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Full text of "Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik X 1936 Heft 2"

X. Jahrg. 



1936 



Heft 2 



Zeitschrift für 

psychoanalytische 
Pädagogik 



Alice Bdlint . . . 


. Versagen und Gewähren in der Erziehung 


Editß Braun . . . 


. Eine Kinderfreundsdiaft. Beobaditung aus 




einem Kindergarten 


Alfred Meser . . 


. Das Kleinkind und seine Umwelt 


Otto Fenlcßel , . 


. Die sdiwarze Ködiin 


Hans Scßiiola . . 


. Über Lernstörungen 


Editß Buxbaum . 


. Detektivgesdiiditen und ihre Rolle in 


• 


einer Kinderanalyse 


* 
( 


Berichte 



Preis dieses Heftes Mark 2" — 



Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik 

Begründet von Heinrich Meng und Ernst Schneider 



August Aichhorn 

Wien V, Scfaönbrunnerstraße 110 

Dr. Heinridi Meng 

Basel, Angcnstelnerstraße 16 



Herausgeber: 
Dr. Paul Federn 

Wien VI, Köstlcrgasse 7 

Prof. Dr. Ernst Schneider 

Stuttgart N, Relenbergstr. 16 



Anna Freud 

W t e n IX, Berggasse W 

Hans Zul liger 

1 1 1 1 g e n bei Bern 



Schriftleiter: 

Dr. Wilhelm Ho ff er, Wien, 1., Dorotheergasse 7 



6 Hefte jährlidi M. 10--, sdiw. Frk. 12'50, österr. S 17-- 
Prels des Heftes: M. 2-- (sdiw. Frk. 2-50, österr. S 340) 

GeichaftUche Zustfarlften bitten wir zu rlcbten an 

Internationaler Psydioanalytisdier Verlag 

Wien IX, Berggasse 7 



ungen ur die „Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik" können geleistet 
durch Postanweisung, Bankscheck oder durch Einzahlung auf eines der 
Postschedekontl des „Internationalen Psydxoanalyfedien Verlages in Wien' 

dicckkonto . . 



verde» 



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Leipzig ^;.ii2 
Zürich VIll, 1 1.479 
Wien 7 1-6}) 
Paris C IIOO.^J 
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Bin. 220-— 

ZI. 21- ;o 

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Jahresabonnement 

4'~ 



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norweg. Kronen 



Jahresabonnement 

—'86 



(Frühere Preisangaben ungültig) 

betttXtTn'tr^^^ ^''' '''^'''''^' -* den bisherigen Wohnort 

anntzugeben, denn die Abonnentenkartei wird nadx denx Ort und nidxt nadi dem 

Namen geführt. 



itö^Ür«'^?^ befinden sidi folgende Sonderhefte; „Kindlidie Eß- 
«ngen , „Lern- und Denkstörungen«, „Jugendliche Verwahrlosung 

und Kriminalifät". 



ZEITSCHRIFT FÜR PSYCHO- 
ANALYTISCHE PÄDAGOGIK 



X. Jahrg. 1936 Heft 2 

Versagen und Gewähren in der Erziehung 

Von Alice Baiin t, Budapest 1) 

Trotz den schönen Erfolgen, die nach mehrjähriger intensiver und 
ausgedehnter Arbeit auf dem Gebiete der Kinderanalyse und Erzie- 
hungsnachhilfe bereits zu verzeichnen sind, befinden wir uns doch 
noch immer in der unangenehmen Lage, die Antwort auf die naive 
Frage: „Also, wie soll man nun seine Kinder richtig erziehen?" 
schuldig bleiben zu müssen. Bei der Erörterung dieser Frage müssen 
wir jedesmal auf die psychoanalytischen Auffassungen über die kind- 
liche Entwicklung, über das Wesen und die Funktion der Erziehung 
zurückgreifen; der ungeduldige Zuhörer oder Leser findet dann 
häufig, daß ihm damit wenig Positives geboten wurde. Dazu kommt 
dann noch als besonders erschwerendes Moment, daß es unter den Ver- 
tretern der Psychoanalyse selbst verschiedene Auffassungen und nicht 
nur eine einzige Anschauung oder Forderung, „wie erzogen werden 
soll", gibt. Wer die Sonderhefte dieser Zeitschrift über Nacktheit, 
Onanie, Strafe studiert hat, weiß selbst, wie uneinig die Autoren in 
diesen elementaren Fragen der Erziehung sind. Auch bei der 
Behandlung anderer Erziehungsfragen gehen die Autoren eher vor- 
sichtig tastend vor, bemühen sich zu erklären, warum direkte Rat- 
schläge unmöglich sind, und beschränken sich oft auf eine Mahnung 
zur vorsichtigen Verwertung der neugewonnenen Einsichten. Das 
beweist nur, daß die bisherigen Erfahrungen und Erfolge, an Einzel- 
fällen gewonnen und gesammelt, eine Verallgemeinerung in Form von 
jederzeit gültigen Regeln noch nicht zulassen. 

Diese Situation erinnert stark an die, in welcher sich die psycho- 
analytische Neurosenlehre befindet, die ebenfalls noch keine allgemein 
gültige Antwort auf die Frage, wodurch ein Mensch neurotisch werde, 
gefunden hat, obwohl sie in den einzelnen Fällen die Ursachen der 

^) Nach einem auf dem XIL Internationalen Psychoanalytischen Kongreß 
in Wiesbaden (4. bis 7. September 1932) gehaltenen Vortrag. 

Zeitschrift f. psa. Päd., X/2 ^«^INTERNATIONAL ^ 

&■ PSYCHOANALYTIC 
^H UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



Zr Alice Bälint 



Erkrankung aufdecken kann. Diese zwei ungelösten Probleme der 
i-sychoanalyse stehen in mehrfachem Zusammenhang miteinander. Sie 
sind aber sieher nicht wie das Ei des Kolumbus durch einen glück- 
lichen Einfall mit einem Schlag zu lösen. Wir stehen da vor etwas 
Unbekanntem und Unberechenbarem, das noch gefunden werden muß- 
Em ge Vermutungen können immerhin heute schon geäußert werden. 

blemlTt"'' ri' ^""T ^""^ ^^^'^^^ Zusammenhang der beiden Pro- 
dis MelbT'^.r' ^^^^^^--g. welche die seelische Gesundheit 
schef Anl ivi T f'"t'^ -«^^ten wir zuerst (in den therapeuti- 
seten tblS T ^''' f^'^'^'^^Sen mit seelisch kranken Erwach- 
rankhe'tsveru -b T^T. '"^ ^^^^^^^^«^ ^^^ Einwirkungen als 
^^Z^'^LTt^^'^T ^'^^^^^"^ ^'^ Erziehungsfehler 
was in der Kindb^ir^ tT Folgerung schien einfach und leicht: 

Zrs^Z^:ttl^^^^^^ °^- -terlassen worden 

lassen. ^'' Erziehung nicht tun, bzw. nicht unter- 

Heute wissen wir dnR o,-/,u a- 
in der Folge als un»t^ P-gramm 

diese Ergebnisse der a.., ^ ^^ ^•^^S*« ^ich nämlich, daß 

Setzung noch zu allgete f z?" T^'''^'' '"^ ^'^^ ^^^^^^^^ ^"■ 
sehr verschiedene VorschHfZ I'.'^^'^^*^,? ^^^^^- ^an konnte daraus 
ableiten. Die einen propa^ L e" '" 7'^'"^*^" ^^^^"^^^ ^^^^^^" 
die Eltern gestatteten sich kau t^ ! e^trem=puritanisches Verhalten, 
über dem eigenen Kind oder 7. ' ^^^P^^^^^^^« Zärtlichkeit gegen- 
iürchteien, dadurch die aus ^^^^^^^^^^^^^^ie^ vor dem Kinde, denn sie 
Schäften, insbesondere die Ödinn.l i?''^^^^'' wohlbekannten Leiden- 
zu dem Schlüsse, dem Kinde ^" entfachen. Andere kamen 

gewährt werden, sie machfPT. ^""^^^ ^'^^ größtmögliche Freiheit 
und ihre FreiheitsbeschränkuLerf^''!"''^"^*^^'^^^ Einrichtungen 
antwortlich. Ich glaube nicht T a ^^^lischen Störungen ver- 

tlblichen Hinweis auf den ^ni/ "Jf ^'^^^ Gegensätze mit dem 
■p ,. »goldenen Mittel wo»" ^ i j- 

Es soll nun zuerst die Frage he.r.rlT '^'^'^ ^'^"• 

«uch die Forderungen nach r' chtilfF . ''''^'"' ^^^^^ ^'' '^''' 
der Krankenanalysen direkt «h!i.'^^''''S ^^^^ ^^^ Erfahrungen 
denke da an eine Fehlerque Ue 1''. ""' '"''^' ^^^^^^^^ konnte. Ich 
auffiel, die, wie ich glaube zu Z \'^'' '^^^'^ ^^'«t i^ letzter Zeit 

In den Erwachsenp? 1' '^ ^'''^*^* ^^^^e. 

^^^^-ii^nseneuanalvsen wit.^ -^ 

bei lortschreilender BesohSltk-^ "^ '''"'" beobachtet, wie 

scliiclite der Kranke für die Antw "!" '^'''' «'«enen Kindlieitsge- 

GSB. Sehr., Bd. V. "'• ''"'">'-'<' '^^^^^^^^^^^^:^rE^[^i^~^J-^. 



I 



Kinde wird". Dieser Eindruck wird immer stärker, je mehr der Kranke 
selbst seine frühe Kindheit „wiedererlebt", sich als Kind sieht und 
fühlt. Für ihn gibt es in diesem Moment nicht mehr die Ekel- und 
Schamreaktionen, über die er sonst als Erwachsener selbstverständ- 
lich und oft sogar in übertriebener Weise verfügt, und es können alte, 
primitive Lustsensationen auftauchen, die ihm sonst nicht zur Ver- 
fügung stehen. Für uns als Zuschauer scheint es dann, als wäre das 
frühere kindliche Triebleben wiedererwacht. Ist dem aber auch wirk- 
lich so? Nicht einmal für den sich kindisch gebärdenden Geisteskranken 
träfe diese Behauptung zu, wie ich nach einer mündlichen Mitteilung 
S. Ferenczis bemerken möchte. So groß auch der Unterschied 
zwischen dem seine Triebe beherrschenden Erwachsenen und dem 
wieder Kind gewordenen Kranken erscheinen mag, die Analyse hat 
doch nur ein Guckloch in die Triebwelt geöffnet und nicht ein reines 
Triebwesen aus ihm gemacht. In ähnlichem Zusammenhang legt 
Anna Freud das Hauptgewicht auf die Tatsache, daß der Erwach- 
sene im Gegensatz zum Kinde auch in der analytischen Situation ein 
ausgebildetes Über-Ich besitzt. Auf diese Tatsache stützen sich dann 
bekanntlich die von ihr hervorgehobenen Unterschiede in der Technik 
der Erwachsenen- und der Kinderanalyse. 

Wenn wir diesen Gedankengang weiterführen, kommen wir also zu 
folgendem Schluß: Das Triebleben des Erwachsenen tritt uns niemals 
mehr in seiner ursprünglichen, ungezügelten Form wie beim Klein- 
kind entgegen; wir können es nur insoweit und in der Form wahr- 
nehmen, als es das übergeordnete Über-Ich (Gewissen) zuläßt. Dieses 
Über-Ich ist das in der analytischen Behandlung eigentlich Veränderbare, 
es kann wenigstens zum Teil abgebaut und durch ein andersartiges, 
brauchbareres ersetzt werden. Nicht rückgängig aber kann die Tat- 
sache gemacht werden, daß ein Über-Ich vorher schon einmal da war; 
das Triebleben war schon dem Erziehungsprozeß unterworfen worden, 
ein regulierendes Ich sorgt nunmehr für einen Triebhaushalt, in dem 
Entsagen, Warten, Ertragen größerer Triebspannungen ebenso not- 
wendig sind wie das Vorsorgen für Triebentspannung und -befriedi- 
gung. Etwas von den Trieben verlangt nicht mehr nach der direkten 
Befriedigung, es hat sich den Bedürfnissen der Realität, wie sie das 
wahrnehmende Ich erkannt hat, angepaßt und ist auf diese Anpassung 
trainiert worden. 

Ich denke hier an ein Beispiel, wie es in den analytischen Behand- 
lungen öfter zu beobachten ist: In einem Abschnitt der analytischen 
Kur käme z. B. die Freude und Lust am nackten Körper zur Sprache; 
der Patient hat in der vorhergehenden Analysenarbeit von sich er- 
fahren, daß diese Lust durch d?fs Kleidertragen und durch die ver- 

1' 



78 

. ^ Alice Balint 



t^Zj^^^^^ ^^^^- ^-i^h-g Btark unterdrückt und 
däres, a?s mehr weni •'''''* ' Nacktheit hat er als etwas Sekun- 

durch die Verböte^dpfp ^- ''^^^"'^'' ^''^''*^ ^^^en die ursprüngliche, 
Nachdem das alles wLklkh J f *',^^^^^^ gewordene Lust erkannt. 
Affektbeträgen wiedererll; ''^''*^^^^^ ^^^ «^i* ^en entsprechenden 
Patient trotzdem lüXt il h/t '' ''"^ ^'^ ^°^^ ^i^^^^' ^^^ ^^' 
befriedigung im elpinv,^ a ^^® ^^*' ^^® wiederentdeckte Trieb- 

Die vorangegangene Er^i t""'"""? ^""^ ^^ ^^^^ genießen zu können, 
geben. Die für die AnaW^^ ^* '^""^ Wirkung nicht ganz aufge- 
Kenntnis zu nehmen orneL?'T;'f''f' Bedingung, Wünsche zur 
durchzusetzen, setzt einen h T ^^^^^^digung unter allen Umständen 
ertragung voraus, auf die wi.!"?! .^'^ ^'''" Fähigkeit zur Spannungs- 
Kranken rechnen können >I°^^ '"^ ^^'' ^''^®'* "^^^ neurotisch 
besser befähigt als ILy^aI ^^^^^^^^^r sind bekanntlich hiezu viel 
die Technik für die Rphl^lrr^ '^""^ ^xz.n\^ und Verwahrloste; 
von der klassischen Analv^f fl '?^'^''' Störungen weicht ja auch 
ein Mißverstehen der Psvrh i ^^^ Neurosen ab. Es wäre also 
die Fähigkeit, Triebregunr^''^^^^ ^^^^^ "^^^ annehmen, daß sie 
wollte. Nicht die Fähigkeit an T\. ^^®^^^°^®n, an sich bekämpfen 
benen Forderungen nach solcherp-T-''^^'''' ^^^ ^^^^en der übertrie- 
der analytischen Kur In ih ^^^^gkeit sind die Angriffspunkte 

dieser Forderungen, der ErziPfT ""* ^^"^ Kranken der Vertreter 

recht, seine Gebote zu streng '• V*^''^''^ unaufrichtig und unge- 
Triebverzicht als solcher ^w\ ^^^^^ Verbote übertrieben; nicht der 
^ur Erkrankung führen mußte ^^^^^"**«°' sondern das Zuviel, das 
lyse ihre befreiende Wirkung ^^^^'ilage. auf der also die Ana- 
zum Triebverzicht. Es wäre fh/'''''^*' ^'* *^^^«°«h die Fähigkeit 
Erziehung wäre gleichbedeutend mTt ""' '^ "^^^"^^' ^^^ ^^^"^" 

stunde. Im Gegenteil: die Erzieh,.? TT ^^«S^'l^hnten Analyse- 
Sie erzeugt nicht bloß die R.S^ ' Voraussetzung der Analyse. 

reparieren helfen soll, sondern vtirf''' ^'^ ^'^ ^^^1^«« ^P^ter 

f e Analyse erst arbe Uen kanJ W '. ' ''^ ^^^^^^^' i^^^^halb dessen 

wTr'^'^- ' ^'^^*' ^^ß ^r ^rst geschaf- 

InbalTdr^datX'?:h'L^t^^^ Teil der Erziehung, d. h. den 
TrieW^'^'^ '^^ E-twickCfdes trT ""^^'^^^ ^^^ ^^bote, von 

— Ü-ZÜ^^^eser Fähigkeit tr« ' "''^'^- ^«^ «föchte sagen, 

nieren des Irhc 1^ ^^°^ sowohlaiTTC"" — " ■ 

Formulie?»;? f^^^^^ßt ^erdei. Weth v'"'"^^ ^^^ Triebe wie als Trai- 
''""^ ist, kann bei dem heutitn I. ^'l ^^^tapsychologisch richtigere 

iigen btand unseres Wissens schwer ect- 



Versagen und Gewähren in der Erziehung 79 

Kinder unterscheiden gewöhnlich sehr genau, was in einem Men- 
schen vorgeht, der Triebbeherrschung gewöhnt ist, und jenem, der 
unbeherrscht seinen Triebansprüchen gehorchen muß. Das illustriert 
folgende Geschichte: Ein neunjähriger Junge las eine Geschichte, in 
der ein Affe wegen Verrats anderer Urwaldtiere an die Menschen zur 
Strafe selbst in einen Menschen verwandelt wurde; als Mensch ver- 
kleidet, mußte er nun den Urwald verlassen. Das Kind brach über die 
Härte der Strafe in Tränen aus, und auf die Frage, ob es denn gar 
so schlimm wäre, ein Mensch zu sein, antwortete es: „Das nicht; aber 
für jemanden, der im Dschungel gelebt hat, muß es schrecklich sein." 
. Die Aufgabe der Erziehung kann, von diesem Gesichtspunkt be- 
trachtet, in folgender Weise umschrieben werden: Wir wollen dem 
Kinde unnötige und schädlich wirkende Triebeinschränkungen er- 
sparen, wollen aber dabei doch die Fähigkeit, höhere Trieb Spannungen 
zu ertragen, fördern und entwickeln. Dazu sind aber konkrete Auf- 
gaben notwendig, etwa wie die Turnübungen für die Förderung der 
körperlichen Kraft und Behendigkeit. Welcher Art sollen diese Auf- 
gaben sein? ji'. ,1 . ^ 

Die Fähigkeit, Spannungen zu ertragen, das „Wartenkönnen", 
kennen wir seit langem unter dem Namen „Realitätsprinzip". Freud 
meinte bereits in den „Formulierungen über die zwei Prinzipien des 
seelischen Geschehens", Funktion der Erziehung sei, das biologisch 
vorgebildete Lustprinzip in das Realitätsprinzip überzuführen, d. h. 
an Stelle des blinden Jagens nach Lust ein Benehmen zu setzen, das 
den Dauernutzen einer Handlung voraussehen und berechnen kann. 

Der Text der Aufgaben wäre damit bereits gegeben; es ist eben die 
Realität. Doch welche Realität? Was ist die Realität für unsere Kin- 
der? Sie setzt sich im wesentlichen, wenn auch durch gesellschaft- 
liche und ökonomische Differenzen gekennzeichnet, aus den Personen 
zusammen, auf die das Kind vom Beginn seines Lebens an angewiesen 
ist. Die Naturgewalten haben wohl auf den Naturmenschen erziehe- 
risch gewirkt, heute treten sie nur in Zeiten außergewöhnlicher Not 
an die Kinder der zivilisierten Welt heran. Die unmittelbare Aufgabe 
heißt nicht mehr wie für das Tier Anpassung an die Naturgewalten, 
Nahrungssuche, sondern Anpassung an die Welt, wie sie von den Mit- 
menschen eingerichtet und organisiert worden ist'). Di e Anforderun- 
schieden werden. Ich selbst neige eher zu der ersteren, denn es scheint mir 
s.nnvoler die Kräftigung oder Erweiterung des Ichs auf Kosten des Es bereits 
als Folge des Triebtrainings zu betrachten. Wie dem auch sei, gewiß ist, daß 
es sich hier um Vorgänge handelt, die sich an der ineinanderfließenden Grenze 
zwischen Ich und Es abspielen. 

*) „Soziale Anpassung" spielt auch bei den Tieren eine, wenn auch gerin- 
gere Rolle. .. . : ., .... ;.,.. ....... . . 



""■ ■ Alice B Alint 

gen, Welche die Erz' Vi 

Wirklichkeit der Bew-]7 ^^^^ ^^^^ ^"^ ^^^ ^^^^^ stellen, dienen in 
nen. Die wirkliche A ^ ^^'^^^ ^^^^ ^i^l später eintretender Situatio- 
senen, fehlt dem Kind^ ^^^^' ^^^ ^ö^ältigung der Welt des Erwach- 
verhalten, als lebe es h ^°^^^^' ^"^ ^^^^ ^^^^ ^^ lernen, sich so zu 

Kind noch voraussetzurT^ ''' ^^^^^"^ ^^^^- ^'^ ^^^^"^ ^^^*' ^^ ^^"^ ^^^ 
vorbereiten lassen in „P® geliebt und versorgt wird, muß es sich 
Schutz nicht ohnewpH«^.'"^^, ^^^^"^S ^^ ^eben, wo ihm Liebe und 

Je nach der geseUsch f ^ ^^'^ '''^^'^^''■ 
Eltern dauert diese Perioi^'f^" Zugehörigkeit des Kindes und seiner 
mein gesagt werden daß !i l^®"" °*^^'' ^^^^®^' ^^^h kann ganz allge- 
ersatz schafft, an dem e ®, ^""^^^^^ng dem Kinde einen Realitäts- 
Von diesem Gesicht«^ ^ i ""^^"^ ''''^ stärken kann, 
lemente der Erziehunl ^""^ betrachtet, können ( 



öosagi werden dan a- t^ ^«■^eer, uocn ks 

ersatz schafft, an dem ! t ^^'^^''''^ ^^°^ ^^"^e e; 

Von diesem Gesieht^^ ^ ""^^"^ ''''^ stärken kann. 
Elemente der Erziehung l^"" ^""^ betrachtet, können die formalen 
beim Aufstehen, Essen u^w"^'! ""' ^' ^^® Einhalten bestimmter Zeiten 
zu tragen, bei gewissen gJ.' u ^"^^""^ ^^^^ g^^^sse Art Kleidung 
(grüßen, Bitten, DankeT^ Ü^ ^'*^'' bestimmte Worte zu gebrauchen 
oder, besser gesagt al« p v?""^* ^""^ ""^^ "^o^ehe Ersatzrealitäten 
Wesentliche an ihain L".-^ , u'^^P^'^^^S^übungen" gelten. Das 
^f ach in die Schüssel l^f"'^ f ' ^^^*^-- ^as Kind soll nicht 
^der gar die in der FamilT.TKr ^^''^ ^'^^ ^^^ Eßbestecke bedienen 
;^^g«gnung soll es nichTmtt ' Reihenfolge einhalten. Bei einer 

^rn vorerst grüßen; sich die 'qT.^'"''^^^^^" herausplatzen, son- 
ähn/- .'^ '^'^^«° ausreden il'"' abwischen, bevor es ins Haus 
ahBUeher jlegeln bedeutet 1 T,f ^'^^ ^'' Einhaltung dieser und 
fein ?r-^f '^^^^* -^- Triebbehf ^r ^"^^ beträchtlicher Spannun- 

Man .'' -"'^ ^^^^ «^entiehr itr''^^"^^' '^« ^^^ dem Kinde vermit- 
sie^^n :^''^'''''''^-^nt^^^^^^^ ^^ Lebenskampf. 

wand liegt mir^itT. "'^''^^«chamichf t ^^^^^s^eifiiche praktische 

Punkt ^ertmoTZu ''"''■ "'^ ^^ ^ ;!'f^" "^«""en. Dieser Ein- 
"nd die Zeit ah,,,! ^^ wirklich ni,r . """»™ eigenen Stand- 
'»« «^taige Mta^f 'f' »« «s mögS ."f "^^ ««^änld zu haben 
AWarten de.'"^^^, "''« »Ur „ei^l tilu ' ''"■ '^'"'ä« ™ "»klären", 
'»'"hier ennglT^^T ^""»'s, i e^" ,7"'ieu kann. Ein solche» 
(^hen die eS '"' "'^^ Wr ihm ei ' ' ^^'■^^g««S von dem Kinde 
ist das Apnem^™»«> ^att, bj,'"^ ^'»^ "ntellektuelle Entschädigung 

das Kind Erkl ^^''^'«»aUschePr, I ^ keineswegs immer mög" 

Seregelter Sti M™!*^™ überhaupt ,".""'!'.''« »eist früher einsetzt, als 

Stillzeiten); zweitens »fif"^'""' ■^' (^- B. das Einhalten 

'"""■ «in Teil der erzieherischen 




Versagen und Gewähren in der Erziehung ot 



Maßnahmen mit dem Hinweis auf ihren praktischen Sinn erklärbar 
smd. Die Einschränkungen, die dem Kinde auferlegt werden können 
m zwei Hauptgruppen geteilt werden. In die eine Gruppe 'gehören 
Jene Verhaltensregeln, die das Kind und seine Umgebung vor irgend 
einem Schaden schützen sollen (z. B.: „Rühre nicht den heißen Ofen 
an" usw.). Diese Regeln lassen sich mit dem Hinweis auf die un 
mittelbaren Folgen ihrer Außerachtlassung vollkommen erklären 
(„Du verbrennst dir die Finger...", „Vater wird böse, wenn du 
ihn nicht schlafen läßt . . ."). Diese Regeln sind aber auch keine Reali- 
tätsanpassungsübungen in unserem Sinne. Sie vertreten vielmehr 
Jenen Teil der einfachen Realität, mit der auch das Kind bald in Be- 
rührung kommt. Ganz anders steht es mit den eigentlichen Anpas- 
sungsübungen, zu denen wir die Regeln der Pünktlichkeit, Reinlich- 
keit (mit Ausnahme der rein hygienischen Maßnahmen) und der 
Schicklichkeit rechnen können. Ihr Sinn wird selbst für uns erst in 
einem viel weiteren, für das Kind sicher unerfaßbaren Zusammenhang 
verständlich. Wollten wir auch hier durchwegs mit Hilfe von Er- 
klärungen vorgehen, so müßten wir bald zu Scheinrationalisierungen, 
also zu einer Fälschung der Realität greifen, die meines Erachtens 
schädlicher ist, als ein einfaches: „Sieh', du meßt, denn alle machen 



es so 



Folgerichtig müssen wir uns nunmehr die Frage vorlegen, ob die 
„an sich" sinnlosen, formalen Forderungen, für die Entwicklung des 
kulturnotwendigen Maßes an Fähigkeit zur Triebbeherrsehung über- 
haupt notwendig sind, d. h. ob wir dasselbe nicht auch allein mit 
Hilfe der einfachen äußeren Realität erreichen könnten. Eine Antwort 
auf diese Frage gibt uns die Ethnologie. Sie zeigt uns die - am 
kulturellen Maßstab gemessen - geringe erzieherische Kraft der ein- 
fachen Realität. Der Hungersnöten ständig ausgesetzte Australier 
lernt es nicht, etwas für morgen aufzuheben. R ö h e i m meint, diese 
feorglosigkeit hätte ihren Grund in der Freigebigkeit, mit der die 
austrahsch^e Mutter ihre Kinder nährt. Menschen, denen das schmerz- 
liche Erlebnis der Entwöhnung erspart wurde, können sich keine 
karge Mutter Natur vorstellen, so reaiitätsgerecht dies auch sein 
7Jt n "T . ^P"°^i^^"«" ist 3edoch wahrscheinlich nicht die 
31 y M? ! ''"" Verhaltens. Da die Kinder nicht entwöhnt 
werden fehlt ihnen auch Jene frühe Trieberziehung (Training), die 
sie befähigen Würde, ihre Eßlust zu hemmen, um Vorräte zu sammeln, 
bie müssen eben sogleich alles verspeisen, was da ist. Die in tropi- 
scher Fülle lebenden Papuas hingegen, kennen die ängstliche Sorge 
um die nächste Mahlzeit, das Sammeln von Vorräten und auch die Ent- 
Wohnung von der Brust im ersten Lebensjahr. 



82 

Alice Bälint 



oder Trainingseremfi!'t!ri^' ^^^ ^^^ ~~ ^°^ "'^^ ^^ genannten - Drill- 
als niedrig bezeichn t ^^^^^hung bei Völkern, deren Kulturstufe 

sind. Bei solchen nrimTr'^^'' J"""^' '"^ geringerem Maße zu finden 
Tageseinteilung, kein t -t" ^^^'"'^^ ^i^* «s keine regelmäßige 
Arbeitsprogramins kein p"^ f Erledigen eines vorgeschriebenen 
Beobachtungen von Roh ^-^ "^ ^^'^ Peinlichkeit. Ferner zeigen die 
M. Mead, wie unter nrim-r^^ ^^^ ^^^ amerikanischen EthnologiB 
solchen Erlebnissen aus^ 7^"^ Verhältnissen die Kinder regelmäßig 
sich für schädlich halter^ 1 T"^' ^^^ ^^^ Kulturmensch an und für 
Würde. ^^^ aem Kind nach Möglichkeit ersparen 

Auf der Insel Samoa z R =■ ^ ... 
schlechtsakt, bei der Geburt " i - ^^'^'^^^ Zuschauer bei dem Ge- 
Leiche einer schwangeren P ^^^ ^^i^^en sehen, wie der Fötus aus der 
gehenden sexuellen Spiele a^""^^ ■ T^^^^^^^^^^iiitten wird; die weitest- 
alles Dinge, die innerhalb un"" t'' '^^^ereinander werden geduldet: 

men gelten, an denen Men Jr""^"" *'''' ^^^ schwerwiegende Trau- 
S16 Behandlung und Heilunr^'l''^''''''*^'''^ erkranken, derentwegen 
nisse dort weniger schädlich wT ^' '"* ^^^'' ^^^ triebhafte Erleb- 
zur Triebbeherrschung uiedrigli^i ^^ ^° ^^^ allgemeine Forderung 

bare Maß^e^ Kulttrtedfnlt?^*?^'" ^"^* ^^er das uns vorstell- 
Wissen Wir aber dies, so sehl ^riebversagung hinausgehen, 

gluck in einer recht verhänll'^T, ^'''^' ^^^ ^^^It^r und Menschen- 
^!^ kulturnotwendigen TriVh. i^"" Beziehung zueinander stehen- 
V^; der soldatische Drill keTner ''''^''^"^ ^^b^"' S^^^ ä^^"^^'^^' 
öe- Glückes des einzelnen Ch, 'I^^^^^^^^^en Sinn vom Standpunkte 
t Pelhaften, aber vom Triebstand i ^^^^^^eine Sympathie für den 
aus dem man auf keine Weise ^^^^^'^ ^^^^^^ gescheiten Rekruten, 
au. W ''^'^^^^ des KulturLnse;' ™^*^^"° ^'^l^^ten machen kann. 
Tn T\ "'' "'^^ ^ersuch'n köntr "T^""' ^^' ^^^^^ Triebglück 
StÄ^r^^ - ^^'""ErTu^^^^^^^^ ^^^ - -ff 
Maßzube^ow- , "^^^^^»agung auf L ^ Kultur bedeutet. Die 

^^ --^mC^.T "' ''' '''' --l^tTult'f '''/'^"^* kulturnotwendige 
men^nh ^^^' ^^^^^ Teil des ' , ^"^'^«^iieh. Im Gegenteil: sollte 
nien8eJ,en Wiederzugeben, beJ^r'^'^ Triebglückes dem Kultur- 

"^^^^^^^I^^LII^,^^^^^^^ ^'^^^- einigermaßen zu der. 

