

Derglichen auch bürgen zu nemen van allen scholtissen, 
boden, wagenknechten und andern, so gelt ufboeren, das sie 
dasjenig, so sie entfangen, auch zu behoif m. g. h. bei den 
bevelhavern überantworten« 

Alle scholtissen und boden, so durch die amptluide oder 
bevelhaver angestalt werden, irstlich in die rechenkamer zu 
praesentiren und anzuzeigen, wen sie daselbst zu bürgen ge- 
stalt, ire placaten zu geven und den eid zu entfangen, auch 
die Ordnung für zu stellen. 

Ein boich in der rechencamer zu hnlden, darinnen an- 
gezeichent, welcher massen und auf welche zeit ein jeder an- 
genomeu worden und was bürgen er gesetzt. 

Den bevelhavern, so ire Ordnung und rechenzedel noch 
nit haven, dieselbige klair zu machen und zuzustellen. 

Einem jederen bevelhaver sein underhalten und wes er 
geniessen und haven mög, zu verordnen. 

Da geine bevelhaver sind oder da sie nit dienlich, zu 
verordnen und anzustellen. 

Instruction und berichtung den verordenfen, so in dem 
lande van dem Berg der landstuir halver umbziehen werden, 
zu geven, wes sie in jederm ampt nnd waruf sie handeln suUen. 

Auch durch dieselvige erkundigen zu lassen, wie es in 
einem jederen ampt und gericht mit dem gerichtschriever und 
verwarung des gerichzboichs gehalten wirdet und ob man ge- 
schickte und duegentliche gerichtschriever haf und wes ire 
underhaldung sei. 

Gleichfalls durch dieselvige erkundigen zu lassen, die 
gelegenheit des veilen kaufs mit der stat Collen und von der 
massen, holz, ziechelstein, kolen etc. [!] 



13 



Den bevelhavern Ordnung und bevelh zn geven, wie es 
mit dem kerven des holz und der maessen vurs. sal gehalden 
werden. 

Aach mit den van Collen abzureden und sich zu verglichen, 
wie es mit der maessen und veilem kauf sal gehalden werden, 
damit solichs den undertanen verkündigt, sich darnach zu 
richten. 

Das ein jeder bevelhaver in seinem ampt erkundige van 
dem afgank des schaz, als welcher massen solichs geschehe 
und wes bewis ein jeder darvan haf, und solichs in die rechen- 
camer lievem. 

Wa inniche gueder schazfri verschreven, die wiederumb 
zn loesen, wie uf dem landtage fQrmals verdragen, umb der 
diensten wil. 

Das guldekom in den amptem Medmen, Angermont, Mon- 
heim, Solingen, Misenloe und Bomefelt uf Dusseldorf lievem 
zu lassen, durch die honnen, und das die honnen den richtem 
und bevelhavern des ortz die zedulen van dem keiner zustellen, 
damit die in irer rechnung davon meidung dein können, das 
die lieverung voUkommenUich geschehen, und ist nit noedig, 
das die bevelhaver soliche fruchten entfangen und darnach zu 
Dusseldorf lievem lassen, und das die bevelhaver dem kellner 
Dusseldorf ein anzeichnus geven, wieviel jeder honne lievem sol. 

Mit der foderhaver kunte es zu merem deil auch also 
gehalden werden. 

Wan die erkundigung in ufrichtung des rentboichs ge- 
schieht, alsdan auch ein nnderscheidlicbe anzeichnus zu machen, 
wie vil foderhaver in jederer hontschaft feit and wievil jeder gift. 

Dergleichen zu besehen die zedulen derjenigen, den die 
foderhaver nachgelassen wirdet in jederem ampt, ob auch 
solichs geschehe, wie sich geburt 

Die aide Ordnung des gruissgelz im lande van dem Berg 
zu durchsehen und zu erkundigen, ob es auch vermog der- 
selviger gehalden, und die accis gebort werde. 

Auch Ordnung zu machen, wie es hinforder damit zu 
halden und zu bessem, da mangel befonden. 

Die greven- und roichhoener belangen zu erkundigen, wievil 
in jederer honschaften derselviger fallen und ob die auch glich 



14 



gebort werden, also, dass ein honschafi; oder ampt nit hoger 
beswert werd, dan das ander. 

Den landzolnern ire Ordnung zu geven und ufsehener zu 
verordenen, das es vermog derselviger gebalden werde. 

Zu gedenken, ob das holzgelt, so us den amptem zu der 
borch gelievert wirdet, hinforder noedig sei, dahin zu lievem, 
derwil es zu der borch weder in die rechenschaft gebracht 
wirdet, sulte vil bodenlonis, quitanzien suechen [!] und lesten 
sparen. [1] 

Bevelh und maess zu geven, wie es hinfurder mit dem 
offergeld sol gehalden werden. 

Derglichen des bougelz und chamergelz zu Dusseldorf. 

Ordnung der bruchten klair zu machen und in das werk 
zu stellen. 

Maess den amptluiden und bevelhabem zu geven mit der 
zerung im verhoer der partien und amptssachen. 

Ordnung der araptluide und bevelhaber ins werk zu stellen. 

Derglichen von vogten, scholtissen und richtern. 

Auch von den landboeden. 

Zu gedenken, ob den bevelhavern neben der amptluide 
zehendem penning der zwanzigste penning sulte zugelassen 
werden von den bruchten, insonderheit von ubertredung meines 
g. h. Ordnungen, damit desto besser ufeicht geschehe. 

Ordnung der gerichtsschriever zu fertigen und ins werk 
zu stellen. 

Ordnung [sc: des] jegermeisters und [sc: der] jeger zu 
fertigen und mit denjenigen zu handien, so die huntleger 
schuldig sind zu halden. 

Nachdem der Rhin vil schazlands afgedreven, welche in 
den rechenschaften und schaz gekürzt wirdet, und aber etliche 
scliazgueder daselbst und sunst an anderen enden wederumb 
anwinnen, zu verordnen, wes die van dem morgen geven suUen 
zu erstadung des andern afganks. 

Als etlich mangelder afgeloist, die das gelt wiederumb 
belegen und zu leben entfangen solten, welchs bei vielen noch 
nit geschehen, solichs zu suechen, zu durchsehen und diejenige, 
daran der mangel ist, darzu zu halden, das die belehnung und 
entfenknus geschehe. 



15 



Ordnung der manhnisor ins werk zn stellen. 

Zu beratschlagen, wie die Ordnung der lehnrechten der 
furstentnmben in das werk zu stellen. 

Dergleichen wie es zu hnlden mit den lehenen, so noch 
nit entfangen, da allerlei gebrech ist, auch der versuimpter 
und verfallener lehen uszoch zu machen und den bericht zu 
soechen. 

i. V.: Bedenken die rechenchamer belangend. 



II. Etliche artikel die amptlent, bcTelhaber 
und boten betreffend. 

Erstlich sal in allen kirchen öffentlich verkündigt werden, 
das der amptman nach diesem tage des vilfeldigen und licht- 
ferdigen laufens [t] der underdanen nit gemeint si anzonehmen, 
sonder die hausleut sollen des verboerstags, so er in jedem 
kirspel anstellen und in den kirchen verkundigen laissen wirt, 
alle gebrechen zu verhoeren erwarten. Alsdan suUen diejenige, 
die zu doin haven, uf dem ort, so inen genant sal werden, 
erscheinen, ire gegendeile, so die boden uf ire belohnung 
gebieden sullen, sampt aller notturft zu iren Sachen dienlich 
mitbrengen, also das gein suimnuss noch Unkosten der zeit 
einigen parteien enstahe, doch das ein ider für den verhors- 
tagen sin gebrechen den boden, darunder er gesessen instelle, 
und die boden dem amptman die vort anbrengen, uf das man 
erfaren mug, of die Sachen noedig sin uf kosten furzubescheiden. 

Zum 2^, das nimants van den underdanen imuntz anders 
als dein amptman und sinen amptzgehulfen gehorsam leiste, 
das sich auch nimantz in ander wege beclage, er wurde dan 
von dem amptman oder sin gehulfen irst verhört, und so den- 
selben die Sachen zo wilt wurden, dahin gewist Wes die 
haosleut in geringen sachen, als mit iren wegen, zeunen, heid, 
lonf and derglichen under einander zu tun haven, das sie sich 
.sulicher dingen mit iren nachbaren verglichen und guitlich ver- 
tragen und m. g. h. sinur g. hoicheit und bruichten dainen 
allezeit furbehalten und anbrengen; wo inen aber die gebrechen 
zo schwer wurden, alsdan sullen sie iren amptman ansuchen. 



16 



uf das also Unkosten nnd vil loafens auch suinmis des arbeitz 
fnrkommen mag werden. 

Zum 3:^, das die scheffen und boden in Sonderheit nie- 
mantz sachen, die streitig oder zu recht fliessen muchten, an 
den bevelhabem helfen verclageu, tagleisten, verhandelen und 
ausserhalb der ordentlichen Gerichtstagen verurteilen, loben 
oder schelten, als, der aine hat recht, der ander unrecht, diser 
wirtz gewinnen, der ander verlieren u. dgl., uf das sie also 
bei den gemeinen man aller suspection und ai-gwons mugen 
ledig stain, und die huisleut nit in grossen vergeblichen Unkosten 
gerietz und gefüi;t ^'trerden. 

Zum 4^, das die scheffen und boden vurs. gein ver- 
glichungen noch Scheidungen machen, sie behalden dan sunder- 
lich meinem g. h. die bruichten der uberfarungeu allezeit furaf, 
und dieselbigen, die also zur abtragt entscheiden werden, nit 
verschweigen, sonder bei den [1] amptman, schulten oder ge- 
richtern anbrengen [1], und wo sie in dem fal etwas verhalten 
wurden, sullen sie darumb gestraift werden. 

Zum 5ii^^), das auch nimantz, er sie wer er wil, einige 
verdrage oder Scheidung mache, das er mer verzere, als na 
der malzeit ein^) — ein qtiart weins, und sullen doch die mal- 
zeiten damit nit zo langer verzogen noch ufgehalden werden, 
uf das also die unzeidige uberfluissigkeit der zerungen ab- 
geschnitten und furkommen werde, und wer derboven ferner 
ader wider zeren ader drinken wurde, sullen die parteien, 
darumb der scheitztag gelacht, zo bezalen nit schuldig,, auch 
iren scheidzleuden oder tagleistem einem jeden nit me, als 
den dach zo der mailzeit 6 alb. zo geben verfplicht sein, aus- 
genomen den gerichtspersonen ire belohnung, wie von alders 
gewonlich und gepuirlich furbehalden. 

Zum 6^, das die boden den parteien und dere bürgen 
nit Widers abfurdern, dan sie also gerichlich und in den ver- 
tregen, wie obgeschrieven, ordentlich und messig verthoin hetten. 

Zum 7^, das die boden nit on bevelh penden, es sei 
dan mit recht erkant, vertragen oder sunst für bekentlich 



*) XtKIel ö i{l ft>at(t auSgefhit^n. 

') Sc^b^flfte Stelle; ein SBott ifl abgeriRen. 



17 



schald berechent, uf das sie also on vil loufen und schaid der 
leuth aach den gemeinen man alzeit in freden zu berichten 
und zo erbalten ir beveih aisrichten mugen. 

Zum 8^ sullen die boden in die kirchen gein roufen 
fiarwendflD, die ehre iind dienst gottes sei vollendet, es were 
dan meinem g. h. oder sunst merklichs daran gelegen. 

Zum 9^. Die boden suUen gein ve noch fruicht van den 
hoisleuten für den schätz hoger nemen, dan es der zeit ge- 
meinlich gelde und sie es verhandeln können. 

Zorn 10^. Die boden sullen in die kirchen roufen, das 
die wirden alle zog- und pifkannen van stond an afstellen und 
offen fleschen zu irer narung gebrauchen und sie und alle 
becker einem jeden sin vollkommen maiss und gewicht na af- 
imd afgank des wins und der gemein frucht verkoufen und 
geben, und was sunst van gezenk, ufrur, schlegerei oder gotz- 
lestening in iren heusem fnrgewant wirt, das sullen sie an- 
brengen und sich m. g. h. Ordnungen gemess halten bi einer 
pene derselbigen und verlust irer narung. Das auch die boden 
Sonderling in dem ufsicht haben, das dem also stetig gelebt 
and nachkommen wird. 

Zum 11^ sullen die boden gein Wirtschaft halten noch 
veil driven. 

Zum 12^ das alle diejenigen, so erfkauf doin, nach dem 
kooftag zo irstem nachfolgendem gerlchtztag ire verzeger [!], 
dae sie gehoeren inbrengen, uf das den rechten erben die 
gaetter also na Ordnung meines g. h. bedecklich [!] nit ent- 
zogen werden. 

Zum 13^ das na desem tage sich geioer^) — der predigt 
and dienst gottes auf dem kirchof [sc: für?] laisse, das auch 
die kremer vermug meines g. h. ausgaogenen edict ire war nit 
veil haben, zeunen noch verkoufen, sonder in die kirchen gaen 
und bis zu end des dinst dainnen verbleiben. 

Zum 14^, ob sich begeve, das imantz frembders on fur- 
wissen m. g. h. mit der daet ins ampt griffe, also das er den 
undertanen schaden, einige gewalt, ladungen, citationen, andere 
vemeueningen furwente, das die boden dieselben alsbald an- 



*) 9tu^ ^er ein SBtot iti^&tt; b)a^(^emli<!^ ander. 



18 



halten und zo fernerem bescheid des amptmans vast und ver- 
sichert machen. 

Zum lesten, ob sich begefe, das einige Sachen, an- oder 
zufeile, dairan meinem g. h. oder den underthonen gelegen, 
in dem ampt enstunden und der amptman nit inheims noch 
in der ile zu bekomen, das alsdan schulten und die andern 
underdiener sich in solichen Sachen und feilen also halten, 
das derhalber gein schad noch unwil erwachse. 



III. EtUche gedenken die hofsordnnng betreffende. 

Als unserem g. h. herzogen zu Guiich, Clef und Berg etc 
etliche bedenken die hofsordnung belangen am 13. April ^) 
zugestellt, umb i. f. g. bedenken anzuzeigen'). 

Erstlich damit man alle bestellongen bequemlich und mit 
den wenigsten costen doin und dem dubbelen vurait an schif- 
frachten, diensten und sunst verhoeden mogh, hat m. g. f. und h. 
gnediglich gewilligt, einem hofmeister die zeit der ufbruch und 
zoege, ouch wie lang i. f. g. an jederem ort zu verbliven ge- 
meint, anzuzeigen; daruf dan derselbig dem kuchenschriver 
bevelhen sal, die bestellongen nach gelegenheit ins geheim uud 
sonder inniche bagerung®') zu doin, auch sulchs verswegen zu 
halden und niemants vermelden, uf das man nit ein lange zit 
zuvom weiss, wie zu geschehen pleg, wannehe man ufbrechen 
wil, so kan man auch na gelegenheit der gescheften berurtem 
cuchenschreiber wol vermelden, wie lange i. f. g. an einem 
jederen orde zu verharren noedig. Mit dem quiten frembder 
ankörnender heren und anderer sol es gehalden werden vermog 
der hofsordnung, und nemlich das diejenigen gequit, die mins 
gnedigen hem rede und gesandten weder quiten und die 
s. f. g. verschriven deden, aver das sunst sonder s. f. g. bevelh 
und vurwissen niemantz gequit werde; so kan man auch irer 
vil ungequit lassen, wan man inen mit haver und win Verehrung 
doit oder allein mit win oder allein mit haver nach gelegen- 



>) äbn Slanbe: umo 54. 

•) Bp&tn au«8€ftri(^«tt. 

") 3uT Srnünrng j. ®. b. 8e(ot», SanMagfiahen I, @. 420 Knm. 1. 



19 



heit der laide, and das si ufgefordert oder beneden gelassen 
werden. 

Zu gedenken, ob imants van heren, graven oder anderen 
in afwesen onsers g. h. in Ire f. g. hofleger anquemen, wie 
nun 68 damit halden sol. 

Sovil die weidluide und jagt betrift, steit die verordnong 
za walgefallen onsers g. h., sowol die anzal der personen, als 
andere der jagt notturfL 

Aver botU die onderhaldong der jeger und honde angehet, 
steit zu bedenken, wie die geistlichen and anderen, so die 
h(Hidleger zu halden schuldig, ersucht oder bescheiden mochten 
werden, das ein jeder uf etlich kom, of gelt nach einer jederen 
gelegenheit gestalt, das si des hondlegers eine zit lank ver- 
lassen werden mochten und das dannoch auch der hondleger 
zn allen 6 jaren einmal gehalden und umbgezogen, damit 
ansers g. h. gerechticheit nit verdunkelt wurde. 

Aver die kleine jagten beroerten, als hasen, canin, velt- 
honer, biikhanen etc, ist zu verordnen, was davon in die leger 
za Gnlich, Hambach, dergleichen zu Dusseldorf und Bensbur 
mocht gelievert werden. Die hofmeister sollen die bevelhaber 
bei höre mit den dieneren vurbescheiden, inen m. g. h. bevelh 
Torhalden und wes in jederem ampt zu besseren were, erinneren, 
auch ire Ordnung zustellen und daruf sehen, das derselbigen 
gelebt, die diener in forcht und gehorsam gehalden; und so 
inniche untreu, unnoedich, undienlich und dermassen befonden, 
das sie der Ordnung nit nachquemen und ungehorsam weren, 
dieselbigen mit siner f. g. vurwissen zu erleuven. Den bevel- 
habem auch erstlich anzusagen, nit zu verziehen, sie haben 
dan ein andern in ire stat, der ir ampt allermassen verstae 
and vertrette, ob sie selbst da weren, und den sie auch ver- 
sprochene zeit irer widerkunft halten. 

So sollen ouch die hofmeister vur allen dingen vlissig 
erkundigen, das gein diener angenommen oder gestadet werde, 
der eines unreinen levens, gotzlesterer, folsuffer, ehebrecher, 
Zenker und derglichen boisen gerochtz sei 

Belangen die nutturft der grunner fisch, ist us dem vorigen 
simul [!] eines ganzen jars uberslagen, das man ungeverlich 
bedurft an snuöhen [1] 1200 Stuck, jedere van 3 od. 4 ff; 



20 



an karpen 2000 jederen van 3 S; 
an bressemen 2000, jed. van 2 ff; 

an berven, oellen, backfisch, macarelen, moenen, eschen, krefts, 
fornen, grundelen und gonven nach gelegenheit des hofs; dwil 
aver in einem lande die notturft mit den vischen besser, dan 
in dem anderen gestalt werden kan, so were ein anzeichnis 
zu machen, wie und wa die hofleger zu Gulich, Hambach, 
Bensbur und Düsseldorf versien, und betten der cuchenmeister, 
landrenthmeister und vischmeister zu besichtigen, wa genüg- 
same haelpuel an den hoflegern sin oder nit, und da die nit 
weren, zu verschaffen, das dieselbigen gemacht werden, nem- 
lioh ein halpuel zu den snuechen und ein zu den karpen und 
bressemen, ouch zu verordenen, das so vil visch, als zu der 
vurs. anzal, in den negsten wiem bi den hoflegern gesatzt und 
gehalden werden. 

D erglichen zu erkundigen, wa unser g. h. an innichem 
orde dem hof am gelegensten von gerechticheit wegen und 
sunst, fornen, eschen, kreffts und derglichen fischwerk haven 
könne. 

Wa andere irer f. g. gerechticheit ander betten und ge- 
bruchten. 

Wa die bech, da kreffs, fornen und eschen weren, ver- 
genklich sin und verdruigen. 

Wa die fisch veruntruit oder gestolen. 

Wa inniche bechen oder vischereien verschreven, die zu 
den hoflegern dienlich, weder zu loesen. 

Wa bequeme orter zu bekomen, sulche vischereien sonder 
imantz schaden und da man halpuel oder andere weiern kont 
machen, die ein durchgainde bech betten, da sich die fisch 
selbst posten. 

Wie die fisch levendich in die halpuel und uf die hof- 
leger gelievert werden mögen. 

Die vischmeister suUen dem lantrenthmeister und kuchen- 
schriver alle jars einen zedel van sulchem furrait zustellen 
und rechenschaft doin, wie vil fisch si gelievert und was der 
noch bi dem hofleger in furrat si. 

Der cuchenschriver alle jars in siner rechenschaft meldong 
tue [!], und jederem landrenthmeister einen zedel geven, wie vil 



21 



fisch er an jederem hofleger von dem vischmeister entfangen 
und wie vil pont die gewegen. 

Wan die lantrenthmeister vememen, das die halpael oder 
wier in afsin unseres g. h. abersazt, sullen si dann die fisch 
verkoaflfeD, aver alwege die aozal, wie Yurgeschreven zu not- 
tnrft des hoefs an jederem orde verbliven lassen. 

Belangen die vischereien zu verpachten mit sulcher vur- 
«arden, das man alzit der visch umb einen zemlichen pris 
sicher sin mocht, sei daruf acht gehat werden, ob man befundt, 
das an ezlichen orteren nutzer were, das unser g. h. dieselbige 
selber liess fischen, das solichs ins werk gestalt werde. 

Sol die bestellong van wass und ungel, wan zu hoef geine 
lieverong us den amptem zu bekomen, am profitlichsten und 
zu rechter zit durch den cuchenschriver geschehen und uf die 
osdeilong notturftige ordnong gemacht, ouch den bevelhavem 
in jederem ampt angesacht werden, ufsicht zu haven, das in 
den amptem nit mehe, dan notturft geholt und nit unutzlich 
Terdain werde; wa ouch innich wass verschreven, das das ge- 
loist werde; so sullen ouch die hofmeister Ordnung machen, 
wem und wie vil ungels kertzen man somers und winters und 
«ie lang im jair uslieveren sal, und sal der kertzengever alle 
avents den zedel dem durwerter, und der durwerter den mit- 
sampt dem foedercedel unserem g. h. uberlievem. 

Meins g. h. weinverwerer sal us irer f. g. hunschen und 
dem perschwein notturftigen essich machen und wes ime darzu 
rannoeten, durch den cuchenschreiber verschaft und bestelt 
werden. 

Es sal gein spitzerie bi dem cuchenschriver geholt werden, 
dan durch der meisterkoch einen, und wes zu der jonfferen 
cameren noedich, durch die leiterin, und das die spitzeri nach 
gelegenheit der zit und der frembden messich gebruicht und 
der cttchenmeister daruf sehe, wan man in der cuchen cruiden 
sol, das dan nit dan ein koch bevelh haf, zu cruiden, und gein 
(mit afgedragen werd. 

Uf den gemeinen dischen sol die filheit der spitzereien und 
gebacks geringert, und andere spiss in die plaz gestalt werden. 

Die hofkleidong sol durch den Glevischen lanthrenth- 
meister, aver botter, kaess, bering, Stockfisch, spizerei zu ge- 



22 



legenbeit und rechter zit mit barem penning durch den bestel- 
meister bestalt und ouch dem cucbenscbriver in bisin des 
cucbenmeisters uberlevert und die recbnung darvon anstont 
durch den hofmeister geboirt und underzeichent werden. 

Zum zwelften^) sal uf einen stedigen folgenden bodden- 
meister, der mit zom gegenschriver zu gebruicben, gedacht 
werden. 

Zom druizehenden sollen die hofmeister die bevelbaver 
bei hoef van wegen unsers g. h. irer Ordnung erinnern und 
bevelben, sich deren gemess zu halten und selbst uszuwarten, 
ouch inen diselvige zustellen mit ernster meinong, das si nit 
verzehen, si haven dan anderen in ire stat, der ire ampt aller 
massen verstae und vertrede, ob si selbst da weren, und das 
si ouch ire zit halden, wan si weder kommen sollen. 

Zu der smaler cuchen sol uf jederem leger ein frommer 
diener verordent werden, der alles dem cucbenscbriver an die 
camer levere, und wes unser g. b. in siner f. g. garten selbst 
haven kan, nit vergelden zu lassen, und sol der cuchenmeister 
daruf sehen, dass dem nachkommen, und so darin mangel, 
siner f. g. oder dem hofmeister zu erkennen geven. 

Die ossen sollen in die koppel jedes jars durch den bestel- 
meister vurs. zu rechter zit, und die hemmel, lamer und kalver 
durch den cucbenscbriver zu rechter zit vergolden werden; 
aver der Glefscber lantrenthmeister sol, ¥rie bisher beschehen, 
die ossen in die weid zom Hamme bestellen, und suUen die 
cuchenmeister, lantrenthmeister und cucbenscbriver daran sin, 
das, wan die ossen und hemel walfeil und am besten zu be- 
kommen, das die dan ingegolden, und das es ufrechte war si, 
und die hofmeister und cuchenmeister bedacht sin, wa die 
mager beesten am besten geweidt werden mögen. 

Betreffen die extraordinarirechnung, so bi die kuchen ver- 
ordent werden sol, uf das die usgiften der lantrenthmeistereien 
und cuchen nit in unordnong komen und under einander ver- 
mischt werden, suUen darzu sonderliche summen verordent, aber 
doch dem cucbenscbriver zugestalt werden, mit dem bevelb, was 
extraordinarie furfiele, das er solichs ouch in die cuchenrechnong 



i) 13 unb 18 OttSstßti^tn. 



23 



nit menge, sonder in eine extraordinarirechnung setze; sunst 
moest ein Sonderdiener daruf gehalden werden. 

Süllen*) die ampter im hoeve uf bequeme plazen verordent 
werden, omb gade ufsicht zu haven und das laufen in die ampter 
zu vermiden, und diwil die ampter bi etlichen hoflegem nodich, 
suUen die hofmeister die plaezen besichtigen und unserem g. L 
die gelegenheit mit ihrem bedenken angeben, umb nach gelegen- 
heit verordenung darinnen doin zu lassen. 

Zum 18^ und 19^ betreffen die canzli- und parthien- 
bescheidongen, das dieselbige buissen das schloss verordent 
wurden, und, [sc: da] aber noch zer zeit geine canzleien van dem 
sloss gebouwet, suUen demnach die parthien zu Clef in des doctors 
huis und zu Dusseldorf in Bouwmans huis verhoirt werden. Und 
wan parthien furhenden, da unser g. h. selbs bi sin moest, ist 
sine L g. unbeswert, selbs dahin zu komen, uf das die Ordnung 
des zu besser gehalden; doch das der canzler und andere rede 
denen, die nit van adel sin, iren bescheidt, wan si ufkommen 
wnlten, für der porzen geben und ansagen, alda irer antwort 
zu gewarten. 

Zorn 20^ sal ein guder salmeister, der folgen kan, ver- 
ordent und ime ordnong gemacht und gegeven werden durch 
die hofmeister, wes er sich zu halden. 

Es sol ein jeder binnen hoefs zom oftenmal sines bevelhs 
ermant werden und alles mit ordentlicher bestellong geschehen, 
and damit der hofordnung des zu staitlicher usgewart und 
nnderhalden, sullen steets die hofrede und die bevelhaver zu 
versetz bei hoeve sin, umb deglichs u&icht zu haven und die 
ench»iboecher alle wechen zu hoeren und zu underschriven 
ein jeder in sinem bevelh, und wan einer verruckt, er sei 
bottelierer, spinder oder anderer, das er dan einen anderen 
in sine plaz hab und die eigentliche zit siner wederkompst 
anzeige und halde wie auch gemeldet 

L V.: Antreffen die hofsordnung ao. 54. 



■) Son ^tr hü 90 toitUt auSfltjteU^ 



24 



IV. Neue hofordnung zum maio anno 1564 
aufgericht 

Als der durchleuchtig hochgebom fürst m. g. h. herzog 
zu Gulich, Cleve und Berg gnediglicb bedacht, das etlichen 
i. f. g. reteii, hofdienem, junkem und anderen vast hochbe- 
schwerlich, alweg irer bevolhener embter bei dem hof auszu- 
warten und hinwiederumb nit wenig bedenklich, das in irem 
abwesen ire diensten nit vertreten werden, dadurch allerlei 
Unrichtigkeiten und Unordnung erwachsen, so hat i. f. g. gnedig- 
licb verordent, das solche dienste mit versez von zweien 
monaten zu zweien monaten nach volgender gestalt vertreten 
werden sollen; doch da einer in seinen eigenen Sachen zu 
schaffen hette, mag er sich mit einem andera vergleichen, der 
seinen dienst etliche tage zu vertreten. 

Erstlich, das von den zweien canzlem der einer die 
Gulische, Bergische und Ravensbergische, der ander aber die 
Clevische und Marksche Sachen vertrete, stetigs nach gelegea- 
heit einer zu hof sei, und sollen demselben der zu hof ist, 
fünf pferd vermog der hofsordnung underhalten werden. 

Der dreier hofmeister einer, nemblich Wilhelm von der 
Lei, Gerhard Schinkem und Wilhelm von Harff sol stetiger 
weis einer bei hof sein und demselbigen, fünf pferd vermog 
der hofsordnung gehalten werden. 

Von den dreien marschalken Willi, von Bemsau zum 
Hardenberg, Arnold von Wachteudunk und Johann von Ruischen- 
berg zu Setterich sol auch einer stettigs bei hofe sein und 
demselben sechs pferde onterhalden werden. 

Cammermeister Clas von Harf und Job. Kettler jeder 
4 pferde. 

Herzog Carl Friedrichs hofmeister Werner »von Gimnich 
6 pferde. 

Noch zwen rete, die stets bei dem hofe sein sollen, jederem 
vier pferde, fac. — 8 pferde. 

Dazu sollen vorerst gebraucht werden Heinrich von der 
Reck, Roland von Breidembend, Friedrich von der Horst, 
Christof von Wilach. 



25 



StaUmeister Rombach 5 pf.*) 

In desselben abwesen sol Job. von Plettenberg seinen 
platz vertreten und seine drei pferde in des Stallmeisters 
platz stellen, auch zu der zeit von dem kuchenschreiber schlaf- 
gelt and kein stalmut bueren. 

Es sollen auch keine pferd mer in meines g. f. u. b. 
marstal gesezt oder gefüttert werden, dan die, so vermog der 
Ordnung darein geboren. 

Haushofmeister 4 pferd. 

Vier thuerwarter, juder mit drei pferden: 

Harf, Knipping, Ossenbruch, Schlossberg; deren sollen 
allezeit zwen bei hofe sein, fac. — 6 pferde. 

Zween kuchenmeister, deren allwege einer bei hof sein, 
sol, jederem 3 pferde. 

Boenen, Lanzberg, fac. — 3 pf. 

Doch wan Boenen seine plaz bedienet, sollen ime vier 
pferd gehalten «erden, fac. 4 pf.'") 

Bottelierer auch drei pferde. 

Spiess, Schirp, fac. 3 pf. 

Zween spinder, jederm zwei pferde. 

Vincentius von Eikel, Zuchtenbroich, fac. 3 pf. 

Zween Zuschneider, jeder mit drei pferden. 

Spiess von Schweinheim, Peter von Wilach, fac. 3 pf. 

Abwesens dieser beider, Munchauer dazu gebrauchen. 

Zween schenken, jederm drei pferde. 

Prummell, Johann von Plettenberg, fac. 3 pf. 

Acht edelleut jeder mit drei") pferden. Nemblich Der 
von Polheim, 2 plazen [I]; Aldenbuckhum zu Tiell, Eifern zu 
Stolberg, Battenberg zu Xanten, Lei. 

' Prummel, dieweil er das ganze jar aus wil dienen, kan 
er allhie das ander halbjar vertretten. 



•) 9m Heaibt cfaw Stotit, bit ungef% gleii^ ift tbtcr Sonettung in tUum 
Suttctvttcl. £e|ttre lautet: Stalmeister Qimnich, dweil er jetzo 4 pf. hat, 
wl er dieselbe behalten bia cn weiter verordnuDg, sonst haben die vorige 
stafaneiater nit daa drei gehabt nnd sol rom knohenschreiber 80hla%«lt 
and gein stabnnt bueren. 

") IBübcr uOtit^tnt^ 

") Km Sionbc: mit cwei pferden. 



26 



Otto Schenk, halb mit versez, fac. 12 pf. 

Ob dieser einer feite, alsdan Luzenrodt, Diederich von 
Aldenbuckhum oder Sibert von Bernsau, deren einem die plaz 
anzubieten. 

Herzog Carl Friederichs junkem: 

Loe, Quad und Vincenz von Wilach, deren doch jeder 
zeit zwen bei hof sein, jederm drei pferd, fac. 6 pf. 

Schuzenmeister 3 pf. 

Sechzehn junkem, deren doch acht stets bei hof sein, 
jeder mit zweien pferden — 16 pf. 

Nemblich Neuenhof, Hass, Meuert, Amelunc, Spiess von 
Bobbelheira, Ansterrode, Philips von Wilach, Sizingen, Lam- 
berger, Münchauer, Hembsteden, Daverley, jeder (»on ben fünf 
leiten) 2 plazen. 

Einspännige: Sonsson, der Sachs, jeder 2 plazen; Doctor 
Wissel 3, Doctor Mummer 2, Medicin- Doctor 2, Licentiat 
Rinteln 1; 

Drei secretarien nemblich Gerhardus von Gulich, Meister 
Wolter und Paulus Langer — fac. 3. 

Zween kuchenschreiber 2'^). 

Zween wundarzt, deren einer jeder zeit bei liof sein solt, 
jeder 1 pf. — 2 pf. 

Zween meister koche, jeder 1. — 2. fuerierer und saal- 
meister 2, canzleiklopper 1. 

Vier reitende boten 4, bereiter 1, zwölf schuzen 12. 

Summa 138 pferde. 

Wer") nun von den vorgesezten junkem sein quartier 
ausgedient, dem sol kein sold noch fnetter gegeben werden; 
wan aber einer oder mer bei hof bleiben und gleich den andem 
dienen wolte, der mag vor seine person auf essen gehen. 

Und sol keinem, wer von hof verreitet, einiche pferd in 
seinem abwesen gefuetert werden, es werde dan von m. g. h. 
durch den hofmeister oder marschalk bevolhen, wie dem fuerierer 
in seiner Ordnung davon bevelh zu geben. 



") Xnt Sanbc: der knoheiuohreiber und aein helfer 3 pf. 



27 



Es**) ist auch hochgedachtes m. g. f. u. h. bevel, das 
jeder zeit, wannehe I. f. g. eilends über feld verreiten wurden, 
sollen die junkem sampt iren knechten and jungen, so mit 
L f. g. verreisen, auf dero marschalk, so alsdan bei hof, oder 
wem L f. g. solchs bevelhen mochten, bescheiden werden und 
bei L f. g. im feld verbleiben und nit vorreiten oder nach- 
volgen, und da darüber von den junkem, iren knechten oder 
jungen jemand one vorwissen vorritte, dem- oder denselbigen 
sol dasmals uf alle seine pferd das fuetter abgezogen werden. 

Wie gleichfalls I. f. g. meinung ist, das die junkem auf 
der jacht, fliegen oder sonst wa L f. g. sein oder verreiten 
wurde, mit I. f. g. aus und ein und im feld verbleiben und 
nit abreiten; welche nu dem nit nachkommen, sol demselben [t] 
das fuetter abgezogen werden, wie vorgemeldt 

Auf dieses dan insonderheit der hofineister und marschalk 
ufeicht haben und dem fuerierer bevelhen, aufsieht zu haben, 
den- oder demselben, so obger. gestalt dem zuwider thuen 
wurden, nit allein das fdeder zu verweigem, sondern auch 
jeder zeit dem marschalk solche gelegenheit anzeigen und 
vermelden. 

Und'*) da künftig einige hofdiener mer angenommen 
wurden, sollen die anderer gestalt nit, dan wie dise Ordnung 
vermeldet, in dienst underhalten und angenommen werden. 

Der haushofmeister und thuerwerter sollen allezeit an der 
diener tafel essen und daran sein, das alle Unzucht, uber- 
messigen trinken, schweren und unnuzen geschwez verhuet 
bleibe, und da einniche befunden, welche sich mit einer oder 
zweier ermanung nit weite berichten lassen, das sie solchs 
alsdan dem hofmeister oder marschalk zu erkennen geben, 
domit dieserhalb femer einsehens geschehen möge. 

In gleichem sollen die thuerwerter mit versez auf hoch- 
ermelten, meinen g. f. u. h. und m. g. frau warten, wie dan 
Daem von Harff und Degenhart von Merode, genannt Schloss- 
berg, dergleichen Victor Knipping und Johann von Ossenbruch 
jeder zeit einer den andern zu entsezen, auch neben dem 
salmeister auf L f. g. cammer warten und wem I. f. g. jeders- 



**) IbOa^teUim. 



26 



mals auf hochernente m. g. frau zuwarten bevelen wirdet, 
dazu sol sich derselbig gutwillig one underschied gebrauchen 
lassen. 

Gezeichnet zu Cleve, am 4. Mai 64. 

Aus der Gulichschen Canzlei. 



V. Wes '*) mein g. h. mit den reten eines jeden 

beyelhs und ordnnng halber sprechen lassen nnd wes 

anch insgemein daranf geantwort 

Als unser g. h. furgeven lassen, wie sine f. g. der vil- 
feldiger beswemis halver, so sine f. g. und derselviger land 
gehadt, und noch furhanden sin, für noedig geacht, jede Ord- 
nung und besserong furzunemen und derhalver den probsten 
Vlatten, canzlem Ghogreffen, marschalk Wachtendonk, Hof- 
meister Hosteden, marschalk Scheeler, Doctor Olisleger, mar- 
schalk Reck und hofmeister Lei anzeigen lassen, vrie und zu 
welchem bevelh sine f. g. einen jeden zu gebrauchen bedacht, 
mit gnedigem gesinnen, sich dainnen gutwillig zu erzeigen etc. 

Daruf die obgenante rede siner f. g. in underdenicheit 
angezeigt, wie der mehrer deil s. f. g. aeldem seliger und lof- 
licber gedechtnis und alle siner f. g. treulich und flisslich ires 
besten verstanz und Vermögens gedient und, so vil an inen 
gewest, nit underlassen furzuweuden, wes si in siner f. g. und 
derselviger land eher, nuz und walfart bedenken können, also 
das sie verhufit hetten, die dingen sulten besser geraeden und 
nit zu den beswemussen verloufen sin. Und wiewail sulchs 
on ire schulde beschehen, so weren sie doch bi siner f. g. in 
den noeden mit grosser geferlicheit, schaden und beswemis 
verbleven und nochmals gutwillich us lefden und treuer neigung, 
so si zu siner f. g. und dem vaderland droegen, die besserong 
zu furderen, jede Ordnung ufzurichten, in das werk zu bringen 
und, so vil in eines jedem vermögen, uswarten helfen, auch 
anderen, die es besser vermochten, gerne jede anwisung und 
behulf dein, wie dan ein jeder zu siner zit siner f. g. sine 
gelegenheit femer anzuzeigen und mit genaden und billicheit 
zu erwegen furbehalden wil. 

") eo auf btr ma\nti be« Ie|tm fblaüt». 



29 



Und bedenken demnach die rede zu siner f. g. und der- 
seWiger land best noedig zu sein, das s. f. g. sich vor und 
vor lande und underdanen Sachen selfs mit anKggen lasse, 
der acht neme und uf niemant widerlege oder wise, dan sieb 
vennog eines jedem bevelhs uswartung geburt, sonder wa sine 
f. g. nit genocbsam bericht, das sine f. g. sich daruf bedenken 
nnd von denen, die es wissen mögen, beriditen lasse und selfs 
oder durch diejenigen, in deren bevelh es ist, afiferdigen. 

So sine f. g. rede oder diener hette oder kriege, darzu 
sine f. g. gein gut gefallens droege, oder den sine f. g. in 
irem bevelh nit vertrueden, das sine f. g. die on inchen schuwe 
mit gen&den verlasse, andere anstelle und zu niemant unver- 
schult ioch ungemoed setze. 

Wa euch siner f. g. beduchte oder furqueme, das sich 
jeinant in sinem bevelh ungeburlich oder nachlessig erzeigde, 
das sine t g. sulchs nit verhalde, sonder furbescheiden, oder 
sonst den gebrech anzeigen lasse. 

Wa aver die diener ufrechtig, treulich und wail dienen, 
das si dan nit allein von s. f. g. dafür gehalden, sonder ouch 
bi andern verdedingt werden, nachdem diejenige, die s. f. g. 
treulich dienen willen, nit bi jedermann dank verdienen können 
and derbalven vil missgonner krigen, zu dem das auch siner 
f. g. afgunstigen nit underlassen, die gude diener anzufechten; 
dan wa die treue diener van irem hern erkant und verdedingt 
werden, da sind si am besten zu bekommen. 

Das sine f. g. sine rede und diener, wes ein jeder in 
sinem bevelh angeven wurd, gnediglich verheere, bevelh und 
bescheit daruf geve oder geven lasse, damit die afferdigung 
des zu besser und furderlicher geschehen mog. 

Das die hiushaldung und ander fumamen dermassen be- 
dacht, dass man es usrichten könne. Das s. f. g. sich gegen 
inwendige und uswendige, fumemlich die fromen, genediglich, 
gnedich und frunüich erzeige na eines jeden gestalt nnd die 
mutwillige zu geburlicher gehorsam halde, damit lefd und unfr- 
sicht [I] gewonnen und elrhalden werden. 

Das man sich beflissige einem jedem so vil möglich zu 
doin und zu geven, was recht nnd billich igt und siner f. g. 
gehurt 



30 



Dos man nit zusage, dos man nit könne halden. 

Was aver zugesagt, das sulchs ouch mit gudem gemoede 
ToUenzogen werd, wabi der gnder name des gelouwens, so bi 
siner f. g. farfadern herbraclit, erhalden werden mog. 



VI. Ordnung und beyelch des hofmeisters, wes der 
in yerwaltong seines ambts sich zn halten. 

Anfengklich, nachdem u. g. f. und h. kein gotteslesterung, 
dergleichen kein uberflussigkeit des drinkens und drunkenschaft, 
auch kein unzuchtig unchristlich leben von hurerei oder der- 
gleichen bei s. f. g. hofjunkem und andern dienern zu gestatten 
gemeint, so sol der hofmeister sambt dem haushofmeister darauf 
vleissig acht haben, auch darnach erforschen und erkundigen 
und, so sie eins oder mer solicher gebrechen und unchristlicher 
handlungen bei iemant vememen wurden, mit ernst bevelhen, 
sich des hinfurter zu enthalten, soliches abzustellen und zu 
bessern. Sovem dan iemant in dem seumig, nachlessig oder 
ungehorsam befunden, sollen sie den oder dieselbige s. f. g. 
anzeigen. 

Ufsicht zu haben, das binnen hofs zucht, er und gehorsam 
gehalten und alle dingen ordenlich zugehen. 

Das die ambter binnen hofs mit bequemen, getreuen und 
vleissigen personen bestalt und ein ieder bevelchaber und 
underdiener sich seiner Ordnung gemess halte. 

Das einem iedem bevelchaber, der nun ist ober lünftig 
ankommen wirb, sein zettel zugestalt und notturftig bericht 
gegeben werde. 

Der hofmeister sol oft, sonderlich in abwesen des haus- 
hofineisters, in die ambter gehen und mit vleiss besehen, ob 
auch alle dingen vermug meins g. f. und h. bevelch und nach 
der Ordnung, so einem ieden sonderlich zugestalt, gehalten 
werden und ein ieder underdiener seines bevelchs treulich 
auswarte, ob die embter auch zugehalten [1], also das niemant 
dan der darzu gehörig, darin lauffe. 

Dergleichen ob der folgMide und andere pörtzner iren 
bevelhen auch treulich nachsetzen, das si nit iederman, der 



31 



nit bescheiden oder auf das schloss nit gehörig, er sei wer er 
wol, nfgehea lassen, darzu ob auch iemant oben pleibe essen, 
dem nit gehöre oben zu essen, es seien schützen, kleuTer[?], 
megd, frembde botten, so nit ftirstenbotten seint oder denen 
man bevolhen bette, das sie oben bleiben solten. 

In der cantzleien and auch den cuchenschreiber aufzeichnen 
zn lassen, wie ein ieder hofdiener angenommen, wes er sich 
halten und sein belonang sein sei. 

Das zu ieder zeit zedulen von dem hausgesind gemacht 
und nit mehe angenommen noch behalten werden, dan von 
Döten und der Ordnung gemess. 

Das die junkem und sonst ein ieder seinen dienst ver- 
ware in aller gebur und einem iedem angesagt werde, wes er 
warten und sich halten solle, als: @<i^ent, 93orf<i^neiber, @petfe== 
träger, ^üfii^biener u. bgl. 

3lietnanb »om §ofgefinbe foH o^ne be8 ^ofmeiflerä SBiffen 
loegrettett unb ieber jur angefe|ten Seit toieber fommen. Doch 
sol der hofmeister die gelegenheit und ansuechen des verreitens 
bem ^erjog zu ieder zeit zu erkennen geben und mit i. f. g. 
farwissen und bevelch die erleubnuss tuen. 

Wan frembden ankommen, das denen alle er widerfare 
nach eines iedem gelegenheit und das alsdan auch desto 
fleissiger gedient werde. 

Das in den hoflegem gute policei [1] gehalten und die 
ankommenden umb ein zimblich gelt gute wein, profiand und 
andere notturft bekommen mugen. 

Das mit den wirten gehandelt werde, sich mit der hofs- 
ordnnng begnügen zu lassen. 

Was za underhaltang des hofs von nöten, das solichs in 
zeitten und nach gelegenheit eines iedem orts bestalt, verwart 
und nit weiters, dan zu der eren und notturft verbraucht werde. 

Das mit denjenigen, die die gelegenheit wissen, überlegt 
werde, zu welcher zeit und platzen mein g. h. an sich selbst 
hab oder bekommen könne, das zur eren und notturft zeittig[l] ist 

Als m. g. h. an einichen ort reiset oder s. f. g. leger ver- 
endert, das alle notturft dahin bestalt und in dem aufbmch 
ui^ezeichent werde, wes da an allerlei verton oder im furrat 



32 



rerpleibt [Inhalt des kuchenschreibers und profeantmeisters 
Ordnung] "). 

Das auch in der Wiederkunft acht damf gehat, ob es auch 
noch furhanden; wo nit, zu «kundigen, wo es hinkommen. 

Dergleichen, das an den örtem, da m. g. h. in dem leger 
oder in den reisen verbleibt, die rechenschaften von den 
berelchabem nach der pilligkeit gestalt und in einem iedem 
ambt erkundiget [sc. : werde], ob auch sovil verton und geliebert, 
als die bevelchaber berechent, und das die rechenschaft von 
den hofmeistern underzeichent werde. 

So iemant verschickt oder zu der haushaltnng ichtwas zu 
bestellen bevolhen wurde, zu erfaren, ob auch solichs nach 
notturft ausgericht; wo nit, in andere wege zu bestellen, damit 
nit gesaumbt werde. 

Das auch von aller bestellung rechenschaft und beweis 
genommen und durchsehen werde. 

Das unnutze gesind zu schlissen [1] und nit weitters zu 
behalten, dan von nöten. 

Die anzal des hofgesinds dermassen zu ordnen und zu 
halten, dass der kuchenschreiber mit seiner geordenter sommen 
zukommen könne. 

Das dem lantrentmeister und kuchenschreiber boren ire 
Ordnung nit aufgelacht, auch kein bevelch denselben zuwider 
gegeben werde. 

[Wiewol der hofmeister niemants in seinem bevelch ein- 
zutragen oder sich desselben zu nnderfangen geburt, gleichwol 
sei ime obliggen, aufmerkens zu haben, das ein jeder seinem 
bevelch nachsetze, und, so er einichen mangel derwegen spueren 
wurde, den oder dieselbe zu erinneren, irem beruf und Ord- 
nung sich gemess zu verhalten und zu erweisen; da dasselbig 
aber nit verhelfen tete, an u. g. f. und h. mit guter bescheiden- 
heit zu gelangen. 

£k- sol in wichtigen Sachen, als die i. f. g. laut, leut, 
hoch [1] und reputation belangen, auch gute anzal Pfenningen 
auszugeben oder aufzubrengen, ansehentliche beue oder der- 
gleichen furzunemen, der geheimer rete bedenkens mit erfor- 

>■) 3>a8 SingeflammerU ^tfüttn S^^cdt au8 btn bcrf^ttbtntn unttn 6«tm 
S>atuin betid^ncten Solenn. 



33 



deren and dennassen an u. g. f. und h. folgents bedechtlich 
gelangen lassen, damit ait durch inen allein, sonder mit sampt- 
lichen rät [I] alle Sachen zum besten erwogen, allem verlauf 
forkomen und Unrichtigkeit vermitten pleibe. 

Da auch kleinötter und andere ansehentliche geschmit 
und fnistl. kleidung zu bestellen, sol der hofmeister nit allein 
der geheimen rete gutbedenkens darin pflegen, sonder wol- 
gesehickte jubelierer und werderer [t], auch anderer vertrauter 
kanfleut, die solcher hendel erfaren, darin geübt und bericht 
haben, rats und anweiaung gebrauchen.] 

Das diejenigen, so in die ambter oder auch in den hof 
uit gehörig, daraus gelassen und gehalten. 

Das das abtragen verhuet. 

Das es mit dem quitten geburlich und redlich zugehe 
[und derwegen Vorsehung beschehe, we in des haushofmeisters 
und kuchenschreibers Ordnung verfast]. 

Das mit den diensten recht umbgangen, die eine nit zu 
hoch beschwert und die andere übersehen werden. 

Das die jacht ordenlich und profitlich gehalten. 

Der hofmeister sol neben dem haushofmeister alle wochen 
die cuchenbuecher hören. Da aber der haushofmeister nit 
furhanden, sol er gleichwol neben dem marschalk oder camer- 
meöter, sovem die bei hove, und sonst derselben abwesens 
neben dem euchenmeister, turwerter, bottelirer und spinder 
[baffir: neben der lantret etzlichen gegenwertich [I] euchen- 
meister, turwerter, bottelirer, spinder und profeantmeister] die 
Wochenrechenschaften alle wochen fleissig hören und nach 
solichem verhör acht haben und sich mit dem euchenmeister 
und cuchenschreiber [bafür: mit den gegenwertigen] under- 
reden, wie sie die rechenschaften befunden, ob es auch orden- 
licli und profitlich zugangen sei oder ob nach anzal des volks 
zQ vil oder unoutzlich vertan. Da dan Unordnung durch sie 
befanden, zu überlegen, wie das zu bessern und alle dingen 
beqaemlich, nutzlich und zu rechter zeit bestalt, auch zu be- 
quemen zeitten und mit dem besten profit ingegolden werden 



Der hofmeister sol neben dem haushofmeister der diener 
heseliwemus anhören und, was mangels bei inen befunden, 

8 



34 



inen darin der gebur verhelfen. Wie er auch hinwidenimb, 
80 an inen einicher mangel gespurt, mit ernst denselben solichs 
anzeigen und durch bestendigen bericht genirten mangel fur- 
bringen sol, also das sie selbst iren unfleiss bekennen muessen, 
auch inen darauf zu bevelhen, solichs hinfurter zu bessern 
und sich geschickter und gehorsamer zu erzeigen, so man es 
inen sonst nit übersehen wurde. Welche sich dan dermassen 
nach etlichen bescheenen ermanungen nit bessern, die mit 
forwissen beS ^etjogiS zu erlauben, damit andere bequeme und 
gehorsame an ire platz angestelt werden mugen, und in dem 
niemant zu übersehen. 

Der hofmeister sol auch von den Ordnungen des haus- 
hofmeisters, cuchenmeisters, bottelierers, spinders, burggrefen, 
portzner und anderer, so auf das schloss gehören, abschrift 
oder copei haben [bamit er Keffer merfen fbnne, ob bicfelben i^rein 
Sefe^I gebü^rltd^ nad^fe^en oder ires abwesens nachgesetzt werde 
und also, da in irer gegenwertikheit etwas verlauffen teet, 
innen selber ader ires abwesens, so ir platz vertretten, ge- 
purliche amseig zo toen ind in besserung zu brengen]. 

Er sol neben dem haushofmeister, lantrentmeister, cuchen- 
meister und cuchenschreiber überlegen, wie man dasienig, so 
m. g. f. und h. an sich selbst hat, als wiltpraet, velthoener, 
hasen, cunin, capeun und andere honer, gens, endten, visch, 
förne [1], krebs und anders zu profit der hofhaltung bringen 
muchte und ob nit zu diesem allem ein vivandier in iederm 
lande gebraucht werden muss. 

[^er ^ofmeifler foQ auc^, wan kein marschalck bei dem 
hofleger vorhanden, die foderzetlen taglichs empfangen, fleissich 
ersehen und, da gegen die Ordnung gefutert zu sein befunden, 
die forierer alsbalt vorzubescheiden [1] und die unreichtigkeit 
jeder zeit ernstlich abschaffen. Und damit derselbig auch sovil 
zu bass wissen kunt, wiefil pfert einem jederen gefudert sollen 
werden, sol genantem hofmeister wie auch dem forerer aus 
der vorger. Ordnung verzeichnus zugestelt werden, sich darnach 
wissen zu reichten und niemant weiters on ausdrucklichen 
i. f. g. bevelch darüber zu gestatten [1].] 

Wo er auch sonst ichtwes weiters in der haushaltung 
spuren und befinden wurde, das besserung oder guter Ordnung 



35 



Ttn noten, sol er neben dem hauahofmeiBter fleiasig aufmerkens 
derwegen haben und solicha anzaigen. 

So sich einich gezenk im hove zutragen wurde und iemant 
messer zu rucken understunde, sol der hofmeister neben dem 
haashofmeister daran sein, das solichs nit verschwigen, sonder 
meinem g. f. und h. angezeigt werde. 

Das allenthalben die hofsordnung gehalten und, ob es in 
einichem teil gebrech, das darumb das ander nit verlassen, 
sonder for und für widerumb angefangen und besserung fur- 
genommen werde. 

Er sol auch in meins g. h. Sachen belangen i. f. g. hocheit, 
gerechtigkeit, guld, renten und wes die rechenschaften und 
reehencamer belangen tuet, neben andern darzu verordenten 
reten und dienern das best helfen furwenden und sich in allem 
btlten, wie einem hofmeister zu tuen geburL 

Wes auch sonst femer in des haushofmeisters Ordnung 
begriffen, sol der hofmeister in abweaen desselben solichs alles 
zum besten versorgen, bestellen und verrichten, auch sich mit 
demselben haushofmeister iederzeit freuntlich und lieblich ver- 
gleichen und vertragen. [Doch sol der hofmeister, so bei hof 
[sc: tfl], die mengel und gebrechen, so alsdan vorhanden, nit 
bis zu ankunft seines gesellen . . . beresten lassen, sonder selbst 
alsbald bessern.] 

Es sol auch der hofmeister abweaens meins g. f. und h. 
mit den underdienem, so bei den jungen hem sein werden, 
die notturft versorgen, damit in derselben hofhaltung alle dingen 
auch erlich und zuchtig zugehen mugen und soliche diener an- 
gestalt werden, die der embter treulich und fleissig auswarten. 

I.) Gezeichent zu Dusseldorf am 9. tag januarii ao. 60. 

II.) — — Cleve — 5. julii ao. 67. 

Diese Ordnung ist beiden hofmeistem Schwartzenburg und 
bem zu Reid zugestelt. 

III.) Gezeichent zu Dusseldorf am 22. februarii ao. 1579. 

IV.) Nota: Dieweil m. g. f. den hofmeister Schinkem seines 
hofmeisterambts und bevelhs entsetzt und der her v. Reit, 
dergleichen der hofmeister Schwartzenberg für hofmeister an- 
gestelt, seint denselben beiden aus bevelh des hem cantzler 



36 



Olislegers und hofmeisters Lei diese Ordnung zugestelt..., und 
der [!] datum derselben gericht zu Cleve am 5. julii ao. 67. 
S3on btefen Shimmern ftnb I, II unb III unb IV »on x)er= 
fd^iebener ^anb (III unb IV pon berfelben). I, IE unb IV finb 
roteber auagefirid^en, II ntd^t — i. v. fielet: diese Ordnung ist 
dem hofmeister Bongard sub dato 22. febr. 79 mundirt zugestelt. 



VII. Ordnung und bevelh der knchenmeister. 

Der knchenmeister sol treulich und vleissig aufsehens 
haben, das in der kuchen alle dingen ordentlich zugehen, die 
speis bequemlich und zu rechter zeit bereit und nit unutzlich 
vertan werde. 

Er sol auch mit aufsehens haben, das einem jederen nach 
seinem gebuer und nach anzal und gelegenheit angericht werde, 
wie er auch derwegen auf die stube gaben und besehen sol, 
wievil tisch vorhanden. 

Und dweil jetz zween guter meisterkoch angestellt, sol 
der k. daran sein, das alle tags einer umb den andern, wannehe 
mein g. f. u. h. und meine gnedige frau ") bei einander seind, 
einer derselben meisterkoch, sambt einem knegt und pasteten- 
becker auf der herren tisch allein reinlich und wol koche, 
dergleichen auch vor der jungen herren tisch, sovem i. f. g. 
mit bei hofe sein. 

Gleichwol aber sollen bemelte zween meisterköche samen- 
der band daneben aufsieht haben, das die andere speis vor 
die junffern, rete und ander hofgesinde auch wol bereit, aber 
doch nit überflüssig und unnützlich gekocht und angericht werde. 

Was man in der kuchen an proviand und sonst bedürfen 
wurde, sol der k. bei dem kuchenschriver gesinnen, und wie 
vil ime gelifert wirdet, durch den gegenschreiber oder proviant- 
meister aufzeichnen lasseb. 

Der knchenmeister soll niemand ablifem lassen, dan aus 
sonderlichem bevelh und mit vorwissen meins g. f. u. h. und 
der hofmeister. 

Do man ichtwas, so der kuchenschreiber nit hinder sich 
bette, gelten, haben oder sonst etwas machen oder bestellen 

>T) später u. m. g. fraa auSgt^ici^en ; bafüt: meine g. fiinten beide. 



37 



mosste, 8ol der kuchenmeister durch den kuchenschreiber 
solichs beatellen lassen und ime dasselbige zu bezahlen be- 
velhen und wes ime, dem kuchenmeister dergestall gebrechen 
oder mangeln wurde, sol er anstunt zu erkennen geben, damit 
es in der zeit und mit verrat bestalt werden moege, derhalver 
auch der cuchenmeister sambt dem cuchenscreiber sich alle 
Wochen ein mal zusammensetzen und überlegen sollen, wes 
man die künftige woch zu underhaltung der kuchen bedarf, 
was darzu im Vorrat, und was man noch bestellen muss, da- 
mit solichs in Zeiten mit Ordnung bestalt und in der eil aufs 
tenrst nit eingekauft werden dörfe. Der cuchenmeister sol 
auch vleissig aufsehens haben, das nichts abgetragen werde. 

Er sol die koch in gehorsam halten und jederem koch 
und diener in der cuchen bevelhen und ansagen, wes er sich 
halten sol und wazu er inen brauchen wil; so aber jemand 
ime darinnen zuwider oder sonst undienlich sein wurde, sol 
er dem hofmeister zu erkennen geben und mit sambt be- 
atimbtem hofiaaeister denselbigen seines dienstes zu erlauben 
macht haben, doch solichs meinem gnedigen f. u. h. vorhin 
anzeigen. 

Er sol bevelhen und darauf sehen, das niemand dan 
allein die thurwarter und diener in der kuchen sambt dem 
kuchenschreiber in die kuchen gelassen werde. 

Das auch niemandt in den lahem zu essen gegeben werde, 
doch sollen die koch in der kuchen und die kammermegd auf 
der kammer zusammen essen. 

Der koch sol keiner ohne erleubnuss des kuchenmeisters 
irgent gahen oder vorreiten, und wannehe einer dergestalt 
erlaubt wirdet, sol er auch sein zeit, dargegen er widerumb 
zu kommen gelobt, vestiglich halten. 

Gleichfalls sol der kuchenmeister ohne erlaubnus m. g. h. 
nit verreiten, da ime aber eilende und notige gescheften vor- 
kemen, das er verreiten musste, sol er dem hofmeister, soliche 
seine notturft anzeigen, damit Vorsehung darin gethon werden 
möge, und das er uf gesetzte zeit sich weder einstelle. 

Der kuchenmeister sol überlegen, die gelegenheit m. g. h. 
hoflegers an einem jederen ort, was i. f. g. an sich selbst 
haben, oder alda am besten zu der kuchen kriegen könne, 



38 



und sonst in zeiten alle noturft bestellen lassen, doch das er 
die prob mache nach gelegenheit, wievil man provianden be- 
hufe und vleissig aufmerkens habe, das das übrig verwart, 
und nit dermassen gehalten werde, wan man vil hat, das man 
alsdan auch vil verthue. 

Er sol auch auf die weidleute, so die hasen, conin, veld- 
honer, cramesvögel und dergleichen wildbrat Ufern, aufsehen« 
haben und die coninwrangen und dergleichen wiltbanen, auch 
vischereien, weiem, dich und halpoel meines g. h. jarlichs 
einmal besichtigen und mit dem cnchenschreiber sich under- 
reden, wa man bei den hoflegem halpoel, da die nit sein, 
machen möge, damit man jeder zeit lebendige visch daselbst 
haben könne, wa aber weiem, dich und halpoel vorhanden 
und einich mangel oder gebrech daran befunden, sol er ver- 
manen und befurderen, das solichs gebessert werde. 

Der cuchenmeister sol den kochen bevelhen, das sie kein 
Provision, klein oder gross annehmen, oder sich derselbiger 
underwinden, die sei dan erstlich durch den proviandmeister 
und den cnchenschreiber oder seinen hulfer besehen und auf- 
gezeichent, damit der cnchenschreiber davon clare rechnung 
thuen möge. 

Dergleichen sol es der kachenmeister mit der schmaler 
kuchen halten und dieselbige auch, wie vurgerurt, den proviand- 
meister und den cucbenscreiber sehen und aufzeichnen lassen. 

Zu dem sollen der cuchenmeister, proviantmeister und 
cnchenschreiber alle bestalte proviand und war, auch diejenige, 
so durch den bestelmeister vergolten, besichtigen, ob die auf- 
recht, und si folgendz mit dem gewicht empfangen, wie auch 
der cnchenschreiber alsdan den bestelmeister, von demjenigen 
ime der gestalt gelifert ist, quitanz geben sol. 

Wie auch der cnchenschreiber alle war, die er den kochen 
zustelt, inen mit dem gewicht Ufern sol, und sollen die koch 
keine speis noch proviand, es sei gereucht oder ungereucht 
vleisch, speck, visch, butter, käs und andere war zu feur haven 
oder kochen, die meisterköch haben sie dan erst gewiegen, und 
sol der kuchenmeister auch nit jederen zulassen zu feur [zu] 
haven, dan allein denjenigen, den er es bevelhen wirdet 



39 



Der kuchenmeister sol ein verschlossen schaf machen 
lassen, darin man setzen sol, wannehe alle speis angericht, 
was alsdan uberigs von gebrät und fleisch in den duppen und 
bratpfannen bleibt, und dasselbig, wie gleichfals pasteden, wilt- 
prat, Zungen, gereucht vleisch und anders was gair ist, in 
solichs verschlossen schaf setzen und darinnen verwaren, wie 
die zwen meisterkoch dem auch also nachkommen und nit ge- 
statten sollen, das von den kochen oder andern ichtwas daraus 
genommen werde, anders, dnn mit vorwisaen des cuchenmeisters, 
von welchem schaf auch niemand, dan allein berurte cuchen- 
meister und die zween meisterkocb schlussel haben sollen. 

Der cuchenmeister sol aufsieht haben, das die koche keine 
kleine oder grosse gefeile haben oder gebrauchen, sowol in den 
taglichen hoflegem, als auf den zugen, sonder sich mit irem 
geburlichen lohn, wie mit inen vertragen, begnügen lassen. 

Der cuchenmeister sol in der kuchen bevelhen, das sie 
keine kleuver und andern, zu der kuchen holz tragen oder 
Stockfisch kloppen lassen, sonder dieselbige aus der cuchen, 
Schlachthaas, vischkeller und anders halten, und das die koch 
solichs selbst thnen, wie vorhin zu geschehen pfleg. 

Als mein g. h. mit i. f. g. leger verrücken, sol alsdan der 
cuchenmeister oder meisterkoch dem keilner oder schluiter 
des orts ubennitz irer handschrift Ufern, was von allerlei 
provianden daselbst verbleibt und solichs den cuchenschreiber 
aafzeichnen lassen. 

Wan i. f. g. wider kommen, alsdan gleichermassen auf- 
schreiben und ubermitz der kellner oder schluiter handschrift 
za empfangen, was er lifem wurde, und daselbst in gereitschaft 
ist, damit dasselbig von dem kuchenschreiber aufgeschrieben 
und derhalber klare rechenschaft gehalden werde. 

Der kachenmeister sol sambt dem cammermeister meins 
g. h. kachensilbem besichtigen, jeder [!] insonderheit wigen 
und die gestalt und gewicht davon aufzeichnen lassen. 

Item die alte zedulen zu übersehen und zu erfaren, ob 
die sich mit den neuen zedulen vergleichen, und wie er solichs 
alles befindet, eigentlich aufzuzeichnen und drei zedulen davon 
machen [zo] lassen, dem ein dem cammermeister zu thuen. 



•iO 



dem rechenmeister vort zu überliefern, den andern selbst zu 
behalten, und den dritten dem silberknecht zu lassen. 

So einich kuchensilber davon oder zukeme, sol der kucbe'n- 
meister durch den cammermeister und rechenmeister die gestalt 
und gewicht aufzeichnen lassen, auch wahin oder von wem es 
kommen. 

So einich silber in ein ander gestalt vermacht wurde, sol 
dergleichen aufgezeichent werden. 

Gezeichent zu Clef, am 15. Marcii, ao. 71. 

'^) Wan einich krank diener oder sonst jemantz speis 
gesint, sol durch die hofmeister erwogen werden, ob inen der 
zolt oder speis zu geben. 

Es sol hinfQro gein diener sein weib, kind noch gesind na- 
schleifen, sonder die das nit lassen, irer dienste erledigt werden. 



VIII. Ordnung nnd beyelch der bottelierer. 

Der bottelierer sol treulich und vleiasig aufsehens haben, 
das alle Sachen in der bottelereien ordentlich zugehen, trank 
und anders wol verwart, und nit vertragen oder unnutzlich 
verthan werde. 

Er sol meiner g. h. und frauen trinkrausen [!] selbst auf- 
tragen auch ander credentz vor i. f. g. selbst einschenken und 
credentzen. 

Sol bevelhen und aufsehen, das man niemand abliefern 
oder abtragen lasse, dan aus sunderlichem bevelh der rete. 

Der bottelierer sol den kellerknegten und dieneren in 
der bottelereien bevelh und aufsieht haben, das der trank nit 
unnutzlich verthon oder anderswo gegeben werde, dan wie 
inen verordent und bevolhen ist. 

Der bottelierer sol dergleichen bevelben und aufsieht 
haben, das der beste trank m. g. b. und frauen, irer f. g. 
kindem, vort den junfifem, reten und Junkern einem jederen 
nach seinem gebur zu gute dargereicht und nit in den löcheren 
von den underthienem verthoin werde. 



") Sjjaut »uflefüflt 



41 



Man 8ol niemand in di bottelerei lassen, dan allein die 
thuerwarter und dieoer in der botlereien. 

So ichtwas in der botlereien gemacht oder bestalt muste 
werden, sol es der bottelierer bestellen, verdingen und dem 
kuchenschreiber xa bezalen bevelhen, doch dem hofmeister 
die gelegenfaeit erstlich zu erkennen geben. 

Der bottelierer sol einem jederem diener in der botte- 
lereien bevelhen, wes er sich halten solle, so anch jemands 
ime darinnen zuwider oder sonst andienlich sein wurde, solle 
er dem hofmeister za erkennen geben und mit sampt bestimbtem 
hofmeister denselben seines dienstes zu erlauben macht haben, 
doch sölicbs meinem g. f. u. h. vorhin anzuzeigen. 

Die diener in der bottelereien sollen ohne Urlaub des 
bottelierers von hofe nit reisen, auch gegen die versprochene 
zeit weder komen. 

Der bottelierer solle ohne orlaub m. g. f. u. h. nit vor- 
reiten, da ime aber für ausgank desselben quartiers eilende 
und nötige gescheften furqueme, das er vorreiten musste, sol 
er dem hofmeister soliche seine noturft anzeigen, damit ein 
ander, so lange bis er wieder ankommen, sein ambt verwaren, 
dadurch alle dingen in guter Ordnung gehalten und in keinen 
verlauf geraten, auch gegen die angesetzte zeit gewisslich wider 
gen hofe komen und darflber nit ausbleiben. 

Der bottelierer sol den wein, so vor und nach dem essen 
auf die stube oder cammer gefordert wird, nit mit silberen, 
sonder mit becheren frisch aus dem keller auftragen lassen. 

Er sol den kellerknegten ansagen und bevelhen, das sie 
sich mit irer besoldung, wie mit inen vertragen begnügen 
lassen and keiner gefeile, sowol auf den zugen, als in den 
hoflegeren anderwinden. 

Es sol auch der bottelierer zn jeder zeit die vesser weins, 
so veitbon seint was die an ritzungen droef oder lauter halten [I] 
sampt dem kachenschreiber und dem vassbender N: abnemen 
and anzeichnen lassen, und so der hofleger aufbrechen and 
verracken wirt, was die gantze zeit des hoflegers verthon, ein 
klare anzeichnus yoq dem bottelierer anderzeichnet dorcb den 



42 



kuchenochreiber und proviantmeister, dem keiner, schluiter, 
vassbender oder bevelhaber seine rechnungen darnach zu tliun 
haben [!], zugestellt werden. 

Dergleichen sol der bottelierer daran sein, das alle ge- 
schenkte wein klär angezeichent und den keinem und bevel- 
haberen die verzeichnus davon, der in irer rechnung meidung 
und beweis zu thun, überantwort werde. 

Der bottelierer sol auch von allen weinen empfangs und 
ausgebens eine klare anzeichnus haben, und wes im anfang 
des monatä mai noch in den kelleren vorhanden, besichtigen 
and durch den küchenschreiber verzeichnen lassen, damit man 
gegen den künftigen herbst die bestellung und einkanf der 
wein am besten darnach thun möge. 

Gleicher gestalt sol der bottelierer aufsieht haben, das 
alle weinrommelen von allen legem und zugen zusammen an 
geburliche orter der gelegenheit nach gebracht, gebunden und 
wider in die Weingarten zu herbstzeit nach beschehener er- 
kundignng, wie vil man an einem jederen ort bedürfen wurde, 
geschickt werden. 

Wannehe die wein zu Dusseldorf am cranen ankommen, 
alsdan sol 1 bottelier gegenwertig sein und aufsieht haben, 
das gute richtigkeit gehalten und jedermenniglich gedrenks 
zu holen nit gestattet werde. 

Als m. g. h. u. frau mit i. f. g. legeren vermcken, sol 
der bottelirer selbst aufmerkens haben, wievil in den vesseren 
noch vorhanden, und darauf sehen, das die kelnerknecht kein 
orter [I] von vasseren verkaufen, sonder, so kanten [I] vor- 
handen, die zusammenschlahen und zu kochwein gebrauchen 
lassen, sonst sollen auch der bottelierer und kellerknecht dem 
keller oder schluiter des orts, ubermitz irer handschrift liefern, 
was von wein und bier daselbst überbleibt und sölchs den 
küchenschreiber aufzeichnen lassen. 

Wan i. f. g. widerkomen, alsdan sol der bottelierer gleicher- 
massen von dem keiner und schluiter ubermitz seiner hand- 
schrift empfangen, was sie inen an bier und wein liefern und 
in gereitscbaft ist, damit solchs von dem küchenschreiber auf- 
geschrieben und derhalben klare rechenschaft gethon werde. 



43 



Der bottelierer sol bestellen, das kein wein oder hier in 
oder aas dem keller geschraet werde, er seie dan darch den 
knchenschreiber gesehen und aufgezeichent. 

Das die beste wein nit am ersten verthon and die bösen 
nachgedrunken werden. 

Der bottelierer sol bestellen, das die bottelerei under 
essens zugeschlossen und die diener der bottelereien auf die 
stub gehen und nit in der bottelereien verbleiben, auch niemand 
under essen aus der bottelereien wein geschenkt oder gereicht, 
sonder auf der stoben gegeben werde. Wannehe die junkeren 
des abents abgehen und einen schläfdrunk begeren, denselben 
inen vor der bottelereien zu geben. 

Der bottelierer sol m. g. h. Weingarten alle jahrs einmal 
zum wenigsten bereiten, und ob die in gutem bau und besse- 
rong, wie sich nach gelegenheit jeder zeit im jähr geburt, 
gehalten, erknndigen, und wa einicher mangel desfals befanden, 
den hofioaeisteren und landrentmeister denselbigen anzeigen and 
daran m sein, das solchs gebessert werde. 

Er sol auch verschaffen, das durch i. f. g. vassbender 
wein- and bieressig gemacht werde, damit man den sonst nit 
nun teuersten gelden dürfe. 

Diweil mit dem essich ein grosser wein verthon, das der- 
halben gate Ordnung gemacht, dieselbige Unrichtigkeit vor- 
komen und in besserang pracht werde. 

Es sol der bottelierer auf alle m. g. h. keller, insonderheit 
za Dasseldorf, sowol auf die grosse, als die kleine, gute, vleiasige 
aufsieht haben und zur zeit, wan man die wein einlegt oder 
in die keller schradet, sol er daran sein und bestellen, das 
die beste wein in den schloss- oder burchkeller gelegt, auch 
neben den hofmeisteren Verordnung thun, damit alle m. g. h. 
wein, oder so dasselb nit möglich, zum wenigsten, so vil man 
derselben lassen kan, in die schlosskeller gelegt werden. Der 
bottelierer sol mit vorwissen m. g. h. oder der hofmeiater alle 
jahrs zum wenigsten eimal sich personlich in i. f. g. Weingarten 
begeben, wan man sie zur schneidung, Stockung und mistung 
bereit, und alsdan vleissich darauf sehen, das die Weingarten 
L f. g. zum besten nutz and profeit bereit und zngerost, auch 



44 



sonst alle Sachen, die darzu bestalt, in die Weingarten gesatzt 
und nirgent anderswohin verrückt noch verbraucht werden. 

Dergleichen '^) sol der bottelierer im weintnonat oder herbst 
in m. g. h. Weingarten sich verfuegen und selbst auf die Wein- 
lesen vleissige aufsieht haben, und der zeit einen kellerknecht 
aus der bottelereieu oder da man des nit entraten konte, als- 
dan einen guten getreuen diener von m. g. h. vassbender- 
knechten zu Dusseldorf mitnemen, und daneben jedes orts bei 
dem vogten und kelneren sich erkundigen und daran sein, das 
neben solchem vassbender gute, fromme leuthe in die Wein- 
garten genomen, und meinem g. h. nichts verruckt oder ver- 
nachteilt werde. 

Wan die wein in die vassung gebracht, sol er mit vleis 
bevelhen, dieselbige bis zu weiterem bescheidt in guter treuer 
bewarung zu halten. 

Im*^) fall der bottelierer in solcher herbstzeit nit sobald 
selbst widerumb bei hofe komen konte, sonder lenger noch 
in dem Weingarten der aufsieht halber verbleiben musste, so 
sol er zu hofe an die hofmeister und landrentmeister ein schrift- 
liche anzeichnus schicken und darinnen zu erkennen geben, 
wie vil fueter weins m. g. h. gewachs jedes orts gegeben habe, 
doch mit einem guten underscheit, wie vil fueter weisser, 
bleicharts oder roder wein, und an welchem ort jedere besonder 
gewachsen, auch dabei vermelden, welche gute oder schlechte, 
und so vortan nach advenant, die beste oder schlechste oder 
mittelmessige wein sein. 

Auch'") sol durch die hofmeister und landrentmeister dem 
bottelierer wiederumb zugeschrieben werden, was wein für 
m. g. h. hofhaltung zu verwaren, auch wahin und an welche 
orter solche wein zu bestellen. Da auch der bottelierer von 
hofe bevelch bekeme, etliche wein zu verkaufen, solle er mit 
allem vleis daran sein, damit solche wein zum theuersten ver- 
kauft werden, und wan er zu hofe komt, ein anzeichnus davon 
mitbringen, daraus man ersehen könne, was und wie vil die 
verkaufte wein ausgebracht 



'■) Qpäitx ivxdfqt^xiäftxi. 



46 



Znr zeit, wannehe man in m. g. h. kelleren die wein ver- 
lost oder bereitet, sol der bottelierer sonderlich zn Dasseldorf 
gnte aufsieht haben, ob man aach mit dem verlassen oder 
bereitong der wein recht umbgehe und so er befunde, dass 
dagegen gethon und gehandelt wnrde, dasselb m. g. h. oder 
den hofineistem zn erkennen geben, omb solchs in besserung 
zu bringen. 

Es solle auch der bottelierer alzeit gnte anfsicht haben, 
wan der wein znm essen auf die Stuben oder saal (da m. g. f. 
IL h., oder L f. g. rete, junfern, jankem and andere hofdiener 
essen) getragen wirt, dass der wein alsdan, es sei sommer 
oder Winter, zu bequemer zeit gezapt and nit mit teuten oder 
krauchen, sonder in silbern flesch und kannen, mit irer völliger 
mässen, und anders nit aufgetragen werden und also der teuten 
ond krachen sowol in der bottelrei, als sonst anderswo gemein- 
lich zu meiden, abzustellen und nit zu gebrauchen. 

Wan man auf dem saal, oder da man gessen, die tisch 
an^ehaben und die becher davon abnimpt, solle der bottelierer 
sonderliche achtung darauf geben, das der aufgehobene wein 
nnd hier den armen nit entzogen und von dene lakeien, betten, 
noch anderen dienern, nit verrückt noch ausgedrunken, sonder 
in verscheidene, darzu geordente tente oder kubel, umb die 
armen damit zu speisen, ingossen werde und da jemand von 
den tischdienem solchen wein verschleissen wurde, sol der 
bottelierer dasselb den hofmeisteren oder thurwarteren, umb 
solchs zu bessern, anzeigen. 

Wannehe der, so die oberlendische, rheinische wein") — 
und zu bestellen bevelch hat, abgefertigt wirt, sol der botte- 
lierer in Zeiten gedenken bei m. g. h. oder den hoAneistem an- 
zuhalten, ob er selbst, oder sonst ein anderer, als ein bottelerei- 
knecht, der darzu dienlich und des vassbenderambts und der 
wein nit verstendig, neben gerurtem bestelmeister der wein 
mit ziehen solle, oder nit, und darauf bevelchs erwarten. 

Wannehe m. g. f. u. h. jemands mit wein verehren oder 
geben wirdet, sol der bottelierer bei i. f. g. oder den hof- 
ineistem sich erkundigen, was geschmachs oder gewachs dem- 



'•) aHefc etcOc 6ef4ab{0t; cm IBott ft^It 



46 



selben zu liefern, auch als mit vleis aufsieht haben, dass nit 
nach geschenk, gunsten oder gaben, schlechter oder besser wein, 
als bevolhen, durch die kellerknechten ausgeliefert werden. 

Da m. g. alter und junger f. u. h. im stettigen hofleger 
oder sonst verscheiden sein wurden, sol der bottelierer zu jeder 
zeit die wein, so auf der herm, rete, Junckern und canzleitisch 
geschenkt werden sollen, sonderlich beschmecken und ver- 
suchen, ob sie auch rein und auf solche tisch zu schenken 
dienlich, und im fal er daran mangel befunde, als das die 
vassbender oder bottelerieknecht in dem einlebe ungebnrliche 
Vermischung theten, sol er solchs den hofmeistem zu erkennen 
geben, damit dasselbe gebessert werden möge. 

Gezeichent — — . 



IX. Ordnimg nnd beyelh, wes sich ein kuchen- 
Bchreiber in seinem dienst zn yerhalten. 

1.) Ein k. sol teglichs zu hof sein und zwen vertraute 
diener oder hilfer haben. 

2.) foQ daran sein, das alle notturftige proviand zu der 
hofhaltung bei zelten nach gelegenheit des jars (jedoch die 
fruchten, wein und wes sonst in des bestelmeisters bevelch ist, 
ausgenommen) bestelt, eingegolden und in die hofleger geliebert 
werde, und sich bei den hofmeistem und lantrentmeistern 
erkundigen, wes m. g. h. an einem jedem ort bei sich selbst'*) 
habe, das solichs durch die bevelhaber ubermitz des hofmeisters 
oder anderer rete bei hof verzeichentem bevelch jederzeit zu hof 
geliebert [sc: werde], damit der meiste pfenoing gespart werde. 

3.) fo( auch von aller proviand, so durch den bestelmeister 
oder bevelhaber geliebert, ein besonder buch macheu, der- 
gleichen, wes davon wider ausgeliebert, darin verzeichnen und 
in zeit der liebemng in beisein eines hofmeisters vergleichen 
und conferieren lassen. 

4.) foQ jederzeit, wes durch den bestelmeister geliebert 
Wirt, in beisein des hofmeisters und kuchenmeisters, so alsdaa 
bei hof gegenwertig, mit dem gewicht oder stuck nach gestalt 
der war empfangen und vleissig aufsieht haben, das gute, auf- 

") »8l- «nt«n 7. 



47 



richtige war eingegolden und geliebelt, auch anstaut die rech- 
nung davon von dem bestelmeister nemen, durchsehen und 
dem hofmeister die auch zu besichtigen jederzeit vorbringen 
und zeichnen lassen. 

5.) @oQ die provisy [1] in die kuchen und andere embter 
nit mit häufen oder aus ansagen der knecht, sonder nach not- 
turft und bevelch des kuchenmeistera und anderer bevelhaber 
der embter liebem und alzeit aufschreiben und berechenen, 
wohin und wievil es [I] auf ein jeder zeit ausgeben oder ge- 
liebert worden. 

6.) QoH neben dem hofmeister und kuchenmeister ein 
vleissig aufsehens haben, das alle proviand, so zu hove geliebert, 
wol verwart, in den kellern und boedden rein gehalten und 
nit jederman darüber zu gehen, fleisch zu holen and auszunemen 
gestattet werde. 

7.) Qoü. sich jederzeit meines g. h. hoflegers, wa der sein 
wirdet, bei den hofmeistem erkundigen, darnach proviand zu 
liebem verschaffen und, wes m. g. h. an den ortern bei sich 
selbst hat, zu der hofhaltung durch die bevelhaber liebem lassen, 
damit die diensten und sonst Unkosten verschont werden mögen. 

8.) Wes ZU der kleiner kuchen und sonst von provianden 
notig [!] geliebert wirt, soliches sol der kuchenschreiber erstlich 
sich an seine cammer liebem, besichtigen, anzeichnen und es 
durch die koch holen lassen. Und wes also in seine cammer 
nit geliebert, sol er auch nit bezalen, dan mit sonderlichem 
bevelch des hofmeisters. 

9.) @on jedes jars einen auszug machen, wes von meins 
g. L und h. vischem und pachtsalmen, dergleichen von beringen, 
kanterden und anders auf den zollen zu vorzol [1] geliebert, 
und denselben in die rechenkammer uberantwarten. 

10.) Wie ingleichem, was durch die gardinierer an jedenn 
hofleger aus den garten in die kuch geliebert worden. 

11.) Und dieweil von dem mei bis auf den September 
der garten instat der specereien naturlicher und bequemer der 
meren teil gebraucht werden kan, wie dan bei dem kuchen- 
meister und meisterkochen die versehung geseheen, so sol sich 
der kuchenschreiber mit aosUebera der specereien auch darnach 
messigen und richten. 



48 



12.) Wanhe der hofleger verrückt, sol der kuchenschreiber 
neben dem hofmeister alle proviand, wes im leger von fleisch, 
wein und anders verbleibt, verzeichenen und den bevelhabem, 
keinem oder schlutem davon einen zettel zu stellen, auch 
dasselbig, wan der leger wider dahin kombt, empfangen und 
aufsieht haben, das soliches alles, wie es verlassen, wider ge- 
liebert werde. Und, so daran mangel befunden, sol der kuchen- 
schreiber solichs den hofmeistem angeben, damit der mangel 
gebessert und der gebner erstat werde. 

13.) @o1I auch keine specerei durch die knecht oder 
jungen in die kuch schicken, sonder durch die meisterkoch 
selbst holen lassen. 

14.) (Soll auch insonderheit, wievil und was eins jedem 
tags geliebert und verton ist, verzeichnen und solichs in die 
Wochenrechnung bringen und stellen. 

15.) So einicher Vorrat oder proviand mangeln wurde, 
sol er zeitlich zu erkennen geben, damit es bequemlich und 
nutzlich möge bestelt werden. 

16.) @oQ sich keines gelts zu empfangen undememen, 
dan allein, wes ime vermog der Ordnung in seinen angesetzten 
terminen von den lantrentmeistem inzunemen gebuert. 

17.) @oQ kein drinkgelt oder dergleichen ausgeben, dan 
aus sonderlichem bevelch meins g. h. durch den hofmeister 
oder tuerwarter underzeichent. 

18.) Der kuchenschreiber sol auch keine bantwerksleute 
bestellen oder ichtwes verdingen, sonder die bevelhaber der 
embter damit gewerden lassen. Jedoch wes die bevelhaber 
verdingt oder bestalt hetten und dem kuchenschreiber die 
rechentschaft von inen gehört und underzeichent überantworten, 
sol er bezalen und damit berechnen. Wes auch die bevel- 
haber der embter nit verdingt, bestalt und die rechentschaft 
davon gebort und underzeichent hetten, sol der kuchenschreiber 
nit annemen, sonder dieselbigen bezalen lassen, die es bestelt 
hetten. 

19.) Der kuchenschreiber sol keine betten, dan aus bevelch 
und ubermitz zetteln des botteameisters oder folgender [1] 
cantzlei fertigen. 



49 



20.) Er sol alle wochen seine rechnung fertig haben und 
daran vermanen, das die gehört und underzeichcnt werden möge. 

21.) Aach aol er den soll nach dem fuderzettel verrichten, 
auch ein fleissig aufmerkens haben, das keinem boven die 
hofaordnang ichtwas gegeben oder bezahlt werde, es sei dan 
mit sonderlichen bevelch meines g. f. u. h-, des hofmeisters 
oder thaerwarter unterzeichnetem bevelch. 

22.) Wie er gleichfalls alle jars einem jederen sein under- 
halt und belohnnng yermug ihrer annehmung zu bezahlen. 

23.) Er sol niemandts quittieren, es sei dan aus bevelch 
m. g. f. n. h., oder des hofmeisters, auch desjenigen, so quittirt 
wirde, diener die rechnung thuen und nnderschreiben lassen, 
auch vleissig aufmerkens haben, dass die wirde nit nngebuerlich 
rechnen, nemblich auf eine person des tags zehen alb. und ir 
raafnder auf ein pferd drei alb. und nit mehr; im fal aber 
solichs nit geschege, dasselbe alsdann dem hofmeister zuer- 
kennen zu geben. 

24.) Der k. sol auch daran sein, das, wes zur kuchen 
und kellern und anders bestellt und geliebert, nit boven gebuer 
berechent werde, derwegen er sich des kaufs und aller gelegen- 
heit an einem jederen ort vorhin zu erkundigen und dass die 
pnriiiuid m. g. f. u. h. hocher nit, dan als die abwesens irer 
f. g. hoflegers gildt, verkauft werde; 

25.) Wie dann auch der k. in dem und sonst allem andern, 
den gemeinen bürgern und underthanen zu nachteil keine 
.Steigerung zu machen. 

26.) Er sol sich alle ver feile in den embtem bei hof und 
auf den zogen liebem lassen, dieselben zum meisten pfenning 
und nutz m. g. h. verkaufen und der kein selbst an sich halten 
and zur gebnerlicher rechnung bringen. 

27.) Wie er dann in der schlachtzeit neben dem kuchen- 
meister zu verschaffen und aufsieht zu haben, dass in das 
Schlachthaus keine unnötige noch verdechtige personen zu 
helfen zugelassen werden. 

28.) Wes er auch von den landtrentmeistcrn [1] an gelt 
empfangen wirdt, sol er per partes anzeichnen und zu was zeit 
er das empfangen, auch das gelt nach jungst aufgerichter kreis- 
valuation inbueren und ausgeben. 

4 



50 



29.) Item so dem k. ichlwas weiters, dan wie obgemelt 
furkeme, an ime gefunden oder von noten sein wurde, sei er 
den hofmeistem solichs zuerkennen geben und fragen, wes er 
sich darinnen zu halten. 

30.) Item sol der kuchenschreiber seine rechnuog allzeit 
auf den halben mei und zum lengsten vor ende des meis 
fertig haben, auch daran vermanen, dass sie alsdan gebort und 
abgerichtet werden, wie er dann auch alle gebrechen, sowol 
von den verlittenen, als auch zukunftigem jar, da profit oder 
schad auf stunde alsdan, mit .anzugeben [sc. hat], ferner bescheidts 
zu gewarten, versiht man sich also. 

Gezeichent zu Kleve under unsers g. f. u. h. herzogen 

heraufgetrucktem secret sigele'^) am 15. aprilis anno sieben 

und sechzig. ^ . 

^ P, Langer. 



X. Ordnung nnd bevelh, was sich der forierer in 
seinem dienst zn verhalten. 

Auf meines g. f. u. h. herzogen zu Gulich, Cleve und 
Berg verordente hofmarschalk sol er jeder zeit fleissige achtung 
gebeu und wannehe er vememen wurde, das ire f. g. mit dem 
hof leger an ein ander ort zuverrucken oder sich sonst ausser- 
halb lands zu begeben vorhaben, sich alsbald bei den mar- 
schalken oder wer an ire stat verordent, angeben und bescheids 
erholen, wie er sich mit seinem forieren zuverhalten. 

Und so er dermassen bescheid erlangt, und ime der 
furierzettel zugestellt, sol er auf die orter, dahin i. f. g. ver- 
reisen, den abstand und nachtsleger nemen werden, sich alsbald 
ungesaumbt verfuegen, die herbergen, losamenter, stel und 
cammeren mit fleis besichtigen, wo ein jeder verpleiben könne 
und nit allein eines jederen namen vor die herberg, sonder 
auch die stel und cammern underschiedlich verzeichnen und 
darunder der Ordnung gebrauchen, das fumemblich hoch- 
emanter m. g. f. u. h. an ein bequem gelegen ort und dar- 
nach i. f. g. rete und diejenige, so stetige weis umb und bei 



"1 ©l>uren be« Siegetg ermatten. 



51 



i. f. g. sein rnnssen, an gute bequeme herbergen, die von dem 
hofe nit weit entlegen, furiert werden, und furter die übrige 
boQunkeren, canzleipersonen und diener, einen jederen nach 
siner gelegenheit obgerurtermassen underbringen ; auch welcher 
gestalt solliche fnrierung allenthalben ins werk gebracht, die 
alsbald auf ein papier verzeichnen und sich zu ankunft m. g. h. 
an die pforten desselben orts, da i. f. g. abstehen oder be- 
nachten wurden, verfliegen und in dem einreiten einem jederen 
ein billet zustellen, daraus er zu ersehen, wohin ime sein 
losament verordent und wie die herberg oder das haus gnent 
sei, damit alles unnötige gesenk oder widerwill (welchs under- 
weilen darumb wol leigtlich entstehen kan), soviel muglich 
rerhuet pleibe. 

Zudem, wannehe hocherm. m. g. f. u. h. inwendig der- 
selben furstentumben und lande auf der reise oder sunst an 
den stetigen hoflegeren verbleibt, sol ei* sich durch den rent- 
meister, schluiter keiner oder die darza verordenten bevel- 
haber keine besondere habem zumessen, sonder allein in bisein 
des rentmeisters, kelners, schluiters oder irer verordenter 
diener von der gemeiner habem, die auf dem suller liegt, 
fueteren lassen. 

Und") dieweil jetziger zeit eine neue hofsordnung auf- 
gericht, darin vermelt, das meins g. f. u. h. herzogen hoch- 
emant rete und hoQunkeren iren dinst mit underschiedlichen 
quartieren verwalten sollen, wie sollichs beiliegender zettel 
nachbringt, so sol er darauf fleissig achtung geben, wer von 
sollichen vorgesetzten reten und hofjunkem das verordent 
quartier ausgedient, und das demselben, wan sein gesel an- 
kommen, one sonderlich vorwissen und bevelch irer f. g. oder 
des marschalks auch kein futer gegeben werde. 

Wie er auch keinem rat, Junker oder diener, der von 
hof verreit, vor seine bei hofe verlassene pferd einich futer 
in seinem abwesen zu geben, es werde ime dan von hocherm. 
in. g. h. durch i. f. g. hofmeister oder marschalk austruklich 
Itevolhen, oder das solliche pferd aus gdbrechligkeit notwendig 
stehen pleiben mu-iten, inmassen dan sollicher mangel oder 
gebrechligkeit aus bevelch der marschalken durch irer f. g. 



52 



hofschmid in beisein des forierers beaichtigt werden sol, ferneren 
nach beschehener relation bescheids zu gewarten, aber alsbald 
gerurt pferd solliches mangels entledigt, sol es weiters nit,, 
dan wan derjeniger sein quartier bedient, gefuetert werden. 

In gleichem sol er denjenigen sowol von hofjunkeren als 
dieneren, die in dem furierzettel begriffen und mit i. f. g., es 
sei gleich über land, ins feld, uf die jacht oder fli^en, ver- 
reisen, da sie bei i. f. g. nit verpleiben, sonder verzuegen oder 
nachfolgten, dergleichen da sie ire diener mit den pferden 
vor oder nachschickten auf dasselbig mal das futer nit allein 
verweigeren, sonder auch jeder zeit dem marschalk solliche 
gelegenheit anzeigen und vermelden und sich hierinnen von 
seinem bevelch durch einich geschenk, gift oder gäbe nit be- 
wegen oder abwenden, sonder demselben, wie einem treuen, 
aufrichtigen diener gebuert, gehorsamlicli und fieissig geleben 
und nachsetzen und sich durch niemants Ungunst davon ab- 
schrecken lassen. 

Sonst sol er alle tag dem marschalk den foderzettel 
zo erwegen, und so darin einiche mengel befonden, zo besseren, 
zostellen; folgents dem hofmeister denselbigen und da neben 
dem kuchenschr eiber behendigen, daran man sich jederzeit 
versehen könne, was für pferde gefudert und wie vil haberen 
durch den tag aufgangen, damit sich der kuchenschreiber mit 
bezalung der besoldung und stalmuts auch am besten zu richten. 

Obbemelter furierer sol niemand vor einiche pferd weiters 
fiiter geben lassen, dan die verzeichnus des futerzettels mit 
sich bringt. 

Imfal aber einiche landsassen vom edel an m. g. h. hof- 
leger kemen und des fuders gesinnen wurden, sol er inen 
dasselbig den ersten abent geben, aber alsbald dem marschalk 
die gelegenheit anzeigen und sich bei inen erforschen, ob er 
denselben auch weiters fueter für ire pferde reichen solle. 

Und wan etwan frembde fursten, grafen oder herren 
i. f. g. zu besuchen ankemen, sol er derselbigen furierer jeder 
zeit behulflich sein, das sie ire leute und pferde allenthalben 
underpringen mögen. 

Gezeichent zu Duisseldorf am 27. Januarii Anno 67. 

aus der Gulicher canzlei. 



53 



XI. Ordnung der porzener. 

Die porzener sullen niemanz, die nit in dem bofszedel stain, 
on furwissen und bevelh der rede uf die borch gain lassen. 

Item keine freinbden boden, dan mit silvereu bussen, sullen 
uf die borch gelassen werden. 

Item geine bartscberer sullen uf die borch gelassen werden, 
imants zu scheren. 

Item sullen geine franen oder megde mit heuken ufge- 
lassen werden, dan edelfrauen und jonffem. 

Item so inniche jonkherren zu hof komen wurden, sullen 
ufgelassen werden, wie allhie gewonlich, dergleichen die ge- 
schickten van den steden. 

It. so imanz frembders queme, aullen die porzener sulchs 
den reden zuerkennen geven, umb zu vememen, wie sie sich 
za halden. 

It wan man essen sol und geslossen ist, sullen die slnssel 
uf die stoeve gebracht und under essen nit ufgeslossen werden, 
dan dnrch bevelh und mit wissen der rede oder burchgreve, 
bis die diener gössen haven. 

It die porzener sullen flissig nfsicht haven, das niemanz 
afzudragen vergont oder zugelassen werd. 

Item wan der win des avents geschenkt ist, sullen die 
porzener afkloppen und sulichs für m. g. h. camern kont dein 
und vort zasliessen und dem hofmeister die slussel, oder wer 
davon bevelh hait, overantworten. 

It die porzener sullen und mögen die supplicatiouen van 
den parthien für der porzen annemeu, doch meinem g. h. nit 
selbe overantworten; sonder dieselbige s. f. g. durch die rede 
oder durwerter overantworten lassen. 

It die porzener sullen flissig ufsehens haven, das diese 
dingen wie vurs. gehalden, so niet, sullen sie darfur gestraeft 
und darzu afgesazt werden. 

It so den porzenem sunst jet begegnet, sullen sie dem hof- 
meister, reden, oder durwertem zurkennen geven. 



54 



Item") wannehe der porzener zusliessen wil, sol er erst 
uf der raizcamem und canzlien zurkennen geven. 

Sol ouch des morgents in der somerzit nit für fünf uhren 
and des winters nit für sieven ubren ufgeslossen werden, welchs 
alles doch avents und morgents in bisin des borchgreven ge- 
schehen sal, also") das er des avents die slussel van der 
binnerster porzen zu sich nemen und verwaren sal, dan der 
vorderst porzener sal sine slussel des avents dem marschalk 
oder hofmeister overantworten , wannehe aver der hofmeister 
und marschalk nit zu hoeve sin, sal er die slussel oacb dem 
burggreven vurs. zustellen. 

It.") es sal der huisporzener die vorderste porz und der 
volgende porzener die binnerste porz verwaren und suUea 
uiemanz, den si in irem zettel nit hetten, ufgain lassen, mit 
dem bescheid, ob villicbt jemanz vom dem vordersten porzener 
zugelassen were, der uf das sloss nit gehorit, das alsdan der 
binnerste porzener denselvigen nit vort inlassen sal. 

Item das der porzener gein fraue noch gesinde in der 
porzen haf. 

Item der porzener sal geine ungeburliche afdracht ge- 
schehen lassen. 

It. der volgende und huisporzener sullen geine affelle, 
klein noch gross in- noch uswendig us kuchen, backenhuis 
oder brauhuis afdragen lassen, es si dan erstlich innen durch 
den kuchenschriver zurkennen gegeven und bevolhen. 

It. das der volgende porzener stets bi hoeve si und sich 
sampt dem blivenden porzener stracks na siner zedelen halde ; 
indem er aver bi ziden afsin wurde, das er alsdan einen van 
dem hofgesinde mit wissen des durwerters, der zu der porzen 
dienlich, an sine stat stelle, damit sinem bevelh Inhalt der 
zedulen nakomen werde, bis zu siner wederkompst. 

Das die porzener niemanz gestaden, innich silver afzu- 
dragen, dan so die jonckherren bi wilen ein schottel spisen 
vergeven wurden, das solichs overmiz ridende boden oder 
lackeien geschehe, und auch die porzener fragen, in wat 
herberg datselvige gedragen werde. 



**) SBttb« au8s(firi<^m. 



55 



Item schuzen und dravanten sollen niet uf die borch ge- 
lassen werden, si werden dan van den reden gefordert. 

Item es sollen ouch die porzener, off in den ampteren 
bi hoeve vemer diener, dan in irem zedel, bi wilen ein zit 
lank zu gebruchen van noeden, sich des an dem bevelhaver 
eines jederen ampts erkundigen und sunst geine, dan mit der 
und der rede vurwissen, ufgain lassen. 



B. 

I. Gemeine Verordnung, bestellung 

nnd answartnng der rete nnd bevelhaber bei hofe 

und in der cantzeleien. 

3)a bet ^ctjoß SBUl>cIm oon 3üIidö=6Icoc=Scr9 mit vielen 
gescbeften und beschwemussen beladen, derhalben und sonst 
die notturft erfordert, [ba^] gutte bestendige furstl. regierung 
und hanshaltung geschehe, so haben i. f. g. etliche Ordnungen 
aufrichten und nachfolgende auswartung darauf verordnen lassen. 

Anfenglich, dass alle zeit bei i. f. g. etliche ratte stets 
aus jedem landen zuversetzt [!] sein und verpleiben, die deren 
Sachen neben i. f. g. helfen warnemen. 

