(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik VIII 1934 Heft 11/12"

WH. Jahrg. November— Dezember 1934 Nr. 11/12 

Zeitschrift für 

psycho an aly ti s che 

Pädagogik 



Steff Bornstein Unbewußtes der Eltern 

in der Erziehung der Kinder 

Melitta Scßmideberg. , . Zur psychoanalytischen Behandlung 

asozialer Kinder und Jugendlicher 

Micßael Bdlint ...... Der Onanie- Abgewöhnungskampf 

in der Pubertät 

Clinton P, McCord . . . Bemerkungen zum Stand der 

Kinderanalyse in Amerika 

R. Sterba Eine Kinderbeobachtung 

Ed. Sterba Verbot und Aufforderung 

Berichte 

Psychoanalytische Pädagogik im Jahre 1934 
Bücher und Zeitschriften 



Preis dieses Heftes Mark 2'— 




Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik 

Begründet von Heinrich Meng und Ernst Schneider 



August A i c h h o r n 

Wien V, Schfinbrunnerslratic 110 



Herausgeber: 
Dr. Paul Federn 

Wien VI, KOfitlerRasae 7 



Dr. Heinrich Meng Prof. Dr. Ernst Schneider 

Basel, Angcnstelncralraüe 16 \\ aldixxlcluuij — In im 

S t u (I troda, Thüringen 



Anna Freud 

Wien IX, llcr^KaNse IQ 

l [ans Z u 1 1 i <* e r 

1 1 1 l g e n lir i liern 



Schriftleiter: 
Dr. Wilhelm Hoffer, Wien, 1., Dorotheergasse 7 



6 Doppelhefte Jährlich M. 10*—, sdiw, trk. 12*50, tisterr. S 17*— 
Preis des Doppelheftes: M. 2*— (sdiw. Frk. 2*50, österr. S 3*40) 

Geschäftliche Zuschriften bitten wir zu rldium im 

Internationaler Psychoanalytisdier Verlag 

Wien 1, In der Hörse 



Zahlungen für die „Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik" können geleistet werden 

durch Postanweisung, Bankscheck oder durch Einzahlung auf eines der 

Postscheckkonti des „Internationalen Psydioanulytisdien Verhörs In Wien": 



Postscheckkonto 
Leipzig 9 $.112 
Zürich VIII, II. 479 
Wien JI.6}) 
Paris C 1100,$$ 
Prag J9.}8j 
Stockholm 44.4$ 



Jahresabonnement 

M. IQ' — 
Frk. IT $0 
S IJ- 
Fr. 6or— 
Kc* So'— 
schw. Kr. iy$0 



l'osfsdH'd.kimta 

Budapest jl.204 
Zagreb 4O.9OO 
ff'arstawa I $1.2)6 
Riga 36.9} 
s'Gravenhage I42.2.fS 
Rjübenhavn 24>9)2 



JahreHuluiiiiK'iiK 

' J iy6o 

Diu. 1)6- — 

ZI. 2rjQ 

Lat. 12' jq 

hfl. 6- 

(iii/i. Kr 12' jo 



Bei Adressenänderungen bitten wir, freundlich auch den bisherigen Wohnort 
bekanntzugeben, denn die Abonnentenkortel wird nadi dem Ort und nldit nadi dem 

Namen geführt. 



In Vorbereitung befinden sich folgende Sonderhefte: „Lern- und 
Denkstörungen", „Jugendliche Verwahrlosung und Kriminalität*' 

„Pubertätsprobleme". 
Das nächste Heft (IX. Jahrg., Heft 1/2) bringt die ausführliche Kranken- 
geschichte eines Kindes: „Über einen Fall von Pavor nocturnus 

von Dr. Jenny Wälder. 



ZEITSCHRIFT FÜR PSYCHO- 
ANALYTISCHE PÄDAGOGIK 

VIII. Jahrg. November-Dezember 1934 Heft 11/12 

Unbewußtes der Eltern in der Erziehung 

der Kinder 1} 

Von Steff Bornstein, Prag 

Eine von vielen Kindern geplagte Mutter pflegt die Fragen ihrer 
Kinder, warum dies oder jenes geschehe, mit der Antwort abzutim: 
„Die Mutter weiß schon, was sie tut." So erwehrt sie sich der Fragen, 
aber in Wirklichkeit könnte sie kaum eine Erklärung für manche 
ihrer Erziehungshandlungen geben. Denn sie unterliegt den eigenen 
Kindern gegenüber leichter als erwachsenen Personen gegenüber den 
Tendenzen ihres Unbewußten. 

Und so geht es nicht nur der Frau, die sich wenig für die innere Ent- 
wicklung ihrer eigenen Kinder interessiert, nicht nur der überreizten 
oder an Stimmungsschwankungen leidenden Mutter, dem überarbei- 
teten Vater, sondern auch den gesunden, klar denkenden, auf ihre 
Kinder gut eingestellten Eltern; so geht es nicht nur dem nicht- 
analysierten Erzieher, sondern auch Menschen, die in der eigenen 
Analyse eine größere Vertrautheit mit ihrem Unbewußten erworben 
haben. Solche Beobachtungen und Erfahrungen aus Analysen von 
Pädagogen lehren milde über die Eltern denken, wenn sie in der Er- 
ziehung der Kinder Fehler machen; und es ist eine Binsenwahrheit, 
daß es viel leichter ist fremde Kinder richtig zu beurteilen als eigene 
objektiv zu sehen. 

Daß Kinder, vor allem eigene Kinder, so leicht unser Unbewußtes 
herauslocken, scheint daher zu kommen: ein großer Teil von Vor- 
stellungen, die nicht bis zu unserem Bewußtsein vorzudringen pfle- 
gen, stammt aus unseren Kinderjahren und unseren Kindheitserleb- 
nissen, die vergessen sind. Werden wir nun durch Kinder an unsere 
eigene Kindheit erinnert, so leben jene verdrängten Erlebnisse von 
neuem auf. Werden sie nicht bewußt, und das gelingt selten außer- 
halb der Analyse, so leben sie sich unkontrolliert an den Kindern aus, 
in den Maßnahmen, die wir ihnen gegenüber ergreifen. Es gibt da 

*) Vortrag, gehatten in einer Eltern Versammlung in Prag. 
Zeitschrift f. psa. Päd., VIII/ll/12 55 

INTERNATIONAL 




PSYCHOANALYTIC 
UNIVERSITY 

DIE PSYCHOANALYTISCHE HOCHSCHULE IN BERLIN 



354 



Sjcff l'.sji'iistrin 



zwei Haupttypen von Reaktionen: entweder überwiegt die abwehrende 
Kraft in unserer Seele: das was wir als Kinder abgewehrt und über- 
wunden haben, weil es auszuleben peinlich und beängstigend war 
und uns in Konflikte mit unseren Eltern und Erziehern und unserem 
Gewissen gebracht hätte, das versuchen wir auch unseren Kindern zu 
verwehren: wir benehmen uns also unseren Kindern gegenüber so, 
wie unsere Eltern sich uns gegenüber benahmen, wir treiben sogar 
mit unserem Verhalten die Kinder in die Konflikte, die wir selber 
hatten, um dann ihnen gegenüber unsere Eltern zu spielen, häufig 
sogar deren Strenge zu übertreiben. Oder es überwiegen die revol- 
tierenden Kräfte in uns: das, was wir uns ehemals verbieten mußten, 
um nicht in Konflikte mit unseren Erziehern zu kommen, soll unseren 
Kindern erlaubt sein. Sie sollen es besser haben als wir es hatten. 
Wir leben dann in unserem Verhalten den Kindern gegenüber den 
Protest aus, den wir unseren Eltern gegenüber empfanden. Es soll 
damit nicht gesagt werden, daß unsere Erziehung nichts anderes als 
eine Neuauflage unserer eigenen Kinderkonflikte ist. Selbstverständ- 
lich erziehen wir unsere Kinder auch nach den Gesetzen der Realität 
und nach Grundsätzen, die sich auf die Beobachtung der Kinder stützen. 
Nur soll uns hier nicht: dieser bewußtseinsfühige Anteil der Pädagogik 
beschäftigen sondern der andere, uns unbewußte. 

Zwei Schwestern, Mädchen von 7H und Q l A Jahren, verbringen ihre 
Tage mit Streit und Eifersucht und quälen die Mutter mit ihren An- 
sprüchen auf Geliebt- und Beachtetwerden. Die Eifersucht der Älte- 
ren auf die Jüngere scheint verständlich. Sie selbst ist ein schwieri- 
ges, aggressives Kind, die Jüngere, hübscher, anschmiegsamer, leich- 
ter den Leuten verständlieh, ist bei fast allen die belieblore. Wir 
wissen auch, wie häufig die älteren Kinder eifersüchtig auf die jün- 
geren sind, die ihnen das Recht des Einzigen genommen haben. Im 
allgemeinen überwinden die Kinder diese Eifersucht mehr oder weni- 
ger gut, und es ist immer ein Zeichen von neurotischen Störungen des 
Kindes oder ein Anzeichen von einer ungeschickten Behandlung durch 
die Erwachsenen, wenn die Eifersucht in ihrer ganzen Schärfe be- 
stehen bleibt. Hier aber plagte sich nicht nur die neurotische Ältere, 
sondern auch die Jüngere, seelisch Stabilere, mit Eifersucht. 

Wir haben Gelegenheit, Zeugen einer Unterhaltung zwischen den 
beiden Schwestern zu sein. Die Ältere wirft der Jüngeren in heftigen 
W T orten vor, daß sie es immer viel besser gehabt hätte, daß sie auch 
viel länger als sie selbst naß machen durfte. Die Jüngere erwidert 
mit einem Gegenangriff: „Wie ich noch nicht auf der Welt war, konn- 
test du allein die ganzen Windeln naß machen, auch die von mir, und 
durftest alles allein strampeln und hast Mutti allein gehabt." 



Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder 



355 



Die Ältere: „Aber Mutti hat dich viel lieber und hat dich immer 
besser behandelt. Ja, das ist wahr, das hat sie selbst mal gesagt: Pfui, 
hat sie gesagt, Liesel hab ich viel lieber, du bist gar nicht nett. Weil 
ich so ungezogen war." 

Liesel besteht darauf: „Dich hat sie früher gauz allein lieb gehabt, 
auch meine Liebe." 

Als die Ältere nun klagt, daß sie niemals die ganze Liebe der Mutter 
gehabt hätte, immer nur eine Hälfte, erfindet die Jüngere eine psycho- 
logische Erklärung, deren Problematik uns hier beschäftigen soll. 
Sie sagt: ,Die andere Hälfte hat sie ihrer Mutter gegeben. Die Liebe, 
die Mutti mir gegeben hat, hat sie zuerst ihrer Mutti gegeben." 

Gewiß, es war ein Anzeichen, daß die ältere Schwester ihre frühen 
Konflikte noch nicht erledigt hat, wenn sie mit bald acht Jahren noch 
darunter leidet, daß die Kleine als Baby noch naß machen durfte, als 
sie schon sauber sein sollte, wenn sie aggressiv gegen die Mutter 
wird, weil diese den Vater liebe; aber da wir hier nicht das Unbe- 
wußte der Kinder, sondern der Mütter untersuchen wollen, fragen 
wir, was die Mutter der Kinder dazu tat, damit die Eifersucht der 
Schwestern auf einander den Stachel verliere. Sie tat, was die kleine 
Liese in ihrer Unterhaltung tut, wenn sie statt zu besänftigen, hetzt, 
als sie der Älteren vorrechnet: „Früher hast du Muttis ganze Liebe 
gehabt, durftest alles allein strampeln." Die Mutter träufelte Öl in 
das Feuer der Eifersucht, das in ihrem Hause ständig brannte. Aber 
sie merkte nicht, daß sie es tat, und nicht, wie sie es tat. Sie war eine 
mit pädagogischem Ehrgeiz liebende Mutter und glaubte alles zu tun, 
um den Kindern die Eifersucht zu ersparen, unter der sie in ihrer 
eigenen Kindheit schwer gelitten hatte. Das glaubte sie am besten zu 
tun, indem sie beinahe täglich, bei irgend einer Maßnahme, den Kin- 
dern ihre gegenseitigen Vorrechte ausmalte. Die Jüngere soll mittags 
ruhen, ist böse, weil die Ältere in dieser Zeit spielen darf. Die Mutter 
gibt der Älteren drei Bonbons in die Hand: „Eins für dich, zwei für 
Liesel, weil sie ruhen muß." Und aus Angst, sie könnte diese zwei 
Bonbons für eine Bevorzugung halten, erzählt ihr die Mutter, wie sie 
sich Sorge darum mache, daß Liesel so schlecht aussehe. Selbstver- 
ständlich hört das Kind nur heraus: also um Liese sorgt sich die Mutti 
so, Liese liebt die Mutti so und ihr gibt sie auch ein Bonbon mehr 
als mir. 

Die Ältere wird zu einer Kindergesellschaft eingeladen. Aus Angst 
vor einer eifersüchtigen Regung der Jüngeren erlaubt ihr die Mutter, 
ein Paar neue Puppenschuhe kaufen zu gehen. Und nun rechnen beide 
Kinder eifersüchtig nach, was ein größerer Vorzug sei. Werden die 
beiden fast gleichaltrigen Kinder nicht zu gleicher Zeit zu Bett ge- 



£5* 



schickt, so heißt es bald: „Du darfst noch eine halbe Stunde länger 
aufbleiben, weil du älter und kräftiger bist", bald: „Liesel darf heute 
eine halbe Stunde später ins Bett, weil sie mittags lange geschlafen 
hat". Praktisch hat diese Maßnahme keinen Sinn, denn die früher zu 
Bett geschickte schläft doch nicht ein, bevor die Schwester k 011 mit, uber 
die Kinder sind gegeneinander aufgehetzt und wieder vor die Ver- 
suchung gebracht, der Mutter nachzurechnen, wen sie vorziehe. Die 
ängstliche Sorge der Mutter, wie sie die Kinder überzeugen könne, 
daß sie beide gleich lieb hätte, teilt sich den Kindern als eine Unruhe 
mit, in der sie nun dauernd nachforschen, ob es auch wirklich so sei. 
Und so sind sie unersättlich in ihrem Wunsche, Liebesbeweise zu be- 
kommen, Versöhnungsszenen nach Auseinandersetzungen gelten ihnen 
als überzeugende Liebesbeweise, 

Die Mutter ist unglücklich, daß es ihr nicht gelingt, eine harmo- 
nische Atmosphäre zu schaffen. Sie erkennt ihr Versagen, nicht aber 
wie sie es herbeiführt; sie weiß, daß sie sich bemüht, die Kinder z\x 
verstehen, weiß aber nicht, was sie dazu beiträgt, die Kinder gegen 
sich und gegen einander zu stimmen. Was liegt hier vor? Die kleine 
Liese weist uns den Weg: „Die Liebe, die Mutti mir gegeben hat, hat 
sie zuerst ihrer Mutti gegeben." 

Mütter leben manchmal an ihren Kindern die Konflikte aus, die si e 
in ihrer eigenen Kindheit mit den Müttern gern ausgelebt hätten. Di e 
Mutter der eifersüchtigen Schwestern erzählt uns, daß sie selbst eine 
strenge und verständnislose Mutter gehabt hätte, daß sie sich ihre 
ganze Kindheit hindurch nach Geliebt- und Bevorzugtwerden gesehnt 
hätte, daß auch sie in einer Schwester eine Konkurrentin gehabt hätte. 
Während sie nun bewußt den Kindern eine glückliche Kindheit be- 
reiten will, treibt sie sie in die gleichen Qualen, die sie als Kind 
durchgemacht hat: auch ihre Kinder bangen nach Mehr-Geliebt- 
werden. Wenn sie nun die Kinder in die Arme nimmt, ihnen immer 
wieder ihre Liebe versichert, genießt sie, sieh in das Kind einfühlend, 
das Glück, das sie in ihrer Kindheit vergeblich ersehnt hat: so wie sie 
als Kind geglaubt hat, daß sie ungeliebt sei, so glauben es nun ihr© 
Kinder, aber ihnen gibt sie die Erfüllung, die ihr die Mutter versagt 
hat; sie sagt dem Kind: du irrst dich, ich liebe dich wirklich. Dies© 
Versöhnungsszenen mit dem Kind sind für ihr Unbewußtes nachträg- 
liche Versöhnungen mit der Mutter; als sagte sie mit ihrem Verhal- 
ten: die Mutter ist nicht gleichgültig, sie ist lieb. So wie die meisten 
Kinder in ihrem Verhalten zu den Puppen eine Doppelrolle spielen, 
teils darstellen, wie sie behandelt werden, teils wie sie behandelt 
werden möchten, so wiederholt sie den Kindern gegenüber, einem ihr 



Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder 357 



fremden Zwang gehorchend, ihr unerledigtes Kinderschicksal und 
ihre unerfüllten Kinderwünsche. 

Ein anderes Beispiel: Die Mutter eines intelligenten Knaben im 
ersten Schuljahr beklagt sich darüber, daß ihr Junge sich in der 
Schule ungeheuer frech benehme, nicht nur aggressiv gegen die Mit- 
schüler sei, sondern auch unverschämt gegen den Lehrer. Sie wünscht, 
man könne ihm das abgewöhnen, denn so käme er ja nicht durch die 
Schule, wenn sie aber an ihre eigene von Angst erfüllte Schul- 
zeit denke, so freue sie sich über die Keckheiten ihres Jungen Nun 
zeigte sich sehr bald in der Analyse des Jungen, daß sein Verhalten 
in der Schule einen Versuch bedeutete, die Angst, die er vor der 
Schule hatte, abzuwehren. Der mit seinem Wissen und seinem Ge- 
scheitsein protzende Junge gestand, daß er nicht so l^liMto 
wie die anderen, daß er deshalb Jeden Tag vor der Schule Angst hatt* 
Ich vermutete, daß diese Angst des Kindes von anderen Dinger aufs 
Lernen verschoben war, und versuchte «"S^iÄÄ 
anforderungen seine geistigen Kräfte nicht übersteigen ****»£ 
deckte ich daß der Junge Recht hatte, daß er l^tfU^P 
Schwierigkeiten schon beim Lesenlernen der ersten Fibelseiten hatte 
daß ihm die Zahlen noch nicht ganz vertraut waren, er jonglierte mit 
ihnen, ohne einen Zahlenbegriff zu haben, war also «MA» 
weise verwirrt, wenn er rechnen sollte; in seinen Heften kleckste 
Ind schmierte er, um mit der diek aufgetragenen Unbekümmerte it 
die Schüchternheit zu verdecken, die er den Buchstaben gegenüber 
empfand. Die Lücken, die sich bereits gebildet hatten, waren bei dem 
S das gern seinen Widerstand gegen die Schule überwinden 
wollte leicht auszufüllen, dazu mußte ich mich aber um seine Schul, 
SIS* Ms ich der Mutter davon — «^"J 
tief getroffen. Absichtlich hätte sie sich nicht um scme Schularbeiten 
Bekümmert denn sie wollte dem Kinde die Qualen ersparen die ihr 
geKummeii, uouu D • , ,. achtenden Eltern bereitet 

die Schularbeiten und die streng auf diese acmenaui n 
hätten, als sie ein Schulkind war. Ihre Kindheit sei durch die Schule 
vergällt gewesen, und es sei nun schrecklich für sie daran zu denken, 
daß ihr Kind das Gleiche erleben solle. Ich tröstete, die Lucken seien 
geringfügig, nur sei es bei den Schulanfängern in den überfüllten 
Klassen von 40 und 50 Kindern wichtig, gelegentlich dem Kinde bei- 
zustehen, wenn es nicht von selbst einen Schuleifer entwickle. Obwohl 
nun die Mutter meiner Erfahrung glaubte, liebte sie es, wenn sie das 
Kind zu mir brachte, in seiner Gegenwart klagend zu fragen: „Muß 
er denn wirklich heute arbeiten?" oder „Er hat sich schon unterwegs 
beschwert daß Sie bei dem schönen Wetter mit ihm arbeiten wollen" 
und der Inhalt und Ton solcher Fragen gab dem Kind die Überzeu- 



358 Steff Borustein 



gung, daß die Mutter eigentlich dagegen sei, daß ich mit ihm arbeite, 
daß sie es lieber sähe, wenn ich mich mit ihm unterhielte. Als der 
Knabe dann seine Lernangst tiberwand und Fortschritte machte, als 
seine Hefte sauberer wurden, interessierte sich die Mutter nicht dafür, 
wie es sonst Mütter gerade beim Lernbeginn ihrer Kinder zu tun 
pflegen. Der Junge erzählte, daß nur die Köchin eine Freude an seinen 
Fortschritten hätte, „Mutti ist es ganz gleich, was in der Schule los 
ist". Das Kind war in einem Zwiespalt, teils klagte es über die Un- 
interessiertheit seiner Mutter, teils übernahm es ihre Ablehnung der 
Schule, besonders dann, wenn ihm diese Ablehnung half, seine neu- 
rotischen Ängste vor dem Lehrer und den Schulkameraden zu ver- 
hüllen. Ich erfuhr auch bald einiges von der Mutter, was ihre Hal- 
tung zu den Schularbeiten des Jungen verständlicher machte. Sie war 
die dritte Tochter, und hatte als Kind schon gewußt, daß sie eigent- 
lich ein Junge hatte werden sollen. Ihre Kehuldummheit hatte sie als 
Folge ihrer Minderwertigkeit angesehen, weil sie erstens kein Jung© 
war, und weil die ältere Schwester schon alles wußte, was sie erst 
zu lernen hatte. Sie sei böse mit den Eltern gewesen, weil sie mit 
ihrem Geschlecht nicht zufrieden waren und protestierte innerlich: 
auch als Mädel, auch als dummes Mädel sollen Vater und Mutter mich 
lieben, Sie selbst schien auch mit der kleinen Tochter viel ver- 
bundener als mit dem als klug geltenden Sohn. Auch in diesem Fall 
erkennen wir leicht, wie eine unbewußte Einstellung über die bewußte 
triumphiert. Der bewußte Gedanke dieser Mutter war: mein Kind soll 
sich nicht so mit den Schularbeiten quälen wie ich es als Kind mußte. 
Aber in ihrem Verhalten setzt sich der unbewußte Wunsch durchs 
doch, er soll sich genau so plagen, genau so ein schlechter Schüler 
werden wie ich es war. Ale ob sie damit nachträglich den Eltern zeigen 
wollte: seht ihr, da bin ich nun in Gestalt eines Jungen wieder auf 
die Welt gekommen und bin damit doch nichts Besseres als wie ich 
als Mädchen war. 

Wir wissen, daß kleine Mädchen häufig den Wunsch haben, Jungen 
zu sein. Sie versöhnen sich im allgemeinen im Laufe des Lebens mit 
ihrem weiblichen Dasein, aber die alte Kinderwundo wird oft wieder 
aufgerissen, wenn sie Mutter werden und statt des gewünschten Jun- 
gen ein Mädchen gebären. Im allgemeinen siegt die Vernunft über 
diese Enttäuschung, man liebt das Kind, auch wenn es ein Mädchen 
ist. Aber die im Unbewußten festgehaltene Unzufriedenheit mit der 
eigenen Geschlechtsrollo offenbart sich auf mannigfache Art im Ver- 
halten der Tochter gegenüber. 

Eine Mutter, die ihre Tochter sportlich, sachlich, praktisch kleidete, 
erzählt, die Kleine hätte ihr deshalb Vorwürfe gemacht. Sie liebe 






Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder 



359 



diese Nüchternheit nicht, sie liebe Bänder und Rüschen und möchte 
mal gern hübsche Kleidchen haben, „so richtige Mädelkleider". Da 
erinnerte sich die Mutter, daß sie selbst als Kind unglücklich dar- 
über war, daß man sie als hübsches Mädelchen putzte, daß sie die 
Jungen um die Hosen beneidete. Sie begriff, daß sie ihre eigenen 
kindlichen Männlichkeitswünsehe nun harmlos in der Wahl der ange- 
schlechtlichen Kleidung der Tochter, sozusagen an deren Leib, wie- 
derholte. 

Sehr oft kann man auch Mütter beobachten, die bewußt stolz darauf 
sind daß sie einen Sohn fertiggebracht haben, die sich aber diesem 
Sohn gegenüber so verhalten, daß der Knabe unmännlich, unaktiv 
wird, eine mädchenhafte Zartheit entwickelt. Ein junger Mann er- 
zählt, daß seine Mutter, die ihn lange Zeit lange Locken tragen ließ 
und die stolz auf seine anschmiegsame Bravheit war, sehr erschreckt 
gewesen wäre, wenn ihr jemand erzählt hätte, daß ihr zarter Bub in 
der Schule mit anderen Jungen raufte und als guter Boxer galt. 
Dieser Mann hat bei jeder Gelegenheit im Leben, wo eine gewisse 
Aggressivität am Platze ist, schwere Hemmungen, sich zu behaupten, 
und gerade da, wo er Aggressionslust spürt, die er ich-gerecht ab- 
führen könnte, wird er übermäßig passiv, als lürohte er immer 
noch die Mutter mit seiner wahren Natur zu erschrecken. Mutter, die 
Kinder so beeinflussen, sind meistens Frauen, die in ihren nun ms 
Unbewußte versenkten Kindheitsängsten Angst vor den männlichen 
Aggressionen, in ihren Kinderträumen Angst vor Dieben und Ein- 
brechern gehabt haben. Nun unterdrücken sie alle männliche Akti- 
vität in ihrem Sohne, freuen sieh an seiner Sanftmut, ohne zu wissen, 
daß sie so ihre Kleinmädchenangst am eigenen Kind ausleben 

Eine sehr kluge, sehr mütterliche, in die modernsten Erziehungs- 
prinzipien gut eingeweihte Mutter bittet, ihren vierjährigen Sohn zu 
beobachten. Irgend etwas scheine den Kleinen zu beschäftigen er 
rücke aber nicht mit der Sprache heraus. In den btunden bei mir be- 
gann der Kleine sehr schnell seine Sorgen und Ängste auszupacken, 
war auch voller Ideen und Aktivität beim Spielen. Unter den Phan- 
tasien, die er vorbrachte und deren Inhalt die Angst war, daß ihm 
etwas fortgenommen werden könnte, tauchte immer wieder die Klage 
auf: eine Muttor nimmt einem Sohn die Worte weg; eine Phantasie, 
die ich nicht verstand und die er auch zunächst nicht aufklären 
konnte. Ich bin einmal zugegen, als ein Gast das Kind nach etwas 
fragt. Während sich das Kind deutlich auf eine Antwort besinnt, 
kommt ihm die Mutter zuvor, die für ihn antwortet. Das Kind ließ 
sich keinen Unwillen anmerken, wandte sich aber an mich: „jetzt 
weißt du, wie die Maini mir die Worte wegnimmt." Diese Szene er- 



360 



Steff Bornsteiii 



leuchtete uns, wieso das Kind bei mir beredt und produktiv war, bei 
der viel amüsanteren Mutter aber schweigsam und unaktiv. Die Mut- 
ter hatte die Impulse des Kindes nicht abwarten können, sie ersparte 
ihm den eigenen Aufwand. Wir konnten miteinander feststellen, daß 
sie sich so auch beim Spielen mit ihm benahm, für ihn phantasierte. 
Die gegen sich sehr ehrliche Mutter erzählte mir nun, daß sie sich 
genau so gegen den jüngeren Bruder benahm, stets hatte sie für ihn. 
das Wort ergriffen. Hatte sein männliches Genitale ihren Neid er- 
weckt, so protzte sie mit ihrer größeren Zungenfertigkeit, die sie 
als die Ältere hatte. Sie hatte den Bruder stets bevormundet. Merkte 
sie, daß er mit fremden Jungen spielen wollte, so sei sie an diese 
herangetreten: wollt ihr nicht mit meinem Bruder spielen? Diese 
Mutter war eine analysierte Frau und sie hatte es nicht schwer, nun 
darauf zu achten, daß sie nicht in Wiederholung ihrer Kleinmädchen- 
rache am Bruder auch den Sohn wie ehemals den kleinen Bruder in 
eine Unselbständigkeit hineindränge. Das Unbewußte verliert seine 
gefährliche Macht, wenn es dem Bewußtsein zugänglich wird. 

Sehr häufig bedeuten Kinder für das Unbewußte der Erwachsenen 
Geschwister. Von daher stammt es häufig, daß so viele Eltern und 
Pädagogen, die bewußt das Beste der Kinder wollen, von plötzlichen 
Haßimpulsen gegen die Kinder überrascht werden, oder daß sie über- 
empfindlich ungeduldig auf Kinderunarten reagieren. Kleine Kinder 
denken oft über neuangekommene Geschwister so: möge der Storch 
sie wieder mitnehmen, sie könnten ruhig weg sein, tot sein. Begegnet 
dieser Wunsch starken Schuldgefühlen, so wird er verdrängt, das 
Kind weiß bald nichts von seinen bösen Gedanken, beginn! sogar sehr 
oft, das Neuangekommene ehrlieh zu lieben. Aber es kommt vor, daß 
der ehemals verdrängte Wunsch dem eigenen Kind gegenüber wieder 
auftaucht. Harmlos etwa in einem gelegentlichen Seufzer: das Leben 
wäre ohne das Kind doch leichter. Reißt dieser entschuldbare Ge- 
danke die alten verdrängten Schuldgefühle der Kindheit aus der Ver- 
sunkenheit empor, so ensteht auf dieser Grundlage der verdrängten 
und strengstens untersagten Feindseligkeit gegen das Kind eine 
quälende Angst, es könnte dem Kinde etwas zustoßen, übermäßig 
ängstliche Mütter, die das Kind an allein Möglichen zu hindern suchen, 
damit ihm nichts Gefährliches passiere, hindern auf diese Weise ihre 
Kinder, mutig und selbständig zu werden. Diese krampfhaft ängst- 
lichen Mütter leben ihren alten Kinderglauben von der Allmacht der 
eigenen Wünsche und Gedanken an den Kindern aus. Hat man ehedem 
in den Kinder jähren gewünscht, das kleine Neuangekommene solle 
wieder verschwinden, so fürchtet man, wenn das Gewissen erwacht, 
daß als Strafe für diesen Wunsch das Schlimme wirklieh passieren 



Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder 361 

könne. Und in Wiederholung des alten Glaubens an die Allmacht der 
Gedanken bewacht nun die überängstliche Mutter das Kind, damit 
der böse Wunsch nicht in Erfüllung gehe. Natürlich weiß sie selbst 
nichts davon, daß ihre Ängste um das Kind so in die eigene Kindheit 
hinabreichen, eine Abwehr der ursprünglichen Aggressionen gegen 
das Kind der Mutter bedeuten. 

Hören wir noch einen besonders krassen Fall, der beleuchtet, wie 
eigene Kinder die gehaßten Geschwister bedeuten können. Eine Mut- 
ter von zehnjährigen Zwillingstöchtern tut alles dazu, um die Mädchen 
dumm zu machen. Sie sorgt dafür, daß die Mädchen einen unmög- 
lichen Schulgang absolvieren, nämlich andauernd Schulen wechseln, 
zwischendurch lange Ferien machen, unfähige Privatlehrer bekommen, 
die unbekümmert um die lückenhaften Grundlagen im Wissen der 
Kinder in sie etwas eintrichtern und dabei auf Gebeiß der Mutter 
streng vorgehen. Das Resultat war, daß die Kinder keine Freude am 
Lernen erwerben konnten und wirklich im Wissen hinter den Alters- 
genossinnen standen. Dazu kam, daß die Mutter die Zwillinge als 
naturgewollt Zurückgebliebene behandelte, so daß sie sich daran ge- 
wöhnten, daß sie doch nichts begreifen würden. Obwohl die Mutter 
die besten Pädagogen und Psychologen um Rat fragte, hielt sie sich 
an keinen Rat und nahm den Kindern die altmodischesten Erziehe- 
rinnen. Als sie einmal, dem Druck der Angehörigen nachgebend, 
doch eine sehr geschickte Pädagogin anstellte, bei der die Kinder 
zum ersten Mal in ihrem Leben gut lernten, wurde die Lehrerin nach 
vier Monaten entlassen, obwohl sie noch zwei Monate zu brauchen be- 
hauptete, um die Zwillinge schulfähig zu machen. Grund des neuen 
Lehrerwechsels war: die Kinder hatten in ihrer neu erwachten Wiß- 
gier im Anschluß an eine naturwissenschaftliche Geschichte gefragt, 
wie aus dem Blut der Kuh Milch werden könne, und von dem Zusam- 
menhang der Milchentstehung mit dem Kälbchengebären erfahren. 
Diese von den Kindern längst gewünschte Aufklärung über den 
Ursprung der Kinder machte aus den bisher geistige Nahrung ver- 
schmähenden Kindern zwei interessierte Mädchen, die zu fragen, 
zu forschen, zu lesen begannen. Die Mutter aber erklärte: „Lieber 
sollen die Mädels dumm bleiben, als ihre süße Unschuld ver- 
lieren." Dieselbe Mutter war gar nicht stolz, wenn man ihr sagte, daß 
die liebreizenden Töchter eine Augenweide seien, erwiderte auf solche 
sonst doch von Müttern gern gehörten Komplimente: „Wenn ich das 
doch nicht immer zu hören bekäme, dann bin ich noch unglücklicher, 
daß sie so blöd sind." Diese sonderbare Frau war im praktischen 
Leben eine sehr kluge Frau, mit der man sieh sonst angenehm 
unterhalten konnte. Aber von ihren Töchtern verstand sie nichts, weil 



362 



Steif Bornetein 



sie schwer an der Rivalität zu einer jüngeren Schwester trug, die 
nicht nur schon war, sondern sie auch geistig überflügelte und stu- 
dierte. Kluge Töchter hätten sie zu sehr an die kleine Schwester er- 
innert, sie gönnte ihnen ihre Intelligenz nicht und nicht einmal recht 
die hübschen Gesichtchen, sodaß sie den kleinsten Makel an ihnen 
schonungslos kränkend kritisierte. Während alle Beobachter, auch 
ganz naive Menschen, sahen, daß die Mutler die Kinder blöd machte, 
wußte sie selbst nichts davon, glaubte, nichts unversucht zu lassen, 
um die Dummheit der Kinder zu bekämpfen. 

