WH. Jahrg. November— Dezember 1934 Nr. 11/12
Zeitschrift für
psycho an aly ti s che
Pädagogik
Steff Bornstein Unbewußtes der Eltern
in der Erziehung der Kinder
Melitta Scßmideberg. , . Zur psychoanalytischen Behandlung
asozialer Kinder und Jugendlicher
Micßael Bdlint ...... Der Onanie- Abgewöhnungskampf
in der Pubertät
Clinton P, McCord . . . Bemerkungen zum Stand der
Kinderanalyse in Amerika
R. Sterba Eine Kinderbeobachtung
Ed. Sterba Verbot und Aufforderung
Berichte
Psychoanalytische Pädagogik im Jahre 1934
Bücher und Zeitschriften
Preis dieses Heftes Mark 2'—
Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik
Begründet von Heinrich Meng und Ernst Schneider
August A i c h h o r n
Wien V, Schfinbrunnerslratic 110
Herausgeber:
Dr. Paul Federn
Wien VI, KOfitlerRasae 7
Dr. Heinrich Meng Prof. Dr. Ernst Schneider
Basel, Angcnstelncralraüe 16 \\ aldixxlcluuij — In im
S t u (I troda, Thüringen
Anna Freud
Wien IX, llcr^KaNse IQ
l [ans Z u 1 1 i <* e r
1 1 1 l g e n lir i liern
Schriftleiter:
Dr. Wilhelm Hoffer, Wien, 1., Dorotheergasse 7
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Denkstörungen", „Jugendliche Verwahrlosung und Kriminalität*'
„Pubertätsprobleme".
Das nächste Heft (IX. Jahrg., Heft 1/2) bringt die ausführliche Kranken-
geschichte eines Kindes: „Über einen Fall von Pavor nocturnus
von Dr. Jenny Wälder.
ZEITSCHRIFT FÜR PSYCHO-
ANALYTISCHE PÄDAGOGIK
VIII. Jahrg. November-Dezember 1934 Heft 11/12
Unbewußtes der Eltern in der Erziehung
der Kinder 1}
Von Steff Bornstein, Prag
Eine von vielen Kindern geplagte Mutter pflegt die Fragen ihrer
Kinder, warum dies oder jenes geschehe, mit der Antwort abzutim:
„Die Mutter weiß schon, was sie tut." So erwehrt sie sich der Fragen,
aber in Wirklichkeit könnte sie kaum eine Erklärung für manche
ihrer Erziehungshandlungen geben. Denn sie unterliegt den eigenen
Kindern gegenüber leichter als erwachsenen Personen gegenüber den
Tendenzen ihres Unbewußten.
Und so geht es nicht nur der Frau, die sich wenig für die innere Ent-
wicklung ihrer eigenen Kinder interessiert, nicht nur der überreizten
oder an Stimmungsschwankungen leidenden Mutter, dem überarbei-
teten Vater, sondern auch den gesunden, klar denkenden, auf ihre
Kinder gut eingestellten Eltern; so geht es nicht nur dem nicht-
analysierten Erzieher, sondern auch Menschen, die in der eigenen
Analyse eine größere Vertrautheit mit ihrem Unbewußten erworben
haben. Solche Beobachtungen und Erfahrungen aus Analysen von
Pädagogen lehren milde über die Eltern denken, wenn sie in der Er-
ziehung der Kinder Fehler machen; und es ist eine Binsenwahrheit,
daß es viel leichter ist fremde Kinder richtig zu beurteilen als eigene
objektiv zu sehen.
Daß Kinder, vor allem eigene Kinder, so leicht unser Unbewußtes
herauslocken, scheint daher zu kommen: ein großer Teil von Vor-
stellungen, die nicht bis zu unserem Bewußtsein vorzudringen pfle-
gen, stammt aus unseren Kinderjahren und unseren Kindheitserleb-
nissen, die vergessen sind. Werden wir nun durch Kinder an unsere
eigene Kindheit erinnert, so leben jene verdrängten Erlebnisse von
neuem auf. Werden sie nicht bewußt, und das gelingt selten außer-
halb der Analyse, so leben sie sich unkontrolliert an den Kindern aus,
in den Maßnahmen, die wir ihnen gegenüber ergreifen. Es gibt da
*) Vortrag, gehatten in einer Eltern Versammlung in Prag.
Zeitschrift f. psa. Päd., VIII/ll/12 55
INTERNATIONAL
PSYCHOANALYTIC
UNIVERSITY
DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN
354
Sjcff l'.sji'iistrin
zwei Haupttypen von Reaktionen: entweder überwiegt die abwehrende
Kraft in unserer Seele: das was wir als Kinder abgewehrt und über-
wunden haben, weil es auszuleben peinlich und beängstigend war
und uns in Konflikte mit unseren Eltern und Erziehern und unserem
Gewissen gebracht hätte, das versuchen wir auch unseren Kindern zu
verwehren: wir benehmen uns also unseren Kindern gegenüber so,
wie unsere Eltern sich uns gegenüber benahmen, wir treiben sogar
mit unserem Verhalten die Kinder in die Konflikte, die wir selber
hatten, um dann ihnen gegenüber unsere Eltern zu spielen, häufig
sogar deren Strenge zu übertreiben. Oder es überwiegen die revol-
tierenden Kräfte in uns: das, was wir uns ehemals verbieten mußten,
um nicht in Konflikte mit unseren Erziehern zu kommen, soll unseren
Kindern erlaubt sein. Sie sollen es besser haben als wir es hatten.
Wir leben dann in unserem Verhalten den Kindern gegenüber den
Protest aus, den wir unseren Eltern gegenüber empfanden. Es soll
damit nicht gesagt werden, daß unsere Erziehung nichts anderes als
eine Neuauflage unserer eigenen Kinderkonflikte ist. Selbstverständ-
lich erziehen wir unsere Kinder auch nach den Gesetzen der Realität
und nach Grundsätzen, die sich auf die Beobachtung der Kinder stützen.
Nur soll uns hier nicht: dieser bewußtseinsfühige Anteil der Pädagogik
beschäftigen sondern der andere, uns unbewußte.
Zwei Schwestern, Mädchen von 7H und Q l A Jahren, verbringen ihre
Tage mit Streit und Eifersucht und quälen die Mutter mit ihren An-
sprüchen auf Geliebt- und Beachtetwerden. Die Eifersucht der Älte-
ren auf die Jüngere scheint verständlich. Sie selbst ist ein schwieri-
ges, aggressives Kind, die Jüngere, hübscher, anschmiegsamer, leich-
ter den Leuten verständlieh, ist bei fast allen die belieblore. Wir
wissen auch, wie häufig die älteren Kinder eifersüchtig auf die jün-
geren sind, die ihnen das Recht des Einzigen genommen haben. Im
allgemeinen überwinden die Kinder diese Eifersucht mehr oder weni-
ger gut, und es ist immer ein Zeichen von neurotischen Störungen des
Kindes oder ein Anzeichen von einer ungeschickten Behandlung durch
die Erwachsenen, wenn die Eifersucht in ihrer ganzen Schärfe be-
stehen bleibt. Hier aber plagte sich nicht nur die neurotische Ältere,
sondern auch die Jüngere, seelisch Stabilere, mit Eifersucht.
Wir haben Gelegenheit, Zeugen einer Unterhaltung zwischen den
beiden Schwestern zu sein. Die Ältere wirft der Jüngeren in heftigen
W T orten vor, daß sie es immer viel besser gehabt hätte, daß sie auch
viel länger als sie selbst naß machen durfte. Die Jüngere erwidert
mit einem Gegenangriff: „Wie ich noch nicht auf der Welt war, konn-
test du allein die ganzen Windeln naß machen, auch die von mir, und
durftest alles allein strampeln und hast Mutti allein gehabt."
Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder
355
Die Ältere: „Aber Mutti hat dich viel lieber und hat dich immer
besser behandelt. Ja, das ist wahr, das hat sie selbst mal gesagt: Pfui,
hat sie gesagt, Liesel hab ich viel lieber, du bist gar nicht nett. Weil
ich so ungezogen war."
Liesel besteht darauf: „Dich hat sie früher gauz allein lieb gehabt,
auch meine Liebe."
Als die Ältere nun klagt, daß sie niemals die ganze Liebe der Mutter
gehabt hätte, immer nur eine Hälfte, erfindet die Jüngere eine psycho-
logische Erklärung, deren Problematik uns hier beschäftigen soll.
Sie sagt: ,Die andere Hälfte hat sie ihrer Mutter gegeben. Die Liebe,
die Mutti mir gegeben hat, hat sie zuerst ihrer Mutti gegeben."
Gewiß, es war ein Anzeichen, daß die ältere Schwester ihre frühen
Konflikte noch nicht erledigt hat, wenn sie mit bald acht Jahren noch
darunter leidet, daß die Kleine als Baby noch naß machen durfte, als
sie schon sauber sein sollte, wenn sie aggressiv gegen die Mutter
wird, weil diese den Vater liebe; aber da wir hier nicht das Unbe-
wußte der Kinder, sondern der Mütter untersuchen wollen, fragen
wir, was die Mutter der Kinder dazu tat, damit die Eifersucht der
Schwestern auf einander den Stachel verliere. Sie tat, was die kleine
Liese in ihrer Unterhaltung tut, wenn sie statt zu besänftigen, hetzt,
als sie der Älteren vorrechnet: „Früher hast du Muttis ganze Liebe
gehabt, durftest alles allein strampeln." Die Mutter träufelte Öl in
das Feuer der Eifersucht, das in ihrem Hause ständig brannte. Aber
sie merkte nicht, daß sie es tat, und nicht, wie sie es tat. Sie war eine
mit pädagogischem Ehrgeiz liebende Mutter und glaubte alles zu tun,
um den Kindern die Eifersucht zu ersparen, unter der sie in ihrer
eigenen Kindheit schwer gelitten hatte. Das glaubte sie am besten zu
tun, indem sie beinahe täglich, bei irgend einer Maßnahme, den Kin-
dern ihre gegenseitigen Vorrechte ausmalte. Die Jüngere soll mittags
ruhen, ist böse, weil die Ältere in dieser Zeit spielen darf. Die Mutter
gibt der Älteren drei Bonbons in die Hand: „Eins für dich, zwei für
Liesel, weil sie ruhen muß." Und aus Angst, sie könnte diese zwei
Bonbons für eine Bevorzugung halten, erzählt ihr die Mutter, wie sie
sich Sorge darum mache, daß Liesel so schlecht aussehe. Selbstver-
ständlich hört das Kind nur heraus: also um Liese sorgt sich die Mutti
so, Liese liebt die Mutti so und ihr gibt sie auch ein Bonbon mehr
als mir.
Die Ältere wird zu einer Kindergesellschaft eingeladen. Aus Angst
vor einer eifersüchtigen Regung der Jüngeren erlaubt ihr die Mutter,
ein Paar neue Puppenschuhe kaufen zu gehen. Und nun rechnen beide
Kinder eifersüchtig nach, was ein größerer Vorzug sei. Werden die
beiden fast gleichaltrigen Kinder nicht zu gleicher Zeit zu Bett ge-
£5*
schickt, so heißt es bald: „Du darfst noch eine halbe Stunde länger
aufbleiben, weil du älter und kräftiger bist", bald: „Liesel darf heute
eine halbe Stunde später ins Bett, weil sie mittags lange geschlafen
hat". Praktisch hat diese Maßnahme keinen Sinn, denn die früher zu
Bett geschickte schläft doch nicht ein, bevor die Schwester k 011 mit, uber
die Kinder sind gegeneinander aufgehetzt und wieder vor die Ver-
suchung gebracht, der Mutter nachzurechnen, wen sie vorziehe. Die
ängstliche Sorge der Mutter, wie sie die Kinder überzeugen könne,
daß sie beide gleich lieb hätte, teilt sich den Kindern als eine Unruhe
mit, in der sie nun dauernd nachforschen, ob es auch wirklich so sei.
Und so sind sie unersättlich in ihrem Wunsche, Liebesbeweise zu be-
kommen, Versöhnungsszenen nach Auseinandersetzungen gelten ihnen
als überzeugende Liebesbeweise,
Die Mutter ist unglücklich, daß es ihr nicht gelingt, eine harmo-
nische Atmosphäre zu schaffen. Sie erkennt ihr Versagen, nicht aber
wie sie es herbeiführt; sie weiß, daß sie sich bemüht, die Kinder z\x
verstehen, weiß aber nicht, was sie dazu beiträgt, die Kinder gegen
sich und gegen einander zu stimmen. Was liegt hier vor? Die kleine
Liese weist uns den Weg: „Die Liebe, die Mutti mir gegeben hat, hat
sie zuerst ihrer Mutti gegeben."
Mütter leben manchmal an ihren Kindern die Konflikte aus, die si e
in ihrer eigenen Kindheit mit den Müttern gern ausgelebt hätten. Di e
Mutter der eifersüchtigen Schwestern erzählt uns, daß sie selbst eine
strenge und verständnislose Mutter gehabt hätte, daß sie sich ihre
ganze Kindheit hindurch nach Geliebt- und Bevorzugtwerden gesehnt
hätte, daß auch sie in einer Schwester eine Konkurrentin gehabt hätte.
Während sie nun bewußt den Kindern eine glückliche Kindheit be-
reiten will, treibt sie sie in die gleichen Qualen, die sie als Kind
durchgemacht hat: auch ihre Kinder bangen nach Mehr-Geliebt-
werden. Wenn sie nun die Kinder in die Arme nimmt, ihnen immer
wieder ihre Liebe versichert, genießt sie, sieh in das Kind einfühlend,
das Glück, das sie in ihrer Kindheit vergeblich ersehnt hat: so wie sie
als Kind geglaubt hat, daß sie ungeliebt sei, so glauben es nun ihr©
Kinder, aber ihnen gibt sie die Erfüllung, die ihr die Mutter versagt
hat; sie sagt dem Kind: du irrst dich, ich liebe dich wirklich. Dies©
Versöhnungsszenen mit dem Kind sind für ihr Unbewußtes nachträg-
liche Versöhnungen mit der Mutter; als sagte sie mit ihrem Verhal-
ten: die Mutter ist nicht gleichgültig, sie ist lieb. So wie die meisten
Kinder in ihrem Verhalten zu den Puppen eine Doppelrolle spielen,
teils darstellen, wie sie behandelt werden, teils wie sie behandelt
werden möchten, so wiederholt sie den Kindern gegenüber, einem ihr
Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder 357
fremden Zwang gehorchend, ihr unerledigtes Kinderschicksal und
ihre unerfüllten Kinderwünsche.
Ein anderes Beispiel: Die Mutter eines intelligenten Knaben im
ersten Schuljahr beklagt sich darüber, daß ihr Junge sich in der
Schule ungeheuer frech benehme, nicht nur aggressiv gegen die Mit-
schüler sei, sondern auch unverschämt gegen den Lehrer. Sie wünscht,
man könne ihm das abgewöhnen, denn so käme er ja nicht durch die
Schule, wenn sie aber an ihre eigene von Angst erfüllte Schul-
zeit denke, so freue sie sich über die Keckheiten ihres Jungen Nun
zeigte sich sehr bald in der Analyse des Jungen, daß sein Verhalten
in der Schule einen Versuch bedeutete, die Angst, die er vor der
Schule hatte, abzuwehren. Der mit seinem Wissen und seinem Ge-
scheitsein protzende Junge gestand, daß er nicht so l^liMto
wie die anderen, daß er deshalb Jeden Tag vor der Schule Angst hatt*
Ich vermutete, daß diese Angst des Kindes von anderen Dinger aufs
Lernen verschoben war, und versuchte «"S^iÄÄ
anforderungen seine geistigen Kräfte nicht übersteigen ****»£
deckte ich daß der Junge Recht hatte, daß er l^tfU^P
Schwierigkeiten schon beim Lesenlernen der ersten Fibelseiten hatte
daß ihm die Zahlen noch nicht ganz vertraut waren, er jonglierte mit
ihnen, ohne einen Zahlenbegriff zu haben, war also «MA»
weise verwirrt, wenn er rechnen sollte; in seinen Heften kleckste
Ind schmierte er, um mit der diek aufgetragenen Unbekümmerte it
die Schüchternheit zu verdecken, die er den Buchstaben gegenüber
empfand. Die Lücken, die sich bereits gebildet hatten, waren bei dem
S das gern seinen Widerstand gegen die Schule überwinden
wollte leicht auszufüllen, dazu mußte ich mich aber um seine Schul,
SIS* Ms ich der Mutter davon — «^"J
tief getroffen. Absichtlich hätte sie sich nicht um scme Schularbeiten
Bekümmert denn sie wollte dem Kinde die Qualen ersparen die ihr
geKummeii, uouu D • , ,. achtenden Eltern bereitet
die Schularbeiten und die streng auf diese acmenaui n
hätten, als sie ein Schulkind war. Ihre Kindheit sei durch die Schule
vergällt gewesen, und es sei nun schrecklich für sie daran zu denken,
daß ihr Kind das Gleiche erleben solle. Ich tröstete, die Lucken seien
geringfügig, nur sei es bei den Schulanfängern in den überfüllten
Klassen von 40 und 50 Kindern wichtig, gelegentlich dem Kinde bei-
zustehen, wenn es nicht von selbst einen Schuleifer entwickle. Obwohl
nun die Mutter meiner Erfahrung glaubte, liebte sie es, wenn sie das
Kind zu mir brachte, in seiner Gegenwart klagend zu fragen: „Muß
er denn wirklich heute arbeiten?" oder „Er hat sich schon unterwegs
beschwert daß Sie bei dem schönen Wetter mit ihm arbeiten wollen"
und der Inhalt und Ton solcher Fragen gab dem Kind die Überzeu-
358 Steff Borustein
gung, daß die Mutter eigentlich dagegen sei, daß ich mit ihm arbeite,
daß sie es lieber sähe, wenn ich mich mit ihm unterhielte. Als der
Knabe dann seine Lernangst tiberwand und Fortschritte machte, als
seine Hefte sauberer wurden, interessierte sich die Mutter nicht dafür,
wie es sonst Mütter gerade beim Lernbeginn ihrer Kinder zu tun
pflegen. Der Junge erzählte, daß nur die Köchin eine Freude an seinen
Fortschritten hätte, „Mutti ist es ganz gleich, was in der Schule los
ist". Das Kind war in einem Zwiespalt, teils klagte es über die Un-
interessiertheit seiner Mutter, teils übernahm es ihre Ablehnung der
Schule, besonders dann, wenn ihm diese Ablehnung half, seine neu-
rotischen Ängste vor dem Lehrer und den Schulkameraden zu ver-
hüllen. Ich erfuhr auch bald einiges von der Mutter, was ihre Hal-
tung zu den Schularbeiten des Jungen verständlicher machte. Sie war
die dritte Tochter, und hatte als Kind schon gewußt, daß sie eigent-
lich ein Junge hatte werden sollen. Ihre Kehuldummheit hatte sie als
Folge ihrer Minderwertigkeit angesehen, weil sie erstens kein Jung©
war, und weil die ältere Schwester schon alles wußte, was sie erst
zu lernen hatte. Sie sei böse mit den Eltern gewesen, weil sie mit
ihrem Geschlecht nicht zufrieden waren und protestierte innerlich:
auch als Mädel, auch als dummes Mädel sollen Vater und Mutter mich
lieben, Sie selbst schien auch mit der kleinen Tochter viel ver-
bundener als mit dem als klug geltenden Sohn. Auch in diesem Fall
erkennen wir leicht, wie eine unbewußte Einstellung über die bewußte
triumphiert. Der bewußte Gedanke dieser Mutter war: mein Kind soll
sich nicht so mit den Schularbeiten quälen wie ich es als Kind mußte.
Aber in ihrem Verhalten setzt sich der unbewußte Wunsch durchs
doch, er soll sich genau so plagen, genau so ein schlechter Schüler
werden wie ich es war. Ale ob sie damit nachträglich den Eltern zeigen
wollte: seht ihr, da bin ich nun in Gestalt eines Jungen wieder auf
die Welt gekommen und bin damit doch nichts Besseres als wie ich
als Mädchen war.
Wir wissen, daß kleine Mädchen häufig den Wunsch haben, Jungen
zu sein. Sie versöhnen sich im allgemeinen im Laufe des Lebens mit
ihrem weiblichen Dasein, aber die alte Kinderwundo wird oft wieder
aufgerissen, wenn sie Mutter werden und statt des gewünschten Jun-
gen ein Mädchen gebären. Im allgemeinen siegt die Vernunft über
diese Enttäuschung, man liebt das Kind, auch wenn es ein Mädchen
ist. Aber die im Unbewußten festgehaltene Unzufriedenheit mit der
eigenen Geschlechtsrollo offenbart sich auf mannigfache Art im Ver-
halten der Tochter gegenüber.
Eine Mutter, die ihre Tochter sportlich, sachlich, praktisch kleidete,
erzählt, die Kleine hätte ihr deshalb Vorwürfe gemacht. Sie liebe
Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder
359
diese Nüchternheit nicht, sie liebe Bänder und Rüschen und möchte
mal gern hübsche Kleidchen haben, „so richtige Mädelkleider". Da
erinnerte sich die Mutter, daß sie selbst als Kind unglücklich dar-
über war, daß man sie als hübsches Mädelchen putzte, daß sie die
Jungen um die Hosen beneidete. Sie begriff, daß sie ihre eigenen
kindlichen Männlichkeitswünsehe nun harmlos in der Wahl der ange-
schlechtlichen Kleidung der Tochter, sozusagen an deren Leib, wie-
derholte.
Sehr oft kann man auch Mütter beobachten, die bewußt stolz darauf
sind daß sie einen Sohn fertiggebracht haben, die sich aber diesem
Sohn gegenüber so verhalten, daß der Knabe unmännlich, unaktiv
wird, eine mädchenhafte Zartheit entwickelt. Ein junger Mann er-
zählt, daß seine Mutter, die ihn lange Zeit lange Locken tragen ließ
und die stolz auf seine anschmiegsame Bravheit war, sehr erschreckt
gewesen wäre, wenn ihr jemand erzählt hätte, daß ihr zarter Bub in
der Schule mit anderen Jungen raufte und als guter Boxer galt.
Dieser Mann hat bei jeder Gelegenheit im Leben, wo eine gewisse
Aggressivität am Platze ist, schwere Hemmungen, sich zu behaupten,
und gerade da, wo er Aggressionslust spürt, die er ich-gerecht ab-
führen könnte, wird er übermäßig passiv, als lürohte er immer
noch die Mutter mit seiner wahren Natur zu erschrecken. Mutter, die
Kinder so beeinflussen, sind meistens Frauen, die in ihren nun ms
Unbewußte versenkten Kindheitsängsten Angst vor den männlichen
Aggressionen, in ihren Kinderträumen Angst vor Dieben und Ein-
brechern gehabt haben. Nun unterdrücken sie alle männliche Akti-
vität in ihrem Sohne, freuen sieh an seiner Sanftmut, ohne zu wissen,
daß sie so ihre Kleinmädchenangst am eigenen Kind ausleben
Eine sehr kluge, sehr mütterliche, in die modernsten Erziehungs-
prinzipien gut eingeweihte Mutter bittet, ihren vierjährigen Sohn zu
beobachten. Irgend etwas scheine den Kleinen zu beschäftigen er
rücke aber nicht mit der Sprache heraus. In den btunden bei mir be-
gann der Kleine sehr schnell seine Sorgen und Ängste auszupacken,
war auch voller Ideen und Aktivität beim Spielen. Unter den Phan-
tasien, die er vorbrachte und deren Inhalt die Angst war, daß ihm
etwas fortgenommen werden könnte, tauchte immer wieder die Klage
auf: eine Muttor nimmt einem Sohn die Worte weg; eine Phantasie,
die ich nicht verstand und die er auch zunächst nicht aufklären
konnte. Ich bin einmal zugegen, als ein Gast das Kind nach etwas
fragt. Während sich das Kind deutlich auf eine Antwort besinnt,
kommt ihm die Mutter zuvor, die für ihn antwortet. Das Kind ließ
sich keinen Unwillen anmerken, wandte sich aber an mich: „jetzt
weißt du, wie die Maini mir die Worte wegnimmt." Diese Szene er-
360
Steff Bornsteiii
leuchtete uns, wieso das Kind bei mir beredt und produktiv war, bei
der viel amüsanteren Mutter aber schweigsam und unaktiv. Die Mut-
ter hatte die Impulse des Kindes nicht abwarten können, sie ersparte
ihm den eigenen Aufwand. Wir konnten miteinander feststellen, daß
sie sich so auch beim Spielen mit ihm benahm, für ihn phantasierte.
Die gegen sich sehr ehrliche Mutter erzählte mir nun, daß sie sich
genau so gegen den jüngeren Bruder benahm, stets hatte sie für ihn.
das Wort ergriffen. Hatte sein männliches Genitale ihren Neid er-
weckt, so protzte sie mit ihrer größeren Zungenfertigkeit, die sie
als die Ältere hatte. Sie hatte den Bruder stets bevormundet. Merkte
sie, daß er mit fremden Jungen spielen wollte, so sei sie an diese
herangetreten: wollt ihr nicht mit meinem Bruder spielen? Diese
Mutter war eine analysierte Frau und sie hatte es nicht schwer, nun
darauf zu achten, daß sie nicht in Wiederholung ihrer Kleinmädchen-
rache am Bruder auch den Sohn wie ehemals den kleinen Bruder in
eine Unselbständigkeit hineindränge. Das Unbewußte verliert seine
gefährliche Macht, wenn es dem Bewußtsein zugänglich wird.
Sehr häufig bedeuten Kinder für das Unbewußte der Erwachsenen
Geschwister. Von daher stammt es häufig, daß so viele Eltern und
Pädagogen, die bewußt das Beste der Kinder wollen, von plötzlichen
Haßimpulsen gegen die Kinder überrascht werden, oder daß sie über-
empfindlich ungeduldig auf Kinderunarten reagieren. Kleine Kinder
denken oft über neuangekommene Geschwister so: möge der Storch
sie wieder mitnehmen, sie könnten ruhig weg sein, tot sein. Begegnet
dieser Wunsch starken Schuldgefühlen, so wird er verdrängt, das
Kind weiß bald nichts von seinen bösen Gedanken, beginn! sogar sehr
oft, das Neuangekommene ehrlieh zu lieben. Aber es kommt vor, daß
der ehemals verdrängte Wunsch dem eigenen Kind gegenüber wieder
auftaucht. Harmlos etwa in einem gelegentlichen Seufzer: das Leben
wäre ohne das Kind doch leichter. Reißt dieser entschuldbare Ge-
danke die alten verdrängten Schuldgefühle der Kindheit aus der Ver-
sunkenheit empor, so ensteht auf dieser Grundlage der verdrängten
und strengstens untersagten Feindseligkeit gegen das Kind eine
quälende Angst, es könnte dem Kinde etwas zustoßen, übermäßig
ängstliche Mütter, die das Kind an allein Möglichen zu hindern suchen,
damit ihm nichts Gefährliches passiere, hindern auf diese Weise ihre
Kinder, mutig und selbständig zu werden. Diese krampfhaft ängst-
lichen Mütter leben ihren alten Kinderglauben von der Allmacht der
eigenen Wünsche und Gedanken an den Kindern aus. Hat man ehedem
in den Kinder jähren gewünscht, das kleine Neuangekommene solle
wieder verschwinden, so fürchtet man, wenn das Gewissen erwacht,
daß als Strafe für diesen Wunsch das Schlimme wirklieh passieren
Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder 361
könne. Und in Wiederholung des alten Glaubens an die Allmacht der
Gedanken bewacht nun die überängstliche Mutter das Kind, damit
der böse Wunsch nicht in Erfüllung gehe. Natürlich weiß sie selbst
nichts davon, daß ihre Ängste um das Kind so in die eigene Kindheit
hinabreichen, eine Abwehr der ursprünglichen Aggressionen gegen
das Kind der Mutter bedeuten.
Hören wir noch einen besonders krassen Fall, der beleuchtet, wie
eigene Kinder die gehaßten Geschwister bedeuten können. Eine Mut-
ter von zehnjährigen Zwillingstöchtern tut alles dazu, um die Mädchen
dumm zu machen. Sie sorgt dafür, daß die Mädchen einen unmög-
lichen Schulgang absolvieren, nämlich andauernd Schulen wechseln,
zwischendurch lange Ferien machen, unfähige Privatlehrer bekommen,
die unbekümmert um die lückenhaften Grundlagen im Wissen der
Kinder in sie etwas eintrichtern und dabei auf Gebeiß der Mutter
streng vorgehen. Das Resultat war, daß die Kinder keine Freude am
Lernen erwerben konnten und wirklich im Wissen hinter den Alters-
genossinnen standen. Dazu kam, daß die Mutter die Zwillinge als
naturgewollt Zurückgebliebene behandelte, so daß sie sich daran ge-
wöhnten, daß sie doch nichts begreifen würden. Obwohl die Mutter
die besten Pädagogen und Psychologen um Rat fragte, hielt sie sich
an keinen Rat und nahm den Kindern die altmodischesten Erziehe-
rinnen. Als sie einmal, dem Druck der Angehörigen nachgebend,
doch eine sehr geschickte Pädagogin anstellte, bei der die Kinder
zum ersten Mal in ihrem Leben gut lernten, wurde die Lehrerin nach
vier Monaten entlassen, obwohl sie noch zwei Monate zu brauchen be-
hauptete, um die Zwillinge schulfähig zu machen. Grund des neuen
Lehrerwechsels war: die Kinder hatten in ihrer neu erwachten Wiß-
gier im Anschluß an eine naturwissenschaftliche Geschichte gefragt,
wie aus dem Blut der Kuh Milch werden könne, und von dem Zusam-
menhang der Milchentstehung mit dem Kälbchengebären erfahren.
Diese von den Kindern längst gewünschte Aufklärung über den
Ursprung der Kinder machte aus den bisher geistige Nahrung ver-
schmähenden Kindern zwei interessierte Mädchen, die zu fragen,
zu forschen, zu lesen begannen. Die Mutter aber erklärte: „Lieber
sollen die Mädels dumm bleiben, als ihre süße Unschuld ver-
lieren." Dieselbe Mutter war gar nicht stolz, wenn man ihr sagte, daß
die liebreizenden Töchter eine Augenweide seien, erwiderte auf solche
sonst doch von Müttern gern gehörten Komplimente: „Wenn ich das
doch nicht immer zu hören bekäme, dann bin ich noch unglücklicher,
daß sie so blöd sind." Diese sonderbare Frau war im praktischen
Leben eine sehr kluge Frau, mit der man sieh sonst angenehm
unterhalten konnte. Aber von ihren Töchtern verstand sie nichts, weil
362
Steif Bornetein
sie schwer an der Rivalität zu einer jüngeren Schwester trug, die
nicht nur schon war, sondern sie auch geistig überflügelte und stu-
dierte. Kluge Töchter hätten sie zu sehr an die kleine Schwester er-
innert, sie gönnte ihnen ihre Intelligenz nicht und nicht einmal recht
die hübschen Gesichtchen, sodaß sie den kleinsten Makel an ihnen
schonungslos kränkend kritisierte. Während alle Beobachter, auch
ganz naive Menschen, sahen, daß die Mutler die Kinder blöd machte,
wußte sie selbst nichts davon, glaubte, nichts unversucht zu lassen,
um die Dummheit der Kinder zu bekämpfen.
Nicht immer wirken sich unsere eigenen Kindheitserlebnisse so
negativ in der Erziehung unserer Kinder aus. Wenn das kleine Mäd-
chen denkt, es würde die jüngeren Geschwister verständnisvoller er-
ziehen als die Mutter es tut, — ein Wunsch, der einer Rivalität mit
der Mutter entspringt, — so kann das der Anlaß für ein später beson-
ders verständnisvolles Verhalten bei der Erziehung eigener oder frem-
der Kinder sein. Was man so aus eigenen Erfahrungen als Kind
schöpft, kann eine Befähigung zum Erziehen begründen, eine „in-
tuitive" Begabung, die durch ein Studium nicht leicht erarbeitet wer-
den kann.