R/lF'^^^dT^^;!;;;:--;-^^ beitragen, w a s und 



•*- 



Versagen und Gewähren in der Erziehung 83 



wieviel wir dem Kinde gewähren können und sollen, und auf wel- 
chem Gebiet es nützlich sein kann, ihm Versagungen aufzuerlegen 
damit es die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung, d. h. zum Ertragen 
höherer Spannungen erlangt. Bei der Überlegung der Frage, was dem 
Kinde aus erzieherischen Gründen versagt oder erlaubt werden soll 
denken wir natürlich nicht an die undiskutierbaren, weil in jeder 
menschlichen Gesellschaft vorhandenen Versagungen, deren Inbegriff 
die Inzestschranke ist. Das Trainieren der Seele ist etwas darüber 
Hinausgehendes, Es handelt sich hierbei um die Erreichung der Fähig- 
keit zur Triebbeherrschung im allgemeinen, (Ihr Ausmaß ist aber je 
nach der Art der betreffenden Kultur variabel.) '■ i -j^ 

Zusammenfassend können wir sagen, daß es vielleicht ein Irrtum 
war, wenn wir — wie wohl die meisten unter uns — geneigt waren, 
das Gewähren auf seelisch-inhaltlichem Gebiet mit der Vernach- 
lässigung der formalen Disziplin zu verknüpfen. Das Kind soll mög- 
lichst frei denken und fühlen und seinen Gedanken und Gefühlen auch 
gelegentlich Ausdruck geben dürfen, und soll sich doch den verschie- 
denen Formansprüchen der Gesellschaft bequemen müssen. Es soll 
lernen, daß es nicht alles sagen und tun darf, was ihm einfällt, wobei 
aber offen anerkannt wird, daß einem Dinge einfallen, die mit den 
gesellschaftlichen Vorschriften nicht übereinstimmen. Durch Gewöh- 
nung an die Formansprüche der Gesellschaft, ohne gleichzei- 
tige moralische Verurteilung der zu zügelnden Trieb- 
regungen, kann vielleicht jene Elastizität der Seele erreicht werden, 
die uns befähigt, einerseits Entsagungen zu ertragen und anderseits 
die sich bietenden Gelegenheiten zu freierem Ausleben einer Trieb- 
regung zu genießen. Mit anderen Worten hieße das: die Sonde- 
rung der Erziehung zum Realitätsprinzip von der 
Über-Ieh-Bildung. t--,;; y: -■ -.::. ->..:-.i :. :r 

Das Ziel einer jeden Erziehung ist eigentlich ein zweifaches: sie 
soll die praktische Leistungsfähigkeit (Tüchtigkeit im Lebenskampf) 
und die Glücks- oder Genußfähigkeit des Menschen gewährleisten. 
Das erste Ziel wird mehr von der offiziellen Schulerziehung, das 
andere mehr von der inoffiziellen elterlichen Erziehung vertreten. 
Diese Einseitigkeit der Zielsetzungen hat die unnötige Härte und 
Starre der einen und die Unsicherheit und Planlosigkeit der anderen 
J'-'rziehung zur Folge. Eine allgemeine Erziehungslehre wird unbe- 
<lingt beide Ziele vereinigen müssen. 



j l:.i;i ij-^'-r 



Eine Kinderfreundsdiaft 

Beobaditung aus einem Kindergarten 

Von Edith Braun, Wien 



I-y 



sechsjährigen 
beob- 



achten, über deren vfi/^i"'^''' ^"^ "^ ^^^^"^" Mädchen zu 

I^ie öJ^iähri e ^ ' ^'®'' berichten will. 

Vater und Muüer in ^ ^' ^^^ ^^^^ ^''^^^ Handelsagenten, lebte mit 
ich, obwohl Eva dre" T^T"^ Kabinett in Untermiete. Die Mutter habe 
Wohnung nicht weit ?f ^ ^^""^ ^^"^ Kindergarten besuchte und ihre 
Jahr, als Eva noch n hf™* ^^""^ ^^"^"^ gekannt, da sie nur im ersten 
brachte oder holte- ^ i '"^ "'^''^^'' Gruppe war, das Kind manchmal 
kannte sie nur aus eITV u}'^^ ^'^ ^'^^ ^^öllig dem Vater. Ich 
Bewunderung von ihrl ^""^^^^^^"Sen ; das Kind sprach mit großer 
Sie habe. So erfuhr ich Z'IaTJ'^ ^^'' ^"^ "^^^ für schöne Kleider 
baus mitgenommen wurde ''°'' ^®'' ^"*^^'' ^^ *^^^ ^°® ^''^^®^' 

Eva War ein h"h ii ' G'^^^- 

eitel. Von selten der'pi? ^'''^' ^^^'"^ ''"^ ^^rt und ungewöhnlich 
^atte fast immer Uakl.T ^■''''^^ ^'^^^ Eigenschaft gefördert, sie 
erzählte mir einmal daft !• ^/^«^^^^g^l ^"d gebranntes Haar. Sie 
^^d den Kopf nich; beweTen^^'d T "^"'^^ ^""^ ^"^^^ ^^^^^^ "^^^'^ 
drucken. An zwei Tagen dSwl'' """^ ^^^^ ^^^^^ nicht zu zer- 
Kmdergart^^ abgehoirda 1 ^'^?, "^^"^^ ^'^ früher als sonst vom 
^hr diese Tanzschule w;r'Lrri'''''''^^^^ besuchte. Wie wichtig 
beim Schnurspringen hlnZZ^^^V' ^^is^iele: Sie war im Garten 

4 stLTbluer ^^^^^^re uet/"'^^^^^ ™^- ''' ^^^ü 
Grund- üh! ^^^^ ^n und antwn.! . ^^^ ^^^^^t ^^h. Plötzlich 

einem pCseTv'^" '^^^ -^ CsTld' T "^^^^ ^^^^ "^^ ^^" 
babe ihr d! Q ^''^"^^^•" Am nach' ^'^^' ^^ ^^"^ ^^^ doch nicht mit 
war er ga' ^''"^^^P^^ngen verbot?^. ^^ ^^^^^^^^te sie, ihr Vater 

daran geahfr* ^^^ -^^ e ^r '' ^ V^^* ^^^ ^-^^- ^P^^^'' 
einmal ., ^'^ ^^^te sieh wohi ^ ' ''' ^^^^ "i^^t im entferntesten 

"n z:^T'^^ -i^t ditr "^^^^^^ -^ ^^^^^' «^^^ -'^^ 

gebS w-'*i' ^^^"^eignüS'df '''"^«^S« ^-^ eine Kasperlvor- 

wart n\ ^''' ^^^ ^^f das s'ie A"""'^^^ ^-^ern nur sehr selten 

lTri>'\^"^d^ bitten wäh!;f/' "^^* besonderer Begeisterung 

-e, nachdem sie ger^dlnoefd '^^ J-^^ellung abgehoft und ver- 

aem Kasperl zugejubelt hatte, ohne 



das geringste Zeichen des Bedauerns, da sie wußte, daß sie in die 
Tanzstunde geführt werde. ^® 

Ihr Benehmen war tiberlegt und unkindlich, den Erwachsenpr, 
gegenüber sogar als kokett zu bezeichnen. Ihr Verhalten zu den Sn 
dern, besonders zu den ganz kleinen, war im Vorjahr sehr neU 
gewesen, sie hatte sie bemuttert und ihnen geholfen. Vor allem den 
neuen, noch nicht eingewöhnten Kindern hatte ihre Fürsorge ee^ol 
ten und es war ihr oft gelungen, sie zu trösten. Im Laufe dieses 
Jahres, seit sie sich in einer Gruppe mit Gleichaltrigen befand ver- 
änderte sich ihr Benehmen; sie hatte, besonders ihrer Freundin Susi 
gegenüber, einen befehlenden, herrschsüchtigen Ton und ließ diese 
ihre Überlegenheit deutlich fühlen. 

Susi, die um ein halbes Jahr jünger war als Eva, war um ein 
ganzes Stück größer als diese, körperlich sehr entwickelt und machte 
einen durchaus gesunden Eindruck. Sie war das sorgfältig behütete 
einzige Kind intellektueller Eltern. Sie kam zu Beginn des Schul- 
jahres (Mitte September) in den Kindergarten, war zuerst in einer 
anderen Gruppe und fiel mir unter den vielen neuen Kindern durch 
ihr glückstrahlendes Gesicht und ihr fröhliches Lachen auf. Ihr Wesen 
war im Gegensatz zu dem Evas offen und kindlich. 

Im Oktober kam Susi in meine Gruppe und wurde von Eva, die 
sie bis dahin nur vom Spielen im Garten^) kannte, mit einer Um- 
armung und einem Kuß begrüßt. Sie waren also vom ersten Tag an 
befreundet, doch war an dieser Freundschaft einige Wochen hindurch 
nichts Auffallendes zu sehen. Erst gegen Ende des Monats November 
zeigte es sich, daß Susi ihren Willen vollkommen dem Evas unter- 
worfen und daß sie gleichzeitig ihre strahlende Heiterkeit verloren 
hatte. Sie konnte ohne Evas Einwilligung nichts mehr tun oder lassen 
mußte beim Essen neben ihr sitzen, an ihrem Tisch arbeiten usw. War 
^va einmal anderer Laune und zog es vor, nicht mit ihr, sondern mit 
dnaeren Kindern zu spielen, dann machte Susi ein finsteres Gesicht, 
og sich von allen zurück, wagte es aber nie, sich Eva gegen deren 
^'vuien zu nähern. ^j^iu::- 

Ich trachtete nun, die beiden nach Möglichkeit zu trennen, und 

orderte Eva auf, in der Werkstatt zu arbeiten, während Susi im 

Arbeitsraum zurückblieb. (Die Werkstatt ist vom übrigen Raum 

urch eine Glasschiebetür getrennt.) Susi war an diesem Nachmittag 

viel fröhlicher als sonst. Zwei Tage später machte ich ihr den Vor- 

f^gJa g^in die Werkstatt zu gehen, und erhielt als Antwort die Frage: 

Gni ^^^ Kindergarten ist in drei Gruppen geteilt, und zwar so, daß in zwei 

uppen alle Kinder von 2i4 bis 5 Jahren, in der dritten Gruppe die 5- bis 

janrigen untergebracht sind. Nur im Garten spielen alle Kinder gemeinsam. 



Edith Braun 

),Geht Eva auch?" Ich a t 

woraui Susi mit trnt^ialL^n^*^^?' "^®^^' ^^^ "^^^ J^ erst vorgestern", 
Wie allen anderen Kifrl ablehnte. Daß die Werkstattarbeit 

wußte ich von früher l?i. ''/''''^ '^'* großes Vergnügen bereitete, 
weil Eva, die „Kellner'^ ""^^ ^^^ ^^'"'^^ ^'^ ^^ ^^^*^^ bitterlich, 
decken hatte erst snäi-^ -^^I ^^^ ^^^ solcher die Mittagstische zu 

Bezeichnend ftdasMa.''-.'" ^'^^'" ^^^^■ 
Begebenheiten: Susi ka r "^^^^^^^Skeit von Eva sind folgende 

Schnur zu drehen da si°^ ^^ harten zu mir und bat mich, für sie die 
im selben Augenblick h^^'T ^^''^'^^^'^ ^«^1*^. Ich nahm die Schnur; 
Eva, und wollten auch ^™^^ ^^^^^^ andere Kinder, darunter 

nicht eher sprang «i« k^^T^^""' ^ormt Susi sofort zurücktrat und 

trug sich am nächsten tT f ^ ^"^ '^^^ ^^'^^ ^^^^^^^ ^^^- ^^^ "^^'"^ 
einander und hatten be'd^ ^^^^gendes zu: Susi und Eva saßen neben- 
Jmge, der das Amt dp^'ir ii ^^"^^^^ bereits aufgegessen, als der 
kam, um ihr anzubieten ^^^^""^ ausübte, mit den Kartoffeln zu Susi 
zustimmend mit dem Vr.' f ^^^^^^te zögernd auf Eva, diese nickte 
Bei einer Unerrl^?'-rr'^* '''^ ^^^^ ^^-^i^^te. 

von Eva ^Prach uTdt^t t"^ ^^^' '^' «-^ -^^ '''' 

nicht mehr ihre Frenn^f ^'^ '^'' *^^g^^ «^üsse, da Eva sonst 

einmal gesehen hatte ^pi'i ''''' ^^''^^- ^^"^^ ^^^^^ war Eva, die er 
Blick einer Schlange' ''l'^^^^^^^P^thisch, er behauptete, sie habe den 
waren über Susis Liebn T T "dämonisch". Er und seine Frau 
sie ihr auszureden indem ^^glücklich und bemühten sich. 

Die Mutter versuchte sogar Ll^^^^""' ^""^ ""^'^ ^^^^^^^ ^^^ •^^^°'' 
^^d legte ihr nahe sich «rin ^ "" ^'"^"^^ "^^^ ^va zu verbieten, 
gab zu, daß dieses VorlhT. Freundinnen zu suchen. Der Vater 
2^higt war er darüber daTs-^-?'' ^^^^^' ^^^- Besonders beun- 
Hose geschaut. ' ^ ^^"^ ^^^ erzählte, Eva habe ihr in die 

Auf meine Veranla 
S™f N"^"" ^--^'^^^^rJ^HAUe k'" '"^ ^'^^^t«" ^ag unter dem 

fZIUT ^^' ^^^^«t Ziemlich ! ^^'^^«^^heit auf Susi haben 

MUt'alst !!' '"^ ^'^^ bald. TuLr^^.'^*' '^^^*^ ^^-^g- Male nach 

h n kn ^ "^'^ '^^^^»^ *>ei dieser Ar-r^r^^ ^'"^««^ 'ieckte sie die 

wieder r?' '"^ ^^a im G^r 'n t« ^ '^^'^^ ^^« "^«^^h das Fenster 

a^^enl. ^. '"'^^^^^ Glruppe ü Tr."^ a ^°^^^^^^^ Tag - Eva war 

^tL^"^""'' ^-^h Z^tUchkef «"'' ^^^ ^«g-^über ein auf- 

'^^t^rZ^^^^^ --^^ nicht von meiner 

Wir i^ ; *^'^ ^i^ sonst keirT J "^'"^ ^^^«^^^t z'^ werden - 

W^- überlegten weiter, was 2 , * ^'''^' ''^'''■ 

den beiden Kindern geschehen 



\ 



Eine Kinderfreundschaft o-j 



solle. Durch Evas Versetzung in die andere Gruppe hätte man sie 
wohl ganz trennen können, aber ich hatte Bedenken, dies sofort zu 
tun. Susi hätte den Verlust der Freundin wahrscheinlich als Strafe 
empfunden, und ich wollte es vermeiden, übermäßige Schuldgefühle 
in ihr zu wecken. Anderseits wagte ich es aber nicht, mich abwartend 
zu verhalten, um zu sehen, ob diese Bindung sich von selbst lösen 
würde; denn die Gefahr, daß sie sich nicht lösen, sondern noch mehr 
vertiefen würde, war zu groß. • • -.. ...v: ., .. • .a^ s 

Ich wählte also einen Mittelweg, nämlich den der Trennung für 
halbe Tage. Dadurch ergab sich auch noch der Vorteil, daß ich Ge- 
legenheit hatte, die Kinder sowohl einzeln als auch gemeinsam zu 
beobachten und festzustellen, wie weit tatsächlich sexuelle Spiele 
stattfanden. Ich konnte allerdings bis zur endgültigen Trennung der 
beiden nichts derartiges beobachten. Gleichzeitig versuchte ich Susis 
■b-ltern zu beeinflussen, ihre Antipathie gegen Eva nicht so deutlich 
2u zeigen; dadurch würden sie Susi die Möglichkeit, sich mit ihnen 
auszusprechen, erleichtern. Ich nahm mir auch vor, Susis Bedürfnis 
ach Zärtlichkeit und besonderer Fürsorge, das sie in den letzten 
agen so deutlich gezeigt hatte, möglichst entgegenzukommen. 
Aus meinen Tagebuchaufzeichnungen über die folgenden Wochen 
geht am besten hervor, wie sich Susis Verhalten änderte, je nachdem 
va an- oder abwesend war. Ich werde daher die mir am wichtigsten 
erscheinenden Stellen hier anführen: 

>• ^^ember. Eva war heute zum dritten Mal in der anderen Gruppe su Besuch. 

Ute auch mitgehen und war zuerst sehr unglücklich, als ich es ihr verwehrte. Mit 

arung, daß keine Kindergärtnerin mehr als einen Besuch haben möchte, weil sonst 
zu vi elf Ä^ ■ j • • 
2 .. , ■"■""'*^'" «" einer Gruppe wären, gab sie sich zufrieden. Eva kam um II Uhr 

S' ;, 7 "'^ ^^^^ ^"'^ '^^" Garten anzuziehen; trotzdem zog Susi es vor, im Raum zu bleiben. 

°J beim Aufräumen und zeichnete. Beim Mittagessen saß sie wieder neben Eva. 
^^ • ezember. Eva war ivieder in der anderen Gruppe. Susi, die meine Erklärung 
die'^ a zeptierte, aber doch den Wunsch hatte, es ihrer Freundin gleichzutun, bat mich, in 
^ an cre „kleine" Gruppe gehen zu dürfen. („Klein'^, weil dort kleine Kinder sind. Ich 
ih '* beiden Gruppen zur leichteren Unterscheidung mit I und II bezeichnen.) Ich gab 

^ stverständlich die Erlaubnis. Susi blieb dort zum Mittagessen als „Kellner", obwohl 

t~rarten war. Nach der Ruhestunde forderte ich Susi auf, in die Werkstatt zu 

'kommen ? ' 

j- . ■ '^ Sagte: ,^Aber nur, wenn Eva auch geht.'^ Eva kam und wollte malen. Susi, 

^ gentlich den Wunsch hatte, mit Ton zu arbeiten, nahm daraufhin auch Farben und 
^ • Voc/i bevor die Arbeit begonnen wurde, räumte Eva die Maigeräte wieder weg und 
B J,- ''^ ""'^ Papier zum Ausschneiden, worauf Susi sofort dasselbe tat. Bei dieser 

^^'^ 'Iftigung blieben dann beide bis zum Schluß. 
^^^ * ezembe r. Eva wollte heute nicht zu den Kleinen gehen, sie war den ganzen Vor- 
vo T "*'* '^"^* beisammen. Die beiden setzten sich bei der Arbeit absichtlich so, daß sie 
«t gerade anwesenden Zuschauern gesehen werden konnten. Susi benahm sich besonders 






Jii 



f- 



§^^ Edith Braun 



) 



•ert- 



auffamgund nÖHe bei den rhythmischen Übungen so, daß ich sie wegschicken mußte. Ah 
aue Kinder in den Garten gingen, u,einte sie heßig und gab als Grund an, daß sie nicht 
m^ hinaus gehen u^oUe. Das konnte aber nickt der u^ahre Grund sein, denn es besteht bei 
^J >r die Kmder kein Zu,ang, in den Garten zu gehen. Ich beruhigte sie und erklärte 

a«e 1-. TTT"^'''^ '■" '""^ ""■^-' '''"■-/«" --'« «•<= "-'^ M^'ser und 

ZiV LT ; ;' '" """" ^" ^^^- ^- ^-^- """■ sie dann sehr vergnügt. 

W „n^. ,ut gelabt. Sie Zi^Z ^^ '' '""" ^ ^^"^ ^"'^" "^ ^"'^^ 

Gruppe II zu gehen. "^'"' ff^^^^ng^en war, wünschte sie dringend, in die 

IJ. Dezember, Eva war in der C 
sie schrieb h^ute zum erstenmal m,V 7%- ''! ' " ^'^' S^'' "'"^* "«"'^ *'" ^'^''"^^ 

C/^» einen Zwischenfall der sich ' Vf ''"^ "''^ ^^^ ""'^ ^^'^ "''«'^'^«'^ ^'"'^'''''''' 
^^ em/ü^en: Die gArln Kind Zrf' ""^'^''^''^ =" "•^^-^' ^"-^ ^'^'^ ■^'''^'" 
nur eine halbe Stunde und rZ d ''''^' """'' '^"" Mi«a^«sm, ^onrfern iiV^^ 

muß ich vermeiden, daß alleZTj. '^^ '^Z ^i^g^^tühle selbst fort. Um das zu erleichtem, 
Obwohl die Zeitspanne vom Au^nT , "•^"'''"' ""'^ '""•^^ ''' ^"^^'^ ^'^^ ^"'^ ^"'"'"' 
^ehn Minuten beträgt, wünscht doch ' T '"^'*'" ^^ ^" '**'" ^' ^^^^"^ ^'"'^" ^löc/i^««^ 
aHen Kindern gleich unbeliebt Aus d ""'"^ '^"' '"*"" ^" '"""' '^'"'^ '^''' ^■'^^^" ''* ^^' 

an diesem Nachmittag als eim der '*^^'" '^'^""'^ '" " """"^ bemerkenswert, daß Susi, dü 
rief nun Eva absichtlich erst ganz a"'^ jf^''"''^'^ "'"'^'^*' ''''^ "'">«'■*« aufzustehen. le^ 
räumte auch Susi ihren LiegesuM T" '^' ""^ ^"""^ ''°"* "^^ ''""^" ^'""'^'^ ^eru/et» 

li". Dezember. Während Ev h • 

^urde Susi aufgefordert Eiersi, " '^ "i '" '^^'* ^'''■''''■''*« """•, um sich auszuziehen, 
Herd bedeutet jedesmal eine besond '""''""• ^°°^ ^"'^^^'^ ^uf dem kleinen elektrischen 
die Arbeit erst an, als sie sah dZ T''^''"' ^^^ ^'' ^'""^'''^ ^""' "'««^« «^ ""'^ """^ 
nrit großem Eifer und sichtlicL FreudTdZan" ^""^^^ ^ ^'''^' '^''"" ^''"'''^'' "' ''"'' 
wollte nichts tun. Nach ei^er W^^l f''' ^''^^ ^""^ Sing unschlüssig im Saal Urum und 

^ieinen gehe. Im Augenblick, nachll Zt "v '""' "" "" ^" ^''^^"' ^'^ ''" '" ^"" 
und Feder und begann zu schreiben '^" geschlossen war, nahm Susi Tinte 

BeschlüsseTvor Eva^'b?^?^ '"''" besonders deutlich, wie sehr sie in ihren 
20. De abhängig war. 

«^*^n 5u.4 Jefd. IchruZ Zit T^! "'Jr ' T ^"^'^*"' '" '^^ ^^P''*' ^ ^" ^^'^"'- ^^'^ '""^ 
'»'»"^«««den Zuschauer zu neck c '• """'" ''"^^'^ ^'""'** /^'"^ ■E^'« «". '''"'^" '^^'' 

^«'*, 6» ich ihnen verbot zud 7 '"'''''' " '°^'"'' '""'^- ^^' wiederholten es einige 
^n einen Tisch in seiner Nähe N 1^^^^ ^'^^^gehen. Beim Frühstück setzten sie sich 
nur Dummheiten, immer in der N-h, '^''"''" ''' '^'' ^»^'^gstische decken, machten aber 
ordentlich zu machen nicht . \T ^"'"^""'"- ß'^ ne meiner Aufforderung, ihre Arbeit 

^^•Dezembel Eva T f'"' "'"^ ^'' ^''^'«'^ ^^ ^^«~ 
in die Gruppe IL Gestern 5 ""''^"" '" '''"' ^""W* ^' Susi auf memm Vorschlag 

""'^ ™^^"^^'-'» '^""^ "e diesen Vorschlag abgelehnt, da Eva 



— '■i~niTrj°rir7~i 



Eine Kinderfreundschaft 89 



Jiier geblieben war. Eva kam um zehn Uhr zurück und half heim Kettenmachen ßir den 
Weihnachtsbaum. Nach kurzer Zeit kam auch Susi. (Die Leiterin der Gruppe II erzählte mir 
nachher^ daß sie nach dem Frühstück unter Tränen gebeten hatte, zurückgehen zu dürfen.) Sie 
Hieb in der Garderobe und war nicht zu bewegen, in den Saal zu kommen. Ah ich später 
eine Geschichte erzählte, öffnete sie ein wenig die Tür, um zuzuhören, kam aber trotz mehr- 
maliger Aufforderung nicht herein, -. . . ,. 

^m Ende der Ruhestunde weigerte sich Susi wieder aufzustehen, da Eva noch nicht 
gerufen war. Da ich sehen wollte, wie groß ihre Beharrlichkeit war, erklärte ich ihr, sie 
müsse aufstehen, und räumte ihren Liegestuhl fort. Darauf legte sie sich an derselben 
Stelle auf den Boden und weinte heftig, als ich ihr dies untersagte. Sie beruhigte sich 
<«^ als Eva aufstehen durfte. ^^' *• = " -^ -"-> ' - ' - .•--:- ^r :x_: 

2}. Dezember. Tag der Weihnachtsfeier. ' 

■^Is die Kinder im Begriffe waren, ihre Geschenke einzupacken, konnte Eva die ihren 
nicht finden und suchte verzweifelt danach. Susi, die während des ganzen Festes freudig 
*^regt war und sich gar nicht um Eva gekümmert hatte, war sofort bereit, ihre Sachen 
^va zu geben, und weinte sehr, als ich sie daran hinderte. Sie weinte noch lange; erst als 
^fas Sachen gefunden waren, war sie wieder so strahlend und glücklich wie vorher. 

Aus allen diesen Beobachtungen merkt man deutlich, um wieviel 
besser sieh Susi fühlte, wenn sie von Eva getrennt war. Nur in deren 
■A-bwesenheit war es ihr möglich, eigene Wünsche zu haben und ihrer 
Aktivität freien Lauf zu lassen. ■ "'' ' ' ' ' 

Da durch die Weihnachtsferien ohnehin eine natürliche Unter- 
brechung dieser Freundschaft herbeigeführt wurde, hatte ich nun 
keine Bedenken mehr, Eva nach den Ferien ganz in die andere Gruppe 
211 versetzen. Sie wehrte sich auch gar nicht dagegen, sondern war 
Sanz damit einverstanden und war zu den kleinen Kindern ebenso nett 
^le im Vorjahr. In den ersten Tagen nach den Ferien stürzte sie im 
^i'ten auf mich zu, fragte nach Susi und war enttäuscht, als ich ihr 
®^gte, daß sie noch nicht da sei. 

