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Full text of "Abhandlungen der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaft, Philosophisch-Historische Klasse"

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ABHANDLUNGEN 



DER PREUSSISCHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



1921 

PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 



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ABHANDLUNGEN 



(der PREUSSISCHEN 

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



•' ^ 



JAHRGANG 1921 

PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 



BERLIN 1922 

VERLAG DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



IN KOMMISblUN ÜKl DER 
VKKKINIGt'NG WISSHNSCHAFTLICHKR VERLEGKR WALTER DK CRUYTKR U. Cü. 

VORMAU O. J. (iÖSCHlirSCHE VEKLAGSHANDLUMO. 1. GUTTKNTAG, VKKLAUSBIK'HHANDLUNI!. 
OKOBO RQHER. KARL 1. IHfiBNKR. VIOT U. COMP. 



Berlin, gedniclvt in der Reiclisdruckerei 



A6 
182. 

B10190 



Inhalt 



öffentliche Sitzungen S. vii 

Verzeichnis der im Jahre 1921 gelesenen Abhandlungen S. viii— xiii 

Bericht ül)er den Erfolg der Preisausschreihungen für 1921 und neue 

Preisausschreibungen S. xiv — xvii 

Statut der Hippokrates-Stiftung S. xviri 

Vei-zeichnis der im Jahre 1921 erfolgten besonderen Geldbewilligungen 
aus akademischen Mitteln zur Ausfiihrung wissenschaftlicher Unter- 

nehmiugen S. xix 

Veiv.eichnis der im Jahre 1921 erschieneneTi im Auftrage oder mit Unter- 
stützung der Akademie bearbeiteten oder herausgegebenen Werke S. xx — xxii 
Veränderungen im Personalstande der Akademie im Laufe des Jahres 1921 S. xxu — xxiii 
Verzeichnis der Mitglieder der Akademie am Schlüsse des Jahres 1921 
nebst den Verzeichnissen der Inhaber der Bradley-, der Helmholtz- 
und der Leibniz-Medaille und der Beamten der Akademie, sowie 
der Kommissionen, Stiftungs-Kuratorien usw S. xxiv — xxxviii 



Abhandlungen 

Nr. 1. Bknno Ekdmann-;-: Die philosophischen Grundlagen von Ilelm- 

holz' Wahmehmungstheorie S. 1 — 45 

- 2. HernhardSeuffert: Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe 

VII, Nachträge und Untersuchungen S. 1 — 71 

■ .'J. W. Bang: Vom Köktürkischeu zum Osmanischen, \'orarbeiten 

zu einer vergleichenden Grammatik des Türkischen, 4. Mit- 
teilung S. 1— 2(> 

■ 1. Prof. Dr. M. Weli.mann: Die Georgika des ffennjiritos . . S. I — ."»8 



JAHR 1921. 



Öffentliche Sitzungen. 

Sitzung am 27. Januar zur Feier des Jahrestages 
König Friedrichs II. 
Der an diesem Tage Vorsitzende Sekretär Hr. Lüders eröffnete die 
Sitzung mit einer Ansprache. Weiter machte der Vorsitzende Mitteilung von 
den seit dem Friedrichs-Tage 1920 in der Akademie eingetretenen Personal- 
veränderungen und gab einen kurzen Jahresbericht. Darauf verlas Hr. Diels 
einen eingehenderen Bericht des Hrn. Erdmann (f) über die Kant- und die 
Leibniz-Ausgabe. Es folgte der wissenschaftliche Festvortrag von Hrn. 
Einstein: Geometrie und Erfahrung. 

Sitzung am 30. Juni zur Feier des Leibnizischen Jahrestages. 

Hr. Rubner, als versitzender Sekretär, eröffiiete die Sitzung mit einer 
Ansprache. 

Daraufhielten die seit dem letzten Leibniz-Tage (1. Juli 1920) neu ein- 
getretenen Mitglieder Hr. von Laue und Hr. Wilcken ihre Antrittsreden, 
die von den beständigen Sekretaren Hrn. Planck und Hrn. Lüders be- 
antwortet wurden. 'Daran .schlössen sich die Gedächtnisreden auf Heinrich 
Dressel von Hrn. Dragendorff, auf Hermann Struve von Hrn. G. Müller, 
auf Benno Erdmann von Hrn. Stumpf, auf Wilhelm von Waldeyer- 
Hartz von Hrn. Fick und auf Heinrich Morf von Hrn. Roethe. 

Sodann erfolgte die Verleiliuijg des Preises aus dem Cotheniussclien 
Legat, aus der Charlottenstiftung für Philologie, aus dem Stipendium 
der Eduard-Gerhard-Stiftung, aus der Graf-Loubat-Stiftung, aus der 
Paul Rieß-Stiftung und aus der Emil Fischer-Stiftung. 



VIII 



Verzeichnis der im Jahre 1921 gelesenen Abhandlungen. 

Physik und Chemie. 

Rubens, die optischen Eigenschaften einiger Kristalle im langwelligen 
Spektrum, nach gemeinsam mit Hrn. Liebisch ausgeführten Unter- 
suchungen. Dritte Mitteilung. (GS. 6. Jan.: SB. 10. Febr.) 

Planck, die Entropie fester Körper bei tiefen Temperaturen. (Kl. 3. Febr.) 

Beckmann, die Umlagerung von Oximen in Amide. (Kl. 17. Febr.) 

Einstein, über eine naheliegende Ergänzung des Fundamentes der allge- 
meinen Relativitätstheorie. (Kl. H. März; SB.) 

von Laue, über einige Fragen aus der allgemeinen Relativitätstheorie. 
(Kl. 16. Juni.) 

Rubens, neue Versuche zur Prüfung des Planckschen Strahlungsgesetzes. 
Mit G. Michel. (Kl. 21. Juli; SB.) 

Eggert, J., und W. Noddack, über die Prüfung des photochemischen 
Äquivalentgesetzes an der photographischen Trockenplatte. Vorgelegt 
von Nernst. (GS. 28. Juli; SB.) 

Weigert, Prof. Dr. Fritz, zur Photochemie der Silberverbindungen. (Nach 
Versuchen von W. Schoeller.) Vorgelegt von von Laue. (GS. 
28. Juli; SB.) 

Einstein, über ein den Elementarprozeß der Lichtemission betreffendes 
Experiment. (GS. 8. Dez.; SB.) 

Kaluza, Theodor, zum Unitätsproblem der Physik. _ Vorgelegt von 
Einstein. (GS. 8. Dez. ; SB. 22. Dez.) 

Mineralogie, Geologie und Paläontologie. 

Liebisch, die homogenen Deformationen der Kristalle, die durch einfache 
Schiebungen nach Gleitflächen hervorgerufen werden. (Kl. 13. Jan.) 

Pompeckj, die Beziehungeii, zwischen Klima und Meeressedimenten. (GS. 
10. März.) 

Pompeckj , das Gebiß des ürnithopoden Dysalotosaurus aus den Tendaguru- 
Schichten Deutsch-Ostafrikas. (Kl. 2. Juni.) 

Pompeckj, die Einstämmigkeit der Pterosaurier. (Kl. 1. Dez.) 



IX 

Botanik und Zoologie. 

Haberlandt, Zur Physiologie der Zellteilung. Sechste Mitteilung. Über 
Auslösung von Zellteilungen durch Wundhormone. (GS. 6. Jan.; SB. 
10. Febr.) 

Gorrens, Zweite Fortsetzung der Versuche zur experimentellen Verschiebung 
des Geschlechtsverhältnisses. (Kl. 17. März; SB. 7. April.) 

Heider, über die Beziehungen der Körperachsen zur Eiachse bei den Chor- 
daten. (Kl. 7. April; SB. 12. Mai.) 

Kükenthal, die Brustflosse des Buckelwales und ihre Entwicklung. (GS. 
26. Mai; SB. 14. Juli.) 

Bluhm, Dr. Agnes, ein Fall experimenteller Verschiebung des Geschlechts- 
verhältnisses bei Säugetieren. Vorgelegt von Correns. (Kl. 2. Juni; 
SB. 7. Juli.) 

Haberlandt, Zur Physiologie der Zellteilung. Siebente Mitteilung. Die 
Entwicklungserregung befruchteter und parthenogenetischer Eizellen. 
(GS. 23. Juni.) 

Hoppe-Moser, Dr. P'anny, Ursprung und Verwandtschaftsbeziehungen 
der Siphonophoren. Versuch einer Urmedusentheorie. Vorgelegt von 
Heider. (Kl. 7. Juli; SB. 21. Juli.) 

von Allesch, Dr. G. J., über die drei ersten Lebensmonate eines Schim- 
pansen. Vorgelegt von Correns. (GS. 14. Juli; SB. 28. Juli.) 

Haberlandt, über experimentelle Erzeugung von Adventivembryonen bei 
Oenothera Lamarckiana. (Kl. 20. Okt. SB.) 

Haberlandt, die Entwicklungserregung der Eizellen einiger partheno- 
genetischer Kompositen. (GS. 8. Dez.) 

Anatomie und Physiologie, Pathologie. 

Bickel, Prof. Dr. A., und Dr. C. van Eweyk, über Hitzesekretine. Vor- 
gelegt von Orth. (Kl. 17. März; SB. 31. März.) 

Fick, Gewichts- und Querschnittsbestimmungen. (Kl. 12. Mai.) 

Rubner, die Wasserbindung in Kolloiden mit besonderer Berücksichtigung 
des quergestreiften Muskels. (Kl. 20. Okt.) 

Orth, über Unfälle und Aneurismen. (Kl. 3. Nov.; SB. 10. Nov.) 

b 



Astronomie, Geographie und Geophysik. 

Hellmann, neue Untersuchungen über die Regen Verhältnisse von Deutsch- 
land. Zweite Mitteilung: Die Schneeverhältnisse. (GS. 10. Febr.; SB. 
24. Febr.) 

Hell mann, die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flug- 
blättern des 16. Jahrhunderts. (GS. 10. Febr. ; Abh.) 

G. Müller, über Turmteleskope. (Kl. 21. April.) 

Nernst, das Alter der Fixsterne. (GS. 28. Juli.) 

Penck, Ablagerungen und Schichtstörungen der letzten Interglazialzeit in 
den nördlichen Alpen. (GS. 10. Nov.) 

Hellmann, Nebel in Deutschland. (Kl. 15. Dez.; SB.) 

Mathematik. 
Schmidt, über den Beweis des Jordanschen Satzes. (GS. 14. April.) 
Ostrowski, Dr. Alexander, über die Eigenschaften gewisser Potenzreihen 

mit unendlich vielen verschwindenden Koeffizienten. Vorgelegt von 

Schmidt. (Kl. 2. Juni; SB. 7. Juli.) 
Schottky, die Produktausdrücke der £'-Funktionen. (Kl. 17. Nov.; SB. 

1. Dez.) 

Mechanik. 
Müller-Breslau, Elastizitätstheorie der versteiften Kettenbrücke. (Kl. 

7. Juli.) 
Zimmermann, die Knickfestigkeit von Stäben mit elastischer Einspannung. 

(GS. 27. Okt.; SB. 10. Nov.) 
Zimmermann, über den Einfluß des Vorzustandes auf das Knicken gerader 

Stäbe. (GS. 24. Nov.) 

Philosophie und Psychologie. 

Erdmann, die philosophischen Grundlagen von Helmholtz' Wahrnehmungs- 
theorie, kritisch erläutert. Vorgelegt von Stumpf (GS. 20. Jan.; J.M.) 

Köhler, Prof Dr. Wolfgang, Zur Psychologie des Schimpansen. Vorgelegt 
von Stumpf (GS. 9. Juni; SB. 28. Juli.) 

Stumpf, über die Tonlage der Konsonanten und die für das Sprach Ver- 
ständnis entscheidende Gegend des Tonreiches. (GS. 28. Juli; SB.) 

Köhler, Prof. Dr. Wolfgang, über eine neue Methode zur psychologischen 
Untersuchung von Menschenaffen. Vorgelegt von Stumpf. (GS. 27. Okt.) 



XI 

Prähistorie. 
Sohuchhardt, Ausgrabungen in altgermanischen Burgen und Siedlungen. 

(GS. 6. Jan.) 
Schuchhardt, Rethra und Arkona. (GS. 27. Okt.; SB. 10. Nov.) 

Geschichte des Altertums. 
Wilcken, Urkunden der Ptolemäerzeit. (Kl. 3. Febr.) 
Erman, über den Harem der ägyptischen Könige. (Kl. 3. März.) 
von Wilamowitz-Moellendorff, Sphakteria. (Kl.ll .MArz; SB. 31. März.) 
Meyer, über die Einwirkung der zoroastrischen Religion auf die Ent- 
wicklung des pharisäischen Judentums und des Christentums und die 
diese beherrschende dualistische Weltanschauung. (GS. 28. April.) 
de Groot, über Frauenregierungen in China. (Kl. 16. Juni.) 
Hiller von Gaertringen, Prof. Dr. Friedrich Frhr., Attischeinschriften. 

Vorgelegt von von Wilamowitz-Moellendorff. (Kl. 1(5. Juni; SB.) 
Norden, Römer und Burgunden. (Kl. 7. Juli.) 
Gressmann, Prof. Dr. Hugo, Die ammonitischen Tobiaden. Vorgelegt von 

Meyer. (GS. U.Juli; SB. 28. Juli.) 
von Wilamowitz-Moellendorff, einige Angaben des Ephoros. (Kl. 

21. Juli.) 
Lüders, die Beziehungen Indiens zu den westlichen iJindern in der älteren 

Zeit. (Kl. 20. Okt.) 
vonWilamowitz-Moellendorff.zurgriechischen Geschichte und Literatur. 

(KL 20. Okt.; SB. 27. Okt.) 
Meyer, Tougener und Teutonen. (GS. 10. Nov.; SB.) 

Mittlere und neuere Geschichte. 
Kehr, Aktenstücke zur preußischen und deutschen Geschichte aus den 

Jahren 1863 und 1870. (GS. 10. Febr.) 
Kehr, zurGeschichteWibert-s von Ravenna (Clemens HI.) I. (Kl. 7. April; .Sß.) 
Schäfer, Honor, citra, eis im mittelalterlichen Latein. (Kl. 21. April; 

SB. 28. April.) 
Stutz, Reims und Mainz in der Königswahl des zehnten und zu Beginn 

des elften Jahrhunderts. (GS. 9. Juni ; SB.) 
Stutz, das Erststimmrecht des Mainzer Erzbischofs bei der Wahl Richards 

von Cornwallis zum deutschen König im Jahre 1257. (Kl. 20. Okt.) 

b* 



xn 

Hintze, über die Amtsverfassung in den deutschen Lä&dern des 13. — 18. 

Jahrhunderts in ihrem Verhältnis zur Kreisverfassung. (Kl. 3. Nov.) 
Mein ecke, über Machiavell, das Wesen des Machiavellismus und den 

Sinn und Zweck der Schrift vom Fürsten. (Kl. 17. Nov.) 
Kehr, zur Geschichte Wiberts von Ravenna (Clemens III.) II. (Kl. 15. Dez.; 

SB. 22. Dez.) 

Kirchen geschichte. 
von Harnack, die apokalyptischen Reiter. (GS. 24. Febr.) 
von Harnack, neue Fragmente des Werkes des Porphyrius gegen die 

Christen. Die Pseudo-Polycarpiana und die Schrift des Rhetors Pacatus 

gegen Porphyrius. (GS. 24. Febr.; SB. 10. März.) 
Holl, über den Kirchenbegriff des Paulus in seinem Verhältnis zu dem 

der Urgemeinde. (Kl. 1. Dez.; SB. 15. Dez.) 
von Harnack, Nachträge zur Abhandlung 'Neue Fragmente des Werkes 

des Porphyrius gegen die Christen'. (Kl. 1. Dez.; SB.) 

Rechts- und Staatswissenschaft. 
Heymann, die Rechtsformen der deutschen militärischen Kriegswirtschaft 

und ihre Bedeutung für die Entwicklung unseres Gewerberechts. 

(Kl. 13. Jan.) 
Seckel, die karthagische Inschrift CIL VIII 25045 — ein kirchenrechtliches 

Denkmal des Montanismus? (Kl. 12. Mai; SB. 22. Dez.) 
Seckel, Werners von Schussenried in Schwaben Decretum metricum et 

abbreviatum. (GS. 14. Juli. Ahh.) 

Allgemeine, deutsche und andere neuere Philologie. 
Seuffert, Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe VII. (Kl. 3. Febr.; Abh.) 
Mitzka, Dr. Walther, Studien zum baltischen Deutsch. Vorgelegt von 

Roethe. (Kl. 3. März.) 
Burdach, platonische und freireligiöse Züge im 'Ackermann aus Böhmen". 

(GS. 31. März; Abh.) 
Heusler, die deutsche Quelle der Ballade von Kremolds Rache. (GS. 

26. Mai; SB. 23. Juni.) 
Schuchardt, zur Kenntnis des Baskischen von Sara. (GS. 26. Mai; Abh.) 
Brandl, über Shakespeares 'Julius Cäsar'. (Kl. 2. Juni.) 
Schuchardt, Possessivisch und Passivisch. (GS. 28. Juli: SB.) 



XI 11 



Riassische Philologie. 

Diels, Lukrezstudien IV. (Kl. 17; Febr.; SB.) 

Meissner, Prof. Dr. Bruno, ein neubabylonisches Zuckungsbuch. Vor- 
gelegt von Diels. (Kl. 17. Febr.; SB. 31. März.) 

Wellmann, Prof. Dr. Max, die Georgika des Demokritos. Vorgelegt von 
Diels. (Kl. 12. Mai; Abh.) 

Wenkebach, Dr. E., über den Galenübersetzer Johannes Sozomenus. Vor- 
gelegt von Diels. (Kl. 7. Juli.) 

Ilberg. Dr. Johannes, aus einer verlorenen Handschrift der Tardae 
pa.ssiones des Caelius Aurelianus. Vorgelegt von Diels. (Kl. 20. Okt.; 
SB. 1 0. Nov.) 

von Wilamowitz-Moellendorff, Athena. (GS. 22. Dez.; SB.) 

Orientalische Philologie. 

Möller, Prof. Dr. Georg, die Zeichen für 'Westen' und 'Osten' in der 
ägyptischen Hieroglyphenschrift. Vorgelegt von F-rnian. (Kl. 18. Jan.; 
SB. 3. Febr.) 

Möller, Prof. Dr. Georg, über einen ägyptischen Schuldschein der zwei- 
undzwanzigsten Dynastie. Vorgelegt von Erman. (Kl. 17. Febr.; SB. 
17. März.) 

W. Schulze, über Tocharisch Lseke peke. (Kl. 3. März: SB. 17. März.) 

Bang-Kaup, vom KöktOrkischen zum Osmanischen. 4. Mitteilung. (GS. 
10. März; Abh.) 

W. Schulze, Ober das Tocharische. (Kl. 12. Mai.) 

Gressmann, Prof. Dr. Hugo, Ode Salomos 23. Vorgelegt von von Ha r- 
nack. (Kl. 7. Juli; SB. 21. Juli.) 

Kunstwissenschaft und Archäologie. 

Schuchhardt, Fliegeraufnahmen aus der Dobrudscha von 1918. (Kl. 

21. April.) 
Goldschmidt, über die Komposition mittelalterlicher Wandmalerei. (GS. 

24. Nov.) 



XIV 



Bericht über den Erfolg der Preisausschreibungen für 1921 
und neue Preisausschreibungen. 

(Leibniz-Sitzung am 30. Juni 1921.) 

Preisaufgabe aus dem Coiheniusschen Legat. 

In der Leibniz-Sitzung des Jahres 1917 hat die Akademie folgende 
Preisaufgabe für das Jahr 1921 unverändert zum vierten Male ausgeschrieben, 
nachdem auf die drei früheren Ausschreibungen Bewerbungsschriften nicht 
eingegangen waren: 

»Der Entwickelungsgang einer oder einiger Ustilagineen soll 
möglichst lückenlos verfolgt und dargestellt werden, wobei beson- 
ders auf die Überwinterung der Sporen und Mycelien Rücksicht zu 
nehmen ist. Wenn irgend möglich, sind der Abhandlung Präpa- 
rate, welche die Frage entscheiden, beizulegen.« 

Diesmal hat sich nur ein Bewerber gemeldet. Die Preisschrift wird 
in einer Vorbemerkung als Teil einer größeren Arbeit über die Brand- 
krankheiten unserer Hauptgetreidearten bezeichnet und bezieht sich nur 
auf den Steinbrand des Weizens, Tilletia tritici. Wenn auch der Verfasser 
in mancher Hinsicht mehr bietet, als verlangt wurde, indem er z. B. auch 
das physiologische Verhalten der vom Pilze befallenen Wirtpflanze ein- 
gehend erörtert, so ist er doch andererseits die Antwort auf gewisse Ein- 
zelfragen schuldig geblieben, insbesondere in bezug auf die tTberwinterung 
der Sporen und Mycelien, auf die in der Preisausschreibung ausdrücklich 
hingewiesen wurde. 

Die Akademie anerkennt gerne das wissenschaftliche Streben und den 
großen Fleiß des Verfassers, doch ist sie nicht in der Lage, ihm den aus- 
geschriebenen Preis zuzuerkennen, da seine Bewerbungsschrift zu wenig 
neue Tatsachen enthält und in methodischer Hinsicht verschiedene Mängel 
aufweist, die die aus den Untersuchungsergebnissen gezogenen Folgerungen 
zum Teil als fraglich oder auch unberechtigt erscheinen lassen. 

Die Akademie hat aber im Sinne des § 7 des Reglements für die 
akademischen Preiserteilungen beschlossen, den Betrag von 2000 Mark dem 
Verfasser einer in das Gebiet der gestellten Aufgabe einschlagenden wert- 
vollen Schrift als Ehrengabe zu überweisen. Als eine solche Schrift kann 
nach dem Urteile der Akademie die Arbeit »Untersuchungen über den 



XV 



Antherenbrand (Ustilago violacea Pers.)« von Prof. Hans Kniep in Wörz- 
burg betrachtet werden. Der Verfasser weist darin nach, daß bei der 
Keimung der Brandsporen zwei äußerlich gleiche aber physiologisch ver- 
schiedene Sorten von Sporidien entstehen, und daß es nur dann zur Ko- 
pulation kommt, wenn diese beiden Sorten von Sporidien zusammentreffen. 
Der Nachweis einer solchen physiologischen Geschlechtsdifferenzierung ist 
nicht nur für die Beurteilung der Fortpüanzungsverhältnisse der Ustila- 
gineen, sondern für das Sexualitätsproblem überhaupt von nicht geringer 
Bedeutung. 

C/uirlotten-Stißuny fiir Fhiloloffie. 

Die Akademie hatte in der Leibniz-Sitzung des Jahres 1 920 (Sitzungs- 
ber. S. 710) folgende Preisaufgabe der Charlotten-Stiftung gestellt: 

»Die Untersuchung der Komposition des theophrastischen Buches de 
historia plantarum wird verlangt. Mit Rücksicht auf die Kürze der zur 
Bearbeitung verfugbaren Zeit genügt eine auf dieses Ziel gerichtete in sich 
abgeschlossene Untersuchung.« 

Es sind rechtzeitig zwei Bearbeitungen eingegangen. Die erste um- 
fänglichere trägt das Motto: eÄTXON nicreveiN AeTYnnui axaainwi rt AÖrui Xcyn- 
tAktui. Sie behandelt ausführlicher die beiden ersten Bücher der Historia 
plantarum, analysiert aber auch im Überblick die übrigen mit Ausnahme 
des letzten. Diese Arbeit zeichnet sich durch scharfsinnige, Inhalt und 
Form gleichmäßig berücksichtigende Untersuchung der Disposition aus. 
Wenn auch bei der starken Zerrüttung unseres Textes nicht überall volle 
Sicherheit erzielt werden konnte, so ist doch über die nicht immer von 
Theophrast erreichten Ziele seiner Komposition hinreichende Klarheit er- 
zielt; auch sind im einzelnen zur Textgestaltung und zur Feststellung der 
Abfassungszeit des Werkes wertvolle Beiträge zugegeben worden. 

Der Verfasser der zweiten Bearbeitung, der das Motto: ^ru Ae kXn 

«H M^AAü) NIKAN TYMNACÄMENÖC FE T09T0N TÖN XPÖNON Ö^GAHehlCOMAI hat daS VOn 

dem ersten Bearbeiter beiseite gelassene neunte Buch der Pflanzengeschichte 
untersucht. Sein Hauptaugenmerk ist weniger auf die Komposition als 
auf den Nachweis der von Bretzl in Abrede gestellten Echtheit gerichtet. 
Obgleich seine Ausfuhrungen manches Brauchbare enthalten, .-ist doch diese 
Bearbeitung weder im Umfang noch in der Qualität der wissen.schaftlichen 
Methode mit der des ersten Verfassers zu vergleichen. 



XVI 

Daher hat die Akademie kein Bedenken getragen, der ausgezeichneten 
Arbeit mit dem Motto: oätton nicieveiN acT kta. das Stipendium der Char- 
lotten-Stiftung zuzuerkennen, das in dem Genüsse der Jahreszinsen des 
Stiftungskapitals von 30000 Mark auf die Dauer von acht Jahren besteht. 

Die Eröffnung des Umschlages mit dem Motto: Gätton nicjeveiN aeT 
Tnnü)i axaaInü)! h AÖrui acyntäktui ergab als Verfasser: Studienrat Dr. phil. 
Otto Regenbogen in Berlin. 

Stipendium der Eduard-G^erhardStifiung . 

Das Stipendium der Eduard-Gerhard-Stiftung war in der Leibniz-Sitzung 
des Jahres 1920 für das laufende Jahr mit dem Betrage von 5000 Mark 
ausgeschrieben. Die philosophisch-historische Klasse hat beschlossen, den 
gesamten Betrag Hrn. Dr. Gottfried von Lücken für seine Arbeiten auf 
dem Gebiete der frührotfigurigen attischen Wandmalerei zu verleihen. 

Für das Jahr 1922 wird das Stipendium mit dem Betrage von 2500 Mark 
ausgeschrieben. Bewerbungen sind vor dem I.Januar 1922 der Akademie 
einzureichen. 

Nach § 4 des Statuts der Stiftung ist zur Bewerbung erforderlich: 

1. Nachweis der Reichsangehörigkeit des Bewerbers; 

2. Angabe eines von dem Petenten beabsichtigten, durch Reisen be- 
dingten archäologischen Planes, wobei der Kreis der archäologischen 
Wissenschaft in demselben Sinne verstanden und anzuwenden ist, 
wie dies bei dem von dem Testator begründeten Archäologischen 
Institut geschieht. Die Angabe des Planes muß verbunden sein mit 
einem ungefähren, sowohl die Reisegelder wie die weiteren Aus- 
fuhrungsarbeiten einschließenden Kostenanschlag. Falls der Petent 
für die Publikation der von ihm beabsichtigten Arbeiten Zuschuß 
erforderlich erachtet, so hat er den voraussichtlichen Betrag in den 
Kostenanschlag aufzunehmen, eventuell nach ungefährem Überschlag 
dafür eine angemessene Summe in denselben einzustellen. 

Gesuche, die auf die Modalitäten und die Kosten der Veröffentlichung 
der beabsichtigten Forschungen nicht eingehen, bleiben unberücksichtigt. 
Femer hat der Petent sich in seinem Gesuch zu verpflichten: 

1 . vor dem 3 1 . Dezember des auf das Jahr der Verleihung folgenden Jahres 
über den Stand der betreffenden Arbeit sowie nach Abschluß der Arbeit 
über deren Verlauf und Ergebnis an die Akademie zu berichten; 



XV JI 

2. falls er während des Genusses des Stipendiums an einem der Pallien- 
tage (21. April) in Rom verweilen sollte, in der öffentlichen Sitzung 
des Deutschen Instituts, sofern dies gewünscht wird, einen auf sein 
Unternehmen bezüglichen Vortrag zu halten; 

3. jede durch dieses Stipendium geförderte Publikation auf dem Titel 
zu bezeichnen als herausgegeben mit Beihilfe des Eduard-Gerhard- 
Stipendiums der Preußischen Akademie der Wissenschaften; 

4. drei Exemplare jeder derartigen Publikation der Akademie ein- 
zureichen. 

Preis der Graf-Loubat-Stiftung. 

Die Akademie hat auf Vorschlag ihrer Kommission fixr die Graf-Loubat- 
Stiflung beschlossen, den für dieses Jahr ausgeschriebenen Preis derselben 
von 3000 Mark Hrn. Prof. Dr. A. Eekhof in Leiden für seine Werke »De 
HervormdeKerkinNoord-Amerika(1624 — 1664)«,2Bde.'S-Gravenhagel913 
und »Bastiaen Jansz. Krol, Krankenbezoeker, Kommies en Kommandeur 
von Nieuw-Nederland (1595 — 1645)«, 'S-Gravenhage 1910, zuzuerkennen. 

Paid-Rieß-Stiflung. 
In Ausführung der Bestimmungen des Statuts der Paul-Rieß-Stiftung 
hat die physikalisch-mathematische Klasse auf Vorschlag des Kuratoriums 
beschlossen, die diesjährigen Stiftungserträgnisse in Höhe von 83 IH Mark 
an einen Chemiker zu vergeben, und zwar an Hm. Prof. Dr. Adolf Sieverts 
in Greifswald für seine Arbeiten Ober die Wechselwirkungen zwischen 
Metallen und Gasen. 

Emil-Fisc/ier-Stißung. 
Nach dem Statut der Emil-Fischer-Stiftung hat das Kuratorium der 
Stiftung mit Zustimmung der physikalisch-mathematischen Klasse den fol- 
genden früheren Assistenten Emil Fischers nachstehende Beträge zur Fort- 
fiihrung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten bewilligt: 

8000 Mark einmalig dem Hrn. Dr. Max Bergiq.ann, zur Zeit 

Assistent am Kaiser-Wilhelm-Institut für Faserstoffchemie, 
8000 Mark einmalig Hm. Dr. B. Helferich, zur Zeit Assistent am 

1. Chemischen Institut der Universität Berlin, 
4000 Mark einmalig Hrn. Dr. Helmuth Scheibler, zur Zeit Privat- 
dozent am organisch-chemischen Laboratorium der Technischen 
Hochschule. 



XVIIl 



Hippokrates-Stiftung. 

Statut vom 6. November 1920. 



Ein Berliner Kaufmann, der ungenannt bleiben will, hat der Preußischen 
Akademie der Wissenschaften am 28. Juli 1920 ein Kapital von 150000 Mark 
mit der Bestimmung überwiesen, das Kapital und seine etwa auflaufenden 
Zinsen zur Herstellung der im Rahmen des Corpus Medicorum in Aussicht 
genommenen Ausgabe der Werke des Hippokrates nach Anweisung der 
bei der Preußischen Akademie der Wissenschaften bestehenden Kommission 
für das Corpus Medicorum zu verwenden. 

§ 1. 

Die Stiftung, die am 6. November 1920 von der Preußischen Staats- 
regierung genehmigt worden ist, wird gemäß den Bestimmungen des Stifters 
von der Kommission der Preußischen Akademie der Wissenschaften für 
das Corpus Medicorum verwaltet. Die eingezahlte Summe wird unter dem 
Namen Hippokrates-Fonds bei der Preußischen Staatsbank (Seehandlung) 
hinterlegt. Zahlungen daraus werden gegen Quittung des Vorsitzenden jener 
Kommission oder in Vertretung von dem Vorsitzenden Sekretär der Akademie 
erhoben. 

§2. 

Die Entlastung wird alljährlich in Verbindung mit der der Abrechnung 
der Kommission füir das Corpus Medicorum von der philosophisch-histori- 
schen Klasse vollzogen. Der wissenschaftliche Bericht über die Vorbereitung 
und Ausführung der Hippokrates-Ausgabe, die mit den Mitteln der Stiftung 
veröfifentlicht werden soll, erfolgt alljährlich in der Friedrichssitzung inner- 
halb des allgemeinen Berichtes der genannten Kommission. 



XIX 



Verzeichnis der im Jahre 1921 erfolgten besonderen Geldbewilligungen 
ans akademischen Mitteb zur Ausführung wissenschaftlicher Unter- 
nehmungen. 

Es wurden im Laufe des Jahres 1921 bewilligt: 
10800 Mark für das »Tierreich«. 

8740 » für das Deutsche Wörterbuch. 
19680 " für das Deutsche Rechtswörterbucli. 
9100 » für die Leibniz- Ausgabe. 

8200 » für das Wörterbuch der ägyptischen Sprache. 
11060 » für die Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen. 
7800 » für den Nomenclator aninialium generum et subgenenim. 
28000 » für die Arbeiten der Orientalischen Kommission. 

1800 » für die Deutschen Geschichtsquellen des 19. Jahrhunderts. 
15000 » dem ordentlichen Mitgliede der Akademie Hrn. de Groot für 
die Drucklegung seines Werkes: »Die Hunnen der vorchrist- 
lichen Zeit«. 
1700 » für die deutschen Geschichtsquellen des 19. Jahrhunderts. 
1000 » für den Thesaurus linguae latinae. 
10000 » für den Nomenclator animalium generum et subgenerum. 
24000 » für das »Tierreich«. 
14000 » für das »Pflanzenreich«. 
800 • für die Kant-Au.sgabe. 
5000 » für die Inscriptiones Graecae. 
1500 » für das Wörterbuch der ägyptischen Sprache. 
20000 » für die Arbeiten der Orientalischen Kommission. 
7500 » dem ordentlichen Mitgliede der Akademie Hrn. Burdach für 

seine Forschungen zur neuhochdeutschen Schriftsprache. 
5000 » für die Arbeiten der Deutschen Kommission. 
800 » dem Prof. Dr. August Fischer in Leipzig zur Bearbeitung 
seines arabischen Wörterbuchs. 
6000 » für die Herausgabe der Werke Leonhard Eulers. 
2000 - dem Hrn. Cuno Hoffmeister in Sonneberg zur Unterhaltung 
seiner Privatstemwarte. 



XX 



Verzeichnis der im Jahre 1921 erschienenen im Auftrage und mit Unter- 
stützung der Akademie bearbeiteten oder herausgegebenen Werke. 

Unternehmungen der Akademie und ihrer Stißungen. 

Das Pflanzenreich. Regni vegetabilis conspectus. Im Auftrage der Preuß. 

Akademie der Wissenschaften hrsg. von A. Engler. Heft 75-77. Leipzig 

1921. 
Corpus inscriptionum Etruscarum a Carolo Pauli conditum et B. Nogara 

adiutore ab A. 0. Danielsson et Gr. Herbig continuatum. Suppl. Fase. 1 . 

Lipsiae 1919-2.1. 
Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen. Bd. 38 nebst Ergbd. Berlin 

1920. 
Wilhelm von Humboldts Gesammelte Schriften. Hrsg. von der Preußischen 

Akademie der Wissenschaften. Bd. 13. Berlin 1920. 
Ibn Saad. Biographien Muhammeds, seiner Gefährten und der späteren 

Träger des Islams bis zum Jahre 230 der Flucht. Im Auftrage der 

Preußischen Akademie der Wissenschaften hrsg. von Eduard Sachau. 

Bd. 9, Th. 1. Leiden 1921. 
Deutsche Texte des Mittelalters hrsg. von der Preußischen Akademie der 

Wissenschaften. Bd. 27. 1920. 
Thesaurus liiiguae Latinae editus auctoritate et consilio Academiarum quinque 

Germanicarum Berolinensis Gottingensis Lipsiensis Monacensis Vindo- 

bonensis. Vol. 6, Fase. 4-5. 1920-21. 
Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften. Hrsg. im Auftrage der 

Akademien der Wissenschaften zu Berlin, Göttingen, Heidelberg, 

vLeipzig, München und Wien. Bd. 2, T. 1, H. 4, 7-9. Bd. 2, T. 2, 

H. 4-5. Bd. 2, T. 3, H. 1-5. Bd. 3, T. 1, H. 1-7. Bd. 3, T. 2, H. 1-6. 

Bd. 3, T. 3, H. 4, 5. Bd. 4, T. 1, 1 H. 1-4. Bd. 4, T. 1, 2, H. 1-3. 

Bd. 4, T. 2, 1, H. 1-4. Bd. 4, T. 2, 2, H. 1-6. Bd. 5, T. 1, H. 1-6. 

Bd. 5, T. 2, H. 1-4. Bd. 5, T. 3, H. 1-3. Bd. H, T. 1 A, H. 1-3. Bd. 6, 

T. 1 B, H. 1 -4. Bd. 7, T. 2, H. 1 -7. Leipzig 1 899-1 920. 

von MiloszewkyscJies Legat. 

Wentscher, Else. Geschichte des Kausalproblems in der neueren Philo- 
sophie. Leipzig 1921. 



XXI 

Edaiard-Gerhard-Stiflung. 
Weege, Fritz. Etruskische Malerei. Halle (Saale) 1921. 

Graf-Loubat-Htiftung. 
Eekhof, A. De Hervormde Kerk in Nonrd-Amerika. Deel 1. 2. 's-Graven- 

hage 1913. 
. Bastiaen Jansz. *s-Gravenhage 1910. 

Alhert-8amson-&tifiuny. 
Müller, Fritz. Werke, Briefe und Leben. Gesammelt u. hrsg. von Alfred 
Möller. Bd. 2. Jena 1921. 

Hermann-und-Elise-geb.-Heckmann - Wentzd-Stiflung. 

Beiträge zur Flora von Mikronesien. Zusammengestellt von L. Di eis. Serie 11. 
Leipzig 1921. 

Beiträge zur Flora von Papuasien. Hrsg. von C. Lauterbach. Serie VII. 
Leipzig 1921. 

Laas, Walter. Die photographische Messung der Meereswellen. Berlin 1921. 

Die altpolnischen Predigten aus Heiligenkreuz. Hrsg. von Paul Diels. 
Berlin 1921. 

Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Ar- 
chiv flir die von der Kirchenväter-Commission der Preußischen Aka- 
demie der Wissenschaften unternommene Ausgabe der älteren christlichen 
Schriftsteller. Reihe 3. Bd. 15, Leipzig 1921. 

Humboldt-Stiflung. 
Hellmann, Gustav. Klima-Atlas von Deutschland, o. O. 1921. 

Von der Akademie unterstützte Werke. 
Leonhardi Euleri opera omnia. Sub auspiciis Societatis Scientiarum 

naturalium Helveticae edenda cur. F. Rudio, A. Krazer, P. Stäckel. 

Ser. I, Vol. 2. ii. 6. 13. 17. 18. Lipsiae et Berolini 1914-20. 
Feine, Hans Erich. Die Besetzung der Reichsbistümer vom Westfälischen 

Frieden bis zur Säkularisation. Stuttgart 1921. 
de Groot, Johann Jakob Maria. Die Hunnen der vorchristlichen Zeit. 

T. 1. Berlin und Leipzig 1921. 



XXII 

Haarmann, Erich. Über Stauung und Zerrung durch einmalige imd 

wiederholte Störungen. Berlin 1920. Sonderabdr. 
Kögel, R. Die Palimpsestphotographie. Halle a. S. 1920. 
Libanii opera rec. Richardus Förster. Vol. 10. Lipsiae 1921. (Biblio- 

theca Script. Graec. et Roman. Teubneriana.) 
Naef, Adolf. Die Cephalopoden. T. 1, Lief. 1. Berlin 1921. (Fauna u. 

Flora des Golfes von Neapel hrsg. von der Zoologischen Station zu 

Neapel. 35.) 
Schneider, Hermann. Uhlands Gedichte und das deutsche Mittelalter. 

Berlin 1920. ■ 

Taschenberg, 0. Bibliotheca zoologica II. Verzeichnis der Schriften über 

Zoologie, welche in den periodischen Werken enthalten und vom 

Jahre 1861-1880 selbständig erschienen sind. Lief. 21-24. Leipzig 

1921. 



Veränderungen im Personalstande der Akademie im Laufe 

des Jahres 1921. 

Es wurden gewählt: 

zum ordentlichen Mitglied der physikalisch-mathematischen Klasse: 
Hr. Issai Schur, bestätigt durch Erlaß der preußischen Regierung vom 
31. Dezember 1921, 

zum ordentlichen Mitglied der philosophisch-historischen Klasse: 
Hr. Ulrich Wilcken, bestätigt durch Erlaß der preußischen Regierung 
vom 7. Januar 1921; 

zu korrespondierenden Mitgliedern der physikalisch-mathematischen 
Klasse: 

Hr. Carl Duisberg in Leverkusen | - 

Tix„ 4.- V A ■ rr v } am 23. Juni 1921, 

» Martin Knudsen m Kopenhagen j 

» Richard Wettstein von WettersheiminWien^ 

» Friedrich Oltmanns in Freiburg i. B. 

» Johan Nordal Fischer Wille in Christiania 

zum korrespondierenden Mitglied der philosophisch-historischen 
Klasse: 
Hr. Rudolf Wackernagel in Basel am 9. Juni 1921 - 



am 8. Dezember 1921 ; 



XXIII 

Gestorben sind: 
die ordentlichen Mitglieder der physikalisch-mathematischen Kks&e: 
Hr. Wilhelm von Waldeyer-Hartz am 23. Januar 1921, 
. Franz Eilhard Schulze am 29. Oktober 1921, 
» Hermann Amandas Schwarz am 30. November 1921 ; 

die ordentlichen Mitglieder der philosophisch-historischen Klasse: 
Hr. Benno Erdmann am 7. Januar 1921, 
» Heinrich Morf am 23. Januar 1921, 
» Michael Tangl am 7. September 1921, 
» Johann Jakob Maria de Groot am 24. September 1921; 
das Ehrenmitglied der Akademie: 
Hr, Konrad von Studt in Berlin am 29. Oktober 1921 ; 

die korrespondierenden Mitglieder der physikalisch-mathematischen 
Klasse : 
Hr. Alfred Gabriel Nathorst in Stockholm am 20. Januar 1921, 
• Oswald Schmiedeberg in Baden-Baden am 12. Juli 1921, 
» Julius Edler von Hann in Wien am 4. Oktober 1921, 
» Max Noether in Erlangen am 13. Dezember 1921, 
» Leo Koenigsberger in Heidelberg am 1.5. Dezember 1921," 
» Gabriel Lippmann in Paris; 

die korrespondierenden Mitglieder der philosophisch-historischen 
Klasse : 
Hr. Ignaz Goldziher in Budapest am 13. November 1921, 
» Ludwig Mitteis in Leipzig am 27. Dezember 1921. 

Beamte der Akademie. 
Hr. Prof. Dr. Hermann Dessau trat am 1. Oktober 1921 in den Ruhestand. 
» Dr. Hugo Gaebler wurde am 31. Januar 1921 zum wissenschaftlichen 
Beamten ernannt. 



XXlV 



Verzeichnis der Mitglieder der Akademie am Schlüsse des Jahres 1921 

nebst den Verzeichnissen der Inhaber der Bradley-, der Helmholtz- und der Leibniz- 
Medaille und der Beamten der Akademie, sowie der Kommissionen, Stiftungs-Kura- 
torien usw. 



1. Beständige Sekretare 

Gewählt ron der L>atiun der Bestttigung 

Er. Jioet/ut .... .... phil.- bist. Klasse 1911 Aug. 29 

- Planck phys.-math. - 1912 Juni 19 

- Rvbner phys.-math. - 1919 Mai 10 

- iJlders . phil.-hist. - 1920 Aug. 10 



' 2. Ordentliche Mitglieder 

Physikalisch-mathematische Klasse Philosophisch-historische Klasse Datum der Bestttigung 

Hr. Hermann Diels 1881 Aug. 15 

- Otto Hirschfeld 1885 März 9 

- Edvard Sac/iau 1887 Jan. 24 

Hr. Adolf Engler 1890 Jan. 29 

- Adolf von Hamack . . . 1890 Febr. 10 

- Oscar Hertwig 1893 April 17 

- Max Planck 1894 Juni 11 

- Carl Stumpf 1895 Febr. 18 

- Adolf Erman ..... 1895 Febr. 18 

- Emil Warbtirg . 1895 Aug. 13 

Ulrich von Wilamotcitz- 

Moellendorff 1899 Aug. 2 

- Heinrich Müller -Breslau 1901 Jan. 14 

- Konrad Burdach .... 1902 Mai 9 

- Friedrich Scholtky 1903 Jan. 5 

- Gustav Roethe 1903 Jan. 5 

- Dietrich Schäfer 1903 Aug. 4 

- Eduard Meyer 1903 Aug. 4 

- Wilhelm Schulze .... 1903 Nov. 16 

- Alois Brandl 1904 April 3 



XXV 

Phfstkalisch-muhenutisclie Klüse Philosophiscb-historische Klasse Datum der BestJUignag 

Hr. Hermann Zimtnermann 1904 Aug. 29 

- Walter Nemsl 1905 Nov. 24 

- ilax Rubner 1906 Dez. 2 

- Johannes Orth 1906 Dez. 2 

- Albrecht Penck 1906 Dez. 2 

Hr. Friedrich Müller .... 1906 Dez. 24 

- Heinrich Rttbens 1907 Aug. 8 

- Theodor Liebhch 1908 Aug. 3 

- Eduard Seier 1908 Aug. 24 

- Heinrich Luders .... 1909 Aug. 5 

- Goalieb Haherlandt 1911 Juli 3 

- Gustav Uellinann 1911 Dez. 2 

- EmU Seckel 1912 Jan. 4 

- Eduard Norden 1912 Juni 14 

- Karl Schuchhardt . . . . 1912 Juli 9 

- Ermt Beckmann 1912 Dez. 1.1 

- A&ert Einstein 1913 Nov. 12 

- Otto Htntze 1914 Febr. 16 

- Max Sermg 1914 März 2 

- Adolf Goldschmidt . . . 1914 März 2 

- Fritz Habe,- " 1914 Dez. 16 

- Karl HoU • . 1915 Jan. 12 

- Friedrich Meinecke . . . . 1915 Febr. 15 

- Karl Vorrens 1915 März 22 

- Hans Droffendorff .... 1916 April 3 

- Paul Kehr 1918 März 4 

- Ulrich Stutz 1918 März 4 

- Eyrnst He^fmnnn .... 1918 Mänc 4 

- Karl Heider 1918 Aug. 1 

- Erhard Schmidt 1918 Aug. I 

- Gustav Maller 1918 Aug. 1 

- Rudolf Etck 1918 Aug. 1 

- Wilhj KnkentluU 1919 April 12 

- Josef Pompeckj 1920 Febr. 18 

- Mar von Laue 1920 Aug. 14 

- Ulrich Wilcken 1921 Jan. 7 

- Issai Schur 1921 Dez. 31 



XXVI 



3. Auswärtige Mitglieder 

Phy«ikaUseh*nuithematische Klasse Philosophisch-historische Klasse Uatam der BettAtigucg 



Hr. Theodor A^öldeke in KsiAsTuhe 1900 März 5 

- Vatroslav von Jagic in Wien 1908 Sept. 25 

- PanagiotisKabbadias in Athen 1908 Sept. 25 

- Hugo Sclmchardt in Graz . 1912 Sept. 15 
Hr. Wilhelm Conrad Röntgen in 

München 1920 Dez. 22 



4. Ehrenmitglieder 

Uatum der BesUtigung 

Hr. Max Lehmann in Göttingen 1887 Jan. 24 

- Max Lenz in Hamburg 1896 Dez. 14 

- Wilhelm Branca in München 1899 Dez. 18 

Hugo Graf von und zu Lerchenfeld in Köfering bei Regensburg . 1900 März 5 

Hr. Richard Schöne in Berlin 1900 März 5 

- Andreas Heusler in Basel 1907 Aug. 8 

Bernhard Fürst von Bülow in Klein-Flottbek bei Hamburg ... 1910 Jan. 31 

Hr. Heinrich Wölfflin in München 1910 Dez. 14 

- August von Trott zu Solz in Kassel 1914 März 2 

- Rudolf von Valentini in Hameln 1914 März 2 

- Friedrich Schmidt in Berlin 1914 .März 2 

- Richard Wilktätter in München 1914 Dez. 16 

- Konstantin Garatheodory in Athen 1919 Febr. 10 



xxvn 



5. Korrespondierende Mitglieder 

Physikalisch-mathematische Klasse Datum der Wahl 

Karl Frhr. Auer von Welsbach auf Schloß Welsbach (Kärnten) . . 1913 Mai 22 

Hr. Friedrich Becke in Wien 1920 Dez. 9 

- Alfred Bergeat in Kiel 1920 Dez. 9 

- Oskar Brefeld m hexWn 1899 Jan. 19 

- Httgo Bücking in Heidelberg 1920 Jan. 8 

Giacomo Ciamician in Bologna 1909 Okt. 28 

- T/ieodor Curtins in Heidelberg 1919 Juni 26 

- William Morris Davis in Cambridge, Mass 1910 Juli 28 

- Heter Deln/e in Zürich 1920 März 11 

Carl Duisberg in Leverkusen 1921 Juni 21 

- Viktor Ebner Ritter von Rofenstein in Wien 1920 Juli 15 

- Ernst EMers in Göttingen 1897 Jan. 21 , 

- Karl Engler in Karlsrulie 1919 Juni 26 

Sir Archibald Geikie in Haslemere, Surrey 1889 Febr. 21 

Hr. Karl von Goebel in München . 1913 Jan. 16 

- Alexander Goelte in Heidelberg 1920 Dez. 9 

- CamiUo Golgi in Pavia 1911 Dez. 21 

- Karl Graebe in Frankfurt a. .M 1907 Juni 13 

- Ludwig von Graff in Graz - . 1900 Febr. 8 

- Seen Hedin in Stockholm 1918 Nov. 28 

- Viktor Henaen in Kiel 1898 Febr. 24 

- Ricliard von Ilertwig in München 1898 April 28 

- David Hubert in Göttingen 1913 Juli 10 

- Htigo Hildebrand Hildebrandsson in Uppsala 1917 Mai 3 

- Emanuel Kayser in München 1917 Juli 19 

- FeUx Klein in Göttingen 1913 Juli 10 

- Martin Knttdsen in Kopenhagen 1921 Juni 23 

- Wilhelm Kömer in Mailand 1909 Jan. 7 

- Eugen Korschelt in Marburg 1920 Dez. 9 

- Friedrich Kfhtner in Bonn 1910 Okt. 27 

- Philipp Lenard in Heidelberg 1909 Jan. 21 

- Karl von Linde in München 1916 Juli 6 

- Hendrik Antoon Lorenlz in Haarlem 1905 Mai 4 

- Felix Marchand in Leipzig 1910 Juli 28 

- FVam MerUn» in Wien 1900 Febr. 22 

- Hans Horst Meyer in Wien 1920 Okt. 28 

- Keu-l Neutnann in Leipzig 1893 Mai 4 

- FriedrirJi Okmnnns in Freiburg i. B 1921 Dez. 8 

d* 



xxvm 

Datum der W»hl 

Hr. Wilhelm Ostwald iu Groß-Bothen, Sachsen 1905 Jan. 12 

- Georff Quincke in Heidelberg 1879 März 13 

- Ludwig Radlkofer in München 1900 Febr. 8 

- Theodore William Richards in Cambridge, Mass 1909 Okt. 28 

- WUhelm Roux in HaUe a. S 1916 Dez. 14 

- Georg Ossian Sars in Christiania 1898 Febr. 24 

- Otto Sciwtt in Jena 1916 Juli 6 

- Hugo von Seeliger in München 1906 Jan. 11 

- Emest Solvay in Brüssel 1913 Mai 22 

- Arnold Sommerfeld in München 1920 März 11 

- Gustav Tammann in Göttingen 1919 Juni 26 

Sir Joseph John Thomson in Cambridge 1910 Juli 28 

Hr. Gustav Edler von Tschermak in Wien 1881 März 3 

- Hugo de Vries in Lunteren 1913 Jan. 16 

- Joliannes Diderik van der Waals in Amsterdam ....;. 1900 Febr. 22 

- Otto Wallach in Göttingen 1907 Juni 13 

- Eugenius Warming in Kopenhagen 1899 Jan. 19 

- Richard Weitäein von Wettersheim in Wien 1921 Dez. 8 

- Emil Wiechert in Göttingen 1912 Febr. 8 

- Wilhelm Wien in München 1910 Juh 14 

- Jolmn Nordal Fischer Wille in Christiania 1921 Dez. 8 

- Edmund B. Wilson in New York 1913 Febr. 20 



Philosophisch-historische Klasse Datum der w »hl 

Hr. Aar/ von Amira in München 1900 Jan. 18 

- Klemens Baeumker in München 1915 Juli 8 

- WiUy Bang-Kaup in ^&v\m 1919 Febr. 13 

- Friedrich von Bezold in Bonn 1907 Febr. 14 

Joseph Bidez in Gent 1914 Juli 9 

- Frans Boas iu New York. 1920 Juli 15 

- James Henry Breasted in Chicago 1907 Juni 13 

- Harry Breßlau in Heidelberg 1912 Mai 9 

- Rene Cagnat in Paris 1904 Nov. 3 

- Arthur Chuquet in Villemomble (Seine) 1907 Febr. 14 

- Franz Cumont in Rom 1911 April 27 

- Georg Deliio in Tübingen 1920 Okt. 28 

- Louis Dtichesne in Rom 1893 Juli 20 

- Franz Ehrle in Rom 1913 Juli 24 

- Paul Foucart in Paris 1884 Juli 17 



XXIX 



Datum der Wahl 



Sir James George Frazer in Cambridge . . 1911 April 27 

Hr. Wühelm Fröhner in Paris 1910 Juni 23 

- Percy Gardner in Oxford 1908 Okt. 29 

- Francis Llewellyn Griffiih in Oxford 1900 Jan. 18 

- [gnazio Guidi in Rom 1904 Dez. 15 

- Georgias N. Hatzidakis in Athen 1900 Jan. 18 

- Bemard Haussoullier in Paris 1907 Mai 2 

- Johan Ludvig Heiberg in Kopenhagen 1896 März 12 

- Anioine HSron de VUlefosse in Paris 1893 Febr. 2 

Gerardus Hegmans in Groningen 1920 Juli 15 

- Harald Hjärne in Uppsala 1909 Febr. 25 

- Maurice HoUeaux in Versailles 1909 Febr. 25 

- C/tristian Hülsen in Heidelberg 1907 Mai 2 

- Hermann Jacobi in Bonn 1911 Febr. 9 

- Adolf Jalicher in Marburg 1906 Nov. 1 

Sir Frederic George Kenyon in London 1900 Jan. 18 

Hr. Georg Friedrich Knapp in Darmstadt 1893 Dez. 14 

- Axel Kock in Lund 1917 Juli 19 

- Karl von Kraus in München 1917 Juli 19 

- Basil Latyschew in St. Petersburg 1891 Juni 4 

- Friedrich Loofs in Halle a. S, 1904 Nov. 3 

Giacomo Lumbroso in Rom 1874 Nov. 12 

- Arnold Luschin Ebengreuth in Graz •. . 1904 Juli 21 

- WiHielm Meyer-Lilbke in Bonn 1905 Juli 6 

- Georg Elias Müller in Göttingen 1914 Febr. 19 

- Karl von Müller in Tübingen 1917 Febr. 1 

- Samuel Muller Frederikzoon in Utrecht 1914 Juli 23 

- Franz Praetorius in Breslau 1910 Dez. 8 

- Pio Rajna in Florenz 1909 März 11 

- Moriz Ritter in Bonn 1907 Febr. 14 

- Karl Robert in Halle a. S 1907 Mai 2 

- Micliael Rostowzew in St. Petersburg 1914 Juni 18 

- Edward Schröder in Göttingen 1912 Juli 11 

- Eduard Schuartz in München 1907 Mai 2 

- Kurt Seilte in Göttingen 1920 Juli 15 

- Bern/iard Seuffert in Graz 1914 Juni 18 

- Eduard Sievers in Leipzig 1900 Jan. 18 

Sir Edward Maunde Thompson in London 1895 Mai 2 

Hr. Vilhelm Thomsen in Kopenhagen 1900 Jan. 18 

- Ernst Troeltsch in Berlin 1912 Nov. 21 

- Paid Vinogradoff \n Oxford 1911 Juni 22 



XXX 

Datum der Wahl 

Hr. Girolamo Vitelli in Florenz . 1807 Juli In 

- Jakob Wackernagel in Basel 1911 Jan. 19 

- Rudolf Wackernagel in Basel 1921 Juni 9 

- Adolf WiUielm m 'Wiem. 1911 AprU 27 



Inhaber der Bradley-Medaille 

Hr. Friedrich Küstner in Bonn (1918) 



Inhaber der Helmholtz-Medaille 

Hr. Santiago Ramön Cajal in Madrid (1905) 

- Max Planck in Berlin (1915) 

- Richard von Herlung in München (1917) 

- Wilhelm Conrad Röntgen in München (1919) 

Verstorbene Inhaber 

Emil du Bois-Re;imond (Berlin. 1892, f 1896) 

Karl Wderstraß (Berlin, 1892, y 1897) 

Robert Bunsen (Heidelberg, 1892. f 1899) 

Lord Kehin (Netherhall, Largs. 1892, f 1907) 

Rudolf Virchow (Berlin, 1899, f 1902) 

Sir George Gabriel Stokes (Cambridge. 1901, -]- 190;V, 

Henri Becquerel (Paris, 1907, f 1908) 

Emil Fischer (Berlin, 1909, f 1919) 

Jakob Heinrich van't Hoff (Berhn, 1911, f 1911) 

Simon Schwendener (Berlin, 1913, -j- 1919) 

Inhaber der Leibniz-Medaille 

a. Der Medaille in Gold 
Hr. J^ntes Simon in Berlin (1907) 

- Emest Solvay in Brüssel (1909) 

Jos^h Florimond Duc de Loubat in Paris (1910) 

Hr. Hans Meyer in Leipzig (1911) 

Frl. Elise Koenigs in Berlin (1912) 

Hr. Georg Schweinfurth in Berlin (1913) 

- Leopold Koppel in Berlin (1917) 

- Rudolf Havenstein in Beriin (1918) 

- Heinrich Schnee in Berhn (1919) 



XXXI 



Verstorbene Inhaber der Medaille in Gold 

Henry T. von Böttinger (Elberfeld, 1909, -{- 1920) 
Otto von Schjerning (Berlin, 1916, -{■ 1920) 

h. Der Medaille in Silber 
Hr. Adolf Friedrich Lindemann in Sidmouth, England (1907) 

- Joliannes Bolle in Berlin (1910) 

- Albert von Le Coq in Berlin (1910) 

- Johannes llberg in Leipzig (1910) 

- Mas Wellmann in Potsdam (1910) 

- Robert Koldewey in Berlin (1910) 
Gerhard Hessenberg in Tübingen (1910) 
Werner Janensch in Berlin (1911) 

- Hans Osten in Leipzig (1911) 

- Robert Davidsohn in München (1912) 

- N. de Garis Davies in Kairo (1912) 

- Edtcin Hennig in Tübingen (1912) 

- Hugo Rabe in Hannover (1912) 

- Josef Emanuel Hibsch in Tetschen (1913i 

- Karl Richter in Berlin (1913) 

- Hans Witte in Neustrelitz (1913) 

- Georg Wolff in Frankfurt a. M. (1913) 

- Walter Andrae in Assur (1914) 

. - Erwin Schramm in Dresden (1914) 

- Ricliard Irvine Best in Dublin (1914) 
' Otto Baschin in Berlin (1915) 

- Albert Fleck in Berlin (1915) 

- Jiäius Hirschberg in Berlin (1915) 

- Hugo Magnus in Berlin (1915) 

- E. Dehes in Leipzig (1919) 

- C. Domo in Davos (1919) 

- Johannes Kirchner in Berlin (1919) 

- Edmund von Lippmann in Halle a. S. (1919) 
Freiherr von Schrötter in Berlin (1919) 

Hr. Otto Wolf in Berlin (1919) 

Verstorbene Inhaber der Medaille in Silber 

Karl Alexander von Martim (Berlin. 1907, -J- 1920) 
Karl Zentner (Berlin, 1910, f 1914) 
Georg Wenker (Marbui^, 1911, f 1911) 



xxxir 

Beamte der Akademie 

Bibliothekar und Archivar der Akademie: Dr. Sthamer, Prof. 

Archivar und Bibliothekar der Deutschen Kommission: Dr. Behrend, Prof. 

Wissenschaftliche Beamte: Dr. Dessau, Prof. (im Ruhestand). — Dr. Harms, Prof. — 

Dr. Karl Schmidt, Prof. — Dr. Frhr. Hiller von Gaertringen, Prof. — Dr. Bitler, 

Prof. — Dr. Apstein, Prof. — Dr. Paetsch, Prof. — Dr. Kuhlgatz, Prof. — Dr. 

Gaebler. — 

"Wissenschaftliche Hilfsarbeiter: Dr. Frhr. oon Künßberg, Prof (Heidelberg). — 

Dr. Grapow. — Dr. Hochstetter. — Dr. Siegling. — 

Registrator und Kalkulator: Grünheid. 

Kanzleiassistent: (fehlt z. Zt.). 

Hilfsarbeiterin in der Bibliothek: Fräulein Koch. 

Hilfsarbeiterin im Bureau: (fehlt z. Zt.). 

Hilfsarbeiterinnen im Bureau des «Tierreich«: Fräulein Luther. — Fräulein Born. 

Kastellan: Janisch. 

Akademiegehilfen: Hennig. — Siedmann {■/.. Zt. beurlaubt). 

Hilfsdiener: Glaeser. 



XXXIII ^ 



Vei-zeichnis der Koramissioneu, Stiftungs-Kuratoiien usw. 
Kommissionen ßa' wissenschaftUcfie Unternehmiingm der Akademie. 

Acta Bonissica. 
Hintze (geschäftsfiihrendes Mitglied). Meinecke. Kehr. 

Ägyptologisehe Kommission. 
Ermaii. Meyer. Schulze. Sethe (Göttingen). 

Außerakad. Mitglieder: Junker (Wien). H. Schäfer (Berlin). Spiegelberg 
(Heidelberg). 

Griechisch-römische Altertamskmide. 
Wilcken (Vorsitzender). Diels. von Wilamowitz-Moellendorfl'. Meyer. 
Schulze. Norden. Dragendorff. 

Corpus inscriptionum Etruscarum: Schulze. 
Corpus inscriptionum Latinaruni: Wilcken. 
Fronto-Ausgabe: Norden. 
Griechische Münz werke: Dragendorff. 
Inscriptiones Graecae: von Wilamowitz-Moellendorfl". 
Prosopographia imperii Romani saec. I — III: Wilcken. 
Strabo- Ausgabe: von Wilamowitz-Moellendorff. 

Corpus medicormu Graecorum. 
Diels. Sachau. von Wilamowitz-Moellendorff. 

Deutsehe Geschichtsquellen des 19. Jahrhunderts. 
Meinecke. Roethe. Schäfer. Hintze. Sering. Holl. Kehr. 

Deutsche Kommission. 
Roethe (geschäftstührendes Mitglied). Diels. Burdach. Schulze. Hintze. 

Kehr. Schröder (Göttingen). Seuffert (Graz). 
Außerakad. Mitglied: Wrede (Marburg). 

Dllthey-Kommission. 
Stumpf (geschäftsföhrendes Mitglied). Burdach. Roethe. Seckel. 



xxxtv 

Geschichte des Fixsternhimmels. 

G. Müller (geschäftsführendes Mitglied) 

Außerakad. Mitglied: Cohn (Berlin). 

Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen. 
Hintze (geschäftsfülirendes Mitglied). Meinecke. Kehr. 

Herausgabe der Werke Wilhelm von Humboldts. 
Burdach (geschäftsführendes Mitglied), von Wilamowitz-Moellendorff. 
Meinecke. 

Herausgabe des Ihn Saad. 
Sachau (geschäftsfährendes Mitglied). Erraan. Schulze. F.W. K. Müller. 

Kant -Ausgabe. 
Stumpf (Vorsitzender). Roethe. Meinecke. 
Außerakad. Mitglied: Menzer (Halle). 

Ausgabe der griechischen Kirchenväter, 
von Hamack (geschäftsführendes Mitglied), von Wilamowitz-MoellendorfF. 
Holl. Norden. Loofs (Halle). Jülicher (Marburg). 

Leibniz -Ausgabe. 
Stumpf (geschäftsführendes Mitglied). Planck, von Harnack. Roethe. 
Kehr. Schmidt. 

Oskar-Mann-Naehlaß-Kommission. 
Sachau. F. W. K. Müller. Schulze. Lüders. von Harnack. 

Nomenelator animalium generum et subgenerum. 
Kükenthal (geschäftsführendes Mitglied). Heider. 

Orientalische Kommission. 
Meyer (geschäftsführendes Mitglied). Sachau. Erman. Schulze. 

F. W. K. Müller. Lüders. 
Außerakad. Mitglied: Delitzsch (Berlin). 



, , XXXV 

„Pflanzenreich". 
Kngler (geschäftsüRhreudes Mitglied). Oorrens. 

„Tierreich". 
Kükentliai (geschäftsfiihrendes Mitglied). Heider. 

Herausgabe der Werke von WeierstraJß. 
Planck (geschätlsfülirendes Mitglied). Schmidt. 

Wörterbuch der deutschen Reehtssprache. 
Koetlic (geschäftsfulirendes Mitglied). Stutz. Heymanu. 
Außerakad. Mitglieder: Frensdorff (Göttingen). Huber (Bern). Frhr. von 

Künßberg (Heidelberg). Fi-iir. von Schwerin (Freiburg). Frhr. von 

Schwind (Wien). 



WissenschaftlicJte Unternehmungen, die mit der Akademie in Verbindimg stellen. 

Corpus scriptorum de musica. 
Vertreter in der General-Komnii.ssion: Stumpf. 

Luther-Ausgabe. 
Vertreter in der Kommission: von Harnack. Burdach. 

Monumenta Germaniae historica. 
Von der Akademie gewählte Mitglieder derZentral-Direktion: Schäfer. Hintze. 

Thesaurus der japanischen Sprache. 
Sachau Schulze. F. W. K. Müller. 

Sammlung deutscher Volkslieder. 
Vertreter in der Kommis.sion: Roethe. 

Wörterbuch der ägyptischen Sprache. 
Vertreter in der Kommi.s.sion : KrmHn. 



XXXVI % 

Reiehszentralstelle der naturwissenschaftliehen Berichterstattung. ' 

Planck (Vorsitzender). Schmidt. Rubens. Haber. Liebisch. Helluiann. 
G. Müller. 

Kommission für öffentliche Vorträge. 
Roethe. von Wilamowitz-Moellendorff. Penck. Rubens. 



Bei der Akademie errichtete Stiftungen. 

Bopp-Stiftung. 

Vorberatende Kommission (1918 Okt.— 1922 Okt.)! 

Schulze (Vorsitzender). Lüders (Stellvertreter des Vorsitzenden). Brandl 

(Schriftführer). Roethe. 
Außerakad. Mitglied: Brückner (Berlin). 

Charlotten-Stiftung für Philologie. 
Kommission. 
Diels. von Wilamowitz-Moellendorff. Schulze. Norden. 

Emil-Fischer-Stiftung. 
Kuratorium (1920 Nov. 1—1921 Okt. 31). 
Beckmann (Vorsitzender). Nemst. Haber. 
Außerakad. Mitglied: Hermann Fischer. 

Eduard-Gerhard-Stiftung. 

Kommission. 

Dragendorff (Vorsitzender). Wilcken. von Wilampwitz-Moellendorft". Meyer. 
Schuchhardt. 

De-6root-Stiftung. 
Kuratorium (1917 Febr.— 1927 Febr.). 
Lüders (Vorsitzender). F. W. K. Müller. 



XXXVII 

Max-Henoch-Stiftung. 
Kuratorium (1920 Dez. 1—1925 Nov. 30). 
Planck (Vorsitzender). Scliottky. Schmidt. Riiliens. 

Humboldt-Stiftung. 
Kuratorium (1921 .lau. 1—1924 Dez. 31). 
Kühner (Vorsitzender). Hellmann. 

Außerakad. Mitglieder: Der vorgeordnete Minister. Der Oherhürgermei.ster 
von Berlin. P. von Mendelssohn-Bartholdy. 

Akademische Jnbiläumsstiftung der Stadt Berlin. 

Kuratorium (1921 Jan. 1—1924 Dez. 31). 

Lüders (Vorsitzender). Planck (Stellvertreter des Vorsitzenden). Iloll. Ruhens. 
Außerakad. 31itglied: Der Oberhürirenneister von Berlin. 

Theodor-Mommsen-Stiftung. 
von Wilaraowitz-Moellendorff. Norden. Seckel. 

Stiftung zur Förderung der kirehen- und religionsgeschichtliehen Studien im 
Rahmen der römischen Kaiserzeit (saec. I —VI). 

Kuratorium (1913 Nov.— 1923 Nov.). 
von Harnack (Vorsitzender). Norden. 

Außerdem als Vertreter der theologischen Fakultäten der Universitäten Ber- 
lin: Holl, Gießen: Kroger, .Marburg: Jülicher. 

6raf-Loubat-Stiftung. 

Kommission (1918 Febr.~1923 Febr.). 
Sacliau. Seier. 

Paul-Rieß-Stiftung. 
Kuratorium (1920 Jan. 1-1925 Dez. 31). 
Planck. Beckmann. Rubens. 

t 



XXXA'III 

Albert-Samson-Stiftung. 

Kuratorium (1917 April 1—1922 März 31). 

Correns (Vorsitzender). Planck (Stellvertreter des Vorsitzenden). Ruitner. 
Orth. Penck. Stumpf. Fick. 

Hermann-und-Elise-geb.-Heckmann-Wentzel-Stiftimg. 
Kuratorium (1920 April 1—1925 März 31). 

Roetlie (Vorsitzender). Planck (Stellvertreter des Vorsitzenden). Erman 

(Schriftfiährer). Nernst. Haberlandt. von Harnack. 
Außerakad. Mitglied: Der vorgeordnete Minister. 



ABHANDLUNGEN 

DER PREUSSISCHEN 

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

JAHRGANG 1921 

PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 



NrI 



DIE PHILOSOPHISCHEN GRUNDLAGEN 
VON HELMHOLTZ' WAHRNELIMUNGSTHEOHIE 

KRITISCH ERLÄUTERT 

r 

VON 

BENNO ERDMANN t 



BERLIN 1921 

VERLAG DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

IN KOMMISSION BEI DKR 
VEREINIGUNG WISSENSCUAtTI.lCIi™ VERLEGER WALTER DE GRUYTER U. CO. 

VORXAI.S O. J. UÖMHKirSI'HE VtRl.A(i8llANDU;NG. 1. ODTTOITAG. VERLA(i3BDCHHANI)I.t'N(;. 
UEORU REIXUl. KARL J. TROUNER. VKITU. (OXP. 



iii- 



Gelesen in der Gesamtsitzung am 20. Januar 1921. 
Zum Druck genehmigt am 2. März 1921, ausgegeben am 26. Mai 1921. 



Vorwort. 

J./ie nachstehende Untersuchung hat das Ziel, den philosophischen Gehalt der Wahr- 
nehmungstheorie von Helmholtz gegenüber den vielfachen Mißverständnissen, denen sie 
von Anfang an ausgesetzt war, und den aus ihnen abgeleiteten Bedenken zu erläutern. Sie 
soll damit angesichts der zahlreichen, aber vielfach auseinanderlaufenden zeitgenössischen 
Einzelarbeiten zur Sinneswahrnehmung auf Helmholtz" grundlegenden Versuch einer zu- 
sammenfassenden Darstellung der Wahrnehmungsprobleme zurückverweisen. Sie hat zu- 
gleich eine persönliche Note. Es ist mir ein Bedürfnis, voll bewundernder Verehrung ein 
Zeugnis dafür abzulegen, welch entscheidende Anregungen ich dem frühen Studium von 
Helmholtz' Schriften verdanke. Der Versuch, in diese seine Lehren einzudringen und sie, 
wo ich nicht zuzustimmen vermochte, umzuarbeiten, hat auf mein jugendliches Denken 
vor allem richtunggebend gewirkt. Was speziell an meinen reproduktionspsychologischen 
Arbeiten wertvoll sein mag, geht für mein Bewußtsein auf diese frühen Anregungen zurück. 
Helmholtz" Schriften und die neben ihnen auch für den hier vorliegenden Zweck 
imentbehrliche Biographie von Koenigsberger sind allgemein zugänglich. Ich habe des- 
halb bei der Drucklegung die wörtlichen Zitate aus diesen Quellen nicht durch die äußer- 
liche Mosaik von Anfiihrungsstrichen kenntlich machen lassen. Wo ich so zu zitieren hatte, 
sind die Belegstellen in den Anmerkungen durch fetten Druck kenntlich gemacht. 



Berlin-Lichterfelde, den 22. November 1920. 



Benno Erdmann. 



Abkürzungen. 

0': Helmholtz, Handbuch der physiologischen Optik, Leipzig 1856 — 67. 

" , » » » » , 2. Aufl., Leipzig 1886 — 95. 



O' 



O: 



T' 
T 

vi,n 
Ai,u,m 

E 
KI, U, III 



Der hier bcsondei-s häufig benutzte § 26 der Optik ist in O" durchgreifend uiiigearteitet. 
Nicht viele Partien von O' sind -- umgestellt — beibehalten. In den durch ein n am Rande 
als neu bezeichneten Teilen sind beträchtliche Abschnitte aus der Rede über die Tatsachen in 
der Wahrnehmung (VII 213 — 247) aufgenommen. Andere Bestandteile des Paragraphen geben, 
fast nur redaktionell geändert, die aus dem ursprünglichen Manuskript herausgenommene Ab- 
handlung über den Ursprung der richtigen Deutung unserer Sinneseindrücke wieder; vgl. A IIT, 
VIII, 536 f. 

Der beiden Auflagen gemeinsame, in 0' durch RandzifFern der Seitenzahlen von 
0' bezeichnete Text. 

Von der posthumen dritten Auflage, Hambui'g und Leipzig 1909 — 191 1. war hier abzusehen 
Helmholtz, Die Lehre von den Tonempfindungen, Braunschweig 1862. 

»,»>.». » , * 1877. 

» , Vorträge und Reden', Braunschweig 1903. 

» , Wissenschaftliche Abhandlungen, Leipzig 1882, 1883, 1895. 

» , Einleitung zu den Vorlesungen über theoretl.sche Physik, Lei{)zig 1 903. 
L. Koenigsberger, Hermann von Helmholtz, Braunschweig 1902 — 03. 



E R D M A N N : 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung: Aufgabe und Methode 5 — 6 

Die erkenntnistheoretischen Annahmen 6 — 17 

Frühe physikalische und philosophische Einflüsse. 
Das Wirkliche und das Reelle. 

Topogene und hylogene Momente. 

Das Kausalgesetz. . 
Stellung zur Philosophie. 

Die Axiome der Geometrie, Helmholtz und Kiemann. 
Das Grundproblem der Erkenntnistheorie. 

Die psychologischen Annahmen i -j ji 

Vorläufer, J. Müller. 

Das psychologische Problem. 

Helmholtz und Schopenhauei'. 
Die Arten der psychischen Tätigkeiten. 

Der passive Wahrnehmungsbestand. 

Der aktive Wahrnehmungsbestand. 
Die assoziativen Bedingungen. 

Die logischen Annahmen ^j ,- 

Die Deutung des Syllogismus. 

Die Hypothese der unbewußten Schlüsse. 

Induktion und Kausalgesetz. 

Die Synthese : die Zeichentheorie , ^ . j 

Die Empfindungen als Zeichen. 
Die Abbildung des Wirklichen. 
Der Sinn der Wahrheit. 

Schlußbemerkungen: Ergänzendes und Zusammenfassendes 41—45 



Die philosophiscJien Grundlagen von Uebnhultz' Wahrnehmunystlieoric . 



rlelmholtz" Theorie der Sinneswahrnehmung hat nocli vor und neben der ihr prinzipiell 
entgegenstrebenden Theorie Herings die Grundlage abgegeben, an der alle späteren Unter- 
suchungen der liierhergehörigen Fragen orientiert worden sind. Dieser Einfluß wird be- 
greiflich, wenn man die Leistungen von Helmholtz' beiden physiologischen Hauptwerken 
mit dem vergleicht, was auf den Gebieten der optischen und akustischen Wahrnehmungs- 
lehren vorher vorhanden war. Die Anerkennung, die W. v. Bezold in seiner Gedächtnis- 
rede dem Handbuch der physiologisclien Optik gezollt hat, gilt, wie von Du Bois-Reymond 
gleichzeitig betont worden ist, nicht weniger auch für die Lehre von den Tonempfindungen. 
Die Optik, urteilt v. Bezold, »darf wohl als eines der bedeutendsten Bücher bezeichnet werden, 
die je geschrieben worden sind, da ihm an Vollständigkeit, Reichtum neuer Gedanken und 
früher unbekannter Tatsachen, Zuverlässigkeit des gesamten Inlialts und Klarheit der Dar- 
stellung nur wenige an die Seite gesetzt werden können ' « . 

Ebenso begreiflicli aber ist, daß Helmholtz' Theorie — ähnlich wie Herings — im 
ganzen wie im einzelnen fast nur eingeschränkte Zustimmung oder scharfen Widers])ruch ge- 
funden hat. Mit der ihm eigenen Vorsicht hat er selbst erklärt, daß unsere Kenntnis der 
hierhergehörigen Erscheinungen noch nicht so vollständig ist, um nur eine Theorie zu er- 
lauben und jede andere auszuschließen. Und noch heute gilt, was er damals schrieb: 
Bei der Wahl zwischen den verschiedenen theoretischen Ansichten scheint mir unter diesen 
Umständen bisher mehr eine Neigung zu gewissen metaphysischen Betrachtungsweisen 
als der Zwang der Tatsachen ihren Einfluß auf die verschiedenen'jForscher ausgeübt zu 
haben, namentlich da in dem psychologischen (iebiete noch prinzipielle Fragen hinzu- 
kommen, die in dem Bereiche der unorganischen Naturerscheinungen längst vollständig be- 
seitigt sind*. 

Ganz leicht ist das Verständnis von Helmholtz' Wahrnehmungstheorie nicht zu er- 
werben. Sie hat sich allerdings im Verlauf von vier Jahrzehnten in seltener Kontinuität von 
philosophisclien Grundgedanken aus entwickelt, die ihm schon Anfang der fünfziger Jahre 
feststehen. Aber diese Grundgedanken sind durch eine so verwickelte wie originale Syn- 
these ineinander verschlungen und müssen in ihrem einheitlichen Zusammenhang aus den 
beiden Hauptwerken sowie zahlreichen vorschieden orientierten Abhandlungen, Vorträgen 
und Reden herausgelesen werden. So war und ist der Mißverständnisse und auf sie ge- 
gründeter Einwürfe kein Ende. 

Eine Darstellung und kritische Erläuterung der philosophischen Grundgedanken von 
Helmholtz' Wahmehmungstheorie in der hier versuchten Weise, die durchaus nur dem 
Verständnis dienen soll, fehlt bislier. Aber sie ist gerade gegenwärtig angezeigt. Die 



' V. Bezold, H. V. Helmholtz, I^eipzig 1895; Du Bois-lteyinoiid, Gedächtni.sie !e, jetzt in seinen Reden II, 
Leipzig 19 12. 

-' 0796, vgl. 819. ()' 441. 



(i K K I) mann: 

Einzelarbeit auf diesem Gebiete ist in vollem Fluß. Die Strömungen des philosophischen 
Denkens überhaupt und des psychologischen insbesondere laufen jedoch auf Grund tief- 
greifender Zersetzungen und noch tastender Aufbauversuche wirr durcheinander. Freilich 
ist damit zugestanden, daß auch die nachstehende Erläuterung durch Parteinahme für und 
wider mitbedingt ist. Reine, parteilose Objektivität würde jedoch, wenn sie überhaupt 
möglich wäre, jedes eindringende Verständnis ausschließen. Alles Verstehen fremder Ge- 
dankengänge setzt Kenntnis des fragliclien Sachverhalts und eigene Stellungnahme zu ihm 
sowie zu der zu prüfenden Leistung voraus'. 

Auch eine unaufhebbare Schwäche des Vorzugs, den eine kritisch erläuternde Ana- 
lyse gewährt, sei vorweg zugestanden. Die philosophischen Gedankenglieder, die in 
Helmholtz" Denken von vornherein vereinigt waren, müssen vorerst möglichst reinlich 
voneinander getrennt werden. Weniger besagt, daß die zahlreichen psychophysiologischen 
Daten, die das Fundament von Helmholtz' Wahrnehmungslehre bilden, ffir den vorliegen- 
den Zweck nur gestreift werden durften. Die philosophischen Annahmen, die zu ihrer 
Erklärung von Helmholtz herangezogen worden sind, können unschwer von ihnen abge- 
löst und verständlich gemacht werden. 

Drei Reihen leitender philosophischer Gedanken lassen sich auf diese Weise in Helm- 
holtz' Wahrnehmungslehre vorläufig scheiden: erkenntnistheoretische, psycholo- 
gische und logische. 



Die ursprüngliche und philosophisch bedeutungsvollste ist diejenige, die wir nach 
Helmholtz' Sprachgebrauch als erkenntnistheoretische zu bezeichnen haben. 

In der Gedenkrede an seinem siebzigsten Geburtstag hat er selbst darauf hinge- 
wiesen, daß ihm das Interesse an erkenntnistheoretischen Fragen schon in der Jugend 
durch Gespräche seines Vaters mit Verehrern von Kant oder Hegel eingeprägt ward. 
Sein Vater hatte bei warmer Religiosität einen tiefen Eindruck von Fichtes Idealismus 
behalten. Anscheinend war es das noch früher erwachte geometrisch-physikalische Denken, 
das dem jungen Studenten der Medizin aus Anlaß dieser Anregungen den Weg zum Ein- 
dringen in die kritischen Lehren Kants geebnet hat. Er glaubt noch 1871 urteilen zu 
dürfen: Man kann nicht verkennen, daß der jugendliche Kant, seiner Neigung und An- 
lage nach, vorzugsweise Naturforscher war. Und er schreibt von sich selbst: Die Physik 
war eigentlich von jeher die Wissenschaft, der sich mein Interesse hauptsächlich zuge- 
wendet hatte; zur Medizin und durch sie zur Physiologie wurde ich wesentlich durch 
äußere zwingende Umstände geführt. Was ich in der Physiologie geleistet habe, basiert 
wesentlich auf physikalischem Boden. Jedenfalls kannte er Kants Lehren, als ihn seine 
Untersuchungen über Sinnesenipfindungen und Sinneswahrnehmungen auf das Gebiet der 
Erkenntnistheorie führten. So wird ihm seit dem Anfang der fünfziger Jahre, zu einer 
Zeit, in der Schopenhauers Bekenntnis zu Kants transscendentaler Ästhetik noch so gut 
wie unbeachtet war, Kant zum einflußreichsten Begründer der Erkenntnistheorie. Kant 
hat nach Helmholtz" oft und bis zuletzt betonter Deutung in der Kritik der reinen Ver- 
nunft den wesentlichsten Schritt getan, um die Frage nach den Bedingungen der Sinnes- 

' Außer den im Text zitierten Gedächtnisreden von v. Bezold und Du Bois-Reymond sowie der Abhand- 
lung von Fr. Cotirat seien hier die Scliriften und Aufsätze von Fr. Zöllner (1872), W. Tol.ias (1875), J. O. N. Land 
(1877, Mind II), A. Krause (1878), .1. Schwertschlager (1883). K. Utas (1884, Id. u. pos. Erkth. Ill), .1. H. Hvslop 
(i89r, Wind XVI), 0. Stumpf (1895, Archiv f Gesch. der Philos. VIII). J. V. llupfelder (1897), AI. Riehl ('1904. 
Kantstudien IX), v. Kries (in der dritten Auflage von Helmholtz' Optik, insl)esondere II 1911, S. s=;4f-. III iQio 
S-458f-, 534 <•) genannt. ^. y 



]yie philosophischeil (irundlaycn von ttdmholtz' Wahrnehmungsthroric. 7 

Wahrnehmung auf den richtigen Standpunkt zu stellen, sofern er allen reellen Inhalt aus 
der Erfahrung ableitete, von diesem aber unterschied, was in der Form unserer Anschau- 
ungen und Vorstellungen durch die eigentümlichen Fähigkeiten unseres Geistes bedingt 
ist. Das reine Denken a priori kann nur formal richtige Sätze ergeben, die als notwen- 
dige Gesetze des Denkens und Vorstellens allerdings absolut zwingend erscheinen, aber 
keine reale Bedeutung für die Wirklichkeit haben, also auch niemals irgendeine Folge- 
rung über Tatsachen einer möglichen Erfahrung zulassen können'. 

Der volle Sinn dieser Erklärung kann erst allmählich deutlich werden. 

Vorerst sei betont, daß die ihr angeschlossene Bemerkung nicht mißverstanden werden 
darf, welche besagt: In dieser Auffassung ist die Wahrnehmung anerkannt als eine Wirkung, 
welche das wahrgenommene Objekt auf unsere Sinnlichkeit hat, welche Wirkung in ihren 
näheren Bestimmvmgen ebensogut abhängt von dem Wirkenden wie von der Natur dessen, 
auf welches gewirkt wird. Was Helmholtz hier unter dem wahrgenommenen wirkenden 
Objekt versteht, ergibt sich, wenn wir hinzunehmen, daß er 1878 Land gegenüber mit 
vollem Recht erklärt, er habe sein Leben lang gegen die Voraussetzung gekämpft, that 
empirical knoicledge is acquired by si7nple importatian or lyy cmintrrfeit, and not by peadiar Operations 
of (he mind, soUicited hy variims impulses from an unknown reality. Er hat es auch späterhin 
überflüssig gefunden, auseinanderzusetzen, daß es eine contradictio in adjecto sei, das Reelle 
oder Kants ,Ding an sich' in positiven Bestimmungen vorstellen zu wollen, ohne es doch 
in die Form unseres Vorstellens aufzunehmen. Gemeint ist also mit dem wahrgenommenen 
Objekt — ähnlich, aber, wie wir sehen werden, nur älinlich wie bei Kant — das, was 
hinter dem Wechsel der F>scheinungen stehend auf uns einwirkt, nämlich nach einer 
sehr glücklichen Bezeichnimg unserer Sprache ,das Wirkliche'. Hierin ist nur das Wirken 
ausgesagt; es fehlt die Nebenbeziehung auf das Bestehen als Substanz, welche der Begriff' 
des Reellen, d. h. des Sachlichen, einschließt. ...Über die Verschiedenheit der reellen 
Bedingungen, unter denen die Wahrnehmungen sich gebildet haben, über das eigentlich 
Reelle, was den Erscheinungen zugrunde liegt, wissen wir nichts, d. h. wir können 
nur hypothetisch Gültiges von ihnen aussagen". 

Machen wir mit Helmholtz über die Natur der Bedingungen, unter denen Vorstellungen 
entstehen, gar keine Voraussetzimgen, so haben wir aus den Tatsachen des Wahrnehniungs- 
bewußtseins nur zweierlei zu erschließen. Daß erstens ein Objekt an einem bestimmten 
besonderen Orte erscheint und nicht an einem anderen, wird abhängen müssen von der 
Art der realen Bedingungen, welche die Vorstellung hervorrufen . . ., von irgendwelchen 
Verhältnissen oder Komplexen von Verhältnissen in dem Realen, welche bestimmen, an 
welchem Orte im Räume uns ein Objekt erscheint, d. i. in Helmholtz' Namengebung 
von topogenen Momenten, von deren Natur wir nichts wissen. Und daneben 
muß es im Gebiete des Realen andere Ursachen geben, welche bewirken, daß wir zu ver- 
schiedener Zeit am gleichen Orte verschiedene stoffliche Dinge von verschiedenen Eigen- 
schaften wahrnehmen, d. i. hylogene M omente , von deren Natur wir natürlich eben- 
sowenig wissen^. 

Damit ist festgestellt, was wir in abstrakter Sprache und ohne jede besondere Vor- 
au.ssetzung über die Natur des Realen . . . unter einer einzigen Voraussetzung annehmen 
müssen. Denn nur die Voraussetzung des Kausalgesetzes ist festgehalten, daß näm- 
lich die mit dem Charakter der Wahmehnmng in uns zustande kommenden Vorstellungen 

' V 1 17: K I 7, 56. — Zu Kant s. vorerst die Urteile V II 56. V 1 88. KI 30. -~ Helmholtz über sein 
physikiilisches Denken KII 115, V I 7 f., 169, V II 314. — O 456. 

. ■' O 456, A II 655, V II 242, 241 =:. O' 51*3, 592, A II 656 ---- VII 402. 
' All 656 r. = VII 402 f. 



,S E R I) IM A N N : 

nach festen Gesetzen zustande kommen, so daß, wenn verschiedene Wahrnehmungen sich 
uns aufdrängen, wir berechtigt sind, daraus auf Verschiedenheit der reellen Bedingungen 
zu schließen, unter denen sie sich gebildet haben'. 

Die abstrakte Natur dieser Erörtenmg erklärt sich daraus, daß in ihr alle die mehr 
oder minder wahrscheinlichen Hypothesen über das den Erscheinungen zugrunde liegende 
Reelle gleicherweise enthalten sind. Die Repräsentanten solcher Hypothesen sind für 
Helmholtz die realistische und die idealistische. Jene nimmt an, daß die Dinge, 
welche wir objektiv wahrnehmen, reell bestehen und auf unsere Sinne wirken ... sie 
bleibt ganz im Gebiete des objektiven und realistischen Standpunktes des Naturforschers, 
wobei die begriffliche Fassung der Naturgesetze der Endzweck ist, und die Kenntnis 
durch Anschauung nur eine erleichternde Hilfe, beziehlich ein zu beseitigender falscher 
Schein. Diese dagegen ist in ihrer extremsten Form ein System des subjektiven Mea- 
lismus, welches das Leben als Traum betrachten wollte ; gemilderter und ethisch gewendet 
findet sie sich in der Lelire Fichtes vom absoluten Ich. Helmholtz urteilt: Ich kann 
nicht umhin, selbst den extremsten subjektiven Idealismus als eine mögliche und in sich 
konsequente Hypothese anzusehen. Man könnte ein solches System für so unwahrschein- 
lich, so unbefriedigend wie möglich erklären — ich würde in dieser Beziehung den 
härtesten Ausdrücken der Verwerfung zustimmen, aber konsequent durchführbar wäre es'. 

Diese 1878 von Helmholtz veröffentlichten Ausführungen bilden den zeitlichen Abschluß 
seiner erkenntnistheoretischen Annahmen. Es bedarf keines Beweises, daß sie auf dem 
Boden von Kants realistisch gedeutetem Kritizismus gewachsen sind. Ausdrücklich hat 
er die Meinung vieler moderner Kantianer, daß . . . das Ding an sich nur ein trans- 
scendentaler Schein sei, abgewiesen. Aber es ist fürs erste ein naturwissenschaftlich 
umgebildeter kritischer Realismus: das Reelle ist, wenn auch nur durch schließlich un- 
verificierbare Hypothesen, erkennbar. Den frühen Ursprung dieses Realismus bezeugt eine 
noch stark kantisch gefärbte Aufzeichnung, die nach Koenigsberger, der sie abgedruckt 
hat, noch einige Jahre vor 1847 niedergeschrieben ist. Es heißt in ihr: Naturwissen- 
schaft hat zum Objekte denjenigen Inhalt unserer Vorstellungen, welcher von uns als 
nicht durch die Selbsttätigkeit unseres Vorstellungsvermögens erzeugt angeschaut wird, 
d. h. also das als wirklich Wahrgenommene^. 

Die in diese Bemerkung eingeschlossene Voraussetzung des Kausalgesetzes kommt 
in der Einleitung zvi dem Aufsatz über die Erhaltung der Kraft, bei der er, wie ein 
gleichzeitiger Brief besagt, alles über Bord geworfen hatte, was nach Philosophie roch, 
in physikalischer Wendung zu deutlichem Ausdruck: Aufgabe der physikalischen Wissen- 
schaften ist es, einmal die Gesetze zu STichen, durch welche die einzelnen Vorgänge in 
der Natur auf allgemeine Regeln zurückgeleitet und aus den letzteren wieder bestimmt 
werden können. Diese Regeln . . . sind offenbar nichts als allgemeine Gattungsbegriffe, 
durch welche sämtliche dahin gehörige Erscheinungen umfaßt werden . . . Der theoretische 
Teil der physikalischen Wissenschaften sucht . . . die unbekannten Ursachen der Vorgänge 
aus ihren sichtbaren Wirkungen zu finden; er sucht dieselben zu begreifen nach dem 
Gesetze der Kausalität. Wir werden genötigt und berechtigt zu diesem Geschäfte durch 
den Grundsatz, daß jede Veränderung in der Natur eine zureichende Ursache haben 
müsse ... Das endliche Ziel der theoretischen Naturwissenschaften ist also, die letzten, 
unveränderlichen Ursachen der Vorgänge in der Natur aufzufinden\ 

' A II 648 — V II 394, A II 655 f. = V II 401 f. 

^AII656 VII 402, All 648 V II 394. A II 655 - V II 401 : V II 238 = 0' V)=; 
' VII 242 =0^ 593, KU 126 f. 
* KI 68, 72, 77 f.. AUS, 18. 



Dif philosophi-ichf^n (irundlagrn von tielmholtz' Wahmehmmgsthporip . 9 

An der Apriorität des Kausalgesetzes hat Helmholtz in seinen Druckschriften stets, 
wenn auch in wechselnder Begründung und schließlich in völliger Umbildung des Kanti- 
schen Sinnes festgehalten. In dem Vortrag über das Sehen des Menschen (1855) wird 
sie aus der Voraussetzung abgeleitet, daß wir nur Wirkungen der Gegenstände der 
Außenwelt auf unsere Nervenapparate, nicht diese Gegenstände selbst unmittelbar wahr- 
nehmen, also die Gegenwart äußerer Objekte als Ursache unserer Nervenerregung voraus- 
setzen müssen; denn es könne keine Wirkung ohne Ursache sein. Das aber sei kein 
Erfahrungssatz. Er entstamme nicht der äußeren Erfahrung. Da wir ihn nach dem 
Angeführten brauchen, um nur überhaupt zu der Erkenntnis zu kommen, daß es Objekte 
im Räume um uns gibt, zwischen denen ein Verhältnis von Ursache und Wirkung be- 
stehen kann. Wir können ihn auch nicht aus der inneren Erfahrung hernehmen; denn 
wir betrachten die selbstbewußten Akte unseres Willens imd Denkens gerade als frei, 
d. h. wir leugnen, daß sie notwendige Wirkungen zureichender Ursachen sind. Also 
fahre uns die Untersuchung der Sinneswahrnehmungen ... zu der schon von Kant gefundenen 
Erkenntnis, daß der Satz »keine Wirkung ohne Ursache« ein vor aller Erfahrung gegebenes 
Gesetz unseres Denkens sei, d. i. zu dem außerordentlichsten Fortschritt, den die Philo- 
sophie durch Kant gemacht habe. Ebendiese Begründung kehrt in ()' wieder. Sie wird 
nur durch den hier direkt gegen Stuart Mill gerichteten Nachweis ergänzt, daß es mit 
dem empirischen Beweise des Gesetzes vom zureichenden Grunde — den Helmholtz also 
mit dem Kausalgesetz ineinssetzt — äußerst mißlich aussehe. Wenig später tritt der 
Gedanke in den Vordergrund, daß wir, wo wir ein Naturgesetz vollständig kennen, Aus- 
nahmslosigkeit seiner Geltung fordern und diese zum Kennzeichen seiner Richtigkeit 
machen müssen. Die so bedingte Notwendigkeit ist eine objektive: Wenn wir ims 
vergewissern können, daß die Bedingungen eingetreten sind, unter denen das Gesetz zu 
wirken hat, so müssen wir auch den Erfolg eintreten sehen ohne Willkür, ohne Wahl, 
ohne unser Zutun mit einer die Dinge der Außenwelt ebenso gut wie unser Wahrnehmen 
zwingenden Macht, also als objektive Macht. Dementsprechend finden wir noch in 0% 
in der die kritische Auseinandersetzung mit Stuart Mill aus O' fehlt, die Erklärung: das 
Kausalgesetz jst wirklich ein a priori gegebenes, transscendentales Gesetz. Und Helmholtz 
findet sich dabei noch auf dem Boden des Kantischen Systems in dem, was ihm immer 
als der wesentlichste Fortschritt in Kants Philosopliie erschienen sei, so daß er in diesem 
Sinn . . . häufig die Übereinstimmung der neueren Sinnespliysiologie mit Kants Lehren 
betont habe'. 

Aber Helmholtz" Berufung auf Kant für seine Deutung des Kausalgesetzes darf so- 
wenig wie der Hinweis auf die Übereinstimmung der Kantischen Lehre in diesem Punkt 
mit der neueren Sinnespliysiologie wörtlich verstanden werden. 

Helmholtz hat fürs erste (1881) erklärt, daß die philosophischen Erörterungen der 
Einleitung zu seinem Aufsatz über die Erhaltung der Kraft durch Kants erkenntnistheore- 
tische Ansichten stärker beeinflußt seien, als er jetzt noch als richtig anerkennen möchte. 
Schon in O" schließt er seine Erörterung des Gesetzes mit der Bemerkung: das Gesetz 
vom zureichenden Grunde ist vielmehr nichts anderes als die Forderung, alles begreifen 
zu wollen. . . . Naturgesetze sind nichts als Gattungsbegriffe für die [als Ursachen und 
Wirkungen gedachten] Veränderungen in der Natur. Indem wir aber die Naturgesetze 
als gültig und wirksam betrachten müssen, unabhängig von unserem Beobachten und Denken, 
während sie als GattTnigsbegriffe ziinäclist nur die Ordnung unseres Denkens betreflen 
würden, nennen wir sie Ursachen und Kräfte. Wenn wir also Naturerscheinmigen nicht 

' V I llSr.; 0> 453; V I 375, K § 6: V II 244; V II 243 =r ()> 594. V II 244. 
Phil.-hist. Abh. 1921. Nt. 1. 2 



lö ERD^fANN: 

auf ein Gesetz zurückfiiliren können, also auch das Gesetz niclit objektiv gültig als Ursache 
der Ersclieinungen hinstellen können, so hört eben die Möglichkeit auf, die Erscheinungen 
zu begreifen . . . Somit ist das Gesetz vom zureichenden Grunde eigentlich nichts anderes als 
der Trieb unseres Verstandes, alle unsere Wahrnehmungen seiner eigenen Herrschaft zu 
unterwerfen, nicht ein Naturgesetz. . . . Ebenso wie es die eigentümliche Tätigkeit 
unseres Auges ist, Lichtempfindung zu haben . . ., ist es die eigentümliche 
Tätigkeit unseres Verstandes, allgemeine Begriffe zu bilden, d. h. Ursachen zu 
suchen, und er kann die Welt also begreifen nur als kausalen Zusammenhang. Das sind 
in der Tat, wie keiner Ausführung bedarf, nicht mehr Gedankengänge der transscendentalen 
Methode Kants, sondern von naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten aus geformte Um- 
bildungen seiner Lehre'. 

Eben diese Bestimmungen über den Ursprung des Kausalgesetzes und die Weclisel- 
beziehungen von Gesetz, Ursache und Kraft wiederholen sich in den Reden über das Ziel 
und die Fortschritte der Naturwissenschaft (1869), die Tatsachen in der Wahrnehmung 
(1878) und in der Einleitung zu den Vorlesungen über theoretische Physik (1893). Sie 
erleiden jedoch weitere von Kant abführende Modifikationen. Der »Trieb unseres Ver- 
standes«, an dem festgehalten wird, wird zu einem »Vertrauen auf die Gesetzmäßigkeit 
und damit auf die Begreifbarkeit der Naturerscheinungen«. Das Vertrauen auf die voll- 
kommene Begreifbarkeit der Welt reicht weiter, als der Ausdruck »Naturerscheinungen« 
im ersten Augenblick verrät: Das Gesetzmäßige ist . . . die wesentliche Voraussetzmig 
für den Charakter des Wirklichen überhaupt mit Einschluß der gesetzmäßigen Folgen un- 
serer Willensimpulse, allgemein aller Daten, die uns die Wahrnehmung der Vorgänge in 
unserem Seelenleben liefern. Denn auch die Vorgänge, von denen uns unsere innere 
Anschauung berichtet, schließt Helmholtz ausdrücklich unter den Begriff der wirklichen 
Vorgänge ein. Das Gehii-n ist dementsprechend als Organ des Bewußtseins, wie ihm früh 
feststeht, auch das Organ des Willens. Li seinen älteren Begründungen der Apriorität 
des Kausalgesetzes spielt allerdings der Umstand eine Rolle, daß wir in den Tieren (!) 
und im Menschen nach den Aussagen unseres eigenen Bewußtseins ein Prinzip des freien 
Willens annehmen, für welches wir ganz entschieden Unabhängigkeit von der Strenge des 
Kausalgesetzes in Anspruch nehmen, und . . . unser natürliches Bewußtsein wird sie, glaubt 
er, kaum jemals loswerden. Aber diese und ähnliche Wendungen sind doch deutlich 
nur als Ausdrücke eines allgemein verbreiteten Glaubens, nicht aber als Anerkennung seiner 
Gültigkeit gemeint. Schon das Vorstehende und mehr noch der Gesamtcharakter alles 
Folgenden schließt eine solche Anerkennung völlig aus. Die Wendungen werden aus Er- 
innerungen an die Freiheitslehre Kants entsprungen sein. Aber diese ethische Lehre und 
ihre metaphysische Fundierung durch den mundus intelligibilis ist seinem naturwissen- 
schaftlichen Realismus von vornherein fremd geblieben". 

Die scheinbare Übereinstimmung mit Kants Apriori geht dem Kausalgesetz bei Helm- 
holtz sogar noch weiter verloren, als seine Parallele desselben mit der »Tätigkeit« unserer 
Sinnesorgane anzeigt, auch wenn wir den »Trieb des Verstandes« in seinem dunklen 
Sinne beiseitesetzen. Bei Kant ist die absolute Gültigkeit der Kategorien, also auch 
der Kausalität, durch ihren spontanen, letztlich intelligibelen Ursprung verbürgt. Die 
Kategorien sind in seiner Sprache »konstitutive« Bedingungen für die Möglichkeit der Er- 
fahrung. Für Helmholtz ist das Kausalgesetz das regulative Prinzip unseres Denkens . . ., 
für dessen Anwendbarkeit wir keine weitere Bürgschaft haben als den Erfolg. Es bleibt 



AI 68, VI 115 Anm., A 11 642, O- 454f. 

All 642, VII 243 r. (> 593; __ A 11 872, 877 f., 882; — 0-454, AI 13, V I 116, 190. 



Die philosophischen Grundlagen von Helmholtz' Wahmehmungstheorie. 1 1 

unter seiner Voraussetzung immer ein Induktionsschluß, daß es auch in Zukunft gültig 
sein werde, selbst wenn eine vollendete Erfahrung auch lehrte, daß alles bisher Beobachtete 
gesetzmäßig verlaufen ist. Wie stark Helmholtz diesen offensichtlich hypothetischen Ein- 
schlag in seine Kausalitätsdeutung wenigstens gelegentlich empfand, lehrt eine von Koenigs- 
berger veröffentlichte Nachlaßaufzeichnung, die ich vollständig hersetze: Das Kausalgesetz 
(die vorausgesetzte Gesetzmäßigkeit der Natur) ist nur eine Hypothese und nicht 
anders erweisbar als eine solche. Keine bisherige Gesetzmäßigkeit kann künftige Gesetz- 
mäßigkeit erweisen. Der einzige Beweis aller Hypothesen ist immer: prüfe, ob es so 
ist . . . Den übrigen Hypothesen, welche besondere Naturgesetze aussagen, gegenüber hat 
das Kausalgesetz nur folgende Ausnahmestellung: i. Es ist die Voraussetzung der Gültig- 
keit aller anderen. 2. Es gibt die einzige Möglichkeit für uns überhaupt, etwas nicht Be- 
obachtetes zu wissen. 3. Es ist die notwendige Grundlage für absichtliches Handeln. 
4. Wir werden darauf hingetrieben durch die natürliche Mechanik unserer Vor- 
stellungsverbindungen. Wir sind also durch die stärksten Triebfedern getrieben, es 
richtig zu wünschen; es ist die Grundlage alles Denkens und Handelns. p]he wir es 
nicht haben, können wir es auch nicht prüfen; wir können also nur daran glauben, 
danach handeln, und werden es bei richtiger Prüfung bewährt finden; wir müssen den 
Erfolg vorausdenken, dann ist der Erfolg eine Bestätigung. Wir müssen uns bewußt sein, 
daß wir den Erfolg voraus erwartet haben, dann werden wir des Gesetzes bewußt. 
Denken heißt die Gesetzmäßigkeit suchen; urteilen heißt sie gefunden haben. Ohne 
Kausalgesetz also kein Denken. Kein Denken ohne Anerkennung des Kausalgesetzes ist 
also eine Tautologie: es fragt sich, ob wir zum Denken berechtigt sind und ob 
das einen Sinn hat; dieser Sinn läßt sich nur durch die Handlung (innere oder äußere) 
erweisen'. 

In seinen Schriften hat Helmholtz diese Konsequenz nicht ausdrücklich gezogen, 
wenn man zu ihren Gunsten nicht Wendungen heranziehen will, wie den Satz, daß jede 
richtig gebildete Hypothese ihrem tatsächlichen Sinne nach ein allgemeineres Gesetz der 
Erscheinungen hinstellt, als wir bisher unmittelbar beobachtet haben; sie ist ein Ver- 
such, zu immer allgemeinerer und umfassenderer Gesetzlichkeit aufzusteigen. Wie in 
der zweiten Auflage der Optik bleibt er in der Einleitung zu den Vorlesungen über 
theoretische Physik vom Jahre 1893 darauf bestehen, daß wir ohne das Kausalgesetz aus 
keiner vor sich gehenden Erscheinung schließen können, daß sie von einer bestimmten 
Ursache ausgehen müsse ... Es ist daher der Kausalitätssatz in der Tat ein von formalen 
Bestimmungen unseres Denkvermögens abhängiger Satz a priori; denn wir könnten . . . 
nicht zu der Vorstellung irgendeiner Ursache oder zur Anerkennung einer Ursache kommen, 
wenn wir nicht an die Natur mit der Vorstellung herantreten, daß es immer möglich 
sein muß, Ursachen zu finden. Dementsprechend wird dort der Kausalsatz von den 
»Hypothesen als Vorstufen des Gesetzes« getrennt. Allerdings bleibt auch hier ein hypo- 
thetischer Einschlag. Die eben angeführte Begründung gilt der Behauptung, daß wir 
den Kausalitätssatz eigentlich aus der Erfahrung nicht beweisen können, und dient der 
Konsequenz, daß es, insbesondere angesichts der Erscheinungen des organischen Lebens . . . 
ein sehr gewagter Schluß sein würde, a posteriori aus der großen Reihe von bereits be- 
greifbaren Naturerscheinungen auf die allgemeine Begreiflichkeit zu schließen". 

Gleichviel jedoch, ob und inwieweit wir hier auf letzte Überzeugungen treffen: 
der Zug zur Umbildung des kantischen Apriori in einen empiristischen Gedankengang, ' 

' VII 243 f. = O' 593 f., K I 247 f. 
' V U 242 =r 0» 593, E 17, § 6, 7, 18. 



12 Erdmann: 

wie wir ihn auch in Helinholtz" Raumtheorie treifen werden, ist unverkennbar. Seine 
Meinung ist insoweit der Lehre Humes, den er im Lichte seiner Zeit lediglich als Skeptiker 
gesehen hat, sowie den Gedanken Stuart Mills ähnlicher als denen Kants'. 

Nicht minder bedeutsam als diese Fortbildungen und Umdeutungen der Kantischen 
Kausaltheorie ist die Wendung, die den Wechselvorstellungen von Gesetz, Ursache und 
Kraft noch die Substanzvorstellung zur Seite setzt. In dem oft genannten Vortrag von 
1878 heißt es: Wir nennen, was ohne Abhängigkeit von anderem gleichbleibt in allem 
Wechsel der Zeit: die Substanz; wir nennen das gleichbleibende Verhältnis zwischen 
veränderlichen Größen: das sie verbindende Gesetz . . . Der Begriff der Substanz kann 
nur durch erschöpfende Prüfungen gewonnen werden und bleibt immer problematisch, 
insofern weitere Prüfung vorbehalten wird. Die anschließenden Bemerkungen über Gesetz, 
Ursache und Kraft lassen die hier schon gemeinte Wechselbeziehung zur Substanz nicht 
deutlich erkennen. Aber schon in der Rede auf Faraday (1881) wird der Gedanke deut- 
licher: der ursprüngliche Begriff der Substanz ist wohl zu unterscheiden von dem der 
Materie oder eines Stoffes. Substanz ist nur id^ quod substat, was hinter dem Wechsel 
der Erscheinungen quantitativ unveränderlich bleibt, und in diesem ältesten weiteren Sinne 
des Wortes würden wir jedenfalls die beiden Elektrizitäten Substanzen nennen können, 
selbst wenn sie nicht \ on stofflicher Natur wären. Abgeschlossen ist der Gedanke jedoch 
erst in dem letzten, unvollendeten Vortragsentwurf vom Jahre 1894 über dauernde Be- 
wegungsformen und scheinbare Substanzen ausgesprochen, den Koenigsberger veröffentlicht 
hat. Von dem Wesen der Substanzen wollte er reden, dieses Wort aber in seinem älteren 
und weiteren Sinne genommen . . . , als das was im Hintergrunde oder hinter der ver- 
änderlichen Erscheinungsweise fortbesteht . . . , dessen wichtigstes Attribut die Unzerstör- 
barkeit ist. Als P]rgebnis des letzten Jahrhunderts wird nach Abweis der Annahme im- 
materieller geistiger Substanzen die tatsächliche Kenntnis von (rrößen angenommen, die 
dem alten Begriff der immateriellen Substanzen entsprechen, unzerstörbar, unvermehrbar, 
wirkungskräftig im Räume, aber nicht notwendig teilbar mit dem Räume sind. Als Bei- 
spiele dieser Substanzen werden der Energievorrat der Natur überhaupt sowie unver- 
änderliche Bewegungsgrößen und Riclitungsbestimmungen unseres Planetensystems auf- 
geführt; aber es wird zugleich — hier bricht das Manuskript ab — darauf hingewiesen, 
die Zahl dieser unzerstörbaren und unvermehrbaren immateriellen Größen ... sei so groß, 
daß das Menschengeschlecht schwerlich je mit ihrer Erkenntnis und Zählung werde fertig 
werden können'. 

Es muß hier dahingestellt bleiben, welche fruchtbaren Gedanken in dieser Umbildung 
des überlieferten Substanzproblems liegen. Sicher ist, daß sie gleichfalls von Kants Kritizis- 
mus auf Helmholtz' eigenen, naturwissenschaftlieh orientierten Pfaden weit abführen. 

Wie fest alle diese Annahmen mit Helmholtz" Wahrnehmungstheorie verwachsen sind, 
zeigt schon ein Rückblick auf die in ihr enthaltenen topogenen und hylogenen Momente 
des Realen. Aber wir werden die von ihm wiederholt betonte Übereinstimmung mit der 
modernen Sinnesphysiologie nur so verstehen dürfen, daß sie allmählich sich klärende 
Voraussetzungen seiner Theorie, nicht aber aus ihr heraus gewachsene Konsequenzen, 
geschweige denn Folgebestimmungen der modernen Sinnesphysiologie überhaupt sind. 
Andere Vertreter der Sinnesphysiologie hatten schon zu seiner Zeit Hypothesen entwickelt, 
die der Annahme einer Apriorität des Kausalgesetzes und der durch sie bedingten Natur- 
auffassung nicht bedurften. Es sind vielmehr, wie weiterhin noch deutlicher werden 



^'455- 

V II 240 0^ 591 ; K III 125 — 134. 



Die philosophiscJien Grundlagen von Helmholtz' Wahrnehinungstheorie. 1 3 

wird, erkenntnistheoretische Annahmen, die von Helmholtz" ffüher Stellungnahme zu Kant 
her seine Wahrnelunungslehre mitgestalteten. 

Aber die so erkenntnistheoretisch fundierte realistische Hypothese ist noch unvoll- 
ständig wiedergegelien. Helmholtz" Studienjahre fallen in die Zeit, in der die mechanische 
Naturauffassung des 1 7. Jahrhunderts auch in Deutschland allgemeine Geltung gewann. 
Schon Reil hatte in seiner vielberufenen, noch neuerdings gründlich mißverstandenen Ab- 
handlung »Von der Lebenskraft« (1796), wenn auch in seltsamer Verhüllung fiir die Über- 
tragung der physikalischen Deutung auf die Lebensvorgänge plädiert. Wie von Henle 
und von Lotze in seinen medizinischen Erstlingsschriften, so wurde auch in dem Kreis 
der zahlreichen Schüler Johannes Müllers gegendieHypothe.se einer die organischen Vorgänge 
willkürlich beherrschenden Lebenskraft, die Müller selbst noch festgehalten hatte, ins Feld 
gezogen. Die Berliner medizinische Gesellschaft, in der Helmholtz seine Abhandlung über 
die Erhaltung der Kraft zuerst vortrug, war unter dem Zeiclien des aufgehenden Gestirns 
gegründet worden. Mit H(>hnholtz" Abhandlung war über das Schicksal des älteien Vitalis- 
mus im Prinzip entschieden. Im Geiste der mechanischen Naturdeutung ist sein oben 
schon (S. 8) erwähnter früher Versuch gedacht, die Grundbegriffe der Naturwissenschaft 
klarzustellen. In eben die.sem Sinne entwirft er 1852 das Bild des Physikers von der 
äußeren Natur: Überall nichts als immer wieder dasselbe einförmige Wirken anziehender 
und abstoßender Molekularkräfte, keine Mannigfaltigkeit als der dürre Wechsel der Zahlen- 
verhältnisse, kein Licht, keine Farbe, kein Ton, keine Wärme. Entsprechende Andeutungen 
bietet O". Und wenig später erklärt Helmholtz, ents{)rechend der Zeitlage nocli unter der 
Voraussetzung, daß die Atome unveränderlich seien, daß alle Veränderung in der [körper- 
lichen] Welt Änderung der räumlichen Verteilung der elementaren Stott'e ist und in letzter 
Instanz durch Bewegung [als Ortsveränderung mit der Zeit] zustande kommt. Ist aber 
Bewegung die Urveränderung, welche allen anderen Veränderungen in der Welt zugnuule 
liegt, so sind alle elementaren Kräfte Bewegungskräfte, und das Jlndziel der Naturwissen- 
schaften ist, die allen anderen Veränderungen zugrimde liegenden Bewegungen und deren 
Triebkräfte zu finden, al.so sicli in Mechanik aufzulösen. Späterhin treten diese 
direkten .\ußenmgen zurück und machen Energie-KWirterungen Platz. Aber bis zidetzt 
werden auch diese an das Begriff'spaar Kraft und Stoff" angeknüpft, ohne daß damit irgend- 
eine Annäherung an Kants »Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft« voll- | 
zogen würde. Helmholtz hat der kritischen Naturphilosophie Kants, wenn ich recht ge- 
sehen habe, nur einmal flüchtig gedacht, falls dieses Gedenken sich nicht lediglich auf 
die Fragestellung von Kants Prolegomena bezieht'. 

Aber Helmholtz" erkenntnistheoretische Schulung und die frfllie Vielseitigkeit seiner 
geistigen Interessen bewahrten ihn, ähnlich wie Lotze, vor dem Schick.sal, dem auch 
manche seiner Mit.schüler aus dem Kreise der Berliner Physikalischen Gesellschaft verfielen, 
den Sprung von der Mechanik der äußeren Natur in die metaphysische Hypothese des 
Materialismus mitzumachen. Gegen den Verdacht des V'ulgärmaterialismus der Vogt und ' 
Moleschott hat er sich 1857 energisch gewelirt. Nicht im entferntesten, schrieb er damals | 
seinem Vater, bin ich ein Anhänger ihrer trivialen Tiraden . . . Ein besonnener Natur- 
forscher weiß sehr wohl, daß er dadurch, daß er etwas tiefer in das verwickelte Treiben 
der Naturprozesse Einblick gewonnen hat, noch nicht die Spur mehr berecJitigt ist, über 
die Natur der Seele abzusprechen als jeder andere Mensch '^ 

' t'ber Helmholt/,' Stellung zur Lebenskraft vi;l. .\I6f., 65 f., .\ II 700, 735, VI 10, 75 f.. 385 f., 395, 
VII i68f., 1771'. tlber den ScLülerkreis J. Müllers s. VII 182 und Du Üois-Reyinond a.a.O. S. 19. Zur iiicclia- 
nischen Natui-aufFassung: All 609, VI 40 f.. K I 392, O' 444, 454, VI 379, vgl.'376, 386, 394. K 15. — All 642. 

' K I 292, V I 17, V II i86f., 205, 244f., 433, O- 443- 



14 Erdmann: 

Der bei den Naturforschern jener Zeit landläufigen Verwerfung aller Philosophie stimmt 
er nur zu, soweit sie sich auf die apriorische metaphysische Spekulation, vor allem auf 
die »Ausschweifungen« der Naturphilosophie Schellings und Hegels bezieht. Diese ist ihm 
das Vorbild der Metaphysik, die er nicht müde wird, energisch zu bekämpfen, d. i. nach 
seiner Deutung der vermeintlichen Wissenschaft, deren Zweck es ist, durch reines Denken 
Aufschlüsse über die letzten Prinzipien des Zusammenhanges der Welt zu gewinnen. Ihr 
rechnet er den Spiritualismus nicht weniger als den Materialismus zu. Die eigentliche 
Aufgabe der theoretischen Philosoplde ist ihm vielmehr das Geschäft, welches immer 
der Philosophie verbleiben wird, und dem sich liein Zeitalter ungestraft wird entziehen 
können, nach dem Vorbild Kants die Quellen unseres Wissens und den Grad seiner 
Berechtigung zu untersuchen. P'reilich steht er ihr wohl stets als mathematisch geschulter 
Naturforscher gegenüber. Ich fand, schrieb er 1869 an Ludwig mit Bezug auf seine Wahr- 
nehmungslehre, daß das viele Philosophieren zuletzt eine gewisse Demoralisation herbei- 
führt und die Gedanken lax und vage macht, ich will sie erst wieder eine Weile durch 
das Experiment und durch Mathematik disziplinieren'. 

Aber nicht nur die Umbildung des Kantischen Realismus zu dem physikalischen 
Realismus seiner Naturauffassung kommt für Helmholtz' Stellung zur Lehre Kants, und 
damit zu der Auflösung der theoretischen Philosophie in Erkenntnistheorie • und der erst 
später zu erörternden wissenschaftlichen Methodenlehre in Betracht. Nicht berührt ist 
bisher die folgenreiche Umbildung, die er in seiner Wahrnehmungstheorie der Kantischen 
Raumlehre angedeihen ließ. Sie ist ein kaum weniger alter Bestandteil seiner Überzeugungen 
als die physikalische Wendung des Kausalproblems. Schon die bereits erwähnte kantiani- 
sierende Niederschrift über die naturwissenschaftlichen Grundbegriffe aus den vierziger 
Jahren zeigt Keime dieser Umbildung. Wir begegnen schon dem Gedanken, daß die Geo- 
metrie wie die Zeitlehre und die reine Mechanik »allgemeine oder reine Naturwissen- 
schaften« seien. Wir finden im Anschluß daran ferner die Bemerkung: Die allgemeinen 
Naturbegriffe, nur hergeleitet aus der Möglichkeit irgendeiner Naturanschauung, dürfen nicht 
die Möglichkeit irgendeiner empirischen Kombination von Wahrnehmungen beschränken, 
d. h. es darf aus ihnen durchaus kein empirisches Faktum oder Gesetz ableitbar sein, sondern 
sie können uns nur die Norm für unsere Erklärungen abgeben. Deutlicher tritt das Problem 
in dem Brief an den Vater vom Jahre 1857 zutage. Ich selbst, schrieb er dort, fühle 
sehr lebhaft das Bedürfnis einer spezielleren Durcharbeitung gewisser Fragen, an welche 
aber, soviel ich weiß, kein neuerer Philosoph sich gemacht hat, und die ganz auf dem von 
Kant in seinen Umrissen erforschten Felde der apriorischen Begriffe liegen, so z. B. die 
Ableitung der geometrischen und mechanischen Grundsätze . . . Eine Anmerkung in 0, 
die spätestens dem Jahre i 866 zugehört, zeigt ihn schon auf dem später weiter beschrittenen 
'Wege: Kant hatte Raum und Zeit kurzweg als gegebene Formen aller Anschauung hin- 
gestellt, ohne weiter zu untersuchen, wieviel in der näheren Ausbildung der einzelnen räum- 
lichen und zeitlichen Anschauungen aus der Erfahrung hergeleitet sein könnte. Diese Unter- 
suchung lag auch außerhalb seines Weges. So betrachtete er namentlich die geometrischen 
Axiome auch als ursprünglich in der Raumanschauung gegebene Sätze, eine Ansicht, heißt 
es dort, über welche sich wohl noch streiten läßt. Wieweit er wenig später be- 
reits gekommen war, zeigt ein Brief vom 21. April 1868 an Schering: Indem ich Ihnen 
meinen Dank für die Übersendung der beiden kleinen, Riemann betreffenden Aufsätze aus- 
spreche, ertaube ich mir eine Frage. In Ihrer Notiz über sein Leben finde ich die Angabe, 

' Gegen die Metaphysik: V II 432f.; vgl. K I 243, K II 163, V I 8g, ,63f.: V II 42, 171. 175, ,82 f., 185 f., 
'«^V ^^^^'Uo'^^^' ^^96. - Aufgabe der Philosophie: VI 88; vgl. 164 VII i87f.. 433, KI 243; - VU 

loo I., H 11 loJ. 



lyie philosophischen Grundlagen von Hdmholtz' Wahrnehmungstheorie. 1 5 

(laß er eine Habilitationsvorlesung gehalten habe über die Hypothesen der Geometrie. Ich 
habe selbst in den letzten zwei Jahren im Zusammenhang mit meinen Untersuchungen über 
physiologische Optik mich mit dem gleichen Gegenstande beschäftigt, aber die Arbeit noch 
nicht abgeschlossen und veröffentlicht, weil ich immer noch hoffte, einzelne Punkte ver- 
allgemeinern zu können. Ich kann namentlich noch nicht alles für drei Dimensionen gleich 
allgemein machen, wie ich es für zwei kaim. Nun erkenne ich aus den wenigen An- 
deutungen, die Sie über das Resultat der Arbeit geben, daß Riemann zu genau denselben 
Resultaten gekommen ist wie ich . . . Ich möchte Sie bitten, mich wissen zu lassen, ob 
Riemanns Aufsatz schon gedruckt ist, oder ob Aussicht ist, daß er bald gedruckt werden 
könnte, was mir höchst wünschenswert erscheint; eventualiter ob Riemann von demselben 
Ausgangspunkte ausgegangen ist, dann würde nämlich meine Arbeit imnütz, und ich möchte 
dann nicht mehr soviel Zeit und Kopfschmerzen daran verwenden, als sie mich schon 
gekostet haben. Einen Monat s])äter hat er dann die erst 1867 von Dedekind veröffent- 
lichte, schnell berühmt gewordene Habilitationsvorlesung Riemanns erhalten. Wenige 
Tage darauf, am 22. Mai 1868, hat er über die tatsächlichen Gnmdlagen der Geometrie 
in Heidelberg gelesen. Er berichtet dort über das Verhältnis seiner »der Hauptsache nach 
.schon fertig« gestellten Untersuchung zu der Arbeit Riemanns und seinen von Riemanns 
Erörterung abweichenden Ausgangpunkt über die Bedingungen für die Konstatierung von 
Kongruenz, von dem er schon Schering Kenntnis gegeben hatte. Und bereits unter dem 
3.Juni d. .1. veröffentlicht er in den Göttinger Nachrichten die ausführliche, dem gleichen 
Zweck dienende Abhandlung über die Tatsachen, die der Geometrie zugrunde liegen'. 

Auch die philosophischen Konsequenzen beider Forscher sind vorerst weit vonein- 
ander verschieden. Riemann, der selbst erklärt hat, »Herbartianer in Psychologie und Er- 
kenntnistheorie zu sein«, nimmt an, daß nicht nur die Axiome der Geometrie, welche die 
Maßverhältnisse des Raumes bestimmen, nur aus der Erfahrung entnommen werden können, 
sondern daß die Raumvorstellung überhaupt empirischen Ursprungs sei. Helmholtz da- 
gegen beschränkte seine Konse<}uenz dahin, daß nur die geometrischen Axiome empirische 
Voraussetzungen über die Konstatierung von Kongruenz fordern, daß also die Geometrie 
insofern physische Geometrie sei. Die Raumvorstellung überhaupt, d. i. »die Vorstellung 
von einem dauernden Bestehen von Verschiedenem gleichzeitig nebeneinander«, die noch 
gar keine Bestimmungen über die Maßbeziehungen dieses Nebeneinander enthält, bleibt 
eine notwendige Form der äußeren Anschauung und eine gegebene, vor aller Erfahrung 
mitgebrachte Form der Anschauung, d. i. eine transscendentale Anschauungsform wie bei 
Kant. Bei Kant sei allerdings diese Annahme wesentlich auf die Meinung gestützt, die 
Axiome seien synthetische Sätze, a priori gegeben. Er operiert noch mit dem älteren 
Begriff der Anscliaimng, welche nur das als durch Anschaining gegeben anerkennt, dessen 
Vorstellung ohne Besinnen und Mühe sogleich mit dem sinnlichen Eindruck zum Bewußt- 
sein kommt, während die von Beltrami angegebene Methode der Abbildung metamathe- 
matischer Räume in Teilen des euklidischen Raums . . . einige Übung im Verständnis analy- 
tischer Methoden, perspektivischer Konstruktionen und optischer Erscheinungen verlangt. 
Wenn man aber Kants Annahme fallen läßt, würde kein wesentlicher Zug des Kantischen 
Systems verloren gehen . . . Seine Lehre von den a priori gegebenen Formen der An- 
schauung ist ein sehr glücklicher und klarer Au.s<lruck des Sachverhältnisses, aber diese 
Formen mü.ssen wirklich inhaltsleer und frei genug sein, um jeden Inhalt, der überhaupt 
in die betreffende Form der Wahrnehmung eintreten kann, aufzunehmen . . . Die Lehre 

' Kni27. 1292; — 456; vgl. den abgeänderten Text in ()'; — K H 138f.. All «10 f.. 6t4f.. A III 619. 
VII 4, 19, 231. 



16 Erdmakn: 

von der Transscendentalität der Anschauungsform des Raumes ist dann ohne allen Anstoß. 
Jedoch nur dann. Helmholtz erklärt selbst, daß Kant in diesem Punkt in seiner Kritik nicht 
kritisch genug gewesen sei, aber freilich handelte es sich dabei um Lehrsätze aus der 
Mathematik, und dies Stück kritischer Arbeit mußte durch die Mathematiker erledigt 
werden. Kants Kritik, die sonst überall gegen die Zulässigkeit metaphysischer Folge- 
rungen gerichtet sei . . ., würde an Konsequenz und Verständlichkeit gewinnen . . ., wenn der 
wesentlich auf die überzeugende Kraft der geometrischen Axiome als synthetischer Sätze 
a priori gebaute Beweis für die Möglichkeit einer Metaphysik fortfiele, von welcher Wissen- 
schaft er doch selbst weiter nichts zu entdecken wußte als die geometrischen und natur- 
wissenschaftlichen Axiome! Allerdings meint Helmholtz, wie noch zu zeigen ist (S. 26 f.), 
mit seiner Anerkennung des Räumlichen überhaupt etwas, was ganz außerhalb des Kanti- 
schen Gedankenkreises liegt'. 

Analoges hat Helmholtz später (1887) durch erkenntnistheoretische Betrachtung des 
Zählens und Messens im Anschluß an die Brüder Grassmann und an E. Schroeder für 
die Axiome der Arithmetik durchgeführt. Kantisch ist der Gedanke, daß diese Axiome 
in entsprechender Beziehung zur Zeit stehen, wie die geometrischen zum Räume . . . Jede 
gegenwärtige Vorstellung ist in einem der Anschauungsform der Zeit angehörigen Gegen- 
satz als die nachfolgende den vorausgegangenen gegenübergestellt, weil jeder gegen- 
wärtige Akt der Wahrnehmung, des Gefühls oder Willens mit den Erinnerungsbildern 
vergangener Akte zusammenwirkt ... In diesem Sinne also ist die Zeitfolge die unaus- 
weichliche Form unserer inneren Anschauung. Das erinnert an Kants Synthesis der Re- 
produktion. Aber bei Helmholtz ist nur die reine Arithmetik eine auf rein psycholo- 
gische Tatsachen aufgebaute Methode . . . Wir geben jedoch mittels ihres Zeiehensystems 
Beschreibungen der Verhältnisse . . . reeller . . . Objekte. Es entstehen also die Fragen 
nach dem objektiven Sinn davon, daß wir zwei reelle Objekte als gleich erklären, und 
nach dem Charakter der physischen Verknüpfung zweier Objekte, damit wir vergleichbare 
Attribute derselben als additiv verbunden, diese Attribute also als Größen ansehen dürfen, 
die durch benannte Zahlen ausgedrückt werden können. E]s sind also die empirischen 
p:igenschaften zu definieren, welche den Objekten zukommen müssen, damit sie zählbar 
seien . . ., Angaben, die sich natürlich nur durch Erfahrung bestimmen lassen. Erst da- 
durch gewinnen die arithmetischen Axiome objektive Bedeutung". 

Trotz alledem ist zu beachten, daß Helmholtz ;iuch in diesen Zusammenhängen nicht 
sowohl seine Umbildung des Kantischen Kritizismus als vielmehr ihre Übereinstimmung 
mit dessen prinzipiellen Grundlagen betont hat. Nur die Kantianer »strikter Observanz« 
lehnt er ab, die auf der Apriorität der geometrischen und arithmetischen Axiome be- 
stehen, ebenso wie diejenigen seiner modernen Anhänger, denen Kants Ding an sich nur 
ein transscendentaler Schein ist (S. 8). Es bleibt ihm das Wesentliche an Kants Leistung, 
daß er die Lehre von den vor aller ErfVihrung gegebenen oder, wie er sie deshalb nannte, 
»transscendentalen« Formen des Anschauens und Denkens ausgebildet hat, in welche aller 
Inhalt unseres Vorstellens notwendig aufgenommen werden muß, wenn er Erfahrung 
werden solP. 

Aus solcher Anerkennung heraus hat Helmholtz die erste Darstellung seiner Wahr- 
nehmungstheorie in dem Vortrag »tTber das Sehen des Menschen« gegeben, den er 
1855 in Königsberg zugunsten von Kants Denkmal hielt. Kant, heißt es dement- 



' B. Riemann, Über die Hypothesen, welche der Geometrie zugrunde h"eo-en. W hrso- v Dedeklnd» 
Leipzig 1893, S. 273, 284. 508. 521. — All 614. 659, 642, VI! 224f.. 226, 231, Äil66U. 
■' AI1I357, 361f., 359, 358, 372, 383, 378t. 
' VII229, KII163, All 642, 650, Vll39rf., 396; — VII218f. 



Dif philosophiscJum Grundlagen von Helmholtz' Wahrnt^hmungslheorie . 1 7 

sprechend noch in Helmholtz" zweiter Goetherede (1892), hat für uns Nachkommende 
das Facit aus den froheren Bemühungen der Erkenntnistheorie gezogen. Und in seiner 
tiefsinnigsten philosophischen Rede formuliert er: das Grundproblera der Erkenntnistheorie 
war auch das Kants: »Was ist Wahrheit in unserem Anschauen und Denken? in welchem 
Sinne entsprechen unsere Vorstellungen der Wirklichkeit?« Wie vordem wiederholt, hebt 
er auch hier hervor: Auf dieses Problem stoßen Philosophie und Naturwissenschaft von 
zwei entgegengesetzten Seiten; es ist eine gemeinsame Aufgabe beider. Die erstere . . . 
sucht rein hinzustellen, was der eigenen Tätigkeit des Geistes angehört. Die Natur- 
wissenschaft im Gegenteil sucht . . . übrigzubehalten, was der Welt der Wirklichkeit 
angehört, deren Gesetze sie sucht ... In der Theorie der Sinneswahrnehmungen und 
in den Untersuchungen über die Grundprinzipien der Geometrie, Mechanik, Physik kann 
auch der Naturforscher diesen Fragen nicht aus dem Wege gehen. Um diese erkenntnis- 
theoretischen Aufgaben zu lösen, schien es ihm geboten, auch die Leistungsfähigkeit 
unseres Denkvermögens zu untersuchen ... Es handelte sich dabei auch nur um eine 
Reihe tatsächlicher Fragen, über die bestimmte Antworten gegeben werden konnten und 
mußten. Wir haben bestimmte Sinneseindräcke; wir wissen infolgedessen zu handeln. 
Der Erfolg, der Handlung stimmt der Regel nach mit dem überein, was wir als be- 
obachtbare Folge erwarten, zuweilen, bei sogenannten Sinnestäuschungen, auch nicht. 
Das sind alles objektive Tatsachen, deren gesetzliches Verhalten wird gefunden werden 
können'. 

Dadurch ist der Punkt für Helmholtz' erkenntnistheoretische und weiterhin seine 
philosophische Leistung überhaupt bezeichnet, in dem alle seine Untersuchungen zur Wahr- 
nehmungstheorie zusammenfließen. 

Wir stoßen in ihm auf die zweite, die psychologische (iruppe von Helmholtz" 
philosophischen Annnahmen. 

Die Lösung des erkenntnistheoretisch gestellten Wahrnehmungsproblems erfordert 
eine psychophysiologische Untersuchung. Es handelt sich in ihr um eine auf die Phy- 
siologie der Sinne gestützte, kurz um eine physiologische Erkenntnislehre, deren Ge- 
schäft ganz nach naturwissenschaftlichen Methoden ausgeführt werden kann . . . , inso- 
fern nämlich festgestellt werden muß und auf naturwissenschaftlichem Wege auch fest- 
gestellt werden kann, welche besonderen Eigentümlichkeiten der physikalischen P>regungs- 
mittel und der physiologischen Erregung Veranlassung geben zur Ausbildung dieser oder 
jener besonderen Vorstellimg über die Art der wahrgenommenen äußeren Objekte . . . , 
d. i. über deren Existenz, Form und Lage"''. 

Unerläßlich ist es demnach, bei dieser Untersuchung das Gebiet der Psychologie 
soweit zu betreten, als die Tatsachen des Wahrnehmens erforderlich machen, den phy- 
siologischen Teil der Psychologie also, gegen die reine Psychologie abzugrenzen, deren 
wesentliche Aufgabe es i.st, die (Jesetze und Natur der Seelentätigkeiten, soweit dies 
möglich ist, festzustellen. Die Untersuchung tritt demnacli, so korrigiert Helmholtz in 0' 
seinen ursprünglichen, mehr psychologisch gefärbten Text, notwendig zum Teil in das Gebiet 
der Psychologie ein. eben weil sie sich mit der Entstehung und dem Bewußtwerden von 
Vorstellungen zu beschäftigen hat. Aber es bleibt eine psychologische Frage, wie 
aus den Nervenerregungen Wahrnehmungen entspringen^. 



' VlSyf.. KI242: — VII338: — V II 218, V I 90. 267, 427^; — V 1 16. 

« V II 360, 358; — O 427, V I 269, I^ 6. 

' 0'576, O 427, \' I 184. 269, vgl. dazu die >pliysiulogische Untersuchung« Villi. 

Phil.-hisl.AbA. 1921. Nr.l. 



18 Erdmann: 

Die somit vollzogene Übertragung des erkenntnistheoretischen Wahrnehmungsproblems 
in ein psychophysiologisches bedarf der Erläuterung. Helmholtz hat die Frage nach derStellung 
der Psychologie zu den übrigen Wissenschaften und ihr Verhältnis zu der auf Erkenntnis- 
theorie und Logik beschränkten Philosophie nur gestreift und ihre bisherigen Leistungen 
— bis Anfang der siebziger Jahre — wenig anerkennend beurteilt. Er hebt hervor, 
daß der Gegenstand der eben deshalb sogenannten Geisteswissenschaften sich wesentlich 
aus psychologischer Grundlage entwickelt. Aber die Hoffnung, daß auch die Psychologie 
der Individuen und der Völker nebst den auf sie zu basierenden praktischen Wissen- 
schaften der Erziehung, der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung zum gleichen Ziele 
[wie die Naturwissenschaften] gelangen werde, scheine sich vorläufig nur auf eine ferne 
Zukunft richten zu dürfen (vgl. S. 2of.). Dabei wird die Psychologie das eine »Mal an- 
scheinend in die Philosophie einbezogen, ein anderes Mal von ihr unterschieden. Sicher 
ist, daß er die »reine« Psychologie auf die Selbstbeobachtung eingeschränkt sein läßt, 
deren Objekte, wie er später ausführt, zu den Sinneswahrnehmungen gar keine Beziehung 
der Ähnlichkeit zulassen. Insofern sei es durchaus zutreffend . . ., daß man die Wahr- 
nehmungen der Seelenzustände, darunter auch die der Tätigkeit des bewußten Denkens 
und Vorstellens, einem inneren Sinne zuschrieb'. 

Es ist auffallend, daß Helmholtz diese Lehre, die den Funktionen der reflection bei Locke 
und der anthropologischen Umdeutung des Kantischen Kritizismus durch Fries entspricht, 
auch in Kants Lehre vom inneren Sinn hineindeutet. Aber das ist sachlich belanglos. 
Es mag durch gelegentliche Wendungen des Philosophen nahegelegt sein, die seiner Fassung 
der Spontaneität widersprechen. Allerdings ist bei dieser Analogie zu Lockes Reflexions- 
lehre zu bedenken, daß Helmholtz' hier zu Tage tretender Empirismus von dem fülirenden eng- 
lischen Empirismus des achtzehnten Jahrhunderts wesensverschieden ist. Er entspringt 
bei ihm experimentell fundierten physiologischen Erfahrungsdaten, die Locke und Hume 
gleicherweise von ihrer induktiven psychologischen Analyse abweisen und Berkeley nur 
ohne nennenswerte experimentelle Hilfen verwertet". 

Zudem beruht die psychologische Problemstellung von Helmholtz auf Voraussetzungen 
über das Verhältnis von Empfindung und Wahrnehmung, die ihm die zeitgenössischen Hy- 
pothesen der deutschen Vorläufer seiner Lehre, deren er wiederholt gedenkt, und vor 
allen anderen die Lehren Joh. Müllers darboten. Allerdings hält er sich dabei von den 
psychologischen Annahmen Müllers, die einen starken Einfluß der metaphysisch fundierten 
Gedanken Herbarts bekunden, von Anfang an frei. Immerhin erkennt er an, die Rückkehr 
der Physiologen zu der älteren Ansicht, wonach alle Beurteilung des Räumlichen auf 
Erfahrung beruhe, habe ihr Vorspiel auf philosophischer Seite in den Ansichten von 
Herbart über die Sinueswahrnehmungen gefunden*. 

Die Helmholtz insbesondere durch J. Müller überlieferte grundlegende Voraussetzung 
seiner Wahrnehmungstheorie ist, daß das Gehirn das Organ des Bewußtseins, speziell 
des Wahrnehmens, des Vorstellens überliau])t und des Willens sei. Im (Jehirn also kommen 
die Empfindungen erst zum Bewußtsein. Von hier aus sind die zahlreichen zum Teil 
einander scheinbar widersprechenden Bemerkungen zu verstehen, durch die Helmholtz, 
ebenfalls ähnlich wie Müller, die Empfindungen charakterisiert, sofern sie nicht als Be- 

' VI 163, VII 425, 189, O797. 0^577 f. vgl. VII 187 f. 

'' Kant, Kiitik der reinen Vernunft^' z. B. 321, 330, ebenda' 359. 

'' OVI, 595, 456, 797, 8i9f. — ,1. Müller, Handbuch der Physiologie des Mensehen l3 1838. II 1840: 
über das Bewußtsein z.B. II 498, 516, 525, 537 f., 551; über Empfindung und Vorstellung z. B. I 846. II 258, 
268f., 479, 5i7f., 523f., 532, 536, abw(!icliend I 854; über Vorstellungen als Zeichen von Empfindungen 
z. B. Il526f.; zur Projektionstheorie z.B. II 352 f., 355,362, 364. Vgl. dazu K. Post, J. Müllere philosophische 
Anschauungen (Abh. zur Philosophie XXI. Halle 1905) S. 8if'.. i35f. 



Die philosophischen Grundlagen von Helmholtz' Wahrnehmungstheorie. 1 9 

standteile der Wahrnehmung gegeben sind. Die physischen Vorgänge in den Sinnes- 
nervenapparaten, d. i. den Sinnesorganen, den sensorischen Nervenfasern und den ihren 
Endigungen entsprechenden Gehirngebieten vermittehi auf Grund von Reizen die Emp- 
findung, die im Gehirn bewußt wird: durch das äußere Licht entsteht die Lichtempfin- 
dung, welche dann durch die Fasern der Sehnerven dem Gehirn zugeleitet wird und 
hier zum Bewußtsein gelangt. Die an die bewußt gewordenen Empfindungen sich gleich- 
viel wie anschließenden seelischen Vorgänge lassen sie als Bestandteile der Außenwelt 
wahrnehmen. Schon bei Aristoteles, lieißt es dementsprechend in der Optik, findet 
sich eine feine psychologische Untersuchung über die Mitwirkung der geistigen Tätigkeit 
in den Sinneswahrnehmungen, das Physikalische und Physiologische, die Empfindung, 
ist deutlich unterschieden von dem Psychisclien; die Wahrnehmung äußerer Objekte be- 
ruht . . . auf Urteil. Auf Grund solcher Unterscheidung von Wahrnelimung und Emp- 
findung ist Helmholtz unbedenklich, von Empfindungen der Sinnesorgane und in ihnen 
der Nervenfasern zu reden. Gemeint ist damit stets »die Empfindung in physischer Be- 
ziehung«, der Inbegriff der physischen Vorgänge, welche die Empfindung im Gehirn als 
Bestandteil des Bewußtseins »vermitteln« oder »erregen«, denen die Empfindungen »ent- 
sprechen«. So vermag er auch von »körperlichen Empfindungen in den Sinnesorganen« 
zu s{)rechen, ein Ausdruck, der nocli später zur Bezeichnung von Hunger, Durst usw. 
wiederkehrt, und, in Variation einer eben schon benutzten Aiisfiihrung, über die Klang- 
farbe der Vokale zu sagen: Wir müssen zweierlei unterscheiden: erstens die Empfin- 
dung der Hömerven, wie sie sich ohne Einmischung geistiger Tätigkeit entwickelt; 
zweitens die Vorstellung, welche wir uns bilden infolge dieser Empfindung. Wir 
müssen also gleichsam unterscheiden: das leibliche Ohr des Körpers und das geistige 
Ohr des Vorstellungsvermögens. Das leibliche Ohr empfindet den Ton einzeln, welcher 
. . . einer einfachen Tonwelle zugehört. Am deutlichsten ist der Sinn der Unterscheidung 
vielleicht in dem ursprüngliclien Text der Lehre von den Tonempfindungen ausgesprochen: 
Empfindungen nennen wir die Eindrücke auf unsere Sinne, insofern sie nur als Zustände 
unseres Körpers (speziell unserer Nervenapparate) zum Bewußtsein kommen, Wahrnehmun- 
gen, .sofern wir aus ihnen uns die Vorstellung äußerer Objekte bilden'. 

Es liegt zutage, daß diese Voraussetzung über das genetische und sachliche prius 
der Empfindung vor der Wahrnehmung nicht einen psychologischen Untergrund für 
die Problemstellung bietet. Für die psychologisclie Analyse liefern die im entwickelten 
Bewußtsein unmittelbar gegebenen geordneten Empfindungsinbegriffe der Walirnehmung 
mit den Empfindungen als ihren Gliedern den Ausgangspunkt. Für Helmholtz ist der 
Ausgangspunkt vielmehr der physiologische, der von den Sinneserregungen aus die Wahr- 
nehmung konstruiert. Dem entspricht nicht nur sein Aufbau der eben physiologisch 
orientierten Optik, sondern auch seine Gestaltung der Lehre von den Tonempfindungen 
sowie alles, was von ihm gelegentlich über die andern Sinne vergleichsweise ausgefiihrt 
wird. Ausdrücklich hat er diesen sekundären Charakter seiner psychologischen P>- 
örterungen anerkannt, und absichtlich hat er sie gewählt. Wir werden, erklärt er in der 
Optik, nicht vermeiden können, auch von psychischen Tätigkeiten und den Ciesetzen derselben, 
soweit sie bei der sinnlichen Wahrnehmung in Betracht kommen, zu sprechen, aber wir 
werden die Ermittelung und Beschreibung dieser psychischen Tätigkeiten nicht als einen 
wesentlichen Teil unserer vorliegenden Arbeit betrachten, weil wir dabei den Boden 



' Müller, a.a.O. z. B. I 805, 809, 845 f., II 249, 261 f., 516; man vergleiche dazu A II 878 f., 886 f.; VI 
90, 99, 115; O 191, (>'577 usw. — (iber die Leitungsvorgänge z. B. O 193 und schon A II 864, 873, 879. 
605. 686 f. VI 99, 114. -, über Aristoteles O 207. - Erregung der Kmpfindungen: 0194, All 911, 923 f.. 
VI 114, T4 6 u. ö. — Doppelsinn der Empfindung: A I 399, VI 143, T' 101. 



20 E R I) M A N N : 

sicherer Tatsachen und einer auf allgemein anerkannten und klaren Prinzipien gegrün- 
deten Methode kaum würden festhalten können. Aus demselben Grunde hat er seiner 
Absicht nach versucht, die der Lehre von den Gesichtswahrnehmungen speziell gewid- 
meten Ausfuhrungen von allen Ansichten über Seelentätigkeit frei zu erhalten, welche 
in den Bereich der zwischen den verschiedenen ])hilosophischen Schulen bisher und viel- 
leicht für immer streitigen Punkte fallen. Auch aus diesem Grunde hat er wohl ver- 
mieden, die von Müller öfter herangezogenen psychologischen Lehren von Herbart und 
Hume in Ansatz zu bringen'. 

Diese absichtliche Zurückhaltung macht verständlich, daß er es für sicherer hielt, 
die Erklärung der Erscheinungen des Sehens, und damit ein Prinzip der Sinneswahr- 
nehmung überhaupt anzuknüpfen an . . . jedenfalls vorhandene und tatsächlich wirksame 
Vorgänge, wie os die einfa(!heren i)sychischen Tätigkeiten sind . . ., deren Gesetze uns 
bis zu einer gewissen Grenze aus der täglichen Erfahrung wohlbekannt sind. Freilich: 
wir wissen von ihnen so gut wie nichts und sind von einem naturwissenschaftlichen 
Verständnis derselben noch weit entfernt; sie sind nicht schon jetzt glatt und einfach 
auf die bekannten Gesetze der Erregung von Nervenfasern imd deren Leitung zurück- 
zuführen. Indessen die Möglichkeit eines solchen Verständnisses entweder absolut zu 
leugnen, wie die Spiritualisten, oder andrerseits absolut zu behaupten, wie die Materia- 
listen, dazu könne wolil die Neigung zu dieser oder jener Richtung der Spekulation 
treiben; dem Naturforscher . . . sei dies eine Frage, für welche er keine Entscheidungs- 
gründe besitzt'. 

Aus der oben besprochenen Voraussetzung über das Verhältnis von Empfindung und 
Wahrnehmung ergibt sich Helmholtz' Fragestellung für das Wahrnehmungsproblem. Die 
von ihm benutzten psychologischen Hilfsdaten und ihre Bewertung bestimmen die von 
ihm eingeschlagene Lösungsrichtung desselben. Aus beiden Voraussetzungen folgt die von 
ihm sogenannte »empiristische Wahrnehmungstheorie«. 

Seine psychologische Problemstellung lautet in ihrer ersten Fassung auf den Gesichts- 
sinn bezogen: Lichtempfindung ist immer noch kein Sehen. Zum Sehen wird die Licht- 
empfindung erst, insofern wir durch sie zur Kenntnis der Gegenstände der Außenwelt 
gelangen; das Sehen besteht also erst im Verständnis der Lichtempfindung. . . . Wie also 
entspringen aus den Nervenerregungen Wahrnehmungen? Dieselbe Frage ergibt sich 
aus der oben schon (S. i 7) erwähnten einleitenden Feststellung der physiologischen Optik 
in der Erörterung über die Wahrnehmungen im allgemeinen: Wir benutzen die Emp- 
findungen, um uns aus ihnen Vorstellungen über die Existenz, die Form und die Lage äußerer 
Objekte zu bilden. Dergleichen Vorstellungen nennen wir Gesichts Wahrnehmungen''. 

Es gilt demnach, die Natur der psychischen Prozesse zu bestimmen, welche die Licht- 
empfindung in eine Wahrnehmung der Außenwelt verwandeln, d. i. uns von der Emp- 
findung der Nerven aus zu der Vorstellung desjenigen äußeren Objektes gelangen lassen, 
welches die Empfindung erregt hat (vgl. S.jfy. 

Die Keime dieser Fragestellung und die Anfänge ihrer Lösung durch die empiristische 
Hypothese sind bei Helmholtz schon um den Anfang der fünfziger Jahre zur Entwicklung 
gekommen. Er hat, wie wir aus seinem ersten Bericht über die Erklärung des Glanzes 
schließen dürfen, schon seit 185 1 in seinen Vorlesungen von ihnen Kunde gegeben. 
Diese scheint auch durch einzelne Wendungen seines Königsberger Ordinariatsvortrags 

' O 427 f. vgl. 796. 

^ 796, vgl. O' 441: V I 353. V II 187. 

' VI99f., 269: — 0427 vgl. V I 267, T4 6. 

* V 1 111, 146. 



Die philosophischen Grundlagen von Helmholtz' Wahrnehmunystheorie. 2 1 

von 1852 hindurch. Die Unterscheidung der pigmentösen und spektralen Farbenmischung, 
die er damals gegen Goethe und Brewster durchführte, hat er zudem selbst eine der 
Tatsachen genannt, die ihn zuerst zur empiristischen Theorie der Wahrnehmung her- 
überdrängte'. 

Aus jener Zeit schon, dürfen wir demnach annehmen, stammt der Grund zu den 
Klagen, daß er bei den Psychologen leider keine Hilfe gefunden habe, die Natur der 
psychischen Prozesse zu bestimmen, welche die Lichtempfindung in eine Wahrnehmung 
der Außenwelt verwandeln, weil fiir die Psychologie die Selbstbeobachtung bisher der 
einzige Weg des Erkennens gewesen sei, wir es aber hier mit geistigen Tätigkeiten zu 
tun haben, von denen vn)s die Selbstbeobachtung gar keine Kunde gibt, deren Dasein 
wir vielmehr erst aus der physiologischen Untersuchung der Sinneswerkzeuge erschließen 
können . . . Selbst noch Kant . . . faßte noch alle Zwischenglieder zwischen der reinen 
Sinnesempfindung und der Bildung der Vorstellung des zur Zeit wahrgenommenen, räumlich 
ausgedehnten Gegenstandes in einen Akt zusammen, den er die Anschauung nannte. 
Diese spiele bei ihm und seinen Nachfolgern eine Rolle, als wäre sie durchaus nur Wirkung 
eines natürlichen Mechanismus, der nicht weiter Gegenstand philosophischer und psycho- 
logischer Untersuchung werden könnte, abgesehen von seinem Endergebnis, welches eben 
eine Vorstellung ist". 

Das Urteil ist begreiflich. Bei Kant fehlt in der Tat jede Erörterung über die Ver- 
standesbedingungen, welche die Wahrnehmung bestimmter Gegen.stände der Außenwelt 
an bestimmten Orten möglich machen. Seine transscendentale Methode ließ ihn nur 
die synthetischen Funktionen entwickeln, auf Grund deren die Voi-stellungen empirischer 
Objekte überhaupt möglich werden. Zudem hemmte seine Lehre von der Unerkennbarkeit 
der Dinge an sich jede Feststellung der Funktion, die ihnen für die Bestimmtheit der 
einzelnen Sinneswahrnehmungen zugeschrieben werden muß. Auch bei Herbart und bei 
Beneke, falls Helmholtz dessen psychologische Schriften überhaupt gesehen hat, fand er 
für seine Fragestellung keine Hilfe. Ebensowenig selbst in Lotzes Medizinischer Psychologie. 
Die Abliandlung von E. H.Weber »über die Umstände, durch welche man geleitet winl, 
die Empfindung auf äußere Objekte zu beziehen« (1848), deren stark kantianisierende 
Erörterungen zum Teil auf seinem Wege lagen, ist ihm anscheinend entgangen, da er 
sie nirgends er^vähnt. Auf weitere Analogien, bei Fichte und Schopenhauer, ist s{)äter 
(S. 22, 42) einzugehen^. 

So kam Helmholtz dazu, selbständig die Bedingungen zu suchen, die den von ihm 
vorausgesetzten Übergang der Empfindung zur Wahrnehmung vermitteln. 

Zwei Arten solcher Bedingungen sind zu unterscheiden. 

In erster Linie kommt diejenige in Betracht, durch die wir, wie Helmholtz 1855 
sagt, zuerst aus der Welt der Empfindungen unserer Nerven hiiu'ibergelangt sind in die 
Welt der Wirklichkeit. . . . Wenn eine Verbindung zwischen der Vorstellung eines Körpers 
von gewissem Aussehen und gewisser Lage und unseren Sinnesempfindungen entstehen 
soll, müssen wir doch erst die Vorstellung von solchen Körpern haben, d. i. die Gegen- 
wart äußerer Objekte als Ursachi' unserer Nervenerregung voraussetzen. Der Teil des 
Wahrnehmung.sbestandes, der von unserem Willen unabhängig ist, heißt es in 0', drängt 
sich uns mit einer nicht willkürlich veränderlichen Notwendigkeit auf, zwingt uns daher, 
eine von unserem Wollen und Vorstellen unabhängige, also [im Sinne der realistischen 

' A III 5, A II 602, 608, V II 317. 
» V 1 111, V II 338, V 1 267, A III 536 z:. ()' 596. 

' Stärker wird der P^intluß Lotzes betont durch v. Kries in OjIII, 521 f. Vgl. Jedoch weiterhin S. 20 1'. 
und K. I 293. 



22 Erdmann: 

Hypothese S. 8 f.] äußerliche Ursache unserer Empfindungen anzuerkennen. Demgemäß 
haben wir schon bei der ursprünglichen sinnlichen Wahrnehmung den Begriff der Ur- 
sache vorauszusetzen. Freilich können wir damit diese Vorgänge nur in der Sprache 
der reflektierenden Wissenschaft beschreiben, während in der ursprünglichen Form der 
bewußten Wahrnehmung die Reflexion des Bewußtseins auf sich selber noch nicht deutlich 
enthalten ist. . . . Das natürliche Bewußtsein, welches ganz im Interesse der Beobachtung 
der Außenwelt aufgeht . . ., pflegt nicht zu beachten, daß die Eigenschaften der be- 
trachteten und betasteten Objekte Wirkungen derselben schließlich auf unsere Sinne 
sind. Ihm erscheint deshalb konsequenterweise unser Eindruck als ein reines Bild der 
äußeren Beschaffenheit, der uns jenes Äußere wiedergibt und nur von ihm abhängig ist'. 

Auch in der späteren Auflage der Optik, in der Helmholtz diese Annahmen in 
der Sprache seiner Umbildung des Kantischen Kausalgesetzes und seiner Entgegen- 
setzung von Realismus und Idealismus wiedergibt, bleibt der ursprüngliche Gedanke un- 
verändert: der Begriff der Kraft als einer uns entgegentretenden Macht ist unmittelbar 
durch die Art und Weise bedingt, wie unsere einfachsten Wahrnehmungen zustande 
kommen. Von Anfang an scheiden sich die Änderungen, die wir selbst durch imsere 
Willensakte machen, von solchen, die durch unseren Willen nicht gemacht, durch unseren 
Willen nicht zu beseitigen sind . . . Der Nachdruck fällt hierbei auf die Beobachtung.s- 
tatsache, daß der Kreis der uns zur Zeit wahrnehmbaren Gegenstände nicht durch einen 
.bewußten Akt unseres Vorstellens und Willens gesetzt ist". 

Auch wenn wir von den psychologischen und logischen Gedankengängen, in die 
diese Annahmen bei Helmholtz von vornherein eingewebt sind, noch absehen, ist dem- 
nach klar, daß in ihnen altbekannte Daten über den Ursprung des Außenwelt-Bewußt- 
seins mit der Kantischen Voraussetzung wirkender Dinge an sich sowie der Apriorität 
des Kausalgesetzes verknüpft sind. Schon damit erledigt sich der Vorwurf eines Plagiats, 
den Schopenhauer in seinem zum Übermaß gesteigerten Selbstgefühl und seinem blinden 
Mißtrauen 1856 gegen Helmholtz hat erheben lassen. Gleichviel ob Helmholtz die zweite 
Auflage von Schopenhauers Dissertation über die vierfache Wurzel des Satzes vom zu- 
reichenden Grunde (1847) oder die zweite Einleitung der Abhandlung über das Sehen 
und die Farben (1854) 1856 gekannt hat — ehie von beiden hat Schopenhauer ihm 
damals zugeschickt — : seine leitenden Gedanken über die Wahrnehmungstheorie standen 
fest, speziell längst die Annahme der Apriorität des Kausalgesetzes im Sinne Kants. Er 
hatte in diesem Punkt von Schopenhauer nichts zu lernen und nach seiner Forschungsart 
keine Veranlassung, sich über dessen Umbildung der Kantischen Verstandeslehre zu 
orientieren, noch weniger endlich bei seiner Stellung zur Metaphysik einen Grund, auf 
Schopenhauers rationalistisch metaphysische Wahrnehmungstheorie kritisch einzugehen. 
Wenige Körnchen Wahrheit stecken in dem literarischen Staub, den Helmholtz' Stellung 
zu Schopenhauer damals und seitdem mehrfach aufgewirbelt hat. Erstens unterliegt 
keinem Zweifel, daß schon Schopenhauer die grundlegende Funktion des Kausalgesetzes 
für die empirische Anschauung ausführlich entwickelt und als eine unmittelbare, augen- 
blickliche, intuitive, ohne Beihilfe der abstrakten Erkenntnis mittels Begriffe und Worte 
durch einen »Verstandesschluß« vollzogene, in der Anwendung durch Übung und Er- 
fahrung bedingte angesehen hat, so daß von dieser Verstandesoperation nichts als bloß 
das Resultat zum Bewußtsein kommt. Aber es ist nicht weniger zu beachten, daß 
Helmholtz diese Gedanken, falls er überhaupt von ihnen genauere Kenntnis genommen 

' VI 115, 0-452f. 
' 0'592f. 



Die phi/osophischen Grundlagen von Helmholtz' Wahrnehmunystheoric 28 

hatte, hei Schopenhauer in einem nach seiner Auffassung vielfach unzulänglichen oder 
irrigen, allem Geist mathematischen und physikalischen Denkens widersprechenden, meta- 
physisch erfüllten Zusammenhang vorfand. So konnte er abgestoßen werden. Deshalb 
mag es gekommen sein, daß er auch Schopenhauers Empfindungslehre erst in 0' und 
nur mit den Worten gedenkt: Was in Schopenhauers einschlägigen Erörterungen richtig 
ist, wird meist auf Fichte zurückzuführen sein. Sonst erwähnt er Schopenhauer nur 
ablehnend; dessen Verstandeslehre oder Wahrnehmungslehre setzt er sogar, offenbar 
gereizt durch eine völlig unbillige Polemik, später als eine, wie ihm scheine, gänzlich 
unklare und ungerechtfertigte Vorstellung beiseite'. 

Doch gleicliviel, soweit Helmholtz' Wahrnehmungstheorie durch die Apriorität des 
Kausalgesetzes im Sinne Kants und der sachlichen Analogie zu Schopenhauers Umbildung 
der Kantischen Verstandeslehre fundiert ist, kann sie nicht wohl als eine empiristische 
bezeichnet werden. Zu einer solchen wird sie erst, wenn wir von Helmholtz" Umbildung 
der Kantischen Raum- und Kausaltheorie hier absehen, durch die zweite Grui)pe der Be- 
dingungen für die empirische Anschauung, durch diejenigen, die Helmholtz bei dieser 
Namengebiuig im Auge hatte '■. 