Dass insonderheit das hofmeister- und marschalkampt und 
die cantzlei . . . wol bestelt werden. 

Dass zu hoffe und in allen i. f. g. landen und gebijtten 
ein underscheiden [1] eintrechtiger rat und regierung gehalten 
nnd doch verscheidene auswartung und bestellung vorgenomen 
werden [1], nach gelegenheit und notturft jedes orts und bevelchs. 

S>a i. f. g. nicht muglich ist, aller Sachen und notturft 
aoszawarten, auch nach gelegenheit der lande nit wol stets 
an einem ent verpleiben kan, dass neben i. f. g. hofrecht') [!] 
and folgender cantzeleien ein stendiger pleibender rat und 
cantzlei und registration verordent und gehalten werde, zu 
Dusseldorf in Gulichischen, Bergischen unb raDenSbergifd^en 

>) XBd^( ffir hofrst. 



6g 

@ad^en, dergleichen zu Cleve in cleoifd^en, marfifd^en imb raoen^ 
ftetntfd^en @ad^en, damit ein jeder wissen mfige, wa er in abweaen 
i. f. g. anzusuchen. 

Item dass etliche angestalt, die stets zu versetz zu ho£fe 
verbleiben und, was in der hoteeister Ordnung und bevelch ist, 
auswarten und bestellen. 

Dass auch gleichfals mit dem marschalkampt geschehe. 

Dass dergleichen etliche zu der cantzeleien bei hoffe ver- 
ordent, die der ankommender parteien sachen, supplicationen, 
Schriften und*) den amptleutten, lantschreibern und anderen, 
die iren [1 mo\)U inen] zugestalt werden, auswarten, anbringen, 
referiren, nach empfangenem bevelch abfertigen und bescheid 
geben, also dass die hotten oder parteien und sonst jederman 
nit lang ufgehalten oder liegen bleibe. 

Dass dieser keiner von hoife- [sc: ge^e], ehe sein gesel 
in die statt ankommen, also dass zum wenigsten irer drei und 
in jederem bevelch einer alzeit zu hoffe sei. 

Dass ein geschickter und fleissiger bottenmeister und gegen- 
schreiber bei hoffe gehalten [sc: locrbc]. 

Dass in jederer bleibender cantzlei jemants sonderlichs 
verordent werde, der aufsieht, bevelch und gehör darinnen hab. 

Dass auch sonst ein erfarner rechtsgeirrter gestalt und 
an gelegen ort underhalten werde als ein gemeiner anwalt in 
allen sachen, da m. g. h. in rechten mit anderen zu tuen hat 
oder haben wurde, zu ratten und derselbiger warzunemen an 
enden und zu zeitten, da es von nötten. 

Dass die registration nachfolgender gestalt ausgeteilt und 
verordent werden [1]. 

1.) Zum ersten bei hofe i. f. g. wichtige und geheime 
Sachen und die in keine lande sonderlich gehören, hofsordnungen, 
annemungen und bestellungen der diener, herzu einen zu ver- 
ordnen und demselbigen, wo es von nöten, einen copister zu- 
zugeben. 

Dass m. g. h. jemants bei sich zu hofe verordne, dem ein 
sum gelts zugestelt, und [1] ausgebe, was zu hoffe ankompt 
und auszurichten von" nöten; dan der lantrentmeister oder 
kuchenschreibers bevelch nit ist etc. [!]. 



■) Sitlltic^t: von. 



57 



2.) L f. g. brief, Siegel, lefaenregister, Privilegien, presen- 
tationen, vertrege und was der Terscbreibonge [!] oder copeien 
derselbiger belangt, herza in jederen cantisleien neben dem 
bevelfaaber einen registratoren zu verordnen und demselben 
einen copisten suzugeben. 

3.) Was die reehenscbaften, landsteuren, lösen, schuld, 
reatbncher^ und sonst gnlt and renten belangt, auch landtage, 
lantsordnuBgen, policei, hochheit und dergleichen wichtige und 
geheimme Sachen der lande. 

4) Schriften von furstten, bern, graven, stetten, ampt- 
leutten, nachbam und undertanen, parteiensachen, gelichts- 
hender*), peinliche straef, landschreibergebrechen, Visitation, 
tagsatzung, gleit und was sonst gemeine snchen oder Schriften 
ankommen. 

Herzu') in jeder cantzlei zwen zu verordnen, die sich mit 
einander versetzen, also dass irer einer zu hoffe und der ander 
in der pleibender cantzlei sei. 

5.) Sachen am cammergericht, reichshendel und abscheit. 

%afi biejenigen, benen die registration im 2. unb 3. Srtifel 
befohlen, sich versetzen und alle zeit einer auf jeder cantzlei 
bei hoffe sei, der von beiden articule [1] notturftigen bericht 
weisse [!] anzuzeigen und die dinge zu verwaren [!]. 

Dass es auch dergleichen gehalten «erde mit bem 4. unb 
5. ärtifel. 

Dass bei hoffe und an den pleibenden cantzeleien alle 
Schriften und hendel, die ankommen, nach verlassung [1], da 
es sich geburt, bcnjenigen zugestellt unb äbetantwortet werben, 
die der auswarteu oder sie refiriren [!] sollen, bamit man )u 
jeber 3^1 toei^, wen man darumb aufrechnen [!] oder forderen soL 

Dass alle abents ein jeder in seinem bevelch ein anzeichnus 
mache unb bem ^)og ober ben 9idten, da es gebart, ansagen, 
waruf man am folgenben Xage rat halten sol, und dass man 
das nottigste erst fumemen sol. 



•) 'gOx: rentbäober. 

*) ^flr: geriefatshendel. 

*) XBo^ auf 3 unb 4 in b<}i(^ 



58 



®i foQ $ormtttagd am äßorgen im ©ommer um 6, im 
3Binter um 7, (iä lU U^r bei hoffe zweierlei rat gehalten 
werden, damit des^o besser gefertigt und die ein [!] umb des 
andern wil nit verhindert oder aufgehalten werden. 

Erstlich wil m. g. h. rat halten in dem ersten articul dero 
registration und zu sich forderen etliche rette nach gelegenheit 
der Sachen und i. f. g. gutbedunken. Dergl., was auch in den [1] 
zweiten, dritten articul zu beratf dalagen ober au3}urid^ten von 
nöten, und was die rechenschaften, gult und renten belangt, 
haben i. f. g. etliche verordent, die es in der cantzeleien rechen- 
schaften und registorn [!] bei ein suchen, clarmachen und i. f g. 
referiren sollen, umb alsdan mit benjenigen, die i. f. g. jedes 
orts darzu forderen wurde, zu beratschlagen und ins werk zu 
bringen. 2.) sollen die rete, so zu der cantzleien verordent, 
und andere, so zu hoffe sein wurde [!] und mein g. h. zu sich 
forderen oder teten [!], alle morgens auf der gewönlicher rats- 
stuben und in vorbenanter zeit in dem vier- und fünften 
articul [!] rat halten, als [!] dass alles ordenlich beratschlagt 
und abgefertigt werde. 9la(i^mittagS um 2 U^r foQen biefeI6en 
bem $er}og was nottig referieren mit sampt irem ratschlag und 
bedenken. 

Gleichfals sollen auch diejenige, so bei der pleibenden 
cantzleien sein werden, auf vorbestimbte zeit und sonderlich 
des vormittags stets bei einander kommen und in den nöttigen 
Sachen ordentlichen rat halten und was nötig ausrichten, und 
wa nachmittags nichts sonderlichs vorhanden, dass alsdan ein 
jeder baäjenige auiSrid^te, was an seinem bevelch ist. 

2(eber foQ auf die angesetzte ur etf deinen, unb (ei bett 
hendlen verbleiben und andere bestellung bis nachmittag be- 
resten lassen. 

9ln Sonntagen unb auberen »otne^mlid^ Iteiligen Xagen ifl 
am äSormittag nid^t diät }u leiten, ou^ roenn sonderliche nottige 
Sachen furgefallen. 

2(n allen ratschlegen ifl votneI)mIid^ auf folgenbe 9(rtifel }u 
ad^ten: 1.) ba^ man sich wol erkundige aller sachen gestalt, 
was vorhin darinnen geschehen und sich ferner geburen wil, 
und wo man davon an einichem ende nit gnugsamen bericht 
hette, sich zu erkundigen, da man es bericht kan werden, 



59 



damit der ein bevelch dem anderen nicht zuwider gegeben 
werde. 2.) @8 t{l ntd^t alletn barauf {u fel^n, ba^ e8 recht 
and billig x% sonder auch, ob es dem landrechten, Privilegien 
ond gewonheitten des orts gemeess sei. 3.) ^te ^fe^Ie bürfen 
ni(^t den Ordnungen des hofs, der cantzleien, der amptlentte, 
der bevelhaber und anderer, wie die aufgericht und verkündigt, 
entgegen fein, sonder [sc: es ist] darauf zu sehen, dass die 
gehandhabt und vollzogen werden. 4.) Dass den einungen und 
vertregen der nachbarfursten und herren und stetten nit zu- 
gegen gehantlet. 

^qenigen, bie bie ©od^en im 9iat oortragen ober referieren, 
foOen sieh vorhin wol gefast machen, claren idtxitl^t unb aQe 
Untflänbe verständiglich dansutun. %aUi aber bie Srfunbigung 
nit so halt noch durch einen geschehen könte, fo foDen bie 
Wut unb Sefretäre, bie tiglidl» bei den bleibenden cantzleien 
oder die, so zu der cantzleien bei hoffe verordent, erstlich 
rat halten und die dinge dar macheu und also meinem g. h. 
nod andern retten vorbringen, damit kein zeit verloren n>erbe. 

Dass ordentliche und forderliche umbfrag geschehe und 
wer nit neues einzubringen weiss, dass der dan seinen rat 
kortz gebe oder bei eins ander meinung bleiben lasse. Wer 
aarh einer anderer meinung sein wurde, dass der Ursachen 
nnd reden derselbiger anzeige. Was jemants vor bericht an- 
Kigen oder die umbstcnde der Sachen bewegen wurde [I], 
dass solches ime nicht zum nachteil reiche, sonder allein die 
notturft und das beste daraus zu nemen [I]. Was auch sonsten 
vorgetragen, underret und beschlossen, dieselbig [!] verschwiegen 
m halten und nit weiters zu bringen, dan es sich geburt und 
Terb^en ist 

Das, 1008 befdl^Ioffen unb oertragen ift, foQ nit uubestalt 
liegen bleiben, fonbern e8 foH mit bobei oerorbnet werben, wer 
es ausrichten und bestellen sei. Und wan m. g. h. mit im 
rat gewest, dass dan durch i. f. g. darauf gesehen werde, dass 
es geschee, und in abwesen i. f. g. durch die rette, in deren 
bevelch es ist; wer es dan nit recht bestelt, dass es dem 
fargehalten werde. SBcnn einmal im 9lot ni<i(>t wrotbnet wirb, 
»er t» ouari^tcn foH, fo foHen bie 3ttte, in beren SJefe^I e« ifi, 
nnd der secretarins, der es aufzeichnet, sofern sie es nit aus- 



60 



richtea köaden, in dem negsten rat widenimb vermanen und 
erhalten [!], dass' die bestellung geschehe, und alsdan auf- 
zuzeichnen, durch wen und welcher gestalt es ausgericht 

Dass zu jeder zeit aufgezeichnet und, ehe man aus dem 
rat gehet, gehört werde, was beratschlagt und wen [!] es be- 
fohlen-, damit man tpiffen m5ge, ob es recht verstanden und 
behalten sei, oder so es im rat nicht geschehe, dass zum 
wenipten die rette in der caotzleien, die dabei gewest, oder 
in deren bevelch es were, die anzeichnuss hören, ehe die ein- 
gelegt [!] oder ins werk gestalt werde. 

Dass ein jeder darauf sehe, was in seinem bevelch ge- 
ratschlagt, jemant zugesatzt [!] oder bescheit gegeben, dass 
solches in der cantzleien von denen, die zu der sachen ver- 
ordent, aufgezeichent und zu rechter zeit daran vermaat werde. 

Wo auch sovil ®ef^fte anlommen, ba^ man fte nU^t ade 
}ugleid^ auSrtd^ten lann, fo foOen nach gelegenhelt die rete ver- 
teilt und verordent werden, was ein jeder ausrichten und 
ratschlagen sol, damit das [sc. eine?] neben dem anderen ge- 
fertigt möge werden, dass alle handel in gutter registration 
und bewaruug gehalten [!]. 

Wo auch einiche annemung oder andere bestellung ge- 
schieht, dass solches an den enden, da es nötig, angezeigt 
werde, damit man sich auch darnach zu richten habe. 

Was in ber bleibenbcn Aanjlei gejubelt, foO bem ^rjog 
zu hoffe, unb was zu hoffe in sachen dieselbige lande betreffen, 
gehandlet und zu wissen von nöten, gleichfals auch dahin^) 
geschriben werden, des allenthalben bericht zu haben, und 
damit man eins dem anderen nit zuwider handle oder bevehle. 

Dass niemant von retten vora. oder cantzleidienern einiche 
sonderliche sachen promoviren oder sollicitiren, auch one er- 
laubnus wie vorg. keine tag [1] halten, sonder insgemein jeder- 
man zu rat und bescheit verhelfen. Wa auch jemants erlaubt 
wurde, tage zu halten (welche [1] doch one merkliche Ursachen 
nit geschehen sol), dass deraelbiger sich dan im rat der sachen 
wisse zu enteusseren und sonst zu halten. 

3ebet foQ fU^ übet bie gebrechen und was in seinem be- 
velch auszurichten von nöten, etlunbigen, )u gelegenet Seit in 



*) Xi. 1). in bi( b(ctt«nb( Jtan|(et. 



61 



ben 9tat bringen unb gutten furschlag geben, wie dem zu tun 
sei. Wan auch berelch oder bescheit darauf gegeben, dass 
es ein jeder in seinem bevelch ausrichte und ins werk bringe. 
Indem aber der bescheit so halt nit gegeben oder die aus- 
richtUDg «inicher Ursachen halber verhindert wurde, dass 
darnmb nit aufgehört, sonder vor und vor gehalten und vleiss 
angekert werde, bis dass es bevohlen, ausgericht und gebessert 
sei; (loch dass man mitlerweil gleichwol soviel erhalte, als 
man kan. 

3eber foll nic^t allein auf bie ®e6rec^en in feinem )Befel^( 
werfen, foiibem wo er insgemein oder in anderer bevelch icht- 
was vememe, maS betn ^r}og jum 9}ad^tei( gereidl^t, ba£ den 
bevelhaberen und wo sonst von nöten, anjeigen unb befferen 
^elfeiu 

Dass diejenige, die in einem bevelch seint, die nötige 
Sachen ins [! offenbar: irs] bevclchs nit einer auf den anderen 
stahn lassen, sonder derselbiger gleiche [1] fleissig auswarten. 

SSenn einer oetteitet, fod er oor^r den pleibenden äSeric^t 
sAtn, wie die sachen gelegen, unb ftc^ mit i^neu befpred^n unb 
KTgleic^n, loatB injroifdl^en audjucid^ten nötig, ^ehex foQ auc^ 
auf die angesetzte zeit viebetlommen. 

Sobalt einicher binnen oder baussen hofs erlediget, dass 
der nit lang unbestalt verbleibe; und so man in der eil nie- 
maDt dazu bequem bekommen mocht, dass doch anstunt der 
dienst solang jemants anders bevohlen werde zu verwaren, bis 
ein anderer darzu angenomen. 

Dass man in annemung der diener nit so ser acht habe 
auf die orbiettung, furbit und forderung und wie man ineu 
beneigt, als, ob die person den bevelch verstehe, vleissig und 
treu sein [1]. Dass man zu zeitten suche, damit darumb an- 
halten [!]. 

Dass an einem jederen ort binnen und baussen hofs über- 
legt werde, wievil diener xu haben von nöten und was sie 
Icosten zu underhalten, dantaeh die bequembste anzunemen 
oder zu behalten und die übrigen zu schleissen. 

5Die anne^mung her ©teuer foH mit SSonolffen ber S3efe^l8= 
^ber gefd^^n unb mit jebem vertragen unb uf der cantzlei 
angezeichnet merben, wie er angenomen und sich halten sol. 



62 

Dass vleissig aufsehens geschehe, bamit jeher sich geburlich 
seinem bevelch, der Ordnung und auswartung [1] gemäss halte. 

Dass mein g. h. acht habe auf alle insgemein und sonder- 
lich auf die rette und die rette neben i. f. g. auf die bevel- 
haber und die bevelhaber neben den retten auf die ander- 
diener, also, wa an einichem gebrech befunden, dass diejenigen, 
so iren bevelch nit genugsamb verstunden, underricht, die 
nachliessige vermant und die sonst zu dem bevelch nit dien- 
lich, mit fuegen gefliessen [I] oder zum anderen bevelch, darzu 
sie nutzen [!] weren, gestalt werden, aber die mutwilligen, 
ungehorsamen und untreuen gar erlaubet. 

Dass alle vors, rette und diener, insonderheit die zu hoffe 
und bei der bleibender cantzleien verordent, von niemant 
einiche gäbe und geschenk nemen, dan die rette und die be- 
velhaber mit vorwissen und erlaubnus meines g. h. und die 
diener auf der cantzleien mit SSotmffen unb @rtaubmd der 
cantzleienbevelhaber, welches doch nit begert oder zugelassen 
sol werden von denen zu empfangen, die mit meinem g. h. 
oder anderen zu tun haben, das [1] an i. f. g. oder derselbigea 
rette und cantzleien kommen mag. 

Dass herwiderumb einem jedem nach seinem bevelch und 
gestalt geburliche underhaltung gegeben werde, insonderheit 
denen, die de meiste arbeit und undank haben müssen und 
dass maus an den anderen enden spare oder abziehe, da es 
nit von nöten. Dan wo das nicht geschieht, werden die diener 
nicht allein nachlessig und unwillig, sonder denken darnach, 
dass sie aus der arbeit und undank zu gemach und profit 
kommen mögen. 

Dass allen dieneren gewisse und austruckliche under- 
haltung gegeben und ein jeder verweist werde, da ime zu 
geburlichen zeitten ausrichtung und bezalung geschehe, damit 
mau des anlauffens, clagens und nachrechens enttragen pleibe. 

Dass insonderheit darauf gemerkt und underscheit gehalten 
werde zwischen denen, die sich hoch erbietten, auswendig in 
irem bevelch unsträflich halten unb bo^ i^ren nutz am meisten 
suchen, und denen, die mit treuen fleis meins g. h., i. f. g. 
lande und gemeinen nutz und best wurklich furderen, schaden 
und beschwemuss vorkommen helfen. 



63 



Dass diejenige, die es am besten eigen [1], darvor gehalten 
und mit gnaden und gunsten erkand werden. 

Dass der nndank nit auf die gutte diener gelegt, sonder 
da sie recht tuen und sich irem bevelch gemess halten, ver- 
antwort und vertedigt werden. 

Dass aber keine bosse sach, es sei under welchem schein 
es wolle, angenommen werden zu vertedigen. 

Dan wo solcher underscheit, erkendnus und hanthabung 
ist, da Wirt- man wol gutte diener bekommen und behalten. 

Form der rette eits. 

Dass sie geloben und schweren dem ^erjog treu und holt 
zu sein, in i. f. g. Sachen und gescheften, darzu sie [sc.: i. f. g.] 
irer bei der cantzlei oder sonst dero hofleger, dergleichen zu 
Schickungen, da es die gelegenbeit erheischen tete, alles i. f. g. 
furstentumben und landen Gulich, Berg und Ravensberg be- 
trelTent gebrauchen werden, nach irem besten verstandnus zu 
raten und zu dienen, i. f. g. und bestimbter lande notturft 
und wolfart neben anderen dero retten i. f. g. zu guttem er- 
wegen, furstellen, befurderen und ausrichten zu helfen, auch 
die Sachen, darin sie gebraucht und was sie im rat oder sonst 
erfaren werden, daran gelegen, verschweigen zu halten und 
sich derinassen jederzeit, wie einem getreuen rat und diener 
wol anstehet und geburt, zu erzeigen, one geferde und argelist, 
als eiuen Got helfe, und in [1] sein heiliges wort zu geben [I]. 



II. Ordnung and bevelch des cantzlers. 

Dem cantzler sollen zugestelt werden alle Ordnungen der 
rette, der cantzleien und des hofs, umb darinnen zu ereehen, 
was ein jeder sich zu halten und wie er seinen bevelch aus- 
richten sol; was auch darinnen begriffen, was inen [!] betreffen 
tete, demselben gleichfals treulich nachsetzen. 

£r sol daran seih, dass des morgens von 7 — 9 in meins 
g- f. und h. herzogen und [!] i. f. g. gult, renten, darinnen 
(daronten i. f. g. gult, renten, darinnen und leben mit ver- 



64 



standen')) in sonderlicher geheimer ordentlicher rat gehalten 
werden, darzu er der cantzler sampt dem hofmeister, lantrent- 
meister und wen i. f. g. sonst verordnen werden, zu forderen, 
welche, was dermassen gehandlet, den anderen retten one aus- 
tnicklichen bevelch nit vermelten sollen. Wan auch i. f. g. 
zu ^üffelborf sein, sol der cantzler alle morgens ben ^etjog 
fragen lassen, ob eS i^m gefällig, ,,mit in fold^en geheimen 9lat )u 
fommen". 

Um 9 oder sonst nach gelegenheit der zeit und gescheften 
sol man die andere rette auch forderen unb mit benen die 
supplicationen, so in parteien- und appellationsachen ankommen, 
beratschlagen, welche doch vorhin umb die acht uren durch die 
andere rette besichtigt sein sollen. 

Zu zweien uren nachmittag in den zufelligen gemeinen 
Sachen in gemeinem rat alzeit rat zu halten. 



2Benn Sad^en Dor^anben, da laut und leutten oder sonst 
merklich an gelegen und der cantzler erachten wurde, dass 
mar rette, als der zeit bei der pleibender cantzlei gegenwertig, 
zu forderen und zu gebrauchen nöttig, sol er abwesens meines 
g. f. und h. dieselbigen mit vorwissen i. f. g. beschreiben und 
also samender haut die notturft erwegen und beratschlagen. 

an Sonntagen unb anberen norne^mflen ^eiligentagen ifl 
normittagiS nid^t 9lat }u galten, ei feien bann fonberlid^e nötige 
€ad^en oorgefaKen. 

Dass in dem rat die vornembste sachen und darumb die 
bescheidung geschehen, erstlich ausgericht und one sonder- 
liche nottige ursacli nit neues einbracht oder darunden ge- 
mengt werde. 

In abwesen hei $er}og3 sol der cantzler neben den retten, 
so zu der pleibender cantzlei verordent, die appellationen und 
clagten, die furstentumben Gulich, Berg unb ©raffd^aft 3laoen8= 
berg und die zugehörige lande und undertanen oder sachen 
darin gehörige [!] betreffen, empfangen, furderlich abfertigen 
und geburlichen bescheit geben, auch einem jederen, sovil 
muglich, zu recht und billigkeit verhelfen. 



') Xonfhuftton! Offen&orfinb bie Sßortt daninten i. f. g. bc8 und tu fhtit^fn. 



65 



Da aber ichtwas Terf&nglichs vorfallen wurde oder da man 
den amptleatten etwas ernstes zu bevehlen, als mit vergliettung, 
angrif und erledigung [1] einicber ubertretter, geltausgeben und 
dergleichen, solchs erst an i. f. g. gelangen. 

Wan es die notturft erfordert, sol der cantzler sampt 
obgem. verordenten retten zu gelegenen zeiten und platzen 
mit vorwissen ht& ^erjogi^ tag und verbör ausscbreiben, nach 
gestalt der sacben andere rette, amptleutte, diener und under- 
tanen dabei bescheiden, die gebrechen vertragen oder der 
gebar stellen und insonderheit acht haben, dass der [1] ord- 
nnngen, der [!] supplicationen und parteien Sachen allenthalben 
nachkommen werde. 

Yleissig aufzosehen, dass meines g. f. und h. hochheit, 
gebar und gerechtigkeit sowol binnen lants, als gegen die aus- 
wendigen and anstossende underhalten, verwart und vertetigt 
werde, nit allein in den sacben, die den amptleatten und bevel- 
haberen auferlegt, als mit vischen, jagen, quellen, ratzehenden 
md dergleichen, sonder auch die gemeine und die in kein 
unbt sonderlich gehören, vermöge der Ordnung der hochheit 
halber aufgericht 

Der amptleutten, bevelhaber und lantschreiber gebrechen 
zu hören, auch die raten [!] und zu helfen, was in den sacben 
sieh gebart and von nötten, dass solches ausgericht werde. 

Dass die gefangen furderlich erledigt oder zu geburlicher 
straf gestalt, derwegen der cantzler nit underlassen sol, die- 
selbige [!] zu vermanen und den bericht sampt seinem und 
der rette bedenken, wie es mit solchen gefangen am besten 
zu halten, meinem g. f. und h. jederzeit zu verstendigen und, 
da i. f. g. nit alhie, zu uberachreiben, damit i. f. g. darauf 
den einen oder andern bevelch furderlich zu geben [!] und die 
gefangenen nit zu grossen uncosten and beschwerung lange 
zeit sitzen bleiben. 

Dass die [1] gewaltigen handien mit rat oder sonst, wie 
sich geburt, begegnet und die i. f. g. auch nit verschweigen 
(Kler verhalten werden. 

Dass beS ^erjogS gult und renten zu i. f.' g. meiste nutz 
(sovil mit reden nnd pilligkeit geschehen kan) gewant und den 
bevelhaberen and dieneren derwegen geburliche anweisung 

5 



66 



und beistant zu tun. Dass die rechenschaften jedesmals zu 
anfang des monats mai angesetzt, gehört und damit nit ver- 
zogen und dass darzu verordent werden der cantzler, hofmeister, 
lantrentmeister und die auf der rechencammer. 

Der cantzler sampt seinen zugeordenten retten bei der 
bleibender cantzlei sollen vleissige erkundigung tun, ob auch 
meins g. f. und h. edicten, Ordnungen und gemeinen bevelchen, 
sonderlich sovil die widertauifer, widergetauifen [!], sacramen- 
tirer und ander unchristlicher secten, aufrurischen und mut- 
willigen, dergleichen die neuerungen [1] belangen tut, an allen 
orten, wie sich geburt, gebalten und, wa desfals an einicbem 
ort mangel befunden, die amptleutte und bevelbaver vermaneu, 
besser und vleissiger einsehens zu tun; dan so nit, müssen sie 
verursacht werden, die gelegenheit meinem g. h. anzuzeigen, 
so i. f. g., was sie bevehlen, zu handhaben gedechten. Und 
so einiche amptleutte und bevelhaber angeben wurden, dass. 
sie die hanthabung solcher edicten, Ordnungen und bevelchen 
nit tun konden, sonder daran durch diessen oder jenen ver- 
hindert [sc: würben], fo foUcn sie solche gelegenheit sambt iren 
bedenken, wie es zu besseren, dem cantzler und retten zu 
erkennen geben, die es dan vort an i. f. g. zu gelangen. 

Dass gutte policei durchaus in den landen [sc: fei?] and 
sonderlich, da die bleibenden cantzleien sein; dass man ziem- 
liche notturft zu jeder zeit haben und bekommen möge und 
die leutte doch nit verschetzt werden; und, so einlebe mut- 
willig gegen die policei handien wurden, die dermassen zu 
straffen, ba§ anbere davon ein exempel nemen. 

Wo sich einiclie zweittracht oder aufrur zutrüge, den- 
selbigen neben den zugeordneten retten furzukommen, zu under- 
fangen und niderzulegen bis an.m- g- f> und h. 

So einiche diener in den landen umbgingen [!] oder un- 
tuglich befunden wurden, solches i. f. dl. am furderlichsten zu 
erkennen zu geben und anzuhalten, dass andere bequeme in 
derselbiger stat angemelt werden. 

Aufsicht zu haben, dass alles, was den ambtleutten, vogten, 
schulteissen, richteren, rentmeisteren, keiner und andere be- 
velhaber, samentlich oder jederem insonderheit, auferlegt, es 
sei iu iren verscbreibungen, in gemeinen oder sonderlichen 



67 



Ordnungen und bevehlen, vieissig ausgericht und dem nach- 
kommen werde. 

An welchen derwegen gebrech befunden, die zu vermanen, 
damit es gebessert werde, und dass ein jeder, was ime be- 
fohlen, ausrichte oder bestaendige Ursachen o^ne äSerjug über- 
schreibe, warumb es underlassen. Was auch die bevelhaber 
derwegen oder sonst vorbringen, dass inen darauf und sonst 
auf ire gebrechen furderlich 9ntn)oit unb Sefd^eib gegeben, unb, 
loenn bie Sefe^tS^bet in einigen fünften i^ren befelch nit recht 
oder genug verstunden, sie gut zu berichten; aber an welchem 
solche vermanung und underrichtung nit helfen wolle, bie bem 
^|og mit a&en Um^ben unb Sebenfen anjujeigen, bamtt bep 
ielbe noi!^ @elegen^ett geburlich einsehens haben möge, ba^ es 
gebessert, andere angestelt oder die mutwillige gestraft werden. 

Wo den 9mtleuten unb 93efe^le^bern einicher mutwil 
be^gent, den sie nit abwenden könten, fo foQen bei Jtanjler unb 
bie zugeordente rette bent ^erjog bie (Gelegenheit mit i^rem 
@utbebunfen mitteilen und doch mitlerweil sovil wehren und 
abschaffen, als sie vermögen, auf wege und mittel gedenken, 
wie dem mutwilligen zu begegnen und geburlich gehorsamb 
zu erhalten sei. Damit aber solche mutwilligen mit der zeit 
bei die band bracht und zu geburlicher straf angehalten, sol 
der cantzler durch den secretarium, so die criminalsachen in 
verwarung hat, verschaffen, dass ein sonder register derselben 
ausgetretten [1] aufgericht und zu allenthalben [1] jaren 
anmanung geschee, dass die ambtleutten der übrigen bevelch 
mit der nachtrachtung erneuert werden [!], damit sie nit stil- 
schweigent wider zuschlichen und ungestraft verbleiben. 

Zu geburlichen und gelegen pletzen und zeiten daran zu 
sein und zu vermahnen, dass demjenigen nachkommen werde, 
was den lantschaften oder jemants anders zugesagt, und sonst 
geschehe, was bem J^erjog zu tun geburt; und hinwiderumb, 
was man i. f. g. billig tun sol, dass auch daran nit gesaumbt 
noch vergessen werde. 

Was der cantzler und rette an i. f. g. gelangen, dass die sach 
vorhin rlar gemacht und das factum gnugsamb liquidirt werde. 

Wau der cantzler und rette darauf bevelch empfangen, 
dass sie daran sein, dass es ins werk gestelt und exequirt werde. 



68 



Was aber zu hofe gestelt oder ausgericht sol werden 
dieselbige lande betrefifent, gleichfals zu gelegener und gebur- 
licher zeit daran zu vermanen, damit an keinem ent ichtwas 
versaumbt werde. 

Dass man sich wol erkundige aller Sachen gestalt, was 
vorhin darin geschehen und sich femer geburen wil, und wo 
man davon an einleben ende nit gnogsamen bericht bette, sich 
zu erkundigen, da man es bericht kan werden, damit nit ein 
bevelch gegen den andern oder sonst ichtwas widerwertigs 
gehandlet werde, wie auch darumb die secretarien, so bei hoife 
seint, den anderen bei der bleibender cantzlei, wes [!] be- 
vohlen, also*) bei hofife gefertigt, und wie die gestalt, zu ver- 
stendigen, damit nit ein ander bevelch bei der bleibender 
cantzlei ausgehe. 

Was jemant vor bericht anzeigen oder den [!] umbstende 
der Sachen bewegen wurde [!], dass solches ime nit zu nach- 
teil reiche, sonder allein die notturft und best daraus zu nemen. 

Was auch sonst vorgetragen, underret und beschlossen, 
dasselbig verschwiegen zu halten und nit weiders zu bringen, 
dass°) [!] es sich geburt und betragen ist. 

Wo jemant ichtwas zugesagt oder beschied gegeben, dass 
solches in der cantzleien oder rechencamer von denen, die zu 
der Sachen verordent, aufgezeichent werde, welches auch, da 
in einer sicherer benanter zeit etwas versprochen oder aus- 
zurichten ist, wie in gleichem, da einlebe parteientage an- 
zusetzen zugesagt, dermassen zu halten. 

Dass alle hendel in gutter registration und bewarung 
gehalten. 

Dass der cantzler sampt den anderen, so die scblussel 
und turn [1] haben, zur wocben ein- oder zweimal darin gehen [1] 
und, was darin noch zu registriren, in gutte Ordnung und 
registration vort bringe ; was notig und verfenglicb, abschreiben 
lassen [!], doch, was dermassen abzuschreiben oder sonst zu 
gebrauchen aus dem tore [1] genomen, dass solches in der 
Wochen gewisslicb wider darin bracht und mitler zeit in 



•) UnKar; bitütidft für ba« Ketatibum. 
>) gut: dan. 



69 



alsolchem gemach abgeschriben und verwart werde, wa es nit 
verrückt [!]. 

Wo'") einiche annemung oder andere bestellung geschieht, 
dass solches an den luden, da es nöttig, angezeigt werde, da- 
mit man sich auch danach zu richten habe. 

^met fön bec Jlan}{eT älufftd^t ^ben, ba^ der registrator, 
secretarien und copisten auf der cantzlei und recbencamer 
Dod daneben einem jeden sonderlich zugestelter Ordnung und 
aaswartung (wie auch die landschreiber darinnen gemess 
halten [!]) den [!] treulich und vleissig nachkommen, dass 
auch keiner ichtwas aus der cantzlei trage, ausschreibe und 
verbreitte. 

Dass ein jeder die gebrechen und was") in seinem bevelch 
auszurichten von nötten, sich eigentlich erkundige, zu gelegener 
zeit in den rat bringe und gutten Vorschlag, sofern er den 
wüste, gebe, wie den [I] zu tun sei. Wan auch bescheit oder 
bevelch darauf gegeben, dass es ein jeder in seinem bevelch 
alsdan ausrichte und ins werk bringe. Indem aber der bescheit 
nit sobalt gegeben oder die ausrichtung einicher Ursachen 
halber verhindert werde, da.ss darumb nicht aufgehört, sonder 
vor und vor angehalten und vleiss angekert werden [!], bis es 
befohlen, aasgericht und gebessert sei; doch dass man mitler 
weil gleichwol sovil erhalte [l], als man kan. 

Dass auch ein jeder nit allein die gebrechen seines be- 
relchs anmerke, sonder wo er ins gemein oder in anderer 
bevelch ichtwas verneme, das bem ^er}og }utn Staci^teil gereici^t, 
den bevelhaberen uud wo [es] sonst von nöten, anzeige und 
besseren helfe. 



")Dass die secretarien oder andere diener auf der cantzlei 
und rechencammer, dergleichen die lantschreiber kein sonder- 
liche [1] promoviren oder sollicitiren, auch one erlaubnus keine 
tag halten, sonder insgemein jederman zu recht und bescheit 
helfen, dergleichen keiner parteien einleben schein aus der 
cantzlei mitteilen, dan durch bevelch des cantzlers. 

") «flL I 6. 60. 
») SSflL I ©. 60 f, 
>*) Sgl. I 6. 60. 



70 



Wo auch jemants von den retten tag halten wurde, dass 
derselhig sich dan in [!] rat der Sachen wisse zu enteusseren 
und sonst zu halten. Welcher das vor sich selbst nit tun 
wurde, den sol der cantzler mit fuegen vermanen abzntretten. 

Wo an einem secretarien oder copisten gebrechen befunden, 
dass diejenigen, die iren bevelch nit gnugsamb verstunden, 
nnderricht, die nachlessigen vermant und die zu dem bevelch 
sonst nit dinlich, mit fuegen geschliessen [!] und zu anderen 
bevelch, dazu sie nutzer weren, gestelt werden. 



Da einiche pfarkircheu oder sonst andere geistliche lehen 
erledigt, daran zu sein und vermanen, ba^ fte ntd^t lange uii^ 
befe^t bleiben, fonbern mit taugltd^en, gefd^tdten, flotteäfür^ttgen, 
reiner 1er, lebens und wandeis personen wider versorgt werde. 
Und so man in der eil niemant darzu bequem bekommen 
könte, dass doch anstunt solang der dienst jemants anders 
bevohlen werde zu verwaren, bis einer darzu angenomen. 

Wo auch der cantzler einiche geschickte und wie obg. 
qualificirte person vememen [!] wurde, sol er meinem g. h. 
dieselbige anzeigen, damit i. f. g. die (obgleichs kein pfaren 
ledig) an der haut halten und inen etwas underhalts, bis sie 
versehen, zuordnen möge. 

Dass man in annemung der pastor wie auch anderer 
dieneren nit so ser acht habe auf die erbietung, vorbitt und 
furderung [!] und wie man inen geneigt, als ob die person den 
bevelch verstehe, gutes lebens, gotsforchtig, reiner 1er, vleissig 
und treu sei, dass man zu zeiten suche [I], damit darumb 
anhalten [I]. 

Der cantzler sol alle brief und siegel, als ampt-, lehen- 
und pfantbrieffe, vertrege, praesentationen, recessen und der- 
gleichen, ehe und zuvor sie an i. f. g. gelangt, underzeichnen. 

Und wollen sich i. f. g. gncdiglich versehen, gerurter [!] 
her cantzler werde dieser durch [!] i. f. g. furgestelter Ord- 
nung also gelieben und mit treuen vleiss, sovil an ime, nach- 
setzen etc. 

Gezeich ent etc. 



71 



III. Ordnang des Gulichischen landtrosten. 

Anfenglich sol er, soviel an ime, aufsieht haben, dass 
jederman, der das gesinnet, geburlich recht und scheiTenurteil 
gedeie und widerfare und dasselbige niemant geferlicher weis 
verzogen, noch one meins g. f. und h. herzogen sonderlichen 
bevelch and, da nit billige und gnugsame Ursachen dargetan 
und beibraicht, aufgehalten, auch den frembten auswendigen 
ebensowol, als den einwonern geburlich recht vermog unser 
ausgangner rechtsordnung gestattet und sonst der billigkeit 
verholfen werde. 

So er in dem furstentumb Gulich an den haubt- oder 
andergerichten einichen gebrächt [!], roissbrauch, parteiligkeit 
oder mangel spuren oder au inen gelangt wurde, dasselbig sol 
er nit gestatten. Da er es aber nit besseren konte, sol er 
i. f. g. die gelegenheit zu erkennen geben, doch daneben auf 
wege lind mittel helfen bedacht sein, damit dem vorkommen 
werde. 

Er sol auch die parteien von dem gericht one geburlicbe 
Ursachen nit annemen und, wan er die annimbt, furderlich 
verhören, vertragen und tun, das ime von ampts wegen geburt, 
oder wider an das recht weisen. Und mag die annemung oder 
hör ['.] geschehen: 

1.) loenn das recht oder der meister teil der gerichts- 
personen verdechtig und parteilig weren oder sich beweisen. 
2.) loenn beide parteien erleiden möchten, dass die Sachen 
gutlich vertragen [sc: werden] und also in die abberuffung 
bewilligten. 3.) da ime Sachen furkömen, die meinem [!] g. f. 
und b. und i. f. g. hochkeit und gerechtigkeit des furstentumb 
Gulich betreffent. 4.) da es arme, kranke und unverstendigen, 
auch Witwen und weisen, die ir recht nicht selbst vertedigen 
könden, belangen tuet. Und sol der landtrost darumb acht 
haben, dass die nicht verfurdelt, sonder, so jemaut sie under- 
stunde zu beschweren, dass dero [!] oder die davon abzustahn 
onderricht; da aber solches bei inen nit zu erhalten, dass also 
den obg. clagenden parteien notturftige und geburliche hulf 
and beistant geschehe. 



72 



Ferner sol der landtrost niemant gestatten, dem anderen 
gewalt zu tun oder one erlaubnus des rechten zu überfallen 
und, wo jeinant solches vorgenomen hette oder furnemen wurde, 
diejenige, die es aus wissenheit oder keiner bössen geferlichen 
weiss getan, dahin weisen und halten, solches abzuschaffen; 
welche es aber aus mutwil und bössheit getan oder nit ab- 
stellen wurden, zu verfuegen, dass alsdan mit zutun der ambt- 
leutte und bevelhaber in '^) des orts die gewalt gesteueret, die 
ubertretter nach gelegenheit mit recht davor besprechen [!] 
oder augeuomen und gestraft werden. 

Gleichfals, so an inen gelangt und [sc: er] befunde, dass 
jemants seines guts, gult, renten, zins, pacht oder anders mit 
der tat one erkanduus des rechten entsetzt oder ime solchs 
eigens fumemens vorenthalten, daran zu sein, dass onangesehen 
einiches Scheins oder von wem es geschehen [!], dieselbige 
vermög hocherm. meines g. h. ausgangener rechtsordnung wider 
restituirt und die uberfarer dem lantschreiber angezeigt werden. 

Der landtrost sol i. f. g. foeren, peele, lantweren und alle 
ander hochheit, herligkeit und gerechtigkeit des lants und 
ampt Gulich, sovil an ime, treulich hanthaben, vertedigen und 
auf keinen eiden [!] vermindern, veranderen oder von jemant 
underzeichen lassen, auch nit gestatten, dass einiche neue 
wind-, wasser- oder andere mulen, schloss oder befestigung 
gemacht oder mit jagen, vischen, quellen, rotzehenden oder 
sonst einiche neuening vorgenomen werde, die i. f. g., der- 
selben erben und nachkommen oder den undertanen in einichem 
teil oder maniren [I] abbruchlich und nachteilig sein möchte, 
es were dan alles mit i. f. g., derselben erben und nach- 
kommen vorwissen und zulassen, davon ime i. f. g. schriftlicher 
bevelch oder schein vorbracht wurde; sonder, so er befunde, 
vememe oder ime durch die amptleutte und bevelhaber an- 
gezeigt wurde, dass dagegen furgenomen, sol er helfen weren, 
besseren und mit allem vleiss und seiner macht wider bei- 
bringen; imfal er aber solches nicht vermögte, i. f. g. mit allem 
bericht zu erkennen geben. 



") !D. IJ. i^nnt. 



73 



Hinwiderumb aber sol der landtrost die undertanen bei 
gntten gewonheitten, alten herkommen und freiheitten halten, 
wie sich gebart. 

Der landtrost sol es mit i. f. g. gleit zwischen Aach und 
Bercheim, dergleichen mit der Deurener Strassen von Aach 
heraus halten lassen, wie von alten herkomen gewonlich ist, 
auch sonst gleit geben mögen, ausgescheiden, den i. f. g. gleits 
geweigert oder geweigert haben weiten. 

Welche [t] in absein L f. g. einiche vergadderungen, 
darchxage, herenlose knecht oder andere dergleichen be- 
schwerten sich zutragen wurden, sol der landtrost i. f. g. 
Dodeitanen vor angeburlicher beschwerung und gewalt, sovil 
10 ime, schätzen und vertedigen helfen, auch derowegen i. f. g. 
rette, amptleutte, andere von der ritterschaft und bevelhaber [1] 
nach gelegenheit und nötturft zu geschreiben und zu erfordern 
macht haben. 

So soUen auch die amptleutte, vogt, scholteissen, rent- 
meisteren, keiner, zölner und andere diener und bevelhaber 
in iren von wegen i. f. g. anligen und gebrechen [IJ, dergleichen 
brnchtenmeister und lantschriber in irem bevelch den land- 
trosten eisachen mögen, seinen gutten rat, furderung und hilf 
inen mitzuteilen, in welchem dan der landtrost sich treulich 
and nach seiner besten verstantnuss erzeigen und also das 
landtrostambt zu meisten nutz und besten i. f. g., auch be- 
schntzung dero undertanen erbarlich und treulich bedienen, 
handhaben und vertedigen und i. f. g. edicten, Ordnungen und 
berehlen sich gomess halten and bei anderen dergleichen zu 
ton, sovil an ime, verschaffen sal. 

Damit auch der landtrost allen obg. articulen desto besser 
nnd bestendiger zu geleben, sol er jederzeit, da ime etwas 
beschwerlichs oder bedenklichs furfallen wurde, hocherm. meinen 
g. L und h. und in abwesen i. f. g. andern derselben retten 
bei der cantzlei die gelegenheit zuschreiben und verstendigen 
nnd also derselben gutgedunken und rat, wie den Sachen zu 
Uen, begem und bevelchs erwarten. 

Gezeichent 



74 



IV. Ordnung der rete bei der bleibender eantzlei, 
was die in abwesen meines g. f. und h. sich zu 
halten, auszurichten, an i. f. g. zu weisen und zu 

gelangen. 

Zum ersten [sollen] sie die supplicationen '*) und clagten, 
betreffent dieselbige '^) lande, undertanen oder Sachen darin 
gehörig, empfangen, fiirterlich abfertigen und geburlichen be- 
schied geben, auch einem jedem sovil muglich zu recht und 
billigkeit verhelfen. 

Wan es auch die notturft erfordert, dass sie zu gelegnen 
Zeiten und platzen mit vorwisseu beS ^erjogS tage und verhör 
ausschreiben, nach gestalt der Sachen andere ret darbei be- 
scheiden, die gebrechen vertragen oder der gebur stellen und 
insonderheit acht haben, dass den Ordnungen der [!] suppli- 
cationen- und Parteiensachen allenthalben nachkommen werde. 

2.) Dass sie vlelssig aufsehen und acht haben, dass meins 
g. h. hocheit, gebur und gerechtigkeit sowol binnen lants als 
gegen die auswendige und anstossende underhalten, verwart, 
nicht allein in den Sachen, die den amptleutten und bevel- 
habereh auferlegt, sonder auch die [!] gemeinen und die kein 
ambtleutten und bevelhabem derowegen gegeben [!]. 

3.) Dass die rette der landschreiber gebrechen hören, 
ratten und helfen, was in den Sachen sich geburt und von 
mitten, dass solches aufgericht werde, dass die gefangene 
furderlich erledigt oder zu geburlicher straf gestalt werden, 
dass die gewaldigen hendlen mit rat oder sonst wie sich ge- 
burt begegnet, und dass es der bruchtenordnungen allenthalben 
gemess gehalten werden [!]. 

4.) Dass die rette dem lantrentmeister, rentmeistem, 
keinem, schluttern, gelthebern und bevelhaberen darauf sehen, 
dass meins g. h. gult und renten zu i. f g. meisten nutz ge- 
want werden-, dass sie denselbigen geburliche anweisung und 
beistant tun ; dass sie aufsieht haben, dass meins g. h. hochheit 
und gerechtigkeit mit vischen, jagen und anders insgemein 

") »gl. U. ®. 64 ff. 

") S. ^. wo^I bte iantt, für twtt^ bte bttwjfenbe Äan|tet befielet. 



76 



verwart, keine nnnottige kosten darauf gewant und auch die 
Dutzungen darvon zu i. f. g. urbar bekert [!] werden; dass sie 
anhalten und vermanen, damit die rechenschaften zu jederer 
ge6ü{)ilid^n ^tit angesatzt, gehört und damit nit verzogen 
werde, und dass zu der rechenschaft verordent, die des wissens 
haben und darbei gehören; ufsicht zu haben, dass es in ver- 
borung der rechenschaft und sonst umb und umb vermög der 
rechenordnung gebalten werde. 

5.) Dass die retten bevehlungen tun, die dar und darinnen 
kein gebrech ist, und dass sie die reversal empfangen und 
die lehenbrief zu hoffe schicken zu versiegeln. 5C)aTan )u fein, 
bog ti mit bei fie^ndempfängnie aOent^lben geilten toerbe, wie 
derwegen sonderliche Ordnung aufgericht und hernach folgt. 

6.) Dass die rette daran sein, damit die Visitation orden- 
lich gehalten, den aufgerichten Ordnungen und edicteu nach- 
kommen und keinen widertauffer, sacramentirer noch andere 
nnchristlichen secten, anfrurischen noch mutwilligen in meines 
g. h. landen geduldet werden; dass auch keine neuerunge one 
l f. g. Torwissen vorgenomen oder zugelassen werden. 

7.) SM^ bte 9läte daran sein, damit gutte polizei durchaus 
iB den landen gehalten und sonderlich, da die pleibende 
cantzleien sein, dass man zimliche nottarft zu jeder zeit haben 
und bekommen mi^en und die leutte doch nit verschätzt werden, 
dass der übrigen Ordnungen der policei nachkommen und 
femer bedacht werde, dass den vorigen Ordnungen [1], wie den 
grossen Unkosten, missbreuch und beschwemuss vorkommen 
und bestendige reformation furzunemen sei, die zu aufrichtiger 
hantierung dienen und den landen und undertanen und [1 fär: 
m] gedeien reichen mögen. Dass die rette zu gelegner zeit 
Ire bedenken darinnen meinem g. h. anzeigen und befurderen 
helfen, damit es —tunlich [bie erflen Sud^floben unlefeTlt(i^] ins 
werk gebracht. 

8.) Wo sich einlebe zwitrachten oder aufruren zutrugen, 
dass die rette demselbigen furkommen, underfragen [!] und 
niderlegen biss an m. g. h. 

9.) So einich uberzug oder geferligkeit zu besorgen, als^ 
bann fooiet rniqUi) in ber Stle gute fursehung bagegen }U t{>un, 
aiui^ gute itunbfd^ft ouiSjuIegen. 



76 



10.) 9luf{td^t )u l^aben unb ju oerorbnen, ba^ bie beue iren 
Tortgang haben und notturft darzu bestell werde, nach der 
massen und Ordnung, wie an einem jederen ort vertragen. 

11.) aufzusehen, dass ein jeder sich halte, wie in der 
rustung und musterung verordent. 

12.) So einicher diener iu denselbigen landen abgienge 
oder untuglicb befunden wurde, fo foKen bie diäte eä bem ^erjog 
fd^Ieunig anzeigen unb an^Iten, ba^ andere bequeme in der 
stat angestalt, mit anzeigung derjeniger, so sie darzu dienlich 
achten; und so solches in der eil nicht geschehen könde, dass 
doch darumb kein dienst ledig gelassen, sonder einem anbem 
}u betoal^ren befohlen toecbe. 

13.) aaed voai ben Amtleuten, SBögten, @d^u(t^tBen, dtidlitern, 
9ientnteifiem, JteUnem unb anbem ^fel^Id^abetn fämtlidd ober 
jebem in&befonbere auferlegt ifi, es sei in iren verschreibungen, 
in gemeinen oder sonderlichen Ordnungen und bevelchen — 
dass die rette fleißig Suffid^t ^en unb baran feien, ba§ jeber 
feinem Sefe^l nad^Iomme unb ben aui^fgebenen Ocbnungen, @bif ten 
unb Sefe^len gelebt toerbe. An welchem ort aber gebrech be- 
funden, ha foHen fte bie 93efe^(d^6er fogleid^ cor fid^ befd^eiben 
und vermanen, damit es gebessert, insonderheit, was inen be- 
vohlen, dass sie solches tun oder bestendige Ursachen unver- 
züglich underschreiben , warumb es underlassen. Was bie 
^fe^liS^ber derhalben oder sonst vorgeben wurden, dass die 
rette inen darauf furderliche antwort und bescheit geben. 
Unb mo bie Sefe^I&^aber in einigen ^unhen i^ren Sefe^l niddt 
ced^t ober genugfam oerfle^n, sie gutlich berichten; an mtl<!^n 
aber fold^ SSermal^nung unb Unterttd^tung nid^t ^i(ft, fo foQen fte 
t& bem ^eT}og mit aSen Umfiänben unb t^ren ^benlen anjeigen, 
bamit berfelbe nad^ Gelegenheit gebü^rlid^ einsehens haben möge, 
dass es gebessert, andere angestalt oder die mutwillige ge- 
straft werden, äßenn ben älmtleuten unb Sefe^ldiKtbern einicher 
mutwille begegnet, ben fie nid^t abroenben tonnen, fo foKen bie 
9läte i^nen ^i(fe unb Seiflanb t^un mit ratleuden [!] und anders 
nach gelegenheit unb bem ^er^og mit intern ®utbebünfen Snjeige 
mad^en, injroifd^en ober weren und abschaffen, aovil sie vermögen. 
Dass sie auch auf wege und mittel denken, ?rie den mutwilligen 
zu begegnen und geburlich gehorsamb zu erhalten seie. 



77 



14.) SlSte foDen ju gebfll^rnd^n unb gelegenen ^lä^n unb 
Seiten daran sein und vernianen, dass demjenigen nachkommen 
werde, was der [1] landscheften oder jemant anders zugesagt, 
oder sonst geschehe, was meinem g. h. zu tun geburt; und 
hinwiderumb, was man i. f. g. billig tun sol, dass anch daran 
nicht gesaumbt oder vergessen werde. 

Was die rette an ben $er}og gelangen, dass die sach vor- 
hin dar gemacht und das factum gnugsamb liquidirt werde. 
Was anch in der eil nicht entlich geschlossen oder beantwort 
kan werden, dass darumb nicht nachgelassen, sonder gleichwol 
mitler zeit allen dingen [1] sovil möglich erhalten nnd so oft 
daran vermant werde, bis der bescheit begeben [1] seie. Wan 
die rette denselbigen empfangen, dass sie daran sein, dass es 
ins werk gestalt und exequiit werde. Was aber zu hoffe 
bestalt [!] oder ansgericht sol werden dleselbige lant betreffent, 
dass sie zu gelegener und gcburlicber zeit daran vermanen, 
damit an keinem ent ichtwas versaumbt werde. 



V. Sonderliche gedenken der beyelhaber 
in der cantzlei. 

SoSen 9d^t ^ben, sich mit niemant in dispntation ein- 
zulassen vor ire person, sonder sich uf ire Ordnung zu refi- 
riren und jederman mit fuegen und gutlich berichten und 
gleichwol irer Ordnung nachkomen, und im fal dass dieselbige 
nicht berichtet sein weiten und die notturft nit eben anf ein 
zeit konde geschehen [1] darumb nit abzulassen, dan meinem 
g. h. zu erkennen zu geben. 

Dass niemant zu den geheimuussen der cantzelei gelassen 
oder auf [!] offenbart werde, dan denen, die desselbigen be- 
velch haben und sovil einem jederen in den sonderlichen Sachen 
zu wissen von noten. 

Dass man sich nit lass vefnemen von gestalt der cantzeleien, 
da ein ander ichtwas ausmerken könne, anch nit zu sagen, 
was vor berichtungen oder bescheit in der cantzeleien oder 
nit, sonder zu sagen, dass man es in der eil nit alles finden 



78 



könne; sei auch nicht alles bei der haut, sonder sich vor das 
erst damit behelfe. 

Ufsicht zu haben, da mein g. h. recht und billigkeit zu 
hette, dass i. f. g. daiinnen nicht verunrecht noch versaumbt 
werde, darzu auch i. f. g. kein rette betten, sich gütlich zu 
vergleichen und zu schliessen. 

Dass die gemeine bevelch, die im namen meins g. h. aus- 
gahn, vorhin wol beratschlagt und bedacht werden, ob die 
auch auf erbarkeit und den gemeinen nutz fundirt und nach 
gelegenheit der zeit zu verhalten seien. 

Acht zu haben, womit die lieb und ansehen erlangt und 
erhalten werdet. 

Wo ichlwas angegeben wurdet, daran meinem g. h. ge- 
legen oder da i. f. g. oder dero uudertanen verkurtzt wurden, 
dasselbig nit halt in argwon oder gerucht zu bringen, sonder 
erst zu fragen, ob dem angeber gelegen sei, gestant [l] oder 
anweisung zu tun, da man es gewisslich erfaren könte. Ais- 
dan darnach zu erkundigen, auch den angeber zu fragen umb 
seinen Vorschlag, wie es am bequembslen gebessert mocht 
werden. 

Als die mutwilligen, widerspenstigen und ungehorsamen 
meines g. h. bedürfen, uuib gnat oder forderung ansuchen, 
alsdan nit zu eitlen, sonder irer handlung eingedenk zu sein. 

Dergleichen wan sie fellig oder bruchlich werden, dass 
alsdan die amptleutte und landschreiber des auch gedenken. 

Doch dass die warheit erstlich erkundigt, auch die Ver- 
antwortung gehört werde. 

Dass die angeber nit geoffenbart, es weren dan manifesti 
calumniatores. 



VI. Ordnung, wie sich die verordente rete bei der 
bleibender cantzlei mit der belehenung zu halten. 

Die verordente rete aollen in abwesen meines g. h. mit 
der belehnung sich halten wie hernach volgt: 

Wer [!] ankombt und zuligent [1] zu werden begert, sollen 
die letzt lehenbrief gefordert, auch in der cantzlei die register. 



79 



reversal und ander bericht durchsehen werden, von was naturen 
das lehen sei, von seiner erster herkunft, ob villiecht in den 
letzten brieffen die notturft nicht ausgedruckt, nachdem alle 
lehen nach irer ersten anstellung regulirt werden sollen. 

Wo nun sich das ein mit dem anderen vergleicht und die 
person qualificirt, also dass er der rechter lehenserb sei nach 
naturen des lehens, oder dass sonst kein ander gebrech darinnen 
sei, dieselbige mögen die reite belehnen und die reversalen 
widerumb empfangen und clarlich in das lehenbuch schreiben 
lassen, auf welchen tag und in was beisein die belehenung 
geschieht, und was die leheiileulte neben irer pflicht geloben. 
Darnach sollen die rette die lehenbrief fertigen und zu 
hoffe seh — — "), damit sie bcsigelt werden mögen. 

Wan aber einich gebrech befunden, dasselbig sollen sie 
mit allem bericht und irem gutdunken meinem g. h. über- 
schreiben und bis zu bescheit die belehenung behalten, doch 
das begeren [!] aufzeichenen lassen. 

Indem aber jeuiants die letzte lehenbrief nit furbrechte 
oder dass man in der cantzelcien nicht gnugsamen bericht 
funde von gelegenheit und naturen des lehens, sollen die rette 
die belehenung, ob die schon begert, verhalten, dieweil etlichen 
zu Zeiten belehenuogen gesinnen von gutteren, da.s [!] keine 
lehen sein, die iren vorelteren eine zeit lang, ir leben lang, 
mit pfachtschaft oder anderer gestalt verlassen, also dass durch 
die belehenung mein g. h. oder andere vervorteilt werden 
möchten. Und die retten sollen darauf sehen, was auf con- 
dition oder mass vergunt oder meinem g. h. zukompt, dass es 
i. f. g. zu geburlicher zeit wider werde. 

Wo sich aus den vorigen lehenbrief, registem oder sonst 
befnnde oder man erfaren wurde, dass meinem g. h. ichtwas 
an lehenen ufgestorben, heimgefallen oder verburt, dass solches 
i. f. g. zu erkennen zu geben, die heimbgefallen lehen in- 
geforüert; und, wa i. f. g. wider jemant begnadigt, dass davon 
auch geburliche und notturftige rcversaln und beweiss genommen 
und die ui-sachen austrucklicb in die neue brief gestalt 
werden. " 



'•) Xltint üüi<; offenbar: schicken. 



80 



Wan jemants belehenung begert, sol er gefragt und sonst 
kund igt werden, ob er auch die lehen sambtlicli und unver- 
spleissen gebrauche; wo nit, alsdan darnach zu erfaren, wie 
sie abkommen und wer sie innen hab, damit die lehen wider 
beiein gebracht und gehalten werden mögen. 

Welche auch one meins g. h. oder i. f. g. vwelteren 
bewilligung die ubergift, vliefung") [1] oder Verteilung getan 
betten, dass die nach gelegenheit der sachen und personen 
darvor angesehen werden. 

Welche lehen aber nit, empfangen noch gesonnen wurden, 
dieselbigen [I] solten die rette nach gelegenheit Vorbescheiden 
und Ursachen hören, warumb die empfangnua nicht geschehen 
oder verzogen sei; dieselbige meinem g. h. mit irem gut- 
bedunken zu erkennen geben. 

Welche auch ire lehen mutwillig unempfangen lassen oder 
über solche verinanung verziehen und versäumen wurden, die- 
selbige lehen zu schlagen [I] und als verfallen indingen [!] zu 
lassen, wobei keine lehen und '*) verdunkelt oder unempfangen 
pleiben. 

So einiche maugel der [I], die auf widerbelegung [!] 
stunden [!], als [!] abgelost weren oder wurden, sollen die rette 
daran sein, dass dieselbige wider nach inhalt der brief be- 
legt [!] und empfangen werden. 



Via. Ordnung der depatirten za der cantzelei 
bei hofe. 

Die verordenten zu der cantzleien bei hoffe sollen die 
supplicationenschriften von den amptleutten, lantschreibem oder 
auswendigen [!] meins g. f. und h. gerichtlichen Sachen [I], der 
anstös.s- [!], ampts- oder parteien Sachen belangent, oder andere, 
die inen zugestelt werden, wan die erofnet oder auf den [1] 
ratscammer liegen bleiben, empfangen und, indem dieselbige 
in die bleibende cantzlei, da der leger auf die zeit were [I], 



") SieUeic^t für: verepliessung. 
») tmd )u ftreic^en. 



81 



gehwten, den bevelh&beren oder secretarien derselbigen, so 
zajegen sein, nach gelegenheit der Sachen zustellen und an- 
halten, dass sie nach gehaltenem rat, bevelch und der Ordnung 
gemäss forderlich abgefertigt und beacheid gegeben werde, 
darzu sie doch ratten helfen und sich mit gebrauchen lassen 
sollen, damit die betten, parteien und sonst jederman nicht 
lang ufgehalten werden. Aber die Schriften und supplicationen, 
die in ander cantzlei und lande gehörten, da der hofleger zu 
der zeit nicht were, sollen sie sampt den retten und secre- 
tarien, so aus denselbigen landen zu hoffe weren, durchsehen, 
referiren, Ire gutbedunken anzeigen und die abfertigung tun 
und durch die secretarien in gutter registration halten und, 
was darin in der bleibender cantzeleien zu wissen von nött«n, 
aberschreiben .lassen. 

Sie sollen nachmittag die hofmeister, marschalk, so zu 
hoffe weren, dergleichen die bevelhaber der bleibenden cantz- 
leien und andere retten, die der Sachen bericht haben möchten, 
forderen rat zu halten und, was vor supplicationen, parteien 
oder hotten vorhanden, abzufertigen und, waa sonst von nöten, 
auszorichten; was aber inen zu schwer oder da sie nicht gnug- 
samen bericht von betten, meinem g. f. und h. oder den an- 
deren retten, die es wissen möchten, anzuzeigen, sonderlich 
Dachmittag, damit die andere i. f. g. und deren lande eilende 
ond nottige Sachen unverhindert den vormittag ausgericht 
werden mögen. 

Und wan sie referiren, sollen sie alle umbstende und 
bericht der Sachen, wie es damit gelegen und von wem ime 
solchs angezeigt, sampt irem und der anderer inen zugeord- 
neten retten gutbedunken und Ursachen dasselbige meinem 
g. h. oder den anderen retten zu erkennen geben. 

Was zu hoffe gehandlet und in den pleibenden cantzleien 
jederer lande zu wissen von nöten, dass sie verfuegen, dass 
solches auch dahin und denen, da es vermög der Ordnung ge- 
burt, verschrieben [!]; und hinwiderumb, was von den pleibenden 
cantzleien in den Sachen zu hoffe geschrieben, dass solches 
furderlich beantwort und in gutter verwarung und gedachtnuss 
gehalten werde, allenthalben nöttigen bericht zu geben oder 
haben. 



82 



Wo [!] die Sachen herkommen oder gelegen, sollen sie 
sich sovil möglich erkundigen des orts gebrauch, Privilegien, 
recht und gelegenheit und, was vorhin in den Sachen geschehen, 
damit dem nicht zuwider gehandlet, auch sonst kein bevelch 
den hofs-, cantzlei-, lantrentmeister- oder anderen ausgangenen 
Ordnungen ungemess gegeben werden, es sei dan aus sonder- 
licher not, retlichen Ursachen und mit zeitigen dapferen rat. 

Sie sollen auch samptlich und jeder insonderheit vleissig 
acht und in gutten behalt nemen alle puncten, so in der hofs-, 
cantzlei- und anderen ortnungen begriffen, und, sovil sie betrift, 
sich denen gemess halten, auch darauf sehen, dass in der 
cantzleien bei hoffe denselbigen allenthalben nachkommen 
werde, und, so mangel befunden, daran sein und besseren 
helfen und, wo sie vernemen oder dabei weren, dass denselben 
ichtwas zujegen geschrieben, furgenomen oder bestalt werden 
wolte, vieleicht von denjenigen, die der dingen nicht allent- 
halben gutten bericht oder gedechtnuss betten, so sollen sie 
es anzeigen und dieselbigen berichten. Dergleichen, was in 
irem beisein oder bevelch geratschlagt, jemant zugesagt oder 
bescheit gegeben, dass solches bei den secretarien, da sichs 
geburt, aufgezeichent werde. 

Dass ein jeder seine Schriften und hendel in gutter regi- 
stration und bewarung behalte. 

Neben obg. irem bevelch sollen sie in anderen Sachen, 
darzu sie weiders gefordert, sich geprauchen lassen; doch dass 
sie alle notturft ires bevelchs vorhin bestellen, ehe sie sich 
ander Sachen undernemen. 

Irer keiner sol verreitten, ehe der ander in die stat an- 
kompt, also dass zum wenigsten irer einer alzeit zu hoffe seie. 

Dass auch ein jeder auf die angesatzte zeit widerkome; 
und, als einer verreitten wurde, dass er vorhin dem pleibenden 
behebt gebe, wie die Sachen gelegen, und sich mit ime be- 
sprech und vergleiche, was mitteler zeit auszurichten von noten. 

Ob auch die personen vermög der Ordnungen nit alle 
vorhanden, sollen sie sampt den anderen die Ordnungen und 
notturft gleichwol underhalten und verwaren helfen und dabei 
fordern, dass bequeme in die ledige stette verordent werden. 



83 



Es sol aach keiner [sc: sich] auf den anderen verlassen 
oder die sachen beresten lassen, sonder ein jeder nach seinem 
Termögen den Ordnungen gemess abfertigen. 



VII. Gemeine Ordnung der cantzlei. 

Diejenige, so zu den partei [1] und appellationen, auch 
dergleichen, su zu den gemeinen amptverschreibungen, pfant- 
onderschreibungeu , pfachtbrief, transfixbrief, Verkündigung 
der amptleutte und bevelhaber, item gemeinen bevelchen, 
Ordnungen und edicten belangen, auch die, so der weidlichen 
und geistlichen lehen halber und was dem anhengt, als exa- 
nimation [!], praesentationen, verlauf und neuerung in der reli- 
gion, zudem diese Schriften hochheit belangen, wie gleichfals 
von wegen der gult und renten und was dem ferner anhengt, 
im bevelch haben, und alle andere, so zu der cantzlei gehörig, 
sollen sich der Ordnung, die einem jederen sonderlich zugestelt, 
and denjenigen, so hernach volgt, foviel ei einen jeben belangt, 
and auch der gemeiner hofs-, lautschreiber- und anderen 
aufgerichten Ordnungen gemess halten. 

<E>ie ©eftetdre foHenjeber in feinem öefe^Iverschreibungen,pla- 
caten, abscheide, bevelchsbrief und andere missive begrieffen [1] 
hoeren lassen und nach den concepten collationiren und 
anderschreiben. 

*')Wo die Sachen herkommen oder gelegen, sol man 
sich sovil möglich erkundigen des orts gebrauch, Privilegien, 
recht und gelegenheit und was vorhin in den sachen geschehen, 
damit dem nit zuwider gehandelt, auch sonst kein bevelch 
den hofs-, cantzlei-, landrentmeister- oder anderen ausgangenen 
Ordnungen ongemess gegeben werden, es sei dan aus sonder- 
licher not, redlicher Ursachen und mit zeitigem dapfem rat. 

Man sol auch vleissige acht haben, dass niemant ichtwas 
zugeschrieben oder bevohlen werde, das ime nicht geburt, oder 
dan meinem g. h. oder andere [!] nachteil aus erwachsen 
mag, sonder dass man sich der gelegenheit bei denen, die 
es wissen mögen, wol erkundige. 



>•} »fli. Via @. 82. 



84 



Dass auch einer den anderen, was er weiss oder wa es 
sonst zu erfaren seie, gatwillig berichte, unangesehen, ob es 
in seinem oder eins anderen bevelch ist. 

Dass die Schriften nit zu stark, noch auch zu Verkleinerung 
meines g. h. verstanden, sonder, wo des ernstes und starkheit 
von nöten, dass solchs uf das gebur und fürstlich ambt, und 
die lindigkeit auf das gnedig gemut nach gelegenheit der 
Sachen und personen gedeut muss werden zu erhaltung beider, 
entsteht [!] und liebden. 

Dass alle Schriften so kurtz und verstäntlich als möglich 
verfast, das unnöttig daraus gelassen, die gelegenheit der 
Sachen und personen, denen man schreibt, angemerkt und die 
narration auf gegeben [!] der parteien gedeut werden [1] 

Dass in allen Schriften mass und decorum gehalten und 
insonderheit auf die verba generalia und restrictiva acht ge- 
habt und die one sonderliche Ursachen nicht gebraucht werden. 

S)afe bie ©d^riften an 3lttd^bar^erren ober auaroenbige der- 
massen verfast, dass alle wort, die unbitterung beibringen 
mögen, oermieben werben. 

Was die [!] ambtleutten oder anderen von wegen meines 
g. f. und h. befohlen, dass ein jeder auf der cantzlei in seinem 
bevelch und wer die Schriften fertiget, darauf acht habe, ob 
dem bevelch nachkommen werde oder nicht, und was mangels 
daran befunden, dass er solches aufzeichne und, da sich 
geburt, zu erkennen gebe. 

Dass der bottenmeister sich berichten lass von den hotten, 
ob die brielTe recht bestelt, was vor antwort gefallen, dass er 
solches aufschreibe und den secretarien anzeige. 

Dass ein jeder in seinem bevelch die Schriften und 
andere hendel [!], .so ankommen, verware und, was nötig, aus- 
zurichten vermane, auch so dick und lang anhalte, bis es 
geschehen ist. 

Und 80 diejenigen, in deren bevelch die sachen weren, nit 
zugegen, was*") die andere gleichwol die Schriften annemen 
und den abwesenden, wan sie wider bei die haut kommen 
oder die ire stat vertretten, zustellen. 

20) DffenBor: bo^ 



85 



Was aber eins andern bevelch gar oder zum teil betrifft. 
itaa er [1] solches denen mit allem bericht, sovil ime des 
knndig, zustelle. 

Wan") einiche Schriften' oder supplicationen zugestelt 
Verden, dass der darauf schreibe das jar und tag des monats, 
aaeh den platz, wanhe und wo sie nberautwort. Gleichfals 
die zeit uad platz bei allen verzeichnussen, so gemacht werden, 
Tie anch bei den ratschlagen [!] voran zu setzen. 

Welchem einiche supplicationen oder gedenken zugestelt 
werden, der sol sie nit heiligen \}.]'*), ehe die nottnrft aus- 
gerieht und, obwol diejenige nicht vorhanden, die der Ursachen 
bericht betten oder in deren bevelch es were, so sol er doch 
zu anknnft derselbigen daran vermanen, damit allenthalben 
keine saumbnuss einfalle. 

Dass ein jeder auf der cantzlei durchsehe die gedenken 
und gebrechen, so nöttig an seinem bevelch, factum liquidire 
nnd mit claren bericht, was vor darinnen oder in gleichen 
fal geschehen, anzeige und referire nach gelegenheit der Sachen, 
da sich solches geburt. Dass auch ein jeder vermane und 
anhalte, dass darauf geratschlagt und bevelch gegeben werde. 

Was beratschlagt und bevohlen, dass ein jeder solches 
in seinem bevelch ausrichte, in das werk stelle oder bei an- 
deren, den es geburt, daran seie, dass es geschehe. So er 
anch gebrech daran befunde, dass er solches anzeige. 

Nachdem vielerlei anzeichnussen gemacht und concepten 
begriffen, die doch aus Ursachen zu zeiten verendert werden, 
damit aber derhalben kein irtumb entstehe, so sol auf oder 
bei die copeien [!] und anzeichnuss, so in der cantzeleien ver- 
bleiben, geschrieben werden, nach welchem [1] und zu welcher 
zeit die abfertigung geschehen oder wem abschrift oder bevelch 
davon gegeben. 

Dass ein jeder von den sachen, so in seinem bevelch 
vorhanden oder ankommen, ein memorial oder anzeichnuss 
mache und alle monat ein neue aufrichte, also dass dasjenig, 
was nf ein jedes [1] beratschlagt, bevohlen oder ausgericht ist 
und, wo der bericht zu finden, dabei angezeichent werde; was 

«») SBo^t für: wem. 
»*) Offenbar: hinlegen. 



86 



aber ausstehen bleibe, dass solches voran in das memorial des 
künftigen monats gestalt und folgents was in demselbigen 
monat ankompt; und dass an ein jedes zu seiner zeit gnant*') [I] 
werde. 

Dass auch ein jeder nach umbgang des jars nach den 
monaten jedes in registration und verwaning bringe, also dass 
man es in gutter Ordnung und berichtung davon finden möge. 

Dass ein jeder, was in seinem bevelch ankompt, von 
monat zu monat zuesamen binde und verware und nach umb- 
gang des jars underlasse [!] und alle hendel von dem gantzen 
jar von einander sondere und darnach das ganze jar zusamen- 
binde und jeders lege, da es sich gehört. 

Und so jemant in seinem bevelch ichtwas erfure, dai-an 
meinem g. f. und h. gelegen oder i. f. g. an derselben hoch- 
heit, gult, reuten oder sonst einleben ingrif oder abbnich ge- 
schehe, sol er sich sovil möglich erkundigen, zu gedenken 
anzeichnen und den retten, da es sich geburt, zu erkennen 
geben. 

Indem jemant von der cantzleien in seinen Sachen ver- 
reitten wurde, (welches doch one vorwissen meines g- f. und fa., 
des cantzlers oder desjenigen, der seines abwesens an seine 
stat verordent, nit geschehen sol), wa.s'*) er alsdan die, welche 
seine staet mitlerzeit verwaren, aller notturft underrichte, da- 
mit mitlerweil seines abwesens die Sachen gleichwol mögen 
gefordert werden. Und sollen auch bieienigen, bie nont ^ofe 
fort gerocfen ftnb, non benjenigen, bie i^te ©teile nertreten ^aben, 
Serid^t empfangen, load mitlerzeit ausgericht oder ankommen ist 

Wer des anderen bevelch verwart, sol auch desselbigen 
Zettel gleichs dem seinen vleissig durchsehen und sich darnach 
halten. 

Die auf der cantzlei sollen alles, was sie im rat oder auf 
der cantzlei hören und vememen, daran gelegen und aus 
.welchem nachteil und geferligkeit entstehen konde und billig 
insgeheim zu halten [!], niemant entdecken, damit^^) [!] vor- 
wissen der rette, die zu der cantzleien verordent. 



") Jür: gemant. 
") gür: da«s. 

") 51*' "i*" ™''- 



87 



Die heimlicheiten meins g. h. und Schriften, da sonst an 
gelegen, sollen nit öffentlich liegen bleiben, dass jemant die 
lesen möge, der davon keinen bevelch hat, sonder jeder in 
seinem bevelch die aufschliessen [!] and bewaren. 

Das secret sol in der cantzleien in ein klein kistgen ge- 
schlossen und jederem secretarien ein Schlüssel davon gegeben 
werden. Und wan die brief oder mlssiven zugesigelt, alsdan 
«instant wider darin zu legen und zuzuschleissen. 

Niemant sol auf die cantzlei gelassen werden, dan die 
rette and die, so auf der cantzlei gehören: und so jemants 
(taranf kerne, der nit darzn gehörig, die freuntlich zu erinneren, 
.^ich dess zu enthalten. 

Die copisten sollen dasjenig, was inen zu schreiben zuge- 
stelt, vleissig abschreiben, auch solches alles wol hutten und 
verwaren und in niemants hende, die davon keinen bevelch 
haben, kommen lassen und, wan sie es abcopirt, den secretarien 
oder anderen, die es inen zu schreiben getan, weder sampt 
den concepten überlieferen, auch anderen auf der cantzlei 
(geschweigen die nicht darauf gehören), was sie dermassen 
abgeschrieben, nicht vermelden, dan da es inen bevohlen. 
Wo inen auch etwas zu schreiben vorkeme, dass sie one 
das noch anders zu schreiben betten, sollen sie es doch gleich- 
wol gutwillig annemen und das nedigste zum ersten vomemen 
und abschreiben. 

Es sollen auch die secretarien und copisten bei iren 
eiden und pflichten, damit sie meinem g. h. zugetaen und 
verwant sein, ein jeder in seinem bevelch dieser Ordnung, 
sovil die inen [1] betreffen mag, nachkommen und, was sich 
in iren Schriften zutragen werdet, das billig in geheim zu 
halten, niemant vermelden. 

Zu Sommerzeit sollen die von der cantzlei den morgen 
zu 6 and den winder zu 7 uren uf die cantzelei kommen und 
za ziehen uren abgehen, doch alles nach gelegenheit der 
gescheften und, dass die eil auf sich habe, oder nicht. 

Dieweil der sontag in der h. schrift und der apostel und 
der [!] vier hochzeitstage durch die gemeine christliche kirch 
zu fieren gebotten, sollen die von der cantzlei solche tag, 
sonderlich den vormittag (soveren nichts eilents oder verfeng- 



«8 



lichs ankommen und auszurichten vorhanden), auf der caatzlei 
nicht erscheinen dorfen. Dan vleissig zur kirchen gehen und 
sich sonst in püs exercitiis brauchen. Doch so etwas eilents 
ankeme und einicher derwegen gefordert, sol derselbig sich 
gehorsamblich darin erzeigen und, was ime befohlen, gutwillig 
ausrichten. 



VIII. Ordnung der secretarien ins gemein. 

Die secretarien sollen sich der gemeiner hofs-, cantzlei-, 
lantschreiber- und anderen aufgerichten Ordnungen gemess 
halten, wie inen darin auferlegt, und insonderheit was die Ord- 
nungen der supplicationen, lantschreiber und der hocheit [!] (so 
hernach in der amptleutte Ordnung zu finden) mitbringen, aus- 
richten oder bei anderen, den es geburt, anhalten und forderen, 
solang und duck, bis es ausgericht ist 

Sie sollen alle die Ordnungen und abscheide des reichs 
und was daraus volgt, dergleichen was von meins g. f. und h. 
geschickten von den reichstagen und sonst von anderen [!] 
geschrieben wurde, sampt den antworten davon nach der Ord- 
nung bei einander binden und, indem darinnen ichtwas vorkeme, 
das von noten were, in meins g. h. landen öffentlich ausgehn 
zu lassen, daran zu ermanen und sich nach bevelch zu halten [!], 
die Schriften, so derhalber ankemen, zu verwaren und gleichfals 
in Ordnung bringen. 

Auch sollen sie die Ordnungen und bescheide der muntz 
und gemeiner policei und was auf jeder probation und anderen 
tagen gehandlet wurde, sampt allen Schriften daran langent 
bei einander legen. 

Alle Schriften von den auswendigen heren und fursten, 
von dem cammergericht und sonst meins g. h. und der lande 
gemeine Sachen betreffen, zu verwaren und die antwort, die 
darauf zu tun beratschlagt worden, zu fertigen. 

Die gemeine bevelchen, edicten und Ordnungen, die m. 
g. h. in i. f. g. lande ausgehen lest, bei einander zu registriren. 

Die öffentlichen bevelch oder placaten, als nemblich geleits- 
brief, zollereiungen [!]"') und dergleichen zu concipiren, bei 

"^) gttr: zollfreiungen; tifll. unten ®. 90. 



89 



einander zu legen und, waa darinnen notig geacht, registriren 
zu lassen. 

Alle die Schriften, die täglichs von meins g. h. amptleutten, 
lantschreiber oder berelhaberen ankemen, darinnen insgemein 
wart angezeigt, dass i. f. g. in dero jagt oder hocheit oder 
derselben undertanen in ire gerechtigkeit, viehedrift oder der- 
gleichen begriffen [!] wurde, sollen sie den [1 für: die?] secre- 
tarien nach meins g. h. oder rette verlesen empfangen, daran 
rennanen, dass erstlich alle notturftige und eigentliche er- 
kundigung geschehe auf den orteren, da es sich gehört und 
von nöten ist, und wan man der dingen gruntliche erkundigung 
und bericht hat, nach gelegenheit und bevelch entlich schreiben, 
damit derhalber nit mit ungrunt fiirgenomen und missverstant 
verheat werden. Wo aber so weit in den Sachen sol gehandelet 
werden, dass von nöten wer, einiche besichtigung, beleid oder 
tag zu halten, so sollen sie den registratoren der dingen be- 
richten, wobei die registratoren in meins g. h. registem und 
sonst allen bescheid suchen mögen, was i. f. g. und den under- 
tanen zu gutten mag kommen. Und indem sie zu solchen 
tagen, beleit oder besichtigungen verordent, sollen sie die ab- 
scheitten, kunt und kuntschaften und was sonst darauf gehandelt 
wurde, in irem widerkommen den registratom zustellen. 

Sie sollen alles, was die parteien belangt, in gutter ordent- 
licher registration halten und die schriftliche abscheide, so 
den Parteien auf den verhörstagen gegeben, in ein sonder buch 
registriren lassen, auch clare indices darüber machen, damit 
man jedes desto bess finden möge. 

Was auch der [!] lantschreiber zu übergeben hetten [!], 
davon sie beschiets begerten, sollen sie schriftlich von inen 
empfangen, und was darin oder in anderen Sachen ires bevelchs 
beratschlagt, vertragen oder bevohlen wirdet, clarlich auf- 
zeichnen, bei einander in gutte Ordnung legen und bewaren, 
wobei man stets wissen und finden möge, was vorhin in der 
Sachen getan oder ausgericht were. Zu vermanen und acht 
darauf zu haben, dass demselbigen also nachkommen und nit 
gesaumpt werde, und was gebrechs sie befunden, anzuzeigen. 



90 



IX. Ordnung der registratoren. 

©ollen fld^ ben gemeinen §ofö Ran^lei- unb anbeten Drbnungen, 
fottiel t& fte betrifft, gemäfe galten, roai i^nen barin auferlegt 
und insonderheit, was einige verschreibung, leben, registration 
und anders in irem bevelch angebet, ausrichten oder bei 
anderen, den es geburt, anhalten und forderen, so lang und 
dick, bis es ausgericht ist. 

@oIlen nach gnugsamer erkundigung und bericht der Sachen 
alle ampt- und pfantverschreibungen, praesentationes, confir- 
mationes, transfix-, leben-, pfant- und gleitsbrief, vertrege, 
zolfreiungen, Verkündigung der diener, vort andere placaten, 
die m. g. h. ausgahn lassen und wider empfangen wurde [!], 
der gebur und den hiebevor begritfenen bestendigen gemeinen 
formulam und sonst den vertregen und abreden gemess con- 
cipiren und die concepten dem cantzler oder wer sonst mit 
vorwissen meins g. h. in desselben stat verordent, zustellen 
und überlesen lassen. Als die ubersehung geschehen und 
bewilligt, sollen sie dieselbige concepten ingrossiren und 
registriren lassen, auch die brief und placaten vors, gegen 
dem [!] gehorten und bewilligten concept mit vleiss collationiren 
und darnach underschreiben. Auf die vors, copeien zue zeichnen, 
aus was ui'sachen und auf welchen tag die bewilligt und 
bevohlen, und wer von reten darbei gewesen. 

Aufsicht zu haben, dass kein verschreibungen, placaten 
oder bevelchschrift den vorigen ausgangenen Ordnungen und 
bevelchen, noch auch eins dem anderen zuwider gegeben werde, 
es geschehe dan aus sonderlichen Ursachen mit zeitigem rat 
und vermeldung des vorigen, j^^tnet, bafe jeders orts previ- 
legien, recht und gewonheit nicht zuwider bevohlen oder 
geschrieben werde. 

2BaÄ in jebcnt ^a.\)r oon ©riefen, ©iegeln unb '^lafaten aui^ 
gegangen, nad^ SIblauf beä Sfabre* die copeien mit allen bericht 
daran langent bei einander zu binden und gedenkzettel zu 
machen, was derhalben zu tun oder auszurichten sei. Auch 
solche copeien in die register ordentlich abschreiben und 



^1 



registriren zn lassen und darauf zu sehep, dass es zu umbgang 
jedes jars geschehen sei. 

Dergleichen die gemeine bevelch, edicten und Ordnungen, 
die m. g. h. in i. f. g. landen ausgehen lest, bei einander zu 
registriren und die register wol zu collationiren [1]. 

Obgem. register causarum und gemeinen befehlen anf- 
zuschliessen**) und nit liegen zu lassen, dass niemant darin 
lesen oder sehen könne. 

Kein copeien von brief und segelen aus den registeren zu 
geben, auch niemant darinnen sehen zu lassen, dan mit bevelch. 

Die ampt-, leben- und andere brief, sobalt die bewilligt 
[sc: und?] bevohlen seint, zu ferdigen, faß« einige umb un- 
mussen willen etliche zeit zue holTe ungeferdigt liegen pleiben, 
zu bequemer zeit daran zu ermanen und dem cantzler darvon 
und auch von dem, das noch auszurichten were, gedenkzettel 
zu geben, damit die auch gefertigt und also das ein jar nicht 
durch das ander gemengt werde. 

Die registratoren sollen keine versegelte brief one bevelch 
ausgeben und von denjenigen, den ichtwas zugestelt oder ver- 
schrieben wurde, selbst zu boren oder zu gebrauchen, gebur- 
liche reversal, ehe man die verschreibungen ausgibt, empfangen 
und dieselbige registriren lassen. 

Es sollen auch die verschreibungen, so von aufnemung 
einiches gelts versegelt, durch die registratoren nit übergeben 
werden, ehe das gelt dagegen empfangen und in ein sonder- 
lich verzeichnuss oder registerbuch angezeichent sei, warzu 
das gelt oder in was rechenschaften und in welchem jar es 
befunden sol werden [!]. 

Die brief und segel, so abgelest oder sonst in die cantzlei 
gelieffert, in gewarsamb zu stellen und auf bie abgelöjlen zu 
schreiben, dass sie geloest seien und in was rechnungen solches 
zu finden. Wo durch tedigung oder vertrege einlebe brief 
geft'eiet wurden, soliches auch aufzuschreiben mit anzeigung, 
wa und wie es vertragen; auch die quitantzien von den beiden [!] 
einznforderen und zu verwaren. 



»•) 25. 1f. wrfc^Kt^en. 



92 



Wa einiche brief und verschreibungen, so auf den registeren 
stehen, gelöst, durch vertrage abgehandelet od«r sonst verendert 
wurden, solches in marginem in das register mit kurtzen worten 
zu zeichnen, zu welcher zeit es geschehen, mit abwesung [1]. 

Item so einiche brief und verschreibungen, die meins g. h. 
voreiteren gegeben und auf den registeren nicht befunden 
oder'^) glaubwerdige copeien davon furkemen, dieselbige ab- 
zuschreiben und jegen die originalia zu coUationiren, auch in 
ein buch zu registriren, von jederen heren insonderheit mit 
anzeigung, auf welche zeit und durch wen die principalbrief 
vorbracht oder copei übergeben. 

Die vertrege und Ordnungen, so m. g. h. mit einichem 
fursten, ®rafen, Ferren, ©tdbten, geiftlid^en ober roeltlid^en Unter= 
tränen oder lautschaften aufrichten wurde, an ins jederen ge- 
burlich ort zu registriren und die sampt allen obg. brieffen in 
gutte Ordnung und gewarsamb zu legen, dass man sie im fal 
der notturft bald finden könne. 

So einiche brief ausgenomen, verschickt oder gebraucht 
wurden, davon ein verzeichnus in die'") zu legen, wem, auf 
welche zeit und aus was Ursachen die gelieffert, auch daran 
zu sein und zu fordeten, dass die wider beigebracht und gelegt 
werden, da sie genomen sein. 

So m. g. h. jemants einiche begnadung, previlegien oder 
anders vergönt bette oder nachmals vergunnen wurde, ein zeit 
lang von jaren, zu i. f. g. gefallen oder auf einiche furwart 
und mass, sich desselbigen zu erkundigen, ob es auch der- 
massen, wie es vertragen, gehalten, ob die zeit umb oder wie 
es sonst damit gelegen sei, solches alles aufzuschreiben und 
daran zu vermanen. 

Soviel meins g. h. leben belangen tuet, clare auszuge zu 
machen und zu vermanen, dass die, so ire leben noch nicht 
empfangen betten, gefordert und angehalten werden, ire leben 
zu empfangen und sonst sich allenthalben der aufgerichter 
lehensordnung gemess zu halten. 



") gOt: aber. 

*') Offenbat ttxoai auS^ttafftn. 



93 



Indem einlebe leben gelöst [!], die auf widerbelebenung 
gestalt oder sonst in den lebenen einiche verenderung gescbege, 
zn vermanen, dass die widerbelebenung am farderlichsten ge- 
scbebe und darüber leben- und reversbrief aufgericht werden. 

Und nachdem etliche zn zeitten ire leben empfangen und 
doch die reversalen nicht geben, auch die lehenbrief auf der 
cantzeleien liegen lassen, sollen sie diejenige, so ire lehen- 
brief nicht empfangen, aufzeichnen und anhalten, dass inen 
geschrieben werde, dieselbige zu holen und geburliche revers 
zu geben. 

Zu erkundigen, ob diejenigen, so belehent werden sollen, 
gestalt sein ire reversal zu geben. 

Die lehenbucher der furstentumben und lande, dergleichen 
der manheuser aufzuschliessen, zu verwaren und in gutter 
registration zu halten, auch niemant darin sehen zu lassen 
oder copeien daraus zu geben, dan mit bevelch. 

Zu forderen, dass die stathalter und lehenschreiber an 
den manbeuseren copei irer manbucher in die cantzlei schicken 
vennog der Ordnung und die volgents mit vleiss zu besehen 
imd jegen die alten zu conferiren, ob die leben auch alle 
empfangen und in der nattur, wie sie von alters gewesen. 

Item dass von belehenungen der beuser lehenbrief gegeben 
and reversaln genomen werden. 

Alsbald einer belehent wlrdet, aufzuzeichenen, auf welchen 
tag nnd jar, in wass [I] beisein und mit was leben er belehent 
sei, auch was er dabei gelobt oder zugesagt. 

Dass keiner belehent werde, er gebe den alsbalt sein 
reversal oder benenne einen sicheren tag, wargegen er es 
schicken, auch den lehenbrief rediniren [!] sol. Welche dem 
also nicht nachsetzen, durch geburliche wege darzu zu halten. 

2CQc &t)enbriefe unb SReoer^e, bie gegeben werben, auf das 
register zu coUationiren. 

Extracten zu machen Don benjenigen, bie i^re Setzen nid^t 
empfangen, aüö) i\)xe SRenerfe nid^t gegeben, und daran zu ver- 
manen mit bericht. 

So alte lehenbrief oder glaubroürbige copeien furkemen, 
Me au($ ju registriren. 



94 



Wan neue verschreibungen gegeben werden, alsdan die 
ampten'*) inzuforderen, und die auf bürgen stunden, umb- 
zuschicken, dass die warburgen [1] ire st^el nemen und die 
schudloss- und andere brief, so inen gegeben weren, widerumb 
dagegen uberschicken. 

Als sie [1] praesentationes auf kerspelskirchen oder decha- 
neien ausgeben, alsdan des aufgerichten ratschlags, auch der 
examination und gelubden zu gedenken ; insonderheit dass 
niemants einiche presentation auf kirspelskirchen oder decha- 
neien zugestelt werden sol, er sei dan willig, die kirch oder 
dechanei selbst zu bedienen und sich nach meines g. h. Ord- 
nungen und bevclchen zu halten, auch guttes bequemes alters 
und solcher 1er und lebens, dass er dem gemeinen volk wol 
vorseiu und regieren könne; und wa er solches nicht täte, 
dass er alsdan die kirch oder dechanei verwirkt haben und 
verlassen sol, also dass m. g. h. andere nach i. f. g. gefallen 
damit versehen und begiftigen möge. Und was ein jeder also 
geloben und zusagen wirdet, sollen sie clarlich in ein buch 
aufschreiben. 

Die registratoren sollen keine praesentation , die durch 
freie ubergift [!] geschieht, ausgeben, sie haben dan erstlich 
instrumentum resignatienis in geburlicher form davon empfangen. 
Auch sollen kein pension oder andere ungeburliche rontracten 
zugelassen werden. 

Die praesentationes sollen registrirt und von denjenigen, 
so zu pfarkirchen praesentirt, Obligation vermög der gestelter 
form genomen werden; und welche geistlichen lehen mein g. 
h. de iure patronatus conferirl, solchs in den praesentationen 
sonderlich mit zu vermelten. 

Die pitten der geistlichen und weidlichen lehen in ein 
sonder buch aufzuzeichnen, auf welchen tag und in was beisein 
die geschehen, und was antwort mein g. h. darauf gegeben. 

Wan von einleben parteien angehalten wirdet umb ver- 
sigelung einicher heirats verschreibungen, erbpfachtungen oder 
sonst einicher anderer gnediger bewilligung, alsdan zu ver- 
manen, dass erstlich die grundliche erkundigung und berichtung 



»•) ffloM: die alten. 



95 



erforscht, damit meinem g. h. daraus kein nachteil entstehe, 
auch andere parteien nicht Verfurteilt werden. 

Indem einiche Schriften von den amptleutten, lantschrei- 
beren oder bevelhaberen ankemen, darinnen angezeigt, dass 
von aus- oder inwendigen herschaften oder anderen in meins 
g. h. hocheit und gerechtigkeit gegriffen wurde und nach 
gnngsamer erkundigung oder sonst nach den vor und nach 
ergangnen Schriften und verlauf des handeis von nöten geacht, 
dass derhalben einiche besichtigung, lieleit oder tage gehalten 
werden sollen, alsdan sollen die registratoren solche hendel 
zu sich nemen, alle berichtung erkundigen und in meins g. h. 
registeren und sonst mit fleiss umb [1] suchen und i. f. g. und 
derselben retten, so zu der rechencammer verordent, vor- 
pringen, was zu erhaltung i. f. g. hocheit und gerechtigkeit 
dienen mag. 

Sie sollen auch die kuntschaften, besichtiguugen, abscheide 
und was sich sonst auf solchen tagen, besichtiguugen und 
beleit zutregt und gehandelt wirt, treulich aufzeichnen oder, 
wa sie nicht dabei weren, von den anderen furderen [!], in 
gatter Ordnung und gehomb [I geheim] halten und in die 
bucher registriren lassen. 

Sie sollen sampt den [!] rechenmeister aufwarten und die 
registration helfen halten, [sc: was?] von meins g. h. hocheit, 
lantsteuren, landtagen, ritterzettulen, Privilegien verabscheit 
und vertragen, zu registriren. 

Sie sollen sich sampt der [!] verordneten retten zu der 
cantzlei mit fuegen und in der zeit erkundigen, auch clarlich 
und underschiedlich aufschreiben lassen, wie es an einem 
jederen ort gelegen sei mit der hochheit, mit den [!] lant- 
rechten, Privilegien, dingrichten [1], wasserrichten [1], lehen- 
reichten, bruchten, hofsgeding, appellation, jagten, hundelegeren, 
kunnöden, diensten, herwagen, heerkarreu, und ob es damit, 
wie sich geburt, gehalten oder meinem g. h. einicher eingrif 
geschehe. 

Gezeichent etc. [!]. 



96 



X. Ordnung nnd bevelch der secretarien in den 
geheimen nnd answendigen Sachen. 

Sie sollen bevelch haben in geheimen und wichtigen, auch 
des reichs sachen und anderen, die in keine lande sonderlich 
gehören, gutte registration halten und alle Schriften und hendel, 
so derhalben ankommen, verwaren, referiren und furtragen, 
als geheime und vertraute Schriften, brief, warburgen [!] von 
einleben fursten oder herren, auch meins g. h. eigenen sachen. 
so in kein lant sonderlich gehören. 

Auch sollen sie anhalten und furderen, dass den vormittag 
darauf [!] rat gehalten, die notturft ausgericht und bestalt 
werde. Was derhalben beratschlagt oder bevohlen wirdet, 
solches sollen sie aufzeichnen, begriffen [!] und wan es durch 
meinen g. h., den cantzler oder wen [!] es i. f. g. sonst be- 
vohlen [!] wirdet, gehört, abferdigen oder anhalten und ver- 
manen, dass es durch diejenige, den es gehurt, getaen werde, 
also dass in den sachen nicht gesaumbt, auch die gesanden 
oder hotten nicht lang aufgehalten werden. 5öenn aber den 
vormittag nicht beratschlagt könt werden und eilents und 
nottig were, sollen sie anhalten, auch den nachmittag darin 
zu handien. 

Sie sollen sich soviel möglich erkundigen, wie es mit den 
Sachen gelegen, was vorhin darin geschehen oder bevohlen 
und, wie sie referiren, alle umbstende und gelegenheit anzeigen, 
damit dem vorigen nicht zuwider, auch sonst den Ordnungen 
nicht ungemess gehandlet, gefd^rieben ober befol)len roerbe, es 
sei dau aus sonderlicher not, retlichen Ursachen und mit zeitigen 
dapferen rat. 

Die Ordnungen und abscheide des reichs und was daraus 
folgt, dergleichen was von meines g. f. und h. gesanden und 
den reichstagen und sonst von anderen geschreiben wurde 
sampt den antworten davon, sollen sie nach der Ordnung iu- 
fammen binden und, indem darinnen etwas vorkeme, was von 
nöten were in meins g. f. und h. landen öffentlich ausgehen 
zu lassen, daran vermanen und sich nach bevelch halten, auch 



97 



die Schriften, so derhalber ankeinen, verwar«n und gleichfals 
in Ordnung bringen. 

Auch sollen sie die Ordnung und abscheide der muntz 
und gemeiner policei und. was sonst auf jederen probation und 
anderen ta^en gehandelet wurde, «ampt allen Schriften daran 
langent bei einander legen. 

Alle Schriften von den auswendigen heren und fursten 
und der lande gemeine Sachen betreffent zu verwaren und die 
antwort, so darauf beratschlagt worden, zu fertigen. 

Sollen auch vieissig acht und in gutten behalt nemen alle 
puncten, so in der hofscantzlei und anderen ordenungen be- 
griffen und, sovil sie betrift, sich denen gemess halten, auch 
darauf sehen, dass in irem bevelch denselben allenthalben 
nachkommen werde. Und wo sie vememen oder dabei weren, 
dass denselbigen ichtwas zugegen geschrieben, furgenomen oder 
bestelt wolte werden, vielleicht von denjenigen, die der dingen 
nit allenthalben gutten bericht oder gedechtnuss betten, so 
sollen sie es anzeigen und dieselbige berichten. 

Was in irem bevelch geratschlagt, jemants zugesagt oder 
bescheit gegeben, dass solches aufgezeichent werde. 

Dass sie ire Schriften und hendel in gutter registration 
und bewarung behalten, auch in kein andere hende kommen 
lassen, dan dabin es inen befohlen. 

Im fal dass einich Sachen oder puncten in den brieffeii 
oder warburger [!] furkemen oder sonst in irem beisein berat- 
schlagt wurden, das man in den pleibenden cantzleien zu 
wissen von nöten, daran sollen sie ermanen und bestellen, 
dass solches anch dahin und denen, da es vermög der Ordnung 
geburt, geschreiben und auch in gutter gedechnuss und ver- 
waning gehalten werde. Was zu hoffe in den sachen aus den 
pleibenden cantzleien oder sonst geAchriben, allenthalben nötigen 
bericht zu haben und daran zu seiner zeit zu vermanen, und 
dass solcher Sachen hendel gedubbelt und die originalia zu 
Dasseldorf und die copeien bei dem folgenden hoffe treulich 
verwart und registrirt werden. 

Sie sollen nit verreiten, dan mit erlaubnuss meins 
g. h. oder der retten, und auf die angesetzte zeit wider- 
kommen. 



98 



Und als einer vorreiten wurde, vorhin einen [!] anderen 
der secretarien und dem copisten mit vorwissen des cantzlers 
bericht zu geben, wie die Sachen gelegen, und sich mit ine 
bespreche [!] und vergleiche, was mitler zeit auszurichten 
von DOten. 