öusi kam erst eine Woche später, machte einen sehr vergnügten 

_indrück und erwähnte Eva mit keinem Wort. Sie spielte den ganzen 

ormittag mit Heinz, einem Jungen, dessen Eltern mit ihren EVtetn 

©freundet waren. Auffallend war, daß sie sowohl an diesem als auch 

^ nächsten Tag nicht in den Garten ging; man hatte ganz den Ein- 

^^ck, als wolle sie es vermeiden, mit Eva zusammenzutreffen. Erst 

^^ dritten Tag fragte sie nach ihr; als ich ihr sagte, sie sei jetzt 

eaiiz in der Gruppe I, gab sie sich gleich damit zufrieden und fragte 

^icnt nach der Ursache. Sie bemühte sich in den nächsten Tagen, viel 

it Heinz zusammenzusein, der zwar sehr zärtlich zu ihr war, aber 

och die Buben als Spielkameraden vorzog. Sehr frei in ihren Ent- 

^chlussen war sie auch jetzt noch nicht. Ein Beispiel dafür: Die 

"^^nder, die in den Musiksaal gehen wollten, zogen ihre Turnschuhe 



Edith Braun 

den GarteTLne^^"^*!!^' ^^ ^^^ ^^®' ^^^ ^^^^^ ™^* einigen andern in 

Nach einer W ^u ^^^ ^^^ i'^^« Schuhe um und folgte ihm. 

später kam waTp ^^'"'"^^ ^''^^ ^^^"k- '^"^ als sie zwei Wochen 
darauf abgemeldet inzwischen krank geworden und wurde baia 

ir auch jetirnfih?^ Erlebnis nicht spurlos vorübergegangen. Sie 
iwnndör, ' ^"^®m Eva vollständiv nn= ih^^m rjAfii-rbtskreis ver- 



'* ar auch jetzt naohri ~;*"""^« "icni spurlos voriibergega"B^"- 
schwunden war ml?'" vollständig aus ihrem Gesichtskreis ver- 

sie kennengelernt b.n'^^T'' ^^^ gleichmäßig heitere Kind, als das icn 
baren Grund, der nlll^' ^""^ ^^^^^ wechselte rasch und ohne sieht' 
^ind zu heftigem Wa-'*^ ^"^^^ konnte das gerade noch strahlende 

Nach drei Cr, T'^'^^Sen. 
begrüßte sie soforTTl ^^"^ ^""^ ""'^^^^ ^^ den Kindergarten. Susi 
W^ile miteinander 'auir^^^^^ ^«^ ^^^ten erblickte. Sie spielten eine 
^«« Haus. Susi erwähnt. T "2^""'^ ^^"d^^"' dann ging Eva wieder 

Ein paar Tage '1/ .'\''^°^^^^^ "^^* deinem Wort. ^ .^ 
"^^f olo" mitgebracht h ^T^^^»^*«*- ich folgendes: Susi hatte ^n 
Nach einer Weile bat Ih^'"/' ''^^'^ ^va, als diese es verlangte^ 
S^^i und sagte: „Jet, ^t"V'' ^''^''^' «P-l*« damit, gab es dann 
^."^i ging sofor dl * u? '* ^"^ ^^^^' dann Lotte, dann wieder Eva- 
^^n^gen Monaten hä'te « / -^^^'^ ^^^^*^ ^« ^^ch durch. Noch vo 
ly zu benutzen, das E ' ^k ^'"' ^«t^ehieden geweigert, ein Spiel 
gva auf der Wippe und . h -^'^ ^""^^- ^ine halbe Stunde später saß 
tT ^""^ "^it Zögernden. iJ"-""' ^^^^^^k^^ften: „Susi, Susi, Susi^ 
'^^^: geniere dich n'chl " B ''**'^ ^^^^^^^ Eva rief: „Aber so komm 

Diese beiden Szenen L- ^^"^^^hin lief Susi zu ihr. 
^2'' ''' Nieder in ihrrp^'"' ""'' ^^^^ ^-«i bemühte, den Versnoben 
anßere, Ereignisse kamen T* ^" ^^^«"^™-' - widerstehen. I^^ 

bedau" > ^^- dr;nten wl^^" ^^^ Eltern waren übersiedelt, 
bedauernd feststellten Ein eT. '^''^"^ ^^^ i^nen zu weit, wie sio 
e'ne b T ^'^^ «türmiseheT'^.'^ ^'^^ ^^^ Susi im Herbst zu Besuch 
^''wlt!^'^- --WvS: !ff ^.f ng ZTfischen den beiden Kindern, 

einige T«^ ®^^ ganzPQ q l kommen. 

l^bmeelr /" '^^ 'org c,'rtb^''^ ^^^ -- Es fehlten ihr nur 
Suchen eine'r 'S' ^^^«r'dispenf^^^^ Schulalter, aber ihr Vater 
spielte, doeh r' ^''^«^^i^' bei de/''"'"^^^°- Sie hatte nach kurzem 

3ünger'w fa Is 1' '^^'^ '^ Äß! ""'^ ^"^^ ^^ ^^^^^^^ ^^ 
din weit überu ^^' ^^^ sie ^uJ^Lu- ^'^ ^^' Susi. Obwohl Grete 
^^^^legen. Schon aus dil ^^'"^ ^«d Können ihrer Freun- 

diesem Grund ließ sie sich nicht so i« 



Eine Kinderfreundschaft 



91 



die passive Rolle drängen wie Susi. Es war Evas Geschicklichkeit 
gelungen, die großen weltanschaulichen und Milieudifferenzen zwi- 
schen ihrem und Gretes Elternhaus zu überbrücken und sich dort so 
hehebt zu machen, daß Gretes Eltern die Freundschaft in jeder Weise 
forderten. Sie luden Eva, die die Abende sonst im Kaffeehaus ver- 
rmgen mußte, häufig zu sich ein. Auch während der Schulzeit, die 
beide Kinder in einer Klasse verbringen, hält diese Freundschaft 
noch an. 

Nach zweieinhalbjähriger Abwesenheit von Wien kam Susi eines 
ages in den Kindergarten. Ihre Mutter erzählte mir, daß sie schon 
seit zehn Tagen in Wien sei, und daß das Kind vom ersten Tag an 
gebeten habe, den Kindergarten besuchen zu dürfen. Endlich am 
zehnten Tag wurde ihr Wunsch erfüllt, doch sobald sich Susi dem 
Kindergarten näherte, bat sie die Mutter umzukehren. Die Mutter 
ging auf diesen Wunsch nicht ein, sondern läutete an, und als ich die 
her" r ^i!"^^^' ^^^ ^"®^ strahlend vergnügt und begrüßte mich sehr 
^ rzheh. Sie ging durch das ganze Haus, erinnerte sich an viele 
^_ nzelheiten, erkannte alle Lehrerinnen und fragte nach solchen, 
16 nicht anwesend waren. Nach einer Weile hatte ich folgendes Ge- 
sprach mit ihr: 

»rmnerst du dich noch an deine Freundin von damals?'' 

i>Oh ja, Lotte und Ingel" 

«Hast du nicht noch eine Freundin gehabt?" 

»•Ja, die Ruth.'^ 

^GfrLm^^t ^^^^ Mädchen, die sie mir da nannte, war sie tatsächlich 
TpK 7^ gewesen, bevor ihre Bindung an Eva begonnen hatte. 
^cn forschte weiter: 

" " ^« aber noch eine Freundin gehabt?" 
»iVein.'' 6 

Sie J""^ " "^^'^ ^""^ *""'"'"^' "'^"^ cwmfl/ nach." 

^^^^^tiachte angestrengt nach und sagte dann: ^.- •...-. :;: 

"»^e2"t^h """''*'^^ ^"^ ^"""^ """^ '^^ G*'"-^> <^«^ ^i'^ä doch Buhen."' 
^'■"PJDe Ilr '^ '^T' "" ^^""" ^"''^'^^'"^ ^''^ '^«■"^ Freundin war, während du in der 

erkennen^^^n^*®. ^^* gi"oßer Bestimmtheit den Kopf und ich mußte 
hatte. ' ^^® ^^^ vollständig aus ihrem Bewußtsein verdrängt 

♦ 

Wöj, . 

Von ein ^^ ^^^^^ Liebesbeziehung ein Partner in einer solchen Weise 

^®i dem ^ ^^^^^^ abhängig ist, wie Susi von Eva, so sagen wir, er 

^örigke-f^ ^^" ^°^^^' "^™ Verhalten Susis zu Eva drückt sich die 

darin aus, daß Susi Eva zuliebe ohne Widerrede auf die 

'^^* ^ psa. Fad., X/2 _: .._,._. ^ 2 






92 



Edith Braun 



Lieblingsbesehäftigunirr^^ '~~' ' ' ' 

sogar beim Essen die Ewn ' ""^ ^^^ ^^^^^ dienst zu tun, ja 
^«g^nnt. Auch wie sie s^h '^^^ ^^'^^ abwartet, bevor sie damit 
ganz den Eindruck der ^t T ^""^^ ^^^ Ruhestunde verhält, macht 
"!it dem eines demütigen tV^k^I*' ^^"^ ^^^^ das Benehmen Susis nur 
wT ^"^^^^^^^ Frau stehr t '" ^«^gleichen, der völlig im Banne 
WUlens zugunsten einer fast r'f"- l'^f^ Ausschaltung des eigenen 
J^raxis sonst je erlebt nnl ^l^^^haltrigen habe ich weder in der 
36 beschrieben gefunden '"^ ^'' ^i^derpsychologischen Literatur 

*Vie kann man ' v. 
Meine Beobachtang"konnL'^°!^'"""'S ^'^"^^ Hörigkeit vorstelle»? 
^«den; auBerdem kann °!„ ^ ^^ """" '^"Se genug durchgeführt 
^^S in das Wesen einTri'"'"'™ ""^ Kindergartens nicht tief 
talten restlos aufzukiCn'^'"*"» '''»'^"''g». nm ein solches Ver- 
•"»«tionen angewiesen "■ '""^ *'«» =">! Mutmaßungen und Kom- 
oasis Mutter war so' 

I'TT """' konnfe Steh 1''^';^'^" ''^™'"<='' ^«^r in Anspruch 
^al^scheinlieh früher der F J, "' ^'"'^ '^«»'S« kümmern, als dies 
Bereitschaft zu einer solntenlr'.'^'''"'^ Enttäuschung wird ihre 
Außerdem war der Gegensatz ™ ■^'"''"'''''^«''""S ™'^'ärkt hahen. 
Eva d.e auf Susi gehefmutsvoirr. '" *^' intellektuellen Mutter und 
Stet??'";'"'- ^^ Ev^v-eies ™V""''""^-'h »i^^te, sicherlich 

tte w,'rd"'r'^'-»8- ThrÄjr '"^' '^'^°'^" -"'• "" 
»am™ j " Ursache großer p """8 ""bewußter Wünsche. 

*en Ei *r ^"her so heftert Kinr"''"*™""^'« ™* -ier Grund, 
äertesÄ,^'™^ -SlückufhTn S ^**-8enheit verlor und 
kam, schl. '™ '° ^™^ Abwesrnh^ f f '"^*'^- ^•«=>' ">■• ^^-ä»- 
Das aitr"' ^"e Folge i w P ' "''™ Anatmen gleich- 

Erwachsl '"■"" ""' äen Erfahr,,^ "''°'''"'"» «ewosen zu sein. 

Partner fJ^" ^" Errelchune d!^ *^ *"'° gelegen ist, daß 

""'- ■ ^"^ Sotigkeit ist fl.„ ^. *^«m\ict plöteUch und 

dann em Teil des Schuldgefühls 



—"^•' gelang 
imteTgebraeht. 



'■■'■■llllliilliiillilllllllllillltiiiiiiiiitlllilliillliit 



ifTi 



Das Kleinkind und seine Umwelt*^ 

Von Albrecht Meyer, Chicago 

Die Rekonstruktion der realen Umwelt, in der das Kleinkind seine 
für das spätere Leben so bedeutsame Entwicklung durchmacht, müßte 
für das Verständnis der Lebensläufe Gesunder wie Kranker von Bedeu- 
tung sein. Es soll daher im folgenden der Versuch gemacht werden, 
die Schwierigkeiten und Aussichten eines wirklichen Eindringens in 
diese Welt zu erörtern. An dem Beispiel der Raumverhältnisse soll 
dann gezeigt werden, wie eine Einfühlung in die reale Welt des Klein- 
kindes möglich erscheint. 

Die experimentelle Psychologie hat in langer und mühevoller 
Arbeit versucht, das Verhältnis des Kleinkindes zu dem es umgeben- 
den Raum zu erforschen. Es hat sich herausgestellt, daß das Auge 
dabei nicht die überragende Rolle spielt, wie es bei flüchtiger Beur- 
teilung scheinen könnte. Man muß hier berücksichtigen, daß das Netz- 
hautbild mit der Entfernung des Objektes wechselt und ein vorge- 
haltener Gegenstand in einem Meter Abstand viermal so groß erscheint 
als in einer Entfernung von zwei Metern. Die Angleichung des Netz- 
hautbildes an die tatsächliche Realität wird erst ermöglicht durch 
den komplizierten Vorgang der taktil-motorischen Erforschung des 
Raumes, der dem Kinde erst zugänglich wird, nachdem es sich aktiv 
fortbewegen kann. DoraMusolt und H. V o 1 k e r t sagen darüber 
aus: „Die Größe eines Gegenstandes wird umso genauer beurteilt, 
nicht je geometrisch einfacher und eigenschaftsloser er ist, sondern 
je momentreicher und gestalteter, insbesondere je mehr nicht Optisches 
sondern Motorisches, vor allem Taktil-Motorisches und Emotionelles, 
wie z. B. bei Kugeln, in seine Gestaltauffassung eingeht. Die Leistun- 
gen des sogenannten Augenmaßes sind überhaupt nicht allein aus dem 
rein Optischen zu verstehen. Begünstigt wird diese Erwerbung von 
Erfahrung dadurch, daß das Tastempfinden des Kindes gegenüber 
dem des Erwachsenen ungeTaeuer veriemeTt ist, da die l^ervenendi- 
gungen als Träger des Tastempfindens sich im Laufe des Wachstums 
nicht vermehren und somit auf eine viel kleinere Fläche verteilt sind." 
W. Stern glaubt, daß der Raum am Ende des ersten Lebensjahres 
im wesentlichen in den Besitz der kindlichen Erfahrung eingegangen 
ist. Er sagt wörtlich über diesen ersten Lebensabschni tt des Kindes. 

M Mein Lehrer Dr. L an d au e r hat die Grundgedanken zu dieser Arbeit 
entwickelt und hat mir bei ihrer Ausführung wesentliche und wertvolle Hilie 
geleistet. •^:::'r'vr:- vv-'^'""-J." ■•;;-•-- --•-^ :-•-•-'»••■''■ — ■=•' -^-' 



Albrecht Meyer 



selnder Entf ern^r n f u "" ^^'''^' wirklichen Größe trotz wech- 
Forseher nvMU^ Sehgrößenkonstanz ist gesichert." Andere 

experimentel en For.'^'' abschließend über die Ergebnisse der 
KiLheTerinnerl^ "^^^^^^ H. Volk er t glaubt, daß die 

der 6xperim7r.T.i? TT . '^^'^^* ^^"^^ ^"^^^t^ über die Fortschritte 
den Worten f ^'Z^^^^P^y^hologie aus dem Jahr 1925 mit folgen- 
einzige eewiftTl? '^'''^ schließlich darauf hinweisen, daß die 
umnitte'lbar in ^1 .^^^^^chsene und enge goldene Pforte, die uns 
das an da, Wir^Tn"' ^^^^^^-^ ^^^rt, durch ein Verfahren, 
■gemacht werden kn' T'"'*^^^ «^enzt, findbar und gangbar 
an die eige^rJ^-X^Kindheit^'"*' "' '" Erinnerung des Menschen 

Fre^d ulr^Pw^^^"" y^^ ^"^ unseren Kindheitserinnerungen, den 
Menge von leiVhT'r^- ,?' *°^^^''' ^"^ ^*°^®° ^^^ ^^hon bald auf eine 
Kind seinen ul^^f^^^r ^^"^^^^^ken, die für die Frage, wie das 
tedeuten Die T-^H '^'^ ^^""^ ^^^^*' ^^^^ S^oße Bereicherung 
^ehr dieselben ^1 '^'''^'' Kindheit sind dem Erwachsenen nicht 
auch wenn er trr %T ^^'^ ^^^'^"^ ^^"^ Abwesenheit wiedersieht, 

^ie in seinerHeTm"ortTie%fT ''"'?'" ^"^^^^ 

Während sie in Tn p ^*'^^^'' '^^'^ ^«g' die Häuser klein, 

und bedeutend warLH«?.r''^''' T '''''^' ^'^^ ^^^^^^^^ ^''^ 
damals ein Strom m^l w ^f Tt^'' *'^^'" ^^^^^' ^^^ Flüßchen war 
großen Anzahl F^' Z "" ^^''"°- ^^^^« ^^S^^en sind von einer 
gemacht Cdl!nlt''.r'^'' Umgebung übereinstimmend 
Verwandte von miTt L'htTt Ta """ ^^^^^^^gkeit nachprüfen. Eine 
das ihre Eltern bewohr./ ? ^'"^ ^^^"^ ^'^"""^^ ^^weit des Hauses, 
ihrer Erinnerung I7s efn a f^ ^^ ^'^ «^«^^ J^^re alt war, iB 
allein, sondern nur L L ' ^^^ ^^^^^* ^^^^n- «^^^«1^ den sie nie 

dann nur atemlos und lau^'^ "T" ^'''^^'' ^^"^^^^ gelaufen sei und 
die dort hausen sollten in . ' ""^ '^"^^ ^^S^* ^or den Räubern, 

auf dem ich in den Än"^"^- ^'' ^^^^'^ ^^^^hien der Schulhof, 

•Erinnerung üesengTolZlCIT '''*'u ''^"^^^'"^ ^P^^^^"' ^^ 't 
zwanzig Jahren wie einseinwf ^^ "^^""^ ^^"^^"^ Wiedersehen nach 
das Verhältnis des Kindes zum p^ "^^^^ ^^^^^^ders schön aber kommt 
Bewältigung in folgendem Fri!?'^"' ''''^ ^"^ ^^^^^^ taktil-motorischen 
kam als Kind häufiger in den n ^"""^ Ausdruck. Der Beobachter 
ihm das Kirchenschiff wie X ^^'""^^ Vaterstadt. Dabei erschien 

l^änge des Domes und sogar hfih^^f^!;"" Wölbung, größer als die 
mehrfach bestiegen und somit tlri ^'' ^^^"^ ^^^^ ^'^^'^^^ ^^^ ^'* 
rend die Höhe der Wölbun« ff^ '^.^'^"■"^'^torisch bewältigt hatte, wäh- 
woibung für eine taktil-motorische Erfassung nicht 



Das Kleinkind und seine Umwelt 95 



zugänglich war. Bei diesem Erlebnis spielt allerdings auch das Halb- 
dunkel des Raumes eine Rolle, das bei der Eigenart der kindlichen 
Sinnesempfindungen noch in Betracht gezogen werden muß. Ebenso 
ist die Zeit, in der eine Entfernung zurückgelegt wird, von Bedeu- 
tung. Das Kleinkind läuft mit schnellen, aber kurzen Schritten, es 
kennt noch kein langsames Gehen, oder kriecht mit eigenartig schnel- 
lenden Bewegungen. Auf diese Weise werden Entfernungen oft über- 
raschend schnell zurückgelegt, und es wird somit ein Zimmer viel 
schneller durchmessen, als wir es als Erwachsene tun. Denn auch für den 
Erwachsenen ist das Zeitmoment in der Beurteilung seiner Umgebung 
nicht gleichgültig. Ganz anders sind unsere Eindrücke von der Größe 
einer Landschaft, je nachdem, ob wir sie zu Fuß durchwandern, sie 
auf einem Pferd reitend sehen oder sie im Auto oder Schnellzug 
durchfahren Alle Erwachsenen meiner Umgebung gaben an, daß, 
soweit sie bisher in einer Kleinstadt gelebt hatten, der erste Eindruck 
einer sehr großen Stadt für sie ungeheuer war. Die Mutter eines 
Freundes, die mit etwa 40 Jahren von einem kleinen Ort zum ersten- 
mal nach Berlin kam, berichtete, daß ihr nach der Rückkehr m die 
Kleinstadt die Gassen so eng erschienen und sie so bedrückten, daß 
ihr das Atmen schwer wurde. Ein anderer Erwachsener berichtete, 
daß ihm die Wege in einer großen Stadt mit weiten Straßen und hohen 
Häusern viel kürzer erschienen als die zeitlich gleich langen Wege in 
seinem kleinstädtischen Heimatort. 

Wir sehen daraus, daß die Wahrnehmung des uns umgebenden 
Raumes durchaus nicht bei allen Menschen gleich ist, sondern daß 
sie abhängig ist von den Maßen der gewohnten Umgebung und von 
der Schnelligkeit, mit der wir uns bewegen. Der Raum ist kein kon- 
stanter, sondern ein relativer Begriff, wobei wir schon bei den ange- 
führten Beispielen aus der Kinderwelt sehen, daß diese Relation beim 
Kind besonders stark zum Ausdruck kommt. Es muß in den spezifisch 
kindlichen Verhältnissen etwas liegen, das diese Abhängigkeit außer- 
ordentlich unterstreicht, und das kann zunächst nichts anderes sein 
als die Größe des Kindes selbst. W. Stern schildert den Gegensatz 
zwischen dem mathematischen und dem psychologischen Raum. Beide 
erstrecken sich dreidimensional vom Nullpunkt aus, aber während der 
Nullpunkt des mathematischen Raumes beliebig angenommen werden 
kann, liegt der Nullpunkt des psychologischen Raumes in der Person 
des Menschen selbst. Jeder Mensch ist der Mittelpunkt seines Raumes, 
und alle Verhältnisse des äußeren Raumes werden zu dem Eigenraum 
irgendwie in Beziehung gesetzt. Da wir zu jeder Lebenszeit ein deut- 
liches Gefühl unserer eigenen Größe haben, muß auch unser Körper 
als Vergleichsobjekt zu den Dingen unserer Umgebung eine Rolle 



' ■ — — — Albrecht M eyer ^ 

der als Junge\[e A^^^ ^^^ Kindheitsermnerung eines Freundes an, 
die andern Juneen • k* ^***^ "^""^ ^^^^ tüchtig herumschlug, sobald 
dem Wege Rins 1k'*!^* ^''^^^'' ^^^^^ als er, aber Jedem Streit aus 
kein Zufall daß Ki^ ^'"^ größerer Junge dabei war. Es ist auch 
Beziehungen hab^ -u^"" ''^^'''^^ ^np^en oder kleinen Spieltieren 
*lößt. Die letztere rAi,^""^ '^""^'^ ^^°^ 8^°^^^^ ß^r Schrecken ein- 
gemacht, als er usr^t TU "^"^^ ^^^® ^^^ an meinem eigenen Jungen 
Auße '^^^''^ wählte. 

^elt in'^dirSeeS ^^^^^ ^^"^ eigenen Größe ist das Bild der Außen- 
Faktoren beeinflußt ^^ f^^^ ''^''^ ^°'' ^^'^^^ großen Zahl anderer 
lieh sind. Erinnert ' ^T ^^^^ '^^^ °^^ einzelne bekannt und zugäng- 
nahme von akustil.r '' ^^^ächst an den Unterschied in der Auf- 
berichtet folgendes f"^ T "P"®^^^» Eindrücken. Ein Beobachter 
deutlich daran wie t '^ ^""^ ^^'""^^ Jugend: Er erinnert sich 

staunend vor etwa vi^ h^ '' Jugend bei einem Landaufenthalt 

dabei die ein- und 7 -fr ^^^^^ Bienenkörben gestanden war. Er sah 
schwarze, fliegende M?^^^^''^®'' Bienenvölker als zahlreiche und 
als seltsam tiefen nriTT'': ®'' ^^**^ ^^^^ Ton der sehwärmenden Bienen 
sah er dann einen Bi "" ^^^""^ '"^ ^^"^ ^^^^^n- ^Is Erwachsener 

Situation und erkannt« 7''^*°''^ ''°'' ''^^^^ 24 Körben in derselben 
große Bienenschwarm ^^"f"^^^' ^^^ ^^^ dieser fünf- bis sechsmal so 
summender Ton auch ^ ^^^ fliegende Masse noch als tiefer, 

Ferner berichtet er d^f^^u ^°°^^^^°d denselben Eindruck machte, 
so laut und voll in den nl f ^^^ ^^"^ heimatlichen Kirchenorgel 
^ar, ein Wort des NaoTi ""^^ ^^^ ^^ ^^^ als Kind unmöglich 

waehsenem ein Leichter^ "" ^^^^^^tehen, während es ihm als Er- 
üorwahrnehmung ander« Jk '"■''' ^^^^"^ daraus, daß die kindliche 
siver und besonders für h.f m* ^^' ^'^ ^^^ Erwachsenen, viel inten- 
ftalt es sich mit dem Sehl tt ""^ ^«ipfindlicher. Ganz ähnlich ver- 
empfindlichkeit festzustellen n ^' 1'* ^^^^^^ ^^«^ ^1^1 größere Licht- 
viel leichter geblendet uI^aL 7 '"'"''^ ^''^^^^^ Sonnenlicht wird das Kind 
^^l^oint, ein Schiff später a™ 1?''''* "" ^^ ^^ ^^^ ^ee, wenn die Sonne 
di^l'^^^^^^^h^i^l-l^ d/adlST°''* ^^^ ^in Erwachsener. Ebenso 
Erwletir^^'^^^^ ^i^de vleMnf^"^'' ^'"^ ^'''''^' ^«^ dem schon 
keil de. ?'".-. ^^^Sewiesen sei h ert !'"'^ empfunden wird als vom 
gebunrdr '^^^'^'^^^^^^^ Ertbens T?''^ "^^ ^'^^ ^-^ere Seltsam- 
TrTh\Z T ^^' *^t^ ObiekL t u^'^ Clegenstände unserer Um- 
Erwachi "^'^ ^^^^^ ^^t für ein ?';"'"' ^^"^ ^^^ ^as Kind oigen- 

e^r u^^mr^^^^ -'^'' ^eTac^h^Bedürfl-^^^ ^^^^' '^ '^^^^ '" 
iTi aiu ^®'' ^^®r einem g„i,„ Bedürfnissen seiner Phantasie, 

'" '"'^ ^^^«^^ Wir sagen, daß un!7\^^^l^esen verändert. Alles 

uns die Welt des Kindes wunderlich 



Das Kleinkind und seine Umwelt 97 



und unbekannt anmutet; das einzige, was uns sicher bleibt, ist das 
Bewußtsein einer radikalen Andersartigkeit. 

Wenn wir trotzdem versuchen, uns ein Bild dieser Welt zu machen, 
weil die Tiefenpsychologie jeden Tag von uns dieses Bild fordert, so 
dürfen wir dabei nicht vergessen, daß wir uns der Welt des Kindes 
nur in groben Umrissen nähern können, während uns die feine Struk- 
tur wahrscheinlich immer verschlossen bleiben wird. Von den ange- 
führten Verschiedenheiten bleiben uns die akustischen und optischen 
Phänomene und die Eigenart des Phantasielebens weit mehr ver- 
schlossen als das Relativitätsverhältnis von Größe, Gewicht und Volu- 
men des Kindes zu seiner Umgebung, das wir uns wenigstens einiger- 
maßen rekonstruieren können, obschon wir uns auch hier der groben 
Annäherungswerte des Vergleiches immer bewußt bleiben müssen. 

Wir wollen im folgenden versuchen, uns diese Verhältnisse zwi- 
schen einem ein- bis zweijährigen Kinde und seiner gewohnten 
Umgebung wiederherzustellen und beobachten das Kind in seinem 
Spielzimmer und im Wohnzimmer der Eltern. Nicht alle Gegenstände 
des Zimmers sind ihm vom Boden aus erreichbar; es bewegt sich 
ziemlich schnell, läuft am Tage etwa IJ^ km mit einer Schrittweite 
von zirka 10 cm oder kriecht am Boden herum. Seine Größe zu Ende 
des ersten Lebensjahres ist 75 cm, sein Gewicht etwa 10 kg. Zunächst 
fällt uns auf, daß es die Gesamtheit des Zimmers gar nicht übersehen 
kann. Ein gewöhnlicher Wohnzimmertisch hat eine Höhe von 80 bis 
90 cm, eine Länge von etwa 1.50 m. Mit zwei Jahren hat das Kind eine 
Größe von 85 cm, mit drei Jahren von 93 cm, mit vier Jahren von 
99 cm. Es übersieht also erst im dritten bis vierten Jahr das Hinder- 
nis, da die Augenhöhe erst dann über die Tischhöhe hinausragt. 
Schon durch den Tisch ist dem Kleinkind das Zimmer aufgeteilt; 
andere Möbelstücke, z. B. ein Schreibtisch, Sessel, Stühle machen die 
Aufteilung noch viel größer. Jeder kann sich erinnern, daß seine Spiel- 
ecke, die in unserer früheren Kindheit ein großer gewaltiger Raum, 
eine ganze Welt war, vom Erwachsenen viele Jahre später beim 
Eintreten in dasselbe Zimmer nicht wiedererkannt, ja übersehen 
wird. Versuchen wir einmal uns vorzustellen, was ein Kind erlebt, 
wenn es vor einem Tisch mit herabhängendem Tischtuch steht und auf 
der anderen Seite des Tisches die scheltende, tiefe Stimme des Vaters 
hört, den es nicht sehen kann. Es steht vor einer Wand und hört auf 
der andern Seite ein tiefes, lautes Brüllen, das unheimlich klingt. 