Weniger als die erkenntnistheoretischen Annahmen zeigen sie Spuren einer fortschrei- 
tenden Entwicklung. In zusammenfassenden Darstellungen finden sie sich hauptsächlich : 
I. in der oft erwähnten Rede von 1855; 2. in der ersten Auflage der Oi)tik (1S67) und 
in deren übersichtlichem Abriß, den Vorlesungen über die neueren Fortschritte in der 
Theorie des Sehens (1868) sowie manchen Ergänzungen in der Lehre von den Tonempfin- 
dungen; 3. in der zweiten Auflage der Optik mit ihren Einschaltvuigen im i; 26 aus der 
Rede über die Tatsachen in der Wahrnehmung, denen eine Umarbeitung des § 33 folgen 
zu lassen, die er doch wohl schließlich vorgenommen hätte, ihm versagt geblieben ist'. 

Die Aufgabe, die der naturwissenschaftlich orientierten psychologischen Wahrnehmungs- 
theorie gestellt ist, besteht darin, wesentlich nur das Empfindungsmnterial, welclies zur 
Bildung von Vorstellungen Veranlassung gibt, in denjenigen Beziehungen zu untersuchen, 
welche für die daraus hergeleiteten Wahrnehmungen wichtig sind*. 

Das bedeutet in erster Reihe, durch die auf naturwissenschaftlichem Boden großge- 
zogene Kunst des Experimentierens . . . die Art der sinnlichen Eindrücke festzustellen, 
welche bald dieses, bald jenes Anschauungsbild vor unser Bewußtsein rufen. Grundsätz- 
lich ist zu brachten, daß, was uns l)eim Sehen (und damit bei allem sinnlichen Wahr- 
nehmen] hauptsächlich interessiert, das P>kennen und Wiedererkennen der uns umgebenden 
Körper ist ". 

Wir legen die Sinnesempfindungen beobachtend .so aus, wie sie bei ihrer normalen 
Krregungsweise und beim normalen Gebraucli der Sinnesorgane entstehen. Dabei sind 
folgende Bestimmungen zu treffen. Unter Perzeption versteht Helmholtz in erster Linie 
die Empfindung schlechthin, so daß Perzipieren eines Empfindungseindrucks und Bewußt- 
werden der Empfindung das.selbe bedeutet, die Anschauung, in der nichts enthalten ist. 
was nicht aus den unmittelbar gegenwärtigen sinnlichen Empfindungen hervorgeht, also 



' Die wesentlichen Helmholtz-Schopcnhauer-Daten in einer oben stillschweigund berichtigten ausfülirliclien 
Dai-steihing bei Fr. l'onrat, H. v. Helmholtz' Psychologische Anschauungen, Halle 1904 (Abli. z. Fhilos. inid 
ihrei' (iesch. XVHI). — Schopenhauer, t'ber die vierfache Wurzel . . .', Frankfui-t a. ."\1. 1847, S. 65. 68, 69, 
vgl. die ci-ste Auflage S. S4f. — O' 249, VII 233, vgl. 414. 358, A II O41. 657 (- V II 403); Über "das Sehn 
und die Farben, Frankfurt a. M. 1854, § 1. 

" 435- 

' O' X. 

• 427. 

' VI 268. 323, 109. 146. 



24 Erdmann: 

eine Anscliauung, wie sie auch ohne alle Erinnerung an früher Erfahrenes sich bilden 
könnte. In der älteren Psychologie sei dieser Ausdruck für die seelisch vermittelte Wahr- 
nehmung gebraucht worden, indem man diese als ein unmittelbares Produkt der orga- 
nischen Einrichtungen des Nervensystems auffaßte. Dabei sind nocli, nicht nur für den 
Gehörssinn, bloß perzipierte und apperzipierte Empfindungen zu unterscheiden. Bei 
jenen, dem niederen Grad des Bewußtseins, wie Helmholtz in der späteren Bearbeitung 
der TonempHndungen in Anlehnung an den Leibnizischen Sprachgebrauch unbedenklich 
ist anzunehmen, macht sich der Eintluß der Empfindung nur in der von uns gebildeten 
Wahrnehmung geltend, ohne daß wir dabei zur Erkenntnis bringen, worin dieser ihr 
Wahrnehmungsanteil besteht, ohne daß sie also zur bewußten Wahrnehmung kommen. 
Denn »wahrgenommen« oder »apperzipiert« ist eine Empfindung erst, wenn wir sie in 
einem höheren Grad des Bewußtseins . . . als einen vorhandenen Teil der zur Zeit in 
uns erregten Summe von Em[)findungen unterscheiden'. 

Alle aus diesem Emi)findungsmaterial abgeleiteten Bewußtseinsinhalte bezeichnet 
Helmholtz kurzweg als Vorstellungen [im weiteren Sinne]. Die erste Gruppe von ihnen 
bilden in Typeneinteilung diejenigen, die, gleichviel in welchem Maße, von gegenwärtigen 
Empfindungen begleitet . . . durch sie unterstützt sind und sie »ergänzen«. Das sind 
die Wahrnehmungen oder Anschauungen. Vorstellungen in beschränktem Sinne sind 
die »Erinnerungsbilder« von Wahrnehmungsobjekten, die von keinen gegenwärtigen 
Empfindungen begleitet sind. Als eine besondere Art von Anschauungen charakterisiert 
Helmholtz in zunehmender Betonung die künstlerischen auch dann, wenn der Künstler 
nicht mit gegenwärtigen Sinneseindrücken, sondern mit Erinnerungsbildern von solchen 
operiert, sofern sie in der unmittelbaren Weise von Wahrnehmungen auftreten. Eine be- 
sondere Art von Erinnerungsbildern sind die Vorstellungen individueller Objekte, welche 
alle die möglichen einzelnen Empfindungsaggregate umfassen, die dieses Objekt, von ver- 
schiedenen Seiten betrachtet, berührt oder sonst untersucht, in uns hervorrufen kann. 
Sie sind in diesem Sinne nach Helmholtz Begriffe, d. i. nach neuerdings vorgeschlagenem 
logischen Sprachgebrauch abstrakte Einzelvorstellungen. Ihre Analogie zu den Begriffen 
im überlieferten Sinne, d. i. den abstrakten Allgemeinvorstellungen, deren definitionelle 
Bestimmungen zahlreiche »Konnotationen« im Sinne Stuart Mills zulassen, wird ausdrück- 
lich hervorgehoben''. 

Mit diesen Unterschieden hängt ein anderer zusammen. Die philoso^jhische Über- 
lieferung pflegt, wie Helmholtz erklärt, Anschauung und Denken einander entgegenzu- 
setzen. Sie versteht unter Denken die bewußte Vergleich ung der schon gewonnenen 
Vorstellungen unter Zusammenfassung des Gleichartigen zu Begriffen und die bewußte 
Verbindung von Urteilen zu Schlüssen, kurz, die bewußte logische Tätigkeit also. Da- 
gegen pflegt man als Anschauung eine solche Entstehung von Vorstellungen zu bezeich- 
nen, bei denen in bewußter Weise nur der sinnliche Eindruck perzipiert wird und den- 
noch die Vorstellung von der Gegenwart des Objekts in das Bewußtsein springt, ohne 
daß weitere Zwischenglieder des Vorstellungskreises zum Bewußtsein kommen. Aber die 
Wahrnehmungen und Begriffe zeigen, daß neben dem Wissen, welches mit Begriffen 
arbeitet und deshalb des Ausdrucks in Worten fähig ist, noch ein anderes Gebiet der 
Vorstellungsfähigkeit besteht, welches nur sinnliche Eindrücke kombiniert, die des un- 
mittelbaren Ausdrucks durch Worte nicht fähig sind . . . und doch den allerhöchsten 
Grad von Bestimmtheit und Sicherheit haben kann, d. i. in unserer Sprache das Kennen. 

' 0438; - O^ 579, V I 296, 330 11. ö. — O 435. O^ 596; - T4 1071'. 
J O 798; — O 435, A III 10, 544, T- 468 f., O 798, (> 591 ; — V II 341, 344l'.: — O 798. O' 446. O' S98f., 
601, VI 354; — O' 446, VII 172, E§ 4, 0^578. 



Die philosophischen Grundlagen von Helmhottz' Wahrnehmungstheorie. ^5 

Wir kennen einen Menschen, einen Weg, eine Speise, eine riechende Substanz, d. h. wir 
haben diese Objekte wahrgenommen, halten ihren sinnlichen Eindruck im Gedächtnis 
fest und werden ihn wiedererkennen, wenn er sich wiederholt, ohne daß wir imstande 
wären, uns oder anderen eine Beschreibung davon in Worten zu geben. Mit der ihm 
eigenen Vorsicht erklärt Helmholtz demnach als Endergebnis des Aufsatzes von 1 894, das 
offenbar lediglich aus redaktionellen Gründen in O' nicht aufgenommen ist: Es erscheint 
zweifelhaft, ob im Vorstellungskreise des Erwachsenen überhaupt Kenntnisse vorkommen, 
die eine andere Ursprungsquelle als die unbewußte Arbeit des Gedächtnisses fordern'. 

Demzufolge sind die oft wiederholten normalen Wahrnehmungen unseres natürlichen 
Bewußtseins durch eine Reihe von Eigentümlichkeiten bestimmt, die sie auch im ein- 
zelnen von dem bewußten logischen Denken unterscheiden. Sie können fürs erste blitz- 
schnell und ohne das geringste Besinnen zustande kommen, so zwar, daß sie »ohne be- 
wußte Reflexion« ausgelöst werden. Sie vollziehen sich ferner unwillkürlich und drän- 
gen sich unserem Bewußtsein auf als gewonnen durch eine uns zwingende, gleichsam 
äußere Macht, über die unser Wille keine Gewalt hat, treten also mit unabänderlicher 
Sicherheit auf. tlberdies können sie den allerhöchsten Grad von Bestimmtheit und Sicher- 
heit haben. Sie sind endlich, wie Helmholtz, die sich oft unwillkürlich zudrängenden 
bezeichnenden Worte bei Seite setzend, ausdrücklich erklärt, des sprachlichen Ausdrucks 
in Worten nicht fähig, weil bei ihnen statt der Worte nur die ^Empfindungen und Er- 
innerungsbilder der Empfindungen eintreten . . . Man kann nun statt der Worte dieselbe 
Art der Verbindung herstellen, die man, wenn sie in Worten ausgedrückt wäre, einen 
Satz oder ein Urteil nennen würde". 

Allgemein läßt sich demnach sagen: Wir haben in jedem Augenblick unseres wachen 
Lebens außer dem Bewußtsein unseres gegenwärtigen Seelenzustandes noch Erinnerungen 
an die nächst vorausgegangenen im Bewußtsein und sind uns auch, wie Hehnholtz hin- 
zusetzt, deutlich der Verschiedenheit dieser beiden Arten von Zuständen, der gegenwär- 
tigen Wahrnehmung und der P>innerung, bewußt, so daß wir sie sicher unterscheiden'. 

Auf diesen Punkt ist noch (S. 44) zurückzukommen. Vorerst ist zu beachten, daß 
wir bisher nur ein (ilied des normalen Wahrnehmimgsbestandes, das passive, berück- 
.sichtigt haben. Eine zweite, wichtige Seite des Kennens ist es, die Muskelinnervationen 
zu kennen, die wir anwenden müssen und unter Umständen gleichfalls ,mit dem höch- 
sten (irad von Sicherheit, Bestimmtheit und Genauigkeit' anwenden, um irgendeinen Er- 
folg durch Bewegung unserer Körperteile zu erreichen. Denn eine Scheidung von Ge- 
daclitem und Wirkhchem wird erst möglich, wenn wir die Scheidung dessen, was das 
Ich ändern und nicht ändern kann, zu vollfuhren wissen. Diese wird aber erst möglich, 
wenn wir erkennen, welche gesetzmäßigen Folgen die Willensimpulse zur Zeit haben. 
Außerdem bestimmen die Prüfungen, welche wir mittels der willkürlichen Bewegungen 
imseres Körpers, al.so des Könnens, an.stellen, die Festigkeit unserer Überzeugung von 
der Richtigkeit unserer sinnlichen Wahrnehmung . . . Wenn wir bemerken, daß wir von 
einem vor uns stehenden Tische verschiedene Bilder erhalten können, wenn wir nur den 
Platz Wech.seln, daß wir nach unserem Willen in jedem uns beliebigen Augenblicke bald 
die erste Ansicht desselben, bald die zweite haben können, dadurch, daß wir unsere 
Stellung passend wech.seln, daß der Tisch unseren Sinnen entschwinden kann, aber in 
jedem uns beliebigen Augenblicke wieder da ist, wenn wir die Augen nach ihm hin- 

' V II 341. V 1 176f.. O» 600: — V I 358f., O' 598) , A III 558 

■' 0=59«, 0448. V I HO f.; - 0'45o, (M 601, V I ii2r.: — 449, ()'43of., ()'596, V I 112 f., 361; — 
V I 358 f.. 360. 1 70, O ' 598. 
' 0'578. 

Phtl.-Mst. Abh. 1921. Nr. 1. 4 



2(5 Erdmank. 

wenden, so entsteht in uns, wie wiederholt nachdrücklich betont wird, die experimen- 
tell begründete Überzeugung, daß unsere Bewegungen der Grund der wechselnden An- 
sichten des Tisches sind, daß dieser, ob wir ihn nun gerade sehen oder nicht sehen, 
doch von uns, sobald wir nur wollen, gesehen werden kann. So lernen wir durch un- 
sere Bewegungen das ruhende Raumgebild des Tisches kennen als den (irund wechseln- 
der Bilder unserer Augen. Wir erklären den Tisch als daseiend, unabhängig von unserer 
Beobachtung, weil wir ihn in jedem uns beliebigen Augenblicke beobachten können, 
sobald wir uns in passende Stellung zu ihm versetzen. Besonders scharf ist das in der 
schon oben (S. i i) zitierten Nachlaßaufzeichnung hervorgehoben'. 

Der Impuls zur Bewegung aber, so nimmt Helmholtz entsprechend der Überlieferung 
bis zuletzt unbedenklich an, den wir durch Innervation unserer motorischen Nerven geben, 
ist etwas unmittelbar Wahrnehmbares . . . auch der Grad der Innervation, . . . d. i. die 
Intensität der Willensanstrengung, durch welche wir die Muskeln in Wirksamkeit zu setzen 
suchen. Da Helmholtz übrigens zu diesen motorischen Sensationen auch die Kraft der 
Muskelspannung und die durch den Erfolg der Anstrengung ausgelösten Wahrnehmungen 
rechnet, so ist die längst wohl erledigte Annalime von »Innervationsgefühlen« für den 
wesentlichen Gehalt seiner Lehre belanglos. Ebenso die bedenkliche Annahme, daß als 
Absicht der Impulse zu willkürlichen Bewegungen der Regel nach die lebhafte Vor- 
stellung der intendierten Veränderungen zugrunde liegt. Alle die eingehenden Aus- 
führungen, in denen Helmholtz im § 27 der Optik das Gesetz der Augenbewegungen aus 
den Bedürfnissen des Wahrnehmens herleitet, bleiben bestehen, auch wenn jene beiden 
Annahmen fallen gelassen werden". 

Die Funktion der durch unsere willkürlichen Bewegungen bedingten Sinneswahr- 
nehmungen erstreckt sich sogar noch tiefer in unser Wahrnehmen hinein. Sie bedingen 
nicht nur das ohjectwn mit seinen hylogenen und topogenen Momenten, sondern auch die 
Apriorität der Raum Vorstellung überhaupt in dem schon (S. 16) erwähnten, der Kantischen 
Lehre durchaus fremden Sinne. 

Schon 1868 wird dies von Helmholtz ausgeführt, in reicherer Erörterung 1878 und 
1894, jedesmal speziell für den Gesichtssinn, aber unter der Voraussetzung, daß der »zu- 
verlässige« Tastsinn trotz seines »engbegrenzten Gesichtskreises« für sich allein durch die 
ihm entspringenden motorischen Sensationen die dreifach ausgedelinte räumliche Mannig- 
faltigkeit liefern kann. Vorausgesetzt ist nur, daß den P'mpfindungen beider Sinne außer 
ihren qualitativen und Intensitätsdiiferenzen auch von den gereizten Stellen abhängige 
Verschiedenheiten eigen sind, die gleichfalls empirischen Ursprung haben. Helmholtz be- 
zeichnet diese Verschiedenheiten mit Lotze, auf den er sich in diesem Punkte beruft, als 
Lokalzeichen. Er enthält sich jedoch, darin von Lotze und späteren abweichend, jeder 
spezielleren Hypothese über ihren Bestand. Nur das ist ihm, wie er Hering gegenüber 
bemerkt, ein für sein Denken ganz unübersteigliches Bedenken, daß eine einzelne Nerven- 
erregung ohne vorausgegangene Erfahrung eine fertige Raimianschauung zustaiule bringen 
könne. Er erkennt aber an, daß dieser Einwand vielleicht von zu metaphysischer Natur 
sei, um auf naturwissenschaftlichem Boden gehört zu werden. Der Bereich der hierher- 
gehörigen erfahrungsinäßigen Tatsachen macht nur sicher, daß die Lokalzeichen der Emp- 
findungen des einen Auges durchgängig von denen des anderen verschieden sind. Im 
übrigen sei es nicht unwahrscheinlich und der Analogie anderer organischer Einrichtungen 
gemäß, daß die Lokalzeichen benachbarter Punkte einander ähnlicher seien als die ent- 



V I 359, V II 242 -. O ^ 592, () ' 450, 452 vgl. S30, 798. V 1 355, O > S78. S99. 
O ^ 587, O 797, 599. - O 801. ^- O ^ 580. 6 485, ( ) 628 K, 654 



Dif philosophischen Grundlagen von Helniholtz' Wahrnehmungstheorie. 27 

fernter Punkte, daß somit die Art des Lokalzeichens eine kontinuierliche Funktion der 
Koordinaten der Netzliautpunkte, das System der Lokalzeichen, von welcher Art sie selbst 
sein mögen, nur erleichternd für die Einübung des Augenmaßes [wie der Tastsinnmaße], 
nicht entscheidend für seine definitiven Resultate sei. Alle weiteren Hypothesen über die 
Art dieser Lokalzeichen hält er, was sich seitdem allen Versuchen dieser Art gegenüber 
bestätigt hat, für verfrüht'. 

Unter diesen Voraussetzungen finden wir. daß die auf räumliche Objekte bezüglichen 
Empfindungen durch motorische Impulse, z. B. die Wendung des Blicks, durch Bewegung 
der Hände, durch Hin- und Hergehen geändert werden können, während solche Ände- 
rungen, wie insbesondere in O' unter völliger Umbildung der trotzdem von Helmholtz 
anerkannten Lehre Kants vom inneren Sinn ausgeführt wird, durchaus nicht eintreten. 
Demgemäß erklärt Helmholtz: Aus dieser Quelle sind alle eigentümlichen Bestimmungen 
unserer Raumanschauung herzuleiten. Denn es ist ein wesentlich unterscheidender Charakter 
der Raumbeziehungen, daß sie veränderliche Beziehungen zwischen den Substanzen [d. h. 
hier den Gegenständen der Tast- und Gesichtswahrnehniung] sind, die nicht von deren 
Qualität und Masse abhängen, während alle anderen reellen Beziehungen zwischen den 
Dingen von deren Eigenschaften abhängen. Durch die Unabhängigkeit der so ermöglichten 
Reihenfolgen von Empfindungen von den Qualitäten [und Intensitäten] der Sinneseindrücke 
und den bewegten Sinnesorganen sowie durch den Verlauf dieser Folgen in wiederholten 
Wahrnehmungen sind diese Veränderungen charakterisiert als \ on der eigentümlichen Art, 
welche wir oben Raumveränderungen nennen. An der Fiktion eines Menschen ohne alle 
Erfahrung, also auch ohne Raumanschauung und ohne Verständnis der Außenwelt, 
sucht Helmholtz zu zeigen, wie auf dem Wege solcher Reihenfolgen die Vorstellung von 
einem dauernden Bestehen von Verschiedenem gleichzeitig nebeneinander 
gewonnen werden kann, wobei dieses Nebeneinander dadurch gerechtfertigt ist, daß das 
durch Willensimpulse geänderte Verhältnis als räumlich definiert worden ist. Er nennt 
die räumlichen Wahrnehmungen, die während einer bestimmten Zeitperiode durch eine 
gewi.sse bestimmte und begrenzte Gruppe von Willensimpulsen herbeizufiihren sind, die 
zeitweiligen Präsentabilien, dagegen präsent da.sjenige Empfindungsaggregat aus dieser 
Gruppe, was gerade zur Perzeption kommt. Dann erscheint jenem Menschen jedes einzelne 
aus der Gruppe der zeitweiligen Prä.sentabilien als bestehend in jedem Augenblicke. 
Er hat es beobachtet in jedem einzelnen Augenblicke, wo er es gewollt hat. Der Induktions- 
schluß, daß er es auch in jedem zwischenliegenden Augenblicke habe beobachten können, 
ist also gerechtfertigt. In diesem Sinne also, d. h. in einem Kants Lehre vom Raum 
durchweg fremden, würde der Raum eine subjektive Anschauungsforni sein, wie 
die Empfindungsqualitäten Rot, Süß, Kalt. Von diesem Standpunkt aus würde er als 
die notwendige Form der äußeren Anschauung erscheinen, weil wir eben das, 
was wir als räumlich bestimmt wahrnehmen, als Außenwelt ... im Unterschied von der 
Welt des Selbstbewußtseins zusammenfassen, und eine gegebene, vor aller Erfahrung 
mitgebrachte Form der Anschauung, insofern seine Wahrnehmung an die Möglichkeit 
motorischer Willensimpulse geknüpft wäre, für die uns die geistige und körperliche Fähig- 
keit durch unsere Organisation gegeben sein muß. Selbst hier also wird die naturwissen- 
schaftliche Betrachtung bis zu einer gewissen Grenze mitgehen können". 

Deutlicher noch als beim Kausalprinzip sind demnach hier die rationalistischen Ge- 
danken Kants in ihr empiristisches Gegenstück umgebogen. Daß sie trotzdem in Kanti- 

> VI 829, 356r., VII 322, 0> 577 f- - O800, 812, 797, 332. vgl. VI 330, 336, 352, 356 f., V II 227, 234, 
" 53<'. 535. 540. 595. 

■' V II 224 f, r^ ()' 587, O" 577 f., 590!., V I 356 f.. V II 224 f., O II 223 O» 587. 



28 E R I) M A N N : 

sehen Formulierungen geprägt werden, beweist demnach eindringlicher noch als dort Helm- 
holtz' Bedürfnis, die Grundgedanken der Lehre des Begründers der Erkenntnistheorie fest- 
zuhalten. Auch hier aber finden wir Helmholtz auf selbstgebahnten Wegen. Er erwähnt 
zwar den Versuch von Steinbuch, die räumlichen Einzelanschauungen mittels der Be- 
wegungen der Augen und des Körpers herzuleiten. Aber seine Untersuchung verläuft 
doch in wesentlich anderer Richtung. Völlig unabhängig ist er dagegen auch hier offenbar 
von den ebenfalls analogen Versuchen der englischen Assoziaf ionspsychologen, speziell 
AI. Bains. Die für ihn entscheidenden Antriebe liegen vielmehr in den Daten der Farben- 
mischung, der sogenannten Sinnestäuschungen sowie des binokularen, speziell des stereo- 
skoi)ischen Sehens, denen wir die Phänomene des Glanzes und die Funktionen der reagie- 
renden Bewegungen, insbesondere der Augen, zugesellen dürfen, also in experimentell von 
ihm geprüften psychophysiologischen Daten'. 

Aus ihnen entwickelt er unter gelegentlicher Erwälinung der Einbildungskraft und 
A'ielfachen, aber immer nur für das Wahrnehmen, auch von Empfindungen, verwerteten 
Hinweisen auf die Funktionen der Aufmerksamkeit (S. 43) »allgemeine Regeln« für die 
Bestimmung der Gesichtswahrnehmungen, die sich leicht in Normen für die Wahrnehmung 
überhaupt umformen lassen. Durch reiche Wahrnehmungsdaten werden sie von Helm- 
holtz im einzelnen belegt. Zuerst werde hier der Satz genannt, daß wir auf unsere 
Sinnesempfindungen nur so weit leicht und genau aufmerksam werden, als wir sie für 
die Erkenntnis äußerer Objekte verwerten können, daß wir dagegen von allen denjenigen 
Teilen der Sinnesempfindung zu abstrahieren gewöhnt sind, welche keine Bedeutung für 
die äußeren Objekte haben. Eine andere lautet, daß nichts in unseren Sinnes Wahrnehmungen 
als Empfindung anerkannt werden kann, was durch Momente, die nachweisbar die Er- 
fahrung gegeben hat, im Anschauungsbilde überwanden und in sein Gegenteil verkehrt 
werden kann. An dritter Stelle stehe hier in allgemeiner Formulierung der Satz, daß wir 
stets solche Objekte in der Wahrnehmung vorhanden uns vorstellen, wie sie vorhanden 
sein müßten, um unter den gewöhnlichen normalen Bedingungen des Gebrauchs unserer 
Sinnesorgane denselben Eindruck auf den Nervenapparat hervorzubringen'^. 

Keinem Zweifel unterliegt nach dem allen, daß unsere Wahrnehmungen der Außen- 
welt durch seelische »Vorgänge« (»Prozesse, Akte, Tätigkeiten«) bedingt sind, obgleich 
sich diese Tätigkeiten der Selbstwahrnehmung entziehen. Sie fallen nicht in das Bereich 
des auf sich selbst reflektierenden Bewußtseins und mußten deshalb notwendig der psycho-, 
logischen Selbstbeobachtung verborgen bleiben ... Sie sind daher nicht unterworfen der 
Kontrolle der selbstbewußten Intelligenz . . . der direkten Herrschaft unseres Selbstbewußt- 
seins und unseres Willens . . . Ohne Nachdenken, ohne Besinnen und Mühe gehen sie vor 
sich, so daß wir von ihnen nur aus ihren Resultaten wissen. Es sind unbewußte Tätig- 
keiten . . ., die im dunklen Hintergrunde des Gedächtnisses vor sich gehen, indem in ihm 
das Gleichartige früher beobachteter Fälle sich aneinanderfügt und sich gegenseitig ver- 
stärkt und als, Erinnerung auftaucht . . . Wir kennen es als eine allgemeine Regel der 
Wirkungsweise unseres Gedächtnisses, daß sehr oft in gleicher Weise wiederholte und immer 
in derselben Art der Verbindung zusammengeschlossene Eindrücke unter übrigens gleichen 
Bedingungen eine viel dauerndere Spur ihrer selbst und ilirer Verbindung in uns hinter- 
lassen und viel sicherer und schneller in dieser Verbindung wieder in das Bewußtsein 
treten als solche, welche uns nur in zufälligen und wechselnden Verbindungen vorge- 
kommen sind. Sehen wir von der selbstverständhchen Mitwirkung der Aufmerksamkeit 

' 0456, Vlioif., 352, VII317, 337f., 350. 
,> ^ ' ,?,",'*^^' ""^°'*' '^'^ '°+' '"^l-, 246, 29if. - 0438, 8i7f., VI 353. _ O' 428f., 4381-.. OyoSf., 

< t' 003. V 11 357. TJ ir J 



Die philosophischen Grundlagen von Helmholt z' Wahmehmungstheorie. 29 

bei dieser unwillkürlichen Einprägung in das Gedächtnis und Erinnerung ab, so versteht 
sicii demnacli das zusammenfassende Ergebnis von selbst, das Helmholtz sagen läßt, je 
aufmerksamer er die Erscheinungen der Gesichtswahrnehmung studiert habe, desto gleich- 
mäßiger habe sich überall die Einwirkung der unwillkürlich erfolgenden psychischen Vor- 
gänge der Ideenassoziation und des unwillkürlichen Flusses der Vorstellungen 
gezeigt, desto konsequenter und zusammenhängender habe sich ihm das ganze Gebiet dieser 
Erscheinungen dargestellt ... Es ist somit in der empiristischen Theorie nichts voraus- 
zusetzen, als die durch tägliche Erfahrung ihren wesentlichen Gesetzen nach wohlbekannten 
Assoziationen der Anschauungen und Vorstellungen'. 

Das will beachtet sein. Es handelt sich in der Tat bei Helmholtz auch hier nicht 
um irgendwelche Einflüsse der Assoziationspsycliologie englischer Herkunft, nicht einmal 
um einen entscheidenden Einfluß der assoziationspsychologischen Annahmen J. Müllers, 
sondern eben um die assoziativen Gedächtniswirkungen, die durch die Erfahrungen des 
täglichen Lebens an die Hand gegeben sind. Das zeigen auch die Ausfuhrungen, durch 
die Helmholtz die Inans[)ruchnahme der Assoziation und damit der P>fahrung, Einübung 
und Gewöhnung wiederholt, auch an dem Sehenlernen der Kinder im einzelnen erläutert. 
Nirgends bietet sich uns ein Anlaß, bei seinem Hinweis auf die so bedingte Erfahrungs- 
grundlage des entwickelten Wahrnehmens an eine der philosophischen Assoziationstheorien 
zu denken, die seit der Zeit Hartleys und Humes entwickelt worden sind. Ebenso fern 
liegen sie, wie keines Nachweises bedarf, Schopenhauers rationalistischen Ansichten über 
den Verstandesursprung der empirischen Anschauungen^. 

Mit sich verstärkendem Nachdruck legt Helmholtz Wert auf die erläuternden Be- 
stätigungen, die seiner empiristischen Wahmehmungstheorie aus zwei verwandten Gebieten 
zufließen. Die einen sind den Erscheinungen des Sprachlebens entnommen, in deren 
Heranziehung er sich ahnungslos mit freilich ganz anders gerichteten Gedanken Berkeleys 
begegnet. Die Analogie der konventionellen Symbolik der Sprache mit der i.atürlichen 
Symbolik unserer Sinnesnerven wird schon 1852 betont. Später ist eS' die Analogie der 
seelischen Vorgänge, die das S[)rechenlernen und das Sprachverständnis vermitteln. Das 
Erlernen der Sprachen zeigt, daß ein sicheres und übereinstimmendes Verständnis eines 
willkürlichen Zeichensystems auf empirischem Wege zu gewinnen ist. Und es gewährt 
Aufschluß über die Frage, wie ein solches sich durch Gedächtniswirkungen bilden kann, 
von denen in unserer Erinnerung .schließlich nur das Gesamtergebnis der bisherigen Er- 
fahrungen stehenbleibt. . . Dabei ist eine ausgebildete Sprache einer zivilisierten Nation 
ein .so reich entwickeltes Ausdrucksmittel der vielfältigsten und feinsten Schattierungen 
des Gedankens, daß sie in dieser Beziehung sehr wohl mit dem Reichtum der körper- 
lichen Formen der uns umgebenden Naturgebilde verglichen werden kaim. Und dennoch 
bleibt sie für eine genaue Beschreibung der mannigfaltigen Sinneseindrücke, welche ein 
einziger Naturkörper, namentlich bei etwas unregelmäßiger oder verwickelter Gestalt, dem 
Auge und der Hand darbietet, viel zu arm. Trotz dieser Unterschiede aber, die wesent- 
lich durch die Verschiedenheit von willkürlicher grammatischer Regel und unabänder- 
lichem Naturgesetz bedingt sind, läßt sich sagen: Die Empfindungen sind Zeichen, welche 
wir lesen gelernt haben, sie sind eine durch unsere Organisation uns mitgegebene 
Sprache, in der die Außendinge zu uns reden ; aber diese Sprache müssen wir durch 
Übung und Erfahrung verstehen lernen, ebensogut wie unsere Muttersprache'. 



' VI184, O804, 448; VMIO, VII231, 0'4',o, 450, O' 580, 596, 601, VI 155. E6. — O 449, 448, 
Tmö», 0>597f.. 601 f., VII 343. — 0797f., 801, 804, VI 353. ' 
' 0'43', 0'6oi, VII 187, vgl. O810, VI ii3f. 
» A II 6o8f., vgl. V I 41 ; — O' 596r., 598, O- 43of.. 443, V I 363f., 393, V II 232 f. 



30 K R I) M A N N : 

Eine zweite Gruppe bestätigender Krläuterungen für die psychischen Tätigkeiten des 
Wahrnelmiens, von denen es schwer hält, überhaupt in Worten zu reden, findet Hei ra- 
holtz in dem, was in der Ästhetik, in der sie noch am meisten berücksichtigt worden 
sind, als »Anschaulichkeit, unbewußte Vornunf'tmäßigkeit, sinnliche Verständlichkeit« und 
ähnlichen halbdunkeln Bezeichnungen eine große Rolle spiele. Es stehe ihnen das sehr 
falsche Vorurteil entgegen, daß sie unklar, unliestimmt, nur halbbewußt vor sich gehen, 
daß sie als eine Art rein mechanischer Operationen dem bewußten und durch die Sprache 
ausdrückbaren Denken untergeordnet sind . . . Daraus, daß die künstlerischen Anschau- 
ungen nicht auf dem Wege des begrifflichen Denkens gefunden sind, daß sie mühelos 
kommen, plötzlich aufblitzen, daß der Besitzer nicht weiß, woher sie ihm gekommen 
sind, folge durchaus nicht, daß sie keine Ergebnisse enthalten sollten, die aus der Er- 
fahrung entnommen sind und gesammelte Erinnerungen an deren Gesetzmäßigkeit urn- 
fasscn . . . Wir müssen die Künstler als Individuen betrachten, deren Beobachtungen 
sinnlicher Eindrücke vorzugsweise fein und genau, deren Gedächtnis für die Bewalirung 
der Erinnerungsbilder solcher Eindrücke vorzugsweise treu ist . . . Hierdurch werden 
wir auf eine positive Quelle der künstlerischen Einbildungskraft hingewiesen, welche voll- 
ständig geeignet ist, die strenge Folgerichtigkeit der großen Kunstwerke zu rechtfertigen . . . 
und die aus Anschauungen zusammengewachsene Kenntnis des regelmäßigen Verhaltens, 
d. i. die Kenntnis der Typen der Erscheinungen zu erklären'. 

Das entscheidende psychologische Moment für Helmholtz" empiristische Wahrnehmungs- 
theorie bilden dieTatsachen der Wahrnehmung, die es nicht möglich, oder, wie er in der Optik 
sagt, oft recht schwer machen zu beurteilen, was in unseren durch den Gesichtssinn 
gewonnenen Anschauungen unmittelbar durch die Empfindung, und was im Gegenteil 
durch Erfahrung und Einübung bedingt ist . . . An diese Schwierigkeit knüpft sich auch 
der hauptsächlichste prinzipielle Gegensatz, welcher. . auf diesem Gebiete besteht. Helmholtz" 
Stellungnahme ergibt sich daraus, daß, wo man auch diese Grenze zu ziehen versuche, 
immer sich die Fälle finden, in denen die Erfahrung sich genauer, unmittelbarer imd 
bestimmter erweist als die angebliche Empfindung und in denen sie letztere besiegt. 
Sie zeigen ihm: Nur die eine Annahme führt in keine Widersprüche . ., welche alle 
Raumanschauung als auf Erfahrung beruhend betrachtet, und voraussetzt, daß auch die 
Lokalzeichen unserer Gesichts- [und damit aller in Betracht kommenden] Empfindungen, 
ebenso wie deren Qualitäten an und für sich, nichts als Zeichen sind, deren Bedeutung 
wir . durch Erfahrung und Übung ... zu lesen erst lernen müssen. Die Bedenken, die 
sich dieser empiristischen Auffassung aus den Beobachtungen früher Raumorientierung 
bei Tieren entgegenhalten lassen, hat Helmholtz auf Grund nächstliegender Daten von vorn- 
hereinbeachtet, aber zurückgestellt, solange nicht sorgsamere Beobachtungen und gesichertere 
Hypothesen über das beschränkte Seelenleben des Instinkts vorliegen. Was seiner Auf- 
fassung nach die Anerkennung der empiristischen Theorie durch ihre früheren und zeit- 
genössischen Vertreter (1866) bisher verhindert hat, rührt, abgesehen von der Abneigung 
des Zeitalters gegen ])hilosophische und psychologische Untersuchungen, davon her, daß 
es an einer zusammenhängenden Darstellung aller Erscheinungen dieses Gebiets fehltet 

Verbreiteter als die empiristische Hypothese waren um die erste Hälfte des Jahr- 
hunderts die Deutungen des Wahrnehmungsbestandes, die Helmholtz als nativistische 
zusammenfaßt. In ihnen wird, wie Helmholtz formuliert, der Einfluß der Erfahrung zwar 
fiir eine gewisse Reihe von Wahrnehmungen zugegeben, aber für gewisse, bei allen Beob- 

' VI361, VII 344, 96, 232, 318, 339, 341, 3471-., T4 387, sgof., sgsf. 

- VI354, 0433, 435, 0797f., 8r7f., O-600, V 1 17, 332, VI i i4f. — V 1 362 f.: vel. iii;.0^6oo; — 

797, O'Vl. ' t 6 3.. 



Die philosophvirhen Grundlagen von Helmholtz' Wahrnphmiingslheorie. 31 

achtem gleichförmig eintretende elementare Anschauungen ein Sj'stem von angeborenen 
und nicht auf Erfahrung begründeten Anschauungen, namentlich der R^umverhältnisse, 
vorausgesetzt. So namentlich von J. Müller, Panum und Hering, deren Annahmen Helmholtz 
spezieller bekämpft und in der zweiten Auflage der Optik, was Herings spätere Aus- 
fuhrungen betrifft, ebenso wie die Deutung Stumpfs wohl ausführlicher bekämpft hätte, 
wenn er den Schlußparagraphen des Werks noch hätte umarbeiten können. Die wesent- 
liche Schwierigkeit jedoch, der nach seinem Urteil noch keine dieser Theorien entgangen 
ist, daß ihnen zufolge wirklich vorhandene Empfindungen durch eine Erfahrung, die sie 
als unbegründet nachweist, aufgehoben werden können, hätte er auch dann wohl in ihnen 
allen gefunden". 

Der Hauptsatz der empiristischen Theorie ist nach Helmholtz: Die Sinnesempfindungen 
sind nur Zeichen für die Beschaffenheit der Außenwelt, deren Deutung durch Erfahrung 
gelernt werden muß. Diese Zeichentheorie der Empfindungen hat durch die vor- 
stehenden Erläuterungen der erkenntnistheoretischen Annahmen von Helmholtz nur zum Teil 
deutlich gemacht werden können. Auch die Rolle der Erfahrung ist durch die vor- 
stehende Analyse der Assoziationsfunktionen nicht vollständig bestimmt. Das bezeugt 
die Formulierung des Hauptsatzes in der Optik: Die Sinnesempfindungen sind fiir unser 
Bewußtsein Zeichen, deren Bedeutung verstehen zu lernen unserem Verstände über- 
lassen ist. In ihr wird dem Verstände zugeschrieben, was in der ersten Formel als 
Sache der Flrfahrung bezeichnet war'. 

Dieser Hinweis auf die Verstandesfunktionen in der Erfahrung fuhrt uns auf die 
dritte und letzte, besonders beanstandete Gruppe von Helmholtz' philosophischen Annahmen, 
auf die logische Deutung der A'ssoziationsbedingungen als unbewußte Schlüsse. 

Helmholtz' logische Ann'ähmen sind einerseits durch Kants Einschätzung der über- 
lieferten Logik, andrerseits durch Stuart Mills Deutung des Syllogismus bedingt; nur Mills 
empiristische Ableitung des Kausalgesetzes bleibt, wie schon zu besprechen war, formell 
abgelehnt. Das zeigt insbesondere die mancherlei frühere Auslassungen zusammenfassende 
»Kritik der alten Eogik« und ihre Folgeparagraphen in der Einleitung zu den Vorlesungen 
von 1893/94. Auf die spätere Entwicklung der Logik, auch die deutsche seit dem 
Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, hat Helmholtz keine Rücksicht 
mehr genommen^. 

Wesentlich für die vorliegende Erörterung ist, daß Helmholtz die Auffassung der Funk- 
tionen des Obersatzes, der propositio major, als eines bloßen Memorandums früherer Fälle für 
alle Syllogismen, bei denen die major ein Satz ist, der sich auf die Wirklichkeit bezieht 
und also nur das Resultat der Erfahrung sein kann, von Mill angenommen hat. In 
diesen Fällen, so argumentiert er mit Mill, müssen wir des Schlußsatzes sicher sein, ehe 
wir noch den Obersatz, durcli den wir ihn beweisen wollen, aufstellen können. Der 
scheinbare Zirkelfehler in diesen Schlüssen hebe sich dadurch, daß wir in der gewöhnlicheren 
und ursprünglicheren Art, durch Induktion zu schließen, zu der Überzeugung des Schluß- 
satzes auch unmittelbar kommen können, ohne in unserem Bewußtsein den allgemeinen 
Satz zu bilden..., indem in unserem Gedächtni.sse das (Gleichartige der früher l)eob- 
achteten Fälle sich aneinanderfügt und gegenseitig verstärkt. Das zeige sich namentlich 



' O 435, 804 r. — O'X, Stumpf: tTber den psychologischen Ursprung der Raiimvoi'stellung, Leipzig 1873. 
817, 456, 594, Vl336f., 343f., 349^, 352f., 394, VII 235^ 
' V I 17, 332, O 797. 



» h:6, vi 178. 0447. 



32 • E R D M A N X : 

bei allen verwickeiteren Vorgängen unsicheren Schließens. So bei den Schlüssen auf 
zu erwartende Reaktionen uns bekannter Persönlichkeiten'. 

Diese Deutung der Syllogismen aus induktiven Prämissen, die stets gemeint 
sind, wo Hehnholtz von induktiven oder Analogieschlüssen aus früheren Erfahrungsdaten 
spricht — sie sind ihm wie Mill das Urbild der Syllogismen überhaupt — , übertrug er 
früh, anscheinend selbständig, auf die seelischen Vorgänge, die das Wahrnehmen bedingen. 

Schon 1852 berichtet er über stereoskopische Beobachtungen, bei denen nach Ana- 
logie dessen, was die tägliche Erfahrung gelehrt habe, auf Glanz »geschlossen« werde, 
daß ferner das binokulare Einfachsehen die Folge eines Aktes des Urteils sei. Deutlicher 
wird die Meinung, noch ohne feste Namengebung, in dem Vortrage von 1855. Hier Avird 
im Anschluß an J. Müllers Projektionshypothese und in illustrierendem Gegensatz gegen 
die schon von Müller zitierte mythische Deutung der Gesiclitswahrnehmung im Platoni- 
schen Timaeus der Satz zugrunde gelegt: da das Bewußtsein nicht unmittelbar am Orte 
der Körper selbst diese wahrnimmt, so kann es nur durch einen Schluß zu dieser Kennt- 
nis kommen. Denn nur durch Schlüsse können wir überhaupt das erkennen, was wir 
nicht unmittelbar wahrnehmen. Aber die Akte des normalen Verständnisses unserer Sinnes- 
empfindungen und der Deutung des Wahrnehmungsbesüindes bei den Sinnestäuschungen 
gehen ohne unser Wissen vor sich und können auch nicht durch unsern Willen und [bei 
Täuschungen] unsere bessere Überzeugung abgeändert werden . . . nicht wir . . . schließen 
. . ., die Vorstellung in uns schließt. Denn es ist kein mit Selbstbewußtsein voll- 
zogener Schluß, durch den wir zur Kenntnis der Körperwelt kommen. Vielmehr hat 
er mehr den Charakter eines mechanisch eingeübten, der in die Reihe der unwillkür- 
lichen Ideenverbindungen eingetreten ist, wie solche zil entstehen pflegen, wenn zwei 
Vorstellungen sehr häufig miteinander verbunden vorgekommen sind. Dann ruft jedes- 
mal die eine mit einer gewissen Naturnotwendigkeit die andere hervor. In Form von 
Fragen, die ihre Bejahung voraussetzen, werden diese mechanisch eingeübten Ideenver- 
bindungen als eine Art des Denkens charakterisiert: Dürfen wir denn nun, was hier 
geschieht, dieses Denken ohne Selbstbewußtsein und nicht unterworfen der Kontrolle der 
selbstbewußten Intelligenz, wirklich als Prozesse des Denkens bezeichnen? Unvermittelt 
wird dies schließlich, wie schon oben (S. 9) zu erwähnen war, dadurch gesichert, daß 
wir durch einen Schluß die Gegenwart äußerer Objekte als Ursache unserer Nerven- 
erregung voraussetzen, also die Gegenstände der Außenwelt, die wir nicht unmittelbar 
wahrnehmen, auf Grund des Kausalgesetzes a priori als Wirkungen denken. Es wird also 
der Kausalschluß zwar von den assoziativ vermittelten unterschieden, aber in das Den- 
ken ohne Selbstbewußtsein einbezogen". 

Befriedigt war Helmholtz von dieser ersten Darstellung auf die Dauer nicht. Im 
Jahre 1857 berichtet er dem Vater in dem (S. 14) schon zitierten Brief von dem Be- 
dürfnis einer spezielleren Durcharbeitung gewisser, von den neueren Philosophen nicht 
untersuchter Fragen. Unter diesen nennt er auch die Gesetze der unbewußten Analogie- 
schlüsse, durch welche wir von den sinnlichen Empfindungen zu den sinnlichen Wahr- 
nehmungen gelangen. Den ersten Ertrag dieser fortschreitenden Untersuchungen zeigt 
die Heidelberger Festrede vom Jahre 1862. In ihr geht er von den bereits erwähnten ver- 
wickelten Fällen aus, in denen wir mit ziemlicher Sicherheit Handlungen eines uns Bekann- 
ten voraussagen, indem wir dessen bisher von uns beobachtete Handlungen mit ähnlichen 
Anderer vergleichen. Dann ziehen wir unseren Schluß auf den Erfolg der künftigen 

' O 4471-.: v-l. V II 233. K 6. ^- O 448: vgl. V I 170, 360. 

■ ' / '".."; rr."'- ^''"«"■' Handbuch ... II 268f., 352, 257, vgl. O- 441. () 762, 766, 781. 801. — V 1 112, 110 
vgl. loif. — VI 115. 



Die philosophisehm Grundlagen von Hehnholtz' Wahrnehmungsthrorie. 33 

Handlungen, ohne weder den Major noch den Minor dieses Schlusses in einer bestimm- 
ten und deutlich begrenzten P^orm aussprechen zu können, ja ohne uns vielleicht selbst 
klar gemacht zu haben, daß unsere Vorhersagung auf der beschriebenen Vergleichung be- 
ruht. Unser Urteil geht in einem solchen Falle nui- aus einem gewissen psychologischen 
Takte, nicht aus bewußtem Schließen hervor, obgleich im wesentlichen der geistige 
Prozeß derselbe geblieben ist . . . Auf dieser Art der Induktion beruhe die ganze Aus- 
bildung unserer Sinneswalirnehniungen ... als Resultaten psychischer Prozesse, welche 
nicht in das Bereich des auf sich selbst reflektierenden Bewußtseins fallen, und welche 
deshalb notwendig der psychologischen Selbstbeobachtung verborgen bleiben mußten . . . 
Man könnte sie im Gegensatz zu der logischen, welche es zu scharf definierten all- 
gemeinen Sätzen bringt, die künstlerische Induktion nennen, weil sie im höchsten 
Grade bei den ausgezeichneteren Kunstwerken hervortritt'. 

In schärfstem Gegensatz zu dieser Art des Denkens steht dasjenige der mathema- 
tischen Wissenschaften, der reinen Mathematik, d. i. der Arithmetik, sowie der Geometrie, 
der Mechanik und mathematischen Physik. Hier sehen wir die bewußte logische Tätig- 
keit unseres Geistes in ihrer reinsten und vollendetsten Form, auch die ganze Mühe, Vor- 
sicht, Genauigkeit und Schwierigkeit, welche die eiserne Arbeit des »reinen Verstandes« 
im selbstbewußten Schließen erfordert. Weniger ausgeprägt sei diese Eigenart in den 
historischen Naturwissenschaften. In ihnen ist die Bestimmung der Arten und die Glie- 
derung der Abteilungen der Organismen wesentlich nur einem solchen Takte überlassen, 
<ler ohne genau definierbare Regel verfährt, wennschon es in ihnen meist viel leichter 
sei, allgemein umfassende Begriffe und Sätze aufzufinden . . ., als da, wo wir unser Urteil 
auf die Analyse der Seelentätigkeiten gründen müssen . . . Die Geisteswissenschaften da- 
gegen haben es überwiegend mit Urteilen nach psychologischem Taktgefühl zu tun. Nur 
in der Theologie, Ethik, Jurisprudenz und Grammatik geschieht die Subsumtion unter 
die entsprechenden Gebote, den Vordersätzen der Subsumtion, in der Form des bewuß- 
ten logischen Schließens. Nur die Lösung für die Formulierung des Untersatzes werde 
meist wieder eine Sache der psychologischen Anschauung sein". 

Im wesentlichen abgeschlossen ist die Lehre in der ersten Auflage der Optik. Ge- 
mäß der nur bedingten Anerkennung, die Helmholtz för seine psychologischen und logi- 
schen Hilfssätze fordert, ist sie fast ausschließlich in dem Anhang zu dem oft schon zitierten 
^ 26 ausgeführt. Auch in dem Schlußparagraphen des Werks wird sie nur flüchtig be- 
rührt. In ihm wird ausdrücklich auf Stuart Mills Analyse des induktiven Obersatzes Bezug 
genommen, dessen Name zum erstenmal von Helmholtz in dem eben analysierten Vortrag 
genannt wird (vgl. S. 32). Schon ni den ersten, bereits 1860 veröffentlichten Seiten des 
Paragraphen wird programmartig erklärt: Die psychischen Tätigkeiten, durch welche wir 
zu dem Urteile kommen, daß ein bestimmtes Objekt von bestimmter Beschaffenheit an 
einem bestimmten Orte außer uns vorhanden sei . . . sind in ihrem Resultate einem 
Schlus.se gleich, in.sofern wir aus der l)eobachteten Wirkung auf unsere Sinne die Vor- 
stellung von einer Ursache dieser Wirkung gewinnen, während wir in der Tat direkt doch 
immer nur die Nervenerregungen, also die Wirkungen wahrnehmen können, niemals die 
äußeren Objekte . . . Sie werden als unbewußte Schlüsse, spezieller als unbewußte Analogie- 
oder Induktions.schlüsse bezeichnet, die — das wird wiederholt — »in ihren Resultaten» 
den bewußten Schlüssen dieser Art »kongruent sind«. Die Schlüsse auf Grund des Kausal- 
gesetzes werden also auch hier (S. 32) von vornherein diesen Schlüssen zugeordnet. Die 



> Kl 292. VI 170 f., 184. 
■' VI 172— 178, 180: vgl. 191. 

Phil.-hUt. Abh. 1921. Nr. 1. 



34 Kr DMA NN : 

erläuternden Ausfiihrungen werden allerdings vorerst durchweg den assoziativ vermittelten 
Einflüssen der topogenen und hylogenen Momente entnommen: Wenn wir uns in millionen- 
fach wiederholten Erfahrungen . . . durch die unbewußten Vorgänge der Assoziation von 
Vorstellungen über den Ort eines leuchtenden Objekts mit Hilfe von reagierenden Be- 
wegungen orientiert haben, so liegt kein eigentlicher, bewußter Schluß vor, aber es ist 
doch die wesentliche und ursprüngliche Arbeit eines solchen vollzogen. Ähnlich so ent- 
stellt aller Schein durch vorschnelle, unreflektierte Induktionen, bei denen wir aus früheren 
Fällen Schlüsse auf neue Fälle ziehen, und wo die Neigung zu den falschen Schlüssen 
bestehen bleibt trotz der auf bewußte Überlegung gegründeten besseren Einsiclit in die 
Sache. Das Wesentliche in allen diesen und sonstigen analogen Fällen, wie bei der Deutung 
der äußeren Zeichen für (Gemütszustand e und Charaktereigentümlichkeiten, ist das Prinzip 
des Experimentierens . . . Erst indem wir unsere Sinnesorgane nach eigenem Willen 
in verschiedene Beziehungen zu den Objekten bringen, lernen wir sicher urteilen über die 
Ursachen vmserer Sinnesempiindungen, und solches F'xperimentieren geschieht, wie wieder- 
holt ausgeführt wird, von frühester Jugend an ohne Unterbrechung das ganze Leben 
hindurch '. 

Dabei wird durch alles, was von der Beschaffenheit [und dem Ort] des gerade vor- 
liegenden Objekts abhängt . . . die äußere Ursache als ein unabhängig von unserer Wahr- 
nehmung bestehendes Objekt anerkannt. Das vermittelt für Helmholtz den Übergang zum 
Kausalgesetz: Es schiebt sich hier der Begriff der Ursache hinein, und es ist zu fragen, 
ob es zulässig ist, diesen bei der ursprünglichen sinnlichen Wahrnehmung vorauszusetzen. 
Die Frage wird aus den früher (S. 9) angeführten Gründen gegen Stuart Mill bejaht. 
Zugleich wird das Kausalgesetz — als Gesetz von zureichendem Grunde — in der gleich- 
falls oben schon erörterten Fassung als die Forderung bestimmt, alles begreifen zu wollen, 
andeutungsweise auf Naturgesetze und Kräfte bezogen (S. 9) und mit der Subjektivität 
der Empfindungen in Parallele gesetzt (S. 10). Unser Verstand kann die Welt also be- 
greifen nur als kausalen Zusammenhang . . . Neben unserem Verstände steht wenig- 
stens für die Auffassung der Außenwelt kein anderes gleichgeordnetes Vermögen da'. 

Der Unterschied aller dieser unbewußten Schlüsse von den eigentlich sogenannten 
und mit Bewußtsein vollzogenen besteht fürs erste darin, daß wir bei diesen nichts anderes 
tun, als daß wir mit Überlegung und sorgfältiger Prüfung diejenigen Schritte der induk- 
tiven Verallgemeinerung unserer Erfahrungen wiederholen, welche schon vorher in schnellerer 
Weise ohne bewußte Reflexion ausgeführt waren. Es fehlt an ihnen also die reinigende 
und prüfende Arbeit des bewußten Denkens. Überdies widersteht ihrer Aufnahme in das 
bewußte Denken noch ein ihnen ganz eigentümlicher Umstand, nämlich der, daß wir gar 
nicht näher bezeichnen können, was in uns vorgegangen ist, wenn wir eine Empfindung 
in einer bestimmten Nervenfaser hatten . . . Wir können im natürlichen Zustande . . . von 
der Empfindung nicht anders sprechen, sie nicht begrenzen und festhalten, als indem wir 
sie bezeichnen durch die Bedingungen, unter denen sie zustande gekommen ist. Ich 
muß z. B. sagen: »ich sehe etwas Helles nach links hin«; das ist der einzige Ausdruck, 
den ich der Empfindung geben kann ... F:s fehlt jedes Mittel, die Empfindung anders zu 
beschreiben und mit anderen, früher gehabten P^mpfindungen zu identifizieren, als dadurch, 
daß man den Ort des scheinbar entsprechenden äußeren Objekts bezeichnet. Auch hin- 
sichtlich des Kausalgesetzes sind wir, wie schon (S. 22) zu zitieren war, in der Verlegen- 
heit, daß wir die Vorgänge nur in der Sprache der reflektierenden Wissenschaft beschreiben 



^ O447, VI 178, 0817. O-430, 448, 449, O- 450, 452; vgl. VI 3541-., VII 344, O^ 600. 



Die philosophischen Grundlagen van Helmholtz' Wnhrnehmunysthcoric . 35 

können, wälirend in der ursprünglichen Form des bewußten Wahmehmens die Reflexion 
des Bewußtseins auf sich selber noch nicht deutlich enthalten ist . . . Die Urteile, durch 
welclip wir von unseren Sinnesempfindungen auf die Existenz einer äußeren Ursache der- 
selben übergehen, können wir also auf dem gewöhnlichen Zustande unseres Bewußtseins 
gar nicht einmal in die Form bewußter Urteile erheben'. 

In dem »xVbriß« von 1869 wird diesen Erörterungen nur weniges hinzugefügt. Es 
wird hier betont, daß man bei den unbewußten Schlüssen . . . von den gewöhnlich be- 
tretenen Pfaden der psychologischen Analyse etwas seitab gehen muß, um sich zu über- 
zeugen, daß man es hierbei wirklich mit derselben Art von geistiger Tätigkeit zu tun 
hat, die in den gewöhnlich sogenannten Schlüssen wirksam ist. Der Unterschied scheine 
ihm in der Tat nur ein äußerlicher zu sein. Es sei ferner klar, daß man mit den sinn- 
lichen Erinnerungsbildern statt der Worte dieselbe Art der Verbindung herstellen könne, 
die man, wenn sie in Worten ausgedrückt wäre, einen Satz oder ein Urteil nennen würde. 
So erklärt sich der Sprachgebrauch, der Helmholtz unterschiedslos von Urteilen im lo- 
gischen Sinne uiul Urteilen im Sinne unformulierter Wahrnehmungen reden läßt. Auch 
daß diese Schlüsse . . . uns so zwingend entgegentreten, wie eine äußere Naturgewalt, . . . 
unterscheide sie niclit von den logischen und bewußten Schlüssen . . . Was wir mit Will- 
kür und Bewußtsein tun können, um einen Schluß zustande zu bringen, ist doch nur, 
daß wir das Material fiir seine Vordersätze vollständig herbeischaffen Sobald dieses 
Material wirklich vollständig da ist, drängt sich uns der Schluß unabweislich auf'. 

Auch in den späteren Ausfiihrungen ist trotz der meist auf mangelhaftem Verständnis 
beruhenden Einwendungen gegen diesen Bestandteil seiner Lehre von Helmholtz sachlich 
an ihm nichts geändert worden. Er schreibt noch 1894: Bei der Bildung von Anschau- 
ungen spielen InduktionsschlOsse, gewonnen durch unbewußte Arbeit des Gedächtnisses, 
eine hervorragende Rolle. Denn daß er gegenüber der Gleichsetzung seiner Aimahmen 
mit Schopenhauers Ausführungen (S. 23 ) den Namen »unbewußte Schlüsse« vermeiden 
will, bedeutet sachlich garnichts. Es bestätigt der historischen Forschung nur, was 
aus dem ganzen Zusammenhang von Helmholtz" Ausfulirungen folgt, daß die für ihn hier- 
hergehörigen Schlüsse aus dem Kausalgesetze zu Schopenhauers intuitiven • Verstandes- 
schlüssen in keinem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Die Einschränkung ferner, die er 
in der zweiten Auflage der Optik der bis zu einer gewissen Grenze zulässigen und be- 
zeichnenden Namengebung für die ersten Wiederholungen seltenerer Beobaclitungen zu- 
gibt, bedeutet nicht viel. Daß in diesen Fällen die Erinnerung an die früheren mit 
ihren Nebenumständen deutlicher wird hervortreten können, zeigt doch nur, daß der 
psychische Prozeß hierbei eine größere Analogie mit bewußtem Denken gewinnen würde. 
Ausdriicklich wird wieder erklärt, daß der Vordersatz dt-r unbewußten Schlüsse aus einer 
Reihe von Erfahrungen gebildet ist, die einzeln längst dem (iedächtnis entschwunden 
sind und auch nvir in Form von sinnlichen Beobachtungen, nicht notwendig als Sätze 
in Worte gefaßt, in unser Bewußtsein getreten waren. Der bei gegenwärtiger Wahr- 
nehmung eintretende neue .sinnliclie Eindruck bilde den Minor, auf den die durch die 
früheren Beobachtungen eingeprägte Regel angewendet wird. Ebenso wird daran erin- 
nert, wie dieser psychische Prozeß von den niedrigsten bis zu den höchsten Entwick- 
lungsstufen unseres Geisteslebens sowie, wenn auch häufiger zu Irrtum führend, in den 
Tieren wirksam ist. Die Auflösung des Begriffs der Anschauung in die elementaren Vor- 
gänge des Denkens, d. i. in begriff"liche Bildungen, bleibt ihm gegenüber Kant der we- 



■ o 448—449, O' 453; vgl. O 540. 
" V I 358, 3«« f., E 5. 



36 E R D M A N N : ' 

sentlichste Fortschritt der neueren Zeit . . . Schon die ersten elementaren Wahrnehmungen 
enthalten in sich ein Denken und gehen nach den Cxesetzen des Denkens vor sich. Alles, 
was in der Anschauung zu dem rohen Materiale der Empfindungen hinzukommt, kann 
in Denken aufgelöst werden'. 

Auch diese logischen Annahmen von Helmholtz bedürfen kritischer Erläuterungen. 

In vielfachen Wendungen hat Helmholtz, wie sich uns zeigte, die »unbewußten« 
Schlüsse denen des eigentlich sogenannten bewußten logischen Denkens entgegengesetzt: 
Jene gehen ohne unser Wissen . . ., ohne Selbstbewußtsein und nicht, unterworfen der 
Kontrolle der selbstbewußten Intelligenz vor sich ; sie gehen aus einem gewissen psycho- 
losischen Takt, nicht aus bewußtem Schließen hervor: es ist kein selbstbewußtes Schließen, 
das des Ausdrucks in Worten fähig wäre ; sie sind im allgemeinen nicht bewußte Tätig- 
keiten; sie werden ohne bewußte Reflexion ausgeführt; sie sind Induktions-, nicht be- 
wußte Schlüsse und als solche niemals so zuverlässig, wie wohl geprüfte Schlüsse des 
bewußten Denkens; sie gleichen diesen nur in ihrem Resultat usw. Im Hinblick auf 
die assoziativen unbewußten Vorgänge, die in ihnen syllogistisch geformt werden, ist 
die eigentliche Meinung aller dieser Wendungen sicher: Die unbewußten Schlüsse sind 
logische Formulierungen von assoziativen Gedächtnis Wirkungen, bei denen der Obersatz 
des logischen Schlusses durch meist undeutlich bleibende Erinnerungen, der Untersatz 
durch den neuen sinnlichen Eindruck, der Schlußsatz durch den gleichfalls nicht sprach- 
lich formulierten vorliegenden Wahrnehmungsbestand vertreten ist. Unter- und Schluß- 
satz sind deutliche Bestandteile des unformulierten Wahrnehmungsbewußtseins, während 
der Obersatz der Regel nach undeutlich bleibt. Das Unbewußte ist also bei Helmholtz 
nicht die Negation des Bewußtseins überhaupt in dem Sinne, wie etwa zur Zeit nach 
verbreiteten Annahmen unerregte Gedächtnisresiduen als unbewußt gedacht werden. Die 
Gedanken ähneln vielmehr dem, was Kant im Anschluß an Leibniz unter unbewußten, 
d. h. undeutlichen Vorstellungen verstanden hat. Eben diese, man könnte sagen »rela- 
tive Unbewußtheit« gibt das tertium comparaüonis zu den logischen Schlüssen, d. i. dem 
logischen Denken, imd damit dem Verstände. Erschwert wird die Einsicht in diesen 
Sinn dadurch, daß Helmholtz den Ausdruck »Bewußtsein« nirgends bestimmt, vielleicht 
im Anschluß an J. Müllers Erklärung, daß das »Bewußtwerden sich nicht weiter als durch 
das Bewußtwerden an sich selbst aufklären und so wenig beschreiben läßt als Ton, 
blau, rot, bitter.« Er läßt nur, gleichfalls ohne entsprechende Festlegung, erkennen, 
daß er unter Selbstbewußtsein in diesem Zusammenhang die kontrollierende Selbstwahr- 
nehmung eines in logischen Urteilen formulierten Bewußtseins Verlaufs versteht. Auch 
demgegenüber aber bleibt schließlich kein Zweifel. Es handelt sich doch um seelische 
Vorgänge, die sich an die Empfindungen »anschließen«, auf dieser Grundlage erst 
»im Bewußtsein«, und damit im Gehirn als dem Organ des Bewußtseins zustande 
kommen '". 

Vorausgesetzt ist bei dem allen die Helmholtz gleichfalls durch J. Müller überlieferte, 
bereits (S. i8f) besprochene Trennung von Empfindung und Wahrnehmung; die Annahme 
also, daß die Empfindungen der Sache nach vor der Wahrnehmung, die sie kombiniert, ge- 
geben seien, die Wahrnehmung der Außenwelt demnach, psychologisch genommen, assoziativ 
vermittelt, logisch gefaßt erschlossen sei, d. i. allgemein gesprochen der physiologische, 
nicht der psychologische Ausgangspunkt, der die Empfindungen von vornherein als inte- 
grierende Bestandteile der Wahrnehmung fassen läßt. 



' AIII 553, 0=6oif., VII 233, 0^602; vgl.Vl 267. 391. — VII 244: vgl. 338, h', 9^, O' 591. 

' Vgl.Vl Tio, 171, 358, 360, ()'430, O436, 448. — O^ 602, V II 233. — J.Müller, a. a. O. II 516. 



Die philosophLirhen Gmndlagen von Helmholtz' Wahrnehmungstheorie. 37 

Kurzweg stellt Helmholtz gelegentlich die Induktionen oder Analogieschlüsse den 
»logischen« Schlüssen gegenüber. Dabei sei nochmals betont, daß er unter ihnen ledig- 
lich Syllogismen mit induktivem Obersatz versteht, deren Untersätze, der bei gegenwärtigen 
Wahrnehmungen eintretende neue Eindruck, von ihm auf seinen induktiven Gehalt nicht 
analysiert wird'. 

Auch abgesehen davon aber bleibt eine Schwierigkeit, die schon oben (S. 3 1 f.) wieder- 
holt angedeutet wurde. Es sind, wie schon Conrat hervorgehoben hat, zwei verschiedene 
Arten von Syllogismen, die in diesen Induktionen zusammengefaßt werden. Erstens die 
in Helmholtz" Sinne offenbar induktiven, in deren Obersätzen bisher gewonnene Erfah- 
rungen topogenen und hylogenen Ursprungs assoziativ in Einzel- und Allgemeinbegriffen 
zusammengefaßt sind. Aber auch der aller möglichen Sinneswahrnehmung zugrunde liegende 
Schluß auf die wirkenden Ursachen der Objekte der Außenwelt überhaupt wird ihnen, wie 
wir sahen, zugerechnet. In diesem aber ist, wenn der Scliluß syllogistisch formuliert wird, 
der Obersatz das Kausalgesetz selbst, das alle Induktionen bedingt. Das Kausalgesetz aber 
ist, wie wir gesehen haben, nach Helmholtz' gleichsam offiziellen Erklärungen keine in- 
duktiv gewonnene Erkenntnis, sondern eine formale apriorische Bedingmig unseres Denkens. 
Denn die Momente, die diese Apriorität von der Kantischen offensichtlich trennen, dem 
Gesetz bloß eine hypothetisch, also empirisch bedingte Geltung zuerkennen, es auf die 
natürliche Mechanik unserer Vorstellungsverbindungen zurückfuhren lassen, werden von ihm, 
wie wir sahen (S. 11), direkt nur in einer Nachlaßniederschrift ausgesprochen. In seinen 
Schriften fanden wir sie nur andeutungsweise zutage tretend. Und es geht auch auf Grund 
dieser Einfügung in die unbewußten Schlüsse nicht an. dem Kausalgesetz den hypothetischen 
(Charakter sicher als die eigentliche Meinung von Helmholtz zuzuweisen. Dem widerspricht 
nicht nur die Art, wie die Funktionen des Kausalgesetzes in dem Vortrag von 1855 den 
»mechanisch eingeübten Ideen Verbindungen» entgegengesetzt, sondern auch die Art, wie 
das Kausalgesetz späterhin immer wieder als a priori gegebenes liingestellt wird. Die 
Dunkelheit, die wir an diesem Punkte fanden, bleibt also auch von diesem logischen Ge- 
sichtspunkt aus bestehen'. 

Damit sei auch die Rekonstruktion der logischen Gedankengänge in Helmholtz' Theorie 
der Wahrnehmung abgeschlossen. 

Die Auslösung der logischen Gedanken aus dem originalen Ganzen von Helmholtz" 
Theorie bleibt allerdings nicht minder künstlich als die hier vordem abgegrenzten Kr- 
örtei-ungen seiner erkenntnistheoretischen und psychologischen Annahmen. 

Ihre Synthese finden wir abschließend in demjenigen Bestände des »Hauptsatz«'«» der 
empiristischen Theorie, der bisher (vgl. S. 3 1 ) fast unberücksichtigt bleiben mußte, daß 
»die Sinnesempfindungen für unser Bewußtsein Zeichen« sind. 

Als bekannt darf hier vorausgesetzt werden, daß Helmholtz von Anfang an auf J. Müllers 
Lehre von den spezifischen Energien der schon nach Müllers gelegentlicher Namengebung 
»modal« verschiedenen Empfindungen das größte Gewicht gelegt hat. Noch 1873 hat er 
sie als eine wissenschaftliche Errungenschaft geschätzt, deren Wert er der Entdeckung des 
Gravitationsgesetzes gleichzustellen geneigt sei, obgleich er die philosophischen Vorstufen 
des Gedankens — der als Konse(iuenz der mechanischen Naturauffassung so alt ist wie 

' V II 233, Conrat, a. 3.0.941'. Die ebenda S. io2f. angenommene dritte Art der unbewußten Schlüsse 
(S. I02f., 107 f.) bpnilit auf oincin Mißvi-rvtändnis. .\iich der Induktionsschluß von jodcm bob'ebigen Wahi-- 
nehmungsaugenblick auf alle zwischtnliegcnden (()' 452, VII 226) gehört in die erste Art der unbewußten 
Schlüsse hinein. 

■' V II 360, - V I 115, O' 453 f., 0" 593 f., K § 6, 7. 



38 E R I) M A N N : 

diese bis zurück zu Locke zu würdigen weiß. Ebenso bekannt ist, daß er diese Lehre 

durch Übertragung auf die ((ualitativen Unterschiede innerhalb der Gebiete der Gesichts- 
und Tonempfindungen vorbildlich weitergeführt hat, ohne sie übrigens, so warm er 
Darwins Leistung anerkannt hat, in direkte Beziehung zur Entwicklungshypothese zu 

bringen'. 

Die Empfindungen bezeichnen nach seiner Wendung des Grundgedankens dieser Lehre, 
wie bereits (S. 22) zu erwähnen war, nur Wirkungen der Objekte der Außenwelt auf 
unsere Sinne, die wir, weil sie in jedem Augenblick eintreten oder durch unseren Willen 
herbeigeführt werden können ... als dauernde Fähigkeit zu solchen Wirkungen Eigen- 
schaften jener Objekte nennen. Dabei sind wir, wie Helmholtz schreibt, von jeher ge- 
neigt gewesen, zu vergessen, daß wir es bei ihnen mit Reaktionen gegen unser Nerven- 
system zu tun haben, daß also auch Farbe, Gerucii und Geschmack, Gefühl der Wärme 
und Kälte . . . Glätte und Festigkeit . . . Wirkungen sind, die ganz wesentlich von der 
Art des Organs, auf welches gewirkt wird, abhängen . . . Die Körperfarben z. B. sind 
die Erscheinung gewisser objelctiver Unterscliiedo in der Beschaffenheit der Körper, sie 
sind also auch der naturwissenschaftlichen Ansicht nach kein leerer Schein. Wir können 
in bezug auf den Gesichtssinn nur sagen : Gleiches Licht erregt unter gleichen Umständen 
die gleiche Farbenempfindung. Licht, welches unter gleichen Umständen ungleiche Farben- 
empfindung erregt, ist ungleich. Analoges gilt für die übrigen Sinne. Die Empfindungen, 
die doch nur unserem Nervensystem angehören und gar nicht in den äußeren Raum 
hinausreichen, sind also nicht Bilder der objektiven Beschaffenheiten. Denn in einem 
Bilde müßte die Abbildung dem Abgebildeten gleichartig sein . . . Wenn zwei Verhältnisse 
sich einander in der eben angegebenen Weise entsprechen, so ist das eine ein Zeichen 
für das andere. Die Empfindungen der Sinne sind also natürlich gegebene, sinnliche Er- 
kennungszeichen oder Symbole für objektive Qualitäten. Ebenso sind die Einzelbegriffe 
von Gegenständen der Sinnes Wahrnehmung geistige Zeichen für den dadurch vorgestellten 
Gegenstand, die mir durch die Natur meiner Sinnesorgane und meines Geistes aufgedrungen 
sind. So können wir über die Bedeutung der sinnlichen Zeichen durch . . . gesammelte 
Erfahrungen alles <las lernen, was sich nachher an der Erfahrung wieder prüfen läßt, 
also den ganzen wahrhaft reellen Inhalt unserer Anschauungen, obgleich das Zeichen- 
system unserer Empfindungen, speziell der optischen, das einzige wesentliche Erfordernis 
eines Zeichensystems, nämlich die Konstanz, nur mit sehr wesentlichen Einschränkungen 
und Mängeln besitzt". 

Irgendeine Ähnlichkeit zwischen unseren Empfindungen und den objektiven Beschaffen- 
heiten dessen, was wir wahrnehmen, besteht demnach nicht. Das wird insbesondere in 
der ersten Auflage der Optik spezieller, wenn auch mit noch unpräziser Benutzung des 
Bildsymbols, ausgeführt. Das Ergebnis bleil)t, wie schon oben angegeben, entsprechend 
dem angeführten »Hauptsatz« überall dasselbe: Die Empfindungen sind Zeichen, welche 
wir . . . durch Erfahrung und Übung . . . lesen gelernt haben. Nur unterscheidet sich 
die so in der Wahrnehmung gegebene Zeichensprache unserer Vorstellungen dadurch, daß 
sie uns durch die Natur unserer Sinnesorgane und unseres Geistes aufgedrungen ist, von 
den willkürlich gewählten Laut- und Buchstabenzeichen^. 



' All 593 — .1. Müller, a. a. 0. II 249,497 — VII 182; VI 98, 295 f., 318, O 208: VI 320, T* 244, O 219, 
45Ö, 0' 584 — z. B. V I 313, 392, 'r4 244, 0= 349, vgl. Conrat, a. a. O. 41 f. — Über Darwin: V I 46, 387 f., 390, 
VII 205, 338, 349 f. 

■' O 444, V I320r., O- 450; - V 1 319, V II 228; — O 194, V I 301, 319, V II 222; vgl. V I 40 f., 146, 319^, 
332<"-, 393fv O^ 586, VII 357, 194, O- 442. O' 446f.: — VI 356f.. 327, 0^ s84f.. s86. 

' 0- 443, 446, V I 393, O- 446. 



hir philnsophlscheii Grundlagen von Hdmholtz' Wahrnehmungstkeoric. 39 

Der Sinn dieses natürlichen Zeichensystems ist jedoch durch das Vorstehende noch 
nicht erschöpft. Wir müssen hinzunehmen, inwieweit nach Helmholtz unser Vorstellen 
das Wirkliche — selbstverständlich nicht das ihm zugrunde liegende Reale (S. 7) — 
abzubilden vermag. 

Die Wahrnehmungen des inneren Sinns, so lesen wir in definitiver Darstellung, ordnen 
sich, ebenso wie die der äußeren Sinne . . . durch eine fortdauernde Tätigkeit des Ge- 
dächtnisses . . . jede in einem bestimmten Augenblick der Zeitreihe ein . . . Jeder neu- 
eintretende Akt unseres Bewußtseins erhält notwendig von vornherein seine Stelle in 
der Zeitreihe nacli dem schon Erlebten, vor dem erst noch zu Erlebenden angewiesen . . . 
Solange diese Akte überhaupt im Gedächtnis stehenbleiben, bleibt auch die Erinnerung 
an ihre Zeitfolge ... So wird auch die Möglichkeit gegeben, regelmäßige Wiederholungen 
solcher Zeitfolgen von gleichartigen Wahrnelimungen als solche zu beobachten und wieder- 
zuerkennen . . . Die einzige Beziehung, heißt es schon in 0', in welcher eine wirkliche 
Übereinstimmung unserer Wahrnehmungen mit der Wirklichkeit stattfinden kann, ist die 
Zeitfolge der Ereignisse mit ihren verschiedenen F^igentümlichkeiten. Die Gleichzeitigkeit, 
die Folge, die regelmäßige Wiederkehr der Gleichzeitigkeit oder Folge kann in den Emp- 
findungen eben.so stattfinden wie in den Ereignissen. Die äußeren Ereignisse wie ilire 
Wahrnehmungen gehen in der Zeit vor sich, also können auch die Zeitverhältnisse der 
letzteren das getreue Abbild der Zeitverhältnisse der ersteren sein ... So sind die Vor- 
stellungen von der Außenwelt Bilder der gesetzmäßigen Zeitfolge der Naturereignisse. 
Auch die Zahlen fallen unter die Bestimmungen des zeitlichen Verlaufs. Später for- 
muliert Helmholtz: Unsere Sinnesempfindungen sind eben Zeichen von Etwas, sei es 
von etwas Bestehendem oder Geschehendem, und, was das Wichtigste ist, das Gesetz 
dieses Geschehens können sie uns abbilden. Und zusammenfassend, so daß auch das 
Räumliciie hinzugenommen wird : Niu* die Bezieluuigen der Zeit, des Raumes, der Gleich- 
heit' und die davon abgeleiteten Beziehungen der Zahl, der Größe, der Gesetzlichkeit, 
kurz das Mathematische, sind der (erkennbaren] äußeren und der inneren Welt [unserer 
Vorstellungen] gemeinsam, und in diesen kann in der Tat eine volle Übereinstimnuing 
der Vorstellungen mit den abgebildeten Dingen erstrebt werden". 

Damit stehen wir zum Schluß wieder vor dem erkenntnistheoretischen Grundproblem, 
dessen Lösung, soweit die Naturforschung reicht, das Fundament und der Zielpunkt von 
Helmholtz" empiristischer Wahrnehmuiigstheorie ist, vor der Frage: wie weit unsere Vor- 
stellungen überhaupt mit ihren Objekten übereinstimmen, ob sie, wie man es ausdrückte, 
wahr oder falsch seien*. 

Auf die Meinungen der einzelnen Philosophenschulen — gemeint sind die metaphy- 
sischen — verzichtet HelmJioltz einzugehen. Er verwirft gleicherweise die Annahme einer 
prästabilierten Harmonie zwischen Natur und Geist, der sich die nativistische Theorie an- 
schließt, wie die Behauptung einer Identität beider, indem man die Natur als Produkt oder 
Tätigkeit eines allgemeinen Geistes ansah, dessen Ausfluß andrerseits wieder der mensch- 
liche Geist sein sollte. Er weist ebenso die spiritualistischen wie die materialistischen 
Hypothesen zurück. Nicht weniger ablehnend steht er endlich, unter dem schon (S. 12) 
erwähnten Banne der Auffassung seiner Zeit, den englischen »Sensualisten« des achtzehnten 
Jahrhunderts gegenüber, welche die Übereinstimmung der Vorstellungen mit ihren Ob- 
jekten leugneten und dieselben deshalb für Täuschungen erklärten, womit man denn auch 

' tiber Gleichartigkeit, Uleichheit unil Gleichwei-tigkeit in ■ physischem « Sinne s. V 11 395 t. und A 111 
358, 375 f. 

■' 0> 578; vgl. V II t86; — O- 445 f.; — V II 358. A 111 356, 360, O' 586, 592 f., V I 365, O' 442. O^ 583. 
' O- 442, ()"583. 



40 V' ]{ I) M A N N : 

konsequeiiterweise die Mögliclikeit alles Wissens von irgendwelchen Objekten leugnen 

mußte!' 

Im Gegensatz zu diesen philosophischen Hypothesen will Hehnholtz sich darauf be- 
schränken, zu erörtern, wie sich seines Erachtens der Naturforscher diesen Streitigkeiten 
gegenüber zu verhalten habe. Dementsprechend wird im Sinne seiner Theorie erklärt: 
Wir nennen unsere Vorstellungen von der Außenwelt wahr, wenn sie uns genügende 
Anweisung über die Folgen unserer Handlungen der Außenwelt gegenüber geben tmd uns 
richtige Schlüsse über die zu erwartenden Veränderungen ziehen lassen . . . Die philo- 
sophischen Schulen kamen nicht heraus aus ihrer Welt von Gleichnissen; sie erkannten 
nicht, daß die durch den Willen gesetzten Handlungen des Menschen einen unentbehr- 
lichen Teil unserer Erkenntnisquellen bilden". 

In mißverständlicher und mißverstandener Formulierung hatte Helmholtz, wie schon 
anfangs (S. 7) zu erörtern war, die Grundform dieser Schlüsse aus dem Wirkungscharakter 
imserer Wahrnehmungen abgeleitet. In scheinbarer Diallele hieß es in 0": Unsere An- 
schauungen und Vorstellungen sind Wirkungen, welche die angeschauten und vorge- 
stellten Objekte [d i. das kausale topogene und hylogene Moment des Realen] auf unser 
Nervensystem und unser Bewußtsein hervorgebraclit haben. Aber er ließ schon dort über seine 
eigentliche Meinung keinen Zweifel, indem er fortfuhr: Unsere Vorstellungen von den Dingen 
können gar nichts anderes als Symbole, natürlicli gegebene Zeichen . . . für die Dinge sein, 
welche wir zur Regelung unserer Bewegungen und Handlungen benutzen lernen. Wenn 
wir jene Symbole richtig zu lesen gelernt haben, so sind wir imstande, mit ihrer Hilfe 
unsere Handlungen so einzurichten, daß dieselben den gewünschten Erfolg haben, d. h. 
daß die erwarteten neuen Sinnesempflndungen eintreten. Eine andere Vergleichung zwischen 
den Vorstellungen und den Dingen ... ist gar nicht denkbar . . . Ich meine daher, daß es 
gar keinen möglichen Sinn haben kann, von einer anderen Wahrheit unserer Vorstellungen 
zu sprechen als von einer praktischen. Oder, wie der Gedanke später ausgedrückt wird, 
nachdem der gleichfalls schon (S. 7) erwähnte Widerspruch in sich selbst abgewiesen ist, 
das Reelle oder Kants Ding an sich in positiven Bestimmungen vorstellen zu wollen : Was 
wir erreichen können, ist die Kenntnis der gesetzlichen Ordnung im Reiche des Wirk- 
lichen, diese freilich nur dargestellt in dem Zeichensystem unserer Sinnesorgane. Daß un.ser 
Denken und Wahrnehmen in bezug auf Erkenntnis des Wirklichen mehr als dieses Ziel 
erreiche, muß ich verneinen^. 

So werden wir in Wendungen, die eine lange Vorgeschichte haben und den allein 
folgenreichen Gedanken in dem modernen Pragmatismus ausmachen, zu der realistischen 
Hypothese zurückgeführt. Aber nur in dem vorstehend entwickelten Sinne ist es zu ver- 
stehen, wenn Helmholtz auch in diesem Zusammenhang erklärt: Die realistische Hypothese 
ist die einfachste, die wir bilden können, geprüft und bestätigt in außerordentlich weiten 
Kreisen der Anwendung, scharf definiert in allen Einzelbestimmungen, und deshalb außer- 
ordentlich brauchbar und fruchtbar als Grundlage für das Handeln . . . Jedoch für mehr 
als eine ausgezeichnet brauchbare und zuverlässige Hypothese können wir die realistische 
Meinung nicht anerkennen, notwendige Wahrheit dürfen wir ihr nicht zusehreiben, daneben 
ihr noch andere unwiderlegbare, idealistische Hypothesen möglich sind . . . Das Gesetz- 
liche in unseren Empfindungen würden wir sogar in ideali^ischer Anschauungsweise kaum 
anders ausdrücken können, als indem wir sagen: Die mit dem Charakter der Wahrneh- 
mung auftretenden Bewußtseinsakte verlaufen so, als ob die von der realistischen Hypo- 

' O" 442, 443, O' 583: vgl. 447 mul \- I 233, 391, 394. 

-' O' 442, 0= 590; mißverständlich 0' 442 f., 446 f.; V T 320. — V II 359. V I 365. 

' O' 442 f.; vgl. O- 446 f., 452. V I 319 f.; — 0= 593. 



Die philosophischen Grundlagen von Helmholtz' Wahrnehmungstheorie. 4 1 

these angenommenen Welt der stofflichen Dinge wirklich bestände. Aber über dieses »als 
ob« kommen wir nicht hinweg. Als letztes gilt dementsprechend nur der eine Rat: Ver- 
traue und handle. Das Unzulängliche, dann wirds Ereignis . . . Am Anfang war die Tat. 
Damit ist auch ein bedingter Frieden mit der Metaphysik geschlossen: Die verschiedenen 
Abstufungen der idealistischen und realistischen Meinimgen sind metaphysische Hypothesen, 
welche, solange sie als solche anerkannt werden, ihre vollkommene wissenschaft- 
liche Berechtigung haben, so schädlich sie auch werden mögen, sobald man sie als Dogmen 
oder als angebliche Denknotwendigkeiten hinstellen will'. 

Die kritischen Bemerkungen, die im vorstehenden ausgesprochen oder zwischen den 
Zeilen zu lesen sind, bedürfen einer Ergänzung und Zusammenfassung. 

Wiederholt war anzudeuten, daß die leitenden Gedanken von Helmholtz' Wahrnehmungs- 
theorie um den Anfang der fünfziger Jahre des vorigen Jahrliunderts bereits zumeist fest- 
stehen. Nur weniges, wie die Ableitung der Raum- und Zahlvorstellung, tritt später er- 
gänzend hinzu. Entscheidend für die Konzeption der Tlieorie ist also die Problemlage 
um jene Zeit. Die Voraussetzungen für diese Konzeption sind dementsprechend der da- 
mals vorliegende Stand der physiologisch-psychologischen Forschung zur Theorie der Sinnes- 
wahrnehmung, vor allem die Lehren Johannes Müllers, sowie der früher noch erworbene 
starke Eindruck der erkenntnistheoretischen Lehren Kants und J. G. Fichtes. Richtung- 
gebend aber fiir die Synthese dieser Voraussetzungen ist die originale Kraft von Helm- 
holtz' physikalisch-mathematischem Denken und das nicht minder originale, behutsam ver- 
wertete Bedürfnis, der lebendigen, experimentell variierten Anschauung allein zu vertrauen". 

Der Einfluß J. Müllers ist in der Anerkennung der Lehre von den spezifischen Sinnes- 
energien und der grundlegenden Unterscheidung von Phnpfindung und Wahrnehmimg bei 
Helmholtz dauernd geblieben. Was seine Überzeugungen von denen seines Lehrers treimte, 
die Ablehnung der spezifischen Lebenskraft, des Nativismus in den Raumfragen sowie der 
Einflüsse des psychologischen Empirismus von Hume und des metaphysischen von Herbart: 
das alles stand ihm schon früh fest. 

Kantianer dagegen war Helmholtz nie. Die ihm durch seinen physikalischen Realis- 
mus eingegebene Idee der praktischen Wahrheit, die er in 0' endgültig formuliert (S. 40), 
schwebte ihm von vornherein vor. Die Unerkennbarkeit des »Reellen oder Kants Ding 
an sich« wird zugestanden, aber nur durch den Hinweis auf den Selbstwiderspruch in 
ihrer vermeintlichen Erkenntnis erledigt. Von der rationalistisch metaphysischen mid 
ethischen Fundierung des Kantischen Realismus fehlt jede Spur. An ihre Stelle tritt 
lediglich die Forderung des Kausalgesetzes für die Wahrnehmungsdaten des äußeren und 
inneren Sinnes (S. 10). Die besondere Art der ursächlichen Verbindung . . ., die wir zur 
Erklärung der einzelnen aufgefundenen Fälle von Gesetzmäßigkeit in der Zeitfolge der 
• Wahrnehmungen anzunehmen haben [der Inbegriff der topogenen und hylogenen Momente], 
wird immer nur in hypothetischer Weise gefunden werden können, kann aber, wie wir 
in Helmholtz' Sinn hinzuzusetzen haben, auf (xrund der realistischen Hypothese im Sinne 
der mechanischen Naturauffassung gefunden werden. Schrittweise hat sich Helmholtz 
ferner von Kants Aprioritütslehre entfernt, falls ihm die unkantische Gleichstellung apriori- 
scher Empfindungsbedingungen mit der formalen Apriorität (S. 10) nicht von Anfang an be- 
rechtigt erschienen ist. So hinsichtlich des Kausalgesetzes, der geometrischen und arithme- 
tischen Axiome und der Raumvorstellung selbst. Trotzdem blieb ihm die Anerkennung 



' O» 595, V II 244 = 0» 594, V II 859, 189. 
» VI 268. 



Phil-hiiit. AhK. 1921. Nr. 1. 



42 E R D M A N N : 

Kants für die Entwicklung der Philosophie zur Erkenntnistheorie und für die Problem- 
stellung in der Kritik der reinen Vernunft so gegenwärtig, daß er auch für seine späteren 
Deutungen des Kausalgesetzes und der Raumvorstellung die Kantischen Lehren als vor- 
bildlich in Anspruch nahm\ 

Selbst die Anerkennung J. G. Fichtes erhielt sich bei Helmholtz bis zuletzt. Die Ab- 
sicht, die er 1852 gehabt hat, die Grundansicht von Fichte über die sinnliche Wahrnehmung 
empirisch darzustellen, war allerdings wohl Plan geblieben. Auf speziellere Lehren und 
Namengebungen Fichtes weist Helmholtz gelegentlich hin . . . Noch spät beruft er sich 
kurz auf »vieles Richtige, scharf ausgesprochen« in Fichtes Vorlesungen über »die Tat- 
sachen des Bewußtseins«, in deren Anfangsabschnitt mehrfach von der Rolle des Denkens 
in der Sinnes Wahrnehmung gehandelt wird. Prinzipielle Bedeutung behält Fichtes Wissen- 
schaftslehre für Helmholtz in der Koordination der Hypothesen des Realismus und Idealismus. 

Dagegen sind ihm — wie Schopenhauer — wie sehr viel frühere Vorstufen der Lehre 
von den unbewußten Schlüssen, so anscheinend auch die Deduktionen in der »Bestim- 
mung des Menschen«, entgangen, die Fichte auf Grund seiner Annahmen über die pro- 
duktive Eiinbildungskraft »schnelle und uns unbewußte Schlüsse« annehmen iießen, durch 
die wir »den Grund unserer Affektion, den Gegenstand, setzen«.' 

Auch daß Helmholtz die theoretische Philosophie auf Erkenntnistheorie und Logik 
einschränkt und erst zuletzt der ursprünglich von ihm im Sinne der nachkantischen speku- 
lativen deutschen Philosophie konstruierten Metaphysik ein bedingtes Recht als Hypothesen- 
bildung zugesteht, entstammt der Problemlage in seiner Jugendzeit, ebenso wie sein ab- 
schätziges Urteil über den Empirismus Berkeleys und Humes. Die Vorstufe seiner empi- 
ristischen Wahrnehmungstheorie bei Berkeley hat er gesehen, die seiner hypothetischen 
Kausaldeutung bei Hume entsprechende, die seinen assoziationspsychologischen Annahmen 
verwandten bei beiden und ihren Nachfolgern hat er auf Gmnd dieses Vorurteils niclit 
erkannt. Offenbar hat er gar keinen Anlaß genommen, sie zu suchen. Ähnlich so ist 
ihm der Gedanke, daß in der Entwicklung der englischen Philosophie seit Locke und der 
Synthese empiristischer Konsequenzen und rationalistischer Voraussetzungen bei Kant die 
Bedingungen zu einer Umbildung der Metaphysik zur Erkenntnistheorie liegen, fremd ge- 
blieben. Die Scheu vor der Metaphysik, die ihm bei Schelling, Hegel und Schopenhauer 
in so fragwürdiger Gestalt entgegengetreten war, hat er nie verloren. Wie Newtons, so 
lag auch seinem naturwissenschaftlich zentrierten Denken jede durch die Tatsachen nicht 
gesicherte, in diesem Sinne also vorzeitige, metaphysische Hypothesenbildung fem. Er. 
hat wohl auch später noch seinen Schülern, wenn nicht direkt, so durch die ganze Art 
seines Denkens, darin sich mit Zeller begegnend, den Grundsatz eingeschärft: Ein meta- 
physischer Schluß ist entweder ein Trugschluß oder ein versteckter — und, wie wir hin- 
zufügen dürfen, durch die Tatsachen nicht geforderter — Erfahrungsschluß^. 

Trotzdem ist Helmholtz eine bedeutsame Stellung in der philosophischen Entwick- 
lung des neunzehnten Jahrhunderts für alle Zeiten sicher. Als man in weitesten Kreisen 
bei uns, speziell der Naturforscher, geneigt war, der Philosophie mit äußerster Gering- 
schätzung zu begegnen, ist er für das unaufhebbare Recht ihrer Untersuchung der Be- 

' VII 244; VI, VIII f. 

2 0»248, 584, VII 219: vgl. ()■ 193; Fichtes sämtliche Werke, II, Berlin 1845. S. 541!.: — a. a. O. 2i2f.: 
vgl. 2 20 f., 238 f.; — KI 169. — Auf Analogien der Lehre von unbewußten Schlüssen bei Alhacen, Witelo 
und Roger Baco hat Cl. Baeuniker aufmerksam gemacht (Witelo, Münster 1908, in den Beiträgen zur Ge- 
schichte der Philosophie des Mittelalters III 2, S. 625f.. v-i. M. Baunigartner bei t'l)orwe?. Grundriß der Ge- 
schichte der Philosophie 'o, Berlin 1915, S. 553f.) 

-, Y^'vl^?' "~ '*^*'^*^®* ^ E. Zeüer, jetzt in den -Vorträgen und Abhandlungen-, II, Berlin 1877, 
Nr. Xv, XIII, XIV. 



Die philosophischen Grundlagen von Helmholtz' Wahrnehmungstheorie. 43 

<lingungen unseres Erkennens uiid TDenkens eingetreten, ohne den Widerstand seiner Facli- 
genossen zu scheuen. Und das in ungleicli tieferer Fundierung, als ein Jahrzehnt später 
dem scliwärmenden Geist Haeckels vergönnt war. Unvergeßlich wird speziell sein wirkungs- 
voller nachdrücklicher Hinweis auf die Leistung Kants in einer Zeit bleiben, in der Schopen- 
hauers Eintreten für Kant erst in ganz kleinem Kreise Beachtung gefunden hatte. Vor 
allem ist seine Theorie der Wahrnehmimg in ihrem philosophischen Gehalt eine bahn- 
brechende Leistung, so durchaus er jede Stellungnahme zu den Hypothesen über das 
Verhältnis des Physischen und Psychischen vermeidet, um nicht die für die Tatsachen 
zu gewinnende mögliche Übereinstimmung durch Streitigkeiten über abstrakte Sätze zu 
stören. Nur die Annahme der unkörperlichen, räumlich nicht ausgedehnten Seele hat er 
anscheinend dauernd festgehalten'. 

Möglich ist allerdings bei der Hochschätzung, die er den Untersuchungen Fechners 
Ober empirische Daten zollt, daß er dem Grundgedanken des von diesem erneuerten 
p.sychophysischen Parallelismus näher stand als jeder Form der metaphysischen Hypothesen 
materialistischen und spiritualistischen Gepräges. Er hat ihn wenigstens nicht,, wie diese 
bei<len, abgewiesen. Möglichenfalls ist auch im Hinblick darauf, daß er an der Eigenart 
der seelischen Vorgänge stets festgehalten hat, die Bemerkung über das »naturwissen- 
schaftliche Verständnis« der seelischen Vorgänge (S. 20) sowie eine noch (S. 44) anzu- 
führende Bemerkung in der Kritik Panums im Sinne des psychophysiologischen Parallelis- 
mus ru deuten. Andere Daten für die gelegentliche Bemerkung Koenigsbergers, daß 
Helmholtz sich auf deii Standpunkt Fechners gestellt habe, demzufolge das psychophysische 
Gesetz eine Beziehung zwischen psychophysischer Bewegung und Empfindung formuliere, 
habe ich nicht gefunden. Fechners reizvolle, von tiefstem religiösen Emjifinden getragene 
Ausführung seiner Idee zu einem abgestuften psychophysischen Parallelismus wird Helmholtz 
freilich weit von sich abgewiesen haben. Fechners erkenntnistheoretisch undurchleuchtete 
»Tagesansicht« war zudem das volle Gegenstück zu Helmholtz" physiologischer Zeichen- 
und physikalischer Bildertheorie, in Fechners Sinne einem Musterbild der von ihm so- 
genannten »Nachtansicht«". 

Ernsteren Bedenken sind Helmholtz' psychologische Annahmen au.sgesetzt. Der un- 
präzise Sprachgebrauch, der ihn Assoziation, Gedächtnis, Reproduktion, Erinnerung und 
Einbildung nicht reinlich scheiden, den ihm wohl durch J. Müller geläufig gewordenen 
Ausdruck »Verschmelzung« in mehrfachem Sinne gebrauchen, Bewußtsein und Selbstbe- 
wußtsein nicht genauer bestimmen läßt : das alles kann den Kundigen, der nicht von vorn- 
herein kritisieren, sondern vorerst verstehen will, nicht stören, l^bensowenig der Um- 
stand, daß Helmholtz, so häufig er von den Funktionen der Aufmerksamkeit für das 
Wahrnehmen Gebrauch macht, doch, offenbar absichtlich, keinen Anlaß nimmt, über 
nächstliegende Bestimmungen hinauszugehen; auch da nicht, wo er auf Grund eigener 
Versuche und der Untersuchungen von N. Baxt auf Wirkungen der Aufmerksamkeit stößt, 
denen er große Wichtigkeit . . . für eine künftige Theorie der Aufmerksamkeit beimißt, 
weil sie zeigen, daß das, was wir das willkürliche Richten der Aufmerksamkeit nennen, 
eine von Bewegungen der äußeren beweglichen Teile des Körpers unabhängige Veränderung 
in unserem Nervensystem ist, wodurch Reizungszustände gewisser Fasern vorzugsweise 
zum Bewußtsein gelangen. Es ist bei dem allen eben in Rechnung zu setzen, daß er 
in diesen Annahmen bei den Philosophen keine Hilfe gefunden hatte und deshalb sich selbst 
hat helfen und die Dinge vielfach in eigener Weise hat zurechtlegen müssen'^. 

> O' 428, 444. 

» Kin39, I158. 

» All 951 f., 741, vgl. O605, 772, 776, 804. 



44 E R n M A N N : 

Aber in dem entscheidenden Moment kommt, wie schon (S. i8) anzudeuten war, die 
Abhängigkeit von der Problemlage um die Mitte des vorigen Jahrhunderts und der physio- 
logische Gehalt der Theorie zu einem Recht, das nicht dauernd bestehen bleiben kann. 
Die Sinnesempfindungen sind, wie schon (S. 19) anzudeuten war, weder ein npöTepoN th 
«Ycei noch ein npörepoN npöc hmac gegenüber der Wahrnehmung. Sie sind abstrakte Kunst- 
produkte der Wahrnehmungsanalyse, die optischen, taktilen und motoseusorischen nicht 
weniger als die raumzeitlichen Beziehungen, in denen sie gegeben sind. So auch dann, 
wenn wir entgegen den nativistischen Deutungen diese Bezieliungen der Wahrnehmungs- 
inbegriffe von den qualitativ und intensiv abgestuften Empfindungen abtrennen, uns also 
auf den Boden der empiristischen Theorien stellen. Dementsprechend gelten die psychi- 
schen Tätigkeiten, um den mißverständlichen Ausdruck von Helmholtz zu gebrauchen, nicht 
erst fiir die Wahrnehmungskomplexe, sondern weil für diese, so auch für die Emp- 
findungen, die ihre Elemente bilden. Das »Sinnengedächtnis», das er gelegentlich nennt, 
d. i. das Gedächtnis, was wir für sinnliche Eindrücke, auch solche, die nicht in Worte 
zu fassen sind, haben, ist, wie der Zusammenhang auch an dieser Stelle zeigt, das Ge- 
dächtnis für wahrgenommene Empfindungsinbegriffe. Allerdings stehen wir hier vor 
Fragen, über deren Beantwortung keine Einstimmigkeit erreicht ist. Das gilt auch für 
die Annahme unbewußter seelischer Vorgänge. Für Helmholtz, sehen wir, sind sie im 
Grunde lediglich unwahrgenommene. Sie spielen sich, weil seelischer Art, im Gehirn als 
Organ des Bewußtseins ab, bleiben nur unbeachtet, sind nicht dem »Selbstbewußtsein« 
zugehörig, meist überhaupt nicht wahrnehmbar, erst recht nicht sprachlich formulierbar, 
dennoch aber dem Denken zuzuweisen. Sie bekunden sich erst der nachträglichen Re- 
flexion, und dieser durchweg als Erinnerungsinhalte, die auf assoziativer Grundlage 
reproduziert sind oder, wie man es in abweichendem Sprachgebrauch ausgedrückt hat, 
als Repräsente. Allerdings beruhen diese Annahmen nicht lediglich auf der Helmholtz 
überlieferten Trennung zwischen Empfindung und Wahrnehmung, d. i. schließlich der alten, 
von Kant besonders systematisierten Scheidung von rezeptiver Sinnlichkeit und tätigem 
Verstände, die Helmholtz übrigens, wie wir salien, nicht abhält, von einer Tätigkeit der 
Sinnesorgane zu sprechen. Sie beruhen auch nicht allein auf seiner physiologischen Unter- 
suchungsmethode. Im Hintergrunde steht auch hier seine mechanische Naturauffassung. 
Ein naturwissenschaftliches Verständnis der unbewußten seelichen Vorgänge, fanden wir 
(S. 20), ist erlangt, wenn sie glatt und einfach auf die bekannten Gesetze der f>regung 
von Nervenfasern und deren Leitung zurückzuführen sind. In gleichem Sinne haben wir 
demnach letztlich die Bemerkung zu deuten : Will man diese Vorgänge der Assoziation und 
des natürlichen Flusses der Vorstellungen nicht zu den Seelentätigkeiten rechnen, sondern 
sie der Nervensubstanz zuschreiben, so will ich um den Namen nicht streiten. Sie richtet 
sich allerdings gegen Panums Hypothese der » Synenergien « und die aus ihr resultierende 
Verwahrung gegen die Einmischung psychischer Vorgänge, in der nach Helmholtz der 
Nervensubstanz Formen der Tätigkeit beigelegt werden, die wir wohl aus dem Gebiete 
der niederen Seelentätigkeiten kennen, aber denen Ähnliches im Gebiete der Körperwelt 
noch niemals aufgefunden ist. Aber es bleibt doch zu beachten, daß er diese und andere 
physiologische Erklärungsmöglichkeiten mit bewußter Zurückhaltung beiseite läßt und 
die Eigenart des Seelischen nie verleugnet liat'. 

Den stärksten Anstoß hat Helmholtz' logische Deutung der unbewußten Wahrnehmungs- 
bedingungen als Induktions- und Analogieschlüsse auch bei solchen erregt, die im Auge 
behielten, daß sie für ihn nur »ihrem Resultat nach« als solche Schlüsse in Betracht 



' T4 468, O 536. — ()■ 444, O454, E § if., 804, 809; 632. 



Die philosophischen Grundlagen von Helmholtz' Wahrnehmunystfieorie. 4 5 

kamen. Über seine Gleichsetzung des a priori bedingten Kausalschlusses mit den asso- 
ziativen ist schon oben (S. 32) gehandelt worden. Hier sei nur noch das prinzipielle 
Moment dieser Deutung erläutert. Sie ist eine Konsequenz der Annahme, daß es sich 
auch in jenen Vorgängen um ein Denken, nur nicht um das selbstbewußte, sprachlich, im 
engeren Sinne urteilsmäßig geformte Denken handelt. An diesem Punkte bleibt Helm- 
holtz, ohne davon zu wissen, bei der Scheidung stehen, die Hume zwischen moral und 
demonstrative reasonings vorgenommen hat. Der Versuch, eine Psychologie des nach seiner 
Ausdrucksweise selbstbewußten Denkens zu schaffen, lag ihm wie Huine fern. Er be- 
trachtet es lediglich vom Standpunkt logischer Normierung aus und nimmt deren Ansätze 
als Feststellungen des tatsächlichen Sachverhalts. Dadurch verliert die Analogie der Wahr- 
nehmungsschlüsse mit den logischen ihre Überzeugungskraft. Anderseits sind ihm die 
Reproduktionen der induktiven Obersätze durchweg Erinnerungen, eine Annahme, gegen 
die auf Grund der psychologischen Analyse des Wahrnehmungsbewußtseins schwerwiegende 
Ausstellungen erhoben worden sind, ebenso wie gegen die Annahme, daß nur die Walir- 
nehmungsschlüsse induktiven Charakter tragen. Und schließlicJ! sind in dor Entwicklung 
der Logik seit Stuart Mill, dem er in der Auflösung des syllogistischen Denkens folgt, 
doch von mehr als einer Seite aus gegen diese Auffassung Mills berechtigte Bedenken 
ausgesprochen worden. 

Aber selbst wenn alles Kritische dieser allgemeinen und der dem vorhergehenden 
Text eingefügten speziellen Erläuterungen sich als zutreffend erweisen sollte: es bewiese 
schließlich doch nur, daß Helmholtz auch in seiner Wahrnehinungstheorie, nur einem Glied 
in der strahlenden Kette seiner einzigartig vielseitigen Leistungen, von der Zeitlago ihrer 
Konzeption und der Eigenart seines genialen Denkens abhängig geblieben ist. Die leitende 
Idee seiner Wahrnehmungstheorie, der Versuch, die empirischen Bedingungen des wahr- 
nehmenden Denkens aufzuweisen, wird durch keines der erhobenen Bedenken angetastet, 
ebensowenig die in ilun enthaltene, seitdem nur vervollständigte Ableitung der geometri- 
schen Axiome, nach meinem Dafürhalten auch nicht der Grundgedanke seiner Deduktion 
der Raum Vorstellung überhaupt. 



Bciibi. ^rdnickt iu drr Kcifiludnieker«! 

Phil.-hitt. Abh. 1921. Nr. 1. 



ABHANDLUNGEN 

DP:R PREUS5SISCHEN 

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

JAHRGANG 1921 
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 



Nil. 2 
VOM KÖKTÜRKISCHEN ZUM OSMANISCHEN 

VORARBEITEN ZU EINER VERGLEICHENDEN GRAMMATIK 

DES TÜRKISCHEN 

4. MITTEILUNG: DUHCTI DAS I'OSSESSIVSUFFIX ERWElTKRTi: NOMINALSTÄMME 

VON 

W. RANG 



BERLIN 1921 

VERLAG DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

IN KOMMISSION BEI DKU 
VKREINIGÜNO WISSKNSCHAKTLICIIER X'KKI.CTiEU WAI.TKU DK (atrVTKR f. CO. 

V0RMAI.8 <;. 1. «Ost IIEN'SCHE VKHI-AdSHANnU NC. J. liirrKN l'A«. VKIILAGSIUI llirA.NUU Ni;. 
«EUBG KKIMKK. K.VBL J. TkOUNEK. VEIT II. ( OMr. 



Vorgelegt in der Sitzung der phil.-hist. Klasse am 10. März 1921. 
Zum üi-nck genehmigt am 22. April 1921, ausgegeben am 8. Juli 1921. 



IV. Durch das Possessivsuffix erweiterte Nominalstämme. 

§ 1'. Im § 17 der Einleitung zu seinem großen Kawiwerk sagt W. von Humboldt: 
»Die Verbindungen mit dem Besitzpronomen sind im Mexikanischen nicht bloß überhaupt 
viel häufiger, als die Hinzufugung desselben unsrer Vorstellungsweise notwendig erscheint, 
sondern mit gewissen Begriffen, z. B. denen der Verwandtschaftsgrade und der Glieder 
des menschlichen Körpers, ist dies Pronomen gleichsam unablöslich verwachsen'".« 

Wie die finnisch-ugrischen Sprachen, so kennen auch die türkischen Mundarten einen 
artikelhaften (Tebrauch' des suffigierten Possessivpronomens: daß er sich besonders bei den 
von W. VON Humboldt genannten Kategorien festsetzen konnte, ist vom logischen Stand- 
punkt aus ohne weiteres begreiflich. 

In unsren türkischen Texten, die ja immerhin nur erst ein unvollkommenes Bild des 
gewaltigen Reiclitums dieser Dialekte geben, fehlt der sogenannte cams indtßnitm natur- 
gemäß fast immer. Anderseits wird in Glossaren und Wörterlisten statt des casu.^ 
indefinitus häufig das betreffende Wort mit angehängtem Possessivsuffix gegeben. Bei 
unsrer mangelhaften, lückenhaften Kenntnis des jeweiügen Sprachgebrauchs ist es dann 
manchmal schwer, mit aller Bestimmtheit zu entscheiden, ob das Suffix bercclitigt oder 
aber mehr mißverständlich von den Verfassern dem Wortkörper einverleibt ist: so heißt 
ein verbreitetes Wort für »Brust, Oberkörper« köyilz kögiis (BtüW § 5); mit Possessivsuffix 
versehen, lautet es "köyiis-i oder *kögüs-ü > köksi, kökm. Während nun A. von Le Coy 
(Spr. 96c) vorsichtig sagt *k6ksüm .meine Brust' (nie ohne Affix gehört)«, finden wir 
bei Shaw II £72 köksi. Man wird nun fragen: lautet der Plural wirklich "köksiläri — jak. 
kö%sülnr('i ist nsich Böhtlinck §§ 53, 157, 420 zu beurteilen, also spezifisch jakutisch* — . 
und sagt man auch *kükaisi oder wird dies »einfach durch Hajjlologie wieder beseitigt«? 
Sehen wir nun aber, daß auch Casthen köksn kennt, ja, daß er nach Giganow 107 sogar 
köksä (über dessen -ä vgl. unten § 29 ff.) aufführen kann, so scheint die Annahme nicht 



' Die Abkürzungen sind die auch sonst von mir gebrauchten. Meinen Freunden Albert von Le Coi} 
und Josef Mar(juart verdanke ich außer mannigfacher mündlicher Beieliruns; auch die Benutzung; von 

Memoranski, Apaßi. 'I'ii.io.ioiT., Petersburg 1900. 

Shaw, A Sketch of the Turki Language, II, Calcutta 1880. 

OnFSEN, The second Danish Famir-Kxpeditiun. A vocabulary of the dialect ot'Bokhara [Kopenhagen 1905]. 

Wbitaker, Eastern Turki [Chaubattia (:') 1909 {;')]. 

Naliwkin, PyKOiiO/iCTBo Kl. upaKiiiMccKOMy ii:iyii'iiiB) capiDiiCKaro iiauKit, Taschkäud 191 1. 

Pröhi.e, Karatschaisches Wörterverzeichnis. KSz X. 

Nemeth, Kumük t-s Balkär szojegyzek, KSz XII. 

Jisti-.Iaua, Dict. Kurdc-Fran(;ais, Petei-sburg 1879. 

- In Porrs Ausgabe, 1876, II 190; vgl. auch S.487. Porr selbst erwähnt die I->s(-heinung im Bd 1 S. XXIV. 

^ Vgl. D. K. Fuchs in FUF XIII 191 3 S. 8 und Anmerkung mit Literaturnachweisen; ö. Beke in KSz XV 
1914 — 15 .S. i6. Auf Türkisches habe ich St3 1243 Anm. 3 hingewiesen; eine nach Kategorien geordnete syn- 
taktische Darstellung auf breiter Grundlage würde unser Wissen vertiefen. 

* .ähnliches findet sich sporadisch allenthalben: so lautet im Kumükischen der Plural zu <rin ■Lippo»: 
rrniler (KSz XII 112), während die Balkaren fril/fi sagen. Wir wissen ja aber nicht bestimmt, ob im Kumü- 
kischen nicht *erni im Knistehen begriffen ist, wie es nach dem l'lural den Anschein hat. Eine Stütze für 
<Iiese .Annahme gewährt jedenfalls das höchst lehrreiche kumük. '/rnu »Platz- (I) neben orun »Bett". 

I* 



4 Bang: 

IV ^ , zu gewagt, (las Possessivsuffix -/, -n sei in gewissen Dialekten zum integrierenden Bestand- 
teif dieses Wortes geworden oder wenigstens auf dem Wege, es zu werden. 

Wie dem nun auch sein mag: unberechtigt wird der vokalische Auslaut wohl sein in 
CGiioalni (vgl. unten § 7) '-frons«, ctni »gingiva«, 112 amu »vulva«, hoti »Arsch« (lies 

5 köt-i; vgl. unten § 50)'. In dem von Klai>roth herausgegebenen uigurisch-chinesischen 
Glossar (Hua-i-yi-yü = HiRTH-Handschrlften Nr. i der hiesigen Staatsbibliothek), das nach 
seinen Angaben in der Asia polyglotta 214 »von eingebomen Dollmetschern verfaßt« wurde, 
steht 19a kilssi »Auge«, 19a adachi »Fuß«, igh . vi ngiilä »Knochen«, kuksuin »Brust« mit 
Verweis auf tat. ^f hßcsse; i6a oMy »Sohn« gegen 17a uclivl, 16I) ijingh'ssi »Frau des 

.0 älteren Bruders«; i8b kundehtai »Eidam«'; 17b ikrsi »der Herr des Hauses« usw. usw. 
Doch gibt es zweifellose Fälle, in denen das Possessivsuffix allmählich seine Kraft 
verloren hat und — rein äußerlicli betrachtet — in die Klasse der nominalen Formantien 
überzutreten scheint, ohne freilich die Wörter, an die es endgültig antritt, begriff'lich irgend- 
wie modifizieren zu können'. 

.5 In den folgenden Paragraphen habe icli die mir bekanntgewordenen Beispiele zu- 

sammengestellt, und zwar unter I die mehr sicheren und unter III die unsicheren; 
diesen letzteren gegenüber befand icli mich in der Lage eines Menschen, dem plötzlich 
ein Licht aufgegangen ist und der nun alles im Scheine dieses Lichtes sielit (vgl. Höff- 
niNG, Humor als Lebensgefühl SS. 3—4). Daß ich mich trotzdem nicht ganz habe blenden 

ao lassen, geht ja für den Leser schon aus der bewußten Zweiteilung des Materials hervor. 
Die Auslautsverhältnisse, die oben schon bei dem Nebeneinander von köksi und köksc'i zu 
Tage traten, wurden in Abschnitt II ausführlicher dargelegt. Ob einige der auf-?, -a und 
-i, -n auslautenden Wörter zu den Deminutiven zu rechnen sind, kann leider erst nach 
der Darstellung der türkischen Deminution ins Auge gefaßt werden; ich bemerke dies 

25 hier ausdrücklich ein für alle Male. 



I. 

§ 2. Das uig. qad'm »Schwiegervater« wird mundartlich zu qaiti und qaz'in usw. (vgl. 

Wb.). Für das Lcbedtatarische führt Wb. dagegen qai/ü auf; ich kenne diese Form des 

Wortes auch bei den Schwarzwaldtataren (Tuba) Prob. I 253182, 26126 qainizi, ebenso im 

Barabinzischen Prob. IV 813 qainizi-, im Tümenischen Prob. IV 36218, 36312 usw., aber 

30 qairäsi Prob. IV 3471 und mehrfach S. 326. Prob. III 3154 qainisi »ihr Schwager«. 

Castrkn gibt käste, das von Katanofi-, Mel. as. IX 120 besser qasFi geschrieben wird; 
die l^ntwicklung beruht auch hier auf *qa:'ini > "(jaz'n'i > "qazrii > qasfi. Ein *qasti-:'i kann 
ich hier nicht nachweisen; Prob. II 4863653 bedeutet qast'i »sein Schwiegervater«. 



' la CC 114 cf)uni, Syiion. vun oinas »ainica", sah W. W. Radloff küfi -Sklavin«. Es dürfte eher = kün 

35 sein: .Shaw II 173 kiin »wonien connected by bcing the wives of the same husband". Geschichte unbekannt. 

'' Neben külilö »Schwager" (KOsm.= 45 27) kennt das Jakutische auch kiUiiöf, dessen -t meines Wissens 

nicht erklärt ist. Geht es mit Schwund des auslautenden V'okals auf küdägii-si, -:i >- *küdä(^üs, -z > *küzäns, 

-z > kütüöt (vgl. otuz, -s > jak. otut »dreißig«) zurück';' Ganz unklar ist auch noch jak. kinTt »die Frau eines 

Jüngeren Verwandten. Schwiegertochter, Frau des jüngeren liriiders, des Neffen«, das irgendwie zu kulin ge- 

40 hören muß, wie jak. kulul »Knecht« zu 5«/ (wie erklärt sich sag. tgät »Gefährte, Diener, Begleiter-? Bei kir. 

tiiliinat »die Leibeignen der Sultane, wahrscheinlich ursprünglich die kriegsgefangenen Telcuten«, vgl. lälänäl, 

tüläiiit, tälinit, Piob. HI 302 i3u Plural iüliiniittör, wird man wohl an alten l'lural auf -t denken). Bei kinJt 

läge es besonders nahe, an Deminution zu denken; vgl. bar. tum. tob. kaz. käläs (wohl direkt zu schor. küli? 

Prob. IV 299 s tum. kaläsä = kriläiii) und dschag. kälincük, kir. kdimäk. 

45 ' Eine Ausnahme bilden jak. a-^jab'it, uig. tiinrim usw. unten § 61, 62. 



Vom Köktürk'iscfien zum Osmanischen. 5 

Im Schordialekt heißt »Schwager« qazin aya; es wird fast immer qa~in aya~i »sein iv ? 2 
Schwager« gesagt: statt (ja:'in aya-m »mein Schwager« finden wir daher Prob. I 361 416 
den Genitiv (/az'in ayaz'imnin. 

§3. Kokt. «V/j »Herr« hat vielerlei Entwicklungen durchgemacht (KSz XVIII 26). 
Mit Possessivsuffix lautet es im Tar. (igm, äyäsT, ignsi (Prob. VI 1 10 — i i i). In den Abakan- 5 
Mundarten finden wir das kontrahierte t und ä, katsch. von Radloff e geschrieben: Prob. II 
1 14889 Im »mein Herr«, 114891 ih »dein Herr«; 498204 em »mein Herr«, 503388 eFi »dein 
Herr«. Mit dem Possessivsuffix der 3. Person: 114912 izmm »seines Herrn« oder einfach 
»des Herrn«, wie Raoloit übersetzte; 503377 e-t »sein Herr«; karagass. Prob. IX 621 
Nr. 45 äzi. Diese Form mit schließendem -zi lag den Sprechenden so in den Ohren, 1° 
daß sie nun auch dzim, tzim »mein Herr« bildeten: Prob. II i 10755 mänin Jzim, IX 471 104 
(izim. Es ist also unzweifelhaft özi, izi ein neuer Nominalstamm geworden oder im Werden, 
den wir auch bei den Schor antreft'en: Prob. I 362442 azim, was freilich in den Corri- 
gendis zu rfm »verbessert« wird, jedenfalls aber so im Manuskript gestanden hat. 

Finden wir nun bei den Karaimen i/äsi, so werden wir diese Form zunächst mit dem 15 
kaz. it/ü = balk. karatsch. ii/e vergleichen und demnach Anlautschwund' annehmen: iyä-si 
> 1/osi; vgl. jetzt St 531 Anm. 2. Das Kumükische hat iy und die höchst wertvolle Neben- 
form ys < i/(ii<i. 

Vgl. auch krm. sab'i «Wirt, Herr« = osm. sah ~< sahib •< arab. 

§ 4. Das kokt. Wort für »jüngere Schwester« setzt V. Thomsen als sinil an ; diese =0 
Form besteht nach Wb. im dschag. OT. kur. ; Spr. 93 b gibt A. von Le Cog siiir/il (so im 
wesentlichen RAyuEXTE MSOS 1914 204b) mit dem Zusatz »aber stets si}'igm7n<^ ! Wb. kennt 
tar. .sinni, kar. T siiili, kir. sinli, siiidi. In Prob. VI 168, 169, 170, 171 si/inisi und slfmlsT. 

BtüW § 8a hal)e ich vorgeschlagen, in dem Wort ein Deminutiv zu sehen von *.s«n: 
dieses *sifl dürfte nun aber in der Tat bei Klaproth vorliegen, wenn wir nämlich an- »s 
nehmen dürfen, das von ihm S. 17a (= Hua-i-yi-yü 36a) aufgeführte .sing/ii stehe, wie 
die oben ^ i erwähnten Wörter, für siil-i »seine jüngere Schwester«. 

Aus si/'iil entstand über *,sit'it, "sifin das tel. sin'^; im alt. kmd. tuni, leb. sinä scheint 

aber -/, -('1 wieder auf dem Possessivsuffix zu beruhen, wie in den oben angeführten Formen 

tar. s^iMi usw. 30 

§ 4a. Nicht ohne weiteres klar ist auch eins der Wörter für -ältere Schwester« : in den kaukasischen 
Mundarten karatsch. egec, ytgrc, balk. egi^c, egi'i, -Schwester- Uours. 51 ägiici =^ dschaft. sart. t<ir. (l'rob.VI 93 f.) 
ägäöi »ältere Schwester« ; Sul.-Kun. 61 Mr», ehice -^ ahla, LUt/iik, hcmiire, ayadia; Spr. 81 c ägicä -ältere Schwester« ; 
kom. ägäci »Tante«. 



' Ein sehr interessanter Fall von Anlautverlust liegt ini ostt. sart. iim «weite Hosen« vor (vgl. Sbavv .<s 
II 136); nach A. VON Le Co<^ Baesslerarchiv. VI, 3 117, sind es «große, weite Keitbeinklei<ler (ohne die sonst 

übliche reiche Seidenstickei ei) sie reichen bis zum Gurt und nehmen die Schöße des Keckes auf. Sie 

heißen iim oder ixim und werden von gelbbraunem, weichem Leder angefertigt.« Es handelt .sich also 

um ein weitverbreitetes Wort: HorrsMA 58 Hirn • Beinbekleidung« mit Verweis auf Vl-i.i,ers. Nach Wb. tarn 
i*im -Gellecht« und yisim -Strumpf«; ha\k. isim -Stiefelröhre, Gamasche aus Leder oder Filz-, karatsch. /.«»( <o 
-Stiefelschaff, Stiefelröhre«. Im Seibani namä 170 u» tartip idi tizigä tüK-Uik isim übersetzt Vambi'rv durch 
-Itauchwerk-. Man wii-d zunächst an icton, i.ilon -Unterhose« usw. (BtüW Anm. 24) erinnert; ich glaube aber, 
daß wir zur Erklärung herbeiziehen müssen: bar. izii «Zopf- < *iiu, tara äiim «Haarflechte« mit der Erklärung 
-von 'äi + ni«, die ich nicht begreife. Es wird sich um 'di- 5 handeln: -zusammendrehen, drillen« ;- ^H- i 
-zusammendrehen« usw. Zu diesem Verbum stelle ich auch äiik usw. -Tür« — natürlich im Sinne einer 4; 
geflochtenen Jurtentür. Im Kurdischen bedeutet i/w -chausson, gu^tre« Justi-Jaha i6i-a: kimik ahcv »chausson, 
guf'tre, pnntoufle- und »seuil«, wie ja auch iiiik -Schwelle« meint. Semasiologisch ist ör-, iir- zu vergleichen 
mit den Ableitungen örüm, iinm, iiriim: iirgii: örwa, -mii, i'irmä; \i.o\h. Irkin -Schwelle« ((Jastrkn 83a) ist wohl 
auch nicht von Tr- «spinnen« zu trennenl' 

' Zum Lautlichen vgl. unten § 8 zu iiiiil. Ebenso ist kokt. kom. usw. kiiniH> alt. tel. leb. kiin geworden 1 50 
Auf das gekürzte balk. köl verwies ich schon BtüW § S. I*rob. VI 154 kiifdi, köjilüm ganz vereinzelt gegen 
sonstiiif's kiiiinJ usw. 



C Bang; 

IV «ia Es ist wahrscheinlicli — mehr kann ich einstweilen nicht sagen — , daß ägäc^ die Grundform ist, 

^ und zwar ein Deminutiv von einem verlorengegangenen *üg oder von *äyä — kokt. äkä. lOs wäre also -i, -ä 

das Possessivsuftix; diese Annahme scheint bestätigt zu werden durch mg. nachatschi zzz nayaci Ki..\vR(rru 17 a 

mit der Übersetzung »Frauenscliwester«. Dr. H. Hüli.e sagt mir, daß das chines. ^ nach (Iiles -a wife's 

5 sister, a mother's sister« bedeute. Es wäre also nayaci zurückzuführen auf *ana ägäc-i > kir. »107a« 

• Verwandten der Mutter", z.B. auch nayasi aya > nayasaya »der ältere Bruder der Mutter« usw. 

Anderseits kann nicht geleugnet werden, daß cgtic ja auch aus älterem ägäci gekürzt sein könnte und 

daß bei Compositis wie dem vorliegenden das zweite Glied nicht immer mit dem Possessivsuffix versehen wird. 

Unsicher ist aucii noch, ob äcä (im Dschag. »ältere Schwester«, bei den Kumandinen •Tante«, bei den 

lo Turkmenen »Weib, Gemahlin, Jlutter«) über *acä'^ < ägäcä entstanden oder ein selbständiges Lallwort ist: 

vffl. ädlä »ältere Schwester; iSIutter«, idzä »Mutter, usw. Wb. I 720 wird idiä nun noch mit alt. tel. schor. äyä 

• Vaters- oder Jlutter-Schwester. Tante, ältere Schwester, ältere Base« verglichen zugleich aber auch mit äjracä, 
änäcä, die im Wb. ebenso fehlen wie igäci (erwähnt I 697 . unter ägätsi; letzteres wird in Mem. Acad. .St. 
Polersb. XXXV Nr. 6 1887 S. 9a auch noch mit yäiiä, diefiäsi zusammengestellt. Prob. III 296 14 u dzengäii 

■ 5 •Schwägerin« — Wb. diengäsä < -cä zu dzefigä »Frau des älteren Bruders«). Ich sehe die Notwendigkeit, all 
diese Wörter auf eins zurückzuführen, nicht ein. 

§ 5. Für »Nefle« hatte das Ostn. ein Wort y(ig('in, yäyäii, das jetzt -außer Gebraucli 

zu sein scheint. Bei Sul.-Kun. 105 wird es yikän transkribiert; vgl. Pavet 556. Es 

wurde kontrahiert zu alt. küär. ynn, tub. nän. Bei den Lebedtataren finde ich Prob. I 304 78ff. 

20 yäncizl^ »sein Neffe«; dieses yänä fehlt im Wb. Im Schor bestehen die beiden Formen (V7n 

und cüni. Für kir. dziyün (Wb.) gibt rkWb. 179 n.ieJiflHHUKt = »Neffe« an. 

§ 6. In den Bedeutungen schwankend ist das Wort, welches Klapkoth 18b als yasna 
»Mann der älteren Schwester« aufführt; es ist kom. pexna »cognatus« = Houts. 105 yiznä 
»Schwiegersohn, Bräutigam« = bar. Prob. IV 76 i6u yisnä »Schwager« (fWb); dschag. 

=5 yäznä, yäzdä — dies nach Vambery; wohl keine literarische Form? — Als Grundform 
können wir *yizin, *yäzin ansetzen; sie hat sich im wesentlichen im schor. cäzin erhalten. 
Aus ''yäzin-i bildeten sich die oben aufgeführten Wörter sowie koib. Uisti < *{üsni, tel. fmU'i 
(neben dem deminutiven /'(MäS), schor. mstn, sag. Prob. II 477 3331 fcsfin »seinen Schwager«, 
kyz. Prob. II 664 106 yästä, 670 308 yästäzlnä. Kir. dzezdd, kaz. dziz)iä neben dem deminuierten 

3° dzizna » von dziznä + t « . 

§ 7. Zu hurun, nmrun, purun lautet die Possessivform ''hurun-u usw. Prob. II 28 279 
bedeutet ^2<m« s?7 (< *suii) den »Nasenschleim« = 508 556 ptinmnüfi sün (Akk.) = Prob. IX 
351 7» purdunun sün. Prob. II 1 16 956, 1 17 1003 steht dafür purdii sü. Es ist hier nicht mit 
Sicherheit zu sagen, ob purun auf dem Wege ist, sich in purnu, purdu zu entwickeln, oder 
35 ob -u noch reines Possessivsuffix ist (vgl. II 230 35° card'i izäninäh »von dem Erhitztsein des 
Schulterblattes«, rufin^; 254 138 ahau idzän d'urtün (Akk.) »die Jurte deines Vaters und 
deiner Mutter«). 

Die beßarabischen Gagausen haben jedenfalls den Schritt zu humu getaii: Prob. X 78 4 
bahunim burnii.nma »in die Nase des Alten«. 
• 4° Selbstverständlich haben sich im Gagausischen dann angeschlossen: boinu »Hals« 

<boyun-u und qoinu »Busen« <qoyun-u. Es ist ein schlagender Beweis für die Richtig- 



' Paa.sonen erwähnt unter ruwas. aMa ein jak. ägäs »ältere Schwester«. Böhti.ingk hat nur oyaü, das 
jedoch aus ägäc entstanden sein kann und das er mit kom. ägäci vergleicht, indem er annimmt •/ ist hier 
wohl das affizierte Possessiv der 3teii Sg.« (Gr. S. 248 Anm. 80). 

" Vgl. aqa »älterer Bruder« > 070 > ä; andre Dialektformen sind: aqqa. aqqi. dann crjaca, ayaci — 
alle mit weitgehender Bedeutungsdifferenzierung: dann aca (Wb. »=; ataca- lies ayaca). oci (i'), aci, adzi. 
■■ Ich weiß nicht, wie sich W.W. Kaui.off Prob. II 241 724ff. zurechtgelegt hat. Der Text lautet: 
aldi kizi is-/o<:pas Hadi.oif übersetzt: Den die Dorfbewohner nicht leeren. 

ah qor sara Den bunten, gelben Napf 

alih-aldi ol qis Nahm jetzt dieses Mädclien. 

Die unpassenden »Dorfbewohner« beruhen auf einem Hörfehler; lies dld:i M:i »Gast.. [Vgl. Prob. IX 203 ^n 
qnidi hh/idiän atdzi Icizi'! »wie wird ein Gast nicht essen;'«] '^ 



Vo>ii Köktürkischin cum Osnuinischen. 7 

keit meiner Auslegung (vgl. unten V §63), daß qoi/un «Schaf« nur in dieser Gestalt iv§7 
bei den Gagausen bekannt ist. Im übrigen haben sie anni »Stirn« <i altn-'i (vgl. §1) 
und zu gelin »junge Frau« die Nebenform yelni (Prob. X 22b), die schon durch die nicht 
vollzogene Assimilation {-nl- > -nn- in (/öww« »tapfer« <^qanl'i) zeigt, daß sich der Pro- 
zeß hier vor unseren Augen abspielt. Sagt man heute in den Dialekten des Abakaa 5 
keldim »meine Schwiegertochter« (z. B. Prob. IX 373 16), so wird auch dort über kurz oder 
lang »Schwiegertochter« '*keldi lauten, wozu weiter *keldizi gebildet werden wird. 

§ 8. Das uig. Wort für »Schulter«, bei Kl.\i'rotii 19b äüil, ist wohl von Haus aus 
ein Abstraktum, wrtl. »die Biegung«, also gleichbedeutend mit der zweiten uig. Form (igln 
(M 39 12)'. Die für meine augenblicklichen Zwecke wichtigen Entwicklungen sind: änni, "> 
ohne Dialektangabe unter ägin erwähnt, schor. ägini, sag. igni, koib. ktsch. inni, schor. 
ngnd, schor. küär. innd (vgl. auch Castrkn 80 b) sowie ktsch. Fin, alt. kir. usw. In. Für 
das Sojonische gibt Castrk.v ikte, Wb. ikti < ifmi bzw. inmi. 

Im Osttürkischen bedeutet diiU usw. (Prob. VI 70b Sundaq yjasltl bar ähil ikän »es 
war ein Kleid mit solchen Eigenschaften«) »das die Schulter bedeckende Kleid« ton -s 
usw. Vgl. Prob. IV 378 14" inninä tun kigizip »seine Schultern mit Kleidern bedeckend«. 
Prob. IX 315 13U ehnimä keznrga hp ipar-hi-ni t ^= »ist ein Kleid für meine Schultern da?« 
In den oblitjuen Kasus' erscheint immer änn-'i usw.; *n'tlntst ist m. W. nicht zu belegen. 

Wb. fuhrt ein bar. iin »Schulter« auf, das mit unserem (igln verglichen wird. Prob. IV 
754 steht aber un, das ich eher zu öS/in im § 9 stellen möchte"" [doch vgl. karatsch. '» 
nn-bati »Schulter« KSz X 143, kumük. ImmaS < ün-b<is, mit der Entrundung, wie in izihn 
»Rosinen« = iiziim; zu haS vgl. yan-hai »Hüfte« und kurd. ser-mil »epaule d'homme«, 
Justi-Jaba 241a, wo spr = baS; vgl. Tomaschek, Centralas. Stud. II 56 = SWAW XCVI 
1880 788 unter Hüftknochen']. 

§9. Da dem Osttürkischen die Bedeutung »Schulter«, wie wir eben sahen, (nr (ifill =5 
abhanden gekommen ist, so gebraucht es hierfür murä (Spr. 98 a, Prob. VI 56 8u, Raquette 
MSOS 19 14 225a), ein Wort unbekannter Herkunft. Auch ttöa »Rücken« tritt teilweise 
in die Rechte des (ifiil (Spr. 82b, Prob. VI 132 10, Raquette, I.e. 177a; vgl. Wb). 

Wichtiger ist für uns üäni »Schulter« Shaw II 24, das auch Wiutaker kennt. Ich 
stelle es zu iiSün, das als özbiigi.scher Stammname bisher nur im Seibaninamä cd. Vam- 3° 
BKRv 272 — 77 belegt zu sein scheint; Sul.-Kun. 150 hat einen Stammnamen ojSun, der 
wohl dieses öMin repräsentiert. Die anderen Mundarten haben bisher geliefert: halk. öii'in 
»Brust«, (Jiun-alti »Vorhemd« sowie karatsch. öSun, yöäun »Brust», öiüUtik »Brtistrienien 
am Pferdegeschirr« KSz X 127, bar. Mihi »Schulterknochen« (vgl. u)t. im vorigen Para- 
graphen?), alt. schor. leb. öiiin »Schlüsselbein« und das auf derselben llntwicklungsstufe 35 
wie öirti stehende .schor. üitii »Schulter«, dem karagass. öSte — koib. (Mü bei Castren 87a 
(Mel. as. IX 114 östü) in der Bedeutung »Oberarmknochen« entspricht. Prob. IX 615 311 
noch karagass. öSti/m (Vittln; »bis zu seiner Schulter«! 

Vgl. unten § 53 qari. 



' Das sag. iiimä •.Schulter" ist wohl ehi weiteres Abstraktum, wie aber ist ifimän zu erklären? 

* Abgesehen ganz davon, daß im Barabinzisclien Prob. IV 50 4 iftninä -auf seine Sciiulter- vorkommt 
— allei'ding.s tinden s'ch ja lautliche Varianten ein und desselben Wortes des öfteren in ein und demselbi-ii 
Dialekt — ist ün oder ün lautlich nicht gut auf inni usw. zurürkzuluhren. .\nderscits kann ich einen .Schwund 
von -«- oder -;- auch nicht nachweisen. Will man also nicht annehmen, vn sei von iis'ün ganz zu trennen, 
so bleibt zunäclist nur Schwund der ersten Silbe als Erklärung übrig: so doch wohl osm. miirdzi .Schmied'. 
< tämürci! Vis wäre dann aber sehr auffallend, daß dieser höchst seltene Vorgang sich gerade bei demsellx'ii 
Worte in zwei örtlich von einander geti-ennten Mundarten sollte abgespielt hüben. Es bliebe also noch die 
.Annahme, niün .sei ein Kompositum von *oi und ün: mit dieser Annahme sitzen wir daim glüi'klicii in einer 
Sackgas.se. solange *i)s nicht erklärt i.st. 



S Bang: 

IV <q I)<as Jakutische hat ein Wort I'üi- .Hiilte«, (ittük, welches Böhti.ingk m filiin stellt: *otün-ük > öttük. Dieses 

* ötiin. das nur mit dem Possessivsuffix auftritt {öttüm -meine Seite« usw.) könnte unbedenklich zu ösün gestellt 

werden, wenn der Cbergang von -s- > -t- (Böhti.ini.k § 185) besser belegt wäre; nur das flektierte ■mis : -mis-in, 

-mUin ist ganz sicher im Jakutischen durch -üUm vertreten. Zur Bedeutung »Hüfte« ist zu Ijemerken, daß 

5 das oben erwähnte uca »Hucken, Schulter« im Cuwasischen v9Üh lautet und .Hüfte« bedeutet'. 

§ 10. Dem mg. dscliag. mdniz »Antlitz, Gesiclit« entspriclit das tar. miifizi .-Wange« ; 
der Possesiv "manzisi Ist hier noch nicht durcligedrungen oder wohlklangshalber ver- 
mieden worden : Prob. VI 160 4 iki mänzT {siaAX mänzi) qarnm töpäsigä aqqan qanya (r/ßaS 
qizü holsa » wenn ihre beiden Wangen (ihr Gesicht) rot ist wie Blut, das auf Schnee ge- 

■" flössen«. Weiteres BtüW 308 2. 

Einen Dual auf -c werden wir auch in osU. qötcüz »Backe, Wange« Spr. 95c, qulni: -cheek, the bucci- 
natores, a mouthful« MSOS 1914 217a erblicken müssen; ich möchte es mit alt. tel. leb. tob. scher, qoytis -Selten- 
wände der Brust« usw. zusammenstellen, das mit köyüs nichts zu tun hat (Wb.). Semantisch wäre auf das 
o-ewöbnliche AVort fiir »Backe, Wange- zu verweisen: ijafiaq, das im Uig. noch »Seite« bedeutet haben muß 

15 {sägiz yanaq »die acht Weltgegenden «) und dessen Deminution yanaciy im Dschag. »beide Seiten« bedeutete; 
vielleicht hängt i/anaq sogar mit yan »Seite« zusammen (< '^yan-qaq'^?)! Das jetzt in den Turfanfj-agmenten 
auftretende ytiiaq »Seite« würde neben yafiaq stehen wie y'iyac neben yayac »Baum«. 

§11. Das uig. usw. ay'iz »Mund« ist heute u. a. durch die folgenden Formen ver- 
treten: tub. sag. sclior. äs, alt. tel. üs, kkir. öz, ös; osm. usw. «72^. Unter äs werden ohne 
=° Dialektangabe aqs'i und agsi erwähnt, die an ihrer Stelle im Wb. fehlen ; vgl. Casthkx 
koib. ayje, karagass. akse = Mel. as. IX 102 ay'is (aqst). 

Für das Osttürkische kennen Raquette a. a. 0. 174a äyiz, von Le Coq Spr. 83c cyis^. 

In Prob. VI kommt meines Wissens nur einmal aqsiya (743) vor; sonst immer ayzTya, ayzlda, 

ayztni usw. Daß hier wie im Dialekt von Yarkänd der Umlaut fehlt, ist für die relative 

'5 Chronologie von Wichtigkeit, zeigt außerdem, wie alt der Verlust des -i-, -i- ist: kom. 

aflX «os» CG iio, während sonst -t- teilweise noch erhalten war. 



' ScL.-KuN. 26 hat h'iq'in »Seite. Hippe, Hüfte», PAvrr 187 = teL piqq'in, kir. kkir. m'iq'in »Hüfte, Wei- 
chen«; kai-atsch. b'iyin KSz X 93. Kacjuette bietet 182a bäqin < *baqin »the side-part of the ehest«; dieses 
scheint mit bayindas in Konilikt gekümmeii zu sein, das nach Sül.-Kun. 19 bedeutet: dizlärin yoqarisi,- baydas, 
30 San. Nach rkWb bedeutet mn soviel wie oi'.ipo »Hüfte, Schenkel«, ostt. sanoq »Hüfte (der Tiere)«. 

■'' Vgl. kokt, qulqaq »Ohr« und KO.^m.^ 6 30: jetzt auch A. von Le Coq, Türk. Manichaica aus Chotscho U 
S. 1 1 20 iamyaq »Kehle« {■=■ M 37 12 ta7nq[a(j\ »Gaumen«) und das ganz unklare ärngük »Finger« S. 1 1 n 
(;:=M^46 7i und Anm.). Ich möchte es zu fträn »^Nlaun« stellen; vgl. alt. tel. ärkäk, Abakanmundarten eryäk 
»Daumen«. Nehmen wir kurz entschlossen Deminution an, so hätten wir für »Ohi«: »Knechtlein«, für «Gau- 
35 men« (»harter Gaumen« oder »Segel«): »Wändlein«, für »Finger« (»Daumen«): -Männlein« und für »Backe«: 
»Seitleiu«. Wenn die Länge im Jak. kulgSy^ »Ohr« berechtigt ist, so wird *-qäq eine gehäufte Bildung aus 
'■'-qa-aq sein. 

Für kiptsch. dir-jaq »ICralle« (Hours. 73) -— tiryaq (sag. koib. ktsch. küär.; Prob. IV 26 s) ergibt sich 
eine analoge Geschichte: L^ 1720 das mamch. tiranyaq »Nagel« von *t'ir, *i'iran, dessen Bedeutung vorläufig 
*° nicht zu erraten ist; dazu das -a-Denominativ *l'iran-a > tirna- > tirna- »sich jucken, kratzen, harken« — 
also auch hier kein '-na; K0sm^3S. Umspringen der Konsonanten in ^1=^3522 tingray wie 4671 in angräk, 
die wohl beide noch dreisilbig zu lesen sind: t'inayraq, änägräk. Zum Umspringen vgl. BtüW' 528 und Anm. 30; 
sonst u. a. kiptsch. azbar «Viehhof» > kumiik. azbar, abzar balk. arbdz; vgl. von Erckert, Spr. des Kaukas. 
Stammes I 51 azbar 'Dach', 155 a:var 'Zaun'. 
■'S Nach Wb. bedeutet osm. lifaq »Gaumensegel«; wrtl. »Zäpfchen« d. h. »Zünglein«: vgl. russ. )i;ihiHoi>-b, 

kiptsch. i'ilaq »Clitoris« ^ np. Ebenso kir. böböiiik »Zäpfchen, Gaumensegel«, aber kkir. böböciik »Kitzler«, 
worüber an andrer Stelle. 

Wie neben qulqaq osm. usw. qiilaq steht, so muß es für ärdnkäk die Nebenform *äränäk «Finger» ge- 
geben haben > ämäk bei Sil.-Kin 65: ernak = parmaklarin ud'zu »Fingerspitze«. Aus der Wb. I 787 mit- 
5° geteilten Stelle aus RiB'yuzi (ärndkliir ucida) geht aber hci'vor, daß Silejjians Übersetzung nicht ganz genau 
ist, daß ämäk vielmehr nur »Finger, bedeutet. 

Ablautend -qnq in uig. yalngquq »Mensch» M^ 142 z=z yalafi-qnq zu kokt, yalafi »nackt«; vgl. etwa russ. 
io.ii.niiKa -ein nackter Mensch« usw. zu lo.n.iii »nackt, kahl». 

^ . A. VON Le Coij sagt mir, daß die auf den russ. Karten Sänim auz genannte örtlichkeit im Norden 
55 von Turfan vulgär sä/iim ey'i.z'i hieß, was der Wang ayz'i aussprach. 

Das Prob. VI 135 lu stehende a-/;«';/«?' »deinen Mund« ist des fehlenden Umlauts wegen ebenso auf- 
fallend, wie Hai^ueties äyiz, für das man «7/; erwartet (sieh dieses MSOS 1913 165a und vgl. 167 2«). 



Vom Köktürklschen :nm Osmanischcn. 9 

Das obenerwähnte aqsi liegt dem Prob. IX 250 i vorkommenden qan aqs'iliy »mit iv§ii 
blutigem Munde« zugrunde = osm. ay'izti = alt. tel. üstü < *v,s-lü < *ajizli-)i. Sonst 
kenne ich noch Prob. IX 343 8u aqs^-\sildüh »die Milch deines Mundes« 343 6u aqs^-\sü(lüm 
»die Milch meines Mundes« = Prob. II 336 1132 aqs'innm südi'i, 336 1139 aqsimnw südn. Den 

Ausschlag gibt aber Prob. IX i i 7 4" J50 cill'^ po aqsi »was ist das?., das ist der 5 

Mund« ! 

Formen wie *aqsisi, *cr/zisi wären wohl des Wohlklangs wegen bald wieder ver- 
mieden worden'. Wie lauten die Plurale? 

§ 12. Für »Kinn« — auch »Kiefer, Wange« — hat das Osttürkische imk (Prob. VI 
148 8u ihäglgä »auf seinen Backen«), das zu alt. tel. schor. leb. sag. koib. katsch. ak kon- .0 
trahiert wird, rkWb. 185b ek. Hierzu stelle ich schor. (W) Igl < iMk-i. Ganz sicher 
ist dies freilich nicht, denn theoretisch könnte -g"i vielleicht das Abstraktformans -gü 
sein, das dem -k ungefähr gleichwertig war; Parallelformen auf 

-k, -gil 

-q, -7« -5 

finden sich ja öfter. Das auf den ersten Blick ganz unverständliche l)alk. zegi »Rippe« 
entspricht so dem kiptseh. dU (Houts. 57): der vokalische Anlaut fiel im balk. Worte fort 
wie in balk. zer »Sattel« < -;y(ir < äijär usw. Im übrigen vgl. Wb. unter nyägü, igägii, 
ögi'igii (KOsm' 53 Anm.), von denen eins der Vorfahr von zegi ist; welches, werden wir 
nach gründlicherer Durchforschung der Türkdialekte tles Kaukasus wohl erfahren [vorläufig 20 
vgl. wenigstens karatsch. iyegi »Rippe« KSz X 107]. 

§ 13. Die meisten Dialekte haVjen o/7 »rechts, rechte Seite«, nur das Jakutische liat 
uha. Da auslautendes jak. -a aus -i entstanden sein kann (kokt, alt'i «sechs» > jak. alta; 
Possessivsuffix kokt, -s'i > jak. -ta; Praeteritum kokt. -U > jak. -ta), so führe ich ona auf 
OH-'i zurück. 2s 

§ 14. Das uig. usw. uzun »lang« halte ich für einen erstarrten Instrumental zu uz (Vs"?) 
»*Länge«; davon das denominale uza- »lange dauern« usw., von dem wieder t<^og' »lang, 
weit« gebildet wurde. Im Jakutisclien lautet das Gnnidwort tisun, zu dem *umnu < *iizun-i 
gehörte (vgl. z. B. osm. iizunundza »der Länge nach«, baUc. hin iizimii »den ganzen Tag 
lang«; Olufsen 58 dewdl uzunidan »die Mauer entlang« |k:iratsch. halt'ä uzniiii »entlang 3" 
der Schärfe des Beils« KSz X 143]); usuna > *usna > uxta »Länge«. Vgl. schon Böht- 
LiNGK unter ustun. 

' Es ist u. a. daran zu eiinnerii, daß der Possessiv von su meines VVi.ssens nirgends *iiis'i, *susu lautet, 
sondern fi4yu, sü'n, sü; fui/T, mtT. Dabei spricht, historisch betrachtet, der alte konsonantische Auslaut selbst- 
verständlich noch mit (kokt, .wi, Abakantat. .««7, sitg); praktisch ist die so naheliegende Neubildung jedoch ,15 . 
des Wohlklangs wegen nicht zustande gekommen. Freilich kann man ja in der grauen Theorie wieder 
annehmen, sü sei aus *su:u entstanden; vgl. bar. Prob. IV 58 su qann'iii yäü < yayiz'i, kur. Prob. IV 148 iju äiinä 
■< äüzünä 'ZU seinem HausC", 154 14" (iündä < nüziindä -in ihrem Hause- ; zum Schwund von -z- vgl. KOsm'' 43 22. 

Daß bei der Behandlung von su nicht ausschließlich historische Gründe im Spiele sind, lehrt osm. baru. 
bani-sit »Zutluchtsort, .\^l; Schutz; Mauer, Festung«. Es soll nach Youssouk dem Iranischen entlehnt sein 40 
(np. bärü), doch hat das Kujnükischc neben barusu »seine Mauer« auch baruicu (KSz XII 302 46) im Keim mit 
ariwu zu ar'iu, arU = uig. ariy .schön, gut- (vgl. kum. eliivai, el'iuwas -Leichenschmaus- < nlüg as, aber kum. 
otit -tot"). Als Grundform ergibt sich also ein echttürkisches *bafiy, *baruy, dessen -7 im Osm. spurlos ver- 
schwunden ist wie in qapu -Tor- =^ kokt, qap'iy usw. Zu np. bära -Mauer« vgl. HrriiSciiMANS. Armen. Gramm. I 
226 Nr. 523. 45 

Zu täräzä -Fenster« wird Prob. IV 67 su bar. qannin täräzäzmä gebildet, doch steht 62 n iäräzinä soqt'ilar 
■ sie klopilen an (sein) Fenster« ; vgl. meine Bemerkung bei Pki.. X — XI. Ich halte das Wort jetzt für iden- 
tisch mit np. darida «Tiirchen, Fenster- von dar »Tür- mit dem Deminuiivsuffix nip. -Tcak >- np. -Tra. -Tza 
(HÜBSCHMAN.N, a. a. O. 137 Nr. 178): täräcä Prob. IV 225 5; doch wurde im Türkischen das Wort an täri usw. 
• Haut« (vgl. unten § i,^) angelehnt: daher IV' 327 8 tiräzä (vgl. BtüW Anm. 30). Das kir. ököskii ..Fenster« 5<> 
Prob. III 297 8 usw. ist das russ. deminutive oldhikd; die Toboitatnren haben nach Gi(;anow 337 ein gehäuftes 
Deminutiv täräziU'ik. 

PAil.-hi3l.Abh. 1921.' Nr. 2. 2 



10 . Bang: 

IV §15 § 15. Castren gibt 122b und 146a ein karagass. (soj.??) soMe »Hintern«. Wb. stellt 

sclior. leb. sag. tub. sön = son. Das kann in dieser Form niclit ganz richtig sein, da die 
Länge unerklärt bleibt und auch der schließende Nasal Schwierigkeiten macht. Mel. 
as. IX 148 gibt Katanoif für das Koibalische: 
5 so/i »Hintere«. 

sofit {so) »das hinten Befindliche, nach hinten«. 

söna (Dat.) »nach hinten«. 

söndu (Lok.) »später; hinten, nacli«. 

sönan (Abi.) »von hinten«. 

Es muß also sön doch wohl ein erstarrter Instrumental sein: *soa-in (oder *sofn-n'?) 

> son. Von diesem "sonin gehe ich auch bei der Erklärung von sokte aus: *sonin-t>''sonnt 

> *soqni > "soqt'i, das Castren als soklc hörte oder auffaßte: zu -qt- vgl. soj. ikte (VYb. ikü) 
»Schulter« =: inne, inni; oben § 8. 

Das Karagassische schwelgt in einsilbigen Längen, wo die übrigen Mundarten Kürzen 
.5 haben: Prob. IX 616 Nr. 28 usw. sön, aber 625 Nr. 61 son^u «Hinterteil». Auf .w/7i gehen 
zurück: 628 Nr. 88 söm^a olur »setz dich hinter mich«, 651 4" sömza < "sonimca »hinter 
mir her«. Vgl. soj. schor. sohtz'i »übermorgen« < ''soiYisi -- son-'i + erneut angetretenem 
Possessivsuffix, da soft'i zum Stamm geworden war. Ob sich soiYi überall säuberlich von 
so/l-yi, song'i usw. wird scheiden lassen, weiß ich nicht. 

20 § 16. Aus der Kandakowschen Mundart gibt Castren 86a 6ü »Handfläche«. Es 

ist wieder das mit dem Possessivsuffix versehene Wort: tar. öc, alt. tel. US, sag. koib. ktsch. 
ÖS, das Castren auf derselben Seite erwähnt; für die Kandakowsche Mundart: Us\ Wichtig 
sind hier u. a. kir. üs mit unerklärtem -.s* statt -S (vielleicht ist^-.s von qos-üs hergenommen' 
= schor. qos-öS usw., Castren 97 kozos »Handvoll, beide Fäuste«) sowie Olufsens havr. 

=5 »a handful« wegen der A-Prothese. Es ist also 6H =-- *awic-i (dessen Quetschlaut vor Vokal 
erhalten blieb, während er im absoluten Auslaut zu -s wurde) ; vgl. cuwas. /»i<^ neben jviL 

§ 17. Das türkische Wort für »Ende« iic wird lautgesetzlich im Abakan zu us. Castren 
hat für das Karagassische die beiden F'ormen id'u und ud'ii. Auch Wb. gibt udu für 
»■Ende« im Sojonischen. 

30 § 18. \iig. "yay'ii- »Schulterldatt«, dschag. »Schulter« (Pavet 52g, Sul.-Kun. 95), osm. 

»dos du cheval« (Youss.) hat eine osm. Nebenform ya'yr'i »Kreuz des Pferdes«, die jetzt 
veraltet ist; jak. suri »Haut vom Ende des Pferderückens; daraus verfertigte Stiefel« (zur 
Bedeutung vgl. § 19). Das Wort bedeutete zunächst wohl »den oberen Teil des Rückens« 
und ist mit ^yayir »durchgeriebene Stelle auf dem Pferderücken« identisch; ist dies der 

35 Fall, so vgl. tub. yaur = alt. yür in letzterer Bedeutung. Das bar. yauru »Schulterblatt« 
kann ich leider nicht belegen; kom. yauru (Wb.) existiert nicht. Über kiptsch. yo7/-flrt 
usw. vgl. KSz XVII 142-. Das misch, yaw'irni »Schulter«, das zweifellos wieder -t ent- 
hält, steht bei Paasonen unter cuwas. surhn^. 



' Umgekehrt hat von Le Cik^s qocüc -eine doppelte Handvoll.^ (Spr. 95a) das mittlere -c- fiir -s- vom 
Auslaut her bezogen, während das Simplex bei ihm qoi lautet. 

'■'Dort habe ich versucht, das bar. tsögdr durch Annahme von ^/-Umlaut und c-Umlaut aus *ca~/ir, *cayitr 
zu erklären. Da der t'-Umlaut in den Kreisen der Fachgenossen hier und da bezweifelt wird, so will ich 
Oi.ursENS cäikarc, cäsJcarrj ..outside« erläutern: ifh nehme r-ümlaut an, so daß ra.w/an das Ursprünülichere war: 
caSqari entspricht dann dem bekannten ta.iqari. -gari: vgl. die Entwickluns; von ^ vor silbenschließendem -s 
in osttürk. «.s = ft.« ..Zahn.. (Spr. 88c; Prob. VI 181. „), tvi.v = «v »Traum. "und ..Mittag«, riis- = fiis- »fallen. 
(Spr. 90 a). 

' Im QB 16511 ist Jj_ wohl yäriit-i ..seine Schulter., zu deuten. 



Vom Köktürkisclien zum Osmanischen. 1 1 

§19. Im Scliordialekt bedeutet wyi/- »diirchräuehertes, nicht gegorbenes Leder und IV §19 
Scliuhwerk aus solchem Leder«. Osm. sa-^r'i meint i. »Bug, Rücken des Pferdes«, 2. »Rücken- 
leder des Pferdes, hauptsächlich zum Einbinden von Büchern gebraucht«. Vgl. jetzt auch: 
HoüTs. 81 Sö7n > tel. mri (Prob. I 2485 süru)-. kaz. muri, kir. saurü, beide im Sinne von 
»Pf erde rücken« usw. und »Leder«, während tar. sa-)'ra < sa'^ri nur »Hintern, Hinterbacken« 5 
zu bedeuten scheint (vgl. kir. saur'i u. a. »Hinterteil des Viehs«): doch gibt Shaw II 118 
sayri im Sinne von »a leather prepared from liorse-skin (from the back of the horse)«. 

§20. Für »Schlund, Kehle, Gurgel« gibt es ein Wort, dessen Formen lauten: uig. 
dschag. tar. boyvc, > tob. buyuz; osm. hoynz> kaz. huyaz usw. usw. Für das Karagassische 
gibt Castken 127 b bokse, 15c aber hoksu. Da er an letzterer Stelle ausdrücklich den Dativ 10 
hoksd erwähnt, der nur aus *boksu, *bokse + 7a kontrahiert sein kann, so ist sein Ansatz 
dieses Wortes über jeden Zweifel erhaben; es ist aus boyvz-t, boyitz-u entstanden (vgl. 
tob. kök.-<fi § i ) > ho(jsi. 

§ 21. Das dschag. ^y wird im Wb. zweimal gegeben: i. bök.-<a »der Teil des Rumpfes 
oberhalb des Kreuzes«, 2. büksä »der Teil des Körpers unterhalb des Gürtels«. Für das is 
Kirgisische haben wir pöksö (<C -S('i) »Unterkörper« und böksö »der untere Teil des Rumpfes 
in der Gegend des Beckens«. Für das Barabinzische hat Wb. pöksil (< -si) »Unterkörper« ; 
Prob. IV 2 2 6u scheint es nur »Körperteil« schlechtlun zu bedeuten. 

Dürfen wir ein *böyüz, *bögüs konstruieren, aus dem böksn usw. entstanden wäre, 
und weiter annehmen *bögüz sei durch Rhotazismus zu osm. bö(jilr, biigür, bihjür »Seite, 20 
Hüfte, der Teil des Körpers unterhalb der Rippen« usw. usw. geworden? Vgl. den Ver- 
such, kOkrak mit köyüz zu verbinden in meinen BtüW § 6. 

§22. Für »Nacken, Hinterko])f« gibt es ein Wort, das schon CC 136 und Houts. 55 
als diWi auftritt und diese Form bis heute in allen Dialekten, in denen es nachgewiesen 
worden ist, im wesentlichen behalten hat: kir. n'isu, osm. a/ist'i, tob. ii'isd, kumd. (inzd usw.; 25 
nur das leb. (deminutive wie in kir. la(]tai »dünnes Brett« von (a(jla?) rn,tai bedeutet 
»Schulter«'. Gehört a'/Wi zu den Wörtern, in denen -d auf älteres -i zurückgeht, und 
sollen wir annehmen, der Grundtypus sei *d/'iiz, *diiis gewesen? Vgl. die l)eidon vor- 
hergehenden Paragraphen und die Bemerkungen zu 07/- § 1 1 ■. 

§ 23. Hier möchte ich nun aucli noch ein Wort erwähnen, in welchem -/, -?V, zwejfel- 3° 
los das Po.ssessivsuffix darstellt: ebi »Haus«, das nach Wb. nur bei den Sagaiern am 
Flu.sse Is vorkommen soll, in Wirklichkeit aber viel verbreiteter ist: Prob. II 17565 dbiz'in, 
25177, 29299 dbtz'indd, 43780 öbiizündd, 4437 usw. tbizmd, 79282 ehigd ncXxin sonstigem ibgä, 
egbä, 793'3 ebizmin usw. usw. Prob. IX 332 Nr. 2763 öbiziniü. Anderseits besteht im 
Schordialekte neben iig »Haus« auch ügü (Prob. I 34443, 353 '48 usw. iigiizi'md; vgl. meine 35 
Anmerkung bei Pel. S. X) und ich bezweifle nicht, daß, wenn wir bei eben diesen Schor 

• Paasoken erwähnt unter tuwaS. anzs ein misch, iüzä -der Teil der Brust, der zwischen der Sfliultcr 
und der Brustwarze liegt«. 

' Ich hätte dieses Wort lieber zu dem unsicheren Material gestellt, wollte es aber von hoqs'i und biiksä 
nicht trennen. Man wird sofort fragen, wie es zu erklären sei, «laß hier schon im Jahre 1245 (Hovr.SMA's 4" 
Glossar; CT aus 1.503) dei- Abschluß erreicht war. Ich kann darauf nur antworten, daß im Sprachleben iuinier 
einzelne Wörter den anderen voraus sind. Bei ihnen tritt aus lautlichen oder semantischen Gründen oder 
auch weil sie häufiger gebraucht werden irgendeine Andening im Laut oder in der Gestalt zuerst auf: ihnen 
schließen sich dann andre an: ohne die •Frühreifen- gäbe es kaum eine Veränderung oder, wenn man will, 
keine Entwicklung in der .Spr<ache. Warum sagen die Tarantschi des Ililales .<?«7)«r (ij 4), nicht aber *o7;;/w 45 
(§ 8) usw. :• Daß im Osttürkiscben später auch einmal *ä/inTsT durchdi'ingen wird, ist liöchst wahrscheinlich. 
Wie aber lür denjenigen, der heute diese Gruppe betrachtet, xiü n7s7 ohne, ei-sichtlichen Grutul den andeien 
VV^örtern voraus ist, so kann auch äi'isä seinen Genossen vorangecilt sein. 