Nicht immer wirken sich unsere eigenen Kindheitserlebnisse so 
negativ in der Erziehung unserer Kinder aus. Wenn das kleine Mäd- 
chen denkt, es würde die jüngeren Geschwister verständnisvoller er- 
ziehen als die Mutter es tut, — ein Wunsch, der einer Rivalität mit 
der Mutter entspringt, — so kann das der Anlaß für ein später beson- 
ders verständnisvolles Verhalten bei der Erziehung eigener oder frem- 
der Kinder sein. Was man so aus eigenen Erfahrungen als Kind 
schöpft, kann eine Befähigung zum Erziehen begründen, eine „in- 
tuitive" Begabung, die durch ein Studium nicht leicht erarbeitet wer- 
den kann. 



Zur psychoanalytischen Behandlung 
asozialer Kinder und Jugendlicher 13 
Von Melitta Schmideberg, London 



Das asoziale Verhalten kann durch äußere und durch innere Mo- 
mente bedingt sein. Ein Kind, das nicht genug zu essen bekommt, lieb- 
los behandelt wird und nur schlechte Beispiele sieht, stellt sich häufig 
asozial ein. Wenn aber dieses Kind zu guten Pflegeeltern kommt und 
weiterhin asozial bleibt, oder wenn ein Kind, das in normalen Ver- 
hältnissen aufwächst, sich schlecht entwickelt, dann liegen innere 
Gründe für die Asozialität vor und es ergibt sich für den Psycho- 
therapeuten die Aufgabe, diese zu erkennen und zu beheben. In dieser 
Arbeit will ich mich ausschließlich mit den inneren, den psychischen 
Ursachen der Asozialität befassen. 

Gewöhnlich wird angenommen, daß das asoziale Verhalten dadurch 
zustandekommt, daß die moralischen Gefühle, die beim normalen Men- 
schen die primitiven Triebe eindämmen, nur mangelhaft entwickelt sind. 
Auf Grund dieser Auffassung versucht man beim asozialen Kinde 
moralische Regungen zu wecken und zu entwickeln, oder wenn dies 
nicht gelingt, durch Strafen seine asozialen Regungen niederzuhalten. 

In der psychoanalytischen Behandlung asozialer Kinder und Ju- 
gendlicher habe ich gefunden, daß das asoziale Verhalten nicht ein- 
fach durch das Fehlen moralischer Regungen, sondern durch ver- 
schiedene, meist recht komplizierte Vorgänge zustandekommt So kann 
asoziales Verhalten dadurch entstehen, daß die Aggression sich 
nicht in normaler Weise äußern kann, sondern in 
asozialen Handlungen durchbricht. Die elf einhalb jäh- 
rige Lotte wurde in Behandlung gegeben, weil sie seit vielen Jahren 
in einem solchen Ausmaße log, ■ — meist in der Absicht Elternhaus 
und Schule, sowie die Eltern untereinander zu entzweien, — daß man 
sie nicht mehr in der Schule behalten wollte. Sie hatte auch einige 
kleine Diebstähle begangen. Lotte war ein hübsches und intelligentes 
Mädchen, das aber weder die Eltern, noch sonst jemanden wirklich 
Hebte, keine Gefühle zu haben schien, z. B. nie Freude zeigte, und dem 
Kritik, Phantasie und auch normale Aggression in ungewöhnlichem 
Maße abgingen. Sie ließ sich von ihrer kleinen vierjährigen Schwester 
an den Haaren ziehen, ohne sich zu wehren, ob zwar ihr vor Schmerz 
die Tränen in die Augen traten, und wehrte sich auch nicht, als die 

i) Nach einem Vortrag, gehalten im Psychologien] Study Circle for Law and Latrbreakers 
London. Ljno englische Fassung dieser Arbeit ist in The New"Era, 1933, Vol. 14, No. 3, erschienen! 



3^4 Melitta Schmideberg 



Mutter sie dazu aufforderte. Wenn sie von einem Ereignis berichtete, 
das ihr normalerweise hätte nahegehen müssen, z. B. vom Tode ihres 
Hundes oder einer ungerechten Brüskierung durch eine Freundin, so 
pflegte sie su sagen: „Mutti sagte. . .", „Papa sagte , . .", und wenn ich 
sie fragte, was sie selbst sich denn dabei gedacht hätte, schaute sie 
mich freundlich lächelnd an und antwortete kopfschüttelnd: „Ich — , 
was hätte denn ich mir dabei denken sollen?" Seit frühester Kindheit 
war ihr größtes Bestreben gewesen, ein braves Kind zu sein, und sie 
hatte deshalb ihre Aggression in einem solchen Ausmaße verdrängt, 
daß sie sich nicht einmal verteidigen konnte oder eine eigene Mei- 
nung haben durfte. Es war als ein durch die Analyse erzielter Port- 
schritt, als erster Ansatz zu einer eigenen Meinung zu betrachten, 
als sie sagte, daß sie bunte Weihnachtskerzcn für hübscher halte 
als weiße. 

Es gelang ihr aber nicht ihre Aggression völlig niederzuhalten, 
sondern diese setzte sich an anderen Stellen, vor allem im Lügen 
durch 2 ). Sie hielt wochenlang in der Schule die frei erfundene Er- 
zählung, ihre Mutter sei operiert worden, aufrecht und brachte in 
dieser lügenhaften Phantasie ihre Haßregungen zum Ausdruck. Ähn- 
lich äußerte sich auch in ihrem Verhalten, durch das sie die Leute 
zu entzweien trachtete, ihr Haß und ihre Eifersucht. Sie lehnte Süßig- 
keiten, die die Mutter ihr kaufen wollte, mit der Begründung ab, daß 
die Eltern wenig Geld hätten; aber wenn ihr Bedürfnis danach zu 
stark wurde, stahl sie sie. Sie mußte ihre Aggression darum in einem 
solchen Ausmaße verdrängen und konnte sie nicht in normaler Weise 
äußern, weil sie unbewußt mit tief wurzelnden Konflikten verbunden 
war. Sie konnte auch in harmlosen Dingen keine eigene Meinung 
haben, weil sie sich als kleines Kind über das Sexualleben der Eltern 
keine eigene Meinung bilden durfte und ihre Kritik an den Eltern ver- 
drängen mußte. Indem die Analyse diese Verbindung zwischen ihrer 
verdrängten Aggression und ihren sexuellen Phantasien und Beobach- 
tungen bewußt machte, wurde ihre Phantasie reger und sie begann 
normale Gefühle zu zeigen; sie konnte jetzt auch sowohl in ihren 
Phantasien, wie auch im täglichen Leben ihre Aggression in nor- 
malerer Weise äußern und befriedigen, zugleich gab sie ihr asoziales 
Verhalten auf 3 ). 

In anderen Fällen werden die in jedem Menschen wirksamen p r i- 

2) Aus Gründen der Übersichtlichkeit kann ich Immer nur auT ein oder zwei Motive dos 
asozialen Verhaltens eines Kindes eingehe»; in Wirklichkeit waren in jedem Falle, mehrere, oft 
sehr zahlreiche Motive wirksam und erst nachdem dieso in allen DotnitB hewußt und in die frühe 
Kindheit zurilekverfotgt und ihre verschiedenen Verknüpfungen untereinander klargelegt -wur- 
den, erzielte die Analyse ihre Wirkung. 

») Lottes Behandlung dauerte sechs Monate (ea. 100 Stunden). Zuletzt habe loh zwei Jahre 
nach Beendigung der Analyse von der Muttor gehört, daß Lotto sozial angopaflt ist und Hich in 
jeder Hinsicht sehr zufriedenstellend entwickelt hat. 



Zur psychoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 365 

raitiven Instinkte durch Angst in einem solchen Ausmaße 
verstärkt, daß dies ein asoziales Verhalten zur Folge hat. Der acht- 
einhalb jährige W i 1 1 y stahl alles, dessen er habhalt werden konnte, 
war sexuell schamlos und ungewöhnlich aggressiv. Er stieß einen 
Jungen die Trepp© hinunter, so daß dieser ins Krankenhaus einge- 
liefert werden mußte. Bei der Behandlung zerkratzte Willy mir die 
Hände, zerriß mein Kleid und beschädigte das Zimmer so arg, daß es 
nachher renoviert werden mußte. Er war weder durch Freundlichkeit 
noch durch Strenge zu beeinflussen und es gelang auch in der Schule 
nicht ihn zu disziplinieren. Er schien überhaupt keine moralischen 
Gefühle oder Liebe zu empfinden. Er betrachtete jeden Menschen als 
seinen Feind und faßte jede Handlung eines anderen als ein ihm zu- 
gefügtes Unrecht oder als Bosheit auf. Es zeigte sich in der Analyse, 
daß er zwar in seinem asozialen Verhalten völlig hemmungslos, aber 
in normalen Betätigungen, z. B. im Spiel stark gehemmt war. Seine 
ungewöhnliche Bewegungsunruhe war ein Ausdruck seiner Angst und 
sein asoziales Verhalten stellte eine Verteidigung gegen befürchtete 
Angriffe dar. Ein Beispiel dafür: einmal, nachdem er im Zimmer etwas 
zerstört hatte, ging er mit einer Stange gegen mich los und wehrte 
sich verzweifelt, als ich sie ihm wegnehmen wollte. Schließlich sagte 
er, er fürchte, daß ich ihn mit der Stange auf den Kopf schlagen 
könnte. Als ich ihm antwortete, daß ich das doch nie tun würde und 
er dies als Strafe für das, was er eben im Zimmer zerstört hatte, 
fürchte, beruhigte er sich und legte die Stange von selbst weg. Einmal 
spielte er mit mir, er sei ein kleiner Junge, der am Markt Obst stehle. 
Auf meine Frage, warum er dies täte, klagte er, er sei so hungrig, 
seine Mutter wolle ihn verhungern lassen, weil er so ein „Herum- 
treiber" sei; sein Vater, — oh, der sei noch viel schlimmer! Willy war 
außerordentlich gierig und unersättlich; diese Einstellung, sowie sein 
Stehlen waren weitgehend durch seine Angst vor dem Verhungern 
bedingt. In Wirklichkeit bekam er genug zu essen und wurde, wenn 
er nicht zu schlimm war, auch ganz gut behandelt; aber in der frühen 
Kindheit war er nicht gestillt und lieblos behandelt worden. Er war 
ein Waisenkind, das im dritten Lebensjahre zu Pflegeeltern kam, die 
er als seine Eltern betrachtete. Aus dieser frühen Zeit also stammte 
seine Angst vor dem Verhungern und seine Vorstellung, daß alle Men- 
schen ihm feindlieh gesinnt seien. Das Böse, das er von den Menschen 
befürchtete, bedeutete zugleich auch die befürchtete Strafe für das 
Böse, das er ihnen antun wollte, sowie für verbotene sexuelle Ge- 
danken und Spielereien. So hatte er Angst wegen seiner verbotenen 
Regungen, und diese Angst konnte er nur durch asoziale Handlungen 
bekämpfen, wodurch sich aber seine Angst weiter steigerte. Diesen 



366 Melitta Schmideberg 



circulus vitiosus konnte die Analyse durchbrechen; indem si© 
seine Angst auf die ursprünglichen Quellen zurückführte und dadurch 
verringerte, ermöglichte sie ihm, die Menschen nicht mehr als Feinde 
zu betrachten, und ihre Freundlichkeit als solche zu empfinden un<l 
anzuerkennen, seine Mutter, kleine Schwester usw. zu lieben und aus 
Liebe zu seiner Umgebung sozial zu werden. Gleichzeitig bekam er 
einen wesentlich netteren Gesichtsausdruck, Die Analyse wurde nach 
sieben Monaten abgebrochen, da man die Behandlung nicht mehr für 
nötig hielt; ich hätte es noch für wünschenswert gehalten, sie fortzu- 
setzen, da diese Veränderung seiner inneren Einstellung nicht ge- 
nügend befestigt war 1 ). 

Auch beim zwanzigjährigen Georg zeigte es sich, daß die im 
asozialen Verhalten sich äußernde Aggression nicht identisch ist mit 
der ursprünglichen Aggression des kleinen Kindes, sondern durch 
vielerlei Momente verstärkt wird. Georg hatte es trotz guter Be- 
gabung nicht weiter als bis zum ungelernten Arbeiter gebracht, weil 
er seine Arbeitsstellen dauernd wechselte und mit jedem Menschen 
im Streit lag. Er hatte einige kleinere Diebstähle und unredliche 
Handlungen begangen, auf die ich hier nicht näher eingehen will. 
Auch mir gegenüber entwickelte er ein äußerst provozierendes Ver- 
halten, das sich hauptsächlich als durch Minderwertigkeitsgefühle 
bedingt erwies. Er erklärte mir einmal herausfordernd, er wolle mir 
nicht mehr die Hand reichen; während er weiter sprach, meinte er, 
daß ich vielleicht finden könnte, daß er schmutzige Hände hätte und 
ihm nicht die Hand geben wolle und darum aei es besser, wenn er 
darin mir zuvorkomme. Durch das streitsüchtige Verhalten wollte er 
Tadel, Mißachtung oder Angriffe, die er stets erwartete, parieren. 
Diese Befürchtungen entsprangen seinem tiefen Schuldgefühl, das 
hauptsächlich durch stark verdrängte sadistische Vorstellungen in der 
frühen Kindheit zustandekam. Manchmal diente auch eine bestimmte 
Aggression dazu, um eine andere, ärgere zu vermeiden. Er blieb ge- 
wöhnlich dann von der Arbeit weg, wenn etwas seinen Haß geweckt 
hatte und er befürchtete, daß, wenn er hinginge und dort in Zorn ge- 
riete, er jemanden erschlagen könnte. In fünf Monaten Analyse wurde 
eine Besserung erzielt: Georg wurde verträglicher, begann eine bes- 
sere Beziehung zu Menschen zu haben und fühlte sich wohler. Nach 
fünf Monaten Behandlung, — zu der er sehr unregelmäßig kam, — 
blieb er w r eg; als ich ihn nach einigen Monaten wiedersah, meinte er, 
er sei jetzt gesund. Ich halte aber die erzielte Besserung für unge- 









«) Willy hat nach der Analyse einige Zeit noch Schwierigkeiten gemacht. Zulotf.t habe ich ihn 
zwei Jahre nach Beendigung der Analyse wiedergesehen und von Her Umgehung erfahren, daß 
keine Klagen über ihn sind, daß er sieh an Gomlit und Intellekt put entwickelt, trotz vieler 
Versagungen sozial gut angopaßt ißt und sich wohl fühlt. 



Zur psychoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 367 

nügend, da Georg seit seiner frühesten Kindheit schwer abnorm war. 

Die Bedeutung unbewußter Faktoren für das asoziale Verhalten 
wird am besten durch den Zusammenhang zwischen Psychoneurosen 
und asozialem Verhalten illustriert. Ruth, ein hübsches und begabtes, 
aber sehr infantiles fünfzehnjähriges Mädchen, stahl seit ihrem fünf- 
ten Lebensjahre in steigendem Maße und zeigte eine bedenkliche 
Charakterentwicklung. Ihre Umgebung klagte, daß sie pathologisch 
lüge, zu keiner Arbeit zu verwenden sei, sehr unaufrichtig, neidisch 
sei usw. Eine Lehrerin charakterisierte sie, sie hätte kein Gefühl für 
Recht und Unrecht und keine wirkliche Liebe für irgendeinen Men- 
schen. Ein Psychiater diagnostizierte sie als „Moral Insanity". Zur 
Zeit der Analyse lebte sie in einem Heim für schwierige Mädchen; 
die Vorsteherin sagte mir, sie hätte noch nie mit einem Mädchen so 
viel Schwierigkeiten gehabt wie mit Ruth und fügte hinzu, „und da- 
bei sieht sie aus, wie ein Engel". Alle pädagogischen und psycho- 
therapeutischen Maßnahmen hatten sich als vergeblich erwiesen und 
so kam sie als ultima ratio in Analyse 5 ). 

Ruth war schwer zugänglich, da sie zwar höflich aber sehr miß- 
trauisch und verschlossen war. Sie lebte in einem eigentümlichen 
wirklichkeitsfremden Zustand, nahm unangenehme Dinge nicht zur 
Kenntnis und war überzeugt, daß sie brav sei. Nach einigen Wochen 
Analyse kam es zu einem Gefühlsausbruch. Nun äußerte sie zum 
ersten Male Angst, Haß und sexuelle Wünsche und kam mit ihren 
Konflikten hervor. Sie fühlte sich nun sehr unglücklich und ent- 
wickelte einen Waschzwang, aber hörte gleichzeitig auf zu stehlen. 
Es ergab sich, daß sie vor ihren schweren Konflikten in einen an- 
scheinend ausgeglichenen und wirklichkeitsfremden Zustand floh und 
daß sie durch das Stehlen und Lügen diesen Zustand erreichte. Sie 
befriedigte durch das Stehlen ihre unbewußten Wünsche. Sie faßte die 
gestohlenen Gegenstände als Geschenke auf. So konnte sie, wenn sie 
stahl, sich dem Glauben hingeben, daß sie geliebt werde. Das Stehlen 
diente aber auch zur Beruhigung ihrer tiefen Angst. Sie gestand mir 
nach einiger Zeit, daß sie das Gefühl hätte, daß ihr Genitale schmutzig 
und anders sei als das anderer Mädchen. Sie fürchtete durch die Onanie 
und bestimmte sexuelle Erlebnisse in der Kindheit ihr Genitale be- 
schädigt und beschmutzt zu haben. Diese Angst suchte sie dadurch zu 
beruhigen, daß sie sich immer wieder wusch, — zufolge einer „Ver- 
legung nach oben" — Gesicht und Hände, an Stelle des eigentlich be- 
absichtigten Körperteiles, des Genitales. Der Waschzwang hatte ihr 

6) Da ich Ruths Analyse aus äußeren Gründen nicht fortsetzen konnte, übernahm sie Miss 
Helen Sheehan Dare. Ruth ist jetzt seit 3^ Jahren in Analyse und hat sich außerordentlich gün- 
stig vorändert. Sie entspricht jetzt einem Mädchen ihres Alters. Seit VA Jahren hat sie keine 
asoziale Handlung mehr begangen. 



3g8 Melitta Schmideberg 



früheres Stehlen abgelöst — beide dienten in der gleichen Weise der 
Beruhigung ihrer Angst. Sie schmückte sich mit den gestohlenen. 
Gegenständen (kleine Schmuck gegenstände, Kleidungsstücke usw.) ; 
für ihr Unbewußtes dienten diese aber auch zur Wiederherstellung 
ihres zerstörten Körpers und Genitales, 

Die zwölfeinhalbjährige E 1 1 y wurde wegen hysterischer Sym- 
ptome in Behandlung gegeben, aber es zeigte sich bald, dafi auch 
schwere Charakterstörungen vorlagen. Sie war ein frühreifes Mäd- 
chen mit etwas frechem Gesichtsausdruck, das schlecht lernte, häufig 
aus der Schule wegblieb, zweimal durchgefallen war und nur für 
Jungen und Kleider Interesse hatte. Sie verabredete sich mit zahl- 
reichen Jungen, gewöhnlich mit mehreren auf einmal und wechselte 
ständig ihre Beziehungen. Sie hatte noch keinen Geschlechtsverkehr 
gehabt, aber ihre ganze Einstellung und ihr eigentümliches Verhalten 
erweckten den Eindruck, daß, wenn sie erst einmal Verkehr gehabt 
hatte, sie wahrscheinlich bald eine Prostituierte würde. 

In der Analyse stellte es sich heraus, daß sie bis zum Alter von 
etwa neun Jahren ein stilles, in sich gekehrtes Kind gewesen war, das 
nebst anderen neurotischen Symptomen einen Waschzwang hatte. Es 
kam dann zu einer Charakterveränderung und die Analyse konnte 
nachweisen, daß ihr späteres Verhalten, ihre eigentümliche Einstel- 
lung zu den Jungen, sowie ihre hysterischen Symptome auf die glei- 
chen Momente zurückgingen, wie ihr Insichgekehrtsein in der Kind- 
heit. Sie hatte eine starke Angst schmutzig zu sein. Diese Angst war 
hauptsächlich durch die bei ihr sehr roh vorgenommene Reinlichkeits- 
gewöhnung in der frühen Kindheit hervorgerufen worden. Weil sie 
fürchtete schmutzig zu sein und deshalb von niemanden geliebt zu 
werden, zog sie sich von allen Menschen zurück oder beruhigte diese 
Angst dadurch, daß sie sich andauernd wusch. Diese gleiche Angst 
bewirkte später, daß sie Stunden vor dem Spiegel verbrachte, um zu 
sehen, ob sie in Ordnung sei. Sie fühlte sich sehr unglücklich, wenn 
sie kein neues Kleid haben konnte. Sie meinte dann, sie sei so „drek- 
kig", das Kleid sähe aus, als ob es vom Müllhaufen sei usw. Sie mußte 
sieh stundenlang mit ihrer Kleidung befassen und immer neue Kleider 
haben, um ihre Angst, sie sei schmutzig, zu beruhigen, ähnlich wie sie 
als kleines Kind gesäubert und frisch angekleidet wurde, nachdem sie 
sich beschmutzt hatte. Um sich zu versichern, daß sie nicht schlecht 
und schmutzig sei, wie sie befürchtete, sondern gefalle und geliebt 
werde, mußte sie sich immer wieder mit den Jungen verabreden. Sie 
war zufolge ihrer Angst überempfindlich und hörte aus allem einen 
Tadel oder eine Unfreundlichkeit heraus; wenn sie sich aber schlecht 
behandelt fühlte, blieb sie weg, fehlte in der Schule, kam nicht zur 



Zur psyohoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 369 

Behandlung oder ließ den jeweiligen Jungen im Stich. Wenn sie aher 
einen Jungen verließ, furche te sie dessen Rache und mußte schnell 
eine Beziehung zu einem andern eingehen, damit dieser sie nun gegen 
den vorigen schütze. Bei diesem wiederholte sich aher bald das gleiche 
Spiel. Ihre Nachlässigkeit in der Schule war die Folge der — ver- 
meintlichen. — schlechten Behandlung durch die Lehrerin, ihre über- 
mäßige Eitelkeit durch Angst bedingt und während es zunächst schien, 
daß sie sich mit den Jungen herumtrieb, zeigte die Analyse, daß sie 
durch ihre Angst von einem Jungen zum andern getrieben wurde 8 ). 
All diese Kinder lebten in geordneten Verhältnissen, ihre Eltern 
oder Pflegeeltern waren ordentliche Leute, die ihnen kein schlechtes 
Beispiel gaben. All diese Patienten aber waren in ihren ersten Lebens- 
jahren lieblos behandelt worden und als sie mit zwei oder drei Jahren 
ZU guten Pflegeeltern kamen, vermochte dies nicht mehr den seeli- 
schen Schaden, der durch die Entbehrungen der ersten Jahre entstan- 
den war, gut zu machen. Bei diesen Kindern waren durch die Entbeh- 
rungen der Haß und die Angst in einem solchen Ausmaße gesteigert 
worden, daß sie ihn nicht mehr normalerweise überwinden konnten, 
sondern asozial wurden. Zufolge des Umstandes aber, daß sie jetzt 
als Strafe für ihr schlimmes Verhalten wieder von allen schlecht be- 
handelt wurden, gerieten sie immer mehr in den bösen Zustand, indem 
sie waren, als sie in Analyse kamen. Die frühere schlechte Behand- 
lung konnte später durch keine Freundlichkeit mehr gut gemacht 
werden, weil es ja nicht einfach die Entbehrung, sondern die durch die 
Entbehrung ausgelösten abnormen seelischen Vorgänge waren, die 
das asoziale Verhalten verursacht hatten 7 ). Diese waren aber bei den 
hier geschilderten Kindern so stark, daß alle pädagogischen Maß- 
nahmen, Strenge, wie Freundlichkeit wirkungslos blieben und daß 
bei den meisten auch eine psychotherapeutische Behandlung sich 
als erfolglos erwies. Ich hatte hervorgehoben, wie sehr das asoziale 
Verhalten dieser Kinder durch Schuldgefühl und Angst bedingt war. 
Bei den meisten asozialen Kindern ist aber zunächst nichts von 
Schuldgefühl oder Angst zu bemerken; sie begehen häufig ihre asozia- 
len Handlungen mit Vergnügen und zeigen, wenn sie nicht Strafe zu 
gewärtigen haben, auch keine Reue. Willy sprach z, B. vom Stehlen, 
wie von einer selbstverständlichen Sache und sagte: „Ich klaue, weil 
es mir Spaß macht." Erst als in der Analyse seine Angst und sein 

*) Elli kam außerordentlich unregelmäßig zwei Winter in Analyse. Dann mußte ich die Ana- 
lyse abbrechen, -weil ich Berlin verließ. Ihre Omraklerselvwierigkeiten haben sieh vermindert. Sie 
schreibt mir jetzt (2*A Jahre nach Beendigung der Analyse), daß es ihr gut geht. 

7) Jedoch dürften in anderen Fällen wieder andere Erlebnisse eine ähnliche ungünstige Eni' 
Wicklung bewirkt haben; die Fehlentwicklung entsteht ja nicht zufolge bestimmter Erlebnisse, 
sondern Kiifolgc der durch die Erlebnisse hervorgerufenen abnormen inneren Einstellung, um? 
diese abnorme innere Einstellung kann durch sehr verschiedene Äußere Momente bewirkt werden. 



Zeitschrift f. psa. PSd., VIII/Il/12 



2« 






37Q Melitta Schinideberg 



Haß, die den Antrieb zu seinen asozialen Handlungen bildeten, be- 
wußt und durch die Behandlung verringert wurden, konnte sein Be- 
dürfnis nach Liebe hervortreten. Zugleich mit dem Wunsche seine 
Umgebung zufriedenzustellen, zeigte er auch Reue wegen begangener 
schlimmer Handlungen und versuchte sich sozial einzustellen. Zu 
dieser Zeit bat er mich auch seinen Freund zu behandeln mit der Be- 
gründung: „Der klaut noch mehr als ich". Die für die asozialen Kin- 
der — in stärkerem oder geringerem Maße — typische Einstellung, 
daß sie für keinen Menschen wirklich Liebe empfinden, kommt ge- 
wöhnlich dadurch zustande, daß mit den Haßregungen zusammen auch, 
die Liebesregungen verdrängt werden. Ihre frühen Liebesregungen 
sind mit sexuellen Wünschen, Eifersucht und grausamen Phantasien 
verbunden und mit diesen so verquickt, daß sie die verurteilten Ke- 
gungen nur mit den normalen Liebesregungen zusammen verdrängen 
können; indem die Analyse diese Konflikte ans Tageslicht bringt und 
zu lösen hilft, ermöglicht sie es dem Kinde, normale Gefühle zu ent- 
wickeln. 

Haben nun diese asozialen Kinder weniger moralische Gefühle als 
normale Kinder? Sicherlich haben sie keine normalen moralischen 
Gefühle, aber meinen Erfahrungen nach haben sie moralische Regun- 
gen in verzerrter Form 8 ). Es dürfte sich damit ähnlich verhalten, wie 
mit der Moral der Wilden; sie haben nicht unsere Moral, aber sie 
haben eine andere, deren strenge Gebote uns häufig absurd erschei- 
nen. So berichtet Steinmetz in seiner Arbeit „Endokannibalis- 
mus" B ), daß, als ein Europäer einem ihm befreundeten Kannibalen . 
Vorhaltungen machte, dieser erwiderte, sie äßen ja nur gekochtes 
Fleisch, während die Europäer auch rohes Fleisch essen, etwas, was 
sonst nur die wilden Tiere täten. Die europäische Auffassung unter- 
scheidet Menschenfleisch und Tierfleisch; die der Kannibalen ge- 
kochtes und rohes Fleisch! Ähnlich fand ich bei diesen asozialen 
Kindern, daß sie zwar in vielen Dingen absolut hemmungslos waren, 
aber dabei ein überaus strenges Gewissen hatten, das in abnormer 
Weise funktionierte. Willy sprach über Stehlen, wie über eine 
selbstverständliche Sache, ohne Schuldgefühl und Reue, aber in einem 
Spiel bestrafte er einen Jungen, der gestohlen hatte, aufs Strengste. 
In einer der ersten Analysenstunden erzählte er mir, daß er onaniere, 
daß er aber deshalb keine Angst hätte, da ja niemand wissen könne, 
was er im Bett macht. Kurz darauf erklärte er, er werde mich bei der 
Polizei anzeigen, weil ich onaniere und dann käme ich ins Gefängnis 
usw. 



*) Ich habe diese und andere Probleme ausführlicher in meiner Arbeit: Zur Psychoanalys 
asozialer Kinder und Jugendlicher. Int. Zeitschr. f. PaA. 1932, Jg. XVIII. H. IV, behandelt. 
8 ) Mitteilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien. XXVI. 189G. 



Zur psychoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 371 

Daß die mangelnde Einsicht für die Abnormität des eigenen Ver- 
haltens nicht einfach durch ungenügende Intelligenz oder fehlende 
moralische Qualitäten bedingt ist, zeigt das Beispiel des sechzehn- 
jährigen Herbert. Er konnte die Schule nicht besuchen, weil er an 
unerträglicher Angst litt. Nach einigen Wochen Analyse war seine 
Angst wesentlich verringert und er fühlte sich nun ganz wohl, er- 
klärte mir aber, daß er gar kein Interesse mehr an der Behandlung 
hätte, da ihn seine Untätigkeit nicht störe und er nur den Wunsch 
hätte, in Ruhe gelassen zu werden. Es gelang mir aber, ihm nach 
einiger Zeit nachzuweisen, daß er in Wirklichkeit sehr ehrgeizig sei, 
aber aus Angst, die ihm als solche nicht deutlich bewußt würde, nichts 
tun dürfe und nicht einmal den Wunsch haben dürfe, etwas zu leisten. 
Im Alter von drei Jahren war er nämlich eine Zeitlang sehr trotzig 
gewesen und dieser Trotz war durch Strenge gebrochen worden; 
gleichzeitig mit dem Trotz schwand auch sein Ehrgeiz und seine Ver- 
suche zur Selbständigkeit. Ursprünglich wollte er Großes leisten, um 
die Eltern zu übertreffen, aus Angst vor den Eltern gab er dann jede 
Empörung (und auch die Leistung, Ehrgeiz usw. schien ihm eine 
solche zu sein) und jede Kritik auf. Er entwickelte nun ein über- 
mäßiges Streben, es jedem Recht zu machen oder richtiger nichts zu 
tun, was jemand mißbilligen könnte, und zwar in einem solchen Maße, 
daß er keinen eigenen Gedanken haben durfte und überhaupt nichts 
tun konnte. Er fürchtete, daß der Mathematiklehrer es mißbilligen 
könnte, wenn er Latein vorziehe und der Lateinlehrer, wenn er Mathe- 
matik bevorzuge; diese Angst vor beiden bewirkte dann, daß er weder 
Latein noch Mathematik lernen konnte. Ähnlich konnte er aus Angst 
die Mutter nicht dem Vater und den Vater nicht der Mutter vorziehen 
und er löste diesen Konflikt dann so, daß er sich von beiden Eltern 
und dann auch von allen Mensehen zurückzog. In seinem Verhalten 
kam aber auch in versteckter Form sein früherer Trotz zum Ausdruck, 
in dem er durch seinen übermäßigen Gehorsam die Eltern, Lehrer 
usw. ad absurdum führte. Erst nachdem die Analyse Herberts Angst 
verringert hatte, wurde ihm sein verdrängter Wunsch etwas zu leisten, 
zu studieren usw. hewußt. In seinen Leistungen konnte er nun auch 
seine rebellischen und aggressiven Regungen in einer sozial ange- 
paßten Form befriedigen. Die Analyse erzielte in einem Jahr, daß er 
ein sehr guter Schüler wurde, der selbständig, unabhängig und sozial 
eingestellt ist und dem sein früherer Zustand der Untätigkeit und 
Interesselosigkeit heute ganz unverständlich ist 10 ). 

Es gelingt zwar häufig durch eine strenge Behandlung die gesell- 

10) Seit der Beendigung seiner Analyse sind drei Jahre vergangen, in denen er sich unter 
schwierigen Süßeren Verhältnissen in jeder Hineicht bewährt und die Schule erfolgreich ab- 
solviert hat. 