Vergleichen wir nun andere Gegenstände mit den kindlichen 
Größenverhältnissen, so ergeben sich wunderliche, oft groteske Bilder. 
Ein einjähriges Kind wird zur Frühlingszeit in ein Feld mit hohen, 
üppigen Margueriten gesetzt. Die Blumen überragen das Kmd ganz 



ein 



und. fifar TTii j 

Wald von MargueSrn ''^'^^''^'' '^* ^^ ^'^ ^^ -*^' ^^'^ '^''^ ^'"""^ ''^ ^' 
Höhrvof i'J V ^'. i"" Deutschland meist angetroffen wird, hat eine 
baute Öfen * dl f' \ ""■ ^^ "^^nchen Gegenden aber gibt es einge- 
«ind. Nachdem ein t'ü' ^^«^«^erdeeke reichen, also bis 3.50 m hocß 
gemacht, ist ^in TJ "^^""^'^ «®^^® »^sten Verbrennungserfahrung« 
bis fünfmal grMe' ''!, ^^'" ^^^ brennendes Ungeheuer. Er ist vier^ 
I>reißigfache dT l .. ^' ^^^^ ""^ der Rauminhalt beträgt etwa das 
^s ein Gefühl hl ^'""^^'^^^^ Körpers. Wenn es ihn betrachtet, m^ 
Elefanten sieht d ^'^^ intensiver, als wenn ein Erwachsener em^» 
groß ist Wie er n ^"5'* ^^'""^^ ^^he von 3 m nicht einmal doppelt so 
^ines solchen Inf ^'f "^ Volumen im Vergleich zu ihm etwa dem 
spricht. - ^"^ ^*®ns im Verhältnis zu dem des Kindes ent- 

•^iu großer Ri- t, 
^^eite von etwa ^ "'"^'^''^ ^at eine Höhe von 2 bis 2.20 m, eine 
Schlafzimmer hJ^' T^ ^'^^^ ^«^ 70 bis 80 cm. Ein Schrank i^ 
^^HdieindenvUTK .^ Größenverhältnisse (Möbel aus Deutsch- 
ganz frühe Kindh^ V'^ "" Ländern verschieden sind). Eine in die 
Analyse zeigt, daß ioKK^'^''"^^''^'^^^^*^® Erinnerung meiner eigenen 
!;nes großen/dunk i.n p'"" "^^^^"^ ^^^^« ^«^^^en Schrankes das Gefühl 
I^ie Höhe dieses SpH ."^^^ ^atte und erschreckt zu weinen anfing- 
^i« ^enn ein ErwaoiT "^^"^^^^ '^'^' ==^^ einlährigen Kinde so, 

^^.^° ein dreifacherdef?" T ^^^^^ ^^^^«^ emporblickt, die 5 m, 
«mes Erwachsenen mißt, ^^'"^^^^^^i^lich 1.70 m betragenden Größe 

^^eite von insgesl?^"^- Y'^f ''^^" ^^^g^ von etwa 2 m und ein^ 
dar; das Bettzeug mL^ ,^ ^^ ^^^ ^'^^^^^ ^^^^ g^oße Spielfläche 
f m Formen phantlrt!lu^' kindlichen Phantasie alle Möglichkeiten 
lür die diese Betterh . (Gegenstände. Auch zu den Personen, 
^^^hiede in den Größen v'T-m* '^^^' ^^^^^en sich ungeheure Unter- 
^in Kind sich fürcta I l '''' ^'^ '' erklärlich machen, daß 
nähern. Zum VerffllrT . '^^'^''"^' ^ie es nicht kennt, sich ihn^ 
heranziehen, obwohl ^L^V "'^'' ""^^^^ ^^^ die Größenverhältnisse 
wachsener von 1 70 m^ '^'^ '^^^^ «ehr erheblich sind. Ein Er- 
ein Kind von einem Zhr 9 f'"''^^^^'''^^^ ^^^ ^ bis 3mal so groß als 
l.Smal größer als einKi.;, "^^^ /^^ßer als ein Kind von zwei Jahren, 
;on vier Jahren. Der G.-?'' '^^ "^^^^^^' l-^^ial größer als ein Kind 
Kind und dem Erwaehsenln T''*®''^^^^^*^ zwischem dem einjährigen 
Elefanten, wo er nur 1 7 h f* größer als zwischen Erwachsenem und 
Es ist fast so groß wie d« tr ^^^'''^St (Größe des Elefanten ca. 2n0- 
der Giraffe, die 5 m hooh Z^''^^^*''^^ ^^« Erwachsenen zur Kopfhöhe 

ist- Die Verhältniszahl ist hier 2.9. Wichtiger 



^ 



Das Kleinkind und seine Umwelt 99 



als die Größenverhältnisse erscheint aber das Volumenverhältnis, 
weil es den monströsen Eindruck, den ein Kind vom Erwachsenen 
haben muß, viel besser wiedergibt. Um ungefähr das Volumen eines 
Menschen zu berechnen, haben wir ihn als Zylinder aufgefaßt. Dies 
Berechnungsbeispiel lag nahe, weil der Mensch ja auch bei der, 
Geburt als Fruchtwalze aufgefaßt wird. Wir sind uns wohl bewußt, 
daß es sich nicht um exakte Berechnungen, sondern um Vergleichs- 
beispiele mit annähernd gleichen Fehlerquellen handelt, und haben den 
Tierkörper ebenfalls als Zylinder mit größtem Leibesumfang als 
Grundfläche, den Erwachsenen und das Kind mit größtem Brust- 
umfang als Zylindergrundfläche aufgefaßt. Dabei ergibt sich, daß ein 
einjähriges Kind sich zum Erwachsenen wie ein Erwachsener zum 
Nashorn verhält. In diesem Beispiel ist der monströse Eindruck im 
Volumenverhältnis besser wiedergegeben als im Gewichtsverhältnis. 
Die Gewichtsunterschiede zwischen Nashorn und Mensch sind weit 
größer als die Volumenunterschiede (Mensch im Durchschnitt 70 kg, 
Nashorn im Durchschnitt 60 bis 70 Zentner). Umgekehrt sind die 
Gewichtsunterschiede zwischen Erwachsenen und Kind viel kleiner 
als die Volumenverhältnisse (70 kg zu 10 kg), wobei zu berücksich- 
tigen ist, daß die Luftaufblähung des Brust- und Bauchraumes das 
Volumen weit erhöht. 

Für unsere Betrachtungen überhaupt nicht in Verhältniszahlen zu 
bringen, sind die Höhenmaße der Dinge, die sich außerhalb der taktil 
motorischen Sphäre bewegen. Ein Zimmer von 4 m Höhe ist etwa^ 
Ungeheures für das Kind, da es diese Höhe nicht sefner Erlwg 
^uganglicTa macl:ien kann. Wir erwäVvneu nocYimals das Beispiel von 
dem Kirchenschiff und der Höhe des Domes. Eine Tür, die von einem 
Zimmer zum andern führt, ist für das Kind ein hoher Gang. Ein Bei- 
spiel, welche Schwierigkeiten gerade Höhenunterschiede für das Kind 
bieten, zeigt folgende Beobachtung. Ein ein- bis zweijähriges Kind 
brauchte Tage, bis es eine minimal hohe Stufe überwand, die vom 
-Zimmer zum Balkon führte. Immer wieder beschäftigte es sich mit 
dem Erlebnis des Höhenunterschiedes. Ein Haus von 15 bis 20 m Höhe, 
^0 bis SOmal größer als das Kind, muß für dieses ein Wunder sein 
und bleiben. 

Ganz kurz seien noch einige Vergleichszahlen genannt, die für das 
Kind von drei bis vier Jahren interessieren. Ein drei- bis vierjähriges 
Kind ist 93 bis 99 cm hoch, eine Lokomotive mit Tender hat eine Länge 
von 12 bis 14 m, eine Höhe von etwa 3.50 m, ein Straßenbahnwagen 
eine Länge von 8 bis 10 m, eine Höhe von 2.75 bis 3 m. 

Wir wollen nun versuchen, unsere Beobachtungen auf einige Bei- 
spiele von kindlichen Phobien anzuwenden, um ihren praktischen 



■ . Alb recht Meyer 

Angsträume leren n^'"" ^^^"^ ^^"^ ™ ^^*^^ ^«^^ *ünf bis sechs Jahren 
denen immer ein IT „^^'^^ ^^i^«^ Beziehungen zu mir waren, und m 
hatte, wiederkehrte It''^^^*^^' ^^"^ ^^ ^^^ ^^^^'' Abbildung gesehen 
stellte den Vater dar r^^ ^^^^®' ^*^^^® "^^ ^^^^^ aussehende Tier 
das Pferd einen ErwnT^^° ^^® ^^ ^^^ Analyse des „kleinen Hans" 
der erwachsene Mensch ''^"" ^"^ ^^"^ Wahrnehmung des Kindes ist 
'w^ählt es mit Vorliebe ^IT ^^^^' '^^'^ ^^ seinen Angstphantasien 
Anstrengung hinaufsehest ^^^ starke Tiere, an denen es nur mit 
groß und stark empfindJl ^^^' ^"^ ^^^ ^® ^°^ ^^^^ ^^^ ^^® ^^^^^'^ 

In dem Teilstüek eine A^^^ ^^^ gefürchteten Menschen, 
geben möchte, ist die kinrtr^i''^^' ^^^ ^^^ ®*^^^ ausführlicher wieder- 
punkt des erwachsenen B ^"^^^ Betrachtungsweise, auch vom Stand- 
weil hier vom Kinde ein anT ^^^^^ ^^^' °"^^ deutlich zu erkennen, 
Im Alter von etwa fünf Jah ^^^^i ^^^'^ °^^* einem Tier verglichen wird, 
in städtischen Verhältni«*/^'' ^'"^ "^^^S®' ^er bisher vorwiegend 

kleines Dorf. Er bekam h ^ * ^^**^' ^^ Verwandten in ein 
auch häufiger, wie Hühner 7 m ^^^^^^^leisch zu essen, sah wohl 
darum nicht erstaunt daß T'^ t^^*^* wurden, und seine Mutter war 
Hühnerfleisch mehr äß N» ^ .. "^^^S® »ach seiner Rückkehr kein 
überessen. Die Analyse zeilt '' Meinung hatte er sich einfach 

Huhnerphobie handelte dem r^""' ^^^ ^^ ^^^^ ^™ eine typische 
!>-* Jahre jüngeren SchVestp7 '""^^^^^ sein Verhältnis zu seiner 
beobachtet, wie sie als etw« I^^'- ^'^^^ Schwester hatte er einmal 
ü. h. mitten in einer Hühner^oh?^-^^^'"'®^^ Mädchen „Huhn" spielte, 
r ^f^ ^^^^^^^ der Hühner r^r ^^^^^-^^r Stellung herumhüpfte 
Ln ^'"'"' -^^^ Größenrnaw"^^^^- ^^ diesem fixierten Bild 
zum Ausdruck, wenn man bÄ T^^"^ «uhn und Schwester 
hockender Stellung und ein autetL l' ^'^ dreijähriges Kind in 
l^TVT'^^' ^^^^^^ groß er '.'^^"^ Huhn mit ausgebreiteten 
ist das Huhn eher noch grX b'' '.'''^- ^«^ blinde aus gesehen 
Tieres den Größeneindruck noch r'""'''" ^^ ^^« ^^^te Gackern des 

Überhaupt spielt das GrnT '^^'*- 

fow^Kw"'^"'^^^ ^'^^ große Rolirf.Hv'' ^'' ^i^des zu den Tieren 
FuTnh K " r^"^ ^^^-^"e Fors tr ■"'''' überreichliches Material 
Furchtbeziehungen. Erinnert sefw ^'^ ^^^^ ^^r seine Liebes- und 
zu Hunden haben, die, wenn st 1'-'^ ^'^ Beziehungen, die Kinder 
schwisters und Spielkameraden . i'""^' '^' ^'^ ^'^^^ ^ines Ge- 
sind den Eindruck eines großem T"?"^"^^"' ^enn sie aber groß 
machen. An ihnen macht das Kind •f^'^'^g^^d aussehenden Tieres 
ist, häuf ig seine ersten erfolgrethf ^? '' ^""«e einer Kohabitation 
so Eindrücke an ein Tier, die in ih .^^^^^^If^^s^^hungen und fixiert 

m Angst erzeugen. 



Das Kleinkind und seine Umwelt 101 



Aus meiner Tätigkeit als praktischer Arzt kenne ich zwei Phobien 
^or kleinen Tieren, die bei Geschwistern bestanden. Der eine Fall 
betrifft eine Froschphobie, die so stark war, daß die betreffende 
Patientin noch heute laut aufschreiend davonläuft, wenn sie einen 
hüpfenden Frosch sieht. Die Phobie reicht bis in die frühe Kindheit 
zurück. Bei Ihrer Entstehung ist zu bedenken, daß ein Frosch, der 
unsichtbar im Grase sitzt und plötzlich mit einem weiten Sprung an 
einem kleinen Kind in Kopfhöhe vorbeispringt oder gar über den 
Jiopf hinwegspringt, für dieses ein eigenartig einprägsames Schreck- 
JiW darstellt. Dazu kommt, daß das laute Quaken in einem Froschteich 
aurch die Empfindlichkeit des kindlichen Ohres für tiefe Töne beson- 
ders stark wahrgenommen wird und auf ein Kind einen lebhaften und 
tiefen Eindruck macht. 

Die zweite Phobie betrifft Spinnen und hat sich in voller Stärke 
^|s über das dreißigste Lebensjahr erhalten. Die Deckerinnerung zu 
Jieser Phobie geht in die frühe Kindheit zurück, wo diese Patientin 
^eim Besuch einer Großmutter in einer ländlichen Umgebung Spinnen 
^^f dem Klosett im Garten sah. Die Spinngewebe sind in dieser Deck- 
ermnerung über kindskopfgroß; die Spinnen werden zunächst als 
^^esengroß, bei näherem Befragen als weit mehr als daumengroß 
^gemeint ist der Daumen eines Erwachsenen) bezeichnet. 

Aus dieser Deckerinnerung lassen sich einige interessante Schlüsse 
^^er den Zeitpunkt der Entstehung des Erlebnisses ziehen, wobei wn^ 
!fhen, daß wir mit unserer Betrachtungsweise - abgesehen von dem 
^^^inn einer größeren Anschaulichkeit der kindlichen Umwelt 
y^ bestimmte Feststellungen machen können. Die Größe der Spinn- 
f ^ebe und die Größe der Spinnen lassen uns die angeführte Ermn^ 
J^^g in eine sehr frühe Jugendzeit verlegen - etwa um das zweite 
f.^« dritte Lebensjahr - denn das Verhältnis des Gegenstandes zu 
'^^ selbst erscheint dem Kinde sehr groß. Dieselben Feststellungen 
^«unen wir an anderen, früher angeführten Beispielen ^^«1^^^, f^^' 
^;«d, das die scheltende Stimme des Vaters hört und nur ein herab- 
^^ngendes Tischtuch sieht, muß weniger als vier Jahre gewesen sem, 
2^ aus den schon angeführten Maßen eines Tisches einwandfrei her- 
lll^^^t. Eine andere Deckerinnerung berichtet von einem Kmde das 
^^ter einer Fensterbank stand, und dem der Raum unter dem Fenste^ 
iH ^'°^ ^«d ti^f ^r^chien. Aus der Höhe eines Fensterbre es, die 
^ ^urchschnitt 80 bis 90 cm beträgt, läßt sich das Höchstaltei des 
indes bei dieser Erinnerung genau berechnen, 
j^anz langsam gleichen sich im Laufe des eigenen Wachstums di^e 
^^oßendifferenzen aus, und in gleichem Maße werden uns die Eifan 



102 



-A-lbrecht Meyer 



riingen der Erwachsen 

"nd unsere ErlebnisinhIue'aSf v: ^' '^'^^ ^^«^^ Sinnesapparat 
hmemwachsen. aHn^ahhch in die Welt der Erwachsenen 



Li t 



Übe 



«••^t^rverzeichnis. 



ärii. Zeitschr. f. Psycho- 



^ g n B r u n s w i p L- . Yvi, 
B'r.tw^:f ^y^^a ''' ^"''"' ^^''^'^- -^ Formkonstant in 

vo^"x^''V'''^'-^n"Z^uT^ ""' Gegenstand weit 1934 

W. St";,' p^- Sel^-. Leip4'i8V- ^^^«^^«^«S-, Bd. 88, Jhrg. 1933. 
^•nger. 1934. ' ' ^ P »- 1: Streif züge durch 



Springer, 1934. ^_^^ 

gang 1921'^"'*= Fortschritte der experi 



die Tierwelt, Verlag Julius 
imentellen Kinderpsychologie, Jahr- 



\ 



Die sdiwarze Köchin 

Von Otto Fenichel, Prag 

K^öch^ rT^!? ^^^^^ Patientin vor dem Kinderspiel „Ist die schwarze 
ein J° ^^^ Anlaß, über den unbewußten Sinn dieses Spieles 

I^^""'^ nachzudenken, 
sin^. ^^^^^ ^*® ^^^^^ ^^®«es Spieles in zwei Varianten. Die Kinder 
"flögen entweder: 



„Ist die schwarze Köchin da? 
Nein, nein, nein. 

Dreimal muß sie rummarschiern, 
Das vierte Mal den Kopf verliern, 
Das fünfte Mal kommst mit!" 



oder: 



-Jst die schwarze Köchin da? 

Nein, nein, nein. ' 

■üreimal muß sie rummarscliiern, 

Das vierte Mal den Kopf verliern, 

Das fünfte Mal mußt sagen: " •. : 

Du bist schön, du bist schön, du die Allerschönste." --' ■- = 

«nd d ^^ J.®^'^^^ ^ie Kinder nach Art der Abzählreime „ausgezählt", 

scheidet ^^^' ^^^ ^^^ „kommst mit" oder „die Allerschönste" fällt, 

Kind -^l! ^^^" ^^^^ ^^^^ ^^^ Vers wiederholt, bis nur mehr ein einziges 

rig bleibt. Dieses ist die „schwarze Köchin", die mit dem Vers 

„Ist die schwarze Köchin da?" 

Ja, ja, ja. ... ■; ]- 

Da ist sie ja, da ist sie ja, . --; ' ' 

Vft^^ Pfii». pfui, pfui!" 

^^^Pottet Wird. ,^ , _ .- .- 

Unt erinnert an das bekanntere vom „schwarzen Peter." 

ausff ^^ ^^^ Kindern wird durch ein besonderes Zeremoniell eines 

genr^^T^^*' ^^® ^^*^^' ^^^ ^^® ^^^ ®® *^^^^*' ^®^^*^^* ^^^^- ^^ ^^^* 
^usd^ "^^^i^n dafür, daß das Verlachen nur ein abgeschwächter 
Sehm'^^^ ^ür etwas Schlimmeres ist. Der „schwarze Peter" wird mit 
»schw ..^^^®^^™iert (und auch die „schwarze Köchin" ist wie er 
nete r-^^"'^' ^^^ 'anderen ähnlichen Spielen wird das vom Los bezeich- 
haud u"*^ ^^ ^^^ ^^^^® geschickt. Es kann also kein Zweifel sein: es 
den ^^^^ ^^®^ ^^ „Ordal"-Spiele. Aus einer Anzahl von Anwesen- 
au«. '^ filier, der bestraft werden soll, durch eine Art Gottesgericht 
«gesucht. Auf ähnliche Weise ging nach R e i k die Beweisführung 



!► 



Otto Fenichel 



el'rätl^ geflJnt'' Strafprozeß vor sich*). In diesen Spielen soll also 

Machen wir es Z- ^^^ Bestrafung zugeführt werden, 
nehmen wir diP w '! "^f ®^ '"^ ^^^ Psychoanalyse gewohnt sind, una 
»das vierte Ma^ dl '4^ ^ "^^""^ ^^^«t- ^'^ »schwarze Köchin" soU 
»Köchin" de=5 q. 1 . ^ verlieren". Die tatsächliche Strafe, die die 
also offenbar nnt "" *'^*^*' ^^^ spottende „Pfui, pfui, pfui", i^* 

viel Schlimmerem ^^^e sekundäre Abschwächung. Es droht ihr etwas 
gen, die Köüfnn^'K !f ^opfung. - Warum? Mit analytischen Deutun- 
weiter Wir wmt r "t ^'""^ Kastration, kommen wir offenbar nicht 
Köpf ung bedeutpr i annehmen, daß die Köpf ung wirklich eine 

Verbrechen began en h'^'''*^ ^^"^^""^ gesucht, der ein todeswürdiges 

^^T%1nlT^'''''''T.'^''' ^^^ ^^ die schöne Arbeit von Sehne i- 
besonders sol^bf/'' i^*' ^'^ ""^^ Kinderspiele und Kinderreigen- 
Gebräuchen c^inH T^"" ""^^ unverständlich sind, Überreste von alten 
in VergessPTih!; ^'"""^^^ gesellschaftlich wichtig waren, nun aber 
Hier wird Zk f '^*^'' ^""^ ^^°^ Kinderspiel herabgesunken sind- 
holt, bei der e. ." ?'^^ °^*^°^^^ ^^^^ Gerichtsverhandlung wieder- 
ein Mörder oder p "" ^"^ ^^'^ ^^^^^ ^^^^= ^urch ein Ordal wird 

Warum ZllrfV^'Z^'^l^ todeswürdiger Verbrecher gesucht, 
anß erst dri rn« -^^"^ ^''* '^^^ "^i^^^e Mal" den Kopf? Sie 

stehen: üle S 1^^ l'''^^"™"' ^^^ ^1^^^^«« ^i^ «chon zu ver- 
Ereignis bei 211 ^ ^''^ Hinrichtungen waren ein öffentliches 
Stadt\e;umgef^rtt?"S "^^ Verurteilten sehr oft vorher in der 
^-|ehen£p^^^ -- durch eine Art vor- 

„SchCrzTMaTie" nllf '^^'^^^^^'''' ^^"^ die „schwarze Köchin" ist? 
.Hexenküche!?' befehlt "T ^' ^^^^^^^^^t, die die Hexen in ihren 

treibt, den kann man wohl Jn' '\''''^' ^^'^^ ''^""^'^^ ^^^'* ^^ 

Die Kinder snioi. ""^^^me „schwarze Köchin" nennen, 
die Hexe durch GotteLerinhr^T ^^^^- ^^^^^ Hexenprozeß, bei dem 
der Stadt hingerichtet wird ^ "^^ '^''d dann nach Herumführen i» 

herab? Dat lir^lf J',^ l!- 1?^' ^'^'*" Gebräuche zum Kinderspiel 
die Kinderwelt als eine die '"''/^S^^- ^s kann nicht genügen, daß 
men wird, besonders ' see'^i^^ Erwachsenen nicht ernst genom- 
Institutionen, deren Reste • ^^tt V *^*' ^^^^llschaftlich überwundene 
servieren. Dazu kommt nfT ^^^^^^^ten noch fortbestehen, zu kon- 
^fÜlJür pädagogische vT a ^^"^ ^^^tere Umstand, daß solche 
1) Roik- Der^Tk -Hüjdun ^ geeignet sind und zu diesem 

"} Schneider: K^nTerleigS^'^y'; I^^P^ychoaBalyt. Verlag, Wien 1932. 

zeigen. Ztschr. f. psa. Päd.. Bd. VI, 1932. 



,r.. 1 . 105 

Die schwarze Kochm 



Zwecke sekundär umgebogen werden können. Was einmal ernst 
gesellschaftliche Drohung war, reicht später noch zum E^^^^^^^ff ''^^i^ 
(Um etwas Ähnliches muß es sich heim „Herabsinken" der Myin 
2u Kindermärchen handeln.) g .^1^ 

r>iese pädagogische Verwendung wird nun in unserem v^^^ 
besonders deutlich durch den Vers: „Das fünfte Mal kommst mit ^ 
?as klingt so, als ob dem Kinde gesagt würde: „Du weißt, daß Hexen, 
^as sind schlimme Leute, geköpft werden; sei nicht ^^f^^^^^^^' '^^^.^ 
^'ird es dir nächstens ebenso ergehen!" ... In der andern Lariam 
versichert das Aussuchen einer „Allersohönsten" diese ihrer Verlan 
gen Unschuld und der Verzeihung; aber auch sie k^^^ /'\X.^' ... 
«ein, ob das nächste Mal nicht das Ordal gegen sie entscheiden wir . 



^'""'''"'"''"'"'llUlllllillllllltlllllllllllllllllllllllllllllillllllllllll^ 



über Lernstörungen 

Von Hans Schikola, Wien 

Le^ZfrZ^r''^^''!'^^' '"^''^"' ^^^ ^^«t ^^1« kindlichen Neurosen mit 

BeClTg'lXf "''' ""'• '" ^^^^^^ ^^"^^ -^-^* -^^' -^^" '^' 
der I ^vr.J- ^"'^*' sozusagen als Nebenprodukt auch die Behebung 

Znole lT\f .'^'"^ ^^^ ^^^^^ ^^^bst in dem ganzen Gewebe der 
bZL T!" "^ ^''"''"° ^^^^ ^^^ i^ ihr eine wesentliche 
h^unfd. M '• ^''''^'"^ ''' "^^ ^^«ht unklar, warum die Auf- 
wirk^^n ?'°'^ ''' ^^®"^"' günstigen Sinne auf die Lernstörung 
in siner ^^/."//^^^'^hwere innere Konflikte verstrickte Erwachsene 
Kind Ti T ^^^''* ^'^'^^^* ^^*' «^ ^^t ^«^h das neurotische 
Neurose wt '' ^^^^ätigkeit gehemmt. Denn sowohl die kindliche 
seehschen K fr^ ' ^'' Erwachsenen beruht ja auf einem inner- 
die Inalv . '' '"' '^^^^ ^^^ ^-^^en unbewußt ist und durch 

Wh'!!! ^^^^''''' -^^'^^^ ^'^ß- Wie nun durch die Analyse des 
^i^dsoZt/l'V'l'"' ^^"^" ^'^ Berufsfähigkeit weit gesteigert 
Ttörlg breUitt ;" '^^^^ ^^^^ ^^^-"^-- Kinderanalyse die Lern- 
vor uns wp.^ T '^'' einfachsten Fälle dieser Art haben wir 

lyi b^nST -' ^ ^- ^^^^^«hten können, wie selbst ohne eine Ana- 
starke ßt.t'''' 1^ der Vorpubertät eine richtige sexuelle Aufklärung 
solchen K^'r'"''^ '"" ^^^'^ bewirken können. Das Denken eines 
spruch^tl' """" ^i^i^^^^hr durch seine Sexualforschung in An- 
KrTf e freTrtT'pK '"' '^ '^^ ^^" ^^^^^^^^^ fernen nicht mehr die 
fähigke rw.nl : T f ^^" ^'' ^^^^S ein Erwachen der Lern- 
derSnder 'r T '"^ ' ^^i-deranalyse gelingt, die Onaniekonflikte 
tisch arbeitenden p"f "'' ^'^^^'^- ^^-^^^^t^Prechend können die prak- 
fähigkeit auch ^.ZT^f''^^'^ regelmäßig beobachten, daß die Lern- 
Kinder in di^ ^^'^^^^^ssen sich beträchtlich vermindert, wenn die 

fähr im Alter vo7l2 if it"*"*'^"' '" ""^^^^^ ^^^^^^™ ^^^^ ""^'' 
Kindern eine JrnR. v \ • '^''' ^'^ ^^^^^r stellen dann bei vielen 
Der Be!r ff H ^^'^^^""^^heit und Zerfahrenheit fest. 

schritt Pädagogischer T'*'?fi'°"'^^* ^^ ^^^^ ^^^^^ g^«^^^ ^^'*' 
sung au? dafschWht r'"'''''*- ^' '^""^^^ ^^^^^1*^8 ^^^ der Auf fas- 

.ei,'obw<;hrbih el^^^^^^^^^^ 

noch in denen derLehreT-^'''^?^' "" in den Kreisen der Eltern 

wir daß der I IZ.f^ ^"^^«^^d durchgedrungen ist. Heute wissen 
res\t'des"abl^^^^^^^^^^ -^ ^er Begabung und dem Willen 

kon^titntinr,.!!. M '^ f ^^dern von vielen anderen Umständen. Das 
konstitutionelle Moment der Begabung läßt sich natürlich nicht weg- 




leugnen. Die Analyse hat uns aber gelehrt, es nicht zu überschätzen.'^) 
Den Begriff „Faulheit" dagegen kann es in psychologischer Betrach- 
tung überhaupt nicht mehr geben. Hier ergibt sich in der Praxis 
immer, daß hinter der sogenannten Faulheit andere Störungen ver- 
borgen liegen. Besonders wertvolle Beiträge zu dem Begriff der Lern- 
störung hat die Psychoanalyse geliefert, indem sie gezeigt hat, daß 
auch unbewußte Vorgänge Ursache für Lernstörungen sein können. 
Neben den obenbeschriebenen Lernstörungen, die bloß eine Folge- 
erscheinung der Neurose sind, gibt es aber auch Fälle, bei denen sie 
selbst als neurotisches Symptom auftritt und als solches mit dem 
ganzen Aufbau der Neurose fest verbunden ist. Daraus erklärt sich 
natürlich, daß die Auflösung solcher Lernstörungen mit viel größeren 
Schwierigkeiten verknüpft ist. Sie können erst sehwinden, wenn der 
unbewußte Sinn dieses Symptomes durch eingehende Analyse aufge- 
deckt worden ist. 

Als einer der ersten hat meines Wissens A i c h h o r n-) über eine 
neurotische Lernstörung berichtet. Es handelt sich um die Rechen- 
hemmung eines Knaben. In einem Gespräch mit diesem ergibt sich 
daß sie durch unbewußte Vorstellungen bedingt ist, die mit der Zahl 
acht verbunden sind. Es wäre verfehlt, wenn man glauben würde 
durch eine solche einmalige Aufklärung lasse sich eine Lernstörung 
beheben. Was Aichhorn an der angeführten Stelle berichtet ist 
nur eine der vielen Determinanten des Symptoms, das in Wirklich- 
keit in höchst verwickelter Weise in die ganze Neurose eingebaut ist 
Verhältnismäßig einfach war die unbewußte Determinierung der 
Lernstörung bei einem Jugendlichen von ungefähr 17 Jahren, der in 
meiner Behandlung stand. Es handelt sich um einen durchaus begabten 
Mittelschüler, der aber schon von den ersten Klassen an unter großen 
Lernschwierigkeiten gelitten hatte. Zunächst bedurfte es vieler 
Wochen analytischer Arbeit, um das bloßzulegen, was er selbst bewußt 
als die Haupthemmung beim Lernen empfand. In erster Linie stand die 
Vorstellung, alles Lernen sei zwecklos. Warum zwecklos? Weil man 
ja doch nicht wisse, ob das, was man lerne, wahr sei. Diese Vorstellun- 
gen quälten ihn beim Lernen, nahmen ihm jede Lust daran. Sie gingen 
so weit, daß er sich beim Geographieunterricht sagte: Wer weiß, ob 
dieses Hamburg, von dem da der Lehrer erzählt, wirklich existiert? 
Dabei wußte er mit einem Teil seiner Seele ganz genau, daß diese 

^) Hermann: „Die Begabung im Lichte der Psychoanalyse", Ztschr. f. 
psa. Päd., Bd. I. 

Jakoby: „Muß es Unmusikalische geben?", ebd. 

*■') „Über dissoziale Kinder"' (in Federn-Meng: „Das Psychoanalytische 
Volksbuch"). .,,.^. 

