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Full text of "Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft zu Nrnberg"

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ABHANDLUNGEN 

DER NATURHISTORISCHEN 

GESELLSCHAFT ZU NÜRNBERG 



XXI. BAND 



/ 



VORGESCHICHTE 
IM ARBEITSGEBIET DER ANTHROPOLOGISCHEN SEKTION 

MIT VIELEN TEXTABBILDUNGEN, GRUNDRISSEN 
PROFILEN UND 99 TAFELN 



IM SELBSTVERLAG DER GESELLSCHAFT 
NÜRNBERG 1929 



.Bsf 



INHALT 

Qrabungsberichte von K. Hörmann: 

1917. Die Hallstatt- und die beginnende Latenezeit in der Umgebung von Nürn- 
berg. Mit 4 Tafeln S. 1-12. Tafel I-IV 

1917. Die Hügel bei Igensdorf S. 13-64, Tafel V-XXIII 

Hügel 7971 im Heiligenholz bei Schönberg S. 64—74, Tafel XXlV-XXVIli 

1922. Köschinger Forst bei Kasing, Bezirksamt Ingol- 
stadt S. 75— 120, Tafel XXIX-XL 

1923. Die Petershöhle bei Velden in Mittelfranken (vorläufiger Bericht). Mit Anhang: 
Gerollte Knochen S. 121—154, Tafel XLI-XLVll 

1925 Die dritte Hallstattstufe im Gebiet der Anthropologischen Sektion und die 
Nekropole in der Beckersloh S. 155—248, Tafel XLVlll-LIX 

1926. Bronzezeitgräber in Mittelfranken S. 249-292, Tafel LX-LXXVIII 

1929. Mesolithikum und Neolithikum in Mittel- 
franken? S. 293-352, Tafel LXXIX-XCIX 

Namen- und Sachregister 353 






Abhandlungen 



der 



NATURHISTORISCHEN 

GESELLSCHAFT 

zu 

NÜRNBERG 



XXI. Band. 

Die Hallstatt- und die beginnende Latenezeit 

in der 

Umgebung von Nürnberg. 

Mit 4 Tafeln 

Von Konrad Hörmann. 



NÜRNBERG 1917. 

Akzidenzdruckerei Sebald Kommandite. 



Die Hallstatt= 

und die 

beginnende Latenezeit 

in der 

Umgebung von Nürnberg. 



Mit 4 Tafeln 



Von 



Konrad Hörmann. 



l_Jie Hallstattkultur war keine allgemein-europäische Erscheinung; sie 
erstreckte sich als Ganzes nur über Teile Mitteleuropas, etwa vom 45. bis 
zum 50. Breitengrad, von Frankreich einschließlich der Alpen bis West- 
ungarn. Im angrenzenden Norden dauerte währenddem die Bronzezeit 
fort und der Süden hatte eine andere Eisen-, die sog. Villanovakultur, welche 
sich lebhaft weiter zur vorklassischen, griechisch-etruskischen Periode ent- 
wickelte. An eine strenge Scheidung ist dabei hier und dort nicht zu denken. 
Aber auch innerhalb ihres eigentlichen Bereiches stellt die Hallstattkultur 
weder zeitlich noch geographisch eine Einheit dar. Von einer älteren und 
einer jüngeren Hälfte hat man früher schon gesprochen. Hoernes teilt den 
hallstättischen Kulturkreis in vier geographische Provinzen oder Unter- 
gruppen. Die Umgebung Nürnbergs, das Arbeitsgebiet der Anthropologischen 
Sektion der Naturhistorischen Gesellschaft, fällt in seine westliche Gruppe 
mit Süd- und Westdeutschland, der Nordschweiz und Ostfrankreich. Er 
nennt sie die Rhein-Rhonegruppe, während er die benachbarte Oberpfalz 
mit Nordböhmen, Nordmähren, Schlesien und Posen zur nordöstlichen oder 
Elbe-Odergruppe zählt*). Dieser Einteilung nach berühren sich also in 
unserem Arbeitsgebiet zwei regionale Gruppen der Hallstattzeit. 

Reinecke's Vorgeschichts-Chronologie befaßt sich mit der Zone nördlich 
der Alpen, beschränkt sich also in der Hauptsache auf Süd- und West- 
deutschland; er zieht aber natürlich auch die anderen Hallstattgebiete in 
seine Untersuchungen ein und daher gilt seine chronologische Teilung in 
vier Stufen A bis D mit 200, beziehungsweise je 150 Jahren Dauer der Hall- 
stattzeit im allgemeinen. Hoernes dagegen behandelt seine geographischen 
Provinzen nicht gleichmäßig; bei zweien behält er die alte Einteilung in 
eine ältere und eine jüngere Hälfte bei, einer, der südöstlichen, weist er 
drei Unterstufen zu und nur für die Rhein-Rhone-, also unsere Gruppe, hat 
er die vier Stufen der Reinecke'schen Aufstellung übernommen, nennt sie 
aber nicht nach ihm, sondern nach Schumacher, gibt auch etwas andere 
Jahrzahlen. Das erweckt den Anschein, als wäre dieser der Urheber der 
Stufenteilung, veröffentlicht und beschrieben aber hat sie Reinecke. 

Vom 6. Jahrhundert an brachte die von außen hereingetragene, als 
keltisch betrachtete Latenekultur große Teile des hallstätter Kjulturkreises 
zur Auf lösung ; Reinecke teilt sie bekanntlich gleichfalls in vier Zeitstufen, A bis D. 



*) Kultur der Urzeit III Eisenzeit, S. 66 (Sammlung Göschen). 



Die Hallstattzeit und die erste Latenestufe sind für die Vorgeschichte 
im Arbeitsgebiet der Anthropologischen Sektion Nürnberg von Wichtigkeit, 
denn die erstgenannte ist hier gut vertreten und mit der zweitgenannten 
schloß, bisher wenigstens , die Vorgeschichte unseres Gebietes. Die 
Reinecke'sche Stufenteilung ist in Bayern ganz einmütig und ohne Nach- 
prüfung zur Annahme gelangt. Widerspruch war auch gar nicht zu erwarten, 
denn die Formenfolge ist typologisch so wohl begründet, daß sich nicht 
daran rütteln läßt, sie bildet die wissenschaftliche Grundlage unserer Prä- 
historie. Nachdem die Stufeneinteilung nunmehr längere Zeit praktischer 
Nutzanwendung hinter sich hat, darf man sie wohl — soweit der enge Horizont 
eines räumlich nicht sehr ausgedehnten Arbeitsfeldes und die nur gele- 
gentliche Tätigkeit auf prähistorischem Gebiet dies erlauben — einer kri- 
tichen Betrachtung unterziehen. 

Reineckes Hallstattstufen sind im Nürnberger Arbeitsgebiet nicht alle 
nachweisbar. Wir haben Stufe A, sogar verhältnismäßig reichlich: Herolds- 
berg, Kirchehrenbach, Mühlanger und Altensittenbach mit seinem Urnen- 
friedhof in der Niederterrasse der Pegnitz. Auch am Unterlauf der Pegnitz 
hat es in nächster Flußnähe Urnenfriedhöfe dieser Stufe gegeben, min- 
destens die eine, früher für neolitisch gehaltene Station bei Mögeldorf*) 
gehört hierher und vielleicht stammen auch die kleinen Gefäßchen vom 
Racknitzgarten in Nürnberg**) aus einem längst zerstörten solchen Urnen- 
friedhof. Aber die Typen der hier aufgezählten Frühhallstatt-Lokalitäten 
sind nicht einheitlich. Die Hügelgräberkeramik hat mit wenig Ausnahmen 
Hallstattcharakter. Die Urnenfriedhöfe aber, Altensittenbach und der Rack- 
nitzgarten, fallen teilweise aus dem Hallstattschema heraus mit vereinzelten 
Formen der Lausitzer Keramik***}, welche auch in der Henfenfelder 
Jüngste Bronzezeit-Nekropole schon Vertreter hat. Sie stehen damit 
nicht vereinzelt in Nordbayern: in der Oberpfalz bei Labersricht (unver- 
öffentlicht), Dürn und Hatzenhof, in Unterfranken bei Ochsenfurt kommt 
dieselbe Keramik vor, welche außer in Böhmen in Norddeutschland ihr 
eigentliches Verbreitungsgebiet besitzt. 

Die Hallstattstufe B ist in den Reinecke'schen Typentafeln für Süd- 
westdeutschland, bezw. das Rheinland in den keramischen Formen klar 
festgelegt: sie steht entwicklungsgeschichtlich zwischen den Stufen von A 
und C so offensichtlich, daß sie auch theoretisch nicht besser konstruiert 
werden könnte, als sie dort die Funde bieten. Auffallend ist nur der Mangel 
an Metallgeräten. In unserem Arbeitsgebiet fehlt Stufe B vollständig. 
Reinecke bildet zwar ein Schwert mit Ortband von Günching aus der 



*) V. Forster, d. Besiedlung d. Nürnberger Landes in vorgesch. Zeit, Festschrift z. 
Geographen-Tag 1907, Abhandig. d. Naturh. Ges., 17. Bd., S. 156. 

**) L. Wunder, vorgesch. Denkmäler in der Umgegend von Nürnberg, Festschrift d. 
Naturh. Gesellsoh. 1901, Taf. 32 S. 239 (45). 
***) V. Forster, 17 Bd., S. 154 unten. 



5 

Sammlung zu Neumarkt i. 0.*) ab, die sonstigen Beigaben im Hügel aber 
gestatten nur die Annahme, daß die Beisetzung zur Zeit der Hallstatt C-Stufe 
stattfand. Das Grab in der Bettelleite (7167)**) habe ich zwar trotz seiner 
von mir hervorgehobenen Hallstatt A-Keramik zeitlich an den Anfang der 
Stufe B gestellt, weil mir die Begräbnisform für A befremdlich schien; 
typologisch aber ist Stufe B bei uns nicht nachweisbar. 

Stufe C und D dagegen sind nicht nur vorhanden, sondern geradezu 
charakteristisch für unser Gebiet, ich brauche darauf nicht weiter einzu- 
gehen. Die folgende Zeit, Latene A, ist eine Neubildung Reineckes; sonst 
werden diese Formen größtenteils noch zur ausgehenden Hallstattzeit ge- 
rechnet, aber stilistisch hat Reinecke Recht, denn vieles daran ist gar nir- 
gends anderswo unterzubringen als in Latene. Bei uns ist sie vertreten, 
ja, Reinecke hatte bei Aufstellung dieser Stufe unseren Landesteil besonders 
im Auge; er sagt: ,,Das Gebiet dieser Gräber umfaßt den fränkischen Jura 
(und teilweise das vorgelagerte Keupergebiet)"***). Das braucht sich zwar 
nicht ausschließlich auf die Nürnberger Sammlung zu beziehen, aber immer- 
hin ist sie stark daran beteihgt. 

Bisher endete bei uns mit Latene A die Vorgeschichte und auch in 
Nordostbayern und Böhmen bricht zum mindesten mit der nächsten Stufe 
diese Gruppe scharf ab, die Siedlungsreihe beschließend f)- Zwei Fibeln 
von Latene B, aus der Beckersloh und von der Houbirg, konnten als Einzel- 
erscheinungen bisher unbeachtet bleiben. Es sind aber neuerdings in 
unserer Nachbarschaft mehr hinzugekommen, bezw. bekannt geworden, so 
aus der Oberpfalz, von Kirchehrenbach bei Forchheim, von der Tiefen- 
thaler Höhe bei Schwabthal und vom Staffelberg in der Dr. Roßbachsamm- 
lung und es besteht alle Aussicht, daß auch die übrigen Latenestufen für 
unser Gebiet, auf der Houbirg, noch erschlossen werden. Für die folgenden 
Ausführungen ist das aber nicht von Belang. 

Von den aufgezählten Reinecke'schen Stufen fehlt also Hallstatt B 
in unserem Arbeitsgebiet. Mit dieser Feststellung läßt sich aber nicht viel 
anfangen, da die Grabungen des kgl. Konservatoriums, bezw. anderer Ver- 
eine, über welche keine Berichte vorliegen, sie möglicherweise in unserer 
nächsten Nachbarschaft erschlossen haben können. In Unterfranken scheint 
Stufe B freilich auch zu fehlen, wie man nach Hocks Führer durch das 
Fränkische Luitpoldmuseum in Würzburg wohl annehmen darf und Reinecke 
sagt selbst, daß die Verbreitung dieser Stufe innerhalb Süddeutschlands 
keine einigermaßen gleichförmige ist, erklärt es aber aus der augenblicklich 
(1908) noch zu geringen Zahl der Funde ff)- Sollte jedoch die Stufe für 



*) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V No. 999 und Text S. 315. 
**) Festschrift zum Anthrop. Tag 1913, S. 124. 
***) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V, S. 284: bei Reinecke eingeklammert, 
t) Dasselbe S. 334. 
tt) Altertümer V S. 320. 



Nordbayern wirklich auch weiterhin ausfallen, dann bekäme die Hallstatt- 
zeit bei uns ein anderes als das ihr durch das Reinecke'sche Schema gegebene 
Gesicht, sie würde wie ehedem und wie Hoernes für die beiden anderen 
mitteleuropäischen Gruppen es beibehält in die einfache Schichtung einer 
älteren und jüngeren Hallstattzeit zerfallen, welche so ungefähr mit Reineckes 
Stufe C beginnt. Die Hallstattstufe A müßte man dann auch hier zur jüngsten 
Bronzezeit rechnen, zu welcher sie, wie Reinecke*) selbst sagt, anderwärts 
z. B. im Römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz, typologisch und 
kulturell auch gerechnet wird. Auf welche Weise sich der hierdurch ent- 
stehende Hiatus von schematisch 150 Jahren erklären würde, ob man eine 
ansiedlungslose Zeit einzuschalten hätte, oder ob eine langsamere Entwick- 
lung zu chronologischen Schiebungen veranlassen müßte**), das würde dann 
Aufgabe zukünftiger Grabungs- und Forschungstätigkeit sein. 

Dies leichthin auszusprechende Ziel ist aber nur schwer erreichbar. 
Legt man die Reinecke'schen Typentafeln nebeneinander, so sieht man, 
daß die Formen — von hie und da importierten abgesehen — wie aus sich 
selbst heraus in neue hineinwachsen, sich entwickeln. Die Stufenteilung ist 
eben eine Zeit und Völker, Technik und Material berücksichtigende Stillehre, 
welche die Formenbildung zusammenfaßt und daraus bestimmte Zeitabschnitte 
folgert. Die formverändernde Wirkung der Zeit ist vier Stufen hindurch auf 
jeweils 150 Jahre angesetzt. Da aber nicht alle Gegenstände gleichviel Zeit ge- 
braucht haben werden, auch nicht eine Gegend wie die andere in gleicher 
Verkehrslage war und nicht alle Funde nur typologischen Hochperioden 
angehören können, so muß sich die Wirklichkeit bei dieser, wie bei jeder 
anderen schematischen Chronologie manchmal anders darstellen als es dem 
Schema nach sein sollte, oder anders gesagt, wenn man sich nur an das 
Schema hält, wird man die eben gestellte Aufgabe nicht lösen, der kompli- 
zierten Wirklichkeit nicht näher kommen können. Typologisch eindeutige 
Funde sind ohnehin selten in den schwer zu behandelnden Hügeln dieser 
Zeiten, auf welche wir bisher mangels Siedlungen angewiesen waren und 
welche oftmals eher Friedhöfe als Einzelgräber zu sein scheinen. Wie 
schwierig es ist an den Funden andere als die hergebrachten typologischen 
Erscheinungen abzulesen, möge der folgende Versuch beweisen. Zur Ver- 
fügung stehen die Keramik, die Metallgeräte und die Bestattungsweisen. 

Zuerst die Keramik; von Hallstatt A sagt Reinecke***), daß sie den 
wesentlichsten Anteil an der Grabausstattung hat; bei B ,, bildet sie den 
wesentlichsten Bestandteil des Formengutes". In C ,, pflegen die Gräber .... 
reichlich mit Tongeschirr ausgestattet zu sein". Aber in D: ,, Seltsamer 
Weise fehlt die Keramik nahezu ganz". Latene A ,, fehlt es zwar keines- 



*) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V, S. 239. 
**) Reinecke warnt davor siedlungsgeschichtliche Tatsachen daraus zu folgern, aber 
eine Ursache muß doch vorhanden sein. 

***) Altertümer unserer heidn. Vorzeit V. 



wegs an Keramik, aber die Gräber sind äußerst arm an Tongeschirr; mit 
den gleichen Worten ist von Latene B die Rede und in C „gehört Keramik zu 
den fast unbekannten. Dingen". Erst vom Ende der Lateneperiode, das 
außerhalb dieser Betrachtungen liegt, kehren sich die Verhältnisse wieder 
ins Gegenteil um. 

Aus dieser Zusammenstellung geht klar hervor, daß der Keramik nach 
einesteils die Hallstattstufen A bis C, anderenteils die Stufe D mit den 
drei Latenestufen zusammengehen. Die Töpferei ist selbstverständlich 
nicht während der letztgenannten Perioden aus der Mode gekommen oder 
auch nur vernachlässigt worden. Aber ihre Erzeugnisse sind eben plötzlich 
weg und das Warum ist aus den Gräbern anscheinend nicht ersichtlich.*) 
Das ist ganz interessant, ist aber nicht weiter verwertbar, denn die Wirkung 
wird durch die anderen Funde, die Metallgegenstände z. B., aufgehoben. 
Diese lassen nur den gleichmäßigen Fluß der Formen, von dem oben die 
Rede war, erkennen, und ein gelegentliches Neuauftauchen anderer: Hall- 
statt B bringt die Eisenschwerter, C hat Wagen, Eisenlanzen und (nach 
Reinecke S. 404) Hiebmesser, D setzt mit Dolchen ein, Latene A mit 
Kurzschwertern, die folgenden Stufen mit langen Schwertern usw. 

Nun zu den Bestattungsformen; sie wechseln häufig und ihre Be- 
trachtung wirkt ebenso verwirrend wie ihre Aufzählung: Hallstatt A hat 
Flachgräber mit Leichenbrand (bei uns auch Hügelgräber, vereinzelt auch 
Bestattung); Stufe B fast dasselbe; in Stufe C überwiegen Hügelgräber, 
in D sind sie typisch, Latene A hat Grabhügel, aber auch Flachgräber. Auch 
die Unterscheidungen von Leichenbrand und Bestattung führen angesichts 
des ständigen Nebeneinandergehens beider zu gar nichts. Nebenbei sind 
die Hügelbauten von einer unerschöpflichen Mannigfaltigkeit. Typologie 
und Schema sind die unerläßlichen wissenschaftlichen Hilfsmittel der 
Forschung, aber sie schließen andere, wenn es solche geben sollte, nicht 
aus. Die Schwierigkeit, unsere Einsicht einen Schritt vorwärts zu fördern, 
ist ohnehin groß genug, um den Versuch einer Einschaltung noch anderer 
Gesichtspunkte gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Der Lokalforscher ist 
berufen, die Steine zum Bau des Lehrgebäudes zusammenzutragen, aber 
es wird ihm sauer, denn häufig erkennt er vorlauter Steinen nichts vom Bau. 

Das Studium der Bestattungsweisen und ihrer Entwicklungsgeschichte 
kann man zwar auch, wie Kossinna es tut, als eine Aufgabe der typologischen 
Forschung bezeichnen, aber doch wohl nur, wenn es sich um die geistige Ver- 
arbeitung der Grabungsresultate handelt. Eine Ausgrabung läßt sich jedoch 
nicht nach typologischen, sondern man muß sie nach archäologischen Methoden 
ausführen. Das Begräbniswesen steht aber in engen Beziehungen zur Ethno- 
logie und sie verdient deshalb mit herangezogen zu werden. Tut man dies. 



*) ,,Ihr seltenes Vorkommen in Gräbern könnte auf rituelle Gründe zurückzuführen 
sein", sagt Schumacher Prähistor. Zeitschr. VI S. 257, ,,in La-Tene, wo auch verhältnis- 
mäßig wenige Scherben erhoben sind, ist es auffallend." 



8 

dann finden sich auch wichtige und neue Gesichtspunkte zur Würdigung 
unserer Hügelgräber. Beobachtungen dieser Art können natürHch nur 
während der Ausgrabung gemacht werden. Das archäologische 
Ziel wird erreicht durch das saubere Herausholen der Funde, Einmessen, 
Notieren, ihre tunlichste Wiederinstandsetzung und ihr ordentliches Auf- 
stellen. Das genügt vollständig für viele Begräbnisarten, die einfachen 
Urnengräber, Einzelbestattungen, Reihengräber, nicht aber für die kompli- 
zierten Hügelgräber mit ihren mannigfachen Problemen der Gleichzeitigkeit 
von Verbrennung und Bestattung, von Totenopfern und Nachbestattungen. 
Das ethnologische Ziel schließt das archäologische ein, stellt aber 
darüber hinaus die Forderung, daß soweit möglich die Vorgänge aufgedeckt 
und für immer festgehalten werden, welche während der Beisetzung statt- 
gefunden haben. Diese Gesichtspunkte sind für die Grabungen der Anthro- 
pologischen Sektion maßgebend; doch ist es am Platz hinzuzufügen, daß der 
Erfolg das erstrebte Ziel aus einer ganzen Reihe von Gründen niemals völlig 
erreichen kann. 

Die bisherigen Erfahrungen gestatten folgende allgemeine Feststel- 
lungen, über welche ich z. T. an anderer Stelle schon berichtet habe*). 
Den uralten Anschauungen über das Fortleben nach dem Tode 
gemäß verstand es sich von selbst, daß der Tode an Schmuck und Waffen 
ins Grab mitnahm, was er im Leben bei sich geführt hatte, dann eine Weg- 
zehrung, und wenn ihm dies zustand, auch seine Bedienung. Die Schmuck- 
und Waffenbeigaben können außer Betracht bleiben, denn darin sind sich 
alle Vorgeschichtsepochen so ziemlich gleich: auch von der hie und da mit- 
gegebenen Bedienung soll hier nicht weiter die Rede sein, sie kommt nur 
ausnahmsweise vor und der Beweis ist umständlich zu führen. Das augen- 
fälligste Merkmal ist aber die Wegzehrung. In der Bronzezeit wurde sie 
in einigen Gefäßen dem Toten um den Körper gesetzt, oder um die Urne, 
welche den Leichenbrand enthält. Diese vergleichsweise einfachen Vorgänge 
entwickelten sich während der Hallstattzeit zu einem umfangreichen System 
und gegen Ende dieses Zeitabschnittes lassen sich zwei ganz verschiedene 
geistige Strömungen erkennen, die unabhängig davon sind, ob die Toten 
verbrannt oder beerdigt wurden. An den beigegebenen Abbildungen, größten- 
teils Wiederabdrücke aus der Festschrift zum XL IV. Anthropologenkongreß, 
XX. Band der Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft 1913, läßt 
sich dies leichtlich nachweisen. 

Am Anfang der Hallstattzeit nahm nur die Zahl der Gefäße um die 
Leiche zu, s. Tafel I ; dem Toten zur rechten Hand legte man Stücke Fleisch 
von Schaf oder Schwein bei Tafel I No. 19. Im Grunde genommen blieb 
dies während der ganzen Hallstattzeit so, Tafel II No. 7, doch trat mit 
der Zeit mehr hinzu und die Trink- und Speisegaben wurden in Gruppen 
gesondert aufgestellt: rechts vom Leichnam wurde ein ganzes Büffet 

*) Korrespond.-Blatt d. D. G. f. AEU 42, 1911 S.34: die rituellen Beigaben in Hügel- 
Gräbern Nordbayerns. 



errichtet mit großen Tonkrügen und Schöpftassen für Getränke, daneben 
Schüsseln und Teller, wahrscheinlich für vegetabilische Beigaben, s. Tafel II 
und in der folgenden Veröffentlichung Igensdorf 7704- Ob das alles für den 
eigenen Gebrauch des Toten gedacht war, oder als Opfergabe für die 
Unterweltlichen zu denen die Reise ging, läßt sich nicht sagen. Umgeben 
von diesem Reichtum an Naturprodukten, der auf eine ackerbautreibende 
ansässige Bevölkerung hinweist, lag der Tote aufgebahrt, etwas höher, 
manchmal auch beträchtlich höher als die Gefäße. Verbrannte Tier-, wohl 
kaum Menschenknochen, am Hügelrand, weit von der Beisetzung entfernt, 
stellen vielleicht das Bauopfer für die Errichtung des Hügels dar, oder es 
sollte eine Art von Seelenwächter für den Toten sein. In Brandgräbern 
ist alles ähnlich, nur anscheinend einfacher, die Gefäße stehen in gleicher 
Ebene um den Leichenbrand herum, der viereckig aufgestreut oder auch in 
einer Urne gefaßt ist. Die Belege hierfür kommen in den nächstfolgenden 
Veröffentlichungen zur Abbildung. An Gefäßformen und Bronzen läßt sich 
typologisch feststellen, daß dieses Zeremoniell noch am Ende der Hallstatt- 
stufe D bestanden hat. 

Zur gleichen Zeit aber, also noch während der Hallstattzeit und 
in der ersten Latenezeit trifft man auf eine völlig andere Begräbnisform. 
Das Büffet mit den Schüsseln, Tellern, Tonkrügen und Schöpfbechern ist 
gänzlich verschwunden, s. Tafel III ein Brandgrab der jüngsten Hallstatt- 
zeit, sonst in der Regel Skelettgräber mit ebensolcher dürftigen Ausstattung 
an Wegzehrung, siehe Hagenreuth*) 7333 ; Tafel IV Skelettgrab der Latene 
A- Stufe. Die Fleischbeigabe fehlt manchmal und manchmal ist sie 
reichlich, besteht dann aber meist aus Wild: Reh, Hirsch, seltener aus 
Haustieren und hat keine bestimmte Lage zum Toten, sie liegt irgendwo 
im Hügel. Die Leute haben mehr vom Erträgnis der Jagd als dem des 
Feldes gelebt. Die beigegebene Keramik besteht meist nur aus Scherben, 
in denen weder ein Opfer, noch eine Wegzehrung enthalten gewesen sein 
kann, ihr Vorhandensein muß also einen ganz anderen Gedankengang aus- 
drücken. Wo sich Gefäße finden, stehen sie nicht in einer Gruppe neben 
oder unter dem Toten, sondern über ihm an beliebigen Stellen 
und anscheinend planlos hingesetzt oder hingeworfen.**) Bei Brandleichen 
ist es ebenso: an der tiefsten Stelle ist nur Leichenbrand, die Gefäße und 
Scherben sind weiter oben; die formlose, von der vorgeschilderten denkbar 
weit verschiedene Art der Lagerung eines solchen immer isolierten Gefäßes 
im Hügel ist ersichtlich aus Abb. 38 Seite 143 der Festschrift von 1913. Die 
noch ausstehenden Hügelbeschreibungen werden weitere Beweise hierfür bringen. 



*) Festschrift 191 3 S. 136 Hügel mit Bestattung in der Hagenreuth ohne 
Gefäße und nur ganz wenig Scherben: Grundriß und Profil sind deshalb als unnütz hier 
weggelassen. 

**) Schumacher Präh. Ztschr. VI S. 238: .,der so auffallende Mangel an Ton- 
geschirr in den Gräbern erklärt sich vielleicht durch die Mitgabe von (jetzt vergangenen) 
Holzgefäßen". Der wesentliche Unterschied liegt aber nicht nur im Mangel, sondern 
mehr noch in der völlig anderen Art die Gefäße im Hügel unterzubringen. 



10 

Gegenüber dem starren, gewaltigen Zeremoniell der orthodoxen Hall- 
stattzeit erscheint diese Art der Beisetzung formlos, zügellos, roh und dem- 
gemäß stehen sie zu ersterem im größten Gegensatz. Da die Beerdigungs- 
feier immer ein bedeutungsvoller religiöser Akt ist, so enthüllen die darin 
Ausdruck findenden geistigen Strömungen zwei nebeneinander hergehende 
grundverschiedene Religionen, deren eine aus der Bronzezeit abstammt, 
an Ort und Stelle in langer Seßhaftigkeit während der Hallstattzeit sich 
entwickelt hat und dann verschwindet, in unserem Gebiet fast oder über- 
haupt spurlos. Die andere tritt nach den auf unser Arbeitsgebiet beschränkten 
Wahrnehmungen in der jüngeren Hallstattzeit unvermittelt auf und setzt 
sich in die Latenezeit hinein fort, wo sie alleinherrschend wird. Mangels 
eigener Beobachtung kann ich sie bis jetzt nur bis Latene A belegen. 