26* 



372 



Melitta Schmideberg 



schaftsfeindlichen Regungen Asozialer zu unterdrücken — oft bre- 
chen sie allerdings später, wenn der Jugendliche unabhängig ist, 
wieder hervor, — aber es gelingt wohl kaum je, die verpönten Trieb- 
regungen in soziale oder intellektuelle Leistungen zur Befriedigung 
des Individuums selbst, sowie zum Nutzen der Gesellschaft umzu- 
setzen. Die analytische Behandlung aber ist imstande durch Bewußt- 
machung der unbewußten Konflikte den Haß und die Angst zu ver- 
ringern, die sexuellen Regungen — wenigstens teilweise — in subli- 
mierte Interessen und zärtliche Gefühle überzuleiten. Auf diese Weise 
vermag die Analyse die krankhaften Antriebe zu den asozialen Hand- 
lungen zu beheben und das Kind in einer normalen Weise liebesfällig 
zu machen. Aus dem Wunsch nach Liebe entspringt das Bedürfnis 
seine Umgebung zufriedenzustellen und es wird sozial und erziehbar. 
In diesem Zusammenhang soll noch kurz auf die Beziehung zwi- 
schen Analyse und Erziehung bei der Behandlung asozialer Kinder 
eingegangen werden. Analyse und Erziehung, von verschiedenen Per- 
sonen ausgeübt, arbeiten auf verschiedenem Wege auf das gleiche 
Ziel zu. Die Analyse soll das asoziale, das heißt unerziehbare Kind 
erziehbar machen, indem sie es von seinen der Erziehung und der 
normalen Anpassung entgegenwirkenden unbewußten Schwierig- 
keiten befreit. Wenn das Kind aber von diesen befreit ist, muß es 
noch erzogen werden, eine Aufgabe, die dem Elternhaus und der 
Schule zufällt. Es braucht wohl nicht näher ausgeführt zu werden, 
daß gerade bei solchen schwierigen Kindern eine gute, individuell 
angepaßte Erziehung besonders wünschenswert ist. In den meisten 
Fällen jedoch gelang es mir nicht, an der Erziehung des Kindes viel 
zu verändern, da die Erziehungspersonen wenig beeinflußbar waren 
und eine Milieuveränderung nicht vorgenommen werden konnte. 
Trotzdem fand ich, daß die Kinder, deren Schwierigkeiten durch die 
Analyse genügend verringert wurden, sich auch in einer durchaus 
nicht idealen Umgebung ganz gut einstellten. Sie vertrugen nun ein 
ungerechtes Verhalten oder Stimmungsschwankungen der Eltern 
wesentlich besser; andererseits wirkte aber die günstige Verände- 
rung des Kindes auch auf die Eltern sehr gut. Meistens änderte sich 
das Verhalten der Eltern von selbst — auch ohne diesbezügliche Rat- 
schläge meinerseits — recht schnell, als das Kind normaler wurde. 
Die Eltern leiden ja meist sehr darunter, wenn das Kind sich schlecht 
entwickelt und für ihre Liebe nicht empfänglich ist und benehmen sieh 
dann gewöhnlich erst recht verkehrt. Häufig kann man dem Kinde 
helfen, wenn man die Eltern ändert, aber oft kann man auch den Eltern 
helfen, indem man ihre Kinder heilt. 

Während im allgemeinen das Bestreben, die Asozialen zu bessern, 



Zur psyehoanalyt. Behandlung asozialer Kinder u. Jugendlicher 373 

dem Wunsche entspringt, die Gesellschaft vor ihnen zu schützen, ver- 
mag eine erfolgreiche analytische Behandlung nicht nur diese Auf- 
gabe zu lösen, sondern auch das Kind, aus dem sonst vielleicht ein 
Verbrecher, sicher aber ein unglücklicher Mensch würde, vor einer 
traurigen Zukunft zu bewahren. Sie gibt ihm die Möglichkeit, seine 
Triebe in sozialer Weise zu befriedigen, seine Anlagen zu entfalten, 
vor allem aber mit sich selbst und mit seiner Umwelt in Frieden zu 
leben und sich wohl zu fühlen. Man kann mit Recht einwenden, daß 
eine analytische Behandlung zeitraubend und daher kostspielig sei. 
(Man muß wohl bei schwer abnormen Kindern mit einer Behandlungs- 
dauer von ein-zwei Jahren, manchmal sogar mit längeren Zeiträumen 
rechnen, wenn man sie vollständig heilen will, — mitunter kann man 
aber auch in einigen Monaten einen guten praktischen Erfolg er- 
zielen.) Wenn man aber bedenkt, daß durch eine solche Behandlung 
das ganze künftige Leben dieses Menschen geändert wird, seine An- 
gehörigen vor Kummer, die Gesellschaft vor Schaden bewahrt wird, 
so scheint dieser Aufwand gerechtfertigt. Sollte die Gesellschaft, die 
soviel Geld ausgibt, um sich und ihre Einrichtungen zu schützen, 
nicht auch etwas zur Prophylaxe der Kriminalität tun? Selbst zahlen- 
mäßig berechnet, dürften die Summen, die ein Verbrecher dem Staat 
an Polizei, Gericht und Gefängniskosten kostet, sowie der Schaden, 
den er zufügt, wesentlich höher sein, als der Aufwand für die Heilung 
eines asozialen Kindes. 

„Irgend einmal wird das Gewissen der Gesellschaft erwachen und 
sie mahnen, daß der Arme ein ebensolches Anrecht auf seelische 
Hilfeleistung hat, wie bereits heute schon auf die lebensrettende 
chirurgische. Und daß die Neurosen die Volksgesundheit nicht minder 
bedrohen, als die Tuberkulose und ebensowenig wie diese der ohn- 
mächtigen Fürsorge des Einzelnen aus dem Volke überlassen werden 
können. Dann werden also Anstalten oder Ordinationsinstitute er- 
richtet werden, an denen psychoanalytisch ausgebildete Ärzte ange- 
stellt sind, um die Männer, die sich sonst dem Trunk ergeben würden, 
die Frauen, die unter der Last der Entsagungen zusammenzubrechen 
drohen, die Kinder, denen nur die Wahl zwischen Verwilderung und 
Neurose bevorsteht, durch Analyse widerstandsfähig und leistungs- 
fähig zu erhalten." 11 ) 



«) Sigm. FTeud: Woge der psychoanalytischen Therapie, Ges. Sehr. Bd. VI, S. 145/f. 



Der Onanie-Abge^öhnungskampf in der Pubertät 






Von Michael Bälint, Budapest 



Für den unvoreingenommenen Beobachter ist es unverkennbar, daß 
in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten Fragen des Geschlechtslebens 
viel aufrichtiger als vorher behandelt werden können. Diese Verwand- 
lung der hypokritischen Verschleierung in freie Offenheit ist sicher- 
lich zu einem erheblichen Teil der Wirkung der Psychoanalyse zuzu- 
schreiben. Und trotzdem ist es noch immer kaum möglich, verläßliche 
Angaben über die Onanie zu erhalten. Diese Art der Lust, die durch 
Selbstbefriedigung gewonnene, scheint demnach ein größeres, gefähr- 
licheres Geheimnis zu bilden, als das ganze übrige Sexualleben. Um 
dies verstehen zu können, müssen wir die Sexualentwicklung des 
Menschen ganz kurz darstellen. 

Wie wir seit Freud wissen, wird die erste Periode der mensch- 
lichen Sexualentwicklung (sie fällt etwa in das dritte bis fünfte Jahr) 
durch einen mächtigen Verdrängungsschub abgeschlossen. Freud be- 
schreibt dies als den „Untergang" dieser Blütezeit. Obwohl, besonders 
in den letzten 15 — 20 Jahren, sehr viel über diesen Untergang ge- 
schrieben wurde, ist unser diesbezügliches Wissen noch nicht zufrie- 
denstellend. Sicher ist, daß das Kind vor diesem Schub — im wahrsten 
Sinne des Wortes — verliebt ist, und zwar der Sohn in die Mutter, das 
Mädchen in den Vater. Diese Verliebtheit ist aber keine glückliche; 
erstens bringt sie das Kind in eine äußerst qualvolle Rivalitätsein- 
stellung gegen den ebenfalls geliebten gleichgeschlechtlichen Eltern- 
teil, zweitens kann sie nie genügend, jede Spannung beseitigend, be- 
friedigt werden und drittens verwickelt sich das Kind durch sie in 
einen wüsten Knäuel von Ängsten und Befürchtungen. 

Wovor das Kind sieh fürchtet, bleibt manchmal dunkel, wie in 
Nebel gehüllt Oft aber kann man von ihm erfahren, daß es ihm um 
sein Leben bange ist oder um seinen Körper; in diesem Falle würde 
die befürchtete Schädigung vor allem die Geschlechtsteile betreffen 
Der Ursprung, die Entstehung dieser Ängste, — die durch die Psycho- 
analyse als Kastrationskomplex zusammengefaßt wurden — ist noch 
nicht genügend geklärt. So will ich nicht näher auf sie eingehen, nur 
das für unser Thema wichtigste hervorheben: diese Ängste sind nicht 
immer gleich intensiv, sie schwellen an und ebben dann ab; bei ein- 
gehender Untersuchung stellt es sich aber heraus, daß ihre Intensität 
oft, fast immer, parallel läuft mit der Intensität der sexuellen Impulse, 
Gefühle und Aktionen des Kindes. Wird die Eifersucht, die Rivalität 



Der Onanieabgewöhnungekampf in der Pubertät 



375 



intensiver, werden die sexuellen Wünsche mächtiger und besonders, 
erlaubt sich das Kind, die von außen umsonst erwartete Befriedigung, 
den sexuellen Genuß, selbst zu verschaffen, so wächst die Angst auch 
mit, bis sie schier unerträglich wird. 

So wird, etwa um das fünfte Jahr herum, diese Periode abgeschlos- 
sen und es folgt eine etwas ruhigere Periode: die Latenzzeit, Diese 
wird vor allem durch die mächtige Entwicklung der Ich-Funktionen 
charakterisiert. Wissen, persönliche Kraft, die verschiedensten Fähig- 
keiten wachsen beinahe sprunghaft, so daß aus dem hilflosen Klein- 
kind ein fast realitätstüchtiger Mensch resultiert Parallel mit dieser 
Entwicklung geht die Aufrichtung und Festigung der Über-Ich- 
Funktionen: Scham, Mitleid, Ekel, Gewissen, Moral, Ideale usw. Wäh- 
rend dieser Zeit kann man beim Kinde bewußt sexuelle Handlungen 
nur selten beobachten; auch in dem Falle, wo sie zweifellos vorhan- 
den sind, kann meistens nachgewiesen werden, daß diese Handlungen 
vor und nach dieser Zeitperiode, welche eben deshalb Latenz genannt 
wurde, viel Öfter betätigt werden. Freud hat die Theorie aufgestellt, 
daß die Erziehung eben die Energie der nichtbetätigten sexuellen In- 
stinkte benützt, um ihre kulturelle Arbeit zu vollbringen. 

Mit Beginn der Pubertät ändert sich das Bild. Die sinnlichen 
Bedürfnisse erhalten mit dem Erwachen der Geschlechtsdrüsen neue 
Kräfte und auch genauere Ziele. Diese sinnliche Strömung versucht 
die alte Richtung gegen die alten infantilen Objekte einzuschlagen, 
begegnet aber auf ihrem Wege den neu aufgerichteten Dämmen: vor 
allem der Inzestschranke. Die alten Objekte — Vater und Mutter — 
dürfen nur zärtlich, idealisiert geliebt werden, sinnliche Wünsche 
sind mit ihren Personen unvereinbar. Die Spannung steigt immer 
höher und schließlieh bricht sich die Sexualität einen Weg: mittels 
der Onanie. Es ist in diesem Zusammenhange nebensächlich, wie sie 
entdeckt wurde, ob durch Verführung durch ältere, durch die Auf- 
klärungsarbeit von Gleichaltrigen oder durch selbständiges, unab- 
hängiges Probieren. Manchmal wird einfach die fertige Form der 
schon verlassenen infantilen Onanie wiederbelebt, bei anderen ent- 
wickelt sich auf mehr-minder verschlungenen Wegen die eigene spe- 
zielle, persönliche Form der Selbstbefriedigung. (Ich kann wohl die 
verschiedenen Onanieformen als bekannt voraussetzen. S. übrigens 
das Onanie-Sonderheft dieser Zeitschrift, Jg. II.) All dies — obzwar 
äußerst wichtig für die Entwicklung des betreffenden Menschen — 
kann uns im Rahmen dieses Aufsatzes nicht beschäftigen. 

Diese lustbringende .Tätigkeit der Pubertät, die eigentliche Onanie, 
ist vielleicht das merkwürdigste Phänomen des kulturellen Sexual- 
lebens. Zweifelsohne ist sie in höchstem Maße lustvoll, — es wurde 



376 Michael Balint 



sogar die Behauptung gewagt, der Koitus sei ein schlechter Ersatz 
der Onanie, — sie ist immer hequem zu haben, man braucht zur Lust- 
auslösung auch die Mithilfe der Umwelt nicht und trotzdem bringt sie 
nie, oder nur selten ungestörten Genuß. Vor allem steht ihr die Ge- 
sellschaft sehr feindlich gegenüber. Sicher ist dies zum Teil durch den 
allgemeinen Widerstand der Sozietät gegenüber jeder sexuellen Er- 
scheinung zu erklären, aber der Widerstand gegen die Onanie ist, wie 
ich schon anfangs betont habe, viel mächtiger, viel spezieller. Selbst 
die Bezeichnungen für diese Tätigkeit zeigen die Wirkung dieses 
Widerstandes. Bekanntlich beging Onan „coitus interruptus" und 
nicht das, was wir nach ihm Onanie nennen. Masturbation stammt von 
Manustupratio und hat weder mit „Mas", noch mit „Turbation" etwas 
zu tun, außerdem kann sie auch ohne Mitwirkung der Hand 
ausgeübt werden. Auch der am meisten übliche Name: Selbstbefleckung' 
enthält das moralische Urteil Die etwas abgebrauchte wissenschaft- 
liche Benennung: Selbstbefriedigung zeigt auch noch diese Tendenz, 
in diesem Namen wird die sexuelle Natur nur mitveretanden und nicht 
deutlich ausgedrückt. 

Dies mahnt uns, daß hier etwas nicht in Ordnung ist, denn man 
getraut sich nicht, diese Erscheinung mit einem ordentlichen Namen zu 
benennen. Tatsächlich betrachten alle europäischen Religionen die 
Onanie als eine der größten Sünden und verbieten sie strengstens. Es 
gab Zeiten, in welchen auch die weltliche Gesetzgebung harte Strafen 
über den überführten Onanisten verhängte. Die Überbleibsel dieser 
Gesinnung sind die vielen populären „Aufklärungsschriften", in wel- 
chen als Folgen (fast Strafen) der Onanie Gehirnerweichung, Blöd- 
sinn, Rttckenmarkkrankheiten, Geisteskrankheiten, Schwindsucht und 
dergleichen in Aussicht gestellt werden. Selbst die heutige Literatur, 
die die normale Sexualität, aber auch einzelne Perversionen ganz frei 
(vielleicht viel zu frei) behandelt, wird verlegen und begnügt sich 
meistens mit blassen, schwachen Andeutungen, wenn sie über die 
Masturbation zu sprechen hätte. 

Im gesellschaftlichen Verkehr ist die Masturbation nicht erwähn- 
bar. Unter Männern kann man höchstens verachtend über sie sprechen, 
ungefähr im Sinne des Sprichwortes: Wer eingesteht, der tut's nicht 
mehr; wer leugnet, der tut's noch immer! Nur zu Anfang der Pubertät, 
sozusagen noch im Taumel der Entdeckerfreuden, kann man, aber auch 
dann ausschließlich nur im intimsten Kreise, offen über sie berichten. 
Bei Frauen ist das Bild ähnlich, nur gemäß der im allgemeinen viel 
mehr zur Verdrängung gezwungenen Struktur der Frauenseele, noch 
geheimtuerischer. Nur erwähnen will ich, daß es ziemlich häufig vor- 
kommt, daß ganze Schulklassen von Mädchen auf einmal, wie durch 



Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät 



377 



Infektion, zu onanieren beginnen; aber, wie meine Erfahrung zeigt, 
kann auch diese Infektion fast ohne Worte, nur durch Beispiel ge- 
schehen. 

Die Erziehung, die Schule ist der Masturbation absolut feind- 
lich. Besonders im Mittelschulalter, während der eigentlichen Puber- 
tät, bildet die Selbstbefriedigung die Erbsünde, vielleicht wird sie noch 
härter bestraft, als der nachgewiesene Sexual verkehr. Es ist bekannt, 
daß in Internaten spezielle Vorkehrungen getroffen werden, um jeden 
Onanieversuch (und die eventuellen homosexuellen Versuche) sofort 
au entdecken. 

Zusammenfassend: die Gesellschaft ist bestrebt, die Onanie mit 
allen nur möglichen Mitteln auszurotten. Also ungefähr das gleiche 
Verhalten wie gegenüber Per Versionen, mit dem einen Unterschied, 
daß man von der Onanie bestimmt weiß, daß sie viel allgemeiner vor- 
kommt, deshalb viel wichtiger ist. Woher und weshalb diese Strenge, 
dafür bekommen wir nur verschwommene und vor allem medizinisch 
absolut nicht stichhältige Erklärungen. 

Vielleicht erhalten wir bessere Auskunft vom Onanisten selbst. 
Aber auch hier muß man die Erfahrung machen, daß die Antwort 
nicht aufrichtig ist. Dieser Umstand ist zum Teil durch die verfol- 
gende, verbietende Haltung aller Autoritätspersonen bedingt; die auf- 
gezwungene Geheimtuerei, das berechtigte Mißtrauen wird auch vor 
dem ehrlich Fragenden nicht ohne weiteres fallen gelassen. Es gibt 
nur eine Ausnahme. In der psychoanalytischen Behandlung ruhen wir 
so lange nicht, bis es dem Betreffenden gelingt, auch puncto Mastur- 
bation über seine Erlebnisse ganz frei zu berichten. Demgegenüber 
könnte eingewendet werden, daß die in der Kur in Erfahrung gebrach- 
ten Tatsachen nur für neurotisch Kranke gelten. Dieser Einwand ist 
nicht stichhältig. Die Psychoanalyse hat lange schon behauptet, daß 
es zwischen der seelischen Struktur von Neurotikern und sogenannten 
Gesunden keinen prinzipiellen Unterschied gibt, und diese Behaup- 
tung wurde durch die Erfahrungen in den Ausbildungsanalysen, 
welche bekanntlich für jeden Kandidaten — also auch für die „Ge- 
sunden" — obligatorisch ist, vollauf bestätigt. 

Was erfahren wir also auf diesem Wege? Erstens, daß in der Pu- 
bertät fast ein jeder sich auf diese Weise, während einer mehr-minder 
langen Zeit, sexuelle Lust verschafft. Die sehr wenigen, welche es 
nicht tun und nachweisbar auch nicht getan haben, sind im allgemei- 
nen sehr gehemmte Leute; man bekommt den Eindruck, daß sie leich- 
ter als die anderen neurotisch erkranken, wenn sie schon während 
der Pubertät nicht krank sind. Mit diesen Leuten macht man in der 
psychoanalytischen Behandlung die überaus wichtige Erfahrung, daß 



378 



Michael Bälint 



sie vor dem normalen Geschlechtsleben regelmäßig eine Onanieperiode 
durchmachen. Beim sogenannten „Gesunden" hört dann die Onanie bald 
oder später auf, sie wird durch den normalen Verkehr überflüssig ge- 
macht. Aber solange die Masturbation andauert, hat der Betreffende 
fortwährend gegen ein ziemlich drückendes Schuldbewußtsein zu 
kämpfen. Nicht nur von außen, auch durch eine innere Stimme wird 
diese Befriedigung verboten. Die Versuchung aber ist zu groß, das 
Verbotene zu lustvoll, daher kann man selten erfolgreich widerstehen. 
Es bricht also ein innerer Kampf aus, mit sehr wechselvollem Verlauf. 

Das Bild, das uns die Onanie während der Pubertät, klinisch be- 
trachtet, bietet, ist sehr bunt. Es ist nicht übertrieben, wenn man be- 
hauptet, es gäbe kaum zwei Menschen, die sich in derselben Weise 
befriedigen. Und noch mehr. Auch wenn die äußere Handlung, der 
masturbatorische Akt, bei zwei verschiedenen Personen uns fast gleich 
erscheint, erfahren wir, falls Möglichkeit zu einer eingehenden, auf- 
richtigen Aussprache geboten wird, daß dieselben Handlungen für die 
betreffenden Personen etwas durchaus Verschiedenes bedeuten. So 
z. B. zeigten zwei meiner männlichen Patienten fast dieselben Onanie- 
formen. Sie fesselten sich mehr oder weniger symbolisch und befrie- 
digten sich mit der Phantasie, daß sie wehrlos ausgeliefert seien. Bei 
näherer Analyse stellte es sich heraus, daß der eine sich als jüngeren 
Gymnasiasten phantasierte, der womöglich in ganz enganliegende 
Hosen gezwungen wurde und sich nun derselben schämt, weil er viel 
erwachsener aussehen möchte. In dieser Lage hat er mit immer sich 
steigernder Erregung die Zärtlichkeiten eines größeren Jungen oder 
Erwachsenen zu ertragen, bis seh ließ lieh Ejakulation eintritt. Der andere 
spielte in der Phantasie die Rolle eines Sklaven, der einer Königin 
verkauft wurde und nun alle ihre grausamen Befehle zu vollführen 
hat, allen ihren Launen gefügig sein muß; mit dem Ausmalen dieser 
halb qualvollen, halb wollüstigen Szenen erfolgte dann die Befriedi- 
dung. Auch die bei Mädchen so häufige Klitorisonanie kann ganz 
merkwürdige Bedeutungen erlangen. So malte sich eine Patientin 
aus, daß diese Handlung an ihr nicht durch sie selbst, sondern durch 
eine fremde Hand vollführt werde; sie nimmt daran gar nicht teil, 
sie liegt ganz passiv, muß auch ganz still sein, sonst wird ihr Ge- 
heimnis entdeckt usw. 

Daraus ersehen wir, daß es nicht genügt, die Art und Weise der 
onanisti sehen Handlung zu erfahren; um den wahren Sachverhalt, die 
ganze Situation übersehen zu können, müssen wir uns auch über den 
inneren Sinn der Handlung unterrichten lassen. Diese Unternehmung 
ist gar nicht so leicht, wie man es im voraus meinen möchte. Die 
Phantasie oder die Phantasien, welche mit der Masturbation verge- 



Der Onanieabgewöhnungskampi in der Pubertät 



379 



sellschaf tet sind und die einzelnen Handlungen erklären, werden mei- 
stens als höchstes Geheimnis, also noch viel stärker als die lustbrin- 
gende Handlung selbst, gehütet. Es muß schon ein erprobter Ver- 
trauensmann sein, dem man diese Gebilde, diese Dichtungen, ohne Ver- 
schleierung, ohne Auslassungen, erzählen kann. Da aber erst sie die 
Erklärung der Gewissensängste erbringen, will ich hier eine solche 
Phantasie ausführlich schildern, und auch einen Teil ihrer Analyse 
mitteilen. 

Eine Patientin, ein junges Mädchen von etwa 20 Jahren, erzählt mir 
in der Kur eine Periode aus ihrem Phantasieleben. Sie nennt sie „die 
drei Experimente". Im „ersten Experiment" will sie sich ein Kind er- 
ziehen zu dem Menschen, der sie sein sollte. Dazu muß ein Mann aus- 
gesucht werden, genial, lebendig, aktiv; Ethik und Moral wird sie 
schon selbst dem Kinde beibringen, Sie wird zu dem betreffenden 
Manne gehen und dies von ihm fordern. Wenn er ins Freudenhaus 
gehen kann, muß er auch ihr dies gewähren. Nachher will sie nichts 
mehr von ihm wissen. Dies wird dauern, bis sie 24 Jahre alt sein wird. 
Dann folgt das „zweite Experiment". Das Kind interessiert sie nicht 
mehr. Nun hat sie als Ziel vor sich, die Männer kennen zu lernen. Von 
einem jeden alles bekommen, wozu er nur fähig ist. Sie wird nur so- 
lange mit dem Betreffenden zusammenbleiben, bis dies Ziel erreicht 
wird: zwei Stunden, einige Tage, eine Woche oder höchstens einen Monat. 
Und da von Männern nur dann etwas zu bekommen ist, wenn man mit 
ihnen lebt, so will sie mit ihnen leben. Bis sie dann 28 Jahre alt wird, 
dann folgt das „dritte Experiment". Ihr eigentliches Ziel ist die Ethik, 
die Moral. Aber diese kann man nur dann erreichen und festhalten, 
wenn man durch allen Schmutz geläutert hindurchgegangen ist. 
Darum wird sie in ein Freudenhaus gehen. Dies ist das schrecklichste, 
dem eine Frau sich aussetzen kann. Wenn sie dies vier Jahre lang 
aushält und nicht zugrunde geht, dann kann sie von sich sagen, daß 
sie sich zur Moral durchgerungen hat. 

Die Analyse dieser Phantasiegebilde kann ich hier nur in den 
Hauptpunkten geben. Bald hat sich herausgestellt, daß das dritte Ex- 
periment chronologisch das älteste war, nachher wurde das erste ge- 
bildet und erst dann — sozusagen, um die Lücke auszufüllen — das 
zweite. Im dritten ist dementsprechend die Sinnlichkeit nur dürftig 
mit der Hülle der Ethik bedeckt. Diese Phantasie — nackt, ohne die 
moralische Hülle — ist überaus häufig bei Mädchen; wir kennen sie 
als die Prostitutionsphantasie. Die unbestimmte Mehrzahl der Männer 
bedeutet — wie wir in den Analysen so oft sehen — immer einen be- 
stimmten Mann. Der Grund, warum ich diese Experimente mitteile 
ist der Umstand, daß in ihnen dieser eine Mann persönlich (im ersten 



380 



Michael Bahnt 



Experiment) auftritt, was schon viel seltener ist — und noch mehr, 
seine Identität ziemlich leicht festgestellt werden konnte. Der Mann 
im ersten Experiment war zuerst ein bekannter politischer Führer, 
der sehr feurige Artikel schrieb, die zu Hause lebhaft besprochen 
wurden. Besonders der Vater, der zur selben Partei gehörte, war be- 
geistert für ihn, erhob ihn fast zu einer Idealgestalt und führte eigen- 
händig die Tochter zu einem Vortrag, den sein Held gehalten hat. 
Später, als die Kritik meiner Patientin selbständig wurde, hat sie 
diesen Mann fallen gelassen und Btatt seiner einen weltberühmten 
Wissenschaftler zum Helden gewählt. Aber seine Sympathie für die- 
selbe politische Bewegung ist allgemein, auch ihr ganz genau, be- 
kannt. Es ist klar, daß der einzige Helil, ebenso wie die vielen unbe- 
stimmten Männer der Phantasie eigentlich den Vater bedeuten, von 
dem sie sich so schwer losreißen kann. 

Ich kann hier den überaus wichtigen Satz nicht allgemein beweisen, 
daß die Onaniephantasien in der Pubertät ohne Ausnahme die infan- 
tilen Sexualobjekte — Vater und Mutter — in verhüllter Form bei- 
behalten. Wer schon analysiert hat, der braucht keine Beweise, denn 
jeder Mensch, jede Phantasie ist ein Beweis; allen andern gegenüber 
muß ich mich mit der bloßen Behauptung begnügen, denn wenn auch 
erheblich mehr solche Phantasien hier mitgeteilt und analysiert wür- 
den, könnte geantwortet werden, daß dieser Salz für die wenigen, 
mitgeteilten Fälle vielleicht richtig, aber noch immer nicht als allge- 
mein gültig erwiesen ist. Dieser Satz besitzt außer der theoretischen 
Wichtigkeit, eine große heuristische Bedeutung. Erst durch ihn wird 
uns das große, nie erlahmende Schuldbewußtsein während des Ona- 
nierens verständlich. Der Gewissenskonflikt ist nur zu einem kleinen 
Teil durch die Handlung selbst bedingt. Weitaus wichtiger ist in 
dieser Beziehung die begleitende Phantasie, welche sich auf uner- 
laubte Weise mit den verbotenen, inzestuösen Liebesobjekten be- 
schäftigt. Aber auch das feindselige Verhalten der Gesellschaft gegen 
den Masturbanten wird erklärlich. Unsere ganze kulturelle Ordnung 
wurde und wird auf die Inzestschranke aufgebaut, der Onanist lehnt 
sich gegen diese auf, muß also als Revolutionär behandelt, womöglich 
schleunigst ausgerottet werden. Besonders befürchtet man, daß er 
durch sein Beispiel die anderen zur Nachahmung verführt; deshalb 
muß mit aller Strenge gegen ihn vorgegangen werden und besonders 
in dem Alter, wo die Kulturschranken noch im Bau sind, d. h. in der 
Schule. 

Dieser Sachverhalt gibt uns die Erklärung für die Aggression der 
Gesellschaft und für den inneren Konflikt des Masturbanten. Diese 
zwei Tendenzen, welche gemeinsam aus dem Ödipuskomplex ihren 



Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät 381 

Ursprung nehmen, haben zum Ziel, das gesamte Sexualleben so weit 
xu verbieten, bis es die Inzestschranke zur Kenntnis nimmt und sich 
nie wieder gegen sie auch nur das geringste zu unternehmen erlaubt. 
Diese allgemein hemmende Tendenz richtet sich nur deshalb gegen 
die Onanie, weil sie in der Phantasie — allerdings in verhüllter Form 
— an den inzestuösen Objekten noch festhält. Man würde also er- 
warten, daß die Onanie umso schneller aufhört, je energischer das 
Onanieverbot war und je stärker der innere Gewissenskonflikt ist. 
Dies ist aber nicht immer der Fall. 

Im Gegenteil, es ist im allgemeinen das Schuldbewußtsein am stärk- 
sten bei denjenigen, welche noch immer sehr ausgiebig masturbieren, 
und bei solchen, welche ziemlich früh mit der Onanie aufgehört haben, 
war das Schuldgefühl während der Pubertät viel schwächer und blieb 
viel schwächer. Es muß also noch ein mächtiger Faktor am "Werke 
sein. Sehr oft hört man, daß das Befriedigungsgefühl nur dann stark 
genug ist, wenn die Masturbation, trotz des schwer lastenden Schuld- 
bewußtseins, dennoch vollbracht wurde. Bei solchen Leuten hilft keine 
noch so strenge Strafe. Je größer, je gransamer die Drohung, desto 
größer die Lust, desto stärker die Versuchung. 

In manchen Fällen artet diese Situation in Verwahrlosung und 
Kriminalität aus, es werden kleinere Verbrechen begangen, haupt- 
sächlich Diebstahl und Einbruch. Sicherlich ist dies die eine triebhafte 
Quelle der ziemlich hau fügen organisierten Räuberbanden Halbwüch- 
siger. Die verbrecherischen Unternehmungen enden sehr oft in ge- 
meinsamen masturbatorischen (eventuell auch genital geschlechtlichen) 
Exzessen, welche erst durch das mit Hilfe des Verbrechens in die 
Hohe gesteigerte Schuldbewußtsein befriedigend wirken. Noch häu- 
figer begegnen wir mehr oder weniger verbrecherischen Onaniephan- 
tasien, besonders bei Jungen. Ich verweise nur auf die weltberühm- 
ten Kinder geschichten von Mark Twain: Tom Sawyer, Huckleberry 
Finn. Ein Beispiel aus meiner Praxis: die übliche Phantasie während 
vieler Jahre der Pubertät war, daß der Patient in das Haus des reichen 
Mannes einbricht, alle seine Schätze glücklich entwendet; beim Fort- 
gehen bemerkt er die schlafende Tochter des bestohlenen Reichen und 
notzüchtigt sie. 

Diese Phantasie zeigt schon, woher die verbrecherischen Impulse 
und dieses paradoxe Schuldgefühl die Energie beziehen: aus dem 
Kastrationskomplex. Der reiche Mann, der nicht nur die Schätze, son- 
dern auch die Frauen in seiner Macht hält, ist der Vater. Der Knabe 
muß zuerst seine Macht brechen — seine Schätze rauben — ihn un- 
schädlich machen, bevor er sich an ein weibliches Wesen heranwagen 
darf. Im allgemeinen ist dies der unbewußte Mechanismus aller Dieb- 



382 



Michael B&lint 



stähle, Verbrechen usw. im Pubertätsalter. Die Phantasien der Kna- 
ben, — gleichwohl, ob sie die Onanie begleiten oder scheinbar harm- 
lose Tagträumereien sind — werden fast immer nach diesem Muster 
aufgebaut. Am Anfang steht der Kampf gegen einen mächtigen 
Feind, gegen Ungeheuer, es sind fast übermenschliche Aufgaben zu 
lösen und erst am Ende wird es klar, daß dies alles um ein Mädchen oder 
eine Frau geschehen ist. Die Analyse dieser Gebilde deckt hinter dem 
Kampfe immer die Revolution gegen Autoritäten auf und diese Auto- 
ritäten lassen sich auf das eine Verbot reduzieren: -du darfst nicht mit 
deinem Geschlechtsteil spielen, sonst geschieht dir Böses. Die Phan- 
tasie bringt den Triumph über diese verbietenden Mächte. 

Bei Mädchen spielt fast dieselbe Rolle die Phantasie des Kinder- 
kriegens (siehe oben: „die drei Experimente"), meistens gepaart mit 
der Beseitigung einer bösen Rivalin. Die Analyse zeigt hier die noch 
ungelöste Bindung an den Vater. Es ist schier unglaublich, wie viele 
erwachsene Frauen noch immer fest überzeugt sind, sie könnten durch 
exzessive Onanie schwanger werden, sogar ein Kind gebären, aller- 
dings einen Krüppel. Bei sehr vielen Frauenkrankheiten kann man 
ähnliche Mechanismen aufdecken, so entpuppen sich Dysmenorrhoe 
und Fluor manchmal als Strafen, die Sterilität als Folge dieser schuld- 
beladenen Phantasien. 