Zeitschrift f. psa. Päd., X/2 _. . S 



Hans Schikola 



108^ 

Zweiiel unberechtigt seien, daß er sich in so vielen Fällen von der 
Richtigkeit dessen, was er in der Schule gelernt hatte, überzeugen 
konnte. Gleichwohl war er nicht imstande, sich von ihnen frei zu 
machen. Im Physikunterricht belästigt© ihn die Vorstellung, die Ver- 
suche, die der Lehrer vorzeigte, seien irgendwie doch Schwindel und 
Humbug. Und dann war es ja natürlich wieder zwecklos zu lernen. 
Diese Skepsis dem Lernen gegenüber war auch in seinen Charakter 
eingedrungen und hatte ihn zu einem Menschen voll Ironie und Sarkas- 
mus gemacht. Für ihn gab es nichts Heiliges, nichts Ehrwürdiges, keine 
Freundschaft und Liebe, alles war Schwindel und Betrug, 

Die unbewußte Ursache seines Verhaltens war, wie die weitere 
Analyse ergab, eine ihm eigentümliche Reaktion auf die ihm in der 
Kindheit versagt gebliebene sexuelle Aufklärung. Auf ihn hatte diese 
Tatsache aus bestimmten Gründen besonders traumatisch gewirkt. 
Denn gerade in der Zeit seiner regsten Sexualforschung, zwischen 
dem dritten und fünften Lebensjahr, waren ihm zwei Geschwister, 
eine Schwester und ein Bruder, geboren worden. Zur selben Zeit hatte 
er reichliche Gelegenheit zu Belauschungen im Schlafzimmer der 
Eltern gehabt. Trotz dieser für ihn so feststehenden Tatsachen hatten 
die Eltern ihm jede Aufklärung versagt. Besonders der Vater hatte es 
geliebt, ihn sowohl auf diesem Gebiete wie auch auf anderen tait 
Lügenmärchen zu necken, deren Unwahrheit auch dieses kleine '^^^^ 
durchschauen mußte. Psychologisch auffällig war es, wie diese in ^^^ 
Frage der Aufklärung so prüden Eltern in ihrem Schlafzimmer von 
einer kaum zu verstehenden Naivität waren. Besonders dieser Gegen- 
satz im Benehmen der Eltern war bestimmend für die Entwicklung des 
Knaben gewesen. Damals begann seine Skepsis, seine Interesselosig- 
keit und damit war die Grundlage geschaffen für seine spätere Lern- 
Störung. Seine Ironisierung aller Werte und das Mißtrauen gegen jede 
Liebe, die eine große Schwierigkeit beim Herstellen der Übertragung 
boten, gründete sich im wesentlichen auf die Enttäuschung, die er, 
der Erstgeborene, von der Mutter erlebt hatte, als die Geschwister 
gekommen waren. Sie war vorgebildet durch die Erlebnisse im elter- 
lichen Schlafzimmer, die seine Eifersucht auf die Mutter sehr ge- 
steigert hatten und ihm die Enttäuschung durch die Mutter besonders 
fühlbar machten. Bemerkenswert ist, daß natürlich die sexuelle Auf- 
klärung in der Pubertätszeit, die er freilich wieder nicht von den 
Eltern, aber in ganz derselben Weise erfuhr wie andere Knaben seines 
Alters, an seiner Neurose gar nichts änderte; d. h. seine Skepsis und 
sein Mißtrauen gegen die Lehrer, das er von den Eltern auf diese und 
auf alles Wissen übertragen hatte, weil ihm einst die sexuelle Auf- 
klärung verweigert worden war, blieb ruhig weiterbestehen. Mit der 



über Lernstörungen 109 



Auflösung dieses unbewußten Sachverhaltes schwand die Lernstörung. 
Der Patient hat in der Folgezeit mit gutem Erfolg eine Hochschule 
absolviert und war nie mehr im Lernen behindert. Ironie und Sarkas- 
mus sind, wenn auch in vermindertem Maße, seinem Charakter ver- 
blieben. 

In einem anderen Fall litt ein Zwölfjähriger an einem starken Min- 
derwertigkeitsgefühl, und damit verbunden waren schwere Lernstörun- 
gen. Interessant war es, daß sich sein Minderwertigkeitsgefühl an 
eine merkwürdige „Organminderwertigkeit" geknüpft hatte, nämlich 
an seine Größe. Er war von Kindheit auf immer weit über sein Alter 
groß gewesen und hatte sich im Gegensatz zu anderen Kindern seiner 
Größe immer geschämt. Die Entstehungsgeschichte dieses Minder- 
wertigkeitsgefühles war folgende: Die Mutter hatte sich immer ein 
Mädchen gewünscht und war über die Geburt des Knaben, der ihr 
einziges Kind blieb, zum Teil enttäuscht. Überdies gehörte sie zu den 
Frauen, deren Liebesobjekt das kleine Kind bleibt, so daß ihnen das 
heranwachsende Kind wenig Befriedigung bietet. Infolgedessen ließ 
es die Mutter aus ihrer Unbefriedigtheit heraus schon im zartesten 
Alter des Kindes nicht an Äußerungen folgender Art fehlen: „Ein 
Mädchen hätte ich viel lieber gehabt", „Mädchen sind viel herziger 
als Buben" usw. Sie kleidete ihn sehr mädchenhaft, beließ ihm trotz 
seines Protestes bis ins späte Knabenalter seine langen Locken, auch 
die geistige Erziehung lenkte sie stark in die weibliche Richtung. Es 
ist leicht einzusehen, daß dadurch die seelische Entwicklung des Kna- 
ben sehr erschwert war. Aber auch die bloße Tatsache des Herau- 
wachsens war ihr ein Dorn im Auge. Später hieß es dann: „Früher 
warst du viel herziger, jetzt bist du so ein großer Kerl und gar nicht 
mehr herzig." Besonders Äußerungen dieser Art waren es gewesen, 
die dem Knaben seine Körpergröße verleidet hatten. Als die Analyse 
diesen Sachverhalt aufgedeckt hatte, besserte sich die Lernstörung 
ein wenig, aber nicht wesentlich. Die tiefergehende Analyse ergab 
andere Ursachen. Der in Wirklichkeit hochbegabte Knabe hatte unter 
seinen Symptomen auch eine Art leichter Pseudodebilität ausgebildet, 
hinter der die eigentliche Lernstörung verdeckt lag. Nachdem er durch 
viele Wochen in der Analyse den Dummen und Schwachsinnigen agiert 
hatte, konnte ich ihm aus dem Zusammenhang mit dem übrigen Mate- 
rial die Deutung geben. Zu seinen großen Kümmernissen gehörte es, 
daß ihn die Mutter nicht genug liebe, daß er ihr wegen seiner Größe 
nicht gefalle, daß sie ihn nicht „herzig" finde. Das Dummstellen sollte 
nun ein Mittel sein, die Liebe der Mutter wiederzugewinnen. Es bedeu- 
tete in seinem Unbewußten soviel wie Kind sein. Wenn er wieder Kind 
war, dann gefiel er der Mutter, dann war er wieder „herzig". In diesem 



r 



u 



119 Hans Schikola 



Dienste stand auch die Lernstörung. Auch sie bedeutete Kind sein, von 
der Mutter geliebt werden. Denn er durfte ja nicht groß, nicht erwach- 
sen, nicht klug sein, wenn ihn die Mutter lieben sollte. Als Neben- 
gewinn erzielte er dabei, daß sich die Mutter mit ihm beschäftigen, 
mit Ihm lernen mußte, für ihn sich in der Schule erkundigte, überhaupt 
um Ihn sich sorgte. Das alles hieß aber für ihn, daß ihn die Mutter 
also doch heb habe. Klug sein, viel können, groß und erwachsen zu 
sein, war übrigens dem Vater vorbehalten und gefährlich. So sagte 
wenigstens seine Kastrationsangst. Mit der Durcharbeitung dieses 
Materials schwand das Symptom der Lernstörung sehr rasch. Der 
Knabe war nun imstande, selbständig und ohne Nachhilfe zu lernen 
und gute Schulerfolge zu erzielen. Obwohl die Analyse dieses Falles 
noch nicht abgeschlossen ist, hält der Erfolg hinsichtlich der Lern- 



Störung an. 



.u7f ^^^^^^'^^^^^ht^ger blieb eine Lernstörung, die sich hauptsächlich 
auf das Er ernen von Fremdsprachen bezog. Bei einem fünfzehnjäh- 
rigen Mittelschüler kam im Laufe seiner Analyse sein Onaniekonflikt 
zur Besprechung; er masturbierte, meist ohne zur Ejakulation zu 
gelangen, und auch im Falle der Ejakulation blieb er häufig ohne 
Befriedigung. Daneben bestand die Lernstörung. Er erklärte z. B., 
er kenne wohl glauben, einmal in der Zukunft durch Fleiß und Übung 
irgend eine Wissenschaft zu erlernen, aber er könne sich nicht vor- 
stellen, jemals eine Fremdsprache zu erlernen. Die Funktionsstörung 
ptl^.r. ?r ^T '"^ ^®^''^' überstarken Bindung an die Mutter be- 
!w .^ .ü^^^"^'' ««i^ö Masturbationsphantasien allzusehr inze- 
war.. frl'' ^'''' ^^^y^even Schuld- und Angstgefühlen begleitet 
iZh.ir^'ZT-^^rr^" ^'^ ^^ ^'^ ^P^^^ ^^^^beit Bettnässer gewesen 
der Enure^ ." Unbewußten die Ejakulation als eine Forfsetzung 
ScLirjf li * ;', ""^^ ^^'° ^^'^^ ^^^ ^'^^^' Seite her mit starken 
Sri' w 'f'*- ^""'^ "^^""^^^ ^^^ ^'^-^^ Störung war seine 

ten Stud- ^'f^'f^^^^ ^^^^-' - bringe ja doch nichts zusana- 
han )l'l^'''^''''\^''^^^ ^^«h schließlich als Klagen über sein mangel- 
haft funktionierendes Genitale auf. Das sich daraus ergebende Gefühl 

übenrarer,'-'"'. .'""^ T T' '''' ^"^^^'^^ ^^^S^ben des Lebens 
?e' ress'on ^/'Z^""''^^'^' Kastrationsangst, die in der Kindheit eine 
dfeleranalen P • "''' ""'^ ''''''''^'' ^'""^^ bewirkt hatte (Zeichen 
erenfaHsa'f ir^'T! ™'^ ^" ^^^*^^^^ ^^^^^ vorhanden), hatte 
WeLe viel/ R ?'.'•' ^"^'''' ^'' ^^'^"^ übergegriffen und auf diese 
rI-rE%I ,ß«t^tigungen in den Bereich des Verbotenen gerückt. 

fTb^fi.': / u^'^? ''"^'''' ^^'"'''^^' ^^^ ^^ ^^^^ g^"^g^ Sublimierungs- 
lanigkeiten besaß. Eine bedeutsamere Sublimierung hatte er nur auf 

analem Gebiete zu Wege gebracht: er war ein guter Zeichner. Das 



I 



über Lernstörungen 111 



Zeichnen und Malen waren auch zwei der wenigen Betätigungen, 
die ihm wirklich Freude machten. An seiner Lernstörung war aber auch 
sein passiv-feminines Wesen beteiligt, das er infolge seiner Regression 
auf die anal© Stufe ausgebildet hatte. Auf Grund der sich daraus 
ergebenden Identifizierung mit der Mutter war bei ihm ein starker 
Wunsch vorhanden, so wie die Mutter ein Kind zu bekommen. Noch 
als Achtjähriger hatte er auf dem Klosett Kugeln aus Kot geformt, 
die Kinder darstellten. Seine Klagen, er bringe nichts zusammen, 
bezogen sich auch auf die Unfähigkeit, Kinder zu bekommen. Auch 
dies hatte er auf das Studium übertragen. Schließlieh befriedigte er in 
seinen Mißerfolgen auch ein unbewußtes Strafbedürfnis, das sich an 
seine inzestuösen Phantasien knüpfte. Er verhielt sich in der Schule 
und beim Lernen häufig so, daß er Mißerfolge haben mußte. Die 
Auflösung dieser unbewußten Zusammenhänge brachte eine wesent- 
liche Besserung seiner Lernstörungen. Noch erfolgreicher wirkte sie 
sich auf anderen Gebieten aus. Der früher ganz unsoziale Junge trat 
in einen Verein ein, errreichte dort bald eine führende Stelle und 
brachte es zu wirklich guten Leistungen. Dagegen ließ sich die Lern- 
hemmung auf dem Gebiete des Sprachlernens nicht ganz beheben und 
auch die unbewußten Zusammenhänge blieben undeutlich. Das ana- 
lytische Material wies auf eine starke orale Unbefriedigtheit hin. Er 
war als Kind nicht gestillt worden. Gerade diese Unbefriedigtheit 
hatte er in stärkstem Maße auf alle Gebiete des Lebens übertragen, 
besonders aber auf das Studium und das Lernen der Sprachen. Sie 
war der Grund dafür, daß ihn im Leben nichts freute und er am 
Lernen so wenig Interesse fand. Der Zusammenhang zwischen Lernen 
und Oralität ist der Psychoanalyse schon lange bekannt.') Er zeigt 
sich auch in der Sprache: der „Bücherwurm" frißt und verschlingt 
die Bücher, die Universität wird „Alma Mater", die nährende Mutter 
genannt; im Spotte sagen wir: „Der hat die Weisheit aus den Fingern 
gesogen."*) Mein Patient hatte auf die orale Unbefriedigtheit ungefähr 
nach der Formel reagiert: Wenn ich als Säugling oral nicht befriedigt 
worden bin, verzichte ich auf alle Lust. Auf diese Weise war er z. B. 
ein Feind des Trinkens geworden, war leidenschaftlicher Antialko- 
holiker und konnte sich nicht genug tun, über den „Unsinn" des 
Trinkens zu schmähen. Er war aber auch ein unbewußter Feind der 
sublimierten Form der Oralität, des Wissens. Es fehlte nicht an Äuße- 
rungen, das Lernen sei ja im letzten Grund sinnlos. In besonders 

^) Abraham: „Psyhoanalytische Studien zur Charakterbildung", Int. psa. 
Bibliothek, Nr. XVI, S. 49. 

*) Vgl. R. Sterba: „Einführung in die psychoanalytische Libidotbeorie", 
Zeitschr. f. psa. Päd., V. Jhrg. 



r 



112 



Hans Schikola 



veTkZtt 1?.°''''°' "" """ ^"^ Lernen der Sprache mit der Oralit« 
Mn^enllfZ ',!,'''"■ ""'='' ^"0™ W«"^ die letzten ZuBammen- 

Difi VHT, TTiiT. i. u! ™ gewünschten Maße ein. 

2uS:rriZ.Cdrne^(?"\^'^'» ,-'<=" die Möglichkeit, aU 
Störungen anf^n^lii a .? ^Gesetzmäßigkeit in bezug auf die Lern- 

:SrTer" :C ,\etf3 ^ ^ '" '*' ^'*^''*'« ^""'""" 
wiyrigKBiten meist sehr schwer ist. 



'''"'""""'»»"»lllllltlllllllUllltlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltl»'"' 



iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiitiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii""""""" 



KINDERANALYSE 



niiiiiiiiiiiiiiiiitiiiniiiii 

Detektivgesdiiditen 

und ihre Rolle in einer Kinderanalyse 

Von Edith Buxbaum, Wien 

Der Detektivroman ist ein wichtiger Bestandteil der Literatur. Er- 
wachsene und Kinder lesen ihn mit gespanntem Interesse und sind xn 
gleicher Weise unwillig üher jede Unterbrechung der Lektüre; wah- 
rend aber der Erwachsene, was und wann er will, lesen ^ani^ smd 
die Kinder sehr oft gezwungen, sich mit ihrer spannenden Lektüre 
r verstecken Ein Teil der Erzieher hält es nämlich immer noch für 
rTchtig die Zöglinge vom Lesen dieser „Schundromane abzuhalten 
oder s^e dabei wenigstens soviel als möglich zu stören. Die Erfahrung 
lehrt, daß pädagogische Maßnahmen dieser Art - sei es nun, daß man 
verbietet, kritisiert oder versucht, die Verurteilung ^eun Kinde sen)st 
hervorzurufen - zumeist fehlschlagen und nur den Erfolg haben, daß 
das Kind von nun an vorsichtiger ist. 

Wenn wir gegen eine Gewohnheit oder Unart der Kinder mit un- 
serer Pädagogik und mit den Mitteln der Vernunft machtlos sind, 
nehmen wir an, daß sie eine unbewußte Bedeutung haben, zu deren 
Aufdeckung wir die Analyse zu Hilfe rufen können. Hans Z u 1 1 i g e r 
hat dies, wie er in seiner Arbeit „Der Abenteurer-Schundroman"^) 
zeigt getan. Er hat einen dieser Schundromane analysiert und seine 
unbewußte Bedeutung für einen Jungen, dessen Lieblingslektüre 
dieses Buch war, aufgedeckt. Er hat gefunden, daß das Lesen von 
Detektiv geschichten für den Jungen ein Mittel zur Bewältigung und 
Abwehr seiner Angst war. 

Ich habe im Verlaufe einer im ganzen zwei Jahre dauernden Ana- 
lyse Gelegenheit gehabt, die Sucht oder den Zwang - wie man es 
nennen will — Detektivromane zu lesen, bei einem zwölfjährigen 
Jungen zu beobachten und zu analysieren. Diesen Analysenabschnitt, 
der sich auf einen Zeitraum von etwa sechs Monaten erstreckt, mochte 
Ich im folgenden darzustellen versuchen. -c . . ■ 

Karl kommt mit zwölf Jahren zu mir in die Analyse. Er ist em 
großer, hübscher Junge mit offenem Blick, aber von sehr gehemmtem 
Wesen. Sein Onkel, der Bruder des Vaters, hat ihn zu mir gebracht, 

weil Karl an sch werer Angst leidet. Auch lernt er schlecht. 

^) Ztschr. f. psa. Päd., Bd. VII.. H. 10-12 (SondexheftT^.Die Angst des 
Kindes"). 



t- 



f~ 




Karl lebt mit der MuttPi- nT>^ • , ^ qphwesi- 

bei diesem Onkel. D e MuLr f TT ^"^ ^"^'^ •^^^'" '^'''' , h ^acbt 
auftreten doch soll tV f ^^"^ ^^^^«^ an Anfällen, die zumeist bei ^^^^ 
<^r mit der Mutter .•» ^'^^'^'^ ^^'^^^^ davon bemerkt haben, oo 



auftreten doch soll\c f ^^^ ^^^^^^ *" Anfällen, die ziuu«i- -- ^^^ji 
<^r mit der Mnttpr .• ^'^^'^'^ ^^'^^^^ davon bemerkt haben, oo 



könZ S im D'%r^" ^^-^^ gleil^o: i;;; Angst, ein Ma^i 
drücken. Er ürcht'l^ ''^^ '''^ ^^^^^^-- ^1- -drosseln oder J^l 
könnte ihn anseht' '''^ ^'^ ^^^^^ aufzumachen, aus Angst, le^^ J 
heraus, daß Karls nnf-M'^f'^""' ^^^'^ ^^^^^ ^^«»^ ^^ der zweiten bt^i J 
"genz entsürin^f Unfähigkeit zu lernen nicht einem Mangel an i^ 1 
«acbe seiner Wn T^"'^ "^^^^^ ^^örung, unter der er leidet- ^H 
lesen muß. ErZTlT^ '^^: ^"^^ ^' zwanghaft DetektivgeschicWe^^ 

docb 



"".wie »einer ijern<?r" --vv^ximg, uinci uoi ^^ 

lesen muß. Er hat = "''^ '^*' ^^^ ^"^ zwanghaft Detektivges 

2u lernen liest ll T'^^'' ^^' ^^^h, in der Schule, zu Hause - ^i 

immer an diese r """r.T^^" ^^ ^uch versucht zu lernen, muß er ^ 

^-eift er nad ^t '^"^^^^ ^^"^en. Wenn er die eine beende hat^ 

Eindruck daß et T' ^'^ '' '"^^^^ ^^^'^^^ ^^'' "'" S 

seil. ..J.u!'' ^l.^^^h Wie ein Süchtiger benimmt, der fürchtet, oh» 

zu fffthon, Äv. TJ„„,q ,1ioaftr Det©)^ • 



sein gewohntes V%T ®^^ süchtiger benimmt, der fürcni<=-. 

geschichtAT, ..„.. „"^"^^^^^de zu gehen. An Hand dieser ^et^ ^^^^ 

i difi Rii^iiioirv a;o öffentlich m 

L :„,^«r wieder 



geschickten ärgster sT'' ^"^ ^^^'^''- ^^ ^^^"^ ' 
verkauft werden du ^ a~^ ^^ ^"^^ ^^^ Büchlein, die öltenun 
verschaffen — sn' ]f ^^^^ ^^er die Jungen doch immer ^i 

■ Dem Detektiv 7er T-^.^ ^''^'' '^'^^ ^^"^^" ^"^^^^'^ '^' hend 
^^d geschickt ist IhnfV"^''''*^^^ ^i^d, edelmütig, voraussehe 
er so sein wie er ih l ^^""^^ Bewunderung. Natürlich mocn 

^as ihn zunächst "^ f ^"^ ^"^ ^^'"^"^ Ich-Ideal erwählt. .^ 

verschiedenen ArteTi Z ^^tektivgeschichten interessiert, sind o 
ein angenehmes Grn..T'' T"" ^^^^chen umbringen kann. Das gibt s 
leiten der Kinder l'r S' '"=^hlt von den verschiedenen Grausa^ 
^«.^eiß er eine furcS« n"^' ^^^' ^^^^^ Tiere sind nicht wehrlo«' 
beiden Pferden die w' ^'^^^^^^te von einem Kutscher, der seinj^^ 
treten hat; eines TaEe?«K ^""^^«t^ehen und sie mit den Füßen ^" 
feedrängUnd il,. J.^''^^^^^ haben ihn die Pf.rrt. ..^en eine W^n^ 



f drangUndihnerdS^f^^^^ben ihn die Pferde gegen eine W f^^^ 
eescMcMen waren, in r,,~^^^^«er Ausgangspunkt ja die Detektiv 
y T^'er, sondern zwiT' '''^ ''''''' Dinge nL.t zwischen Mens 
Aufklärung, wer siellt? ^^'''''^ ^^^V^^lon. warten wir auf d 
-achsüchtigen Tieren vtl' ^"^ ^^^^^' verfolgten, aber ge^äh/ f ' 
^^h Karl bitter iJber ZX"?'- ^^^on in der nächsten Stunde beklag 
^hm vorzieht. Wenn '^ , n H 7'^"^' "^'^ ^^n neckt, und die der Onl^ 
«^e mit dem Fuß nach ibl V^' Schwester miteinander raufen, ^^f 
grausame Kutscher -1 Z; ^' '^^ ^^^^ das gequälte Pferd und sie d^ 
l^' das Pfer, ,,^ ^^d er möchte sich rächen und sie ermorde^ 

^«tektivgeschichten erSn '' ''^^"^ ^^^ ^^^ <>rund der Tier- V^^ 
S^^^el. „damit er sie n chtTi ^' "^^^^^ ^^^h gegen sie mit e^ne^^ 

^leht verletze"; merkwürdigerweise aber i^t ^ 



1 



Detektivgeschichten 115 



rade der Sessel ein Instrument, an dem sie sich ungeschickterweise 

manchmal hart stößt. , i , , 

Wir wissen von Karls Angst, erdrosselt und erdrückt zu werden; 
wir haben Grund anzunehmen, daß er mit dem Ermordeten oder zu 
Ermordenden der Detektivgeschichten identifiziert ist. Hier aber ist 
der erste Hinweis, daß er wohl auch der Mörder sein könnte. Jeden- 
falls können wir bereits sehen, daß neben der Identifizierung mit 
dem Detektiv, die Karl gerne zugibt, noch andere Rollen für ihn in 
Betracht kommen. ' =■ /''''- '•'•' 

Als Zeichen seines Vertrauens bringt mir Karl in der folgenden 
Stunde eine Detektivgeschichte, die ich lesen soll. Sie handelt von Ge- 
spenstern, an die Karl natürlich nicht glaubt. Aber Spiritismus, das 
ist etwas anderes - und gar Hypnose, das ist gefährlich, denn man 
kann davon krank werden, man kann sogar daran sterben Karl ha 
Angst daß ein Mann im Dunkeln ihn anschauen könnte, daher macht 
er die Augen nicht auf. Der Mann nämlich könnte ihn hypnotisieren 
und ihm in der Hvpnose verbieten zu schreien und ihn dann erdros- 
seln Er erinnert sich in der folgenden Stunde, daß er mit etwa sieben 
Jahren an Atemnot gelitten habe und Angst hatte zu ersticken. Er 
spricht über eine Mandeloperation, die man an ihm vorgenommen hat, 
als er fünf Jahre alt war. Er habe sich nicht gefürchtet, weil die 
Mutter gesagt hätte, es würde nicht weh tun. Der nächste Gedanke 
führt zum Tod des Vaters, der gestorben ist, als Karl zehn Jahre alt 
war. Seine Schilderung ist etwas merkwürdig und, wie sich später 
herausstellt, nicht ganz der Wahrheit entsprechend. Karl sagt: „Er 
(der Vater) hat die Zunge herausgestreckt und ist umgefallen." Und 
schließlieh beendet er die Stunde mit „etwas Lustigem": Dort, wo 
Karl früher gewohnt hat, auf dem Land — Karl lebt erst seit dem Tod 
des Vaters in der Stadt — gab es Schweine; und wenn man die „unten 
geschnitten hat", durften sie sich nicht hinlegen; Karl stöberte sie 
dann immer auf und ritt auf ihnen. 

Karl hat die Mandeloperation, in der im Hals etwas geschnitten 
wurde so aufgefaßt wie das, was man an den Schweinen geschnitten 
hat als Kastration. Er hat dabei Todesangst und Schmerzen^gehtten. 
•Zu einem späteren Zeitpunkt, etwa ein Jahr später, spricht Karl von 
einer anderen Gelegenheit, wo ihm etwas ähnlich Traumatisches wider- 
fahren ist: Man hat ihm eine Zahnextraktion unter N^^^^-^ ^^^^f^*^ 
Die Narkose hat ihn daran gehindert, zu ^«^reien und sich zur Wehr 
^1 setzen so daß er sich gegen die Operation, d. i. die Kastration 
niht wahren konnte; sein Verdacht aber ist, daß man den Vater auf 
äLtlhe Weise wehrlos gemacht und 'fl^^^^ll^^'^^^^^^^ 
Detektivgeschichten spielen Narkose und die durch Gifte hervorg 



i 



r 



ll^ Edith Buxbaum 



Tufene WiUenslähmung eine große Rolle; das unglückliche Opfer is 
in diesem Augenblick immer in höchster Gefahr. Wer der geheimnis- 
volle Mann ist, der ihn und den Vater verfolgt, kastriert und umbringt, 
ist in Karls Geschichte ebenso unbekannt wie in den Detektivge- 
schichten. Mutter, Onkel, Arzt, Krankenschwester sind verdächtige 
Personen. 

Die Angst vor dem Angeschautwerden weist in diesem Zusammen- 
hang darauf hin, daß er fürchtet, bei der Onanie entdeckt und dafür 
kastriert zu werden. Er selbst aber, der die Augen krampfhaft ge- 
schlossen hält, treibt nicht nur Vogel-Strauß-Politik, sondern er wiU 
etwas Schreckliches nicht sehen. Das „Umfallen" des Vaters, wie er 
sagt, läßt uns an das „Hinfallen" der Mutter denken, und läßt ver- 
muten, daß Karl ihren Anfällen doch nicht so ahnungslos gegenüber- 
steht, wie man glaubt, und daß auch ihre Krankheit und ihre Person 
bei seiner Angst eine KoUe spielen. 

Zunächst folgt nun eine Widerstandsperiode, wie sie nach diesem 
Durchbrueh seiner angsterregenden Erinnerungen zu erwarten war. 
Er bringt mir immer wieder Detektivgeschichten; eine davon emp- 
fiehlt er mir besonders: „Die Schlinge des Mahatewa". Das Problem 
des Erdrosseltwerdens ist also weiterhin aktuell. Seine Angst steigert 
sich nun so weit, daß er schließlich krank zu Hause bleibt; er leidet an 
Atemnot. Als er auf meinen Wunsch trotzdem kommt, erfahre ich den 
aktuellen Anlaß zu seinem Anfall von Atemnot: Er hat einen Freund 
nach Hause begleitet, und als er sich von ihm trennte, mußte er durch 
finstere, neblige Gassen allein nach Hause gehen; da lief er aus 
Angst, ein Mann könnte hinter einem Haustor hervorkommen und ihn 
erdrosseln. 

Er beginnt nun allmählich sehr vorsichtig, sich über den Onkel 
zu beklagen. Er sei streng, verbiete ihm alles, was ihm Spaß mache. 
Er nehme ihm die Detektivgeschichten weg, so daß er sie heimlich 
lesen müsse. Obwohl das nicht stimmt, und der Onkel ihm sogar aus- 
drücklich erlaubt, sie zu lesen, hält er an der Fiktion des Verbotes 
fest und zeigt so, daß das Lesen als Onanieäquivalent verboten sein 
müsse. Vor allem aber klagt er, der Onkel ziehe die Schwester ihm 
vor und gebe ihr in Streitfällen immer recht. Hingegen weiß er aber 
auch sehr viel Nettes von ihm zu sagen: daß er mit ihm spiele, ihn 
beschenke und sogar manchmal verwöhne, mehr vielleicht, als der 
Vater es getan habe. 

Eine Detektivgeschichte, die als Einbanddecke eine drohende 
Krallenhand zeigt, veranlaßt ihn, wieder über verschiedene Tötungs- 
arten an Tieren zu sprechen. Er erzählt von seinen Beobachtungen 
auf dem Land, wo es ihm großes Vergnügen bereitet habe zuzu- 



Detektivgeschichten 117 



schauen, wie „Stiere, Schweine, Hühner" gesehlachtet wurden. Er 
selbst aber habe nie ein Tier getötet, aus Angst, das gereizte, aber 
nicht zu Tod© getroffene Tier könnte ihn anfallen. 

In den "Weihnachtsferien wird ein Ausflug gemacht, auf den auch 
noch andere Kinder mitgehen. Man spielt Indianer, und Karls Onkel 
wird von den Kindern gefesselt. Karl beteiligt sich nicht daran, son- 
dern „gibt nur die Riemen dazu". Er ergeht sich in wollüstigen Phan- 
tasien, was er dem Gefesselten alles abschneiden könnte, wie er ihn 
wehrlos machen, ihm einen Knebel in den Mund stecken könnte. Er 
fügt hinzu: „Wenn man wehrlos ist, ist man wütend; so wütend, daß 
man den, der einen hält, umbringen könnte." Karl, den man gehalten 
und wehrlos gemacht hat, dem man dann etwas abgeschnitten hat, 
nämlich die Mandeln, den man durch Narkose betäubt hat ist wütend 
darüber und will dem, der ihm das angetan hat, das Gleiche tun. Der 
Onkel, der ihm verbietet und die Gewalt hat, ihn zu zwingen, ist die 
geeignete Ersatzperson, gegen den sich die Wut richtet, die dem 
operierenden Arzt und ursprünglich dem Vater galt. 