Zur Feststellung der Merkmale beider Beisetzungsarten sind genaue 
topographische Feststellungen des Hügelinhalts unerläßlich. Solche wird 
zwar bei einer ernsthaften Grabung überhaupt Niemand unterlassen und 
tatsächlich begegnet man häufig genauen Angaben, z. B. 90, 60, 120 Zenti- 
meter unter der Oberfläche; aber wenn man versucht, sich danach einen 
ethnographisch verwertbaren Grundriß anzufertigen, so wird man erkennen, 
daß mit dieser Genauigkeit wenig anzufangen ist. Die Grundlagen solcher Be- 
obachtungen sind einwandfreie Grundrisse, Profile, Photographien, und sie 
müssen während der Grabung geschaffen werden, so lange die Topographie 
noch kontrollierbar ist, wie es z. B. bei neolitischen oder Urnen-Gräbern 
auch geschieht. Bei zerstörten Hügelgräbern, wie sie uns meist vorkommen, 
ist die genaue Feststellung besonders erschwert. 

Aus den Profilen und Grundrissen soll das Verhältnis der Leiche oder 
des Leichenbrandes zu den keramischen Beigaben und deren Gruppierung 
erkennbar sein. Hügel mit nur einem Toten, wie die von mir gewählten 
Beispiele, zeigen das typische rituelle Erfordernis, den Durchschnittsritus. 
Liegen in einem Hügel mehrere vollwertige, d. h. ebenbürtige Verstorbene, so 
hat entweder jeder eine ähnliche rituelle Ausstattung bei sich, wenn sie nach- 
einander bestattet wurden, oder sie sind gemeinsam beigesetzt worden, wie 
ich dies später bei dem noch unveröffentlichten Igensdorf 7361 nachzuweisen 
versuchen werde. Die dem Toten, allenfalls beigegebene Bedienung ist selbst 
nur Beigabe, kann also keinen Anspruch auf ebenbürtige Behandlung gehabt 
haben; das ist aus der Gruppierung der keramischen Beigaben ersichtlich. 
Wo Nachbestattungen vorliegen ist der Nachweis am Tatbestand und nicht 
bloß mit Worten zu erbringen, denn gerade die ,, Nachbestattung" ist ein 
Schlagwort, mit dem jeder Unfug möglich ist. Jeder, der eine Ausgrabung 
unternimmt, sollte bestrebt sein, die Durchschnittsriten zu kennen, wenn er nicht 
unter Umständen mehr Schaden als Nutzen anrichten will. Wie die gegebenen 
Beispiele zeigen, ist es möglich sie bildlich und graphisch darzustellen. Dies 
könntefür dieprähistorischeForschungso wichtigwerden, 
daß sich ein Befähigungsnachweis für A"u sgrabu n ge'n von 
der Kenntnis der Totejn'riten abh^ängig machen ließe. 



11 



Bei exakter ethnographischer Beobachtung läßt sich demnach mehr 
Erkenntnis aus den Hügeln herausholen,' als wenn man nur auf Typologie 
und Schema angewiesen ist; anderwärts, wo dies verabsäumt wurde, sucht 
man vergebens sich Rat zu erholen. Es herrschten auch nicht überall 
dieselben Begräbnisriten während der Hallstattzeit ; so scheinen sie in Hall- 
statt selbst ganz anders gewesen zu sein als bei uns, wo sie auch etwas 
variieren. Die gleichzeitigen Gräber Oberitaliens und des Kantons Tessin außer- 
halb des hallstättischen Kulturkreises enthalten zwar in den Bronzen typolo- 
gisch der Hallstatt D und Latene A Vergleichbares, sind aber ihrer anderen 
Anlage wegen nicht heranzuziehen. Für die Schweiz hat Viollier eine ausführliche 
und zusammenfassende Arbeit über die Totenriten verfaßt. Aber von dem, was 
uns hier interessiert, weiß er nichts zu berichten. Vielleicht liegt eine Erklärung 
in den Worten: ,,Die Tumuli mit Bestattung sind die wenigst zahlreichen 
und durch einen unglücklichen Zufall sind sie im allgemeinen mit viel ge- 
ringerer Sorgfalt studiert worden. Beobachtungen über Totengebräuche 
fehlen fast ganz." Meiner Erfahrung nach sind aber die Bestattungen in 
den großen Hügeln die günstigsten, allerdings auch die schwierigsten Studien- 
objekte. An anderen Orten stellt Viollier unter den Hallstatthügeln der 
Schweiz zwei Gruppen fest: die eine schließt sich an die süddeutschen Hügel 
an und hat Überfluß an Töpferwaren; die andere ist eng mit dem Eisen- 
zeitalter des französischen Jura verknüpft und gekennzeichnet durch ein 
fast völliges Fehlen von Gefäßen. Es scheint also dort ähnlich zu sein, wie 
bei uns. 

Damit sind wir wieder an der Stelle ange- 
langt, von der ich ausging, als ich Reineckes Be- 
schreibung der Keramik seiner Stufen zitierte. Die 
Typologie war nicht imstande eine Erklärung für 
diese plötzliche Änderung zu geben, bei der Ethno- 
logie aber klopft man nicht vergebens an. Wollte 
man die typologische und die ethnologische Ent- 
wicklung nebeneinander graphisch darstellen, so 
würde man folgende zwei Bilder erhalten: 

Es wurde oben darauf hingewiesen, daß die 
Schwierigkeit, die vorgeschichtlichen Denkmäler 
unserer engeren Heimat in das reine Hallstatt- 
*) Schema einzureihen, möglicherweise auch jetzt noch 
besteht, obwohl seit Reineckes Aufstellung geraume 
Zeit vergangen ist und viele neue Funde inzwischen 
an den Tag gekommen sind. Das ist eine Sache, 
die zunächst noch unsere Lokalforschung angeht ; die 
Feststellung aber, daß gewisse Beobachtungen 
für den typologischen Maßstab nicht greifbar sind. 



Hallst&tt 


JÖtonJI 






B 




C 


1 


D 


H 


tatene 


f^\ 


A 


B 




c 


2 


D 





Die Latenestufen B-D mit Fragezeichen, da sie mir noch nicht vorgel^ommen sind. 



12 

sondern nach einem anderen Instrument verlangen, hat auch Interesse 
für weitere Kreise und sollte deshalb nachgeprüft werden. Die Bestandteile 
einer Beisetzung wollen nicht zusammenhanglos als Gegenstände an sich 
und nur typologisch betrachtet sein, sondern insgesamt geben sie einer 
leitenden Idee Ausdruck, welche in dem Augenblick verloren geht und 
unkennbar wird, in welchem der Gegenstand den Zusammenhang mit 
seiner Bestimmung verliert. Denn hierher kam er nicht eines Selbstzweckes 
wegen, sondern als Mittel zu einem Zweck und dies zu erkennen liegt außer- 
halb des Rahmens der Typologie. 

Nach allgemeiner Annahme kamen mit Beginn der Latene die Kelten 
von Westen her und tilgten den alternden Glanz der Hallstattformen. Die 
Hallstattleute wanderten aus, oder verschwanden sonstwie. Die Bestattungs- 
weise zeigt jedoch, daß schon während der Hallstattzeit etwas sehr wesent- 
liches, eine neue Religion auftaucht, allem Anschein nach die keltische, 
denn diese ist in der folgenden Periode die herrschende und daß beide eine 
Zeitlang nebeneinander gehen. Um sie zu unterscheiden, habe ich schon 
bei der Aufstellung unserer Sammlung im Jahre 1912 die zwei Arten der 
Beisetzung in unseren Hallstatthügeln, wo dies nach den Fundberichten 
möglich war, auseinandergehalten, indem ich die einen mit ,, Beisetzung 
nach alter (H al Istatt-) Si t te", die anderen mit ,,B e ise tz u n g n a ch 
neuer (La t e n e-) Si t te" bezeichnete, wenn gleich dies ohne weitläufige 
Auseinandersetzung kaum verständlich ist. 

Es ist nötig, diese Beobachtung auch anderwärts einer Prüfung zu unter- 
ziehen und entsprechend verwertbare Grabungsberichte beizubringen. Die 
Aufforderung zu Beobachtungen nach dieser von mir ethnographisch ge- 
nannten Richtung (das Beiwort kann man natürlich auch weglassen) dürfte 
aber mit dem Vorgebrachten für die Grabhügelforschung begründet sein. 
Es ist von berufener Seite, von Generalkonservator Hager in seinen ,, Grund- 
sätzen" darauf hingewiesen worden, daß die Nachwelt und eine spätere 
Forschung mit wesentlich vervollkommneter Methode und geklärterer An- 
schauung arbeiten wird. Diese trostreiche Aussicht ist aber der Gegenwart 
keine Entschuldigung oder Entlastung für unvollkommene Methoden. Wenn 
hier wirklich ein Weg gegeben sein sollte, auf welchem sich unsere Kenntnis 
prähistorischer Vorgänge erweitern läßt, dann wird die Forschung es wahr- 
scheinlich nicht der Nachwelt überlassen ihn zu betreten. 



Abh. li. Nat. Ges. Nürnberff XXI. Bd. 



Tafel 



Bettelleite bei Holiistein, Bez. -Amt Sulzbach i. O. 
Grab II (7167) 






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0,40 
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O.S>. 

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■1,2». 



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ly = Schafkiiochen 
rechts neben dem Knie der Leiche 



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<'>Tsfrt:iaivV-«iS.>;r.-*'>-- jj-,;, j-^j^^ j, %^,j2-p.' ,■ 



ESI Bra.^^td<.e 



Aufbahrung der frühen Hallsfattzeit 



Abh. d, Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel II. 



O b e r r e i n b a c h an der Zaiidt, Bez. -Amt Sulzbach i. O. 
No. 7317. 





'''2 ""'■■'-■■,-■>" '.T 



6 = Scherbenlager bez. Gefäß g r u p p e. 7 = Schweinsrippe rechts neben der Leiche 




Autbahrung zur Zeit der Hallstaftstufe C. 



Abh. d. Nat Ges. Nütnherg XXI Bd., 



Tafel III. 



W e i d 1 :i c h bei Kalclireutli, Bez. -Amt Erlangen 
No. 7146. 




— A8o Q>v-Ad. 



"^ 3 (»^ 2. ("^ -t 1'*^ 




» Scherben ■ Eisen -■ • - Brandschiclit. 



Gefäßgruppen fehlen: Einzelffefäße und Scherben weit und regellos zerstreut. 




Brandgrab. 



Beisetzungsart vom Ende der Hallstattzeit. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. BJ. 



Tafel IV. 



S t a d e 1 1 e i t e 

bei Haghot, Bez. Amt 

Sulzbach i. O. 

^m Skelettknochen 
O Scherben 
A Bronzen 
//// Steine 
::::;: Brandschicht. 






Beisetzungsart der Latenestufe A. 



Abhandlungen 



der 



NATURHISTORISCHEN 
GESELLSCHAFT . 

zu 

NÜRNBERG 



XXI. Band. 

■ 2. Heft. 



Grabungsberichte 
der Anthropologischen Sektion 

mit Grundrissen, Querschnitten und Tafeln. 



Von Konrad Hörmann. 



NÜRNBERG 1917. 

Akridenzdruckerei Sebald Kommandite, 



Qrabungsberichte 



der 



Anthropologischen Sektion 



mit Grundrissen, Profilen und Tafein. 



Von 
Konrad Hörmann. 



DEN DRUCK DIESER ABHANDLUNG WÄHREND DES 
KRIEGES ERMÖGLICHTE 

DURCH EINE HOCHHERZIGE SPENDE 

HERR RICHARD G. WEIGMANN 

IN LAUF BEI NÜRNBERG. 



DIE VORSTANDSCHAFT 
DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT 






Igensdorf, 

Bezirksamt Forchheim, Oberfranken. 



Hügelgruppe im Waldteil Kamtnerloh. 

Tafel V bis XXI. 

Literatur. Jahresbericht des Historischen Vereins von Oberfranken zu Bayreuth 
für das Jahr 1843/44 Seite 26. — Lehrei Rabe 1 - Weißenohe, Bericht über die Küchen- 
hoff'sche Ausgrabung im Jahresbericht 1882 des Historischen Vereins Bayreuth Archiv 
für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken XV. Band 2. Heft S. 325—330. — 
Professor Mehlis „archäologische Untersuchungen bei Gräfenberg" mit Skizze der Grab- 
hügelgruppe, Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns Band VI 1884 Seite 144. 
— Protokolle der Anthropologischen Sektion und Mitteilungen 1908 Nr. 3. 

AI 1 gern ei n es. 

Grabungen. Von früiieren Grabungen werden erwähnt: solche des 
Freih. von Künßberg auf Ermreuth; Grabung des Kantor Höfler lu 
Schönbrunn bei Wunsiedel im Mai 1844; ,,Schatzgräbereien und Grabungen 
aus den 50er Jahren" des vorigen Jahrhunderts; Ausgrabung von fünf Hügeln 
für das Germanische Museum durch Professor Küchenhoffam 16. 
und 18. September 1882; Ausgrabung von drei Hügeln für die Anthro- 
pologische Sektion der Naturh. Gesellschaft Nürnberg durch Professor 
Mehlis vom 17.— 19. Sept. 1884. 

Geologischer Horizont: Opalinus'ton , unterster Braun-Jura; 
infolgedessen Lettenboden und bei Regen während der Grabung breiiger Lehm 
in den Hügeln. Das Terrain fällt von Süd nach Nord ein. 

Hügel bau: aus bodenständigem Material gebaut; die gelbbraune 
Farbe des Lehmes ist am Grund der Hügel manchmal mit blaugrauer Lehm- 
schicht durchsetzt. Blaugrauer Lehm auch um vermoderte Wurzeln herum, 
wie bei den Pfostenlöchern. 

Steinsetzung: nachlässige, wenig umfangreiche Überdeckung des Be- 
gräbnisses; alle Steine oberhalb der Grabessohle; keine erkennbaren architek- 
tonischen Absichten. Verwendet sind ausschließlich Weißjura-Findlinge, schalige 
Steine von mäßiger Größe. Irgendwo außen am Rand im Lehm einige Steine 
in einer Reihe, ohne Andeutung irgend eines Zweckes. 

Erd- oder Pfostenlöcher: bei jedem bisher, auch in den 3 von 
Mehlis geöffneten Hügeln, weit außen einige Löcher im Lehm, wie von ver- 

1* 



16 

schwundenen Pfählen oder Stangen, kaum von Wurzeln. Das Einzeichnen 
der Erdlöcher in den Grundriß der Hügel läßt keine planmäßige Anordnung 
erkennen. Der Querschnitt der Löcher ist rund, oval oder viereckig mit ge- 
rundeten Ecken. Die senkrecht in den Boden gehenden Löcher sind be- 



deutend weiter als die wagrecht 
in den Löchern noch glattes, 
holz. (Die mitgenommenen 
geschrumpft und krumm ge- 
sind die Löcher Röhren mit 
brauner Oberfläche a, umgeben 
sehr zähen eisenfreien Lettenschicht b. 



et a b, 

3 ~ 

3 



führenden. Manchmal fand sich 
langfaseriges Holz, kein Wurzel- 
Proben sind durch Austrocknung 
zogen). Bei günstiger Erhaltung 
harter, eisenschüssiger dunkel- 
von einer blaugrauen, schmalen, 
Der Hügellehm c begrenzt sie scharf 



mit eisenschüssiger Kruste, deren braune Farbe in diejenige des umgeben- 
den Hügellehms übergeht. 

Photographische Aufnahmen. Steinsetzungen, Scherben- und Gefäß- 
gruppen sind alle in unberührter Lage wiedergegeben, so, wie sie nach sorgsamer 
Aufdeckung und nach oberflächlichem Putzen zum Vorschein kamen. Neben 
den Scherben wird in der Regel die Erde scharf abgestochen, damit sie sich 
von der Umgebung kennbar abheben; namentlich bei Regenwetter ist das 
notwendig. Kein Gegenstand wurde entfernt, bevor er eingemessen und 
photographiert war. Dies gilt für alle Aufnahmen unserer 
Grabun gsberichte. 

Hügel 7361. 

Tafel V bis XI. 
Ausgrabung vom 29. April bis 4. Mai 1908. 






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&'-.andÄcntfVi+* 



Profil a . 



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7-". 8 ' 




We*r 



vor» 225-3i56rAa 



17 



iMM Brandschicht 
Stein überdeckun^ 



-■^ Knochen \ 
^ Bronze 
■ Eisen 
C J. « Scherbeil u Gefässe 




I Profil a. 

Der Hügel, von J. Wunder im Katasterblatt früher als Hügel XII be- 
zeichnet, bildete mit zwei kleineren Erhöhungen, welche als Hügel 7362 und 
7363 abgegraben wurden, eine etwas abseits liegende Sondergruppe der großen 
kammerloher Nekropole. Er hatte nach jeder Richtung 18 Meter Durch- 
messer und eine Höhe von 1 V2 Meter. Oberfläche des Hügels bis tief hinab 
gestört; in der Mitte oben eine große Mulde, Steine waren ersichtlich heraus- 
und wieder hineingeworfen worden. Im Ostteil ein durch Stöckegraben ver- 
ursachtes tiefes Loch , möglicherweise den erwähnten Schatzgräbereien 
und Grabungen aus den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts zuzuschreiben. 
Daß aber schon viel früher Eingriffe gemacht wurden, erwies eine mittel- 
alterliche Scherbe bei 197" in Süd, 4,20 m von der Mitte und nur 20 cm über 
der Brandschicht. 



18 

Grab bau. Der Hügel bestand wie in der Kammerloh-Nekropole üb- 
lich, in der Hauptsache aus Lehmsand. Steinsetzung, von den Störungen 
ganz abgesehen, nachlässig und wenig ausgedehnt. Am Hügel r a n d Nord 
bei 8" vereinzelt drei Steine, siehe Tafel VI 4 und ,,St." im Profil bei Nord, 
vielleicht bedeutungslos, aber hier erwähnt, weil dergleichen auch bei den 
anderen Hügeln beobachtet wurde. Die untere Steinlage deckte die Scherben- 
gruppen des Hügelkerns: sie reichte an keiner Stelle unter die Brandschicht. 
Im oberen Hügel Steine gehäuft, .auch über den Leichen, aber Beobachtung 
beschränkt der Störungen wegen. Ausdehnung der Steinüberdeckung oben 
kleiner als unten. 

Erdlöcher. Im ganzen zehn an verschiedenen Stellen, fast alle an 
Ost- und Südseite außerhalb Brandschicht und Steinsetzung, zwischen 6% 
und 3V2 Meter von der Mitte. Die senkrechten Löcher meist oval, glatt, mit 
Durchmesser cvon 9 — 20 cm ; eines bildete eine Röhre 60 cm lang. Die wag- 
rechten schlechter erhalten, klein im Durchmesser, nicht glatt verlaufend, 
sondern etwas gekrümmt, wie von vermoderten Wurzeln herrührend (was sie 
wahrscheinlich auch waren). Tafel V 1,2 geben zwei senkrechte Pfostenlöcher 
wieder; das eine, viereckig mit gerundeten Ecken, reichte 110 cm tief von 
der photographierten Öffnung aus; das andere, rund, tiefer unten angeschnitten, 
ließ sich 30 cm nach unten verfolgen. 

B ran d schieb t. Etwas tiefer als der umgebende gewachsene Wald- 
boden eine mächtige Hauptbrandschicht, von Nordost nach Südwest beiläufig 
11 Meter, von Ost nach West 8 Meter, ein bis drei Zentimeter stark. In allen 
Teilen ungestört. Bei Meter 3 Nord etwas nach oben versprengt, siehe 
Profil a. Nahe der Hügelmitte eine verkohlte Diele, siehe Grundriß, beide 
Profile und Tafel X 15, 160 cm lang, 23 cm breit, 3 cm dick; darunter die 
Scherben 35. Ein Scheiterhaufen, ganz-aus Kohle und verkohlten Stücken Holz 
bestehend, siehe Grundriß und Tafel V 3, zwischen Meter 5 und 6 Südwest, in 
und unter der Brandschicht, verbreitete bei der Aufdeckung intensiven Brand- 
geruch*); 1 Meter lang, 70 cm breit, 15 cm stark (in die Sammlung über- 
geführt, aufgestellt bei ,,Igensdorf 7361"). Im Haufen einige Scherben und 
wenige weißgebrannte Knochenstückchen, das unterste rechte Eck B fast nur 
Knochenbreccie, darunter ein Schädelstückchen, Mensch. Unter dem Scheiter- 
haufen dicke Scherben eines unvollständigen großen Gefäßes, durch starkes 
Feuer hart und rot gebrannt, siehe Scherben 5 Seite 19. Die Scherben lagen 
mehrfach über-, nicht nebeneinander, waren also schon zerbrochen unter den 
Holzstoß gelegt worden. Der Scheiterhaufen befand sich in einer Vertiefung, 
die zirka 10 cm unter die Brandschicht reichte. Kohlenüberstreute Flecke 
von geringer Ausdehnung in verschiedenen Teilen des Hügels in 1 Meter und 
109 cm Tiefe unter 0-Meter. 



*) Wie schon einmal von der Hagenreuth (7333) berichtet, Abhandl. Bd. 20 (Fest- 
schrift z. Anthr. Kongreß) 1913 S. 138. „Dös bremst förmli durch d'Näsn" sagten die 
Arbeiter. 



19 



Keramik. Fast alles was zum Vorschein kam, war einförmig schwarz- 
tonige Ware, dickwandig und mit Resten von Graphitierung, ,, Eisengeschirr", 
wie die Arbeiter es zu nennen pflegen; wo im Folgenden nichts anderes an- 
gegeben ist, handelt es sich immer nur um Keramik dieser Art. Wenige und 
nur rohe Ornamente. 

Mit Ausnahme weniger Streuscherben wurden alle Scherben und Gefäße 

in der Brandschicht auf der Grabessohle liegend angetroffen; die Scherben 

] — 3_ 6 nicht mit Steinen zugedeckt, alle anderen unter den Steinen in Gruppen. 

Vergleiche ausgiebig Grundriß und Profile! 

Scherben , 2, 3, 6 weit außen am Rand der Brandschicht, Nord, 

siehe Tafel VI 5 in situ; 

gaben zusammen und mit einigen Scherben von 14 (innerer Hügel oben), 
sowie mit Hülfe von Ergänzungen ein verhältnismäßig kleines Gefäß der dick- 
bauchigen Tonkesselform, s. 1—3, 6, 14 Tafel VIII unten rechts. Durchm. 
25'; cm, Randd. 15 'i, Bodend. 8'4, Höhe 25; am Rücken paarweise vertiefte 
Kreise, umgeben von eingestochenen Punkten, wahrscheinlich vier Paare. 
Bei den gleichen Nummern auch einige Scherben anderer Gefäße. 
Scherben 5. Im Scheiterhaufen und 
darunter Scherben mehrerer Gefäße, 
die meisten zu einem groben, sehr dick- 
wandigen großen Gefäß gehörend; lagen 
nicht neben-, sondern fünffach über- 
einander; durchaus rötlich, wie durch- 
geglüht, mit stark gesprungener Ober- 
fläche; aufrechter Rand, breite Kragen- 
wulst mit Dellen, darunter eine ,,Mäuse- 
pfötchen" -Reihe. 
Scherbengruppe 7 unter der Stein- 
setzung in der Brandschicht s. die 
Abbildungen in situ Tafel X 14 und IX 
unten links; 

ergab beim Zusammensetzen der 
Scherben vier große, dickbauchige Ton- 
kessel mit konischem Hals *) und die 

dazugehörenden Weihebecher oder Schöpftassen Tafel VII Abb. 7. 
7 b ; ergänzt ; Durchm. 47, Randd. 28, Bodendurchm. 14, Höhe 36 ; s. Ab- 
bildung. 




Scherbe von 5. 



*) Diese so häufig wiederkehrende Gefäßform der Hügelgräber hat in der Literatur 
keinen bestimmten Namen; sie wird als ,,Urne" ,,birnförmige Urne" ,, Urne mit konischem 
Hals" ,, weitbauchige Urne" ,, urnenartiges Gefäß" ,, eimerartiges Gefäß" ,, amphorenartiges 
Gefäß" ,,Vase" ,,Vase halstattien" genannt. Wenn daran festgehalten wird, daß Urne 
ein Gefäß zur Aufnahme der Asche oder Gebeine verbrannter Leichen ist, dann muß der 
Name, weil irreführend, abgelehnt werden. Die ,, Amphora" käme in der. Form am nächsten, 
hat aber Henkel; ebenso der Krug, diese Namen passen also auch nicht. Ich nenne sie 
im folgenden, bis ein besserer Name sich findet ,, Tonkessel", das soll soviel heißen wie 
', kesseiförmiges Gefäß aus Ton mit konischem Hals." 



20 




7 c; ergänzt; Durchm. 41, Randd. 25, Bodend. 12, Höhe 35; s. Abbildung. 
7 d; e in Größe und Form wie b und c ; nicht völlig wiederherstellbar, 
trotz massenhaft noch vorhandener Scherben; nicht abgebildet; zu e passend 
einige Scherben von 28. 

I Schöpftassen (Weiheschalen oder -becher) mit je 11 — 12 cm Durchm., 
^ ; Randdurchm. lO'-j, Höhe 5 — 5U. Becher h nicht wiederherstellbar 
\ und nicht abgebildet, i zumeist aus Scherben von 28. 

Außerdem gaben Scherben von 7 mit solchen von 
26 eine Schale, s. Tafel VII Abb. 8 26/7; ferner 
das Fragment einer roten, z. T. graphitierten Schale; 
am Hals ein Graphitband, s. nebenstehend. 

Abseits außerhalb der Steinüberdeckung: 

7 a vereinzelter kleiner Teller im Boden unter der Scherbenstück von 7. 
Brandschicht West, darüber ein Stein ; Durchm. 17, Bodendurchm. 10, Höhe 2 (4, 
s. Tafel VI II, Abb. 12. 

Scherben- und Gefäß gruppe 8, 22—28 in der Brandschicht, 
meist gut erhaltene Schalen. Neben Gruppe 7 wurde zuerst die 
Schale 8 allein aufgedeckt, s. Tafel X 14 in situ; nach deren Weg- 
nahme und erst später kamen daneben die anderen zum Vorschein 
22 — 28, s. Tafel XI 16 in situ und insgesamt wiederhergestellt Tafel 
VII Abb. 8. 

8 Schale 26 cm Durchm., 10^4 Bodend. 5 hoch. 22 Schale 27 cm Durchm. 
8 Bodend., 5 hoch. 23, 26 zwei Schalen zu je 18 cm Durchm., 9 Bodend., 
3 '2 bezw. 5 cm hoch. 24, 26/7 zwei Schalen zu je 25 — 26 cm Durchm., 
1 1 und 10 Bodend., je 5 hoch. Wie bei 7 schon erwähnt, paßten Scherben von 28 
zu zwei Gefäßen der Gruppe 7. Ferner Scherben einer nicht wiederherstellbaren 
rotbraunen Schale 28, nicht abgebildet; Scherbchen 28 mit Teil eines Relief- 
ornamentes, s. Tafel VI II Abb. 12. Eine größere Anzahl Scherben blieben übrig. 

Scherben 21 größeres Bruchstück einer Schüssel wie 31 oder 
34 b und einige kleinere, gefunden im zerstörten oberen Teil des Hügels, 
50 cm unter dem Nullpunkt. 

Scherben- und Gefäßgruppe 29 bis 32 siehe Tafel XI 17 in 
situ, gab Schüsseln und Teller; wiederhergestellt Tafel VII Abb. 9. — 
Durch die Schüssel 30 zog sich ein auffälliger Streifen Kohlen der 
Brandschicht, auch auf der Abbildung erkennbar. Der Stufenteller 29 
mit dem Sonnenornament nahm einen untergeordneten, keinen hervor- 
ragenden Platz ein, s. die Abbildung. 

29 Stufenschale, innen grauschwarz, außen braunschwarz wie die meisten 
der aufgezählten Geschirre, mit Resten von Graphitierung; roh eingeritztes 
Sonnenornament. Durchm. 29, Bodendurchm. 11, Höhe S'i. 