1 2 I^ -^ ^' *■ • 

IV §23 I 390500 uzilnö finden, dieses ü aus ii(/ü entstanden ist; es ist also auch sehr wahrschein- 
lich, daß ügil auch den Dialekten bekannt ist oder war, für welche Wb. ü nachweist'. 
§ 24. Da das np. >- »Stadt« überaus häufig mit dem Possessivsuffix versehen wird, 
so ist -i auf dem Weg, "bei diesem Worte zum integrierenden Bestandteil zu werden : bar. 

5 äähäri, Prob. IV 42 1 Qannii'i ^('ihfMcmä usw.; 4714 zwar äühärgä, aber 5713 wieder üzünün 
säMnzmm »seiner eignen Stadt« usw.; ^j m ^ahärnm, 6^2,» qan Mluimm. Prob. VI ii6iou 
für mJuingä. 

§ 25. Tara inüäM {?iob. IV 119 12, 120 i) bedeutet »Winkel, Ecke«. Es gehört zu 
den Begriflfen, die man sich kaum ohne Beziehung zu einem anderen, folglich auch nicht 

■o ohne Possessivsuffix denken kann. Seine Geschwister sind: kur. niiUS (Prob. IV 1393") 
= tob. bar. müyüS = dschag. mmüS, müS^, tob. müä (oder niM), kir. müyils, kar. L. müwiis usw. 
Bei SuL.-KuN. 146 lesen wir buchstäblich: miinkusi »Winkel, Ecke« d. h. milnüM, das obigem 
inüäM wohl entsprechen dürfte. Prob. IV 1 19 9" üynmnün türt miiäsädä »in den vier Ecken 
meines Hauses«, wo aus dem »Fehlen« des Possessivs hervorgeht, daß die Bildung noch 

15 nicht abgeschlossen ist. 

§ 26. Zu den Wörtern, die sehr häufig mit dem Possessivsuffix vorkommen, gehört 
auch Mräh »Bedarf« usw. Vgl. nun Prob. III 310 16 qat'infn mayan herägisi dzoq »ich bedarf 
der Weiber nicht«. 

§27. Das Nomen bar »das Vorhandene«, das wie jedes andere Nomen dekliniert 

20 werden kann, erhält seiner Bedeutung entsprechend oft das Possessivsuffix: berini Prob. VI 

163 16 »alles davon Vorhandene«. Statt hart aber auch barisi, das wieder zu 6am" wird: 

vgl. KSz. XII 100, wb Nemeth folgerichtig ein kumük. öari' als Stamm ansetzt. Vgl. balk., 

karatsch. unter bar und z. B. Prob. IV 92 lon bafisin. Lies jetzt unten S. 20 Anm. 1. 

Wenn bafi auf *barar-t zurückgeht und wenn überhaupt hart (im Jakut. mit kurzem -a-\ 

n Vgl. aber här) das Possessivsuffix enthält, muß das jak. bafi »jeglich, all; das Ganze, die 

Gesamtheit« einer jüngeren Turkisierungsperiode angehören, weil -i sonst zu jak. 

-a hätte werden müssen; dem barm entspricht jak. bafita »sein Ganzes, Alles«. In bafi 

ein Gerundium auf -i {al-, al'i) zu sehen und Böhtlingk § 528 heranzuziehen wird wolil 

niemand gutheißeii. Erwähnt sei auch noch das kir. bäri (so auch Prol). IV 122 8 usw., 

30 292 16 barM), obwohl es uns in nichts w'eitcrhilft (< *ba'fi?). 

§ 28. Daß in den lieutigen Formen für die Ordinalia wie üciinci »der dritte« (vgl. 
kokt., uig. üöi'mc und jak. i(si}s) das Possessivsuffix vorliegt, habe ich BtüW^' § 8 wahr- 
scheinlich gemacht. Die ältere Form liegt möglicherw^eise auch den karagassischen Ordinalien 
(ild'iiSkif usw.) zugrunde. Da auch die Kardinalzahlen oft mit dem Possessivsuffix auf- 



33 ' Slt,.-Kun. 5 ayovi. akevi .^ alaaiij »Zelt« ist aij ähi. 

- Wb. unter ^mu.i. Das vom Wb. aufgeführte dscliag. mzi/nts »ein einsamer Ort« ist selbstverständlich 
unser münüs. Von dem anderen W^ort für »Ecke« kommt das epische pidufi ;/är und pulu/i sii -Eckenland-, 
-Eckeuwasser«, d.h. doch wohl »vereinsamtes Land, Wasser« usw. In den Epen lebt der Held oft in einem 
an yär usw. «öden, einsamen Lande« (vgl. Wb. unter an. Hin < ;'). Vgl. ,Si:r..-KrN. 32 hucaq .p:cke, Winkel, 

^o ?]insamkeit [inziva)"-, osm. bir hudla-ja laqilmaq »einsam leben«. 

' Mit dem -ki, -ql, welches vorliegt in alt. tel. pasqi (das Karagassische scheint ja für -erster, nur 
hasqi zu kennen; vgl. Prob. 188 105 fl-. die Folge tel. pa.iqi, äkhu-i, iicunci) = sa.'^. pasiayi .anfänglich-. te\. paiiain 
(mit -«- < -7- oder < *pastani < -■paitayan-yi'.') pastnpqi »der Erste-: vgl. tiirn. hailapqida »zu Anfang-; 
karatsch. (2/7W77iy( »erstens« < *«/-7i-«-7i-Äi KSz. X 87 ; in Yarkänd und sonst amcälqi MSOS. 1912 139: 

45 uig. burunyi »der erste« kar. L. T. hiirnnyu. Ist Imi-un »früher« wirklich, wie Bohtli.ngk wollte (.lakut. Spr. 
n n^^ '" '^''"' ^''"^'^''•■'"Se")- '"''' *"'"« »Nase« identisch, oder hängt es irgendwie mit dem skr. puräna zusammen;' 
Daß nach KSz X 220 heute im Karatschajiscben der Akzent verschieden ist [bürun »früher«, btirim »Nase-) 
ist am Ende kein Argument gegen ISöiitmncks .\nnahnio: wie aber soll nnn dschag. 01\ tar. burna, tar. 



Vom KökturkiscIu'H :uin Osinaiüschen. 1 3 

treten {ilci »ihrer drei« -- »alle drei«'), so könnte man geneigt sein, das cuwas. vizc), vissd \\ ^2% 
»drei« auf diese Form zurückzuführen; es liegt aber wohl Anschluß an ikk>,i(id »zwei« 
vor, von dem auch wohl peri, ptTrs »eins« die Zweisilbigkeit hat, während ik »zwei« 
sich nach per »eins« modelte. 

Im Anschluß an i'iünnc, ncünci möchte ich erneut die Aufmerksamkeit der Fachge- 5 
nossen auf das jak. Nomen actoris erbitten : für türk. -ci finden wir eine durch -t er- 
weiterte Form in ämcit »Arzt«, kömüccüt »Silberarbeiter«, altann'it »Kupferschmied«, baltqsit 
»Fischer« usw. (Böhtl. § 387; vgl. auch § 161, 171, ^y^). Während Böhtlingk glaubte 
(§ 225), -t könne die mißverstandene mongolische Pluralendung sein, möchte ich fragen, 
ob es nicht ein (Tberbleibsel des Possessivsuffixes -«iist: ämdm, ämcizi > *ämcis', *ämiHz''' 10 
> ämcU (vgl. Poss. I. Plur. -Inz, -bis > jak. -bit; negat. Praes. -maz, -mas > -bas > jak. -hat; 
Böhtl. §«185)? 

Naturgemäß tritt ja das Nomen auf -n gerne mit dem Possessivsuffix in Verbindung 
(QB. Sil baSci-s'i »,der Führer des Heeres«, budun basci-s'i »der Führer des Volks« u. dgl.). 

Es muß jedocli auch in Erwägung gezogen werden, ob -s'it, -n't nicht eine auf jakutischem .5 
Boden vollzogene Weiterbildung von -ci ist*. P]s könnte hier das Abstraktformans -/ an- 
gefügt worden sein, wie in anderen türkischen Dialekten das Abstraktformans -/ sekundär 
an -ei trat und so -eil in sag. undz'il »Jäger« usw. bildete'. Es stünde also -r'it neben -eil 
wie -yu-t neben -yu-l steht, worüber an anderer Stelle zu handeln sein wird'. 

II. 

§ 29. Wenn wir uig. kom. usw. yarii »neu« mit bar. kaz. tum, (Prob. IV 346) tob. jo 
(GifiANOw 3 I 7) yai^ia - - kir. dzafia = jak. sana vergleichen, so stehen wir vor der Frage, wie 
der Wechsel im Auslaut zu erklären sei. Beim Jakutischen ist es zunächst nicht ausge- 
macht, ob -a ererbt oder erst auf jakutischem Boden zu -a geworden ist. Will man an- 
nehmen, das Wort sei von Haus aus ein »Partizipium« und könne als .solches sowohl ijiiün 
als j/afä lauten (al-,'ala, alt), so wäre diese Antwort vielleicht nicht durchaus zu verwerfen, 25 
doch entstünde ja gleich die neue Frage, wie sich denn ala zu al'i und umgekehrt verhält. 
Ferner könnte man aus den folgenden Paragraphen irgendein anderes Wort wählen, das 
in einem Dialekt oder in einer Dialektreihe auf -i, -i, in einem anderen Dialekt oder in einer 
anderen Dialektreihe aber auf -a, -ri auslautet und das ganz zweifellos ein reines Nomen 

biiruna »früher- usw. erklären'.' Neben tar. biirnn kürt -vorgestern- — - Spi'. 85a biirnä A'iiii steht kir. Iiiirriayi 3,, 
oder mum/i-yi kün: vgl. OT. bunaqi, bumayi. bar. purna~/i Prob. IV 25 '.. Dns -a kann also nicht die osttürkiscbc 
Verderbnis von -i (sieh unter II) srin. Die Dnlilettc bnriia : Inirun wird der Abneigung biegen dreisilbige Wörter 
ihr Dasein verdanken. Hs ist wohl auch daran zu erinnern, daL^ dei" Uegrifl' bunin auch sonst entlehnt wird: 
außer dem schon erw-ähnten äiciriil usw. vgl. tar. ijedim »einst, ehemals, früher- -^ np. qatllm, (jdriim -^ arab., 
sodann i-uwaS. /yi>p<7y -anfangs, ei-st« --, rnss. iii'jiiujji -- kaz. pinroi -zuerst, zu .Anfang-, nn'sch. /) c»«:/ (1'r.i.. 43;i); 35 
kumük. )>ercii. 

' Doch nicht ausschliel^iich in diesem Sinn: vgl. Prob. III 268 211 fonüri otu:üii cihdi, otuziin arlip ald'i 
• dreißig davon fraß er, dreißig lud er sich auf-: IV 47 lu yidi:'t -die sieben von ihnen». 

' Leider sind unsere Texte fast alle normalisiert. In M. Haktmanns Text aus Kas-yar, der eine rühm- 
liche Ausnahme bildet, finde ich KSz V 162 30 /J-- für //;/, 164 «9 aned waredi >• anasöredi, 165 70 yalresi iimiis 40 
>■ yalces'mii.% 167 it.5 bajiki ^> bajik. Man sieht daraus wenigstens so viel, daß das -betonte- -i trotz seiner 
Betonung gar nicht so fest ist, als man glauben möchte. Für das osttürkische kämä-si «alle» (vgl. np. Iiarna 
HrB.scnMA.N.v. Armen. (Jram. 176 Nr. 3.50. 177 Ni-. 332), das A. vo.n Le Coy mit osm. hiipxi gleichstellt, sagte 
Ki!Nos" Gewährsmann K.Sz. VI Nr. 4 § 15 hüminäx neben Nr. 7 § 10 /lämmase 

' Wenn es sich in der Tat um eine Weiterbildung handelt, werden wir allerdings annehmen niü.ssen, 4=, 
daß sie schon in einem der türkischen Dialekte vorhanden war. die die Jakuten annahmen. 

* Vgl. vorläufig Motü.Spr. 40 und .Vnmerkungcn. Hin von diesem verschiedenes Suffix -(■(/ suche ii'h 
Ostasiat. Zeitschr. VIII 23 § 4 zu erklären. 

* \'i;l. vorläufig KOsmJ 39 .Vnm. 2 und 65. 



14 Bani;: 

IV §29 wäre, und die Frage würde wieder sein, wie die beiden Auslaute zu erklären seien. Ich 
glaube vorläufig — ich unterstreiche dieses vorläufig, weil durch die Turfanfunde ja viele 
Fragen in ein anderes Licht gesetzt worden sind, täglich wieder in ein anderes Licht ge- 
setzt werden können — , daß 1. auslautendes -a, -ü aus -i, -i geschwächt oder verdorben 

5 sein können, daß also 2. die genannten Laute in einer bestimmten Periode der Entwicklung 
nicht durch die große Kluft getrennt waren, die sie heute Avieder voneinander scheidet. 
Diese Periode wird die sein, in der -i, 4 nach 1. zu -a, -ä verderbt wurde. In dieser 
Periode waren -a-, -ä- außerhalb der ersten Silbe möglicli an allen Stellen, wo die ältesten 
Texte und fost alle heutigen Mundarten wieder -i-, 4- haben'. Ich glaube ferner 3., daß 

.0 aucli außerhalb der Stammsilbe in vielen Wörtern ein Neben- oder Durcheinander von -a-, 
-n- und -i-, 4- möglich war und ist, wie in der Stammsilbe selbst z. B. in Ml-, kil- oder 
hc'ir-, hir-, für die ich heute weniger als je eine gemeinsame Quelle *M-, "her- «ansetzen 
möchte'-. Also nochmals: vorläufig! Mit festen Theorien ist hier gar nicht gedient; die 
^Entscheidung dieser höchst komplizierten Fragen liegt zeitlich hinter dei; Herbeischaffung 

.5 des Materials, für die die folgenden Paragraphen eine Vorarbeit sind. Ich habe mich da- 
bei ganz besonders an das Osttürkische gehalten, weil unsere Quellen hier reichlicher 
fließen; anderes wird meine Monographie über die Abstrakta auf 4 bringen. 

§30. Für »Boot« schwanken die Bezeichnungen zwischen kümi dschag. Hoüts. 98, 
Meuoranskioi 10 gnml = osm. aderb. kom. kar. L. und h'inu'i kom. dschag. tar. OT. alt. teL 

jo küär. tum. (Prob. IV 299) = kemn kir. kkir. sag. koib. katsch. = kähä tub. leb. schor. Im 
Kazantatarischen kimä = tum. Prob. IV 3 1 7 n. 

' Ich denke hier an Formen wie iyacay (Akk.) für h/aciy, bardamaz »wir gingen« für hardimiz, tartap 
• ziehend" = tart'ip usw. usw. in den Turfanfragmenten. Vgl. auch Bkockelmann, KSz XVIII 36 Anm. 2: hardam 
= bardim. 

25 - Unter anderem haben die Vertreter dieser Ansicht m. W. bisher ganz versäumt, sich mit der Tat- 

sache auseinanderzusetzen, daß der Wechsel -ü-:-i- auch in Lehnwörtern auftritt. Das arab.-pers. säkl 
»Form, Gestalt" usw. lautet im Ost.türkischen mH = savt. iäkil, bar. sägil in Prob. IV 6713«- = bar. iägäl rx&ch^ 
Wb. IV 1000 (Uruckfehlei') ; dazu kai. silntli »mit einer Form« usw., xik'dsi: »gestaltlos«: vgl. Prob. IV 357 7u 
iikUli und 1229 usw. ■siyilli. 

30 Das mp. np. -e- haben die Tiguien durch -ai- wiederzugeben versucht: F. W. K. 5Ii"i.ler weist für uig. 

ttaiwaziki M» 83 »guter Genius« als Quelle auf das mp. nein icäyjiij hin. Als Varianten kennen wir allerdings 
uig. näwaziki und niwaziki (Wb. III 687, 690). Dieselbe Wiedergabe noch in mp. ne:ak, np. ne:a »Lanze- 
(IICiiscHiiANN, Armen. Gramm. I 204 Nr. 442) >- dschag. kir. naiza, das auch Prob. IV 55 mi lurdas Barabinzische 
belegt ist; es wird durch /-Umlaut zu aderb. tar. näizä. Ob in sart. päis »vor« dieselbe Ei-scheinung vor- 

35 liegt oder türkische Epenthese vor -s- kann ich nicht mit voller Sicherheit sagen; dem n^. pesänT -Stirn« 
entspricht im Sartischen päiianä =; Spr. 85 päianä, Raquette 187 prianä, wo das auslautende -ä < np. -» be- 
achtet werden muß. 

Von großer Wichtigkeit in dieser Frage wird einmal die Geschichte des alten Kulturworts für »Baum- 
wollenzeug« usw.. sein, sobald wir sie genauer kennen werden. Zu uig. böz verglich F. W. K. Mi'li.er syr. 

40 r<'^a=s bi/ssus (M' 70 Anm. 2; vgl. Heh.n ' 189 und Si'iegei.berg in KZ 41 128 <; ägypt.). Die Aussprache bö: 

ist heute belegt aus kom. OT. dschag. kir. =; Spr. 85 a bös mit der doitigen Entstimmung = alt. tel. pös, das 
auch für das Koib. nachgewiesen wird in Mel. as. IX 154 = Castrkn 128a bös. Im kaz. biiz liegt das diesem 
Dialekt eigentümliche -ii- vor. Ich halte böz für eine frühe Rundung durch b- von beiz, das im Osm. Chiv. 
Türkm. Sart. bekannt ist. Schon Houtsmas Glossar vom Jahre 1245 hat 62 böz neben 65 türkm. biz =^ kumük. 

45 biz »Leinwand«, dem wohl !-m\;\'s. pir in derselben Bedeutung entspricht - bei Paasonex Verweis auf arab. 
bezz »gewebter Stoff im allgemeinen« nach Zenker. Ich nehme an, daß /ii'z auf ein sovd *bis < ß-jTTc<; 
zurückgeht und daß das türk. Wort mit stinnnhaftcm Auslaut erscheint, weil Wörter, die auf -.1 auslauten, in 
den älteren Mundarten und wohl auch im Urlüikischen fast nicht voihanden wai-en. Auch für das 
Wort fiir »Leinwand, Flachs« (\Wb. kutan, käaäti, kedän, kitän; öuwas. kaoam) scheint es neben arab.-np. ö^ 

50 eine ältere (Quelle zu geben, di(! dem griechischen yjrxr lautlich näherstand (etwa *kitim): vgl. QB 88 js kutan 
timlar. PAVEr455 (vgl. Sil. -KuN. 128) gibt aus ungenannter (,)uelle einen Vers, in dem käti'in neben kätän 
steht. Vgl. HÜBSCiiJiANN, Armen. Gramm. 1 278 Nr. 168, 308 Nr. 59; kurd. qoutin »coton« (.ksri-JABA 312b = 
arab. j2^; dazu krm. qutunsu »Oberkleid«;'). In väg. kedis »Baumwolle«, das nach einer freundlichen Mit- 
teilung Dr. Ilri.LES durch k'o ti'-ssu nnischriobcn wird, sah Ki.ai'ROtii 14b einen Schreibfehler für kätin; ob 
er l{echt liatl' \'gl. auch Zimmern, .-Vkkadisclie Fremdwörter» 37. 



Vom Köktiirkischen zum Osmanischen . 15 

§ 31. HoüTs. 95 hat kdli »Mörserkeule« = CC 94, 124 d)CÜ = käli; kir. kell »Mörser«. iv§3i 
kaz. kill (vgl. Pel. 40b unten); jak. kali. Aber. tob. kilä, cliiv. Vajib. källä. 

§ 32. Tel. iidögä »Frau, Wirtin« > bar. i'idögö (Prob. IV 3 1 18) = bar. tel. kumd. iUdügä 
(vgl. IV 1196) aus iU-d(lgi. Vgl. ?-Eh. /{6h üdä'gi^ler »Hausbewohner«; schor. ämdägl »Haus- 
frau, Frau«; Prob. IX 460 19 fhda'gih'ir »die Hausgenossen«; karatscli. fndegile »Familie, 5 
Angehörigen « . 

§ 33. »Fell« lautet kom. dschag. krm. bar. Kar. T. L. fä'ri = kir. teri, osui. dd'ri. 
Prob. IV 9 3u steht tdrä --~ alt. tel. leb. schor. küär; td'rä Prob. IV 18 i, 23 2uff = tln'i IV 911. 
Kaz. tiri, jak. tirf. Dazu ruwas. tir »Balg, Fell, Haut«, sag. koib. tfr »Leder«. 

§ 34. CC 179 ein merkwürdiges kOJ = «angnus« (sie), 128 coxi = Houts. 90 qozii i» 
»I^mm«. Bei 1/ qoz'i = uig. alt. tel.; osm. krm. qucu, kaz. quz'i; dschag. OT. qozi: aber 
tar. qoza, Spr. 95 a qöza, während Raquette qozi bietet. Zu kom. qoz das kir. Verbum 
qozda- »Lämmer werfen« < qoz-la-? 

§ 35. Kokt. uig. usw. tayi > osm. krm. daha. 

§ 36. Kokt. uig. tar. OT ini »jüngerer Bruder« wird in Turfan zu i/iä (Spr. 84 b); >5 
es fällt also mit ind »Mutter« zusammen = bar. im'i, das auch Prob. IV 9041111'., 109 611 
{ind neben 114 ini aber 112 lou md »Mutter«), 142 211, 227 m, 329311 vorkommt. Jak. ini 
»jüngerer Bruder«. 

§ 37. Das unerklärte Ödzl »Beute« in A. von Le Coqs Erzählungen KSz XVIII 114a 
= Spr. Sab ist dschag. oläi (dies auch Prob. IV 2146) usw. -- CC öldza »praeda« (für « 
oldza?). Bei den Kumüken bedeutet oldza »Weib, Frau«. Vgl. mong. olh-a mid mand. 
olji »Gefangener«. Lehnwort -:? 

§ 38. Die beiden vorangehenden Paragrai)hen zeigen uns, daß -/, -i > -d, -a werden 
können, während umgekehrt -«, -a > -/, -i sich entwickeln. Weitere Beispiele in den fol- 
genden Paragraphen; daß in einem Teil dieser Wörter np. -/' > -d wird, ist von besonderer »5 
Bedeutung. 

§ 39. Das np. adj. rini (aus mj). cinik »chinesisch«) wird elliptisch für »Napf« (.Seiban. 
namä 306 — 7 ciniaijaq) gebraucht, wohl im ganzen Osten. Raquette hat cinr: im Tarantschi 
haben wir: 

artj Prob. VI 1782, (Hnistgä ijS 4, <Vw/.«f 44 10, rindgd ^^c), ^V/jr/w 44 16, ö'«^/.«* 45 4. 3° 

Prob. IV 66411 bedeutet s'inyan Cind »zerbrochenes Porzellan«'; IV 9417 samoirar tsi- 
nimindn »Teemaschine und Tassen«. 

Das kir. .^ini »Glas, Porzellan«, ist wohl durch Enklise guttural geworden (vgl. Mn'i 
ayaq »Porzellanschale usw.); vgl. osm. darein, darein, dschag. tarcin »Zimmet« = np. ddr- 
i'im, däröiii < m\).*dür i cinik (IICbschmaxn, Armen. Gramm. I 137 Nr. 179). 35 

§ 40. A. VON Le Coq hat für »Napf aus Ton« KSz XVIII 117a qara — Spr. 94a 
qdi'a »Trinknapf« = Raquette 215a qaca »vessel, bowl«. 

Prob. VI 6640 qai'a, 66 m qarifar, von dem es jedoch nicht ganz sieher ist, ob es 
nicht für qai^dar verdruckt ist. Aber Prob. VI 102 — 3 qaci durch »Kasten« übersetzt (102 311 
qa^ya < fqaöaya) statt durch »Gefiiß« oder dgl. Für »Kasten« hat man ja sandiiq^. 40 



' Süi..-KuN. kükär ■=. cana^, kiasä .in der .Sprache von Kääyar« ist wohl eher kökiir zu lesen: v;;!. 
Prob. VI 164 jiiff. kökiir Wb. . I^derfla.sche. Schlauch- r- .Spr. 96c köki'ir, kokiir (sol) »einheimische Felddasche- 
:=z tc\. kir. kökkör. Es ist wohl Lehngut i' Vgl. niand. A-t/A-«ri .Milchtopf- 1' 

Woher stammt osttürk. ff/ii -großes Tongefäß (ur Wa.sser« nacli Spr. 83c? Vgl. dschag. idü »(iet'iiß", 
i-ini ifiii -chinesische Vase«, uig. d.scliag. ädii -Becher, Trinkgeniß«, ky/.. tidi.i -Einiei-« ; fd/s. in di'u .VhaUnn- 
inundartcn »(Jeschirr-. im Kir. «lederner Melkeiiinr-. 



IQ Bano: 

IV §41 §41» Unser »-mal« wird durch yo/ "Weg« wiedergegeben, und zwar tritt, wie bei 

den Zeitbestimmungen (vgl. § 58), -t an: kokt, tört yolt, osm. hir yolu, kaz. bir yuli, kir. 

hir dzoU. Dagegen Prob. VI 103 15 bir rjola, 167 211 mit Gemination im als Ganzes gefühlten 

Worte: bir yolla. Der früher von mir angenommene Einfluß von qata (KOsm' 18 Anm. 2) 

5 hat sich also nicht geltend zu machen brauchen. 

Bei qat scheint die Anfügung von -i nicht beliebt zu sein ; doch finde ich im Bal- 
karischen VC qafi »dreimal« und bir qat'i kitjim »ein Anzug« = osm. bir qut äswab usw. Ob 
man deshalb schon berechtigt ist, qafi als neuen Stamm anzusetzen, müssen doch wohl 
erst andere Formen lehren. 
10 Das karatsch. q'urü in q'urü da »immer, immer nur« und yßr q'urii »beständig« hat 

mit balk. usw. qurü »leer, bloß, nur; trocken, öde« usw. nichts zutun; es gehört zu 
qur, das ich Türän 19 18 93 und BtüW 529 Anm. 35 besprochen habe: qur-u. 

§ 42. Nach Wb. bedeutet dschag. OT 7nuri i. »Rinne, Gosse. Schornstein«. 2. (nach 
Vamb.) »Rohr der Trompete oder Wasserleitung«. Sul.-Kun. 147 hat für muri u. a. die 
.3 Bedeutungen »Luftloch, Rohr, Rauchfang«. Die Herkunft des Wortes ist mir nicht be- 
kannt, die Ansetzung mit -u- aber zweifelhaft: vgl. Shaw 11 183 mori »gutter; chimney«, 
tar. mnra » Feuerstelle des Hauses (an der Wand)«, Spr. 98a mnrS »Kamin« = Raquette 
225a mnri^. Zu -ä in morü vgl. Spr. 84b tlqü »Pferdeherde« < ilq'i, ifilq'i. 

§ 43. Ra(,>uette hat 207 a s^ph'i »brilliancy, reflex, light« ; vgl. tar. so// und künniii 
20 iolisT »Sonnenlicht«, wofür Prob. VI 151 17 kimnin saulcsi steht, was ein »literarisches« Saula 
voraussetzen läßt, das im Kumükischen nachgewiesen ist. Vgl. also kaz. Millä »Morgen- 
röte« = kir. säülö »Glanz« = aderb. ^- sölö »Glanz, Flamme«, woraus krm. sölhä durch 

Metathese entstand. Spr. 93c soilä, äimltnin Sniläsi "Wiederschein des Spiegels an der 
Wand«. Np. suln »Flamme« < arab. 

"5 § 44. YoussouF hat awli, hawli »cour, parc, vestibule« = uvK-zi (Wb.); -y, = -/ > -i". 

Olufsens häuli »house, home« ist wohl dasselbe Wort. Wb. tar. höla = hola Prob. VI 39 16; 
49 14 hoksl'^a mit /-Umlaut, woraus hervorgeht, daß das Wort als eclittürkisches betrachtet 
wird. Raquette 196b hat h'oyli »court-yard, house«. 

§ 45. Np. nala (Seiban. namä 370 145'j ebenso) > tar. «ö^<» Wehklage« Wb. und Prob. VI 
30 121 4; 1947 aber nalä. Unterbleiben des /-Umlauts'"! 

§ 46. Tar. Sdsi »Glas, Flasche»^; Raquette 207b sisä, das in derselben Bedeutung 
im Dschag., Osm., Kom., Bar., nachgewiesen ist; Prob. IV 207 5" a7^/; 210 7<i iiSä. Np. SiSa 
< mp. *S/lak (HüBsciiMANN, Armen. Gramm. I 214 Nr. 481). In den kaukas. Dialekten das 
neue Lehnwort ^isd. Herkunft des Wortes? Vgl. Zimmern, Akkadische Fremdwörter' 60. 

35 ' Vgl. ToMASCHEK, Centralas. Sturl. II 78 = SWAW XCVI 1880 810 [und jetzt Räsäxen MSFOu XLVIII 

1920 155]. 

'■' Ein -i entsteht auch aus älterem -v. Vgl. Spr. 87b tijti, tötn .Pony aus Ladäkh oder Kaschmir (von 
hindust. /a//« = Pony)« = Raquetie 191a tiiH, Wb. OT to*/. 

Ebenso: iip. .satit, (< ■'), ostt. satT, uig. .iatu = sota, *'ö<f ..Leiter«, Rac^ueite 207 a sota; kir. satt. Wbitakkr 

40 hat satu, sati. Vgl. Sul.-Kun. 177 satur und satt, satun nach Zenker. Zu -ö- in diesen Wörtern vgl. Ostasiat. 

Zoitschr. VIII 33 — 35. Mit osm. cat'i kann das Wovi heute noch nicht zusammengestellt werden (Wb. IV^ 969). 

Das m^. iaß-alu »Pfirsich« muß schon sehr früh ins Türkische entlehnt worden sein; dies beweist nicht 

nur CG 125 saftalu, sondern auch die umgelautetcn osttürk. Formen: *saptolu > *saplulu > Raquette 207a 

sapiol, Spr. g^]) sdptnla, sdplul, tai: .saptul. A. von Le Coq hat sogar säptoita gehört: das epeuthetische -i'- wird 

45 aus der Zeit stammen, wo man noch *sap/oli oder ähnlich sprach (Ostasiat. Zeitschr. VIII 330"). In saptui, 

kuniük. sa/ital, balk. in/t/il koiistatieien wir wieder einmal die Abneigung gegen dreisilbige Wörter: vgl. A. von- 

Lr C04S lipäp ..Kuvert« (Spr. 97c) gegen RAyuExrES kpapä (223a) < np. ÄiU. 

'' Vgl. alt. tel. l(-b. «Yi ..Glas, Glasflasohe, (ilasgeschirr« ;' l'ber -s- ^ -/- an andrer Stelle. 



Vom KöktürkiscJien zum Osmanischen. 17 

Das tar. scLii bedeutet auch »ein Baumwollenzeug« — Shaw 134 shashi »a tlimsy i\'§46 
material used for linings«: es scheint dasselbe Wort zu sein wie A. von Le C'ogs sisiii 
»grober Baumwollenstoff« (Spr. 83c: chines.?). Das auslautende -«»' ebenso unklar wie in 
möcüi »Kalb« (KOsm^ 44^4): während bei letzterem aber doch immerhin die Möglichkeit 
bleibt, das von dem Gewährsmann inö~ Ui geschriebene Wort als möz' üi aufzufassen, wo 5 
dann Ui < ud »Rind« wäre, fällt dieser Ausweg hier fort. 

§ 47. Das np. Sinnt < mj). iirinlJc zu sirtn »süß« lautet im Sartischen sirni »Sirup«. 
Es ist schon im Uigurischen zu §irnä geworden \md diese Form kennen auch die ostt. 
Mundarten: Prob. VI 110 — iii, Raquette 207b; hier auch miw < Si'nä. 

§ 48. Von dem Wort für «Messing» fehlen uns leider die älteren Formen: alt. leb. -o 
qoti =: kir.,schor.,sag., koib.,ktsch., küär. qola > kkir. (jolo. Es ist wohl Lehngut, wie auch 

das mong. i^ , das im tel. kumd. qül'i in neuerer Entlehnung vorliegt. 



\ 



Das echtlürkische yi; hat V. Thomskn MSFOu XXXVII 32 in den kokt. Inschriften nachgewiesen; kon». 
yäz, alt. leb. küär., tel. yäs, kumük. ye:, karatsch. kir. dzez, kaz. yi:. dzk, bar. //iV. Ist das Wort im Ustt. ganz 
verschwunden!' Für -Kupfer., was yüz in einem Teil der Mundarten auch bedeutet, haben wir tar. OT ?«(>, 15 
Spr. 98 b nits, Rac^ietie 225 b »11«, tob. mis (Prob. 1\' 2244), kir. m/<f -^ np. (Jos. MARc^iAni- verweist mich 
anf Jaba-J( Sri S. 398). 

§ 49. Es konnte nicht ausbleiben, daß die Suffixe -ca und -ci vermengt wurden: 
qanra wird zu qancä, qanci, qaia^i, wie es außerhalb des Ost türkischen vielfach zu qanvi 
wurde. Für »rote Rübe« hat A. von Le Co«.», Baesslerarchiv VI 3 127 q'iziUü, wrtl. »die =<> 
rötliclie« =^ V.\r. q'iz'iUa »irgendeine Pflanze«: Raquette gibt 215b q'iz'ilrl »beetroot«. In 
einem jüngeren der hiesigen Turfanfragmente (T III 56—14 Rückseite, letzte Zeile) steht 
sözlägiiM für -giiri, was wohl schon nuf die eintretende Verwirrung liinweist, freilich auch 
nur ein Schreibfehler' sein kann. 

m. 

§50. Neben kötän ködän, ködön, küdün {<,'ködin), die ich für Deminutiva halten 25 
möchte (KSz XVII 128, Anm. i; 141), besteht für »Hintern« das Stammwort köt. Prob. VI 
13816 erscheint jedoch ein isoliertes kötösim. Da wir nun nach Abschnitt II annehmen 
dürfen, kötn sei < *köti verderbt, so liegt die Annahme nahe, köti stehe = köt-i: vgl. die 
Bemerkung zu kom. hotl § i ^. Hier noch eine Frage: wie ist karagass. kotu (Castrkn 
96b) »weibl. Geschlechtsglied« zu erklären? Im Alt. Tel. bedeutet köt »Sdiarateile und 3> 
Hintern«. 

§ 51. Für »Körper« haben die meisten Dialekte tön, das dem Iranischen entlehnt 
ist. Im Kirgisischen finden wir den imd daneben dcnä^; so auch Seibani namä 11030I1 



' Das auflällende qailesi »als er blickte« Prob. VI 123 lia Kv qailasa, qailisa, qälisa kann schwerlich nur 
Ifir einen Druckfehler gelten. Aber es ist doch etwas ganz anderes, wenn I'roli. 1\' 99 m neben närstitar »Dinge» 
ein närsilär <. *nä ärsä erscheint; vgl. auch KOsm .S. 22 Anm. 3. 

" Wie .soh so bedeutet Mt auch • Hinterseite • : z. B. Prob. 111 2943 köt-ii-nön = »hinter ihm«. 

' Kei tar. diwä ~- däw, diw ■-- mp. (/er, awest. daeva könnte man uralte Kntlehnuog annehmen und so 
den vokalischen Auslaut erklären wollen. I^ ist aber nichts mit einer solchen Annahme (so-yd. unbelegt/), 
vielmehr wird diwä auf älteres *diwi, "rf/wr zurückgehen und der Auslaut wird von pari, pari entlehnt sein 
(<; np. /wir»" m^. parlk «böse Fee- IlrBScuMANN. Aiinen. (iranmi. I 328 Nr. 532), da Jie Wörter sich nahe genug 
stehen und daher zusammen gebraucht werden: Proh. IV 2109 d:iiimistn'.' piriniisin.' rillä hir/ir tiiinusiri! [piri 
<^ ptiri 309!!.; liü wohl mit dem -irrtümlichen- -«- = tar. rf« r= diw, diwi): im ostt. kann es ue\)cn priri, par7 
ein vulgäres *pärä {: diwä) geben; ich finde es alx-i- nirgends l)elegt und es ist fraglich, ob es des Wohlklangs 
wegen nicht vermieden wird. Wer darum glanlit, die oben vorgeschlagene Kikliitung von diic'i ablehnen zu 

Phil.hi$t. Abh. 1921. Nr. 2. :! 



lÖ B ANG : 

IV §51 qara haSi täncidin ainldi »der schwarze Kopf wtirde vom Körper getrennt«. Freilich steht 
in diesem Text 12812I) iähir nUi für 102 m süliur al-i »die Bewohner der Stadt«, so daß 
tänndin ja für tän-l-din gemeint sein könnte. Im Kirgisischen finde ich -« < -i in Mw 
»wo« (Ilminski, MaieplajiM, Kazan 1861, 188) = Mnä (KOsm S. 6 Anm. 2; Prob. III 131 56) 

5 < qaini, qani — käni »wie« in Prob. III 263 i. Ferner in der schließenden Fragepartikel -md, 
-bd (berdtmd »gab er«), die im Wortinnern -mi- {bcrdmisin »gibst du«) lautet. Prob. III 
308 iiu steht iM qar'intn dznU »er fraß seine Eingeweide und seinen Magen«: ISd = i^i < 
ic-V; grammatisch zu beurteilen nach III 2961611 /Wi qolün diüptü »er wusch sich Gesicht 
und Hände«. 

10 § 52. Dem sonstigen WS »Brust« = kir. sag. koib. fe'.s = kaz. tiU steht nach V.\mbery 

ein dschag. tösä zur Seite. 

§ 53. Statt kokt. usw. tl: = abak. tis finden wir zum 'l'eil neben Hz auch tizd: 
OT. alt. tel. scher, leb. kir.; auch Whitaker imd Naliwkin kennen tlzd neben üz. Prob. IV 
1757 tizä. Hier an Auslautseliwund zu denken, wie er bei kir. qar »Oberarm« = uig. 

15 usw. qafi usw. vorliegen dürfte, geht doch wohl nicht an. Liegt Deminution vor? 

§54. Im Jakutischen bedeutet batis »jünger an Jahren«'", baltim usw. »meine jün- 
gere Schwester« < "ballsim; -l- < -Id-: Sul.-Kun. 21 baiduz »Schwägerin« = osm. kaz. kir. 
bald'iz, hi\v. pald'is (Prob. IV 7614"). Wb. kennt auch bar. bald'i. [Hierher der karatsch. 
Frauenname Baldü KSz X 9 1 ?] Ist -z deminutiv oder ein Rest von -«', -r?? Da schon 
2° im Cuwasischen pulD^r »die jüngere Schwester oder der jüngere Bruder der Frau« vor- 
liegt, müßte der Auslautseliwund jedoch wohl alt sein; JaW* könnte durch falsche Silben- 
trennung (baldlz: bald'izi: baldt-zi) entstanden sein. Existiert aderb, yalduz »Schwägerin« 
wirklich oder ist es durch falsche Pvmktierung entstanden^? 

über das Verhältnis von bald'is : haldi werden wir besser urteilen können, sobald einmal das »Suffix« 

25 -du: erklärt ist, das mit Vorliebe hinter -/ und -n der ersten Silbe auftritt: uig. kom. dschag. usw. yulduz -Stern«, 

uig. dschag. usw. hündüz »Tageszeit«. Es hat den Anschein, als sei dieses -duz in -du-z zu zerlegen : vgl. kkir. 

müssen, dem bleibt noch die Annalime, es gehe unmittelbar auf das adjektivische np. dexcl (< mp. ''deink) »gi- 
ganteus, daemoniacus» Vullers I 962 zurück. 

Das np. r/är »Baum, Galgen« ist im Kirgisischen durch- dar und dara .Galgen« vertreten; an Beein- 

30 flussung durch aspa < asma wird man nur ungern glauben. Jos. Marquart verweist mich auf manich. mp. 
därö° < mp. '*därük > np. *därö, -ü; ich weil? aber nicht, wie dieses -ö, -u im Kirgisischen beliandelt worden 
wäre; ich vermute, daß es -u ergeben hätte. Vgl. Ostasiat. Zeitschr. VIII S^ff. Wb. hat für »Galgen« tob. 
tarmas, während Giga.now nur dar gibt; Prob. IV 2757 steht: iis tarmas asi'inan »unter seinem eignen Galgen« 
und es scheint als stehe tarmas für tarmas'' (= tarma-s'i) vor dem A'okal des folgenden Wortes. Das richtige 

35 wäre also tarma! Ist hier an Einfluß von asma zu denken? 

' Vgl. das isolierte esina für emii <^ -l-asini in Prob. VI 112 4; palatal 7719 därdinä = därdiht u. dgl. 
- Hängt das Wort mit bata «Kind« zusammen, das vielfach iur Iranisch gilt? Wb. gibt nach VÄmbkrt 
im dschag. hend'zä »die jüngere Tochter«; vgl. Sll.-Kin. 69 unter c/endic: es ist das kir. kfniä »das jüngste 
Kind, der zuletzt geborene Sohn, das Nesthäkchen«; vgl. Prob. III 3071511 keniä aya, 2569 das pleonastische 

4c kenzä ini. Ist dies mit krm. gänc, osm. gändi »jung« usw. in yandi qiz usw. vei-wandtl' Doch wohl zweifellos, 
da in Konia gändzä qiz gesprochen wird (KSz 1\' 164311). Ich kann mir nicht helfen, aber das Wort ist wohl 
nichts andres als "kä-n-cä = klncä »hinter« usw. (KOsm. S. 7 Anm. 3: Wb. II 1345; vgl. Prob. I 8780: 276151 atiiu 
kminrä qis c'iqt'i usw.): *käncä külyän bata, etwa wie osni. son küliin »das letzte Kind« (Wb. IV 537). Hier 
hiitte ich gerne auch diese Nuß geknackt: schor. oca »der jüngste, kleinste, letzte« — sag. oci, tel. od'zi, koib. 

45 ocuy (:■ In Mcl. as. IX 112 und bei Castren nur nci »das jüngste Kind [Sohn oder Knabe]- gedankenlos nach 
ScHiEFNER abgeschi'ieben für »Tochter«), koib. ktsch. od' i »das letzte Kind, Nesthäkchen«. Schor. Piob. I 397»oo 
Or'i (laraqii'in Aliaqai; vgl. 4552= orton qaraqci pala usw. In ähnlichem Sinn alt. leb. aci slni »jüngere Schwester. 
= Pi-ob. I 31 44 ot« »jüngerer Bruder«, wohl mit aca gleichzustellen wie aqi mit aqa (ibid.). Ein anderes Wort 
wieder in Prob. IX 131 13U: picä tiirän ölduü aai »der Name des jüngstgeborenen Sohnes«; vgl. Castren 127 

50 karagass. bit'ä bit'j, soj. pit'ä »klein«, jak. deminutiv bicikäii, bU'ikan ^ mongoL Hierher wohl mordw. fiVie 
»jung, klein«, und sart. bicä (Wb. »von bir + (•«:'«) »klein, ein wenig«. Es'läge also im uig. känc uri känc 
qizlar »Jünglinge und .Jungfrauen« (M^ 20 20 usw.) kein Abstraktum auf -nr vor, wie ich KOsm 66.0 zweifelnd 
annahm, sondern früher Auslautschwund;' 

' Das Wort fehlt bei Foy .MSOS \II 228. 



Vom Köktürkischen zum Osmanischen. 19 

händun ■ Sonnenstrahl" (<^ * kün-dii-n!) und kkir. aidiii »Mondschein« = osm. usw.aidin »Ghinz, Helle«, bei I^"§54 
HouTSMA 57 "Mondschein, Licht im allgemeinen«. Gehört hierher auch osin. usw. ayaz »Mondschein, helle 
Mondnacht- (Wb. »Stamm ai ,Mond' + rtc[?]«) *aidu: ■.hilndii: ^ aiyuz> .... ayaz > iawhs. vi/ar »heiteres 
Wetter» = kom. usw. »serenum«;' An ziemlich frühen sporadischen Übergang von -rf- > -^- sind wir jetzt 
durch die TurfanCragmente gewölnit: vgl. auch np. fbL »Mandel» > kiptsch. hayam bei Houtsma 65. Im Ja- 5 
kutischen ist -d- gesehwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen: snlus »Stern-, künli.i »am Tage«: auch in jak. 
b'ilir »früher, vor alten Zeiten- < bir y'it dir ^ osni. h'ild'ir, kir. hilt'ir, OT. haldir, tar. baldur, Spr. 85 b bültur; 
alt. tel. /«Air -voriges Jahr«, Invihi. patn-'/r. 

§ 55. Raql'ette 225}) gibt für »Gehirn«' die beiden Formen min und m'mr, letz- 
teres nach Wb. auch OT, während für das Tarantschi nur mnyä aufgefiihrt wird — Spr. 98 b >° 
miyä =^ Pavet 508. Die übrigen Dialekte, soweit sie mir bekannt sind, haben: CC 1 10 
mäh; Houxs. 63 o^; von ihm Ixiln gelesen = osm. aderb, bäin, bä'i/in =^ dschag. Vamb. md'i/in 
(SüL.-KuN. 143 mäyüii, muynän = bnyni.W). Sodann uig. tar. iruiNl, krm. man = alt. tel. 
kmd. schor. mä > leb. pil wohl aus mähi kontrahiert, wie auch kir., kar., sag., koib. ml; 
Prob. IX 221 Nr. 3 tmlig »voll Hirn«. Wb. IV 2085 unter mt'iyin auch mäini ohne Dia- 15 
lektangabe. Im Kir. und Kaz. eine gutturale Aussprache mü (rkWb. mii) = karatsch. 
m'iyt KSz X i 23. Dagegen hat das Balkarische: miyis = sag., koib., ktsch , schor., kOär. mls. 

Im osm. Ix'iin könnte die türk. »Epenthese« vorliegen; es entspräche dann -n dem 
-n, -ü- der andern Mundarten. Ich würde vielleicht vorziehen, von uig. 7nähi auszugehen 
und anzunehmen, -«- sei zu -y- geworden: mahl > */H/yi = bar. miä, tob. miyü; es müßte 2° 
also -n ein Zuwachs sein, der sich in Suleimans maym'in (lies mäinnn?) wiederholt hätte? 
Hier wie in miyis ist Deminution in Anbetracht des frz. cerceau, cercellc nicht kurzer Hand 
zu leugnen. Anderseits mag in mäni, mäini der Auslaut auf das Possessivsuffix zurück- 
gehen: män-i. Gehen wir von dem wohlbelegten mäh aus, so bietet sich eine andere 
P>klärung für das osm. bäin: es könnte -in-, -in- der Vertreter von -h sein wie in osm. ^s 
buinuz »Hörn« < buhuz = bühüz, miihi/z- usw., kiptsch., osm. yäifii »leicht« < ''yahi, vgl. 
yähil usw.^. 

Wie leider sooft sind auch hier die jak, und ruwas. Formen ohne Belang: jak. mäyi 
{mäyitä sua/^ »dumm« < mäyisi yuq), ruwas. ininu, mime »Mark, Gehirn« mit der bekannten 
Su])stituierung von -m- für -h-. 30 

A. VON Le Coq sagt mir, daß er in Turfan m'iydy gehört habe; da nun im Kirgisi- 
schen »Knoclienmark« durch diclik may'i wiedergegeben wird und mni das Synon. von 
ya-y »Fett« usw. ist, so wird m'iydy < *miyä-yny entstanden sein. Vgl. das Kompositum 
OT suyay »öl«. Hierzu Spr. 98b m'iycy'idä kiil- »lächeln«, wofür Raquette i86a pistä mä- 
jizi hfl- bietet. Herkunft dieser Redensarten? 35 

§ 56. Für »Kind und Kegel« hat das Osttürkische: Spr. 84c buhi burij, Ravuktte 
183 b b<ild-ba{r)qu, Wh. balabar-qa, tar. Ita/awdqi. Prob. VI 106 bald baqi.'nibilän, 10 10 bald 
baqimizdin, 60 5 balawSqisi, 2915 Ixtlawakisl, 6 7 511 bala waqisl. 

' Das arab. dimSy »Gehirn- bedeutet schon im Np. »Nase-. Im OsltOrkischen scheint nur diese Be- 
deutung heute bekannt zu sein: I?A(;iErTE 199b d^mdy »the nose cavity., I'rob. VI 79 1, dime-yvia {.') »in seine 40 
Nase». Spr. 91c. Da-s Osm. hat damaq »Gaumen«. 

' Ist auch dies Wort ein alter Dual (BtüW 307 fT.)!' 

' Dagegen wird osm. däinük »Stock- über *däyniik infulgc Mitteliiilbcnscliwundcs auf krm. diiyi'mük zu- 
rückzuführen sein; dieses steht = schor. usw. tägänäk »Dornstrauch- = kiptsch., kom. usw. tiyanfik, einem 
Deminutiv zu alt., tel. </"//'» »Rottanne- - uig., dschag. OT tar.. kir. tiktin »Dorn, Strauch mit Dornen«, kir. 4, 
(]ara tiknn »Hottanne-; aq tikän OT »Hippopha"- rhamnoides, Lycium ruthenicum — Weißdorn« (Wb. 1 91 
nach Shaw II 216; vgl. A. von Lk Coi; im B.icsslcr-Archiv VI 3 122): Mel. jis. IX 133 tfyiin xibi -Silbertanne». 
Da es den Anschein hat, daß die Bedeutung »'I'anne- die ursprünglichere ist, so wird an eine denoniinalc 
Ableitung gedacht werden können: CC 120 lik (rjat- »Säule-, sag. feA' »der l'falil zum Anbinden der Pferde«, 
zu dschag., tar., kir., kkir. lik -aulrecjit, gerade, steil- karatsch. t'ik »steil« (KSz X 139); kaz. ///•, i\kn (I) 50 

osm. dik. Hierher auch IIoiisjias likic <^ *tiki-c »Stachel- und nicht zu Itk- »nähen"/ Vgl. kunn'ik. toyciirk 
•Stachel". 



20 B A N (i : 

IV §56 Daß dem Kompositum kokt. uig. osm. harq usw. zugrunde liegt, ist wold sicher (vgl. 

Spr. 83b öl hdrqt «Hausrat« und n^). yßn-män, yßn-u-män); fraglich ist — schon aus 
kulturhistorischen Gründen — ob barq nicht Lehnwort ist'? Zur Erklärung des neuen 
Auslauts könnte man annehmen, -a sei von dem Parallelwort bähi cdqa (Spr. u. Raq. a.a.O.) 
5 = kir. bah sayn hergenommen. Nach den Zusammenstellungen dieser Arbeit ist dies 
wohl wenig wahrscheinlich. Es bleibt also die Annahme, -a sei mechanisch angetreten, 
wie in den unten § 640". behandelten Wörtern, oder aber, es sei auf älteres -ü zurückzu- 
führen und von Haus aus das Possessivsuffix. 

§ 57. Zu jak. si/ö-v/ »Hausvieh« vergleicht Wb. alt. jjüs »Ware, Habe« Prob. I 39316 
.0 alt. //öiw (!) aber 40348 i/özi/n (Akk.) = leb. kmd. i/özö (< -ä), tel. iözö, scher, cöiä » =.yözü' 
(fWb.). Wohl Lehnwort? 

§58. Zeitbestimmungen werden mit dem Possessivsuffix versehen; ich stelle das Nötigste 
her: Prob. IV 125 3 igdntsi ki'iiiu «am 2. Tage« = 2894" igintxi künii; VI 15010U bir küni 
»eines Tags«, 121 16 0/ hiiiJ »an diesem Tage«; 738 hir ijili »in einem gewissen Jahre« : 

■5 IV 726U Mtn Idinil tünTi yidi kiin »er ritt Tag und Nacht sieben Tage lang«. VI 53 17 
yUida »jährlich« = 53211 hdr yillhß, vgl. 1094" hdr knlligl »alle Tage« (130 12 auch h/ir 
kiim); VI 675 kiUligi »täglich«, VI 52 15 ailigl (so!) »monatlicJi« ^- III 1 1 7 6u ay'l nnonat- 
lich«; VI 120 5 aqsenii »abends, am Abend«'". Dann auch bei der Datierung: VI362U 
ainin on bdit — 32 14 alni/'i on bdii kimi{\Y ~ 32 19 aiiiiu an bdS bolya?i kiim »am i5ten 

»o des .... Monats«; usw. usw. 



' Oder gehört es mit üstt. baruq «Hali nntl Gut» zu kokt, har'im »Habe, Besitz.« ::^ dschag. barim? 7,\i 
Ostasiat. Zeitsclir. VIII 23 Aniii. 2 macht mieh V. Thomsen darauf aufmerksam, daß es e'n Verbum bar- >seiD- 
gar nicht gebe; ich bezweifle das vom Stand|juiikt der heutigen Mundai'ten auch gar nicht und doch muß 
barim docli wolil von einer verbalen Grundlage ausgegangen sein und //ar- ..gehn» kann diese Grundlage 
zunächst nicht gewesen sein, ^^'ic neben o>- die Ableitung ärin- steht, so wohl neben *bar- im Krm. bar'in- 
(=: inwa^. purjn- »leben"), die in den Bedeutungen fast zusannnenfallen : »sich wohl, behaglich fiihlea, sich 
freuen, in guter Stimmung sein, an etwas Gefallen finden, ruhen, und »zufrieden sein». Der Name dei- Stadt 
Barnaul dürfte auf '-bar'imi^/ul zurückgeführt werden (vgl. die Wortei' Aui -uytd in KOsms S. 56ff.), doch ist 
nicht auszumachen, welches *liai'iii- dem Wort zugrunde liegt. 

BöHii.iNGK (.Tak.-Deut. Wb. 129b) wollte jak. l)är »daseiend, Dasein» usw. der Länge wegen auf *hajar 
zurückführen; vom turkologischen Standpunkt aus empfiehlt es sich wohl eher, es ebenso wie das türk. bar 
(vgl. üben 5j 27) durch Kontraktion oder Haplologie aus bariir. "harar entstanden sein zu lassen: vgl. besonders 
jak. bärn xiioy^ »des Daseins bar, nicht vorhanden, nielit existierend« <; "barar-'i yoq. In Fällen wie Prob. IV 
233 911 ol ziimiinda .... Qäbü iUindii bir vlU bat bar iyiin, Aräp (jap'ir.'ar'i arii vlü quda t'ir idi »Zu jener Zeit 
war in der Kaaba ein großer (jötze, die heidnischen Araber nannten ihn den großen Gott" wären also bar 
und tir durchaus gleichwertig; anderseits würden sich so durchaus »formlose« Konstruktionen wie Prob. VI 
i ^6 lu mänin puliim bar raq »die Zeit, wo ich (noch) Geld habe, hatte« usw. vollkommen ebenbürtig neben 
ölär kün »Sterbetag«, miriiir at »Keitpferd«, kilär ijnl »der Weg, auf dem man kommt« usw. stellen dürfen. 
Ich würde das für einen sehr großen Gewinn halten, denn diese vorausgesetzte Formlosigkeit, man ver- 
gesse das nicht, ist untürkisch. 

Daß bar tatsächlich »sein, sich belinden, leben« bedeutet, geht aus den nicht gerade seltenen Fällen wie 
Piob. VI 135 8 ol qiz bar säliär »die Stadt, wo jenes iNIädchen lebt, lebte«, 132 13U patisä bar yär .die Stelle, 
wo der Padischah sich befindet« usw. hervor: im Osmanischen dafür qiz oldw/u yär usw. 

Ks wäre also bar < barur, *barar einer jener oben erwähnten Fiühvollendeten; es wird diese Eigen- 
schaft z. T. der Einsilbigkeit seines Gegenstückes i/oq zu verdanken haben, doch werden wir auch an die Be- 
handlung \on -tiir in nlalur »er nimmt« nsw. erinnern dürfen (^ *alalwur! Vgl. jedoch meine MotüSpr. 14). 

Was nun die Beziehungen anbelangt, die *bar- «sein, lelien» zu . bar- »gehn. doch vielleicht haben. 
könnte, so wäre auf //»r(- usw. »gehn, fahren, reiten, leben« usw. usw. hinzuweisen. 

'■' In meinem Kxeiiiplar des Wb. habe ich unler aq.^am handschriftlich auf mp. yjiäm > np. iäm ver- 
wiesen, .los. Mariji ART sagt niii-, daß nur yjäm die (,)uelle sein köime und verweist mich auf sovd. y/iäm 
bei F. W. K. MÜM-KR, Soghd. Texte 81 7. Die Aussprache ay^sam hat sich in zahlreichen Mundarten erhalten; 
.Martin Hartiiann nf)ticrte in Kasyar a /kam KSz V 162 m. " 

•' Syntaktisch ist dieses biisi nach osm. ürti\i<i yiin zu beurteilen. 



^'om Köktiirkischrn zum Osmanischen. 21 

Im Türän 191 8 94 habe ich vorgeschlagen käca, die Nebenform von kac, durch IV §58 
Anlehnung an ('rrtä zu erklären. Ist das schon T' belegte k(Wi eine frühe Verderbnis von 
kär-i? Und ist h'icdsi also eine Wiederholung? 

Die Konstruktion mit -i, -s'i ist jedenfalls dem Volke so sehr ins Blut übergegangen, 
daß in den von t. Kunos in KSz VI veröffentlichten Yarkender Texten, die allerdings 5 
keineswegs einwandfrei zu sein scheinen, mehrfach ber ku/tzi = hir kihi-i-zl »eines Tags« 
vorkommt; es ist eine Häufung wie ärtäsizi = ärtasi < drt(i-.4 im i. Stück § 13. In 
Nr. 7 § I steht sogar: ü (/yl'i tfrf^an kunise »am Tage, an dem der Sohn geboren wurde«; 
§ 2 M hme im Sinn von tar. kiiuT. 

TäVl a(/Sam hat das Osm. neben a(/Sami auch aqsam'm (z. B. KA 153 15); ebenso subähM, '° 
»morgens« KA 100 811 usw. 

§ 59. Das kokt, odyr »Hengst« (KOsm' 22) tritt uns im Osttürkischen in den fol- 
genden Varianten entgegen: tar. nryT: Spr. 81 c aiytr, aytr (für ^tr; a- < ai-), ön// = ä'yi; 
Rai^iuette 174a fiyor, ay{r)ö. Ist an der Erweiterung des Stammes das Possessivsuffix 
schuld (vgl. Fälle wie Prob. IV 556 ür aiy'ir-'i »Heerdenhengst»)? is 

§ (M). In den Texten des VI. Bandes der Proben gehen die beiden Formen oyurlar 
und oyrilar ständig nebeneinander her. Da bei diesem Worte sehr häufig das Possessiv- 
suffix auftritt (Seiban. namä 15850 din i/ayM bu dur oyris'i ol »er ist ein Feind des Glau- 
bens und ein Dieb an ihm«, Prob. VI 33 s" Cdmpdnnin iadä oyfisi (x'ik tola »unter den 

Tschämj)än gibt es sehr viele Diebe«'), so kann an Erweiterung durch -/gedacht werden, ^o 
T' S. 199 XVI schon oyr'i, aber (^B 9220 ynl oyri »Straßenräuber«, das doch wohl fiir 
oyur-'i steht. Im Kirgisischen soll ein Wort oro bestehen (Wb. mit <ler Angabe: • = ?//v«); 
das Gewöhnliche ist dort i/nt. Wb. gibt ür'i für Bar. und Tel. ; es kommt auch im Tob. 
vor: Prob. IV 221. Man könnte geneigt sein, zu behaupten, oyur bedeute nur »Diebstahl« 
(vglT tel. ür in dieser Bedeutung) und sich auf die Ableitungen alt. urri = tel. üjxi »Dieb« -5 
berufen ; diese sind aber wohl neue Analogiebildungen nach qaraqcL 

IV. 

§ 61. Das russ. OTeuT> »Vater« wird als Titel derCieistlichen gebraucht. Im Jakutischen 
bedeutet tryw »Vater«, cr/ab'it (< -hiz) »unser Vater« ; doch hat letzteres auch den Sinn 
von »Pope« angenommen, während ijubit »unsere Mutter« die »l-rau des Popen« be- 
zeichnet. »Unser Pope« lautet ayab'ippit -^ aya-b'it-b'it (Böhtlingk § 435 8)'. Ebenso wird 3" 
Wb. alt. tel. usw. ab'iti »russischer Geistlicher« --.; abab'ist »unser Vater« hergeleitet. 

' Vgl. osm. at '/Jriizi -Pfenledieb" ii. dgl. 

■■' Das aus drei Teilen bestehende Wort für -Major-, wrtl. »der Anführer von 1000 Mann- {jiiin bd;/-/), 
wii-d zu einem einzijten Wort. minbayT. dessen einzelne Bestandteile kaum noch gefühlt werden. Tritt ein 
Ueoitiv hinzu, so nimmt es das von diesem Genitiv verlangte -«/ selbstverständlich auch noch an: i/amiil 35 
miithäyisi (Piob. VI 27 8). AVie eng diese Verbindungen mit bäq sind, geht daraus hervor, daß a»^ yiizbägt A\u-v\\ 
Metathese yw4c*/f werden kann (Prob. VI 24 4, 64 i 4I. Vgl. Pi'oli. VI 120 6 saiidiyärnin qariwan btxi.si. 

Kill durch das vorhergehende IJectum bedingtes und festgewordencs -> möchte ich Jetzt auch in den 
Wörtern auf -n>ri annehmen, die ich KOsm.3 S. 50 zotr erwähnt habe: suairi ijär ;^ sii'jaly'i su nlat'iyan yir 
(Prob. IV 1 10 im) »Tränke, AVasserstellc, I.uhmc. -^ *.«« atic-'i. wo *a/'ir' ein Abstraklum zn al- -nehmen" 40 
wäre : osm. al'idi »vainqueur, qiii gagne-, Wb. -eine der vorteilhaften (gewinnenden) Seiten des Knöchels 
(beim Spiele), das Gewinnen beim Knöchelspiel - (vgl. Sci-.-Kun. 10 atri]. Hierher tar. qhilrT »Schlafzimmer» 
< *(ji:e'('i -^ *({is alic-i etwa •*Brautgemaoh, *Braulzelt", wrtl. • 'Braut-Nahme- 1'.* Sollte diese Erklärung 
richtig sein, so muß es sich um ein altes Wort handeln, das noch aus der Nomadenzeit stammt. \'gl. kir. 
otaii -die neue, weiße .(urte des Bräutigams" aderli. otny, osm. od/i •Zimmer, und Proli. IV 102 icu nTija / 45 

ffUrlitar, (jlmiti r/oinya (so'.'] kirdi. utauda n'itti hir yili kiiu. Vgl. balk. otiiu »Zimmer", aber kuiniik. olai( 
• Hochzeitsziminer- . 



22 Bang: 

IV §62 § 62. Über die Titel tafirini, %anuii usw. vgl. meine Zu.sammcnstellungen in KSz. XVIII 

S. 1 19 Anm. 3. 

Zu osm. güzüm, dzaiüin vgl. KO.sm.^ 66 17; über kir. qaraiim von qaraq »Auge- usw., 

wie in Prob. III 276 10 e qara-^fim qar'indasim »ach, liebste Scliwester«, werde ich an anderer 

5 Stelle sprechen. Kkir. aiftm ~ dschag. ayim »Frau, Gemahlin« gehört wohl zu ai »Mond«. 

Vgl. KA 9912 ayim als Kosewort. Das anatol. iiz'iin »Mädchen« hob ich 8t^ 1243 Anm. 3 

hervor. 

Aus dem Iranischen stammt osm. sina »Brust, Busen«; das tar. simm »Brust, Brust- 
warze« scheint das Possessivsuffix der i. Sing, zu enthalten? 

1° In dem von Kunos herausgegebenen Jarkander Text (vgl. oben § 58) steht Nr. 7 >^ 16 

minem IsM gplam bä. Da der Sprechende -nari für -niii, -an im Imperativ fiir -in gebrauclit usw., 
so stünde golam für '^qal'im: »ich habe zwei Sklaven«. Vgl. nun § 12: Padsa drde ki : sez 
meinem M gplam boha/uz, sezye kejik bcrenuiz. l lar : '/j)h, b'z gplam holemez dede. Er scheint 
also gplam auch im Sinne von ""qolm »Dein Sklave« zu gebrauchen'. Jetzt versteht man 

'5 Nr. 5 § 7 : on kolamdln altin caäp, cap kolam bilän kilmiiS racip kdseniz : » wenn Du mit deiner 
rechten Hand Gold streuend, mit deiner linken Hand Silber streuend kommst, so . . . .'« 
Im § 8 heißt es dann glücklich: on kolamdln alton caclp, cap kolam hilän kiimüS caclp padäanan 
ödosya baräi. Hier steht also kolam für qol'i oder einfach fiir qol: es wäre wertvoll, von 
R.\QUETTE zu erfahren, ob dies in der vulgärsten Jarkender Sprache tatsächlich gestattet ist. 

20 Dem qvda »Gevatter« der übrigen Mundarten entspricht im Kazantatarischen neben 

qpda noch qpdam, wo ja wohl das Possessiv der i . Person vorliegt. Woher stammt das 
Wort und wie ist dschag. ^iw/f/m«« »A^erbindung durch Heirat« und kir. qndanda- »sich 
verschwägern« (davon qudandal »Gevatter« wrtl. »Gevatterschaft») zu deuten? 

Es ist unnötig, auf Wörter v/ie monsifur hinzuweisen; erwähnt sei aber, daß man 

25 in Belgien familiär sagt c'est une matante, wo also das schon mit Hilfe von ta »deine« 
entstandene Wort noch durch ma gehoben wird, und daß ich einmal zwei kleine Mädchen, 
die lange den. Kopfputz einer Seeländerin angestaunt hatten, zu dem Entscheid kommen 
hörte: r>x, 't /■*•• ' n masairj, d. li. »ach, es ist eine masimir, d. h. eine su'ur, Schwester, Nonne«. 

V. 

§ 63. Werfen wir zum Schluß einen Blick auf das hier vorgelegte Material, so wird uns 
30 alsbald auffallen, daß eine große Anzahl der behandelten Wörter ursprünglich auf -?i, -r, 
-/, -.«, -z auslautet, d. h. mit anderen Worten, daß es sich um zweisilbige Wörter handelt, 
die vor dem suffigierten Possessivpronomen -"/, -i usw. den zweiten Vokal regelmäßig aus- 
stoßen: burun, 'bunm-'i > bwnu usw. Selbstverständlich hat diese Eigentümlichkeit einen 
großen Elintluß auf das Entstehen der neuen Nominalformen ausgeübt. Denn aus burn-u. 



35 



Das kij3t.sch. qan aKl (Houxs. 86) »Schröpf er« ist wolil aiioli iiiclits .iiidres als yan alir-'i; allenfalls käme 
noch ali-c'i in Betracht; \gl. Holts. unter i/ap- und i^at-. 

Auf eine ganz, älmlichc Geschichte blickt auch ein arulei-es Wort für .Jin'te« usw. zurück; alanciq, alaciq, 
kir. t/ii'if/ usw., das ebcnialls auf r//- zurückgehen wird. In dein für die Ilorhzcitsgebräuche so sehr wertvollen 
Stück in Prob. IK 371 Nr. 301 steht 373 i mJ tikiraii ainviq elidUii ay'U-catär etmiin arayin'i, was der geborene 
40 Sagaier Katanokf so übersetzt: »(diese beiden Männer) bringen den Wein und das Fleisch aus einer kegel- 
förmigen .lurte, die nicht für längere Zeit [iic na ,v>iro] für die Neuvermählten errichtet ist«. 

Daß kir. otayas'i »der Herr des Hauses« nicht zu ot »Feuer«, sondern zu obigem otay gehören müsse, 
war mir klar, ehe ich wieder Sll.-Kun. 152 ot ayasi -^ nsl'i otaq ayasi, %am basi (vgl. auch qos ItaM) sah: 
"olayayasi > otayrm. Der »Herr des Feuers-, ot (i-si usw., ist dagegen ein Hausgeist, dem geopfert wird 
45 (vgl. mehrfach Prob. IN). 

' Kr scheint abci' auch ruit deui aiali.-jicrs.-liindust. yii/äm "Sklave- in Berührung gekommen zu sein; 
liii' das Türkische fehlt dann aber jedenfalls das Possessivsuffix. 



Vom Küktürkisch{<n cum OsnMnisclwn. 'l'.\ 

ntm-i mußte ein *huni, *('uin {> (m\Y abstrahiert werden, und dieses 'Äwr«, V'//)« enlspracli iv§63 
mit seiner auslautenden Doi^pelkonsonanz nicht mehr den sonstigen Gewohnheiten der 
türkischen Dialekte. So wurde denn das Possessivum zum Stamme geschlagen. 
Daß es sich hier nicht um eine mechanische Umstellung {hurun > burnu usw.) handeln 
kann", beweisen die in allen Turksprachen vorliandenen Wörter, in denen bei sonst gleicher s 
Gestalt diese Umstellung nicht eintritt, weil sie eben selten oder nie mit dem Possessiv- 
suffix gebraucht werden. 

Wie in türkischen Wörtern, so wird nun aucli in Lehnwörtern auslautende Doppel- 
konsonanz vermieden, indem an das Grundwort -i', -a usw. hinzugefügt Avird; in den meisten 
Fällen wird es sich um ein mechanisches Anfügen des Vokals nach dem Vorbilde tür- -o 
kischer Vorlagen handeln, doch wird in vereinzelten Fällen Zusammenhang mit dem Pos- 
sessivsuffix nicht kurzerhand geleugnet werden können. Ich stelle einige Typen her: 

§ 64. Np. dost »Freund« verliert -t und wird dos; doch sagt man dosti^; dostlcrl 
neben dosiert Prob. VI 768. Ebenso wird np. rast »richtig« usw. zu ras, während es 
rasti, rastlhih'in usw. lautet. Für np. %ist »Backstein« gibt Ra<,)Uktte 197b zwar noch is 
%iM neben qß, doch haben Wb. %iS, Spr. 95c (fis »gebrannter Ziegel«. Nun liegt aber 
Prob. VI 82 8uff. bir yjSta altun »ein Barren Goldes« (fWb.) vor, zu dem man sachlich 
Prob. IV 95 Nr. 4 bir alt'in kirbits »(Goldklumpen» zu vergleichen hat. Der Antritt von 
-a (< -i??) scheint mechanisch zu sein'. 

§ 65. Arab. -^-a» qnrd »Streben, Absicht, Ziel« erscheint im Wb. als qas und (last. 20 

Im Tarantschi steht qas aber qastl; so in der merkwürdigen Stelle VI 1264» /nösi/k/ni'i qastiya 
tifsti »er trachtete der Katze nach dem Leben« o. dgl. Im Kirgisischen bedeutet qas da- 
neben »zornig, erregt«; im Kuniükischen finden wir dagegen 70.«^ »leidenschaftlich« und 
davon qastiliq »Leidenschaft«. Wohl mechanischer Antritt von -/'. Dazu auch liar. (idslan- 
» beabsichtigen« Prob. IV 49 14 (fWb.), woraus wohl zu schließen, daß schor. (jasfa- »be- ^s 
leidigen« aus *qasla- entstand. Auch bei den Turali hat .sich -/festgesetzt: Prob. IV 105211 
sint Ultirtkäti qosl'i q'i'tipi'i »er hat die .\bsicht, dich töten zu lassen«. 

§ 66. Arab. ras/n, np. n'/s/ti »Kegel, (iewohnheit« liegt im Tarantschi in drei Gestalten 
vor: Prob. VI 48 16 /Jtai/iiii ra'sm-i-dd »nach cliinesischer (iewohnheit« ; meist wird nismi 
gebraucht: 13 12" nismi-st, 158 rfmni-si-iit und 18 2» räsmilik; 1 15 7 steht prtfiSähkni/'i räsmisini, 30 
Z. 8u Siher pctiSaliqni/'i rdsui-l-nt. Die dritte Form steht 943: rüsmü-si; räsuK'i wird aus 
nismi verderbt sein und -/' letzten (irundes doch wohl das Possessivsuflix sein, ohne welches 
das Wort ja kaum denkbar ist. In Prob. VI 80 n» steht übrigens ruyjnä »Mitleid« < arab. 
rayjn, wohl mit mechanisch angefügtem -«". 

§ 67. Das np. nnt~/j hegt im osm. narti »Marktpreis« vor; im Kirgisischen lautet das 35 
Wort narqa, während A. von Le Coy in Turfan //rz/v/)' hörte (Spr. 98 b). Das np. Wort für 

' Man darf sicli an <li»-scn liestcrntiMi Abstniktioiii'n nicht stoßen, di'nn füi' nlin .Stirn» ;;iht ^VlJ. 
adcrb. ann und die-se Form finde ich bei den Karagassen I'r<>h. IX 653. 

'•• Eine Ausnahme seheint das merkwürdif^e ynsui -Blitz, bei Oi.ikskn 25 zu l)ildeii. das für uig. usw. 
yaiin stehen müßte (M 28«; K( )sni.' 3520). Tatsächlich wird wohl ein im -lienitiv« zu denkendes Nomen vor- 40 
ausgehen müssen oder hinzugedacht werden können: vgl. Spr. 89c ('aqhi ritt .l.litz« und etwa j;di. A-"/( uo/ 1 
<^ ol-'i »Sonnenfeuer« =r: »Sonnenstrahl«. .Shaw II 194 gibt nur yaiin. 

' In anderen Dialekten ist -t überhaupt gefallen, so z. H. I'rob. IV 3951 diis-'i »sein Freund" -- I'rob. III 
33 1 16 (los-ii. 

' Russ. Jiocri. w^ird zu schor. mosla. alt. wo.itto >■ tub. leb. ;w.?/(v r- sag. ^»«/ct »Brücke": mocii. bedeutet 45 
auch -Fußboden, Hausflur, rr jak. nii/as/a -Fußboden, Diele«. .Mau mag hier an den luss. Genitiv .mi)ci;i er- 
innern, wie Katanofk dies Mcl. as. IX 285 und mit mehi' Berechtigung in anderen Fällen getan bat: doch 
Steht Prob. IX 292811 ff. miixli. 

■' Vgl. 7.. B. tara kährä »Grab« — uig. kühir. kaz. kulnr -^ arab. qältr > kaz. kir. <iabir, <inhir omh. nabr. 



24 Bang: Vom Köktürkischen zum Osmanischen. 

IV§67 »Schleifstein«, car/^, cniy^, ist mannigfach verändert: osm. krm. carq, alt. tel. (kir, aderb. 

carl\ tel. leb. kmd. cwii. Betrachtet man diese Formen, so wird es wahrscheinlich, daß 

das unerklärliche tar. bärgj: »Blattstiel« (?) nichts anderes ist als das np. barg »Blatt« > sart. 

Imrg nach Naliwkin 214a, sart. bar nach Wb. Das tar. baraq wird von Wb. zu np. barg 

5 gestellt; ist es in der äußeren Form durch sart. osm. waraq < arab. waraq »Blatt« beeinflußt? 

§ 68. Np. si%f wird zu tar. sein <. *m%ri^ = tob. slyjrUk Prob. IV 221 10 »Hexerei, 
Taschenspielerei«; np. mähr (< arab.) ist im Tarantschi durch mäyji »List« vertreten (vgl. 
kaz. mäh'ir); dazu mct/fixml Prob. VI 143 19 usw. Np. bikr »Jungfrau« (< ärab.) liegt in 
tar. hiyji »rein, unverletzt, unschuldig, jungfräulich« vor. Ich halte das -? für mechanisch 
10 angetreten; in mäy/t kann man zweifeln, ob der Auslaut nicht aus dem Possessiv erwachsen 
ist: dies Wort wäre dann den anderen vorbildlich geworden. 

§69. RAyuETTE gibt 21 ob 'll(ij »remedy, means« < arab. r-!>lc ilädz. Prob. VI liegt 

das Wort in zwiefacher Gestalt vor: z. B. 1924" iläd'-i, aber 137 i2u iladi-si. Da das Wort 
fast immer mit dem Possessivsuffix gebraucht werden muß — Fälle wie VI 141 6u bi^ 
15 ilädi sind sehr selten — , so wird in -/, -i wohl das Suffix stecken. 



' Zum Lautlichen vgl. Spr. 84b Mri {hayrt) »Wanderfalk« < arab. 

^ Aus bir. Das Prob. VI 154 6ff. auftretende iaya bnydai, das im Wb. fehlt und in der Übersetzung 
durch »Taga Waizen« wiedergegeben wird, ist selbstverständlich als tayä zu deuten ^ ta-yor =: osm. «üpyar 
-Sack« und »Getreidemaß«. Im Teleutischen > tär »ein leinener Sack« ^: schor. sag. tar »grobes Tuch, Tuch-, 
»o das Castrkn auch fih' Koib. Karagass. anführt. 



25 



Wörter und Formen. 

Verweise auf Seite iiiul Zeile. 



Abend 2049, 2 1 lo 

abix 21 31 

ady'ir 211a 

ayab'ii 2 1 28 

ay'i: 8is 

aidin 191 

alac'iq 223; 

-afc7 21 39 

äldi'i 64 s 

a/»< 44 

omu 44 

Anlautscbwund 511 

35, 63, 916, 22j8 

aqsam 2O49 
aijxami 2 iio 
Arsch 44. lOi. I 7a5 
Ausiaiitscliw 1111(1 518 

airti 1625 
a//a; 191 
ay'im 2 2j 
acÄor 941 

Backe 811 14, 910 
Backstein 2.;i5 
bfila 1837 
balti (lari/ i9<6 
batdu: ibi? 
Aor I 219, 20>i 
bar, bary 244 
baratj 244 
barin- 2025 
Barnaul 20>8 
Barren 231; 
Äoru 939 
6a« (ün-ba.i, i/nn-bax) 

7" 
B.'iuuiwolle 141X. 171 
baijam 195 
Becken 1 1 17 
bnin 1913 
Ääryr 243 
bUrt 2416 
Beute 1519 
bicä i8ii 
//iV^i'n 8j7 
Äiyri 249 
Blitz 2339 
boyuz I I9 
boinu 640 
Boot 141H 
böz 1439 
böbnciik 84« 
biikMl I 1 14 
Braut^eniacli 2143 
BrBiitigani 6>i 
Bruder, alt. 645 



Brillier, jün?. 1515, 
1848 

Brust 317, 1810. 2 28 

Brücke 2345 
buiriii: 1916 
bur/ia I 248 
Imniii 631, 1245 
Busen 640 
bi'iksii i 1 15 

-("-Umlaut 1041 
-ra 1718 
rnp 2215 
(Vjr. ran/ 241 
-(•/ I 231 
eil 1318 
rini 1517 
-(•iV 137 
Clitoris H41 

-rl- > -j/- r94 
ilar. flara i Sag 
darvin 1 334 
Daiinieii 8ji 
iliigüniik 1 943 
f/'iin'ik i<;n 
(tiirdiiiii 18,6 
Dieb 2 1 16 
iliinay n<4f 
dir'/aij 83« 
^//icö 1 7 jS 
Dorn i<>4* 
r/o«, rfo.«/ 231 j 
DunI 811. 194' 
-du: 1815 
dianim 223 
dii iitisi Ou 

«4 1 131 
f6/' I I31 
//(Vv 6., 
Kcke 1 2» 
iidiii 611 

iiijärä f)ij 

^•C/f// 440 

F>insam i 24» 
Knde 1037 
Knklise i^jj 
Etitrtiiidung 73t. (|4> 
ähiliii () I ( 
änil 7« 
iinnil I i J4 
frj/r/A- 831 
«■in 339 
ihrkäk 83» 



iirnäk 849 
ärngäk 831 
«•«I 44 
erstei' i 241 
«.vjA' 54? 
<y.s7>« 543 
«•.s/«a 1836 
öyö 611 

Fell 157 
Fenster ^v 
l"in<;er 831 
Flachs 1439 
Flasche 1631 
Flasche, Leder 1541 
Frau I 5 ( 
frülier i 245 

(ial<;eii 182., 
(laniiien 8(i, 1 941 
(iaumeiise!; 1 835 4s 
(ichirn n^, 39 
liclni 73 
i/iimi 141., 
(ieschlechtsteile 
weilil. 44. i7i'. 
ricsichl 8'. 
(ievatter 2220 
•jizim 2 2(> 
(ilanz 161., 
filns 1631 
i)i)!aiii 2211 4ft 
i/i>:ihn 22i 

Habe 20., 
Hals 640 
Handtläche iojo 
Handvoll io>4 
Haus 1 I3: 
Hausfrau 154 
Hau.sgenosscii 15^ 
Haut 157 
Hengst 2 1 12 
Heri- 54 
Hei-z 5-,o 

Hinterbacken 1 15 
Hinti-rkopf I 123 
Hintern 44- roi. 1 72- 
H..fi625(Viehhof84il 
/lo/a 1 636 
Hörn 192«) 
Hosi^n Sj, 
Hüfte 81 27 

idi 5^ 
idi.i 1344 
id:ii 611 



igäci 613 

ik/e 1012 

i/äd'. iläd'i 2412 

ini 15.5 

iiiak 99 

Trkin 34« 

('.«>' i 87 

fiiim 33 i 

Uli 343 

.lüiigsles I S3? 

.lurte 2237 

Kamill 1617 

kiiliir, kiihrii 2349 

kiit\ kiirii 1 1 i 

k(dis 1453 

Kelile 832. I IS 

kiili 1 3 1 

kl itdzfi i83fs 

kiiiic 18} 

kiiriik 1217 

kutan 143., 

-/•/ 1241 

Kiefer <)9 

/•'n/7 43 t 

Kind und Kegel im<. 

Kinn !>,, 

Kit/.ler 84»; 

Knie 1812 

Kiiocheninaik iim. 

kiikiir 1342 

kiikii. -ii 32f M 

/vV/ 3 j c 

kiifiiil ^s,. 

Kör[)er 1 1 14. i ji- 

/"(vW 1727 

ko.'iiii 172^ 

/vfV-i 44. I 72s 

Kralle S,8 

Kren/, b. Pferd loji 

kiiliit 440 

Kupfer 1715 

kitn 3«.. 

kitndi'ii) \\ti 

-' 7?. I 317. 2 22\ 

Lainni 1310 
lang 92'. 
lächeln I>;>| 
Lcder I 1 1 
leicht i()2', 
Leinwand 1441. 
Leiter 1639 
Lippe 3,.,. 44 

-mal 161 
.Maiiilel 195 



-mä 1 85 
man 191 2 
mäni: 80 
Mensch 852 
miiyrJ 277 
Messing 1710 
miii bät/i 2 1 33 
mis 171(1 
mii/äy K). 1 
mor/ 1 <) 1 6 
mo<la, -o 2345 
iiiö:Ui I 74 
Mörserkeule r3i 
.Mund 818 
miiiiii.s I 28 3'. 
iiii'irii "j ;•• 

Nacken 1 1 23 
/inyari '13 
Nagel 83>J 
luiiiraziki 1431 
nai:n 14)1 
«a//V I ()2., 
Najif 152T 3'i 

//'/ry. -(7 233; 

Nase ()(i. 1940 
Nasenhülile kj).. 
NetVe 6,7 
niirsiliir i 7i(> 
neu 1320 

t)brr;irni 1814 

( Iberannkiidchen 7 1 

w'fl, -' 1 S44 

oda 2 1 4 ; 
11^/11 1\ ir'ri 2 1 1 1- 
l>hr 8j,' 
olia 1320 

'/'/ 1)22 

I )rdiiiali:i i 3 ü 
or;/H 34. 
iitay 2 1 4 * 
otnyaxi 2242 
o< j i O20 
ö.v/y/, fV.sw7// 72<i 

/;r//.v 1414 
^dr» 1740 
jiä.iäiiü 143») 
/»('ö 1841, 

l'Krsich 1642 

l'ony i')i7 

l'ope 2 i2T 

l'oiv.ellan 1331 
jtiiksii, -ü I 1 1(. 

qabr 2341- 

l/lldill ^Ih 



Phil.-hitt. Abh. W2I. Nr. 2. 



26 



Bang: Vom Köktürkmhm zum Omuinischen. 



ijaca I5,i6 
qoi/e.ti I 734 
-/anim 221 
-qoq 831 36 
t/ar, qar'i 1 8 m 
qarayim 223 
qas, qast 2 320 
qaxlan- 2324 
qasta- 2325 
y«/ 1 (16 

-yi' I 2ji 

7_/.vto 2317 
(fhili'H I 720 
qizilri 2 I41 
qoda, -m 2221 
qir-jiis 812 
(joinu 640 
y'//i I 7 1 1 
qoiniz 8n 
ijOi/iin 71 
f/oc, lyoc/ I 511 
yw/a 2220 
qudamau 2222 
ijiitlanda- 222: 
qiilaq, -qaq 831 
-7 «9 852 
(y»r 1627 

r«.«, rff.«; 2315 
roclits 922 
riiyinii 2333 
räum, -/, -rf 2328 
Hliota/.isiTiiis I I2 



Rippe 827. 916 
Roterülje 1 720 
Rücken 727 
Kücken b. Pferd i 1 2 
Riickenleiier i 1 1 

-.V- -^ -/- T 64S 

sabah'i 2 iio 

sabi 519 
' Sack 2419 

kaftnhi I 643 

.«o-y» I 1 1 

Kau 833 

Sattel 9.8 

.vafe 1639 
I .sühär 1 23 
j *-rt^/ 1427 
; San 246 

.vf/.vl 1631, 171 

Schaf 7 r 

Schleifstein 241 

Schhind T 18 

Sciiiüsselbein 735 

Schornstein 1613 

Schi-öpl'er 2235 
I Schulter 7« 25, 1030, 

I I j6 

Schulterblatt 103) 
Scliulteikiiüchcn 734 
] Schwager 430 36, ^i. 
622 
Schwägerin 1817 
Scliwelh> 1^45 48 



Scliwestor.ält. 531,642 
Schwester, jung. 520, 

1816 47 
Schwestei' il. Frau, il. 

Mutter 64 
Scliwiegersohn 622 
Schwiegertocliter 

439 43, 73 ö 
Schwiegervater 426 
iikilii 1428 
siyirtik 246 
Silbeiisehwiind 1332, 

1646 
tiili 164S 
sim 535 
sinä, -m 228 
üinä =r siniii 1 79 
stTiil 520 
Sii-up 177 
.iirriii i 73 
sökte lOi 
ioli 1619 

fiOft IO2 

Spitze 1027 
Stachel 1951 
Stirn 44. 72. 1455 
Stock [941 
*" 933 
siialri 2 1 39 
.yiiosi'i 2O9 

la'jä 2417 



tny'i 



yi 1514 



famyaq 832 
<ar 2419 
tarman 1 833 
/«« 1732 
täfirim 221 
tiirii:ä 946 
/öW 157 
/'Ä' 1950 

tikiill \()V:> 

tikiv 1951 
rz/ay 845 
t'ira)iya<i 839 
i'iryaij 838 
</c 18.2 
<öy/" I 637 
/Ö.v 1810 
t'^öyi'ir 1041 
-/«r 2O46 
Tür 545 

VC I027 

?/rn 727 

Unterkörper i I17 
MC?/« 926 

übermorgen loi; 
i'idOyä 1 53 

'■'i' I 1 35 
iigii II 35 
/ra 720 
i'in-ba.s 721 

Viehhof 843 
vorgestei'n 1330 



j Wange 85 n 14, 99 
] Ware 2 09 
! Wasserstelle 2 1 30 
! Wehklage 1629 
i Weichen 827 
Winkel 12« . 

: -!J- < -c/- 194 

i/nyir 1030 

i/aldvz 1822 

i/al'i(jiliifj 852 

i/ff« 816 

ijafiiq 814 
I yo/zä 1 320 

yaxin, i/ni<ii'i 2330 

yäyäii (>n 

yäiiii 1 926 
1 yäfiä 614 

yiigan 617 

yäznii 622 

yinatj 817 

ya/-V 162 
yfV.v 209 
yiizbiigi 2 1 36 

-c- schwindet 937 
Zäpfchen 845 
ciy« 916 
Zeitbestiinmungen 

2012 
Zeit 1235. 2237 
Zininiot 1534 , 



ilir li(i.li,ilni,t.ri-i 



ABHANDLUNGEN 

DER prkussischp:n 
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

JAHRGANG 1921 

PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 



Nr. 3 

PROLEGOMENA ZU EINER WIELAND-AUSGABE 

VII 

NACHTRÄGE UND UNTERSUCHUNGEN 

VON 

RERNHARI) SEUFFERT 

IN GRAZ 



BERLIN 1921 

VKRLAG DKR AKADKMIK DKR WISSKNSCHAFTKN 



IN KOMMISSION BEI DKR 
VEREINIGUNG WISSENSCHAFTLICHER VERLEGER WALTER DE GRUYTER U. CO. 

V0RHU.8 G. J. GÖ8CH13<'SCHE VERLAUSHANDLl'NG. J. UUTTKNTAG, VERLAGSBUCUHANDLUNO. 
UEOBG REDUiB. KARL J. TsOBNER. VEIT U. COUP. 



Vorgelegt in der Sitzung der phil.-hist. Klasse am 3. Februar 1921. 
Zum Druck genehmigt am 14. März 1921, ausgegeben am 20. August 1921. 



Vorbemerkung. 

Uie Not der Kriegsjahre und noch mehr die Nöte der friedlosen Nachkriegszeit haben 
den Abschluß längst begonnener Sammlungen und Vorarbeiten zu diesen neuen Prolego- 
mena verzögert. Sie treten auch jetzt gewiß nicht fertig hervor; deim es ist hier un- 
möglich, neuere Erscheinungen des Büchermarktes in halbwegs genügender Zahl einzu- 
sehen, und Raub und Diebstahl unterbinden den Postverkehr der Bibliotheken. Um so 
dankbarer fühle ich mich vielen Vorständen von Büchersammlungen und Wielandfreunden 
für Auskünfte und Hilfen verpflichtet. 

Vollständigkeit der Angaben über Wielandliteratur beabsichtige ich so wenig wie 
früher. Einiges habe ich anführen zu sollen geglaubt, obwohl es nicht in meine Hand 
gekommen ist; da mögen Irrungen unterlaufen. Neue Nachweise zu den schon in der 
akademischen Ausgabe gedruckten Schriften dürfen, um den Prologomena selbständigen 
Wert zu erhalten, nicht beiseitegelassen werden, zumal nur zur Shakespeare-Übersetzung 
der Apparat bisher erschienen ist. Auf die älteren Nachträge wurde der Übersichtlich- 
keit wegen verwiesen. Ich teile schwer zugängliche kurze Texte mit, versuclie auch An- 
sätze zur Textkritik, um den Herausgebern den Weg abzustecken und zu bahnen, das Aus- 
bauen muß ihnen überlassen bleiben. Wie ich überhaupt die Bitte wiederliole, meine 
Angaben zu überprüfen und zu ergänzen. Vor allem die Züricher Schriften und der 
Teutsche Merkur sind auf Wielands Anteil nochmals zu untersuchen. Die wachsenden 
Jahre lehren joden, daß das Ideal der Vollständigkeit und Fehlerfreiheit von keinem 
einzelnen erreicht wird. 

Seit Klirrelmeyers ertragreiche Beobachtungen über die Doppeldrucke von Wielands 
Werken in den Abhandlungen dieser Akademie 1913 erschienen, ist die textkritische Auf- 
gabe verbreitert. Damit werden die Grundlagen der Textgestaltung fester, so wie die der 
Goethcschen Werke durch die Erkenntnis des Wertes der Wiener Cottaausgabe (Goethe- 
Jahrbuch 15, i66flF.) neu gesichert worden sind. Bisher ist noch kein Anlaß gefunden, 
wie bei Goetheschen Sc!»riften auch auf Nachdrucke Wielandischer Werke Acht zu neh- 
men; aber die Doppel- oder Nebendrucke, die die berechtigten Verleger von den ihnen 
übertragenen Ausgaben veranstalteten, müssen so gut gesucht und untersucht werden, 
wie mittelalterliche Handscliriften auch später Schreiber gesammelt und gesichtet wer- 
den. Die Kurrelmeyerschen Nachweise sind also weiterzuführen. 

Es an einem Werkchen zu tim, reizte mich der Zufall, daß Kollege Polheim, durch 
allzeit förderliches Symphilologein mir verbunden, und ich mehrere verschiedene Exem- 
plare des Weidmannschen Sokratesdruckes von 1770 (s. u. zu Prolegomena Nr. 162) be- 
sitzen. Ich fand dabei bestätigt, was mich schon die Beschäftigung mit Goetheschen 
Nachdrucken gelehrt hatte, daß gerade solche Druckereifabrikate für die Sprachgeschichte 
Wichtigkeit haben, daß sie den Verfasser bei Erneuerung seines Werkes von seinem 
eigenen Sprachgebrauch gelegentlich abdrängen. Dadurch wächst das Ergebnis solcher 
Untersuchungen über den Gewinn fiir die einzelne Textberichtigung hinaus zu allgemei- 
nem Werte. 



4 Seüffert: 

Konrad Burdach hat in den Sitzungsberichten dieser Akademie 1920 die Auflehnung 
des dichterischen Sprachgefühls gegen Regel und Schema der Literatursprache, gegen 
den schulmäßigen Kanon in der Schreibart der Drucke glücklich erörtert, aber aucli 
neuerdings betont, daß die Gesamtausgaben der Werke Goethes imd Klingers der litera- 
rischen Gemeinsprache Gottscheds und Adelungs im Äußerlichen und ohne Konsequenz 
sich wieder näherten, während Errungenschaften im Stilistisch-Syntaktischen zumeist un- 
verloren blieben. Gerade dies nun wird meines Ermessens durch die Dazwischenkunft 
der Druckereien erklärt. Beobachtungen an einem ccliten Drucke der Göttergespräche 
Wielands (s. u. zu Prolegomena Nr. 1048) erhärten, wie eigenmächtig das Setzersprach- 
gefühl, geleitet vom Schrift- und Schuldeutsch, eingreift. Hätte Wieland diesen Druck 
für seine Ausgabe letzter Hand benutzt, so wäre auch er, so gut wie Goethe gegenüber 
den Himburgschen und andern Drucken, den 'Normen' gewichen (vgl. Euphorien 7, 45 f.). 

Der Sprachbildnersinn, die natürliche Freiheit des jugendlichen Scliriftstellers verliert 
an Widerstandslust gegen die Hartnäckigkeit der Druckereigewohnheit, die männliclie 
Reife und Ruhe paßt sicli dem in der Masse Geltenden des lautlich Formalen an, ja 
leidet alternd wohl gar Einbuße an sprachschöpferischem Selbstvertrauen und überprüft, 
wie Wieland wenigstens für seinen Aristophanes tat, die Wortwahl von vornherein am 
Kanon des Wörterbuchs. Gewiß hangen diese Erscheinungen mit der immer ausgedehn- 
teren Aufnahme von literatursprachlichen Büchern zusammen; aber den ersten Anstoß 
gibt der Kampf mit der Druckerei. Das werden auch die Lesartenverzeichnisse zu Wie- 
lands Werken bestätigen. 

Lesarten sollen darum nicht nur als Rechenschaftsbericht über die Herausgeber- 
tätigkeit an dem einen Werke angesehen, auch nicht nur zur Entstehungsgeschichte des 
einzelnen Werkes und zur Stilgeschichte eines Verfassers aufgeschlagen werden. Ist ihr 
Druck verständlich und durchsichtig eingerichtet, wie es Prolegomena IV S. 59 empfohlen 
wurde, so wird er eine Fundgrube für Emendationen jeglicher Überlieferung sein und, 
was das wertvollste ist: allgemeine Entwicklung der Schrift- und Drucksprache, der 
Literatursprache, ablesen lassen. 

Juli 1920. (Nachträge: April 1 921.) 

Zu Prolegomena IL V. VI Werke. 

Vor Nr. 1: Prolegomena K S. 26 d) vgl. W.s Vorfahren, Funde und Forschungen, Eine 
Festgabe für Julius Wähle, Leipzig 192 i S. I54f. 168 Anm. 89. 

Nr. 2: Das Gedicht auf Gutermanns Amtsjubiläum ist vor dem Ofterdingerschen 
Abdruck veröffentlicht in: Julius Ernst Günthert, Erinnerungen eines Schwaben [des Bibe- 
racher Malers Pflug], Nördlingen 1874 S. 30. Mitteilung von E. von Steinmeyer. 

Nr. 3: Das Gedicht sollte in der Ausgabe der Akademie 1,2 nicht An Frau Marie Kick 
überschrieben sein, sondern An Frau Christine Kick; denn es feiert den 24. Juli als 
Namenstag, das ist den Christinentag, wie in V. 30 übrigens eigens gesagt ist. — Vgl. 
Dr. Irene Wunderlich, Euphorion 23,i73ff. 

Nr. 4: Das Wieland-Museum in Biberach a. Riß besitzt: Diogenis Laertii de vita 

et moribus philosophorum libri X. Rec [Fr. Ambrosius]. LA-gdvni, apud Ant. Gry- 

phium. MDLXXXV. Sowohl auf dem Titel als auf der letzten Seite des hintersten Vor- 
setzblattes steht Wielands Name von seiner Hand; das zweitemal ist 1 749 (irrig CIOIOXLVIIII 
geschrieben) beigesetzt. Das Büchlein wechselte, wie die Namenseintragungen beweisen, 
den Besitzer, Inschriften auf dem vorderen Vorsetzblatt sind von fremder Hand. Ob die 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 5 

lateinischen Bemerkungen und eine französische auf den Rändern von Wieland herrühren, 
kann ich nicht bestimmen, es ist in das dicke Büchlein kleinen Formates schwer ohne 
Entstellung zu schreiben; Feder und Tinte sind verschieden. Aber da die ßeischriften 
alle die eine Art von Inlialtsangaben in Schlagvvorten haben, dürften sie von demselben 
Leser stammen. Sachlich sind sie wertlos, bezeichnen nur, wo der Schreiber aufmerksam 
gelesen hat. Das Buch war 1744 in Besitz eines B. J. Jaeneke in Halle, deshalb dürfte 
es von W. noch in Klosterbergen, nicht erst in P>furt erworben sein. Da ein ebenfalls 
in Schweinsleder gebundenes Exemplar der gleiclien Ausgabe im Auktionskatalog der 
Bibliothek Wielands S. 16 Nr. 368 c verzeichnet ist, mag es dauernd in seiner Hand ge- 
blieben und benutzt worden sein. Mir hat es der unermüdlich hilfreiche Gründer und 
Vorstand des Wieland-Museums, Reinhold Schelle, vorgelegt. 

Nach Nr. 4: 4a. Versifizierter Doktorglückwunsch zum 24. Dezember 1749, nach 
Euphorien 21,139 in der akademischen Ausgabe Werke 4,655 nachgetragen. 

(4b). Böttiger, Literarische Zustände und Zeitgenossen 1,162 vom 18. Oktober i 795 : 
W. habe in Erfurt bei Baumer Privatisßima über Wolffs Anfangsgründe der Philosophie 
gehört. Danach ist im Druck ausgefallen: 'W. hat das Wolfische Compendium mit seinen 
klaren mit Bleistift beigekritzelten Anmerkungen noch unter seinen Büchern.' Nach 
Böttigers Handschrift in der Landes-Bibliothek in Dresden. Im Verzeichnis der W.schen 
Bibliothek sind Wolffs Anfangsgründe aller mathematischen Wissenschaften 
nicht angeführt. Das Exemplar ist nicht bekannt. 

Vor Nr. 6: 5a. Durch Dr. Max Hecker kenne ich den Inhalt eines im Goethe- und 
Schiller-Archiv verwahrten, einseitig beschriebenen Folioblattes mit der Aufschrift: Le 
Portrait de ma charmante Sophie. In einem undatierten französischen Briefe, den 
Hom, Briefe an Sophie La Roche, Berlin 1820, dem Jahre 1752 zuweist, der gewiß früher, 
wohl vor Ende Oktober 1750 anzusetzen ist, spricht W. zweimal (S. 14. 16) vom Porträt 
Sophiens, das er in dem Schreiben entwerfe. Er tut das so, daß er Anforderungen an 
seine Geliebte im Verhältnis zu seinen Eigenheiten aufstellt und ihre Erfüllung in Sophie 
findet. Der Brief behandelt die inneren Eigenschaften und rühmt nur nebenher 'les char- 
mes du corps'. Diese nun malt der Aufsatz ergänzend aus, zum Teil mit Worten des 
Briefes; er ist also in die gleiche Zeit zu setzen. Er ist kein Brief, gewiß auch keine 
für die ÖffentUchkeit bestimmte Schrift, aber durch den Anruf Minervas und der Götter, 
die P>wähnung der Venus und der Grazien, durch die Rhetorik des Stiles doch eine 
schriftstellerische Leistung, die in den Anhang der Werke gehört, wie dieser vorläufige 
Abdruck überzeugen wird. 

Le Portrait de ma charmante Sophie. 
O ! Minerve, je peins une personne qui possede tous tes agreniens, anime mon portrait de tes chatmus 
et le rends digne de son sage original. Ah ! que je la piiisse faire .si ' aimable qu"elle est gravce dans mon 
coeur. Son visage seroit moins charmant, si son ame seroit moins parie de qualiti'-s angcliques. Ses ycux ne 
sont que des miroirs de son ame. Ne doivent-iis donc etre infiniment beaux, puisque l'ame la plus belle y 
brille ? Dites-moi, Dieux les yeux noirs de Venus lorsqu'elle sortit des ondes, etoient-ils plus ravissans que 
ceux de ma Sophie quand le seren bleu du ciel s"y mire 1' Les plaisirs des ames beatcs dans les champs 
Elysiens sont bien inferieurs aux ceux, dont ses regards pleins de feu et de tendres amours m"cnyvreiit. Sa 
belle petite bouche, la patrie des ürai'es, ravit quand eile est fennee ressen)blante ä une jeune rose, qui vient 
de s'ouvrir et de repandre ses odeuis ambrosicales, autant que si par un doux sourire eile niontre la serenite 
de son ame divine. Parle, mon fier coeur, la vive tendresse de ses }'eux et les charmes engageantes de sa 
belle bouche ne sont elles capables de calmer en un moment tes esprits agites et de tc rendre la ti'anquilite 
qui te fait digne des regards si toutpouissans ;' Son leint qui est um peu plus brun que blanc, et ses beaux 
cheveux qui s'acftordent bien avec la vivacite de ses yeux, donnent beaucoup de chaniies a un visage comnic 
le sitn. P^n verite eile seroit moins belle si eile avoit plus de blanchcur-. L'eclat des astres comment est-il 
i'leve par Tobscurite d'une belle nuit ! Ajoutcz une laille ravissante et une Symmetrie merveilleuse qui donne 

' Über gestrichenem aussi. 



6 Seuffert: 

de la Diajeste a sa personne. En verite eile pourroit passer poUr unc trcs belle statue de la Minerve, si eile 
iravoit ane amc qiii donne des agremens qui lui sont tout a fait propres, a son visage charmant par soi 
meme. Mais parce que une ame graiule et lumineuse et un excellent coeur plein de sincerite et delicatesse, 
et (oh Dieux ! quelle beaute pour moi) plein de tendresse et de bonte pour celui qui l'aiine, se fait voir dans 
tous Ics traits de son visage et sur tout dans ses yeux, eile eile est la Dcesse meme. Ah ! qu'elle est aimable, 
qu'elle est digiie de l'estime, de la tendresse et de la Constance d'une noble Ame. 

Nr. 6ff. : vgl. Wlh. Calvör, Der metaphorische Ausdruck des jungen W., Göttingen 1906. 
Gg. Beck, Die Sprache des jungen W., Tl. i Der Einfluß Klopstocks, Diss. Heidelberg, 
l3ukarest 1913. Frz. Schlüter, Studien über die Reimtechnik W.s, Marburg 1 900. Frdr. 
Neumann, Geschichte des nhd. Reimes von Opitz bis W., Berlin 1920, besonders §i8Sf. 
Nr. 8: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. Vgl. Fritz Strich, Die Mythologie in der 
deutschen Literatur von Klopstock bis Wagner, Halle 19 10 1,87. 139. — In Böttigers 
Mitteilungen über W. in Raumers Historischem Taschenbuch 1839 10, 379 ist nach Zeile 3 
die handschriftlicli ' erhaltene Aufzeichnung (Landes-Bibliothek Dresden) weggelassen: 
'W.s Vater hatte eines Sonntags über den Text gepredigt: Gott ist die Liebe, und seinem 
damals von Kloster Bergen zurückgekehrten Sohne höchlich misfallen. Denn schon war 
der Jüngling W. wechselsweise Idealist mit Plato, Atheist mit Spinoza, usw. gewesen. Den 
Plato kannte er nur aus Giceros philosophischen Schriften, die er damals mit großer 
Liebhaberei las. — Nach der Kirche führte W. seine Sophie [Gutermann] in der brennen- 
den Sonnenhitze spazieren und theilte ihr nun sein System von der Liebe (Aphrodite), die 
das Chaos bildete, mit einer Exaltation und Beredsamkeit mit, wodurch die arme Sophie 
bis in die Wolken entrückt und er selbst so hingerissen wurde, daß er von Stund an 
der Bitte nicht widerstelien konnte, dies alles zu Papier zu bringen und in ein Ganzes 
zu ordnen. So entstand die Natur der Dinge, ein Gedicht, das wenn es mit der ursprüng- 
lichen Verve niedergeschrieben worden wäre, noch jetzt zu den merkwürdigsten Erschei- 
nungen gehören müßte, dadurch aber daß W. den Lucrez und Antilucrez [von Polignac] 
dabei zum Muster nahm, freilich eine Fehlgeburt werden mußte.' 

Nr. 8ft'. : vgl. Herbert Grudzinski, Shaftesburys Einfluß auf Chr. M.W. , Breslauer Beiträge 
zur Literaturgeschichte N. F. 34, Stuttgart 1913 S. 49 fl". Charles Elson, W. and Shaftesbury, 
New York 19 13. Werner Bock, Die ästhetischen Anschauungen W.s, Berlin 1921 S. I3f. 
Nr. 9: vgl. Enrico Pizzo, Miltons Verlorenes Paradies im deutschen Urteile des 18. Jahr- 
hunderts, Literarhistorische Forschungen hg. von Schick und Waldberg 54, Berlin 1914 
S. 38. — Die italienischen Schlußverse des Lobgesangs auf die Liebe fand ich in 
Guarinis Pastor fido Akt I Szene i, in der Rede des Linco. 

Nach einer Ortsüberlieferung in Erfurt, die mir Robert Boxberger erzählt hat, soll 
W. daselbst bei einem Lektor Elias Greifenhahn, genannt Amadeo, die italienische Sprache 
gelernt haben, also 1749/50. Ob der 1687 geborene Jhn. Elias Greifenhahn (oder Greiffen- 
hahn), dessen neusprachliche Grammatiken (die italienische 17 14 — 1783 aufgelegt) ver- 
breitet waren, auch in Erfurt lehnte, kann ich jetzt nicht feststellen; bei Ersch und Gruber 
ist nur sein Unterrichten in Jena erwähnt. Der Pastor fido war damals das übliche Hilfs- 
mittel bei Erlernung der italienischen Sprache: Leonardo Olschki, G. B. Guarinis Pastor 
fido in Deutschland, Leipzig 190S S. 12. 18. 

Daß W. den Pastor fido kannte, ergibt sich aus einem Folioblatt mit der Überschrift 
Ä M-^"' G.. [= Gutermann] Du Berger fidele de Mr. Guarini Acte III. Scene VI., 
auf dem 13 Verse aus der Rolle Mirtils in französischer Sprache stehen: 'Ah! j"aime mieux 
mourir pour celle qui m'enflamme' bis 'Otes m'en le desir otes m'en le J)ouvoir.' Der 
Text stimmt wörtlich, aber nicht orthographisch zu der vom italienischen Text beglei- 
teten Übersetzung [des Abbe de Torche] : Le Berger fidele. Traduit de ITtalien de Guarini 
En Vers FrauQois. A Cologne, dies Pierre du Marteau. MDCLXXVII S.293. Die Abschrift 



Prolegomena zu einer Wieland-Au^gahe. VIT. 7 

hat Max Hecker aus dem La Roche-Nachlaß im Goetlie-Scliiller-Archiv kopiert; sie dürfte 

dem Lobgesang auf die Liebe gleichzeitig sein. — In W.s Büchernachlaß wird als Nr. 3007 

ein Druck des Pastor fido Verona 1735 angeführt. — Die Verse, die in Antiovid II. auf 

das Werk anspielen, sind erst 1770 dazugekommen; in diesem Jahre tritt auch eine 

kritische Äußerung über Guarini zutage: Grazien Buch 4 Anfang; nachdem 1768 im Idris I 

7. Strophe er in Schutz genommen worden war. 

Zu Nr. 9: 9a. In die Zeit des Lobgesangs auf die Liebe fallt der Versart nach ein 

Gedicht an Sophie Gutermann, das Max Ilecker in dem La Roclie-Nachlaß des Goethe- 

und Schiller-Archivs gefunden hat; i'y4 Seiten eines in deutscher Schrift (bis auf die 

französischen Verse natürlich) beschriebenen Foliobogens, der wie Nr. 5 a und 9 von Sophie 

aus dem heiligen Liebesfrühling über die innenfremde Ehe zärtlich bis zum Tode bewahrt 

wurde. Es ist zum i. Bande der Jugendschriften nachzutragen. 

Der Balsamische Hauch des vom Abend gebohrnen Westwinds 
Der das Gesicht de.s \Vand[r]ers, das die Hizze der Sonnen 
Mit dem erregten Blute durchglüht, erqvikend anbläst 
Und den erhizten Geistern einen ruhigem Cirkel-Lauf giebet. 
Hat viel weniger Anmuth und Seelen durchdrii%ende Kräfte 
Als dein Ambrosicalischer Kuß, volkommene Schöne! 

Sagt es ihr Götter die ihr nicht wißt was falsches zu sagen 
kennt ihr im Schoos der Himmel, die ewige Wollust gebären, 
Eine Lust die der meinigen gleicht, oder wenigstens nahet, 
Wenn ich mit der großen Idee, die meinen Geist ganz erfüllet. 
Von Sophien geliebet zu seyn, und in dem zärtlichsten Herzen 
Nur ihr Bild, nur Sie, die Würdigste, anzubeten. 
Dieses Englische Kind in der grösten Zufriedenheit küße. 

Himmel, du kennest mein Herz, es kan seine Bildung nicht ändern, 
Wird es demnach aufhören können. Die Schönste, zu lieben '. 
Nein, eh sol der Tod durch eine gewaltsame Scheidimg 
Meine' von ihrem Bild durchdrungene Seele vom Leibe 
Und von meinem Leib Bewegung und I.«beii trennen ', 
Ehe ich mich in das Elend stürze, Sophien zu mangeln. 

Flöße mir selbst, o Herr, o Schöpfer der lebenden Wesen, 

Tugend und Weisheit ein, Sophien würdig zu werden 

Und zur Belohnung verlang ich nur Sie, die zärtliche Freundin, 

Denn du kanst mir doch nie was liebers und treflichers schenken. 

Ah I que * suis-je heureux ? de quelle voluptc 

vraiment digne d'une ame belle 

Douce, ravissante, spirituelle, 

mon tendre coeur est inonde ? 

La vie des Dieux quoique pleine de joie 

n'en a autant que mon coeur sent sans .cesse 

Oubliant dans les transpors de la tendresse 

Sur la belle bouche de ma Sophie 

Le monde entier et sans eile meme la vie. W.. 

Wegen der bei der vorigen Nr. besprochenen Kenntnisse W.s habe ich die franzö- 
sische Übersetzung des Pastor fido durchgeblättert, ohne auf Verse zu stoßen, die der 
Abschluß des (Gedichtes benutzt haben könnte. Auch hat er eine zu willkürliche Metrik, 
um aus einem französischen Werke übernommen zu sein, selbst wenn man annehmen 
wollte, daß der Schlußreim nur eine Anpassung sei 

Nr. 10: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. 1,18. 

Nr. 12: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. 

Nr. 14: Die Ausführungen über die Zwölf moralischen Briefe in den Mitteilungen 
des österreichischen Vereins für Bibliothekswesen 1906 10, 76ff. sind zu berichtigen. Der 



Interpunktion unsicher. ' aus: Meinem ' davor gestrichen: zu. * danach gestrichen: je. 



8 Seuffert: 

da mit A bezeichnete Druck ist nicht von Einem Satze mit BC abgezogen, wie ich an 
dem Exemplar der Universitätsbibliothek Graz I 5776 sehe. Höhe des Satzspiegels und 
Breite der Verszeilcn sind nicht immer gleich, die Zierleisten sind oft, die Striche zu- 
weilen verschieden, defekte Lettern finden sich an ungleiclien Stellen. Als Kennzeichen 
vermerke ich außer den früher nach Stumme mitgeteilten (wobei aus der Vorrede: Be- 
kantmachung A zu verbessern ist), indem ich nun das Stnmmesche = Grazer Exemplar E\ 
die früher bekannten E^ E^' nenne: 

S. 6 Z. 2. I vu bestritten £<= bestritten E^^. S. 18 Seitenzahl richtig E" 12 E'^. S. 27 Z. 10 vu K» E" 
19 £«''. S. 28 Z. 9 vu 14) £>= 14* E''^'. Umgekehrt S. 153 Z. 8 vu 1!)*E<' 19) E''^. S. 30 Z. 1 1 unser £<= 
unsers £A S. 37 Z. 11 Vernunft E" Vernuft E^^, 4 vu Nosalindcn E" Rosalindcn E^^, finden. E" finden'! £»•>. 
S. 95 Z. 6 llenelvus E^ Menelaus E?^. S. 113 Kustos Als E" Als-E^^'. S. 123 Kolumnentitel Brirf E" 
Brief E^^, 5 vu Ueberbkibsel E" Uberbkibsel E'^. S. 143 Z. 8 vu Paradiesich, E" Paradiesisch £»•' usw. 

Den Satz mit den zweierlei Verlagsfirmen E""^ wird man für den ursprünglichen halten, 
weil die Beteiligung zweier an einem Nachdruck unwahrscheinlich ist. Schrift und Druck- 
stöeke bezeugen, daß die drei Drucke sicher aus derselben Druckerei stammen. 

Ich bemerke allgemein : Die bibliographische Feststellung von Nebendrucken hat 
literarhistorisch ihre Bedeutung alj Zeichen des Absatzes. Für die Textkritik und also das 
Lesartenverzeichnis kommt lediglich in Betracht, welcher von den Drucken in die Geschichte 
der Überlieferung gehört. Wo eine neue echte Ausgabe von der Vorgängerin abweicht, muß 
überprüft werden, welcher der Doppeldrucke der neuen echten Ausgabe nähersteht; dieser 
allein ist für die Lesarten heranzuziehen, eine vollständige Vergleichung der übrigen Doppel- 
drucke erübrigt sich, außer wo die neue Ausgabe offenbar Fehler ihrer Vorlage nimmt, 
die Vorlage also als schlechter Doppeldruck erscheint. Freilich ist damit noch nicht ge- 
sagt, daß der Druck mit der besseren Lesart der frühere und echte sein muß, wie VV. Kurrel- 
meyer, Die Doppeldrucke in ihrer Bedeutung für die Textgeschichte von Wielands Werken, 
Abhandlungen der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 19 13, phil.- 
hist. Classe Nr. 7 S. 3, annimmt; der spätere Neudruck kann einen verständigen und dazu 
achtsameren Setzer oder Korrektor gefunden haben, als es der Verfasser war, falls er 
überhaupt beim Druck mitwirkte. 

Ob bei Schirmeyer, Gg. Ldw. v. Bar, Mitteilungen des Vereins für Geschichte und 
Landeskunde zu Osnabrück 1907 Bd. 32, etwas für die Briefe W.s zu gewinnen ist, weiß 
ich nicht. Vgl. Strich, Die Mythologie aaO. 1,87 f. 

Nach Nr. 14: (14a). 1752 Januar — Februar. Drei verschollene Beiträge zur Zü- 
richer Monatsschrift Crito. Budde, W. und Bodmer, Palästra LXXXIX, Berlin 1910 
S. 13 f. 73. 205. — Über Budde vgl. Hordorff, Euphorion 19, 689 ff. Budde hat in seiner 
Arbeit meines Erachtens zu niedrig eingeschätzt, wie anpassungsfähig an fremden Stil 
der junge W. war; A. Kösters Nachweise über den 'Gefolgsmann' Bodmers (s. die reichen 
Anmerkungen zu Kösters Ausgabe der Schönaichschen Ästhetik, Deutsche Litteraturdenk- 
male, Berlin 1900 Nr. 70 IT.) hätten ihn vorsichtig machen müssen; auch war zu er- 
wägen, wie unsicher es ist. Sprach- und Schreibformen der eigenmächtigen Druckereien 
in Büchern und gar in Zeitschriften als Eigenarten des Verfassers anzusprechen. Daher 
sind Buddes Urteile nicht ohne Prüfung hinzunehmen. 

Nr. 25: Die Erzählungen erschienen 1752 gleichzeitig Heilbronn, bey Franz Joseph 
Pickebrecht und Tübingen, bey Johann Christoph Löffler, also wie Nr. 14. — Über die 
hier verwendete Züricher Antiquaschrift vgl. A. Köstcr, Schönaich, Die ganze Ästhetik 
in einer Nuß aaO. S. 552; Euphorion Ergänzungsheft 3.66. 70; hiermit wird Prolego- 
mena IV S. 53 ergänzt. — Die Quelle zu Balsora hat phil. Lia Weiss im Guardian aufge- 
schlagen: Addisons Works, ed. by Henry G. Bohn, London 1888 4, 325 if. In der Über- 
setzung der Gottschedin Des Aufsehers oder Vormundes 2. Teil 167. Stück 22. September 



Proleyomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 9 

17 13, Leipzig 1749 S. 389 ff. — Vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. S. 1380". Luise 
Wolf, Elisabeth Rowe in Deutschland, Heidelberg 18 10 S. 69 f. Strich, Die Mythologie 
aaO. 1,88 f. 

Nr. 27: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. Vgl. L. Wolf, E. Rowe aaO. S. 68. 
Strich, Die Mythologie aaO. 1,88. 

Nr. 28: vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. S. 166 ff. 

Nr. 29: vgl. ebenda S. 142. 215. Zwei Zitate daraus V. 1^8. 22 — 25 in Züricher 
Freymüthige Nachrichten 15. Augstmonat 1753 S. 259 f. mit Abweichungen. Vgl. Budde, 
ebenda S. 73. 

Nr. 30: vgl. L..Wolf, E. Rowe aaO. S. 70 f. 

Nr. 35: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. 

Nr. 36: vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. S. 32 Anm. * 

Nr. 38: vgl. ebenda S. 7 i f. 

Nr. 39: Zitat aus Brief 6 V. 228 — 230 Es hat — Liebe. in Das Angenehme 

mit dem Nüzlichen, 15. Dezember 1755 St. 50 S. 493 als Motto, stimmt außer in Recht- 
schreibung mit dem i. Druck überein. — Vgl. L.Wolf, E. Rowe aaO. S. 72!'. 79. 
C. II. Ibershoff, New english source of W., The Journal of English and Germanic philo- 
logy 14, 56 f. Köster, Schönaich aaO. S. XXVIII und Verzeichnis der Eigennamen unter 
Wieland. 

Nach Nr. 39: 39a(?). Anteil an Bodmer, Jacobs Wiederkunft von Haran, 
Budde, W. und Bodmer aaO. S. 36 Anm. * 

Nr. 40: Hsl. Widmung des Gepryften Abraham an Mde. Gessner nee Bodmer sollte 
in L. Hirschberg, Erinnerungen eines Bibliophilen, Berlin -Wilmersdorf I9i8(?) faksimiliert 
werden. — (Als Anregung oder Quelle kommt vielleicht auch Rowe, Geschichte Josephs, 
2. Buch, in Betracht, weil Züricher Freymüthige Nachrichten 31. Weinmonat 1753 St- 44 
S. 348 die Opferung Isaaks als in ihr enthalten angeführt wird.) — Vgl. Budde, W. und 
Bodmer aaO. S. 143 ff. 

Nr. 42: Der unausgesetzt hilfreiche Dr. E. G. Stumme in Leipzig zeigt mir an, daß 
er ein Exemplar der Hymnen erworben hat, in welches das Blatt S. 15. 16 doppelt 
eingebunden ist; das zweite (= E^) enthält V. 229 — 276 und 62 — 79; diese Versfolge 
ist inlialtlich unmöglich, es liegt also eine Verschiebung der hsl. Vorlage beim Satze oder 
ein Verwerfen der StOcksätze beim Umbreclien vor, seltsam, weil sie von Bogen C^ vor- 
ausgreift und dann von der vorhergehenden Seite 14 wiederholt. Es wurde nun ein 
Doppelblatt S. 13 — 16 neu gedruckt (= E^) auf weißerem Papier und an die stehenge- 
bliebenen Falzen des 3. und 4. Blattes des 4"-Bogens B angeklebt; die Falzen haben das 
gelbere Papier des ganzen Schriftchens: ein Exemplar mit diesem Karton hat auch 
F. Homeyer für die akademische Ausgabe, Werke 2, i 75 ff. benutzt. Das verworfene Blatt E" 
ist von einigem Werte wegen älterer Lesarten; Stumme verzeichnet mir: V. 77 Der E'' 
Ihr E^. 79 Sphaeren E" Erden E^. Da nach Stummes Mitteilung im Neuesten aus der an- 
mutliigen Gelehrsamkeit, Leipzig 1753 S. 923 — 925 nur V. i — 47, in Edward Grandisons 
Geschichte in Görlitz, Berlin 1755 S. 42^ — 44, V. 1 — ^54 der Sonnenhymne steht, sind diese 
Lesarten hier allein überliefert. — Vgl. Pizzo, Miltons Verlorenes Paradies aaO. S. 42. 

Nr. 43: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. Nach Mitteilung von F. Homeyer hat 
Brunner seine Ansieht, die Hs. sei von Bodmer geschrieben, widerrufen. — Brunner schrieb 
mir noch 1909, der Titel der zweiten Hymne auf Gott und die zehn ersten Verse 
sowie drei Verse am Rand und Druckanweisung und Korrekturen rührten in der von 
fremder Hand geschriebenen Hs. von W. 

Nr. 47. 48: Budde, W. imd Bodmer aaO. S. 74. 76f. erklärt Bodmer für den Verfasser. 

Phil.-hht. Abh. 1921. Nr. 3. 2 



IQ S euffert: 

Einlag-e nach Nr. 48: a) Budde, ebenda S. 74 bezeichnet Bodmcr als Verfasser. 

b) ebenda S. 75, das Stück sei nicht von W. verfaßt. 

c) ebenda S. 8iff., Bodmer sei der Verfasser. 

d) s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. Budde, S. 84 ff., das Stück sei nicht von W. 

verfaßt. 

e) f) g) h) ebenda S. 86 ff. 90 f. gif. 86 ff., Bodmer sei der Verfasser. 
i) ebenda S. 92 f, W. sei nicht der Verfasser. 

Nr. 50: Schlußzeile ließ: Heiden statt Weisen. 

Nr. 51: Budde, W. und Bodmer aaO. S. 7 5 f., Bodmer sei allein der Verfasser. 

Nr. 53: ebenda S. 7 7 ff., Verfasser seien W. und Bodmer. 

Nr. 54: ebenda S. 67ff., die Vorrede sei von Bodmer verfaßt. 

Nr. 55: ebenda S. 72. 

Nr. 56: Nicht die Vorrede zur Synd-Flut 1751, wie Deutsche Litteraturdenkmale 7off. 
S. 412 Z. 13 ff. steht, sondern die 1753 hinzugekommene Neue Vorrede stammt von W. 

Nr. 58: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. Vgl. zu Nr. 97. 

Nr. 60: Budde, W. und Bodmer aaO. S. 79 ff. hält Bodmer für den Verfasser. Daß 
W. von dem in Hausenstocks Erdichtetem Brief angegriffenen Lehrer am Lüneburger 
Lyceum Chph. Stockhausen 1753/4 wirklich empfohlen wurde, ergibt sich aus der ge- 
naueren Kenntnis des Eintrags in Beckers Beiträge S. 251, die ich E. von Steinmeyer 
verdanke. Damit sind meine Fragen Euphorion 19,574 Anm. erledigt. 

Nr. 61: vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. S. 83 f. 

Nr. 63: vgl. ebenda S. 177 ff. 

Nr. 64: s. Nachtrag Prolegomena III S. 50. 

Nr. 68: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. 

Nr. 70: vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. S. 217. 

Nach Nr. 71: 71a(?). i 754 vor Pfingsten? Versuch einer Ode auf das Pfingst- 
Fest. Freymüthige Nachrichten 7. Herbstmonat 1757 St. 36 S. 285 f. Nach Budde, 
W. und Bodmer aaO. S. 97 'zweifellos von W.' und in das Jahr 1754 datiert. Ich ver- 
danke F. Homeyer eine Abschrift, die ich zur Beurteilung unterbreite. 

Versuch einer Ode auf das Pfingst-Fest. 

Sie, die den Heyland dort jenseits dem Grabe lebend Von jedem Munde gleich in jeder Sprache herrlich 

Auf dem errungnen Throne sahn, Ergießt in den gerührtem Sinne 

Entriß nicht mehr dem nun entwölkten Himmel Des Volks der Geist die nie empfundnen Triebe 
Ein allzuniedrer Wunsch; Mit siegender Gewalt; 

Sie sahen starr dem Glanz des neuen Lichts entgegen Er winkt noch Gnade zu, er will den Sünder segnen 

Und pi'iesen ihrer Hofnung voll Und ruft der Menschheit Frieden aus, 

Den grossen Tag, des nahen Heiles Feyer Noch öfnet er die unbekannten Schätze 
Schwellt ihr entzücktes Herz. Das Heil der jungem Welt; 

Gleichwie der Libanon bey tobenden Gewittern Er lehrt des Glaubens Grund des Mittlers grosse Sendung 

In seinen Gründen furchtbar bebt Die Wunden des Gesalbeten, 

Und Erd und Luft das schreckende Gebräuse Des Vaters Bund, des grossen Tags Verheissung 
Erschüttert wiederhohlt: Der Zukunft hohes Reich. 

So bebten sie, weil auf des Sturmes hohen Flügeln Die Menge höhlet froh die Symphonien wieder 

Der Geist des Herren niederfuhr, Die seines Gottes voll der Chor 

Und unaufhaltsam seiner Allmacht Schauer Der Seraphim dem Held dem Überwinder 
In Mark und Adern drang. Auf Tabor jauchzete. 

Ein wirbelnd Feuer blitzt mit sanft zertheilten Funken Und Juda hört erstaunt des Heiles neue Lehre 

Um den erstaunten Kreis herum, Wie dort um jenen Sinai 

Sein göttlich Licht umwindet jede Stirne Das gleich[e] Volk den Gott der in Gewittern 
Und glüht in jeder Brust; Gesetze donnerte: 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 



11 



Es hört, und wünscht bei'eits in Jesu Dienst zu leben 
Das Herz versinkt in wahrer Reu, 
Die Sünde wird mit ernstem Leyd verworfen 
Der Held siegt noch einmafal; 

Er, der der Hölle Macht, er, der den Tod bezwungen 
Der thut noch melir, er macht uns fromm; 
Er weckt uns von dem giausenvoUen Schlummer 
Zum neuen Leben auf; 

Und ich, den sein Geschick dem grossen Glück entzogen 

Mit diesem Auge dich zu sehn, 

Wie soll, o Gott, die ungeweyhte Zunge 

Ein Lied des Danks dir weyhn? 

Wie soll mein schwacher Mund die Göttertöne singen 
Und Himmelan vom Staube fliehn? 
O Herr! du hast mein junges Herz entflammet 
Entflamm auch meinen Geist; 

Tragt mich ihr Seraphim durch die gestirnten Wege, 
Laßt meine Sprache Musik seyn; 
Ihr Sphären ruft das Hallelujah wieder 
Und ihr, ihr Welten, weicht, 

Wei<;h von mir träger Reitz, der Held hat überwunden 
Mein. Lied erzählet den Triumf; 

Des Glaubens-Krafb schwingt mich beglückt zum Ziele 
Der kühnsten Hofnung auf. 

So hebt den Adler auch die königliche Seele 
Fern von der niedern Welt empor 
So wagt er külm auf nie geschwächten Schwingen 
Den grenzenlosen Flug. 



O! daß das ernste Feur das mein Gemüth durch wallet 
Und von mir weg den Erdball stößt 
In jeder Brust auf jeder Zunge mächtig 

Zum Rand der Himmeln stieg? 

In diesen Fernen herscht, noch jetzt begrenzte Wünsche ! 
Ein Keim von Göttlichkeit für mich, 
Dort werd ich einst vom nahen Licht der Engel 
Begeistert seyn, euch gleich 

Die sich aus einer Welt der hohe Gottmensch wählte 
Die Zeugen seiner Macht zu seyn; 
Dort werd' ich reif zu ungemeßner Grösse 
Was niedrig ist, ausziehn. 

Und jener Rose gleich dem Morgen mich enthüllen 
Der ihr von Sarons Grüften winkt; 
Dann flieg ich dort frey von der Erde Banden 
Der Empifäer Flug 

Wann Nacht und Finsterniß auf ewig von mir wähend 
Der Geist zu seinem Glanz mich führt; 
Dann will ich oft des Himmels hohe Sprache 
Dem Auferstandnen weyhn. 

Dann will ich oft entzückt von seinem Stuhl zum Strome 
Mit dem der Sphären schneller Lauf 
Harmonisch rauscht, erhabener den Helden singen. 
Den aller Geister Welt, 

Den aller Engel Chor, durch alle Ewigkeiten, 
Von Welt zu Welt, von Künftigkeit 
■ Zu Künftigkeit, nie satt an Lust erzählend 
In den Olympen feyrt. 



I 



W.s Art vermag ich in der Ode nicht zu finden, er dichtet erregter, schäumender. 
Es ist wenig wahrscheiidich, daß W., nachdem er Weihnachts- und Oster-Ode 'pindarisch', 
wie sein Vorbericht betont, gesungen hat, die Pfingstode in vierzeiliger Strophe, gleich 
der 1752 Nr. 36 für die Ode 'Klagen und Beruhigung', Werke akademische Ausgabe 1,453, 
verwendeten, spricht. Dazu kommt, daß W. am 24. Juiii 1756 an J. G. Zimmermann 
schreibt (Ausgewählte Briefe i, 193): 'Die Ode auf Pfingsten hat Herrn Breitinger und 
mich gerührt, frappirt, entzückt, erbaut.' Daß das Höflichkeitsurteil ein Werk Zimmer- 
manns betrifft, lehrt der Zusammehhang. Dazu kommt, daß Breitinger im April 1756 
Zimmermann belobt hatte, weil er sich in Oden versuchen, sich dazu durch fleißige 
Lesung des Horaz, der ihm die Leier stimmen solle, begeistern wolle (E. Bodemann, 
J. G. Zimmermann S. 190). Ich vermute daher Zimmermann als Verfasser der Ode; ihre 
erwägende gelassene Sachlichkeit scheint mir zu seiner Erdbebendichtung zu passen. 
Immerliin ist auch ein anderer Verfasser möglich ; denn die entschuldigende Vorbemerkung, 
die Zeitungen seien um den Abdruck gebeten worden, ist mir bei Zimmermann unerwartet, 
freilich bei seinem eiteln Bemühen um Dichterruhm nicht ausgeschlossen. Jedesfalls aber 
hatte der 1757 schon anerkannte W. keinen Anlaß zu solcher Bitte. 

Nr. 72: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 106. 

Vor Nr. 75: 74a. s. ebenda S. io6f. und Euphorien 19, 562 ff. 

Nr. 75: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 107. Arthur Hordorff, Untersuchungen zu 
Edward Grandisons Geschichte in Görlitz, Euphorion i8,68ff. 38iff. 634ff. i9,66ff. 
B. Seuffert, ebenda S. 57off. Budde, W. und Bodmer aaO. S. 103 ff. lehnt W.s Betei- 
ligupg ab, bekennt aber in der Vorrede: 'Die Kontroversen über p]dward Grandisons Ge- 
schichte in Görlitz scheinen auch durch diese Schrift noch keine Erledigung zu finden.' 

2* 



12 Seuffert: 

Nach Hordorff ist W.s 'Anteil weit größer als man dachte'. Man wird das Stück, meinem 
ursprünglichen Vorschlag gemäß, nachträglich aufnehmen müssen. 

Nr. 76: Budde, W. und Bodmer aaO. S. 93 f. lehnt W.s Verfasserschaft ab. 

Nr. 77: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 107. 

Nr. 78: Z. 4 lies: 121 statt 120; ebenso Prolegomena II S. 70 Stück 20. Der Vor- 
bericht erscheint 1758 zum ersten Male. Über Einzeldruck s. Prolegomena III S. 50. 

Nr. 79: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 107. 

Nr. 80: vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. S. 216. 

Nr. 81: vgl. ebenda S. 157 ff. (Die sterbende Rahel kann wegen der Erwähnung in 
den Freymüthigen Nachrichten 1753 St. 44 S. 349 durch Rowe, Geschichte Josephs an- 
regt sein.) 

Einlag-e Nr. 81: a) — d) Budde, W. und Bodmer aaO. S. 98 ff. weist W.s Verfa-sser- 
Schaft ab. d) halte auch ich für nicht Wielandisch. 

Nr. 82: vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. S. looff. : nicht von W. 

Nr. 84: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 107. 

Nr. 87: Budde, W. und Bodmer aaO. S. 95 f lehnt W.s Verfasserschaft ab. 

Nr. 89: vgl. ebenda S. 50 Amn.** 

Nr. 90: vgl. ebenda S. 96: Verfasser sei Bodmer. 

Nr. 91 : s. Nachtrag Prolegomena VI S. 108 unter: Nach Nr. 119. — Die Bemerkungen 
Prolegomenall S. 71 Stück 25 werden durch Nr. 153 ergänzt. — Stumme besitzt außerdem 
einen Druck: Empfindungen des Christen. Zweyte Auflage. Zürich, bei Orell und 
Comp. 1758, 2 BIl. + 204 SS., der nicht Sonderausgabe aus den Prosaischen Schriften 
Nr. 1 1 9 ist. Wohl diesen Druck besitzt UniversitätsbibUothek Königsberg i. Pr. 'an Gc 2 7 i 
(Gh)'. — Vgl. L.Wolf, E. Rowe aaO. S. 730". 

Nr. 92: vgl. L. Wolf, E. Rowe aaO. S. 76. , 

Nr. 93: nach Budde, W. und Bodmer aaO. S. 50** aus dem Frühjahr 1755. Vgl. 
Strich, Die Mythologie aaO. 1,76. 

Nr. 94: vgl. L. Wolf, E. Rowe aaO. S. 76f 

Nr. 96: Budde, W. und Bodmer aaO. S. 96 f. verneint W.s Verfasserschaft. Steinberger 
Euphorion 22,671. 

Nr. 97: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 107. Vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. 
S. i29ff. i79f 

Nach Nr. 100: 100a. 1756 vor August 18. Anzeige von Jonathan Swift, Sa- 
tyrische und ernsthafte Schriften. Erster Band. Hamburg und Leipzig 1756 in 
Freymüthige Nachrichten 18. August 1756 Nr. 33. Vgl. Euphorion 2 2, 671 ff. Julius Stein- 
bergers Zuweisung hat trotz dem der Anzeige voranstehenden Ort: Braunschweig große 
Wahrscheinlichkeit. 

Nr. 101: vgl. Budde, W. und Bodmer aaO. S. 132. 

Nr. 103: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. 1,18. 

Nach Nr. 103: 103a. Neuer Vorbericht zu Der Tod Adams s. Nachtrag Prole- 
gomena VI S. 107. Vgl. Muncker, Über einige Vorbilder für Klopstocks Dichtungen, 
Sitzungsberichte der bayr. Akademie der Wissenschaften, Phil. -bist. Klasse, München 1 908 
Abhdlg. 6 S. 33 ff. 

Nr. 104: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 108. — Vgl. Emilie Marx, W. und das 
Drama, Freie Forschungen zur deutschen Literaturgeschichte 3, Straßburg 19 14 S. 52ff. 

Nach Nr. 109: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 108: 109a. Theorie und Geschichte 
der Redkunst und Dichtkunst. Werke akademische Ausgabe 4, 303 ff. Vgl. W. Bock, 
Die ästhetischen Anschauungen W.s, Berlin 192 i S. 56 ff. 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 13 

109b. Einleitung in die Kenntniß der itzigen Staaten in Europa, Werke 
akadeinisclie Ausgabe 4,42ifF. 

Nr. 112: .s. Nachtrag Prolegomena VI S. io8. 

Nr. 115: ebenda. — Erich Schmidt erliielt von Max Hecker eine sehr sorgfältige 
Abschrift des i. Bogens der Nachrichten an die Leser der Bibliothek d. seh. 
W. u. fr. Künste, aus der ich die Abweichungen von meiner Lesung (Euphorion 14, 2 28ir.) 
hier beifüge: 

S. 228 Z. 4 meine über gcstr. meine (ich: meinen). Z. 13. 14 über gestr. Denn (ich: Die er). Z. 17 davon 
nicht gestr. S. 229 Z. 6 schiklicheren (ich: sihiklichern). Z. 17 dem aus den. Z. 24 hahn. Z. 26 gestr. rinei- 
(ich: einen). Z. 30 gestr. hiell\en\. S. 230 Z. 3 erörtert wtrden. Z. 6 gestr. poetischer (ich: poetisches). Z. 10 
unnötig danach gestr. Punkt, danach Doppcipunkt. Z. 11 Ich aus ich. Z. 27 verhafß. Z. 38 Hern, (ich: Hrn.). 
S. 231 Z. 7 hetceifjt. Z. 8 ihm aus ihn. Z. 12 hae (ich: hacc). 

Nr. 117: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 108. 

Nr. 121 : Die Hs. der Abschiedsrede kam beim Buchhändler Oskar Rauthe, Berlin- 
Friedenau, Verzeichnis 64 Nr. 951 zum Verkauf, wie Dr. Fritz Behrend, immer hilfreicli, 
feststellte. 

Nr. 122: Statt 1759 lies 1758 Augu.st 12 und 26, wie Hnr. Funck, Die Pyramide, 
Sonntagsbeilage des Karlsruher Tagblattes 4. März 191 7 Nr. 9 S. 36 richtigstellt. Weitere 
Beiträge W.s zu den Nützlichen Sammlungen fand Funck, nach gütiger Mitteilung, nicht. 
Ebensowenig Budde, W. und Bodmer aaO. S. 102. 

Nr. 123: vgl. E. Marx, W. und das Drama aaO. S. 68 ff. 

Nach Nr. 124: s. Nachtrag Prolegomena VI S. loS. 

Vor Nr. 134: 133a. Promemoria oOuJ., das die Beziehung der Syndikus- zur 
Kanzleiverwalterstelle in Biberacli a. Riß und W.s Vorbildung und Eignung dazu beliandelt. 
Das Schriftstück ist von W.s Hand geschrieben und enthält Korrekturen seiner Hand, 
so daß seine Verfasserschaft gewährleistet zu sein scheint. Verwaltungsaktuar und Archivar 
Eduard Springer, dem ich die Kenntnis verdanke, setzt es nach 10. September 1760 an 
und erkennt in der 2. Korrektorhand die des Bürgermeisters von Hillcrn. Vgl. E. Springer, 
C. M. Wieland als Kanzleiverwalter in Biberach, Württembergische Vierteljahrshefte fiir 
Landesgeschichte, Stuttgart 1913 N. F. XXII, 363 ff., wo noch andere Aktenstücke W.s 
mitgeteilt sind. 

133b. Ex Commissione Magistratus Evangelici verfaßte Beleuchtung der Scripta 
derer HH. Ricliter und großen Räthe. Sie behandelt den Fall Brechter 1761 (vgl. 
Ofterdinger, W.s Leben, Heilbronn 1877 S. iSoff.). Da eine Quittung W.s vom 23. Ok- 
tober [1761 j hierüber erliegt, so ist er als Verfasser anzusprechen. 

Nr. 134: vgl. E. Springer, W. als Kanzleiverwalter aaO. S. 366 ff. 

Nach Nr. 134: 134a. 1762 April 14. Einbegleitung zur Actenmäßigen Erzählung 
gibt eine Beschwerungsschrift W.s; vgl. Springer aaO. S. 39off. 

Nr. 137: Die Diclitungen und Briefe W.s für Stadion suche ich bisher vergebens. 
Landgerichtsrat A. Breucha in Ehingen a. d. Donau, der sich mit Stadionforschung be- 
faßt, bestätigte eine früher von Reinhold Schelle in Biberach a. Riß erhaltene Nachricht, 
daß in Oberstadion VVielandiana nicht vorhanden sind, und verwies an die Zentraldirek- 
tion der gräflich Stadionschen Güter in Kauth in Böhmen. Der Vorstand des Wieland- 
Mu.seums, R. Schelle, hat sich auf meine Bitte dahin gewendet und verneinenden Bescheid 
erhalten. Kollege Heinrich R. v. Srbik erkundete, daß unter den Vorarbeiten zur Fort- 
setzung der Wiener 'iVrchivalien zur neueren Geschichte Österreichs' sich noch keine Auf- 
nahme des Archivs in Kauth befindet, hat mir auch die Adresse des jetzigen Besitzers, 
des Grafen Zdenko Schönborn, verschafft, der auf meine Anfrage zu antworten nicht 
beliebte. 



J4 Seuffert : 

Nr. 138 : Dr. Irene Wunderlicli, Besondere Beilage des Staats-Anzeigers fiir Württemberg, 
I.August 1919 Nr. 7 S. 145 ff., luit den' Drucker des Don Sylvio, Clin. Ulrich Wagner, . 
festgestellt und aus dem "Verzeichniss von neuen Büchern . . . welche in der Ostcrmesse 
1 764 erschienen und . . . verkauft werden bey Albrecht Friedrich Bartholomäi' außer 
dem Sieg der Natur usw. auch gefunden: 'Geschichte des Prinzen Biribinker, eine der 
schönsten Feenhistorien in den Abentheuern des Don Silvio, a.Theil'; danach ist Anm. i 
zu Nr. 153 zu ergänzen und doch W.s Anteil an dem Teildruck zu erwägen. — Vgl. 
T.W. Berger, Don Quichotte in Deutschland und sein Einfluß auf den deutschen Roman, 
Diss. Heidelberg 1908. Max Hellm. Neumann, Cervantes in Deutschland, Die neueren 
Sprachen 25, 156. W. Kurrelmeyer, Gil Blas and Don Sylvio, Modern Language Notes 
19 19 34, 78 ff. Derselbe, The sources of W.s Don Sylvio, Modern Philology 19 19 
16, 141 ff. — Louis Lubovius, Sprachgebrauch und Sprachschöpfung in W.s prosaischen 
Hauptwerken, nämlich : Don Sylvio di Rosalva, Agathon, Der goldne Spiegel, Geschichte 
des weisen Danischmend, Geschichte der Abderiten, Peregrinus Proteus, Aristipp. Diss. 
Freiburg i. B. 1901. Strich, Die Mythologie aaO. 1,75. 90ff. 

Nach Nr. 138: 138a. [1763.] Pro notitia die über die Canzley Verwalters -Wahl 
in der Kayserlichen Frcyen Reichs-Stadt Biberach zwischen beyderley Raths-Tli eilen lier- 
vorgebrochene Weiterungen betreffend. Frakturdruck 4 SS. fol. oJ. Exemplar im Wie- 
land-Muscum in Biberach a. R. Knappe übersichtliche Vorstellung der Streitlage, worin 
die kaiserliche Majestät um allerhuldreichste Handhabung der Paritäts-Gerechtsame und 
'AUergnädigste Erkenntniß' angefleht wird. Vgl. Springer, W'. als Kanzleiverwalter aaO. 
S. 404. Sie dürfte die 12. August 1762 für das etwaige Scheitern der Verhandlungen 
der Senatsteile beschlossene 'Supplique' an den Reichshofrat sein, deren Abfassung W. 
aufgetragen wurde: Springer aaO. S.402. Der Stil schwankt zwischen Akten- und Lite- 
raturdeutsch und scheint mir darin W.s Feder zu vorraten. 

138b. 1 763 November 3 i . Amtsschreiben an den Reichshofrat Baron von Senckcn- 
berg in Wien; vgl. Springer aaO. S. 405 ff. 

138e. 1764 April 2. Schreiben an den evangelischen Magistrat Biberach; s. Springer 
aaO. S. 408 ff. 

Nr. 140: vgl. Hans Wahl, Geschichte des Teutschen Merkur, Palästra CXXVII S. 57 
Anm. I, wonach vielleicht der Name in 'Febronius' zu verbessern ist. 

Nr. 141: vgl. Jos. Brock, Hygin in der deutschen Literatur, München 191 3 S. 79ff. 
Lydia Marinig, Der Einfluß von Ariosts Orlando Furioso auf W., Studi di Filologia Mo- 
dema 1912 5, i7f 2off. Strich, Die Mythologie aaO. S. 83. 214. 

Nr. 142: Z. 3 vu. lies: Herdin statt Herslin. Nr. 142. 146 vgl. W. Kurrelmeyer, 
Nachtrag zur W.-Bibhographie, Modern Language Notes 1918 33, 282 ff. Otto Freise, 
Die drei Fas.sungen von W.s Agathon, Göttingen 1910. Paul Groschwald, Das Bild des 
klassischen Altertums in W.s Agathon, Diss. Gießen, Leipzig 19 14. Sprachliche Bemer- 
kungen zu W.s Agathon, Sanders' Zeitschrift für die deutsche Sj^rache 2, 300. Lubovius, 
Sprachgebrauch und Sprachschöpfurig 4ia0. Strich, Die Mythologie aaO. i, 86. 95 ff. — 
Böttiger hat in dem handschriftlich erhaltenen Teil seiner Aufzeichnungen (Landes- 
Bibliothek Dresden) über ein Gespräch mit Adelung niedergeschrieben: 'In der Sclirift 
über den deutschen Styl habe Adelung im Kapitel von der Periode das Beispiel einer 
ungeheuer langen und kauderwelschen Periode aus W.s Königen von Scheschian ge- 
nommen, doch ohne den Verfasser zu nennen. Der Rezensent in der Allgemeinen Li- 
teratur-Zeitung, zu deren Unternehmern W. gehöre und die daher W. überall Weihrauch 
streuen müsse, habe dies nicht geahndet und habe gleichfalls diese Periode als Muster 
des Konfusen und Undeutschen ausgezogen, worüber sich W. ohne Zweifel wenig erbaut 



Prolpgomrna zu einer Wieland- Ausgabe. VII. 15 

gefunden habe.' Das Gespräch bezieht sich auf Jhn. Cliph. Adelung, über den Deutschen 
Styl I.Band, Berlin 1785 S. 26if. (ich zitiere nach der allein mir zugänglichen Neuen 
Auflage von 1787, wo die Stelle sich auf den gleichen Seiten wie in der ersten findet): 
gehäufte untergeordnete Sätze verdienten nicht den Namen einer wahren Periode, machten 
in einem jeden Stile, der auf einige Grade der Schönheit Anspruch machen wolle, alle- 
mal eine schlechte Figur; 'Zum Beyspiel diene eine einzige Periode eines angesehenen 
Schriftstellers, der aber seinen Ruhm gewiß nicht seinem prosaischen Style zu danken 
hat. Die Periode ist ungewöhnlich lang, und dabey sehr unordentlich angelegt, daher 
ich sie abkürze, indem es mir bloß um den Schluß derselben zu thun ist, welcher wegen 
der vielen Schachteln sehr verworren und unangenehm wird.' Und nun folgt das ge- 
kürzte Zitat: 'Diese Überredungskraft' bis 'durch andere spielen ließ', das aber nicht aus 
dem Goldenen Spiegel stammt, wie Adelungs oder Böttigers Gedächtnis irrig annahm, 
sondern aus dem Agathon Buch 3 Kapitel 4, 1766 i, 108. 109. Dazu sagt der Rezen- 
sent in der AUg. Literatur-Zeitung 1785 I Nr. 181 S. 135: 'S. 261/2 kommt eine überaus 
schleppende prosaische Periode von einem unserer besten Dichter vor, dessen Namen 
Hr. Adelung verschweigt. Wir haben nie begreifTen können, weder, wie ein guter Dichter 
eine solche Periode machen, noch, wie ein Schriftsteller, der fähig war sie zu machen, 
ein guter Dichter seyn konnte.' Der Rezensent hat offensichtlich W. erkannt, denn er 
macht aus Adelungs 'angesehenem Schriftsteller' 'einen unserer besten Dichter'. Ade- 
lungs Annahme, W. werde sich ohne Zweifel Ober diese Zustimmung wenig erbaut ge- 
funden haben, wird dadurch widerlegt, daß W. den getadelten Satz unverändert bei- 
behielt {1773 I, 194 — 196 und 1794 C' I, 171. 172); er wollte wohl Hippias in läs- 
sigem Zwiegesprächston reden lassen, um allzu lehrhafte Vortragsform zu meiden, sonst 
hätte er bei den Umarbeitungen wie an andern Stellen aus eigenem Bedürfnis umgebaut, 
auch ohne A'or der letzten Ausgestaltung dadurch aufmerksam zu werden, daß Adelung 
ihn an den Pranger gestellt und der Rezensent böseren Hohn dazu gesprochen hatte. 
Übersehen hat W. die Angriffe kaum, trotzige Mißachtung entspricht nicht seinem Wesen, 
obgleich er allerdings mit Adelung in Fehde lag und von der Literatur-Zeitung sich zu- 
rückgezogen hatte (s. Prolegomena Nr. 752. 778. 838). — Von der Schonung W.s, die 
Adelung voraussetzt, ist an diesem Platze der AUg. Literatur-Zeitung keine Spur zu 
finden. 

Nr. 145: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 109. 

Nach Nr. 146: 1767 Dezember 7. Resolutum Inclyti Magistrat[us] Evangelici, 
von W.s Hand, im Wieland-Museum in Biberach a. Riß. Dem Senator v. Hillern wird 
bei seinem Rücktritt vom Direktorium des Komödienwesens evangelischen Teils — W. hat 
es nach ihm übernommen — gedankt, die Kasse der Gesellschaft geordnet und der evan- 
gelischen Schausj)ielergesellschaft ein Expektanzdekret zugestellt, vermöge dessen selbige 
pro künftige H.Weihnachten 1768 und fürohin zu ewigen Zeiten als Reichsstadtbibe- 
racher Meister-Sänger p]vangclischen Anthells erklärt werden. Mitteihmg Reinhold Schelles. 
— Ich erwähne das Protokoll wegen seines Inhaltes, in die Ausgabe der Werke gehört 
es nicht. 

Nr. 147: vgl. L. Marinig, Der Einfluß von Ariosts Orlando Furioso auf W. aaO. 
1912. 191 3 Jhrgg. 5 und 6. Hans Tribolet, W.s Verhältnis zu Ariost und Tasso, Sprache 
und Dichtung Ilft. 22, Bern 1919. Strich, Die Mythologie aaO. i, 93. 

Nr. 149: vgl. Kurrelmeyer, Nachtrag zur W.-Bibliographie aaO. 33, 284 f. 

Nr. 151 : vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke in ihrer Bedeutung für die Textge- 
schichte von W.s Werken. Abhandlungen der Kgl. Preuß. Akad. d. Wiss., Berlin 19 13, 
Einzelausgabe S. 9, 



] 6 S E U I F E R T : 

Nr. 152: vgl. ebenda S. 9. 

Nr. 153: Anm. i: s. oben zu Nr. 138. 

Nr. 154: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. gf. 

Nr. 155: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, 212. 

Nr. 158: vgl. Kurrelmeyer, Nachtrag zur W.-Bibliographie aaO. s^,, 2 84 f. 

Einlag-e nach Nr. 161: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 109. 

Nr. 162: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 10 f. 

Kurrelmeyer unterscheidet unter 10 ihm vorliegenden Exemplaren viererlei Drucke des 
Sokrates mainomenos Leipzig 1770; von diesen gehören 7 zu einer Art E% die er als 
Originaldruck anspricht, weil sie den korrektesten Text bietet; die übrigen ordnet er in zeit- 
licher Folge auf drei Stufen E^E'E'^. Mir liegen 14 Drucke vor, davon drei E" sind (National- 
bibliothek Wien 5933 A; Universitätsbibl. München P. germ. 504; Privatbesitz des Dr. Hans 
Pichler, Graz); fünf E^ (Universitätsbibl. Wien I 85231 ; Universitätsbibl. Graz I 29390; 
zwei in Privatbesitz des Dr. Karl Polheim, Graz, einer in meiner Hand); vier £" (Steicr- 
märkische Landesbibl. Graz I 80213; Bibliothek des Seminars f. deutsche Philologie in 
Graz 951; je einer im Besitz Polheim und Seufiert); ein i'"' (Besitz Polheim); einer (in 
meiner Hand) bildet eine neue Art E"". Außerdem habe ich in Kennzeichen erbetene Nach- 
richten erhalten über 10 ^'MStaafsbibl. Berlin Yv 5661 mit Kupfern; 'an Zd 166' ohne 
Kupfer; Universitätsbibl. Gießen E 32320; dgl. Jena A. 1. XIVo 157; dgl. Kiel i. 2n8 
ohne und mit Kupfern; dgl. Königsberg i. Pr. Pb 542; dgl. Leipzig Lit. germ. 675''; dgl. 
Prag 12 F. 126; dgl. Würzburg L. g. 0. 165); über 3 E^ (Staatsbibl. Berlin 'an Yr 2991'; 
Hofbibl. Darmstadt E 3591/100; Universitätsbibl. Marburg i. H. XVI C 6518); über 2 E" 
(Universitätsbibl. Göttingen 8° Fab. Rom. VI 4026: Privatbesitz von August Sauer, Prag); 
über 4 E'^ (Universitätsbibl. Berlin Yq 37000: dgl. Gießen E 32321; dgl. Jena A. 1. XIVo 
992; Friedrich Meyer, Leipzig, Autiquar.-Kat. 156 Nr. 653 [1920]). Im ganzen sind 
also, mit den Kurrelmeyerschen, 43. Drucke bestimmt, darunter 20 £"", Avodurch Kurrel- 
meyers Aufstellung, dies sei der am meisten verbreitete Druck, bestätigt wird; 9 E^; 7 E*; 
6 E^ und der Kurrelmeyer unbekannte £'", der nur einmal' unterkam; gerade deswegen 
können noch weitere Arten bekannt werden. Auffällig ist, daß unter den in Österreich 
gefundenen Exemplaren bisher nur 2 E^ sich finden und eines in Prag; W.s Schriften 
kommen hier langsamer in Aufnahme. Zu beachten ist ein mir vorliegendes Mischexemplar 
der Universitätsbibliothek Wien, das zur Gruppe E^ gehört, aber den Bogen K aus E'' hat. 
Solcher Mischexemplare kann es mehr geben, wodurch nötig wird, auf jedem Bogen Kenn- 
zeichen der Gruppen zu prüfen. 

Kurrelmeyers Beweisführung, E^ sei der älteste Druck, wird dadurch gestützt, daß 
das Exemplar der Münchener Universitätsbibliothek ein Widmungsexemplar W.s ist; von 
dessen Hand steht unten auf das Titelblatt geschrieben : 'ä Madame de Hillern | de Gouter- 
mann par |'; der Rand rechts und unten ist beim Binden weggeschnitten, in der i. Zeile 
stand wohl noch: nee, in der 2. und darunter W.s Name oder lauteur; die Beschenkte 
ist Cateau von Hillern, die Schwester der Sophie La Roche; zu Cateau hatte W. bekannt 

' Nachtrag April 1921. K. Polheim hat mir noch zwei Exemplare des Sokrates nachgewiesen: in der 
Landesbibliothek Weimar W2: 15 und in der Bibliothek des Erzherzogs Friedrich in der Albertina in Wien. 
Nach 1 3 Stichproben, die ich den Bibliothekslcitern zur Prüfung vorlegte, stimmen beide zu E^. Das Weimarer 
Exemplar stnmmt nach W. Deetjens freundlicher Beschreibung aus dem Besitze der Anna Amalia, denn ihr 
Namenszug ist auf den P^inbanddeckel in Gold geprägt; es ging als ihr Geschenk 1805 in die Bibliothek über. 
Wann die Fürstin es erworben oder vom Verfasser erhalten hat, ist unbekannt; W. tritt im November 177 1 
mit ihr in Berührung, siedelt September 1772 nach Weimar über (Vierteljahrschiift für Litteraturgeschichte i, 
343.402). In dieser Zeit wird die Herzogin zu W.s neueren Werken gegriffen haben; darnach läßt sich die 
Herstellungszeit des E^ mutmaßen. 



Prolpgnmena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. ] 7 

enge Beziehungen gehabt. Forner beweist der Nachdruck Biel, Heihnann 1772 (Universi- 
tiitsbibl. Bonn Fa 729), der ^^ folgt, daß dieses vor 1772 ausgegeben worden ist, also 
gewiß kein später Doppeldruck ist. 

Die Stellung von E" zu erschließen, reichen Kurrelmeyers Merkmale begreiflicher- 
weise nicht aus, da sie für die vier ihni bekannten Gruppen ausgewählt sind. PCs ist 
nicht immer zulässig, das Korrektere für das Ältere zu halten; auch ist sachliche Richtig- 
keit zuweilen verschieden zu beurteilen und starre Durchfuhrung einheitlicher Sprachformen 
ist meistens mehr Neigung jüngerer Setzer als des Verfassers. Es erai)fiehlt sich, wie 
auch Kurrelmeyer mit der Beobachtung der Kopfleisten getan hat, das Äußerlichste und 
Mechanische vor den Lesarten zu prüfen. 

Das Papier der Drucke mit und ohne Kupfer — die letzteren sind nur mit i Kupfer- 
vignette auf dem Titel geziert — ist zu unterscheiden, i . Kupferexemplare. £■* hat Wasser- 
zeichen: Knabe auf Kugel, Reif, darüber Krone; Inschrift: Fortuna Spe usw. Bogen S ff. 
des Münchener und Bogen Rff. des Pichlerschen Exemplars haben ein anderes: König mit 
Harfe, und auf anderem Blatte: Posthorn in Wappenschild. Das Papier mit Knaben -Wasser- 
zeichen hat der Verleger des Sokrates, Weidmann, auch für Zimmermanns Einsamkeit 1773 
benutzt. J?*"" haben als Wasserzeichen: Roß mit Reiter und Schrift: P. W. de VYFDE; 
auf manchen Bogen steigt das Roß höher. So auch in meinem Exemplar der Musarion 
1769 (Kurrelmeyer E'*") und drei mir vorliegenden Kupferexemplaren des Agathon 1773 
(Kurrelmeyer £''*'). E^ mit Kupfern lag mir nicht vor. 2. Exemplare ohne Kupfer außer 
der Titelvignette. E* sah ich nicht. E^ hat Krone und Posthorn als Wasserzeichen. E" 
nackten Mann mit Schlange; von Bogen P an Einhorn und Posthorn. Das letztere Wasser- 
zeichen ist auch für Agathon 1773 ohne Kupfer (Kurrelmeyers E"') verwendet, aber Bogen 
mit Krone und Posthorn sind beigemischt. Einhorn allein liaben die Bogen des Goldenen 
Spiegels 1772 mit Kupfern (Kurrelmeyers E') und die der Grazien i 770 mit Kupfern (Kurrel- 
meyers E'). E"^ hat Wasserzeichen: Krone und Po.sthorn, ähnlich wie E^'. 

Darnach steht unter den eingesehenen 14 Exemplaren /i" allein, A'"'" mit Kupfern bilden 
eine Gruppe, E' ohne Kupfer steht allein, E*^ ohne Kupfer stehen sich nahe. Es ist im 
Hinblick auf die andern Drucke desselben Verlags nicht möglich, aus dem Papiervorrat 
oder dem Papierbezug aus verschiedenen Fabriken zeitliche Abstände festzulegen. Aber 
im Zusammenhang mit anderen Merkmalen können die Wa.sserzeichen Gewicht gewinnen. 

Kupfer. Da Kurrelmeyer keine E^" mit Kupfern vorlagen, konnte er den Bilder- 
schmuck niclit erschöpfend prüfen. Prolegomena VI S. 87 gab ich Kupfertitel, 3 Kupfer- 
blätter, 9 Vignetten an. Von Kurrelmeyers 7 Jlxemplaren £'" sind nur 2 mit Kupfern ge- 
ziert, sein E'^hüt alle neu gestochen, 2 Vignetten verändert. Ich habe von Ü'^'nur Exemplare 
mit Kupfern einsehen können, von £"'' nur eines ohne Kupfer außer der Titelvignette, von 
E*' zwei, von E" je eines mit Kupfern. Titelvignetten haben alle eingesehenen Exemplare; 
an den Stellen, wo die Blattkupfer einzudrucken waren, finden sich zumeist leere Blätter, 
das heißt, der Satz wurde für Kupfer gesetzt, nicht von vornherein für geringere, billigere 
Ausgaben eigens eingerichtet. 