In einer späteren Phase der Analyse, als der Onaniekonflikt be- 
sprochen wurde, erzählte Karl: Einmal, als er bei dem Vater im 
Bett lag, hat der Vater gefragt: „Du tust doch das nicht?" Die Frage 
wurde von Karl als Verbot aufgefaßt. Kurze Zeit darauf sei der Vater 
gestorben. Karls Schuldgefühl stellt die beiden Erinnerungen in ur- 
sächlichen Zusammenhang: Seine Todeswünsche gegen den verbieten- 
den Vater sind in Erfüllung gegangen. Da der Onkel für ihn an die 
Stelle des verstorbenen Vaters getreten ist, gelten ihm nun alle Rache- 
gelüste für die Operation, die er als Kastration auffaßte, für die er 
ursprünglich den Vater verantwortlich gemacht hat. Der Onkel ist 
sogar noch gefährlicher als der Vater selbst, denn er hat sich wirk- 
lich an die Stelle des Vaters gesetzt, hat den Vater beseitigt, hat 
getan, was Karl zu tun wünschte. Karl hat nur zugeschaut — wie er 
auch diesmal nur zugeschaut hat, was man mit dem Onkel macht. 

Die Ergänzung, die wir hier aus unserer späteren Kenntnis be- 
stätigt finden, ist, daß ein Teil der Wut sich wohl auch gegen die 
Mutter richten muß, die ihn zur Operation geführt und gehalten hat. 
Bei der Schilderung der Narkose beschreibt er später, wie „die Weiber 
sich auf ihn gestürzt und ihn gehalten und überwältigt haben". Die 
Weiber" waren die Mutter und eine Krankenschwester. 
" In der Sprache der Detektivgeschichten heißt das: Karl, der zu- 
.-■1? ff Onfer war wird nun zum Mörder, Karl gibt uns eine Be- 
naehst das Opfer war, wim uu-u i^ -u^ioniitöTi bplrnrnmen- er 

stätigung- Er bat eine Taschenlampe zu Weihnachten bekommen er 
spielt damit so. daß er sich selbst in die Augen leuchtet; er ist Detek- 



118 Edith Buxbaum 

(iv und Einbrecher, wie er sagt. Wir verstehen, er muß auf sich auf- 
passen, damit seine Triebe ihn nicht zum Mörder machen. 

Seine sadistischen Phantasien beziehen sich in der folgenden 
Periode hauptsächlich auf einen Schulkameraden, mit dem er auch 
einige seiner Phantasien im Spiel ausführt. Dieser Junge hat seiner 
Beschreibung nach eine Chorea; Karl schildert, wie er mit den Armen 
herumfuchtelt, grimassiert und sinnlose Bewegungen macht, beson- 
ders wenn er wütend ist. Karl fühlt sich dazu berechtigt, diesen 
Jungen schlecht zu behandeln, weil er ihm seine Füllfeder stiehlt und 
ihn „betrügt und belügt". Karl muß sich eben dann sein Recht mit 
Gewalt verschaffen. Eines Tages erzählt er, er habe dem Jungen den 
Schal in den Mund gestopft — d. h. ihn geknebelt — und ihn gefesselt. 
Er bringt Schal und Gürtel in die Stunde mit, auch ein großes Taschen- 
messer. Er möchte also auch mit mir dasselbe Spiel spielen. 

Die Analogie des Jungen mit der Mutter ist augenfällig: die sinn- 
losen Bewegungen — d. i. das Herumschlagen; das Spucken — d. i- 
der Schaum vor dem Mund; der Knebel — d. i. das Taschentuch, das 
man der Mutter vermutlich in den Mund steckt, um den Zungenbiß zu 
vermeiden. Überdies zeigt er, daß er dasselbe von mir als Über- 
tragungsperson der Mutter erwartet. Wir hatten bis dahin nie von 
den Anfällen der Mutter gesprochen. Sie war zu Beginn der Behand- 
lung wegen eines anderen Leidens im Sanatorium gelegen, so daß 
zwar von ihrer Krankheit im allgemeinen die Rede war, nicht aber 
von den Anfällen, die zu jener Zeit nicht aktuell waren. Seit einigen 
"Wochen aber war sie wieder zu Hause. Karl hatte durch seine Ein- 
fälle gezeigt, daß er die Symptome und den Verlauf der Anfälle 
kannte, daß ihn diese Frage beschäftigte, und ich hielt es daher für 
richtig, diese Angelegenheit mit ihm zu besprechen. 

In der nächsten Stunde frage ich ihn, ob die Mutter wieder einen 
Anfall gehabt habe. Er bestätigt dies und gibt nun eine detaillierte 
Schilderung der nächtlichen Anfälle. Wenn er das kurze Atmen höre, 
denke er: „0 je, es fängt wieder an!" Dann falle sie aus dem Bett — 
in der ersten Stunde sägte er, er schlafe sehr gut, nur „wenn die 
Tuchent-) herunterfällt", wache er auf — , dann sei die Mutter bewußt- 
los, habe Schaum vor dem Mu.nd und zucke mit dem Körper. Es graue 
ihm so davor, daß er unter die Decke krieche und tue, als ob er 
schlafe. Er fügt hinzu, er habe keine Angst vor der Mutter; aber wohl 
vor einem Bettler, den er gesehen habe, und der „das Hinfallende"') 
habe. Er weiß nicht, was der Mutter fehle; man sage es ihm nicht. 
Einige Zeit später fügt er noch hinzu, das Schrecklichste wäre, wenn 

2) ^ Oberbett. 
- *) :^ Epilepsie. 



Detektivgeschichten 119 



der Bettler, der das Hinfallend© hat, auf ihn fiele oder sich auf ihn 
stürze und ihn im Fall mit sich risse. Auch seine Träume, die er nun 
erzählt, enthalten die Angst vor dem Verfolger und die Angst vor dem 
Fallen:' Er läuft durch einen Wald, wird von jemandem verfolgt und 

fällt in eine Grube. , . * . 

Die Angst vor dem Fallen enthält wohl auch seine Angst, von der 
Mutter angesteckt zu werden oder ihre Krankheit zu erben; überdies 
aber ist das Fallen für ihn das Resultat der Verfolgung durch 
Mann und Frau. Wir wissen bereits, daß er den Onkel, die Ersatzfigur 
für Vater und Arzt, für die Operation — Kastration — verantwortlich 
macht Die Mutter aber war es ja, die ihn zu den Operationen geführt 
hat, die ihn gehalten, „sich auf ihn gestürzt hat", wie er sagt, damit 
er sich nicht gegen die Narkose wehren könne. Was er dem Schul- 
kameraden vorwirft, daß er ihn belüge, betrüge und bestehle das ha 
sie ihm getan: sie hat gesagt, daß es nicht weh tue, - und es hat 
weh getan- sie hat ihm Mandeln und Zähne nehmen lassen, hat dabei 
geholfen, sie hat ihn dem Verfolger ausgeliefert, also ist sie auch ein 
Verfolger. Wir erinnern uns, daß auch er bei der Fesselung des 
Onkels sich damit begnügt zu helfen, statt es selbst zu tun. Der ver- 
folgende Mann, den er fürchtet, ist aber auch noch in anderem Sinn 
eine Mischfigur: Er setzt sich zusammen aus dem Mann, der auf die 
Frau fällt, und der Frau, die dadurch zu Fall kommt. Fällt er aber 
uf Karl selbst, dann ist er wie die Mutter und fällt hin — d. h. hat 
d s Hinfallende, ist kastriert, eine Frau. Statt die Frau zu sein, möchte 
^ lieber den Mann zu Fall bringen. In der Sprache seiner Detektiv- 
^"^ hichten heißt das wieder, er möchte der Mörder sein und nicht das 

^D'e Hilfeleistungen an der Mutter sind für ihn Vergewaltigungen: 
b In fesseln, wir vermuten auch die sexuelle Vergewaltigung. Er 
bestätigt dies bald durch seine Phantasie, was der Arzt mit der Mutter 
mache Er gebe ihr eine beruhigende - d. h. für ihn: betäubende - 
rniektion und dann tue er etwas mit ihr, was Karl nicht sagen könne. 
Sfv Arzt macht mit der Mutter dasselbe, was Arzt und Mutter zusam- 
men an Karl gemacht haben: Er betäubt, vergewaltigt, kastriert sie. 
Da die Hilfeleistungen diese Bedeutung für ihn haben und seine Rache 
und sexuelle Befriedigung an der Mutter wären, muß er sich von ihr 
während des Anfalls in Angst und Grausen fernhalten. 

In der folgenden Stunde spricht Karl von Filmen, die er gesehen 
hat- vom Andreas Hofer, der gefangen wird; von einem Kampf zwi- 
schen Schlange und Krokodil, wobei dem „Krokodil das Ruckgrat g^e- 
bfochen^wirl ein Gorilla stürzt sich auf einen Mensehen usw^^^^ 
zählt das Furchtbare auf, was einem in solch emem Kampf geschehen 



120 Edith Buxbaum 



i* 



kann: Man könne blind und taub werden, stumm, Arme, Beine ver- 
lieren, die Nase könne gebrochen werden. Um sich vor dem Schreck- 
lichen zu schützen, müsse man stärker sein als die andern; aber wenn 
schon nicht stärker als die andern, dann doch stärker als der Onkel, 
der Gefährlichste von allen, — hat er doch den Vater beseitigt und 
sich an seine Stelle gesetzt. Karl zeigt in diesen Assoziationen, daß 
er den Anfall der Mutter, das Hinfallen, als einen Teil der sexuellen 
Szene auffaßt, gegen die sich die Mutter durch Herumschlagen wehrt; 
er fürchtet, daß auch ihm dieses Furchtbare passieren könnte, dessen 
Folge die Kastration und der Tod ist. Der Vater ist auch so ein Opfer. 
Er muß versuchen, die verfolgte Mutter als Detektiv, Zuschauer, zu 
schützen und gleichzeitig sich selbst vor ihr und dem Onkel. Der wirk- 
samste Schutz ist aber nicht, Detektiv zu sein, sondern stärker zu sein 
als der gefürchtete Onkel, selbst den Onkel auf diese Weise zu über- 
wältigen, wie dieser in Karls Phantasie die Mutter und den Vater. 
Er liest Detektivgeschichten, um darin zu lernen, wie man sich vor 
dieser Gefahr schützt. Solche, die schlecht ausgehen, mag er nicht ■— 
denn dann erfüllen die Detektivgeschicbten nicht ihren Zweck, die 
Angst zu bannen, sondern dann erzeugen sie Angst. 

Nachdem der Zusammenhang der Angst vor dem Verfolger mit der 
Krankheit der Mutter besprochen ist, hört der Zwang, Detektivge- 
schicbten zu lesen, auf. Sie sind nun als Abwehrmittel gegen seine 
Angst unbrauchbar geworden. In Zeiten großen Widerstandes oder 
gesteigerter Angst greift er wohl wieder danach, bleibt aber sichtlich 
unbefriedigt davon, so daß er sie schließlich als dumm und unsinnig, 
als immer gleich und unwahr ablehnt. 

Die Analyse der Detektivgeschichten zerfällt in drei Abschnitte: 
Der erste Abschnitt zeigt uns Karls Identifizierungmitdein 
Opfer. Das ist der manifest© Inhalt seiner Angst. Der zweite Ab- 
schnitt enthält Karls Identifizierung mit dem Ver- 
brecher; seine Aggression richtet sich gegen Schwester, Mutter und 
den Onkel, der auch für den Vater steht. Er hat Angst vor der Rache 
semer Opfer und Angst vor der Ausführung seiner aggressiven 
Wünsche, die die Strafe der Kastration nach sich ziehen würde Die 
eigentlich angsterregende Gestalt aber ist der Mann, der das Hin- 
fallende hat. An dieser Stelle zeigt es sich deutlich, daß Karls Aggres- 
sion eigentlich Verteidigung ist; und zwar eine Verteidigung nach 
zwei Kichtungen: Er verteidigt sich gegen den kastrierenden Onkel- 
Arzt und kämpft gegen seine eigenen passiven Wünsche, das Opfer, 
das überwältigt und kastriert wird, zu sein. Wir sehen an dieser Stelle 
wieder seine Id e n tifi z i erun g mit dem Opfer, aber in der 
tieferen Schichte seiner passiv-homosexuellen Wünsche- was sich 



L 



f 



Detektivgeschichten 



121 



manifest als Angst ausdrückt, zeigt sieh hier als Wunsch. Die Angst 
hat die Funktion, ihn vor seinen Trieben zu schützen: vor den aggres- 
siven und vor den passiven, die beide die Kastration zur Folge haben; 
die Aggressivität ruft die Kastration als Strafe hervor, die Passi- 
vität enthält sie als Bedingung. _ 

Dieselbe Funktion wie die Angst hat die Identifizierung 
mit dem Detektiv: Er schützt das Opfer und hindert den Ver- 
brecher an der Ausführung seiner bösen Absichten. Die Identifizie- 
rung mit ihm erspart daher Angst. Die Identifizierung mit dem De- 
tektiv ist nicht ebenso wie die mit dem Verbrecher und Opfer deutlich 
als Abschnitt in der Analyse erkennbar. Karl ist in allen Phasen be- 
wüßt mit dem Detektiv identifiziert; dies ist die ichgerechte Rolle, 
die er in seinen Phantasien spielt. Erst die Analyse decki auf, gegen 
welche verbotenen Triebwünsche der Detektiv eingesetzt ist, welche 
Tri^bbefriedigungen er verhindern soll, und zeigt daher, mit welcher 
l::^eTvtZn'Ls der Trias „Verbrecher-Opfer-Detektiv" Karl 
außerdem noch identifiziert ist. Während die DetektivroUe^ im Dienste 
L Triebabwehr steht, steht die Identifizierung mit Verbrecher und 
n f im Dienste der Wunscherfüllung. Die Zweiseitigkeit erinnert 
den Aufbau des neurotischen Symptoms, das ebenfalls dies© 
^^^ -^T le die Triebabwehr und den Triebdurchbruch, enthält und 
zwei lei , ^_^^ ^^^^^ ^^jj^ ^.^ ^^gg^ ^^ verhindern. Da die Detek- 
uberdies ^^^ ^_^^^ Bedingungen erfüllt, war sie bei Karl an die Stelle 

tivgesc ic „ptreten und wurde ebenso wie ein solches zwanghaft 

eines Symptoms 00- 

f estgeha e . ^ ^^^ Karls Zwang Detektivgeschichten zu lesen, stimmt 

• '7 1 1 ff e r s Analyse darin überein, daß auch hier die Detektiv- 

h-\t n eine Form der Angstabwehr sind. Der Inhalt der Angst 

^^^^ A des dort geschilderten Falles vollkommen verschieden, da 

ist von i gj^ perSÖnliclieil Erlebnissen und aus einer anderen 

Triebkonstellation entstanden ist. ■ . - 



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^ "'"" ' """"""" """"" "'""iiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiijiiiiiiiiiiiiiiiiiii iiitiiiiiiiiiiiiiiiiiüir 

B E R I C HTE 



Gehemmte Schüler 

Von Ernst Schneider, Stuttgart 

Im Verlage Joh. Ambr. Barth, Leipzig, i^^ 
erschienen: „Psfchodiagtiosüsches Praktikum für 
Psychologen und Pädagogen. Eine Einführung 
m Hermann Rorschachs Formdeutversuch von 
Pfof. Dr. Ernst Schneider''. Die Monographie 
umfaßt IJ2 Seiten und kostet RM S'öo; da 
sich der Rorschach-Formdeutver such in Pädagogen- 
kreisen wachsender Beliebtheit erfreut, benützen 
wir gern die Gelegenkeit, ein uns vom. Autor 
freundlichst zur Verfügung gestelltes Kapitel 
zum Abdruck zu bringen. 

Erz^itf'f tf "-^T^ '*''"^"'^ ^'^ ^^^^'^^"' ^i^ der Schule und der 
keine .o^?, Schwierigkeiten bereiten. Unter ihnen befinden sich 
InZr ' • T^^"" ^^^"^'^ ^^ Begabung den an sie gestellten 

~ sX'sT';' 'TT ''""*^" ^^^ P^^^^^S- -'d leicht 
geneigt, solche Schuler, die dem Unterricht nicht zu folgen vermögen, 

m n und^Ff 1 ^^ '"'" Bezeichnungen den beiden Grup'pen der dL: 
ScMiC In ? ^\-f dnen. Wenn man glaubt, einen unbegabten 
P.l. K .'' ^^ haben, ist es manchmal angezeigt, noch das Urteil 
einer besonderen Begabungsprüfung einzuholen. Es sind mir zwar 
scho^ verschiedene Fälle begegnet, da eine solche nach den gewöhn- 
lichen experimentellen Verfahren das Urteil der Schule bestätigte 
wahrend der Versuch nach Ror schar h o« «i. ^=.l J' "''^S^^' 
Tv„i,ßfo T?^^ ü • -IT.. \ ^^*J^ '^■ciiacii es als falsch bezeichnen 
mußte. Em Beispiel hierzu bringt Protokoll K 

Hemmungen die sich der pädagogischen Arbeit entgegenstellen, 
können von außen und von innen stammen, vorübergehender oder 
dauernder Natur sein. Eine vorübergehende Behinderung zur Mit- 
arbeit m der Schule war der Liebesgram des Mädchens, das wir oben 
kennen lernten. Ein Schüler kann wegen Zahnweh od;r abeT wegen 
werL rr " ^^:Vr^^"S m seinen Leistungen beeinträchtigt 
werden. Er kann ermüdet sein und nach einer Erholung wieder frisch 
mittun. Er kann aber überhaupt zu rascher Ermüdung neigen. Im 
allgemeinen ist zu sagen, daß bei Hemmungen zur Ausführung der 
durch die Erziehung geforderten Leistungen die Person ganz oder 
teilweise, vorübergehend oder dauernd, anderweitig beansprucht wird, 
und zwar damit, irgendeiner Unstimmigkeit, einer Ungeordnetheit, zu 



Gehemmte Schüler ^^^ 



V. ..o-x..n Fs sei hier besonders auf jene Gruppen von Störungen aui- 
begegnen Es^sei^ier ^^^^^^en Befunden zutage treten, 

^erksam gemad.^, de^ eine Enttäuschung stimmt traurig. Die 
V 'rHrmln g kann bald abklingen. Fällt sie aber auf eine emjp- 
l 'Irll rrundrage so tritt eine vorhandene Dauerverstimmung mehr 
fmdhche Grundlage, so ^.^^^ Grundlage kann in der 

t^pt^rer^rberodeTaber /ererbt sein. Erworben wird sie 

Hauptsacne Vpr^aeuneen und Enttäuschungen in der fruhkmd- 

eistens durch Yersagune^^^^^ Gefüge ihnen nicht gewachsen 

^"tD^sI^en" bleibt verstimmt, und wenn das Leben auf ihm 
ist. Das "^^^^^^"7 Erscheinungen zu beobachten sein, die wir unter 
spielt, so werden jen^E^^^^^^^^^^^ „psychogene Depression" zu- 

der Bezeichnung „n« (3,j,^^^^age zu Verstimmungen besonders im 
sammenfassen. Liegt a zykloide Störungen bis schwere 

Stammbaum, so ^'^'^sJeZ^erL können. 
Gemütserkrankungen ^^^Seiobi ^^^ ^^^^ ^.^ p^^^^^ ^^^^^ ^^^^^ 

Anderweitig .^f 7%7;^' ^en vorübergehend sein, und nach ihrer 
allerlei Konflikte, bie^^^^^^^ ungehemmt zur Verfügung. Es gibt 
Lösung steht der ^^^^ ^.^ ^^^ Entwicklungsschwierigkeiten zu- 

auch ^o^^^'^^^'/'luernder sind, aber mit der Zeit auch abklingen, 
sammenhängen, die ^^^^.^^^ ^ie der Verdrängung anheim gefallen 
Schwerer wiegen jene ^^.^ ' ^^^^ stärkere seelische Zerissenheit 
sind und dadurch em ^s^ ^^^^^^^ ^.^ .^^^^ ^.^ begleitenden Gefühlen 
herbeigeführt haben.^ ^_^^ ^^^^^ Bedrohung des Gleichgewichtes dar, 
von Angst ^^^^^g^gg^iisch darnach getrachtet werden, die Angst und 
und es muß in^e^ irgendwie zu binden. Es kommt dabei zu neuroti- 
die ^*^^^ ,^]3iidungen. Alle diese neurotischen Vorgänge bean- 
schen ^^"^ person, sie muß sich ihnen widmen und wird daher leicht 
spruchen^^ie^^^ auferlegten Aufgaben abgezogen, 
von an . r^^ gerrissenheit kann auch mit einer angeborenen 
h^^ thischen Konstitution" zusammenhängen. Wir finden dann 
„psyc opa ^ ^^^ schwereren Psychopathien (ängstliche, zerfahrene, 
^^^ i haltlose gleichgültige, triebhafte, grausame, verstockte, 
rdzbare uöw Charaktere) sowie die eigentlichen Geisteskrankheiten 

^^ D^rSü^rten Störungs- bzw. Hemmungsursachen können vom 
.^.ILchen Gesichtspunkt aus in drei Gruppen geteilt werden: 
füfe vorübergehenden klingen ab und sind durch die Erzie. 
läUnismäßiff leicht beeinflußbar. 2. Die ne ur o 1 1 seh e n 
):Z:ü^TCr^^^^^^ -d eigentliche Neurosen) hängen mit einer 
(neurotische Jjep (.^^ndlage zusammen, die hauptsächlich aus 

'^::::^sfZTZo%.,.4^ is*. sie s^^ „ah« p.yeho>og..eh 



Zeitschrift f. psa. Päd., X/2 



-^ 



^^^ Ernst Schneider 



verständlich und können durch besondere psychologisch-pädagogische 
Verfahren behoben werden. 3. Di e P sy c h o p a t h i en und die 
Gemüts- und Geisteskrankheiten beruhen auf einer Erbgrundlage, sind 
psychologisch nur z. T. verständlich und pädagogisch nur in gewissem 
Smne oder gar nicht beeinflußbar. 

Die angeführten Protokolle gehemmter Schüler stammen in def 
Hauptsache von Insassen eines Erziehungsheims, die dorthin wegen 
Begabungshemmungen und Erziehungsschwierigkeiten gebracht wor- 
den sind. Meine Prüfungen galten der Fortsetzung früherer Unter- 
suchungenO. Bei Anlaß von vergleichenden Begabungsprüfungen er- 
zielte eine Reihe von Schülern stark voneinander abweichende Ergeb- 
nisse. Ich stellte mir dann die Frage, ob der Ro r schachscbe 
Versuch eine Antwort darauf geben könne, warum sich ein Schüler in 
einer Versuchsreihe als begabt ausweise und in einer anderen versage- 
Aus den 87 geprüften Schülern im Alter von 10—16 Jahren konnten 
21 mit stark voneinander abweichenden Ergebnissen ausgesondert und 
der R r s e h a e h sehen Diagnostik unterworfen werden. Unter ihnen 
fanden sieh 5 Depressive, 6 Neurotische und 5 Psychopathen sowie 

Schizophrenieverdächtige. Bei den verbleibenden 4 Schülern konnte 
keine sichere Diagnose auf vorhandene Störungen abgegeben werden. 
Mit meinen Untersuchungen im Erziehungsheime wollte ich die Aul- 
gabe von einer andern Seite aus anpacken und wählte daher Vpn., 
deren Begabungshemmung und Erziehungsschwierigkeiten als solche 
feststanden. Ich erhielt die Möglichkeit, den Ro r seh ach sehen 
Befund zu vergleichen mit: den Zeugnissen der früheren Schule, deu 
Arztzeugnissen, den Berichten, die das Heim von Zeit zu Zeit an die 
Eltern abgehen ließ, den Mitteilungen der Eltern, den Urteilen der 
Lehrerschaft über Begabung und Leistung und mit den Ergebnissen 
zweier Begabungsprüfungen nach B o b e r t a g und H y 1 1 a") (be- 
zeichnet B-H I und II). 

Um die Ergebnisse der verschiedenen Bewertungen der Begabung 
miteinander vergleichen zu können, habe ich sie alle nach den Be- 
gabungsgruppen 1-4 in Maßzahlen zu fassen gesucht. Das bereitete 
bei der Begabungs- und Leistungsschätzung sowie bei den Prüfungen 
nach BobertagundHylla keine Schwierigkeiten, wohl aber bei 
R o r s c h a c h. Für meine frühere Arbeit hatte ich den Versuch ge- 
macht, jene Begabungsan zeichen, die sich am leichtesten in Zahlen 

^) Die Bedeutung des Ro r seh ach sehen Formdeutversuchs zur Ermitt- 
lung intellektuell gehemmter Schüler. Ztschr. f. angew. Psychol., 32, 1928. 

=>) Begabungsprüfungen für den Übergang von der Grundschule zu weiter- 
führenden Schulen, Langensalza, Beltz — Begabungsprüfung für die letzten 
Volksschuljabre, Berlin, Zentralinstitut f. Erz. u. Unt. 




Gehemmte Schüler 



125 



ausdrücken lassen: G, B, F% und Orig% in Maßzahlen umzusetzen. 
Die 87 Schüler wurden nach der Anzahl der erhaltenen G, B, der Hohe 
de F% und Orig% geordnet und nach den arithmetischen, den ohern 
und untern Mitteln je in vier Gruppen eingeteilt. Ich erhielt folgende 
Zahlen: 



Anzeichen 

"g" 

B 

F% 

Orig% 



Höchste 
Zahl 

11 

100 

32 



Oberes 
Mittel 



6,6 

4,6 

96,3 

12,3 



Arlthm. 
Mittel 



4,9 
2,2 

86,2 
5,4 



Unteres 
Mittel 



2,7 

1,1 

69,8 

0,2 



Niedrigste 
Zahl 







25 





P..HU.t «nf diese Werte erhielten die einzelnen Schüler je eine 
Gestutzt auf diese wer ^ entsprechend der 

Maßzahl für ihre G, B, lür r /o u 

folgenden Übersicht: c , ;:: r. ^ •: 




2 


3 


4 


5-6 
3—4 
87—96 
6—12 


3-4 

2 

70—86 

1—5 


0-2 
0—1 

-69 





Nun wurden die vier erhaltenen Maßzahlen für jeden Schüler zu 
sammengezählt und nach der Punktzahl wieder eine Vierteilung vor- 
genommen. Danach wurde dann die endgültige Maßzahl für Ror- 
chach ermittelt. Die Punktzahlen 4—8,2 erhielten die Maßzahl 1, 
8,2-10,5 eine 2, 10,5-13,4 = 3 und 13,4-16 die Maßzahl 4. 

Da beim F% die höchste Zahl nicht immer auch die günstigste ist, 
so ist hier unsere Berechnung anfechtbar. Da jedoch beim F% em 
weiterer Spielraum zulässig ist, fällt der Fehler weiter nicht ms 
Gewicht. Wenn man die erhaltenen Abstufungen für die emzdnen 
Anzeichen mit den Werten, die R o r s c h a c h auf einem andern Wege 
erhalten hat, vergleicht, so ergibt sich eine weitgehende Über- 
einstimmung. 

Bei der Gewinnung der Maßzahlen der Schüler des Erziehungs- 
heims wurden diese Übersichten verwendet. Es folgt nun eme Zu- 
sammenstellung sämtlicher Begabungsbewertungen und der Schluß^ 
diagnose nach Begabung und Hemmungsursache. Die Schuler deren 
Ro rech ach- Befund mitgeteilt und besprochen wird, sind ange- 
merkt worden. 



# 



12b 












Ernst Schneider 






— 












^ 




1— 1 
o 

O 

o 


Alter 


4) 

u ■ 


Heim 


Bobei 

Hyl 


■tag- 


Rorschach 


Diagnose 


Vp. 


Schätzung 


la 


Anzeichen | 


a 


Hemmungs- 




Be- 
gabung 


Lei- 
stung 


I 


II G 


B F7o 


E 
Orig"/o l 


ursache 


1. J 


16 





1 


2 


1 


1 1 


1 1 


1 1 


1 


Neurotische 


^ 




















Depression 


2. 


K 


14,10 


3 


2 


3 


4 


4 2 


3 1 


1 1 


l 2 


Neurotische 
Depression 


3. 


L 


14,3 


3 


2 


2 


3 


3 3 


4 1 


2 ; 


2 2 


Depressiv 


4. 


IM 


13,10 


3 


1 


2 


2 


1 1 


4 2 


1 


1 1 


Zwangs- 
neurotisch 


5. 


N 


13,7 


3 


1 


3 


2 


1 3 


3 3 4 1 


3 1 


Schizoid 


b. 





13,7 


3 


1 


2 


1 


1 2 


4 l 


1 


1 1 


Neurotisch 


7. 


■~~ 


13,6 


3 


2 


2 


1 


2 3 


4 2 


2 


3 2 


Neurotisch 
(Hysterie) 


8. 


P 


13,1 


3 


1 


3 


1 


1 4 


4 1 


1 


2 1 


Depressiv 


9. 


— . 


12,2 


3 


2 


3 


4 


4 4 


4 4 


4 


4 ? 


Schizoid 


lü. 


Q 


11,11 


4 


2 


3 


2 


2 2 


4 2 


4 


3 2 


Depressiv u. 
neurotisch 


11 


— 


11 


4 


2 


3 


3 


3 1 


3 3 


4 


3 2 


Neurotisch 


12. 


— 


10,10- 


2 


3 


2 


3 2 


4 3 


2 


3 2 


Depressiv 


la 


— 


9,2 - 


2 


3 


2 


2 3 


4 4 


4 


4 2 


Scliizoid 


A4 


— 


9,2 


3 


1 


2 


1 


— 1 


1 2 


2 


1 1 


Neurotisch 



I j. 