30 Schale mit Scherben von 39 ; Durchm. 28, Bodendurchm. lOU, Höhe6'/2. 

31 Schüssel mit Scherben von 26 ergänzt; Durchm. 20, Bodendurchm. 7, 
Höhe 7. 

32 Teller; beim Umzug in den Neubau abhanden gekommen. 

Scherben- bez. Gefäßgruppe 34 lag etwas über der Brand- 
schicht, siehe Tafel X 15 unten links in situ. Bei der Wiederherstellung 



21 




ergaben sich drei Schüsseln, die aufeinander gestanden haben mußten, 
denn die Scherben lagen über- bez. ineinander, wiederhergestellt Tafel VIII 
Abb. 10. 

Schale 34a Durchm.25, Bodendurchm. 10, Höhe 614; Schale 34b Durchm. 22, 
Bodendurchm. 10, Höhe S'i; Schüssel 34c, stark ergänzt, dünnwandig, 
mit rostbraunem, feingeglättetem Überzug und Spuren von Graphit; Durch- 
messer 24, Randdurchm. 21';., Bodendurchm. S'j, Höhe 11. Dabei ein 
Scherbchen 34 d, Tafel VIII Abb. 12, rotbraun, mit vertieftem, weiß einge- 
lassenem Wolfszahnornament. 

Unter der Diele in der Brand- 
schicht: 

Scherben 36 a -c und andere; 
solche eines großen rohen Gefäßes mit 
breitem Wulstornament a, semmelfarben, 
stark gebrannt, bez. durchgeglüht, mit 
rissiger Oberfläche, 

Scherbengruppe 36 bis 41, 
Mitte des Hügels; lagen um das Feld mit den weißgebrannten Knochen 
in der Brandschicht, insgesamt sechs Gefäße; wiederhergestellt, siehe 
Tafel VIII Abb. 11; leider wurde kein Situsbild aufgenommen, weil 
schon Dämmerung eingetreten war. 

36 22 Schale mit Scherben von 22 und verstreuten Scherben aus 50 cm 
Tiefe, ergänzt; Durchm. 27!i, Bodendurchm. 12, Höhe A}^. 

36 hohe Schale, etwas ergänzt; Durchm. 26^2, Bodendurchm. 10, Höhe9y2- 

37 a große Schüssel; Durchm. 32, Bodendurchm. 
12",, Höhe 9. 

37b Schale; Durchm. 27, Boden gewölbt Durch- 
messer 12, Höhe 5. 

37 c flache Schale, sehr morsch und rissig (im 
Feuer gelegen?) Durchm. 25, Bodendurchm. 11, 
Höhe 4 Vi. 

39 Schale mit kleinem Henkel; Durchm. 23, 
Boden gewölbt Durchm. 8, Höhe 6. 
41 verschiedene Scherben unter dem Knochenfeld. 

Aus den Streuscherben des ganzen Hügels ließ sich mit Hülfe 
von Ergänzungen ein helltoniges Gefäß zusammensetzen, nicht weiß-, 
sondern eher rotgelbe Keramik, wie das Fragment mit dem Ochsenkopf- 
ornament der Beckersloh in der gewöhnlichen Form dieses Geschirres, 
aber größer als sonst und ohne Lackornament, s. Tafel VIII Abb. 12 v.Sch. 

Durchm. 24, Randdurohm. 22, Bodendurchm. 5%. Höhe IOV2. 
Damit wurden die meisten der verstreut gefundenen Scherben aufge- 
arbeitet. Größere Stücke eines sehr flachen, innen roten Tellers mit 
Graphitüberzug, bei 30 cm Durchm., 2V2 cm hoch, aus oberen Teilen 
des Hügels, blieben übrig. 

Speisebeigaben. Knochenrückstände von Speisebeigaben fanden 
sich an zwei Stellen: 12 bei der Scherbengruppe 7 (abhanden gekommen) und 




22 

38 der Oberarmknochen eines kleinen Schafes, Heidschnucke, auf dem Feld 
mit den weißgebrannten Knochen. 

Metallfunde. Wenig und unscheinbar, s. Tafel VI Abb. 6. Bronzen: 
Grüne Patina an einer menschlichen Elle läßt auf Bronzearmringe, an einem 
Schädelbruchstück auf sonstigen Bronzeschmuck schließen; doch fand sich 
nichts davon vor. Einige Bronzeplättchen Nr. 4, mit Knochen 105 cm 
tief in gestörter Umgebung nötigen zu der Annahme, daß ein Gürtelblech 
vorhanden war; Ornamente sind nicht daran ersichtlich. Ein Ringchen 17 
mit massiver Kugel 52 cm tief, z. T. von Eisenrost überzogen. Ein Vogel- 
kopf-Fibelfragment 18, an gestörter Stelle 56 cm tief; Kopf und Nadelhalter 
fehlen; Bügel hohl; Verzierung: eingeschnittene Halbkreislinien; hinter der 
kurzen Spiralrolle eine Sehne übergelegt; die Achse ein stark oxydierter Eisen- 
stift, an dessen einem Ende eine Kugel, das andere Ende fehlt; die Nadel 
nach hinten verbogen und vom Rost in dieser Lage festgehalten. Eine Griff- 
angel 20, wie ähnliche zuweilen Ringen aufsitzen, 154 cm tief zwischen den 
Scherbengruppen gefunden, von einem anderen, nicht erhaltenen Gegenstand 
abgebrochen; ein halbkugehges Bronzeplättchen 4, in der Mitte durchlocht. 

— Eisen: Zwei massive kleine Geschirringe 14 bei dem Schädel und den 
Knochen 13 in 60, bezw. 62 cm Tiefe; ein Stückchen gewundener Eisenstift; 
Teile von Klapperblechen, wie die der Geschirrteile des Gaisheimer Fürstengrabes 
(siehe v. Forster, Festschrift 1913 Abhandlungen 20. Band, Tafel 32 Nr. 31a und 
Textseite 111). Alles bei 14 neben einer der Leichen, beiläufig 60 cm tief. 

— In der Brandschicht zwischen Scherben Eisenrost mehrfach, aber nur ein 
Stückchen Eisen, vielleicht ein Messerrest. Unter dem Feld mit den weiß- 
gebrannten Knochen eine Messerklinge 42, von der II cm bei 1 V2 cm Breite 
erhalten sind. 

Leichen. Bestattungen: Im Westteil des Hügels zwischen 50 bis 
60 cm tief Reste von 3 Leichen. Oberkörper von 13, Schädel und obere 
Teile der Arme und des Rumpfes beisammen liegend, siehe Tafel IX 13 und Tafel 
X 14, übrige Gliedmaßen fehlten oder waren durch Stöckegraben verstreut bis in 
1 Meter Tiefe, siehe die Knochenreste der Leichen im Grundriß. Schädel 15 
und 16 nahe beisammen in einer Ebene mit 14, in situ siehe Tafel IX 13. 
Südlich von Schädel 16 viele stark zertrümmerte Knochen verstreut, siehe 
Grundriß. — Leichenbrand: Im Scheiterhaufen A, s. Text S. 18 und Tafel V3, 
wenige weißgebrannte Knochen; dagegen bestand das untere rechte Eckchen B 
fast nur aus Knochenbreccie, darunter ein Stückchen eines menschlichen 
Schädels. In der Brandschicht Hügelmitte ein viereckiges Feld mit weiß- 
gebrannten Knochen, von Gefäßen umstanden. Darauf liegend 38 ein linker 
Oberarmknochen vom Schaf, darunter 42 der Messerrest. 

Typologie und Zeitstellung. 

Die Gefäße samt ihren Ornamenten, mit Ausnahme des Streuscherben- 
Gefäßes V. Seh. alles dunkeltonige Ware, gehören der Hallstattstufe C an. 



23 

Keramik mit plastischem Schmuck, wie bei dem Scherbchen 28 Tafel VIII 
unten kommt sonst in dieser Stufe bei uns nicht vor, findet sich aber 
nach Reinecke häufig von Niederösterreich bis Westungarn. ') Unter 
den Scherben sind die Randbruchstücke 35 b und 41b (Seite 21 im 
Text) der Stufe D, also einer jüngeren Zeit, zuzuweisen. Das Gürtelblech, 
von dem sich Reste vorfanden, ist typisch für Stufe C und die Eisensachen 
gehören auch dahin. Die Fibel ist stark beschädigt, es fehlt der wichtige 
Teil mit dem Tierkopf, aber etwas anderes als eine Vogelkopffibel ist es 
nicht. Es ist eine Form, die ein Hauptverhreitungsgebiet im Fränkischen 
Jura in unserer Nähe besitzt und zwar in den aneinandergrenzenden 
Teilen der drei Kreise Oberfranken, Mittelfranken, Oberpfalz; das andere 
liegt beim kleinen Gleichberg in Thüringen (Beltz, Latenefibeln S. 675). 

Vogelkopffibeln sind in ansehnlicher Zahl im genannten Juragebiet gefunden 
worden. Unsere Sammlung enthält mehrere und zwar aus Hügelgräbern von Hall- 
statt C bis Latene A; eine aus der gleichen Nekropole Kammerloh von Mehlis 1884 
ausgegrabene, je eine vom benachbarten Walkersbrunn und von Streitberg, zwei aus 
der Beckersloh, eine von Haghof b/Sulzbach i. O. 7374 24, eine von Unterrieden 
bei Altdorf. Verschiedene sind im Germanischen Museum, ,,Drachenförmige Fibeln" 
nennt sie der Katalog: die von Küchenhoff 1882 ausgegrabene Vogelkopffibel 5821 
(V 1705) aus der Kammerloh -), eine andere V 524 von Peuthenthal bei Sulzbach i. O., 
eine von Parsberg i. O., V. 156 und eine vom Gleichberg V. 1635. Mit der Samm- 
lung Ziegler sind 1915 weitere zwei hinzugekommen 3). Die von Mehlis aus der 
Frankenlohe bei Thalmässing beschriebene und abgebildete scheint verschollen*). 
Die Dr. Scheidemandel-Sammlung enthält gleichfalls 6 — 8 Stück aus der Oberpfalz. 
Drei andere, ausgegraben mit schönem Latene A-Flaschengefäß durch Pfarrer Herm. 
Erhard nahe Dechsendorf bei Erlangen (also außerhalb des Jura) und andere aus 
der Oberpfalz und Oberbayern befinden sich in der Münchener Staatssammlung, 
s. Reinecke Altert, uh. Vorzeit V. Nr- 322 — 325 und Beiträge z. Anthr. u. Urgesch. 
Bay. 9. Bd. S. 76 und Tafel IX 4 — 6. Eine im Museum Mainz befindliche, in den 
Altert, uns. heidn. Vorzeit 11. Bd. 4. Heft Taf. II 6 abgebildete Vogelkopffibel von 
,,Kerschbach i. O." stammt wahrscheinlich von Kersbach beim Rothenberg in Mittel- 
franken, vielleicht aus der Gemmingschen Sammlung ; ein Kersch- oder Kersbach 
gibt es nicht in der Oberpfalz. — Die Aufzählung von Vogelkopffibeln unseres Ge- 
bietes macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 

Fibeln dieser Art bilden also ein häufiges Leitmotiv unserer Hügelgräber. 
Ihre Zeitstellung ist typologisch festgelegt, sie gehören nach Reinecke, dem 
auch Beiz folgt, der Latene A an und das stimmt mit unserem oben erwähnten 
Nr. 7374 24 und den von Erhard bei Dechsendorf gefundenen Fibeln. Aber 



1) Altert, uh. Vorzeit V S. 407. 

2) Katalog d. vorgeschich. Denkmäler d. Germ. Museums S. 92 in Übereinstimmung 
mit Mehlis Beitr. z. A. U. Bay. VI S. 145. 

3) Abgebildet Altert, u. heidn. Vorzeit V Tafel 50, 890 a und b; sie befanden sich 
damals aber noch nicht, wie angegeben, im Germanischen Museum. 

4) Mehlis, Grabhügel und Verschanzungen bei Thalmässing, Arch. f. Anthropologie 
15. Bd. 1884 S. 306 Taf VI 11 12. Die damaligen Untersuchungen vom 7.— 12. Sept. 1882 
geschahen auf Kosten des Germanischen Museums, wie er S. 298 erwähnt, es sollten also 
die Funde dort sein; sie sind aber nicht mehr ausfindig zu machen. 



24 

ebenso sicher ist das gar nicht seltene Vorkommen mit Grabausstattungen 
von Hallstatt D und C. Der zeitliche Widerspruch ist nicht zu überbrücken; 
wie in so vielen anderen Fällen bliebe also auch hier nur der Ausweg 
offen, eine Nachbestattung anzunehmen. Die Bestände unserer Samm- 
lung lassen es mir jedoch längst schon angezeigt erscheinen, an eine unter- 
schiedlich lange Dauer der Hallstatt C und ihrer Gebräuche zu denken, so daß 
die altertümlichen Formen des neunten und achten Jahrhunderts in unserer 
Gegend noch im sechsten anzutreffen sind. Auch die Scherbchen 35b und 41b 
aus tiefster Stelle unter der Brandschicht weisen auf diese späte Zeit hin. Mit 
Recht sagt Götze ,,jede Gegend hat ihre eigene Entwicklung und will für sich 
betrachtet sein." 

Die einzelnen Arbeitsgebiete dürfen aber von sich aus keine kulturellen 
Ausnahmezustände konstruieren ; das letzte Wort darüber bleibt daher den Autori- 
täten überlassen, welche die großen Fundmaterialien der verschiedenen Hall- 
stattzonen zu überschauen vermögen und bearbeiten. 

Ethnographie und Ritus. 

Vergleichsmaterial. Die ritusgemäße Grabausstattung leite ich 
ab aus folgenden meiner bisher veröffentlichten Ausgrabungen: 
Hallstatt A.B Bestattung: Bettelleite 7167 Festschrift 1913 Abh. Bd. XX 

S. 121. 
Hailstatt C Bestattung: Oberreinbach 7317 ebenda S. 125; Igensdorf 

7704 S. 40 dieser Berichte. 
Leichenbrand: Igensdorf 7362 S. 30 dieser Berichte. 
Hallstatt D Bestattung: Hagenreuth 7333 Festschrift 1913 Abh. XX 

S. 136. 
Leichenbrand: Weidlach 7146 ebenda; Heiligenholz 7971 S. 64 
dieser Berichte. 
Latene A Bestattung: Stadelleite 7374 Festschrift 1913 Abh. Bd. XX 

S. 129. 
Weitere Belege vorhanden, aber noch nicht veröffentlicht. Die groben 
Züge herausgegriffen läßt sich sagen, daß infolge der Bestattungsvorgänge 
die Hallstatt-Toten bis zu G ihre keramische Ausstattung um , bei oder unter 
sich haben, diejenigen der beiden anderen Stufen über sich, wie dies 
schon in der vorausgegangenen Arbeit S. 8 uf. dargelegt ist. 

Der Vergleich ergibt für den Hügel 7361 ein Begräbnis ausschließ- 
lich nach dem Ritus der Hallstattstufe C. 

Die Grabessohle bildete eine ebene, dem Waldboden entsprechend nach 
Norden leicht einfallende Fläche. Sie trug eine zusammenhängende, un- 
gestörte Brandschicht von beiläufig 88 qm Ausdehnung, Rückstand eines 
ungeheuren Feuers, welches gebrannt hat, ehe mit der Beisetzung begonnen 
worden war; man denkt unwillkürlich an die Totenfeier für Patroklos im 



25 

23. Gesang der Ilias, welche aber einer älteren Zeit angehört. In der Brand- 
schicht fanden sich ein Scheiterhaufen, Leichenbrand und alle Gefäße. Die 
weißgebrannten Menschenknochen im Scheiterhaufen beweisen, daß ein Leich- 
nam darin verbrannt wurde; die in der Mitte des Platzes im Viereck auf- 
gestreuten mögen die übrigen Reste dieses nämlichen verbrannten Toten sein. 
Was um sie herum und in engster Verbindung damit sich vorfand, die 
Funde 36— 42, war eine in sich abgeschlossene Beisetzung nach 
dem in dieser Stufe hierfür üblichen Ritus, das heißt: das Viereck mit den 
weißgebrannten Knochen bestreute Feld, der darunter liegende Eisengegen- 
stand, die herumgestellten Gefäße und als Beweis der Fleischbeigabe ein 
Oberarmknochen vom Schaf auf dem Knochenfeld. Das ist eine häufige Form 
der Beisetzung und demgemäß ist den vermeintlichen Ansprüchen der Seele 
des Toten, wie man sieht, so genau Rechnung getragen, daß man seinen an- 
gehörigen Hinterbliebenen noch jetzt das Zeugnis für pietätvolle Beobachtung 
der Gebräuche ausstellen könnte. 

Der Scheiterhaufen pflegt sonst zu fehlen, daß er hier vorhanden war, 
ist ungewöhnlich in unseren Hügeln ; doch sind solche auch anderwärts schon 
beobachtet ^). 

Welche Bedeutung der Diele in der Brandschicht zukommt, ist un- 
geklärt; zufällig, zusammen mit anderem Brennholz, kann sie nicht hinge- 
kommen sein, denn unter ihr waren absichtlich gelegte Scherbchen eines Ge- 
fäßes, von dem weiter nichts als diese Trümmer sich im Hügel vorfanden. 

Das übrige Geschirr in der Brandschicht hielt weiten Abstand von der 
Beisetzung und den dazugehörenden Gefäßen der Mitte; seine Aufstellung 
entsprach dem gleichen Ritus in einer Form, wie er für bestattete Leichen 
üblich war. In der mächtigen Scherbengruppe 7 findet sich das ,, Büffet" 
wieder, welches aus vier großen Tonkesseln und der entsprechenden Anzahl 
Weiheschalen bezw. Schöpfbechern bestand'''); seitwärts anschließend die 
Schüssel-, Schalen-, Tellergruppen, welche vermutlich Speisen enthielten und 
auch ein Tierknochen 12 als Rest der Fleischbeigabe wurde bei der Aufdeckung 
konstatiert. Nur die Bestattung würde fehlen, wenn die drei Leichen nicht 
da wären. Da sie aber vorhanden waren, so kann sich die Ausstattung wohl 
nur auf sie beziehen. 

Der Hügel bedeckte eine bedeutende Grundfläche und diese weit über 
das Bedürfnis für eine einzelne Brandleiche hinausgehende Größe lag im Plan 



1) Olshausen Ztschr. f. Ethnologie 24 1892 S. 130; 40 1908 S. 100; der unsrige läßt 
sich danach jedenfalls als ,,Bustum" bezeichnen, als Leichenbrandstätte. In weiterem Sinn 
wird aber auch der über der Leichenasche aufgeworfene Grabhügel mit dem gleichen 
Wort benannt, dieser Sinn kann hier aber nicht unterlegt werden. 

2) Tongefäße dieser Größe und Form gelten norddeutschen Forschern als Behälter 
für Flüssigkeiten, kleine henkellose Tassen finden sich zusammen damit bis in späte 
slavische Zeit und werden als Schöpf tassen bezeichnet, wie die ,, Mischgefäße" und Schalen 
mittels deren im Süden die Trankopfer dargebracht wurden; demgemäß darf gleicher 
Zweck auch für unsere derartigen Geschirre in Anspruch genommen werden. 



26 

seiner Errichtung. Beweis: die durchgehende, völHg ungestörte Brandschicht 
von 88 qm; das wird verständHch, wenn er die Bestimmung hatte, vier 
Leichen aufzunehmen. Leider gibt es aber keine Anhaltspunkte in welcher 
Weise die Aufbahrung der Toten oberhalb der Gefäße vor sich ging, wenn 
die Leichenfeier eine gleichzeitige war. Sie lagen unter oder zwischen Steinen 
auf dem Lehm und das muß vor den Störungen des Hügels schon so gewesen 
sein; als man sie da niederlegte war demnach die untere Beisetzung bereits 
mit Steinen zugedeckt, der Lehm aufgeworfen und daraus geht hervor, 
daß der Hauptteil der Ceremonie vorüber war. Der Gefäßzahl und 
-aufstellung nach sind die Leichen also wohl in die Totenfeier mit einzubeziehen; 
aber es spielt ein Vorgang mit, der, so lange wir seine Ursache nicht kennen, 
dahin ausgelegt werden kann, als hätten sie nicht vollen Anteil an der Bei- 
setzung gehabt. Die gleichen Vorkommnisse fanden sich in früher geöffneten 
Hügeln, im Gstäudi 7507, bei Alfalter 7506, bei Münzinghof 7518, in Hügel 11, 
III, V, VI, VIII, X, XIII, XV der Beckersloh usw. Manchmal werden regel- 
rechte Steinbetten angegeben, auf denen die Toten oben liegen und sie er- 
scheinen auch in Zeichnungen, jedoch nicht nach der Natur sondern nach dem 
Gedächtnis; da hierbei leicht Selbsttäuschungen unterlaufen, ist es besser davon 
abzusehen. Man könnte versucht sein, die Pfostenlöcher in eine Verbindung 
mit dem Aufbau zu bringen; aber in den Hügelbau lassen sie sich nicht 
hineinkomponieren, ohne den vorgefundenen Verhältnissen Zwang anzutun. 
An ein Gerüst, auf welchem die Toten lagen, ist nicht wohl zu denken, dafür 
waren die Löcher zu weit von der Mitte entfernt, die Stützpunkte würden 
eine Weite bis zu zehn Metern gehabt haben. Eher ist eine Einfriedigung 
des Grabes mit Holzpfählen anzunehmen, die auch bei den nachfolgenden 
Hügeln der Kammerloh wahrscheinlicher als ein Holzgerüst ist. Nach Reinecke 
sind die Pfostenlöcher charakteristisch für die Späthallstattzeit. 

Wollte man daran festhalten, daß die Toten als Nachbestattungen in 
den Hügel gelangt sind, so müßte sich der Vorgang entweder dreimal 
wiederholt haben, oder sie wurden selbdritt auf einmal begraben; in jedem 
Fall würde der Nachweis ritueller Bestattung fehlen. Wenn auch in späterer 
Zeit, von Stufe D an, neben dem anderen ein Ritus üblich war, bei dem 
Gefäßbeigaben unter Umständen kaum mehr eine Rolle spielten, so konnten 
die Toten doch niemals formlos der Erde übergeben werden, denn erst durch 
das rituelle Begräbnis fanden sie Ruhe. Was unsere drei Toten im Leben 
an Schmuck bei sich trugen, Eisenteile, Gürtelblech, Vogelkopffibel warf die 
Störung durcheinander; sie ist aber auch möglicherweise schuld daran, daß 
die keramischen Beigaben ober den Leichen abhanden kamen und der Be- 
weis für die Nachbestattung fehlt. 

Wenn nun auch die Sache in dieser Hinsicht nicht geklärt ist, so gibt 
es doch einen unmittelbaren Beweis dafür, daß der Hügel in einem Zuge 
errichtet war: die aus den verschiedenen Teilen des Hügels oben sowohl wie 
unten vereinzelt aufgelesenen Streuscherben erwiesen sich als zusammen- 



27 

gehörend, denn sie ergaben in der Wiederherstellung das Gefäß Tafel VI II 
Abb. 12 V. Seh.; sodann ergänzten sich Scherben der Nummern 1, 2, 3, 6 
der beim „Bauopfer" am Rande der Brandschicht verwendeten Gefäße nicht 
nur unter sich, sondern auch mit solchen aus dem oberen Teil des inneren Hügels 
von 14 gleichfalls zu einem einzigen Gefäß '). Ebenso 36/22. Durch Störungen 
hätten die Scherben nicht nachträglich in dem bei Regenwetter zähen, bei 
Trockenheit steinharten Lehm verworfen werden können, wenn der große 
Hügel nicht auf einmal errichtet worden wäre. Das Streuscherbengefäß 
V. Seh. beweist zugleich auch das absichtliche Zerbrechen von Gefäßen aus 
rituellen Gründen bei Totenfeiern, ein Brauch, der früher schon erwähnt 
wurde Festschrift 1913 S. 135. Weitere Beispiele finden sich aus Schweizer 
gleichalterigen Hügeln bei Viollier, als weitverbreitete Sitte erscheint es bei 
den Griechen und einer gütigen Mitteilung Prof. Schweinfurts zufolge auch 
schon in Grabanlagen der 1. und II. ägyptischen Dynastie (Grab des Menes 
bei Tuch, Negada, ausgegraben von de Morgan, vgl. dessen Origines des 
Egyptiens); s. auch S. 72 Anm. 1), 

Es bleibt freilich noch eine andere Annahme möglich, welche die Gleich- 
zeitigkeit der vier Bestattungen erklären würde: die verbrannte Leiche könnte 
eine hervorragende Person gewesen sein, der zu Ehren man drei Menschen 
opferte. In dieser Weise hilft sich Viollier über die gleiche Schwierigkeit: 
,,Es scheint jedoch, daß hie und da der Tote, zu dessen Ehren man den 
Tumulus errichtete, verbrannt wurde und daß die beerdigten Leichname solche 
des Gefolges sind, wahrscheinlich Geopferte" ^). Das kommt zuweilen 
vor; einem zweifellosen Menschenopfer begegnen wir z. B. nebenan bei 
Igensdorf 7704, doch ist es als solches hinlänglich gekennzeichnet. Die 
Brandleiche im Hügel 7361 läßt aber weder in den umgrenzenden Gefäßen, 
noch durch ihren Mangel an Schmuck oder Waffen — ein einziges Messer 
führte sie bei sich — den Schluß zu, als hätte es sich um eine hervorragende 
Person gehandelt. Der Ausstattung nach war es ein Alltagsmensch; auch 
der geringe Umfang des Scheiterhaufens deutet nicht darauf hin, daß man 
viele Umstände gemacht hätte. Jedem Toten Menschen, noch dazu in 
größerer Zahl, mitzugeben, war aber ganz unmöglich; ,,nur ein an Wahn- 



1) Es darf hier darauf hingewiesen werden, daß nach Ausgrabungen jede Scherbe 
einzeln bei uns mit Ölfarbe nummeriert wird. Bei der Zusammensetzung werden die 
Scherben, mitunter von den verschiedenen Fundstellen des Hügels, unzähligemale an- 
einander gehalten und zusammenprobiert ; dabei kommen sie unfehlbar durcheinander. 
Bis zur Fertigstellung vergehen manchmal Jahre, da nur nebenbei, wenn die sonstigen 
Arbeiten es gestatten, Zeit dafür übrig ist. Vom fertigen Gefäß weiß nach einiger Zeit 
niemand mehr mit Sicherheit zu sagen, aus welchem Scherbenhaufen die einzelnen Scherben 
stammen, wenn sie nicht gezeichnet sind. Die Maßregel ist freilich zeitraubend und schon 
manchmal bekrittelt worden, aber wie sich hier zeigt, überwiegt der Nutzen den Nachteil. 

2) Essai sur les rites funeraires en Suisse S. 48 unten. — Eine sehr ausführlich 
beschriebene Ausgrabung eines Brandgrabes, darüber vier geopferte (?) Leichen auf einem 
Steinbett und die Abbildung dazu (mit einer Latene B-Fibel und Hallstatt C-Armspangen 
2012 und 2013) s. Bulletin de la Soc. Vaudoise des Sciences nat., Lausanne 1906, Vol. XLII 
Nr. 156 S. 170 und Tafel V, VL 



28 

sinn grenzender Aberglaube", sagt L. Wunder mit Recht, ,, könnte ein Volk 
veranlassen, sich selbst so gewaltsam zu dezimieren". Diese, freilich die 
Anschauungen der Jetztzeit unterschiebende Erwägung findet es zusagender^ 
vier gleichberechtigte Tote eher, als ein unbewiesenes, dreifaches Menschen- 
opfer für einen Toten anzunehmen. Gemeinschaftlichkeit aber bleibt immer, 
denn selbst wenn man auf Nachbestattung b.estehen wollte, läge bei dieser 
immer noch unter Umständen ein dreifaches Begräbn is vor; auch von 
Forster in seiner Arbeit über die Beckersloher Grabungen äußert sich ver- 
mutungsweise dahin, ,,daß gemeinschaftliche Bestattungen von mehreren Ver- 
storbenen stattgefunden haben". 

Eine solche Häufung ist nun allerdings nach unseren Begriffen von 
Beerdigungen auch nicht ganz regelrecht; es möge deshalb unter Beifügung 
einiger Ergänzungen zu wiederholen gestattet sein, was ich in einer Be- 
sprechung dieses Hügels im Korrespondenzblatt *) allgemein über mehrfache, 
gleichzeitige Bestattungen angeführt habe: 

,,Vier Beerdigungen auf einmal sind bei einer vermutlich nicht sehr 
zahlreichen Bevölkerung keine selbstverständliche Sache. Da sich derartige 
Fälle bei uns öfter ereignet zu haben scheinen, so müssen sie ihre Erklärung 
in den damaligen Verhältnissen finden. Man versetze sich daher in Gedanken 
in die Lage jener Leute bei eintretendem Todesfall. 