XI. Ordnung der parteiensachen nnd snpplicationen 
bei hoffe nnd in den bleibenden cantzleien. 

Welche partei clagt oder supplicirt, sol gefragt und 
erkundiget werden, ob sie auch die amptleutte und befehl- 
haber meins g. h., daninder sie oder ire widerpfart gesessen 
oder die gutter gelegenheit weren, ersucht, inen zu recht und 
reden zu verhelfen. Welche solches nit getan und kein 
erhebliche Ursache dartun könden, wanimb die ansuchung 
underlassen, dieselbigen sollen wider dahingeweist und remittirt 
werden. Welche aber die amptleutte angesucht, denen doch 
zum rechten und billigkeit nit verhelfen, oder die gnugsame 
Ursachen dartetten, warumb das ansuchen underlassen, der- 
selbigen clagt und gebrechen sollen schriftlich empfangen, die 
Ursachen und beschwemuss gehört und angezeichent werden; 
doch die parteien vleissig zu vermanen, dass sie nit anders 
sagen oder clagen, dan sich in der warheit befinden werdet. 

Damach sol den amptleutten oder parteien nach gelegen- 
heit die ubergebene supplication oder Schriften uberschickt 
werden, ire uberantwortung darauf zu hören mit bevelch, den 
clogenden zu recht und billicheit zu verhelfen. Doch sol 
der supplicationmeister [IJ erstlich erfarung tun und bericht 
empfangen, welches in meins g. h. oder rette namen am 
bequemblichsten nach gelegenheit geschehen, auch wie man 
einem jederen schreiben und wem man bevehlen sol, damit 
nicht etlichen befohlen, den es nicht bestehet [!], dadurch sie 
sich zu nachteil meines g. h. in einiche gerechtigkeit wirken 
möchten. Dass auch sonst geburliche mass darinnen gehalten 
und nicht so geschwint oder zu lestig [!] geschrieben werde. 

Indem alsdan der clagenden nicht verholfen, auch kein 
erheblich Ursachen von den amptleutten oder widerpart dar- 
getan wurden, solches aufzuzeichnen und dieselbige zu be- 



99 



scheiden und inen furzuhalten, warumb solches underlassen, 
damit es gebessert oder die ungehorsamen nach befinden 
darfur angesehen werden. 

So aber die amptleutte oder verclagten sich entschuldigen 
und der grünt nit sonst zu vernemen were, dass alsdan auf- 
gezeichent werde, die gebrechen, so es von nöten, auf der 
qvartertemper oder sonst zu gelegener zeit zu verhören, damit 
die warheit an den tag komme und jederman, wie sich geburt, 
verholfen werde. 

Und so sich befunde, dass der clager wissentlich mit auf- 
satz [!] und unrecht die amptleutte oder seinen widerteil ver- 
clagte, dass solches dem lantschreiber angeben werde, inen 
nach gelegenheit darvor anzusehen. So sich aber zutrüge, dass 
jemant einfeltigs ichtwas anders, dan sich befunde, furgetragen, 
das nit aus boesom grünt oder fursatz beschehen were, jemant 
zu verunglimpfen, demselbigen anzusagen, dass er sich des 
hinfurter enthalte, auf dass dem vielfeltigen unwarhaften an- 
bringen, afterreden und ungegrunden argwon sovil muglich 
Torkommen wrrde. Wo aber befunden wurde, dass den armen 
leutten unrecht geschege und clagens von noten, dass alsdan 
ioeo auch verholfen und die mutwillige gestraft werden. 

Wo sich auch zwischen den amptleutten und bevelhaber 
gegen einanderen oder einem ampt jegen das ander oder 
zwischen den amptleutten, bevelhaberen und den undurtanen 
gebrechen oder unverstant zutrugen oder wo sonst weider- 
werdigkeit oder verlauf aus erwachsen möchte, dass solches 
anstaut underfange [!] und bevuhlen werde, nichts tatlichs fur- 
zunemen 

Es sollen auch die supplicationen und parteiensachen in 
gntte Ordnung gelegt, verwart und die widerantwort und behebt 
der amptleutte oder verclagten dargegen durchsehen, und wanhe 
aas der antwort, bericbtung oder verhör der Sachen der grünt 
ond warheit genugsamb erkundigt, alsdan rat darauf gehalten, 
trealich und summarien referirt und was zu eins jederen 
Bachen, schult oder unschult dienlich oder meins g. h. gelangen 
möchten [1], alles angezeigt und niemant zu vorteil oder nach- 
teil aus gunst oder Ungunst anders, dan man vurbracht oder 
erfuert, furgetragen werden [!]. 

7* 



100 

In aWertigung der supplicationen und verhör der parteien 
sol auf folgende gemeine bevelch gedacht werden: 

Dass man durch das erbärmliche clagen der parteieti wol 
bewegt werde, inen zum rechten und billigkeit zu "verhelfen, 
aber nit darinnen zu tun oder zu bevehlen, ehe die Widerrede 
und bericht gnugsamb gehört sei. 

Dass alle bevelch und abscheide der erbar- und billig- 
kferrt gemess, doch den retten *') und Privilegien der ort nit 
zuwider gegeben werden, sonder, was '') sich befunde, dass 
der Privilegien oder rechtens missbraucht wurde, daran zu 
seiü, dass es, wie sich geburt, abgeschaft und gebessert werde. 

Wa auch die Privilegien und langhergebrachter gebrauch 
der erbar- und billigkeit zuwider oder meinem g. f. und h., 
i. f. g. landen, undertanen und gemeinen nutz zu nachteil 
gereichten, dass die gestalt dan an [! davan ?] eigentlich er- 
kundigt, bedacht und daran vermant werde, wie es mit fuegen 
zu reformiren und in bcsserung zu bringen sei. 

Dass die gerichter iren geburlich gang haben und einem 
jederen zu furdorlichem unparteiischen rechten verholfen werde. 

Wo sich aber einiche parteiligkeit bei den bevelhaberen 
oder den gerichteren zutrüge, dass alsdan eigentlich erkundigt 
werde, von welchen personen solchs herkonnnen und ob es 
aus unverstant oder mit Torsatz oder bossheit geschehen sei, 
und nach befinden abzustellen oder zu straffen. 

Dass die gerichter sonder gewisse anzeigung und Ursachen 
nicht vertetigt [!] oder [für] parteilich gehalten, auch niemarit 
zugelassen werde, sich von denselbigen zu beruffen, es ge- 
schehe dan durch obgen. Ursachen. 

Dass niemant das geburlich lantrecht gespert oder davon ge- 
halten, auch die sache "nicht leichtlich zu verhöran genomen werde, 
dan da billiche und erhebliche Ursachen dargetan und beibracht. 

Insonderheit") acht zu halten aafder armen, kranken, alten 
und unverstendigen, auch der witWen und waisen sachen, <iie 
ir recht selbst nicht vertedigen können, dass die nicht ver- 
forteilt werden, sonder, so jemant dieselbe understunde au 



'") gür: rechten. 
'') bffenbar: wa. 
") Sögt, oben in S. 71 f. 



lOl 



beschweren, dass der oder die davon abzustahn und^rricht 
Oller den anderen geburliche hulf und beistant geschehe unU 
geschickte vleissige vormunder u^d versprecher [!] zuverordeut 
werden, die inen treulich ratten, ire sachen verwaren und 
davon ret und antwort geben. So die mutwillige der sachen 
ioder [!] giengen [!], dass sie darzu gehalten, alle costen uod 
schaden zu bezaleu, davon die Vormünder und versprecher 
auch zu belonen weren. Wo sich aber befunde, dass sie bruch- 
tig, inen alsdan die nicht nachzulassen [1]. 

Dass niemants gestattet werde, dem audereu gewalt zu 
tun oder one erkantnus des rechten zu überfallen und, so 
solches jemant vorgenomen bette oder fumemen wurde, dass 
diejenigen, die es aus Unwissenheit und keiner bösser oder 
^eferlicher weiss getan, dahin geweist und gehalten werden 
abzustellen. Welche es aber aus mutwil oder boasheit getan 
und nicht abstellen wurden, dass alsdan die gewalt gesteurt 
und dieselbige nach gelegenheit mit recht davor besprochen 
oder angenomen und gestraft werden. 

So sich befunde, dass jemants seins guts, gult, reuten, 
zins. pacht oder anders mit der tat one erkantnus des rechten 
entsetzt oder ime solchs eigen [!] fumemens vorenthalten, 
dass unangesehen einiches Scheins oder von wem es geschehen 
were, dieselbige, wie sich geburt, restituirt werden und die 
uberfarer dem lantachreiber angezeigt, auch den amptleutteu 
bevohlen werde, sie zu straffen. 

Dass keine Sequestration liederlich zugelassen, dan in 
stridiger possession und, da irer viel sich der erledigter erb- 
schaft anwassen ^^) oder da es sonsten die rechten zulassen. 

Dass den frembten und auswendigen ebenso wol als den 
inwendigen geburlich recht gestattet und sonst der billigkeit 
verhelfen werden. 

Man sei auch auf den vorhors- und anderen tagen vleissige 
achtuug haben, dass das vortragen, antwort und beweis der 
Parteien summaris [! summarie?], getreulich und wie es er- 
gangen, aufgezeichent, auch die abscheide dermassen verfast, 
registrirt und verfertigt werden. 

") Ojftnbar: anmassen. 



102 



Dass man in den abscheiden, vertrege [!] oder sonst 
nichts handle, das in. g. h. oder dem dritten zu nachteil reiche. 

Wo sich in verhör der parteien oder sonst ichtwas befunde, 
daran m. g. h. gelegen, dass eigentlich [!] und unverwerkt [!] 
darnach erkundigt und zu gelegenen zeitten und platzen daran 
vermant werde. Wie auch an i. f. g. hocheit, gerechtigkeit, 
gult oder renten ingrif oder abbruch geschege oder geschehen 
were, daran zu sein, dass es abgestalt und i. f. g. widerumb 
zu dem iren kommen mögen. Wo auch i. f. g. bruchten ver- 
fallen, solches den amptleutten, bevelhaberen und lantschrei- 
beren anzuzeigen. 

Dass die [1] stets erkundigt [!], was vor snpplicirende vor- 
handen, und denselben furderlich verhelfen und bescheit 
gegeben werde. 

Dass die [!] bottenmeister die brief, so in der cantzleien 
gefertigt, auf der parteien costen bestelle und, wa die parteien 
selbst die brief überantworten wolteu, solches zu vergunnen 
und aufzuzeigen [!], wem die brief gegeben, auch welche 
amptleutte, bevelhaber und parteien den bevelchen und ab- 
scheide [!] nachkemen oder nicht und, wo einiche partei, so 
die brief selbst empfangen, clagten, dass inen nicht wurt ver- 
helfen oder den abscheit nachkommen, dass von inen schein 
beweist [!] oder nach gelegenheit gestaut [!] erfordert werde, 
dass sie [!] die brief uberantwort und geburliche aussuchung [!] 
getan, ehe wider bevelch darinnen gegeben werde, so sie zu 
zeitten den bevelch hinder sich halten und gleichwol clagen. 

Es sol niemant einiche sonderliche procuration, sollicitatio 
oder forderung an sich nemen, sonder daran sein, dass die 
arme leutte furderlich abgefertigt und den verdrukten und 
verunrechten verhelfen werde. 

Dass mit den parteien oder supplicirenden nicht geboldert, 
sonder gutlich ir bescheit gegeben und von keinem einich 
geschenk oder profit genomen oder gesucht werde, doch vor- 
beheltlich der cantzleien ire gebur. 



103 



XII. Ordnung und bevelch des secretarien, so zu den 
Parteien-, appellation- und criminalsachen verordent 

Erstlich sol er alle supplicationes in parteien- und apella- 
üonsachen des morgens zeitlich auf erforderen vorbringen und, 
was darauf durch m. g. f. und h. oder i. f. g. rette berat- 
schlagt oder bevohlen wirden [!], sampt der amptleutte, befelhaber 
und anderer bericht in vleissiger registration halten, damit er 
jeder zeit guten bescheit davon geben könne. 

Und so spoli [!], sequestrationes und dergleichen privilegirte 
Sachen der witwen, weisen und armen vorhanden, sollen die- 
selbige zum allerehesten, wie billig, vorbracht und inen der 
gebar abgeholfen werden. 

Er sol auch alle commissionsachen und was denen anhengt, 
in seiner registration verhalten, als nemblich citationes, compas- 
brief, iurisubsidia [!], zeugsagen [!] und kuntschaften, der- 
gleichen die acta in solchen Sachen in geburliche form stellen 
and verfertigen. 

Item alle Gulichische und Bergische appellationsachen und 
was darzu gehörig sol er gleichfals in bevelch haben. 

In dem parteien- und appellationverhör aol er beider 
teils [!] furtragen und was alsdan gutlich furgetragen und 
verabscheit oder auch zu recht erkant, soviel möglich vleissig 
ufschreiben und in gutter registration bewaren, auch die 
verbalia [!] dubbel schreiben lassen, damit eins dem secre- 
tarien, so meinem g. f. und h. jederzeit volgt, zuegestelt und 
das ander bei der cantzlei verpleiben möge. 

Diejenige, .so in dem parteien- oder appellationverhör 
bruchtig befunden, sol er vleissig aufzeichnen, daran vermanen 
und in gemeinen rat zu gelegner zeit bringen, sonderlich 
daran meinem g. b. ratione domini [I] aut jurisdictionis gelegen. 

Dergleichen aufzuzeichnen und denjenigen, den es geburt, 
zu vermelden, was sich in solchen verhören i. f. g. hocheit, 
gülden, Zinsen, pechten und renten angehende befunden, damit 
dasselbig beratschlagt und an seine geburliche registration 
geliefert [sc: werde]. 



104 



Die acta, so an das Kai. cammergericht durch compulsorial 
oder sonst gefordert werden, sol er, wie sich geburt, verferdigen. 

Ingleichem zeugsagen, attestationes und verhörte kunt- 
schaften zu solchen acten gehörig. 

Neben dem sol er die gebreuch in gerichtlichen Processen, 
wie dieselbige an einem jederen ort in verhör oder sonst be- 
funden und gehalten werden, sovll möglich, annotieren und 
aufzeichnen. 

Item wie die acta an den underrichten [!] gefertigt, ob 
sie fromlich oder unfromblich ") damit nach gelegenheit besse- 
rung darinnen mög furgenomen werden. 

So die landdechane einichen bericht in matrimonialibus 
oder sonst tun oder an der cantzelei forderen, auch derwegen 
supplicirt wurde, gleicher gestalt registriren. 

Ferner sol er in seiner registration und bevelch haben 
alle peinliche und criminalsachen, darunter auch die aus- 
getrettene, mutwillige, feinde mit begriffen. 

Item was erkundigungen, bericht, beratschlagung und 
bevelchen in allen obg. sachen ergehen. 

Item Vorschriften, so hochg. mein g. f. und h. in vorg. 
Sachen tuet und hinwiderumb an i. f. g. gelangt werden [!]. 

Was in diesen vors, sachen beratschlagt zu schreiben und 
auszurichten, darzu sol er N. [!] mit gebrauchen mögen. 

Er sol im [! offenbar: ein] secret in fieissiger verwarung 
haben, dasselbig aufschliessen und zu versigelung der Schriften 
in seinen bevelch gehörig gebrauchen. 

Was die parteien einbringen, sol jederzeit zweifacht ge- 
fordert werden, damit das ein bei der cantzleien verbleibe 
und das ander umb bericht uberschickt werde. 

Sol sonst sich auch der gemeiner cantzleiordnung gemess 
halten und derselben treulich und äeissig nachkommen. 



") Offenbot: förmlich ober unfötmtic^. 



106 



mi. Ordnung nnd beTeich, was sieh die secretarien, 

so zu eammergeriehts- nnd anderen meins g. f. nnd 

b. reichs-, dei^leichen den Ravenspei^chen Sachen 

Terordent, [sc: zn halten.] 

Erstlich sollen sie alle meines g. f. und h. herzogen etc. 
canunergerichtssachen in Verwaltung haben, daran sein und 
vermanen, dass die notturft darinnen bei zeitteu durch die 
rete und rechtsgelerten beratschlagt und gefertigt, damit die 
zeit nicht verlauffe, noch ichtwas darinnen versaumbt werde. 

Ingleichen alle i. f. g. bei churfursten oder andern recht- 
hengige advocaten- und rechtsgelertensachen in gutter regi- 
stxation halten und die notturft darinnen versorgen. 

Daher auch was von i. f. g. advocaten und rechtsgelerten 
per consultationem oder sonst schriftlich gestalt [!], in guttem 
verwar halten. 

Was in reichs- und kreissachen ankompt — ") expediren, sol 
durch sie furbracht, daran vermant, die notturft darinnen ver- 
sorgt und, was also gehandlet und verabschiet, in gutte ver- 
zeichnuss und verbalia gebracht und registrirt werden. 

Wie sie es auch mit allen Schriften, so durch den herren 
obristen und andere kreiszugeordeiiteu und stende ausgehen 
oder hinwiderumb an sie gelangt, zu halten. 

Nebem dem sollen sie iu vleissiger registration halten 
alle Ravenspergische supplicationes, parteien-, commissiou- und 
appellationsachen und was denselbigeu anheugt, als citationes, 
compassbrief, iurissubsidia, zeugsachen und kuntschafteu, der- 
gleichen die acta in solchen Sachen in geburliche form stellen 
und verfertigen. 

Item Ravensbergische peinliche criminalsacheu. 

Item bevelchschriften, bericht und erkundigung der ampt- 
leutte und bevelhaber in obg. Sachen. 

Item die ferbalia, urteil uml vertrege in solchen Sachen 
zweifach in gutter registration zu halten. 



»»^ Unleftrlic^; »o^rf c^tinHc^ : zu. 



106 



Wan die rette in obg. sacben verscbickt, sol alzeit einer 
von inen mit darzu gebraucht werden. 

Sie sollen ein secret in vleissiger verwarung haben, das- 
selbig aufschliessen und zu versigelung der Schriften und 
missiven, so in Iren bevelch gehörig, gebrauchen. 

Sonst sollen sie sich auch der gemeiner cantzeleiordnang 
gemess halten und derselben treulich und vleissig nachkommen. 



XIV. Ordmmg und bevelch des bottenmeisters. 

©oll seines bevelchs treu unb fleißig auswarten, auch alle 
morgens und mittags an der cantzlei oder sonst erkundigen, 
ob auch einiche parteien oder hotten vorhanden, die bescheib» 
und antwort begeren, und solchs einem jederen in seinem 
bevelch auf der cantzlei ansagen, damit dieselbige furderlich 
abgefertigt werden mögen. 

Alle reittent und gehende hotten bei hoife, die [!] man 
gebe die silberen buchss, sollen auf den bottenmeister bescheiden 
seint und one sein vorwissen nirgentz verreisen. 

Zue hoife solle[n] stets gehalten werden zwen geschickter 
reittender hotten. Den sol man geben meins g. f. und h. 
kleidung, silberen buchs, die kost und futter vor ire pfert, 
wan sie zu hoife seint. 

Noch zwen gahende hotten bei hoffe, den man gebe die 
silbere buchs, die klaidung und des jars vor das stilliegen zu 
hoffe N. giilten. 

Bei jeder beibleihender [!] cantzlei einen reittenden hotten 
und zween gahende hotten. Dem reittenden hotten futter vor 
das pfert und für raufutter und stalinut 3 alb.; noch 8 alb. 
solt des tags, auch klaidung und silberen buchsen. Die gahende 
hotten sollen allein haben die klaidung und silberen buchsen 
und keine kost; dann allein iren bottenlon und N. alb. gulten 
vor das stilligen bei den bleibenden cantzeleien, darzu sie ver- 
ordent, oder wie man sich dessen sonst mit einem nach 
gelegenheit vergleichen wirt. 



107 



Zu welcher zeit man aber gebrech an hotten haben 
wurde, mochte man junge edelleutte, trommeter und schützen 
mit gebranchen bei hoffe. 

Keine betten sollen meins g. h. wapen mit schildern 
faeren, dan den der bottenmeister sie gibt. 

Wan die reittende hotten ausser lants seint, sollen sie vor 
einen tag stilliegens haben N. ; aber binnen lants, dass sie zeren 
müssen, sollen sie haben N. gleich den schützen; wan sie aber 
nit verzeren, sollen sie vor schilligen [stilliegen] nit reichen [!]. 

Wan die gahende hotten ausser lants stilliegen müssen, 
^en fie für jeben toQ 1 ort dallers und binnen lanta 4 rad. 
alb., wan sie die kost nicht kriegen; wenn fte fie ober Wegen, 
ioQen fte nichts rechnen. Und sie sampt den reittenden hotten 
sollen dem bottenmaister zu erkennen geben, ob sie irgent 
gequeit oder inen futter oder kost gegeben werden [!]. 

Dem bottenmaister sollen alle Schriften, die man ver- 
schickt, zugestalt und dabei zu erkennen gegeben werden, ob 
es die notturft erfordert, eilents mit eignen hotten zu fertigen [1] 
oder ob es die zeit erleiden mag, bis zu gelegener botschaft 
zu verhalten; dergleichen dh sie auf meins g. h. oder der 
Parteien costen und bottenlon sollen verschickt werden. 

Was meins g. h. sachen betrift, sol bei dem hofleger der 
kuchenschreiber; was aber die parteien belangt, sollen die- 
selbige den bottenlon selbst verrichten; doch so es dermassen 
gestalt, dass meinem g. h. mit daran gelegen oder [sc: von] 
ampts wegen geburen [1] oder dass [!] es [!] man sonst mit 
fuegen nicht absein könt [!], so**) er jemants von den retten, 
so zu der cantzlei verordent. fragen und nach irem bescheit 
sich halten. 

Was er vor bottenlon abferdigen wirt, sol er inen nach 
gelegenheit der sachen ansagen und bevehlen, zue welcher 
«it sie ire brief nnd an einem jederen ort [!] überantworten 
sollen und die zeit dermassen benennen, dass sie es tun 
konden, und wie sie abgefertigt, aufschreiben; welche auch 
solches annemen und doch nit tun, auch kein warhafte Ver- 
hinderung anzeigen konten, dieselbige darvor anzusehen und 
straffen zu lassen vermanen. 

") 5ür: sol. 



108 



Dass die abfertigung der brief aufgeschrieben werde, 
welche botten damit gefertigt, und zu was zeit. 

Item die botten sollen auch kein nebeabotschaft annemen 
oder sonst umbziehen [!], dadurch die Überlieferung meines 
g. f. und h. Schriften oder die widerantwort zue geburlicher 
zeit zu bringen verhindert oder verzogen werdet. 

Der bottenmeister sol inen auch nicht zu vil auflegen, 
damit sie die widerantwoit in den Sachen, die eil auf sich 
haben, gegen die gesatzte zeit wider bringen mögen. Und die 
botten foHen bie if)nen jugefieHten Sriefe felbft überantroorten 
uub nid(it burd^i anbete befteHen laffen, es werde inen dan 
bevohlen und davon zettelen an die bevelhaber aus der 
cantzlei mitgegeben. 

Auch sol er sich bei denen, die ime die Schriften zu- 
stellen, erfunbigen, wie balt man die widerantwort darauf 
liaben muss. 

Sol erfunbigen die gelegenheit des weegs uub bem reitenben 
SJoten für bie 3JieiIe 5, bem ge^ettben 3 alb. geben. äBürben jte 
unversehens weiter gef)en ober liegen bleiben muffen, fo foHen 
fie an keinem rentmeisteren oder einleben anderen dieneren 
oder frembten [!] einiches ferner gelt oder zerung gesinnen, 
sonder dem bottenmeister bei i^rer 3iü(Hef)r solches ansagen, 
der alsdan mit inen rechnen und sie der gebur vergunnen [!] 
sol. 3Benn fie aber auf ber ifieife die zerung nicht . . . ver- 
legen könden unb etroaä ju leiten genötigt ftnb, fo foHen fie 
solches bem Sotenmeifter ansagen, der inen dasselbig kurtzen 
und denen, so es inen gelehent, widerumb zuschicken sol, 
mobei m. g. h. in dem fal uit verkleinert, auch gutte ortnung und 
rechenschaft gehalten werden ; und so sie einich gelt empfangen 
und solches verschweigen wurden, sie alsdan zu straffen. 

®ie Sotenmeifter, bie von meins g. h. wegen verschickt 
werden, sollen an keinem ort betteln oder sich beclagen, dass 
inen kein bottenlon gegeben werde. 

®ie 33oten foHen bei i^rer SRücffe^r bem Sotenmeifter ansagen, 
wem und zu welcher zeit sie die Schriften uberantwort, was 
inen darauf mit schriftlicher oder muntlicher antwort begegent; 
welches auch der bottenmeister nach gelegenheit aufschreiben 
und, da es von nöten und sich geburt, ansagen sol. 



109 



So einiche antwort oder Schriften ankemen, die man ver- 
halten muss, daran sol er zu seiner zeit vcrmanen. 

$Der ^tenmeifler foQ den geschwomen reittenden botten 
keinen bottenlon geben, wan sie aus einer kost zur anderen 
reitten können. 

Wan den reittenden botten ire pfert abf^ahn, sol der 
bottenmeister vcrnemen [1]"), dass man sie anstunt wider ge- 
reitten [!] mache, und dass die bevelhaber der cantzeleien dem 
banasmarschalk ansagen, dass solches unverzüglich geschehe. 

Da die botten an cinichem ort unwillig weren befunden, 
also dass sie lang ufgehalten worden, dieselbige den bevel- 
haberen der cantzelei anzuzeigen, damit den amptleutten der 
ort geschrieben werde, geburlich einsehens zu tuen. 

So einiche botten sich sumig, ungeschickt oder irem bevelch 
ungemess hielten, sol ber JSotenmeifter anbringen, damit solches 
abgestalt und gestraft werde. 

Was auch sonst vor gebrechen bei den botten befunden, 
sol er gleichfals anbringen und auch den [!] botten sich allerlei 
claffens, anbringen und liegen [!] zu enthalten. 

Dass keinen ambteren, stetten oder landen gestat werde, 
den botten der orter zu irem gefallen meins g. h. wapen zu 
geben; und, wa jemants erlaubt wurde, dasselbig wapen zu 
füren, dass die baussen nicht überhaben [I], sonder mit einem 
beizeichen nach gelegenheit der lande gebraucht werden. 

Welche botten die"*) nicht wol gereitten oder ungestalt 
weren zu wandlen, sol er auch zu erkenuen geben. 

Wan der bottenmeister bei dem hofleger botten fertigt, sol 
er dem kuchenschreiber einen zettel schreiben, wieviel der bot 
htben sol; und, wan der bot die raiss getan und ime demnach [!] 
etwas nachkemme [!], davon sol der bottenmeister gleichfals dein 
kuchenschreiber einen zettel schreiben und behanden lassen. 

Item so der bottenmeister irgents verreisen must, sol er 
[sc: es] den retten anzeigen !und jemant anders auf der 
cant^lei fuTSchlagen, der seinen dienst solang zu vertretteu, 
damit kein Verordnung [! Unorbnung?] darin kommen möge. 



•') Si>§(: vermanea. 

"•) die offmBar )u ftmi^tn. 



110 



XV. Wan ein bot angenomen and seinen eit getan, 
alsdan ime nachfolgende articul ernstein \\]. 

Dass sie nirgents one des bottenmeisters vorwissen ver- 
reisen. 

Dass sie in annemung meines g. h. brief nit spem oder 
weideren, sonder die klein raisen ebensowol als die grossen 
gutwillig annemen. 

Dass sie alsbalt nach empfangung der brief sich hinweg 
machen. 

Dass sie kein nebenbrief annemen, dadurch meins g. h. 
Schriften oder die widerantwort aufgehalten oder versaumbt 
werde. 

Was [!] sie auf den wegen an etlichen verpflegt [sc: 
toerben], da [! offenbar: dass] sie sich daselbst und auch sonst 
nicht volsauffen oder ungeburlich halten. 

Dass sie die brief, so inen zuegestelt, selbst überantworten 
und nicht durch diesen oder jenen bestellen lassen, es werde 
inen dan ein zettel aus der cantzelei an die bevelhaber mit- 
geben. 

Dass sie an keinem ort bedien oder sich sonst der be- 
lonung halber beclagen. 

Dass sie sich auch allerlei claffens, anbringens und liegens [!] 
enthalten. 

Dass sie die schriftliche oder mundliche widerantwort 
sonder verzug dem bottenmeister zustellen oder anzeigen und 
daneben die warheit sagen, wahin und wie weit sie gangen 
oder nachgezogen, wem sie die brief geliefert, rote lange fle 
fliQ gelegen, und ob sie die kost gehabt. 

Dass sie über geburliche belonung nicht forderen. 

Wan sie nicht verschickt, dass sie dan jederzeit auf die 
ratstuben, cantzelei und rechencamer treulich und vleissig 
warten und nicht ires gefallens hin und wider umblauffen, 
sonder, wan die rechencamer oder cantzlei irgenthin verreist, 
alsdan mitziehen und auf den dienst warten, wie sie darauf 
bescheiden und inen angesagt werden sol. 



111 



Wan der bottcnmeister sie umb eincben beriebt fragt, 
daran meinem g. f. and b. gelegen, dass die ime alsdan die 
warbeit sagen und nichts verschweigen. 

Dass sie mit den anderen botten kein verbundnuss machen 
vor sie und meinen g. b. [I]. 

Und dass sie sich sonst in allen tingen treulich, vleissig 
and geborsamplich vermög ires getanen eits erzeigen und halten. 



XVL Ordnimg meins g. £ und h. generalantwalts.") 

Anfenglich sol [N.?] unser generalwalt und mombar sein 
in Sachen unser fhrstentumb 3^li(^ betreffenb oder auch da 
wir seiner in Sachen bevelch [11] in unserem furstentumb Berg 
bedürfen und inen dahin furdern wurden vermög des gewalt- 
briefe'*), so wir ime derwegen geben lassen, und darinnen sich 
treulieb, fleissig und erbarlich erzeigen, damit alle criminal- 
sachen und**) causae mixte [!] leib, leben oder bestrafiFiing 
an gut betreffent, davon ime die clag zuvoren auferlegt wurde, 
mit gantzen fleiss angestalt, prosequirt und seines besten Ver- 
mögens zu ent befurdert, auch dass unser hoch- [sc: und]*') 
gerechtigkeiten vertedigt, dass ungebur abgeschaft, unsere 
Sachen verwart und darinnen nichts versaumbt werde. 

Die ubertretter, welche unsere hocheitten, gerechtigkeiten, 
Ordnungen und edicten geschwecht oder verdunkelt, unseren 
grenitzen abgezogen, die gemeine herstrassen und wege ver- 
engt, mit bossen falschen muntzen, eleu [SQen], gewicht und 
massen umbgangen, den erkantnussen des rechtens wider- 
strebet und sonst unsere Ordnungen, mandaten und gebotter 
nicht gehalten oder sich denselben mutwilliglich [1], auch 
die sich der auferlegter brachten widersetzt hetteuj 

■*) 3He in bcn Snmetfungcn )u biefn Otbnuns gegebenen Sonantcn fbib 
tai bm Onetnol btt StfiaUuns be« ®(^ult^en tu ^ftn, Vtatt^S $«uf(^rtibtt 
tum 9tnncdartloalt, botn 3a^e 1576, Oft. 23-, entnommen. 

'*) auch do wir aonat in anderen onsen funtentumben nnd landen 
•einer nf erforderen zu gebrauchen ran nötten, rermog des general- 
gewaltbriefea. 

«•) oder. 

«>) und itOft ba. 



112 



dergleichen aufrurische, halsstarrige sectarien [!], so über be- 
schehen ausverbandung [!] wider eingeschlichen, ausgetrettene 
feinde, strassenschender und totschleger und was sonst allent- 
halben straflich oder da die Sachen dermassen geschaffen, dass 
die nit durch unsere vogte, richter oder scholteissen und 
gerichtschreiber fromblich und nach notturft, wie sich geburt, 
ausgefurt werden könten und ime durch uns oder unsertwegen 
bevohlen wurde, sol er alles verclagen und soweit mit recht 
verfolgen, bis darinnen gerichtlich erkant, und uns alsdan alle 
gelegenheit überschreiben, umb fernem bevelchs, wohin solche 
ingedingte gutter hinzuwenden [!], gewertig zu sein. 

Und ob ime schon nichts hievon bevohlen wurde und er 
dannoch solcher Sachen in erfarung kerne, sol er dasselbig in 
unsere cantzlei zu erkennen geben, damit in**) [!] folgent der- 
halben bevelch zukommen möge. 

So auch einiche geferliche Sachen oder totschlege ge- 
schehen und die teder entweichen, sol er anstunt, als er des 
bevelch von uns empfangen oder ime selbst solches vorkeme, 
umb denselbigen bevelch bei uns selber anhalten, die ent- 
weichene und schuldigte**) [!] ubelteter nach meiner**) [!] 
rechtens requiriren und inheischen, ire gutter annotiren 
lassen und gegen denselben [!] mit unserem bevelch handelen, 
als sich von rechts wegen geburen sol. 

Dergleichen sol er sich halten in allen anderen uber- 
farungen und feien [offenbar: fällen], da die gutter uns erfallen 
oder nach Ordnung gemeiner rechten confiscirt werden könten. 

Was uns auch von peen") aus nithaltung unserer ver- 
scheidenen Privilegien, unser under- und hauptgerichter peenal- 
mandaten, gebots- oder verbotsbrieffe, wilkürlichen vertragen 
oder anders erfielen und uns zuerkant könten werden, sol 
UTiser antwort*'*) moglichs fleiss einforderen [!] 

Gleicher gestalt sol er sich auch halten, da einiche bona 
vacantia weren, item gefundene schätz, wie auch mit den 



*') ime. 

*•) beBchnldigte. 

**) manier. 

*') peenen. 

"•) 3«benfaa8 für: anwalt. 



118 



gntteren der entwichenen waltaten**) [I], die vor erhaltener 
gnat und vertetigung mit natturlicheu tod abgescheiden und 
ire [I] gntter ans als dem landfursten verfallen. 

Dergleichen sol er auch der verbnnder [1] sectarien oder 
ausgewichener widertauifer confiscierte gutter mit geburlichem 
rechten einforderen. 

Nach dem uns als dem landfursten alten gebrauch und 
hertcommen nach in unserem üiretentumb Berg gutter") von 
den abgestorbenen bastarden zustendig, so sol sich unser 
anwalt in unseren empteren unsers furstentumbs Berg der- 
w^en mit allem vleiss erkundigen. Und was er deren ver- 
nimbt, die derwegen unsere freihung oder gnedige nachlassung 
solcher unser gerechtigkeit nit erlangt und unsere placftten 
davon nit betten fnrzubringen, sol er solche gntter von unsert- 
wegen, wie sich geburt, einforderen und alle gelegenheit, was 
er erhalten und uns derhalben zukompt, jederzeit zu erkennen 
geben und femer bescheits erwarten. 

Dieweil sich oftmals zutregt, dnss etlichen irer ubeltat 
und nbel [!]*^) oder ubertrettung halber aus unsern landen 
md gebietten sich in die negste beigelegene herligkeitten 
and gebietter begeben, auch daselbst underschrift [1]*^) werden, 
sol unser anwalt mit fleis darnach erforschen und, da die 
misstat also geschaffen, dass die persecution billig für die 
hsnt zu nemen, anstunt in unsere cantzlei zu erkennen geben, 
damit ime bevelch und bescheit derhalben zugestalt, an ange- 
zeichten orteren die entwichono ubeltetter verclagt und bis zu 
eatlicher erkandnus vervolgt werden. 

Er sol mit aufsieht haben, dass in religionssachen gegen 
des hochgeboruen f. uiners 1. h. vat.ters weilant hz. Johannen 
sei. ged. onlnniigen und unsere edicten keine verneuerunge 
eingefurt oder gestattet werden, und was er dessen erfure, 
solches sol er zu erkennen geben und bevelchs erwarten. 

Dergleichen, dass keine widertau£fer, sacramentirer oder an- 
dere sectarien, gotslesterer, heimliche rottunge, Winkelprediger und 

**) ulie^teler. 

^'l die gutter. 

•») übel oJer f«^(t (offfitbav mit SJee^t). 

'•) on(ler««;lilift. 



114 



dergleichen gestattet, sonder damit, auch mit den buchtruckeren, 
frembten inkomlingen, hernlosen knechten, unbekanden kremem, 
bedlem, beiden, landlaufferen, netzbuben*'*) [sc: in?] wirts- 
heaseren und sonst vermög unserer ausgangener edicten und 
Ordnungen gehalten, denselben gehorsamblich gelebt und nichts 
darwider verhenget werde. 

Im fal auch aus anderer nachbarhem lande oder aus- 
wendigen stedten einiche irer verdambter secten 1er und 
lebens halber verbannet oder entwichen weren und sich in 
unsere lande, stede oder flecken one furgebrachten beweis, 
wie sie an andern orten gescheiden, .underschleift oder aber 
dieselbige aus nachlessig'"), vergess [!] oder gunst unser bevel- 
haber geduldet wurden [sc: und?]^') unser momber dessen in 
erfarung keme, sol er ger. unsere amptleutte und bevelhabere, 
darunter dieselbige gesessen, unser Ordnungen und bevelhen er- 
inneren und sie ermanen, dass die erzeltermassen lenger nicht ge- 
stattet, sonder stracks widenimb unsere lande verwissen werden. 

Wie er in gleichem vleissig aufmerkens zu haben, dass 
Bit allein mortbrenner, todschlegere, abgesagte feinde, aus- 
getrettene friedprecher und dergleichen andere, die wieder uns 
und unsere undertanen getan betten, verfolgt, angenomen und 
zu geburlicher straf (alsviel ime dieselbige [1]^') seines ampts 
halber mit rechtlichem handel zu tuen geburt) gebraucht [1]") 
werden, sonder auch, da dieselbige und sonst verdcchtige nbel- 
teter und entwichenen personen aus anderen landen sich in 
unser'*) furstentumben enthielten oder auch sonst aus einem 
unser furstentumben, Sanben unb ©ebielen sich ins ander be- 
geben, daran zu sein, dass die gleichwol angehalten und uns 
alle gestalt ires bezigs, argwons oder auch böser tatten, lebens 
und wandeis überschreiben werden '^), damit wir folgents darinnen 
bevehlen lassen mögen, dieselbigen mit -geburlichem rechten 
und sovil nottig execution der Justitien zu verfolgen. 

««•) b. 1^. g«IWf»)tetet. Sgl- Sac. U.=a3. IV St. 463. 

"•) nachlessigkeit. 

") und. 

'*) desBelbigen. 

»•) gebracht. 

»«) unsenn. 

»•) werde. 



115 



Aof allen beleit und t&ghandelungen unser hochheit, 
gerechtigkeit, foeren und fal") belangent oder in vorfallenden 
gebrechen und missverstant der grentzen und anstossender 
herlichkeitten oder emptem sol unser mombar oder anwalt 
beinnseren ambtleutten und bevelhaberen eins jederen orts dabin 
auf der streigen [\y) platzen erscheinen, wan er von uns 
oder unseren retten mit bevelch dazu erfordert, sich mit vleiss 
erkundigen und aller gelegenbeit gruntlich berichten lassen und 
ui&icht haben, daas uns an unser hocheit und gerechtigkeit 
kein abbruch geschehe, auch die unseren bei dem iren gehand- 
habt werden. Und wie die Sachen befunden und was darinnen 
gehandlet, sol er clarlich aufschreiben und uns mit allen 
umbstenden neben unser amptleutte und seinem bedenken 
übersenden, umb femer darinnen haben zu befehlen. 

Und da des von nöten, sol er den unsem das wort tun, 
inen beiredig und behulflich sein, auch underrichtung geben, 
wie sie sich schicken sollen, dan [I]^^) in den beleidungen, 
zeagenverhor, abscheide und anderen handlungen wir bei unser 
possessionen gehandhabt, darinnen nichts übersehen oder icht- 
was onfromlichs^") gehandlet werde. 

Viel weniger zu gestatten, dass uf solchen beleidungen und 
tagen ichtwas one unser vorwissen ingegangen, übergeben oder zu 
noserem und der unseren nachteil in steilstant \J]*°) bracht werde. 

So sich aber in dem allem etwas zutrüge, das ime zu 
schwer were, sol er uns oder bei unser cantzelei anzeigen und 
bevelcbs gewertig sein, wie man sich femer zu halten. 

Was wir auch in unserem gebrauch gehabt oder noch 
haben, darinnen sollen wir gehalten und nicht gestattet wer- 
den, dass von jemant darinnen gegriifen oder wir entsatzt 
werden oder auch jemant anders sich daneben eintmnge, 
sonder, so jemant sprach oder gerechtigkeit daran zn haben 
Tenneint, sol durch unsere amptleutte, gerurten anwalt und 
nnsercn lautscbreiber, dainnen den gegenwertig zu sein nach 



») päl. 

") strittiger. 

") üas. 

•*) nnformlichB. 

*0) itilataot. 

8* 



110 



gelegenheit und gestalt der sachen uferlegt, verhört werden, 
und, indem inen bedeucht, dass solche forderung uf reden 
stunde, alsdau uns alle umbstende, befinde [!]") und bericht 
der Sachen clarlich anzeigen, doch wie obg. mitlerzeit und ehe 
sie unser gemutten [!] **) und antwort vernomen, kein neuerung 
oder attentaten gestatten. 

Er sei, wanne ime solches bevohlen, bei den ungebotten 
und herrengedingen sein, derselbigen gestalt und gelegenheit er- 
kundigen und verzeichenen, was an jederem ort geregt [gerügt?]") 
und geweist wirdet; und da einiger mangel gespurt, dass die 
gerichter nicht nach unser gerichtsorduang und reformation 
vertretten, dasselbig zu erkennen geben, dass darinnen 
besserung geschehe. 

Und iin fal^O erfaren wurde, dass an einichem ort kein 
vogt- oder herrengedinge were, sol er uns oder unsem retten 
die gelegenheit und wie es damit ein gestalt hab, zu erkennen 
geben, auf dass dieselbige nach nottorft aufgericht werden. 

Unser diensten halben sol unser anwalt auch eigentlich er- 
kundigen, ob die von jemaut underzogen oder underdunkelt [!]*^) 
und welcher gestalt die an jederem ort und ob auch ein 
umbgang**) derselben bei den undertauen gleicheit [!] und wie 
es sich sonst geburt, damit gelialten werden^'), und dabei 
aufseliens haben, dass unsere undertauen durch die amptleutte 
mit den diensten und anbereu uugebü^rltd^it Sefd^iverungen in 
keinem teil und sonderlich im arnt und in der säet nit 
l)emu1iet, angemutet oder aberfallen und doch bei dem, das 
sie uns oder den anderen zu tun schuldig, gehalten werden, 
und dass gem. unsere undertanen mit keinen ferneren diensten 
beschwert oder beladen, auch sonst keine diensten jemant 
anders verlassen oder verlehent werden, dan mit unserem 
vorwissen und austrucklichem bevelch. 



") befindt'n. 
") gcniuef. 
•') gcwrogt. 
•*) er erfaren. 
••) verdunkelt. 
••) im umbgükn. 
•') werde. 



117 



Feroer sol er erkundigten rlie gestnlt unser freier dienst- 
und herwagen, dergleichen knrren und dienstpfeiden an einem 
jederen ort, ob es auch damit und sonst, wie sich gehurt, 
gehalten, oder aber etliclie ausgezogen und uhei'sehen werden 
und uns solches alles (da er derwegen ichtwas hefunde oder 
inie vorkommen wurde) zu überschreiben. 

Unser generalanwalt sol auch vomemblich erfaren, ob un- 
seren aasgangenen Ordnungen, edicten und bevehlen in unserm 
furstentumb Gulich ankommen") und gelebt werde, und, so- 
fern sich in dem einich gebrech zutrüge, neben unseren ambt- 
leutten und bevelhaberen daran sein, dass solches abgeschaft, 
die ubertretter davor angesehen und auf dem bruchtenverhör 
gebruchtet und gestraft oder uns alle gelegenheit davon ver- 
melt werden- 

Im fal er sonst in unseren empteren einleben maugel 
oder gebrech befunde, daran uns und unseren undertanen 
gelegen, das er sampt unseren amptleutten nit besseren könt, 
solches sol er uns anzeigen, doch vorhin von unseren bevel- 
haberen und undertanen derhalben gutten bestendigen bericht 
einnemen und, warauf die Sachen beruhen tun, clarlich vermelten. 

€oQ sich in unseren commission- und rechtssachen , auch 
iu Schickungen, darzu wir inen brauchen und bevelch der- 
halben zukommen lassen wurden, vleissig erzeigen, wie ime 
davon aus unser cantzlei jederzeit bericht zugestalt werden sol. 

Im fal auch unsere undertanen von answendigen nach- 
baheren*") oder steden beschwert wurden, sol er denselbigen 
unseren undertanen mit unserem vorwissen und bevelch dienen, 
beiredig [sc. : fein] und richtlichen [!] vorstant tun und beweisen. 

Er sol kein genoss [b. i.: ®enu^], profit, gaben oder 
geschenk von einleben parteien oder denen, mit welchem [1]'°) 
wir rechtens pflegen, empfangen oder jemant anders zu seinem 
behuef empfangen lassen, auch keine soUicitation oder procura- 
tion von niemant annemen in Sachen, die uns zugegen weren 
oder seinen bevelch belangen teten. 



**) nachkommen. 
*") iiaclibarherren. 
**) welohen. 



118 



Was oberzaltermassen ger. unser anwalt von einem mai 
zu dem anderen ausgericht oder mit recht erhalten, so! er 
nach umbgang des jars verscheidenlich schriftlich und ver- 
stantlich in unsere cantzlei mit vermeltung aller umbstende 
und gestalt der Sachen übergeben, auch die acta uberschicken 
und von jederem underscheitlichen gnugsamen bericht tun. 

Darüber") obgesatzte articulen sich etwas femer notturftig- 
lich zutragen tete"), das in seinem bevelch gehörig und wie") 
ime auch zu verrichten auferlegen wurden, sol er sich nach 
empfangenem unserem bevelch darin gleichfals, wie sich ge- 
hurt, gehorsamblich und vleissig halten und erzeigen etc. 

3n ber »ejlaHung SR. ^eufd&rtBet'« jle^t unten: 

Geben auf unserem schlos zu Hamboch am 23. monatztag 
octobris ao. 75. 

Wilhelm hertzoch zu Gulich. 

P. Langer. 



XVI, Scrgifdjcr Canbfdjrcibcr, 

auf Sefel^I be8 ^erjog» ifl Otto ©d^enb^ern al8 betgifd^r 
Sanbfd^retBer angestelt und in eitspflichten aufgenomen, auch 
gleich darauf ime ein placat neben vorgesetzter lantschreibers- 
ordnuDg (darin nichts, ausserhalb was hernach volgt, in welchen 
ampt jedes monats die bruchten zu verhoeren verendert) under 
L f. g. secretsiegel sub dato Hamboch den 11. decemb. 1572 
mitgeteilt. 



Dusseldorf 

Angermund 

Mettmann 

Elberfeld 

Beyenburg 

Solingen 

Burg 



aptil 
Sunt 



") da aber. 
»•) teten. 
'») wir. 



} »uguft 



Monheim 

Miselohe 

Bomefeld l /~ i. t 

Hücke.swagen J 

Steinbach 

Windeck 

Blankenberg 

Löwenberg \ ?lot)ember 

Laisdorf 



Dftober 



119 



und ist in vorger. ordnnng diese clausul zu ende zugesetzt : 
Was in vorgesetzter unser Ordnung von unsem voegten vernielt, 
dasselbig sol auch von unseren lantdingeren, richtem, dingeren, 
scholteissen nach eines jederen ampts gelegenheit verstanden 
und auf dieselbige gleichfals gedendet werden. 



XMI. Ordniug des Glllichischen landrentmeiBters. 

Der lantrentmeister sol alle meines g. h. gult, reuten, 
aafkumsten und verfeile an gelde oder was zu gelt gemacht 
wurde, von den rentmeisteren, kelneren und allen anderen 
bevelhafoeren empfangen, ausgescheiden was einem jederen 
berelhaberen auszugeben geburet, wie solches underschiedlich 
md austrucklich hernach volgt. 

Dan erstlich sol ein jeder rentmeister oder bevelhaber 
obgemelt dem lantrentmeister nit dörfen lieferen, sonder zur 
rechter zeit, wan es geburt, bezalen die järliche pension, 
dienstgelt, gehalt und belonung, so an inen verweist und jar- 
lichs aus seinem bevelch verschrieben seint 

Dergleichen sol er ausgeben und bezalen, was an meines 
g. h. henseren, hoven oder anderen gntteren zu bauen, zu 
nnderhalten, zu frieden und zu besseren von nöten, doch 
dass solches vorhin besichtigt, verordnet und auf der rechen- 
scbaft bewilligt werde. Was aber an eilendem notbau, be- 
friedung and underhaltung zu tuen were, das one merklichen 
schaden keinen Verzug erleiden möchte, sol er unverzüglich 
nnd zu rechter zeit tuen und machen lassen. 

So einich bottenlon oder anders vermög seines rechen- 
zeduls zu hanthabnng und vertedigung desselbigen befelchs 
von nöten, die keinen verzng erleiden möchten, sol er auch 
Terrichten mögen. Aber alles ubrigs sol er dem lantrent- 
meister liefern, mit desselbigen hantschrift und sonst nit 
berechnen. 

Ein jeder bevelhaber sol in dem letzten des aprilis ober 
loenigflenS in ben erflen 8 Xagen beS 9Rai in die bleibende 
cantzlei nberschicken quitantzien oder anderen [!] Schriften 
seine contrarechenschaft, die zu hoffe verbleiben sol. Und 



120 



bcr Sanbrentmeifter fott dieselbe, aobalt sie ankommen, durch- 
sehen und, was die bevelhaber an gelt schuldig pleiben, ein- 
forderen, von den fruchten die notturft zu underhaltung des 
hofs nach gelegenheit im vorrat verhalten und das übrig ver- 
kauifen lassen nach gelegenheit des markts und der notturft 
zum meisten nutz und profit meines g. h. Dan {eine '^vü^tt 
foHen o^ue Sorroiffen be3 Sanbrentmeiflerä verkauft, verbeut noch 
verschickt werden. 

S)er Sanbrentmeifier foü auc^, fobalb bie Stec^eufc^aft über= 
fd^idt ifi, an die orter reitten oder zum wenigi^ten nach 
gelegenheit schicken und besehen, ob auch die fruchten, wie^^) 
die bevelhaber schuldig verbleiben, vorhanden seint. Wo aber 
die nit vorhanden, sollen sie erkundigen, woran die lieferung 
mangelt, die register der schult forderen und diejenige, [sc. : so] 
se [!J schuldig verbleiben, vor sich bescheiden, zu vernemen, 
ob auch genügsame Ursachen vorhanden, darumb die inforderung 
underlassen und also bei den bevelhaberen und pechteren daran 
sein, dass mein g. h. einmal alle jars ausbezalt werde und 
die pechter nicht in schult verlauffen. 

35er Sanbrentmeificr fott jä^rlic^ überlegen und einen extract 
machen, was an einem jedem ort und bevelch boven das ge- 
wönlich ausgeben wie vorg. obert [1], und darnach sich mit 
jebem SRentmeifier unb öcfc^fö^aber vergleichen und termin 
setzen, wievil und zu welcher zeit^ ein jeder innen [1] binnen 
dem jar liefferen kan. 

Nach diesem allem wie vors, sol dem lantrentmeister 
jarlichs ein staet gemacht werden, was er dagegen ausgeben sol. 

Und erstlich die summa, so er den [!] kuchenschreiber 
und [!] zu underhaltung des hofs lieifern sol. 

Zum anderen, was [sc: er] einem jederen rat und diener 
binnen lants und bei der pleibender cantzlei an dienstgelt oder 
underhaltung geben sol. 

Zum dritten wie er dieselbige sal verpflegen. 

4.) Was von nöten zu Verpflegung der rete und diener, 
so auf besichtigungen, tagleistungen und anderen meines g. h. 
Sachen verordnet oder die in gescheften meins g. h. nach der 
Ordnung verzeren wurden. 

'*) gut: welohe. 



121 



5.) Was er dem rentmeister bei hoffe zu den ankommenden 
Sachen lieffern aoi. 

6.) So einiche quittung oder andere bestellung zu tuen von 
Döten an den orderen [1], da ein jeder lantrentmeister weru [1]. 

Den^') bottenlon bei der pleibender cantzlei. 

Was er den kellern [1 keinem] oder schlutteren der 
gewonlicher hofleger zubuessen sol. 

Was er er zu den beuen liefferen sol, dass es die bevel- 
baber nit ausrichten können. 

Was er einen jederen an bezalung seiner schuld oder 
hinderstendiger pension bezalen soL 

Item der sant [!]^'} sol dem Inntrentmeister nit so hoch 
verordnet werden, als sein ufbaren sein wirt, umb der zufellig 
meins g. h. und derselbiger lande Sachen willen, die aus- 
zurichten von nöten, und davon dem lantrentmeister ordent- 
licher und schriftlich underzeichneter bevelch gegeben wer- 
den sol. 

Die bevelschriften sollen, wie sich geburet, gegeben und 
ron den r&ten, in dero bevelch es ist, undorschrieben werden. 

Der lantrentmeister sol verordnen, dass an den gewon- 
lichen hoflegere» vorrat von allerlei fruchten vorhanden sei 
and, da der leger sonst kommen möcht, notturft bestalt werde. 

So in abwesen des lantrentmeisters aus bevelch der ver- 
ordeiiter rete was gestalt wurde [!], das den [I] Sanbrent: 
meifleT auszurichten geburet, sol er denjenigen, die es darge- 
streckt betten, widerumb geben oder bestellen, damit ein jedes 
Ib seiner Ordnung und geburlicher rechnung gelassen werde. 

2)et Sanbrentmeifter sol mit aufsieht haben, dass meins g. 
h. gutter, gult und renten zum meisten nutz und profit s. f. 
<;. ausgetaen oder sonst gebracht [l]"j werden. 

Dergleichen sol er aufsieht haben, dass alda [!]"*) anfeile [1] 
Df dem Reinstrom zu rechter zeit angefangen, wie sich geburet, 
bepost und darinnen nit gesaumbt werde oder meines g. h. 
bochheit unvertetigt bleibe. 



**) Son ^icr an feine Slumerierung me^r. 
"j Dffmbot für »tat. 
"} %üx: gebraucht. 
''*) b. ^. fibaroQ tvo. 



122 



X)eT Sanbrentmeifler foQ anhalten, vermanen und forderen, 
dass die landrech enschaften [!] zu geburlicher zeit ausge- 
schriben, gehört und die gebrechen beantwort und gebessert 
werden. 

Femer sollen dem lantrentmeister alle brachten, die in 
den landen fallen, da er rentmeister ist, sowol diejenigen, die 
zu hoffe und bei der pleibender cantzlei, als die in den ampteren 
vertedigt, gelieffert werden, doch dass daran die amptleutte 
und bevelbaber den geburlichen abgang vermög der rechen- 
zettul inbehalten. 

Die lantschreiber sollen dem lantrentmeister ein anzeich- 
nuss geben, zu welcher zeit in einem jederen ambt die brachten 
vertedigt seint, wieviel die ertragen, was der abgang ist und 
zu welcher zeit der bezaltag sein sei, damit der lantrent- 
meister solches von den bevelhaberen ausfordern möge. 

Von dem allem sol der £anbrenttnet{ler einen sonderlichen 
empfang und rechenschaft machen. 

Von den vors, brachten aol hinwideramb bezalt werden, 
was die atzungen der gefangenen, da die meinem g. h. zu 
verrichten geburen, sich ertragen; die belonung der Scharf- 
richter und andere uncosten, so zur strafFung der ubeltat 
angewant wurden. 

Und das übrig, dahin es zu notturft und beschutzung der 
lande jedes jars verordnet wurt, als zu der artelereien, 
vestungen, bragken und anders. 

Dazu sol ber Sanbrentmetfler auch aufboeren alle aufge- 
bracht gelt und lantsteuren und davon ein sonderliche rechen- 
schaft machen und die obg. drei rechenschaften eine nit durch 
die andere mengen. 



123 



XVIII. Ordnang meines g. f. nnd h. gfilt, renten und 
rechenBehaften belangent 

Nachdem hiebevor verordent und bevohlen, dass alle 
meines g. f. und h. gult und renten durch die rentmeister, 
schluitter, keiner oder bevelhaber ordenlich empfangen und 
niemant anders dan dem rentmeister^^) gelieffert werden, doch 
äusgescheiden, was in einem jederen ampt verschrieben und 
in dem geburlichen abgang oder zum notbau ordentlich zu 
lassen weren [!], so sollen die verordente rette zu der rechen- 
schaft sampt dem lantrentmeister und rechenmeister aufsieht 
haben, dass dem also nachkommen, und was dem lantrent- 
meister, den rentmeisteren, kelneren, schluitteren und bevel- 
haberen sonst in der hofsordnung auferlegt, dass solches be- 
stalt und, wie es verordent, gehalten wirt, und wir [!]™) einiches 
gelts von nöten, das bei dem lantrentmeister und nit bei den 
bevelhaberen zu gesinnen. 

Die verordente reten sollen allen rentmeisteren und bevel- 
haberen jedes jars zum halben april schreiben lassen, ire 
recbenschaften fertig zu machen und im anfang des mais zu 
handen des rechenmeisters zu schicken. Und sol der rechen- 
meister dieselbige durchsehen, ob sie der gebur, der Ordnung 
und eines jederen zettel gemess gestalt, und durch die rette 
gefordert werden, dass die recbenschaften nach halbem mal 
oder zum lengsten zue ent des maies zu hören angefangen 
und die bevelhaber zeits gnug darzu bescheiden werden. 

Wo aber die recbenschaften aus anderer ehehaft und 
Terbinderung vor der rechter vorben. zeit nit könden ge- 
hört werden, welches doch one sonderliche Ursachen nit sol 
underlassen werden, so sol man gleichwol die recbenschaften 
zn aberschicken forderen und, was eil auf ime hat, vor der 
rechenschaft ausrichten, insonderheit wa einlebe bevelhaber 
abgestanden weren oder wurden dass andere bequeme zeitlich 
za mei angestalt werden. 

Dass bei jeder rechenschaft zum wenigsten stets vier 
verbleiben und fleissig aufmerkens haben, der ein, dass meins 

'•) OffoiBar SanbimtmeifUt. 
'•) 2fftt: wen. 



124 



g. h. rechenschaft und contrabuch sich mit dem lesten [1] ver- 
gleiche; der ander, wie die alte rechenschaft sich mit der 
neuer ubereintregt; der dritte, ob die quitanzien bei rechen- 
schaften und zetteln sich mit den puncten in der rechenschaft 
vergleichen und sonst geburlich gestalt sein; dass derselbige 
auch alle gebrechen und gedenken bei jeder rechenschaft auf- 
zeichne; der vierte, der die summen reclit lege und calculire. 

Dass die verordenten auf der rechencamer fleissig achtung 
haben, dass ein jeder bevelhaber seine rechenschaft stelle und 
sonst sich halte vermög seiner Ordnung und articulszettel, und 
was anders berechent, dass solches nit passirt, sonder, wie 
sich geburt, gestalt werde. 

Dass die partes und summa sowol in den beizettelen als 
in der rechenschaft recht calculirt werden. 

Dass die quitanzien sich mit den quartaln, datum uud 
termin verglichen [!] und queit schelten [I] von allen verletteneu 
termeinen. 

Dass in den rechenschafteu nicht ausgelassen oder ver- 
endert dan mit redlichen ursaclien, die clärlich und austruck- 
lich in der rechenschaft gestalt weren. 

Dass allerhant hinderstant und alte schuld einbracht werde. 

Dass die bevelhaber das gelt nit anders rechnen, dun 
nach der Valvation, die m. g. h. jederzeit verordnen wirt. 

Ob die bevelchschriften ordenlich gegeben und die bevel- 
haber sich deuselbigen gemess halten. 

Was aus gnaden jemand verguud, dass solches nicht vor 
gercchtigkeit angezogen [sc: werde]. 

Dass es nit weiders oder lenger gebraucht, dan es zu- 
gelassen. 

Und nachdem viel abgangs und restanten berechent werden, 
daraus meinem g. h. je lenger je mer Schadens erfolgt, .sollen 
die verordneten den bevelhaberen auferlegen, dass sie eigend- 
lich erkundigen und gruntlichen [!] Ursachen dartun, warumb 
ein'*») jedes bevelch sol abgerechent werden, und, so die 
Ursachen nit gnugsamb befunden, dass es alsdan in heben und 
boeren gebracht 



"•) fflo^t für: in. 



125 



Dass hinfurter keine neae restanten zugelassen, sonder 
die rentmeister daran gehalten werden, meinem g. h. in 
heben und beeren zu halten Wo inen aber einiche wider- 
werdicheit begegnette, sollen die verordenten inen nnweisung 
geben und bestant tuen lassen. 

Dass ein jeder berelhaber j&rlichs ein claren haubtzettel 
mache, dabei er zeichne, wer zu viel oder gar bezalt und 
denselben mit anf die rechenschaft bringen. 

Dass die bevelhaber dnrzu gehalten werden, dass sie alle 
jars die giilden. renten und fruchten ausforderen und nit under 
den leutten stehn noch auflanffen lassen. Doch wa ein miss- 
wachs were, also da.ss die fruchten nicht zu bekommen, alsdan 
mögen die beveihabere mit rat und bevelch des lantrent- 
meisters denjenigen, die die fruchten nicht bezalen könten. 
die fruchten auf gelt setzen und das gelt auch in demselbigen 
jar ausmanen, damit jeder jar seinen last trnge. 

Dass auch die bevelhaber jedes jars meinem g. h. aus- 
bezaleu, ausgescheideu, da fruchten im verrat zu halten ver- 
ordent weren. 

Dass der lantrentmeister uud jeder keiner oder schluitter 
der gewonlicher hofteger vor der lantrecheuschaft ein leger- 
bueli ul>ergeben von allem, was er von anderen bevelhabem 
empfangen oder inen widenimb geliefert habe, und dass**) die 
legerbucliger der beveliiaber rechenschaft beschehen [I], wie 
es befunden, angezeichnet und der gebrech corrigirt und ge- 
bessert Word«. 

Wo einicher bevelchaber sonst ichtwas uf einen anderen 
berechcnt, zu be.<«ehen, ob auch solches sich mit des anderen 
rechenschaft vergleiche. Dergleichen, was zu hoffe oder in 
anderen landeren gelieffert, ob es sich auch daselbst also 
befinden wurde und berechent werde. 

Dass alle gebrechen, so in verhör der rechenschaft oder 
sonst vor und nach [sc.: sich] befinden, ordenlich und ver- 
standlich auf ein halben seit bappiers geschrieben und dem [1] 
bevelhaberen vorgehalten oder sonst darnach erkundigt und, 
was daruf vor berichtung gegeben, vertragen oder befohlen, 
daas solches auf die ander seit dagegen geschrieben werde. 

"1 Sc.: über. 



126 



Was die berelhaber vor gebrechen die rechenschaft be- 
langen anzeigen, was sie auf solches alles ausgericht und, so 
einiche gebrechen ausstehn bleiben, dass dieselbige auf einen 
sonderlichen gedenkzedel gezeichent und zu gelegner zeit 
daran vermant und alle jars remeuert werde. 

Dass die gebrechen jedes jars auf den rechenschaften 
beantwort und sotü möglich ausgericht. 

Dass die bevelhaber auf der künftiger rechenschaft mit 
sich bringen, was sie uf solches alles auAgcricht, und inen 
auch darauf bescheit gegeben werde. 

Dass alle gutter [1] und verfelle meins g. h., sie seien 
anderen verschrieben, ■. aus gnaden zugelassen oder sonst ein 
[l.in?] anderer gebreuch kommen, in die rechenschaften gestalt 
und meidung geschehe, wie es damit gelegen. 

In jeder rechenschaft von puncten zu puncten die befel- 
habere zu fragen, auch sonst erkundigung zu tuen in dem 
empfang, ob die gutter und verfelle hoher ausgetaen oder 
sonst zu mei:erm profit gebracht werden mögen, und in dem 
ausgeben, ob einiche articulen geringert könten werden; solches 
zu verschaffen, doch alles, one jemants zu verkurtzen oder 
[sc: o^ne] nachteil meines g. h. in anderen Sachen. 
. Dass alle jars des lantrentmeisters staet gemacht, was 
ujid wem er ansrichtung und bezalung tuen sol, doch dass 
der staet dermassen überlegt, dass er vorhin [1] dem kuchen- 
schreiber seine termine halten und andere notige Sachen aus- 
richten können [!]. 

Gleicbfals einem jederen bevelhaber jarlichs ein staet zu 
machen, was er ausgeben, bauen oder lieferen sol. 

Es were auch wol von nöten des lantrentmeistes und 
anderer bevelhaber staet dermassen zu verordnen, daas man 
nit allein zukommen, sonder auch einen verrat haben möge, 
im fal der notturft zu gebrauchen, damit man die undertanen 
alsdan nicht beschweren oder in geferligkeit kommen dorfe. 

Es sollen die verordenten vors, daran sein, dass in einem 
jedem ambt ein dar rentbuch oder legerbuch aufgericbt 
werde, darinnen al meins g. h. gult, renten, zins, pacht, ver- 
felle, landzeheadeu, benden, hoffe, gutter, möllen, vischereien, 
holtzge Wachsgerechtigkeit etc. clarlich mit der massen, pelung 



127 



und anschuss benant seint, und solches zu allen zwanzig jaren 
durch die rentmeister oder bevelhaber mit underscheit der 
rerenderang zu verueueren, wabei meins g. b. renten nit ver- 
losüich werden. 

Dass in den alten rechenschaften, rentbuchem, gerichteren 
und bei den alten erkundigung geschehe von den gutteren und 
renten, die meinem g. h. zogehört, wa die verbleiben und wie 
es sonst damit gelegen. 

Was die rette und verordenten zu der rechencamer in 
allem vors, erfaren könden, daran meinem g. h. mit reden 
nutz [sc.: und] besserung furzuwenden were, dasselbig sollen 
sie sovil möglich befurdern und in das werk bringen. 

Und wa i. f. g. schat oder abbruch geschehe, dasselbig 
mit allem fleis abwenden und fnrkommen. Was sie aber nicht 
vermöchten, sollen sie mit allen umbstenden und irem gutbe- 
danken meinem g. h. zu' erkennen geben. 

Die rette mögen den rentmeisteren und bevelhaberen one 
9ooderiich vorwissen meins g. h. in nachfolgenden poncten 
bevelhen, geburliche auslage zu tuen: 

Die verschriebene und verweiste renten und Pensionen, 
der dieser Ion und gehalt, so verweist [1] und mit inen vertragen. 

Was an notbau moss gemacht werden, aber keine neue 
baue tun zu lassen one Ordnung, vorwissen und bevelch 
meines g. b. 

Was meinem g. h. von atzung und fechtfertigung der 
gefangenen zu bezalen geburt. 

Was an bottenlon und kuntschaften nottig auszulagen. 

Nottige zerung und Verpflegung binnen lants vermög der 
gemeiner Ordnung durch den landrentmeister zu geschehen. 

Was i. f. g. nutz beibringt, darinnen nicht zu versehen [1]; 
was aber derselben schaden pringen mach, erstlich i. f. g. zu 
erkennen [sc: zu?] geben. 

Was aus gnaden jemants gegeben oder verlassen sol oder 
möcht werden, dass solches durch m. g. h. und von hoffe 
geschehe and an i. f. g. geweist werde. 



128 



XIX. Ordnung der rechenmeister. 

Die rechenmeister sollen die rentbucher, rechenschaften 
und alles, was die gülden und renten belaugt, in gutter, orden- 
licher registration and bewarung halten. 

Die Schriften, so von den bevelhaberen derhalben an- 
kommen, sollen sie empfangen, verwaren und, was daruf 
geantwort oder sonst in den Sachen bevohlen wurde, fertigen 
und die bevelchsschrift underschreiben. 

Die rechenmeister sollen sich der hofcantzleien und anderen 
aufgerichten Ordnungen, sovil sie betrift, gemess halten; was 
inen darin auferlegt und insonderheit, was die Ordnungen, gult 
und renten mitbringen, ausrichten oder bei Anderen, den es 
geburt, anhalten und forderen, so lang und dick bis es aus- 
gericht. 

Auch sollen sie insonderheit darauf sehen, dass alles, was 
sich in jeder recUenschaft geburt, ingebracht oder der mangel 
angezeigt werde, dass [! da?] sie hören, befinden oder tct- 
nemen auf der rechenscliaft und sonst, da unnöttige costen 
angewaudt oder dariu meinem g. f. und h. nutz zu tun were, 
davon sollen sie sonderliche gedenkzettel machen und zu ge- 
legener zeit an ein jeders verwaren [1]"). 

Als die rechenschaften gehört, sollen die rechenmeister 
da.s — *') oder schlu-ss fleissig durclisebeo, coUationiren und 
underschreiben, auch jemand von den retten so zu der cantzleien 
und rechenschaft verordent und dieselbige gehört [sc: ^beii], 
underzeichueu lassen.. 

Was aus einem jederen ampt verschrieben, verpfant, aus 
gnaden oder ein zeit lang verlassen oder sonst abkomuieu, 
davon sollen [sc: sie?] die copeien mit der zeit samblen und 
in ein souder buch registriren. 

Die Zettel des haungerats, geschutz, pulvers und andern 
Vorrats hocherm. meines g. f. und h. in i. f. g. heuseren oder 
vlecken sollen die rechenmeister zu sich fordereu, verwaren 
und erkundigen, was darinnen verändert, ab- oder zukommen 



'•) Sietteic^t: verraaneu. 
") fiücte »on einem SBott. 



129 



ist, zum wenigsten einmal des jars dabeischreiben. Was auch mit 
der zeit dazu Tergolten^*), das berechent wirt, davon sollen 
sie ansznge machen und bei das ander legen. 

Sie sollen auch in ein sonderlich buch aufzeichnen, wie 
ein jeder diener in- oder auswendig angenomen, wie er sich 
halten und seine belonung sein solle. 

Die rechenmeister sollen sampt den registratom auswarten 
nnd die registration helfen halten von meines g. h. hochheit, 
landsteuren, ianttagen, ritterzettel, beu, artelerei, hausgerat. 



XI. Ordnnng der beYeUiaber und diener anf der 
rechencammer. 

1.)") Die rechenmeister und andere, so in der rechen- 
cammer verordent, sollen sich der gemeiner hofs-, Äanjiei« unb 
lantsordnungen, auch nachfolgender anzeichnuss gemess halten, 
dereelbiger vor sich selbst treulich und vleissig nachkommen, 
aaswarten und bei anderen daran sein und vermanen, dass 
ein jedes zu seiner zeit ausgericht und darinnen nicht gesaumbt 
noch verzogen werde. 

2.) Dem lantrentmeister und einem jederen rentmeister, 
keiner oder bevelhaber sol alle jars sein staet aufgericht 
werden, darnach er sich mit aufboeren und ausgeben zu halten. 
Der staet sol dermassen verordent werden, dass der lantrent- 
meister und [sc: bie?] bevelhaber mit aufboeren und ausgeben 
zukommen möge und kein Ordnung [1] nach [!] viel auf [1]'**) 
daraus erwachse. 

3.) Auch sol einem jederen ein dar Ordnung und recben- 
zettel Mgestelt werden, wie er sich in bedienung seines ampts 
und rechnung zu halten, welche aus dem gemeinen formular 
sol begriffen [!], welche [sc: den] retten, so zu der rechnung 
verordent, zu besichtigen erstlich zugestalt werden [sc: sol]. 

4.) Gleichfals sol einem jederen derselbigen ein clare 
furm und exemplar seiner rechnungen einmal gegeben werden, 
nach welcher formen er vor und vor seine rechnung ju stellen 

"•) X. 1). ^miugdouft. 

") 2)te 3a]^(m au(^ am Katib«. 

"*) kein unordnimg noch viel of wenig )9teQet(^t }u Ufen. 

9 



130 



und die quittanzien zu empfangen. Und sollen [1] in aufrich- 
tung solches exemplars die [für: der] rechnung die elteste 
rechnungen durchsehen [1] und gegen die neue vergleichen [1] 
werden, zu vememen, ob alles in der neuen eingebracht, was 
in den alten befunden ; und so einich mangel daran were, 
auszuziehen und mit allem bericht den retten, so zu der rech- 
nung verordent, anzuzeigen. 

In allen formen der rechnungen sei man sowol im auf- 
boeren als im ausgeben das staende und vomemblich das 
radergelt vorausetzen und das ander darnach ordenlich nach 
einander, und darauf gesehen werden, dass solche form und 
Ordnung das ein jar wie das ander gehalten und nit verändert 
werde. 

So einiche bevelhaber todlich abgahn oder sonst ab- 
kommen wurden, sol man dem neuen und ankommenden 
den rechenzettel und form der rechnungen alsbalt mit not- 
turftigem bericht zustellen und jemants verordnen, der des 
abgestorbenen Schriften undersuche und, was danmder zu 
finden meins g. h. galt, renten, hochheit und gerechtigkeit 
belangent, solches mit sich neme, und dem künftigen bevel- 
haber allen bericht davon zukommen lasse. 

5.) Es sollen auch keine neue bevelhaber noch diener ange- 
nomen werden, man sei erst mit innen ires underhalts und 
belonung vertragen, wie man auch keinem kein placat geben 
noch verkundigen sol, ehe dass die bürgen gestalt, vort eit 
und gelubte getaen, wie sich gebart. 

6.) Die jarrechnungen sollen sampt den hof- und bei- 
zetteln jarlich im april von allen bevelhaberen gefordert 
und uberlieffert, auch alsbalt und vor ausschreibung und be- 
scheidung der rechenschaften in der rechencammer durchsehen, 
calculirt und gegen die furgestelte form, staet und rechen- 
zettel conferirt werden, insonderheit, ob die hof- und beizetteln 
recht stahn und sich mit der rechnung vergleichen. 

Dergleichen, ob die reductiones von sonderlichen partes 
und summen auch wol stahn und recht calculirt sein, und ob 
einich taglohn oder anders hoher berechent werde, dan ge- 
wonlich und geburlich, und was gebrechen darinnen befunden, 
auch wa sich die bevelhaber irem staet, rechenzettel, gegebener 



131 



form and Ordnung nicht gemess gehalten, dar und bestentlich 
auf ein halbe seit des papirs aufzuzeichenen, und dass man das 
bedenken dabei schreiben könne, und den verordenten retten 
anzugeben. 

7.) Welche rechenschaften oder quitanzien der obg. 
snmma, formen, rechenzettel und staet nit gemess befanden, 
dieselben [sc: sollen] nit angenomen, sonderen den bevelhaberen 
widemmb zngestelt werden, nmb anf ire kosten zu veränderen, 
asch keine nnkosten derhalben auf der künftiger rechnung 
ZD passiren. 

8.) Auch sol man keine pnncten one geburliche quitanzien 
gut ton oder passiren lassen ; vornemblich dass nöttige qnitantzen 
zu haben. 

9.) Dergleichen sol man keinem zulassen, dass er ichtwas 
auf wolgefallen oder anders, dan es verordent, in die rechen- 
schaft bringe one geburliche bewilligung vorhin, und**) ehe es 
in die rechenschaft bracht, erlangt werden sol. 

10.) Insonderheit sol acht darauf gegeben werden, dass 
bevelhaber kein restanten stahn lassen noch abkurtzen, sonder 
daas sie alles, was meinem g. h. zukompt, aufbauen'^) und in 
die rechnung bringen; wa aber derhalben einicher gebrech 
fnrfiele, also dass sie es nicht bekommen könten, dass die 
Ursachen schriftlich angezeichnet, und dass in der rechen- 
cammer daran gemant werde, damit die [!] bevelhaberen bei- 
stant und behulf geschehe, und solchs inzuforderen, oder 
dass sonst furderlich darauf bescheit gegeben werde. 

1 1.) Was man auch in den rechenschaften befint, das nit 
gäntzlich, sonderen zum teil und unclar, auch nit zu seiner 
zeit inbracht wirdet, solches sol man aufzeichnen und in ge- 
denken halten, bis dass es dar gemacht, inbracht und ver- 
glichen ist Und, wan solches geschehen, sol es in die rechen- 
schaft, da der gebrech gewest, angezeichent werden, künftig 
nnverstant zu verhütten. 

12.) Als in der rentmeister und bevelhaber rechenzettel 
gesetzt, dass sie alle jar im april neben irer rechenschaft 
aberschicken sollen anzeichnus von dem, das sie in der- 

**) sc.: da«8 iclttwas. 
") OffmBar: anfboeren. 



132 



selbiger rechnung schuldig pleiben, ob sie es empfangen oder 
hinder welchem es ausstendig, und aus was bestendigen Ur- 
sachen die inforderung hinderlassen, so sei in der rechencammer 
darauf gesehen werden, dass sie in dem und allem anderen 
irer Ordnung und rechenzettel »ich gemess halten. Und sei 
die anzeichnuss obg. schult alsbalt vorgenomen und dem 
lantrentmeister angezeigt werden, damit das gelt, so die bevel- 
haber empfangen und hinder sich haben, gefordert und die 
fruchten zu lieffem, zu verkauifen oder in Vorrat zu halten 
nach gelegenheit verordent werden; und den ausstant belangent, 
dass daruf acht gehabt, ob die angezogene Ursachen gnugsamb, 
ob die armen mit der inforderung beschwert und die reichen 
oder sonst einer vor dem anderen übersehen werden, und 
nach befinden sol den bevelbabem anstunt geschreiben werden, 
wie sie sich mit der inforderung eines jederen nach gelegenheit 
zu halten, damit es den undertanen zu beschwemuss nit auf- 
lauf und die inforderung zu meines g. f. und h. nachteil nicht 
underlassen pleibe und folgents die undertanen mit muhe und 
widerWertigkeit nicht dörfen umbgeschlagen oder nachgemant [1] 
werden. 

13.) Daran zu sein, dass der lantrentmeister alsbalt, 
nachdem dass die rechenschaft in die rechencammer gesant, 
umbreitte oder schicke zu besehen, wie [! fät: o6?] das kern, 
wie durch die bevelhaber angeben, vorhanden sei oder nit, 
auch zu erkundigen, ob ein jeder daajenig, so auf iren 
[sc: anzeichnussen ?] angezeichent, schultig und die Ursachen 
war und bestendig sein, darumb die inforderung underlassen. 

14.) Was die bevelhaber auf iren rechenschaften jarlichs 
schuldig pleiben, daas sokhes auch vort ingefordeit und ge- 
lieifert werde, als dass [1] es nicht hinder inen, noch auch 
hinder den pechtem oder undertanen stahn pleibe noch auflauffe. 

lö.) Wo einiche bevelhaber ankommen [1] ***), zu verordnen, 
dass durch die erben oder sonst jemant anders das ampt bis 
zu meins g. h. anderer Vorsehung wol verwart werde. 

16.) Was jemant berechent einem andern gelieffert zu 
haben, der es femer berechnen sol, aufsieht zu haben, dass 
es von demselbigen inbracht, und die rechenschaften also 

««•) SBo^t für: abkommen. 



133 



vergleichen [l], auch alle beirechenschaften zu geburlicher 
zeit gefordert und gehört werden. 

17.) Ufsicht zu haben, dass es mit dem kom verkauffen, 
Verpachtungen und anders gehalten werden [I] vermog der 
Ordnung, und, was sich ungeburlich befindet, sol man nicht 
paasiren, sonder wie obg. zurückschicken und corrigiren lassen 
auf coeten der bevelhaber, und darinnen noch sonst keiner 
übersehen, sonder stracks nach der Ordnung gehalten werden. 

18.) Wan einiche pachtjaren umbgehen oder sonst ichtwas 
zu verpachten, alsdan die gelegenheit, grosse und werde der 
gutter erkundigen zu lassen, nit allein durch die bevelhaber, 
sonder auch durch etliche andere unvermerkt, und urabzusehen, 
dass man gutte, frome pächter bekomme. Und die gutter 
also nach befinden und vermögen der Ordnung zu verpachten 
auf anbringen und wolgefallen und, so es gewilligt, von den 
Pachtern bürgen und Versicherung zu nemen und keine ver- 
schreibongen, placaten noch pachtzettel davon zu geben, es 
seien dan solche vors, bürgen oder Versicherung vorhin gestalt 

19.) Darauf zu sehen und den bevelhaberen ernstlich zu 
bevehlen, dass sie von den pechteren noch tuideren, die mit 
inen ires bevelchs halber zu tuen haben, kein gaben noch 
geschenke klein noch gross nemen, wie ers dan**) inen in der 
Ordnung oder bestellung oder sonst auf der rechenschaft zu- 
gelassen wirdet. 

20.) Dergleichen dass sie auch die undertanen nit weiders 
beschweren noch befestigen*''), dan sich geburt und inen zuge- 
lassen, und so den undertanen einiche begnadung oder Zulassung 
geschehe, dass inen die auch zu gut komme und damit wie 
vennrdent gehalten werde**). 

22.) Dass in allen empteren und sonderlich, da es am 
meisten von nöten, zum ersten die rentbucher aufgericht werden 
vermög der formen und Ordnung mit vorgehender erkundigung 
itr gelegenheit. 



**) (SMä): es sei denn, dan es. 

") (für: belestigen. 

*■) eint Stummet äl ift nic^t bor^anben; in dntr Sn^tSangoBt btt 
ä^Anm Sbtilel bitfrt JDrbnung finbtt {tc^ jtboc^ untar 21 : dass einem jederen 
dahia Tenreut, gute aaariuhtnng gesofaehe. 



134 



23.) Wan nun solche rentbucher begriffen, alsdan besehen 
zu lassen, ob sie ordentlich und wol stahn, und, so die gut 
befunden, ins rein schreiben und durch die gerichter auf- 
richten zu lassen und darnach den bevelhabem, sovil inen 
von nöten, copei daraus zu geben und das pricipal in der 
rechencammer zu verwaren. Und daran zu sein, dass solche 
rentbucher durch die bevelhaber mit underscheit der Ver- 
änderung in zwanzig jaren zum wenigsten einmal vemenert 
werden, damit meins g. h. hocheit, gerechtigkeit, gult, renten 
und aufkombsten nit verleusslich werden. 

24.) Die bevelhaber, so zu rechnen haben, sollen alle 
jars alsbalt nach der rechnung und die andere [sc: äSefe^td^ 
iKi^r?] sonst bescheiden und bei iren aidten gefragt werden, 
ob meins g. h. Ordnung, edicten und gemeine befelch in irem 
ampt und darumbher gehalten und den allenthalben nach- 
kommen oder von jemant dargegen getan oder furgenomen, 
in welcher gestalt, warumb solches nicht gebessert, gestraft 
noch angeben worden. 

25.) Die gebrechen, so die befelhaber auf der rechen- 
schaft übergeben, sei man nicht anders annemen, dan vermög 
der bevelhaber Ordnung, nemblich sovil meins g. h. hocheit, 
rechenschaft, gult und renten belangent; was aber dieser und 
jener bitten wurde, sol nit dabei gesatzt noch angenomen 
werden, sonder mag dasselbige ein jeder insonderheit angeben; 
und sollen solche vors, gebrechen auf ein halben seit des pappiers 
geschrieben und dobbel ingegeben werden, also dass man die 
antwort und was darauf befohlen, dabei zeichnen möge, damit 
die rette und auch bevelhaber sich daraus richten können. 

26.) Auch sollen sie daran sein und vermanen, dass die 
vors, gebrechen beantwort und, was vor bescheit daruf geben, 
dergleichen was die bevelhaber auf meins g. h. gedenken und 
gebrechen oder sonst tun und ausrichten sollen, inen alles 
schriftlich zugestalt werden [!], mit bevelch, sich darnach zu 
halten und gegen die künftige rechenschaft solche zettelen und 
anzeichnus wider einzubringen und anzuzeigen, was darinnen 
geschehen und ausgericht sei. 

27.) Die vors, gebrechen der bevelhaber, was darauf 
geantwort und den bevelhaberen auszurichten bevohlen oder 



135 



bei hoffe und anderen ausgericht wirt, sol alle jaren in ein 
bnch registriret und dermassen verwart werden, dass man alzeit 
wissen und finden möge, was vormals auf ein jedes vertragen, 
bevohlen und auagericbt ist oder waran es gefeit habe; und 
dass vor solch gebrechenbucb jarlichs ein taffei gemacht 
werde. 

28.) So auch einiche gebrechen aus gnugsamen Ursachen 
das jar aostahn bleiben und nicht ausgericht werden könden, 
dieselbige sol man widerumb in das neue gebrechenbuch setzen 
und anhalten, bis dass sie ausgericht sein, und in das alt 
gebrechenbuch ein solch ^Q zeichen machen, welches bedeut, 
dass es in folgenden jar wider anzeichent ist 

29.) Bei den bevelhaberen sol vor der volgender rechnung 
wkundigung geschehen, ob auch alles der gebur und, wie 
verordent, ausgericht sei, und, so nit, waran es gemangelt und 
warumb solches in zeit nit sei angegeben. 

30.) Und so einich mangel an allem wie obg. befunden, 
solches sol anfgezeichent, den verordenten retten angegeben 
und bei den bevelhaberen und sonst umb besserung angehalten 
und niemant übersehen werden. 

31.) Welche bevelhaber kein gehör geben oder, was 
inen befohlen, nit ausrichten oder irer Ordnung nicht nach- 
kommen oder sonst unduglich befunden wurden, die sollen 
Termant und gleichwol die gebrechen und mengel anfgezeichent 
lu^ den verordenten retten furgebracht werden, damit, im fal 
es nit gebessert, an m. g. h. gelangt und andere versehung 
furgenomen werden möge. 

32.) Was zu hoffe oder bei anderen auszurichten ist, 
30 [1]*^) man bei denen, da sich solches gehurt, solang und 
duck anhalten, biss dass dem bevelch und Verordnung der 
gebur nachkommen wirdet 

33.) Anzuhalten, dass die alten und andere rechenschaften, 
ond [I offenbar: die] noch ungehört, verhört und dar gemacht 
ond die schulden, so derhalben und sonst ausstendig, ingefordert 
ond herwiederumb dasjenige, so meinem g. h. anderen zu be- 
zalen geburt, auch verriebt werde. 



••) Offenbos: eol. 



136 



Überlieferung des hauagerats oder andern vorrata gebrech be- 
funden wurde, solches anzugeben und nach bevelch zu halten. 

34.) Dei^leichen dass die schätz- und hofzetteln von 
den lantsteuren auch ordenlich gestalt ingefordert, bei einander, 
bracht und durchsehen werden, ob sie sich vergleichen. 

35.) Dass solches auch den lossen [!] geschehe und die 
alte brieffen sampt geburlicher quittanzien uberlieifert und auf 
die brief, wie und welche zeit sie gelost seint, geschreiben werde. 

36.) Wan einiche beue und [!] sonderliche rechenschaften 
davon zu tun verordent wurden, sollen dieselbige rechenzettel 
alle monat gefordert und durchsehen werden und so darinnen 
ichtwas ungeburlichs oder unordenlichs befunden, meinem g. h. 
oder den verordenten retten zu besseren angeben, auch die 
jarrechnungen der beue nicht liegen bleiben, sonder, sobalt 
das jar nmb ist, gefordert und durchsehen und gehört werden. 

37.) Und so bei m. g. h. oder den verordenten retten 
anmanung geschehen, dass jedes jars im herbst oder winder 
Verordnung geschehe, dass jegen den künftigen sommer gebauet 
sol werden, wa man vorrat oder andere notturft dazu haben 
und zu rechter zeit bestellen möge, damit die beue nicht ver- 
hindert noch mit unnöttigen kosten und ungelegenheit gemacht 
werden. 

38.) Gleichfals sol es auch mit der artelereienrechnung 
gehalten, zettelen und anzeichnus davon gemacht und in gutte 
registration und verwarung gebracht werden, was im vorrat 
vorhanden, was jederzeit dazu bestalt oder gemacht wirdet, 
wa es ist und so ichtwas davon kompt und wohin, und sollen 
von dem artelereimeister und andern, so es in verwarung haben, 
solcher bericht alle jars genomen und angezeichnet werden. 

39.) Wie von den artelereien vorgemelt, so sol man es 
auch [sc: mit?] dem hausrat und anderem vorrat auf meins 
g. h. heussem halten. Und so jemant von den heuseren ab- 
ziehen oder sonst versterben wurde, sol man jemand verordnen, 
der mit den alten zettelen und aus der rechenschaft, was 
mitler weil dabei gemacht, dahin ziehe und dem, so ankommen 
wirdet, alles wider uberlieffern lasse, und dass davon ein neuer 
Zettel gemacht, dem ankommenden zugestelt und abschrift 
davon in die rechencammer geliefert werde. Im fal auch an 



137 



40.) Die Zettel der hundleger- und Jägergerechtigkeit 
sollen bei ein gesucht and aus allen landen und empteren bei 
ein registrirt, dao bevelbaber und Jägermeister angesagt werden, 
daran zu sein, dass von dem alten herkommen und gerechtig- 
keit nichts aus dem gebrauch komme, noch von jemant einiche 
gab oder geschenk genomen noch andere über gebur beschwert 
oder auf costen meines g. h. berechent werde, das man mit 
reden bei anderen haben kan. 

41.) Bei bnichtenmeister und landschreiber sei vermaut 
and angehalten werden, alle jar die brachten zu verhören; 
and so einich ambt zu gisring und die brachten darinnen nicht 
vertetigt wurden, alsdan dieselbige in dem zweitten jar zu 
verhören, also dass die brachten in keinem ampt über das 
zweite jar unverhöret und unvertetigt stahn bleiben. 

42.) Sobalt die brachten verhört, dass alsdan die bruchten- 
zettel nicht in einer summen, sonder der bruchtenbucher copei 
and abschrift mit vermeltung, was eines jederen ubertrettung, 
wie ein jeder derhalben gesatzt und vertetigt worden und 
was der abgang sei, alles mit underscheit, sonder ichtwas 
auszulassen, in die rechencamer gelieffert werde. 

43.) Dass die bruchtenzettel in der rechencamer jegen 
die brachtenbucher durchsehen und darauf acht gehabt werde, 
ob es auch allenthalben vermög der Ordnung und gleichheit 
in den uberfarungen gehalten, und wa mangel befunden, dass 
solches angezeigt wert, umb zu besseren. 

44.) Dass den bevelhabera nach verhör der brachten 
alsobalt geschreiben werde, die brachten auf die verordente 
termein zu lieffera. 

45.) Dass auch diejenige, so die brachten empfangen, 
vermant und gehalten werden, ire rechnung von irem empfang 
and ausgift der brachten alle jars zu tun. In der rechen- 
cammer zu conferiren, ob auch alles von beiden [I]"') inge- 
bracht und, wie sich gehurt, berechent werde. 

46.) Was berichtung die amptleut und bevelhaber hiebevor 
aberschickt, die umbgahnde diensten, dienstkarren, dienst- 
lentte und dienstpferde, heerwagen und heerkarren, auch die 

**') 9lit beiden ftnb offtnBar gemehrt bie Xmtleute (bevelhaber) mtb 
8rti^t(nni)>f Anger. 



138 



freien belangent, sol man bei ein legen und besehen. Wo 
auch nit gnugsamer bericht gescheen noch ankommen, dass 
derselbige nachmals gefordert und jeder ampt in Sonderheit 
gelegt und anzeichens [!] davon gemacht werde. 

47.) Und sol in der rechencamer und bei dem kuchen- 
schreiber darauf gesehen werden, dass es gleichmessig zugäbe, 
dass ein ampt nach getrage [!] nit hoher dan das ander 
beschwert, noch auch in einichem ampt jemant übersehen und 
den anderen desto mer aufgelegt werde. 

48.) Dass auch diejenige, so zu dienen schultig. in gebrauch 
gehalten und meins g. h. gerechtigkeit in dem noch anderen 
nicht underkommen [!]. 

49.) Dass auch dem kuchenscbreiber von der gelegenheit 
etliche anzeichnus zum bericht geben werde, damit man sich 
bei hoffe desto besser wist zu richten und das alte herkommen 
und gerechtigkeit in gebrauch gehalten und niemants über 
gebur beschwert werde. 

50.) Aller amptleutte, diener und bevelhaber gehalt und 
verdienst, wie die stan oder künftig verordent werden, sollen 
darlieh aufgezeichent und in ein buch gesatzt werden, damit 
solches jederzeit zu finden. 

51.) Alle copeien von brieifen und verschreibungen, so 
in der rechencammer uberantwort oder sonst vorbracht wer- 
den, meins g. h. hochheit, lehenschaft und gerechtigkeit be- 
treffent, auch von demjenigen, was aus den empteren verpfant, 
aus gnaden oder vertregen ein zeit lang, erblich oder zu 
gefallen meines g. h. verlassen ist, sollen gesamblet und ein 
jeder ampt in ein sondere lade hingelegt und darauf ge- 
schreiben werden, wie die uberantwort, wanhe, in was [1] 
beisein, und ob sie mit den haubtbrieffen coUationirt sein. 
Auch sol man in jedere laden ein anzeichnus legen, welche 
copeien darinnen seint, und solchs alles hinlegen und geschlossen 
verhalten. 

52.) Nach gelegenheit sol am förderlichsten verordent 
werden, in jederen [1] ampt meins g. h. hoefguetter, benden, 
busch und andere erbschaft zu messen und die gelegenheit 
zu besichtigen und von der grosser husche- und zehenden- 
gerechtigkeit die anschus, bezirk und bepelung anzuzeichnen 



139 



and da man die nit hat noch eigentlich weiss, die zu setzen 
and die scheid und pelung dar zu machen. Und, wie es an 
einem jederen ort befunden, solches sol in der rechencamer 
repstrirt and, das nnclar und wa irtumb ist, dar gemacht nnd 
der gebnr vergleichen werden. 

53.) Anmanung zn tun, dass in die embter und, da es 
am meisten von nöten, am ersten geschickt werde, die gelegen- 
heit meins g. h. hoffe, husch, bende, lant, weiden, beiden, 
moelen und anderer erbschaft zu besichtigen, anch sonst die 
gelegenheit i. f. g. gult, renten, aufkombsten und verfelle zu 
erkundigen, ob alles in guttem bau, frieden nnd besserung 
gehalten, den Verpachtungen, vertregen nnd befehlen nach- 
kommen und, wa, sonder jemant unrecht zu tun, besserung 
fnrgenomen, merer nutz zu tuen [!], oder Unkosten gespart 
werden könden, anzugeben nnd ins werk zu stellen. 

54.) Was die in der rechencamer wissen oder erfaren 
können, da meins g. h. renten, sonder jemants zu verkurtzen, 
gebessert werden mögen oder da i. f. g. abbnich geschehe, 
sollen sie in einen gedeukzettel setzen und zu gelegner zeit 
daran vermanen. 

55.) Die gedenken, ratschlege und bevelchen meines g. 
h. hocheit, gult und renten belangent, so vor und nach ange- 
zeiehent, sollen in ein ordenlich buch von monat zu monat 
jedes jars anderschiedlich gesamblet und darbei gesatzt werden, 
was nnd welcher gestalt ein jedes ausgericht sei. Was aber 
aostan bleibt und in dem jar nit endlich ausgericht wirt, 
solchs sol man widenimb im anfang des buchs der gedenken 
in künftigen jar setzen, zu rechter zeit und solang anhalten 
nnd vermanen, bis es ausgericht. Und, was denen in der 
rechencammer darinnen befohlen, solches sollen sie nicht liegen 
lassen, sonder am förderlichsten ins werk stellen und bei 
anderen daran sein, dass es gefertigt, werde. 

56.) Die in der rechencamer sollen den bevelhaberen 
anf iro rechnungen die recessen fertigen, die gebrechen beant- 
worten und in allen vermög der Ordnung und nach gelegenheit 
nnd nottarft unsers g. h. best furwenden. 

57.) Von [!] allem, was in der rechencamer verhandlet 
oder meins g. h. hocheit, gult, renten und aufkombsten be- 



140 



langent [1], sol in ordenliche registration gebracht und gehalten, 
auch niemant ichtwas aus der rechencamer gegeben oder zu- 
gestalt werden, dan mit vorwissen und bevelch meines g. h., 
des cantzlers oder des rechenmeisters; und so jemant ichtwas 
zugestalt werde, solches aufzuschreiben und wider einzuforderen. 

58.) Es sol niemant einiche rechenschaften oder Schriften 
von der rechencammer abtragen in sein behaosung oder herberg, 
damit nichts verrackt, noch verleustlich oder auch anderen 
offenbart werde. 

59.) Die gelegenheit und heimlichkeit der rechenschaft 
und meines g. h. renten, hocheit und andere gelegenheit sol 
man niemants offenbaren, auch niemants in die caiumeren, 
da s. f. g rechenschaften und heimligkeitten enthalten werden, 
kommen lassen, dan darzu ein jeder verordent ist. 

60.) Was auch in der rechencammer beimlichs furgenomen 
und auch abzuschreiben uud auszurichten befohlen und sonst 
befohlen wurde, solchs auf der cantzleien noch auch anderen 
nicht zu vermelden, dan da es inen ausdrucklich befohlen 
und die notturft erfordern wirt. 

61.) Was meinem g: h. oder den verordenten reten vor- 
gebracht oder referirt sol werden, dass zuvoren grundliche 
erkundigung und liquitation geschehe, damit man waren und 
bestendigen bericht tun könne und aus mang^l denselbigen 
nicht übersehen [I], noch jemant verkurtzt werde. 

62.) Die in der rechencammer sollen von niemants einich 
geschenk oder gaben nemen, die [I] bei m. g. h. oder ia der 
rechencammer zu tun, dadurch i. f. g. hocheit, gerechtigkeit, 
schulden, renten oder ichtwas verdunkelt, verschwiegen oder 
i. f. g. einichs wegs schatlichs sein möchte. 

63.) Dass denen in der rechencamer, auch den bevel- 
haberen geburliche underhaltung dagegen verschaft werde. 



Von einem 

jedem jar 

insonderheit 

Von jederm 
bevelhaber 
insonderLett 



Ul 



XXI. Begistration in der rechencammer. 

Gebrechen der bevelhaber auf der rechenschaft 
wie die beantwort, und das darauf ausgericht. 
Gebrechen meins g. h. 
Was darauf bevoblen und ausgericht- 
Aufnichtung*°) [!] der bevelchbucher. 
Einen jederen seine rechenschaft zuzustellen. 
Form der quitantzien. 
Von der reutterrechnung. 

Wie mit einem jederen vertragen und der verriebt oder 
verweist sei. 

Von aufgebrachtem gelt und loessen. 

Annemung der diener und was eines jedem underhalt sein 

und er tun sei, auch wen die bevelhaber zu bürgen steilen. 

Aufsicht zu haben, was [1] die bevelhaber ire rechnung 

stellen, und die quitantzien nit anders empfangen, dan wie 

die einmal gemacht und entworfen sein. 

Auch kein ausgeben sonder quitantzien zu passiren, dass 
sie rlieselhige Ordnung halten. Dan so jemant seine rechnung 
anders stellen, die quitantzien empfangen oder weiders be- 
rechnen werde [märbe], dan wie inen [1] zu hoffe begriffen 
und vermög des staets"), nit anzunemen, sonder auf kosten 
des bevelhabers zurückzustellen und kein zerung oder Un- 
kosten derhalber in der künftiger rechnung zu passiren. 

Dass jederem bevelhaber sein staet gemacht und zugestalt 
werde von dem künftigen jar, sobalt er die rechnung des 
vergangenen jars getaen. 

Aufsicht zu haben, das.s nicht weiders in die rechnung 
des ansgebens gebracht, dan in dem staet zulassen"'), es 
sei vom bauen oder anderem ungewonlichen ausgeben. 

Dass in dem nufboeren alles einbracht und ordenlich 
nach einander gepatzt werde das ein jar wie das ander. 

**) 3üt: aofriohtnni;. 

*■) 3). ff. anbei«, a» luu^ fRa^tabt Ut «nfc^IagS. 

**) ^r: zugelawen. 



142 



Die alten rechenschaften zu durchsehen, auch sonsten in 
den emptern erkundigen zu lasaen, was mein g. b. an einem 
jederen ort mer bäb, dan in die rechenscbaft gebracht, sowol 
von dem, das verpfant, als das die diener und andern aus 
gnaden gebrauchen. 

Was abgangs in jederem ampt sei und gelassen werden 
sol und die ursacb des abgangs in die rechenscbaft stellen 
zu lassen. 

Hinfurter keinen abgang zu gestatten, dan aus bewilligung 
und redlichen Ursachen, die nlt") [1] ausgetruckt werden. 