Der Eorscbach sehe Versuch dürfte demnach geeignet sein, fest- 
zustellen, ob ein Schüler wegen Mangel an Begabung oder wegen 
Hemmungsersclieinungen verschiedenster Art versagt. Dazu tana 
allerdings ausdrücklich bemerkt werden, daß das Verfahren noch neu 
und keineswegs voll ausgebildet ist und daß auch Fehldiagnosen mög- 
lich sind. Man wird daher immer noch weitere Erfahrungen und Unter- 
suchungen herbeiziehen. Immerhin wird der Pädagoge in einzelnen 
Fällen Aufschluß erhalten, ob seine bisherige Einschätzung richtig 
sein dürfte oder ob es angezeigt sei, Beurteilung und Verhalten zu 
ändern, und ob es nicht erforderlich wäre, einen Schüler dem Arzt zur 
Untersuchung und Behandlung zu überweisen. 



Protokoll J: Ißjähriger Schüler, psychogene Depression 



Test Ort 
I O 

o 

II o 

III o 

IV o 

V O 
VI O 



Deutung Zeichen") 

Symmetrie, ausgebreiteter Tintenklecks G Hd Klecks 

Wie ein Schmetterling, vielleicht GF+Tga 

Zwei Clowns, die sich beschimpfen GB+Mgkb 

Affen, die reißen, zanken sich um etwas G B+ T g kb 

Eine Sehnecke (M. u.) kommt aus einem 

Blatt hervorgekrochen D F+ T 

Kopi eines Tieres, von hinten gesehen G F+ T a 

Fledermaus GF+Tga 

Hoheitszeichen, symbolisches Zeichen. Das 

untere vielleicht der Grund . G F+ a 



Ki>,> 



Gehemmte Schüler 



127 



mi 



Test 


Ort 


VII 
VIII 


G/8 

S. 


IX 


S.o. 




grün 


X 


S. 0. blau 




M. u. in 


_., 


grün 
M. u. gelb 



M. m. 
V M. 



Deutung 

Da kann ich nichts draus machen 
Gesicht eines Menschen mit langer Nase 
Tier, das nach oben krabbelt, ein Maul- 
wurf? Dem Gesicht nach? 
Weihnachtsmann, der Spielzeug herunter- 

wirft 

Kleines Kind läuft herzu, jemand wills 

halten ^ , . , . , , 

Wie Meertiere. Die Farbe ist falsch, sie 

müßten rot sein 
Ein Gesicht 

Zwei Kinder, die daliegen 
Versammlungsort. Da kommen noch zwei 

Zwei Kirschen, Ohrringe, Farbe stimmt 

nicht 
Seepferdchen 



Zeichen') 

DdF+ Md 

D F+ T g 

DB+M 

DB+M 

DF+Tg 
DdF+ Md 

DB+MOrig 

DB4-M0rig 

DF+Pfl 
DF+T 



Vp. dentet ziemlich schwer und langsam. 



Antworten: 18 

= 7 
= 9 
= 2 



G 

D 

Dd 
G 

F+ 

Hd 

B 

g 
Orig 

a 
kb 



= 4 
= 1 
= 2 

= 4 

= 4 
= 2 



F 

B = 

Hd =- 

g = 
Orig = 



= 11 + 
= 6 



1 
6 

2 



M 

Md 

T 

Td 

Pfl 

O 

Klecks — 1 



= 5 

= 2 

= 8 

= 1 
= 1 



F% = 100 

T% = 44 

g% = 33 
Orig% = 11 i'- 

Erf t = G — D 

S ~ geordnet 

ET =6:0 



Dieser Befund liefert das ausgesprochene Bild einer psychogenen 
oder neurotischen Depression. Das Depressive kommt zum Ausdruck 
im schweren Deuten, im Suchen nach guten Formen, im erhöhten T% 
und vor allem im Fehlen der Farben. Die erste Deutung wird durch 
das Schwarz bestimmt, und es Ist anzunehmen, daß die Versuchs- 
unlust z T mit den düstern Klecksen zusammenhängt. Vp. ist be- 
herrscht und trachtet angestrengt nach Ganzantworten. Bei VII tritt 
eine Sperre ein, die erst nach Aufmunterung überwunden werden 
konnte Gleichzeitig fällt aber Vp. ab, indem sie nur ein Dd fertig 
bringt, ein Gesicht, das einem Gespenst gleicht. Dieser Abfall ist 
durch Überanstrengung un d Ermüdung allein nicht erklärbar. Es sind 

n Abkürzungen: G - der Test ist ganz, D = als Teil, Dd = in einem 
kleinen Teil gedeutet worden, F = die Form, B = eine erinnerte Bewegungs- 
vorstenung. Hd = die Schattierung bewirkte in erster Linie die Deutung^ 
Orgi originelle, g = ganz gewöhnliche Deutungen, a == abstrahiert kb- 
kombiniert. Erft = Erfassungstypus, ET = Erlebnistypus, S = Sukzession, 
Folge der Erfassungsarten. 



128 Ernst Schneider 

da sicher neurotische Abwehrvorgänge im Spiel, da der Klecks offen- 
bar das Gebiet der verdrängten Konflikte in Erregung versetzt hat. 
Die B gelingen leicht und verteilen sich auf den ganzen Versuch. 
Auch die andern Anzeichen für Begabung sind erhalten, so daß anzu- 
nehmen ist, daß Bestrebungen im Gange sind, das durch die Intro- 
version gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen, um mit der 
Depression irgendwie fertig zu werden. Das alles ergibt das Bild einer 
neurotischen Depression, einer solchen, die auf irgendwelche ver- 
sagungen und Enttäuschungen zurückzuführen sein dürfte. Der Jung® 
befindet sieh schon längere Zeit im Erziehungsheim. Er versagte m 
der Schule und bereitete dem Hause in der Erziehung Schwierig- 
keiten. Das Zurückbleiben im Unterricht wurde der Ermüdbarkeit 
zugeschrieben. Zu Hause brannte der Junge oft durch, anfangs auch 
im Heim. Die Psychologie des Durchbrenners dürfte es oft mit depres- 
siven Personen zu tun haben. Der Ausreißer sieht die Umwelt m 
düstern Farben und möchte ihr entrinnen, im Glauben, das Anderswo 
erstrahle in hellem Farben. Bei der Melancholie führt die Flucht- 
bereitschaft gelegentlich zum Selbstmord. Mark Twain zeichnet 
treffend und ausführlich in seinem Tom Sawyer die depressiven Aus- 

'\''den Heimberichten wird gesagt, der Junge sei ^^* ^^;; "?^f "^ 
Seite weich und matt, arbeite unlustvoll, sei weinerlich und J^^f^^^ 
in seinen Äußerungen sondierend, sehr vorsichtig, zuruckhaltenQ. i^ 
der andern Seite zeige er Angriffslust den Mitschülern g^g«^^^^^, ^ 
versuche, sie zu beherrschen. Wer sich nicht unterordne, werde lacner 
lieh gemacht. „Der Junge hat zwei Naturen. Die eine ist auf Z-wecK 
eingestellt, die andere zeigt ihn als artigen Jungen." — „Seme ganze 
Veranlagung verlangt nach Geltung, und er will im Mittelpunkt 
stehen. Ob er das erreicht durch Leistungen, Interessantmacherei oder 
Wehleidigkeit, ist ihm gleich. Mit diesem Zug treffen wir seinen 
Charakter. Sein Ziel ist ihm heilig, nicht aber die Mittel." 

Als ich den Jungen kennenlernte, sah er körperlich gut aus, "war 
ein ernsthafter Schüler und stand mit seinen Kameraden in einem 
guten Verhältnis. Diese achteten ihn sehr. Einmal sah ich ihn Kleister- 
papiere entwerfen. Sein Verhalten dabei war dem im Versuche ä n- 
lich. Er wählte aus den verschiedenen vorliegenden Farben schwarz, 
entwarf ein künstlerisch gut wirkendes Muster mit entsprechen ei 
Schwarz-Weiß-Gliederung. Sein Entwurf übertraf alle andern. A _^^ 
er wirkte kalt. Im Laufe einer Unterhaltung berichtete er, er sei vi^^ 

vernünftiger geworden. Früher, wenn es ihm unerträglich ge wor 

4) Schneider, Ernst: Todes- und Selbstmordphantasien Tom Sawyers. 
Z. p. P. III, 1929. 



l 



\ 



Gehemmte Schüler 



129 



n 



sei oder wenn er sich ungerecht behandelt fühlte, sei er einfach draus- 
gelaufen Heute sehe er ein, daß das unsinnig war, er könne jetzt 
ruhig abwarten, bis die böse Stimmung vorüber gehe und ihm wieder 

besser zumute sei. 

Wenn wir die Beurteilungen der Berichte mit einer depressiven 
Grundlage in Beziehung bringen, so dürften sie einen andern Sinn 
erhalten Wenn der Junge unlustvoll arbeitet, matt, weinerlich und 
wehleidig ist, so verstehen wir das als Symptome der Verstimmung. 
Wenn er sich vorsichtig sondierend benimmt und zurückhaltend ist. 
so können wir das mit dem Zustand der Introvertiertheit in Beziehung 
bringen Der Introvertierte hat mit seiner Umwelt schlechte Erfah- 
rung^ gemacht und sich daher von ihr zurückgezogen^ Wenn er 
rungeu ^ema^ Vioophäftieen, wird er daher doppelt vor- 

genötigt ist, -* -' .*^;^,^J"11'e' kuBdgibt und vorsichtig dem 
sichtig sem vorsichtig '" äem, * ^,^4 „,„ a, Neigung haben, 
gegenüber, da« an ihn h«™ ""■ '' ^ ^^^ ^„^^16. 
^'rnruCv;rll.:rrrrLKorschacH.Be,und, sagen 

öem ueuuiB-^" iTpfnnden hat, um mit der Welt 

Jod nriQAr Tiinee einen weg geiuuucii. lxk^v, 

Ti^^llZelZl zu treten. Es ist der liber den Verstand. Im 
wieder xn n ^ ^^^^ Einstellung verstärkt (Verhalten beim 

Versuche ist ^die ^^^ ^^^^^^.^^^ Festbalten an den G). Die Selbst- 
i!"" aehung zur Selbstsicherung ist da und ermöglicht die Betäti- 
xiberwa ^^^^^^^^^ ^j-g dadurch rein intellektuelle Formen annimmt. 
Q^^M er zum „Verstandesmenschen" geworden. Das Verhalten zu 
rr t VII läßt uns vermuten, daß störende Einflüsse von innen nicht 
usgeschlossen sind, und die Clowns, „die sich beschimpfen" und die 
*\ffeD die „reißen" und „zanken" weisen darauf bind, daß die Angriffs- 
lust noch nicht überwunden ist. . .. ., o ^■ 

Befund und Erfahrung dürften darin übereinstimmen, daß die 
erzieherischen und unterrichtlichen Schwierigkeiten mit einer seeli- 
schen Störung, die zu depressiven Verstimmungen führten zusam- 
menhängen Vp. arbeitet an ihrer Abriegelung und entwickelt sich 
dadurch zum Verstandesmenschen, d. h. es gelingt ihr, das gestörte 
Gleichgewicht durch eine Verstärkung der bewußten Haltung wieder 
herzustellen. 



k 



llllllllllllllllllilllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllll"'!""""^ 



illlllltlllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllll""'"""' 



(}<*? 



: , Handwörterbudi der Psydioanalyse 

-r =v< r Yon Richard Sterba, Wien 

,.,.,■ . ..- , Soeben erschien im Internationalen ^^^f "' 

analytischen Verlag die erste der etwa IS Y^/^J 
rungen des „Handwörterbuchs der Psfchoanaifse 

■ von Dr. Richard Sterba. Ein faksimiliertes Han - 

schreiben von Prof. Dr. Si gm. F r eud an äen 
Autor leitet das Werk ein. 

Affekt (affect; affect) _ -^ ..t^^ 

Durch die Erkenntnis, daß die Neurose durch den Konflikt affektiver liT ^^ 
entsteht, wurde Freuds Forschung f rühseitig auf die Affekte hingelen^ ^ 
In der Tat spielen die Affekte, die zu deutsch als Gera ü t sbe w e gun g^^^^ 
bezeichnet werden, im Seelenleben eine überragende Rolle. Die Affekte s e ^^ 
vor allem Abfuhrvorgänge dar, d. h. sie bedeuten eine Entlassung v ^ 
seelischer Energie, die durch innere oder äußere Reize in den psychisc ^_^ 
Apparat eingebracht worden ist. Von den Gefühlen unterscheiden sie 
Affekte durch ihre höhere Intensität und dadurch, daß sie die ganze " 
lli , sönlichkeit ergreifen, so daß neben einem Affekt wenig andere I"^^^"® 

Bewußtsein Platz haben. Entsprechend der Abfuhrbedeutung der Atl ^^ 
finden wir bei ihnen Innervationen der Muskulatur und zahlreicher Urus ^ 
die mit Lust- und Unlustgefühlen einhergehen. Nach Freud bildet den tve ^^ 
jedes Affekts die Wiederholung eines bestimmten bedeutungsvollen, träum j 
tischen Erlebnisses, wobei dieses Erlebnis sehr frühzeitig, im allgemeine^ 
in der Vorgeschichte nicht des Individuums, sondern der Art, gelegen is ■ 
Affektzustände sind also dem Seelenleben als Niederschläge uralter trauma- 
tischer Erlebnisse einverleibt. Für den Affektzustand der Angst wird da 
Erlebnis der Geburt als Affektvorbild betrachtet. Diese Ansicht der Fsycno 
analyse über den Ursprung der Affekte steht der D a r w i n sehen Auffassung 
sehr nahe, die die Affekte als Rudimente von Triebhandlungen ansieht. Jeden- 
lallB stehen die Affekte mit den Trieben in inniger Korrelation. Vor allem 
beziehen sie ihre Energie (Affektbetrag) von den Trieben und bedeuten eine 
Abfuhrmöglichkeit für Triebspannungen. 

Bei der Verdrängung (s. d.) eines Affekts wird die Repräsentanz des 
Affekts, d. h. die Wahrnehmung, oder die Vorstellung, oder der Wunsch, die 
ihn ausgelöst haben, unbewußt. Der Affektbetrag verbleibt im Es und wird 
durch die Gegenbesetzung (s. d.) vom Ansturm gegen das Ich abgehalten. 
Von der ursprünglichen Repräsentanz abgelöste Affektbeträge können im üiS 
verschoben, verdichtet, umgewandelt werden. Auch in Symptomen kann der 
Affektbetrag zu abnormer Verwendung kommen. 

Affektbetrag (amount or Charge of affect; charge affective) 
An den psychischen Funktionen ist etwas zu unterscheiden, das alle Eigen- 
schaften einer Quantität besitzt, etwas, was der Vergrößerung, der Ver- 



\ 



Handwörterbuch der Psychoanalyse 131 



uren 

ie 



„ Hpr Verschiebung fähig ist und sich über die Gedächtnisspur« 
mmderong der Verschie g ^ ^.^^ elektrische Ladung über d„ 

der Vorstellungen ^erbreuet^^ ^^^^^ ^_^^^ ^^^^^.^^^^ ^.^ ^.^ ^^^^^^.^^^ 

' ' ""'m '"S^^^i^ - ™-sen, „Erregungsgröße" oder „Affektbetrag". Der 
Btrif"S:it%Srt -it dem der „psychischen Energie" (s. d.) zusammen. 

Mu„^n+i/iT, nf affect; liberation de l'affect) 
Alfektentbindung (Ubera^ion of affec^- Entstehung des Affektes (s. d.) 

Die Entbindung, d. h. die ^e^-^^^^^^^^^ ,^^ Es aus. Der Affekt selbst wird 
geschieht ^---J^ßV entw ke uid kann nur dort verspürt werden. Es 
aber vom System Bw «^™^^ ^j^r Weg vom Ubw zur motorisch- 

. : kann sein, daß durch Verdrängungen J^er _^^ o ^ ^jf^^^^^tbindung unmög- 
sekretorischen Leistung blockie ■ , ^_^^^^ ^.^ psychische Energie des Es. 
lieh gemacht. In einem solchen ^^^^^^^ ^.^^ abnorme Verwendung, 

die im Affekt hätte ^^^f^'^'T^'^^^, sie bleibt gestaut und muß durch 
.. B. als Angst oder iu ^^-Pt --^^^ngehalten werden. 
«ine Gegenbesetzung (s. Q-) vu , , , ,, „^.n 

1 nt of affect; döveloppement de laifect) 

Affektentwicklung t'^^^'f ''P"''^' , ^„torischer Abfuhrvorgang in Begleitung 
Der Affekt als motorischer .^"^ seR ^^^^ .^ ^^^ ^^^.^^^^ ^^^ ^.^ ^^^_ 

i von Lust und Unlust wird ""..^J^f^j^ ' ^j^ psychische Erregung, die 

;:sachende Vorstellung ^j^^f '.f/l.ätentwicklung verwendet werden, 

[ ihr .ugehört, nicM olme ^^^^^^ ^^,^, ,,, ^,^,, ,der in Symptomen, 

[ :tZTl:l :T.e Vorstellungen verschoben. 

S affektiv t^«f ^^lilnetTvolgänge oder Inhalte sind solche, welche vermöge 

Mit ^««^*'^^^''g'j^" das Seelenleben der erlebenden Person mit lebhaften 
I fZmslZ^^-ge. verknüpft sind. . . - , 

I 4ffi.ktivität (affectivity; affectivite) 

I !a «Aktivität bezeichnet man die Gesamtheit der Affektreaktionen (s. 

I Als Alieiii Motilität bilden die Abfuhrwege des psychischen 

I Affekt). AffektlVltat ^'f ^'''^ ^ ^.^ 2 änge zu diesen Abfuhr- 

I Apparates, fi^« -^^^^ 'Z l^ tLLu. mAs Affektivit.t aber 

r wegen werden "«^'^^"'^.^f T^^M.„fter als für die Motilität. Es erfolgen 

^ ist diese Be^--h-S^ y;^^^ Te durch 1 das Ich die Herrschaft über 

leicht Einbrüche von selten des ^^ ^^'^^ Kegelmäßig und normaler- 

die Affektivität zeitweise -"^/^^^^^^ /j^^^'^t' Symptomen der Neurotiker 

:t::^V^s^:::^^ t^-^^-^^^^^^ -r die Affektivität 



erlangt 



Affektsperre (blocking of affect. ^loquag. af^U. ^^^^^^^^T^. 
Affektsperre bezeichnet die °^\"S.«^"<^^/t tu mX entsprechend durchzu- 
raktere Lust- oder Unlusterlebnisse ^^-'^^^ f^!^^.;;^ s'hutzmechanismus 
fühlen Die Affektsperre bedeutet nach Reich einen 



132 Bericht aus Budapest 

gegen starke unbewußte Antriebe, die das Ich sich verbietet, und wird ge- 
wöhnlich nach schwereren, einschüchternden Erlebnissen der Kindheit aufge- 
richtet. Zum Unterschied von der Gefühllosigkeit im Depersonalisations- 
zustand wird die Affektsperre vom Affektgesperrten nicht von vornherein 
als pathologischer Zustand empfunden, sondern als notwendige Eigenar 
der Persönlichkeit aufgefaßt. Der analytischen Behandlung bereitet die 
Affektsperre wohl große Schwierigkeiten, sie kann durch Aufdeckung der 
infantilen Ursachen aber weitgehend vermindert werden. (Wilhelm Reic , 
Über kindliche Phobie und Charakterbildung, Z. XVI, 353). 

Affektverkehrung (reversal of affect; retournement de l'affect) 
ist die Umkehrung eines Affekts, z. B. die Umkehrung von Liebe in Haß, 
von Genuß in Ekel u. dgl. m. Die Affektverkehrung ist regelmäßig die Folge 
der Abwehr des Ichs gegen die ursprüngliche, meist sehr starke Trieb- o 
Gefühlsregung (s. Reaktionsbildung). 



Beridit aus Budapest 

Das psychoanalytische Seminar für Pädagogen in Budapest ist aus einem 
Einführungskurs hervorgegangen, der im Herbst 1933 für Pädagogen veran- 
staltet wurde. In diesem Kurs wurden die psychoanalytischen Theorien über 
Libidoentwicklung und Ich-Entwicklung vorgetragen, wobei auf die Gesichts- 
punkte des Erziehers besonders Rücksicht genommen wurde. An diesen Kurs 
schloß sich eine Reihe von Vorträgen über die Psychoanalyse der Erziehung, 
des Kinderspiels und der kindlichen Fehlentwicklungen an; behandelt wurden 
dabei: Hemmungen, Angst, neurotische Störungen und Verwahrlosung. Als 
Vortragende fungierten: Dr. K. L4zar, K. Levy, Dr. S. Pfeifer, Dr. L. Rotter, 
Dr, J. Szüts. 

Von den Hörern dieser Vorträge meldeten sich 25 für die Arbeit des 
Seminars, das seine Tätigkeit im Herbst 1934 aufnahm; die Sitzungen fanden 
einmal wöchentlich bis Mitte Juni 1935 statt (31 Seminarabende). Als Gast- 
vortragende sprachen in einer erweiterten Sitzung Vorstand August 
Aichhorn (Wien) über Erziehungsberatung und an zwei Abenden Frau 
Dr, G i m e s über „Totem und Tabu". An den anderen Abenden wurden unter 
Leitung der Berichterstatterin zuerst F r e u d sehe Schriften besprochen; so 
■wurde an 9 Abenden die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie" referiert, 
und zwar in der Form, daß neben einem Inhaltsreferat ein Korreferat die 
besondere Anwendung in der Erziehung behandelte. Diese Referate bildeten 
die Grundlage für Fragen und Diskussionen. Anschließend daran wurden jene 
Schriften referiert, die das vorwiegend von der ödipuseinstellung beherrschte 
Entwicklungsstadium zum Inhalt haben. So wurden die entsprechenden Stellen 
in der „Traumdeutung" und den „Vorlesungen" besprochen, daran schlössen 
sich die Arbeiten „Der Untergang des Ödipuskomplexes" und „Einige Folgen 
des anatomischen Geschlechtsunterschieds"; zusammenfassend sprach dann 
ein Teilnehmer über die Bedeutung des Ödipuskomplexes für die Erziehung. 
Daran schlössen sich Referate über die Themen der sexuellen Aufklärung; 



L 



1 



Bericht aus Budapest 133 



. A-. ArhMten Über infantile Sexualtheorien" und „Zur sexuellen 
BS wurden die Arbeiten U ^^^ ^^^ Sonderheft der Z. p. P. 

Aufklärung ^- f^^^^^^^^fX^, des Kindes" wurde ebenfalls an der Hand 

r;Terhrrbe?prche;, insbesondere die Arbeit H. Sterbas „Tbeone 

der Angst". „Erziehungsmittel" eingehend behau- 

An 7 Abenden wurde ^'^ J^^f ^^^^.,,^ bildeten die Grundlage der 

delt; Aichhorns und K. '^^ « Ungarn überaus aktuelles und 

folgenden Diskussion über "St':a^^^^ ^^,^ ,,,tes Arbeitsjahr, 

umstrittenes Thema. Damit schloß das feem^^^^ggg ^^ ^^ Seminarabenden) 

Die Arbeit des ^ ^ ® '* ^"^^^_ Lektüre einschlägiger Schriften aufge- 
.urdo wieder auf der g^-^^^^^^^ ^^^f^ung und Wahrheit", dann F e r e n- 
baut. „Eine Kindheitsennnerung aus l_^.^^^.^^«^.^^^„ ^^^^^^ ^^^^^^^ ^„^ dis- 

c z i s „Entwicklungsstufen des vv ^ ^^^^ ^j^^ng und Geständniszwang" 

kutiert. D. T. B u r 1 i n g h a m s ^^^^^ ^^^derum Freuds „Zwei Kinder- 
leitete zum Thema „Lugen J^"^ ' Beiträge im entsprechenden Sonder- 

lügen", dann Böhms und ^^^''f ^ Deutschs „Über die patholo- 

heft der Z. p. P. ^«^'^"^^'ff"^ Dichter und das Phantasieren" wurden 
gische Lüge" und ^reuas „ ^^ ^uf Grund einer Zusammen- 

gleichfalls referiert Das Thema^^p.^^^^^^^^ N. Wolf f he im, „Die psycho- 
Stellung „Aus dem Schnlttum r ^ wälder und sonstigen Arbeiten 

analytische ^h^";« ^«^ J^^^^^^ p p.' Gehandelt Im Dezember 1935 sprach 

aus dem Sonderheft { I ^^^^ _^ erweiterten Seminar, diesmal über das 

A. Aichhorn ^^^^J''^ ^.^ Psychoanalyse dem Erzieher in den Schwie- 
Thema "^^^^^p'^^iJät?" die Diskussion zu diesem Thema wurde nach Weih, 

nachten fortgeführt. Arbeitsprogramms hielt Referentin im Seminar 

Zur Einl«^t"°^ e^nes^ Besprechung dieses Themas wird nun 

einen Vortrag ;^« j^~^i,,,g ,«, Frau E d i t h G y ö m r ö i fortsetzen. 

das Seminar unter der neuen Leuung Berufsgruppen: 

Die Teilnehmer verteilen sich auf foigena 



.#: .... 10 

te^ Mittelschullehrer • ... 2 " '. 

Volksschullehrer . • • • ^ 

Kindergärtnerinnen . 5 

Sonstige Erzieher .•••••• ■ 

*y^ Sprach- und Gymnastiklehrer ■ ' ' ' / ' ' 2 

l^'] Kinderärzte . . 2 

Universitätshörer 

^ ., u r.„r,h} nn den einzelnen Abenden betrug 16, 
Die durchschnittliche Teilnehmerzahl an .^^;^ ^^"J^\ ^ durchgemacht, 

Einige wenige Teilnehmer hatten bereits .'^^^^^^^^l^^^^ Ständig ein, 

^ einige meldeten sidi im ^-^^^-^^tl^'^^^^^^nz^elf zurückgestellt, 

laufende Neuanmeldungen zur Mitarbeit '^"^^^ / / .^.g ^^^ beginnen, 
veranlaßten uns daher vor kurzem ^^^^J^'^^ ^^^t^, während die 
dem sich wiederum ein Seminar für -^f"f!;,^".f;f;;°, geschilderte Arbeit 
Teilnehmer des 1. Kurses als „Fortgeschrittene ihre oben g 

fortsetzen werden. - - 






134 Bücher 

Die wichtige Frage, ob dem Pädagogen eine eingehende Beschäftigung mi 
der psychoanalytischen Theorie in der geschilderten Art auch ohne ^^^^^^ 
Analyse nützlich sei, wurde von den Teilnehmern positiv beantwortet, w n^ 
sehenswert fanden sie die ständige Verbindung theoretischer Fragestelluno 
mit praktischen Erziehungsproblemen (z. B. Aufklärung, Strafen). 

K a t a L e V y. 



Büdier 

Mary Chadwick: Woman's Pcriodicity. Noel Douglas, London 1933^ 
Die Verfasserin führt uns zuerst in älteste Zeiten und zeigt uns dort m 
Rolle auf, die die Menstruation für Mann und Frau, für engere und weitere 
Familie, für die kleineren, aber ebenso auch für die großen Gememscha ten 
Bpielt. Die Menstruation ist von den Männern durchwegs als eine gf^^hrhcüe 
Angelegenheit angesehen worden, auf die sie mit Angst Scheu und Abscbeu 
■ t T^ 7.1 V 1 V.L ^nft Kontakt mit der Menstruierenden 

reagierten. Der Glaube herrschte, dali iv*nidKi imi. ,. 

unheilvoll sei, und dementsprechend entstanden strenge Vorschriften um de 
„Unreine" von der Gemeinschaft für die Dauer einiger Tage J^^^^^^^^^^!';^^'; 
Form der Ausschließung variierte je nach der Verschiedenheit d" S amma 
Diese Verbannungen der Menstruierenden sind kurzdauernde Wiederholungen 
der gewöhnlich mehrere Monate bis Jahre dauernden Ausschließungen aes 
heranreifenden Mädchens aus den Gemeinschaften im Zuge ''^'^/^"''^^ ^ 
riten, wie wir sie auch heute noch bei den „Primitiven" finden. Sehr anscnau- 
lieh legt Chadwick dar, wie diese Angst der Primitiven vor der "^1"^"/'®'! 
eigentlich eine Angst vor der Rache gewisser Dämonen sei, die letztlictv 
Kastrationsangst bewertet werden müsse. Außerdem zeigt sie auch, wie a 
den gleichen Wurzeln in späteren Zeiten andere Massenerscheinungen en - 
stehen, wie etwa die Angst vor den Hexen, die sogar zu deren Verbrennungen 
geführt hat. Auch heute noch sehen wir denselben Motor in gewissen re i- 
giösen Geboten und Verboten wirken-, auch in manchem Aberglauben ertiar 
die Angst ihren Ausdruck, wie z. B. in der weitverbreiteten Meinung, dali 
von einer Menstruierenden berührte Blumen zugrunde gehen müssen. Nun 
wendet die Verf. sich der gegenwärtigen Generation zu — dem einzelnen 
Individuum — und wiederum zeigt es sich, daß jeder einzelne sich mit ahn- 
lichen Ängsten auseinanderzusetzen hat, die die Erkenntnis des Geschlechts- 
unterschiedes und das „bedrohliche" Zeichen des weiblichen Rhythmus mit 
der regelmäßig auftretenden Blutung in ihm verursachen. Früher oder später 
entdeckt jedes Kind die Tatsache der Geschlechtsdifferenz und der Blutungen 
— bewußt oder unbewußt arbeitet diese Erkenntnis in ihm weiter und es 
setzen ängstliche Vorstellungen betreffs der Intaktheit des eigenen Genitales 
ein. Entsprechend seiner Konstitution, Entwicklungsstufe, etwaigen Neurose 
reagiert nun jeder auf diese Einsicht. 