Die Kupferblätter sind in allen Drucken von denselben Platten abgezogen. Drei der 
Vignetten aber sind nicht gleich ausgeführt. 

Bei der Titelvignette unterscheidet sich die Darstellung desselben Vorwurfs — Baum, 
darunter Nest mit Vogel — dreifach. A"" ist kräftiger, gedrungener gezeichnet, der Stamm 
nach links gebogen, zweiästig, der Vogelkopf lang nach vorne gestreckt. />'""' ist leichter, 
aufgelöster gezeichnet, der Stamm, ebenfalls nach links gebogen, einästig, der Vogelkopf 
gehoben, so daß jetzt eine Taube zu erkennen ist. A'*" hat dieselbe Darstellung, aber nach 
rechts, die Ausfuhrung ist hart und plump. 

Phil.-hist. Abh. 1921. Nr. 3. 3 



Ig S i: V V r E R T : 

Die Vignetten S. 147 liaben den gleichen Gegenstand: die schöne Frau, die ihr nasses 
Oberkleid gegen die Sonne ausgebreitet und sieh hinter dem Gesträuclie entkleidet hat, 
S. 124 des Textes; sie sitzt auf dem Rasen, das von einem Baum herabhangende Oberkleid 
verdeckt nur wenig ihrer nackten Figur, mit der rechten Hand hält sie das Kleid und 
schaut daneben hervor. So weit ist die Darstellung gleich. Aber in £"" sitzt die Figur 
vom Beschauer aus nach links gerichtet, das linke Bein ist ganz sichtbar, nach links ge- 
streckt, das rechte ist darunter eingeschlagen, beide unbedeckt; in E'""' ist der Unterkörper 
nach rechts gerichtet, beide Beine sind vom Kleid bedeckt, nur ist vom rechten nach rechts 
gestreckten ein Stück Oberschenkel und der Fuß, vom linken dahinter aufgestellten ein Stück 
Unterschenkel sichtbar. Auch der Baum ist verschieden: in A'" ist der Stamm vom Kleid 
verdeckt, links ragt ein dicker abgesägter Hauptast, rechts ein fast kahler dürrer Ast her- 
vor; das paßt zum Text S. 132 'die Kleider der Dame an einem dürren Aste gegen die 
Sonne hangen'; dahinter großes Gebüsche, entsprechend dem Text S. i 24 und 132; £'*'" 
lassen rechts neben dem Kleid den Stamm sehen, aus dem rechts und links belaubte dünne 
Äste sprießen, der Busch ist kleiner. Entsprechend diesen Veränderungen ist auch die 
Faltung des Gewandes imd der Rasen ungleich. 

S. 227 endlich stimmen die Vignetten überein, nur fehlen auf der Platte £* die an 
den Rändern des Bodenstückes herausragenden Grasbüschel (Schnörkel). 

Da die Vignetten nicht zugleich mit dem Text, Avahrscheinlich erst nach dem Abzug 
der Bogen eingedruckt sind, wie sich daraus ergibt, daß Kustos und Bogenzäliler wieder- 
holt innerhalb der Kupferplattenvertiefung stehen, könnte man den Wert der Vignetten 
für die Bestimmung der Drucke gering einschätzen. Es ist aber doch aus der Verschiedenheit 
auf zeitliches Zusammengehören der gleichen Ausführungen zu schließen. E" sind drei 
Vignetten allein eigen, von denen eine genauer zum Text paßt, was Kurrelmeyers Kenn- 
zeichnung dieses Druckes als des ältesten entspricht, von denen die zwei anderen schlichter 
sind, eine Zeitfolge nicht bestimmen lassen. Oesers Vignetten zu dem fast gleichzeitigen 
Graziendruck Weidmanns sind in dem mir vorliegenden Exemplare in der ruhigen um- 
rissenen Art von i''' gehalten. Die leichteren Randverzierungen £''" zur Vignette S. 227 
können neu zur alten Platte hinzugestochen sein, wozu bei anderen auch die Möglich- 
keit gewesen wäre. Geschehen ist es nur noch bei den zwei ganz neu gestochenen 
zum Titel und zu S- 147; da sind auch die Bäume wie das Stück Rasenboden leichter, 
zierlicher umrissen, was selbst noch bei dem harten Gegenbild des Titels E^ ersicht- 
lich wird. Es zeigen also die drei abweichenden Vignetten einen etwas anderen Ge- 
schmack des Stechers; ob Oeser oder Geiser daran beteiligt ist, ist mir unbeweisbar; 
E"^ fügt seiner Titelvignette die Signierung G. F. = Geiser fecit bei. Es steht also wieder 
wie bei den Wasserzeichen der Kupferexemplare E^ allein, und E^"" bilden wieder eine 
Gruppe. Soll ich nach dem einen mir vorliegenden Kupferexemplar E" urteilen, so sind 
dessen Platten abgenutzter als die für £''"' verwendeten; aber 'die zufällige Schwärzung 
und das Papier können dort einen Teil der nur mit Lupe noch erkennbaren Striche haben 
verschwinden machen. 

So ist auch bei der Titelvignette in E"" an der Taube die horizontale Schattierung 
sichtbar, weniger in E^ ohne Kupfer, kaum in E^" mit Kupfern ; und entsprechend ordnen 
sich die Vignetten S. 147: die lichtere Falte des links hängenden Gewandzipfels ist, sicher 
ursprünglich, durch Längsstriche und mit Rautengegitter geschattet; E"" zeigt das deutlich; 
in E^ ist die Längsstreifung schadhaft unterbrochen, in E" fast ganz verschwunden ; und 
hier sind auch von der Diagonalstreifung Teile der von links oben nach rechts unten 
laufenden Striche ausgebliel)en, überdies andere Stellen lichter, obwohl die Schwärzung 
im ganzen tiefer ist. Darf man die Unterschiede als nicht zufällige Formen der Abdrucke 



I 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 19 

in den mir vorliegenden Exemplaren bewerten, sondern daraus auf verschiedene Abnutzung 
der Platten schließen, so würde sich die Zeitfolge E^E^E" ergeben. 

Als auffälligstes Kennzeichen hat Kurrelmeyer die Kopfleisten verwendet (wobei 
in seiner Angabe zu E^ S. 25 — 48 die kopfleistenfreie Seite 37 auszuschalten ist). Die 
Kopfleisten in dem ihm unbekannten E'' sind anders als in allen seinen Exemplaren gefügt, 
nämlich: beide Hälften symmetrisch nach rechts und links durchaus außer: .beide Hälften 
nach rechts S. 228, 266, 296; beide Hälften symmetrisch nach innen verkehrt S. 131, 149; 
damit rückt der Druck an Setzersorgfalt nahe zu E''. Daß dies aber fiir die Originalität 
nichts beweist, lehrt E'^, das in den Kopfleisten ganz einheitlich hergestellt, aus andern 
Gründen aber zweifellos später Nebendruck ist. Zudem ist der Setzer von E^ unacht- 
samer als alle andern in der Seitenzählung: 81 statt 18; iii fehlt; 220 die o weit 
abgerückt; 234 statt 237; 205 stritt 250, während Kurrelmeyer nur eine Irrung in E" 
anmerkt, was zu meinen Exemplaren stimmt. Auch im Kustos ist E" nachlässig, z. B. 
S. 165 Ja statt — Ja^ \ S. 195 si/m statt sym- | S. 223 hin statt hin-. 

Zeilenbrechung. /J"' steht allein mit dem Zeilenschluß: 

S. 52 Z. 3 vu ei- (Z. 2 vu ntn)] Z. 3 vu einen E^'^'^'^ und mit dem Zeilenbeginn S. 256 Z. i ihr anilern] 
il'^n E^^^. S. 255 Z. I vu schließt überall ihr an- und Kustos dem: 7J» wiederholte falsch auf der nächsten 
.Seite; das veranlaßte weitere Verschiebungen S. 256 Z. i Schluß: sol/en £»] gollen mch £bcdx_ 2_ 2 Beginn: 
'uch gexciß E^\ gewiß E^"^^. Sonst gehen A'"''" miteinander gegen A"«^'', und zwar: Bogen A: S. 10 Z. 5 vu 
darü- £«•>»] dar- E"^. Bogen B: S. 22 Z. 7 Noch/olyer des £»'"'] Nachfolger E<^'^. Dann kommen Zeilen Ver- 
änderungen erst wieder von Bogen N an vor: S. 191 Z. 10. 4 vu. 192, 3. 194, 3. 9. 195, 2.6 vu. 5 vu. 198, 3 vu. 
200,1. 202, 3 vu. 203,7. 206,2.3.4.5.6.7. Bogen O: 207, 4 vu. 3 vu. 208,8. 210,8. 212,6. 213,6. 216,2. 
218,8.9.10. 220,12. Bogen K: 252, 3VU. »53, 6 vu. 2 vu. 255,8.11.12.13. 256, 2 vu. 257, 10. 5 vu. 4 vu. 
259, 7. 8. 261, I. 2. 3. 4. 5. 8 \ u. 265, 5 vu. 

Man nimmt an der Übersicht wahr, daß wohl Setzer mit verschiedenem Wortteilungs- 
geschmack am Satze bcscliäftigt waren. Es wird nicht durchaus zur gleichmäßigeren 
Verteilung der Buchstabenzahl auf die Zeile verändert. Gleich der erste erwähnte Fall 
52, 3 vu lehrt, daß die Trennung 'ei-nen' als solche beseitigt werden sollte; denn in 7i'' 
war der Text besser verteilt: 33 und 34 Buchstaben in der Zeile, während die übrigen 
Drucke 36 und 3 1 zählen. 

Auf diesem Bogen I) findet sich nur mehr eine 'einem'-Trennung 50,8 vu, die bei 
völlig gleicher Buchstabenzahl der Zeilen bleibt; auf Bogen C, D, G, H, M, S wird 'eine', 
"einer' usf. je einmal, auf Bogen A, B, E, P je zweimal. Bogen F fünfmal. Bogen J sechs- 
mal, auf den übrigen acht Bogen nie getrennt, obwohl die Wörter 3 5 mal im Zeilen- 
.schluß stehen. An den Zeilenschlüssen aller 20 Bogen sind sie 89 mal ungetrennt vor- 
handen, es überwiegt also die Abneigung gegen die nur 25 mal eingetretene Trennung, 
weim auch die Bogen verschiedene Setzerübung zeigen. Dazu kommen noch : 1 5 'mei-ne', 
3 'dei-ne', 6 'sei-ne', 2 'kei-ne', 4 'ei-gen', i 'mei-rtige', i 'ei-gentliche\ Die Beobachtungen 
lehren, daß die Annahme höchst unwahi-scheinlich ist, ein Setzer habe aus der Druck- 
vorlage 'eine' zu 'ei-ne' geteilt; nur das Umgekehrte ist üblich, d. h. also £"" ist älter 
als die anderen Drucke. Die Entwicklung der Setzerkunst geht überhaupt auf Verminderung 
der Worttrennungen, wie Bogen N und besonders deutlich zeigen, auf denen 16 Tren- 
nungen an Zeilenschlüssen von />'"'"' in A'"' beseitigt und nur 3 neue eingeführt werden. 

Durch Zeilenbrechungen ordnen sich die fünferlei Drucke in zwei Gruppen: £*'"' 
und E"\ 

Siehe z. B. S. 10 Z. 5 vu. 22, 7. 191, 10. 4 vu. 192, 3. 194, 3. 9. 195, 2. 6 vu. 5 vu. 198, 3 vu. 200, i. 

202. 3 vu. 203,7. 206,2 — 7. 207, 4 vu. 3 vu. 208,8. 210,8. 212,6. 213,6. 216,2. 218,8 — 10. 220,12. 
252, 3 vu. 253, 6va. 2VU. 255,8.11—13. 256. 2 vu. 257, 10. 5 vu. 4 vu. 259,7.8. 261,1—5.8. 265, 5 vu. 
Zum Teil bandelt es sich um Verengerung oder Dehnung des zu weiten oder zu gepreßten Satzes, wiederholt 
um die Beseitigung bedenklicher Teilungen: z.B. 191, 10 und 198, 3 vu op-fern, geop-fert; 200,1 inte-ressant; 

207.4 vu Affe cten; 255, 11 Kepu-blik; 257, 10 Gy-mnosophiste. Dann um die Vermeidung unschöner Einzel- 



20 Seuffert: 

Silben: z.B. lo, 5 vu daiü-ber; 191, 4 vu die-sen; 192, 3 an-ders; 194,3 er-weckt; 194,9 aufgedunse-nes; 
195, 6 vu be-stcns; 203,7 eii-rc; 206, 2 wer-de; 208, 8oh-ne; 210, 8 je-dcr; 212,6 re-den; 213,6 un-tersuch'; 
218, 8 ohne-liin; 218, 10 an-fangen; 256, 2 vu wer-de; 259, 7 gewis-sen; 261, 8 vu be-haltet. Außerdem scheint 
der Setzer manchmal Gefühl für Sprechtakte gehabt zu haben; denn er vereinigt in einer Zeile z.B. 
22,7.8 des I Sokratischen Antisthenes ; 216,2.3 die | Sache; 252,3. 2 vu die I künftigen Einwohner; 
255, 8. 9 zu I gebrauchen; 255, 13. 14 um | sie; 257, 4. 3 vu zu | wissen; 259, 8. 9 im | Schlaf: 261, 1. 2 nicht | 
verständlich; 261,5. 6 in | erkünstelten Thränen. 

In der Gesamtheit der Fälle erscheinen die Setzer von E"'' oder einer der daran 
arbeitenden — denn derselbe Setzer würde kaum 207, 4 vu 'Af-fecten' setzen, um 'Affe-cten' 
zu beseitigen, aber 114, 7 vu 'Affe-ctation', 138, 12 'Distin-ctionen' stehen lassen — sorg- 
faltiger, geschmackvoller geschult als die von E"^"", wenn er — oder sein Mitarbeiter — 
auch an wenigen Stellen 202,3 ^u; 207,3 ^u; 218,9; 255,12 andere Einzelsilben neu 
abtrennt. Es dünkt mich wenig wahrscheinlich, daß ein Setzer von den 5 1 eigenen 
Zeilenschlüssen in E"^ zu der Wortteilung in £'"'"' abwich, so daß also E"^ als das jüngere 
Paar erscheint. Ob E" oder E"^ voranging, ist liiermit nicht beweisbar, ist aber durch 
die Betrachtung der Vignetten so erledigt, daß i'"' der spätere Druck ist. 

Aus den äußerlichen Merkmalen der Drucke ergeben sich folgende Tatsachen, die 
Schlüsse erlauben: ^" steht in Wasserzeichen, Kupfern und Zeilenschluß allein, ist wegen 
der Trennung 52, 3 vu und als Widmungsexemplar des Verfassers vermutlich der älteste 
Druck; hiermit ist Kurrelmeyers Untersuchung bestätigt. Die Kupferexemplare von E^" 
gehören in Wasserzeichen und Zeilenschlüssen zusammen ; zwischen E^ und E" muß eine 
Verbindung bestehen wegen der Wortteilung 52, 3 vu; es ist auszuschließen, daß jeder 
dieser Drucke selbständig aus E" erflossen ist, wenn jeder hier von E' abweicht, während 
beide noch zwölfmal die Trennung 'ei-nen' aus E'' übernehmen (6, 2 vu. 29, 6. 42, 8. 
70, 7 vu. 85, 8. 88, I. 128, 2. 131,1 vu. 136, 4. 140, 5. 175, 2. 231,3 vu). Ob E^ oder 
E^ hierin voranging, ist freilich nicht festzulegen, doch nach einem Vignettenabzug könnte 
E" als der ältere Druck gelten. E" geht in Wasserzeichen und Kupfern mit E"^, in der 
Zeilenbrechung aber mit E'^, wird also das von Kurrelmeyer bestimmte Mittelglied zwischen 
E""^ und E'^ sein. Nach seinen Beobachtungen an den Kupfern und meiner Prüfung der 
Titelvignette steht E"^ als jüngster Doppeldruck allein. 

Die Ergebnisse sind nun an den Lesarten zu prüfen und zu ergänzen. Kurrel- 
meyer hat die Reihe E''^'"^ bestimmt aus steter Vermehrung der Druckfehler, wobei E*" 
enger zu E"" gehört, was anzunehmen nun auch das Wiener Mischexemplar aus beiden 
nahelegt, als zu E"; aus diesem stamme die Ausgabe letzter Hand C", während E^ 
keine Stelle in der Überlieferung finde, da seine Felder nicht auf C wirken. Für E"^ 
bleibt der Platz zu finden. 

Es ist nötig, das Gewicht der von Kurrelmeyer ausgehobenen zwölf Lesarten zu 
bewerten. S. i6 Z. 14 'wie ich zu der alten Handschrift gekommen bin, wovon [E'^^ 
davon E""^ C] ich . . . hiemit . . . vorlege'. W. verwendet im Sokrates noch mindestens 
siebenmal 'wovon', für das 'davon' eintreten könnte, und oft wo, womit, worin, wodurch, 
wobey, wornach, worauf, worein, wozu und nirgends, wenn ich nichts übersehen habe, 
das relativische Demonstrativum, das aber in Grimms Wörterbuch aus Agathen (von 
1766 an) für ihn belegt ist; er zeigt auch bei der Bearbeitung dieses Werkes C" keine 
Neigung für 'davon', so daß die Änderung der Druckerei zufällt. Da nun 'wovon' für 
die Zeit des Druckes die geläufigere Wendung ist, so würde man 'davon' fiir die ältere 
La. halten sollen, also E"^" für die jüngeren Drucke, was gegen die äußerlichen Merk- 
male verstößt. So muß man dem Setzer von E\ der ja auch die Zeilenbrechung mit 
Gefühl für Sprechtakte zu regeln scheint, die Feinhörigkeit zutrauen, den Beginn zweier 
aufeinander folgender Sätze mit 'wie' — 'wovon' vermeiden zu wollen. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. VII. 21 

Auch 24,12 macht E° den Eindruck überlegter Änderung: 'pflegten' E"^'' 'pflegen' 
E'^ C". Die Stelle lautet: . . . daß Epiktet in dem Kapitel, worin er . . . 'handelt, und . . . 
gegen die Vorwürfe, welche ihm von den Sitten . . . gemacht zu werden pflegten, . . . recht- 
fertiget, ... zu erkennen giebt'; hier hat die präsentiale Umgebung das sachlich richtige 
Präteritum verschlimmbessert; i?**"* haben die ursprüngliche Lesart. 

65,11 bietet im Gegensatz zu dieser Ausgleichung einen Wechsel: 'Schwierigkeiten' 
E"^"^ 'Schwierigkeit' E'^C; möglich sind beide Lesarten; E" hat die pluralische Umgebung: 
'Einwendungen' 'Feinde' 'Verdienste' unterbrochen. Ähnlich liegt 131, 9 'Die Frage ist 
um so begründeter' JE'*''" C" 'gegründeter' .E'' ; in der vorhergehenden Zeile steht 'benöthiget', 
'gegründeter' ist der ungewöhnlichere Ausdruck, also eher dem Verfasser als der Druckerei 
zuzutrauen (ich weiß jetzt allerdings nur eine Stelle für 'gegründet' in W.s Brief vom 
20. 12. 175 1). 132, 20 'zu stark' i'*'"' 'so stark' E'^ C; zwei Zeilen früher im vorher- 
gehenden Satze steht 'zumal', zwei Zeilen danach in demselben 'Satze 'so gerne' ; es ist 
also für beides äußerliche Angleichung möglich. Im Stile des ältesten Goetheschen Werther 
würde 'so' echt sein, bei W. halte ich 'zu' für wahrscheinlicher; möglich ist beides. 
Sicherer als diese drei Fälle ist 109, 2 zu beurteilen: 'zerreiße die Rose, und verstreue 
die Blätter' £'•''" C" 'zerstreue' E"^; hier liegt offenbar fehlerhafte Angleichung in E*^ vor. 

39, 4 und 5 steht 'genung* J?*'"' 'genug' E"^ C. E^^'- haben die ältere Lesart, obwohl 
sie auch zuweilen 'genug' drucken und die andere Gruppe an anderen Stellen "genung' 
stehen läßt. — Unsicher zu beurteilen ist 42, 12 'eure ernsthaften' ü'"'"'^ C 'ernsthafte' 
E^ (vgl. unten zu Nr. 1048); 45, 2 'euers' E"^" "eures' E^ C\ 

Die übrigen drei von Kurrelmeyer angeführten Kennzeichen sind sichere Druckfehler, 
die leicht von C berichtigt werden konnten. Beachtung verdient nur 87, 15 'daß' ii" C" 
"das' E^ 'da' E'^, weil der Fall eine falsche Verbesserung in E'^ aus der unmöglichen Les- 
art E*" bezeugt, eine Verbesserung, die unmittelbar aus E"^ unwahrscheinlich wäre. 

Die Beurteilung der Kurrelmeyerschen Kennzeichen ergibt, daß ein Teil der Ände- 
rungen zufällig ist, der kleinere Teil überlegt sein kann, daß die Überlegung aber nir- 
gends über das hinausgeht, was einer Druckerei zuzutrauen ist. Eine vollkommen ge- 
sicherte Folge der fünferlei Drucke ist meines Erachtens aus diesen Beispielen nicht fest- 
zustellen, wenn die Kurrelmeyersche Reihe auch Wahrscheinlichkeit für sich hat. A'" wäre 
näher an E* als an E*" einzuschieben. Zur weiteren Klärung unterbreite ich eine größere 
Zahl von Stichproben, die zumeist phil. Burkhard SeufFert neben zahlreichen anderen hier 
verwendeten Beobachtungen ausgehoben hat. 

Die Festigung der Stellung von E^ möchte ich vorausnehmen. Daß es achtsam ge- 
setzt ist, ergibt sich aus der Gleichmäßigkeit der Kopfleisten und der Zierstriche nach 
den Unterteilen. Druckfehler finden sich aber doch, z. B. S. 199 Z. i 'vrrwiesen', 252, 5 
'wo' statt 'wie*. Schon wegen der gleichen Zeilenschlüsse steht es E" nahe. Sie werden 
durch Druckfehler, die E^ mit E" gemeinsam hat, gestützt: 

Z. B. 65, 12 Aa/ £»'> kalte £"■ habe C. 113, i das E"^C u>at E<^. 129,4 hätte E^^C hatte £"•. 134, 2 
Falle, £">> C Falle E''^. 149, 1 1 eitiziger £"•> C rinzigen E'^. 155,11 Geld, E^"^ C Geld B«''. 1 76, i kurz, £«"•> C 
kurz E"^. 203,2 schie/cH E"^ falschen E'='^ C. 228,2 einem E^'^^C einen £"<•. 277,2 Kram E'^^'^'G Kreuz £">. 
292, 7 lyiicht meht auf £»»•' ijlicht auf E'^ C. 

Den Gleichheiten gegenüber sind einzelne Eigenheiten des E^ nur als Hilfen zur Beur- 
teilung der Zeitfolge von einigem Belang. Jünger ist, soweit meine Erfahrung reicht, 

' Vgl. KuiTelmeyer zu: Grazien 1770 50, 9. Don Sylvio 1772 2,44, 10. Aber auch Präsens zu Präteritum: 
Goldener Spiegel 1772 i, 137, 19. 2, 139, 3. 159, 18. 



02 Skuifert: 

die Abneigung gegen Strichpunkt': 125,2 vu gerettet; E' gerettet, E\ 135, i duhey; E' 
dabey £'' Hier hatte die stärkere Interpunktion den folgenden Satz so abgetrennt, als 
ob er mit ■nemlich' eingeleitet wäre, was C durch die Schreibung dahey! deutlicher macht. 
Jünger ist auch 175,12 verlieren E'' statt verliehren E\ 190, 5 schattigen R statt schattichten 
^^; wohl auch 235, i brauchst F/ im Sinne 'bedürfen' statt gebrauclist E' (Grimms Wörter- 
buch hilft nicht zur Zeitbestimmung; im Sinne 'benützen' bleibt 255,9 gebrauchen'). In 
vier dieser Fälle geht denn auch C, obgleich sonst von E" abhängig, mit E''. Auch 175,6 
■ "Zehntausend' ist jünger als 'Zehentausend', aber der Gebrauch beider Formen wechselt 
durchaus in W.s Büchlein und C bleibt bei 'Zehen', vielleicht weil Adelung nur diese 
Form als Ordnungswort führt. 275, i eine E^ gegen Eine E' darf ebenso als jüngere Schrei- 
bung angesprochen werden, weil bei Sinneindeutigkeit wie hier die Auszeichnung durch 
Majuskel später gerne gemieden wird (die Stelle ist in C verändert). Im ganzen also 
macht £"^ den Eindruck der zeitüblichen Schreibentwicklung gegenüber dem altmodische- 
ren E\ Dazu paßt ja aus das Aussehen der Vignette, so daß Kurrelmeyers Anordnung 
E" E^ sich bewährt. Hinter C" aber, was im Hinblick auf Prolegomena Nr. 1 1 94 möglich 
wäre, darf man es nicht setzen, weil es dessen Neuerungen nicht aufnimmt und weil es 
in der Zeilenteilung mit E" übereinstimmt. 

E' nun stammt aus E^. Das wird durch folgende Betrachtungen gesichert: 
Titel Z. 6 Handschrift. E^^ ohne Punkt ß'"«i Z. 7 im Motto [aus Horaz Episteln i, 6 V. isf.] Mqui £»^ 
iniuui. E^"'^: der Punkt ist aus der vorigen Zeile fälschlich herabgenommen, was in zwei von einander unab- 
hängigen Drucken unwahrscheinlich ist. S. 15 Z. i dre E^^ andre Ä^cd falsche Wiederholung der letzten Silbe 
der voiigen Seite. 65. 4 vu sahen, £"" sahen E*"''. 100, 4 Laidion E'-^ Ladion JS''«J. 149, 4 vu .Glücklich 
E^^ GlUrklich E^"\ 173, 8 vu dir jB»^ die E^""^. 254,6 vu yemig hätte E" gehabt hätte E^"^. 256, i Luftfecher 
E"^ Luft/echter ^bcd. 260, i vu seyn. — E»'' C seyn — £''"'. In allen diesen Fällen haben ß'""^ die falsche 
Lesart. Und so ist auch zu fassen 54, 12 satige ich den... Athem der Natur ein ß« fange ich usw. £'""'. Dazu 
tritt der oben besprochene Fall 87, 15, wo aus dem unmöglichen das E^ (für daß E'^) da £<■<' konjiziert 
wurde, wofür bei der Abstammung von E<= aus fi"^ kein Anlaß vorhanden gewesen wäre. 

Die Gruppen A'" und -E""=^ werden auch noch durch andere Lesungen gebildet, die an 
sich echt sein könnten, nun aber als Verderbnisse zu erachten sind: 

Z.B. 15,10 maschinenmäßige E'^^ maschienetimäßige E^'^'^. 19 Kustos ract/r £»=' rakter E^"^ (die Schrei- 
bung schwankt überall). 25, 7 Menschenfreunds £'"' Menschenfreundes £'"=''. 55, 6 vergo'dtes £" vergoldetes E^x^. 
57,6 Munde E'''' Mund E^"^. 66,6 versichre E^'^ versichere E^""^. 99,8 unverhofte E^^ unverhoffte E^''^. 172,3 vu 
zehentausend E'^'^ zehntausend E^cd. 214,2 existiere, E^^'C existiere E^"^. 220, 7 vu Fisch £»' Fisch, £•>«•. 
268,6 vu andere £•" andre £'»=<' C. 295, 2 vu andere; £"" andere, E^<"i. 296, 5 vu ist. — £« ist. E^'^. 

Einen äußerlichen Beweis erlauben folgende Stellen: 85, i vu fehlt nach refidens der 
Punkt E^\ E" bessert das Versehen durch ein falsches Komma. 293, 5 vu ist undeutlich 
in den mir vorliegenden Exemplaren E^, ob nach thäte Doppelpunkt wie in .£'*" oder Strich- 
punkt steht, das Zeichen ist unrein: F^'^ haben Strichpunkt gelesen. 138,6 und 290 
Kustos sind nach sie und gen in einigen Exemplaren die Punkte (die richtig in E^"^ stellen) 
undeutlich ausgeprägt, daher fehlen sie E"\ 

All das sichert die' Abhängigkeit des E" von E^ so, daß die wenigen Übereinstim- 
mungen zwischen /i" und jE'° daneben nicht ins Gewicht fallen können; nämlich: 31,3 
lassen Ä'^""*^ laßen E'. 45, 2 euers £'"""' eures F?. 5 1, 2 vu erlaubtet E^^ erlaubet E"""^. 56, i vu 
ihren E"'""^ ihrem E^ (Angleichung an das folgende 'liebkosete ihr'). 1 15, 5 wenigstens E""^ 
wenigsten E^. 163, 5 vu Gelegenheiten E"^ Gelegenheit A'""" (hier falsche Angleichung an voran- 
und nachgehendes Gelegenheit' 163, 9 vu. 2 vu). Doch ist das Zusammentreffen in diesem 
Falle wie in 5 1 , 2 vu immerhin merkwürdig. Aber mit solchen Zufällen hat die Kritik 

' Vgl. 295, 2 vu andere; E^'^ andere, i'>cJ C'-'. Agathon 3, 190, 6 s. Kurrelmeyer. Wenn Sokrates 229, 7 
Komma £* zu Strichj)unkt jB^bcd C wird, so geschieht es wegen der Satzlänge; C' nimmt wieder Komma. 
258, 8 vu Komma £* C'^ wird am Zeilenschluß falsch zu Strichpunkt, mit dem die vorhergehende Zeile schließt. 



Prolfffomrna zit riricr Wlclond- Ausgabe. VII. 23 

der Textüberlieferung stets zu rechnen. So hat E' sogar mit E", auf das es sicher nicht 
zurückgeht, gemeinsam: 37,6 euere E'"^ eure E""^. 55, 4 vu lag, E""'^ lag £""''. 59, 5 vu Paläste 
£"»■■'' Palld'ste i''"' (die Schreibung scliwankt); so dockt sich das junge £'' mit £"" oder gar 
£■*: 1 75, 10 zehntausend E"'^ zehentausend E"^. 241, 7 vu dem E""^ den £""'"' (der Plural 'den 
P>dboden' ist unwahrscheinlich, der Akkusativ singul. unmöglich) usw. Es ist also auch hier 
Kurrelmeyers Ableitung des E" aus E^ bestätigt, aber die Bindung ist loser als zwischen 
E' und E\ 

Denn unter rund 200 bei Stichproben gefundenen Abweichungen gehen E"^ ii5mal 
zusammen, häufiger als irgendeine andere Gruppe, darunter 4 3 mal gegen die geschlossene 
Gruppe £*'"', die sich im ganzen 6 2 mal bildet. Diese Gruppe bedarf noch der Unter- 
suchung. Die Zahlenstatistik des Verhältnisses der Di-ucke zu dem ältesten -£"" ergibt 
I 10 E", 65 E"^, 38 E'"', 33 E""^; die geringere Übereinstimmung läßt die weitere zeit- 
liche Entfernung ablesen, also die Folge E" E^' E' E"^, die den Beobachtungen an den 
Vignetten und Zeilenschlüssen entspricht. Die Beziehung von E^ zu E" ist etwas näher: 
iiomal gegeben, als die zu E^: 94mal. 

Der Sondercharakter des seltenen />" soll zunächst bestimmt werden. P"s allein hat 
außer den angeführten Seitenzahlirrungen Druckfehler, und zwar gewöhnliche Nachlässig- 
keiten, z. B, 

25, 5 vu falsches Schlußsignia. 6.3, 10. 236, 10. 245, 5 vu fehlen Anführungszeichen. 85, i vu fehlt Punkt, 
165 Kustos der Beistrich, 195 Kustus der Bindestrich, 50,4 vu an Zeilenbeginn s vor eyn, 116, 6/ nach au 
[aufgelegt], 261,4 vu /J nach mu. 279,7 an Zeilenschluss e nach sein. 289,3 ist t: in Putz gestürzt, 297,4 \u 
Stern durch Anführungszeichen ersetzt. 38.3 Clinius st. Clinias. 125,2 vu Arne st. Amme. 128, i erzählehi'te. 
186. 2 vu mizsüchligfn st. miUsiUhligen. 229, 10 yemil'ielt st. gemildert. 264, 5 vu grüben st. gruben. 272, 7 salte 
st. Sollte. Ferner Fehler, die ein mögliches Wort geben: z. B. 7, i verwirren st. verirren. 19,4 die st. der. 
44,2 eure st. eurer. 183,1 vu ihn st. ihm. 2bi, 2 er st. e». 213,5 '^och st. doch'. 224,1 B'obavhtung st. 
Beobachtungen''. 252,4 wie st. weil. 297,4 IV st. X. 297. 13 einem st. einen. 

E^ hat also einen wenig aufmerksamen Korrektor gehabt. 
Hiermit werden andere seiner Eigenheiten auch verdächtig; z. B. 

t3, 3 vu andre gegen andere der übrigen E. 38. 5 habe und 231. 10 wollte gegen hab' und wollt' vor 'ich'. 
119,8 geninnet neben 224,2 vu beleidigt gegen ytnennt und beleidiget. 168,7 ziehst gegen ziehest: einheitliche 
Vorliebe für volle oder gekürzte Formen ist nicht festzustellen. 275,9 sechzehn (jüngere Form, auch in C) 
gegen sechszehn. Rechtschreibung: 203, i vu Bcpublick vereinzelt neben Republik; 302. 14 Punkt gegen Punct. 
Interpunktion: 116,13 und 275.3 vu fehlt das entbehrliche Komma nach 'mich' und 'selbst'; 189,5 nach 
'haben' steht vor dem Nachsatz der langen Periode Strichpunkt statt des grammatikmäßigen Doppelpunktes: 
249, 1 1 vu Komma nach 'Vortheil' st. des nicht nötigen Strichpunktes. Auch hier ist keine beabsichtigte Richtung 
zu erkennen. 7, 3 in einem (st. einen) . . . Schrank . . . einzuschliessen, 51,2 vu sich unter einem (st. einen) Baum 
hinzulegen könnte vielleicht für mehr Schriftdeutsch gelten. 

Vereinzelte Fälle heischen Erörterung: 269, 8 vu unfehlbare st. unfehlbarste; der stärkere 
Positiv scheint Entwicklung zum jüngeren Schriftstil zu verraten, denn Kurrelmeyer führt 
an: aus Agathon 1773 i, 187, 22 beträchtlichsten E"^*'' beträchtlichen E""^: aus Goldener 
Spiegel 1772 2, 130,9 öffentlicJisten E"^" öffentlichen E"^; 3,89, 14 verderblicMte E^ verderb- 
liche, E^^; freilich auch einmal die umgekehrte Änderung 4, 39, 10 eifrige E" eifrigste E^""^^. — 
113, 3 Fehler; alle andern lesen: wenn der Mann gar keine Flecken hätte; es dünkt mich 
schwerer von 'Fehler' auf 'Flecken' als umgekehrt zu kommen; der Setzer hat Avohl das 
Wort von zwei Seiten vorher festgehalten, wo es viermal gebraucht ist, um das Gesprächs- 
ziel aufzustecken; inzwischen aber ward 'Fehler' zu 'Lastern' verstärkt, zu 'Grillen' ab- 
geschwächt, so daß auch an der vorliegenden Stelle das im Munde des Xeniades höf- 

' Vgl. Kurrelmeyer zu Musarion 1769 71,2. 

' Vgl. Sokrates 65, 11 Schwierigkeiten £*'' Schwierigkeit £<"* C'; 163,5 v" Gelegenheiten E^^ Gelegen- 
heit E^^. Kurrelmeyer zu Der Goldene Spiegel 2, 142, 19. 4, 96, 7. Agathon 1773 3, 26, 16. 
• S. unten zu Nr. 1048. 



24 Seuffert: 

lichere 'Flecken' nicht als Willkürweclisel betrachtet werden kann. — 254, i vu aus so 
heterogenen Bestandtheilen ein betrogenes Games zusammen zu setzen ist sinnlos; die anderen 
Drucke haben erträgliches st. 'betrogenes', entsprechend dem 2 5 5 , 4 folgenden : 'alles noch 
so ziemlich erträglich geht'. Freilich ist die nahe Wiederholung des farblosen Wortes 
verdächtig und an sich erstaunlich, daß der Setzer von E"" das geläufige 'erträglich' ver- 
fehlt haben, von dem in der vorangehenden Zeile stehenden 'heterogenen' zu dem buch- 
stabenähnlichen, aber tonfallwidrigen 'betrogenes' verführt sein soll; er müßte denn ein 
'heterogenes' fehlerhaft wiederholt, der Korrektor es allzu oberflächlich zu 'betrogenes' 
umgebildet haben. Da £'" nacli den bisherigen Umfragen nur einmal' bekannt wurde, 
also selten zu sein scheint, könnte vermutet werden, £"" sei unfertiger Vordruck zu E", 
die anfangs makulierten Bogen seien erst nachträglich mit erneuerten Kupfern versehen 
worden, um sie für das vergriffene £■* rasch in Handel zu bringen; ein ähnlicher Vor- 
gang, das Verwenden von Resten, ist ja auch für Bogenmischexemplare anzunehmen; es 
kann aber hier nicht stattgehabt haben, weil E'^ dann S. 256 wie E^ 'ihr andern' beginnen 
müßte, während es richtig 'dern' beginnt. Eine andere Vermutung kann E"^ wie E" aus 
der Handschrift ableiten. In ihr würde ein undeutliches 'homogenes' gestanden haben, 
was möglich ist, obwohl W. so scharfe Gegensätze wie heterogen — homogen nicht bevor- 
zugt; oder das ihm beliebte 'betrügliches' (s. Grimms Wörterbuch), das, von Adelung der 
höheren Schreibweise zugewiesen, etwa der Setzersprache nicht geläufig war; ein Setzer 
hätte das schwer leserliche oder das ungeläufige Wort in 'betrogenes', der andere in das 
bald im Text folgende 'erträgliches' geändert. Diese Vermutung ist verboten, weil E^ 
bis auf zwei Fälle der Zeilenteihuig des älteren E'' folgt. Es bleibt noch eine dritte übrig, 
£■" habe ein korrigiertes Exemplar E"" vor sich gehabt mit einer undeutlichen Verbesserung; 
sie ist wenig, glaubhaft, weil W. für den heimlichen Nebendruck keine Durchsicht des 
E"" abverlangt werden konnte, er müßte Weidmann gerade diesen einen Druckfehler 
brieflich angezeigt haben, obwohl das 'erträgliches' nicht sinnstörend war. Alle diese 
umständlichen Erwägungen zeigen, daß im Flinzelfall für einen Druckfehler die Annahme 
unbegreiflichen Zufalls berechtigter sein kann als ein nachdenklicher Erklärungsversuch. 

Den Eindruck der Zuverlässigkeit macht nach den vorstehenden Beobachtungen E"^ 
nicht; selbständige Verbesserung einer verderbten Vorlage ist ihm nicht zuzutrauen, eher 
Verschlechterung. 

Daß dieses £" Beziehung zu E^ hat, beweist, außer den Vignetten, die besprochene 
Zeilenverteilung, weniger die Selbstverstäiidliches verbessernde 256, i als die nicht nötige 
52, 3 vu 'einen' st. 'ei-iien' £'\ Die Lesarten bestätigen das Zusammengehören; 

z.B. Sclireibungen : 42,8 Blöase £» Blöße E^^. 59,5 vu Paläste E" Palläsle E^^. — Interpunktionen: 
55,4 VII lag, E=^ lag fi^b. 58, i Aristippm, £» Aristippen iE"''. 271, i Plato, — jB" Plato — E'^^. 67, 11 sagte 
£•■> sagle, E^^. 79,5 Mittel E^ Mittel, E^^K 87,8 verbieten E'^ verbieten, E^K 103,3 bist E'' bist, E'^K 203,13 
Uebel E"- Uebel, £">>. 229, 7 hineinsah, E^ hineinsah; E"^. 258, 8 vu sei/n, E^ seyn; £»'' [Druckfehler]. 74, i vu 

begasten. £a begeistert Ä^h. 157, 8 Mann! E^ [besser;] Mann E^^. — Scliwabacher: 76, 12 ist £» 

[besser;] ist E^^. 212,2 wuist, oder E^ [besser;] ist, oder Ä"»-. — Lautbild: 67,3 abhangen £» abhängen E^*>. 
37, 5 euere £^ eure E''^. 82,6 zehentausend E'^ zehntausend E^^. 172, 10 zehentansendslen E' zehntatisendsten E^^. 
2Ti,i verurtheilt E^ verurtheilet £"''. — Flexion: 184,3 einem E^ [richtig;] einen ß"!". 241. 7 vu dem £• 
[i-ichtig;] den E^^. 130, 13 urtheilten E'- urtheiicn £== urtheilen £'>. 186,6 vu wolle E'' wollte E^^ [falsch über- 
nommen aus der dritten Zeile vorher]. 259, i vu nützten B» nützen £"'' [angepaßt an 'sollen' in Zeile vor- 
her; C' verdeutlicht zu "nütze wären']. — Wortverwechslung: 253,3 sie iS» [richtig; so auch C'] ich E^^\ 

Die Notwendigkeit des Zusammenhangs von E^ und E^ ist damit zweifellos er- 
wiesen; in solcher Zahl können Übereinstimmungen nicht zufällig, Fehler wie 157,8. 



' Nachtrag: s. oben S. 16 Anm. i. Auch jetzt noch sind unter 45 Exemplaren nur 3 E^ gefunden. 
^ Vgl. Kurrelmeyer zu Musarion 1769 11 1%. Gedanken über eine alte Aufsch ' 



1769 11 1%. Gedanken über eine alte Aufschrift 1772 11,9. 



Prolryomcna zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 25 

184,3. 253, 3 müssen übernommen sein. Für die Priorität des Ä'" kann der verzeichnete 
Fall 1 30, 1 3 (urtheilten > urtheiien > urtheilen) verwendet werden, denn es lag keine 
angleichende Verführung vor, die Lesart E^ zu E^ zu ändern. Die Auslegung entspricht 
den oben angeführten Gründen für die Reihenfolge £"" E" E^, die auch dadurch be- 
kräftigt wird, daß die Gruppe E""^ 94 mal, die Gruppe E"^ 65 mal sich bildet, also E^ 
von E* weiter entfernt ist als von E"". Immerhin ist die Abstammung damit noch nicht 
zwingend klargelegt. 

Es sei zunächst herausgehoben, worin fi'' in der Gruppe ä**'' allein gegen E^^ steht (ein Teil der Bei- 
spiele wurde schon fiir die Verwandtschaft von E^ mit E" angeführt). Z. B. Schreibung: 15, 10 tnaschinen- 
mäßige B"" masrhiencnmäßige £*>. 19 Kustos ractT JE"'' rakttr E^. 31, 3 lassen E'^ laßen E^. 99, 8 vu tm- 
verhijfte E'^ unv(rh'iffte E*'. — Interpunktion: 65,4 vu .mhpn, E^^ sahen E^ [falsch]. 220,7 vu Fi.sch E-"^ 
Fisih, £•> [möglich]. 283, 5 vu leben, £" leben! E'' [.schlecht]. 293, 5 vu thäte: — E'^ thäle; — £'>. 295,2 vu 
andere; E"'^ andere, £*>. 296,5 vu ist — £*" ist. FT'. — Lautbild: 25,7 Mensthenfretmds £'" Menschenfriunde.f 
E^. 45.2 niers £»* ejires E*>. 55,6 vcrgoldles ä»" vngaldetes E^. 100,4 Laidion E'^ Ladion E^\ 115,5 wenig- 
gfens £" wenigsten £*'. 151. 5 gnldne Ä'*» goldene £•>. 172,3 vu :ehenlausend jB" zrhntatisend £*>. — Flexion: 
56,1 vu iAren £»" ihrem E^. 57,6 Munde E" Mund E^. — Wortverwechslung: 54, 12 saitge E'^^ fange E^. 
87, 15 daß £»» das E>' [falsch]. 173, 8 vu dir E" die E^ [falsch]. 256, i Lttftfecher A'»" Luft/echter E*> [falsch]. 
254, 6 vu ginvg E'^ gehabt E^ [falsch]. 

E^ hat zudem viele gewöhnlichste Druckfehler: n für u, v für o usf. und ist fürs 
Abziehen schlecht hergerichtet, so daß nicht nur an den Zeilenanfängen und -Schlüssen, 
.sondern auch im Innern der Zeilen Buchstaben ausfallen, Satzzeichen unklar werden. Um 
die Korrektur ist es mindestens nicht besser bei ihm bestellt als bei E", an gröberen 
Fehlem sind beide Drucke gleichwertig; eine bestimmte Eigenart hat E^ so wenig wie i'". 

Seine Stellung gegen /i" und zu fJ" ist beim Nachweis der sicheren Beziehung zwischen 
E^ und i'* betrachtet; es bleibt noch die Verbindung E"^ gt'gen E" zu erläutern. Die 
Grundlage dazu ist oben S. 23 bei der Besprechung der Sonderart des E'^ gegeben. Die 
sclb.stverständlich oder leicht im Sinne von E' zu bes.sernden Fehler des E'' sollen hier 
zunächst außer acht bleiben, ebenso die Stellen, in denen E^ zufallig mit E" gegen E" 
übereinstimmen mag. Herausgehoben werden muß, was bei der Annahme, E^ stamme 
aus E^, als Rückfall in E" unerwartet kommt; also z. B. S. 7 Z. 3 und 51, 2 vu einen 
A'*'' einem E^; da auch der Dativ möglich ist, war die Lesung von E" schwer zu finden. 
38,5 hob' ich 231,10 toollf ich E'^ /labe ich . . . wollte ich E'; ebenso zu beurteilen. 
1 13, 3 Flecken E'^ Fehler E^. 2 13, 5 doch E"^ noch £"'. 252, 4 weil E''^ wie E". 254, i vu 
erträgliches E"^ betrogenes E^. 269,8 vu unfehlbarste E"^ unfehlbare E"; von diesen fünf 
Fällen erheischt nur der vorletzte eine Besserung, die aber selbständig kaum in der Weise 
des E" gefunden Avorden wäre. 201, 2 es E"^ er £■" war nur bei größerer Aufmerksam- 
keit einzurenken, als sie fiir die Herstellung des Doppeldruckes vorausgesetzt werden 
darf. Nun muß allerdings beachtet werden, daß 51,2 vu erlaubtet E''^ erlaubet E" und 
163, 5 vu Gelegenheiten E"^ Gelegenheit E"^ mit E"" auch E" (und des.sen Abkömmling A"') geht, 
obwohl E' sicher von E^, nicht von /<,'" abgesetzt ist. Das könnte einigen Glauben an Zufall 
auch beim Zusammentreffen von E^ mit E" in den angeführten Stellen erwecken. Aber die 
Fehlergemeinschaft von E""" in zwei Fällen besagt nichts gegenüber der größeren Schwierig- 
keit, die für E*' wenigstens 163,5 vu erwuchs, von £'" zu J^" zurückzufinden, luul vor 
allem gegenüber dem halben Hundert Übereinstimmungen von Zi' und /i.'"' gegen £""; es sei 
zu den eben angeführten noch verwiesen auf die oben S. 23 in folgender Ordnung ver- 
merkten: 7, I. 19,4. 44, 2. 183, I vu. 224, I. 297,4. 297, 13. 13,3 vu. I 19,8. 168, 7. 275,9. 
203, I vu. 302,14. 116,13. 275, 3VU. 189,5. 249,11 vu, die im einzelnen geringer, in 
der Summe doch schwer wiegen. 

Darnach kann kein Zweifel sein, daß E^ wie mit E" so auch mit /i'" unmittelbar 
zusammenhangt; es wurde E" für die Herstellung von E^ nicht nur etwa da eingesehen, 

Phil.-hist. Abh. 1921. Nr. 3. 4 



26 



Seuffert: 



wo Unebenheiten in £"" auffallen mußten, sondern auch an gleichgültigen Stellen befolgt. 
Und es ist als Vorlage für E^ auch nicht ein Mischexemplar aus E" und E^ anzunehmen, 
denn nur in den fünf Bogen E F G J K muß es nicht abhängig von E" und nur in den fünf 
Bogen ABHTU nicht abhängig von E^ sein. Es ergibt sich also die unerfreulicJie Not- 
wendigkeit, wie bei älteren Handschriften einen Mischtext aus zwei Vorlagen anzunehmen, 
dessen Entstehung man sich so vorstellen mag, daß der Setzer und der Korrektor nach 
zwei verschiedenen Exemplaren sich richteten. Die Gewissenhaftigkeit, bei Herstellung 
eines Doppeldruckes bewußt den älteren Text heranzuziehen, braucht man dem Korrektor 
oder gar dem Setzer nicht anzusinnen, der Zufall wird die zur Beschleunigung des Neu- 
druckes erwünschten zwei Exemplare zwischen ihnen verteilt haben. Auch daß eine 
Person zwei Vorlagen benutzte, ist wenig wahrscheinlich; sie würde auf Fehler aufmerksam 
geworden sein, die £'" und i?"* gegen £"* gemeinsam haben; eine genaue Korrektur nach 
E^ ist aber weder für E^ noch für E^ vorgenommen worden. Es kann -E"^ aus E* 
stammen und nach E"^ korrigiert sein, es kann auch £"" aus E^ stammen und nach E" 
korrigiert sein. Vielleicht gibt die vollständige Kollation der drei Drucke sicheren Auf- 
schluß; denn ich betone nochmals, daß ich mich nur auf rund 200 Stichprobenvarianten 
stütze. 

Wer die Mischung des Textes in £■" und E^ nicht annehmen will, muß ein Mittel- 
glied zwischen ihnen und E'' suchen. Dieses Y müßte entscheidende Lesarten haben, 
die E"^^ gemeinsam sind, und solche, in denen E""^ gegen E^ zusammenstehen. (Beim 
Suchen würde die Anwendung der bekannten Diagonalprobe nicht genügen, weil der 
zeilengleiche Neudruck kleineren Formates den Setzer zu kaum unterscheidbar gleicher 
Wortverteilung zwingt.) Doch hege ich zum Auffinden dieses unbekannten Doppeldruckes Y 
wenig Vertrauen. Ich sehe also drei Möglichkeiten: 

2. E^ ?. 



E^ 




^E^ 



E^ 




Im ersten und dritten Falle steht E'' außerhalb der Überlieferungsreihe, seine Les- 
arten sind also wertlos, soweit sie nicht etwa gute Konjekturen zu E" sind; nur diese 
brauchen verbucht zu werden. Ich halte aber mit Rücksicht auf die Vignetten das zweite 
Stemma für das wahrscheinliche, in dem £"" zur Überlieferungsreihe gehört. Und so- 
lange Y nicht gefunden oder für die Gültigkeit des ersten Stemmas kein sicherer Beweis 
erbracht ist, müssen die Lesarten von E"" in das Verzeichnis aufgenommen werden. Nur 
wenn sich das erste Stemma erwahrt, kann es bei Kurrelmeyers Siglen bleiben, in den 
beiden andern Fällen wird E'' oder Y zu E^ und darnach E"" zu ?:% E" zu E'^. Kurrel- 
meyers E^ entfällt, weil die Vererbung von £'° zu C geht, ohne es zu berühren. 

Schon aus Kurrelmeyers Beobachtungen ergab sich, daß die Fehler, die C" aus E" 
ererbt hat, durch die Lesarten von E'' ersetzt werden müssen. Es sind sohin allein nach 
den Stichproben einige Stellen des Textes im 7. Bande der akademischen Ausgabe zu ver- 
bessern. ^ Z. B. S. 222 Z. 13 der akad. Ausg. 'davon' in 'wovon'. 223,33 'pflegen' in 
'pflegten'. 236,17 'Schwierigkeit' in 'Schwierigkeiten'. 239,38 'ist' in 'ist'. 276,23 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 27 

'wollte' in 'wolle'. 281, 35 'falschen' in 'schiefen'. 306, 25 'verurtheilet' in 'verurtheilt'. 
311, 13 nach 'Pflicht' einzufügen 'mehr'. An der Interpunktion ist zu bessern: 260,25 
'sie — ' in 'sie. — '. 266,13 Geld' in 'Geld,'. 287,37 Fisch,' in 'Fisch'. 291,3 'sah;' 
in 'sah,' (wie auch C'^* lesen). 312,10 'andere,' in 'andere;'. 312,20 'ist.' in 'ist. — '. 
Weniger bestimmt lassen sich andere Fälle entscheiden, z. B. : 239,17 der Satz 'Selbst 
der unpoetische Diogenes wird von ihr begeistert.' war, weil hier Diogenes sich selbst 
ironisiert, durch einen Gedankenstrich vorne, durch Punkt und zwei Gedankenstriche (nur 
durch zwei Gedankenstriche E''^") hinten in E"" 74,2.1 vu abgehoben; war der Verlust 
des Punktes die Ursache dafür, daß W. zum Schaden des Textes alle Striche beseitigte? 
Allerdings wird 311,25 auch ein immerhin weniger wünschenswerter Gedankenstrich in 
C beseitigt, aber auch infolge von Textverderbnis; es stand "thäte: — ' E""" 'thäte; — ' 
E'; dies wird geändert zu 'thäte:' C", also zum grammatisch üblichen Satzzeichen nach 
längerem Vordersatz. 241, 4 stand 'Mittel' ohne Komma E"; C hat 243, 26 vor Infinitiv- 
satz das unnütz zugekommene Komma beseitigt: geschah es trotzdem 241,4 absichtlich 
nicht, weil der Infinitiv noch ein Objekt bei sich hat? Wie ist sonst der Gebrauch in 
C? 308,31 'leben,' £"" war falsch zu 'leben!' E^' C" geworden; wurde gebessert zu 
'leben;' C^*; das Komma war die im Zusammenhang beste Interpunktion. 

Auch folgende Änderungen sind nach der allgemeinen Beurteilung der Textgestaltung 
C zu behandeln: Bevorzugt C die vollei'en Formen, so ist 223, 39 'Menschenfreundes' zu 
belassen, sonst aber 'Menschenfreunds' aus £'" gegen 'Menschenfreundes' £'''" herzustellen. 
Und ähnlich: 228, 26 'andre' zu setzen statt 'andere'. 236, 28 'versichre' statt 'versichere'. 
Oder aber 282, 29 'eigene' zu setzen statt 'eigne'. 303, 30 'andere' statt 'andre'. Daß W. 
oder die Druckerei in solchen Dingen Neigungen bekundete, zeigt 226, 19, wo C mit 
E^*' 'eure' liest, während seine Vorlage E" mit £* 'euere' bot; und 229, 7, wo C mit E^ 
'eures' liest, während seine Vorlage E" mit E" 'euers' bot. Ebenso ist nach dem Schreib- 
gebrauch des C zu entscheiden bei 232,29 'vergoldtes' E" gegen 'vergoldetes' E° C, 
264,34 'goldne' E" gegen 'goldene' E°C. W. wählte sicher nach dem jeweiligen Ton- 
fall, wie er ihn gerade beim Schreiben oder Lesen mithörte — ■ man hört ja nicht ein- 
mal metrische, geschweige prosarhythmische Satzmelodie stets gleich — ; Norm ist nur 
vom schulgrammatisch beengten Setzer oder Korrektor zu erwarten. 

237, I ist 'abhangen' herzustellen, falls in diesem Werkchen nicht nur 'abhängen' 
E' geläufig ist; Grimm belegt beide Formen fiir W. Und dergleichen wohl mehr. 

Besondere Aufmerksamkeit verlangen die Fälle, in denen W. durch überlieferte Fehler 
irre geworden die ursprüngliche Lesart nicht fand. Er hat ja für Verderbtes oft die erste 
Lesart in sicherer Konjektur wiedergefunden, z. B. : £"54,12 für "fange' E' 'sauge' E". 
82, 3 vu für 'Leid' E" "Lied" E\ 87, 15 für 'da' E" 'dass' E\ 212, 2 vu für 'ist, oder' E" 
'ist, oder' E\ 256, i für 'Luftfechter' E" 'Luftfecher' E\ 253, 3 für 'ich' E" 'sie' E\ 
Zuweilen aber versagte seine Aufmerksamkeit oder der Scharfsinn'. 236, 18 der akad. 
Au.sg. gibt zwar einen Beweis, wie nachdenklich er die Überprüfung fiir die Ausgabe 
letzter Hand vornahm, aber auch, daß er die Besserung zum Ursprünglichen nicht fand. 
Es heißt dort: es sei schwierig Lamon zu helfen, 'da er so viele Feinde hätte — ^ Er hatte 
[£■"65,12, hat E^^] sie, weil er mehr Verdienste als Vermögen hat', sagte seine Frau. 
W. spürte das falsche Präteritum 'hatte', fand aber das Präsens nicht und wendete die 
Rede indirekt: 'er habe sie bloß weil er .... habe'; dies 'habe' taugt nun schlecht zu 
dem vorhergehenden 'hätte' und das doppelte 'habe' ist schwerfallig. Oder 298, 36: es 

' So doch wohl auch Musarion B. III V. 220 'kein Aug' gehört, kein Ohr gesehen', wie von der ersten 
bis zur letzten .Ausgabe steht außer in Doppeldrucken (Kurrelmeyer 1769 116, 13). Oder soll die Verwechs- 
lung der Sinne das Schwatzen des Theofron kennzeichnen;' 



28: Seuifert: 

stand: 'daß Aristoteles zwanzig Jahre zu tlmn genug hätte' is^'' 254,6 vu, 'zu thun ge- 
habt hätte' i-v''; den chronologischen Widersinn des Plusquamperfekts bemerkte W., än- 
derte darum 'zwanzig Jahre zu thun hätte' C" und besserte die ihm zu leere Wendung 
in: 'in seinem ganzen Leben nicht fertig würde' C^* (woraus zugleich ersichtlich wird, 
daß er den Text C" selbst überwachte). Oder 300, 27 'die ihnen zu nichts nütze wären'; 
'zu nichts nützten' hatte es E'- 259, i vu geheißen, der undeutliche Konjunktiv war zu 
'nützen' £"'"" verderbt worden, W. beachtete seine Notwendigkeit und stellte ihn um- 
schreibend her, wodurch nun die stilistische Symmetrie der Sätze 'die sie nicht kennen 
sollen' und 'die ihnen zu nichts nützten' etwas gestört wird. Solche Neuerungen wird 
man, obwohl sie nur durch frühere Verfälschung veranlaßt sind und nicht genau in den 
alten Ton passen, im Texte belassen müssen. Vgl. über ähnliche Zwangslagen Euidiorion 
7, 46 f. Goethe-Jahrbuch 2 i, 250. 

Die vollständige Vergleichung aller ^-Drucke wird weitere Änderungen und Erwägungen 
veranlassen. Hier sollte nur auf den Wert der Doppeldruck e-Untersuchung vorläufig hin- 
gewiesen werden. 

Nr. 163: Nach Paul Weizsäckers Mitteilung gibt es Exemplare der Beyträge zur 
Geheimen Geschichte des menschlichen Verstandes und Herzens, die außer 
dem Titelkupfer noch S. 50. 74. 155 Kupfer haben, von denen das erste G[essner] f[ecit] 
gezeichnet ist; danach ist Prolegomena VI S. 87 zu ergänzen. — Vgl. Kurrelmeyer, Die 
Doppeldrucke aaO. S. 1 1 f. Die Staatsbibliothek in Berlin besitzt einen Kurrelmeyer un- 
bekannten Druck: B. Diez. 8". 8438. Auch ein in meinem Besitz befindliches Exemplar 
stimmt nicht völlig mit Kurrelmeyers Kennzeichen. 

Nr. 166: vgl. A. Filippi, W. e Le Grazie, Progr. Ginnasio Super, di Zara, Zara 1908. 
Manacorda, Le Grazie di C. M. W. Studi di Filologia Moderna, Catania 1909. 

Nr. 168: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. i4f. — Schon 19 10 stellte 
Karl Polheim fest, daß das Exemplar des Neuen Amadis der Universitätsbibliothek 
Berlin Yq 35758, das der Staatsbibliothek Berlin Yl 1901 und ein in seinem Besitz 
befindliches unterschieden sind. Das der Universitätsbibliothek dürfte Kurrelmeyers A'* 
sein, das der Staatsbibliothek ist nach ihrer Anzeige dessen E^. Ich besitze zwei Aus- 
gaben, die die Kennzeichen von dessen E"" haben außer Bd. 2 S. 57 Z. 22 'Grazien' statt 
'Grazien'. — Vgl. Lydia Marinig wie zu Nr. 141. 147. Tribolet, wie zu Nr. 147. Strich, 
Die Mythologie aaO. 1,93. 

Nr. 169: Die Staatsbibliothek Berlin besitzt zwei verschiedene Drucke der Stern- 
heim: Yv 7301 und B. Diez. 8°. 8439/40. 

Nr. 172: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 15 und Nachtrag zur W.-Biblio- 
graphie, Modern Language Notes 1918 33, 285 f. — Nach erbetener Mitteilung der Uni- 
versitätsbibliothek Basel steht in: Isaak Iselin, Sammlung, dem Nutzen und Vergnügen der 
Jugend geheiliget, Basel 1773 ^. 187 f.: 'Betragen des Weisen in Rücksicht auf die Ur- 
theile, welche andre von ihm fällen. Sie reden Was sie wollen; Mögen Sie doch reden! 
Was kümmerts mich?' Dazu Fußnote: 'Winkelmanns Sendschreiben von den Herculani- 
schen Entdeckungen S. 45.' Dies stimmt zu W.s Gedanken über eine alte Aufschrift, 
nur daß dieser Titel wegfiel und dafür der sachliche: Betragen des Weisen usw. gesetzt 
ist. Es bleibt zu prüfen, ob Nachdruck vorliegt oder Zitat. Der lückenhaft erhaltene Brief- 
wechsel zwischen W. und Iselin (Archiv für Litteraturgeschichte 13, 204 flf.) schließt die 
Möglichkeit nicht aus, daß W. von der Drucklegung wußte oder erfuhr. — Im Register 
der I. Au.sgabe der Sammlung 1768 ist nach Anzeige G. Ryhiners in Basel W.s Name 
nicht genannt; es könnte ja nur eine andere Schrift W.s darin aufgenommen sein. 



Prolegomena zu einer Wieb nd- Ausgabe. VIT. 29 

Einlag'e Nr. 177: Dr. Friedrich Schulze-Maizier in Erfurt teilt mit, daß das Meuselsche 
Handexemplar der Erfurtischen Gelehrten Zeitungen in der Universitätsbibliothek 
München die Verfassernamen der einzelnen Beiträge enthält. 

Nr. 182: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. i5f. und Nachtrag zur W. -Bi- 
bliographie, Modern Language Notes 1918 33, 286. Das Don-Sylvio-Exemplar Yv 5542 
der Staatsbibliothek Berlin ist im i.Tl. = Kurrelmeyers E", im 2. Tl. = dessen E^. — Jahr- 
buch der Goethe-Gesellsclrnft i, Soff. 

Nr. 183: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. i6ff. — Lubovius, Sprachge- 
brauch und Sprachschöpfung wie Nr. 138. Strich, Die Mythologie aaO. 1,84. 100. 

Nr. 186: vgl. Julius Maurer, Anton Schweitzer als dramatischer Komijonist, Publika- 
tionen der internationalen Musikgesellschaft, Beihefte 2. Folge XI, Leipzig 191 2 S. 20. 

Nr. 190: vgl. ebenda S. 20. 43. 

Nr. 192: Die Universitätsbibliothek Berlin besitzt: Der verklagte Amor 1772 
Yq 84931. 

Nr. 194: Die Universitätsbibliothek Göttingen besitzt: Alceste. Ein Singspiel in fünf 
Aufzügen, von Wieland. Die Musik ist von Herrn Schweitzer. oOuJ. 40 SS., ohne Sänger- 
verzeichnis und Musiknoten, anders als Nr. 209: 8° Poet. Dram. III 3504'. — Vgl. Kurrel- 
meyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 18. Julius Maurer, Anton Schweitzer aaO. S. 2 i ff . 45 ff". 
und 3 Musikproben. E. Marx, W. und das Drama aaO. S. Soff. Karl Ileinemann, Die tra- 
gischen Gestalten der Griechen in der Weltliteratur, Leipzig 1920 i, 126 — 130. — Böttiger 
bericlitet in seinen handschriftlichen Aufzeichnungen (Landes-Bibliothek Dresden): Daß 
W. Alceste so geraten, komme aus der damaligen Lage seines häuslichen Lebens. 'P> war 
im Begriff seine Frau in der Schwangerschaft zu verlieren und i^hanlasierte sich nun in 
seiner Frau eine sich opfernde Alceste. Schweizer kam selbst zu W. und ließ sich das 
Gedicht von ihm vordeklamieren. Nach dieser Lektüre komponierte er vortrefflich, vor 
allen schön das Lied, da Alceste den Lethe trinken soll.' — Die letzten 1 1 Verse des Par- 
thenia-Monologs IV. Aufzug i. Szene wurden, auf Chor (V.i — 3.9 — 1 1) und Einer (V. 4 — 8) 
verteilt, nach W.s Tod für das Weimarer Freimaurer-Liederbuch mit Komi)osition des Ka- 
pellmeisters Müller eingerichtet; davon gibt es Einblattdrucke kl. 8° mit der Überschrift: 
'An die Freundschaft' und Namenszusatz: Wieland. 

Nr. 195: vgl. Hans Wahl, Geschichte des Teutschen Merkur, Palaestra CXXVII, Berlin 
19 14. — Das Wieland-Museum in Biberach a. Riß besitzt nach Mitteilung Reinhold Schelles 
Akten über das preußische Privileg für den Merkur vom 17.9. 1775 und darauf bezügliche 
Schreiben von Göschen und Bertuch vom 26. 10. 1775. — II. Bräuning-Oktavio, J. H. Merck 
als Mitarbeiter an W.s Teutschem Merkur, Archiv für das Studium der neueren Sprachen 131, 
24 ff. 285 ff. Ders., J. IL Merck, Xenien 3', 267 IT. 349 ff. H. Reitzer, W. als Kritiker, 
Xenien 19 10, 3', 65 ff. R. Lote, La France et Tesprit fran(,'ais juges ])ar le Mercure de 
^V- I773~~'797> Repertoire bibliographique prccede d'une introduction, Paris 1913. — 
W.s Anteil am Merkur bedarf, besonders bei den nicht unterzeichneten Stücken und den 
Anmerkungen, durchwegs der Übei-prüfung. 

Nach Nr. 195: 195a, 195b. Zwischen 1773 und Mai 1796, von wo an Böttiger die 
Redaktion des Merkur übernimmt, W. also Antworten an unerwünschte Mitarbeiter wohl ihm 
überließ, wären einzuschalten die vier Verse, die, von J.G. Gruber, W.s Leben, Leipzigi828 
4, 1 96 mitgeteilt, an einen W. befreundeten Mann gerichtet sein sollen (vgl. Freundesgaben für 
C. A. H. Burkhardt, Weimar 1900 S. 146 und Prolegomena VI Anm. zu Nr. 766) und die 
acht Verse, die in F. W. Gubitz, Berühmte Schriftsteller der Deutschen, Berlin 1854 i, 245 
als 'Zurechtweisung' gedruckt sind (Euphorion 19, 5S3f.), falls die ersteren kein Reim- 
brieflein und die letzteren echt sein sollten. 



30 Seuifert: 

Nr. 198: s. unten Nachtrag zu Prolegomena III Übersetzungen Nr. lo. 

Nr. 208: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeid rucke aaO. S. i8ff. — O.Schissel von Fleschcn- 
berg weist das von Kurrelmeyer vermutete P^xemplar des Agathon £" mit Kupfern und 
Vignetten in der Universitätsbibliotliek Innsbruck 92 F 7 nach, wo der 4. Teil fehlt. (Ein 
vollständiges Exemplar vonü'^'mit Kupfern besitzt die Universitätsbibliothek Wien I 85229.) 
Die Titelkupfer sind in die Seitenzahl der ersten Bogen jedes Teiles eingerechnet, auch in 
den Exemplaren ohne Kupfer; aber die Blattzählung beginnt überall erst mit dem 2. Blatte 
des Bogens, so daß also alle ersten Bogen nur 7 Blätter zählen. Kennzeichen für E"" ist, 
daß die. Norm des Bogens S des 2. Teiles ist: 'II Band', während sonst 'II Theil' steht. — 
Wie schwer die Textvererbung festzustellen ist, nach den Kurrelmeyerschen Kennzeichen, 
möchte ich kurz andeuten: Tl. 2 S. 68 Z. 20 Denkensart E"^'' C Denkungsart E"^, dagegen 
Tl. 4 S. 105 Z. 13 Benkensart /;"'"' Denkungsart E"^ C"; das heißt also, der Setzer von C" be- 
wahrt einmal die sprachlich ältere Lesart, triflCt sich das andere Mal im jüngeren Sprach- 
gefühl mit dem von /s"''; daß er aus eigenem Geschmack an der ersten Stelle auf die 
frühere Lesung 'Denkensart' zurückgekommen sei, halte ich für ausgeschlossen und glaube, 
daß C" von E"" abstammt. Denn von den sonst bei Kurrelmeyer ausgehobenen Überein- 
stimmungen zwischen ^"' und C" ist nur die Stelle Tl. 2 S. 28 Z. 7 auffallend: Agathons 
Seele durchflog die Szenen von Liebe und Glückseligkeit der letzten Tage; von diesen Er- 
innerungen durchströmt, wollte sie den Gedanken nicht ertragen, daß sie 'in einem so 
beneidenswürdlgen Zustand' unter sich selbst heruntergesunken sein könnte, wie die vor- 
hergehende .^.ußerung des Hippias Agathons Verliebtheit auslegte; prosaischer gesagt : Aga- 
thon will Hippias nicht glauben, daß er in der Wonne der Liebe zu Danae von seiner 
idealistischen Weltauffassung abgekommen sei. Die Setzer von E"^ und C" haben sich von 
"heruntergesunken' verleiten lassen zum sinnstörenden Akkusativ: 'in einen . . . Zustand' 
(in C ist der Dativ wiederhergestellt); aus diesem Zusammentreffen allein möchte ich keine 
Abhängigkeit £^''> C" schließen; und noch deutlicher erweisen sich die andern Überein- 
stimmungen als Zufälle. .Setzer und Korrektor von C haben eben zuweilen versagt; darum 
wird das Zurückgreifen Tl. 2 S. i 2 2 Z. 1 6 auf 'Kargheit' E'"^, statt 'Klarheit', das die Vor- 
lage für C bot, der das Richtige neu findenden Durchsicht des Dichters und nicht der Be- 
nutzung eines E'"^ Druckes durch die Druckerei zuzuschreiben sein. 

Schissel von Fieschenberg hat auch die Zugehörigkeit der Kupfer zu Textstellen be- 
stimmt, die bei der unerwarteten Umsetzung von 'historischen' Szenen in die Putti- 
darstellung der Vignetten nicht unmittelbar offenliegt.' Das Kupferblatt zu Tl. i erklärt 
er aus S. 144 oben: Cyane sucht Agathons Blick auf sich zu lenken; die Vignette stellt 
den Bacchantinnen tanz S. 47 dar. Kupferblatt zu Tl. 2: der Liebesgott flattert auf Danae 
zu S. 20; Vignette: Agathon küßt die Hand der schlafenden Danae Tl. 1 S. 336. Kupfer- 
blatt zu Tl. 3 : der Syrakusaner begrüßt Agathon S. 8 ; Vignette : Bacchidion als Tänzerin 
S. 136. Ich füge den Schissel nicht vorliegenden 4. Teil hinzu: Kupferblatt: Agathon 
sinkt beim Anblick der Danae in die Arme des Kritolaus S. 114; Vignette: Agathon und 
Kritolaus, bei der Jagd vom Unwetter überrascht, treffen auf das Landhaus der Danae 
S. 97. — Die Seltsamkeit, daß zur Vignette des 2. Teiles ein Vorwurf aus dem Text des 
I . Teiles gewählt wurde, erkläre ich so : zur Zeit des Auftrags an den Kupferstecher war 
Buch 5 Kapitel 8 dem 2. Teile zugewiesen; denn Teil i mit XVI + 358 = 374 Seiten ist 
beträchtlich stärker als die übrigen Teile; wäre, wie Teil 2 mit dem 4. Kapitel des 
8. Buches geschlossen wird, auch Teil i mit dem 4. des 5. geschlossen worden, so wäre 
ein etwas ebenmäßigerer Bandumfang gewonnen worden; die Zerreißung des Buches wurde 
aber doch vermieden, die schon entworfene Vignette trotzdem für Teil 2 beibehalten. 

Nr. 211: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. 1,71. 



I 



Prolcgomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 31 

Nr. 214: vgl. J. Maurer, Anton Schweitzer aaO. S. 25. 44 und eine Musikprobe. — • 
P.E. Pavolini, II mito d' Ercole in alcune poesie moderne. Atene e Ronfia 10 N. 107. 108. 
F. Riedl, Der Sophist Prodikus und die Wanderung seines Herakles am Scheidewege durch die 
römische und deutsche Literatur. Progr. I. Staatsgymn. Laibach 1908 S. 3 8 ff. Strich, 
Die Mythologie aaO. i,2i6f. 

Nr. 216: Z. I f . lies: Anmerkung zu Der Mohr von Venedig. Eine Erzählung 
nach dem Italiänischen des Giraldi Cinthio. Unterz. d. H. (Berichtigung L. Pfannmüllers.) 

Nr. 228: Den Titel des Klavierauszugs teilt mir Dr. E. G. Stumme in Leipzig nach 
dem in seinem Besitze befindlichen Drucke mit: Alceste von Wieland und Schweitzer 
in einem Clavierauszuge lierausgegeben von M ***. Berlin und Libau, auf Kosten des 
Verfassers, und in Commission bey Lagardc und Friedrich 1786. Querfol. — - Die Staats- 
bibliothek Berlin besitzt den Druck: Mus. 0. 11411. 

Nach Nr. 232: 232a. L. Pfannmüller sclialtet ein: 1773 Anmerkung zu Auszug aus 
des Herrn P. Brydone Reise auf den Ätna. Unterz. H. Merkur 4, 109. — Danach sind 
wohl auch die Anmerkungen 4, 107. 108 W. zuzuweisen. 

Nr. 233: In Nr. 346 wird einiges überW.s Vorstudien zu den Abderiten bemerkt. 
— Vgl. Lubovius, Sprachgebrauch und Sprachschöpfung wie Nr. 138. Strich, Die Mytho- 
logie aaO. I, 83. loi f. 

Nr. 234: Vom Hoffmannischen Druck der Abderiten erschien noch 1774 ein Nach- 
druck: Bonn, bey Ferdinand Romnierskirchen, kuhrfiirstl. Hofbuch druck er und Buchhändler. 
Mit Kupferblatt von G. S. Facius. Universitätsbibl. Graz I 8412. 

Nr. 237: Der Druck der Wahl des Herkules wurde auch von Martin Breslauer 
Berlin, Verzeichnis 31 (Versteigerung Schüddekopf 19 18) Nr. 2142 ausgeboten. 

Nach Nr. 237: 237a. 1774. Werthes' Hirtenlieder. Leipzig Müller. Landes-Bibliothek 
Weimar W 2 : 22*^. Darin ist nacli des Direktors Prof Dr. Deetjen freundlicher Mitteilung 
S. 135 — 216, also auf den gleichen Seiten und mit demselben Schluß wie Nr. 192 Der 
verklagte Amor. Ein Fragment abgedruckt. Ob Neudruck oder Titelauflage, bleibt 
zu untersuchen. 'Der Best ist von J. D. Falk, dem der Band gehörte, handschriftlich ergänzt', 
fügt Deetjen seiner Beschreibung bei; es dünkt mich wahrscheinlich, daß Falk sich die 
Mühe der Abschrift der Ergänzung aus Nr. 281 vor dem Erscheinen des P^inzeldruckes 
Nr. 282 machte; oder sollte er W.s Handschrift benützt haben? 

Nr. 239: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 109. 

Nach Nr. 239: 239a. 1774 März. Erklärung gegen Lic. Albrecht Wittenberg. 
Unterz. Wieland. Hamburgische Neue Zeitung 15. März 1774 42. Stück; s. Archiv für 
Litteraturgeschichte 1 3, 4 1 5 f. 

Nr. 269: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 109. 

Nr. 273: L. Pfannmüller ergänzte: Anmerkung 2, 198 unterz. d. II. 

Nr. 303: Die Clavigo- Anzeige wird von E. Marx, W. und das Drama aaO. S. 3off. 
Anm. W. zugeschrieben. Vgl. aber Wahl, Geschichte des Teutschen Merkur aaO. S. 68 Anm. 

Nr. 310: vgl. Joseph Brock, Hygin in der deutschen Literatur, München 1913 S. 310. 

Nr. 311: vgl. Lubovius, Sprachgebrauch und Sprachschöpfung wie Nr. 138. Strich, 
Die Mythologie aaO. S. 84. loi. 

Nr. 313: vgl. W. Kurrelmeyer, Nachtrag zur W.-Bibliographie, Modern Language 
Notes 191 8 33, 284f 

Nr. 341: vgl. W. Bock, Die ästhetischen Anschauungen W.s, Berlin 192 i S. 78f. 

Nr. 343. 344: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i,i02f 

Nr. 353: vgl. E. Marx, W. und das Drama aaO. S. 4iff. W. Bock, Die ästhetischen 
Anschauungen W.s S. 108 ff. 



32 



S i: u y F E li T : 



Nach Nr. 369: 369a. 1775 September 3. Cantate auf den neunzehnten Ge- 
burtstag und Regierungs-Antritt des Herzogs von Sachsen-Weimar und 
Eisenach. Merkur 3, 193 — 195. Nicht unterz. und deshalb früher von mir niclit auf- 
genommen, ja des Stiles wegen verworfen, aber W. ausdrücklich zugewiesen in: Unter- 
haltendes Schauspiel nach den neuesten Begebenheiten des Staats, der Kirche, der ge- 
lehrten Welt und des Naturreiches vorgestellt. Im Jahr 1775. Sechzehnter Aufzug. 
Erfurt, druckts und verlegts H. R. Nonne S. 966 — 968. Vgl. P^uphorion i9,58off. Der 
Erfurter Druck folgt dem Merkur; nur hat er nach V. 11, wo die Seite wechselt, über- 
sehen, im Gedicht einen Absatz zu machen. — H. G. Graf teilt mir aus den Weimarischeu 
Wöchentlichen Anzeigen 6. 9.1775 Nr. 7 1 S. 290, 'Nachricht von der Feyerlichkeit bey 
Hofe und in der Stadt am 3ten September', gütig mit: 'Nach aufgehobener Tafel und 
eingenommenen Coffee hatte die Fürstliche CapcUe die Ehre eine feyerliche Cantate auf- 
zuführen, worzu der Herr Hofrath Wieland den Text gegeben und der Herr Capellmeister 
Wolf die Musik gesetzt hatte.' 

369b. 1775 Oktober 19. Auf die Wiederkunft und Vermählung eines Landes- 
fürsten, eine Cantate von Herrn Hofrath Wieland, in Musik gesetzt von Herrn Capell- 
meister Wolf in Weimar. Breslau, gedruckt mit Graßischen Schriften. o.T. Universitäts- 
bibliothek Breslau Lit. teut. II. Oct. 1 1 1 7''. Durch die Gefälligkeit der Bibliotheksdirektion 
kann ich das sehr seltene Stück hier einrücken. 



Kecitativ. 

Er l^ömmt, der junge Held, 

Ich sehe Ihn. 

Heil dir mein Vaterland! 

Er kömmt zurück, dein Hocbgelicbterl 

Sein Blut [? Blick;'] stralt Wonne, glänzt wie Hesperus. — 

Siehst du, wie. Ros' und Myrthe seine Stirn vertraulich 

krönt:' 
Vor seinem Wagen tanzt Freud' und Wohlfart her. 
Glücksei 'ge Stadt, frolocke laut: 
Du siehst, wie mit dem ädlen Bruder, 
Hand in Hand, 
Er deinen Thoren 
und Amaliens, 

für beide ofnen mütterlichen Armen entgegen eiltl 
Er kömmt, Er kömmt 
Ihr Bürger, Euer Fürst. 

ARIE. 
Empfangt Ihn, ihr Mädgen, mit Tänzen, 
Pflückt Blumen zu lachenden Kränzen, 
Bestreut Ihm mit Rosen den Pfad! 

Zeichnet jauchzend alle Spuren, 

Jünglinge, auf unsern Fluren, 

Die der gute Fürst betrat. V[on]. A[nfang]. 

Recitati V. 
Und iiir, ihr Sänger seines Volks seid stumm? 
Kein Lied von euch grüßtCarl August, denMusageten;' 
Dies soll nicht seynl [Gesang; 

Ergreift die goldne Harf ' — Er ist euch hold und Hebt 
Umringet Wonne trunken seinen W^agen, 
und, voll des Musengottes, 
singt Ihm das frohe Lied von Dejanirens und 

Alcidens Liebe. 



Mit Begleitung. 

Mein Lied sey Dejanira 
die Königstochter aus Calydon; 
Schöner als ihre Gespielen 
gieng sie in ihrer Schaar 
wie Luna in heitrer Mitternacht im Heer der Sterne! 

Mein Lied sey Dejanira, 
denn sie war weis' und gut! 

Ich singe den Göttersohn 
Alkmenens Erstgebohrnen, 
Ihn, dem [!] Tugend-geweih'ten ; 
Im Lenz seiner Jahre kam Er nach Calydon, 
und sah' die hohe Königs-Tochter; 
Zum erstenmahle entbrannte sein Herz 
und liebte Dejaniren, 
denn sie war weis' und gut. 

Auch Ihren Busen entflammte A m o rs reine Fackel 
für den jungen Held; 
Früh mit Aurorens erstem Gruße 
gieng einsam Dejanira, 

das Herz voll Liebe, in Amors heirgen Hain, 
wo unter gewölbten Myrthen das Bild des Gottes stand: 
Höher färbte sich mit Purpur die jungfräuliche Wange, 
schneller schlug ihr Herz, 
als Sie zum erstenmahle mit jungen Rosen die Stirn des 

Gottes kränzte, 
und eine Weyrauch-Schaale auf seinen Altar goß. 
»Allmächt'ger Amor, ists von dir 
»was ich in meinem Busen fühle? 
• Bist du es, der Aleiden mir zum Abgott meiner Seele 

machte? 
»So nimm, Allgütiger, dafür mein erstes Opfer an!« 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 33 

rief der Held, 
Aleides gieng an Blumenufem des Acheolus, und Tugend führte Ihn auf ihrem Pfad 

kämpfte mit sich selbst und Amorn, zu Dejaniren, 

Wollust und Tugend stritten lang um sein Herz, und zu ädlcn Thaten. 

bis Tugend siegte. 
• Dein bin ich, o Göttliche, auf ewig, Duett 

»Dir weih ich mein Leben« Seelig ist Liebe der Edlen, 

Seelig ihr heiliges Band. 

Die gesperrten Worte sind in dem Fraktnrdruck mit Schwabacher Lettern, einzelnes 
dazu noch gesperrt, Arie und Duett wie die Überschriften in größerer Frakturschrift gesetzt. 

Wäre die Verfasserschaft nicht so bestimmt bezeugt, so würde man diese zweite 
nicht minder als Nr. 369a schwache Kantate kaum W. zuschreiben, zumal der Druckort 
Bedenken erregt. Aber sie ist im gleichen Stile gehalten und durch die Bezugnahme 
des Textes auf die Wahl des Herkules Nr. 214 gewiß W. zuzueignen. Obgleich die Vor- 
au.ssetzung der Verse der I'lmpfang beim Eintritt in die Stadt Weimar am 17. Oktober 1775 
ist, dürften sie doch, vielleicht in nachträglicher Änderung der Festordnung, die Kantate 
der Gymnasiasten bilden, von der, nach H. G. Grafs Auszug, die Weimarischen Wöchent- 
lichen Anzeigen 21. 10. 1775 Nr. 84 S. 343 melden: 'am Donnerstag [19. 10.] Abends hatten 
auch die hiesigen Gymnasiasten ihre Cantate vor dem Fürsten aufzuführen und zu über- 
reichen Erlaubniß erhalten.' 

Nr. 370: Ist hiefür Scarron, Typhon ou la Gigantomachie, poeme burlesque, das 
Boileau in der Art poetique empfohlen hat, anregend? 

Nr. 382: Die Handschrift ist im Besitz des Goethe- imd Schiller-Archivs. 

Nach Nr. 384: 384a. 1776. Comische Erzählungen. Zweyte und verbesserte 
Auflage. oO. 1776. Universitätsbibliothek Breslau bei Lit. teut. I. Oct. 98. Nachdruck? 

Nr. 387: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 1 10. 

Nr. 390. 396 sind bei Leonard Meister, Characteristik deutscher Dichter, St. Gallen 
und Leipzig, bey Huber und Compagnie 17S9, i,359ff. benutzt, wohl ohne Zutun W.s. 
Ich erwähne es, weil Goedeke, Grundriß 4', 623 zu dem Werk 'ergänzt von Wieland' 
bemerkt, was sich meines Erachtens nur auf die Meistersche Wielandbiographie (Caracteres 
des jx)etes les plus distingues de lAUemagne, Zuric Fiissli, et Steiner de Winterthour 1789 
S. 2 25ff.) beziehen soll; vgl. Ausgewählte Briefe W:s hg. v. Geßner 3, 3 79 ff. Jahresbe- 
richte für neuere deutsche Literaturgeschichte 16,460. Robert Arnold in Wien hat mich 
zu dieser Nachprüfung veranlaßt. 

Nr. 391: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, 73f. 

Nach 391: ?391a. 1776. Anzeige von Musenalmanach für das Jahr 1776. 
Merkur i, 85ff. Ni<ht unterz. Wird in Boies Brief an Gotter 9. März 1776 W. zuge- 
schrieben; sie stammt aber wegen W.s Brief an Merck vom 26. Januar 1776 (Wagner, 
Merckbriefe i , 86) wohl von Merck. Der Stil, besonders der Eingang, dünkt mich nicht 
W.i.sch. Vielleicht hat Boic mit W.s Namen den Merkur bezeichnet. 

Nr. 395: L. Pfannmüller vermutete, der in der Anmerkung erwähnte Herausgeber 
scheine in diesem Falle nicht W., sondern Wezel zu sein als Editor der Ehestands- 
Geschichte des Herrn Philip Peter Marks. 

Nr. 405: Merkur 2, 90 ff. ist etwas verändert aufgenommen in Leonard Meister, 
Characteristik deutscher Dichter i, 75 ff., wohl ohne W.s Mitwirkung; vgl. zu Nr. 390. 396. 

Nach Nr. 411: 411a. 1776. Erziehungs-Wesen. Merkur 2,109 — m- Nicht 
unterzeichnet. W. Stammler, Der Hofmeister von J. M. R. Lenz, Diss. Halle a. S. 1908, 
S. 119 Anm. 13 vermutet W. als Verfasser dieser Anzeige der Chur-Cöllnischen neuen 
Schul -Ordnung. 

Phil.-hisl. Abh. 1921. Nr. 3. 5 



34 



Seuffekt: 



Nr. 413: vgl. Rudolf Germann, W.s Gandalin, Probefahrten, hg. von A. Köstor 26, 

Leipzig 1914. 

Nr. 428: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, 73^- 

Nach Nr. 433: 433a. Der Entwurf zu einem Gedicht an Chesterfield, hg. von Erich 
Schmidt, Sitzungsberichte der Preuß. Akademie der Wissenschaften, Berlin 1909 S. 2i4f. 
ist besser hier als nach Nr. 437 einzureihen, wie Prolegomena VI S. 1 10 geschah. 

Nr. 439: Alexander v. Weilen vermutete unter dem 'Universal Magazin' : The universal 
magazine of knowledge and pleasure, London 1747 — 1783- 

Nr. 443: vgl. J. Maurer, Anton Schweitzer aaO. S. 2 8ff. 58 ff. und zwei Musikproben. 
E. Marx, W. und das Drama aaO. S. 104 ff. 

Nr. 446 : vgl. Kurrelmeyer, Nachtrag zur W. -Bibliographie, Modern Language Notes 1 9 1 8 
33, 286f. 

Nr. 449: Ein bei Max Perl, Berlin, zur Versteigerung vom 8. April 191 1 unter 
Nr. 1072 ausgebotener Druck 'Lady Johanna Gray. Ein Trauerspiel. oOuJ. 1777. 8"' wird 
identisch sein mit dem hier verzeichneten, wie aus dem Widerspruch '0. J.' und der Jahres- 
zahlangabe zu vermuten ist. 

Nr. 461. 462 sind: Taschenbuch für das Verdauungsgeschäft von 1785 [hg. von 
Georg Carl Claudius] Gedruckt zu Spashausen [= Leipzig, Cnobloch] S. 1 1 2— 1 1 7 abgedruckt 
und im 'Inhalt' S. XIV W. als Verfasser zugewiesen; ob aus anderem Grunde, als weil 
die Anekdoten im Merkur und unter Miscellaneen stehen, die teilweise von W. gezeichnet 
sind, bleibt offen. 

Nach Nr. 467: 467a. 1777 Februar. Anzeige von Des Grafen von Shaftesbury 
philosophische Werke. Aus dem Englischen übersetzt. Erster Band. Leipzig 1776. In 
der Weigandschen Handlung. Merkur i, 20if. Nach Charles Elson, W. and Shaftesbury, 
New York 191 3 S. lof. : 'The review . . . is evidently by Wieland'. Das Buch ist nicht 
in W.s Büchernachlaß verzeichnet. 

Nr. 469: L. Pfannmüller ergänzte: S. 272 unterz. W. 
Nr. 471 : vgl. Nr. 48 1 . 

Nr. 481: L. Pfannmüller beobachtete den Bezug zu Nr. 471. 

Nr. 486: vgl. Strich, Die Mythologie 1,84. 204 f. W. Bock, Die ästhetischen An- 
schauungen W.s, Berlin 192 1 S. i04ff. 

Nr. 498: Heinse schreibt 18. Januar 1778: der Kurfürst von der Pfalz würde W. 
vermutlich ein sauer Gesicht machen, 'daß er dem Kaiser sein göttliches Recht in der 
sonderbaren und unbegreiflich wunderlichen Epistel an Dohm im Mercur so herausgestrichen'. 
Archiv für Litteraturgeschichte 4,370. 

Nr. 505: vgl. Funde und Forschungen, Leipzig 192 i S. 168 Anm. 85. 
Nr. 524: Originalhandschrift von Ein viersylbiges Wort im Wieland-Museum in 
Biberach a. Riß, mir durch Reinhold Schelle vorgelegt; 1^2 SS. 8" Fraktur von W.s 
Altershand; gehört also nicht in den Anhang zu Bd. 12, sondern in den Text gegen Ende 
Bd. 13. Ich vergleiche mit dem Abdruck in Freundesgaben für C. A. IL Burkhardt, 
Weimar 1900 S. i39f. : Nacli Vers i Abstand von der 2. Zeile; 2 sn'n über unterstrichenem, 
nicht durclistrichenem säh'en; 3 Bindestrich nach Gold fehlt; 6 das zweite der üdZ nach- 
getragen; 9 Interpunktion fehlt, well kein Platz mehr am Zeilenende; 10 uns üdZ 
nachgetragen; ii szcA mcA^ wor^Aei/Ao/i; über gestrichenem: schwerlich sich; 15 Im Fürstenbetle 
wie über gestrichenem Im königlichen Bette danach vielleicht noch u [nd] gestrichen ; 2 2 darf 
nicht Einem Seinesgleichen über gestrichenem: ist ein Stoffe woraus; 24 statt unverdrossen 
steht unverdroßne 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 35 

Nr. 549: L. PfannmOUer hob die kurze Anmerkung zum gleichen Aufsatz S. 267 aus, 
unterz. Fr. d. H. [Frage des Herausgebers]. 

Nr. 596: vgl. Prolegomena VI S. 70. Joseph Brock, Hygins Fabeln in der deutschen 
Literatur, München 1913 S. 94ff. E. Marx, W. und das Drama aaO. S. 1236". 

Nr. 602: Von den Unmaasgebliclien Gedanken über Bahrdts Glaubens- 
bekenntnis besitzen unter dem angeführten Titel die Universitätsbibliothek Prag i 2 G 488 
und die Landesbibliothek Stuttgart Theol. 4° kaps. einen Einzeldruck oOuJ. 

Nr. 611: W.s Verfasserschaft dadurch gesichert, daß er die Anekdoten bei Zusammen- 
stellung des Inhalts der Supplemente Bd. 6 zu seinen Werken Ausg. letzter Hand unter 
seinen Schriften in den Adversarien Nr. 1192 verzeichnet hat; s. Nr. 1193. 

Nr. 618: vgl. Lydia Marinig, Der Einfluß von Ariosts Orlando Furioso auf W., 
aaO. 1912 S. 3iff. 1913 S. 6f. Tribolet wie zu Nr. 147. Strich, Die Mythologie aaO. i,94f. 

Nr. 620: lies: Umschlag zum Merkur Vierteljahrsheft usw. 

Nr. 659: vgl. unten zu Nr. 11 96 und zu Übersetzungen Nr. 23 a. 

Nr. 692: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, 1940". 

Nr. 701 : vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 20. Die Staatsbibliothek Berlin 
besitzt unter Signatur Yv 5870 einen Kurrelmeyers E^^ nahestehenden, doch eigenen 
Druck der Abderiten. — Frdr. Schulze-Maizier, W. in Erfurt, SA. aus Jahrbücher der Aka- 
demie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt N. F. Heft 44, Erfurt 1919 S. 73ff. 

Paul Alfred Merbach in Berlin, durch Nachweise um die W. -Ausgabe vielfach ver- 
dient, machte mich auf die Veröfientlichung eines Abderitenbruchstückes in der 
Mitternachtzeitung aufmerksam. Der Direktor der lizgl. Bibliothek in Wolfenbüttel, Dr. 
0. Milchsack, ermöglichte mir die Benutzung des seltenen Bandes im Frühjahr 191 8. 

In Nr. 56 des 7. Jalirganges der Mitternachtzeitung, der zu Braunschweig und Leipzig 
im Verlags-Comtoir 1832 erschienen ist, beginnt am 6. April S. 222 eine Reihe von ii 
bis zu Nr. 70 vom i. Mai reichenden Mitteilungen unter dem Titel: Bruchstücke aus 
Wielands Nachlasse. Die am Schlüsse verheißene Fortsetzimg folgt nicht. Nr. 56 gibt 
nur eine Vorbemerkung. Nr. 57. 58. 63. 64. 65 enthalten: 'Die Abderiten. Zweites Buch. 
Siebentes Kapitel. Von den Folgen, welche der Besuch des Hippokrates bei dem Deraokritus 
auf das leibliche Wohl der Republikaner hatte'. In Nr. 65 beginnt: 'Die Abderiten. Zweites 
Buch. Neuntes Kapitel. Die Reise nach dem Hafen. — Die Apopatie. — Glückliche 
Heilungen.' Zu dessen Beginn steht die Anmerkung: 'Das in der Druckschrift folgende 
siebente Kapitel ist nun als das achte anzusehen, welches nachzulesen wir den geneigten 
Leser unmaaßgeblich vorschlagen.' Das Kapitel wird fortgesetzt Nr. 66. 67. 68. 69. In 
der letzten Nummer hebt an: 'Neuntes Kapitel. Die Apopatiker in Abdera. Apotheose 
des Onokefalus', das in Nr. 70 weitergeführt, aber nicht beendet wird. 

Die Vorbemerkung lautet: 

Der Redaction diesrr Blätter sind diese Bruchstücke, wovon von Zeit zu Zeit Proben erfolgen sollen, 
nicht auf diplomatischem Wege durch die Herren J. G. Gruber, D. Erhard, F. II. Jacobi u. s. w. zugekommen, 
sondern ein Langensalzer Bürger erstand zu Weimar in einer Auction eine Kiste mit beschriebenen und zum 
Theil bedruckten Papieren, die er zu einer Dosenfabrikation zu verwenden bestimmt hatte. Der Factor dieser 
Fabrik, ein Mutterschwcstei-sohn des Redacteurs, war bei dem Sortiren dieser Blätter selbst gegenwärtig, und 
er, als ein Halbgelehrter, der sich in der deutschen Literatur etwas umgesehen hatte, entdeckte unter diesen 
Papieren mehre handschriftliche Kapitel der Abderitengeschichte unseres Wielands. Die Grubereche Ausgabe 
der Werke Wielands befand sich in seiner Handbibliothek, er säumte nicht, jene Manuscripte mit der Druck- 
schrift zu vergleichen, und fand wenig abweichende Stellen; jedoch schien es ihm, daß diese Handschrift wahr- 
scheinlich der erste Entwurf Wielands zur Abderitengeschichte gewesen sein müsse, und das Wasserzeichen im 
Papiere (I. K. 1772) schien ihm einen synchronistischen Beweis für seine Meinung zu geben. — Nun erinnerte 
sich der Factor seines Vetters, des Redacteurs der Mitternachtzeitimg; er glaubte es der Welt und den Manen 
Wielands schuldig zu sein, diese Manuscripte, die vielleicht auch noch ungedruckte Sachen enthalten konnten, 



36 S E U F I- E R T : 

dem Untergange zu entreißen, und der Entschluß, dem Vetter damit ein Geschenk zu machen, war sogleich 
gefaßt, und, nachdem, dem Gewichte nach, das Papier mit anderer Maculatur ersetzt war, auch ausgefühi-t. 
Die Redaction nahm nun eine sorgfältige Ordnung dieser Blätter vor und hatte das Glück, mehre Ent- 
würfe zum Danischmend, dem goldnen Spiegel, der Wasserkufe, den Abderiten, Agathon, Don Sylvio von 
Kosalva u. s.w. zu finden. Kein Zweifel also, daß diese Manuscripte aus dem Wielandschcn Nachlasse 
stammten. — Merkwürdig war aber, die größere Breite des Inhaltes dieser Manuscripte, wenn man sie mit 
]doi)pelt.'] den Druckschriften Wielands verglich. Da fand sieb, daß der große Mann oft, nicht bloß ganze Blätter, 
ja oft ganze Capitel verworfen hatte. — Wielanden ist oft eine zu große Breite in seinen Werken als Fehler 
vorgeworfen worden, und es hieße einen Verrath an den Manen des großen Mannes begehen, wenn man jene 
Breite durch Druck wieder herstellen wollte. — Auf der andern Seite aber ist es auch Pflicht, Proben der- 
selben dem Publikum nicht vorzuenthalten, damit man den großen ^Mann bei seinen ersten Entwürfen sowol, 
als auch als Autaristarch kennen lerne; und so mag es der geneigte Leser entschuldigen, wenn wir einige 
ungedruckte Kapittel hier abdrucken lassen. — Da unser Vetter, der Factor der Schnupftabacksdosenfabrik, 
die Entdeckung durch die Abderitengeschichte machte, so halten wir es für zweckmäßig, aus dieser einige 
ganze bisher ungedruckte Kapitel unsern Lesern mitzutheilen; müssen aber bevorworten und versichern. 

Per gcnium dextramque Deosque Penates, 
daß wir nicht etwa diese Kapitel untergeschoben, und auf unsere Zeit, unser Land oder unsere Stadt wollen 
angewandt wissen. Im Schlüssel zur Abderitengeschichte. hat ja Wieland selbst erklärt, daß nach der großen, 
durch die Unzahl der Frösche bewirkten Auswanderung der Abderiten aus ihrer Mutterstadt, sie wie die Juden 
in alle Welt zerstreut, in alle Nationen mehr oder weniger Abderitisches Blut einges[ch]muggelt haben sollen, 
und daß vielleicht unsere Lust, diese ungedruckten Kapitel abdrucken zu lassen, selbst eine Folge von den 
Abderitischen Atomen ist, die in unsern Adern wallen; denn bessern werden wir dadurch die Abderiten nicht, 
wol aber wird jeder wahre Abderit uns unsere Druckseligkeit bei vorkommender Gelegenheit tüchtig ein- 
tränken; und daß man dieses Völkchen allenthalben antrifft, hat Hafen Slawkenbergius S. 864. zwar gesagt, 
aber zu sagen vergessen, daß sie an gewissen Orten und in den Provinzen, worin diese liegen, etwas dicker 
gesäet sind, wie z. B. in Schiida, Krähwinkel, Irland, Schwaben, Schöppenstädt, Ungarn, Gascogne u. s.w., als 
anderswo; an manchen von diesen Orten aber haben diese Abderitennachkömmlinge auch eine klimatische 
Bosheit angenommen, die ihren Urvätern nicht eigentlich in dem Maße angeboren war. Doch, ohne Furcht 
vor ihnen, zur Sache selbst. 

Der sachliche Teil dieser Erklärungen klingt nicht von vornherein unglaubwürdig. 
Wir wissen, daß ein Koller, wenigstens mit Briefen an W., verloren ging und daß W. deren 
Ordnung überhaupt vernachlässigte (Journal für Litteratur, Kunst, Luxus und Moden 18 14 
S. 557. Der Gesellschafter 1826 S. 898). Einige Handschriften seiner Werke hat der sorg- 
same Bodmer verwahrt, andere die Empfanger der GlückAvunsch Widmungen; W. selbst hat 
gleich Schiller sie nach der Drucklegung für erledigt erachtet und nicht druckreif Gewordenes, 
anders als Goethe, mißachtet. Erst aus den späteren Jahren von W.s Leben' haben Zu- 
fälle einzelnes gerettet. Dazu ist der Nachlaß kaum sorgfältig behütet Avorden. Es ist 
also nicht unmöglich, daß noch 1832 eine Kiste mit Handschriften W.s als Makulatur in 
Weimar auftauchte. 

An der Inhaltsangabe des Fundes fällt nur das eine auf, daß neben den in den sieben- 
ziger Jahren verfaßten oder umgearbeiteten Werken auch die Wasserkufe aus dem Jahre 
1794 erscheint. Das macht die Angabe einigermaßen verdächtig. Der Verdacht wird be- 
stärkt durch die feierliche Versicherung des Herausgebers, er habe nicht etwa die Abderiten- 
kapitcl untergeschoben und wolle sie nicht auf seine Zeit, sein Land, seine Stadt angewandt 
Avissen, er werde die Abderiten nicht bessern, wohl aber würden sie ihm die Veröflent- 
lichung eintränken; so sei es abderitisch, daß er diese Kapitel drucken lasse. Die un- 
nötige Verwahrung an sich, gar die Ablehnung eines Gegenwartsbezuges und die im Wider- 
spruch dazu stehende Erwartung übler Folgen für den Herausgeber fordern die Vermutung 
heraus, der Herr Vetter Faktor der Schnupftabakdosenfabrik sei erfunden, um wie Hippo- 
krates den Zeitgenossen Nieswurz zu reichen. Denn sonst wäre bei den 'gebildeten Ständen', 
für die die Mitternachtzeitung dem Titel nach bestimmt war, doch keine Entschuldigung 
nötig, daß ihnen neue Abderitengeschichten vorgesetzt werden. 

Allerdings widerspricht das dem Jahrgang beigeheftete Programm der kosmopolitischen 
Tendenz der W.ischen Satire und bekennt im entschiedenen Gegensatz dazu die Mitter- 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 37 

nachtzpitung als ein Blatt für deutsches Wort an deutsclie Männer und Frauen, kündet 
Krieg den feilen Sklaven, Krieg der Ausländerei an; verbeißt Erzählungen und Gedichte 
zur Weckung der Vaterlandsliebe, Bilder aus dem deutschen Volksleben für deutsche 
Einheit und Unabhängigkeit; aber es will doch auch unter 'Kunst und Wissen" das Schöne, 
Gute und Nützliche sammeln, wo es sich findet, weil dieses ein Gemeingut aller Menschen 
ist. Hierzu paßten denn W.ische Schriften ohne Vorbedenken; und wirklich Avird auch 
S. 624 in der ständigen Rubrik zur Kulturgeschichte ein Allgemeinsatz W.s mitgeteilt. 
Außerdem betont der Novemberjirospekt für den Jahrgang 1833 das Deutschtum nicht 
mehr, versichert allgemein : 'Das Schönwissenschaftliche wird den Hauptbestandtheil unseres 
Blattes auch fernerhin ausmachen', worunter Abderitengeschichten, alt oder neu, begriffen 
werden konnten. 

Wer der Herausgeber der Zeitung (Goedeke 8, 38 Nr. 188) damals war, kann ich 
nicht feststellen. K. Clin. Frdr. Niedmann, der den Verlag Industrie-Comptoir in Braun- 
schweig gegründet hatte, war 1830 gestorben (Goedeke 6, 416 Nr. 42; 9, 205 Nr. 15, 2d). 
Da er ein mir nur dem Titel nach bekanntes Sittengemälde 'Krähwinkel wie es ist' ver- 
fäl5t hat, wäre ihm eine Abdcritenerweiterung zuzutrauen; sie könnte aus seinem Nach- 
lasse stammen, aus dem mir unbekannte Erzählungen 1833 ediert worden sind. Als Heraus- 
geber des 'Beiblattes' der Zeitung, der 'Dramaturgischen Blätter', wird 1832, also im Er- 
scheimmgsjahr der Abderitenfunde, Dr. Karl Köchy genannt, der sich als Dramaturg einen 
Namen machte und 1834 die Leitung der Mitternachtzeitung übernahm (Goedeke 9, 336 
Nr. 35 bes. Stück 13). Icli weiß nicht, ob einer der beiden Herausgeber Kenntnisse über 
antike Naturforscher und besonders Ober Anaxagoras und einiges fachmäßige Verständnis 
der neuen Medizin gehabt hat, wie sie der Verfasser der Funde besitzt; denn die mit- 
geteilten Kapitel sind Arztsatirc und gehen darin weiter, als ich bei W. sonst wahrnehme, 
der es sich sogar als Unvorsichtigkeit Jinrechnet, daß er über einen tödlich verlaufenen 
Pockenimpffall in seiner Zeitschrift habe schreiben lassen (Teutscher Merkur 1774 4, 279), 
der im Kampf gegen den Älagneti.smus die medizinische Seite nicht berührt (Teutscher 
Merkur 1787 i, 82fl'.; 172 ff.; 4, I53ff.), der im Streit Jhn. Benjamin Erhard gegen Hufe- 
land da.s Richteramt in ärztlichen Dingen ausdrücklich ablehnt, die Fortsetzung der Fehde 
in Fachzeitschriften verweist (Teutscher Merkur 1795 3, 153. 1796 i, 94). Nur ins erste 
der Gespräche unter vier Augen schaltet er Arztsatire ein (Teutscher Merkur i 798 i, i 2 i ff.): 
die 'kleine Geschiclite', das 'Märchen' behandelt das Schicksal eines tüchtigen Arztes der 
Reichsstadt Kuhschnappel; der war sehr beliebt, besonders beim dritten Stand, bis ein 
Aristokrat die Arzneikuust in Schrift und Possensi)iel herabsetzte und durch seine Ver- 
wandtschaft das Ansehen des Stadtarztes untergrub ; darauf verfielen die Kuhschnappler 
Pfuschern und Quacksalbern, der kenntnisreiche Arzt verließ die Stadt. Was hier als Beispiel 
für Vorurteile erzählt wird, stimmt in der Auffassung durchweg zum Inhalt der Abderiten- 
funde, enträt aber im Abstand von ihnen jeder feichmännisehen Einzelheiten. 

Und ebenso werden die abderitischen Ärzte in W.s Werk -nur allgemein als wenig 
einsichtig gekennzeichnet. Zu Ende des i. Kapitels des V. Buches wird erzählt, daß sie 
sich die Köpfe zerbrachen, um zu erraten, woher es käme, daß Schnupfen, Flüsse und 
Hautkrankheiten von Jahr zu Jahr überhandnahmen; aus Deisibatrachie suchten sie die 
Erklärung nicht in der Verwandlung Abderas und der ganzen Gegend umher in einen 
unabsehbaren Froschteich. Einer genaueren Behandlung dieses Standes weicht W. aus; 
sonst würde er bei Hippokrates' Anwesenheit in Abdera die einheimischen Ärzte ihm 
gegenübergestellt, etwa ihre beschränkte Empfindlichkeit über die Berufung des Unpar- 
teiischen zur Beurteilung des Geisteszustandes Demokrits gegeißelt haben. Diese Gelegen- 
heit benutzt denn klug der gefundene Entwurf zur Arztsatire. 



38 Seuffert: 

Die Kapitel der Mittemachtzeitung scliließen an Hippokrates' Auftreten in Abdera 
an. Er hat in W.s II. Buch 6. Kapitel Demokritus besucht, sie verstehen sich Irefflich 
als Kosmopoliten; der Arzt scheidet von Demokrit mit der Erklärung, die Abderiten 
sollten ihn nicht umsonst berufen haben. Im nächsten Kapitel bringt W., diese Ankün- 
digung erfüllend, des Hippokrates Rede vor dem Senat. Statt dessen gibt aber das 
7. Kapitel der Mitternachlzeitung weitere Unterredung zvv^ischen Hippokrates und Demo- 
kritus, und zwar über das Medizinal wcsen der Republik ; besonders ist Onokefalus Gegen- 
stand der Unterhaltung, der als Anhänger der knidischcn Schule die koische (der ja 
Hippokrates angehört) herabsetze, der die Damen aus dem Punkte zu kurieren verstehe, 
woraus ihre größten Leiden entspringen [ist der Ausdruck vor Goethes Faustfragment 1790 
öffentlich geläufig? W. allerdings könnte il)n aus dem sog. Urfaust Ende 1775 sich angeeignet 
haben] usw. Anknüpfend an die Froschzungenprobe (I. Bucli 12. Kap.), von der Hippo- 
krates durch Demokritus erfahren habe (was W.s Angabe II 6, die Unterredner liätten 
der Abderiten gänzlich vergessen, zuwiderläuft), berichtet Demokritus von Knetkuren, 
die Onokefalus auf dem goldenen Hammelfell des Jasontempels an den Abderitinnen vor- 
nahm, bis er ertappt und geprügelt wurde. • 

Bis hierher könnte die Geschichte, allesfalls ohne die Prügelei, ein W.ischer Einfall 
sein ; der Erzpriester des goldenen Widderfelles empfängt auch bei ihm nächtliche Mäd- 
chenbesuche. Nun aber schlägt Hippokrates vor, er wolle ein unschädliches System im 
Sinne der knidischen Schule erfinden, zu dessen Anwendung Demokritus den Arzt Ono- 
kefalus (der Name ist nach W.s Onobulos, Ojiokradias, Onolaus V. Buch 3. Kap. u. ö. 
gewählt aus dessen Danischmende, wo M. Pantaleon Onocefalus Fußnoten zeichnet; vgl. 
Aristipp Buch 3 Brief i die Abderitenfomilie, deren Namen mit onos zusammengesetzt 
wurden) gewinnen solle. Hippokrates verlangt zuvor noch eine Übersicht über die Ärzte 
in Abdera, ob von ihnen Widerstand zu erwarten sei. Demokritus kennzeichnet fünf 
Ärzte, darunter auch den tüchtigen Sigmander, der dann zur Unterredung dazutritt (der 
Name erinnert an W.s Doktor Solauder I. Buch 3. Kap.). 

Nun soll nach der Anweisung des Herausgebers das W.ische 7., das letzte Kapitel 
des II. Buches folgen, worin Hippokrates seine Rede über Demokritus hält imd abreist, 
die Abderiten durch die Zeit des Mittagsmahles und die Ankündigung der bevorstehenden 
Euripidesaufführung — sie macht dann den Inhalt des nächsten Buches aus — von der 
üblen Erfahrung mit Hippokrates abgelenkt werden. Der Herausgeber bringt aus dem 
vorgebhchen Funde als Eingang des 9. Kapitels frühere und gleichzeitige Vorgänge: Sig- 
mander geleitet Hippokrates vom Landhaus des Demokritus zur Stadt, wobei Hippokrates 
den wesentlichen Inhalt der Rede, die er hier halten will, mitteilt und vereinbart, sich 
mit Sigmander und Demokritus danach auf dem Wege zum Hafen zu treffen, da er vor 
der zu erwartenden Rache der Abderiten schleunigst flüchten will. Als dann die drei 
verabredungsgemäß zusammen reiten, verlangt Demokritus von Hippokrates das verheißene 
ärztliche System. Nach dessen Darlegung treffen sie auf den von Maultiertreibern ge- 
prügelten Onokefalus, er wird auf Demokrits Landgut gebracht, dieses dabei in einer 
Pracht beschrieben, die etwas Farbe von W.s Schilderung äthiopischer Gärten entlehnt,- 
aber der Angabe I. Buch 12. Kapitel über Demokrits Landhaus völlig entgegensteht. Ono- 
kefalus wird in das neue System eingeweiht. 

Das nächste wieder 9 bezifferte Kapitel sollte als das 10. bezeichnet sein; offenbar 
hatte der Herausgeber Kapitel 7-9 des vorgeblichen Fundes zuerst in einem Zuge auf- 
gefaßt, später erst W.s 7. Kapitel als 8. eingeschoben und nur sein 8. in 9., nicht aber 
auch das 9. in ein 10. umbeziffert. Das Kapitel bringt die erfolgreiche Einführung des 



ProJpgomma zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 39 

aufgeschwatzten Heilsystems in Abdera und die Ankündigung der Apotheose des Ono- 
kefalus, vor deren Darstellung abgebrochen wird. 

Es ist wenig wahrscheinlich, daß W. sich gegen eine besondere Riclitung der Me- 
dizin, wie dicLes Heilsystem, ausgesprochen haben soll; noch weniger daß er Arztpersön- 
lichkeiten zeichnete und schließlich zum Fest der Apotheose 'die Vorsänger Kloppenheimer 
und Simson' als Gesandte des Königs Jaddes von Hierosolyma einführte, auch das Schweine- 
schlachtcn während ihrer Anwesenheit verbot, wie schon im vorletzten Kajiitel die Pa- 
lästinische Diaeta antisybaca erwähnt haben sollte. Denn wenn auch W. im Schlüssel 
zur Abderitcngeschichte den Hafen Slawkenbergius (vgl. Sterne, 'l'ristram Shandy Tl. 3 
Kaj). 38 fr.), auf den sich der Herausgeber der Mitternächtzeitung im Vorwort und im 
letzten Kapitel bezieht, sagen läßt: man sehe und höre so gewiß, daß ein Abderit ein 
Abderit ist, als man es zu Frankfurt und Leipzig, Konstantinopel und Aleppo einem 
Juden anmerke, daß er Jude sei, .so lag ihm doch in den siebenziger Jahren und wohl 
überhaupt Satire aufs Judentum fern. Zudem ist die Ausfiihruiig mehr boshaft als hu- 
moristisch, wie ja der Herausgeber selbst spürt, indem er am Schlüsse seiner Vorbemer- 
kung sagt, an manchen Orten hätten die zerstreuten Abderiten eine ihren Vätern nicht 
in dem Maße angeborene 'klimatische Bosheit' angenommen. Sie ist auch derber und 
für den guten Ton anstößiger (die neue Mctliode besteht im Essen von XnönAToc, scy- 
balon anthropinum), als W. zugetraut werden kann. Ausdrücke wie: Demokritus 'kreischte 
hier fast wiehernd', Hippokrates 'kicherte' würde sich W. für diese beiden ihm Hoch- 
stehenden nicht erlaubt haben, nur fiir das törichte Lachen abderitischer Zuhörer wählt 
er die Worte wiehern und kichern. 

Dazu kommt,/ daß in dem Nachlaßfunde zweimal auf andere Kapitel des Werkes 
verwiesen wird, auf das I. Buch 5. Kapitel (S. 262) und sogar auf das IV. Buch 8. Ka- 
])itel (S. 254). Auch setzt die Veröffentlichung gleich ein: 'Im sechsten Kapitel redeten 
wir von' . . . und verheißt (S. 254) die Klage wegen Pfuscherei, 'deren Ventilation wir 
in einem besondern Kapitel zu beschreiben gedenken'. Derlei bestimmte Verweisungen 
und so plumpe Anknüpfung finden sicli in W.s Werk nicht, wenn er auch einmal (III 4) 
beginnt: 'Ehe wir von dieser Abschweifung . . . zurückkehren, möchte es nöthig seyn . . . 
einen kleinen Zweifel zu benehmen, der . . . während vorstehender . . . Abschattung . . . 
aufgestoßen seyn möchte' und ein andermal (III 8) sagt: 'es ist oben schon bemerkt 
worden' und allgemeine Vorankündungen ähnlich bringt. Der Hinweis auf ein Kapitel 
eines späteren Buches setzt voraus, daß bei Niederschrift des Entwurfes, den doch der 
Fund vorstellen will, das ganze Work schon in Kapiteln fest beziffert war; dagegen aber 
würde der Fund selbst sprechen, weil er ja mehr Kapitel am Schlüsse des IL Buches 
bringt als dessen Druckgestalt. Die Verweisungen verraten, wo der Verfasser des Ent- 
wurfes sich anlehnte für seine Erfindung, was auch ohnedies hier wie sonst daran deut- 
lich zu erkennen ist, daß unwahrscheinliche Wiederholungen sich einstellen. Er ist in W.s 
Werk gut eingelesen, so daß er im allgemeinen auch seine Redeweise einhält. Doch 
beliebt er mehr Wendungen aus fremden S])rachen einzustreuen als W. ; bei diesem kom- 
men auf 58 Kapitel etwa 66 Fremdwörter, bei dem Nachlaßfunde auf 2'/2 Kapitel gegen 
30; also so viele als W. in dem prozessualen Kapitel IV 4 häuft, ohne daß in der Mit- 
temachtzeitung eine Prozeßführung erzählt würde. 

Man könnte dem entgegenhalten, daß es sich eben um verworfene Entwürfe handle; 
und zwar maßten sie zur Au.sarbeitung von 1781 gehören,'^ weil sie Kapitelüberschriften 
haben, die dem früher veröffentlichten Teile der Abderiten fehlen. Und man könnte ein- 
wenden, Entwürfe müßten sich inhaltlich und der Tonlage nach zum Ausgearbeiteten 
nicht völlig schicken; es könnte also, da die Veröffentlichung der Blätter abgebrochen 



40 Seuffert: 

sei, die Zeichnung mehrerer abderitischer Ärzte nur in dem Bruchstücke zwecklos er- 
scheinen, in der zurückgehaltenen Fortsetzung doch noch einen Wert gewonnen haben. 
Wirklich ist ja nicht zu bestimmen, warum die verheißene Fortsetzung des Abdrucks 
der Funde unterblieb. Aber es läßt sich meines Erachtens erweisen, daß Personalsatire 
vorliegt, die den vorzeitigen Abbruch rätlich machte. Und damit werden alle Bedenken 
gegen die Echtheit der Kapitel verstärkt. 

Hippokrates verheißt, eine indifferente Methode anzugeben, dabei den Heilkräften 
der Natur alles zu überlassen, eine 'unsinnige obschon unschädliche Heilmethode'; Ono- 
kefalus solle Dinge anwenden, 'die einmal völlig unschädlich, d. i. indifferent sind, und 
zweitens mag er diese in so kleinen Gaben reichen, daß sie der gesunde Menschen- 
verstand für Tollhäußelei nehmen muß'. Zubereitet werden die Arzneien 'in einer my- 
stischen Stunde unter mystischen Handgriffen', und übergössen 'mit einer bisher 
noch ziemlich unerhört pathologischen Brühe"; Grundlage sei, daß lebende Körper, 
die an gewissen Gebrechen leiden, durch ein Minimum ihres Körpers, z. B. ein Haar, 
ein Stückchen Nagel, einen Tropfen Speichel, Nasenschleim usw. in andern an der- 
selben Krankheit leidenden Menschenkörpern eine Heilung bewirken können. 
Demokritus überbietet Hippokrates durch den Vorschlag, lieber die Abgänge der Kranken 
als Arznei zu wählen, worauf Sigmander den Namen 'apopatisches System' ausheckt. 
Hippokrates hat nichts dawider, wenn die Abderiten Esel (Onokcfalusl) genug seien, 
'sich Dreck für Arznei geben zu lassen'. Sigmander entwirft nun die Diätetik unter 
Mengung von koischen, mosaischen und ägyptischen Diätvorschriften und setzt A'oran: 
'Möge sie nun durch eine Bocksbeutelei [ein in Goethes, aber kaum in W.s Sprachschatz 
vorhandener Ausdruck] zur Norm erhoben werden'; er werde sie nicht mit Charlatanerie 
befördern, weder mit Anaxagoras' Homöomerie noch mit Apopatie; es werde die Er- 
fahrung erweisen, ob der Nutzen einer diätetistischen Behandlung, die eine rationell- 
pharmakodynamische ausschließt, den einer rationell-empirischen Methode überwiege. 
Mancher wissenschaftlich gebildete Arzt werde in Versuchung geraten, in die Fußtapfen 
des Onokefalus zu treten. Dieser liest die Diätetik oberflächlich, aber die von Demokrit 
unter dem Titel 'Die apopatisclie Orgel' niedergeschriebene Pharmakologie und The- 
rapie mit Eifer, angezogen von der Konsequenz des neuen Systems. Und führt es ein. 
Im Senat vermochte er die Ärzte nicht auf seine Seite zu ziehen, nur einige versuchten 
aus Politik das System auf kurze Zeit; aber in der Praxis hatte Onokefalus Erfolg, be- 
sonders bei den Damen, viele schluckten apopatisclie Pillen. 

• Alles paßt auf Hahnemanns Homöopathie, sein'Organon [=Orgel!] der rationellen 
Heilkunde' 1810, seine reine Arzneimittellehre iSiiff., sein Buch über die chronischen 
Krankheiten 1828. Er stellte die Auffassung der Symptome obenan; er heilte similia 
similibus, was von anderen an Hippokrates und Anaxagoras angeknüpft wurde; er nannte 
die Allopathie 'den verwerflichsten Schlendrian' {~ Bocksbeutelei); er verdünnte die Dosen 
mit Weingeist auf Hunderttausendstel und weniger des Präparates (= pathologische Brühe): 
er befahl, dreißigmal 'mit etwa zehn Schüttelschlägen eines kräftigen Armes von 
oben' (= mystische Handgriffe) bei der Verdünnung zu schütteln usw. Auch die Wirkung 
der Homöopathie gleicht der der Apopatie. Ich halte, soweit ich der Sache mit Hilfe 
von Hirscli, Geschichte der Medizinischen Wissenschaften in Deutschland, und Koeppe, 
Die Homöopathie Hahnemanns und der Neuzeit, Berlin 1880, nachgegangen bin, die Über- 
einstimmung für völlig beweiskräftig. Also kann W. die Kapitel der Mittemachtzeitung 
nicht entworfen haben, denn das Manuskript seiner letzten Abderitenausgabe lag Anfang 
Juli 1795 vollkommen fertig für die Sammlung letzter Hand vor, die ersten Anfänge 
der Hahnemannschen Lehre aber fallen ins Jahr 1796. 



Prolcgnmena zu einer ^Vieland- Ausgabe. VII. 41 

Die Anregung, einen Ausfall auf die Homöopathie in W.s Abderiten hinein zu er- 
finden, mag der Gegner llahnemanns weniger aus der Apathie und Hedypathie, die W. 
seinen Abderiten (III 3) zuschreibt, was doch nur die Bezeichnung Apopatie ausgelöst 
haben könnte, gewonnen haben als aus der Keimlehre Stilbons, der .Korax (V 7) eine 
mehr als trillionenfache Verkleinerung der Keime nachrechnet, was an die homöopathischen 
Verdünnungen gemahnt haben kann. 

Danach wird bei den Arztcharakterköpfen an Zeitgenossen des neuen Satirikers zu 
denken sein: bei dem Phalangenfeldscheerer Tragius (rp^roc), der aus dem Feldzug mit 
Alexander heimkehrt, etwa an den Stabsarzt August Pockels (Bock) in Braunschweig, der 
als Bataillonsarzt den russischen Feldzug Napoleons mitgemacht hat. Und bei S(igm)ander 
an den Bekämpfer der Pest Gg. Karl Hnr. Sander, braunschweigischen Medizinalrat. Dieser 
hat unter der durchsichtigen und aus der Anfuhrung seines Werkes Beiträge zur Poleo- 
prophylaxis gegen die Gangetische Pest 1831/2 sicher zu ergänzenden Abkürzung S-r 
in den Beiblättern zur Mitternachtzeitung 1831 und 1832 wiederliOlt über die Verbreitung 
der Cholera nach Flußgebieten geschrieben. Sander am besten steht die überschüssige 
Bemerkung an, Citma-anapoc Frau sei plötzlich gestorben, und anderes unnötig Individuelle 
aus Sigmanders Leben, das ich freilich nicht bei Sander nachAveisen kann ; ich fand nur 
die Nachrichten in Hirsch' Biographischem Lexikon der hervorragenden Ärzte 1887 5, i66f. 
Wer genau in Braunschweigs Lokalgeschichte Beseheid weiß, wird die Bezüge auf Per- 
sonen und Ereignisse sicherer und reichlicher aufdecken können; denn so viel ist klar, 
daß trotz der Verwahrung Satire auf unsere Zeit, unser Land oder unsere Stadt' vorliegt, 
deren üble Folgen der Herausgeber der Braunschweigischen Zeitung voraussieht. Traten 
sie so rasch ein, daß er darum die Fortsetzung unterdrückte? Und ist Sander selbst 
der Verfasser des Fundes? Ein Arzt wird die Blätter verfaßt haben; Sanders Beiträge 
zur Mittemachtzeitung passen in der ganzen Art, in der Ironie, in der Neigung zu latei- 
nisclicn Zitaten, im selbstl)ewußtcn Eigenbrötlerischen zum Tone der neuen Abderiten- 
kapitel. (Und nun wird das Wasserzeichen des Fundpapieres J. K. A'ielleicht als Industrie- 
Komjjtoir, die ursprüngliclie Verlagsfirma der Mitternachtzeitung, zu deuten sein.) 

W. gehören sie nicht an. Und also sind uns auch keine Entwürfe zu den andern 
in der Vorbemerkung genannten Werken verloren. 

Nr. 732: vgl. W. Bock, Die ästhetischen Anschauungen W.s, Berlin 1921 S. 69. 

Nr. 752. 778: vgl. Adolf Socln, Schriftsprache und Dialekte im Deutschen, Heil- 
bronn 1888 S. 42off. Max Herrn. Jellinek, Geschichte der neuhochdeutschen Grammatik 
1,374 ff., Germani-sche Bibliothek, hg. v. Streitberg, Abtlg. 2 Bd. 7. 

Nach Nr. 767: 767a. 1783. Zusatz zu Wiegleb, Der Goldmacher zu London. Unterz. 
d. H. Merkur i, 191. Ergänzung L. Pfannmüllers. 

Nach Nr. 776: 776a. 1783. Anzeige von Jahrbücher des Geschmaks und der Auf- 
klärung. Erstes Stück, Jänner 1783. Leipzig. Merkur Anzeiger S. XXXVIIf. — Vgl. 
W. Kurrelmeyer, A Contemporary Critique of Schillers Räuber, The Journal of english and 
germanic philology 1919 Vol. 18 Nr. i S. i f. 

Nr.776b. I 783. Nota zu Kundmachung der Administratoren der Verlagskasse fürGelehrte 
und Künstler. Dessau. Unterz. d. H. Merkur Anzeiger S.XLVII. Ergänzung L. Pfannmüllers. 

Nr. 778: s. zu Nr. 752. 

Nach Nr. 787: 787a. 1783. Anmerkung d. H. zu F.W. H. von Trebra, Erfahrungen 
vom Innern der Gebirge. Merkur Anzeiger S. LXX. Ergänzung L. Pfannmüllers. 

787b. 1783. Anmerkung zu G.Wilson, Auszug eines Briefes des Herrn Hofrat 
D. Loder's . . . die Mahagony-Rinde und die rothe China-Rinde betreffend. Unterz. d. H. 
Merkur 3,41. Ergänzung L. Pfannmüllers. 

Phil.-hist. Abh. 1921. Nr. 3. 6 



42 Sei:fi-ert: 

Nr. 803: vgl. H.Trog, W. und die Aeronautik, Raschers Jahrbuch, hg. von Koni-ad 
Falke, Zürich 1909 1,421 ff. 

Nach Nr.803: 803a. 1783. Anmerkung zu Supplement zu den Nachrichten von 
Doct. Johann GeUer von Kaisersberg. Unterz. d. H. Merkur 4, 1 34. Ergänzung L. Pfann- 
müllers. 

Nr. 810: Abschrift des Frl. v. Goechhausen in Landes-Bibliothek Weimar, aufbewahrt 
im Goethe- und Schiller-Archiv. 

Nach Nr. 812: 812a. 1784. Anmerkung zu Bericht über Stoschischc Sammlungen. 
Nicht unterz. Merkur Anzeiger S. VI. Ergänzung L. Pfannmüllörs. 

Nach Nr. 814: 814a. 1 784 Februar. Anmerkung zu S., Beschluß des kleinen Romans, 
Moriz. Nicht unterz. Merkur i, 140. Ergänzung L. Pfannmüllers. 

Nr. 819: Die Verfasserschaft W.s ist außer durch Denkwürdige Briefe 2,72 gesichert 
durch die Benutzung der Retzerschen Sammlung für Nr. 824. Damit ist auch Nr. 864 
gesichert und die Zuweisung der ganzen Reihe 816—823 an W. höchst wahrscheinlich. 

Nr. 836 und 886: Die Wahl der Antiquaschrift der Sammlimgen mag durch Merkur 
1782 4, 6 ff. eingeleitet sein: s. Nr. 749. 749 a. Die Minuskelschrift, wiederaufgenommen 
aus der Züricher Zeit mit selbständigen Eigenheiten, kann unter dem Einfluß von Klopstock, 
Über Sprache und Dichtkunst, Fragmente 1779, stehen, wo die Beseitigung der großen Buch- 
staben erwogen wird (Sämmtliche .sprachwissenschaftliche und ästhetische Schriften hg. 
von Back und Spindler, Leipzig 1830 2, 247). Nach M. H. Jellinek, Geschichte der neu- 
hochdeutschen Grammatik 1,293 scheint nur der Pfälzer Jakob Hemmer im Kern der 
deutschen Sprachkunst und Rechtschreibung 1780 dafür eingetreten zu sein, die Substantiva 
mit kleinen Anfangsbuchstaben zu drucken. Vgl. unten zu Nr. 1048. 

Nr. 837: vgl. W. Kurrelmeyer, Nachtrag zur W. -Bibliographie, Modern Language 
Notes 191 8 33, 284 f. 

Nr. 838: Prof. Chr. Gttfr. Schütz an Böttiger 2. März 18 13 (Handschrift in Dresden, 
Landes-Bibliothek): 'W. hat an der Allgemeinen Literatur-Zeitung nie weitern Antheil 
genommen, als 1) dass er anfangs mit Actionär war, und den Plan mit besprechen half. 
2) das Avertissement aufsetzte, soweit es nicht das Detail der Ankündigung betraf. Er 
ging aber von der Gesellschaft der Unternehmer schon vor dem Anfange der A. L. Z. 
wieder ab und nahm seinen Einschuß . . . zurück. Die Veranlassung zu diesem Entschlüsse 
war sonderbar; ich will sie Ihnen einmal mündlich erzählen. Allerdings wollte er selbst 
auch Recensionen liefern; hat aber nie eine gemacht.' Vgl. oben zu Nr. 142. 

Nr. 864: s. zu Nr. 819. 

Nach Nr. 879: 879a. 1785 Dezember. Anmerkung zu Friedrich, Leopold. Nicht 
unterz. Merkur 4, 267. Ergänzung L. Pfannmüllers. 

Nr. 880-885. 920—924. 988-991: Durch Karl Polheims Aufmerksamkeit besitze 
ich einen Neudruck des Dschinnistan des echten Verlagsortes: Dschinnistan, oder aus- 
erlesene Feen- und Geister-Mährchen. Theils neu erfunden, tlieils neu übersetzt und um- 
gearbeitet von G. M. Wieland. Winterthur 18 10. Erster bis Dritter Band. Mit Kupfer- 
blatt vor jedem Titel. Dem gleichen Satze ist ein anderes Titelblatt vorgeklebt in der 
Titelauflage: Bibliothek gewählter Unterhaltungsschriften. Zwanzigster bis Zwey und 
zwanzigster Band, enthält: Dschinnistan. Von C. M. Wieland. Erster bis Dritter Theil. 
Leipzig 18 10. Ohne Kupfer. — W.s Anteil ist nicht zu erwarten, er würde sich kaum 
als alleinigen Verfasser und Bearbeiter haben nennen lassen. — Vgl. Strich, Die Mytho- 
logie aaO. S. 84. 185 ff. Zu Nr. 884 und 922 vgl. Konrad Albrich, Goethes Märchen 
Euphorien 22, 493 ff. 499. 



I 



Prolegnmena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 43 

Nr. 914: Richard Bitterling, Jhn. Frdr. Schink, Theatergeschiclitliche Forschungen, 
hg. V. B. Litzmann XXIU, Leipzig und Hamburg 191 1 S. 34 und Anm. iio, pflichtet der 
Zuweisung an W. bei. 

Nr. 920—924: .««. zu Nr. 88off. 

Nr. 951: vgL Strich, Die Mythologie aaO. 1,81 f. 

Nr. 960: Die Gedanken von der Freyheit in Glaubenssaclien zu philoso- 
phieren hat Oskar Rauthe, Berlin-Friedenau Verzeichnis 92 Nr. 1264a in einem Druck 
ausgeboten: 'A. d. teutschen Merkur abgedruckt. oO. 1789. 2 BU. u. 108 SS.' — Vgl. Strich, 
Die Mythologie aaO. 1, 74 f. 196 ff. 

Nr. 972: ebenda i, 200 ff. 

Nr. 975: vgl. Deeleman, Peregrinus Proteus, Geloof en vrijheid, 48, 42 5 ff. Karl Raab, 
Studien zu W.s Roman Peregi-inus Proteus, Programm Staatsgymn. Prag Altstadt 1909. 
Lubovius, Sprachgebrauch und Sprachschöpfung wie Nr. 138. — Aus Böttigers hand- 
schriftlichen Aufzeichnungen (Landes-Bibliothek Dresden): "Als W. seinen Peregrinus 
Proteus schrieb, dachte er sich dabei immer Lavater, einen selbst betrogenen Betrüger, 
der eben dadurch andere um so leichter ansteckt, weil seine Schwärmerei nicht erkünstelt 
ist. Peregrinus bey der Faustina, Lavater bey der Fürstin von Dessau, welche Parallele!' 

Nr. 988—991: s. zu Nr. 880 ff. — Lies Z. 4 vu statt: die Verfasserin von 'Adele 
imd Theodor' wie Dr. Oskar Reithoffer in Graz berichtigt: 'die unbekannte Übersetzerin 
des Palastes der Wahrheit'. Nebenbei: Verfasserin von Adele und Theodor ist Mde. Genlis. 

Nr. 996: Eine Ausgabe aus demselben Jahr i 789, aber ohne Ortsangabe besitzt die 
Universitätsbibliothek Jena Th XXVIII o 155. 

Nr. 997: vgl. Bessire> Jacob Henri Meister i 744 — 1826. Sa vie et ses oeuvres, Delemont, 
Boechat et Cie. 191 2, Diss. Bern. 

Nr. 999: Auch der Schluß des Aufsatzes gehört Goethe (Werke, Weimarer Ausg. 
47, 84ff.), wie sich aus dem Brief (Werke IV Nr. 2722) vom 4. Februar 1789 ergibt. Vgl. 
Sigmund Auerbach in Deutsche Litteraturdenkmale 31 S. XL und XXXIV Anm. Mich 
haben neben der Angleichung an Nr. 1003 und dem für W. so passenden Lob des 
'schönen und rührenden Schlusses' (s. Goethe Werke 47, 89 Z. 12) Wiederholungen im 
Ein- und Ausgang (vgl. ebenda S. 84 Z. 5 mit S. 89 Z. 9; S. 84 Z. 7 mit S. 89 Z. 21), dann 
die lässige Verwendung des Wortes Betrachtung' für Moritz und für den Berichterstatter 
(S. 89 Z. 26 und S. 90 Z. 3) irregeführt; endlich auch der Widerspruch von S. 90 Z. 4 zu 
Goethe Band 32 S. 203 Z. 10, wo nicht eine Erweiterung, sondern der Wiederabdruck 
der Moritzischen Schrift gewünscht wird; er erklärt sich aber daraus, daß 1789 dem 
unzufriedenen Verleger der mangelhafte Absatz des Heftes begründet und dessen Wert 
betont werden mußte, was 1829 unnütz war. — Die Nr. 999 entfällt also. 

Nr. 1000: wird von Ch. Elson, W. and Shaftesbury, New York 1913 S. 1 1 W. zu- 
gewiesen. 

Nr. 1003: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, 290. 

Nr. 1004: vgl. Alfred Stern, Reden, Vorträge und Abhandhmgen, Stuttgart 1914. 
Darin: W. imd die französische Revolution. H. Wahl, Geschichte des Teutschen Merkur 
aaO. S. 203 ff. 

Zu Nr. 1005 — 1007 : 1007a. 1 789 Oktober Ende. Der die Ausgabe so vielfach fordernde 
Dr. Fritz Behrend in Berlin schickte mir die Abschrift eines von W.s Hand beschriebenen 
Blattes, Avis au Lecteur, das die Universitätsbibliothek Leipzig in der Kestnerschen 
Handschriftensammlung bewahrt. Es trägt folgenden Wortlaut: 



44 Seuffkrt: 

Avis au Lecteur. 
Das vielleiclit auch in Italien, wie hier in Teutsclihacid etwas anstößige 

von ÄTchcnholz und Wieland 
auf dem Titelblatt des Historischen Damen-Kalenders ist eine Buchhändler-S/)« uÄi/io/i des Herrn Götchen, an 
welcher W. der sich so etwas gar nicht träumen ließ, so unschuldig ist als ein neugebohrner Bambino. Hr. 
Göschen, der den Hrn. u. Archenhnk, nach buchhändlerischei' aestimation, für einen großen :Mann hält, glaubte 
W. durch diese öifentliche Association mit einem so berühmten Nahmen keine geringe Ehre zu erweisen, und 
so kommt man manchmal zu einer ungesuchten Celebrität. 

(Deutsche Schrift; nur das kursiv gesetzte in lateinischen Buchstaben.) 

Der Ton ist nicht der einer für den Druck bestimmten Erklärung; die Bezugnahme 
auf Italien läßt vermuten, daß das Avis für Herzogin Anna Amalie oder Frl. v. Göchliausen, 
die damals in Italien weilten, bestimmt war, vielleicht mit der Übersendung des Histori- 
schen Kalenders fiir Damen für das Jahr 1790 zugestellt wurde. W. liatte am 27. Ok- 
tober 1789 zwei Exemplare von Göschen erhalten; daß er über die Bindung mit Archenholz 
ärgerlich war, beweist Schillers Brief an Lotte vom 30. Oktober 1789. 

Nach Nr. 1020: 1790 Februar 22 schreibt W. an Göschen das Ersuchen, bekannt- 
zumachen, daß er eine mit Anmerkungen und Zusätzen versehene Übersetzung von Retif 
de laBretonne, Thesmographie ou Idees pour operer une reforme generale des lois, 
Paris 1789, beabsichtige; er wünsche andern Übersetzern des Werkes zuvorzukommen, 
worin Wahrheiten, welche die wichtigsten Angelegenheiten der Menschheit betreffen, auf 
eine sehr interessante und unterhaltende Art vorgetragen würden. Mitteilung \on Dr. Krohn, 
Naumburg a. d. Saale. — Von der Ausfährung des Vorhabens finde ich keine Spur. 

Nr. 1047: vgl. Kurrelmeyer, Nachtrag zur W. -Bibliographie, Modern Language 
Notes 1918 33, 291 ff. 

Nach Nr. 1048: 1048a. 1791. Im Jahre 19 15 schenkte mir der ausgezeichnete und 
gefällige Bücherkenner Oberst Karl Gerbert von Hornau in Graz einen Antiquadruck: 
Neue Götter-Gespräche. Von C. M. Wieland. Leipzig, bei Georg Joachim Göschen, 
1791. Kupferblatt (Schnorr inv. Geyser sc. Situation aus Gespräch IX) und Titel und 
374 SS. kl. 8°. Auf S. 374: Berlin, gedruckt bey Johann Georg Langhoff. Der Druck 
ist in der gleichen Minuskelorthographie gesetzt, wie die Antiquadrucke der Auserlesenen 
Gedichte i784ff. und der Kleineren prosaischen Schriften i785ff. (i?^ B^. A^), die für 
betonte und eigennamenartig gebrauchte Wörter, also als Auszeichnungsschrift für den 
Satzsinn doch die Majuskel verwendet (s. zu Nr. 836. Aus W. sehen Handschriften kenne 
ich diese Manier nicht). Obwohl der Anti(;[uadruck, wie ich nun erkundet habe, sich in 
verschiedenen Bibliotheken findet, kannte ich bis dahin nur einen Frakturdruck gleichen 
Verlags, Erscheinungsjahrs und Druckers (Titel und Anzeigeblatt, dann 268 SS. kl. 8°). 
Die sofort vorgenommene Vergleichung ergab, daß der Antiquadruck dem im Merkur 
veröffentlichten Teile der Gespräche näher steht als der Frakturdruck und daß jener allein 
auf C" wirkt, so daß also in der Geschichte des Textes lediglich für den Antiquadruck 
eine Stelle ist. 

Inzwischen hat Kurrelmeyer, Nachtrag zur W. -Bibliographie, Modern Language 
Notes 1918 33, 288 — 291 denselben Antiquadruck beschrieben und ist zu dem gleichen 
Urteil über seinen textgeschichtlichen Wert gekommen. Er kennt außerdem einen zweiten 
Frakturdruck des Jahres 179 1, ohne Ortsangabe; einen solchen zeigte auch der Akademie 
die Universitätsbibliothek Göttingen an (F. 8 °. Fab. Rom. VI 4046). Kurrelmeyers Vermutung, 
daß der ortlose Druck mit dem Karlsruher Nachdruck, Chn. Gottlieb Schmieder 1791 (es 
gibt auch einen solchen von 1801) identisch sei, geht irre; denn dieser (Universitäts- 
bibliothek Graz I 29452) folgt nach Stichproben Seiten-, doch nicht immer zeilentreu 
dem Frakturdruck mit Verlagsangalie, übernimmt seine auffallendsten Druckfehler und 
selbst solche Lässigkeiten, daß er S. 251 Z. 8. 1 1. i vu den Wechsel von 'fodre', 'er- 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 45 

fordert', 'Foderungen' unselbständig nachahmt. Ich hatte das schon vor fönf Jahren 
untersucht, Aveil ich daran die Richtigkeit der Jahrzahl des Fraktur-Göschendruckes er- 
proben wollte. 

Daß dieser = E*' jünger als der Antiquadruck = £'', nämlich aus E^ abgesetzt ist, 
ergibt sich aus Übereinstimmungen und Fehlern, die nur so erklärt werden können. Z. B. 
wählt E^ seiner Schriftweise gemäß bei betontem Personalpronomen den großen Anfangs- 
buchstaben, während sonst die Pronomina, auch bei der Anrede, klein gedruckt sind; bei 
E^ hat die gleiche Druckeinrichtung S. 115 Z. i6. 132, i vu. 152, 10. 258, 6 keinen Sinn; 
und derartiges findet sich mehr. 91,5 druckt E^ 'Dankbarkeit' statt Undankbarkeit ; es 
steht nämlich 'un-' am Schlüsse der Seite in E*, die nächste beginnt mit 'dankbarkeit', 
dem man, wegen der üblichen Minuskel, nicht ansieht, daß es eine Vorsilbe hat'. Oder 
244, 10 liest E": 'dieser vertrag, der bisher nur ein träum der weisen, und der fromme, 
aber eitle wünsch der freunde der menschheit war'; E^ 1 78, i entstellt durch falsche Setzung 
einer Majuskel und daraus sich ergebende Flexionsänderung: 'der Weisen, und der Frommen, 
aber eitle Wunsch' . . . wobei das erste Komma unnötig beibehalten und vor 'eitle' das 
nun nötige 'der' einzusetzen versäumt wurde. 

Noch aber bleibt die Frage often, ob alle Eigenheiten von E^ der Druckerei zuge- 
schrieben werden können oder ob sie etwa ein von W. überprüftes Exemplar von E'' 
benutzte. Die Beantwortung lohnt sich auf jeden Fall; denn selbst wenn die letztere 
Frage verneint wird, ist hier ein allgemein bedeutendes Beispiel gegeben, was sich eine 
Druckerei einem Texte gegenüber gestatten zu dürfen im Rechte fühlt, und zwar sogar 
dieselbe Druckerei in demselben Jahr für denselben rechtmäßigen Verleger. 

Von vornherein scheiden orthographische Änderungen aus, wozu ich auch Formen 
wie 'betriegen' statt 'betrügen', 'fordern' statt 'fodern'^, 'stände' statt 'stünde' (alle drei 
von Adelung bevorzugt) reclmen darf. Der Frakturdruck, einfacher und darum billiger 
für eine größere Käuferz<ahl angefertigt, meidet das Ungewöhnliche, das dem Antlqua- 
minuskeldi-uck als kostbarer ausgestattetem Zierdruck eingeprägt war. Er befleißigt sich 
also auch der reichlicheren Kommasetzung, etwa 1 30 mehr als in E', die als jüngere 
Übung ja auch sonst sich geltend macht (vgl. Goethes Werther, Weimarer Ausg. 19,335). 
Der Setzei* ist dem Rufzeichen abgeneigt, wählt dafür den Punkt. Wie 28, i vu ein 
Ausrufsatz mit Nachsatz durch Punkt statt Rufzeichen geschlossen wird, so 44, i vu ein 
Fragesatz nebst Infinitivsatz mit Punkt statt Fragezeichen und ebenso eine längere Periode 
88,9; denn Adelung, Umständliches Lehrgebäude der Deutschen Sprache, Leipzig 1782 
2> 792 § 76 bestimmt: beide Zeichen 'werden nur gebraucht, wo sich in der lebendigen 
Stimme der Ton merklich verändert', was ja nach den Nachsätzen nicht mehr der Fall 
ist. 85, 4 läßt der Setzer einen Gedankenstrich weg, der zur Verstärkung der folgenden 
überraschenden Wendung diente, weil im gleichen Satze schon Gedankenstriche als Schalte- 
zeichen verwendet waren, und überdies vielleicht weil Adelung aaO. S. 796 § 83 von dem 
nur zu oft so sehr gemißbrauchten Gedankenstrich spricht, den er nur als Zeichen einer 
abgebrochenen Rede anerkennt. Ein andermal freilich, 235, 4 vu, wird ein Gedankenstrich 
einer langen Periode eingefügt, um ihre Fortset'zung abzuheben ; der Merkurtext hatte hier 
ein zu schwaches Komma, E' und mit ihm C" und C verstärkte es, die Periode zer- 
reißend, zu Punkt; C und C* stellen die Verbindung durch Strichpunkt wieder her. Man 
sieht an diesen Beispielen (anderes Gleichgültigere lasse ich hier wie sonst beiseite), 

' 'un' j^eht übrigens auch sonst verloren: s. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. zu Beyträge zur Ge- 
heimen Geschichte 1770 Bd. 2 S. 40 Z. i; Agathon 1773 Bd. 4 S. 213 Z. 18. 

*) Nach Kurrelmeyer, Die Doppeldrucite aaO. ist 'fordern' die jüngere Schreibweise: Amadis 1771 Bd. 2 
S. 47 Z. Ji. Goldener Spiegel 1772 Bd. 4 S. 16 Z. 8. Gedanken über eine alte Aulschrift 1772 S. 55 Z. 3. 



46 S E U F F E H T : 

daß man einen denkenden Setzer oder Korrektor von E^ vor sich hat, obwohl der Satz 
im ganzen nachlässiger ist als E\ mehr als das Doj^pelte an Druckfehlern aufweist. 

Und darunter so grobe wie 91,5 'Dankbarkeit' statt 'Undankbarkeit'; 188, i vu 
'einiger' statt 'meiner'; 203, 8 'allen' statt 'alten' (wegen des Gegensatzes: 'neuen' not- 
wendig); 203,16 'erbitten' statt 'erbittern'; 211,12 'Trotze' statt 'Tröste'; 126,9 wird 
der Sprechername Jupiter ausgelassen (auch hierin folgt der Karlsruher Nachdruck E^). 
Nur der zweite erwähnte Fall könnte Stilgefühl, am unrechten Platze aber, bekunden; 
der Setzer wollte das doppelte Possessivum meiden: 'Was sich meine gute stadt Paris 
seit meiner zeit verändert hat!'\ Sprachliche Schulgrundsätze verrät der Setzer an vielen 
Stellen. Er neigt zu volleren Formen, auch darin Adelung folgend, der aaO. i , 400 gegen 
die 'Verbeißung' des e eifert, auch im Wörterbuch nur die vollen Bildungen anführt: 
'ehemaligen' statt 'ehmaligen', 'lange Weile' statt 'Langweile' (Adelung im Wörterbuch 
unter Weile sagt, lange Weile wurde 'irrig zusammen gesetzt' Langeweile geschrieben), 
'unsere' statt 'unsre', 'Range' statt 'Rang', 'Volkes' statt 'Volks', 'unbillige' statt 'unbillge' 
usw.; solcher Fälle zähle ich rund 40, denen etwa ein Dutzend Kürzungen gegenüber- 
stehen: z. B. 'kennst' und 'nennst' für kennest', nennest'; wiederholt 'gern' statt 'gerne', 
denn Adelung im Wörterbuch erklärt: das e am Ende läßt sich wohl nicht leicht ent- 
schuldigen. 

30, 2 vu und 62, 10 ist statt 'einsmahl' und 'einsmahls' 'einmal' gesetzt; in der I.Auf- 
lage von Adelungs Wörterbuch fehlt das Wort; in späteren wird einsmahls mit einst- 
mahls gleichgesetzt, und so war das Wort im Antiquadruck auch gemeint (C bewahrt 
nur an der 2. Stelle das alte). Es wird geändert 49, 3 'ratten' zu 'Ratzen' (Adelung 
WB.: Ratze, in den gemeinen Sprecharten der Hochdeutschen Ratte); 94, 14 'lauinne' zu 
'Lauwine' (so Adelung WB. 'verderbt Lauine'); 193, 4 vu und 261, 5 vu 'bürgermeister' zu 
'Burgemeister' (dies, nach Adelung WB., 'im gemeinen Leben', ist den Sprach- und Gehör- 
werkzeugen minder unangenehm); 56,19.4 vu und 184,2 vu 'Augenbrauen' und 'aug- 
brauen' zu 'Augenbraunen' (nur dies als Ordnungswort bei Adelung WB.^); 37,6 vu, 
100, 9 und 10 'leichtgläubig', 'abergläubisch' zu 'leichtgläubig', 'abergläubig' (Adelung 
WB. kennt nur die umgelautete Form und verpönt 'abergläubisch' als gemein und niedrig) ; 
27, 3 vu und 99, 2 vu, 59, 4 vu, 145, 3 'schwindlicht', 'droUicht', 'bucklicht' zu 'schwind- 
lig', 'drollig', 'buckelig' (Adelung, Lehrgebäude 2,630". § 478 und WB. unter icht legt 
zwar einen Bedeutungsunterschied der Bildungssilben fest, aber auch daß sie im gemeinen 
Leben und von guten Schriftstellern häufig verwechselt werden und daß der Wohlklang 
sich für ig erkläre). 

Den Plural von Caesar 24, 20. 69, 3; Thcophrast 104, 3; Epiktet 158, 7 vu bildet E^ 
Caesare, Theophraste, Epiktete gegen A'^ Caesarn, Theophrasten, Epikteten; denn Adelung, 
Lehrgebäude i, 523 ff. § 2360". fordert für die Masculina das e, das übrigens auch zuweilen 
in E"" verwendet wird (Epiktete, Gratiane u. dgl.). Auffallend gegenüber der Zeitent- 
wicklung (vgl. Euphorion 7,42) und gegen Adelung ist die starke Pluralflexion E^ "alle 
übrige' 69,7 vu; 'diese fanatische' 105,14; 'diese rohe' 232,5 vu gegen E^ 'übrigen' 
usw.^ aber 65, 14 hat E^ 'keine anderen' aus E" 'andere' geändert, vielleicht weil ein Miß- 
verständnis eintreten konnte. 7, 16 'ein paar'; 31,2 vu "ein Paar' E^ gegen 'einem pär' E\ 

' Sonst neigen die Drucker dazu, 'einige' durch 'eine zu ersetzen: Kun-elmever, Die Doppeldrucke 
aaO. Beyträge zur Geheimen Geschichte Bd. i S. 68 Z. 14. S. 90 Z. 6. Also wurde hier vieUeicht an dem 
doppelten mein Anstoß genommen. 

2 Siehe aber Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. zu Goldener Spiegel 1772 Bd. i S. 112 Z. 6, wo 
Augenbrauen das jüngere ist. x- o / . 

Lesart' ^^'•^""■''''"^y«'"' ^'« Roppeldrucke aaO. zu Sokrates 1770 S. 42 Z. 12 'eure ernsthafte' die jimgere 



Prolegomena m einer M'^ieJand -Ansgah'. VII. 47 

Aus den syntaktisch-stilistischen Änderungen hebe ich ebenfalls nur gröbere aus. 
E^ beseitigt gemäß Adelung, Lehrgebäude 2, 468f. ^ 745 die doppelte Verneinung: 195, 12 
'nie ein' E^ statt "nie kein' E^; 'niemand' 206, 5 vu £'' statt 'niemand nicht' E''. Statt 
'was du dir bewußt bist' E" steht "wessen du' usw. E^ 27, 6 (Adelung WB. verlangt Ge- 
netiv). Statt "was andre wollen, daß wir sagen sollen' E": "das wir' usw. A'** 41, 17 (kaum 
Zufallsdruckfehler). £'* schreibt zumeist 'mich kostet' u. dgl., E^ den Dativ 34, 3 vu. 38, 1 1 . 
70, 4. 125, 3 vu, den Adelung WB. als das im gemeinen Leben fast durchgängig Übliche 
bezeichnet, wenn aucli viele gute Schriftsteller den Akkusativ gebrauchten (vgl. Euphorion 
7,42)'. E" hat wie der Merkurdruck: allen unsern kräften aufbieten'; E^ den Akku- 
sativ 168, 9. lO; Adelung WB.: die im Hochdeutschen ungewölinliche Wortfügung mit der 
dritten Endung sei noch jetzt in der Schweiz üblich. "Auf dem wahne lassen' J?* wird in 
dem Wahne' usw. E^ 65, 15, vielleicht weil Adelung WB. nur das Beispiel in ihrem Wahne 
lassen' anführt. Die Änderung von E"" 'sich der galle erledigen' zu 'entledigen' E^ 39, 3 kann 
icli aus Adelungs Vorschriften nicht begründen; sie trifft aber nach meinem Sprachgefühl 
die jüngere Gewohnheit. Verlohnen ist nach Adelung WB. ein im Hochdeutschen unge- 
wöhnliches Wort; man höre es noch zuweilen im gemeinen Leben in der Redensart: es 
verlohnt die Mühe nicht, d. i. es lohnt die Mühe nicht, wofür man wohl gar höre, es ver- 
lohnt sich nicht der Mühe; infolge dieser Beanstandung wird E" 'sich nicht der mühe ver- 
lohnte' von E^' 3, 7 geändert zu nicht die Mühe lohnte'. 

Endlich ein paar Beispiele für Willkür oder Nachlässigkeit des Fraktursetzers. 
89, 6 vu 'Du gibst mir' statt Da giebst du mir'; wohl in Angleichung an den nächsten 
Absatz; Du thätest. Ausgefallen ist 106, 3 vu 'selbst' nach Pontifcxe. Über den Aus- 
fall von Einsilblern vgl. meine Philologischen Betrachtungen im Anschluß an Goethes 
Werther Euphorion 7, 36f. Hier ist S. 44 auch über den Wechsel von Positiv, Kom- 
parativ, Superl.ativ gehandelt: entsprechend schreibt E^ sinnschädlich 236, 1 5 und 263, 4 vu 
"großem' statt gröfsen', und an sich möglich, ja gut, aber eigenmächtig oder zufällig 226, 14 
'unbedingten' statt 'unbedingtesten''. 

Würde man einzelne der besprochenen Änderungen ausheben,' so könnte wiederholt 
ein Anteil W.s an E^ möglich, ja wahrscheinlich dünken. Bewertet man die geordneten 
Gruppen, so wird meines Erachtens klar, daß alle Neuerungen bis auf allgemeiner übliche 
Lässigkeiten als Maßregeln eines Setzers einzuschätzen sind, der ein zeitgemäßeres Druck- 
bild geben will und sich schulgrammatischer Korrektheit befleißigt. Nun wissen wir ja 
freilich, daß W., wenigstens ein paar Jahre nach den Göttergesprächen, 'täglich', wie er 
unmutig sagt, Adelungs Wörterbuch nachgeschlagen haben will (Böttiger, Literarische Zu- 
.stände und Zeitgenossen i, 164. 233; Raumers Historisches Taschenbuch 10, 383; in W.s 
Büchernachlaß ist als Nr. i7--*-2i die Wörterbuchausgabe von 1775 [richtig 1774] verzeich- 
net); aber es ist nicht glaubhaft, daß er erst die geringere Ausgabe nach dessen Spracli- 
meinung durcharbeitete, die ihm lästige Mühe hätte er sicher auf die bessere gewendet. 
Überdies zeigen Briefe, wofür er sich im Wörterbuch Rat erholte: er bedurfte fiir die 
Aristophanesübersetzung Ausdrücke, die nicht zur gewöhnlichen Literatursprache gehörten, 
und prüfte, ob sein Sprachschatz, an sich und in der ihm geläufigen Wortbedeutung, Schrift- 
deutsch verständlich sei. Und auch für die Bearbeitung der Cicero-Briefe beachtete er 
Adelungs und Campes Bemerkungen, ohne sich doch dauernd an sie zu binden (s. Ciceros 
Briefe 4, 501 f.). Aber den eigenen Stil unterwarf er gewiß nicht dem Gelehrten, mit 

' Kurrelmeyer, Die Doppeldr-ucke aaO.: Agathon 1773 Bd. i S. 185 Z. 6 ist der Dativ die jüngere Form. 

' Vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. zu: Beyträge zur Geheimen Geschichte 1770 2, 40, 3. 4. Don 
Sylvio 1772 1,60,14. Goldener Spiegel 17722,47,9. 130,9. 3,89,14. 4,39,10. Agathon 1773 1,187,22. 
4. «57.8. 



48 Seuffert: 

dem er über den Begriff Hochdeutsch gestritten hatte. — Vgl. Klopstock, Grammatisehe 
Gespräche, 4. Zwischengespräch, Sprachwissenschaftliche und ästhetische Schriften, hg. v. 
Back und Spindler, Leipzig 1830 i, 125: Wieland nagelte sich das mundartische Wörter- 
buch auf den Pult. 

Man wird bei der W. -Ausgabe, gerade wie nach meinen Beobachtungen an Werken 
Goethes, schulgrammatische Peinlichkeiten, stehende Vereinheitlichungen, überhaupt Nor- 
mieren und Regeln stets richtiger der Druckerei als dem Dichter zutrauen, der 
ungleicher, schulmäßig inkorrekter abfaßt und ausbessert. Dieser wiclitige Grundsatz hilft 
manche unnützen Neuerungen ausmerzen, den Text echter herstellen, wenn man auch da- 
bei beachten wird, daß W. wohl wie Goethe bei der Überarbeitung letzter Hand dem jün- 
geren Sprachgefühl der Setzer nachgab, sich gar anpaßte. Das bedarf der Untersuchung. 

So viel halte ich nach den vorstehenden Darlegungen für gesichert, daß die Lesarten 
von E^ bei der Textgestaltung der Neuen Göttergesprädie keine Beachtung verdienen, selbst 
in den vereinzelten Fällen nicht, in denen sie mit C übereinstimmen, und daß sie also 
nicht verzeichnet zu werden brauchen. — Vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, 82. 166. 279 ff. 

Nr. 1070: Hiervon gibt es Neben- und Neudrucke: Achtzehnter Rechenschaftsbericht 
des Schwäbischen Schillervereins über das Jahr 191 3/4 S. 123. 125. 