Zur psychoanalytischen Behandlung
asozialer Kinder und Jugendlicher 13
Von Melitta Schmideberg, London
Das asoziale Verhalten kann durch äußere und durch innere Mo-
mente bedingt sein. Ein Kind, das nicht genug zu essen bekommt, lieb-
los behandelt wird und nur schlechte Beispiele sieht, stellt sich häufig
asozial ein. Wenn aber dieses Kind zu guten Pflegeeltern kommt und
weiterhin asozial bleibt, oder wenn ein Kind, das in normalen Ver-
hältnissen aufwächst, sich schlecht entwickelt, dann liegen innere
Gründe für die Asozialität vor und es ergibt sich für den Psycho-
therapeuten die Aufgabe, diese zu erkennen und zu beheben. In dieser
Arbeit will ich mich ausschließlich mit den inneren, den psychischen
Ursachen der Asozialität befassen.
Gewöhnlich wird angenommen, daß das asoziale Verhalten dadurch
zustandekommt, daß die moralischen Gefühle, die beim normalen Men-
schen die primitiven Triebe eindämmen, nur mangelhaft entwickelt sind.
Auf Grund dieser Auffassung versucht man beim asozialen Kinde
moralische Regungen zu wecken und zu entwickeln, oder wenn dies
nicht gelingt, durch Strafen seine asozialen Regungen niederzuhalten.
In der psychoanalytischen Behandlung asozialer Kinder und Ju-
gendlicher habe ich gefunden, daß das asoziale Verhalten nicht ein-
fach durch das Fehlen moralischer Regungen, sondern durch ver-
schiedene, meist recht komplizierte Vorgänge zustandekommt So kann
asoziales Verhalten dadurch entstehen, daß die Aggression sich
nicht in normaler Weise äußern kann, sondern in
asozialen Handlungen durchbricht. Die elf einhalb jäh-
rige Lotte wurde in Behandlung gegeben, weil sie seit vielen Jahren
in einem solchen Ausmaße log, ■ — meist in der Absicht Elternhaus
und Schule, sowie die Eltern untereinander zu entzweien, — daß man
sie nicht mehr in der Schule behalten wollte. Sie hatte auch einige
kleine Diebstähle begangen. Lotte war ein hübsches und intelligentes
Mädchen, das aber weder die Eltern, noch sonst jemanden wirklich
Hebte, keine Gefühle zu haben schien, z. B. nie Freude zeigte, und dem
Kritik, Phantasie und auch normale Aggression in ungewöhnlichem
Maße abgingen. Sie ließ sich von ihrer kleinen vierjährigen Schwester
an den Haaren ziehen, ohne sich zu wehren, ob zwar ihr vor Schmerz
die Tränen in die Augen traten, und wehrte sich auch nicht, als die
i) Nach einem Vortrag, gehalten im Psychologien] Study Circle for Law and Latrbreakers
London. Ljno englische Fassung dieser Arbeit ist in The New"Era, 1933, Vol. 14, No. 3, erschienen!
3^4 Melitta Schmideberg
Mutter sie dazu aufforderte. Wenn sie von einem Ereignis berichtete,
das ihr normalerweise hätte nahegehen müssen, z. B. vom Tode ihres
Hundes oder einer ungerechten Brüskierung durch eine Freundin, so
pflegte sie su sagen: „Mutti sagte. . .", „Papa sagte , . .", und wenn ich
sie fragte, was sie selbst sich denn dabei gedacht hätte, schaute sie
mich freundlich lächelnd an und antwortete kopfschüttelnd: „Ich — ,
was hätte denn ich mir dabei denken sollen?" Seit frühester Kindheit
war ihr größtes Bestreben gewesen, ein braves Kind zu sein, und sie
hatte deshalb ihre Aggression in einem solchen Ausmaße verdrängt,
daß sie sich nicht einmal verteidigen konnte oder eine eigene Mei-
nung haben durfte. Es war als ein durch die Analyse erzielter Port-
schritt, als erster Ansatz zu einer eigenen Meinung zu betrachten,
als sie sagte, daß sie bunte Weihnachtskerzcn für hübscher halte
als weiße.
Es gelang ihr aber nicht ihre Aggression völlig niederzuhalten,
sondern diese setzte sich an anderen Stellen, vor allem im Lügen
durch 2 ). Sie hielt wochenlang in der Schule die frei erfundene Er-
zählung, ihre Mutter sei operiert worden, aufrecht und brachte in
dieser lügenhaften Phantasie ihre Haßregungen zum Ausdruck. Ähn-
lich äußerte sich auch in ihrem Verhalten, durch das sie die Leute
zu entzweien trachtete, ihr Haß und ihre Eifersucht. Sie lehnte Süßig-
keiten, die die Mutter ihr kaufen wollte, mit der Begründung ab, daß
die Eltern wenig Geld hätten; aber wenn ihr Bedürfnis danach zu
stark wurde, stahl sie sie. Sie mußte ihre Aggression darum in einem
solchen Ausmaße verdrängen und konnte sie nicht in normaler Weise
äußern, weil sie unbewußt mit tief wurzelnden Konflikten verbunden
war. Sie konnte auch in harmlosen Dingen keine eigene Meinung
haben, weil sie sich als kleines Kind über das Sexualleben der Eltern
keine eigene Meinung bilden durfte und ihre Kritik an den Eltern ver-
drängen mußte. Indem die Analyse diese Verbindung zwischen ihrer
verdrängten Aggression und ihren sexuellen Phantasien und Beobach-
tungen bewußt machte, wurde ihre Phantasie reger und sie begann
normale Gefühle zu zeigen; sie konnte jetzt auch sowohl in ihren
Phantasien, wie auch im täglichen Leben ihre Aggression in nor-
malerer Weise äußern und befriedigen, zugleich gab sie ihr asoziales
Verhalten auf 3 ).
In anderen Fällen werden die in jedem Menschen wirksamen p r i-
2) Aus Gründen der Übersichtlichkeit kann ich Immer nur auT ein oder zwei Motive dos
asozialen Verhaltens eines Kindes eingehe»; in Wirklichkeit waren in jedem Falle, mehrere, oft
sehr zahlreiche Motive wirksam und erst nachdem dieso in allen DotnitB hewußt und in die frühe
Kindheit zurilekverfotgt und ihre verschiedenen Verknüpfungen untereinander klargelegt -wur-
den, erzielte die Analyse ihre Wirkung.
») Lottes Behandlung dauerte sechs Monate (ea. 100 Stunden). Zuletzt habe loh zwei Jahre
nach Beendigung der Analyse von der Muttor gehört, daß Lotto sozial angopaflt ist und Hich in
jeder Hinsicht sehr zufriedenstellend entwickelt hat.
Zur psychoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 365
raitiven Instinkte durch Angst in einem solchen Ausmaße
verstärkt, daß dies ein asoziales Verhalten zur Folge hat. Der acht-
einhalb jährige W i 1 1 y stahl alles, dessen er habhalt werden konnte,
war sexuell schamlos und ungewöhnlich aggressiv. Er stieß einen
Jungen die Trepp© hinunter, so daß dieser ins Krankenhaus einge-
liefert werden mußte. Bei der Behandlung zerkratzte Willy mir die
Hände, zerriß mein Kleid und beschädigte das Zimmer so arg, daß es
nachher renoviert werden mußte. Er war weder durch Freundlichkeit
noch durch Strenge zu beeinflussen und es gelang auch in der Schule
nicht ihn zu disziplinieren. Er schien überhaupt keine moralischen
Gefühle oder Liebe zu empfinden. Er betrachtete jeden Menschen als
seinen Feind und faßte jede Handlung eines anderen als ein ihm zu-
gefügtes Unrecht oder als Bosheit auf. Es zeigte sich in der Analyse,
daß er zwar in seinem asozialen Verhalten völlig hemmungslos, aber
in normalen Betätigungen, z. B. im Spiel stark gehemmt war. Seine
ungewöhnliche Bewegungsunruhe war ein Ausdruck seiner Angst und
sein asoziales Verhalten stellte eine Verteidigung gegen befürchtete
Angriffe dar. Ein Beispiel dafür: einmal, nachdem er im Zimmer etwas
zerstört hatte, ging er mit einer Stange gegen mich los und wehrte
sich verzweifelt, als ich sie ihm wegnehmen wollte. Schließlich sagte
er, er fürchte, daß ich ihn mit der Stange auf den Kopf schlagen
könnte. Als ich ihm antwortete, daß ich das doch nie tun würde und
er dies als Strafe für das, was er eben im Zimmer zerstört hatte,
fürchte, beruhigte er sich und legte die Stange von selbst weg. Einmal
spielte er mit mir, er sei ein kleiner Junge, der am Markt Obst stehle.
Auf meine Frage, warum er dies täte, klagte er, er sei so hungrig,
seine Mutter wolle ihn verhungern lassen, weil er so ein „Herum-
treiber" sei; sein Vater, — oh, der sei noch viel schlimmer! Willy war
außerordentlich gierig und unersättlich; diese Einstellung, sowie sein
Stehlen waren weitgehend durch seine Angst vor dem Verhungern
bedingt. In Wirklichkeit bekam er genug zu essen und wurde, wenn
er nicht zu schlimm war, auch ganz gut behandelt; aber in der frühen
Kindheit war er nicht gestillt und lieblos behandelt worden. Er war
ein Waisenkind, das im dritten Lebensjahre zu Pflegeeltern kam, die
er als seine Eltern betrachtete. Aus dieser frühen Zeit also stammte
seine Angst vor dem Verhungern und seine Vorstellung, daß alle Men-
schen ihm feindlieh gesinnt seien. Das Böse, das er von den Menschen
befürchtete, bedeutete zugleich auch die befürchtete Strafe für das
Böse, das er ihnen antun wollte, sowie für verbotene sexuelle Ge-
danken und Spielereien. So hatte er Angst wegen seiner verbotenen
Regungen, und diese Angst konnte er nur durch asoziale Handlungen
bekämpfen, wodurch sich aber seine Angst weiter steigerte. Diesen
366 Melitta Schmideberg
circulus vitiosus konnte die Analyse durchbrechen; indem si©
seine Angst auf die ursprünglichen Quellen zurückführte und dadurch
verringerte, ermöglichte sie ihm, die Menschen nicht mehr als Feinde
zu betrachten, und ihre Freundlichkeit als solche zu empfinden un<l
anzuerkennen, seine Mutter, kleine Schwester usw. zu lieben und aus
Liebe zu seiner Umgebung sozial zu werden. Gleichzeitig bekam er
einen wesentlich netteren Gesichtsausdruck, Die Analyse wurde nach
sieben Monaten abgebrochen, da man die Behandlung nicht mehr für
nötig hielt; ich hätte es noch für wünschenswert gehalten, sie fortzu-
setzen, da diese Veränderung seiner inneren Einstellung nicht ge-
nügend befestigt war 1 ).
Auch beim zwanzigjährigen Georg zeigte es sich, daß die im
asozialen Verhalten sich äußernde Aggression nicht identisch ist mit
der ursprünglichen Aggression des kleinen Kindes, sondern durch
vielerlei Momente verstärkt wird. Georg hatte es trotz guter Be-
gabung nicht weiter als bis zum ungelernten Arbeiter gebracht, weil
er seine Arbeitsstellen dauernd wechselte und mit jedem Menschen
im Streit lag. Er hatte einige kleinere Diebstähle und unredliche
Handlungen begangen, auf die ich hier nicht näher eingehen will.
Auch mir gegenüber entwickelte er ein äußerst provozierendes Ver-
halten, das sich hauptsächlich als durch Minderwertigkeitsgefühle
bedingt erwies. Er erklärte mir einmal herausfordernd, er wolle mir
nicht mehr die Hand reichen; während er weiter sprach, meinte er,
daß ich vielleicht finden könnte, daß er schmutzige Hände hätte und
ihm nicht die Hand geben wolle und darum aei es besser, wenn er
darin mir zuvorkomme. Durch das streitsüchtige Verhalten wollte er
Tadel, Mißachtung oder Angriffe, die er stets erwartete, parieren.
Diese Befürchtungen entsprangen seinem tiefen Schuldgefühl, das
hauptsächlich durch stark verdrängte sadistische Vorstellungen in der
frühen Kindheit zustandekam. Manchmal diente auch eine bestimmte
Aggression dazu, um eine andere, ärgere zu vermeiden. Er blieb ge-
wöhnlich dann von der Arbeit weg, wenn etwas seinen Haß geweckt
hatte und er befürchtete, daß, wenn er hinginge und dort in Zorn ge-
riete, er jemanden erschlagen könnte. In fünf Monaten Analyse wurde
eine Besserung erzielt: Georg wurde verträglicher, begann eine bes-
sere Beziehung zu Menschen zu haben und fühlte sich wohler. Nach
fünf Monaten Behandlung, — zu der er sehr unregelmäßig kam, —
blieb er w r eg; als ich ihn nach einigen Monaten wiedersah, meinte er,
er sei jetzt gesund. Ich halte aber die erzielte Besserung für unge-
«) Willy hat nach der Analyse einige Zeit noch Schwierigkeiten gemacht. Zulotf.t habe ich ihn
zwei Jahre nach Beendigung der Analyse wiedergesehen und von Her Umgehung erfahren, daß
keine Klagen über ihn sind, daß er sieh an Gomlit und Intellekt put entwickelt, trotz vieler
Versagungen sozial gut angopaßt ißt und sich wohl fühlt.
Zur psychoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 367
nügend, da Georg seit seiner frühesten Kindheit schwer abnorm war.
Die Bedeutung unbewußter Faktoren für das asoziale Verhalten
wird am besten durch den Zusammenhang zwischen Psychoneurosen
und asozialem Verhalten illustriert. Ruth, ein hübsches und begabtes,
aber sehr infantiles fünfzehnjähriges Mädchen, stahl seit ihrem fünf-
ten Lebensjahre in steigendem Maße und zeigte eine bedenkliche
Charakterentwicklung. Ihre Umgebung klagte, daß sie pathologisch
lüge, zu keiner Arbeit zu verwenden sei, sehr unaufrichtig, neidisch
sei usw. Eine Lehrerin charakterisierte sie, sie hätte kein Gefühl für
Recht und Unrecht und keine wirkliche Liebe für irgendeinen Men-
schen. Ein Psychiater diagnostizierte sie als „Moral Insanity". Zur
Zeit der Analyse lebte sie in einem Heim für schwierige Mädchen;
die Vorsteherin sagte mir, sie hätte noch nie mit einem Mädchen so
viel Schwierigkeiten gehabt wie mit Ruth und fügte hinzu, „und da-
bei sieht sie aus, wie ein Engel". Alle pädagogischen und psycho-
therapeutischen Maßnahmen hatten sich als vergeblich erwiesen und
so kam sie als ultima ratio in Analyse 5 ).
Ruth war schwer zugänglich, da sie zwar höflich aber sehr miß-
trauisch und verschlossen war. Sie lebte in einem eigentümlichen
wirklichkeitsfremden Zustand, nahm unangenehme Dinge nicht zur
Kenntnis und war überzeugt, daß sie brav sei. Nach einigen Wochen
Analyse kam es zu einem Gefühlsausbruch. Nun äußerte sie zum
ersten Male Angst, Haß und sexuelle Wünsche und kam mit ihren
Konflikten hervor. Sie fühlte sich nun sehr unglücklich und ent-
wickelte einen Waschzwang, aber hörte gleichzeitig auf zu stehlen.
Es ergab sich, daß sie vor ihren schweren Konflikten in einen an-
scheinend ausgeglichenen und wirklichkeitsfremden Zustand floh und
daß sie durch das Stehlen und Lügen diesen Zustand erreichte. Sie
befriedigte durch das Stehlen ihre unbewußten Wünsche. Sie faßte die
gestohlenen Gegenstände als Geschenke auf. So konnte sie, wenn sie
stahl, sich dem Glauben hingeben, daß sie geliebt werde. Das Stehlen
diente aber auch zur Beruhigung ihrer tiefen Angst. Sie gestand mir
nach einiger Zeit, daß sie das Gefühl hätte, daß ihr Genitale schmutzig
und anders sei als das anderer Mädchen. Sie fürchtete durch die Onanie
und bestimmte sexuelle Erlebnisse in der Kindheit ihr Genitale be-
schädigt und beschmutzt zu haben. Diese Angst suchte sie dadurch zu
beruhigen, daß sie sich immer wieder wusch, — zufolge einer „Ver-
legung nach oben" — Gesicht und Hände, an Stelle des eigentlich be-
absichtigten Körperteiles, des Genitales. Der Waschzwang hatte ihr
6) Da ich Ruths Analyse aus äußeren Gründen nicht fortsetzen konnte, übernahm sie Miss
Helen Sheehan Dare. Ruth ist jetzt seit 3^ Jahren in Analyse und hat sich außerordentlich gün-
stig vorändert. Sie entspricht jetzt einem Mädchen ihres Alters. Seit VA Jahren hat sie keine
asoziale Handlung mehr begangen.
3g8 Melitta Schmideberg
früheres Stehlen abgelöst — beide dienten in der gleichen Weise der
Beruhigung ihrer Angst. Sie schmückte sich mit den gestohlenen.
Gegenständen (kleine Schmuck gegenstände, Kleidungsstücke usw.) ;
für ihr Unbewußtes dienten diese aber auch zur Wiederherstellung
ihres zerstörten Körpers und Genitales,
Die zwölfeinhalbjährige E 1 1 y wurde wegen hysterischer Sym-
ptome in Behandlung gegeben, aber es zeigte sich bald, dafi auch
schwere Charakterstörungen vorlagen. Sie war ein frühreifes Mäd-
chen mit etwas frechem Gesichtsausdruck, das schlecht lernte, häufig
aus der Schule wegblieb, zweimal durchgefallen war und nur für
Jungen und Kleider Interesse hatte. Sie verabredete sich mit zahl-
reichen Jungen, gewöhnlich mit mehreren auf einmal und wechselte
ständig ihre Beziehungen. Sie hatte noch keinen Geschlechtsverkehr
gehabt, aber ihre ganze Einstellung und ihr eigentümliches Verhalten
erweckten den Eindruck, daß, wenn sie erst einmal Verkehr gehabt
hatte, sie wahrscheinlich bald eine Prostituierte würde.
In der Analyse stellte es sich heraus, daß sie bis zum Alter von
etwa neun Jahren ein stilles, in sich gekehrtes Kind gewesen war, das
nebst anderen neurotischen Symptomen einen Waschzwang hatte. Es
kam dann zu einer Charakterveränderung und die Analyse konnte
nachweisen, daß ihr späteres Verhalten, ihre eigentümliche Einstel-
lung zu den Jungen, sowie ihre hysterischen Symptome auf die glei-
chen Momente zurückgingen, wie ihr Insichgekehrtsein in der Kind-
heit. Sie hatte eine starke Angst schmutzig zu sein. Diese Angst war
hauptsächlich durch die bei ihr sehr roh vorgenommene Reinlichkeits-
gewöhnung in der frühen Kindheit hervorgerufen worden. Weil sie
fürchtete schmutzig zu sein und deshalb von niemanden geliebt zu
werden, zog sie sich von allen Menschen zurück oder beruhigte diese
Angst dadurch, daß sie sich andauernd wusch. Diese gleiche Angst
bewirkte später, daß sie Stunden vor dem Spiegel verbrachte, um zu
sehen, ob sie in Ordnung sei. Sie fühlte sich sehr unglücklich, wenn
sie kein neues Kleid haben konnte. Sie meinte dann, sie sei so „drek-
kig", das Kleid sähe aus, als ob es vom Müllhaufen sei usw. Sie mußte
sieh stundenlang mit ihrer Kleidung befassen und immer neue Kleider
haben, um ihre Angst, sie sei schmutzig, zu beruhigen, ähnlich wie sie
als kleines Kind gesäubert und frisch angekleidet wurde, nachdem sie
sich beschmutzt hatte. Um sich zu versichern, daß sie nicht schlecht
und schmutzig sei, wie sie befürchtete, sondern gefalle und geliebt
werde, mußte sie sich immer wieder mit den Jungen verabreden. Sie
war zufolge ihrer Angst überempfindlich und hörte aus allem einen
Tadel oder eine Unfreundlichkeit heraus; wenn sie sich aber schlecht
behandelt fühlte, blieb sie weg, fehlte in der Schule, kam nicht zur
Zur psyohoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 369
Behandlung oder ließ den jeweiligen Jungen im Stich. Wenn sie aher
einen Jungen verließ, furche te sie dessen Rache und mußte schnell
eine Beziehung zu einem andern eingehen, damit dieser sie nun gegen
den vorigen schütze. Bei diesem wiederholte sich aher bald das gleiche
Spiel. Ihre Nachlässigkeit in der Schule war die Folge der — ver-
meintlichen. — schlechten Behandlung durch die Lehrerin, ihre über-
mäßige Eitelkeit durch Angst bedingt und während es zunächst schien,
daß sie sich mit den Jungen herumtrieb, zeigte die Analyse, daß sie
durch ihre Angst von einem Jungen zum andern getrieben wurde 8 ).
All diese Kinder lebten in geordneten Verhältnissen, ihre Eltern
oder Pflegeeltern waren ordentliche Leute, die ihnen kein schlechtes
Beispiel gaben. All diese Patienten aber waren in ihren ersten Lebens-
jahren lieblos behandelt worden und als sie mit zwei oder drei Jahren
ZU guten Pflegeeltern kamen, vermochte dies nicht mehr den seeli-
schen Schaden, der durch die Entbehrungen der ersten Jahre entstan-
den war, gut zu machen. Bei diesen Kindern waren durch die Entbeh-
rungen der Haß und die Angst in einem solchen Ausmaße gesteigert
worden, daß sie ihn nicht mehr normalerweise überwinden konnten,
sondern asozial wurden. Zufolge des Umstandes aber, daß sie jetzt
als Strafe für ihr schlimmes Verhalten wieder von allen schlecht be-
handelt wurden, gerieten sie immer mehr in den bösen Zustand, indem
sie waren, als sie in Analyse kamen. Die frühere schlechte Behand-
lung konnte später durch keine Freundlichkeit mehr gut gemacht
werden, weil es ja nicht einfach die Entbehrung, sondern die durch die
Entbehrung ausgelösten abnormen seelischen Vorgänge waren, die
das asoziale Verhalten verursacht hatten 7 ). Diese waren aber bei den
hier geschilderten Kindern so stark, daß alle pädagogischen Maß-
nahmen, Strenge, wie Freundlichkeit wirkungslos blieben und daß
bei den meisten auch eine psychotherapeutische Behandlung sich
als erfolglos erwies. Ich hatte hervorgehoben, wie sehr das asoziale
Verhalten dieser Kinder durch Schuldgefühl und Angst bedingt war.
Bei den meisten asozialen Kindern ist aber zunächst nichts von
Schuldgefühl oder Angst zu bemerken; sie begehen häufig ihre asozia-
len Handlungen mit Vergnügen und zeigen, wenn sie nicht Strafe zu
gewärtigen haben, auch keine Reue. Willy sprach z, B. vom Stehlen,
wie von einer selbstverständlichen Sache und sagte: „Ich klaue, weil
es mir Spaß macht." Erst als in der Analyse seine Angst und sein
*) Elli kam außerordentlich unregelmäßig zwei Winter in Analyse. Dann mußte ich die Ana-
lyse abbrechen, -weil ich Berlin verließ. Ihre Omraklerselvwierigkeiten haben sieh vermindert. Sie
schreibt mir jetzt (2*A Jahre nach Beendigung der Analyse), daß es ihr gut geht.
7) Jedoch dürften in anderen Fällen wieder andere Erlebnisse eine ähnliche ungünstige Eni'
Wicklung bewirkt haben; die Fehlentwicklung entsteht ja nicht zufolge bestimmter Erlebnisse,
sondern Kiifolgc der durch die Erlebnisse hervorgerufenen abnormen inneren Einstellung, um?
diese abnorme innere Einstellung kann durch sehr verschiedene Äußere Momente bewirkt werden.
Zeitschrift f. psa. PSd., VIII/Il/12
2«
37Q Melitta Schinideberg
Haß, die den Antrieb zu seinen asozialen Handlungen bildeten, be-
wußt und durch die Behandlung verringert wurden, konnte sein Be-
dürfnis nach Liebe hervortreten. Zugleich mit dem Wunsche seine
Umgebung zufriedenzustellen, zeigte er auch Reue wegen begangener
schlimmer Handlungen und versuchte sich sozial einzustellen. Zu
dieser Zeit bat er mich auch seinen Freund zu behandeln mit der Be-
gründung: „Der klaut noch mehr als ich". Die für die asozialen Kin-
der — in stärkerem oder geringerem Maße — typische Einstellung,
daß sie für keinen Menschen wirklich Liebe empfinden, kommt ge-
wöhnlich dadurch zustande, daß mit den Haßregungen zusammen auch,
die Liebesregungen verdrängt werden. Ihre frühen Liebesregungen
sind mit sexuellen Wünschen, Eifersucht und grausamen Phantasien
verbunden und mit diesen so verquickt, daß sie die verurteilten Ke-
gungen nur mit den normalen Liebesregungen zusammen verdrängen
können; indem die Analyse diese Konflikte ans Tageslicht bringt und
zu lösen hilft, ermöglicht sie es dem Kinde, normale Gefühle zu ent-
wickeln.
Haben nun diese asozialen Kinder weniger moralische Gefühle als
normale Kinder? Sicherlich haben sie keine normalen moralischen
Gefühle, aber meinen Erfahrungen nach haben sie moralische Regun-
gen in verzerrter Form 8 ). Es dürfte sich damit ähnlich verhalten, wie
mit der Moral der Wilden; sie haben nicht unsere Moral, aber sie
haben eine andere, deren strenge Gebote uns häufig absurd erschei-
nen. So berichtet Steinmetz in seiner Arbeit „Endokannibalis-
mus" B ), daß, als ein Europäer einem ihm befreundeten Kannibalen .
Vorhaltungen machte, dieser erwiderte, sie äßen ja nur gekochtes
Fleisch, während die Europäer auch rohes Fleisch essen, etwas, was
sonst nur die wilden Tiere täten. Die europäische Auffassung unter-
scheidet Menschenfleisch und Tierfleisch; die der Kannibalen ge-
kochtes und rohes Fleisch! Ähnlich fand ich bei diesen asozialen
Kindern, daß sie zwar in vielen Dingen absolut hemmungslos waren,
aber dabei ein überaus strenges Gewissen hatten, das in abnormer
Weise funktionierte. Willy sprach über Stehlen, wie über eine
selbstverständliche Sache, ohne Schuldgefühl und Reue, aber in einem
Spiel bestrafte er einen Jungen, der gestohlen hatte, aufs Strengste.
In einer der ersten Analysenstunden erzählte er mir, daß er onaniere,
daß er aber deshalb keine Angst hätte, da ja niemand wissen könne,
was er im Bett macht. Kurz darauf erklärte er, er werde mich bei der
Polizei anzeigen, weil ich onaniere und dann käme ich ins Gefängnis
usw.
*) Ich habe diese und andere Probleme ausführlicher in meiner Arbeit: Zur Psychoanalys
asozialer Kinder und Jugendlicher. Int. Zeitschr. f. PaA. 1932, Jg. XVIII. H. IV, behandelt.
8 ) Mitteilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien. XXVI. 189G.
Zur psychoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 371
Daß die mangelnde Einsicht für die Abnormität des eigenen Ver-
haltens nicht einfach durch ungenügende Intelligenz oder fehlende
moralische Qualitäten bedingt ist, zeigt das Beispiel des sechzehn-
jährigen Herbert. Er konnte die Schule nicht besuchen, weil er an
unerträglicher Angst litt. Nach einigen Wochen Analyse war seine
Angst wesentlich verringert und er fühlte sich nun ganz wohl, er-
klärte mir aber, daß er gar kein Interesse mehr an der Behandlung
hätte, da ihn seine Untätigkeit nicht störe und er nur den Wunsch
hätte, in Ruhe gelassen zu werden. Es gelang mir aber, ihm nach
einiger Zeit nachzuweisen, daß er in Wirklichkeit sehr ehrgeizig sei,
aber aus Angst, die ihm als solche nicht deutlich bewußt würde, nichts
tun dürfe und nicht einmal den Wunsch haben dürfe, etwas zu leisten.
Im Alter von drei Jahren war er nämlich eine Zeitlang sehr trotzig
gewesen und dieser Trotz war durch Strenge gebrochen worden;
gleichzeitig mit dem Trotz schwand auch sein Ehrgeiz und seine Ver-
suche zur Selbständigkeit. Ursprünglich wollte er Großes leisten, um
die Eltern zu übertreffen, aus Angst vor den Eltern gab er dann jede
Empörung (und auch die Leistung, Ehrgeiz usw. schien ihm eine
solche zu sein) und jede Kritik auf. Er entwickelte nun ein über-
mäßiges Streben, es jedem Recht zu machen oder richtiger nichts zu
tun, was jemand mißbilligen könnte, und zwar in einem solchen Maße,
daß er keinen eigenen Gedanken haben durfte und überhaupt nichts
tun konnte. Er fürchtete, daß der Mathematiklehrer es mißbilligen
könnte, wenn er Latein vorziehe und der Lateinlehrer, wenn er Mathe-
matik bevorzuge; diese Angst vor beiden bewirkte dann, daß er weder
Latein noch Mathematik lernen konnte. Ähnlich konnte er aus Angst
die Mutter nicht dem Vater und den Vater nicht der Mutter vorziehen
und er löste diesen Konflikt dann so, daß er sich von beiden Eltern
und dann auch von allen Mensehen zurückzog. In seinem Verhalten
kam aber auch in versteckter Form sein früherer Trotz zum Ausdruck,
in dem er durch seinen übermäßigen Gehorsam die Eltern, Lehrer
usw. ad absurdum führte. Erst nachdem die Analyse Herberts Angst
verringert hatte, wurde ihm sein verdrängter Wunsch etwas zu leisten,
zu studieren usw. hewußt. In seinen Leistungen konnte er nun auch
seine rebellischen und aggressiven Regungen in einer sozial ange-
paßten Form befriedigen. Die Analyse erzielte in einem Jahr, daß er
ein sehr guter Schüler wurde, der selbständig, unabhängig und sozial
eingestellt ist und dem sein früherer Zustand der Untätigkeit und
Interesselosigkeit heute ganz unverständlich ist 10 ).
Es gelingt zwar häufig durch eine strenge Behandlung die gesell-
10) Seit der Beendigung seiner Analyse sind drei Jahre vergangen, in denen er sich unter
schwierigen Süßeren Verhältnissen in jeder Hineicht bewährt und die Schule erfolgreich ab-
solviert hat.
26*
372
Melitta Schmideberg
schaftsfeindlichen Regungen Asozialer zu unterdrücken — oft bre-
chen sie allerdings später, wenn der Jugendliche unabhängig ist,
wieder hervor, — aber es gelingt wohl kaum je, die verpönten Trieb-
regungen in soziale oder intellektuelle Leistungen zur Befriedigung
des Individuums selbst, sowie zum Nutzen der Gesellschaft umzu-
setzen. Die analytische Behandlung aber ist imstande durch Bewußt-
machung der unbewußten Konflikte den Haß und die Angst zu ver-
ringern, die sexuellen Regungen — wenigstens teilweise — in subli-
mierte Interessen und zärtliche Gefühle überzuleiten. Auf diese Weise
vermag die Analyse die krankhaften Antriebe zu den asozialen Hand-
lungen zu beheben und das Kind in einer normalen Weise liebesfällig
zu machen. Aus dem Wunsch nach Liebe entspringt das Bedürfnis
seine Umgebung zufriedenzustellen und es wird sozial und erziehbar.