Chadwick schildert eingehend, was bei der Frau einerseits, beim Mann, 
bei den Kindern, Angestellten andererseits — manifest und latent — in ^®p ' 
mäßigen Zyklen sich vor, während und nach der Periode der Frau abspielt. 
Auffallend sind hiebei etwa die Zwistigkeiten, die zwischen den Famüien- 



L 



Bücher 1 35 



mitgliedern entstehen, hervorgerufen durch die Depressionsneigung und 
alliTemeine Nervosität der Menstruierenden. Wie die so häufige neurotische 
Einstellung von Mann und Frau zur Menstruation sich auf die Kinder üher- 
tr^i und wie diese, herangewachsen, ihrerseits dieselben Störungen zeigen 
WhPl snielen Identifizierungsmechanismen die Hauptrolle ~ und sie 
~ r auf demselben Wege ihren Nachkommen weitergeben; wie sich 

Tuf Verweise Neurose von Generation zu Generation schleppt, stellt dieses 
Sich sehr eindrucksvoll dar. Eltern und Erziehern kann diese Arbeit viel 
Wissenswertes vermitteln, kann ihnen zum Verständnis der Materie und dazu 
rerlelfen, durch geeignete Maßnahmen Schädigungen der heranwach^senden 

"T^rr^h^^'Die psychopatMschen Persönlichkeiten. B;uticke, 

Leipzig-Wien 1934. sorgfältige Untersuchung des Normbe- 

Dem eigentlichen Thema ist eine j^rgfa^^^^^^ ^^^^^^^ ^^^^^^^^_ 

griffes vorangestellt, die m abnorme Persönlichkeiten, die an ihrer 

pathische Persönlichkeiten sma.^ Abnormität die Gesellschaft leidet. Diese 
Abnormität leiden oder unter aer ^^^^.^^j^^^ Gründen und ist willkürlich." 
Abgrenzung ^^^'^.^'f * f kö perlichen Grundlagen der psychopathischen Per- 
Zunächst ^«'^^«"^f ®„^."P\! ' i" tion und Psychopathie werden dabei mit 
sönlichkeit -f-^h*;^^'!^^:,^^^^^^^^^^^ wird man sich, falls man 

Kecht sehr f ^-;;;^^"",^:%^;,ge Irkenntniskritisch für erlaubt hält, die 
^^''"fTlicrhe Persönlichkeit, wie jede andere auch, in der gesamten Körper- 
psychopatniscii ^^^^ denken müssen. Gehirn, vegetatives Nervensystem und 
konstitution ver^^^ dürften dabei im Widerspiel mit letzten Endes jedem 
endokrines ^^^^^^^^ wichtige Rolle spielen." Die Frage, ob Psychopathen 
Organ eine _^^^„^jj^i^j^eiteii seien, wird aber letzten Endes merkwürdiger- 
krankhafte r ^^^ praktisch-forensischen Gründen, weil sonst der 

^ei=e verneint, unu ^" ..n+„rn 

V «o+h exkulpiert werden mußte (!). 
^^^^ r *ichtigste Abschnitt des Buches gilt der Typologie der Psychopathien, 
^ ■ e außerordentlich sorgiältige tibersicht über die bisherige Literatur 
^° % hopathien gegeben wird. Schließlich bekennt sich der Verfasser zu 
^^ vstemlosen Typologie, die nach „groben Orientierungspunkten" 

^genommen wird. Die Einteilung erfolgt schließlich in zehn Grundtypen, 

nämlich in hyperthymische Psychopathen .■^l^ ^.x^r^ 

depressive " .. - '- 

selbstunsichere „ •■ ■■'""■. : 't 
fanatische „ ,. . - 

geltungsbedürftige „ ;,.? /.v?:^ v;^, ■^■;w 

stimmungslabile „ 

explosive 
gemütlose 

willenlose »> 

asthenische 
die ihrerseits Unterteilungen erfahren. • 



J2Q Bücher . 

Man gewinnt aus dem Buch den Eindruck, daß keine der vorhandenen 
Typologien das noch immer undeutliche Krankheitshild der Psychopathie, de 
der Verfasser übrigens auch noch Hysterie und Zwangsneurose zuzahlt, e 
Verständnisse näherbringt. So verstärkt sich an dem Buche die ^^^^^^1^^''°;' 
daß ein genaueres und analytisch orientiertes Einzelstudium verschiedenste 
psychopathischer Persönlichkeiten einer befriedigenden klinischen ^™^^°^ 
wohl noch wird vorausgehen müssen. Eichard b er 

J h a n n a-R e n a t e F ö r s t e r : Die Dressur, eine pädagogische Unter- 
suchung. Göttinger Studien zur Pädagogik, herausgegeben von Proies 
Dr. Hermann Nohl, Heft 26. Langensalza 1935. Verlag von J^l^);^/^"^;^^^^ 
„In der Theorie der Pädagogik ist der Begriff der Dressur seit dem Huma 
nismus immer abgelehnt worden... Aus manchen Systemen der 1«*=^*^°^'^ 
zehnte ist sogar das Wort Dressur verschwunden... Selbst m der M^ ^^ 
und Gefangenenerziehung... hält man nach besseren Methoden Umschau. 

Im Widerspruch zu diesen Tendenzen der Theorie blieben ^^«^^ Ansicht der^ 
Verfasserin in der alltäglichen pädagogischen Praxis, selbst in der Worin 
erziehung, reichlich Spuren von Dressurmethoden erhalten. Man «prach n^^ 
darüber, denn man hatte ein schlechtes Gewissen dabei, aber man benutzte 

die Dressur weiter." „ . , j„a 

Wenn das tatsächlich so ist, so scheint es selbstverständlich, daß sich da 
theoretische Interesse der Pädagogen schließlich wieder auch /^^ ^res^^ 
zuwendet. Diese Zuwendung scheinen Förster mehrere Un>Btande erleicMer 
zu haben: der vor allem Hagenbeck zu verdankende Wandel der Gewalt 
dressur der Tiere zur „humanen" Dressur; die ^"t'T^l'lel fst was 
Erfolge der „objektiven Pädagogik", worunter offenbar das gemeint ist wa 
Staaten und Parteien treiben, um über die Beeinflussung der -"ß-«^ Haltung 
auf die Gesinnung zu wirken; der Behaviorismus -^ /l^,^^^/^^,,^^^^^^^^ 
flußten Theorien, die mehr oder minder den ganzen Bereich der fcrzieim 
von der Dressur aus verständlich machen wollen. nhprhlick 

Die vorliegende Arbeit Försters gibt dem Leser einen kUren Überblick 
Über das GesLtgebiet der Dressur der Tiere, die mechanische Dressur der 
niedern Tiere, die persönliche der höheren, sowie über die Dressur in der 
Menschenerziehung, schließlich dem Interessierten reichliche Literaturangaben. 
Wir erfahren, daß es Dressur auch schon bei den niedrigst organisierten 
Tieren, den einzelligen, gibt. Die Biologen haben, um Auskünfte über die 
Physiologie und das Verhalten der Tiere zu gewinnen, eine große Menge von 
Experimenten angestellt, deren Methode die Dressur ist. Schon Infusorien 
besitzen „Lernfähigkeit", „vergessen" allerdings das „Gelernte" bald wieder. 
Die Tiere werden etwa in eine Kapillare gesetzt, die an einem Ende ver- 
schlossen und so schmal ist, daß das Zurückkriechen nur nach einer Um- 
drehung des Körpers möglich ist. Nach 30—40 vergeblichen Versuchen findet 
das Tier die Lösung und behält sie bis zu 30 Minuten im „Gedächtnis . — - 
Ein Beispiel für die Wirkung von „Strafe" bei Ringelwürmern: Das Tier wir 
in ein enges T-förmiges Rohr gesetzt; es kann entweder aus dem linken oder 
aus dem rechten Schenkel herauskriechen. Auf der einen Seite bekommt aber 



I 

1. 



' 



Bücher 137 



der Wurm einen elektrischen Schlag. Allmählich lernt er, diese Seite zu ver- 
meiden und nur Krankheit oder veränderte äußere Umstände lassen das 
Gelernte verschwinden. - Ein Beispiel für die Wirkung von „Lohn". Es 
handelt sich um eine Krebsart, die positiv phototaktisch ist, d. h. sich jeweils 
der helleren Seite des Aquariums zuwendet. Den Tieren wird unter einem 
schattigen Schirm Futter geboten. Sie lernen bald, es sich dort zu holen, und 
kommen noch unter den sonst gemiedenen Schirm, wenn es kein Futter mehr 
dort sibt Bei den meisten Versuchen mit niederen Tieren hat es sich gezeigt, 
daß das neu erworbene Verhalten in veränderter Umweltsituation wieder ver- 
schwindet; weiters, daß eine Dressur nur dann gelingt, wenn sie die , wich- 
Ten art;rhaltenden Bedingungen im Leben des Tieres berücksichtigt^ So 
lind ;twa Spinnen nicht dazu .u bringen, Fliegen anzurühren, die man ihnen 
aiiflPThalb des Netzes anbietet. 

Nich ein Übersicht über die Dressuren bei Wirbellosen und niedrigen 
rsacn einer uu .,„„^^.„„ ^p.gn vorliegenden theoretischen Deutun- 
I Wirbeltieren wendet -«^^«^^^^/^'^rhiedene Fassungen der Theorie der 

gen zu. Es sind im ^^^^^^^llJZlrn.üsol., unbedingt, von einem Reflex 
„bedingten Reflexe . Em Re z wira ^^^ ^^^^^^ ^^^ ^^^ 

beantwortet. Em zweiter Reiz ^^'t gemein ^^^^^^^ ^^^ 

-J:^^:!'^:^^'^^^^^ etwa ist das Futternder e.te 
rS die Zuwendung der Reflex, das normalerweise gemiedene Dunkel der 
i. Liz Unter ähnlichen Bedingungen kommt es zu Hemmungen von 
zweite n^ . ^ .^ ^.^^^ Aquarium von seinen Beutefischen 

Reflexen. Em HecM ^^^^^^^ ^^^^^^^^^ ^^^ ^^^^^ ^.^ Erfahrung der Uner- 

durch eine ^ Beute gemacht hat, beachtet er sie auch nicht, als die 

reichbarkeit semei =. 

Wand *°^*^"g°™yj.eii der höheren Tiere wird meist nicht allein die mecha- 

^" Methode verwendet, auch nicht, wenn sie den Lebensbedingungen des 

nische Me o ^^ _^^ ^_^ ergänzt oder an ihre Stelle tritt eine persönliche 

Tieres ^^^ ^^^ Dresseurs zum Tier. Bis gegen das Ende des vergangenen 

T\ derts war es allerdings noch nicht so; mechanische Methoden wurden 

1. 1 mit Konsequenter Grausamkeit durchgeführt. „Man hielt z. B. bei 

manchmal ui^ ^^^ Vorderpfoten dauernd 

Kaninchen, aber auch ^e ^^^^^^ 2\.^^ ,^^,, ,,, Hervorrufen des bren- 

offen, in die man Salz «^^«^^ '^^^^JfpX hochzuheben und auf den Hinter- 
nenden Schmerzes zu veranlassen, die rioten no p.^^^^^,,.- ^_„ andere 
, . , ,^^ .. apffPnwärtig verwenden die Dresseure ganz anaere 
bemen zu laufen, ijegenwaiuo kv,™^„" cjso vorcnchon mit 
Methoden Sie wollen nicht „bändigen", sondern „zahmen . Sie versuchen, mit 
dem Tier Tn ganz bestimmte feste Beziehungen zu kommen, sie wollen von 
Ännt^n^f^endTg w^er^^ we^^^^- -— - ^ 

Tuet: "e ;:;^^r:inLrdem Menschen wie mit i^-gleichen. Vor 
allen Dressuren wird eine lange ^pielperiode eingeschaltet^ und wenn de 
Dressurzeit beginnt zeigt der Dresseur vor allem Geduld und Ruhe aucn 
GS:-nTetzt:f Linie hält er die Strafe d. ^^^^^^^ ^örpers^^f^^^^^^^^^^ 
manchen Tieren grundsätzlich zu vermeiden. Bei fu-'^ts-me^ Pferden 
man viel Sanftmut, unendlich viel Geduld und niemals Gewalt an. 



4 



i 




Affe, der in der Dressur <??■ 

für ihn Strafe genug n'^l AMtgahe nicht richtig löst, nichts erhält, ist es 
erzielt man nur Unlust 'und off f^^'""^ ^"" .Strafen' hei falscher Wabl 
Seehunde und Hunde sind allein f .^""^ Affektaushrüche." Affen, Elefanten- 
fühlt sich heutzutage als Ti«.T T Überredung dressierbar. Der Dresseur 

Allerdings ist Grundla'g^ n^d ." T' "^""* ^^«^ -" 
unbedingten Gehorsams Niemal h *"^'" ^^^essuren die Erreichung 

ehe seine Befehle ausgeführt sind^" ^""^^""^ ^«^ Dompteur zufrieden geben, 
des Reiters immer stärker ist ale h " ^^^"""^ ^^^^ erleben, daß der Wille 
erzielen, bedarf es einer Konsequen? 7-^T" ^"^ "^^^ "««gen Gehorsam ^^ 
einmal hat straflos durchgehen lassen f°^ Ausnahmen kennt. Was ma» 

„Allerdings sind die Methoden von ^niT' '"'"'^^ ^^^^^er versucht werden, 
das Tier dem Menschen steht" ^° "^'^ Strafe desto feiner je näher 



Bei den Dressuren höherer Tiere 7 Tt . 
bedeutende Erleichterung schaffen, wenn m« . ^^^°'^"' ^^"^ «^an sich eine 
IZT. ^7^*«\=^"^-™n^enbringt. De NachaTmn ' f " <^^«^«ierende Tier mit 
schleunigt den Lernvorgang. Natürlich hatSr^ ''' «^^^hrenen Tieres be- 
vorhandenen körperlichen Grundlagen. E wt. r^'"' ^'^^ ""'^^^^^ ^" ''^ 
hochgewachsenen Hund zum Fährtenspuren 1 ^'""^ ^«^r gelingen, einen 
Je nachdem aber ob es dem Menschen gef^gtl! "^^ ^«^ Erde, abzudichten, 
zentralen Triebnchtungen zu vereinen, z. B 1 ''^ ^^'^«^«am des Tieres mit 
Tier mehr oder weniger willig das Geforderte 7"S"^gsfreude, wird das 
al er höheren Tiere spielt die Individualitärdes ^f ''^^" '' ^^ de'r Dressur 
f^iriht %V!5 . 'i'*"' ''' ^'''^'' das abt'^^'Je« Menschen eine 

furchtsames Pferd ist anders zu behandeln als etn f.?'"^*"* ^^«^d^n soll. Ein 

Im Schlußkapitel wendet sich die Verfasser' a ^^^^^^ 
des Menschen zu. Sie gibt zuerst einige BegriJisawf '"^^^«^ *" ^er Erziehung 
ein unpersönliches „üben in konzentriertester Ä '"r°^^«= ^er DdllTel 

Zögling bewußte und einsichtige Hineinfuhrungr.\fL^^^*«^--Sd^^^ 
nung; die Gewohnung sei „vorbewußte, vom Willen dP^^^önUche Ord 

!S f 
Ulli 

und ohne jn^^^^^" — <= — ^•^^nai ^ 

stellt die Ausdrücke „Naturdressur" x^t.A "„"""^^Pi^^en; die 



zur 



"' — -- ■ "& "^^ „vuxuew ujjie, vom Willen d *^— "=""11 

richtete Einführung", unterscheide sich von der T)ro ^^ ^^^iehei 
eines Kampf- oder Zwangmomentes. Solches Kamnf ^"^^'^ '^®" Mangel 

Ich und dem höheren personalen Ich könne auch fmTr°'-^°* zwischen Trieb- 
und ohne fremden Eingriff im Leben des Menschen e'ine^R^f *"" ''^ ^'^''^ 
Verfasserin stellt die Ausdrücke „Naturdressur" und „sSdrtst"^ 
Diskussion. , . j o i, i. • . ^ zur 

In der Säuglings- und in der Schwachsinnigenerziehunif • 
methoden am Platze. „Die ganze Artj fj^ ((gg M • p, '6 ^e'en Dressur- 

Regelraaßigkeit des Lebens eingefügt >vira", di« nfcht'nur "n den wm"en 7** 

Kindes, sondern bis in das Getriebe seines chemischen Stoff wech l^" -^^ 
greift, ist Dressur. Sie schafft die Grundlage des Lehensauf baues ob 
die Triebe des Säuglings ungerichtet und sich gegenseitig störend bleiben 
würden. Das gesunde Kind hat als Säugling den Rhythmus seiner wichtigsten 
biologischen Funktionen andressiert bekommen, ebenso die Grundlagen für 
Selbstbeherrschung und Sauberkeit. Die Verfasserin sieht dort, wo es an 
dieser Dressur mangelt, aber auch dort, wo man allzu früh mehr als Dressur 






Bücher 139 



gibt und das Kleinkind allzu sehr psychisch anregt, es nicht in Ruhe läßt 
und künstlich Bedürfnisse in ihm wachruft. Gefahren. Die Neurosen im 
Kl • kindalter haben in vielen Fällen ihren Grund in diesem Zuviel an 
Erziehung! in den großen Anforderungen, die man an den Geist des Klein- 

^''^Bpim'^sihwachsinnigen soll die mangelnde Assoziationsfähigkeit durch 
.T>7nisch-gymnastische Dressur gestärkt werden. Mehr als beim Normalen 
mecnan ^ ^ö^^_ ^_^ vorhandenen Triebe befriedigen und benützen, aber ähn- 
uch^^ie bei der mechanischen Tierdressur auf Konstanz der äußeren Bedin- 
gungen achten. „Änderungen in der Abfolge der verschiedenen ^ errichtungen 

iL Sglichen Lebens oder Änderungen ^^ ^^f ^ /^^^urdes ^^^^^^^^^ 
oft körperlich -angenehm st.ren . st d^ Behe^Jung^^ Er^ 

lernten. Zum Unterschied von ^^^J"^^^"^^^^^^ ,,!,, ^i.htig, er ist von ihr 

Beziehung des ^*^^'^'^*'^^tj"^'^^"g Ist ein fremder Mensch mit den Schwach- 
weit abhängiger als der orma. • " ^Ugg nieder vergessen, was sie 

sinnigen allein, dann haben sie scn 

gelernt haben." ^^^ gesammelte Material wertvoll und durch- 

Das Buch Försters is ur ., Eine wirkliche Dressur macht 

A «oinp Pädagogische H-aupiiue&i^. „ 
aus anregend. Seine^paa^g^S^^_^^_^^ ^^^^^^ .^^^^ ^.^ ^.^^^^ Grundlage, ge- 

den Menschen *^^' ^^ j^ht, das höhere geistige Leben nicht stört, sondern 
ordnet und im <J eisten Diskussion würdig. Allerdings dürfte eine solche 
trägt", wäre einer^ ^^_^ meinen wir, wenn die weiten Gebiete, die die Psycho- 
nur dann frucht ar .^^italen Grundlagen und dem höheren geistigen Leben 
analys© ^^^^ ^jpckt hat auf den Landkarten der Diskutierenden nicht 
aes Menschen entae • . P. B. 

fehlen. -!=;-•• ■ --■-• -■ • . > . . 

. , j g j. . Deutsche Sprachschnle mit Berücksichtigung der Basler 

Josef M fiage, neu bearbeitet von einer Kommission. Volkslieder für 

Mundart. 4. ^ ^^^^ ^^^ spring, spiel und sing, für das 1. und 2. Schuljahr, 

Kinder. ^'-^^ gj-raumann, beide im Verlag des Erziehuugsdcpartements 

von ^\""°Basel-St»dt. 

des ^■*''^°, .ijode, das Mundartliche für den Unterricht des Hochdeutschen zu 
^^^ • htigcö. auch der Versuch, an den aus der Mundart stammenden 
herücKSi ^^^ gprache zu erlernen, wird als Beispiel der überall bestehenden 
Fehler ^^fgabe dienen können und auch über einen einzelnen Kanton hin- 
^"^^T^teresse erwecken. Auch im übrigen bemüht sich das Erziehimgsdepar- 
aV'S „1 ^V\^\ W-^ Erfolg, die Neuerscheinungen und Neuauflagen von 
temenl l^f '''■5"' . ,„^^1,11* und ärackleclraiEch so vorzulegen, flaB Uer 
?"*:«!!:"'* b"ahende gemH...flige Be.ie,™„g zu sei». Le.nBtoH 

bekommt. .. T „ n T seh ich o 1 d, der ausgezeichnete Typo- 

Bei der Sprachschule hat ^J a^nT ^^^^^^^^^^ ^^^^ Ma r g r i t W a g e n das 

graph, Einteilung ^™ . ' ^^^ ^llem die Farbe, lebendig gestaltet, so 
Notenbild und die H^^^.^J'-^J'^^^^^, ;^, Ha„d nehmen dürfte. H. M e n g. 
daß das Kind gerne ^^^^^_^^^^^^^^^^^^^|^|^|^|||||,,,,„,,,,,,„,,,,„,,,j,,,|,,,,„,|,,,i,,,^ Illlllll>l!lllil 



Zeitschrift f. psa. Päd., X/2 



' Druckfehlerberichtigung ^^^^jt 

Infolge eiues drucktechnischen VerBehens wurde der eib 



„Paiisexualisiiius" und Pubertät 

Von F r i t z R e d 1, W i e n 



eil 



in Heft 5/6 dos IX. Jahrganges (1935) dieser ^eitBchnfJ; ^ ^^^j^ji ric 

tstellt. Die einleiterden Sät^ 



Zeilenvertauschung sinnstörend en 
lauten: 



flieh eiD^ 



Für 



Für den Erziehungsberater erhalten „Theorien ^e^. x - 

ich beanspruchen ^^.^^^^.^tuog ^1 

.^ s-^, -- ^^^» — n "^<i ^^^^'f"" "^die' Pri"^^P'^''cheO 

brachten Kinder über Erziehung gebildet haben, „^iehen^ 



viel realere Bedeutung, als sie an si 



sind die Meinungen, die sich Eltern und Lehrer cie p^.^^ipi®^" 



e- 
die 



steckt ihrem ^^^' ipien, 



die 
sie bewußt oder unbewußt, offen oder verstecKi i---^ prinziP^!"'' ine 
Verhalten zugrundelegen, ja, auch die Meinungen i^^.^^^ ^jrKS 
sie beim Berater stillschweigend vermuten, nich ^^^j-t^t. ••• 
Faktoren als so manche Bestandteile der äußeren 



h 



Zu Freuds 80. Geburtstag 

erschien 

SIGM. FREUD 

SELBST 
DARSTELLUNG 

^v^eite, durdigesehene und erweiterte Auflage mit einer 

«Nadisdirift 1935" und fünf bisher z. T unveröffentliditen 

Porträtbeilagen ,.;.•• 

112 Seiten / Geheftet RM 350 / Leinen RM 5' 

^ U S DEN SCHLUSSWORTEN: 
^ie Geschichte der Psychoanalyse zerfällt für mich in 
zwei Abschnitte . . . Im ersten stand ich allein und hatte 
°lie Arbeit selbst zu tun, . . . im zweiten Abschnitt . . . 
^ahen die Beiträge meiner Schüler und Mitarbeiter immer 
fnehr an Bedeutung gewonnen, so daß ich jetzt . • • niU 
innerer Ruhe an das Aufhören meiner eigenen Leistung 
"denken kann . . , So kann ich denn, zurückschauend auf 
'^'W Stückwerk meiner Lebensarbeit, sagen, daß ich vielerlei 
Anfänge gemacht und manche Anregungen ausgeteilt habe, 
"^'or^^us dann in der Zukunft etwas werden soll. Ich kann 
'^^bst nicht wissen, ob es viel sein wird oder wenig. Aber ich 
*'«'■/ di^ Hoffnung aussprechen, daß ich für einen wichtigen 
Fortschritt in unserer Erkenntnis den Weg eröffnet habe. 



Int 



^••nationaler Psydioanalytisdier Verlag in Wien 



r 



SOEBEN ERSCHIEN: 

ANNA FREUD 

Das Ich 

und 

die Abwehrmechanismen 

208 Seiten / Broschiert RM 450 / In Leinen RM 6 — 

I N H A LT 

A. THEORIE DER ABWEHRMECHANISMEN 

I. Das Ich als Stätte der Beobachtung 
II. Die Verwertung der analytischen Technik zum Stu- 
dium der psychischen Instanzen 

III. Die Abwehrtätigkeit des Ichs als Objekt der Analyse 

IV. Die Abwehrmechanismen 

V. Orientierung der Abwehrvorgänge nach Angst u. Gefahr 

B. BEISPIELE FÜR DIE VERMEIDUNG VON 
REALUNLUST UND REALGEFAHR 
(VORSTUFEN DER ABWEHR) 

VI. Die Verleugnung in der Phantasie 
VII. Die Verleugnung in Wort und Handlung 
VIII. Die Ich-Einsciiränkung 

C. ZWH BEISPIELE FÜR AßWEHRTYPEN 

IX. Die Identifizierung mit dem Angreifer 
X. Eine Form von Altruismus 

D. ABWEHR AUS ANGST VOR DER TRIEBSTÄRKE 
(DARGESTELLT AM BEISPIEL DER PUBERTÄT) 

XL Ich und Es in der Pubertät 
XII. Triehangst in der Pubertät 

Schlußbemerkung 



INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 

WIEN IX, BERG Q ASSE 7 



L 



» 



Zeitsdirift für psycfaoanalytisdie Pädagogik, X. Jahrgang, He ft 2 

INHALT: 

Alice Bdlint: Versagen und Gewähren in der Erziehung 75 

Edith Braun: Eine Kinderfreundschaft. Beobachtung aus einem Kindergarten . . '. ". ". ". 84 

Alfred Meyer: Das Kleinkind und seine Umwelt qj 

Otto Fenichel: Die schwarze Köchin ^^^ 

Hans Schikola: Über Lernstörungen TOfi 

Edith Buxbaum: üetektivgeschichten und ihre Rolle in einer Kinderanalyse .'.!!!! 113 

BERICHTE; 

Ernst Schneider; Geheramte Schüler ,22 

Kichard Sterba: Handwörterbuch der Psychoanalyse • • • 

Bericht aus Budapest lao 

BÜCHER: 

Mary Chadwick; Woman's Periodicity (M. K.) .0. 

Kurt Schneider: Die psychopathischen Persönlichkeiten (Richard Sterba) 135 

Johanna-Renate Förster: Die Dressur, eine pädagogische Untersuchung (P. B.) . . 136 
Josef Müller: Deutsche Sprachschule mit Berücksichtigung der Basler Mundart und 

Bruno Straumann: Volkslieder für Kinder (H. Meng) 139 



In Lieferungen erscheint das 

HAN DWÖRTERB U C H 

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PSYCHOANALYSE 

VON 

DR. RICHARD STERBA 



Gesamtumfang etwa 400 Seiten 



Preis pro Lieferung ö, S. S' — 



Das Werk, dem ein faksimilierter Geleitbrief Prof. Sigm. Freuds voran- 
gestellt ist, erscheint in etwa la Teillieferungen in Lexikonforinat von je 32 
Seiten. Die erste Lieferung (Abasie-Angst)ist bereits erschienen. Ausführliche 
Prospekte mit Probeseite auf Wunsch kostenfrei durch den Verlag. 



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INTERNATIONALER PSYCHOANALYTISCHER VERLAG 
IN WIEN, IX., BERGGASSE 7 



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BÜCHER DES WERDENDEN 

Herausgegeben von Paul Federn, Wien, und Heinrich Meng, Basel 

Band VIII 

ANNAFREUD 

EINFÜHRUNG IN DIE PSYCHOANALYSE 

FÜR PÄDAGOGEN 

Zweite Auflage 
Aus dem Inhalt: 

Das Vergessen von KindLeitserlebnissen, Triebleben, Vorpubertät 
und Reifung, Psychoanalyse und Pädagogik. 

„Anna Freud vermittelt allen Erziehungsbeflissenen nus der Seelen- 
lehre ihres Vaters das, was ihnen bei ihrer Arbeit helfen kann: namiich 
die seelische und erzieherische Auswertung frühester, ins UnbewuiJte ver- 
sunkener Kindheitserlebnisse, die in ihren Auswirkungen aber den Cha- 
rakter und die Erziehbarkeit entscheidend beeinflussen. Sie begnügt sich 
nicht mit den sichtbaren seelischen ,Leistungen' der Zöglinge, sondern 
benutzt die Analyse zur Dechiffrierung von Charakteraußerungen, die 
uns ohne Zurückgehen auf ihr erstes Zustandekommen oft rätselhaft und 
zusammenlianglos erscheinen und die Erziehung erschweren, wenn sie 
unerkannt bleiben." Eisfelder Zeitung. 

Leinen RM 3.70 



Band X 

HAN S Z U LLI GER 

SCHWIERIGE SCHÜLER 

Acht Kapitel zur Theorie und Praxis der tiefenpsychologischen Er- 
zichungsberatung und Erziehungshilfe 

Aus dem Inhalt: 

I. Einleitung, Einteilungen, Fragestellungen, Übersichten. II. Unter- 
scheidungen. Dissoziales Symptom und dissoziale Grundlage; Dressur und 
Erziehung; Milieuwechsel als heilerzieherisches Mittel. HI. Diskussion 
des Mittels „Milieuwechsel". Vom Aufbau der seelischen Persönlichkeit. 
Zivilisierung und Kultivierung. IV. Die Freud'sche Psychologie m der 
Praxis der Erziehungshilfe. V. Herstellung der günstigen Übertragung. 
Assoziations- und Spieltechnik. VI. Einbezug des Rorschach'schen Test- 
versuchs ins Arbeitsfeld des Erziehungsberaters und -helfers. Abgrenzung 
seiner Leistungen im Vergleich mit der pädanalytischen Methode. VIT. Zu- 
sammenfassung. Paar-Beziehung und das Verhältnis von Gemeinschaft 
und Führer. Gefahren der Bindung: das nichtbewußte, passive Erleiden 
und das bewußte, aktive Handhaben der Übertragung. VIII, Über 
Bereich der psychoanalytischen Erziehungsberatung und -hilfe. 

Leinen RM 7.80 



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RLAG HANS HUBER IN BERN 



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Printed in Austria 



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