So sehen wir, daß dieselben Kräfte, welche auf die erste Periode, 
auf die Infantilzeit der Sexualität eine so verhängnisvolle Wirkung 
ausübten, auch während der Pubertät in derselben Richtung arbeiten. 
Das Inzestverbot will die ursprünglich begehrtesten Sexualobjekte 
unnahbar machen, selbst sinnliche Gedanken, Wünsche, welche sich 
auf sie beziehen, sind für immer unmöglich, peinlich geworden. Die 
Kastrationsangst richtet sieh gegen jede unerlaubte sexuelle Hand- 
lung und bedroht den Heranwachsenden mit Verstümmelung, schwerer 
körperlicher Schädigung im Falle des Nichtgehorchens. Diese beiden 
Verbote bedrohen jeden Onanieakt und lassen ihn gefährlich ersehei- 
nen. Manchmal gelingt es ihnen, die Selbstbefriedigung nach kurzer 
Dauer zu unterdrücken. Bald bekommt es aber die Masturbation mit 
noch einem Gegner zu tun. 

Inzwischen ist nämlich eine wichtige Entwicklung vor sich ge- 
gangen. Sexualität bedeutet ursprünglich Zweigeschleehtlichkeit, erst 
die Untersuchungen Freuds haben uns gelehrt, ihr Gebiet zu verallge- 
meinern. Soweit wir die lebende Welt überblicken können, fühlt das 
eine Geschlecht sich von dem andern angezogen. Diese Anzie- 
hung ist der mächtigste Gegner der Onanie. Wer halbwegs gesund 
ist, dem bedeutet der Geschlechtsakt einen viel größeren Genuß als 
die Selbstbefriedigung. Im allgemeinen dürfte bei Jungen die Ab- 



Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät 383 

lösung von der Onanie sich so vollziehen, daß sie eine Zeit lang sieh 
selbst befriedigen, dann den Koitus versuchen, vielleicht verläuft der 
erste nicht ganz befriedigend, der nächste gelingt schon besser und so 
hört langsam die Masturbation auf. 

Die Pubertätsonanie hat also einen sehr wichtigen Platz im nor- 
malen Entwicklungsgang der Sexualität. Durch sie wird erst das 
Primat der Genitalzone endgültig befestigt, vereinigt sie doch in einem 
einzigen genitalen Akt (bzw. in der den Akt begleitenden Phan- 
tasie) alle objektgerichteten, sinnlichen Strömungen. Dieser Akt ist in 
der Ausführung zweifellos autoerotisch, in der Phantasie hingegen 

— ganz wenige Ausnahmen abgerechnet — objektgerichtet. Diese 
Objekte sind zwar — wie eine eingehende, Analyse gesetzmäßig zeigt 

— noch die ursprünglichen, inzestuösen, sie weisen aber schon Züge 
auf, die von fremden Objekten herstammen. So verstehen wir, warum 
die Masturbation eine fast allgemeine Erscheinung der Pubertät bildet, 
und auch, wieso die ganz vereinzelt wenigen, die während dieser Zeit 
nachweisbar nie onaniert haben, im allgemeinen neurotisch krank 
sind, oder die Disposition für eine spätere Erkrankung schon in sich 
tragen. (Für die Mädchen kann ich dies nicht mit derselben Sicherheit 
behaupten wie für die Jungen, muß aber bemerken, daß ich die weni- 
gen Fälle, die mir diese Unsicherheit verursachen, nicht einwandfrei 
beobachten konnte.) 

Zusammenfassend können wir sagen, daß das Aufhören der Puber- 
tätsonanie immer einen Kampf bedeutet. Auf der einen Seite steht der 
immer bereite, ohne Anstrengung bequem erreichbare Genuß, die 
immer das vollkommen fehlerlose Objekt bietende Phantasie, auf der 
anderen die Anziehung des anderen Geschlechts, das Schuldbewußt- 
sein, die verschiedenen (Kastrations-) Befürchtungen. 

Die hier anzuführenden Beispiele entstammen meistens meiner neu- 
rologischen Praxis. Wie ich aber schon oben betont habe, unterschei- 
den sich die Gesunden von den Kranken nicht prinzipiell. Bei ihnen 
kann man dieselben Erscheinungen beobachten, nur spielt sich dieser 
Kampf für die Außenwelt fast unbemerkt ab, erst bei auftauchenden 
Schwierigkeiten, und auch dann nicht immer, erfährt man etwas 
von ihm. Man hat den Eindruck, daß alles glatter geht; aber dies be- 
deutet nicht, daß heim später normalen Menschen während der Pu- 
bertät keine Stürme, kein verzweifeltes Ringen vorhanden und even- 
tuell auch zu beobachten wären. 

Mit Rücksicht auf die Darstellbarkeit muß ich bei der Besprechung 
dieses Abgewöhnungskampfes etwas schematisieren. Beim ersten 
Typus, den ich den „zwangsneurotischen 1 ' nennen möchte, scheint es, 
als ob der Kampf (partiell) schon entschieden wäre. Die masturba- 






384 Michael Bahnt 



torische Handlung ist noch frei, die Phantasie aber wird immer ärm- 
licher, auf nur blasse Andeutungen reduziert, Es entstehen merkwür- 
dige Spaltungen, Mängel, welche dein Betreffenden gänzlich entgehen 
und erst durch den Reflektor der Analyse ans Licht gebracht werden. 
So wurde bei der schon erwähnten Patientin die ganze Phantasie auf 
die Vorstellung einer „fremden Hand" reduziert. Bei Knaben ist es 
sehr häufig, daß die phantasierte Partnerin nur ganz verschwommen 
dargestellt wird, besonders der Kopf fällt dieser Tendenz zum Opfer 
(jemand nannte sie „die Dame ohne Kopf), vielfach erscheinen nur 
die Genitalien; alles übrige nur wie in Dunst gehüllt. Dieser Prozeß, 
die Verdrängung, geht immer weiter, trennt manchmal die Phantasie 
von dem onanistischen Akt ganz ab, so daß der Betreffende sich nur 
zu verschiedenen Zeiten zu onanieren oder zu phantasieren erlaubt, 
manchmal sogar wird alles bewußte Phantasieren unterdrückt. So 
entsteht eine bloß körperliche Onanie, ohne lusterzeugende Vorstel- 
lungen. Charakteristisch ist für diese Vorgänge, daß sie vollkommen 
unbemerkt (unbewußt) vor sich gehen. Der Betreffende weiß nichts 
von ihnen. 

Nun aber bricht der Endkampf los. Diesmal geht es direkt gegen 
die onanistische Handlung. Der Kampf beginnt gewöhnlich mit dem 
„einfachen Entschluß": nie mehr! Dann kommt der „feste Entschluß", 
das sich selbst gegebene Ehrenwort usw. usw. Langsam wird es klar, 
daß es so einfach nicht gehen wird. Es folgt also die Terminsetzung. 
Vom ersten des nächsten Monats, von Neujahr an wird nicht mehr 
onaniert. Es beginnt eine neue Ära, alles Alte wird beiseitegeworfen, 
man wird tabula rasa machen usw. Man muß aber mit der Zeit ein- 
sehen, daß all dies nur hochtrabende Wünsche sind. Man begnügt sieh 
dann mit dem viel bescheideneren Vorsatz, möglichst lange ohne 
Masturbation auszuhalten. So schaffte sich ein Patient — einen Ka- 
lender an und bezeichnete darin die ereignisvollen Tage mit selbst- 
erfundenen Hieroglyphen, die für andere unverständlich waren und 
dadurch einen Verrat des Geheimnisses absolut unmöglich machten. 
Die Ereignisse waren Koitus, Onanie und Pollution. Er rechnete aus, 
wie lange er ohne Onanie ausgehalten hatte, wenn er in der Zwischen- 
zeit zweimal, einmal oder gar keinmal Verkehr pflegte oder Pollution 
hatte. Es wurden dann Standardzeiten und Rekorde aufgestellt. Die 
Stimmung schwankte natürlich, je nachdem er die Rekorde ausbesserte, 
oder im Gegenteil selbst die Standardzeiten nicht einhalten konnte. 

Ein anderes Mittel, dem Vorsatz zu helfen, wird durch die Selbst- 
bestrafungen gegeben. Es werden verschiedene Strafsätze beschlossen, 
je nachdem Ejakulation eingetreten war oder nicht und mehr oder 
weniger streng eingehalten. Ein weiteres Mittel sind die Vermeidun- 



Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät 385 



gen, man könnte sagen Tabus. Bestimmte Handlungen werden ver- 
boten, um die Onanie durch sie nicht heraufzubeschwören. So mußte 
eine Patientin vor dem Schlafengehen eine Zeit lang ruhig liegen und 
nichts machen, nicht lesen, nicht sprechen, sogar nicht denken. Da 
dieses Zeremoniell nicht ganz zuverlässig wirkte, so wurde es immer 
mehr ausgedehnt. Schließlich mußte sie dieses absolute Nichtstun um 
sechs, sogar um fünf Uhr nachmittags beginnen. Ein ähnliches Hilfs- 
mittel, aber mit entgegengesetztem Vorzeichen, bilden die positiven 
Gebote: bestimmte Handlungen sind in bestimmter Eeihenfolge oder 
Anzahl zu vollführen. Der Zweck ist, dadurch die Masturbation un- 
möglich zu machen. Hieher gehört auch der symmetrische Berührungs- 
zwang (der Geschlechtsteil ist in Einzahl vorhanden). Ein ähnlicher 
Verschiebungsmechanismus erklärt die Bedeutung der geraden Zahlen 
für die Handlungen. So entwickelte ein Patient ein sehr kompliziertes 
System für sein tägliches Waschen, welches sogar auf die Vier zahl 
basiert wurde. Überhaupt bietet das Waschen ein sehr oft in Anspruch 
genommenes Gebiet für solche positive oder negative Vorschriften. 
Nicht selten kann man direkte Schulbeispiele der Wiederkehr des 
Verdrängten hier beobachten. 

Eine Patientin entwickelte in der Pubertät einen symmetrischen 
Berührungszwang, gepaart mit einem strengen Verbot gegen die Be- 
rührung der Genitalien. Die Onanie hörte damit vollkommen auf. 
Nicht lange danach wurde für sie die Reinlichkeit sehr wichtig, wie 
die Analyse aufdeckte, auch als Entsühnung der vorhergegangenen 
Onanieperiode. Sie dachte viel nach, wie sie sich zu waschen habe, 
um das Gefühl der vollkommenen Reinlichkeit zu erreichen. Es wur- 
den verschiedene Systeme ausgebaut, alles mit Aufrechterhaltung des 
Berührungsverbotes der Genitalien. Beim Nachdenken mußte sie sich 
aber eingestehen, daß dies nicht richtig sein kann, denn eben diese 
Teile ihres Körpers sind die eigentlich schmutzigen, besonders wegen 
der Möglichkeit des Beschmutzens mit Kot und Urin. Folglich müssen 
diese mit besonderer Sorgfalt rein gehalten werden. Das Berührungs- 
verhot wurde also logischerweise durchbrochen und das Waschsystem 
auch auf die Genitalien erweitert. Es mußten aber natürlich verschie- 
denfarbige Waschlappen, Handschuhe und Handtücher verwendet 
werden, um eine Verwechslung derselben mit Sicherheit ausschließen 
zu können. Selbstverständlich hat sie mit der Zeit die Genitalien be- 
sonders intensiv gewaschen. Endlich kam sie darauf, daß es nicht 
genügt sich zweimal täglich — morgens und abends — zu baden, denn 
bei jedem Urinieren oder Defäzieren ist die Gefahr des Beschmutzt- 
seins gegeben. Folgerichtig mußte sie sieh nach solchen Gelegen- 
heiten gründlichst waschen und dann auch noch irrigieren. So hat sie 

Zeitschrift f. paa. Päd., VII 1/11/12 27 



386 Michael Bälint 



sich — zur Zeit als sie mich zur Behandlung aufsuchte — fast den 
ganzen Tag mit ihren Genitalien beschäftigt (unbewußt onaniert), nur 
um die bewußte Onanie sicher vermeiden zu können. 

Den anderen Typus des Abgewöhnungskainpfes möchte ich den 
„hysterischen" nennen. Hier richtet sich der erste Angriff gegen die 
Handlung, die Phantasietätigkeit bleibt noch lange erlaubt oder ge- 
duldet. Es ist bekannt, wie gerne die Hysteriker sich mit Phanta- 
sieren, mit Tagträumereien beschäftigen. Auch hier ist der erste 
Erfolg des Verdrängungsschubes fast unbemerkt, die genitale Onanie- 
handlung verschwindet oder verliert ihre Wichtigkeit, man weiß kaum 
wann und wie. Was man gut beobachten kann, sind die enorm vielen,, 
proteusartig sich ändernden extragenitalen Onanieäquivalente. Es 
gibt nicht einen Teil des Körpers, welcher nicht in den Dienst der 
Selbstbefriedigungstendenz gestellt werden könnte, oder wissenschaft- 
lich ausgedrückt: auf welchen die Onanie nicht verschiebbar wäre. 

Vielleicht ist die beste Darstellung das Aufzeigen der Reihenfolge», 
wie sich das Onanieäquivalent von der eigentlichen, genitalen Onanie, 
immer weiter entfernt. Zuerst wird die Rolle der Hand unterdrückt; 
bei dieser Form ist die Onanienatur noch unverkennbar: rhythmi- 
sches Zusammenpressen der Schenkel, das Liegen und Rollen auf 
dem Bauch, das Sitzen auf der Ferse; etwas verhüllter ist das Zit- 
tern mit den Füßen, das Kreuzen der Beine usw. Oder es werden nur 
die Genitalien gemieden und die Hände beibehalten: man reibt oder 
kratzt sich — eventuell nur durch die Kleider — am Damm oder in 
den Schammhaaren ; man steckt die Hände in die Hosentaschen und, 
klirrt dort mit Geld oder mit den Schlüsseln. Dann kommen die be- 
nachbarten erogenen Zonen an die Reihe. Viele Obstipationen können 
darauf zurückgeführt werden, daß der harte Stuhlgang eventuell Eja- 
kulationen — ohne Schuldgefühl — verursachen kann. Dies kann 
durch die verschiedensten Spielereien (so z. B. Handhilfe beim sehr 
harten Stuhl) zur direkten analen Onanie führen. Auch harmlosere 
Formen gehören hieher, so z. B. das Lesen auf der Toilette. Die 
urethrale Zone kann gleichfalls das Ziel dieser Verschiebung sein. 
Der Harn wird zurückgehalten, dadurch Erektion, vielfach auch Eja- 
kulation hervorgerufen. Auch die Frauen sind große Meister im Zu- 
rückhalten des Harns und des Stuhlganges, angeblich aus Schaui- 
haftigkeit, was meistens mit einer sehr aufregenden Situation endet. 
Es ist sehr merkwürdig, daß manchmal damit auch der Hauptakzent 
des Schamgefühls verschoben wird. Eine Patientin erzählte in der 
Analyse ohne besondere Schwierigkeiten, wie man sie einmal per 
vaginam ärztlich untersucht hatte, brauchte aber mehr als eine 
Woche, bis sie endlich, nach sehr hartem Ringen, sich entschließen 



Der Onanieabgewülmungskampf in der Pubertät 



387 



konnte, einzugestehen, daß sie zur selben Zeit auch per anum unter- 
sucht wurde. 

Bei noch weitergehender Verschiebung ergeben sich die verschie- 
densten Arten der Äquivalente: das Spielen mit den Lippen, mit dem 
Mund, das Bleistiftkauen, Nasenbohren, Nägelkauen usw. Besonders 
wichtig ist das Kratzen. Bekanntlieh wurden in früheren Zeiten ver- 
schiedene Werkzeuge für diese Beschäftigungen fabriziert (Krücken 
für das Kratzen, taschenmesserartige Bohrer für Ohren, Zähne usw.). 
Dies alles sind Handlungen, welche jeder Erzieher als Unarten 
verbietet. Sie sind natürlich sehr häufig während der Pubertät. Und 
merkwürdig, selbst ein äußerst renitenter Junge, welchem nichts 
auf der ganzen lieben Welt imponieren kann, wird plötzlich klein- 
laut, wenn man ihn bei solchen Unarten ertappt. Dies wäre ohne den 
vorher erwähnten Zusammenhang unerklärlich. So aber ist es eines der 
schönsten Beispiele, wie gut die Menschen ihr Ich verstehen. Die Er- 
zieher wissen, diese Unarten stellen eigentlich onanistische Akte dar, 
folglich sind sie zu verbieten und die Heranwachsenden reagieren so, 
als ob sie bei einer wirklichen Onanie ertappt worden wären. 

Ungefähr hier ist der Scheideweg, Was bisher besprochen wurde, 
kann noch in gesundem Sexualleben enden, wie in Krankheit münden. 
Mit einem Unterschied! Bei denjenigen, für welche der Weg in die 
normale Sexualität offen ist, welche nicht zu intensiv an den infan- 
tilen Befriedigungsarten oder an den inzestuösen Objekten fixiert 
sind, scheint der Kampf von Anfang an weniger erbittert zu sein. Das 
Ich ist wahrscheinlich entwickelter, besser organisiert und sichert 
sich nach kurzem Hin und Her die Herrschaft. Die einzelnen strate- 
gischen Punkte, um welche kurz vorher noch so heftig gerungen 
wurde» verlieren ihre Wichtigkeit, die Sexualität sucht sich andere 
Abfuhrmöglichkeiten, vor allem die realen Objektbeziehungen. Der 
Flegel ist nicht mehr unbeholfen, kaut nicht mehr an seinen Nägeln, 
muß nicht mehr beim Waschen ängstlich achtgeben, damit er mit einem 
jeden Körperteil nur während der ihm gebührenden Zeitspanne sich 
beschäftige usw. Ebenso hockt der Backfisch nicht länger in einer 
Ecke verträumt, seinen Bleistift kauend, oder in der Nase bohrend, 
traut sich endlich beim Waschen auch die Geschlechtsteile zu berühren 
usw. Und was das Wichtigste ist, sie verstecken sich nicht mehr vor- 
einander, im Gegenteil sie suchen sich gegenseitig und es beginnt die 
Zeit der Flirte, der Küsse, der Liebe. 

Die Herrschaft des Ichs ist aber auch später, in der Zeit der voll- 
entwickelten Genitalität, nur selten vollkommen. Obwohl die charak- 
teristischen Erscheinungen der Pubertät — die Zeichen des Onanie- 
abgewöhnungskampfes — aus dem Vordergrund verschwinden und 



27* 



388 Michael Bälint 



obwohl das zielbewußte Ich das vorher noch unsichere Gebiet pazi- 
fiziert hat, können in einzelnen unnahbaren Felscnnestern kleine 
feindliche Gruppen isoliert und zurückgezogen ihr Leben fristen. Das 
Ich spielt auch hier, wie sonst immer, den Vermittler. Vor sich selbst 
versucht das Ich diese Überbleibsel der Onanieperiode zu entschul- 
digen: 3a, ja, das Ganze ist nicht wichtig, reden wir lieber nicht davon. 
Nach außen hin ist das Ich bestrebt, diese Gewohnheiten zu decken, 
sie schamhaft zu verheimlichen. Diese Überbleibsel sind allgemein be- 
kannt, obwohl man sich solche Genüsse nur zu sicheren Zeiten, wenn 
man sich allein weiß, zu erlauben pflegt. Hierher gehören; die sehr 
häufigen, meistens sehr starren Schlaf- und Waschgewohnheiten; das 
Hcrumbohren zwischen den Zähnen nach den Mahlzeiten oder das 
Bohren in der Nase, im Ohr, dann das Kratzen, das Reiben, dann die 
vielen möglichen und unmöglichen Spiele mit der Uhrkette, mit dem 
Spazierstock, mit dem Schlüsselbund, mit den Haaren usw. usw. AU 
diese Dinge sind sozusagen Sicherheitsventile, sie erlauben eine kleine 
Dosis von Onanie und sichern dadurch das normale Geschlechtsleben. 

Hier ist nicht der Ort, die äußerst interessanten Zusammenhänge 
zwischen den individuellen Onaniefonnen und den individuellen neu- 
rotischen Symptomen zu behandeln. Auch kann ich nicht darauf ein- 
gehen Neurose und Normalität, von unserem Standpunkte aus gesehen, 
gegeneinander abzugrenzen. Ganz allgemein kann gesagt werden, daß 
der Normale nach einer Zeit die Masturbation abbaut, daß der Neu- 
rotiker dagegen dessen nicht fähig ist und daher sich gegen die 
Onanieversuchung zu wehren hat. Die Abwehr geschieht entweder in 
Tabu- Vorschriften (zwangsneurotischer Typ), oder in dem Verwan- 
deln der lust vollen Handlung in unlust volle (hysterischer Typ). Es 
gibt aber auch einen dritten Ausgang: das Verbleiben bei der Onanie. 

Diese Leute — die sogenannten Onaniecharaktere — weisen viele 
gemeinsame Züge auf, obwohl die Wurzeln ihrer Krankheit recht ver- 
schieden sein können. Das Wesen dieses Typus ist, daß sie — wie 
sehr sie es auch immer und immer wieder versuchen mögen — von 
dieser Befriedigungsart nicht ablassen können. Die häufigste Ur- 
sache ist die starke, nicht gelöste Liebe an das inzestuöse Objekt. Ein 
solcher Mann versucht zwar sich zu verlieben, zieht aber rasch die 
Folgerung: es lohnt sich nicht und kehrt zur gewohnten Selbstbefrie- 
digung zurück. Meistens lebt er mit seiner Mutter oder einer anderen 
weiblichen Verwandten zusammen. (Einer meiner Patienten nahm sich 
nach dem Tode seiner Mutter ein Zimmer in Untermiete bei seinem 
verheirateten, älteren Freunde und folgte Jahrzehnte lang dem Ehe- 
paar treu in jede neue Wohnung.) Das Mädchen erlebt nicht selten 
eine große Liebe, „die Liebe ihres Lebens", wird enttäuscht und ver- 



Der Onanieabgewöhnungskampf in der Pubertät 



389 



bleibt als alte Jungfer in der Familie. Nicht so selten endet die Liebe 
mit einem Verhältnis, aber niemand erfährt etwas davon, auch die 
nächsten Angehörigen nieht, ebensowenig wie von der zeitlebens 
dauernden — eventuell mehr oder weniger lar vierten — Onanie. 
Diese Leute finden und behaupten auch ziemlich gut ihren Platz im 
Leben, nur sind sie meist voller Schrullen, das Bild der alleinstehen- 
den Sonderlinge. 

Die zweite Wurzel für das Verbleiben bei der Masturbation ist die 
Angst — Kastrationsangst — vor dem anderen Geschlecht. Diese ist 
nie allein wirksam, aber oft ist sie die wichtigste. Solche Männer möch- 
ten zwar Verhältnisse haben, trauen sich aber nicht. Der selbst einge- 
standene Grund ist meistens Furcht vor Ansteckung (Syphilidophobie 
usw.), nicht selten aber auch die unverhüllte Kastrationsangst — wie 
Furcht vor Vaginismus, die Phantasie vom Penis captivus usw. Die 
Frauen geben als Grund ihrer Ängste an: Verbluten bei der Deflo- 
ration, die Furcht vor Schmerzen beim Koitus und besonders vor Ge~ 
bärsehmerzen. 

Die Folge der perennierenden Onanie ist das Erstarken des sekun- 
dären Narzißmus, das eigentlich Charakteristische dieser Art Men- 
schen. Sie können ihre Libido in der Außenwelt nicht unterbringen, 
so wird das eigene Ich damit besetzt. Alles was mit ihnen irgendwie 
zusammenhangt, wird äußerst wichtig, äußerst wertvoll (übrigens 
auch eine Pubertätseigenschaft). So hob ein Patient jedes Stückchen 
Papier, jede Erinnerung, die auf ihn selbst Bezug hatte, sorgsam auf; 
er wird sicher ein weltberühmter Mann werden, alle diese Dinge wer- 
den dann unerhörte Werte repräsentieren. Die gleiche Wertschätzung 
wird auch auf die Körperprodukte ausgedehnt, beim Manne vor allem 
auf den Samen. Selbstverständlich kann man diese wertvolle Flüssig- 
keit nicht dem ersten besten Weibe anvertrauen, so wird das Nicht- 
liebenkönnen nachträglich noch rationalisiert. Auf der anderen Seite 
wird die Fähigkeit, unlustvolle Spannungen zu ertragen, beträchtlich 
vermindert. Bei jedem unliebsamen Ereignisse steht der Weg offen: 
zu der immer bereiten, immer trostvollen Onanie. Dadurch nimmt das 
nach außen gewendete Interesse stetig ab, der Mensch hat keine Aus- 
dauer, wird weich, nachgiebig, widerstandslos. In der Gegenwart des 
anderen Geschlechts kann er oder sie sich nicht richtig benehmen, 
wird verstört, unbeholfen oder überkompensierend aggressiv. Dabei 
hat er dauernd gegen Gewissensbisse zu kämpfen, er vergeude sein 
Leben, sei ein Nichtsnutz usw. Es folgen Zeiten großen Aufschwungs, 
die Onanie wird verpönt, etwas mit großem Schwung begonnen, bis 
beim ersten Hindernis alles wieder zusammenbricht. Der Typ dieser 
Leute ist der ewige, armselige Peter Schlehmihl! 



390 Michael Bälint 



Wir sind am Ende unseres Weges. Wir haben gesehen, was die 
Pubertätsonanie in der Sexualentwicklung bedeutet, wie sie entsteht 
und wie sie vergeht, bzw. wie sie fixiert bleibt. Jetzt können wir die 
zwei Fragen beantworten: ist sie schädlich und was haben wir gegen 
sie zu tun? Da, wie wir es gesehen haben, alle Leute eine Onanie- 
periode in ihrem Leben durchlebt haben, so kann sie an sie h nicht 
schädlich sein. Ob die übertriebene Onanie dem Körper überhaupt 
schaden kann, wissen wir noch nicht mit Sicherheit, obwohl manches 
für die Schädlichkeit der exzessiven Onanie spricht. (Siehe die Wiener 
Diskussion über die Onanie.) Seelisch kann sie schädlich werden, 
wenn sie auch noch nach der Pubertät häufig ausgeübt wird. Den 
Mechanismus dieser Wirkung haben wir oben besprochen: sie fixiert 
einerseits den Menschen an seine infantilen Sexual Objekten und an 
eine infantile Form der Befriedigung, andernteiU vermindert sie 
die maximale, noch zu ertragende Spannung. 

Auch die Frage der Behandlung läßt sich auf Grund der obigen Er- 
wägungen beantworten. Da alle Menschen während der Pubertät 
masturbieren, sollen die wenigen, bei denen dies zufällig entdeckt 
wurde, nicht bestraft werden. Auch nicht — - sub titulo ärztlicher Be- 
handlung — mit hartem Lager, karger Kost und Kaltwasserabgießun- 
gen. Lediglich sind die Eltern — wenn notwendig über die Harm- 
losigkeit der Onanie aufzuklären. In diesem Falle ist es ratsam, sie 
einzeln vorzunehmen; ohne Zeugen sind sie viel zugänglicher und 
gestehen nicht selten, daß sie selbst anno dazumal, sich so etwas er- 
laubt hatten. 

Gänzlich anders ist die Situation, falls auch weitere beunruhigende 
Zeichen vorhanden sind. So: Verschlossenheit, Lernhcmmungen, 
Asozialität, mangelndes Interesse usw. Genau dieselbe Beden jung hat 
es, wenn die Onanie auch nach der Pubertät überwiegend oder voll- 
kommen das Feld beherrscht. Nur in diesen beiden Fällen ist eine 
Behandlung angezeigt. Aber man soll nicht vergessen, daß die 
Selbstbefriedigung, auch die exzessive, an sich noch keine Krankheit 
ist, sondern nur ein Zeichen, daß die Sexualentwicklung irgendwie 
gestört ist. Unsere erste Aufgabe muß sein, diese Störung aufzudecken. 

Also vor allem: nie dieOnanie verbieten, denn so ein Ver- 
bot nützt nichts; ebensogut könnte einem Magenkrankon das Er- 
brechen, einem Darmkranken der Durchfall, einem Lungenkranken 
das Husten verboten werden. Dann soll man mit dem Ona nisten prin- 
zipiell nur unter vier Augen sprechen und trachten, sein Vertrauen 
zu gewinnen. Unser Ziel soll sein, ihm zu ermöglichen, uns alles zu 
erzählen. Nicht nur die onanistische Handlung, sondern auch, wie er 
sieh während dessen fühlt, also den Genuß, wie auch die immer vor- 



Der Opanieabgewöhnu ngskampf in der Pubertät 391 

handenen Ängste, überhaupt seine ganze Einstellung gegenüber der 
Masturbation. Wenn uns dies gelingt, so haben wir schon sehr viel 
erreicht: wir haben nämlich die Kastrationsangst erheblich vermin- 
dert, da wir als Autoritätspersonen all dies ohne Strafe, ohne Predigt, 
einfach teilnahmsvoll angehört haben. Dann können wir versuchen, 
ihn dazu zu bewegen, auch die begleitenden Phantasien zu erzählen. 
Dies ist bei weitem die schwierigere Aufgabe und wird — als ein- 
fache pädagogische Maßnahme — nicht immer gelingen. Ich kann die 
Versicherung geben, daß dies auch in einer regelrechten Analyse sehr 
mühsam ist und oft erst nach langem Ringen gelingt. 

So rate ich dem Pädagogen, hier nicht zu energisch vorzugehen 
und eventuell lieber sich mit halbem Erfolg zu begnügen. Besonders 
warne ich vor vorschnellen Deutungen, welche nur auf theoretischer 
Vorbildung und nicht auf dem zutage geförderten Material basiert 
sind. Ansonsten kann es sehr leicht passieren, daß Menschen, die sich 
langsam geben, auf immer verscheucht werden, wodurch für sie eine 
wertvolle Hilfe verloren geht. 

Falls diese Maßnahmen keinen Erfolg bringen, so ist dies ein Zei- 
chen dafür, daß die Störung zu ausgebreitet ist und deshalb nicht 
pädagogisch erledigt werden kann. Statt weiterer erfolgloser Ver- 
suche ist es dann für den Pädagogen nützlich zu gestehen, daß die 
eigenen Mittel nicht mehr ausreichen und die Eltern zu bewegen, das 
Kind analysieren zu lassen. 

Schließlich ist jedes Vorgehen richtig, wenn es unter der Devise 
der Aufrichtigkeit geschieht. Der Heranwachsende soll hören und 
auch aus unserem Benehmen fühlen, daß wir ihn verstehen wollen, 
aber auch, daß wir bestrebt sind, ihm vorwärts zu helfen. Weder wir, 
noch unsere Schutzbefohlenen sollen aus den Augen verlieren, daß 
die Onanie natürlich ist, aber nur für eine Zeit; sie ist nur eine Stufe 
in der Sexualentwicklung und nicht die beste Lösung. Die beste Lö- 
sung ist die Liebe und um diese zu erreichen, lohnt es sich, manches 
zu erlernen und eventuell auch vorübergehend Unlustvolles zu er- 
tragen. 



in i iiifiiiimiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiii tmiiiiiiiit ihm iiiii-iiiiiiinii: ;> i-mi mmi -n .mi:.. - m ihm m i ,-i--.|i ui i.in niiMMii u iihuir 



Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse 

in Amerika 1 

Von Clinton P. McCord (Albany, N. Y.) 

Im Mai 19B1 veranstalteten die American Psychiatric Association 
und die American Psychoanalytical Association eine gemeinsame 
Tagung in Toronto; dort trug ich meine Arbeit „Der Stand der Kinder- 
analyse und ihre Bedeutung für Psychiatrie und Child Guidance" vor. 
Ich wollte damit die Aufmerksamkeit auf diesen neuen, den meisten 
wohl unbekannten Zweig der Psychoanalyse lenken, die Kinderanalyse 
von allgemeinen Gesichtspunkten aus besprechen und die Frage 
stellen, ob und wieweit sie bereits in U. S. A. ausgeübt wird. Inzwi- 
schen sind in Fachzeitschriften und Magazinen wiederholt Beiträge 
zu diesem Thema veröffentlicht worden. Nicht alles von dem, was dort 
mitgeteilt wird, würde die Zustimmung des europäischen, analytisch 
geschulten Lesers finden. Aber unter den amerikanischen Kinder- 
psychiatern und Kinderärzten besteht zweifellos ein Bedürfnis nach 
einem intensiveren Kontakt mit der europäischen Kinderanalyse, nach- 
dem sie in den letzten Jahren zu den bisher üblichen klinischen auch 
die Methoden und Techniken der Child Guidance-Bewegung aufge- 
nommen haben. 

Ich möchte hier vorerst meinen eigenen Weg als Psychiater und 
Psychotherapeut skizzieren, soweit er von der Psychoanalyse im all- 
gemeinen und der Kinderanalyse im speziellen beeinflußt worden war. 
Viele Jahre hindurch konnte ich in der Privatordination, in öffent- 
lichen Erziehungsanstalten, Kliniken, Jugendgerichten, ferner in 
Schulen, im Kontakt mit Kindern, Eltern, Lehrern und Fürsorgern 
eigene Einsichten und Erfahrungen, die mir die Kenntnis der Psycho- 
analyse nahegelegt hatten, sammeln. So lernte ich bald von den zahl- 
reichen jugendlichen Verbrechern, asozialen Kindern, deren Verständ- 
nis August Aichhorn uns später so nahegebracht hat, eine Gruppe 
gestörter Kinder trennen, welche sich ähnlich benahmen wie die Er- 
wachsenen, die einen Analytiker zwecks Behandlung und Heilung 
ihrer Leiden aufsuchen. Lange bevor die organisierte Child Guidance- 
Bewegung existierte, fragte ich mich immer wieder, wie wir das Ver- 
halten asozialer und neurotischer Kinder verstehen oder wie wir sie 
wirklich beeinflussen sollten, wenn wir ihre Reaktionen nicht mit den 
Mitteln und Erkenntnissen der Psychoanalyse Freuds studiert 
haben. Allerdings hielt ich damals vor 15 Jahren die Analyse von 

1) Nach einer Übersetzung aus dem Englischen von Dr. Ktlilli BuxUmiu. 



Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse in Amerika 393 

Kriminellen und neurotischen Kindern für ein vergebliches Unter- 
fangen und bis auf wenige Ausnahmen überhaupt für undurchführbar. 
Trotzdem schien es mir, daß der Psychiater, der Kinder begutachten 
und Erzieher beraten soll, ein Analytiker sein müßte. So "war ich ge- 
zwungen, mir für meine Privatpraxis eine modifizierte Technik für 
den Umgang mit solchen Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Ge- 
messen an dem heutigen Stand der Kinderanalyse mußte ich mich 
Freilich mit oberflächlichen Maßnahmen begnügen, aber im Vergleich 
mit den üblichen Methoden der Diagnostik und Therapie kindlicher 
Fehlentwicklungen kam ich mir doch recht fortschrittlich vor. Ich 
machte mich genau mit der Familiensituation vertraut, verwendete 
einige Stunden darauf das Kind zu beobachten, suchte Kontakt mit den 
Eltern und Lehrern. Wo es sich um neurotische Eltern, Väter oder 
Mütter handelte, bedeutete es für das Kind oft eine Erleichterung 
seiner Konfliktsituation, wenn sich ein Elternteil selbst zur Analyse 
entschloß. In einigen Fällen habe ich das Kind aus der Familie ent- 
fernen lassen und bei Leuten untergebracht, die selbst analysiert 
waren, sich für Kinder interessierten oder sich beruflich mit Kindern 
beschäftigten. Soweit damals Kinder zur analytischen Behandlung 
gebracht wurden, wurde diese in Anlehnung an die Technik der Er- 
wachsenenanalyse durchgeführt. Bei kleinen Kindern beschränkte ich 
mich darauf, sie indirekt durch die in Analyse befindlichen Erwach- 
senen zu beeinflussen. Ich glaube, daß ich recht daran getan habe; 
Prof. -Freud sagte vor einigen Jahren den amerikanischen Analy- 
tikern folgendes: „Sie können in der Analyse alles machen, wenn Sie 
wissen, was Sie machen." Wenn ich damals wirklich Kinder analy- 
siert hätte, ich hätte nicht gewußt, was ich tat. Ich glaube, daß auch 
heute noch manche Ärzte in diese Lage kommen würden, wenn sie 
Kinderanalyse versuchen würden. Ich hatte in meiner Arbeit mit Kin- 
dern und Eltern die Technik der Child Guidance-Bewegung ange- 
wandt, an der ich als Psychiater einige Jahre mitgearbeitet hatte. 
Meine Arbeit wurde aber für mich immer unbefriedigender, je weiter 
meine Erkenntnisse über die übliche Technik hinausgingen, ich ar- 
beitete mit dem Gefühl, daß wir bald an der Grenze der Child 
Guidance-Bewegung angelangt sein würden, wenn wir uns nicht die 
Psychoanalyse nutzbar machen. Diese Jahre machten uns willig, die 
Kinderanalyse zu studieren, sobald wir dazu die Möglichkeit hätten 
und ich wünschte, Praxis und Theorie aus erster Hand zu erlernen 
Was hat nun dieser amerikanische Analytiker mit einer langjährigen 
Erfahrung im Umgang mit Kindern, Lehrern und Psychologen ent- 
decken müssen? Etwas, was wahrscheinlich jeder Analytiker ent- 
decken muß, wenn er seine Erfahrungen mit dem Material der Kinder- 



394 Clinton P. McCord 



analyüker vergleicht: daß er erstaunlich wenig Wichtiges über Kin- 
der weiß. Diese Überzeugung gewann ich sehr bald durch die Arbeit 
mit Anna Freud; ich wurde gegen die Übcraktivital jener miß- 
trauisch, welche glaubten, in ein bis zwei Monaten durch Beobachtun- 
gen und Seminare die Kinderanalyse in Europa erlernen zu können. 
Wir müssen uns darüber klar sein, daß nur ein längeres, gründliches 
Studium hoffen läßt, die Kinderanalyse in würdiger Form in Amerika 
zur Anerkennung zu bringen. Durch die Literatur allein ist diese 
Technik nicht zu erlernen, sondern nur durch die Ausbildung und 
Kontrollarbeit in den anerkannten Ausbildungsstätten Europas, vor 
allem in Wien und London. 

Neben der Ausbildung amerikanischer Kinderanalytiker wird die 
psychoanalytische Bildung der Lehrer und Social Workers eine der 
wichtigsten Zukunftsaufgaben sein. In der White-House Conference 
cm Child Health and Weifare konnte ich auf die immense Bedeutung 
der psychoanalytischen Psychologie für die Erzieher verweisen, wo- 
bei ich die Ansicht zu vertreten geneigt bin, daß die psychoanalytische 
Psychologie die offizielle Schulpsychologie nicht bloß ergänzen, son- 
dern vielmehr ersetzen sollte. Wenn einzelne Lehrer es wünschen, 
sollte ihnen die Möglichkeit zur eigenen Analyse gegeben werden. 

Die psychoanalytische Literatur, welche die Kinderanalyse Ame- 
rikas behandelt, ist, wie gesagt, sehr dürftig. Es wäre Aufgabe der 
Analytiker selbst, die Psychiater und Psychologen auf die Technik 
der Kinderanalyse aufmerksam zu machen und die Ergebnisse zu ver- 
öffentlichen. Die psychoanalytischen Monographien von Jones und 
Glover, welche bestimmte Phasen der Erwachsonenanalyse für 
Ärzte darstellen, haben sich für diese Aufgabe als geeignet erwiesen, 

[Aniu. der Red.: Demnächst, anfangs 1935, erscheint in der .1 nie ri klini- 
schen Zeitschrift „The Psychounalytic Qunrtorly" ein Sonderheft, das den 
Fragen der Kinderanalyse und der psychoanalytischen Pädagogik gewidmet 
ist. Es enthält in englischer Übersetzung folgende Arbeiten aus der Zeit- 
schrift für psychoanalytische Pädagogik: Siegfried Bernfeld: Die psycho- 
analytische Psychologie des Kleinkindes (8. Jg., 11. 1/2, 1931); Anna Freud: 
Die Erziehimg des Kleinkindes vom psychoanalytischen (!osich1spunkt aus 
(8. Jg., H. 1/2. 1934); Anni Pörtl: Verspätete Keinlicbkeilsgcwöhnung (7. Jg., 
H. 5/6, 1933); Karoline Pensimus: Folgen der Entrechtung (7. Jg.. II. 5/6, 
1933); Erik Homhurger: Die Zukunft der sexuellen Aufklärung (4. Jg., 
H. 0/7, 1930): Dorothv Burlinghani : Kindeninalvse und Muller (0. Jg., H. 7/8. 
1932); Steff Bornstein: Eine Kinderanulyse (7. Jg., 11. 7, 1933); Herta Born- 
stein: Enuresis und Kleptomanie (8. Jg., H. 5/8, 1934); Editha Sterba: Aus 
der Analyse einer Hundephobte (7. Jg., 11. 111/12, 1933); Anny Angel: Aus 
der Analyse einer Bettniisserin (8. Jg., H, 5/8, 1934); Edith Bnxbaum: Über 
einen Fall von exhibitionistischer Onanie (8. Jg.. II WS, 1931 ).J 



Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse in Amerika 395 



Wie können wir uns nunmehr den Weg vorstellen, den die Einder- 
analyse in U. S. A. gehen muß, wenn sie zu einer der europäischen 
ähnlichen, wissenschaftliehen und therapeutischen Wirksamkeit kom- 
men soll? Wir müssen dabei vor allem an die Beseitigung verschie- 
dener Mißstände und Mißverständnisse denken, die teils die Kindheit 
im allgemeinen und die Kinderanalyse im speziellen betreffen. Unsere 
Kinderpsychiater und Kinderärzte beherrschen zwar einigermaßen 
— soweit sie überhaupt psychologisches Interesse haben — die psycho- 
analytische Terminologie, sie können aber nur intellektuell das Kind 
verstehen; darum erschöpft sich ihre „analytische Wirksamkeit" im 
Formalen, sie erklären, sie ermutigen, überreden und beeinflussen. 
Psychoanalytische Terminologie und das Deuten der Reaktionen eines 
Kindes seinen Eltern und Erziehern gegenüber ist aber nicht „Kindei-- 
analyse". Auf den üblichen „Mental-Clinics" hat man infolge der zeit- 
lichen Beschränkung eine inquisitorische Technik entwickelt; selbst 
wenn man Zeit hat einen kleinen Patienten zwei bis drei Stunden zu 
beobachten, kehrt man doch wieder zum Frage- und Antwortspiel 
zurück, das den Patienten zu Zugeständnissen bringt, die seine kli- 
nische Einordnung nach Symptomen ermöglichen. So sind manche 
Diagnostiker direkt stolz darauf, wenn sie in einer zweistündigen 
Unterredung vom Kind ein Onaniegeständnis bekommen; noch vor 
wenigen Jahren pflegte man das Kind zu fragen: „Machst du schlimme 
Dinge?" Auch Alfred Adlers Versuche, Wiener Schulkindern 
Selbstbewußtsein beizubringen — in der Art eines trockenen Unter- 
richts erscheint dem, der etwas vom Unbewußten des Kindes weiß, 
wertlos. An unseren Mental- und Child Guidance-Kliniken versucht 
man an vielen Tausenden Längsschnitten von Kinderentwicklungen 
die Kinderseele zu studieren und gibt alljährlich Unsummen dafür 
aus. Wie wäre es, wenn man einige Jahre hindurch einige Hundert 
Kinderanalysen sammeln und die Ergebnisse vergleichen würde? 

Wer sollte nun in Amerika — vorausgesetzt, daß die äußeren Be- 
dingungen erfüllt wären — die Kinderanalyse ausüben? Aus den be- 
kannten Büchern von Anna Freud und Melanie Klein kann 
man, weil es eben nur Bücher sind, die Kinderanalyse niemals er- 
lernen. Anna Freud sagt in ihrem Buch an einer Stelle: „ . . . die 
Kinderanalyse verlangt eine gründliche Kenntnis der analytischen 
Theorie, um den Gefahren, die die Freiheit dieser Technik bietet, zu 
widerstehen." Als ich 1932 in Philadelphia in meinem Vortrag „Wei- 
tere Bemerkungen zur Kinderanalyse in Amerika" ausführte, daß es 
bisnun keine wirklichen Kinderanalytiker in der Art von Anna 
Freud oder Melanie Klein gäbe, erweckte diese Feststellung 
Protest. Auch widersprach man meiner Anschauung, daß Frauen im 



396 



Clinton P. McCord 



allgemeinen nach den Erfahrungen von Wien und London sich als ge- 
eigneter erwiesen und man verwies auf die historische Stellung des 
Mannes in der Familie. Diese Frage wird wohl die Praxis entscheiden. 
Entschieden aber ist die Frage, wo man Kinderanalyse erlernen kann. 
Da es kinderanalytische Arbeitsstätten bloß in Europa gibt, so ist der 
Weg für die Interessenten in Amerika vorgezeichnet, Zwei- bis fünf- 
jähriges Studium an einem der LehrinsÜtute, Kontrollarbeit und an- 
schließend brieflicher Kontakt mit den kinderanalytischen Lehrern 
durch längere Zeit. 

Die Kinderanalyse braucht aber auch den Kontakt mit den Eltern 
und Lehrern der Kinder. Die Mitarbeit der Eltern ist oft in einem 
Ausmaße nötig, daß man wünschen müßte, möglichst viele Eltern von 
neurotisch gestörten Kindern möchten selbst analysier! sein. Sehr 
förderlich hat sich in Wien die Zusammenarbeit der Kinderanalytiker 
mit analysierten Pädagogen erwiesen, so daß der Wunsch nach einer 
von analytischen Gesichtspunkten geleiteten Schule mit analysierten 
Lehrern groß ist. Wenn aber unsere Psychiater und Pädiater fragen, 
wozu soll man einen Kinderanalytiker anstellen, wenn Sie selbst doch 
zugeben, daß die Kinderanalyse nur für ausgesuchte Falle in Be- 
tracht kommt, so kann man darauf nur antworten: Vor 25 Jahren hat 
man von der detaillierten psychiatrischen Differentialdiagnose und 
der klinischen Psychologie dasselbe gesagt. Heute hat der klinische 
Psychologe bei uns eine anerkannte Stellung in der Ärzteschaft sei- 
ner Klinik. Wahrscheinlich würde die Kinderanalyse den Leitern der 
Kinderstationen besser gefallen, wenn sie ausschließlich bei einer eng- 
umgrenzten Gruppe therapeutisch in Frage käme ähnlich wie die 
Hydrotherapie oder die Beschäftigungstherapie. Aber ich kann, um 
das Problem zu umfassen, nur einen Analytiker zitieren, der sagte: 
„Die Psychoanalyse ist eben nicht nur eine Form der Therapie; sie 
ist ein psychologisches System, dem alle Formen der Therapie unter- 
geordnet werden sollten," 



: I M i m i 1 1 ; ; i : : : 1 1 1 . i : : I : . ; : i l : > ^ r ! i , 1 1 . 11 : i i - 1 : > . : : . ; : 1 1 i M 1 . 1 1 ■ i . 1 1 : i m 1 1 1 1 1 . > i . : : : . 1 1 1 . i i i : . ; : i : : 1 1 



Eine Kinderbeobaditung 

Von Richard Sterba, Wien 

Ein vierjähriges Mädchen sieht zu, wie das zweijährige Brüderchen 
gebadet wird. Nach einer Weile sagt es zur Kinderfrau: „Warum 
laßt du ihm die Haare nicht wachsen, dann war' er ein Mäderl." 

Auf diese kleine Geschichte paßt der Titel „Kinderbeobachtung" 
in doppeltem Sinn, im aktiven wie im passiven. Denn darin ist zu 
beobachten, wie ein Kind beobachtet und wie es die Beobachtung ver- 
wertet und weitergibt. Und wir können daran lernen, wie Kinder ana- 
lytisch zu beobachten und zu verstehen wären. Es ist ja die große 
Schwierigkeit im Verständnis der Kinder, daß sie erst nicht sagen 
können, was sie meinen und wollen, und sich's dann nicht mehr zu 
sagen getrauen, weil die Erwachsenen und die beginnende eigene 
Verdrängung des Kindes dem entgegenstehen. Und doch sind Kinder 
voll von Ausdruck und Mitteilung, schon weil die Intensität ihrer 
Trieb wünsche eine so hohe ist, daß es sieh aus ihnen nach außen 
drängt, an die Objekte, die im Mittelpunkt ihrer zärtlich-erotischen 
und aggressiven Wünsche stehen, Die Mitteilung bedeutet dann Trieb- 
befriedigung, Ermäßigung der ungestümen Triebspannung, Ent- 
lastung der kindlichen Seele. Oft auch Aufforderung zu gemeinsamem 
Genuß, also Verführung (siehe hiezu Dorothy Tiffany Burlingham: 
Mitteilungsdrang und Geständniszwang 1 ). Aber die hemmenden Kräfte 
dringen auf Entstellung und aus dem Triebverlangen, respektive 
seiner ausdrucksweisen Äußerung einerseits und dem Einspruch der 
hemmenden Instanzen andererseits schafft sich eine Zwischenbildung, 
ein Kompromiß. Bei den meisten seelischen Äußerungen der Kinder wie 
der Erwachsenen haben wir es mit Kompromißbildungen zu tun, die 
immer aus gegensätzlichen Kräften entstanden sind. 

In unserem Falle der Äußerung des kleinen Mädchens „Warum laßt 
du ihm die Haare nicht wachsen, dann war 1 er ein Mäderl" ist die 
Triebtendenz und ihre Hemmung zur Entstellung so deutlich und aus 
der Situation so klar erkennbar, daß man ohne jegliche Analyse das 
ursprüngliche Trieb verlangen sofort erkennen kann. Sehr einsichtig 
sind die Wege der Entstellung, die beschritten wurden; sie sind übri- 
gens sehr typisch für die Entstellung verbotener Triebregungen im 
allgemeinen. 

Wir wollen uns die Situation des kleinen Mädchens vergegenwär- 
tigen. Sie sieht das Brüderchen nackt und der dabei sichtbare Penis 
des Knaben erregt ihren lebhaften Neid. Sie glaubt, daß das andere 

*) lmago, Zeitschrift für psa. Psychologie, ihre Grenzgebiete und Anwendungen XX Band" 
1954, S. 129—143. 



398 Richard Sterba 



Kind bevorzugt sei, weil es dieses Stückchen mehr an Körperlichkeit 
besitzt, fühlt sich benachteiligt und ist gekränkt; die Folge ist ein 
heftiger aggressiver lmpulB, das Knäblein dieses geschätzten Mehr- 
besitzes zu berauben, ein kastrativer Inipuls, wie wir es nennen. 
„Wenn er den Penis verliert, dann ist er ein Mäderl wie ich und ich kann 
wieder ruhig sein", so etwa läuft es in ihr ab; wir müssen vielleicht 
annehmen, daß ihr dieser Gedankengang nicht zum Bewußtsein 
kommt. Was das Mädchen bewußt äußert, ist eine Umkehrung des 
Ganzen und eine Verschiebung nach oben; diese Verkehmng ins 
Gegenteil und diese Verschiebung nach oben sind die beiden erwähn- 
ten typischen Wege der Entstellung, die dabei besehritten werden. 
Durch diese Verschiebung nach oben werden die Haare an Stelle des 
Penis gesetzt; die Symbolbedeutung der Haare, die schon deutlieh ist, 
wenn Samsons männliche Kraft gebrochen ist, nachdem ihm Dalila 
das Haar beschnitten hat, unterstützt den Transport der Regung vom 
unteren zum oberen Körperteil. Aber auch die Aggression muß, um 
der Schwesterliebe, um der Erwachsenen willen, die darob böse wären, 
umgewandelt werden. Statt abschneiden und vernichten heißt es jetzt 
„wachsen lassen". 

Das alles könnte analytische Deutelei sein, und das Kind könnte 
doch wirklich gemeint haben, das Buberl wird ein Mäderl, wenn die 
Haare lange wachsen. Aber zunächst sind die Haare beim Zweijähri- 
gen noch nicht sehr viel geschnitten worden, und dann spricht ein 
Moment ganz gegen diese beruhigende einfache Deutung. Daß das 
Brüderchen kürzere Haare hat, kann man immer sehen, dazu braucht 
es nicht beim Baden nackt zu sein; wenn die Äußerung eine unent- 
stellte, direkte, unverdächtige, harmlose wäre, könnte sie den ganzen 
Tag geschehen sein. Aber sie geschah beim Bad, als die Kleine das 
Brüderchen nackt sah, und dann ist unser analytisches Rückdrehen 
des Verstellten und Aufdecken des Ursprünglichen nicht mehr kühn 
und deutelnd, sondern unentrinnbar, besonders wenn wir wissen, daß 
die dabei beschrittenen Wege der Entstellung typische sind. 

Diese aus der Situation zwingende Notwendigkeit zu unserer Deu- 
tung war der Grund, warum die kleine „Kinderbeobachtung" mitge- 
teilt wurde. Man kann an ihr lernen, daß man die kindlichen Äuße- 
rungen nicht so harmlos nehmen darf, wie sie anscheinend fallen, daß 
wir sie über Umwege verstehen lernen müssen, daß es für uns not- 
wendig ist, die Umwege zu wissen, die beschritten werden können, 
daß uns auch die Regungen, die es beim Kinde im Lauf der Entwick- 
lung gibt, bekannt sein müssen, wenn wir das Kind, das wir beob- 
achten, verstehen wollen. Aber das alles lehrt uns die Psychoanalyse; 
ohne ihre Kenntnis kann man nicht wagen, Kinder verstehen zu wollen. 



Verbot und Forderung 

Eine Kinderbeobachtung 

Von Editha Sterba, Wien 

Man hat selbst in Analysen von Kindern selten Gelegenheit, etwas 
über die allerersten Anfänge von Obiektbeziehung, Identifizierung, 
über das erste Schuldgefühl und die Ansätze der über-Ich-Bildung zu 
erfahren. So ist jede Kinderbeobaehtung, die zu diesem großen Pro- 
blemenkreis ein Stückchen Aufklärung bringt, der Mitteilung wert. 

Ich hatte Gelegenheit die Entwicklung eines zwanzig Monate alten 
kleinen Mädchens zu verfolgen. Diese Kleine ist ein lebhaftes, auf- 
gewecktes Kind, besitzt zur Zeit der Beobachtung einen ausreichenden 
Sprachschatz, ihre Gedanken der Umwelt richtig mitzuteilen; sie 
macht in der Erziehung keine besonderen Schwierigkeiten, so daß sie 
ernstere Konflikte mit den Erzieherpersonen noch nicht kennen ge- 
lernt hat. Wenn sich min bei ihr, wie bei jedem Kind, die Notwendig- 
keit ergab, etwas zu verbieten, war am Verhalten der Kleinen wieder- 
holt folgendes zu beobachten: Wenn man z. B. mit freundlichem Zu- 
reden die Kleine daran hinderte, den Absperr hahn der gefüllten Bade- 
wanne aufzudrehen und das ganze Zimmer unter Wasser zu setzen, 
was ihr einmal geglückt war, da man nicht wußte, daß sie diesen 
Hahn schon aufdrehen konnte, zeigte sie zuerst keinerlei Unwillen 
über das Verbot. Sie wurde nur nachdenklich, stand in Gegenwart der 
Erwachsenen vom Versuch ab, den Hahn aufzudrehen, versuchte es 
aber sofort, wenn man das Zimmer verlassen hatte. Als sie dann von 
der Mutter nicht mehr mit der gefüllten Badewanne im Zimmer allein 
gelassen wurde, schlug sie einen andern Weg ein, um ihr Ziel zu er- 
reichen. Wenn die Wanne gefüllt war, rief sie plötzlich: „Hallo, 
Telephon, die Mama zum Telephon gehen." Und als dieser Versuch, 
die Mutter zu entfernen, keinen Erfolg hatte, sagte sie einfach: „Die 
Mama hinausgehen", obwohl sie sonst sehr viel Wert auf die An- 
wesenheit der Mutter legt. Als auch dieses Mittel nicht den erwünsch- 
ten Erfolg hatte, nahm sie eines Tages die Mutter bei der Hand, führte 
sie zum Absperrhahn der Badewanne und sagte: „Die Mama das auch 
aufdrehn und alles ausschulten. 1 

Dieser Versuch, die Mutter zum Verbotenen zu veranlassen, ließ 
sich auch noch bei anderen Gelegenheiten beobachten. Als die Mutter 
eines Tages das Kinderzimmer betrat, in dem sich das kleine Mädchen 
seit längerer Zeit allein befand, sah sie, wie die Kleine eifrig die 
Tonröhre abschleckte, die zur Befeuchtung der Zimmerluft am 
Heizkörper angebracht waren. Obwohl die Mutler diesen Vorgang 



409 Editlia Sterbü 



schweigend beobachtete, fühlte das Kind sofort, daß die Mutter ihr 
Handeln nicht restlos billigte; sie nahm sie schnell bei der Hand, 
führte sie zur Heizung und sagte: „Mama auch Wasser abschlecken". 
Die Antwort der Mutter: „Nein, ich mag das nicht, ich bin kein 
Schweindi", schien die Kleine zunächst ganz gleichgültig zu lassen. 
Am Abend desselben Tages, als sie sich im Bad befand, bückte sie 
sich sehr sehneil, trank einige Schlucke vom Wasser in der Bade- 
wanne und rief triumphierend: „Das Schweindi trinkt Badewasser, 
das Schweindi trinkt Badewasser." Auch hier zeigt sich dasselbe, die 
Kleine will die Mutter veranlassen, das Verbotene zu tun, indem sie 
sie auffordert, auch das Wasser von den Tonröhren abzuschlecken. 
Man sieht aber auch, daß sie genau gespürt hat, daß ihr Tun vom Er- 
wachsenen nicht gebilligt wird, denn sie fordert die Mutter auf, das 
Verbotene zu tun, bevor diese überhaupt noch etwas gesagt hat. Sie 
hat auch die indirekte Kritik, mit der die Mutter die Aufforderung 
an den Tonröhren zu schlecken, beantwortet, sofort erfaßt, wie der 
Vorfall beim abendlichen Bad zeigt. Säe weiß aber auch, daß man das 
Badewasser nicht trinken soll, obwohl sie es bis dahin nie probiert 
hatte, das ersieht man daraus, daß sie betont: „Das Schweindi 
trinkt Badewasser." Sie will dabei natürlich auch die Mutier provo- 
zieren, um zu sehen, was diese jetzt sagen wird, Auffallend war auch, 
daß die Kleine zu dieser Zeit Mutter und Vater öfter aufforderte zu 
lutschen, wobei ich betonen möchte, daß die Kleine eigentlich selten 
lutschte, es nur beim Einschlafen tat oder wenn sie Zähne bekam. Ein 
Vorfall, der sich dabei abspielte, war umso merkwürdiger, als über 
das Lutschen nie geredet wurde, einfach aus dem Grund, weil nichts 
dazu zu sagen war. Die Kleine probierte eines Tages energisch der 
Mutter den Daumen, an dem sie immer lutschte, in den Mund zu stecken 
und sagte dabei: „Die Mama auch lutschen." und als die Mutter 
lachend abwehrte und meinte: „Aber nein, mir schmeckt es gar nicht", 
dachte sie einige Sekunden nach, betrachtete ihren Daumen genau, 
steckte ihn dann befriedigt in den Mund und sagte: „Aber ich selber 
lutschen, weil gut ist." 

Das kleine Mädchen ist sichtlich in einer Phase, in der es gemerkt 
hat, daß es mehr minder zahlreiche Dinge und Verhaltungen gibt, 
die von den Erziehern nicht gebilligt werden. Ihr hier geschildertes 
Verhalten ist ein Versuch, diese unangenehme Tatsache zu bewäl- 
tigen. Aber diese Bewältigung sieht nicht so aus, wie man es erwarten 
sollte, sie geschieht nicht etwa in der Weise, daß das Kind die Ein- 
schränkungen akzeptiert und ihnen entsprechend das eigene Ich und 
seine bisher uneingeschränkte Äußerung verändert oder gar sich die 
Forderungen der Außenwelt zu eigen macht. Sie versucht vielmehr, 



Verbot und Forderung 4Q| 



die Außenwelt iin Sinne ihres Lust-Ichs zu verändern, indem sie sie 
mitschuldig werden läßt; denn die vorgelegten kleinen Beobachtungen 
zeigen, daß das Kind die Einschränkungen zunichte machen will, in- 
dem sie die einschränkende Persönlichkeit zu verführen sucht, das 
zu tun, was der Inhalt der Einschränkung ist. Damit würde für sie 
die Spannung zwischen Forderung und Lustverlangen wegfallen. Die 
Verführung ist also nicht eine zum Zwecke des gemeinsamen Lust- 
g e w i n n s, sondern zum Zweck der Lust gestattung. "Wie wenig 
schwer noch die Forderungen auf der Kleinen lasten, wie sehr noch 
das Lustprinzip vorherrscht, sieht man daraus, daß sie einfach sagt: 
„Ich selber lutschen, weil gut ist", nachdem die Mutter abgelehnt hat, 
sieh zum Lutschen verführen zu lassen. 

Das kleine Mädchen steht gleichsam zwischen zwei Entwick- 
lungsstufen: die eine Stufe ist die des Lust-Ichs; das Kind hat noch 
keine harten Forderungen der Außenwelt kennen gelernt, die vor- 
handenen Objekte hatten ihm, wie es der Pflege des Frühkindes ent- 
spricht, weitgehende Triebbefriedigung gewährt, es hatte nach Tun- 
Iichkeit bekommen, was es begehrte. Die andere Entwicklungsstufe 
ist die, in der das Kind beginnt, die Einsicht zu gewinnen, daß gewisse 
einschränkende versagende Forderungen der Erzieherpersonen ak- 
zeptiert werden müssen, weil es sonst in Gefahr gerät, die Liebe und 
vielleicht auch die Fürsorge dieser Personen, ohne die es nicht exi- 
stieren kann, zu verlieren. Die Kleine hat also eingesehen, daß es 
Verbote gibt und daß gewisse eigene Triebwünsche mit den Forde- 
rungen der Erwachsenen in Konflikt geraten. Und nun beobachten wir 
das kleine Mädchen bei dem letzten Versuch, sein Lust-Ich gegenüber 
der Realität, zu der der verbietende Erzieher gehört, durchzusetzen und 
so den drohenden Konflikt zu vermeiden. Wenn es den Erwachsenen 
dazu verleiten kann, das zu tun, was er ihm verbietet, dann ist seine 
Forderung nicht ernst zu nehmen, sie fällt in nichts zusammen und 
die Spannung zwischen Lustverlangen und Realität sinkt auf den 
Nullpunkt herab. Wenn ihm das gelingt, hätte das Kind seine Lust- 
befriedigung, vielleicht noch erhöht durch die gemeinsame Lustbefrie- 
digung mit dem Erwachsenen, es bleibt in gutem Einvernehmen mit 
ihm und die Realität hätte sich seinem Lustprinzip gebeugt. 

Daß das kleine Mädchen, als es mit seinem Versuche scheitert, rasch 
in die zweite Entwicklungsstufe gleitet und ohne ernste Schwierig- 
keiten sich entschließt, die Forderungen, die man an es stellt, zu 
akzeptieren, zeigt folgender kleine Vorfall: Wenige Tage nach den 
im Vorhergehenden geschilderten Beobachtungen, machte sich die 
Kleine naß. Sie hatte eigentlich schon zu der Zeit ihre Reinlichkeits- 
erziehung ohne Schwierigkeiten vollendet und es war nie vorgekom- 

Zeitschrift f. psa. Päd., VIII/U/12 2g 



402 Editha Sterba 



men, daß sie eine Person ihrer Umgebung zu verleiten versucht hätte, 
mit ihr gemeinsam die Forderungen der Reinlichkeitserziehung zu 
übertreten. Nachdem sie sich also naß gemacht und es ihrer Umgebung 
mitgeteilt hatte und niemand eine besondere Reaktion darauf zeigte, 
fragte sie plötzlich: „Die Mama böse?" Auf eine verneinende Antwort 
fragte sie weiter: „Der Papa böse?" Sie schien wieder nicht befriedigt 
und ging nun alle nähern Bekannten durch, indem sie immer wieder 
fragte, ob der oder jener böse sei. Als das immer verneint wurde, 
dachte sie angestrengt nach und meinte dann sehr stolz: „Aber ich 
selber böse, weil naß." Um das zu bekräftigen, suchte sie nach tadeln- 
den Worten und rief strafend: „Ich selber sagen, schäm dich, schlim- 
mes Kind, ganz waschelnaß." Nach diesem Vorfall, bei dem die Kleine 
zum erstenmal Ansätze zur Übernahme von Forderungen der Umgebung 
in ihr eigenes Ich zeigte, kam es nie mehr vor, daß sie jemanden aus 
ihrer Umgebung zu einem verbotenen Tun zu verleiten suchte. 



,iiii UM::!. :i 



BERICHTE 

Nllllllillllllllllllltlllllllllllilli™ 

Psydioanalytisdie Pädagogik im Jahre 1934 

Amsterdam 

Das Interesse für Psychoanalyse in Holland ist außerordentlich rege. 
Dank der Tatsache, daß sich vor gut 20 Jahren der Ordinarius für Psychiatrie 
in Leiden, Prof. Jelgersma, zur Lehre Freuds positiv eingestellt hat, in seinen 
Vorlesungen ständig auf Psychoanalyse hinwies und seine Assistenten zur 
psychoanalytischen Tätigkeit anhielt, ist wie nirgend anderswo die Psycho- 
analyse offiziell anerkannte Wissenschaft, Dazu kommt, daß die Holländer 
für alle Fortschritte auf dem Gebiete der Pädagogik das denkbar größte 
Interesse haben und auch die Juristen sich mit den pädagogischen Beein- 
flussungsraöglichkeiten und den Verständnisgelegenheiten, die die Psycho- 
analyse eröffnet, auf dem Laufenden halten. So kommt es, daß alle möglichen 
Institutionen Psychoanalytiker heranziehen und zahllose Vorträge über uns 
interessierende Themen halten lassen. Charakteristisch dafür ist vielleicht die 
Tätigkeit der Leiterin des Amsterdamer „Konsultationsbüros für schwierige 
Kinder", Frl. Dr. Tibout, die allein im Laufe der letzten anderthalb Jahre 
fünf bis sechs Kurse und mindestens ebensoviele Vorträge im analytischen 
Sinne gehalten hat. Im vergangenen Jahre sind die psychoanalytischen Ver- 
einigungen zwar nicht mit selbständigen Vorträgen aufgetreten, dagegen 
ließ das holländische psychoanalytische Institut im Frühjahr durch Dr. Land- 
auer im Haag einen Vortragszyklus von sechs Vorträgen über Erziehungs- 
probleme halten. 

Im November 1934 erschien für Pädagogen und KindeTpsychologen in 
holländischer Sprache das Buch: „Het Kind en de Adolescent in de Psycho- 
analyse" von Hil Deman, mit einer Einleitung von Dr. J. H. Van der Hoop 
(Antwerpen 1934). 