Nr. 1071: Eigenhändige Niederschrift W.s, 1 8.4°, im Schiller-Museum Marbach a. N., 
vermutlich erworben aus v. Biedermanns Sammlung, Auktion Börner, Leipzig 1905. Jlrich 
Schmidt erhielt von Gg. Witkowski in Leipzig eine Abschrift des Biedermannschen Besitzes, 
deren Abweichungen vom Druck im Prometheus ich hier beifüge: 

Keine Überschrift. V. i fczte 2 r/es st. der 3 Reich Nemesis beides untei-strichen. n^ch Kommtn 
Komma st. Punkt. 5 sezt ihre 7 Verdienst Glück beides unterstrichen, reinste st. größte 9 g'wisf, 
10 Reich Nemesis beides unterstrichen. 11 indes/ 13 Ilicsf Zevs Olympia Z)er, beides unterstrichen. 
14 MineTBen, 15 0! Du unterstrichen. 16 llerunt'r stiegst 19 Deinige Reich 31usen die drei Wörter 
unterstrichen, nach Musen kein Komma. 20 links von der Unterschrift: Weimar den 24. October 1791. 

Nr. 1079: Die Staatsbibliothek Berlin besitzt zwei verschiedene Drucke Yl 201 1 und 
Yl 2012; der letztere gekennzeichnet durch falsche Zählung der letzten Seite: 231 st. 312. 

Nr. 1082. 1092: Edmund Götze in Dresden berichtigte: Statt Eggers ist zu lesen: Pro- 
fessor Martin Ehlers in Kiel. Ich habe leider, wie Düntzer in der Hempelausgabe 34, 147, 
die falsche Lösung von W.s P. E. in K. (so in C) zu Eggers aus Grubers 8° Ausgabe 41, 183 
übernommen. Hambergor-Meusel, Das gelehrte Teutschland, Lemgo 1796 2, 165 hat schon 
Ehlers genannt und ich hatte längst die ungedruckten zwei Briefe vom 10. und 20. April 1 792 
in Händen, mit denen Ehlers seine Antwort auf das Sendschreiben W. zuschickte. 

Nr. 1134: Die Ankündigung ist nach Mitteilung Reinhold Steigs, Berlin, auch gedruckt: 
Kaiserlich privilegierter Reichs-Anzeiger (Gotha), Donnerstags, den 21. November 1793 
Nr. 124 Sp. 1067. 

Nach Nr. 1134: 1134a. Ende 1793, Anfang 1794 wird eine Auslassung W.s einzu- 
reihen sein, die aus dem Nachlaß der 1835 gestorbenen Gräfin Anna Purgstall in Hainfeld 
(Steiermark) als 'Reliquie von Wieland' durch Joseph Frh. v. Hamnier-Purgstall ver- 
öffentlicht ist in: Blätter für Literatur, Kunst und Kritik. Zur Österreichischen Zeitsclirift 
für Geschichts- und Staatskunde. Wien. In Commission der F. Beckschen Buchhandlung. 
9. November 1836 Nr. 90 S. 357. Um die Jahreswende 1793/4 war W. besonders be- 
glückt durch die Pränumeration des Rates der Reichsstadt Biberach auf die Quartausgabe 
seiner Werke'; damals mag er die Preisworte auf die 'geliebte Vaterstadt' niedergeschrieben 



' Das pränumerierte Exemplar wurde dem Kronprinzen, nachmaligem König Wilhelm von Württemberg, 
1816 als Ilorhzeitsgeschenk überreicht und wurde 1920 von Herzoa: Wilhelm von Württemberg auf Reinhold 
Schalles Bemühungen hin dem Wieland-Museum in Biberach a. R. "als Leihgabe überwiesen. 



Prolegomena zu einer Wieland -Ausgabe. Yll. 49 

liaben, wohl für die Stadtväter; ob zum Druck, ist nicht erkennbar; gewiß aber trägt das 
Schriftstück kein Merkmal eines Privatbriefes an sich. — 1793 war Gottfried Wenzel Graf 
Purgstall zu W.s Schwiegersohn Reinhold nach Jena gekommen ; er begleitete seinen Lehrer 
und Freund im Mai 1794 nach Kiel, erschien Ende 1795 Avieder in Jena, bei Schiller 
(Schiller an Humboldt 9. Januar 1796). W. hatte Anfang 1794 gewünscht, den Grafen 
kennenzulernen (R. Keil, W. und Reinhold, Berlin, Leipzig 1885 S. 183; vgl. S. 186); an 
der Scheide 1795/6 war Purgstall bei W. in Weimar, sein ungedruckter Brief an W. vom 
8. Januar 1796 aus Göttingen bestätigt, daß er glücklich bei ihm war. Wurzbach, Bio- 
graphisches Lexikon des Kaiserthums Österreich 24, 91 berichtet, daß W. Purgstalls väter- 
licher Freund und sein täglicher (?) Umgang war. 1797 hat Goethe Grüße von ihm an 
W. bestellt (Briefe 12, 314. 320). Danach ist wahrscheinlich, daß W. das Blatt Purgstall 
Oberlassen hat, das dann in den Besitz der Gemahlin Johanna Anna überging; die Ver- 
mählung war nach Goethe, Briefe 12,313 wohl im Jahr 1797 vollzogen worden. Ich rücke 
den Text aus der meines Wissens wenig verbreiteten Zeitschrift hier ein. 

O meine geliebte Vaterstadt! — du bist zwar nur klein — hast keine Anlage, eine von den glänzenden, 
reichen, üppigen, volkströmenden und volkverschlingenden Städten zu werden, die der Fremde besucht, um 
sagen zu können, daß er sie gesehen, sich darin erlustigt, und vielleicht — Nachreue auf sein ganzes Leben 
theuer erkauft habe! Aber desto besser für dich! Wohl dem. der das Auge des Neides nicht auf sich zieht! 
Du hast Alles, was deine Bewohner bei den mäßigen Bedürfnissen und Wünschen der Natur so glücklich 
machen könnte — glücklicher zu seyn als zu scheinen! Selbst deine gemischte Religions-Verfassung, 
diese so oft beseuf/.te Parität, die (Quelle so mancher Jlißverständnisse, so manches verderblichen Haders, 
dieß vermeintliche ewige Hinderniß deines Wohlstandes — könnte — o möcht' ich nur dießmal Glauben 
finden ! — könnte eine ewige Quelle deines Wohlstandes, eine immer gespannte Ti'iebfeder wetteifernder Tu- 
genden und patriotischer Wirksamkeit seyn, und aus diesen Differenzen, durch das Band aufrichtiger mensch- 
licher und bürgerlicher Wohlmeinung und Friedfertigkeit die schönste Harmonie entstehen! Möchtest du 
fühlen, wie glücklich du in deiner goldncn Mittelmäßigkeit seyn könntest; wie glücklich von dem Augen- 
bh'cke an, da Zufriedenheit mit unscheinbarem häuslichem Glück, Liebe zum Vaterlande, wechselseitiges Kr- 
tragen, wechselseitige Gefälligkeit und Dienstbeglerde, sich des Herzens deiner Einwohner bemächtigen würde. 
Von dein Augenblicke, da sie fühlten, daß die Glieder Kines Leibes nicht in Eifei-^-ucht, Mißgunst und Zwie- 
tracht leben können, ohne daß alle darunter leiden und zu Grunde gehen, und — daß für Euch alle 
Kaum genug da ist, um neben und mit und durch einander glücklich zu seyn! O! meine von Jahr- 
hunderten her väterliche Stadt! was sollte mich dann — was, außer der dankbaren Liebe zu den edelsten, 
besten Fürstcnseelen — sollte mich dann abhalten, in deinen Schooß zurückzukehren, um da, wo ich meines 
Lebens glückliche Morgenröthe genossen, an dem Ort, an dessen Wohl und Weh ich so manche Jahre Theil 
genommen, an dem Ort, wo ich (es sey mir erlaubt, es zu sagen) mitten unter dem Drange der Geschäfte und 
bürgerlichen Verhältnisse, glücklich genug war, einen Agathen, eine Musarion zu schreiben, — um da mein 
frohes, unbereutes Leben auszuleben, und meine Gebeine in das Grab meiner Vorältem niederzulegen:' 

WIEL.\ND. 

Nr. 1147: vgl. Matthias, Zeitschrift für deutsche Wortforschung 1903 5,23 fr. 

Nr. 1150. 1153. 1153a. 1161: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 23 
bis 32. 

Das in meinem Besitze befindliche, einheitlich gebundene Flxemplar C" entspricht 
Bd. 1—30 und Supplement Bd. i dem Kurrelmcyerschen C"*; also alles Avas bis ein- 
schließlich 1797 erschienen war. Bd. 31. 2ii- 34 entspricht Kurrelmeyers C"^ Ob die 
übrigen auch hierzu gehören, ist nicht zu entscheiden, da Kurrelmeyer kein «^-Exemplar 
von Bd. 32. 35 — 39, Supplemente Bd. 2. 4 — 6 kennt. Mein Bd. 32 geht bis auf eines 
seiner Merkmale mit Kurrelmeyers C"; Bd. 35 und 36 mit keinem seiner Drucke; Bd. 37 
mit seinem C"°; Bd. 38 mit der Norm seines 6"; für Bd. 39 fehlt ein Kennzeichen. Sup- 
plemente Bd. 2 und 4 stimmen zu seinem C"; Bd. 3. 5. 6 zu keinem seiner Exemplare, 
Bd. 3 steht C"' nahe, Bd. 5 und 6 weichen nur in Verbesserung einfacher Druckfehler 
von C- ab. 

Nach Nr. 1168: 1168a. 1795 Dezember 23. Reinhold Steig in Berlin wies mir 
nach: Erklärung über eine französische Übersetzung von W.s Werken. Unterz. Weimar, 

PhiL-hi.fl. Abk. 1921. Nr. 3. 7 



50 Seuffert: 

am 23. Dec. 1795. Wieland. Kaiserlich privilegirter Reichs- Anzeiger (Gotha), Donners- 
tags, den 31. Dec. 1795 Nr. 302 Sp. 3086 f. unter Gelehrte Sachen. W. hat die Notiz 
für den Reichsanzeiger und die Teutsche Nationalzeitung [23. 12. 1795] an deren Heraus- 
geber Rat Rudolf Zacharias Becker in Gotha gesendet, wie ein handschriftliches Blatt 4° 
der frhl. Carl von Rothschildschen Bibliothek in Frankfurt a. M. zeigt. Hiervon gab mir 
Reinhold Schelle Kunde. 

Nr. 1169: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 32 — 36. 

Nr. 1176: vgl. W. Deetjen, W.s Bibliothek. Funde und Forschungen. Eine Festgabe 
für Juhus Wähle, Leipzig 1921 S. 3f 

Nr. 1177: Das Wieland-Museura in Biberach a. R. besitzt: 18 Bll. 4° beschrieben 
von Schreiberhand: Agathodämon Attisches Museum I i S. 138 'deren reine Silber- 
töne' bis I 2 S. 171 'aufbewahrt würden'. Reinhold Schelle ermöglichte mir 1912 die 
Einsicht der Handschrift. Auf Bl. 9 die Seitenzählung 25. Auf Bl. 13" zu Beginn von 
III, Att. Museum S. 161, ist eine Korrektur von W.s Hand eingetragen, die im Abdruck 
nicht beachtet ist: bei 'Ich hatte nun' wird 'Ich' und 'nun' gestrichen und 'Inzwischen' 
und 'ich' übergeschrieben. Die zum Teil groben Schreibfehler hat W. nicht verbessert. 
Die Handschrift bildet eine Vorstufe zum Druck mit eigenen Lesarten ; Setzerzeichen sind 
nicht im Text, sie war also kaum als Druckmanuskript verwendet. — Die Stelle in Böt- 
tiger, Literar. Zustände und Zeitgenossen i, 240, auf die verwiesen ist, lautet in der in 
Dresden, Landes-Bibliothek, aufbewahrten Handschrift Böttigers: 'Jenes Gespräch enthält, 
was Jesus anlangt (man kann diesen Nahmen mit Ehre niclit wohl aussprechen, ohne 
in der Katechismuslehre) den Keim zu dem, was er jetzt im Agathodämon ausgeführt 
habe.' Vom 3. Januar 1801 zeichnet Böttiger ebenda, vor Literar. Zustände und Zeitgenossen 
I, 254 'Man macht mir den Vorwurf, auf: 'Meine jetzigen Religionsüberzeugungen liegen 
alle im Agathodämon zu Tage.' — Vgl. Johanna Mellinger, W.s Auffassung vom Urchristen- 
tum mit hauptsächlicher Berücksichtigung seines Romans Agathodämon, Diss. München, 
Marbach a. N. 191 1. Strich, Die Mythologie aaO. i, 203 ff. 

Nr. 1181: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 36 — 39. — s. zu Nr. 1192. 

Nach Nr. 1183: 1183a. 1797 März 4. E. G. Stumme in Leipzig weist mir nach: 
Erklärung. An das Publikum über einen in Wien angekündigten Nachdruck meiner 
sämmtlichen Werke. Unterz. Weimar den 4' März 1797. Wieland. Allgemeine Literalur- 
zeitung. Intelligenzblatt Nr. 30. Mittwoch den 8' März 1797 Sp. 249 — 251. 

Nr. 1192: Durch Reinhold Scheues zuvorkommende Gefälligkeit kann ich nun über 
die im Besitze des Wieland-Museums befindliche Handschrift Adversaria genauer be- 
richten. Sie umfaßt 4 Do25[)elbll. ineinander geheftetes Briefpapier gr. 8° und 3 einzelne 
lose Bll. derselben Art ohne Seitenzählung; ich fügte Blattzählung bei. Die Einzelbll. 
waren vordem einmal eingeheftet; keine zwei passen der Trennimgsfuge nach zu einem 
Bogen zusammen, ihre Rück- oder Vorderbll. sind verloren. Die Heftung ist jung, Nadel- 
stiche zeigen eine fmhere Heftung an. Die Reihenfolge der Bll. ist also unsiclier, nur 
der Umscli lagbogen mit den Titeln und der Mittelbogen müssen an ursprünglicher Stelle 
stehen, dieser weil hier Bl. 4*" und 5" und nur hier von der gleichen fremden Hand, durch 
W. ergänzte, Einträge sich finden: i) Abschrift aus "Diod. Sic. Bibl. Hist. XIV. p. 415. 
ed. H. Stefani.', die wegen ihres Bezugs auf Cyrene zu Aristipp vorgemerkt sein wird: 
W . fügte den Schluß teils lateinisch wie die ganze Abschrift, teils deutsch und griecliisch 
bei, schrieb auch der Abschrift einen griechischen Ausdruck bei, schlug also den grie- 
chischen Text XIV 34, 4 — 6 auf. In Abstand, ohne Zugehörigkeit schrieb W. auf die Seite 
noch einen lateinischen Vers mit dem Zitat: 'Plaut. Epidic. Act i. Sc. 2. v. 30' (Epidicus 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. VII. 51 

V. 133). (Auch BI. 2' sind zwei Verse aus 'Plaut. Subdol. A. II. sc. i. v. 4' = Pseu- 
dolus V . 5 7 7 f. ausgehoben.) 2) Abschrift aus 'Plutarch. de Genio Socratis.' = Plutarch, 
Paris Didot 1885, Ethika i, 701 Z. 17 ff. Ob die Stelle für den Aristipp oder die An- 
merkungen zu den Übersetzungen aus dem Griechischen (Prolegomena III Nr. 83 — 85) zu- 
rechtgelegt wurde, weiß ich nicht. 

Auf den Blättern, die ausschließlich von W.s Hand beschrieben sind, findet sich 
sehr Verschiedenartiges zusammen — auch einmal Bl. 4* eine Weinbestellung — , Ein- 
tragungen in ungleicher Tinte, oft gestürzt, wenn er das Heft, dessen einer Titel ja auch 
gestürzt geschrieben ist, von der andern Seite her aufgeschlagen hatte. Die Seiten 2^. 
3*. 8* blieben leer, auf 6* stehen nur einige Ziffernreihen; solche sind auch 3*". 4*. ö*", 
S*". g*". lo*". II* beigeschrieben, teils Bereclmungen des Umfangs von Schriften, teils Be- 
stimmungen von Daten nach griechischer Zeit, von griechischen Münzwerten u. dgl. 

Die teilweise undeutlich geschriebenen I^inträge sind datiert oder datierbar zwischen 
der Angabe des Umschlagbogens 19. Dezember 1797 und 1800 (nicht 1799, wie ich bei 
früherer, nach den damaligen Umständen notgedrungen flüchtiger Durchsicht des Heftes an- 
genommen habe). Bl. 11' vermerkt unter 1798 das nahe Erscheinen von Walpoles sämt- 
lichen Werken und entnimmt einen Satz aus dem Journal de Paris vom 15. März 1798. 
Bl. ö*" verzeichnet Schriften für die Supplemente zu den Werken 1. H. Bd. 5 und 6, 
die im Januar 1798 Göschen eingeliefert werden sollten und 1798 erschienen; ferner 
Gespräche, d. h. die Gespräche unter vier Augen, zu denen die Druckvorlage im 
Oktober 1798 bereit, Anfang November in Göschens Hand ist; sie erschienen 1799. Mit 
I 799 ist der Entwurf zu den Ossmanstättischen Unterhaltungen überschrieben. Bl. s"". 
Bl. 9*. 9\ lo* befassen sich mit Aristophanes' Wolken, deren Übersetzung und Er- 
läuterung 1798 erschienen ist. Bl. 1 1*" steht der Ansatz zu einer sehr gekürzten, freien, 
sinnverändernden Übertragung des Prologs zu Aristophanes P^kklesiazusen. Bl. ö** fin- 
den sich Vormerkungen zum Aristipp, der von Ende 1799 an in Arbeit ist. Bl. 7" gibt 
eine Berechnung des Umfangs seines 3. Buches, dessen Druck im September 1800 begonnen 
war. Bl. lO** enthält Hilfslisten zur Chronologie und Währung, 1 1*" ein allgemeines Schema 
zum Roman, das also 1799 anzusetzen ist. Bl. 3** ist ein Entwurf des Glossars zu Aristipp, 
Bd. I, der Herbst 1800 erschienen ist. Auch Einträge auf Bl. 2*. 4*. ^ und wohl auch 
4*" und 5* gehören zu diesem Werke. Bl. 2* steht ein Hinweis auf Reichsanzeiger 1800 
Nr. 69; hart darunter: 'J. J. Rousseau betreff[end]. S. N. T. Merkur 25. B. pag. 277. 26. 
B. pag. 26.' d. i. Merkur 1798 i, 277. 2, 26. Bl. 4* wird 'Lucretii de Herum Natura 
Libri sex etc. vol. i. Leipzig bey Wolf u. Comp. i8oo. auf Schreibpapier.' vorgeniorkt. 
Und andere Neuerscheinungen dieses Jahres: 'Sprengeis allgem[eine] Bibliothek der Neuesten 
Reisebeschreib[ungen]. Heinriclis Geschichte der Deutschen [d. i. Handbuch der Teutschen 
Rcichsgeschichte]. Fichte von der Bestimmung des Menschen." 'Nitsch und Haberfeldt, 
Vorlesungen über die Class[ischen] Dichter der Römer 3. Bände Leipzig bey Feind, gr. 8.' 
[d. i. der 3. Band von Nitsch' Werk: Jim. Frdr. Haberfeldt, Dritter Band welcher die 
Vorlesungen über das zweyte Buch der Satyren und das erste Buch der P]pisteln des 
Horaz enthält, 1800]. Dazwischen ist vermerkt: 'Soirees litteraires, 20 Volum, in 8" ä 
Paris chez les Librairs Morin et le Noir, rüe de Savoie no. 4.' wohl = Soirees litteraires 
ou melanges de traductions nouvelles des plus beaux morceaux de Tantiquite [par l'abbe 
J. M. L. Coupe] Paris 1795 — 1800 19 vol.; Barbier nennt als Verleger Honnert. 

Über die zu einzelnen Werken gehörigen Einträge berichte ich bei Nr. 1193. 1195. 
I20ib. 1209. 1210; Übersetzungen Nr. 81. 83. 83a. 84. 85. 87. 88. Die Zugehörigkeit ist 
nicht überall sicher zu bestimmen. Hier füge ich noch eine vereinzelte Stelle an, die 
Voltaire und Kaiser' Joseph II. betrifft. 



52 S E u n- K U T : 

celebre Adam Smith, de la Socfiote] Royale des Sciences d'Edinburg disoit^ ä Mr. Fauj 
irlant des obligations incal culables que la raison (selon lui) avoit a Voltaire: Je i 



Bl v*» Le celebre Adam Smith, de la Soc[R'tej itoyaie aes :5ciences q £.uuiuuig ui.ton a au. taujas 
Saint-Fond cn parlant des obligations incal culables que la raison (selon lui) avoit a Voltaire: Je ne 
pardonne pas a l'Empeieur Joseph II. qui vouloit se donner le ton de voyager en Sage, d avoir pas.se pres 
deFerney Sans etie alle rcndre hommage k l'historien du Czar Pierre I. Je conclus dela que Joseph 11 n etoit 
qu^un homme au dessous du mediocre. Voyage en Angleterre, en Ecosse et aux lies Hebrides, par Faujas 
Saiut-Fond. (Paris 1797. Vol. 2. p. 279.) 

Nr. 1193: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 43—45- — W. bittet den 
Verleger Heinrich Gessner in einem Briefe oOuJ. um ein Exemplar seiner Kiementina 
von Porretta, die er für den 4. Band der Supplemente seiner Werke brauche. Das Drama 
eröffnet den 5. Band der Supplemente 1798, der schon mit der Pandora begonnen worden 
war, wie deren neuerliche Bogenzählung Äff. und Seitenzählung i ff . in C" beweist. — Aus 
Nr. 1192 Adversaria gehören hierher die Zusammenstellungen Bl. ö*": 

1 . füi" Supplemente Bd. 5 : 
Pandora. T. M[erkur]. 27. Band. Julius 1779. 

Auszüge aus der Bunckliade. 23. u. 24. Band des Meik[ur]. Jul. Aug. Oct. Nov. December. 
Auszüge aus Forsters R[eise] um die Welt. [Merkur] 1778. Julius, August. 

2. für Supplemente Bd. 6: 

Miscellanien. 

Ein milesisches Mährchen. 

2' Sendschreiben an einen jungen Dichter im [Merkur] 40. B. p. 57 im Octob. 1782. 28 Seiten, 
[nachgetragen:] 3 ditto im März 1784. Band 45 pag. 228. 24. S. 
Titanomachie, im 12' Bande. [Merkur 1775 4, 9 ff.] 

Anekdote Voltaires lezte Lebenstage betr. 28. Band [Merkur 1779 4, i33ff. 2170.] 

Über die Frage was ist hochdeutsch. 40. B. p. 149. 20. S. ibid. p. 193. 24. S. (im Nov. u. Dec. 1782 
[Merkur 4, 145 ff. 193 ff-]) im April 1783 p. 307. S. [Seitenumfang fehlt hier. Merkur 2, 307 ff.] 
Athenion im 35. Band, Heumond u. Erntemond 1781. S. 50. [Merkur 3, 3 ff. 140 ff.] 
Luise Labe, Heumond 1781. 3.5 B. S. 23. S. 12. [Merkur 3,230'.] 

Der tatsächliche Inhalt von Supplemente Bd. 6 ist anders geordnet und enthält nicht: 
Ein milesisches Märchen und Anekdote Voltaires letzte Lebenstage betr. (s. oben Nr. 61 1). 
Das milesische Märchen weiß ich nur auf Daphnidion zu deuten, Prolegomena Nr. 1223, 
das den Untertitel führt: Ein Milesisches Mährchen und das 2. Stück des Hexameron 
(Nr. 1237) bildet. Es ist allerdings unerwartet, daß mitten in der Merkurnachlese dies 
Werkchen erscheinen und daß eine ungedruckte Dichtung in die Supplemente versteckt 
werden sollte; ich kenne bisher kein Erscheinen der Daphnidion vor dem Hexameron 
imd für die Entstehung kein früheres Jahr als 1802. Ich vermag auch nicht festzulegen, 
aus welcher Sammlung 'Milesischer Märchen' W. die Erzählung entnommen haben könnte, 
wie er Wunibald von P*** 1805 versichern läßt; 1803 sind Milesische Märchen von 
Thomann = Jonath. Ldw. Lebrecht Nöller erschienen, die also später als die Entstehung 
der Daphnidion angesetzt werden müssen, aber auf den Rahmentext des Hexameron ge- 
wirkt haben können; Entlehnung aus einem so neuen Werke war unmöglich. 

Nr. 1195: Zum II. Gespräch gehört ein Eintrag Adversaria Nr. 1192 Bl. 2*: 'Reichs- 
anz[eiger]. 1800 N. 69.', hart darunter: 'J.J.Rousseau betreff[end]. S[ieh] N.T.Merkur 
25.B. p. 277. 26. B. pag. 26' d. i. Merkur 1798 i, 277. 2,26. Es scheint, daß der mir 
unzugängliche Reichsanzeiger sich auf die Stelle bezieht. — Vgl. H. Wahl, Geschichte 
des Teutschen Merkur aaO. S. 244ff. 

Nr. 1196: J. D. Gries schreibt an Böttiger 25. Februar 1798 (Handschrift in Dresden, 
Landes-Bibliothek) : 'Sie haben mir . . . durch die Mittheilung der W.schen Note einen neuen 
Beweis Ihrer Gewogenheit gegeben . . . Zugleich aber gestehe ich Ihnen, daß diese Note 
mich in keine geringe Verlegenheit gesetzt hat. Die Möglichkeit nur, daß man mich für 
eitel oder albern genug hielte, auf jenen Preis des großen Dichters Anspruch machen zu 
wollen, jagt mir eine Schamröthe ab, die selbst durch W.s Erklärung, daß Er vom 



Prolegomena zu einer Wieland -Aussähe. Vit. 53 

Gegentheil versichert sey, kaum gemildert wird. Ich habe die Kanzonette erst vor kurzem 
eben durch MsUe. Scliröter kennen gelernt . . . Wollen Sie . . . dennoch die W.ische Erklä- 
rung bekannt machen, so muß ich freilich bitten, mich wenigstens nicht als einen 
Vossiden aufzuführen . . . Sagen Sie Wielanden . . . . wie innig diese unverdiente 
Äusserung seiner Güte mich rührt imd daß ich aus allen Kräften . . . dahin streben 
werde, seinem Zutrauen keine Schande zu machen' usf. Vgl. Nr. 659 und Übersetzungen 
unten Nr. 23 a. 

Nach Nr. 1201 a: 1201b. Adversaria Nr. 1 192 Bl. 5b auffallend sorgfältig geschrieben. 

1799. 
Sujets zu den Ossmanst. Unterhaltungen. 
Klassen der Aufsätze. 
I. Historische Darstellungen. II. Kleine Novellen. III. Poetische Ei'zähl[ungen]. IV. Dialogen. V. Briefe. 
VI. Filosofische Darstellungen. 

I. Klasse. 

i) Dionys. — Dien und Timoleon. 2) Solon. [Beides nicht ausgeführt. Danach ist Raum zu Ergän- 
zungen gelassen.] 

II. Klasse. 

1) Celie. Das Sujet aus einer Erzählung dieses Nahmens in dpr Alcidamie der Mad. Villedieu Tom. IV. 
p. 190. 

In den CEuvres de Madame Ville-Dieu (in W.s Bibliotheksvei-zeichnis Nr. 2749—57) 
T. 4 conlenant Alcidamie et les galanteries grenadines, Paris 1741, steht S. 190 — 222: 
Histoire de Celie. Eine mit Celie befreundete Philimene erzählt rührselig eine über- 
spannte Liebcsgescliichte. Celie verliebt sich in Celimedon, glaubt an Gegenliebe, ent- 
deckt, daß er die Prinzessin von Cypern liebt, die ihn zunächst nur schätzt. Celie weckt 
in ihr Liebe für Celimedon. Dieser hat Schmerz um Celie, will ihr kein Leid zufügen. 
Sie aber führt ihn und die Prinzessin zusammen, erkrjinkt, stirbt, nachdem ihr die Prin- 
zessin versprochen hat, Celimedon glücklich zu machen. — Mir ist nicht bekannt, daß 
W. die Erzählung bearbeitet habe. 

2) Ein egoistischer Liebhaher. Die Grundziige des Sujets genommen aus besagter Alcidamie. S. 223, 

In den Q*]uvres de Madame Ville-Dieu Tom. 4 stellt, im Anschluß an die Celie, 
S. 223 — 308 Histoire de Cinthie et d'Iphile, erzählt von Lisicrate, einem Freunde des 
Iphile. Dieser verliebt sicli in die schöne und zärtliche Cinthie, die, obwohl vor Ent- 
fuhrung durch ihn gereitet, ihm nur Freundschaft verspricht, allmählich aber doch Liebe 
zuwendet. Darauf erkaltet Iphiles Gefühl für sie, sie wird todeskrank, er bleibt verhärtet, 
sie gellt genesen ins Kloster, er wirbt neuerlich um sie und vergiftet sicli nach der Ab- 
weisung. Auch von dieser Erzählung kenne ich keine Bearbeitung durch W. Reizte ihn 
bei Celie die Aufopferung des Weibes, so hier die langsam aufkeimende aber beharrliche 
Liebe des Weibes im Gegensatz zu der heftigen, durch Widerstand gereizten, aber wankel- 
mütigen des Mannes. 

Darauf folgt ein Entwurf zum Aristipp, den ich bei Nr. 1210 mitteile. Obwohl 
durch einen Strich von der II. Klasse getrennt und ohne neue Klassenüberschrift — es 
müßte die V. oder VI. sein — scheint er doch für die Ossmanstättischen Unterhaltungen 
bestimmt gewesen zu sein. Diese waren wohl nacli der Art von Herders Aurora, die sich 
in die Adrastea veränderte, geplant. Ausgeführt, aber selbständig, wurde nur der Aristipp. 

Nr. 1207: Herder an Böttiger o. J. (Handschrift in Dresden, Landes-Bibliothek) : "W.s 
»Wort« über die Metakritik ist... so glücklich ausgefallen, daß es sowohl in Be- 
ziehung auf mich als auf die Sache selbst meinen wärmsten und (welches noch mehr ist) 
meinen kältesten Dank verdient. Eben daß es nur darstellt, aber so ernst, angelegen, 
biederhaft, verständig und Partheilos ist was ich wünschte.' usf. 



54 Seuffert: 

Nr. 1209 Bd. C 31: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 39. Wlh. Bauer, 

Die öffentliche Meinung und ihre geschichllichen Grundlagen, Tübingen 1914 S. 25f. 157. 
Aus Nr. 1192 Adversaria gehört hierher: 

Bl. 6^. Gespräche. , , -, r, , ,-, . t 

Was wird endlich aus dem allen werden? Was hat man sich zur französ[ischen] Republik zu versehen; 
wohin werden die herrschenden Maximen d[er] Monarchen und ihrer Diener führen? wohin die Disposizion 
des Volks. Wie konnte [wohl st. könnte] geholfen werden. 

Unter 'Gespräche' sind auf diesem Blatt, auf dem der Inhalt für die Supplement- 
bände 5 und 6 vorher verzeichnet ist, wohl die im Merkur erschienenen 'Gespräche' I. 
II. IV. V gemeint; Was wird endlich aus dem allen werden? ist der Titel des 5. Merkur- 
• gesprächs, das im Buch das VIII. wird. Was hat man sich zu versehen? kann mit dem 
VI., Wohin die Disposizion des Volks mit dem IX., allesfalls mit dem VII. in Beziehung 
stehen; Wie könnte geholfen werden mag dem X. entsprechen; Sicherheit des Bezugs ist 
nicht da. 

Auf dem Blatte folgt: 

Über den Adel. 

Über die Freyheit der Wiss[enschaft] des Untersuch[enden] Geistes, u[nd] der Mitheilung der Ideen. 

Zufällige Gedanken über die Abschaffung des erblichen Adel.s in Frankreich Nr. 1035 
war schon in Nr. i i8i Werke Bd. 29, der vor Beginn der Adversaria liegt, aufgenommen. 
Über die Freyheit mahnt an (xedanken von der Freyheit über Gegenstände des Glaubens 
zu philosophiren Nr. 960. 979. 980. 996, das gleichfalls in Nr. 1181 Werke Bd. 29 wieder 
gedruckt war. Da W. diese Einreihung kaum vergessen haben konnte, müßte man ver- 
muten, er habe über diese Gegenstände neue Gespräche schreiben wollen, für welche An- 
nahme auch der neue Titel des zweiten Planes spricht. 

Berührung mit dem II. und III. der Gespräche unter vier Augen hat der Eintrag: 

Bl. 11''. Ist es wahr daß das Volk in der Monarchie für Nichts geachtet wird. 

Kann man zum Beweis dessen anführen i) daß das Volk keinen Antheil an der Gesetzgebenden Ge- 
walt hat? daß der Monarch Auflagen machen kann und k[eine] Rechnung abzulegen braucht. 

Ich stelle hierher noch vereinzelte politische Vormerke und Entwürfe: 

Bl. 5''. Über den Hang der Menschen zum Despotism ohne Einschränk[ung.] zum Genuss ohne Mühe, 
zum Müßiggang ohne Langweile. Die Neigung zum Schaden thun, ä gater et detruiie les choses, ist eine 
Frucht der letzten, conf. des Eoban. Hesse AnoeANSiN tgaoc in B. U. d. R. [Bibliotheque universelle des Romans, 
die ich leider nicht aufschlagen kann] vol. 71. p. 11 et 12. 

Bl. 7 •>. Wenn wir e[inen] so hohen und entfernten Standpunkt nehmen, um die fr[anzösische] Revolu- 
zion im Großen und im Zusammenhang sowohl mit dem allgemeinen Lauf der Dinge als besonders mit der 
Geschichte Frankreichs gleichsam mit Einem Blick übersehen zu können, so erscheint sie uns als eine ganz 
natürhche Begebenheit und wir verwundern uns über uns selbst, wie wir uns durch die tägliche Aufmerksam- 

5 keit auf die Besondere[n] und einzelne[n] Umstände, unter welchen sie sich vor unsern Augen entwickelte, 
so verblenden und verwirren und in Erstaunen setzen lassen konnten, daß wir sie für etwas ganz une)-hörte[s] 
Beyspielloses ansahen. Wenn der ungeheuie Stein den Sysifus allmehlich mit schwerer Arbeit den Berg hin- 
aufgewälzt hat, s[einem] ermüdeten Arm [?] An der Spitze desselben wieder entschlüpft und in unendlich 
mahl kürzerer Zeit wieder herunter kollert, was ist da zu verwundern. Es war e[ine] Zeit in Frankreich wo 

>o das Volk nichts, der König wenig, die großen Barone des Reichs und die Prälaten und der Adel alles wai-en. 
Die Könige fanden Mittel sich stuffenweise, unter Begünstigung der GlücksUmstände und mit Hülfe des Volks, 
dem sie unter dem Nahmen des 3' Standes eine Ait v[on] l)ürgerliche[r] Existenz gaben, bis zu einem Grade 
von Autorität und Macht zu erheben, vor welche[r] alle andre verschwand; die Großen des Reichs behielten 
v[on] ihren ehmaligen Vorrechten nur noch diejenigen, die für d[en] dritten Stand drückend [?] waren. Dieser 

15 sank allmählich wieder in sein altes Nichts zuiück; der Adel erhielt den Glanz, der ihm noch übrig blieb 
bloß von dem Wiederschein des Throns, und der König war alles. Enfin la Monarchie a cede au tems qui 
detruit tout, a la corruption des moeurs qui a tout affoibli, au pouvoir du peuple qui a tout abattu. 

I wir] danach gesti-. : nns, sei zu sagen daiüber gcstr. : e. Stand darüber nicht gestr. : sti ho [oder:/«? 
= fernen] daiunter der Text um] darüber nicht gestr.: daß wir 2 sowohl — besonders OdZ nachge- 

tragen 3 Frankreichs] danach gestr.: als mit der allge ferner nicht gestr.: selbst übersehen darunter der 

Text: gleichsam usw. können,] danach gestr.: so daß davor üdZ gestr.: v(m [?] danach nicht gestr.: die 

[unter so daß die] der Text: so erscheint usw. uns] davor üdZ »[or?] ganz] über gestr.: sthr 5 die] über: 



Proh'gnmena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 55 

das r'mstän'Ir] üdZ nacligelragen iini'r] davor gestr. : w/is xo :u 6 (/an:] danach ein unbestimm- 

barer Ansatz vielleicht zu: wnrf [gar] 8 s. (rmiidcten Arm[^]] üdZ nachgetragen 9 heriwUr] danach 

gestr.: h) 10 Adel] danlbcr gestr.: heyiiahe 11 Mittel] danach gestr.: item nicht gestr.: Volk gestr.: 

M eine [?] unter Volk: sich stußeriw-ise [?] » [;'] 7/«^« des Volkts] darüber: :um dritten Stand die zwei letzten 
Wörter gestr. 12 tmter — Sfondes] üdZ nacligetr.. darüber gestr.: arbeit danach gestr.: mit Hülfe der 

nicht ^tstT.: Zeit u (■;«<' [!'] hieruntar Text 11: unier — Umstände w^s sich der Wortordnung nach an 11 stnjfen- 
iceise anschließen kann v] wohl nachgetragen 13 und Macht] üdZ nachgetragen zu erheben,] unter 

gestr. empor:7iarb[f\tcn?] danach sy^ Zeilen gestr.: rler sie mit Bei/behalten die [oder der] vor welche [daran r 
gestr.] alle ehinaligen Schaden welche] danach üdZ nicht gestr. : es [!'] Großen] danach gestr. : welche [■'] 

Reichs] danach gestr.: teer \?we(/en?] wu [:'] darunter gestr.: wurden Ilofliule, !/[nd] unter: wurden Uofteute 
nicht gestr. : zu 14 f] all nachgetr. die] darüber nicht gestr. : ehmaliyen /«r] danach gestr.: das Volk 

darunter Text 14 f/[en] danach {:cstr. : *o^«?ann[ten] 15 i^ein] danach gestr.: ehmaliy der] nach gestr.: 

die Adel] danach üdZ gestr.: (/länztf nur 16 war] danach gestr.: allerseit [? oder: all(s /ort?] 17 a/- 

/oibli.] danach gestr.: a l'</ut[rage'.']. 

Der Entwurf ist zum Teil .selir schwor leserlicli; ich holte, den Text aus den vielen 
teilweise nicht gestrichenen über-, unter- und beigesdiriebenen Ansätzen, deren Auf- 
einanderfolge sich nicht deutlich umschreiben läßt, einigermaßen richtig er.schlossen zu 
haben. Er kann als ein Abschluß für die Gespräche unter vier Augen beabsichtigt gewesen 
sein; man spürt ja auch in diesen streckenweise das Dialogische nicht. Der französische 
Schlußsatz enthält eine Korrektur, was der Annahme einer Abschrift entgegensteht. 

Bl. II». Les CoDsuls Romains ont addres.ses le 10 Ventcse (28' Februar 98) au Directoire cxecutif 
de la Republique fran^oise, au nom de la Republique Romaine, les temoignages de leiir vive reconnoissance 
qu'ils transmettrons aux gcnerations futures 

Voici comme se termine leur addrcsse: 

»Les travaux les plus glorieux de la Rep[ublique] Frant[oi.se] qui eclipseront la rcnommce et la .splendeur 
des gonvcrmens anciens et modernes, auront cet avantage, qu'ils auront elendu, pour la premicre fois, les 
principes eternels de la Morale aux Droits des Nations, et les liens qui uniront desonnais, graces 
a Vous, les nations aux nations, seront les mfimcs qui uiiissent Tliomme ä riiomme.« (tire du No. 175 du 
Journal de Paris 1798. 25 Ventose, ou 15 März. 

quelle Galimathias et quelle impudente flauerie! 

Nr. 1209 Bd. ^'32: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 39 f. 0. Schissel 
V. Fieschenberg in Graz macht mich aufmerksam, daß ein in meinem Besitze befindliches 
Exemplar Kurrelmeyers C" entspricht bis auf die Seitenzahl 863, die es richtig 368 hat; 
ebenso ist ein zweites Exemplar meines Besitzes. 

Nr. 1210. 1217: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 40 f. 0. Schissel von 
Fieschenberg besitzt ein Exemplar des Aristipp, das von Kuirelmeyers C* folgende Ab- 
weichungen hat: Bd. 33 S. 105 Z. 15 Wie C"] Wie Bd. 34, 5, 27 ernsthofl €"■] ernsthaft 
Bd. 36, 149, 24 dritte C"] dritte. Alle Abweichungen sind Verbesserungen. Schissel 
teilt mir ferner mit: In seinem Band 34 ist auch das unkorrigierte BI. 5/6 mit den Druck- 
fehlern von C" beigeheftet; selt.samerweise als Doppelblatt zu einem leeren, auf das 
der Verleger schrieb: 'Die Anmerkungen .zum zweyten Bande [des Aristipp, also der 
Schluß des Bd. 34] werden in einigen Wochen nachgeliefert.' Das klingt, als ob dies 
verdruckte Blatt mit allen 2372 Bogen zugleich geliefert worden wäre; die Anmerkungen 
wurden wirklich erst später eigens gesetzt, wenigstens in meinem Exemplar C"^ sind sie 
als Bogen 25 signiert und angefalzt, aber die Seiten sind als 2. Halbbogen 24 fortgezählt; 
auch das hat also der Setzer des Doppeldrucks nachgeahmt. Für wen der Verleger (oder 
Drucker?) die Bemerkung beigeschrieben hat? für den Dichter des Aristipp? Schisseis 
Exemplar ist jedesfalls alt, denn es besitzt zwei Druckfehlerverzeichnisse in verschiedenem 
Satz; eines normal auf der letzten leeren Seite mit der von Kurrelmeyer bestimmten 
jüngeren Schriftform, eines auf eigenem Blatt mit der älteren Schriftform und ohne die 
beiden letzten Druckfehler 326, 12 und 350, 13, also vor deren Beachtung hergestellt. — 
Vgl. Ignotus, W. und die Griechen, Berlin-Leipzig 191 1. Lubovius, Sprachgebrauch und 
Sprachschöpfung wie Nr. 138. 



5g S E U I F E R T : 

Die Adversaria Nr. 1 192 enthalten verschiedene Vorarbeiten zum Aristipp, zu denen 
vielleicht auch die unter Nr. 1192 angegebenen zwei Abschriften aus Diodor und Plutarch 
gehören. Unter dem Titel: Sujets zu den Ossmanst. Unterhaltungen steht auch folgender 
Entwurf des allgemeinen historischen Inhalts: 

Bl. ';''• Aristipp. 

Über die Demokratie der Athener. 
Über den Karakter des Athenischen Volks 
Über die Sokratiker. 

Was er selbst vom Sokrates gelernt habe. 

Ariston, Tyr. Cyrenaeos. [danach gestr. : fratris] Aritadis ex fratre Aristoole nepos fingitur. [An Aritades 
ist gleich der 2. Brief des Aristipp B. I gerichtet.] 

Für den romanhaften Teil können folgende Reihen vorgemerkt sein: 

Bl. 11*". Was bindet die Menschen an einander Les grands Agens 

a) Sympathie und Sinnesart etc. la Nature 

b) Gleichförmige Grundsätze etc. La Neccssitc 

c) Interesse La fortune ou le Hazard 



d) Leidenschaft \ La raison 

e) Noth, Bedürfniß / Quid est: res sibi ) submittere^ 

f) Vergnügen se rebus / 



g) Religion Aristippe ä Cyrene, a Athenes, Corinthe, Syracuse avec [: eingefügt 

h) Vernunft. ' vor gestr. che:] Socrate, Aspasic, Alcibiade, Denise, Diogene, 

Xenofon — Lais, Glycere, Demophil 
Moyens de vivre bien avec Nil admirari 
les hommes Nil metuere 

a) n'attendre rien d'eux Sibi imperare le [üdZ.:] grand moyen de sibi 

b) n'exiger -- — res subniittere. 

: c) nc pas blesser leur Etre consequent, condition alisolue pour 

amour propre vivre bien avec | 

d) cacher sa superiorite, a paroitre etre content de ( 

avouer la leur Lettres d'A[ristippe]. 1) ä un jeune ami de Cyr[ene]. 

e) les amuser sans en avoir la pretention 2) ä un Oncle 3) ä Alcibiade 4) ä Aspasie 5) ä 

f) leur etre utile sans s'attendre ä leur Demophüe. peintre Sicilien. 6) ä un Ami de Co- 
reconnoissance rinthe 7) ä Lais 8) ä un Ami de Syracuse 9) ä 

g) n'etre pas blosse de leur defaiits, ne pas Diogene 10) ä Dion 11) ä Timoleon 12) ä sa 
se gendarmer contre leurs folies et fiUe Arete 13) Ses amours avec la Mere d'Arete. 
imbe[c]ilites 

Da diese Skizze in französische Sprache übergeht, wird auch der dem ganzen Entwürfe 
hart vorausstehende allgemeine Satz hierher gehören : 

Chaque passion se presente avec un air de justice, 
pensee digne d'etre aprofondie. 

Einzelheiten historischen Inhalts sind vorgemerkt: 

Bl. ob. NB. Demosthen. gebohren ol. 100.3 [über gestr. Ö9. 4.]. gestorben 115.3 alt 62 Jahre. 

Lais, wofern sie bey ihrem Übergang in die Gewalt des Nikias (bey Erober[ung] von Gythara [I lies: 
Kythera] Olymp. 91. 3.) 12 Jahre alt [danach gestr. : tpar und aR dafür beigefügt:], also Olymp 88. 2 gebohren war 
müßte also, als Demosthenes 25 [: aus ^W[-']] "'T, [danach gestr.: 6,9 darunter die Ziffer:] 74 gewesen [sein]. 

Das Mährchen das A[a]l. Gelllus N[octes] A[tticae] I. cap. 8. von ihr erzählt ist also absurd. 

Bl. lob. Aphyae, 2 sororcs meretrices Athen. v[ide] Meurs. att. Lect. II. c. 21. [Joannes Meurslus, 
Lectionum atticarum libri 6.1 

Venus Lamia. Athen. Atticae, II. c. XI. [Bezieht sich wohl auch auf Meursius' Lectiones atticae.] 

Phaulos von Krotona soll (wie Pausanias sagt) 52 Fuß hoch gesprungen seyn, welches gerade so möglich 
ist als 520 Fuß zu springen. 

Athen. Monate Tagezahl Übereinstimmung mit den Römischen. 

' Ungefähr 

Hekatombaeon 30 »/j July und »/j August 

Metageitnion 29 zwischen August und September 

Und so werden weiter die 12 Monate umgerechnet; nur haben Maemakterion und 
Pyanepsion ihre Stellen in der richtigen Folge vertauscht. Darauf folgt Münzvergleichung: 



Prolfgomena zu einer Wieland -Ausgabe. VII. 57 

I Drachme i Queiit 3^^ örtcben gilt 5 gg i?/,, Pf. ... . 

Jlina 29 Loth. 21 rthl. 7 gg. 9 ^^ 

60 M[inen] i Talent 55 H 21 Loth i Q- 7gg. 9 ^3- '^^^ ''''^'* ^ SS- 

50 Drachmen 10 rtl. 15 gg. 10 5/4 ^ 

Ein goldner Stater (didi-achmos) 4 rtl. 6'/, gg. 

Ein Dareikos eben so viel. 

Ein Philippeios . 

Bl. 3'' enthält die Sammlung der Wörter zum Glossar des i. Bandes Aristipp; im 
allgemeinen in alphabetischer Ordnung, die jedoch vielfach durchbrochen ist, auch Nach- 
träge an irrigem Platze bringt. Das Glossar behandelt alle Wörter des Verzeichnisses 
außer: Akropolis, musurgisch, sympotisch. Das Blatt bringt nur vereinzelt Erklärungen; so: 

'NefelokokkygiaWolken-Guckuksheim''; 'musurgisch Abendgesellschaften'; 'Kechenäer Gähnaffen'; 'Chiron, 
ein Centaur, der Erzieher des Achilles'; 'sj'mpotisch die scherzhafte sympotische Manier, womit Sokrates 
die sublimsten Materien zu — Tischgesprächen zuzurichten weiß'; 'Fantasmen Erschein[ungen] die ihre Gestalt 
bloß von getäuschten Sinnen oder einer zu lebhalten Einbildungskr[aft] erhalteu, Gespenster'. 

Zu Aristipps 3. Buch gehört folgender Entwurf: 

Bl. 2». III. Buch. 

Briefe an Kleonidas, an Lais, anDemoklcs zu Cyrene, an Eurybates zu Athen, (an Kritobulos 
daselbst) an Learchus zu Korinth. (an s[einen] Bruder Aristagoras zu Cyrene) 

Im 3. Buch sind von den genannten nur Kleonidas, Lais, Eurybates, Learchus als 
Korrespondenten; für die fehlenden: Hippias, Antipater, Musarion, Diogenes von Synope. 
Die Skizze verrät also einen älteren Plan. — Im Abstand davon folgt der Eintrag: 

neieANAfKH Cic. ad Attic. IX. 13. [ego autem non tarn roHTeJAN huius timeo quam neieANÄrKHN.] 

Auf das 3. Buch beziehen sich auch Uinfangsschätzungen Bl. 7 a, die aber erst nur 27, 
dann 28 Briefe vorsehen, während das Buch 36 zählt. Der Umfang ist etwas größer errechnet, 
als der Druck C" ergab. Herauszuheben ist lediglich der Eintrag: 'Das Symposion oder 
der 12' Brief; dieser enthält im Druck, oline Symposion betitelt zu sein, einen 'Bericht 
über ein symposisches Gespräch'. Die Handschrift zählte nach den beigesetzten Ziffern 
bei den 6 ersten Briefen bis Seite 51, bei den 5 folgenden bis S. 102, beim 12. bis 
S. 130, beim 28. bis S. 190. 

Eine Einzelnotiz Bl. 4* bezieht sich wohl auf das Verzeichnis zu Band III des Aristipp: 
'Mystagog, [darunter:] Eleos, Aido [darunter:] Fobos'. — 

Vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, 84. 209 ff. 

Nr. 1214: Handschrift im Schillermuseum in Marbach a. N. Abschrift in Landes- 
Bibliothek in Dresden 'Wielandiana No. 56 u. 57'. Vgl. Ella Hörn, Sonntagsbeilage Nr. 15 
zur Vossischen Zeitung Nr. 185 Berlin 13. April 19 13 S. ii8f. 

Nach Nr. 1216: 1801 — 1806. Das Wieland-Museum in Biberach a. Riss besitzt ein 
18 Seiten 4" starkes Heft von Wielands Hand, datiert 20. Januar 1801 bis 26. Oktober 
1806: Verzeichniß meiner sämtlichen Activ-Capitalien. — Daraus ist höchstens auszu- 
heben, daß das Honorar für die Übersetzung der Vögel des Aristophanes 130 rtl., 
das für Euripides' Helena und Aristophanes' Wolken zusammen 400 fl. betrug. 

Nr. 1217: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldnicke aaO. S. 4if. 

Nr. 1222: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, i88f 

Nr. 1223: über Daphnidion s. zu Nr. i 193. 1237-. Vgl. Strich, Die Mythologie 

aaO. I, 189 f. 

Nach Nr. 1223: 1223a. [t8o2.] Es hat sich ein Blatt erhalten mit einem von W. geschriebenen Auszug 
aus Georg Gessner, Jim. Kasp. Lavaters Lebensbeschreibung, VVinlerthur 1802 Bd. i S. 03, Bd. 2 S. 129. 132. 
134. Die erste und die letzte Stelle betreffen W.; da eine ihm geltende im 3., 1803 erschienenen Bande S. 233 
nicht ausgehoben ist, wird die Abschrift ins Jahr 1802 fallen. Zum Aushub 2, 132 aus Lavaters Tagebuch: 
'Ich erwache mit der tiefen Sehn.sucht nach dem Unentbehrlichen' usw. ist beigefügt: 'Eine wichtige Stelle und 
der Schlüssel zu Lavaters Innerstem', wie auch Gessner sagt, sie charakterisiere Lavater am meisten. Zu 

PhiL-hitt, Abh. J921. Nr. 3. 8 



58 S i: u I- V K u r : 

2 134: Lavatei- kommt mit Basedow zusammen, der ihm Grüße von W. biingt: 'Viel wurde von ihm [W.] un;l 
der Wirkung seiner Schriften, besonders des Agathon gesprochen ist beigesetzt: 'Was? sagt G. Gessner nicht. 
Sonderbar, dass Basedow (wie es seheint) nichts von dem merkwürdigen Abend in Belvedere erwähnte, woran 
es ihm "c'lang Wieland seine .Tugendgeschichte erzählen zu machen, und von der sonderbaren Wirkung, die 
diese Erzäliing auf ihn (Basedow) machte etc. etc.' Daß W. hier niclit in der ersten Person schreibt, wie er 
doch bei seinem äußerlich ähnlichen kritischen Auszug aus einer Keinholdischen Anzeige der Literaturzeitung 
— s. u. Nr. 1232b — getan hat, bezeugt, er habe die Aufzeichnung nicht für sich noch für einen Vertrautco, 
etwa Reinhold, der ja über Lavater geschrieben hatte, hergestellt, sondern für Fernerstehende; ob als Vorbe- 
reitung für den Druck einer Anzeige, bleibt offen. 

Nach Nr. 1224: i8o3f. i8o8f. 'Aus Wielands Haushaltungsbucli' 2 Hefte mit 
Eintragungen aus den Jahren 1803 f. 1808 f. Goetlie- und Schillerarchiv. Ob hierein sich 
etwas Literarisches verlagert hat, weiß ich nicht. 

Nr. 1225: A. Kippenbejg, Leipzig, besitzt laut freundlicher Mitteilung Handschrift 
2 SS. kl. 4° und einen Einzeldruck: 3 luibezifferte Seiten kl. 8". Vgl. Katalog der Samm- 
lung Kippenberg, Leipzig Inselverlag 1913 Nr. 4220. Baer und Co., Frankfurt a. M., Ka- 
talog 562 Nr. 3416: An die liebenswürdige Prinzessin von Weimar. Am S.[?] Juli 
1803. 2 Ell. 8". 

Nr. 1226: vgl. Strich, Die Mythologie aaO. i, 190. 

Nr. 1232: Das Exemplar Yt 958 der Staatsbibliotliek Berlin hat auf dem Druck 
der Volksmärchen des gleichen Jahres den Verfassernamen: J. C. A. Musäus, während 
in meinem Exemplar Johann August Musäus steht. Doppeldruck oder Titelauflage? 

Nach Nr. 1232: 1232a. 1803 etwa Oktober. Rechtfertigung der berühmten 
Frau von Maintenon gegen eine höchst ungerechte Anklage. Handschrift W.s 
im Wieland-Museum in Biberach a. Riss. Vgl. Zeitschrift für Bibliophilen N. F. FV. 2. Bd. 
S. 308 ff. 

In Hayns Bibliothcca Germanorum erotica^ S. 24 ist ein Druck der Buchholzischen Be- 
kenntnisse einer Giftmischerin, von denen die 'Rechtfertigung' angeregt ist, verzeichnet: 
Berlin, Johann Friedrich Unger 1803 303 SS.'. Vom gleichen Ort und Jahr gibt es einen 
zweiten Druck ohne Verlegernamen, der nur 224 SS. zählt. Da W.s Seitenzitat 'S. 94' 
sich hier S. 72 findet, hat er also den ersteren Druck benutzt. (S. Auktionskatalog von 
W.s Bibliothek Nr. 1665.) In dem von mir erworbenen Exemplar des 2. Druckes ist von 
alter Hand, deren Züge an die W.s erinnern, unter 'einer Giftmischerin' beigeschrieben: 
'Geheime Räthin von Ursinus'. Mit diesem Namen bringt auch Carl Müller-Fraureuth in 
seiner Schrift Die Ritter- und Räuberromane Halle 1894 S. 91, auf die Goedeke 6, 385 
unter Buchholz verweist, die Bekenntnisse in Beziehung, indem er mit ihnen das Buch 
von Ignaz Ferdinand Arnold 'Aus den Papieren der Giftmischerin Ursinus' zusammenstellt. 
Goedeke 5,533 und Hayn S. 195 geben dessen Titel im wesentlichen gleich also: 'Die 
Meuchelmörderin nebst der Beichte ihrer Sünden. Aus den Papieren der Giftmischerin 
U****s (Geheimrätin Ursinus). Ein wahrer Roman, von ihr selbst geschrieben. Berlin 
(Erfiu't) 1804'. Zu diesen Werken wird die in Kaysers Bücherlexikon verzeichnete Schrift 
gehören: 'Ursinus . . . Geh. Räthin, Authentische Vertheidigung von ihr selbst aufgesetzt. 
Berlin, Mittler 1804'. Danach ist anztniehmen, daß W.s an Böttiger gerichtete Fragen, ob 
ilie in den Bekenntnissen enthaltenen faktischen Umstände für wirkliche Tatsachen gelten 
und ob die der Dame U*** angeschuldeten Verbrechen gerichtlich untersucht seien, von 
Zeitgenossen bejaht wurden. Darauf deutet wohl auch eine dunkel gehaltene Bemerkung 
des entrüsteten Hofrats Karl Friedrich Pockels in der Anzeige der Bekenntnisse, Neue 
allgemeine deutsche Bibliothek 88, 503 f.: 'Noch verächtlicher, und noch schändlicher 



' Hayn fügt bei: Dasselbe, tit: Bekenntnisse einer schönen Seele ...Ibid. 1806. Das führt irre: diese 
Bekenntnisse sind völlig andere, wie sich aus deren Besprechung durch Goethe, Werke 40, 367 ff., ergibt. 



Prolcgomena zu einer Wieland -Aiisc/obe. VlI. 59 

würde der Zweck dieses Werks der seyn, wenn man eine schon an sich unglückliche, 
von den Urtheilcn des Publikums so zerrissene Fiaü durch hämisch gestellte Erdichtungen 
noch mehr brandmarken, und noch tiefer unter die Menschheit herabstoßeu wollte, da 
sie bereits die Gerechtigkeit öffentlich gerichtet hatte'. Zeitungen zur Feststellung des 
Vorfalls und der Person fehlen mir. Nach Schlichtegrolls Nekrolog ist die Geheimrätin 
Charlotte Sophie Elisabethe Christine Ursinus im April 1836 kurz vor Vollendung ihres 
75. Jahres gestorben zu Glatz, wo sie die ihr im Jahr 1803 auferlegte lebenswierige Festungs- 
strafe duldete. Buchholz, der ja in Berlin lebte (Zelter an Goethe 7. September 1803 
Briefwechsel 1 , 84), kannte zweifellos die Gerüchte oder Tatsachen. 

Die Bezeichnung Geheimrätin Ursinus ruft den wegen seiner Balladen und Lieder 
altenglischer und schottischer Dichter mit Herder in Briefverkehr stehenden preußischen 
Gelieimen Kriegsrat August Friedrich Ursinus ins Gedächtnis (Haym, Herder 2, 89 Anm. 2): 
Dieser ist erst 1805 gestorben, während der Gatte 'Kriegsrath V . . ." der Giftmischerin 
von ihr vergiftet wird. Ursinus war verheiratet, denn sein Stammbuch wurde von seiner 
Tocliter, verehelichte Iffland, aufbewahrt. Einträge desselben, auch einer von W. (un- 
datiert, etwa 1775), sind nach K. Polheims Mitteilung in den Sonntagsbeilagen Nr. 29. 30 
vom 20. und 27. Juli 1884 zur Vossisclien Zeitung veröffentliclit. Die Berührung des Ur- 
sinus mit W. verdient angemerkt zu werden, weil die Giftmischerin in den Bekenntnissen 
S. 180 von einer Heise berichtet: 'Berühmte Gelehrte, vorzüglich aber berühmte Dichter, 
blieben nicht unheimgesucht; denn je mehr man von solchen Männern debütiren kann, . . . 
desto willkommner ist man in der Gesellscliaft, die es nicht selten als ein Verdienst an- 
rechnet, wenn man einen Klopstock, VVieland, Göthc u. s. w. nur von Angesicht zu An- 
gesicht gesehen liat. Mit der Aufnahme, die ich allenthalben fand, konnte ich zufrieden 
seyn.' Das könnte die vorgegebene Schreiberin, falls die Ursiims ihr Vorbild ist, dem 
Gatten nacligesprocli(!n haben. 

Ihre Behauptung, lialb oder nicht begründet, mag eine der Ursachen sein, Avarum 
Goethe und W. dem Buche Aufmerksamkeit zuwendeten, so daß jener sogar an eine Be- 
sprechung in der Allgemeinen Literatur-Zeitung dachte (Werke IV 16, 328). Für W. kam 
dazu die Erzählung der Bekennerin S. 39, in dessen früheren Werken habe ihr Gei.st die 
meiste Nahrung gefunden, sie habe sie beinahe auswendig gelernt, was den Grund zu 
ihrer religiö.sen Schwärmerei gelegt habe. (Übrigens befaßt sie sieh S. 182 ff. auch mit 
Kants Kritik der reinen Vernunft, über die sie ein Kollegium gehört haben will.) 

Der als Autobiographie geformte Ich-Roman, der sich als Zuschrift an eine sitten- 
reine Frau gibt, ist jedoch der Hauptsache nach nicht literarischen Inhalts. Er spricht 
zwar von Veränderung des Dichtungsgeschmacks, von übler Wirkmig des Theaters und 
der Romanleserci auf ein Mädchen — dort lerne es sich verstellen, liier, bei Rlchardson 
z. B., üble Sitten; aber das ist, wie die Vorbemerkung des Herau.sgebers, es gelte ein 
merkwürdiges psychologisches Problem zu lösen, nur Auf[)utz gleich mancher nachdenk- 
lichen Überlegung und wohl auch der Grundauffassung: alles Tun sei durch Vererbung, 
Erziehung und Umstände unweigerlich bestimmt, weshalb die Schuldige nichts zu bereuen 
finde. Den Hauptinhalt bilden grobe Untaten: die Mutter, Ehebrecherin und Säuferin, wird 
im letzten Stadium ihrer Krankheit vom Gatten vergiftet. Der Vater, der der Frau Frei- 
heit gewährt, um selbst frei zu leben, mißbraucht seine Tochter. Die Tochter, schön- 
gestaltet, geistcsgewandt ohne gründliche tiefere Bildung, berechnend klug, hatte schon 
dreizehnjährig, um verführt zu werden, die Verbindung mit einem französischen Sprach- 
lehrer gesucht, der die Folgen so beseitigte, daß sie für immer kinderlos bleibt. Nach 
ihm und dem Vater wechseln die Liebhaber, eine nur durch den Mangel der Mutterschaft 
beeinträchtigte Ehe wird bald gebrochen, der Gatte zugunsten eines Geliebten vergiftet, 

8* 



gQ Seuffert: 

schließlich die Werber, die sich nicht mehr anbieten wollen, gesucht, bis die Alternde 
zum Selbstmord reif wird. Daneben ist sie Betrügerin und Diebin, schon als Kind am 
Vater, um den Franzosen zu unterstützen, später aus Gier nach Besitz, die sie auch eine 
zu langsam sterbende Erbtante vergiften heißt. Kaum vereinzelt erhebt sich der Trieb 
des Weibes, das bald als Frömmigkeitsheuehlerin, bald als Gesellschaftsdame alle blendet, 

zur Leidenschaft. 

Daß Goethe trotz der eintönigen Häufung der Sinnlichkeiten und Verbrechen den 
Verfasser einen 'tüchtigen Mann in jedem Sinne' heißen konnte (Werke IV i6, 275), wüßte 
ich nur aus Behagen an der festen Zeichnung mancher Randfiguren, Standes- und Cha- 
raktergestalten zu erklären, deren in Einzelgliedern an der Hauptperson vorüberziehende 
Typenreihe Militär und Zivil, und von diesem Vertreter aller Fakultäten in verschiedenen 
Stellungen, außerdem auch Schauspieler, Nichtstuer, einen Handelsjuden usw. mit gutem 
Spotte umfaßt und schon dadurch lehrt, daß höchstens Teile der Geschichte für 'wirk- 
liche Tatsachen' gelten können. Dazu tritt die Bestimmtheit der Orte — die Hauptstadt 
ist Berlin, das Bad Pyrmont — und der Zeit — von der Erscheinung des Klopstockschen 
Messias bis zur französischen Revolution. Die Darstellung ist nirgends grell, zumeist 
nüchtern und zurückhaltend farblos, allzu vereinzelt leuchtet die heitere Selbstverständ- 
lichkeit der Boccaccioschen Art auf, überall fehlt die Grazie des Rokoko, selbst den 
Schäferstunden im Park. Auf heftige Spannung ist es nicht abgesehen, Ansprüche an 
Phantasie und Gefühl werden nicht geweckt. Der fremdwortreiche Ausdruck ist in seiner 
nicht gewöhnlichen Geradheit doch undichterisch niedrig, wenn auch nicht stillos. 

Trotzdem waren die Weimarer zuerst von dem Werke bestochen. Dann gab Goethe 
den Vorsatz zur Besprechung auf und W. scheint, als er sein 'zufälliges Gespräch' nieder- 
schrieb, schon abgekühlt zu sein. Er verkennt den 'bis zum Ekel widerlichen Stoff' der 
'berüchtigten Bekenntnisse' nicht; erklärt für unzweifelhaft, daß Väter und Ehemänner 
ihren Töchtern und Gattinnen den Einblick 'in ein so unziemliches Buch' unmöglich zu 
machen suchen, spricht von Greueln und Schändlichkeiten des Inhalts. Doch es beschäftigt 
ihn 'die Art der Behandlung' und die Frage, ob die Heldin der Gescluchte auch die Ver- 
fasserin sei, wofür sie sich ausgibt. Mehr noch aber reizt ihn ihre wirklich unerlaubte 
Kühnheit, sich einmal S. 72, allerdings in einer einzigen nebensächlichen Anspielung mit 
der Maintenon zu vergleichen. Für diese war er wohl schon 1757 durch Artikel der 
Züricher Freymüthigen Nachrichten Stück 3 \nid 30 eingenommen worden, von ihr hatte 
er sich eine Vorstellung gebildet, als er die Favoriten der Könige von Scheschian aus- 
malte (Vierteljahrschrift für Littcraturgcschichte 1,414); sie war ihm neuestens in Herders 
Adrastea begegnet und er hatte ^iber dessen Zeichnung im Teutschen Merkur 1802 i, 287 ff. 
(Prolegomena Nr. i 220) sich lobend ausgelassen, freilich auch mit verstecktem Widerspruch; 
z. B. hatte Herder gesagt (Werke hg. von Suphan 23, 47), sie lenkte den König, W. aber 
nennt ihren wirklichen Einfluß auf Ludwig XIV. soviel wie nichts. Doch äußert er 
sich noch in der Anzeige weniger günstig über sie, als nun in der 'Rechtfertigung' ; zum 
Widerspruch stärker herausgefordert durch den Roman wollte er wohl den 'Untersuchungs- 
prozeß' nachholen, den er schon in der Anzeige für nötig erklärt hatte, der rätselhaften 
Frau von Maintenon vollständiges Recht anzutun. Er greift in der Rechtfertigung einige 
Wendungen aus der Adrastea-Anzeige auf; vollendet wäre sie eine Berichtigung gegen 
Herders Darstellung geworden. Und dies Bedürfnis einer Rettung der Maintenon ver- 
drängte die erste Neugier nach der Giftmischerin und ihrem Buche, wie ja schon die 
Überschrift des Bruchstückentwurfes beweist. 

Für die Anspielung auf die Prinzessin Ferrandine ist W.s Dschinnistan, Winterthur 
1787 2, 232 f. aufzuschlagen, wo in dem von W. bearbeiteten Hamiltonschen Märchen 



Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe. VII. 61 

Pertharit und Ferrandine die Prinzessin durch eine unsichtbare Gewalt genötigt wird, sich 
in die absclieuliche Fischhaut einzuwickeln, sowie sie sich ihren Augen darstellt. 

1232b. 1804 etwa Mai. Jenaische Litteratur-Zeitung von 1804. No. 95. 
S. 129 und 130. Handschrift W.s, 2 Bll. 8° in einem Umschlag mit W.s Aufschrift 
'Adversaria 1803' im Goethe- und Schillerarchiv, dem ich eine Abschrift verdanke. Adolf 
Dreßler in Wien und die Direktion der Universitätsbibliothek in Jena halfen mit gefälligen 
Auskünften. Die Handschrift ist Zusatz zur Rezension: Hamburg b. Perthes: Schellings 
Lehre oder das Ganze der Philosophie des absoluten Nichts dargestellt von Friedrich Koppen, 
nebst drey Briefen verwandten Inhalts von F. H. Jacobi 1803. 228 S. gr. 8°, die in der 
in Jena erschienenen Fortsetzung der Jenaischen Allg. Literatur-Zeitung vom 20. April 
1804 Nr. 95 Sp. 129 — 136 (die Seitenzahl 130 ist verdruckt: 230, daher rührt W.s falsche 
Zahl) als Beschluß der in Nr. 94 abgebrochenen Besprechung steht. Sie ist unterzeichnet 
'Dr.'. Nach dem Vermerk im Meßkatalog ist Prof. Reinhold in Kiel der Rezensent; ihm 
war die Anzeige übertragen, wie F. H. Jacobis Brief vom 4. November 1803 lehrt (Ernst 
Reinhold, Karl Leonhard Reinhold's Leben und litterarisches Wirken, Jena 1825 S. 275^); 
und aus Goethes Briefen vom 22. Februar und 21. März 1804 (Weimarer Ausgabe IV 17, 
73,1 und 99,21) ergibt sich, daß er sie lieferte und daß sie nach Änderungen gedruckt 
wurde; auch erhellt aus dem Briefe vom 25. Januar 1805 (ebenda 246, 7 und S. 329), 
daß Reinhold sich der Chiffre Dr. bediente. So versteht sich W.s Aufmerksamkeit auf 
die Rezension als eine Äußerung seines Schwiegersohnes; übrigens stand Köppens Buch 
in seiner Bibliothek (Auktionskatalog Nr. I161); und über Schelling hatte er sich Rein- 
holds Urteil am 16. Januar 1804 erbeten (R. Keil, W. und Reinhold, Leipzig-Berlin 1885 
S. 266), worauf ihm Reinhold seine Köppen-Rezension ankündigte (Anzeiger für deutsches 
Altertum 13,284). Im folgenden Abdruck hebe ich W.s Einschübe durch Kursivdruck 
heraus. 

Jenaische Litt. Zeitung von 1804. 
No. 95_ S. 229. und 230. 

• Die reine Logik hat keine andere als bloß formale Kenntniß aufzuweisen und kann daher eben so 
wenig ein reales als absolutes Erkennen begründen. Gleichwolil stellt sie die bloße Identität, als die 
bloße, in der Eigenschaft einer unläugbaren Form des Denkens auf. Da sich nun mit dieser bloßen Iden- 
tität und dem bloßen Denken in der Philosophie nichts anfangen läßt, so muß der Philosoph aus beiden 
heraus, und über beides hinaus gehen. — Ich. wie macht er dasf /?[einhold]. . Zu diesem Behuf hat er nur 
von der bloßen Identität wegzusehen, (wohM ) \on Acv leidigen Blöße ( ja wohl leidigen ! ) derselben 
zu abstrahieren (wie ist da^ möglichf was kann ton der bloßen Identität noch weggenommen odtT abgestreift 
werden, ohne sie gänzlich :u vernichten?) hierauf auf die nicht bloße Identität hinzusehen, und dieselbe, 
als solche, im Bewustseyn festzuhalten (wie kann er das? wo kommt die nicht bloße Identität her? was ist 
sie? Um auf sie hinzusehen, sie festzuhalten, muß sie daseyn ; woher erkennt aber der Philosoph ihr Dasei/n? 
Offenbar setzt er ei gratis voraus, d. i. er schiebt die Idee der Realität in die bloße Identität hinein, und hat 
nun freilich gut hinsehen und festhalten) «und er befindet sich nun im Anschauen derjenigen Identität 
welche, als die nicht bloße Identität, auch die Nicht-Identität mit der ihr gegen überstehenden 
Identität, enthält; er ist in Besitz derjenigen Einheit, in welcher die Einheit und der Gegensatz 
Eiins sind (?) und worüber Schelling in seinem Bruno (S. 39. u. f.) am faßlichsten sich vernehmen läßt; 
Er hat die Anschauung der absoluten Identität des subjectiven und objectiven errungen- (das sehe ich 
keineswegs ; er hat nichts errungen aU 1. eine gratis angenommene nicht bloße Identität; 2. das Anschauen, daß 
die nicht bloße Identität nicht die bloße Identität ist) »Diese Identität beweiset eben dadurch ihre Un- 
wandelbarkeit, Un vertilgbar k eit, Absolutheit, daß sie sich, in sich und durch sich selbst, ohne 
aufzuhören Identität zu seyn, entzweyt (abermahl« gratis angenommen) und darum als die Identität des 
Denkens und Anschauens, des Idealen und Realen, Ja! des Unendlichen und Endlichen, Gottes 
und der Natur, in dem Bewustseyn des ächten Philosophen (cermuthlirh durch eine besondere Gnade 
Gottes, denn natürlich geht es bey dieser Operation nicht zu) hervortritt, welcher jene Anschauung fest- 
zuhalten und vermittelst derselben das gesammte Erkennen und Seyn zu construiren 
vermag." 

Ich denke Jedem der dies liest, müssen folgende Fragen einfallen : 

1) was ist bloße Identität? 

2) was ist nicht bloße Identität? 



62 Seuffkut: 

3) tcenn der ächte Philosoph skh'his zum Anschauen (hr hloßen Identität, als der ahstractesten aller 
Ideen, erhoben hat, icie kommt er dazu über sie hinaussehen zu können? Woher weiß er d.e reelle Exisfenz 
der nicht hloßen Identität'? Ist nicht klar, daß er, indem er über die bloße hinwegsehen will, das Dastyn einer 
nicht bloßen gratis voraussetzen muß? oder kann die nicht bloße Identität etwas anders seyn, als die Identität 
selbst? Diese aber ist entweder ein bloßes abstractum, eine bloße Idee oder das A, welches = A ist, ist Etwas 
Wirkliches, Ueelles, für Sich oder an sich Bestehendes; ist sie eine bloß abstracte Idee, so läßt sich auch nichts 
in ihr erkennen als die bloße Identität; ist sie aber ein wirkliches, ein Ding an Sich, wie kommt der ächte 
Philosoph, durch bloßes Hinwegsehen über die bloße Identität zum Anschauen desselben, wenn ihm das 
Daseyn derselben nicht schon voraus bekannt war? 

'desselben' kann sich kaum auf Ding an Sich' bezielien, ist wohl verschrieben statt 
'derselben'. Die Unterstreichungen zum Teil zwei- und dreifach, was der Abdruck nicht 
wiedergibt, scheinen alle von W. herzurühren. Ob ich Z. 7 'Ich' im Hinblick auf Z. 18 u. 28 
und "R[einholdJ' richtig löste, ist fraglich; die Buchstaben, in der Abschrift als 'nicht 
entzifferbar' 'genau nachgezeichnet', könnten auch 'Q[uaestio]' und 'R[esponsio]' zu deuten 
sein. — Der Eingang der Anzeige lautet im Druck anders: 

Bekanntlicli hat diese Logik keine andere als bloß formale Erkenntniß, ein bloß formales Princip, eine 
bloß formale Wahrheit aufzuweisen; und kann daher ebenso wenig ein reales, oder absolutes Erkennen be- 
gründen, als dasselbe selbst seyn. Gleichwohl stellt sie wenigstens die Form des Denkens, als solchen auf; 
und obwohl sie nicht völlig darüber einig ist: ob der Satz der Identität, oder der Satz des Widei'spruchs, 
das Erste von jener Form ausdrücke: so stellt sie doch die bloße Identität, als die bloße, in der Eigenschaft 
einer unläugbaren Form des Denkens auf. Da sich nun mit dieser bloßen Identität, und dem bloßen Denken 
in der Philosophie nichts anfangen läßt: so muß der Philosoph aus beiden heraus, und über beide hinaus 
gehen. Zu diesem Behufe hat er nur von der bloßen Identität, als der bloßen wegzusehen, von der leidigen 
Blöße derselben zu abstrahiei'en ; usw. 

Das Folgende stimmt genau mit W.s Abschrift, woraus sich ergibt, daß W. eine frü- 
here Fassung vor sich hat; entweder einen schon (falsch) paginierten Bürstenabzug oder 
eine Reinholdische Abschrift, der W. nachträglich den Druckort übergeschrieben haben 
müßte. Nun spricht aber Goethe in den angezogenen Briefen von 'Bedenklichkeiten wegen 
der altern Recension', die er auf ein Blättchen notiert habe; und von einem Vorschlag, 
den er aufhefte; auch Eichstädt hat 'einiges zu tilgen gewagt'. Möglicherweise rührt 
also die Änderung von diesen beiden her und das Blatt gewinnt dadurch an Wert. Frei- 
lich scheint Goethes Wendung: 'Lassen Ew. Wohlgeb. die Recension nur drucken' zu 
sagen, daß die Änderungen in Reinholds Handschrift vorgenommen sind; er zitiert ja 
auch eine Seitenzahl dazu, die nicht die des Reindruckes ist. Hat also Goethe nicht 
einen Bürstenabzug mit eigener Zäldung vor sich gehabt, so können seine Worte nicht 
gedeutet werden als Anordnung, Eichstädt solle den Drucksatz abziehen lassen; dann muß 
noch nach der Drucklegung, von der W. einen Abzug erhielt, die Korrektur vorgenommen 
worden sein. 

Nr. 1234: Katalog der Sammlung Kippenberg, Leipzig, Inselverlag 19 13 Nr. mZ 
verzeichnet eine Ausgabe des Krates mit 3 Kupfern und eigenhändiger Widmung an 
Henriette Göschen. Danach ist Prolegomena VI S. 89 zu ergänzen. 

Nr. 1236: Die Staatsbibliothek Berlin besitzt unter Cz 3640a ein Exemplar mit ge- 
änderter Bogennorm. 

Nr. 1236. 1237: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 42 f. Der Hinweis auf 
ein 3 9 bändiges Exemplar von C^ erledigt sich durch einen Druckfehler in Alickes Katalog, 
wie mir die Buchhandlung anzeigt; das Exemplar hatte 36 Bände und 6 Supplementbände. 

Nr. 1241: Ehas von Steinmeyer macht mich aufmerksam, daß Glieder der weima- 
rischen Familie Brunnquell Beziehungen zu Goethe hatten; s. die Register zu dessen Werken, 
Tagebüchern und Briefen. Die von W. beklagte Verstorbene wird da nicht erwähnt. 

Nr. 1242: .Erster bekannter Druck des Gedichtes an Tischbein in Journal fiir Kunst 
und Kunstsachen, Künsteleien und Mode, [Leipzig und] Berlin, Saalfeldscher Verlag, hg. 
von Wlh. Römer, März 181 1. Exemplar in Staatsbibliothek Berlin. Euphorion 9, 117. 



Prnh'cjomnin zu einer Wieland- Au sgohe. VIT. 63 

Nr. 1245: Aus clor Absclirift eines Briefes von Ileinricli Geßner an Herrn Reinstein, 
des blinden Flötenspielers Dülon Fiilirer, vom lo. April 1809: Die zwei bereits erschie- 
nenen Bände entlialten nicht die Helfte des Mscpt .... Die ganze Lebensgeschiclite zu 
geben wird beinahe olininöglich sojn, erstens da Hr. Hofratli Wieland bei langer Zeit 
keine Muße finden wird den Rest des Mscpts. nocli zu redigiren, und .... die Elendig- 
keit in der der Buchhandel gegenwärtig verfallen ist Entreprisen der Art gar zu schwie- 
rig macht.' 

Nr. 1246: Handschrift im Besitz der Landes-Bibliothek Weimar, aufbewalirt im Goethe- 
und Schiller-Archiv. Alte Abschrift im Wieland-Museum in Biberach a. Riß stimmt zu der 
Fassung der Handsclirift, mit ein paar Korrekturen offenbarer Schreibversehen. 

Nr. 1247: Jacob Grimm an Gg. Frdr. Benecke i. Januar 1808: 'Ganz elend und Wie- 
lands Beschränkung überhaupt beweisend, war die neulich von ihm angepriesene Bear- 
beitung [der Nibelungen von Hinsberg] in einem Heft des Merkurs.' Briefe der 
Brüder Grimm an Benecke, hg. von W. Müller, Göttingen 1889 S. 3. 

Nr. 1249: Über den Erfolg des Aufrufs vgl. C. Bertuch jun. an Böttiger (Hand- 
schrift in Dresden, Landes-Bil)liothek): 4. März 1809 er übergebe W^. die von der Dres- 
dener Freimaurerloge gesandten 10 rtl.: Für die unglückliche Familie im Preußischen 
.sind bereits über 200 rthl. eingelaufen, weh-hes in honorem W.s vorzüglich geschehen.' 
Und am 9. März 1809, er habe in der Weimarer I>oge 10 rtl. 16 g. dafür gesammelt. 

Nr. 1250: vgl. G. Deile, W. und die Gesellschaft der Freimaurer, Monatshefte der 
Comeniusgesellschaft für Kultur und Geistesleben N. F^ VII Bd. 22 S. 2 7ff. Derselbe, Jahr- 
bücher der Kgl. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt N. F. 35. und 36. Heft 
191 1 S. iff. Derselbe, Goethe als Freimaurer, Stunden mit Goethe, Berlin 1908, Sonder- 
heft 4 S. i86ff. Wernekke, W. als Freimaurer, Stunden mit Goethe Bd. 9 Heft 2. Reitzen- 
stein, Wieland, Bücherei für Freimaurer Bd. 20 Berlin 1909. 

Nr. 1252: P^igenliändige Handschrift des Gedichtes an Prinzessin Caroline, 2 SS. 
kl. 4", in Katalog der Sammlimg Kippenberg, Leipzig, In.<5elverlag 1913 Nr. 3332. Ein- 
blattdruck mit alten handschriftlichen Beisätzen: 'überreicht auf dem Ressource-Ball von 
12 jimgen Frauenzimmern' und 'von Wieland': Auktionskatalog Max Perl Berlin, 24. bis 
26. Februar 1908 Nr. 1290. 

Nr. 1253: Auch nach den Feststellungen Goethe-Jahrbuch 24, 90 ff. bleibt die Auf- 
gabe, nach W.s Anteil im Maskenzug Völkerwanderung vom 16. Februar 18 10 zu suchen. 
Freilich hatte W. sicli scljon mit dem Festgedicht Merlin eingestellt und der Brief Goethes 
vom 14. Februar iSio, der W.s Antwort auf Goethes P'inladung vom 9. beantwortet, dankt 
nur fiir eine 'Bemühung', nicht für etwas 'Ubersendetes', wofür gleichzeitig Knebel ge- 
dankt wird, bittet aber überdies um den von W. angebotenen Entwurf, von dem am 16. 
oder 18. Gebrauch gemacht werden solle; worin dieser bestand und ob er geliefert wurde, • 
ist offen. Goethes Brief vom 18. an Fritsch spricht über musikalische Neuerung, nicht 
über die Verwendung von W.s p^ntwm-f. Über W.s Beiträge zu den Masken- und Redoute- 
festlichkeiten kann nur in Weimar Aufklärung gewonnen werden. 

Nr. 1255: vgl. Kurrelmeyer, Die Doppeldrucke aaO. S. 42. 

Nach 1255: 1255a. ? 1811. In den Gemeinnützlichen Blättern fiir das Großherzog- 
thum Frankfurt, Frankfurt am Main, Mittwoch den 27. Februar 181 i Nr. 25 S. loi steht 
folgender Spruch: 

Ungedruckt. 

Da.s Eigenfhümliclie der Menschheit ist, nach einem Ziele zu streben, das wir nie erreichen können, 
weil es durch die Annäherung selbst immer weiter von uns entfernt wird. Wieland. 



64 Seuffert: 

Bemerkungen über Quelle, Datum usw. fehlen. Vgl. Archiv für Litteraturgescliichte 
13,519. Der Spruch ist mir durch Vermittlung Heinrich Heidenheiraers in Mainz be- 
kannt geworden. 

Nr. 1258: Abschrift der Vorlesung über das Fortleben im Andenken der Nach- 
welt in der Landes-Bibliothek Weimar, aufbewahrt im Goethe- und Schiller-Archiv. Einzel- 
druck 15 SS. 8° im Katalog der Sammlung Kippenberg, Leipzig, Inselverlag 191 3 Nr. 4951. 

Zu Prolegomena IH Übersetzungen. 

Im allgemeinen: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 108. 

Nr. 1: S. 7 Zeile 16 lies Wurth statt Würth. Vgl. Frdr. Gundolf, Shakespeare und der 
deutsche Geist, Berlin 1911 S. i6olf. F.W. Maisnest, W.s Translation of Shakespeare, 
Modern Language Review 9 Nr. 1 , über W.s Vorkenntnisse. Ernst Stadler, W.s Shakespeare, 
Quellen und Forschungen 107, Straßburg i. E. 19 10. 

Nr. 10: Leonard L. Mackall in New York teilt mir freundlich mit, daß der Verfasser 
der englischen Vorlage Soame Jenyns ist. Er berichtigt ferner, daß ein Druck der Collection 
of Poems von 1753 unbekannt sei, daß im Verzeichnis der W. sehen Bibliothek wohl die 
Jahrzahl für 1763 verdruckt sei, zu welcher Ausgabe die im Teutschen Merkur 1773 1,25 
angeführte Seitenzahl paßt. 

Nr. 11 Anm. i : Nach Leonard L. Mackalls Mitteilung sind die Letters from a Per.'^ian, 
deren 1735er Ausgabe die vierte ist, verfaßt von George first Baron Lyttelton. 

Nach Nr. 23: ?23a. Canzonetta Romana. Teutscher Merkur 1780 4,276 — 280. 
Nicht unterzeichnet. Ich nehme meine frühere Vermutung (Freundesgaben für C. A. H. Burk- 
hardt, Weimar 1900 S. 140 Anm.), W. sei der Übersetzer, wieder auf, entgegen der An- 
merkung zu S. 1 1 der Prolegomena III, und stelle die Verfasserschaft neuerdings zur 
Erwägung aus folgenden Gründen. 

Die Einleitung (s. Nr. 659) stammt sicher von W., denn nur der Herausgeber des 
Merkur konnte schreiben: 'Noch bitte ich unsre schönen Leserinnen um Erlaubnis, ihnen 
zum Beschluß dieses Jahres mit einem Römischen Liedchen . . . aufzuwarten.' Nun heißt 
es aber in derselben Einleitung weiter: "Die DoUmetschung hat keine andre Prätension 
als das Verständnis des Textes ... zu erleichtern.' Diese Bescheidcnheitswendung steht 
doch nur dem Übersetzer selbst an; jedem Mitarbeiter gegenüber enthält sie eine unhöf- 
liche Kritik, die sich W. ja als Herausgeber zuweilen gegen den und jenen erlaubte, 
aber gewiß nicht gegen Goethe herausnahm. Ferner; die Einleitung schließt: "Wer diese 
Canzonetta ... mit Reimen übersetzen kann, soll mir der große Apollo seyn!' Darauf 
nimmt Bezug W.s Nachschrift zu Gries' Übertragung, Nr. 11 96 der Prolegomena, mit 
diesen Worten: "Ich erinnerte mich . . ., dass ich das Italiänische Original . . . nebst einer 
Übersetzung in Versen ohne Reim ... im December des Merkurs von 1780 gegeben 
hatte, und, vermuthlich in einer kleinen Anwandlung von Laune, da mir selbst der Ver- 
such einer Übersetzung in Reimen nicht hatte gelingen wollen, mir die etwas unvor- 
sichtigen Worte hatte entfahren lassen: 'Wer diese Kanzonette ... mit Reimen über- 
setzen könnte' usw. Die Wendungen: ich hatte gegeben, mir war keine gereimte Über- 
setzung gelungen, ich war darüber mislaunig, müssen den Eindruck erwecken, daß der 
Schreiber auch der Verfasser der ungereimten Strophen ist. Dazu nimmt W. als Titel 
den von Gries gewählten Die Federn', während im Merkurdruck 1780 keine Überschrift, 



' ^."""^ beschwert sich im Brief an Böttiger (s. oben zu Nr. 1196) ül.er den falschen Titelzusatz 'Nach 
dem bnghschen statt Italienischen' und über andere Druckfehler im Merkur 1798 1,57 ff. 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. VII. 65 

in dem mit 'Goethe' unterzeichneten Druck in Reichardts Musikalischem Almanach, Berlin 
1796, aber Der Federsclimuck steht. Meines Wissens ist diese Unterschrift die einzige 
Beglaubigung für Goethes Urheberschaft, die allerdings durch die Herausgeber des Nach- 
lasses anerkannt wurde; denn sie nalimen, unter der neuen Aufschrift 'Mode-Römerinnen', 
das Stückchen in den 47. Band auf, und zwar wie Reichardt als vierzeilige Strophen, 
während der Merkurdruck dem Italienischen und seinen Reimen gemäß achtzeilige abge- 
setzt hatte; im Texte aber wichen sie an einer Stelle — s. Weimarer Ausgabe Bd. 5 II 
S. 202 — von Reichardts Kalender ab, und zwar so, daß sie dem Text des Merkur folgten. 
Von diesem hinwieder stehen sie nicht nur an drei Stellen, wie ebenda verzeichnet ist, 
ab, sondern auch: V. 36 Ihres Kriegesgotts] Ihrem Kriegesgott C 39 den Schweiffen ihrer 
Pfauen] dem Schweife ihres Pfauen C, abgesehen von Rechtschreibung und Satzzeichen; 
ob diese Änderungen auf Reichardt zurückgehen, ist in dessen mir unzugänglichem Ka- 
lender zu prüfen. Reichardt und die Nachlaßherausgeber können Goethe wegen seiner 
Beziehungen zur Komponistin der Canzonetta, Corona Schröter, für den Verdeutscher ge- 
halten haben. Goethes Verkehr mit Reichardt war aber schon 1795 kühl, 1796 gelöst 
(vgl. Schriften der Goethe-Gesellschaft 8, i i3fF.); daß er dem 'aufdringlichen' die Canzonetta 
damals anbot, ist wenig wahrscheinlich. An W. sendete Reichardt 19. September 1795 
eine Anzeige für den Merkur, die 1795 3, 323 veröffentlicht wurde; eine Anspielung auf 
die Canzonetta habe ich mir aus dem ungedruckten Briefe nicht vorgemerkt. Es ist nacli 
damaligem Kalendermäunerbrauch unnötig, anzunehmen, daß Reichardt für seinen Neu- 
druck von Goethe oder W. zum Abdruck ermächtigt und über den Verfasser imterrichtet 
worden sei. Umgekehrt wäre es erstaunlich, wenn W. in der Nachschrift zu Gries' Über- 
tragung nochmals Goethe als Urheber der ersten verschwi(igen hätte, noch dazu in Worten, 
die ihm selbst das Gedicht zueignen. Auch der vielbelesene Böttiger scheint Reichardts 
Aufstellung nicht beachtet zu haben, weil er Gries — nach dessen Antwort (s. oben zu 
Nr. II 96) — nicht auf diesen Rivalen aufmerk.sam machte. Ich sehe keinen Grund, die 
Übersetzung W. nicht zuzutrauen, sie ist für ihn besser geraten, als sie es für Goethe wäre. 
Für den Merkurherausgeber hatte sie ja den besondern Reiz, daß die Canzonetta V. 2 3 f. 
die Federtracht als Einfiihrung des geflügelten Merkurs hinstellt. Auch Herder nimmt 
einen sehr nahen Anteil W.s an der Veröffentlichung an ; er nennt in einem Briefchen an 
Voigt (Goethes Briefe an Voigt, hg. von G. Jahn S. 461 Anm.) W. spöttisch Hofpfelzgraf 
(W. war ja Pfalzgraf) und erwartet, er werde grob sein gegen Voigt und ihn als neue 
Übersetzer, da er bei Scherzen, die ihn nur von fern streifen, keinen Spaß verstehe. 

Nr. 33. 34: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 108. Vgl. Rudolf Ischer, Ein Beitrag 
zur Kenntnis von W.s Übersetzungen Euphorion 14, 247 ff. — Das Wieland-Museum in 
Biberach a. Riß besitzt nach Reinhold Schelles Mitteilung Diktat von Horazens Briefe 
I. Buch I. — 20. Brief, II. Buch i. imd 2. Brief bis V. 126. — Zu Buch II Brief 2, Bd. 2 
S. I38f. vgl. Teutscher Merkur 1783 2, 314 (richtig 10). Zu Brief 3 V. 89ff. I07ß". I29ff. 
459ff. ebenda 1782 4, 2i3f. 1783 2,28. 

Nr. 46: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 108. 

Nr. 52: Ob die Baseler Ausgabe von 1789 sich 2. Auflage dieses Verlages nennt 
oder nur neue Auflage der Ramlerschen Übertragung, weiß ich nicht. Ramlers Über- 
setzung erschien Berlin 1777 (Goedeke 4', 181 Nr. 36). Ein Nachdruck davon Horazens 
Dichtkunst mit Ramlers ÜI)ersetzung und Anmerkungen zum Gebrauche der Schulen 
W'ürzburg, .1. J. Stahel 1780 enthält nichts von W., wie schon dem Datum nach vor- 
auszusetzen ist. 

Nr. 53 ff. : Blumenlese aus dem Stammbuche der deutschen mimischen Künstlerin, 
Frauen Henriette Hendel-Schütz gebornen Schüler, Leipzig und Altenburg, F. A. Brock- 

Phil..hist. Abh. 1921. Nr. 3. 9 



g(5 Seuffkrt: 

haus, 1815 S. 153 enthält einen Eintrag, unterzeichnet 'Weimar. Wieland. (Nach ^Lu- 
eian'.)', Sokrates preise die Gebärdenkunst usw.; die Stelle bezielit sich auf W.s über- 
sctzunsj- 4, 394. Der Stammbucheintrag ist Avohl 22.-29. Januar 1807 anzusetzen, vgl. 
Goethe's Tagebücher IV 92, 7. 12. 93, 8. i i. 22, 25. — Vgl. Des Lucians Hetärengespräche 
und der Dialog vom Tanze. Übersetzt von C. M. W. Neu herausgegeben und eingeleitet 
von Hans Ludwig Held, München 191 2. Ob der von Floerke 'bearbeitete und ergänzte' 
Neudruck in Klas.siker des Altertums 1. Reihe Bd. 7 — 1 i , München 191 1, Textfehler ver- 
bessern hilft, weiß ich nicht. Strich, Die Mythologie aaO. i, 78 ff. 

Nr. 67: vgl. Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft 1920 7, 260. 

Nr. 72: vgl. P>itz Hilsenbeck, Aristophanes und die deutsche Literatur des 18. Jahr- 
hunderts, Berliner Beiträge zur germanischen und romanischen Philologie 34, Berlin 1908. 
Rudolf Binder, Über W.s Auffassung der szenischen Darstellung der Acharner des Ari- 
stophanes, Gymnasialprogramm Bregenz 1909. Gurt Hille, Die deutsche Komödie unter 
der Einwirkung des Aristophanes, Breslauer Beiträge zur Literaturgeschichte N. F. 2 Leip- 
zig 1907. 

Nr. 78: s. Nachtrag Prolegomena VI S. 109. 

Nr. 81. 83: vgl. oben zu Nr. 12 16. Aus den Adversaria Nr. 1192 gehören zu Ari- 
stophanes' Wolken: vielleicht die Abschrift aus Plularch de Genie Socratis Bl. s''; dann 
der Entwurf zur Erläuterung: 

Bl. 9". Zur Commentirung der Wolken des Aristofanes conf. inter alia, i) Hardions VII"' Disser- 
tation snr Forigine et les progres de la Khetorique etc. Vol. 22 der Memoires de l'Acad. des Inscr. [Jacques 
Ilaidion, Douze Dissertations sur l'origine et les progres de la rh(^torique dans la Grece. Memoires de l'Aca- 
demie des Inscriptions et Beiles Lettres 1733 — 1754.] 

der AiNOC des Aristof. Sokrates bezieht sich auf die Ainh des Demokritus. 

I. Was war die alte Komödie;' 

Was für ein Feld öfnete sie den Dichtern, das Volk zu belustigen i" 

VV^as für Rechte und Freyheiten gestattete sie ihnen zu diesem Zweck. 

Unterschied der Alten Komödie von der Menandrischen oder neuen, w eiche das Modell unsrer heutigen 
ist [dieser Absatz mit Verweisungszeichen seitlich nachgetragen.] 

Warum sah ihnen [unter gestr. : cannivierti^ die Policey soviel nach. 

[Neben Absatz i als 2. Kolumne:] 2. Allgemeiner Zweck eines Komischen Dichtei-s, bey jedem seiner 
Stücke den Preis davon zu tragen, indem er so viel ihm nur immer möglich war, seinem Stück alles [da- 
nach gestr. : zu geben suchte], wodurch es gefallen konnte, zu geben, uod alle Voi'züge, deren die alte Ko- 
mödie fähig war, darin zu vereinigen suchte, quoad materiam et formam. 

3. Besonderer Zwek [über gestr. : Zweckt] des Aristofanes bey seiner Komödie überhaupt [die drei 
letzten Wörter über gestr. : dm Wolhri] [Danach gestr. : '!)] Den Verfall der [danach gestr. : Erziehung] Re- 
publik unter dem Demokratischen gouvernement diiecte und indirecte zu rügen, mit den menagemens, die 
ihm die Klugheit hiebey nothwendig auferlegte. 

Aristofanes war von der Aristokratischen Parthey, in wiefern:' Moral scher Charakter dieses Dichtere, 
viel schlechter als Brunk und andre seiner Verehrer gestehen wollen. [Moralischer — wollen: nachgetragen. 
Ph. Brunek's Ausgabe 1781 — 3.] 

4. Besondere Zwecke des Aristofanes bey den Wolken. 

a) Den Verfall der ehmaligen Erziehung als eine Quelle der Sittenverderbniß und des Verfalls der 
Republik zu rügen. 

b) In der Person des Strepsiades die Folgen zu zeigen, welche die Schwäche des Karakters bey 
einem Hausvater für ihn selbst und für sein Hauswesen [danach gestr.: hat] nach sich zieht 

c) Die Sofisten seiner Zeit überhaupt anzugreifen 

d) Den Sokrates persönlich den Athenern lächerlich und verhaßt zu machen. Kurze Darstellung 
dessen was Sokrates, höchstwahrscheinlich gewesen zu seyn scheint — In wie fern er sich um 
die Meteora bekümmert haben mochte. 

Worin seine Ironie bestand. Seine dialogistische Lehrart. Sein Cynismus ante Cynicos. 
Wovon lebte er? [Von Kurze bis hierher mit \'erweisungszeichen seitlich nachgetragen.] 

Entwiklung der unläugbaren Bosheit, womit Aristofanes hiebey zu Werke gegangen. [Da- 
nach ein Wörtchen unleserlich durchstrichen.] 

i) Es war nicht wohl möglich, daß der wahre Charakter des Sokrates dem Aristofanes hätte 

unbekannt seyn können. 



Prolf'ffomena zu einer Wieland -Ausyahe. VII. 67 

2) Er mußte also besondere Bewegiirsachen und Absichten haben, warum er diesen Charakter 
vorsetzlich verfälschte. 
Bl. 9''. 3) Hätte er ihn bloß lächerlich machen wollen, so könnte dies allerdings ohne Persönlichen 
Haß und absque [dies üdZ nachgetragen] aninio nocendi geschehen und dann hätte Brunck 
recht [die fünf letzten Wörter nachgetragen] 

4) Es ist aber handgreiflich daß er ihn verhaßt machen wollte. Beweise. Vortheile die ihm 
des Sokrates wirklicher Karakter dazu gab. 

5) Wahrscheinliche Ursache seines Hasses gegen Sokrates. 
5. Schlechten Succeß der Wolken bey dem athenischen Publiko. 

Dessen wahrscheinliche Ursache. , 

Hat Ai-istofanes dem Sokrates wirklich nichts geschadet? [Die nächste halbe Seite ist leer; der Entwurf 
wurde also nicht weiter angelegt] 

Bl. 10». Perikles stand der Republik 40 Jahre vor. Er starb im 4' Jahr der Systen Olympiade. 

Anaxagoras 

Zeno von Elea, Protagoras [darüber der Ort:] von Abdera, Gorgias von Leontium, Hippias, 
Theodor von Byzanz Aleidamas aus Elea in Asien, Evi-niis von Paros, 

Protagoras kam in der 84sten Olympi.ide zum ersten mahl nach Athen, und war der erste So fist, der 
eine Taxe für seine Lekzionen setzte. 

Sokrates 
wurde im 4' Jahr der 77sten Olympiade gebohrcn und starb [darüber:] im i. der 95stcn [in der Zeile fort:] 
im 7isten seines Alters. Als die Wolken gegeben wurden, war er ungefähr 48 [aus: 4f>[l']] Jahr alt. 

Aristofanes hatte [darüber die Zeitangabe:] im i. der SSsten Olympiade als sein erstes Stück, die 

Daitales, gegeben wurde das Gesetzmäßige Alter von 30 Jahren noch nicht. Er war also nicht über 32 

bis 33 Jahre als er die Wolken gab. 

Xenofon , . „, . , / 82. i oder 2 

Piaton gcbohren Olympiade | g^ ^ ^^^^^^ g^^,^ . ^^ ^^ 

Xenofon war zur Zeit, da die Wolken aufgeführt wurden, ungefähr 26 [aus 25], Plato nur 5 [über 
gestr. : 4] Jahre alt. 

Der letztere war ungefähr 30 Jahre als Sokrates starb. [Die zwei letzten Absätze mit Verweisungs- 
zeichen seitlich nachgetragen.] 

Alci biades 
wurde im 2' Jahr der 82sten Olympiade geliohren. starb im i. der 94ten Olympiade. War also [also: viel- 
leicht gestr.] bey .Aufführung der Wolken [dannch gestr.: ungefähr] 22 [aus 2.V] Jahre alt, und befand sich 
damahls eben im Besitz .seiner gi-ößten Popularität. 

Gorgias kam in der 88sten Olympiade als Gesandter seiner Vaterstadt [die vier letzten Wörter iidZ 
nachgetragen] nach Athen, also nur wenige Jahre vor den Wolken. Er war [e]in Schüler [wohl aus: S'hul/-^ 
des Empcdokles, und des Redners Korax von Syr.ikus. Mem[oires de l'Academie des Inscriptions] XXII 
pag. 507 [oder .5/7;']. seq. Sein großes Succeß zu Athen, ibid. p. 510. s. [Sein — 510. s.: unten aR nachgetragen. 
Seitlich nachgetragen der Satz:] Gorgias ei'hielt von den Richtern der Pythischen Kampfspiele eine goldne 
Bildsäule im Tempel des Pythischen Apollo, überlebte den Tod des Sokrates noch um mehr als 20 Jahre. 

[Als zweite Kolumne steht Bl. 10» von Anfang bis Piaton in abgesetzten Zeilen:] 

Zeitfolge der Aristofanisclien Komödien 

Olymp. 88. 3. Acharnes. 6 [aus 7]. B[elli] P[eloponnesiaci]. 4. Equites. »[nno] 7 [aus iV]"» B. Pelop. 

Olymp. 89. I. Nubcs. anno 9 [aus 8]. Bell. Pel. z.Vespae. 

Olymp. 90. I. Pax. 

OljTiip. 91. 2. Aves. 

Olymp. 92. I. The-smophoriazusae. Lysistrata. 4. Plutos I. 

Olymp. 93. 3. Batrachi. 

Olymp. 97. I. sfive] [*. üdZ. nachgetragen] 2. Ecclesiazusae. 4. Plutos II. 

Nach Nr. 83: 83a. 1798. 1799. Jltwa in diese Zeit i.st zu setzen die selir gekürzte, 

bis zu Sinnveränderungen freie Obertragung des Prologs zu Arlstophanes Ekklesia- 

zusen in Adversaria Nr. i 192. 

Bl. 1 1 ''. Praxagora zu ihrer Lampe 

Du einzige verschwigne Zeugin unsrer nächtlichen 

Mysterien [davor gestr.: Verliebten iS[tunden i']] und der unerschöpflichen 

Erfindsamen Gewandtheit [darnach «estr. : «/«[ander]] uns in immer neue 

Gestalten zu verwandeln und dem Überdruß 

Durch immer neuen Reiz zuvoi-zukommen. 

Nr. 84. 85: Vielleicht ist zu den Sokratischen Gesprächen vorgemerkt in Adversaria 
Nr. 1 192 Bl. i'': 'F'ine Beweisstelle, daß zu Xenofons Zeiten schon ein ausgebreiteter Buch- 
handel existiert haben müsse steht in Xenof. Anabasi L. VII cap. 5 § 8.' Vgl. oben S. 51. 

9* 



(58 Seuffert: 

Nr. 87. 88: vgl. Nr. 1 192 Adversaria, avo die mit Horaz sicli befassenden Vorlesungen 
Haberfeldts 1800 verzeichnet sind. — Exemplar mit eigenbändigen Verbesserungen W.s : 
Staatsbibliothek Berlin Mscr. Germ. 4" 856. 

Nr. 89. 90: Der Verleger und Schwiegersohn W.s, Heinrich (Jeßner, schreibt am 
2. Juni 181 2 an Böttiger (Handschrift in Dresden, Lündes-Bibliotliek): W. habe ihn ge- 
fragt, ob er es nicht mit einem Taschenbuch für 1 8 1 3 oder 1 8 1 4 versuchen wolle. W. 
werde dazu seine Übersetzung des Gastmahls geben, das zwar im Attischen Museum 
erschienen, aber eben deswegen den wenigsten Mitgliedern der eleganten Lesewelt in die 
Hände gekommen sei: 'hiedurch aber den Endzweck, warum ich dieses schönste Meister- 
stück des echt Sokratischen Geistes und der feinsten attischen Urbanität in Deutschland 
bekannt und wo möglich in allen Händen hätte wissen mögen, nicht erreichen konnte', 
schreibe W. an Geßner und fahre fort: 'Was ich selbst dazu beitragen würde, wäre, der 
Übersetzung die möglichste Vollendung zu geben und sie mit etlichen eignen Absätzen 
zu begleiten.' Ob davon etwas fertig wurde, was Böttiger im angeführten Neudruck ver- 
wenden konnte, weiß ich niclit. 

Nr. 92. 93. 96: s. Nachträge Prolegomena VI S. 109. Fritz Behrend ergänzt die Signatur 
T 442 und den Beginn der Handschriften: Neues Attisches Museum I 47ff. I i ff. II i loff. 
— Zu Nr. 92 und 96 vgl. oben zu Nr. 12 16. 

Nach Nr. 97:97a. Bei Leo Liepmannssohns Berliner 41. Autographen Versteigerung 
19 13 erwarb das Schiller- Museum in Marbach a. N. Nr. 16 13'' ein nach Liepmannssolins 
Aufstellung eigenhändiges Schriftstück W.s ohne Über- und Unterschrift, Zeit- \md Ortsan- 
gabe. Ich verdanke dem Museumsbeamten Hasenauer die Absclirift des kleinen literarischen 
Notizzeltels', der drei Fassungen einiger Verse trägt; die erste mit Blei geschrieben (mir bei 
W. ungeläufig) und sehr verwischt, die andern mit Tinte darunter und daneben. Die 
Verse sind Übersetzung von Anakreons: FFapa thn ckihn BAevAAOY; s. Carmina ana- 
creontea ed. Carolus Preisendanz, Leipzig Teubner 191 2 S. 1 7 Nr. XVIII *" "Aaao eic tön 
AYTÖN [eic NeüTepON BÄeYAAON]. Da unter den griechischen Übungen der Herzogin Anna 
Amalia im Großhgl. Ilausarchiv Nr. 123 Abt. A XVIII ihre Übertragung des Gedichtes 
steht, wovon ich nur den Anfang: 'Sitze o Batliyll bey jenem Schatten' kenne, könnte 
die W.sche Niederschrift in die 1780er Jalire fallen, denen ein Teil jener Übungen an- 
gehört. Aber die Erhaltung eines Zettels W.s aus diesen Jahren ist wenig wahrschein- 
lich; glaubhafter dünkt mich, daß W. 1800 durch Herders Kalligone (Suphan 22, 103 
'der Schattenplatz imter diesem Baum, Anakreons und Bathyllus KATArünoN, das jeden Vor- 
übergehenden einlud') auf Anakreon zurückgefülirt wurde, zumal er damals selbst so tief 
in griechische Literatur versunken war. Ich setze die Verse hierher, bessere aber den 
von Liepmannssohn und Hasenauer verlesenen Namen Bethyllos. 

[i] Setze nun [?] Batbyllos zu mir dich 
In des schönen B.-iumes Schatten 
Sieh wie sanft am zartsten .\stclien 
Er so weiches Haar bewegt 
Horch wie neben ihm so lieblich 
Die geschwätzige Quelle rieselt 

[2] Setze dich zu mir Bathj'Uos 

In den Schatten hin! Wie schön ist 
Dieser Baum, der seine zarten 
Haar' am dünnsten Ästchen schüttelt 
.... [unleserlich] rieselt ihm zur Seite 
Der geschwätz'ge Quell. Wer könnt es 
Sehn u. a. solch[eni] Ruhplatz 
Unge 



Prolegomena zu einer Wieland- Ausgabe. VII. 69 

[3] Setze dich zu mir Bathyllos 

Iq des schönen Baumes Schatten 
Der so sanft am zartsten Ästchen 
Seine weichen Haare reget. 
Sieh wie neben ihm so lieblich 
Die geschwätzige Quelle rieselt. 
Konnte wer's erblickt hey einem 
solchen Ruheplatz vorbej'gehn. 

Nr. 99ff.: s. Naclitrag Prolegomena VI S. 109. Hier ist bei 3. zu berichtigen: statt 
of tlie City of Boston. Mass. lies: New York, wie L. L. Mackall mich aufmerksam machte, 
Kollation nach Bd. 5 S. 8 — 10 der Cicero- Übersetzung. Die Handschrift trägt Seiten- 
zahlen 7. 8. 

S. 8 Z. 6 nach 706 Komma st. Punkt 8 noch üdZ nachgetragen 13 nach sUhe, durchstrichen: 

schrnbt mir Schluß unleserlich. Vor Quiritus durchstr. Qu 21 — 29 seitlich aR 22 welchen aus wdchem 

nach gestr. rnri Cicero wohl aus Ansatz zu ßr(ief ] nach gestr. im X/Il.] Xlllien mit der üblichen Abkürzung 
für en 23 Kommata fehlen 24 nach bei gestr. rier 26 er üdZ nachgetr. S. 9 Z. 4 erkundigt 

aus erkundiytr 5 alle üdZ nachgetr. 6 hithrsten über gestr. (/rö/lUn nach ihm gestr. die über gestr. 

n7i/> 8 vor fffffen gostr. ge 9 die über gestr. viele nachdrücklichsti n aus nachdriUklicIie 12 rasenden 

ÜdZ, nachgetr. 13. 14 cugcschickt nach gestr. ühirschickte, Komma zu streichen vergessen 14 Daß 

dir über gestr. hh bin gewiß, Komma zu streichen vergessen J 5. 1 6 martern nach gestr. ^[uälen] 1 8 Komma 

fehlt nach mich gestr. über sie 20 Komma fehlt 2 1 fester über gestr. besser 24 encorc] Anfangs 

e über gestr. a 2$ n'ne aus keine nicht anders üdZ nachgetr. 27 — 31 seitlich aR 27 Wo] 

wo 30 nach Cäsarv, gestr. Stand jitzt] i:l S. 10 Z. i und 6 A/le.'^] alles \V. schreibt ein mittelgroßes 

a an beiden Stellen 4 nach stark Komma gestr. 5 ehemals] ehmals 7 nach es gestr. demnach 

nach ich gestr. miih 9 so lange über gestr. in din Augenblicken da 16 Komma fehlt 17 etwas 

ÜdZ nachgetr. 18 nach /«A/mi fehlt Komma vor reerth gestr. th/uer 20 letztes] leztts ha'ie aus haben 

werde 20. 2 1 I^ebe wohl] Jjebewohl 2 2 \Bruruiisimn^ [Bnindnsium] nach Lebewohl, nachgetr. 20.] 20s/eti 

23. 24 seitlich aR 23 Minen] unter s ein Ansatz C 24 N'ffeti.] Neffen, 

Weitere Handschriften: i) 'Atis der [welcher?] Einleitung zu W.s Übersetzung der 
Briefe Ciceros' mit vielen Korrekturen' 2 SS. kl. 4° J. A. Stargardt, Berlin, Katal. CCXXX 
Nr. 463. 2) 2 SS. 91. 92. 4" aus der Übersetzung mit vielen Korrekturen. Ebenda 

Nr. 464 und (vor- oder nachher?) K.trl Ernst Henrici, Berlin, Auktionskatal. 191 2 Nr. 422. 
3) 12 SS. 95 — 104 III. 112. 4° Konzept. Liepmannssohn, Berlin, Versteigerung 1909 
Katal. 38 Nr. 305 und Katal. 177 Nr. 447. 4) Der größere Teil der 5. Erläuterung zum 
8. Buch = Druck Bd. 3 S. 501 Z. 3 vu bis S. 504 Z. 19 mit kleinen Abweichungen Staats- 
bibliothek München Autogr. VIII A'. Gütige Mitteilung der Handschriftenabteilung. 5) Er- 
läuterung zum achten Buch i Bl. 4°. Und Fragment aus der Übersetzung besitzt Staats- 
bibliothek Berlin, das letztere in Sammlung Vamhagen. 6) 2 SS. 4° Übersetzung des 
Beginnes des 9. Buches = Druck Bd. 4 S. 3 bis S. 6 Z. i 'Battonius'. Wieland-Museum 
Biberach a. Riß. Durch Reinhold Schelle mir vorgelegt. 

Kollation. S. 3 Z. 3 Divers!] Diversos. Zeitrechn.] Ziitrechnung. 4 dick verwendete [danach gestr. Komma] 
über gestr. deine Ehre*) beeiferie [danach bleibt Komma] 5 öffentlichen] öffntlichen 7 nach mir gestr. Komma 
8 nach einst gestr. in ein Virantassung] Viranlaßung guten Diinste über gestr. Verwendung 9 set/n] sein In- 
dessen — mit über gestr. Aber [darüber gestr. Ich?], aufrichtig [danach aR gestr. Allein,] zu reden wenn ich 
die reine 10 nach sagen Komma nachgetr. vor gestr. soll, so hast hast aR nachgetr. 10 zurückgegeben,] 
Komma fehlt 13 nach Stimme, gestr. nicht [das dann wiederholt ist] 14 nach gesprochen — gestr. als 
16. 17 daß du ÜdZ nachgetr. 17 nach sogar gestr. durch <f[eine] darüber: dieser [nach gestr. in] Angelegen- 
heit halber] halben nachträgl. üdZ beigefügt 18 nach Meinigen gestr. dieser Sache wegen 19 sie aR nachgetr. 
nach gestr. sie 20 irgend etwas über gestr. ein 21 deiner aus deines vor gestr. Wohlwollens 21. 22 Gesinnung 
— mich all nachgetr. 22.23 ehrenvoller.] Komma fehlt S. 4 Z. 2 Verdienstes] Verdiensts sind schon über gestr. 
sind haben gar Vielen] vielen aus viele ohne [danach üdZ gestr. ihr] Verdienst aR mit Verweisungszeichen 
nachgetr. 4 nach von gestr. solchen wie du üdZ nachgetr. ohne Komma 6 Komma fehlt 7 sdbsl, aus selbst; 
welche — allein, über gestr. ilenn wns [darüber gestr. da [?] sie] kan fruchtbringender sein als sie, 7. 8. in — auf 
über gestr. /Br die Zwecke dann aR gestr. Gesinnungen 8 die über gestr. ttn.sere 9 sind, vipUeicht aR nachgetr. 
danach gestr. so 10 Ich über gestr. Denn [darüber gestr. Denn] Ich [aus ich] also über gestr. da/ier 11 sowohl 
ÜdZ nachgetr. fz gleicher über gestr. «i>)cr/^[i| 13 mich üdZ nachgetr. halten über gestr. steh/n 14 vorder 
gestr. der 16 sujn] siin über gestr. bleiben Möchte 's] Macht' es aus Möchte die über gestr. Fortuna 

16. 17 Glücksjföflin aR vor und über gestr. es 20 gleichwohl über gestr. doch nach mich und 21 Vorgefühl 



Seuffert; 



fehlt Komma 22 Icann — sein;] kann — sein, über gestr. kümmert dich nichts 24 vor für gestr. g« 26 nach 
Zeit fehlt Komma 27 den Appius üdZ nachgetr. 28 und 2f>stpn] u. 26. 29 VIII.] VIII t/n S. 5 Z. i. 2 eine 

Indessen über gestr. b/oß meine Sorge. Nur [darüber gestr. Indessen] i meiwn nicht gesperrt 2 nach icA, 

gestr. daß 3 jVwer über gestr. dieser 4 on rfi'cÄ üdZ nachgetr. 5 viel eher wohl aus vielmeher 7 nach ich 
fehlt Komma 8 wte«;,-] «^;>i;; mrin über gestr. dieser 9 rfa früher gestr. a/« 10 {«/, üdZ nachgetr. be- 
srheidener nach gestr. beschneid Z. 13 vor Z. 12 14 «Äcn üdZ nachgetr. nach lange fehlt Komma i'6 «:ar, 
ÜdZ nachgetr. 17 September] Septcmb. 19 Schifffahrt] Schiffahrt über gestr. Schiffarth aus Seereise 20 nach 
Pilia*) gestr. rf/r zusammen getroffen verbunden zu einem Wort aus zusammentraf 21 f/j'r üdZ nachgetr. az — 
S. 6 Z. I i>a/ür — Battonius über und unter gestr. Baltonius mit seiner 24 J>/27] mit S. 6 Z. i vor aScr ftdZ 
gestr. hat dann sind nachgetr. und gestr. : uns dann aber dann otjV darauf folgt das ungestrichene aber 

7) 2 SS. 4° Übersetzung des Beginnes der Erläuterungen zum 10. Buch = Druck Bd. 4 

S. 501 — 503 Z. 8 'Einmüthigkeit'. Wieland-Museum Biberach a. Riß. Durch Reinhold 

Schelle mir vorgelegt. 

Kollation. S. 501 Z. 3 Zehnten] Zehenten 7 Kommata fehlen grenzenlosen] Grenzem/osen 11 Aber,] Aber 
12 der ÜdZ nachgetr. 13 dm üdZ nachgetr. vor gestr. drei 14 durch fehlt 17 — welche beide darin über 
gestr. habe abschrecken lassen 18 dass sie aR nachgetr. Mehrzahl über gestr. daß des deutschen Wortes aus 
das deutsche Wort 19 nach Bedeutung gestr. Anführungszeichen, Komma fehlt lateinischen] Lateinischen 

21 selbst, in allen über gestr. m unzählichen 22 c?as aus flfera 23 zu üdZ nachgetr. 24 mit einem aK zu und 
über gestr. durch den 25 der über gestr. a//fr S. 502 Z. 2 .WcAreaA^] Mehrzahl, vor Äf»[?] 3 nach sondern 
gestr. vielmehr 4 vermuthlich aR nachgetr. 6 Klammer aus Komma 7 j^ew««?».] Punkt aus Komma, danach 
gestr. überdies auch gestehen, daß 8 Komma fehlt 1 1 ich üdZ nachgetr. 12 in — Zeilen üdZ nachgetr. 
14 Falls] falls werden sollte über und aR zu gestr. würde 15 Sprachgerichte] Sprachgerichte, 17 nach 2) gestr. 
» ae vettern, scribis, quisnam hie significasset. > nach ganze üdZ nachgetr. «Ste/Ze vor gestr. Stelle, deren Verdorben- 
heit aus der \aus der über gestr. van dem] Handschrift [aus llanschrift] irgend eines der ältesten Abschreibers in 
alle übrigen, noch vorhandenen, übergegangen .'■ein muß, 17. 18 in — Ausgabe aR nachgetr. 21 scribis] bis zu 
unterstreichen vergessen 21 Alles] alles 22 nach Worten gestr. üdZ an nach certe Komma gestr. etc.] etc, 
26 — 35 aR 28 Briefe] Briefe, 29 nach Spiel) gestr. ( Komma fehlt 30 pßegen,] vor nachgetr. Komma gestr. ) 
32 nach und gestr. mir nach Zusatz fehlt Komma 33 stehl,'^] steht", 35 einleuchtender] r fehlt wegen Aus- 
fransung des Papiers. S. 503 Z. 3 Gedankenstrich üdZ nachgetr. am] an vor gestr. dem glücklichen] glück- 
lichem [es ist bestimmt im Druck zu lesen: 'an glücklichem] 4 nach Sache gestr. , bei welcher sie soviel zu 
verlieren hatten, und 6 nach bewußt gestr. /(/([Iten :'] 7 Wärme^ Komma nachgetr. vor gestr. und 

Die Lesarten sind hier umständlich zusammengetragen, damit Art und Wert der 
Nachlaßblätter für die Entstehung der Cicero-Übersetzung an einigen ergiebigen Beispielen 
augenfällig werde. Auch soll erhellen, daß Schwankungen der Schreibung des Druckes, 
z. B. zwischen Alle und alle, seyn und sein auf den Widerstreit der Handschrift mit der 
Setzergewohnheit zurückgeht, daß der Setzer Beistriche mehrt und mindert usw. 

Endlich ist zu verzeichnen 8) i Bl. aus der Übersetzung 181 1 (also Bd. 4, d. i. Buch 9 
und 10) und i Bl. Erläuterungen zum 9. Buch. Nationalbibliothek Wien. — Von Max Morris 
erliielt Erich Schmidt ein Doppelbl. 4° von C. A. Böttigers Hand mit Ratschlägen zu meh- 
reren Bd. 2 S. 39 — io6ff. gedruckten Briefen; ferner das Prolegomena III S. 35 kurz er- 
wähnte Doppelbl. kl. 4°, das vielleicht von Reinhard herrührt; davon 2 SS. beschrieben 
mit Bemerkungen zu den Bd. 2 S. 158— i88fF. gedruckten Briefen; und von derselben 
Hand i Bl. kl. 4° zu Bd. 2 S. 35— 7 2flf. 

Zur Bandverteilung. 

(Zählung nach den Prolegomena). 
Werke. 

Als Anhang zum Apparate der Jugendschriften sind aufzunehmen: Nr. 5a Portrait 
de Sophie. Nr. 9a An Sophie. Vielleicht Nr. 39a Anteil an Bodmer, Jacobs Wiederkunft. 
Kaum 7 1 a Pfingstode. Jedesfalls Nr. 75 Grandisons Geschichte in Görlitz. looa Swiftanzeige. 
Zu Band 6 Stück 3 Komische Erzählungen Nr. 384 a für Lesarten zu beachten. 
Anhang Nr. 133a Promemoria. Nr. 133b Beleuchtung. Nr. 134a Beschwerungs- 
schrift. Nr. 138a Pro notitia. Nr. 138b und 138c Amtsschreiben. 



Prolegomena zu einer M,^ieland- Ausgabe. VII. 71 

Band 9 Stück 5 Amor Nr. 237a nach Lesarten Nr. 192 zu beachten. ~ 

Band 12 nach Stück 2 einzureihen: Nr. 369a. 369b Cantaten. ( 

Anliang Nr. 523. 524 fallen weg. 
Band 13 an Stück 40 anzureihen: Nr. 524 Charade. 

In Anhang Nr. 23a der Übersetzungen. Nr. 523. 
Band 15. Im Apparat zu Stück 9 Pythagoräische Frauen zu benutzen Nr. 1007 a Avis. 

Nach Stück 18 anzureihen: Nr. 1134a Reliquie. 
Band 21 sind einzureihen: Nr. 232a. 239a. Ergänzung zu Nr. 273. 411a. 

In Anhang etwa Nr. 391a. Zu erwähnen Nr. 195 a. iQSb. 
Band 22 i.st einzureihen: Nr. 467a. 
Band 23 sind einzureihen: Nr. 767a. 776a. 776b. 787a. 787b. 803a. 812a. 

814a. 879a. 
Band 24 Anhang in 3. Abtlg. fällt weg Nr. 999. 
Band 25 .sind einzureihen: Nr. ii68a. 1183a. 1255a. 

Zu Anhang 3. Abtlg.: Nr. i 192 ist hier in Übersicht zu behandeln, nur Nr. 1201 b 
abzudrucken; die Nummern, denen die sonstigen Teile der Adversaria zuge- 
wiesen wurden, sind anzuführen. 

Anhang 4. Abtlg. sind einzureihen: Nr. 1232a. 1232b. 

Übersetzungen. 

Band 10 als Anhang Nr. 83a Aristophanes Ekklesiazusen. 
Band 11 als Anhang Nr. 97 a Anakreon. 



Berlin, gedruckt in der Reiclisdruclierei. 



ABHANDLUNGEN 

DER PREUSSISCHEN 

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

JAHRGANG 1921 

PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE 



Nr. 4 
DIE GEORGIKA DES DEMOKRITOS 

VON 

Prof. Dr. M. WELLMANN 



BERLIN 1921 

VERLAG DKR AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



IN KOMMISSION BEI DER 
VEREINIGUNG WISSENSCHAFTLICHER \ERLEGER WALTER DE GRUYTER V. CO. 

VOSÜALS O. J. uASt HKN'SdIli VERLAUSIIANDLI'NU. 1. UUITENTAO. VEKLAGSBDC'HHANDLCMU. 
UKORU BKIXER. KAKL J. TRObNER VEIT V. COUP. 



Vorgelegt in der Sitzung der phil.-hist. Klasse am 12. Mai 1921. 
Zum Druck genehmigt am 27. Juni 1921, ausgegeben am 6. Oktober 19"21. 



in Tlirasylls Verzeichnis der Schriften Demokrits bei Diog. L. (IX 48) begegnet uns 
unter den technischen Schriften der Titel TTepi reupriAc fi re(dpriK(lJN\ Erwähnt wird dies 
Werk mit Titel und Verfassernamen nur einmal in der griechisch-römischen Fachliteratur 
von Columella (r. r. XI 3, 2 aus Celsus-Diophanes-Cassius Dionysios um 88 v. Chr.): Demo- 
critus in eo libro quem Georgica' appellavit, parum prudenter censet eos facere, qui hortis 
extruant munimenta, quod neque latere fabricata maceries perennare possit pluviis ac 
tempestatibus plerumque infestata, eque lapide^ supra rei dignitatem poscat impensa; si 
vero amplum modum saepire quis velit, patrimonio esse opus. Auf denselben Autor ist 
femer das Zitat in dem Katalog der griecliischen Fachscliriftstellcr bei Varro (r. r. I 1,8) 
zu beziehen, das den Reigen der pliilosophischen Landwirte eröffnet*, off'enbar weil Varro 
den Verfasser für den berühmten Träger dieses Namens gehalten hat\ Dazu kommen 
Bruchstücke unter dem Namen des Demokrit bei Columella, Plinius, Palladius und den 
Geoponica. Das ist alles, wa.s wir bislier von dieser Schrift wußten. 

Schon Ern.st Meyer hat in seiner Geschichte der Botanik (I 16 f.) namentlich aus sach- 
lichen Gründen das Werk für apokryph erklärt und es dem Mendesier Bolos Demokritos 
zugewiesen, und ihm sind Gemoll*, E. Oder" und Weidlich* darin gefolgt. Neuerdings 
versucht H. Diels in seinen Vorsokratikern wohl lediglich auf Grund des Thrasyllkataloges 
wenigstens die Zitate bei Columella für den echten Demokrit zu retten. Dieser Umstand 
legt mir die Verpflichtung auf, die Argumente, die gegen diese Annahme sprechen, in 
aller Kürze vorzuführen. 

Zunäclist ist so viel klar, daß die Urheberschaft des Mendesiers ausgeschlossen ist, 
wenn sich beweisen ließe, daß das Schriftenverzeichnis Thrasylls', so wie es uns vorliegt, 
lediglich ein Exzerpt aus der auf pinakographischen Studien beruhenden Sclirift des Kalli- 
machos rTepi tun Ahmokpitoy tawccun kai CYNTArMÄTCüN*" ist; denn Bolos gehört, wie wir 
später sehen werden, der nachkallimacheischen Zeit an. Aber dieser Beweis kann nicht 
geführt werden; es darf vielmehr als feststehend betrachtet werden, daß dies Verzeichnis, 
das nicht erst von Thrasyll herrührt, sondern wegen der ihm zugrunde liegenden tetra- 
logischen Anordnung und der Einteilung der Schriften nach sachlichen Gesichtspunkten 



' rcuMexpiKÖN und reuwerPiKÖN Hdss. Vgl. Diels, Vors.3 55 A 33 S. 20, 29. 55 B 26 S. 69, 7. E. Wellmann 
bei P\V.Vi37. 

' yenrgicon und gtorgica Hdss. 

' etpte lap'd* Diels: nrijue lapide.i Hdss: et lapidea Weidlich. 

* Die Worte lauten: de philosophis (sc. f;raece scripsenint de agricultura) Democritus physicus, Xenophon 
Socraticux, Aristoteles et Theoplirastus peripatetici, Archytas Pythagoreus. 

' Vgl. übrigens noch Isid. ()r. XVII i, i (aus Garg. Mart.): rerum rusticarum scribendi sollertiain apud 
Graecos primus Hesiodus Boeotius humanis studiis contiilit; deinde Democritus. Letzte Quelle Varro. 

" Untersuchungen über die Quellen der Geoponica (Berl. Stud. i) S. 125. 

' Rh. Mus. 45, 76 f. 

' Die Sympathie in der antiken Literatur (Stuttgart 1894) S. 14 f. 

" Dies Verzeichnis stammt, wie Usener (Kl. Schriften III 157) mit Recht vermutet hat, aus seiner Schrift 
Ta npö THC ANArNWceuc tun Ahmokpitoy bibaIun (D. L. IX41); an eine Kditorentätigkeit dieses Hofastrologen 
des Tiberius ist natürlich nicht zu denken. 

'" Vgl. Suid. s. V. Diels, Vors. 55 A 32 S. 19, 11. üueb, Rh. M. a. a. 0. 73f. Rohde, KI. Schriften I 251. 

1* 



4 M. Wellmann: 

der Editorentätigkeit des Tyrannion von Amisos und Andronikos von Rhodos seine Ent- 
stehung verdankt', also die literarhistorische Kritik des i. Jahrhunderts v. Chr. wider- 
spiegelt, zwar an die pinakographischen Arbeiten des großen Alexandriners anknüpft, aber 
daneben auch die umfangreiche pseudepigraphe Literatur berücksichtigt, die sich seit der 
Zeit des Ptolemaios III. Euergetes an Demokrits Namen angehängt hat und die gerade zu 
Beginn dieses Jahrhunderts in Rom und anderwärts, namentlich auf naturwissenschaft- 
lichem Gebiet, eine tiefgehende Wirkung ausübte". 

Nun beachte man, daß der Verfasser der fecopriKA in dem Katalog Varros, d. h. bei 
Cassius Dionysius den Beinamen ö oyciköc führt. Darin liegt meines Erachtens eine bestimmte 
Absicht; denn Ahmökpitoc b «yciköc (= wÄroc) ist die typische Bezeichnung des unechten 
Demokrit in den Geoponica^, dessen naturwissenschaftliche Schriftstellerei {IctopIa oyciki^) 
diesen Beinamen vollkommen rechtfertigt, während der Abderite gewöhnlich 6 'AbahrIthc 
oder b <t>iA6co*oc oder schlechtweg Ahmökpitoc genannt wird, und, wie es scheint, nur von 
Epikur* und den Epikureern, die sich bekanntlich besonders viel auf ihre Physik zugute 
taten (vgl. 'GniKOVPoc b «yciköc), dieser Beiname auf ihn übertragen worden ist, ohne indes an 
ihm haften zu blejben. Cassius Dionysius bezweckte also mit diesem Zusätze, einer Ver- 
wechslung des Abderiten mit dem unechten Demokrit vorzubeugen, übrigens ist die Ge- 
sellschaft, in der er bei Varro erscheint, nicht weniger anrüchig; denn abgesehen von 
Xenophons Oikonomiköc sind die Schriften der hier genannten Philosophen, die feupriAc 
nAPArr^AMATA Theophrasts'\ die TecopriKÄ des Stagiriten" und des Archytas Schrift TTepi 
reupriAc' gleichfalls apokryph. E. Oder** hat recht mit seiner Behauptung, daß überhaupt 
kein namhafter griechischer Philosopli mit Ausnahme Xenophons über Landwirtschaft 
geschrieben hat. 



' Vgl. UsENKR, Kl. Schriften TI 307 f., in 151 f. Diels, Didymos' Kommentar zu Demosthenes XXI. Vors. 
a. a. O. E. ScHWARTZ PW. I 2164. Daß der Verfasser des Verzeichnisses die Schriften des Bolos Dcmokritos 
gekannt hat, ergibt sich aus den Titeln TTepi icTOPiHC (Diels, Vors. S. 21,4. Suid. s. v. Böaoc bei Diels 
S. 125, 8: BÖAOC Ahmökpitoc *iAÖco<t>oc "Ictopian kaI Tsxnhn iatpikhn) und XeiPÖKWHTA npoBAHMATA (Diels 
S. 21,6. 125, 10 ff.), die allerdings unter den besonders verdächtigen Schriften stehen. 

' So knüpft der Dichter der Erotopaignia Laevius aus dem Anfange des i. Jahrhunderts v.Chr. (vgl. 
Leo, Herrn. 49, 180 f.) nicht nur in dem Titel (Bolos schrieb nAirMA), sondern auch inhaltlich an Bolos an. 
Vgl. das Bruchstück bei Apul. Apol. 30 S. 36, 4 H. Nigidius Figulus verdankt ihm den Stoff zu seiner Schrift 
De animalibus. Außerdem ist er von Cassius Dionysius, Poseidonios, Metrodor von Skepsis, Krateuas und 
Paxamos (um 60 v. Chr.) für ihre Zwecke zu Rate gezogen worden. 

^ Geop. XIX 7, 3 : Ahmökpitoc gyn Ö <t>YciKÖc äc*oa^aoy Wzhc ^n' ÖAiroN eAAceeicHC mnäc r' KGAe't'ei kao' 

6KACT0N gyn SIC THN TPOPKN MirNfNAI KTA. II14, 4: AhMÖKPITOC AG *YCIKHN TINA nAPATHPHCIN nAPAAlAOYC . . . CYM- 

BOYAEYei. 11,42,3: eePAneiA »ycikih kai CYMnASHC, h kai Ahmökpitoc maptypeT. V50: «.ycikön AHMOKPi'TeiON. 
Syncell. I 4, 7 1 : Ahmökpitoc 'ABAHpiTHC «yciköc «iaöcoiioc (HKMAzeN. Nach Suid. s. v. Büaoc schrieb er <t>YciKÄ 
AYNAMepÄ und seine t^xnh iatpikh enthielt lAceic *ycikac Änö tinün BoneHMATCüN thc «Yceuc. Er ist der Be- 
gründer der naturwissenschaftlichen Enzyklopädie (»ycikh ictopIa, *ycika), welche das Gesamtgebiet der sicht- 
baren organischen und unorganischen Natur (Mensch, Tier, Pflanze, Stein) behandelte. Vgl. Basil. in Isaiam 
c- 5 (30, 385AM1GNE). Hier. adv. Jov. II 6 (23, 306 B). Auf seinen Schultern stehen die späteren Verfasser von 
<J>YCIKÄ wie Pamphilos, Neptunalios, Julius Africanus in dem entsprechenden Abschnitt seiner KecToi, Hermes 
Trismegistus und Didymos (3. Jahrhundert n. Chr.). 

* UsENER, Epicurea Ind. s. v. *yciköc. 

° Oder bei Susemihl, Litt. d. Alex. I 832 A. 9. 

* Über diese unechten TetopriKA, die von Cassius Dionysius benutzt worden und durch Vermittelung der 
Quintilier zu Garg. Mart. gelangt sind, vgl. Rose, Ar. Ps. 268 f. 

' Vgl. D. L. VIII 4, 5. Odkr, Rh. M. 45, 76. Susemihl, a. a. O. I 844. Die Fälschung gehört spätestens 
ms 2. Jahrhundert v. Chr. Von einem Architas haben sich merkwürdigerweise aus arabischer Überlieferung 
zwei mystisch-magische Rezepte nach Art des Bolos bei Ps.-Albertus, De mir. mundi erhalten, die hier Platz 
zu finden verdienen, da sie vielleicht auf den Landwirtschaftler zurückgehen, der dann sicher der Zeit nach 
Bolos angehören würde. Fol. 20^ (Ausgabe vom Jahre 1492, Argt-nt.): et dixit Architas, si accipiatur cor lupi 
dum vivit et suspendatur super patientem quaitanam, eradicat eam. Fol. 2I'-: et dixit Architas, quod, si accipiatur 
cerumen sinistrae auris canis et suspendatur febricitantibus periodice, confert, maxime quartanae. 

* Rh. Mus. 45, 76. 



Die Georgika des Demokritos. 5 

Aber weit wichtiger und zugleich ausschlaggebend für diese Frage dürfte der Nach- 
weis sein, daß der von Columella erwähnte Landwirtschaftler an der von Diels für den 
Abderiten in Anspruch genommenen Stelle (XI 3, 2) identisch ist mit dem Demokrit der 
Geoponica, den auch Diels (Vors. 55 B 8 S. 128, 2 f.) für den Mendesier hält.- An dieser 
Stelle bezeugt Columella von Demokrit, daß er das Einhegen des Gartens mit einer aus 
Luftziegeln oder Bruchsteinen bestehenden Mauer zum Schutz gegen Menschen und Vieh 
als wenig dauerhaft und allzu kostspielig verworfen habe. Nun lesen wir bei Varro 
(r. r. I 14, I — 4)', daß die Alten ihre Gärten außer mit Mauern auch mit lebendigen 
Hecken oder toten Zäunen (resp. mit Wall und Graben) zu umgeben pflegten. Der De- 
mokrit des (Jolumella muß also entweder den Hecken oder den Zäunen das Wort geredet 
haben. Ist es nun Zufall, daß in den Geoponica von Bolos Demokritos eine Beschrei- 
bung der Anlage einer lebendigen Hecke erhalten ist'? Dieselbe Beschreibung^ steht 
aber auch bei Columella, nur ausführlicher, und zwar im unmittelbaren Anschluß an das 
oben besprochene Zitat des Demokrit (XI 3, 3 — 7). Außerdem wird zu Beginn dieser 
Beschreibung die größere Dauerhaftigkeit und geringere Kostspieligkeit dieser Art von 
Einfriedigung gerähmt und die vetustissimi auctores, d. h. ein alter Gewährsmann als 
Zeuge aufgerufen. Ich denke, der Schluß ist zwingend, daß er diese ganze Partie dem- 
selben Demokrit verdankt wie die Geoponica, mit andern Worten, daß sein Demokrit 
nicht der Abderite, sondern gleichfalls der Mendesier ist. 

Daß man diesen Sachverhalt hat verkennen können, erklärt sich daraus, daß Colu- 
mella die Schrift bald unter dem Namen Demokrits, bald unter dem des Bolos anführt; 
denn darin glaube ich auf die Zustimmung überzeugungswilliger Leser rechnen zu dürfen, 
wenn ich annehme, daß das Boloszitat bei Columella XI 3, 53 mit einer landwirtschaft- 
lichen Notiz über die Möglichkeit der Erzeugung frischer ägyptischer Gurken auch während 
der kalten Jahre.szeit aus derselben Schrift stammt. Dies Schwanken zwischen den beiden 
Autornamen — der richtige Name ist Bolos Demokritos -, das auch bei andern Schriften 
dieses Autors, z. B. seinem Sympathiebuch und seinen xeiPÖKWHTA^ nachweisbar ist, hat 
er offenbar schon in seiner Quelle vorgefunden : durch sie ist er dazu verleitet worden, 
die Schrift für ein Werk des Abderiten zu halten und den Verfasser als vetustissimus 
auctor zu bezeichnen. 

Zum Verständnis des Folgenden halte ich es für notwendig, zunächst etwas über 
die Lebenszeit des Bolos Demokritos und über seine Stellung in der Literatur zu sagen. 
Seine genauere Lebenszeit steht nicht fest trotz der doppelten Behandlung durch Suidas 
(s.v. BüAoc Ahmökpitoc, Böaoc Mgnai^cioc): wir sind also auf Kombinationen angewiesen. 
Zuerst hat E. Oder' diese Frage behandelt, indem er den Nachweis zu führen suchte, 
daß er in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr., d. h. vor Kallimachos gelebt 
habe. Dagegen haf Th. Weidlich" berechtigten Einspruch erhoben. Von der Annahme 
ausgehend, daß das Sympathiebuch des Mendesiers die stoische Lehre von der cYwnÄeeiA 
TUN ÖAü)N zur Voraussetzung habe, gelangt er zu dem Schlüsse, daß seine Lebenszeit 

' Vgl. Maobrstbdt, lülder au.s der römischen Landwirtsrhaft V S. 103 f. 

' Geop. V 44, 6. Vgl. XI 5, 4. Offenbar ist Demokrits Bericht in diesem Kapitel zweimal wiedergegeben; 
denn die §§ i- 2 laufen auf dasselbe Verfahren hinaus. Plinius n. h. 17, 62 kennt es gleichfalls als demokri- 
teisch: er benutzt dieselbe Quelle wie Columellü, d. h. Celsus-Diophanes. Vgl. Herm. 43, 27. 

' Das Verfahren besteht darin, daß man zu Beginn des Frühlings einen Graben um den Garten zieht 
und in diesen Graben ein altes Schiffstau legt, das mit einer Mischung von Ervenmehl und dem Samen von 
Dornsträuchern, wie Brombeeren, Paliurus. Weißdorn u. a. bestrichen wird, worauf man den Graben, wenn 
mö;i!icli. täglich wässert: nach 15 Tagen hat man dann die ersten Keime. 

' Vgl. DiELS, Vors. 55 B 300, 2 ff. S. 125, 10 f. 

Rh. M. 45, 73. 48,1. Vgl. Müller FHG II 25. Rohde, Kl. Schriften I 353 A. 1. 

' Die Sympathie der antiken Literatur (Stuttgart 1894) S. 34 f. 



6 M. Wellmann : 

möglicherweise noch in das Ende des 3. Jalirhunderts zu setzen sei. Endlich hat 
DiELS in seiner antiken Technik' die Frage gestreift und das Hauptwerk des Mannes um 
200 V. Chr. angesetzt. Daß dieser Ansatz richtig ist, wird das Folgende lehren. 

H. Bretzl hat in seinem bekannten Buche »Botanische Forschungen des Alexander- 
zuges« (S.366A. 24) die Behauptung aufgestellt, daß das neunte Buch der theophrasti- 
schen Pflanzengeschichte nichts mit dieser Schrift zu tun habe, sondern daß, abgesehen 
von den ersten 7 Kapiteln, die eine selbständige Abhandlung des Eresiers TTepi öcmön 
darstellen, mit dem 8. Kapitel ein Bruchstück aus der Schrift eines unbekannten Rhizo- 
tomen einsetze. Diese Ansicht, die auf einer nicht gewöhnlichen Vertrautheit mit der 
Sprache und dem Geist der naturwissenschaftlichen Schriften Theophrasts berulit, trifft 
das Richtige: nicht nur in der Terminologie'-, sondern auch in den Wiederholungen und 
Widersprüchen, vor allem aber in der auffallenden Vorliebe für Wundergeschichten aller 
Art^ gibt sie sich als das Werk eines andern Autors. Ich begnüge mich in diesem Zu- 
sammenhange damit, zwei besonders charakteristische Beispiele herauszuheben. 

Ps.-Theophrast (IX 12, i) beschreibt die Mastixdistel (Atractylis gummifera L.) unter 
dem später allgemein üblichen Namen xamaia^con AevKOc''. Zum Schluß dieser Besclirei- 
bung heißt es: «^gtai ag ömoicoc nANTAxoY kai exei tö ♦yaaon ömoion ckoaymü), meTzon a^' 

A'Y'TÖ A^ nPÖC TH rfi TINA KE^AAHN 6X61 AKANOGIAH MerÄAHN, Ol a' AKAN6AN KAA09ciN. Hält man 

hiermit die Beschreibung zusammen, die Theophrast (h. pl. VI 4, 9) von der iiInh gibt^, 
so überzeugt man sich leicht, daß beide Autoren dieselbe Pflanze im Auge haben: das 
Gemeinsame und zugleich für die Mastixdistel Charakteristische ist der platt auf dem 
Boden liegende (Ps.-Th.) resp. der von den wurzelständigen Blättern überall bedeckte 
(Th.) Distelkopf (ke-haam ÄKANoeiAHc Ps.-Th. — akanoc Th.). Dann kann aber die Beschrei- 
bung des 9. Buches wegen der Verschiedenheit des Namens unmöglich aus der Feder 
des Eresiers stammen, und wenn Theophrast sich zu Beginn seiner Beschreibung gegen 
die Behauptung wendet, daß die Mastixdistel an vielen Orten vorkomme, so glaube ich 
darin eine Polemik gegen die Angabe des Rhizotomen: «YexAi hantaxo? zu erkennen. 
Daraus würde folgen, daß das Kräuterbuch aus vortheophrastischer Zeit stammt". 

Unter den Pflanzen des Kopaissees bei Orchomenos erwähnt Theophrast (h. pl. IV 
10, I. 3) eine Wasserpflanze, deren Beschreibung auf Nymphaea alba L. fuhrt. Offenbar 
kannte er aus eigener Anschauung nur die böotische weiße Seerose, bemerkt aber (IV 10, 2), 
daß sie vielleicht auch anderwärts vorkomme, aber dann unter anderem Namen. Er 

' DiKLS, a.a.O. S. i26f. (Zweite Auflage). 

2 Am cliirchschlagendsten ist der abweichende Gebraiifih des Wortes Kza, das in diesem Bruchstücke 
nicht, wie bei Theophrast, die Wurzel im botanischen Sinne, sondern die ganze heilkräftige Pflanze bedeutet. 
Vgl. Bretzl, a. a. 0. 

' Vgl. Ps.-Th. IX 8, 5 f. 9,3. 10,4. 12,1. 13,6. 19, 2 f. 

* Die Identifizierung mit Atractylis gummifera wird durch die Übereinstimmung der Beschreibung und 
der Heilwirkungen der Wurzel mit Diosk. Mat. M. TU 8 gesichert, dessen Beschreibung anerkanntermaßen auf 
die Mastixdistel führt. Vgl. Nie. Ther. 656 (aus Apollodor-Theophrast). Krateuas in den Scholien. Plin. n. h. 
22, 45 f. (aus Niger). Gal. XII154. Ps. Apul. de herb. med. 109. 

^ Theophr., a. a. O.: h iiinh «yetai «eN oy noAAAXOY, Pizö»YAAON ae ^ctin. Änö Ae thc pizhc «ecHc 6 cnep- 

MATIKÖC AKANOC ^nlne^YKEN CüCneP MHAON eY MÄAA SniKeKPYMM^NON YnÖ TÖN «DYAACÜN • OYTOC AG Än'l TOY AKPOY «GPei 

TÖ AÄKPYON eYCTOMON, kaI toytö ^ctin h AKANeiKH MACTixH. isIac als Syuonym bei Diosk. a. a. O. Hes. s. v. Apoll, 
bist. mir. 42. 

" Offenbar verdankt Theophrast demselben Autor in seiner Beschreibung des CTP-f-XNOC yonüahc und 
MANiKÖc (VII 15,4) die Angabe über die cyncünymIa der Strychnosarten sowie die pharmakologische Notiz über 
die tödliche Wirkun-j des ctpyxnoc «aniköc. Vgl. IX 11, 5.' Die Schrift wird aus der zweiten Hälfie des 4. Jahr- 
hunderts stammen. Als terminus post quem mag die Erwähnung des Bildhauers Pantias aus CLios dienen, der 
bei dem Bau des Athenatempels in Tegea (nach 365) durch den Genuß einer giftigen Wurzel den Verstand 
verlor. Vgl. IX 13,4, wo die Aldina TTAntioc, unsere Hdss. rTANAeioc haben. Vgl. Paus. VI 9,3. 



Die Georgika . des Demokritos. 7 

selbst nennt sie ciah'. Das ist aber nicht der böotisehe, sondern der attische Name; 
denn ciah bedeutet in Böotien den Granatapfel", und den böotischen Lokalnamen der 
Nymphaea alba (maaconaic? mallon Plin. 25, 75) hat der Rhizotom (IX 13, i) erhalten. 
Mit den Angaben Theophrasts ist nun der Bericht Ps.-Theophrasts (IX 13, i) völlig un- 
vereinbar; denn einmal kennt er zwar den gemeingriechischen ^ und böotischen Namen, 
aber nicht wie Theophrast den attischen, und dann weiß er im Gegensatz zu Theophrast, 
daß sie außer in Böotien und Kreta auch in Attika (bei Marathon) heimisch ist. 

Obgleich also dies rhizotomische Bruchstück nicht theophrastisch ist, wird es doch 
seit dem i. Jahrhundert v. Chr. unter dem Namen des Eresiers zitiert, so von dem alexan- 
drinischen Arzte Sostratos*, von dem Grammatiker Theon (resp. seiner Quelle)* und von 
Sextius Niger (resp. Krateuas)". Dieser Tatsache gegenüber erhebt sich die Frage: wann 
resp. von wem ist die Vereinigung dieses Bruchstückes mit dem Corpus der Schriften 
Theophrasts vollzogen worden? Zu einer Antwort verhilft ims die Überlieferung. Zu- 
nächst bezeugt Athenaios ', daß Ptolemaios LI. Philadelphos den gesamten literarischen Nach- 
laß Theophrasts für die alexandrinische Bibliothek angekauft habe. Außerdem wissen wir, 
daß Kallimachos seinen Schüler Hermippos aus Smyrna mit der Ordnung des schrift- 
lichen Nachlasses des Eresiers in der alexandrinischen Bibliothek betraut hat, und daß 
dieser nach dem Vorbild seines Lehrers im Anschluß an diese pinakographische Tätig- 
keit eine ausführliche Abhandlung über diese Ordnung, eine 'ANArpA^H tun ögoopäctoy bi- 
BAiüJN verfaßt hat, auf die nach dem bündigen Beweise Useners der von Diogenes L. (V42f.) 
aufbewahrte Katalog der theoph rastischen Schriften zurückgeht*. Die Vermutung liegt 
nahe, daß die Einordnung des unechten Stückes in den Nachlaß Theophrasts bei dieser 
(Ordnung erfolgt ist, d. h. daß dieser Kallimachosschüler, der auch sonst die Echtheits- 
kritik ziemlich leicht nahm, bei dieser Gelegenheit das rhizotomische Stück, das er wegen 
seines botanischen Inhaltes für echt hielt, mit der Püanzengeschichte vereinigt hat". Da- 



' Der Name kehrt wieder bei Nie. Th. 887, wo die Schollen zu vergleichen sind, daraus wohl Hes. s. v. 
Vgl. Ath. XIV 65 id, wo das Theophrastzitat aus einem erweiterten Text der Pflanzengeschichte stammt (alex- 
andrinische Rezension). 

' Ath. XIV 650 f. (nach Agatharchides). Vgl. Murr, Die Pflanzenwelt in der griechischen Mythologie 
S. 50 f. 

' NY«»AiA bei Diosk. M. m. III 132. 

* Ael. n. a. IX 27 (-»- Ps.-Th. IX 18, 2) aus Sostratos nach Herm. 26, 321. 

* Schol. Nie. Th. 500. 564. 656. 938. 

* Diosk. m. m. III 74 S. 87. n (~ Ps.-Th. IX 11, 11) V 108 S. 79, 11 (~ Ps.-Th. IX 17, 3). Vgl. Plin. 
n. h. 36, 156 (sicher aus Niger). 

' Ath. 13 b. BiRT, Antikes Buchwesen 458. Offenbar handelte es sich bei dem Ankauf um Abschriften, 
nicht um die Originale, da diese in der Familie des Neleiis von Skepsis bis c. 90 v. Chr. verblieben. 

* Vgl. UsENER, Analecta Theophi astea, Bonner DIss. 1858 S. 22 (Kl. Sehr. I 68). Susemihi, I 492 f. 
PW. VIII 849. 

* Von der Pllan/.engeschichte gab es im Altertum zwei Rezensionen, die alexandrinische und die des 
Andronikos von Rhodos (Tyrannion, vgl. Usener, Kl. Sehr. 1 68. III 151. PW. I2164), auf der unser Theo- 
phrasttext fußt. Der Unterschied beider Rezensionen scheint weniger In der Anordnung der Schriften als in 
der Textgestaltung bestanden zu haben. Bekanntlich ist uns eine Anzahl von Zitaten aus ihr erhalten, die 
einen reicheren und erweiterten Text aufweisen. Da nun die Autoren, von denen diese Zitate herrühren, 
nach Alexandrela weisen (Athenaios-Pamphilos, Pllniiis-Juba. Vgl. Suid. s. v. akaah4>h. Stein, Scholla In Arist. 
Lys. Göttinger Diss. 1891 S. 20. Wii-amowitz, Abb. d. Gott. gel. Ges. 1904 S. 677), so dürfen wir annehmen, 
daß diese Abweichungen im Text auf Rechnung der alexandrinischen Rezension zu setzen sind. Anderseits 
stimmen beide Rezensionen in der Kinordnung des rhizotomischen Stückes hinter die Pflanzengeschlchtc über- 
ein. Da nun diese Anordnung von Hermippos herrührt, so muß Andronikos bei der Neuordnung der Schriften 
die alexandrinische Rezension zur Hand gehabt haben. Dazu stimmt, daß das rhizotomische Bruchstück doppelt 
in verschiedener Rezension erhalten Ist, einmal In der Vulgatfassung in allen Hdss., daneben aber In 3 Hdss. 
(Urbinasöi. Laur. 85, 3. 23) noch einmal in stark abweichender Textgestalt als B. 10. Es liegt auf der Hand, 
daß diese Anordnung von Andronikos herrührt und daß die zweite Fassung dieses Stückes die alexandrinische 
Rezension i-epräsentiert. Durch diese Annahme ei'halten wir eine Bestätigung der Angabe des Diogenes über 



8 M. Wellmann: 

zu paßt auf das beste, daß in seinem Katalog die Pflanzengeschichte mit lo Büchern ge- 
bucht war, also mit einem Plus von zwei Büchern, wenn man den uns vorliegenden echten 
Bestand in Rechnung zieht. 

Trifl't diese Vermutung das Richtige, so hat Bolos Demokritos nach Hermippos ge- 
lebt, da er das Tizotomikön als theophrastisch kennt. Die beweisende Stelle dafür steht 
bei Stephanos von Byzanz s. V. "ArrNeoc- ecTi Ae kai gTaoc «oyto?, nepi oy Böaoc b Ahmo- 
KPireioc, oti 0eö<t>PACTOC (IX 17,4) en tu nepi oytün eNATü) ' tA hpöbata tA ^n tu TTöntü) tö 

AYYNeiON NeMÖM£NA OYK ^XGI XOaAn . 

Eine Bestätigung gibt die Schriftstellerei des Bolos Demokritos. Wie ein Theophrastus 
Paracelsus des Altertums tritt uns dieser Mann in der Literatur entgegen mit seinem Hang 
zur Magie, Zauberei und Alchemie. Als Schriftsteller von einer staunenswerten Versa- 
tilität — er war Arzt, Naturforscher, Landwirt, Alchemist, Astrologe und Zauberkünstler 
in einer Person — , ist er darin ein echtes Kind seiner Zeit\ daß er, abgesehen von 
rein technischen Sc^hriften (feupriKÄ, Ba<i>ika, Iatpika) große Notizen- und Exzerptensamm- 
lungen verfaßt hat, in denen er einem Zuge seines Charakters folgend die merkwürdigen 
Ausgeburten menschlichen Aberglaubens und Irrwahnes mit ungeheurem Fleiße zusammen- 
getragen hat. Zu dieser Literaturgattung gehören seine GaymAcia, eine Sammlung von zum 
größten Teil naturwissenschaftlichen Wundergeschichten aus der griechischen Literatur, 
besonders aus dem Peripatos, nach löblicher Grammatikersitte mit gewissenhafter Angabe 
seiner Quellen nach Art des Wunderbuches des Kallimachos und Antigonos von Karystos; 
vor allem aber seine XeiPÖKWHTA^, ein commentarium, wie es Vitruv (IX praef. 14) nennt, d.h. 
ein Exzerptenwerk, das durch seinen monströsen, superstitiösen, mystisch-magischen In- 
halt alles überbot, was bisher auf diesem Gebiete geleistet worden war: commenta, d. h. 
Fiktionen, Erfindungen, Lügen nennt sie Col. VII 5, 17, vanitätes, mendacia, portenta Plinius. 
Aber gerade dieser Inhalt, der dem Sensationsbedürfnis eines in mystischer Spekulation 
und krassem Aberglauben versunkenen Zeitalters in so reichem Maße entgegenkam, ist es, 
der diesem Werke den Zuspruch sicherte. Es ist etwas ganz Neues, das er in ihm auf 
den literarisclien Markt brachte und von dem er einen Teil auch in seine andern Werke, 
sein Sympathiebuch, seine 'Iatpika und vielleicht auch in seine fecopriKA, FlAirNiA herüber- 
genommen hat: iranische Magie, phönikisch-jüdischer Aberglaube, ägyptische Zauberei 
und chaldäische Astrologie. Die Hauptquellen für diese kuriose, okkultistische Seite seiner 
Schriftstellerei waren, abgesehen von Schriften vom Schlage des Ägypters ApoIIobex, des 
Phönikiers Mochos, des Juden Dardanos*, die Werke der großen Meister der persischen 
Magie, Zoroaster und Ostanes, die nach dem Zeugnis des Hermippos^ bei Plinius (n. h. 



die Bücherzahl der hermippischen Redaktion, der wir auf keinen Fall mit Gercke (Einleitung I 19) Mißtrauen 
entgegenbringen dürfen. Merkwürdig ist die Buchzählung, die Apollonios in seiner Hist. mir. a. 41 (d. h. Bolos) 
beiblgt. Sie stimmt weder mit der alexandrinischen noch mit der unserer Hdss. überein, und doch hat die 
Vorlage sicher die alexandrinische Rezension benutzt, da sie an zwei Stellen (16.47) einen erweiterten Text 
bietet. Ich vermute deshalb, daß die Zahlen verderbt sind. c. 41: 0. ^n tu h' nepi *ytun (IX 18, 2) ist offen- 
bar C statt h' zu lesen, eine Korruptel, die sich paläographisch leicht erklärt. An der zweiten Stelle liegt 
vielleicht ein lapsus memoriae vor. 

' Vgl. Apollonios, Hist. mir. 31 (gleichfalls aus Bolos). Vgl. Diels, Über Epimenides von Kreta, Sitzgber. 
d. Berl. Akad. 21 (1891) S. 7. "^ s 

" Vgl. DiELS, Didymoskommentar zu Demosthenes S. XXXVII. 

' Die richtige Erklärung des Titels bei Diels, Vors. S. 125 Anm. Antike Technik» S. 135 A. 2. Ge- 
naueres darüber bei anderer Gelegenheit. 

* Die Hauptstelle darüber ist Plin. n. h. 30, 9. Vgl. Diels, Vors. II S. 129, i f. Antike Technik S. 113 
(S. 126 f."). 

' Offenbar hatte der Smyrnäer, der Sammler und Ordner der orientalischen (d. h. phönikisch-jüdisch- 
persischen) Literatur, diese ganze Masse unter dem Sammelnamen »Zoioaster« zusammengefaßt, wie es ja auch 
der Ordner der medizinischen Schriften getan hat. 