Dass die zetteln des aufboerens durch die bevelbaber 
clarlich und underscbiedlicb gesatzt, von wem und wovon ein 
jedes desselbigen jars empfangen. 

So ichtwas anstahn pleibe, die ursach zu vermelden und 
in dem künftigen jar wider einzubringen, da es sich geburt. 

Dass die zettul mit der rechnung und die rechnung mit 
dem rentbucb sieb vergleichen. 

Dass die summen recht calculirt und reducirt werden. 

So einiche bevelbaber abkommen, dass der hinderstant 
eingefordert werde. 

Dass die pensionarien und ein jeder, der verweist, alle 
jars bezalt werde. 

Was auf landtagen durch die landscbaften bewilligt, auf- 
sieht zu haben, dass solches ausgefordert, und was auch die 
lantschaft widerumb vertrost [!]. dass dem nachkommen werde. 

Dass die bevelbaber Ire Contrarechenschaften, die zu hoffe 
verpleiben sollen, rein und dar schreiben lassen, nicht macuUrt 
oder corrigirt, 

Jederem bevelbaber zu allen zehen jaren ein rechen- 
scbaft in burgament [!] schreiben zu lassen. 

Ufsicht zu haben, wo einicher bevelbaber auf andere 
berechent, es sei gelt, frucht oder anders, dass solches in 
der anderer rechenscbaft eingebracht werde. 

Gleichfals zu conferiren die rechenschaften des lant- 
rentmeisters, kuchenscbreibers und andere [!], so gelt aus- 
geben wurden. 



•') SteSdc^t: mit. 



143 



Das auch zu einleben Schickungen oder zerung ausgegeben, 
aufsieht zue haben, dass solchs verrechent und, was über- 
bleiben wurde, eingebracht, und waran gebreche, dass solches 
wider verriebt und erstat werde, wie sich geburt. Aufizeiebnuss 
zu machen von allem hansgerat, geschutz, pulver und anderem 
verrat in meines g. h. heusem und vlecken. 

Was jedes jars berechent oder sonst bestalt wurde an 
hausrat, geschutz, pulver und anderem vorrat, dass solches 
in den zettel gezeichent und daruf gesehen werde, wan einicher 
bevelhaber ankompt, dass dem neu ankommenden alles uber- 
lieffert werde sampt den [1] zettel. Wa auch etwas davon- 
käme, solches gleichfals in die aufzeichnus zu setzen. 

Von allen verschreibungen, placaten oder Verweisungen 
eines jederen ampts copeien zii samblen und insonderheit 
registriren zu lassen. 

Wa man die copeien in der cantzlei hat, bei ein zu suchen, 
wa nit, zu forderen. 

Alle meines g. h. land, wissen [l]"^), Weingarten, buschen 
messen zu lassen und mit bericht der gelegenheit und vor 
paelen [!]•') aufzuzeichnen. 

Gleichfals aufzuzeichnen, wievil gerichter in jederem ampt 
ond wievil dörfer oder baurschaften in jeder gericht gehörig, 
und wa die foeren und paelen kieren, und was hüfsgeding, 
laten-, kurmuedigen oder zinsgutter in einem jederen gelegen, 
und wem die zugehörig. 

Dergleichen von den schätz- und freigutteren dieses aus- 
znruffen. 

Item was eigenherlicheiten in oder bei dem ampt gelegen. 
Wie es mit denselbigen gestalt, ob sie lehen, und was mein 
g. h. weiders, dan die hohe obrigkeit als der landfurst da habe. 

Eines jedem ambts bepalung und greintzen bereiten und 
clarlich aufzeichnen zu lassen. 

Auch in die rechenbucher zu setzen, wa ein jeder gericht 
sein haubtfart hab, und was gerechtigkeit da sei von gerichts- 
wedden, bruchten, Urkunden. 



••) 3). f). aBitfm. 

**) So^rf^dnli^ (in Siort: Torpaelen ober: Toren and paelen. 



144 



Dass die widerbelehnungen oder Verweisung von lehnen 
oder sonst [1] geschehen, wie vertragen. 

Aufzusehen, was zu den beuen verordent, dass davon 
ordentliche rechenschaft geschehe. 

Mit vleiss zu erkundigen, ob einiche gutter, land, wiesen, 
buschen, Weingarten zu merem nutz auszutun und zu bringen 
sei, sonder jemants zu verkurtzen oder ungeburlich zu be- 
schweren, und dass meins g. h. gerechtigkeit verwart und 
die [sc: @üter] in gutter rustung gleich wol gehalten werden. 

Dergleichen, ob einich ausgeben mit billigkeit und nutz 
geringert und Unkosten gespart werden, da das dienlich und 
sonst an andern dingen nit nachteilig oder versaumblich. 

Aufsicht zu haben, dass die bevelhaber sich irer articul 
und Ordnung gemess halten und, wa einiche derselbiger die 
nicht betten, dass die noch gefertigt und inen zugestelt werden. 
Und waii einicher neuer bevelhaber angenomen, dass ime die- 
selbige zettel und bericht, auch form der rechenschaft und 
quitantz uberautwort werden. 

Ufsicht zu haben, dass keine neue bevelhaber angestalt, 
ehe die alte ire erben des gelts, so sie auf die embter betten, 
verriebt oder gefreiet seint 

Wa die bevelhaber gnugsamen bericht von den rotzehen- 
den uberscbickte [1], denselbigen zu durchsehen und bescheit 
darauf zu geben. Wa aber die bericht noch nicht gnugsamb 
ankommen, daiumb anzuhalten. 

Den abgäng der futterhaffer zu durchsehen und, was nit 
geburlich, auszutun [!] und der futterbaffer nicht ehweit [1] 
zu lassen. 

Dass die bruchten in dem mai vor dem arnt vermög der 
bruclitenordnung gehört, die zettel gefordert und der Ordnung 
nachkommen <werde. 

Der accis halber zu beratschlagen, wie es am besten da- 
mit zu halten mit der inforderung, ob die zu verpachten oder 
sonst mit Ordnung solle aufgeboert werden nach eines jederen 
orts gelegenheit. 

Mit den bergwerken zu beratschlagen, wie die sollen ge- 
bauet und underhalten werden. 



145 



Dass einer verordent wirt, aufeicht zu haben der lantzoUe 
halber in jederem laode. 

No. Ordnung darauf zu begreiffen. 

Der wassensol halber zu conferiren bei [1] den anderen 
zolle [1], ob es auch nach meines g. h. Ordnung gehalten werde. 

No. Ordnung darauf. 

Sonst ist von registration in der rechencamer allerlei 
weider berichtnng in der Ordnung der golt und renten. 



XXIL Beehenzettel der beTelhaber. 

1.) Zum ersten sol der vogt, rentmeister oder keiner in 
empfang seiner rechenschaft sehen,") mit was gülden oder 
marke er rechne, auch wievil albus und Schilling ein jeder 
gülden oder mark ausbringt, und wievil heller oder pfenning 
einen albus oder Schilling machen. 

2.) Daneben sol er auch al seinen empfang, was er an 
schwären und rader gelt empfengt, voran nach einander setzen 
and alsdan die gantze summa summiren, zu laufendem gelt 
reduciren und, was er an leichtem gelt anfgehaben, solches alles 
zasamen summiren, aber alle aasgift sol er nach laufendem 
gelt berechnen. Und die laufende muntz sol er nicht höher 
noch anders aufboeren noch ausgeben, dan nach meins g. h. 
gemeiner Verordnung und bevelch oder wie es ime auf der 
rechencamer bevohlen, unangesehen, ob es jemant anders höher 
aasgebe oder geben wolte; sonder, wa ime solches angelangt, 
dass er dasselbig den amptleutten zu erkennen gebe, umb 
die darvor anzusehen, damit die Steigerung und Veränderung 
verhuet bleibe. 

3.) Und sol auch bemelter N in anfang der fruchten- 
rechnung setzen, mit was masse er empfangen und ausmesse, 
und wievil simmern nuf ein malter, wievil viertel uf ein 
simbem gerechent werde, und wie jeder mass sich vergleiche 
mit der hofmasse, welche der colnische masse gleich ist, so 
man mit derselbiger zu hoffe in meines g. Ii. leger in- und 
ansmessen soL 



••) gür: Beizen. 

10 



146 



4.) Er sol aber in einem jederen jar nit weiders berechnen, 
dan was darin gehört, empfangen und ausgeben ist, und das 
eine nicht durch das ander menge. Doch ob in einichem jar 
etwas anstahn bleibe und nit aus[ge]geben wurde, davon sol 
er in seiner rechnung meldung tun und die ursach, warumb 
es nicht bezalt, anzeigen. 

5.) Als im einiche anzeichnus und form seiner rechnung 
zngestelt, so sol er dieselbige form und Ordnung halten das 
ein jar wie das ander und die partes oder puncten nicht ver- 
setzen noch verändern, es werde ime dan aus Ursachen auf 
der rechenschaft befohlen. 

6.) Dergleichen sol der N. nichts in seine rechnung 
stellen noch berechnen auf wolgefallen meines g. h., das uit 
stabende [sc: ist], noch ime austrucklich zu berechnen be- 
fohlen ist; sonder, wan dasselbige [!] ichtwas furfiele, so sol 
er solches mit einem bei- und gedenkzetel neben seiner 
rechnung oder sonst vorhin zu erkennen geben, umb bescheit 
und bevelch darauf zu nemen, ehe und zuvor es in die rech- 
nung gesatzt Wirt. 

7.) Der N. sol im empfang [!] des mais ein leger- oder 
habbuch [!] machen, darin er schreiben sol, was er von wegen 
meines g. b. empfengt, zu welcher zeit, von welcher personen, 
von was wegen, wavon und wievil. Und sol dasselbig hüb- 
oder legerbuch oder abschrift davon mit seiner rechnung vor 
dem künftigen mai uberschicken, damit man seinen vleiss oder 
unfleiss desto besser vernemen möge. 

8.) Alle erbzins und alle renten, davon keine pachtbrief 
oder Zettel weren, sol er an radergelt aufboeren. 

9.) Auch sol der N. von der acceissen, so er zu berechnen 
hat, alle jars auf seiner rechenschaft einen zettel mit über- 
antworten, darinnen underschietlich mit angezeichent sein sol, 
wie und wem die acceiss verpacht und was ein jeglicher davon 
gegeben und bezalt habe. 

10.) Dergleichen zettel sol er ingeben die zins und 
pfenningsgelt belangen, darinnen underscbiedlich vermeldet, 
wavon es gegeben, sampt namen und zunamen eines jederen, 
der den zins und pfenningsgelt das jar bezalt hat und wievil 
ein jeder. 



147 



11.) So einiche kuermöden auch verfallen, sol er uber- 
mitz das gericht oder zum wenigsten in beisein zweier scheffen, 
hofleute oder laten verdingen und einen zettel dabei über- 
geben, darin angezeichent, wieviel kueimöden das jar gefallen, 
wie die verstorbene geheissen, von was gutter sie die geben, 
and welche widerumb damit behant oder belehent seint. 

12.) Von den pechten und renten^ die man an keinen 
parceln empfeng [1], sol er auch einen zettel jedes jars uber- 
aiitwort«n. Aber andere pecht and renten, die nit an keinen [1] 
parcelen empfangen werden und was auch nit stahnde ist, sol 
er aastrucklich in die rechenschaft setzen oder stellen. 

Der N. sol alle zins, pecht, renten, schätz und verfeile, 
es sei an gelt, fruchten oder anders jedes jars zu felligen 
Zeiten und termeinen vleissig ausmanen und auszalen lassen, 
auch ein jar in das ander nicht mengen, damit es den under- 
tanen xa bescbwemus nit auflauffe und die infordening zu 
meines g. h. nachteil nit underlassen bleibe oder volgents die 
undertanen mit mnhe und widerwertigkeit nicht dorfen umb- 
gescblagen oder nachgemant werden. 

Indem sich aber einiche hagelschlege, brant oder andere 
solche beschwemus zutrüge, dass etliche nit bezalen könten, 
solche Ursachen sol er schriftlich zu erkennen geben mit 
underschiet des pachts, der personen, der gelegenheit, des 
Schadens und beschwemus, bescheits darauf zu gewarden. 

Und sol der N. jedes jars in anfang des mertz, zum 
lengsten vor dem 10. oder 12. tage einen zetel in die cantzlei 
schicken, darinnen angezeigt, wievil fruchten er in gereitschaft 
habe; und so einiche fruchten noch nit ausgemant noch em- 
pfangen vveren, aus was bestendigen Ursachen solches under- 
lassen, und an wem, und wieviel bei einem jederen hinder- 
stendig und gebreche, nmb zu vernemen, was er sich mit der 
inforderung der fruchten oder des gelts darvor zu halten. Und 
sol sonder bevelch keine fruchten vor gelt loesen. 

Welche fruchten auch auf gelt geschätzt [1] wurden, da- 
von*^ er das gelt binnen demselbigen jar inforderen oder sich 
dermassen versicheren lassen, dass er es furderlich bekommen 
möge. 

") BC. 80l. 

10* 



148 



Und so jemants einiche begnadung geschehe, solches sol 
er den armen und denen, dahin es verordent, zu guttem 
kommen lassen. 

Zudem sol auch der N. keine fruchten verkauffen, es 
geschehe dan mit wissen und willen des lantrentmeisters. Und 
sol alsdan underschiedlich anzeigen, wem und wieviel fruchten 
er einem jederen verkauffe und uf welchen ti^. Dergleichen, 
wieviel er von einem jederen pechter oder undertan und von 
welchem vor die fruchten an gelt empfangen. 

Dergleichen sol er auch meltung tun, welchen undertanen 
oder pechtern die fruchten auf gelt gesetzt weren. 

Wannhe einiche teurung in den fruchten vorhanden, als 
dass die undertanen zu irer underhaltung zu gelten [lY") begeren, 
so sol der vogt inen die umb gelt verlassen und verschaffen, 
dass jederem kirspel einer oder zwen verordent werden, die 
die fruchten von ime mit summen nach notturft und gelegen- 
heit eines jedem orts empfangen und einem jederen ausmessen 
vor solchen pfenning, als die ins gemein gelden und inen von 
wegen meines g. h. verlassen werde, damit die frembten und 
verkauffer inen kein ausschlag [1]"^) machen, und auch bem. N. 
der unmuessen des vielfeltigen ausm^sens ins gemein ent- 
haben werden. Und er sol derhalber auch von denselben 
verordenten gnugsaine Versicherung nemen, dass sie ime die 
Pfenningen von den vors, fruchten mit gantzen summen lieferen 
und bezalen sollen. 

Er sol auch gutte reine fruchten von den pechtern em- 
pfangen und sich dieselbige vermög eines jederen Vertrags und 
Pachtung lieffem lassen. 

Der N. [sc: sol] nun vortan von iülen fruchten^ so in 
gereitschaft hinder ine liegen bleiben, und mit von denen, so 
noch hinder den leutten ausstendig oder aus hendefpechter [I] 
anderen geliefert oder auch iaen, den pechteren selbst, umb 
gelt verlassen weren, jurlichs vor schrimpfkom und meussbiss 
von hundert drei mit. und femer nicht berechnen. 

Der N. sol auch die foereu und päle von meins g. h. 
zehen [1] verwareu und aufsieht haben, dass die nicht ver- 

»'•) 3). 1^.: laufen. 

•») Siettett^t: aufscblag? 



14!) 



meinert oder jemants, der von alters zehenden gegeben hette 
oder zu geben schuldig were, ausgelassen und übersehen «erde. 

Er sei auch alle zehenden, die nicht verschrieben seint, 
mit der kertzen austun und certification davon aus der rechen- 
schaft inbringen. 

Femer sei er aufsieht haben, dass meines g. h. hocheit 
and gerechtigkeit der ratzehenden, wildenzehenden und bnsch- 
zehenden vertetigt, auch, so ichtwas davon abgezogen, wider- 
nmb beigebracht werde. 

Und sol der N. aufsieht haben, dass meius g. h. heugewachs 
and benden wol verwart, auch mit frieden, mit graben und 
wesseren gebessert werden, sofern das in seinem bevelch zu tun. 

Mit austueung meines g. h. benden, heugewachs und 
weiden sol sich der N. jedes orta, da es zu tun, halten vermög 
des bevelchs, so er hiebevor derwegen empfangen oder ime 
sonst jederzeit auf seiner rechenschaft bevohlen werden möchte. 

Es sol auch der N. die weiere und vischereien des orts 
durch bevelch und Verordnung machen, nisten und gnugsamb 
besetzen lassen und hinfurter in gutter rustung und besetzung 
halten und alle jar auf der rechenschaft einen zettel über- 
antworten, darinnen geschrieben sei, mit was gezal [!] und wie 
lang die weiere besatzt gewest, und wannhe sie vischir [1] sein. 

Der vischmeister sol nach empfangenem bevelch dem N. 
anweisung und Verordnung tuen, was an den weieren zu rüsten 
und zu machen von nöten, und sol solches dem vogten oder 
N. helfen verdingen oder, da es sein kan, mit den diensten, 
aber mit keinem taglon macheu lassen. Und herwiderumb, 
Denn geflfd^t mirb, foSen bie f^fd^e zu behnf mein» g. h. ver- 
kauft oder zu rat gehalten werden nach gelegenheit Und der 
y. sol das gelt empfangen und berechnen, und was auf den 
weieren befunden und wa die visch verbleiben, sol er auch 
m einen besonder zettel stellen, wie vorg. 

Es sol auch der N. meins g. h. weieren und vischereien 
des orts mit rat und gutbedunken des vischmeisters zum 
meisten nutz i. f. dl. behalten, wie ime dasselbig jederzeit 
auf der rechencammem oder sonst bevohlen werden möchte, 
md vieissig aufsieht haben, dass dieselbige in gutten bau 
und mstung gehalten und die diensten und ander gerechtigkeit 



150 



darzu gehörig gebraucht, damit dieselbige nicht verdunkelt 
werden noch underkommen. 

Der N. sol aufsieht haben, dass meines g. h. hochheit und 
gerechtigkeit mit den vischereien auf den wasserflussen und 
wiltfangen gehalten und vertetigt werden. 

Der N. sol vleissig aufsieht haben, dass meines g. h. hoch- 
heit und gerechtigkeit auf deu weiden und marken und eicher- 
gewachs [!] gehalten und vertetigt werde. 

So auch auf meins g. h. eignen buschen einich bau- Oder 
ander grobholz gehauen wurde, dass alsdan daselbst und 
sonst an den ortem, da das von noten, widerumb junge beume 
oder postlinge in die staet gesatzt und gepost werden. 

Er sol auch vleissig aufsehens haben, dass meins g. h. 
heubusch befried pleiben; indem aber jemant geburliche drift 
darin hatte, alsdan zu verschaffen, dass auf den frischen heuen in 
vier jaren mit den beesten nicht gehuet oder getrieben werde. 

Alle kleine verfeile, so nit verweist oder verschriben 
weren, sollen von dem N. vors, zu gelde gemacht und berechent 
werden und von denen, so verschrieben oder verweist seint, 
sol er mit underscheit in seiner rechnung meidung tuen. 

Was auch m. g. h. in heben und bueren oder in gebrauch 
hat [1] oder noch hette, darinnen sol sich der N. von wegen 
i. f. g. halten, von einem jederen infordem and nicht aus 
heben, bueren und gebrauch kommen noch bringen lassen, 
dass geschehe under welchem schein es wolle, es were dan, 
dass ime daruf hochg. meins g. h. schriftlich underzeichneter 
bevelch zugeschickt wurde; so sol er dannoch solches in 
seiner negstkunftiger rechenschaft schriftlich vermelden, auch 
davon in seinen gebrechen keinen zweiffei machen noch fragen 
stellen, sonder durch diejenige, die gebrech daran betten, 
angeben und sich beschiet daruf bringen lassen und, so er 
darüber jemant icbtwas stahn Hesse und nicht inforderte und 
mein g. her als"'*) aus heben und boeren keme, sol an ime 
gesucht und er davor angesehen werden. 

Auch sol der N. nicht gestatten, dass jemant in dasjenige, 
das meinem g. h zustendig, greiffe oder sich neben i. f. g. 
indringe. So aber ime solche gewalt begegnete, die er sampt 

»••) gür: also. 



151 



meines g. h- amptleutten und bevelhaberen des orte nit weren 
konde, des er sich doch zum höchsten befleissigen sol, alsdan, 
oder so sonst jemant sprach oder gerechtigkeit darzu zu haben 
vermeint, sol er und die ambtleutte [sc: bie ®aä)t] verhören und 
i. f. g. alle umbstende, bericht [sc: en?] und nach befinden 
der Sachen clarlich überschreiben, aber doch mitlerzeit und ehe 
er i. f. g. gemuet darauf vemomen, kein vemeuerung oder 
inbroch gestatten. 

Der N. sol nit gestatten, das» einlebe neue wint- oder 
andere muellen in ged. ambt oder bochheit gemacht oder mit 
viscben, quellen, rodten oder sonst einiche andere neuerung 
vorgenomen werde, die meinem g. h. odec i. f. g. undertanen 
in einichem teil abbruchlich oder nachtillig [I] sei» möchten, 
es were dan alles mit i. f. g. vorwissen und zulassen, davon 
ime von hoffe schriftlicher bevelch und geburi icher schein 
vorbracht wurde. 

Indem auch einiche meins g. h. gutter, pachtlant, mullen, 
benden, vischereien, acciss, zehenden, husch und andere ver- 
falle hoher ausgetan oder zn merem nutz gebracht werden 
möchten, sol er auf der rechenschaft anzeigen. 

Er sol auch keine gutter verpachten, es werde dan die 
gelegeuheit und werde davon, auch die mass, znbehör und 
gerechtigkeit solcher gutter vorhin eigentlich erkundigt und 
Ulf der rechenschaft angezeigt und, was er von guttem ver- 
pachten wurde, sol er nicht anders, dan mit goltgulden, rader- 
gelt oder fruchten, wie ime solches bevohlen wirt, verlassen [I] 
nnd keine pachtung mit leichtem geld tuen, auch die namen 
und Zunamen der pechter jedes jars in die rechnung setzen. 

Und sol der N. keine gutter lenger, dan zwelf jar zu verpachten 
macht haben, doch dass solches vorhin auf der rechenschaft 
zn erkennen gegeben und bewilligt werde, ehe er entlich zusage. 

Der N. sol aufzeichenen, was ime bedunkt, damit meins 
g. h. gult und renten sonder jemants- zu verkurtzen gebessert 
werden mögen. 

Nachdem auch mein g. h. in gemein verordnen lassen, 
dass keine i. f. g. amptleutte, vögte, rentmeister und der- 
gleichen bevelhaber sich undernemen sollen, einiche i. f. g. 
hoffe, zehenden, lant, mullen, bendeo, husch und dergleichen 



152 



gutter in pachtang mit der kertzen oder sonst an sich zu 
werben, es geschehe dan mit austrucklichem bevelch i. f. g. 
oder in") der rechencamer, so sol sich der vors. N. der- 
selbiger Ordnung gemess halten und auch in seinem bevelch 
nichts dajegen handien noch fumemen lassen, sonder, wa 
solches geschehe, sol er dasselbige zu erkennen geben, damit 
es abgeschaft werde. 

Auch sol der N. keinen trugen weinkaaf nemen von 
einicher pachtung, dan aus schriftlichem bevelch von hoffe 
und zulassen auf der rechenschaft, sonder alles zu meines 
g. h. nutz austun, doch der geatalt und massen, dass die 
Pachtungen nicht höher ausgetrungen werden, dan die pechter 
tragen und leiden können. 

Von allen den Pachtungen sol er gnugsamb bürgen und 
Versicherung nemen, also dass er den pacht jarlichs sicher 
bekommen kan. Sonst sol er selbst davor stahn. 

So auch einich laut, mullen, benden oder dergleichen 
vor den pacht"") [1] oder sonst liegen bleibe, solches sol der 
N. anfangen austuen und soviel er kriegen kan, davon "'°*) 
nemen, doch so da underpfände weren, dieselbige derhalben 
zu suchen [1]. 

Und sol auch der N. alle "") der [1] Pachtungen in seinem 
bevelch, es sei erbpacht, leibpacbt, zu jaren oder zu meins 
g. h. gefallen, forderen, durchsehen und vleissige achtung 
haben, dass sich die pachtere vennög derselbiger Verpachtung 
halten and solch gelt oder die werde darvon lieffern, als nach 
datum der Verpachtung gegolten und gangbar gewest ist Und 
so auch die zeit der Verpachtung oder Vertrags umb weren 
oder die pechtere sich anders dan der gebur hielten oder 
gehalten betten, solches eigentlich aufzeichenen und wie vorg. 
bei der rechenschaft uberantworden. 

Was erbpacht seint, sol er die pächter selbst lieffem 
lassen vermog der pachtbrief, und so einlebe darinnen seumig 
oder bruchig weren, sol er zu erkennen geben. 

»») in too\)l }u |hri(^en. 

"«) Sittteii^t = toeflen SKi^tjo^Iunfl be« ^ai^tjinye«. 

"'•) KSinHi^ »on beut ^ai^tjinfe. 

»>) SSieOeU^t »rieft «u ettgSnitn. 



1Ö3 



Und 8oI aach der N. aufsehens haben, dass diejenige, den 
mein g. h. in seinem bevelch einiehe gatter oder anders ver- 
pfant, dnrch vertrege oder aus gnaden verlassen bette, sich 
damit and sonst der gebner halten, vermog irer pfantbrief, 
vertrege oder gnediger herznlassung [!]■''") 

Aach sol er sich mit vleiss erkundigen und darauf sehen, 
wa eimche meins g. h. gatter oder underpfande verspliessen 
weren oder worden one verwilligung i. f. g., solches sol er 
auf der rechensehaft in seinen gebrechen zu erkennen geben, 
auch nit zulassen, dass es geschehe. 

Der N. sol auch aufsieht haben, dass meins g. h. gutter 
in guttem bau und beaserung gehalten und nach umbgang der 
pachtjaren also wider geliefert werden. 

Er sol auch keine neue oder sonst notbeue an meins g. h. 
heaseren, hoeffen, moelen oder anders tuen, es seie ime dan 
zuvor auf sein ungeben zu hoffe erlaubt nnd durch i. f. g. 
banmeister besichtigt, und wanehe die besichtigung geschehen, 
so sol er solches dannoch nit anders, dan nach rat bemeltes 
banmeisters verdingen oder beuen und alle gereitschaft stellen 
lassen, es were dan sach, dass solcher bau keinen verzug 
der besichtigung one schaden meines g. h. erleiden möcht. 
und was er also wie vors, vom bau berechnen wirt, das sol 
er in einen zettel stellen, darinnen underschiedlich vermelt 
wiit, wer das werk gemacht und was ein jedes von materialiea 
gekost habe und wa ein jedes genomen oder herkommen und 
alsdan mit einer summen in die rechnung bringen. 

Die quitantzien von einem jederen, da es nöttig, nach der 
formen, so ime zugestelt, empfangen, ehe er das gelt oder 
frachten ausgebe, und so er sonder quitantzien rechnen oder, 
die quitantzien anders nemen wurde, sol ime nit passirt werden. 

Der N. vors, sol alle meins g. h. gult und reuten, zins, 
pechten und verfelle dem lantrentmeisteren lieffem und mit 
seinen quitantzien berechnen, doch daran abgezogen den 
stabenden abgang und gewonliche jarliche ausgäbe, davon er 
auch auf der rechensehaft überantworten sol gnugsame ver- 
sigelte quitantzien mit queitscheltung von demselhigen und 



'*'*) Offtnbot ffli: meines g. h. znlManng. 



154 



anderen vorbittenen [1] '**) tenneinen. Und, so er sich anders 
bewegen Hess, sol ime auf der rechenscbaft nit zugelassen 
werden. 

So auch jemant einich mangel durch inen zu bezalen ver- 
weist were [!]*°^) oder wurde, solches sol er künftig nit bezalen. 
ehe er schein von demselbigen sehe, dass er dainit von meinem 
g. b. belehent were. Und ob derselbigen einiche todlich ab- 
gingen, sol er es mit iren erben gleichermassen halten. 

Als er von wegen meins g. h. auswendig seines bevelchs 
bescheiden wirt, sol er nit weiders vor zerang rechnen, dan 
nach bofsordnung, nemblich dass er sol tag und nacht auf sein 
pfert einen schleffer [!] berechnen mögen. Aber in bedienuug 
seines ampts und bevelchs sol er vor sich noch andere meins 
g. h. diener und bevelhabere des vors, ampts uberal keine 
zerung berechnen und auch niemants ungewonlichs one schrift- 
lichen bevelch verpflegen oder queiten. 

Der N. sol meins g. h. undertanen in i. f. g. oder anderen 
namen keine angebürliche beschwemuss auflegen, nit ge.statten, 
dass sie von jemant anders ungeburlich beschwert, doch zu 
tun [1]'"*), das sich geburt imd sie meinem g. h. zu tuen 
schuldig gehalten werden. 

Es sol auch der N. von meines g. h. undertanen noch 
anderen in seinem bevelch kein erbschaft gelten, belegen, 
beuten noch sonst an sich kriegen oder werben, dan mit 
vorwissen meins g. h., und dass die gelegenheit zuvor er- 
kundigt und ime schriftlich zugelassen, auch sonst damit wie 
lantrecht und nach i. f. g. Ordnung gehalten werden. 

Dergleichen sol er von den geistlichen oder anderen keine 
gutter, zehenden oder gerechtigkeit, die in dem ampt seines 
bevelchs gelegen seint, an sich werben oder pechten, es ge- 
schehe dan mit vorwissen und bewilligung meins g. h. 

Es sol auch der N. alle jars clarlich und verständlich 
auf eine halbe seit des papiers aufzeichnen die gebrechen, so 



"•) 5ür: verlittenen. 

'"*) 3). ^. Wo^(, wenn jemanb mit einet burc^ i^n su 6e}a(Ienben Xn^ 
weifung SU i^ {ommi 

">*) Sinn: aitt botauf \t^txi, ba^ fte t^un tc. 



155 



in seinem bevelch yorhanden sint oder furfallea werden meins 
g. h. gult und renten bedreffent; dergleichen, was er weiss oder 
erfaren kan, da meinem g. h. an i. f. g. guUen, renten, auf- 
kompsten, gerechtigkeiten oder anders abbrucb oder ver- 
kurtznng geschee[n] were oder noch geschehen wurde, und 
solchs mit uberschickung oder Überlieferung seiner contra- 
rechnung dem rechenmeister zustellen, damit man dabei 
schreiben könne, was er sich in einem jederen zu habe [!]""), 
und was ime also auf solchen gebrechen geantwort oder sonst 
von wegen meines g. h. befohlen, sol er treulich und vleissig 
aosrichteü. Und so er in einichen [1] sonderliche beschwernuss 
oder gebrechen befunde und ime sonst behinderung begegnete, 
sol er anstimt zu erkennen geben, bescheits gewarten und 
sich darnach halten. 

Dergleichen sol der N. des anderen jars aufzeichnen, 
was er nf den letzten beyelch ausgericht, oder Ursachen an- 
zeigen, waran es gefeit, und was sich also mitlerzeit zugetragen 
oder [sc: er?] weiders erfaren hab. Doch sol er keine 
Parteiensachen oder einlebe pit und forderungen vor sich 
selbst oder andere under solche gebrechen meins g. h. gult 
and renten betreffen nit mengen, sonder dieselbige, da es 
sonst staet hat [1] imd wie sich geburt, furbringen oder fur- 
bringen lassen. 

Es sol auch der N. und seine nachkomlinge das rent- 
buch seines bevelchs vleissig durchsehen und bewaren und 
dasselbige zu allen zwanzig jaren über nutz'°*) des ge- 
richt vemeuem und der gebrucher namen und zunamen 
nnderscheidenlich darin setzen lassen, auch dabei anzeigen, 
wan [! üMXd?] in den vors, zwanzig jaren ankommen und ver- 
ändert sei und copei von solchem rentbuch zu hoffe über- 
antworten, umb zu besehen, ob es recht gestalt, und wo [!] es 
sonst so [b. ^.: anberav] befunden, sol er em ordenlich rent- 
buch bringen. 

Und sol jarlichs seine rechenschaft zeitlich vor dem 
meitage in gereitschaft stellen und auf gesinnen zu hoffe 
scUcken sampt seinen gebrechen, hebbuch und zetteleu wie 

<*■) Offtniox: ju ^ttn ^ait. 
"•) Pt: nbennite. 



156 



vorg., damit man die von [offenbar: oor] der rechenscfaaft 
durchsehe und er auf sein recess nit warten dörfe. 

Darzu sol er neben uberlie£ferung seiner rechenscbaft 
alle jars seinen staet von der neuer rechenschaft stellen und 
corrigieren lassen, sowol von dem aufboeren, als von dem 
ausgeben. 

Der N. sol alle zettelen, so bei die rechenschaft gehören, 
mit buchstaben zeichnen und alle zusamen binden und mit 
der rechenschaft übergeben. 

Der bem. N. sol die schult und widerschult, so mein g. h. 
ime oder er i. f. g. wiederumb an gelte, fruchten oder anders 
schuldig verpleibt, zu ende und ausgang seiner rechenschaft 
auf ein besonder blat wider erholen [!] und ordentlich bei 
einander, also: 

an gelte 
an weiss 
an roggen 
an habem 
und so vertan. 

Und sol der N. zeitlich [vor] dem maitag wie obg. neben 
seiner rechenschaft eine verzeichnuss in die rechencamer 
schicken, darinnen vermeldet, was er von bem. schalt, die er 
meinem g. h. schuldig verbleibt, aufgeboert und in gereit- 
schaft habe und was ime noch hinderstendig und noch 
einzuforderen, mit clarem underscheit, wa und an wem der 
gebrech seie und aus was bestendigen Ursachen er es nit 
ingefordert oder die schultaer nit haben können bezalen, umb 
bescheit darauf sei [! ju?] gewarden. 

Und was der N. in seiner rechenschaft schuldig bleibt, 
sol er auf gesinnen lie£fem und alle jars aufzalen und nit 
under den leutten stahn lassen noch hinder sich behalten oder 
under das sein vermengen. 

Was er aber empfangen oder ime aufzuboeren befohlen 
Wirt, dass er solches zu mai an gelt bezahle und mit liefiFerung 
oder verkauffe der fruchten [sich] halte nach bevelch, so 
ime derhalben zukommen wurde. 

Was dem N. auf der rechenschaft oder sonst bevohlen 
Wirt, solchs sol er treulich und vleissig binnen ben. zeit aus- 



157 



richten- Im fal ime aber wiche Terhinderung furfiele, dass 
er es nit ton noch durch aodere bestellen konde, sol er als- 
balt ZQ erkennen geben, woran es gemangelt, besehiets zu 
gewarten, und in meins g. h. Sachen und bevelch nit seum^ 
sein noch verpleiben, bis dass er gefragt [1]. 

Gleichfals sol er den gemeinen bevefalen und Ordnungen, 
so mein g. h. ausgahn und verkundigen lassen oder nachmals 
aosgahn wurden, mit vleiss nachkommen und sich denselben 
allenthalben gemess halten. 

Dan es wil mein g. h., dass i. f. g. dieuer i. f. g. Ordnungen 
und beyehlen nachkommen, die halten und ausrichten oder 
aber billigen Ursachen anzeigen sollen, warumb es nit geschehen 
können oder sich geburen wtl. 

Der N. sol meins g. h. gult, reuten und alles inkommen 
TOQ den pechtem selbst aufboeren und empfangen und 
dnrcli die potteu nichts aufbucren noch sich lieferen 
lassen. Aber mag irer gebrauchen, dass sie die pftchter und 
Schuldner manen und inen ansagen und bevehlen, ire hinder- 
steadige zins und pechte zu banden des N. zu liefferu und 
im fal der missbezalung davor zu pfenden. Welches der N. 
auch ans [!]'°') den herrcn- und vogtgedingen allemal den 
gemeinen undertauen, so meinem g. h. schätz und andere [1] 
pacht jfirlichs gelden, kunt tun und ansagen lassen sol, den 
betten nicht von i. f. g. gülden imd renten zu lieferen, sonder 
auf ir anmanen und bevehlen sich personlich zu den bevel- 
haberen zu verfuegen und inen selbst zu lieferen. 



XXIII. Ordnimg wie meines g. f. und h. leib- und 
pachl^aeter ausgetan sollen werden. 

So jemants einich gut begert aufs ' neu zu pachten und 
lieber ^°^ daran zu gewinnen oder einiche mer lieber begerte 
zu gewinnen an dem gut, so er vorhin gepacht hette, sollen 
der lanti-entmeister und lantmesser roitsampt den rentmeistern 



"^ DfffnBat: auf. 
'") J). ^. adbtt. 



158 



und bevelhabem jedesorts zuvoren besichtigen, erkundigen 
und clarlicb aufschreiben, wie hernach volgt: 

1.) wievil morgen das lantgut, weide, wert oder anders 
halte und an sich habe. 

2.) die pelung und anschuss. 

3.) die eigentliche mass und, wa die nit vorhanden, daselbst 
messen zu lassen. 

4.) wievil ein jeder morgen nach gemeiner achtung wert 
sei, eins helf dem anderen, jarlichs ausbringen und zu pacht 
tun mögen. [!] 

5) ob es Stabe zu gewinnen [1]. 

G.) ob auch einich ander unnütz lant, sant, widengewachs, 
holtz oder sonst ichtwas anders darzu gehörig. 

7.) was diejenige, so der weinung [! roo^I: winnung] 
gesinnen, jahrlicbs darvor geben oder wieviel [sc: fie?] den 
pacht hoben wollen, behaltlich der geburlicher farwinnung, wie 
bemach volgt. 

Und wan dis vors, also bescheben, sol der lantrentmeister 
allen bericht wie vors, den verordenten reten zu hoffe zu 
erkennen geben, umb zu beratschlagen, ob die verwinnung [!] 
nutz sei oder uit. 

Und man sol niemants lassen winnen oder pachten, er 
gebe dan zum wenigsten zu pacht die drei teil, was er jarlichs 
nach gemeiner achtung zu pacht tun mag, und dass die vor- 
winnung nit höher dan vor den vierten teil genomen werde, 
als nemblich wa ein gut geacht wirt an 20'"*) [!] gülden jar- 
licher paclitung, dass davon 30 guld. jarlichs zu pacht und 
für die zeben ein zimliche furwinnung genomen werde, und 
also vortan ein jedes nach advenant. 

Item die gutter, so gebessert seint oder da augenschein- 
liche besserung zu vermueten, sollen nit in dem alten pacht 
verlassen, sonder nach der achtung, als sie in zeit der winnung 
in massen und werde befunden, ausgetaen werden wie vorgemelt. 

Item es sollen an den guteren nit über zwei oder zum 
höchsten drei lieber getan imd dieselbige anstunt oder zum 
lengsten binnen einem viertel jars nach der beschehener 
winnung benant und die brief darauf empfangen werden mit 

>(") SBa:^rf(^einIi(^ bod) 40. 



159 



dem vorbeding, so einiche lieber binnen gerorter zeit nit be- 
nant wurden, dass dieselbige alsdan tot und ab sein sollen. . 

An den gutteren, daran merkliche bessening oder has8ert[!] 
auf stnnde oder die gross nnd wichtig weren, kein mer lieber 
zu tun, sonder die aufsterben zu lassen, und alsdan zu 
überlegen und zu ratschlagen, ob nit nutzer sein sollen [!für: sol?], 
solche grosse gutter in blank [1] zu legen und mit parceln 
auszutuen, damit ein jeder zu seiner gattung [1] kommen und 
verholfen werden möge. 

Ingleichen sollen alle gutter, so zu verpachten sein, zuvor 
besichtigt, gemessen und ein jedes nach seiner gelegenheit 
and umb die werde verordent [!]"•") und ausgetan werden. 

Item dass die morgenzal, pepelung [! too^l : bepelung], 
ansclius und andere gelegenheit und zu behter"') [!] so vil 
mo<!li(-h mit in die brief gesatzt und benant werden. 



XXIV. Ordnung der wasserzollo nnd was sich an 

denselben die zolner, zolschreiber nnd beseher 

zn halten. 

Wanne ein @(^iff anloinmt, morgend, mittags ober abeubiS, 
so es noch wider faren mag, foll eS nid^t an= ober aufgehalten 
nxrbeii, fonbern fog(ei(^ befe^en unb gefertigt toerben und keinem 
vor den anderen darin vorteil oder Verhinderung gescheen. 

fteiner von beu äSefe^liS^abem unb 3oI^bienern foQ heimlich 
gespräch, gelech, geselschaft oder handelung in den heuseren 
oder sonst vor der besiclitigung und Verzollung mit den schiiT- 
leutten halten, sonder zu ankunft der schiff einer den anderen, 
der nit zugegen, anstunt durch die zolkttecht hollen lassen, 
also dass die besichtignng und Verzollung nicht allein durch 
den beseher, sonder auch in beisein des zolners und zol- 
schreibers geschehe. 

Die schiff sollen nicht raue und bloss gesatzt, noch die 
schiflentte gefragt werden, was sie an anderen orten gegeben 

"■*•) gilt: geonlent. 

"«) So^( ein ;Bott: 8u))ll($ta. 



160 



haben, sonder eigentlich besehen und erfaren[l], wieviel schlechter 
futter weins, schlechter last hörich [1] und anderer zolbarer 
war, wie die gnant mag werden, ein jeder schif geladen, und 
solchs alles clarlich aufgeschrieben werden. 

®er Sefe^er unb SolR'iener fott ben ©d^iffaleuten auf den 
warfe oder auf dem schif nit ansagen, was sie verzollen oder 
geben sollen, sonder anstunt nach der besichtigung samender 
haut auf das zolhaus gehen und sich daselbst besprechen und 
eintrechtiglich vergleichen und verzollen lassen. 

^er 3oIIf4iTeibeT sol auch flar aufjeid^nen iu seinem contra- 
buch unb unterfd^ieblidd babei fe^en des schifmans namen und 
Zunamen, auf welche zeit das schif ankommen und verfertigt, 
item ob es aufferdig oder abfertig gewest 

Es sollen auch die samptliche zoldiener vleissig aufeehens 
haben und verschaffen, dass die schifleutte auf einem ort, als 
auf dem anderen an allen meins g. h zollen iren namen und 
Zunamen anzeigen und aufschreiben lassen und die nit ver- 
anderen bei [ver]lust ires guts. 

Sßenn bie besichtigung und aufzeichnus wie vors. gef4)el^eu 
ifl, so sol der beseher und andere zoldiener die Schätzung des 
schifs nach gemeiuer Ordnung tun und den grossen und kleinen 
gleichhalten. 

Dergleichen sol auch der zolschreiber aufzeichnen, wie 
hoch das schif gesatzt sei, wievil schlechter futter weins vor 
ein zolbar futter zugelassen seint, dergleichen alle andere war 
nach advenant . 9ltemaub überfe^en nod^ }u ^od^ befd^roeren; bod^ 
tpenn eine billige Urfad^e oor^anben, warumb einichen schifleutten 
nachlassung geschehen solte, bai mit anjeld^nen. 

SJie Sotti"'«"«!^ follen jid^ mit i^rer jugeorbneten fle^enbeti 
Selo^uung begnügen unb von ben @4iipleuten nid^td ne^en. 

®ie 3oIIbiener follen nid^t vor die schifleutte einiche wein- 
zapwirtschaft oder herber [Verberge?] halten, auch fein ®elb 
oder anders under dem schein der gelaeger von ben Jtaufleuten 
ober ©d^iffäleuten empfangen. SBer Don ben Äaufleuten ober 
@d^iffSleuten ben SoUbienern ettpaS geben mArbe, ber foQ zu der 
reisten [1] oder wanne solches kuntbar gewprden, an allen 



161 



meins g. h. sollen doppelen zol bezalen und inen nlt mer dan 
zwei vor ein gelassen werden."') 

Item sollen die zoldiener muche [1] niemante geringer 
noch hoher besehen oder verzollen lassen, dan vier vor ein, 
beheltlich doch meinem g. h. solchs zu i. f. g. gefallen und 
gelegenheit zu verändern und vermög brief und Siegel, ge- 
rechtigkeit und alter gewonheit zu setzen. 

Es sol auch kein zoldiener auf andere zolschreiber oder 
[sc.: BoQbiener?] entbietten, wie die schifleutte bei inen 
besehen oder verzoll seint, und so es inen auch von anderen 
zugeschrieben oder empotten wurte, sollen sie sich nicht dar- 
nach, sonder nach dieser Drbnung ri($ten. 

Jtein @c^tff mit freiem @ut (es sei auf meins g. h. bevelch- 
sehrift oder anders) foQ unbesichtigt vorbeifaren, damit man 
wissen möge, ob auch weiders dan sich geburt, under dem 
schein der freiheit gefurt 

2Benn bie SoQbiener unbelannte argtoö^nifd^e ^ßetfonen in ben 
€(^iffen finben, foQen fte biefelben nüi^t oorbeifal^Ten laffen, sie 
hetten dan dieselbige zuvor den rechten [1]"") oder in abwessen 
meins g. h. [1] dem bauherer [!] angezeigt, sich der gelegen- 
heit nach damit zu halten. 

Item es sol niemant von den bevelhaberen des zols 
baossen verfenkliche Ursachen aus der stat ziehen, sonder, so 
solche Ursachen furfielen, sollen sie iren gesellen und anderen 
zoldiener solchs ansagen und bestellen, damit die schifleutte 
gleichwol geferdigt und doch [!] durch den zolschreiber ange- 
zeichent werden, welche von den dreien nit dabei gewesen. 

Item so auch der zolschreiber aus einleben verfenglichen 
Ursachen von Dusseldorf verreisen oder sonst dabei zu 
kommen verhindert wurde, sol er einen von den zolknechten 
oder anderen darzu geschiecbt [I] vermög seines bevelchs und 
wie sich geburt, aufzeichnen lassen, doch sein buch dem- 
selbigen und sonst niemants übergeben oder sehen lassen, 



"') Xm Sianbe: Nota: diese beide articnl anllen allen Bchififleutten 
abfertigt za Düsseldorf und auffertig zu Lobith (alfo bit Orbnung and) füt 
'&(t)(:9tar{ befKmmt) verkündigt werden; darumb diss uf beiden orteren 
^s zoldienem zu bevehlen. 

>"») ^t: reten. 

11 



162 



damit in seinem abwesen derhalber keine Unordnung oder 
versaumnuss geschehe. Und wan er wiederkompt, so sol er 
von denselbigen solche aufzeichnung und bericht nemen und 
dan vortan in sein buch setzen. 

Item der zolschreiber sol sein contrabuch bei sich 
behalten, dem zolner'") oder niemant anders sehen lassen, 
sonder wanhe er zu der rechenschaft erforderet, dasselbige 
dem rechenmeister verschlossen überantworten. 

Das zolgelt sol nit in den heusereu, schiffen oder anderen 
Orden oder auch durch jemant insonderheit empfangen und 
also dem anderen zugeschickt werden, sonder alles, was da 
feit, aus [für: auf] den [!] zolhaus in irer aller beisein empfangen 
und in die verordente zol [I sc: kiste?] gelegt werden, davon 
der zolner, zolschreiber und beseher jeder einen schlusser haben 
sollen. Doch sol der zolner al aufboeren und ausgeben des 
zolaufschreiben und berechnen und, als er einich gelt van 
wegen meines g. h. wurde ausgeben, sol er in beisein der ander 
zoldiener aus der kist nemen und die quitantz an die staet legen. 

Der zolner sol kein gelt oder pension ausgeben, dan ver- 
mög des staetbuchs, so ime jedes jar auf der rechenschaft 
zugestalt, und das übrige dem lantrentmeister vermög meines 
g. h. gemeinen bevelchs und niemant anders überantworten. 
Indem er aber weiders, dan vermög des staetbuchs und 
dem [1]'") lantrentmeister oder sonder quitantz von dem und 
allen verbiettenen '"•) termeinen einich gelt ausgeben wurde, sol 
ime auf seiner rechenschaft nit zugelassen oder paasirt werden. 

Item die zoldiener sollen keinen schifleutten borgen, dan 
da es von nöten und da sie alle samptlich oder zum wenigsten 
irer zween vor bürgen sein, und dass das geld alle wege vor 
ausgang des jars bezalt und dem lantrentmeister gelieffert 
werde, also dass er es in seine rechenschaft desselbigen jars 
bringen mag. 

Item die zoldiener sollen die schifleutte fragen und sonst 
erfaren, ob sie auch jegent gelest [1]"*) oder zwischen wegen 

"•) 2). ^. nt(^t bem Saliner, no(^ Jemanb. 
"•) Offenbar fe^lt ^ier ettoo». 
"«») gilt: verlittenen; »gt. ®. 165. 
'") SBo^t: irgent gelöscht. 



163 



aosgeladeu haben und, wa dem also, alsdan zu fragen, an 
welchem ort and wievil, und solchs alles durch den zol- 
schreiber mit aufgeschrieben werden. 

Item der zolner sol von dem zol goldgulden, gülden, 
paiment und solch geld nemen, als auf anderen herrenzoUen 
empfangen wirt 

Item der zolner sol nit aus des zolschreibers contrabuch 
sein rechenschaft setzen, sonder dieselbige selbst nach den 
tagen, wechen, monaten, namen und zunamen anzeigen, was 
er empfangen habe. 

Item dasjenige, so an hoerung [!] schätz [!] empfangen 
wirdet, sol sich niemants von den zoldieneren allein und^rwinden. 

Item sol der zolner in anfang seiner rechnung setzen, 
wievil alb. auf einen goltg., oberland. g. und mk, und wievil 
hl. vor einen alb., und welcher werung, in seiner rechenschaft 
gerechent werden. 

Item sol der zolner nit weiders in einem anderen jar 
rechnen, dan was darin gehört, empfangen und ausgeben ist, 
und das eine nit durch das ander mengen. Doch ob einiche 
bezalungen stahn bleiben und nit ausgegeben wurden, davon 
sol er in seiner rechenschaft meidung tun und Ursachen an- 
zeigen, damit man des Wissens habe. 

Item der zolner sol keinen bau weder auf dem schloss 
am zolhaus noch anders dergleichen keine schiffang [!] oder 
einich ausgeben oder bestellung tun anders [sc.: dan?] ver- 
mög seines staetbuchs, sonder sol der [!] bauherren und keiner 
damit gewerden lassen. 

Item die zolknecht sollen stets zuversetzt am wurve [!] 
auf ankompst der schiffe warten und, so einiche von den zol- 
dieneren nit zugegen, dieselbige anstont fordern und hellen. 

Es sollen auch die zolknecht die schifleutte nit beschweren, 
anch nit weiders von inen nemen, dan vermög der Ordnung. 

Hi foQen die vorgem. zolldiener ben aufgejä^Iten fünften 
6ei ben giben, bie fte bem ^et}Og get^n ^aben, nad^fommen. 

SBenn jemanb oon ben S3efe^l2^abern ftnbet, dass sich der 
ander dieser Ordnung nicht gemess l)&lt, fo ift er bei feinem 
ۊ>e fd^ulbtg solches anzuzeigen. 



11* 



164 



XXV. Ordnung der lantzolle. 

@d foQ unser zolner zu N. im Snfang feiner Sted^ttung oder 
9ie(l^enf(i^aft setzen, mit was gülden ... er rechne. . . . 

@oE den zol nit anders aufboeren, dan an rader gelt, zu 
verstehen, dass er vor 1 mr. 6 rad. alb., vor 1 alb. 1 rader 
alb., vor 1 schul. 1 rad. Schill., vor 1 hl. 1 rad. hl. oder die 
werde darvon empfangen und berechnen sol. 

@oE in jlebem ^al^r nit weiders berechnen, dan was 
darin gehört, empfangen und ausgeben ist, u. f. vo. vo\e 
in XXIV. Seite 163. 

@oII. erstlich allen abgang und ausgeben, was stabende 
ist, darnach unser diener gehalt und belonung und volgents 
das gemeine ausgeben in seiner rechenschaft bei einander 
setzen, damit man ein jedes eigentlich zu finden wisse. 

Sßenn iemanb einich 3RanngeIb an unsem zolner zu be- 
zalen verweist were oder wurde solches sol er künftig nicht 
bezalen, ehe er schein von denselbigen sehe, dass sie damit 
von uns belehent weren. Und ob derselbigen einich tödlich ab- 
gingen, sol es unser zolner mit iren erben gleichermassen halten. 

Als er von unsertwegen auswendig seines bevelchs be- 
scheiden Wirt, sol [er] nit weiders vor zerung rechnen, dan nach 
Ordnung unsers hof. Nemblich sol er zu hoffe auf gehen 
essen, vor sein pfert futter holen lassen und, solang er zu 
hoife ist, vor sein pfert und stalmut einen raderalb. und, so 
er einiche nacht zwischen wegen pleiben muss, sol er tag 
und nacht auf sein pfert vor raufutter und stalmut einen 
schliffer berechnen mögen. Aber in bedienung seines ampts 
und bevelchs sol er für sich nach [Inod^?] anderer [landere?] 
unser diener und bevelhaber des vors, unsers ampts uberal 
kein zerung berechnen und auch niemants ungewonlichs one 
unseren schriftlichen bevelch verpflegen oder queiten. 

Unser zolner sol keine neue oder sonst notbaue an unseren 
haus, gehuchten, bruggen oder anders tun, es sei ime dan 
zuvor auf sein angeben zu hoffe erlaubt und durch unseren 
baumeister besichtigt. Und wanhe die besichtigung geschieht, 
so sol er solches doch nit anders, dan nach rat bemeltes 
unsers baumeisters verdingen und bauen u. f. ro. mit XXIV. 



165 



^er Senner foll unser zolgelt und verfelle allein unserem 
lantrentmeister und sonst niemant anders liefern und mit 
seiner quitantz berechnen, doch davon abgejogen ben fteiienben 
Xbgang unb gewönliche jarliche ausgäbe, davon er auch auf 
der rechenschaft überantworten sol gnugsame versigelte 
quitantzien mit qititscheltung von demselbigen und allen an- 
deren verlittenen tenneinen. Und, so er sich anders bewegen 
liess, sol ime auf der rechenschaft nicht zugelassen werden. 

Uer zolner sol jahrlichs sein rechenschaft zeitlich im 
anfang des aprilis in gereitschaft stellen und auf gesinnen zu 
hoffe schicken, damit man die vor ber ^ttl^tn^ffyx^t durchsehe 
und er auf sein recess nit warten dörfe. 

Er sol auch allen anderen zolneren befehlen und aufsieht 
haben, dass keiner mehr oder weniger neme, dan wir ins- 
gemein verordnen und bevehlen lassen, auch vor sich selbst 
damit nit anders halten, also dass nieuiants durch [sc: ihn] 
darin übersehen noch höher beschwert werde. 2Benn er t)er= 
nimmt, bag einiche under- oder andere unsere zolner mer ober 
loeniger nehmen ober fid^ fonfl biefer Drbnung nid^t gemä^ galten, 
fo foK er ti bei seinem eide auf der rechenschaft zu hoffe 
zu erkennen geben. 

Soll in feine 9{e(i^enf(i^aft setzen mit claren underscheit 
die namen und zunamen der furleut, tag und war, was an 
dem zol daselbst kommen und verzolt sei. @o(I au(i^ oon 
ntemanb mel^r ober loeniget nehmen, dan ins gemein verordent 
ist, auch vleissig aufsehens haben, dass an demselbigen zol 
nit umbgefaren werde. 

Wan auch die furleutte an anderen unseren zollen verzolt 
haben und ire zeichen davon furbringen, so sol unser zolner 
nit desto weniger aufschreiben die namen und zunamen der 
furleutte, tag und war, nemblich: auf N. tag ist N. furman 
vorbei gefaren mit einem zeichen von N. zolner und hat N. 
war und derselbiger sovil geladen oder sovil pfert gehabt. 

So auch einiche kaufmans- und zolbar war freigelassen 
und durchgefurt wurde, sol der zolner clärlich aufzeichnen, 
wem solche war zustendig, wie viel der gemessen und aus 
was Ursachen dieselbige freigelassen, mit anzeigung des tags, 
loch namen und zusamen des furmans wie obg. 



166 



Indem aber jemants von nachbarheren oder anderen solcher 
obg. zolbefreiung im schein einicher gerechtigkeit, freiheit 
oder alter gewonheit gesinnen tete, sol unser zolner [sc: den zol] 
nit annemen noch zulassen-, sonderen, so solchs von einichen 
nachbargraven oder heran auf gunst gesunnen wurde, sol unser 
zolner 'inen freilassen mögen [Dbj. fe^It], wie wir ime davon 
femer mass und Ordnung zustellen lassen werden. 

Auch sol er von den zolnern under inen gehörig alle 
monatsreohenschaft und auch an den orteren, da solchs 
möglich und die leutte zu bekommen sein, gleichfals claren 
underscheit der namen und znnamen der furleute, tag und 
war nennen, auch vleissig aufsehens haben, ob es alles in die 
rechnung bracht und was an den zol ankommen oder verzolt 
sei, dass auch an denselbigen nicht umbgefaren, noch durch 
die underzolner verschwiegen werde. 

Indem aber zu allen obg. wart- oder beizollen die diener 
nit [zu] bekommen weren, die schreiben und lesen könten, so 
sol dannoch der zolner bedacht sein und vleiss ankeren, dass 
solche vors, diener an den orteren, da die Strassen vast 
gebraucht, bestalt und gehalt[en] werden, damit die obg. 
reehenschaft und anzeichnus dermassen geschehen könne. 

Es sol auch unser zolnor alle jars clärlich und verständlich 
auf ein halbe seit des babirs aufzeichnen die gebrechen, so 
in seinem bevelch vorhanden seint oder furfallen werden, 
unseren zol und verfeile desselbigen betreifen, dergleichen, 
was er weiss und erfaren kan, da ans an unserem zolle und 
gerechtigkeit desselben abbrach oder Verkürzung geschehen 
were oder noch geschehen mochte und solchs mit uberschickung 
oder Überlieferung seiner gegenrechnung unserem rechenmeister 
zustellen, damit man dabei schreiben könne, was er sich in 
einem jederen zu halten habe. 

Ingleichermassen sol er auch des anderen jars aufzeichnen, 
was er auf den letzten bevelch ausgericht, oder Ursachen 
anzeigen, woran es gefeit und was sich auch mitlerzeit zugetragen 
oder er weiders erfaren habe. Doch sol er keine andere 
Sachen oder forderungen vor sich selbst oder vor anderen under 
solchen gebrechen, unsem zol betreffen, mengen, sonder die- 



167 



selbige, da es sonst staet hat und wie sich geburt, furbringen 
oder furbringen lassen. 

Unser zolner sol vleissig aufsehens haben und verschaffen, 
dass die karrwege und herstrassen durch unser ampt eines [1] "* ') 
bevelchs von den anstossenden erben nit zugemacht, verenget 
noch yerwust, sonder verbessert und in gutter rustung gehalten 
werden, damit diekaufleutte und jedennanungeirret wandlenmöge. 

Auch sol der zolner aufsieht haben, dass die furleutte 
von niemants beschwert, betregt [!] noch gesatzt [für: geschätzt?] 
werden; indem es aber von jemants furgenomen wurde, dass 
er zusampt unsem amptleutten und bevelhaberen des orts 
nicht [1]"^ dasselbige abgeschaft werden möge. 

Es sol von aller zolbar war oder pferden, die zollen 
radergelt oder die werde davor geboert und vor [!] keinem 
minder oder mer genomen werden, dan wie hernach volgt: 

von einem fuetter weins 3 mr. 

von dem gut, das contner [1] gut ist, jeder pfert 6 alb. 

von Stockfisch, jeder pfert 6 alb. 

von gebranden wein, jeder pfert 6 alb. 

\ von jeder pfert 4 alb. 

eiser i "" ^ 

blei 

isertraet 

saltz 

sciioUen 

eigen [für: feigen] 

rosinen 

hoppenkraut 

olich 



rader- 
gelts. 

rad. gelts. 



butter 
keess 
ungel 
scbmaltz 
wollen 
hömig [!] 
rolled [!] 
honich 



von jeder pfert 



4 alb. radergelts. 



'"*) gut: seines. 

'") Sinn: sorge, dass. 



168 



horning [!] 3 alb. 

reinfisch 

tonfisch vom pfert 2 alb. 

backing 

steinkolen vom pfert 1 alb. 

denne [1] boert"*) das pferd 3 sol. 

TOD einem moellänstein - .... 6 alb. 

vom stuyer [!] 3 alb. 

robellen [1] i 

kaufpfert } ^ *^''- 

ochsen 2 alb. 

knhe 1 alb. 

vasselrint 9 hl. 

veltverken 1 sol. 

vasäelverken 3 hl. 

schaf") 

rj = -■ 

weiss 

ertz 8 hl. 

roggen 

gerst 6 hl 

''*^,f } 6 hl. 

speltz ) 

Und von allem andern, das hie nit in ist, nach advenaat. 



"•) Offenbar ©n SBJort: Xonnenbotb. 
"') 9li(^t «at ob 2 ober 3 hl. 



169 



III. 

(gm Bergtfd^er Zolltarif 

SRitgeicilt Dom Xn^ibbittttot H. MSvat^ |u Jtnimmau in Sö^mtn. 



3n bem jjaacifel „3oHfad&en" flnbet Twi^ im fürfltid& 
©(^roatjenberfl'fd^en ard^ioe }u ©d^roarjenberg in granfeix ein 
jebrudter 3ontarif, nxld^en ^faljgraf 5BoIfgang 5BiI^etm }u 
^fijtelborf am 21. SKörj 1639 erlaffen ^at. «uf ber SRüdfeite 
bieieä Siirifa ifl ^nbfd^riftfid^ ju lefen: „aufffd&tagÄregifler auf 
9]tbeTlanb. 3la(S) biefer Drbtnung unb (^{len f^uet ber Sicent^^ 
meifler bed 9mbtö @tetnbad^ forbern". 

Riefen SoHtarif l^at offenbar ber ^err »on ©irnborn, gol^ann 
abotf®raf§u©d^njar§enberg, weiter bie ©raffd^ft ©c^roarjem 
bng infolge Grbuertragd vom ©rafen ®eorg Subroig }n Sd^roarjen^ 
berg im 3a'^re 1642 übernommen l^at, »on ben Sll^einlanben nad^ 
^anfen mitgebrad^t. 'S)a er »on fultur'^iftorifd^em 3"tereffe ift 
unb im 2)ä{feIborfer Staatdard^i» nid^t mel^r »or^anben fein foQ, 
j'o geben toir il^n in ben nad^folgenben Seilen im »oQen 3Bort(aute. 

€yfte 

Safe »onmegen bcfe S)urd^Icud^tigflen j^ürflen »nb Ferren / Ferren 
Soifgang SBill^elmen ^faf^graoen be^ Sll^ein/in ä3ä9em/}u @ü(id^/ 
eieue «nb S5crg / ^erfeogen / ®ra»en §u 58etbeu| / ©pon'^eim / ber 
'Skti 1 3lauen«berg »nb 3Jlör§ / Ferren }u Siauenflein / ic. 9et) 
biefen befd^merlid^en JlriegSjeiten / »nb bamit bie Sanbäbefenfiond^ 
föflen ben Unberf^anen bejlo leidster anfommen / oor recognition »nb 
aufic^Iaß »on SBie'^ / aud^ 5Bein / 9ier / ©etreibe »nb anberen 
Saaten bic )u Sonbt aui 3^rer ^rfll. ©urd^l. gürflent^umben 
@üli^ »nb äSerg'^ / in biejenige fianb getrieben »nbt gefül^ret 
Derben / meldte eine }eit '^ero nit allein bergleid^en / fonbern nod^ 
ein me^rerS / »on bemjenigen fo au§ benfetben Sanben in biefe 
^rflent^umbeu getrieben »nb geführt roorben / geforbert l^aben / 
inb bamit nod^ immerfort continuiren, auff eine }eit(ang geforbert 
»nb er^ben merben foOe. 



170 



XBtin tinb Sitr. 

9i<inif(^ ffietn bie ^mt . . 
Scanbentoein bie S^mt . . 
@t)anif(^( SQetn bie ä(^me . 

Sffig bie Sterne 

9iet bie a^me 

Stnber gebcanct bon jebem 
Sieic^ät^aler toert^ . . . 

Oifl onb anbtr Sann* 
fetteten. 

(gjjffel, »ieren/ba^ SWalber 
Saurnnu^ / bai SDtalbet . . 
Samber'fd^e 5lü6 / bo^ SKalber 
Softonien / ba^ »laiber . . 
flitfc^en bo^ ©ümieten . . 
Stnber 068 beut Sieit^St^aler 
toert^ 

(Setretbe. 

SBSit^en / ba^ Slalber . . . 
Moggen/ba^ Kalbet . . . 
(Serften / 92alt / ba^ 9)talber 
9ue(^ SB{i(}en / bo^ Kalber 
epel^ / .öober / bo^ Kalber 
erbfen / ba^ »Jolber . . . 
Bonnen / mim / bo^ SKoIber 
SJoeb : Onb Seinfamen bj. Kalb : 
3Joebru(^en / ba^ 100 ©tuif 
$oj)ff / ber Ctntenet . . . 
öebronbt SBeibt/ber fe^ ober 

6 Xoniien 

luringer ÜBeibt / bo^ ga^ . 
änbere grnnen t)nb ©amen bon 

jebem äieic^^t^aler toett^. 

Äoppelpferbt 3ebe8 
Sluttetpferbt 3ebe8 
ffiinterfuaen 3cbe8 
©eugfüHen ^tUi 
SJetter üdj^ Seber 
Sette Äu^e gebe . 
aJlager Od)^ 3eber 



, Sölnifc^e 


®ulb. 


aib. 


11 

i 1 




, 2 


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1 


12 
18 



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16 
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Kagete flü^e ouc^ Stnber jebe« 

italb jebeS 

Seite« @(^toetn jebee . . . 

Kager @(^toein jeb<8 . . . 

snetter bnb Xreib^mmel/aui^ 
SiJ^ooff bnb ©ei^en jebe« 
ftuct 

Samb jebeS 

änber Stec^ bon jebem Seic^fli 
t^oler uett^ 

S (untrer. 

Siol^ Oc^fen^aut / baB flüct 
Sio^e Jtu^e^aut / ba^ ftud . 
e(^äff : bnb Äalbfel 100 ftuif 
®eIo«t «ebbet 100 pfunbt . 
Slnbere öeubt / Sellwerct bnb 
Vebber bon jebercm 9tet(^8s 
t^alet h>CTt$ 



Settt Kafft onb 3ftf4 

S^ect ein ßentner . . . 
©(finden ein Gentntr . . 
?)nf(^ntt ein Genmer . . 
$9utter ein C«ntr . . ■ . 
Äee^ ein Gentner .... 
Santart bnb einlanbf(^e itee^ 

ein Gentner 

3Qa(^8 ein Gentner . . . 
Xor: bnb ?e(^ eine a;onne 
©todfifc^ ein Gentnet . . 
gering ein JConne . . . 
»ucting^ ein lonne . . 
i'abberban ein Xonne . . 
$onig^ ein Xonne . ■ . 
Iraen ein lonne . . . 

©oH ber ©act 

©eiffen bo8 Äintgen . . 
Spanifc^e ©etff ber Gentner 
©teif ber Gentner . . 
Wöbol^ bie at^me . . 
Sanmrl^ bie St^me . . 
Zadfi bet Gentnet . . 



• Si)lnif(^e 
®ulb.| SUb. 

8 
1 
6 
3 



6 
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171 



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ptl^ tmb itoänttg ^funbt { . 

bbmSdtetDaartn tinb gtfc^ i 
Mm Jlri(^^al«t wtxiif . |> . 

icuttr nk Rusititn 
ECkift «^t fnkerttR ' 
fi(jetti( nit aufjanfn^Ten. 

3ct>«tt(ii ba^ fhid . . . '' 
9(ml([tn tmb J$<wtto^t 
b). jbii '. 

{tjitiffl ba^ (Ntat . . . . , 

^«itti(^Iöffn ba^ {tuet . . I 

Sui^fnlauff ba^ ftutf . . . .' 

Siteiffl £ntff ba( fhict . . '{ 
Mut bn Sentner .... 1 

äü^t« ixt 6«ntn«t . . . : 2 

>^aitm< SkMxn tinb Attegd: ; 

nijhmgtn in jjöfftt emge= '' 
taittDon jebtm (Stnt : f (^toör 

inb<T(Sa|9^en/JtItneentinb ; 
Xritj^rüflungen bon je^em 

M^t^tt tsert^ 

itiiit / SäBene »n £tintn' ' 
ItMikt «nk tBatrtn. 

1 

^CnoIInibtrgltit^tn gctvönbt 
tili tooartn / jo bie au^: ■, 
Sim brt Stroff ber Gon» 
ii^tion anjugtbtn fc^Ibig ! 
'rai foOm, Dom 9let(^d: 1 
üol« i»«t^ i . 

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ial» / «oü b« ©nttntr . 

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ämif b« (£«ntntr . . . . ; . 

Itta iBk Siftne »oaren. '. 

JtUjjtr unb ®Iocfenf<)tit btt i 
Stntiirt I 1 

3m tn 6«ntner .... 1 

^ k« 6«ntn« 

Stari Irt Centn« . . . . | . 
*än>e KfeirtBetd / gtfdintitbtt 

»«k 9««b«itrt bn: Centnet 
*«W ' 9ri«Jtn/ S4u^»J>f« / 

Sriitt ijni bttglti^en »on I 

\0m Mi^iüjain uttt^ 



9Ub. 



iV.:; 



6toB: bnb bngeft^mitbtt, gt^ 
soffen Sifen ber Sentner 

Xnbet 9Reta( bon @ifen/t3^ 
tinb fleatbeitct tion jebcni 
Wete^St^alet loert^ . . . 



16 

1 ■ 

16 ,1 



6 
6 
4 

10 



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6i>(nif(^e 
(Bulb.l «Ib. 



IV. 



4 

6 il 
3 

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1 I 
12 



16 



17- 



Kacr^anbt onbcrc SSoorcn. ; 

JJtogiftere^ unb Äpoterfereb 
bon iebcm SReit^dt^er 
irert^ 

©ebben bn gcbbetn b. Gentnet 

Ä{aim bet Gentner .... 

®uet f(^reib)>a))iet bag 9iti^ 

@emein ft^reib bii bntd faifvx 
ba^ lei^ 

@tals ))opiet ba^ 9!et^ . . 

et^ouffötofe ein Äifte . . . 

atnbet 3[a^ bom SRett^t^. istrt^ 

SlUet^nbt onbere Aauffman- 
f(^often/Äiomere^en/aJoa.- 
ten bnb ®ütem/au(^3)lont: 
foctuten, erben: bnb onbet 
gebat^end / bnb Isa^ in 
biefer Stifte nit {(jejificitt 
ift bom / jebetn Äeid^3t^olet , 
lbert(> 



Stein «ab ^>(«. 






SPtuUenfleine 






Sin ftebente^enbet .... 


* 


ein fec^: bnb funffje^enbet 


3 


Sin bteiie^enbet 


2 il2 


Xnbete 6tein bnb Steinlvettf i 




bom ¥fetbt«Iaft .... 


3 


Seiften bom $fetbtd(aft . . 


. 1 3 


Duffjleln bie lonne . . . ' 


• i 1 


®teinIo^(en bom SBagen . 


3 


S.ali bo^ SRalbet • ■ • ■ , 


2 


Siettei/3tnimet: bnb Sal»; 




\jo\% bom $fetbtä(aft . . 


3 


$o(tene Kopien bie &a.\)x . , 




3 



IV. 

6 
8 
3 



IV. 



IV. 



Srfunbt .& ot^ftflemelter 3^rer gürf«: Dutt^r: 

^ierunben ouffgebiuctten Secret Siesreis / 

@e|ei(^net ju Dusseldorf om 27. DJlortij 

anno 1639. 



172 



IV. 

Bandet bas Kurfölnifd^an ^ats 

3afob 0mpt^aItus üom Hdd7staga 

anUgeteilt bon 9». 4^arlefi. 



S5ie nad^folgeiibe, an ben Äoabjutor beä erjfiiftä Äöln, 2tboIf 
x)on Sd^auntburg gerid^tete 9leIatioit ^at bie SSorgänge auf bem 
SReid^ätage }u ©peijer com ^ü^jal^r 1544 unb gaiij befoubetä bcit 
^anbel be8 Äurfürfien 3ol^ann griebrid^ t)on ©ad^fen unb beä 
Sanbgtafen ^^ilipp üon Reffen nribet ©etjog §einrid^ tion 8taun= 
fd^roeig jum ©egenftanbe. Sedieret voav belanntlid^ infolge 
ber t)on SSeiben, bem Äutfürjten unb Sanbgrafen, namenä beS 
©d^mallalbifd^en S3unbe8 ben ©tobten ®o8lat unb ötaunfd^roeig 
geletiteten Ätiegä^ülfe im Sommer 1542 au« feinem Sanbe »et- 
trieben tcorben unb ^atte, ungead^tet feiner ©upplifen unb 
^ßroteftationeu beim Äaifer unb bei ben SReid^ätagen }u SRegengs 
bürg unb ©peper, bie 2Biebereinfe|uug in fein ^erjogtum 
S3taunfd^n)eig=2BoIfeubütteI nic^t ju erreid^en cermoc^t; aud^ ber 
aSerfud^ ber gcroaltfamen Slücfgeroinnung be« 6rblanbe8 enbete im 
Df tober 1545 mit ber (Sefaugenne^mung beä ^erjog« unb feineä 
älteften ©ol^ne« Äarl SSiftor burd^ ben Sanbgrafen. Srft nad^ bem 
©iege Äaiferä Äarl V. bei SKü^Iberg (1547) warb $einrid^8 
aBiebereinfe^ung in fein Sanb jur ^^atfad^e, jugleid^ begann bamit 
aber aud^ bie ^ßeriobe einer »erfö^nlid^eren unb milberen Haltung 
beä perfönlid^ ftet« an ber alten Äird^e fefil^alteuben gürften gegen; 
über feinen ber SReformation jugeroanbten Untert^anen. Sllä er 
am 11. 3uni 1568 }u SBoIfenbüttel, ad^tjigjä^rig, ba« Seitlid^c 
fegnete, war ber S3eftanb ber SReformation im ^erjogtum burd^ 
feinen ecangelifd^en ©o^n 3uliu8 gefiebert.') 

•) SSorfte^nbe« jumeijl nat^ g. Äolbetoel?, §ein| Don SBolfmbüttel (^ft 2 
ber Schriften be« SJetetnä für SeformationSgeMw^te), ^alle 1883, bQl nauwntlic^ 
\>a\. S. 44, 58, 64, 67 ff. 



173 



£er 3nl)alt bfrS niui^folgenben Seiid^tö, foioeit betfelbe ben 
9iaunf(^iDetger Jtonfitft betritt, tft ^temad^ im oQgemeinen vev 
fiänblic!^, tnSbefonbere bte Jtlogepunlte be)flglid^ bet @täbte 
Staunfd^ioeig unb @odIar loegen bet SRi^^nblung unb be- 
^pteten genaltfamen 8efettigung be« ©oSlar'fd^en SevoQ: 
möti^tigten Dr. Aonrab S^eQtngd^ufen butd^ ^ecjog ^einrid^'), 
unb ^tnfüi^tltd^ hei äSer^Itnif^eS biefeS '^xfttn }u Soa oon ^tott, 
ber ^ofbame feiner ©ema^Iin 9Rana oon SBflrttembetg, oon 
OmplKxIiuS ungenau als „Anna Truttin" bejeid^net^), ferner ber 
@tanb ber bei^erfeitigen Alagen beim 9leid^S(ammergeri(i^te, bie 
Stdiung be« faiferlic^en Si}eIan}IerS Dr. SRott^iaS ^elb ($ilb) 
IL 0. m. SBenn ber SSend^t aud^ er^eblid^ 9leueS nid^t beibringt, 
fo ift berfelbe bod^ als rafc^ Eingeworfener, unmittelbarer 9lud= 
bnid ber augenblidlid^n Situation nrie aud^ burd^ bie ^erföm 
lic^eit bed Serid^terftatterS oon ^ntereffe. S^iefer, in oierfad^er 
8e)iel)ung, ali ^umanift, ^ied^tSgele^rter, Srjt unb S)ipIomat mit 
luS}etdEnung genannt, jö^It ju ben gele^rtefien SOtännern feiner 
Seit unb als @ol^n beS SUeberr^eins ^t er )ubem baS befonbere 
^Mft, ^er ermähnt ju verben. 

9n ber Su^erfien «Sübgienje aEerbingS ber nieberr^einifd^en 
Xerritorialgruppe, in ber (urI5Inifd^en <5tabt 9nbernad^ im 
Jo^re 1500 oon eljrbaren ©Item geboren, eignete ftd^ ^alob 
Cmp^aliuS in feiner äSaterfiabt bie Elemente beS äBiffend an. 
Slad^bem er fobann auf beutfd^en unb audtoärtigen Unioerfitäten 
junö^ p^ilologifd^'^umaniftifd^en <5tubien obgelegen, loibmete er 
nd^ in unabl&fftgem Lerneifer ber 9ied^tSioi{fenfd^aft foroo^I aU ber 
^eillunbe, unb eS wirb berid^tet, ba^ er mit feinem ^eunbe unb 
Sanbsmann, bem 9r}te unb nad^maligen ^rofeffor ber gried^ifd^en 
Sitteratur ju ^aris, Dr. So^nn ©untrer, im 3!tt^re 1524 oon 
lUre^t nad^ fiöroen gegangen fei unb oon bort aud nad^tialtige 
S^ie^ungen )u gelehrten unb bebeutenben 3cit0cnc|fen, roie 
3t^ann oon ^leiben (Sleidanus), i^o^ann Sturm, Bartholomäus 
^omuS, anbreaS äSefaliuS u. f. m. unterl^alten ^abe. ^m getftigen 
Serfe^r mit fold^en SWännern me^r unb me^r geförbert, gelangte Dm: 
p^Iiud burd^ 2Bort unb (Sd^rift balb in weiten Greifen ju begrünbetem 
Änfe^en unb enoörb ben Orab eineä ®oftorä beiber SJted^te, roie 

») Äolb«»«!;, 0. a. D. @. 10 f. 
*) ÄoIbtW«V. o. o. D. S. 9 f. 



174 



eg f(i^eint, ju 3;ouIoufe, rool^in er auf feinen 9leifen butd^ gtanf= 
tet(j^, al8 Segleiter »ornel^mer junger Ferren, gelangt roar. 3m 
3a^re 1537 warb er al8 Äurfölnif(i^er »eifi^r 9JlitgIieb beS 
SReid^äfammergerid^tä unb banad^ SRat beä Äurfürflen ^ermann V. 
»on RUn, bem er im engen Stnfd^tujfe an bejfen 9leformatton8= 
»erfu(i^ biä ju 6nbe treu blieb, ftet» bereit, feinem $erm nad^ 
bellen Äräften ju bienen. ©o finben mir il^n im äpril 1543 
auf bem SReici^atage §u Slürnberg, um mit ©ietrid^, ®rafen §u 
SJlanberfd^eibäSIanfenl^eim, unb Siegenl^arb $a§, Slmtmann §u 
Sinn, at8 Jturfölnifd^en JtoKegen, unb ben 9bgeorbneten ber 
Äurfürflen »on SJlainj, »on ber ^falj, ©ad^fen unb Sranbenburg, 
be8 $erjog8 Ulrid^ »on SBürttemberg unb ber ©tobt ©trafeburg 
einen SBaffenjüHfionb jroifd^n Jlaifer Jlarl V. unb ^erjog 
SBill^elm III. »on 6IeDe=3üIi(i^j33erg »ermitteln ju l^elfen.*) Sil« 
Äurfürfi ^ermann ftd^ perfönli(i^ (gnbe 1544 §um 3leid^8tage nad^ 
©peper begeben rooHte, ftre(Jte il^m Dmpl^aliuä ju ben Äoflen 
biefer 9leife, bei bem erfd^öpften Suftonbe be8 erjbifd^bflid^en 
Äammerguta, bie ©umme »on 1200 (Solbgulben bereitroiHigfl »or 
unb empfing bagegen für fld^ unb feine ®attin Slifabetl^ beding: 
l^aufen bie SSerfc^reibung einer abUJ8baren ©rbrente »on 60 ®oIbs 
gulben au8 ben ©efätten be8 Sonner SR^etnjoH« mit Urfunbe 
»om 31. ©ejember 1544.^) ®ln 3[al^r fpftter, im ©ejember 1445, 
roar e8 Dmpl^aliu8, ber im auftrage ber ©tänbe be8 ©tjfttfteg 
mitberDppofition8partei be8 JlbInerS5omfapitel8über einen 3lu8gteid^ 
JU ®unjien $ermonn8 V., freitid^ »ergeblid^, untertKxnbelte;*) 
ebenfo fud^t er nod^ Anfang 1547 mit bem ®rafen Don SKonbcr= 
fd^eib bei Äorl V. für feinen Äurfürflen §u rotrfen^) unb i|l im 
Sugull beäfetben ^^xe& nebfl bem Sicentiaten ®eorg ©d^orn eifrig 
befJxebt, §u ^oppel8borf gegenüber bem Slbminifhator äbolf bie 
3ntereffen be8 alten $errn roal^r§unel^men.*) 

Slid^t lange »or $ermann8 V. 3;obe (15. Slug. 1552) folgte 
Dmpl^aliu8 einem SRufe be8 $erjog8 äßill^elm III. Don 6leoe= 

*) fiacomWtt, UtfunbenSuc^ IV 543 (Setttog bom 28. «^)rir 1543). 

') UtI. im ZXtfftlb. SUSI. SHe Serfc^rtibung toutbt unter ^nnamtS 
Rac^folgtr Sbotf bui(^ ben itan)Itr Sem^b bon ^agtn aBgtld^ 

■) A. Sartentto))^, ^ermann bon 3Bteb, @. 262. 

') Ä. Storroitto^j^ a. a. D. 11. @. 113 (»ritf be« ^. 6anijiu8 an do^onn 
&topptx bom 24. 3anuat 1547). 

*) et.=9l. 2>tt|ie(b. Sg(. auc^ A. $b^Ibauin, SSiu^ SBeinSBerg IL @. 202. 



175 

3üIid&-S9er8 an beffen $of. SGBonn feine (Srnennung §um ^erjog^ 
liii^ 9lat erfolgte, tfi nid^t genau belannt; boö^ loeifen jufä^Ud^e 
SerniDtgungen (oon einem Deputat von 6 SSiettel $oI} aü& bem 
amte 3>Hfelo^ oHiä^rli^ )u Sßei^na^ten unb oon brei Jlarten 
PoE)Ien ebenfo auS bem SLmte @teinbad^, beibe vom 25. Dhober 1551 
botiert) auf bai» 3aE)r 1551 mit 2BaE)rfd^einIid^Ieit }uiü(I. Sie 
ein fernerer S3noei8 ber SBilligfeit roie ber guten SSermägenaoer= 
^Itntjfe bei Empfängerin erf^eint t&, ha^ $er}og 9ßilE)elm mitteU 
erloffc« oom 6. gebruar 1557 feinem SRat 25oftor 3afob Dmp^Uuä 
gegen ein SarIeE)en oon 3000 Si^einifd^en @ulben bie aui ben 
S^^eföQen ber $TeiE)eit 3RonE)eim jäEirli^ )aE)lbaren 150 (Bulben, 
ben @uU>en )u 3 HRarl 5 Shilling geregnet, Ui auf fpätere 
Iblöfe }ueignete. 

SIS Beamter unb StaatMann toirb Dmp^aliuiS ftetjS mit 
Xuejeic^nung genannt. 2lm "Slai 1556 n>ar er an ber oom Steigs« 
tage }u XugiSburg bef^loffenen SSifUation beS Sieid^iSlammeTgeri^tS 
beteiligt unb im 3uni 1557 erf^ien er jum ^eputationStage in 
^nffurt a. 3fi. ali ^aii^'f^er älbgefanbter. ®i roirb au^ 
beti<it>tet, er ^abe 1562 feinen gürfien auf ben Siegenäburger 
Sleic^tag begleitet. 

@lei^n)oE)l blieb Omp^aliuj^ nid^t in ber ehrenvollen fLmti' 
Mung am 2)äffelborfer ^ofe, fonbern roanbte ft^ oon bort na^ 
Äöln, um an ber Unioerjttät bafelbft eine jurifUf^e ^rofeffur )u 
äbemeE)men unb ben roiffenf^aftlid^en Seftrebungen, oon benen er 
buT^ bie oon iE)m oeröffentli^ten S^riften S^ußni^ gegeben ^tte, 
vufyc ft^ roibmen }u I5nnen. <Sr foS )u Aöln mit @rfoIg 93or= 
lefungen geilten ^aben unb aud^ für ben jtöluer 9iat pra!tifd^ 
t^ig geioefen fein. Sr^eblid^e SSermögenSoerlufle, na^ benen iE)m 
taum ber freie ®enu^ Heiner fianbbeftlungen geftd^ert fd^ien, oer^ 
anlagen iE)n )ule|t, ft^ auf baS fflüt^en jum 93ü^el (ein @pli^ 
bed bem ablid^n ^äuleinfUft ©eoelsberg geE)örigen Sä^elter ^ofS 
bei SBieäborf im Slmte 3Rifelol|e) )urüc^u}ieE)en, loofelbfl er am 
25. DItober 1567 — na^ anberer angäbe erft 1570 — ftorb.«) 



*) Sotfit^mbe Satcn ftnt), fotMit bie OutUtn unb $i(fSnntte{ m(^t in 
bm 9niiKt{ungni noi^geioitfni flnb, gro|(nteiIö mit Btnufung b« SttUtH 
JOaüf^iO" Mn Xti^mann in 9b. 94> 8. 362 f. btt „Sdlgnncinni btutf(^en 
Wo^a)»^, t^tocife ober auä) na^ 9tattria(i(n iti 3)fiffeIborftt @taat8< 
on^ }ufanimni0C^Dt Son btn (ittttarif(^(n atbtiten, toe((^e Om^^iuS 



176 



Soffen toir nun ben in ber Ueberfd^rift bejeid^neten Serid^t 
Dom 6. (nid^t 26. äpril, tote Dmp^aliug ttrjng fd^trieb) 1544 folgen, 

S. Be verende in Christo ac graciose domine, quoniam 
prae maximis occupationibus quibus occupor, non potui omnia 
que vel gratia vestra cupiebat vel ego optarem, cum hoc 
tabellioiie scribere, volui novitatis caussa haec pauca significare. 
Caussa principis ab Arania et comitis a Nassau contra Hessum 
exaudita et conclusa est: nunc in hoc laboratur ut certis pactis 
ad concordiam componatur, quod ut fiat, magnopere opto 
etiamsi spes non magna affulgeat; tanta est quorundam hominum 
confidentia. Turcicum subsidium 24 mil. peditum 4000 equitum 
in menses sex promissum. Formam eius futuram existimo 
„uff den gemeinen pfennick", quoniam aequalitas „und ver- 
gleichungh der alten auslege ubell und fast verbinderlich dis- 
mael zuerhalten". In puncto religionis nihil actum in hunc 
usque diem. Quinta huius mensis aprilis caussa ducis Saxonig 
principis electoris et Lantgravii contra ducem a Braunszchweich 
acta est publica presidentibus imperatoria et regia Maiestate 
principibus electoribus et statibus imperii. Ingens fuit perora- 
tionis contentio, gravis ac multiplex criminatio cum vehemen- 
tissima insectatione. Dux Braunzschweichensis non interfuit 
in Imperatoris cubiculo in quo caussa proposita. Capita ora- 
tionis fortasse hec fuerunt quantum auditu obiter et in magna 



fucceffise Veröffentlichte, fc^Iagen in ba« ®ebtel ber Hoffifc^en Bptad)-- unb Ätter- 
tumdwiffenfc^aft bie @(^rift „de locntionis imitatione et apparatu", (Basil. 

1537 ap. Frobenium) unb ber Sommentar }u ben Sieben beS 3Sl. XuUmi Cicero, 
pro A. Caecina, pro lege Manilia unb in L Pisonem, gebrüllt |U Safel 

1538 bei Jlobert SBint^er), teogegen at« ttOfti-. unb ftaat8teiffenf(^ftK(^e 
^ublifationen be« Dm))^atiu3 eine ju ^ari8 erf (^ienene „Nomologia", »ier Bücket 
„de officio et potestate in Republica beue et sancte regenda", a(^t Sucher 
„de usurpatione legum et eorum studiis qui iurieprudentiae professionem 
sibi sumunt (Basil. apud Oporinum 1550) unb ein „Commentarins de civili 
politia" JU ertoä^nen fmb. Safob« 6o^n, ber 2icentiat ber 5lt(^te »ern^arb 
Dm|»^aliu8, gleich bem jüngeren Qafob Dm|»^aKu8 ju ÄiJtn anfäffig, gab im 
3a^e 1572 unb f))äter »tiefe feine« Sater« ou8 ben Sauren 1536 bi« 156& 
^erau«. Sg(. über bie betben jängercn Om^^aliu« A. igb^Ibaum, 9u(^ äBein«: 
berg n. ©. 212, 265, 297, 322, 353, 366. SSern^arb Dm^j^oliu« ^atte 1577 
not!) Sonbbeftj beim Süc^etter §of. 



177 



mnltitadinis turba ac strepitu exaudire potui. Oux a Braun- 
szchweich cum primam consilium proposita ac edita Caesaris 
propositione haberetur nollentque Saxo et Hessas illum in 
coDsiliam admittere, protestatus est se praeter ius publicum 
gentium dignitatem ordiois imperii constitutiones sua ditione 
spoliatum esse ac proinde ante omnia esse restituendum iuxta 
editum libellum iudicio Camerg. Ergo cum Braunxzveich. con- 
qnestos sit indignissime se esse spoliatum, necessario qugsitam 
esse defensionem ac confutatiooem per Saxonem et Hessum 
at se coram Cesare rege ac statibus imperii purgarent. Actg 
grätig Imperatori Regi atque ordinibus ob propositam et 
premissam causse huins cognitionem. Quod enim dux Braun- 
szweichensLs publice se tueri nequeat, ideo quaerere perfugium 
apud iudicium Camerac imperialis, cuius sciat cognitionem 
saspectam et adversariis suis rcpudiatam esse. Propositio fuit: 
Dicturum utrumque actorem Saxonem et Hessum quibus ex 
eanssis defensio ac propugnatio civitatum Braunszweich et 
Goslar suscepta contra ducem Henricum a Braunszweich fuerit, 
quae illias immanitas et crudelis tyraniiis, qug mens et con- 
silium contra protestantes, quod consilium cum doctore Matthia 
Hild et caeteris habuerit, quod iudicium de imperatore fecerit, 
quam prodigiosum adulterium cum concubina Anna Truttin 
habuerit, quae insidig ad turbandam pacem publicam. Petita 
attentio: cum praecastigatione aliqua rhetoricane cupide, odiose 
et temere calumniandi ac criminandi capta occasio videri possit. 
Hie primum expositum fuit, quomodo initio lis orta cum civitate 
Braanxzveicb fuerit, quid actum et iudicatum fuerit in Hommels- 
berck et quod pendente lite, etiam appellatione interposita et 
contra camerg imperialis mandatum dux Brauuxzveichensis 
privata vi et potestate occupaverit Kommelsbergk berckwerck 
ablato inde plei kopper Silber*") instrumentis in aliquot multa 
milia aoreorum: que omnia delata sint in coenobium Keifen- 
berg. Item factam esse eius coenobii munitionem ad 
diTexandos ac opprimendos cives Braunzweichenses. Hinc 
latrocinia, hinc bonorum direptiones, hinc miserandae et cru- 
deles atrages atque cgdes. 2?. Narratum deinde quam multi 
exoiti sint qui se publicos hostes contra civitatem Braun- 

>•) «iber Mi. 

12 



178 



xzveich declararint, quonim tarnen omnium factionem et 
insidias proniotas esse per ducem, quo grarius et acerbius 
ipsa civitas vel oppriraeretur vel in deditionem veniret vel 
exhauriretur largitionibus et pecuniis in redimenda pace ac 
concordia publica. Item in quo civitatis summum presidium 
ac defensio fuerit, hnnc ablatum saera internitione esse, 
scilicet doctorem Conradum Delinckhaussen. Vehemens hie 
fuit captivitatis insidiarum inclementig subsecutg cgdis ac 
mortis exaggeratio cum magna orationis amplificatione (est 
enim oratio lecta ex libro et post singula capita oratione viva 
explicata) res et caussa incboata hora secunda matutina 
duravit in horam noctis septimam. P^rgo ex iis literis quae 
D. Delinckhaussen secum habuit, rlucem a Braunxzveich 
cognovisse adversarii sui defensionem. 3. Caussam in iudicio 
camerg imperialis cognitam esse super spolio et attentatis 
contra d. Braunx. in principali contra Goslar qug civitas in 
bannum imperiale damnata sit non iusta aliqua caussa, sed 
partim defensionis impedimento, partim odio et offensione aiiqua 
iudicis et assessorum qui renascenti religioni non faveaat, 
partim factione et subomatione D. Matthig Hild qui hanc 
caussam contra civitatem et pro duce Braunxzveich. vehementer 
solicitaverit. Hie lectg aliquot epistolg quas Matthias Hild in 
hanc rationem ad ducem Braunxzvech. scripserit, quarum certe 
literarum gravis et vehemens fuit suspitio et iusta quaedam 
indignatio. Notata hie iudieii camerg imperialis aut nimia 
cessatio aut importuna diligentia. 4. Hie leetg multae epistolae, 
etiam habita consilia inter ducem ßraunxsveich. et Dr. Hild, 
etixm ex parte hie facta mentione arebiepiscopi Magua- 
tinensis, et alios quosdam, quibus declaratur et docetur, quan- 
tum illi Studium odium et factionem ceperint de oppugnandis et 
evertendis protestantibus, quam uudique quaesita pecunia et 
contractio mutui iu eum usum, qug diligentia in conscribendo 
equite ac milite. Item quae criminatio fuerit Hildii et ducis 
Brauxzveichensis de negligentia et cessatioue Caesaris quem 
ille accusat et reprehendit, quia") privata sua anteferat 
publico bono et quod narretur „unbedachtlich der handel an- 
gegriffen werde"; liic vero criminatur „ess willen Inen be- 

") qua Mb. 



179 



dancken das sich ir Maiestet den handell nit hoche und 
empsigklich anleigen liesse und moess darumb mit einem 
thoetten hebichen hitzen", significans Caesarem non admodum 
incitari contra audaces protestantium conatus. Hie ab Hildio 
graTissime accusatns et reprehensus est Grandvell et episcopus 
Ton London. Haec orationis pars magnam offensionem con- 
citavit Non potui reliqua scribere, nam statim avocabar et 
expecto adventum gratig vestrg cui me humiliter commendo. 
Spirg 26. Aprilis") anno 44. 
G. V. 

humilis servitor 

Ja. Omphalius. 
present. Poppelstorff Keverendo in Christo ac gratioso domino/ 
die 8. Aprilis aL 44. d. Adolphe archiepiscopo Coloniensi 

coadiutori/ comiti in Steinborg Schawen- 

Ego accepi Mercurii ^org/ et Holstein, domino in Gemme/ 
9. Aprilis. gm, gratiosissimo/ 

Aut in eins absentia soli d.:/ Bemhardo 
ab Hagen preposito Cancellario/ Coloniensi. 

'») nntrt b«n 35otum fte^t bon be8 Äoobiutorä §onb „Erratum", e« 
ivitt olfo 6. Aprilis ^ti^ mäffen, ba ber Setic^t f(^on am 8. beSjelben SSonatS 
in ^ßo)))Hl«bocf iwdfenttTt tmirb«. 



180 



V. 



Übereinfunft bes ^expgs 2lboIf ü. <£{eve mit 

einem 2lpott]cfcr, vodd^ev ftd? 5U (£Ieüe nieber^ 

laffen joU. — \^7, ben 6. XHai. 



Wy Adolph van gaids gnaden hertoige van Cleve ind greve van 
der Marke doin kond allen luden, dat wy myt meiBter Johan Vob onsen 
apteker averdragen ayii, also dat he ona toegeaacht heefft, dat he vyff 
jaere langh na datnm dia briefiB bynnen onser atat van Cleve aall blyyen 
woenen ind eyn goide apteke uphalden, ind went he van Leyun npge- 
braken ind myt der woene to Cleve komen is, ao aoilen wy ind gebreke 
onser onae erven meister Johan vorsa: na ter atont an doin geven eess 
nialder roggen Cleefsoher maten ind twyntioh vymen holtz, data to weten 
acht vymen hairda holtz ind twelff vymen rysholtz, die wy oen an syne 
woenstede bynnen Cleve soilen doin vueren, ind ao voirt die vyff jaere 
langh alle jaere ao vele roggen ind holtz as vors«: is, Ind wy aoilen 
meiater Johan voraa: die voraa: tyt langh des jaira eens doin cleden 
myt snlken ge wände, as onse soryvere, ind verwen, as onse camer- 
knechte to hebn plegen; ind wy soilen oen ontfangen vur onse huysge- 
sinde ind oen dairvur verantwerden, aonder dat wy oen ghenen kost 
geven endurven. Ind aa deae vyff jaere umb syn ind geleden, aolaagh 
aa meister Johan dan dair enteynden to Cleve wonende blyfft ind die 
apteke upheldt aa vorsa: steet, ao soilen wy ind onse erven oen gheven 
ind doin aa vuracbreven steet; ind meiater Johann vorss: sali alle die 
wyle, he aldna bynnen Cleve woenet, gebruyken vur onaen ind onser 
erven tollen to water ind to lande aulker vryheit, as onae bürgere van 
Cleve doin, dairup oen burgermeister, scepen ind rait onaer atat van 
Cleve in der tyt teykene geven moigen, ast geboirt ind gewoenlich is, 
dat wy oen to doin bevelen myt deaen brieff. So bekennen wy vor ons 
ind onse erven, went dit aldus gededinght is ind went wy willen, dat 
meiater Johan dit gebalden ind voltagen werde, ao hebn wy des tot 
orkondo onse Eegel an desen brieff doin hangen, Ind went ioh meiater 
Johan de vui worden myt mynem gnedigen herren heitougen van Cleve 
eto. voras : angegain bun ind die gelaifft heb ind gelave myt deaen brieff 
to halden ind to voltreoken as eyn gnet man schuldich is to doin, so 
we my die antreffen moigen aonder argelist, so heb ioh dea tot orkonde 
myne aegel oick an deaen brieff doin hangen. Gegeven in den jaeren 
onss heren Duaent vierhondert aeven ind dartiuh, up den mauendach 
poat dominicam Vooem iocunditatis. 

^ad) beut Original im @taat<arc^ibe }u SMlffelborf, an brat nur nod^ baS 
Heine ^erioglid^e Siegel anfängt. 



181 



VI. 

Die (ßrünbung ber iemax>ebev]ur\^t in (Elberfelb 
unb Barmm im 0f tober ^738. ') 

Son Dr. M«tl 9H»*t*t' 



9?i(^t bem 3"fott/ fonbern ber ©unjl ber 3?otur »erbonft bie 
lieute fo Blü^enbe Jlejtilinbujirie »on ßlberfelb unb Siannen i^ren 
Urfptung. 35ie »on bem flöten, falf^altigeu SBaffer ber 2Bupper 
btfpülten 9Biefen be8 longgejiredften, eugeii %i)ali, in vaelä)ei fiö^ 
bie ^äufermaffen ber beibeu @täbte (gebettet ^aben, eif^neten fi($ 
Mrtreffli(^ baju, bem ro^en ®aru bie 3?erebelung burd^ bie SIei(^e 
)u teil luetben }u laffen. ^ie Bleichereien bilben ben Stu^angd- 
puiitt ber gefamten ^nbufirie be« 2Buppert^ol8. .Ratten fie ben 
faufmännifd^en ©inn feiner Seroo^ner erjl einmol geroedft, fo log 
ti für biefelben na^e, nid^t beim ^albfabrifat flehen ju bleiben. 
Mh gefeilte fK^ be8l|olb jur Oiefefd^oufel ber SBebftu^I, unb fein 
unmelobifd^eS Jtlappern flang von ^a\)x }u ^al)x lauter bur($ bad 
rührige 5ü^al. «n 600 ^omilien fotten um ba8 3o^r 1738 
?ef(^ftigung unb Unter'^olt burd^ i^n gefunbeu {)oben. 93on Anfang 
an jwxr ba« fieinengarn ber ein'^eimifc^en Bleichereien ber beoorjugte 
Segenjianb ber SBeberei. ßä rourbe teil« ju Banb (Sint) teilä ju 
Stoffen (^^fld^er, Bettjied^en, Sonten, 35oppelfteine :c.) »erarbeitet 
unb burc^ btc Äaufleiite in aKe aBelt »er^onbelt. 