Basel 

Im Rahmen der Volkshochschulkurse der Universität Basel setzt Dr. 
Heinrich Meng seine Vorlesungen im Wintersemester 1934/35 unter dem 
Titel „Erziehung und Nacherziehung als Hilfe im Lebenskampf" fort. Es 
werden folgende Themen behandelt: Wechselbeziehung zwischen Eltern und 
Kindern. Vater-, Mutter- und Kinderfehler. Ehekunde. Elternschicksal und 
Kinderschicksal. Erziehung der Eltern. Temperament, Neurose und Erzie- 
hung. Schutz durch Beratung in Lebensfragen. 

Das Institut für Behandlung neuzeitlicher Erziehungs- und Unterrichts- 
fragen kündet unter anderen Kursen einen schulpraktischen Kurs von Dr. 
Heinrich Meng an: Das Unbewußte im Erziehen und Unterrichten. Gliede- 
rung: A. Der Schüler: 1. Zur Psychologie des Schuleintritts und des ersten 
Unterrichts. 2. Kindliche Nervosität, Lernstörung, Erziehungsschwierigkeiten, 
Kinderfehler. B. Der Lehrer: 3. Erziehen und Unterrichten als Beruf. 4. Macht 
und Liebe. Autorität und Führung. Lehrerfehler, C. Die Eltern: 5. Eltern 
und Schule. Eltcrnfehler. 6. Berufswahl und Zukunft des Schülers. (Aus: 
Amtliches Schulblatt Basel-Stadt, Okt. 34, Nr. 10.) 

28* 



404 Berichte 



Budapest 

Die Budapester psychoanalytische Gesellschaft unterhält seit 1929 ein 
Ambulatorium, dem auch eine Ordination und Beratungsstelle für Kinder an- 
geschlossen ist. Unter psychoanalytischer Leitung steht auch die Erziehungs- 
beratungsstelle am Ambulatorium für psychopathische Kinder der Allgemei- 
nen Poliklinik. Seit seinem Bestehen (1926) veranstaltet das Lehr Institut der 
Budapester psychoanalytischen Vereinigung Kurse und Seminare für Päd- 
agogen unter Leitung von Dr. Alice Balint, Ein kinderanalytisches Seminar 
veranstaltete Dr. Margit Dubowitz. Im Jahre 1933 wurden folgende Kurs© 
gelesen: Von Dr. Klara Lazar: Was bietet die Psychoanalyse dem Erzieher?; 
von Dr. Michael Balint: Über hysterische Reaklionsformen; von Heilpädago- 
gin Kata Levy: Psychoanalyse, für Pädagogen. Als Fortsetzung dieser Kurse 
wurde im ersten Semester 1934 eine Vortragsserie veranstaltet; es sprachen: 
Dr. Lilian Rotter: Verständnis und Erziehung; Dr, Julian Szüts: Das hyste- 
rische Kind; Dr. Klara Lazar: Angst im Kindesalter; Kata Levy: Über Hem- 
mungen; Dr. Siegmund Pfeifer: Über das Spiel des Kindes; Kata Levy: 
"Über Verwahrlosung (insgesamt sechs Vorträge für je 60 Hörer). Im Winter- 
semester 1934/35 findet ein Seminar zur Lektüre Freud'scher Schriften unter 
Leitung von Kata Levy statt. Auf Grund von Einladungen verschiedener 
Korporationen wurden Vorträge über Psychoanalyse und Psychoanalyse wie- 
derholt gehalten. Seit drei Jahren ermöglicht Frau Elisabeth Weiß eine 
Sommerkolonie für schwererziehbare Kinder; unter psychoanalytischer Lei- 
tung wird hier eine Auslese jener schwererziehbaren Kinder getroffen, welche 
statt Inetitutsbehandlung einer psychoanalytischen, ambulatorischen Behand- 
lung zugeführt werden sollen. 

Kopenhagen 

Das Buch von Pfarrer Dr. Oskar Pfister (Zürich) „Die Psychoanalyse im 
Dienste der Erziehung" ist soeben in dänischer Sprache mit einem Vorwort 
von Bischof Daragaard im Verlag P. Haase und Sohn, Kopenhagen erschienen 
(deutsche, 3. Aufl. bei Klinkhardt Leipzig, frühere Übersetzungen erschienen 
in französischer, englischer, italienischer, spanischer u. griechischer Sprache). 

London 

Der klinische Preis des London Institute of Psycho- Analysis (1933) wurde 
Dr. Melitta Schmideberg für ihre Arbeit „Die Spielanalyse eines dreijährigen 
Mädchens" (erschienen in verkürzter Fassung in dieser Zeitschrift, 1934, 
Seite 196) zuerkannt. 

Im Frühjahr 1934 fand in der British Psycho-Analytical Society ein Sym- 
posion über „Kindliche Unarten" statt, eröffnet von Dr. Susan Isaacs, Dr. Me- 
litta Schmideberg, Miss Helen Sheehan Dare. 

Das unter der Leitung von Dr. Edward Glover stehende Institut zur 
wissenschaftlichen Behandlung Krimineller hat seine Arbeit fortgesetzt, er- 
wachsene und jugendliche Kriminelle untersucht und — nach Möglichkeit — 
behandelt, insbesondere diejenigen, die Bewährungsfrist erhalten hatten. Fer- 
ner wurden von Dr. Carrol u. a. Vorträge und Seminare für Sozialfürsorger 






Bericht© 405 



abgehalten. Ein brieflicher Unterrichtekurs wird für Sozialfürsorger in der 
Provinz eingerichtet. 

Das Institut beabsichtigt, in London ein Heim zu errichten, das zwölf 
Patienten zur Beobachtung oder Behandlung aufnehmen kann. 

In der Medical Section der British Psychological Society wurde im Oktober 
1934 ein Symposion „Über Verbrecher" gehalten, bei dem Dr. Denis Carroll 
vom Standpunkte der Erwachsenenanalyse und Mrs. Melanie Klein vom Stand- 
punkt der Kinderanalyse vor etwa 100 Zuhörern sprachen. 

Dr. Donald Winnicott hielt im April 1934 einen Vortrag über „Trinkfaul- 
heit und Eßhemmung in der frühen Kindheit" am Kongreß der British 
Paediatric Association und beteiligte sich an der Diskussion am Kongreß 
des Royal Institute of Public Health (Norwich) zum Thema „Das schwierige 
Kind". Sein Diskussionsbeitrag erscheint im offiziellen Bericht des Kon- 
gresses. 

Im British Journal of Children's Diseases erschien eine Arbeit von Dr. 
Winnieott: Populär Urticaria, and the Dynamics of Skin Sensation, in der er 
die psychologischen Faktoren bei Hauterkrankungen würdigt. 

Dr. Winnicott sprach im Februar 1934 im The Royal Medical Psychological 
Association, Psych opathological and Psychotberapeutic Discussioncircle über 
„Eßstörungen der frühen Kindheit". Im gleichen Circle sprach im Oktober 
1934 Dr. Melitta Schmideherg über „Die Bedeutung der Eßstörung für die 
spätere Entwicklung". 

Im Paddington Green Hospital für Kinder wird ein Psychological Depart- 
ment unter der Leitung von Dr. Donald Winnicott eingerichtet. Etwa 40 Kin- 
der werden hier wöchentlich von Dr. Winnicott und seinen Assistenten be- 
handelt. Neurotische Kinder werden allgemein psychotherapeutisch auf analy- 
tischer Grundlage behandelt und die Eltern beraten. Soweit möglich werden 
analysebedürftige Kinder an die psychoanalytische Klinik überwiesen. Das 
Psychological Department soll auch Unterrichtszwecken dienen: Ärzte und 
Pflegerinnen in die medizinische Psychologie einführen, ferner analytischen 
Ausbildungskandidaten Gelegenheit zu näherer Berührung mit klinischem 
Material und zur Beobachtung von Säuglingen geben. Das Psychological 
Department soll auch die für die Kontrollanalysen der analytischen Kandi- 
daten geeigneten Kinderfälle aussuchen und an die analytische Klinik weisen. 
Dr. Winnicott, der auch schon früher Kurse für Ärzte und Pflegerinnen hielt, 
wird von 1935 ab diese Kurse in symmetrischer Weise, über das ganze Jahr 
verteilt, abhalten. 

Das London Institute of Psycho-Analysis veranstaltete im Frühjahr 1934 
einen öffentlichen Vortragskurs, betitelt „Familienprobleme", der in Caxton 
Hall vor etwa 80 Hörern abgehalten wurde. Er bestand aus folgenden Vor-. 
trägen: Dr. M. D. Eder: Erziehungsschwierigkeiten im Elternhaus; Miss 
N. Searl: Kindheit und Pubertät; Miss Barbara Low: Geschwister; Dr. Sybille 
Yates: Die Auswirkung von Eheschwierigkeiten auf die Kinder; Dr. Susan 
Isaacs: Rebellische Kinder; Miss Ella Sharpe: Das Verlassen des Eltern- 
hauses. 



406 Berichte 



An der unter Leitung von Dr. Susan Isaaes stehenden Kinderpsychologi- 
schen Abteilung (Department for the Development of the Chile!) des Institutes 
für Erziehung der Universität London haben im ersten Jahre ihres Bestehens 
sieben Personen ganztägig gearbeitet, um sich als Superintendanten i und 
Lehrer, sowie Dozenten für Psychologie auszubilden. Weitere zwölf besuchten 
die verschiedenen Kurse und Seminare; darunter waren Schulinspektoren, 
Dozenten von Lehrerbildungsanstalten, Selmlvorsteherinnen usw. 30 — 10 be- 
suchten den wichtigsten Vortragskurs: „Psychologie des Kindes unter neun 
Jahren", der die psychoanalytische Theorie der frühkindlichen Entwicklung 
zur Voraussetzung hat. Es wurden Seminare über verschiedene pädagogische 
und psychologische Probleme (darunter eines über seelische Hygiene der 
frühen Kindheit) abgehalten. Ein Seminar über „Die Bedeutung psychischer 
Faktoren bei Erkrankungen im Kindesalter" wurde von Dr. Donald Winnicott 
geleitet. Die Studierenden arbeiten praktisch in Kindergärten, Volksschulen 
und Child Guidance-Kliniken. Ferner werden an der Kinderpsychologischen 
Abteilung Forschungsarbeiten auf verschiedenen Gebieten, insbesondere über 
die soziale und intellektuelle Entwicklung des Kindes ausgeführt. Diese Ar- 
beiten, sowie die Kurse und Vorträge sind stark von analytischen Gesichts- 
punkten beeinflußt. 

Dr. Susan Ieaacs leitete ferner im Herbst 1934 ein Seminar über: Ver- 
schiedene Methoden zum Studium und zur Beobachtung von Säuglingen und 
Kleinkindern an der Psychologischen Abteilung des University College. 

An der Sommerschule für Volk sieh ror (Board of Education) hielt Dr. Su- 
san Isaaes vier Vorträge über „Die Psychologie der frühen Kindheit". 

Ferner erschienen von ihr folgende Arbeiten: Eebellische Kinder (in der 
Zeitschrift Mother and Child. V. 3. 1934) ; Was erwarten die Kinder von ihren 
Eltern? (Child Study. XII. 1934.); Kritische Bemerkungen über Piaget's: 
Das moralische Urteil des Kindes (Mind. I. 1934.). 

Dr. Sybille Yates hielt drei Vorträge über „Sexuelle Aufklärung" im 
Herbst 1934 vor etwa 40 Personen (Eltern von Volksschülern) ; ferner im 
November 1934 einen Vortrag „Das schlimme Kind". 

Von Dr. Yates erschienen in der Zeitschrift Parents Magazine folgende 
Arbeiten: Pubertätsprobleme (II. 1934) ; Ein vierzehnjähriges Mädchen 
(V. 1934); Pubertätsfreundschafton (VIII. 1984); Mit fünfunddreißig (IX. 
1934) und Konflikte der Eltern (XI. 1934). 

Voriges Jahr wurde ein Child-Psychology Diseussion Circle gegründet, an 
dem sich Kinderanalytiker und andere Kinderpsychotherapeuten beteiligten. 
Die Sitzungen finden zweimonatlich statt: Beteiligung etwa 20 — 30 Personen. 
Von Analytikern sprachen: Februar 1934 Dr, Susan Isaaes: Unterschiede 
zwischen dem Gefühlsleben eines dreijährigen und eines achtjährigen Kindes. 
Mai 1934 Dr. Melitta Schmideberg: Aus der Analyse eines debilen Kindes. 
Juli 1934 fand ein Symposion über das Thema „Wie gewinnt man mit dem Kind 
Kontakt?" statt, wobei Miss Helen Sbeehan Dare den analytischen Standpunkt 
vertrat. Oktober 1934 Miss Barbara Low: „Über Autorität". 



Berichte aqj 



L u z e r n 

Beim 13. internationalen psychoanalytischen Kongreß wurden folgende 
Vorträge zur Psychoanalyse von Kindheit und Jugend gehalten: „Über die 
männliche Pubertät" von Dr. Siegfried Bernfeld (Wien); „Zum Problem der 
Pubertät" von Anna Freud (Wien) ; „Zum Heilungsproblem in der Kinder- 
analyse" von Dr. Edith Jacobsohn (Berlin); „The Pre-Qedipal Roots of the 
Primal Scene" von Dr. Ruth Mack -Brunswick (Wien); „Der Einfluß der 
infantilen Masturbation auf die spätere Entwicklung der Persönlichkeit" von 
Dr. Jean Lampl-de Groot (Wien); „Analyse de Moi" von Dr. Raymond de 
Saussure (Geneve) ; „Zur Wirkungsweise der psychoanalytischen Therapie" 
von Dr. Melitta Sebmideberg (London) ; „Infantile Ideals" von Nina Searl 
(London). 

Oslo 

In Kor wegen ist das Interesse für Psychoanalyse überall und auch in 
pädagogischen Kreisen im Ansteigen. Der Vorsitzende der psychoanalytischen 
Vereinigung Norwegens, Prof. Dr. Schjelderup, ist gleichzeitig Vorstand des 
psychologischen Instituts der Universität und spricht in seinen psychologi- 
schen Universitätsvorlesungen über Psychoanalyse, Er verlangt beim Examen 
der Peyehologiestudenten die Kenntnis der Freud'schen „Vorlesungen zur 
Einführung in die Psychoanalyse". 

Vorträge über Psychoanalyse für Pädagogen wurden vielfach veranstaltet. 
Die bemerkenswertesten der letzten Zeit waren: Dr. Otto Fenichel (Oslo) 
sprach im Studentenverein über „Psychoanalyse und Pädagogik" vor zirka 
200 Hörern; an einer laufenden Arbeitsgemeinschaft zur Einführung in die 
Psychoanalyse nehmen mehrere Pädagogen teil. 

Frau Dr. Nie Hoel hielt mehrere Vorträge über „Kindliche Sexualität" in 
Bezirkslehrervereinen, und zwar: 1. im Februar 1934 in Lillestroem vor 
ca. 200 Hörern; 2. im März im Eidsvold vor ca. 300 Hörern; 3. im April in 
Oslo vor ca. 100 Hörern. 

Dr. Ola Raknes hielt folgende Vorträge über: „Mentbalhygiene vom psycho- 
analytischen Standpunkt" im Schülerverein des Lehrerseminars (200 Hörer) 
und im Lehrerverein (100 Hörer) . Ferner vier Vorlesungen über „Charakter- 
bildung auf psychanalytischer Grundlage" als Ferialkure für Volksschul- 
lehrer an der Universität Oslo (100 Hörer) und acht Vorträge über dieses 
Thema an der Volkshochschule (ca. 50 Hörer). 

Stockholm 

Die schwedische Gruppe der Psychoanalytiker veranstaltet jeden Montag 
einen Vortrag, der von zahlreichen Pädagogen frequentiert wird. Es werden 
dabei teils allgemeine psychoanalytische Themen, teils solche der speziellen 
psychoanalytischen Pädagogik (Kinderpsychologie und Heilpädagogik) be- 
handelt. Im Serafimlazarett sprach Frau Dr. Alfhild Tamm über Kinder- 
sexualität. Theol. lic. Anita Nathorst sprach in mehreren Städten Schwedens 
über die Psychologie des Übergangsalters (Pubertät), wobei sie in positivem 
Sinne die Psychoanalyse eingehend mitverwendete. 



408 Bücher und Zeitschriften 



Bücher und Zeitschriften 

Die Praxis der beratende» Graphologie, Neue Wege der Charakterform ung 
durch die KorrektuTgraphelogic. Herausgegeben von Dr. Hugo Reis. Blaue 
Siemensreihe, Doppelheft 9/10. Verlag Siemens & Co., Bad Homhurg v. d. H. 
1934. 

Es sind im allgemeinen zwei mehr oder weniger getrennte Sektoren des 
geistigen Lebens, in denen sich wissenschaftliche Impulse auswirken: in der 
reinen Forschungsarbeit und in ihrer praktischen Verwertung. Bei der Psycho- 
logie tritt als ein dritter der Bereich ihrer Publikmnswirkung und deren Rück- 
wirkung auf sie hinzu. Bei jener problematischen psychologischen Disziplin, 
die unter dem Namen „Graphologie" mindestens seit 25 Jahren eine immer 
wachsende Anziehungskraft ausübt, ist es eben dieser dritte Sektor, den wir 
studieren müssen, wenn wir wissen wollen, was für eine Rolle sie heute spielt; 
denn sie hat auch heute noch ihren Schwerpunkt in dem weiten und dunklen 
Bereich eines sehr klärungsbedürftigen Publikums interesses. Es besteht auch 
kaum eine Aussicht, daß sich dieser Zustand so bald andern wird. Während 
die Expansionsbestrebungen der Graphologie in den beiden andern Sektoren 
nach auffallend rascher Entwicklung im gegenwärtigen Zeitpunkt erlahmen 
und der Tendenz zur kritischen Prüfung des bisher Erreichten Platz machen, 
hält die Konjunktur der Graphologie im dritten Sektor unvermindert an — 
ja, sie zeigt den „schreibkundigen" Autoren neuerdings ein besonders ver- 
heißungsvolles Gesieht. Im Bereich der praktischen Anwendung der Grapho- 
logie, also auf dem Gebiet der planvollen „Menschen Wirtschaft", wie sie Unter- 
nehmer und Personalchefs in der Verfolgung bestimmter materieller Inter- 
essen betreiben, hat dio Krise der Wirtschaft und nebenher auch das durch sie 
verstärkte Mißtrauen gegenüber Rationalisierungsmaßnahmen der weiteren 
Ausbreitung der Graphologie Einhalt geboten, indem sie ihr Hauptarbeits- 
gebiet, die Bewerbungsschreiben, großenteils bedeutungslos gemacht hat. In 
dem ohnehin sehr kleinen Sektor, der ernsthaft „graphologische Forschung" 
betitelt werden könnte, hat die sogenannte Krise der Wissenschaft in ihrer 
Weise zu einer Art Stillstand geführt. Die maßgebenden Graphologen waren 
sich immer klar darüber, daß die Graphologie prinzipiell keine selbständige 
Disziplin sein kann — gegenwärtig erhebt sich nun die grundsätzliche Frage, 
ob sie sich gründen soll auf experimentelle Psychologie im weitesten Sinn, 
also auf eine Naturwissenschaft von der Seele oder ob sie betrieben werden 
soll aus einer philosophischen Anthropologie, also aus einer Metaphysik her- 
aus (wenn nämlich die Abweisung der Naturwissenschaft, hinter der man mit 
Recht die Psychoanalyse fürchtet, überhaupt etwas Positives besagen soll). 
Aber nicht nur in dieser Methodenfrage, sondern auch in ihrer konkreten 
Arbeit befindet sich die graphologische Forschung der Gegenwart in einer 
Krise. Die am ehesten als wissenschaftlich zu wertenden graphologischen 
Untersuchungen richten sich auf drei im wesentlichen noch ungelöste Fragen: 
die Erforschung der Kinderschrift, die statistische und die experimentelle 
Prüfung der bisherigen Ergebnisse. Es ist zu erwarten, daß diese Unter- 
suchungen nicht nur zu einer neuen Durchdringung und veränderten Auf- 






Bücher und Zeitschriften 409 



fassung der landläufigen graphologischen Lehrmeinungen führen werden, 
sondern auch heranführen werden an die Hauptfrage der Graphologie: was 
eigentlich die Charaktereigenschaften, deren Ausdruck oder Niederschlag in 
der Handschrift sie studiert, sind. So könnte die weitere Entwicklung der 
Graphologie zu der von unsenn Standpunkt aus einzig fruchtbaren geneti- 
schen Auffassung des Charakters führen. 

Recht im Gegensatz zu dieser Sachlage in den beiden ersten Sektoren er- 
lebt die Graphologie in dem dritten eine ungehemmte weitere Entfaltung, und 
gerade jetzt tritt sie hier mit einem charakteristischen Umschlag, aber unge- 
brochen in ihrer faszinierenden Kraft in ein neues Stadium ihrer Auswirkung. 
Sie bezeugt aufs neue, viel eindringlicher und zugleich viel bedenklicher als 
früher, daß sie außer speziellen Fragen der Ausdruckspsyehologie und außer 
praktischen Aufgaben des Wirtschaftslebens noch einem Dritten dient, daß 
sie für den Einzelnen in der Gesellschaft eine bestimmte psychologische Funk- 
tion hat oder haben kann. Die heute dem großen Publikum sich neu anbie- 
tende Graphologie will mehr geben als Anleitung zur Menschenkenntnis; sie 
will dem Einzelnen Klarheit über sein eigenes Wesen geben, damit er durch 
Selbsterziehung Anschluß an die Gemeinschaft finde, damit er egozentrische 
Befangenheit überwinden und sich einfügen lerne in die höhere Ganzheit der 
gesellschaftlichen Ordnung; sie verspricht ihm die Kunst, die andern zu 
durchschauen und sich selbst zu bemeistern als eine unentbehrliche Waffe im 
Lebenskampf. Ja, in der vorliegenden Schrift tritt sie direkt als ein psycho- 
therapeutisches Verfahren auf. Bernfeld hat bereits 1930 in seinem Auf- 
satz „Neuer Geist contra Nihilismus, Die Psychologie und ihr Publikum" 1 ) 
die weiteren Zusammenhänge, von denen das hier Behandelte nur einen Aus- 
schnitt darstellt, untersucht. Die Wechselbeziehungen zwischen der Psycho- 
logie und ihrem Publikum haben inzwischen auch auf dem Gebiet der Grapho- 
logie dazu geführt, daß in zunehmendem Maße das, was Bernfeld so treffend 
als „Erbauungspsychologie" gekennzeichnet hat, erzeugt wird. 

Es wird einem nicht leicht, diesen Erscheinungen bis ins einzelne nachzu- 
gehen, weil der Dilettantismus und die Seichtheit dieser Literatur jeden An- 
lauf der Kritik selbst als lächerlich erscheinen lassen könnte. Ich meine je- 
doch, daß man sich dadurch nicht irre machen soll, da die genannten Eigen- 
schaften dieser Literatur ihrer Wirkung — und auf diese kommt es uns hier 
in erster Linie an — kaum abträglich sind. Das Bedenkliche liegt darin, daß 
diese Art von Graphologie mit dem Nimbus „moderner", „wissenschaftlicher" 
Psychologie eine starke werbende Kraft entfaltet für diejenigen, die aus sich 
heraus keine sichere Position zu finden vermögen, weil sie entweder noch im 
Pubertätsalter sich befinden oder weil sie den Konflikten der Pubertät nie 
entwachsen siud. Dreierlei kehrt in dieser Literatur in charakteristischer 
Weise immer wieder: das Versprechen, daß Haltlosigkeit, Mutlosigkeit und 
Gehemmtheit, die letztlich nur Folge einer gewissen Willensschwäche seien, 
überwunden werden können; der Appell an den Willen zur Selbsterziehung; 
die Forderung, alle egozentrische Einstellung aufzugeben, mitzuarbeiten an 
den Aufgaben der Gemeinschaft. Nur zu deutlich verrät sich hierin, wie diese 

*) Anin. Die psychoanalytische Bewegung, IL Jahrgang, Heft 2. 



410 Bücher und Zeitschriften 



Art von „Psychotherapie" abzielt — in der Regel natürlich ohne bewußte 
Absicht — auf die Situation des Onanieabgewöhnungskampfes der Pubertäts- 
zeit; oft genug erweist sich auch die in diesen Büchern vertretene päd- 
agogische Ideologie als unmittelbarer Abkömmling der typischen Pubertäts- 
ideologie mit den hauptsächlichen Inhalten: Askese und (abstrakt = unver- 
bindliche) Hingabe an „die Menschheit" oder das eigene Volk. Die Puber- 
tierenden oder in der Pubertät stecken Gebliebenen wissen ja nicht, daß die 
Erleichterung, die sie hier finden, daher rührt, daß ihre Triebkonflikte in 
Probleme der Charakterbildung umgedeutet werden, daß ihr Schuldgefühl 
aus dem Ödipuskomplex umgewandelt wird in eine bestimmte Form des 
sozialen Schuldgefühls. Es ist nicht nur so, daß sich eine gewisse ,.neue" 
Graphologie durch ihren ideologischen Gehalt an die Seite von Surrogaten 
von Psychotherapie stellt, welche auf nichts anderes hinauslaufen, als ihre 
Adepten in der Bewältigung der neuen Verdrängungsaufgaben der Pubertät 
zu unterstützen, sondern es gibt geradezu eine graphologische Psychotherapie. 
Da wird in dem Buch von Hugo Reis als Gegenmittel gegen das Minder- 
wertigkeitsgefühl die Beschäftigung mit Menschenkenntnis, zur Stärkung des 
Gemeinschaftsgefühls neben der Entspannungsgymnastik der Wehrsport emp- 
fohlen — für beides aber allen Ernstes auch — das „schriftkorrekturliche 
Training"! Solehe „beratende Graphologie will Gehemmtheit mit Ablösung 
der linksschrägen Schriftlage durch maßvolle Rechtsschräge, mangelndes 
Selbstgefühl durch Vergrößerung der Schrifthöhe, Ängstlichkeit durch Ver- 
größerung der Schriftweite bekämpfen". Man sieht, das geht weit hinaus über 
die Zwecke jenes famosen „Menschenkundeninstituts", welches sich zum Ziel 
gesetzt hatte, seine Klienten darin zu unterweisen, wie sie schreiben sollten, 
damit eine etwaige graphologische Beurteilung ihrer Handschrift positiv 
ausfallen mußte. Diese Bestrebungen knüpfen an bei der fetischistischen 
Überbewertung, welche die Handschrift in der Pubertätszeit so häufig erfährt. 
Über die Naturwidrigkeit einer Erziehungs- bzw. Selbsterziehungsmethode, 
welche zum Charakterausdruck und vom Charakterausdruck her den dazu- 
gehörigen Charakter bilden will, ist kein Wort zu verlieren — hier gilt es 
nur zu verstehen, worauf die nicht zu leugnende Publikumswirkug solcher 
Auffassung zurückzuführen ist. Neben den schon genannten Faktoren spielt 
dabei gewiß auch die Befriedigung magischer und narzißtischer Tendenzen 
eine Rolle — zuguterletzt wird hier die durch die Existenz der Graphologie 
genährte Angst, daß durch die Handschrift „etwas" „herauskommen" könnte, 
bewältigt und verkehrt in den narzißtischen Triumph, ein Mensch endurch- 
echauer und ein Selbstbemeisterer zu werden. -^ Marseille Wien 

Dr. Adolf Zeddies: Wörterbuch der Psychologie. Verlag J. Siemens 
& Co., Homburg v. d. H. 1934. 164 S. 

Das Büchlein versucht, die Termini der allgemeinen Psychologie sowie 
zum Teil der einzelnen psychologischen Schulen popularisierend zu erläutern, 
teilweise auch nur schlag wortart ig zu Übersetzen. Die unumgängliche und 
typische Schiefheit und Unvollkommenheit derartig übermittelten Wissens 



Bücher und Zeitschriften 4JJ 



haftet dem Versuche an; das Büchlein ist in diesem Sinne so schlecht, als der- 
artig angelegte Populärwörterbücher im allgemeinen zu sein pflegen. Aber 
darunter sind einzelne Erläuterungen auch noch falsch. So etwa die Angabe 
unter dem Schlagwort „Ambivalenz", die lautet: „Doppel Wertigkeit (z. B, 
von Vorstellungen, die zugleich Liebe und Haß, Zuneigung und Abneigung 
erregen können; A. der Gefühle)" oder unter „Depersonalisation", wo es 
heißt: „Zustand der Entrücktheit, auch von Umgebung und dem eigenen Ich". 
Unter „Psychoanalyse" heißt es unter anderem: „Das Heilverfahren geschieht 
durch die sogenannte ,freie Assoziation' (der Patient hat alles auszusprechen, 
was ihm bei der Nennung eines Wortes einfällt; bei diesem freien Spiel der 
Einfälle erwartet man, daß die in den Tiefen des Unterbewußtseins liegenden 
Komplexe sich verraten)". Des üblich banalen Vorwurfs, daß das Verfahren 
„in einseitiger Weise auf die Sexualität abgestellt" sei, konnte der Verfasser 
sich natürlich auch nicht enthalten. 

Wenn der Verfasser in seinem Vorwort meint, daß sein „Wörterbuch der 
Psychologie" eine fühlbare Lücke im psychologischen Schrifttum auszufüllen 
habe, so mag man daran zweifeln, ob die Lücke fühlbar ist, daß er sie nicht 
ausfüllt, ist gewiß. Dr Richard S t e r b a, Wien. 

Zul liger, Hans: „Der Rorschachtest im Dienste der Erziehungs- und 
Berufsberatung". Gesundheit und Wohlfahrt, Jahrgang 1934, Heft 6 u. 7, 32 S. 

Der von dem schweizer Psychoanalytiker und Psychiater Hermann Ror- 
schach (gest. 1922) entwickelte psychodiagnostische Test, der sogenannte Ror- 
schachtest, hat in den letzten Jahren eine rasch wachsende Verbreitung ge- 
funden. Er war für die Bearbeitung einer theoretischen Fragestellung der 
Psychiatrie erdacht worden, und auch nachdem sich seine praktische Ver- 
wendbarkeit herausgestellt hatte, blieb seine Kenntnis und Anwendung auf 
einen Telativ kleinen Kreis beschränkt. Es ist vornehmlich der Arbeit der 
schweizer Schüler Eorschachs zu danken, daß sich die Anerkennung des 
Rorschachtests neuerdings in weiteren Fachkreisen durchsetzt. Besonders im 
Dienst der Erziehungs- und Berufsberatung wird er immer mehr verwendet. 
An der Erziehungsberatungsstelle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 
ist der Rorschachtest schon seit mehreren Jahren in regelmäßigem Gebrauch; 
aber auch z. B. unter den „social workers" der privaten Jugendfürsorge in 
den Vereinigten Staaten hat er bereits Kenner und Verfechter gefunden. 

Der Aufsatz von Zulliger ist keine bloße programmatische Erörterung, 
sondern er ist aus der praktischen Arbeit heraus geschrieben und gibt dem 
Leser ein ungemein plastisches Bild von der Leistungsfähigkeit des Rorschach- 
tests. Er enthält außer acht kurz skizzierten Fällen drei ausführlieh darge- 
stellte mit allen Antworten der Probanden und instruktiver Erläuterung ihrer 
Auswertung. Sie sind gleichzeitig schöne Beispiele für die auf das Ergebnis 
des Tests sich stützende Zusammenarbeit des Beraters mit den Eltern und der 
Schule. Besonders eindrucksvoll sind der zweite und der dritte Fall: das eine 
Mal wird durch den Rorschachtest der Verdacht einer geistigen Störung bei 
einem 17jährigen Burschen aus dem Wege geräumt und die Diskrepanz 



412 Bücher und Zeitschriften 



zwischen seiner starken Spezialbegabung und dem anders orientierten Schul- 
unterricht aufgedeckt; das andere Mal läßt er hinter den „Sonderbarkeiten" 
eines 18jährigen Lehrlings die latente Schizophrenie vermuten — ■ und in beiden 
Fällen dient der Rorschachbefund als Grundlage für die Beratung und die 
Auswahl der geeigneten praktischen Maßregeln. 

Die Arbeit von Zulliger ist allen denen, die sich für die Fragen der Er- 
ziehungs- und Berufsberatung interessieren, wärmstens zu empfehlen. Auch 
für den speziellen Zweck der Erlernung des Rorschachtests wird sie durch 
ihre instruktiven Beispiele ein wertvolles Hilfsmittel sein können. Sie ist für 
Kenner wie für Nichtkenner des Tests lehrreich; denn das Darstellungs- 
geschick des Autors hat es ihm ermöglicht, in den relativ kurzen Ausführun- 
gen nicht nur das Testverfahren zu demonstrieren und zu erläutern, sondern 
gleichzeitig auch auf intimere Details der Auswertung einzugehen. Die von 
Zulliger gegebenen Analysen verschiedener problematischer Antworten lassen 
einen Umstand zutage treten, der besondere Hervorhebung verdient: die Aus- 
wertung des Tests ist entscheidend abhängig davon, daß der Diagnostiker 
fähig ist, sieh wirklich einzufühlen in die Art und Weise, wie die Antworten 
einer Vp. zustande gekommen sind. Sogar die Richtigkeit des Ergebnisses ist 
von dieser Fähigkeit abhängig, vollends aber seine Ergiebigkeit. Mit Recht 
betont Zulliger mehrfach, daß der Erlernbarkeit des Tests Grenzen gesetzt 
sind. In diesem Zusammenhang ist auch sein Hinweis wichtig, daß in die Er- 
ziehungsberatung als erste Instanz häufig Fälle gebracht werden, die nicht 
mehr in die Kompetenz des Erziehungsberaters, sondern in die des Psycho- 
analytikers oder des Psychiaters gehören. Der Berater, der sieh auf den Ror- 
sehachtest stützt, muß daher in dieser Richtung so weit geschult sein, daß er 
weiß, wann er einen Fall — ohne selbst eine Diagnose mitzuteilen — zum 
Zwecke der Spezialuntersuchung weiter zu empfehlen hat. 