In diesem Zusammenhang soll noch kurz auf die Beziehung zwi-
schen Analyse und Erziehung bei der Behandlung asozialer Kinder
eingegangen werden. Analyse und Erziehung, von verschiedenen Per-
sonen ausgeübt, arbeiten auf verschiedenem Wege auf das gleiche
Ziel zu. Die Analyse soll das asoziale, das heißt unerziehbare Kind
erziehbar machen, indem sie es von seinen der Erziehung und der
normalen Anpassung entgegenwirkenden unbewußten Schwierig-
keiten befreit. Wenn das Kind aber von diesen befreit ist, muß es
noch erzogen werden, eine Aufgabe, die dem Elternhaus und der
Schule zufällt. Es braucht wohl nicht näher ausgeführt zu werden,
daß gerade bei solchen schwierigen Kindern eine gute, individuell
angepaßte Erziehung besonders wünschenswert ist. In den meisten
Fällen jedoch gelang es mir nicht, an der Erziehung des Kindes viel
zu verändern, da die Erziehungspersonen wenig beeinflußbar waren
und eine Milieuveränderung nicht vorgenommen werden konnte.
Trotzdem fand ich, daß die Kinder, deren Schwierigkeiten durch die
Analyse genügend verringert wurden, sich auch in einer durchaus
nicht idealen Umgebung ganz gut einstellten. Sie vertrugen nun ein
ungerechtes Verhalten oder Stimmungsschwankungen der Eltern
wesentlich besser; andererseits wirkte aber die günstige Verände-
rung des Kindes auch auf die Eltern sehr gut. Meistens änderte sich
das Verhalten der Eltern von selbst — auch ohne diesbezügliche Rat-
schläge meinerseits — recht schnell, als das Kind normaler wurde.
Die Eltern leiden ja meist sehr darunter, wenn das Kind sich schlecht
entwickelt und für ihre Liebe nicht empfänglich ist und benehmen sieh
dann gewöhnlich erst recht verkehrt. Häufig kann man dem Kinde
helfen, wenn man die Eltern ändert, aber oft kann man auch den Eltern
helfen, indem man ihre Kinder heilt.
Während im allgemeinen das Bestreben, die Asozialen zu bessern,
Zur psyehoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 373
dem Wunsche entspringt, die Gesellschaft vor ihnen zu schützen, ver-
mag eine erfolgreiche analytische Behandlung nicht nur diese Auf-
gabe zu lösen, sondern auch das Kind, aus dem sonst vielleicht ein
Verbrecher, sicher aber ein unglücklicher Mensch würde, vor einer
traurigen Zukunft zu bewahren. Sie gibt ihm die Möglichkeit, seine
Triebe in sozialer Weise zu befriedigen, seine Anlagen zu entfalten,
vor allem aber mit sich selbst und mit seiner Umwelt in Frieden zu
leben und sich wohl zu fühlen. Man kann mit Recht einwenden, daß
eine analytische Behandlung zeitraubend und daher kostspielig sei.
(Man muß wohl bei schwer abnormen Kindern mit einer Behandlungs-
dauer von ein-zwei Jahren, manchmal sogar mit längeren Zeiträumen
rechnen, wenn man sie vollständig heilen will, — mitunter kann man
aber auch in einigen Monaten einen guten praktischen Erfolg er-
zielen.) Wenn man aber bedenkt, daß durch eine solche Behandlung
das ganze künftige Leben dieses Menschen geändert wird, seine An-
gehörigen vor Kummer, die Gesellschaft vor Schaden bewahrt wird,
so scheint dieser Aufwand gerechtfertigt. Sollte die Gesellschaft, die
soviel Geld ausgibt, um sich und ihre Einrichtungen zu schützen,
nicht auch etwas zur Prophylaxe der Kriminalität tun? Selbst zahlen-
mäßig berechnet, dürften die Summen, die ein Verbrecher dem Staat
an Polizei, Gericht und Gefängniskosten kostet, sowie der Schaden,
den er zufügt, wesentlich höher sein, als der Aufwand für die Heilung
eines asozialen Kindes.
„Irgend einmal wird das Gewissen der Gesellschaft erwachen und
sie mahnen, daß der Arme ein ebensolches Anrecht auf seelische
Hilfeleistung hat, wie bereits heute schon auf die lebensrettende
chirurgische. Und daß die Neurosen die Volksgesundheit nicht minder
bedrohen, als die Tuberkulose und ebensowenig wie diese der ohn-
mächtigen Fürsorge des Einzelnen aus dem Volke überlassen werden
können. Dann werden also Anstalten oder Ordinationsinstitute er-
richtet werden, an denen psychoanalytisch ausgebildete Ärzte ange-
stellt sind, um die Männer, die sich sonst dem Trunk ergeben würden,
die Frauen, die unter der Last der Entsagungen zusammenzubrechen
drohen, die Kinder, denen nur die Wahl zwischen Verwilderung und
Neurose bevorsteht, durch Analyse widerstandsfähig und leistungs-
fähig zu erhalten." 11 )
«) Sigm. FTeud: Woge der psychoanalytischen Therapie, Ges. Sehr. Bd. VI, S. 145/f.
Der Onanie-Abge^öhnungskampf in der Pubertät
Von Michael Bälint, Budapest
Für den unvoreingenommenen Beobachter ist es unverkennbar, daß
in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten Fragen des Geschlechtslebens
viel aufrichtiger als vorher behandelt werden können. Diese Verwand-
lung der hypokritischen Verschleierung in freie Offenheit ist sicher-
lich zu einem erheblichen Teil der Wirkung der Psychoanalyse zuzu-
schreiben. Und trotzdem ist es noch immer kaum möglich, verläßliche
Angaben über die Onanie zu erhalten. Diese Art der Lust, die durch
Selbstbefriedigung gewonnene, scheint demnach ein größeres, gefähr-
licheres Geheimnis zu bilden, als das ganze übrige Sexualleben. Um
dies verstehen zu können, müssen wir die Sexualentwicklung des
Menschen ganz kurz darstellen.
Wie wir seit Freud wissen, wird die erste Periode der mensch-
lichen Sexualentwicklung (sie fällt etwa in das dritte bis fünfte Jahr)
durch einen mächtigen Verdrängungsschub abgeschlossen. Freud be-
schreibt dies als den „Untergang" dieser Blütezeit. Obwohl, besonders
in den letzten 15 — 20 Jahren, sehr viel über diesen Untergang ge-
schrieben wurde, ist unser diesbezügliches Wissen noch nicht zufrie-
denstellend. Sicher ist, daß das Kind vor diesem Schub — im wahrsten
Sinne des Wortes — verliebt ist, und zwar der Sohn in die Mutter, das
Mädchen in den Vater. Diese Verliebtheit ist aber keine glückliche;
erstens bringt sie das Kind in eine äußerst qualvolle Rivalitätsein-
stellung gegen den ebenfalls geliebten gleichgeschlechtlichen Eltern-
teil, zweitens kann sie nie genügend, jede Spannung beseitigend, be-
friedigt werden und drittens verwickelt sich das Kind durch sie in
einen wüsten Knäuel von Ängsten und Befürchtungen.
Wovor das Kind sieh fürchtet, bleibt manchmal dunkel, wie in
Nebel gehüllt Oft aber kann man von ihm erfahren, daß es ihm um
sein Leben bange ist oder um seinen Körper; in diesem Falle würde
die befürchtete Schädigung vor allem die Geschlechtsteile betreffen
Der Ursprung, die Entstehung dieser Ängste, — die durch die Psycho-
analyse als Kastrationskomplex zusammengefaßt wurden — ist noch
nicht genügend geklärt. So will ich nicht näher auf sie eingehen, nur
das für unser Thema wichtigste hervorheben: diese Ängste sind nicht
immer gleich intensiv, sie schwellen an und ebben dann ab; bei ein-
gehender Untersuchung stellt es sich aber heraus, daß ihre Intensität
oft, fast immer, parallel läuft mit der Intensität der sexuellen Impulse,
Gefühle und Aktionen des Kindes. Wird die Eifersucht, die Rivalität
Der Onanieabgewöhnungekampf in der Pubertät
375
intensiver, werden die sexuellen Wünsche mächtiger und besonders,
erlaubt sich das Kind, die von außen umsonst erwartete Befriedigung,
den sexuellen Genuß, selbst zu verschaffen, so wächst die Angst auch
mit, bis sie schier unerträglich wird.
So wird, etwa um das fünfte Jahr herum, diese Periode abgeschlos-
sen und es folgt eine etwas ruhigere Periode: die Latenzzeit, Diese
wird vor allem durch die mächtige Entwicklung der Ich-Funktionen
charakterisiert. Wissen, persönliche Kraft, die verschiedensten Fähig-
keiten wachsen beinahe sprunghaft, so daß aus dem hilflosen Klein-
kind ein fast realitätstüchtiger Mensch resultiert Parallel mit dieser
Entwicklung geht die Aufrichtung und Festigung der Über-Ich-
Funktionen: Scham, Mitleid, Ekel, Gewissen, Moral, Ideale usw. Wäh-
rend dieser Zeit kann man beim Kinde bewußt sexuelle Handlungen
nur selten beobachten; auch in dem Falle, wo sie zweifellos vorhan-
den sind, kann meistens nachgewiesen werden, daß diese Handlungen
vor und nach dieser Zeitperiode, welche eben deshalb Latenz genannt
wurde, viel Öfter betätigt werden. Freud hat die Theorie aufgestellt,
daß die Erziehung eben die Energie der nichtbetätigten sexuellen In-
stinkte benützt, um ihre kulturelle Arbeit zu vollbringen.
Mit Beginn der Pubertät ändert sich das Bild. Die sinnlichen
Bedürfnisse erhalten mit dem Erwachen der Geschlechtsdrüsen neue
Kräfte und auch genauere Ziele. Diese sinnliche Strömung versucht
die alte Richtung gegen die alten infantilen Objekte einzuschlagen,
begegnet aber auf ihrem Wege den neu aufgerichteten Dämmen: vor
allem der Inzestschranke. Die alten Objekte — Vater und Mutter —
dürfen nur zärtlich, idealisiert geliebt werden, sinnliche Wünsche
sind mit ihren Personen unvereinbar. Die Spannung steigt immer
höher und schließlieh bricht sich die Sexualität einen Weg: mittels
der Onanie. Es ist in diesem Zusammenhange nebensächlich, wie sie
entdeckt wurde, ob durch Verführung durch ältere, durch die Auf-
klärungsarbeit von Gleichaltrigen oder durch selbständiges, unab-
hängiges Probieren. Manchmal wird einfach die fertige Form der
schon verlassenen infantilen Onanie wiederbelebt, bei anderen ent-
wickelt sich auf mehr-minder verschlungenen Wegen die eigene spe-
zielle, persönliche Form der Selbstbefriedigung. (Ich kann wohl die
verschiedenen Onanieformen als bekannt voraussetzen. S. übrigens
das Onanie-Sonderheft dieser Zeitschrift, Jg. II.) All dies — obzwar
äußerst wichtig für die Entwicklung des betreffenden Menschen —
kann uns im Rahmen dieses Aufsatzes nicht beschäftigen.
Diese lustbringende .Tätigkeit der Pubertät, die eigentliche Onanie,
ist vielleicht das merkwürdigste Phänomen des kulturellen Sexual-
lebens. Zweifelsohne ist sie in höchstem Maße lustvoll, — es wurde
376 Michael Balint
sogar die Behauptung gewagt, der Koitus sei ein schlechter Ersatz
der Onanie, — sie ist immer hequem zu haben, man braucht zur Lust-
auslösung auch die Mithilfe der Umwelt nicht und trotzdem bringt sie
nie, oder nur selten ungestörten Genuß. Vor allem steht ihr die Ge-
sellschaft sehr feindlich gegenüber. Sicher ist dies zum Teil durch den
allgemeinen Widerstand der Sozietät gegenüber jeder sexuellen Er-
scheinung zu erklären, aber der Widerstand gegen die Onanie ist, wie
ich schon anfangs betont habe, viel mächtiger, viel spezieller. Selbst
die Bezeichnungen für diese Tätigkeit zeigen die Wirkung dieses
Widerstandes. Bekanntlich beging Onan „coitus interruptus" und
nicht das, was wir nach ihm Onanie nennen. Masturbation stammt von
Manustupratio und hat weder mit „Mas", noch mit „Turbation" etwas
zu tun, außerdem kann sie auch ohne Mitwirkung der Hand
ausgeübt werden. Auch der am meisten übliche Name: Selbstbefleckung'
enthält das moralische Urteil Die etwas abgebrauchte wissenschaft-
liche Benennung: Selbstbefriedigung zeigt auch noch diese Tendenz,
in diesem Namen wird die sexuelle Natur nur mitveretanden und nicht
deutlich ausgedrückt.
Dies mahnt uns, daß hier etwas nicht in Ordnung ist, denn man
getraut sich nicht, diese Erscheinung mit einem ordentlichen Namen zu
benennen. Tatsächlich betrachten alle europäischen Religionen die
Onanie als eine der größten Sünden und verbieten sie strengstens. Es
gab Zeiten, in welchen auch die weltliche Gesetzgebung harte Strafen
über den überführten Onanisten verhängte. Die Überbleibsel dieser
Gesinnung sind die vielen populären „Aufklärungsschriften", in wel-
chen als Folgen (fast Strafen) der Onanie Gehirnerweichung, Blöd-
sinn, Rttckenmarkkrankheiten, Geisteskrankheiten, Schwindsucht und
dergleichen in Aussicht gestellt werden. Selbst die heutige Literatur,
die die normale Sexualität, aber auch einzelne Perversionen ganz frei
(vielleicht viel zu frei) behandelt, wird verlegen und begnügt sich
meistens mit blassen, schwachen Andeutungen, wenn sie über die
Masturbation zu sprechen hätte.
Im gesellschaftlichen Verkehr ist die Masturbation nicht erwähn-
bar. Unter Männern kann man höchstens verachtend über sie sprechen,
ungefähr im Sinne des Sprichwortes: Wer eingesteht, der tut's nicht
mehr; wer leugnet, der tut's noch immer! Nur zu Anfang der Pubertät,
sozusagen noch im Taumel der Entdeckerfreuden, kann man, aber auch
dann ausschließlich nur im intimsten Kreise, offen über sie berichten.
Bei Frauen ist das Bild ähnlich, nur gemäß der im allgemeinen viel
mehr zur Verdrängung gezwungenen Struktur der Frauenseele, noch
geheimtuerischer. Nur erwähnen will ich, daß es ziemlich häufig vor-
kommt, daß ganze Schulklassen von Mädchen auf einmal, wie durch
Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät
377
Infektion, zu onanieren beginnen; aber, wie meine Erfahrung zeigt,
kann auch diese Infektion fast ohne Worte, nur durch Beispiel ge-
schehen.
Die Erziehung, die Schule ist der Masturbation absolut feind-
lich. Besonders im Mittelschulalter, während der eigentlichen Puber-
tät, bildet die Selbstbefriedigung die Erbsünde, vielleicht wird sie noch
härter bestraft, als der nachgewiesene Sexual verkehr. Es ist bekannt,
daß in Internaten spezielle Vorkehrungen getroffen werden, um jeden
Onanieversuch (und die eventuellen homosexuellen Versuche) sofort
au entdecken.
Zusammenfassend: die Gesellschaft ist bestrebt, die Onanie mit
allen nur möglichen Mitteln auszurotten. Also ungefähr das gleiche
Verhalten wie gegenüber Per Versionen, mit dem einen Unterschied,
daß man von der Onanie bestimmt weiß, daß sie viel allgemeiner vor-
kommt, deshalb viel wichtiger ist. Woher und weshalb diese Strenge,
dafür bekommen wir nur verschwommene und vor allem medizinisch
absolut nicht stichhältige Erklärungen.
Vielleicht erhalten wir bessere Auskunft vom Onanisten selbst.
Aber auch hier muß man die Erfahrung machen, daß die Antwort
nicht aufrichtig ist. Dieser Umstand ist zum Teil durch die verfol-
gende, verbietende Haltung aller Autoritätspersonen bedingt; die auf-
gezwungene Geheimtuerei, das berechtigte Mißtrauen wird auch vor
dem ehrlich Fragenden nicht ohne weiteres fallen gelassen. Es gibt
nur eine Ausnahme. In der psychoanalytischen Behandlung ruhen wir
so lange nicht, bis es dem Betreffenden gelingt, auch puncto Mastur-
bation über seine Erlebnisse ganz frei zu berichten. Demgegenüber
könnte eingewendet werden, daß die in der Kur in Erfahrung gebrach-
ten Tatsachen nur für neurotisch Kranke gelten. Dieser Einwand ist
nicht stichhältig. Die Psychoanalyse hat lange schon behauptet, daß
es zwischen der seelischen Struktur von Neurotikern und sogenannten
Gesunden keinen prinzipiellen Unterschied gibt, und diese Behaup-
tung wurde durch die Erfahrungen in den Ausbildungsanalysen,
welche bekanntlich für jeden Kandidaten — also auch für die „Ge-
sunden" — obligatorisch ist, vollauf bestätigt.
Was erfahren wir also auf diesem Wege? Erstens, daß in der Pu-
bertät fast ein jeder sich auf diese Weise, während einer mehr-minder
langen Zeit, sexuelle Lust verschafft. Die sehr wenigen, welche es
nicht tun und nachweisbar auch nicht getan haben, sind im allgemei-
nen sehr gehemmte Leute; man bekommt den Eindruck, daß sie leich-
ter als die anderen neurotisch erkranken, wenn sie schon während
der Pubertät nicht krank sind. Mit diesen Leuten macht man in der
psychoanalytischen Behandlung die überaus wichtige Erfahrung, daß
378
Michael Bälint
sie vor dem normalen Geschlechtsleben regelmäßig eine Onanieperiode
durchmachen. Beim sogenannten „Gesunden" hört dann die Onanie bald
oder später auf, sie wird durch den normalen Verkehr überflüssig ge-
macht. Aber solange die Masturbation andauert, hat der Betreffende
fortwährend gegen ein ziemlich drückendes Schuldbewußtsein zu
kämpfen. Nicht nur von außen, auch durch eine innere Stimme wird
diese Befriedigung verboten. Die Versuchung aber ist zu groß, das
Verbotene zu lustvoll, daher kann man selten erfolgreich widerstehen.
Es bricht also ein innerer Kampf aus, mit sehr wechselvollem Verlauf.
Das Bild, das uns die Onanie während der Pubertät, klinisch be-
trachtet, bietet, ist sehr bunt. Es ist nicht übertrieben, wenn man be-
hauptet, es gäbe kaum zwei Menschen, die sich in derselben Weise
befriedigen. Und noch mehr. Auch wenn die äußere Handlung, der
masturbatorische Akt, bei zwei verschiedenen Personen uns fast gleich
erscheint, erfahren wir, falls Möglichkeit zu einer eingehenden, auf-
richtigen Aussprache geboten wird, daß dieselben Handlungen für die
betreffenden Personen etwas durchaus Verschiedenes bedeuten. So
z. B. zeigten zwei meiner männlichen Patienten fast dieselben Onanie-
formen. Sie fesselten sich mehr oder weniger symbolisch und befrie-
digten sich mit der Phantasie, daß sie wehrlos ausgeliefert seien. Bei
näherer Analyse stellte es sich heraus, daß der eine sich als jüngeren
Gymnasiasten phantasierte, der womöglich in ganz enganliegende
Hosen gezwungen wurde und sich nun derselben schämt, weil er viel
erwachsener aussehen möchte. In dieser Lage hat er mit immer sich
steigernder Erregung die Zärtlichkeiten eines größeren Jungen oder
Erwachsenen zu ertragen, bis seh ließ lieh Ejakulation eintritt. Der andere
spielte in der Phantasie die Rolle eines Sklaven, der einer Königin
verkauft wurde und nun alle ihre grausamen Befehle zu vollführen
hat, allen ihren Launen gefügig sein muß; mit dem Ausmalen dieser
halb qualvollen, halb wollüstigen Szenen erfolgte dann die Befriedi-
dung. Auch die bei Mädchen so häufige Klitorisonanie kann ganz
merkwürdige Bedeutungen erlangen. So malte sich eine Patientin
aus, daß diese Handlung an ihr nicht durch sie selbst, sondern durch
eine fremde Hand vollführt werde; sie nimmt daran gar nicht teil,
sie liegt ganz passiv, muß auch ganz still sein, sonst wird ihr Ge-
heimnis entdeckt usw.
Daraus ersehen wir, daß es nicht genügt, die Art und Weise der
onanisti sehen Handlung zu erfahren; um den wahren Sachverhalt, die
ganze Situation übersehen zu können, müssen wir uns auch über den
inneren Sinn der Handlung unterrichten lassen. Diese Unternehmung
ist gar nicht so leicht, wie man es im voraus meinen möchte. Die
Phantasie oder die Phantasien, welche mit der Masturbation verge-
Der Onanieabgewöhnungskampi in der Pubertät
379
sellschaf tet sind und die einzelnen Handlungen erklären, werden mei-
stens als höchstes Geheimnis, also noch viel stärker als die lustbrin-
gende Handlung selbst, gehütet. Es muß schon ein erprobter Ver-
trauensmann sein, dem man diese Gebilde, diese Dichtungen, ohne Ver-
schleierung, ohne Auslassungen, erzählen kann. Da aber erst sie die
Erklärung der Gewissensängste erbringen, will ich hier eine solche
Phantasie ausführlich schildern, und auch einen Teil ihrer Analyse
mitteilen.
Eine Patientin, ein junges Mädchen von etwa 20 Jahren, erzählt mir
in der Kur eine Periode aus ihrem Phantasieleben. Sie nennt sie „die
drei Experimente". Im „ersten Experiment" will sie sich ein Kind er-
ziehen zu dem Menschen, der sie sein sollte. Dazu muß ein Mann aus-
gesucht werden, genial, lebendig, aktiv; Ethik und Moral wird sie
schon selbst dem Kinde beibringen, Sie wird zu dem betreffenden
Manne gehen und dies von ihm fordern. Wenn er ins Freudenhaus
gehen kann, muß er auch ihr dies gewähren. Nachher will sie nichts
mehr von ihm wissen. Dies wird dauern, bis sie 24 Jahre alt sein wird.
Dann folgt das „zweite Experiment". Das Kind interessiert sie nicht
mehr. Nun hat sie als Ziel vor sich, die Männer kennen zu lernen. Von
einem jeden alles bekommen, wozu er nur fähig ist. Sie wird nur so-
lange mit dem Betreffenden zusammenbleiben, bis dies Ziel erreicht
wird: zwei Stunden, einige Tage, eine Woche oder höchstens einen Monat.
Und da von Männern nur dann etwas zu bekommen ist, wenn man mit
ihnen lebt, so will sie mit ihnen leben. Bis sie dann 28 Jahre alt wird,
dann folgt das „dritte Experiment". Ihr eigentliches Ziel ist die Ethik,
die Moral. Aber diese kann man nur dann erreichen und festhalten,
wenn man durch allen Schmutz geläutert hindurchgegangen ist.
Darum wird sie in ein Freudenhaus gehen. Dies ist das schrecklichste,
dem eine Frau sich aussetzen kann. Wenn sie dies vier Jahre lang
aushält und nicht zugrunde geht, dann kann sie von sich sagen, daß
sie sich zur Moral durchgerungen hat.
Die Analyse dieser Phantasiegebilde kann ich hier nur in den
Hauptpunkten geben. Bald hat sich herausgestellt, daß das dritte Ex-
periment chronologisch das älteste war, nachher wurde das erste ge-
bildet und erst dann — sozusagen, um die Lücke auszufüllen — das
zweite. Im dritten ist dementsprechend die Sinnlichkeit nur dürftig
mit der Hülle der Ethik bedeckt. Diese Phantasie — nackt, ohne die
moralische Hülle — ist überaus häufig bei Mädchen; wir kennen sie
als die Prostitutionsphantasie. Die unbestimmte Mehrzahl der Männer
bedeutet — wie wir in den Analysen so oft sehen — immer einen be-
stimmten Mann. Der Grund, warum ich diese Experimente mitteile
ist der Umstand, daß in ihnen dieser eine Mann persönlich (im ersten
380
Michael Bahnt
Experiment) auftritt, was schon viel seltener ist — und noch mehr,
seine Identität ziemlich leicht festgestellt werden konnte. Der Mann
im ersten Experiment war zuerst ein bekannter politischer Führer,
der sehr feurige Artikel schrieb, die zu Hause lebhaft besprochen
wurden. Besonders der Vater, der zur selben Partei gehörte, war be-
geistert für ihn, erhob ihn fast zu einer Idealgestalt und führte eigen-
händig die Tochter zu einem Vortrag, den sein Held gehalten hat.
Später, als die Kritik meiner Patientin selbständig wurde, hat sie
diesen Mann fallen gelassen und Btatt seiner einen weltberühmten
Wissenschaftler zum Helden gewählt. Aber seine Sympathie für die-
selbe politische Bewegung ist allgemein, auch ihr ganz genau, be-
kannt. Es ist klar, daß der einzige Helil, ebenso wie die vielen unbe-
stimmten Männer der Phantasie eigentlich den Vater bedeuten, von
dem sie sich so schwer losreißen kann.
Ich kann hier den überaus wichtigen Satz nicht allgemein beweisen,
daß die Onaniephantasien in der Pubertät ohne Ausnahme die infan-
tilen Sexualobjekte — Vater und Mutter — in verhüllter Form bei-
behalten. Wer schon analysiert hat, der braucht keine Beweise, denn
jeder Mensch, jede Phantasie ist ein Beweis; allen andern gegenüber
muß ich mich mit der bloßen Behauptung begnügen, denn wenn auch
erheblich mehr solche Phantasien hier mitgeteilt und analysiert wür-
den, könnte geantwortet werden, daß dieser Salz für die wenigen,
mitgeteilten Fälle vielleicht richtig, aber noch immer nicht als allge-
mein gültig erwiesen ist. Dieser Satz besitzt außer der theoretischen
Wichtigkeit, eine große heuristische Bedeutung. Erst durch ihn wird
uns das große, nie erlahmende Schuldbewußtsein während des Ona-
nierens verständlich. Der Gewissenskonflikt ist nur zu einem kleinen
Teil durch die Handlung selbst bedingt. Weitaus wichtiger ist in
dieser Beziehung die begleitende Phantasie, welche sich auf uner-
laubte Weise mit den verbotenen, inzestuösen Liebesobjekten be-
schäftigt. Aber auch das feindselige Verhalten der Gesellschaft gegen
den Masturbanten wird erklärlich. Unsere ganze kulturelle Ordnung
wurde und wird auf die Inzestschranke aufgebaut, der Onanist lehnt
sich gegen diese auf, muß also als Revolutionär behandelt, womöglich
schleunigst ausgerottet werden. Besonders befürchtet man, daß er
durch sein Beispiel die anderen zur Nachahmung verführt; deshalb
muß mit aller Strenge gegen ihn vorgegangen werden und besonders
in dem Alter, wo die Kulturschranken noch im Bau sind, d. h. in der
Schule.
Dieser Sachverhalt gibt uns die Erklärung für die Aggression der
Gesellschaft und für den inneren Konflikt des Masturbanten. Diese
zwei Tendenzen, welche gemeinsam aus dem Ödipuskomplex ihren
Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät 381
Ursprung nehmen, haben zum Ziel, das gesamte Sexualleben so weit
xu verbieten, bis es die Inzestschranke zur Kenntnis nimmt und sich
nie wieder gegen sie auch nur das geringste zu unternehmen erlaubt.
Diese allgemein hemmende Tendenz richtet sich nur deshalb gegen
die Onanie, weil sie in der Phantasie — allerdings in verhüllter Form
— an den inzestuösen Objekten noch festhält. Man würde also er-
warten, daß die Onanie umso schneller aufhört, je energischer das
Onanieverbot war und je stärker der innere Gewissenskonflikt ist.
Dies ist aber nicht immer der Fall.
Im Gegenteil, es ist im allgemeinen das Schuldbewußtsein am stärk-
sten bei denjenigen, welche noch immer sehr ausgiebig masturbieren,
und bei solchen, welche ziemlich früh mit der Onanie aufgehört haben,
war das Schuldgefühl während der Pubertät viel schwächer und blieb
viel schwächer. Es muß also noch ein mächtiger Faktor am "Werke
sein. Sehr oft hört man, daß das Befriedigungsgefühl nur dann stark
genug ist, wenn die Masturbation, trotz des schwer lastenden Schuld-
bewußtseins, dennoch vollbracht wurde. Bei solchen Leuten hilft keine
noch so strenge Strafe. Je größer, je gransamer die Drohung, desto
größer die Lust, desto stärker die Versuchung.
In manchen Fällen artet diese Situation in Verwahrlosung und
Kriminalität aus, es werden kleinere Verbrechen begangen, haupt-
sächlich Diebstahl und Einbruch. Sicherlich ist dies die eine triebhafte
Quelle der ziemlich hau fügen organisierten Räuberbanden Halbwüch-
siger. Die verbrecherischen Unternehmungen enden sehr oft in ge-
meinsamen masturbatorischen (eventuell auch genital geschlechtlichen)
Exzessen, welche erst durch das mit Hilfe des Verbrechens in die
Hohe gesteigerte Schuldbewußtsein befriedigend wirken. Noch häu-
figer begegnen wir mehr oder weniger verbrecherischen Onaniephan-
tasien, besonders bei Jungen. Ich verweise nur auf die weltberühm-
ten Kinder geschichten von Mark Twain: Tom Sawyer, Huckleberry
Finn. Ein Beispiel aus meiner Praxis: die übliche Phantasie während
vieler Jahre der Pubertät war, daß der Patient in das Haus des reichen
Mannes einbricht, alle seine Schätze glücklich entwendet; beim Fort-
gehen bemerkt er die schlafende Tochter des bestohlenen Reichen und
notzüchtigt sie.
Diese Phantasie zeigt schon, woher die verbrecherischen Impulse
und dieses paradoxe Schuldgefühl die Energie beziehen: aus dem
Kastrationskomplex. Der reiche Mann, der nicht nur die Schätze, son-
dern auch die Frauen in seiner Macht hält, ist der Vater. Der Knabe
muß zuerst seine Macht brechen — seine Schätze rauben — ihn un-
schädlich machen, bevor er sich an ein weibliches Wesen heranwagen
darf. Im allgemeinen ist dies der unbewußte Mechanismus aller Dieb-
382
Michael B&lint
stähle, Verbrechen usw. im Pubertätsalter. Die Phantasien der Kna-
ben, — gleichwohl, ob sie die Onanie begleiten oder scheinbar harm-
lose Tagträumereien sind — werden fast immer nach diesem Muster
aufgebaut. Am Anfang steht der Kampf gegen einen mächtigen
Feind, gegen Ungeheuer, es sind fast übermenschliche Aufgaben zu
lösen und erst am Ende wird es klar, daß dies alles um ein Mädchen oder
eine Frau geschehen ist. Die Analyse dieser Gebilde deckt hinter dem
Kampfe immer die Revolution gegen Autoritäten auf und diese Auto-
ritäten lassen sich auf das eine Verbot reduzieren: -du darfst nicht mit
deinem Geschlechtsteil spielen, sonst geschieht dir Böses. Die Phan-
tasie bringt den Triumph über diese verbietenden Mächte.
Bei Mädchen spielt fast dieselbe Rolle die Phantasie des Kinder-
kriegens (siehe oben: „die drei Experimente"), meistens gepaart mit
der Beseitigung einer bösen Rivalin. Die Analyse zeigt hier die noch
ungelöste Bindung an den Vater. Es ist schier unglaublich, wie viele
erwachsene Frauen noch immer fest überzeugt sind, sie könnten durch
exzessive Onanie schwanger werden, sogar ein Kind gebären, aller-
dings einen Krüppel. Bei sehr vielen Frauenkrankheiten kann man
ähnliche Mechanismen aufdecken, so entpuppen sich Dysmenorrhoe
und Fluor manchmal als Strafen, die Sterilität als Folge dieser schuld-
beladenen Phantasien.
So sehen wir, daß dieselben Kräfte, welche auf die erste Periode,
auf die Infantilzeit der Sexualität eine so verhängnisvolle Wirkung
ausübten, auch während der Pubertät in derselben Richtung arbeiten.