@c^on (ängfi 'Ratten ed bie Sleid^er ju einer fefteu Organi^ 
jotion i^reg ©eroerbeä gebrod^t.*) 35Qd ^Prioilegium ber „®arn= 

^) 2)\t Arbeit btru^t auf Vtttn im &tff. Biaaiiax^it {u Seilin unb im 
StaaHon^ib pi 3>üffelborf. 2)a8 3unft)>nbiUgium bom 16 Ottobtt 1738 ifl 
Mi) riMT notariea 6c0(auBtgtcn abfc^rift obflcbnutt, loelc^« fic^ in bct StMioti^ef 
M Sngifi^ ®«f(^t4tSbcteinS in Slbetfelb beftnbet. 

') Sg(. hierüber bie Ut(unb«n {ui @ef(^ii^te b(t (Sarnna^iung im SBu)})}«: 
M, ^au<g«s(6<n von SS. SieceliuS unb K. SBett^ im 16. unb 17. 93anb 
>wfo3ritf(^t 



182 



Statirung" Don 1527 fid^erte tiinen roeitgetienbe Siedete oon monopols 
orttöem ©tioroftet ju. Äetn SBunber, bofe oud^ bie Setneroeber 
ätinlid^eit 3telen juflrebten. @iii burd^ bie ©tootageroolt garantierte« 
Snnftgered^tfam erfd^ien il^nen ber bejte ©d^u^ gegen jebe unlieb; 
fome Äonhinenj, unb eine fold^e fonben fte unangreifbot bid^t vox 
itirer 'i^ün, jenfeitä ber notien märfifd^en ©renje. 

S)ie longjäbrige SBereinigung bet S^erritorien 3ülid^, ©leoe, 
Serg unb ÜJlorf unter einem ^enfd^ertiaufe tiatte tro$ ber ®ifer= 
fud^t, mit ber bie @tänbe jebeS SanbeS auf iiire @elbflänbigfeit 
pod^ten, mannid^fad&e 33ejie^ungen gefnüpft, bie burd^ bie S^rennung 
in einen preufeifd^en unb einen pföljifd^en S^eil nid^t ganj jerrtjfen 
rourben. ®in ^unft, an bem fte ftd^ befonber« lange lebenbtg 
erl)ielten, roar bie bergifd^=mdrfifd^e ©renje auf ben ^ö^en be« 
SBuppert^al«. ®te rotrtfd^aftlid^en 3ntereffen be8 3nbuftrtebejirfe8 
im bergtfd^en ^ügeQanb gravitierten roett meiir nad^ ben to\)Un- 
unb eifenreid^en Sergen im 9lorben unb Dften, aU uad^ ber frud^t= 
baren r^einifd^en Äornebene im SBeften. 2lu8 bem 3Jlörfifd^en 
bejog bie bergifd^e 3nbuflrie ilire Äotilen, tiolten bie Äroiienberger, 
(Solinger unb SRemfd^eiber Sd^miebe i^r ©tfen, bie SBuppert^Ier 
Sleid^er baä ^olj unb bie 9lfd^e, beren fte ju ilirer Slrbeit beburften. 
©in reger SBerfetir unb SEBaarenau^taufd^ fanb fortroö^renb über 
bie ©renje tiinüber jktt. 

2lud^ bie aufblütieiibe bergifd^e ^eEtilinbuftrie tiatte nid^t t)or 
ben fd^roarj=roetfeen ©renjpf etilen ^att gemad^t. 3*" ^od^gerid^t 
©d^roelm, bem nöd^jibenad^barten mörfifd^en 2lmte, Ratten ftd^ viele 
33teid^er unb 2Beber niebergelaffen, bie jum S^eil auSfd^liefetid^ für 
SBupperttiater Äaufteute arbeiteten unb oon biefen fogar vietfad^ 
betjorjugt rourben, loeil fte billigere unb beffere 2lrbeit lieferten. 

25iefe märüfd^e Äonfurrenj roar ben ©tberfelber unb S3armer 
2eineroebern ein ®orn im äuge, ©egen fte Dontetimtid^ rid^teten 
ftd^ itire 3u"ftpläne, jebe SJerbinbung mit ilinen foHte ben etn= 
^eimifd^en Äatifleuten abgefd^nttten roerben. 

3m ^fttiia^r 1738 regte bie pföljifd^e SRegierung eine 316= 
tifton ber ©tberfelber ©arnorbnungen vom 25, 3Wärj 1698 unb 
26. Slprit 1712 an, roett verfd^iebeiie 3Wifebröud^e bei ttinen ju S^age 
getreten roareii. 35ie titermit verbunbene Unterfud^ung über ben 
©arntianbel unb bie übrigen tnbuftriellen 35ert)ättuiffe in ®tberfelb 
unb 33armen fd^eint bei ben Seineroebern ben änftofe jur 35errotrf= 



183 



[i(^uiig i^ter äBünfd^ gegeben ju ^6en. 6ie mtubten {td^ an 
ben in ©Ibcrfelb anfäfftgen Äaufmann unb Äommeraientat SSett, 
einen Srubet be« einflufeteid^en 3lefuiten unb futfütftlid((en S3etd^t= 
ootet« SSett in SWann^im, jebei: SBebet »erfptad^, einen Seitrag »on 
2 2:^Iem }u bet neu erbauten fat^oüfd^en ilird^e in «Slberfelb beiju« 
fleuem unb auf biefem SBege gelang e8 i^nen, am 16. Df tobet 1738 
folgenbe« 3u>if^"vi{eg }u erhalten: 

8on ®ottei ®nabcn SBit Äarl ^^ilipp ^faljgrof bei Si^ein, 
bed f|ei(igen äüömifd^en 9leid^ @r)f(i^|niei{leT unb C^urfütll ic. ic. 
t|;un funb unb fügen ^iemit Seberm&nniglid^ }u roiffen: 92ad^bem 
bei uns bie in unfer @tabt unb 9mt Slbetfelb unb in bem Samten 
unfern ^ei^ogtumS 9erg niebergelaffene Seinen -3Beber unter» 
tfiänigfi angeflanben, bamit roir ju bereu befferer IBeibe^ltung 
i^nen ein 3unft=gJrit)iIegium gnäbigjl wrfiatten möd^ten, mir un« 
au(4 hierüber ge^orfantfl referiren (äffen unb befunben ^ben, ba^ 
eine loo^l eingerid^tete ßunf^'^^bnung }um merdlid^n Xufne^men 
unferer getreuer berortiger Untertanen faft erfpricfelid^ fein roerbc, 
mi Snbd und bie nad^folgenbe @a$ungen untert^änigft oor^ 
getragen loorben: 

1. @oEen aOe biefed fieinenn^eberd^^nbroerfs @enoffen ol^ne 
btt8 geringflc ju oerje^ren, auf ben 1*?* aJlonat« Octobrig an 
einem bar^u befHmmten Ort erfd^einen, 6 amtS^SReifler ouS 
benen im ticiligcn Siömifd^en SReid^ f)ergcbrad^ten unb gelittenen 
breien 9{eligiouen gejiemenb erroä^len unb nad^ oetfloffenem 2la^r 
bie 3 älteften, an bereu Statt 3 anbere }u enoä^len, abgeben, 
loeld^ na^fommenbe von benen abge^enben bie 9{ed^nung ju 
empfangen ^ben. tiefem näd^ft ftnb Slmtd^äReiflere oerbunben, 
baäjenige, fo ein unb ausgegeben roirb, in ein beS SnbS geroibmeteS 
9iu!^ rid^tig }u t)er}eid^nen unb baS überbleibenbe }u bee SlmtS 
%u|en bis iur n5t^iger SSerroenbung in eine befonbere SlmtS- 
cojfam, roorab bcr ältefl= unb jüngftet üReifter einen befonberen 
Sd^lfljfel ^ben foQe, ^injulegen. 

2. 9Bann über ein ober anberen Jllagten einfommeten . ober 
jonfien beim ^nbnerl einige ©ebred^en oorfallen, foHen 9mtS< 
%et{iere bur^ i^ren älmtS^Soten ober jüngflen IReifleren einige 
»d etwa ü ober 8 beten ftlteften ßunftsSKeiftern jnfommen citiren, 
bie Älag unb Oebred^en fleißig untetfud^en, bem Seftnben nad^ 
gebü^renb abfirafen, jebod^ bag bie Strafe ben äBert^ eines 



184 



®oIbguIbenä nid^t überfteige, unb fonfl entfd^eiben. SJafem aber 
©ad^en Tjorftelen, roeld^e bie 3Keiflere unter itd^ abjumad^en nid^t 
TjemtödEiten ober fonfien einer roiberredEitlid^ befd^roeret ju fein 
Tjermeinen roottte, foHe ber amtä: ober Stabtrid^ter, nad^bem ber 
itd^ befd^roerenber ein Slmtä= ober ©tabtsSinßefejyener fein werbe, 
bie ©ad^e mit SlbfdEineibung aller aSeiterung summarie untcr= 
fudEien unb ju SBer^ütung foftbaren «ßrocebirenä gegen geroö^nlid^ 
33er^ör8=®ebü^r de piano abmad^en.') 

3. ©ollen bie übrigen amtä=®enoffen benen errod^lten 6 Ämtä^ 
aneifleren alä i^ren Tjorgefefeten Oberen allen fd^ulbigeu ©e^orfam 
unb (ginfolg bejeigen, benenfelben mit feinen roibrigen unb im^ 
pertinenten SBörtem begegnen, riel roeniger fte fehlten unb fd^mä^ii 
bei ©träfe etneä ^alb ber 3u"ft ""^ ^'»It' ben Seleibigten juju= 
roenbenben ®oIbguIben8, aud) Tjorbe^altlid^ nad^ (grmefitgung bea 
SJerbred^enä fonfiiger fläcaltfd^s unb cirilifd^er ä^nbung. 

4. ©oHe JU biefem ^anbroerf fein Se^rjung, roeld^er 3 ^di)rt 
lang )u fte^en, angenommen loerben, er fei bann von d^rifilid^en 
®Itern e^rlid^ geboren, unb bamit einem jeben ber Sugo^Ö S" 
©rle^rung biefeä ^anbroerfg erIeidE)tert werbe, fotte berfelbe, er 
feie eine« aWeiflerä ©o^n ober {(frember, für ©infd^reibgelb jur 
amtälaben nur einen SReid^ät^aler, benen 3lmt2=9neifieren aber 
jebem einen ©d^iHing ju geben fd^ulbig fein. 

5. aWlffen bie Se^rjungen foroobl alä ©efetten, i^ren 
9Ketfteren gebü^renb ge^orfamen, i^re geroö^nüdEie 9Bcrftage unb 
©tunben jufolg i^rer ^Religionen galten, bie i^nen angerotefene 
Arbeit getreulich unb fleißig rerrid^ten, an benen ©onn» unb 
Feiertagen bei 2Binteräjett um 8 U^ren, ben Sommer aber um 
9 U^r Slbenbä in t^ren SBo^nungen fid^ etnftnben, Äetneäroegeä 
aber am aWontag ober fonfien o^ne er^eblid^e Urfad^e i^re Arbeit 
unb SBerfjlatt rerlaffen unb bem ©aufen ober aWü^iggang nad^: 

') a5te ©ntntfc^ung btt ftaatlt(^en bejh). jiäbtift^en otbtntltc^n 3«fti|= 
betörte in t^te SlngelegenHt«" besagte ben amWmeiftetn nit^t. Unter bem 
Sßoitoanb, ba^ t^re SBo^nftätten unb bie fte betoo^nenben Sunftmitgliebtt ber: 
f(^iebenen (Serit^täbarleiten uitterioorfen feien, baten fte um einen befonbertn 
3uftijlommiffar. ©t^on am 1. 3uli 1739 würbe i^r GSefut^ bewittigt unb ber 
Sommerjienrat Seil unb ber ®lbrefelber 9Imt8:9Ji(^ter ©ieger würben {u 3ufltj= 
tommiffaren für bie Seineweberjunft ernannt. 



185 



geben, bei Strafe etneS 2;^(er8, fo ber SefeB bem amte jebeS« 
malen oerfaQen fein foBe. 

6. Sßann einem jungen ober ®efellen bcr £o^n obne Urfad^e 
«ermeigert ober fonflen oon bem ^eifler oertflrjet loürbe, foB man 
bem Ie|teren baS Slrbeiten fo lange tierbieten, bii er ben ©efedcn 
in afltm !(agloS gefieBet, bedgleid^en aud^, nonn ber 3ung ober 
@efell bem ^eifler i>erlär}et ^ätte unb ba einer, fo auSroenbig 
geie^ret, ber Orts !ommete unb 9rbeit erlangte, foB er 10 @tüber 
)ur 8mtä(oben geben, bamit babur(| bie bebürftige, franfen ®e> 
jeSen gepfleget imb bie äSerftorbene )ur Srbeii !önnen beftättiget 
nxrben. 

7. ^mit )u befferer ^orirung iti ®arn^nbe(S benen 
Aoufleuten tüd^tige 9rbeit uerfertiget nerbe, foBe man 9liemanb 
ald ^elfter annehmen, er ^e bann unter bem ^anbroert beS 
Orts be^öreiib gelemet, ober ba er ein t^ember, 3 ^^r, mann 
aber eine« 93ürgerS ober 'SHti^r& @o^n, 2 ^a^r bafelbft !ne(|t' 
neife gearbeitet, ti m&te bann @ad^e, ba^ fonften einer fein 
^nbn>erf mo^( oerfittnbe unb ftd^ megen ber 3a^re mit benen 
ImlS^IReifteren jum Seflen bei SmtS abgefunben, feinen ®ebmti' 
brief beigebrad^t, mithin baS erforberlid^e 9Reifterftä(f a(d nömUd^ 
ein @tü(f S)oppe(^ein unb 2iti)en oerfertigte, 12 9Ieid^St^a(er 
einmal cor aB )ur SmtScassa geliefert, fort benen Smtd^ 
^Dteifteren, fo bai Städ beftd^tigen, für i^re Semfl^ung unb ©e^ 
bü^ 40 Stübcr unb weiter nid^tÄ gegeben. 

8. eined SRei^ere @o^n ober ber mit eineS 9Reifier8 
:Sittib ober 3:od^ter baS ^a(be ^nbroer! er^eirat^et, foB nur 
6 9teid^t^a(er )ur ä^mtScassa }u erlegen ^en, im übrigen 
aber einem ^remben glei^e^atten fein, roie bann aud^ teine 
SReifler^^Ra^Iieit ober ein anbereS bergleid^en Tractament bar}U 
fefen bei @traf» oon 6 @oIbgulben erlaubt fein foBe. 

9. @oB ein jcber, c^ er SWei^er wirb, bie SSürgcrfd^oft 
gewinnen unb foioo^l bie geroS^nU^ ®ebä^r bem }eitlid^en 
Sürgermeifter als ber @tabt einen lebern 99ranbeimer geben. 

10. ftein aWeifler foBc bem anbern bie ®cfcBen entführen, 
fonbern »ann bcr ®efeBc bei feinem SKeiftcr länger nid^t Vit' 
bleiben woQe, foBe berfelbe 14 Sage, mann aber bie Arbeit am 
meifien prcfftret, biefe« bem SJieiflcr 4 SBod^n juoor onfünbigen, 
bei beffen Sntfie^ng foBe tein SReifter fold^n ®efeBen unter 



186 



2 ©olbgulbcn ©träfe aufnelötncn, bcr ®cfctt aber mit einem 
SRciti^at^alct bcm 2lmt »erfallcii fein. 

11. SBann ein SWeifler mit ^interlajfung einer SBittib ab: 
ftirbt, fann biefelbe, ali lang fte Mttib bleibet, bad ^anbtoert toie 
vorhin gebrauti^en, faES biefe aber einen SDtann einer anberen 
^rofeffton ^eitat^et, fotte felbiger bie Xreibung bc« $anbioert* 
6 SSod^en nad^ angetretener ®^e verboten werben. 

12. 9[IIe ^anbnerfdgenoffen follen ge^orfamlid^ erfii^inen, 
mann {te von Slmts loegeii an hai hei @nb8 einmal für aQ be^ 
ftimmte Ort abgelaben loerben unb o^ne fonberbare, erlieblüi^ 
Urfad^e bei Strafe eines Drts ©olbgulben nid^t ausbleiben. 

13. S)amit aud^ bie XmtSgeuojfen i^re täglid^e 9lal)rung 
befb fflglid^er ^aben, unb bie gemeine ©teuer unb Saflen befb 
beffer ertragen fbnnen, fo foHe oufeer ©tabt unb 3lmt eiberfelb 
wie aud^ in bem 83armen feine i^rer 3""ft arbeit verfertiget 
bal)in eingebrad^t werben unb im wibrigen %aS. bie 93aare jut 
^[bf^b bem lanbeSfürfllid^en, ftScalijd^en aerario, bie anbere 
^Ibfd^eib aber ^alb jum S3e^uf ber Srmen unb ^alb }um ^flen 
be« Smta verfallen fein. S)amit biefe8 aber aud^ ber ^nbel^ 
fd^aft }um 9lad^t^eil nid^t falle, fo wirb beneu Smt^gliebern }nxtr 
erlaubt, bie arbeit für benjenigen ^rei8 wie fold^r bermalen ^ 
gebrad^t nid^t allein, fonbem aud^ barunter, wie {te mit benen 
Äaufleuten unb anberen accorbiren fbnnen, ju »erfertigen. 3)eneii= 
felben foHe jebod^ jtd^ jufammen ju rottiren ober ju vereinbaren, 
ba§ fte anberfier ali für ^ö^eren ^rei8 nid^t arbeiten moHten 
gönjlid^ bei ©träfe 6 ©olbflulben }u Sajl eine8 jeben von ver^ 
gleid^en 5Rott, aud^ wo^l nad^ ©rmefrtgung bei aSerlujl be« $anb= 
iverfaprivilegii felbfl verboten fein. 

14. SBie bann aud^ sab poena confiscationis unb nad^ <Sx= 
mefHgung wiHfü^rlid^er ©elbflrafe benen Sürger unb $anbela= 
leuten verboten wirb, baS unter be8 2lmt8 S)ijlrict verfertigte* 
ober eingebrad^tea ®arn anberwörtlid^ ju ^bricirung ber junft= 
mäßiger Arbeit verführen ju laffen. 

15. Unb bamit biefe Sunfto^^^wß }« ^^^^ ^'i^ befferet 
Dbfervanj gebei^en möge, foQen bie 9[mtd:3Reiftere, aud^ wo^l 
ha& ganje 9lmt, bafern fte wiber ein ober anbem einlangenbe 
Jllagten gebü^renb nid^t unterfud^t, ben Kläger nid^t flaglod ge^ 
fiettet unb bie Übertreter jufolg biefer 3unfti^«fle^" "i^* würben 



187 



bejhoft f(aben, bem d^urfürfltid^ ^äco in nwi^ einmal fo oiet 
üi bie oerbunfelte unb oerabfäumte Strafe fonften l)ötte au8: 
tragifn mögen, fraft biefeä wirflid^ »erfatten fein unb bofür 
unnac^Iäffig angefe^en Toetben. 

3)a§ SBir oorbefagte fieineniseber in biefem intern untere 
t^änigflen @efu(i^ gnäbigfl wiQfa^ret unb biefe(be mit bem Slmtd: 
primlegio uac^ SicU^utig ooresprimirter Siegeln, iseld^e mir und 
aQemal ju oermt^ren, ju minbem, auc^ ioo^( gar oöllifl au^u^cben 
gnöbigfl oorbe^lten, fraft biefeÄ begnabiget ^aben, unferer 2anbeä= 
^{(gierung mte aud^ übrigen S3eamten unb Sebienten gnäbigfi 
beft^Ienb, barauf jeber S^it unb in aQen @tü(fen bie erforberlic^, 
untert^nigfte Dbad^t }u ne^en unb unabtoenbig feft^a(ten }u 
laifen, Urfunb unferea ^anbjeid^n« unb ©e^eimer Äanjlei=©ecret8 
Jnfiegefe. 

3Rttnn^eim, ben 16»? Dctobriä 1738. 

(Sari $^i(ipp S^urfürft. 

3ur grgänjung biefe* ^rioilegium« füge ic^ bie oier ^a^re 
flüter }u if)m er(a{fenen Su&fü^rungäbejlimmungen ^ier ebenfaSd 
im 2Bort(aut bei : 

§iinft=(Dröming, wia fold^c oom qan^an Tlmhadi 
befd^Iojyen unb approbtret toorben. 

ßrfllid^ fotten t)on 3a^r ju 3a^r brei t)on benen Slmbod^ä= 
9leifieren abgeben unb an beren abge^enben ^Ia| brei anbere 
eriDä^iet roerben. @d follen an beren abge^enben Pa^ neu in 
bie SBaf)l gefe|et unb burdft bie SJle^r^eit ber Stimmen brei ou8= 
erroS^let roerben. SJiejenige SJleiiiere, roeld^e in bie SBo^I gefe^et 
imben foflen, follen bie ämbod^=5Keiftere mit 3uiie^un9 anberer 
Ketfier ouä bem Simbod^ ou8fe|en bei ongefangener Drbnung berer 
%:ligioiien. SDi^it benen Smbad^S-Sneifteten foU e& o^noerdnberlid^ 
fein Serbleiben ^aben, bofe n&mlid^ in bcr ©tabt t)on jeber gteli- 
gion ollejeit einer, in bem Äirfpel unb Sormen ober bie brei 
8inbad^4:3)leiflere mit benen Steligionen umroed^feln follen. 

2*» foll ein jeber, ber einen frembcn ©efellen (roeld^cr bo^ier 
iii biefem 3unftbiftrict nod^ niemal« gearbeitet) aufnimmt, fold^en 
bei benen ambod^S^Steifteren in ^nt von 14 Sagen anjugeigen 
bei Strafe eined Orts @o(bgulben ge^aUen fein, ei mag ein fold^r 



188 

©efeH jünftig gelernt ^ben ober ntd^t. ^ie jünfttge ©efellen 
foHen mit glaub^ften unb rid^tigen atteften »erfe^ fein, für 
einfd^reibgelb bem 3«nftf«ä^wifier nur 2 ©tüber erlegen unb mit 
benen ad^t ©tübern gu einer Äranfen» aufläge angerolefen werben; 
foniel ab«r biejenige, rocld^e un jünftig gelernet, onge^et, foHen 
fold^e bei einem SKeifler 3 3a^re in arbeit ju fielen unb für ein 
@d^reibgelb benen ambad^i&^^eifteren jebem einen ©d^iUiiig }u 
geben fd^ulbig fein, ©onften ober bei aSerroeigerungSfall foll einem 
fold^en unjünftigen länger olä 14 S^age }u orbeiten nid^t erlaubt fein. 

3*'° f)tejenige SKciftcre, meldte fie^rjungen bo8 ^onbioerf 
lernen rooHen, foHen bei ©träfe eine« ©olbgulben« »erbunben fein, 
fold^e nod^ oerflojfener Seit »on 14 2iigen bei benen ambad^ 
SRcifleren nid^t nur melben, fonbcrn aud^ fold^e einfd^reiben ju 
lajfen. Äein öe^rjunge foH eingef daneben werben, er ^be benn 
juoor baä in bem gnäbigft »erlie^enen ßunfts^rinilegio auägebrücfte 
einfd^reibegelb rid^tig erlegt, j^eruer foH feinem SKeifier erlaubt 
fein, einen anberen Se^rjuiigen anjune^men bi» ber erflere feine 
3 Se^rjaljre auägeflanben unb auägefd^rieben ifi, unb für au8}u= 
fd^reiben foll ein jeber Se^rjunge einen S^^aler jur amtacaifam 
unb jebem amba^=aneijier einen ©d^iHing ju erlegen ^ben, 
anbei feinem SRcifter jroei ober mehrere Selirjungen auf ber ®etauen 
arbeiten ju laffen unb }u lernen burd^auä nid^t erlaubt fein. 

4*° <Dte aneiiier8 = @ö^ne anlangenb ift befd^loffen, ba§ felbige 
ba8 aSorred^t ^aben fotten, nid^t e^enber gehalten ju fein, ftd^ eiiu 
fd^reiben ju laffen, big fie oon i^ren (Sltern ab unb bei anberen 
SReifieren als (SefeHen arbeiten rooHen, im übrigen aber feinem 
3Reifter8=@ol)n länger aU 14 S^age o^ngefd^rieben bei einem 
freinben 3Retfter ju arbeiten erlaubt fein. 

5'° foHen bieambad^8=3Reiflere feinen jum SWeifier annehmen, 
roeld^er nid^t im ©tanbe ift, baä in bem gnäbigfien ^rioilegio 
auSgebrüdfte ®elb bei bad 3Ret{lerftädE )u erlegen, unb bei @T' 
mangelung beffen foH einem fold^en ba« fernere arbeiten alÄ SKeifler 
»erboten roerben, bamit baburd^ bem ambad^ feine unn5t^tge jtoften 
caufiret, fonbern fold^e audgefteUet raerben mögen. 

6*° foH feinem SReifter erlaubt fein, feinen anberen SSJeibä: 
perfonen al8 i^ren eigenen S^öd^tem ba* ^anbroerf ju lernen unb 
a«f feinerlei S3ebtngnt§ ober für So^n auf einer ®etauen arbeiten 
}u laffen, mit SSorbe^altung beren wenigen jebod^, meldte oor 



189 



aufrid^tuitg bed 3unft:$rimleglt vor Aned^tölolin gearbeitet unb 
mit bei 3unft abgeben toerben. 9)eroI)aIben toirb aÖen SReifteten 
fernerer Untetfd^Ieif mit bergleid^en SßeibiSperfonen auf wai ^eife 
unb GenbitiDtt fte aud^ immer }u arbeiten angenommen toerben 
foQten, bei Strafe eineiS ^i^^eriS verboten fein. 

7^ Äein 9Reifler foll oon benen Äouffeuten mehrere Arbeit 
abholen ali er auf gebfl^renbe ober befhmmte 3^t verfertigen unb 
[iefem fann. Sßenn nun im ®egent^eil gegen einen ober ben 
anbem 9?cifter von benen Jlaufleutcn über bie fiiegenlaffung ber 
9i6eit mit gutem ^^ug wo^lbegränbete illagen einlaufen foOteu, 
ein fold^er SReifter bem Smt mit einem Drtd @oIbgulben Strafe 
iä)edmal verfallen fein foQ. 

8:^ SBenn gegen Ser^offen bie Fabrique in fold^en fd^Ied^ten 
Stanb fommen foHte, bafe viel OTeifiere o^ne Arbeit fein mürben, 
10 i|l bef^lojfen unb für gut befunben, bamit ein jeber 9Keifier ju 
jeiner 9{a^rung not^roenbige Arbeit ^aben möd^te, ba^ benen 
Keifleren, roel^e mit 4—5 ®etauen arbeiten, bie 4. unb 5. 
©etüuen abgefd^affet, ja gar, roonn e8 bie flot erforberte unb von 
{ämt[i(!^en Slmbad^ vor gut befunben roärbe, aud^ bie 3. ®etau 
oerboten unb feinem 5Keifier nid^t me^^r aU 2 ®etauen erlaubt 
fein foHen. 

9l foll feinem 2Reifter erlaubt fein, feinen ©efeHen bie Äetten 
umfonfl }u fc^eeren bei Strafe jebeä 2Rat eine« Drt« ®oIbguIben, 
ti mag auäfommen ober verratl^en werben über für} ober (ang. 

lO"?? atä oft ein 2Reifter feinen ©efellen auf ^xtä^ta annimmt, 
io joll er i^m anfagen, bafe er, ber ®efell, wenn er geierabenb 
madden moQte, i^m einen ganzen SSauni }UDor auffagen mä^te, 
unb ein jeber ®efell, roeld^er auf 2^i^^n arbeitet, foH unb mufe 
twnjenigen ^um, ben er augefangen, aud^ abarbeiten. 

II?? SBann bei benen älmbad^d^SReifteren eine ü^ic^e ange« 
geben roirb, fo foHen felbige burc^ ben 3ungmeifter 60 9Rcifiere 
mit ber £eic^ citiren laffen, unb feiner von benen citirten 
Dteifleren foD bei Strafe eiueiS Sc^iQingiS o^ne roid^tige Urfad^e 
unb o^ne ber ämbo(^«=5Keifiere SSerlaub nid^t auäbteiben. S)em 
3un9ineifter foH für (Eitiren von bem, ber bie Seid^e angiebt, 10 
Stüber gegeben werben, anbei ifi befd^Ioffen, bafe einem 5Keifter«= 
Äinbt unter 15 3a^en nur 30 5Keiftere mit ber 2eid^ citirt 



190 



roerben follen. ^ierentgegen nanu ein Kaufmann bie 3Reiftere aui 
bem ^aubroerf uerlaugte, follen einem fold^n Äaufmann gegen 
©riegung eineä ^^alerä jur Slmtacaffam 60 Steigere mit ber 
Seid^e citiret werben, unb für baä ©itiren foH ein folc^r Äauf« 
manu aud^ ben 3un0>neif^ei^ befriebigen. 

12^ foH fein SMeijler einem Se^rjungen ba« ^anbnjerf §u 
erlernen vor falben fio^n annehmen, fonbern alle unb jebe SReiftere 
bie Se^rjungeu biefer Drbnung nad^ bei ©träfe eine« ©olbgulben« 
anberfier nid^t lehren, al2 ba§ t& einem Steifier frei fte^en foSe, 
ob er bem Se^rjungen von jebem <Biüd eine illeinigfeit, um il)m 
}ur Srbeit beffer £ujl ju mad^en, geben roiH ober nid^t. 3m gatt 
fid^ sutragen foHte, ba§ ein fold^er Se^rmeijier uor ber ^nt, el)e 
ber Se^rjunge bie 3 3a^re Se^rjeit geflanben, abflerben follte, fo 
foQ bie ^interlaffene äBtttib mit bem £e^rjungen für bie ge^te 
9Kü^e mit 3ujie^ung bereu 3lmbo($8=9Heifleren ftd& betragen unb 
folc^en in ^tit oon 14 2^geu nad^ bem 2;obe beä Se^rmeifler* 
quittiren unb abgeben, hingegen bie ämbo^s^Jleifiere barauf 
bebad^t fein, i^me bei einen aubern tüd^tigen 9Heifler, ber xfyn 
bie übrige ^tit auäle^ret, o^nentgeltlic^ einjufd^reiben. 

13S2 2ßann ein (SefeH bei feinem 3Weifler geierabenb mad^et, 
foH er vorder feinem 3Jleifter bie gebü^renbe Arbeit oerfertigeu, 
follte aber ber ®efell o^ne SSerfertigung be« orbentlid^en ^ier= 
abenb« bei einem anbern 9Jleifter fid^ einfe|en, bafe ber SJleijler 
JU flagen genöt^iget mürbe, fo foQ ber @efell ba}u gehalten fein, 
gebühr enbe ©träfe ju geben unb bei erflerem 9Heifler bie orbeut= 
lid^e Slrbeit §u oerfertigen. 

14*?. ift befd^Ioffen, ba§ ^infüro, um grofee Äoften ju erfparen, 
bie Slmbad^ä^^Weiftere äße Seit ben erften ^Wontag in jjebem SJlonat 
im 3u"ft^auä einen {^tlben 2;ag fein werben, um bie in bem 
Slmbad^ oorfaHeuben ©treitigfeiten ju entfd^eiben, ®n jeber SMeijler 
nun, roeld^er Älagen gegen (SefeHen ober Se^rjungen einzubringen 
^at, ber fann fid^ an beftimmten 2;ag unb Ort melben, ^crentgegen, 
mann bie Kmbad^S^äReiftere au^er^alb bem befiimmten S^ag jtlagen 
unterfud^en muffen, fo foH ber Älöger febe« 3RaI §ur Slmtäcoffam 
einen Drt*=®olbguIben erlegen, e^e ber 3ungmeifter ju citiren 
auägefd^idfet wirb, unb berjenige, ber ber Äoften Urfad^ ifl, foH 
neben ber $anbnjerf8=Strafe gemelten Drt*=®olbguIben roieber }u 
erjiotten ange^Iten roerben. 



191 



Praesentatom unb abgeiejen coram Ferren Smtöoenoaltem 
anb respect. 9K<i^tem $. Sieger que commissario bei jämtlid^en 
9mba^3Reifleren unb £einenn)eber«^nbn)er{ä ©enoffeit. 6lberfe(b, 
im ^nbraerldjunft^ud am ^oltenceg, ben 1. Dttober 1742. 

Seibe Urfunben, ^oilegium unb Drbnung, bewegen ftd^ burd^« 
ma in ben übli(|)en ®eleifen ber ^nnungiSftatuten hei 18. ^oijX' 
^unbertd. 9)te Drganijation ber 3""!^ vmx eine jtemlid^ IiKfere. 
Ixä (ag ^u|>tfä(|)[id^ baran, ba| bie Seineroeberei nid^t ein ^anb« 
nerl im engeren Sinne, jonbem me^r eine ^uiSinbu{lne roar. 
^ttittuf beutet jd^n bie gto|e 3a^^ htx Sunftgenoffen ^in. SBarfen 
fie oQe }ujammen <xu6) ein bettäd^tlid^eiS @en)id^t in bie SBage hti 
So^(flanbd unb ber n)irtf($aft(i(^en S3ebeutung ber Stobt, fo l^en 
nrir uns bie einzelnen 3Ritg(tebet bo($ burd^f($nitt(td^ al2 gering: 
mrtige nrirtf^Ktftltd^e Jträfte oorjufleQen. S)ie größte ^U ber @es 
tauen, b. f). ber äBebflü^Ie, bie ein SReifler befa|, jd^eint fünf gemefen 
p fein; bie im allgemeinen niebrigen Sä^e ber SintrittiS: unb Strafe 
selber führen }u bemfe(ben Sd^Iu^. Sine nie untergeorbnete focia(e 
Stellung bie Seineroeber gegenüber ben Aaufleuten einnahmen, er^eKt 
mi ber c^arolterifiifd^en S3eftimmung in § 11 ber 3unftorbnung, 
lut^ ber bie Hinterbliebenen jebed oerftorbenen Jtaufmannä 60 SrntS^ 
mei^ als S^rengeleit bei ber Seerbigung „verlangen" tonnten. 

^ ge^ iebod^ auf bie interna ber 3unftotganifation unb 
i^ ted^ifc^n 6tn}el^etten ^ter nid^t nä^er ein. Sie laffen {td^ 
mit 9ht^n nur in einem größeren 3ufammeniKing barfieden unb 
finb bartn aud^ fd^on teilroeife oon 9[(foni$ X\)ün in feinem oor^ 
jüglid^en SBerf über bie ^nbujtrie beä bergifd^en Sanbeä tjenoertet 
TDorben. 3d^ greife ^ier nur einen ^unft ^erauä, ber fojufagen 
t>er ttuÄTOärtigen ®efd^i(^te ber 3wnft angehört unb ba^in führte, 
t>a§ fld^ bie Spi^n ber preu^ifd^en unb pfäljifd^en StaatSoertoaltung 
mit i^ befdEjäftigten. 

3n ben meiiien ©injel^eiten ber 3u"ft&eftimmuiigen werben 
wir loo^I nur. bie flatutarifd^e Sanltion ber biä^er bei ber Seine= 
neberei üblic^n @ebräud^e ju erblidEen ^aben. IDie, abgefeben oon 
bn Drgonifation felbji, roid^tigfie unb roerttjollfie Steuerung ent= 
llttiten bie ^ragrap^en 13 unb 14 beä 3w"ftprioileg8, bie ben 
^iem ein ©ewerbemonopol für Stabt unb Smt ßlberfelb unb 
für Sannen juftd^erten. SaiS loar, mie rair gefe^eu ^aben, hai 
»orne^mfie 3»^^/ t»«* ^" ^^tenten bei bem SBunfd^ einer jünftigen 



192 



Drßonifotion oorgefd^ioebt ^otte. 3^re ©pi|e rid^teten biefe ^ra» 
grapsen in erfier Sinie gegen bie märfifd^en Äonfurrenten, benen 
ber bergifc^e SKatft gon§ gefperrt rourbe, in jroeiter gegen bie 
SIberfelber unb 8armer Jlaufleute, benen bie ^ei^eit in 8e}ug 
ouf bie ^erjiellung i^rer SBaren abgefd^nitten rourbe*). Db bobei 
bie jlautelen beS § 13 genügten, um ^eiiSer^^ungen burd^ bie 
3unft t)or}ubeugen, mu^te sroeifel^aft etfd^einen. 

35ie beiben gefd^öbigten ^rteien trafen fofort ©egenmofetegetn, 
um ben ©d^lag ber Seineroeber ju porieren. ®ie SIberfetber unb 
Farmer Aaufleute nanbten ftd^ mit einer 8efd^roerbe erft an bie 
3)üjyeIborfer, bann an bie SJlann^eimer Slegierung, fanben aber an 
beiben ©teilen fein ©e^r, ba fte ^i<S) feiner fo guten gütfpta<]^e 
roie i^re ®egner erfreuten unb aud^ faum erroarten burften, ba^ 
man ben eben erfi eingenommenen ©tonbpunft o^ne weitere« roieber 
oufgeben würbe'). 

Skit empftnblid^er roaren bie märfifd^en SBeber in ©d^roetm 
getroffen, reo uid^t weniger alä 651 ^erfonen, bie 279 aBebjiü^lc 
befd^äftigten, nur für bergifd^e Äoufleute arbeiteten. 3)a bie QunfU 
orbnung „auf'ä öufeerfle poufftrt", b. ^. ftreng burd^gefü^rt würbe, 
fud^ten fie aufgeregt unb laut lameutierenb ©d^u| bei i^rer Dbrig^ 
feit. SBerwalter be2 ^od^gerid^tä ©d^welm war bamafe ber ^ograf 
©teinweg, ein fe^r tüd^tiger unb energifd^er Säeamter, ber nid^t 
nergebenS burd^ bie ^arte ©d&ule ber 3u<^t ""*> ^flid^t gegangen 
war, in bie Äötiig griebrid^ SBil^elm I. oon ^reufeen ba2 Beamtentum 



♦) ein &>\h bet Düffelbotfet Äegiming »om 27. Dltobet 1738 »«bot, 
bem 3unft}>tit>il«0 gmto^, ben eibetfelbet unb SSatmtt Äaufleuten bei ©träfe 
t)on f) ®olb|julben unb AonfiiStation iti ®ami, @am au^t^Ib iti 3u"ft= 
biftritt^ hieben )u [äffen. Sbenfo h^urbe i^nen baä S[et<^en im 3R&t{i{(^en 
untttfagt. 

») 2)ie Petition nac^ SBann^eim (1740j trögt folgenbe Unter(<^rtften : 
ä(u« eiberfelb: ^arbtmann. &trl pader, Stct^olt, $eter SBic^er^au«, go^. 
Htimbai), Herbert @(^lie^er. äluS 99armeit: mtüot $. SBic^er^auiS, -^et. 
6a(p. Söit^el^au«, 3»^. 3Bi(^el^au8, 3o^. ^t »rebt, SBittwe Brebt, ^tet 
»rebt, ?etet ©»ertfen, ?etet $0(^ftein, 3o^ann aufm Sleff, Gkbrüb« Äeu<^, 
3o^. Safp. Srebt, Siein^arb ArcbS, 3)Ie((^iot Sedmann, ^of). Sidmann, (Snge^ 
bert SRübel, ?eter »rau8, SKelc^ior Sleff, ^iOebranb 3Bu»>permonn, ^iUebronb 
S3ut)permann Jan., Engelbert ^ünnetuS (ipUning^auS), $eter Sngel 3But))>ermann, 
^eter Sedmann, 3o^ann SKelc^tor »edmann, Sngel 9lagel. — 2)ie grBftere 
änjaf^l ber iöatmer etllärt [vif »o^l ba^er, bafe »ormen ber mdrftfc^en ®ren)c 
nä^ liegt alä eiberfelb. 



193 



fernes Staated genommen ^atte. (Sr fud^te bie Jllagenben }u hf 
ni^igen, oermo^te aber felbfberfiänblid^ aKetn nid^tS gegen bie 
3ünftler ouSjurid^ten unb berichtete pflic^tfd^ulbig an feine vov- 
gefe^te 9e^5rbe, bie jlriegä: unb 'iDomänenfammer in Gleoe. S)iefe 
brod^te ben ^K weiter }ur Aenntnid be£ (Seneralbireftoriumd in 
Serlin, intemenierte gleic^jeitig aber auc^ felbflänbig bei ber 
pföljifd^n a^lcgierung in 2)üffeIborf. Snbeffen mit ebenforoenig 
fecfolg wie bie ©Iberfelber Äaufmannfc^oft. S)er preufeifd^e 9lefibent 
Clauberg in Süffelborf fd^iebt bie @c^ulb für ben able^nenben 
Sefd^eib »or allem auf ben pföljifc^en ©e^eimrat »on Singen, ber 
bie ©a(^ in ^önben geljabt fyibe, „ein bifftciler unb poffionirter 
SKonn, infonber^eit aber ein bitterer '^ni ber proteftantifc^en 
Seligion, von bem aud^ in 3u^"ft nid^tä günfliged }u enoarten ifl." 

3Ran fie^t, ber religiöfe (Segenfal fpielt aud^ ^ier mit, „©n 
3efu»t ^t bie $onb im 2Ber!e", fieifet eä in einem fpöteren S3e» 
rid^t ber cleoefd^en Kammer, „unb biefe patres geben nic^t leidet 
ttxoai nadf), befonberä, wenn fte ftc^ einige« SSorteil«, wie in biefem 
^, borouä ju erfreuen fiaben". 3efuiten=3Jltfrionore ftanben 
bomate an ber Spi^e ber Keinen lot^olifd^en (Semeinbe in eiber= 
felb. ©ie werben unbebenllid^ bie Seiträge ber ßeineroeber ju 
i^m jtir^bau eingefädelt \)aben. SBad oerfd^Iug eä, baB fie 
aus fe^erifdien Saferen ftoffen? Non olebant. S)ie ^ereiujiebung 
ber dleligion in bie Sunftangelegen^eit, bie bod^ toabrtic^ nid^t baS 
0<ringflc mit i^r gemein ^atte, becft ben rounben ^unlt im SBers 
jlältniS ber bergifc^en Untert^anen ju i^rer pföljifd^en SanbeS: 
obrigfeit auf. 3m ottgemeinen roor mon, fpejietl im üöuppert^ol, 
butt^auS jufrieben mit ber milben gorm be3 pfäljifd^en Jiegiment«. 
?hir bie flehfalen Steigungen ber roittelSbad^ifd^en S)pnaftie, oon 
benen ganj befonberä ber bigotte Äurfürji Äarl ^^ilipp erfüllt 
Dar, gaben Slnla^ ju SeforgniS unb ^erftimmung. Stud bem 
oorliegenben ^ü ergiebt fid^ freilid^, bafe man fie nid^t immer ju 
betömpfen ^atte, fonbern unter Umftänben, bie aUerbingä für ben 
eoangelifd^n @IaubenSeifer ber frommen Seineroeber nid^t gecabe 
rü^lic^ finb, au^ »ortrefflid^ mit i^nen }u fpelulieren oerfianb. 

Seit ben erfien 3;Qgen be§ 3|a^reS 1739 lag ber ©eric^t ber 
cloiffd^n Äricgä^ unb S)omönenfammer (d. 27. ©ejcmber 1738) 
bfln @eneraIbireftorium in Serlin oor. Äud^ ^ier mar guter 
9tat teuer. 'S>ai @eneraIbireftorium raupte ftd^ nid^t anberS ju 

13 



194 



Eielfen, a(d ba^ ei bie ^ften bem audtDättigen Xmt übermittelte, 
um burd^ eine biptomatifd^e 3nten)ention mit bem Oeroid^t bc8 
föniglid^en 9lamen8 beim Äutfürjlen »on ber ^falj bie Slbfiettung 
ber Sefd^toetben ju erlangen. @o erging benn am 7. ^bruar 
eine 9lote iwd^ aJlaimbeim, in ber über bie oerfd^iebenen, feit 
furjem vorgenommenen Steuerungen in bem jtDifd^en ber Oraf^ 
fd^aft SBlarf unb bem ^erjogtum S3erg i\i\)ev unge^inbert 
getriebenen £iimen= unb ©arnbanbel Älage geführt unb freunb= 
uad^barlicb »orgeftettt rourbe, bafe bie äufred^tbaltuug be8 bi8= 
berigen 3"ltanbe8 ebenfofebr im pfäljifdben roie im preufeifd^n 
3ntereffe liege. ®er einjige SRed^t^titel, auf ben man ftdb berufen 
fonnte, — fd^on ©teinroeg botte ibn in feinem SSerid^t angefübrt — 
mar ber Sirtifel U beä Srboergleid^« »om 9. September 1666 
über bie enbgültige ^leilung beä nieberrbeinifd^en Sdnberbefi|e« 
jtoifd^en Äurbraubenburg unb 5pfalj=9leuburg. SJiefer ärtifel be= 
fKmmte, bafe „bie commercia, ^anbel unb SBanbel ju SBajfer unb 
}u Sanbe in biefen Sanben 5liemanben gefperrt roerben bürften, 
fonbern bafe benfelben aUeut^alben ibr freier unb ungebinberter Sauf 
gelajfen unb barin 9Hemanb jur Ungebübr mit ungemöbnlicben 
neuen Auflagen ober fonften befd^roeret roerben fottte". S)er biers 
burcb aud^ jroifd^en ben getrennten Sänbern garantierten ^anbeld^ 
freibeit laufe ba* 3""ftpi^''il69i"'n fd^nurjiradfa juroiber, be» 
bauptete bie preu^tfd^e 9legierung. 

S)ie 2tntroort auf biefe 5lote liefe lange auf pd^ roarten. 35er 
preufeifd^e SReitbent ^ed^t in 9Jlannbeim erbielt am 4. Slpril 
SBeifung, ite möglid^fi ju befd^Ieunigen unb anjubeuten, bafe, faSd 
fte nid^t nad^ ber 3ufti} unb SiHigfeit be8 SSerlangenä ausfiele, 
man in ber (Sraffd^aft 3Jiarf auf Siepreffalien Sebad^t nebmen 
roürbe. 2lber biefe S)robung bürfte nod^ weniger gefrud^tet baben, 
als bie Betonung ber freunbnad^barlid^en SSejiebungen in ber 
5Rote felbfi; unb bie Stntroort, bie enblid^ am 23. Sprii nadb 
S3er(in abging, roar in einem mebr als lüblen ^on gebalten. Sie 
beruft itcb auf baä „uralte" ^ßrioilegium ber rouppertbaler 
aieid^er oon 1527, baä fd^on baä Verbot beä Sleid^en« im 
3Jiärfifd^en entbalte. S)er ©rboergleid^ »on 1666 verbiete nidbt 
bie ©rrid^tung tjon 3ü"ft6"c ^öme mitbin für bie »orliegenbc 
grage gar nid^t in S3etrad^t. SSon ber Slbroebr gebt bie furfürft': 
lid^e Siegierung bann fogar felbft jum Singriff über, inbem fie fid^ 



195 



fi6er bie fottiD&^renb jlrigenben 2lmpoften, b. \). mo\)l bie älccife» 
abgaben, he^äfvottt, bie oon aUen aud bent Setgifd^en ini 9RärIif(|>e 
gebrad^ten SBaren felbft an ben getoö^nlid^n SRartttogen erhoben 
nürben. Siefe 93e{leuerung laufe, toenn aud^ nid^t bent SEBortlaut, 
fo bod^ bem @inn bei Stboergleid^d oon 1666 }un)tbet, ba fie 
ben freien ^nbel „fafi unäblid^" mad^e; man möge bed^alb 
preugifdtterfeitö junäd^fi cor ber eigenen ^ür fegen unb biefe 
8efd^iDerb«n obfteHen. S)en angebro^ten Stepreffalien, Reifet e8 
fc^Iieglid^, fe^ man gelajfen entgegen, fie würben bei bem G^aratter 
bei ^anbeldbejie^ungen jroif^n Serg unb äRart ben märtifd^en 
Serfäufem me^r @d^aben bringen, ald ben bergifd^n Jläufem. 

SCIfo nid^t nur eine runbe Slble^nung, fonbern obenein nod^ 
Segenforbetungen. Steftgniert übenoied baS audmdrtige älmt in 
Strlin bie pfäljifd^ ^ntroort bem ®eneraIbireftorium }ur Jlenntnid, 
mit bem 9n^eimfUUen, mai weiter in ber @ad^e }u t^un fei. 

3n§n)ift^n ^tten fid^ bie SSer^ältniffe an ber bergifd^s 
mörtifd^en ©renje ju fe^r unleiblid^en gefialtet. ^er verbotene 
Samoerfetjr bauerte im geheimen eifrig fort. 35ie rouppert^aler 
taufleute begünfKgten bie Sd^roelmer SEBeber unb SSIeid^er fogar 
}um Xnl erfi red^t, um bie 3«nftgenojfen möglid^fi §u fd^öbigen. 
3ntereffant ijl ii, roie fte fid^ bobei mit bem (gbift oom 
27. Dttober 1738 refp. mit i^rem ©eroiffen abfanben. „(Sinige 
fergifd^e Äaufleute", Reifet ei in einem preufeifd^en SJerid^t, 
„mad^ ftd^ aud ben Übertretungen eine @ünbe, roeil fie fid^ 
tiblid^ }ur ^Itung ber Orbnung verpflid^tet ^aben, anbere aber 
follen, um auf i^r ©eroiffen ein 5pffafter ju fireid^en, ei ba^in 
ne^en, bag fte eigentlid^ lein ®arn jium SSteid^en ini 9RärIifd^e 
f(^i(Een unb bat)on !&)bn bejablen, jebod^ aber badfelbige an 
Slättifd^ verfaufen unb ^ernäd^ft, roenn ei gebleid^et, t)on 
benfelben ffir einen etioaS ^ö^eren ^reid roieber er^anbeln, 
anbere aber foUen aud^ mit biefem ®riff ftd^ nid^t eind aufhalten, 
pmalen fie hai SSIeid^en im SRärtifd^en roo^Ifeiler ali im 
Sergifd^ ^aben I5nnen, mithin i^ren äSorteil babei finben". 
Sk bei 2^e fd^rf aufgepaßt rotirbe, entroidelte ftd^ admä^Iid^ 
ein bd)eutenber, näc^tlid^er Sd^muggel über bie ®renje. @g lam 
^erbei ju gro^rtigen Sd^Iägereien, „n)obei oerfd^iebene erbdrmlid^ 
oensunbet unb jugerid^tet rourben". luf bie ^auer roaren fold^e 
äuiiänbe unhaltbar unb bei ber ©rfolgloftgfeit hei biplomatifd^en 

18« 



196 



6infd^reiten8 fa^ man auf preufeifc^et Seite nad^ anbern SWitteln 
au8, um ben ©d^aben abjuroenben unb ben geftbtten ^rieben 
roiebet ^etjuftellen. 

3n)et 9JloferegeIn rourben hierbei oorne^mlid^ \ni Äuge gefaxt 
unb in ben Äorrefponbenjen jroif^en ben beteiligten preufeif^en 
Se^örben in ©c^roelm, Slece unb Serlin lebhaft erörtert. 3""äd^fl 
fem man auf ben ®ebanlen, ob eä nid^t möglid^ fein roerbe, vao^U 
^abenbc bergifd^c Äaufleutc jur Überficbelung in8 aJlärfifd^e ju 
oeranlaffen, roo^in i^ncn SBcber unb Slcic^er ja^Ireid^ genug 
folgen würben, foHa bie ooriianbcnen nid^t auÄrei^tcn. 35tc8 roäre 
o§ne S^eifel bie befte Söfung bc8 Äonflifta gcroefen. (Sic ^ättc 
oud^ ben Intentionen Äbnig griebrid^ SBU^cIma I. am mciflcn 
cntfprod^en. §atte er bod^ fd^on 1734 in einem bcr fo oielfad^ 
oon i^m erloffenen ^opularifattongebifte bie Slnfc|ung oon 
Scineroebern, (Spinnern, §au8leutcn unb ^gelö^nern im 9Jlärfifd^en 
„unb jwar je me^r befto bcffcr" ^erbeijufü^rcn unb burd^ bie 
®en)äf)rung oon ^eija^ren, Saugclbcrn u. f. ro. ju beförbcrn 
gefud^t. Slllein biefen SJort^eilen flanb in ben Slugen ber über bie 
©renjc ju ßodfenben ein bro^cnbea ©efpcnfl gegenüber: baa 
preufeifd^c 6nroIIierung«= unb aßcrbefpflcm. 35ie frieblicbenben 
2Buppert^aIer teilten mit ber übertoiegenben SWe^rja^I aUcr 9li^t= 
^reufeen unb, oer^e^Ien wir c8 nid^t, aud^ mit einer großen 
3a^I oon ^reu§en felbft, bie unüberroinblid^e Abneigung gegen 
ba8 preufeifd&e SBc^rfpftem, beffen (jroar burd^ ja^lreid^c Äug- 
normen burd^Iöd^erteä) ^rin§ip oon ber SBe^rpflid^t atter Unter= 
tränen ben allgemeinen 3[nfd^auungen ber 3eit über bie 3;rennung 
be8 5Jlä^r= unb SBe^rftanbea fo f^roff toiberfprad^. Sn biefer 
Klippe fd^eiterten aUe 33erfud^e, in (Sd^roelm eine ^rugittbuftrie 
JU grünbeii. D^ne 3"Pd^eru"9 e<"e* (Spejialproteftoriumä gegen 
SBerbung unb (gnrollierung fanb ftd^ niemanb bereit, bem Stufe 
nad^ ^reufeen golge ju leiften. S)ie Sitte um SetoiHigung eine« 
fold^en ^roteftoriuma fd^lug aber griebrid^ SBil^etm I. in einent 
Sleffript oom 20. Januar 1739 ab unb f leinlaut bemerfte tai 
®eneralbireftorium, ol8 bie jjrage fpdter nod^ einmal ongeregt 
rourbe, man bürfe (Se. SRajeftät bamtt nid^t me^r behelligen, ba 
e* bod^ geroife oergeblid^ fein roürbe. ®rfl al8 iJ^cbrid^ II furj 
nad^ feiner Sl^ronbefteigung bie (Spejialproteftion burd^ ein 
Steffript »om 17. 3uni 1740 §ugefagt ^atte, jog „ein flarler 



197 



Infant" ^o^nn ßafpar Steht ü6er bie ©renje unb etablierte 
ftd^ in &<fyotlm; ein anbetet, So^nn Sefebufd^ au3 Stberfelb, 
,^ejTen Setmögen auf 5000 Sielet 9efd^ä|t roitb unb bet baneben 
eine vt\^ SRatiage im SBetf ^t", iDoQte i^m 1745 mit 
300 2euten folgen. 

T)a& txoeitt "Süiütl, bun^ bad man bie pfä(}ifd^e Stegietung 
)ur 9{a4giebig!eit )u }ioingen hoffte, beflanb in ber (fogreifung 
oon äVepreffaiien, nobei man in erflet fiinie an einen 3lu2fu^r}o]I 
auf Ao^(en unb an ein Setbot bet Sudfu^r oon Sfd^e, ^ol} unb 
Stei^ftöden backte. Sei nä^et übetlegung etgab fti!^ jeboi!^, 
ba^ bei aQen biefen Sotfd^Iägen fo viel Sebenfli^Ieiten oonoalteten, 
ba^ ed niii^t ratfam erf^ien, fte }u oenoirfüd^en. 3)ie btei 3n« 
fian}en, ber @d^n)e(met ^ogtaf, bie Sleoefd^e Jtammer unb baS 
Seneralbiteftorium }eigen in biefem ^unft biefeibe, äu^tft vot: 
nc^tge Haltung. StiQfd^neigenb mußten fie bet pfö(}tfd^en Stegie^ 
Tung ret^t geben, ba§ bei ber ^tt ber $anbe(3bi(an} jnifc^en 
txn beiben Sänbem jeber 9{etorftond}oD für ^teu§en eine jnei: 
i^neibige Sßaffe nxit, unb fo fü^tten benn aud^ aSe Ser^anbiungen 
über Slepreffalien )u feinem prattifd^en Stefuitat. ^fäijifd^erfeitS 
ging man bagegen fü^net cor unb oetbot im ^ejembet 1739 bie 
auSfu^ oon @etteibe aui bem Setgifd^en in bad 9R&rhfd^e unb 
bie (Sinfu^ pon @enfen unb anbeten AteineifennKiten aud bem 
SRötfifc^en über bie berglfd^e ©renje.*) 35er Streit fpi|te fid^ 
alfo fc^nell ju unb }og weitere Äreife in feinen Sereid^. 

Sud bem bidbet SRitgeteilten er^eDt, ba§ bie pteu^ifd^e 
iJofltion pon Snfang an bebeutenb fd^mäc^er mar ali bie pfä(}ifd^e. 
Xer einjige 9led^t8grunb auf preu^ifc^er Seite, ber Srboergleid^ 
Bon 1666, glid^ ber Ärüdfe eine« Summen. 35em Äurfürflen »on 
bn ^^1} mar ebenfo n)enig }u oerbenten, nenn er i^n nid^t 
ba^n interpretierte, „ba§ Uni burd^ ben älrttfei 11 für immer 
netwe^rt fein folle, ju oerotbnen, ba§ etwa«, roaä Unfete Unter= 
t^nen feibfl }u fabricieren im @tanbe finb unb jum aufbringen 
ba ßommerjien erfptiefelid^ ifl, inner Sanbeä fotte gearbeitet 

*) iCet jpnuil^ itritg<< unb Gteuettat bon BdfiS in ^ogm bnnttft 
p bi(ftm ebift; bat Snbot btt (Sttttibtautfui^ fSmw nic^t fc^abm, b« mt^ 
Scttribt na(^ 9(tg im^iottitrt oIS ejf))ottictt taxtbe unb bit (Staff c^aft Statt t^ 
Son mn^ ouS ^teu^ni Ober $oaanb, Qmmnidt, SBefel, alfo nic^t butc^ 
Mil^i^ IStbitt, btiie^, bagtgen bürfte baS Verbot bet Stfeneinfu^ bie 
Mtfift^c Jdcmcifcnmbufttie fc^ fi^Sbieen. 



198 



roetben", wie anbeterfeitä ^reu^en jtd^ ntd&t burd^ i^n oetpjltd^tet 
füllen fonnte, feine gefammte ©teuerpolittf in (Eiere unb SDlart 
an ben Status quo von 1666 }u binben. 

S)ie ©d^rofid^e ber eigenen ^ofttion rourbe »on ben beteiligten 
preufeifd^en Se^örben balb genug erfannt. ©te geftanben ein, ba| 
bireh gegen bie Seineroeberjunft nid^ta §u mad^en fei. Sluffallenb 
unfid^er unb unfelbftänbig ifl befonber« bie Haltung hei ®eneral= 
birehoriuma. SJiefe ^öd^fie Se^örbe ber preufeifd^en inneren 
äJermaltung erfd^eint in bem ganjen ^anbel nur nie eine ^urd^ 
gangdtnflan}, meldte bie von unten \)tx empfangenen 9lnregungett 
an baS Departement ber au3n>ärttgen Slffairen roeiter giebt b. \f. 
abjuroäljen fud^t. Sei bem erflen SSerfud^ einer biplomotifd^n 
Snteroention, ben roir oben gefd^ilbert ^aben, mod^te bie8 nod^ 
^inge^en. ai« aber baä (Seneralbirehorium im ?^bruar 1740 
aufs neue §u biefem auafid^tälofen SJHttel griff unb babei ba« 
auaroörtige Slmt bienftlid^ um ein ®utad^ten über bie rorgefd^Iagenen 
Siepreffalien erfud^te, ba erfuhr eä bie treffenbe 3wröd(roeifung, 
ba^ ein fad^Iid^ed Urteil ^ieräber nid^t ©ad^e bed auStDörtigen 
Smta fei , fonbem fd^Ied^terbing« ber erleud^tetfien ©ijubicotur be« 
®eneraIbireftorium8 felbfl an^eim gefiettt werben muffe. S3on einer 
erleud^teten SJijubicatur ifl aber beim ®eneraIbireftorium roentg 
}u fpüren. Sitte ®ebanfen unb aWaferegeln, bie roö^renb be8 ©treit= 
fattea §ur Erörterung fommen, flnben fid^ fd^on in ben Sendeten 
©teinroega au8 ©d^welm. S)ie beiben ^ö^eren 3[nflanjen, bie 
©leoefd^e Äammer unb ba« Serliner ©eneralbirehorium, roenbtn 
fie ^in unb ^er, o^ne eine fd^arfe SBaffe barau8 fd^midien ju 
lönnen, n>ad atterbingS feine leidste Aufgabe mar. 

S)er, n>ie ermähnt, im f5«^ruar 1740 unternommene jweite 
SSerfud^ einer Beilegung ber S)ifferen§en auf biplomatifd^em SBege 
rerlief ebenfo refultatloä wie ber erfte. Suf beiben ©eiten roerben 
lebiglid^ biefelben 3lrgumente roieber^olt, bie pföl§ifd^e Slntroort 
fiel roieberum able^nenb auä. 5)a8 auaroärtige Smt in Serlin 
überfanbte fte bem ®eneraIbireftorium mit bem Semerfen: „3n= 
§n)ifd^en ift bereit« §ur ®enüge ab§unel)men, bafe 6^ur=^foIj fiii^ 
hierunter burd^ fernere SRemonftratione« fd^roerlid^ roerbe rectiftcieren 
lajfen, roeil e« übrigens SRed^t ju ^aben glaubt." SWit bicfctn 
offenen ©ingefiönbni« ber preu^ifdien Silieberlage fd^Iiefeen bie 
biplomatifd^en Äften über ben ©treitfatt ah. 



199 



•Die Seineixieberjunft in ©Ibjsrfetb blieb befle^fn, unb bie 
gefpannten SSer^Itniffe an ber @renje bauerten nod^ mehrere 
3a^e fort. Dagegen gelang ti ben (glberfelber Äaufleuten balb, 
bent ^ragrap^ 13 be« 3unftprit)ileg8 bie fd^ärfjle gegen fte gerid^tete 
@pi^ ab)ubret^en. Sin furfürfllid^ed Steffript vom 29. 9looetnber 
1742, rotlä)ti aud^ in ba« am 6. Dejember b. 38. reuibierte 
©arnna^runggpriflileg aufgenommen rourbe, bejlimmte iiämlid^, 
ba^ bie Aaufleute ben 'Ißebem füt ben nötigen äSebarf an SBaren 
nur benfelben ^rei«, rote er anberroärtä, aud^ aufeer^alb be« 3"nft- 
biftrift^ üblid^ fei, }u jaulen brandeten unb ba^ ii i^nen im 93er: 
Weigerungsfälle frei flehen foSte, bie Srbfit nad^ SSelieben au^er^alb 
bei 3unftbiflriftd anfertigen }u laffen. Damit roar ei in i^re 
§onb gegeben, bie 2ßebUJ^ne im SSergifd^en auf ba8 JHoeau ber 
märftfd^en ^rab}ubrücfen unb ben SBebern blieb nid^td übrig, ali 
^ hierin }u fügen ober bie märfifd^e Jloiifurren} roieber jujulajfen. 
@o roeite 9hnge ber Streitfall jog, feine 8ebeutung ifl, roie 
^ter 00^1 faum auSbrüdlid^ betont }u roerben brandet, in ber 
^uptfad^ nur eine bfale geblieben. 3um SSer^änbnid ber me^r 
a.\i able^nenbeu, aggreffioen Haltung ber pfäl}ifd^en 9ftegierung fei 
inbeffen barauf ^ingeroiefen, bafe baä SBer^ältniä jroifd^en ^reufeen 
unb ber fiurpfal} bamald nid^td roeuiger ald „freunbnad^barlid^" 
mar. Dad Eintreten ^reu^enS für bie von bem Jturfürflen Itarl 
'HS^Iipp bebrängten Saloiniflen in ^eibelberg unb bie preu^ifd^en 
Snfpriu^e auf bie Succeffton in 3ülid^ unb ä3erg nad^ bem mit 
bem Xobe Jtarl ^^ilippS beoorfle^enben @rlöfd^en ber 92euburger 
pfaljgräjlid^en £inie Ratten in ^ann^eim eine tiefe SSerftimmung 
gegtn bie protefiantifd^ ©rofemad^t im Dtorben Deutf<^Ianb8 ^eroor: 
gerufen, ©ie erflärt ba8 fd^roffe SBorgel)en ber pfäljifd^en SRegie: 
ning gegen bie preufeifd^e. 3Jlit inuerlid^em SSe^agen roerben bie 
lurfürfllid^n 9läte — nad^ ber ärt be8 §ertn oon Singen — bie 
öelegen^cit ergriffen f)abin, bem mäd^tigen Stat^bar i^re Überlegen^ 
beit füllen }u laffen, mod^te ber älnla^ bed ^aQd aud^ ein rein 
totaler unb feine 2lragroeite nod^ fo gering fein. 3118 ein Symptom 
füt bie gefpannten SSejie^ungen jroifd^en ^reufeen unb Äurpfatj 
büTfen roir be^^alb aud^ ben oorliegenben @treitfaQ aui ber 
Sp^re feiner lofalen Segrenjung ^erau^^eben unb in einen roeiteren 
Sufammen^ang eingliebern. 



200 



VII. 



T>w Brübcr bcs Cemplcrl^aufcs 3U Hteberbwiftg 

tjerletl^cn 6cm Jraumcontjmt 3U XHcrtcn einen 

IDeinberg 5U ©berbollenborf in €rbpad^t, 

^290, 2. (Dftohev. 



NoB . . fratrea Templarii domus de Brysege notvtin fiusimas aniversis 
presentia visaris et audituris, qaod nos conimuni oonaeuau magistre et 
conventui sanctimoDialium in Merthene hereditarie concesximus et «ouce- 
dimns vineam de Levenberge sitam apnd OverendoUendorp, quam olim 
a uobis babuit Marsilras ibidem pro annno censn octo solidorum et quatuor 
puUorum iu festo beati Martini hyemalis annia singulis solTendorum vel 
sine captione in festo beati Sthephani ex tunc proximo nobis assignan- 
dormn et conoessimus dictam vineam diutis magistre et conventari iu 
prescntia fratris Tilmanni conTersi sui et ad manum ipsius, ita quod cum 
ipse deoeaserit et non fuerit, ipsa magistra et ponventns sen alius nomine 
ipsorum snb oensn predicto dictam vineam prothopendet, hoc eet ioe 
nobis de diota vinea faciet quod volgo werven nononpatur. Et nos magistra 
et conventus predicte notnm faoimns et fatemur, qnod premissa vera sunt 
et quod censum predictum ut dictum est solvemus ac alia omnia et singiila 
dictis fratribus faciemus. In premissorum igitur testimonium atque robnr 
nos fratres predicti pro nobis, nos vero magistra et conventus pro nobis 
sigilla nostra presentibus duximua appendenda. Actum presentibus fratri- 
bus nostris videlicet Hemico de Blatersten, Conrado et Gysilberto de 
Mendene et aliis fratribus nostris. Item fratre Tilmanno de Hnnefe 
fratre Henrico de Dollendorp ac aliis fidedignis et datum anno domini 
M^CCXC"» ootavo in crastino beati Remigii. 

liaf!^ htm Original im 6iaat8ar(i^ib( ju 3)üfy((borf mit bem Siegtt btt 
Xem^((rbtüb«t. ^ai @i(ge( iti Jtonbente aRettm ift ah. 



201 



VIII. 

Briefe Xtt^6crrl^dnifd?cr ^umanift^n 
an €ra5mu5. (1529—^536.) 

SKtgctfilt toon «n^toar Dr. 9t««| »«4|ter. 



^te @tabtbibIiot^ef )u SSredlau benni^rt unter i^ten caxi 
ber berühmten SSü^erfommlung be« 1536 uerfbfbenen SSreälouet 
^Jatricier* 3^onio3 SRe^biger flommenben ^anbfc^riften unter 
ilr. 254 be« ^onbfc^riften - Sßerjei^ntjf e« einen ^apiercobef in 
)5olio, ber eine fe^r groge älnja^I von Driginalbriefen an @radmus 
entbält. Siele berfelben ftnb fefir unleferlic^ c\e^d^xithm, teilweife 
mi) bur^ ben Sinbanb befc^Sbigt. 31. $oran)i| ^atte beabftc^tigt, 
Diefelben ju ebteten, rourbe aber burc^ ben 2;ob baran tjer^inbert. 
3m 3. unb 4. $cfte feiner eraämiano (3Bten, 1883 unb 1885) 
nnb mebrere »on ben Briefen tet(« auSjug^roeife unb leiber fe^ler= 
baft mitgeteilt, teil« befprod^en. S5en JTbbrud nac^folgenber S3riefe 
an biefer Stelle rechtfertigt $er!unft roie 2Bir!ung«freig i^rer SSer» 
taflet, jumal an eine SSeröffentltc^ung fömtlic^er in ber ^anbfc^rift 
ent^ftenen S3riefe an (Sta^muä in abfefibarer Seit roo^I nic^t )U 
benfen ijt. S5ie 9lei^e ber S3riefe eröffnet ber junge $erjog SBil^elm 
Jon gleue; bie übrigen Srieffc^reiber finb belonnte ©toatämönner 
unb ^umonifien. 

1. 

3ungIjcr3og n?ilt|elm oon 3üHd?=<EleDe=3«rg überfenb«t 
€iasmus einen Bedjer. 23überid?, 1529 Hooember \0. 

Gulielmus iunior dux Juliacensis, Clivensis et 

Montensis comes etc. Erasmo Roterodamo 

theologo. S. D. 

Diel non queat, eniditissime Erasme, quam nos delectarit 

recens illa foetura tua nobls dicata, non ob id solum, quod 

immortalem nobis apud posteros gloriam relinquet, verum etiam 

qnod ad rempublicam iuvandam haec res Tel imprimis pertinere 



202 



videtur, cui nos etiamsi impares destinati sumus olim ad- 
ministrandae. Quis enim nou glorietur ab illo celebrari eius- 
que amicitia frui, e cuiu.s scriptis non nos modo, sed orbis 
totus utilitatem reportet? Dionysius dicebat, eruditos se con- 
ciliare, ut admirationi per illos mundo fieret, nos annitemur, 
ut eruditi, quoruro consuetudine libenter utimur, nos Spartae 
nobis destinatne idoneum reddant administratorem. Atque huc 
etiam pertinere putemus a veteribus tradituro, philosophis ipsis 
aut adroinistrnndam rempnblicam aut eos, qui administrant, 
philosophis uti debere a consiliis. Mitto tibi poculum cum 
insci'iptione äya^ov Saifiovog, qnod nvrjftöavvov solum et pignus 
esse volui tautisper auspicatac feliciter amicitiae, dum liberaliori 
detur gratia labores tuos compensare. Caetera si qua sunt ex 
Heresbachio nostro cognosces. Bene valeto vir nobis charis- 
sime et vigiliis tuis rem literariam publicaque commoda 
macte virtute promovere pergito. Ex arce nostra B&derich 

IUI. id. Novemb. ao. XXIX. »t ^ ^ 

Nostrapte manu 

Wilhelm. 

9(brejye: Eruditissimo nobisque charissimo 

Erasmo Roterodam(j theologo. 

gol. 215. (eigen^änbige Unterjc^rift bc« arugflctterÄ.) ©cbrudt 

in Erasmi Opera ed. Clericus III col. 1744B. ©tnjige abroeid^ung: 

annitamus für annitemur beS Dr. 



2. 

(Eljtdmann vam (ßraoe') toegen ber ^liiffüljrung feines 
Seltnes Bernl^arb. Köln, 1530 21ugufl {7. 

S. P. Quamquam nullo tempore unquam tuarum literarum 
fidei vel minimum apiculum detraxerim, Erasme literarum decus 
ac omamentum. domine et patrone mortalium observandissime, 
tarnen quo propius progressu temporis mihi innotuit, quod 



>) Tilmann Gravius (▼amme Gra^j, de Foeaa), bet mit (SroSmuS ft^ 
befrtunbtte unb ju beffen tifrig^n an^ngern {ä^Ienbt Stftttät beS Xöliux 
ZomtaSfixtüi unb jugltic^ 9lotar, fährte bie ^rotoloae iti Unterm, wenn oud^ 
mit manchen Unterbrechungen, minbtftenS t)on 1612 HS 1543. Setgl. ttber 
benftlitn auc^ C. Satrentto^^, ^etmonn i)on SBitb S. 69, 71 unb 90. 



203 



olim de Bernhardi filii mei licentia et liberiore vivendi volun- 
t«te quam istic amabat, semel atque iterum mihi significasti, 
hoc religiosius teneriusque tua ad me privata scripta in dies 
colo observoque, ea inter mea cemelia et quae mihi sacra- 
tissima sunt reponens. Quas fabulas Joannes Emmeus in tribus 
epistolis de Bernhardo mihi depinxit, ex adiunctis earundem 
exemplis cognosces. Equidem mihi parum voluptatis peperere, 
quod intelligam filium maiorem habuisse respectum ad ea qiiae 
Tel in symposiis conviviis vel popinis quam quae in musarum 
viridariis agerentur. Quid enim aliud propter aes alienum 
conflatam et illud quidem quod certo scio praeter necessitatem 
ab eo factitatum divinabo ? Ignoscat Ulis deus, qui eum ad 
tantam vitae licentiam forte instigarunt. Nondum enim mihi 
persnadeo, filium apud te tarn malae fuisse indolis, ut solum 
natura duce spreta toa auctoritate neglectis qooque musis 
ad ea deflecteret quae sunt homine adolescente eoque disci- 
pulo indigna. Quis iam parens, cum tam inamoena de filio 
aodit, quem ad universitatem, bonarum inquam artium merca- 
turam, misit, ita perpetua constantia stabilitateque animum 
confirmatum habere potest, quem ista e sua sede non deturbent 
deüciantqne ? Quos cruciatus, quos dolores ego tacitus intra 
cabiculi mei parietes dissimulanter devoravi, non tam in proclivi 
^t mihi perscribere, quam id pro tua prudentia expendere 
potes. Sed quid iam mihi faciendum ? Qua arte quove 
consilio Emmei literis tanta sensuum diversitate inter se 
pugnantibus ac fluctuantibus obviabo? Vaga enim omnia sunt 
incerta et dubia, quae scribit eaque praemeditatione concepta 
nt non dubitem quin parum sui consilii constet ratio. Id cum 
mihi ex tanta Emmei literarum pugnantia") et lubricitate 
utcumque licet crasso et rudiusculo suboleat, nemo mihi prima 
fronte ista audiens persuaserit, ut eius nudis verbis statim 
re ipsa potius quam calamo respondeam. Docendum enim 
prins erat particulatim, expuncta in hoc ratione in quem usum 
et ntilitatem filio pecuniam mutuo dederit, pro quibus libris, 
pro quibus rebus aliis creditoribus remanserit obligatus et 
alias rationes legitimas edocere quae prudentes et cordatos 
viros de nulla dubiae mentis aut vacillationis incertitudine sus- 
pectos habeant. Haec pluribus patrone incomparabilis apud 

>>) |n]gnantia = repagnaiitia? 



204 



tuam amplitudinem prosecutus sum, quam decet, in eam erectos 
spem ut posteaquam videas me Emmei literis varie circumduci 
mihi aliquod sanum et praesens consilium debeaa communicare, 
quo illis animum meum torquentibus comiter et amice ac cum 
fructu aliquo queam respondere. Bernhardus, quem diligenter 
super hac re examinavi, forte vel pudore prohibitus vel metu 
perculsus singula ut gesta sunt mihi narrare non audet. 
Bene vale. Apud inclytam Ck)loiiiam Agrippinam anno domini 
M. D. XXXV. XVI. calendaa Septembris. 

Tuae dignitatis clientulus 
Tielmannus Gravius 
summi templi Coloniensis a secretis. 
^I. 209. gigenl^änbiö. 

3. 

3ol7ann oon Olatten") an (£rasmus über öic firdjlidje Cage. 

2Iugsburg, 1530 September \7. 

Salve domine Erasme ex animo mihi charissime. Etiamsi 
nihil certe habeam, quod te scire oporteat, Interim tamen, 
cum Quirinum') nostrum oportune nobis ad esse conspirerem, 
volui tibi huius conventus fabulam utramque depingere; scis 
purgatorium iam annis ni fallor plus minus duodecim magna 
manu, ingenti obsidione, arctissime obsessum atque illos, qui 
purgatorio suifragari conati sunt, iam pede, iam manu, iam 
capite paasim mutilos redditos, ita ut ni extrema eorum spes 
commode sane hac in illorum calamitate appulisset, iam iam 
aut animam agere viderentur, eximiis defessi laboribus, ingenti- 
bus obruti miseriis, aut purgatorium in adversariorum manus 
et imperium tradere coacti fuissent, sed ubi iam illis respi- 
randi datus est locus, suffulti summorum praesulum atque 
procerum praesidio, infractos animos resumere, gladios et 
calamos vibrare conspiciuntnr, ita ut in dubium veniat, utra 



■) $ropfi }U SrantnBuTg unb Gi^oIafitT Ui ftrSnungSfKfiS U. S. 9- t» 
%ad)tn, nadfVMli au^ 9tof)ft }u %a^m unb Xnptn loute fRai beS $tt}os< twn 
3flli(^ unb Stetoe, t&^It al< $umanift bri( Staatsmann {u btn 6«bwtenb«ten 
^fönlt^Icittn beS 9tteb«tr^S. (Sr ftarb tu X)fiffeIbotf 1561. 

*] Qairinna Talesins, XmanucnftS beS SroSnntf. 



205 



pars Victoria potiri debeat, tarn utrimque bellatnr acriter. In 
obsidione hac circumventas Polyphemus noster accepto vul- 
nere graviter laboravit; qaodsi in utrisqne castris passionibns, 
affectubns, privatis »tudiis et gloriolis sinerent medelam adhiberi, 
facile componi posse negocium certum est Interim rerum 
eTentua expectandus atque conservator noster Christus toto 
pectore obsecrandus, ut post habitos tumnltus, sediciones, bella 
Christas suam pacem nobis elargire dignetur. Bene vale, vir 
cordatissime, et me, ut facis, ama atque diligenter tuam cura 
valetudinem. Augustae sie ex tempore 17. Septembris a" 30. 

TuuB Joannes a Vlatten scholaster. 

9breffe: D. Erasmo Roterodamo, / viro doctissimo, amico/ 

reverenter observando. 
)5oI. 438. (Sigen^nbig. 9ud)ug bei ^otani^ IV @. 12. 



3otjann ooit Campen*) [d^tlbert bie (Befinnung bes 

Karbinals oon £ütttd^ gegen (Erasmus. 

Äüringeu (SJorf im ©ttft Süttid^ mit bifd^öflid^em 5palafi, jeftt 

Courange), 1532 SWarj 4. Slod^trag ^onffurt, SWarj 21. 

Cum nudius tertius dominus meus Dantiscus Culmensis') 
episcopus et ego animi causa quaedam in arce legere[mus], 
ad quam reverendissimus dominus cardinalis Leodiensis') sedulo 
illum invitftverat et iam dies non paucos humanissime tractat, 
advenit de improviso reverendissimus ipse in cubiculum usque 
domini mei unaque secum adferebat literas tuas ad reveren- 
dissimam celsitudinem illius 12. Decembris datas mihique eas 
sublata voce legendas tradidit; ubi vero eas a capite usque ad 
calcem perlegissem, affirmabat non semel atque iterum sed 
saepe, tarn sibi illas fuisse gratns, ut lectas plus decies rix 

•) geb. 1491, fleft 1538 in gwibutfl, wot ¥*of<ffo« t^* ^ebrSifi^en eptadft 
is iHiDtn. 

') So^nntS V- ^öffli, naif feiner Satetfiabt XiantiScuS genannt. Sgl. 
Beiträge }ur Srft^i^te bei ^umanidmuS auS bem SSrirfwet^fel bei ^o^anneS 
£aiitiSaid eon Dr. groni $i)>Ier, Sraunft^ueig 1890. 

•) (Eber^b e. b. 9Rart. 



206 



tandem e manibos deposuerit Inesse tarnen quiddam dicebat 
in illis quod non mediocriter male baberet, sinistram enim de 
reverendissima celsitudine illiua opinionem concepissc videris, 
propterea quod quidam ad te scripserint voces nescio quas 
odiosiores quam res ipsa merebatur. Quare cum cupiat reveren- 
dissima celaitudo illius, te ab illa suspitione esse quam alie- 
nissimum, iussit me suo nomine respondere tibi, idque praesent« 
reverendissimo domino meo, quem testem adesse voluit, se 
nil nisi optime tibi voluisse nee serio de te aliter quam de 
homine sibi amicissimo locutum unquam imo ne per iocum 
quidem usquam dixisse, quod vel famae tuae vel tibi obfutu- 
rum^). Reverendissimus ipse credere potuerit Eustathii factum 
adeo se non probasse, ut qui pro cucullis poscenti datums 
alioqui aureos aliquot fuerat, homini iratus dare quicquam 
recusaret, propterea") quod scripserit contra te et odiosas illi 
ineptias dicere veritus non fuerit. Ad hunc modum corvus 
hians tua causa pulcbre delusus abcessit. Addebat praeterea, 
se serio sie erga te affectum esse, ut si panis tantum usus 
reliquus sibi esset, eins dimidium, si opus foret, se tibi daturum 
libenter, quod re ipsa verum esse reperturum te adfirmavit, si 
quid unquam ulla in re qua tibi usui esse poterit, ab illo 
requisieris. Haec iussu reverendissimi domini cardinalis liben- 
tius ad te scribo, quod fore credam ea quam gratissima tibi. 
Yale Curingiae quarta Martii 1532. 

') Tu interim quantum voles crede ipsi domino Dantisco 
et mihi locutus visus est serio. Iterum vale Francofordae 
21. Martii. Tuus modis omnibus Joannes Campensis. 

9(breffe: Domino Erasmo Roterodamo / a(mico) suo Friburgi. 
gor. 119. Sgl. ^orarotl IV @. 19. 



') tibi obfhturnm am Ranbt na^gtttagtn. 

*) am 9ianb(. 

*) biefcT 9laäftcai etgcn^änbig. 



207 



5. 

(Beorg tütcel") über bie religtöfen Ocrljältntffe in 

Deutfd^Ianö. 

^offt von bem Singteifen beS SradmuS eine Sefferung unb fprid^t 

Aber i^re @egner. SSoc^a, 1533, aRäi} 30. 

S. Superioribus nundinis dedi ad te literas amantes quidem 
eas et perqnam loquaces, sed te, tanto quippe viro, non indignas 
modo, verum etiam indignissimas. Sed nescivit consilium, 
nescivit modum amor. 

Scripsi quae sensi simplicissime, malens temerarias quam 
timidus esse. Summa rei erat oecumenica synodus. Bone 
Christe, ut animum meum obsedit eius negotii tarn magni quam 
necessarii consideratio perpetua. Nihil nunc in votis meis est 
hoc ipso prius. Nam video summi mali nullum finem, nisi 
caossa legitime modo transigatur. Bello exulceratur, non 
sedatnr. Germania divisa est maximo periculo Romani imperii, 
nedum christianismi. Si durmitabunt proceres, stetit*) religio. 
Atque ubi sunt rhetores, qui orationis stimulis ad leviuscula, 
saepe ad**) orbi perniciosa quaedam excitare primatum turbam 
soliti sunt? Quin illi nunc nervös intendunt omnes, et e media 
arte accendunt istorum frigus, quorum eo in negocio autho- 
ritas°) plurimum valitura dicitur. surdas aares tuas, Borna, 
pectora ad considerationem rei maximae emortua et in 
desideriis mundi huius sepulta. Quomodo habet titulus tuus, 
qaae est professio, quod officium? Satisne diu expectamus 
npem debitam nobis catholici? Siccine grex domini Jesu nulli 
Tobis curae est, uti fama non tarda in orbe universo volat? 
Nnm percussi sunt animi vestri ef*) a bonis qui queruntur 
de neglecta a vobis vinea, et a malis, qui vos non honestis 
adnodnm nominibus accusant ac damnant? Set bona est 
spes, fore at emolliat curiam Caesar Carolus, aut certe fatiget 
improbitate, quo vel ob pudorem saltem detrectare non possint, 
id quod sua inprimis") intererat. Quid pars Luteri factura 

>*) gtb. tu "Svtba. Snfang8 Sn^&nget 2nilftti, trat oBet fpätet tum 
Sot^IinitnuS tutüct, lebte am $ofe Jtaifet ^ttbinanbi I. unb SRasimiliani IL 
vü Jim* 1578 |tt SRoint. «-«i) S. bie St^tulbemetfung ju Sit. 5. S. 209. 

") am Kanbe noi^gettagen. 



208 



Sit, ignoro. Sunt qui putent, eam ad conditiones aequas non 
descensuram. Arbitror ego descenauram, si amice evocetur 
et comiter tractetur, sique") in conventu omnia quam mansue- 
tissime agantur. Videntur eniin quidam illorum fere languere. 
Quosdam audio haud dissimulauter velle, quod numquam 
receptum fuisset dogma, ob tot incommoda, quae et") peperit 
et parturit. Ferocia authoris *) Luteri mitescet, ubi doctissimonim 
hominum ex omni Europa advocatorum iudicium audiet Cristae 
superbissimi ") conflaccescent, cornua immania decident illi, 
quum non in'*) sterquilinio suo, sed in luce viroram clarissima 
ratio opinionis bestemae reddenda fuerit. Tu ab actione 
utilissima minime omnium aberis. Non audirem, si Caesar 
essem, laboro ex») calculo, venire non possum. Imo iuberem 
ego, Appium et senem et calculosum deferri. Non est ad portas 
Hannibal, non agitur de Pyrrhi pace, sed cacodaemon eversionem 
Christianae religionis ad extrenium molitur et de ecclesiae 
pace agendum est. Unus tu multorum instar ea propones, 
ea disputabis, ea respondebis, ea diiudicabis, ea consules, ea 
censebis, quae nemo. Solon, si Plutarcho credimus, coortis 
apud Athenienses factionibus solicite cavit, ne ulli favere 
videretur, sed omnibus se communem praebuit, illud unum agens, 
ut discordes in gratiam redigeret. Unde communi consulto et 
discordiarum transactor et legumlator egregie'') declaratus est. 
Speramus eum") te futurum Solonem, Erasme, cuius sententia 
nonnihil adimatur utrique parti, ut dissidium adimatur. Ob 
concordiam omnia tentanda sunt, et ante in constitutiones mit- 
tendus ensis, quam diutius ferenda discordia. Non est audiendus 
Luterus, non sunt audiendi sophistae, sed Erasmus et huius 
similes, boc est ii qui neutram partem sed christianismum ab 
animo et sincere iuvant. Faxit isthuc bonus Christi Spiritus 
Amen. Te valere optime semper cupio et opto, ut nonagenarius, 
si ultra non detur, superyivas Ecclesiae commodis*). Precor item, 
ut ad eam existimationem redeas, a qua propemodum te invidia 
huius tempestatis depulit. Sopitis dissidiis inclarescet, spero, 



e-i) j. ©. 209. 

") am 9lanbe na^gettagen. 
") mi etgönjt. 
") om Sanbe uad^getragen. 
") am Ranbe na^getragen. 



209 



nirsii8^)taam nomen, quod nunc obscurant illi, quos tu iUustrasti. 
Intelligis, quos sentiam. Factio Saxonica in me concitata est, 
quod desierim pedes abortiv! istius papae deoscuiari. Jonas 
tibi oiim laudatus, nunc hostis tuus, scripsit in me, quum aliud 
non suppeteret, mendacia et convicia. Ego respondi, sed non- 
dum parata est editio. Extitit praeter hunc alias - calumniator 
fdtilissimus, sed non magis curo istius modi insultus, quam si 
me femina lapilio peteret »; nais äqppo»»'"»), ut inquit poeta. 
Yale in Christo Jesu, a quo emendatio et pax ecclesiae. Amen. 
Datum Facchae dominica Judica. Anno M. D. XXXIII. 
Literis prioribus non respondisti, Georgius Wicelius 

qnod quidem ego viderim. Utinam discipulus tuus. 

saltem iis responderes, Fuldam 
missis literis tuis. Iterum vale. 

Sbrejye: Yiro maximo domino/Erasmo Boterodamo,/Rei publicae 

christianae/uniro praesidio, do/mino ac praecep/tori suo/ 

colendissimo / Friburgi Brisgoiae. 

gol. 450. (KBen^änbtg. ®fbnt(ft Erasmi opp. III col. 1755E. Sft= 

Mu^ngen bicfefi 3)nicfd: >) stertit >>) et «) auctoritu ■>) fr^tt «) sicqne 

') auctoris B) fe^(t ^) egregiiu ') commoda k) ^t^lt. 



6. 

3obanncs (Caefarius'*) ertoartet Me ^ntoort bes frasmiis 
auf eine Sd^mälifd^rift bes Stephan Doletus, fünöigt il/m 
neue 2Infed7tungen büxdf bie Kartljäiifer an unb bittet 

iljn um ein fjeilmittel gegen Steinleiben. 

IHe ©<i^rift be* ®ra*mu* Praeparatio ad mortem ^at er tftgttc^ 

in ^nben. Äötn, 1535 (?) SKärj 29. 

Salutem in Christo Jesu domino et servatore nostro. 

Expecto responsionem tuam ad librum Stephani Doleti'^) plenum 

conviciis. Sed aliud et novum imminet tibi bellum a Chartu- 



»•) Homer, Iliad. XI, 389. 

") gtb. in ^üHd) 1468, geft. 1560. 3n ftinen Itjten 3a^rtn War et ®aft 
bn Stafen bon Jleutna^r, beren Ainbcr er untertic^tetc. ®r )ä^Ite ju ben 
Sn^gcm ^tudfVmi. <Sxaim\xi ivibmctc t^nt hai fiotitt 93u(^ bon (Scua'i bur(^ 
<^ äb«fcf)tet gsitd)\](S)tx ®rammati(. 

") Sott ein natürlicher Sofin gronj I. t>on granheit^ geWefen fein. 
1&15 Iii^u^ 3 iu ^ariS Mrbrannt. 

14 



210 



sianis nostris, qui superiore hieme quendam apud nos viram 
satis eruditum subornanint, qui adversum te scriberet super 
opinione authoris operuiu illorum, quae nomine Diunysii Areo- 
pagitae circumferuntur. Deinirantur plurimum apud nos probi 
eruditi homines, quod illi in menteni venerit, ut talem subiret 
provinciam, cum potius te magnis praeconiis ubique commen- 
daret, ut a quo magnam sue eruditionis partem accepit. Sed 
quod non mortalia pectora cogit auri sacra fames"'). Ego, mi 
Erasme, perpetun aegriturtiiie graviter molestor, interimque 
calculi malum me non parum torquet. Audio te illo malo 
liberatum, qua de re plurimum tibi gratulor. Adversus quod 
malum si habes aliquod praesentaneum remedium, id oro ne 
me celes. Calculus is in sinistro rene haeret et aliquando 
per harenulas " **) inter mingendum descendebat, id quod nunc 
et per aliquot menses raro video. Sic optamus Senium, ut 
Interim multa mala nobis asciscamus. Libellum tuum de prae- 
paratione ad mortem quotidie fere in manibus habeo ac lego. 
Vix effari possum, quantum is mihi animum dederit ad morien- 
dum, cum ille iusserit, qui vitam nobis dedit. De quo libello 
soleo apud amicos narrare talem illum esse, ut videaris per 
ipsum te superasse ipsum, qui in aliis alios plerumque supera- 
veris. Bene vale. Coloniae quarto calendas Aprilis. 

Joannes Caesarius ex animo tuus. 

aörejfe: Magno Erasmo Rote/rodamo viro undecumque/ 
doctissimo amico suo / incomparabili et prae- 
cepto/ri apprime observando. 

gol. 117. ©igen^änbig. 



»'•) Vergil. Aeneid. III, 56 sq. 

"*) harennlas = arennla«, b. l cdi ®ttrt. 



211 



3acob ©mptjaltus'*) teilt (£rasmus feine 2Iufnatjme in bas 

3urifienfolIegium mit. Die Derteibigungsfd^rift besfelben 

gegen Petrus (Eurftus ifot er mit Dergnügen gelefen unb 

fünbigt il?m Briefe l^ercorragenber (Belel^rten an. 

Couloufe, 1536 ^bmax 9. 

S. Quod mihi curae in hoc tam alto studii mei secessu 
semper fuit, ut qui mihi ad suscipiendam iurispinidentiae 
rationem aactores fuissent, eosdem haberem speratae aliquando 
dignitatis fautores, id nuper sum conaecutus. Calendis enim 
Decembris magna omnium doctorum suifragatione, consensu ac 
voluDtate adscriptus sum in collegium iurisperitorum. Quo die 
praeter reliqua humanitatis studia, quae optimus quisque in 
me plorima contulit, expertus sum singularem et omni memoria 
mauditam eorum benignitatem, qui magna ingenii laude ius 
utramque in scholis nostris profitentur. Neque enim quisquam 
disputationibns meis interfuit, qui non mihi de iure publice 
respondeuti et ad laudem ingenii et doctrinae famam summa 
omnia honorifico testimonio concederet: et quod singulis debe- 
batur, id plerique uni mihi post homines natos, quo clarior 
stadii mei memoria haberetur, publice remiserunt. Ego pro- 
fecto, ut debeo, honoris huius amplitudinem magni facio, quod 
nollam ob spem futuri beneficii sed solam rectam animi 
Toluntatem virtutisque Studium delatus mihi a laudatissimis 
viris videtur. Defensionem illam tuam adversus Petri Cursii") 
ferias validam ac robustam magna cum voluptate legi. Jacet 
profecto malevolorum hominum inanis invidia cum admirabili 
ingenii tui altitudine tum vero summa animi prudentia atque 
moderatione convulsa atque prostrata. Mihi certe nunc libet 
reliqnum aetatis meae flexum animique motus ad dlguitatem 
toam Tel retinendam vel propugnandam convertere: ut quoniam 
parem in te benevolentiam ac Studium navare non possim, 
Toluntatem saltem emetiri meam, omnemque meam operam 



••) 8(6- »M «nbetnai^ 1500, geft 25. Dftober 1567. S. oben S. 172—175. 
") ?n)feffor ber ^fftolo^K }u £ö»«n. 



212 



fidem atque industriam*") tibi deferre videar voluisse. Neque 
enim ut fortunae acerbitas poteittatem mihi parem beneficii 
gratiain referendi adcmit, ita quoque meae erga te venerationis 
Studium impediet: propterea quod necessaria ratio elaborandi 
mihi incumbit, omnes ut boni intelligant uuiversa mea cum 
vitae tum dignitatis ornamenta a te") profecta esse. A te 
vero pro mea in te summa et maxima veneratione maiorem in 
modum peto, ut, quemadmodum coepisti, rationibus meis suffra- 
gari velis. Hoc vix rogare audeo, ut, si is sim, qui se totum 
ad rationes tuas adiunxerit ad tuamque voluntatem confor- 
maverit, una saltem ad me epistola aedita nominis immortali- 
tatem mihi parias. Scribunt ad te Nicolaus Beraldus, Jo. a 
Boyssone iuris civilis professor celeberrimus, Jo. Sabunyer in- 
signi vir auctoritate et illustri gratia apud Franciscum Gallorum 
regem, cui si videbitur rescribes. Vale Tolosae quarto idus 
Februarii anno 1536. 

Dignitatis tuae mancipium Ja. Omphalius Andemacensis. 

abrefje fe^rt. 
gol. 320. ©igen^änbig. 



'") ätn Sanbe nac^gettaaen, 
") ü6eTg<j(^rte6en. 



213 



IX. 

Die £anbe 3ülid7 nnb Barg wälix^nb 
^ar Balagarung üon Bonn ^588. 



8on 9r{e»TU| M^. 



2)ad (Snbe bed ©elbrifd^en Srbfolgefrieged brad^te ben unter 
bem Segimcnte be« ^etjog« aBtl^cIm III. (V.) oon 3ülid^ oeretmgten 
Territorien eine lange ^eriobe be8 j^i^ieben«. $anb in ^anb mit 
ber friebliebenbcn ©eftnnung btefeä i^i^rften ging bte Abneigung 
iet ©tänbe, ba8 Sanb in bie Äriege ber bena^barten SKäd^te unb 
Seid^Sjiänbe oerroicfelt ju feigen, eine ^Politif, bie fte aud^ unter 
bem geifteäfranfen Sodann aSill^elm unb bem in 3ülid^ unb Serg 
l'uccebierenben ^Pfaljgrafen SBolfgang SBilt)eIm jur ©eltung ju bringen 
oerftanben. 3lber jum größten 3lad^teile beä Canbeä mu^te man 
bie ©rfal^rung mad^en, ba§ bie 3leutralität feine SBol^ltt)at fei, 
roenn man nid^t aud^ bie Sßad^t befafe, i^r mtlitärifd^ ©eltung ju 
oerf^ffen, bie 5)urd^jüge unb ©inlagerungen einer fd^Ied^t befol= 
beten unb barum um fo jügelloferen SoIbateSfa ju rerl^inbern 
ober fie roenigften« baron abju^alten, auf eigene '^a\i^t unb unter 
Sergeroaltiflung ber ©inrool^ner ben Unterhalt ju fud^en, ber il^r 
ni(^t gutroittig ober nid^t in genügenber SJlenge geliefert rourbe. 

SMe folgenbcn SWtter jeigen biefe fie^re an einem einjelnen 
?all, über ben ba« ©taat8ar(^it) ju 5)üjfelborf eingel^enbe 3lad^= 
rid)tcn befi^t*), nämlid^ an ben Sebrängnijfen ber fianbe 3üUd^ 
unb 9erg burd^ bie fpanifd^en ^ilfätruppen beä Äurfürfien (Srnft 
oon Äöln nad^ ber (ginna^me SonnS am 22. ©ejember 1587. 
3)ie ©d^icffale, ron benen bie beiben j^ü^tentümer unb befonber» 

>) Sfilic^^Sers, fSotitifcfet »«geben^riten 9lr. 24. !Det .'SOS Stattet flattt 
Ämb nü^t bt« »om 3««««^ M« 3unt 1588 twgen bet Uebetgriffe bet ©tjaniet 
gtffi^ itorttf)}onb<n|, rin }W(ttn Sanb, b«r bit äRonate ^ult i\i Ottobtr 
■nf<4tt, ^ ft(^ nü^t tt^ttn. 



214 



ba« ^erjogtum Serg in biefer S^t l^eimgefuci^t würben, bilben 
ein tppifci^e« Seifpiel für ba2, roaä bie Sanbe tiiele ^i'^'^J^'^nte 
lang oom Seginn be2 fpanif(!^=meberlänbifd)en Äriege« an big jum 
6nbe be2 breifeigjäl^rigen Äriegeä ju erbulben l^atten, eine 3«^*/ 
in ber fte ben Ärieggfci^auplä^cn nal^e liegenb unb immer gleici^fam 
jroifci^en Jammer unb 3lmbo2 fd^roebenb, jum ©pielbatt ber frieg= 
fül^renbcn Armeen würben, bie ol^ne $Rü(fft(!^t auf bie beroittigte 
9lleutralität unb bie SSerfci^onunggerHärungen »oed^felfeitig, je na(5)= 
bem ei hai AriegiSglüdE fügte, oon il^nen 9eft^ nal^men unb il^re 
Stal^rung au« il^nen ju jiel^en fud^ten. 

3)ie ®inna]^me tjon Sonn burd^ ben Dberfien 9Jlartin ©dienf 
t)on Jlibbegen unb bie SBiebereroberung biefer ©tabt burc!^ ben 
^rinjen Äarl tJon ßrop ift eine« ber legten ©teignijle in bem 
Äampfe um ba« ©rjftift Äöln. ^Raci^bem bereit« am @nbe be* 
^al^re« 1584 ber Ärieg am SHl^ein ju Ungunjien ©ebl^arb« Xxu^U^ 
entfci^ieben war, oerfud^ten e« noc!^ einmal ein paar W^tte unb 
frieg«geübte Parteigänger — jugleic!^ al« SDioetfion be« Äampfe« 
in ben Weberlanben — bie jjtt'^ne ©ebl^arb« am $R{)ein unb in 
SBeftfalen aufjupflanjen unb burc!^ einige rafc!^ unb gefci^idt ge^ 
fül^rte ©daläge feiner ©aci^e jum ©iege ju tjerl^elfen. SDem ©rafen 
^ermann oon Jleuenar gelang e« am 10. 9Jlai 1585 Steufe in feine 
©eroalt ju bringen unb oon biefem roici^tigen ©tü^punfte au« 
gemeinfam mit 3Jlartin ©ci^enf unb ^ermann griebric!^ 6Ioebt 
©treifjüge in ba« 6rj|tift Äöln ju unternel^men. Sleufe blieb über 
ein 3ttt)t im Seft^e ber Slnl^änger ©ebl^arb«, bi« enblic!^ ^erjog 
SHepnber oon ^arma bem Äurfürften (Stnft ju ^ilfe jog unb am 
25. 3uli 1586 bie ©tabt einnahm. 