,, War .jemand gestorben, so begannen die Vorbereitungen für die Bei- 
setzung. Die Leiche konnte verbrannt oder bestattet werden; was für 
Gründe die eine oder die andere Art bestimmten, wissen wir nicht. Hoernes 
nennt die Verbrennung die unter Umständen zeitraubendere, die Beerdigung 
die raschere Prozedur ^). Das ist aber für die in Rede stehende Zeit der 
wohlgebauten Hügel nicht zutreffend ; für letztere waren die Schwierigkeiten 
der Beerdigung nicht gering und erforderten viel Zeit. Unsere Landleute, 
die bei den Ausgrabungen mithelfen und den Bau solcher Hügel zu sehen 
Gelegenheit haben, behaupten, daß man auch heutzutage unter gewöhn- 
lichen ländlichen Verhältnissen derartige Bauten während der Wintermonate, 
wenn die Erde gefroren und die Welt mit Schnee bedeckt ist, und selbst 
während des Frühjahrtauwetters nicht ausführen könne, man müsse die 
gute Jahreszeit abwarten. Das muß für damals gleichfalls als Bedingung 
angenommen werden. Die Leute von damals hatten aber noch den Eigen- 
sinn, nicht die nächstbesten Steine und nicht den nächstanstehenden Sand 
zu verwenden, sondern sie holten beides häufig voS weither. 



1) Korr. d. D. Ges. für AEU 42 1911 S. 37. 

2) Hoernes, Die Hallstattperiode. Archiv f. Anthropologie 1905 N. F. III. Bd. 
S. 250. Naue dagegen betont mit Recht die Schwierigkeiten: ,,die oft großen Grabhügel mit 
kunstreich aufgeführten Steinbauten und Steinkränzen, woran viele Menschen wochenlang 
arbeiten mußten (man vergegenwärtige sich das stete Herbeischaffen des Materials: Lehm 
und Steine, welche oft von weither geholt worden sind), können nicht für jedermann er- 
richtet worden sein", S. 175, d. Hügelgräber. 



29 

,,Es konnte daher schon eine Weile dauern, bis das Material beisammen 
war, denn auf Vorrat dürften sie es kaum zusammengetragen haben.-,' 

,,Dann konnte man mit der Beisetzung beginnen und das Totenfest an- 
setzen. Die homerischen Begräbnisfeiern, etwas älteren Datums, haben tage- 
lange Wettkämpfe und Spiele mit Preisverteilungen. Es waren große Feste 
für zahlreiche Teilnehmer. Ohne Totenfeiern ging es sicherlich auch in 
unseren Gegenden nicht ab. Hierzu aber bedurfte es der Vorräte an Lebens- 
mitteln und Getränken, die erst hergestellt werden mußten. Was die Männer 
von damals getrunken haben, weiß ich nicht; meiner Überzeugung nach war 
es kein Wasser. Man mußte also, ehe man die Totenfeier ansetzte, sich ver- 
gewissern, daß die Vorräte zur Feier und für die Wegzehrung des Toten 
reichten. Es konnte sein, daß man den Herbst abwarten mußte, bis die neue 
Ernte herein war; ja es konnten Mißernten dazwischen fallen^) und die Be- 
stattung verzögern. Dann blieb nichts übrig als zu warten, bis die Gelegen- 
heit gegeben war. Trat inzwischen noch ein oder der andere Todesfall ein, 
so mußte sich das Leichenbegängnis zu einer gemeinsamen Feier gestalten. 
In China, wo heute noch über dem Grab ein Hügel gewölbt wird, findet das 
Begräbnis vielfach erst nach Jahren statt-), sei es, daß das Geld nicht ge- 
nügt, oder sei es, daß man warten will, bis beide Eltern gestorben sind, um 
sie gemeinsam zu begraben. Der Sarg bleibt im Hause stehen; er wird mit 
Kalk verschmiert und mit Tuch gedichtet, damit man die Verwesung nicht 
merkt. Auch bei uns gibt es manchenorts in der Gegenwart noch Verhält- 
nisse, welche die Beerdigung verzögern, z. B. bei den Gebirgsbewohnern des 
Teschener Kreises: ,,da die Wege zu diesen zerstreuten Gebirgswirtschaften 
im Winter meistens des vielen Schnees wegen unwandelbar sind, so finden 
dann weder Taufen noch Begräbnisse statt, die Leichen werden auf dem Boden 
im Stroh aufbewahrt, bis die Witterung ihre Beerdigung gestattet".') Das 
war auch in anderen Gebirgsgegenden der Fall, man hob den Sarg mit dem 
Toten unterm Dach auf, bis der Schnee weg war (Deutsche Gaue Band XVIII 
1917 S. 20). Vielleicht erklären sich einzelne Fälle von anscheinender Zer- 
stückelung der Leiche aus solchen Verzögerungen der Beerdigung. Die 
Glieder mochten manchmal infolge der vorgeschrittenen Verwesung den Zu- 
sammenhang verloren haben, Leichenteile konnten durch Tiere verschleppt 
sein und ganz fehlen, bis es zur Bestattung kam. 

1) Reibmayr, Zur Entwickelungsgeschichte der indogermanischen Rasse: Es 

dürfte keine Rasse geben, wo die Peitsche der Not zuzeiten so stark fühlbar geworden ist, 
wie bei der indogermanischen, besonders durch Mißernten, die ja bei der primitiven Art 
des Ackerbaues sehr häufig sein mußten." Arch. f. Rassen- und Gesellsch. -Biologie 1910, 
Vll, S. 352. 

2) Stenz, Beiträge z. Volkskunde Südschantungs, Veröffentl. d. städt. Mus. f. 
Völkerkunde zu Leipzig I 1907 S. 98. — In Deutsch -Neuguinea vergehen zwischen Tod 
und Begräbnis manchmal 2 Jahre. Bald ist ein blutiger Streit mit Nachbardörfern im 
Weg, der nicht erlaubt ein Fest zu feiern, oder die Ernte ist nicht reif oder es war Miß- 
ernte, so daß keine Vorräte da sind, oder man wartet ab, bis die Schweine fett sind und 
dergl. Mündfiche Mitteilung von Prof. Birö Lajos-Budapest, Kgl. Ethnogr. Museum. 

3) Zeitschr. f. österr. Volkskde 18 1912 S. 185. 

2 



30 

„Es kann noch andere Veranlassung zu gleichzeitigen Bestattungen ge- 
geben haben. Darüber sich in Vermutungen zu ergehen oder nach Bei- 
spielen zu suchen ist unnütz; mir kommt es hier auch nur darauf an, die 
Schwierigkeiten und Folgen der damaligen Bestattung zu betonen." 

Man braucht die an sich untergeordnete Bedeutung der „praktischen 
Rücksichten", wie Zehetmaier in seiner Arbeit über die Leichenbergung 
bei den Griechen es nennt, nicht zu überschätzen, aber außer Acht lassen 
kann man sie auch nicht. 

Ergebnis. 

Außer der Vogelkopffibel, einigen Scherbchen und den späthallstattzeit- 
lichen Pfostenlöchern hat sich weder unter typologischen noch ethnologischen 
Gesichtspunkten in dem Hügel etwas anderes als Hallstatt C ermitteln lassen. 
Man kann die früheren Störungen teilweise dafür verantwortlich machen und 
von einer beschränkten Beobachtungsmöglichkeit in dem wichtigen oberen 
Hügelteil sprechen, wo die Bestattungen waren. Die Störungen haben aber 
nur Sachen fortgenommen, gewiß die Fibel nicht hinzugetan. Sie muß also 
doch, ebenso wie die Scherbchen, wohl schon von früher her darin gewesen 
sein. Da sich verschiedenalterige Bronzen zusammen mit anders gearteter 
Keramik und schwankenden Grabgebräuchen in anderen Hügeln der Kammer- 
loh und auch sonst finden, so kann man nicht jedesmal den Zufall einer 
Nachbestattung zu Hilfe nehmen, sondern die Erklärung ist eher in der oben 
angedeuteten Richtung einer allmälig abbröckelnden, örtlich unterschiedlich 
langen, nicht schematisch scharf begrenzten Dauer der Hallstatt C- Kultur 
zu suchen, neben welcher zunächst oasenhaft diejenige der andersgearteten 
Hallstatt D und schließlich der Latene heranwächst. Bedauerlich ist, daß 
die ungenügende Erklärung für einen ritusgemäßen Zusammenhang des Toten- 
lagers im oberen mit den Ausstattungen im unteren Teil des Hügels eine 
bessere Einsicht in die Vorgänge bei Errichtung dieses Grabdenkmales ver- 
hindert. Vielleicht bringen spätere Grabungen Klarheit; wahrscheinlicher 
kann aber auch sie erst aus einer zusammenfassenden Betrachtung der Be- 
stattungsgebräuche des gesamten Hallstattgebietes und aus ethnologischen 
Vergleichen mit angrenzenden gleichzeitigen Kulturgebieten gewonnen werden. 

Während also der typologische Befund für die Hügelerrichtung ver- 
schiedene Auslegungen und nur eine innerhalb weiter Grenzen schwankende 
Zeitschätzung zuläßt, ergibt sich auf ethnologischer Grundlage ein Ritus aus 
der Mitte bis zum Ende der Hallstattstufe C und es wäre gut, wenn 
die Typologie ein Mittel fände, sich auch ihrerseits mit diesem Resultat 
abzufinden. 

7362. 

Ausgrabung vom 5. Mai 1908. 
Tafel XI 1 bis XIV. 
Eine unscheinbare Bodenerhöhung, 22 Meter von der Mitte des großen 
Hügels 7361 nach Nordost, erwies sich als ein Grab. Oberflächenform un- 



31 



kenntlich als Hügel, offenbar vom Stöckegraben zerstört. Höhe beiläufig 
60 Zentimeter. 



3.15 e 



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St einsät ZU ng ähnlich dem vorbeschriebenen; auch hier, 3,20 m weit 
außen am Nordrand vier Steine nebeneinander im Lehm, s. Tafel XII 20. 
Steinbau über der Grabessohle ganz unregelmäßig, nachlässig, s. Tafel XI 1 18, 
stellenweise außer der unteren auch eine geringfügige obere Steinlage; s. 
Tafel XII 19. 

Erdlöcher. Drei Hohlräume in Pfahlform zwischen Nord und Süd 
in Ost, 30 bis 60 cm tief; einer in Südwest, alle außerhalb der Steinsetzung, 
2 bis 2V2 Meter von der Mitte entfernt. 

Brandschicht. Der natürlichen, leichten Bodenerhebung folgend und 
die Grabessohle bedeckend eine unberührte Brandschicht, etwa 27 qm groß, 
beiläufig 70 cm unter dem Nullmeter, eine größere Fläche einnehmend als die 

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75« 1 



Steinsetzung. In Südwest ein kleiner Fleck eingestreuter Kohlen 35 cm unter 
dem Nullmeter. 

Leichen reste. Keinerlei Skelettreste; gegen die Mitte zu in der 
Brandschicht ein annähernd viereckiges Feld, überstreut mit weißgebrannten 
Knochen, die Überreste einer verbrannten Leiche; von zwei Gruppen Ge- 
fäßen umstellt, s. Tafel XIII 21, 22. 

Keramik. Einige Scherben lagen schon vor der Grabung offen 
zu Tage. 

Wenige Streuscherben, darunter Rand- 
stück eines Stufentellers mit Teil eines Sonnen- 
ornaments in eingepreßten Rädchenstrichen, 
s. Tafel XIV oben rechts. 

1 bezw. 9 vor der Steinsetzung, s. 
Tafel XII 18, stark durchglühte, wie in Brand 
gelegene Scherben, dickwandig, semmelfarben 
mit starkem Wulstornament siehe neben- 
stehend. 

2 außerhalb der Steinsetzung Scherben, 
s. Tafel XII 19 in situ; ergaben den großen 
Topf 2 Tafel XIV Abb. 23; dünnwandiger 
Ton mit rotbraunem Überzug; unter dem Rand 
Spuren eines zentimeterbreiten Graphitstriches 
und auch sonst teilweise graphitiert. Ornamen- 
tiert mit dreimal je 2 und einmal 3 Dellen. 
Durchm. 27 cm; Randdurchm. 24 '2 cm; Bodendurchm. 12Vi cm; Höhe 15. 

Das Feld mit weißgebrannten Knochen umstanden 2 Gruppen Gefäße, s. die 
Abbildungen Tafel XI II in situ. 

Westgruppe; die wiederhergestellten- Gefäße Tafel XIV Abb. 24. 

3 Schüssel, dunkelfarben, mit Graphitüberzug innen. Durchmesser 30 cm, 
Bodendurchm. 12 ^ cm; Höhe 7I/2 cm. 

4 Schüssel, dunkelfarben, stark ergänzt. Durchm. 23J,-2 cm; Bodendurchm. 
15 cm; Höhe 6 cm. 

5 Schüssel, dunkelfarben, ergänzt. Randdurchm. 19 cm; Bodendurchm. 
12 Vs cm; Höhe 5 cm. 

6 Schüssel, dunkelfarben; Randdurchm. 22 cm,' Bodendurchm. 11 cm; 
Höhe 4 Vi cm. 

7, 8 wenige Scherben. 

15 Scherben zweier Gefäße; ein größeres, dunkelfarben, graphitiert, nicht 
wiederherstellbar; 15a Tasse; dunkelfarbig; ergänzt. Durchm. 12 'o cm; 
Höhe 5y2 cm. 

16 viele Scherben dunkelfarbener Ware, nichts davon wiederherstellbar; 
einige paßten zu der Schale 14 der nächsten Gruppe. 

Ostgruppe; die wiederhergestellten Gefäße Tafel XIV Abb. 25. 

11 Scherben zweier Gefäße ineinander: großer Topf, stark ergänzt; fein" 
tonig mit dunkelbraunem Überzug; Durchm. 26 cm; Randdurchm. 23% cm; Höhe 
11 cm. — -IIa Napf, dunkelfarben; Durchm. 11 cm; Höhe 4 cm. 

12 Topf mit Henkel, rötlich-semmelfarben von feinem Ton in Farbe und 
Form wie Fig. 15 Hügel III Beckersloh (Festschrift 1901 Tafel 28) jedoch ohne 
Ornament und ohne Ansatz zur ansa lunata; Durchm. 17%; Randdurchm. 15 cm; 
Höhe 8 cm. 



33 

13 Schöpftasse, dunkelfarben, außen Spuren von Graphit: Durchm. 13 cm 
Höhe 6 1/2 cm. 

14 Schale, dunkelfarben, innen Reste einer Graphitierung, Boden omphalos- 
artig gewölbt ; ergänzt, hierzu paßten einige Scherben der vorigen Gruppe von 16. 
Durchm. 21 !4 crn; Bodendurchm. 8V2 cm; Höhe 5'i> cm. 

17 Henkeltasse (Henkel abgebrochen) sog. weißgelbe Ware') mit Orna- 
ment in schwarzbrauner Lackfarbe (nur noch teilweise sichtbar). Durchm. 12 '/^ cm, 
Randdurchm. 11 cm, Höhe 7 cm. 

Nachdem die Scherben dieser Gefäße weggenommen waren und die 
Brandschicht entfernt wurde, kam unterhalb des Platzes der Tasse 17, 
also unterhalb der Brandschicht, das folgende Gefäß zum Vorschein: 

18 großer Topf; dünnwandiger Ton mit rotbraunem Überzug; am Rücken 
ornamentiert mit viermal je einer von eingestochenen Punkten umgebenen Delle, 
zwischen denen je vier geritzte Striche. Durchm. 29, Randd. 27, Bodend. 10, 
Höhe 14 cm. 

Sonstige Funde; nichts; auch kein unverbrannter Tierknochen. 

Zeitstellung. 

Die Keramik dieses Hügels ist der Art nach ebenso einförmig wie die- 
jenige des vorbeschriebenen, etwas mannigfaltiger aber in der Farbe; 
große, dickbauchige Tonkessel sind nicht darunter. Sie gehört der reinen 
Hallstattstufe C an, denn die sogen, weißtonigen Gefäße wie Tasse 17 sind 
bisher nur dieser Stufe zugeschrieben. Sonstige Funde waren nicht vor- 
handen; diesem zufälligen Umstand ist es zu danken, daß der Hügel chrono- 
logisch zu Zweideutigkeiten keinen Anlaß gibt. 

Ethnographie und Ritus. 

Ebenso eindeutig wie die Typologie ist der Befund in ethnogra- 
phischer Beziehung. Etwas angegriffen zwar, aber im wesentlichen unbe- 
schädigt enthielt der Hügel die Reste einer einzigen verbrannten Leiche, 
aufgestreut in annähernd viereckigem Feld neben der Mitte der Brand- 
schicht. Der sonst immer vorhandene Tierknochen als Rückstand irgend 
einer Naturalbeigabe von Schwein- oder Schaffleisch fehlte; dieser Ausfall 
tut nichts zur. Sache, denn der Tote wird zuweilen auch Fleisch ohne 
Knochen mit ins Grab bekommen haben. Das ,, Bauopfer" bei 2, die 
kleine Weihegabe bei 9 lassen den Hügelinhalt als ein abgeschlossenes Begräb- 
nis erkennen. Die vier Steine in einer Reihe am Rand dürfen auch 
hier erwähnt werden, obwohl sie vielleicht ohne oder nur von lokaler 
Bedeutung sind. 

Der Hügel kann als typisch für einen Ritus der Feuerbestattungen 
Mitte der Hallstattstufe C betrachtet werden und gilt als Beleg für 



') V. Merhart Gräber mit bemalter Keramik, Beitr. z. A. Urg. Bayerns 19. Bd. 
beschreibt S. 47 unter 29 eine Henkeltasse von Igensdorf aus unserer Sammlung; wahr- 
scheinlich ist diese gemeint, obwohl er schraffierte Dreiecke angibt. Ich finde jedoch 
keine Schraffur daran. 



34 

den auf S. 9 der vorausgegangenen Abhandlung beschriebenen einen Typus 
der Brandgräber dieser Zeit. 

Auffallend ist der Mangel an großen Tonbehältern für Flüssigkeiten, 
der sich bei Brandgräbern öfter wiederholt, also vielleicht kein Zufall ist. 
Wahrscheinlich dienten die großen Töpfe 11 und 18 diesem Zweck; im Innern 
von 11 lag der kleine Napf 11a und über 18 stand die Weiheschale 17. 
Topf 18 muß ehemals zugedeckt gewesen sein, sonst hätten die Scherben 
von 17 darinnen gelegen. Die Töpfe sind durch die Schöpftassen als Flüssig- 
keitsbehälter gekennzeichnet; es ist also auch hier eine Unterscheidung 
zwischen Speisegefäßen und Flüssigkeitsbehältern zu erbringen. Da das ,, Bau- 
opfer" 2 gleichfalls in einem solchen Topf dargebracht wurde, so wäre auch 
dies als eine Trankspende zu deuten. 



7363. 

Ausgrabung am 5. Mai 1908. 
Tafel XV Abb. 26, 27. 

Eine Bodenunebenheit mit oben aufliegenden Scherben und Steinen 
unweit des Hügels 7362 barg gleichfalls einige prähistorische Funde. Die 
Untersuchung förderte eine kleine Steinsetzung zu Tage, ganz unregelmäßig, 
s. Tafel XV 26, und Brandflecke, keine Brandschicht. Man könnte an den 
Rest eines zerstörten Hügels denken ; aber die Zerstörung müßte doch mit 
zu viel Vorsicht gearbeitet haben, und so ist es vielleicht der Wahrheit 
näher kommend, anzunehmen, daß sich hier vor, während oder nach einer 
der Beisetzungsfeiern ringsum irgend eine Sonderzeremonie abgespielt hat. 

Es ließ sich mit Hilfe von Ergänzungen die große Schüssel der Abb. 27 
Tafel XV wiederherstellen; dunkelfarben, ohne Ornament, Durchm. 36 cm; 
Bodendurchm. 11 cm; 11 cm hoch. 

Eine Anzahl Randstückchen sind in Abbildung hier wiedergegeben. Das 
wichtigste darunter ist 17, wovon vier Scherbchen vorhanden sind. Der Ton 
trägt rötlich-semmelfarbenen Überzug und ein Ornament in schwarzem Lack, 
welches fast genau dem des merkwürdigen Gefäßfragmentes von Beckersloh 
Hügel 111, 15 mit dem Ochsenkopfornament entspricht; ob auch bei diesem 




hier eine ähnliche Guirlande vorhanden war, läßt sich leider nicht sagen. 
Als weitere Übereinstimmung ist auch daran der Randansatz einer ver- 



35 

kümmerten ansa lunata-Form vorhanden. Die Beckersloh ist in der Luft- 
linie 15 Kilometer von der Kammerloh entfernt. 

Auch die Reste dieser Fundstelle gehören in die Hallstattstufe C, dem 
Schema nach und mit Vorbehalt; denn das Beckersloher völlig gleichgeartete 
Gefäß ist mit einer Paukenfibel der jüngsten Hallstattzeit, also Stufe D, 
vergesellschaftet und man kann daher das Igensdorfer Fragment und damit 
auch die Fundstelle, wenn man v/ill, in gleich späte Zeit setzen. 



Hügel 7364. 

Ausgrabung vom 6. bis 8. Mai 1908. 
Tafel XV bis XVI 1. 

Rund 100 Meter vom großen Hügel 7361 nach Ost am Weg 
zwischen den Waldteilen Kammerloh und Beckenholz war in diesem eine 
flache weitgedehnte Erhöhung des Bodens; nach lange vergeblicher Unter- 
suchung (IV2 Tage mit 8 Arbeitern) erwies sie sich schließlich als Grabstelle, 
die äußerste der Nekropole Igensdorf gegen Ost. 

Der Eigentümer, Oekonom und Gutsbesitzer Konrad Meisel in Igens- 
dorf überließ das Grabungsergebnis schenkungsweise der Naturhistorischen Ge- 
sellschaft; hierfür und für seine verständnisvolle und hingebungsvolle Mitarbeit 
an den Grabungen sei ihm auch hier Dank gesagt. 

Durchmesser beiläufig 15 Meter, Höhe etwa 1 Meter. 

Boden lehmiger Sand; Steine wenig, kleine und große wahllos verwen- 
det, über der Grabessohle liegend. Weit außen in Ost und Süd, 7 und 
8 Meter von der Beisetzung entfernt vier Erd-, bez. vermutliche Pfahllöcher. 




36 



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Brandschicht; stark, kräftig sich vom sonstigen Boden abhebend, 
aber keinen geschlossenen Brandplatz, sondern einen bandartigen Streifen 
auf der Grabessohle bildend, s. Grundriß. Diese um 50 cm tiefer als der 
umgebende jetzige Waldboden. 

Keramik. Mit einer Ausnahme ist alles dunkelfarbige, zwischen 
schwarzgrau und braungrau wechselnde Ware, außen fast ganz ohne Gra- 
phit und mit wenig Ornamenten. Die wiederhergestellten Gefäße s. 
Tafel XVII. 

Einige Streuscherben; darunter zwei eines außergewöhnlich dickwandigen 

Gefäßes mit Wulst, ornamentiert mit Fingereindrüclten. 

Nördliche Scherbengruppe; in situ s. Tafel XV Abb. 28 
und Tafel XVI Abb. 30. 

3 dünnwandiger Topf, Außenseite geglättet. Ornament: 5 mal je ein mit 
eingestochenen Punkten umgebener vertiefter Kreis. Durchm. 24 cm, Bodend. 
8 cm., Randd. 20 cm; Höhe 12 cm; s. Abbildung 32. 

4 Scherben einer großen, dickwandigen Schale, nicht wiederherstellbar. 

5 Scherben, welche mit solchen von 4 drei große Tonkessel und eine 
Schöpftasse ergaben: a Tonkessel, klotzig-dickwandig mit konischem Hals; 
Durchm. 33 cm, Randd. 21 cm, Bodend. 11 'i cm; Höhe 22 cm; s, Abbildung 
32. — b Schöpftasse mit Omphalos 18 mm Durchm.; Durchm. 10 cm, Höhe 
5 cm; s. Abbildung 32. — c Tonkessel aus dickwandig grobem Ton, mit 
steilem, auswärts gewendetem, 5 cm hohem Halskragen. Durchm. 33 'i cm, Randd. 
22'o cm, Bodend. 9'2 cm Höhe 31 cm; s. Abbildung 32. — d Tonkessel aus 
dickwandig grobem Ton mit konischem Hals, Durchm. 32 li, Randd. 21 cm, Boden- 
durchm. 1 1 cm; Höhe 32 cm; s. Abbildung 32. 

6 mit einigen Scherben von 7 Tonkessel aus dickwandigem geglätteten 
Ton, mit konischem, abgesetzten Hals, leicht graphitiert. Primitiv eingeritzte Orna- 
mente sechsmal je ein viergeteiltes Sonnenrad abwechselnd mit je einem schraffierten 
Dreieck. Durchm. 28, Randd. 19, Bodend. 11; Höhe 26; s. Abbildung 32. 

7 ergab zwei Gefäße; a Schale, sogen, weißgelbe Keramik, mit etwas nach 
außen gerichteten schmalem Steilrand, Ton innen grauschwarz, mit semmelfarbenem 
etwas ins Rötliche spielenden Überfang wie 736212. Boden ergänzt; Durchm. 17 'i, 
Randd. 16; Höhe 9'i cm; s. Abbildung 32. — b Schüssel, stark ergänzt mit 
Scherben der Fundstelle der Bronzespiralen und des Scherbchens 8 Taf. XV Abb. 29, 
unvollständig; außen geglättet. Wolfszahnornament mit eingestanzten Punktlinien; 
Durchm. 22 ' ., Bodend. 15, Höhe 8 ' o ; s. Abbildung 32. 

Südliche Scherbengruppe; in situ s. Tafel XVI Abb. 31. 
13 Schüssel aus dickwandigem Ton, innen graphitiert, etwas ergänzt. Durchm. 
32, Bodend. 11, Höhe 10; s. Abbildung 33. 



37 

14 ergab drei Gefäße in- oder übereinander: a Schüsselurne mit 2^-2 cm 
liohem Steilrand, ursprünglich vielleicht mit rötlich-semmelfarbenem Überzug, im 
Feuer stark und durchaus gerissen, dunkelfarbig angeschmaucht. Durchm. 21 '/^ 
Randd. 20, Bodend. 8 '/^; darin Erde mit kalzinierten Knochen, zugedeckt mit dem 
Stück einer flachen Schüssel, s. Abbildung 33. — b Schüssel aus dickwandigem. 
Ton, innen graphitiert ; ergänzt. Boden aufwärts gewölbt. Rand nach innen ab- 
gesetzt, 8 mm breit. Durchm. 23 '/j. Bodend. 10, Höhe 6, s. Abbildung 33. — 
c dickwandige grobe Schüssel, Oberfläche des Tones von Sprüngen und Rissen 
durchzogen; ergänzt und unvollständig. Durchm, 26, Bodend. 13; Höhe 10; s. Ab- 
bildung 33. 

15 Schüssel, ursprünglich vielleicht semmelfarben, jetzt bräunlich, Ton- 
überzug gesprungen und gerissen ; unvollständig. S. Abbildung 33. Durchm. 25, 
Bodend. 9, Höhe ? Darin Erde mit kalzinierten Knochen, u. a. ein Stückchen 
Menschenschädel. 

Leichen. Skelettreste keine. Wenn auch der Hügel sicher durch 
öftere Waldrodung gestört war, so ist doch nicht gut anzunehmen, daß er 
jemals Leichenbestattung enthielt, denn es fanden sich nicht einmal Splitter 
von Knochen; wohl aber Knochen weißgebrannt; sie lagen nicht, 
wie bei 7362, verstreut über ein viereckiges Feld, sondern füllten zusammen 
mit Erde die zwei Gefäße, von denen eines mit dem Teil einer Schüssel 
zugedeckt war 14a, 15.- Also anscheinend die Beisetzung einer oder zweier 
Brandleichen. 