Das Inzestverbot will die ursprünglich begehrtesten Sexualobjekte
unnahbar machen, selbst sinnliche Gedanken, Wünsche, welche sich
auf sie beziehen, sind für immer unmöglich, peinlich geworden. Die
Kastrationsangst richtet sieh gegen jede unerlaubte sexuelle Hand-
lung und bedroht den Heranwachsenden mit Verstümmelung, schwerer
körperlicher Schädigung im Falle des Nichtgehorchens. Diese beiden
Verbote bedrohen jeden Onanieakt und lassen ihn gefährlich ersehei-
nen. Manchmal gelingt es ihnen, die Selbstbefriedigung nach kurzer
Dauer zu unterdrücken. Bald bekommt es aber die Masturbation mit
noch einem Gegner zu tun.
Inzwischen ist nämlich eine wichtige Entwicklung vor sich ge-
gangen. Sexualität bedeutet ursprünglich Zweigeschleehtlichkeit, erst
die Untersuchungen Freuds haben uns gelehrt, ihr Gebiet zu verallge-
meinern. Soweit wir die lebende Welt überblicken können, fühlt das
eine Geschlecht sich von dem andern angezogen. Diese Anzie-
hung ist der mächtigste Gegner der Onanie. Wer halbwegs gesund
ist, dem bedeutet der Geschlechtsakt einen viel größeren Genuß als
die Selbstbefriedigung. Im allgemeinen dürfte bei Jungen die Ab-
Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät 383
lösung von der Onanie sich so vollziehen, daß sie eine Zeit lang sieh
selbst befriedigen, dann den Koitus versuchen, vielleicht verläuft der
erste nicht ganz befriedigend, der nächste gelingt schon besser und so
hört langsam die Masturbation auf.
Die Pubertätsonanie hat also einen sehr wichtigen Platz im nor-
malen Entwicklungsgang der Sexualität. Durch sie wird erst das
Primat der Genitalzone endgültig befestigt, vereinigt sie doch in einem
einzigen genitalen Akt (bzw. in der den Akt begleitenden Phan-
tasie) alle objektgerichteten, sinnlichen Strömungen. Dieser Akt ist in
der Ausführung zweifellos autoerotisch, in der Phantasie hingegen
— ganz wenige Ausnahmen abgerechnet — objektgerichtet. Diese
Objekte sind zwar — wie eine eingehende, Analyse gesetzmäßig zeigt
— noch die ursprünglichen, inzestuösen, sie weisen aber schon Züge
auf, die von fremden Objekten herstammen. So verstehen wir, warum
die Masturbation eine fast allgemeine Erscheinung der Pubertät bildet,
und auch, wieso die ganz vereinzelt wenigen, die während dieser Zeit
nachweisbar nie onaniert haben, im allgemeinen neurotisch krank
sind, oder die Disposition für eine spätere Erkrankung schon in sich
tragen. (Für die Mädchen kann ich dies nicht mit derselben Sicherheit
behaupten wie für die Jungen, muß aber bemerken, daß ich die weni-
gen Fälle, die mir diese Unsicherheit verursachen, nicht einwandfrei
beobachten konnte.)
Zusammenfassend können wir sagen, daß das Aufhören der Puber-
tätsonanie immer einen Kampf bedeutet. Auf der einen Seite steht der
immer bereite, ohne Anstrengung bequem erreichbare Genuß, die
immer das vollkommen fehlerlose Objekt bietende Phantasie, auf der
anderen die Anziehung des anderen Geschlechts, das Schuldbewußt-
sein, die verschiedenen (Kastrations-) Befürchtungen.
Die hier anzuführenden Beispiele entstammen meistens meiner neu-
rologischen Praxis. Wie ich aber schon oben betont habe, unterschei-
den sich die Gesunden von den Kranken nicht prinzipiell. Bei ihnen
kann man dieselben Erscheinungen beobachten, nur spielt sich dieser
Kampf für die Außenwelt fast unbemerkt ab, erst bei auftauchenden
Schwierigkeiten, und auch dann nicht immer, erfährt man etwas
von ihm. Man hat den Eindruck, daß alles glatter geht; aber dies be-
deutet nicht, daß heim später normalen Menschen während der Pu-
bertät keine Stürme, kein verzweifeltes Ringen vorhanden und even-
tuell auch zu beobachten wären.
Mit Rücksicht auf die Darstellbarkeit muß ich bei der Besprechung
dieses Abgewöhnungskampfes etwas schematisieren. Beim ersten
Typus, den ich den „zwangsneurotischen 1 ' nennen möchte, scheint es,
als ob der Kampf (partiell) schon entschieden wäre. Die masturba-
384 Michael Bahnt
torische Handlung ist noch frei, die Phantasie aber wird immer ärm-
licher, auf nur blasse Andeutungen reduziert, Es entstehen merkwür-
dige Spaltungen, Mängel, welche dein Betreffenden gänzlich entgehen
und erst durch den Reflektor der Analyse ans Licht gebracht werden.
So wurde bei der schon erwähnten Patientin die ganze Phantasie auf
die Vorstellung einer „fremden Hand" reduziert. Bei Knaben ist es
sehr häufig, daß die phantasierte Partnerin nur ganz verschwommen
dargestellt wird, besonders der Kopf fällt dieser Tendenz zum Opfer
(jemand nannte sie „die Dame ohne Kopf), vielfach erscheinen nur
die Genitalien; alles übrige nur wie in Dunst gehüllt. Dieser Prozeß,
die Verdrängung, geht immer weiter, trennt manchmal die Phantasie
von dem onanistischen Akt ganz ab, so daß der Betreffende sich nur
zu verschiedenen Zeiten zu onanieren oder zu phantasieren erlaubt,
manchmal sogar wird alles bewußte Phantasieren unterdrückt. So
entsteht eine bloß körperliche Onanie, ohne lusterzeugende Vorstel-
lungen. Charakteristisch ist für diese Vorgänge, daß sie vollkommen
unbemerkt (unbewußt) vor sich gehen. Der Betreffende weiß nichts
von ihnen.
Nun aber bricht der Endkampf los. Diesmal geht es direkt gegen
die onanistische Handlung. Der Kampf beginnt gewöhnlich mit dem
„einfachen Entschluß": nie mehr! Dann kommt der „feste Entschluß",
das sich selbst gegebene Ehrenwort usw. usw. Langsam wird es klar,
daß es so einfach nicht gehen wird. Es folgt also die Terminsetzung.
Vom ersten des nächsten Monats, von Neujahr an wird nicht mehr
onaniert. Es beginnt eine neue Ära, alles Alte wird beiseitegeworfen,
man wird tabula rasa machen usw. Man muß aber mit der Zeit ein-
sehen, daß all dies nur hochtrabende Wünsche sind. Man begnügt sieh
dann mit dem viel bescheideneren Vorsatz, möglichst lange ohne
Masturbation auszuhalten. So schaffte sich ein Patient — einen Ka-
lender an und bezeichnete darin die ereignisvollen Tage mit selbst-
erfundenen Hieroglyphen, die für andere unverständlich waren und
dadurch einen Verrat des Geheimnisses absolut unmöglich machten.
Die Ereignisse waren Koitus, Onanie und Pollution. Er rechnete aus,
wie lange er ohne Onanie ausgehalten hatte, wenn er in der Zwischen-
zeit zweimal, einmal oder gar keinmal Verkehr pflegte oder Pollution
hatte. Es wurden dann Standardzeiten und Rekorde aufgestellt. Die
Stimmung schwankte natürlich, je nachdem er die Rekorde ausbesserte,
oder im Gegenteil selbst die Standardzeiten nicht einhalten konnte.
Ein anderes Mittel, dem Vorsatz zu helfen, wird durch die Selbst-
bestrafungen gegeben. Es werden verschiedene Strafsätze beschlossen,
je nachdem Ejakulation eingetreten war oder nicht und mehr oder
weniger streng eingehalten. Ein weiteres Mittel sind die Vermeidun-
Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät 385
gen, man könnte sagen Tabus. Bestimmte Handlungen werden ver-
boten, um die Onanie durch sie nicht heraufzubeschwören. So mußte
eine Patientin vor dem Schlafengehen eine Zeit lang ruhig liegen und
nichts machen, nicht lesen, nicht sprechen, sogar nicht denken. Da
dieses Zeremoniell nicht ganz zuverlässig wirkte, so wurde es immer
mehr ausgedehnt. Schließlich mußte sie dieses absolute Nichtstun um
sechs, sogar um fünf Uhr nachmittags beginnen. Ein ähnliches Hilfs-
mittel, aber mit entgegengesetztem Vorzeichen, bilden die positiven
Gebote: bestimmte Handlungen sind in bestimmter Eeihenfolge oder
Anzahl zu vollführen. Der Zweck ist, dadurch die Masturbation un-
möglich zu machen. Hieher gehört auch der symmetrische Berührungs-
zwang (der Geschlechtsteil ist in Einzahl vorhanden). Ein ähnlicher
Verschiebungsmechanismus erklärt die Bedeutung der geraden Zahlen
für die Handlungen. So entwickelte ein Patient ein sehr kompliziertes
System für sein tägliches Waschen, welches sogar auf die Vier zahl
basiert wurde. Überhaupt bietet das Waschen ein sehr oft in Anspruch
genommenes Gebiet für solche positive oder negative Vorschriften.
Nicht selten kann man direkte Schulbeispiele der Wiederkehr des
Verdrängten hier beobachten.
Eine Patientin entwickelte in der Pubertät einen symmetrischen
Berührungszwang, gepaart mit einem strengen Verbot gegen die Be-
rührung der Genitalien. Die Onanie hörte damit vollkommen auf.
Nicht lange danach wurde für sie die Reinlichkeit sehr wichtig, wie
die Analyse aufdeckte, auch als Entsühnung der vorhergegangenen
Onanieperiode. Sie dachte viel nach, wie sie sich zu waschen habe,
um das Gefühl der vollkommenen Reinlichkeit zu erreichen. Es wur-
den verschiedene Systeme ausgebaut, alles mit Aufrechterhaltung des
Berührungsverbotes der Genitalien. Beim Nachdenken mußte sie sich
aber eingestehen, daß dies nicht richtig sein kann, denn eben diese
Teile ihres Körpers sind die eigentlich schmutzigen, besonders wegen
der Möglichkeit des Beschmutzens mit Kot und Urin. Folglich müssen
diese mit besonderer Sorgfalt rein gehalten werden. Das Berührungs-
verhot wurde also logischerweise durchbrochen und das Waschsystem
auch auf die Genitalien erweitert. Es mußten aber natürlich verschie-
denfarbige Waschlappen, Handschuhe und Handtücher verwendet
werden, um eine Verwechslung derselben mit Sicherheit ausschließen
zu können. Selbstverständlich hat sie mit der Zeit die Genitalien be-
sonders intensiv gewaschen. Endlich kam sie darauf, daß es nicht
genügt sich zweimal täglich — morgens und abends — zu baden, denn
bei jedem Urinieren oder Defäzieren ist die Gefahr des Beschmutzt-
seins gegeben. Folgerichtig mußte sie sieh nach solchen Gelegen-
heiten gründlichst waschen und dann auch noch irrigieren. So hat sie
Zeitschrift f. paa. Päd., VII 1/11/12 27
386 Michael Bälint
sich — zur Zeit als sie mich zur Behandlung aufsuchte — fast den
ganzen Tag mit ihren Genitalien beschäftigt (unbewußt onaniert), nur
um die bewußte Onanie sicher vermeiden zu können.
Den anderen Typus des Abgewöhnungskainpfes möchte ich den
„hysterischen" nennen. Hier richtet sich der erste Angriff gegen die
Handlung, die Phantasietätigkeit bleibt noch lange erlaubt oder ge-
duldet. Es ist bekannt, wie gerne die Hysteriker sich mit Phanta-
sieren, mit Tagträumereien beschäftigen. Auch hier ist der erste
Erfolg des Verdrängungsschubes fast unbemerkt, die genitale Onanie-
handlung verschwindet oder verliert ihre Wichtigkeit, man weiß kaum
wann und wie. Was man gut beobachten kann, sind die enorm vielen,,
proteusartig sich ändernden extragenitalen Onanieäquivalente. Es
gibt nicht einen Teil des Körpers, welcher nicht in den Dienst der
Selbstbefriedigungstendenz gestellt werden könnte, oder wissenschaft-
lich ausgedrückt: auf welchen die Onanie nicht verschiebbar wäre.
Vielleicht ist die beste Darstellung das Aufzeigen der Reihenfolge»,
wie sich das Onanieäquivalent von der eigentlichen, genitalen Onanie,
immer weiter entfernt. Zuerst wird die Rolle der Hand unterdrückt;
bei dieser Form ist die Onanienatur noch unverkennbar: rhythmi-
sches Zusammenpressen der Schenkel, das Liegen und Rollen auf
dem Bauch, das Sitzen auf der Ferse; etwas verhüllter ist das Zit-
tern mit den Füßen, das Kreuzen der Beine usw. Oder es werden nur
die Genitalien gemieden und die Hände beibehalten: man reibt oder
kratzt sich — eventuell nur durch die Kleider — am Damm oder in
den Schammhaaren ; man steckt die Hände in die Hosentaschen und,
klirrt dort mit Geld oder mit den Schlüsseln. Dann kommen die be-
nachbarten erogenen Zonen an die Reihe. Viele Obstipationen können
darauf zurückgeführt werden, daß der harte Stuhlgang eventuell Eja-
kulationen — ohne Schuldgefühl — verursachen kann. Dies kann
durch die verschiedensten Spielereien (so z. B. Handhilfe beim sehr
harten Stuhl) zur direkten analen Onanie führen. Auch harmlosere
Formen gehören hieher, so z. B. das Lesen auf der Toilette. Die
urethrale Zone kann gleichfalls das Ziel dieser Verschiebung sein.
Der Harn wird zurückgehalten, dadurch Erektion, vielfach auch Eja-
kulation hervorgerufen. Auch die Frauen sind große Meister im Zu-
rückhalten des Harns und des Stuhlganges, angeblich aus Schaui-
haftigkeit, was meistens mit einer sehr aufregenden Situation endet.
Es ist sehr merkwürdig, daß manchmal damit auch der Hauptakzent
des Schamgefühls verschoben wird. Eine Patientin erzählte in der
Analyse ohne besondere Schwierigkeiten, wie man sie einmal per
vaginam ärztlich untersucht hatte, brauchte aber mehr als eine
Woche, bis sie endlich, nach sehr hartem Ringen, sich entschließen
Der Onanieabgewülmungskampf in der Pubertät
387
konnte, einzugestehen, daß sie zur selben Zeit auch per anum unter-
sucht wurde.
Bei noch weitergehender Verschiebung ergeben sich die verschie-
densten Arten der Äquivalente: das Spielen mit den Lippen, mit dem
Mund, das Bleistiftkauen, Nasenbohren, Nägelkauen usw. Besonders
wichtig ist das Kratzen. Bekanntlieh wurden in früheren Zeiten ver-
schiedene Werkzeuge für diese Beschäftigungen fabriziert (Krücken
für das Kratzen, taschenmesserartige Bohrer für Ohren, Zähne usw.).
Dies alles sind Handlungen, welche jeder Erzieher als Unarten
verbietet. Sie sind natürlich sehr häufig während der Pubertät. Und
merkwürdig, selbst ein äußerst renitenter Junge, welchem nichts
auf der ganzen lieben Welt imponieren kann, wird plötzlich klein-
laut, wenn man ihn bei solchen Unarten ertappt. Dies wäre ohne den
vorher erwähnten Zusammenhang unerklärlich. So aber ist es eines der
schönsten Beispiele, wie gut die Menschen ihr Ich verstehen. Die Er-
zieher wissen, diese Unarten stellen eigentlich onanistische Akte dar,
folglich sind sie zu verbieten und die Heranwachsenden reagieren so,
als ob sie bei einer wirklichen Onanie ertappt worden wären.
Ungefähr hier ist der Scheideweg, Was bisher besprochen wurde,
kann noch in gesundem Sexualleben enden, wie in Krankheit münden.
Mit einem Unterschied! Bei denjenigen, für welche der Weg in die
normale Sexualität offen ist, welche nicht zu intensiv an den infan-
tilen Befriedigungsarten oder an den inzestuösen Objekten fixiert
sind, scheint der Kampf von Anfang an weniger erbittert zu sein. Das
Ich ist wahrscheinlich entwickelter, besser organisiert und sichert
sich nach kurzem Hin und Her die Herrschaft. Die einzelnen strate-
gischen Punkte, um welche kurz vorher noch so heftig gerungen
wurde» verlieren ihre Wichtigkeit, die Sexualität sucht sich andere
Abfuhrmöglichkeiten, vor allem die realen Objektbeziehungen. Der
Flegel ist nicht mehr unbeholfen, kaut nicht mehr an seinen Nägeln,
muß nicht mehr beim Waschen ängstlich achtgeben, damit er mit einem
jeden Körperteil nur während der ihm gebührenden Zeitspanne sich
beschäftige usw. Ebenso hockt der Backfisch nicht länger in einer
Ecke verträumt, seinen Bleistift kauend, oder in der Nase bohrend,
traut sich endlich beim Waschen auch die Geschlechtsteile zu berühren
usw. Und was das Wichtigste ist, sie verstecken sich nicht mehr vor-
einander, im Gegenteil sie suchen sich gegenseitig und es beginnt die
Zeit der Flirte, der Küsse, der Liebe.
Die Herrschaft des Ichs ist aber auch später, in der Zeit der voll-
entwickelten Genitalität, nur selten vollkommen. Obwohl die charak-
teristischen Erscheinungen der Pubertät — die Zeichen des Onanie-
abgewöhnungskampfes — aus dem Vordergrund verschwinden und
27*
388 Michael Bälint
obwohl das zielbewußte Ich das vorher noch unsichere Gebiet pazi-
fiziert hat, können in einzelnen unnahbaren Felscnnestern kleine
feindliche Gruppen isoliert und zurückgezogen ihr Leben fristen. Das
Ich spielt auch hier, wie sonst immer, den Vermittler. Vor sich selbst
versucht das Ich diese Überbleibsel der Onanieperiode zu entschul-
digen: 3a, ja, das Ganze ist nicht wichtig, reden wir lieber nicht davon.
Nach außen hin ist das Ich bestrebt, diese Gewohnheiten zu decken,
sie schamhaft zu verheimlichen. Diese Überbleibsel sind allgemein be-
kannt, obwohl man sich solche Genüsse nur zu sicheren Zeiten, wenn
man sich allein weiß, zu erlauben pflegt. Hierher gehören; die sehr
häufigen, meistens sehr starren Schlaf- und Waschgewohnheiten; das
Hcrumbohren zwischen den Zähnen nach den Mahlzeiten oder das
Bohren in der Nase, im Ohr, dann das Kratzen, das Reiben, dann die
vielen möglichen und unmöglichen Spiele mit der Uhrkette, mit dem
Spazierstock, mit dem Schlüsselbund, mit den Haaren usw. usw. AU
diese Dinge sind sozusagen Sicherheitsventile, sie erlauben eine kleine
Dosis von Onanie und sichern dadurch das normale Geschlechtsleben.
Hier ist nicht der Ort, die äußerst interessanten Zusammenhänge
zwischen den individuellen Onaniefonnen und den individuellen neu-
rotischen Symptomen zu behandeln. Auch kann ich nicht darauf ein-
gehen Neurose und Normalität, von unserem Standpunkte aus gesehen,
gegeneinander abzugrenzen. Ganz allgemein kann gesagt werden, daß
der Normale nach einer Zeit die Masturbation abbaut, daß der Neu-
rotiker dagegen dessen nicht fähig ist und daher sich gegen die
Onanieversuchung zu wehren hat. Die Abwehr geschieht entweder in
Tabu- Vorschriften (zwangsneurotischer Typ), oder in dem Verwan-
deln der lust vollen Handlung in unlust volle (hysterischer Typ). Es
gibt aber auch einen dritten Ausgang: das Verbleiben bei der Onanie.
Diese Leute — die sogenannten Onaniecharaktere — weisen viele
gemeinsame Züge auf, obwohl die Wurzeln ihrer Krankheit recht ver-
schieden sein können. Das Wesen dieses Typus ist, daß sie — wie
sehr sie es auch immer und immer wieder versuchen mögen — von
dieser Befriedigungsart nicht ablassen können. Die häufigste Ur-
sache ist die starke, nicht gelöste Liebe an das inzestuöse Objekt. Ein
solcher Mann versucht zwar sich zu verlieben, zieht aber rasch die
Folgerung: es lohnt sich nicht und kehrt zur gewohnten Selbstbefrie-
digung zurück. Meistens lebt er mit seiner Mutter oder einer anderen
weiblichen Verwandten zusammen. (Einer meiner Patienten nahm sich
nach dem Tode seiner Mutter ein Zimmer in Untermiete bei seinem
verheirateten, älteren Freunde und folgte Jahrzehnte lang dem Ehe-
paar treu in jede neue Wohnung.) Das Mädchen erlebt nicht selten
eine große Liebe, „die Liebe ihres Lebens", wird enttäuscht und ver-
Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät
389
bleibt als alte Jungfer in der Familie. Nicht so selten endet die Liebe
mit einem Verhältnis, aber niemand erfährt etwas davon, auch die
nächsten Angehörigen nieht, ebensowenig wie von der zeitlebens
dauernden — eventuell mehr oder weniger lar vierten — Onanie.
Diese Leute finden und behaupten auch ziemlich gut ihren Platz im
Leben, nur sind sie meist voller Schrullen, das Bild der alleinstehen-
den Sonderlinge.
Die zweite Wurzel für das Verbleiben bei der Masturbation ist die
Angst — Kastrationsangst — vor dem anderen Geschlecht. Diese ist
nie allein wirksam, aber oft ist sie die wichtigste. Solche Männer möch-
ten zwar Verhältnisse haben, trauen sich aber nicht. Der selbst einge-
standene Grund ist meistens Furcht vor Ansteckung (Syphilidophobie
usw.), nicht selten aber auch die unverhüllte Kastrationsangst — wie
Furcht vor Vaginismus, die Phantasie vom Penis captivus usw. Die
Frauen geben als Grund ihrer Ängste an: Verbluten bei der Deflo-
ration, die Furcht vor Schmerzen beim Koitus und besonders vor Ge~
bärsehmerzen.
Die Folge der perennierenden Onanie ist das Erstarken des sekun-
dären Narzißmus, das eigentlich Charakteristische dieser Art Men-
schen. Sie können ihre Libido in der Außenwelt nicht unterbringen,
so wird das eigene Ich damit besetzt. Alles was mit ihnen irgendwie
zusammenhangt, wird äußerst wichtig, äußerst wertvoll (übrigens
auch eine Pubertätseigenschaft). So hob ein Patient jedes Stückchen
Papier, jede Erinnerung, die auf ihn selbst Bezug hatte, sorgsam auf;
er wird sicher ein weltberühmter Mann werden, alle diese Dinge wer-
den dann unerhörte Werte repräsentieren. Die gleiche Wertschätzung
wird auch auf die Körperprodukte ausgedehnt, beim Manne vor allem
auf den Samen. Selbstverständlich kann man diese wertvolle Flüssig-
keit nicht dem ersten besten Weibe anvertrauen, so wird das Nicht-
liebenkönnen nachträglich noch rationalisiert. Auf der anderen Seite
wird die Fähigkeit, unlustvolle Spannungen zu ertragen, beträchtlich
vermindert. Bei jedem unliebsamen Ereignisse steht der Weg offen:
zu der immer bereiten, immer trostvollen Onanie. Dadurch nimmt das
nach außen gewendete Interesse stetig ab, der Mensch hat keine Aus-
dauer, wird weich, nachgiebig, widerstandslos. In der Gegenwart des
anderen Geschlechts kann er oder sie sich nicht richtig benehmen,
wird verstört, unbeholfen oder überkompensierend aggressiv. Dabei
hat er dauernd gegen Gewissensbisse zu kämpfen, er vergeude sein
Leben, sei ein Nichtsnutz usw. Es folgen Zeiten großen Aufschwungs,
die Onanie wird verpönt, etwas mit großem Schwung begonnen, bis
beim ersten Hindernis alles wieder zusammenbricht. Der Typ dieser
Leute ist der ewige, armselige Peter Schlehmihl!
390 Michael Bälint
Wir sind am Ende unseres Weges. Wir haben gesehen, was die
Pubertätsonanie in der Sexualentwicklung bedeutet, wie sie entsteht
und wie sie vergeht, bzw. wie sie fixiert bleibt. Jetzt können wir die
zwei Fragen beantworten: ist sie schädlich und was haben wir gegen
sie zu tun? Da, wie wir es gesehen haben, alle Leute eine Onanie-
periode in ihrem Leben durchlebt haben, so kann sie an sie h nicht
schädlich sein. Ob die übertriebene Onanie dem Körper überhaupt
schaden kann, wissen wir noch nicht mit Sicherheit, obwohl manches
für die Schädlichkeit der exzessiven Onanie spricht. (Siehe die Wiener
Diskussion über die Onanie.) Seelisch kann sie schädlich werden,
wenn sie auch noch nach der Pubertät häufig ausgeübt wird. Den
Mechanismus dieser Wirkung haben wir oben besprochen: sie fixiert
einerseits den Menschen an seine infantilen Sexual Objekten und an
eine infantile Form der Befriedigung, andernteiU vermindert sie
die maximale, noch zu ertragende Spannung.
Auch die Frage der Behandlung läßt sich auf Grund der obigen Er-
wägungen beantworten. Da alle Menschen während der Pubertät
masturbieren, sollen die wenigen, bei denen dies zufällig entdeckt
wurde, nicht bestraft werden. Auch nicht — - sub titulo ärztlicher Be-
handlung — mit hartem Lager, karger Kost und Kaltwasserabgießun-
gen. Lediglich sind die Eltern — wenn notwendig über die Harm-
losigkeit der Onanie aufzuklären. In diesem Falle ist es ratsam, sie
einzeln vorzunehmen; ohne Zeugen sind sie viel zugänglicher und
gestehen nicht selten, daß sie selbst anno dazumal, sich so etwas er-
laubt hatten.
Gänzlich anders ist die Situation, falls auch weitere beunruhigende
Zeichen vorhanden sind. So: Verschlossenheit, Lernhcmmungen,
Asozialität, mangelndes Interesse usw. Genau dieselbe Beden jung hat
es, wenn die Onanie auch nach der Pubertät überwiegend oder voll-
kommen das Feld beherrscht. Nur in diesen beiden Fällen ist eine
Behandlung angezeigt. Aber man soll nicht vergessen, daß die
Selbstbefriedigung, auch die exzessive, an sich noch keine Krankheit
ist, sondern nur ein Zeichen, daß die Sexualentwicklung irgendwie
gestört ist. Unsere erste Aufgabe muß sein, diese Störung aufzudecken.
Also vor allem: nie dieOnanie verbieten, denn so ein Ver-
bot nützt nichts; ebensogut könnte einem Magenkrankon das Er-
brechen, einem Darmkranken der Durchfall, einem Lungenkranken
das Husten verboten werden. Dann soll man mit dem Ona nisten prin-
zipiell nur unter vier Augen sprechen und trachten, sein Vertrauen
zu gewinnen. Unser Ziel soll sein, ihm zu ermöglichen, uns alles zu
erzählen. Nicht nur die onanistische Handlung, sondern auch, wie er
sieh während dessen fühlt, also den Genuß, wie auch die immer vor-
Der Opanieabgewöhnu ngskampf in der Pubertät 391
handenen Ängste, überhaupt seine ganze Einstellung gegenüber der
Masturbation. Wenn uns dies gelingt, so haben wir schon sehr viel
erreicht: wir haben nämlich die Kastrationsangst erheblich vermin-
dert, da wir als Autoritätspersonen all dies ohne Strafe, ohne Predigt,
einfach teilnahmsvoll angehört haben. Dann können wir versuchen,
ihn dazu zu bewegen, auch die begleitenden Phantasien zu erzählen.
Dies ist bei weitem die schwierigere Aufgabe und wird — als ein-
fache pädagogische Maßnahme — nicht immer gelingen. Ich kann die
Versicherung geben, daß dies auch in einer regelrechten Analyse sehr
mühsam ist und oft erst nach langem Ringen gelingt.
So rate ich dem Pädagogen, hier nicht zu energisch vorzugehen
und eventuell lieber sich mit halbem Erfolg zu begnügen. Besonders
warne ich vor vorschnellen Deutungen, welche nur auf theoretischer
Vorbildung und nicht auf dem zutage geförderten Material basiert
sind. Ansonsten kann es sehr leicht passieren, daß Menschen, die sich
langsam geben, auf immer verscheucht werden, wodurch für sie eine
wertvolle Hilfe verloren geht.
Falls diese Maßnahmen keinen Erfolg bringen, so ist dies ein Zei-
chen dafür, daß die Störung zu ausgebreitet ist und deshalb nicht
pädagogisch erledigt werden kann. Statt weiterer erfolgloser Ver-
suche ist es dann für den Pädagogen nützlich zu gestehen, daß die
eigenen Mittel nicht mehr ausreichen und die Eltern zu bewegen, das
Kind analysieren zu lassen.
Schließlich ist jedes Vorgehen richtig, wenn es unter der Devise
der Aufrichtigkeit geschieht. Der Heranwachsende soll hören und
auch aus unserem Benehmen fühlen, daß wir ihn verstehen wollen,
aber auch, daß wir bestrebt sind, ihm vorwärts zu helfen. Weder wir,
noch unsere Schutzbefohlenen sollen aus den Augen verlieren, daß
die Onanie natürlich ist, aber nur für eine Zeit; sie ist nur eine Stufe
in der Sexualentwicklung und nicht die beste Lösung. Die beste Lö-
sung ist die Liebe und um diese zu erreichen, lohnt es sich, manches
zu erlernen und eventuell auch vorübergehend Unlustvolles zu er-
tragen.
in i iiifiiiimiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiii tmiiiiiiiit ihm iiiii-iiiiiiinii: ;> i-mi mmi -n .mi:.. - m ihm m i ,-i--.|i ui i.in niiMMii u iihuir
Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse
in Amerika 1
Von Clinton P. McCord (Albany, N. Y.)
Im Mai 19B1 veranstalteten die American Psychiatric Association
und die American Psychoanalytical Association eine gemeinsame
Tagung in Toronto; dort trug ich meine Arbeit „Der Stand der Kinder-
analyse und ihre Bedeutung für Psychiatrie und Child Guidance" vor.
Ich wollte damit die Aufmerksamkeit auf diesen neuen, den meisten
wohl unbekannten Zweig der Psychoanalyse lenken, die Kinderanalyse
von allgemeinen Gesichtspunkten aus besprechen und die Frage
stellen, ob und wieweit sie bereits in U. S. A. ausgeübt wird. Inzwi-
schen sind in Fachzeitschriften und Magazinen wiederholt Beiträge
zu diesem Thema veröffentlicht worden. Nicht alles von dem, was dort
mitgeteilt wird, würde die Zustimmung des europäischen, analytisch
geschulten Lesers finden. Aber unter den amerikanischen Kinder-
psychiatern und Kinderärzten besteht zweifellos ein Bedürfnis nach
einem intensiveren Kontakt mit der europäischen Kinderanalyse, nach-
dem sie in den letzten Jahren zu den bisher üblichen klinischen auch
die Methoden und Techniken der Child Guidance-Bewegung aufge-
nommen haben.
Ich möchte hier vorerst meinen eigenen Weg als Psychiater und
Psychotherapeut skizzieren, soweit er von der Psychoanalyse im all-
gemeinen und der Kinderanalyse im speziellen beeinflußt worden war.
Viele Jahre hindurch konnte ich in der Privatordination, in öffent-
lichen Erziehungsanstalten, Kliniken, Jugendgerichten, ferner in
Schulen, im Kontakt mit Kindern, Eltern, Lehrern und Fürsorgern
eigene Einsichten und Erfahrungen, die mir die Kenntnis der Psycho-
analyse nahegelegt hatten, sammeln. So lernte ich bald von den zahl-
reichen jugendlichen Verbrechern, asozialen Kindern, deren Verständ-
nis August Aichhorn uns später so nahegebracht hat, eine Gruppe
gestörter Kinder trennen, welche sich ähnlich benahmen wie die Er-
wachsenen, die einen Analytiker zwecks Behandlung und Heilung
ihrer Leiden aufsuchen. Lange bevor die organisierte Child Guidance-
Bewegung existierte, fragte ich mich immer wieder, wie wir das Ver-
halten asozialer und neurotischer Kinder verstehen oder wie wir sie
wirklich beeinflussen sollten, wenn wir ihre Reaktionen nicht mit den
Mitteln und Erkenntnissen der Psychoanalyse Freuds studiert
haben. Allerdings hielt ich damals vor 15 Jahren die Analyse von
1) Nach einer Übersetzung aus dem Englischen von Dr. Ktlilli BuxUmiu.
Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse in Amerika 393
Kriminellen und neurotischen Kindern für ein vergebliches Unter-
fangen und bis auf wenige Ausnahmen überhaupt für undurchführbar.
Trotzdem schien es mir, daß der Psychiater, der Kinder begutachten
und Erzieher beraten soll, ein Analytiker sein müßte. So "war ich ge-
zwungen, mir für meine Privatpraxis eine modifizierte Technik für
den Umgang mit solchen Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Ge-
messen an dem heutigen Stand der Kinderanalyse mußte ich mich
Freilich mit oberflächlichen Maßnahmen begnügen, aber im Vergleich
mit den üblichen Methoden der Diagnostik und Therapie kindlicher
Fehlentwicklungen kam ich mir doch recht fortschrittlich vor. Ich
machte mich genau mit der Familiensituation vertraut, verwendete
einige Stunden darauf das Kind zu beobachten, suchte Kontakt mit den
Eltern und Lehrern. Wo es sich um neurotische Eltern, Väter oder
Mütter handelte, bedeutete es für das Kind oft eine Erleichterung
seiner Konfliktsituation, wenn sich ein Elternteil selbst zur Analyse
entschloß. In einigen Fällen habe ich das Kind aus der Familie ent-
fernen lassen und bei Leuten untergebracht, die selbst analysiert
waren, sich für Kinder interessierten oder sich beruflich mit Kindern
beschäftigten. Soweit damals Kinder zur analytischen Behandlung
gebracht wurden, wurde diese in Anlehnung an die Technik der Er-
wachsenenanalyse durchgeführt. Bei kleinen Kindern beschränkte ich
mich darauf, sie indirekt durch die in Analyse befindlichen Erwach-
senen zu beeinflussen. Ich glaube, daß ich recht daran getan habe;
Prof. -Freud sagte vor einigen Jahren den amerikanischen Analy-
tikern folgendes: „Sie können in der Analyse alles machen, wenn Sie
wissen, was Sie machen." Wenn ich damals wirklich Kinder analy-
siert hätte, ich hätte nicht gewußt, was ich tat. Ich glaube, daß auch
heute noch manche Ärzte in diese Lage kommen würden, wenn sie
Kinderanalyse versuchen würden. Ich hatte in meiner Arbeit mit Kin-
dern und Eltern die Technik der Child Guidance-Bewegung ange-
wandt, an der ich als Psychiater einige Jahre mitgearbeitet hatte.
Meine Arbeit wurde aber für mich immer unbefriedigender, je weiter
meine Erkenntnisse über die übliche Technik hinausgingen, ich ar-
beitete mit dem Gefühl, daß wir bald an der Grenze der Child
Guidance-Bewegung angelangt sein würden, wenn wir uns nicht die
Psychoanalyse nutzbar machen. Diese Jahre machten uns willig, die
Kinderanalyse zu studieren, sobald wir dazu die Möglichkeit hätten
und ich wünschte, Praxis und Theorie aus erster Hand zu erlernen
Was hat nun dieser amerikanische Analytiker mit einer langjährigen
Erfahrung im Umgang mit Kindern, Lehrern und Psychologen ent-
decken müssen? Etwas, was wahrscheinlich jeder Analytiker ent-
decken muß, wenn er seine Erfahrungen mit dem Material der Kinder-
394 Clinton P. McCord
analyüker vergleicht: daß er erstaunlich wenig Wichtiges über Kin-
der weiß. Diese Überzeugung gewann ich sehr bald durch die Arbeit
mit Anna Freud; ich wurde gegen die Übcraktivital jener miß-
trauisch, welche glaubten, in ein bis zwei Monaten durch Beobachtun-
gen und Seminare die Kinderanalyse in Europa erlernen zu können.
Wir müssen uns darüber klar sein, daß nur ein längeres, gründliches
Studium hoffen läßt, die Kinderanalyse in würdiger Form in Amerika
zur Anerkennung zu bringen. Durch die Literatur allein ist diese
Technik nicht zu erlernen, sondern nur durch die Ausbildung und
Kontrollarbeit in den anerkannten Ausbildungsstätten Europas, vor
allem in Wien und London.
Neben der Ausbildung amerikanischer Kinderanalytiker wird die
psychoanalytische Bildung der Lehrer und Social Workers eine der
wichtigsten Zukunftsaufgaben sein. In der White-House Conference
cm Child Health and Weifare konnte ich auf die immense Bedeutung
der psychoanalytischen Psychologie für die Erzieher verweisen, wo-
bei ich die Ansicht zu vertreten geneigt bin, daß die psychoanalytische
Psychologie die offizielle Schulpsychologie nicht bloß ergänzen, son-
dern vielmehr ersetzen sollte. Wenn einzelne Lehrer es wünschen,
sollte ihnen die Möglichkeit zur eigenen Analyse gegeben werden.
Die psychoanalytische Literatur, welche die Kinderanalyse Ame-
rikas behandelt, ist, wie gesagt, sehr dürftig. Es wäre Aufgabe der
Analytiker selbst, die Psychiater und Psychologen auf die Technik
der Kinderanalyse aufmerksam zu machen und die Ergebnisse zu ver-
öffentlichen. Die psychoanalytischen Monographien von Jones und
Glover, welche bestimmte Phasen der Erwachsonenanalyse für
Ärzte darstellen, haben sich für diese Aufgabe als geeignet erwiesen,
[Aniu. der Red.: Demnächst, anfangs 1935, erscheint in der .1 nie ri klini-
schen Zeitschrift „The Psychounalytic Qunrtorly" ein Sonderheft, das den
Fragen der Kinderanalyse und der psychoanalytischen Pädagogik gewidmet
ist. Es enthält in englischer Übersetzung folgende Arbeiten aus der Zeit-
schrift für psychoanalytische Pädagogik: Siegfried Bernfeld: Die psycho-
analytische Psychologie des Kleinkindes (8. Jg., 11. 1/2, 1931); Anna Freud:
Die Erziehimg des Kleinkindes vom psychoanalytischen (!osich1spunkt aus
(8. Jg., H. 1/2. 1934); Anni Pörtl: Verspätete Keinlicbkeilsgcwöhnung (7. Jg.,
H. 5/6, 1933); Karoline Pensimus: Folgen der Entrechtung (7. Jg.. II. 5/6,
1933); Erik Homhurger: Die Zukunft der sexuellen Aufklärung (4. Jg.,
H. 0/7, 1930): Dorothv Burlinghani : Kindeninalvse und Muller (0. Jg., H. 7/8.
1932); Steff Bornstein: Eine Kinderanulyse (7. Jg., 11. 7, 1933); Herta Born-
stein: Enuresis und Kleptomanie (8. Jg., H. 5/8, 1934); Editha Sterba: Aus
der Analyse einer Hundephobte (7. Jg., 11. 111/12, 1933); Anny Angel: Aus
der Analyse einer Bettniisserin (8. Jg., H, 5/8, 1934); Edith Bnxbaum: Über
einen Fall von exhibitionistischer Onanie (8. Jg.. II WS, 1931 ).J
Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse in Amerika 395
Wie können wir uns nunmehr den Weg vorstellen, den die Einder-
analyse in U. S. A. gehen muß, wenn sie zu einer der europäischen
ähnlichen, wissenschaftliehen und therapeutischen Wirksamkeit kom-
men soll? Wir müssen dabei vor allem an die Beseitigung verschie-
dener Mißstände und Mißverständnisse denken, die teils die Kindheit
im allgemeinen und die Kinderanalyse im speziellen betreffen. Unsere
Kinderpsychiater und Kinderärzte beherrschen zwar einigermaßen
— soweit sie überhaupt psychologisches Interesse haben — die psycho-
analytische Terminologie, sie können aber nur intellektuell das Kind
verstehen; darum erschöpft sich ihre „analytische Wirksamkeit" im
Formalen, sie erklären, sie ermutigen, überreden und beeinflussen.
Psychoanalytische Terminologie und das Deuten der Reaktionen eines
Kindes seinen Eltern und Erziehern gegenüber ist aber nicht „Kindei--
analyse". Auf den üblichen „Mental-Clinics" hat man infolge der zeit-
lichen Beschränkung eine inquisitorische Technik entwickelt; selbst
wenn man Zeit hat einen kleinen Patienten zwei bis drei Stunden zu
beobachten, kehrt man doch wieder zum Frage- und Antwortspiel
zurück, das den Patienten zu Zugeständnissen bringt, die seine kli-
nische Einordnung nach Symptomen ermöglichen. So sind manche
Diagnostiker direkt stolz darauf, wenn sie in einer zweistündigen
Unterredung vom Kind ein Onaniegeständnis bekommen; noch vor
wenigen Jahren pflegte man das Kind zu fragen: „Machst du schlimme
Dinge?" Auch Alfred Adlers Versuche, Wiener Schulkindern
Selbstbewußtsein beizubringen — in der Art eines trockenen Unter-
richts erscheint dem, der etwas vom Unbewußten des Kindes weiß,
wertlos. An unseren Mental- und Child Guidance-Kliniken versucht
man an vielen Tausenden Längsschnitten von Kinderentwicklungen
die Kinderseele zu studieren und gibt alljährlich Unsummen dafür
aus. Wie wäre es, wenn man einige Jahre hindurch einige Hundert
Kinderanalysen sammeln und die Ergebnisse vergleichen würde?
Wer sollte nun in Amerika — vorausgesetzt, daß die äußeren Be-
dingungen erfüllt wären — die Kinderanalyse ausüben? Aus den be-
kannten Büchern von Anna Freud und Melanie Klein kann
man, weil es eben nur Bücher sind, die Kinderanalyse niemals er-
lernen. Anna Freud sagt in ihrem Buch an einer Stelle: „ . . . die
Kinderanalyse verlangt eine gründliche Kenntnis der analytischen
Theorie, um den Gefahren, die die Freiheit dieser Technik bietet, zu
widerstehen." Als ich 1932 in Philadelphia in meinem Vortrag „Wei-
tere Bemerkungen zur Kinderanalyse in Amerika" ausführte, daß es
bisnun keine wirklichen Kinderanalytiker in der Art von Anna
Freud oder Melanie Klein gäbe, erweckte diese Feststellung
Protest. Auch widersprach man meiner Anschauung, daß Frauen im
396
Clinton P. McCord
allgemeinen nach den Erfahrungen von Wien und London sich als ge-
eigneter erwiesen und man verwies auf die historische Stellung des
Mannes in der Familie. Diese Frage wird wohl die Praxis entscheiden.
Entschieden aber ist die Frage, wo man Kinderanalyse erlernen kann.
Da es kinderanalytische Arbeitsstätten bloß in Europa gibt, so ist der
Weg für die Interessenten in Amerika vorgezeichnet, Zwei- bis fünf-
jähriges Studium an einem der LehrinsÜtute, Kontrollarbeit und an-
schließend brieflicher Kontakt mit den kinderanalytischen Lehrern
durch längere Zeit.
Die Kinderanalyse braucht aber auch den Kontakt mit den Eltern
und Lehrern der Kinder. Die Mitarbeit der Eltern ist oft in einem
Ausmaße nötig, daß man wünschen müßte, möglichst viele Eltern von
neurotisch gestörten Kindern möchten selbst analysier! sein. Sehr
förderlich hat sich in Wien die Zusammenarbeit der Kinderanalytiker
mit analysierten Pädagogen erwiesen, so daß der Wunsch nach einer
von analytischen Gesichtspunkten geleiteten Schule mit analysierten
Lehrern groß ist. Wenn aber unsere Psychiater und Pädiater fragen,
wozu soll man einen Kinderanalytiker anstellen, wenn Sie selbst doch
zugeben, daß die Kinderanalyse nur für ausgesuchte Falle in Be-
tracht kommt, so kann man darauf nur antworten: Vor 25 Jahren hat
man von der detaillierten psychiatrischen Differentialdiagnose und
der klinischen Psychologie dasselbe gesagt. Heute hat der klinische
Psychologe bei uns eine anerkannte Stellung in der Ärzteschaft sei-
ner Klinik. Wahrscheinlich würde die Kinderanalyse den Leitern der
Kinderstationen besser gefallen, wenn sie ausschließlich bei einer eng-
umgrenzten Gruppe therapeutisch in Frage käme ähnlich wie die
Hydrotherapie oder die Beschäftigungstherapie. Aber ich kann, um
das Problem zu umfassen, nur einen Analytiker zitieren, der sagte:
„Die Psychoanalyse ist eben nicht nur eine Form der Therapie; sie
ist ein psychologisches System, dem alle Formen der Therapie unter-
geordnet werden sollten,"
: I M i m i 1 1 ; ; i : : : 1 1 1 . i : : I : . ; : i l : > ^ r ! i , 1 1 . 11 : i i - 1 : > . : : . ; : 1 1 i M 1 . 1 1 ■ i . 1 1 : i m 1 1 1 1 1 . > i . : : : . 1 1 1 . i i i : . ; : i : : 1 1
Eine Kinderbeobaditung
Von Richard Sterba, Wien
Ein vierjähriges Mädchen sieht zu, wie das zweijährige Brüderchen
gebadet wird. Nach einer Weile sagt es zur Kinderfrau: „Warum
laßt du ihm die Haare nicht wachsen, dann war' er ein Mäderl."
Auf diese kleine Geschichte paßt der Titel „Kinderbeobachtung"
in doppeltem Sinn, im aktiven wie im passiven. Denn darin ist zu
beobachten, wie ein Kind beobachtet und wie es die Beobachtung ver-
wertet und weitergibt. Und wir können daran lernen, wie Kinder ana-
lytisch zu beobachten und zu verstehen wären. Es ist ja die große
Schwierigkeit im Verständnis der Kinder, daß sie erst nicht sagen
können, was sie meinen und wollen, und sich's dann nicht mehr zu
sagen getrauen, weil die Erwachsenen und die beginnende eigene
Verdrängung des Kindes dem entgegenstehen. Und doch sind Kinder
voll von Ausdruck und Mitteilung, schon weil die Intensität ihrer
Trieb wünsche eine so hohe ist, daß es sieh aus ihnen nach außen
drängt, an die Objekte, die im Mittelpunkt ihrer zärtlich-erotischen
und aggressiven Wünsche stehen, Die Mitteilung bedeutet dann Trieb-
befriedigung, Ermäßigung der ungestümen Triebspannung, Ent-
lastung der kindlichen Seele. Oft auch Aufforderung zu gemeinsamem
Genuß, also Verführung (siehe hiezu Dorothy Tiffany Burlingham:
Mitteilungsdrang und Geständniszwang 1 ). Aber die hemmenden Kräfte
dringen auf Entstellung und aus dem Triebverlangen, respektive
seiner ausdrucksweisen Äußerung einerseits und dem Einspruch der
hemmenden Instanzen andererseits schafft sich eine Zwischenbildung,
ein Kompromiß. Bei den meisten seelischen Äußerungen der Kinder wie
der Erwachsenen haben wir es mit Kompromißbildungen zu tun, die
immer aus gegensätzlichen Kräften entstanden sind.
In unserem Falle der Äußerung des kleinen Mädchens „Warum laßt
du ihm die Haare nicht wachsen, dann war 1 er ein Mäderl" ist die
Triebtendenz und ihre Hemmung zur Entstellung so deutlich und aus
der Situation so klar erkennbar, daß man ohne jegliche Analyse das
ursprüngliche Trieb verlangen sofort erkennen kann. Sehr einsichtig
sind die Wege der Entstellung, die beschritten wurden; sie sind übri-
gens sehr typisch für die Entstellung verbotener Triebregungen im
allgemeinen.
Wir wollen uns die Situation des kleinen Mädchens vergegenwär-
tigen. Sie sieht das Brüderchen nackt und der dabei sichtbare Penis
des Knaben erregt ihren lebhaften Neid. Sie glaubt, daß das andere
*) lmago, Zeitschrift für psa. Psychologie, ihre Grenzgebiete und Anwendungen XX Band"
1954, S. 129—143.
398 Richard Sterba
Kind bevorzugt sei, weil es dieses Stückchen mehr an Körperlichkeit
besitzt, fühlt sich benachteiligt und ist gekränkt; die Folge ist ein
heftiger aggressiver lmpulB, das Knäblein dieses geschätzten Mehr-
besitzes zu berauben, ein kastrativer Inipuls, wie wir es nennen.
„Wenn er den Penis verliert, dann ist er ein Mäderl wie ich und ich kann
wieder ruhig sein", so etwa läuft es in ihr ab; wir müssen vielleicht
annehmen, daß ihr dieser Gedankengang nicht zum Bewußtsein
kommt. Was das Mädchen bewußt äußert, ist eine Umkehrung des
Ganzen und eine Verschiebung nach oben; diese Verkehmng ins
Gegenteil und diese Verschiebung nach oben sind die beiden erwähn-
ten typischen Wege der Entstellung, die dabei besehritten werden.
Durch diese Verschiebung nach oben werden die Haare an Stelle des
Penis gesetzt; die Symbolbedeutung der Haare, die schon deutlieh ist,
wenn Samsons männliche Kraft gebrochen ist, nachdem ihm Dalila
das Haar beschnitten hat, unterstützt den Transport der Regung vom
unteren zum oberen Körperteil. Aber auch die Aggression muß, um
der Schwesterliebe, um der Erwachsenen willen, die darob böse wären,
umgewandelt werden. Statt abschneiden und vernichten heißt es jetzt
„wachsen lassen".
Das alles könnte analytische Deutelei sein, und das Kind könnte
doch wirklich gemeint haben, das Buberl wird ein Mäderl, wenn die
Haare lange wachsen. Aber zunächst sind die Haare beim Zweijähri-
gen noch nicht sehr viel geschnitten worden, und dann spricht ein
Moment ganz gegen diese beruhigende einfache Deutung. Daß das
Brüderchen kürzere Haare hat, kann man immer sehen, dazu braucht
es nicht beim Baden nackt zu sein; wenn die Äußerung eine unent-
stellte, direkte, unverdächtige, harmlose wäre, könnte sie den ganzen
Tag geschehen sein. Aber sie geschah beim Bad, als die Kleine das
Brüderchen nackt sah, und dann ist unser analytisches Rückdrehen
des Verstellten und Aufdecken des Ursprünglichen nicht mehr kühn
und deutelnd, sondern unentrinnbar, besonders wenn wir wissen, daß
die dabei beschrittenen Wege der Entstellung typische sind.
Diese aus der Situation zwingende Notwendigkeit zu unserer Deu-
tung war der Grund, warum die kleine „Kinderbeobachtung" mitge-
teilt wurde. Man kann an ihr lernen, daß man die kindlichen Äuße-
rungen nicht so harmlos nehmen darf, wie sie anscheinend fallen, daß
wir sie über Umwege verstehen lernen müssen, daß es für uns not-
wendig ist, die Umwege zu wissen, die beschritten werden können,
daß uns auch die Regungen, die es beim Kinde im Lauf der Entwick-
lung gibt, bekannt sein müssen, wenn wir das Kind, das wir beob-
achten, verstehen wollen. Aber das alles lehrt uns die Psychoanalyse;
ohne ihre Kenntnis kann man nicht wagen, Kinder verstehen zu wollen.
Verbot und Forderung
Eine Kinderbeobachtung
Von Editha Sterba, Wien
Man hat selbst in Analysen von Kindern selten Gelegenheit, etwas
über die allerersten Anfänge von Obiektbeziehung, Identifizierung,
über das erste Schuldgefühl und die Ansätze der über-Ich-Bildung zu
erfahren. So ist jede Kinderbeobaehtung, die zu diesem großen Pro-
blemenkreis ein Stückchen Aufklärung bringt, der Mitteilung wert.
Ich hatte Gelegenheit die Entwicklung eines zwanzig Monate alten
kleinen Mädchens zu verfolgen. Diese Kleine ist ein lebhaftes, auf-
gewecktes Kind, besitzt zur Zeit der Beobachtung einen ausreichenden
Sprachschatz, ihre Gedanken der Umwelt richtig mitzuteilen; sie
macht in der Erziehung keine besonderen Schwierigkeiten, so daß sie
ernstere Konflikte mit den Erzieherpersonen noch nicht kennen ge-
lernt hat. Wenn sich min bei ihr, wie bei jedem Kind, die Notwendig-
keit ergab, etwas zu verbieten, war am Verhalten der Kleinen wieder-
holt folgendes zu beobachten: Wenn man z. B. mit freundlichem Zu-
reden die Kleine daran hinderte, den Absperr hahn der gefüllten Bade-
wanne aufzudrehen und das ganze Zimmer unter Wasser zu setzen,
was ihr einmal geglückt war, da man nicht wußte, daß sie diesen
Hahn schon aufdrehen konnte, zeigte sie zuerst keinerlei Unwillen
über das Verbot. Sie wurde nur nachdenklich, stand in Gegenwart der
Erwachsenen vom Versuch ab, den Hahn aufzudrehen, versuchte es
aber sofort, wenn man das Zimmer verlassen hatte. Als sie dann von
der Mutter nicht mehr mit der gefüllten Badewanne im Zimmer allein
gelassen wurde, schlug sie einen andern Weg ein, um ihr Ziel zu er-
reichen. Wenn die Wanne gefüllt war, rief sie plötzlich: „Hallo,
Telephon, die Mama zum Telephon gehen." Und als dieser Versuch,
die Mutter zu entfernen, keinen Erfolg hatte, sagte sie einfach: „Die
Mama hinausgehen", obwohl sie sonst sehr viel Wert auf die An-
wesenheit der Mutter legt. Als auch dieses Mittel nicht den erwünsch-
ten Erfolg hatte, nahm sie eines Tages die Mutter bei der Hand, führte
sie zum Absperrhahn der Badewanne und sagte: „Die Mama das auch
aufdrehn und alles ausschulten. 1
Dieser Versuch, die Mutter zum Verbotenen zu veranlassen, ließ
sich auch noch bei anderen Gelegenheiten beobachten. Als die Mutter
eines Tages das Kinderzimmer betrat, in dem sich das kleine Mädchen
seit längerer Zeit allein befand, sah sie, wie die Kleine eifrig die
Tonröhre abschleckte, die zur Befeuchtung der Zimmerluft am
Heizkörper angebracht waren. Obwohl die Mutler diesen Vorgang
409 Editlia Sterbü
schweigend beobachtete, fühlte das Kind sofort, daß die Mutter ihr
Handeln nicht restlos billigte; sie nahm sie schnell bei der Hand,
führte sie zur Heizung und sagte: „Mama auch Wasser abschlecken".
Die Antwort der Mutter: „Nein, ich mag das nicht, ich bin kein
Schweindi", schien die Kleine zunächst ganz gleichgültig zu lassen.
Am Abend desselben Tages, als sie sich im Bad befand, bückte sie
sich sehr sehneil, trank einige Schlucke vom Wasser in der Bade-
wanne und rief triumphierend: „Das Schweindi trinkt Badewasser,
das Schweindi trinkt Badewasser." Auch hier zeigt sich dasselbe, die
Kleine will die Mutter veranlassen, das Verbotene zu tun, indem sie
sie auffordert, auch das Wasser von den Tonröhren abzuschlecken.
Man sieht aber auch, daß sie genau gespürt hat, daß ihr Tun vom Er-
wachsenen nicht gebilligt wird, denn sie fordert die Mutter auf, das
Verbotene zu tun, bevor diese überhaupt noch etwas gesagt hat. Sie
hat auch die indirekte Kritik, mit der die Mutter die Aufforderung
an den Tonröhren zu schlecken, beantwortet, sofort erfaßt, wie der
Vorfall beim abendlichen Bad zeigt. Säe weiß aber auch, daß man das
Badewasser nicht trinken soll, obwohl sie es bis dahin nie probiert
hatte, das ersieht man daraus, daß sie betont: „Das Schweindi
trinkt Badewasser." Sie will dabei natürlich auch die Mutier provo-
zieren, um zu sehen, was diese jetzt sagen wird, Auffallend war auch,
daß die Kleine zu dieser Zeit Mutter und Vater öfter aufforderte zu
lutschen, wobei ich betonen möchte, daß die Kleine eigentlich selten
lutschte, es nur beim Einschlafen tat oder wenn sie Zähne bekam. Ein
Vorfall, der sich dabei abspielte, war umso merkwürdiger, als über
das Lutschen nie geredet wurde, einfach aus dem Grund, weil nichts
dazu zu sagen war. Die Kleine probierte eines Tages energisch der
Mutter den Daumen, an dem sie immer lutschte, in den Mund zu stecken
und sagte dabei: „Die Mama auch lutschen." und als die Mutter
lachend abwehrte und meinte: „Aber nein, mir schmeckt es gar nicht",
dachte sie einige Sekunden nach, betrachtete ihren Daumen genau,
steckte ihn dann befriedigt in den Mund und sagte: „Aber ich selber
lutschen, weil gut ist."
Das kleine Mädchen ist sichtlich in einer Phase, in der es gemerkt
hat, daß es mehr minder zahlreiche Dinge und Verhaltungen gibt,
die von den Erziehern nicht gebilligt werden. Ihr hier geschildertes
Verhalten ist ein Versuch, diese unangenehme Tatsache zu bewäl-
tigen. Aber diese Bewältigung sieht nicht so aus, wie man es erwarten
sollte, sie geschieht nicht etwa in der Weise, daß das Kind die Ein-
schränkungen akzeptiert und ihnen entsprechend das eigene Ich und
seine bisher uneingeschränkte Äußerung verändert oder gar sich die
Forderungen der Außenwelt zu eigen macht. Sie versucht vielmehr,
Verbot und Forderung 4Q|
die Außenwelt iin Sinne ihres Lust-Ichs zu verändern, indem sie sie
mitschuldig werden läßt; denn die vorgelegten kleinen Beobachtungen
zeigen, daß das Kind die Einschränkungen zunichte machen will, in-
dem sie die einschränkende Persönlichkeit zu verführen sucht, das
zu tun, was der Inhalt der Einschränkung ist. Damit würde für sie
die Spannung zwischen Forderung und Lustverlangen wegfallen. Die
Verführung ist also nicht eine zum Zwecke des gemeinsamen Lust-
g e w i n n s, sondern zum Zweck der Lust gestattung. "Wie wenig
schwer noch die Forderungen auf der Kleinen lasten, wie sehr noch
das Lustprinzip vorherrscht, sieht man daraus, daß sie einfach sagt:
„Ich selber lutschen, weil gut ist", nachdem die Mutter abgelehnt hat,
sieh zum Lutschen verführen zu lassen.
Das kleine Mädchen steht gleichsam zwischen zwei Entwick-
lungsstufen: die eine Stufe ist die des Lust-Ichs; das Kind hat noch
keine harten Forderungen der Außenwelt kennen gelernt, die vor-
handenen Objekte hatten ihm, wie es der Pflege des Frühkindes ent-
spricht, weitgehende Triebbefriedigung gewährt, es hatte nach Tun-
Iichkeit bekommen, was es begehrte. Die andere Entwicklungsstufe
ist die, in der das Kind beginnt, die Einsicht zu gewinnen, daß gewisse
einschränkende versagende Forderungen der Erzieherpersonen ak-
zeptiert werden müssen, weil es sonst in Gefahr gerät, die Liebe und
vielleicht auch die Fürsorge dieser Personen, ohne die es nicht exi-
stieren kann, zu verlieren. Die Kleine hat also eingesehen, daß es
Verbote gibt und daß gewisse eigene Triebwünsche mit den Forde-
rungen der Erwachsenen in Konflikt geraten. Und nun beobachten wir
das kleine Mädchen bei dem letzten Versuch, sein Lust-Ich gegenüber
der Realität, zu der der verbietende Erzieher gehört, durchzusetzen und
so den drohenden Konflikt zu vermeiden. Wenn es den Erwachsenen
dazu verleiten kann, das zu tun, was er ihm verbietet, dann ist seine
Forderung nicht ernst zu nehmen, sie fällt in nichts zusammen und
die Spannung zwischen Lustverlangen und Realität sinkt auf den
Nullpunkt herab. Wenn ihm das gelingt, hätte das Kind seine Lust-
befriedigung, vielleicht noch erhöht durch die gemeinsame Lustbefrie-
digung mit dem Erwachsenen, es bleibt in gutem Einvernehmen mit
ihm und die Realität hätte sich seinem Lustprinzip gebeugt.
Daß das kleine Mädchen, als es mit seinem Versuche scheitert, rasch
in die zweite Entwicklungsstufe gleitet und ohne ernste Schwierig-
keiten sich entschließt, die Forderungen, die man an es stellt, zu
akzeptieren, zeigt folgender kleine Vorfall: Wenige Tage nach den
im Vorhergehenden geschilderten Beobachtungen, machte sich die
Kleine naß. Sie hatte eigentlich schon zu der Zeit ihre Reinlichkeits-
erziehung ohne Schwierigkeiten vollendet und es war nie vorgekom-
Zeitschrift f. psa. Päd., VIII/U/12 2g
402 Editha Sterba
men, daß sie eine Person ihrer Umgebung zu verleiten versucht hätte,
mit ihr gemeinsam die Forderungen der Reinlichkeitserziehung zu
übertreten. Nachdem sie sich also naß gemacht und es ihrer Umgebung
mitgeteilt hatte und niemand eine besondere Reaktion darauf zeigte,
fragte sie plötzlich: „Die Mama böse?" Auf eine verneinende Antwort
fragte sie weiter: „Der Papa böse?" Sie schien wieder nicht befriedigt
und ging nun alle nähern Bekannten durch, indem sie immer wieder
fragte, ob der oder jener böse sei. Als das immer verneint wurde,
dachte sie angestrengt nach und meinte dann sehr stolz: „Aber ich
selber böse, weil naß." Um das zu bekräftigen, suchte sie nach tadeln-
den Worten und rief strafend: „Ich selber sagen, schäm dich, schlim-
mes Kind, ganz waschelnaß." Nach diesem Vorfall, bei dem die Kleine
zum erstenmal Ansätze zur Übernahme von Forderungen der Umgebung
in ihr eigenes Ich zeigte, kam es nie mehr vor, daß sie jemanden aus
ihrer Umgebung zu einem verbotenen Tun zu verleiten suchte.
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BERICHTE
Nllllllillllllllllllltlllllllllllilli™
Psydioanalytisdie Pädagogik im Jahre 1934
Amsterdam
Das Interesse für Psychoanalyse in Holland ist außerordentlich rege.
Dank der Tatsache, daß sich vor gut 20 Jahren der Ordinarius für Psychiatrie
in Leiden, Prof. Jelgersma, zur Lehre Freuds positiv eingestellt hat, in seinen
Vorlesungen ständig auf Psychoanalyse hinwies und seine Assistenten zur
psychoanalytischen Tätigkeit anhielt, ist wie nirgend anderswo die Psycho-
analyse offiziell anerkannte Wissenschaft, Dazu kommt, daß die Holländer
für alle Fortschritte auf dem Gebiete der Pädagogik das denkbar größte
Interesse haben und auch die Juristen sich mit den pädagogischen Beein-
flussungsraöglichkeiten und den Verständnisgelegenheiten, die die Psycho-
analyse eröffnet, auf dem Laufenden halten. So kommt es, daß alle möglichen
Institutionen Psychoanalytiker heranziehen und zahllose Vorträge über uns
interessierende Themen halten lassen. Charakteristisch dafür ist vielleicht die
Tätigkeit der Leiterin des Amsterdamer „Konsultationsbüros für schwierige
Kinder", Frl. Dr. Tibout, die allein im Laufe der letzten anderthalb Jahre
fünf bis sechs Kurse und mindestens ebensoviele Vorträge im analytischen
Sinne gehalten hat. Im vergangenen Jahre sind die psychoanalytischen Ver-
einigungen zwar nicht mit selbständigen Vorträgen aufgetreten, dagegen
ließ das holländische psychoanalytische Institut im Frühjahr durch Dr. Land-
auer im Haag einen Vortragszyklus von sechs Vorträgen über Erziehungs-
probleme halten.