Ratten fci^on in bem erfien 2;eile be« tru(!^fefftfd[)en Äricgc« 
bie bem (Srjjtift benad[)barten ©ebiete empflnblid[) burd^ bie 2;ruppen 
ber friegfül^renben arteten gelitten, fo fieigerten ftd^ in biefer 
3eit bie Sebrängnijfe in« Unerträglid[)e*). ^Ramentlic!^ mar e« nad^ 
ber ®innal^me oon Steufe burc!^ Steuenar ba« Sonb be« ^ei^og« 
SBill^elm oon ^ülic!^, roelci^e« burd^ bie Slaubjüge ber ^cibeutcr 



■) Snnen 6({))n(^t im 5. Sanb« feiner „(Stfc^ic^tt ber 6tabt Stiln" 
tne^rfac^ bie Arieeebrangfale bieget 3eit; bgl. 6. 121, 138, 158, 168, 177, 
183 ff. — SflI. »itter, beutfc^e ©efc^ic^te im Seitoltet ber Segenttfotmation. 
»b. 6 e. 20 ff. 



215 



miü 9leu^ fotoo^I, ime burd^ bie hirfdlnifd^en Gruppen tietingefud^t 
murbe^. <Dte ^rotefte hei $er}og8 unb bie Semütiungen, feine 
SteutTtilität }u fd^fl|en, tiatten nur geringen Erfolg unb ebenforoenig 
fruchtete feine ^tiflfeit ah Dberfter be« ©eftfdlifc^en Äreife«. Die 
geringe So^l ber i^ )ur SSerffigung fiel)enben Gruppen reid^te faum 
fur notbürfttgen 8efe(ung einiger nnc^tiger $Iä^ unb }ur Ausübung 
ber Ujm }ufiei>enben ®eleiti$redbte au8; mti^te er ei fid^ bod^ ge« 
fallen laffen, ba^ bad oon feinen <SoIbaten eSfortierte ®eleit }n)ifd^en 
^gi>eim unb Adln nneberiyolt geftdtt unb am 3. ^uli 1586 oon 
einer 93onbe furfölnifd^er ffreibeuter bei ^[un'eraborf oottftftnbig 
aufgei>oben rourbe, roobei meiere ^unbert ^erfonen umS Seben 
{amen ober oenounbet rourben*). 

Unter biefen Umfiänben fd^ritten enblid^ im 3abre 1587 bie 
Dtrfd&iebenen SanbfWnbe nid^t nur baju, bem J&erjog burd& bie 
iBeniOigung augerorbentlid^ Steuern bie nötigen fflelbmittel }ur 
Serme^rung feiner ©olbaten ju fd^ffen*), um il)n in bie Sage ju 
ir|en, bie Uebergriffe ber beutefud&enben flreifenben Sotten mit 
Seroalt jurüdfjuroeifen, fonbern fte fd^f offen aud^ eine oom ^erjog 
am 2. 3)ejember 1587 ju 3)üffeIborf beftätigte Union jur SSen 
teibigung bed Sanbed, roorin fte ftd^ oerpflid^teten, einanber im 
ÄotfaH eine beftimmte anja^I Sleiter unb Äned&te auf ©rforbern 
)u §ilfe }u fd^iden. ©ottte biefe $ilfe jur Sefeitigung ber ®efaf)r 
nic^ auÄreid^en, fo fottten Stitterfc^aft unb ßebenleute famt ber 
^nbfolge ber Untertanen aufgeboten toerben. @d rourben Se^ 
ftimmungen über bie 9Jlufierung ber ©olbaten getroffen unb für 
iebed £anb Direltoren unb ^äupter ernannt, benen ei oblag, bie 
Sufforberung jur ^ilfeleiflung ergeben ju lajfen. 3)er ^erjog 
felbfi rooHte für ®efc^ü|. Äugeln unb ^uloer ©orge tragen. 

3lur JU balb fottte ftc^ ®elegenf)eit bieten, bie SBirffamfeit 
biefer fJorfe^rungen jum ©d^u|e be« iJanbe« jn erproben. 9lad^ 
ber (Sroberung oon Sleufe burc^ Sllejanber oon 'ißarma befanb fic^ 



*) ein im etaatteic^it) {u 2)ttff({borf btftnbnc^ct Vfttnbanb (^üKc^« 
9ag, ^(ü. Stgtifnl^. 9b;. 28) «ni^t bm bi« Cnignifft iti 3«^»« 1586 bt-. 
ta fttn b « » 8rieft»e(^f«( btt ^<t]0glt(^ Slcgientng. 

*) Sg(. Rennte, bct ftam^f um baS (£t}j»ft Stöin, @. 167 %; <6nntn 
a. 0. D. e. 183 ff. 

*) Ouf bcn aDgcmrintn Sanbtagtn |u Sfftn unb ^ülic^ 1587 %))rU unb 
Smi- Sgl. Xittec a. a. 0. ®. 27. 



216 



jroar nur nod^ SRI^cinberg im 83cft^c ber 3;tud^fcfftfd^cn, aber bic 
SSorgängc in ^lanbcrn Dcranlafetcn bcn ^etjog, bic bereits erfolg^ 
rei^ begonnene Belagerung biefeä fefien ^la^eä aufju^eben, unb 
9Rartin (gd^enf nerüanb e8 treffli^, feine äbrocfenl^eit auäjunu^en. 
3n ber 3tai)t t)om 22. jum 23. ©ejember 1587 gelang ei i^m 
bur^ einen feden ^anbjlrei^, bie furfürftli^e SReftbenj S3onn ju 
überrumpeln unb bamit bcn aSerluji »on 3leu^ auSjuglei^en. 
Slufeer ©tanbe, bem gefürd^teten Parteigänger auä eigener Äraft 
bie (Spi|e ju bieten, roanbte ft^ Äurfürfi (Srnfi roieber ^ilfefu^enb 
an ben ^erjog t)on ^rma, ber i^m au^ ie|t feine Unterftü^ung 
ni^t »erfagte unb bie jur äBiebereroberung »on S3onn befiimmten 
^ilfätruppen bem Äommanbo tei jungen Äarl »on Qxoy, ^rinjcn 
Don g^imai, unterjleEte. 3^n felbft l^ielten bie SSer^ältniffe in 
ben Slieberlanben bort jurüd. 

S)ie ^ruppenberoegungen begannen fe^r balb. 3nnä^fi ^^tte 
ber ©ounerneur »on SRoermonb, Qo^ann Slnbrca ©igogna, »on 
bem ^erjog ben Auftrag erhalten, je^n j^^nen leidste SReiterei nad^ 
33onn ju f^icfen, um „bem ^einh unter 3lugen ju fommen". @ed^8 
55ö^nen, auä Stalienem, (Spaniern unb SBälfd^en }ufammengefc|t, 
brauen am 14. Januar 1588 unter ber ^^rung be8 Rapitaing 
©eorgio ©reffta »on 9Raaftri^t auf, marfd^ierten bie l^o^e Strafe 
na^ 3JIaImeb9 unb rüdften am 15. bur^ ba8 Sanb galfenburg in 
baä ©ebiet oon Stauen. 3Iuf ber jülid^er Seite mar man rcd^t= 
jeitig auf bie änfunft ber ©panier norbereitet. ©^on im 
©eptember 1587 ^atte ^erjog SBil^elm in ber aSorauäft^t ber 
abermaligen 3;eilna^me be8 ^erjogä »on ^arma am Kampfe 
S)ietri^ »on ®ifel an biefen abgefd^idt, um für bie be»OTfie^enben 
©nr^jüge au8 ben Slieberlanben na^ bem St^ein für feine Unter= 
tränen mögli^fte SSerf^onung ju enoirfen. %li ber abmarfc^ ber 
©panier unmittelbar beoorftanb, entfanbten bie deputierten ber 
jülid^erßanbftänbe ben ehemaligen ©d)üftenmeifter2;^oma2 »on 9leDeI= 
ftein über bie®renje,ber benn au^ bie erftenScroegungen ber ©panier 
fo red)tiettig melbete, ba§ ber jüli^er 3)larf^aII öertram oon 
9teffelrob *), iio^ e^e fte ben 93oben hei ^ürftentumä betraten, fi<^ 
im Qntereffe hei SanbeS briefli^ an ßigogna roenben fonnte. 
SBä^reub biefer umge^enb »erfl^erte, bie (Sintoo^ner würben oon 

') 3ugleic& 9(mtmann )u 3}2ünftereife(, Sianberat^ unb Suefin^en. 



217 



ben €o(baten fo roenig aU mögUd^ molef^iert roerben, fyitten ^i) 
am 19. 3cnuar be« ßreffta Sleiter in ben Dörfern nftrblid^ oon 
Gfd^iveileT (^oengen, @t. ^bxii, ^e^Irat^) eingelagert unb begannen 
fofort mit '-^lünbem, bo bie SSouern aui ^xi)t geflogen roaren 
unb i^re Raufet im @tid^ gelaffen Ratten. Ueber bie loeitere 
Warfd^rid^tung ber leidsten Äaoallerie laffen un3 bie Serid^te ber 
iüU(|)er Beamten im Ungeroiffen; roa^rfd^einlid^ eilte Sreffta auf 
bem tiäd^ften 3Bege in bie ®egenb von 93onn, loie fein äluftrog 
lautete unb nie er ftd^ ^^omad von 9leoe(fteiu gegenüber aud^ 
geäußert ^tte. 9nfang j^ebruar ftnben n>ir i^n in Srüi)[, unb 
nun foHte fid^ ben jülid^r Untert^anen bie Sluroefen^eit ber Spanier 
bolb in ber brüdCenbften äBeife fühlbar mad^en. älm 6. ^ebruar 
oeTfu(^te £reffia von 93rü^( aud von ben }u bem Smte Serg^eim 
gehörigen Dörfern ^fd^enid^ unb Sffern Kontributionen }u erpreffen 
unb fuTj barauf geigte er ftd^ ben erfd^redten (Sinioot^nern bed 
9mte§ Serg^eim perfönlidt), inbem er }unäd^ft mit feiner Abteilung 
norbnürtS marfd^ierte. am 9. ?5ebruar erfd^ienen 600 feiner SReiter 
in ber ®egenb oon Srauroeiler, roo eben Seute beä jülid^er 9lttt= 
meifier» JReufd^enberg a\A ©eteite einer %ü\)xe 3Bein3 eingetroffen 
noren. (Solbaten unb ^t)r(eute mürben oerjagt unb ben Se^teren 
ber ni(^t getruntene 9lefi bti 38eine3 erft am anberen ^age roieber 
pgefteQt. am Sbenb quartierten fie ftd^ in @tomme( im älmt 
Serg^cim ein", oon roo fie unter SDtitna^me oon 20 ^ferben, 
ijeb<n3mitteln unb anberen ©ütern nad^ SHette«^eim in ba8 Äötnifd[)e 
weiter rüdten. SDie SSeraubung oon ©tommel traf baä SDorf um 
fo ^rter, a(d eS erfl furj juoor ausgeraubt unb verbrannt roorben 
nxxr. (Sd^on am 12. ^bruar, roat^rfd^einlid^ auf bie 9lad^rid^t oon 
ber injroifd^n erfolgten Snfunft beä ^^rinjen oon ßtfima^ in ber 
©egenb oon ®üren, mad&te Creffia fe^rt unb rüctte über Dber= 
auffem nad^ ^emmeräbad^ unb ©inborf. ®rei gähnen fielen in 
^eppenborf ein, plünberteii unb erICärten, fie würben nid^t e^er 
widmen, al§ man i^nen 300 3;^aler liefere. SSu8 ^eppenborf ent= 
bot ber bort liegenbe Äapitain') bie ©efd^roorenen beä SDorfeä 
^ffenborf am IS.gebruar ju [\6), um für brei gähnen SReitereiCluar-- 
tier ju mad^en, unb bro^te, bafe im 8Beigerung«fatte fofort 500 2JJann 
gufeoolf unb 2000 SReiter, b. \). bai ^eer be« ^rinjen oon ß^imai. 



'i SBöWc^einlid? ©wffin felbft. 



218 



gegen ^ffenborf rüden würben. SDurd^ ä^nlid^e 3)ro^briefe fud^tc 
man oon ben Ferren von Slürnid^, QtmmetSbatS) unb Semid^ 
Kontributionen )u erjroingen. 

Unterbeffen mar, roie erraäfint, aud^ hai ®ro5 ber Selagerunga^ 
armee {)ernni]e}ogen. '•^rinj Äarl oon 6rot) roar am 7. ^bruar 
mit 4 ^^nen (^Wnrquiä be .^aore, ®raf Suffin, ^rinj non ß^imai), 
$erjog öon Stefcbot), 1200 ^ferbe jtarf, in bie 2lbtei 6orneli= 
münfter eingerüdt unb bort einige Xaqe liegen geblieben, um 35er= 
ftärfungen jti crroarten. 9lQdf) ber SReinung beä 9Jlarfd^att« non 
Sleffelrob liatte bie 3lbtei biefe unliebfamen ®äfte bem ©ounemeur 
Don Simburg, SieiSbrod^, ju verbanfen, ber, um bie Saft ber 6tn= 
quartierung non bem eigenen Sanbe abjulenfen, ben '^rinjen nad^ 
eornelimünfter gefülirt ^atte. 9lad^beni bie erwarteten 3"jügc, 
1000 5pferbe unb brei ^Regimenter ju %ü^, eingetroffen unb bie 
Sorräte in ber äbtei grünblid^ aufgeje^rt waren, brad^ ber ^nj 
am 12. gebruar auf. 3)em jülid^er 83otteIierer SBil^elm ©piefe ju 
3Kotfum, ber i^m in Vertretung be« 9Jlarfd^att« entgegengefd^irft 
war, erllärte er, bie jütid^er Beamten möd^ten bafür ©orge tragen, 
bafe bie Untert^anen ju $aufe blieben unb Unterhalt für SRofe unb 
SRann ^erbeifd^afften, bann würben pe nor jeber Vergewaltigung 
ftd^er fein, übrigen« gebenfe er nur einmal im ^erjogtum Qülic^ 
}u übernad^ten. 3n ber 2;^at mad^te er einen fiorfen lagemarfd^ 
— wie er fagte, war er bem $erjog ju Siebe non morgen« 6 bis 
abenb« 7 Ul)r im ©attel gewefen — unb liefe fid^ non SBil^cIm 
©piefe in ben Dörfern nörblid^ öon 3)üren (9Kerjenid^, 3lmoIb«. 
Weiler, ®tten, ®olj^eim, ^ud^em, ©tammeln, Suir) in« Quartier 
legen. Slber aud^ ^ier Ratten bie (Sinwoliner infolge ber früheren 
fd^limmen ©rfa^rungen bie 9Bol)nungen oerlaffen, o^ne etwa« für 
bie Siraftirung ber ©panifd^en get^an ju ^aben. 3)er ^ßrinj roar 
hierüber fc^r ungehalten; wie er fagte, ^atte er feine erbitterten 
©olbaten nur mit 9Kü^e in 9iul)e galten unb gröfeere Unorbnung 
oerbüten fbnnen. SBil^elm ©piefe, ber am anberen 9Korgen erfd^icn, 
um ben abjug ju beförbent, würbe fe^r ungnäbig empfangen, ber 
^rinj lehnte e« ab, ftd^ ferner oon i^m quartieren ju laffen unb 
i^m über ba« Biet feine« aSeitermarfd^e« au«funft ju geben, brad^ 
oielme^r am 13. wieber auf unb quartierte {td^ nad^ furjem 
aiarfd^e auf eigene gauft in Slöroenid^, öftlid^ oon SDüren, ein; 
wa« bort nid^t untergebrad^t werben fonnte, würbe in bie 3)8rfer 



219 



^o^ürd^n, Soll^eim, (Sxei^m, Sßoü, SSifferei^eim gelegt, ^er 
Injofllid^e Äopitoin Rrommel, ben ber fWarfd^oB lurj juBor mit 
einigen Sleitern jur Äbroe^r ftreifenber 5Rotteii in 9löroeni^ ein^ 
gelegt ^tte, mufete fein Ouartier ben Spaniern räumen. Am 
anbeten 2!age fd^idte ber $rin) an bie na^e gelegenen S)brfer 
Äontributionäbefe^Ie mit ber SDro^ung, i^nen im äßeigerunggfaBe 
bad JlriegdDoIf über ben ^alS }u fd^iden unb am 15. begannen 
bie Maubjüge in bie Umgegenb; au? SWerjenid^ rourben 4 gerben 
@<i^afe unb oor SHftelrat^ bei Citren fämtlid^e ©d^fe unb Jtü^e 
loeggenommen. 

3)ie jülid^cr deputierten fa^en biefem Streiten ni^t unt^ätig 
ju. @oba(b {te t)on ber Sebro^ung ^affenborfi^, auf roeld^eiS ali 
regelniöfeigeä SÖifteige= unb 3?ad^tquartier beä ^erjogä auf feinen 
Steifen jroifd^en 3fllid^ unb S3erg befonberer 5ffiert gelegt rourbe, 
Aenntniä er()ielten, entfanbten {te bortl)in ben Hauptmann SBambad^ 
mit einigen @ölbnern, roeld^e burd^ bie ausgefegten €d^ä|en bed 
Amte« 6after nerftärft rourben. Slnberen Sleirigen gelang eä, ben 
Spaniern i^ren 9laub t)or I)ipeltatf) roieber abjujagen. ffllei^; 
jeitig rourbe eine ®efanbtf^aft nad^ Sflömenid^ abgeorbnet, um fid^ 
bei beut ^rinjen über bie Sebrcingung ber Untert^anen ju be^ 
fd^eren. 3)iefer fd^ob bie ©d^ulb auf bie S3auern, bie gegen 
feinen SBunfd^ i^te 2Bof)nnngen oerlaffen Ratten; er ^obe nid^t 
Äontributionen au«gefd^rieben , fonbem ^utter unb Unterhalt für 
feine Seute »erlangt, wobei er freigepeUt ^obe, ftatt beffen ®elb 
ju iaffUn. SBerbe bem ^olge gegeben, fo rourben bie @oIbaten 
ibr Quartier nic^t oetlaffen. ^ür bie Uebergtiffe ber non ©reffto 
fommanbierten leidsten JtaDaQerie erflärte er ftd^ nid^t oerantroortlid^, 
btt biffe i^m nod^ ni^t unterftettt fei. übrigen» roar er naiv genug, 
bie Släumung feiner augenblidlid^en Ouartiere ju nerfpred^en, roenn 
man i^m bie Stobt S^^P^^ o^cr einen anberen feflen ^Ia| am 
roeifen rourbe. (Sä fam ifim offenbar barauf an, ftd^ in biefer 
@egenb, bie oom Ätiege no^ nid^t fo fefir al8 baä SrjfHft Äöln 
gelitten ^tte, fo lange aufju^alten, bi8 er mit ben namentlid^ au8 
?^eSlonb unb Sot^ringen erroatteten SCerftötfungen bie Belagerung 
oon Sonn unternc^en ßnne. 2Bof)I nid)t mit Unted^t fa^ man 
am ^ofe bed $er}ogd ald ben eigentlid^en Urheber biefer ißläne 
ben @ün|tling be8 (grjbifd)of8 ®mft, ben nad) bem %aUe oon Slleufe 
jum ®out)enieur bofelbfi ernannten lurfölnifd^en Äammcrmetfier 



220 



^aul @toer, an, ben man als „das baubt über das gantz colnisch 
kriegswesen" bejeid^nete, unb ber nid^t nur ßreffia auf feinem 
SJurd^jug begleitet ^atte, fonbern ftd^ aud^ je|t roiebcr bei bem 
^riujen »on S^imai befanb. 35te fiänbifd^en ^deputierten tieften 
fid^ auf bte Sorfd^Iöge Äarlä non ©rop ntd^t ein, fonbern fd^idtten 
im 9lamen bcä ^erjogä an alle Smter S3efe^I, ftd^ mit ber bc= 
liimmten Stnja^I ©d^ü|en in S3ereitfd^aft ju fialten, fid^ mit bcn 
(Spaniern in feine ^Kontribution ober SSergleid^ung einjulaffen unb 
i^re beroeglid^e ^abt an fidleren Drten unterjubringen; fte founten 
eä inbeffen nid^t ^inbern, ba§ fid^ einige ber geängftigten 3)ötfer 
in ber Si^at loafauften'). äufterbem berid^teten fte auafül(rlid^ 
über bad gefd^efiene an ben ^erjog unb baten angefid^tiS ber brol^en^ 
ben ©efa^r, bie in S)üffeIborf gefd^Ioffene Sanbeaoereinigung jur 
Suafül^rung ju bringen unb bie ^deputierten »on ßleoe, Scrg, 
3Jlarf unb SRaoenaberg auf juf orbern, jxd^ jur ^ilfeleifiung bereit 
)u {)alten. 

Slber bem ^erjog roar gerabe ie|t am n>enig{len mit einer 
geroaltfamen 3[bf)ilfe ber fein Sanb ^eimfud^enben ÄriegSbrangfalc 
gebient, ba er 9lu8ftd^ten auf eine frieblii^e Söfung beä Äölnifd^en 
ÄriegeS ju ^aben glaubte*). Sd^on im 3ionuar hatten bie ©rafen 
3[obann »on 9laffau, ^einrid^ unb ^ermann »on Sa^n unb Salentiit 
ju Öfenburg über 3JlaftregeIn jur SIbroenbung ber Ärieg8unru^en 
SSer^anblungen angefnüpft, benn nid^t nur lag bie allgemeine Se- 
fürd^tung nalie, ba§ ber nieberlänbifd^e Ärieg an ben SR^ein perpftanjt 
würbe, fonbern man beforgte aud^ feitenS ber red^tar^einifi^en Steid^d^ 
liänbe nid^t o^ne ®runb, ba§ bie ißonn gegenüber errid^teten ftarfen 
©d^anjroerle bei Seuel ben Ärieg auf bie redete SRljeinfeite jicl^en 
unb feine ^auptlaji bem bie8feitigen ©ebiete juroätjen werbe, 
^erjog SBil^elm ^atte bie Söermittlung jroifi^en 3Jlartin ©d&cnf, 
©eb^arb ^rud^fe§ unb bem Äurfürfien ©rnft unternommen unb 
war beflrebt, »orläufig einen halbjährigen 2Boffen|ii[[|ianb pom 
1. aJlärj an }u ©tanbe ju bringen, bem bann ber beftnitioe ?friebcn8= 
fd^Iuft folgen foHte. (Seine ©efanbten Dtto »on SS^tanbt ju SR^eibt, 
SBinanb »on Seerobt unb ber Sijentiat 2lnbrea8 ^arg^eim roarcn 
eben »on Sonn jurücfgefe^rt, um mit bem ^ßrinjen »on ©l(imai 
unb bem SeooHmäd^tigten be8 Äurfürfien Srnft, 5paul ©toer, ju 



") 2)iftertc^, (Slabbac^, Süj^etm, Werjentc^. 

•) Sgt. $enue8 a. a. D. @. 171, (Snnen S. 209 ff. 



221 



ver^nbeln, unb erhielten nun voeqtn ber burd^ bie Spaniet oerflbten 
tlnbilben weitere Qnjiruftionen. 

$Der ^tin} voax am 16. ^bruar mit @toer unb einem Xeil 
bed ^eeied nad^ Srü^l ge}ogen, roo^in i^m am 17. bet 9lefi folgte, 
iDä^renb bie leidste ffooallecie im Smte Serg^eim unb ber ^errlid^ 
feit ^emmerdba^ nod^ liegen blieb, unb, tro^bem ber $er}og lieber: 
^olt ereffia burd^ Slbgefanbte SSorfledungen mad^en lie^, i^re ^ünbe: 
rungen fortfe^te. 3)em an Greffta abgeorbneten Jläd^enmeifler 
Slbert oon £üning erttärte biefer einfad^, er werbe nod^ 14 Xage 
liegen bleiben unb nid^t e^er ab}ieben, al0 er oon bem ^rin}en 
Sefe^l erlHilten mftrbe. ^Beld^e Autorität ber ^erjog bei ben 
Spaniern geno^, }eigte ftd^, ali ein ^oftrompeter nod^brüdlid^ auf 
Stäumung bed jülid^er fianbed unb namentlid^ auf Sierfd^onung 
oon ^ffenborf brang; ein bed ^eutfd^en mäd^tiger Aopitain 
^^lippo enoiberte i^m in GrefftaS ©egentoart: „Ei lieber, wir 
wissen des hofs gelegenheit und was dar umb gebet besser 
als ir; der alt berr kan allezeit nit leben, wen derselbig das 
haabt legt, wird man irer etliche, auch den landhofmeister 
Bongart und gemelt dorf Paffendorf wol zu finden wissen." 
%m 18. ^bruar brad^ GrefHa auf, um ftd^ roeiter roeftlid^ }u Sfd^ 
im 9lmt Safier unb }u Slieberembt im Smt IBergbeim einjulagern, 
in bem festeren ^orf aber toiefen Slittmeifter '^ren^ unb Hauptmann 
Sambad^ bie Spanier jurüd, meldte ftd^ nun unter ^ro^ungen nad^ 
IKdborf begaben, älnt nätbften iRori^en brachen fte nieber auf, um 
über ^eppenborf nad^ ilerpen }u marfd^ieren, nxinbten ftd^ bann 
aber unb legte fic^ in 38iffer8^eim unb @rp im 9mte 9lört)enid^ 
unb bann nad^ Sla^beim im Jlölnifd^en ind Quartier. SSon ^ier 
cati verübten fte balb bie fd^limmften 9Iäubereien. SineS XageS 
überfteten fte in fiarfer Sn^abl ttai ^orf ©otj^cim, nahmen ^ferbe 
loeg, fd^lugeu Aifien unb jlaflen auf unb öffneten mit @en)alt bie 
Ain^e, aud ber fie }n)ei Aetd^e unb eine 3)tonftran} raubten, loä^renb 
jie bie ^ojtien umberflreuten. 'gerner erftiegen jte ben $of }u 
©t. XöniS^^ol^eim, nahmen eine 3lotte bafelbji liegenber ^erjog^ 
li«^ ©olbaten gefangen unb plänberten ben $of aud, in ben bie 
uimoo^nenben jülid^er Untertbanen i^r äJiel^ unb i^re 'grud^t ge= 
flüchtet (Kitten. Xäglicb flreiften 9{otten in ber Stärfe von mehreren 
^nbert 9Jlann mit fliegenben 'gähnen in ben 35örfern '") uml)er unb 



"} benannt tvecbtn bie S)örfec ^oU, ^inge^etm, SOifftrd^etm. 



222 



raubten, roai i^nen in bie §änbe fiel. SSerfd^iebene abelige ©i|c 
rourbeii auägeplünbert"), unb bie ©orfberoo^net, roeld^e ou8 gutd^t 
i^en ÜBo^nort nerlaffeit Ratten, liefen obbad^toiS uin^er. 

hieben btefen Sebrängniffen butd^ hai §eer be8 ^rinjen pon 
S^imai ^atte baS Sanb aud^ burd^ bie 39efa|ungen ju 3Rövi, 
tlrbingen unb Jtaifer^roert^ au^erorbentltd^ ju teibeit, bie täglid^ 
in ba8 gürftentum Qültd^ ouSbrod^en, näd^ttid^erroeile bie S)örfer 
unb $bfe überfielen, ^Pforten, SBänbe unb ^nfter aufbrad^en, olle« 
jum 3}iitne^men @eeignete raubten unb i^re Streifjüge bis por bie 
©tobte 3ülid^, JJüren unb 3ütpid^ auäbe^nten; namentlid^ mar ei 
bie Sefaftung poii 9Jlör8 unter bem Äapitain Samillo, bie ftd^ in 
biefer SBeife ^ernort^at. Slfferbingä liefen biefe Söge nid^t immer 
jum 33orteit ber SLngreifer ab. am 3. 3Wärj rourbe bie grei^eit 
©üd^tetn burd^ einen au2 SefaßungStruppen non SRbr«, Äaifer8= 
tpert^ unb Jtrafau (bei Jtrefetb) gemifd^ten Raufen oon me^r ali 
300 änann überfallen, ^ie ^erjogUd^en ©otbaten tparen für} por« 
^er abgejogen unb bie SBad^en rourben burd^ bie Sürger nerfe^en. 
2)a gelong e8 ben 3Ingreifem morgend jroifd^en 4 unb 5 U^r an 
einer unberoad^ten ©teQe in ben Drt }u bringen unb bie jtird^e )u 
befe^en. S3on ^ier au8 griffen fie bie ouf ber SBe^r befinblid^en 
S3ürger an, bie über ben ®raben ^in ben %ledin perliefeen unb fld^ 
im ^Ibe, burd^ ja^lreid^e Sauern perfiörft, jur ®cgenipel>r rüfleten. 
S)ie ^inbe plünberten bie Äird^e unb einige Käufer, legten an 
jjoei ©teilen ^uer an unb perttefeen ben gtedfen in 9iei^ unb (Stieb 
auf einem anberen 9Bege, ober bie Sürger unb Sauern griffen fte 
on, fd^tugen fie in bie jjlud^t unb nbtigten fte, i^ren Staub im 
©tic^e ju toffen. S)rei rourben in bem gtedten felbft unb fünfjig 
in bem Srud^e }roifd^en ©üd^tetn unb Störot^ Pon ben ergrimmten 
Souem niebergefc^lagen. Stuf ber onberen ©eite rourben nur einer 
erfc^offen unb oier ober fünf perrounbet. <Ben Sronb gelang c« 
auf jroei ©d^eunen unb einige ©toQuiigen p befd^ränfen'*). 

©0 ^ort oud^ boS ^erjogtum 3üUd^ burc^ bie jügeüofen 
fponifd^en unb fötnifd^n SÜruppen bebrüdft rourbe, fo foffte bo<3^ 
oSed bisher ®efc^e^ene noc^ roeit burd^ boiS übertroffen roerben, 
roog bem ^^rftentum 33erg in ben nöd^ften 3Wonoten roiberful^r. 

") @o bie $Sufn beS !Z)aem @t)ie^ jum Sorfl, b«S 3t. bon 6<^Ulmg |u 
Stommel unb btS S&germeifterS $«inn(6 bon Sreitmar. 
") Sendet b«8 Sogtd ^oa^itn Rottet )u Srttggen. 



223 



& nmtbe oben fd^on auf bie Sebeutung ber Sonn gegenfiber^ 
liegenben ©d^jnetle ffir ben etwaigen Setlauf ber 93elagerung 
^ingetoiefen unb in bei ^^at entfd^lo^ fid^ Raxl von (Siop }unäd^fi 
bieten toid^tigen ^untt in feine ©enxtit }u bringen unb }u biefem 
Sioede einen beträd^tlid^en ^eil feiner S^ruppen über ben 9l^ein }u 
fd&offen. Äud^ biefen ^lan wirb i^m ^ul ©toer, ber fortroä^renb 
in ber Umgebung bed ^tin}en roar, unb bem oiet baran liegen 
mo^te, bad fölnifd^e ®ebiet von ber Einquartierung }u entlaflen, 
naffe gelegt ^aben, nenigftend nar er nad^^er ber erfie, ber mit 
ben Gruppen äberfe^te. S)er ^in} ermartete nur nod^ bie 9n!unft 
bed @ouoemeurd oon ^edlanb, !^olKtnn 93aplifi be Xa^ni, ber 
ju feinem militärifd^en Seirat beftimmt roar"), unb jugleid^ burd^ 
}u @<i^(ffe rt^inaufmärtd geführte S^ruppen iai Selagerunge^eer 
oer{iär!en fotlte. 9u^erbem foSte baS lot^ringifd^e Siegiment hti 
Dberflen 93elmont unter ber ^^rung bed Dbriftleutnantd oon 
Itetnblecourt eintreffen. S)er *:pian, ben Sl^ein )u überfd^reiten, 
mürbe flreng geheim gehalten, nid^t allein oor ben ^inben, fonbern 
ou^ oor bem ^er^og, beffen ®runb unb Soben man babei bod^ 
betreten mu^te. 9m 5. SRär} erfd^ienen abenbd fpät jroei mit 
Äriegäoolf bemannte ©d^iffe, SuSleger genannt, oor ®üffelborf, 
beren Sbmiral ber ^Regierung am anberen SJlorgen ein an ben 
^rjog gerid^teted ©d^reiben bed Dberften oon Xa^id'^) äberbrad^te, 
in loeld^m biefer barum erfud^te, ben SlDmiral mit einigen Slud- 
le^m r^einaufrodrtd fahren }u laffen.. S)ie 9iäte lie^n bie 
beiben @d^iffe fonie einen britten am ?tadt)mittag burd^fal)renben 
Shiäleger gegen baS 93erfpred|)en, bie ^erjoglid^en Untertbanen foroie 
bie Aauflfute nid^t beläftigen }u mollen, paffteren, o^ue ^wed unb 
3iel ber Steife erra^ren }u iKtben, fd^idten jebod^ ber ©td^er^eit 
^Iber fonw^l an ben ^erjog ale an ben bergifd^n SJlarfd^all 
SBiÜKlm oon Söolbenburg gen. ©d^enfem") 8otfd[)aft oon bem 
&«^d^\)tnen, 9lud^ ali ber Hauptmann Slanfemeier in ftaiferS^ 
mext^ um freien ^^ für ben bort befinblid^en älu^leger unb jroei 
leeie ©c^iffe bat, bie er infolge erhaltenen 93efeblä nad^ JUln 
bringen looQe, ahnten bie State in ^üffelborf nod^ nid^td oon ben 
^(önen ber ©panier. S)ie äluftlärung foQte i^nen inbeffen balb 



") Sgl. ennen 6. 215. 

'«) JM. »fitnc^ 1588 9Räx} 3. 

") Xmtmann {u ^iüii) unb ettinbai^. 



224 



ujetben. Sltn 2benb be* 10. SDlätj fam ber erfte Aufleger in 
^ül^eim an, beffen Jtapttän .^o^ann Xa^ jämtlid^e Dor^anbenen 
©d^iffe für bie Überfahrt bii fpanifd^en ÄtiegäDolfa forberte. 

2)er itwai öngftlid&e SSijefanjlet ^arbenrot^ rourbe butd^ bicfe 
Jlad&rid&t gonj aufeet gaffung gebrad^t, et berid^tete fofort an ben 
^etjog, ber fid^ bamalS gerabe in 3ülid^ befanb, unb bat, i^n 
mit biefen ,;8anb= unb Äriegdfad&en", oon beneii er ftd& feit je^er 
fern gehalten ^abe, }u oerfd&onen; inbeffen fd^icfte er bod& ben 9titt= 
meifter 9{utger Don Sottlenberg, gen. Jleffel, unb ben Hauptmann 
Sd^lebufd^ mit einigen ^Reitern unb @d^ü^n nad^ SRtll^eim, um 
njombglid^ ben SR^einübergang }u oer^inbern. ®iefe «Hxren jebod^ 
baju aufeer flanbe. 2)ie ©panier Ratten oor Köln ©d&iffe requiriert 
unb mit biefen am 1 2. SOlärj in 6ile einige ^unbert SDlann bei SJlüI» 
^eim übergefe|t, benen ber Dteft am 13. folgte. 2)en äbgefanbten 
be* SlittmeifterS Äeffel erflörte Äarl oon ©rop, er ^abe »on bem 
^prinjen oon ißarma au^brüdlid&en Sefe^I, ftd& einen ober mehrere 
2;age in 2WüI^eim einjulegen, unb quartierte ben ^auptteil feiner 
Siruppen in 35eu|, Wül^eim unb ben benad&barten bergifd^en 
33örfem ein. 35ie Srloubnia baju oon bem Sanbe^^errn einju^olen, 
^ielt er nid&t für nötig. 

^erjog SBil^elm ^atte auf bie Slad^rid&t oon bem St^ein« 
Übergang Siaxli oon ©rop aläbalb an biefen ben bergifd&en Warfd^att 
©d^enfern abgefanbt, ber fidb, nur von feinen Wienern begleitet, 
fofort flon 3ülid& nad& ftöln auf ben 'Beg mad&te. (5r erreid&te bie 
©tabt nad^ einer gefa^rooHen Steife, auf ber i^m einmal oon einigen 
©olbaten ber SSoimer Sefa^ung ber 9Beg Derlegt unb nad^ i^m ge^^ 
fd&offen TOurbe, roä^renb i^n ein anbere« SDlal bie ©panier an- 
griffen unb, roie er fagt, „dermassen tractirten, das ein zeit 
anders nit gewest, dan ich wurde mit meinen dienern auf dem 
platz pliben müssen", ©d^on in Äöln überjeugte fvi) ber SDlar= 
fd^aU, bag unter ben obmaltenben SSer^ältniffen „die sachen one 
grosse weiterunk und beschwer nit abgehen wollen", unb ba^ 
e8 nötig fein roerbe, bie Union in* SBerf }u fe|en. ®er ^prinj 
allerbinga gab i^m bie befien Sßerftd&erungen, entfd&ulbigte ben Über= 
tritt auf bergifd&ed ®ebiet mit bienftlid&en ®rünben, unb begehrte, 
man möge au2 {Ji^eunbfd^aft uub in 2lnbetrad&t ber SBernwnbtfd^aft 
bed ^erjog* mit bem 5töntge Don ©panien ben Untert^anen be= 
fehlen, §eu, ©tro^, §afer unb Srot }u liefern, bann roerbe et 



225 



nt^t geflotten, ba§ bie Solbaten i^re Quartiere oerlie^en. afier 
gIei(i^}eUig erfuhr Sd^ntern von i^m perfönlid^ be!annten fpantfd^en 
Dfftjieren, ba§ tro| ber guten abftci^ten beS ^rinjen, fhenge 
Stonndjuci^t }u ^Iten, toenig Hoffnung auf bereit ^urd^fü^ning 
ooT^nben fei nxgen ber fd^Ied^ten ^ja^Iung ber Solbaten unb ber 
SRannigfaltigleit ber 9lationaIitäten, aud benen fte )ufammengefe|t 
feien. 3u ^^n oor^nbenen Gruppen foSten etroa 1000 ^Reiter 
{omaun, bie von SRaajirid^t ^ranrüdten unb roeld^en ^omaS von 
92ei>elfietn vom $er}og entgegengefd^idt lourbe, unb ferner bad 
9%e0iment bed Dberften von 8eImont, eine aud !Bot^ringem unb 
Surgunbem gentifd^te unb toegen i^rer BügeOoftgfeit berüd^tigte 
2:nipp<, bie unter ber ^^rung bei» DbrifUeutnantd von Xremble: 
couTt burd^ bad @rjfiift Xrter marfd^iert mar unb ftd^ je(t über 
2)oIIenborf, Xonborf^, Seffenid^ (Srnt 3RünjiereifeO m^ »rtt^I 
bemegte. 

Unterbeffen ^ttfn bereite bie in Stül^eim unb ^eu| Sagemben 

bie fd^Iimm^n SSefflrd^tungen wa^r gemad^t. @obaIb bie Gruppen 

übergefe$t untren, begannen fte aud^ i^re ^Iünberungd}üge in bod 

9ergifd§e fianb, angebltd^, toeil fte in i^ren Quartieren feine ^in^ 

tcie^nben SSorröte fanben. ©inige Sauern würben erfd^jfen, nad^ 

bei angäbe bed ^rin^en von S^imai, roeil fte }uerrt bie foura- 

gterenben @o(baten fiberfaSen Ratten, ^d Untere ifi nid^t un^ 

mt^rfd^nlid^^ benn bie Sanbbeoölferung, bie }ubem nod^ im vorigen 

3tt^re b«rd§ eine SDliSemte getroffen war, war burd^ bie ©rlebnilfe 

ber früheren Äriegäjeiten aufä öufeerfte erbittert, unb eä roar nid^t 

baS erfU 9Ra(, ba^ fte ben beutefud^enben unb burd^ftreifeuben 

6oIbaten }u £eibe gingen'*). @Ieid^ am 13. Snärj nmren einige 

6ponier bid nad^ Sendberg gefommett, {)atten 9lcterpferbe im 2Bert{)e 

oon 300 ^alern ab.qefpannt unb babei erflärt, fie mürben ftd^ 

in Jtürje oon bem ^ufe Sendberg, too^in bie <Stnn)o^ner in ber 

&t einen S^eil V)Xtx ^abe geflüd^tet Rotten, beffere Seute ^olen. 

In betnfelben ^ge fam ed )n)tf<^en ben ^er}og(td^en Solbaten unb 

ben ©paniem ju einem fbrmlid&en ©d^armü|el. ©ie oben er; 

«ahnten ^erjoglid^en Dffijiere, Hauptmann ©d^Iebufd^ unb 5litt= 

«elfter Äeffel, ^tten bie abfid^t, über Senäberg nad^ ©iegburg ju 

iie^, unb waren btd 'gordbad^, im Smte £ü(dborf, gefommen, a(d 



'•) «ttl. ^tnne« a. a. D. S. 122. 

15 



226 



i^nen ein fpauifd^eä ©treifforpä ju ißferbe in ber ©tdrfe non 
50 Äöpfen begegnete. 35lan begann auf einanber gu fd^iefeen, 
Hauptmann (Sd^lebufd^ blieb tot auf bem ißla^e, n)äf)renb Äeffel 
oerrounbet rourbe, auf ber anbeten Seite fielen jroei biä brei. 3Me 
SSertrbftungen be* ^ringen non g^imai erroiefen jid^ aU cöllig 
roertloä. 3" einem Umfang con fünf biä fed^ö Steilen r^ein^ 
aufniortä unb abroärta bitten bie ©orfberoobner il^re Käufer ver- 
laden, nadibem pe binveid^enb ^tter für bie ©panier jurüd= 
gelojfen bitten. Sro^bein jogen biefe, oiele ^unbert jiarf, unter 
bem 33orroanb gutter fud^en gu rooDen ben Sauern in ba« @e' 
birge nod&, too^in jie i^re ißferbe, ?5ie^ unb anbere ®üter gebrad^t 
Ratten, griffen jie im Sturm an, töteten, wenn jie in ber Überja^l 
waren, 9JJann unb SBeib unb nerfd^onten felbji bie unmünbigen 
Äinbet nidfet; fie l^auflen, wie eä in bem 35erid^t beä SDlarfd^lI» 
©d^enfern l^eifet, dergestalt, das es einem steineren hertzcn be- 
daurlich und mans arger von Türken niet gewertig sein kunte. 
©d^on am 14. 9Rär} roieber^olten [xe il^ren Sefud^ in 9en8berg, 
plünberten baä 3!)orf ooUftönbig au8, wobei 4 §au8leute enoürgt 
unb mehrere auf ben Job cerrounbet würben, unb erflörten, bem= 
näd^fl roürbeu fie aud^ in ben 9eft^ beS ©d^loffeS gelangen, ^a 
beifen Sefaguug nur aus 14 ©olbaten beftanb, bie ber gefallene 
Öouptmaun ©d^lfbufd^ fürjUd^ bort^in gelegt l^atte, fo fe^te biefc 
©ro^ung ben benäbergifd^en ÄeDner ©bfiftw" "on ^imbod^ in 
heftigen ©d^reden unb er erbot fid^ eine SSerfiärfung con 15 H* 
16 9Ronn, um baä ©d^lofe oerteibigen ju fbnnen. 33erfcl^iebfnc 
abelige §öufer, fo ^Ifenburg, bem oon ©loerfelb gehörig, ba« Iül8= 
borfifd^e ^auS gum ^aen, Seibenl^aufen, 3Roxiiad), bem von ^Q 
juftönbtg,^SBonbt, im Seji^e ber oon Si^eifel, unb ba8 ^o^felbifd^e 
^au8 }um S^orn, würben eingenommen unb auägeplünbert. SSer^ 
geblid^ teilte SWorfd^aH ©d^enfern bem ißrinjen unb bem neben 
Sofia olä 33eirot bei bem ^eere befinblid^en befonnten fponif($en 
Dbrifien SSerbugo bie Unt^oten il^rer Untergebenen mit unb forberte 
SlbfteDung ber Übelftänbe unb SRöurnung beä Sanbed; er erhielt 
feine Slntroort, unb oni 21. aKötj brod^ roieber ein §oufe con etroa 
700 3Jiann ju SRofe unb %u^ nid^t roeit unterbalb bed §aufea 
©enäberg on einer ©teuf, roo f« bie Jfflad^t ber betgifd^en Unter= 
tl)onen am fd^roäd^ften fanben, bei SSolberg im SSmt Süläborf, über 
bie ©ülje in boa Sanb ein unb fd^lugen SBeiber unb Äinber unb 



227 



wai fte am 2Bege fanben, nteber. 9Ran )&^(te 21 ermorbete ^aud» 
leute o^ne bie SSetiDunbeten; »erfd^lebene Raufet würben angejünbet. 
3u fflati), im SImte $ot), l^ieben {te einen Sauet in 5 @tüde unb 
jänbeten fein ^uS an. <Sinige fül^rten fte gefangen mit ftd^ fort, 
ba}u Ober 300 ^fetbe, Aä^e unb Sd^afe. ^u^ \e%t ertlätten fte, 
nric einet bet ®«fongenen, bet roieber entloufen roar, berid^tete, fte 
mfitben ben „meinen ^loden", loomit fie bad Sd^Io^ SenSbetg 
meinten, im @tutme nehmen. 

2Ran füllte benfen, btefe ßreigmffe Ratten im SSeretn mit ben 

<&cfo^ningen bet ftü^eren 3al)re unb ben ©<i^icffalen, bie eben erft 

bad jüHd^er Sonb getroffen l/atten, %üx\t unb Sanbfiänbe ju fräfttgem 

unb entfd^Ioffenem 33orgel)en bringen muffen, roenn man ntd^t bie 

nnion vom t>ongen ^af)rt aU blo^e J{om5bie anfeilen noQte. ä(n 

©timmen, wcld^e }um energtfd^en ^anbeln rieten, fehlte e8 ntii^t. 

35ot ollem root ei ber t^atfräftige 9JJarf«^aD ©d^enfem, ber mit aller 

Sntf(!^ieben^eit ba^tn btängte. Sr f(|rieb fd^on am 22. 3R&xi an 

bie Ääte in ©üffelborf, da mit diesem jamer und elent sowol 

der koeniglichen wirden zu Hispanien als dem ertzstift im 

wenigsten niet gedienet, alle zusagen niet in acht genomen, 

kein ersuchen vlien und bitten platz hat, so stunde . . zu 

erwogen, ob niet diesem unheil und vorstehender not mit einer 

starker jegenwer, darzu gottlob unser genediger fürst und 

her genuchsam gefast sein kan, zu begegenen und sich zu 

▼erthetigen. 6r nne8 auf ba8 Setfpiel benad^barter SHcid^äfiänbe 

unb namentlid^ bed Grjftiftd ^rier ^in, mo bei Gelegenheit bed 

Durd^jugeä be8 Selmontfd^en Stegini ent« ber Sefef)! erteilt roar, 

toenn bie Ungebü^ ber burd^jie^enben Solbaten nid^t aufböte, 

bie Se^ndmannen auf}ubieten unb jufammen mit ben geworbenen 

Stae^tm ben Slu^eflötern entgegenjujie^en. (gr fagte: Seite diesem 

jamer also stilschwigent zugesehen und die gegenwer über 

Zuversicht niet vorgenomen (werden), wurde das furstendumb 

Berg entlichen undergans, und hiernebeat in der belagening 

Bon das furstendumb Guilich gleicher fortuin gewertig sein. 

SSenn man aud^ ben materiellen ©droben ntd^t ^od^ anfdfilagen 

wtXk unb gloube, tl)n auf anbere SBeife erfe|en §u fönnen, fo 

fd^eie bod^ baS unfd^ulbig t)etgoffene 39Iut jum ^immel unb 

fmbete @enugt^uung. älber aQe biefe 33orftelIungen blieben o()ne 

ben gciDünfd^ten (grfolg. 5Bergeben3 forberte er, ber oline Sefel)! 

16 • 



228 



beä ^etjog^ nid^tä unternehmen bütfe, enbtici^ einen Sntf^tufe 
gerbet jufü^ten, ob die jegenwer und naturliche defension an 
hant zu nemen unb ob et unb bie Untert^anen auf bie Unter: 
ftü|ung beS ^erjogä }u ret^nen Ratten, bainit ba^ fianb nt<i^t 
unnerfci^utbeter SBeife berartig oer^eert werbe, bie Untert^ten 
aber rocmgfienä mit bem Seben banon fämen und doch nit so 
jemerlich underm schein der freundschaft auf die fieischbank 
geliebert mürben. 

aber ber ^erjog mar ju feinem cntfd)iebcnen Sßorge^en }u 
bewegen. SSon SMter unb Äranf^eit gebeugt unb non Statur icbcr 
©emaltt^at ab^olb, mar er äng^Iid^ bemüht, bie (Spanier nid^t }u 
t)er(egen unb ben (Sd^ein }u meiben, ats ob er bie 9leutralität 
nid^t jlreng einhalte. Uncntrcegt fd^ritt er auf ber 35a^n unbanfs 
barer unb unfrud)tbarcr Sßermittctung roeitcr unb fd^idte, nad^bcm 
aiefanber non ^arma feinen Sßorfd^Iag eine* ^albiä^rigcn 3Baffcn= 
ftiQftanbeä entfd^ieben abgelehnt") unb aud) ®cb^arb S^rud^fcfe ft^ 
gcrocigert ^atte, auf roeitcre Sßer^anbtungcn einjugc^en, eine ®cfanbt= 
fd^aft an Äurpfatj, Äurmainj unb Äurtricr, meldte einen 3;ag in 
Äötn jur gortfe|ung beä gricbenSroerfeö juftanbe bringen foQtc'*). 
älud^ bie ^erjogtid^en 9läte unb Slmtleute maren teine^roegä fämtlt<i^ 
ber 3ln|td^t Sd^enfernä, unb bicfctbc Uncntfd^iebcn^eit ^crrfd^te unter 
ben Sanbftänbcn. 3|m Sanbe netbrcitete fid[) ba« (Scrüd^t, ber 
Qung^erjog Sodann aSit^ctm meile mit 200 9teitetn fclbjl bei ben 
Spaniern unb motte an ber Selagetung Don Sonn teilnehmen'*). 
Sluf i^n unb bie uneinigen Amtleute fd^ob bad fd^roer ^eimgefu^te 
SanbDoIf bie Sßerantroortung für all ba* ©lenb unb ben Sammer, 
bie nad^ ber 2ln!unft ber ßot^ringet nur nod^ gröfeer mürben. 

33iefen mar bereitä am 8. 3JJärj ^o^ann Don 6rp gen. 33ikirren= 
berg entgegengefd^idEt morben unb ^atte fte Ui )u i^rer SInluiift 
am ffü)ein begleitet, nad^bem er Don bem ^ü^rer Don ^remb(ecourt 
bie bellen Sßcrfid^etungen erhalten ^attc. aber ba« an ftd^ jügcl» 
lofe Sßolf mar burd^ bie Stadjrid^t, bafe ber Sßetter bc8 fpanifd^en 



") Setber, @<f(^t(^t( btv Sc^enf bon Sll^beggen @. 263, ^enneS 
a. a. D. @. 171. (Setoä^rmann ift Strada, de bello Belg^oo. 

^") SintgeS über biefe unb anbere Ser^anblungen, auf toeI(^e ^ier nic^t 
nä^et eingegangen toerben fann, bringt Snnen o. a. 0- @. 210 ff. 

1*) Übet bie ft)amf(^en Steigungen 3o^nn SBil^ehnS MtgC Stitter 
0. 0. D. e. 28. 



229 



itommif^ari} Stovptl, ber ftd^ bei bem Stegimeut auffielt, von 

iäIi<!^eT Sauern in bem ®orfe Äoll in feiner Verberge erfiod^n 

loorben fei, in bie ^öd^fle 2But geraten, unb Srp roar faum feines 

geben« fidler. Unterbeffen ^Ite ^Rarfd^aH ©^enfern infolge ber 

^Reibungen oon ben immer weiter auägebe^nten 9iaubjügen ber 

@panif<i^ oI)ne einen befonberen Sefebl ba}u abjuioarten, ben 

SItttmeifler Jteffel aus @iegburg, ha& wegen ber 9lä^e oon Sonn 

unb feiner ftrategifd^en Sebeutung oer^öftniamöfeig fiorf mit ©oI= 

baten belegt nxir, in ba8 Unterquartier 9erg gefd^ictt, um bie 

^ffe }U befe^en unb loenigftenä ba8 SBuppergebiet oon ben tag: 

lic^ einfallen }u fd^ü^n. 3ber er fam }u fpät. Sm 23. 9Rär} 

bro^n bie @panifd^en in einer @tärfe oon 800 bis 1000 9Rann 

an verfcbiebenen ©teilen burd^ bie Sßupper in bie llmter 9tife(o^e 

unb 3Ron^eim, burd^}ogen baä gan}e Gebiet auf beiben Seiten 

ber unteren SBupper, raubten eine gro^e 9Raffe Stü\)t, Sd^afe unb 

®<j^iDetne unb töteten bie SSeroobner, roeld^e mit ibrem S3ie^ fliegen 

loollten. ^ie ^5rfer 92eufird^en, Dpiaben, £eid^Iingen, 9leui$rat^, 

Sl^einborf, ^itborf mürben au«geplünbert, bie Käufer etbrod^en; 

(Selb unb @eIbeSioert, ^d^te unb roai i^nen fonft bienlid^ fd^ien, 

mitgenommen, alle8 übrige }erf dalagen; road man nid^t mit treiben 

ober fd^Ieifen fonnte, erfd^offen unb erftod^en; ein 2;eil ber S3e= 

no^ner gefangen, fortgeführt unb gepeinigt. 9lud^ bie jtird^en 

nntrben ntd^t oerfd^ont, fonbem ebenfalls erbrod^en unb beraubt. 

3n ungleid^ größerer Snja^I wieber^olten fte biefen SinfaQ in bie 

imter Stifelo^e, Stonbeim unb @oHngen am 27. 9när), raubten 

unb morbetrn }u beiben Seiten ber SBupper unb }ogen bis in bie 

(gegenb oon @o(ingen unb über 9iid^ratl) bis nad^ gilben. 'S)ai 

ganje @ebiet }ioifd^n 9gger, @ieg, @ül} unb baS ^ßuppert^al roar 

ibnen preisgegeben, unb fte waren oetroegen genug, am 28. 9Rör) 

aud^ einen 9lnfd^Iag auf bie Stobt Solingen }u oerfud^en. Um 

iRittag famen fte in ftarfer Snja^I an unb liefen o^ne 2ßorte }u 

»etlieren ©türm auf bie ©tobt, ^voax rourben fie in me^r olS 

einfiünbigem Jtompfe }ioeimaI jurüdgefd^Iagen unb mußten unoet: 

ric^teter 2)inge abgießen, aber einen 2;eit ber SSorflobt Heften fte 

btennenb }urüd. ®ie ©tabt lourbe oon biefem überfaQ um fo 

^er betroffen, olS fte erfl roenige Qatire juoor ooUftänbig nieber= 

Sebronnt loar unb bie Sürgerfd^aft eben ben 92eubau unter großen 

Opfern vodenbet ^tte. 



230 



aSon allen ©eiten, tjon Untertf)anen unb SSeamten, liefen bie 
Serid^te über bie ÜBelt^aten bet Spanier beim $ei}og unb feiner 
9legierung ein, mit Siedet würbe behauptet, bafe fte in (Jeinbealanb 
nic^t fd^redlid^er ^ufen fönnten, auf8 (^le^entlid^fie bat man um 
Slettung unb $ilfe. 3)er ^erjog mufete f^liefelid^ einfe^eit, bafe 
er mit feinen Oefanbtfc^aften unb S3riefen an ben ^rinjen tJon 
g^imai ni^t weiter fomme unb ben ©rfolg feiner SSermittlung«: 
poütit ttid^t abwarten fönne. Jtarl von Srop ^atte auf aQe .<l(agen 
unb S3efd^werben nur (eere Sntfd^ulbigungen unb ®egenbefd^werben. 
^ie eigenmäd^tige (Einlagerung entfd^ulbigte er, wie bemerft, mit 
bienftHd^en Siüdftd^ten unb berief ftd^ auf ben Sefe^l beS .^eri^ogS 
von ^arma, bie (^ourage^üge burd^ ben 9Range( am 9lötig{ten unb 
bad fe^lenbe Sntgegenfommen ber bergifc^en Beamten. @r gab ju, 
bofe feit ber Änfunft bea lot^ringifc^en SSolfeä, beffen böfe ®emo^n= 
Reiten i^m wo^( befonnt feien, bie (S^jeffe übermäßig jugenommen 
Ratten; er ^abe ben ^erjog tJon ?ßarma felbfi um Abberufung 
biefeä SiegimentS gebeten, tonne aber nid^td änbern, e^e er einen 
entfpred^enben Sefe^l erhalten ^abe. 3)ie ©c^ulb für bie Ssjeffe 
treffe bie, weld^e nid^t für bie Verpflegung ber 2;ruppen geforgt 
Ratten. Srop unb Xai^i befiagten ftd^ über ungebü^ltd^d 9e== 
nef)men ber bergifd^en Untert^anen unb ©olboten; erftere fd^lügen 
bie fouragierenben ©olbaten tot, le^tere Ratten äSerbugo unb XaTdi 
auf bem SBege angefprengt unb auf fte gefd^offen, einen fianbmann, 
ber i^nen ben SBeg ge}eigt, mig^anbelt; bie S3emannung bed ^i\i- 
legerä in ©üffelborf 1)abe bie ©olbaten be3 XaT^i im Vorbeifahren 
tro^ bed ^^}ette(ä fd^mä^lid^ be^anbelt u. berg(. m. 9htr jögernb 
entfd^(o^ fid^ bei biefer Sage ber ^nge ^erjog SBil^elm, als i^n 
auf bem Sanbtage ju ^[ültc^ @nbe SRärj bie deputierten ber 
bergifc^en unb märfifd^en ©tänbe um fd^leunige älnorbnung von 
83erteibigung8maferegeln baten, feine 3"Pin"n"n9 jur Sefe^ung ber 
^äffe )u geben, jebod^ unter ber Vebingung, ba^ man bie ©panier 
nic^t rei}e unb fid^ ju (^einben mac^e. ^em ^rinjen foUte oon 
ber 9lbf[(^t bie ^äffe ju befe|en SJtitteilung gemad^t werben. S)ie 
©tänbe bewilligten auf weitere brei ^lonate tJon 9Witte Spril bi8 
aWitte ^ulx bie SDUttel §ur ©r^altung ber angeworbenen ©olbaten, 
unb nun liefe 9Warfd^aII ©(^entern an ben bebro^ten ©teilen unb 
an ben Raffen ©(^an}en errid^ten unb befe^te fle mit ©olbaten, 
wä^renb ber ^erjog ben Smtmann §u 5porj, ^einrid^ »on ber 



231 



^ODeliii^, unb ^Eo^nn pon (Srp genannt SSarrenberg ali @efanbte 
an ben ^rinjen ^(Sfiite. 

Unterbeffen begann bie Belagerung oon S9onn in ein neues 
©tobium iu treten. Bisher ^tte bae @nbe 9R&r} entflanbene 
^o^voa^ex, voelifeS aud^ bie Sonner S9efa|ung }um Serlaiyen ber 
&^nit bei SSeuel genötigt ^otte, fonrle ber 9RangeI an Selagerungd^ 
gef^äl ben ^rin^en ge^inbert, biefe Sefeftigung an}ugreifen. 9lun 
oeranUtgten i^n jioei Sreigniffe, bie Belagerung ber Sd^nje ent^ 
fd^ebener in bie :^nb ju nehmen unb feine S^ruppen bei Beuel 
)ufannneniuite^en. ^ad ^oüiVM^ex begann ju faQen unb augerbem 
erhielt er Anfang 3[pril bie ffiaifxvj^t, bag tRartin @<i^en{ in ber 
^al} 3;ruppen genorben ^be, bie er nun )u BÜ^i^e r^einabniirte 
na^ Bonn ju führen im Begriff fei. Sugerbem rüjteten Berbugo 
unb %aini tai gro^e ©efd^ül jur Befd^iegung ber @tabt. 9luf 
bie SRelbung oon bem ;^erannal^n ber feinblid^en @(i^iffe eilte 
Aarl von Cro^ mit jisei Aompagnien Sieiter unb einigem %u^olt 
über bie Sieg in tai 9mt ISiyioenberg unb fam am ß. äipril in 
^nnef an. 2ln ber XfyA gelang eS i^m, bie nad^ Bonn beftimmten 
^^rjeuge er^blid^ )u befc^bigen; fie podflänbig }u oemici^ten 
^nberte ber SBongel an ©d^iffen. 35er 9left feiner SCruppen ^tte 
fi4 inimfd^n nörblid^ oon Beuel in ben Dörfern Berg^eim, SRon^ 
borf unb SRunf^ofen eingelagert. S)OTt^in {e^rte aud^ ber ^rinj 
am 7. SR&tt über Siegburg, wo i^m ber äßarfd^^ @d^en!ern auf 
fein Snfud^en ben Sßeg burd^ bie Untiefen bed (^uffed jeigen Ue^, 
gurfid unb lagerte ftd^ in Bilid^ unb Berg^eim. :^n ben näd^ften 
Xogen begann bie planmäßige Belagerung ber ©dränge bei Beuel. 

^t biefer Berf(i^ebung ber S^ruppen nad^ Süben no^te aud^ 
bem big je^t nod^ menig ^eimgefud^ten fübUd^en S^eil hei ^ergog^ 
tumii Berg bie ®efabr ber fpanifd^en Beutegüge. ^en Sd^Iüffel 
)um oberen Sieggebiet bilbete bie Stabt Stegburg unb bie por 
i^ liegenbe Brüde über bie SIgger bei 2;roi8borf. Siegburg, 
no^n fi<i^ eine 9Renge fianbbemo^ner mit ^ab unb @ut geflüd^tet 
^tten, 6efa§, mie emxt^nt, eine giemlid^ ftarle Befagung unb }ur 
grölen Std^er^eit ^tte Sd^enfern vor ber Slggerbrüde eine 
Sd^anje aufroerfen laffen unb eine änja^l Solbaten hineingelegt. 
3u biefer befonberen Borftd^t nötigten i^n nid^t nur baä biö^erige 
Ser^lten beä S^imaifd^en Äriegäoolfeä, fonbern aud^ beftimmte 
8njei<i^en, bafe e« bie Sponier auf Stegburg felbft abgefe^en Ratten. 



232 



©d^on auf beut SKarfd^e nad^ Honnef Ratten fie oerfud^t, über bte 
SlggerbrüdEe }u ben Dörfern hinter ©iegburg }u gelangen, mußten 
aber, weil fte bte ©d^anje befe^t fanben, jurücfroetd^en. 93on 
einigen Souem, bte fte gefangen Ratten, fud^ten fie burd^ S5ro^ungen 
unb aSer^etfeungen ju erfahren, rote man am beften bie ägger 
pafftren unb an bte ©tabt ©iegburg fommen fönne, nrie fiat! bte 
Sefo^ung unb rote eS fonft allenthalben bafelbft befieCt fei. 3|n ber 
aSorauäfid^t, bafe bie getroffenen SSertetbigungSmaferegetn einem em^ 
lid^en Eingriff ber Spanier ntd^t Stanb galten fönnten, roieä ©d^enfctn 
bem ^erjog bie Unjulänglid^feit berfelben nad^, teilte i^m feine Übet= 
jcugung mit, bafe bie Belagerung con Sonn unb bamit bte öe^ 
brängung bed Sanbed ftd^ nod^ lange ^in}ie^en roerbe unb betonte bte 
Slotroenbigfeit, fo fd^neU als möglid^ anbere SÖUttel unb SBege jur 
älbroelir ber @efa^r auSfinbig }u mad^en. 9lur }u balb foQte ftd^ 
»eigen, rote bered^tigt feine Sefürd^tungen waren. Sflad^bem bie 
©panier bie 35örfer, in benen fte einquartiert waren unb bie 
nähere Umgegenb ausgeraubt Ratten, nötigte fte ber SKanget on 
fiebendmitteln, roeiter lanbeinroärts nad^ 9la^rung gu fud^en. Xro^ 
ben 3uf^enmgcn, bie £art ton ©rop ben ^crjoglid^en ©efanbten 
3|o^ann ton ®rp unb ^einrld^ t)on ^otelid^ in Serg^eim gegeben 
^atte, brad^ er am 11. Slpril, nad^bem ba« ^od^rooffer terfd^nmnben 
TOor, mit feinem ganjen Raufen unterhalb ber ©d^anje an ber 
aggerbrüdfe burd^ bie Slgger unb fd^Iofe ben Surgbann ton ©ieg^ 
bürg ein. S5er SKarfd^aü, ber mit feinen SReitern unb Äncd^ten 
ausgefallen roar, rourbe in bie ©tabt jurüdEgebrängt, im ^uxüd' 
roeid^cn ^örtcn einige beS ^anjöftfd^en funbige SIbelige unb Sürger, 
wie ber ^ßrinj ben ©einigen jurief, fte fottten nur frifd^ unb tapfer 
folgen unb anbringen, bie ©tobt fei fo gut als gewonnen. ®in 
2:eil ber Jiruppen begab fid^ nun mit bem ^ßrinjen unb Xaidi 
nad^ ber 9lggerbrüdEe unb nötigten ben mit ber SSerteibigung ber 
©d^anje betrauten ßeutnant 2:iele %int ton SRatingen, ber biefelbc 
mit nur 16 ©d^ü^en befe^t ^ielt, burd^ bie 35ro^ung, fie im ©türm 
einjunelimen, SrüdEe unb ©d^anje gegen freien 9lb}ug bem ^rinjen 
freijugeben*"). 35ann begannen bie fpanifd^en Jiruppen baS Sanb* 

*o) Xm unter bem Sefe^I beS ^au^tmannS $an8 bon 9teu(n^of gen. 2ti) 
|ut Se^en fie^enbcn Seutnant Itefi ber IRatfc^all nat^^et in (Stfen legen, lvei( 
et o^n« ®egentve^t bie Bdfanit übergeben ^atie. Sei ben Sitten finbet ^<S) ein 
auäftt^Iic^et Seric^t beS Seutnantd, ber bie Sotgünge an ber 6(^an|e borfUBt 



233 



voll onjugreifen, no^en eine gro^e SKenge S8ie^ roeg, roubten 

olle« aus unb morbeten SWönner, ® eiber unb Äinber. ©n ^eil 

rwfte nun in bo« amt S3lonIenber9 no^ ben nftd^flgelegcnen 

5)5rfern, Raffen unb ©d^njen, i»Äf)Tenb bie übrigen, nomentlid^ 

bic ßauptmoffe beä ^ufetolf«, einen angriff auf baä ©tabt^or 

mcui^ten. Qitt jurücfgennefen, fiedten fte bie SSotflabt, bie fogen. 

aulgofye, loel^ vor bem ^ore lag, in 93Tanb unb 3ogen ab. 

Sioifci^en 40 unb 50 ^ufer gingen in flammen auf")/ ebenfo 

bfv bei ©iegburg gelegene anj!| S3ertrain« von Sleffelrob jum ^riefd^. 

^unbert unb me^r ^auüleute unb Sßeibet würben niebergentr|elt, 

anbere leben^efä^rlid^ venounbet, baiS <Dorf @eifHngen teilroeife 

abgebrannt, einige Sürger, nomentlid^ ber Sleffelrobjfd^e ÄeHner 

jum S)rirfd^ famt feiner ^^ilie unb vielen ^audleuten, gefangen 

fortgebra^t unb auf ^o^e 9lan}ion gefe|t. 3)ad ^aui hei AeQnerd 

)u 2lroi«borf nebfl einem anbem $aufe rourbe niebergebtannt, 

ebenfo rourben eine 9lei^e von Dörfern jivifd^en ©iegburg unb 

bem W^ein: Sl^eibt, Äojfel, IMenborf, ©pi<b, (Sfi^mar, SWuttidHiofen, 

@teg(ar ein Siaub ber (flammen. Sine einjelne ergreifenbe @pifobe 

eciDd^nt ©<i^enfetn in feinem S3erid^t an ben $erjog. Stuf einem 

verbrannten ^ofe bei ©iegburg fanb man einen ermorbeten ^ui' 

mann mit einem toten f leinen jtinb, ein }ioeited ftinb von 3 bie 

4 ^jio^en fa^ iveinenb im ©tro^ unb fagte, ali man ed nad^ feiner 

9hitter fragte, fein Skter unb bad junge Jtinbt^en feien tot ge« 

fd^Iogen unb bie SKutter in ben $ufd^ gelaufen. 93on ber SKutter 

lonnte man feine ©pur entbeden unb ber 9Rarfd^, ber baS ftinb 

yax (Si^ie^ung }u ftd^ na^m, vermutete, „dfts sie gleicha anderen 

mehr zur schand mit genomen oder ermordet sein wurd". 

5>fr angeri^tete ©^en würbe auf 90—100000 2:^aler gefd^^t. 

9{ad^ biefem Unternehmen, bad nid^t allein eine Serle^ung 

ber 3leutroIit4t, fonbern eine offenbare geinbfelig!eit bebeutete, 

oottete ber ^rinj bie SJefd^roerben be« §erjog8 nid^t erft ob, 

lonbem ^tte bie Äfl^n^eit, feinerfeit« mit ber SDliene ber be« 

letbigten Unfd^ulb eine ©efanbtfd^aft an biefen }u fd^id(en, bie }nxir 

fein Sebauern über boü ©d^armü^el bei ©iegburg ouiSbrüden foQte, 



*') ^ie nt(^t bcrbrannten $&ufet bet Sorftabt Waren |um XeU »ettoilftet. 
'in 5Rarf(^ ft^Iuo bamaK )xm ^tttog Vov, btefetbtn im StnOrrft&nbnt« mit 
bim SU innet^alb b«t Stabtmauem toieber aufbauen |u (af^en, too nix^ ^la% 
tn»t »ot^<mb<n fei 



234 

bte @d^ulb baran aber ben Sergifd^en }ufd^ob; Untertanen unb 
Solbaten feien mutntllig aus bent ^eden unb ber @d^an}e gelaufen, 
^tten heftig auf bte Spanier gefd^offen unb feinblid^ gerufen unb 
gefd^rieen, fobafe e« nid^t nte^r möglid^ geroefen fei, Siegel unb 
Drbnung p galten. ^nner^Ib 14 Süogen feien nad^ ber Jtlage 
feiner Sieiter mef)r al8 50 ^ferbe biefen abgenommen unb eine 
grofee 3lnja^I S)iener unb ©olbaten ermorbet roorben. Um ba8 
^lünbern unb SRauben oer^üten ju fönnen, »erlangte er, ber ^erjog 
möge ben 3mtleuten befehlen, auf einige 3^ge $eu }um Säger 
^erbeifd^affen ju laffen. ^ieiS nar natürlid^ ber ^auTptixoed ber 
©enbung. infolge ber S3efe^ung ber ©d^njen unb 5ßSffe lonnten 
bie ^ouragierungen nur mit größeren Abteilungen unternommen 
werben, unb ba nad^ bem Ie|ten Sioubjug bas Sanb von aQen 
Lebensmitteln entblößt voax, mu§te man immer netter lanbeinnrärtö 
fheifen, um Seute ju ^olcn. 35ie Selagerung ber ©(^njroerfe 
bei Seuel lonnte unter biefen Umftänben nur langfame ^ortfd^ritte 
mad^eu unb fo fanb ei ber 5ßrin} für gut, Rd^ ben Unterwelt liefern 
}u laffen. ®r »erfprad^ für biefen ^H Sefe^I ju geben, bafe 
niemanb jum ^ouragieren audreiten bürfe, unb ertlärte ftd^ bereit, 
bie ^äffe burd^ qualtftjierte ißerfonen bewahren }u Reifen. 

Sil« ©d^cnfern ton ber ©efanbtfd^aft Äenntniä erhielt, roonbte 
er feine gan}e Serebfamfeit auf, um ben ^erjog baoon ab^u^Iten, 
bie SSorfd^täge hei ^rinjen anjune^men unb ftd^ über^upt nod^ 
in SJer^anblungen mit i^m einnulaffen. 6« fei ganj unmöglic|i, 
auä bem oerberbten ßonb nod^ ferner ^^ooiant unb Fütterung ju 
}ie^en, feine eigenen Steiftgen ^tten in 10 3^geu toeber $eu nod^ 
©tro^ für i^re ^ferbe belommen unb würben aud^ feinen ^afer 
^aben, wenn er i^n nid^t in ber ©raffd^aft ©a^n geteuft f»4tte. 
S)te Untert^anen müßten immer weiter in ba« ©ebirge }urüd= 
roeid^en unb aud^ bort fei bie 9lot fe^r grofe; in ben Ämtern 
©oliiigen, ©Iberfelb, S3ornefelb, Surg, ^fldeSroagen, Sepenburg, 
©teinbad^, SenSberg, SBinbed werbe ben 5ßf erben unb bem Sßic^ 
mit ßoub geftreut, bie Untert^anen lebten oon ^afer, troctnem 
Orot unb einem SürunI 2&xffer ober ©d^embier; wenn fte ntd^t 
im tjorigen Qa^re etmai rau^e ^ud^t geerntet Ratten, müßten fie 
ie|t junger« flerben, loeil man oon Äbln unb oom St^eine |er 
fein ©etreibe erhalten fönne. ^ätte er i^nen nid^t fo oiel ali 
möglid^ bie $anb geboten, fo ^abe man in biefem 2la^re feinen 



235 



^fer f&en fBnnen. Sßenn ber ^ergon tro$ bem bisher bem Sanbe 
jugefägten @d^aben, ber mit 200000 @oIbguIben nid^t )u erfiatten 
fei, auf feiner Sdad&giebigteit gegenübet bem ^rinjen beharre, fo 
bleibe ben Srntieuten nii^tö übrig, di ben Untertanen ju raten, 
}UT 9lettung Don fieib unb fieben au8 bem Sanbe ju toeid^en. älber 
von loeiteren ®efanbtf<i^ften in bad £ager riet er aufS (Sntfd^iebenfie 
ob. Sr fd^rieb am 13. 9lpri{ an ben $er}og: Dweil dan, gnediger 
forst and ber, bei dem printzen von Chimay, dem oberigsten 
Taxis oder anderen, so sich des itzigen dieses ends ligenden 
kriechsfolks regement annemen, auf zusag band sieget und 
Tersprochenen glauben nichs als gewalttbatlicbe handlungen 
erfolgen, daher sich von inen keiner zu verseben, auch meines 
einfals fernere beschickung die sieb jegen E. F. G. mit Schriften 
freundlich erpieten und in thaten fiantlich erzeigen, E. F. G. 
zu Verkleinerung derselben fürstlicher reputation gereichen, 
und ohne das nichs freundbarlicbs verfangen solte, als werden 
E. F. G. auf die erheischende notwendige gegenmitteln .... 
gnedig zu gedenken . . . wissen. ^ebenfaQS, riet er, möge er 
trie oft beratfd^Iagte ®efanbtfd^aft an ben Jtönig non Spanien iniS 
SBerf fe|en. 

Aber bie Sangmut unb bie friebfertige ©eftnnung hei ^erjog» 
nwren unjerflörbar unb hielten felbfi biefem fräftigen Slppeß an 
feine fürfllid^ @^re flanb. @r orbnete bie Smtieute von Sülsborf 
(^em j»on ^arf), Slanfenberg (SBU^elm ton S^ejfelrob }u ®re8= 
|K>fen) unb ^or} (^einrii^ von ber ^ovelii^ )u So^mar), neben 
3obonn non (grp gen. SBarrenberg an ben ^rinjen ab, bie am 
21. Sprit in @ieglar mit jenem oer^nbelten. Aarl non Sro^ 
empfing fte ntd^tiS meniger aU gndbig; er beantmoriete bie ^f 
f^roerben be* §erjog« mit ^altlofen Äuöreben unb ®egenflagen, 
neigerie fti^, fernere Ouerelen anju^bren unb oenoieS an ben $er)og 
oon^rma, in beffen Auftrag er l^anbele; bagegen erroeiterte er feine 
Margen ^orberungen ba^in, bag er täglid^ 15 bis 20 9Ralter 
.^fer verlangte — , nid^t al« Äontribution, wie er fügte, fonbern 
aU freunbfcbaftlid^ Unterfiü|ung, bamit bie $länberungd)üge ein 
6nbe nftlimen. ^ie ®efanbten lehnten jnxxr biefe 3u»fu^t0 ^^^ 
ber Segrünbung ab, e« fei fein §afer im ßanb — fooiel menigflena 
^tte ©d^entem burd^gefe^t — ; bagegen einigte man ftd^ bal^in, 
ioeimal in ber SEBod^e einen freien 9Rar{t }u galten, auf bem ben 



236 



©paniern ^rooiant unb 33rot für Oetb uerabfolgt »erben foffte. 
3nbeffen fottte ftd^ avi6) je|t seigen, wie fe^r ©d^enfern Siedet ^atte, 
ali er weitere Ser^anblungen als jroedtog bejetd^nete. S)er ^rinj 
mar toeit entfernt bie Dorgefd^Iagene Sinrid^tung eines freien 3Rartte& 
ju oerroirflid^en. ©eine unregelmälig befolbeten 3^ruppen roärcn 
aud^ gar nid^t im ftanbe getoefen, Oebraud^ baoon }u ntad^n. 
©ie fuhren alfo fort mit ©engen unb Sreuuen, roä^renb ber 
^nj felbfi feine ^rberungen auf ein täg(id^eS Quantum oon 
30 «Kalter ^afer uiib 3000 ^funb S3rot emporfd&raubte, bie i§m 
©d^enlem tiefern fottte. S)iefer erHärte eS für eine Unmbglid^Ieit, 
eine fold^e Seiflung oon bcr ruinirten Sonbfd^aft ju erjroingcn, 
oer^anbelte jebod^ mit einigen Kaufleuten wegen ber Sieferung oon 
200 5Waltem ^afer, bie bem ^rinjen im 3ntcreffe bcr bebro^tcn 
Untert^anen oere^rt werben fottten. 

Aarl oon Srop befanb fld^ in einer üblen Sage. @r voax 
mit feinen Saufgräben jtoar bereit« bis auf ©teiniourfSroeite an 
bie äSeueler ©d^an}e oorgerüdCt, aber nod^ immer toartete er auf 
baS fd^roere ©efd^üft, baS SBerbugo ^erbeijufd^ffen im Segriffe nxir 
unb o^ne baS er nit^ts auSrid^ten fonute. 8lm 20. Slprit ^attc 
er ben 3^ob feine« IriegSerfa^renen SeraterS, beS Dbrlflen oojt 
S^ajiS, )u beflagen, ber bei einer Seftd^tigung ber ©d^nje in bcn 
Saufgröben erfd^offen rourbe. j5'"ft'''ä^'^c"i> öoWc er mit 3KanncI 
an ^rooiant unb {Jourofl« J» fämpfen, ba ftd^ aud^ bie ©tobt 
Äöln weigerte, i^m SebenSmittel ju oerabreid^en unter bem 93ots 
geben, man t^ue ben bürgern im Sergifd^en Ser^inbcrung, bafe 
fie nid^tS in bie ©tabt belommen tonnten. Um fo meniger glaubte 
er auf baS Sanb SlüdEftd^t nehmen )u fotten. S)ie bergifd^en Sauem 
Ratten jur äBe^r gegriffen unb gemeinfam mit ben ^er}og(id^en 
©olbaten ©d^anjen unb ^äffe befe|t, fo bafi er aud^ oon biefer 
©eite o^ne gröfeere Äraftentfattung nid^ts erhalten fonnte. 'SLu^en 
bem erhielt er bie SJlelbung, bafe ^Martin ©d^enf SSorbereitunjen 
treffe, i^n ju überfatten unb Sonn ju entfefeen; unb er beforgte, 
bie Sergifd^en mürben i^n babei unterflü^n, um bie fpanifd^en 
Oäfle baburd^ enbtid^ loS ju werben, wie fie umgefe^rt im 3a^re 1584 
ben bairifd^en ©ilfstruppen beS Äurfürften ©rnfl aus Stod^e für 
bie oon ber armee 3o^ann ©aftmirS erlittenen SJrangfole gegen 
eitel ©etnrid^ oon Sraunfd^roeig beigeftonben Ratten"), ©r teilte 

**) S0[. Rennte a. a. O. e. 122. 



237 



am 2. 9tat ^o^onn iion 'Sxp feine Seftttd^ng mit unb ertlärte. 
Denn @(^en! ber ^UT(^}ug huxäi bei ^er}ogd @ebtet qexD&\)ri ober 
t^m SoTJd^ub geleifiet toerbe, fo lönne er für ben SSerlouf ni^t 
einfielen, Denn er fei bereit, fobalb ber ^inb hei ^erjogd @runb 
unb Soben betrete, i^ unter Sugen }u }ie^en unb hai J^riegS^ 
gläd ju oerfuc^en. S^lieglid^ entflanb au^ no^ Weuterei in 
feinem ^eere. ^ad lotl)Tingif^e Siegiment verlief ben am n)eiteften 
oorgefd^obenen IBaufgraben an ber S9eueler Sd^nje unb }ünbete 
fein Scger an, n)obei au^ iai ber S>eutf(^en mttoerbrannte. Xvo^ 
unb aSSageit ^tten bie TOeuterer in* gelb gefd&ich. 3fnbem fte mit 
Ungeftüm riefen „allons, alloos", mod^ten fte ft^ }um älbtnarfc^e 
bereit. Sta^bem jtarl von (S,xoi) fi^ ber Xreue feiner beutf^en 
^(baten unb ber jtarabinierd oerft^ert ^atte, fing er an mit ben 
Sot^riugern ju oer^nbeln, roö^renb bie ^eutf^en ^ in <S^la6)U 
orbnung fleüten unb gemeinfam mit bei 9leiterei bie ^iberfpenftigen 
um}ingelteu. auf biefe äBeife gelang t», bie ^ne^rjal)! ber £otl)ringer 
bei bet «^a^ne }u galten, ©ie nal)men ben Saufgraben, beffen ft^ 
tn}iinf4)en bie SSertetbiger ber @^an}e bemöd^tigt Ratten, auf Sefe^l 
bed ^rinjen im ©türme roieber, »erliegen i^n bann ober aufd 
neue, inbem fte ertlärten, fte tottrben erft bann i\)xe frühere ©teüung 
nieber einnehmen, roenn bad @ef^ü$ angelommen fei, unb nannten 
t^r Quartier tu ber STbtei @^roor}r^einborf. 

<Dag unter biefeu Umflänben toeber von einer bolbigen Sin- 
\iaf)JM ber Stabt Sonn no(^ von einer SSerf^onung hei üanhei 
9erg bie Siebe fein lonnte, ifl begreif U^. Sefonberil tourbe in 
Diefer 3«it baä Amt Söroenberg ^eimgefud^t. 35on Ort ju Ort 
äogen bie 2;rnppen be« ^rinjen unb Ruften, rote eä in ber 
itlagefd^rift ber Smtdeingefeffenen ^etgt, „alsu gar erschrecklich 
mit moerden brennen rauben frau ansehenden fangen spannen 
rantsionieren und dergleichen unchristlichen fiandlichen tür- 
kischen, ja bei Türken unerhörten muthwilligen wesen . . . ., 
das unser keiner sich von inen darf sehen lassen, sonder alle, 
welche nit tot geschlagen, verwiechen, dss leben leid aus commer 
tmd elend dahin sterben". @ie brannten hai £anb auil, }erflörten 
ltir<!^en unb jtlöfler tittb gruben fogar bie @räber auf, um nad^ 
S<^tt $u fud^en. <Die gelber rourbett abgemäht ober jertreten, 
bie SBeinberge blieben unbebaut liegen, ^^nlid^e klagen lamen 
cmd ben Ämtern 2üldborf, ä3lan!enberg unb $or}. S>ie ^ferfaat 



238 



(onnte nid^t befleQt toetben unb hai S3ie^, \>ai bie Sauern mdf 
befagen, tarn mi SRangel an ^futtet um. Sm 17. 'Sftai flagten 
bie Smtleute, nenn bie Untertanen je^t nid^t in i^re äBo^nungen 
iUTüdte^ren, im beoorfte^enben ^uni bie Srad^e }ur jtomfaat 
jurüfien unb bie nod^ unbefd^äbigte 3Binterfrud|t jur gmtejeit ein- 
bringen lönnten, jo müßten jte „^ungera unb Äummera cerge^n 
unb baa Sonb cerloffen". 

^ie ^erjoglid^en 93eauftragten erretd^ten pon bem ^rin^en 
nid^t baS ©eringfte. 3)iefer be^anbelte fte ^öd^fl rücEftd^tSloö. 
3)oem pon ^arf, ben Slmtntann pon Sülaborf, Iie§ er einmal 
einen ganzen ^% por feiner äSo^nung raarten unb fd^Iie§Iid^ ho^ 
o^ne Subien) wieber abjie^en. @r erflärte i^nen nod^ einmal runb 
^eraud, mau foQe i^n mit ben Jtlogen perfd^onen unb fte bem 
^erjog Pon ^^rma porbringen, o^ne beffen Sut^un fönne er ifinen 
uid^t abhelfen. Seine SSerfpred^ungen ^ielt er uid^t, fd^ob ilinen 
Sufeerungen unter, bie jte nid^t getrau Ratten, unb berief fid^ u. 21. 
in feinem Sd^reiben an @d^enfern barauf, ba§ i^m bie Sieferung 
pou ^afer pon ben ®efanbten im Flamen beS ^erjogd jugeftd^t 
iporben fei. ©d^Iie^Iid^ weigerten jtd^ bie brei Slmtleute, ben ^rinjen 
femer perfönlid^ auf jufud^en, unb fanbten i^m bie ©efd^tperbcfd^riften 
beS ^etjogS SBil^elm burd^ einen Trompeter ins Sager. ^n 
$er}og ober forberten fte auf, er möge, das zu bestendiger 
abwendung dieses und weiteren Verderbs und Terhinderung 
entliehen undergangs erspriesslich sein möchte, nunmehr un- 
verlengt an hand nemen, unb ali beffen ungead^tet ber ^etjog 
3)aem Pon $arf unb SBil^elm pon 9leffeIrob abermals an Jtarl 
pon &ro9 fd|iden moQte, um Sefd^nerben tpegen ber SSenpüfhtng 
ber SBilbbalin porjubringen, famen fie biefem S3efe^I nid^t nac|i, 
erflärten pielmefir ben flöten, ba^ i^nen nid^t allein i^rer ^erfon 
falber, fonbern namentlid^ aud^ tpegen ber fürfliid^n Steputation 
beS ^erjogS bebenllid^ fei, ben $rin}en nod^ im Säger auf}ufud^en. 
3um }it)eiten SRaie mußten ftd^ ber ^erjog unb feine Siäte burd^ 
bie amtleute an bie fürftlid^e S^re mahnen laffen. Snbiid^ fal| 
aud^ ^erjog 9BiIf)e[m bie ^xoeäU)^%ti\t tpeiterer SSer^nblungen 
mit Äarl pon Gro^ ein unb rief am 24. 3Wai 3iOfK>nn pon ®rp, 
ber ftd^ bis baf)in ftänbig bei bem ^eere bed $rin}en aufgel^Iten 
^atte, }urüd. 

2|n berfeiben S^it famen neue @d^redenSnad^rid^ten aus Pet^ 
fd^iebenen teilen beS fianbed Serg. Wm 22. SRai brannten bie 



239 

Spanter baS loegen feiner Sd^ön^it berfl^tnte Alofler ^eiflerbac^ 
mit jtird^e, ®U>(fentUTm unb Sbtei auS Sorfa^ nieber, nad^bem 
fte baS Ixitifroed }uDor obgebrod^en ^tten; nur ©d^uer unb 
Stauung tie^n fte fle^n. Sie 2:^at gefc^a^, tro^bem ber 9bt, 
loel^ bte Seiben bed AriegeiS bereitiS me^rfad^ geloflet ^tte, ben 
"^njen für} juoor um Serfd^onung ber ®eb&ube gebeten, unb 
biefer i^m gegen ein toertoolled ©efd^enl an 9Bein unb ^afer 
aBH, voai er verlangte, jugefld^ ^atte. Ser Sd^ben nurbe fiber 
lOOOOU 2:^(er gefd^^t. Sei Sendberg nahmen feine 2;ruppen 
einen ^ufen Afl^ loeg, führten ben ^r}og[id^en SBilbförfter 
gefangen mit ftd^ fort unb preßten i^m ^unbert Sleid^St^ter ab. 
'Jbai ^oui SBa^n, Si^ ber von S^soei^ü, unb bad Dorf ®e|[ar 
imirben niebergebrannt. ^n ^jbr ju S^roiiSborf, ber ftd^ nad^td 
^m(ic^ in ba<S S)orf begeben ^tte, fc^| man o^ne neitere« 
bur^ ben Aopf, jog i^n nadenb aus unb tie| i^n liegen. SCud^ 
ba2 3)orf ^lauf^enborf fübli^ von Siegburg übergab man ben 
Rammen. 

^erjog 9Si[^(m verirrte tro^ biefed empörenben 2:reibend 
in fetner Unt^tigfeit. Sn bem eiii}igen @o^n, bem @rbeit feiner 
Sftnber, bei bem fi^ fd^on bamaU bie Spuren geifiiger (Sefiört^eit 
jeigten unb ber ^eftig jum Sufd^Iu^ an Spanien brängte'*), ^atte 
er feine Stü^ — S^^nit M(^e[m madE)te eben bamald mit feiner 
jungen @ema^[in eine Sabereife nad^ @md — , unb burd^ bie von 
ben oerfc^iebenfien Seiten auf i^n einmirfeuben 9tatfd^[&ge unb 
^berungen würbe ber alte, franfe unb von Statur unentfd^(offeiie 
^ürft ooQftdnbig in ber Sd^mebe gehalten. 3Bä^renb bie unmittelbar 
interefftertrit proteßantifd^en ^rften bie Srioartung Regten, ber 
^r}og werbe ftd^ enblidE) entfalteten, bie Spanier mit ®en>a(t 
mi bem Saube }u treiben"), ober i^m oorf^tugen, aU Dberßer 
be« SBeftfälifc^n AreifeS be^en StAnbe ju ben äBaffen ju rufen, 
oetlangte auf ber anberen Seite ber ^erjog von Saiern burd^ 
feinen ®efanbten l^o^ann SaroiciuiS, ber am 1. äiprit bei ^erjog 

'*) Mittet, 0. 0. C. 6. 28. 

") £ant4taf Subtoie bon Reffen •Statburg ^psadf m einem am 18. K^ril 
(ottcB BVfU) nadf Saffd gerichteten Schreiben bie Hoffnung aui, ba^ der von 
Gtilich aampt soinen leuten endlich aufwHcben und sieb dermaleins, darmit 
ne gleichwol zn ihrem grossen schaden fast lang gewartet, zar wehr 
•teUen selten. 



240 



aSBil^elm eingetroffen tnat, allen ©riifteä, biefet möge ben 6rj« 
bifd^of Stnft militätifd^ bei bet Selagerung von 93onn unter|lü|eti, 
bamit bie @tabt um fo e^er genommen werbe unb ber beutfd^e 
9Uebettf)ein SRu^e befomme. auf bie SKeinungäoerfd^ieben^eiten 
jroifd^en feinen 9iät^en unb unter ben @tänben rourbe oben ^in- 
getnieien. SDem enetgifd^en SJlarfd^all ©d^enletn unb einigen anberen 
ämtleuten, roeld^e mit i^m ju entfd^iebenem SJotgel^en rieten, flanben 
bie SRäte bet Siegierung ju SDüffelbotf gegenüber, bie bie ängfllid^e 
'ipolitil be8 §etjogä begünftigten; unb bie ©tänbe beroilligten nut 
unter ©d^roietigfeiten bie alletnötiglien SKittel jut Untetl^altutig ber 
gerootbenen Gruppen, tiamentlid^ opponierten bie ©labte gegen biefe 
ausgaben unb bie »oii Qlülid^ gingen fogar fo loeit ju erllären, 
Tie würben lieber bie ©urd^jüge ber ©panier bulben, alä bie Übet= 
griffe ber eigenen ©ölbner, — freilid^, fie merften oon ben crfleren 
weniger al& bag flad^e Sonb, roäbrenb fie bie ©nquortierungen ber 
Sedieren grögtenteiU }u tragen l^atten. 

©0 fatn ber §etjog, ber jubem auf ben ©rfolg feiner ©efanbts 
fd^aft an 3)lainj, Syrier unb ^falj roortete, ju feinem entfd^eibenbcn 
entfd^Iufe. 3roor liefe er ti gef<^e^en, bafe bie Untertl^anen }u ben 
aSBaffen griffen unb fid^ an ber 33efe|ung ber ^ßäjfe unb ©^anjcn 
beteiligten, aber jur änroenbung ber Union »on 1587 lam eS ntd^t 
<&& blieb bei roieberl^olteti 83erfügungen an SRitterfd^aft unb Se^en= 
leute oon 3|ülid^ unb Serg, Ttd^ jum Sufbrud^e bereit ju ^Iten, unb 
an bie Slmtleute, für äkfe^ung unb äSenad^ung ber feflen $Iä|e 
©orge ju tragen**), ©el^r gelegen fam e« bagegen bem ^erjog, 
alä nun von einer anberen ©eite bie äSer^anblungen mit bem 
^rinjen aufä neue eingeleitet tnurben. ©otnol^I ba8 ©omfopitel 
in JWIn, ali bie Iurfür|llid|=!ölnifd^en SÄäte erboten pd^ anlSfelid^ 
ber Siüftungen im Sergif d^eti, »on benen pc emfHid|e ©d^wietigs 
feiten für ben 5prinjcn von C^imai unb eine «eitere §inau8s 
fd^iebung ber (ginnal^me Sonnä befürd^teten, jiBifd^en bem §erjog 
unb bem 5prinjen )u »ermitteln, inbem fie »erlangten, bet ^evjog 
möge junäd^ft feinen Untertl^onen i^r geroaltfame» 83orgel^en gegen 
bie fpanifd^en SCruppen unterfagen. §erjog aSBill^elm ging fofort 
unb mit gteuben auf bie8 Slnerbieten ein, er erflärte jwar, bie 
©einigen bef&nben ftd^ lebigHd^ im S3erieibigungä)ufianb, ernannte 



") SeL £ebebur, Xrc^to 3 3. 244. 



241 



aber dSbalb äSeooStnä^tigte, bie in Aöln mit ben ©panifd^n 
tagen unb ein (ginoeme^men ber beiberfeitigen 2;ruppen ^etbei^ 
fü^n foDten. 

S^enfern, wdiSfn twUxngte, mon folle, ba con 3ülid^ eben 
fo gut loie von ^erg gef(agt loerbe, Sbgeorbnete fämtltd^et Sanbed^ 
teile entfenben, um bet ©ad^e me^r Änfe^en ju geben, ^tte gleid^^ 
iDo^I toenig äSertrauen ju ben geplanten Ser^nblungen. (Sr ^tte 
von gut unterrid^teter Seite iü&et Aöln erfa^en, bie ©panifd^en 
jeien gänjlid^ abgeneigt, mit ben ^erjoglid^en )u fmnmun^ieten, 
unb aud^ bieSmal ernieS ftd^ fein ^effimidmud al2 mo^lbegtünbet. 
^e SeooQmäd^tigten nm^ten balb )u berid^ten, man fd^iebe bie 
Xngelegen^it auf bie lange !6anf, unb tro$ mehrmaliger 9m 
ma^nungen bed ^erjogd verging ber ^uni, o^ne bag bie jtomnriffton 
getagt ^tte. @i ifi ungetni^, ob ti über^pt je baju gefommen ift. 

SBä^enb biefer Vorgänge im ^erjogtum S3erg blieb aud^ baS 

jülid^ 2anb nid^t ganj Don ben fieiben bed Arieged oerfd^ont. 

^n $er)ogenrat^, an ber norbroeftlic^en (Srenje, lagen bie SancierS 

hti Dbrifien 9tonbregone unter bem Aommanbo bed Seutnantd 

Gabriel 3foria unb beläftigten Don bort aud melfac^ bie llmter 

(Setlenfird^en unb 9BiI^Imflein. 9m 26. Wtax nurbe lieber einmal 

bod äSerg^eimifd^e ©eleit überfallen, ä^nlic^ mie jroei ;^^re voriger 

bei Sunferäborf**). ®er 3u9 "Jar auf bem SBege con ääerg^eim 

nad^ jtöln bid nac^ SRüngerdborf (meftlid^ dou Aöln) gelangt, al& 

plö^id^ etroa 400 SRann tölnifd^er Gruppen — jniei Aompagnien 

Aorabinierd unb eine Aompagnie fiancierd, ^uptfäd^Iid^ aui 

Sttttonen befte^nb — , bie fid^ teilä in bem ®orfe, teil« in bem 

Äom «erfiedt Rotten, won oorn unb hinten hai ©eleit anfielen, 

einige ©olbaten unb ^audleute abfprengten, audplünberten unb 

einige erfc^offen, anbere wernjunbeten. darauf griffen fie bie 

35Jogenburg an, ouf bie fte »iermal ©türm liefen. 3^r ^J^^ter 

rief: Ihr gesellen, ntmpt den wind zum furtbeil und fallt frei 

dapper an, den wir haben gewunnen und alles was wir sehen 

ist unser I ätber bie ^erjogltd^en ©olbaten bed 9iittmeifterd ^Eo^nnn 

Don Skimb« gen. äBombac^ roe^rten fid^ tapfer uitb nac^ jnjei^ 

ftiinbigem @cfec^t mußten bie Angreifer ba« $elb räumen. 9luf ber 

jüli^ ©eite fiel ber Sei^tnant Stein^arb non 9{anberat^, 8 ©olbaten 

unb 2 §ou«leute, 11 ©olbaten unb oiele §au«leute njurbeu Der= 

») ©. obtn e. 215. 

16 



242 



rounbet. 93on ben geinben blieben ber Snfül^rer unb 5 @o(baten 
auf betn Pa|e, 2 fanb mau tot im ^orn unb ö anbete fhrben 
unterroegä. 

Äud^ fonft l^atte ba« Sanb QüHd^ me^rfad^ unter ben pünbe= 
Hingen burd^ bie an ber ©renje liegenben unb burd^siel^enben 
fpanifd^en unb fbtnifd^en 3;ruppen ju leiben, ©o raubte bie in 
£e<i^enid^ liegenbe SCbteilung einmal ben Särgern }u Sudfird^en 
au^er anberen ®ätern eine gro^e 9ln}a^I JtU^, von benen |te 
200 ©tüd für 300 2;^ater ranjionieren mußten, aber bte ^aupt= 
tajl be« Äriege« in biefer ^tit lag bod^ auf bem gütfientum Serg. 
^ier ^atte ber ^ßrinj con 6t)imai eine neue 3lrt ber ©rprejfung 
jur anroenbung gebrad^t. ®nbe ^[uni fd^idte er feinen ©efretär 
^eter be ^ournart) an bie ^eil^eiten ^eu| unb äRüll^eim unb 
fud^te biefelben jur monatlid^en ßrlegung einer be|iimmten ®elb- 
fumme ju oeranlaffen, toogegen er il^nen oerfprad^ bafflr }u 
forgen, ba^ fie ben geringen 9{eft ber nod^ übrig gelajfenen ^Ib= 
früd^te einernten unb überhaupt il^ren 3Werbau in ^eben betreiben 
fönnten; roenn |te bagegen auf feine SSorfd^Iäge nid^t eingeben mürben, 
bro^te er ba8 non girier ^er ju feiner Serfiätlung anrütlenbe 
Ärieganolf bei i^nen einjulegen. ©iefer SBorgang roirb e8 geroefeu 
fein, ber ben äRarfd^aU ©d^enlern veranlagte, ben ^etjog jur 
Sefeftigung ber grei^eit ÜKüI^eim, womit fd^on (gnbe Dftober begs 
felben 3la^re8 begonnen routbe"), ju beroegen. 