Die Georgika des Demokritos. 9 

30, 4) nicht weniger als zwei Millionen crixoi umfaßten. Dieser Wust von Schriftwerken 
der Priester des Mazdaisuius, der ohne Zweifel durchsetzt war von griechischen Trug- 
schriften unter dem Namen des großen Religionsstifters, ist nach der Übertragung ins 
Griechische unter Ptoleniaios Philadelphos' von Hermippos in der alexandrinischen Biblio- 
thek geordnet worden'^, und im Anschluß an diese Arbeit ist sein Werk TTepi mätun ent- 
standen^, aus dem bei Plinius (n. h. 30, 3 f.) und Diogenes Laertios (praef. i fF.) Überreste 
vorliegen. Es darf wohl als sicher gelten, daß diese Tätigkeit des alexandrinischen Gram- 
matikers die notwendige Voraussetzung der XeiPÖKWHTA des Bolos ist, d. h. daß diese Schrift 
erst der Zeit nacli Hermippos angehört. Wenn man übrigens um dieses Werkes willen 
den Mendesier zum Schwindler stempelt, so tut man ihm bitteres Unrecht. Von ihm gilt 
.so gut wie von den literarischen Größen jener Zeit das XmAptypon oya^n eeineN. Er ist 
ebensowenig ein Fälscher wie etwa Alexander Polyhistor*, mit dem er wegen seiner 
Kritiklosigkeit, seines Aberglaubens und seiner toten Gelehrsamkeit am ehesten verglichen 
werden kann, und wir haben kein Recht, ihn in gleiche Linie zu stellen mit dem Ver- 
fasser der Ps.-Plutarchischen Schrift TTepi noTAwöN, über dessen Fäischerarbeit uns Hekcher 
aufgeklärt hat. Will m.in ihm einen Vorwurf machen, so sei es der naiver Leichtgläubig- 
keit und unverkennbarer Freude am Monströsen, Lächerlichen, Bizarren, der indes nicht 
sowohl ihn als seine Zeit überhaupt trifl't, und dem wir es anderseits allein verdanken, 
daß uns eine große Fülle wichtigen kulturgeschichtlichen Materials erhalten worden ist. 
Eine andere Erwägung führt zu demselben Schluß, daß der Mendesier nach Her- 
mippos gelebt hat. H. DiELs hat in seinem Aufsatze »Über Ilpimenides von Kreta« a. a. 0. 
S. 7 aus dem Autorenlerama Büaoy am Anfange der '^IctopIai saymäciai des ApoUonios* und 
aus Kap. 3 1 derselben Schrift, in dem das im vorhergehenden bereits erwähnte Exzerpt 
aus Ps.-Thoophrast (h. pl. IX 17,4) genati in der von Stephanos aus Byzanz (s. v. "ArYNeoc) 
für Bolos bezeugten, von Ps.-Theophrast abweichenden Fassung erscheint, den Schluß ge- 
zogen, daß (las ganze Machwerk ein Exzerpt aus der Schrift des Mendesiers FTepl tun 

iK THC ANATNÜCeUC TUN ICTOPItüN t\C dniCTACIN HMÄC ÄrÖNTUN (fi) nGPI GAYMACIUN Sel*. DiCSe 

Schlußfolgerung scheint mir trotz des Widerspruches von Susemihl" richtig zu sein. Ich 
vermag dafür ein neues, wie mir scheint, zwingendes Argument beizubringen, welches 
sich aus der Betrachtung zweier weiteren Kapitel ergibt. 

Die Bemerkungen des Apollonios (c. 46) über die Puffbohnen haben in die landwirt- 
schaftliche Literatur gleichfalls Eingang gefunden: sie kehren teils bei Plinius (n. h. 18, 
ii8f.), teils in der Geoponica (II 35) wieder. Zur Veranschaulichung des Verhältnisses 
dieser Berichte diene folgende Zusammenstellung: 

' Vgl. Boi.L, Sphaera S. 370. Droysek, Gesch. d. Hell.' III i S. 50 A. 2. Susemihi. I 493 A. 11. 
» Vgl. PW. XV 846. 

' Diog. Laert. praef. 8 (vielleicht aus der 4>iA0CÖ*a)N ictopia des Antisthenes von Rhodos, des Verfassers 
des MAfiKÖc, und nicht, wie üefkcken wollte, aus l'oseidonios). 

* Vgl. Freitdenthal. Hellen. Studien S. 28 f. 

' Leider schwebt für uns dieser Apollonios zeitlich völlig in der Luft. Vgl. Susemihi, 1 479. Mit dem 
von Sopatros exzerpierten Stoiker, der auch paradoxographische Neigungen hatte (l'hot. Bibl. cod. 161), dürfte 
er schwerlich etwas zu tun haben. Aus diesem .Stoiker stammen vielmehr die Zitate bei .loh. Lyd. De 
mens. IV 74 (sicher stoisch; setzt eine .Schrift TTePi nPONOJAC voraus) W. 11. 125. Die Bekanntschaft unseres 
l'aradoxographen mit einer Schrift des Bolos läßt vielmehr auf einen Neupythagoreer schließen. Vielleicht 
ist er mit dem Verfasser eines Traumbuches, Apollonios aus Attaicia, identisch, über den Oder bei Suse- 
mihi. I 872 zu vergleichen ist. Feinen magi.schon .Schriftsteller A. vom Schlage des Julius Africanus, Hermes 
und Ilarpokration kennt Tzetzes, Exeg. in Hom. 76. 108. 109 ed. Hermann. Arnob. adv. nat. I 52. Es ist der 
Belinus, Belbinus der Araber, von dem Razi bei Ibn al Baitar ed. Leclerc (Xot. et extr. 23, 244. 26, i6r. 311) 
eine Schrift «ycikä kennt. Vgl. Ps. Alb. de mir. m. 19'. V. Rose, Arist. de lap. 327 A. r. 

* Vgl. Suid. s. V. BüAOc. DiEt.s, Vors. S. 125. 160. 
' Gesch. d. alex. Lit. II 674. 

Phil.-hixt. Abh. 1921. Nr. 4. 2 



10 



M. W E L I- M A N N : 



Apoll. ' 
SeöoPACTOC eN th e tüJn 

OyTIKÖN AITIÖN (V 15, l) »HCIN, 
TA K^AYOA TUN KYÄMü)N nEPI TÄC 
MZAC TÖN A^NAPUN nePITie^MSNA 
5 iHPAINeiN TA <t>YÖMeNA. 



Kai AI KATOiKiAioi Ae ÖPNieec 

CYNGXÖC TA?TA eceiOYCAl ATOKOl 

rirNONTAi' oeeN kai aiä taythn 

THN AITIAN, tAxA AG KAI Al' AAAAC 

10 Ol TTYeAröpeioi XnArope^oYCiN 

TU KYÄMü) XPHCeAl ' KAI TAP HNGY- 
MATOnOlÖN KAI AYCnenTON KAI 
TO'Vc ÖNeiPOYC TeTAPATM^NDYC 



Geop. 

1. cndPMA KYÄMOY OYaAtTOY TI- 
eSNAI nAPA pizAN A^NAPOY, TnA MH 
IHPANefl TÖ A^NAPON. AGT A^ TOYC 
KYÄMOYC ÖYIMOYC «YTGYeiN ' XaI- 
POYCI TAP TH nHAUAei TH. Vgl. 

II 1 3, 3. 40, I . Africanus, KecToi 
c. 3 2 (Thevenot) : 01 Kyintiaio! 

<t>ACIN ÜC TA K^AYOA TÖN KYÄMUN 

taTc pizaic (tön a^napun) ew- 

BAAAÖWeNA TAY'TA IHPAiNei. 



2. TnA KAAOl nPÖC THN eYHCIN 

Sei, npö MiÄc HM^PAC To9 cneipeiN 

BP^xe AYTOYC YAATl MGTA NITPOY. 



3 K^AY4>A Hds. Africanus : ksay^h 
Th. Clemens. 

6 KATOIKIAIOI Clem. : katoikiaiai ed. 



Theophr. c. pl. IV 16, 2: 

KAI ÄNAnAHPOYCeAi A^ <I>ACI (sC. 
K-I-AMOn) KOn^NTA. 



3. Ol AG «YClKOl *ACI TOYC 
KYÄMOYC AMBAYNCIN TAG AIANOIAC 

(kapaiac Hdss., Vgl. Sim. Seth. s. 
V. «oÄBA S. 114,17) TÖN eceiÖN- 

T(ON A-Y-TOYC. 

4. Aiö KAI ennoAlzeiN taTc e-f- 
eYONeiPiAic nomIzontai, eici rÄp 

nNCYMATÖAeiC. 

5. <t>ACI Ae KAI TÄC KATOIKIAIOYC 
ÖPNGIC CYNeXÖC AYTOYC eceiOYCAC 

ÄTÖKOYC rlNecoAi. 

6. TOYC AG KYÄMOYC Ö HyGA- 
rÖPAC <t>HCI MH XPHNAI eceiciN AIÄ 
TÖ KAI CN TÖ ÄNeei AYTÖN CYRICKe- 

ceAi n^NeiMA tpämmata. 

7. «ACI AC TÖN KYAMON ^KBPü)- 
e^NTA ÄNAnAHPOYCeAl nÄAIN THC 
CGAIHNHC AYSOM^NHC. TOYTON A^ GN 
AAMYPÖ YAATl Ml^nOTC CYcTceAl, 
OeeN O-r-AÖ CN eAAATTIü). 



Theophr. c. pl. V 15, i: 

«eeipei rÄP tä tön kyämun ke- 

AY*H nePIBAAAÖMCIA TaTc PIZAIC 
KAI TOTC BAACTOTC, Cr HANTA ÄAAÄ 
TÄ APTI ÄNAOYÖMeNA KTA. 

Theophr. h. pl. VIII 1,4: 

Ol A^ KAI TÖN KYAMON ÖYC Cnei- 

POYCIN. Verg. Georg. I 215: 
veie (d. h. spät) fabis satio. 
Pall. 16, 5: omnia legumina 
Graecis auctoribus seri iuben- 
tur in sicca terra, faba tan- 
tummodo in umida debet 
aspargi. 

Pall. XII 1,3: nitrata aqua 
respersa cocturam non habere 
difficilem (sc. fabae semina 
Gram adserunt). Verg. Ge- 
org. I 193. Plin. n. h. XVIII 
1 57: Vergiliusnitroetamurca 
perfundi iubet fabam. Col. II 
10, 11: priscis aulem rusticis, 
nee minus Virgilio prius 
amurca vel nitro macerari 
eam et ita seri placuit. 

Plin. XVIII 118: hebetare 
sensus existimata (sc. faba), 
insomnia quoque facere: ob 
haec Pythagoricae sententiae 
damnata, ut alii tradidere, 
quoniam mortuorum animae 
sint in ea . . . Varro et ob 
haec tlaminem ea non vesci 
tradit, et quoniam infloreeius 
litterae lugubres reperiantur. 
( Aus Varros Rerum divinarum 
B. 2 nach Gellius X 15, 32). 



Plin. 18,119: sola certe 
frugum etiam exesa repletur 
crescente luna. aqua marina 
aliave salsa non percoqnitur. 



' Aus Apollonios stammt Clem. Alex. Str. III 3, 24 S. 206, 22 f. 



Die Georgika des Demokritos. 11 

Was die Geoponica anlangt, so hat Fehrle in seinen Studien zu den griechischen 
Geoponikern (CtdixeTa Heft 3 S. 4if.) den Nachweis geführt, daß die §§1 — 5 mit den 
Anweisungen über das Anpflanzen der Puffbohnen und dem Bericht über ihre schädlichen 
Wirkungen aus Anatolios stammen, während die folgenden Paragraphen Zusatz des Re- 
daktors sind. Als Quelle des Anatolios kommen nach dem von mir angeführten Zeugnis 
des Africanus die Quintilier in Frage, da sie das Exzerpt aus Theophrast (§ i) kennen. 
Die Quelle des Plinius dagegen ist natürlich ein römischer Landwirtschaftler, vermutlich 
Celsus', wie sich aus den Zitaten römischer Autoren (Vergil, Varro) ergibt. Daß aber 
in letzter Linie griechisches Gut bei Plinius und den Geoponica vorliegt, beweist das 
Theophrastexzerpt (Geop. i ), die Wiederkehr der von den meisten übrigen Landwirtschaft- 
lern '^ abweichenden Ansicht (ot a^ Theophr.) über das Pflanzen der Bohnen (Geop. i), die 
Tut-sache, daß für die von den Geoponica (2) und Plinius angeführte Vorschrift, die Bohnen 
vor dem Säen in Natronwasser und Ölschaum aufzuweichen, Palladius die Graeci (prisci 
rustici Col.) als Quelle nennt. Wir gewinnen also fiir Celsus (Plinius), Hygiii (Vergil) 
und die Quintilier (Geoponica) eine gemeinsame griechische Quelle, die kein anderer ge- 
Avesen sein kann als Cassius Dionysius (Diophanes). Damit fällt die Annahme Gemolls^, 
daß Apollonios bei den Geoponica vorliege; vielmehr dürfen wir mit Wahrscheinlichkeit 
annehmen, daß uns in den betreffenden Paragraphen der Geoponica Reste eines den Theo- 
phrast verarbeitenden, von Cassius Dionysius benutzten Landwirtschaftlers erhalten sind. 
Zur Namhaftmachung dieses Autors verhilft uns das wiederholte oycikoi der Geoponica 
(§ 3. 5) und die prisci rustici Columellas: es ist Bolos Demokritos, der «yciköc der Geo- 
ponica, der tatsächlich in seinen feupriKÄ den Theophrast benutzt hat*. Als Resultat 
ergibt sich also, daß das Exzerpt bei Apollonios c. 46 demokritisches Gut enthält. Aber 
noch an einer andern Stelle dieser Exzerptenmasse glaube ich die Feder des Mendesiers 
zu erkennen, c. 49 ist die Rede von der wunderbaren Heilung besonders nervöser Er- 
krankungen, wie Ohnmacht, Furchtanfällen, Ekstase, Epilepsie und Ischias, durch Musik, 
besonders durcli Flötenspiel, im Anschluß an Theophrasts Schrift rTepi fiNeovciACMOv". Die 
Behandlung dieses Problems, das ein beliebter Gegenstand peripatetischer Schriftstellerei 
gewesen ist*, war sicher zuerst von den Pythagoreern in Angriff genommen Avorden' und 
spielte in der neupythagoreischen Schule eine bedeutsame Rolle. Aus einer Stelle des 
Gellius (IV 13) erhellt nun, daß Bolos, der bei Suidas den Titel eines pythagoreischen 
Philosophen führt, zu dieser Frage gleichfalls Stellung genommen hat, wobei er die An- 
sicht vertrat, daß Flötenmusik nicht nur den Biß von Vi])ern, sondern auch sehr viele 
andere Krankheiten zu heilen vermöge. Die Worte lauten: viperarum morsibus tibicinium 
scite modulateque adhibitum mederi, refert etiam Democriti liber, qui inscribitur <(nep] cymoa- 
eeiöN), in quo docet plurimis liominum morbidis medicinae fuisse incentiones tibiarum. Ist 
es glaublich, daß er bei seiner Beherrschung der peripatetischen Literatur sozusagen den 
locus classicus für diese Lehre nicht gekannt hat? Die richtige Antwort auf diese Frage 
gibt meines Erachtens Gellius, bei dem das Theophrastzitat, allerdings mit der ihm eigenen 
sophistischen Einkleidung, die uns nicht täuschen darf (ego nuperrime in libro Theophrasti 

' Vgl. Reitzenstein, De Script, r. r. Hbris deperditis S. 35 f. ♦ 

' Für die frühe Aussaat der Bohnen (also im Herbst) treten ein Theophr. h. pl. VII i. c. pl. III 30. 

Varro I 34, 2. Col. II 10, 9. Pall. XII i. 

' A. a. O. 13«: •Doch scheint Geop. II 35 aus Plinius 18, 30 und Apollonius 1. 1. 46 zusammengesetzt, 

und zwar von dem Sammler.« 

* Vgl. l'lin. 15, 138; Geop. X 29, 5 (Demokrit) — Theophr. c. pl. II 7, 4. III 10, 4. 
' Vgl. Wklcker, Kl. Sehr. III &2. Frg. 88. 87 Wi.mmer. 

• Vgl. .Stratons Schrift TTep'i ^ngoyciacmoy bei L. I). V 59. 

' Cael. Aur. m. ehr. V i, 23. Porphyr. V. Pyth. 30. 33. Rohde, Kl. Sehr. II 344. 145. 



12 M. Wellmann: 

scriptum inveni), unmittelbar vor dem Demokritexzerpt steht, also wohl aus ihm entnommen 
ist. Von ihm also wird das Exzerpt aus Theophrasts Schrift nepi eNeovciAcnioN c. 49 

stammen. 

Überhaupt ist es überraschend zu sehen, in wie hohem Grade sich die Schriftstel- 
lerei des Bolos in den Exzerpten dieser Schrift widerspiegelt. Man gewinnt unwillkür- 
lich den ICindruck, als seien sie die Vorarbeiten zu seinen naturwissenschaftlichen Schriften. 
Man beachte nur, wie die Gliederung des Stoffes in seinem Sympathiebuche' resp. seiner 
♦YciKt^ icTOPiA nach Mensch, Tier, Pflanze, Stein auch in ihr einen Widerhall findet: so 
handeln die Kap. 9. 24. 25. 51 vom Menschen, in den Kap. 8. 10- 13. 20. 21. 26. 39 werden 
merkwürdige Eigenschaften von Tieren, in den Kap. 16. 18. 31. 41. 47. 48. 50 solche von 
Pflanzen und Kap. 17. 23. 36 von Steinen mitgeteilt. Seinen "'Iatpikä (t^xnh iatpiki^) ent- 
sprechen die Kap. 14. 29. 30. 40. 42. 49 und seinen fecüpriKÄ die auf Landwirtschaft be- 
züglichen Notizen in den Kap. 7. 15. 32. 33. 38. 43. 44. 46. Und für seine llAirNiA, sein 
Zauberbuch, ein Werk nach Art der Magia naturalis des Mittelalters^ bietet Kap. 45 eine 
Anknüpfung, das ein echtes nAirNioN enthält und das in die für diese Literaturgattung 
charakteristische Form umgesetzt etwa folgendermaßen lauten würde: AevKoiOYC h cre^A- 
NOYC AiA NYKTÖc wfi MAPAiNeceAi ' A^xNON AYAc 6ec AYToTc nAPAKAieceAi. Man Avird dabei er- 
innert an ein anderes, gleichfalls unzweifelhaft demokritisches nAirNioN der Geoponica 
(XIII 18), das durch Vermittelung der syrisch-arabischen Übersetzung des Anatolios in die 
arabische Überlieferung^ und in die aus ihr schöpfende Schrift des Ps.- Albertus De mi- 
rabilibus mundi* übergegangen ist: bätpaxoi ciunhtcoYc: KpAzoNjec, eku ayxnon ayac efic npöc 

THN ÖXeHN. 

Im Gegensatz zu dieser rein naturwissenschaftlichen Masse stehen die Exzerpte aus 
Theopomps Mirabiliendigression (B. 8) in den Kap. 1—6, die »Galerie der Wunder- 
männer«, wie sie Diels' genannt hat. Es sind fabulöse Berichte romantischen Charakters 
von Epimenides aus Kreta, Aristeas aus Prokonnesos, Hermotimos aus Klazomenai, Abaris, 
Pherekydes dem Syrer und Pythagoras, von denen die drei ersten insofern enger zusammen- 
gehören, als sie von dem Weiterleben Totgeglaubter handeln. Es sind diese drei Er- 
zählungen die typischen Beispiele für das Wiedererwachen Scheintoter, wie sie in der 
ÄNABiucic-Literatur seit der Zeit des Herakleides Pontikos" und Chrysippos' immer wieder- 
kehren. Sie zwingen uns meines Erachtens zu der Annahme, daß Bolos Demokritos eine 
derartige Schrift verfaßt hat. In der Tat bezeugt sowohl der Thrasyllkatalog* als auch 
Proklos in seinem Kommentar zum Platonischen Staat (II 113 Kroll) von Demokrit eine 
Schrift TTepi tun en^Aiady, über deren Echtheit, soviel ich weiß, allein E. Rohde'' Zweifel 
geäußert hat. Diese Zweifel lassen sich durch triftige Gründe stützen. Ganz abgesehen 



' Vgl. DiELs, Antike Technik" S. 127. 

2 DiELS, Vors. B 55. 300 S. 132, 10. Ganschinietz, Hippolytos' Kapitel gegen die Magier S. 30. 
' Vgl. Ibn Baithar, Große Zusammenstellung über die Kräfte der Heil- und Nahrungsmittel, herausg. 
von SoNTHEiMER I 213. i\ach ihm muß der Docht der Lampe mit Krokodilsfett bestrichen sein. 

* Ps.-Alb. fol. 23': lampat aim accen'iitur in loco ranarum, nutla snnot sed omne^ siUnt, danec ßierit accensa. 
'" Über Epimenides aus Kreta a. a. 0. S. 8. 

" Tiber seine Schrift nePi tön sn "Aiaoy (L. D. V 87. 88) vgl. Voss, De Heraclidis rontici vita et scriptis 
S. 55 f. CoRssEN, Rh. Mus. 67, 29 ff. 

' Vgl. Rohde, Kl. Sehr. II 183. 

* D1E1.S, Vors. 55 A 33 S. 19, 20. 55, 5. Aus Thrasyll stammt der Titel in den unechten hipp. Briefen 
10, 3 (IX 322). DiELS, a. a. O. 136, i. Die Anekdote bei Ath. IV 168 B (Diels a. a. O.) stammt aus dem Demo- 
kritroman^ In ihrer ursprünglichen Fassung (vgl. Antistheues bei L. D. IX 39) war unsere Schrift nicht er- 
wähnt. Folglich ist die Fassung bei Athenaios jung und scheidet für unsere Frage aus. 

" P.syche S. 483 A 2 : »Man kann nicht wissen, ob die Schrift wirklich von D. verfaßt war: spätere 
Fälschungen haben ja den besonnensten der Materialisten mit Vorliebe zum Magus und Tausendkünstler sre- 
macht." Kl. Schriften II 184 (mit Index). 



Die Georgika des Demokritos. 13 

davon, daß Proklos den Verfasser Ahmökpitoc ö oyciköc nennt, was, wie wir früher ge- 
sehen, auf den Mendesier weist, abgesehen ferner davon, daß einem Anhcänger der neu- 
pythagoreischen Schule des 2. Jahrhunderts mit ihrem Zauberspuk, ihrer Sternseherei und 
Totenbeschwörung ein derartiges Werk zu Gesichte steht, während man bei dem Abderiten 
umsonst nach den Fäden sucht, welche es mit seinem System verknüpfen, entspricht die 
kurze Charakteristik, die der Neuplatouiker von ihm gibt, das Xepoizem thn nepi tun XnoeA- 
NeTN AOiÄNTCüN, enciTA ANABiOYNTiüN ictopIan völlIg dem Bilde, das wir von der Sammeltätig- 
keit dieses aus allen Winkeln der alexandrinischen Bibliothek Kuriositäten zusammentragen- 
den Autors gewonnen haben. Schon diese eine Tatsache müßte zur Athetese der Schrift 
führen. Aber jeder weitere Widerspruch dürfte verstummen, wenn man sieht, daß Proklos 
in der weiteren Behandlung des durch die wunderbare Wiederbelebung des im Kampfe 
gefallenen Pamphyliers Er (Pol. 614'') gestellten Problems just dieselben drei Beispiele wie 
Apollonios-Bolos (Apict^ac Ö TTpokonnhcioc kai '^6p«ötimoc' Ö Kaazom^nioc kai '€niMeNiAHC 6 
Kphc) zur Unterstützung seiner These verwendet. Wenn ferner Diels recht hat mit seiner 
Annahme — und ich sehe nichts, was dagegen spricht — , daß die Erklärung dieses 
Problems bei Proklos (113, 13 f.) gleichfalls aus dieser Schrift stammt, so gewinnt unsere 
Vermutung eine noch größere Wahrscheinlichkeit; denn die Lehre, die ihr zugrunde liegt, 
hat nichts mit dem Abderiten' zu tun, sondern trägt ganz unverkennbar pythagoreisches 
Gepräge: die nachdrückliche Unterscheidung von zwh und yyxi^, d. h. von Leiblichem und 
Geistigem, die Vorstellung, daß die Seele in den Banden (Aecwoi) des Körpers liegt und 
im Rückenmark festgewurzelt ist und daß die in der Tiefe des Herzens schlummernde 
Wärme die Trägerin des Lebens ist, das alles hat Analogien in pythagoreischer Lehre ^. 
Es ist nach allem, was wir über das Schicksal der Schriften des Mendesiers wissen, 
völlig unwahrscheinlich, daß der Neuplatoniker des 5. Jahrhunderts n. Chr. seine Schrift 
fTepi TUN fiN'AiAOY noch selbst in Händen gehabt hat. Vielmehr dürfte, da die weiteren 
sagenhaften Beispiele, die er S. 11 5, 7 f. aus einem philosophisch gerichteten Arzte, dem 
Naumachios aus EpLrus (um 310 n. Chr.), dem Lehrer des Arztes Philagrios, anführt, sich 
in gleicher Richtung bewegen^, dieser gelehrte Arzt der Vermittler sein. In letzter Linie 
freilich gehört diese ganz auserlesene Gelehrsamkeit mit den Exzerpten aus Bolos Demo- 
kritos, Klearchs Schrift fTepl VnNOY' und dem Buche des Pontikers Herakleides TTepi tun 
eN "Aiaoy" ohne Zweifel einer noch älteren Quelle an, wie ich vermute, derselben Quelle, 
aus der auch Phlegon in seinen Mirabilia (c. 2, 3)' geschöpft hat und die er c. 3 aus- 
drücklich nennt, dem Peripatetiker Aiitisthenes von Rhodos, einem Schriftsteller, der am 

' Das handschriftliche 'Gpmöaupoc ist von Rohde (Kl. Sehr. II 179) mit Recht in ^Cpwötimoc verbessert 
worden. Merkwürdig ist allerdings, daß die Korruptel bei Plut.de gen. Soor. 22, 592 C wiederkehrt. 

' Völlig unvereinbar mit der Lehre Demokrits ist die scharfe Trennung von Seele und Leben in den 
Worten des Proklos, da nach ihm alles Leben durch die Seelenatome bedingt ist, ferner seine Annahme von 
dem Sitz der Seele im Mark, während Demokrit sie sich folgerichtig durch den ganzen Körper verteilt dachte. 
Vor allem aber, daß mit keinem Worte der Seelenatome gedacht wird, durch die doch allein nach seiner 
Lehre ein Wiederaufleben Toter ermöglicht wurde. Vgl. Arist. de anima 404, 5 f. Aet. IV 4, 6. 7 S. 390. IV 3. 5 
S. 388. RoHDE, Kl. Sehr. I 21 1. Psyche 483 A 2. 

■■' Vgl. den Pythagoreer bei Alexander Polyhistor (L. D. VIII 28. Herrn. 54, 246): aia*^P6in te (sc. »Hci) 
rrxHN zwAc. 31: accmA t' cTnai Tfic yyxSc tXc «a^bac kaI täc XPTHPiAC kaI ta NevpA, die im Marke wurzeln. 
Vgl. Plai. Tim. 73 A. L. I). 2«: kai zfiN i*.iu riANe' öca weT^xei toy eePMOY 27: rö eePwÖN . . . bnep icr\ zoofic 
AfriON. .\et. plac. IV 5, 10 (391 D.). 

« Vgl. RoHDE, Kl. Sehr. II 180 f. 

' über die merkwürdige Erzählung von dem Athener Kleonymos, vgl. Rohde, a. a. ü. 179. Bebnavs, 
Wirkung der Tragödie S. 190. Theophrastos' Schrift über Frömmigkeit S. 187. 

' Vgl. Proklos S. 119,20. Voss, a. a. O. 58. Maass, Orpheus 225 A. Rohde, Psyche 385 f. 

' RoHOE, Kl. Sehr. II 183. 



14 M. Wellmann: 

meisten dem Pontiker Herakleides verwandt wie dieser für romantische Spukgeschichten 
mid magische Zauberkünste eine auffallende Vorliebe besaß'. 

Ob und wieweit hinter den folgenden, der Widerlegung des bekannten Epikureers 
Kplotes dienenden Argumenten {116,19 f.) von der Möglichkeit der Konservierung des 
Leibes durch Räucherungen mit Pflanzen oder durch bestimmte Steine (Aieoc CAPKO*Äroc?) 
oder der Beeinflussung der Seele durch das Einträufeln von Pflanzensäften in die Augen 
oder durch den Genuß bestimmter Pflanzen (Anorevceic), sowie hinter den aus der Tier- 
welt entnommenen Beispielen (Schwalbe, Schlange) sich Gut des unechten Demokrit ver- 
birgt, das wird sich ebensowenig mit Sicherheit entscheiden lassen, als es zweifelhaft sein 
kann, daß die Erörterung des Problems des Scheintodes ihn auf sein Lieblingsgebiet 
führen mußte. In einem von Plinius (n. h. 7, 189)'" aufbewahrten Bruchstück, das durch 
Varro (sat. Men. 81) ergänzt wird und dessen Zuweisung an diese Schrift kein Einsichtiger 
in Zweifel ziehen dürfte, wird dies wirklich von ihm bezeugt: similis et de adservandis 
corporibus hominum ac revivescendi promisso Democriti vanitas, qui non revixit ipse. quae, 
malum, ista dementia est iterari vitam morte? Varro a. a. 0. : quare Heraclides Ponticus plus 
sapit, qui praecepit ut comburerent, quam Democritus, qui ut in melle servarent. Es leuchtet 
ein, daß er die orientalische Sitte der Einbalsamierung der Toten in Honig (Waclis)^ deshalb 
aufgegriffen und ihr das Wort geredet hatte, weil er wußte, daß dadurch die Verwesung 
des Leibes verhindert wurde, d. h. daß er eine Wiedererweckung von Toten nur so lange 
für möglich hielt, als der Körper noch unberührt von den Zerfallerscheinungen ist. Auch 
ist es sicher kein Zufall, daß diese seine Ansicht von der Natur («ycic) des Honigs in die 
pharmakologische Literatur bei Plinius (n. h. 22, 108, d.h. Sextius Niger), übergegangen 
ist, in der auch sonst Spuren seiner Lehren nachweisbar sind: rnellis natura talis est ut 
putrescere corpora non sinat. Auf ihn weist ferner, was Proklos über die Halluzinationen 
hervorrufende Wirkung des Nachtschattens mitteilt; denn es stammt aus dem von ihm 
benutzten pseudotheophrasteischen 'Pizotomikön (Ps.-Th. IX i 1,6. 19, i ; daraus Plin. 21, 178 
nach Xenokrates-Bolos?), und die merkwürdige Notiz über die Schwalben, die im Norden 
den Winter in hohlen Bäumen verbringen sollen, um zu Beginn des Frühlings zu neuem 
Leben zu erwachen, hat eine Parallele in dem Hexaemeron des Georgios Pisides (v. 13 lof.)*, 
dessen naturwissenschaftliches Material durch Vermittelung des Timotheos von Gaza letzten 
Endes auf Bolos zurückgeht. 

Wenn endlich Thrasyll in seinem Verzeichnis diese Schrift in die Klasse der HeiKÄ 
BiBAiA stellt, so stehe ich nicht an, dies Zeugnis für die Annahme zu verwenden, daß 
ihr Verfasser, abgesehen von den Wundergeschichten und ihrer theoretischen Begründung, 
in ähnlicher Weise wie Herakleides Pontikos in seiner Schrift gleichen Titels eine Schil- 

' Vgl. ScHWARTz bei PW. I2537. 2543. 

'' Das Demokritzitat kehrt wieder in Bodins Heptaplomeres (ed. Noack S. 104), wo es in einer E!r- 
{örterung über die Auferstehung folgendermaßen heißt: Ar philosophus fuit Athenagoras, qui eleganti oratione 
scripsit ad M. Aurelium Augustum TTePi ÄNACTÄceuc. Claruit etiam Justinus martyr philosophiae disciplinis 
sub eodem principe, qui tarnen sophistarum argutias de resutrectione acutissime refellit. Fnit praeter hos 
Democritus, philosophorum sui temporis facile princeps, qui cadaverum resurrectionem comprobavit. (Toralba) : 
hunc tarnen Plinius deridendum proponens, similis, inquit, de asservandis et de reviviscendis vanitas a Demo- 
crito promissa, qui et ipse non revixit. quae, malum, ista dementia est. iterari vitam mortemquel 

' Als Sitte des Orients uns geläufig ans Herod. I 198. Strab. XVI 746. Chrysippos bei Cic. Tusc. 
I45, 108. Lucr. III 891. Vgl. dazu den Kommentar von Heinze S. 169. 

* Diese Sage ist alt; Aristoteles (h. a. VIII 16, 600 A 15) kennt sie schon. Vgl. Claudian in Eutr. I 118. 
Isid. XII 7, 60 (Z. iif. Lindsay) ist nicht Interpolation, sondern die Worte gehören hinter § 70: erundo. 
quae etc. Sie ist (durch Isidors Vermittelung) ins Mittelalter übergegangen und hat eine derartige Verbreitung 
gefunden (vgl. Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Mecklenburg II 173), daß Johannes Praetorius 1676 
diesen Aberglauben in einem dicken Buche wissenschaftlich zu begründen versucht hat. Vgl. Meyer, Aber- 
glaube des Mittelalters S. 159. 



Die Georgika des Demokritos. 15 

derung der Hölle und der himmlischen Freuden der Seelen im Jenseits nach neupytha- 
goreischer Lehre gegeben hat'. 

Sind demnach die ''IcTOPiAi GaymAciai des ApoUonios wirklich das, was das Autoren- 
lemma (Büaoy) zu Anfang der Schrift besagt, nämlich weiter nichts als ein Exzerpt aus 
den GaymAcia des Mendesiers, so hat dieser Schriftsteller nach 200 v. Chr. gelebt, da 
die Quellen nur bis ans Ende des 3. Jahrhunderts reichen"^. Der Terminus ante quem 
wird zunächst im allgemeinen durch die Autoren bestimmt, welche ihn zitieren. Das 
sind Krateuas', Poseidonios^ und Cassius Dionysius (Columella), d. h. Autoren aus der 
ersten Hälfte des i . Jahrhunderts v.Chr. Mithin gehört er dem 2. Jahrhundert an. Eine 
weitere Einschränkung seiner Lebenszeit gestattet ein Bruchstück des pergamenischen 
Arztes Menander bei Plinius (n. h. 19, 113), das Bekanntschaft mit den FTAirNiA des Men- 
desiers verrät. Man vergleiche: 

Plin. Bolos TlAlrNiA 4 (132, 16D). 

Menander e Graecis auctor est alium eden- oapönta cköpaa <ah özeiN* pizac ce^-TAOY 6n- 

tibus, si radicem betae in pruna tostum sw thcac »Are. Ähnliche Mätzchen lesen wir 
perederint, odorem extingui (aus Hygin?). Geop. XII 29, 5. 30, 9. 

Die Zeit dieses Arztes hat Stadleb^ festgestellt: er lebte am Hofe Eumenes' II. von Per- 
gamon (197 — 159). Auf den Anfang des 2. Jahrhunderts führt ferner die Tatsache, daß 
den Verfassern der unter dem Namen Nechepso Peto.siris erhaltenen astrologischen Schriften 
(um 150*) der berühmte von Demokrit geprägte Spruch der Goldmacherliteratur' h «ycic 
TH o'i'cei T^pneTAi kaI f) *<fc\c rfiN oycin KPAjeT kai h o^cic thn oycin nika bereits geläufig ist". 

Somit ist er ein Zeitgenosse des bekanntlich auch naturwissenschaftlich interessierten 
Grammatikers Aristophanes von Byzanz (f 1 80) gewesen und liat wie dieser in Alexan- 
dreia gelebt und geschrieben. Ja es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß die boshafte Ge- 

' Vielleicht gehört in diesen Zusammenhang das Bruchstück bei Plin. n. h. 2, 14: innumeros quidem 
credere (sc. deos esse) . . . aut, ut Democrito placuit, duos omnino, Poenam et Beneficium. 

' Vgl. KoHUE, Kl. Sehr. I 353. Susemihl II 683. Der jüngste Autor ist Skymnos von Chios (c. 15), 
dem 185/4 die Ehre eines delphischen Proxeniedekretes zuteil wurde. Vgl. Rohde a.a.O. Seine rflc nepiOACC 
wird somit geg^n Ende des 3. Jahrhunderts verfaßt sein. Die Entstehung der Städtebilder des Herakleides 
ö KPiTiKÖc (zitiert c. 19) mag um 230 fallen. Vgl. Susemihl a. a. O. Über Sotakos (c. 36) vgl. Oder bei Suse- 
mihl I 860. 

' Vgl. Fig. 8 (Diosk. Bd. III S. 146, 6 W). Diels S. 126, 25. Alb. Magnus de veget. VI 471: et quae- 
ritur diligenter (sc. anagallis) ad plures usus magorum. Zum Ausdruck vgl. Diosk. m. m. II 159: tö AevKÖN 
n^nepi, evreeCYN wäaicta eic ... ohpiakäc AYNÄMeic. Vgl. Berthelot, La chimie S. 66, 9 f. üeop. XV^ i, 31. 

* Seneca ep. 90, 32. D1EI.S S. 130, 16. 

' Die Quellen des Plinius im 19. B. der nat. hist. (Diss. München 1891) S. 30. Übersehen hat er eine 
Inschrift (C. J. A. II i n. 433), die einen Beschluß zu Ehren dieses Arztes enthält, weil er seinen Einiluß bei 
dem Könige dazu verwandt hatte, den Athenern Vergünstigungen zu verschaffen. Herrn. 14, 593. 

° Vgl. Kroll, N. Jahrb. f. kl. Ph. VII 559 f. Reitzenstein, Poimandres S. 4 f. 

' Vgl. UsENER, Kl. Sehr. II 254. 

* Möglicherweise beruht auch die Fiktion der in neupythagoreischen Kreisen entstandenen angeblichen 
Schriften Numas, die im Grabe des Königs im Jahre 181 v. Chr. gefunden sein sollen (Zeller, Phil. d. Gr. 3 III 
2S. looA. I. RonüE, Gr. Rom. ' S. 292 A. 2) auf Nachahmung des Demokrit, der nach einem in Ägypten 
aufgekommenen und verbreiteten Schriftstellerkniff (Rohde, Gr. Rom. 292 A. 2. Reitzenstein, a. a. O. 163 A. 4 
u. öfter) die Schriften des jüdischen Magiers Dardanos (Plin. n. h. 30, 9. Diels 129, 21. Dieser D. hat mit 
dem Phiyger nichts zu tun, sondern ist identisch mit dem von Jos. Arch. VIII 43 erwähnten jüdischen Magier 
aus dei- Zeit Sah>mos. Reg. III 4, 27. Rkitzenstein a. a. O. Er erklärt den jüdischen Einschlag in den 
Schriften des Bolos) gleichfalls aus seinem Grabe hervorgezogen habon will. N.atürlich haben wir kein Recht, 
ihn deshalb für einen .Schwindler zu halten. Erwähnen will ich noch, daß Archibios, der Leibarzt eines An- 
tiochos, offenbar den Mendesier benutzt, wenn er zum Schutze der Saaten eine in einem irdenen Geschirr 
ver.schlossene Kröte mitten in dem Saatfelde zu vergraben rät (Plin. n. h. 18, 294). Daß dies Sympathiemittel 
demokritisch ist, schließe ich aus Plin. 18, 158, wo Demokrit unmittelbar darauf zitiert wird. Geop. II 18, 14 
stammt aus Apuleius-Plinius. Dann ist mit Antiochos der begeisterte Freund des Griechentums, Antiochos IV. 
(176 — 165), gemeint. 



16 M. Wellmann: 

scliichte von dem großen Grammatiker als Nebenbuhler eines Elefanten in der Liebe zu 
einem schönen Blumenmädchen \ die durchaus nicht wie eine Erfindung aussieht, durch 
ihn als schlagender Beleg seiner Sympathielehre Eingang in die naturwissenschaftliche 
Literatur gefunden hat. * 

Was den Namen des Mannes betrifft, so lautet er nach Suidas" Büaoc Ahmökpitoc. 
Dies Zeugnis wird bestätigt durch Columella, der dieselben Schriften dieses Autors bald 
unter dem Namen des Bolos, bald unter dem des Demokrit anführt^ Die Bezeichnung 
BcüAoc ö Ahmokritsioc in den Scholien zu Nie. Ther. 764 und bei Steph. v. Byz. s. v. atynooc 
kann unmöglich korrekt sein; denn einmal versteht man nicht, wie in diesem Falle Varro, 
Columella und Plinius dazu kommen konnten, ihn für den echten Demokrit zu halten; 
außerdem war er gar nicht Demokriteer, sondern Pythagoreer*, und eine Schule des Ab- 
deriten hat es schwerlich noch im 2. Jahrhundert gegeben \ Diese Zitierweise beruht 
offenbar auf Verkennung des Doppelnamens des Mannes. Es ist bekannt, daß in helle- 
nistischer Zeit bei Philosophen und Grammatikern des Orients, d. h. in Ägypten, Phö- 
nizien und Syrien, der Brauch aufkam, sich neben dem eigentlichen Namen einen zweiten 
beizulegen, besonders im Verkehr mit den Griechen und mit der Regierung, meist zur 
Unterscheidung von andern gleichnamigen Personen, aber auch aus andern Gründen", 
wobei der zweite Name gewöhnlich mit ö ^niKAAovMeNoc (^niKAHeelc) oder mit ö kai an 
den ursprünglichen Namen angeknüpft wurde; doch war es auch üblich, beide Namen 
unverbunden nebeneinander zu stellen. Eine schlagende Parallele bietet der Name des 
Freundes und Hofphilosophen des Kaisers Augustus, des in Alexandreia am Feste des 
Ares" geborenen Stoikers Areios Dldymos*. Das Pseudonym des Mendesiers erklärt sich 
aus seiner Zugehörigkeit zur neupythagoreischen Schule. Bekanntlich war es eine Eigen- 
tümlichkeit der Anhänger dieser Schule", die in Alexandreia seit dem 3. Jahrhundert ihr 
Wesen trieb*" und sich von hier aus über den Orient und Okzident verbreitet hat, soweit 
sie schriftstellerisch tätig waren, ihre Schriften berühmten Namen der Vorzeit (Nechepso- 
Petosiris), auch Göttern (Hermes), vor allem aber den Stiftern ihrer eigenen Schule wie 
Pythagoras, Philolaos und Archytas unterzuschieben, wobei sich bisweilen der eigentliche 
Name des Verfassers in der Überlieferung erhalten hat. So wird die uns aus Plinius 



' Ael. n. a. I 38. Plin. n. h. 8, 13 (aus luba). Flut, de soll. an. 18, 972 D. A. Marx, Griech. Märchen 
von dankbaren Tieren S. 93. 

'' DiELs S. 125, 8: BöAOc Ahmökpitoc (so hat die Überlieferung) «iaöco^oc 'IctopJan kai Texnhn iatpikhn 
KTA. Flach hat die Überlieferung ganz richtig verstanden, nur ist sein Zusatz: (Ö kaI) A. überflüssig. 

^ So die xeiPÖKMHTA nach Col. VII 5, 17 (die Vitruv und Plinius als demokritische Schrift kennen), seine 
TeupriKÄ nach XI 3, 53 und 61. Sein Sympathiebuch als Werk des Bolos in den Scholien zu Nie. 764, als 
demokritisch Col. XI 3, 64. 

* Suid BÖAOC MeNAHCioc TTveAröpeioc. 

* AHMCKPixeioi aus der Zeit I'.pikurs bei Cic. Tusc. disp. I 82. Ein Mathematiker Bion aus Abdera wird 
bei L. D. IV 7, 58 als Demokriteer erwähnt. Die Schule mag bis 300 v. Chr. bestanden haben. Später be- 
zeichnet ÖAMMCKPireioc, adsectator Democriti den Nachtreter des Bolos: wir kennen als solche den Theognostos 
ö AHMOKPiTeioc (Alex. Tr. I 569 P. Seine Zeit ist unsicher, da für Ahmokpäthn bei Alexander sicher Timokpathn 
zu lesen ist) und einen Apollodor bei Plin. 24, 167. 

« Vgl. Dessau, Herm. 45, 347 ff. Mommsen, Rom. Gesch. V 453. Freudenthal, Hellen. Stud. 130. Diels, 
Dox. 86. Kaibel, Herm. 20, 614. 
' Etym. M. 139, i. 

* Etwas anders liegt die Sache bei dem berüchtigten alexandrinischen Grammatiker und Magier Apion, 
der sich AniuN TTAeicTONiKHC nannte (in einer Inschrift bei Dm-ENBERCER, Orient, gr. inscr. II 371). Ebenso 
bei dem Erbauer des Turmes der Winde, Andronicus Cyrrestes (aus Kyrros in Syrien? PW. I 2167), der so 
bei Vitruv (I 6 S. 23, 26 IL) heißt, bei Varro (r. r. III 5, 17) dagegen in Übereinstimmung mit einer Inschrift 
(Herm. 20, 614) Kyrrhestes. 

" Zeller III 2 S. ii4f. 

" K. ScHWARTz, Fünf Vorträge über den griechischen Roman S. 109. 121. RErrzENSTEiN, Hell. Wundererz. 
S. 45 A. 2. RoHDE, Rom. 72 A. i. 276. 



Die Georgika des Demokritos. 17 

genauer bekannte, im 3. Jahrhundert v. Chr. entstandene Schi'ift TTepi botanun AYNÄMetoc' 
bald unter dem Namen des Pythagoras^, bald unter dem des Kleemporos' angeführt. 
Das gleiche gilt für unsern Mendesier. Offenbar trugen seine Schriften den Namen Böaoc 
Ahmökpitoc, und es ist das Pseudonym wolil von ihm aus keinem anderen Grunde ge- 
wählt worden, als weil er in dem gleichfalls in die Pythagoraslegende verüochtenen Ab- 
deriten den Begründer der ihm eigentümlichen Betrachtungsweise der Natur sah. 

Wenden wir uns nach dieser Abschweifung zu den feupriKA des Bolos zurück, so 
gilt es zunächst eine Vorstellung von dem Inhalt und dem Charakter dieser Schrift zu 
gewinnen. Unsere Kenntnis derselben gründet sich auf zwei Hauptquellen, zunächst, wie 
schon erwähnt, auf den Bruchstücken, die in der griechisch-römischen Fachliteratur vor- 
liegen und die in letzter Linie aus Cassius Dionysius und Hygin (Plinius) stammen. Daß 
jder erstere ihn tleißig benutzt hat, geht daraus deutlich hervor, daß Bolos von allen 
hellenistischen uiid vorhellenistischen Landwirtschaftlern der einzige ist, der in der ein- 
schlägigen Literatur häufiger zitiert wird, ja in den Geoponica sogar am häufigsten von 
allen Autoren; außerdem beachte man, daß er außer den Georgica auch seine andern 
Schriften, so seine XeiPÖKMHTA (Col. VII 5, 17) und sein Sympathiebuch (Col. XI 3, 64) zu 
Rate gezogen hat. Dem in Utica schreibenden Landwirte lagen natürlich die Schriften 
eines Ägypters über landwirtschaftliche Dinge am nächsten. Üb Bolos selbst Landwirt 
gewesen ist, steht dahin. Nach der Analogie seiner übrigen Schriften dürfen wir ver- 
muten, daß er auch in ihr hauptsächlich Buchgelehrter war und seinem Hange zum Aber- 
glauben und phantastischer Willkür schwerlich Zügel angelegt hat. 

Die zweite Quelle, die man bisher für Demokrit nicht verwertet hat, ist die Über- 
lieferung der arabischen Landwirtschaft. In Spanien, wo unter der Herrschaft der Araber 
Landwirtschaft und Gartenkunst in der höchsten Blüte standen, hatte das Interesse für 
dieses Gebiet menschlicher Tätigkeit eine große Anzahl wissenschaftlicher Darstellungen 
hervorgerufen. Unter ihnen ragt als abschließendes Werk die große Kompilation des 
Arabers Ibn al-Awam* aus Sevilla hervor, die uns in einer spanischen"' und neuerdings 
in einer französischen" Übersetzung gedruckt vorliegt. In dieser Kompilation hat der Ver- 
fasser, wie er in der F)inleitung S. 7Ö'. berichtet, vier ältere arabische Werke verarbeitet": 
die nabatäische Landwirtscliaft des Abu Bekr und die einschlägigen Schriften des Ihn el- 
Fazel, Abou'l Khair und Abou Omar Ibn Hedjadj. Der letztere, gleichfalls Andalusier aus 
Sevilla, war Verfasser eines landwirtschaftlichen Werkes, das unter dem Titel p]l Mognah 
(das Ausreichende)'* im Jalire 1073/74 erschienen war. 

Es war ein großes Exzerpten werk, in welchem die griechisch-römische Überlieferung 
hauptsächlich nach drei Quellen exzerpiert worden war: nach einer arabischen Übersetzung 
des Anatolios (Justus oder Anatolius von ihm genannt)", einer resp. zwei arabischen Über- 

' Plin. n. h. 25, 13. Ein Teil dieser Schrift ist'das iinum de Scilla volumen des Pythagoras philo- 
sophus. das Plin. (19, 94 aus Hygin) erwähnt und das außerdem von Ps.-Galen (XIV 567) und in den Geo- 
ponica (VI!I 42) benutzt ist. L. Diog. nennt im Homonymenverzeichnis der Pythagorasvita (VHI i, 47) als 
Verfasser einen Ar/,t des Namens l'ythagoras. Vgl. Maass, De biogr. gr. S. 41. Der wirkliche Name dieses 
Arztes war Kleemporos. 

* Plin. n. h. 24, 159. 20, 78. loi. 134. 185 usw. 

' Plin. n. h. 22, 90 (aus Xenokrates wegen des mit ihm zusammen genannten Arztes Zenon, des Vaters 
des X.). Der Name ist selten und weist nach einer Handelsstadt. Wir kennen einen Issier dieses Namens 
aus .4ppian, lllyr. 7, der um 230 als Gesandter seiner Vaterstadt ermordet wurde. 

* Mkver, Ge-sch. der Botanik HI 260. Hose, Arist. Ps. 269f. (^lement-Mullet, Pref. S. 17. 

' BANguERt, Llbro de agricultura su autor el doctor excelente Abu Zacaria Jahia. Madrid 1802. 

° Clbment-Miili.et, Le iivre de Tagriculture, 2 Bd. Paris 1864. 1866. 

' Meveb, a. a. O. 248f. Ci.KMENr-Mti.i.Er, Pref. S. 68 f. 

' Meyer, a. a. O. 249. Ro.se, b. a. O. Clkment-Mii.let, Pref. 77 f. 

' Kose, a. a. O. 270. Oder, lih. Mus. 48, 40. 

PhiL-hist. Abh. 1921. Nr. 4. 3 



13 M. Wellmann : 

Setzungen des Cassianus Bassus (Kastos, Cassius, Cassianus)^ und merkwürdigerweise nach 
Gargilius Martialis (Marsial, Marsinal)l Ibn al-Awam rühmt die große Gelehrsamkeit dieses 
Autors, die in ihrer kompilatorischen Manier lebhaft an Ibn al-Baithar erinnert, und zählt 
in der Vorrede die Schriftsteller (c. 30) auf, deren Berichte er in seiner Kompilation zu 
berücksichtigen pflegtet Zu ihnen gehört Demokrit, der bald nach der Art der syrischen 
Übersetzung des AnatoUos unter dem Namen Democrates erscheint, bald als Democrites le Grec 
oder Democrite zitiert wird^ An der Zuverlässigkeit dieser Zitate zu zweifeln liegt schlechter- 
dings kein Anlaß vor; vielmehr darf uns, glaube ich, die außerordentliche Gewissenhaftig- 
keit, mit der Ibn Hedjadj seine Quellen nennt, einigermaßen Bürgschaft für die Treue 
seiner Exzerpte sein, und in der Tat wird in einem Falle die Richtigkeit des Zitates durch 
die Geoponica bestätigt (Awam I 254 ~ Geop. X 29, 5). P^ine andere Frage ist die, ob seine 
Quellen denselben Glauben verdienen. In Betracht kommen für Demokrit nach Awam 
die arabische Übersetzung des Anatolios (Junius) und des Gassianus Bassus. Vgl. Awam II 25: 
Junius et Democrite disent qu'il faut semer l'orge dans une terre mediocre, parce que 
la terre de bonne qualite doit etre preferee pour le froment\ I 2 1 9 : Democrite et ('assius 
disent que toute espece de fumier, ä l'exception des matieres stercorales humaines, peut 
convenir ä l'olivier; mais on ne doit lui donner de l'engrais que tous les trois ans une 
fois**. Von diesen beiden Quellen ist die erstere hinsichtlich der Zitate unantastbar, da 
ihr die von E. Oder verdächtigten Autorenlemmata fremd sind'. Anders verhält es sich 
mit der arabischen Übersetzung des Cassianus Bassus. Neuere Forschungen haben er- 
geben*, daß es von ihr zwei stark abweichende Redaktionen gab, die uns noch in dem 
cod. Leidensis 1277 (A nach Fehrle) und 1278 (B) erhalten sind, und daß sich die große 
textliche Verschiedenheit dieser beiden Redaktionen daraus erklärt, daß A den ursprüng- 
lichen Text des Cassianus enthält, während die zweite Übersetzung (B) nach einer persi- 
schen Übertragung angefertigt ist, die auf einer zwischen 600 und 950 entstandenen Re- 
daktion beruht, deren Bearbeiter u. a. auch die Autorennamen zu den Kapitelüberschriften 
hinzugefügt hat". Welche dieser beiden Redaktionen hat nun Ibn Hedjadj zur Hand ge- 
habt? Auf diese Frage gibt Ibn al-Awam eine überraschende Antwort (I567): Dans les 
livres de Kastos et de Cassius, on lit que si on pratique dans la vigne des fumigations 
avec de la bouse de vache et du bazird, qui est la poix, les cantharides fuiront (~ Geop. 
XIII 16, 2). Awam I 400. Es ist hiernach kein Zweifel, daß dem Andalusier zwei Über- 

' Rose, a. a. O. Oder, a. a. O. Kuska, Archiv f. die Gesch. der Chemie und Technik, VI 306 f. Fehrle, 
Studien zu den griech. Geoponikern, S. 4f. 50. 

^ Meyer, a. a. 0. 256. Zitate des Marsial bei Clement I 8 (wo irrtümlich Marsinal d'Athenes steht). 
153- 183. 245. 263. 271. 330. 381. 472. 475. Erinnert man sich, daß der Bischof von Sevilla Isidor (7. Jahr- 
hundert) den Gargilius Martialis noch in Händen gehabt hat (in B. 17 seiner Orig. ist er direkt benutzt) und 
daß Ibn Hedjadj aus Sevilla stammt, so ist direkte Benutzung des G. M. durch ihn nicht ausgeschlossen. 
Dann gab es noch im 1 1 . Jahrhundert in Sevilla eine Hds. dieses Landwirtschalllers. 

' Über die Namen vgl. Meyer 250. Clement Prcf. 7of. Rose a.a.O. Daß mit Sadihames Didymos 
und mit Karour-Anthos Florentinos gemeint ist, scheint mir sicher zu sein. Diese Frage bedarf übrigens 
genauerer Untersuchung. 

* Vgl. Clement Prcf. S. 70. 

" \gl. Geop. II 12, I : TÖN MeN cTton an th BAeYreicp kai th neAiÄAi amginon cneipeiN- tac ag kpioac in th 
Mecuc ÄxoYCH. Vgl. Theoph. c. pl. HI 21, 2. Das ganze Kapitel' stammt aus Anatolios-Demokrlt; vgl. zu § 2 
Awam II 14. 13. Der Autorenname Tapantinoy hat demnach keine Gewähr. 

° Geop. IX 15, i: nXcA KÖnpoc öniTHAeiA th ^aaU aIxa thc ÄNeptüneiAC . . . xph a^ KonpizeiN täc ^aai'ac 
nAPÄ AYO fl tpIa e'TH. Col. r. r. V9, 13: ac tertio quoque (sc. anno) fimo pabulandae sunt oleae. Plin. 17, 130. 
Das Autorenlemma ist AiAf«OY. Es besteht die Möglichkeit, daß in der Überlieferung des Arabers Ver- 
wechselung vorliegt. Das gleiche scheint der Fall zu sein bei Awam 1 391 ~ Geop. X 76. 

' Boll, griechische Kalender, Sitzgsberichte d. Heidelb. Akad. 1911 S. 23. 

* Fehrle, Studien S. 4. 50. 

" Boll, a. a. 0. I4f. Fehrle, a. a. O. 25 f. 



IHe Georgika des Demokritos. 19 

Setzungen vorgelegen liaben, und die Annahme liegt nahe, daß es unsere beiden Re- 
daktionen gewesen sind. In diesem Falle besteht allerdings die Möglichkeit, daß einzelne 
Demokritzitate, soweit sie aus der zweiten Übersetzung (Cassius?) stammen, den berüch- 
tigten Autorenlemmata ihren Ursprung verdanken, und es wird ratsam sein, die Demo- 
kritzitate, die sich mit den Lemmata unserer Geoponica decken, mit Vorsicht zu behandeln, 
solange nicht auf anderm Wege der Beweis für ihre Glaubwüi-digkeit erbracht ist. 

Überblickt man die gesamte Masse der Bruchstücke, so gewinnt man den Eindruck, 
als handle es sich um eine rein technische Schrift, in der das rein wirtschaftliche Element 
das wundersüchtige und abergläubische überwog; daß es aber auch hieran nicht ganz 
gefehlt hat, zeigt u. a. die auf Schwindel beruhende, phantastisch aufgebauschte An- 
weisung zur Bugonie (Geop. XV 2, 21 f. Col. IX 14, 6. Verg. Georg. IV 280 f.). Die Schrift 
umfaßte das Gesamtgebiet der Landwirtschaft, Ackerbau, Baum- und GemüsekuUur, Wein- 
bau und Bienenzucht einschließlich des astrologischen Beiwerkes (Bauernkalender) und 
der Veterinärkunde. Sie enthielt Lehren für den Landwirt über die Einfriedigung eines 
Gutes rcsp. einzelner Teile, sie behandelte die Bodenkunde, gab Vorschriften über Saat- 
bestcllung, Auswahl des Samens und die Saatzeit, über den Schutz der Saaten vor Un- 
geziefer, über die Art der Aufbewahrung der Gerste, über Beseitigung des Rostes, über 
die Kultur der Gemüsepflanzen, Hülsen- und Speisefrüchte (Porree, Kicher. Linse, Bohne, 
Lupine, Flachs, Gurke), über das Ausroden von Kräutern und Bäumen, über die Anlage 
von Weinbergen, über Auswahl und Aufbewahrung von Weinreben, wenn man sie nicht 
sofort pflanzen kann, über die Dauer der reifen Trauben am Stock, über die verschie- 
denen Weinstockarten, über den Schutz der Hühner, über die Art, Tauben an den Schlag 
zu fesseln, über Heilmittel für Rinder und Schweine. Sehr ausführlich war von ihm die 
Baumzucht behandelt: wir lesen Vorschriften über die Anpflanzung von Myrten, Lorbeer, 
Zypressen, Rosmarin und Rosen, und fast alle Obstbäume werden behandelt einschließ- 
lich der Zitronatzitrone (kitpion), des Judendorns (zizyoon) und der Pistazie (bictäkion). 
Kulturhistorisch wichtig ist die Erwähnung des letzteren Baumes. Das unverdächtige 
Bruchstück bei Ibn al-Awam' entliält Anweisungen, wie man das Abfallen der Nüsse dieses 
Baumes verhindern kann. Wir lernen daraus, daß dieser aus Mittelasien stammende, in 
historischer Zeit besonders in Syrien verbreitete und geschätzte Baum schon vor 200 v.Chr., 
und nicht erst in christlicher Zeit, wo Galen" ihn in Alexandreia kennt, nach Ägypten 
verpflanzt worden ist*. Y.s ist bekannt, daß sich Ptolemaios II fiir derartige Dinge inter- 
essiert hat: so ließ er den Weizen der Sporaden (besonders von Kalymna) nach Ägypten 
verpflanzen*; vermutlich derselbe König ließ eine in der iranischen Landschaft Karmania 
helmische Zistusart nach Ägypten bringen ', und unser Bolos berichtet von der Verpflan- 
zung der in Persien, Arabien und Syrien heimischen schwarzen Cordie (nepc^A) nach 
Ägypten". Auf Grund der Geoponica (X i 2, 3 f.) hat man bisher angenommen, daß Paxamos, 
ein Zeitgenosse Varros, der erste Grieche gewesen sei, der die Kultur dieses Baumes 
gelehrt liat'. Diese Annahme wird nunmehr, dahin zu berichtigen sein, daß das bereits 
der Mendesicr getan hat, auf dessen Schultern ohne Zweifel Paxamos nach seinen Schriften 
zu urteilen (er schrieb fecüPriKÄ, Ba»ika wie Bolos) gestanden hat. Für die hohe Blüte 



' Clement-Mullet I 541 (wie es scheint aus Abu Bekr). 

" Gal. VI6i2: reNNÄTAi m^n kata rfiN werÄAHN "AAesANAPeiAN tayta (si. ta hictakia), hoaS' nAeiu a'^n 

BEPPoiA Tfic GypIac. 

' Hehx, Kulturpflanzen* S. 405f. 

* Etvni. M. s. V. KÄAYWNOC S. 486, 25. Steph. Bvz. s. v. Schreiber, Die Wiener Brunnenreliefs S. 66. 

' Plin. n. h. 12,76. 

" Schol. zu Nie. Ther. 764. Diosc. m. ni. I 129 (120, 16). 

' Oder bei Susemibl Litt. I 842. 



20 M. Wellmann: 

der alexandrinischen Gartenkunst spricht das Raffinement, das uns in den einschlägigen 
Bruchstücken des Mendesiers entgegentritt. So weiß er von der Verwendung der Insition 
zur Vermischung der verschiedensten Fruchtarten' und zu sonstigen merkwürdigen Natur- 
spielen" zu berichten und beschreibt ausführlich ein Verfahren, ägyptische Gurken^ resp. 
Melonen und Rosen auch während der kalten Jahreszeit zu züchten*. Das Eigenartige 
dieses Verfahrens besteht darin, daß Gurkenkerne in die mit Mist gefüllte Markhöhle 
des Steckenkrautes gelegt und dann mit Erde bedeckt werden ^ Diese Verwendung des 
Steckenkrautes bei der Fortzucht von Bäumen und Kräutern geht auf Mago zurück", 
der mit seiner Hilfe eine bestimmte Mandelbaumart (die tarentinische) ' gezüchtet hatte. 
Bolos muß ihn gekannt haben; doch darüber später. Ein wichtiger charakteristischer 
Zug in seinen feupriKÄ ist die Aufnahme von Bemerkungen medizinischer Art in sein 
Werk, und zwar nicht nur über Tiermedizin**, sondern auch über die Heilkräfte der Ge- 
wäclise" und anderer Dinge'". Diese Verquickung von Medizin und Landwirtschaft" ist 
also nicht erst eine Errungenschaft des 3. Jahrhunderts n. Chr.'', sondern reicht in die 
hellenistische Zeit hinauf. Bolos, der ja Naturforscher, Chemiker, Arzt und Zauberkünstler 
in einer Person war, ist auch hierin der Vorläufer der landwirtschaftlichen Fachliteratur 
der Folgezeit geworden. Schon Varro'^ wundert sich über diese merkwürdige Verquickung 
der Landwirtschaft mit allen möglichen Disziplinen: video enim, qui de agricultura 
scripserunt et poenice (Mago) et graece (Democritus) et latine (Cato) latius vagatos quam 
oportuerit. Und jeder weiß, daß dies Urteil auf die beiden ältesten landwirtschaftlichen 
Werke der Römer, die Schrift Catos und die der Sasernae", mit iliren Kochrezepten, 
Sympathiemitteln, Zauberformeln u. a. m. zutrifft. Vielleicht ist der Schluß gestattet, daß 
beide hierin den Spuren Demokrits gefolgt sind, mit andern Worten, daß in seinen 
feupriKÄ in ähnlicher Weise wie bei jenen außer der Landwirtschaft auch die Hauswirt- 
schaft behandelt war'\ 

' Awam.I 391 — Geop. X 76. Sein Standpunkt ist danach des Columellas (V 1 1, 12). Vgl. Hehn, Kult.* 422 f. 

'' Awam I 602. Geop. IV 7, i. Pall. III 29, i. Col. de arb. 9, 3 (daraus Plin. 17, 162). Derartige Spielereien 
(Trauben ohne Kerne zu gewinnen) waren schon im vierten Jahrhundert in der griechischen Gartenkunst üblich. 
Vgl. Theo|)h. c. pl. V 5, i. Der Verfasser der pseudo-hippokratischen Schrift TTapI roNHC 9 (VII 472 L) berichtet 
von einem Verfahren, Gurken eine bestimmte Gestalt zu geben, das bei Theoph. h. pl. VII 3, 5 und Geop. XII 19, 6 
wiederkehrt. 

' Vgl. Hehn, a. a. O. 305. 

* Col. XI 3, 53. Pall. IV 9, 9. Plin. 19, 68, der ebenso wie Palladius den CoUimella als Urheber dieses 
Verfahrens nennt. Vgl. Plin. 17, 137. Über sein Verfahren bei Rosen vgl. Geop. XI 18.9. 

* Ähnlich ist das von den Geoponica (XII 14), Palladius (IV 14, 3) und Plin. 19, 185 (aus Aemilius Macor 
nach Stadler) beschriebene Verfahren, einen Salat zu züchten, der mit anderen Küchenkrüufem aus derselben 
Wurzel kommt; nur ist hier an die Stelle der Ferulstaude eine Kugel von Ziegen- oder Sohafmist getreten. 
Quelle sind die Ps. Aristotelischen TecopriKÄ bei Awam 1 617 (aus Kastos, d.h. Anatolios, vgl. U 233. Rose. 
Ar. Ps. 274), die in der uns erhaltenen landwirtschaftlichen Literatur nui' einmal von Garg. Mart. erwähnt 
werden (aus den Quintiliern, vgl. Rose a.a.O.), von Awam dagegen öfter zitiert werden. Sie gehören höchst- 
wahrscheinlich dem 3. Jahrhundert an und sind vielleicht schon von Bolos benutzt. 

« Garg. Mart. III3 (aus Mago-Drophanes). Col. V 10,4 (aus Celsus Diophanes). de arb. 22. 2. Geop. X 57,9. 

' Die Zucht von tarentinischen Myrten lehrte Bolos (Plin. 17,62). Sein Verfahren bestand darin, daß 
er die Myrtenbeere zerquetschte, dann mit dem Brei ein Seil bestrich, das er in die Erde legte. 
. " Geop. XIX 7, 6. XVII 14, 3. XIV 9, 6. 

' Geop. XI 13, 2. 16, 2. 

1° Geop. Xm 8, 5. 9, 6. 14, 9. 

" Die Frage niuß offen bleiben, wie weit einzelne dieser Mittel aus seinem Sympathiebuch oder seinen 
XeiPÖKMHTA stammen. Wir wissen ja, daß Cassius Dionysius beide Schriften benutzt hat. 

'2 Rh. Mu.s. 45, 87. 

" Varro r. r. 1 2, 13. 

'* Varni r. r. I 2, 28. 

'' Da das landwirtschaftliche Hausbuch der Sasernae wahrscheinlich zu Beginn des i. Jahrhunderts v. Chr. 
entstanden ist (sicher nach Cato und vor Tremellius Scrofa, d. h. zwischen 149 und 60), so können sie die 



Die Georgika des Demokriios. 21 

Das wichtigste Charakteristikum der Schriftstellerei Demokrits ist das sympathetische 
P^lement (tö cvMnAeHTiKÖN, *ycikön), d. h. seine Lehre von den geheimnisvollen, in dem 
Wesen (♦'»■cic) der Dinge begründeten Wechselwirkungen der verschiedenen Naturreiche 
in Sympathie und Antipathie. Diese Lehre, die er in seinem Sympathiebuch ausführlich 
begründet hatte, durchzieht seine sämtlichen Schriften. In die uns erhaltene landwirt- 
schaftliche Literatur sind derartige Stücke nur zum Teil durch seine feupriKÄ gelangt; 
man darf nicht vergessen, daß Cassius Dionysius daneben seine XeiPÖKMHTA und sein Sym- 
pathiebuch benutzt hat: und die späteren Land Wirtschaftler abergläubischen Schlages, wie 
Afrikanos und Didymos, scheinen auch seine ÜAirNiA durch Vermittlung des Anaxilaos 
(Damigeron?) zur Hand gehabt zu haben. Auf seine fecüpriKÄ führe ich folgende vier 
Bruchstücke zurück: 

1 Georg. II 42, 3. Der Umgang einer Jungfrau mit einem Hahn in den Armen ver- 
treibt das öcnpoA^uN (~ÖPOBÄrxH Ervenwürger, heutzutage in Griechenland aykoc genannt) 
genannte Unkraut. Dieser Aberglaube ist eine Weiterbildung der übrigens alten Vor- 
stellung von der Antipathie von Löwe und Halm'. In ähnlicher Weise schützen sich 
in Libyen die Wanderer vor dem Biß des Basilisken' und jeglicher Schlange^, indem 
'sie einen Hahn oder Ibis mit auf die Wanderung nehmen. Zugrunde liegt auch diesem 
Volksaberglauben die Vorstellung einer Antipathie von Hahn und Basilisk*, von Ibis und 
Schlange". Basilisk und Ibis führen auf ägyptisclien Ursprung dieses Aberglaubens. Auf 
ähnlicher Übertragung einer anerkannten Antipathie beruhen folgende beiden Mittel bei 
den Geoponica: IV 10 (Antipathie von Wespe und öl) und XVIII 17,8 (Antipathie von 
Wolf und Meerzwiebel). 

2 Pallad. I 35, 7. Geop. V 50. X 89. II 18, 3. Das Besprengen der Saaten mit 
Krebswasser schützt sie vor Ungeziefer. Nach Plin. 19, 180: adversus urucas et cancrum 
fluviatilem in medio horto suspensum auxiliari narrant (Demokrit). Dieser Aberglaube 
beruht gleichfalls auf Antipathie. Vgl. Plin. 11,62. 

3 Geop. XIV 9, 6. XIV 15. Raute unter die Flügel der Hühner gebunden oder 
Fuchs- resp. Katzengalle unter ihr Futter gemischt, schützt sie vor Katzen und Füchsen. 
Plin. 28, 265 (aus Celsus?): gallinaceos non attingi a vulpibus, qui iocur animalis eins 
aridum ederint. Beruht auf Antipathie von Fuchs, Katze und Raute. 



griechische Übersetzung Magos, die 88 erschienen war, noch nicht benutzt haben. Allerdings besteht die 
Möglichkeit der Benutzung der lateinischen t'bersetzung, die der römische Senat nach der Kroberung Karthagos 
durch eine Kommission, an deren Spitze D. Silanus stand, hatte anfertigen lassen (Plin. 18, 22. Rkitzenstein, 
De Script r. r. libris deperditis 48). Anderseits zeigen mehrere Bruchstücke (Varro r. r. 1 2, 26. II 9, 6. Col. IV 
11,1^ — Geop. V 3, 4. III ;, 7) unverkennbare Anklänge an Demokrit. So erinnert die Voi-sclirift der Sasernae 
(Varro r. r. II 9,6: qui vellet se a cane sectari, ut ranam obiciat coctim) an das, was I'linius (32, 140) aus 
einer der schriftsteliern-len Hebeammen (Salpe, benannt nach der Lesbierin aus dem 3. Jahrhundert, die TTAirNiA 
verfaßt hatte, vgl. Ath. VII 321 f.) berichtet: Salpe negat canes latrare, quibus in offa rana viva(!') data sit. 
Ferner hat das von ihnen empfohlene Yiacospon (Bestreichen des Körpers mit dem Absud eines in Wasser 
abgekochten Laubfrosches) eine merkwürdige Parallele in den zum Teil auf Demokrit beruhenden Koiraniden 
des Hermes (S. 57, 5 Mely): ih* a^ Tic e^AH XnoppyflNAi tag tpjxac öaoy to' cümatoc, toy batpäxoy tö a^pma KA-f-CAC 
BÄAe ei'c b AOY6TAI YAUP, kaI AnoppYHCONTAi. Vgl. Diosc. simpl. I 49. m. m. II 26. Archigenes bei Gal. XII 799. 
Am auffälligsten aber ist die Übereinstimmung ihrer beiden Wanzenmittel (Varro r. r. I 2, 25: in Wasser auf- 
geweichte wilde Gurke und Rindergalle mit Essig) mit Geop. XIII 14, i. 2, einem Kapitel, in dem Demokrit 
(XIII 14,9) ausdrücklich als Gewährsmann genannt wird: yrPA nicCA kai ArpioY cik+oy Ö xyaöc ÄniBAAAÖMGNOC 

i.H KAINH ÄNAIPC? TÄC KÖPCIC . . . XOAHN TAYPOY fl TPÄrOY ÖlEI APIME? «ilAC AAei«e THN KAINHN KaI TOS'C TOixOYC. 

' Aes. Fab. 323. Achill. Tat. \\ 21. Vgl. Lucrez IV 710. Pamphilos bei Geop. XV 1,9. Neptun. 63. 
Ael. n. a. HI31 (aus Demokrit). Plut. soll. an. 32, 981 E. de invid. 4,537 c. Plin. 8, 52 (aus Juba) n. öfter. 

* Ael. n. a. III 31 (Demokrit). 
' Joseph, arch. II 246. 

* Ael. a. a. O. vgl. V 50. 

' Ael. n. a. I 38 (Demokrit). 



22 M. Wellmann: 

4 Col. r. r. VIII 8, 7. Tauben werden an den Schlag gefesselt, wenn man junge Turm- 
falken in je einem irdenen Topf an den vier Ecken des Taubenschlages befestigt. 
Plin. 10, 109 (Celsus): feruntque (Demokrit), si in quattuor angulis defodiantur (sc. tinnun- 
guli) in oUis novis oblitis, non mutare sedem columbas. Beruht auf Sympathie nach 
Plin. a. a. 0. 

Weiter beweisen die Bruchstücke, daß die feupriKA des Bolos, wie bereits ver- 
iliutet, eine Kompilation waren. Unter den Fachscliriftstellern, die von ihm zu Rate ge- 
zogen worden sind, steht zeitlich obenan Leophanes', ein Landwirt, der nach Anaxagoras 
und vor Aristoteles, d. h. im Anfange des 4. Jahrhunderts gelebt hat. Dieser Mann hatte 
im Anschluß an Anaxagoras die Ansicht vertreten, daß man durch Unterbinden der Hoden 
bei allen vierfüßigen Haustieren willkürlich männliche und weibliche Nachkommen er- 
zeugen könne. Trotzdem Aristoteles diese Theorie widerlegt hatte, hat sie sich in der 
landwirtschaftlichen Literatur erhalten. Ihr Vermittler ist Bolos. Vgl. Colum. r. r. VI 28 
und Aristoteles De gen. an. IV i, 765a 23: 

Col. Arist. 

quae (sc. proles equorum) sive ut femina nAPAnAHciuc At xmec neneicweNOi toytoic eici 

sive ut masculus concipiatur. nostri arbitrii kai Aerovcm, d)c tön AesiÖN öpxin AnoAovM^Noic 
fore Democritus affirmat, qui praecipit, ut, ü tön Xpictepön cymbainci toTc Öxe-i-OYCiN XppeNO- 
cum progenerari marem velimus, sinistrum tokgTn fi eHAVTOKeTN • oytu rÄP ka) Aeu)<»>ÄNHC 
testiculum admissarii obligemus, cum femi- e'AereN. Vgl. Aet. plac. V 7, 5 S. 420D. 
nam, dextrum. idemque in omnibus paene 
pecudibus faciendum censet. 

Von demselben Autor hat Theophrast an einer Stelle seines pflanzenphysiologischen 
Werkes (c. pl. II 4, 12) ein kurzes Bruchstück erhalten, in dem er den schwarzen Boden 
als den besten rühmt, weil er sowohl Feuchtigkeit wie Wärme vertrage. Merkwürdiger- 
weise kehrt diese Ansicht in den Geoponica (II 9, i) wörtlich wieder. Auch hier wird 
der Mendesier der Vermittler sein. 

Theophr. Geop. 

ÖMOicdc Ae KAI Ol THN MeAArrecoN enAiNOYNTec APicTH rfi H weAÄrreioc YnepenAiNOYweNH hapA 

ücnep Aeu*ÄNHC- e-feYc rÄP XnoAiAÖNAi neiPÄTAi nÄciN, öti kai ömbpon *ipt\ kai ayxmön. 

TAC AITIAC, OTI AYNATAI KAI OMBPON KAI 
A'Y'XMÖN <t>^PeiN, AOXÖC 0?CA KAI TOY eePMO? 
KAI TO? YTPOY. 

Noch einen zweiten Landwirt aus vorhellenistischer Zeit scheint Bolos benutzt zu 
haben: den Androtionl Nach Theophrast'^ hatte dieser Landwirt die Ansicht vertreten, 
daß Liebe und Haß auch in der Pflanzenwelt verbreitet sei und zum Beweis die Sym- 
pathie von Myrte und Ölbaum angeführt, die sich in der Weise äußere, daß beide Bäume 
ihre Wurzeln miteinander verflechten, daß ilire Zweige durcheinanderAvachsen, und die 
Frucht der Myrte zart und süß werde. Diesen Aberglauben hatte Bolos aufgegriffen 
(Geop. X 29, 5), aber als Ägypter an die Stelle des Baumes der Athene den in Afrika 
heimischen punischen Apfelbaum gesetzt, von dem Theophrast (c. pl. II 7,4) etwas Ähn- 
liches anzudeuten scheint. Daneben aber hat er auch den Theophrast in Händen gehabt. 
Die beweisende Stelle steht bei Plinius (n. h. 15, 138): eadem (sc. laurus) purificationibus 
adhibetur, testatumque sit obiter et ramo eam seri, quoniam dubitavere Democritus atque 



' E. Meyer, a. a. O. I 22. 

'' Vgl. Oder bei Susemihl I 833. 

= c. pl. III 10,4. Vgl. Hehn, a.a.O. 105. 



k 



Die Georgika des Demokritos. 23 

Theophrastus'. Demnach sind wir berechtigt, die Bruchstücke bei Ihn al-Awam, soweit 
sie inhaltlich an Theophrast anknüpfen, als unverdächtig anzusprechen. Dazu gehört, 
was Awain I 602 von ihm berichtet, er habe mehrere Male das Experiment, Trauben 
ohne Kerne zu erzeugen, mit Erfolg ausgeführt, über dies Experiment handelt Theophrast 
(c. pl. V 5, I. III 14, 6); es lief darauf hinaus, daß man aus dem Setzling vorsichtig das 
Mark entfernte, bevor man ihn der Erde anvertraute, weil sich aus ihm nach der An- 
sicht Theophrasts die Kerne entwickeln. Dasselbe Verfahren lesen wir in den Geoponica 
(IV 7, i), nur ausführlicher; auf Ägypten weist die Verwendung des Papyros bei der 
Umwicklung des gespaltenen Setzlinges. Es liegt m. E. kein Bedenken vor, den ersten 
und den damit aufs engste zusammenhängenden Paragraphen 2 für Demokrit in Anspruch 
zu nehmen, mid wenn in der Überschrift dieses Kapitels Demokrit als Autor erscheint, 
so haben wir hier einmal einen jener Fälle, wo das Autorenlemma (wenigstens für einen 
Teil des Kapitels) auf einer wahren Vermutung beruht'. 

Auch sonst sind Berührungen mit Theophrast in den von Ihn al-Awam aufbe- 
wahrten Bruchstücken nachweisbar. So hat die ihm zugeschriebene Bemerkung (Awam II 
S. 13), daß die Kicher von allem Gemüse und allen Hülsenfrüchten die längste Wurzel 
habe, weshalb sie .sich nicht zur Verbesserung des Bodens eigne, ihre Quelle in Theo- 
phrast (h. pl. VIII 2, 3), und zu seiner Behauptung (Avam II 16), daß der beste Samen zur 
Aussaat der jährige sei, danach der zweijährige, während der dreijährige dazu unbrauch- 
bar sei, daß aber Hirse und Reis davon eine Ausnahme machten, bietet Theophrast 
(h. pl. VIII II, 5) eine schlagende Parallele. 

Seiner Behandlung der Bienenzucht hat er, wie es scheint, die MeMccovpriKÄ des 
Aristomachos aus Soloi zugrunde gelegt, eines Imkers aus voraristotelischer Zeit^; ich schheße 
es aus einer auch in die Geoponica (XV 2, 6) übergegangenen Notiz des Plinius (13, 131)*: 
apes quoque num([uam defore cytisi pabulo contingente promittunt Democritus atque 
Aristomachus. 

Sein Verhältnis zu dem Vater der I^and Wirtschaft (parens rusticationis Col. Ii, 13), dem 
Karthager Mago habe ich bereits im vorhergehenden gestreift. Ich vermutete Benutzung 
desselben durch Bolos. Zeitlich steht dieser Vermutung nichts im Wege; denn obgleich 
die Lebenszeit des Karthagers nicht überliefert ist, so darf man einerseits aus der Tat- 
sache, daß sein Werk nach der Zerstörung Karthagos ins Lateinische übersetzt wurde, 
anderseits aus seiner Bezeichnung als parens rusticationis durch Columella schließen, daß 
er älter war als Cato. Er gehört also spätestens ins 3. Jahrhundert, wie schon Reitzen- 
STEiN^ vermutet hat. Zur-Gewißheit erhoben wird unsere Vermutung durch zwei Stellen 
Columellas. Es war eine alte, oft behandelte Streitfrage", nach welcher Himmelsrichtung 
die Weingärten anzulegen seien. Alle vier Himmelsrichtungen waren dafür in Anspruch 
genommen worden', doch die Mehrzahl der Landwirte (so u. a. Tremellius Scrofa nach 
Columella) hatte sich für eine Orientierung nach Süden entschieden. Die entgegengesetzte 
Ansicht vertraten Mago und Demokrit mit der Begründung, daß die nordwärts gerichteten 
Weingärten höhere Erträge lieferten, wenn sie auch an Güte des Weines hinter den anders 
orientierten zurückständen. Col. r. r. III i 2, 5 : quam regionem (sc. caeli) spectare debeant 

' Das Theophrastzitat bezieht sich nuf h. pl. II i, 3: Xoanta tAp b'cA txe\ ch^pmata kai Xnö ch^pmatoc 

rJNCTAi- Xnö AÄ nAPAcrtXAOc kai thn aä«>nhn «acin, 6än tic tA ^pnh nAPCAÄN «yte-i-ch. 

' BoLL, a. a. O. S. 1 3 f. 

' Oder bei Susemihl 1 838. 839. 

* Das Pliniuszitat stammt aus Hygin, vgl. Stadler, a. a. 0. S. 7. 

' De scriptorum rei nist libris depeiditis, Berl. Diss. 1884 S. 47. Meyer, a. a. O. I396f. 

" Plin. n. h. 17, 19 f. Col. r. r. III 12, 5 f. Vgl. Fall. II 13, 6. I 6, 2. üeop. V 4. 

' Firn. a. a. O. Maoerstedt, Der Weinbau der Römer S. 59. 



24 M. Wellmann: 

vineae, vetus est dissensio . . . Democrito et Magone laudantibus caeli plagam septentrio- 
nalem, quia existiment ei subiectas feracissimas fieri vineas, quae tarnen bonitate vini 
superentur. Dieser Ansicht, die von Celsus (Col.III i 2,6) für Ägypten und Numidien mit 
Rücksicht auf ihr übermäßig warmes Klima gebilligt und von Plinius (17, 20) für Ober- 
italien akzeptiert worden war, liegt offenbar die Vorstellung, zugrunde, daß der Nordwind 
befruchtet und der Südwind veredelt \ Ist es denkbar, daß beide unabhängig von einander 
auf diese Begründung verfallen sind? 

Die zweite Stelle (Col. IX 10, 6) betriift die Anweisung zur Bugonie, d. h. zur künst- 
lichen Erzeugung von Bienen aus dem Aase junger Stiere: ceterum hoc eodem tempore 
(d. h. peracto solstitio usque adortum caniculae, vom 24. Juni bis 26. Juli)'" progenerari 
posse apes iuvenco perempto, Democritus et Mago nee minus Virgilius (IV 2 84 f.) prodiderunt. 
Mago quidem ventribus etiam bubulis idem fieri affirmat^. Der später weitverbreitete Aber- 
glaube von der Entstehung bestimmter Insekten aus verwesenden Tierleibern, wie der 
Bienen aus Rindern, der Skorpione aus Krokodilen, der Wespen aus Pferden, der Käfer 
aus Eseln, begegnet uns zuerst in Ägypten im 3. Jahrhundert: Archelaos (unter Ptolemaios 
Euergetes) hatte in seinen Iaio^yh darüber ausführlich gehandelt*. Was die Bienen an- 
langt, so ist er oiTenbar daraus entstanden, daß sich einmal in den Hörnern eines ver- 
endeten Stieres wie in dem Aas des von Simson zerrissenen Löwen ein Bienenschwarm 
eingenistet hatte. Durch falsche Deutung dieses Vorganges scheint in Ägypten die Sage^ 
entstanden zu sein, daß man, um Bienen zu erzeugen, einen Stier nach altem Brauch* 
bestatte und nach einiger Zeit, wenn der Leichnam in Verwesung übergegangen, die 
Hörner absäge, worauf aus den Öffnungen Bienen zum Vorschein kämen. Von dieser 
ägyptischen Sage völlig verschieden ist die Art der Bienenmacherei, die Columella von 
Mago und Demokrit bezeugt und die in den Geoponica' nach Demokrit in folgender Weise 
beschrieben wird: In einem eigens zu diesem Zwecke erbauten Hause von bestimmten 
Größenverhältnissen und mit einer bestimmten Anzahl von Türen und Luken versehen 
soll man einen fetten Stier von 30 Monden durch Jünglinge zu Tode prügeln und, nach- 
dem alle Öffnungen des Körpers verstopft sind, ihn rücklings auf Thymian legen lassen. 
Dann soll das Haus hermetisch verschlossen und nach 1 4 Tagen gelüftet werden zur Förde- 
rung des sich bildenden Lebens. Nach weiteren 10 Tagen findet man dann das Haus voller 
Bienen, und vom Stier weiter nichts als Hörner, Knochen und Haare. Es liegt auf der 
Hand, daß es sich hier um ein magisches Zauberkunststück handelt: dafür spricht der 
außerordentlich große Aufwand von technischen Vorbereitungen und die eherne Unver- 
schämtheit, mit der dieser Schwindel vorgetragen wird. Anderseits kann dieser magische 
Unsinn unmöglich auf dem Boden Ägyptens aufgekommen sein. Die hohe Verehrung, die 
der Stier bei den alten Ägyptern genoß und die zu dem Verbote geführt hatte, einen 
Stier außer zu Kultuszwecken zu töten*, sowie die Tatsache, daß die Bienenzucht in Ägypten 
eine so unbedeutende Rolle gespielt hat, daß sich keinerlei Nachrichten darüber erhalten 



' Vgl. Fall, agric. T 6, 7 : aquilo vites sibi obiectas fecundat, auster nobilitat. 
'' Vgl. Boi.i,, a. a. 0. 30. 31. 

Vgl. Plin. n. h. 1 1, 70: in totum vero amissas (sc. apes) reparari ventribus bubulis recentibus cum fimo 
obrutis, Vergilius (ü. IV 284 f.) iuveacorum corpore exanimato. Demokrit bei Geop. XV 2, 23ff. 
* Vgl. Antigonos von Kar. bist. mir. 19. Varro r. r. III 16, 4. II 5, 5. 
' Antigonos a.a.O. Ovid Fast. I 376 f. Quelle wahrscheinlich Archelaos. vgl. Malten, Kvrene 30. 

nero(lotIl4i: eAnTOYCi Ae tcVc ÄnoeNHCKONTAC boyc tpöhon tönag . . . toS'c ab ePceNAC katopyccoyci 

e'KACTOI^ ^N TOTCI nPOACTeiOlCI, TÖ KePAC TÖ e'TePON'fl KAI AA\<t>ÖTePA YneP^XONTA CHMHIOY eYNeKEN. 

Geop. XV 2, 22 f. Aus Demokrit durch Vermittelung Hygins(?) stammt Verg. Georg. IV 20, f., außer- 
dem vgl. Herrn. Koir. 73, 20 Mely. Isid. XII 8, 2. s. JB yj » s V3 , 
" Herod. II 41. 



IHe Georgika des Demokritos. 25 

haben', verbieten diese Annahme. Also hat Demolcrit das Zauberkunststück anderswoher^. 
Columella verrät uns die Quelle: es ist punischen Ursprungs. In der Tat ist ja Afrika 
im Altertum das Land der Vieh Wirtschaft und Bienenzucht gewesen^. Schon Herodot 
(resp. Hekataios)* gedenkt der Bienenzucht bei den Zyganten, und das punische Wachs 
erfreute sich bekanntlich in der Arzneiwissenschaft eines hohen Rufes ^. ' Bei diesem Ver- 
hältnis der beiden Autoren zu einander wird man sich nicht wundern, wenn Demokrit 
auch in dem Zeitpunkt der Ausübung der Bugonie (zwischen dem längsten Tage und dem 
Aufgang des Sirius, d. h. dem 24. Juni und 26. Juli) mit Mago übereinstimmt, und wenn der 
Karthager als die Primärquelle in der Behandlung dieser Frage ausführlicher gewesen ist 
als Demokrit, insofern als er ein noch einfacheres Verfahren für die Bugonie angegeben 
hat, nämlich das Verscharren frischer Rindermägen mitsamt dem Mist". 

Endlich gehört einer der beiden thasischen Landwirtschaftler, die Cassius Dionysius 
nach Varro (r. r. I i, 3) benutzt hat, Euagon oder Anaxipolis, zu den Autoren, die dem 
Mendesier zur Hand waren. Plinius' erwähnt unter den Weinstockarten die XwneAoc eHPiAKA, 
deren Trauben und Wein gegen Schlangenbiß helfen sollten: apud eosdem (sc. Thasios) 
vitis theriaca vocatur, cuius et vinum et uva contra serpentium ictus medetur (aus Hygin?). 
In Thasos war außerdem der Brauch aufgekommen, besonders heilkräftige Pflanzen, wie 
Hellebores, wilde Gurke und Skammoniawinde, um die Wurzeln des Weinstockes zu ])flanzen, 
um so die Heilwirkungen dieser Pflanzen, vor allem die abführende auf den Wein zu 
übertragen: der Name dieser Weinstöcke war XwneAOc KAeAPTiKH und ♦eöpioc'*. Da es sich in 

' Maoerstedt, Bilder aus der röm. Landw. VI 83. 

' Schon der treffliche Johann Heinrich Voss tritt in seiner Ausgabe von Virgils Georgioa (Altona 1800) 
S. 828 für gegenseitige Benutzung von Mago und Demokrit ein, nur sieht er in Demokrit die PrimärqueHe. 
' Melzer, Geschichte der Karthager I 84. Magerstedt 154. 16 1. 

* Herod. IV 194. Steph. Byz. s. v. ZrrANTic. 
' Plin. n. h. 2i,83f. 30,70. 33, 122. 

• Die beiden Coiumellustellen mit dem Zitat: Democritus et Mago können mic großer Wahrecheinlich- 
keit auf Celsiis zurückgeführt werden. Ceisus aber hatte offenbar die Kompilation des Cassius Dionysius gar 
nicht mehr in Händen, sondern kannte sie nur durch die Epitome des Diophanes von Bithynien: ich scIilieBe 
es daraus, daß das einzige Zitat des C. D. bei C'ol. (VI 37. 3) aus Varro (II i, 27) stammt und daß sein eigenes 
Werk an Umfang (5 B.) dem des Bithyniers (6 B.) nahestand. Also: die Schrift des C. D. übte ihre Herrsrhaft 
nach dein Erscheinen der Epitome wenigstens in der Fachliteratur nur noch durch den Epitomator aus, der 
denn auch sowohl in den Gcoponica wie bei Gargilins Martialis allein zitiert wird. Varro ist also der einzige 
von den uns erhaltenen Landwirtschaftlern, dem sein Werk noch vorgelegen hat. Hygin hat ihn wohl gleich- 
falls noch selbst gelesen, wenigstens spricht das Zitat bei Plin. (11, 40) dafür, wenn es. wie wahrscheinlich, 
auf ihn zurückgeht. Von den griechischen Grammatikern hat ihn sicher Pamphilos benutzt und für seine 
Glossen ausgezogen. Vgl. Ath. XIV 648 e — Hes. s. v. kooth und die übrigen Glossen bei Hesych. Vgl. Rkitzen- 
STEi.v, a. a. O. 58. Wenn sich bei Varro in der Zitierweise ein Unterschied geltend macht, dergestalt, daß 
er bald Mago et Dionysius (II i, 27. III 2, 13), bald Dionysius allein zitiert (1:7, 3f. 38,1), so dürfte d.is 
so zu erklären sein, daß in letzterem Falle die aus den griechischen Autoren entnommenen Zusatzbemerkungen 
gemeint sind, zumal da an der ersten dieser beiden Stellen ganz deutlich Anklänge an den Peripatos zutage 
liegen. Vgl. Schneiders Kommentar zu Varro Script, r. r. I S. 300. Wie das cassianisclie Werk im einzelnen 
angelegt war, wissen wir nicht. Über die Anlage der Epitome dagegen gibt uns ein an versteckter Stelle 
aufbewahrtes Bruchstück Aufschluß, das bisher der Aufmerksamkeit der Forscher entgangen ist. In der 
pseudoplutarchischen Schrift De nobilitatc c. 20 heißt es: Slenander, inquis, Ileracleotes agricolas ipsos unos 
esse reliquias ex stirpe Saturni pi-aedicat, Epigenes Rhodius multis rationibus comprobat antiquiorem multo 
fuisse rem rusticam quam urbanam, Diophanes nobilitatis initiuni ex agiioultura Irahit, in qua qui excellere 
videbantur, pastores esse maluerunt, quasi et ipsi Imperium exercerent in animalia. Vgl. Philo de Jos. 2. 
Das Werk war also doxographisch angeordnet, und zwar wahrscheinlich so, daß über die einzelnen Fragen 
neben den griechischen Autoren Mago selbst regelmäßig zitiert war, eine Anordnung, die in den Exzerpten 
der Geoponica noch deutlich hindurchschimmert, nur daß hier der Gepflogenheit der späteren Zeit ent- 
sprechend die .\utorennainen durch unbestimmte Angaben wie tin^c a^, aaaoi a^, oi a^ ersetzt waren. Ist 
diese Annahme richtig, dann muß die Epitome des Diophanes in der Art der Geoponica aus einzelnen 
Kapiteln bestanden haben. 

' Plin. 14, 117. 

' Plin. 14, iio: sie et elleborum seritur in Thaso (sc. circa radices vitium) aut cucumis Silvester aut 
si'ammonia, quod vinum phthorium vocatur, quoniam abortus facit. Diosc. m. m. V 67. IV 170 8.319, 18. 

Phil.-hist.Abh. 1921. Nr. 4. 4 



26 M. Wellmann: 

beiden Fällen um eine spezifiscli thasische Überlieferung handelt, so ist zu vermuten, daß 
der Bericht des Plinius in letzter Linie aus einem der beiden thasischen Landwirte stammt, 
die denn auch im Autorenverzeichnis zu diesem Buche namentlich aufgeführt werden*. 
Nun wissen wir aber, daß Demokrit die sämtlichen Weinstockarten Griechenlands, die 
zu seiner Zeit bekannt waren, aufgezählt und behandelt hat\ darunter auch die AMneAoc 

eHPIAKH. Vgl. Geop. V 2, 19: eiC HAYOINIAN a6 HACÖN (sc. AMn^ACON) AAHPiTÜJC KAAAIUN H OHPIAKH, 
H AhMÖKPITQC KAI TÖ YTieiNÖN KAI THN KAAAIOINIAN (tÜ VT. KAI TH K. HdsS.) MAPTYPET. ^XEI A^ TÖ 

KAHMA *Ycei AenTÖN KAI ÄceeN^c. Daß er dabei ihre Heilwirkung nicht unerwähnt gelassen 
hat, wird man unbedenklich aus diesen Worten herauslesen dürfen, und zwar um so un- 
bedenklicher, als er, wie wir früher sahen, die Verquickung von Landwirtschaft und 
Medizin dem Gassius Dionysius vermittelt hat: aus ihm wird stammen, was Plinius (n. h. 
23, 14) darüber berichtet. Aus diesem Sachverhalt ergibt sich also der Schluß, daß er 
die thasische Lokalüberlieferung gekannt hat. P'olglich hat er auch die AwneAoc kaoaptikh 
behandelt. Eine Bestätigung dieser Schlußfolgerung erhalten wir auf einem andern Wege, 
der über Dioskurides führt. 

Bekanntlich sind die beiden Hauptquellen der yah iatpiki^ des Anazarbeers das hzo- 
TOMiKÖN des Krateuas und die "Yah Nigers, der gleichfalls zum Teil aus dem Rhizotomen 
geschöpft hat, und zwar hat die Schrift des Krateuas den Stoff für die botanischen Partien 
hergegeben, während die Abschnitte über die Metalle und Steine (B. 5) und über die 
Heilmittel aus dem Tierreich (B. 2, i — 85) in der Hauptsache auf Niger beruhen, wie 
sich daraus ergibt, daß von den neun Bruchstücken desselben (9 — 17 W) nicht weniger 
als vier in diesem Abschnitte wiederkehren. Von diesen beiden Autoren hat sicher der 
ältere, der am Hofe Mithridates des Großen lebte, den Demokrit gekannt und benutzt. 
Den Beweis liefert das achte Bruchstück des Constantinopolitanus des Dioskurides: xpüntai 

A^ A'Y'TH (sc. TH ANAHAAAlAl) KAI GIC TÄC AhMOKPITOY AYNAMeiC'^. GcstÜtzt wird diCS ZcUgUiS 

durch mehrere Stellen der yah iatpikh des Dioskurides, die mit Bruchstücken des Demokrit 
übereinstimmen. Diese Stellen sind folgende: 

1 D. III 34 (45, 9): (hAYÖCMOy) KAI AYrMOYC KAI CM^TOYC KAI XOA^PAN ÜAYEI AYO H TPIA 

KAcoNiA CYN pÖAc öieiAc XYAÖ noGGNTA, Simp. II 5. PÜn. 20, 149: singultus et vomitiones sistit 
(menta) cum suco granati, ut Democritus monstrat. 

2 D. U 142 (211, 15) ÖPOBÄrXH' Ol AG KYNOMÖPION Ol A^ A^ONTA, KYHPIOI AG SYPcTtIN KAAOYCI. 

Geop. II 42 : nepi a^ontoc botänhc, hn kaI öpoBArxHN kaaoycin. Es folgt § 3 ein antipathe- 
tisches Mittel Demokrits gegen dieses Unkraut. 

3 D. II 87 (171,8): ev-ePTHc Ae kai ö eAe<t>Ac riNSTAC BpexÖMeNoc a'^tö (sc. zYeu). Seneca 
Epist. mor. 90, 33: excidit porro vobis eundem Democritum invenisse, quemadmadum 
ebur molliretur. Sim. Sethi i 19, 3. Plut. an vit. ad inf. sufficiat c. 4, 449 e: d)c rAp h kpökh 
TÖ öcTeoN npiei Te<t>*A kai öiei aiäbpoxon reNÖweNON kai tön ga^^anta tu zYeei maaakön renö- 
MeNON KAI XAAÜNTA KÄMnTOYci kaI AI acxhmatizoyci . . . Daß zYeoc Glas erweicht, bezeugt das 
Rezept bei Berthelot, La chimie au moyen äge S. 176 n. 106. Aus derselben Quelle 

D- IV 75 (2 35) 15)- MAAÄCCeiN a6 KAI eA^^ANTA A^TGTAI H PIZA (sC. MANAPATÖPGy) CYNerOWeNH 

A-r-Tu im ÜPAC ei KAI efnAACTON A'Y'TÖN eic ö AN TIC BOYAHefi cxHMA nAPACKCYÄzEiN. Zum Er- 
weichen des Steins bei der Beizung verwandt von Maria nach Berth. Alch. grecs S. 357, 22. 

' Dieselbe tlberlieferung kehrt in den Geoponica wieder: Floren tinos (s. 3 n. Chr.) ist die Quelle (wohl nach 
Demokrit). Vgl. Geop. IV 8. 1—3. 5—8. § 4 über die Kultur der A«neAOC kaoaptikh ist Einschub. Oder. 
Rh. M. 45, 85. 

■' Plin. n. h. 14, 20: genera Vitium numero conprehendi posse unus existimavit Democritus, cuncta sibi 
Graeciae cognita professus. 

' Vgl. Wellmann, Diosc. vol. III S. 146, 5. Am Texte ist nichts zu ändern. Zur Sache vgl. Geop. 
XV I, 31 (Pamphilo.s-Anatolios). Berthelot, Coli. d. anc. alch. gr. S. 66, 9 ff. 



Die Georgika des Demokritos. 27 

Vgl. i6o, 8. Dafür Heliotrop naoh Pap. Holm, h i S. 13. Die letzte Quelle für alle diese 
Notizen sind die bibaoi bacoikaI des Demokrit. 

4 D. I 129 (S. 120, 16): TOYTO A^ (sc. nePC^A A^NAPON) ICTÖPHCÄN TINGC GN rTePCIAI ANAI- 
PETIKÖN gTnAI, MCTATee^N A^ zic AtrYOTON AAAOlUeHNAI KAI EACÖAIMON rENeceAl. ScllOl. Nic. Tll. 764: 

BüAOC AG b AHMOKPiTeioc eN TU) fTepi CY«nAeioN kai XNTinAeÜN FT^pcac «hcin exoNTAC oap' saytoTc 

eANÄCIMON OYTÖN (sC. nePC^AN) OYXeYCAl ^N AfrYnTü) U)C nOAAUN «eAAÖNTWN ANAIPeeHCeCeAl, THN A^ 

(sc. THN ATrynTON) ArAOHN oycan eic toynantIon weTABAAeTN, noificAi xe tö «ytön kaphön tay- 
KYTATON. Vgl. Ps. AHst. TTepi «ytün I 7. Plin. 15, 45. Gal. XII 569. VI 617. Orib. I 581. 

5 D. IV 112 (264, 13): ^NIOI Ae OYTeYOYClN AYTÖN (SC. KYTICOn) OAPA ToTc CMHNeCIN U)C 

^nAKTiKÖN TUN MEAiTTUN. Plin. 1 3, 131: apes quoque numquam defore pabulo contingente 
promittunt Democritus atque Aristomachus, Geop. XV 2, 6: tAeAicoAKÖN xe kai bymbpa kai 

KYTICON HaiCTAI «CAICCCON TPO*aI, tA Te N^A CMHNH nPOCIZÄNGI KYTicü) MAAICTA KAI ATl' A't'TOY AAM- 
BAN€TAI XnONCJTePON. 

6 D. I 87 (82, 19): KATACKEyAzOYCI a6 SnIOI eK T09 HP^MNOY (sc. THC MYPIKHC) KAI KYAIKAC, 
aTc ^ni TÖN CnAHNIKÖN XPÜNTAI. GcOp. XIX 7,6: ^neiAH AAH<t>ÄrON ÖN TÖ ZÖON (sc. 6 CYC) MA- 
AICTA TÖN CnAHNA NOCgT, ANOPAKAC MYPIKINOYC GIC YAü)P AnOCB^CAC HAPAcxe nieTN. KAI ANepünoic 

A^ oTnoc anti to9 Vaatoc eic mypikInoyc Anopakac (1. mypikinac k^aikac) ^MBAHeeic KAI noeeic ee- 
PAneYcer toyto a^ mAaicta Ahmökpitoc MAPTYPeT. Vgl. Cael. Aur. m. ehr. III 4, 61. Col. VII 
10, 8. Scrib. Larg. 132. Plin. 24, 67. Marc. Emp. 23, i. 49. Äiinliches vom Efeu bei 
Plin. 24, 79. 

Es ist sicher kein Zufall, daß eine dieser übereinstimmenden Notizen (5) landwirt- 
schaftlicher Art ist. Der Schluß liegt nahe genug, daß die sonstigen landwirtschaftlichen 
Angaben bei Dioskurides, die mehr oder minder deutlich zusammengehören, auf dieselbe 
Quelle zurückgehen, d. h. auf die feupriKA des Demokrit, wenigstens soweit sie Parallelen 
bei Autoren haben, die nachweislich dieses Werk des Demokrit benutzt haben, also bei 
Varro, Columella (Plinius) und den Geoponika. Es handelt sich dabei um folgende Partien: 

1 D. I 77 (S. 77, 18): eePAncYCi a6 fAiuc tö (k^apinon) ^aaion kai tac ^ni tun TeTPAnoACON 
YÜPAC kaI kynön KAI BouN Anapiküc kataxpiömcnon KAI TOYc trC A'Y'TuN KPÖTUNAC «eeipei nPOCA- 

rÖMGNON KAI tAc tm TH KOYPA TINOM^NAC feAKUJCGIC A'Y'TüJN AHOYAoT. Col. VII I3, 2: Cadcm pCStis 

(sc. Scabies canum) si fuerit vehementior, cedrino liquore aboletur. Vgl. VI 32, i. Geop. 
XVIII 15, 5: ^N M^NToi TH ÄPABi/k TH xpiCGi THC KEAP^AC Apko9ntai (d.h. bei Y(i)PA dcr Schafc), 

U)C KAI ^ni TÜJN KAMHAÜJN KAI ^A€<>AnT(i)N. GcOp. XVIII 1 6, 2 : TIN^C KAI ^NTAYSA (WCnU diC 

Schafe Zecken haben) th KeAP^/k «önh xpöntai. 

2 D. I 8l (S. 79, l8): ^NIOI a6 ICTOPOVcI tön OAOIÖN THC AGYKHC KAI THC AireiPOY tmhb^nta 

eic aetttA Merken kai ^ncoap^nta hpaciaTc KCKonpicM^NAic ^n hanti kaipö mykhtac eAtdAiMOYC 
♦'i'eiN. Geop. XII, 41, i : AtreiPON Ahökoton kai katA thc AnoKonflc toV ct€a^xoyc toy ^ctütoc 
eN TH rfi zymhn yaati aycac ^n xee, kai eYe^uc ^contai 01 mykhtcc AfreipTTAi. 

3 D. II 125 (198, l): ^NIOI A^ tCTOPHKACIN ÖTI, ^An TIC KPI09 K^PATA CYrKÖYAC KATOPYIH, 

♦YeTAi AcnAPAToc. Vgl. Plin. 19, 151. Geop. XII 18, 2: ei a^ boyaci AcnAPAroN roayn nomcAi, 
KPiÖN ArpicüN K^PATA eic AenTA köyac bAac efc tAc opaciAc kai ÄPACYe. tin^c oaci nAPAAOiÖTepoN 
bTi, et ÖAÖKAHPA KPiÖN K^PATA TPHoeiH KAI KATATeeeiH, otcGi AcnAPAPON. Clcm. Rom. Rcc. VIII 25 
(Patr. gr. I 1384 A): alia (sc. animalia oriuntur) ex herbis, ut de ocimo scorpius, et rursus 
herbae ex animalibus, ut ex cornu cervi vel caprae apii et asparagi. 

4 D. II 141 (211, II): ♦yaAccontai a6 Tmec a-t-tö (sc. ujkimon) kai ov'k eceioYCi aia tö ma- 
CHO^N KAI Tee^N ^N haI(j) cküahkac reNNAN. AiBYCC AÖ npocYneiAi^oACiN, ÖTI Ol *ArÖNTec aytö kai 
HAHr^NTec ■t'nö ckophioy XccijcTtoc AiATieeNTAi. Plin. 20, i 19. Geop. XI 28, 3: MAcneeN a^ toyto 

(sc. TÖ ÜKIMOn) KAI ^N HAIü) TCe^N CKOPniOYC fCNNA. mAaICTA A^ TaTc TYNAIIIN 6cTI nOAeMlUTATON, 
TOCA'f'THN ^XUN RPÖC AY'TAc «DYCIKHN ANTinAeeiAN, (i)C etTIC ■Y'nÖ AOnAAA 6yoy Öaöppizon ukimon Yno- 



28 M. W E L L M A N N : 

eeiH XrNOOYCHC tynaiköc, oy' npÖTepoN h rvNff to9 öyoy ayacoai TOAMi^ceie, npiN XpeRNAi tö ü3ki«on. 
Clein. Rom. Rec. a. a. 0. Ael. n. a. VI 20. Gal. VI 640. Vom cicymbpion bezeugt Ähnliches 
Aristoteles nach Antig. Kar. 19 (Rose Frg. 367. Arist. Ps. 337). 

5 D. III 45 (59, 7): «t-ACI A^ TÖN XYAÖN (sC. nHrÄNOY) ^niPPANe^NTA ÖPNI9I XnCP^KeiN TOS'C 

AiAOYPOYC. Antipathie von Raute und Katze. Geop. XIV 4: aIaoypon «h eNoxAeTw nepiciePATc- 

£IC TÄC eYPIAAC KAI SIC TAC GICÖAOYC TOY nePICTGPeÜNOC KAI KATA nAGlÖNCüN TÖnUN AY-TO? KAUnIa 

nHrÄNOY XnöeoY kai kp^macon' exei rÄp tina npöc ta eHPiA ÄNTinAeeiAN tö ni^rANON. Geop. XIV 9, 6: 
^An aö uhtanon Y-nö tac nT^PYrAC tön öpniocün npocAeeem, ol^Te aTaoypoc oyte ÄA(i)nHi o<?Te 

XaAO TI 6HPiON AYETAI AYTÜN ' KAI nOAAÜ MAAAON, SAN GIC THN TPOOHN XOAHN AAUnGKOC fi AIAOYPOY 

ANAOYPACAC Aüc, ü)c ö Ahmökpitoc aiabebaioyta! (~ Pliu. 28, 265). Gcop. XIV 15. Tim. G. 
(Arist. Suppl. S. 112, 17) Fall. I 24, 3. 

6 D. IV 134 (280, 10): noieT a6, kai (sc. tö aaianton) toyc aagktpyönac kai toyc ÖPTYrAC maxi- 

MOYC e?NAI weiTNYMeNON TH TPO*H' OYTC^GTAI Ae ^n' (i-OSAeiA HPOBATUN eN TaTc mAnAPAIC. Pliu. 22,65: 

perdices et gallinaceos pugnaciores fieri putant in cibum eorum additis pecorique esse 
utilissimos. Anaxilaos (Demokrit) bei Psellos Lect. mir. S. 146, 19: ef eoYAei Ae kai aa^ktopa 

NIKHCAI MAXOMENON, aaianton TpItAC tu CYNI^eei BP(i)MATI nAPAwirNYe. 

7 D. V 141 (100, 9): AOKeT Ae kai a^napgci npocTeeeic (sc. Aieoc ceAHNiTHC, ön Tmec 
AOPOc^AriNON eKAAecAN. Vgl. DiELS, Vors. 'II 131, 31) KApnoröNoc eTNAi. Vgl. Geop. X 87, 7: 
V 35, I. Plin. 17, 253. Theophr. h. pl. II 7, 6. 

In den Rahmen dieser landwirtschaftlichen Notizen fügt sich nun die Bemerkung 
des Dioskurides (IV 162 S. 308, 14) über die Kultur der AwneAOc kaoaptikA vortrefflich 
ein: CYM4>YTeYeeic Ae Xwn^AOic (sc. caa^bopoc m^aac) hpöc th pIzh tön ei a'/tun oTnon kaoaptikön 
eprAzeTAi'. Ich denke, dadurch wird die Herleitung dieser Notiz aus Demokrit gesichert, 
um so mehr als sie sich inhaltlich mit Geop. VIII 18 deckt, und unsere Annahme von der 
Benutzung eines der thasischen Landwirtschaftler wird dadurch bestätigt. 

Es ist bisher noch nicht bemerkt worden, daß eine Reihe von Kapiteln der Geoponica 
die Hand eines mit Chemie und chemischen Experimenten vertrauten Landwirtschaftlers 
verraten. Um einige Beispiele anzuführen, so beruht das Verfahren, das zur Prüfung 
(aokimacia) der Dauerliaftigkeit des Weines im Fasse empfohlen wird", auf einer genauen 
Kenntnis der chemischen Veränderungen von Blei, Zinn und Kupfer. Ferner wird bei 
der aokimacia des Essigs auf Wasser die Eigenschaft der Soda, im Wasser zu moussieren, 
als bekannt vorausgesetzt^ und ebenso bei der Untersuchung des Weines auf Wasser 
die Eigenschaft des gebrannten Kalkes, Wasser anzuziehen und dabei zu Pulver zu zer- 
fallen, d. h. sich selbst zu löschen*. 

\ Dieselbe tlberlieferung liegt vor bei Geop. VIII 18, Plin. 14. 110. Catoii4, 115. Vom weißen Helleboros 
etwas Ähnliches bei [Theophr.] h. pl. IX 10, 3, von der Feige Geop. X 51 (^k tun Ahmokpitoy), von der Gurke 
XII 19, 14. 

^ Vgl. Geop. VII 15, 17: eTEPoi tön oTnon aokimäzoycin oytuc- h^taaa tpiaaktyaaTa mmkei kai HAArei 

AnÖ «OAiBAOY fl KACCIT^POY H XAAKOY nOIHCANTeC KAOAPA COÖAPA tu nÜMATI TOY nieOY MeTA KHPOY nPOCKOAAäCI. 
KAI ^niTieeACI ToTc nieOIC TÄ nUMAJA, kai MfTA TeCCAPAKONTA HMePAC ANOirOYCI TOYC nieOYC, KAi San eYPWCIN ANeoc 
eXONTAC TOS'C oTnOYC KAI ÖCMHN rAYKeiAN KaI SYÜAH KAI TA nSTAAA HANTA KAOAPÄ, YriAINeiN NOMJZOYCI TÖN oTnON ' 
^AN A6 TI M^AAH nÄCXSlN, eYPHCSIC TÖ neTAAON TOY MOAIBAOY ABYKAINÖMeNON KaI ACniAAC fe'xON YlMYeOeiACIC ' ^AN 
KACCJTePOC H, KAI M^AAH TPeneCOAl Ö oTnOC, eVPHCeiC lAPÖTA eN TU KACCIT^Pü) rlNÖWGNON MeAANA KaI TÖN lAPÜTA Ö£YN 
ÖNTA- dÄN Ae XAAKOYN H^TÖ OeTAAON, KAI MHAeN nÄCXH Ö oTnOC, SYPHCelC AYTÖ KASAPÖN KAI AAMOPÖN, oIoN KAI 

^neT^eH- ^An a^^ nAPAKiNeicGAi «saan ö oInoc, eYPHceic tö h^taadn aycöaec kai noM<t>ÖAYrAC exoN. 

Geop. VIII 40: ÖiOYC AOKIMACIA, 61 YACOP CXer NITPON eiC TÖ ÖIOC BAAe, KAI ikn CÖC Z^ON OIAHCH. YAATOC 

AYTÖ «xeiN NOMize. Vgl. Ilippol. Ref. IV ^t, S. 59, 14. Rhabanus Maur. de univ. XVII 2: acetum quippe si 
mittatur in nitrum, fervescit nitriim protinus et ebuUit. Ganschiniejz, a. a. 0. S. 49. 

Geop. VII 8,6: TiNec aä th AeroMeNH titanü), toyt^cti z(üch Acb^cto, ^niBÄAAOYCi toy oi'noy- kan w^n 
Vaü)P gxH b oiNoc, AiAxv'cei THN ACBecTON" ei Ae KAOAPÖc ecTi, nHiei THN TiTANON. Vgl. DiELs. Zeitschrift für 
vergleichende Sprachforschung Bd. 47 S. 203. 



Die Georgika des Demokritos. 29 

Daß diesen chemischen Experimenten ein höheres Alter zukommt, beweist wieder 
Plinius, der das erste von ihtien kurz erwähnt (14, 130): in Vitium inclinantis (sc. vini) 
experimentum est lamnae plumbeae mutatus in eo colos. Daraus folgt, daß sie aus Diophanes 
(Cass. D.) entlehnt sind, dem also als Quelle ein Autor vorgelegen hat, der mit derartigen 
Dingen vertraut war. Über den Namen dieses Vermittlers wird man kaum im Zweifel 
sein können, besonders wenn man bedenkt, daß Demokrit, soviel wir wissen, der einzige 
Landwirtschaftler gewesen ist, der nebenher auch chemische Interessen hatte, und daß 
er in seinen Ba«ikä ein Teilgebiet der antiken Chemie aufgearbeitet hat. 

Zieht man nun die Überreste der chemischen Literatur der Alten, wie sie uns in dem 
Papyrus Leidensis und Holmiensis vorliegen, zur Vergleichung heran, so springt zunächst 
eine merkwürdige formale Übereinstimmung in die Augen. Mit richtigem Blick hat der 
verdiente Herausgeber des Holmiensis, Lagercrantz', erkannt, daß die Überschriften der 
in diesen Papyri erhaltenen chemischen Rezepte jünger sind, daß aber die Einleitungen 
dieser Rezepte in der Urquelle (Demokrit, wie ich glaube beweisen zu können) gestanden 
und ursprünglich als Überschriften gedient haben. Ausfuhrlich hat er die verschiedenen 
Typen dieser Überschriften behandelt, dabei aber übersehen, daß einer derselben (Infinitiv 
nebst Zubehör, bisweilen mit vorgesetztem üjctg oder uc AeT) in dem Corpus der Geoponica 
häufig wiederkehrt". Diese Übereinstimmung kann kein Spiel desi Zufalls sein, sie weist 
vielmehr auf einen irgendwie gearteten Zusammenhang beider Schriften. Nun lehrt uns 
der Papyrus Londinensis 121 (3. Jahrhundert n. Chr.), den Kenyon in den Greek Pap. in 
the Br. Mus. I 89 herausgegeben und Diels in den Vorsokratikern (II 132) wieder abgedruckt 
hat, daß diese schematische Form der Überschriften von Bolos Demokritos in seinen 
IlAirNiA^ verwandt worden ist. Man vergleiche: tA xaakÄ xpycä noificAi «AiNeceAi. uiön ömoion 
«HAU) reN^ceAi. «ÄreiPON mh a^nacoai ThtN hypAn XnAyai. »ArÖNTA cköpaa mh özgin. tpayn Mhue 
noAAÄ AAAeTN «HTe ooaaA niNeiN usw. Also kommen wir mit diesen Überschriften in die 
hellenistische Zeit, und es ist kein Zweifel, daß Demokrit auch hiei-in das Ur- und Vor- 
bild der griechischen Landwirtschaftler gewesen ist. 

Aus dem Londoner Papyrus lernen wir aber noch ein Zweites. Das siebente nAirNioN 
hat folgenden Wortlaut: yyxpA TPÜroNTA KATAKAieceAi' ckIaaan eic yaup xaiapön bp^iac aöc 
A^Tö NiYAceAi. AYCic (wohl AYceic) ^AAiü). Dics Scherzexperiment, das sich aus der kausti- 
schen Wirkung der Meerzwiebel* erklärt, ist in eine eigentümliche Form gekleidet: neben 
dem Zauberkunststück steht zugleich ein Mittel, das die Zauberwirkung aufzuheben (aycic, 
AYceic) vermag. Dies cxhma hat der Mendesier in die Zauberliteratur eingefiihrt: wir be- 
gegnen ihm überall da, wo Benutzung Demokrits nachweisbar ist. Vgl. Plin. n. h. 29, 59: 
tradunt 3/oy« (aus Apion-Demokrit) iocinere muris dato porcis in fico sequi dantcm id animal, 
in homine quoque similiter valere, sed resolvi cyatho olei poto. Neptun. 57 (aus Demokrit): 

AIAOYPOY TÖ KPAnIon ^ÄN (»OaInI}) XPICHC, ^AYTÖN AlAXPHCeTAI. AYCeiC A^ A'r'TÖN, eAN HMtAnDY XYAÖN 

' Paj)yrus üraecus Holmiensis, bearbeitet von 0. Laoercrantz (Üpsala-Leipzig) S. 121 f. 128. 

' Vgl. Geop. VII9: oTnon Änö Vaatoc xupIcai. t6: oTnon Apxömenon öiizeiN eePAneYCAi. 17: oTnon aia 

OAAÄTTHC nePAlOYMENON MÖNWON eTnaI. 20 : oTnON eYOCMON KAI HAYN nOIHCAI. 21: oTnON AEYKÖN M^AANA nOifiCAI. 

22: oTnon aiayph noificAi. 25: oTnon XNeoc «h ^xsin. X 14: KATÄrPAOTA nePciKÄ noificAi. 47.60. — VII 11: ücre 

YnÖ BPONTtüN KAI XCTPAnÖN WH TP^neCSAI TO'i'C OINOYC. X I5: ÜCTE TA AUPAKINA ^PYGPA nOIHCAI. 30 : ioCTE f>OIÄC 

MH XAINEIN. Über die Papyri vgl. Laoercrantz .S. 125 f. 

' Die TTAirNiA Demokrits waren natürlich eine besondere Schrift, ein Zauberhüchlein nach Art der 
Magia naturalis des Mittelalters. V'gl. Ganschinietz, a.a.O. 19!. Diese Literaturgattung setzt schon im 3. Jahr- 
hundert V. Chr. ein mit den TTai'nia (resp. 'GpuTonAirNiA ;') einer Lesbierin 8alpe. Ihre Hauptvertreter sind 
außer Bolos noch Mnaseas, Lävius, Anaxilaos. Von dem Inhalt dieser Bücher gibt die aus arabischer Über- 
lieferung stammende Schrift eines Schülers des Albertus Magnus De mii-abilibus mundi eine klare Vorstellung ; 
außerdem die Kapitel des Hippolytos gegen die Magier iu s. Ref. IV 28 ff. 

* V'gl. I'lin. 19,93. Diosc. m. m. II 171. Gal. XII 125. Ganschinietz, a. a. O. 45. 



30 M. W E L L M A N N : 

gniBpdiHc. Neptun. 67: kyun MANhiceTAi kai XnoeNHCKei -Vainhc cieATi xpiceeic- Avceic ae ean 
(ei cod!) Xct.0AdA0Y xYAÖN xpicHc. Kenn. Trism. Koir. S. 99, 19. 119,9 (Mely). Bithys bei 
Plin. 28,82. Ps. Gal. XIV 487. Wenn wir nun in den Geoponica (XVII 5, 3 ~ XIX 5, 4) 
gleichfalls ein in dieser Art gehaltenes Zaubermittel lesen, so -werden wir um so weniger 
Bedenken tragen es dem Mendesier zuzuweisen, als die Schlußbemerkung, daß das Mittel 
bei Tier und Mensch gleich wirksam sei, echt demokriteisch ist*: ei a^ 01 taypoi npöc 

TI^N ÖxeiAN BPAA^NOYCI, KAYCAC eAAOOY O-f-PÄN KAI CYAAGKiCAC otNÜ) TE «YPÄCAC ÄAei*e TÖ AIAOToN 
KAI TOYC ÖPXeiC T09 TAYPOY, KAI OlCTPHCei e'r'e^tüC. TOYTO A^ OY'K eni TUN TAYPION MONON ÄAAA KAI 

im TUN ÄAAUN zü)UN KAI 601 ANepunoY T^NOiTAN. AYCic AG oicTPHceuc gAAioN xpice^N^ Aber da- 
mit ist die Ausbeute, die uns die Demokriteischen ÜAirNiA für die Geoponica gestatten, 
noch nicht erschöpft. Zu dem vierten nAirNiON: «apönta cköpaa «h özgin- pizac ccytady 
önTHCAC «Are stellt sich inhaltlich Geop. XII 30, 9: tin^c a^ «acin- änocma a'y'tA (sc. cköpaa) 
riNGTAi, ^AN eni th BPtbcei (iwÖN kyamon ^niMAChicAiTÖ TIC. Formell aber stimmt es in auf- 
fallender Weise mit Geop. VII 30: oTnon hinonta mh özcin. Tpin Tputadaytin aiamAchcai. Dies 
kleine Stück klingt wirklich wie ein nAirNioN des Mendesiers, auf den die j:rwähnung der 
troglodytischen Iris, die ich sonst in der Fachliteratur nicht nachweisen kann, führt. Als 
Quelle figuriert in dem Autorenlemma: to9 a*to9, d. h. Africanus. Die.se Angabe stimmt 
zu dem Charakter seiner fecopriKÄ und wird gestützt durch das Zeugnis der Geoponica 
(V45,2): <t>Aci Ol nepi Ahmökpiton kai 'Aopikanön. Dann ist er der Vermittler für die ver- 
sprengten Reste der demokriteischen TTAirNiA in den Geoponica. Zu ihnen gehört noch 
der Anfang des folgenden Kapitels der Geoponica (VII 31,1): oTnon noAYN oinonta mh we- 

eYCKGCeAl' HNEYMONA AtrCION ÖütAcAC GCeiC, H AM~rTAAAA RIKPA NHCTIC «Are £ H Z fi KpAmBHN (iMHN 

npoeceie, kai cy <«h> MceYceAcH^, verglichen mit nAirN. 9: hoaaA niNONTA mh MeoYeiN' xoipeToN 
RNC^MONA önThicAc <t>Are. Freilich ist bei Demokrit von einer Schweineleber die Rede; aber 
das beweist nichts gegen die Abhängigkeit, da Plinius (n. h. 28, 263 aus Anaxilaos-Demokrit) 
dafür Zeuge ist, dal3 ihm beide Mittel bekannt waren: ebrietatem arcet pulmo apri aut suis 
assus ieiunis in cibo sumptus eo die, item haedinus. 

Kehren wir zu den chemischen Kapiteln zurück, so sind auch in ihnen Anklänge 
an die Papyri in der Ausdrucksweise und in der Behandlung des Stoffes ganz unver- 
kennbar. So erinnert das Kapitel über die AinAucic des Essigs (VIII 41: ücTe AinAACiAcAi 
TÖ öioc) lebhaft an die Partien der Papyri, wo die quantitative Veränderung der Edel- 
metalle behandelt wird (Leid. I 30 f. 11 21. Holm, a 36 S. 4), wobei besonders die Über- 
einstimmung in der Terminologie (acAmoy AinAucic) in die Augen springt. Aber auch das 
Verfahren ist in beiden Fällen dasselbe: es besteht darin, die Maße durch den Zusatz 
von weniger wertvollen Surrogaten zu vermehren. Als Surrogate dienen in den Geoponica 
Meerwasser, Gerste mit Salz und Feigensaft. Vgl. Geop. VIII 24, 2 (aus anderer Quelle). 
Die Verwendung des Feigensaftes bei der Herstellung von Essig kennt Plinius (14, 102 
vgl, 23,117: aceti natviram habet fici sucus). Ausfuhrlich handelt darüber Columella 
(XII 17 aus Diophanes-Celsus), der ebenso wie die Geoponica (VIII 41, 3 tincc) von einigen 

' Vgl. Geop. XIX 7, 6. Col. r. r. VI 28. 

' Africanus scheint der Vermittler zu sein: ihm lagen derartige magische aus Demokrit geschöpfte 
Mittel. Etwas Ähnliches hat uns von ihm der cod. Cant. der Hippiatrica fol. 67 (Lond. fol. 22'^) aufbewahrt: 

TOY AYTOY (sc. "'A»PIKAN0Y) nePI CYAAHYeCOC reNÖN. kai OYTCOCi MEN TA reNH «DIACKPIGHCeTAI KATÄ *YCIN. reNNHGHCCTAI 

AÄ TexNiKÖc (-ÖC codd.) APPeN «en, (et) inixpiceic tö möpion toy YnnoY aimati AArojOY kaI tamicu (tA meccü codd.) 
ö ^cti nYiiA (niTYTA codd.) AAruoY NeorNOY, eftAY as, ei ctsati XHNeiu ama Phtinh TepeeiNeiNH eiAc {is iic codd.) 
ftMGPßN TPiöN t6 thc SHAeiAC YnnoY AIA0T0N Ynoxpiceic kai tu Ynnu eic öxeIan YnocTHceic. Vgl. die Afrikanos- 
exzerpte bei Psellos (Westermann, Parad. S. 144). Liebre'cht, Zur Volkskunde 440 A. 

' Der folgende Paragraph stammt offenbar aus einer anderen Quelle; daiier heißt es zu Anfang noch 
einmal oyk An a^ MeeYceeih ö niNUN. Die Quelle ist Didymos, wie sich aus der magischen Verwendung des 
Homerverses (9 170) ergibt. Vgl. X 87,6. Oder Rh. Mus. 45, 220. 



Die Georgika des Demokritos. 31 

Autoren zu berichten weiß, die ihn mit einem Zusatz von Wasser zur Vermehrung des 
Essigs zu verwenden ptlegten: sunt qui multitudini (sc. aceti) studentes aquam ficis per- 
misceant et subinde maturissimas ficus recentes adiciant et patiantur in eo iure tabescere, 
donec satis acris aceti sapor fiat. Damit ist die Zeit der Quelle bestimmt: sie liegt jen- 
seits des I. Jahrhunderts v. Chr. (Diophanes-Cassius Dionysius). Die Vermutung drängt 
sich von selbst auf, daß der Autor (tin^c, sunt qui)' identisch ist mit der Urquelle der 
chemischen Papyri, d. h. mit Demokrit. Mit dieser Vermutung steht im Einklang, daß in 
der Kapitelübersclirift der Geoponica Demokrit als Quelle genannt wird. Wir wissen ja 
jetzt durch die eindringenden Arbeiten Bolls", daß diese Autorenlemmata nicht bewußt 
gefälsclit sind, wie E. Oder seinerzeit angenommen hatte, sondern zum Teil wenigstens 
auf gute, alte Überlieferung zurückgehen. Ob freilich das ganze Kapitel aus Demokrit 
stammt, ist eine Frage, die sich mit unseren Mitteln nicht entscheiden läßt. Ich ver- 
mute deshalb, daß der Lemmatist seinen Namen an Stelle der tin^c im dritten Paragraphen 
nocli in irgendeinem Texte (vielleicht Anatolios) vorgefunden und irrtümlicherweise auf 
das ganze Kapitel übertragen hat. 

V. LippMAsx^ hat mit Recht darauf aufmerksam gemacht, daß der Chemiker, der in 
unseren beiden Papyri zu Worte kommt, es mit seinen Anweisungen zur Erzeugung von 
Edelmetallen und kostbaren Perlen keineswegs auf Betrug abgesehen hat, da er ja seinen 
Zweck, Vortäuschung echter Ware durch unechte, offen eingesteht. Vgl. Pap. Leid. V 14: 
XAAKOY xPYC0OAN09c noiHcic. VI 2 5 : iücTe «AiNeceAi tA xaakÄ xpycä. Das ist aber auch 
die Art, wie Demokrit sich zu dieser Kunst stellt. Vgl. oAirN. i : ta xaakä xpycä noificAi 
♦ AiNEceAi. Die gleiche Absicht tritt in einem Kapitel der Geoponica (VII 24, besonders 2. 3) 
zutage, in dem Kniffe und Kunstgriffe mitgeteilt werden, um jungem Wein das Ansehen 
von altem (nAAAiooANeTc) zu geben, deren verblüffende Wirkung mit den Worten gerühmt 
wird: kai AÖieic gTnai tön oTnon ^tön a^ka. Die Vorschriften (Verwendung von aromatischen 

' Es ist sicher, daß sich hinter den tin^c, Xaaoi a^, £nioi der Geoponica häufig genug Demokrit verbirgt. 
Ich vermag hierfür drei Stellen als Beleg zu geben. 

Geop. XII8, 5: Col. Xl3,64: 

TiNCC A^, ÜTAN KAMRAi noAAAJ fici, tynaTka kasaipo- sed Democritus in eo libro qui graece inscribitur TTePi 

M^NHN eicÄroYciN €10 t6n KHnoN, ANYnÖACTON, AYcirPiXA, ÄNTinAGÜN affiriiiat lias ipsas bestiolas (sc. erucas) ene- 
gN wÖNON ÄNAEAYM^NHN iwÄTiON, KAI «HAeN AAAo öAoc caii, si muüer (juae in menstniis est solutis crinibus et 
ifxoYCAN, «HTe nePizcüMA MHTe fe'xePÖN Tl. nudo pede unamquamque aream ter circumeat . . . 

Geop. II 30,3: Ihn al-A\vain II 324: 

€nioi a^ öioyc XrreiON nAHPüCANTec kaI nwwACAN- Democrates dit . . . . que si on enfouit dans le milieu 

T€C ^N M^C(j) Tie^ACi TUN KPieöN (ücTE AiAM^NeiN TAC (sc. du magasiu ii orge), une jarre pleine de vinaigre, 
KPieÄCKAi YricIc^N Tofc&peioiC^YAATTeceAi). Plin. 18, 308 l'orge sera preservee de toute avarie (ans Junius, d.h. 
(sunt «jui). .\natolios, vgl. S. 324 oben). 

Geop. II 10, 3: Ibn al-Awam I 35: 

AAAOi AÄ ov'K XPKO'i'MeNOi TH THC ÖYewc KPicEi KAI Pamii Ics choses qu'a ecrites Diiinocrite, on trouve ce 

THN iK rcYCctoc AOKiA\AciAN ^lEYPON ToiAYTHN. ckAyan- qui suit: Ics caractei'es de la terre bonne pour la plan- 
Tec €10 BÄeoc ^KefeeN ti tho rfic XNAcnwci, kai Xnö tation se reconnaissent ainsi : on creuse une Ibsse . . . 
«^N Tfio öo<>PHce(oc THN kaaaIüj aokimazoycin. oyk ou prcnd de la terre du fond, on la met dans un vase 
APK€ce^NT€C A^ TOYTO) TÖ TPÖHü) ^MBAAÖNTeo AYTHN de vcrrc, ou versc dcssus de l'eau . . . on mani^iuie cette 
€10 0K€YO0 KAI KATAX^ANTEC HÖTiMON YAooP kaI TH tcrrc pour la möler ä l'eati. On laisse le depot se faire, 
re'i'oei thn nefpAN hapaaiaöacin • öno?ON rk? Xn t6 yaup et l'eau se clarifier, puis on la goiite et on la flaire tout 
rif re'T'cei «anA «ex/k thn MXIn, toia'jth kai nVin ^ctai. ä la fois. Si Todeur trouvee est bonne, la terre Test aussi; 

si au contraire eile est salce, c'est l'indice de la sterilite 
du sol etc. Aus Junius (Anatolios), vgl. S. 34. Die Anlage 
des Werkes des Anatolios war demnach dieselbe wie die 
des Diophanes, nach Kapiteln geordnet, mit Textzitaten. 
- Griech. Kalender, Sitzungsber. d. Heid. Ak. 1911, 13 f. Fehrle a. a. O. 25. 

' Chemiker-Zeitung 1917 (über chemische Papyri des 3. Jahrhunderts n.Chr.) S. 3f. Anders urteilt 
DiEis, Antike Technik 148. Er vergißt dabei, daß es auch schon im Altertum marktschreierische Reklame 
gegeben hat. 



32 M. Wellmann: 

Pflanzen und Scherben von einem Tongefäß, in dem alter Wein aufbewahrt war) sind 
durchaus auf den Ton gestimmt, der uns aus den Papyri entgegenklingt. Und wie dort 
Anweisungen zur Prüfung (aokimacia) der echten Metalle erhalten sind', so lesen wir hier 
Vorschriften über die aokimacia des Bodens", die !Pi;üfung von Wein, Essig und Most', 
von denen die ersteren zum Teil wenigstens, wie wir früher sahen, aus der Feder des 
Mendesiers stammen. In den auf die Baumzucht und den Gartenbau bezüglichen Büchern 
der Georgica (B. lo. n) wird eine Reihe von Spielereien mit zum Teil chemischem 
Einschlag mitgeteilt, die auf das lebhafteste an die zahlreichen Goldschriftrezepte der 
chemischen Papyri erinnern. So werden Anweisungen gegeben zur Färbung von Früchten 
und Blumen*, wobei Zinnober und Schwefel Verwendung finden, zur Herstellung von 
Aufschriften auf Früchten und Eiern ^; daneben stehen Vorschriften über die Verwandlung 
voii hellem Wein in dunklen, ein echtes Magierstückchen'', über die quantitative Ver- 
änderung des Weins", über die Gewinnung von durchsichtigem Wein**, über die Ver- 
wandlung von Wein in Essig* usw. Daß derartige Spielereien und Scherzexperimente 
von Demokrit behandelt worden sind, würde man nach der ganzen auf das Monströse 
gerichteten Art seiner Schriftstellerei ohne weiteres annehmen, auch wenn es nicht von 
Ibn al-Awam bezeugt würde'". Und wem dieser Araber nicht glaubwürdig genug erscheint, 
den verweise ich auf das sicher einwandfreie Zeugnis der TTAirNiA Demokrits, deren zweites 
also lautet: wön ömoion mi^au reNeceAi' z^cac tö uön xpTe kpöku mciiac wer' oTnoy. Dazu stellt 
sich ein ähnliches Kunststück in den Geoponica (XIV lo), Eier mit einer beliebigen Auf- 
schrift zu versehen", das darauf hinausläuft, die mit einer Mischung von Galläpfeln, 
Alaun und Essig auf die Schale des Eies aufgetragenen Schriftzeichen durch Einlegen 
in Salzlauge und Kochen auf die Haut des Eies zu übertragen. Als Quelle nennt der 
Lemmatist Africanus. Das ist sicher gute, alte Tradition; denn es steht im Einklang 
mit dem, was Psellos'' über den Inhalt seiner feupriKÄ (KecToi) berichtet. Da nun der 
chemische Charakter und der ganze Tenor dieses Scherzexperimentes auf Demokrit weist, 
so leuchtet ein, daß er diese demokritischen Spielereien an die späteren Landwirtschaftler 
weitergegeben hat, wie er ja auch für die beiden Papyri der Vermittler der demokri- 
tischen Chemie gewesen ist''. 

Die Folgerungen, die sich aus der vorhergehenden Untersuchung für Demokrit er- 
geben haben, lassen sich auf einem andern Wege noch weiter stützen. Zu den Vor- 

' PL7, i2f. : XPYCOY aokimacIa, Äpr-i-pov aokimacIa und 5,37: KACcirepON rNWNAi ei agaöacütai. 
'■* Geop. II 10, 3 f. 

' Geop. VIII 40: öioYC AOKiMACiA, 61 YACüP exEi. VII 8 : nepi aokimaciac oinoy kaI rAGYKOYC, ei YACüP fxei. 
Ahmokpi'toy. vi 17: TAevKoc ei yaup e'xei tnönai. 

* Färbung von Pfirsichen Geop. X 15 (mit dem Lemma AhmokpJtoy), von Äpfeln X 19, von Rosen 
XI 18, 13, von Lilien XI 20, i f. 

' Pfir.-,iehe X 14 (Ahmokrtoy), Feigen X 47 (Ahmokpjtoy), Mandeln X 60 (AhmckpItoy), Eier XIV 10 
(A*pikanoy). 

" Geop. VII 21 (Graeci nach Palladius XI 14, 10). 
' Geop. VII 23. 

* Geop. VII 22. 
" Geop. VIII 33. 

'" Vgl. Ibn al-Awam I 391 (Färbung von Zitronatzitronen) ~ Geop. X 76, 7. Awam I 602 (Gewinnung 
von Weintrauben ohne Kerne) ~ Geop. IV 7, i. PalL III 29, i. Colum. de arb. 9.3 (daraus Plin. 17, 162). 
Theophr. c. pl. V 5, i. 

" Dies Zauberstikkchen hat sich mit vielen anderen Scherzen dieser Art in die mittelalterliche Magie- 
meratur fortgepflanzt. Vgl. Wiegleb, Die natürliche Magie (1779) S. 249, Porta, Magia naturalis (Hanoviae 1644) 
B. 16 S. 5 [ 2. 

'-^ Vgl. Westermann, Parad. S. 145,5: KATArPAnTA ae ^pyopötata nePciKÄ rJNeTAi, ei KATArPÄYeTAi Tic 
TÖN ^rKeiweNON th hypInh kaphön ~ Geop. X 14, Parad. S. 146, 25. 
" Vgl. Lagercrantz a. a. O. 106. 



Die Georgika des Demokritos. 3H 

scliriften über die Färbung von Blumen gehört die Von den Geop. (XI 20, i) mitgeteilte 
Anweisung, Lilien purpurn zu färben. Das Verfahren besteht darin, daß man die Zwie- 
beln vor dem Pflanzen in die Hefe von dunklem Wein legt, bis sie vollständig gerötet 
sind, und beim Pflanzen noch einmal mit der Hefe übergießt. Dasselbe Experiment wird 
von Plinius (21, 26) ausführlich besprochen, wahrscheinlich nach Hygin, der Kunststücke 
dieser Art mit Vorliebe aufzuzeichnen pflegte'. Man vergleiche: 

Plin. Geop. 

inventa est in his (sc. liliis) et ratio in- et e^Aeic kpIna noPOYPÄ noiRcAi, otan anghch 

serendi monstrificis hominum ingeniis. col- aabun Än'AYTÖN toyc kayaoyc cynahcon ana agka 
ligantur namque mense Julio scapi are- fi aüagka kai kp^macon yrsp KAnNO?" aniaci täp 
scentis lilii atque suspendimtur in fumo; ^k tun kayaön pizia mikpä üc boabia. otan o?n 
dein nudantibus se nodulis in faece nigri kaipöc h toy oytsyein, gMBpeioN eic TP'frA oTnoy 
vini vel graeci mense Martio macerantur, ut mgaanoc toyc kayaoyc, euc an aicaönti coi *anh 
colorem percipiant, atque ita in scrobiculis nop*YPÄ kai bgbamm^na kaaöc. eTe' oytcoc oy- 
seruntur heminis faecis circumfusis. sie fiunt tgycon, npocnAPAx^UN eKAcTu thc tpyfiac tö ap- 
purpurea lilia, mirumque tingui aliquid, ut ko9n, kai oytcj ta i-i A-fTcoN riNÖweNA ANeHcei nop- 
nascatur infectum. oypä. 

Dieser Einklang der beiden voneinander unabhängigen Berichte gestattet uns, die letzte 
Quelle vor der Zeit des Cassius Dionysius (Diophanes)' zu suchen. Auf Demokrit führen 
die einleitenden Worte des Plinius : inventa est in his et ratio inserendi monstrificis ho- 
minum ingeniis. In der Tat war die Schriftstellerei des Bolos vielfach auf das Monströse 
gerichtet. 

Mit Geop. XIV 10 endlich hängen ihrem Inhalte nach die Kapitel 14. 47. 60 des zehnten 
Buches auf das engste zusammen (katatpaota hcpcikä, cyka, Xmytaaaa noificAi). Jline Parallele 
zu ihnen gibt es nur bei Palladius ^11 15, 13), d. h. bei Gargilius Martialis^, dem wir das 
wichtige Zeugnis verdanken, daß diese Spielereien von einem griechischen Autor herrühren: 
Graeci adserunt nasci amygdala scripta, si aperta testa nucleum sanum toUas et in eo 
quodlibet scribas et iterum luto et porcino stercore involutum re})onas. Vgl. Pall.Xll7,3. 
Die Graeci werden von Palladius in seiner Schrift an 28 Stellen als Gewährsmänner er- 
wähnt: ihre Vermittler sind die Quintilier\ aus denen Gargilius Mart. seine Kenntnis der 
griechischen Landwirtschaftler geschöpft hat. Wer sich hinter den Graeci verbirgt, ist 
zunächst nicht abzusehen. Mit Sicherheit läßt sich nur soviel sagen, daß an 4 Stellen 
Demokrit damit gemeint ist '. Dafür spricht aber der Inhalt für ihn, zumal das entsprechende 
Kapitel der Geoponica nach Psellos bei Westebmann a. a. 0. S. 145,5: KATÄrpAnTA a6 

' Vgl. Stadler, a. a. O. S. 8. 

* Vgl. VVf.i.lmann, Herrn. 43 S. 28. 
' Vgl. Hermes, a. a. O. S. l ff. 

* Abgesehen von Diophanes, der indirekt benutzt ist, sind die Quintilier die einzigen griechischen Land 
Wirtschaftler, die G. M. an 6 Stellen nennt. Für Palladius folgt ihre Benutzung aus V^H 9 ('^ Geop. II 15). 
Hier wird nach den Graeci über ein Prognostikon zur Erkennung des für die Aussaat brauchbaren Samens 
berichtet, in dem der Aufgang des Sirius eine Rolle spielt. Nach einer Zusatzbemerkung der gemeinsamen 
(,)iielle des Palladius und der Geop. wird dieser Aufgang auf den 19. Juli fixiei't. Das ist aber der Ansatz 
1!' I- Quintilier nach Aetios (aus Didymos?) in dem meteorologischen Kapitel s. Tetrabiblou (III 164). Vgl. 
lloLL, a. a. O. 31. 24. Übrigens ist die Angabe <les Pall., daß das Prognostikon ägyptischen Ursprungs sei, ein 
deutlicher Fingerzeig für die Urquelle. Derartige Prognostika sind häufig bei Demokrit: vgl. Plin. 25, 50. 30, 83. 
Herrn. Koir. 64, 22 (Mely). Tim. G. 26. Vgl. Ps.-Theophr. IX 12, i. 

* Diese 4 Stellen sind folgende: IV 11,6 — ^ Demokrit nach Col. V^I 28. Geop. XVII 6, 2. Pall. 111 24, i 
(I 34, 4) — Dem. bei Geop. V 44, 6. Plin. 17, 62. Pall. III 29, i — Geop. IV 7, i. Demokrit nach Awam I 602. 
Pall. I 6, 9 ^ — Geop. IX 4.6. Demokrit nach Awam I 208. Übrigens lassen sich an 8 weiteren Stellen (Pall. II 15, 13. 
III 2^. VII 9. VIII 5. XII 1,3. XII 7,3. XII 10. XII 21) die Graeci mit Wahrscheinlichkeit auf Demokrit 
zurückführen. 

Phil.-hist.Abh. 1921. Nr. 4. 5 



34 M. Wellmann: 

^PYepÖTATA nepciKA riNeTAL ei KATArpÄreTAi Tic tön erKeiweNON th hypinh kaphön (~ Geop. X 14) 
höchstwahrscheinlich aus Africanus stammt. Ist es bei diesem Sachverhalt wirklich bloßer 
Zufall, daß alle drei Kapitel den Autornamen AhmokpItoy in der Überschrift haben? 

Ich denke, wir sind nunmehr hinlänglich gerüstet, um eine weitere Frage beant- 
worten zu können, die immer noch der endgültigen Lösung harrt, wie Cato sich in seiner 
Schrift De agricultura zu der landwirtschaftlichen Fachliteratur der hellenistischen Zeit 
gestellt hat. Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte der wackere Andreas Schottius 
in seiner Ausgabe des Cornelius Nepos (Frankfurt a. M. 1608, vit. Cat. 3, i) die Vermutung 
ausgesprochen, daß er seinem Werke griechische Quellen zugrunde gelegt habe: exstant- 
que eins rei rusticae libri, quos e graecis fontibus hausit, quam tarnen nationem initio 
cane peius et angue oderat. Die Frage ruhte dann lange, bis sie im Jahre 1903 von Paul 
Reuter in seiner Dissertation De Catonis de agricultura libri vestigiis apud graecos von 
neuem angeschnitten wurde. Sein Resultat, daß Cato an einzelnen Stellen (besonders in 
den längeren Kap. 156. 157 de brassica Pythagorea) die griechische Literatur berücksichtigt 
habe, wurde von Leo in seiner Geschichte der römischen Literatur S. 270 abgelehnt. Das 
ist der augenblickliche Stand der Frage. Prüfen wir sie von neuem. 

Nach dem Zeugnis Ciceros (de senect. 39) hatte Cato als jung«r Mensch im Jahre 209 
in dem Hause seines Gastfreundes, des Nearchos aus Tarent, die jungpythagoreischen 
Lehren des Archytas kennengelernt: accipite enim, optimi adulescentes, veterem orationem 
Archytae Tarentini, magni in primis et praeclari viri, quae mihi tradita est, cum essem 
adulescens Tarenti cum Q. Maximo: nuUam capitaliorem pestem quam voluptatem corporis 
hominibus dicebat a natura datam etc. An der Glaubwürdigkeit dieses Berichtes zu zweifeln, 
liegt kein Anlaß vor, trotz der Bedenken Zellers'; er bestätigt, was wir schon lange 
wissen, daß der Pythagoreismus niemals erloschen ist, sondern auch während des 3. und 
2. Jahrhunderts v. Chr. in den griechischen Pflanzstädten Unteritaliens und in Alexandreia 
fortbestanden hat. Die Lehre dieser Schule mit .ihrer ausgebildeten Ethik und ihrer 
asketischen Lebensweise, ihrer Pflege des Volkstümlichen und ihrem merkwürdigen Aber- 
glauben mußte auf den Römer von altem Schrot und Korn, dem die moralische Tüchtig- 
keit des Menschen am höchsten stand, einen tiefen Eindruck machen, und es ist durchaus 
glaublich, daß seine Empfänglichkeit für diese Lehren ihn zur Beschäftigung mit der 
Literatur dieser Schule veranlaßt hat. Es fragt sich, ob sich Spuren davon in seinem 
literarischen Nachlaß nachweisen lassen. 

Nach Plinius (n. h. 29, 15) war Cato im Besitze eines commentarius, d. h. eines 
Exzerptenbuches medizinisch-pharmakologischen Inhaltes, das er bei Erkrankungen seiner 
Kinder, Sklaven und sonstigen Hausgenossen zu Rate zu ziehen ptlegte. Ein Exzerpten- 
bucli setzt aber immer Lektüre auf dessen Seite voraus, der exzerpiert, in unserm Falle 
Catos, und da es zu seiner Zeit noch keine medizinische Literatur bei den Römern gab, 
so kommen nur griechische Bücher über Pharmakologie (Botanik) in Betracht. Als Frucht 
dieser Lektüre dürfen wir unbedenklich die beiden Kapitel 156. 157 seines Wirtschafts- 
buches (über die Kohlarten und deren arzneiliche Wirkung) ansprechen, in denen Reuther 
(2 2 f.) merkwürdige Übereinstimmungen mit einer Schrift (TTepi aaxänun?) des Arztes Mnesi- 
theos von Kyzikos' aufgedeckt hat. Aber seine Vermutung, daß dieser kyzikenische Arzt 
die Quelle sei, kann ich nicht für richtig halten, und zwar aus dem einfachen Grunde, 
weil der Bericht Catos mancherlei enthält, was wir bei dem griechischen Arzte vergebens 
suchen. Dazu vermisse ich den Beweis dafür, daß Mnesitheos die Kohlarten beschrieben 



' Gesch. d. Phil. III 24 S. 98. 

^ Vgl. ürib. I 278 f. Nicht erwiesen und unerweisbar ist die Vermutung Reuthers (S. 41), daß der 
Kyzikener Mn. der Vater des Atheners gewesen sei. Ich halte ihn für jünger. 



Die Georgika des Deinokritos. 



35 



hat. Und doch stammt diese Beschreibung bei Cato aus derselben Quelle. Von ihr haben 
wir auszugehen, wenn wir den Namen der Quelle eruieren wollen. Sie liegt uns in drei 
Brechungen vor, bei Cato (c. 157), Plinius (h. n. 20, 79) und Theophrast (h. pl. VII 4,4, 
vgl. Athen. EK 370a). Man vergleiche: 



Cato. 

prima est levis quae nomina- 
tur: ea est grandis, latis foliis, 
caule magno, validam habet na- 
turam et vim magnam habet, 
altera est crispa, apiaca quae 
vocatur: haec est natura et 
aspectu bona, ad curationem 
validier est ((uam quae supra 
scripta est. et item est tertia, 
(juae lenis(?) vocatur, minutis 
caulibus, tenera et acerrima 
omnium est istarum, tenui suco 
veheinentissima. 



Plin. 
in tres species divisere eam 
Graeci antiquissimi : crispam, 
quam selinada vocaverunt a si- 
militudine apii foliorum, sto- 
macho utilem, alvum modice 
moUientem ; alteram levem, latis 
foliise caule exeuntibus, unde 
caulodem quidam vocavere, 
nullius in medicina momenti. 
tertia est proprie appellata cram- 
be, tenuioribus foliis et simpli- 
cibus densissimisque, amarior, 
sed efficacissima. 



Theophr. 

THC A^ ^A*ÄNOY TPIXH Al- 
AIPOyweNHC, OYAOcKYAAOY TS 
KAI AeiO<t>YAAOY KAI TPITHC 

THC Arpuc, (h appIa) TÖ M^N 

<t>YAAON i£xei AeTON, MIKPÖN 

A^ KAI nepi4iep^c, hoa^kaa- 

AOC KAI nOA^^YAAOC, ^Tl A^ 
XYAÖN eXOYCA APIM-i'N KAI <t>AP- 
MAKUAH, Al' Ö KAI nPÖC TAC 
KOIAIAC AYTÜ XPÜJNTAI 0\ lA- 
TPOI ... TÖ a' OAON H Of ah 
THC AeiAC eYXYAOT^PA KAI 
werAAOOYAAOT^PA. 



Wie man sieht, stimmen die drei Autoren in der Unterscheidung von drei Arten über- 
ein, nur der Name der dritten Art (I»a«anoc XtpIa Th., crambe proprie appellata PI., lenis 
Cato) fällt bei Cato aus dem Rahmen dieser Übereinstimmung heraus, so daß die Annahme 
eines Textesschadens unabweislich ist. In der Tat erscheint bei Plinius (19, 136) in dem 
Exzerpt aus unserer Stelle das anstößige lenis nicht als Pflanzenname, sondern als Be- 
standteil der Beschreibung: genera eins facit (sc. Cato) extentis foliis, caule magno, al- 
teram crispo folio, quam aj)iacam vocant, tertiam minutis caulibus, lenem, teneram 
minimeque probat. Da nun aber in der Beschreibung Catos diese Art durch irgendein 
charakteristisches Beiwort (brassica erratica Cato 157, 12. silvestris sive erraticae . . . effectus 
laudat Cato Plin. 20, 92) von den andern Arten unterschieden gewesen sein muß, so glaube 
ich, daß der Text in folgender Weise zu verbessern ist: et item est tertia, quae silvestris 
vocatur, minutis caulibus, lenis, tenera'. Die Filiation aber scheint mir die zu sein, daß 
Cato und Plinius zusammengehören, d. h. aus einer gemeinsamen Quelle schöpfen (den 
Graeci antiquissimi des Plinius) und daß der Gewährsmann dieser Quelle von Theophrast 
zu Rate gezogen worden ist. Wer sind nun die Graeci antiquissimi? Die Antwort gibt 
Plinius selbst (20, 78): brassicae laudes longum e.st exsequi, cum et Chrysippus medicus 
privatim voluraen ei dicaverit per singula membra hominis digestum et Dieuches, ante 
omnes autem Pythagoras, d. h. der pythagoreische Verfasser der Schrift de effectu her- 
barum (Pythagoras. Kleemporos), die Plinius in der Tat für das älteste botanisch-phar- 
makologische Werk der Griechen hielt". Vgl. Plin. 21, 109: Theophrastus et fere Graeci 
princepsque Pythagoras. 25, 13: ab eo (sc. Homero) Pythagoras clarus sapientia primus 
Volumen de effectu earum composuit. Man versteht jetzt die Überschrift des catonischen 



' Den Anlaß zu dieser Ver(lerbni.s mag der Ausfall von lenis (hinter caulibus leicht möglich) gegeben 
haben, das, an den Rand verschlagen, das urspr. silvestris in der Folgezeit verdrängte. 

■'' Demetrius Magnes, der Zeitgenosse Ciceros, kennt die Fälschung bereits in seinem Homonymenver- 
zeichnis bei L. D. VIII 47. Ihr magischer F.insrhlag weist sie nach Ägypten. Vgl. Plin. 20, loi, 192. 24.116. i56f. 
Charakteristisch fiir sie ist, daß die meisten Pflanzen auf göttlichen Ursprung zurückgeführt werden (Hermes, 
der Zwölfgötterverband, Paion, Asklepios, Herakles, Cheiron, Athena, Artemis, Apollon; vgl. Plin. 25, 13). Das 
Göttersystem, das ihr zugrunde liegt, ist griechisch und frei von orientalisch-ägyptischen Zutaten, daher darf sie 
nicht allzu spät angesetzt werden. Ihre Tendenz ist Förderung des Vegetarianismus. Vgl. Meyer, a. a. 0. I 276. 



36 M. Wellmann : 

Kapitels 157: de brassica pythagorea. Der Bericht Catos über die Heilwirkungen der 
brassica stammt natürlicli aus derselben Quelle'. Die Übereinstimmung mit Mnesitheos 
erklärt sich am einfachsten so, daß die Vorlage Catos (Pythagoras) und der Kyzikener 
aus derselben Quelle (wie ja auch Theophrast) geschöpft haben. Diese letzte Quelle wird 
Chrysippos (nepi aaxänun) gewesen sein, der zuerst die universelle Wirkung dieses G-emüses 
erkannt hat (volumen per singula membra hominis digestum ei dicavit) und der sicher bei 
Cato an einer Stelle vorliegt. Vgl. Plin. 20,93 ™it Cato 157, 14. Erwähnung verdient 
noch, daß in dem Berichte Catos mancherlei an die uns noch erhaltenen Bruchstücke der 
pythagoreischen Fälschung anklingt, z. B. an das von Ps.-Galen (XIV 567 f) aufbewahrte 
Bruclistück über die Heilwirkungen des Meerzwiebelessigs : bei beiden spielt die Vorschrift 
eine bedeutsame Rolle, das Medikament früh morgens auf nüchternen Magen einzunehmen^, 
und beiden ist das Streben gemeinsam, die Zahl der Heilwirkungen der verschiedenen 
Gemüse ins Unglaubliche zu steigern*. 

Ist es demnach in hohem Grade wahrscheinlich, daß Cato das auf den Namen des 
Pythagoras gefälschte, zum Teil magische Schriftchen FTepi botanun AYNÄMeuc in Händen 
gehabt hat, so werden wir ihm unbedenklich ein weiteres Kapitel der Catonischen Schrift 
(159) zuweisen, in dem die Anweisung gegeben wird, bei Wanderungen ein Stück Beifuß 
mit auf den Weg zu nehmen zum Schutz gegen das Wundwerden der Haut zwischen 
den Hinterbacken (intertrigo-nAPATPiMMATA), ein echt magisches Mittel, das in der späteren 
botanisch-pharmakologischen Literatur häufig wiederkehrt, so bei Krateuas-Niger (Diosc. 
simpl. I 220 mit *aci eingeleitet, Plin. 26, 150), Ps. Apul. de herb. med. c. 100,4 und 
im Carmen de herbis 3, 30. Vgl. Heim, Incant. magica 554. Es ist nun sehr merkwürdig, 
daß Bolos Demokritos dies Sympathiemittel in seinem Sympathiebuche und seinen HAirNiA 
gleichfalls gebucht hat. Vgl. Psellos bei Westermann, Parad. 146, 24 (aus Anaxilaos- 
Demokrit): kai nezfi baaizun O'y' noNeceic aptemician taTc xepci kat^xcün monökaunon. Plin. 25, 130 
(aus den Magi, d. h. Apion-Demokrit) : artemisiam quoque secum habentibus negant nocere 
mala medicamenta aut bestiam uUam, ne solem quidem. Dasselbe Verhältnis des Bolos 
zu dieser Weisheit des pythagoreischen Botanikers liegt noch an einer zweiten Stelle 
Catos zutage. In dem Kap. 156, i ist die Rede davon, daß der Genuß der brassica vor 
der Mahlzeit vor Trunkenheit schützt und nach derselben den Rausch vertreibt. Dies 
Paradoxon, das offenbar in Anknüpfung an den Glauben an die Antipathie von Kohl und 
Weinstock* entstanden ist, hat schon einen griechischen Arzt des 4. Jahrhunderts Androkydes' 
beschäftigt und gehört gleichfalls (durch Vermittelung des Krateuas-Niger) zu dem eisernen 
Bestände der späteren botanisch-pharmakologischen Literatur''. Daß Deraokrit es gekannt 
hat, erhellt aus den Geop. VII 31, i, einem Stücke, das wir, wie man sich erinnern wird, 
auf ihn zurückgeführt haben: oTnon noAVN oinonta mh MeevcKeceAi . . . kpämbhn (jjmhn npcdceie. 
Sollte es zu gewagt sein, hieraus den Schluß zu ziehen, daß Bolos das pseudopytha- 
goreische Büchlein gleichfalls gekannt habe? 

Im übrigen ist die Schrift Catos merkwürdig nach Form und Inhalt". Die Einkleidung 
der teils ausführlich, teils aphoristisch gehaltenen Vorschriften ist die des griechischen 

' Was in den Geoponica (XII 17, 2 — 15) darüber mitgeteilt wird, geht auf Plinius (20, 8of.) zurück. Der 
Vermittler ist Apiileius. Reuther S. 44 hat das Verhältnis verkannt. Aus den Geoponica .schöpft wieder der Verfasser 
der Ps.-Galen ischen Euporista (XIV 574), hei dem sich auch sonst Benutzung der (ieoponica nachweisen läßt. 