Im November 1934 erschien für Pädagogen und KindeTpsychologen in
holländischer Sprache das Buch: „Het Kind en de Adolescent in de Psycho-
analyse" von Hil Deman, mit einer Einleitung von Dr. J. H. Van der Hoop
(Antwerpen 1934).
Basel
Im Rahmen der Volkshochschulkurse der Universität Basel setzt Dr.
Heinrich Meng seine Vorlesungen im Wintersemester 1934/35 unter dem
Titel „Erziehung und Nacherziehung als Hilfe im Lebenskampf" fort. Es
werden folgende Themen behandelt: Wechselbeziehung zwischen Eltern und
Kindern. Vater-, Mutter- und Kinderfehler. Ehekunde. Elternschicksal und
Kinderschicksal. Erziehung der Eltern. Temperament, Neurose und Erzie-
hung. Schutz durch Beratung in Lebensfragen.
Das Institut für Behandlung neuzeitlicher Erziehungs- und Unterrichts-
fragen kündet unter anderen Kursen einen schulpraktischen Kurs von Dr.
Heinrich Meng an: Das Unbewußte im Erziehen und Unterrichten. Gliede-
rung: A. Der Schüler: 1. Zur Psychologie des Schuleintritts und des ersten
Unterrichts. 2. Kindliche Nervosität, Lernstörung, Erziehungsschwierigkeiten,
Kinderfehler. B. Der Lehrer: 3. Erziehen und Unterrichten als Beruf. 4. Macht
und Liebe. Autorität und Führung. Lehrerfehler, C. Die Eltern: 5. Eltern
und Schule. Eltcrnfehler. 6. Berufswahl und Zukunft des Schülers. (Aus:
Amtliches Schulblatt Basel-Stadt, Okt. 34, Nr. 10.)
28*
404 Berichte
Budapest
Die Budapester psychoanalytische Gesellschaft unterhält seit 1929 ein
Ambulatorium, dem auch eine Ordination und Beratungsstelle für Kinder an-
geschlossen ist. Unter psychoanalytischer Leitung steht auch die Erziehungs-
beratungsstelle am Ambulatorium für psychopathische Kinder der Allgemei-
nen Poliklinik. Seit seinem Bestehen (1926) veranstaltet das Lehr Institut der
Budapester psychoanalytischen Vereinigung Kurse und Seminare für Päd-
agogen unter Leitung von Dr. Alice Balint, Ein kinderanalytisches Seminar
veranstaltete Dr. Margit Dubowitz. Im Jahre 1933 wurden folgende Kurs©
gelesen: Von Dr. Klara Lazar: Was bietet die Psychoanalyse dem Erzieher?;
von Dr. Michael Balint: Über hysterische Reaklionsformen; von Heilpädago-
gin Kata Levy: Psychoanalyse, für Pädagogen. Als Fortsetzung dieser Kurse
wurde im ersten Semester 1934 eine Vortragsserie veranstaltet; es sprachen:
Dr. Lilian Rotter: Verständnis und Erziehung; Dr, Julian Szüts: Das hyste-
rische Kind; Dr. Klara Lazar: Angst im Kindesalter; Kata Levy: Über Hem-
mungen; Dr. Siegmund Pfeifer: Über das Spiel des Kindes; Kata Levy:
"Über Verwahrlosung (insgesamt sechs Vorträge für je 60 Hörer). Im Winter-
semester 1934/35 findet ein Seminar zur Lektüre Freud'scher Schriften unter
Leitung von Kata Levy statt. Auf Grund von Einladungen verschiedener
Korporationen wurden Vorträge über Psychoanalyse und Psychoanalyse wie-
derholt gehalten. Seit drei Jahren ermöglicht Frau Elisabeth Weiß eine
Sommerkolonie für schwererziehbare Kinder; unter psychoanalytischer Lei-
tung wird hier eine Auslese jener schwererziehbaren Kinder getroffen, welche
statt Inetitutsbehandlung einer psychoanalytischen, ambulatorischen Behand-
lung zugeführt werden sollen.
Kopenhagen
Das Buch von Pfarrer Dr. Oskar Pfister (Zürich) „Die Psychoanalyse im
Dienste der Erziehung" ist soeben in dänischer Sprache mit einem Vorwort
von Bischof Daragaard im Verlag P. Haase und Sohn, Kopenhagen erschienen
(deutsche, 3. Aufl. bei Klinkhardt Leipzig, frühere Übersetzungen erschienen
in französischer, englischer, italienischer, spanischer u. griechischer Sprache).
London
Der klinische Preis des London Institute of Psycho- Analysis (1933) wurde
Dr. Melitta Schmideberg für ihre Arbeit „Die Spielanalyse eines dreijährigen
Mädchens" (erschienen in verkürzter Fassung in dieser Zeitschrift, 1934,
Seite 196) zuerkannt.
Im Frühjahr 1934 fand in der British Psycho-Analytical Society ein Sym-
posion über „Kindliche Unarten" statt, eröffnet von Dr. Susan Isaacs, Dr. Me-
litta Schmideberg, Miss Helen Sheehan Dare.
Das unter der Leitung von Dr. Edward Glover stehende Institut zur
wissenschaftlichen Behandlung Krimineller hat seine Arbeit fortgesetzt, er-
wachsene und jugendliche Kriminelle untersucht und — nach Möglichkeit —
behandelt, insbesondere diejenigen, die Bewährungsfrist erhalten hatten. Fer-
ner wurden von Dr. Carrol u. a. Vorträge und Seminare für Sozialfürsorger
Bericht© 405
abgehalten. Ein brieflicher Unterrichtekurs wird für Sozialfürsorger in der
Provinz eingerichtet.
Das Institut beabsichtigt, in London ein Heim zu errichten, das zwölf
Patienten zur Beobachtung oder Behandlung aufnehmen kann.
In der Medical Section der British Psychological Society wurde im Oktober
1934 ein Symposion „Über Verbrecher" gehalten, bei dem Dr. Denis Carroll
vom Standpunkte der Erwachsenenanalyse und Mrs. Melanie Klein vom Stand-
punkt der Kinderanalyse vor etwa 100 Zuhörern sprachen.
Dr. Donald Winnicott hielt im April 1934 einen Vortrag über „Trinkfaul-
heit und Eßhemmung in der frühen Kindheit" am Kongreß der British
Paediatric Association und beteiligte sich an der Diskussion am Kongreß
des Royal Institute of Public Health (Norwich) zum Thema „Das schwierige
Kind". Sein Diskussionsbeitrag erscheint im offiziellen Bericht des Kon-
gresses.
Im British Journal of Children's Diseases erschien eine Arbeit von Dr.
Winnieott: Populär Urticaria, and the Dynamics of Skin Sensation, in der er
die psychologischen Faktoren bei Hauterkrankungen würdigt.
Dr. Winnicott sprach im Februar 1934 im The Royal Medical Psychological
Association, Psych opathological and Psychotberapeutic Discussioncircle über
„Eßstörungen der frühen Kindheit". Im gleichen Circle sprach im Oktober
1934 Dr. Melitta Schmideherg über „Die Bedeutung der Eßstörung für die
spätere Entwicklung".
Im Paddington Green Hospital für Kinder wird ein Psychological Depart-
ment unter der Leitung von Dr. Donald Winnicott eingerichtet. Etwa 40 Kin-
der werden hier wöchentlich von Dr. Winnicott und seinen Assistenten be-
handelt. Neurotische Kinder werden allgemein psychotherapeutisch auf analy-
tischer Grundlage behandelt und die Eltern beraten. Soweit möglich werden
analysebedürftige Kinder an die psychoanalytische Klinik überwiesen. Das
Psychological Department soll auch Unterrichtszwecken dienen: Ärzte und
Pflegerinnen in die medizinische Psychologie einführen, ferner analytischen
Ausbildungskandidaten Gelegenheit zu näherer Berührung mit klinischem
Material und zur Beobachtung von Säuglingen geben. Das Psychological
Department soll auch die für die Kontrollanalysen der analytischen Kandi-
daten geeigneten Kinderfälle aussuchen und an die analytische Klinik weisen.
Dr. Winnicott, der auch schon früher Kurse für Ärzte und Pflegerinnen hielt,
wird von 1935 ab diese Kurse in symmetrischer Weise, über das ganze Jahr
verteilt, abhalten.
Das London Institute of Psycho-Analysis veranstaltete im Frühjahr 1934
einen öffentlichen Vortragskurs, betitelt „Familienprobleme", der in Caxton
Hall vor etwa 80 Hörern abgehalten wurde. Er bestand aus folgenden Vor-.
trägen: Dr. M. D. Eder: Erziehungsschwierigkeiten im Elternhaus; Miss
N. Searl: Kindheit und Pubertät; Miss Barbara Low: Geschwister; Dr. Sybille
Yates: Die Auswirkung von Eheschwierigkeiten auf die Kinder; Dr. Susan
Isaacs: Rebellische Kinder; Miss Ella Sharpe: Das Verlassen des Eltern-
hauses.
406 Berichte
An der unter Leitung von Dr. Susan Isaaes stehenden Kinderpsychologi-
schen Abteilung (Department for the Development of the Chile!) des Institutes
für Erziehung der Universität London haben im ersten Jahre ihres Bestehens
sieben Personen ganztägig gearbeitet, um sich als Superintendanten i und
Lehrer, sowie Dozenten für Psychologie auszubilden. Weitere zwölf besuchten
die verschiedenen Kurse und Seminare; darunter waren Schulinspektoren,
Dozenten von Lehrerbildungsanstalten, Selmlvorsteherinnen usw. 30 — 10 be-
suchten den wichtigsten Vortragskurs: „Psychologie des Kindes unter neun
Jahren", der die psychoanalytische Theorie der frühkindlichen Entwicklung
zur Voraussetzung hat. Es wurden Seminare über verschiedene pädagogische
und psychologische Probleme (darunter eines über seelische Hygiene der
frühen Kindheit) abgehalten. Ein Seminar über „Die Bedeutung psychischer
Faktoren bei Erkrankungen im Kindesalter" wurde von Dr. Donald Winnicott
geleitet. Die Studierenden arbeiten praktisch in Kindergärten, Volksschulen
und Child Guidance-Kliniken. Ferner werden an der Kinderpsychologischen
Abteilung Forschungsarbeiten auf verschiedenen Gebieten, insbesondere über
die soziale und intellektuelle Entwicklung des Kindes ausgeführt. Diese Ar-
beiten, sowie die Kurse und Vorträge sind stark von analytischen Gesichts-
punkten beeinflußt.
Dr. Susan Ieaacs leitete ferner im Herbst 1934 ein Seminar über: Ver-
schiedene Methoden zum Studium und zur Beobachtung von Säuglingen und
Kleinkindern an der Psychologischen Abteilung des University College.
An der Sommerschule für Volk sieh ror (Board of Education) hielt Dr. Su-
san Isaaes vier Vorträge über „Die Psychologie der frühen Kindheit".
Ferner erschienen von ihr folgende Arbeiten: Eebellische Kinder (in der
Zeitschrift Mother and Child. V. 3. 1934) ; Was erwarten die Kinder von ihren
Eltern? (Child Study. XII. 1934.); Kritische Bemerkungen über Piaget's:
Das moralische Urteil des Kindes (Mind. I. 1934.).
Dr. Sybille Yates hielt drei Vorträge über „Sexuelle Aufklärung" im
Herbst 1934 vor etwa 40 Personen (Eltern von Volksschülern) ; ferner im
November 1934 einen Vortrag „Das schlimme Kind".
Von Dr. Yates erschienen in der Zeitschrift Parents Magazine folgende
Arbeiten: Pubertätsprobleme (II. 1934) ; Ein vierzehnjähriges Mädchen
(V. 1934); Pubertätsfreundschafton (VIII. 1984); Mit fünfunddreißig (IX.
1934) und Konflikte der Eltern (XI. 1934).
Voriges Jahr wurde ein Child-Psychology Diseussion Circle gegründet, an
dem sich Kinderanalytiker und andere Kinderpsychotherapeuten beteiligten.
Die Sitzungen finden zweimonatlich statt: Beteiligung etwa 20 — 30 Personen.
Von Analytikern sprachen: Februar 1934 Dr, Susan Isaaes: Unterschiede
zwischen dem Gefühlsleben eines dreijährigen und eines achtjährigen Kindes.
Mai 1934 Dr. Melitta Schmideberg: Aus der Analyse eines debilen Kindes.
Juli 1934 fand ein Symposion über das Thema „Wie gewinnt man mit dem Kind
Kontakt?" statt, wobei Miss Helen Sbeehan Dare den analytischen Standpunkt
vertrat. Oktober 1934 Miss Barbara Low: „Über Autorität".
Berichte aqj
L u z e r n
Beim 13. internationalen psychoanalytischen Kongreß wurden folgende
Vorträge zur Psychoanalyse von Kindheit und Jugend gehalten: „Über die
männliche Pubertät" von Dr. Siegfried Bernfeld (Wien); „Zum Problem der
Pubertät" von Anna Freud (Wien) ; „Zum Heilungsproblem in der Kinder-
analyse" von Dr. Edith Jacobsohn (Berlin); „The Pre-Qedipal Roots of the
Primal Scene" von Dr. Ruth Mack -Brunswick (Wien); „Der Einfluß der
infantilen Masturbation auf die spätere Entwicklung der Persönlichkeit" von
Dr. Jean Lampl-de Groot (Wien); „Analyse de Moi" von Dr. Raymond de
Saussure (Geneve) ; „Zur Wirkungsweise der psychoanalytischen Therapie"
von Dr. Melitta Sebmideberg (London) ; „Infantile Ideals" von Nina Searl
(London).
Oslo
In Kor wegen ist das Interesse für Psychoanalyse überall und auch in
pädagogischen Kreisen im Ansteigen. Der Vorsitzende der psychoanalytischen
Vereinigung Norwegens, Prof. Dr. Schjelderup, ist gleichzeitig Vorstand des
psychologischen Instituts der Universität und spricht in seinen psychologi-
schen Universitätsvorlesungen über Psychoanalyse, Er verlangt beim Examen
der Peyehologiestudenten die Kenntnis der Freud'schen „Vorlesungen zur
Einführung in die Psychoanalyse".
Vorträge über Psychoanalyse für Pädagogen wurden vielfach veranstaltet.
Die bemerkenswertesten der letzten Zeit waren: Dr. Otto Fenichel (Oslo)
sprach im Studentenverein über „Psychoanalyse und Pädagogik" vor zirka
200 Hörern; an einer laufenden Arbeitsgemeinschaft zur Einführung in die
Psychoanalyse nehmen mehrere Pädagogen teil.
Frau Dr. Nie Hoel hielt mehrere Vorträge über „Kindliche Sexualität" in
Bezirkslehrervereinen, und zwar: 1. im Februar 1934 in Lillestroem vor
ca. 200 Hörern; 2. im März im Eidsvold vor ca. 300 Hörern; 3. im April in
Oslo vor ca. 100 Hörern.
Dr. Ola Raknes hielt folgende Vorträge über: „Mentbalhygiene vom psycho-
analytischen Standpunkt" im Schülerverein des Lehrerseminars (200 Hörer)
und im Lehrerverein (100 Hörer) . Ferner vier Vorlesungen über „Charakter-
bildung auf psychanalytischer Grundlage" als Ferialkure für Volksschul-
lehrer an der Universität Oslo (100 Hörer) und acht Vorträge über dieses
Thema an der Volkshochschule (ca. 50 Hörer).
Stockholm
Die schwedische Gruppe der Psychoanalytiker veranstaltet jeden Montag
einen Vortrag, der von zahlreichen Pädagogen frequentiert wird. Es werden
dabei teils allgemeine psychoanalytische Themen, teils solche der speziellen
psychoanalytischen Pädagogik (Kinderpsychologie und Heilpädagogik) be-
handelt. Im Serafimlazarett sprach Frau Dr. Alfhild Tamm über Kinder-
sexualität. Theol. lic. Anita Nathorst sprach in mehreren Städten Schwedens
über die Psychologie des Übergangsalters (Pubertät), wobei sie in positivem
Sinne die Psychoanalyse eingehend mitverwendete.
408 Bücher und Zeitschriften
Bücher und Zeitschriften
Die Praxis der beratende» Graphologie, Neue Wege der Charakterform ung
durch die KorrektuTgraphelogic. Herausgegeben von Dr. Hugo Reis. Blaue
Siemensreihe, Doppelheft 9/10. Verlag Siemens & Co., Bad Homhurg v. d. H.
1934.
Es sind im allgemeinen zwei mehr oder weniger getrennte Sektoren des
geistigen Lebens, in denen sich wissenschaftliche Impulse auswirken: in der
reinen Forschungsarbeit und in ihrer praktischen Verwertung. Bei der Psycho-
logie tritt als ein dritter der Bereich ihrer Publikmnswirkung und deren Rück-
wirkung auf sie hinzu. Bei jener problematischen psychologischen Disziplin,
die unter dem Namen „Graphologie" mindestens seit 25 Jahren eine immer
wachsende Anziehungskraft ausübt, ist es eben dieser dritte Sektor, den wir
studieren müssen, wenn wir wissen wollen, was für eine Rolle sie heute spielt;
denn sie hat auch heute noch ihren Schwerpunkt in dem weiten und dunklen
Bereich eines sehr klärungsbedürftigen Publikums interesses. Es besteht auch
kaum eine Aussicht, daß sich dieser Zustand so bald andern wird. Während
die Expansionsbestrebungen der Graphologie in den beiden andern Sektoren
nach auffallend rascher Entwicklung im gegenwärtigen Zeitpunkt erlahmen
und der Tendenz zur kritischen Prüfung des bisher Erreichten Platz machen,
hält die Konjunktur der Graphologie im dritten Sektor unvermindert an —
ja, sie zeigt den „schreibkundigen" Autoren neuerdings ein besonders ver-
heißungsvolles Gesieht. Im Bereich der praktischen Anwendung der Grapho-
logie, also auf dem Gebiet der planvollen „Menschen Wirtschaft", wie sie Unter-
nehmer und Personalchefs in der Verfolgung bestimmter materieller Inter-
essen betreiben, hat dio Krise der Wirtschaft und nebenher auch das durch sie
verstärkte Mißtrauen gegenüber Rationalisierungsmaßnahmen der weiteren
Ausbreitung der Graphologie Einhalt geboten, indem sie ihr Hauptarbeits-
gebiet, die Bewerbungsschreiben, großenteils bedeutungslos gemacht hat. In
dem ohnehin sehr kleinen Sektor, der ernsthaft „graphologische Forschung"
betitelt werden könnte, hat die sogenannte Krise der Wissenschaft in ihrer
Weise zu einer Art Stillstand geführt. Die maßgebenden Graphologen waren
sich immer klar darüber, daß die Graphologie prinzipiell keine selbständige
Disziplin sein kann — gegenwärtig erhebt sich nun die grundsätzliche Frage,
ob sie sich gründen soll auf experimentelle Psychologie im weitesten Sinn,
also auf eine Naturwissenschaft von der Seele oder ob sie betrieben werden
soll aus einer philosophischen Anthropologie, also aus einer Metaphysik her-
aus (wenn nämlich die Abweisung der Naturwissenschaft, hinter der man mit
Recht die Psychoanalyse fürchtet, überhaupt etwas Positives besagen soll).
Aber nicht nur in dieser Methodenfrage, sondern auch in ihrer konkreten
Arbeit befindet sich die graphologische Forschung der Gegenwart in einer
Krise. Die am ehesten als wissenschaftlich zu wertenden graphologischen
Untersuchungen richten sich auf drei im wesentlichen noch ungelöste Fragen:
die Erforschung der Kinderschrift, die statistische und die experimentelle
Prüfung der bisherigen Ergebnisse. Es ist zu erwarten, daß diese Unter-
suchungen nicht nur zu einer neuen Durchdringung und veränderten Auf-
Bücher und Zeitschriften 409
fassung der landläufigen graphologischen Lehrmeinungen führen werden,
sondern auch heranführen werden an die Hauptfrage der Graphologie: was
eigentlich die Charaktereigenschaften, deren Ausdruck oder Niederschlag in
der Handschrift sie studiert, sind. So könnte die weitere Entwicklung der
Graphologie zu der von unsenn Standpunkt aus einzig fruchtbaren geneti-
schen Auffassung des Charakters führen.
Recht im Gegensatz zu dieser Sachlage in den beiden ersten Sektoren er-
lebt die Graphologie in dem dritten eine ungehemmte weitere Entfaltung, und
gerade jetzt tritt sie hier mit einem charakteristischen Umschlag, aber unge-
brochen in ihrer faszinierenden Kraft in ein neues Stadium ihrer Auswirkung.
Sie bezeugt aufs neue, viel eindringlicher und zugleich viel bedenklicher als
früher, daß sie außer speziellen Fragen der Ausdruckspsyehologie und außer
praktischen Aufgaben des Wirtschaftslebens noch einem Dritten dient, daß
sie für den Einzelnen in der Gesellschaft eine bestimmte psychologische Funk-
tion hat oder haben kann. Die heute dem großen Publikum sich neu anbie-
tende Graphologie will mehr geben als Anleitung zur Menschenkenntnis; sie
will dem Einzelnen Klarheit über sein eigenes Wesen geben, damit er durch
Selbsterziehung Anschluß an die Gemeinschaft finde, damit er egozentrische
Befangenheit überwinden und sich einfügen lerne in die höhere Ganzheit der
gesellschaftlichen Ordnung; sie verspricht ihm die Kunst, die andern zu
durchschauen und sich selbst zu bemeistern als eine unentbehrliche Waffe im
Lebenskampf. Ja, in der vorliegenden Schrift tritt sie direkt als ein psycho-
therapeutisches Verfahren auf. Bernfeld hat bereits 1930 in seinem Auf-
satz „Neuer Geist contra Nihilismus, Die Psychologie und ihr Publikum" 1 )
die weiteren Zusammenhänge, von denen das hier Behandelte nur einen Aus-
schnitt darstellt, untersucht. Die Wechselbeziehungen zwischen der Psycho-
logie und ihrem Publikum haben inzwischen auch auf dem Gebiet der Grapho-
logie dazu geführt, daß in zunehmendem Maße das, was Bernfeld so treffend
als „Erbauungspsychologie" gekennzeichnet hat, erzeugt wird.
Es wird einem nicht leicht, diesen Erscheinungen bis ins einzelne nachzu-
gehen, weil der Dilettantismus und die Seichtheit dieser Literatur jeden An-
lauf der Kritik selbst als lächerlich erscheinen lassen könnte. Ich meine je-
doch, daß man sich dadurch nicht irre machen soll, da die genannten Eigen-
schaften dieser Literatur ihrer Wirkung — und auf diese kommt es uns hier
in erster Linie an — kaum abträglich sind. Das Bedenkliche liegt darin, daß
diese Art von Graphologie mit dem Nimbus „moderner", „wissenschaftlicher"
Psychologie eine starke werbende Kraft entfaltet für diejenigen, die aus sich
heraus keine sichere Position zu finden vermögen, weil sie entweder noch im
Pubertätsalter sich befinden oder weil sie den Konflikten der Pubertät nie
entwachsen siud. Dreierlei kehrt in dieser Literatur in charakteristischer
Weise immer wieder: das Versprechen, daß Haltlosigkeit, Mutlosigkeit und
Gehemmtheit, die letztlich nur Folge einer gewissen Willensschwäche seien,
überwunden werden können; der Appell an den Willen zur Selbsterziehung;
die Forderung, alle egozentrische Einstellung aufzugeben, mitzuarbeiten an
den Aufgaben der Gemeinschaft. Nur zu deutlich verrät sich hierin, wie diese
*) Anin. Die psychoanalytische Bewegung, IL Jahrgang, Heft 2.
410 Bücher und Zeitschriften
Art von „Psychotherapie" abzielt — in der Regel natürlich ohne bewußte
Absicht — auf die Situation des Onanieabgewöhnungskampfes der Pubertäts-
zeit; oft genug erweist sich auch die in diesen Büchern vertretene päd-
agogische Ideologie als unmittelbarer Abkömmling der typischen Pubertäts-
ideologie mit den hauptsächlichen Inhalten: Askese und (abstrakt = unver-
bindliche) Hingabe an „die Menschheit" oder das eigene Volk. Die Puber-
tierenden oder in der Pubertät stecken Gebliebenen wissen ja nicht, daß die
Erleichterung, die sie hier finden, daher rührt, daß ihre Triebkonflikte in
Probleme der Charakterbildung umgedeutet werden, daß ihr Schuldgefühl
aus dem Ödipuskomplex umgewandelt wird in eine bestimmte Form des
sozialen Schuldgefühls. Es ist nicht nur so, daß sich eine gewisse ,.neue"
Graphologie durch ihren ideologischen Gehalt an die Seite von Surrogaten
von Psychotherapie stellt, welche auf nichts anderes hinauslaufen, als ihre
Adepten in der Bewältigung der neuen Verdrängungsaufgaben der Pubertät
zu unterstützen, sondern es gibt geradezu eine graphologische Psychotherapie.
Da wird in dem Buch von Hugo Reis als Gegenmittel gegen das Minder-
wertigkeitsgefühl die Beschäftigung mit Menschenkenntnis, zur Stärkung des
Gemeinschaftsgefühls neben der Entspannungsgymnastik der Wehrsport emp-
fohlen — für beides aber allen Ernstes auch — das „schriftkorrekturliche
Training"! Solehe „beratende Graphologie will Gehemmtheit mit Ablösung
der linksschrägen Schriftlage durch maßvolle Rechtsschräge, mangelndes
Selbstgefühl durch Vergrößerung der Schrifthöhe, Ängstlichkeit durch Ver-
größerung der Schriftweite bekämpfen". Man sieht, das geht weit hinaus über
die Zwecke jenes famosen „Menschenkundeninstituts", welches sich zum Ziel
gesetzt hatte, seine Klienten darin zu unterweisen, wie sie schreiben sollten,
damit eine etwaige graphologische Beurteilung ihrer Handschrift positiv
ausfallen mußte. Diese Bestrebungen knüpfen an bei der fetischistischen
Überbewertung, welche die Handschrift in der Pubertätszeit so häufig erfährt.
Über die Naturwidrigkeit einer Erziehungs- bzw. Selbsterziehungsmethode,
welche zum Charakterausdruck und vom Charakterausdruck her den dazu-
gehörigen Charakter bilden will, ist kein Wort zu verlieren — hier gilt es
nur zu verstehen, worauf die nicht zu leugnende Publikumswirkug solcher
Auffassung zurückzuführen ist. Neben den schon genannten Faktoren spielt
dabei gewiß auch die Befriedigung magischer und narzißtischer Tendenzen
eine Rolle — zuguterletzt wird hier die durch die Existenz der Graphologie
genährte Angst, daß durch die Handschrift „etwas" „herauskommen" könnte,
bewältigt und verkehrt in den narzißtischen Triumph, ein Mensch endurch-
echauer und ein Selbstbemeisterer zu werden. -^ Marseille Wien
Dr. Adolf Zeddies: Wörterbuch der Psychologie. Verlag J. Siemens
& Co., Homburg v. d. H. 1934. 164 S.
Das Büchlein versucht, die Termini der allgemeinen Psychologie sowie
zum Teil der einzelnen psychologischen Schulen popularisierend zu erläutern,
teilweise auch nur schlag wortart ig zu Übersetzen. Die unumgängliche und
typische Schiefheit und Unvollkommenheit derartig übermittelten Wissens
Bücher und Zeitschriften 4JJ
haftet dem Versuche an; das Büchlein ist in diesem Sinne so schlecht, als der-
artig angelegte Populärwörterbücher im allgemeinen zu sein pflegen. Aber
darunter sind einzelne Erläuterungen auch noch falsch. So etwa die Angabe
unter dem Schlagwort „Ambivalenz", die lautet: „Doppel Wertigkeit (z. B,
von Vorstellungen, die zugleich Liebe und Haß, Zuneigung und Abneigung
erregen können; A. der Gefühle)" oder unter „Depersonalisation", wo es
heißt: „Zustand der Entrücktheit, auch von Umgebung und dem eigenen Ich".
Unter „Psychoanalyse" heißt es unter anderem: „Das Heilverfahren geschieht
durch die sogenannte ,freie Assoziation' (der Patient hat alles auszusprechen,
was ihm bei der Nennung eines Wortes einfällt; bei diesem freien Spiel der
Einfälle erwartet man, daß die in den Tiefen des Unterbewußtseins liegenden
Komplexe sich verraten)". Des üblich banalen Vorwurfs, daß das Verfahren
„in einseitiger Weise auf die Sexualität abgestellt" sei, konnte der Verfasser
sich natürlich auch nicht enthalten.
Wenn der Verfasser in seinem Vorwort meint, daß sein „Wörterbuch der
Psychologie" eine fühlbare Lücke im psychologischen Schrifttum auszufüllen
habe, so mag man daran zweifeln, ob die Lücke fühlbar ist, daß er sie nicht
ausfüllt, ist gewiß. Dr Richard S t e r b a, Wien.
Zul liger, Hans: „Der Rorschachtest im Dienste der Erziehungs- und
Berufsberatung". Gesundheit und Wohlfahrt, Jahrgang 1934, Heft 6 u. 7, 32 S.
Der von dem schweizer Psychoanalytiker und Psychiater Hermann Ror-
schach (gest. 1922) entwickelte psychodiagnostische Test, der sogenannte Ror-
schachtest, hat in den letzten Jahren eine rasch wachsende Verbreitung ge-
funden. Er war für die Bearbeitung einer theoretischen Fragestellung der
Psychiatrie erdacht worden, und auch nachdem sich seine praktische Ver-
wendbarkeit herausgestellt hatte, blieb seine Kenntnis und Anwendung auf
einen Telativ kleinen Kreis beschränkt. Es ist vornehmlich der Arbeit der
schweizer Schüler Eorschachs zu danken, daß sich die Anerkennung des
Rorschachtests neuerdings in weiteren Fachkreisen durchsetzt. Besonders im
Dienst der Erziehungs- und Berufsberatung wird er immer mehr verwendet.
An der Erziehungsberatungsstelle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung
ist der Rorschachtest schon seit mehreren Jahren in regelmäßigem Gebrauch;
aber auch z. B. unter den „social workers" der privaten Jugendfürsorge in
den Vereinigten Staaten hat er bereits Kenner und Verfechter gefunden.
Der Aufsatz von Zulliger ist keine bloße programmatische Erörterung,
sondern er ist aus der praktischen Arbeit heraus geschrieben und gibt dem
Leser ein ungemein plastisches Bild von der Leistungsfähigkeit des Rorschach-
tests. Er enthält außer acht kurz skizzierten Fällen drei ausführlieh darge-
stellte mit allen Antworten der Probanden und instruktiver Erläuterung ihrer
Auswertung. Sie sind gleichzeitig schöne Beispiele für die auf das Ergebnis
des Tests sich stützende Zusammenarbeit des Beraters mit den Eltern und der
Schule. Besonders eindrucksvoll sind der zweite und der dritte Fall: das eine
Mal wird durch den Rorschachtest der Verdacht einer geistigen Störung bei
einem 17jährigen Burschen aus dem Wege geräumt und die Diskrepanz
412 Bücher und Zeitschriften
zwischen seiner starken Spezialbegabung und dem anders orientierten Schul-
unterricht aufgedeckt; das andere Mal läßt er hinter den „Sonderbarkeiten"
eines 18jährigen Lehrlings die latente Schizophrenie vermuten — ■ und in beiden
Fällen dient der Rorschachbefund als Grundlage für die Beratung und die
Auswahl der geeigneten praktischen Maßregeln.