Stile Serfud^e, bie ^erjog SBil^elm aud^ fernerhin mad^te, 
burd^ Sriefe unb ®efanbten — felbjt ber roeflfätifcl^e Ärei8 fleHte 
einen befonberen Agenten }u biefem ^roidi in Srüjfel an ^- auf 
älejanber coii ißarma, Äarl con ßrop, ©igognia unb anbete §eer= 
fü^rer ju ©unjien feiner Untertt)ane» einjuroirfen, erroiefen fid^ 
als roirhingdloS. ällepnber brad^te (äegenflagen vor, namentlid^ 
toegen ber oben enoä^nten ©rmorbung iei SBoIfgang Jtocpel, mad^te 
S3ertr5flungen unb gab SSerfpred^ungen; a^er babei blieb ts. 3iuä) 
bie SRücffe^r ber ©efanbten Dtto con Silanb unb S)ietrid^ «ou 
©fei, bie 3)Ktte Quni erfolgte, beroirfte feine ^nberung in ben 
aSer^ältnijfen. 6tft bie Eroberung ber ©d^anje in S3euel fd^eint 
bem ^erjogtum S3erg einige ©rleidöterung gebrad^t ju ^aben. 3|n 
ben etilen 3;agen be« 3iUi" '^atte Sßerbugo cier ®efd^ü|e !^eran= 



") Sßl. enn«n a. a. 0. ©. 285. 



243 



gefü^, mit nieU^eit bie ^fd^ie^uttg ber Sd^nje begonnen würbe, 
18 njettere foQte er betnnäd^ft jur Stelle fd^ffen. Su^bem rüdten 
jafllreu^e Xruppenoerft&rfungen ^eran, ^on 3uan be SorboDa mit 
jioei 9Ugimentem unb SSerbugo mit bem feinen; aber erfi am 
26. September gelang eS bem ^rinjen, ben tapferen SSerteibiger 
Don Sonn, ^ni Don $utli|, )ur Übergabe ber Stabt ju bewegen. 
Über bie ©d^ale ber beiben Sänber roä^renb biefeS legten 
Xeilea ber Setagerung finb nnr fd^Ie^t unterrichtet, ba unfere 
X)auptqueQe, ber Srieftoed^fel mit ben Amtleuten unb ben Spaniern, 
6nbe ^ni abbriij^t. SBa^f(i^nIid) iDurbe in biefer 3nt oorjugS« 
loeife ba& \üluS)tx Sanb ^eimgefud^t**), baS ^rftentum S9erg ^tte 
nur noc^ einmal einen größeren ÜberfaQ burc^ bie Spanier )u 
erbulben, cii nämlid^ am 25. ^uH einige ^unbert 9leiter beS 
^nj«n von (S^mai auf fogenannten S^en über ben 9tf)ein 
festen unb fid^ in 9Ronborf im Smte Süteborf einlagerten. 



üngefehrlicher schad des Chymayschen kriegsvolks a" 1588 

im furstenthumb Berg, 
als der printz von Ghymey den 12. Martii a" 1588 uff den 
Rhein ausleget bracht und mit derselben zuthun zu Mullenheim 
ins furstenthumb Berg geruckt, daselbst verplieben bis uff den 
halben octobris ungefehr, was darzwischen für schad den 
bergischen underthanen bescheheu, ist in verschiedenen ver- 
folgen zu befinden und dis summarie extrahirt '*). 



*■) 2HO ge^t barauS ^rtot, ba^ h»i( oben €. 213 Xnm. 1 ettp&^nt tmitb«, 
ein gstittr Sanb Ubrt bie Übergriffe ber @)>anier toa^renb ber Belagerung &or> 
^nben war, in bem aber, toie ti fc^eint, nur ein ein)igeT baS Sanb Serg 
betreffenber Vn\d)t entölten toar (le^ter äb|a< ber »eilafle 1). S)er übrige 
^in^t biib a(fo 3üli(^ betroffen ^aben. Sgl. Seiiage 3. 

**) 3>iefe foioie bie in Beil. 2 enthaltene Sufontnienfteaung ber Übeltaten 
in StMuiier im gürftent^um Berg ift ben Strickten ber Xmtieute entnommen 
niib ge^t auf ben aud) in ber 3>arfiellung tu ®runbc getegten Xhenbanb 3iUi(^> 
Ikrg, ¥o(tL Begebenden 9lr. 24 turUd, nur bie Kott) fam 20. 3uli ent> 
'tamnit bem oeriorenen {loeiten fBonb. 2>ie Bearbeitung erfolgte bei ber 3)Qffel< 
^ori• r Jtegiening. ^d) füge, ba eS im Xe^rte nic^t gefc^e^ ifi, bie 9oIicn|a^( ber 
(üi}.-Inen Berichte ^inju. — Beibe Sufarnmenfiellungen, bie offenbar )u bem 3toede 
flraiai^t werben ftnb, um alS SDlateriaJ ju SJer^anblungen, »ef(^h»erben u. f. n». 

16' 



244 



12. Martii kat der printz von Chymey einen gewaltigen 
häufen kriegsvolks zu Mullenheim, daselbst auch zween aus- 
leger im Rheinstraum gewesen, übersetzen lassen, welche sich 
zu Deutz und Mullenheim und ferner ins furstenthumb Berg 
nidergelegt ^) und alsbald ire excursiones gemacht bis hin uff 
die Sultz, daselbst etliche underth&nen ermordt, pferd und vieh 
hingeraubt, item was sie im feld betreten hingeraubt und tot- 
geschlagen. Haben geplündert wie folgt: 

13. Martii werden zu Bensburg vor den schlngbeumen 
vier pferd, welche über 300 thaler wert, abgespannen und 
haben sich die reuber verlauten lassen bessere beuten in 
kurtzem zu holen. 

Item der haubtman Schlebusch wird zu Vorsbach im 
ambt Luistorf umbs leben bracht, der ritmeister Kessel hart 
verwundt *'). 

14. et 15. Martii werden Issenbroch, Luistorfs haus zum 
Haen, Leidenhausen, Morsbroch, Wandt und Hatzfelds haus 
zum Thom eingenommen und geplündert. 

15. Martii wird das dorf Bensburg durchaus geplündert, 
vier hausleut umbbracht, viel verwundt und haben sich die 
theter verlauten lassen, sie wollten das Haus Bensburg in 
kurtzem zu irem willen haben. 

21. Martii seind wol an die 700 haubter zu ross und 
fuess under dem haus Bensburg über die Sultz eingefallen und 
haben weib kinder und was am weg gewesen nidergeschlagen 
und etliche pferd hingeraubt und heuser gebraut. 

M. Sohinok."). 

Am 22. Martii wird uberschriben, das berurtes volk den 
vorigen tag im ampt Luistorf zu Volberg, gnent auf der Sultzen 
gelegen, so an pferden khobesten und schafen über dreihundert 
genomen, darzu 21 hausleut (die man nach irem abziehen be- 



}u bienen, entftammm ber bom StaatSotc^tbe }u 3)ü{feIborf ettoorbenen Sammlung 
Ui bKftorbcnen 9ientneTd ®untrum. 3n SeUage 1 ^aBe ic^ jur SigSniung bie 
Soften »om 22. unb 23. SWär» ou8 einer in Um ettoö^nten «ftenbanb« fol. 21D 
unb 220 entl^altenen früheren gufammenfleauns hinzugefügt 

*") Stricht beS SKttmeificrS ßefTel f. 157. 

") »erie^t be« ftellnet« ju »enSBetg, ^eiinboe^ f. 174. 

") SKotft^att ©t^enfern f. 178, 179, 214, 197. 



245 



fanden) jemerlich ermordt, auch mher derselben unchristlich 
venrandt, etliche heuser abgebrant, im ampt Portz zu Radt 
einen armen bausmao in fünf stucken gehauen und seine be- 
hausang gleichfals angezunt, auch etliche hausleut gefangen, 
deren einer widerkomen und gesagt, wie sich berurtes volk 
Tememen lassen, sie weiten den „weissen flocken", benentes 
irer f. g haus Bensbur meinent, ansuchen und einlaufen, wie 
dan auch die auf dem haus von andern desselben trewlich 
gewamet. 

Sab dato 23. Martii irer f. g. zugeschrieben, das gedacht 
kriegsvolk denselben tag zu ross und fues mit gewalt durch 
die Wupper an verscheidenen orten gefallen, in Lutzekirchen 
Witzelder Leichlingen Reindorf Hittorf, vom Ganspoel an bis 
Rickelrodt und an die Lotorfer Strassen geplündert totge- 
schlagen und alles was sie bekommen können henweggefurt '*). 

Item seind diese kriegsleut in die dorfer Newenkirchen 
Upiaden Lichelink Betissrodt und dar umbher eingefallen, haben 
dieselb geplündert, die leut ermordet, gefangen mitgenommen, 
gepeinigt, pferd kuhe und alles genommen. 

Vogt Moni. 27. Martii"). 

27. Martii seind widehimb diese rauher bis über die 
Wopper den streich umb Werst umb Nesselrod beiderseits der 
Wopper und bis gen Luttorf under Solingen, durch Reichrod 
bis gen Hilden gezogen, einen grausamen raub an pferd kuhe 
and sonsten geholt, kirchen ufgeschlagen und spoliirt, bei 
Nesselrod 8 personen erschossen und vielmehr hin und wider 
jemerlich verwund und umbbracht 

Vogt Monh. 27. Mart 
Ringer Misenlo 27. Marl.'*). 

28. Martii wird die stat Solingen feindlich angelaufen, 
die theter abgewehrt und von inen darnach die vorstat schier 
abgebrent, über ein stund oder etlich wider ein anfall gethan 
und abel gehauset. 

ambt. Solingen et Bornfeld 28. Mart.**). 

*•) Shttfltt »on »ottdbng gen. Atffel f. 194. 
**) aBiU^m etail, Sogt )u SRon^cim f. 212. 
") go^oim Xmt^, »iitfl« tu SWifelo^e f. 214. 

**) SBiC^Im von Sc^cibt gm. SStfc^fcimig, Hmtmann iu Solingen, unb 
Si^clm ton Petitnittg, Sintmann tu Sotnefclb f. 217. 



24f) 



7. Aprilis wird meinem g. fursten und herren zuge- 
schrieben, das die Hispanische bei den bergischen underthanen, 
so sie etwan gefenglich verhalten, theils mit bedrawung theils 
mit verheissung erkundigen wollen, wo über die Ächer am 
besten zu kommen und an die statt Sigberg zu gelangen, wie 
stark die besatzung darinnen und wie es sonst allenthalben 
beschaffen seie. 

M. Schluck."). 

11. Aprilis seind die Hispanische in grosser anzal zu ross 
und fuess zu Trostorf durchgefallen, die schantz doselbst etlich 
mal uffgefordert und einbekommen, folgents naher Siegberg 
geruckt, dasselb feiandlich angegriffen, die Ulgass verbrant, 
damacher aus iren quartiren geruckt, alles mitgenommen und 
geraubt, von Reidt, Gassei bis uff Lohmar gestreuft, haben im 
wald doselbst man weib und kinder jemerlich umbbracht ver- 
wundt und ermordet 

A. Hovelioh 11. Aprilis"). 
M. Schinokem 11. Aprilis ••). 

NB. Seind der verbrenten heuser ausserhalb des adelichen 
Sitzes zum Driesch, so auch gar verbrent, an die 40 gewesen, 
tote weiber und hausleut bei 100 befunden. 

M. Sohinc. 13. Aprilis"). 

12. Aprilis fält das kriegsvolk zu Upiaden, fuhren den 
dinger doselbst gefenglich hinweg. 

Geldbeber Miselo 18. Aprilis "). 

Item haben das dorf Geistingen mehrentheils verbrent. 

M. Sohinckem 13. Aprilis. 

Item haben den keiner zum Driesch mit seinen [sonen")] 
dochtem enkelen und megden gefenglich hingeführt, uff hohe 
ranzion gesetzt. 

11. Aprilis haben sie zu Trostorf des zolners behausung, 
welchs ein schone herberg war, neben noch einem haus gaatz 
abgebrent. 



L 



") f. 263. 

■*) ^ttnric^ bon btr $obcIi(^, Xmiinann tu $ot} f. 366. 

••) f. 268. 

") f. 303. 

") So^nneS gflanbrtam, ®tlb^btr txS am» SRifelo^e f. 275. 

") Bft^tt in ber Sorlage. 



247 



Item haben etliche, so aus Siegberg gezogen, allernegst 
bei Siegberg uff einem verbrenten hove einen ermorten hausraan 
mit einem kleinen toten kind, item noch ein kint von 3 oder 
4 Jahren tot, dabei ein ander kiod weinend im strö sitzen 
befanden. Als dasselbig umb sein matter gefragt worden, hata 
geantwort: „Mein vatter und unsere kleine kindergen seind 
dot geschlagen und mein matter ist in den busch gelaufen." 

M. Sch. 18. ApriliB. 

Item haben die dorfer Reidt Cassel Uckendorf Speich 

Eschinar Mullickhoven Sieglar zum andermal angezündet und 

in brand gesetzt. 

M. Sohi. 18. Aprilii. 

22. Maii wird das herlich closter und abdei Heisterbach 

von dem Ghymeiscben kriegsvolk in brand gestochen, welchs 

auch gantz abgebrent, die glocken zerschmoltzen und aus 

gemachtem vorsatzt grundlich verdorben, so über die 100000 

thaler wert gewesen, unangesehen der abt doselbst dem princen 

von Ghymai ein zimlicbe Verehrung an wein und haberen gethon 

and eines viel anderen vertröstet worden. 

M. S. 38. Mui. 

Item haben negst bei Bensburg einen zemlichen häufen 

kuhe genommen, meins g. f. und herren wiltforsteren gefenglich 

hingeführt, demselben neben andern costen 100 reichsthaler 

abgedmngen. 

M. Soh. 28. Mail. 

Item haben zu Waen ohn alle ursacli den unmündigen 

kinderen von Zweiffei iren seess mit allen geheuchtem abgebrent 

und das dorf Geesslar verbrant. 

M. Soh. 28. Moii. 

21. Maii wird der pastor zu Drostorf durch den köpf 
geschossen, nackent ausgezogen und also ligend verlassen. 

M. Sch. 28. Moii. 

25. Maii haben diese leut das dorf Reuschendorf vor 
Siegbnrg abgebrent. 

In Junio hat der prinx (!) von Chimai irer g. secretarium 
an die freiheiten Deutz und Mullenbeim geschickt mit denselben 
nf eine monatliche gewisse geltcontribution zu handien, sollen 



248 



alsdan mit irem vich fridlich zu haus sitzen mögen. Ward 
den von Mullenheim etwas zu contribuiren befohlen. 

Vogt Mullenh. 2ö. Junii"). 

25. Julii seind etliche hundert Chimaischer reuter mit 
dreien schalden über Rhein ins furstenthumb Berg gefallen 
und zu Montorf im ambt Luistorf verplieben. 

A. Hovelich 26. Juüi"). 



Beilage 2. 

Das Hispanisch kriegsvolk, so dem printzen von Chimei 
undergeben, hat vom 12. Martii jungst, da*') es ersten über 
Rhein unersuchter wiess in meines gnädigen fursten und hern 
hertzogen zu Gulich etc. furstenthumb Berg gesetzt, ganz feind- 
licher weiss die sembtliche underthanen der embter Portz 
Lewenberg Luistorf Blankeuberg mit grausamen unmensch- 
lichen morden totschlagen fangen spannen ransionieren und 
verwunden, mit schiessen hawen und stechen, auch unerhörtem 
weiber megd und kinder sehenden dermassen feindlich an- 
gegriffen, das die arme leut von haus und hof verlaufen, das 
liebe vatterland reumen, theils in stedt und sonsten in das gebirg 
und kluften verkrichen und sich verstecken müssen, auch das 
land vom Rhein an bis über die Sieg an die Seinische und 
Colnische grentzen oed und wüst wegen der kriegsleute durch- 
streufens ligen thu0t, wie sie dan auch hinab bis uff die 
Wupper zu geraubet und haben die verjagte arme underthanen 
sich bis dahen und noch in eusserster armut verhalten müssen, 
haben alles an viech besten gereidem guet und heusslichem 
eigenthumb"), auch körn fruchten stroe verloren, also das 
viel alsolcher armer verjagter leute, dem kinder und gesind, 
solch ir elend und allereusserste verderbung zu gemuet und 
hertzen gefuert und theils wegen solcher beschwemuss und 



") e^rifHon SSogt«, Sogt ju SBJÜt^tim a. Statin f. 492. 

**) §rintt(^ »on ber §o»«Rd^, amtntann ju ^otf. JXc SBortlout bitfe« 
9erid^t8 ift nid^t erhalten. — »nt Sd^Iuffe beä ganjtn aftenftüde« fle^t: Huc 
usque aus den beiden verfolgen, so Amoldus herausergeben. 

") Sott. da«. 

'**) Sotl. eingethumb. 



249 



grossen hertzenleids im gebirg und elend gantz jemerlich tots 
verfallen, die uberige, so etwan uberpleiben, können solchen 
schaden anch in irem leben nimmer uberwinnen, geschwiegen 
das inen ire venig beesten, so sie noch vor dem kriegsfolk 
errettet und bis dahero mit grossen schweren costen erhalten, 
jezo auch in mangel der fuedereien niderfallen, sterben und 
verderblich werden. Daher sich zutregt, wan gedachte arme 
verwichene und ausgedrungene") leate etwan ir gesinde an 
ire wonungen umb strohe graes und fuederung heimblich zu 
holen aussenden, auch bisweilen selbst ire garten zu proffen 
sich bei nechllicher weil anheimisch begeben, so ist doch 
nnder dem keiner ein halb stund sicher, sonder werden durch 
das raubend kriegsfolk feindlich angefallen, beraubt, übel miss- 
handelt, ermordt, etliche auch gefenglich mit ins leger gefurt, 
also das der armer verderbter und verhergter underthanen 
gar wenig uberplieben, die nit zu dot gejagt, gestorben oder 
von den kriegsleuten umbbracht und hingenomen seiu, dessen 
alles dannoch kein end oder aufhorent, wie sie dan diejenige, 
so sie mit solchem aus- und einfallen underwegen ungefer 
angetroffen, mehrentheils so unmenschlich ermordt erschossen 
zerhawen und durchstochen, das auch dem tote leichnam nit 
wol zu kennen gewesen, ja sein auch etliche ermordte under- 
thanen von den hunden fressen worden und nur allein daran 
erkendt, das ire bein und fues noch in den hosen und schuchen 
gestochen, geschwiegen das man irer noch viel missen thuet 
und nit weiss, wohin die komen sein. Die andere, so sie nit 
ermordet, item welche sie gefangen, haben sie dermassen 
wnndlich zerkerbt zerschlagen und mit den hauen von den 
bachsen inen die negel ab den daumen geschraubt und sonst 
unerhörter weis gemartert, das inen der tot naher und nutzer 
als das leben gewesen, haben sich gleichwohl ransonen müssen 
and sein dem etliche folgentz tots verfaren. 

Die Weibspersonen, so in ire hend gerathen, haben sie 
derg^talt benotzuchtigt geschendt misspraucht, und in aller 
Unzucht sich also sodomitisch, türkisch und viehisch verhalten 
und noch, das es nit zu beschreiben, etliche haben sie auch 
gleich den mennem ertodet. 

") SotL aasgednmge. 



250 



Dabei sie auch hochgedachts meines gnedigen fursten und 
hern wildbanen nit verschonet, sondern ihnen teglichs das wild 
heufig feilen und niderlegen, haben auch noch etliche irer f. g. 
wiltknecht und diener bei sich gefangen; fischen darüber auch 
hin und wider die weier und deich aus. 

Dweil nun aus oberzelten Ursachen und wegen des kriegs- 
volks grausamen wueten die arme underthanen verwichen, 
faren gedachte kriegsleute femer zu und stechen die heuser 
in brand, also das in vielen verschiedenen dorferen die heuser 
in grosser anzal gantz und gar aus schlegen thueren finstern 
kisten kästen alles zumal in stucken, brechen auch das isen- 
werk blei und anders aus, durchgraben und durchsuchen putzen 
keller und alles, dabei der vom adel seess, ja auch kirchen 
closter und gottesheuser nit verschonet und ebener massen 
gegen dieselbe verfaren wird, in gestalt auch noch neulich 
das closter Heisterbach verbrent. Daneben ziehen gemelte 
kriegsleute aufs stärkest, oft in die 4. 5, und 600, auch wol 
1000 Personen an die Schlosser, schnntzen und andere winkeln 
mit trommeten und offenbarem trommenschlag, tringen feindlich 
auf die wenigen, so wegen i. f. g. die underthanen zu ver- 
thedigen ingehen, und da sie meister werden, nemen sie alles 
hinweg und ermorden ohne verschonung weib und kinder und 
alter verleubter leut, alles was sie antreffen. Wie sie auch 
der statt Siegberg zugesetzt und was sie mit Verbrennung der 
Aulgassen, ertodung und zursablung vieler unverhafter fromer 
alter und junger leute, man und Weibspersonen gehandlet und 
gantz unmenschlich verfaren, ist meniglich kondig. Haben 
daneben die Weingarten, auch obs und andere beum nider- 
gehawen und die underthanen mit schiessen und ermorden 
von dem weingartsbaw abgeschrecket und vertrieben, und, das 
gantz unchristlich und unmenschlich, durchsuchen die toten 
greber, kratzen und reissen die tode corpora ausser der erden 
in hoffnung daselbst einge geborgene guter zu finden. 

Und weil die liebe zeit des komemts — Gott lob — vast 
sich nahet, stehet hochlich zu besorgen, wo diesem unwesen 
nit vorkomen, noch einsehens beschicht, die arme leut werden 
ire wenig komfruchten, so etwan nit im gronen von dem kricgs- 
folk mit den pferden abgeätzt, nit einsamblen können, wie dan 



251 



auch dieselbe keine sommerfrucht haber noch dergleichen 
weder im feld noch garten sehen noch pflanzen, auch ire 
veiDgart nit rüsten können, zudem an künftiger kornsaet, weil 
sie irer beesten und pferde beraubt, merklich verhindert, daher 
daD noch femer elend, höchste theurung und jamer, wie zu 
besorgen, erfolgen wird. 



Beilage 3. 



Xu(^ bieft Stidtgt ift, Uie 1 unb 3, bn ®untrumf(^en ©ammtung cnt: 
lODimtn. 3n bet (tttttnt btfnbtn fu^ ^i^oginnttt einet für) gefaxten ®eneta(: 
tegifteid bei in 3ült(^ unb Setg loS^enb bet IStntfc^en Jtrieoet et(ittenen @<^äben, 
iveli^e auf 6ninb einet nic^t erhaltenen ü6et 2000 Xttifel umfaffenben Bptfiol' 
M^etf^ffet in Mrfc^iebene SbteUungen na(^ (SegenftSnbcn gcotbnet ftnb, wobei 
Mc Stunnnet bet betttffenben 8rtt(e(t jebetina( uotgefe^ ifL ^na^ betrug 
|. % btt 3o^' ^ Srmorbeten 705, bie 6unnne bet geraubten unb er))re^ten 
eelbct 774444 V, X^Ir., ber 91an|tonen ber (Skfangenen 64973 Z^Ir., bie 91n)a^( 
bcr geraubten $ferb« 2262, 0(^fen unb jtfl^e 10 652, Sc^tocine 2064, e(^fe 13409. 
3ur Srg&niung ber Beilage 1 fotste ber 2)arfiel[ung, bie mit bem SRonat 3unt 
iiM<^I<cH (ofr< i(^ ^ benjenigen Slbf(^nitt aut bem flegifter ber gevittnbcrten 
Dörfer, Jtfdfier u. f. ts. folgen, totU^n, Uie id^ annehme, bie (e^te Qiü bet 
Xriegct betrifft Z)ie Xrttlel, auf Meieren bot flegifter fu^t, Maren (^ronologif(^ 
georbnet Suf Xrttlel 1677, tselc^ bie Kiebcrbrennung bet 3l]>etfelf(^en Raufet 
So^ (f. ob. 6. 247) Mrteic^net, folgt bat Kai^^e^nb«. Ct fmb mit Sutna^me 
Bon artifcl 1780, toclc^er fl(^ auf bat e. 348 |um 25. 3u(i ertD&l^nte Sreignit 
k^e^ autfi^ße^G^ jfilic^er Orte, bie genannt toerben. (SgL ob. 6. 243 unb 
Inm.38.) 



Ar. 1685. Poll Luxheim Wissers- 
beim Goltzheim und Buir (^9rfer 
bei 2>ürtn). 

Ar. 1686. Glessen (ö. Serg^eim) ge- 
plündert. 

Ar. 1689. Hokiroh Egrgereheim 
Ereaheim (Srret^eim) Eschweiler 
l2)3rfeT bei Sparen) Obei^ und 
Niederausheim (bei Serg^im). 

Ar. 1693. Viwhenioh (f». Aö(n) 
geplnndert. 

Ar. 1696. Ealdenkirohen Braobt 
Breil (9re|^ Bostbeim Born 
(n. 9rüggen) spoliirt. 

Ar. 1699. St Thoni« und St. Joris- 
amem (Xmem^St. Snton unb 
=€t (Seorg bei Srüggen). 



Ar. 1708. Herkenbusob(bei(Sre«en: 
broi(^) in templo geplündert 

Ar. 1717. Daa ganti ambt Geilen- 
kirohen verdorben. 

Ar. 1730. Girbalsradt meistheila 
abgebrent. Dietheriohiweiler 
Landersdorf Esohweiler Wullea- 
heim Eels (SCörfer bei Sparen) 
schwere zulegerongen gehabt. 

Ar. 1732. Hnnkirohen Irresheim 
Wiasersheim (bei Sflren). 

Ar. 1786. Hergarten (bei ®cmänb) 
geplündert 

Ar. 1736. Kall (Aalfc^euren?) und 
Kendenich (fh). Jt3(n) Terlassen. 

Ar. 1740. Ahe(f.«erg^eim)gebrent. 

Ar. 1743. 10 dorfer geplündert. 



252 



Ar. 1747. . . . dorf (unUfftlic^, tttoa 

Sindorf f. Serg^dm) and andere 

verbrent 
Ar. 1761. 6 dorfer geplündert. 
Ar. 1755. Guligische mit Tryer 

grensende empter geplaudert. 
Ar. 1757. Kaldenborn (bti W/t-- 

h)«Ier?) abgebrent. 
Ar. 1758. Drei dorfer geplündert, 

verbrent 
Ar. 1760. Suohtelen spoliirt, ge- 

brent. 
Ar. 1762. St. Thonisamer ge- 
plündert, gebrent. 
Ar. 1763. Dorweiler (to. £e(^tni(^) 

geplündert, gebrent, 
Ar. 1766. Statzheim (6tot^eim bti 

6u8ttr(^en) gebrent . 
Ar. 1767. Folheim (^oul^im nio. 

jt9(n) spoliirt, verbrent. 
Ar. 1768. Iffersheim (SDece^'^ 

bei aXünfieretfel) spoliirt. 
Ar. 1769. 4 dorfer verlassen. 
Ar. 1773. 3 dorfer geplnndert. 
Ar. 1774. WadesheimuiidHeimers- 

heim (9.9l^rtoei(tr) ausgeplündert. 
Ar. 1777. Titz und Hasselsweiler 

(n. 3fl(i(^) ausgeplündert. 
Ar. 1780. Mnndorf (SRonborf n. 

Sonn) und Mnllendorf (h)0^( 

9Miae!ot>en) geplündert. 
Ar. 1813. Snuhtelen eingenommen. 
Ar. 1817. Keienberg (ö. (Sthttnj) 

eingenommen, geplündert 
Ar. 1824. 6 dorfer verlassen. 
Ar. 1826. Haus Born cingenomen. 
At. 1827. Kirch zu Kaldenkirohen. 
Ar. 1833. Etliche empter gebrant- 

Bohatzt 
Ar. 1867. Grotenrod (bti @eittn= 

(ir(^) geplnndert. 
Ar. 1870. Beck geplündert. 



Ar. 1871. Herkeubusch (bei (3reMn< 

htoiif) geplündert. 
Ar. 1873. 3 dorfer. 
Ar. 1874. 3 dorfer. 
Ar. 1876. 2 dorfer. 
Ar. 1878. 1 dorfer (!). 
Ar. 1879. 6 dorfer. 
Ar. 1882. Tusohenbrooh (bti XBtM: 

(ing^OUtn). 
Ar. 1889. Kirch Esohweiler. 
Ar. 1893. Dillickrodt (B. »rügatn). 
Ar. 1899. Schlenderen (6(^(etib<t: 

^n bti Strg^ttm) eingenommen. 
Ar. 1929. Bossheim (Soie^eim bei 

3)üR(n) gantz geplündert 
Ar. 1933. Ambt Bmggen gantz. 
Ar. 1938. 6 dorfer geplündert, 

verbrent. 
Ar. 1936. 9 dorfer geplündert, 

verbrent 
Ar. 1937. Karken und Kempen 

(n. ^tinäberg) cum templo. 
Ar. 1940. Das haus zum Voret 

geplündert. 
Ar. 1953. EfTelt (nh). Safftnbete) 

geplnndert und sovil darin ge- 

raubt, das sie daselb vor 1200 thlr. 

rantz(ion) nicht wider lassen 

wollen. 
Ar. 1969. Gnsten(®fl|i«nnto.3<Ui(^) 

und Oerkrad (bti Xio^itn?) ge- 
plündert. 
Ar. 2007. Glesoh und Pfaffendorf 

(bti Stcg^tim) geplündert. 
Ar. 2015. Remagen genommep, 

geplündert. 
Ar. 2019. Bracht (n. Brüggtn) gar 

verderbt 
Ar. 2043. Kirch zu Berg (Xmt 

SSrüggen?) gebraut 
Ar. 2047. Beide Amer die kirohen 

aufgesehlagen, geplnndert. 



253 



X. 

Der äampf bes ZTTagiftrats ron €Ibcrfd6, 6cr 
Bürgcrfd^aft ron €lbcrfclb unb Carmen unb 
bex fird?Iid)en äonfiftorien bcs IDuppertl^als 
aecjm 6ic (Erbauung eines Ct^eaters in €IberfeI6 
im yxlive ^806. 

Sott •. Ihr«irt. 



^ie fotgenben Ultenflfide fleDen bie etn^eittid^e Stimmung 
b«d bQrgerltd^eii unb lird^Iid^en 2BuppeTt{)al8 vor beinahe 90 ^^ren 
in Sejie^ung ouf bie Crbouung eine« ^Ijeater* in fo florer Üffieife 
»or Äugen, bafe eä eine« Äommentar« ni^t beborf. fflir bemerfen 
nur, bafe bie angelegenlieit in bie bewegte tief aufregeube 3eit 
föSt, 100 bie atte bergifd^e &anbe«regierung abtreten mugte, inbem 
ber biÄ^ge Äurfürfl SRaj 3lofef jum Äönig üon Sofern ernannt 
Durbe, unb fein Statthalter ^er^og SBitlielm von Sapern unfer 
äanb verlief. 

®cr 5laifer 9^opoleon gab ba^felbe unter bem 9^amen: ®ro6= 
^erjogtum 8erg feinem Sd^roager ^oad^im 9Rurat, in bejfeu ^erfoii 
}um erftenmat ein ^anjofe unfer potitifd^e« Dber{)aupt tourbe, 
bcr aber meifl auger^tb feine« ©rog^erjogtum« at« ®enerat im 
franjSfifd^cn §eere bie Jlriege feine« ©d^roager« mitmad^te unb an 
ber Sefiegung ^retifecn« nod^ in bemfelben 3o^re 1806 einen 
loefentlid^n Hnteil ^atte, bi« er nod^ 2 Qa^ren Äönig beiber 
Siiilien würbe unb im ^alire 1815 ben Xob burd^ Srfd^iefung 
erlitt. 3n feinem abfd^iebstoort an bie Serooliner be« @vo%' 
^ogtum« entbinbet er feine „geliebten unb getreuen Untert^anen 
wn bem ©be ber Ireue. „9lie wirb ba« Sanb ber 3"n«i9un9 
nlSf^n im Xnbenfen an bie gewiffenliafte 9led^tfd^affeu^eit, wetd^e 
'\^fttn Sliarafter au«)eid^net, an bie Ergebenheit, wetd^e fie un« 
erroiefen \)abtn, unb on bie Ireue, momit fie un« bienten. ©ie 
»ottn unfere Äinber unb unfere oäterlid^en ©eftnnungen gegen fie 



254 



roetbeii nie aufböten." 33aä ttagifd^e Sd^idEfal unfeteä etiemoligen 
2aiibea^ean fattb aud^ ^iet ju Snnbe Xi\lm\)me. 

Slufeerbetn fei nod^ folgeube Setnetfung geftattet 2Benn im 
3la^te 1806 bie oon 35üffeIbotf ani m^ ©Ibetfelb ergangene 
3umutung aUfeitige Äblel^nung ttn Sßuppett^al ^etoorrief, fo vtt- 
gegenwärtige man [xi) bie bamalige totale ^ifferenj bed &^ara!ter£ 
ber ©tabt 2)ü)7eIborf unb beö 3Buppert^aIä. 2)flfTeIborf mar eine 
9lejibenjjlttbt mit ^of, ^ilitör unb Beamten, in bereu flreifen ti 
vielfad^ an bem @rnfi beS Sebend fehlte, roorü&er uamentlid^ bei 
«etjtorbene Sucfalwiogli" "I* SixtQino^e fe^t eiuge^enbe 3Jht= 
teilungen gemad^t ^at. ^m SBuppert^Ie ^atte feit ^al^r^unberten 
ein emporftrebenbet Sütgerflanb mit großer ©nergie eine bebeutenbe 
©elbflönbigfeit errungen. 35er ©id^ter ®5t^e befd^reibt ben ®eifi 
ber Äaufleute ©Iberfelbi, ben er bei einem Sefud^e feine« gteunbeä 
©tiHing im 3la^re 1774 fennen gelernt ^atte, fel^r rid^tig, roenn 
er fagt, bag biefelben beim ©rmerb irbifd^er ®üter bie l^immlifd^n 
nid^t au^er Sld^t gelaffeu l^ätten. 3n einem geograpl^ifd^en ^nb- 
bud^ »on 1804 Reifet ei über baä 3lmt ©Ibetfelb: „Slirgenba jte^t 
man beffer, imi gleife unb 3lnbuftrie »ermbgeii, al8 eben ^ier. 
3)enn nid^t nur biefed, mel^r ald eine @tunbe lange ^^I, fonbem 
aud^ bie benad^bartc @egenb, fmb Seroeife eined fafl allgemeinen 
unb großen äBo^Iftanbeä, überall aber prt man aud^ au^er bem 
frommen ©efange ber ^anbroerfer baä Älimpern ber 2Beb= 
ftül^Ie unb iai raufd^enbe ®efumfe ber oielen @arumül^Ien, überall 
jie^t mau 2eben unb ruhige ©efd^äftigfeit, benn ungefäl^r 200(Xi 
^enfd^en leben »on bem ^iejtgen Äunflfleife." 35ie Seoölferung 
bed äBuppertl^ald mar bamald nod^ meifi eoangelifd^ unb »erteilte 
{td^ auf fünf ®emeinben, bie glüdElid^ermeife nod^ nid^t bie unüber- 
fid^tlid^ gro^e 3<t^l oon ©liebern ^atte, roie gegenwärtig ber ^^11 
ift. 3)ie @emeinben ftanben unter ber Leitung audgejeid^ueter, 
fernfefler, gläubiger 3Jiänner, roä^renb in mand&en Oegenbeii 
©eutfd^lanbä forool^l bei ben 3;f)eologen, wie in ben ©emeinben 
eine £o<ferung alter, el^rmürbiger (Sitten unb eine fd^winbfud^t^' 
artige abnähme "bei befannten einfligen ©lauben« um ftd^ gegriffen 
^atte. 55er SJefud^ beä öffentlid^eii, bie Übung beä l^äu^lid^en 
©otteäbienflea war jiemlid^ allgemein. 3Kan begreift, baß ber 
bamalige ®egenfa| »on ©üffelborf unb ©Iberfelb ein fe^r burc^= 
greifenber fein mufete, unb bafe bei fo ernften BcitDer^ältuiffen, 



255 



100 ein SBenbepuiift aller äußern SetlKiltniffe eingetreten roat unb 
iDO man bei june^inenbet Uuftd^er^eit tiut mit aSefüt^tungen in 
bie 3u!unft blidte, im SBuppert^l fein ©inn für loftfpielige 
x^oterunteme^mnngen oor^nben fein fonnte. 

®ie Seffird^tungen im SBuppert^al, bofe bet d^riftli^en 9leligiou 
110$ bem bamaligen Slon ber 3eit bnrc^ ©^ufpiele nid^t bie 
nötige e^rerbietung }n teil roerbeii tonne, rourbe gelegentlid^ aui) 
babutd^ gered^tfertigt, bofe einmal in Düffelbotf am (S^arfreitog bie 
Äreiijigung Qefu im Sweater batgeflettt rourbe. übct^oupt gingen 
Don ber franjöfifd^en S^ifd^entegierniig in unfern ßanben leine 
irgenbioie ertennbaren religiöfen @inn)irfungen and. 'S)ai fianb 
mar, nie man vieDeid^t mit Ste^t gefagt, eine 9rt von Domäne 
beä großen 6roberer8, roö^renb unfere Sanbeäfinber in Spanien 
unti in 9lu^(anb in ben Xob getrieben ipurben. 

9Kit bem ©turje ?JapoIeon8 begann in oielen Sejie^ungen 
eine neue ^ra. SSon Snglanb ging eine mä^tige unb tiefe ^e- 
roegung fnr bie ©^riften^eit ber tierfd^iebenen Äonfeffionen auä, 
in ber mit großen ©elbopfern in tiielen ©prägen ber ?BeIt bie 
heilige ©d^rift verbreitet rourbe bnrd^ bie S^^ötigleit ber britif^en 
unb auäfönbifc^en Sibetgefettfd^aft, für roeld^e anc^ ber rufltfd^e 
Äaifer Äferanber in feinem ungeheuren SReid^e eine merfroürbige 
Si'geifterung ^eruorrief, roä^renb and^ bei und bie Dbrigfeiten für 
basfclbe ^vinjip eintraten. Der ®eneraIgout)erneur ber bergifd^en 
Sanbe, ber t^atlröftige 3ujluä (Sruner, rourbe ^röfibent ber 
Sibelgefettfd^aft. ®ie SSerbreitung beä ß^riftentumä unter ben 
Reiben lourbe nun mit (Sifer betrieben. %H 9lapoIcon juin ©^recfen 
ber SBeft im Qa^re 1815 oon 6Iba jurftcffe^rte unb jum jroeitenj 
mal gleid^fam im ^anbumbref^en rafd^ ben fraujöüfd^en Äaifertl^ron 
bejlieg, na^m ber König oon ^reufeen j^riebrid^ SBil^elm III. oon 
%ien auä, nad^ bem einftimmigen Sefd^Iu^ ber jum Aongreg ver^ 
fammelten Släd^te, einen großen Xe'xi ber beutf^en ^^rovinjen am 
S^ein unb aud^ unfer Sanb in Sefi^. 3n bem 9eftfeergreifung8- 
patent com 5. Slpril 1815 I^eifet eS: ®ure 9teIigion, baS 
öeiligfte waä bem ajlenfd^en angehört, werbe 3d^ e^ren 
unb f^ü^en. 

2>er ^ulbigungäalt in eiberfelb erfolgte am 20. 2lpril 1815, 
nadibem ber ®eneralgouDerneur ®runer am XoQt t)ort)er eine fe^r 
emfte Äufforberung ju einem öffentlid^en Sufetage erlaffen t)atte. 



254 



roetbeu nie aufhören." 35a« tragifci^e ©(i^idfal unfere* ehemaligen 
Sanbe^^errn fanb aud^ ^ier )u fianbe Xeiltia^me. 

2lu6erb.em fei noti^ folflenbe Semetfuitfl flefiattet. 2Benn im 
3a^te 1806 bie ooii ©üifelbotf aüi na(i^ ©Ibetfelb ergangene 
3umutung allfeitige Ablehnung im SBuppert^al ^eroottief, fo i)er= 
gegenroärtige man ji(i^ bie bamatige totale ©ifferenj be« ß^arafter* 
bet ©tabt ©üifelborf unb beS 3Buppert^aIä. ©iiffelbotf roar eine 
Slejtbenjftobt mit $of, ÜJliütät unb Seamten, in bereu Äreifen e8 
»ielfad^ an bem (Srnji be« Seben« fef)(te, roorüber namentlid^ bcr 
»eriiorbene 3"CcaImagIio al8 3"tgenoJTe fe^r eiuge^enbe aJlit- 
teilungen gemad^t ^at. ^m SEuppert^Ie ^atte feit ^[a^r^uuberten 
ein emporftrebenber Sürgerjianb mit grofeer Energie eine bebeutenbe 
©elbjiönbigfeit errungen. 35er ©id^ter ®öt^e befd^reibt ben ®eifl 
ber Äaufleute ©Iberfelb«, ben er bei einem 33efud^e feineä j^^eunbc* 
©tiHing im 3a^re 1774 fennen gelernt ^atte, fe^r rid^ttg, roenu 
er fagt, bafe biefelbeu beim ©rroerb irbifd^er ®üter bie ^immlifd^cn 
nid^t aufeer Sld^t gelaffeu Ratten. 3n einem geograp^ifd^en ^nb- 
bu(^ Don 1804 Reifet e« über baä Smt ©Iberfelb: „3'lirgenb8 fielet 
man beffer, roa« 'gleife unb ^nbuftrie oermögen, al8 eben l)iet. 
35enn nid^t nur biefeä, me^r at« eine ©tunbe lange 3;^!, fonbem 
aud^ bie benad^barte ©egenb, finb SSeroeife eine« fafl allgemeinen 
unb grofeen SBo^Iftanbe«, überall aber ^ört man aud^ aufeer bem 
frommen ©efange ber ^onbroerfer ba8 Älimpern ber 2Beb= 
ftü^Ie unb ba« raufd^enbe ®efumfe ber oielen ®arnmü^Ien, überoH 
fie^t man Seben unb ruhige ©efd^öftigfeit, benn ungefähr 20000 
3)Ienfd^en leben oon bem gierigen Äunjif[ei§." 35ie Seoölferung 
be« SBuppert^alä roar bamal« nod^ meifl eoangelifd^ unb »erteilte 
ftd^ auf fünf ©emeinben, bie glüdflid^erroeife nod^ nid^t bie unüber= 
Rd^tlid^ grofee 3fl^l "on ©liebern f)atte, roie gegenroörtig ber gaU 
ift. 35ie ©emeinben ftanben unter ber Seitung augge^eid^netet, 
fernfefler, gläubiger ajlänner, roö^renb in mand&en ©egenben 
©eutfd^Ianb* foroo^I bei ben 3;^eoIogen, roie in ben ©emeinben 
eine Äodferung alter, e^rroürbiger ©itten unb eine fd^roinbfud^tÄ= 
artige abnähme be« befannten einftigen ©tauben« um fid^ gegriffen 
^atte. 35er 33efud^ be« öffcntlid^en, bie Übung beä ^öuälid^en 
©ottegbienfle« roar jiemlid^ allgemein. aJlan begreift, bafe ber 
bamalige ©egenfa| oon ©üffelborf unb ©Iberfelb ein fe^r burdf); 
greifenber fein mufete, unb bafe bei fo ernften 3e«toerl)ältni)fen, 



255 



m ein SBenbepunft aDer äußern SSer^Itnif^e eingetreten roax unb 
iDo man bei june^meiiber Unfid^er^ett nur mit Sefürd^tungen in 
bie 3«'"nft bliAe, im SBuppertbal fein ©inn für foflfpielifle 
xbcoterunteme^mungen oor^nben fein fonnte. 

3)ie »«fürd^tungen im SEuppert^al, bafe ber d^riftli^u Jleligion 
mif bem bamaligen ^on ber S^it burd^ ©ci^aufpiele nid^t bie 
nötige S^rerbietung }n teit merbeu fönne, raurbe gelegentUd^ aud^ 
baburd^ gered^tfertigt, bafe einmol in SJüffelborf am ß^rfreitag bie 
ftreujigung 3^'u im X^eater bargefteQt mürbe, überhaupt gingen 
von ber franj&fifd^eu 3n>ifd^e)iccgienmg in unfern Sanben feine 
irgenbmie erfennbaren religiöfen Sinmirfungen aui. 'Dai Saiib 
nur, mie man oieDeid^t mit Siedet gefagt, eine Srt von Domäne 
be^ großen gröberer*, möbrenb uufere Sanbe«finber in ©panieu 
mib in Sluglanb in ben Xob getrieben mürben. 

^Rit bem ©turje iRapoIeon* begann in vielen ä3ejiebungen 
nne neue ^ra. 93on Snglanb ging eine mäd^tige unb tiefe ^f 
nxgung für bie S^rifteiibeit ber oerfd^iebenen jtonfefftonen au*, 
in ber ntit großen ©elbopfern in vielen ©prad^en ber 'iBelt bie 
lieilige ©d^rift oerbreitet rourbe biird^ bie X^bötigfeit ber britifd^en 
unb au§fänbifd)eu SibelgefeDfd^aft, ftkr meld)e aud^ ber rufftfd^e 
Jtaifer SKeranber in feinem ungeheuren Steid^e eine merfmUrbige 
öcgeifterung b«Toorrief, roäbrenb aud^ bei uii« bie Dbrigfeiten für 
baäfelbe ^viujip eintraten, ^er @enera(gouperneur ber bergifd^en 
Üonbe, ber tbatfräftige Suftn« @runer, rourbe ^präFtbent ber 
SibelgefeUfc^ft. ®ie ^Verbreitung bed S^riftentum* unter ben 
öfiben rourbe nun mit (Sifer betrieben. Sit« 5JapoIcon jum ©d^redfen 
ber SBelt im ^a^re 1815 von ®(ba jurfldtfeljrte unb jum }roeiten: 
mal gleic^fam im ^anbumbre^en rafd^ ben franjöfifd^en Äaifertbron 
befiieg, na^m ber Jtönig oon ^reu^en ^^iebrid^ 3Bi(beIm UI. von 
Sien auä, nad^ bem einflimmigen Sefd^Iu^ ber jum ^ongre| ver^ 
fatnmelten SRöd^te, einen großen %e\l ber beutfd^en '^rooin^en am 
^ein unb aud^ unfet Sanb in ^eft^. ^n bem 9efi|ergretfung3: 
patent »om 5. Sprit 18l5 Ijti^t e«: 6ure Steligion, baö 
üeiligjle mai bem SJlenfd^en angehört, werbe 3ld^ e^ren 
unb fdbüften. 

Der ^ulbigungäoft in etberfelb erfolgte am 20. Slpril 1815, 
nad^bem ber @eneraIgoupernenr @runer am ^lage Por^er eine fe()r 
emfle Äufforberung ju einem iJffentlid^en Snfetage erloffen ^Ue. 



256 



3|n betn batb barauf eröffneten Äriege bluteten unfere Sanbeaftnbet 
in ben @d^(ad^ten }u Eign^ unb 3Bater(oo unb bie im fo(genben 
3o^re 1816 einbred^enbe grofee JJeurung, bie bi8 jum ©ommer 1817 
anfielt, gab iniSbefonbere bem 9Buppert^(er jtaufmanndflanb ^tm 
reid^enb ©elegen^eit, ber ^ungcrnben armen SSeoötferung in d^rifls 
Ud^er aJienfd^entiebe fid^ onjune^men. 3|n ber fd^roeren ^e\t »on 
1806 biä 1816 rourben oon bem Äoufmonnajlanb ju ®tberfelb 
unb äSarmen, (einen @tanb ber 9{entner gab ei bamatö noc^ nid^t), 
fo »ietc Dpfer geforbert, roie »on feiner ©tabt unfer* 91^ein(anbed. 
35ie ©d^äbigungen ber jjobrift^dtigfeit in bem ifotierten ®ro6= 
^erjogtum, ber 35urd^marfd^ oon ^unberttaufenben oon Äriegeni 
oon ber ©renje 9Cftend unb gan} SuropaS, ioe(d^e oerpflegt toerben 
mußten, bie au^erorbentlid^en Ariegdfteuern, bie beim Umfd^ioung 
ber SJer^ältnijfe ju entrid^ten loaren, bie opfetioillige Sinberung 
ber ?lot in ber SIeurungäjeit tenften bie S^eitna^me unb bie X\)aU 
traft auf gan} anbete 3)inge ^in, roie ^§eater unb Aunftent^urtadmu& 
:^n biefer ä9e}ie^ung fönnen wir an bie (ängjl entfd^iounbene ^xt 
unferer SSöter nur mit ®^rerbietung benlen. 

iiftcnftücfc über bas projefticrtc bcrgifdjc nationaltl^eatcr. 

1. 

au8 bem aBeflfötifd^en älnjeiger 1806, 7. gjlärj, Strtilet 
aus ®(berfe[b. 

Unfere SSilrger finb in ber »ergangenen SBod^e burd^ eine 
Slugelegenljeit bcfd^äftigt, bie mit bem rü^mtid^jien ^atrioti8mu« 
attgemein al8 ein ©egenjianb be§ öffentUd^en 3Bo^[8 betrad^tet unb 
be^anbelt toucbe. 

3|n ber oorießten 3Bod^e famen 2 gjjitglieber ber Süjfelborfer 
3;()eater=®ireftion !^ier an, fauften ben ^la| ju einem ©d^aufpiet= 
^aufe unb fd^toffen ben ßontraft jur (grbauung beafelben ab. 3Jlan 
fd^ien e* für unnötig ju I)a(ten, bem ^iefigen 9Ragifitat unb bem 
^anblungäoorflanbe aud^ nur eine Stnjeigc baoon ju mad^en, bie 
<Sai)e tourbe oielme^r fo fiitt getrieben, bafe bie me^rflen, fefbji ber 
augefe^enflen SSürger nid^t e^er etioaä baoon erfuhren, bi8 fie fd^on 
abget^an toar. 

SBenn fd^on im oorigen Qa^re ein 3[uffa| in ber Hamburger 
Beitung, loorin alle beutfd^e ©d^aufpieter oon Äopf unb ^erj auf= 
geforbert tourbeu, nad^ Sfiffctborf ju fommen, unb bafelbft eine 



257 



bergifd^e 3lationoI=S3ü^ne ju bilbeu, bie (l)ierburd^ erfo^teu wie juetfl 
fo par bricol bad uiiS jugebad^te &lüd) ben (Sommer ^inburd^ in 
SlkTfelb fpielen foHte, hai ^erj eines jeben votrioti feigen Särgerd 
mit unangenehmen ©efü^Ien ergriff, fo quoQen biefe nun an aQen 
Seiten über, unb bie ©prad^e berfefben rourbe ^ier unb im bena^« 
barten 33armen äberaU gehört, mo Sßrger jufammen roaren, bie 
i^ Saterftabt liebten unb ehrten me^r, ali \\)x SSergnügen, — 
unb bie ber SReinung roaren, bafe bie ©elbfiftönbigleit ber beiben 
erflen unb größten ^nbuftrieftöbte hei Sonbeä burd^ ein Unters 
nehmen gelrönft mürbe, roetd^eS burd^ eine gro^e unb refpeltobte 
SRe^r^eit i^rer SSeroo^ner in jebem 3«'*?""'*« ""b unter allen 
UmftSnben für gefä^rlid^, in ben gegenroörtigen ober für T)er= 
berblid^ erflört unb beroiefen rourbe. 

91m lauteflen änderten bie »ielen bortigen greunbe unb 35e« 
förberer gemeinnä|iger änjtolten: „fie müßten e8 am befteu, mie 
Diel not^ für ba8 6mjle unb @ute getrau roerben muffe, e^e nod^ 
für bai ©innlid^e unb ©d^öne gebaut werben bürfe". 

3)ie Serrooltung ber ollgemeinen 2[rmen=anftoIt fünbigte im 
Dorigen ^erbfte ein gro^e8 ®efijit, unb i^re öeforgniffe, bie töglid^ 
pne^menbe 3q^1 ber Firmen im na{)enben SBinter nur not{)bürftig 
unterhalten }u fönnen, burd^ bie 5ffentüd^en Slötter on, unb nun 
ioHte man nod^ eine Slnftolt onberer 9(rt entfielen fe^en, ju beren 
gr^Itung roöd^enttid^ 3—400 SRt^l. oufgebrod^t merben müßten, 
bo man nod^ öffentlid^en 2lnjeigen bie roeit fleinere ©umme, bie 
man jum Unterhalt oon üOO fläbtifd^en Slrmenfamilien roöd^entlid^ 
tttiroonbte, o^ne ou^erorbentlid^e öilfenüttel nid^t me^r aufbringen 
fonnte. SSer fonnte biefe ißergteid^ung o^ne tiefen unb gerechten 
€i^merj mod^n?? 

Vergebend frng man nai) ben roid^tigen SSeroeggrünben, benen 
biefe SlüdEfic^ten unb uoc^ eine ^enge anberer, ber liRegierung fd^on 
früher mitgeteilte SHüdfid^ten nad()flef)en mußten. 3Jlon fonnte feine 
anbern finben, ali biejenigen, bie ein S)üffeIborfer ßorrefponbent 
mit ber uoiBfieu Dffen^erjigfeit ben (Slberfelbem onTjertrout ^ot, 
öie Unmöglid^feit nämtid(), bie 9tationoI=!8ü^ne onber8 a\i ouf 
uniere Soften, im bergifd^en ßonbe burc^ ju fommeru. 25q biefer 
Srief merfroürbig ift u. oiete ßefer biefeä 8tatte8 fid^ feiner vieU 
leicht nid^t me^r erinnern, fo roirb ber SRebofteur eä genehmigen, 
l>a§ bie erfle ^ölfte beäfclbeu ^ier noc^ einmal abgebrudt roerbe. 

17 



258 



„au8 35öffeIborf. 

9Bie voix ^ier leben? 2lmmer no^i munter u. oergnfigt. 2ßtr 
^ben unfete bötjmifd^e ©d^aufpielerttuppe, unfete jungen 35rama- 
turgen unb hai Jtaffeetiaud bei ®iHei, roo loir febr gelebtt über 
bie Äunfl fpted&en u, fpted^en böten. 3m §etbfl belommen mir, 
rote ©ie bereite au8 b. Hamburger Äotrefponbenten werben gefeben 
baben, ein 92ationaI:2^eater, u. bann bi'ff^" ^^^ "o<$ f^% ^ ^(f^i 
roeit in ber Äunfkid^terei }u bringen, ^en ©ommer gebt bie 
"SJruppe naä) ©Iberfelb, roeil roir bann ba8 Seben auf bem Sanbc, 
im $of garten u. in ben anberen ©arten, too toir faft jeben £ag 
Xarii u. 9RufiI b^ben, angenebmer finben. 

S)er SIberfelber Üßagiftrat foll nixb etroad fd^roierig fein in 
ber SSeroiSigung ber (Srlaubnid. SSiele Scanner von Sebeutung 
fagen, bafe ba« ©d^aufpiel für ®lberfelb nad^teilig fei, u. ba§ bie 
®egenb um @Iberfelb fo fd^öne ©pajiergönge bobe, ba| man fflglidb 
hai ©d^aufpiel in ber brettenten Sube entbebren Ibnne. 

3nbeffen roenn man baS eine fagt, fo mu| man baS anbete 
aud^ fagen. 1ba& @lberfelber ©d^aufpielbaud ifl betanntlid^ nidbt 
roafferbid^t u. jugleid^ fo lalt nie bie ©ebäube, womit ei bie meifie 
9lebnlid^leit \)at u. bie id^ aui bloßer ^iiSlretion nid^t nennen mag. 
S)ic Ferren ®lberfelber werben einfeben, ba§ ei alfo »äterlidbc 
aSorforge ift, ba§ wir ibnen bie ©diaufpieter in einer 3abre8jeit 
überlaffen, in ber ei nid^t riel regnet unb nid^t falt ifl." 

3n»ei 2;age nadb SSerlauf iei '^la^ei erbielten bie ^tebiger 
aller ©onfeffionen, ber Sürgermeifter unb nod^ einige bffenttidbe 
öeamte folgenbe gebrurfte 2luff orberung : S)er ^la| ju einem neuen 
©cbaufpielbaufe ift gefauft, ber S3au beÄfelben ifl bebungen, unb 
biefe SBod^e fott bamit angefangen werben. — SBir baben bie flbel 
lennen gelernt, bie eine ©d^axtbübne für hai ftttlid^e unb bürger= 
Hd^e äBobI mit ftd^ bringt. 93on }ebn ä3ürgern, menn fte aQe 
öffentlid^ auf geforbert werben, ibre ©timmea btcrüber öffenttid^ 
abjugeben, werben neun fid^ laut unb warm bagegen erltären. 
Unb — wir fd^weigen nod^, unb laffen ei rubig gefd^eben, ba6 in 
unferm Drte abermals eine fold()e aSergnüguugäanjlalt errid^tet wirb, 
von ber wir fd^on }ur ©enüge bie Srfabntng gemad^t baben, wie nadb= 
teilig fie auf bie ©Uten, auf ben (Sbatafter, ben gleife u. ben 5lBobI= 
jlanb, befonberä unfter großen arbeitenben aSoIfäflaffe, einwirf cn. 



259 



SBir fennen ben ®etfl unferer Slegierung. SBir roiffen ei, 
iMig mir i^x biefe ®efa{)ren fär unfern Ort, unb bie Stimmung 
'oa größten tnli unfrer :8ürger gegen ein fotd^ Unternehmen 
nur vor }u ftellnt hxau6)en, um ber Suf^ebuug be8fe(ben geiui^ 
}u fein. — Unb roir fd^eigen no(51 

3l(r, Wiener ber SteKgion, unb i^r Dber^öupter unfrer Sürger- 
f(^ft — 3l(r feib ed, non benen eine grofee 9ln§c^( patriotifd^er 
Sürger eine öffentlid^e Äufforberung enoartet, um i^re Stimmen 
tunb loerben }U laffen, unb mit biefer 9ufforberung bad SRittel, fte 
ber 9iegierung unferei} Sanbed mit gebü^renber @^rfurd^t barjulegen. 

Sud^ an bie Senoaltung ber Xnnenan{k(t tommen in SRenge 
münb(id^e unb f($riftlid^e Sufforberungen ä^n(id^er Srt, u. bem 
Kogifhrat warb nod^ eine befonbere Petition besfetten 3n^t8, 
u. Don einer großen äln^a^I angefe^ener 8ürger unterjeid^net, aber: 
geben, ^er Stagifirat oeranfla(tete barauf eine allgemeine äSeerbten^ 
jufammcnfunft, in ber ganj einhellig befd^Iojfen rourbe: „ber die' 
gierung bie i^r bereits früher bargelegten ®rünbe gegen ein Qtfyai' 
ipie({|auS in unferm Ort no($ einmal bar}u(egen, biefefben mit noc^ 
»eiteren ©rünben u. erflärungen ju »erfiärfen, u. bie ©timmen 
b« nid^t anroefenbeu öürger über biefen ®egen|ianb ebenfall« 
beijubrtngen." 

3n bem benachbarten S3armen, roo man nun aud^ bie (Sin; 
ric^tung einer allgemeinen 2lrmen=3tnftalt nid^t nur bef(5(offen, 
ionbern aüi) fe^r neit geförbert ^at, cirfulierte }u berfetben 3^'^ 
eine öbnKd^e ©d^rift, u. rourbe ebenfo allgemein aU in ©Iberfelb 
(gebilligt u. unterjeid^net. 

An bem ©rfolge aller biefer SBorfleHungen, bie alfobatb ber 
Äöniglid^en u. ^erjoglic^en Stegierung in ©üjfelborf oorgetegt werben 
foHen, wirb jroar Don feinem, ber ben @eift biefer Stegierüngen 
fennt, gejroeifelt. ©outen aber roieber atleä ©rroarten bie jroei 
oJxt brei Unternehmer beä bergifd^en 9lationat=2;^ealer8 ben ©ieg 
über bie SBüitfd^e u. Hoffnungen ber meiften u. angefe^enflen S3e= 
rootiner be« großen inbuftriöfen SBuppertl^te baoon tragen, fo 
roerben biefe jroar afe treue Sürger u. Untert^anen einer Bon 
ibnen getiebteii Stegierung |id^ einem ^ö^ern 2BiIIen nid^t roieber^ 
'eöen. Aber für biefen ^11 ^aben bie meiften non i^nen fid^ fd^on 
öereinigt, eine i-^erbinbung unter ftd^ jn fd^Iiefeen: 

17' 



262 



biefen ©egenftonb reiflid^ erwogen ^obe unb bei einem 3Bo^tlöb(. 
SRagifhat gegen befagted Unternehmen mit $DarfleSungen, bi( 
@Diben} unb ®ränb(id^Ieit in äSejie^ung auf unfere Sofalität ^ben, 
einmütig eingelommen feien. Xad lut^erifd^e Sonftftorium oereinige 
itd^ gerne mit biefen »emü^ungen unb bitte ©inen SBo^leblen 
Silagifhat angelegentlid^fi, biefed roid^tige anliegen bid }n kn 
^bd^flen unb SffHec^bd^fteii Sanbeäbe^örben mit freimütiger Qp 
erbietung ju beförbem." 



S)er Äird^ennorftanb ber reformirten ©emeine ju @emarfe 
^ttt ei mit innigem Vergnügen bemerft, bafe, fobalb bie Äunbe 
von bec äBiebererridbttmg einetJS Sd^aufpiel^ufed in SIberfelb 
^ie^in erfd^oü, bie allgemeine Stimmung be^ ^ttblifumd, felbft 
fotd^er, bie e^emalä bafür rooren, bagegen lout würbe, unb flimmt 
ganj in bie ®efinnung unb gefe^mä§igen äSorfe^ntngen ber Slber^ 
felber unb Sormer Äaufmannfd^aft, ba« ©d^oufpiel t)on unfern 
in Bieter ^inftd^t tjorjüglid^ gefegneten OrSnjen entfernt ju polten. 

3Bir l^aben e« für unfre ipflid^t gehalten au« politifd^^merfon^ 
tilifd^en unb me^r nod^ au8 religiöfen Orünben unfern ©unft^ 
unb unfere Sitte mit bem SBunfd^ unb ber 93itte ber ^ieftgen 
Jtaufmannfd^aft unb 93ürger bal^in }u vereinigen, bag @e. ^erjogl. 
^urd^I. in (Snaben gerufen noQen, unfrer ®egenb bie ^o^e SBob(' 
t^at JU erroeifen, ba§ ^bd^flbiefelbe bie Srrid^tung einer ©d^au- 
bü^ne in SIberfelb verbiete, ^enn roir glauben, ba§ baburd) 
irreligibfe d^riflinibrige ©runbfä^e ^öuftg verbreitet roerben, ber 
immer l^ö^er fteigenbe Seid^tfinn unb fiuju« beförbert unb genä^ret, 
ber ®efd^madC an ben ernflen 3Ba^r^eiten be« G^riflent^um« ver: 
borben, ba« ^ern für bie Äraft ber evangelifd^en SEßa^r^eiten 
unemvfängtid^ gemad^t, bie gefegnete SBirfung ber SSerfünbigung 
be8 göttL 9Bort« ver^inbert unb fold^en Oeftnnungen äSorfd^ub 
get^an wirb, roeld^e bie S^ronen ivanfenb mad^en, ba« ©taüt8= 
unb S3ürgenvo^l untergraben unb ba* fittl. 3Serberben vermehren 
Reifen. 

SBir jroeifeln nid^t, (Sro. .^erjogl. $Dd^lt. roerben mit 3lüdfid|t 
hierauf unfre Seforgnife geredet erfennen, unb unfre mit ber ^ieftgen 
Äaufmannfd^aft vereinigte Sitte nad^ ^bd^fl ®ero un8 befannten 



263 



unb im Dorigen ^af)t felbft erfahrenen jQuIb uitb (J^naben erhören; 
eifud^en ju bem @nbe bie ^iejtge (obliege Jtaufmannfd^aft biefe 
Sebanfen, SBünfd^e unb Sitte i^rer untert^önigFten ajotReUung mit 
bep ju legen, unb biefelbe an bie Stüer^öd^fle unb ^öd^fle SSe^örbe 
gelangen ju laf^en. 

©entarte, ben 4. m&vi 1806. 

3. 3. Sufci&mann, ^fior; SWatt^. Ärott, '^poftor; 3. «ß. ©teineä^of; 
3. ^. 33o8ininfel, i.; S. SB. ed^ucfyjrb; 3fo^. Slütget Slefc^emacier, 
Äir^meiflet; 3. §. ». $ee8, Äird^meifter; 3. ©. 3Jlatt^aei, ^rooifor;- 
Sß. 6. gjeitt, ^ronifor; 3o^. 3Bert^, «eltefter. 



3iu(i) iai Sonftfiorium ber lut^erifd^en @emeine ju SSJupper- 
felb fHmmt ganj in ba« »orpe^enbe ©efud^ beä Äird^enBorfianbe« 
ber reformirten ®emetne }u ®emarfe, unb überjeugt, ba^ ein 
@(^aufpiel^ud in @(berfelb für bie ^ieftge @egenb, rote bie &= 
fa^Tung leiber fii^on Dormal8 geleitet ^at, bie oerberblid^ften 
^Igen befonberd in Slüdftd^t auf bie SRoralitöt ^t, oetetniget 
mit allen ire^tltc^ unb (i^infKid^ benfenbeit äRenfd^en ^ierburd^ feine 
btingenbe Sitte an 3^ro JQerjogt. SJd^It., bafe $ö(ä^flbiefelbe bie 
Sommtffton }ur Stbauung eined Sd^ufpiel^ufed loieber au^u^eben 
Stru^ moie. 

SBuppetrfelb in 6onjtfbrio, ben 4. SKätj 1806. 

9. Soirtelä, past; ß^rifiion Äairt^auä, Äird^meiflet; ©eorg 

6t)eirt8buf(i^, Äitd^meifiet; ©amuel 9Jlö^ler, ^rotjifor; 

abta^. aSotntjeirf, ^rotjifor; 3fo^. fteinr. ©d^ulte, aeltefier; 

3o^. gJet. Sö^me, ältefter; SBil^elm SBinb^ötjel, ®^olat6)] 

^iebr. 9Jlerten8, ©d&olard^. 



3>a)» (Sonftflorium ber lut^. ©emeine }u 9ßi(i^(ing^ufen ftimnit 
btn ©Tünben ber @emarter unb äßupperfelber gemeinen toegen 
9!i(^terri(^tung eined @^aufpiel^ufe8 ju SIberfelb unb in unferer 
Segenb aud ooEfommenfier Überjeugung von ber ©d^äblid^feit 
beifelben, befonber« in unferer Soge, bei, unb bittet S^e $er§ogI. 
'baifla.ü(i)t untert^änigft um @näbigfte Sluf^ebung ber beiS^alb 



262 

btefen Oeßenfionb retflid^ erroogen f)obe unb bei einem äi>ol)llö6l. 
SRogiflrot gegeit befagte« Untemelinien mit ©arflettuitgen, bie 
(Smbenj unb Orünblid^feit in Sejie^ung auf uiifere Sofolitöt ^ben, 
einmütig eingefommen feien. S?o8 Iutl)erifd^e ßonftflorium oereinige 
ftd^ gerne mit biefeit Semä^ungen unb bitte @ineii 3Bo^IebIen 
SRagifirat angelegentlid^fi, biefe« roid^tige 9lnliegen bii ju ben 
^öd^ften unb aUet^öd^ften Sanbeabeprbeu mit freimütiger &)x= 
erbietung ju beförbem." 



®er Äird^enoorfionb ber reformirten Oemeine ju @emarFe 
l)at e« mit innigem 33ergnügen bemerft, bofe, fobalb bie Runbe 
Don ber aBiebererridbtung einess ©d^aufpiel^aufe« in (SIberfelb 
^ief)in erfd^ott, bie attgemeine Stimmung be8 ^ublifum*, felbft 
folc^er, bie e^emalä bafür roaren, bagegen laut niurbe, unb flimmt 
ganj in bie Oefinnung unb gefegmäfeigen SSotfe^rungen ber @Iber= 
f eiber unb 33armer Äaufmannfd^aft, hai ©d^aufpiel »on unfern 
in Dieler ^inftd^t Borjüglid^ gefegneten Orftnjen entfernt ju galten. 

9Bir ^aben ei für unfre ipflid^t gehalten au8 politifd^-merfon= 
tilifd^en unb me^r nod^ auä religiöfen Orüiiben unfern SBunfd^ 
unb unfere SBitte mit bem SBunfd^ unb ber Sitte ber ^ieftgen 
Äaufmannfd^aft unb SBürger ba^in }u Bereinigen, bafe ©e. ^erjogl. 
©urd^I. in Onaben gerufen rooHen, unfrer Oegenb bie ^o^e 9Bo^I= 
t^at }u erroeifen, bafe <Qöd^flbiefeIbe bie ©rrid^tung einer ©d^u= 
bü^ne in (SIberfelb »erbiete. ®enn roir glauben, bafe baburd^ 
irreligiöfe d^rifiinibrige ®runbfö|e ^oufig verbreitet nierben, ber 
immer ^5^er fieigenbe Seid^tftnn unb Sufu» beförbert unb genä^ret, 
ber Oefd^mad an ben ernften SBalir^eiten be3 ©^riftent^um« ocr^ 
borben, \>ai ^erj für bie Rraft ber eoangelifd^en aBa^r^eitcn 
unempfänglid^ gemacht, bie gefegnete SBirfung ber SSerfünbigung 
be« göttl. SBortä oer^inbert unb fold^en Oefinnungen SSorfd&ub 
get^an wirb, meldte bie S^ronen roanfenb mad^en, baä ©taot8= 
unb SürgertDO^I untergraben unb baä fittl. SSerberben oerme^ren 
Reifen. 

SBir jroeifeln nid^t, ©ro. ^erjogl. ®d^It. roerben mit SRüdEfid&t 
hierauf unfre 33eforgnife geredet erfennen, unb unfre mit ber ^iefigen 
Äaufmannfd^oft Bereinigte Sitte nad^ ^öd^ft Dero uni befannten 



263 



unb im oorigen 3a^r felbfi erfahrenen $ulb uitb (.Knaben erhören; 
eifud^n )u bem Snbe bie ^ieftge (öblid^e 5taufmantifd^aft biefe 
@ebanteii, 9Sänfd^ unb 33itte i^rer untert^iiigften äSorfleÜung mit 
6ep }u legen, unb biefelbe an bie %Qerpd^|le unb ^'t6)^e äSe^drbe 
gelangen }u (äffen. 

®ematte, ben 4. m&xi 1806. 

3. 3. Sufd^mann, ißoflor; 9)latt^. Ärafl, ^^Jaftor; 3. ^. ©teine«^of; 
3. $. aSo«njinfeI, 3.; «. SB. Sd^ud^rb; ^ol). Jlütger ^lefcftemad^er, 
Äin^meifler; 3. §. v. ^e«, Äitd^meiftet; 3. ©. SJlatt^aei, ^rouifot;' 
^. 6. ^in, «ßtoDifor; 30^. iffiert^, »eltefier. 

d. 

3iu(f) bad Sonftflorium ber Iiit^erifd^en ®emeine }u SESupper^ 
felb ftimmt gan} in iai vorfie^enbe @efud^ beS Jlird^enoorflanbee 
ber teformirten Oemeine ju ©emarfe, unb überjeugt, ba^ ein 
@<!^fpiel^ud in (SIberfelb für bie ^ieftge ®egenb, roie bie Sr^ 
fa^rung leibet fd^on oormaU geleitet ^at, bie vetbetblid^ften 
folgen befonberd in diüctfi^it auf bie SRoralität ^t, oeteinigct 
mit allen red^tlic^ unb c^tiftn^i benfenben 9Renf4ien ^ierburd^ feine 
bringenbe Sitte an 3^" ^erjogt. S)d^It., ba^ ^öd^ftbiefelbe bie 
Somniffton }ur (Srbauung eined ©d^aufpielfiaufeS roieber auf}u^eben 
9mx\)m nolle. 

SBupperfelb in 6onftfl«mo, ben 4. 3Jlärj 1806. 

9. Sattels, past; S^riflian jtart^auS, jtird^met|ter; ®eorg 

©oertabufd^, Äitd^meifiet; ©amuel SUJö^Iet, ^rouifor; 

abra^. aSorroerf, ^rooifor; 30^. .©eint, ©d^ulte, »eltefier; 

30^. ^t. Sö^me, ältefier; 2BU^elm SBinb^öoel, ©d^olard^; 

griebr. aKetten«, ©d^olatd^. 



^bai Sonftfbrium bet lut^. @emeine }u 9Bid^Iingf)aufen fHmntt 
ben (Brünben ber Oemorfer unb SBupperfetbet ©emeinen wegen 
52i(^ternd^tung eine« ©d^aufpiel^ufed ju SIberfelb unb in unferer 
Segenb ani oolltommenfler übetjeugung von bet ©d^äblid^feit 
bt«fetben, befonbcte in unferer Sage, bei, unb bittet 3^te ^ei^ogl. 
3:ui(^[aud^t untert^änigfi um ®näbigfte Suf^ebung ber beS^Ib 



264 

gegebenen ßoucefiton, unb jroeifeln uic^t on ber ®uäbi^^ft^§u[b: 
reic^ften ©r^örung untrer untertl^äntgPen Sitte. 

SBic^Iing^oufen, ben 4. 3Jlärj 1806. 

&)x. Subro. ©epb, 'ipaftor; ^ol^. ^et. ^ung, Äird^nieijier; 

6. a. SKo^I, Äirc^meifter; E. X\). 2)e(fer, ättefter; 

^et. 3B. §orat^ Slteftet; 3[of). äbom ©tiefeel, «ßrooifor; 

3o^. ^et. 85bbingf)ou8, «ßroDtfor; '^et. 6afp. Söeftfott, @cf|olari4; 

^peter (gngelb. ©tbdennann, ©c^olard). 



3. 
(£lberfelb, wie es frttl^er juin (El^eater jlan^, 

(«u« ber Jlattonatjettung bet T)«utf(^i«n, 5DJat§eft 1806.) 
^erjogtum SSetg. 

3[n SJÜffelbotf befielet [ett einigen Saluten, burd^ Uiiterjiütimfl 
einer ©efettfc^oft lool^l^abenber 3lfttonöre, ein 3:;^eater. ®a inbefe 
bet Drt nic^t Dolfreic^ genug ijl, um ol^ne beträchtlichen Sui^^ti 
ber äftionäre baä ganje 3a^r f)inburc^ ein jle^cnbeä Später ju 
unterfiatten, fo gtaubte man fid^ baburc^ Reifen ju fönnen, wenn 
bie nämliche ©efettfc^aft einige 3Jlonate be« 3a^reä in bem benai)- 
barten n)of)I^obenbcn gabrifjläbtc^en^) ©tberfelb fpielte, unb ju bem 
@nbe warb in biefem legten Drte bie Einrichtung eineä ©c^aufpiel- 
^aufeä eingetettet. S5ie ßoufleute unb gobrifonten Don ©fberfelb 
finb aber am 23. 3Jlärj gegen bie (grric^tung eineä ©d^aujpiel- 
fioufeä augbrüdlid^ bei ber ^Regierung eingefommen, mit ber angäbe, 
bafe ein Xfieoter in (gtberfelb ben fc^äblic^jten ©influfe auf ben 
®en)erb|lei6 ber Oegenb l^abe, mitfiin für boä Sanb gefäfirtid^ fei, 
bafe e8 baä p^pfifc^e unb iitttidie 3Bof)[ einer nur burc^ Arbeit 
befielienben aSoIfgfloffe untergrobe, bafe e8 eine roo^re moratif(i^e 
^cjl fein würbe. S5ie ©eiftlic^feit in ©fberfelb ifi eben biefer 
9Jleinung, unb man ifl begierig ju felien, roie ber neue Sanbeä^err, 
§erjog Soac^im, biefe ©ac^e entfc^eiben roerbe. 



*) (Sl&etfelb ein Sa6ri(ftabt(^en! 



265 



4. 

21n öie 635 Bürger 311 €Ib«rfelb unb 23armen, ujcld^c 

mit Dorjleüuugcn gegen bie (Erbauung eines Sd^aufpiel« 

fjaufes bei itjrer Hegicrung eingefommen ftnö. 

(@in rin)«(ne« gtbnutted Slatt auä beni Sa^re 1806.) 

6urf Seinül^ungen ftiib ftud^tlo« geroefen, — bie ©d^aubü^ne 
roirb eröffnet! aber lafet baä 6ud^ nid^t fümmern! ®eim roenn eä 
6u^ onberS ein 6rnfi loor mit 6uerm Sieben unb 2;t)un in biefer 
Bafy, fo ^abt 3^r felbft in ©urer eignen aJladjt ba3 9Jlittel, eine 
Unternel^munö ju oereiteln, roeld^e 3|^r für fdjöblid^ ertaunt unb 
erilört ^bt. 2)a8 'äJlittel ift eben fo einfad^ alä unfeljlbor, unb 
bie Slegierung felbfi ^at ©ud^ barauf ^ingeroiefen. 

„68 fie^t ja in eine« jeben äBillfür, baä ©d^aufpiel 
ju befud^en ober nid^t*)''- 

©0 Reifet ti in bem unterm 1. SKärj an ben eiberfelber 
•Bkgijhat erlaffenen SKanbat. Senu|t biefen SBinf! ü&tnn bie 
'53:") Sürger in eiberfelb unb Säormen, bie mit fo patriotifd^em 
6ifer ber (Sinrid^tung eineä 2;^eatcr3 entgegen gearbeitet I)aben, 
il)ren ®runbfä|en u. i^ren früheren ©ntf^lüffen treu bleiben, u. 
^ ebenfo patriotifd^ rereinigen, hai ©d^aufpiel nid^t }u befud^en, 
u. i^re ^uggenoffen u. Untergebenen mit in biefen rü^mlid^en 
Sunb )u jie^en: fo bebarf eä feiner 9Jla§regeln einer l^b^ern 
Sfa^t, um biefen neuen Söerfud^, un8 an bie ©tede jener einfad^en 
u. mo^It^ätigen ^reuben, bie unfere fdf)öne Statur unä barbeut, 
ein gefäbrlid^e^ Vergnügen aufjubringen — , ein eben fo fd^nelleä 
unb üäglid^eS @nbe ftnben j)u laffen, ali ber (e^te 3$erfud^ von 
Süberä unb Sompagnie bei un8 fanb. g^ar fagen bie Seförberer 
beä ©(^ufpiela laut, bafe ^l)x fo riel Äraft nid^t ^aben würbet, 
jenem Sergnügen }u entfagen, ali \f)m entgegen ju arbeiten, ©ie 
beftimmen fd^on bie ©^renbejeigungen, mit benen fte bie abtrünnigen 
Cbfcutanten aufnehmen u. beroillfommnen wollen. Slbcr roerbet 
3^1 il)nen biefen S^riumpf gebenV — Unb werbet 3^r, beren Sage 
u. ®Tunbffi|e ©ud^ ben ®enu§ bei ©d^ufpiels erlauben, unb bie 



Nes^ii^ Stegtttung Befinbtt fu^ nit^t im Stt^ib tu 2>üfftIborf, m30li(^ett»ti{t 
in ftöbttfc^ Xn^ib tu S(6«rftlb. 



266 



Sfl^r nur aui Sorge für frembe« 2öol^l bagefleii ge^atibelt ^bt, 
au6) eben für biefe Slbfid^t ein Vergnügen opfern fönnen, hai 3^r 
nie vermietet, u. beffen @ntfaguitg in ber ^a^xe^eit, n)0 man eö 
iSui) aufbringen roiD, nid^t einmal eine Aufopferung ifi?y 

SBoQt ^^v <Sa6) enblid^ burd^ fo(d^ einen 9Biberfpru(i^ iioifci^en 
fflort u. Xl)at ber boppelten ©efal^r au3fe|en, ton ter einen 
^rtl^ei nerfpottet, oon ber aitbern bemitleibet ober gering gefd^ägt 
ju roerbeii? 9lein! Ql^r fyiU al« SWänner gefprod^en: ^l^r werbet 
eS aud^ jeigen, ba^ Ql^r SWänner im ^anbeln feib! 

©d^Iu^bemerfung. S5ie amtlid^en SSerfügungen in ber 
21^eaterangelegfnl^eit jinb, niie e2 fd^eint, nid^t mel^r tor^anben, 
roeS^Ib fid^ ber fernere Verlauf ber <Sa^e unferer Äenntnife eiit= 
}iel^t; in ben oben mitgeteilten 9ftenflüdEen fprid^t ftd^ aber bie 
bamolige Stimmung be2 SSuppert^alä in feinen bürgerlid^en unb 
fird^Ud^en Jtreifen mit @ntfd^ieben^eit au8. 



267 



XI. 
Der iPoftfäIifd7o Hoformator (ßorl^arb 
0cmifcn über fchio Ccbonsgcfd^id^tc. 

Son •. Sr«fft. 



@inen Überbüd über bai £eben bed genuinen roeftfälifd^en 
Reformator* ^ben mir t)or 24 3al)ren in ben Slufjei^nungen 
SuHinger* über fein ©tubium ju 6mmeri(^ unb Äöln (1516 biä 
1522) etberfelb 1870 — gegeben, unb au^ eine ©teile au« beffen 
autobiogrq){)ifd^r @{i})e feineS £ebene, bie un* aüi 'Slo^od mit^ 
geteilt würbe, t)eröffentlid|t. 3)te Sluffinbung ber Schrift Demifenä 
ielbji erforberte lange« SSJarten, bi« e« enblid^ iin 3al)re 1886 
gelang, au2 3Bo(fenbfitte( bie Sd^rtft }u erEialten, auS ber roir 
«rluxi^beutfd^t bie SSorrebe mitteilen, njorin fi(^ Deraifen in feiner 
trüftigen unb berben Sßeife d^talteriftert. 

3»ei 3a^e fpdter, 1888, goS ^rof. 3ofie« ein au«ffl§rli<i^ea 
9in> ber ^^^tigfeit JDemilenS in @oefl, unb publi}ierte aud^ einen 
Srief be« merfmflrbigen SBiannei an ben 9iat }u ©oefl t)om 
26. 3uli 1532, in feiner ouäfüfirlid^n ©d^rift über ®onieI t)on 
€oefi (^berborn 1888). 

(Kn ooQflänbigeS 9ilb Oemifen« E)inftd^tli(^ feiner 9BirffamIeit 
in anberen ©tobten SBeflfalen», in Sippfiabt, Semgo unb SRinben, 
fourie in ber fpöteren 2eben8jeit }u ®ifff)om, roo er ©uperintenbent 
nar, unb )u ©üftrom in ^edienburg i^ unfree SSiffen« nod^ nic^t 

@in auSfül^riid^r Sebendiauf foO in einer älteren ©(^rift 
entölten fein, nämiid^ in Thomae fumales Gustrovienses, unb 
<üidf in anberen ©d^riften über bie mecftenburgifd^e Äird^ngefd^ic^te 
ift Don il)m tiel bie Siebe, feine Serebfamfeit wirb fel^r gerühmt, 
aJer Äampf blieb if)m bi* jum £e6eu«enbe am 25. 9Rärj 1562. 
Einige nid^t gerabe befonber« günftige 9lad^rid^ten über feine 
Äompfe in ®üfiron) (worüber aud^ ber ©d^Iufe ber unten rait= 



268 



geteilten Söorrebc SInbeutuiigen gibt) i)at Dr. SRaäpe in bcr ein= 
tabung jur ^[ubclfeier beä SOOiä^rigen Scftebcnä ber ©omf^utc 
jn ©üjiroro — ®üfhoto 1853 — oeröffcntlid^t. 

SWan toitb bem fernliaften äöeflfalen ben ß^atattcr eincä gelben 
unb SBorfömpfeta in ber SReformationäjcit nic^t abfpre^cn fbnncn. 

6ine ®{|renjienung nimmt Demifcn au^ ein aU 3)Jitglieb bcr 
Bufammenfunft ju ©d^ntalfttlbcn, roo er 1537 alä Ecclesiae 
Mindensis superiuteudens eiiic ber toid^tigflen S3efenntniafc^riftcu 
ber eoangelif^en Äir^e, bie ©d^malfalbif^en ärtÜel, mitunter' 
jeiii^nete. 3Jeben i^m fle^t ber ©oefter 'ipaftor SriEtnä 5Jort{)amiä, 
ber ebenfaHä toie Demifen ein Seit lang in SBüberi^ bei bem 
reforinatorif^ gefinntcn Pfarrer S3oefl fid^ aufgehalten t)at. 

5Da Demifen feine frühere Qugeubgefd^id^te nid^t mitteilt, fo 
fei noi) golgenbeö ^iujugefügt auä anbereu Jlad^rid^ten, bie wir 
aber iiid^t foutroHieren fönnen. 

„®r ocrlor feinen Söater frü^, bcr juerfi Dffijier, fpäter 
£aubc«geri(^t!J^err mar. Die »ätcrlic^eu ®üter oerbrannten, bie 
^Kutter, toel^e dou 2lbel mar, ^eirat^cte toicber." 

®ine fpötere Jlad^rid^t lautet: Gerhardus Oemiken theologus 
auo tempore summus, Suerino Gustroviam missus, suada sua 
pnidentia atque dexteritate ita populum flexit, ut liceat furias 
spirarent adversarii cucuUati non tarnen impedire valerent, 
quominus Oemichius templi parochialis praepositus primus 
evangelicus crearetur atque ecclesiarum superintendens. 

gür eine grünblid^e SJarflellung ber roefifälifd^en 9ieformation*= 
gcfc^i(^te toärc ein ooUftäubigcä Sebcuäbilb Demüenä roünfc^en8rocrt, 
weites aber eiuflroeileu noä) man^er jjotf^ung bebarf. Sei ben 
heftigen ^^ßorteilämpfen, mit benen bie ©urd^fü^rung ber SRcformotion 
in mand^eu rocflfälifc^cn ©tobten üerbunbcn mar, ift ei ferner, 
Sic^t unb ©d^otteu in bem ©emälbe red^t ju certeilen. $Da6 
bie ©elbftf^ilberung be8 SRcformatorä in bem »orliegenben Äften: 
ftüdl eine in man^er Scjictiung tief ergreifenbe ift, fann nid^t 
geleugnet loerben. 



269 



^his bos »eftfälifdjen Heformators (Serbt ©mcfens 

(geoTÖl^nlid) (5erharb 0emifen genannt) eigener 

(ebensbefd^reibnng '). 

a(§ id^ tu ber {)oi;eii Sd^ule ju 9{oflod, itod^ gar ein junger 
Sefette, etfid^e ^e'xt jtubirt, nnb mau fe^r ^eftig beä treuem Ijeiligen 
3eufleu uub 3Jlanne8 &ottei ®octor 9Kartin fiut^er«, unfer« lieben 
Sateri in G^riflo (öblic^eu unb feligeu ©ebäc^tuiffed, SSQc^er uub 
Sii^riften feineäroeg« ju foufen, ju §aben, no(^ ju lefen, oerbot, 
bot mid^, roie ic^ bomala gemeint, ber SBorroi^, nic^t attein ben 
lutberifcl^eu '^rebiger, roie mon i^n nonnte, $erru 3ooc^im 
Slüter feiigen, ju St. ^ßeter ouf ber SKtjiobt, ju ^ören, fonbern 
aucb bie rerboteneu Sudler }u befommen unb }u lefen gebrungen. 
la nun ber gebod^te 'ilJrebiger, ein gottesfürd^tiger onfric^tiger 
irommcr 9Kanii, ber gerne bem $erru (S^rijlo riete 3)?enfd)en ge» 
iDonnen ^ötte, ali auc^ ®ottIob jnm ^{)eil gefd^ef)eu, bie ®emeinbe 
Sötte*, gouj treulich für mic^ ju bitten, (boc^ mit „beslaten'' 
Sorten) unb ot)n oD mein Sorroijfeii, roie nod) oiele heutige« Xa^ei 
im geben 3«i<9»i6 SJct?" föunten, ernftlic^ oftmolö anget)a(ten unb 
ennabnet, f)ot ber liebe ®ott fic^ meiner erbarmet, einen fleinen 
Siiblid \)ii rounberboren ßic^teä feine« lieben ©o^neä 3[efu E^rifti, 
meincd ^ernt gefc^enft, mai ben olten geinb ni(^t roenig oerbroffen, 
»er fold^eä olfobalb meiner freunblic^en lieben ^Kutter, ©ruberen 
ieiigen ©eböc^tnife, SlutSoerroonbten nnb gonjer (5reunbfc^oft ^ot 

') 3n ber Sorreb« |ii btffeti 6<^rift: &fn (^^riftlifet troft, tect bnb bw: 
nomingt, bt^ b«r 3)iUitf(^(t {(grifft, olbtn fiertrcrn bnb botbr(jf(i(^ft«n ^l^bcn, 
M It^ttn afffi^be« ifalvun bnf«r bottvant^n bt^ büf^nn ^oinnbalt, aUen 
6^riften, boi^ bornc^mltd bem Staaten bnbt Srtnfeficn fittbtfen bon Outtoto, 
ntttclnborgiffcten Stabe, @iffg(|etnen t^o Stauenoio fam^t f. St. {inberen 
Wib frunbtic^o^ ü)0 3)cnfte geft^teuen. 

Xiot^ ®ttbt Omtfen, bon Jtameit 

Xom^aueft t^o iSufito. 

Anno M. D. LI. 

Hiob. 14. 

Z)e ajlinffd^ ^fft ftnc bcftemmebe tl^bt. 

Seneoa Epist. LXXV. 

Non afflioritar sapiens liberorum amiisione, non amicomm. Eodem enim 

aoimo fert illorum mortem, qno tuam spectat. 

(«tb(tot^{ }u %o(fenbütte(.) 



270 



anttoflen, »erfünbigen unb toiffen laffen, benfelbißen batnit ein 
^etjlid^ a:;tauem, Setrübnife unb 3ammet in Unroiffen^eit an= 
gerid^tet unb »ermerft, bafe id^ ba« aRoIod^8=Dpfer feineäroeg« fein 
toollte, nid^t €amntt ober @eibe als fo guter (alse se guder) 
§eimlid^er 33ertröfhing, fonbern ba8 ttw^re Äreuj unfer» einigen 
jpeilanbe« unb §errn ;3«f« ß^rifit burd^ feine ®nabe ju tragen, 
in mir erroogen unb inid^ barin ergeben ^atte, roiH gefd^toetgeu, 
roie mir, al8 einem jungen martinift^en Re^er nad^ meinem fieben 
geflanben unb getrad^tet roorben, roie id^ mit »ielen Briefen, bie 
id^ b\i auf heutigen ^ag bod^ nod^ ^eim(id^ in aller @^re gehalten 
^aben roiQ, genugfam ju befd^einigen roügte, ^abe mein Slnliegen 
unb "ülutif feinem SRenfd^en geoffenbart, fonbetn ®ott allein geflagt, 
mit »ielem ©eufjen burd^ 3(efum E^riflum ^eimgefteHt unb »ors 
getragen unb mit bem Rbniglid^en ^rop^eten ®a»ib ^falm 27 
muffen fitigen: 9Rein 33ater unb meine SRuttet »erlaffen mid^. 

®od^ folgenbä unb unlängft burd^ bie ©ütigfeit Sottet fid^tbar 
getröflet, ^abe id^ ben angefangenen SJer« auffingen, unb mit SJaoib 
»on ^erjen rühmen fönnen: aber ber .^err nimmt mid^ an, ®enn 
©Ott ift treu, fagt ^ßauluä, ber un8 nic^t läfet »erfud^en über unfer 
SJermbgen, fonbern mad^t, bo§ bie SSerfud^ung fo ein ®nbe neunte, 
bafe roir e« lönnen ertragen (1 6or. 10). 

tiefer getreue ®ott ^at mir bamalS in meinem @Ienb unb 
älnfed^tung in ber Jtaiferlid^en @tabt Sübed }roei gottedfürd^tige, 
anfrid^tige, e^rliebenbe, tugenbreid^e, ganj »ermbgenbe Bürger ^er= 
manu unb Sgani Rremer, leibliche Srüber, gnäbiglid^ errocdt 
unb geroiefen, bie mic^ burd^ feine Eingebung unb Befehl, roie er 
jU &iai von £^iebe gefagt: ^ ^ait )u Savpat\) bei @ibon einer 
SBitroe geboten, bafe fie bid^ oerforge. 1 Ä5n. 17., in i^re Se= 
Häufung mit tjreuben jur Verberge roilligltd^ genommen ba^in, roo 
i^r (Sigent^um („wo er egen") tugenbfame liebe ^auafraueu unb 
Äinberd^en an i^rem a:;ifd^ freunblid^ unter^tten, mannigfaltig 
unb reid^Ud^ getrottet, ftc^ meinet @lenbed brüberlid^ angenommen, 
mit »ieler SBo^U^at überfd^üttet, geförbeit unb geholfen, nid^t ocr^ 
ad^tet, mit nur einem jungen ©d^üler 3efu (S^rifti »on bem SBegc 
göttlid^er 2Ba§r^eit ju fragen, ju reben unb ju ^anbeln, benen 
i^relSelo^nutig im §immel geroi^lid^, ber »äterlid^cn 3uf<»Ö« "*t^/ 
nid^t allein beigelegt unb oernu^ret, fonbern ^ier unten auf @rben 
burd^ ben lieblid^en gbttlid^n @egen erfolget unb rotberfal)ren ifl 
unb no4 roeiter unjroeifel^aft begegnen unb roiberfa^ren roirb. 



271 



SU i^ nun gan} brüberlid| oon bort abgeforbert, meinen 
S5f(^teb genommen, mdi meinet (angen je{)r geffttjrlid^n unb bc^ 
fümmerlid^en Steife') loieber in bie ©tobt unb ®xa^<fyx^' Sippe 
anfam, ^be id| bafelbfi @ä^ (^ofttioned) ni^t o^ne geringe ®efa^r, 
mit ben 9R5nd|en unb Pfaffen, oon bcnen bo<^ feinet ^eroor »oQte, 
jum S)idputiren angef(i^(agen, ba8 Xeflameut 3^u S{)ri{li ua^ 
Sebtaud^ ber Eiligen SBittenbergijd^n Rix^e, bedglei^n eine d^rift^ 
li(j^ Aird^enorbnung bet e()tentei(i^n Stabt Soeft, fo im S)tuct 
ausgegangen aui ^rberung, Sitte unb S3efe()I eine« Srfamen, 
oorfid^tigen, loeifen 9iat^, fatnt benen „fo bcneffen au^r itjreii 
erfamen rorftci^tigen m fÜatf) gefleSet" aufgerid^tet, biirci^ @otte8 
@iiabe oerorbnet unb gemad^t. 

Serleilie ^ülfe unb »eiftanb, SJu getreuer §irt 3efu« 6t(rifiu«, 
ba^ fie niieber baju greifen unb hii ani @nbe nnerfd^ro^en bc^ 
üänbiglid^ barin bebarren. älmen. 

^ilf @ott, roie graufam erfdbrect(id^ unb ni5rberlid^ roOtet, 
rafet unb tobet {)ier mit eitlem ()5l[ifd^en treuer unb S)onner unb 
9Ii^n fdbreienb unb fpeienb mit einer unerhörten geroottigen 
^o()ung bie alte @d^(ange gegen mid^ armes fteineS SBOrmd^en 
— i^ räl)me mic^ bod^ ein roeitig im Äreuje meine« lieben .^errn 
3efu G^rijti, wie ber ^eilige %*auln8. 

®od^ mufete id^ in fotd^em 6(enbe, nid^t elenb, trojHod, nid^t 
ungptröfiet, »ou greunben unb Sefannten terlaffen, oon ^emben 
unb Unbefannten anijeiiommen, unoerloffen fein unb bleiben. 'Da 
^t fid^ ®ott abermals oöterlid^ erjeiget uitb beroiefen, mir feinen 
t^ren Slitter, ja SRetter, ^m%m unb liebe Äinber erwedCet unb 
gegeben, bie Stjrbaren unb 6l(renfe|len i5fro"J ""^ 3o^ann ton 
Senbt ®ebrüber, «Erojleu §um Äraffenftein unb Sipperobe, fammt 
ihrer freunblidbeit lieben SJlutter, 9Bittfrouen, bie oon bem {»eiligen 
@eifi in i^rem lootjlbetagten tugeubreid^en, rflltmlid^en Sllter, als 
bie redete J^anna, neben iljrem genannten @o()n, unb berf eibigen 

<) 2>er Suftnt^t Ctmiltn« }u »abtrieb fäat alfo in ben 3eitaM(^nttt 
bkfd Seife. S)a^f(^(inlt(^ t^ Ocmtftn t»on Sfibtric^ au4 aufgtforbnt »orbni, 
ka^in lu fonimen, unb fc^eint btr borttge Kufent^U bn^öltniimä^ig lutr lur) 
atlMfen |u fein. Ci loar bol^r bort auc^ ntc^t fßitax, toie bi(# auc^ richtig 
l»n rmi^en ©«^riftfledtm ongfgebtn wirb. Sitiber berührt Ofmilen in bein 
eMgffl turien 9((ferat bie Ser^ültniffe in Saberic^ unb fBefci nit^t, fonbern 
totifi Mo^ auf bie Sefa^rtn ^n, bentn er ausgefeilt getvtfen fei. 



272 



ehrbaren lieben $au8frau i^ren Xbi)tern ju wahrer ©rfenntnife 
(Sotteä uitb ^efu ^^rifli gnöbiglid^ gefü^ret uiib gebrad^t, toeld^e 
ba« eroige Sebeit ift. (3o^. 17. Äop.) 

^iefe fämmtlid^ ^eit nid^t aQeiii mir freunblid^ äBiQen unb 
SBo^It^at erjeiget, fonbern ftiib attd^ bereit geroefen, roie ei aitiu^: 
neunten („wo ydt antlionemen"), ben Sefennern 3efu ß^ripi unb 
roa^ren lebenbigeu ^eiligen auf @rben bie ^ü^e )u roafd^en, unb 
id^ fonnte bei SSater unb 3)lutter, ja otter meiner grennbfd^ft, 
nid^t e^rlid^r be^er unb reid^Iid^er, lieblid^er erquidfet getröflet 
unb unterhalten roorben fein, ali mir o^ne aQe meine SBürbigfeit 
Oefd^idflid^Ieit nod^ SSerbienft, fonbern blofe attein um be« ^eiligen 
g5ttlid^en äBorteS roiQen, von bem gebadeten trcfftid^en e^rliebenbeit 
aKanne ®otteä, ^ranj von SBenbt fampt feiner ®rfamen Biel- 
tugenbfamen ©otteäfürd^tigen lieben ^auäfrauen, Snna oon Der 
auf iljrer beiben ©rb^aufe Äraffenfiein, eine geraume 3cit gef^eljen 
ift unb roiberfa^ren. 3)er §err rootte boÄ ^ier unb bort in ©naben 
reid^Iid^ erfennen unb gebenfen. 

9ftod^ ein^ mug i^ jum ä3efd^(u^, roieroo^t mir bieg @d^reiben 
unter her §anb }u lang roirb unb oieleä bi« ju feiner 3cit auf= 
fd^ieben mufe, mit J^reue gebenfen unb nid^t -»erfd^roeigen, roie gar 
gnöbiglid^ ber aSmäd^tige eroige @ott, mid^ unb mein ^auS, ba 
id^ von bcr natürlichen Obrigfeit bed löblid^en ^ürflent^umii Süite^ 
bürg ouf bie ^ropftei ®annenberge, berufen unb erforbert 
Cgeeschef) roiirbe, ho id^ berfelbigen Obrigfeit, um beä baju 
get)örigen ^otögerid^teä roiHen, beffen id^, roeil id^ ißrebiger nwr, 
uid^t gebraud^en rooQte, roieberum iintert^änig reltgnirte unb flber^ 
gob, in allen ©noben fe{)r reid^Iid^ getröfiet- ©olomo fogt ©prüd^ro. 2 1 
be3 Äönig»? §erj ift in ber §oub be« §errn, roie bie :^offerböd^e, 
unb ©r neigt e3, rool^i" ®r ™itt- 35erfelbige §err neigete ba* 
§erj bolb bei 3)urd^Iaud^tigen ^od^gebornen gürften unb .^errn, 
hei .^errn ®rnft, fnmmt ©einer fürftlid^en (Snobeii freunblid^en 
lieben Srübern ^errn Otto, unb §errn 'Jranj §erjog ju Sroun^ 
fd^roeig unb Lüneburg, meiner ©näbigen lieben ^errn, aQe ^oci)- 
üjblid^en unb feiigen ©ebäd^tniffe«, }u mir in oHer überfd^roeiig^ 
lid^er @nobe unb ju meinem §oufe, bafe roir im ©lenbe, roie aud^ 
vorhin gehört (b. ^. Bernommen), nid^t elenb fein niüfeten. ■Jla(^= 
bem erftlid^ ber ^od^lbblid^e ©otte^fürd^tige ^ürft, jo eine Äronc 
alter d^riftlid^en gürften auf ®rben (3liemanb hierin etrooS ab= 



273 



gtf^nitten, nod^ feinet güriHid^en 6t)te genommen) ^erjog ®rnfl 
^ä) ntd^t gegen mid^ allein, fonbem gegen aUe ^tebiget hei ^eiligen 
göttlid^en SSorteS, unb gegen alle gotteSfard^tige gelehrte Scanner, 
ni^t als ein gilrji, fonbem roie ein gnäbiget fteunblid^et 33atet 
ttjeiget, beroiefen unb gehalten. 3n ©umma, bafe id^ atlet anbeten 
iDotiten fürjilid^en Xuqtnh (bie ein eigene« fonberlid^e« unb nid^t 
geringe« Sud^ erforbetn rofirbe) feiner fürfllid^en ©naben gefd^roeige, 
ift fein fürjilid^e ©nabe ein SSater aller ©ele^rten, felbfl fe^r ^od^ 
gelehrt geroefen." 