Metallbeigaben; s. Tafel XV Abb. 29, mehrere Ringbruchstücke 
10 und 11, das eine 30, das andere 42 cm über der Brandschicht; sie 
gehören mindestens zwei Ringen von 3V2, bezw. 3% cm lichter Weite an, 
sind aber beide unvollständig. Die Bronze ist durch Oxydation in einen 
Körper von mehlartiger Beschaffenheit verwandelt, den eine äußere Rinde 
von gelblichgrüner Patina zusammenhält. Dereine besitzt eine walzenförmige 
Anschwellung. — Ein Stückchen Bronzedraht 11, 17 mm lang, könnte die 
abgebrochene Nadel einer Fibel sein. — Ferner 8 und 12, sieben kleine 
Bruchstücke von Bronzespiralen im Durchmesser von rund 5 mm, zusam- 
men 10 cm lang, aber nicht aneinanderpassend; ein Teil, von kleinerem 
Durchmesser, windet sich rechtsläufig, der andere von stärkerem nach links. 
Zu ihrer Herstellung ist Bronze und Eisen in bemerkenswerter Technik ver- 
wendet; der Kern oder die Seele besteht aus einem Eisen- 
draht a in Form einer Schraube, jaröäSS in die Windungen ist ein Bronze- 
draht eingehämmert 1). — Ein i_^^^^i_ 11 mm großer, flacher Bronze- 
knopf 9 mit Bruchstellen an beiden Seiten ist anscheinend 
aus einem Ring oder zwischen den Spiralen herausgebrochen. — Schließlich 
noch ein kleines Stückchen hochgewölbten Bronzebleches 12, dem ein ver- 
drücktes Hohlkügelchen von Bronze aufsitzt. Die Bronzen sind alle stark 



^-) Ingenieur O. Hartmann hatte die Güte, Versuche zur Herstellungsolcher Gewinde _ = 
zu machen. Sie kommen nicht zu stände, wenn der Eisendraht viereckigen oder runden b^^ 
Querschnitt hat; ist er aber seitlich ausgehämmert, so daß er diesen Querschnitt ,^?> 
zeigt, dann werden die Umdrehungen genau wie bei dem alten Original. 



38 

beschädigt, machen aber nicht den Eindruck, als wären sie im Feuer 
gelegen. 

Die interessanten, jedoch recht unscheinbaren- und schwer zu deutenden 
Reste lagen mit Ausnahme des 12 cm höher, im Sande steckenden Ring- 
bruchstückes 11 auf einem Stein, 98 bezw. 95 cm unter dem Nullpunkt, 
das sind 42 bezw. 45 cm über der Brandschicht, alle in nächster Nähe bei- 
sammen. Bei den Bronzespiralen lag noch das Tonscherbchen 8 mit ein- 
gepreßten Kreisen, der dritte Fund dieser Art (die beiden andern s. Fest- 
schrift 1913 S. 124). 

Typologie und Zeitstellung. 

Wie bei den meisten unserer Hügelgräber der Stufe C ist auch bei 
diesem die Frage nach der Zeit nicht einfach mit einer Jahrzahl, sondern 
nur nach verschiedenen Wenn und Aber zu beantworten. 

Der Gesamtcharakter der Keramik ist der der Hallstattstufe C; er zeigt 
aber verschiedene Schattierungen, auf welche hier nur hingewiesen werden 
soll. Bei den großen Tonkesseln ist der konische Hals in der Regel wie bei 
6 scharf vom Rücken abgesetzt und auch der obere Rand scharf ausladend. 
Die Absicht zu solcher Formengebung ist bei 5 a vorhanden, aus irgend 
welchen Gründen aber nicht bestimmt ausgesprochen. Bei 5 c und d da- 
gegen beschränken sich die Artmerkmale auf den bauchigen Teil; was den 
Halsteil anbelangt sind sie in unserer Sammlung alleinstehend. Bei 5d ist 
die äußere Linie weich und fließend, rundlich, nicht in scharf getrennten 
Absätzen nach oben steigend. Noch etwas fremdartiger ist die Gestaltung 
bei 5 c: der Hals kommt senkrecht aus dem Topf heraus und verbreitert 
sich dann nach auswärts, ähnlich wie das im Kleinen bei den Schalen der 
weißgeiben Keramik der Fall ist, z. B. hier bei 7a. Man könnte Anklänge 
an ältere Formen darin vermuten, wie sie Rademach er 's zweite Hallstatt- 
stufe vom Niederrhein führt*). Die dortigen Gefäße stehen jedoch, wie 
Re i necke betont hat, unseren Hallstatt C-Formen sehr nahe und fallen auch 
nach Rademacher zeitlich größtenteils damit zusammen; seine zweite Stufe 
reicht ihm zufolge bis zum Jahre 700, also soweit wie bei uns Stufe C; 
außerdem fehlen unseren Gefäßen die Andeutung von Riefelung und über- 
haupt alle Feinheiten des Profils der Stufe B, sowie größtenteils selbst die 
Graphitierung. 

Einen Tonkessel mit ähnlichem Halsrand wie 5d bildet Lang ab'); zu 
5 c fand sich nach langem Suchen in der Literatur eine ähnliche Form in 
der Schweiz ^), mit anderen Tonkesseln der Hallstattform und einer eisernen 



1) Rademacher, Chronologie der niederrheinischen Hallstattzeit Mannus IV 
S. 187 u. f. 

2) Jos. Lang, aus Frankens Urzeit, Würzburg 1905 Taf. V 83 und Seite 20, dort 
fälschlich unter die Bronzezeitgefäße gerechnet. 

3) Anzeiger für Schweizer Altertumskunde Band 15 1913 pl. XXV Tumulus de 
Gruningen Zürich; Nachbestattung S. 281. 



ft 



39 

Schlangenfibel zusammen. Die letztere, in Bronze auch bei uns häufig vor- 
kommend, bezeichnet die jüngere Hälfte der Stufe C und die Stufe D. Die 
helltonigen Gefäße gelten dagegen als Vertreter der älteren Hälfte, den Be- 
ginn von C; unsere Nr. 7a sollte also in dieser Vergesellschaftung fehlen, 
ebenso wie die gleiche Schale des Hügels 7361, v. Seh. Tafel VIII Abb. 12, 
wenn die Keramik dieser Art ausschließlich einen Leitwert des älteren 
Zeitabschnittes darstellen würde. 

Die Absonderlichkeiten der Tonkessel 5 a c d fallen aus dem Hallstatt- 
stil heraus, es spricht sich auch keine fertige andere Stilform darin aus, 
wohl aber die Hinneigung zu einer solchen und zwar zu Latene. Sie rund- 
weg als Entwicklungserscheinungen zu bezeichnen geht jedoch nicht an, 
denn nach allgemeiner Annahme hat bei uns im Südteil des Hallstatt- 
gebietes eine Entwicklung von Hallstattformen nach solchen der Latene 
nicht stattgefunden; die letztere trat mit einer neuen Formensprache unver- 
mittelt auf den Plan. Ist aber die Entwicklung ausgeschaltet und trotzdem 
eine Verwandtschaft vorhanden, so kann es sich nur um eine durch Neben- 
einanderleben entstandene Anpassung handeln. Keramik dieser Art wäre 
dann freilich noch jünger, als wenn eine Stufe der Entwicklung zwischen- 
geschaltet wäre, die sich in der Späthallstattzeit, in Stufe D, abgespielt 
hätte. Es erübrigt sich, weiter darauf einzugehen, aber Anlaß zu einer 
solchen Hypothese finde ich in unserer Sammlung sowohl wie anderwärts 
und sie kann sich auch auf die übrigen Ergebnisse unserer Grabungs- 
berichte stützen. 

Die Bronzereste sind zu dürftig, um die Gegenstände, denen sie ange- 
hörten, erkennen zu lassen. Das Ringbruchstück mit dem Knoten und die 
gelbgrüne Patina überhaupt deuten auf jüngste Hallstattzeit, wenn nicht auf 
Latene. Die Anwendung von Bronze und Eisen an einem und demselben 
Gegenstand ist kein ausschließliches Merkmal dieser Zeit, sondern kommt 
auch früher vor. 

Die Funde vereinigen also Eigenarten verschiedener Stufen; bei den 
Bronzen überwiegen die Merkmale jüngerer Zeit. Die Keramik läßt in 
Nebensachen, wie die spärliche Graphitanwendung und die Sonderheiten an 
den Tonkesseln eine Beeinflussung durch jüngere Stilgebräuche vermuten, 
verharrt aber im wesentlichen noch in der altertümlichen Stilrichtung der 
Hallstattstufe C (,,VoIk mit alten Hallstattsitten"). Man kommt also auf 
typologischem Weg zur selben Seite 30 ausgesprochenen Hypothese eines 
Hereinragens alter Formen in neuere Zeiten. Die Hügelerrichtung fiele 
demnach wenn nicht in die Latene-, so in die Späthallstattzeit mit ihren untersten 
Grenzen um 550 v. Chr., also in eine Zeit, zu welcher bereits eine andere 
Religionsübung und eine andere Stilart in den Nachbarschaften auzutreffen sind. 

Ethnographie und Ritus. 

Der Hügel enthielt keinerlei Skeletteile, sondern Leichenbrand, möglicher- 
weise von zwei Leichen; Gewißheit darüber besteht nicht, denn es könnte 



40 

sein, daß die weißgebrannten Knochen von nur einem Toten herrührten, 
aber in zwei Gefäße gefaßt waren. Der Vergleich mit dem Typus 7362 
ergibt teilweise Übereinstimmung, aber auch merkbare Unterschiede. 

Übereinstimmungen: eine beträchtliche Anzahl von Gefäßen; 
gruppenweise Aufstellung in einer Ebene am Grunde des Hügels; gleichartige 
Überdeckung durch die Steinlage. 

Unterschiede: dort die weißgebrannten Knochenreste in vier- 
eckigem Feld auf die Brandschicht verstreut, hier in zwei Urnen gefaßt, 
deren eine zugedeckt und in anderen Schüsseln stehend; dort die Metallbei- 
gabe unter dem Feld mit den Knochenresten, niedergelegt also gleich bei Beginn 
der Zeremonie, hier oben liegend auf den die Gefäße überdeckenden Steinen, 
also dahin gelangt erst am Ende der Zeremonie als der Hügel geschlossen 
wurde, wie dies üblich bei den Leichenfeiern der Stufe D. Dort, wie bei 
den anderen Hügeln der Kammerloh, die große geschlossene Brandschicht 
nur wenig tiefer als der umgebende Waldboden, hier in breitem, band- 
förmigen Streifen reichlich 50 cm tiefer. 

Ähnliche Übereinstimmungen und Unterschiede finden sich wieder in 
den nachfolgenden Berichten über die Hügel im Eichenloh; ihre Würdigung 
kann also mit diesen zusammen geschehen. Obwohl ein Hügel der Kammer- 
loher Nekropole hat er doch nur geringen Anteil an deren rituellen Ge- 
bräuchen. Der Gemeinschaft mit den Eichenloher Gräbern zufolge könnte 
man geneigt sein, die Insassen der dortigen Bevölkerung beizuzählen und 
das wäre vielleicht auch eine Erklärung für die hinausgeschobene Lage des 
Begräbnisses am Ostrand der übrigen Hügel. 

Hügel 7704. 

Ausgrabung vom 10. bis 13. Mai 1912. 
Mit Tafel XVIII bis XXI. 

Ungefähr in der Mitte zwischen den Hügeln 7361 und 7364 befand 
sich eine Unebenheit des Waldbodens, auf deren Oberfläche schon während 
der Grabung von 1908 vereinzelte Scherben P. 18 aufgelesen worden waren. 
Wahrscheinlich war früher Hügelgestalt vorhanden, irgend einmal hat aber 
eine Abtragung stattgefunden. Die Aussichten waren demgemäß recht un- 
günstig; doch zeigte sich bald, daß der Hügehnhalt von keinerlei tieferen 
Eingriffen betroffen worden war. 

Grab bau. Eine Lage Steine vorhanden, die Beisetzung nachlässig 
überdeckend, die Grabessohle nicht erreichend; durch vorausgegangene 
Störungen wahrscheinlich dezimiert, Tafel XVI II 34. Weit außerhalb, in 
drei Meter Abstand, ähnlich wie bei Hügel 7361 und 7362, eine Reihe 
nebeneinander liegender Steine, s. die gleiche Abbildung. Grabessohle nur 
wenig tiefer als der umgebende Waldboden. 

Erdlöcher. Pfostenlöcher von länglich rechteckigem Querschnitt 
16x12 cm, mit gerundeten Ecken, Wände vollständig glatt, jeweils 60 bis 



41 



80 cm tief in den Boden hinein zu verfolgen, 4 Stück; drei davon an der 
Südseite in Abständen von je 150 cm eine Linie bildend, im Mittel 220 cm 
vom Meßbrett entfernt. Weniger gut als solche erkennbare Pfostenlöcher 
an der Nord- und Ostseite blieben unvermessen. 

Brandschichten. Starke, zwei bis drei cm dicke Brandschicht I 
auf der Grabessohle, der natürlichen Bodenerhebung folgend von Nord nach 
Süd etwas ansteigend; ohne Inhalt. Acht cm. darüber bei II eine etwas 
schwächere, auf den Teil beschränkt, in welchem die Beerdigten ruhten; 
ebenfalls etwas ansteigend. Darin ein Teil der Gefäße und ein Bronzering- 
fragmentchen. Bei III Kohlen über den fast wagrecht geebneten Boden 
gestreut, bei 135" sich mit II vereinigend; darin der große .Scherben- 
haufen und die Leichen; Brandschicht I und einige Stellen von II dünn 
durchsetzt mit kleinen, völlig weißgebrannten Knochenstückchen. Alle drei 
Lagen, bzw. Schichten völlig ungestört. 

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A und B sind Baumstümpfe 
I — III drei Brandschichten 
übereinander; 14a und b 
Unterkiefer vom Schaf; 
6, 16,18,20, 21 das Scher- 
benlager mit den großen 

Tonkesseln und Schöpf- 
tassen ; rechts die Leichen 
14 und 15 



Leichen. Zwei Leichen nebeneinander, 14, 15, schlecht erhalten; Schädel 
zerdrückt, aber deutlich erkennbar die Gesichter einander zugekehrt, s. Ab- 



42 

bildung Tafel XIX 38. Leiche 14 besser erhalten, gestreckte Rücken- 
lage. Von Leiche 15 außer dem zerdrückten Schädel nur die linken 
Extremitäten und Stücke des rechten Ober- und Unterschenkelknochens 
erhalten; machte den Eindruck als hätte sie Seitenlage, liegend auf dem 
rechten Arm. Die Füße beider Leichen fehlten; an ihrer Stelle gehäuft größere 
Stückchen gebrannter Knochen von bräunlicher Farbe. — Leichenbrand. 
Die erwähnten weißgebrannten Knochen in Brandschicht I und 111 sind 
vielleicht tierischer Abkunft, aber die bedeckte Urne 26 b Tafel XX Abb. 40 
unter den Oberschenkeln von 15 enthielt weißgebrannte Knochen in größerer 
Zahl, einigen Schädelstückchen nach 'zu schließen, möglicherweise von einem 
Menschen. 

Metallfunde. Bei den Knochen der kleineren Leiche in Kohlen- 
chicht III fanden sich Reste eines Bronzebleches, nicht ebenliegend, sondern 
bogenförmig gekrümmt 15 a; in Brandschicht II, nahe dem Gefäß 14 c das 
Fragment eines Bronzeringchens 25. Sonst keine Metallbeigaben. 

Keramik. Viele Scherben und Gefäße, fast durchweg einfache, 
dunkeltonige Ware, anscheinend zumeist graphitiert gewesen, aber nicht viel 
mehr davon zu sehen; wenige Ornamente. Rechts der Leiche neben Kopf 
und Schulter umfangreiches Scherbenlager, bezw. Gefäße in Haufen, nicht auf 
ebenem, sondern nach der Mitte etwas eingesunkenem mit Kohle geschwän- 
gertem Boden liegend, wie in einer Mulde, an den Rändern höher. Zur 
Seite und unter den Leichen Einzelgefäße in Scherben; vergleiche Tafel XIX 
37, 38 und XX 39 in situ, Grundriß und Profil. 

Streuscherben, nicht viele, verschiedenen Gefäßen angehörend. Einige 
offen obenauf liegende 1908 während der Grabung 7362 aufgelesen P. 18; 
dazu passend Streuscherben während der Grabung außerhalb der Stein- 
deckung und zwischen dieser gefunden, hochglänzend graphitiert, ergaben zu- 
sammen das Fragment der Schale P. 18, Durchm. 17V2 cm, Tafel XX Abb. 41 ; 
zentimeterdicke Scherben eines großen Tonkessel-Gefäßes mit rundlich-S- 
förmigem Profil, hellbrauner Überzug, nach unten gerauht und gefurcht 
fanden sich sowohl als Streuscherben, dann bei 17, mit dem Schafunter- 
kiefer bei 14b und bei 20 mitten im großen Scherbenhaufen. 

Der große Scherbenhaufen ergab folgende Gefäße: einen 
Satz 3 bis d von vier großen Tonkesseln mit konischem Hals und einigen 
Weiheschalen bezw. Henkeltassen. 

a bei 18. dunkeltonig, nicht graphitiert: am Rüol^en vier Gruppen zu je 

### Punkten, mattglänzend schwarz; Durchm. 42, Bodend. 13, Höhe 35. Im 

Innern der Scherben auf dem Gefäßboden stand Henkeltasse 28; s. Tafel XX 39 

und XXI. 

b bei 21, dunkeltonig außen, innen mit dem semmelfarbenen Ton der sog. 

weißgelben Keramik überzogen und teilweise schwärzlich geschmaucht ; vom Boden 

bis zur größten Ausladung gerauht, obere Hälfte glatt mit Resten von Graphitierung ; 

am Rücken drei Gruppen zu je vier vertieften Kreisen ; Durchm. 37, Bodend. 10, 

Randd. 25, Höhe i33; s. Tafel XXI. 

c bei 20, dunkeltonig; vom Boden bis zur Mitte gerauht, obere Hälfte glatt 

und graphitiert. Durchm. 37, Bodend. 10, Randd. 21, Höhe 34; s. Tafel XXI. 



43 




d bei 20, unvollständig ; 
vom Boden bis zur Mitte ge- 
rauht, obere Hälfte glatt, in 
Metopengliederung ornamen- 
tiert in feinen Rasterlinien, 
s. nebenstehend. 

e Scherben von 18— 21: 
Schüssel, starkwandig, 
dunkeltonig, innen graphi tiert; 
Durchm. 26, Bodendurchm. 
14'/2, Höhe 752 ; s. Tafel XXI. 

f dsgl.: große Schale, sehr dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert, er- 
gänzt; Durchm. 31, Bodend. 14, Höhe 9; s. Tafel XXI. 

g dsgl.: flacher Teller, dickwandig, brauntonig, stark geschmaucht, Boden 
hochgewölbt, Durchm. 23V2, Bodend. 9, Höhe 4';; s. Tafel XXI. 

h dsgl.: Teil einer Schale, dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert, 
Boden hochgewölbt; Durchm. ca. 20, Bodend. 8, Höhe 4; s. Tafel XXI. 

i dsgl.: halber Teller, dunkeltonig, innen graphitiert gewesen, ergänzt; 
Durchm. 24, Bodend. 10, Höhe 5; s. Tafel XXI. 

k dsgl.: Henkeltasse (Weiheschale), Henkel abgebrochen, dünnwandig, 
außen und innen graphitiert, mit Omphalos, ergänzt; Durchm- 13 VL». Bodend. 4'/2, 
Höhe 5 c; s. Tafel XXI. 

I dsgl. : Teil eines Tellers, dunkeltonig, innen graphitiert, mit ein- 
gestempeltem, einfachen Sonnenornament, s. obige Textabb. rechts; Durchm. 25, 
Bodend. 14, Höhe 5. 

6a halbe Schale, brauntonig, Durchm. 17, Bodend. 9 > 2. Höhe 5; s. Tafel XXI. 

6 b Schale, sehr dickwandig, dunkeltonig, innen graphitiert gewesen, 
Boden hochgewölbt; Durchm. 22, Bodend. 13, Höhe S'/a ; s. Tafel XXI. 

Schüssel, nicht wiederherstell- 
mik, d.h. semmelfarbener Überzug, 
Rücken Ornament von schwarzen 



6 c Scherben einer 
bar, sogen, weißgelbe Kera- 
zerfressen und löcherig; am 
Lacktupfen. 

16 Scherben mehrerer 
28 Henkelt asse 




Gefäße, nicht wiederherstellbar. 
(Weiheschale), stand unter den 



Scherben und auf dem Gefäßboden des a bei 18 in situ Tafel XX Abb. 39; außen und 
innen graphitiert gewesen, mit Omphalos; Durchm. 12, Bodend. 4, Höhe 5; s. Tafel XXI. 

29 H e n ke Itasse (Weiheschale), innen und außen graphitiert gewesen, 

Henkel mit drei Rillen; in situ Tafel XX Abb. 39; Durchm. 13, Boden abgeblättert, 

Höhe 6; s. Tafel XXI. 

Außerdem viele Scherben, teils zu den aufgezählten Gefäßen gehörend, 

aber nicht unterzubringen, teils anderen Gefäßen angehörend, deren Form 

nicht feststellbar ist. 

Gefäße neben dem Unterkörper der Leichen: 

14c Schüssel, neben dem rechten Bein von 14; außen graphitiert ge- 
wesen; Durchm. 27 '/j, Randd. 21, Bodend. 10, Höhe 13V2; Tafel XX 40. 

22 Schüssel neben 15, nur teilweise wiederherstellbar, dickwandig, 
mit rötlichbraunem Tonüberzug, der graphitiert war; am Halsansatz eine bezw. 
zwei gefurchte Linien, s. Tafel XX 42, Durchm. 26 i^, Randd. 21 i'o, Höhe 6— 7 und 
verschiedene andere Scherben. 

13 ein Topfboden in Brandschicht 1. 
Gefäße unter den Leichen in situ Tafel XX 39. 



44 

19 Teller zwischen den beiden Schädeln, s. Abb 37 und 39 in situ, dickwandig, 
innen graphitiert, Durchm. 22, Bodend. 9, Höhe 6; Tafel XX 40. 

23 Schale unter dem Gesäß von 14 ; außen braungrau, innen graphitiert 
gewesen: Durchm. 27, Bodend. 9, Höhe 6 'i, Boden hoohgewölbt; Abb. 40. 

26 zwei Gefäße unter den Oberschenkeln von 15, ineinanderstehend, in situ 
Abbildung 39, rekonstruiert Profil S. 41 ; wiederhergestellt Abbildung 40. a hohe 
Schüssel, dickwandig, innen und außen braungrau; Durchm. 26, Bodend. 7 '2, Höhe 
10J4, Boden hochgewölbt. — b großer Topf, dunkeltonig, rissige Oberfläche ; Durchm. 
28';, Randdurchm. 20, Bodend. 9, Höhe 18; darinnen weißgebrannte Knochen. 

27 S ch ü SS e 1 fragment mit einigen Scherben von 18 — 21 unter der Achsel 
von 15, dunkeltonig; Durchm. 23—25, Randd. 21—23, Höhe 11; Tafel XX 40. 

Zeitstellung und Typologie. 

Unter den wenigen Bronzeresten befinden sich Teile eines Zierbleches. 
Es lag in der Nähe des Ellenbogens der seitlichen Leiche, bogenförmig ge- 
krümmt, umschloß also einen Körperteil ; am Arm kann es nicht getragen worden 
sein, denn dieser lag frei darüber; es umfaßte also wahrscheinlich den Leib 
und ist der Rest eines Gürtelbleches. Damit ist Hallstattstufe C gegeben. 
Dem entspricht auch die Keramik. Ornamente sind nur spärlich daran ver- 
treten. Eines der großen dickbauchigen Gefäße von 18 trägt ein nach Form 
und Technik nicht gerade häufiges Ornament: in Metopengliederung hängende 
Streifen, alternierend mit Wolfszahnzacken, beide Muster in Rasterlinien er- 
stellt. Dieselbe Technik wird sich bei 13 Hügel 6908 und besonders an 
einem Gefäßfragment von 5 bei 6909 in der Eichenloh wiederfinden. Graphi- 
tierung ist nicht durchweg vorhanden; Graphit-Hochglanz hat nur das Gefäß- 
fragment P18, dessen andere zugehörige Scherben z.T. freiliegend auf der 
Oberfläche des Hügels gefunden wurden. Es zeichnet sich durch das ver- 
mutlich eingepreßte Ornament und durch die Reliefwülste am Hals aus. Die 
Typologie versetzt uns in die Zeit von 850 bis 700 v. Chr. 

Ethnographie und Ritus. 

Auch bei diesem Begräbnis hat vor Beginn der Zeremonie ein großes 
Feuer auf der Grabessohle gelodert und erst nach dem Erlöschen der Glut 
kann die Beisetzung stattgefunden haben. Ein ,, Bauopfer" in Gefäßdarbietung 
wurde nicht angetroffen. Diejenige Partie der unteren Brandschicht, über 
welcher die Leichen ruhten, war mit kleinen, weißgebrannten Knochenteilchen 
gemischt, ,, gesalzen" könnte man es nennen. Dieses Bestreuen muß eine 
Handlung für sich nach dem Erlöschen des Brandes gewesen sein, denn wenn 
ein Körper im Feuer verzehrt worden wäre, so hätten die Reste gehäuft ge- 
legen; sie sind also erst nach dem Brand über die Fläche verteilt worden. 
Menschenreste braucht man nicht anzunehmen, wahrscheinlich waren es Tier- 
reste, denn nicht überall, wo weißgebrannte Knochenteile sich finden, ist auf 
eine Menschenleiche zu schließen. 

Nach dem Erlöschen der Glut wurde die mit Knochenteilchen ,, gesalzene" 
Kohlenschicht gleichmäßig mit Erde bedeckt und darüber brannte nochmals 



45 

ein Feuer, Brandschicht II. Letztere war entweder sehr ungleichmäßig oder 
absichtlich nur an einigen Stellen mit Knochenteilchen bestreut und es standen 
einige Gefäße darin, unter den Leichen. Eines, 23, unter dem Gesäß der 
Hauptleiche, zwei andere in einander, 26 etwas unterhalb des Gesäßes der 
zweiten Leiche, 27 unter den Schultern und 19 zwischen den beiden Köpfen; 
sie kamen erst nach Abheben der Leichen zum Vorschein, s. Tafel XX Abb. 39. 

Die Füße der Körper fehlten; an ihrer Stelle lagen, wie oben erwähnt, 
braun-, d. h, nicht ganz durchgebrannte Knochenteilchen. Sie sind also 
durch kein so intensives Feuer gegangen, wie die völlig weiß-, d. h. ganz 
durchgebrannten, mit denen die Brandschichten ,, gesalzen" waren. Sie können 
gleichfalls nicht wohl von einer Menschenleiche herrühren und selbst ein 
Tieropfer leuchtet an dieser Stelle nicht recht ein. Ich halte sie denn auch 
für ganz etwas anderes, nämlich für die verbrannten Füße der Leichen, 
weil sie gar so auffällig um die distalen Enden der Tibien verteilt waren. 
Es würde dies zur Voraussetzung haben, daß die Toten längere Zeit im 
Hause unbeerdigt gelegen hatten. In dieser Zwischenzeit fielen die Füße ab 
und wurden einstweilen verbrannt, die Überreste aber aufgehoben, um sie 
bei der Bestattung den Leichen hinzuzufügen'). 

In gleicher Ebene mit den Leichen, also ihnen zur Seite, lagen die 
Scherben, bezw. Gefäße 14 c und 22, auch die Schafunterkiefer 14 a, b. 
Die rechte Tibia der Leiche 14 lag bei der Auffindung über dem Gefäß 14c, 
was allenfalls den Eindruck erwecken könnte, als wäre dies gleichfalls unter 
dem Toten gestanden ; der Knochen ist aber von dem hindurchgewachsenen 
Baumstamm B offenbar neuzeitlich hinaufgeschoben; bei der Aufdeckung 
war dies ersichtlich. 

Die ausgedehnte Scherbengruppe rechts der Leichen bestand in der 
Hauptsache aus den bekannten großen dickbauchigen Tonkesseln und den 
dazu gehörenden Schöpftassen oder Weiheschalen, deren einige unversehrt in 
den großen Gefäßen standen. Hier hatte der Standplatz nicht die geneigte 
Fläche des natürlichen Bodens, wie die Grabessohle, sondern man hatte Erde 
angeworfen, um den Gefäßen einen sichereren Stand zu geben. Wie es 
scheint, mußten auch sie auf geweihtem Boden stehen und deshalb waren 
hier nochmals Kohlen mit Knochenteilchen aufgestreut worden, bevor man 
die Gefäße niedersetzte. 

Den Pfostenlöchern ist auch bei diesem Hügel keinerlei Bedeutung für 
die Aufbahrung beizumessen, sie waren zu weit außen, so daß die Spann- 
weite 7 Meter betragen hätte. Wenn man sie als die Andeutung einer Um- 
friedung betrachtet, werden sie eher verständlich. 