* Gal., a. a. (). 568, 5: ök to-t-toy aöc nhctikö (so ist zu lesen) npcoi mikp6n KATAPPotefN. 568,15. €310157,6: 
hanc mane e.sse oportet ieiunum. Gal. 568,8. 12. Mnesitheos bei Orib. I 279,5. n- 

' Plin. 19, 94, wo es von Pythagoras heißt: colligens medicas vires, 20, 185 f., ähnlich von Chrysipp 20, 78. 

* Theophr. c. pl. 1118,4. Plin. 20, 84. 92. 17,239. Geop. XII 17, 21. 
" V'gl. Theophr. h. pl. IV 16,6. Corssen, Rh. Mus. 67 S. 244 f. 

•"' Vgl. Reuther, a. a. O. S. 36, wo das Material ziemlich vollständig zusammengetragen 

' Leo, Gesch. d. röm. Lit. S. 270. 



ist 



Die Georgika des Demokritos. 37 

Lehrbuches (2. Person). Sie erinnert am meisten an die der Geoponica: die Übereinstimmung 
mit den technischen Schriften Xenophons ('"InnAPXiKöc, TTepi inniKfic), die Leo zur Vergleichung 
heranzieht, ist zufällig: sie erklärt sich aus dem BegrifiFe des Lehrbuches. Der Inhalt 
ist zum größten Teil echt römisch und aus eigener Erfahrung geschöpft, zum Teil aber 
griechisch, wie die vielfachen Übereinstimmungen mit der griechischen Fachliteratur 
lehren'. Was am meisten an seiner Schrift auffällt, ist, daß in ihr Dinge behandelt 
werden, die an und für sich nicht das geringste mit der Landwirtschaft zu tun haben: 
ich meine damit die Verquickung der Landwirtschaft mit Medizin, Kochkunst und Zauberei". 
Das hatte, wie wii- sahen, schon Varro (r. r. I 2, 28) gerügt und die Griechen, d. h. 
Demokrit dafür verantwortlich gemacht (I 2, 13). Aber noch eine andere Eigentümlichkeit 
verknüpft die catonische Schrift mit dem Mendesier. Ich habe früher darauf aufmerk- 
sam gemacht, daß es seit Demokrit in der landwirtschaftlichen, chemischen und Zauber- 
literatur Brauch war, den Stoff nach einzelnen inhaltlich abgeschlossenen, teils kürzeren, 
teils längereu Kapiteln zu ordnen, deren einleitende Worte häufig die Stelle der Über- 
schrift versahen, und daß dafür feste, konventionelle Typen von ihm geschaffen waren, 
zu denen unter anderen auch die Verwendung des Infinitivs mit oder ohne ücre und 
u)c AeT gehörte. Es ist nun in hohem Grade beachtenswert, daß sich bei Cato dieselbe 
Art der Stoff behandlung findet und daß dieselben Typen der Überschrift bei ihm wieder- 
kehi'en. Vgl. Cat. 110: odorem deteriorem demere vino. 1 1 5 : vinum ad alvum movendam 
concinnare. 122: vinum concinnare, si lotium difficilius transibit. 127: ad dyspepsiam 
et stranguriam mederi. 128: habitationem delutare. — 94: fici uti grosses teneant. 103: 
boves uti valeant et curati bene sint. 116: lentim quomodo servari oporteat. 72: boves 
ne pedes subterant. 90: convolvulus in vinea ne siet. 96: oves ne scabrae fiant. Bei 
dieser Sachlage darf nicht ohne Wahrsclieinlichkeit angenommen werden, daß die Schrift 
Catos in formeller Beziehung unter dem Einfluß des Mendesiers gestanden hat. 

Was den Inhalt anlangt, so ist die Übereinstimmung mit den Geoponica in einer 
Reihe von Kapiteln notorisch. Reuther a. a. O. hat mehrere dieser Stellen geprüft und 
die Übereinstimmung zum Teil mit Recht darauf zurückgeführt, daß durch Vermittelung 
des Celsus-Apuleius catonisches Gut in das Corpus der Landwirtschaftler gelangt ist. 
Aber daneben finden sich Stellen, für welche diese Erklärung nicht ausreicht. Sie bedürfen 
der Besprechung. 

Kap. 36 behandelt Cato in kurzer Fassung die verschiedenen Düngerstoffarten, die 
festen aus dem Tierreich und von den flüssigen den ülschaum: quae segetem stercorent. 
stercus columbinum spargere oportet in pratum vel in hortum vel in segetem. caprinum, 
ovillum, bubulum, item ceterum stercus omne sedulo conservato. amurcam spargas vel 
iuriges ad arbores: circum capita (i. e. radices, k€«aaAc Aristoteles)' maiora amphoras, ad 
minora urnas cum acjuae dimidio addito, ablaqueato prius non alte. Über diese für den 
Landwirt wichtige Frage nach dem Wert der Düngerstoff'e liegen uns mehrere Berichte 
vor, die uns in den Stand setzen, Cato genau zu kontrollieren. Der Peripatos (Theo- 
phrast)* hatte .sich in dieser Frage an einen älteren Landwirt des 4. Jahrhunderts ange- 

' Ich verweise hierfür auf die ganz vortrefflichen Zusammenstellungen in der Ausgabe der Scriptores 
rei rusticae von Jo. Gottlob Schneider Saxo. Eine kritische Neuausgabe mit der gesamten Parallelüberlieferung 
ist sehr erwünscht. 

' Bekanntlich hat Wessf.lv in den Wiener Studien (1898 S. 139) auf Grund dieses Tatbestandes die 
Vei-mutung ausgesprochen, daß ihm ein Zauberbuch in der Qualität der uns erhaltenen Zauberpapyri vorgelegen 
habe. Diese Vermutung enthält ein Körnchen Wahrheit. 

' Mit I{echt sieht Reuther S. 49f. in diesem Gebrauch von caput (ke^aaih) '~ radix eine Reminiszenz 
an griechische Tenninologie. 

' Vgl. Thcophr. h. pl. II 7, 4. 



38 ' M. Wkllmann: 

schlössen, Chartodras von Paros\ der neben Apollodor von Lemnos und Leophanes zu 
den Hauptquellen des Aristoteles und Theophrast für landwirtschaftliche Dinge gehörte. 
Die Ansicht dieses Landwirtes kommt in folgender nach dem Wert der tierischen Ab- 
gänge geordneten Zusammenstellung zum Ausdruck: Mensch, Schwein, Ziege, Schaf, Rind 
und AÖ4>0YP0i, d. h. Pferd und Esel. Gegen diese Aufstellung hat ein Landwirtschaftler 
der hellenistischen Zeit Front gemacht, dessen Lehre ihren Niederschlag in dem maß- 
gebenden Werke des Cassius Dionysius gefunden hat. Vgl. Varro r. r. 138,1 f.: stercus 
Optimum scribit esse Cassius (also nach griechischer Quelle, nicht nach Mago, vgl. S. 25 A. 6) 
volucrium praeter palustrium ac nantium. de hisce praestare columbinum, (juod sit cali- 
dissimum ac fermentare possit terram . . . Cassius secundum columbinum scribit esse hominis, 
t«rtio caprinum et oyiilum et asininum, minime bonum equinum. Dieselben Düngerarten unter- 
scheiden Columella (II 14, i f.) und die Geoponica (II 2i,4f.), und zwar im wesentlichen in 
derselben Reihenfolge, so daß dieselbe Quelle deutlich durchschimmert, während bei Plinius 
(n. h. 17, 51 f.)^ der Versuch gemacht ist, die Ansicht des Cassius D., Columella und Varro 
mit der Theophrasts (Schweinemist an dritter Stelle) zu vereinigen. Bei dem hellenisti- 
schen Landwirt haben wir also folgende Reihenfolger Taube, Mensch, Ziege, Schaf, Esel, 
Rind und Pferd. Das Charakteristische seiner Ansicht ist, daß er dem Taubenmist den Vor- 
zug gibt vor allen Arten und den Schweinemist verwirft, tls leuchtet ein, daß Cato dieser 
Quelle folgt, wenn er folgende Reihenfolge aufstellt: Taube, Ziege, Schaf und Rind und 
den Schweinemist unerwähnt läßt. Daß in der griechischen Quelle im Anschluß an die 
tierischen Düngerstoffe über die Verwendung des ölschaums (amurca, amöpth) als Dünger- 
mittel gehandelt war, ergibt sich daraus, daß Cato und Columella (II 14, 3. Vgl. Varro I 55,7) 
im weiteren Verlauf ihrer Erörterung auf ihn zu sprechen kommen, ohne daß zwischen 
beiden eine engere Beziehung bestünde. Vgl. Col. a. a. 0. : potest et vetus amurca, quae salem 
non habet, permista huic (sc. stercori et urinae hominis) commode frugiferas arbores et 
praecipue oleas rigare; nam per se quoque adhibita multum iuvat. Man sieht, die An- 
weisungen Coluraellas sind allgemeiner Art, wobei Beachtung verdient, daß er in Über- 
einstimmung mit den von ihm unabhängigen Geoponica (IX 10, i f.) nur den ungesalzenen, 
mit Menschenurin (resp. Kot) verdünnten Ölschaum empfiehlt; die Catonischen dagegen be- 
ziehen sich auf seine Verwendung bei der Düngung der Ölbäume und werden merkwürdiger- 
weise c. 93 noch einmal wiederholt, allerdings mit einer wesentlichen Abweichung in den 
Maßangaben (nach c. 36 eine Amphora für größere, eine Urne für kleinere Bäume, nach 
c. 93 eine Urna für größere und für kleinere nach dem Verhältnis zu jenen). Ganz 
dasselbe Schwanken in den Maßangaben kehrt bei Columella an zwei Stellen Avieder 
(XI 2, 21 = C. 36. V9, i6~C. 93), ein schlagender Beweis für seine Abhängigkeit von ihm, 
nur hat er dabei die Angaben der griechischen Quelle über die Zusammensetzung des 
Ölschaums berücksichtigt. Vgl. Reuther S. 13 f. 

Wichtiger ist ein weiteres Kapitel Catos (7 2) : boves ne pedes subterant, priusquam 
in viam quoquam ages, pice liquida cornua infima unguito. Die Worte besagen, daß 
man die Hufen der Ochsen, bevor sie angeschirrt werden, mit Teer bestreichen soll, um 
ihr Durchreiben zu verhindernd Offenbar dieselbe Anweisung lesen wir in einer Inter- 



' Vgl. Oder bei Susemihl I832A. 11. Bei Aristoteles (Pol. I 1 1 p. 1258 b, 39) ist natürlich Xaptöapa für 
das überlieferte Xäphtiah zu lesen. 

^ Vgl. Münzer, Beiträge zur Quellenkritik des Pliniüs S. 3if. 

Aus ihm haben Plin. (28, 266) geschöpft: non subteri pedes boum, si prius cornua inia pice liquida 
perunguantur und Garg. Marl, (curae boum S. 310, 24 L): boves si pedes adtriverint, prinsquam in viam mittas, 
pice liquida cornua perunguito. 



Die Georgika des Demokritos. 39 

polation der aristotelischen Tiergeschichte (VIII 7,595b, 13)* und bei Plinius^, der sie aus 
landwirtschaftlicher Überlieferung kennt, allerdings mit der wichtigen Abweichung, daß 
nicht die Füße, sondern die Hörner einzureiben sind. Daß diese Fassung die ursprüng- 
liche ist, beweisen die Parallelen bei Columella^, Plutarch* und den Geoponica\ Die 
richtige Erklärung, die natürlich auf Sympathie hinausläuft, gibt der Scholiast, zu Homer 
N 705: Ol Ae CYMnÄcxeiN oaci toTc noci ta «ePAiA th AiATÄcei tun ng^pun' aiö werÄ tön käma- 
TON AAei*eiN AeT a'y'ta khpu P ^aaiu (h niccH, d)c Apictot^ahc ohcin. Es leuchtet ein, daß Cato 
den sympathetischen Charakter dieser Anweisung verkannt und daß er sie dem Autor ent- 
lehnt hat, dem die Interpolation bei Aristoteles ihren Ursprung verdankt. Wer war dieser 
Autor? Ein griechischer Landwirtschaftler aus nacharistotelisclier Zeit mit sympathetischen 
Neigungen, der, wie die Übereinstimmung von Columella und den Geoponica beweist, schon 
von Diophanes (Cass. Dion.) benutzt worden ist. Auf Demokrit würde man raten, auch 
wenn er nicht in dem Autorenlemma des Geoponicakapitels ausdrücklich als Quelle ge- 
nannt wäre. Damit ist aber zugleich die Quelle aufgedeckt, aus der der Interpolator der 
aristotelischen Tiergeschichte sein Wissen geschöpft hat". 

Kap. III' wird von ihm zu der Frage, wie man Wein auf Zusatz von Wasser prüfen 
kann (agkimacIa to9 oTnoy), folgendes Experiment angeführt: 'Gießt man in ein aus Efeu- 
holz gefertigtes Gefäß Wein, der mit Wasser versetzt ist, so fließt der Wein durch dessen 
Poren, das Wasser aber bleibt zurück.' Diesem Experiment liegt die richtige Beobachtung 
zugrunde, daß poröse Körper für Flüssigkeiten durchlässig sind. Das Efeuholz ist aber be- 
kanntlich so porös, daß es zum Filtrieren von Flüssigkeiten verwandt werden kann. Freilich 
ob das Experiment der Wirklichkeit entspricht, ist eine Frage, die ich im Augenblick 
nicht zu entscheiden vermag. Porta in seiner Magia naturalis S. 581 bestreitet es und nimmt 
die gegenteilige Wirkung an: Abfließen des Wassers und Zurückbleiben des Weins. Doch 
sei dem, wie ihm wolle, jedenfalls fugt es sich aufs beste in den Rahmen der in den 
Geoponica (VII 8) zu demselben Zwecke mitgeteilten Experimente, von denen das fünfte und 
sechste nach meiner früheren Beweisführung sicher aus Demokrit stammen". 

Vom Kaiser Gallienus wird in seiner Vita** berichtet, er habe der Welt gezeigt, wie 
man den Most das ganze Jahr hindurch ungegoren erhalten könne: mustum quem ad 
modum toto anno haberetur docuit. In Wirklichkeit war dies Verfahren schon lange 
vor ihm bekannt. Kein geringerer als Cato (c. 120) hat dazu folgende Anweisung gegeben: 
mustum si voles totum annum habere, in amphoram mustum indito et corticem oppicato, 
demittito in piscinam. post dies XXX eximito. totum annum mustum erit. Der Knall- 



' Aristoteles: ta a^ k^pata tön n^con (sc. boön) xaiainömena tö KHPeJ XreTAi (»aaiuc, b'noY an Tic ^e^AH • 

KAI TOYC nÖAAC a' StTON AArOYClN, AN TIC TA K^PATA ÄAei*H KHPÖ fl ninHI fl ^AAIU. 

' Plin. n. h. 11,127: boum attntis ungulis coriiua unguendo ai-vina medentiir agricolae adeoque sequax 
natura est, ut in ipsis viventium corporibus ferventi cera flectantur etc. 

' Colum. VI 15, 2: subtriti pedes eluuntur celefacta bubula urina .... ac pice liquida cum oleo vel 
axungia cornua eius linuntur. 

* Plut. de sera num. vind. 16, 5S9E: kaoöaoy a' einelN, ücnep ^n (atpikh tö xphcimon kai ai'kaiön ^cti, 
KAI reAoioc ö «ackun a&ikon eTnai tön icxIon noNorNTUN kaein tön äntixeipa, kai toy Mhatoc VnoYAOY reroNÖTOc 
Xm+cccin TÖ ^nirÄCTPiON, kaI tön boön, Xn cic tAc xhaAc «aaakiöci, npoAAei*eiN (hpocaa. Hdss.) ta äkpa tön 

KCPATWN . . . 

' Geop. XVII9: b6ac äppazom^noyc «h kooiän. Ahmokpi'toy. ^aaion kai TepeeiNeiNHN (vgl. XVII 24,2: 
PhtInh fl niCCH YTPÄ) 4yhcac xpTe tä k^pata. 

' Dafür spricLt eine ganze Reihe von diesen Interpolationen. Die Frage bedarf einer Untersuchung. 
' Die einzige Parallele, die uns die Literatur iiietet bei Plin. 16, 155, stammt wohl zweifellos aus Cato. 

* Es handelt sich um die §§ 6 und 7. Das Kapitel hat in der Überschrift den Autornamen AhmckpItoy. 
Möglich, daß sich das I^mma nur auf diese beiden Paragraphen bezieht; doch vergesse man nicht, was die 
Papyri lehren, daß er derartige Dinge sehr ausführlich besprochen hat. 

' Script, bist. aug. n. 23 c. 16. 



40 M. Well mann: 

effekt besteht also darin, daß man den Most der Kälte aussetzt, um dadurch die Gärung 
zu verhindern. Obwohl man nun dem Römer Unrecht tun würde, wenn man glauben 
wollte, er sei eines derartigen Einfalles nicht fähig gewesen, so vermag ich ihm doch 
nicht im vorliegenden Falle die Urheberschaft zuzuschreiben. Keine der uns erhaltenen 
Parallelen scheint mir einen solchen Schluß zu rechtfertigen. Vielmehr weisen die bei 
Columella (XII 29) und den Geoponica (VI 16, i. 2. 5) vorliegenden Berichte auf eine 
griechische Quelle. Ihre Selbständigkeit dem Cato gegenüber wird dadurch gewähr- 
leistet, daß sie abgesehen von Abweichungen im einzelnen (nach den G. soll man das 
Gefäß mit einem Felle verschließen und nach Col. soll es 40 Tage lang im Wasser bleiben) 
den Grund des Verfahrens angeben resp. andeuten. So heißt es bei den G: ^^lA rAp tö 
MH ANAz^CAi ecTAi AiA HANTÖc TAeYKOC und bei Col.: tunc in piscinam frigidae et dulcis 
aquae totam amphoram mergito, ita ne qua pars exstet. Daß aber diese Begründung 
in der gemeinsamen Quelle (Diophanes) gestanden hat, folgt aus dem Berichte des Plinius 
(14, 83), in dem dies Verfahren ausdrücklich den Griechen zugeschrieben wird: medium 
inter dulcia vinumque est quod Graeci aigleucos vocant, hoc est semper mustum. id 
evenit cura, quoniam fervere prohibetur — sie appellant musti in vina transitum — ; ergo 
mergunt e lacu protinus aqua cados, donec bruma transeat et consuetudo fiat algendi 
(aus Hygin)*. Somit gewinnen wir als Quelle Catos einen griechischen experimente- 
freudigen Landwirtschaftler, der zugleich von Cassius Dion. (Col. Geop.) und Hygin (Plin.) 
benutzt worden ist. 

Etwas anders liegt das Verhältnis bei Cato Kap. 116, wo eine Anweisung gegeben 
Avird, Linsen vor dem Verderben zu bewahren, insofern als die entsprechenden Berichte 
bei Plinius (18, 308) und den Geoponica (II 37, i) höchstwahrscheinlich in letzter Linie 
aus Cato stammen. Zieht man dagegen den Bericht Columellas (II 10, 16) zur Vergleichung 
heran, so gewinnt man durch seine größere Reichhaltigkeit und Geschlossenheit den 
Eindruck, als habe er den Originalbericht erhalten. Man vergleiche: 
Cato. Col. 

lentim quo modo servari oporteat. laser- ea (sc. lens) ne curculionibus absumatur . . . 

picium aceto diluito, permisceto lentim aceto curandum erit, ut, cum extrita sit, in aquam 
läserpiciato et ponito in sole. postea lentim demittatur et ab inani, quae protinus innatat, 
oleo perfricato, sinito arescat. ita integra separetur solida; tum in sole siccetur etradice 
servabitur recte. silphii trita cum aceto aspergatur defricetur- 

que (oleo) atque ita rursus in sole siccata 

et mox refrigerata recondatur, si maior est 

modus, in horreo; si minor, in vasis oleariis 

salsamentariisque. 

Wie man sieht, fehlt bei Cato die Vorschrift, die Linsen anfangs in Wasser zu legen 

und dabei die obenauf schwimmende leichtere Masse abzuschöpfen sowie die Angaben 

über den Ort der Aufbewahrung. Ich halte demnach eine Herleitung des Berichtes 

Columellas aus ihm für unmöglich. Vielmehr werden wir durch ihn wieder auf einen 

griechischen Autor geführt, der Cato sowohl wie Columella (d. h. Cass. Dion. -Diophanes 

oder Hygin) vorgelegen hat. Zum Namen dieses experimentell und sympathetisch gerichteten 

Landwirtschaftlers verhilft uns Cato durch sein -Kapitel 1 1 4 über den oTnoc KAeAPTiKÖc 

oder feAAEBOPiTHC. Er berichtet hier, daß man Abführwein dadurch gewinnen könne, daß 

man schwarzen Nießwurz, dessen Wurzel den Alten als das stärkste Abfülirmittel galt, 

um die Wurzeln des Weinstockes pflanzt. Nun haben wir früher dargelegt, daß dies 

' Vgl. Rkutheh S. iiff. 



Die Georgika des Demokritos. 41 

Verfahren auf Thasos aufgekommen war und daß Demokrit es in seinen FecopriKÄ behandelt 
hatte, wie Dioskurides m. m. IV 162 {308, 14) beweist. Mithin ist die Abhängigkeit 
Catos von ihm außer Frage. Man vergleiche: 

Cato. Diosk. 

veratri atri radices contundito in pila, eas CYM^Yieveeic a6 amh^aoic (sc. gaa^bopoc 

radices dato circum vitem et stercus vetus mgaac) npöc th pizh tön i-E aytün oTnon kasap- 

et cinerem veterem et duas partes terrae tikön ^prÄzeTAi. Geop. VIII 18 scheint aus 

circumdato radices vitis . . . sine periculo Cato zu stammen. Vgl. Reuther a. a. 0. 5 f. 
(sc. hoc vinum) alvum movebit. 

Zum Schluß noch ein Wort über Catos Kap. 102, das unser Resultat zu bestätigen 
geeignet ist. Wenn ein Stück Vieh von einer Schlange gebissen ist, so empfiehlt er 
entweder Schwarzkümmel (weAÄNeioN) zu innerem Gebrauch oder einen Umschlag von 
Schweinefett: si bovem aut aliam quamvis quadrupedem serptns momorderit, melanthi 
acetabulum, quod medici vocant zmurnaeum', conterito in vini veteris hemina. id per 
nares indito et ad ipsum morsum stercus suillum adponito. et idem hoc, si usus venerit, 
liomini facito". Die beiden Mittel sind echte Sympathiemittel: ihre Wirkung erklärt sich 
aus der warmen o^cic des Schwarzkümmels' und des Schweines*, die ihnen die Kraft 
verleiht, die durch das Schlangengift hervorgerufene Abkühlung des Blutes zu hemmen. 
Beide Mittel kehren in den Geoponica (XV'III 17, 7 und XVI 20, i) wieder, wie es scheint, 
in Abhängigkeit von einer griechischen Quelle. Wichtig ist die Schlußbemerkung bei 
Cato: et idem hoc, si usus venerit, homini facito. So kann nur ein Autor sprechen, der 
Menschen- und Tierarzt in einer Person ist. Das war aber Demokrit. Und daß er 
tatsächlich derartige Bemerkungen in seine Rezepte aufgenommen hat, wird erwiesen 
durch Geop. XIX 7,6: ^nei/^H XamoApon 6n tö zuon (sc. Ö cyc) mäaicta tön chahna noceT, 
Xnspakac mypikinoyc eic yauc XnocedcAC ttapAcxg nieTn. kai ÄNePÜnoYC aö oTnoc anti toy yaatoc 
eic mypikInac kyaikac (XnePAKAC Hdss.) ^«BAHeeic kai noeeic eePAneYer toyto ae mäaicta 
Ahwökpitoc MAPTYPeT' XIX 5, 4 (am Ende eines aus Demokrit stammenden Sympathiemittels): 
KAi enl ANePü)nuN a^ toyto aytö noieT. Plin. 29, 59 (aus Apion-Demokrit) : tradunt Magi 
iocinere muris dato porcis in fico secjui dantem id animal, in homine quoque similiter valere. 
Vgl. S. 27. 

Das Ergebnis ist also, daß Cato wirklich auf griechische Quellen, und zwar auf die 
Schriften zweier Neupythagoreer zurückgegriflfen hat. Chronologische Bedenken stehen 
diesem Resultate nicht entgegen. Bolos Demokritos hat bekanntlich um 200 v. Chr. in 
Alexandreia gelebt, und die Abfassung der Schrift Catos De agricultura fällt sicher erst 
nach seiner Zensur, d. h. nach dem Jahre 183, vielleicht sogar erst gegen Ende seines 
Lebens. Er konnte also die feupriKA des Bolos so gut benutzen wie der pergamenische 
Arzt Menander unter Eumenes II. seine HAlrNiA. 

' Ea ist ein offenbares Mißverständnis Catos, wenn er behauptet, die Ärzte hätten das cmypnion (CMYPNeToN) 
mit dem «eAÄneiON identifiziert. Unter cmypnion vei-standen sie entweder das innowÄPAeoN (schol. Nie. Ther. 596. 
848. Plin. 20, 255, wo smyrneum zu lesen ist) oder das innoc^AiNON (.Sciib. L. 126. ("ol. XI 3, 36. I'lin. 19, 162. 
Diosc. m. ra. III 67. (Jal. VI 638), rcsp. eine andere Eppichart (Diosc. ni. m. III 68), während für den Schwarz- 
kümmel boi ihnen die Synonyma mhküjn Arpioc (Diosc. III 79) oder XweeMic (Plin. 22, 53) üblich waren. 

' Vgl. Hippiatr. S. 220: 6an ti tön züun yho «YrAAHC &HxeH, weAANeioY 6iy8a*on tpiyac gn oinu eroiAei 

^i^OY AIÄ TÖN MYKTHPUN- 6ni AÄ THN nAHTHN KÖnPON YelAN (KYNeiAN ed.) KATÄnAACCe • TOYTO A€ Ka! im ANePUnuN 

(i)*^AiMON. Vgl. 217. Veget. II 141, 5. 

' Vgl. Gal. XII 69. Diosc. m. m. III 79. Plin. 20, 182. 

' Plut. aet. phys. 20. Ps. Arist. probl. X 21. Tim. Gaz. im Suppl. Arist. 142. 17. 

Phil.-hUt. Abh. 1921. Nr. 4. 6 



42 M. Wellmann: 

BQAOY AHMOKPITOY TEOPriKA. 

Fragmente. 

1 Diog. Laert. IX 48 (in dem Thrasyllkatalog der demokriteischen Schriften): TTepi 
reupriHC fi recopriKÖN (reuweTPiKÖN und recoMeTPiKÖN Hdss.). 

2 Varro r. r. I 1,8 (aus Cassius Dionysius) : qui graece scripserunt (sc. de re rustica) . . . 
de philosophis Democritus physicus, Xenophon Socraticus, Aristoteles et Theophrastus peri- 
patetici, Arcliytas Pythagoreus. Vgl. I praef. 32. Aus Varro schöpft Colum. r. r. I i, 7. 
Plin. Ind. auct. B. 17 — 19. Ihn al-Awam, Le livre de l'agriculture I S. 8. 

3 Colum. r. r. XI 3, 2: Democritus in eo libro, quem Georgica (Georgicon v. 1.) appella- 
vit, parum prudenter censet eos facere, qui hortis extruant munimenta, quod neque latere 
fabricata maceries perennare possit pluviis ac tempestatibus plerumque infestata, eque lapide 
supra rei dignitatem poscat impensa; si vero amplum modum saepire quis velit, patri- 

5 monio esse opus. Vgl. Varr. r. r. I 14, 4. 

4 Geop. I 12, 5: Ö A^ Ahmökpitoc A^rei tön oTnon xphctön kai hapämonon cTnai (sc. €nAN 

^niCTH Tu) KPIÖ Ö TOY AlÖC ACTI^p), efeCTON a6 TÖ eTOC npÖC MÖNHN AMn^AUN OYTelAN. (6) XCOA- 

AizeceAi Ae AeT tön cTton gn taTc aacüci aia toyc ömbpoyC reN^ceAi a^ öpn^un coanin, kaaön 

AÖ KAI KHnOYC KATACKEYÄZEIN .... II (oTE AE GN TAYPCü ^N oTkü) THC 'AoPOAITHC T^NHTAI Ö Zeyc) 
10 Ö Ae AhMÖKPITÖC *HCIN, EN TO-fTU Tüj STei XÄAAZAN nOAAHN riNeCGAl KAI XIÖNAC, TOYC A^ ^THCIAC MH 

Ö«o!ü)C hngTn. eYxecsAi aö aeT mi^ reNdceAi ceicwoYC kai ctpatiäc kinhcin ... (17) Ahmökpitoc 
A^ oHcr (sc. ÖTe eN aia^moic gn oTku ''Gpmo? ö Zgyc t^nhtai) xaaäzhc rmeceAi baabhn" e'fxeceAi 

a6 {agT), TnA Mf( AOIMIKA nÄBH T^NHTAI . . . (I9) AhMÖKPITOC A^ OHCIN (sC. ^N otKü) CgaHNHC 

KAPKiNü) reNOM^NOY TOY Aiöc) ^N TU *eiNon(i)pa) eKzewATA riNeceAi nepi tA ctömata' aiö xph npöc 

15 TÖ SaP AAXANUN AHTeCGAl KOIAIAN TG AYGIN KAI MÄAICTA TOYC N^OYC, AKPÄTü) A^ . XPHCeAl. H a6 

CAAiA ev'ooPHcei .... (28) Ahmökpitoc a^ *hcin gn to^tu tö gtgi (sc. ^n tS oIkcü thc Ä«poaithc 

TÖ ZYrü) rGNOM^NOY TOY AlÖc) MI^TG nOTAMOYC GCGCSAI MGrÄAOYC MHTG XÄAAZAN nCAAl^N, TÖ A^ 

oeiNÖncopoN ^nyapon gTnai . . . (29) Ahmökpitoc a6 «hci (sc. otg ^n oTku "Apgcüc tö CKOpniu 
r^NHTAi 5 Zgyc) noTAMOYC McrÄAOYC GcecGAi KAI NÖCOYC ncPi TÖ <t>eiNÖnu)P0N. (30) AIÖ efxeceAi agT, 

20 YnA MH AOIMIKA r^NHTAl nÄSH. XPH, «HCl, BPÜMACI M^N ÖaIpOIC, nOTÜ A^ nAGIONI XPHCOAI .... 

(40) Ahmökpitoc a^ <t>HCi (sc. to9 Aiöc gn toTc ixgycin ^n tö fAiu oTku reNOW^NOY) ThiN Ämogaon 
KAI TiHN gaaian g'y'^ophcgin . GYXGCSAi A^ AcT MH rGN^csAi cGicMOYC. Außerdem gehen auf ihn zu- 
rück die Paragraphen 22. 26. 32 (Schluß). 34 (Schluß). 37 (Schkiß). Aus ihm stammen 
wohl auch die Zitate bei Jon. Lydus, De ostentis ed. Wachsmuth. Vgl. S. 155, 5. Hiermit 
stehen im Zusammenhang die folgenden Notizen: Plin. n. h. 18, 200: Zoroastres (sc. adiecit 
his ut sereretur) sole scorpionis duodecim partes transgresso, cum luna esset in tauro. 
Vgl. Geop. V 46 (mit dem Autorenlemma Zcopoäctpoy): agT tpyfän thc ceAhiNHC oychc ^n kaprInu 

fi A^ONTI fi ZYPÖ fi CKOPniü) H AirOK^PülTI H Y-APOXÖü). CnOYAÄZGlN AG XPH AHTO^CHC A'r'THC KAI 'Y'nOreiOY 

o^chc TÖN TPYfHTÖN noiGTcGAi. Gcop. I 12; Pallad. VIII 5 : de extirpando gramine. hoc mense 
(sc. Julio, vgl. Demokrit bei Geop. III lO, 7. i), cum sol cancri tenebit hospitium, luna 
sexta <decima> in capricorni signo posita gramen ablatum Graeci adserunt nihil de radicibus 
redditurum. item si bidentes cyprei fiant et sanguine tingantur hircino et post fornacis 
ardores non aqua sed eodem sanguine temperentur, per eos erutum gramen extingui. 
Vgl. Plin. 28, 148. Geop. III 5, 8: kai cgaihnhc gkkaiagkataiac rerGNHMGNHC häcan aspöuc a-tthn 

(sc. ArPCOCTIN ^KPIZUGgTcan) ^K^OPHCOMGN TOY XCOPIOY, THC ÄNTinAOGlAC CYMBAAAOM^NHC HPÖC TÖ 

MHK^Ti A'r'THN ANABioYN. Daraus erklärt sich die Vorschrift des Demokrit (Geop. III 10, 7), 
Bäume und Sträucher zu roden rgpi täc giaoyc toy mhnöc IoyaIoy. 

3 ntque lapides Hdss.: von Diels Vors. 55 B 28 S.69, 19 verbessert, ei lapidea . . . poscat impmuam schlägt 
Weidlich a. a. 0. 14 vor. 6 Ae sTnai FH (ut videtur) 8 aeIn exspectamus, cf. Niclas 11 CTPATeiAC 

FH 13 Ae? add. nescio quis. 



I 



Die Georgika des Demokritos. 43 

5 Plin. n. h. XVIII 231: Democritus talem fiituram hiemem arbitratur, qualis fuerit 
brumae dies et circa eum terni, item solstitio aestatem. circa brumam pleiisque bis septeni 
halcyonum feturae ventorum quiete molliunt caelum. 

Geop. I 5,3: Ahmökpitoc a^ kai Ähoyai^iöc ■xaci" toio9ton xph npocAOKAN ececeAi tön 
xeiMÜNA, ÖnoiA IcTAi H HM^PA THC eoPTHC, Hn Ol '"PumaToi bpoyma kaao9ci, TOYT^CTIN H TeXÄPTH 
efKAc To9 Aiöc mhnöc firoi NoeMSPiOY. 

6 Plin. n. h. 18, 321: his quae sunt necessaria adicientiir de luna ventisque et prae- 
sagiis, ut sit tota sideralis ratio perfecta, namque Vergilius (Georg. I 276 f.) etiam in 
numeros lunae digerenda quaedam putavit Democriti secutus ostentationem. 

° * 8' S- • •■ quintam fuge : pallidus Orcus 

Eiimenidesque satae; tum pariu Terra nefando 

Coeumque Japctumque creat saevumque Typhoea 

et coniuratos caelum i escindere fratres . . . 

septima post decimam felix et ponere vitem 

et prensos domitare boves' et licia telae 

addere; nona fugae melior, contraria fuitis. ~ 

Vgl. Hes. Oper. 802. 805. 795. Serv. in Verg. Georg. I 277 : dicitur enim hie numerus 
(sc. quintus) Minervae esse consecratus, quam sterilem esse constat: unde etiam omnia 
sterilia quinta luna nata esse dicuntur, ut Orcus, furiae, gigantes. Prokl. zu Hes. Op. v. 180: 
to9to '"HcioAOc iK To9 AAeAÄMnoAOc eTAH«ie' ohci täp noY ^kcTnoc, ^n neMnjH ceAHNH Tic ^hiopkon 
öm6cac TocATcAe him^paic teacyta. Catal. cod. astr. IV 142 f. Lobeck, Agl. I 429. 

7 Plin. n. h. 18, 3 1 2 : dein consentiunt, quod est rarum, Philippus, Callippus, Dositlieus, 
Parmeniscus, Conon, Criton, Democritus, Eudoxus IV kal. Oct. capellam matutino exoriri 
et III kal. haedos. 

8 Geop. V 44, 6: Ahmökpitoc a6 ♦hcin Xpxom^noy ^apoc ecüc 1^ HMepÖN kaaöc «YTCYeceAi 

♦ PATMÖN TÖN TPÖnON T09tON. CXOINION nOAY ^N OAAÄTTH nONHCAN KAI AOinÖN AlACCCHnÖC bAtoY 

cn^PMATi KAI ToTc AAAOic ToTc npoeiPHM^NOic XKANedjAeci (d. li. nAAio9pü) KAI öiYAKÄNeH) ka: öpöboic 
tpTyon ka) katAxucon in th tA«>p(j) kaI Xpacyc, ef aynatön, kao' ^kActhn hm^pan ' oytu täp kai 
TAx^uc KAI TeAciuc »YMceTAi Ö »PArMÖc kaI Xcoaahc ^ctai. Vgl. V 44, I flf. 

Plin. n. h. 17,62: sie et spinas saepis causa serunt (sc. Democritus, der unmittelbar 
vorher zitiert wird), tomice moris spinarum circumlita. 

Cd. r. r. XI 3, 3: vetustissimi auctores vivam sepem structili praetulerunt, quia non 
solum minorem impensam desideraret, verum etiam diuturnior immensis temporibus per- 
maneret (vgl. Democrit bei Col. XI 3, 2); itaque vepris efficiendi consitis spinis rationem 
talem reddiderunt. locus, quem saepire destinaveris, ab aequinoctio autumnali simulatque 
terra maduerit imbribus, circumvallandus est duobus sulcis tripedaneo spatio inter se 
distantibus. modum altitudinis eorum abunde est esse bipedaneum: sed eos vacuos per- 
hiemare patiemur praeparatis seminibus, quibus obserantur. ea sint vastissimarum spinarum 
maximeque rubi et paliuri et eins quam Graeci vocant kynöcbaton, nos sentem canis 
appellamus. horum autem ruborum semina quam maturissima legi oportet et ervi moliti 
farinae immiscere: quae cum est aqua conspersa, illinitur vel nauticis veteribus funibus 
vel quibuslibet aliis restibus. siccati deinde funiculi reponuntur in tabulato. mox ubi 
bruma confecta est, intermissis quadraginta diebus circa hirundinis adventum, cum iam 
Favonius exoritur, . . . praedicti . . funes de tabulato prompti explicantur et in longitu- 
dinem per utrumque sulcum porrecti obruuntur, sed ita, ut non nimium supergesta terra 
semina spinarum, quae inliaerent toris funiculorum, enasci possint. ea fere circa trigesimum 
diem prorepunt etc. Aus Columella-Garg. Mart. stammt Pall. I 34, 5 ff . Vgl. Herrn. 43, 27. 

9 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 27: Le mcme ecrivain (d. h. Ibn Hedjadj) dit en traitant de 
la Classification des terrains, d'apres les opinions de Junius, de Cassianus, Democrites et 

6* 



44 M. W E L L M A N N : 

Kastos . . . suivant Democriles, le terrain de la meilleure nature est celui qui absorbe bien 
les eaux pluviales, qui ne laissent point sur lui de surface glissante, et qui ä la suite des 
pluies rie se fendille point. La terre qui par Teffet de la chaleur ne se gerce point est 
encore de bonne nature. 

Geop. II lo, I : nepi aokimaciac rfic. 'Anatoaioy (recte, cf. AwamI67). aokimacIa thc apicthc 

rfiC r^NOITO WEN AN KAI ARO THC OYeCOC, TOYT^CTIN, £1 eN A'Y'XMü) MH C<t>ÖAPA KATAPPHTNYOITO fsO M) 
MHTe ÖMBPCON PATAAICÜN KATGNexe^NTCüN TeAMATüJAHC em, AAa' eKA^XOlTO eiC THN AArÖNA HAN TÖ CK TUN 
ÖMBPtON YACÜP, KaI Gl MH KPYOYC ONTOC 6cTPAKü)AH TA nePI TA NÖTA A'Y'THC ■y'nO^AINOI ' AYTH FAP ü)C 

eni TÖ noAY ArASH an AOKiMAceeiH. Vgl. Kastos bei Ibn al-Awam I 68. Die letzte Quelle 
ist Leophanes bei Theophr. c. pl. II 4, 12 (= Geop. II 9, 1), der gleichfalls den Boden 
(weAÄrreuN) empfohlen hatte, der sowohl Wärme als Feuchtigkeit in sich aufnehme. 

10 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 35: Parmi les choses qu'a ecrites Democrite, on trouve 
ce qui suit: les caracteres de la terre bonne pour la plantation se reconnaissent ainsi: 
on creuse une fosse de la profondeur de deux coudees, on prend de la terre du fond, 
on la met dans un vase de verre, on verse dessus de l'eau de pluie ou de I'eau courante 
de bonne qualitc exempte de toute mauvaise odeur. On manipule cette terre pour la 
möler ä l'eau. On laisse le dep6t se faire, et I'eau se clarifier, puis on la goüte et on 
la tlaire tout ä la fois. Si l'odeur trouvee est bonne, la terre Test aussi; si au contraire 
eile est salee, c'est l'indice de la storilite du sol. Si l'odeur est desagreable, la terre 
est de mauvaise qualite, le tout dans la proportion de l'odeur et de la saveur (revelees 
par les organes). Vgl. I 68. 

Colum. r. r. II 2, 20: sapore quoque dignoscemus, si ex ea parte agri, quae maxime 
displicebit, effossae glaebae et in fictili vase madefactae dulci aqua permisceantur, ac more 
faeculenti vini diligenter colatae gustu explorentur. nam qualem traditum ab eis ratulerit 
humor saporem, talem esse dicemus eius soli. Vgl. Pall. I 5, 3. Colum. de arb. III 6. 

Geop. II 10,3: AAAOI AG O'Y'K APKOYWeNOI TH THC ÖYeUC KPICEI KAI THN ^K re^CeUC AOKI- 
MACIAN e£e9pON TOIAYTHN. CKAYANTGC GIC BAeOC GKeTsdN Tl THC THC XNACnÖCI, KAI XnÖ M^N THC 
6c<t>PIHCeCüC THN KAAAICJ AOKIMÄZOYCIN. O'Y'K APKeCeeNTCC AG TOYTü) TW TPÖHCü GMSAAÖNTGC (SO M, 
GMBÄAAONTGC LH) AYTHN GIC CKGYOC KAI KATAXGANTGC nOTIMON YACOP, KAI TH rCYCCI THN HeTpAN 
nAPAAlAOACIN" ÖnoTON FAP AN TÖ YAUP TH TGYCGI <t>ANH MCTÄ THN mTiIN, TOIAYTH KAI fl TH ECTAI. 

Vgl. Verg. Georg. II 241 f. 

11 Ibn al-Awam II (i) S. 13: Mais, quand nous persistons ä semer du froment dans 
un terrain, nous epuisons sa force nutritive, et ce qu'on lui confie ne donne plus ni produit 
ni benefice. II faut donc par un emploi (raisonne) de la faculte nutritive au sol procurer 
du repos, notamment en y semant des plantes legumineuses. Les anciens approuvaient ce 
Systeme. Democrite est un de ceux qui en ont parle, quand 11 a dit que les legumes con- 
tribuent ä ameliorer le sol, parce que la racine de cette famille de plantes est plus courte 
que Celle des autres plantes cultivees, ä l'exception du pois chiche (fip^Bmeoc) qui est celui 
de toutes les legumineuses qui a les plus longues racines; mais la lentille (*ak6c) et le 
haricot (k-J-amoc) bonifient le terrain ... (S. 15) Democrite dit que quand on a seme de la 

' roquette (e^PMoc) dans un terrain, ce qu'ensuite on y seme vient tres-bien; car cette plante 
est ameliorante pour les terrains humides. 

5 Geop. II 12, 2 (aus Anatolios nach Ibn al-Awam II [i] 14): aynatön as kai ^n th neAiÄAi cneipeiN ta 

ÖCnPIA METÄ THN TOY cItOY CYAAOrHN TÄ ^niÖNTI KAIPfi • CHAP^NTA TAP ANAHAYei THN THN KAl' KOY»izei, AeOTOPPIZA 

ÖNTA, HAHN TÖN ^pesiNscüN. Verg. Georg. I 7 1 f. 7 Quelle Theophr. h. pl. YIII 2, 3: basyppizötaton a6 ic 

eineiN toytwn (sc. tön xeAPonwN) ö ÄpeeiNeoc. Daraus Plin. n. h. 18, 51.' 8 Über den *aköc und kyamoc 

vgl. Cato r. r. 37, 2. Saserna bei Colum. r. r. II 13, i. Plin. 18, 120. Didymos bei Geop. X 84. 6. 10 t)ber 

die Lupine vgl. Geop. II 39, 6, Cato und Saserna a. a. O. 



Die Georgika des Demokritos. 45 

12 Ibn al-Awam, a. a. 0. II(i) i6: Democrite recommande que la semence soit ägee ■ 
d'un an ou deux, mais celle qui en a trois est mauvaise: il faut la rejeter, ä l'exception 
du millet (Kerxpoc) et du riz (öpyza). Toutes les fois, dit-il, que vous semez par un vent 
de sud et dans un jour de chaleur, la terre re^oit bien la semence. 

I Geop. II 16,4: cn^PMA Ad kaaaicton tö ^niayciaTon, tö /^k aist^c Saaccon- tö ag Tpierec käkicton, tö ae 
nAAAiÖTePON AKAPnoN. Letzte Quelle Theophr. h. pl. VIII ii, 5: npöc eK*YCiN Ak kai thn öahn cnoPAN apicta aoke? 
TÄ iNÄeNA- TÄ Ae aIgna xeipu ka'i TA TPieNA, TA a' YoePTeiNONTA cxeAÖN AroNA . . . ^peeiNeoN AG AH ka'i eePMON 

KAJ ÖPOBON KAI KETXPON KAI TA TOIAYTA AHAON ÖTI nOAAü) nAelti) TOYTOJN (sC. AlAWeNGIN eHCAYPIZÖMENA) ÜCneP Ka) 

6n Tolc nepi THN '€aaäaa rönoic. Fall, agric. I 6, 1 2 : semina plus quam annicula esse non debent, ne vetustate 
comipta non prodeant. 3 Geop. II 14, 6 (nach einem §4 voraufgehenden Demokritzitat): AeT Ae tön cnei- 

PONTA TÄC «eN BOPeiOYC HM^PAC KaI C*ÖAPA YYXPA HNe't'MATA ^XOYCAC nAPAITeTcSAI . . . ^N AE TaFc S'i'AieiNATc HMEPAIC, 
TOYTeCTI TA?C NOTIoIC fi AAAWC BEPMaTc, AnEIM^NHN (sC. THN THN) eYee(OC Te KATAAeXeCeAl TA CnePMATA KaI eic THN 
^izuCIN ÖPMÄN KAI XaPOYC TOYC KAPHOYC HOleTN. 

13 Geop. II 14, 4: A HMÖKPITOC a6 «YCIKIHN TINA HAPATI^PHCIN nAPAAlAOYC nepl THN TOY CTe<DA- 

noy mäaicta aycin cneiPeiN (sc. cTton kai kpibhn) CYMBOYAe-fei ' tötg täp O'y' mönon ömbpoi ^kh^m- 
neceAi nOAAoi eiüeACiN, XaaA kai h rfi oycikkn tina kai aektikhn kinhcin (= kinhtikhn aynamin, 
Öpeiin) ^xei npöc tö roNiMUTePA XneprÄzeceAi tä töte chap^nta. 

I Der Untergang der Krone der Ariadne fällt nach Anatolios (Geop. II 14, 5 ^n to?c katä 4>oiNiKHN TÖnoiq) 
auf den 25. Novemberj nach den Quintiliern (vgl. Boll, Griech. Kalender in den Sitzgsber. der Heidelberger 
Akad. 1911 S. 33) auf den 27. resp. 28. Nov. Verg. Georg. I 2i9f. kannte die Ansicht Demokrits (aus Hygiu;'): 

at si triticeam in messem robustaque farra 

exercebis humum solisque instabis aristis, 

ante tibi Eoae Atlantides abscondantur 

Gnosiaque ardentis decedat Stella coronae, 

debita quam suicis committas semina quamque 

invitae properes anni spem credere terrae. 
3 Zu der Begründung des Demokrit vgl. Theophr. c. pl. III 2, 6 ff. Von Demokrit weichen ab Col. XI 2, 74. 
Plin. n. h. i8, 224. 

14 Ibn al-Awam II (i) S. 25: Junius (d.h. Anatolios) et Democrite disent qu'il faut 
semer l'.orge dans une terre mediocre, parce que la terre de bonne qualite doit etre prc- 
feree pour le froment. 

Geop. II 12, 1 (aus Anatolios): tön niu cTton ^n th BAeYreiu kai tih hcaiäai Xmcinon cneipem, 
tXc a6 KPieXc 6n th m^cuc ^xo-i'ch, tä a^ öchpia ^n th aehtot^pa. Letzte Quelle Theophr. 
c. pl. III 21, 2: u)c a' XnAÖc emeTN h m^n AenTA (sc. rR) KPieooöpoc AweiNUN, h a^ nieiPA hypo- 

♦ ÖPOC AI MGN rkp fiAÄTTOYC KAI KOYOOT^PAC A^ONTAI TPO«HC, AI A^ HAeiONOC KAI Cü)MATü)AeCT^PAC. 

Vgl. Plut. aet. phys. 15 p. 915 D. 

15 Ibn al-Awam II (i) S. 324: Democrates dit que si on projette dans le magasin ä 
orge et sur le grain, en le tamisant, du gypse pulverise de fagon que la nuance blanche 
soit visible, ou que si on enfouit dans le niilieu une jarre pleine de vinaigre, l'orge sera 
prcserve de toute avarie. 

Plin. n. h. i8, 308: sunt qui urceis cinere substratis et inlitis acetum habentibus legu- 
minum acervos siiperingerant, ita non nasci maleficia credentes, alii qui in salsamentariis 
cadis gypso inlinant. 

Geop. II 30, 3 : tH\o\ i^i öioyc XrreToN nAHPucANTec kai nuwXcANTec ^n m^cij) tio^aci tön 
KPieÖN (sc. fiicTe tAc KPieAc ytieTc in toIc üpeioic oYAÄTTeceAi). Vgl. II 30, 2. 

16* Pall. agric. VII 9: Graeci adserunt AegypHos hoc more proventum futuri cuiusque 
seminis experiri. aream brevem loco subacto et umido nunc excolunt et in ea divisis 
spatiis omnia frumenti vel leguminum semina spargunt. deinde in ortu caniculae . . . ex- 
plorant, quae semina ortum sidus exurat, quae inlaesa custodiat. his abstinent, illa pro- 
curant, quia indicium noxae aut beneficii per annum futurum generi unicuique sidus aridum 
praesenti exitio vel salute praemisit. 



46 M. Wellmann: 

Geop. II15: npoTNUcTiKÖN, öcre eia^nai, hoTa tön cneiPOM^NcoN reNAcoNTAi e-i-eAAH. Zupo- 

ÄCTPOY. TIN^C OYN TA M^AAONTA e-fSAAM PlNeceAl OYTü) nPOMANeÄNOYCl. HPO ÖAir(i)N HMePüJN THC eni- 
TOAHC T09 KYNÖC ^N TINI TÖHü) AHÖ GKÄCTOY Cn^PMATOC nPÖC ÖAirON M^POC AOKIMACIAC eNCKCN Cnci- 
POYCIN. ÖTAN OYN eniT^AAH Ö K-f-UN, TINA WEN TUN CHAP^NTUN, ÜC eiKÖC, BAÄnTei, TINA A^ OYAAMÜC. 

to9to o?n CHweToN noiOYweNoi ta abaabh mginanta en th eniTOAfi cneiPOYCi, nAPAAi«nÄNOYCi a^ 
TA ^niKAYeeNTA. Ein anderes Prognostikon bei Verg. Georg. I 187 f., Theophyl. Sim. quaest. 
nat. 16, Philo, Vita Mos. II 186 (IV 243 Cohn-Wendland) stammt wohl aus derselben Quelle. 

1 7 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 589: La jaunisse (^pycibh — rubigo, Rost). Democrite dit que 

quand on redoute pour une vigne ou pour un semis 1' Invasion de la jaunisse, on plante 

des branches de laurier au milieu dw terrain, et le mal ne vient attaquer rien de ce 

qui peut y etre plante, ni vigne, ni semis ; mais il se porte sur les branches du laurier 

exclusivement. Ce qui est bon encore contre l'icteritie, c'est de faire tremper des racines 

de cäprier dans de l'eau avec laquelle on arrose toutes les parties malades. Les fumigations 

sont encore tres-efficaces ; on prend de la corne de taureau, qu'on jette sur le feu avec 

du crottin de mouton, de fa<?on que la fumee soit portee par le vent du nord sur le 

semis; cette fumee, en passant sur le semis, enleve la jaunisse et augmente le produit. 

I Vgl. Plin. n. h. i8, i6i: rubigo quidem, maxima segetum pestis, lauri ramis in arvo defixis transit in ea 
folia ex arvis. Apuleius bei Geop. V 33,4: <t>Hci Ae ^AnoYAHioc, 6an aä«nhc ^n tih Xpo't'pa kaäaoyc bäahc, 

MeTABAJNelN elC AYTO'Y-C THN BAABHN THC ÄPYGIBHC. 7 GeOp. V ^i, I : AMA TW CYNICTACeAl ^N TU A^PI THN 

ÄPYCIBHN [lAtJÖN] eYe't'C SOÖC KGPAC APICTSPÖN CYN BOABiTCü KAl'eiN, KAI KAHNÖN nOAYN nOiefN KYKAü) THC APOYPAC 
KATA ANeWON, YnA Ö AN6M0C HANTA TON KAHNON HPÖC THN ^PYCl'aHN »äPH • AlACKeAACei PAP THN AITIAN TOY AePOC 

Ö KAONÖc. Col. de arb. 13. 

18 Geop. II 42,3: eePAneiA oyn ev-picKSTAi et^pa <t>YciKf) kai ANTinAei^c (sc. üctc A<t>ANiz€ceAi 

A^ONTOC BOTANHN H ÖPOBAKXHn), H KAI AhMÖKPITOC MAPTYPET' HAPe^NOC ÜPAN 6xOYCA rÄMOY, 
XNYnÖAeTOC, TYMNH, MHAEN KAeOAOY nePIKEIMENH, ACAYM^NH TÄC TPIXAC, AAEKTRYÖNA ^N TaTc XGPdN 

^XOYCA, nepiGAeeTü) tö xupion, kai eYeeuc xupizetai mgn h AeÖNTeioc nÖA, ta Ae öcnpiA kpcIttona 

tInGTAI, tciOC KAI THC BOTANHC TAYTHC TOY A^ONTOC TON AAeKTPYÖNA «OBOYM^NHC. NiclaS SClirCibt: 

eePAneiA oyn e-y-picKeTAi et^pa ♦ycikh kai ANTinAet^c, h kai Ahmökpitoc wAPTYPeT, a^fun öti, 
^nei A^cüN ö eHP nToeTTAi tön aa^ktopa iacün a-t-tön kai cyct^aagtai, oVtuc gän tic aäbh mgta 

eÄPPOYC tön AAeKTPYÖNA GN TaTc XGPCIN A'Y'TO? KAI nePI^AOH TÖ xcopion, e-^'e^GJC XUPizeTAI M^N H 
AeÖNTeiOC nÖA, ta AÄ ÖCHPIA KPeiTTONA riNeTAI, U)C THC BOTÄNHC TAYTHC TOY ACONTOC TON AACK- 
TPYÖNA «OBOYMdNHC. 

19 Colum. XI 3,61: veteres quidam auctores, ut Democritus, praecipiunt semina 
omnia succo herbae, quae sedum appellatur, medicare eodemque remedio adversus bestiolas 
uti: quod verum esse nos experientia docuit. Vgl. II 9, 10. X 356. 

Plin. n. h. XVIII 159: Democritus suco herbae, quae appellatur aizoum, in tegulis 
nascens . . . medicata seri iubet omnia semina. 19, 179 f. Geop. II 18, 1. XII 7, 3. 20, 4. 
Pallad. X 3, 2. I 35, 3. 

Geop. XII 7, 2: AAAOI AÖ *YCIK(i)TePON nOlOYNTeC efzCüMON CYCneiPOYClN in cym^ytgyoyci 
(sc. TOTC AAXÄNOIC, Yna YYAAÖBPCJTA wfi r^NHTAl), KAI MÄAICTA KPÄMBAIC" AYTAI TAP «ÄAAON YHÖ TÜJN 
YYAAÖN BAÄnTONTAI (vgl. XII lO. 26, 3). Gl A^ BOYAGI MHAG YHÖ GT^POY TINÖC BAÄnTGCeA! tA 
Cn^PMATA, XYAU) AGIZCDOY AIÄBPGXe TAYTA, nPIN COAPHNAI. 

20 Plin. n. h. XVIII 47 : silvae extirpandae rationem Democritus prodidit, lupini flore 
in suco cicutae uno die macerato sparsisque radicibus. 

Geop. III I o, 7 : (Demokrit nach der syrischen Übersetzung, vgl. Lagarde, De Geop. 
versione Syriaca commentatio 1855 S. 17): gti a^ nepi tac ciaoyc toy aytoy mhnöc (sc. IoyaIoy) 

UT^PIN KAI BO^TOMON KAI CXoTnON KAI KAAAMON GKPIZtüCGI TIC KAI e^PMOYC ANeOYNTAC KUNGICi) TPIYAC 
KATAXYCei ^ni THN TOMHN THC nGPIAei*eGICHC GN TH TH pizHC ' IHPANGT TÄP A'r'THN. Gl A^ nOAYPPIZOC gTh H 

rR, e^PMOYC cnepcT gn a'y'th kai toytoyc anbo^ntac TGMdJN apöcgi, uc ^rxöcAi ta Ähokckomm^na, kai 



Die Georgika des Demokritos. 47 

AenrfiN köhpon ^ninÄCAC ikcz\. metä a^ HMePAc ib' Xpöcei aic kai cnepeT ^n th rfl npöc*0PA, mitnyo 

TU) Cn^PMATI KAI OAKHC M^POC ÖAirON. Vgl. Pall. VI 3, 3. VIII I. 

Nach der Syr. vers. II 28 (Lagaede): Aüdaaünioc Ae kai Ahmokpathc xyacü oacin yockyA- 

MOY AGTn BP^IAI tön TÖN e^PMCüN XÖPTON HM^PAN MIAN. 

2 1 Ibn al-Awam II (i) S. 25: Democrite dit de semer les pois chiches (^p^ßmeoi) dans 
un terrain humide et frais. 

Col. r. r. 11 10, 20: cicer . . . seri mense Martio toto potest caelo humido, loco quam 
laetissimo. Pall. IV 4 (aus Columella). Wenn Pall. a. a. 0. weiter berichtet: cicer grande 
nasci Gracci dicunt, si infundatur aqua tepida pridie (Geop. II 31, i), so scheint diese Be- 
merkung gleichfalls demokriteisch zu sein. Vgl. Plin. n. h. 1.8, 124. Demokrit bei Ibn 
al-Awam I 339. 

22 Ibn al-Awam II (i) S. 28: sniv^nt Democrite, les haricots (k-J-amoi) sont une de ces 
plantes qui, comme les lentilles, bonifient le sol. 

Col. r. r. II I o, 7 : sunt etiam qui putent in arvis hanc eandem (sc. fabam) vice stercoris 
fungi. Eben.so Cato r. r. 37, 2. Sasema bei Col. r. r. II 13, i. 

23 Ibn al-Awam II (i) S. 27: Democrite dit: II faut semer le lin (aInon) dans une terre 
de moyenne qualite. Vgl. S. 109. 

Vgl. Col. r. r. II 10,17: nonnuUis placet macro solo et quam spississimum semen 
eius committi, quo tenuius linum proveniat. Daraus Pall. XI 2. 

24* Plin. h. n. 19, 156: amicitia ei (sc. rulae) cum fico tanta, ut nusquam laetior 
proveniat quam sub hac arbore. 

Diosk. m. m. 11145(57, 2): to9 a^ KHnevTO? (sc. nHrÄNOY) ^acüaimutgpon tö oapa taTc 

CYKaTc »YÖMeNON. 

Plut. q. s. V 9, 684d: AdroYCi a^ to9 nnrÄNCY tö «YÖMeNON •r'n' a'y'th (sc. cykh) kaI hapa- 

♦YTeYÖWeNON HaION gTnAI KAI tö XYMÖ MAAAKÖTePON, UC Xn XnOAA96N TINOC TAYR-i-THTOC, H KATA- 
CB^NNYTAI TÖ XfAN BAPY KAI KATAkOPON. 

Pall. IV 9, 14: sub fici arboris umbra libentius adquiescit (sc. ruta). 
Vgl. Theophr. c. pl. V 6, 10: öwoiuc a^ kai et ti e'TepoN in feT^pu (sc. oYTe^eTAi), KAeXnep 
TÖ niHTANON ^N CYKH" AüKsT tAp AH kAaaicton riNecGAi. Ps. Aristot. ProW. XX I 8. 

25 Ibn al-Awam, a. a. 0. II (i) S. 198: Suivant Democrite, le poireau reussit tres-bien 
dans les terrains sableux ; il y devient tres-gros. On le seme depuis le commencement du 
second kanoun ( janvier) jusqu'ä la fin de schebath (fevrier) ; l'epoque du repiquage est 
au mois d'ab (aoöt). Le poireau reste un an en terre et quelquefois quinze mois, alors, 
on peut larracher et le manger. Le poireau est un de ces legumes qui poussent avec 
lenteur. Vgl. Geop. XII 29, 2, 

Col. r. r. XI 3, 32: semen eius (sc. porri) locis calidis mense Januario, frigidis Fe- 
bruario seritur . . . mense Maio recte transfertur. Vgl. Pall. III 24, 11. 

26 Colum. r. r. XI 3, 53: nos autem leviore opera istud (sc. sationem cucumeris) fieri 
apud Aegyptiae gentis Bolum Mendesium legimus, qui praecipit aprico et stercoroso loco 
alternis ordinibus ferulas, alternis rubos in hortis consitiis habere: deinde eas confecto 
aequinoctio paululum iuxta (infra Hss. : supra coni. Schneider) terram secare et ligneo stilo 
laxatis vel rubi vel ferulae medullis stercus immittere atque ita semina cucumeris inserere, 
quae scilicet incremento suo coeant rubis et ferulis. nam ita non sua, sed quasi materna 
radice aluntur: sicque insitam stirpem frigoribus quoque cucumeris praebere fructum. Vgl. 
Col. de arb. 22, 3. 

Plin. h. n. XIX 68: Columella suum tradit commentum, ut toto anno contingant (sc. 
fucumeres), fruticem rubi quam vastissimum in apricum locum transferre et recidere duum 
digitorum relicta stirpe circa vernum aequinoctium. ita in medulla rubi semine cucumeris 



48 M. Wellmann: 

insito terra minuta fimoque circumaggeratas resistere frigori radices. (Daraus Pallad. 

IV 9, 9). 

27 Ibn al-Awam II (i) S. 25: La lentille (oaköc), dit Democrite, se seme en terre legere. 

Elle ameliore le terrain dans lequel on la met. 

Col. r. r. II 10, 15: lentim . . . solo tenui et resolute . . . seri convenit. Als Dünger- 
pflanze auch von Saserna verwandt (Col. r. r. II 13, i). 

28* Geop. XI 28, 3: MACHeeN ag toyto (sc. tö üjkimon) kai en haiu Tee^N cKOPniovc reNNÄ, 

mAaICTA AG TaTc TYNAIliN eCTI nOAGMldjTATON, TOCAYTHN 6XCÜN HPÖC AYTÄC <t>YCIKHN ANTinÄeeiAN, 
ü)C et TIC YnÖ AOnAAA ÖYOY ÖAÖPPIZON UKIMON YnOeeiH, ArNOOYCHC TYNAIKÖC, O'r' nPÖTePON H TYNH 
T09 ÖYOY AYACeAl TOAMHCGie, npiN APeHNAI TÖ CJKIMON. 

Plin. 20, 1 19 : addunt quidam tritum (sc. ocimum), si operlatur lapide, scorpionem 
gignere, commanducatum et in sole positum vermes: Afri vero, si eo die feriatur quis- 
piam a scorpione quo ederit ocimum, non posse servari. 

Diosk. m. m. II 141 (2 1 1, I i): «yaaccontai a^ tingc a-t'tö (sc. ükimon) kai o't'k ^ceioYCi aiA 

TÖ MACHeSN KAI TGeEN SN HAICi) CKCÜAHKAC rENNÄN ' AlBYGC AG nPOCYneiAH«ACIN, OTI Ol <t>Ar6NTeC 

A'^TÖ KAI nAHr^NTEc Y'nö cKOPnioY AccbcTcoc AiATieGNTAi. Vgl. AbI. u. a. VI 20. 

Clem. Rom. Rec. VIII 25 (P. gr. I 1384A): alia (sc animalia nascuntur) ex herbis, 
ut de ocimo scorpius. Gal. VI 640. Dasselbe vom cic^mbpion Aristoteles nach Antig. Mir. 19 
(Rose Frg. 367, Arist. Ps. 337). 

29 Colum. r. r. III 12, 5: Status caeli, cuius regionem quam spectare debeant vineae, 
vetus est dissensio . . . Democrito et Magone landantibus caeli plagam septentrionakm, 
quia existiment ei subiectas feracissimas fieri vineas, quae tarnen bonitate vini superentur. 

Col. in 12, 6: nam ferventibus provinciis, ut Aegypto et Numidia, uni sejitentrioni 
rectius opponentur (sc. vineta. Wohl aus Celsus). Vgl. Pall. I 6, 7. Geop. V 4, i. 

Plin. n. h. XVII 23: ceteri fere rationem naturae secuti in aquiionem obversas vites 
et arbores poni suasere. odoratiorem etiam fieri talem fructum Democritus putat. 

30 Ibn al-Awam I 338: Democrite parlant de la forme des brins (de sarments destines 
pour la plantation), de leur choix et de la maniere de les conserver, quand on ne peut 
les planter au moment oü on les coupe, dit qu'il ne faut prendre ees brins ni sur une 
vieille vigne, ni sur une jeune, mais sur celle qui est d'un äge moyen, parce que jeune 
et vieille ne donnent aucun produit. Vgl. Ibn al-Baitar, Simpl. II 666 Sonth. 

Geop. V 8, I : hnIka ai ÄMneAOi eJc t^aeion AnoAücoYCi tön kaphön, enieeupeTN asT täc 

GY-KÄPHOYC KAI nOAY*ÖPOYC KaI nOAYO<t>eÄAMOYC ... KAI EK T0YTÜ)N TÖ KAIPü) THC *YTeiAC AAMBÄNGIN 
tA OYTÄ, MI^TG GK NGO<t>YT(i)N AMnGACüN — ACeGNH PAP' MIHTG GK TGrHPAKYlCüN ■ AKAPHA TAP , 

Xaa' ^k tön akmaiotätun h mikpön ti npoGxoYcuN. (Quelle nach der Autorenbeischrift. die 
Quintilier). Vgl. Theophr. c. pl. III 5, i. 

31 Ibn al-Awam I 339: Democrite dit que si, apres quon a coupe les brins de sarment, 
on ne peut les planter immediatement, il faut les Her en faisceau et les enfouir dans 
une terre ni trop humide, ni trop seche, et si on les apporte d"un Heu eloigne, et qu"on 
puisse croire que (frappes par le vent), ils en aient souffert, il faut les tenir plonges dans 
I'eau douce avant de les planter. Vgl. Ibn al-Baitar, Simpl. II 667 S. 

Geop. V 8, 4: Gl A^ MIKPAC •v-nGPe6CG(üC TA THC «YTgIaC XPHZei, AMA TU A*AIPeeHNAl TA kai^mata. 
XPft TAYTA KATOPYTTGIN GIC THN, H AGAYM^NA H XAAAPUC AGAGM^NA, Tna HANTA THC THC AnOAAYH, 
THC AG MI^TG EHPÄC MHTG YrPAC aYaN ... (8) TA AG XPÖNCü BAABGNTA KAI iHPÖTGPA TGNÖMGNA fiWBAAUN 
Gfc *rAü)P NYXeiHMGPON OYTGYG. Vgl. 6. J. 

32 Geop. V 45, 2: GCTiN oyn aokimacia toy kaipo? thc tpythc oy mönon Xnö thc rcYceuc, 

AAaA KAI AnÖ thc OYGUC A'Y'THC (sc. thc CTAOYAHC)- OMUC A^ KAI CHMGICÖCeiC TInAc nAPAAÜCOMGN. 

o>ACi rAp Ol ncpl Ahmökpiton kai 'A*pikanön gi mönac hmgpac kai oy hagioyc kaacüc aiam^ngin 



Die Georgika des Demokritos. 49 

nenANoeTcAN ikn ctaoyai^n. ^An o?n tö rlrAPiON mhketi xacopön aiaoianh, aaaa weAAN, CHWAiNei 

A'r'THN ÜPIMON e?NAI. 

4 Plin. n. h. XVIII 309 : eius (sc. vinrlemiae) argumentum erunt acini colore mutati. Colum. XI 2, 69 : 
naturalis autem maturitas est, si cum expresseris vinacea, quae acinis celantur, iam infuscata et nonnuUa prope- 
modum nigra fuerint. nam colorem nulla res vinaceis potest afferre nisi naturae maturitas, praesertim cum in 
media parte acinorum sint et a sole aestuante et a ventis protegantur, humorque ipse non patitur ea percoqui 
aut infuscari, nisi suapte natura. Pall. X 11, i. 

33 Ihn al-Awam, a. a. 0. I 602: II en est qui diseiit que si on fait subir ä ce briii de 
sarment (de la vigne) la preparation qui precede (c"est-ä-dire qu'on enleve la moelle), sans 
introduire aucune des substances mentionnees, et qu'on effectue la plantation dans cet 
etat, le raisin n"aura point de pepin. J"ai plusieurs fois, dit Democrite, repete cette ex- 
perience. Es folgt die Beschreibung dieses Verfahrens. 

Geop. IV 7, I : nepi XnrÄPTOY ctaoyahc. AhmokpItoy. XrirAPTON ctaoyahin xmec oVtu 
noio?cr TOY kai^matoc m^aaontcc »YreYeceAi, toco9ton m^poc öcon eic thn thn m^aaoyci kata- 

XUNNYNAI, TOCOYTON HP^MA ii tcOY CXICANTEC [A'ii'TÖ], (i)TOrAY*IAI THN ^N '"ePIÜNHN AAMBÄNOYCIN, eTjA 

nAnYPiu Yppö nepiAKiCANTec KATATieeNTAi . . . . tö a^ a'y'tö noiHceic kai ^ni poiÄc kai KePAC^AC 
(Pall. XI 12, 7), et BOYAei ÄrirAPTON noificAi. Vgl. X 31. 16. Feiirle, Richtlinien zur Text- 
gestaltung der Geoponica, Sitzungsberichte der Heidelb. Ak. (1920) S. 5. 

Col. de arb. 9,3: ut autem uvae sine vinaceis nascantur, malleolum scindito ita, ne 
gemmae laedantur, meduUamque omnem eradito, tum demum in se compositum coUigato, 
sie ne gemmas allidas, atque ita terra stercorata deponito et rigato . . . adulta vitis tales 
uvas sine vinaceis creabit. Daraus Plin. n. h. 17, 162. 

Pall. III 29, I : fit autem (sc. uva sine granis) Graecis auctoribus hac ratione per artem 
succedente natura, sarmentum, quod obruendum est, quantum latebit in terra, tantum 
findere debebimus et medulla omni sublata ac diligenter exculpta membra iterum divisae 
partis adunare et vinculo constricta deponere. vinculum tarnen papyro adserunt esse 
faciendum et sie in umida terra esse ponendum ... et in granatis malis (Geop. X 31) fieri 
hoc posse firmatur a Graecis et in cerasis (vgl. Garg. Mart. bei Pall. XI 12, 7). opus eet 
experiri. 

Theophr. c. pl. V 5, i : XnrXpTOYC m^n tAp noio9ci toyc bötpyc ^5AiPo9NTec thn mhtpan, 
Xo' HC riNCTAi TÖ nrAPTON. c. pl. III 14, 6. 

34 Geop. V 35: nepi X^öpun Xwn^ACüN. Ahmokpitoy (recte). tö hp^mnon cxicon . . . kaI aigon 

^MBAAAe eiC Tf(N CXICIN, ÜCTG XnOCTfiCAl Xn' XaAI^ACüN T09 nP^MNOY TA M^PH, KAI ^rXEG EIC AYTÖ 

OYPON XnepüneiON haaaiön ucei kot'i'aac a', nepix^ooN hp^ma hanti tu hp^mnu, öcTe kai tAc Mzac 

KATACTAfHNAI, gTta SmBAAAG KÖnPON rfl MGMirM^NHN. XPH M^NTOI THN T09 AieOY eiC TÖ CT^AEXOC 

eNseciN noiOYM^NOYC XnocKAYAi tA nepi thn Mzan, thn a^ eePAnelAN <t>eiNon(i)Pü) noieTN e'r'KAipcdc.^ 
Vgl. Ibn al-Awam 1 571 (un autre agronome). Theophr. h. pl. II 7, 6: ^An a6 ti mh «^ph 
KAPnÖN (sc. hl XMneAOc) Xaa' efc baXcthcin tp^ohtai, cxIzoyci to9 cTeA^xoYc tö katA thn kai AieoN 
^NTie^AciN, bntoc XNeürH, kai 0AC1 «^pein. Daraus Plin. n. h. 17, 253. Ibn al-Avam I 517 
(Rose, A. Ps. 271). 

Pall. XII 10: isdem temporibus et locis vitem, quae sterilis fuerit, Graeci ita prae- 
cipiunt esse curandam. trunco eius fisso lapidem adserunt includendum et ibi urinae veteris 
humanae quattuor cotulas circa truncum debere suffimdi, ut ad radices instillatio ipsa 
descendat. tunc adiciendum laetamen terra admixta et circa radices solum omne ver- 
tendum. Vgl. Geop. X 61. IX 10, 7. Rose a. a. 0. 

35 Geop. V 50: OYCIKÖN AHMOKPiTeiON nApXAOäON AiA neiPAC noAAXKic, npöc tö mhtg tAc 
AMndAOYC mAtg tA a^napa mi^tc tA ai^ia mi^T€ Xaao ti •Y'nö TiNOC BAXnTGceAi, KAI mAaicta ■v'nö 

TÖN MGIZÖNIÜN BHPiuN. [ AhMOKpItOY.] 

Phil.-hist.Abh. 1921. Nr. 4. 7 



50 M. Wellmann: 

KAPKINOYC nOTAMlOYC nAGICTOYC H nATO^FOYC GAAACciOYC, MH eAATTON A^ TÖN A^KA, efc 

XrreToN KSPAMeoYN wee' ¥aatoc ewBAAe, kai ocomäcac XnöeoY in -y-nAiePü), Yna haiAzhtai eni h- 

M^PAC AeKA. gTtA AABUN HANTA, OCA BOYAei ABAABH MGNGIN, TOYTCi) Tu) ¥aATI KATAYeKÄCAl, HAP' HM^PAN 

xpcüMGNOc ecüc A-r-iHeöci, KAI eAYMÄceic THN eNGPreiAN. Vgl. II i8, 3. X 89, I. Pall. I 35, 7 
(mit Namennennung) : Democritus adserit neque arboribus neque satis quibuslibet noceri 
posse a quibuscunque bestiis, si fluviales cancros plurimos vel marinos, quos Graeci paguros 
nominant, non minus quam decem fictili vasculo in aqua missos tegas et sub divo 
statuas, ut decem diebus sole vaporentur. postea quaecunque inlaesa volueris esse, 
perfundas et octonis diebus peractis hoc repetas, donec solide, quae optaveris, ado- 
lescant. 

36 Plin. n. h. XIV 20: genera Vitium numero comprehendi posse unus existimavit 
Democritus, cuncta sibi Graeciae cognita jirofessus. ceteri innumera atque infinita esse 
prodiderunt, quod verius apparebit ex vinis. Vgl. Colum. r. r. III 2, 29. Verg. G. II I03f. 

37 Geop. V 2, 19: eic hayoinian a6 haccün aahpItuc kaaaicjn h ohpiaki^ (sc. AwneAoc), h 

AhMÖKPITOC KAI Tu) YrieiNU KAI TH KAAAIOINIA MAPTYPcT. 6X61 Ae TÖ KAHMA <t>YCei AenTÖN KAI 

AceeN^c. Vgl. Plin. n. h. XIV 1 1 7 : apud eosdem (sc. T/iasios) vitis theriaca vocatur, cuius 
et vinum et uva contra serpentium ictus meJetur. XXIII 1 4 : uva theriace, de qua suo loco 
diximus, contra serpentium ictus estur. pampinos quoque eius edendos censent inponen- 
dosque. et vinum et acetum ex bis factum auxiliarem contra eadem vim habet. (Aus Euagon 
oder Anaxipolis aus Thasos, vgl. Index zu diesem Buche.) Aus Bolos schöpft Florentinos 
nach Geop. IV 8, 1 f. II 47, 13. 14. Aus Gargilius Martialis Palladius III 28. 

38* Diosk. m. m. IV 162 (308, 14): CYM*YTeYe6ic a^ amo^aoic (sc. ^aa^bopoc m^aac) npöc 

TH PIZH TÖN 61 A'Y'TfflN oTnON KASAPTIKÖN ePTÄZeTAI. Vgl. V 67. 

I Cato c. 114: vinum si voles concinnare, ut alvum bonam faciat . . . veratri atri radices contundito in 
pila, eas radices dato circum vitem et stercus vetus et cinerem veterem et duas partes terrae circumdato 
radices vitis. c. 115. Plin. n. h. 14, iio. Geop. VIII 18 (aus Celsus-Cato) IV 8, 4. Ps.-Theophr. h. pl. IX 10, 3. 
Dasselbe Verfahren bei Feigenbäumen: Geop. X 51 (äk Ahmckpitoy. Vgl. VIII 18) und bei Gurken: Geop. XII 19, 14. 

39 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 208: Suivant Democrite, l'olivier se plante dans les terres 
blanches depourvues d'herbes, qui sont seches et non humides. II faut se garder de le 
mettre dans la terre rouge saumätre ou salee, non plus que dans les terrains qui se 
refroidissent trop dans les grands froids de riiiver ou s'echauffent en exces dans les 

5 fortes chaleurs de Pete, ni lä*oü le vent souflle avec impetuosite, ni dans un sol sujet 
ä se gercer ... (211) suivant Democrite, les branches d'olivier destinees ä etre plantees (en 
boutures) doivent avoir une ecorce lisse, etre prises sur un jeune sujet ... (219) Democrite 
et Cassius disent que toute espece de furnier, ä Texception des matieres stercorales 
humaines, peut convenir ä l'olivier; mais on ne doit lui donner de l'engrais que tous 

■o les trois ans une fois. 

I Geop. 1X4,5: H YrpoTePA rfl ereAAecTSPAC kai AinAPUTePAC *epei tac ^aai'ac, ai' fJN aitian taythn 

nPOKPITeON THN rflN. AGYTePA Ae TA'r-THC k AeYKAPriAAOC . . . THN AS BAGYrSION OYK ^HAINDYMeN, OYTe AG THN 

ÄPYePAN- eePMH tap oyca CYrKAiei ta «ytä. noAY as «aaaon *eYKTeoN thn KATeppHmeNHN. Vgl. Pall. III 18, 3 f. 
6 Geop. IX 5,4: AHOT^ON A6 eic ta »ytüpia Änö tun NeuN eAAiöN . . . APenANu Ae. Öse? thn tomhn AeitoTeoN 

OANTAXÖeeN, AIACÜZONTAC AK^PAION KAI ÖAÖKAHPON TÖ <t>YTÖN. Vgl. IX 7: AB? TA *YTa' TÖN ^AAIÜN XnÖ . . . AeNAPUN 

n^un . . . AelA Te KAi öpeÄ ^KAereceAi. Col. i-. r. V 9, 2. Theophr. c. pl. 111 5, i. 7 Geop. IX 15, i : oaca 

KÖnpoc ^niTHAeiA th ^aaia aIxa thc ÄNepconeiAC ... xph ag KonpizeiN tag äaaiac oapa ayo ft tpia Sth. Col. r. r. 
V9, 13: tertio quoque (sc. anno) fimo pabulandae sunt oleae. 

40 Ibn al-Awam a. a. 0. I S. 140: Le meme (sc. Kastos) veut que quand le plant (le 
jeune arbre) venu de graine a pris racine, il faut le porter (le repiquer) ailleurs, parce 
qu'il s'en trouve bien. Demoarite s'explique ainsi : quand deux ans ont passe sur ces 
semis, il faut les rep lauter dans un autre en droit. 



Die Georgika des Demokritos. 51 

41 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 380: Ibn-Hedjadj . . . dit dans le Moqnah (le Süffisant), 
un des livres qu'il a composes sur lagriculture, que la grefle est appelee par Democrite 
inschab, infixation (^NeeMATicwöc?). 

Ibn al-Awam I 391: Democrite dit: si on greffe le cedratier (kitpion, mhaon Mhaikön) 

snr le mürier (cykaminon), il donnera des fruits rouges ; cet arbre se greffe aussi sur le 

grenadier (f'OiÄ) ; le prunier (aamackhnön) ä fruits noirs se greffe sur le poirier (XniAioN) ; 

le coignassier (kyaunion) regoit toutes les especes qu'on veut greffer sur lui. Fin de la 

citation de Democrite, qui dit, dans un autre endroit de son livre : on greffe le pommier 

(mhaa) sur le poirier et le coignassier, le poirier (pommier Text) sur le grenadier, la vigne 

sur le prunier noir; le prunier jaune se pose tres-bien sur ie pommier et le cedratier. 

4 Geop. X 76, 7 : ei Ae ayt6 tö kItpiön Tic eic cykaminon ^NeewATicei (Democrit), ^PYePA oi'cei ta kitpia. 
X 7, 12. 5 Geop. X 7, 12: ^rxeNTPizeTAi a^ tö kitpion ka'i eic Poiän. X76, 9: tö kItpion kaaöc irKeNTpizcTAi 

eic Poiän, uc Ö Aiaymoc cn toTc PeupriKoTc aytoy ♦hcin. X 37, 3. 6 Geop. X 76, 5 : tä aamackhna örKCNTPizeTAi 

eic nÄCAN AxpXaa kaI eic kyaünia kaI eic mPiaa. 7 Geop. X 76, 8: ta kya6nia kai tö ^pinsön hantöc aenapgy 

icf\ ACKTIKÄ- Ö BOYAei 0?N eic TAYTA ^rK6NTPlC0N (HTOI ^«»YAAICON. 8 GcOp. 3. a. O. 3 : TA MHAA ^PKeNTPizeTAI 

6IC nÄCAN AxpÄAA ka) eic kyacünia X 20, i. 9 Geop. a. a. O. 2 : ta Ae XhIaia ^NeewATizeTAi eic ^o\kc. X 24 

Fall. III 25, 7. 

42 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 261 : Demomte dit que la recolte des amandes (AWYrAAAüN) 

se fait quand Tecorce externe commence ä se detacher; on jette dessus (c'est-ä-dire on 

les lave avec) de l'eau salee ; on les expose au soleil, ce qui les fait blanchir. Le jeune 

amandier se replante vers le milieu de tischerin second (novembre). 

Geop. X 58 (ans Anatolios-Quintlliern) : hn'ka Ö *aoiöc aytön (sc. ÄMYrAAAÖN) f>;^rNYceAi mbaagi, cfNAre 
TAYTAt, KAI XnoAenicAC Xamh nAYNON (toyto tap KAI AeYKAiNei KAi Yriclc AYTAC noici), KAI iHPÄNAC AN AaIü) XnöeoY. 
Garg. Mart. III 8 (S. 408 M.) : ac si ad servanda deligi (sc. amygdala) placeat, Signum maturitatis ostendunt, cum 
corticem reiniserunt . . . tum coiio libeiata (-ae cod.), si quis a(iua marina iavet . . . (desinunt rel.). Aus ihm 
stammt I'ali. II 15, 12: amygdala ad legendum maturitatem fatentur, cum fuerint spoliata coiticibus . . . item 
decoriata si aqua marina lavemus aut .salsa, et Candida fiunt et pluriimim durant. 

43* Geop. X 60: KATÄrPAnTA Xm'itaaaa noiHCAi. AHMOKPixoY (recte). 

KAieXlAC TÖ Xm^PAAAON e'fOYÖC, KAI TÖ ^NTÖC -yTI^C THPHCAC, ÄNOilAC TG TÖ XmYPAAAON etc 
(je) TÖ ^NTÖC ö BOYAEI KATAPpXtAC KaI CONAHCAC oXaIN nAHYPÜ), »YTSYCON nePinAÄCAC nHAÖ KAI 

■rei/i KÖnpu kai CYrxucoN. 

Pall. II 15, 13: Graeci adserunt nasci amygdala scripta, si aperta testa nucleum sanum 
tollas et in eo quodlibet scribas et iterum luto et porcino stercore involutum reponas. 
Letzte Quelle ist Diophanes-Demokrit. 

44 Ibn al-Awam, a. a. O. I 241: Democrite prescrit de debarrasser des pierrailles et 
de tout cori)s dur les trous qui doivent recevoir le poirier; on y depose le jeune arbre, 
on jette sur (les racines) de la terre passee au crible, puis on arrose. 

Geop. X 22, l: npcANAAeiÄMeNOC nÄN AieÖAec ^k tujn BÖepcjN *YTeYCON tö «ytön (sc. tö 
XnniAiON), kaI thn cgchcm^nhn (rlji cec. Hdss.) npocxujCAC Xpacycon. Pall. III 25,6: si lapidosa 
pirus est, ab extremis radicibus terram priorem levabis et secernes omnes lapillos: quibus 
diligenter remotis alteram terram cribratam (cribro cretam ed.) in loco eius infundes. 

45 Ibn al-Awara, a. a. O. I 546: Democrite dit que lorsqu'il se trouve sur le poirier 
des fruits contenant des grains gätes, de mauvaise odeur, semblables ä du fumier, il 
faut dechausser l'arbre, meler ä la terre de l'engrais de bonne qualite, puis remplir la 
cavite et donner de bons arrosements. 

46 Ibn al-Awam, Le livre de l'agr. I 244: Democrite dit: Quant au jujubier (zizyoon), 
vous prendrez, pour le planter, des rameaux d'un pied productif ; ils reprendront tres-bien. 
D'autres defendent de propager le jujubier de noyau, parce que l'arbre qui pourra en 
provenir ne donnera plus de fruits, ou bien celui qu'il produira ne sera pas plus gros 
que celui de rolivier sauvage, qui a un fort noyau et tres-peu de pulpe. Le meilleur 



52 M. Well mann: 

Systeme de propagation c'est au moyen des rejetons foumis par un arbre dans une 
bonne condition, et tous les ans on aura des fruits pareils en qualite. II faut faire cette 
plantation le cinquieme jour de la lune dans son declin, dans des trous de trois empans 
(0,7 m.) de profondeur. On ramene (sur le pied) la terre seule, sans engrais: on arrose 
tous les huit jours depuis le premier novembre jusqu'au premier mars. Vgl. Ibn al-Baitar, 
Simpl. II 630. Geop. X 3, 4. 6 (wo die Vermehrung durch Stecklinge und Absenker kurz 
erwähnt wird). X 43: tö zizyoon «oYTe-f-eTAi kai e3E ophihkcdn Xnö wecoY to9 a^napoy aambanom^nun, 
WC Ö AiAYMOC eN ToTc feupriKoTc a-t-toy cohcin. 

47 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 271 : Suivant Democrite, on plante le noyer (käpyon, kapyon 
baciaikön) dans les terrains qui ne sont ni chauds ni froids. On seme la noix au mois 
de schebath (fevrier) et en automne; on repique le jeune plant, quand on le juge convenable. 
Vgl. Geop. X 64. Pall. III 25, 3 i : mense februario seu planta seu semen exponitur. gaudent 
loco macro, umido, frigido, etiam sabuloso. 

48 Ibn al-Awäm, a.a.O. I 235: Suivant Dmomfe, on multiplie le chätaignier (kactan^a, 
Aiöc BAAANOc) par le moyen de ses branches et de son fruit. On replante le jeune arbre 
au bout de deux ans, au mois d'Adar (mars) ä l'equinoxe (du printemps). Col. r. r. 
IV 33, 2. 3. Plin. 17, 59. Geop. X 3, 3. 6 (Vermehrung der Kastanie durch Stecklinge und 
Absenker). 

49 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 319: Democrite dit qu'on plante le prunier (kokkymha^a- 
AAMACKHNÄ) au mois de schebath (fevrier). 

50 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 305: Democrite dit qu'on le multiplie (sc. le coignassier, 
kya(I)nion) de boutures dans le mois de schebath (fevrier); c'est aussi Tepoque pour planter 
l'arbre enracine. 

51 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 2-94: Democrite dit que le cedratier (kitpion, mRaon Mhai- 
kön) se propage de boutures de la longueui* d'une coudee, dans le mois d'adar (mars). 

52 Ibn al-Awam, a. a. 0. I 268: Democrite dit qu'on fait des boutures (d. h. bei der 
mop^a) de la grosseur d'un bäton quon plante au mois de schebath (fevrier). Vgl. Ibn al-Baitar 
Simpl. II 633. 

Plin. n. h. 17, 136: communis quidem Italiae ratio tempora (sc. conserendi) ad hunc 
modum distribuit: moro ab idibus Februariis in aequinoctium. Col. r. r. V 10, 20. Pall. III 
25, 28: serenda est (sc. morus) taleis vel cacuminibus, melius autem taleis sesquipedalibus 
ex utraque parte levigatis ac fimo oblitis . . . seremus a medio februario et toto martio. 

53 Ibn al-Awam, a. a. 0. 1 317: Democrite dit que le noyau d'abriQot («haon ÄPweNiAKÖN) 
se seme au mois d'ab (aoüt), quand on mange ce fruit. II faut arroser le pecher (mhaon 
TTepciKÖN) parce que, lorsqu'on le fait, le fruit en est plus gros. Le plant provenant du 
semis se replante >iu second kanoun (janvier). 

54* Geop. X 14: KATÄrPAnTA nepciKÄ noiHCAi. A hmokpitoy (recte). rpAnrÖN nepciKÖN noiAco- 

MCN oVtCOC MGTÄ tö BPUeHNAI TON KAPnON TOY ACÜPAKINOY, BP^äON ^ni AYO H TPeTc fiM^PAC TÖ ÖCTOYN, 
KAI HP^MA ÄNOIION, KAI THN eYPICKOM^NHN GNAOeeN TOY ÖCT^OY AMYTAÄAHN AABÜJN enirPAYON ^N TU 
TAYTHC <t>AOI(j) XAAKÖ rPA<t>eiü) 0, Tl (et Tl ed.) AN BOYAH MH BAe^UC, gTta nAHYPU eNGIA^CAC ♦YTGYCON. 

önep rAp an enirpÄYHC en th amytaäah, to9to gn tu kaphu e'v'pAceic. tin^c a^ kai im XMYrAAAHC 
toyto noioYciN (X 60). Quelle ist Africanus. Vgl. Psellos bei Westerm. Parad. S. 145, 5. 
Pall. XII 7, 3 (Quelle Graeci, d.h. Diophanes-Demokrit), der zwei Experimente zusammen- 
wirft: Versehen der Pfirsiche mit Schriftzeichen und Rötung derselben durch einen Zusatz 
von Zinnober (Geop. X 15, 2). 

55 Ibn al-Awam a. a. 0. I 541 : Democrite dit que, si on prend de la feuille de cypres. 
qu'on la fasse bien secher, puis qu'on la pile et la reduise ä Tctat de poussiere tres- 
fine, si, ensuite, se plagant vers le sommet d'un pistachier (nicTAKioN), on repand, quel que 



Die Georgika des Demokriios. 53 

soit le vent qui souffle, cette poussiere sur l'arbre en fleur, ä trois ou cinq reprises 
differentes, pendant dix jours, le fruit poussera bien et ne tombera point. II en est qui 
veulent dix jours d'intervalle entre chaque pulverisation. Vgl. I 527, wo dasselbe nach 
Macaire berichtet wird. 

56 Ibn al-Awam a.a.O. I 254: Democrite dit que quand on veut multiplier le grenadier 
(l>oiA), on plante une branche prise au sommet de l'arbre, parce qu'alors on aura du fruit 
bien plus promptement. La branche doit Mre mise profondemcnt en terre. II dit encore 
qu'il existe de la Sympathie entre le grenadier et le myrte, et que, si on les plante 
ensemble, leur produit est plus abondant, parce que leurs racines se recherchent et 
s'entrelacent. Vgl. 519. 

GeOp. X 29,5: AhMÖKPITOC a6 »HCI ^OIÄN KAI MYPCINHN ÄAAHAAIC XAIPeiN KAI nAHCION 
XAAJ^A(l)N nAPAneOYTeVM^NAC E't'OOPHCeiN KAI TAC MZAC ÄAAHAAIC CYMnA^KeiN, KAN MH C«6aPA errYC 

o?CAi TYrxANuciN. Daraus Sim. Seth S. 71,2 (Langk.). 

57* GeOp, X48: ÜCTe CYKHN Mf) XnOBÄAAeiN TÖN KAPnÖN. T09 A'y'TOY (sc. A HMOKPirO y) . . . 
2 ÖMOiuC O'f'K XnOBÄAAei TÖN KAPnÖN, iku TÄC PIZAC AY-THC XaATI KAI «OYKIOIC eAAATTIOIC KATA- 

nAXcHC, (\ tn AixoMHNü) ceAHNH «iAT(o tX hpemna kataxpichc, h 6ayn90yc a'y'th nepiÄTHC (aus 
Anatolio.s). Vgl. Ps. Demokrit TTepi XNTinAe. 20 (aus Anatolios-Pamphilos-Demokrit) : cykh 
elTKAPnoc M^Nei ncNTeKAiAeKXTHC o^cHC tRc eeo9 öaynoun a'y'th nepiAoe^NTUN (Theophr. c. pl. 

II 9, 5. h. pl. II 8, l) (H KAI »YKIUN AYTH nePIA«e^NTü)N SAAACCiuN (\ MIATOY TA CTGAEXH nePIXPlOM^NHC. 

Pallad. IV 10, 30: si fructus suos velut aegra (sc. ficus) proiciat, alii rubrica aut amurca 
insulsa mixta aqua arborem liniuit . . . vel algam marinam (sc. suspendunt). Vgl. Plut. 
quaest. symp. VII 2, 2. Colum. V 10, 10. de aib. 21,2. Plin. n. h. 17, 256. 

58* Geop. X 47 : katXppahta c9ka noificAi. Ahmokpitoy. tön m^aaonta 6M*YAAizeceAi 

ÖOOAAMÖN T09 c9kOY KATXrPAOG b BOYACI, KaI tX c9kA grrPAOA BAACTI^Cei. 

59 Ibn al-Awan, Livre de I'agric. I 322: suivant Democrite, on creuse un trou de 
la profondeur d'une coudee; on le remplit de terre et d'engrais; on prend ensuite un 
noyau (sc. du palmier) qu'on fend par la moitie, puis on le depose dans le trou, de fagon 
que la terra soit adherente a la partie qui a ete fendue. Ainsi pose, on repand par-dessus 
de la terre et de l'engrais, aprös y avoir m^Ie une certaine quantite de sei; on arrose 
constamment jusqu'ä ce que la germination ait Heu. Vgl. Ibn al-Baitar, Simpl. II 7 1 1. 

Geop. X 4, I : öp95ac böopon nHxüN ayo bXooyc kai oaXtoyc to9 a'*'to9 fi kai ha^on, hai^pcocon 

XÜMATOC MCTX KÖnPOY MEMirM^NGY XnÖ AirÜN, XnOAind)N HMinnXYATON BÄeOC, eTtA M^CON T09 XtbWATOC 
THC BAaXnOY tön HYPHNA CXHMATiCAC HPÖC TplN THN, ÜJCTE TÖ 6sY T09 nYPHNOC nPÖC XnaTOaXc 
BA^neiN, ^niXlüNNYe THN MGTA KÖHPOY kai XaUN MEMirW^NHN, KAI XPAGYe KAe' hm^pan, eCüC AN BAACTHCH 

(~ Junius d. i. Anatolios bei Ibn al-Awam S. 32 i, vgl. S. 324). Pall. XI i 2, 2. Geop. 11 10, 9. 
Theophr. h. pl. II 6, 2: »iagT a^ xcijpan Xamcüah" aiö kai iSnoY «hi toiayth tytxXngi, nepinXTTOYcm 
Xaac Ol reuproi. 

60 Plin. n. h. 15, 138: eadem (sc. laurus) purificationibus adhibetur, testatumque sit 
obiter et ramo eam seri, quoniam dubitavere Democrittis atque Theophrastus (h. pl. II i , 3). 
Vgl. Ibn al-Awam I 226: d'apres Ibn el-Facel et Abou'l-Khair, on multiplie le laurier de 
rejetons pousses au pied de l'arbre, qu'on enleve avec les racines. 

61 Geop. XI 16: TÖ AENAPCAiBANÖN ♦ A c I ♦YTe'feceAi ii A'^TOPPizü)N KAI XnocnXAUN ' agT A^ 
to9to noieTN katatio^ntac eic thn thn a'y'tX kai noTizoNTAC. haeTan a6 kai bapgTan thn öamhn 
6xei, WC Ö Ahmökpitöc <i>hci kai toTc AeinoeYMo9ciN ^nAWYNer kata^yteyetai ag AAaptIü) mhni. 
Unter AeNAPOAiBANON ist der Rosmarin zu verstehen. Vgl. Diosc. m. m. III 75 (aibanutic) 
Plin. n. h. 19, 187. 17, 98. 

62 Ibn al-Awam, Le livre de Tagric. (trad. par Clement-Mullet) I 2 3 7 : on lit dans 
le livre d'Ibn Hedjadj, que Democrite dit que le ebene se plante dans le mois de Schebath 



54 M. Wellmann : 

(fevrier), qu'il aime les coteaux (lieux inclines) frais, la terre grasse et forte ; on lui donne 
pour engrais du furnier de vache mele de terre vegetale. 

63 Geop.XIi3, 2: ö At Ahmökpitöc ♦hcin, üc ö kaphöc thc itgac AGiOYMeNOc KAI taTc 
tpo*aTc tön kthnun MirN^MGNOC ta9ta AinAiNei. eKniNÖMeNOC ae AeANeeic ANepunovc atöngyc noieT, 

^E OY <t>HCI KAI ''OmHPOC (K5IO) 'KAHePOi T AtreiPOl TG KAI IT^AI COAeCIKAPnOl'. 

I uc Ae FM. 2 AiANeelc 31: AeiANeeic reliqui: correxi. Vgl. Ael. n. a. IV 23 : kaphön ac itgac et Tic 

eAIBENTA AOiH nlelN TOTC AAÖrOIC, AVneiTAI ÄKelNA OYAe BN, «ÄAAON AS KAI TP^»eTA|- HIUN AC ANePCÜHOC THN 

cnoPAN THN nAiAonolÖN TS KAI erKAPnoN ÄntüAece. kaI «01 agks? '"Omhpoc kai ta Tfic «Yceuc äoöpphta anixneycac 
eTta m^ntoi 'kai iTeAi (oAeciKAPnoi' sn Tofc eAYTOY METPoic eineTN TOYTO AiNiTTÖweNoc. Der demokritischen Er- 
klärung von (iAeciKAPnoc bei Homer stellt eine ältere gegenüber (weil die Weide frühzeitig ihren Samen ver- 
liert), die schon Theophrast (h. pl. III i, 3 caus. pl. II 9, 14) kennt: äaaa thn itban taxy npoKATABAAAeiN npö 

TOY TeAElUC AAPYNAI KAI H^YAI TON KAPnÖN (sC. *ACIN) • AI6 KAI TON nOlHTHN OY KAKÖC nPOCArOPGYeiN AYTHN 'tOAeci- 

KAPnoN'. Beide Erklärungsversuche kennt Plin. n. h. 16, 1 10: ocissime autem salix amittit semen, antequam 
omnino maturitatem sentiat, ob id dicta Homero frugiperdia (Theophr.). secuta aetas (Bolos) scelere suo inter- 
pretata est hanc sententiam, quando semen Salicis mulieri sterilitatis medicamentum esse ciinstat. Ebenso der 
Scholiast zu Hom. a. a. 0.: ÄnoBÄAAOYCi tap tö ansoc (sc. a! itsai), nPiN nenANefl- fi önei ol nJNONTec tö ANeoc 
AroNoi riNONTAi . . . <t>Hci AE eeö«PACTOc ^N <t>YCiKoTc (Irrtum für Ahwökpitoc in feupriKoTc), tön xyaön thc itgac 
niNÖMENON AOANizeiN THN roNHN TüJN XNepojncoN. Die Ansicht Demokrits ist in die nachchristliche naturwissen- 
schaftliche und medizinische Literatur übergegangen. Vgl. Hieron. Com. in Zach. pr. III 14 (25, 1612B Migne) : 
aiunt medici et hi qui de arborum et herbarum scripsere naturis, quod si quis florem Salicis sive populi 
mistum aqua biberit, omnis in eo frigescat calor et libidinis vena siccetur ultraque filios generare non possit. 
Porph. bei Stob. Flor. III 248. Serv. com. in Verg. Georg. II 48. Isid. XVII 7, 47 (daraus Konrad von Megen- 
berg, Buch der Natur S. 347, 1 1 Pfeiffer). 

64 Geop. Xl5,4: Ahmökpitöc a^ «ohcin, üc eNAoeeN toy epirKOY thn KYnÄpiccoN agT 
«YTeYGceAi, Yna kat' AM*ÖTePA eic t^pyin KAI nepioPATHN reNHTAi. Vgl. V 44, 6. 

65 Plin. n. h. 17, 62: myrti genera omnia in Campania bacis seruntur, Romae propa- 
gine. Tarentinam Democritus et alio modo seri docet, grandissimis bacarum tusis leviter, 
ne grana frangantur, eaque (aquae) intrita restem circumlini atque ita seri. parietem fore 
{mirae) densitatis, ex quo virgulae differantur. 

I Geop. XI 7, 4: Ol Ae tu CO^PMATI (>C. «yPcINHC) nPOC*AT(üC AH«6äNTI HAPATPirANTeC CeiPAN iK BOYTÖMOY 

nenAerwENHN eic tä*pon ^«bAaaoycin. Vgl. V44, 4. Pall.134, 5. Col. r. r. XI3, 5. Plin. 17, 62 (Schluß). 2 Taren- 
tina Hdss., vgl. Plin. 15, 122. 3 Mayhoff nimmt hinter frangantur eine Lücke an und ergänzt nach 
Pall.134, 5: ex aqua farinam misceri. aquae habe ich ergänzt, vgl. Col. a. a. O. 4 mirae ergänzt Dal., 
Mayhoff nimmt eine gröi?ere Lücke an. densitates D: densitatis E: densitate Detl. 

66 Ibn al-Awam, a. a. 0. I263: Ibn Hedjadj rapporte dans son livre que, suivant 
Democrite, on fait sejourner la graine (le cöne ou pignon) dans l'eau pendant trois jours, 
avant de le planter, ce qui a lieu pendant la premiere moitie du mois d"adar (mars). 
Au bout de deux ou trois ans, on effectue la transplantation du jeune pin; cet arbre 
ne vient tres-bien que dans les plaines incultes (les deserts) .... 264: Democrite le Grec 
prescript de faire tremper la graine dans l'eau pendant trois jours, et d'en mettre trois 
dans chaque trou, en tournant l'une d'elles en sens inverse, c'est-ä-dire l'extremite minee 
en bas. D'autres prescrivent de mettre en haut cette partie. Vielleicht gehört ihm auch 
noch das Folgende. Vgl. Fall. XII 7,10: proficies, si nucleos aqua ante triduum macerabis. 
7, 9: pinum seremus . . . frigidis et umectis (sc. regionibus) februario vel martio . . . inter 
montes et saxa vastior et procerior invenitur. 

67 Geop. XI 18, 9: Ahmökpitöc a^ ohcin gn m^cu tu e^PGi APAGYe^NJOC toy pöaoy 

AGYTGPON THC HM^PAC TÖ "l ANNOYAPiu MHNI *^PGIN TON KAPHÖN . . . (ll) ZuPOAcTPHC a6 A^rei in\ 
^NIAYTÖN GNA Ml^ AAPGTn TO'i'C ÖOOAAMOYC TÖN GN HPÖTOIC IAÖNTA ^HI TOY OYTOY «GMYKYIAC KÄAYKAC, 
KaI TPICIN il A-r'TÖN XnOMAIÄMGNON tA ÖMMATA, KAI GHI TOY *YT09 tA PÖAA KATAAinÖNTA. Vgl. 

Ibn al-Awam I 604. Geop. XI 1 8, 5. Plin. n. h. 2 i , 2 1 . Pallad. III 2 i , 2. Einen ähnlichen 
Aberglauben, wie Zoroaster von der Rose, berichten Diosc. m. m. I 1 10 (S. 104, 17), Simpl. 
I 29 (162, 7) und Plin. 23, iio vom Granatapfel und der Komiker Pherekrates von der 
Feige (Ath. III 7 8 d). 



Die Georgika des Demokritos. 55 

68 Colum. r. r. VIII 8, 7: id ne fiat (sc. ne columhae sedes suas relinquant), vetus est 
Democriti praeceptum. geuus accipitris tinnunculum vocant rustici, qui fere in aedificiis 
nidos facit. eius pulli singuli fictilibus ollis conduntur si)irantibusque opercula super- 
ponuntur, et gypso lita vasa in angulis columbarii suspenduntur. quae res avibus amorem 
loci sie conciliat, ne unquam deserant. 

Plin. n. h. X 108: speculatur occultus fronde latro (sc. accipiter) et gaudentem in ipsa 
gloria (sc. columbam) rapit. 109. ob id cum iis habenda est avis quae tinnungulus vocatur: 
defendit enim illas terretque accipitres naturali potentia in tantum, ut visum vocemque 
eius fugiant. hac de causa praecipuus columbis amor eorum, feruntque, si in quattuor 
angulis defodiantur in ollis novis oblitis, non mutare sedem columbas, quod et auro insectis 
alarum articulis quaesivere aliqui non aliter innoxiis vulneribus, multivaga alioqui ave. 
Vgl. Liebrecht, Zur Volkskunde .S. 88, Geop. Vers. syr. XIII 62 (nach Lagardes Übertragung): 
AAAA KAI MzA k.Jip^ «YTeveeTcA, tüc «HCl Ahmokpäthc (sc. nAPeMnoAizei -oevreiN täc nepicTepAc). 
Vgl. Geop. XIV 3. Gemoll, Berl. Studien I 127. 

69* Geop. XIV 4 : aTaoypon «fi ^noxaeTn nepicrePATc. [CcüTiuNOc] 

eic TÄC evpiAAC kai efc täc etcÖAOYC to9 nepicTCPeÖNOC kai katä nAeiÖNUN TÖnuN ayto9 
KAUNiA nHrÄNOY ÄnöeoY kai kp^macon. exei rÄP tina npöc tä ohpia ANTinÄeeiAN tö ni^rANON. 
Vgl. Tim. Gaz. in Suppl. Arist. I i ed. Lambros S. 112, 17: Xaa'ömcüc th kaaia tun ÖPNieuN 
nHrÄNOY nAPATee^NTOc O't'k an bhpäch (sc. h iktIc) thn eTcoAON o^a' et mäaicta tu aimö tpyxhtai. 
Pall.124, 3 (aus Garg. Mart.): rutae ramulos plurimis locis (sc. columbarii) oportet contra 
animalia inimica suspendere. Eine Weiterbildung ist die Vorschrift, dem Federvieh Raute 
unter den Flügeln zu befestigen zum Schutz gegen Marder und Fuchs bei Geop. XIV 9, 6. 15. 
Aus Bolos' Sympathiebuch stammt die Notiz des Diosk. m. m. III 45 S. 59, 7: *aci a^ 

TÖN XYAÖN (sc. riHrÄNOY) ^niPPANO^NTA ÖPNiei XnePYKeiN TOYC AIAOYPOYC. 

70 Geop. XIV 9,6: ^ÄN A^ ni^rANON yhö täc nT^PYrAC tön ÖPNie(i).N npocAeeem, o^tc 
aTaoypoc o'fTe XAÜnHs o<irTe äaao ti öhpIon Xyctai a'y'tön (Jul. Africanus nach Geop. XIV 15)" 

KAI nOAAü) MÄAAON, ^ÄN efc THN TPOOHN XOAHN ÄAUnCKOC fi a/aOYPOY ÄNA*YPÄCAC AÖC, UC Ö AhMÖKPITOC 

AiABeBAio9TAi. Vgl. Plin. n. h. XXVIII 265 : gallinaceos non attingi a vulpibus, qui iocur 
aniraalis eius aridum ederint . . . similiter in feile mustelae. 

71 Geop. XVII 1 4, 3 : Ahmökpitoc a6 cYMBOYAeYei ^apoc Xpxom^noy eic tö hotön tön 

BOÖN (sc. nPÖC AAHAA OÄen) ^ni T^CCAPAC kai A^KA HM^PAC ^MBÄAAeiN CkIaAHC KAI ^ÄMNOY piZHC. 

C01.VI4, 3. 

Veget. Mulom. II 139: adversus universas infirmitates et morbos equorum vel boum, 
ubi primum coeperint aegrotare, potio ista succurrit: radices Scillae, radices populi quae 
ai)pellatur ramnus ... et salis communis quantum sufficit mittes in aquam eamque ani- 
malibus usque ad sanitatem dabis in potu. quodsi desperatas valetudines praeoccupare 
volueris, ne unquam accidant animalibus tuis, incipiente vere hanc tempera potionem et 
animalibus omnibus per XIV dies continuos dabis in potu. Garg. Mart. Cur. boum 10. 
Veget. IV 2,4. Chir. Mulom. c. 497 S. 163, 12 Oder. 

72* Plin. n. h. 22, 153: bubus iumentisque (ervum) utilissimum. Col. r. r. VI 4, 3 : 
multi caulibus vitis albae et valvulis ervi bubus medentur. 

Diosk. m. m. II 108 (182, 17): bo9c a6 AinAiNei (sc. b öpoboc) feoeöc nAPATie^MCNOc (Quelle 
Krateuas). 

Geop. XVII 4: böac «h XceeNcTN. Ahmokpitoy. öpobon bp^xcdn aeTon nÖTize katä mhna. 

73* Geop. XVII 6, I : nepl nporNcbceuc tön rcNNUM^NUN. ['A«pikano9.] d\ nporiNticKem ei- 

AONTfiC, nÖTePON APPeN (H eHAY T^ICTAI H BIBACeeTcA B09c, nAPATHPeiTCJCAN* ^ÄN M^N CIC TÄ AEIIÄ 
M^PH Ö B09C KAT^AOH, APPCN TÖ TexeHCÖMeNON TCKMAIP^CGIO, Xn A^ iu) TÄ XpiCTePÄ, SMAY. 



56 M. Wellmann: 

Varro r. r. II 5, 13: mas an femina sit concepta, significat descensu taurus, cum init, 
quod, si mas est, in dexteriorem partem abit; si femina, in sinisteriorem. Col. r. r. VI 24, 3. 
Plin. VIII 176 (Celsus). 

Horapollon, Hierogl. II 43 (aus Chairemon-Demokrit) : ^kgTnoc rÄp (sc. ö taypoc) Xnö thc 

ÖxelAC KATABAINUN, £1 M^N eni TA APICTePA KATeASOI, SHAV reNNATAl' 61 A^ im TA AGIIÄ KAT^AOOI 

Xnö THC öxeiAc, äppen tiktetai. Vgl. Millers Hippiatrika o>ab' . . . otan eniT^i h h Tnnoc kai 

TÖ OYeAP nPOXAAÄCH MÄAAON GK T09 AeilOY M^POYC KaI THN eAAHN, XPPEN A'Y'TH riNeCOAl " ikH AG TÖ 

e^(i)NYMON, efiAY riNeceAi. Daraus Hierokles bei Grynaeus p. 58, 13. Ibn al-Awam, a.a.O. IV 5. 

74 Colum. r. r. VI 28: quae (sc. proles equorum) sive ut femina sive ut masculus 
concipiatur, nostri arbitrü fore Democritus affirmat, qui praecipit, ut, cum progenerari 
marem velimus, sinistrum testiculum admissarii lineo funiculo aliove quolibet obligemus : 
cum feminam, dextrum. idemque in omnibus pene pecudibus faciendum censet. Vgl. 
VIII 3, 12. 

I Quelle Leophanes nach Arist. de gen. an. IV 765a, 25. Aet. plac. V 7 S. 420, 7D. [Hippocrates] de 
superf. 31 (VIII 500). Plin. n. h. 8, 188 (aus Celsus). 30, 148. Pall. IV 11, 6: Graeci adserunt, si mares creare 
velis, sinistrum tauii in coitu ligandum esse testiculum: si feminas, dextrum. Geop. XVII 6, 2. XVIII 3, 7. 
Hippiatr. I 15. VII 3, 12. 

75 Geop. XIX 7,3: Ahmökpitoc oyn b «yciköc AC<t>OAdAOY MzHc ^n'ÖAiroN eAAceeicHC mnac 

r' KEAeYei KAo' e'KACTON CYN eiC ThIN TPOOHN MITNYNAI, KAI nPO Z HMEPOÜN TÖ B^BAION THC 'tTieiAC KOMieT- 

ceAi ... (6) eneiAH AAH*ÄroN ön tö zöon mäaicta tön cnAHNA NoceT, änspakac mypikInoyc eic '^aup 
XnocB^CAC nAPÄcxe nieTN. kai ANeptinoYC ag oTnoc Xnti toy yaatoc eic mypikInac kyaikac (wYPiKiNOYC 
ANePAKAC Hss.) ewBAHeeic kai noeeic eePAneYcer toyto ae mäaicta Ahmökpitoc maptypeT. (7) ^ngp- 
recT^PAN Ö A'r'TÖc Ahmökpitoc Tacin to9 chahnöc toTc ÄNep^noic ececeAi AiABeBAio9TAi, ei anopaii 

CIAHPON HYPtiCAC XnOCB^CHC YAATi, gTtA TÖ YAUP Ö£ei MliAC AOIHC HIcTn TÜ hAcXONTI TÖN CHAHNA. 

I Vgl. Geop. XIX 6, 13. Plin. 22, 72. 4 Vgl. Plin. n. h. 24, 67. Cels. IV 16. Cael. Aur. m. ehr. III 4,61. 
Scrib. Larg. 132. Diosk. m. m. I 87. Colum. r. r. VII 10, 8. Marc. Emp. 23, i. 49. 6 Vgl. Lewysohn, Die 

Zoologie des Talmud S. 120: 'Es wird erzählt, daß einer Ziege durch das Trinken von Wasser, welches die 
Schmiede zum Abkühlen des Eisens gebrauchen, die Milz einschrumpfte und zuletzt gänzlich sich auflöste, 
so daß sie nicht vorgefunden wurde.' 6 Marc. Emp. 23, 6. Diosc. m. m. V 80 (53, i). 

76* Geop. XVII 5, 2 : ei a^ 01 taVpoi npöc thn öxgian bpaa^noyci, ka-J-cac ^aä*oy O'^pAn 

KAI CYAAeiü)CAC, oTnü) TS OYPACAC, AAGKUC TÖ AIAOTON KAI TOYC OPXGIC TOY TaS-POY, KAI OICTPHCCI eYe^lüC. 

to9to a^ O'r'K in) tön taypcün mönon, Xaaa kai ^ni tön aaaun züun kaI in] XNepuncüN r^NOiT Xn. 
aVcic a^ THC oicTPi^cecoc eAAioN xpice^N. Vgl. Demokrit bei Col. VI 28. Geop. XIX 7, 6. 
TTAirNiA 7 S. 132, 22 D. Dasselbe magische Mittel kehrt noch einmal wieder Geop. XIX 5,4. 
Quelle der Geoponika, d. h. des Anatolios-Didymos, sind die Quintilier (Africanus) nach 
Apsyrtos Hipp, p- 55: oypän eAA*OY ka^cac tpTyon mcta oIndy kaI xpTcon toyc öpxeic kaI tö 
AiAoToN. oTe AC ecASic nAYCAi, gaaIcü xpTe. 

77 Geop. XVllI 9, 7: tpApoc a^ o-y- *e^ieTAi, eXn kciphc a'y'to? tön nöriONA. Vgl. XV 1,35 
(aus Anatolios-Pamphilos). Quelle ist Demokrit nach Plin. n. h. 28, 198: adferunt et Magi 
(aus Apion-Demokrit) sua commenta : primum omnium rabiem hircorum, si mulceatur barba, 
mitigari (~ Ael. n. a. IX 54); eadem praecisa non abire eos in alienum gregem. Ibn al- 
Awam II (2) S. 17: II en est qui disent que les boucs qui ont Thabitude de s'eloigner 
du troupeau sont rendu forcement sedentaires, si on leur coupe la barbe sous le menton, 
ä l'approche du printemps ; suivant d'autres, en la coupant avant Ihiver, le resultat est 
le meme. 

78 Geop. XIII 14, 9: Ahmökpitoc a^ <t>Hci nÖAAC AAruOY h ^aäooy nepi toyc epwTNAC thc 

KAINHC nPOCAPTUM^NOYC [kaTA NUTa] KATA TÖ ^niKAINTPON MH GAN KÖPEIC riNGCeAl. 

Aet. XIII 46 (in der interpolierten Fas.sung): Ahmökpitoc a6 «hci höaac ^aAocon npoc- 

APTUM^NDYC KATA THN THC KAINHC CTPUMNHN O'r-K CÄN KÖPGIC TCN^CeAl. 



Die Georgika des Demokritos. 57 

Wahrscheinlich demokritisch sind folgende beiden Mittel: 

79 Geop. XIII 14, I : ytra niccA kai Ärpiov cikyoy Ö xyaöc eniSAAAÖMeNOC in kainh anaipcT tac 

KÖPeiC . . . XOAHN TAYPOY fi TPÄTOY OiGI APIMeT mIsAC AAei<l>e THN KAINHN KAI TOYC TOIXOYC. Vgl. SaSCma 

bei Varro r. r. I 2, 25: scribit cimices quem ad modum interfici oporteat his verbis "cucu- 
merem anguinum condito in aquam eamque infundito quo voles: nuUi accedent. vel fei 
bubulum cum aceto mixtum unguito lectum/ Die beiden Bruchstücke (Geop. XIII 9, 6 ff. 
8, 5) gehören in das Sympathiebuch des Mendesiers. 



Bienen. 

80 (Jolum. IX 14; 6: cetcrum hoc eodem tempore (sc. peracto solstitio usque ad ortum 
caniculae) progenerari posse a])es iuvenco perempto, Democritus et Mago nee minus 
Vergilius (G. IV 281 f.) prodiderunt. Mago (juidem ventribus f'tiam bubulis idem fieri 
affirmat (vgl. Plin. 11,70), quam rationem diligentius prosequi supervacuum puto con- 
sentiens Celso. Vgl. Varro r. r. III 16,4: primum apes nascuntur partim ex apibus, par- 
tim ex bubulo corpore putrefacto. 

81 Geop. XV 2, 21: 'löBAc Ae Ö baciaeyc Aibyun tu aäpnaki iyainh ♦HCl agTn noieTceAi 
MeAiccAC KAI Ahmökpitoc KAI BApwn (vgl. Rh. Mus. 45,65 A) ^N ""PuMAiA TAtjccH eN oTkü) oac! 
xPH noieTceAi, bnep ^cti kaI ÄweiNON. (22) Ö a^ TPÖnoc oytoc" oTk6c coi ecTco yyhaöc (an yyoc?), 
AEKAnHXYAToc KAI CYROc HHxÖN i' KAI taTc aoioaTc UAeYRATc "Tcoc. etcoAOc a6 efc ASf-TÖN nepinoiGiceü) 
MiA, KAI GYPiAec T^cCAPec, ^N feKÄCTü) Toixü) MiA. (23) efc to9ton ArAr(i)N BOYN tpiakontAmhnon, 5 

eYCAPKON, AinAPÖN mAaICTA, nePICTHCON AYTÖ NGAnIaC nOAAOYC, KAI TYnr^TUCAN AY'TbN ICXYPCüC KAI 
TYnTONTeC AY-TÖN ^OnÄAOlC XnOKTeiNÄTUCAN, ÖM09 TaTc CAPII tA ÖCT^A CYNAA09NTeC. (24) OYAAKflN 

a6 ^x€tu)can tö mh aimäiai ti to9 boöc — 0'*' rAp an ii aTmatoc KYHeeiH h m^aicca — , ayni^contai 
A^ taTc np(i)TAic nAHfATc MH BiAidJc ^«necÖNTec. (25) EYSYC Ae Anone«pAxeu nÄc toV boöc nöpoc 
öeÖNAic kaoapaTc KAI achtaTc niccH kexpicm^naic, oTon ommata KAI ^Tnec kai ctöma kaI oca th «Ycei -o- 
nenoiHTAi efc k^nucin ANArKAiAN. (26) ^neiTA 9'i'mon ■t'nocTPcicANTec hoayn kai YnriON en' a't'toV 

KATAe^NXeC TÖN B09n, dlEAeÖNTCC T09 oTkOY e9eYC THN OYPAN kai TAC BYPIaAC ^niXPIcATUCAN nHAU 

CTcrANCji, ü)C MiHTe Aepi mAte ANewü) mha' hntinao9n etcAYcm h AiAnNEYCiN gTnai. (27) tpith a^ 
^baomAai xpfi nANToeeN ^ianoIianta ciccacai «öc tc kai X^pa kaoapön, hahn ÖnöecN an kagih 

C0OAPÖN HNeYMA' ef tAp (SaE 6x01, TflN KATA T09T0 etcOAON KGKAeiCM^NHN XPfl 6ÄCAI. (28) ^hAn 'S 
a6 AÖICüCIN ^MYYXÖCBA! A\ YAAI nNe9MA A<rTAPKeC ^niCnACAMCNAI, AYeiC XPH CYrKAeTCAl TÖ nHAüJ KATA 
THN nPOT^PAN XPTciN. (29) feNAGKÄTH a6 MCtA TA^THN HM^PA AnOIIAC eVPHCCIC HAI^PH MCAICCÖN BO- 
TPYAÖN ^n' XAAHAArC CYNHTM^NUN KAI T09 BOÖC AeinÖMGNA tA K^PATA KAI TA ÖCTA KAI TAC TPIXAC, 
AaAO A^ MHA^N. (30) OACI a6 ^K T09 ^fKC^ÄAOY «EN riNCCeAl TOYC SACIA^AC, ^K AC TÖN CAPKÖN 

tAc Aaaac MeAiccAC' riNeceAi a^ kai ^k toy nutiaIoy MYeA09 bacia^ac, KPATicTciem m^ntoi toyc ^o 
^K To9 ^PKeoAAOY «er^oei te kai kAaaei kai ^umh tun aaaun. (31) thn a6 npÜTHN TPonfiN kai 

«eTABOAHN TUN CAPKtÜN CIC ZüJA KAI otONEI KYHCIN TINA KaI T^NGCIN , KAeiCTOPhlCeiC ^NTe9eeN ' 
(32) XNeurM^NOY rAp T09 otKCY, «IKpA kai ACYkA (?) tö gTaOC kai XaAI^AOIC ÖMOIA kai O'*' t^acia 

o^re fiAH nANTH zua nepi tön möcxon nAne^NONTA örei ' Xkinhta «en hAnta, katA mikpön a^ 

A'^IANÖMENA. (33) TaOIC a' AN KAI THN nTePO^YHCIN IHAH AIAPOPOYM^NHN, ThIN TC OIKcIaN XPOiAn AAM- ^5 
BANOYCAC <fA^TAc), nePIKAOeZOWGNAC A^ TÖN BACIA^A KAI nPOCnCTOM^NAC, BPAXYTCPON A^, KAI YnO- 
TPCMOYCAC TaTc OT^PYII AiA Tf(N XKieeiAN THC nTHCCUC KAI THN TÖN MCAtON AtOnIaN. (34) nPOCI- 

zAnoyci a^ taTc eYPici poizhaön, (ieo9cAi ka! biazömcnai Xaai^aac n6e(j) to9 »(dTÖc. (35) Xmeinon 
A^ tAc XNoiäCic KAI Ano^pAieic tön eYPiACüN, kasöc eIphtai, rap' hm^pan noieTceAi' (36) a^oc tAp 

«ft MCTABAaAONTA (HAH THN TÖN MGAICCÖN 0YCIN, AlA THN nACiü) CYnKACICIN O"*' COACANTA KATA KAIPÖN J" 
TÖN A^PA, ÖCneP HNirMÖ AIÖAHTAI. (37) T09 Ad oTkOY Ö MGAICCÖN ^TtYC ^CTü), KAI ÖTAN ^KHeTA- 

Phil-hist. Abh. 1!)2I. Ar. J. 8 



58 M. W E L L M A N N : Die Georgika des Demokritos. 

CeöJClN ÄNOirOM^NAIC TaTc eYPICIN V-noeYMiA eVMOY TG KAI KNe'(bPOy (38) TH TAP ÖCMH feAK^CeiC A'STTÄC 

efc TÖN MeAiccüNA, TeeePAneYM^NAC öcmaTc ANeüN, kai eYMiuiN o'Y'K AKOYCAC eicGAAceic. Vgl. Herrn. 
Koir. II s. TAYPoc S. 73, 20. Isid. XII 8, 2. Verg. G. IV 281 f. 

3 an xpfiNAi:' 8 TOY mi^ L aynhcontai Ad om. FHL 9 taIc a^ npcixAic FHL ^«necÖNTec 

KEXPHCeUCAN L I3 MHa' IhNTINOYN F 16 TÄ nYAW L, TOYTO nHAÖ M: TOYTON n. P 19 m£n 

om. FM BACiAS-f'c F: baciaeTc M 23 Äncükicmehoy FM: KAKAeicweNOY L: corr. Cornarius 26 A'fTAc 

addidi, tac meaiccac add. L nepiKAeiCTucAN F (1 alt. in ras.): nepiKAeHcewCAN HM: nepiKASHMeNAC L aä [pr.] 
T6 L npocneTAcecüCAN FM 27 thn (alt.) oni. FM npocizÄNOYCAi F 28 A^jre M 29 rÄp] ac 

FL 30 WeTABÄAUNTAl F: MeTABAAAONTAI H C-fTKAHCiN TOY CTABAJOY KAI TÖ ÄKAIPON TOY A^POC L: CYrKAgiaN 

TOY CTABAIOY KATA KAIPON F 3I ÖKneTACefflCIN Beckh : eKneTACHM-r-OYClN FL: ^KneTACUCIN M. 

82 Plin. n. h. 13, 131 (aus Hygin): apes quoque numquam defore cytisi pabulo eon- 
tingente promittunt Democrüiis atque Aristomachus. Plin. 21,70. 18, 144. Colum. de 
arbor. 28, i (aus Hygin, Aigl. Plin. 13, 130): cytlsum quam plurimum habere expedit, quod 
gallinis, apibus, ovibus (Geop. 18,2,6), caprLs, bubus quoque et omni generi pecudum 
utilissimus .est. Col. r. r. V 12, i f . Geop. XV 2, 6: eASAicoAKÖN re kai s^mspa kai k^ticon K- 

AICTAI MeAlCCüJN TPOtAI, TÄ TG N^A CMI^NH nPOCiZANEI KYTICü) MÄAICTA, KAI Ao' A'Y'TO? AAMBÄNETAI ÄnONCi)- 

TEPON. Varro r. r. III 16, 13. Diosc. m. m. IV 112: enioi ag «YTe-t-OYCiN aytön (sc. tön kyticon) 

nePI TOTC CMI^NGCIN, UC ^HAKTIKÖN tun MeAlTTÖN. 



Berlin, gedruckt in der RfichsdnickeRi. 



ABHANDLUNGEN 

DER PREUSSISCHEN 

AKADEMIE DEK WISSENSCHAFTEN 



1J)2J 

. PHYSIKALISCH-MATHEMATISCHE KLASSE 



ABHANDLUNGEN 

DER PREUSSISCHEN 

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



JAHRGANG 1921 

PHYSIKALISCH-MATHEMATISCHE KLASSE 



BERLIN 1922 

VERLAG DKR AKADEMIK DEIl WISSENSCHAFTEN 



IN KOMMISSION BKI ÜKR 
VEKEINIGUNG WISSENSCHAFI LICHKR VEKLKGEK WALTER DE GRUYTER U. CO. 

VORIAI^S 0. J. UÖS<'HKN'8(1IE VEKLAGäHANDLtTNG. J. «inThnTAG. VKRI.A«SBIICHIIANDI,I'NG. 
GkORG RKDO:«. KA»I. J. THÖBNKR. VKIT I'. rOSO". 



IJerlin, gedruckt in der Reichsdruckerei 



I n h a 1 1 



öffentliclie Sitzungen S. vii 

Verzeiclinis der im Jahre 1921 gelesenen Abhandlungen S. viii — xiii 

Bericht über den Erfolg der Preisausschreibungen für 1921 und neue 

Preisausschreibungen S. xiv — xvii 

Statut der Hippokrates-Stiftung S. xym 

\'ei7,eichnis der im Jahre 1921 erfolgten besonderen Geldbewilligungen 
aus akademischen Mitteln zur Ausfuhrung wissenschaftlicher Unter- 
nehmungen S. XIX 

Verzeichnis der im Jahre 1921 ei-schienenen im Auftrage oder mit Unter- 
stützung der Akademie l>earbeiteten oder herausgegebenen Werke S. xx — xxii 
Veränderungen im Personalstande der Akademie im Laufe des Jahres 1921 S. xxii — xxiii 
V'erzeichnis der Mitglieder der Akademie am Schlüsse des Jahres 1921 
nebst den Verzeichnissen der Inhaber der Bradley-, der Helmholtz- 
und der Leibniz-Medaille und der Beamten der Akademie, sowie 
der Kommissionen, Stiftungs-Kuratorien usw . . S. xxiv — xxxviii 



Abhandlungen 

Nr. 1. G. H ei.i.mann: Die Meteorologie in den deutschen Flug- 
schriften und Flugblättern des XVI. .lahrhunderts, ein Beitrag 

zur Geschichte der Meteorologie S. 1 — 9(5 

■ 2. I{. Fick: tiber die Kntstehung der Gelenkformon, mit Tier- 

vei-suchen S, 1 — 31 



JAHR 1921. 



Öffentliche Sitzungen. 

Sitzung am 27. Januar zur Feier des Jalirestages 
König Friedrichs II. 
Der an diesem Tage Vorsitzende Sekretär Hr. Lüders eröffnete die 
Sitzung mit einer Ansprache. Weiter machte der Vorsitzende Mitteilung von 
den seit dem Friedrichs-Tage 1920 in der Akademie eingetretenen Personal- 
verändenmgen und gab einen kurzen Jahresbericht. Darauf verlas Hr. Diels 
einen eingehenderen Bericht des Hrn. Erdmann (f) über die Kant- und die 
Lei bniz- Ausgabe. Es folgte der wissenschaftliche Festvortrag von Hrn. 
Einstein: Geometrie und Erfahrung. 

Sitzung am 30. Juni zur Feier des Leibnizischen Jahrestages. 

Hr. Rubner, als Vorsitzender Sekretär, eröffnete die Sitzung mit einer 
Ansprache. 

Darauf hielten die seit dem letzten Leibniz-Tage (1. Juli 1920) neu ein- 
getretenen Mitglieder Hr. von Laue und Hr. Wilcken ihre Antrittsreden, 
die von den beständigen Sekretaren Hrn. Planck und Hrn. Lüders be- 
antwortet wurden. Daran .schlössen sicli die (iedächtnisreden auf Heinrich 
Dressel von Ilni. Dragendorff, auf Hermann Struve von Hrn. G. Müller, 
auf Benno Erdmann von Hm. Stumpf, auf Wilhelm von Waldeyer- 
Hartz von Hm. Fick imd auf Heinrich Morf von Hrn. Roethe. 

Sodann erfolgte die Verleihung des Preises aus dem Cotheniusschcn 
Legat, aus der Charlottenstiftung fiir Philologie, aus dem Stipendium 
der Eduard-Gerhard-Stiftung, aus der Graf- Lou bat- Stiftimg, aus der 
Paul Rieß-Stiftung und aus der Emil Fi seh er- Stiftung. 



vni 



i 

Verzeichnis der im Jahre 1921 gelesenen Abhandlungen. 

Physik und Chemie. 

Rubens, die optischen Eigenschaften einiger Kristalle im langwelligen 
Spektrum, nach gemeinsam mit Hrn. Liebisch ausgeführten Unter- 
suchungen. Dritte Mitteilung. (GS. 6. Jan.: SB. 10. Febr.) 

Planck, die Entropie fester Körper bei tiefen Temperaturen. (Kl. 3. Febr.) 

Beckmann, die Umlagerung von Oximen in Amide. (Kl. 17. Febr.) 

Einstein, über eine naheliegende Ergänzung des Fundamentes der allge- 
meinen Relativitätstheorie. (Kl. H. März; )SB.) 

von Laue, über einige Fragen aus der allgemeinen Relativitätstheorie. 
(Kl. 1(). Juni.) 

Rubens, neue Versuche zur Prüfung des Planckschen Strahlungsgesetzes. 
Mit G. Michel. (Kl. 21. Juli; SB.) 

Eggert, J., und W. Noddack, über die Prüfung des photochemischen, 
Äquivalentgesetzes an der photographischen Trockenplatte. Vorgelegt 
von Nernst. (GS. 28. Juli; SB.) 

Weigert, Prof. Dr. Fritz, zur Photoehemie der Silberverbindungen. (Nach 
Versuchen von W. Schoeller.) Vorgelegt von von Laue. (GS. 
28. Juli; SB.) 

Einstein, über ein den Elementarprozeß der Lichtemission betreffendes 
Experiment. (GS. 8. Dez.; SB.) 

Kaluza, Theodor, zum Unitätsproblem der Physik. Vorgelegt von 
Einstein. (GS. 8. Dez.; SB. 22. Dez.) 

Mineralogie, Geologie und Paläontologie. 
Liebisch, die homogenen Deformationen der Kristalle, die durch einfache 

Schiebungen nach Gleittlächen hervorgerufen werden. (Kl. 13. Jan.) 
Pompeckj, die Beziehungen zwischen Klima und Meeressedimenten. (GS. 

10. März.) 

Pompeckj, das Gebiß des Ornithopoden Dysalotosaurus aus den Tendaguni- 

Schichten Deutsch-Ostafrikas. (Kl. 2. Juni.) 
Pompeckj, die Einstämmigkeit der Pterosaurier. (Kl. L Dez.) 



IX 

Botanik und Zoologie. 

Haberlandt, Zur Physiologie der Zellteilung. Sechste Mitteilung. Über 
Auslösung von Zellteilungen durch Wundhormone. (GS. 6. Jan.; SB. 
10. Febr.) 

Correns, Zweite Fortsetzung der Versuche zur experimentellen Verschiebung 
des Geschlechtsverhältnisses. (Kl. 17. März; SB. 7. April.) 

Heider, über die Beziehungen der Körperachsen zur Eiachse bei den Chor- 
daten. (Kl. 7. April; SB. 12. Mai.) 

Kükenthal, die Brustflosse des Buckelwales und ihre Entwicklung. (GS. 
26. Mai; SB. 14. Juli.) 

Bluhm, Dr. Agnes, ein Fall experimenteller Verschiebung des Geschlechts- 
verhältnisses bei Säugetieren. Vorgelegt von Correns. (Kl. 2. Juni; 
SB. 7. Juli.) 

Haberlandt, Zur Physiologie der Zellteilung. Siebente Mitteilung. Die 
Entwicklungserregung befruchteter und parthenogenetischer Eizellen. 
(GS. 23. Juni.) 

Hoppe-Moser, Dr. Fanny, Ursprung und Verwandtschaftsbeziehungen 
der Siphonophoren. Versuch einer Urmedusentheorie. Vorgelegt von 
Heider. (Kl. 7. Juli; SB. 21. Juli.) 

von Allesch, Dr. G. J., über die drei ersten Lebensmonate eines Schim- 
pansen. Vorgelegt von Correns. (GS. 14. Juli; SB. 28. Juli.) 

Haberlandt, über experimentelle Erzeugung von Adventivembryonen bei 
Oenothera Lamarckiana. (Kl. 20. Okt. SB.) 

Haberlandt, die Entwicklungserregung der Eizellen einiger partheno- 
genetischer Kompositen. (GS. 8. Dez.) 

Anatomie und Physiologie, Pathologie. 

Bickel, Prof. Dr. A., und Dr. C. van Eweyk, über Hitzesekretine. Vor- 
gelegt von Orth. (Kl. 17. März; SB. 31. März.) 
Fick, Gewichts- und Querschnittsbestimmungen. (Kl. 12. Mai.) 
Rubner, die Wasserbindung in Kolloiden mit besonderer Berücksichtigung 
des quergestreiften Muskels. (Kl. 20. Okt.) 

Orth, über Unfälle und Anevu-ismen. (Kl. 3. Nov.; SB. 10. Nov.) 

b 



Astronomie, Geographie und Geophysik. 

Hellraann, neue Untersuchungen über die Regenverhältnisse von Deutsch- 
land. Zweite Mitteilung: Die Sehneeverhältnisse. (GS. 10. Febr. ; SB. 
24. Febr.) 

He 11 mann, die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flug- 
blättern des 16. Jahrhunderts. (GS. 10. Febr.; Abh.) 

G. Müller, über Turmteleskope. (Kl. 21. April.) 

Kernst, das Alter der Fixsterne. (GS. 28. Juli.) 

Penck, Ablagerungen und Schichtstörungen der letzten Interglazialzeit in 
den nördlichen Alpen. (GS. 10. Nov.) 

Hellmann, Nebel in Deutschland. (Kl. 15. Dez.; SB.) 

Mathematik. 
Schmidt, über den Beweis des Jordanschen Satzes. (GS. 14. April.) 
Ostrowski, Dr. Alexander, über die Eigenschaften gewisser Potenzreihen 
mit unendlich vielen verschwindenden Koeffizienten. Vorgelegt von 
Schmidt. (Kl. 2. Juni; SB. T.Juli.) 
Schottky, die Produktausdrücke der ^-Funktionen. (Kl. 17. Nov. ; SB. 
1. Dez.) 

Mechanik. 

Müller-Breslau, Elastizitätstheorie der versteiften Kettenbräeke. (Kl. 

7. Juli.) 
Zimmermann, die Knickfestigkeit von Stäben mit elastischer Einspannung. 

(GS. 27. Okt.; SB. 10. Nov.) 
Zimmermann, über den Einfluß des Vorzustandes auf das Knicken gerader 

Stäbe. (GS. 24. Nov.) 

Philosophie und Psychologie. 

p]rdmann, die philosophischen Grundlagen von Helmholtz" Wahrnehniungs- 
theorie, kritisch erläutert. Vorgelegt von Stumpf. (GS. 20. Jan.: Abh.) 

Köhler, Prof Dr. Wolfgang, Zur Psychologie des Schimpansen. Vorgelegt 
von Stumpf. (GS. 9. Juni; SB. 28. Juli.) 

Stumpf, über die Tonlage der Konsonanten und die für das Sprach Ver- 
ständnis entscheidende Gegend des Tonreiches. (GS. 28. Juli; SB.) 

Köhler, Prof. Dr. Wolfgang, über eine neue Methode zur psychologischen 
üntersuchmig von Menschenaffen. Vorgelegt von Stumpf. (GS. 27. Okt.) 



XI 

Prähistorie. 
Schuchhardt, Ausgrabungen in altgennanischen Burgen und Siedlungen. 

(GS. 6. Jan.) 
Schuchhardt, Rethra und Arkona. (GS. 27. Okt.; SB. 10. Nov.) 

Geschichte des Altertums. 
Wilcken, Urkunden der Ptolemäerzeit. (Kl. 3. Febr.) 
Erman, über den Harem der ägyptischen Könige. (Kl. 3. März.) 
von Wilamowitz-Moellendorff, Sphakteria. (Kl. 17. März; 55. 31. März.) 
Meyer, über die Einwirkung der zoroastrischen Religion auf die Ent- 
wicklung des pharisäischen Judentums und des Christentums und die 
diese beherrschende dualistische Weltanschauung. (GS. 28. April.) 
de Groot, über Frauenregierungen in China. (Kl. 16. Juni.) 
Hiller von Gaertringen, Prof. Dr. Friedrich Frhr., Attischeinschriften. 

Vorgelegt von von Wilamowitz-Moellendorff. (Kl. 16. Juni; SB.) 
Norden, Römer und Burgunden. (Kl. 7. Juli.) 
Gressmann, Prof. Dr. Hugo, Die amnionitischen Tobiaden. Vorgelegt von 

Meyer. (GS. 14. Juli; SB. 28. Juli.) 
von Wilamowitz-Moellendorff, einige Angaben des Ephoros. (Kl. 

21. Juli.) 
Luders, die Beziehungen Indiens zu den westlichen lindern in der älteren 

Zeit. (Kl. 20. Okt.) 
vonWilamowitz-Moellendor ff, zur griechischen Geschichte und Literatur. 

(KL 20. Okt.; SB. 27. Okt.) 
Meyer, Tougener und Teutonen. (GS. 10. Nov. ; SB.) 

Mittlere und neuere Geschichte. 
Kehr, Aktenstücke zur preußischen und deutschen Geschichte aus den 

Jahren 1863 und 1870. (GS. 10. Febr.) 
Kehr, zurGeschichteWiberts von Ravenna (Clemens III.) I. (Kl. 7. April; iS5.) 
Schäfer, Honor, citra, eis im mittelalterlichen Latein. (Kl. 21. April; 

SB. 28. April.) 
.Stutz, Reims und Mainz in der Königswahl des zeimten und zu Beginn 

des elften Jahrhunderts. (GS. 9. Juni; SB.) 
Stutz, das Erststimmrecht des Mainzer Erzbischofs bei der Wahl Richards 

von Cornwallis zum deutschen König im Jahre 1257. (Kl. 20. Okt.) 

b* 



XII 

Hintze, über die Amtsverfassung in den deutschen Ländern des 13. — 18. 

Jahrhunderts in ihrem Verhältnis zur Kreisverfassung. (Kl. 3. Nov.) 
Meinecke, über Machiavell, das Wesen des Machiavellismus und deij 

Sinn und Zweck der Schrift vom Fürsten. (Kl. 17. Nov.) 
Kehr, zur Geschichte Wiberts von Ravenna (Clemens III.) II. (KI. 15. Dez.; 

SB. 22. Dez.) 

Kirch engeschichte, 
von Harnack, die apokalyptischen Reiter. (GS. 24. Febr.) 
von Harnack, neue Fragmente des Werkes des Porphyrius gegen die 

Christen. Die Pseudo-Polycarpiana und die Schrift des Rhetors Pacatus 

gegen Porphyrius. (GS. 24. Febr.; SB. 10. März.) 
Holl, über den Kirchenbegriff des Paulus in seinem Verhältnis zu dem 

der Urgemeinde. (Kl. 1. Dez.; SB. 15. Dez.) 
von Harnack, Nachträge zur Abhandlung 'Neue Fragmente des Werkes 

des Porphyrius gegen die Christen'. (Kl. 1. Dez.; SB.) 

Rechts- und Staatswissenschaft. 
Hey mann, die Rechtsformen der deutschen militärischen Kriegswirtschaft 

und ihre Bedeutung für die Entwicklung unseres Gewerberechts. 

(Kl. 13. Jan.) 
Seckel, die karthagische Inschrift CIL VIII 25045 — ein kirchenrechtliches 

Denkmal des Montanismus? (Kl. 12. Mai; SB. 22. Dez.) 
Seckel, Werners von Schussenried in Schwaben Decretum metricum et 

abbreviatum. (GS. 14. Juli. Abh.) 

Allgemeine, deutsche und andere neuere Philologie. 
Seuffert, Prolegomena zu einer Wieland-Ausgabe VII. (Kl. 3. Febr.; Abh.) 
Mitzka, Dr. Walther, Studien zum baltischen Deutsch. Vorgelegt von 

Roethe. (Kl. 3. März.) 
Burdach, platonische und freireligiöse Züge im 'Ackermann aus Böhmen'. 

(GS. 31. März; Abh.) 
Heusler, die deutsche Quelle der Ballade von Kremolds Rache. (GS. 

26. Mai; SB. 23. Juni.) 
Schuchardt, zur Kenntnis des Baskischen von Sara. (GS. 26. Mai; Abh.) 
Brandl, über Shakespeares 'Julius Cäsar'. (Kl. 2. Juni.) 
Schuchardt, Possessivisch und Passivisch. (GS. 28. Juli: SB.) 



XIII 



Klassische Philologie. 

Diels, Lukrezstudien IV. (Kl. 17. Febr.; SB.) 

Meissner, Prof. Dr. Bruno, ein neubabylonisches Zuckungsbuch. Vor- 
gelegt von Diels. (Kl. 17. Febr.; SB. 31. März.) 

Wellmann, Prof. Dr. Max, die Georgika des Demokritos. Vorgelegt von 
Diels. (Kl. 12. Mai; Abh.) 

Wenkebach, Dr. E., über den Galenübersetzer Johannes Sozomenus. Vor- 
gelegt von Diels. (Kl. 7. Juli.) 

Ilberg. Dr. Johannes, aus einer verlorenen Handschrift der Tardae 
passiones des Caelius Aurelianus. Vorgelegt von DieLs. (Kl. 20. Okt.; 
SB. 1 0. Nov.) 

von Wilamowitz-Moellendorff, Athena. (GS. 22. Dez.; SB.) 

Orientalische Philologie. 

Möller, Prof. Dr. Georg, die Zeichen für 'Westen' und 'Osten' in der 
ägyptischen Hieroglyphenschrift. Vorgelegt von Erman. (Kl. 1 H.Jan.; 
SB. 3. Febr.) 

Möller, Prof Dr. Georg, über einen ägyptischen Schuldschein der zwei- 
undzwanzigsten Dynastie. Vorgelegt von Erman. (Kl. 17. Febr.; SB. 
17. März.) 

W. Schulze, über Tocharisch tseke peke. (Kl. 3. März; SB. 17. März.) 

Bang-Kaup, vom Köktürkischen zum Osmanischen. 4. Mitteilung. (GS. 
10. März; Abh.) 

W. Schulze, über das Tocharische. (Kl. 12. Mai.) 

Gressmann, Prof. Dr. Hugo, Ode Salomos 23. Vorgelegt von von Har- 
nack. (Kl. 7. Juli; -SR 21. Juli.) 

Kunstwissenschaft und Archäologie. 
Schuchhardt, Fliegeraufnahmen aus der Dobrudscha von 1918. (Kl. 

21. April.) 
Goldschmidt, über die Komposition mittelalterlicher Wandmalerei. (GS. 

24. Nov.) 



XIV 



Bericht über den Erfolg der Preisausschreibungen für 1921 
und neue Preisausschreibungen. 

(Leibniz-Sitzung am 30. Juni 1921 .) 
Preisaufgahe aus dem Cothenivsschen Legat. 

In der Leibniz-Sitzung des Jahres 1917 hat die Akademie folgende 
Preisaufgabe für das Jahr 1921 unverändert zum vierten Male ausgeschrieben, 
nachdem auf die drei früheren Ausschreibungen Bewerbungsschriften nicht 
eingegangen waren: 

»Der Entwickelungsgang einer oder einiger Ustilagineen soll 
möglichst lückenlos verfolgt und dargestellt werden, wobei beson- 
ders auf die Überwinteruhg der Sporen und Mycelien Rücksicht zu 
nehmen ist. Wenn irgend möglich, sind der Abhandlung Präpa- 
rate, welche die Frage entscheiden, beizulegen.« 

Diesmal hat sich nur ein Bewerber gemeldet. Die Preisschrift wird 
in einer Vorbemerkung als Teil einer größeren Arbeit über die Brand- 
krankheiten unserer Hauptgetreidearten bezeichnet und bezieht sich nur 
auf den Steinbrand des Weizens, Tilletia tritici. Wenn auch der Verfasser 
in mancher Hinsicht mehr bietet, als verlangt wurde, indem er z. B. auch 
das physiologische Verhalten der vom Pilze befallenen Wirtpflanze ein- 
gehend erörtert, so ist er doch andererseits die Antwort auf gewisse Ein- 
zelfragen schuldig geblieben, insbesondere in bezug auf die Überwinterung 
der Sporen und Mycelien, auf die in der Preisausschreibung ausdrücklich 
hingewiesen wurde. 

Die Akademie anerkennt gerne das wissenschaftliche Streben und den 
großen Fleiß des Verfassers, doch ist sie nicht in der Lage, ihm den aus- 
geschriebenen Preis zuzuerkennen, ida seine Bewerbungsschrift zu wenig 
neue Tatsachen enthält und in methodischer Hinsicht verschiedene Mängel 
aufweist, die die aus den Untersuchungsergebnissen gezogenen Folgerungen 
zum Teil als fraglich oder auch unberechtigt erscheinen lassen. 

Die Akademie hat aber im Sinne des § 7 des Reglements für die 
akademischen Preiserteilungen beschlossen, den Betrag von 2000 Mark dem 
Verfasser einer in das Gebiet der gestellten Aufgabe einschlagenden wert- 
vollen Schrift als Ehrengabe zu überweisen. Als eine solche Schrift kann 
nach dem Urteile der Akademie die Arbeit »Untersuchungen über den 



XV 



Antherenbrand (Ustilago violacea Pers.)« von Prof. Hans Kniep in Wörz- 
burg betrachtet werden. Der Verfasser weist darin nach, daß bei der 
Keimung der Brandsporen zwei äußerlich gleiche aber physiologisch ver- 
scliiedene Sorten von Sporidien entstehen, und daß es nur dann zur Ko- 
pulation kommt, wenn diese beiden Sorten von Sporidien zusammentreffen. 
Der Nachweis einer solchen physiologischen Geschlechtsdifferenzierung ist 
nicht nur für die Beurteilung der Fortpflanzungsverhältnisse der Ustila- 
gineen, sondern für das Sexualitätsproblem überhaupt von nicht geringer 
Bedeutung. 

C/iarlotten-Stißung filr Philologie. 

Die Akademie hatte in der Leibniz-Sitzung des Jahres 1920 (Sitzimgs- 
ber. S. 710) folgende Preisaufgabe der Charlotten-Stiftung gestellt: 

»Die Untersuchung der Komposition des theophrastischen Buches de 
historia plantarum wird verlangt. Mit Rücksicht auf die Kürze der zur 
Bearbeitung verfügbaren Zeit genügt eine auf dieses Ziel gerichtete in sich 
abgeschlossene Untersuchung. « 

Es sind rechtzeitig zwei Bearbeitungen eingegangen. Die erste um- 
fänglichere trägt das Motto : oätton nicre-f eiN AeT Tnnui Xxaainui ö aöfui Xcyn- 
tAktü)!. Sie behandelt ausführlicher die beiden ersten Bücher der Historia 
plantarum, analysiert aber auch im t)berblick die übrigen mit Ausnahme 
des letzten. Diese Arbeit zeichnet sich durch scharfsinnige, Inhalt und 
Form gleichmäßig berücksiclitigende Untersuchung der Disposition aus. 
Wenn auch bei der starken Zerrüttung unseres Textes nicht überall volle 
Sicherheit erzielt werden konnte, so ist doch über die nicht immer von 
Theophrast erreichten Ziele seiner Komposition hinreichende Klarheit er- 
zielt; auch sind im einzelnen zur Textgestaltung und zur Feststellung der 
Abfassungszeit des Werkes wertvolle Beiträge zugegeben worden. 

Der Verfasser der zweiten Bearbeitung, der das Motto: ^rü ac kXn 

MH M^AAü) NIKAN TYMNACAMeNÖC rC TOYTON TÖN XPÖNON (i<>eAHei^COMAI hat daS VOU 

dem ersten Bearbeiter beiseite gelassene neunte Buch der Pflanzengeschichte 
untersucht. Sein Hauptaugenmerk ist weniger auf die Komposition als 
auf den Nachweis der von Bretzl in Abrede gestellten Echtheit gerichtet. 
Obgleich seine Ausführungen manches Brauchbare enthalten, ist doch diese 
Bearbeitung weder im Umfang noch in der Qualität der wissenschaftlichen 
Methode mit der des ersten Verfassers zu vergleichen. 



XVI 



Daher hat die Akademie kein Bedenken getragen, der ausgezeichneten 
Arbeit mit dem Motto: oätton nicie^em aeT kta. das Stipendium der Char- 
lotten-Stiftung zuzuerkennen, das in dem Genüsse der Jahreszinsen des 
Stiftungskapitals von 30000 Mark auf die Dauer von acht Jahren besteht. 

Die Eröffnung des Umschlages mit dem Motto: Gätton nicrev-eiN AeT 
Ynnui AXAAiNui fi Aörui acyntAktcüi ergab als Verfasser: Studienrat Dr. phil. 
Otto Regenbogen in Berlin. 

Stipendium der Eduard-irerhard^Stiftung . 

Das Stipendium der Eduard-Gerhard-Stiftung war in der Leibniz-Sitzung 
des Jahres 1920 für das laufende Jahr mit dem Betrage von 5000 Mark 
ausgeschrieben. Die philosophisch-historische Klasse hat beschlossen, den 
gesamten Betrag Hrn. Dr. Gottfried von Lücken fär seine Arbeiten auf 
dem Gebiete der frührotfigurigen attischen Wandmalerei zu verleihen. 

Für das Jahr 1922 wird das Stipendium mit dem Betrage von 2500 Mark 
ausgeschrieben. Bewerbungen sind vor dem I.Januar 1922 der Akademie 
einzureichen. 

Nach § 4 des Statuts der Stiftung ist zur Bewerbung erforderlich: 

1. Nachweis der Reichsangehörigkeit des Bewerbers; 

2. Angabe eines von dem Petenten beabsichtigten, durch Reisen be- 
dingten archäologischen Planes, wobei der Kreis der archäologischen 
Wissenschaft in demselben Sinne verstanden und anzuwenden ist, 
wie dies bei dem von dem Testator begründeten Archäologischen 
Institut geschieht. Die Angabe des Planes muß verbunden sein mit 
einem ungefähren, sowohl die Reisegelder wie die weiteren Aus- 
fiihrungsarbeiten einschließenden Kostenanschlag. Falls der Petent 
für die Publikation der von ihm beabsichtigten Arbeiten Zuschuß 
erforderlich erachtet, so hat er den voraussichtlichen Betrag in den 
Kostenanschlag aufzunehmen, eventuell nach ungeföhrem Überschlag 
dafür eine angemessene Summe in denselben einzustellen. 

Gesuche, die auf die Modalitäten und die Kosten der Veröffentlichung 
der beabsichtigten Forschungen nicht eingehen, bleiben unberücksichtigt. 
Ferner hat der Petent sich in seinem Gesuch zu verpflichten: 

1. vordem 31. Dezember des auf das Jahr der Verleihung folgenden Jahres 
über den Stand der betreffenden Arbeit sowie nach Abschluß der Arbeit 
über deren Verlauf und Ergebnis an die Akademie zu berichten; 



XVll 



2. falls er während des Genusses des Stipendiums an einem der Pallien- 
tage (21. April) in Rom verweilen sollte, in der öffentlichen Sitzung 
des Deutschen Instituts, sofern dies gewünscht wird, einen auf sein 
Unternehmen bezüglichen Vortrag zu halten; 

3. jede durch dieses Stipendium geförderte Publikation auf dem Titel 
zu bezeichnen als herausgegeben mit Beihilfe des Eduard-Gerhard- 
Stipendiums der Preußischen Akademie der Wissenschaften; 

4. drei Exemplare jeder derartigen Publikation der Akademie ein- 
zureichen. 

Preis der Graf-Loubat-Stißuny. 

Die Akademie hat auf Vorschlag ihrer Kommission für die Graf-Loubat- 
Stiftung beschlossen, den für dieses Jahr ausgeschriebenen Preis derselben 
von 3000 Mark Hrn. Prof, Dr. A. Eekhof in Leiden für seine Werke »De 
Hervormde Kerk in Noord- Amerika (1 624 — 1 664) «, 2 Bde. 'S-Gravenhage 1913 
und »Bastiaen Jansz. Krol, Krankenbezoeker, Kommies en Kommandeur 
von Nieuw-Nederland (1595 — 1645)«, 'S-Gravenhage 1910, zuzuerkennen. 

Paul-Rieß-Stißung. 
In Ausfahrung der Bestimmungen des Statuts der Paul-Rieß-Stiftung 
hat die physikalisch-mathematische Klasse auf Vorschlag des Kuratoriums 
beschlossen, die diesjährigen Stiftungserträgnisse in Höhe von 8316 Mark 
an einen Chemiker zu vergeben, und zwar an Hm. Prof. Dr. Adolf Sieverts 
in Greifswald für seine Arbeiten über die Wechselwirkungen zwischen 
Metallen und Gasen. 

Emil-Fischer- Stiflung. 
• Nach dem Statut der Emil-Fischer-Stiftung hat das Kuratorium der 
Stiftung mit Zustimmung der physikalisch-mathematischen Klasse den fol- 
genden früheren Assistenten Emil Fischers nachstehende Beträge zur Fort- 
führung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten bewilligt: 

8000 Mark einmalig dem Hm. Dr. Max Bergmann, zur Zeit 

Assistent am Kaiser -Wilhelm-Institut für Faserstoflfchemie, 
8000 Mark einmalig Hrn. Dr. B. Helferich, zur Zeit Assistent am 

1. Chemischen Institut der Universität Berlin, 
4000 Mark einmalig Hm. Dr. Helmuth Scheibler, zur Zeit Privat- 
dozent am organisch-chemischen Laboratorium der Technischen 
Hochschule. 



xvni 



Hippokrates-Stiftung. 



Statut vom 6. November 1920. 



Ein Berliner Kaufmann, der ungenannt bleiben will, hat der Preußischen 
Akademie der Wissenschaften am 28. Juli 1920 ein Kapital von 150000 Mark 
mit der Bestimmung überwiesen, das Kapital und seine etwa auflaufenden 
Zinsen zur Herstellung der im Rahmen des Corpus Medicorum in Aussicht 
genommenen Ausgabe der Werke des Hippokrates nach Anweisung der 
bei der Preußischen Akademie der Wissenschaften bestehenden Kommission 
für das Corpus Medicorum zu verwenden. 

^' §1- 

Die Stiftung, die am 6. November 1920 von der Preußischen Staats- 
regierung genehmigt worden ist, wird gemäß den Bestimmungen des Stifters 
von der Kommission der Preußischen Akademie der Wissenschaften für 
das Corpus Medicorum verwaltet. Die eingezahlte Summe wird unter dem 
Namen Hippokrates-Fonds bei der Preußischen Staatsbank (Seehandlung) 
hinterlegt. Zahlungen daraus werden gegen Quittung des Vorsitzenden jener 
Kommission oder in Vertretung von dem Vorsitzenden Sekretär der Akademie 
erhoben. 

§2. 

Die Entlastung wird alljährlich in Verbindung mit der der Abrechnung 
der Kommission für das Corpus Medicorum von der philosophisch-histori- 
schen Klasse vollzogen. Der wissenschaftliche Bericht über die Vorbereitung 
und Ausführung der Hippokrates- Ausgabe, die mit den Mitteln der Stiftung 
veröffentlicht werden soll, erfolgt alljährlich in der Friedrichssitzung inner- 
halb des allgemeinen Berichtes der genannten Kommission. 



XIX 



Verzeichnis der im Jahre 1921 erfolgten besonderen Geldbewilligungen 
aus akademischen Mitteb zur Ausführung wissenschaftlicher Unter- 
nehmungen. 

Es wurden im Laufe des Jahres 1921 bewilligt: 
10800 Mark für das »Tierreich«. 

8740 » für das Deutsche Wörterbuch. 
19680 » für das Deutsche Rechtswörterbuch. 
9100 » fiir die Leibniz- Ausgabe. 

8200 » für das Wörterbuch der ägyptischen Sprache. 
11060 " für die Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen. 
7800 » für den Nomenciator animalium generum et subgenerum. 
28000 » für die Arbeiten der Orientalischen Kommission. 

1800 " für die Deutschen Geschichtsquellen des 19. Jahrhunderts. 
15000 » dem ordentlichen Mitgliede der Akademie Hm. de Groot für 
die Drucklegung seines Werkes: »Die Hunnen der vorchrist- 
lichen Zeit«. 
1700 » für die deutschen Geschichtsquellen des 1 9. Jahrhunderts. 
1000 » für den Thesaurus linguae latinae. 
10000 " für den Nomenciator animalium generum et subgenerum. 
24000 » fiir das »Tierreich«. 
14000 » fiir das »Pflanzenreich«. 
800 » für die Kant-Ausgabe. 
äOOO » für die Inscriptiones Graecae. 
1500 » für das Wörterbuch der ägyptischen Sprache. 
20000 » für die Arbeiten der Orientalischen Kommission. 
7500 » dem ordentlichen Mitgliede der Akademie Hrn. Burdach für 

seine Forschungen zur neuhochdeutschen Schriftsprache. 
.')000 » für die Arbeiten der Deutschen Kommission. 
800 » dem Prof. Dr. August Fischer in Leipzig zur Bearbeitung 
seines arabischen Wörterbuchs. 
6000 » für die Herausgabe der Werke Leonhard Eulers. 
2000 » dem Hrn. Cuno Hoff me ister in Sonneberg zur Unterhaltung 
seiner Privatsternwarte. 