Siad^bem Demifen nod^ mehrere 5ßerfönlid^feiten lobenb genannt, 
mit benen er in SSerbinbung getreten, namentlid^ ben ^erjog 
Slognu« Bon SKedlenburg, fd^Iiefet er: 

ad^ Sh» eble« $Deutfd^Ianb, voai fagfl S)u ju biefer ^Deiner 
bef^roerlid^en 3«*')/ wo wenig ®mfle unb SKogni. S)iefe Bon 
Süneburg unb SKedflenburg jtnb im SWamen unb in ber 2;§at ©rnfle 
unb SfUagni geioefen; ber eioige admäd^tige SSater looHe un« feine 
»enige liebe ^änälein fammt allen, roeld^e neben unb mit ben. 
fdben fein reine« unb tieiltge« SBort erfennen unb befennen, 
gnöbiglid^ ftiflen, befd^ü|eti unb erhalten. SImen. 

2)ie« ^be id^ meinen lieben Srübern, allen 5ßrebtgern gött» 
li^n SBorte« jum Xxo^e vermelbet unb gefe|et, bafe Tte ju biefer 
gefö^lic^en S^i* ^^^^ «erjagen, roeber !lein nod^ TOanfelmttt^ig 
TBtrben, ftd^ Bon i^rem befotjlenen Smte unb göttlicher SBalir^eit ju 
begeben, fonbern gebenfen, ber gütige freunblid^e liebe {)immlifd^e 
Sater icoQe an allen Orten, roie @r bei mir get^an, unb nod^ 
töglid^ l^anbelt, auf bafe roir un« ror ^unfer ©tolj, SWeib' 
^arbt, ^aman unb S^itoptiil nid^t }u Xobe fürd^ten. 

liDatum }u ©uftrot) auf ber ^omprobflei 23. gebr. Anno 1550. 

©erbt Dm!en. 



*) & tooten bie 3<it<n b<S Sntettme, meiere fo tiielen ^tebigem Stt^ 
fo(gun0 6Ta(^ten. 



18 



274 



XII. 

(Er5äl}Iung ^es Socftcr paftors 3ol}annc5 
Znoüerus über fem ieben bis 5um 

ÜRitgeteilt bon II. Ittafit. 



35ie folgetibe rü^retib naive ©rjä^lung beä ©oefler lißaftor« 
^o^anneä^JloIleruäift einer SSortcbe entnommen, welche berjelbe 
einer fleinen Sammlung von äBoc^enprebigten unter bem Xitet: 
„Fatalia non sunt alia, bie unveränberH(^e Providentz unb 'gür- 
fe^ung ©otteS" (@oe^ o^ne ^a^redbejeic^nung in 4.) vorgefe^t \)at. 
©eine @d&i(ffale bei ber franjöftfc^en Dccupation von 1673 u. f. 10. 
erjd^It ber SSerfaffer in feiner treu^erjigen SBeife, 2luc^ feine 9lad^= 
richten über fein ämtaleben in ben Orten Steuftabt unb £ieber= 
Raufen (joai ehemalige @c^>oar}enbergifc^e ®ebiet) ftnb nic^t o^ne 
^utercjfe. über ba8 fiänbc^eu ift ju vergleichen eine 9lac^ri<i^t 
betreffenb hai ®imborn:9teuftäbtifc^e ^Riniftertum von bem }eitlid^en 
©euior beäfelben % 3. fieibenfroft, ^^or ju Jleuftobt, 2)üffel^ 
borf 1806, (nä^er angeführt in meiner äb^anblung: Äritifd^er 
überblid über bie auf bie ®efc^ic^te ber evangelifc^en Jtirc^e im 
©ebiete beä 9lieberr^ein« ftc^ bejie^enbe fiitteratur ber legten 3*^^= 
je^nte in 33anb HI ber t^eologifc^en arbeiten auä bem r^einifdben 
TOtjfenfc^aftlic^en ^rebigerverein von (Soertäbufc^, ©Iberfelb 1877). 

3m 3a^r 1612, ali ber ®raf ©c^roarjenberg fic^ baä fiäubd^en 
noc^ nic^t jugeeignet ^atte, gehörte ii al& ^mt 3>Ieuftabt nod^ in 
ben Äomplej ber aui ber iüIic^=cleoif(|ien ©rbfc^aft ^ammenbeii 
Sänber, tvo benn auc^ bie bamaligen ^rebiger bie Aonfeffton von 
Unna 1612 unterfc^rieben ^aben. 

35en fianbeävergleic^ jroifc^en bem „^oc^fürfllic^en ^aufe ju 
©c^roarjeuberg unb ber vom Äöniglic^ 5preu|ifc^en unb Äurbranben= 
burgijc^en ^aufe ju £e^n tragenben §errfc^aft ©imboru unb Smbt 



275 

Keuftobf ', flebrudt 1730, ijt im oben bejeid&neten «aiib III ©eite 80 
mitgeteilt 

litx SSerfaffer ber Sebendgefd^id^te ^o^anned IRoUtxui, ^aflor 
}u ©oeü bei ber Vlaxxtulxv^t jui $o^e, »ar 1709 63 3a^re alt, 
erfiarb, nenn bie Angabe bei .^leppe, ©efd^id^te ber eoaugelifd^en 
@em«inben ber ©raffd^aft 9Warf, 3ferIo^n 1870, ©eite 443, rid^tig 
ift, im 3a^r 1641, müfete ülfo ju bem ^o^en Älter »on 95 ^[a^ren 
gelangt fein. 

^ie Urfad^ roarum id^ biefe ^rebigt oon ber unoetänberlid^en 
Providenl ®ottea bem I)ru(f übergeben / ^ait iä) eben ntd^t nöt^ig 
bem Slabelgern }u offeitba{)ren / bem geneigten 2efcr aber / roil 
\ät )oId^eö nid^t vorenthalten. 

3d^ ^abe fafl ein gan^ed ^a^r aud fonbren Urfad^en in meinen 
Sod^en^ißrebigten Mera Paracletica tractiret / umb mir felbften 
unb meinen ßu^örern jn jeigen / roie man im ßreufe jur §er^enä= 
%ru^igung gelangen möd^te / über fold^en Meditiren ^obe id^ 
gefunben ben SJerä beä ^oeten: 

Sscpe mihi dubiam traxit sententia mentem 
Curarunt superi terrs an nuUus inesset 
Rector, et incerto fluerent mortalia casu. 
3B«Id&en S^eiffel id^ mit ben ilBorten ©prad^ä 6ap. II roiberlegt: 
illeä fömmt »on ®Dtt / ©lud unb Ungliict / SReid^tljum unb 
irmut^ / fieben unb Xob. Unb roeilen id^ eben um biefe 3fit 1 709. 
btn 10. 3^g Jul. baä 63. ^a^x erreid^et / ^abe id^ an bem 2::age 
fold^ed ©präd^Iein }u erflären vorgenommen. 
(1646. ben 10. Jul. mürbe ic^ aH^ier gebo^ren / mein SSatter 
nxir Tit. ^err Zacbarias Mollerus, Pastor Tbomanus, 
fiorb 1662. ^t. 68. meine 3Rutter ^rau Martha Amelia 
»on SSi^n^agen / eine äbelid^e 6rb = 2;od^ter »om §aufe 
33enborff in ber ®rafffd&afft «Dianfefelbt. florb 1681 .Et. 79. 
beren Sln»cmjanbte aud^ »on 3Jlutterfeitä bie Ferren »on 
©tcube annod^ in bafiger ©rafffd^afft auf i^ren grep^Slbelid^en 
Käufern }ur ©teten / ©rabftätt unb ©d^raplau mo^nen / :c.) 
2[n ben 63. ^a^reu bin id^ »ieleit Fatalitäten unterroürffig 
»orben / ber 9)Mnber=3o^rf gar Ju »ergeffen. 5lur »on ber 3«it 
ba id^ bun^ göttUd^e Proviüen| in ben ©d^ul'©tanbt gefe^et 

18* 



276 



routbe. (58 roar ber 22. %aQ Mart. 1667. al8 id^ faum introduciret/ 
einen gefährlichen Sein=58rud^ erlitten / baran ein ^af)x 30. 3Bod^cn 
auff meinem Slüdeii liegen muffen / unb giengen jtoo ^af)ve I)tn 
e^e id^ oöttig restituiret / meine (Sd^uI=3Irbeit oerfeljen fönte; 3n 
bicfen miserablen 3uftonbe rid^tete \(i) mi(^ auff mit ben ©prüd^lein 
(S^rad^ä: 

atte« fommt oon ©02:2;. 
^Jlnd^te aud^ barüber biefen (Sa|: 
I)e8 groffen @Dtte8 ©d^Iufe fan 5Riemanb roiberfle^en / 
35ann atteä / atte8 mufe nad^ feinem 3Bitten ge^en 
Unb feine Providenfe toirb mid^ im Unglüct fd^tifeen 
äBann id^ i^m ^alte ftiS niirb mit baS 6reii|e nü^en. 
1672. rourbe mir meine 6^e=grau recommendlret / td^ repetirtc 
meinen 35?a^I=(Sprud^: Et Conjugia sunt Fatalia. aJHt ®Dtt / 
guten 9la^t / anbäd^tig Oebet / oorbebäd^tlid^e (S^en roerben aud) 
im ^immel oerfe^en; 3t(^ mad^te barüber biefen ©d^Iufe: 
3fi biefet SSorfd^fag gut / im §immel mir rerfe^en 
SBottan / fo roirb e« aud^ glüctlid^ oon fiatten ge^en / 
I)ann atteä fommt oon @Dtt / unb aud^ ein Iiebe8 SBeib 
D ®Dtt gib bafe fte mir unb id^ i^r treue bleib. 
Äaum Ratten roit ben 5. ajlai unfere §od^jeit gefet)ert / ba 
id^ mit fel)r fd^roerer ®inquartirung / mel)r al8 anbere §errn 
(Sd^uI=Collegen / balb mit 12 gufe=Äned^ten / balb mit 5 9leutem/ 
balb mit 6 ©olbaten belöfliget rourbe; 3ld^ erinnerte mid^ meiucä 
©prüd^Iein«: Fato resistere durum. 

'Bai ©Ott roil ba8 gefd^id^t / 
(Sebutt unb murre nid^t. 
liefen erflen (S^e=2Be^en folgete 1673. auff bem guffe nad^ 
bie erfle ^anftöfifd^e Unruhe / unter bem General de Turenne. 
®ä visitirte mid^ bti) fpöt^er 5Rad^t ein Hauptmann mit 7 $ßferben 
unb Wienern / flopffte an Holla Monsieur de bout, de bout, id^ 
antroortete: 2ltt^ie roo^net ein befreiter (Sd^uI=Collega. ®r rtcff 
I)att Ouvre la porte, tous atte8 für be gran|emannn. 3d^ faffctc 
ein §er^ unb mad^te eä roie Lupus Sifd^off ju Trecis in grand^ 
reid^ / aU Attila ber §unnen Äönig nad^ erl)altener ©d^Iad^t mit 
ben ßataloniern im SInjuge roar bie übrigen ©täbte in j^andca 
}u ruiniren / gieng t^m Lupus mit ber Clerisei entgegen / unb 
fragte 2Ber biflti? Attila antroortete: 3[d^ bin ©otteä ®eiffet. 



277 



Lnpus fagte: Sifl bu ®otteS ©eiffel / loer tan bir loiber^e^eii / 
fei und »iSfoininen bu (Setj^el @otte8 / unb fä^rete i^n )ur @tabt 
f)inein. 3d^ nain aud^ meinen Capitain unb fü^rete i^n in meinem 
^ufe / feuff^te aber ^eT|Iid^: 
jtommt biefer ^an|eman von @Dtt )u mir herein 
@o foQ er ali mein ®aft mir aud^ toiDfornmen fein / 
3e^rt er mein örötgen auff unb id^ fott junger leiben / 
(&i folgt ein anbre 3<it / ber ^an^mau loirb ido^I fd^eiben. 
9e9 biefer S)rangfal fanb ftdb balb ein anber Sreu|e / nemlid^ 
bie fd^Toere ^aupt-Jtrand^eit baran id^ unb meine ^rau 13 ooQe 
9Bo(^ laborirlen; Sud^ meine brep älteflen Sräbere / benen id^ 
mit groffen Sd^ben / fo menig ali itS) aud^ ^atte / assistiren 
mufie / »erflurben. 

3Bie mid^ ein n>enig loieber gefe^et ^atte / folgete bie anbere 
'^an|öfifd^e Pressor unter bem General de Calvo, biefer mad^te 
mit mir hai ®arau^ / me^ete mir mein wenig äSrobt^Aorn ab 
e^e ei jeitig jur ^utterep / belegte mein geringe^ ^au^ mit brep 
GapitainS: 'Beld^en id^ nid^t aOein @{fen unb Grinden oerfd^affen / 
fonbern aud^ meine Sette röumen unb ouff bem Stro^ meine 
Su^e nehmen / unb umb ben britten ^ag 30 Stüber contribuiren 
mufte / ber äSürgerep jum beflen / auc^ enblic^ von biefen Gin: 
quartierten am fieibe befd^äbigt rourbe: 35aburd^ in einem fold^en 
Stanbe gefegt / ba^ mir nid^t meiter trauete beim Sd^uI^äBefen 
aus meinen gemad^ten Sd^ulben ju micfeln / unb anfieng ju jagen; 
firmelte o^nvermut^lid^ nad^ göttlid^er Providen^ einen Seruff jtir 
StabtS^^rebiger Stelle in 9teu|iabt 1681. unb wie id^ vom ^iefigen 
Ministerio ben 1 . SRop ordiniret / no^m id^ mit folgenben Seuff^er 
meinen Sbfd^ieb: 
D ®Dtt / D frommer ®Dtt / D ®Dtt oon groffen ®aben / 
flad^ fd^roerer Äriege8-Safl / roiltu mid^ roieber laben / 
SSie bu loilt mil id^ auc^ / nur biefed mir verle^^ 
S)ofe ic& in biefem 3mpt / bir treu=gefällig fep. 
3n bem fed^flen 3[o^r meine« ^rebig^Smpt« / roor bafe funff= 
;e^nbe 3a^r / unferer ungefegneten ®^e / erfreuete unä ber ^öd^fte 
CiiCtt nad^ feiner Provideol mit einem boppelten S^e^ Seegen / 
€obn unb 3^od^ter. 

^«9 fot^aner gefegneten @^e ^at mand^er ®Dtt }u bandEen / 
bann Jtinber ftnb ein liebeS @efd^endEe beS älller^öd^flen. 



278 



HRand^er aber / toctd^cr an feinen Äinbern 2;rübfat erlebet 
groffe Urfad^e bie SBorte ©^rifii ju bebenden bamit er bie tTaurige 
HRütter anrebete / roetd^e i^m ju feiner Qxeup'^dfyct baä ®eleite 
gaben mit 2;^ränen: Sßeinet nid^t über mid^ / fonbem über euc^ 
unb über eure unglüdflid^e Ainber. 

S^re^je^en Sfa^re giengen ^in / ba^ id^ in ^leuftabt unb Siber= 
Raufen bie ^rebiger^SteOe nad^ aQem S^ermögen nid^t o^ne ^ü{)e 
unb Sefd^TOerben bebiente / in Setrad^tung / }n)omal)l bie gre^tid^e 
anfiedfenbe ©eud^e ber rotten SRu^r erleben muffen; Unb nad^bem 
id^ aud^ meine Decimas bem l)5d^ffen ®Dtt mit bem Äbflerbeti 
jTOe^er ©ö^nlein / auffgeopffert ^atte /' erhielte id^ einen 3lbruff 
ju biefer meiner je^igen Pastorat3=©telIe 1692. ben 13. Octobr. 
unb roeilen ti ^eiffet dulce natale solum, na^m id^ meinen 9[bfd^ieb 
mit fotgenber 3ufttge: 

58on ©otteä Providen^ ifi biefe« fo cer^änget 
Dbä gteid^ batb ^ie / batb ba / mit Untufl roirb oermenget / 
3id^ tret mit meinem ®Dtt getrofl bie Steife an 
35ancfe Sleuftabter 6rb / xoai fie an mir get^an. 
3id^ rocrbe nimmermehr bie SlBo^lt^aten oergeffen 
35ie mir bei) biefem Smpt ooHfömmlid^ jugemejfen / 
ÜJiit meinem $erten8=2Bunfd^ / o^n allen $eud^et:©d^ein 
2Bit id^ mein Sebenlang / Sleuftäbtern gönftig fe^n. 
Xen 1. Advent t{)ät id^ aO^ier im Stammen ©Dtted meinen 
Eintritt / unb ^abe id^ bi^ ^ie^in aud Suftbarfeit feine Set^Stunbe / 
gefd^roeige einen oöttigen ®otte«='Dienft oerabfäumet / fonbem fo 
tool mein oorigeä ®d^ut= ate ^rebig^ämt in bie 43. ^a\)X nid^t/ 
toie offt gefd^id^t / mit frembber ^anblung ärgerlid^ fonbem alg 
ein red^tfd^affener ^rebiger e^rlid^ gefü^rct / fo wie id^ ti an jenem 
Xaqe für bem ängertd^te be8 6r^=§irten8 ©^rifli 3<gfu rool werbe 
oerantroorten. SBegen be* legten Jßanb=fünbigen Kaufes ©reu^ed 
aber ^abe mein fo fauer erroorbene« unb oon ®Dtt befd^ertea jeit^ 
lid^e* @ut ad 3000 Sh^lr. nid^t allein / fonbern aud^ meinen 
gefunben ÜJiut^ oerlo^ren unb eingebüffet; 2Ber mit 3Jlunb unb 
lieber baju contribuiret / roirb e8 für ®Dtt ju cerantroorten 
^aben. ÜJieinen franden ÜJiutl) ein wenig ju erfrifd^en / ^abe biefe 
^rebigt de Providentia jufammen gefe^et / unb für mid^ jum 
®rud beforbert. 



279 



6oIIte Calumnia neld^e aQ^ier be^ ®eifi: unb SSBettlic^en tool 
befanbt biefe meine Simplicit&t an^aud^en / beanttoorte iä) oS.e& 
mit biefen ©(^lu^: 
äkrmefyne Klägerin ^It ein mit beinen tickten 
Unb ftnne nur barauff / nxtS lieblid^erS )u tickten/ 
^ä) tebe not Dergnflgt / bag biefed mir fe^r nä|t/ 
Unb @otteiS Providen^ mid^ big^ct ^t befd^fi|t. 

Soefl / 1709. ben 26. Novembr. 

JOHANNES MOLLERUS, 
Pastor. 



280 



XIII. 

(ginige Cebensumftänbe von 3. C ^enfc 
5U Duisburg, ron lE^m felbft rerfa^t 

a)tits(tei(t bon tt, ihrnfft. 



®et Sßerfaffet bet folgenben Seben8umftänbe ifl bet befannte, 
nod^ ie|t m(i^toetgeffene^aftot§enfe ju^uiäbutg'), geboten 1701, 
geftorben ju S)ui8butg 1780, Seine Sufjeid^nungen reid^en blofe 
bi« jum S3eginn feine« ®ui8butget ämteä, alfo bi8 etroa 1730. 
Sie jinb aber im ^o^en ©tabe bele^tenb für ben 6f)araftet beä 
äJianne« unb erinnern an bie S3efenntniffe be8 ftitd^enoaterg 
SlugujHn. 

SBir fügen nod^ folgenbe S3emetfungen ^inju. ^nnetlid^ gereift 
unb auägetüjlet mit afabemifd^er S3tlbung, bie §enfe in ber älütc= 
jeit ber Unioerjität ju §alle namentlid^ unter bem auagejeid^netcu 
^Profeffor Slnton erhalten ^atte, trat er fein fd^roierige« SImt in 
■Duisburg an, roeld^e« er 43 Sa^re unter mand^en Äömpfen unb 
®ntbe^rungen, aber al8 ein d^rifllid^er ©laubeng^elb oerroaltet ^at. 
Sn eine innige greunbfd^aft trat er mit bem berühmten SIerfteegen, 
ber in ber Stad^barfd^aft ju 3Rülf)eim an ber $Ru^r lebte, foroic 
mit anberen begabten SWdnnem, wie j. 8. bem $Reftor $afencamp 
JU Duisburg unb befonber« mit SWatt^ioS ^oriffen, einem 
Sßetter SIerfieegenS, au8 SBefel. Derfelbe, 18 ^o^re jünger tnic 
$enfe, fd^aute ju bemfelben olS feinem geifllid^en 33oter hinauf unb 
blieb mit i^m in 3Jerbinbung, als er genötigt rourbe, SBefel ju 
oerlaffen unb in $ollonb ein neues 33oterlanb ju fuc^en. 

Do roir unferm ^oriffen bie ®rf)altung ber SebenSffijje §entcä 
in einer oon i^m gefertigten Slbfd^rift, bie unferm 2lbbrudt ju 

>) gu ögt- >>'< Subetfd^rift: Äutjflefofete (Sefd^ic^te bet Mn 3. E. §«nle 
fleflifteten Itetntten ebongetifc^tn (Semeinbe ju 3)ui86urg, 1827. 5^n«t ein Heiner 
Xrattat: Xnefboten auS ber £eben8ge[(^i(i^te beS (SKaubenSmanned 3. & ^enle, 
weilanb $aftor ju ^Duisburg. 



281 



@runbe Hegt, uerbanfen, fo erlnnetn ntr an folgenbe von uniS 
f^n me^rfa^ (namentltd^ im 4. t3anbe bet t^eolog. älrbeiten, 
itamiqtQtim uon SuertSbufd^) unb anberSno mitgeteilte Verfolgung 
3oriffen8, roeld^e butd^ ben preufetfd^en StegimentS^Äommonbeur 
Jtti^erm oon ®aubi in SBefel üeronlofet rourbe. %tx fie^tere, 
ein in milit&rifd^er ^inftd^t aud^ aliS @d^Tiftfie(ler auSgejeid^netet 
Wann, ^tte al8 Soltairianet Anteil on einer in SBefel erfd^ienenen 
Spottfd^rift gegen bad S^riftentum. ^o^ffe"' obgleid^ einftioeilen 
nur ein Äonbibat hei ^rebigtamteä, prebigte im 3cugeneifer 1768 
in bet Slat^enofird^e bagegen aber ©präd^io. @aIomo8 3, 34: 
„©Ott wirb ber ©pöttet fpotten." ®aubi forberte üom SBefeler 
SRagifirat, ba^ bem Aanbibaten bie Jtanjet »erboten unb ba^ 
berfelbe gefrraft werbe, roibrigenfoH» er jtd^ felbfi ©atiäfaftion 
nehmen roerbe. 35er SKagijttot, in Ängil gefegt burd^ ben Dffijier, 
beffeu rüdtftc^tSlofe 6nergie befannt mar, nanbte ftd^ an bie preugifc^e 
3legierung in ßleüe, meldte ober baä Verbot aufredet erhielt. Sluf 
ben 3iat feiner greunbe, unb unter üoUftänbiger SiHigung feiner 
^anblung^roeife aud^ feiten» beä ^|ior $enfe, oerliefe 3fotiffen 
^reu^n, erhielt in ^odanb eine bebeutenbe Stellung als ^rebiger, 
unb ift feine ^lud^t nad^ ^oQanb bie Verantaffung geroorben, ba^ 
,^oriffen feine ^falmenbearbeitung im ^a^r 1798 oeröffentlid^te, 
rotld^e bei und nod^ fonntäglid^ bei bem @ottedbienft unb tögtid^ 
in bet ^udlid^en Übung gebraud^t nnrb. SSir ^ben anberSmo 
öiefe ©ad^e roeitlöufig nad^ ben SCften gefd^ilbett. 

5)ie beiben Äird^eu^iflorifer 9Jl. ®5bel unb grei^eu üon 
bet ®ol^ ^ben in ibten SBetfen ben ^aflot ^enfe als einen 
bebcutenben ^tebiget unfteä i'anbeä im 18. 3[a^t^unbert gefd^ilbert. 
Unfete ^iet mitjnteilenbe ©fijje blieb i^nen unbefannt unb roütbe 
ihnen ^eube gemad^t ^aben, nenn fte ju i^tet Jlenntnid gelangt 
nxtre. Sgl. ®5bel, im btitten nad^ feinem Xoht etfd^ienenen S3anbe 
ber @efd^id^te beä d^tiftlid^en fiebenä in bet t^einif(^:roeftfälifd^en 
eoangelifd^en Äitd^e (1860), unb oon bet ®ol5: ^omaä 9Bijen= 
mann, bet^etinb j^ebtid^ .'oeintid^ ^ofobi'8. 2 Sänbe, ®ot^a 1859. 
Son bet ®ol5 ^at aud^ in feinem ttefflid^en Sluffa^: „6in j^teunbe8= 
hei« unb fein Setfe^t am 9l^ein im ^a^te 1774" im 3fa^tbud^ 
Uä r^einifd^^roeftfölifd^en ©d^tiftenoeteinä »on 9Jlei)eting^, III. 3a^t= 
gang, bie aud^ oou anbeten Sitterat^iftotifetn befptod^ene 3ufa»nnten= 
fünft oon Stilling, 3facobi, ^afencamp unb ®öt^e }u 



282 



(giberfelb auSfü^tltd^ befd^rieben, fotoie auti^ in ber Sonnet 3Konat8= 
fd^rift, herausgegeben oon Ätafft iinb Oöbel (1853 unb 54), mand^ 
roettDotte Setträge, inäbefonbete für bie ©efd^i^te ©Iberfelb« gegeben. 

ai8 ©d^riftfteaet ^at igenfe, ber Tic^ batauf befd^tänfte, bie 
©rünbung feinet ©emeinbe ju fötbetn unb feine 5pfltd^ten als, 
i^t etftet Jgitte ju etfütten, roenig l)etau»gegeben. Un8 ifl nut eine 
fleine, nad^ bem 2;obe ^enfe'ä etfd^ienene ©d^rift befannt, tootin 
et ba8 ©efptäd^ mit einem jungen ^irtenmäbd^en etjö^It, bie et 
auf einet feinet ßoHeftenteifen (1743) fennen geletnt })atte, unb 
bie eine d^tiftlid^e ®rfen»tni8 funb gab, roie fie bamalä in bet 
3eit be« auffommenben StationaliMu« Bieten gelebtten S^eologen 
entfd^rounben war'). 

au8 ben ferneren mertoütbigen ®tlebnijfen be8 Spanne« möge 
nod^ folgenbe SInefbote ^iet i^te ©teUe finben. 

„3m fiebeniäf)tigen Ätiege kg eine getaume 3cit in 3)ui«butg 
ein 9legiment gteibeutet, beffen SKannfd^aft fid^ butd^ fd^Ied^te Sluf- 
fü^tung unb SJti^^anblung bet Säeroo^net fe^t aui^eid^nete. Untet 
anbetn xoax untet benfelben ein febt uettud^tet, baumfiütfet Äerl, 
bet fajl jeben SKotgen auf bem SJlatfte in bet 3läbe Bon §en!e'S 
SBol^nung abfd^euli^ fpeftafelte, flud^te, lätmte, mit feinem S&bel 
Äteujbiebe in bie Suft mad^te, unb fid^ roie bcfpetat gebetbete, fo 
ba§ jebetmann Bot ibm flol^e. 

Jßenfe b^tte biefeS fd^on einige SKale mit angehört, al8 et 
innetlidb, baoon tief etgtiffen, fidb gebtungen füblte, bem SSöfenrid^t 
bad ^anbnetf }u legen. 

®ine8 SKotgenS, al8 bet ÄetI roiebet ted^t am Robert mar, 
fotbert $enfe Bon feinet jjtau SRod, $ut unb ©todf. SHe gute 
grau bemetft feine Slbfid^t, fud^t ibn Bon feinem Sot^aben ab' 
jubtingen, wai aber Betgeblid^ roat. 3tad^bem et fid^ angefleibet, 
roenbet et fi^ ootbet nod^ inbtünfüg §u ®ott, unb gebt nun binau« 
unb auf ben roütenben ÄetI loS. 3)iefet bemetft Bot ^ud^en unb 
Sätmen ben auf i^n anfommenben ^aftot nid^t. ^enfe !lopft i^m 
mit feinem ©todf auf bie ©d^ultet, unb tuft ibm mit ftotfet ©timme 
ju: „3d^ gebiete S)it im Flamen Qefu ©btijH, ba§ S)u S)ein ©d^roert 

>) Xitt %\ttl tautet: (SinfSltigee ®ef^&4 iti SBel^tanb <S»(mq. $rAiger8 
3o^. S^riji. ^ente mit einem ^irtenm&b^en — )um Xtui befötbert t>on 
einem ffinberfreunb. Slettmann U\f 3. XB. aROOer, Suc^Hnbet 1781. (16 GeUen 
in nein 8"). 



283 



in bie ©d^dbe fterfefi unb ru^ig bift." 3)er Äerl etfd^raf über 
biefe i^m unerwartete erfd^einung; fafete ftd^ aber atigenbltcflid^ 
unb rief in feiner 5But: „ffio8 roittft 35u X . . . . ^faff?" 
^enfe, o^ne ftd^ baburd^ abfd^reden )u faffen, nrieber^olt bie vorigen 
SBorte mit bemfelben Slad^brudt. ®er Äerl fängt nun an ju jittern 
unb »erlegen )u fragen: SBaiJ fott id^ t^un, ^err ^ftor? 2Hit mir 
ge^en, war bie antroort. $enfe fü^rt i^n in fein .^au8, nimmt 
il»n mit auf fein 3»"""^, fällt mit i^m auf bie Äniee, unb betet 
fo inbränftig um bie Säefebrung biefe§ armen 3Renfd^en, ba^ er 
immer fiärfer ergriffen roarb, unb nun fafl in 3^ränen jcrftofe. 
AuT) er rourbe aud einem Xiger ein fiamm. ipenfe lourbe fein 
befonberer (^r^unb unb faufte i^m nad^^er feinen Sbfd^ieb." 

Il^nlid^e 9lad^rid^ten ftnb aber ipente in einem ^oQänbifd^en 
Stanuftript enti^alten, benn nad^ ipoüanb ^atte ipenfe einft eine 
AoQeftenreife gemad^t, 100 er in eine tobeSgefä^rlid^e Jlrant^eit 
oerftel unb liebeooQ verpflegt mürbe. 

SBir bemerfen no^, bafe in ber ^dt hei 7 jährigen Äriege« 
gerabe aud^ am 9Hebeu^ein eine gro^e Säegeiflerung für ^eu^en 
unb bejfen ipelbenfönig ^errfd^te. Sil« ber ^rofeffor ber 9Rebijin 
gu Duisburg, ber befannte Seibenfrofl, von einem frangöftfd^en 
Äommanbanten mit bem 3;obe bebro^t routbe, erioiberte fieibenfrofl: 
Je suis trop ctaretien poar craindre la mort, je suis trop philo- 
sopbe pour craindre la mani^re de la mort, et je suis trop 
prussien pour craindre les menacea. ^ie Xobedbro^ung rourbe 
nid^t au«gefü^rt. infolge be8 ipubertäburger ^eben« im 3a^r 1763 
ri^tete fieibenfroft al8 STOitglieb ber Berliner afabemie ber 2Biffen= 
fc^aften ein ^ebendlieb an @e. Jlöniglid^e SRajeftät von ^reu^en, 
ber Beginn beSfelben Siebet lautet: 

^olbfeliger Beruf ju meinem Siebe 

3)u mad^fl ben müben Slbler nrieber jung k. 

^t>nUd^ mie fieibettfroft benahm ftd^ }u jener 3^it aud^ ber 
berühmte fiieberbid^ter 3;erfleegen ju SWüI^eim an ber Stu^r. 2ll8 
berfelbe einft burd^ ben 5BaIb bei 3)ui8burg ritt, roo aud^ bie 
Atfdber'fd^n ©d^aaren atte« in ©d^redten festen, rourbe i^m jugerufen: 
^It in 2leufeld 3tomen. 2lerfteegen antwortete gan§ gelaffen; „35er 
2;eufel ^at mir nid^t« )u befehlen", unb bie ro^en Ärieger 
lie^ i^n unge^inbert weiter reiten. 



284 



aSir bemetfen nod^, ba| bie fotgenben aufjeld^nungen, nrie 
eä bama[8 »tetfad^ bei Oetel^rtett nod^ ©itte mar, teilToeife in 
gtied^ifd^er unb tateinifd^er ©prad^e gefd^rieben ftnb. SBir geben 
biefe ©teilen in einer überfeftung. 

(Einige Cebensumjlänbe oon 3. £. fjenfe. 

anno 1701, ben 12. äuguft, tarn id^ in biefe aBett, ein ©rbe 
bet ©ünbe, »on Statur ein Äinb beä 3otne8. 

SKeine eitern, Oeorg aSil^elm ^enfe, ^fior bet et)ongc= 
Ufd^en Oemeinbe im SJorf S5reoenacf bei aSefel (ein ©o^n von 
$eter ^enfe, ber über 60 ^a\)rt ^aftor in Oeneläberg in ber 
Oraffd^aft 9Jlarf war), unb meine 9Jhitter ß^rijline Oertraub 
9Jletmann, S^od^ter oon S^l^omaä 9Jletmann, 5ßaftor in ©renenadf, 
eröffneten mir am 18. Sluguft, inbem fte meine ©rbfünbe befannten, 
ben aSeg ber ^Reinigung burd^ bie S^aufe, in roetd^er meine ^t^en 
roaren bie^ajioren au8 ber Jlad^barfd^ft 3lo^. 6^riflop^ ©d^eibter 
ju ^ün^e unb ^o^. SBalb }u ©alen; ed würben aud^ eingelaben 
mein Dl^eim ©^riftop^ ©^riftian §enfe, ^aftor ju Oeüetaberg, 
unb bie ®attin bed fianbmanned ©d^üring, meldte mir ben Flamen 
3[o^anne8 ©^rifiopl^ gaben; unb erwarte id^ oon Seiner Onabc, 
$err unb Urheber meineä 2eben8, ewiger unb mitleibigfter ©ott, 
ba| id^ biefen Slamen nid^t unroürbig führen möge. aSerme^re 
3)einem unroürbigen Äned^t S)eine ®nabe, bafe id^ ein So^annea fei, 
ber in roürbiger SBeife in ben gu§ftopfen jeneä 3fo^anne8 beä 
S^äuferä roanble, barin, ba| id^ ein brennenbea Sid^t fei, ber cor 
Aufgang ber ©onne ben in ^nfterniä SBanbelnben ba« Stetige 
barreid^t, unb jenes 3lo^anne8, roeld^er ber liebe Sufenfrcunb 
unb ber uom ^errn (Beliebte genannt niirb. 

@ro^e8 erbitte id^ mir, aber Su ^afi mid^ aud^ }u gro§en 
fingen berufen, burd^ bie ^immtifd^e SSerufuitg, burd^ wetd^e Su 
geroürbigt ^aft meinem (Seifie bie SSerad^tuitg ber S5inge biefer 3cit 
unb bie ©e^nfud^t nad^ S5einem 3teid^e einju^aud^en. ^6) erbitte 
mir ba^er nad^ 3)eiiiem SBitten jroar nid^t baä SJorretl^t ©einer 
$ eiligen, bejfen id^ fel)r unroürbig bin, fonbern bafe id^ ein roürbiger 
Jlod^al^mer jeneä SSorläuferä (S[o^anne8) in ber Demut unb ienc«. 
©d^ülerä (3[o^anne8 beä apofiel«) in ber Siebe jum fiobe ©einer 
:8arm^erjigfeit roerbe. 



285 



Unb bamit id^ ccud) etfäQe meinen 3tamtn als eines S^rifi: 
tröget« ((S!)riflop^oru8), fo fpred^e iä) mit bem ^eiligen SWdrtprer 
3gnatiuS, ba^ \^ S^rifium im ^etjen tragen foQ, ber meine 
Sünbe mit i^rein SInfHfter gefreujigt ^at unb aSen teuflif(|en 
Irrtum unb oUe Säod^eit nad^ Seinem Urteil unter bie ^üge 
berer tritt, bie 3^n im §erjen tragen: ^a au^ in bem ©inne 
möchte US) &)xi^op^ ^ei^en, na(| n^elcdem DrigeneS ben Spoftel 
$auluS einen S^riflop^orud nennt, ba^ nämlic^ in jeber ^rebigt 
S^fhtS oerlänbigt werbe. 



als Änabe bra(|te id) meine 3ugenb nad^ ber SBeif e biefer SBelt 
}u, aber id^ fd^ulbe ^r, ^immlifd^er SSater, ben größten ^anl, ber 
^u mid^ fo freunbUd^ oerforgteft, ba^ mein irbifd^er äSater mid^ im 
3a^re 1 709 nad^ 5Befel fanbte, too id^ unter fe^r treuen ^auäletirem 
(n>öl>renb ber SlmtSroirffamleit ber SBefel'fd^en ^fioren SRaunert 
unb Glermont), nämlid^ ©öring, ©ibenbar (0 unb §a^n mit 
ben SUtfangSgrünben ber lateinifd^en Sprad^e ^id^ mit }arter Siebe 
onjubeten lernte. S)ein 3lame fei gepriefen in ©TOigleit, bafe 3)u 
mid^ oon ^ug^nb an unb bis ju ben folgenben 2idl)ten gele^ret ^aft, 
bo id^ im 3a^r 1712 nad^ ^erbebe (roo bamalS mein D^eim 3iO^. 
•öeinr. ^enfc ^aflor roar) unb im ^a^re 1713 nad^ Sd^ermbedf lam 
unter ber ^Information oon Ullanb, unb nad^ bem £obe meines 
SoterS, weld^er in trauriger SBeife 1717 ben 6. 2lpril, aber nid^t 
o^ne @otteS Seitung erfolgte. 

6r ift nömlid^ in ber Sippe bei ber Srubenburgifd^en SWü^le 
erttunfeu, roie i^m präciS 8 Xaqt oorlier in einem ängftlid^en 
Traume oorgefteHt n>orben. 

3n)ei 2^e vor feinem ISnbe lie^ er mid^ baS SäelenntniS 
t^un mit ber grage, ob ii bem ^errn ^^n roollte nad^folgen in 
ber Se^e unb Seben, unb ba id^ i^m, nad^bem id^ i^m bie redete 
^onb gegeben, mit grünen geantwortet, lonfirmierte er mid^, unb 
id^ ging mit 93ater unb 9nutter unb beiben älteften Sd^tseftem 
^im erftenmal }um £ifd^ beS ^erm am Sonntag Duaftmobogeniti, 
barauf beS ^enStogS ber obenenoälinte traurige %aBi ftd^ }utrug. 

anno 1717 rourbe id^ nad^ 8oeft unb in bemfelben 3a^re 
naä^ 3ferlo^n gefd^icft jur j^ottfe^ung meiner ©tubien. SBie oft 
nmibe id^ bort burd^ böfe 93eifpiele jur (Sitelleit ber äBelt unb ju 



Sugenbfünben »eranlafet, ja no(i^ öfter befonber« gereigt burd^ bett 
Xvxih, »oreilig atte8 ju fe^en unb atte möglid^en Süci^er o^ne 
Unterschieb ju lefen, Ui ©eine geheime ßüci^tigung, o ^err, meinen 
(Seift JU befferen fingen jurücErief. 

ÜJiein feiiger 3Sater ^tte ben Xoq vor feinem ®nbe mit bem 
^aftor }u ®a^[en, ^errn ©criBer, ben 3lbfpru(i^ genommen, in 
Sompagnie mit mir na^ ©oeft ju reifen, roe^e« et bann ollein 
auf fit^ na^m. 3)er feiige 3). SRumpäuä beroie« mir aCe Siebe 
unb i^ rourbe in Tertia gefegt. SBeil id^ aber in Sferlol^n ein 
freiem $o8pitium friegte, jog ii) ba^in unb ftubierte unter §orfl= 
mann 2 ^a^re unb 1 3a^r unter ^orf. Se^terer mar ein 
SRoftoier unb 3lntagonift ber fogenannten petiflen. 

30^ merfte auii), bafe er feine roa^re gurci^t ®otteä befafe, 
unb bat ®ott bemütig, ^i) meiner anjune^men, unb bo fügte ei 
bie gütige 3Sorfe^ung, ba^ xä) }um Informator begehrt rourbe ber 
beiben jüngeren ©b^ne be8 ^erm SJiajor §artmann auf SBittenberg 
bei aSefel, ba 16) 2 ^a\)n informierte, ixi ii) 1721 um ^o^anni« 
auf bie UniBerfität ^atte reifte, ^i) biai)U etroa 40 SReici^gt^aler 
mit nad6 §atte, bie balb »erje^rt roaren. 3)aä Seneficium be8 
jjreitifci^eg genofe \i) 2 ^a^re unb ^atte manci^e ^proben ber über mi(i^ 
roaltenben gnäbigen $rotiiben§ be8 ^immlifci^en 3SaterS erfahren, 
anno 1722 friegte ii) in ^atte arthritidem vagam (bie laufenbc 
@\^t ober ®elenfr^eumati8mu8) mit gieber. §err Dr. Sanier 
nannte mid^ einen Äanbibaten be3 ^obeä unb mein treutofer 
©tubenburfci^ ^atte jtd^ fd^on aWeifler gemad^t über einige« 3<"9 
Bon mir. 

Slber Siap^ael ber ^err mein Slrjt mad^te mid^ roiebcr 
gefunb, unb nad^bem id^ nad^ ber Äranf^eit eine fleine 3leife §um 
$. Slermont nad^ ©ee^aufen get^an, fe^te id^ meine ©tubia munter 
fort, ^aulerug rourbe mir ein gefegneteä Sud^, ju roeld^em id^ 
burd^ arnbt« roa^reä ©^riflentum bereite präpariert roor. 3^ 
roottte einmal bie ©tubien »öllig abanbonnieren, um nid^t burd^ 
biefelben §u fe^r bistra^iert ju werben, ©oftor Slnton, bem id^ 
mid^ entbectte, wie« mid^ roieber ing ®eleife, bi3 1723 um SDKd^aelt« 
id^ roegreifete, unb §u meinem vorigen $o8pe3 in 3ferlo^n SRotgct 
^ßouli retourmerte, beifen unb $erm 9t. Sajfe unb ^. SBeigem in 
S8rederfelb Äinber id^ informierte unb atte 14 ^iige für ^errn 
^ftot SSaml^agen bie SSorbereitungaptebigt oerrid^tete. 3)arauf ttot 



287 



i^ bie mir jd^on in ^olle offerierte Jlonbition bei $errn oon 93aerfl 
ju ^eoe an, n>o mid^ @ott benxi^rte in einer Serfwi^ung, roie fte 
3ofef im ^aufe beS $^rao ^atte. S)er IRame beS $errn fei gelobt 
unb fo gebe @r ©einem Jlned^t bie @nabe ber Snt^altfamteit. 

^{l }u ber Seit nmrbe id^ in ^idburg einmütig im Xboent 
1726 }um ^rebiger enoö^lt, unb fam 1727 nad^ ^uii&burg im 
Vertrauen auf ben lebenbigen @ott, bejfen oäterlid^er ^rforge id^ 
mid^ lebiglid^ überlief unb eine für iai i^Ieifd^ roeit foDorablere 
Jtonbition im @tift ^rönbenberg audfd^Iug. 3d^ ^atte 80 9leid^«: 
t^er @e^alt, baoon id^ ^audmiete ad 18 9ieid^8t^ler be^a^len 
multe, fo ba^ id^ bie erflen ^^re fe^r fparfam mid^ }u bereifen 
botte. ®er ^err aber gab mir bei £u|em ^Iber ein vergnügt 
unb unbeforgt $er}, nur rourbe mir mein 9mt fd^n^r, roeil id^ eij 
gern nid^t ali einen SHenfl beS Sud^ftabenS, fonbern aU einen 
SHenfl bed @eifle8 oenoaltet ^e. 



XIV. 

Zn^iftcr Hicolaus 5tocf cmpficl^lt bem ^cr3og 

21öoIf pon 3üIid?=Bcrg öcn €tcmttatcn ^cinrtd? 

öobcbof aus 5d?Icficn für feinen ^ofesbienft. 

Hümberg, \^\ 21pril 22. 



Gnediger lieber herre, mein undertenig dinst sei euem 
gnaden in gehorsam bereit. Als ich mit euem gnaden nechst 
za Korenberg ') rette von aines gelarten mannes wegen Hainrich 
Clodebok genant, licentiaten in geistlichen rechten, mein lant- 
man, ains ritters son auß der Slesie, dem die Russen seine 



') ^«100 SUolf too^nte mit feinem @o^e Hupxtdft bem großen Hii^i: 
tage |u StütnBecg im gebtuot unb aRär) 1431 bei (!Deutfc^e Steic^ätagSaften IX 
6. 599 u. 3.)- fB&^renb bet $ei)Og tut) nac^ bem 22. aR&r) Sltümberg Mrlieft 
(Seii^tagtelttn 6. 596), txttoeiUe, toie auS bem ^iet mitgeteilten Schreiben 
^(ttotge^t, fem 6o^n no(^ bort. 



288 



guter laider genomen und vortreben haben, ab euir gnade des 
zu eynem diener bedortfte, sprach euir gnade, ir woldet zu mir 
schicken luid mit mir dy euem lassen reden, das ist also, als 
euir gnaden son meynet und ich wol gleube, vergessen von 
euer gnaden ander grosser gescheite wegen etc. Gnediger 
herre, bedarff euer gnade desselben, der eyn rechter hofman 
ist, zu beyden setein zu nutzen, jung und vorsucht iu kunsten 
seten und der werld lauff, so lasse mich euer gnade euir 
meynung vorstehen und in welcher masse euer gnade in halden 
wolde mit wyfel pferden und knechten und was sein seit sein 
sulle und arbait, so wil ich im botschaft tun gen Wien, do her 
yzunt ist, das her zu euern gnaden kome, wo denne euer gnade 
hyn wil. Euer gnade wirt mir eyns sulchen dancken, wanne 
jo zu dissen zeiten vorsuchte getreu gelerte und arbeitsam 
leute gebrechen. Darif ader euer gnade sein nicht, das lasse 
euer gnade mich in meins gnedigen herm des römischen koniges 
hoff mit dem nechsten boten wissen, das ich demselben manne 
anderswo umb eynen stant besehe. Hofe mer darff ich euem 
gnaden nicht schreiben, wann euer gnaden son, als ich gleube, 
der nicht vorgist zu schreiben. Geschreben zu Norenberg am 
XX tage Aprilis anno etc. XXXI". 

Des romischen konigs diener Nicolaus Stock, 

lerer geistlicher rechte und meister der ziben kunsten 

auch euer gnaden diener. 

SSbreffe: Dem hochgebomen fursten und herren herm Adolphen 
herzog zum Berge etc. seinem gnedigen lieben herrn. 

SSuäfertigunö mit ©puren beä SSerfd^lufeftegelä. ©taatSard^io 
5)üffelborf, ^ülMttq. Siteralten 1431 «Rt. 7. 



289 



XV. 

§ur (5efd7id7te bes Klofters Böbingen 

im t5. 3al^rl^unbert. 

Son S)ti9 n. 8lckli4. 



a5urd^ bcn Sluf, bie ©tätte ja^Ireid^er SJlarienrounber }u fein, 
unb burt^ bie unemtäblid^e ^ätigfeit bed ^farreriB ^eter Wepf en^ 
bac^ }u (Seiflingen ^atte bie unfd^einbare Staiptüt ju Söbingen im 
Sünb SSlanfenberg §u Skginn beä 15. ^a^r^unbertö eine getpiffe 
Setü^m^eit erlangt unb »orjüglid^ auä) bie aufmerffamfeit bet 
Sonbeäfürilen auf fxd^ getenft. ©oben floffen i^r in reid^et 3Jlenge 
ju, fobafi SKepfenbod^ batb imftanbe roar, »ier Seneftjieu für iBe[t= 
geiftlid^c ju ftiften unb bafür bie päpfttid^e ©inioilligung ju erlangen. 
Sod^ anepfenbac^ä Xob tiatte ^er§og Sbotf oon 3uIi(^=S3erg biefe 
@t\fti\^en bewogen auf bie Jtapelle ju oerjid^ten, unb Ijatte biefe 
im So^re 1423 f (Paßfrei ber SReguIier^errn^Äanonie §u Siünbcä^eim 
im ©tift Utred^t übergeben, um im anf(^Iufi an bie ^ipc^e ein 
Jtlofter ju bauen unb eä mit SRannäperfonen ju befe^en. ^iefe 
foQtcn nad^ ber Siegel auguftinä unter äCufrid^t ber SSinbeä^eimer 
Äononie leben unb bie ©infünfte ber Äapelle genießen, (üacombiet, 
Urfunbcnbud^ IV, 152). 

"itai neue Äiofter erfreute fid^ wie bie Äapelle baib §a^Ireid^er 
(Bonner; @d^enfungen unb Stiftungen fd^ufen i^m einen nid^t 
unbeträd^tlid^en Sanbbeft^, unb cor aQem icar bie bauernbe ^ulb 
ber Sanbeäfürften für baä jüngfte ber Sergifd^en Älöfter oon un= 
fd^barem SBert. 3n ^er§og äCbotf^ Steffen unb 9lad^folger ^er§og 
©erwarb wre^rte S3öbingen einen feiner größten aßo^it^äter; i^m 
l)at ber ©d^reibcr beg 3Jlemorienbu(^ä einen befonber^ roarmen 
fiod^ruf geroibmet. ®a§ biefem {dürften nid^t nur bie SSergrö^erung 
be« flöflerlid^en ®üterbefi^e»')/ fonbern aud^ bie tabeilofe 3Ser= 

>) <Sx fc^enltt b«m Itto^er u. a. baS ^aUe |)eTttngut }u Kaufc^enborf im 
StM^/^fUl @titlbotf. Sein @o^n SBil^bn ^t fp&tn biefe @<^«n(ung beiboU« 
ftSiiMet (O0l. eacotnbKt, UrL IV, 384). 

19 



290 



itxiltung beäfetben am ^erjen lag, beroeifi ein im Süttd^^Sergifd^en 
SanbeSard^io un3 erhaltenes Sd^retben aus bem 3a^re 1446. ®in 
unoerfüräter 2lbörud beSfelben, role mir i^n unten geben, bürfte 
um fo me^r roillfommen fein, at« eS fonft gänjlid^ an S'la^rid^ten 
über bie 33erroaltung beS Ätofler« Sbbingen in jener ^dt fe^tt. 

55aS ^erjogtid^e (Sd^retben rid^tet fid^ in einer inneren S[n= 
gelegen^eit beä Älofter« an bie uorliin bereits errod^nte Siegutier^ 
t)erren=Äanonie ju SBtnbeS^eim, weit beren 3luf[td^t Söbingen 
unterfiellt mar. 3)er ©egenftonb ift furj fotgenber: 35aä 9ieguHer= 
flofter SKarienrooIbe (ober ;5«"*™696") t)ei 3lorb^orn in ber 
®raffd^aft Sent^eini ^atte feinen ^rior üerloren unb roä^tte nun 
ben ^rior bea Söbinger ÄtofterS SBil^etm üon Äeppel. Swei 
Äonüentabrüber überbrad^ten biefe 9tad^rid^t perföntid^ bem 9leu= 
gewählten. 5)er ^erjog befanb fid^ gerabe in Stanfenberg, erfuhr 
bie @ad^e unb roanbte fid^ fofort nad^ SBinbeS^eim unb Storb^om*), 
um ben üon i^m l)oc^gefd^ä|ten SKann feinem Sanbe ju ermatten. 

SBil^elm üon Äeppel mar, rote ber ^erjog ^error^ebt, gebomet 
bergifd^er Untertl)an, mit ben angefe^enfien Seamten uerroanbt, 
unb ^atte baS SSerbienfl, burd^ roetfe unb umfld^ttge SSerroattung 
bas Älofter in furjer 3eit }ur Stute gebtad^t ju ^aben. Übet 
feine 'Jamilie tiefe ftd^ mit ^itlfe bea Sbbinger 3)lemorienbud^S 
einige« SBenige feftftetten. SBil^elma ©rofeüatet ^einrid^ flarb 
im 3a^re 1426; roie biefer ftifteten aud^ feine Älnber SWargartte 
unb ©obelinua, ^ßafior ju Drerat^, SKemorien in Söbingen. 93on 
SBil^elmS Stübern finb jroei, ^einrid^ unb ^o^ann, nad^roeisbar; 
lefeterer ata Slmtmann ju (Steinbad^ in ben Sauren 1430 — 1448 
urfunbtid^ ern)ät)nt, roat uermä^tt mit 33ela üon bem ^eiltgenl^ofc. 
Db ^ermann üon Äeppel, ben roir au8 einer Urfunbe uon 1432 
fennen tetnen, etroa ber 58ater ober ein Sruber SBit^elma geroefen, 
retmag td^ ntd^t ju beroeifen. 

3ur SebenSgefd^id^te be8 ^riora SBil^elm giebt bie g^ronif beä 
Äloflera ■greuSroegen bei Jlorb^orn erroünfd^te 3luffd^tüffe^j. 35ott 

') Dttfe« ©(^triben trägt baSfetbe Datum tote ba8 an ba« 5B3tnb««^«iiner 
Klonet unb ftimtnt mit biefem faft tDöttlic^ übttein. Somit tonnte e4 fügUt^ 
ungebtuctt bleiben. 

') $err ?ßtofeffot Softe« in gteibutg beft^ft eine Sbfc^rift biefet 1494 öon 
Joanne« ab ^orftmaria berfa^ten S^tonit; feiner gütigen SXitteilung bctbanlc 
idj bie oben öetwerteten Jlotijen. 



291 



begann ^I^Im fein fK^erlid^ed Seiten unb rourbe im ^af)xe 1420 
oon bem ^ßrior 5p. .^einrid^ Äober tnoefttert; mit i^ 33orti^olb 
Jluer, ber balb barauf ali ^rior nad^ ^öbingen berufen lourbe, 
bann abet aU feii^fier ^rior in ^enSroegen nrirfte. SSilbelm von 
Aeppel nurbe Stuexi 9kd^foIgeT in Söbingen unb al8 biefer 1446 
ftarb gleid^faüS in ^endnegen jum $rior gen)äi^It. 

^^ bie i^erjoglid^e 3}ermittelung ebenforoenig voie bie äSitten 
bet Älofietbrübet in Söbingen imfianbe nxxren bie Überftebelung 
Äcppela na^ 9lorbi^om ju cerl^inbern erfahren wir ebenfatt« nur 
burcb jene Gi^ronif. Xfytt^äälMä) ift fteppel fiebenter ^rior in ^enS^ 
roegen getoefen, roenn au<!^ nur ein ^a^r lang; fo mu^ er bereits 
1447 gefiorben fein, ©ein 9iacf>foIger war bort Hubert Dubecop, 
oä^renb in Tübingen Sert^olb von aRünfter ali ^rior folgte. 

S)a§ ba« Älofter i^enÄroegen bei 9lorb^om (roa^rfdieinlic^ 
bauptfäd^Iid^ burd^ bie SSermittelung SSill^elmS von Jteppel) im 
S«rcin mit SEBinbeÄ^eim bie Orünbung be3 ©bbinger Älofter» mit 
oeranlofet ^e, erfal^ren wir nur burd^ ba» l^erjoglid^e ©d^reiben, 
beffen SCtiA fogleid^ folgen foll. 

^r3og (Bcrljarb oon '^ül\d}-'&irq an Prior unb Konrcnt 
öcs Kegulicrljcrrcnfloflcrs 511 ICinbcsljcim. 1^6, 3wni 4- 

(etaatSatc^it) Sttffelbotf. 3tt(i($-93eTg. SitiertUUn E 1. Sonce^t.) 

Eirwirdige und eirberen, geystliche besundere lieve frunde. 
wir begern ucb zo wissen as uch dan ouch waill kundich syn 
mach, dat nu kurtz geleden tzwene conventz broedere van 
Northorne van des cloisters und conventz daselffs weygen herup 
in unse cloister zo Boedyncgen gevoegt und gesant synt in der 
meynangen den eirberen geystlichen unsen besonder lieven 
andecbtigen bem Wilhem van Keppell, prior yetzont daselffs 
zo Boedyncgen, van dannen in dat vurschreven cloister zo 
Nortbome zo hoelen vur yren prior, dartzo sii yn erweelt und 
gekoeren sullen haven etc. want uns dat nu vaste sere und 
hoe zo wieder is in unsen synnen besweret und uyssermaißen 
noede seygen und hedden, dat he so van hynnen uss dem 
vurschreven unsen cloister van Boedyncgen komen soulde na 
dem he unse geboeren undersaiße unss lantz vamme Berge 
und in desen landen bekant is und syne broedere, mage, swagere 

19* 



292 



und frande trefflich hie zo lande hait, der eyn deill unse ampt- 
lude dienre und huyßgesynde synt, sunderlingen syn wir mit 
gantzer lieffden uQ gründe unss hertzen zo eme geneygt als 
ouch vaste me umb geleigen herren und guder lüde hy unseu 
landen gesessen und in unsen landen synt so wir vememen, 
mit den he kuntschaff hait, da durch sich dat vurschreven 
cloister Boedyncgen in kurtzen jaren by synen zyden mit unsere 
und anderer vurgeroirter begavongen vurderongen und hulpen 
sere gebeßert und vermeret hait und noch degelichs vurder 
durch yn dein mach, dat wir besorgen, as he van dannen queme 
weder aifganck und vermynronge zo krygen. dit allet anzo- 
sehen und ouch mit zo besynnen und zo betrachten, dat dat 
vurschreven cluister Boedyncgen noch eyne nuwe cloister und 
van unsen alderen und vurfaren in kurtzen vurliedenen jaren 
erst zo uren mitorden gelaissen, gefunderet, begavet und 
beguldet is, nemlich durch uch prior und des vurschreven 
eloisters van Northome prior in den ziiden und der conventz 
broedere anbrengonge wervunge und anhevonge, ind ouch want 
die gemeyne conventzbroedere van Boedyncgen gantz zo eme 
geneygt sint, dat sii yn vur eynchen andern behalden mögen so 
ferre dat an yn is as wir dat eygenclich van yn verstanden 
haven. so begeren wir und bidden uch sere frundlich mit 
allem vlyße und ernste, dat ir uns zo eren und lieve voegen 
und bestellen willen, dat der vurschreven prior van Boedyncgen 
unse lieve andechtige der priorschaff zo Northorne vurschreven 
na dem dat under uch und in ure macht as yre oeversten 
waill is erlauben, dat affgestalt, davan gelediget werde und 
zo Boedyncgen laißen willen, as dem selven unsem cloister zo 
vermeronge und besseronge des na alre vurgeroirten geleigen- 
heit gantz noit is, ind dem convente zo Northome vurschreven 
zo gönnen, zu bevelen und mit yn zo schaffen, eynen anderen 
prior zo kiesen und zo nemen, as wir dan ouch meynen, dat 
sy waill andere redeliche persunen in yrem cloister haven, die 
yn da und in der lantart bequemer, nützer und bekanter syn, 
dan der vurschreven her Wilhem. 

Eirwirdige und eirbern lieven frunde, deser unser ernst- 
licher begerlicher beden enwilt uns umher nyet weygern, sunder 
uch gutwillich da ynne zo bewisen und zo vynden laissen, als 



293 



wir uch dan ye gentzlich und volkomeclich getruwen, dat ir 
gerne doin nnd geleigenheit, urber und nütz des cloisters 
Boedyncgen as vurschreven is da ynne mit besynnen, betrachten 
nnd ansehen willen, dat willen wir ouch alltziit gerne dfürder 
gflnstlich nnd bedechtlich tgain ucli und andere urs ordens 
cloistere und broedere, da sich dat gebüren und unser bedürffen 
würden, mit gantzer willicheit verschulden, ind begem hie van 
by desem nnsem boeden ure gutliche, eygentliche beschreven 
antworde weder und ouch den vurschreven unsen lieven an- 
dechtigen prior zo Boedyncgen uren willen na unser vurschreven 
bede mit verstayn zo laißen, dama he sich in den Sachen vort 
wisse zo halden und zo richten, want wir yn buyssen synen 
guden willen und volbort bis zo solicher ure weder antwerden 
zo Boedyncgen haven doin blyven und verhalden, dan he mit 
willen noede anders doin und sich halden soulde, dan eme 
geburde. ir salt ouch vur wair wissen, dat uns deaer unser 
schrifFt und begerongen van dem prior und convente unss 
cloisters van Boedyncgen vurschreven nyet anbracht noch begert 
en is zo doin, aunder doch van unsem eygenen willen dartzo 
beweyget und geneyget syn. 

Groben zo Blanckenberg up den heiigen pynxstavent 
anno etc. quadragesimo sexto. 



300 



XVII. 
Xtad}tvag 5U IX. 



3n betreff ber ftriegdfd^ben im $ec}ogtum ^ült^ lo&^renb 
beS ^^red 1588 nrirb na^ttägttd^ auf baS oom @rafen SS. oon 
SKirbad^ in ber 3eitfd^tift be8 Sla^ener @efd^id^t8»ercin8, »b. III 
@. 279 ff., tetüffentlid^e «ecjeid^ni« (1568—1589) «erroiefen, ba« 
bem 93erfa|fer leibet erfi nad^ ^rucflegung beS SanbeS befannt 
geroorben ift. — SBegen ber Siotte, bie ber Qung^erjog QotKxnn 
SBit^elm in biefer 3"* ßefpwft ^at, »ergleid^e mon Stiere, §ur 
©ef^id^te ber §er§o0in giafobe ton 3üttd^, in biefer 3eitf<l»'rtft 
«b. 13 @. 16 ff, unb namentlich «eilagen 6—8. 



301 



XVIII. 
pt|lirlrr Ut $rr§if(|rt irf(|il|t$irrrl». 

i^titwAtt 1894.) 



I. ^cvftattb. 

b(ttlt%, Dr., @t^. «rc^itwot in CDüffelborf > <yc-^s-3fih_,i_ 

«tajft, «., ?Paftot emerit, Dr. theol. in Ctitrfe«» / «V^»"^»'"'»™«"- 

S(^bf, $roF., 0\^innafial:3)ireltor in eibetfelb, ftölnerfh. 39, aSorfittnber. 

Stnotin, Sug , Seigeorbneier in (SIberfelb, Snlinerftt. 63, fieUoertr. aSorfttenber. 

Atttmon, Xug., Bantter in (Sßerfdb, Seriiner^r. 67, Aaffiem. 

«ei», Dr. Dbttiejt« in Clbei-felb, ^rinjtnftt. 42, 1. ©(^riftfi^ttr. 

StTtt, Xb., Aaufmoiin in Bannm, aRa^Imtacg 81, 2. Sc^riftfa^rn. 

e^cO, D; in eibttfdb, ek^iebeftt. 10, Sibliot^Iar. 

«loal, SiO^, Xcntner, $(a«^o{f«{tr. 19 . 

Sc9trbuf($, emil. eanbtogSoigeorbnttn | in (Elberfelb. 

^gfiai6«rg. ^ermann, ^rofc^or ' 

6»tti, ^of-, 9V>"n«floI--a)ireftor 1 . 

Sdinciit, 9ta{ Xlb., Kaufmann / 

Qäpmadftt, 3u(., ^obrilont in SBennelilirc^en. 

U. @§ren «"gKif gCte6er. 

Sotntlitt«, X. IL, Dr. phil., ^rofeffor in SDHinc^en. 
9(6^b, XBil^., ^tofejfor, 2>itthot b(< (S^^mnaftumS in 2>ttnu>lb. 
^«de, 0-, Dr. phiL, XHteUor bei 0\^nafiuin8 ju Sr«mcn. 
Stttf^. O., 2Hrettot Ui (S^nafmnU |u Arntinac^. 

€t^btl, Mn, $einr., Dr. phil., ^rofejfor, SQirtt. @e^. »at unb 3)irelior bor 
Ainigl. etaattart^ib« (u Verlin, 



302 



III. ^ovvefponbievetxöe ^tfcjCteder. 

'Xanbers^e^btn, Sbuarb, Dr. phil., gürftl. Dfcnburgtfc^er SCrc^i&rat in Sirftetn, 

$efjen=9laffau. 
93ai<r, ©^rift., Dr. phil., O^mnafmlsDbtrle^rer in grantfurt a. SR. 
Sarbt, ÄatI, Dr. phil., 3)tttftot hti 3oo(^|im«t^olfc^en ®9mnajium8 in Sertin. 
Seder, SBil^., Dr. phil, Stc^iwat unb ©taatSan^t&at in JlDblen). 
aelot», »on, ®eorg, [)r. phil., ^rofeffor ber ®efc^tc^te in SWünftft. 
Sinj, Dr. med., ®e^. aJlebijinalTOt unb ^roffffot in Sonn. 
SJtfitenbac^, Dr. phil., ®l;mnortoI:Dber[f^« unb Dbttatc^iöar in gürftentoalbe. 
Surt^arbt, <S,. 31. $ugo, Dr., Stc^ietat unb Oberarc^iear in äBeimar. 
Satbaun«, $«m., Di-, phil., 6^«f=Sebaneur in Ääln. 
eiemtn, ^u(, Dr. phil., $TOt)in)iatftonfn;&atoc ber 9l^ein|pro&int in Sonn, 
eber^orb, «., Dr., ^rofeffot, St^ulrot o. 35. in »itlefflb. 
(Sric^fon, 2)iTett0T beä ^roteftanttfc^en @cmtnat8 }u Strasburg, 
gifc^et, ®. «., «tc^iitelt in »omen. 
gorfi, ^tnnann, Dr. phiL, ätrc^ieat )u Oänabtttd. 

grieblaenbct, Smfi, Dr. jur., ®e^. 9(rc^b)rat unb StaatSarc^ibar lu Berlin. 
®enarb, Krc^iear in Snttott^en. 

@oamert, £., Dr. phil., ®e^. Slrc^ibtat unb ®«^. Staatdarc^iear ju Sttltn. 
®ra8^of, «ug. ffl. %f)., Pfarrer emer. in ÜJeffau. 
^aar^auä, Shtbolf, SRaltr in SIbcrfelb. 

$arle^, SBoIb., Dr. phil., ®e^. ^rc^ibrat, StoatSarc^itHic lu 2)ü{yeIborf. 
^ajfel, ^ul, Dr. phil., ®e]^. StegimtngSrat, SMrcftor iti $au^tflaat8aic^it>d 

pi 2}te<ben. 
^^egttt, Snton, Dr. phil., ®e^. 3lTc^tt)Tat in Stritn. 

i&etnftnonn, »on, g. Ä. D., Dr. phil., $rof., DbersSiMiot^or in 3BoIfenbütteL 
§0(^ie, SKc^i., Dr. phil., ^roftjfot, Dbetfc^ultot in ^ombutg. 
^S^Ibaum, jtonftantin, Dr. phil., ^rofeffor in ®ie|en. 
^othnannä, ^ol)., Stifttt in Sronenbetg. 
^umann, ®eoTg, Src^itelt in Sffen. 

3acob8, (Sbuarb, Dr. phil., Src^ibrat unb Sibliot^Iar in SBtmigetobe. 
gigtn, Dr. phil., »rc^iiöar in Künfter l SB- 
tttün, iiv.'btoig, Dr. phil., Src^ierat, Stoatdarc^iear ju SRünfttt. 
fteaer, Stöbert, in ädtenberg bei Obtnt^I. 

ÄolbetoeV, St., Dr. theol., ^tofeffot, 9leat8VmnoftaI=35iteftot in Sraunfc^tpeig. 
Rüc^, gtiebtic^i, Dr. phil., «tc^iöiafftjlent lu S)üfTetborf. 
£om})tec^t, fl., Dr. phil., ^tofeffot ber ®efc^ic^te in Setiqig. 
£inl, X^obor, Dr. theol., Pfarrer unb Xrc^bar beS a. ^o&.:31r(^tt)8 in SoUett}. 
Soerfc^, $ugo, Dr. jur., ®e^eimer 3«1Wjrat unb ?rofeffor ber Se<^tt |u Sonn. 
Soffen, SKat Dr. phil., Sefretär ber «fabemie ber fBiffenfc^ioften pi 9tfln(^en. 
Kenjet, Rorl, Dr. phil., ^rofeffor ber ©efc^iic^te ju »onn. 
SRi^rat^, Snton, Ufürfil. Sc^toarienbergifc^et Srifiibbireftor in flrummou in S3^men. 
3laifp, ®mft, Dr. phil., ®l;mnafiaUe^rer in Saarbrüden, 
»ebe, «ug., Dr. theol., ?rofeffor, Pfarrer in »o^eben. 
Sijp^jotb, griebr., Dr. phil., ^rofeffor b« a:^togie in Jena, 
^fannenfc^mib, Dr. phil., Srt^ibrat unb Xrc^ibbireltor in Solmar im S(fa|. 



303 



KaSfitnbti, St. X., flonfui in erOfTtl. 

UMvJf, Otto, Dr. phil, «t(^«t».«fr«f»ent )u lüffelborf. 

»iitn, Slont, Dr. phil., 9t^. 9icgicnms<Tat unb ^ve^tf^ov ber &t\<ifitlftt )U 9onn. 

JI«Vot^n, Stegtttungd'Oaurat m ^mburg. 

Xot^jiein, Dr. phil., Vrofeffor in ^aUe a. b. Saafe. 

Solomon, £ubtoig, Dr. phil., Rcbatteur in @(&eifc(b. 

Sattln:, flarl, Dr. phil, Src^tbrat unb ®e^. Staatterc^iMr in «erlin. 

6<^tbt, jtatl. Dr. phil., Z)irehot in Sobem^im. 

&<^ibtT, ^ofeffot, ®^mna^al:06eile^rei a. X- in Siebe. 

itüm, Dr. phil., Z)iieftot in @(^lvelm. 

Sartentrapp, Jt., Dr. phil., ^feffor ber ®ef(^i(^te in &tta^burg. 

Sachter, ^anj, Dr. phil., Xrc^tbor in 93rcdlau. 

Sinter, @wxi, Dr. phil.. Streitbar in SRagbeburg. 



IV. ^vbenttic^e "gKitgCieöer 

Snxf^off, Dr. theol., Stiftä^err. 
VkCttMt. 

Höifer, ^., ?farrt>aat. 



2cit>o(bt, $aftot. 

Soimonn, Sauxat 

Set^bera, 9tub., Refl.^affeffor. 

Xttcd, Suliu«. 
St^enba«^, ^erm. £ber^. 
flfi^cnbcTg, aie;. 
Batmet etabt-Dibliot^et. 
8ait^«, V^Uipp, Aonmeriienrat. 
BeUingrobt, 3o^nne<. 
Siennann, 9iein^Ib. 
Steuer, ^ermann. 
Sedier, ^ngo, Srt^itett. 
«tduler, g. SB., Se^rter. 

«Ttbt, ^ul. 

Srebt, »ic^rb. 
«u(4 6., ge^ret. 
öeff, gerb., sen. 
Soetfelb, $einri(^, Dr. med. 
Colteian, Sttig., Dr. med. 
Xide, 3o^. SBil^. 
Xicri^fd, ebuatb. 
$öqiing^u8, Ret^tSanuwIt. 



Qifenlo^, $einr., seu. 

OngeU, ^ermann. 

en^e», »ubolf. 

CrMIö^, aitsanber. 

Qrbaiö^, Xuguf^. 

(StWii), Suliud. 

(Srb«(S^, SBalter. 

©w«, ?rof., ®ljmn.53)ireltor. 

bon (Eignem, £rnft,fianbtagBa&georbn. 

gouft (Sari. 

Si|(^er, ®uftat). 

gte^e, .'jetmann. 

gelle, Dr. phil., Dbetle^ter. 

Serfte, $einri(^. 

iSt%, griebric^. 

Sraeper, Sbolf, 9u(^^&nblcr. 

®raf, griebric^. 

Sreef, »ubolf. 

@rote, $einri(^. 

(Srote, 3Bi(^(m. 

®unbert, X^eobor. 

^aar^auS, SUbert, Dr. 

^acfenberg, &xrl, sen. 

^adenberg, Sari, jus. 

^albac^, Sari, ^auptle^ret. 

^attcop, 30^. gr., Dr. med. 

^ttmann, Sari, ^ftor. 

Reuter, 3(uguft, »et^tSantoalt. 

^iflmann, Otto. 

$illring^aue, Sari. 

äin«brtfl, Slatt^., SJaiilbireltor, 



304 



^odflftmtx, Scon^arb. 
$otttet, ®ufi., Dr., ?rofeffor. 

$oI|t{(^ttt, @buatb. 
.^oliric^tet, ^ermann. 
$o(in(^teT, 9li(^atb. 
$orft, ©ottftifb, »otor- 

gafget, emil, Dr. 

3ae8«, öugo, »figforbnftet. 

gafgfr, OScot. 

3ba(^, ^ul »ic^arb. 

«aifet, «obert. 

itämtneter, SDil^tbn. 

«lein, emft ©mü. 

«Ifin, SatI Ji^itbric^. 

bon Ana)))), ©eorg ^einric^. 

Stnmli. Otto, «tc^itf«. 

«rafft, 6atl, ?oflot. 

«tarnet, D«fot, «))ot^efet. 

«0(^, Oitax, ®)7mn.:0betle^iet. 

aeuiäuyet,3uI.,Seol8ljmn.=DbetIe^tet. 

fietebufc^, £oui8. 

fiobfc^eib, (gbuotb, Dr., DBetle^tet. 

bon fio^t, ^etmann. 

bon So^t, Sat( Stobett. 

£atitnte^au8, (Satl, (S- @o^n. 

aSalpet, 6tttl 3ftü., angenieut. 

3)HtttIften=e(^db, (gtnft. 

StolincuS, (Sbuatb. 

SRoIineue, Sias ^^nt. 

SJWIIet, «lejanbet. 

SRdact, Vtattin. 

9ta^(tns8^au8, (Suft 

Statat^, ®h)alb. 

WBBemonn, 6arl, S3u(^btudettüS3ef. 

KoutneV, ©ottUeb. 

Dftttmann, jjtiebt. ?etet. 

^at^, $(tmann. 

^teu^net, sen., ®uft. 3QU^. 

^flttntann, etnft. 

Ouombufc^, Suguft. 

9<ittere^au8, (Smil. 

nUtetS^ouS, gricbt. $(ttn. 



SU^ia, 9tt(br. SBU^. 

ec^cib, Xbta^m. 

ec^bc^tenba^C, Su^ati Xbolf. 

e^Icuener, Ißtofeffot. 

Steinet, ^ftot. 

Sc^tttnet, Subtoig, Dr. 

@<^toebet, 3o^. eat(. 

@<$u(^atb, ^u(. 

SonbetUtnb, Cinft 

@ta^I, Sorl (ifncbt., atc^ttett. 

Stonnnel, ^ci^. 

@tu^[mann, Satl. 

XiKmannS, giticbtic^. 

XocKe, $ugo. 

Zta)))xnbctg, @. SSUaiam. 

Unget, Wi^^, fie^- 

Utf))run8, »Ibert, jun. 

Soth)etf, «bolf. 

Soi Xug., ©l^mnaftalCe^ter. 

äioffcn, Sßil^., Stec^ttenmalt. 

SQalter, ®u{iab. 

SBalj, ^tofeffot. 

aSkgnct, Obetbatgetm., ©e^.Steg.rSfat. 

aBet(e, ebuoib. 

SSctt^, Sbolf. 

aSktt^, ^of). fäiO). 

SBefenfelb, &n% «bolf. 

äDUIcS, @u{iab. 

äDmlelfttoctet, ^cbt. 

SDiemann, 2). 99., Suc^btudneibefi^et. 

SBittenftetn, Sufia», Dr. 

SDiUfing, «bta^om. 

SBüljlng, ffihjolb, Dr. jur. 

3inn, (Smil 

$aale, 3of., Xcbahtut. 

9lcu6ourg, n)if[tnf(^aft{. £e^rec am 

«abcttentot))«. 
Sotg, $., @enetaIbtteItot. 

SerCln. 

gu^t, Dr. phil., ^tofeffor am I 
3oa(^imet^I:®Vmnaf{um. | 

Vi^M, Smil, «amm(tget.:9<at | 

e(^oc))))Icnbetg, Sugcn, gobcifbcf. 
b. b. ^ei^bt, «atl. 



305 



Srofetaann, VLi. 
Srafdmoim, Xug. 

«UQilitff tat muiUM*. 

ititt, Sugen. 

»ielefeO. 

Süttnfletn, Xobert Sugen. 

2(MTluS:Set>tthifen, (Smft. 
?roff:3nii(^, t». «otl, gtri^ttr, Sonb= 

gcrä^tStat a. Z). 
3)>TÜigmaniv SQBcirt. 
SturSbctg, @u)>etintenb(nt. 

oi^totbcT, Sinolb. 
Sd/ntitt, Otto. 

Si^mibcr, Dr. phiL, JtTeUf(^u(tnf^ 

Jtorttn, Obcclonfifiotialrat. 

Crcfel». 

^unl^ Dr. med. 

wn Xro^botjf, ^o^ntwe. 

SaBriciud, SBU^Im, Dr. phil. 

9Ct(^, SutKtintmbent. 
^iooi, «Store, 9t«ntntt. 
9ut6erg, ^o^nnti. 
Mn tlfnaüm, gce^<ir, Jtönigl. 

Aammet^. 
^cabn, 9^tbn(^. 
StttKl, 9))0t^(t. 
9fin%t, Suffiift, Zentner. 
Waownont, ^auvtmann a. X. 



aXoottn, Dr. med., 0t^. SRcbittnaltat 

»ocbtt, gticbric^. 

tUenbctg, Siaitntt. 

Sof^ So^nneS, itfli. ^ofhic^bnuttt. 

^afendebtt, Sitm^., Aotntnnjienrat. 
$af(nc(et)«t, Stodf. 

•UMf «. ¥. Cieg. 

SEBiennfc, »Üt9«tmetftft. 

•Oerfe». 

Xb«S, QtMlb. 

abo())^, Dr. phil., $tof. 

Sart^, ^tt. 

b( fbat\), fitU^dm. 

93a); et, (Ifntbrit^. 

9ttsmann,''0tto, JtoIhUatOT. 

«crt^olb, Dr. jor., 9le(^tSamoa(t. 

Btt^);, fHaälf. 

eiani, aOttt, Dr. 

8(anl, $U0O. 

9(anl fitia);. 

9(oem, 3taiuS, ^ufüttot 

8ob<, 8u0uft, 3nsmitut. 

Sotbbinfl^uS, Hbolf. 

Boebbing^uS, ^|f. 

9o(bbins^8, $au(. 

8o(bbiiifl^u<, St., fiommetiientat. 

Bocbbing^uS, 30., jan. 

Bocl^off, emi(. 

«oobftein, Dr. phil., Stobtlc^ultot. 

Sooä, Aar! fiubtoig. 

Steibenbo«^, Sar(. 

9teit^au))t, Obtt-SlegieruneStat. 

Bremer, li^ubtoig, Dr. med. 

Brenfing, S^rift 

erflngcr, aBU^elm. 

(Saefar, Sluguft. 

So^n, $ugo ^ebtic^. 

SoIaminuS, $a^. 

von (Sama)), ^ßtter. 

Saftenbl?!, Dr. phil., ^roftffor. 

SIement, StanbeSbeatnter. 

^a^men, Hubert, 9le(^t8antDaIt. 
20 



306 



a)ieb«ri(^, ®., Stfcetftr b« btrg. 

SiBelgtiellic^ft. 
2)oetf(^, Oeiar. 
3>t(ftmann. 
S>uncl(tn6tre, Aatl. 
«dgolb, Subolf. 
Qic^^off, Dr. med. 
(Sid, äßil^m. 
erltne^og««, Stefetoibat. 
gtamm, ^ilor. 

giuc^t, 3Bui«Im, Set^Manioalt. 
gttden^au«, Dr. med. 
gtulen^au«, gekannt«. 
^ibtric^S, JHc^arb. 
gribetic^«, «botf. 
grie«, §einri(^. 
gritft^t, Souiä. 
gtotoein, «uguft. 
growein, 3uUu« «uauft. 
gtowein, 2oui«. 
gtetoein, Statu 
gtetoein, Subolf. 
gubtdar, Sbuarb. 
®arf(^aflen, ®uflaö. 
©orft^agen, Äarl, Slw^arb. 

®t6^arb, Sbuarb. 

®(6^aib, OSlat. 

®tait^, Soui«, Obtr^an^rttor. 

®i)^n, bon, ^ennann. 

®ro&, «ttguft. 

0Tfltttfi(n, Otto. 

®ttetorb, »on, Staxl, Dr. med., 

Sanitätdiat. 
©j^del, «., Bttfit^mmBabtreftor. 

$ammttf(^mtbt, Dr. med. 
§ammt«fa^r, emil. 
Sonlo, «UBuft 
.^aitmamt, Xuflufl. 
§ortmann, »., »ut^^Snbler. 
.^offel, Sriebrtt^, »uc^^nblet. 
^aube, (Seorg, Xrc^ttttt. 
&auf)t, tpermonn. 
©erfmann, Staxl, ®l;inn.=2t^er. 
ibetner«botff, (»ffSnBm«»»rtbiBet. 



§engftenBttg, $<nnam, ^tofeffor. 

&tii||fn, Dr. jnr., Kefttenbar. 

^tnnannS, Shtbolf, Xtg.:Sauintt{ltT. 

Sstifbt, »on b«, «ug., 3frei^. 

^tl^bt, to»n bet, Sufto*. 

^tluertu«, Sbm., Suc^^ünblet. 

Robbie, ®uftab. 

^offntann, ^cintitl^. 

QallStaxii, Sntolb. 

$öning, 3ti(iu8. 

^otftlb, 9BlI^t(m. 

©ülfenStct, Kot. $etnric^. 

^utd, ©ermann. 

©ünttbtm, 9{«^t8anmalt. 

©üffelrat, Rarl. 

Jputttr, öon, gtti^ttr, Ket^teantBalt. 

3aroBi, Hpot^ttx. 

^atobi, äitgitninBitat 

gsget, «bolf, DBetbütgttmeiftet, 

®t^. 9ttgi(tung4tat 
3btl, «uguft 
Sm^of, äßi^Itn. 

3orban, ©an«, Dr., »onlbttdtot. 
Soften, äßU^elnt. 
gung, St. SfaiBuft. 
Rannet, 3uliii«. 
itaia^ne, K(t(^6an(<3)iteItor. 
Kaufmann, Sern^arb. 
Aeetman, Xuguft. 
Rettermann, gttebrUSf. 
Äernelam^), "Walet. 
Rirfc^baum, (Sbxiarb, RaHulator. 
Aleeblatt, ©einric^. 
Älemlc^mibt, Cb., Dr. med. 
Rtemit^mibt, g., Dr. phtl. 
Altngel, Dr. med. 
Äneet, Dr. phiL, stud. jnr. 
Sto<i>. Va>ttä)t. 
Stodt, gti». (©eüctflr.) 
Roc^, gri». (Xtt»>»>enftt.) 
Roc^, ©ermann, jun. 
Roegel, $au(. 
A5^(er, äßil^elm. 

Röster, £. g., 8etftc^et.'a>iteltot. 
RöRer, .©au)>t(e^rer. 
ÄBnfer, »uc^bru(letei*eft|et. 



307 



ASttgen, Xuguft. 

«oft, ^SctcT, Sit«. 

«rafft St; Dr. theol., ^oftot em. 

fttoitS^aat, Obttit^ttc. 

Jtrratie, Olartin. 

fcäg«, Dr. phil-, Dbtrie^. 

itntgmann, ^(bd(^. aen. 

Xnia, Rfc^UanlMlt. 

Itnimbiegcl, Kotat. 

itrunniMt^«, A., 6u)>(niiitnbtnt. 

Aü^lMT, ^eintü^, Dr. med. 

Hipptti, Kbttt 

tan^t, Subtsig, Dr. phil. 

ican. Aarl, 9lotar, 3ttfti}rat 

)»ift(, Xtieuft. 

üriftl, Xü^atb, Xrc^ttcft. 

i:mb<nf(^ibi, St., °$u^i|rat 

iu>H 9(t(t Saiguf). 

äo^im, ^riebric^ ffiU^Im. 
äe^mann, SU^Im, $ote(b(ft|a- 
iolfit, «Ibttt, ett)Uin9«ninir. 
ifocumfim, Sbuarb, Serleg«. 
^ombag, Xugufl, ^au^Ue^t«. 
8ucaä, «bolf, Dr. jnr., «ffeffot. 
ÜvsaS, (Sb., MD., Siu^bnutCtcibtfitct 

unb Scricger. 
SiuaS, Sb., Jan. 

äu^e, $., Sdgcorbiwt«. 

«00«. gtit. 

IRoa», 011^. 

Wttiaä, £., Dr. phiL, ^fcffot. 

Dtaxtin, SnÄuft 

Skdel, Xti^. 

jitdüf ^cniL, itonnttcriUiuttt. 

Semet«, ffiil^m, Dr. phU., Oben 

HC^CT, SmfL 

S(^, Statl. {"Svcma Söbbing^au«, 

SUimonn u. Co.) 
Scfenborf, ^nr., Kvc^itett. 
«O^cbac^, 9. «. 
Sail^aifav Som^otb. 



Vtut^mann, SBU^Iin. 
»eb«, Dr. phil., Dbttlt^. 
Keubutg, Sugu^. 
Keu^u«, daxl, Dr. jar. 
9ln^au<, Otto Gatl. 
9leu^off, ^ritbric^, jnn. 
9t(umann, 93., ^u^tte^rtt. 
Kdllin, 3etöme. 
9loK %ft(b. 

Olbttt^ Staxl, 2atibfleri($t<TaL 
Ommer, Jtojplan. 
Drt^ann, .öttmoim. 
Otto, 3hi0ii^. 
'^aitnfUdftt, Statl. 

spttfr«, 3uttu«. 

$«tttfen, Dr. med. 

^ifior, ®uftat>. 

^iftor, 3uliu*. 

ißtaifon, »ubolf. 

^ritfait 9atob. 

^tolft, Dr. med. 

»a^felb, Dr. phil., Z>iTeItor bn ^. 

Oiabc^tnfc^ule. 
Sioffotv, ^ermann, Dr. phiL, Obtt: 

(t^rer. 
Rabe, ^tan}, Sp>ot^(Icc. 
Sieeber, £ubtvig. 
Stetc^marai, Rec^tlantoatt. 
fütmM, ^vL 
Siel;^, Hamann. 
Wegennaim, SQiC^m. 
Stiemomv 9i«gierung8:BaunMifter. 
SKlut, Dr. med. 
9htbtn<, ^btnanb. 
Shto^K, fRtUftimtooü. 
ei^afer, Stöbert. 
St^effner, Xuguft, Jod. 
SSc^tibc, Subtoig, $rof., (S);innafia(: 

3>irettor. 
@(^ea, Otto. 
@(^erenberg, <£., d(uibe«lainmer> 

©efcetär. 
Sc^eter, SEBil^m. 
Sc^ermeng, SKi^rb. 
Sc^et»«, !|ßaul. 

20* 



302 



III. S^ovve^pottbievettbe "gKifgCtcder. 

aianbetJ^e^ben, Sbuatb, Dr. phil., gürftl. SfenButgife^er 9lt(^tt>tat in 8tt|l«n, 

§«fjen=9laffau. 
Saier, S^rift-, Dr. phil., ®^mnafiaI:Dbetre^tet in gtanifutt a. 3Ä. 
99atbt, Roxi, Dr. phil., Sireltot bed Si'ot^i'n^'^lft^^n ®l;mnaftuin# in Snfin. 
99«tter, aSil^., Dr. phil., Stt^ibtat unb StaatSatc^ibat in Kobltn}. 
Seiott), tjon, ©eotg, Dr. phil., ^tofeffor bet ®t^iä)ti in 9Wttnfttt. 
S3inj, Dr. med., ®e^. SÄebijinalrat unb ^tofeffot in »onn. 
^ttiimbai), Dr. phil., Sl^mnajtal^ObeTlc^TCT unb Obtrart^ibat in (Jürftmloallx. 
99uT{^aTbt, S. S. ^ugo, Dr., Sttt^ibrat unb Oberart^itiaT in SBkimor. 
®atbaun3, ^ttm., Dr. phil., ®^«f=SebaIteut in Äbln. 
SIemen, ^u(, Dr. phil., ^robinjiaUAonfertiatoT btr St^einprobin) in Sonn, 
ebet^atb, «., Dr., ?tofeffot, ©e^ultat a. X. in »itleftlb. 
(Srit^fon, 3)irettoT bei proteftantifc^en SoninarS }u Strasburg, 
gi^e^et, ®. «., «t(^it«H in «atmen, 
gotft, ^ermann, Dr. phiL, ätc^iöat pi Dänabtüef. 

(Jrieblaenbtr, Srnft, Dr. jar., ®t}f. Stt^ibrat unb StaatSart^itMT }u Seilin. 
@enaTb, Src^ibar in Xntmetpen. 

Soamett, £., Dr. phil., @ti). art^ibrot unb ®c^. StaatBart^ibar |u Setiin. 
©taB^of, Xug. SB. X^., ^farret emer. in 2>effau. 
^aot^auB, Siubolf, Hßoler in SIbetfelb. 

$at(e|, äBoIb., Dr. phil., ®e^. 3lt(4ibtat, @taatBat(^ibat ]u SDüffelborf. 
Raffel, ^ul, Dr. phil., ®tl). 9legietungStat, X)ite{tot beB ^aupt^ootBac^iM 

|u XiteBben. 
§egert, »nton, Dr. phil., ®e^. Slte^ibtat in Setiin. 

j^einemann, bon, |$. Jt. 0., Dr. phil., $tof., Ober^Sibliot^elat in SBoIfenbütttl. 
$oc^e, SHic^., Dr. phil., $tofcf[ot, Obetfc^ultat in ^ambutg. 
^B^Ibaum, itonftantin, Dr. phil., ^tofejfot in ®ie^n. 
^oltmannB, ^o})., Sehtet in Sronenbetg. 
^umonn, ®eotg, Xtc^ttelt in Sffen. 

3acobB, Sbuatb, Dr. phil, Stc^ibtat unb Stbliot^lat in SQemigerobe. 
gigen, Dr. phil., «t(^ibat in SKünftet l SB. 
JteQer, Subibig, Dr. phil., Xtt^ibtat, StaatBatt^ibat )u 3)tän{let. 
AeQer, ätobett, in äUttnbetg bei Obtnt^al. 

Aolbekbci;, ^., Dr. theol., ^tofeffot, 9lea(8i^mnaftaI:X)ite{tat in Staunf^weig. 
Äü(^, griebti(^, Dr. phil., «t(^ib=«fr«ftent |u »üffelbotf. 
£am))te(^t, Jt., Dr. phil., ^tofeffot bet ®efc^ic^te in £et))}ig. 
£inl, X^eobot, Dr. theol., ffatret unb Xtt^ibot bcB eb. ^ob.:3(t(^ibB in Co6(en|. 
Soerfc^, $ugo, Dr. jur., ®e^eiinet ^uftiitat unb ^tofeffot bet Stetste }u Sonn- 
Soffen, SWaj, Dr. phil., Sefcetät bet Stfabemie bet SBiffenfe^aften px V&nijtn. 
SRenjel, Äatl, Dr. phil., ?tofeffot bet ®t\iSjiä)U }u Sonn. 
SX&tat^, Xnton, (SfütfU. St^lbatjenbetgifc^et XtAibbiteftot in Ittummau in Sö^mm. 
9}app, Stnft, Dr. phil., ®^7mnaftaHe^et in Saatbtfidten. 
Rebe, Äug., Dr. theol., ?tofef[ot, ^faxtet in Jto^teben. 
Hifpoüi, Stitbt., Dr. phiL, fJtofeffot b« X^eoloflie in Stno. 
^onnenft^mib, Dr. phiL, Xtt^ibtat unb Srt^ibbiteftot in (Solmat im &\a!^ 



303 



Kmtiixi. st a., itonfui in »raffcl. 

Selilii^, Dtto, Dr. phil., «t(^it)=«ffljtent )U Süfftlborf. 

JHtttT, atorit, Dr. phil., ®tf). Sicgicning^roi unb ^roffffor ber ®ff(^t(^te |u Sonn. 

jio^ot^Ri, 9ttgittung4:9aurat in ^mburg. 

Sot^fttin, Dr. phil., ^tofcffor in ^aOc a. b. &aait. 

BdiamoB, Subtoig, Dr. phil., Sicbatttur in @lberfelb. 

Sattln, Katl, Dr. phil, Xtc^tbrat unb @t^. @taat8ar(^it>ar in Striin. 

@<^mibt, AarL Dr. phil., 2)iTtltor in SoBcm^eim. 

S(^rib«, ^toftffot, ®l^nopaI:Db«Ie^t« a. J). in ©[«»e. 

tDbien, Dr. phil., I)irtltot in Bd}\»tlm. 

SanentroUt), Ä., Dr. phiL, ^toftffot btr ®ef(^i(^te in ©tralbutg- 

Sar^tn, gtant, Dr. phil., Xrt^iMr in 99rtö(au. 

Sinttt, @(org, Dr. phil., at(^it)ar in SXagbebutg. 



IV. ^betittxc^e 

8t«t^off, Dr. theol., Stiftä^etr. 
fIkfllMt» 

Sädtt, $., ?fattt>ifar. 
fliieut^tu. 

Sonnann, Bautat 

Sö?«T«btt8, Sub., SJeg.s«ffeffor. 

Oftrmctt. 

HiMt. Suliu«. 
X(^ba(^, $(tin. eber^. 

Sauna etabt^Stbltot^tl. 
Sait^Id, ¥V:Ii^)>, ItonimeTiienTat. 
Belingrobt, ^obanned. 
StcTDiann, Sitin^olb. 
8[«(^, ^ermann. 
SöttltT, $ugo, Stri^ittU. 
«riufer, g. SB., Se^er. 
St(bt, faul- 
Scebt, »ic^rb. 
Su^, 6., &tf)itt. 
eieff, gttb., sen. 
&>rtf«Ib, ^«mti<^, Dr. med. 
CoUman, Xug., Dr. med. 
Wa«, 30*. ffiil*. 
2ierid^, (Sbuatb. 
Ülöi^jinB^uS, Rechtsanwalt. 



^itciZiebev. 

(Si^aAofft, $(int., seu. 

Sngctt, ^ermann. 

engcB, »ubolf. 

erbSIö*, aitjanber. 

9ti9V6f), augult. 

ISitmiff, Julius. 

etb8I5^, SBalter. 

&txi, ftof., @l7mn.:!Dir(Itot. 

t)on Sl^ncrn, SmftfianbtagSabgeoTbn. 

^oufl, (Eatl. 

gifc^et, ®u^a». 

gteje, .>>ttnumn. 

g«He, Dr. phil., ObnUfycrc. 

®«tfte, $einti(^. 

8e|, gtiebric^. 

®Tat)>CT, Xbolf, 9u(^*&nb(eT. 

®taf, gtiebti(^. 

®TC(f, Siubolf. 

®rott, $cinn(^. 

®Tote, SBil^Im. 

®unb(tt, X^coboT. 

^aat^auä, SUbtrt, Dr. 

^acfcnbtig, SatI, sen. 

^adenbetg, Sari, jun. 

^alba(^, Sacl, $au))tIc*reT. 

$aitco)), 3o*. gr., Dr. med. 

$ttmann, Sari, ^ftor. 

$(uf(t, ^uguft, Siec^tdantoalt. 

^iUmann, Otto. 

$tllring^u8, Satl. 

äin«brtg, Stott*., 3)a:ilbtreftot, 



310 



gwtl^etr ». Stttflotbt, gr. 

Söcting, Sbuarb. 

©uUIeauine, Smti, (Jfobrtfbittftor. 

9Rot^I, $ugo. 

fkttiftn, (Sttflat). 

Äb^Itbtt, (Btnft 

Sauten^ut, 3BiI^., juu. 

Bttwitopf, SSfirgtnnttfteT. 

3ur^tllen, $aftor, @upmnttnb<nt 

t). aSraning, @<org, Dr. 

Ne»k. 

lüding, Dr., ®^mnaftoC=a)tr«ltor. 

Äorff, ftmoft. 
ffiolff, «Itsanbtr. 

6c$5aer, Sugufi, I)r. 
ec^öOtr, ^binanb. 

.^otn, Jleftor. 

Kanetttlal bei Barweit. 

(£aron, Sdbttt .^i. 
(Soton, aSotter. 

Mewfileib. 

9ddtr, ^ttaumn. 

!Dominttu8, 2)autb. (tSfürbfrg b. 9i.) 

griebtic^f, Jtarl, Jtommei}tenrat. 

gebiete, 9ai^)c$uI:^rettor. 

$öber, Otto. 

Äottmtitr, ^., ^^n a. b- ^ö^. 

^5c$terfc$uI^ 
Stannedmmn, Smtt, 9a6tin<ftter 

(9i.:99itcbtn0^ufcn.) 
^ttct), Dr. phil., 9leoIflljmn.=Xireftor. 
6(t(ed, Se^teantsalt. 
SiegUt, e., iioitmtcinel^nnt. 



«oettr«, .t>«ntt<^. 

»Sntgtn, «rtert, §ou»»tIe]^r«. 

»raun, (Em^. 

©ornap, 3. S. 

©>«t8, «tb., Dr., S4)0t^ltt. 

gtue«, Dr. med. 

^abetfamp, % 

Äftjiftr, Äug., »aauntemt^tr. 

Artit, 0. 

Un«]^ttm, D. 

Suc^^olt, (Euetn. 
•anb b. eert.<*Ub»«4. 

•argeiiMtl b. •«iit«li. 
ettn«^off, fSaflor. 

•4Iebitf4. 

9Bu))t>(rmann, Z^eobor. 

•legbitrg. 

ÄiJnlflCt^e« a«^=Sflmnar. 
boim S«Ibc, Dr. phil., 9ifntia[iaU 
SStttftot. 

•»Itugot. 

»trg, 9it(^b. 

Itron, 9«ul. 

Ktcff, Cmft, ^imann. 

9ical)>ri>gl;mnaffaun. 

Sk^totber, WOfüm, Dr. med. 

SoKmar, ^ermann. 

SBtber, Xuguft. 

SBel^(r«btrg, Xtbtrt. 

X&biMfc*. 

JBÜIfftnfl, etnft, Dr. phil., ?ri»ot= 
bo)(iü. 



311 



ftTfei«tc«. 

efc^b«^, Dr. jnr., 9>nt«ni^tet. 

Vievfeii. 

öontnibcrg, Dr. phil, Ißfarrbifar. 
XotU«rg, Slrin^arb. 

Sintt, Vafior. 
%t^i)t. Cbuarb. 
Sülftng, fxrmann. 

••ttert (ei 9e»1t. 
Sttt^T. Bfrif» £>au]»tlt^Ter. 

XidttaHt, mi^.. ftalpltm. 

tterwelAfir^e«. 

^Ul. SBU^., »tftor. 
Jtaittointtl, 6u0tn. 



Dlannctmann, Uffeffor. 

@<^uinai^R, Ißcitr. 
XBüfin, fRof. 

Saumitcler, Sc. 3ofe^^. 
$amm, Bolbutn, go^'Aot- 

XngRR, e. 3u(. 

Sltgtlt, A., @u))Rtnttnb<nt. 

^timing^t, $. IB., itommniioiTat. 
Ömnins^ut, X^tob. 
Airf(^6aum, Xlbnt, 9ÜT0Rmeiftet. 
ecl^bolb, KttTl, Xpol^eleT. 
Zttfent^I, SB.