Die Behauptung, von der Zulliger ausgeht und zu der er zurückkehrt, 
besagt, daß der Rorschachtest weit besser und vollständiger als alle anderen 
Tests Aufschluß über Charakter und Intelligenz der Vp. gibt. Referent kann 
dem aus eigener Erfahrung nur beistimmen. In diesem Fall erweist sich das 
aus theoretischen Überlegungen geschaffene Verfahren den aus der Praxis 
erwachsenen als überlegen. Die Tests und psych otechnisehen Prüfungsver- 
fahren, welche das in den letzten Jahrzehnten entstandene Bedürfnis nach 
Methoden zur objektiven Feststellung der Berufseignung und der persönlichen 
Leistungsfähigkeit befriedigen sollten, haben die großen Erwartungen, die 
man ihnen vielfach entgegenbrachte, nicht erfüllt. Man beginnt zu erkennen, 
daß sich viele Komponenten der Begabung und der Leistungsfähigkeit den 
verwendeten Tests entziehen, daß ihre Ergebnisse weitgehend an die psy- 
chische Prüfungssituation gebunden sind und sich daher auf die reale Berufs- 
situation nur mit prinzipiellen Einschränkungen oder gar nicht übertragen 
lassen. Die meisten Einschränkungen gelten nicht oder nicht im selben Maß 
für den Rorschachtest — schon weil er ein völlig „unwissentliches Verfahren" 
darstellt, aber auch noch aus anderen Gründen. Insbesondere die Tatsache, daß 
latente bzw. unentwickelte Anlagen durch die meisten Testverfahren über- 
haupt nicht zum Vorschein gebracht werden und daß Persönlichkeitsdefekte 



Bücher und Zeitschriften 4J3 



in der Regel nur dann und nur so weit in Erscheinung treten, so weit sie mit 
einer Minderwertigekit der intellektuellen Funktionen einhergehen, läßt die 
Begrenztheit der meisten anderen Testverfahren im Vergleich mit dem Ror- 
schachtest klar hervortreten; denn diese Einschränkungen gelten ebenfalls nicht 
für ihn. Auch in der Gegenüberstellung mit der Graphologie ist dem Rorschach- 
test für die hier zur Diskussion stehenden Zwecke der Vorzug zu geben. Sie 
wird zwar nicht von den oben erwähnten Einschränkungen getroffen; aber 
gegen ihre Verwendung erheben sich u. a. die folgenden Bedenken; 1. ist die 
Graphologie nur sehr bedingt erlernbar; 2. sind die Handschriften verschie- 
dener Alters- und Bildungsstufen, verschiedenen Milieus und ebenso die Be- 
urteilungen verschiedener Graphologen nicht ohne weiters vergleichbar; 
3. unterliegt gerade die Beurteilung von Kinder- und Jugendlichenhandschrif- 
ten speziellen Schwierigkeiten. 

Für den Psychoanalytiker und den psychoanalytischen Pädagogen fällt 
bei der Abwägung des Wertes der verschiedenen Testverfahren noch 
etwas anderes zugunsten des Rorschachtestes ins Gewicht: daß die Diagnosen, 
welche er ermöglicht, in ihrer Sprache und ihren Begriffen der Denkweise 
der Psychoanalyse angehören oder doch nahestehen. Die von Zulliger ge- 
gebenen Beispiele zeigen, daß der Rorschachtest in manchen Fällen einen Ein- 
blick in die psychische Struktur der Vp. gewährt, wie er sonst nur durch eine 
beträchtliche Beobachtungszeit oder durch ein Stück Analyse zu gewinnen ist. 

W. Marseille (Wien) 



hui iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii i]iiiiii!iiiii]iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iii!i!iiiiiiiiiim 



REGISTER ZUM VIII. JAHRGANG 



Aberglauben 311 

Abraham, Karl, 73, 111, 179, 181 

Abreagieren 351 

Abwehrraflexe 280 

Adler, AUred 179, 395 

Affekte und Außenwelt 110 f; 
der Eltern 297; unterdrückte 
213 

Affektive Bindungen 312 f; 
Momente (ubw.) 80; "Wer- 
tung 30S 

Affekt ivität u. Kinderanalyse 
151 

Af f engesei Isehaft 303 

Aggression 47 f, 54; Abführen 
d, 359; Abwehr d. 361; und 
analer Trotz 55, 65, 69; Aus- 
leben d. 71, 62; Äußerung 
d. 363; u. Autorität 294, 806; 
Befreiung d. 244; u. Deu- 
tungen 241; Durchbrach d. 
244; u. Hysterie 205, 212; 
gegen Kameraden 322; gegen 
d. Lehrer 324; u. Liebes- 
objekt 24; gegen d, Mutter 
106, 111, 250; u. Penis 260; 
primäre 204; und Schuldge- 
fühl 23;"i ; sexuelle 250, 258, 
259; gegen sich selbst 258; 
tätliche 365; gegen d. Vater 
152, 242, 245; und Verbre- 
eben 92; Verdrängung d, 
199, 364; und Verwahrte- 
sung 92 

Aggressionstrieb 9 

Aggressive Tendenz u. Brav- 
heit 92 

Agieren 220, 240, 252, 254 

Ägypten 265 

Aichhorn. August 77 ff, 191, 
279, 392 

Aktion u. Mitteilung 260 

Aktive Mitarbeit in der Ana- 
lyse 240; Strebungen 259 

Aktivität d. Analytikers 150; 
Hemmung d, 316 

Allmacht der Gedanken 311: 
d. Vaters 293 

Alm, Harald 275 

Altruismus, Forderung nach 
289 

Ambivalenz 60, 70, 1S8 201 
210, 243, 326, 329 

Amerika, Kinderaaalyse in 
392 ff 

Amnesie 228 

Amsterdam 403 

Analfe, er, es); Angriff auf 
den Eltern 203; Ausdrücke 
244; Charakterzuge 45; In- 
teresse 45, 52; Libido 39; 
Liebeserklärung 243; Lust 
13, 63; Phase 72, 179. 259; 
Heizung 62; Sexualität 153; 
Wünsche 105 

Analerottk 181 

Anal-passive Fixierung 257 

Analität, konstitutionelle 39, 62 

Analyse, Eignung z. 396; d. 
Erziehers 29; eines Zweijäh- 
rigen, Aus d. 37 ff 

Andreas Salom£, Lora. 340 

Angel, Anny 216 ff . 270, 394 

Angst; und Aggression 257; 
vor dem Alleinsein 40, 96; 



v. Ansteckung 3S9; v. d. 
Arbeit 115; v. Ärzten 223; 
u. Asozialität 365, 369; v, 
Beschädigung des Genitales 
225, 367; Bewältigung d. 96, 
198; v. Dieben 359; v, Ein- 
brechern 359; v, d. Ein- 
schlafen 96; v. Eisenbahn 
207; u. Eitelkeit 369; d. El- 
tern 360. 371; v. d. Ent- 
kleiden 331; u. Enuresis 184; 
u. Erbrechen 208; als Erzie- 
hungsmittel 313; vor Frem- 
den 41; v. Gebärschmerzen 
389; vor Geräuschen 42, 44 
46, 58, 197; v. Gewitter 144; 
v. d. introjizierten Objekt 
214; v. anderen Kindern 36: 
d. Kindes 316, 371; u. Kon- 
zentration 116; v. d. Lernen 
358; v. Liebesverlust 107 
262, 268; v. d. männl. Ag- 
gression 359; vor Männern 
197, 205, 223; v. d. Maus 196 
vor Musik 203; v. d. Mut 
teT 223; neurotische 239, 358, 
bei Onanie 44; v. Schmerzen 
beim Koitus 389; v. Schmutz 
100 f, 368; v. d. Schreiben 
144, 149; u. Schule 148; u 
Sexualität 375; i. Spiel 257; 
u. Stehlen 367; vor Strafe 
107 244, 260, 262; vor dem 
Stuhlabsetzen 51; als Sym- 
ptom 346; v. e. Unfall des 
Kindes 360; um den urinie- 
renden Penis 105; vor dem 
Vater 198, 3)9, 258; u Ver- 
drängung 108; v. d. Verhun- 
gern 240, 355; v. d. Verlas- 
senwerden 240; vor Verlust 
einer geliebten Person 35' 
I' d- Wagnehmen 359; vor 
dem Wehtun 59; v. d Wis- 
sen 112 

Angstneuroso u. Pollakisurie 
273; -pollution 194; -Situation 
82; -zustände 217 f, 238 

Animismus 3ü5 

Aniroistisehes Denken 295 

Ankerbinde 40, 64 f 

Antisemitismus 858 

Arbeitsstörung 172; -stunde 
146, 148 

Archaisches Denken 309 

Ärztliche Hilfe u. Psa. 142 

Asoziale Kinder 363 ff, 392 

Asozialität U. Intelligenz 371; 
u. Moral 371; Motive d. 364; 
u. Onanie 390; u. Psyeho- 
nourose 367 

Atavistische Reminiszenzen 
293 t 

Aufklärung 314; über d. Ge- 
burt 361; sexuelle 275, 320, 
3^3, 333, 334 

Aufklärungsschriften 376; 
-zoit £67 

Auflehnung 91. 92 

Außenwelt, Forderungen der 
37, 401 

Australien 182, 294 

Autoerotik 12 f , 22 f, SS3 

Autoritätsbedürfnis 262 



Bälint, Alice 188, 192, 404; 

Balint Michael 404 

Basel 139, 403 

Baudoin, Cli. 187 

Begabung, z. Definition der 

158 f; z. Erzieher 362 
Begabungsstörung 172 ff 
Behandlungsdauer, psa. 373 
Behn-Eschenburg, Gertrud 

26 ff 
Behn-Eschenburg, Hans 279 
Beißhemmung 209 
Benjamin £65. 266 
Berg, Bengt 264 
Bern 294 
Bernfeld, Siegfried 5 ff 17 

19 f, 271, 394, 407, 409 
Berufswahl 28 

Berührungszwang symmetri- 
scher 385 
Boryl (Pat. Schmideberg) 109 
Beschäftigungstherapie 396 
Beschäm ungsangst 329, 331, 

333; -lust 327; -Situation 327, 

337, 347 
Besserungsanstalt 78 ff 
Betragen, Klassifizierung d. 

170 
Bettnässen d. Kindes 178 ff; s. 

auch Enuresis 
Bettnässorin, Aus der Analyse 

einer 216 ff 
Bewältigung der Erziehungs- 

forderungon 400 
Bewcgungsunruhe 365 
Bewußtsein u. Symbole 309 
Biologie^ d. Enuresis 270 
Blasen -Neu rose 178 
Blutschande 14, s. a. Inzest 
Bomstein, Berta 228, 270, 394; 
Bornstein, Steff 30, 105, 141 ff, 

274, 394 
Brandstifter 182 
Braun, F. 278 
Brehm 272 
Breuer 279 
Brunstnässon 272 
Brüssel 273 
Budapest 276, 404 
Bühler, Charl. 264 
Burgdorf 269 

Burlingbam, Dorothy 392, 397 
Burt, Cyril 75 
Buxbaum, Edith 392, 394 

Calderon £65 

Carroll, Denis 404, 405 

Chadwick, Mary 28, 30 

Oiandler 117, 133 

Charakter, Formen d. 179, 181, 
190; -enlwicklung 275; 
-Schwierigkeiten 278; -Stö- 
rungen 68 

Cherbuliez, J. St. 275 

Child Guidance-Bewegune 
332, 406 

Christoffel, H. 270 ff. £78, 279 

Coitus interruptus 376 

Culpa 98 

Damgaard, Bischof 404 
Dämmerzustand, epilepti- 
scher 84 
Dannemann, Adolf 350 
Darmkatarrh 41, 66 



416 



Register 



Darmträgheit 62 

Darwin, Charles 294 

Davonlaufen v, Haus 84 

Defäkation 149; u. sadistische 
Phantasien 209 

Defloration 3S9 

Deman, Hil 403 

Denkablauf, Störungen A. 
167, 175; -entwicklung 262 

Depressionen 110 

Desexualisierung d. Arbeit 147 

Deutsch, Helene 186, 189 

Dieb n. Mannaein 234 

Diebstahl v. Kindern und Ju- 
gendlichen 82 f, 363, 364, 
366, 381; s. auch Stehlen 

Disposition, traumatische 335 

Dissozialität, 20, SO f, 88, 92 

Dolus 93 

Dominanz 298 f , 303, 304 

Dorfschulmeisterlein 286, 288, 
293 

Dressur 262, 2SG 

Dubois 279 

Dubowitz, Margit 404 

„Dummheit" 156 ff 

Durstkur 194 

Dysergie, somatische 270 

Dysmenorrhoe 362 

Eder, M. D. 405 

Edna (Fat. Schmideberg) 109 

Egoismus d. Pädagogen 288 

Ehrgeiz 182, 190 

Eifersucht auf Geschwister 
187, 188, 354 f; auf den Va- 
ter £66 

Eigensinn 197, 210, 214, 266; 
u. Analität 301 f 

E i nge wöh nun gsse b w i er i g k e i ten 
im Kindergarten 33 ff 

Einlauf 39, 43 

Einnässen 40, 208, 214, 231, 354 

Einschlafen, Schwierigkeiten 
beim 214 

Einstellung, ubw. d. Eltern 
358 

Einverleibungsangst 112 

Einzelzelle 79 

Ejaculatio praecox 181, 228, 273 

Ejakulation 384 

Elly (Fat. Schmideberg) 368 

Eltern, Analvee d. 393; Auto- 
rität d. 281; Geringschät- 
zung 283; Konflikte d. 297; 
Kritik an d. 36-1; Mitarbeit 
d. 396; n. Über-Ich 37; und 
unerfüllte Kindiieitswünsche 
357 

Elternbeziehungen 321; -imago 
203 

Empfindungen, Störung der 
167, 175 

Encephalitis 238 

Endokannibalismus 370 

Energiebesetzung, psych, 166 

Entsagungen d. Kindes 310 

Entstellung u. Triebverlangen 
397 

Entwertung durch d. Witz 286 

Entwicklung; d. Kindes 8 f , 
166, £78; neurotische 9 

Entwöhnung 39, 41, 197, 209 

Enzyklopädisches Handbuch d. 
Hailpftdagogik 350 ff 

Enuresis 178 ff £29 ff , 270 ff; 
und Absehrecken 194; und 
Angst 184; zur Biologie d. 



£70 ff; u. Charakterentwick- 
lung £29; n. Dissozialität 191; 
diurna 188 f; und Eltern- 
Schlafzimmer 192; u. Eroge- 
neität d. Haut 180; u. Geburt 
von Geschwistern 187; und 
Kleptomanie 229 ff; Maßnah. 
men gegen 194; u, Menstrua- 
tion 192, 216; u, Neurose 195; 
u. ödipussituation. £73; als 
OnanieÜquivalent 229, 273; u. 
Passivität 229; u. Pollution 
181, 183; Prophylaxe d. 191; 
psychische Heilverfahren ge- 
gen 194; u. Fsa. 190; und 
Schlaf 271 f ; u. Schwerarzieh- 
barkeit 191 ; und Sexualauf- 
klämng 195; u. Sexualenl- 
wicklung 229; Therapie d. 
191, 194; u. Traum 183, 217; 
u. trauiuat. Erlebnisse 1861; 
und Urethra lerotik 190; und 
Zwangsneurose 181, 188 

Epos der Urzeit 308 

Erbauungspsychologie 409 

Erbfaktoren 87 

Erbrechen 197. 201 f , 204 f , 210, 
213, 216, 255, 267 

Erektion; Kenntnis der 227; 
d. Klitoris £30; d. Säuglings 
179; Verbergen d. 231 

Erfolg, Mißerfolg u. d. Satz 
v, pathogenen Gewicht 332 ff 

Erfolgsrelevante Eigenschaften 
161 ff, 171 

Erleben, infantiles 335 

Erlebnisse, verdrängte 353 

Ermattingen £79 

Erwachsentüianalyse 37 

Erzieher; u, Alter d. Zöglinge 
17; Beruf d. 26; Berufskrank- 
heit d. 289; u. Behörden 17; 
u. eigene Erlebnisse 28, 32; 
u. Eltern 17; Erziehung d, 
-s 28 f. 31; der fehlerlose 
391; Haß gegen d. 286 f; 
Imago d. 291; u. Liobesob- 
jekl 23; Macht des 18; und 
praktisches Erfahrungsma- 
teria] 31; u. Selbstkenntnis 
30; Soziale Stellung der 17; 
Das Ubw. d. 274; Verhältnis 
zum 37 

Erziehung; u, affektives Han- 
deln 89; Einschränkungen 
d. 400; Freiheit d. 139: und 
Gesellschaft 18; u. Kind- 
heitserlebnisse 362: d. Klein- 
kindes vom psa. Standpunkt 
17 ff; d. Kleinkind-Erzie- 
hers T6ff; Mißerfolge der 
26, 89; Objekt d. 27; und 
Realität 313; u. Triebwün- 
sche 89; Ubw. d. Eltern i. 
d. 313 ff ; u. Unterdrückung 
315; Zielsetzung d. 139 

Erziehungs; -behandlung 319; 
Erfolesaussieht d. 334 f, 337; 
-beratung 83, 156, 167, 175, 
275, 319 ff, 332, 334, 338. 
345, 349; -druck 91; -fehler 
&53; -fiirsrtrgo 77, 79, 95; 
-ideal 352; -lehre u. Medizin 
350; -mittel 90; -notstand u. 
Gesellschaft 92; -richter 94; 
-sonat 94; -ziele 18 f, 27, 28 

Es-Entwicklung 166; und Ver- 
drängung 37 



Essen als Ersatz ftlr Mutter- 
hriiBt £09 

Eßfunktion und intellektuelles 
Erfassen 111 

Eßschwicrigkeiten 109 ff, 197, 
199, 209, 214, 274 

Ethische Nonnen und Stra- 
fen 262 

Exhibition 180, 182, 219, 230, 
£38 ff, 249, 252, 254, 257 f, 
260 f 

Exhibitionislisrhe Onanie 238ff 

Familie, patriarchale 294 

Familienroman d. Neurotiker 
£81 ff 

..Faulheit" 15(1 ff 

Federn, Paul £62 

Feindseligkeit gegen den 
Vater 243 

Fehlentwicklung 87 369 

Fellatio £48, 255, 259 

Feniehel, Otto, 407 

Ferenczi, Sandor 73, 180, 182, 
184, 185, 194. 303, 308 

Ferrari, Gaudens 130 

Feuerwehrdienst 182 

Fischer. Hilde 33 

Fixierung, anale 259; psych , 
durch Onanie 390; d. Trieb- 
lebens 21 

Flatuleszenz 244 

Flügel, J. C. 74 

Fluor 382 

Forol 279 

Fortgangsstörungen 170 f 

Fortpflanzungsfrage 3£0 

Fragen d. Kinder 353 

Fragezwang 274 

Freigebigkeit 190 

Freud, Anna 17 ff, 36, 37, 68 
107, 239. 240, 279, 394, 395' 
407 

Freud, Sigm. 5, 13 ff, 30, 107 
116, 179, 183, WS, 180, 189' 
265, £66, 268, 272, 273, 274 
275, 279, 281 ff, £94 297 301 ' 
304, 307. 312, 311. 335,' 336; 
350, 351, 373. 374, S75, 382 
392, 393, 403, 407 

Frühreife 197 

Fuchssche Theorie 178 

Funktionsrclevantn Eigen- 
schaften 162 f, 172 

Funktionsstörungen 142, £12 

Füreorgerziehung 77, 191, 278 

Gan-Rchmuel 306 
Ganzheitsbetrachtung 270 
Geburt v. Geschwistern 360 
Goburts; -tlieorie, anale 57; 

traunia 276 
Gefängnis 191 

Gefühlsausbrueh i. d. Ana- 
lyse 367 
..Gefühlsroheit" 8G 
Gegen Übertragung 151 
Gehorsam 312; t. d. Analyse 
2HG; u. Freudebezeigen 302; 
Natürlichkeit d. 304; uud 
Phylogenese 298; Über den 
296 ff; u. Schamgefühl 302; 
u. Widerstand 297 
Geisteskranke u. Kinder 263 
Gemeinsehaftsbildung 274 
Gonerationenkonflikt 281, 292 i 
Genetische Betrachtungs- 
weise 7 f 



\ 



Register 



417 



Genitale, Berühren d. 185, 385; 
mfinnl. 221; weibt. 218, 230, 

248 
Genitalefs); Einverleiben 202; 

Sexualität 179 
Genitalität, Beginn d, 105, 211, 

257, 383, 387 
Georg (Pat. Schmideberg) 366 
Georg (Pat. Sterba) 37 ff 
Ger6, Liselotte 96 ff , 274 
Geruchssinn als sexuelles Sti- 
mulans 272 
Geschlechtsdrüsen 375 
Geschlechtskrankheit 225 
Geschlechtsverkehr v. Jugend- 
lichen 368; Veränderung 
durch £22 
Geschwisterohe 265 
Gesellschaft u. Kind 87 
Gespräche, psa., mit einem 

kleinen Kind 96 ff 
Gesprächsstunde 142 
Geständniszwang 262. 2G8, 397 
Gesundungswillen 142 
Gewähren und Versagen 19 
Gewissen 263 ff ; d. Primiti- 
ven S70 
Gewohnheiten, d. Kindes 10 
Glanzroann, E, 278 
Glover, Edward 73, 74, 211, 

212, 394, 404 
Glück, Edith 274 
Gnerlich, Georg 350 
Gottheit Jeremias 287 
Graphologie 408 f 
Gregor 351 
Grimassieren 238, 264 
Grimmsche Märchen 236 
Größenwahn, natürlicher 311, 

SX4, 317 
Grübelsncht 316 

Haare, Symbolbedeutung d. 398 

Halbgebildetheit 289 

Halbwissen 289, 296 

Halluzinatorische Befriedi- 
gung 307 

Harahurg 252, 254 f 

Hanseiniann, H. 191 

Harn u. geschlecbtl. Pro- 
dukt 180 

Harndrang — Wecktraum 184 

Harnsekretion 271 

Harnstottern 273 

Harnverhaltung 272, 273 

Haß u, Asozialität 870; -im- 
pulse 360; gegen d. Vater 85 

Heidelberger Katechismus 289 

Heilpadagogik 278, 350 ff 

Hemmung, intellektuelle 109 ff ; 
neurotische 20 

Henze, August 350 

Herbert (Pat. Schmideberg) 871 

Heredität 185 

Hermann, Imre 296 ff 

Heterosexuelle Einstellung 214 

Heuristische Kategorien 166 ff 

Hilfeleistungen d. Analytikers 

Ml ,. „ 

Hinken als neurotisches Sym- 
ptom 205 

Hitschmann, Ed. i8l, 183 

Hochstapler 83 

Heel, Nie 407 

Hoffer, Wilhelm 275, 278 ff , 
309, 350 ff 

Hoffer-Schaxel, H. 276 

Holland 403 



Homburger, Aug. 178 f , 191, 

265 
Homburger, Erik 894 
Homosexualität 200, 209, 214, 

274, 323 
Hoop, J. H. van der 403 
Horney, Karen 211 
Horus 119 

Hygiene, psychische 274 
Hyrtl 119, 131, 132 
Hysterie 212 
Hysterische(r) ; Symptome 368; 

Typus der Onanieabwehr 

386, 388 

Ibsen, Henrik 265 

Ich; -Entwicklung 166, 210, 
£60, £62; -Funktionen 152, 
375; -Hemmung 142; u. Ver- 
drängung 37; wollendes 262 

Ichheiser 161 

Ideal-Bildung 10, 276, 314 

Idealisierung d. Liebes- 
objekts 313 

Idealismus, Forderung 
nach 289 

Identifizierung 24, 69, 92, 107, 
263, 308, 318, 399; mit dem 
Angstobjekt 199, mit d. Er- 
zieher 262; mit Geschwistern 
229; mit der Mntter 116, 200, 
201, 214, 250, 258; mit dem 
Vater 198, 200, 204, 207. 214, 
237, 258 

Identifizierungsföhigkeit, 
Hemmung d. 109 

Impotenz 328; psychische 180 

Impuls, verdrängter 28 

Indianerspiel 234 

lud i vi dua lpsychol ogie 176 

InitiationsTitus 273 

Inkakönig 265 

Inkontinenz 178 

Insektenphobie 115 

Instanz, verbietende 89 

Insuffizienz 156, u. Lernstö- 
rung 160 ff, 173, 176 

Intelligenzgrad 239; -prüfung 
84 

Intellektuelle Hemmung 197 

Introjektionsmechanismen 212 

Introversion 315 

Inzest 14, 265, 266; -sehranke 
375, 378; -verbot 382 

In7estuöse Liebe 388 

Irland 265 

Isaacs, Susan 73, 74, 75, 404, 
405, 406 

Isserlin 351 

Jacobsohn, Edith 407 
Jelgersma 403 

Jones, Ernest 73, 181, 211, 894 
Judische Kinder 210 
Jugendfürsorge 95 
Jugendgericht 77 ff, 82 
Jugendgerichtsgesetz 79 f 
Jugendliche, kann d. J. straf- 
fällig werden? 77 ff 
Jugendstraf recht 77 
Jung, C. G, 815 
Justizbeamte 78 f 
Jnvenal 117 

Karpe, Richard 274 

Kastrationsangst 52 f , 60, 98, 
107, 146, 247. 250, 256, 258, 



259, 328, 382, 3S3, 389, 391; 
u. Fellatio 255 f 
Kastrations ; -drohung 56 f , 65, 
241, 298, 329; -komplex 72, 
166, 189, 202, 329, 340, 345, 
346 ff, 351, 374, 381; -traunia 
189; -wünsch 200, 202, 250 f, 
258f 
Kastrotiver Impuls 398 
Kategorischer Imperativ 92 
Katharsis 310, 317 
Kausalität d. Psychischen 86 
Kellog, W. N. 304 
Kellog, L. A. 304 
Kind; u. Affekte d. Eltern 88; 
das „brave" 91; eigenes und 
Ubw. 353; einziges 88, 266; 
u. Erwachsener 26; Neurose 
d. 96 ff; Stellung d. 88, 141; 
Welt d. 26 
Kinderanalyee 37 ff, 238 f, 275; 
in Amerika 392 ff; Technik 
der 37, 141 ff 
Kinder; -beobachtung 379 f, 
399 ff; -garten 33 ff; -mfd- 
chen 41; -Stube £6 
Kindheits; -entwicklung 29; 
erlebnisse 353; -erlebnisse 
von Pflegerinnen 28 
KindlifreBser 294 
Kino u. Märchen 317 f 
Klamroth, Edith 276 
Kleidung d. Kindes 858 f 
Klein, Melanie 211, 279, 

395, 405 
Kleinkind-Erziehers, Ausbil- 
dung d, 31 
Kleptomanie 229, 234 ff 
Kittorisonanie 378 
Klosettspie) 56 

Klosettszene 327, 333, 334, 338 
Koitus u. Defakation 259: u. 

Onanie 376, 383, 384 
Koitus; -beobachtung 247, 252; 
bewegungen 246; -auffassung 
180, 229; -auffassnng, sadi- 
stische 198, 203, 208, 243, 
245, 259 
Komplexe, infantile 309 
Kompromiß d. seelischen 

Äußerungen 397 
Konflikte ; Ausleben eigener 
354, 856; bewußte 108; d« 
braven Kindes 302; frisch- 
infantile 148; innere 87; 
triebhafte 109 f 
Kongoneger 294 
Kongreß f. Kleinkinder- 
erziehung 5 ff 

Konstitution; ererbte 385; u. 
Erlebnis 185 
Konstitutionelle Ursachen der 

Kriminalität 86 
Konstitutionsanalyse psychisch 

abnormer Kinder 276 f 
Konversionssymptome 2l2 
Kontrollanalyse 394 
Konzentration; psychische 311; 
-sfähigkeit 146, 166, 322, 323 
Kopenhagen 404 
Körperpflege 23 
Krampus 223, 242 
Krankheitsein sieht 240 
Krankheitsgewinn, sekun- 
därer 84, 239 
Krankseins, psych. Motive 

des 141 
Kriminalität Jugendlicher 77 f; 



Zeitschrift f. psa. Päd., VIII/ll/12 



29 



418 



Register 



u. Onaniekonflikt 381; Pro- 
phylaxe d. 373 

Kriminalstatistik 86 

Kriminellen, Anal y so v. 393 

Kulturelle Anpassung 270 

Kurzbauer, Ed. 119 

Lampl-de Groot, Jeanno 407 

Landauer 403 

Landerziehungsheini 279 

Latenzzeit 375 

Lazar, Klara 404 

Lebensalter u. Entwioklungs- 
alter 92 

Lebenskonflikte, frühe 311 

Lehranalyse 29 

Lehrer, Ausbildung d. 394 

Lehre rbildungsan statt 289 

Leistung; u. Erfolg 161; tat- 
sächliche u. erwartete 162; 
und zwangeneurotische Zu- 
stände 162 

Leistung s relevante Eigen- 
schaften 161 

LeistungsstOrung 172, 174 f 

Lernhemmungen 141 ff, 217, 
227; u. Onanie 390 

Lernstörung 155 ff, 174 

Lern widerstand 142 

Lesenlernen 143, 367 

Lescstörungen 167 f 

Levy, Kata 178 ff, 270, 404 

Libido; -besetzungen 315; 
•struktur 61 

Liebe; d. Kindes 268, 365, 375; 
d. Mutter, Anspruch auf d. 
355; u. Onanieabwehr 391 

Liebes; -entzug 23; -fähigkeit 
372; -obiekt d. Kindes 22, 24, 
3F0 ; -regungen, Verdrän- 
gung d. 370 

Lindner, Dr. S. 117 

London 73, 394, 404 

Lopa do Vega 265 

Lotte (Fat. Schmideberg) 363 f 

Low, Barbara 73, 405, 406 

Ludelmund 133 

Ludein 13, 117 ff; aktive Asai- 
stona d. 122; Entwöhnung 
v. 133; u. Onanie 131 

Ludler; einfache 118 f ; mit 
Kombination 122 ff 

Lues 277 

Lügen d. Kindes 312, 363, 367 

Lust; anale 13; primäre 12, 
150, 279 

Lustgewinn 401; b. körperl. 
Unarten 90 

Lust-Ich 401 

Lustprinzip 312, 401 

Lutz, J. 279 

Luzern 407 

Mack Brunswick, Kuth 407 
Magisches Denken 106 
Magische Entwicklungsstufe 

263, 303 
Mandeloperation 60 
Männeken-Piss 273 
Milan] ichkeitswünsehe 198, 236, 

237, 358 f 
Märchen 306 ff; u. Angst 316 f ; 

Bildersprache d. 308; und 

Kino 317 f 
Marcuse, A, 178, 183 
Maria Theresia 78 
Mark Twain 381 
Marseille, W. 409 ff, 411 ff 



Masochismua 268 
Masoch istische Phantasien 190 
Masturbation, s. Onanie 
Materialien) us d. Pädagogen 

288 
Max (Fat Redl) 319 ff 
McCord, Clinton P. 392 ff 
Meier, H. W, 278 
Meltzer, Ewald 350, 351 
Meng, Heinrich 139 f. 262 ff. 