Besonderes Interesse verdienen die beiden Leichen. Die auf dem Rücken 
liegende war den kräftigen Extremitäten- und Schädelknochen, sowie dem 
Unterkiefer und den stark abgekauten Zähnen nach eine erwachsene Person 
in reiferen Jahren, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mann. Es war ein 

1) Über Teilverbrennung s. Olshausen Ztschr. f. Ethn. 24 S. 164 uf und meine Aus- 
führungen S. 29 unten. 

3 



46 

Langschädel mit schmalem Gesicht, kräftiger Stirnnasenwulst (Glabella) 
und tiefliegender Nasenwurzel, s. Tafel XVII I Abb. 36, wie die meisten 
Hallstattzeit-Schädel unserer Sammlung. Das Gesicht war dem Gefährten 
zugewendet. Von diesem, der zweiten Leiche, waren weniger Skeletteile 
erhalten geblieben. Es war eine kleinere Person, den nicht abgenützten 
Zähnen des abgerutschten Unterkiefers nach eine jugendliche Person von 
12—14 Jahren, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mädchen; dafür spricht 
auch das Gürtelblech, dessen Reste den Leib umschlossen. Sie lag seitlich, 
auf dem rechten Arm, Gesicht und Körper der erwachsenen Person an- 
geschmiegt. 

Dem unzweideutigen Befund nach kann hier von ,, Nachbestattung" 
nicht die Rede sein. Die Beisetzung der beiden geschah gleichzeitig und 
zwar erscheint 14, der auf dem Rücken liegende Tote, als die Hauptperson, 
die Ursache der Veranstaltung und auch die Todesursache des Mädchens. 
Denn hier handelt es sich mit jenem Grad von Wahrscheinlichkeit, den ein 
Geschehnis haben kann, dessen Augenzeugen längst verstummt sind, um nichts 
anderes, als um ein Menschenopfer. 

Nicht genug damit enthielt aber auch die bedeckte Urne unter diesem 
geopferten Wesen weißgebrannte Knochen, vermutlich die Reste eines Tier- 
opfers; aber die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß auch Mensch in 
Betracht kommen kann. Von Gelenkköpfen, Zähnen oder sonst bestimm- 
baren Teilen ist leider nichts erhalten. In die Gedankenwelt des Vor- 
geschichtsmenschen ist uns der Einblick versagt; war es ein Mensch, so 
bleibt die Deutung dieses Fundes ein Rätsel. 

Die Freilegung des Begräbnisses war am 1 1 . Mai beendet ; Sonntag den 
12. Mai konnte daher eine größere Anzahl Mitglieder der Anthropologischen 
Sektion und der Naturhistorischen Gesellschaft das Ausgrabungsresultat be- 
sichtigen und es war Gelegenheit zu einem Vortrag an Ort und Stelle ge- 
geben. Den ganzen Tag über kamen Ausflügler und Scharen von Bauers- 
leuten aus der Umgebung, denen das offensichtliche ,,Gebahren der Heiden" 
reichlichen Stoff zur Unterhaltung bot. 



Ein Vergleich mit dem in der Luftlinie 32 Kilometer entfernten Grab 7317 
bei Oberreinbach, Festschrift von 1913 S. 125 läßt die Gleichartigkeit der 
Aufbahrung und damit die gemeinsamen Grundzüge des Ritus einer gut be- 
stimmbaren Zeit erkennen, der Hallstattstufe C, 850 — 700 v. Chr. Ich leite 
aus den übereinstimmenden Zügen beider die Berechtigung ab, für die genannte 
Epoche unserer heimischen Hallstattgräber den Ritus in dieser Form 
als bindend zu erklären. Seine Merkmale sind auf S. 8 und 9 der voraus- 
gegangenen Abhandlung dargelegt, es genügt deshalb, darauf zu verweisen. 

Die Anordnung der Gefäße weicht in Einzelheiten von der Oberrein- 
bacher Bestattung ab ; bei jener standen keine Gefäße unter den Leichen. 
Es kann dies nebensächlich sein oder noch innerhalb des offen zu lassenden 



47 

.Spielraums fallen ; immerhin darf darauf hingewiesen werden, daß sich hier 
einzelne Züge des Althallstattbegräbnisses 7167 der Bettelleite wiederfinden, 
siehe Festschrift 1913 S. 121. Man vergleiche Grundriß und Profil von dort 
mit 7704; abgesehen von dem „Büffet" des letzteren ist die Verteilung der 
Gefäße bei und unter den Leichen gleicher Art: hier und dort Gefäße unter 
Hals und Schulter, unter dem Körper und greifbar zur linken Hand, ebenso 
wie die Tierknochen. Das sind vielleicht zufällige Gleichungen, können aber 
auch Anzeichen sein, daß der Hallstatt C-Ritus sich aus Althallstattgebräuchen 
entwickelt hat. Im Gegensatz dazu würde beispielsweise ein Vergleich zwischen 
Oberreinbach und der Bettelleite zwecklos sein und keine Ähnlichkeit ergeben, 
ein Zusammenhang stellt sich erst ein auf dem Umweg über Igensdorf 7704. 
Das kann man aber so deuten, daß das dem Althallstattritus entfremdete 
Oberreinbach ihm auch zeitlich weiter entrückt ist, wohingegen das zwischen 
beiden Riten vermittelnde 7704 ihm näher steht und daher zeitlich vor Ober- 
reinbach zu setzen ist. Einem Teil des Zeremoniells zufolge stellt sich dem- 
gemäß die ältere Hälfte der Hallstattstufe C bis zu ihrer 
Mitte als ethnographisches Ergebnis dieses Hügels heraus. 

Die Totenfeiern können sich nur im Einklang mit den religiösen Bräuchen 
abgespielt haben, wenn auch jeder Hügel noch so viel individuelles Gepräge 
und Sonderzüge aufweist; Varianten sind um so selbstverständlicher, je um- 
fangreicher und weitschweifiger das Zeremoniell ist. Warum sollten sie daneben 
nicht auch entwicklungsgeschichtliche Bewegungen widerspiegeln? Aus Mangel 
an Beobachtungs- und Vergleichsreihen läßt sich diese Frage weder bejahen 
noch verneinen, aber als eine — wie v. Luschan es nennt - ,, Arbeits- 
hypothese" dar<' sie immerhin aufgestellt und in Betracht gezogen werden. 

Unterrässelbach 

Waldteil Eichenloh bei Igensdorf. 

Frühere Grabungen; am 9. und 13. August 1883. Ausgrabung eines Hügels 
durch den Historischen Verein zu Bayreuth. Dort befinden sich auch die Funde. — 
5. und 6. Okt. 1888 durch die anthropologische Sektion, Dr. Baumüller und J. Wunder. 

Literatur: Dr. Schmidt, Grabungsbericht; Lehrer Räbel dsgl., beide im 
Jahresbericht für das Jahr 1883 im Archiv für Geschichte und Altertumskunde von 
Oberfranken XV. Bd. 3. Heft S. 270 uf. 




Nr. 7375. Einzelfund W m Latene A-Ring 

Vom Anger vor dem '^^^ H Geschenk von Konrad 

Eichenloh. - ^ft ^B Meisel. 



3* 



48 

Einen Kilonneter südöstlich von Igensdorf, in einer, der Kammerloh 
entgegengesetzten Richtung, liegt eine andere zur Gemeinde Unterrüsselbach 
gehörende Nekropole im Waldteil Eichenloh. Nach den Vermessungen 
J. Wunders zählt sie 21 Hügel (nach Dr. Schmidt 10—11, nach Räbel 13, 
nach neuerer Untersuchung 28), von denen im Jahre 1905 einige holzfrei ge- 
worden waren. Der Kgl. Postexpeditor Joh. Friedrich, damals in Igens- 
dorf, erwirkte vom Besitzer Ökonom Stadelmann in Unterrüsselbach für 
die Naturhistorische Gesellschaft die Erlaubnis zur Ausgrabung und Justin 
Wunder führte sie vom 17. bis 19. April 1905 aus. Es war seine letzte 
Grabung für die Anthropologische Sektion, denn bald darauf verließ er Nürn- 
berg, um in Odessa eine Ultramarinfabrik einzurichten und zu. leiten. Da 
auch seinen Sohn und ebenso eifrigen Prähistoriker Ludwig Wunder die 
Lehrtätigkeit zur selben Zeit der Heimat entführte, so bildete die Grabung 
den Abschluß eines langen, für die Geschichte der Anthropologischen Sektion 
als ,, Epoche Wunder" wichtigen Zeitraumes. Einige Worte über den Prä- 
historiker Justin Wunder dürften daher erwünscht sein. 

Chemiker Justin Wunder war einer der Mitbegründer der Anthro- 
pologischen Sektion im Jahre 1882. Die Arbeiten im Feld wurden in den 
Erstlingsjahren voll regen Eifers zumeist gemeinsam unternommen und durch- 
geführt; als aber im Lauf der Jahre einer der Mitarbeiter nach dem andern, 
Dr. Hagen, Einstein, Prof. Spieß, Dr. Baumüller, den Spaten aus der Hand 
legten und selber in den Hügel gingen, blieben ihm und seinen heranwachsenden 
Söhnen die Grabungen der Sektion mehr und mehr allein überlassen, obgleich 
Mitglieder immerzu zur Teilnahme sich einfanden. Er hatte bald erkannt, 
daß das anfänglich ausschließlich auf Funde, womöglich Bronzen, gerichtete 
Bestreben den Zielen der Forschung abträglich war: nicht der Funde wegen, 
sondern um den sonstigen Rätseln der vorgeschichtlichen Hinterlassenschaften 
in den Hügeln nachzuspüren, sollte gegraben werden. Als Mittel hierfür 
galten ihm exakte Messungen und Erstellung genauer Fundberichte, nach 
denen es, wenn nötig, möglich sein sollte, den Hügelinhalt jederzeit wieder 
so aufzustellen, wie er an Ort und Stelle verteilt war. Jede Vernachlässigung 
dieser Prinzipien erschienen ihm, wie Ludwig Wunder es auch einmal in 
einem Vortrag ausführte, als Gräberschändung und Leichenraub. 

Nach mannigfachen Versuchen war er zur Überzeugung gelangt, daß die 
Ausgrabung unserer komplizierten Hügelgräber am erfolgreichsten nach dem 
System Cohausen — Abgraben von außen nach der Mitte in konzentrischen 
Kreisen — sich bewerkstelligen ließ, wußte es aber, unterstützt von seinem 
Sohn, erheblich zu verbessern, indem er ein Winkelmaßbrett mit einer Kreis- 
einteilung von 360 " hinzufügte, welches an der höchsten Stelle des Hügels 
nach dem Kompaß orientiert wurde und von wo aus mit dem Bandmaß nach 
allen Seiten die Längenmaße abgenommen werden konnten, siehe den Ab- 
schnitt ,,Die Methoden der Grabung" von Ldg. Wunder in der Festschrift 
von 1901 S. 248. Im Großen und Ganzen hat sich das System bewährt; es 



49 

hatte aber den Nachteil, daß zur Abnahme des Tiefenmaßes die Hügelober- 
fläche benötigt war, die selbstverständlich mit fortschreitender Arbeit ver- 
schwindet. Das Situsbild konnte daher erst zu Hause nach dem Grund- 
riß und den bei aller Fülle doch manchmal unzureichenden Maßen gewonnen 
werden. Allenfallsige Zweifel ließen sich also nicht gleich an Ort und Stelle 
an Hand des Befundes beheben. Seither haben wir das Bandmaß durch eine 
feste, zusammenlegbare Stange ersetzt, welche bei jeder Messung mit der 
Wasserwage in die Ebene des Winkelbrettes, des Nullmeters, gebracht wird; 
jede hieran abgenommene Tiefenmessung zeigt somit den direkten Höhen- 
unterschied zwischen der Lagerung des Gegenstandes und dem Nullmeter an 
und macht unabhängig von der Hügeloberfläche, welche daher auch schichten- 
weise abgetragen werden kann. Doch bedingt beinahe jeder Hügel Modifi- 
kationen der Grabungsmethode. Dieses unser verbessertes Grabungssystem 
samt der vorgedruckten Hilfsformulare hat auch das Kgl. Generalkonservatorium 
sich zu eigen gemacht und es würde dem Dahingegangenen sicher eine große 
Genugtuung sein, wenn er hätte erleben dürfen, daß seine ,,Cohausensche 
Methode" zu solchen Ehren gelangt ist. 

Der beendeten Grabung folgte zu Hause die mühselige Bearbeitung des 
gewonnenen Materiales, das Reinigen der oft umfangreichen Scherbenmassen 
und ihre Wiederherstellung zu Gefäßen, eine Arbeit, an der die gesamte 
Familie teilnahm; dann die Anfertigung des Protokolles mit Profilen und 
Grundrissen, mit den Zeichnungen der Gefäße und ihrer abgerollten Ornamente. 
Den Abschluß bildeten Vorträge in der Muttergesellschaft, welche die Funde 
entgegennahmt und in der Sektion, wobei es oft zu lebhaftem und anregendem 
Meinungsaustausch kam, bei dem Wunder, wenn es galt, seinen Mann zu 
stehen wußte. Als Pfleger der prähistorischen Sammlung hatte er die Funde 
auch aufzustellen. Das war in dem raumbeschränkten alten Haus der Schild- 
gasse manchmal schwieriger noch als das Zusammensetzen der Gefäße und 
hielt dauernd in Aufregung. Denn war wirklich ein Platz gefunden, dann 
stach der dem Pfleger einer anderen Abteilung so lange in die Augen, bis es 
zu Auseinandersetzungen kam und nicht selten mußte Wunder mit den 
Töpfen, die bei Vielen so gar nichts Naturhistorisches an sich hatten, wandern, 
bis er endlich in einem kellerartigen Gewölbe im Hinterhause landete, das 
zwar nur ein Hohn auf einen Sammlungsraum war, das ihm aber vollkommen 
feuersicher schien. Es wäre zur Not auch bombensicher gewesen, wenn man 
sich damals schon und in der glücklichen Friedenszeit Schutz vor feindlichen 
Fliegern hätte denken können. 

In langen Jahren hat J. Wunder der Naturhistorischen Gesellschaft 
eine umfangreiche prähistorische Sammlung in selbstlosester Aufopferung er- 
arbeitet, was um so höher einzuschätzen ist, als die kleinlichen Verhältnisse 
von früher jeder werktätigen Arbeit abhold waren und Gesellschaft wie Sektion 
stets mit finanziellen Schwierigkeiten rechnen mußten; sich regen bringt zwar 
Segen, kostet aber immer auch einiges Geld. 



50 

Von 1896 bis 1897 leitete J. Wunder als Obmann die Geschäfte der 
Anthropologischen Sektion, wofür seine mit der Prähistorie verwachsene mar- 
kante Persönlichkeit wohl geeignet war, doch bildete es mehr eine Last für 
ihn als ein Vergnügen. Seine ganze Arbeitskraft gehörte der Tätigkeit im 
Feld und jahraus, jahrein durchzog er, das Urbild eines Lokalforschers, in 
freien Stunden die Gegend, inventarisierte Hügelgruppen und Verschanzungen, 
suchte neue zu finden und fruchtbringende Beziehungen mit den Besitzern 
anzuknüpfen, die ihm bei seinem liebenswürdig-bescheidenen Wesen gerne 
Entgegenkommen bewiesen. Mehr als in der Stadt haben seine Verbindungen 
auf dem Lande die prähistorischen Bestrebungen volkstümlich gemacht. 
Sektion und Gesellschaft waren ihm gleicherweise zu Dank verpflichtet und 
ernannten ihn daher auch zum Ehrenmitglied; sein Andenken ist für immer 
mit unserer prähistorischen Sammlung eng verknüpft. ^ Veröffentlicht hat er 
wenig und nur in den Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft 
(XI. Band). Mit seinem Wegzug von Nürnberg endete auch seine Tätigkeit 
auf dem Gebiete der Vorgeschichte. Als Fabrikdirektor in Niederösterreich 
beschloß er 1910 sein arbeitsreiches Leben im Alter von 73 Jahren. 

Hügel XII; 6908. 

Ausgrabungvom 17. bis 19. April 1905. 
Mit Tafel XXI 1. 

Auszug aus Wunders Protokoll. 

,,Die Hügel der Eichenloh haben fast alle in der Mitte oben Vertiefungen; 
das kommt meistens daher, daß die Besitzer Steine zum Wegebau heraus- 
holen, wobei dann freilich auch manchmal Scherben und Bronzen mit heraus- 
kommen. Nur in seltenen Fällen wurde ein Hügel der Bronzen wegen an- 
gegraben, so Hügel XVII von einem früheren Bahnexpeditor. Auch unser 
Hügel XII hatte oben eine Vertiefung vom Steinherausholen. Man mußte 
daher das Winkelbrett, damit es auf die höchste Höhe des Hügels kam, etwas 
außerhalb der Mitte setzen, die ungefähr bei 240" war, 180 cm von der Mitte 
des Winkelbretts." 

Grab bau. ,,Der Durchmesser des Hügels betrug ungefähr 12,3 m, 
die Höhe über der Bodenfläche ungefähr 1 m. Auf der südwestlichen Seite 
von 196" bis 238", 7,5 bis 8,2 m von der Brettmitte, 1,4 unter dem höchsten 
Punkt waren Steine, teils nach dem Umfange gestellt, teils liegend, wie ein 
Steinkranz; er setzte sich aber nicht weiter fort." Nach dem Wunder 'sehen 
Profil lagen die wenigen Steine in und unter der Grabessohle 

Brandschicht. ,,Bei 148", 6,2 m vom Brett, 0,4 m tief unter der 
Oberfläche war ein Brandplatz mit Holzkohlen, etwa 0,5 m breit allseitig von 
Lehm umgeben." An anderen Stellen Kohle in kleinen Stückchen. Eine 
durchgehende Brandschicht war nicht vorhanden, insbesondere nicht in der etwa 
0,5 m unter der Oberfläche des umgebenden Waldbodens liegenden Grabessohle. 



51 



Leichen. Menschliche Skelettreste fanden sich im Südwestteil des 
Hügels; sie tragen die Nummern 2, 6, 11, 12 und lagen in verschiedenen 
Tiefen zwischen 30 bis 80 Centim. unter der Hügeloberfläche. „Es wurde 
über den Knochen sorgfältig abgedeckt, aber nur durcheinander geworfene 
Knochen gefunden." Den spärlichen Resten nach kann es sich um nur eine 
bestattete Leiche gehandelt haben. Kalzinierte Knochen gibt Wunder an bei 

4 mit Kohlenteilchen 110 cm unter der Oberfläche des Hügels, bei 8/9 und 
13 zusammen mit Scherben, bezw. mit Gefäßen. Er pflegte die kalzinierten 
Knochen, wenn sie vereinzelt vorkamen, gleichfalls zu numerieren und auf- 
zubewahren. Es sind aber trotz der vier Fundstellen nur etliche 4 oder 

5 Stückchen insgesamt vorhanden. 

Metall- und sonstige Funde: keine. 




16 



;i8 



* 

MiHc d 
Mcssbreitcs 






&908 




0906 



5kflctt eingezeichnet nacl\ dea KnocViennieif^en des ProtoKolIcs 



Keramik. Die Scherbenfunde Nr. 1, 3, 7, 10, weit verstreut, sind 
nur vereinzelte kleine Streuscherben und bleiben somit außer Betracht. 
Keramisches Material, welches als Bestandteil der Aufbahrung zu betrachten 
ist, bilden die No. 5, 8/9, 11 — 19. Sie sind im folgenden 'nach dem Protokoll 
und mit ergänzender Beschreibung nach dem vorhandenen Material aufgezählt. 



52 " 



Nr. 



Grad 



Tiefe unter 

der 
Oberfläche 



Entfernung 




5 234 0,3 2,8 m Einziges Bruch- 

stück eines 
großen Gefäßes, 
fast 1 cm dick- 
wandig, dunkel- 
farbig mit ge- 
rauhter Ober- 
fläche, nicht 
graphitiert, hart 
und scharf ge- 
brannt, mit Re- 
liefornament am 
Hals s. nebenste- 
hend. Einige un- 
bedeutende an- 
dere Scherbohen. 

8/9 236 — 243 1,0 2,8 — 2,95 m Scherben mit einem kleinen kalzinierten Knochen; 

das wiederhergestellte Gefäß siehe Tafel XXII 
Abb. 44, stark ergänzt. Dickwandig, dunkeltonig, 
außen graphitiert, rundlicher Stand ohne abgesetzten 
Boden. Durchm. 25 cm, Randdurchm. 21 cm, 
Höhe 13 cm; etwa achtmal je 2 Teilen dicht unter 
dem Steilrand. Ein dabei gefundener kleiner Henkel 
hat wohl dazu gehört. — Einige Scherben, welche 
zu Nr. 13 passen. 
2,75 m Sechs Scherbchen, eines mit viel Glimmer; ein 
anderes mit eingepreßten, weißeingelassenen Punkt- 
reihen wie V. Seh. Tafel XIV Abb. 23. 
2,5 m Scherben verschiedener Gefäße, im ganzen wenig, 
ein hellfarbiger, ein dunkeltoniger und ein desgl. 
mit eingepreßten weißeingelassenen Punktreihen wie 
11; dazu einige Scherben passend zu 13 und 19. 

,05 1,05 m Scherben mit einem kleinen kalzinierten Knochen; 

aus den Scherben konnte eine Schale, die zu ^ 3 
ergänzt ist, wiederhergestellt werden s. Tafel XXII 
Abb. 44; dunkeltonig, innen graphitiert; Durchm. 
17'/2 cm, Höhe 5 cm. Da2u paßten Scherben 
von 8/9. 

Einige Scherben einer großen dunkelfarbigen 
Schale mit Rasterlinien-Ornament; einige Scherben 
passend zu 12. 
14 265 0,9 2,6 m Scherben von drei roten Gefäßen: eine Fußschale 

mit lebhaft rotem Ton überfangen , starkwandig, 
Fuß massiv, 5V2 cm hoch , Standfläche 8 cm 
Durchm. etwas nach oben gewölbt ; Gesamthöhe 
972 cm, Schalendurchm. 15 cm, nicht ornamentiert, 
s. Tafel XXll Abb. 44. — Topf von gleicher Farbe 
mit Omphalos, Durchm. 14 bezw. 16 cm, Höhe 8 cm, 
s. ebenda, — einige Scherbchen einer kleinen roten, 
dünnwandigen Tasse, s. auch 19 e. 



11 



12 



13 



260 



246 



243 



0,8 



0,8 



53 



Tiefe unter 



Nr. 



15 



Grad 



249 



der 
Oberfläche 

0,9 m 



16-19 von 212 0,85 bis 
bis 281 1,3 m 



Entfernung 



2,3 m 



1,3 bis 
1,7 m 



Schöpftasse aus rotem Ton, außen etwas gra- 
phitiert, graphit-gestrichener Rand? Durchm. 10 cm, 
Randd. 9 cm, Bodend. 3 cm, Höhe 5V2 cm Tafel 
XXII Abb. 44. 

Scherben verschiedener Gefäße, die roten lagen 
obenauf, die schwarzen darunter, nicht wiederher- 
stellbar : 

a) eine große rote Stufenschüssel, Bodend: 9 cm, 
dickwandig, mit Graphit ornamentiert. Zeich- 
nung nach J. Wunder; s. Text-Abb. bei 5. 

b) großes Gefäß mit konischem Hals (Tonkessel) 
s. Tafel XXII Abb. 44, Zeichnung nach J. 
Wunder. 

c) halbe Schüssel mit viel Ergänzung, rötlich- 
braun, dickwandig, innen und außen graphi- 
tiert ; innenseitig Rasterlinien erkennbar ; s. 
Tafel XXII Abb. 44. 

d) dunkeltonige Scherben von drei oder viererlei 
Gefäßen, nichts davon wiederherstellbar. Da- 
zu passend einige Scherben von 12. 

e) Scherben eines kleinen, dünnwandigen roten 
Täßchens, nicht wiederherstellbar. 



Ungeachtet der verhältnismäßig wenigen Kohlen und Brandflecken nimmt 
Wunder an, daß außer der Leichenbestattung auch Leichenbrand stattgefunden 
habe. ,,Die sehr vielen Gefäße und Urnen in der Tiefe im Bereiche des 
Leichenbrandes lassen darauf schließen, daß sehr viele Leichen verbrannt 
worden sind. Trotzdem sind nur ganz wenige kalzinierte Knöchelchen übrig 
geblieben". Die an vier weit auseinander liegenden Stellen gefundenen weiß- 
gebrannten Knöchelchen erlauben jedoch keinen so weitgehenden Schluß; man 
kann daraus nicht einmal auf eine verbrannte Leiche mit Sicherheit schließen. 
Es könnte sich möglicherweise auch um Reste verbrannter Fleischstücke 
von Tieren handeln, um so eher, als irgendwelche Fleischbeigaben in 
Knochenresten nicht gefunden wurden. 

Mit Sicherheit handelt es sich also um nur eine Bestattung, aber es 
kann sein, daß auch eine Brandleiche beigesetzt war.- Nach der W u n d er 'sehen 
Auffassung gehören die Leichenbrände einer früheren Zeit, die Skeletteile einer 
Nachbestattung an. Da leider keinerlei Situsbild existiert und bei dem 
früheren Grabungsverfahren auch keines genommen werden konnte, so kommt 
es nur darauf an, ob man Gefäße und Leiche als zusammengehörig oder als 
einander fremd betrachtet. 

Merkmale der Aufbahrung und Ausstattung der Leiche, wie sie nach 
den gegebenen Maßen der Knochenreste von mir in das Wunder' sehe 
Profil eingezeichnet werden konnten, scheinen mir eine Nachbestattung 



54 

vollständig auszuschließen. Die tieferen Skeletteile lagen nicht erheblich 
höher als die Gefäße; was weiter oben lag, war bei einer früheren Zerstörung 
des Hügels dahin gelangt. Alles spricht dafür, daß die Leiche wie üblich 
über Gefäßen und neben Gefäßgruppen, welche zum Leichenbegängnis ge- 
hörten, beigesetzt worden ist. Es müßte doch ein eigentümlicher Zufall ge- 
wesen sein, wenn eine spätere Nachbestattung in dem 13 Meter großen, 
sonst leeren Hügel gerade die Ruhestätte eines vorausgegangenen Toten so 
belegt und ihre Gefäße so unter die seinen gemischt hätte, daß alles zusammen 
als ein Begräbnis erscheint. 

Hügel XIV; 6909. 

Den nächsten, nahezu holzfreien Hügel überließ der Besitzer Herr 
Fahrer von Unterrüsselbach in dankenswerter Weise zur Ausgrabung. ,,Es 
war von drei auf der südwestlichen Seite der Gruppe nebeneinander gelegenen 
Hügeln der mittelste. Eine geometrische Markung auf dem Hügel mußte 
geschont werden. Auch dieser Hügel hatte ein angegrabenes Loch und die 
herausgenommenen Steine lagen noch neben daran". 

Grab bau. ,,Der Hügel hatte ca. 9 m Durchmesser und im Westen 
0,55 m Höhe. Er wurde wieder nach Cohausen abgegraben in vertikalen 
Abstichen von außen nach innen und die Lage der Funde nach der Ent- 
fernung von der Mitte, dem Winkel mit der Nordrichtung und der Tiefe 
unter der Hügeloberfläche bestimmt." Steine verzeichnet Wunder im Proto- 
koll und gibt sie auch im Grundriß an, s. diesen. Es ist daraus ersichtlich, 
daß es sich nicht um einen richtigen Steinbau handeln kann. Die Zerstörung 
wird hieran nicht die alleinige Ursache gewesen sein, es waren eben von An- 
fang an nur hingewälzte oder hineingepflanzte Steine, nicht aber die sonst 
übliche Steinsetzung vorhanden. Die Grabessohle lag ca. 35 cm unter dem 
gewachsenen Boden und es steckten nach dem Wunder 'sehen Profil einzelne 
Steine darin. 

Brandschicht. Hierüber sagt W u n d e r : ,,Die Brandschichten 
waren nicht so stark wie in Hügel XII". Da dort nur einzelne Brandflecke 
angetroffen wurden, so ist auch hier das Vorhandensein einer durchgehenden 
Brandschicht zu verneinen. 

Leichen. Ausdrücklich betont Wunder, daß nur wenige Knochen 
zerstreut im Hügel gefunden wurden; kalzinierte Knochen fehlten vollständig, 
es kann sich also in diesem Hügel sicherlich nur um Bestattung gehandelt 
haben. 