XX 



Verzeichnis der im Jahre 1921 erschienenen im AuJFfcrage und mit Unter- 
stützung der Akademie bearheiteten oder herausgegebenen Werke. 

Unternehmungen der Akademie und ihrer Stißungen. 

Das Pflanzenreich. Regni vegetabilis conspectus. Im Auftrage der Preuß. 

Akademie der Wissenschaften hrsg. von A. Engler. Heft 75-77. Leipzig 

1921. 
Corpus inscriptionum Eltruscarum a Carolo Pauli conditum et B. Nogara 

adiutore ab A. 0. Danielsson et G. Herbig continuatum. Suppl. Fase. 1 . 

Lipsiae 1919-21. 
Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen. Bd. 38 nebst Ergbd. Berlin 

1920. 
Wilhelm von Humboldts Gesammelte Schriften. Hrsg. von der Preußischen 

Akademie der Wissenschaften. Bd. 13. Berlin 1920. 
Ibn Saad. Biographien Muhammeds, seiner Gefährten und der späteren 

Träger des Islams bis zum Jahre 230 der Flucht. Im Auftrage der 

Preußischen Akademie der Wissenschaften hrsg. von Eduard Sachau. 

Bd. 9, Th. 1. Leiden 1921. 
Deutsche Texte des Mittelalters hrsg. von der Preußischen Akademie der 

Wissenschaften. Bd. 27. 1920. 
Thesaurus linguae Latinae editus auctoritate et consilio Academiarum quinque 

Germanicarum Berolinensis Gottingensis Lipsiensis Monacensis Vindo- 

bonensis. Vol. 6, Fase. 4-5. 1920-21. 
Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften. Hrsg. im Auftrage der 

Akademien der Wissenschaften zu Berlin, Göttingen, Heidelberg, 

Leipzig, München und W^ien. Bd. 2, T. 1, H. 4, 7-9. Bd. 2, T. 2, 

H. 4-5. Bd. 2, T. 3, H. 1-5. Bd. 3, T. 1, H. 1-7. Bd. 3, T. 2, H. 1-6. 

Bd. 3, T. B, H. 4, 5. Bd. 4, T. 1, 1 H. 1-4. Bd. 4, T. 1, 2, H. 1-3. 

Bd. 4, T. 2, 1, H. 1-4. Bd. 4, T. 2, 2, H. 1-6. Bd. 5, T. 1, H. 1-6. 

Bd. 5, T. 2, H. 1-4. Bd. 5, T. 3, H.1-3. Bd. H, T. lA, H. 1-3. Bd. 6, 

T. IB, H. 1 -4. Bd. 7, T. 2, H. 1-7. Leipzig 1899-1920. 

von Miloszewkysches Legat. 

Wentscher, Else. Geschichte des Kausalproblems in der neueren Philo- 
sophie. Leipzig 1921. 



XXI 

Eduard-Gerhard-Stiflung. 
Weege, Fritz. Etruskische Malerei. Halle (Saale) 1921. 

Graf-Lovbat-Stiflung. 
Eekhof, A. De Hervorrade Kerk in Noord-Amerika. Deel 1. 2. 's-Graven- 

hage 1913. 
. Bastiaen Jansz. 's-Gravenhage 1910. 

Albert-Samson-Süflung. 
Müller, Fritz. Werke, Briefe und Leben. Gesammelt u. hrsg. von Alfred 
Möller. Bd. 2. Jena 1921. 

Hermann-und-Elise-geb.-Heckmann - Wentzel-Stiflung . 

Beiträge zur Flora von Mikronesien. Zusammengestellt von L. Di eis. Serie II. 
Leipzig 1921. 

Beiträge zur Flora von Papuasien. Hrsg. von C. Lauterbach. Serie VII. 
Leipzig 1921. 

Laas, Walter. Die photographische Messung der Meereswellen. Berlin 1921. 

Die altpolnischen Predigten aus Heiligenkreuz. Hrsg. von Paul Diels. 
Berlin 1921. 

Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Ar- 
chiv ftir die von der Kirchenväter-Commission der Preußischen Aka- 
demie der Wissenschaften unternommene Ausgabe der älteren christlichen 
Schriftsteller. Reihe 3. Bd. 15, Leipzig 1921. 

Humboldt-Stiflung . 
Hellmann, Gustav. Klima-Atlas von Deutschland, o. O. 1921. 

Von der Akademie unterstützte Werke. 
Leonhardi Euleri opera omnia. Sub auspiciis Societatis Scientiarum 

naturalium Helveticae edenda cur. F. Rudio, A. Krazer, P. Stäckel. 

Ser. I, VoL 2. 3. 6. 13. 17. 18. Lipsiae et Berolini 1914-20. 
Feine, Hans Erich. Die Besetzung der Reichsbistümer vom Westfälischen 

Frieden bis zur Säkularisation. Stuttgart 1921. 
de Groot, Johann Jakob Maria. Die Hunnen der vorcli ristlichen Zeit. 

T. 1. Berlin und Leipzig 1921. 



XXI] 



Haarmann, Erich. Über Stauung und Zerrung durch einmalige imd 

wiederholte Störungen. Berlin 1920. Sonderabdr. 
Kögel, R. Die Palimpsestphotographie. Halle a. S. 1920. 
Libanii opera rec. Richardus Förster. Vol. 10. Lipsiae 1921. (Biblio- 

theca Script. Graec. et Roman. Teubneriana.) 
Naef, Adolf. Die Cephalopoden. T. 1, Lief. 1. Berlin 1921. (Fauna u. 

Flora des Golfes von Neapel hrsg. von der Zoologischen Station zu 

Neapel. 35.) 
Schneider, Hermann. Uhlands Gedichte und das deutsche Mittelalter. 

Berlin 1920. 
Taschenberg, 0. Bibliotheca zoologica IL Verzeichnis der Schriften über 

Zoologie, welche in den periodischen Werken enthalten und vom 

Jahre 1861-1880 selbständig erschienen sind. Lief. 21-24. Leipzig 

1921. 



Veränderungen im Personalstande der Akademie im Laufe 

des Jahres 1921. 

Es wurden gewählt: 

zum ordentlichen Mitglied der physikalisch-mathematischen Klasse: 
Hr. Issai Schur, bestätigt durch Erlaß der preußischen Regierung vom 
31. Dezember 1921, 

zum ordentlichen Mitglied der philosophisch-historischeu Klasse: 
Hr. Ulrich Wilcken, bestätigt durch Erlaß der preußischen Regierung 
vom 7. Januar 1921; 

zu korrespondierenden Mitgliedern der physikalisch-mathematischen 
Klasse : 

Hr. Carl Duisberg in Leverkusen 1 

ivr *• tr j • rr X. ^ am 23. Juni 1921, 

>• Martin Knudsen m Kopenhagen j 

» Richard Wettstein von Wettersheimin Wien 

» Friedrich Oltmanns in Freiburg 1. B. 

» Johan Nordal Fii^cher Wille in Christiania 

zum korrespondierenden Mitglied der philosophisch-historischen 
Klasse : 
Hr. Rudolf Wackernagel in Basel am 9, Juni 1921. 



am 8. Dezember 1921; 



XXI II 

Gestorben sind: 
die ordentlichen Mitglieder der physikalisch-mathematischen Klasse: 
Hr. Wilhelm von Waldeyer-Hartz am 23. Januar 1921, 
. Franz Eilhard Schulze am 29. Oktober 1921, 
» Hermann Amaudus Schwarz am 30. November 1921; 

die ordentlichen Mitglieder der philosophisch-historischen Klasse: 
Hr. Benno Erdmann am 7. Januar 1921, 
» Heinrich Morf am 23. Januar 1921, 
' Michael Tangl am 7. September 1921, 
» Johann Jakob Maria de Groot am 24. September 1921; 
das Ehrenmitglied der Akademie: 
Hr. Konrad von Studt in Berlin am 29. Oktober 1921; 

die korrespondierenden Mitglieder der physikalisch-mathematischen 
Klasse : 
Hr. Alfred Gabriel Nathorst in Stockholm am 20. Januar 1921, 
» Oswald Schmiedeberg in Baden-Baden am 12. Juli 1921, 
» Julius Edler von Hann in Wien am 4. Oktober 1921, 
» Max Noether in Erlangen am 13. Dezember 1921, 
» Leo Koenigsberger in Heidelberg am 15. Dezember 1921, 
» Gabriel Lippmann in Paris; 

die korrespondierenden Mitglieder der philosophisch-historischen 
Klasse : 
Hr. Ignaz Goldziher in Budapest am 13. November 1921, 
» Ludwig Mitteis in Leipzig am 27. Dezember 1921. 

Beamte der Akademie. 
Hr. Prof. Dr. Hermann Dessau trat am 1. Oktober 1921 in den Ruhestand. 
» Dr. Hugo Gaebler wurde am 31. Januar 1921 zum wissenschaftlichen 
Beamten ernannt. 



XXIV 



Verzeichnis der Mitglieder der Akademie am Schlüsse des Jahres 1921 

nebst den Verzeichnissen der Inhaber der Bradley-, der Helmholtz- und der Leibniz- 
Medaille und der Beamten der Akademie, sowie der Kommissionen, Stiftungs-Kura- 
torien usw. 



1. Beständige Sekretare 

Gewählt Ton der Datum der Best&tigung 

Ex.Roethe ... • • - • phil.- bist. Klasse 1911 Aug. 29 

- Planck . phys.-math. - ...... 1912 Juni 19 

- Rvbner . . . . . . . phys.-math. - 1919 Mai 10 

- iMders ....... phil.-hist. - 1920 Aug. 10 



2. Ordentliche Mitglieder 

Physikalisch-mathematische Klasse Philosophisch-historische Klasse l-»atui]i der Bestätigung 



Hr. Hermann Diek . .... ,.,. 1881 Aug. 15 

- Otto Hirschfeld . . ! . . 1885 März 9 

- Eduard Sachau 1887 Jan. 24 

Hr. Adolf Engler 1890 Jan. 29 

- Adolf von Hamack ... 1890 Febr. 10 

- Oscar Hertung 1893 April 17 

- Max Planck 1894 Juni 1 1 

- Carl Stumpf 1895 Febr. 18 

^ - Adolf Erman ..... 1895 Febr. 18 

- Emil Warbnrg . ':.-'.'.' . 1895 Aug. 13 

Ulrich von WHamotoitz- 

Moellendorff 1899 Aug. 2 

- Heinrich Müller -Breslau 1901 Jan. 14 

- Konrad Burdach .... 1902 Mai 9 

- Friedrich Schottky 1903 Jan. 5 

- Gustav Roethe 1903 Jan. 5 ' 

- Dietrich Schäfer 1903 Aug. 4 

- Eduard Meyer 1903 Aug. 4 

- Wahehn Schulze .... 1903 Nov. 16 

- Alois Brand! 1904 April 3 



XXV 

PhysikalUeh-mathemaHBche Klasse Philosophisch-historische Klasse Datum der Bestfttiguug 

Hr. Hermann Zimmermann 1904 Aug. 29 

- Walter Kernst 1905 Nov. 24 

- Max Rubner 1906 Dez. 2 

- Johannes Orth 1906 Dez. 2 

- Albrecht Penck 1906 Dez. 2 

Hr. Friedrich Müller .... 1906 Dez. 24 

- Heinrich Rubens 1907 Aug. 8 

- Theodor Liebisch 1908 Aug. 3 

- Eduard Seier 1908 Aug. 24 

- Heinrich Lüders .... 1909 Aug. 5 

- Gottlieb Haberlandt 1911 Juli 3 

- Gusiao Hellmann . 1911 Dez. 2 

- Emil Seckel 1912 Jan. 4 

- Eduard Norden 1912 Juni 14 

- Karl Schuchhardt .... 1912 JuU 9 

- Ernst Beckwann 1912 Dez. 11 

- Albert Einstein 1913 Nov. 12 

- Otto Htntze 1914 Febr. 16 

- Max Serinff 1914 März 2 

- Adolf Goldschmidt . . . 1914 März 2 

- Fritz Habe,- . . '. 1914 Dez. 16 

. Karl Holl 1915 Jan. 12 

- Friedrich Meinecke . . . . 1915 Febr. 15 

- Karl Vorrens 1915 März 22 

- Hans Dragendorf .... 1916 April 3 

- Paul Kehr 1918 März 4 

- Ulrich Stutz 1918 März 4 

- Ernst Hm/mann .... 1918 März 4 

- Karl Heider ". 1918 Aug. 1 

- Erhard Schmidt 1918 Aug. 1 

- Gustav Malier 1918 Aug. 1 

- Rudolf Fick 1918 Aug. 1 

- WÜly Kükentlval 1919 AprU 12 

- Josef Pompeck) 1920 Febr. 18 

- Max von Laue 1920 Aug. 14 

- i'lrich Wilcken .! ... 1921 Jan. 7 

- Issai Schur 1921 Dez. 31 



XXVI 

3. Auswärtige Mitglieder 

PhyBikalisch-matheina tische Klasse Philosophisch-historische Klasse Üatum der Bestitigung 

Hr. r/teoctorA'öW^A:« in Karlsruhe 1900 März 5 

- Vairoslav von JagU in Wien 1908 Sept, 25 

- PanagiolisKabbadias in Athen 1908 Sept. 25 

- Hugo Sühuchardt in Graz . 1912 Sept. 15 
Hr. Wilhelm Conrad Röntgen in 

München 1920 Dez. 22 



4. Ehrenmitglieder 

Hr. Max Lehmann in Göttingen 

- Max Lenz in Hamburg 

Wilhelm Branca in München 

Hugo Graf von und zu Lerchenfeld in Köfering bei Regensburg 
Hr. Richard Schöne in Berlin 

- Andreas Heusler in Basel 

Bernhard Fürst von Bülow in Klein-Flottbek bei Hamburg . . 
Hr. Heinrich Wölfflin in München 

- August von Trott zu Solz in Kassel 

- Rudolf von Valentini in Hameln 

- Friedrich Schmidt in Berlin 

- Richard Willstätter in München 

Konstantin Caratheodory in Athen 



Datum der Bestltigunj;; 


1887 


Jan. 


24 


1896 


Dez. 


14 


1899 


Dez. 


18 


1900 


März 


5 


1900 


März 


5 


1907 


Aug. 


8 


1910 


Jan. 


31 


1910 


Dez. 


14 


1914 


März 


2 


1914 


März 


2 


1914 


März 


2 


1914 


Dez. 


16 


1919 


Febr. 


10 



XXVIl 



5. Korrespondierende Mitglieder 

Physikalisch-mathematische Klasse Datum der W»hl 

Kcal Frhr. Auer von Welsbach auf Schloß Welsbach (Kärnten) . . 1913 Mai 22 

Hr. Friedrich Becke in Wien 1920 Dez. 9 

- Alfred Bergeat in Kiel 1920 Dez. 9 

- Oskcer Brefeld m Eevlm 1899 Jan. 19 

- Hugo Bncking in Heidelberg 1920 Jan. 8 

Gincomo Ciamician in Bologna 1909 Okt. 28 

- Theodor Curtim in Heidelberg 1919 Juni 26 

William Morris Dach in Cambridge, Mass 1910 Juli 28 

- Feter Del/ye in Zürich . 1920 März 11 

- Carl Duisberg in Leverkusen 1921 Juni 21 

Viktor Ebner Ritter von Rofenstein in Wien 1920 Juli 15 

- Ernst Elllers in Göttingen 1897 Jan. 21 

- Karl Engler in Karlsruhe . . ' 1919 Juni 26 

Sir Archibald Geikie in Haslemere, Surrey 1889 Febr. 21 

Hr. Karl von Goebel in München 1913 Jan. 16 

- Alexander Goette in Heidelberg 1920 Dez. 9 

- Camülo Golgi in Pavia 1911 Dez. 21 

- Karl Graebe in Frankfurt a. M 1907 Juni 13 

- Ludwig von Ginff in Graz 1900 Febr. 8 

- Sven IJedin in Stockholm 1918 Nov. 28 

- Viktor Hensen in Kiel 1898 Febr. 24 

- Riclutrd von HertvAg in München 1898 April 28 

- David Hilbert in Göttingen 1913 Juli 10 

- Hugo Hildebrand Hildebrandsson in Uppsala 1917Mai 3 

- Emanuel Kayser in München 1917 Juli 19 

- Feüx Klein in Göttingen 1913 Juli 10 

- Martin Kmtdsen in Kopenhagen 1921 Juni 23 

- Wilhelm Kömer in Mailand 1909 Jan. 7 

- Eugen Korschelt in Marburg 1920 Dez. 9 

- Friedrich Küstner in Bonn 1910 Okt. 27 

- Philipp Lenard in Heidelberg 1909 Jan. 21 

- Karl von Linde in München 1916 Juli 6 

- Hendrik Antoon Lorentz in Haarlem 1905 Mai 4 

Felix Marchand in Leipzig 1910 Juli 28 

- Franz Mertens in Wien 1900 Febr. 22 

- Hans Horst Meyer in Wien 1920 Okt. 28 

- Karl Neumann in Leipzig 1893 Mai 4 

- Friedritth Oltmanns in Freiburg i. B 1921 Dez. 8 

d* 



xxvni 

Datum der Wahl 

Hr. Wilhelm Ostwald iu Groß-Bothen, Sachsen 1905 Jan. 12 

- Georg Quincke in Heidelberg 1879 März 13 

- Ludwig Radlkofer in München 1900 Febr. 8 

- Tlieodore William Richards in Cambridge, Mass 1909 Okt. 28 

- WUhelm Roux in Halle a. S 1916 Dez. 14 

Georg Ossian Sars in Christi ania 1898 Febr. 24 

- Otto Schott in Jena 1916 Juli 6 

- Hugo von Seeliger in München 1906 Jan. 11 

- Emest Solvay in Brüssel 1913 Mai 22 

- Arnold Sommerfeld in München 1920 März 11 

Gustav Tammann in Göttingen 1919 Juni 26 

Sir Joseph John Thomson in Cambridge 1910 Juli 28 

Hr. Gustav Edler von Tschermak in Wien 1881 März 3 

- Hugo de Vries in Lunteren 1913 Jan. 16 

- Jolmnnes Diderik van der Waals in Amsterdam 1900 Febr. 22 

- Otto Wallach in Göttingen 1907 Juni 13 

- Eugenius Warming in Kopenhagen 1899 Jan. 19 

- Richard Wettstein von Wettersheim in Wien 1921 Dez. 8 

- Emil Wiechert in Göttingen 1912 Febr. 8 

- Wilhelm Wien in München 1910 Juli 14 

- Jolmn Nor dal Fischer Wille in Chris tiania 1921 Dez. 8 

- Edmund B. Wilson in New York 1913 Febr. 20 



Philosophisch-historische Klasse Datum der Wahl 

Hr. Karl von Amira in München 1900 Jan. 18 

- Klemens Baeumker in München 1915 Juli 8 

- Willy Bang-Kaup in Berlin 1919 Febr. 13 

- Friedrich von Bezold in Bonn 1907 Febr. 14 

■ Joseph Bidez in Gent 1914 Juli 9 

- Franz Boas in New York 1920 Juli 15 

- James Henry Breasted in Chicago 1907 Juni 13 

- Harry Breßlau in Heidelberg 1912 Mai 9 

- Rene Cagnat in Paris 1904 Nov. 3 

- Arthur Chuquet in Villemomble (Seine) 1907 Febr. 14 

- Franz Cumont in Rom 1911 April 27 

- Georg Dehio in Tübingen 1920 Okt. 28 

- Loui^ Duchesne in Rom 1893 Juli 20 

- Franz Ehrle in Rom 1913 Juli 24 

- Paul Foucart in Paris 1884 Juli 17 



XXIX 

Datum dfr Wahl 

Sir James George Frazer in Cambridge ...1911 April 27 

Hr. Wilhelm Fröhner in Paris 1910 Juni 23 

- Percy Gardner in Oxford 1908 Okt. 29 

- Francis Llewellyn Grijßth in Oxford .• 1900 Jan. 18 

- Ignazio Guidi in Rom 1904 Dez. 15 

- Georgias N. Hatzidakis in Athen 1900 Jan. 18 

Bemard Haussoullier in Paris 1907 Mai 2 

- Johan Ludvig Heiberg in Kopenhagen . . .- 1896 März 12 

- Anioine Heron de VUlefosse in Paris 1893 Febr. 2 

Gerardtis Heymans in Groningen 1920 Juli 15 

- Harald Hjärne in üppsala 1909 Febr. 25 

- Maurice HoUeaux in Versailles 1909 Febr. 25 

- CItristian Hülsen in Heidelberg 1907 Mai 2 

- Hermann Jacobi in Bonn 1911 Febr. 9 

- Adolf Jülicher in Marburg 1906 Nov. 1 

Sir Frederic George Kenyon in London 1900 Jan. 18 

Hr. Georg Friedrich Knapp in Darmstadt 1893 Dez. 14 

- Axel Kock in Lund 1917 Juli 19 

- Karl von Kraus in München . ". 1917 Juli 19 

- Basil Latyschew in St. Petersburg 1891 Juni 4 

- Friedrich Loofs in Halle a. S. 1904 Nov. 3 

Giacomo Lumbroso in Rom 1874 Nov. 12 

- Arnold Luschin Ebengreuth in Graz 1904 Juli 21 

- WWielm Meyer-Labke in Bonn . ." 1905 Juli 6 

- .Georg Elias Müller in Göttingen 1914 Febr. 19 

- Karl von Müller in Tübingen 1917 Febr. 1 

- Samuel Muller Frederikzoon in Utrecht 1914 Juli 23 

- Franz Praetorius in Breslau 1910 Dez. 8 

- Pio Rajna in Florenz 1909 März 11 

- Moriz Ritte}- in Bonn 1907 Febr. 14 

- Karl Robert in Halle a. S 1907 Mai 2 

- Michael Rostowzew in St. Petersburg 1914 Juni 18 

- Edward Schröder in Göttingen 1912 Juli 11 

- Eduard Schwartz in München 1907 Mai 2 

- Kurt Seilte in Göttingen 1920 Juli 15 

- Bernftard Seuffert in Graz 1914 Juni 18 

- Eduard Sievers in Leipzig 1900 Jan. 18 

Sir Edward Maunde Thompson in London 1895 Mai 2 

Hr. Vilhelm Thomsen in Kopenhagen 1900 Jan. 18 

- Ernst Troeltsch in Berlin 1912 Nov. 21 

- Patd Vinogradoff xn Oxford 1911 Juni 22 



XXX 



Catonl der Wabl 



Hr. Girokmo ViteUi in Florenz 1807 Juli 15 

- Jakob Wackernagerm BsiSel 1911 Jan. 19 

- Rudolf Wackernagel in Basel 1921 Juni 9 

- Adolf Wilhelm in yfi&n 1911 Aprü 27 



Inhaber der Bradley-Medaille 

Hr. Friedrich Küstner in Bonn (1918) 

Inhaber der Hehnholtz-Medaille 

Hr. Santiago Ramön Cajal in Madrid (1905) 

- Max Planck in Berlin (1915) 

- Richard von Herlwig in München (1917) 

- Wilhelm Conrad Röntgen in München (1919) 

Verstorbene Inhaber 

EmU du Bois-Reymond (Berlin. 1892, f 1896) 

Karl Weierstraß (Berlin, 1892, f 1897) 

Robert Bunsen (Heidelberg, 1892. f 1899) 

Lord Kelvin (Netherhall, Largs, 1892, f 1907) 

Rudolf Virchow (Berlin, 1899, f 1902) 

Sir George Gabriel Stokes (Cambridge. 1901, f 190:5i 

Henri Becquerel (Paris, 1907, f 1908) 

Emü Fischer (Berlin, 1909, f 1919) 

Jakob Heinrich mnt Hoff (Berlin, 1911. f 1911) 

Simon Schtvendener (Berlin, 1913, -l 1919) 

Inhaber der Leibniz-Medaille 

a. Der Medaille in Gold 

Hr. James Simon in Berlin (1907) 

- Emest Solvay in Brüssel (1909) 

Joseph Florimond Duc de Loubat in Paris (1910) 

Hr. Hans Meyer in Leipzig (1911) 

Frl. Elise. Koenigs in Berlin (1912) 

Hr. Georg Schweinfurth in Berlin (1913) 

- Leopold Koppel in Berlin (1917) 

- Rudolf Havenstein in Berlin (1918) 

- Heinrich Schnee in Berlin (1919) 



XXXI 



Verstorbene Inhaber der Medaille in Gold 

Henry T. von Böttinger (Elberfeld, 1909, t 1920) 
Otto von Schjerning (Berlin, 1916, -{- 1920) 

b. Der Medaille in Silber 
Hr. Adolf Friedrich Lindemann in Sidmouth, England (1907) 

- Johannes Balte in Berlin (1910) 

- Albert von Le Coq in Berlin (1910) 

- Johannes llberg in Leipzig (1910) 

- Max Wellmann in Potsdam (1910) 

- Robert Koldewey in Berlin (1910) 
Gerhard Hessenberg in Tübingen (1910) 
Werner Janensch in Berlin (1911) 

- Hans Osten in Leipzig (1911) 

- Robert Davidsohn in München (1912) 

- N. de Garis Davies in Kairo (1912) 

- Edwin Hennig in Tübingen (1912) 

- Hugo Rabe in Hannover (1912) 

- Josef Emanuel Hibsch in Tetschen (1913) 

- Karl Richter in Berlin (1913) 

- Hans Witte in Neustrelitz (1913) 

- Georg Wolff in Frankfurt a. M. (1913) 
Walter Andrae in Assur (1914) 

- Ervoin Schramm in Dresden (1914) 

- Richard Irvine Best in Dublin (1914) 

- Otto Baschin in Berlin (1915) 

- Albert Fleck in Berlin (1915) 

- JtUius Hirschberg in Berlin (1915) 

- Hitgo Magnus in Berlin (1915) 

- E. Pebes in Leipzig (1919) 

- ('. Dorne in Davos (1919) 

- Johannes Kirchner in Berlin (1919) 

- Edmund von IJppmann in Halle a. S. (1919) 
Freiherr von Schrötter in Berlin (1919) 

Hr. Otto Wo^ in BerUn (1919) 

Verstorbene Inhaber der Medaille in Silber 

Karl Alexander cou Martim (Berlin. 1907, f 1920) 
Karl Zeumer (Berlin, 1010, t 1914) 
Georg Wenker (Marburg, 1911, f 1911) 



XXXII 

Beamte der Akademie 

Bibliothekar und Archivar der Akademie: Dr. St/iamer, Prof. 

Archivar und Bibliothekar der Deutschen Kommission: Dr. Behrend, Prof. 

Wissenschaftliche Beamte: Dr. Dessau, Prof. (im Ruhestand). — Dr. Harms, Prof. — 

Dr. Karl Schmidt, Prof. — Dr. Frhr. Hiller von Gaertringen, Prof. — Dr. Ritter, 

Prof. — Dr. Apstein, Prof. — Dr. Paetsch, Prof. — Dr. Kuhlgatz, Prof. — Dr. 

Gaebler. — 

Wissenschaftliche Hilfsarbeiter: Dr. Frhr. ooa Künßberg, Prof. (Heidelberg). — 

Dr. (Irapow. — Dr. HochMetter. — Dr. Siegling. — 

Registrator und Kalkulator: Grünheid. 

Kanzleiassistent: (fehlt z. Zt.). 

Hilfsarbeiterin in der Bibliothek: Fräulein Koch. 

Hilfsarbeiterin im Bureau: (fehlt z. Zt.). 

Hilfsarbeiterinnen im Bureau des »Tierreich«: Fräulein Lvilier. — Fräulein Born. 

Kastellan: Janisch. 

Akademiegehilfen: Hennig. — Siedmann (z. Zt. beurlaubt). 

Hilfsdiener: Glaeser. 



XXXIII 

Verzeichnis der Kommissionen, Stiftungs-Kuratorien usw. 
Kommissionen für wissenschaftliche Unternehmungen der Akademie. 

Acta Borüssica. 
Hintze (geschäflsfiihrendes Mitglied). Meinecke. Kehr. 

Ägyptologische Kommission. 
Ermaii. Meyer. Scliuize. Sethe (Göttingen). 
Außerakad, Mitglieder: .Junker (Wien). H. Schäfer (Berlin). Spiegelberg 

(Heidelberg). 

I 

Griechisch-römische Altertumskunde. 
Wilcken (Vorsitzender). Diels. von Wilamowitz-Moellendorfl'. Meyer. 
Schulze. Norden. Dragendorff. 

Corpus inscriptionum Etruscarum: Schulze. 
(lorpus inscriptionum Latinarum: Wilcken. 
Fronto-Ausgabe: Norden. 
Griechische Münzwerke: Dragendorff'. 
Inscriptiones Graecae: von Wilamowitz-Moellendorft". 
Prosopographia imperii Romani saec. I — III: Wilcken. 
Strabo- Ausgabe: von Wilamowitz-Moellendorff". 

Corpus medicorum Graecorum. 
Diel.s. Sachau. von Wilamowitz-Moellendorff. 

Deutsche Gescbichtsquellen des 19. Jahrhunderts. 
Meinecke. Roethe. Schäfer. Hintze. Sering. Holl. Kehr. 

Deutsche Kommission. 
Roethe (geschäftsfuhrendes Mitglied). Diels. Burdach. Schulze. Hintze. 

Kehr. Schröder (Göttingen). Seuffert (Graz). 
Außerakad. Mitglied: Wrede (Marburg). 

Dilthey-Kommission. 
Stumpf (geschäft«tührendes Mitglied). Burdach. Roethe. Seckel. 



XXXIV 

Geschichte des Fixsternhimmels. 

(t. Müller (geschäftsfuhrendes Mitglied) 

Außerakad. Mitglied: Cohn (Berlin). 

Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen. 
Hintze (geschäftsfuhrendes Mitglied). Meinecke. Kehr. 

Herausgabe der Werke Wilhelm von Humboldts. 
Burdach (geschäftsführendes Mitglied), von Wilamowitz-Moellendorflf. 
Mein ecke. 

Herausgabe des Ihn Saad. 
Sachau (geschäftsfährendes Mitglied). Erraan. Schulze. F. W. K. Müller. 

Kant -Ausgabe. 
Stumpf (Vorsitzender). Roethe. Meinecke. 
Außerakad. Mitglied: Menzer (Halle). 

Ausgabe der griechischen Kirchenväter, 
von Harnack (geschäftsfuhrendes Mitglied), von Wilamowitz-MoellendorflF. 
Hüll. Norden. Loofs (Halle). Jülicher (Marburg). 

Leibniz -Ausgabe. 
Stumpf (geschäftsführendes Mitglied). Planck, von Harnack. Roethe. 
Kehr. Schmidt. 

Oskar-Mann-Nachlaß-Kommission. 
Sachau. F. W. K. Müller. Schulze. Lüders. von Harnack. 

Nomenelator animalium generum et subgenerum. 
Kükenthal (geschäftsführendes Mitglied). Heider. 

Orientalische Kommission. 
Meyer (geschäftsfuhrendes Mitglied). Sachau. Elrman. Schulze. 

F.W. K. Müller. Lüders. 
Außerakad. Mitglied: Delitzsch (Berlin). 



XXXV 



„Pflanzenreich". 
Engler (geschäftstiihrendes Mitglied). Correns. 

„Tierreich". 
Kükentlial (gescliäf'tsfiihrendes Mitglied). Heider. 

Herausgabe der Werke von Weierstraß. 
Planck (geschätisfülirendes Mitglied). Schmidt. 

Wörterbuch der deutsehen Rechtssprache. 
Roethe (geschäftsfuhrendes Mitglied). Stutz. Heymann. 
Außerakad. Mitglieder: Frensdorff (Göttingen). Huber (Bern). Frhr. von 

Künßberg (Heidelberg). Frhr. von Schwerin (Freiburg). Frhr. von 

Schwind (Wien). 



Wissensc/iaf (liehe Unternehraunyen, die mit der Akademie in Verbindung stehen. 

Corpus scriptorum de musiea. 
Yertreter in der General-Konmiission: Stumpf. 

Luther-Ausgabe. 
Vertreter in der Kommission: von Hamack. Burdach. 

Monumenta Germaniae historica. 
Von der Akademie gewählt« Mitglieder der Zentral-Direktion : Schäfer. Hintze. 

Thesaurus der japanischen Sprache. 
Sachau. Schulze. F. W. K. Müller. 

Sammlung deutscher Volkslieder. 
Vertreter in der Kommission: Roethe. 

Wörterbuch der ägyptischen Sprache. 
Vertreter in der Kommission: Erman. 



XXXVI 

Reiehszentralstelle der naturwissenschaftliehen Berichterstattung. 
Planck (Vorsitzender). Schmidt. Rubens. Haber. Liebiscli. Hellniann. 
G. Müller. 

Kommission für öffentliche Vorträge. 
Roethe. von Wilaniowitz-Moellendorff. Penck. Rubens. 



Bei der Akademie errichtete Stiftungen. 

Bopp-Stiftung. 

Vorberatende Kommission (1918 Okt.— 1922 Okt.). 

Schulze (Vorsitzender). Lüders (Stellvertreter des Vorsitzenden). Brandl 

(Schriftführer). Roethe. 
Außerakad. Mitglied: Brückner (Berlin). 

Charlotten-Stiftung für Philologie. 
Kommission. 
Diels. von Wilamowitz-Moellendorff". Schulze. Norden. 

Emil-Fischer-Stiftung. 
Kuratorium (1920 Nov. 1—1921 Okt. 31). 
Beckmann (Vorsitzender). Nernst. Haber. 
Außerakad. Mitglied: Hermann Fischer. 

Eduard-Gerhard-Stiftung. 

Kommission. 

Dragendorft" (Vorsitzender). Wilcken. von Wilamowitz-Moellendorff. Meyer. 
Schuchhardt. 

De-Groot-Stiftung. 
Kuratorium (1917 Febr.— 1927 Febr.). 
Lüders (Vorsitzender). F. W. K. Müller. 



XXXVll 

Max-Henoeh-Stiftung. 
Kuratorium (11)20 Dez. 1 — 1925 Nov. HO). 
Plaru-k (Vorsitzender). Scliottky. Schmidt. Rubens. 

Humboldt-Stiftung. 

Kuratorium (1921 .Im.. 1—1924 Dez. 31). 

Kubner (Vorsitzender). Hellmann. 

Außerakad. Mitglieder: Der vorgeorduete Minister. Der Oberbürgermeister 
von Berlin. P. von Mendelssohn-Bartholdy. 

Akademische Jubiläumsstiftung der Stadt Berlin. 

Kuratorium (1921 Jan. 1—1924 Dez. 31). 

Luders (Vorsitzender). Planck (Stellvertreter des Vorsitzenden). Holl. Rubens. 
Außerakad. Mitglied: Der Oberbürgermeister von Berlin. 

Theodor-Mommsen-Stiftung. 
von Wilamowitz-Moellendorft". Norden. Seckel. 

Stiftung zur Förderung der kirehen- und religionsgeschichtlichen Studien im 
Rahmen der römischen Kaiserzeit (saee. I — VI), 

Kuratorium (1913 Nov.— 1923 Nov.). 

von Harnack (Vorsitzender). Norden. 

Außerdem als Vertreter der theologischen Fakultäten der UniversitJIten Ber- 
lin: HoU, (ließen: Krüger, Marburg: Jülicher. 

Graf-Loubat-Stiftung. 

Kommission (1918 Febr.— 1923 Febr.). 
Sacliau. Seier. 

Paul-Rieß-Stiftung. 

Kuratorium (1920 Jan. 1 — 1925 Dez. 31). 

Planck. Beckmann. Kuben«. 

f 



XXXVIII 

Albert-Samson-Stiftung. 

Kuratorium (1917 April 1—1922 März ül). 

("orrens (Vorsitzender). Planck (Stellvertreter des Vorsitzenden). Rubner. 
Orth. Penck. Stumpf. Fick. 

Herraann-und-Elise-geb.-Heekmann-Wentzel-Stiftung. 
Kuratorium (1920 April 1—1925 März 31). 

Roetlie (Vorsitzender). Planck (Stellvertreter des Vorsitzenden). P>man 

(Schriftfiilirer). Nernst. Haberlandt. von Harnack. • 
Außerakad. Mitglied: Der vorgeordnete Minister. 



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ABHANDLUNGEN 

DER PREUSSISCHEN 

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

JAHRGANG 1921 

PIIYSIKALISCH-M ATHEMATISCHE KLASSE 



Nr.1 



DIE METEOROLOGIE IN DEN DEUTSCHEN FLUGSCHRIFTEN 
UND FLUGBLÄTTERN DES XVI. JAHRHUNDERTS 

EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE DER METEOROLOGIE 

VON 

G. HELLMANN 



BERLIN 1921 

VERLAG DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



IN KOMMISSION BEI DER 
VEREINIGUNG WISSENSCHAFTLICHER VERLEGER WALTER DE GRUYTER U. CO. 

VORaALS e. J. OÖSCUbN'&C HK VUlLAGSHANDLÜ.Na. 1. GUTTENTAG, VEBI.AGSBUCBHANDLCNU. 
GEOKG REIMEB. KARL J. TrOBNI-IK. VEIT U. COUP. 



r: ,: Vorgetragen in der Gesamtsitzung am 10. Februar 1921. 

' ■■ 'Zum Druck genehmigt am 18. April 1921, ausgegeben am 13. August 1921. 



Einleitung^. Be^iff der Flugschriften. 

Vor zwanzig Jahren habe ich nachgewiesen, daß bereits seit dem XIV. Jahrhundert 
in Europa regelmäßige Witterungsaufzeichnungen gemacht wurden'. Anfajiglich geschah 
dies nur an sehr wenigen Orten, aber schon für das XVI. Jahrhundert konnten allein für 
Deutschland, Deutsch-Österreich und die deutsclie Schweiz einige vierzig Wetterjournale 
als noch vorhanden namhaft gemacht werden. Daneben blieb aber der alte Brauch be- 
stehen, über ungewöhnliche Witterungserscheinungen einen eigenen Bericht niederzuschreiben, 
der meistens in die allgemeinen Chroniken aufgenommen wurde, zuweilen aber auch als 
kleines selbständiges Stück in Handschriften sich findet. In Mischbänden von Handschriften 
begegnet man solchen Berichten über einen heftigen Sturm, eine große schadenbringende 
Überschwemmung, eine ungewöhnliche Lichterscheinung und dergleichen Naturereignisse 
mitten zwischen Texten ganz anderen Inlialts, wenn gerade eine ganze oder halbe Seite 
leer geblieben war, die wegen der Kostbarkeit des Schreibstoffes (Pergament oder Papier) 
ausgenutzt wurde. 

Nach der Erfindung des Holzschnittes und erst recht nach der des Buchdruckes 
fing man an, diesen Berichten durch den Druck gi-ößere Verbreitung zu geben, da weite 
Kreise sich für solche aktuelle Nachrichten interessierten. So entstanden die meteoro- 
logisclien Flugschriften und Flugblätter (d. h. einseitig bedruckte Blätter), die indessen 
keine selbständige Literaturgattung bilden, sondern nur einen Teil der allgemeinen histO' 
rischen Flugschriften ausmachen. Bereits in Nr. 12 der »Neudrucke« sind Proben von 
ihnen aus mehreren Ländern Europas mit den nötigen Erläutenmgen von mir veröffent» 
licht worden 

Hier sollen die deutschen meteorologischen Flugschriften und Flugblätter des XV. 
und XVI. Jahrhunderts eingehend behandelt werden, wobei aber solche über Kometen, 
Meteore und Erdbeben unberücksichtigt bleiben, da sie nicht mehr zur Meteorologie ge- 
rechnet werden. 

Zunächst galt es, diese Druckschriften möglichst vollständig zu erfassen. Das ist keine 
einfache Aufgabe; denn die Literatur des XVI. Jahrhunderts, die hauptsächlich in Frage 
kommt, ist noch wenig erforscht, viel weniger als die des XV. Auch ist den Schriften 
geringen Umfangs sowie den Einblattdrucken (Flugblättern) verhältnismäßig wenig Beachtung 
geschenkt worden. Dazu kommt, daß gerade diese Kleinliteratur, die nicht ausschließ- 
lich für die Gelehrten, sondern eher für weitere Volksschichten bestimmt war, viel- 
fach der Vernichtung anlieim gefallen ist. Es war daher notwendig, diese Schriften auf 
den Bibliotheken selbst aufzusuchen, um sowohl sie bibliographisch aufzunehmen als 
auch ihren Inhalt kennen zu lernen; denn die meteorologische Erscheinung bl,ieb für 
mich die Hauptsache. Nur so konnte ermittelt werden, in welcher Weise sich ein Fort- 
schritt in der Auffassung und Deutung der meteorologischen Vorgänge vollzogen hat, 

' »Neudrucke von Schriften und Karten über Meteorologie und Erdmagnetismus« Nr. 13. Meteor()logische 
Iteobachtungen vom XIV. bis XVII. Jahrhundert. Berlin 1901. 4". 

1* 



4 H E L L M A N X : 

Nachweis der Flug-schriften. 

Der Nachweis der in der später folgenden Bibliographie aufgeführten deutschen 
meteorologischen Flugschriften und Flugblätter des XV. und XVI. Jahrhunderts ist in 
einer sich auf mehrere Jahrzehnte erstreckenden Sammelarbeit allmählich zustande ge- 
kommen. Jeder, der ähnliche Untersuchungen gemacht hat, weiß, daß ein so weit ver- 
streutes und seltenes Material nicht in einem Zuge zusammengebracht werden kann, 
namentlich, wenn es sich um Schriften handelt, die gewöhnlich ohne Angabe des Ver- 
fassers erschienen und die auch wegen ihres geringen Umfangs auf manchen Bibliotheken 
nicht so gut katalogisiert sind wie die größeren Werke. Zudem bestehen über ihre 
Einreihung in die Realkataloge bei den Bibliotheksverwaltungen die allerverschiedensten 
Auffassungen; ja in manchen Sammlungen ist es überhaupt nicht möglich, diese Schriften 
ganz zu erfassen. Am bequemsten habe ich das von der Preußischen Staatsbibliothek 
in Berhn befolgte Verfahren gefunden, alle historischen Flugschriften ohne Rücksicht 
auf ihren Inhalt in chronologischer Folge in einem Katalog zu vereinigen. Ich habe 
allerdings auch hier mehrfach die Erfahrung gemacht, daß noch andere Flugschriften 
vorhanden sind — meistens bei spezieller Ortsgeschichte — , die im Flugschriftenkatalog 
hätten stehen sollen. 

Es ist daher sehr wahrscheinlich, daß es selbst in denjenigen Bibliotheken, in denen 
ich die deutschen meteorologischen Flugschriften eingesehen und aufgenommen habe, 
noch einige gibt, die mir entgangen sind. Ferner wird man es nach diesen Darlegungen 
verständlich und entschuldbar finden, wenn bei den Titelaufnahmen, die sich auf einen 
Zeitraum von nahezu drei Jahrzehnten erstrecken, einige kleine Ungleichheiten vorkommen. 

Um die sehr häufigen Druckvarianten voneinander unterscheiden zu können, wurden 
die Titel möglichst nach den Originalen genau aufgenommen, mit Unterscheidimg der 
Zeilen, mit den Maßen der Holzschnitte, deren Darstellungen kurz angegeben werden, mit 
Angabe der Blattzahl und der Signaturen, mit Unterscheidung des deutschen und des 
französischen r (r i) usw. Wo diese Einzelheiten fehlen und in der nachfolgenden Biblio- 
graphie der Titel ganz in Antiqua gedruckt ist, konnte das Original nicht eingesehen 
werden. Die Zahl dieser Titel ist erfi*eulich erweise klein geblieben. 

So sehr zurück auch im allgemeinen die bibliographische Erforschung des XVI. Jahr- 
hunderts ist, so liegen doch gerade ftir den vorliegenden Zweck einige Arbeiten vor, die 
vortreffliche Auskunft darüber geben, welche Bibliotheken deutsche meteorologische Flug- 
schriften und Flugblätter besitzen. Es sind dies vor allem drei bibliographische Arbeiten 
von Emil Weller: das »Repertoriumtypographicum« (1864), » Die ersten deutschen Zeitungen « 
(1872) und die »Annalen der poetischen National-Literatur der Deutschen« (1862). 

Das »Repertorium typographicum. Die deutsche Literatur im ersten Viertel des XVI. Jahr- 
hunderts. Im Anschluß an Hains Repertorium und Panzers deutsche Annalen. Nörd- 
lingen 1864« (8"), zu dem ein I. Supplement, Nördlingen 1874, und ein II. Supplement, 
ebenda 1885, gehören, enthält in zeitlicher Folge alle Drucke in deutscher Sprache von 
1500 bis 1525, soweit sie der Verfasser auf den Bibliotheken selbst angetroffen hat oder 
durch Kataloge nachweisen konnte. Es sind im ganzen etwas mehr als 5000. Die Titel 
sind meist mit Zeilenabteilung genau wiedergegeben und die Bibliotheken, die das Werk 
besitzen, namhaft gemacht. Für unsere Zwecke liefert das Repertorium eine kleine Aus- 
beute, da bis zum Jahre 1525 nur wenige meteorologische Flugschriften und Flugblätter 
vorhanden sind. Um so ergiebiger erweist sich die zweite Wellersche Arbeit: »Die ersten 
deutschen Zeitungen. Herausgegeben mit einer Bibliographie (1505 — 1599). Tübingen 1872. 
8°. (Literar.Ver.CXI)«, da sehr viele Flugschriften unter dem Stichwort »Zeitung«, namentlich 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. JahrU. 5 

»Neue Zeitung«, erschienen'. Die Titel sind hier ohne Zeilenabteilung und in Antiqua, 
sonst aber meist ebenso genau wie im Repertorium desselben Verfassers aufgeführt". Be- 
nutzt wurden von ihm hauptsächlich süddeutsche und schweizerische Bibliotheken. Weller 
hat selbst einen Nachtrag veröffentlicht, und von einigen anderen Bibliothekaren sind 
solche fiir die Bestände in Breslau, Darmstadt und Münster geliefert worden : sie erscheinen 
in der nachfolgenden Bibliographie unter folgender Chiffre: 

Weller I = Nachlese zu «Die eisten deutschen Zeitungen«. Von Emil Weller. (Germania. Vierteljahrs- 
schrift fiir deutsche Altertumskunde. 26. Jahrg. Wien 1881. 8°. S. 104—114.) 

Weller II =r Nachlese zu Weller: Die ersten deutschen Zeitungen, von A. Heyer (Centralblatt für Bibliotheks- 
wesen Bd. V, 1888, S. 214 — 225, 272—283). 

Weiler III = Dritte Nachlese zu Weller"s deutschen Zeitungen. Mit Anhang: Deutsche Zeitungen des XVII. Jahr- 
hunderts aus der Kgl. und Üniversitäts-Bibliothek und der Stadtbibliothek zu Breslau. Von 
A. Hf.yeb. (Centralbl. f. Bibliothekswesen, Beiheft 5, 1889, 47 S. Weiler II und III beziehen 
sich auf die Breslauer Bibliotheken.) 

Weller IV = Noch einige deutsche Zeitungen des XVI. Jahrhundei"ts. Von P. Bahlmann. (Centralbl. f. Biblio- 
thekswesen Bd. VII, S. 142 — 144; bezieht sich auf die Bibliothek in Münster i. W. und enthält 
keine Flugschrift meteorologischen Inhalts.) 

Weller V =t_ Fünfte Nachlese zu Weller: Die ersten deutschen Zeitungen. Aus der Großherzoglichen Hof- 
bibliothek in Darmstadt. Von Adolf ScBMinr. (Centralbl. f. Bibliothekswesen Bd. IX, 1892, 

s. 544—567-) 

Die vorstehend genannten bibliographischen Nachweise enthalten 147 meteorologische 
Flugschriften mit dem Stichwort »Zeitung«, zu denen ich noch 51 neue hinzufügen konnte, 
die Weller und seinen Nachfolgern unbekannt geblieben sind. 

Da von etwa der Mitte des XVI. Jahrhunderts ab auch das Volkslied bisweilen un- 
gewöhnliche meteorologische Erscheinungen behandelt, habe ich die »Annalen der poeti- 
schen National-Literatur der Deutschen im XVI. und XVII. Jahrhundert. Nach den Quellen 
bearbeitet von Emil Weller. Freiburg i. B.« (I 1862, II 1864. 8") mit zu Rate gezogen und 
daraus die einschlägigen Lieder ausgezogen. 

Die reichste Ausbeute an meteorologischen Flugschriften und Flugblättern lieferten 
neben der systematischen Durchsicht der Bestände der großen Bibliotheken die alten Sammel- 
bände auf manchen kleineren Bibliotheken, in denen zuweilen ein Dutzend solcher Schriften 
vereinigt war. Der große Nutzen der Erhaltung der Mischbände trat dabei wieder deut- 
lich zutage. 

Flugblätter oder Einblattdrucke. 

Gehören schon Flugschriften des XVI. Jahrhunderts zu den Seltenheiten, so gilt dies 
in noch viel höherem Grade von den Flugblättern oder Einblattdrucken. Das große Format 
(mittleres oder großes Folio), in dem sie gedruckt wurden, war für ihre Erhaltung nicht 
günstig: die Blätter wurden bald beschädigt und allmählich ganz zerrissen, viele auch, da 
sie eine weiße, unbedruckte Seite haben, vom Buchbinder als Vorsatzblätter verbraucht. 
Es gibt ansehnliche Bibliotheken, die keinen einzigen Einblattdruck aus dem XVI. Jahr- 
hundert besitzen, in manchen, wie zu Bamberg, Berlin, München und an anderen Orten, 
sind einige vorhanden. Die Stadtbibliothek in Ulm beherbergt zwar eine größere Zahl, 
darunter aber nur ein einziges Flugblatt meteorologischen Inhalts*. Dagegen befinden sich 

' über diese oi-ientiert am besten die gekrönte Preisschrift der Jablonowskischen Gesellschaft Nr. XLIII: 
1'. Roth, Die Neuen Zeitungen in Deutschland im 15. und 16. Jahrhundert. Leipzig 1914. 8°. Nützliche 
Angaben enthält auch: R. E. Prutz, Geschichte des deutschen Journalismus. Erster Theii. Hannover 1845. 
8°. (S. 156 ff.) 

" Bei ganz langen Titeln hat Weller bisweilen einiges weggelassen, so daß meine Titelaufnahraen die 
seinigen manchmal ergänzen, und umgekehrt. 

' Das ist wohl auch der Grund, warum J. Sciieible, der seinem Buch über: «Die Fliegenden Blätter 
des 16. und 17. Jahrhunderts« (Stuttgart 1850. 8°) das Ulmer Material zugrunde gelegt hatte, Naturereignisse 
nicht berücksichtigt. Ein neueres und viel umfangreicheres Werk ähnlicher Art hat das getan, nämlich: 



6 H E L L M A N N- : 

reiche Sammlungen von Einblattdrucken in Gotha, Nürnberg und Zürich. Die in Gotha 
vorhandenen sind offenbar von einem sächsischen Herzog zusammengebracht worden, alles 
schön erhaltene Blätter, die jetzt im Museum (frülier in der Bibliothek) aufbewahrt werden. 
In Nürnberg hat das Germanische Museum im Laufe der Jahre durch Geschenke und An- 
käufe eine stattliche Zahl von Einblattdrucken erworben, darunter viele von denen, die 
W. Dkugulin im Jahre 1867 zum Kauf anbot\ Aber auch die Nürnberger Stadtbibliothek 
besitzt zahlreiche solche Blätter, was sich daraus erklärt, daß die meisten Einblattdrucke 
in Nürnberg selbst hergestellt wurden, wovon noch später die Rede sein wird. Wahr- 
scheinlich am reichsten an Einblattdrucken des XVI. Jahrhunderts ist aber die frühere 
Stadt-, jetzige Zentralbibliothek in Zürich. Hier sammelte der Archidiakonus am Groß- 
münster, Johann Jakob Wick (1522 — 1588), gedruckte und handschriftliche Nachrichten 
über politische, geschichtliche und Naturereignisse sowie über Tagesneuigkeiten aller Art, 
die er in 23 starke Quart- und Foliobände gebunden der Stadtbibliothek vermachte. 
Unter den rund 900 Flugschriften befinden sich ungewöhnlich viel Flugblätter, die aller- 
dings zum Teil dadurch, daß sie beim Einbinden ein- oder zweimal gefaltet wurden, etwas 
gelitten haben, manchmal auch mit ein wenig Text- und Bildverlust beschnitten sind. 
Über diese großartige Sammlung von Dokumenten zur Kulturgeschichte des XVI. Jahr- 
hunderts, die bisher fast noch gar nicht verwertet" worden ist, hat Ricarda Huch im 
»Neujahrsblatt lieransgegeben von der Stadtbibliothek in Zürich auf das Jahr 1895« (4°. 
26 S., 3 Tafeln) eine allgemein orientierende Anzeige gegeben. Die Durchsicht der 23 
Bände, wobei ich nur auf Drucke meteorologischen Inhalts achtete und die vielen hand- 
schriftlichen Berichte über Witterungserscheinungen ganz außer acht ließ, hat eine volle 
Woche in Anspruch genommen, dafür aber auch reiche Ausbeute geliefert. Wick war 
offenbar ein leidenschaftlicher Sammler, der alles von solchen Drucken kaufte, was ihm 
angeboten wurde; daraus erklärt sich auch die relativ große Zahl von Dubletten, 
die zeigen, daß er häufig ältere Blätter nochmals kaufte und späteren Bänden einver- 
leibte. 

Sodann konnten der Veröffentlichung von Wilhelm Hess, Himmels- und Natur- 
erscheinungen in P^inblattdnicken des XV. bis XVIII. Jahrhunderts, mit dreißig zum Teil 
farbigen Abbildungen (Leipzig 191 1, gr.-8°), einige Angaben über solche Blätter meteorologi- 
schen Inhalts entnommen wcixlen'. 

Schließlich sei noch erwähnt, daß auch manche Antiquariatskataloge, wie namentlich 
die von J. Rosenthal und L. Rosenthal in München, Auskunft über einzelne Flugschriften 
und Flugblätter lieferten, die ich sonst nicht angetroffen habe, und daß ich den Nach- 

KüfiEN DiEDF.RicHS, Deutsches Leben der Vergangenheit in Bildern. Ein Atlas mit 1700 Nachbildungen alter 
Kupfer- und Holzschnitte aus dem 15. — 1 8. Jahrhundert. Jena 1908. 2 Bde. Fol. Ich zitiere es in der nach- 
lolgenden Bibliographie bei den vier Einblattdrucken, von denen es verkleinerte Faksimiles enthält, mit dem 
Namen Diederichs und der betreffenden Nummer. 

' W. Drugülins Historischer Bilderatlas. Verzeichniss einer Sammlung von Einzelblättern zur Cultur- 
und Staatengeschichte vom fünfzehnten bis in das neunzehnte Jahrhundert. Zweiter Theii. Chronik in Flug- 
blättern. 1867. Leipziger Kunst-Comptoir (W. Drugulin). 8°. 4 Bl., 500 S. u. 24 S. Nachträge. Dieser sorg- 
fältig bearbeitete Antiquariatskatalog wurde von mir gleichfalls benutzt; ich zitiere ihn mit Angabe des Namens 
und der Nummer. 

' Nur der Züricher Naturforscher J. J. Scheuchzer hat die Wicksche Sammlung für seine »Bibliotheca 
Scriptorum Historiae Naturalis omnium Terrae Regionum inservientium. (Tiguri 1716. 8°, z. B. S. 66 — 81, 
114 — 116) ausgenutzt. 

' Hess hat die in Bamberg und München vorhandenen Flugblätter zum Teil eingehend beschrieben: 
.ich habe in der nachfolgenden Bibliographie weniger, aber die zu ihrer Unterscheidung voneinander ge- 
nügenden Angaben gemacht. — Vgl. auch die Bamberger Lyzeums-Rektoratsrede von W. Hess: Die Einblait- 
drucke des 15. bis 18. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung ihres astronomischen und meteorologi- 
.schen Inhalts. Bamberg 19 13. 4". 38 S. 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrh. 7 

weis einiger solcher Schriften in niederdeutscher Mundart, die sämtlich selten sind, Hrn. 
Dr. Claüssen in Rostock verdanke. Hrn. Dr. Schottenlohkr, der mir die reichen Sehätze 
der Münchener Staatsbibliothek bequem zugänglich gemacht und manche lehrreiche Aus- 
kunft gegeben hat, sage ich auch an dieser Stelle herzlichen Dank. 

Allgemeiner Charakter der Flugschriften. 

Wie bereits oben erwähnt, gehören die meteorologischen Flugschriften und Flug- 
blätter der allgemeinen Flugschriftenliteratur an, die zu Ende des XV. Jahrhunderts ihren 
Anfang nahm und den Hau})tzweck hatte, von Aufsehen erregenden Neuigkeiten dem 
großen Publikum rasche Kunde zu bringen. Der meteorologischen Flugschrift liegt daher 
nur selten die Absicht zugrunde, die meteorologischen Kenntnisse zu fördern, sondern 
am häufigsten das Bestreben, über eine ungewöhnliche Erscheinung zu berichten und 
— namentlich in späterer Zeit — moralisierende Betrachtungen daran zu knüpfen. Aber 
durch solche Berichte wurde allmählich doch auch eine richtigere Auffassung vom Wesen 
und von der Ursache der Erscheinungen vermittelt, so daß die Flugschriften, so töricht 
uns auch viele von ihnen erscheinen mögen, den Fortschritt der Meteorologie unleugbar 
begünstigt haben. Trägt doch schon die wiederholte Beschäftigung verschiedener Personen 
mit einem Gegenstand unwillkürlich dazu bei, daß er nicht aus den Augen verloren wird 
und zu allerlei Betrachtungen und Überlegungen Veranlassung gibt. 

Die Flugschriften erscheinen daher sehr häufig unter dem Titel »Neue Zeitung«, mit 
Zusätzen wie » warhafftige « , »erschreckliche« u. a., die darauf berechnet sind, die Neu- 
gierde des Publikums zu erhöhen. Von den in der nachfolgenden Bibliographie auf- 
geführten 5 1 6 meteorologischen Flugschriften und Flugblättern enthalten rund 40 v. H. 
im Titel das Stichwort Zeitung, woraus schon hervorgeht, daß Weller durch »pedan- 
tisches« (wie er selbst sagt) Festhalten am Wort »Zeitung« mit seinem sonst so vor- 
trefl'lichen Werk die Flugschriftenliteratur nur zu einem Teile erfaßt hat. Da es mir 
natürlich darauf ankam, die meteorologischen Erscheinungen und alles, was über sie er- 
schienen ist, kennen zu lernen, mußte ich von einer solchen Beschränkung absehen und 
alle Flugschriften, ganz gleichgültig, wie ihr Titel lautet, in Betracht ziehen. So weist 
die nachstehende BibÜographie z. B. über das starke Schadengewitter vom 7. August 1546 
in Mecheln 1 2 verschiedene Drucke auf, von denen nur 3 das Stichwort Zeitung im 
Titel fahren. Von vielen Ereignissen gibt es Flugschriften, in denen dieses Wort über- 
haupt nicht vorkommt. 

Nächst »Zeitung« sind in den Titeln der meteorologischen Flugschriften die häufigsten 
Stichworte: Beschreibung, Geschieht, Gesicht, Wunderzeichen, Zeichen, Bericht, An- 
zeigung, Auslegung — diese beiden letzteren besonders im ersten Drittel des XVI. Jahr- 
hunderts. 

Das Format der Flugschriften in Prosa ist fast ausschließlich Klein-Quart, das der 
Lieder gewöhnlicli Klein-Oktav. Der Umfang geht selten über einen Bogen hinaus oder 
bleibt darunter; bei den Quartformaten begegnet man noch am häufigsten solchen von 
2, 4, 8 oder 12 Blättern. Eine 2^hlung der Blätter findet fast nie statt, dagegen fehlen 
nur selten die Signaturen, die ich bei der bibliographischen Beschreibung mit angegeben 
habe; denn sie dienen öfters zur Unterscheidung von Druck Varianten. Auf dem Titel 
wird häufig das Ereignis durch eine Holzschnittabbildung dargestellt: doch fehlt bisweilen 
jede Bezugnahme des Bildes zum Text. Der Drucker hat einen vorhandenen Holzstock 
benutzt, ohne sich zu fragen, ob er auch ])aßt. Abbildungen innerhalb des Textes sind 
dagegen selten. 



8 



HellmanK: 



Die Verfasser der Flugfsehriften. 

Wie bereits eingangs erwähnt, erschienen die meisten Flugschriften und Flugblätter 
meteorologischen Inhalts ohne Nennung des Verfassers. Dies gilt insbesondere für die 
erste Hälfte des XVI. Jahrhunderts; nach 1550 begegnet man dem Namen des Verfassers 
in der Vorrede oder auf dem Titel etwas häufiger. Im ganzen sind es aber doch nur 98, 
also etwa 19 v. H. aller Schriften, bei denen sich der Verfasser feststellen läßt. In 
manchen findet man zwar die Vorrede mit den Anfangsbuchstaben des Namens unterzeichnet, 
kann diese aber nur selten deuten. 

Da es mir wichtig erschien, die Verfasser nach Heimat und Beruf näher zu kenn- 
zeichnen, habe ich mit Hilfe der Angaben in den Schriften selbst sowie von Jöchers 
Gelehrten-Lexicon, der Allgemeinen Deutschen Biographie und meines Repertoriums der 
deutschen Meteorologie folgendes Verzeichnis der 85 mit Namen sich nennenden Ver- 
fasser aufgestellt. Die Datumsangabe neben dem Namen weist auf die betreffende Schrift 
in der Bibliographie hin, rechts davon steht die kurze biographische Angabe. 

aus Spremberg, ein theologisch gebildeter Protestant und 

Schriftsteller (ADB). 
aus Roclilitz. Schrieb noch einen -WetterspiegeU (Leip- 
zig 1589) und eine Gewitterlehre; vielleicht Sohn des 
bei Jöcher genannten. 
Pi-ediger in Lübeck (Jö.). 
unbekannt. 

aus Zittau, Pfarrer im Dorfe Brinys (Jö.). 
aus Lauban, Pastor prim. daselbst (Jö.). 
aus Kaufbeuren, Magister in Augsbui^, Verfasser von 

Praktiken 1528 — 1548. 
Pfarrer zu St. Regula in Chur, Geschichtsschreiber von 

Graubünden. 
Schweizer,Studentder Theologie und freien Künste inBasel. 



Joh. Agricola Spremb. 1561 Dezember 28 (11) 
Mich. Bapst 1582 März 6 (3) 



Georg Barth[ius] 1573 November 18 

Joh. Bau 1556 Juni 2 

Mart. Berthold 1574 Mai 31, Juni 13/14 

Mart. Bohemus 1590 (2) 

Math. Brotbeyhel 1541 Nov. 4 

Hulderich Campell[us] 1572 Januar 2/3 



Samuel Coccius 1566 Juli 27/28, Aug. 7 

Jakob Colerus (Köhler) 1580 September 10, 1595 Ok- Probst in Berlin (Jö.) 

tober 19 
Peter Creutzer 1527 Oktober 11 



Jakob Cuno 1556 Anfang 

Lorentz Dresser[us] 1578 Februar 19 

Paul Eber 1551 März 21 (3), 1562 März 13 (2) 

L. Edenberger 1578 [Lied] 

Heinrich Engel 1552 Januar 9 [Lied] 

Caspar Fagius 1568 Dezember 14, 21, 22 

Johann Fischart 1579 April 9 

Michel Füllel 1562 April 20 [Lied] 

Caspar Füger 1583 September 2 

Pamphilus Gengenbach 1520 Januar (3) 

Johannes Gölitz 1560 März 29 

Valentin Greser 1574 Juni 8, 9; November 14, 15 

Wolfgang Gretzer 1584 Juni 7 

Johannes Hebenstreidt 1562, 1564 Januar 13 — 15 

Martin Henricus (Heinrich) 1578 Februar 18 

David Heilicius (Herlitz) 1597 Juni 15/16 

Caspar Herrnschwager 1588 

Martin HofJmann 1565 Juni 8 (2) 

Hohann Holtzheuser 1572 September 14 [Lied] 



Astrolog, Lichtenbergers Schüler [vgl. meine •Beiträge- I 

S. 107]. 
aus Döbeln, Mathematicus (Astrolog) des Kurfürsten von 

Brandenburg; schrieb Praktiken. 
Prediger in Bautzen. 
Professor der Mathematik und hebräischen Sprache. 

Generalsuperintendent in Wittenberg (Jö). 
unbekannt, 
unbekannt. 

Prediger (in Erfurt ? ). 

der bekannte Dichter, als Übersetzer aus dem Französischen 
Kürßner (Kürschner) in Gelnhausen, 
unbekannt. 

der bekannte Dichter und Buchdrucker. 
Pfarrer zu Aschre. 

Pfan-er und Generalsuperintendent in Gandersheim. 
• Deutscher Schreiber, in Dresden. 
Dr. phil. et med., Ai-zt in Erfurt, schrieb Praktiken 

(1554— 1569) (Jö). 
Professor der hebräischen Sprache in Wittenberg. 
Professor in Greifswald, Verfasser von Praktiken. 
Pfarrer in Schmalkalden. 
Pastor in Breslau (?). 



. ^ j Magister, Dichter (?). 

DanielHoltzmann i57oNovemberi7, i58oMaii3[Lied] Dichter (.Minnesänger.) aus Augsburg (ADB). 
Abraham Hundsperger 1572 Juli 5 [Lied] Stadtpredikant in Krems. 

M. Ulyricus 1548 Mai 19 offenbar Mathias Flacius aus lUyrien, ein bekannter 

Theologe in Jena und Wittenberg (Jö.). 
Gregor Joestel 1554 Februar 19 Pfarrer zu Weißeusee in Thüringen. 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrh. 9 



Christophorus Ireneus 1564 Februar 19 

Joachim Kettler 1580 Mai 27 

Hans Kuntze 1579 August 2 

Georg Licht[iu9] 1561 Dezember 28 

Hieronymus Linck 1571 Juni 14, 18 (3) [Lied] 

Georg Listenius 1565 April 21 (2) 

Jobst Ludwig 1523 Okiober 11 

Georg Mauritius (Moritz?) 1561 März 13 (9) 

David Meder[us] 1589 Joli 11 

Nicolaus Medier 1548 Mai 19 

Philipp Melanthon ' 1551 März 21 (3, 4) 

Hieronymus Mencelius (Menzel) 1564 Februar 19 
Johannes Merclius (Merkel) 1560 Januar 30 (2) 
Jacob Micyllus 1537 April 25 
Ambrosius Moibanus 1535 September i 
Tobias MoUerus (Müller) 1582 Mär? 6 
Georg Müller (Mylius) 1592 März 5 

Johannes Xiederstetter 1559 August 13 

Hieronymus Opicius (Opitz) 1561 Dezember 28 

Nicolaus Orphanus 1574 November 14, 15 (i) 

Johann Pistorius 1548 Mai 19 

Conrad Wolfgang Platzius 1584 Mai 10 (2) 

Wilhelm Pletzlein 1584 April 19 

Johannes Pomarius (Baumgarten) 158t August 27 

Peter Rauner 1580 September 10 (i) 
Johannes Rhodius (Rhode) 1582 Juli 6 (i) 
Laui-entius von Rosenroth, Knar genannt 1535, Sep- 
tember I 
Valentin Rudolphfus] 1569 August 12 

Jakob Rüff 1544 April 19 

Friedrich Rungius (Runge) 1597 Juni 16 (6) 

Conrad Schlüsselburg 1597 Juni 16 (i) 

Jobannes Scholtze 1565 Juni 8 (i) 

Johannes Schütz 1559 August 13 (i); 1568 Mäi-z 28 (2) 

Clemens Stephan! 1582 Mai 9 

Valentin Sterck 1584 Dezember 10 

Caspar Stolshagius 1580 März 27 

Jacob Stopel 1514 Januar 10, ir, Mär/. 17 
Cari Strutoerger 1586 August 18 (2) 
Adam Ursinus 1565 Juni i; 1568— 1570 Mäi-z; 1575 
Mai 3 

Peter Victorias 1582 November 16 
Johann Virdung 15 14 Januar 11 

Marcus Wagner 1558 Mai 17; 1567 September i, 

Oktober 23; 1580 
Philip Wagner 1565 Juli 21 
Georg am Walde 1590 November 12 — 16 
Hieronymus Weller 1559 August 13; 1560 Januar 30 
Ambrosius Wetz 1578 Mai 15; 1580 März und April 

23 [Lied] 
Friedrich Widebrand 1568 Dezember 22, 25 
Johannes Wittich 1561 Februar 27 
David Wolder[us] 1589 Juli 23 
Valentin Zetsch 1 565 April 2 1 
Mathaeus Zeysius (Zeise) 1574 November 15 



Pfarrer in Eisleben, schrieb einen Wasserspiegel (Jö.). 

Pfarrer zu Weene bei Göttingen. 

unbekannt. 

Magister aus (in ?) Frankfurt (a. 0.?). 

aus Glatz, »ordinavit« in Görlitz. 

Pfarrer zu Rosspach (Jö.). - ■ 

vermutlich deutscher Beamter am Hofe von Neapel. 

Magister aus (in?) Nürnberg. 

Generalsuperintendent im Hohenlohischen (Jö.). 

Superintendent in Braunschweig (Jö.). 

der bekannte Mitarbeiter Luthers, Professor in Witten- 
berg (Jö.). 

•Superintendent in P.isleben (Jö.). 

Pfarrer zu Reichenbach in der Lausitz. 

Professor der griechischen Sprache in Heidelberg (Jö.). 

Prediger in Breslau (Jö.). 

Astronom in Zwickau, schrieb viele Praktiken. 

Professor in Jena, später Generalsuperintendent in 
Wittenberg (Jö.). 

Pfarrer in Meißen. 

Pfarrer und Superintendent in Bischofswerda (Jö.). 

-Mathematicus«. 

Pastor in Braunscbweig. 

Dr. theol. und Prediger in Biherach (Jö.). 

Pfarrer in Zeyern bei Kronach. 

Pfarrer in Magdeburg, schrieb Predigten über meteorol. 
Ereignisse (vgl. meine Beiträge I S. 115) (Jö.). 

Prediger in Langensalza. 

Pfarrer in Bischleben bei Ei-furt. 

schlesischer Edelmann. 

Schulmeister in Groß Brempach (Thüringen), später in 
Buttelstadt. 

Ai-zt in Zürich, schrieb auch Praktiken (R. Wolf, Bio- 
graphien zur Kulturgeschichte der Schweiz IV, 39). 

Generalsuperintendent in Greifswald. 

Superintendent in Stralsund (Jö.). 

Prediger in Breslau (Jö.). 

Prediger in Freiberg i. Sa. (Jö.). 

Bürger in Eger. 

Pfarrer in Lautenbach. 

Magister, wahrscheinlich Prediger in der Mark Branden- 
burg. 

.\rzt in Memmingen. 

unbekannt. 

Molibergensis (aus Mühlberg i.Sa. ?), »der mathematischen 
Künste besonderer Liebhaber-, Pfarrer in Tundttorf 
Verfasser vieler Praktiken. 

Welsenacensis (aus Wilsnack ?), Prediger in Havelberg. 

der bekannte Astrolog, vgl. meine -Beiträge« I S. 14 
und II S. 219, 225. 

Prediger in Bußleben in Thür. (Jö.). 

Superintendent in Annaberg i. Sa. (Jö.|. 
LIcentiat phil. und Dr. med. in Donauwerth. 
Superintendent in Freiberg i. Sa. (Jö.). 
■ von Antorff« (Antwerpen).. . 

Magister in Jcna(?). 

.\rzt in Weimar (Jö.). 

Prediger in Hamburg (Jö.). 

Prediger in Gröst bei Freiberg i. Sa. 

Dr. med. und Professor in Frankfurt a. O. (Jö.). 



' So schrieb er sich seit 1531 (der leichteren Aussprache des Namens wegen), vorher Jlelanchthon. 
Vhys.-malh. Abh. 1D21. Nr. 1. 2 



10 Hellmann: 

Schon eine flüchtige Durchsicht des vorstehenden Autorenverzeichnisses lehrt, daß 
sich hauptsächlich die Geistlichen (Pastoren, Prediger, Pfarrer, Predikanten) an der Heraus- 
gabe meteorologischer Flugschriften beteiligten. Die genaue Auszählung ergibt folgende 
Verteilung auf die verschiedenen Berufsstände: 50 Geistliche, 6 Ärzte, 5 Astrologen, 
4 Dichter, 4 Professoren, 3 Magister, i Mathematicus, i Lehrer, i »Schreiber«, i Bürger, 
I Handwerker, während 8 nicht näher charakterisiert werden konnten. Wahrscheinlich 
sind diese Berufe ungefähr in dem gleichen Stärkeverhältnis auch an der Abfassung der 
namenlos erschienenen Flugschriften beteiligt. An dem Ton der Darstellung erkennt man 
oft unschwer den Geistlichen, der Belegstellen aus der Bibel anführt, daneben aber auch 
Beispiele ähnlicher Erscheinungen aus dem Altertum beibringt. Verrät ein solcher Text 
den akademisch gebildeten Verfasser, so macht manch anderer den Eindruck, daß ein 
ganz einfacher Mann ihn geschrieben hat. Das gilt namentlich für viele Einblattdrucke, 
bei denen der Formschneider und Briefmaler häufig wohl auch den Text verfaßt haben mag. 

Eine Gruppierung der Verfasser naoh ihrer Heimat zeigt zunächst, daß bis gegen das 
Ende der ersten Hälfte des XVI. Jalirhunderts die Verfasser vorzugsweise Süddeutsche 
waren, womit auch die Verteilung der Druckorte durchaus übereinstimmt. Später aber 
gehören die Autoren zumeist Nord- und Mitteldeutschland an. Von den 75 Verfassern, 
deren Wirkungsort und Beruf näher nachgewiesen werden konnten, entfallen 54 auf Nord- 
und Mitteldeutschland, 15 auf Süddeutschland, 4 auf die Schweiz und 2 auf Österreich. 
Dieses Verhältnis ist nicht etwa dadurch bedingt worden, daß vorzugsweise norddeutsche 
Bibliotheken zur Aufstellung der Bibliographie benutzt wurden; denn im Gegenteil sind 
von Weller und zum Teil auch von mir die großen Sammlungen in Süddeutschland am 
eingehendsten durchgearbeitet Avorden. Es tritt vielmehr in dieser starken Beteiligung 
Nord- und Mitteldeutschlands die interessante Tatsache zutage, daß die neu gegründete 
Universität Wittenberg in dieser Beziehimg einen weitgehenden Einfluß ausgeübt hat. 

Geht man nämlich, z. B. mit Hilfe von Jöchers Gelehrten-Lexicon, den Lebensge- 
schicken der oben verzeichneten Autoren etwas näher nach, so findet man, daß die als 
Verfasser genannten Geistlichen fast ausschließlich jirotestantische Pastoren waren, die in 
Wittenberg studiert hatten. Sie waren zum Teil Schüler von Luther und Melanchthon 
gewesen, von denen der letztere selbst ein Nebensonnen-Phänomen vom Jahre 1551 in einem 
PZinblattdruck beschrieben hatte. Dieses Beispiel muß unzweifelhaft zur Nachahmung an- 
geregt haben, zumal auch Luther zu der ersten von einem protestantischen Pastor (Moi- 
BANUS in Breslau, 1535 September i) veröffentlichten meteorologischen Flugschrift eine 
Vorrede geschrieben hatte. Daher ist auch das Kurfürstentum Sachsen, dessen Pfarreien 
wohl meist von Wittenberg aus besetzt wurden, bei diesen Schriften besonders reich- 
lich vertreten. 

Zwei berühmte Literaten, die sich an der Abfassung von meteorologischen Flug- 
schriften beteiligten, sind Johann Fischart und Pamphilus Gengenbacii; von namhaften 
Theologen nenne ich noch Paul Eber und Georg Müller, während von den Astrologen 
Hans Vihdung der bekannteste ist. 

Drucker und Druckorte der Flugschriften. 

Bezüglich der Drucker und Druckorte gilt im allgemeinen dasselbe, w^as P. Roth in 
dem oben angeführten Werk hinsichtlicli der »Neuen Zeitungen« des näheren ausgeführt 
hat (S.53flF.). 

Indessen verhalten sich die eigentlichen Flugblätter oder Einblattdrucke in dieser 
Beziehung etwas anders als die durch Typendruck hergestellten Flugschriften in Quart- 
format. Bei diesen letzteren fehlt die Angabe des Druckers und Druckortes, namentUch 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriflen und Flugblättern des XVI. Jahrh. 11 

in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts, sehr häufig, so daß insgesamt kaum von der 
Hälfte (44 V. H.) dieser Schriftchen der Drucker bekannt ist. Bei einigen ist der Druck- 
ort, aber nicht der Drucker genannt. Die fortschreitende typographische Erforschung des 
XVI. Jahrhunderts wird in Zukunft durch Typenvergleichung wohl noch einige Fest- 
stellungen dieser Art ermöglichen, namentlich wenn große und bekannte Druckereien in 
Betracht kommen. 

Bei den Einblattdriicken, die rund 27 v. H. der Flugschriften ausmachen, fehlt da- 
gegen höchst selten der Druckvermerk, eigentlich nur bei den wenigen, die durch Typen- 
druck hergestellt sind, wo also der Holzschneider oder »Formschneider« nicht beteiligt ist. 

Anfänglich waren ( s ganz überwiegend süddeutsche Pressen, die sich mit dem Druck 
von meteorologischen Flugschriften beschäftigten, später aber taten es auch viele mittel- 
und norddeutsche, da der lokale Charakter des geschilderten Ereignisses die Benutzung 
einer nahegelegenen Druckerei ganz von selbst rechtfertigte. Daher gibt es eine große 
Zahl von Orten, an denen nur eine einzige meteorologische Flugschrift hergestellt wurde 
(Berlin, Dillingen, Emden, Graz, Jena, Lauingen, ]Mainz, Marburg, Metz, München, Ofen, 
Olmütz, Oppenheim, Rostock, Schmalkalden, Schützing in Ungarn, Speyer, St. Gallen, 
Ulm, Uelzen, Weißenfels), während an anderen Orten zwar auch nur ein einziger Drucker 
in dieser Richtung tätig war, aber mehrere Flugschriften erscheinen ließ. 

Obenan unter den Druckorten steht Nürnberg, wo 25 verschiedene Firmen an dem 
Druck von meteorologischen Flugschriften und Flugblättern beteiligt waren; sie lieferten 
zusammen 65 solche Schriften. Demnächst folgen: 

Zahl der Zahl der 

Druckei- Drucke Drucker Drucke 

Augsburg .... 16 39 Köln 6 10 

Erfurt 9 23 Prag 4 10 

Straßburg .... 7 15 Wittenberg ... 6 10 

Basel 3 II Magdeburg ... 3 7 

Von den einzelnen Druckern lieferten am meisten meteorologische Flugschriften: 
Thiebolt Berger in Straßburg (9), Samuel Apiarius in Basel (8), Nicolaus Knorr in Nürn- 
berg (7), Georg Baumann in Erfurt (6). Es sind also im wesentlichen dieselben Drucker, 
die nach Ausweis der Wellerschen Bibliographie der »Neuen Zeitungen« auch an deren 
Herstellung am meisten beteiligt waren. Und wenn, ebenso wie bei diesen, in Nürnberg, 
Augsburg, Straßburg und Köln besonders viele Flugschriften meteorologischen Inhalts 
ausgegeben wurden, so liegt hierfür zum Teil der gleiche Grund vor, daß es nämlich 
Mittelpunkte des Briefverkehrs waren, an denen interessante Nachrichten von allen Seiten 
zusammenliefen, zum Teil aber auch die Tatsache, daß viele meteorologische Erscheinungen 
den dort zunftmäßig vertretenen Formschneidern oder Briefmalern einen willkommenen 
Anlaß zur Herstellung einer Abbildung in Holzschnitt und damit zur Herausgabe eines 
Einblattdruckes darboten. Während die meteorologischen Einblattdrucke in Straßburg' 
auch von der großen Druckerei von Thiebolt Berger (»am Wynmarkt zum Treübel«) 
hergestellt wurden, waren es in Nürnberg und Augsburg Einzeli)ersonen, die diese Kunst 
betrieben und zugleich den Verkauf der Blätter besorgten. Daher fehlt nie die genaue 
Angabe der Wohnung, wo man sie kaufen konnte, z. B. »Hans Glaser, hinter S. Lorentz 
auf dem Platz« oder »Stephan Hamer, Briefmaler auf der Schmelzhütten« usw. Da man 
in weit voneinander liegenden Jahren denselben Namen der Formschneider begegnet, ist 
anzunehmen, daß das Gewerbe sich öfters vom Vater auf den Sohn fortpflanzte. Wie 

' Straßburger Einblattdrucke unterscheiden sich von den in Nürnberg und Augsburg gefertigten durch 
die abweichende BildaulTassung: sie sind kün.stlerischer als diese. 



12 ' H E L L JI A N N : 

bereits oben erwähnt, war der Briefmaler häufig auch der Verfasser des unter dem Bilde 
stehenden Textes, so daß der ganze Einblattdruck von ihm allein herrührte: er schnitt 
die »Foi-m« oder den Holzschnitt, er bemalte das davon abgedruckte Bild', er schrieb 
den Text und druckte ihn auf einer kleinen (Hand-) Pressel Einige Briefmaler bezeichnen 
sich auch als »Dockenmacher«, d. h. sie machten auch Puppen. 

In Norddeutschland sind einige wenige meteorologische Einblattdrucke nur in Köln, 
Wittenberg, Erfurt und Lübeck hergestellt worden. Wenn daher Einblattdrucke besonders 
häufig über Nordlichter, Lichterscheinungen an Sonne und Mond usw. in Nürnberg, Augs- 
burg und Umgebung zu berichten wissen, so liegt das nicht etwa daran, daß diese 
Phänomene daselbst häufiger als an anderen Orten Deutschlands vorgekommen sind, sondern 
einzig und allein an der großen Zahl von Formschneidem in beiden Städten, die aus 
reinem Erwerbssinn sofort bereit waren, durch eine Abbildung die Erscheinung darzustellen 
und damit die Herausgabe eines Einblattdruckes zu ermöglichen. Bisweilen mag dieses 
Bild die eigene Beobachtung und Auffassung des Formschneiders selbst wiedergeben, 
bisweilen wird es aber nur nach mündlichen oder schriftlichen Angaben gefertigt sein. 
Das letztere trifft in allen denjenigen Fällen zu, in denen ein Einblattdruck nach dem In- 
halt einer Flugschrift über ein Ereignis an einem entfernten Ort hergestellt wurde. Wi6 
die nachfolgende Bibliographie lehrt, ist nämlich die Zahl der Erscheinungen, über die 
zugleich Flugschriften und Einblattdrucke erschienen, ziemlich groß. 

Über die Höhe der Auflagen der Flugschriften und Flugblätter meteorologischen 
Inhalts liegt meines Wissens keinerlei Angabe vor, doch wird wohl auch fiir sie gelten, 
was P. Roth (S. 67) für die Neuen Zeitungen im allgemeinen wahrscheinlich gemacht hat, 
daß nämlich ihre Auflage einige hundert bis tausend Stück betrug. Daß sie weite Ver- 
breitung fanden und rasch verkauft wurden (außer auf der Frankfurter Messe besonders 
durch Hausierer), geht einmal aus der großen Zahl von neuen Auflagen und von Nach- 
drucken hervor, sodann aber auch aus der Tatsache, daß sie im Auslande zum Teil in 
Übersetzungen erschienen. Solche lassen sich nachweisen in Böhmen (tschechisch), Däne- 
mark, England, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Schweden, wie auch umgekehrt 
einige Flugschriften, die in diesen Ländern zuerst erschienen, ins Deutsche übersetzt wurden'. 
Gerade einige dieser Übersetzungen zeigen deutlich, wie groß in Deutschland die Nach- 
frage nach solchen Nachrichten und das Interesse weiter Kreise an ungewöhnlichen Er- 
scheinungen war; denn von den deutschen Übersetzungen gibt es häufig sehr viel mehr 
Ausgaben, als sich für das Original nachweisen lassen. Ich erinnere z. B. an das Tiber- 
hochwasser vom 8. Oktober i 530, für das nur 2 italienische Flugschriften bekannt geworden 
sind, während es 12 deutsche darüber gibt, und an das Gewitter vom 7. August 1546 in 
Mecheln, für das ich kein einziges Original* nachweisen kann, das aber gleichfalls in 
12 deutschen Flugschriften zur Kenntnis der deutschen Leser gebracht wurde. 

Daß ein 1573 in Lübeck erschienener Einblattdruck über ein Nordlicht in der Wickschen 
Sammlung in Zürich nicht fehlt, zeigt deutlich die weite Verbreitung mancher Flugblätter. 
Dagegen ist mir aufgefallen, daß dieser eifrige Sammler wohl eine stattliche Zahl von 
französischen Flugschriften politischen Inhalts zusammengebracht hatte, daß sich aber 
unter diesen keine einzige über ein Naturereignis befindet. 



' Nichtkolorierte Bilder auf Einblattdrucken sind außerordentlich selten; erst Im XVII. Jahrhundert 
kommen sie häufiger vor. Der Nürnberger Formschneider Georg Made nennt sich .llluminist-. 

^ I^i einigen frühen Einblattdrucken ist Bild und Text iu Holzschnitt wiedergegeben. 

^ 1 bersetzungcn ins Deutsche aus dem Englischen habe ich allerdings nicht angetroffen. 

* Auf dem Titel einiger deutscher Übersetzungen steht ausdrücklich, daß die Schrift -vor in brabantischer 
sprach gedruckt« war. 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und FlvgbUittern des ^ VI. Jahrh. IH 

F^iit'wickluug' der Flug'schriftenlitcratur. 

Wenn man auch annehmen muß, daß am ehesten aus der frühesten Zeit Flugschriften 
nicht mehr auf uns überkommen, sondern ganz verloren gegangen sind, so wird doch 
die geringe Zahl der hier verzeichneten Dracke bis zum Jahre 1530 den tatsächlichen Ver- 
hältnissen ungefähr entsprechen. Von da ab wächst die Zahl der Jahr für Jahr erscheinenden 
Flugschriften imd Einblattdrucke und bekundet damit eine Steigerung des Interesses an 
den Erscheinungen, doch hängt sie natürlich auch davon ab, ob außerordentliche mete- 
orologische Vorgänge vorgekommen sind. So wird von 1534 ab in jedem einzelnen 
Jahre über auffällige meteorologische Erscheinungen berichtet mit Ausnahme von 1539, 
1553. 1585. '594 un<l 1596: dagegen gibt es Jahre, wie 1554, 1570, 157 i, 1572, 1582, 
die 8 oder mehr Erscheinungen aufweisen, über die Flugblätter ausgegeben wurden. 
Die aus der folgenden Tabelle ersichtliche Zunahme in der Zahl der Flugschriften und 
Einblattdrucke im Laufe des XVI. Jahrhunderts beruht somit hauptsächlich auf dem all- 
mählich sich Steigernden Interesse weiterer Kreise an Naturerscheinungen, während ihre 
Schwankungen, wenigstens bis 1585, durch die Häufigkeit der Erscheinungen stark mit- 
bedingt ist': 

Zahlder Zalilder 

Er- Flug- Killblatt- Zu- Kr- Flug- Einblatt- Zu- 

scheiiiuiigeii Schriften drucke sainmen scbeiiiungen schrilten <lnicke sanimeii 

vor ,500 . . . . 1550-15541 i8\ 9l ^5l 34U6 

1500— 1504 1 li 7\ i\ 8|jj 1555—1559^ 'S'-*-^ 24i-'-' «/•*■* 32' 

«505—1509^ 2/3 .]! 3/4 3/' 1560— 1564 I 2^1,, 41 U-: ^91,, 1°\ 



1565 1569 J 15 i 25 i 2f 2-]}^' 

»570-1574 \ 44 j 6 54 lg 'M^S ''" 
i\ x\ \o\ '575—1579' 20/ ^ 24/' 7' ' 31 



1510-1514J 2j^ 6J^ .\ 6J^ 

A ^191 .\ i9\ g 1585— 1589 i 12J-'- 10J-' b) - löJ ' 

'535— '539' 5/'° 16 /-^^ ii^ 19'^ 1590— 1594 1 18 K, "l„ 9 1,1 20 Ig 

.\ 16I o 4\ 2oi '595—1599' 15' 26/'^' 2/ 28/^ 



1515-1519/ .1 ./ ./• ./ ,57o-,574\ 44J S4l 8 'M^S '^^\^ox 

20 1 ^ 24 i ' 7 ' 3 1 i ^ 

- - - . - - _ - 43 

1530-1534» 5l,„ '9U, U '9\,8 .585-'589/ 



1520— 1524 1 2I t\^^ 3\ io\j, '575—1579' 20; - 24 j' 7' 3" 

1525—1529/ if^ 3('° ./•^ 3/'-5 1580—1584) 43I 59I. 12I g 7i\ 

icjo- ICH » :1 lol .1 lol . 1585 — 1589/ 12/^3 10/ ^ 6/ l6i 



87 



1540-1544I 'Ol ^ .61 4} 20 \ 

1545—1549/ 10/ 22/-' S/"^ 27/^' 



1545— '549 ' 10 ' 22 J - 5> - 27 

Das rasche Ansteigen der Zahlen im Lustrum 1560 — 1564 und das Herabsinken 
im folgenden erklärt sich durch die ungewöhnlich zahlreichen Schriften über die Nord- 
lichte vom 28. Dezember 1560, 28. Dezember 1561, 13. März 1562 und 19. Februar 1564, 
über die insgesamt 33 Drucke vorliegen. Ebenso wird die hohe Zahl im Lustrum 1570 — 1574 
durch die reiche Literatur über die Sturmfluten an der Nordseeküste im November imd 
Dezember 1570 stark beeinflußt. Die Zahl von mehr als 70 Flugschriften meteorologischen 
Inhalts in einem Lustrum wird noch einmal 1580 — 1584 erreicht, aber von da an nimmt 
ihre Zahl auffällig rasch ab, imd wenn nicht der vermeintliche Blut- und Schwefelregen 
zu Stralsund im Juni 1597 noch die große Zahl von 11 Flugschi'iften gezeitigt hätte, 
würde ihre Gesamtzahl im letzten Lustrum viel kleiner erscheinen. Die Ursache für diese 
Abnahme ist nicht in einem Nachlassen des Interesses an den Erscheinimgen zu suchen, 
sondern erklärt sich durch die Tatsache, daß von 1583 ab zusammenfassende Berichte 
über die bemerkenswertesten Ereignisse eines längeren Zeitraumes, meist eines halben 
Jahres, unter dem Obertitel »Relatio historica«, aber in deutscher Sprache, zu erscheinen 
begannen. Da sie auf der Frankfurter Frühjahrs- und Herbstmesse zum Verkauf kamen, 
nannte man sie auch Meßrelationen. Ihr erster Herausgeber war Michael von Aitzins 
(auf dem Titel nennt er sich Eyzinger), der von 1583 bis 1597 zu Köln solche Relationen 



' Die Schwankungen in der Zahl der jährlich erscheinenden Flugschriften meteorologischen Inhalts 
hängen oft auch von anderen Ereignissen ab: so erschien 1566 nur eine einzige, weil alles Interesse den 
Türken zugewandt war, mit denen sich ungeuöhnllcli viel Flugschriften hescliäftigoii. 



14 



H E L L M A N N : 



erscheinen ließ; ihm folgten Jakob Franccs (Pseudonym fiar Lautenbach), Theodor Meurek 
und andere'. Wenn es auch vorzugsweise politische Nachrichten sind, welche den Inhalt 
der Relationen bilden, so fehlt es doch auch nicht an Berichten über außerordentliche 
Naturereignisse. Daraus erklärt sich das Zurückgehen in dem Erscheinen von Einzel- 
zeitungen, die nun auch nicht mehr so häufig wie früher nachgedruckt wurden. Das 
Publikum kaufte offenbar lieber die inhaltreichen Halbjahrs-Relationen, die interessante 
Nachrichten aus allen Gebieten brachten. So erschienen über 30 außerordentliche mete- 
orologische Erscheinungen im Jahrzehnt 1585— 1 594 nur 36 Schriften, während zwanzig 
Jahre früher auf jede einzelne Erscheinung durchschnittlich 2 bis 3 entfielen. 

Im Zusammenhange damit gebe ich hier ein Verzeichnis derjenigen Erscheinungen, 
über die 6 oder mehr Druckschriften ausgegeben wurden, die also ein ganz besonderes 
Interesse erweckt haben müssen : 



1501 Mai 13 

15 14 Januar lo/i r, 

März 17 
1520 Januar 3 — 7 
1530 Oktober 8 
1530 November 8 
1535 September i 
1537 April 25 
1546 August 7 
1556 Juni 2 

1560 Dezember 28 

1561 Februar 27 

1561 Dezember 28 

1562 März 13 



Blutregen 

Lichterecheinungen in Württembeig 



Zahl 


der 




Flug- 
schrirtett 


Flug- 
blätter 


7 
6 






6 






I 2 






8 






6 






4 






12 






9 






4 






1 1 






8 






6 






17 






6 






8 






II 







Lichterscheinungen in Wien 

Tiberüberschwemmung in Rom 

Sturmfhit in Flandern 

Gewitter mit Windhose in Oels 

Blitzschlag in Heidelberg 

Gewitter in Mecheln 

Rätselhafte Lichterscheinung im Voigtlande . 

Nordlicht in Franken 

Lichterscheinung an der Sonne in Eisleben . 

Nordlicht in Mitteldeutschland 

Nordlicht in Wittenberg 

1567 Oktober 30/31 Wasserflut in Verona 

1570 November/ Sturmflut 

Dezember 

1578 Mai 19 Gewitter in Ofen 

1582 Mai 9 Wolkenbruch in Karlsbad 

1597 Juni 15/16 Blut- und Schwefelregen in Stralsund . . . 

Auch aus dieser Liste geht hervor, wie gegen das Ende des XVI. Jahrhunderts die 
Zahl der Fälle, daß eine außerordentliche meteorologische Erscheinung zu vielen Flug- 
schriften Veranlassung gibt, immer kleiner wird. 

Inhalt der Flugschriften. 

Zunächst verdient hervorgehoben zu werden, daß zwischen den Flugschriften und 
den Flugblättern oder Einblattdrucken der Unterschied besteht, daß letztere fast aus- 
nahmslos nur über eine einzige meteorologische Erscheinung berichten, während in den 
Flugschriften nicht selten mehrere zugleicli behandelt werden. Der Grund davon liegt 
offenbar darin, daß auf einem Einblattdruck nur für eine einzige größere Abbililung Raum 
ist. Es kommt allerdings manchmal vor, daß dann im Text noch einer anderen ähn- 
lichen oder gleichen Erscheinung aus der jüngsten Vergangenheit gedacht wird. Auch 
die ältesten Flugschriften beschäftigen sich nur mit einem einzigen Phänomen, aber schon 
in den vierziger Jahren kommt es häufiger vor, daß über ganz verschiedene Ereignisse 
politischer, wirtschaftlicher und meteorologischer Natur in derselben Flugschrift Mitteilung 

' Vgl. Felix Stteve, Ueber die ältesten halbjährigen Zeitungen oder Meßrelatiouen und insbesondere 
über deren Begründer Freilierrn Michael von Aitzing. Abliandl. d. Bayer. Akad. d. Wiss. IlL Cl. XVL Bd. 
München 1881. 4°. 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des X VI. Jahrh. 1 5 

gemacht wird, und gegen das Ende des Jahrhunderts sind die Schriften nicht selten, in 
denen drei, vier oder noch mehr »Neue Zeitungen«, d. h. also Nachrichten über Zeit- 
ereignisse vereinigt sind. Dann nimmt die Schrift schon ganz den Charakter einer Zeitung 
oder eines Nachrichtenblattes an. Wahrscheinlich hatte das Erscheinen der halbjährigen 
»Relatio historica«, die vielerlei bot, auch die Zusammensetzung der kleinen Einzclzei- 
tungen etwas beeinflußt. Es braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, daß in dieser 
Art von Flugschriften der meteorologische Anteil nicht die Hauptsache ist und etwas 
kurz abgetan wird. 

Um ein übersichtliches Bild über die meteorologischen Erscheinungen zu geben, mit 
denen sich die in der nachfolgenden Bibliographie aufgeführten Flugschriften und Flug- 
blätter beschäftigen, lasse ich hier eine chronologische Zusammenstellung folgen, die zugleich 
als eine Art Register zur Bibliographie dienen kann. Bei den eben erwähnten Flug- 
schriften mit mehrfachem Inhalt wurde hier natürlich nur der meteorologische Teil angeführt. 

Die Namen der Verfasser, die sich selbst als solche bekennen oder die sonst be- 
stimmbar sind, wurden in Klammern beigefügt und durch den Zusatz (Lied) die in Reimen 
abgefaßten Berichte hervorgehoben. Die am rechten Rande ausgeworfene Zahl der über 
die Erscheinung nachgewiesenen Flugschriften und Flugblätter (Einblattdrucke) läßt gleich 
erkennen, mit welchem Interesse sie vom Publikum aufgenommen wurden. 



Verzeichnis der in der narhfolfi^enden Biblio^aphie nachgewiesenen inoteorolo^schen 

Ersehe! nii n^en. 

1490 .Juli 13 Blitzschlag (;*) bei Konstantinopel 

1501 Mai 13 Blutregen in Norddeutschland und Belgien 

1509 Septeml/er 14 Ungewitter bei Konstantinopel 

1509 Dezember 22 I,ichterscheinung an der Sonne bei München 

1514 Januar ii Lichterscheinung am Mond in Württemberg (J.Virdüng) / 

1514 .lanuar lo/ii, Lichterscheinungen an Sonne und Mond in Schwaben (J. Stopei.) . . \ 

März 1 7 

1520 Januar 3 — 7 AUei'lei Lichterscheinungen an Sonne und Mond in Wien (Fami-hilus 

GüNGENnACn) 

1523 Oktober 11 Gewitter mit Wolkenbrucli in Neapel (.1. Ludwig) 

1527 Oktober 11 Nordlicht (noch als Komet angesehen) im Westrich (P. rRErr/.KR) . . 

1530 Oktober 8 Tiberüberschwemmung in Rom , 

1530 Oktober 8 und Tiberübei schwemmung in Rom und Sturmllnt in Flandern . . . . \ 

November 5 " [ 

1530 November 5 Stunntlut in Flandern ' 

1534 Juni 3 Rätselhafte Lichterscheinung in Schleswig j 

1534 Juli 3 Rätselhafte Lichterscheinung \ 

'535 September 1 Gewitter mit Windliosc in Oels (A. Moibanus) 

1536 Juni I Rätselhafte Lichterecheinung 

■537 April 25 BHtzschlag in Heidelberg (J. Micyli-is) 

1337 Dezember 13 Blitzschlag in Rom 

1538 Januar 16 Gewitter 

1540 Juni 20 Lichterscheinung in Schlettstadt 

1540 September 6 Lichterecheinung am Mond in Ungarn 

1541 November 4 Nebensonnen in Balingen (M. Brotbkyhel) 

1542 Juni 10 Blitzschlag, Stiii-m und Hagel in Konstantinopel 

1542 November 30 bis Finsternis und Blutregen in Konstantinopel 

Dezember 2 

1543 Mai 4 Rätselhafte Lichterscheinung bei Pforzheim 

1543 Juni 4 Nordlicht (?) in Wiesenthal (Erzgebirge) 

1543 Juni 8 Gewitter und Lichterscheinung in Florenz 

1544 April 19 Nebensonnenerscheinung in Glarus (J. Rüff) 

1545 März 29 Lichterscheinungen in Polen 

1546 .lanuar 14 Sturm auf Cypern 

1 546 Februar 26 Nebensonnen in Ungarn 



Zahl der 


Flug- 1 
schritten! 


FtuR- 

hlätttir 




I 


7 


I 




2 




I 


4 




2 





10 



H 



E r, L M A N N 



546 August 7 

546 Juni 22, .Fuli 27, 
August 7 

547 September 18 

547 November 13 

548 Mai 19 



548 


Juni 20 


549 


Juni 30 


550 


März 23 


550 


Juni 15 


550 


.luni 


550 


August 1 1 


551 


März 2 1 


551 


Mai 14 


5SI 


Oktober 25 


552 


Januar 9 


552 


Mai 17 


5=:i 


Februar 19 


554 


März 10 


554 


März 6 und 23 


554 


Mai 26 


554 


Juni 9 und 




Februar 19 


554 


Juni 1 1 


554 


Juli 24 


554 


September 


554 




554/55 


555 


Dezember 29 


556 


Anfang 


556 


INIai I 2 


556 


Juni 2 


556 


August 9 


556 September 5 


556 


Dezember 6 


557 


Januar 


557 


Septembei' 14/1; 


557 




55« 


Mai 17 


55« 


Juni 30 


559 


August 13 


560 Januar 30 


560 


Mäiz 29 


560 


Dezember 14/15 


560 


Dezember 28 


s6o 


Dezember 28 


s6o 


Dezember 28 


561 


Januar 16 


561 


Februar 27 


56r 


März 2 


561 


April 14 


561 


August 1 1 


56. 


Dezember 28 


562 


März 13 


562 


April 20 


562 


Juni 6 


562 


August 3 



Gewitter mit Schadenblitzen in Mecheln 

Blitzschlag in Mecheln und Solothurn, Wirbelwind in Italien . . . / 

Nordlicht (;') in Wittenberg 

Lichterscheinung in Rom 

Lichterscheinung am Mond in Braunschweig (M. Illyricus, N. Medler, 

J. PiSTORIUs) 

Nordlicht (?) in Thüringen 

Ungewitter (in Versen) 

Kornregen in Kärnten 

Kornregen in Weimar 

Nordlicht 0') 

Lichterscheinung in Nürnberg 

Nebensonnen an der mittleren Elbe und in Leipzig (P. Ebeb, F. Me- 

lanthon) 

Wolkenbruch und Überschwemmung in Franken 

Blutfließen in Prag 

Wasserflut in Marburg in Hessen (Lied) (H. Engel) 

Hagel in Dordrecht 

Lichterscheinung am Mond in Thüringen (G. Joestei.) 

Nordlicht (!') in ChAlons 

Nebensonnen in Ingolstadt 'und Regensburg 

Blutregen in Dinkelsbühl 

Lichterscheinungen 

Lichterscheinung oder Nordlicht (;') bei Nürnberg 

Nordlicht 

Lichterscheinungen in Prenzlau 

Lichterscheinung in Siebenbürgen 

Verschiedene Lichterscheinungen und ein Nordlicht (?) 

Gewitter mit zündendem Blitzschlag bei Altenburg 

Wintergewitter in Berlin (J. Cuno) 

Sonnenring 

Rätselhafte Lichterscheinung im Voigtland (J. Bai) 

Nordlicht in Altenburg 

Nordlicht in Küstrin 

Lichterscheinung an der Sonne in Wittenberg 

Nebenmonde und Nebensonnen, auch Nordlicht (?) in Wien 

Tiberübersi'hwemmung in Rom 

Blutregen in Pommern 

Gewitter und Überschwemmung in Thüringen (M. Wagner) .... 

Wolkengel)ilde bei Nürnberg 

Gewitter und Hagel in Freiberg und Meißen (H. Weli-er, J. Schütz, 

J. Niederstetter) 

Nordlicht an der böhmisch-sächsischen Grenze (H. Weller, J. Merclius) 

Nordlicht (Lied) (J. GÖLrrz) 

Gewitter (und Nordlicht?) in Wien 

Nordlicht in Eckeisheim bei Forchheim 

■' Nordlicht in Bamberg und Lichtenfels ( 

Nordlicht in Nürnberg < 

Nebensonnen in Rothenburg ob. d. Tauber l 

Merkwürdige Lichterscheinung an der Sonne bei Eisleben (J. WrrTicH) 

Lichterscheinungen am Mond in Nürnberg 

Lichterscheinung an der Sonne in Nürnberg 

Nebensonnen in Eisleben ' 

Nordlicht in Mitteldeutschland (H. Opicirs, G. Lichtius, J. Agricola, 

C. BoLovESus, J. AcRONius) (i Lied) 

Nordlicht in Wittenberg und Leipzig (P. Eber, G. Mauritius) . <. . 

Wolkenbruch (Lied) (M. Föli.ei.) 

Nordlicht (?) in Hamburg 

Gewitter und Hagel in Württemberg 



Zahl dir 



Flug" 
zhrifte 



Flug- 
blitt<T 



10 

2 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrh. 



56^ 

563 März 9 
563 Jlärz 14 

563 Dezember 9 

564 Januar 13 — 15 
564 Februar 19 
564 März I 

564 Juni 6, 7 
564 Juni 25 

564 Dezember 18 

565 Februar 7. 8 
565 April 21 

565 Juni I 
565 Juni 8 

565 Juli 21 

566 Februar i 

566 Juli 27, 28. 
August 7 

567 Febniar 3 
567 September i. 

Oktober 23 

567 Oktober 30, 31 

568 März 28 
568 März 28 
568 Mai 2 

568 Dezember 14, 
21, 22 

568 Dezember 22, 2- 

569 Auftust 12 

570 Januar 12 
568 — 70 Mäi-7. 
570 Mäi-z 

570 Juni 14 
570 August 2 
570 Oktober 29 
570 November 1 
570 November 2 
570 November 10 
570 November 10 

und 17 
570 November 17 
570 November i, 2. 

16 bis 21 
570 November 16 — 

2 t, I 

570 November 16 — 

20, I 
570 November 
570 November 2, 

Dezember 2 

570 Dezember 6 
570 

571 Januar 11 
571 Januar 26 
571 Mai 23 
571 Juni 6 

571 Juni 6, 14, 18 
571 Juli 29 
571 September 3 
571 September 29 



Verschiedene Lichterscheinungen (J. Hebenstreiüt) 

Nebensonnen in Gera 

Nebensonnen bei Straßliurg 

Gewitter 

Lichterscheinungen an Sonne und >Iond in Erfurt (J. Hebensireidt) 
Nordlicht in Eisleben und Leipzig (H. Mencelius, C. Irenehs') . . . 

Gelbe Himmelsfär"bung zwischen Mechcln imd Brüssel 

Nordlicht (?) auf dem Mittelmeer 

Überschwemmung in der Raurls (Salzburg) 

Lichterscheinung bei Augsburg 

Überschwemmungen in Deutschland 

Gewitter und Wolkenbrueh bei Freiburg a. d. l'nstrut (V. Zetsch, 

G. LiSTENIUS) 

Gewitter und Wolkenbruch in Thüringen (A. Ursin i's) 

Blitzschlag in Breslau (J. Scholtze, M. Hoffmann) 

Wolkenbruch in Annaberg i. Sa. (P. Wagner) 

Lichterscheinungen an Sonne und Mond im Schwarzwald .... 
Liohterscheinung in Basel (S. Corcius) 



Licbterscheinung über Calais 

Kreuzzeichen in Thüringen (M. Waoner) 



Was.serilut in Verona 

Blutregen (?), Nordlicht (?) (J. Schütz) 

Nordlicht (?) im Voigtland 

Nordlicht (?) in Basel und Konstanz . . 

Lichterscheinungen an Sonne und Mond in Erfüllt (('. Faoius) 

Lichterscheinungen und Nordlicht in Jena (F. Widebrand) 

Blitztötungen in Thüringen (V. Rudolphus) 

Nordlicht in Kuttenberg (Böhmen) 

Lichterscheinungen und Nordlichter (A. Ursinus) 

Nordlicht (?) in Böhmen 

Kornregen in Österreich (ob der Enns) 

Blutregen in Bayern (D. Holtzmann) 

Nebensonnen in Marburg i. Hessen 

Sturmflut in Antwerpen 

Sturmflut in Belgien und den Niederlanden 

Stunnrtut in Friesland 

Sturmflut in Friesland 



Gewitterregen (D. Holtzuann) 
Sturmflut in Friesland . . . 



Sturmflut in Antwerpen 

Sturmflut in Belgien und den Niederlanden. 



Sturmflut in Belgien und den Niederlanden. . 
Sturmflut in Friesland, Hhoneüberschwemmung 



Überschwemmung in Frankreich (Lied) . 

Blitzschlag in Venedig 

Lichterscheinung 

Nebensonnen in Köln a. liheia .... 
Lichterscheinung in Löwen (Belgien) . . 
Gewitter und Nordlicht (?) in Gnesen. . 
Kornregen in Schlesien (Lied) (H. Linck) 

Nordlicht (?) in Prag 

Blitzschlag in Magdeburg (Lied) .... 
Lichterscheinung an der Sonne in Cypern 



Zahl der 

Flug- I Fliig- 

:cliriftent blättcr 



Phys.-matk. Abh. W21. Nr. 1. 



18 



Hellmann; 



1572 Januar 2, 3 

1572 Januar 6 

1572 Januar 17 

1572 Februar 16 1 

1572 April 16 / 

1572 Juni 18 

1572 Juli 5 

1572 September 14 

1572 Dezember 14 

1572 Dezember 22 

1573 März 30 

1573 August 12 
'573 November 18 

1574 Juni II 

1574 Mal 31, Juni 13, 14 
1574 Juli 20 — 22 
[574 Juni 8, 19, 

November 14, 15 

1574 November 13. 15 

1575 Januar i 
■575 Mai 3 
'575 Juli 30 

'575 September 28 
[576 Juni 24 
t577 Januar 12 
'577 März 24 
[577 Mai I 
[578 Februar 18 
1578 Februar 19 
1578 März 28 
[578 Mai 15 
[578 Mai 19 
1578 Juni 8 

1578 Dezember 5 
'579 April 9 
'579 August 2 

1579 August 2 
1579 September und 

Oktober . 

1579 Oktober 14 

1580 Januar 12 
1580 Januar 13, 18 
1580 März 27 

1580 März, April 23 

1580 April 28 

1580 Mai 13 

1580 Januar 13, Mai 13 

1580 Mai 27 

1580 Juni 13 

1580 August 10, 14 

1580 Juni 13 und 

September 10 
1580 August 16 
1580 August 16 und 

September 10 
1580 September 10 
1580 

1580 (1532, 1570, 

1577) 

1581 Januar 10 
1581 Januar 20 



Lichterscheinungen an der Sonne in Chur (H. Campellus) .... 

Blutwasser in Thorn (Lied) 

Nordlicht in Nürnberg 

Lichterscheinung, Gewitter mit Hagel in Konstantinopel . . . . . / 

Dasselbe \ 

Gewitter mit Wolkenbruch im Salzburgischen (Lied) 

Donauhochwasser (Lied) (A. Hundsperger) 

Überschwemmung in Hilperhausen (Lied) (J. Holtzheuseh) .... 
Gewitter und Überschwemmung bei Fulda und in Hilperhausen (Lied) . 

Nebenmonde bei Beifort 

Lichterscheinung an der Sonne in Koschcl (Rochelle?) (Lied) . . . 

Wasserflut im Voigtland 

Nordlicht in Livland (G. Barthius). . .• 

Gewitter mit Hagel in Troppau 

Gewitter (M. Bertholdus) 

Lichterscheinung, Blutregen in Böhmen (Lied) 

Gewitter mit Hagel im Braunschweigischen (V. Greseb) 

Nordlicht (N. Orphanus, M. Zeysrs) 

Wunderzeichen in Posen 

Nebensonnen (A. ühsinus) 

Gewitter mit Blitztötungen bei Mainz 

Nordlicht (i') und Lichterscheinungeu in Erfurt und Kauf'beuren (Lied) 

Gewitter mit Wolkenbruch in Loßdorf (Lied) 

Gewitter mit Blitzzündungen in Mähren (Lied). 

Gewitter mit Blitzzündungen in Ungarn (Lied) 

Nordhcht und Blutregen in Danzig (Lied) 

Nebensonnen in Meißen (M. Henricus) 

Mondhof in Bautzen (L. Dresserus) 

Nordlicht (;') in Wien (?) (Lied) 

Wasserguß in Horb (Lied) (A. Wetz) 

Gewitter mit Blitzschlägen in Ofen 

Blutrote Sonne in Franken (Lied) (L. EnENBEROER) 

Rätselhafte Lichterscheinung bei Tübingen 

t.'berschwemmung in Paris (Übersetzer Job. Fischart) 

Nordlicht (!') in Köln und Wolkenbruch in Dresden 

Gewitter in Dillingen (H. Kuntze) 

Mäuse- (Lemminge-) Regen in Norwegen 

Nordlicht, Blutregen in Danzig 

Nebensonnen in Nürnberg und Altdorf 

Nebensonnen, starker Wind in Rom 

Getreideregen in der Mark Brandenburg (C. Stolshagius) 1 

Dasselbe (Lied) (A. Wetz) . i 

Dasselbe • ■ ' 

Wolkenbruch bei Krems (Lied) (D. Holtzmann) 

Nebensonnen, Wolkenbruch (z. T. Lied) 

Gewitter mit Hagel bei Göttingen (J. Kettler) 

Nordlicht bei Eisleben 

Starker Wind in Livland 

Nordlicht bei Eisleben und in der Mark 

Lichterscheinung bei Prag 

Lichterscheinung und Nordlicht bei Prag 

Nordlicht in Deutschland und Böhmen (P. Raüneb, J. Colerüs) 

Nebensonnen, Nordlicht (?) (Lied) 

Sturmfluten (M. Wagner)^ 

Lichterscheinung in Dresden 

Lichterscheinung am Mond in Nürnberg und in Polen 



Zahl 


der 


Flug, 
schrilten 


blilter 




































































! 
























! 




















































































3 




. 












- 





Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrh. 19 



Zahl der 
Flug- I Flug- 
schriften I blätter 



1581 Februar 17 
1581 Mai 28 

1581 August 27 

1582 März 6 

1582 März bis April 1 7 
1582 März 6 und 

Mai 9 
1582 Mai 9 
1582 Mai 12 
1582 Juli 5 
1582 Juli 31 

1582 November 16 
1582 

.582 
.582 

1583 April 9 
1583 August 5 
1583 September 2 

1583 Dezember 15 

1 584 Januar i 
1584 Februar 18 
1584 April 19 
1584 Mai 10 
1584 Juni 7 
1584 Juni 7 

1584 Dezember 10 
1586 April 25 
1586 Juni 26 
1586 August 18 

1586 Oktober 28 

1587 Juli 2 

1587 Ende 

1588 Juni 20 
1588 

1588 

1589 Mai 21 
1589 Juli II 

1589 Juli 23 

1590 Januar i 
1590 März 8 

1590 April II 

1890 November 12 bis 
November 16 

1590 

1591 August 19 
1591 September 8 

1591 Oktober 5 

1592 März 5 
1592 Mäi-z 15 

1592 Juni 28 

1593 Januar 8, 18 
1593 Januar 25 
1593 P'ebruar 10 
1593 Februar 12, 13 
1593 April I 

1593 Oktober 3 
1595 Februar 2 
1595 Februar 23 
1595 Januar 16 bis 
März 2 



Wintergewitter bei Prag 

Nebensonnen in Heidelberg (Lied) 

Nordlicht in Magdeburg (J. Pomarius) 

Nordlicht in Zwickau (T. Mollerus, Bapst von Rochlitz) .... 

Sturm in den Niederlanden 

Nordlicht und Wolkenbruch in Karlsbad (Lied) , 

Wolkenbruch in Karlsbad (C. Stkphani) 1 

Hagelwetter bei München * 

Gewitter mit Wirbelwind bei Erfurt (J. Hhodius) 

Gewitter mit Hagel und Wolkenbruch bei Aichach 

Nordlicht in Havelberg (P. Victorius) 

Schreckliches Wetter, Kornregen bei Schwandorf (Lied) 

Grausames Wetter in Rotenburg a. Neckar 

Überschwemmung bei Salzburg 

Nebensonnen in Nürnberg 

Blutquellen und Nordlichte in Württemberg 

Nordlicht (C. Füger) 

Blutwasser zu Kronach (z. T. Lied) 

Gewitter und Wolkenbruch in Loßdorf (Lied) 

Meteor (.') im Bernerland 

Lichterscheinung an der Sonne in Kronach (W. Pletzlein) .... 
Gewitter mit Schadenblitzen in Biberach (Lied) (C. W. Platzius) . . 

Gewitter in Stargard in Pommern (W. Gretzer) 

Lichterscheinungen (Lied) 

Finsternis und Biutregen in Rom (V. Sterck) 

Regenmangel in L^ngarn / 

Regenmangel l 

Gewitter mit Hagel in Gent (C. Strütberger) 

Rätselhafte Lichterscheinung in Böhmen 

Windhose bei Augsburg 

Nordlicht (?) 

Grewitter, Überschwemmung, Blutregen in Lfittich 

• Erschreckliche Geschieht« 

Nässe des Jahres, Wasserfluten in Thüringen (C. Herrnschwagkr) . . 

Gewitter, Nordlicht (?) in Konstanz 

Wasserflut im Hohenloheschen (Ü. Mederüs) 

Lichterscheinung an der Sonne in Hamburg (D. Wolder) 

Lichterscheinung, Nordlicht (?) in Konstanz (Lied) 

Nordlicht in Augsburg 

Lichterscheinung an der Sonne in Augsburg 

Nordlicht (?) in Donauwörth (G. am Wai-de) 

Nordlicht (?) . : 

Dürre des Jahres in der Lausitz (^L Bohemus) 

Nordlicht in Nürnberg 

Nordlicht in Augsburg 

Nordlicht in Nürnberg 

Lichterscheinung an der Sonne in Wittenberg (G. Müller) .... 

Lichterecheinung in Kreuznach (Lied) 

Blutfließen in Württembei-g (Lied) 

Lichterscheinung am Mond in Laibach 

Nebensonnen in Nürnberg 

»Wundergeschicht« in Konstantinopel (Lied) 

Nebensonnen in Nürnberg 

Nordlicht (?) in Hessen (Lied) 

Lichterscheinung am Mond in Aitsohl 

Nordlicht (?) in Münster (Lied) 

Wasserflut in Co.sprunn 

• Wasserguß" in Nürnberg 



20 



H K L L M A N N : 



Wassergüsse ia Nürnberg 

Nordlicht (?) in Berlin (J. Colerus) 

Schreckliches Wetter um Großwardein 

Überschwemmungen in Deutschland (Lied) 

Gewitter, Blutregen in Schlesien 

Gewitter mit Hagel in Würzburg 

Blut- und Schwefelregen in Stralsund (D. Herlicius, C. Schi.üsselhir(;. 

F. RuNGius) 

Uberschwemmangen im Rheinland, Lichterscheinungen 

Tiberüberschwemmung in Rom (i Lied) 

Unwetter in Holstein 

Lichterscheinung (Lied) • • 

Verschiedene Erscheinungen (Lied) 



Zahl der 


Flug- 1 Flug- 
»ehriftenl blltter 


. 


I 


I 




2 






I 






I 






I 






I I 




2 




r I 
I 


I 
I 







H. 



1595 Februar 14 bis 28 
1595 Oktober 19 
1595 Sommer 

1595 

1597 Mai I, 18 

1597 Juni I 

1597 Juni 15, 16 

1598 Mai 6, 17 

1598 Dezember 24 

1 599 März I 
1599 
1599 

Eine genauere Durchsicht des vorstehenden Verzeichnisses lehrt, daß es bestimmte 
meteorologische Erscheinungen sind, über die in den Flugschriften mit Vorliebe berichtet 
wird und die somit als besonders merkwürdig und ungewöhnlich angesehen wurden. 
Ordnet man sie in größere Gruppen ein, so findet man folgende Verteilung: 
Lichterscheinungen an Sonne und Mond (am Himmel, »Gesicht«, 

»Wunderzeichen«) S^'^'' 

Nordlichte und nordlichtartige Erscheinungen (fragliche Nordlichte) 22 >• » 
Elektrische Erscheinungen (Gewitter, Blitzschlag, Hagel, »grau- 
sames Wetter«, »Ungewitter« usw.) 21 » » 

Wolkenbrüche und Überschwemmungen 12» » 

Bluterscheinungen (Blutregen, Blutlaufen, Blutfließen, Blut quellen) 6 » » 
Sonstige Wunderregen (Getreide-, Mäuse-, Schwefelregen usw) . . 3 » » 

Stürme und Sturmfluten 4" » 

Allgemeine Witterungsbeschaffenheit des Jahres bzw. der Jahres- 
zeiten (Nässe, Dürre) 2 » » 

Wie. man hieraus ersieht, beschäftigen sich die Flugschriften sehr selten mit eigent- 
licher Witterungsgeschichte. Obwohl es im XVI. Jahrhundert an Witterungsanomalien 
aller Art, wie strengen und milden Wintern, heißen Sommern usw., nicht fehlte, wissen 
die Flugschriften nichts davon zu berichten ; nur gegen das Ende des Jahrhunderts geben 
sehr trockene und sehr nasse Sommer die Veranlassung zur Abfassung kleiner Schriften 
darüber. Früher', als ich die Flugschriftenliteratur in ihrem gesamtenUmfange noch nicht über- 
sah, nahm ich an, daß sie viele Beiträge zur Witterungsgeschichte liefern würde. Das trifft also 
nur in sehr beschränktem Maße zu: es handelt sich fast ausschließlich um auffällige Einzel- 
erscheinungen, die durch die Flugschriften und Flugblätter der Nachwelt übermittelt werden. 
Wenn in diesen besonders heftige Gewitter mit vielen Schadenblitzen, oder wolken- 
bruchartige Regen mit nachfolgender zerstörender Überschwemmung, oder starke Stürme 
und verwüstende Sturmfluten, oder naturwidrige Erscheinungen wie Blutregen usw. be- 
handelt werden, so verstellt man das Interesse daran ohne weiteres; daß aber Licht- 
erscheinungen" am Himmel am häufigsten die Aufmerksamkeit erregt haben, muß einen 
andern Grund haben. Es liegt hier oöenbar ein alter Aberglaube vor, der sich ins Alter- 

' Neudrucke, Nr. 12, Einleitung S. 22. 

- I^ine von Lalrentius Fleischer in Chemnitz (;') [Ms. Dresden L. 83 FoL] geführte Chronik enthält 
eine große Zahl von Handzeichnungen über Lichterscheinungen, z. B. Nebensonnen in Breslau am 
26. Juni 1541 fol. 29, Nebensonnen (farbig) in Norwegen am 13. Januar 1545 fol. 33, drei weiße sich schneidende 
Ringe am blauen Himmel am Pfingsttag 1548 foL 41, sechs Seiten mit verschiedenen Zeichnungen der Neben- 
sonnen, die am 21. März 1551 an vielen Orten gesehen wurden, vor fol. 44. 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flughlüttem des XYI. Jahrh. 21 

tum zurückverfolgen läßt und der auch durch viele Aussprüche der Bibel (z. B. Joel 3, 3 
»will Wunderzeichen geben im Himmel«, Lucas 21, 25: »und es werden Zeichen ge- 
schehen an der Sonne und Mond und Sternen«) fortdauernd genährt worden war. In 
der Tat, es ist der alte Prodigienglaube der Römer, der hier noch fortlebt und der 
nun, nach Erfindung des Buchdrucks, durch die Flugschriften in weitesten Kreisen neu 
belebt wird. Ein Prodigium war für die Römer ein außerordentliches Ereignis, das als 
Zeichen göttlichen Zornes galt und gesühnt werden mußte'. Sie wurden deshalb auf- 
gezeichnet, und namentlich Livius hat uns eine große Zahl von ihnen überliefert. Die 
hauptsächlichsten Prodigien aus dem Luftreich waren fast dieselben Erscheinungen,, die 
am häufigsten in den Flugschriften des XVI. Jahrhunderts wiederkehren, nämlich: Licht- 
erscheinungen an Sonne und Mond; nächtliche Lichterscheinungen am Himmel, die man 
als Nordlicht deuten kann; Färbungen und Glühen des Himmels; merkwürdige Wolken- 
bildungen ; besonders aber Blitzschläge, worin man wohl einen Einfluß der sehr ausge- 
bildeten Fulgurallehre der Etrusker erkennen kann; Unwetter und Überschwemmungen; 
Wunderregen (es »regnete« Blut, Eisen, Erde und Kot, Kreide. Fische, Milch, Öl, Steine, 
Wolle, Ziegelsteine); Blutlließen und Blutquellen'". 

Wie ich in den Neudrucken Nr. 1 3 Einleitung S. 9 näher ausgeführt habe, achteten 
schon die alten Babylonier besonders auf atmosphärische Lichterscheinungen, Wolken- 
gestalten, Stürme und Gewitter, die sie zu Prophezeiimgen benutzten, so daß man an 
ein Forterben solcher Anschauungen sehr wohl denken kann. Es erscheint auch durch- 
aus verständlich, daß Völker, deren Götter ihren Sitz im Himmel haben, seltene Licht- 
erscheinungen am Himmel als direkte Zeichen der Götter ansehen. Bei den Römern 
galten sie als Zeichen göttlichen Zornes, die eine Sühnung (procuratio) von Staats wegen 
verlangten. Die christliche Kirche faßte sie als göttliche Mahnungen und Warnungen 
auf, welche die sündigen Menschen zur Buße und Einkehr auffordern. Es ist interessant 
zu beobachten, wie sich auch in dieser Beziehung eine Wandlung in der Auffassung 
außerordentlicher meteorologischer Erscheinungen im XVI. Jahrhundert vollzog. Anfänglich 
waren die Berichte ziemlich sachlich gehalten und beschränkten sich im wesentlichen 
auf eine Schilderung der Erscheinung. Von etwa 1540 ab begann die moralisierende 
Betrachtungsweise immer mehr Eingang zu gewinnen. Es scheint außer Zweifel zu stehen, 
daß die Wittenberger Hochschule darin einen ausschlaggebenden Einfluß ausübte. 
Melanchthon, der in Tübingen auch den Astronomen Stöfflek gehört hatte, besaß aus- 
gesprochene astrologisclie Neigungen und wird in seinen Vorlesungen die jungen Theo- 
logen nicht bloß zur Beachtung himmlischer Zeichen, sondern auch zu deren Auslegung 
angeregt haben". Ich habe ja bereits oben gezeigt, wie häufig gerade protestantische 



' Vgl. Franz Lvterbacher, Der Prodigienglaube und Prodigienstil der Römer. Eine historisch-philo- 
logische Abhandlung. Burgdorf 1 880. 4°. (Beilage /.. Jahresbericht über das Gymnasium in Burgdorf) und 
Ludwig WClker, Die geschichtliche Entwicklung des Prodigienwesens bei den Römern. Studien zur Ge- 
schichte und t'berlieferung der Staatsprodigien. Inauguraldissertation. Leipzig 1903. 8°. 

' Auch im Stil der Darstellung besteht eine Ähnlichkeit zwischen den alten Prodigienberichten und den 
Flugschriften des XVL Jahrhunderts. Das Eintreten eines Prodigium wird mit fieri und videri bezeichnet, 
während in den deutschen Flugschriften von Geschieht = Geschehnis und von Gesicht = Gesehenes die Rede ist. 

' Sclion bald nach seiner Ernennung zum Professor in Wittenberg hat Melanchthon auf direkte Vei-- 
anlassung des Kurfürsten über Plinius, d. h. über Kosmologie nach dem 2. Buch von Plinius' Naturgeschichte, 
Vorlesungen gehallen. Diese übernahm später der Professor der Mathematik (und Medizin) Jakob Milich, der 
einen ausführlichen Kommentar dazu veröffentlichte (1534, mehrere Auflagen), und der Schwiegersohn von 
Melanchthon, Kaspar Pkücer, der einen -Commentarius de praecipuis divlnationum generibus« 1553 (mehrere 
Auflagen) erscheinen ließ. In diesem handelt ein eigenes Kapitel (De teratoscopia, von t^pac = prodigium) 
von der Deutung der Wunderzeichen. 

Über Melanchthons \ ielfache Bemühungen um die ^Mathematik und Astronomie belehrt die Monographie 
von Bernhardt, Philipp Melanchthon als Mathematiker und Physiker, Wittenberg 1865, 8°. Auch zeigt die 



22 Hellmann: 

Geistliche, die in Wittenberg studiert hatten, meteorologische Flugschriften und Flug- 
blätter veröffentlichten. Dagegen ist die Beteiligung katholischer Pfarrer an der Heraus- 
gabe solcher Schriften sehr gering. 

Dem Geistlichen steht es gut an, zur Buße zu mahnen, und darum hat er die Ge- 
legenheit, dies bei der Auslegung von Naturereignissen zu tun, stets gern benutzt. Daraus 
erklärt sich auch die Tatsache, daß Predigten in Anlehnung an außerordentliche Vorgänge 
in der Atmosphäre (»Wetterpredigten«) fast ausschließlicli von protestantischen Pastoren 
veröffentlicht worden sind (vgl. meine Beiträge I 113— 138). 

Sah der Geistliche in merkwürdigen Lichterscheinungen eine Mahnung Gottes an die 
sündige Menschheit, so betrachtete sie der Astrolog als Vorzeichen irgendeines schlimmen 
Ereignisses und suchte dieses zu deuten. Die Astrologie stand ja gerade im XVI. Jahr- 
hundert in höchster Blüte und hatte gut ausgebildete Methoden, die auch solche Er- 
scheinungen in Betracht zogen. Ich habe darüber im zweiten Bande meiner »Beiträge« 

kleine Schrift von O. Clemen, Alte Einblattdrucke, Bonn 191 1, kl.-8°, S. 540"., wie fleißig Melanchthon auf- 
fällige meteorologische Erscheinungen beachtete, an Freunde darüber Mitteilung machte oder sie in lateinischen 
Hexametern beschrieb. 

Bkrnhardt, der meist aus dem Corpus Reformatorum schöpfte, kennt den von Melanchthon heraus- 
gegebenen Einblattdruck über das Nebensonnenphänomen von 1551 nicht. Ich kann hinzufügen, daß wahrschein- 
lich im Hause von Melanchthon ein Witterungsjournal geführt wurde. Ich besitze nämlich ein Exemplar des 
»Almanach novum Petri Pitati Veronensis Mathematici, superadditis annis quinque supra ultimas hactenus in 
lucem editas loannis Stoefleri Ephemeridas 1551. ad futurum Christi annum. M.D. LVI . . . Tubingae M.D.XLnn, 
4° «, in dem genau in der Weise, wie ich es für viele Exemplare von Stöfflers Ephemeriden in Neudrucke Nr. 13, 
Einleitung S. 14 näher nachgewiesen habe, auf der linken Seite Familiennachrichten, auf der rechten Witte- 
rungsangaben handschriftlich eingetragen sind. Aus den ersteren, die fortwährend vom Wegreisen und AVieder- 
kommen Philipp Mel(anchthons) berichten (nach Torgau, Leipzig, Halle und anderen Orten, vermutlich V'isitations- 
reisen), und die auch am 16. November 1548 die Eintragung »mortuus D. Crucigerus hora 5 M. 45«, am 18. 
• sepultiis« enthalten, geht unzweideutig hervor, daß die Wetterbeobachtungen im nächsten Freundes- oder 
Verwandtenkreise, vielleicht sogar im Hause von Melanchthon durch einen Famulus - — "familiaris et domesticus 
convictor« — gemacht wurden, also sich auf Wittenberg beziehen. Da sein Schwiegersohn, der bereits genannte 
Kaspar Peucer, bei ihm wohnte, glaubte ich anfänglich, daß dieser die Eintragungen gemacht habe; allein die 
Vergleichung der Handschrift mit Autographen von Peucer, die sich in der Darmstaedterschen Sammlung der 
Preußischen Staatsbibliothek in Berlin befinden, macht das wenig wahrscheinlich, und außerdem findet sich 
häufig die Eintragung ». . . abiit . . cü M. C. P.«, die ich glaube deuten zu müssen: cum Magistro Casparo 
Peucero, zumal beim 19. Dezember 1548 steht: »abijt Lipsiä cfi M. Cas.« 

Die Witterungseintragungen eifolgen nicht regelmäßig für jeden Tag der Jahre 1548 — 1550, reichen aber 
aus, um zu erkennen, daß der Winter 1548/49 streng und schneereich und daß der folgende Sommer 1549 
warm war. Als einen kleinen Beitrag zur Witterungsgeschichte dieser Jahre im mittleren Norddeutschland lasse 
ich die einzelnen Eintragungen selbst hier folgen : 



Witterungsbeobaehtungen in Wittenberg^. 
1548. 

Januar 25. pluviae. 26. venti. 28. venti. ^i. venti. Februar 2 pluvia exigua. 3. noctu tonuit 

intern &12. 10. Conspecta est flamma ... in aere Hallae versus Magdeburgam . . . per integram horam. 
März 5. . . . ventorum. 9. venti. 10. pluviae parvae. 14. serenitas. 27. frigora. 28. venti. 31. Cadebat 
nix copiosa hora 5. per 2 horas. April 2. frigora. Mai 14. venti. 15. pluviae. 22. pluviae parvae. 24. venti, 
tonitrua. 25. pluviae et venti. 28. 29. 30. serenitas. Juni i. pluit. 4. pluvia parva. 6. tonitrua, pluvia & 
grando hora 4. post m. 7. tenuiss. pluviae, vesp. & mane. 8. pluit. 10. pluviae m. nocte. calidus dies. 

12. coelum nubilum. 15. pluvia. 16. coelum nubilum. 17. 18. 19. 20. serenitas. 21. nubilum coelum. 22. tenuis. 
pluviae. 26. venti. 29. venti. 30. venti, pluviae parvae. Juli i. 2. 3. venti. 4. pluit. 6. aer frigidus. 7. venti, 
turbidus aer. 14. bis 20. magni aestus. 20. schvvül(?). 23. aer turbidus. 24. pluvia parva. 26. aer calidus. 
29. pluvia parva. 30. pluvia. August 5. 6. calidi dies. 9. calidissimus dies, tonitrua, pluvia. 10. calidus. 
II. 12. pluviae, tonitrua. 13. pluviae. 15. pluviae. 18. pluviae. 23. pluviae largae. 24. pluviae. 26. pluviae. 
27. tonitrua. 28. pluviae. 29. pluviae. 30.31. serenitas. September i. 2. 3. serenitas. 4. pluvia. 5. pluvia, 
venti. 6. venti. 7. pluvia. 8. 9. serenitas. 10. 11. coelum nubilum. 12. pluit. 14. venti. 15. venti. 
16. serenitas. 20. pluviae parvae. Oktober 4. pluit. 5. venti. 9. pluit. 10. nix. 11. pluviae. 12. pluviae. 

13. pluviae. 14. serenitas. 15. venti, pluviae. 17. pluviae. 21. 22. frigus. 28. pluviae. November 6. casma 
[vgl. weiter unten die Anmerkung zu S. 24]. 7. pluvia. 13. pluvia. 15. coelum nubilum, pluvia. 19. serenus 
dies. 21. serenitas. 22. pluit. 23. 24. nix. Dezember i. horrida frigora. 7. frigora. 8. nix. 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrh. 23 

eingehender gehandelt. Hier möchte ich nur noch hervorheben, daß mit Vorliebe frühere 
Beispiele derselben Erscheinung beigebracht und irgendwelche spätere Ereignisse politischer 
oder wirtschaftlicher Natur als deren Folge angegeben wurden. Es erscheint mir daher 
sehr verständlich, daß ein Buch, das eine Zusammenstellung von vielen wunderbaren 
oder auffälligen Naturereignissen enthielt, gerade damals sehr geschätzt und viel gelesen 
wurde. Es war dies die kleine Schrift von Juuus Obsequens, einem spätrömischen Schrift- 
steller (wahrscheinlich aus dem IV. Jahrhundert n. Chr.), der nach einem Auszug (epitome) 
von Livius ein ziemlich oberflächlich gefertigtes Verzeichnis von Prodigien in Rom für 
die Jahre 505 — 742 der Stadt aufgestellt hatte. Es wurde zum ersten Male 1508 von 
Aldus in Venedig gedruckt und ist gemäß einer Zusammenstellung eines späteren Heraus- 
gebers (Fk. Oüdendorp, Lugd. Bat. 1720. 8°) nicht weniger als noch 15 mal im XVI. Jahr- 
hundert erschienen. Man findet daher in den Flugschriften dieses Jahrhunderts viele 
Wunderzeichen aus der römischen Geschichte als Beispiele und Belege zitiert. 

1549. 

Januar 5. frigus, serenitas. 7. nix copiosa & venti. 18. frigus. 19. .^erenitas. 20. venti. 25. venti. 
26. pluviae. 27. pluvia. 28. frigora. 31. nix. Februar 12. pluvia. 13. venti, pluvia. 17. friguSv 19. nix 
copiosa. 21. nix copiosa. 23. nix cecidit, venti. März 24. pluviae. 26. serenitas. April 8. pluvia. 10. venti, 
frigora. 11. nix copiosa et duravit per duos dies, frigus. 20. pluviae parvae. 21. coelum nubilum. 22. clarus 
dies, venti. 25. venti, pluviae. April 3. 4. venti. 7. venti. 10. venti & coelum . . .(?). 11. venti. 12. coelum 
nubilum. 13. calidus dies. 14. coelum nubilum. 15. coelum nubilum . . .(•*). 17. calidus dies. 18. 19. calidus 
dies. 20. calidus dies, pluviae. 21. coelum nubilum, pluvia, venti, tonitru. 22. schwül. 23. pluvia, venti. 

26. venti. 27. coelum nubilum. 28. venti. 29. coelum nubilum. 30. tonitrua, pluvia. 31. pluvia. Juni 

2. pluvia. 27.28.29.30. pluvia. Juli i. pluviae, venti. 4. coelum nubilum sed et(?) seren. 5. calidus dies. 
6. venti. 8. calidus dies. 9. serenitas. 10. serenitas. 11. — 17. calidus dies, magni aestus. 18. coelum nubilum. 
19. coelum nubilum. 20. venti. 21. pluviae parvae. 22. coelum nubilum. 23. serenitas. 24. tonitrua, pluviae. 
25. 26. coelum nubilum. 27. calidus dies. September 3. coelum nubilum. 6. pluviae. 7. pluviae. 8. vidi 
indem 6 ma. Venti, coelum nubilum. 9. venti. ii. serenitas. 23. pluviae. 25. seren. 26. serenitas. Oktober 

3. pluvia, venti. 4. pluvia. 6. pluvia, venti. 13. 14. pluvia, venti. 16. venti impetuosi. 21. serenitas. 22. pluvia. 

27. frigus. 30. ?. 31. venti. November i. pluviae, venti. 4. frigus. 8. 9. venti. 13. 14. venti impetuosi. 

15. pluvia, venti. 20. 21, pluviae. 25. nix, frigus. 27. frigus. Dezember 24. Irigus. 25. subita mutatio 
frigoris. 26. pluviae. 27. 28. coelum nubilum. 29. venti. 

1550. 

Januar 8. pluvia. 16. frigus. 25. dies serenus. 26. coelum nubilum. Februar 5. — 7. nix & pluvia. 
8. serenitas. 12. 13. venti. 16. — 18. venti, coelum nubilum. 20. 21. clarus dies. 22. pluviae. 24. venti. 
25. clarus dies. 26. pluviae. 27. coelum nubilum. 28. pluvia. März i. clarus dies. 6. coelum nubilum. 
7. — II. venti. 9. coelum nubilum. 11. serenitas. 12. coelum nubilum, pluit, 13. serenitas. 14.15. venti. 

16. serenitas. 17. venti. 19. venti. 21. nix capiosa. 26. pluviae. 28. venti. 31. coelum nubilum. April 
3. pluvia. 4. coelum nubilum. 5. tonitrua, grando. 14. frigus, venti. 20. 21. venti. 30. venti, pluviae. 
Mai I. venti, pluvia. 10. calidus dies. ii. coelum nubilum, pluvia. 12. serenitas. 13. pluviae, tonitrua. 
14. venti, pluviae. 15. pluviae. 16. pluviae, venti. 17. tonitrua. 18. coelum nubilum. 19. venti. 20. coelum 
nubilum. 29. pluvia. 30. venti. Juni i. 2. venti. 5. 6. 7. serenitas. 8. pluvia. Oktober 14. 15. pluvia, 
venti. 17. nix copiosa. 18. venti. 19. glacies, serenitas. 20. serenitas. 

1531. 

Januar 4. 5. pluviae. 10. venti impetuosi. 

Es scheint sogar im Auftrage der Universität Wittenberg von einem ihr Zugehörigen ein Wettertagebuch 
geführt worden zu sein, aus dem semesterweise eine Witterungsübersicht gefertigt und der Matrikel voraus- 
geschickt wurde. Diese sind veröffentlicht worden in dem Werk: Album Academiae Vitebergensis ab a. Ob. 
MDII usque ad a. MDCII. Volumen secundum sub auspiciis Bibliothecae Universitatis Halensis ex autographo 
editum. Halis 1894. 4°. Die Wetterberichte reichen von 1560 Michaelis bis 1573 Ostern und enthalten außer 
einer allgemeinen Charakteristik des Wetters — darunter der sehr strengen Winter 1560/61 und 1564/65 — 
auch ausführliche Berichte über einzelne Erscheinungen, wie Nordlichte, Nebensonnen und Überschwemmungen. 
Ob der jeweilige Rektor der Universität diese Witterungsübersicht und den sich anschließenden Überblick 
über die wichtigsten Vorgänge in der Geschichte von Europa im letzten Semester selbst gefertigt hat oder ob 
mit der Abfassung ein und derselbe Professor beauftragt war, lasse ich dahingestellt. Die Wetterberichte, in 
denen als Ui'sachen anomaler Witterung Gestimstellungen angegeben werden, könnten möglicherweise von 
Kaspar Peüceb herrühren. Die Beschreibung des Nordlichtes vom 13. März 1562 wird allerdings dem zeitigen 
Rektor Johannes Schneidewein zugeschrieben. 



24 H E I, L M A N N : 

Die Deutung und Auslegung der Ersclieinungen nimmt in den meisten Flugscliriften, 
besonders in späterer Zeit, weit melir Raum ein als die Beschreibung der ilrscheinungen 
selbst. Ja oft erfährt man nur aus dem Titel oder aus der Überschrift des Einblatt- 
druckes, daß ein ungewöhnliches Naturereignis stattgefunden hat. In den gereimten Be- 
richten kommt natürlich die Beschreibung etwas kurz weg und ist zudem oft so ungenau, 
daß man nicht recht weiß, was für eine Erscheinung gemeint ist. Das gilt aber auch 
für manche Flugschrift in Prosa, in der in höchst phantastischer Weise Dinge beschrieben 
werden, die sich in keine Klasse von meteorologischen. Erscheinungen einreihen lassen. 
Insbesondere bei Lichterscheinungen ist man oft im Zweifel darüber, ob es sicli um ein 
Phänomen der meteorologischen Optik oder um ein Nordlicht handelt. Immerlün ist auch 
hierbei eine allmähliche Entwicklung in der richtigen Auffassung deutlich zu erkennen. 
Es würde zu weit führen, dies für alle Erscheinungen darzutun, und es mag genügen, 
hier darauf hinzuweisen, wie sich der Begriff des Nordlichtes als einer eigenen Erscliei- 
nung im Laufe des XVI. Jahrhunderts entwickelt hat. 

Daß das schön ausgebildete Nordlicht vom ii. Oktober 1527 noch als ein Komet 
angesehen wurde, habe ich in einem besonderen Artikel des I. Bandes meiner- »Beiträge« 
bereits näher nachgewiesen. In den dreißiger und vierziger Jahren kann manche Licht- 
erscheinung sehr wohl als Nordlicht gedeutet werden, namentlich, wenn von einer Bewegung 
der Strahlen gesprochen wird oder wenn streitende Männer bzw. ganze Heere in oder 
über den Wolken gesehen werden. Noch ein Jahrhundert später (167 1) ist in Jena 
darüber di.sputiert worden (Frid. Madeaveis [def J. E. Teubnerus], P]xercitatio physica de 
armorum militumque simulacris in aere comparentibus). Eine richtigere Auffassung der 
Erscheinung verraten zuerst die Zeichnungen auf einigen Einblattdrucken, wie die von 
1550 Juni, 1554 März 10, 1554 Juli 24, 1557 Januar, die Nordlichte sicher erkennen 
lassen*. In diesen Fällen scheint die richtige Beobachtung des Formschneiders selbst — 
namentlich von Hamer in Nürnberg — von ihm auch ziemlich genau wiedergegeben zu 
sein. Die folgenden Jahre waren so reich an Nordlichterscheinungen, daß sich die Gelegen- 
heit, sie zu beobachten und zu zeichnen, öfter darbot und damit auch die Sicherheit 
im richtigen Erfassen der Erscheinung wuchs. Ganz unzweideutig läßt sich ein Nord- 
licht erkennen aus den Beschreibungen der »himmlischen Feuerzeichen« am 30. Januar 1560, 
welche die beiden Pastoren Merkel und Weller veröffentlichten. Iü)enso lassen die 
8 Einblattdrucke über das » Wunderzeichen « (»Wunderbariich Gesicht«) vom 28. Dezem- 
ber 1560 keinen Zweifel darüber, daß es ein Nordlicht war; diese bildlichen Darstellungen 
zeigen zugleich, wie verschieden ein und dasselbe Phänomen aufgefaßt wurde. Genau 
ein Jahr darauf, am »Tage der unschuldigen Kindlein« (28. Dezember 1561)"^ erregt aber- 
mals ein Nordlicht so weitgehende Aufmerksamkeit in Sachsen, der Mark und Lausitz, 
daß der Superintendent Opitz in Bischofswerda, der Magister Licht in Frankfurt, der 
Schriftsteller Agricola in Spremberg die »großen feurigen Zeichen« beschreiben (11 Drucke, 
1 Einblattdruck), während der Züricher Naturforscher Gesnek unter dem Pseudonym 

' Auffällig erscheint, daß das große Nordlicht vom 6. November 1548 durch keine Fhigscbrift belegt 
ist. Der oben genannte Miliuhius hat es in Wittenberg beobachtet und berichtet darüber (C. Plinii Liber 
secundus de mundi historia, cum commentario .1. Milichii..., Ausgabe Lips. 1573. S. 278) ■■ Longe horribilissi- 
mum chasma conspectum est in bis ferris anno 1548 hoia noctis 12 diei 6. Novembris, quod non tantum 
transcurrit per coeli plagam, sed aliquando stetit, adeo ut coelum prorsus ignitum conspiceretur, et in qui- 
busdam locis etiam ignis copiosus delapsus, qui aliquot pagos incendit«. Die Angabe, daß bei einem Nord- 
licht oder einer nordliclitähnlichen Erscheinung Feuer vom Himmel gefallen sei, kommt mehrfach vor und 
bei-uht natürlich auf einer Täuschung. 

2 Das »Verzeichnis beobachteter Polarlichter, zusammengestellt von Hermann FRrrz - (Wien 1873, 8°). 
erheischt nach den in der nachfolgenden Bibliographie gegebenen neuen Nachweisen mancherlei Berichtigungen 
und Ergänzungen. 



Du' Meteorologie in den deutfchen Flugschriften und Flugblättern des XVI. Jahrh. 25 

Bolovesus ilim eine kleine lateinische Abhandlung widmet. Daß über dieses Nordlicht 
kein Bericht bzw. Kinblattdruck aus Nürnberg oder Augsburg vorliegt, glaube ich dahin 
deuten zu sollen, daß der Himmel daselbst an dem Tage bewölkt war; denn sonst hätten 
sich die zahlreichen Briefmaler dieser beiden Städte die Gelegenheit zur Anfertigung von 
Einblattdrucken darüber nicht entgehen lassen. Das Nordlicht vom 13. März 1562 mit 
schön ausgebildeter Corona hat namentlich in dem Wittenberger General Superintendenten 
Paci, Eber, einem Freunde und Mitarbeiter Melanchthons, einen gewissenliaften und ver- 
ständnisvollen Schilderer gefunden, der aber das »schreckliche Zeichen« natürlich auch 
zu »einer vermanung zur Christlichen bekerung« benutzt'. Später sind noch manche 
gute Darstellungen von Nord lichten veröftentlicht worden, aber es fehlt auch nicht an 
solchen, die Zweifel daran zurücklassen, ob man es wirklich mit dieser Erscheinung zu 
tun hat. Ein Grund dafür liegt offenbar in dem Fehlen eines eigenen deutschen Wortes 
für das Nordlicht, das erst gegen 1700 in Deutschland so genannt wurde. Die Gelehrten 
des XVI. Jahrhunderts sprechen meist von einem xäcma, auch lateinisch chasma oder 
chasma coeli; ja anläßlich des Nordlichtes vom 16. November 1582 schreibt der Havel- 
berger Pastor V'uTORiis sogar schon eine xAcwATOAoriA, die aber mehr Moral theologie als 
Meteorologie enthält. 

Was die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der in den meteorologischen Flugschriften 
berichteten Erscheinungen im allgemeinen betrifft, so ist streng zu unterscheiden zwischen 
denen, die auf eigner Beobachtung der Darsteller beruhen, und soldien, die Mitteilungen 
fremder Personen wiedergeben. Die ersteren sind die zuverlässigeren und glücklicher- 
weise auch die häufigeren. Die letzteren wurden ebenso wie die Neuen Zeitimgen po- 
litischer Natur durch den damals schon gut entwickelten brieflichen Nachrichtendienst 
vermittelt; solche berufsmäßige Briefschreiber' gab es namentlich in Nürnberg, Köln, 
Straßburg. Welch sonderbare Wege bisweilen eine Mitteilung machte, ehe sie gedruckt 
wurde, zeigt z. B. der Bericht über merkwürdige Lichterscheinungen in Schleswig am 
3. Juni 1534, der aus Antwerpen kam: »dise neue zeytung ist von Antdorff hierher ge- 
schriben worden.« 

Besondere Erwähnung verdient ferner der Umstand, daß Neue Zeitungen und Nach- 
richten aus Rom und Konstantinopel relativ häufig vorkommen ; man interessierte sich 
offenbar für alles, was am Sitz des Papstes geschah, und ebenso erschienen alle auf die 
Türken bezüglichen Nachrichten besonders wichtig. Diese letzteren kamen meist über 
Italien. 

Hervorzuheben wäre noch, daß sich eine große Zahl phantastischer Darstellungen, 
auf die ich in der Bibliographie jedesmal hingewiesen habe, unter den Flugschriften und 
Flugblättern befindet und daß es geboten ist, diese ganze Literaturgattung kritisch anzu- 
sehen und vorsichtig zu benutzen. 

ZusammenfasBuu^cii von Flu^chrii'teii zu Büchern. 

Als um die Mitte des XVI. Jahrhunderts die Zahl der jälirlich erscheinenden Flug- 
schriften und Flugblätter stark zunahm und damit ein wachsendes Interesse des Volkes 
an solchen Veröffentlichungen zutage trat, scheinen ziemlich gleichzeitig mehrere Gelehrte 
die Idee gehabt zu haben, eine Zusammenfassung der Berichte über Natur- und andere 
Ereignisse in Buchform herauszugeben. Sie fanden wahrscheinlich eine weitere Anregung 
dazu in dem Unternehmen des Baseler Professors Konrad Lycosthenes, der das alte 
Prodigienwerk von Julius Obsequens ergänzt und mit Abbildungen versehen 1552 zu 

' Ich habe die schöne Fingschrift in den Neudrucken Nr. 12 reproduziert. 

' Vgl. /,. B. 15B4 Juni 7. wo sich der Verfasser als -deutscher Schreiber« bezeichnet. 

Phya.malh. Abh. 1921. Nr. 1 4 



26 H E L I, M A N N : • 

Basel hatte erscheinen lassen (lulii Obsequentis prodigiorum über, ab urbe condita usque 
ad Augustum Caesarem, cuius tantum extabat fragmentum, nunc demum historiarum 
beneficio, per Conradum Lycosthenem Rubeaquensem, integritati suae restitutus. Poly- 
dori Vergilii Urblnatis de prodigiis libri III. loachiml Camerarii Paberg. de ostentis 
libri II. Basileae, ex officina loannis Oporini 1552 mense Martio. 8°). In ähnlicher 
Weise hatte Marcus Frytsche (aus Lauban) seinem 1555 herausgegebenen Lehrbuch' 
der Meteorologie ein Verzeichnis von ungewöhnlichen Naturerscheinungen beigefügt, das 
bis zum Jahr des Erscheinens des Werkes fortgeführt war und schon durch seinen be- 
sonderen Titel erkennen läßt, daß es besonders auch moralische Zwecke verfolgte: Cata- 
logus prodigiorum atque ostentorum, tam in coelo quam in terra, in poenam scelerum 
ac magnarum in mundo vicissitudinum significationem, iam inde ab initio divinitus ex- 
hibitorum. Am Schluß der kurzen Berichte wird bisweilen die Quelle angegeben; so 
bedeutet beim Jahre 1530 das hinter die Nachricht von der Tiberüberschwemmmig ge- 
setzte Wort »Chart.« offenbar Brief bzw. Neue Zeitung. Das Verzeichnis enthält aber 
auch eine ziemlich große Zahl von ungewöhnlichen meteorologischen Erscheinungen, von 
denen gleichzeitige Flugschriften nicht vorhanden sind bzw. nicht nachgewiesen werden 
können. 

Erlebte aucli der Catalogus von Frytsche eine zweite vermehrte Auflage (1563), so 
fand er doch bei weitem nicht die große Verbreitung, die dem in deutscher Sprache 
abgefaßten Druck von Jobus Fincelius (Hiob Finzel) zuteil wurde. Dieser Arzt und Je- 
nenser Professor der Philosophie gab zuerst 1556 eine solche Sammlung heraus unter 
dem Titel: „®unber}eid)en. ®arl)atftige befci)reibung mb grünölid) »cr3ei(i)nu6 fd)rehlid)er 9Bunöer3eid)en onD 
®cfd)id)ten, öie »on öem 3ar an 1517. bis auff öas 3ar 1556. gefd)el)en onb ergangen ^inb, nad) Der Sarsal." 
Wie er in der Vorrede erklärt, hat er das Buch als «Bußprediger und Fürbote göttlichen 
Zorns« verfaßt; demgemäß fehlt es nicht an moralisierenden Betrachtimgen. Der Stoff 
ist chronologisch geordnet und im allgemeinen kurz gehalten; nur bisweilen, wenn die 
P>eignisse ihm besonders merkwürdig erscheinen, hat er sich an den Text der Flug- 
schriften ziemlich genau gehalten. Das Buch fand solchen Anklang, daß es 5 Auflagen 
erlebte und daß der Verfasser noch einen zweiten und dritten Teil herausgab, die Er- 
gänzungen und Fortsetzungen enthalten. 

Die Berliner Bibliothek besitzt ein Exemplar mit allen drei Teilen, das vorher der 
Kirchenbibliothek in Celle gehörte und in das ein früherer niederdeutscher Besitzer die 
Eintragung gemacht hat: »Dysse hoch habbe ych eynn mal uth gelesen.« 

In dem mir gehörigen Exemplar hat ein früherer Besitzer (1600), der offenbar ein 
Katholik bzw. katholischer Geistlicher war, zahlreiche Anmerkungen in deutscher und 
lateinischer Sprache gemacht, aus denen hervorgeht, daß er die Auffassung der wunder- 
baren Naturerscheinungen, wie sie in der evangelischen Kirche sich eingebürgert hatte, 
nicht teilt. Er meint sogar . . . prodigia apud catholicos perpauca visa sunt . . . Die 
Ausfälle Finzels gegen den Papst und die Parteinahme für Luther sind ihm natürlich 
ein Greuel, und darum bezeichnet er den Verfasser mit Vorliebe als einen impudentissi- 
mus haereticus. Ich möchte hiernach glauben, daß die starke Beteiligung der protestan- 
tischen Geistlichen an der Veröffentlichung von Flugschriften über auffällige Naturerschei- 
nungen die katholischen eher abgehalten als angeregt hat, gleiches zu tun. 

Ich habe versucht, die verschiedenen Auflagen von Finzels Werk ausfindig zu machen 
und stelle sie hier kurz zusammen: 



' Vgl. meine »Beiträge« II, 72. 



Die Meteorologie in den deutschen Flugschriften und Flugblättern des X VI. Jahrh. 2 7 

Erster TeiL 

1. Nürnberg, Johann von Berg und Ulrich Newber 1556. Kl. 8°. (188) Bl. Vorrede: Dinstags am Tage 
Elisabeth 1555. Titel schwarz und rot. Große kräftige Typen. [Berlin N 4404; München H. misc. 103.] 

2. Jhena, Christian Rödinger 1556. Kl. 8°. Auffs new übersehen und gebessert. Titel schwarz und rot. 

[Berlin in N ^^; Göttingen.] 

3. Leipzig, Jacob Bei-wald 1557. KJ. 8°. Aufi's new übei-sehen und gebessert. Mit Figuren im Text, 
6.9 X 5-8 cm. Diese einzige Ausgabe mit Figuren scheint selten zu sein. [Berlin Cz 758.] 

4. Ursel, Nicolaus Henricus 1559. Kl. 8°. Titel schwarz und rot. [Bibl. Hellmann.] 

5. Frankfurt am Main, Thomas Rebart 1566. Kl. 8°. Titel schwai-z und rot. [Berlin in N 4406; Berlin, 
Meteorol. Inst. ; Breslau; Göttingen; Münster.] 

Zweiter Teil. 

6. Leipzig, Jacob Berwald 1559. Kl. 8°. Vorrede: am Tage Conversionis Pauli 1559- Titel schwarz und 

rot. [Berlin in N 'ti— 2; München Phys. m. 62; Bibl. Hellniann.] 

7. Frankfui-t am Main, Thomas Kebart 1566. Kl. 8°. Vorrede: am Tage Matthaei Apostoli 1559. Titel 
.schwane und rot. [Berlin in N 4406; Berlin, Meteorol. Inst.] 

Dritter Teil. 

8. Jhena, Oonatus Richtzenhain und Thomas Rebart 1562. KI. 8°. Von-ede: am Tage Michaelis 1562. 

Kleiner Holzschnitt auf dem Titel. [Berlin in N ^ ; Bibl. Hellmann.] 

9. Frankfurt am Main. Weygand Hanen Erben 1567. Kl. 8°. Titel schwarz und rot. [Berlin in N 4406; 
Berlin, Meteorol. Inst.] 

Hiernach hat kein Drucker alle drei Teile herausgegeben, die sich deshalb selten in einem 
Bande vereinigt finden. Das Berliner Exemplar N 4405 besteht aus 2, 6, 8 der eben 
aufgefiihrten Einzelteile, das andere Berliner Exemplar N 4406 (früher in der von Meuse- 
bachschen Bibliothek) aus 5, 7, 9, ebenso wie das dem Meteorologischen Institut zu Berlin 
gehörige Exemplar. Ich selbst besitze eins, in dem 4, 6, 8 zu einem Bande vereinigt sind. 

VAn Jahr nach dem ersten Erscheinen von Finzels viel gelesenem Buch wurde von 
dem obengenannten Baseler Professor Conrad Lycosthenes (Wolffhart, aus Rufach im Elsaß 
gebürtig) eine viel umfangreichere Wunderchronik in lateinischer Sprache herausgegeben, 
die gerade deshalb auch im Auslande Verbreitung fand und zudem noch in demselben Jahre- 
in deutscher Übersetzung erschien. 'Auch dieses Werk verfolgt den Zweck, durch Vor- 
führung zahlreicher Zeichen und Wunder die Leser zur Buße zu mahnen. Der Titel lautet: 
Prodigiorum ac ostentorum chronicon. Quae praeter naturae ordinem, motum, et opera- 
tionem, et in superioribus & his inferioribus mundi regionibus, ab exordio mundi usque 
ad haec nostra tempora, acciderunt. Quod portentorum genus non temere evenire solet, 
.sed humano generi exhibitum, severitatem iramque Dei adversus scelera, atque magnas 
in mundo vicissitudines portendit. Partim ex probatis fideque dignis autoribus Graecis, 
atque Latinis : partim etiam ex multorum annorum propria observatione, summa fide, studio, 
ac sedulitate, adjectis etiam rerum omnium veris imaginibus, conscriptum per Conradum 
Lycosthenem Rubeaquensem. [Holzschnitt] Cum Caesareae Malest, gratia & privilegio. 
Basileae, per Henricum Petri. (Folio [6] BL, 670 S., i Bl. [Druckfehler und das Kolophon: 
Basileae, per Henricum Petri mense . Augusto anno M. D. LVII].) 

Das Werk enthält eine ungewöhnlich große Zahl Von Holzschnitten, welche die ver- 
schiede