351, 403 
Menschwerdung 267 
Menstruation u. Enuresis 

217, 219 
Mental-Clinics 395 
Methoden, pädagogische 18, 31 
Middicmore, Ph. 73 
Miktion 270 f 
Milieu Veränderung 190, 194, 195, 

319, 372, 393 
Mimik 268 
Minderwertigkeitsgefühl 311 f , 

314, 327, 337, 358, 366 
Minderwertigkeitskomplexe 333 
Mitteilsamkeit 190 
Milteitungsdrang 397 
Montessori, Dr. M. 19 
Moatessorischule, Wiener 33 
Moral Insanity 367 
Moral d. Wilden 370 
Moralische Gefühle 363, 

365, 370 
Motorik 268 

Motorische Unruhe 147, 241 
Müller, Josine 211 
Müller, L. K. 179 
Musik u. Sexualerregung 245 
Mutismus 279 f 
Mutter; Ablösung v. d. 276; 

Eosteigerte Liebe z, 105f;als 
iebesobjekt 14 f, 312; und 
Tochter 276; Trennung von 
der 148 
Mythos 309, 310; u. ödipus- 
situation 265 

Nacherziehung 32 

Nägel beißen 274, 330 

Nägolschneidan 205 

Narzißmus d. Kindes 44, 57, 
61, 64, 66 f, 69, 71, 311, 
314, 317; sekundärer 389 

Narzißtische Kränkung 242 

Nasebohren 11, 90 

Naschen 311 

Nathorst, Anita 407 

Naturgewalten u. Entwick- 
lung 9, 20 

Neurologische Untersuchung 
238 

Neu rose; Kernkomplex einer 
249; kindl. 6, 13. 142 ff , 275, 
278, 279, 351, 354, 392; und 
Triabunterdrücknng 20, 25; 
u, Triebverzicht 193; und 
Volksgesundheit 373 

Neurosen; -Prophylaxe 279; 
-Psychologie 282 

Neurotiker, Familienroman 
^dos 281 ff 

Neurotische Symptome 194; 
Verhalten 330 f 

Neid gegen d. Analytiker 224; 
gegen A. Mutter 224 f 

Nervosität 214 

Niels (Fat. St. Bornatem) 
142 ff 

Noeggerath -Eck stein 270 



Oberhollabrunn 79 

Objektbeziehungen 61, 66, 71, 
195, 212; Anfänge d, 399; 
reale 387 

Objektliebc 61 f, 71, 201 

Objektverlust 186, 187, 191 

Objektwithl 312 

Obstipation 197, 208, 214; und 
Onanie 386 

Obszöne Worte 302, 322 

Ödipus; -bindung £65; -einstel- 
lung 374; -komplex 14, 105, 
107 f, 211, 351, 380; -konflikt 
107. 188, 210; -Situation 14 f, 
22, 265, 273; -wünsche 107, 
193 

Oligakisurie 272 

Onan 376 

Onanie 13, 40, 44, 65, 188, 189, 
190, £08, 223, 227, 267, 274, 
298, 301 f, 348, 367, 370; anale 
386; exhibitionistische 238, 
241, 248, 250, 251; exzessive 
390; u. Frauenkrankheiten 
J82; Geheimhalten d. 377; ge- 
meinsame 323; und Gesell- 
schaft 377, 380; u. Gewis- 
sensangst 379 f ; infantile 
375, 380; u. Lernen 7 f, 22; 
manuelle 105; u. Masochis- 
mus 378; u. Neurose 383; 
und normale Sexualität 387; 
u. Obstipation 386; peren- 
niorendo 389; u. Pubertät 
374 ff; u. Religion 376; und 
Schule 377, 380; u. Schwan- 
gerschaft 382; und Selbst- 
kastration ,256; Strafen fij T 
376; Terrainsetzung d. 334. 
Unterdrückung d 229- vaci' 
nnle 224; u. Verdrängung 
384; und Waschzwang 385; 
weibl. 376 ff "' 

Onanie- Abgewöhnungskampf in 
der Pubertät 374 ff ; -anast 
105 f, 225 f, 256; -äquivalente 
241, 247 273, 386; -charak! 
lere 3fi8; -geständnis 390 

346, 848; -penode 378, -p e . 
node, Überbleibsel d 388- 
-Phantasien 378, 381," 384' 
-Problem 348; -verbot 65 105' 
381, 890; -Verhütung ' 38T ' 
-Wunsch 106 " 

Operationstrauma 331, 345 
Operieren — eine Angelegen- 
heit d. Psychologie? 346 ff 
Orale(r); Einverleibung 109 
202; Fixierung 248, 256, 257; 
« l ?r 111; Introjektion 212; 
Neid 199; Phase 53, 179; Sa- 
dismus 209, 211, 260; Trotz 

Organische Krankheit 141 f 
Orgasmus u. Harndrang 273 
Oslo 407 

Pädagogen erliegen d. Fluch 
d. Lächerlichkeit 286 ff 

Pädagogik, Geschichte d. 18; 
u. Psychoanalyse 5 f, 141 

Pansexualismus 351 

PaTtialstufo 196 

Partialtriebe 179, 183, 186 

Passiv; (e, es) anale Einstel- 
lung 2G0; feminine Ein- 
stellung £29, 232, 258; Erle- 



Register 



419 



ben aktiv ■wiederholen 44, 
C9; masochistischor Wunsch 
247; Resistenz 149; Strebun- 
gen 259; Verhalten d. Ana- 
lytikers 142 

Pathogooes Gewicht d. Erleb- 
nisses 335 f, 339 f 

Paviane 298 

Pavor noeturnus 187, 198, 
206, 273 

Peller, Lili 33 

Penis; captivus 989; -bezeich - 
nung, kindl. 45; -ersatz 203; 
-losigkeit £24, 231; -neid 188, 

231, 234, 235, 300, 397; des 
Weibes 235, 254; -wünsch 

232, 236 f 
Pensimus, Karoline 394 
Pereien 265 
Perversionen 20, 376 
Pessimismus d. PsA, 9 
Pestalozzi 287, 289, 290, 292 
Pfaundler 271 

P fister, Oskar 404 

Phantasie; v. d. 3 Experimen- 
ten 379; d. Kinderkriegens 
382; obiektgerichtete 383; se- 
xuelle 364; u. Spiel 360; 
-tätigkoit 196, 306; ubw. 196; 
u. Wirklichkeit 306 ff 

Phantastische Dichtung 306 

Phimoseoperation 319 i, 328 

Piaget 269 

Plagiat 115 

Pogrom 286 

Poldi (Pat. Buxbaum) 238 ff 

„Polenblut" 246 

Pollakisurie 160, 272, 273 

Pollution 181. 1S3, 384 

Porosz, M. 179 

Pörtl, Anni 394 

Prägonitale Fixierung 60 

Prager Brief 274 

Primitive; Befriedigtmgs for- 
men 12; Gesellschaft £94; 
Psyche 308 ff; u. Kind 262, 
263, 265; Moral d. 370 

Produktionshemmung u, orale 
Faktoren 116 

Projektionsmechanismen 
212, 308 

Prostitutionsphantasie 379 

Protest gegen d, Eltern 354 

Pseudoheredität 185 

Psychiatrie u. Pädiatrie 278 

Psychiatrische Unter- 
suchung 82 

Psychoanalyse; Definition der 
6; Dissozialität 81, 370, 872; 
u. Ideal bildung 314; u. Na- 
turwissenschaft 6; des Päd- 
agogen 30; und Pädagogik 
403 ff; u. primitives Denken 
309; Widerstand gegen d. 
340, 350; Wirkungen d. 374 

Psychologie; u, Begabung 158; 
Wörterbuch d. 410; u. Gehirn- 
forschung 139; d. Kleinkin- 
des, psa 5 ff; u. Lernwillen 
157; medizinische 279; und 
Operation 346 ff ; und Päd- 
agogik 18 f, 169 f; u. The- 
rapie. 167; des Ubw. 27 

Psychopathie, kindl. 278 

Psychopathologie u. PsA, 278 

Fsychophysische Organisa- 
tion 309 
Psychose 267, 278 



Pubertät 13, 259, 274, 332, 336; 
U. Onanie 374 ff 

Pyromanie 182 

Rachephantasien 322, 329 

Raknes, Ola 407 

Rank, Otto 184, 266, 281 

Rationalisierung 29 

Räuberspiel £34 

Reaktionebildungen gegen 
Partialtriebe 179 

Reaktionstypen i, d, Erzie- 
hung 354 

Realanget 244, 258 

Realität; affektive Einstellung 
zur 310; psychische 306, 311 

Realitätsbeziehung des Kindes 
196; -prinzip 84, 150. 279, 3l2 

Rechnen 238 

Recht und Unrecht des Kin- 
des 19 

Rechtsprechung 77 

Rededrang 229 

Redl, Fritz 155 ff , 319 ff 

Reflexloben 267 

Regression 180. 184, 186 f, 189, 
212; orale 259; aur Partial- 
Hebe 201 

Reich, Annie 274 

Reich, Willi. 181 

Reicher 94 

Reik, Theodor 268, 269 

Reinlichkeits; -bedürfnis 45, 
64; -erziehang 39, 51, 62, 67, 
183, 184, 192, £08, 210, 211, 
229, 274, 310, 401 

Reis, Hugo 408 

Reize, innere u. äußere 307 

Relevanz, Begriff d, 17G 

Rentenneurose 240 

Repond, A. 278 

Retentio urinae 180 

Reue u. Asozialität 369 

Revolution ; gegen d. Autorität 
382; u. Witz 286 

Rivalität mit d, gleichgeschl. 
Elternteil 374; mit Geschwi- 
stern 362; sexuelle 282; mit 
d. Vater 256 

Röheim, Gfea 182, 272 

Rollenspiel 264 

Röntgenbefund V. Bettnäs- 
sern 178 

Rorschach, Hermann 411 

Rorschaeh-Test 238, 411 

Rotter, Lilian 404 

Rousseau, J. J, 19 

Rückfalligkeit Strafentlas- 
sener 79 

Rtihle, Otto 264 

Rutenstreiche 79 

Ruth (Pat. Sehmideberg) 367 

Rutishauer 279 

Sadger 180, 182, 183. 185, 266 

Sadismus 329; analer 259; ora- 
ler 60; Projektion d. 200, 
209; u. Schuldgefühl 366 

Sadistische; Impulse 212; 
Triebkomponenteu 346 

Sagen 306, 309 

Saugen au d. Fingern usw. 
117 ff 

Saugetier u. Kind 264, 267 

Säugling; Körperlust d. 12, 
15; u, Mutterbrust 109; -Si- 
tuation, Rückkehr z. 53 

Saussure, Raymond de, 407 

Schamgefühl 302 



Schamlosigkeit, sexuelle 365 

Scheler, M. 276 

Schjelderup, Harald 407 

Schlaf; -gewohnheiten 388; u 
Miktion 271; -tic 272; -wan- 
deln 272; -zeremoniell 36; 
-zimnicr d, Eltern 40, 192 
225, 266 

Schläge £8, 242, 244 

Schlangen, Ekel vor 217 

Sehlehmihl 389 

Scblimmheit 91, 213, 240, 
319 f. 822 

Sehmideberg, Melitta 73 ff, 
109 ff, 196 ff, 363 ff, 404, 405 
406, 407 

Schmidt 266, 351 

Schmuckbedürfnis 368 

Sehneider, Ernst 187 

Schober, Hans 350 

Sehockerlebnis 20, £3 

Schreiben; u Aggression 152; 
u. Analität 144 f, 149. 153; 
-lernen 357 

Schreibhemmung 142 ff, 
151, 167 

Schreien, psycbol. Bedeutung 
d. 212 

Schüchternheit als Symptom 
346 

Schularbeiten, Hilfe bei, 143 

Schuld u. Strafe £67 

Schuldgefühl 45, 47, 55, 262. 
265, £68, 321, 360, 366, 381, 
383; erstes 399; u. Ödipus- 
situation 266, 267; u. Ona- 
nie 189; ubw. 82, £34 

Schulanforderungen 357 

Schule; Druck der 143; Ver- 
sagen i. d. 156; Wegbleiben 
aus d. 368; Widerstand ge- 
gen d. 357 

Schulerfolg 84, 169 

Schulfähigkeit 148 

Schulmeister, Armut d. 287 

Schulreform £89 

Schulsohwierigkeiten 163, 
170 ff, 174 

Schulwechsel 319, 324. 361 

Schwachsinnigen, Unter- 
suchung v, 276 

Schweden 275 

Schweigsamkeit, frei- 
willige 279 

Scott, Clifford 73 

Scupin 263 

Searl, M. N. 78, 212, 405, 407 

Selbstbeobachtung d. Kin- 
des 146 

Selbstbestrafung 262, 263. 
321, 384 

Selbsterhaltungstrieb 109 

Selbstkastration 256 

Selbstmordgedanken 110 

■SelbstschiidiguiiK £44 

Selbstverrat, ubw. 268 

Sexe, Le s. a ses raisons 275 f 

Sexual; -abneigung 241; -auf- 
klärung 195; -beobachtung 
338; -Beziehungen d, Eltern 
281; -einschätzung 348; -ent- 
wickln ng 374; -Interesse und 
Pubertät £59; -leben d. Eltern 
364; -neugier 322; -theorie, 
kindl. 229; -triebe 9, 11 f 

Sexualität d. Kindes n, 13 
15, 351, 382; u, Sozietät 376; 
u. Wissensdrang 22 



29* 



420 



Register 



Sexuelle Aufklärung 274; 
Wünsche 14; Interesse für 
das 45 

Shakespeare 265 

Sharpe, Ella 105 

Sheehan Daro, Helen 73, 74, 
367, 404, 406 

Sinnesfunktionen u, Libido 109 

Sisyphos 290 

Skoliose 132 f 

Social workers 39-1 

Sonderlinge 389 

Sophokles 265 

Soziale Einordnung 77. 

Spiel; u. Analyse 240; -analyse 
e. Sjfihr. Mädchens 19fi ff; 
u. Aktivität 359; u. Beichte 
269; -hemmung 365; mit Holz- 
perlen 48 ff, 67 f; u. Phan- 
tasie 360; mit Plastilin 50, 
52; sexueller Sinn d. 246; u. 
Symbol 309 

Spina bifida 178 

Sprachentwicklung 39 

Stehlen; 365, 367, 369; u. Ex- 
hibition 254 

Steinmetz 370 

Stephen, Adrian 73 

Sterba, Editha 37 ff, 394. 399 ff 

Sterba, Richard 397 f , 411 f 

Sterilität 3S2 

Stern, Erich 350 

Stern, W. £67, 269, 276 

Stiefkind £82 

Stiernimnnn 271 

Stockholm 407 

Storch 360 

Störung, Insuffizienz u. Sehul- 
orfolg 156 ff 

Stottern 167, 277 

Strafanstalten 78 

Strafbedürfnis 82, 262, £65, 268 

Strafe; für Aggression 69; ü. 
Asozialität 363; u. Erziehung 
Bl; Fernwirkung d. £68, 
Furcht v. 90; u. Gewiseen 
265; körporl. 244; zur Psy- 
chologie d. 262; u. Schuld 
267; f. sexuelle Gedanken 
365 

Stuhl ; -absetzen 65, 301 f ; 
-drang u, Pollakisurie 273; 
-gang 39, 43; -Verstopfung 
37 ff; s. a. Obstipation 

Straf; -gericht u. Erziehung 
93; -gesetzbuch 78; -mittel 
79; -Vollzug 77 

Subinzisiou £72 

Sublimierung 13, 21 f, 68, 146, 
182; u. hyster. Symptom 208; 
d. Triebregungen 212 

Suggestion 10 

Symbol; -denken 309; und 
Spiel 309 

Symbolik d. Brust 232; ex- 
kretorisebe 115; des Ina- 
Wasser -Fallen s 184; deä Kin- 
des 196 

Symbolische Befriedigungs- 
form 68 

Symptom; und Ersatzbefriedi- 
gung 239; hysterisches 205; 
neurotisches 96, 105 f ; pas- 
sag eres 229 

Syroptomatologisehe und 

ätiologische Typen 164 ff 
Syphitidopböbie "389 



Szondi, L. 276 
Szüts, Julian 404 

Tagträumen £81, 382 

Talionprinzip £69 

Tamm, Alfhild 275, 407 

Tatlust 15 

Terminologie, pädagogische 
155, 165 

Textrechnung 238 

Thalassaler Regressions- 
zug 184 

Theaterspiel 246 f 

Theo (Pflegling d, Mbntessori- 
schnle) 33 ff 

Therapie, psa. 6 f , 351 

Tibout 403 

Tic 187, 238. 257, 261, 272 

Tiefenpsychologie 30 

Todesstrafe 78 

Todeswunseh 243 

Tom (Pat. St. Bornstein) 
149, 151 

Toronto 392 

Totomtier 264 

Tramer, M. 278, 279 

Trauma, physisch be- 
dingtes 346 

Traumatisches Erlebnis 259, 
260, 335 ff 

Traum; -deutung 285; u. Fa- 
milienroman £85; -Symbolik 
£80 

Trennung von geliebten Per- 
sonen 35 

Triebfe); Abspaltung d. 262; 
-äußerungen 10 ff ; 17; -Be- 
friedigung 12, 20 f, 91, 192, 
193, 401; Begriff d. 10 f; -Be- 
herrschung i. d. Erziehung 
140; -bestand, ererbter 14; 
durchbruch 22 f \ -ent Wick- 
lung 166, 210; -erlebnia 309; 
u. Erziehung 12 ff , 19 f- 
Ich 262; -konflikte, ubw. 141. 
152; -knnstitution 335; -leben 
267; -lehre Freuds 351; pri- 
mitive 363, 365; -Psychologie, 
psa. 351; -regungen, Unter- 
drückung d. £0; soziale Be- 
friedigung d. 373; -Verdrän- 
gung £5, 316; -versagung 
192, 194; -wesen, Kind als 9; 
-wünsche 19, 89, 91, 397, 401; 
-ziel 90 

Trinfcfanlheit 209 

Trotz; analer 45, 54, 64 f, 67, 
69 f; Brechen d. 371; -hand- 
lungen 326; d. Kindes 165, 
190, 266; -widerstand 150 

Über-Ich; n. Erziehung 268; 
Identifizierung mit d. £03; d. 
Kindes 37, 107; u. Verdrän- 
gung 154 

Über-Ieh-Bildung 24, 67, 166, 
211, 304, 399; -Funktionen 375 

Übertragung 143, 148 ff 

Übertragungsanalyse 279; -Si- 
tuation 200; -svmptom 234 

Umgebung d. Kindes 13, 84, 88 

Umweltbedingungen 263 

Unarten d. Kindes 10 

Unbewußte Motive 29 

Unbewußtes; d. Eltern 353 ff; 
Tendenzen d. 353; Material 
68; u. Verdrängung 37 

Unselbständigkeit 360 



Untergang d. Ödipus- 
komplexes 374 

Urethral; -apparat 179; -erotik 
ISO ff, 190, £37; -erotik önd 
Charakter 273; -erotik, Sub- 
limierung d. 182 f 

Urethrale; Fixierung 180; 
Onanie 386 

Urethralsndistische Phantasien 
207 

Urin, Zurückhalten d. 45, 51 

Urinierbedürfnis 186 

Urinieren, stehend 233; Wett- 
kampf d. 188 

Urologie 182 

Urophilie 273 

Urverdrängung 91 

Vagina, Rolle d. 211 

Vaginismus 389 

Vater; Eifersucht auf d. 97, 
106, 154; Haß gegen d. 258, 
265; Hinwendung z. 149, 236; 
-imago, Verhalten z. 326; als 
Liebesobjekt 14; -mord 85; 
-Tochterehe 265 

Verbot{e); anale 105; u. For- 
derung 399 ff; Reaktionen 
auf 90 

Verbotener Worte, Ausspre- 
chen 169 

Verbrecher, jugendliche 77, 392 

Verdrängung 29. 90 f, 151, 397; 
n. anale Wünsche 150, 154; 
gleichzeitige, v. Aggression 
u. Liebe 199; u. Onanie 384; 
d^ Triebwünsche 323; -schub 
374 

Vererbung u. Entwicklungs- 
freiheit 139 

Vorführung II, 20, 397, 401; 
sexuelle 336; -sargumente d. 
Erziehung £99 

Verguügungs- u. Wollust 
punkte 122, 121 

Vergeltungsimpuls 269; -prip- 
zip 81 

Verhaltensstörungen 

170 f, 174 ff 
Verleumden D03 
Verlust geliebter Personen 

186, 187 
Versagung u, Erziehung 22 f 
Verschiebung nach oben 398 
Verschlossenheit d. Kindes 84 
Versöhnungeszenen 356 
VertTäumtheit 165 f, 172 
Verurteilung u. Beurteilung 94 
Verwahrlosung T7, 80, 166, 275, 

278; u. Onaniekonflikt 381 
Verwahrlostenanalyse 82, 

85, 278 
Verwöhnen v. Kindern 211 
Vielbegabtheit 288 
Vivian (Pat. Schmideberg) 197 
Vogel 135 

Volksmärchen 306, 308, 309, 317 
Volksepos 306. 310, 315 
Volksmythos 310 
Volkswitz £86 
Vorbewußtes 84 
Vormundschaftsrichter 94 
Vorstellungen, ubw. 35S 
Vorstellungeablauf, Störun- 
gen d, 167, 175 

Wachsnggcstion 194 
Wagner, Riehard 265 



Register 



421 



Waisenhaus 190 
Wandertrieb 84 
Waschgewohnheiton 388 
Waschzwang 181, 867, 368, 385 
Weiß, Elisabeth 404 
Wells, H. G. 294 
Wertfreiheit d. PsA. G f 
Widerstand 318 1 ; -sanalyse 279; 

-sphase 240 ; Sinn d. 297 ; 

ubw. 239 
Wien 394 

Wille zur Mitarbeit 239 
Willy (Pat. Sohmideberg) 

365 f , 370 
Winnicoit, Donald 405, 406 
Wintsch, J. 278 



Wissenschaft u. orale Sexaal- 
theorie 114 f 

Wißgier 361 

Witz-Produktion 286 

Wonnesaugen 117 

Wortschatz 238 

Wulff, M. 306 ff 

Wünsche; aggressive 397; u. 
Befriedigung 311; ubw. 310, 
318,371; unerfüllte 357; zärt- 
lich-erotische 397 

Yates, Sybille 405, 406 

Zahlen; Bedeutung d. geraden 
385; Lernen d. S&7 



Zappert, J. 178, 194 

Zauberei 311 

Zeddies, Adolf 410 

Zirkusspiet 244 f, 251 

Zoraafekte 305 

Zuchthaus 78 

Züchtigung, körperliche 299 

Zulliger, Hans 286 ff, 411 

Zwangsneurose 166, u. Enure- 
sis 181. 185 

Zwangsneurotischer Typus der 
Onanieabwehr 386. 388 

Zweijährigen, Ans d. Analyse 
eines 37 ff 

Zwillinge 361 




L-. — f 



INHALTSVERZEICHNIS DES VIII. JAHRGANGES 

Seite 
August Aichhorn ; Kann der Jugendliche straffällig werden ? Ist der Jugend- 
gerichtshof eine Lösung? jj 

Anny Angel: Aus der Analyse einer Bettnässerin 216 

Michael B älint: Der Onanie- AbgewÖhnungs kämpf in der Pubertät .... 374 

■Gertrud Behn-Esckenburg: Die Erziehung des Weinkind-Erziehers . . 26 

Siegfried Bernfeld : Die psychoanalytische Psychologie des Kleinkindes , , 5 

Bertha Bornstein: Enuresis und Kleptomanie als passageres Symptom , . 229 

Steffi Bornstein: Eine Technik der Kinderanalyse bei Kindern mit Lern- 

hemmungen 141 

— Unbewußtes der Eltern in der Erziehung der Kinder 555 

Edith Buxb aum : Über einen Fall von exhibitionistischer Onanie .... 258 
Clinton McCord; Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse in Amerika . 592 
Hilde Fischer u. Lüi Peller: Eingewöhnungsschwierigkeiten im Kinder- 
garten 55 

Anna Freud: Die Erziehung des Kleinkindes vom psychoanalytischen Stand- 
punkt aus *7 

Sigm. Freud: Der Familienroman der Neurotiker 281 

Liselotte Gero: Psychoanalytische Gespräche mit einem kleinen Kind ... 96 

Imre Hermann: Über den Gehorsam 296 

Kata Le'vy: Vom Bettnässen des Kindes 178 

Fritz Redl: Zum Begriff der „Lernstörung" 155 

I. Störung, Insuffizienz und Schulerfolg 156 

II. Symptomatologische und ätiologische Typen 164 

III. Heuristische Kategorien 166 

IV. System der Schulschwierigkeiten .... 170 

V. Zusammenfassung 176 

— Gedanken über die Wirkung einer Phimose Operation 319 

Melitta Schmideberg: Intellektuelle Hemmung und Eßstörung 109 

— Die Spielanalyse eines dreijährigen Mädchens 196 

— Zur psychoanalytischen Behandlung asozialer Kinder und Jugendlicher . 365 
Editha Sterba : Aus der Analyse eines Zweijährigen 37 

— Verbot und Aufforderung. Eine Kinderbeobachtung 399 

Richard Sterba: Eine Kinderbeobachtung 597 

M. fFulff: Phantasie und Wirklichkeit im Seelenleben des Kleinkindes . 306 

Hans Zulliger: Pädagogen erliegen dem Fluche der Lächerlichkeit . . . 286 

BERICHTE 

H. Christoffel: Zur Biologie der Enuresis , 270 

S. L i n d n e r : Das Saugen an den Fingern, Lippen etc. bei den Kindern 

^Ludehi), Mit 22 Abbildungen xi^ 

Heinrich Meng: Zur Psychologie der Strafe und des Straf ens 262 

Bericht aus London y~ 

Volkshochschulkurs über Erziehung in Basel x^q 

Prager Brief 2?4 



424 Inhaltsverzeichnis 

Seite 

Kurs über psychische Hygiene des Kindesalters in Schweden 2 75 

Psychoanalytische Pädagogik im Jahre 1954 4°4 

Büdier und Zeitschriften 

Cherbuliez Dr. Jeanne Stephani : Le sexe a ses raisons (Hoffer-Schaxel) , 275 

Enzyklopädisches Handhuch der Heilpädagogik (W. Hojfer) 55° 

Klamroth Dr. Edith: Mutter und Tochter (Hojfer-Schaxel) . ...... 276 

Reis Dr. Hugo 1 Praxis der beratenden Psychologie (Marseille) 408 

Szondi Dr. L,: Konstitutionsanalyse psychisch abnormer Kinder (Hcffer) . 276 

Zeddies Dr. Adolf: Wörterbuch der Psychologie (R. Sterba) 410 

Zeitschrift für Kinderpsychiatrie (Hoffer) 278 

Zulliger Hans: Der Rorschachtest im Dienst der Erziehungs- und 

Berufsberatung (Marseille) 4 11 






■ " 



■ 



. 



Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik, VW. Jahrgans Heft 1 1/12 

INHALT: 

Stoff Bernstein: Unbewußtes der ElLem in der Erziehung der Kinder 353 

Melitta S c h in s d e b r g: Zur psychoanalytischen Behandlung asozialer Kinder und 

Jugendlicher 863 

Michael Balint: Der Onanie-Abgcvröhnungskampf in der Pubertät 371 

Clin tun McCorJ: Bemerkungen zum Stand der Kinderanalyse in Amerika 392 

R. St erb*: Eine Kinderheobachtung 397 

Ed. Bterba: Ycrliut und Aufforderung 399 

BEEICHTE 

Psychoanalytische Pädagogik im Jahre 1934 , 403 

BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEN 

Hugo Reis: Praxis der beratenden Psychologie (Marseille) ■ . . 408 

Z e d d i o s: Wörterbuch der Psychologie (R. S t e r b a) 410 

Z uliiger: Der Rorschachtest im Dienste der Emehunga- u. Berufsberatung (Marseille) 411 

Register - - iu 



Soeben erschien: 

EDMUND BERGLER 

TALLEYRAND - NAPOLEON 
STENDHAL- GRABBE 

PSYCHOANALYTISCH-BIO GRAPHISCH IL 

ESSAYS 
Geheftet RM 6.5 0. ^~ In Leinen, RM S.~— 

Aus dem Vorwort: 

Die TLtelbezeiehnuiig „psychoan&lytiseh-biographische Essayä" bedarf 
einer Erklärung. Eine analytisch-biographische Studie lieht lediglich die für 
die betreffende Persönlichkeit, e n tsehei.d enden an b e w u ß I n M o - 
tive hervor und verzichtet darauf, mit der deskriptiven Biographik in Kon- 
kurrenz zu treten. 

Die hier vorliegenden Studien über Talleyrand, Napoleon, Stendhal und 
Grabbe sind im Anschluß an meine klinischen Arbeiten geschrieben worden. 
Immer wieder reizte es mich, jene Probleme, auf die klinische Erfahrungen 
mich hingelenkt hatten, an historischen Gestalten aufzusuchen. So entstanden 
als Ergänzung meiner Arbeiten über die Psychologie des Zynismus die Stu- 
dien über Talleyrand und Napoleon, in Fortführung der Untersuchungen über 
die orale Phase der Libidoeutwieklung, die über Grabbe, und als Abschluß 
moiner Bemühungen um das Verständnis narzißtischer Phänomene — die 
Stendhal-Skizze. Diese Entstehungsgeschichte bewirkt, daß die Hehlen der 
folgenden Essays auch als klinische Typen gesehen sind mit einer gewissen 
Einseitigkeit, der sich Verfasser bewußt, ist, ohne sie meiden zu wollen. 



INTERNATIONALER 
PSYCHOANALYTISCHER VERLAG IN WIEN 



Soeben erschien 
Band IX der 

BÜCHER DES WERDENDEN 

Herausgegeben von Paul Federn, Wien, und Heinrich Meng, Basel 

Heinrich Meng 

STRAFEN UND ERZIEHEN 

20) Seiten. In Leinen M 4.8;*) 

Aus dem Vorwort: 

Der Zweck dieses Buches ist, Beobachtungen und Ergebnisse aus der 
Erziehungspraxis darzustellen, damit, wer zur Strafe als Erziehungs- 
mittel greifen will, sich zuvor unterrichten kann über ihren Ursprung, 
ihre Wirkung und psychologische Einordnung. Zur Beantwortung der 
Frage „Muß Strafe sein?", über die der Mensch von heute immer wieder 
nachdenkt, ist die Kenntnis der wichtigsten Tatsachen der Geschichte 
der Strafe und ihrer Psychologie nötig. 

Eine der Erziehungsaufgaben scheint mir zu sein, das Kind und den 
Erzieher unter ein sachlich notwendiges Gesetz zu stellen, das zum 
Eigengesetz des Kindes wird. Damit berührt die Problematik des Strafens 
und Erziehens die Frage menschlicher Lebensmöglichkeit überhaupt. 

Inhalt: 
I. Ursprung- und Entwicklung des Strafens 
II. Grund und Zweck des Strafens. Die Strafrechtstheorien. — 
Das Erziehen durch Strafe. 

III. Zur Psychologie der Strafe und des Strafens. 

IV. Wirkung des Bestraftwerdens. 

V. Die Körperstrafe bei verschiedenen Völkern. — Die seelische 

Wirkung der Körperstrafe. 
VI. Erziehen und Strafen in den ersten Kinderjahren. 
VII. Das Strafen im Schulalter. 

VIII. Die richtige Behandlung scheinbar straffälliger Kinder. — 
Autorität und Verantwortung. 
IX. „Straffreie" Erziehung und Selbstzucht. 
X. Richten, Strafen und Erziehen als pädagogisches Problem 
der Zukunft. 



VERLAG HANS HUBER IN BERN 

*) Der Preis wurde auf dem Umschlag des Heftes 9/10 versehentlich anders angegeben. 



Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Gesellschaft m.b.H., Wien I, Börse- 
gasse 11. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Wilhelm Hoffer, Wien I, Dorotheerg. 7. Druck von Emil M.Engel, 
Druckerei und Verlagsanstalt, Wien I, In der Börse. 



Soeben erschien 
Band IX der 

BÜCHER DES WERDENDEN 

Herausgegeben von Paul Federn, Wien, und Heinrich Meng, Basel 

Heinrich Meng 

STRAFEN UND ERZIEHEN 

20) Seiten. In Leinen M 4.8;*) 



Aus dem Vorwort: 

Der Zweck dieses Buches ist, Beobachtungen und Ergebnisse aus der 
Erziehungspraxis darzustellen, damit, wer zur Strafe "als Erziehungs- 
mittel greifen will, sich zuvor unterrichten kann über ihren Ursprung 
ihre Wirkung und psychologische Einordnung. 'Zur Beantwortung der 
Frage „Muß Strafe sein?", über die der Mensch von heute immer wieder 
nachdenkt, ist die Kenntnis der wichtigsten Tatsachen der Geschichte 
der Strafe und ihrer Psychologie nötig. 

Eine der Erziehungsaufgaben scheint mir zu sein, das Kind und 1 
Erzieher unter ein sachlich notwendiges Gesetz zu stellen, das 
Eigengesetz des Kindes wird. Damit berührt die Problematik des Strafen« 
und Erziehens die Frage menschlicher Lebensmöglichkeit überhaupt. 

Inhalt: 

I. Ursprung und Entwicklung des Strafens 

IL Grund und Zweck des Strafens. Die Strafrechtstheorien. - 
Das Erziehen durch Strafe. 

III. Zur Psychologie der Strafe und des Strafens. 

IV. Wirkung des Bestraftwerdens. 

V. Die Körperstrafe hei verschiedenen Völkern. — Die seelische 

Wirkung der Körperstrafe. 
VI. Erziehen und Strafen in den ersten Kinderjahren. 
VII. Das Strafen im Schulalter. 

VIII. Die richtige Behandlung scheinbar straffälliger Kinder. 
Autorität und Verantwortung. 
IX. „Straffreie" Erziehung und Selbstzucht. 
X. Richten, Strafen und Erziehen als pädagogisches Probl« 
der Zukunft. 



VERLAG HANS HUBER IN 

*) Der Preis wurde auf dem Umschlag des Heftes 9/10 versehentlich andl 



♦VIII- Jahrg. 



November — Dezember 1934 



Nr. 11/12 



Zeitschrift für 

psychoanalytische 

Pädagogik 



Eigentümer 
gasse 11. — 



Herausgeber und Verleger: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Ge^ll« 
Verantwortlicher Redakteur: Dr. Wilhelm Hoffer, Wien I. Dorothecrg. 7. C 
Druckerei und Verlagsanstalt. Wien I. In dt-r Börse. 



Steff Bornstein > . . . . Unbewußtes der Eltern 

in der Erziehung der Rinder 

Melitta Scfimideberg . . Zur psychoanalytischen Behandlung 

asozialer Kinder und Jugendlicher 

Micßael Bdlint ..... Der Onanie- Abgewöhnungskampf 

in der Pubertät 

Clinton P, McCord . . . Bemerkungen zum Stand der 

Kinderanalyse in Amerika 

R. Sterba Eine Kinderbeobachtung 

Ed. Sterba Verbot und Aufforderung 

Berichte 

Psychoanalytische Pädagogik im Jahre 1934 
Bücher und Zeitschriften 



Preis dieses Heftes Mark 2"