Metall- und andere Funde. 
Bei 260«, 50 cm von der Mitte, 75 cm tief 
eine Armspange von Bronze 8, massiv, mit 
schöner, ins Dunkelgrüne fallender Patina, 
geöffnet, mit kräftig -klobigen Enden, 6V2 
x5 cm lichter Weite, an der Außenseite ge- 




55 

riefelt mit abwechselnd breiten und schmalen stark erhobenen Wülsten. Die 
Innenseite ist glatt. 

Von sonstigen Funden nichts. 



3WJ 




Joo° Crundrii,!? A- 

nach Just Wunder 



290? 

270'? West 



• 8 





jkelftt ein^pzeichnet nach finfm 7v\a>»-kstfi 

Knochenmafi (l?s PcotoKollei 

oücl 



120° 




<90° ,80° <7o 



bQoc^ 




Profil zwischen 212 u 25° 



Keramik. Große Stücke dickwandiger, bauchiger Gefäße (Tonkessel), 
viele Scherben fast bei jeder Fundnummer, trotzdem Wiederherstellungen 
nur zum kleinen Teil möglich, da das meiste durch vorausgegangene Grabungen 
oder Rodungen zerstört und vertragen war. Einige kleine Unstimmigkeiten 
in den Scherbennummern mögen daher rühren, daß Wunder selbst nicht 
mehr Gelegenheit hatte zur Ordnung und Durchsicht des Materiales. 



56 



Nr. 



Grad 



Tiefe unter 

der 
Oberfläche 

0,7 m 



Entfernung 

von der Mitte 

1,4 m 




144 0,7 m 1,4 m Scherben; — ' großes, schwarzes Gefäß mit konischem 

Hals, Tonkessel, runde Eindrücke am Rücken; 
dickwandig, rauh, ohne Zeichen von Graphit; 
große Stücke vorhanden, aber Form unklar; s. 
Tafel XXII Abb. 45 nach der Zeichnung Wunders; 
hiervon Scherben auch bei 3 '. 

— ^ Henkeltopf (Henkel abgebrochen und fehlend) ; 

rotbraun, stark ergänzt. Durchm. 14, Rand- 
durchm. IG'., cm, Bodendurchm. SU cm, Höhe 
9 cm, s. Tafel XXII Abb. 45. 
41 0,75 m 1,3 m Scherben verschiedener Gefäße: 

— 1 schwarzer, dickbauchiger Ton kes sei mit abge- 

schrägtem Konushals; Form unkenntlich, [nicht 
abgebildet. 

— ^schwarze, innen graphitierte Schüssel, oben 

und am Bauch 29 cm 
weit; dazu passend 

auch Scherben von 3. " .^^g?-- 

Textabb. nach der Zeichnung Wunders. 
- -'• Seh üsse I ; untere Hälfte fehlt, Oberteil stark 
ergänzt; dunkeltonig, ohne Graphit. Am Rand 
sattelförmiger Ansatz in Form einer verkümmerten 
Ansa lunata, Wolfszahn-Ornament mit Schach- 
brettmuster und Strichreihen in Rädchen-Punk- 
tierung gefüllt; an der Spitze unten jeweils fünf 
kleine eingestochene Tupfen. Durchm. 23 cm, 
s. Tafel XXII Abb. 45. 

— 5 Fragment einer kleinen, schwarzgraphitierten 

Schöpf- -jteiii-jjpii^^ t a s s e ; Räd- 
chen-punk- 'Sj^s^-<s^i^ir tiertes Orna- 
ment. "'<«o9?f S. Textabb. 

160 0,8 m 1,3 m Scherben, zum Teil auf Steinen liegend, die dick- 

wandigen obenauf. 

— 1 Scherben, zum Tonkessel 1 ' gehörend. 

— ^ Scherben einer braunen, gebauchten Seh üss el , 

25 cm weit; nicht ab- 
gebildet. 

— ^ S t u fe nsch ale, rot- 

braun, innen mit Gra- 
phit überzogen. Son- 
nenornament mit dem 
Rädchen aufgetragen. 
Durchm. 27 cm, Boden- 
durchm. 10 cm, Höhe 
7cm; Abbildung neben- 
stehend u.Taf.XXI145. 
10bis350 0,9bislm 1,3 bis 1,1m — »-* Scherben mehrerer 

Gefäße, darunter ein Ton kes sei 

wandig, nach unten gerauht, nicht graphitert; 

nicht abgebildet. 





SiC 




groß, dick- 



57 



Grad 



Tiefe unter 

der] 
Oberfläche ^o" '^" Mitte 



Entfernung 



45 Schöpftasse mit Henkel 
und Ornament s. nebenst. 

— * Scherbenieines kleinen, roten, 
dünnwandigen Schälchens 
mit Omphalos, 9—10 cm Durchm., 
XXll 45. 




230 



0,8 m 



1 ,7 m Scherben : 

— >ein pi toi- 
a r t i g e s 
Gefäß, 
schwarz- 
grau, dick- 
wandig, 
nach un- 
ten ge- 
rauhte 
Ober- 
fläche, ge- 
gen den 
Hals zu 
glatt; 



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obere Weite 33 cm, Bauchweite 44 cm, s. Zeich- 
nung. 

— --* eine Anzahl unbedeutender Scherbchen. 

— ä große Schale oder Seh üs se 1 mit abgesetztem 

Rand, zur Hälfte 
wiederhergestellt ; 
rotbraun, stark - 
wandig, innen gra- 
phitiert, Durchm. 
30 cm, Bodend. 

1 1 cm, Höhe 6 'i cm; 
mit Sonnenornament 
in Rasterlinien 

(wenig sichtbar), s. 
Textabb. nach Zeich- 
nung Wunder's. 





:^^<^. 




125 



0,8 m 



0,9 m 



Gqoq 



„Scherben eines großen bemalten Konushals-Gefäßes, 
Tonkessel. Die Bemalung ist weiß, größtenteils 
abgescheuert und scheint Ölfarbe gewesen zu 
sein"; Tafel XXII Abb. 45 Mitte nach der 
Zeichnung Wunders. Daneben links dasselbe Ge- 
fäß, zum Teil wiederhergestellt; das Ornament 
ist hier nicht sichtbar, wohl aber auf Scherben, 
die nicht unterzubringen waren. Graphitiert. 
Durchm. 45 cm, Randd. 31 V^ cm, Bodend. 13 cm, 
Höhe 40 cm. 



58 

Bemerkungen. 

Wunder hebt hervor, daß von menschlichen Resten nur wenige Knochen 
gefunden wurden, sagt dann aber weiterhin: ,,Die vielen Gefäße, mehr als 22, 
lassen vermuten, daß auch viele Bestattungen stattgefunden haben, die 
Knochen sind eben durch Verwitterung zerstört". Diese Bemerkung wird 
verständlich, wenn man den Standpunkt Wunders über die Bedeutung der 
nordbayerischen Hügelgräber würdigt. Die Erfahrung, daß in einem Hügel 
zuweilen eine größere Anzahl Skelette und Leichenbrand gefunden wurden, 
die zeitlich nicht zusammen gehören (Mühlanger, Labersricht) hatten Just, und 
L. Wunder zu der Überzeugung geführt, ,,daß jeder Hügel als ein ganzer 
Friedhof zu betrachten sei, der eine lange Zeit hindurch mit Leichen beschickt 
worden sein müsse. Später habe ich die Vermutung geäußert, daß gerade 
durch die langandauernde Beschickung mit Leichen die Hügel aus kleinen 
Anfängen emporgewachsen seien" '). Was an diesen Annahmen richtig ist, 
darf indessen nicht verallgemeinert werden und deshalb ist die Bezeichnung 
eines Hügels als Friedhof schlechtweg irreführend. Die mehrmalige Beschickung 
zu verschiedenen Zeiten und die dadurch bedingte Vergrößerung läßt hie und 
da den Vergleich mit einem Friedhof symbolisch zu ; weiter geht die Ähnlich- 
keit aber nicht. Der oben erwähnten Vermutung Wunders, daß in Hügel 6909 
auch viele Bestattungen stattgefunden haben, liegt eine Verallgemeinerung und 
der Sinn zu Grunde, den man hinter dem Namen Friedhof sucht; deshalb ver- 
mutet er mehr Leichen als er in dem Hügel angetroffen hat, um so mehr, als 
er nach der früheren Vermessungs- und Grabungsweise den Hügelinhalt an Ort 
und Stelle nicht frei überblicken konnte. Offensichtlich ist durch frühere Zer- 
störungen manches verloren gegangen; das beweisen die fehlenden Knochen 
und das lückenhafte Scherbenmaterial. Viele Gefäße dem Toten mitzu- 
geben war Hallstattsitte; an der Wunder'schen Zahl von über 22 Gefäßen 
sind jedoch die Streuscherben, die er unstatthafter Weise als ganze Gefäße 
zählt, abzurechnen. Die große Anzahl verringert sich daher ganz bedeutend 
und braucht zu ihrer Erklärung keine Mehrzahl von Bestattungen. 

Der Bronzering zeigt die Formen einer älteren Stufe; er gehört, wie 
auch Wunder richtig sagt, der älteren Hallstattzeit an, entspricht vielleicht 
zeitlich der bei uns in Gefäßformen nicht vertretenen Stufe B (vergleiche die 
plätenicer Ringtypen bei Pic, die Urnengräber Böhmens Tafel XXXI 9, 10, 15; 
XXXIl 8, 12, welche zeitlich leider recht unbestimmt gelassen sind). Den 
von Wunder gezeichneten Grundriß habe ich durch ein Skelett nach seinen 
Knochenmaßen ergänzt; danach hätte der Ring am linken Arm der Leiche 
gelegen. Die Aufbahrung über und mit Gefäßen, zur rechten Hand Gefäß- 
gruppen mit Tonkesseln und Schöpftassen, entspricht unserer Hallstattstufe C. 
Der Ring läßt diese Bestattungsform älter erscheinen, so daß sie etwa ins 



1) Ldg. Wunder, Studien im vorgesch. Bayern; Ztschr. f. Ethnol. 1903 S. 143. 



59 

9. Jahrh. v. Chr., an das Ende von B oder den Anfang von C gerückt werden 
müßte, wenn man für die Datierung die Zeit annehmen wollte, zu welcher 
der Ring gefertigt sein kann. 



Hügel 7759. 

Ausgrabung vom 16. und 17. März 1912. 
Mit Tafel XXI II. 

Gegen Igensdorf zu grenzt an das Eichenloh im Westen eine Wiese, 
auf welcher ein zerstörtes Hügelgrab der gleichen Nekropole sich befand. 
Der Eigentümer wollte die Steine entfernen und es ergab sich daraus eine 
zweitägige, von dem Schreiber dieses geleitete Grabung. 

Vorsichtig wurden die durcheinander geworfenen Steine und alles, was 
zerstört war, entfernt. Die Anzeichen sprachen dafür, daß der Hügel mit 
Steinen überdeckt war, s. Tafel XXIII Abb. 47. Die Störungen gingen 
durch den ganzen Hügel bis zur Grabessohle, welche um beiläufig 35 — 40 cm 
tiefer lag als der umgebende Boden und nach der Abdeckung frei von Steinen 
war. Dabei fanden sich Knochen, eine Schädeldecke und die Metallsachen Tafel 
XXIII Abb. 46. Was am Grund des Hügels angetroffen wurde, zeigt die 
Tafel XXI II Abb. 48, alles unberührt, so wie die Aufdeckung es freilegte. 
Die Erde um die Scherben herum ist etwas abgestochen, damit ihre Lagerung 
auf der Photographie kennbar ist. Der Boden war gegen den Vordergrund, 
also nach Süden, geneigt, aber auch außerdem nicht völlig eben, sondern an 
manchen Stellen mehr als 20 cm höher als an anderen. Trotz dieser Un- 
ebenheiten ist das Scherbenlager unverkennbar ebenerdig ausgebreitet ; kleine 
Höhenunterschiede, so lange sie den Charakter der Bestattungsweise nicht be- 
rühren, dürfen unberücksichtigt bleiben. 

Hinter den Scherben im Mittelgrunde lagen an sekundärer Lagerstätte 
eine zweite Schädeldecke und noch etliche Knochen. Die meisten Teile der 
Grabessohle waren zerstört. An einigen Stellen zeigten sich Kohlenflecke; 
eine durchgehende Brandschicht war hier ebenso wenig, wie in den von Wunder 
ausgegrabenen Hügeln 6908 und 6909 vorhanden. In der Mitte, unter dem 
Meßklotz am Boden ausgestreut fanden sich weißgebrannte Knochen. Einige 
Stückchen derselben sind blaugefärbt, wahrscheinlich von phosphorsaurem 
Eisenoxyd, eine Vivianitbildung, welche verursacht sein dürfte durch die Ver- 
gesellschaftung der Knochenteilchen mit Eisen ; es ist in dem hier anstehenden 
Opalinuston vielfach in eisenschüssigen Schalen und Trümmergestein natürlich 
vorhanden. Die Grabessohle war frei von Steinen. 

Aus den Scherben ließ sich nichts wiederherstellen, selbst die Gefäß- 
formen sind unkennbar; außerdem ist das Material zum Teil so ungenügend 
gebrannt, daß es beim Waschen zerfällt. Es handelt sich um die üblichen 
dickbauchigen großen Tonkessel, Schöpftassen, Schalen, Schüsseln. Ornamente 
sind nicht erkennbar. 



60 

Der Boden des Hügels war stellenweise mit kleinsten Bronze- 

resten durchsetzt, Bronzenieten (^ fe', wie sie bei dem Lederschmuck 
und auf den Holzstangen des Gais- heimer Fürstengrabes (Festschrift 

1913 Tafel XXXI 11 Nr. 19, 20, 44) verwendet sind. Da sie häufig und 
immer in Massen vorkommen (Gaisheimer Fürstengrab, Reitergrab im Hirgast 
bei Thalmässing), so dürfte ihre Herstellung irgendwo in unseren Landen 
fabrikmäßig betrieben worden sein. Sie treten zumeist in Verbindung mit 
Klapperschmuck auf, wie die Bronzezierate Nr. 31, 32 und die Eisenklappern 
Nr. 31a auf Tafel XXXIl der Festschrift von 1913. In dem hier besprochenen 
Hügel 7759 bildeten sie augenscheinlich den Besatz oder das Ornament 
einer Decke, deren Spuren stellenweise den Lehm wie ein Pilzgeflecht über- 
ziehen, das aber leider noch nicht näher untersucht werden konnte. Einigen 
Stellen, wo Bruchteile der Decke im Lehm auf den Kopf gestellt sind, darf 
man vielleicht entnehmen, daß Vorder- und Rückseite beiderseitig das gleiche 
Muster aufwies, s. Tafel XXII I Abb. 46, das aber nicht mehr kenntlich 
ist. Die Reste wurden zusamt den Lehmknollen herausgenommen. Eisen- 
teile, b c d und einige andere, fanden sich ebenfalls dabei, Ringbruchstücke, 
Gestänge und Bruchteile von Klappern, ähnlich den erwähnten Nr. 31a von 
Gaisheim, Festschrift Tafel XXXI 1. Zwei Bronzehohlknöpfe, deren einer ab- 
gebildet s. Tafel XXIII Abb. 46, 25 mm Durchm. bei 12 mm Höhe sind 
gleicher Art und Größe wie die des benachbarten Walkersbrunn, veröffent- 
licht in der Festschrift 1901 von L. Wunder, Tafel X unter Nr.' 7. 

Der Hügel gehört seinem ganzen Inhalt nach der HallstattstufeC 
an; die Bestattungsform war der Störungen wegen nicht in allen Einzelheiten 
festzustellen, entspricht aber der für den mittleren Abschnitt dieser Kultur- 
epoche ermittelten Entwicklungsstufe des religiösen, alteingesessenen Zere- 
moniells. 



Ethnographie und Ritus 
der Hügel 7364, 6908, 6909 und 7759. 

Die drei Hügel der Eichenloher Nekropole und der des Beckenholzes 
7364 weisen so viele gleiche Züge auf, daß sie als kulturell zusammengehörig 
zu bezeichnen sind und gemeinsam auf ihre Riten untersucht werden können. 

Der Grabbau war bei dreien der Hügel nachlässig und dürftig, aus 
verhältnismäßig wenigen, ungleich verteilten Steinen gebildet, ohne Anzeichen 
irgendwelcher architektonischer Absichten, wie Deckenschutz, Gewölbe, Stein- 
kranz oder -ring; Hügel 7759 hatte jedoch mehr Steine und schien ganz ein- 
gedeckt gewesen zu sein. Die bei den Igensdorfer Hügeln konstatierbaren 
einzelnen Steine am Außenrand (von denen übrigens ungewiß ist, ob sie Be- 
deutung haben oder nicht) fehlten allen vier Hügeln. Ebenso das ,, Bauopfer" 
an der Hügelperipherie. Wenn ich unter den von mir ausgegrabenen Hügeln 
nach Ähnlichkeiten Umschau halte, so ergibt sich der Vergleich mit Hügel 



61- 

7167 in der Bettelleite bei Holnstein Bez. -Amt Sulzbach i/0., Entfernung 
beiläufig 35 Kilometer in der Luftlinie. Er gehört der Hallstattstufe A, bezw. 
dem Anfang von B an. 

Die Brandschichten. Während in den Hügeln der Igensdorfer 
Nekropole durchgehende Brandschichten angetroffen wurden, fehlen sie den 
vier Hügeln. Es ist nur einzelner Brandflecke zu gedenken. Auch dies haben 
sie mit dem Hügel 7167 in der Bettelleite überein, aber auch mit solchen 
jüngerer Zeit und dem religiösen Latene-Zeremoniell, bei welchem die Sitte 
schwankend zu sein scheint >). Der Schluß liegt nahe, daß datin Willkür 
herrschte; immerhin haben drei der Hügel in der Kammerloh Brandschichten, 
diese vier aber nicht, folglich lassen sich doch gemeinsame Gepflogenheiten 
unterscheiden. 

Die Grabessohle liegt zumeist etwas tiefer als der umgebende, 
natürlich anstehende Boden. V/enn es aber bis zu einem halben Meter und 
mehr beträgt, kann man von einer unterirdischen Grabanlage reden. Liegt 
zudem der Steinbau in die Grabessohle miteingebettet und sind 
die Gefäße zwischen Steine gestellt, wie bei zweien der Hügel hier, so ergeben 
sich Vergleiche mit den Urnenfeldern: Henfenfeld 7468 Bronzezeit D (unver- 
öffentlicht), Altensittenbach 7042 (unveröffentlicht) und Mühlanger 7056 Hall- 
statt A-); ferner mit dem Hügelgrab der Bettelleite 7167 Hallstatt A—B. Ob 
darin alte Überlieferungen nachklingen oder Zufall und Willkür walten, ist 
noch ungewiß; die Untergrundverhältnisse können dafür wohl nicht be- 
stimmend sein. Unterirdische Grabanlagen waren auch Oberreinbach 7317 
Hallstatt C Festschrift 1913 S. 125; Beckenholz 7364 Hallstatt D S. 35 dieser 
Berichte; aber bei beiden lagen die Steine oberhalb der Grabessohle 
und nicht darin eingebettet. 

Die Leichen. Beerdigung und Leichenbrand, einzelne und mehrfache, 
gleichzeitige und spätere Nachbestattungen in demselben Hügel kommen vor 
ohne Rücksicht auf die eine oder andere Religionsübung. Hügel 6909 war 
von nur einem beerdigten Toten bewohnt; den Hügel 6908 teilte der Be- 
erdigte möglicherweise mit einer Brandleiche. 7759 barg zwei Bestattete; 
ob auch eine Brandleiche ist zweifelhaft. Die häufig und auch bei diesem 
vorgefundenen weißgebrannten Knochen sind nur dann als Leichenreste zu 
betrachten, wenn sie die Form einer regelrechten Beisetzung haben; andern- 
falls sind es wahrscheinlicher Reste von Tieropfern oder Teilbestattungen 
verbrannter Gliedmaßen von Toten. Was bei 7759 zutreffend ist. konnte 
der Zerstörung wegen nicht festgestellt werden. 

Die Metall- und anderen Funde geben keinen Anlaß zu ethno- 
graphischen Beobachtungen und typologisch sind sie schon gewürdigt. 

1) Hallstatt D durchgehende starke Brandschicht Hügel 7333 in der Hagenreuth bei 
Creußen Festschrift 1913 S. 136; schütter aufgestreute Kohlen Hügel 7971 Schönberg bei 
Lauf S. 66 dieses Berichtes, gleichfalls Hallstatt D; Brandflecken ohne Brandschicht wie 
in der Eichenloh Hügel 7374 Stadelleite, Festschrift 1913 S. 129 Latene A. 

2) In Norddeutschland reichen die Urnenfelder bis in die Latenezeit. 

4 



62 

Das keramische Material. Die drei Hügel zeigten in den frischen 
Bruchrändern des Scherbenmaterials deutlich, daß sie späte Störungen 
und ihr Inhalt empfindliche Verluste erlitten hatten. Der Anblick 
der wiederhergestellten Gefäße gibt denn auch kein richtiges, sondern 
ein Zerrbild von Grabausstattungen. Bei alledem steht jedoch fest, 
daß sich das Inventar in jedem Hügel landläufigem Hallstattritus gemäß 
aus Schüsseln, Schalen und dickbauchigen Tonkesseln (Konushals-Urnen) 
mit Schöpfbecliern (Weiheschalen) zusammensetzte, wozu in einem Fall 
die für unsere Typologie fremde rote Trinkschale mit Fuß Tafel XXI 1 
Abb. i 44 als Vervollständigung der Abteilung Gefäße für Flüssigkeiten 
hinzukam. Wenn die gegebenen Maße für die Knochen bei 6908 die 
ursprüngliche Lagerung anzeigen, dann war die Schüssel 8'9 unter dem Ober- 
körper der Leiche postiert, was völlig dem bei 7704 angetroffenen Brauch 
entspricht, aber auch schon in früher Hallstattzeit üblich war, s. Grundriß 
und Profil der Bettelleite 7167 S. 122 der Festschrift 1913. Abseits der 
Leiche standen in beiden Hügeln die Tonkessel mit den Schöpftassen, was 
wiederum typisch ist, besonders wenn sie rechts postiert waren. Im allge- 
meinen sind also die Bedingungen gegeben, welche der Hallstatt C-Ritus ver- 
langt. Es herrscht aber der Eindruck vor, daß er nicht der Aufmachung 
entspricht, welche der Typus Oberreinbach 7317 — Igensdorf 7704 mit 
dem abseits stehenden Büffet fordert, denn nach den Wunder'schen Maßen 
und dem Querschnitt standen die Gefäße der Hügel 6908 und 6909 in ver- 
schiedenen Höhen. Mangels photographischer Belege ist darüber eine Ge- 
wißheit nicht mehr zu erlangen, was sehr bedauerlich ist, denn die daraus 
zu ziehenden Schlüsse wären chronologisch bedeutsam. Die Verhältnisse in 
Hügel 7759 waren zu sehr verwischt, als daß sie mehr als das Vorhanden- 
sein einer Hallstatt C-Ausstattung hätten konstatieren lassen. 

Ähnlichkeiten mit dem Althallstatttypus Bettelleite 7 1 67 
sind demnach vorhanden: 

a) zum Teil in der Steinlagerung in oder noch unter der Grabessohle, 
6908, 6909; 

b) im Fehlen der durchgehenden Brandschicht bei allen; 

c) im Fehlen eines ,, Bauopfers" bei allen; 

d) im Tieferliegen der Grabessohle bei allen; 

e) zum Teil in der Beisetzung der kalzinierten Knochen in einer Urne 
6908 13 (?); 7364 14a, 15; 

f) zum Teil in der Anordnung der Gefäße, 6908, 6909. Dieser Punkt 
wäre der wichtigste, ist aber nicht völlig aufgehellt. 

Übereinstimmung mit dem Hallstatt C-Typus Oberrein- 
bach-lgensdorf sind vorhanden: 

g) in der Auswahl, Art und Zahl der Geschirre bei allen; 
h) zum Teil in ihrer Anordnung um die Leiche. 



63 

bei Hügel 7759 außerdem noch: 

i) in den am Boden ausgestreuten kalzinierten Knochen, welche mög- 
licherweise von Leichenbrand herrühren; 
und bei 7364, 7759: 

k) in der Steinüberdeckung, welche die Grabessohle frei läßt. 

Für den Ritus ist der Umfang und die Mannigfaltigkeit der Wegzehrung 
ein entscheidendes Kennzeichen; weil sich das aber naturgemäß nicht mehr 
an den Naturalien, sondern lediglich an der Art, Zahl und Verteilung der 
Geschirre ablesen läßt, so bestimmt sich danach die Eigenart des Ritus. Art 
und Zahl der Geschirre aller vier Hügel gehören nach Punkt f, g und h der 
Hallstatt C an; es handelt sich also um Begräbnisse dieser Stufe. 

Die übrigen Punkte sind Feststellungen vielleicht von untergeordneter 
Art, es läßt sich für jetzt noch nicht einmal sagen, ob ihnen mit Recht 
ein Gewicht " beizulegen ist. Soweit bei einer solchen Voraussetzung von 
Folgerungen die Rede sein kann, lassen sie sich dahin zusammenfassen: 
Die unterirdische Grabanlage Punkt d) kennen von der jüngsten Bronze- bis 
zum Ende der mittleren Hallstattzeit alle Stufen, dann scheint sie zu ver- 
schwinden. Das läßt auf einen gewissen Zusammenhang, auf ein Nach- und 
Ausleben alter Sitte schließen. Als ein Merkmal alten Charakters wenigstens 
bei uns erscheint auch e), die Beisetzung der Brandleiche in einer Urne, 
während ihre Ausstreuung unter i) dem typischen Ritus der mittleren Zeit 
von G entspricht. Als Merkmal älterer Zeit käme auch Punkt a), die einzeln 
in die Grabessohle gestellten oder eingebetteten Steine und dazwischen ge- 
stellten Gefäße in Betracht, während der die Grabessohle überdeckende Stein- 
bau jünger anzusetzen ist. Ob und in welcher Hinsicht die Punkte b) und 
c) verwertbar sind, ist zur Zeit nicht erkennbar. 

Ergebnis: 

Die topographischen und rituellen Gesichtspunkte der untergeordneten 
Merkmale sprechen bei den Hügeln 6908 und 6909 allesamt für die ältere 
Hälfte der Stufe C; damit stimmt der typologische Befund an Altsachen 
überein, in Hügel 6908 die rote Fußschale 14, bei 6909 der Bronzering 8. 

Im Hügel 7759 ist ein Typus von Beisetzungen Mitte der Stufe C 
wiederzufinden, worauf auch die Bronze- und Eisensachen verweisen. 

Bei Hügel 7364 leiten die Punkte d) und e) auf Merkmale älterer, 
Punkt k) und die Bronzen auf solche der jüngeren Zeit hin; die scheinbare 
Unstimmigkeit führt ebenso wie die Betrachtung der Keramik zu der Annahme 
eines längeren Nachlebens alter Sitten. 

Wenn die aus den untergeordneten Merkmalen gezogene Nutzanwendung 
auch keine volle Zuverlässigkeit garantiert und der Nachprüfung sehr bedarf 
— als ,, Arbeitshypothese" ist sie oben schon eingeführt — , so scheint doch 
soviel daraus hervorzugehen, daß eine auf breitere Basis gestellte Beobachtung 

4* 



64 

bei Ausgrabung unserer Hügelgräber selbst dann nutzbringend ist und nicht 
vernachlässigt werden sollte, wenn sich der Versuch, die Einzelheiten des 
Ritus chronologisch zu erfassen und zu verwerten, als ein Fehlschlag er- 
weisen sollte. 



Hügel 7971 im Heiligenholz bei Schönberg, 

Bezirksamt Lauf. 

Ausgrabungvom 26. Mai bis 3. Juni 1915. 
Mit Tafel XXIV bis XXVIIl. 

Örtlickkeit: nahe der Straße Schönberg— Röthenbach im Waldrevier 
,, Heiligenholz". Es soll darin spuken und es geht die Sage, es habe 
ein Frauenkloster da gestanden; aber nirgends hier oder benachbart irgend 
welche erkennbare Reste von Baulichkeiten. In einiger Entfernung noch 
andere und sehr große Grabhügel. 

Geologischer Horizont : Grenzschichten zwischen Zanklodon und 
Rhät im obersten Keuper. 