Die Arbeit von Zulliger ist allen denen, die sich für die Fragen der Er-
ziehungs- und Berufsberatung interessieren, wärmstens zu empfehlen. Auch
für den speziellen Zweck der Erlernung des Rorschachtests wird sie durch
ihre instruktiven Beispiele ein wertvolles Hilfsmittel sein können. Sie ist für
Kenner wie für Nichtkenner des Tests lehrreich; denn das Darstellungs-
geschick des Autors hat es ihm ermöglicht, in den relativ kurzen Ausführun-
gen nicht nur das Testverfahren zu demonstrieren und zu erläutern, sondern
gleichzeitig auch auf intimere Details der Auswertung einzugehen. Die von
Zulliger gegebenen Analysen verschiedener problematischer Antworten lassen
einen Umstand zutage treten, der besondere Hervorhebung verdient: die Aus-
wertung des Tests ist entscheidend abhängig davon, daß der Diagnostiker
fähig ist, sieh wirklich einzufühlen in die Art und Weise, wie die Antworten
einer Vp. zustande gekommen sind. Sogar die Richtigkeit des Ergebnisses ist
von dieser Fähigkeit abhängig, vollends aber seine Ergiebigkeit. Mit Recht
betont Zulliger mehrfach, daß der Erlernbarkeit des Tests Grenzen gesetzt
sind. In diesem Zusammenhang ist auch sein Hinweis wichtig, daß in die Er-
ziehungsberatung als erste Instanz häufig Fälle gebracht werden, die nicht
mehr in die Kompetenz des Erziehungsberaters, sondern in die des Psycho-
analytikers oder des Psychiaters gehören. Der Berater, der sieh auf den Ror-
sehachtest stützt, muß daher in dieser Richtung so weit geschult sein, daß er
weiß, wann er einen Fall — ohne selbst eine Diagnose mitzuteilen — zum
Zwecke der Spezialuntersuchung weiter zu empfehlen hat.
Die Behauptung, von der Zulliger ausgeht und zu der er zurückkehrt,
besagt, daß der Rorschachtest weit besser und vollständiger als alle anderen
Tests Aufschluß über Charakter und Intelligenz der Vp. gibt. Referent kann
dem aus eigener Erfahrung nur beistimmen. In diesem Fall erweist sich das
aus theoretischen Überlegungen geschaffene Verfahren den aus der Praxis
erwachsenen als überlegen. Die Tests und psych otechnisehen Prüfungsver-
fahren, welche das in den letzten Jahrzehnten entstandene Bedürfnis nach
Methoden zur objektiven Feststellung der Berufseignung und der persönlichen
Leistungsfähigkeit befriedigen sollten, haben die großen Erwartungen, die
man ihnen vielfach entgegenbrachte, nicht erfüllt. Man beginnt zu erkennen,
daß sich viele Komponenten der Begabung und der Leistungsfähigkeit den
verwendeten Tests entziehen, daß ihre Ergebnisse weitgehend an die psy-
chische Prüfungssituation gebunden sind und sich daher auf die reale Berufs-
situation nur mit prinzipiellen Einschränkungen oder gar nicht übertragen
lassen. Die meisten Einschränkungen gelten nicht oder nicht im selben Maß
für den Rorschachtest — schon weil er ein völlig „unwissentliches Verfahren"
darstellt, aber auch noch aus anderen Gründen. Insbesondere die Tatsache, daß
latente bzw. unentwickelte Anlagen durch die meisten Testverfahren über-
haupt nicht zum Vorschein gebracht werden und daß Persönlichkeitsdefekte
Bücher und Zeitschriften 4J3
in der Regel nur dann und nur so weit in Erscheinung treten, so weit sie mit
einer Minderwertigekit der intellektuellen Funktionen einhergehen, läßt die
Begrenztheit der meisten anderen Testverfahren im Vergleich mit dem Ror-
schachtest klar hervortreten; denn diese Einschränkungen gelten ebenfalls nicht
für ihn. Auch in der Gegenüberstellung mit der Graphologie ist dem Rorschach-
test für die hier zur Diskussion stehenden Zwecke der Vorzug zu geben. Sie
wird zwar nicht von den oben erwähnten Einschränkungen getroffen; aber
gegen ihre Verwendung erheben sich u. a. die folgenden Bedenken; 1. ist die
Graphologie nur sehr bedingt erlernbar; 2. sind die Handschriften verschie-
dener Alters- und Bildungsstufen, verschiedenen Milieus und ebenso die Be-
urteilungen verschiedener Graphologen nicht ohne weiters vergleichbar;
3. unterliegt gerade die Beurteilung von Kinder- und Jugendlichenhandschrif-
ten speziellen Schwierigkeiten.
Für den Psychoanalytiker und den psychoanalytischen Pädagogen fällt
bei der Abwägung des Wertes der verschiedenen Testverfahren noch
etwas anderes zugunsten des Rorschachtestes ins Gewicht: daß die Diagnosen,
welche er ermöglicht, in ihrer Sprache und ihren Begriffen der Denkweise
der Psychoanalyse angehören oder doch nahestehen. Die von Zulliger ge-
gebenen Beispiele zeigen, daß der Rorschachtest in manchen Fällen einen Ein-
blick in die psychische Struktur der Vp. gewährt, wie er sonst nur durch eine
beträchtliche Beobachtungszeit oder durch ein Stück Analyse zu gewinnen ist.
W. Marseille (Wien)
hui iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii i]iiiiii!iiiii]iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iii!i!iiiiiiiiiim
REGISTER ZUM VIII. JAHRGANG
Aberglauben 311
Abraham, Karl, 73, 111, 179, 181
Abreagieren 351
Abwehrraflexe 280
Adler, AUred 179, 395
Affekte und Außenwelt 110 f;
der Eltern 297; unterdrückte
213
Affektive Bindungen 312 f;
Momente (ubw.) 80; "Wer-
tung 30S
Affekt ivität u. Kinderanalyse
151
Af f engesei Isehaft 303
Aggression 47 f, 54; Abführen
d, 359; Abwehr d. 361; und
analer Trotz 55, 65, 69; Aus-
leben d. 71, 62; Äußerung
d. 363; u. Autorität 294, 806;
Befreiung d. 244; u. Deu-
tungen 241; Durchbrach d.
244; u. Hysterie 205, 212;
gegen Kameraden 322; gegen
d. Lehrer 324; u. Liebes-
objekt 24; gegen d, Mutter
106, 111, 250; u. Penis 260;
primäre 204; und Schuldge-
fühl 23;"i ; sexuelle 250, 258,
259; gegen sich selbst 258;
tätliche 365; gegen d. Vater
152, 242, 245; und Verbre-
eben 92; Verdrängung d,
199, 364; und Verwahrte-
sung 92
Aggressionstrieb 9
Aggressive Tendenz u. Brav-
heit 92
Agieren 220, 240, 252, 254
Ägypten 265
Aichhorn. August 77 ff, 191,
279, 392
Aktion u. Mitteilung 260
Aktive Mitarbeit in der Ana-
lyse 240; Strebungen 259
Aktivität d. Analytikers 150;
Hemmung d, 316
Allmacht der Gedanken 311:
d. Vaters 293
Alm, Harald 275
Altruismus, Forderung nach
289
Ambivalenz 60, 70, 1S8 201
210, 243, 326, 329
Amerika, Kinderaaalyse in
392 ff
Amnesie 228
Amsterdam 403
Analfe, er, es); Angriff auf
den Eltern 203; Ausdrücke
244; Charakterzuge 45; In-
teresse 45, 52; Libido 39;
Liebeserklärung 243; Lust
13, 63; Phase 72, 179. 259;
Heizung 62; Sexualität 153;
Wünsche 105
Analerottk 181
Anal-passive Fixierung 257
Analität, konstitutionelle 39, 62
Analyse, Eignung z. 396; d.
Erziehers 29; eines Zweijäh-
rigen, Aus d. 37 ff
Andreas Salom£, Lora. 340
Angel, Anny 216 ff . 270, 394
Angst; und Aggression 257;
vor dem Alleinsein 40, 96;
v. Ansteckung 3S9; v. d.
Arbeit 115; v. Ärzten 223;
u. Asozialität 365, 369; v,
Beschädigung des Genitales
225, 367; Bewältigung d. 96,
198; v. Dieben 359; v, Ein-
brechern 359; v, d. Ein-
schlafen 96; v. Eisenbahn
207; u. Eitelkeit 369; d. El-
tern 360. 371; v. d. Ent-
kleiden 331; u. Enuresis 184;
u. Erbrechen 208; als Erzie-
hungsmittel 313; vor Frem-
den 41; v. Gebärschmerzen
389; vor Geräuschen 42, 44
46, 58, 197; v. Gewitter 144;
v. d. introjizierten Objekt
214; v. anderen Kindern 36:
d. Kindes 316, 371; u. Kon-
zentration 116; v. d. Lernen
358; v. Liebesverlust 107
262, 268; v. d. männl. Ag-
gression 359; vor Männern
197, 205, 223; v. d. Maus 196
vor Musik 203; v. d. Mut
teT 223; neurotische 239, 358,
bei Onanie 44; v. Schmerzen
beim Koitus 389; v. Schmutz
100 f, 368; v. d. Schreiben
144, 149; u. Schule 148; u
Sexualität 375; i. Spiel 257;
u. Stehlen 367; vor Strafe
107 244, 260, 262; vor dem
Stuhlabsetzen 51; als Sym-
ptom 346; v. e. Unfall des
Kindes 360; um den urinie-
renden Penis 105; vor dem
Vater 198, 3)9, 258; u Ver-
drängung 108; v. d. Verhun-
gern 240, 355; v. d. Verlas-
senwerden 240; vor Verlust
einer geliebten Person 35'
I' d- Wagnehmen 359; vor
dem Wehtun 59; v. d Wis-
sen 112
Angstneuroso u. Pollakisurie
273; -pollution 194; -Situation
82; -zustände 217 f, 238
Animismus 3ü5
Aniroistisehes Denken 295
Ankerbinde 40, 64 f
Antisemitismus 858
Arbeitsstörung 172; -stunde
146, 148
Archaisches Denken 309
Ärztliche Hilfe u. Psa. 142
Asoziale Kinder 363 ff, 392
Asozialität U. Intelligenz 371;
u. Moral 371; Motive d. 364;
u. Onanie 390; u. Psyeho-
nourose 367
Atavistische Reminiszenzen
293 t
Aufklärung 314; über d. Ge-
burt 361; sexuelle 275, 320,
3^3, 333, 334
Aufklärungsschriften 376;
-zoit £67
Auflehnung 91. 92
Außenwelt, Forderungen der
37, 401
Australien 182, 294
Autoerotik 12 f , 22 f, SS3
Autoritätsbedürfnis 262
Bälint, Alice 188, 192, 404;
Balint Michael 404
Basel 139, 403
Baudoin, Cli. 187
Begabung, z. Definition der
158 f; z. Erzieher 362
Begabungsstörung 172 ff
Behandlungsdauer, psa. 373
Behn-Eschenburg, Gertrud
26 ff
Behn-Eschenburg, Hans 279
Beißhemmung 209
Benjamin £65. 266
Berg, Bengt 264
Bern 294
Bernfeld, Siegfried 5 ff 17
19 f, 271, 394, 407, 409
Berufswahl 28
Berührungszwang symmetri-
scher 385
Boryl (Pat. Schmideberg) 109
Beschäftigungstherapie 396
Beschäm ungsangst 329, 331,
333; -lust 327; -Situation 327,
337, 347
Besserungsanstalt 78 ff
Betragen, Klassifizierung d.
170
Bettnässen d. Kindes 178 ff; s.
auch Enuresis
Bettnässorin, Aus der Analyse
einer 216 ff
Bewältigung der Erziehungs-
forderungon 400
Bewcgungsunruhe 365
Bewußtsein u. Symbole 309
Biologie^ d. Enuresis 270
Blasen -Neu rose 178
Blutschande 14, s. a. Inzest
Bomstein, Berta 228, 270, 394;
Bornstein, Steff 30, 105, 141 ff,
274, 394
Brandstifter 182
Braun, F. 278
Brehm 272
Breuer 279
Brunstnässon 272
Brüssel 273
Budapest 276, 404
Bühler, Charl. 264
Burgdorf 269
Burlingbam, Dorothy 392, 397
Burt, Cyril 75
Buxbaum, Edith 392, 394
Calderon £65
Carroll, Denis 404, 405
Chadwick, Mary 28, 30
Oiandler 117, 133
Charakter, Formen d. 179, 181,
190; -enlwicklung 275;
-Schwierigkeiten 278; -Stö-
rungen 68
Cherbuliez, J. St. 275
Child Guidance-Bewegune
332, 406
Christoffel, H. 270 ff. £78, 279
Coitus interruptus 376
Culpa 98
Damgaard, Bischof 404
Dämmerzustand, epilepti-
scher 84
Dannemann, Adolf 350
Darmkatarrh 41, 66
416
Register
Darmträgheit 62
Darwin, Charles 294
Davonlaufen v, Haus 84
Defäkation 149; u. sadistische
Phantasien 209
Defloration 3S9
Deman, Hil 403
Denkablauf, Störungen A.
167, 175; -entwicklung 262
Depressionen 110
Desexualisierung d. Arbeit 147
Deutsch, Helene 186, 189
Dieb n. Mannaein 234
Diebstahl v. Kindern und Ju-
gendlichen 82 f, 363, 364,
366, 381; s. auch Stehlen
Disposition, traumatische 335
Dissozialität, 20, SO f, 88, 92
Dolus 93
Dominanz 298 f , 303, 304
Dorfschulmeisterlein 286, 288,
293
Dressur 262, 2SG
Dubois 279
Dubowitz, Margit 404
„Dummheit" 156 ff
Durstkur 194
Dysergie, somatische 270
Dysmenorrhoe 362
Eder, M. D. 405
Edna (Fat. Schmideberg) 109
Egoismus d. Pädagogen 288
Ehrgeiz 182, 190
Eifersucht auf Geschwister
187, 188, 354 f; auf den Va-
ter £66
Eigensinn 197, 210, 214, 266;
u. Analität 301 f
E i nge wöh nun gsse b w i er i g k e i ten
im Kindergarten 33 ff
Einlauf 39, 43
Einnässen 40, 208, 214, 231, 354
Einschlafen, Schwierigkeiten
beim 214
Einstellung, ubw. d. Eltern
358
Einverleibungsangst 112
Einzelzelle 79
Ejaculatio praecox 181, 228, 273
Ejakulation 384
Elly (Fat. Schmideberg) 368
Eltern, Analvee d. 393; Auto-
rität d. 281; Geringschät-
zung 283; Konflikte d. 297;
Kritik an d. 36-1; Mitarbeit
d. 396; n. Über-Ich 37; und
unerfüllte Kindiieitswünsche
357
Elternbeziehungen 321; -imago
203
Empfindungen, Störung der
167, 175
Encephalitis 238
Endokannibalismus 370
Energiebesetzung, psych, 166
Entsagungen d. Kindes 310
Entstellung u. Triebverlangen
397
Entwertung durch d. Witz 286
Entwicklung; d. Kindes 8 f ,
166, £78; neurotische 9
Entwöhnung 39, 41, 197, 209
Enzyklopädisches Handbuch d.
Hailpftdagogik 350 ff
Enuresis 178 ff £29 ff , 270 ff;
und Absehrecken 194; und
Angst 184; zur Biologie d.
£70 ff; u. Charakterentwick-
lung £29; n. Dissozialität 191;
diurna 188 f; und Eltern-
Schlafzimmer 192; u. Eroge-
neität d. Haut 180; u. Geburt
von Geschwistern 187; und
Kleptomanie 229 ff; Maßnah.
men gegen 194; u, Menstrua-
tion 192, 216; u, Neurose 195;
u. ödipussituation. £73; als
OnanieÜquivalent 229, 273; u.
Passivität 229; u. Pollution
181, 183; Prophylaxe d. 191;
psychische Heilverfahren ge-
gen 194; u. Fsa. 190; und
Schlaf 271 f ; u. Schwerarzieh-
barkeit 191 ; und Sexualauf-
klämng 195; u. Sexualenl-
wicklung 229; Therapie d.
191, 194; u. Traum 183, 217;
u. trauiuat. Erlebnisse 1861;
und Urethra lerotik 190; und
Zwangsneurose 181, 188
Epos der Urzeit 308
Erbauungspsychologie 409
Erbfaktoren 87
Erbrechen 197. 201 f , 204 f , 210,
213, 216, 255, 267
Erektion; Kenntnis der 227;
d. Klitoris £30; d. Säuglings
179; Verbergen d. 231
Erfolg, Mißerfolg u. d. Satz
v, pathogenen Gewicht 332 ff
Erfolgsrelevante Eigenschaften
161 ff, 171
Erleben, infantiles 335
Erlebnisse, verdrängte 353
Ermattingen £79
Erwachsentüianalyse 37
Erzieher; u, Alter d. Zöglinge
17; Beruf d. 26; Berufskrank-
heit d. 289; u. Behörden 17;
u. eigene Erlebnisse 28, 32;
u. Eltern 17; Erziehung d,
-s 28 f. 31; der fehlerlose
391; Haß gegen d. 286 f;
Imago d. 291; u. Liobesob-
jekl 23; Macht des 18; und
praktisches Erfahrungsma-
teria] 31; u. Selbstkenntnis
30; Soziale Stellung der 17;
Das Ubw. d. 274; Verhältnis
zum 37
Erziehung; u, affektives Han-
deln 89; Einschränkungen
d. 400; Freiheit d. 139: und
Gesellschaft 18; u. Kind-
heitserlebnisse 362: d. Klein-
kindes vom psa. Standpunkt
17 ff; d. Kleinkind-Erzie-
hers T6ff; Mißerfolge der
26, 89; Objekt d. 27; und
Realität 313; u. Triebwün-
sche 89; Ubw. d. Eltern i.
d. 313 ff ; u. Unterdrückung
315; Zielsetzung d. 139
Erziehungs; -behandlung 319;
Erfolesaussieht d. 334 f, 337;
-beratung 83, 156, 167, 175,
275, 319 ff, 332, 334, 338.
345, 349; -druck 91; -fehler
&53; -fiirsrtrgo 77, 79, 95;
-ideal 352; -lehre u. Medizin
350; -mittel 90; -notstand u.
Gesellschaft 92; -richter 94;
-sonat 94; -ziele 18 f, 27, 28
Es-Entwicklung 166; und Ver-
drängung 37
Essen als Ersatz ftlr Mutter-
hriiBt £09
Eßfunktion und intellektuelles
Erfassen 111
Eßschwicrigkeiten 109 ff, 197,
199, 209, 214, 274
Ethische Nonnen und Stra-
fen 262
Exhibition 180, 182, 219, 230,
£38 ff, 249, 252, 254, 257 f,
260 f
Exhibitionislisrhe Onanie 238ff
Familie, patriarchale 294
Familienroman d. Neurotiker
£81 ff
..Faulheit" 15(1 ff
Federn, Paul £62
Feindseligkeit gegen den
Vater 243
Fehlentwicklung 87 369
Fellatio £48, 255, 259
Feniehel, Otto, 407
Ferenczi, Sandor 73, 180, 182,
184, 185, 194. 303, 308
Ferrari, Gaudens 130
Feuerwehrdienst 182
Fischer. Hilde 33
Fixierung, anale 259; psych ,
durch Onanie 390; d. Trieb-
lebens 21
Flatuleszenz 244
Flügel, J. C. 74
Fluor 382
Forol 279
Fortgangsstörungen 170 f
Fortpflanzungsfrage 3£0
Fragen d. Kinder 353
Fragezwang 274
Freigebigkeit 190
Freud, Anna 17 ff, 36, 37, 68
107, 239. 240, 279, 394, 395'
407
Freud, Sigm. 5, 13 ff, 30, 107
116, 179, 183, WS, 180, 189'
265, £66, 268, 272, 273, 274
275, 279, 281 ff, £94 297 301 '
304, 307. 312, 311. 335,' 336;
350, 351, 373. 374, S75, 382
392, 393, 403, 407
Frühreife 197
Fuchssche Theorie 178
Funktionsrclevantn Eigen-
schaften 162 f, 172
Funktionsstörungen 142, £12
Füreorgerziehung 77, 191, 278
Gan-Rchmuel 306
Ganzheitsbetrachtung 270
Geburt v. Geschwistern 360
Goburts; -tlieorie, anale 57;
traunia 276
Gefängnis 191
Gefühlsausbrueh i. d. Ana-
lyse 367
..Gefühlsroheit" 8G
Gegen Übertragung 151
Gehorsam 312; t. d. Analyse
2HG; u. Freudebezeigen 302;
Natürlichkeit d. 304; uud
Phylogenese 298; Über den
296 ff; u. Schamgefühl 302;
u. Widerstand 297
Geisteskranke u. Kinder 263
Gemeinsehaftsbildung 274
Gonerationenkonflikt 281, 292 i
Genetische Betrachtungs-
weise 7 f
\
Register
417
Genitale, Berühren d. 185, 385;
mfinnl. 221; weibt. 218, 230,
248
Genitalefs); Einverleiben 202;
Sexualität 179
Genitalität, Beginn d, 105, 211,
257, 383, 387
Georg (Pat. Schmideberg) 366
Georg (Pat. Sterba) 37 ff
Ger6, Liselotte 96 ff , 274
Geruchssinn als sexuelles Sti-
mulans 272
Geschlechtsdrüsen 375
Geschlechtskrankheit 225
Geschlechtsverkehr v. Jugend-
lichen 368; Veränderung
durch £22
Geschwisterohe 265
Gesellschaft u. Kind 87
Gespräche, psa., mit einem
kleinen Kind 96 ff
Gesprächsstunde 142
Geständniszwang 262. 2G8, 397
Gesundungswillen 142
Gewähren und Versagen 19
Gewissen 263 ff ; d. Primiti-
ven S70
Gewohnheiten, d. Kindes 10
Glanzroann, E, 278
Glover, Edward 73, 74, 211,
212, 394, 404
Glück, Edith 274
Gnerlich, Georg 350
Gottheit Jeremias 287
Graphologie 408 f
Gregor 351
Grimassieren 238, 264
Grimmsche Märchen 236
Größenwahn, natürlicher 311,
SX4, 317
Grübelsncht 316
Haare, Symbolbedeutung d. 398
Halbgebildetheit 289
Halbwissen 289, 296
Halluzinatorische Befriedi-
gung 307
Harahurg 252, 254 f
Hanseiniann, H. 191
Harn u. geschlecbtl. Pro-
dukt 180
Harndrang — Wecktraum 184
Harnsekretion 271
Harnstottern 273
Harnverhaltung 272, 273
Haß u, Asozialität 870; -im-
pulse 360; gegen d. Vater 85
Heidelberger Katechismus 289
Heilpadagogik 278, 350 ff
Hemmung, intellektuelle 109 ff ;
neurotische 20
Henze, August 350
Herbert (Pat. Schmideberg) 871
Heredität 185
Hermann, Imre 296 ff
Heterosexuelle Einstellung 214
Heuristische Kategorien 166 ff
Hilfeleistungen d. Analytikers
Ml ,. „
Hinken als neurotisches Sym-
ptom 205
Hitschmann, Ed. i8l, 183
Hochstapler 83
Heel, Nie 407
Hoffer, Wilhelm 275, 278 ff ,
309, 350 ff
Hoffer-Schaxel, H. 276
Holland 403
Homburger, Aug. 178 f , 191,
265
Homburger, Erik 894
Homosexualität 200, 209, 214,
274, 323
Hoop, J. H. van der 403
Horney, Karen 211
Horus 119
Hygiene, psychische 274
Hyrtl 119, 131, 132
Hysterie 212
Hysterische(r) ; Symptome 368;
Typus der Onanieabwehr
386, 388
Ibsen, Henrik 265
Ich; -Entwicklung 166, 210,
£60, £62; -Funktionen 152,
375; -Hemmung 142; u. Ver-
drängung 37; wollendes 262
Ichheiser 161
Ideal-Bildung 10, 276, 314
Idealisierung d. Liebes-
objekts 313
Idealismus, Forderung
nach 289
Identifizierung 24, 69, 92, 107,
263, 308, 318, 399; mit dem
Angstobjekt 199, mit d. Er-
zieher 262; mit Geschwistern
229; mit der Mntter 116, 200,
201, 214, 250, 258; mit dem
Vater 198, 200, 204, 207. 214,
237, 258
Identifizierungsföhigkeit,
Hemmung d. 109
Impotenz 328; psychische 180
Impuls, verdrängter 28
Indianerspiel 234
lud i vi dua lpsychol ogie 176
InitiationsTitus 273
Inkakönig 265
Inkontinenz 178
Insektenphobie 115
Instanz, verbietende 89
Insuffizienz 156, u. Lernstö-
rung 160 ff, 173, 176
Intelligenzgrad 239; -prüfung
84
Intellektuelle Hemmung 197
Introjektionsmechanismen 212
Introversion 315
Inzest 14, 265, 266; -sehranke
375, 378; -verbot 382
In7estuöse Liebe 388
Irland 265
Isaacs, Susan 73, 74, 75, 404,
405, 406
Isserlin 351
Jacobsohn, Edith 407
Jelgersma 403
Jones, Ernest 73, 181, 211, 894
Judische Kinder 210
Jugendfürsorge 95
Jugendgericht 77 ff, 82
Jugendgerichtsgesetz 79 f
Jugendliche, kann d. J. straf-
fällig werden? 77 ff
Jugendstraf recht 77
Jung, C. G, 815
Justizbeamte 78 f
Jnvenal 117
Karpe, Richard 274
Kastrationsangst 52 f , 60, 98,
107, 146, 247. 250, 256, 258,
259, 328, 382, 3S3, 389, 391;
u. Fellatio 255 f
Kastrations ; -drohung 56 f , 65,
241, 298, 329; -komplex 72,
166, 189, 202, 329, 340, 345,
346 ff, 351, 374, 381; -traunia
189; -wünsch 200, 202, 250 f,
258f
Kastrotiver Impuls 398
Kategorischer Imperativ 92
Katharsis 310, 317
Kausalität d. Psychischen 86
Kellog, W. N. 304
Kellog, L. A. 304
Kind; u. Affekte d. Eltern 88;
das „brave" 91; eigenes und
Ubw. 353; einziges 88, 266;
u. Erwachsener 26; Neurose
d. 96 ff; Stellung d. 88, 141;
Welt d. 26
Kinderanalyee 37 ff, 238 f, 275;
in Amerika 392 ff; Technik
der 37, 141 ff
Kinder; -beobachtung 379 f,
399 ff; -garten 33 ff; -mfd-
chen 41; -Stube £6
Kindheits; -entwicklung 29;
erlebnisse 353; -erlebnisse
von Pflegerinnen 28
KindlifreBser 294
Kino u. Märchen 317 f
Klamroth, Edith 276
Kleidung d. Kindes 858 f
Klein, Melanie 211, 279,
395, 405
Kleinkind-Erziehers, Ausbil-
dung d, 31
Kleptomanie 229, 234 ff
Kittorisonanie 378
Klosettspie) 56
Klosettszene 327, 333, 334, 338
Koitus u. Defakation 259: u.
Onanie 376, 383, 384
Koitus; -beobachtung 247, 252;
bewegungen 246; -auffassung
180, 229; -auffassnng, sadi-
stische 198, 203, 208, 243,
245, 259
Komplexe, infantile 309
Kompromiß d. seelischen
Äußerungen 397
Konflikte ; Ausleben eigener
354, 856; bewußte 108; d«
braven Kindes 302; frisch-
infantile 148; innere 87;
triebhafte 109 f
Kongoneger 294
Kongreß f. Kleinkinder-
erziehung 5 ff
Konstitution; ererbte 385; u.
Erlebnis 185
Konstitutionelle Ursachen der
Kriminalität 86
Konstitutionsanalyse psychisch
abnormer Kinder 276 f
Konversionssymptome 2l2
Kontrollanalyse 394
Konzentration; psychische 311;
-sfähigkeit 146, 166, 322, 323
Kopenhagen 404
Körperpflege 23
Krampus 223, 242
Krankheitsein sieht 240
Krankheitsgewinn, sekun-
därer 84, 239
Krankseins, psych. Motive
des 141
Kriminalität Jugendlicher 77 f;
Zeitschrift f. psa. Päd., VIII/ll/12
29
418
Register
u. Onaniekonflikt 381; Pro-
phylaxe d. 373
Kriminalstatistik 86
Kriminellen, Anal y so v. 393
Kulturelle Anpassung 270
Kurzbauer, Ed. 119
Lampl-de Groot, Jeanno 407
Landauer 403
Landerziehungsheini 279
Latenzzeit 375
Lazar, Klara 404
Lebensalter u. Entwioklungs-
alter 92
Lebenskonflikte, frühe 311
Lehranalyse 29
Lehrer, Ausbildung d. 394
Lehre rbildungsan statt 289
Leistung; u. Erfolg 161; tat-
sächliche u. erwartete 162;
und zwangeneurotische Zu-
stände 162
Leistung s relevante Eigen-
schaften 161
LeistungsstOrung 172, 174 f
Lernhemmungen 141 ff, 217,
227; u. Onanie 390
Lernstörung 155 ff, 174
Lern widerstand 142
Lesenlernen 143, 367
Lescstörungen 167 f
Levy, Kata 178 ff, 270, 404
Libido; -besetzungen 315;
•struktur 61
Liebe; d. Kindes 268, 365, 375;
d. Mutter, Anspruch auf d.
355; u. Onanieabwehr 391
Liebes; -entzug 23; -fähigkeit
372; -obiekt d. Kindes 22, 24,
3F0 ; -regungen, Verdrän-
gung d. 370
Lindner, Dr. S. 117
London 73, 394, 404
Lopa do Vega 265
Lotte (Fat. Schmideberg) 363 f
Low, Barbara 73, 405, 406
Ludelmund 133
Ludein 13, 117 ff; aktive Asai-
stona d. 122; Entwöhnung
v. 133; u. Onanie 131
Ludler; einfache 118 f ; mit
Kombination 122 ff
Lues 277
Lügen d. Kindes 312, 363, 367
Lust; anale 13; primäre 12,
150, 279
Lustgewinn 401; b. körperl.
Unarten 90
Lust-Ich 401
Lustprinzip 312, 401
Lutz, J. 279
Luzern 407
Mack Brunswick, Kuth 407
Magisches Denken 106
Magische Entwicklungsstufe
263, 303
Mandeloperation 60
Männeken-Piss 273
Milan] ichkeitswünsehe 198, 236,
237, 358 f
Märchen 306 ff; u. Angst 316 f ;
Bildersprache d. 308; und
Kino 317 f
Marcuse, A, 178, 183
Maria Theresia 78
Mark Twain 381
Marseille, W. 409 ff, 411 ff
Masochismua 268
Masoch istische Phantasien 190
Masturbation, s. Onanie
Materialien) us d. Pädagogen
288
Max (Fat Redl) 319 ff
McCord, Clinton P. 392 ff
Meier, H. W, 278
Meltzer, Ewald 350, 351
Meng, Heinrich 139 f. 262 ff.
351, 403
Menschwerdung 267
Menstruation u. Enuresis
217, 219
Mental-Clinics 395
Methoden, pädagogische 18, 31
Middicmore, Ph. 73
Miktion 270 f
Milieu Veränderung 190, 194, 195,
319, 372, 393
Mimik 268
Minderwertigkeitsgefühl 311 f ,
314, 327, 337, 358, 366
Minderwertigkeitskomplexe 333
Mitteilsamkeit 190
Milteitungsdrang 397
Montessori, Dr. M. 19
Moatessorischule, Wiener 33
Moral Insanity 367
Moral d. Wilden 370
Moralische Gefühle 363,
365, 370
Motorik 268
Motorische Unruhe 147, 241
Müller, Josine 211
Müller, L. K. 179
Musik u. Sexualerregung 245
Mutismus 279 f
Mutter; Ablösung v. d. 276;
Eosteigerte Liebe z, 105f;als
iebesobjekt 14 f, 312; und
Tochter 276; Trennung von
der 148
Mythos 309, 310; u. ödipus-
situation 265
Nacherziehung 32
Nägel beißen 274, 330
Nägolschneidan 205
Narzißmus d. Kindes 44, 57,
61, 64, 66 f, 69, 71, 311,
314, 317; sekundärer 389
Narzißtische Kränkung 242
Nasebohren 11, 90
Naschen 311
Nathorst, Anita 407
Naturgewalten u. Entwick-
lung 9, 20
Neurologische Untersuchung
238
Neu rose; Kernkomplex einer
249; kindl. 6, 13. 142 ff , 275,
278, 279, 351, 354, 392; und
Triabunterdrücknng 20, 25;
u, Triebverzicht 193; und
Volksgesundheit 373
Neurosen; -Prophylaxe 279;
-Psychologie 282
Neurotiker, Familienroman
^dos 281 ff
Neurotische Symptome 194;
Verhalten 330 f
Neid gegen d. Analytiker 224;
gegen A. Mutter 224 f
Nervosität 214
Niels (Fat. St. Bornatem)
142 ff
Noeggerath -Eck stein 270
Oberhollabrunn 79
Objektbeziehungen 61, 66, 71,
195, 212; Anfänge d, 399;
reale 387
Objektliebc 61 f, 71, 201
Objektverlust 186, 187, 191
Objektwithl 312
Obstipation 197, 208, 214; und
Onanie 386
Obszöne Worte 302, 322
Ödipus; -bindung £65; -einstel-
lung 374; -komplex 14, 105,
107 f, 211, 351, 380; -konflikt
107. 188, 210; -Situation 14 f,
22, 265, 273; -wünsche 107,
193
Oligakisurie 272
Onan 376
Onanie 13, 40, 44, 65, 188, 189,
190, £08, 223, 227, 267, 274,
298, 301 f, 348, 367, 370; anale
386; exhibitionistische 238,
241, 248, 250, 251; exzessive
390; u. Frauenkrankheiten
J82; Geheimhalten d. 377; ge-
meinsame 323; und Gesell-
schaft 377, 380; u. Gewis-
sensangst 379 f ; infantile
375, 380; u. Lernen 7 f, 22;
manuelle 105; u. Masochis-
mus 378; u. Neurose 383;
und normale Sexualität 387;
u. Obstipation 386; peren-
niorendo 389; u. Pubertät
374 ff; u. Religion 376; und
Schule 377, 380; u. Schwan-
gerschaft 382; und Selbst-
kastration ,256; Strafen fij T
376; Terrainsetzung d. 334.
Unterdrückung d 229- vaci'
nnle 224; u. Verdrängung
384; und Waschzwang 385;
weibl. 376 ff "'
Onanie- Abgewöhnungskampf in
der Pubertät 374 ff ; -anast
105 f, 225 f, 256; -äquivalente
241, 247 273, 386; -charak!
lere 3fi8; -geständnis 390
346, 848; -penode 378, -p e .
node, Überbleibsel d 388-
-Phantasien 378, 381," 384'
-Problem 348; -verbot 65 105'
381, 890; -Verhütung ' 38T '
-Wunsch 106 "
Operationstrauma 331, 345
Operieren — eine Angelegen-
heit d. Psychologie? 346 ff
Orale(r); Einverleibung 109
202; Fixierung 248, 256, 257;
« l ?r 111; Introjektion 212;
Neid 199; Phase 53, 179; Sa-
dismus 209, 211, 260; Trotz
Organische Krankheit 141 f
Orgasmus u. Harndrang 273
Oslo 407
Pädagogen erliegen d. Fluch
d. Lächerlichkeit 286 ff
Pädagogik, Geschichte d. 18;
u. Psychoanalyse 5 f, 141
Pansexualismus 351
PaTtialstufo 196
Partialtriebe 179, 183, 186
Passiv; (e, es) anale Einstel-
lung 2G0; feminine Ein-
stellung £29, 232, 258; Erle-
Register
419
ben aktiv ■wiederholen 44,
C9; masochistischor Wunsch
247; Resistenz 149; Strebun-
gen 259; Verhalten d. Ana-
lytikers 142
Pathogooes Gewicht d. Erleb-
nisses 335 f, 339 f
Paviane 298
Pavor noeturnus 187, 198,
206, 273
Peller, Lili 33
Penis; captivus 989; -bezeich -
nung, kindl. 45; -ersatz 203;
-losigkeit £24, 231; -neid 188,
231, 234, 235, 300, 397; des
Weibes 235, 254; -wünsch
232, 236 f
Pensimus, Karoline 394
Pereien 265
Perversionen 20, 376
Pessimismus d. PsA, 9
Pestalozzi 287, 289, 290, 292
Pfaundler 271
P fister, Oskar 404
Phantasie; v. d. 3 Experimen-
ten 379; d. Kinderkriegens
382; obiektgerichtete 383; se-
xuelle 364; u. Spiel 360;
-tätigkoit 196, 306; ubw. 196;
u. Wirklichkeit 306 ff
Phantastische Dichtung 306
Phimoseoperation 319 i, 328
Piaget 269
Plagiat 115
Pogrom 286
Poldi (Pat. Buxbaum) 238 ff
„Polenblut" 246
Pollakisurie 160, 272, 273
Pollution 181. 1S3, 384
Porosz, M. 179
Pörtl, Anni 394
Prägonitale Fixierung 60
Prager Brief 274
Primitive; Befriedigtmgs for-
men 12; Gesellschaft £94;
Psyche 308 ff; u. Kind 262,
263, 265; Moral d. 370
Produktionshemmung u, orale
Faktoren 116
Projektionsmechanismen
212, 308
Prostitutionsphantasie 379
Protest gegen d, Eltern 354
Pseudoheredität 185
Psychiatrie u. Pädiatrie 278
Psychiatrische Unter-
suchung 82
Psychoanalyse; Definition der
6; Dissozialität 81, 370, 872;
u. Ideal bildung 314; u. Na-
turwissenschaft 6; des Päd-
agogen 30; und Pädagogik
403 ff; u. primitives Denken
309; Widerstand gegen d.
340, 350; Wirkungen d. 374
Psychologie; u, Begabung 158;
Wörterbuch d. 410; u. Gehirn-
forschung 139; d. Kleinkin-
des, psa 5 ff; u. Lernwillen
157; medizinische 279; und
Operation 346 ff ; und Päd-
agogik 18 f, 169 f; u. The-
rapie. 167; des Ubw. 27
Psychopathie, kindl. 278
Psychopathologie u. PsA, 278
Fsychophysische Organisa-
tion 309
Psychose 267, 278
Pubertät 13, 259, 274, 332, 336;
U. Onanie 374 ff
Pyromanie 182
Rachephantasien 322, 329
Raknes, Ola 407
Rank, Otto 184, 266, 281
Rationalisierung 29
Räuberspiel £34
Reaktionebildungen gegen
Partialtriebe 179
Reaktionstypen i, d, Erzie-
hung 354
Realanget 244, 258
Realität; affektive Einstellung
zur 310; psychische 306, 311
Realitätsbeziehung des Kindes
196; -prinzip 84, 150. 279, 3l2
Rechnen 238
Recht und Unrecht des Kin-
des 19
Rechtsprechung 77
Rededrang 229
Redl, Fritz 155 ff , 319 ff
Reflexloben 267
Regression 180. 184, 186 f, 189,
212; orale 259; aur Partial-
Hebe 201
Reich, Annie 274
Reich, Willi. 181
Reicher 94
Reik, Theodor 268, 269
Reinlichkeits; -bedürfnis 45,
64; -erziehang 39, 51, 62, 67,
183, 184, 192, £08, 210, 211,
229, 274, 310, 401
Reis, Hugo 408
Reize, innere u. äußere 307
Relevanz, Begriff d, 17G
Rentenneurose 240
Repond, A. 278
Retentio urinae 180
Reue u. Asozialität 369
Revolution ; gegen d. Autorität
382; u. Witz 286
Rivalität mit d, gleichgeschl.
Elternteil 374; mit Geschwi-
stern 362; sexuelle 282; mit
d. Vater 256
Röheim, Gfea 182, 272
Rollenspiel 264
Röntgenbefund V. Bettnäs-
sern 178
Rorschach, Hermann 411
Rorschaeh-Test 238, 411
Rotter, Lilian 404
Rousseau, J. J, 19
Rückfalligkeit Strafentlas-
sener 79
Rtihle, Otto 264
Rutenstreiche 79
Ruth (Pat. Sehmideberg) 367
Rutishauer 279
Sadger 180, 182, 183. 185, 266
Sadismus 329; analer 259; ora-
ler 60; Projektion d. 200,
209; u. Schuldgefühl 366
Sadistische; Impulse 212;
Triebkomponenteu 346
Sagen 306, 309
Saugen au d. Fingern usw.
117 ff
Saugetier u. Kind 264, 267
Säugling; Körperlust d. 12,
15; u, Mutterbrust 109; -Si-
tuation, Rückkehr z. 53
Saussure, Raymond de, 407
Schamgefühl 302
Schamlosigkeit, sexuelle 365
Scheler, M. 276
Schjelderup, Harald 407
Schlaf; -gewohnheiten 388; u
Miktion 271; -tic 272; -wan-
deln 272; -zeremoniell 36;
-zimnicr d, Eltern 40, 192
225, 266
Schläge £8, 242, 244
Schlangen, Ekel vor 217
Sehlehmihl 389
Scblimmheit 91, 213, 240,
319 f. 822
Sehmideberg, Melitta 73 ff,
109 ff, 196 ff, 363 ff, 404, 405
406, 407
Schmidt 266, 351
Schmuckbedürfnis 368
Sehneider, Ernst 187
Schober, Hans 350
Sehockerlebnis 20, £3
Schreiben; u Aggression 152;
u. Analität 144 f, 149. 153;
-lernen 357
Schreibhemmung 142 ff,
151, 167
Schreien, psycbol. Bedeutung
d. 212
Schüchternheit als Symptom
346
Schularbeiten, Hilfe bei, 143
Schuld u. Strafe £67
Schuldgefühl 45, 47, 55, 262.
265, £68, 321, 360, 366, 381,
383; erstes 399; u. Ödipus-
situation 266, 267; u. Ona-
nie 189; ubw. 82, £34
Schulanforderungen 357
Schule; Druck der 143; Ver-
sagen i. d. 156; Wegbleiben
aus d. 368; Widerstand ge-
gen d. 357
Schulerfolg 84, 169
Schulfähigkeit 148
Schulmeister, Armut d. 287
Schulreform £89
Schulsohwierigkeiten 163,
170 ff, 174
Schulwechsel 319, 324. 361
Schwachsinnigen, Unter-
suchung v, 276
Schweden 275
Schweigsamkeit, frei-
willige 279
Scott, Clifford 73
Scupin 263
Searl, M. N. 78, 212, 405, 407
Selbstbeobachtung d. Kin-
des 146
Selbstbestrafung 262, 263.
321, 384
Selbsterhaltungstrieb 109
Selbstkastration 256
Selbstmordgedanken 110
■SelbstschiidiguiiK £44
Selbstverrat, ubw. 268
Sexe, Le s. a ses raisons 275 f
Sexual; -abneigung 241; -auf-
klärung 195; -beobachtung
338; -Beziehungen d, Eltern
281; -einschätzung 348; -ent-
wickln ng 374; -Interesse und
Pubertät £59; -leben d. Eltern
364; -neugier 322; -theorie,
kindl. 229; -triebe 9, 11 f
Sexualität d. Kindes n, 13
15, 351, 382; u, Sozietät 376;
u. Wissensdrang 22
29*
420
Register
Sexuelle Aufklärung 274;
Wünsche 14; Interesse für
das 45
Shakespeare 265
Sharpe, Ella 105
Sheehan Daro, Helen 73, 74,
367, 404, 406
Sinnesfunktionen u, Libido 109
Sisyphos 290
Skoliose 132 f
Social workers 39-1
Sonderlinge 389
Sophokles 265
Soziale Einordnung 77.
Spiel; u. Analyse 240; -analyse
e. Sjfihr. Mädchens 19fi ff;
u. Aktivität 359; u. Beichte
269; -hemmung 365; mit Holz-
perlen 48 ff, 67 f; u. Phan-
tasie 360; mit Plastilin 50,
52; sexueller Sinn d. 246; u.
Symbol 309
Spina bifida 178
Sprachentwicklung 39
Stehlen; 365, 367, 369; u. Ex-
hibition 254
Steinmetz 370
Stephen, Adrian 73
Sterba, Editha 37 ff, 394. 399 ff
Sterba, Richard 397 f , 411 f
Sterilität 3S2
Stern, Erich 350
Stern, W. £67, 269, 276
Stiefkind £82
Stiernimnnn 271
Stockholm 407
Storch 360
Störung, Insuffizienz u. Sehul-
orfolg 156 ff
Stottern 167, 277
Strafanstalten 78
Strafbedürfnis 82, 262, £65, 268
Strafe; für Aggression 69; ü.
Asozialität 363; u. Erziehung
Bl; Fernwirkung d. £68,
Furcht v. 90; u. Gewiseen
265; körporl. 244; zur Psy-
chologie d. 262; u. Schuld
267; f. sexuelle Gedanken
365
Stuhl ; -absetzen 65, 301 f ;
-drang u, Pollakisurie 273;
-gang 39, 43; -Verstopfung
37 ff; s. a. Obstipation
Straf; -gericht u. Erziehung
93; -gesetzbuch 78; -mittel
79; -Vollzug 77
Subinzisiou £72
Sublimierung 13, 21 f, 68, 146,
182; u. hyster. Symptom 208;
d. Triebregungen 212
Suggestion 10
Symbol; -denken 309; und
Spiel 309
Symbolik d. Brust 232; ex-
kretorisebe 115; des Ina-
Wasser -Fallen s 184; deä Kin-
des 196
Symbolische Befriedigungs-
form 68
Symptom; und Ersatzbefriedi-
gung 239; hysterisches 205;
neurotisches 96, 105 f ; pas-
sag eres 229
Syroptomatologisehe und
ätiologische Typen 164 ff
Syphitidopböbie "389
Szondi, L. 276
Szüts, Julian 404
Tagträumen £81, 382
Talionprinzip £69
Tamm, Alfhild 275, 407
Tatlust 15
Terminologie, pädagogische
155, 165
Textrechnung 238
Thalassaler Regressions-
zug 184
Theaterspiel 246 f
Theo (Pflegling d, Mbntessori-
schnle) 33 ff
Therapie, psa. 6 f , 351
Tibout 403
Tic 187, 238. 257, 261, 272
Tiefenpsychologie 30
Todesstrafe 78
Todeswunseh 243
Tom (Pat. St. Bornstein)
149, 151
Toronto 392
Totomtier 264
Tramer, M. 278, 279
Trauma, physisch be-
dingtes 346
Traumatisches Erlebnis 259,
260, 335 ff
Traum; -deutung 285; u. Fa-
milienroman £85; -Symbolik
£80
Trennung von geliebten Per-
sonen 35
Triebfe); Abspaltung d. 262;
-äußerungen 10 ff ; 17; -Be-
friedigung 12, 20 f, 91, 192,
193, 401; Begriff d. 10 f; -Be-
herrschung i. d. Erziehung
140; -bestand, ererbter 14;
durchbruch 22 f \ -ent Wick-
lung 166, 210; -erlebnia 309;
u. Erziehung 12 ff , 19 f-
Ich 262; -konflikte, ubw. 141.
152; -knnstitution 335; -leben
267; -lehre Freuds 351; pri-
mitive 363, 365; -Psychologie,
psa. 351; -regungen, Unter-
drückung d. £0; soziale Be-
friedigung d. 373; -Verdrän-
gung £5, 316; -versagung
192, 194; -wesen, Kind als 9;
-wünsche 19, 89, 91, 397, 401;
-ziel 90
Trinfcfanlheit 209
Trotz; analer 45, 54, 64 f, 67,
69 f; Brechen d. 371; -hand-
lungen 326; d. Kindes 165,
190, 266; -widerstand 150
Über-Ich; n. Erziehung 268;
Identifizierung mit d. £03; d.
Kindes 37, 107; u. Verdrän-
gung 154
Über-Ieh-Bildung 24, 67, 166,
211, 304, 399; -Funktionen 375
Übertragung 143, 148 ff
Übertragungsanalyse 279; -Si-
tuation 200; -svmptom 234
Umgebung d. Kindes 13, 84, 88
Umweltbedingungen 263
Unarten d. Kindes 10
Unbewußte Motive 29
Unbewußtes; d. Eltern 353 ff;
Tendenzen d. 353; Material
68; u. Verdrängung 37
Unselbständigkeit 360
Untergang d. Ödipus-
komplexes 374
Urethral; -apparat 179; -erotik
ISO ff, 190, £37; -erotik önd
Charakter 273; -erotik, Sub-
limierung d. 182 f
Urethrale; Fixierung 180;
Onanie 386
Urethralsndistische Phantasien
207
Urin, Zurückhalten d. 45, 51
Urinierbedürfnis 186
Urinieren, stehend 233; Wett-
kampf d. 188
Urologie 182
Urophilie 273
Urverdrängung 91
Vagina, Rolle d. 211
Vaginismus 389
Vater; Eifersucht auf d. 97,
106, 154; Haß gegen d. 258,
265; Hinwendung z. 149, 236;
-imago, Verhalten z. 326; als
Liebesobjekt 14; -mord 85;
-Tochterehe 265
Verbot{e); anale 105; u. For-
derung 399 ff; Reaktionen
auf 90
Verbotener Worte, Ausspre-
chen 169
Verbrecher, jugendliche 77, 392
Verdrängung 29. 90 f, 151, 397;
n. anale Wünsche 150, 154;
gleichzeitige, v. Aggression
u. Liebe 199; u. Onanie 384;
d^ Triebwünsche 323; -schub
374
Vererbung u. Entwicklungs-
freiheit 139
Vorführung II, 20, 397, 401;
sexuelle 336; -sargumente d.
Erziehung £99
Verguügungs- u. Wollust
punkte 122, 121
Vergeltungsimpuls 269; -prip-
zip 81
Verhaltensstörungen
170 f, 174 ff
Verleumden D03
Verlust geliebter Personen
186, 187
Versagung u, Erziehung 22 f
Verschiebung nach oben 398
Verschlossenheit d. Kindes 84
Versöhnungeszenen 356
VertTäumtheit 165 f, 172
Verurteilung u. Beurteilung 94
Verwahrlosung T7, 80, 166, 275,
278; u. Onaniekonflikt 381
Verwahrlostenanalyse 82,
85, 278
Verwöhnen v. Kindern 211
Vielbegabtheit 288
Vivian (Pat. Schmideberg) 197
Vogel 135
Volksmärchen 306, 308, 309, 317
Volksepos 306. 310, 315
Volksmythos 310
Volkswitz £86
Vorbewußtes 84
Vormundschaftsrichter 94
Vorstellungen, ubw. 35S
Vorstellungeablauf, Störun-
gen d, 167, 175
Wachsnggcstion 194
Wagner, Riehard 265
Register
421
Waisenhaus 190
Wandertrieb 84
Waschgewohnheiton 388
Waschzwang 181, 867, 368, 385
Weiß, Elisabeth 404
Wells, H. G. 294
Wertfreiheit d. PsA. G f
Widerstand 318 1 ; -sanalyse 279;
-sphase 240 ; Sinn d. 297 ;
ubw. 239
Wien 394
Wille zur Mitarbeit 239
Willy (Pat. Sohmideberg)
365 f , 370
Winnicoit, Donald 405, 406
Wintsch, J. 278
Wissenschaft u. orale Sexaal-
theorie 114 f
Wißgier 361
Witz-Produktion 286
Wonnesaugen 117
Wortschatz 238
Wulff, M. 306 ff
Wünsche; aggressive 397; u.
Befriedigung 311; ubw. 310,
318,371; unerfüllte 357; zärt-
lich-erotische 397
Yates, Sybille 405, 406
Zahlen; Bedeutung d. geraden
385; Lernen d. S&7
Zappert, J. 178, 194
Zauberei 311
Zeddies, Adolf 410
Zirkusspiet 244 f, 251
Zoraafekte 305
Zuchthaus 78
Züchtigung, körperliche 299
Zulliger, Hans 286 ff, 411
Zwangsneurose 166, u. Enure-
sis 181. 185
Zwangsneurotischer Typus der
Onanieabwehr 386. 388
Zweijährigen, Ans d. Analyse
eines 37 ff
Zwillinge 361
L-. — f
INHALTSVERZEICHNIS DES VIII. JAHRGANGES
Seite
August Aichhorn ; Kann der Jugendliche straffällig werden ? Ist der Jugend-
gerichtshof eine Lösung? jj
Anny Angel: Aus der Analyse einer Bettnässerin 216
Michael B älint: Der Onanie- AbgewÖhnungs kämpf in der Pubertät .... 374
■Gertrud Behn-Esckenburg: Die Erziehung des Weinkind-Erziehers . . 26
Siegfried Bernfeld : Die psychoanalytische Psychologie des Kleinkindes , , 5
Bertha Bornstein: Enuresis und Kleptomanie als passageres Symptom , . 229
Steffi Bornstein: Eine Technik der Kinderanalyse bei Kindern mit Lern-
hemmungen 141
— Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder 555
Edith Buxb aum : Über einen Fall von exhibitionistischer Onanie .... 258
Clinton McCord; Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse in Amerika . 592
Hilde Fischer u. Lüi Peller: Eingewöhnungsschwierigkeiten im Kinder-
garten 55
Anna Freud: Die Erziehung des Kleinkindes vom psychoanalytischen Stand-
punkt aus *7
Sigm. Freud: Der Familienroman der Neurotiker 281
Liselotte Gero: Psychoanalytische Gespräche mit einem kleinen Kind ... 96
Imre Hermann: Über den Gehorsam 296
Kata Le'vy: Vom Bettnässen des Kindes 178
Fritz Redl: Zum Begriff der „Lernstörung" 155
I. Störung, Insuffizienz und Schulerfolg 156
II. Symptomatologische und ätiologische Typen 164
III. Heuristische Kategorien 166
IV. System der Schulschwierigkeiten .... 170
V. Zusammenfassung 176
— Gedanken über die Wirkung einer Phimose Operation 319
Melitta Schmideberg: Intellektuelle Hemmung und Eßstörung 109
— Die Spielanalyse eines dreijährigen Mädchens 196
— Zur psychoanalytischen Behandlung asozialer Kinder und Jugendlicher . 365
Editha Sterba : Aus der Analyse eines Zweijährigen 37
— Verbot und Aufforderung. Eine Kinderbeobachtung 399
Richard Sterba: Eine Kinderbeobachtung 597
M. fFulff: Phantasie und Wirklichkeit im Seelenleben des Kleinkindes . 306
Hans Zulliger: Pädagogen erliegen dem Fluche der Lächerlichkeit . . . 286
BERICHTE
H. Christoffel: Zur Biologie der Enuresis , 270
S. L i n d n e r : Das Saugen an den Fingern, Lippen etc. bei den Kindern
^Ludehi), Mit 22 Abbildungen xi^
Heinrich Meng: Zur Psychologie der Strafe und des Straf ens 262
Bericht aus London y~
Volkshochschulkurs über Erziehung in Basel x^q
Prager Brief 2?4
424 Inhaltsverzeichnis
Seite
Kurs über psychische Hygiene des Kindesalters in Schweden 2 75
Psychoanalytische Pädagogik im Jahre 1954 4°4
Büdier und Zeitschriften
Cherbuliez Dr. Jeanne Stephani : Le sexe a ses raisons (Hoffer-Schaxel) , 275
Enzyklopädisches Handhuch der Heilpädagogik (W. Hojfer) 55°
Klamroth Dr. Edith: Mutter und Tochter (Hojfer-Schaxel) . ...... 276
Reis Dr. Hugo 1 Praxis der beratenden Psychologie (Marseille) 408
Szondi Dr. L,: Konstitutionsanalyse psychisch abnormer Kinder (Hcffer) . 276
Zeddies Dr. Adolf: Wörterbuch der Psychologie (R. Sterba) 410
Zeitschrift für Kinderpsychiatrie (Hoffer) 278
Zulliger Hans: Der Rorschachtest im Dienst der Erziehungs- und
Berufsberatung (Marseille) 4 11
■ "
■
.
Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, VW. Jahrgans Heft 1 1/12
INHALT:
Stoff Bernstein: Unbewußtes der ElLem in der Erziehung der Kinder 353
Melitta S c h in s d e b r g: Zur psychoanalytischen Behandlung asozialer Kinder und
Jugendlicher 863
Michael Balint: Der Onanie-Abgcvröhnungskampf in der Pubertät 371
Clin tun McCorJ: Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse in Amerika 392
R. St erb*: Eine Kinderheobachtung 397
Ed. Bterba: Ycrliut und Aufforderung 399
BEEICHTE
Psychoanalytische Pädagogik im Jahre 1934 , 403
BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEN
Hugo Reis: Praxis der beratenden Psychologie (Marseille) ■ . . 408
Z e d d i o s: Wörterbuch der Psychologie (R. S t e r b a) 410
Z uliiger: Der Rorschachtest im Dienste der Emehunga- u. Berufsberatung (Marseille) 411
Register - - iu
Soeben erschien:
EDMUND BERGLER
TALLEYRAND - NAPOLEON
STENDHAL- GRABBE
PSYCHOANALYTISCH-BIO GRAPHISCH IL
ESSAYS
Geheftet RM 6.5 0. ^~ In Leinen, RM S.~—
Aus dem Vorwort:
Die TLtelbezeiehnuiig „psychoan&lytiseh-biographische Essayä" bedarf
einer Erklärung. Eine analytisch-biographische Studie lieht lediglich die für
die betreffende Persönlichkeit, e n tsehei.d enden an b e w u ß I n M o -
tive hervor und verzichtet darauf, mit der deskriptiven Biographik in Kon-
kurrenz zu treten.
Die hier vorliegenden Studien über Talleyrand, Napoleon, Stendhal und
Grabbe sind im Anschluß an meine klinischen Arbeiten geschrieben worden.
Immer wieder reizte es mich, jene Probleme, auf die klinische Erfahrungen
mich hingelenkt hatten, an historischen Gestalten aufzusuchen. So entstanden
als Ergänzung meiner Arbeiten über die Psychologie des Zynismus die Stu-
dien über Talleyrand und Napoleon, in Fortführung der Untersuchungen über
die orale Phase der Libidoeutwieklung, die über Grabbe, und als Abschluß
moiner Bemühungen um das Verständnis narzißtischer Phänomene — die
Stendhal-Skizze. Diese Entstehungsgeschichte bewirkt, daß die Hehlen der
folgenden Essays auch als klinische Typen gesehen sind mit einer gewissen
Einseitigkeit, der sich Verfasser bewußt, ist, ohne sie meiden zu wollen.
INTERNATIONALER
PSYCHOANALYTISCHER VERLAG IN WIEN
Soeben erschien
Band IX der
BÜCHER DES WERDENDEN
Herausgegeben von Paul Federn, Wien, und Heinrich Meng, Basel
Heinrich Meng
STRAFEN UND ERZIEHEN
20) Seiten. In Leinen M 4.8;*)
Aus dem Vorwort:
Der Zweck dieses Buches ist, Beobachtungen und Ergebnisse aus der
Erziehungspraxis darzustellen, damit, wer zur Strafe als Erziehungs-
mittel greifen will, sich zuvor unterrichten kann über ihren Ursprung,
ihre Wirkung und psychologische Einordnung. Zur Beantwortung der
Frage „Muß Strafe sein?", über die der Mensch von heute immer wieder
nachdenkt, ist die Kenntnis der wichtigsten Tatsachen der Geschichte
der Strafe und ihrer Psychologie nötig.
Eine der Erziehungsaufgaben scheint mir zu sein, das Kind und den
Erzieher unter ein sachlich notwendiges Gesetz zu stellen, das zum
Eigengesetz des Kindes wird. Damit berührt die Problematik des Strafens
und Erziehens die Frage menschlicher Lebensmöglichkeit überhaupt.
Inhalt:
I. Ursprung- und Entwicklung des Strafens
II. Grund und Zweck des Strafens. Die Strafrechtstheorien. —
Das Erziehen durch Strafe.
III. Zur Psychologie der Strafe und des Strafens.
IV. Wirkung des Bestraftwerdens.
V. Die Körperstrafe bei verschiedenen Völkern. — Die seelische
Wirkung der Körperstrafe.
VI. Erziehen und Strafen in den ersten Kinderjahren.
VII. Das Strafen im Schulalter.
VIII. Die richtige Behandlung scheinbar straffälliger Kinder. —
Autorität und Verantwortung.
IX. „Straffreie" Erziehung und Selbstzucht.
X. Richten, Strafen und Erziehen als pädagogisches Problem
der Zukunft.
VERLAG HANS HUBER IN BERN
*) Der Preis wurde auf dem Umschlag des Heftes 9/10 versehentlich anders angegeben.
Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Gesellschaft m.b.H., Wien I, Börse-
gasse 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Wilhelm Hoffer, Wien I, Dorotheerg. 7. Druck von Emil M.Engel,
Druckerei und Verlagsanstalt, Wien I, In der Börse.
Soeben erschien
Band IX der
BÜCHER DES WERDENDEN
Herausgegeben von Paul Federn, Wien, und Heinrich Meng, Basel
Heinrich Meng
STRAFEN UND ERZIEHEN
20) Seiten. In Leinen M 4.8;*)
Aus dem Vorwort:
Der Zweck dieses Buches ist, Beobachtungen und Ergebnisse aus der
Erziehungspraxis darzustellen, damit, wer zur Strafe "als Erziehungs-
mittel greifen will, sich zuvor unterrichten kann über ihren Ursprung
ihre Wirkung und psychologische Einordnung. 'Zur Beantwortung der
Frage „Muß Strafe sein?", über die der Mensch von heute immer wieder
nachdenkt, ist die Kenntnis der wichtigsten Tatsachen der Geschichte
der Strafe und ihrer Psychologie nötig.
Eine der Erziehungsaufgaben scheint mir zu sein, das Kind und 1
Erzieher unter ein sachlich notwendiges Gesetz zu stellen, das
Eigengesetz des Kindes wird. Damit berührt die Problematik des Strafen«
und Erziehens die Frage menschlicher Lebensmöglichkeit überhaupt.
Inhalt:
I. Ursprung und Entwicklung des Strafens
IL Grund und Zweck des Strafens. Die Strafrechtstheorien. -
Das Erziehen durch Strafe.
III. Zur Psychologie der Strafe und des Strafens.
IV. Wirkung des Bestraftwerdens.
V. Die Körperstrafe hei verschiedenen Völkern. — Die seelische
Wirkung der Körperstrafe.
VI. Erziehen und Strafen in den ersten Kinderjahren.
VII. Das Strafen im Schulalter.
VIII. Die richtige Behandlung scheinbar straffälliger Kinder.
Autorität und Verantwortung.
IX. „Straffreie" Erziehung und Selbstzucht.
X. Richten, Strafen und Erziehen als pädagogisches Probl«
der Zukunft.
VERLAG HANS HUBER IN
*) Der Preis wurde auf dem Umschlag des Heftes 9/10 versehentlich andl
♦VIII- Jahrg.
November — Dezember 1934
Nr. 11/12
Zeitschrift für
psychoanalytische
Pädagogik
Eigentümer
gasse 11. —
Herausgeber und Verleger: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Ge^ll«
Verantwortlicher Redakteur: Dr. Wilhelm Hoffer, Wien I. Dorothecrg. 7. C
Druckerei und Verlagsanstalt. Wien I. In dt-r Börse.
Steff Bornstein > . . . . Unbewußtes der Eltern
in der Erziehung der Rinder
Melitta Scfimideberg . . Zur psychoanalytischen Behandlung
asozialer Kinder und Jugendlicher
Micßael Bdlint ..... Der Onanie- Abgewöhnungskampf
in der Pubertät
Clinton P, McCord . . . Bemerkungen zum Stand der
Kinderanalyse in Amerika
R. Sterba Eine Kinderbeobachtung
Ed. Sterba Verbot und Aufforderung
Berichte
Psychoanalytische Pädagogik im Jahre 1934
Bücher und Zeitschriften
Preis dieses Heftes Mark 2"