Hügelbau: Höhe rund 2 Meter, Durchmesser 16 bezw. 17 Meter; 
Oberfläche nur wenig verletzt. Nach Freilegung vom Unterholz schien der 
Hügel wie mit einer Stufe terrassiert, was sich bei der Ausgrabung als vom 
Steinkranz herrührend erwies. Der gewachsene Boden war eben, leicht 
geneigt '). 

Die Steinsetzung von 13, bezw. 12 Meter äußerem Durchmesser, 
bestand aus einem äußeren Steinkranz und einem inneren Steinkern, beide 
verbunden in der Weise, daß aus dem Steinkranz bei a in Nord ein Stein- 
feld nach Ost hervorging, sich nach Innen drehte und höhersteigend den 
Steinkern erklomm, s. Tafel XXV und XXVI. Innerhalb des Steinringes 
bildete die Steinsetzung mithin eine hochgeschraubte Spirale. Die 
Ostseite des Hügels war dementsprechend ausgiebig mit Steinen beschickt 
s. Abb. 50 und Grundriß, West- und Nordwestseite war dagegen steinfrei auf 
einen Abstand von rund vier Meter Weite zwischen Steinkern und -kränz 









W^nMbrcHmiHe 


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1) Gefälle: von Nord nach Süd etwa 70 cm, von Ost nach West rund 1 Meter auf 
16 — 17 Meter Entfernung. 



65 




WinkcibrettmiHe OlTl . 



0,2C 
0,1*0- , ' 

o8o __; 

VJo'" 



1,60 



Nord ^i>o 




a=Beginn der Steinspirale; b, c=Steinhaufen ; d, e = Unterbrechung im Steinkranz; 
f =gestörte Stelle; g-~k = Standpunkt und Richtung der photogr. Aufnahmen. 
* eingemessene Punkte. 
Z — Z vorderer Steinrand weggenommen. 



s. Abb. 49 und Grundriß. In Nord fiel der Steinigem mit senkrechtem 
Steilrand 164 Centimeter ab; im Südwesteck waren die Steinhaufen b und c 
vorgelagert, halb so hoch wie der Steinkern, regel- und anscheinend zwecklos, 
als hätte ein Steinsturz im Hügel stattgefunden s. Abb. 51. Das könnte 



66 

aber nur am Ende der Leichenfeier beim Eindecken möglich gewesen sein; 
denn nachdem der Steinbau mit Sand überdeckt und die Hügelform her- 
gestellt war, konnten Teile des Steinkerns nicht mehr seitwärts fallen, ohne 
zugleich auch die Hügelform zu zerreißen. Alle Steinsetzungen waren nur 
im Grundriß regelmäßig, im Aufbau dagegen mehr hingeworfen als sorgfältig 
gesetzt, siehe die Abbildungen. Die Steine lagen sämtlich auf und über der 
Grabessohle, s. die steinfreie Sohle nach der Abgrabung Abb. 56. 

Der Stein kränz oder -ring, aus 20—30 cm hohen, nicht in den 
Boden eingelassenen Steinen errichtet, war nicht vollständig geschlossen; bei 
160», bei 245" und zwischen 310" bis 330", siehe den Grundriß bei d e f, 
war er unterbrochen. Öffnung d, einen Meter breit, sah aus wie eine ab- 
sichtlich offen gelassene Türe, s. Tafel XXVII Abb. 53; es lagen zwei 
Steine davor, s. den Grundriß, welche auf der Photographie nicht sichtbar 
sind, da sie bei der Aufnahme bereits weggenommen waren. Die Öffnung e 
ist sicher nicht als Türe, kaum als eine Unterbrechung des Steinringes zu 
betrachten, es lag ein Stein darin, s. den Grundriß, und sie galt wohl auch 
den mit wenig Ordnungssinn arbeitenden Erbauern für geschlossen. Die 
Öffnung bei f mit Umgebung ist eine durch die Grabung verursachte Störung. 
Hier hatten die Arbeiter mit Einreißen begonnen und die Steine hin und 
hergeworfen; die Wiederherstellung wäre zwar möglich gewesen, aber der 
einmal weggenommene Stein kann nie mehr so hingelegt werden, daß er 
dem gewissenhaft Ausgrabenden wie vorher als unberührt erscheint. In 
solchem Fall ziehe ich das ehrliche gestörte Bild dem absichtlich wiederher- 
gestellten unehrlichen vor. 

Das Material zu den Steinsetzungen war Rhätsandstein, nach Meinung 
der Waldarbeiter, welche oft mit gleichem Gestein zu tun haben, Findlinge aus 
der nahen ,,Nässenau"; hie und da Stücke der harten Zanklodon-Breccie und ganz 
vereinzelt schalige Weißjuraplatten, sog. ,, Klingelsteine", nächstes Vorkommen am 
Moritzberg, Luftlinie 3 Kilometer. Füllmaterial: blaßroter, mit groben Quarzit- 
körnchen gemischter rhätischer Keupersand, der mehlig abfärbt. Im gewachsenen 
Boden des steinfreien Westteils des Hügels einige mit gleichem Sand ausgefüllte 
Gruben, 30 — 40 cm tief und 30 cm ". 120 cm Breite. Wahrscheinlich sind sie durch 
Herausnahme vor der Bestattung hier gelegener Steine entstanden und bei der Zu- 
richtung des Platzes für den Hügelbau wurden sie zugefüllt. 

Brandschicht. Im Westteil des Hügels begann schon hinter dem 
Steinkranz eine lockere Durchsetzung des Bodens am Hügelgrund mit Kohlen- 
teilchen; weiter innen lagen sie zwar dichter, es war aber nicht der Rück- 
stand eines Brandes, sondern über eine Fläche von rund 50 qm aufgestreute 
Kohle. Die Hügelsohle war rund 170 cm tief, an einigen Stellen höher, an 
anderen tiefer, je nach der natürlichen Bodensenkung. Kleinere, in ihrer 
Ausdehnung nicht sicher feststellbare gleichartige Kohlenstreuung etwa auf 
30 cm Fläche gab es an verschiedenen Stellen, z. B. in 80 cm und selbst in 
38 cm Tiefe unter dem Nullmeter. 

Scherben und Gefäße. Scherben vereinzelt in allen Teilen des 
Hügels, im ganzen aber wenig; etwa 1 Va Pfund außerhalb des Stein- 



67 

kernes gefundene sind als „Streuscherben" unter Fundnummer 2 zusammen 
gefaßt. Innerhalb des Steinkernes auf einem Raum von etwa zwei Metern 
und in Tiefen zwischen 61 und 148 cm Scherben vereinzelt und beisammen, 
auch zwei vollständige Gefäße. 

Iiere rund- +- vA/iederherqeshellte GeFässe 

in cm N9 



61 + 4- ■ 

65 1A. 



KohlenFleck 



81 + 5- 

88 + 13 . 

90 + 9 • 

9J 3- 

103 16 ■ 



131 


8 


140 


+ 16 


145 
146 


10 
6 



ü n ^ersf e'Kohien streu ung •— ......J^^ 

in^ers^e*■ Kohlen sVr 
Enrfernung von der Mihfe 



un^ers^e ' Kohlen Streuung •^- ••-•■— .-.^i^.. 



-J I I 1 I I I I I I 



501-ni 60 70 80 90 10O 110 120 130 140 150 160 170 180 190 200 210 220 230cm 

Höhentabelle der Funde. 

Nach Reinigung und Durchsicht des Scherbenmaterials zeigte sich, daß 
die beisammenliegenden Scherben meist von verschiedenen Gefäßen stammten. 
Dagegen paßten manchmal weitvoneinander liegende Scherben zusammen und 
auch solche der Streufunde 2 von außerhalb des Steinkernes zu solchen inner- 
halb desselben, so daß sich mit Hülfe starker Ergänzungen einige Gefäße 
wiederherstellen ließen. Die regellose Verteilung der Funde durch die ganze 
Höhe des Steinkerns ist aus der ,, Höhentabelle" besonders in die Augen 
springend zu erkennen. 

1 drei Scherben neben der Öffnung d des Steinkranzes, s. Grundriß ; 
sollten den Streuscherben 2 zugezählt werden, wurden aber wegen der ge- 
nannten Fundstelle von den anderen getrennt gehalten ; sehr roher Ton mit viel 
Quarzkörnern ; schmutziger, rötlich-semmelfarbener Überzug, viel- 
fach gerissen; eine Scherbe mit Omphalos. 

2 Scherben aus allen Teilen des Hügels außerhalb des 
Steinkernes, etwa l'i Pfund; die meisten anscheinend zu einem 
großen Gefäß 2a passend; dickwandig, aus quarzreichem Ton, 
mit semmelfarbenem Überzug und fast rechtwinkelig umgebogener 
Randkante. 2b Scherbchen einer kleinen Tasse, grau-semmelfarbener, glatter 

*) Hier ist das Zeichen + ,, wiederhergestelltes Gefäß" übersehen. 




68 



Überzug; 2c fünf Scherben 
Überzug wie vorige. Einige 
mit glattem, rötlichem Über- 

Die Lage der folgenden ist 
Grundriß ersichtlich. 




anscheinend von einer Schale, 
Scherben eines größeren Gefäßes 
zug und einige andere. 

aus Höhentabelle, Profilen und 



3, 4, 5 in situ Tafel XXVIII Abb. 55 gaben mit Hülfe starker 
Ergänzung eine ganze Schale, Tafel XXVI 52, dickwandig, semmelfarbener 
Überzug. Durchm. der Schale 18 '/2 cm, Höhe 8 cm. — 4 sonstige Scherben 
zu 11 passend, 4 a Bruchstück eines großen Topfes, 
sehr dickwandig, semmelfarbener Überzug mit Glätt- 
streifen. — 4 b Scherben eines großen Topfes, dick- 






wandig, rauh, mit vielen Löchern (ausgefallene Quarzit- 
körner?); semmelfarbener Überzug, 
gedrehter Rand. 

5 noch einige Randstüokchen a, b. 

6 auf einem Raum von 70 cm ver- 
streut neben dem inneren Steinkern 

einige Scherben, u. a. ein Topfbruchstück 6 b mit rotgelbem, 
vielfach gesprungenen Überzug und Andeutung eines Henkels, 
ersichtlich von einem Bronzezeit- Gefäß; ihm gleichen 
die meisten Streuscherben von 2. 

8 Scherben einer großen, dunkel- 
gelb-rötlich getonten, glatten 
Schüssel mit grauschwärzlichen 
Flecken ; hierzu passend einige 
Streuscherben von 2. 

9 mit Ergänzungen wiederhergestellte kleine Tasse, 
Weiheschale ?, s. Tafel XXVI Abb. 52, gelb-rötlicher 
Überzug, stark gerissen, dünnwan- 
dig; Durchm. 13 cm, Höhe 5', cm. 





10 einige 
eines glat- 
gelben Ge- 
und andere, 
ben. 




Scherben 
ten , grau- 

fäßrestes 
rauheScher- 



11 Scherben; mit solchen von 4 '^s^ ergänztzum 

Bruchstück einer großen, rötlich-grau ' ' getonten 

Schale oder Schüssel; dazu passend auch einige von 10. 

12 Untere Hälfte des Gefäßrestes von 17, s. dieses. 




69 




1 3 ganz erhaltenes Ge- 
glatter Überzug mit grauen 
Durchm. I7,7cm, Höhe 12cm. 
bares, mit Graphit aufge- 
mal je drei Speichen in 
in situ Tafel XXVI I 



14 einige Scherben einer semmel- 
farbenen Schale oder Schüssel; die übrigen 
bei 16. 

16 zusammen mit Scherben von 14 
eine Schale, stark ergänzt s. Tafel XXVI 
Abb. 52; rötlich-semmelfarbener Überzug; 
Boden flach; Durchm. 17 cm, Höhe 7 cm. 



17 Bruchsück eines großen, beiläufig 27 cm hohen, 
am Bauch vielleicht 20 cm Durchm.' haltenden eimerartigen 
Topfes; dünnwandig; am Hals eine glatte Wulst; mit röt- 
lichem, stark gerissenen Ton überzogen ; hierzu gehörig 12 
als untere Hälfte und einige Streuscherben von 2. 



faß, S.Tafel XXVI; semmelfarbener 
und roten Flecken; Boden flach; 
Am Hals ein nur schwach sicht- 
tragenes Sonnenornament von vier- 
zwei Kreisen. Lage des Gefäßes 
Abb. 54. 




18 wiederhergestell- 
s. Tafel XXVI Abb. 52; 
Überzug mit dunklen 
phit aufgetragenes, nur 
Ornament mit insgesamt 
Zacken; Durchm. 19 '■> cm, 




ÄÄ 


mm»<,k,vk^ 





tes Gefäß 
graugelber 
Flecken. Am Hals ein mit Gra- 
noch schwach sichtbares Sonnen- 
neun unregelmäßig verteilten 
Höhe 13 cm. 



Alles in Allem fünf, "K^y.^'^,,,,» zum Teil durch starke Er- 

gänzungen wiederhergestellte Gefäße und wenn auch wenige Scherben, aber 
mindestens von fünfzehn Gefäßen. Die sorgfältige Durchsuchung des Hügels 
erlaubt den sicheren Schluß, daß die fehlenden Gefäßteile nicht mit in den 
Hügel gelangt sind. 

Leiche. Von Skelettknochen keine Spur. In der Hügelsohle zwischen 
die Kohlen gestreut kalzinierte Knochen reichlich, von Meter 1 Ost bis Meter 2 
West; desgleichen spärlich auch im oberen Kohlenfleck, 38 cm tief, darunter 
ein Stückchen Menschenschädel. 

Metall- und sonstige Funde. Zusammen mit den Scherben 17 
Bruchstücke einer Fibel 17, s. nebenstehend, _ 

im Feuer gelegen und deshalb stark be- 
schädigt, von allenfallsigen Ornamenten daher 
nichts mehr zu sehen. Die Fibelreste bestehen 
aus fünf Trümmern, welche wohl nur als Bestand- 
teile einer Paukenfibel angesprochen werden 
können. Die unvollständige und zerbrochene Pauke ist hohl, aus kräftigem 
Bronzeblech gefertigt. An eine Kahnfibel ist nicht zu denken. — Ein kurzes 




70 

Toilettestäbchen 17 s. Tafel XXVI Abb. 52, ebenfalls mit Scherben ge- 
funden, ist aus Bronzeblech geschnitten, keulenförmig verbreitert, aber nicht 
verdickt und weit durchlocht. — Ein hübscher Jaspisknollen 7, roh und form- 
los zugeschlagen, ohne sonstige Bearbeitung. 

Speisebeigabe. Entweder keine oder ohne zurückgebliebene Spuren. 

Typologie undZeitstellung. 

Unter den keramischen Funden fehlen die großen Tonkessel 
der Hallstattstufe C vollständig. Graphitauftrag ist nur als Ornamentierung 
vorhanden. Die Näpfe oder Schalen 3 — 5, 9, 16 sind Dauerformen von 
Mitte der Hallstattzeit an und lange darüber hinaus, also zeitlich nicht 
prägnant. Die Gefäße 13 und 18 sind junghallstätter Vorläufer der zier- 
lichen kleinen Latenevasen; sie haben ihresgleichen in unserer Sammlung 
aus der Stöcklach und vom Hirschberg ^), beidemale mit Bogenfibeln der 
Armbrustkonstruktion, jüngste Hallstattzeit. Hier handelt es sich um die 
gleiche, außerdem noch durch die im Text abgebildeten Randstücke gekenn- 
zeichnete Stufe. Für die bronzezeitlichen Scherben und Randstück 6 gibt 
es keine befriedigende Erklärung. 

Die spärlichen Bronzereste sind mit der Keramik gleichalterig. 
Bei der Fibel 17 kann es sich, das ist trotz der mangelhaften Erhaltung er- 
sichtlich, nur um eine kleine Paukenfibel handeln. Solche sind nach Beltz -) 
im nordalpinen Gebiet entstanden und häufig in Mittelfranken, Oberfranken 
und der Oberpfalz, unserem Juragebiet. Wir besitzen eine ähnliche vom 
Walberla, eine Spitzpaukenfibel von der Hagenreuth bei Creußen ^), eine eben- 
solche aus der Beckersloh Hügel 11 ■*) und vier Stück mit ausgesprochener 
Armbrustkonstruktion. — Das kurze Toilettestäbchen 1-7 hat aus anderen, 
Hallstatt D- und Latene A-Hügeln, sechs Vertreter in unserer Sammlung. 

Alle Fundmerkmale übereinstimmend Hallstatt D, 700 bis 550 v. Chr. 
Die Verbrennung anstelle der anderwärts häufigeren Bestattung, ist in 
unserem Gebiet eine Eigenart dieser Stufe. 

Ethnographie und Topographie. 

Die Eigenart dieses Hügels ist ausgedrückt im Steinbau durch die 
Spirale zwischen Ring und Kern. 

V/ährend der Grabung glaubte ich es mit Bronzezeitstufe B zu tun zu 
haben; isolierte Steinkreise (ein solcher erschien es mir anfangs) mit Tor 
oder Türe kannte ich nur aus den Erfahrungen von Kasing her und die 
Streuscherben, besonders Randstück 6 b bestärkten mich in diesem Glauben. 



1) Festschrift 1901 Tafel 14 Nr. 8 Stöcklach; Tafel 13 II 25, 27 Hirschberg. 

2) Bronze- und hallstattzeitliche Fibeln S. 694. 

3) Festschrift 1913 S. 138 Abb. 27. 

4) Festschrift 1901 Tafel 20 Nr. 1. 



71 

Der Steinbau des Junghallstatthügels von Langenzenn besaß zwar einen 
schön gelegten Steinkranz in zwei Meter Abstand vom inneren Steinbau 
mit einer Lücke im Norden^), er bot aber nach einer in unserer Sammlung 
vorhandenen Photographie ein ganz anderes Bild. Die Spiralwindung er- 
kannte ich infolge der oben erwähnten Beschädigung erst bei der Einzeichnung 
in den Grundriß, der jedesmal nach einer Vermessung an Ort und Stelle an- 
gesichts der Lagerung und mit Hülfe unseres vorgedruckten Schemas an- 
gefertigt wird. Mit den Gefäßfunden kam dann zu meiner Überraschung 
am letzten Tag im Innern der Steinsetzung Hallstattzeit zum Vorschein. 

Bei den uns geläufigen Hügelbauten ist der Steinrand in der Regel nichts 
anderes als die äußere Kante der inneren Steinsetzung und mit dem Hügelkern 
in zusammenhängender Verbindung, s. z. B. den Grundriß des Hügels in der Weid- 
lach Festschrift 1913 S. 140 Abb. 30. Bei unberührten Hügeln im Wald, wo die 
Randsteine manchmal aus dem Boden hervorschauen, bilden sie zuweilen ein er- 
wünschtes Merkmal zur Bestimmung der Hallstatthügel. Steinkränze verschiedener 
Art beschreibt VioUier aus Hallstatthügeln der Schweiz; sie lagen früher, wie er 
meint, außerhalb des Hügels, umgrenzten den vom Grab eingenommenen Mittel" 
räum und wurden im Laufe der Zeit durch die vom Hügel abgerutschte Erde über- 
deckt 2). Dechelette führt viele an ; er glaubt, daß sie, wenigstens anfänglich in 
einer weit vor dem Eisenalter liegenden Zeit, nicht die Bestimmung hatten, die 
Hügel zurückzudämmen, wenngleich die Erbauer bewogen sein konnten, ihnen eine 
architektonische Wirkung beizulegen. Ursprünglich aber hätten sie eine rituelle und 
symbolische Bedeutung ausgedrückt und diese habe lange nachgewirkt ^). Naue 
spricht nur ganz allgemein von kunstreich aufgeführten Steinbauten und Stein- 
kränzen''). 

Über Grabhügel mit Steinbauten in Spiral form habe ich nichts 
in der Literatur finden können. Unter den fünf Hügeln mit Steinringen der 
erwähnten Kasinger Nekropole, über welche der Bericht noch aussteht, war 
einer, bei dem ich während der Grabung die gleiche Erscheinung zu erkennen 
glaubte; aber die Hälfte des Hügels war eingerissen angetroffen worden und 
deshalb geht es auch aus dem Grundriß nicht mit Sicherheit hervor. Ob 
den Steinkreisen eine rituelle Absicht zu Grunde liegt, mag zweifelhaft sein; 
bei dem Spiralbau des Hügels im Heiligenholz scheint mir dies aber außer 
Zweifel. Vermutlich steht er in irgend einer Bedeutung zu einem Sonnen- 
kult. Die von Pastor geschilderten Spiralanlagen der sogenannten Trojaburgen 
sollen derartige Beziehungen' haben ^), doch wage ich keinen Vergleich, da 
mir die Unterlagen hierfür zu unsicher sind und das Verhältnis zwischen 
ausgesprochen germanischem Kult dort und vermutlich keltischem hier zu 
unklar ist. Hahne erwähnt übrigens Irrgärten und Trojaburgen als sehr alt, 
vermutlich steinzeitlich ^). 



1) Festschrift 1901 S. 204 unten. 

2) Essai sur les rites funeraires en Suisse S. 44. 

3) Manuel d'Arch. II 2 S. 635. 

4) Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee S. 175. 

5) Pastor, das Problem der Trojaburgen; Mannus I, S. 306. 

6) Das vorgeschichtliche Europa, ein sehr empfehlenswertes Buch mit prachtvollen 
Abbildungen, Band 30 der Monographien zur^_Weltgeschichte. 



72 

Die Begleiterscheinungen der Funde sind sehr lehrreich. Zeitlich fällt 
die Errichtung des Hügels mit einigen der vorbeschriebenen bei Igensdorf 
so ziemlich zusammen. Wenn damals in der Gegend nur eine Religion be- 
kannt gewesen wäre, so müßte der Ritus hier und dort wenigstens in groben 
Umrissen gleichen Charakter haben. Das ist ganz und gar nicht der Fall. 
Der im Heiligenholz Ruhende ist nicht nach den althergebrachten Hallstatt- 
gepflogenheiten in den Hügel eingegangen, sondern auf ganz andere Art. 

Die Grabessohle führte Kohle in spärlicher Verteilung, aber in ziem- 
licher Ausdehnung, mindestens 50 Quadratmeter; es hat aber kein Feuer 
darauf gebrannt, denn die aus einer anderswo geloderten Glut gewonnenen 
Kohlen- und Aschenteilchen waren über die Grabessohle aufgestreut, lagen 
deshalb nur schütter und der Boden zeigte auch keine Brandspuren ^). An 
ebenso unbekannt gebliebener Stelle war der Tote verbrannt und seine Reste 
auf kleinerer Fläche ebenfalls aufgestreut worden. Im übrigen war die Grabes- 
sohle leer und unmittelbar darauf lagerten die Steine. Die Prozedur mit 
dem Kohlenstreuen wurde im Vorschreiten des Baues mehrmals wiederholt 
und in der obersten Lage Kohlen fanden sich auch Knochenreste wieder, 
darunter einige größere, nur teilweise verbrannte, von sicher menschlicher 
Abkunft. 

Die Scherben, Gefäße, Bronzen wurden während der Errichtung des 
Steinbaues niedergelegt, nichtwiebei RitusCan vorbestimmten Stellen 
neben oder um die verbrannten Gebeine, sondern willkürlich in der 
ansteigenden Spirale des Kernes, s. die Höhentabelle und das Profil. 
Grundsatz scheint, daß alles über den aufgestreuten Knochenteilchen lagerte, 
denn darüber hinaus fanden sich nur hie und da Streuscherben. Die form- 
lose Art des Niederlegens selbst ganzer Gefäße beweist der Topf in situ 
Tafel XXVI 1 Abb. 54, 72 cm über der Grabessohle. Man vergleiche sie mit 
der Abbildung 38 Seite 143 der Festschrift 1913, das Gefäß 7 in 1,10 Meter 
über der Grabessohle; die Ähnlichkeit ist in die Augen springend, aber nie- 
mals habe ich dies bisher bei dem anderen Ritus angetroffen. 

Aus der Verteilung der Funde, dem Fehlen achtsam gestellter Gefäß- 
gruppen geht hervor, daß es sich im Heiligenholz nicht um ein Begräbnis 
nach alter Hallstattsitte, sondern um eine andere handelte und 
da diese Art in Hallstatt D häufiger und in der Frühlatene all- 
gemein zu werden scheint, so darf man sie bei uns als Sitte 
der Leute von Latene bezeichnen. Der Befund dieses Hügels ist bei 
den auf Seite 10 uf. vorausgegangenen Darlegungen bereits berücksichtigt 
und der hier gegebenen Beschreibung vorweggenommen. 



1) Über Kohlestreuen in Grabhügeln sagt Olshausen: ,, Schon F. Keller glaubte, 
daß in heidnischen (schweizerischen) Grabhügeln Kohlen (wie auch zerbrochenes Geschirr 
und kleine Steine) aus religiösen Gründen ausgestreut seien (Mitt. d. antiqu. Ges. 
Zürich 111, 2 1846 — 1847 S. 65) und Anderson meint diese Sitte noch in christlichen 
Gräbern Schottlands zu erkennen, wo die unverbrannten Leichen in Kohlen gebettet 
waren - ein Überlebsal des Leichenbrands wie er annimmt." Ztschr. f. Ethn. 24 S. 134. 



73 

Aus den zwei verschiedenen Kult ge brauchen schöpfe ich 
den Beweis, daß sich zur gegebenen Zeit zwei Religionssysteme, 
ein absterbendes und ein kommendes, nebeneinander finden. Bei dem 
älteren lag die ganze Wucht der langwierigen Zeremonie in den Vorbereitungen: 
in der Aufbahrung der Leiche, in der Aufstellung und sorgfältigen Anordnung 
der Totengaben um ihn herum, alles auf der ■ Grabessohle. Von diesen Vor- 
gängen läßt sich keine ,, Höhentabelle" geben, denn die Sachen wurden ebenerdig 
ausgerichtet. Damit war die Aufbahrung beendet; hinterher wölbte man 
einen Hügel darüber mit beliebig vielen oder wenigen Steinen, um den 
Ruhenden samt ihren Aussteuern vermeintlichen Schutz und Sicherheit zu 
geben. Der jüngere Ritus hat keine Spur der Vorbereitung für die Feier 
hinterlassen, er kannte diese Art der Aufbahrung im Grab nicht und keine 
Aufstellung von Totengaben um sie herum; ihm begann der noch er- 
sichtliche Teil der Zeremonie mit der Errichtung des Stein- 
baues und das war ihm Selbstzweck, denn darin wurde der Tote ein- 
gebaut. Währenddem wurden die vielleicht zu Trank- und sonstigen Spenden 
benützten zertrümmerten oder ganzen Gefäße und was sonst dazu gehörte 
niedergelegt, wo es der Augenblick gerade darbot; dies ist aus der nur für diesen 
Ritus möglichen Höhentabelle ersichtlich. 

Das waren die äußeren Rahmen der beiden Riten, soweit ich sie 
derzeit zu erkennen vermag; der Hallstattritus konzentrierte 
sich um die Aufbahrung, der late ne ze i 1 1 ich e vollzog sich 
durch den Einbau in die Steinsetzung. Innerhalb der Rahmen 
aber blieb genug Raum zu lokalen und zu zeitlichen Varianten, außerdem 
auch noch für die Launen, die Pietät und den Aufwand der Hügelerbauer, 
welche in den Gräbern der bei uns ansässigen Bevölkerungen ebenso mannig- 
faltigen Ausdruck fanden, wie sie für die Hellenen der vorklassischen Zeit aus 
den Arbeiten von Zehetmaier und Heibig ersichtlich und mit den hier be- 
schriebenen selbst für unsere Gegend nicht erschöpft sind. 

Bei den vorausgegangenen Berichten wurde versucht, Einzelerscheinungen 
im Ritus der Hallstatt C-Gräber entwicklungsgeschichtlich zu erfassen, zu- 
gleich aber auch die Fragwürdigkeit dieses Unterfangens hervorgehoben. In 
der Beurteilung der beiden sich gegenüberstehenden Riten braucht keine so 
große Zurückhaltung geübt zu werden, sie ist begründet und wird 
noch mehr gefestigt werden, wenn die Berichte über unsere ander- 
weitigen Grabungen fortgesetzt werden können. 



Abh. d. Nat. Oes. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel V. 









Abb. 1. 







lO 



?pr*?M 1 



Abb. 3. Scheiterhaufen ; Text S. 
Igensdorf 7361. 



Abb. 2. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel VI. 




Abb. 4. 
Steine am Hügelrand; 

Text S. IS. 





Abb. 5. Die Scherben 1 3,6 am Rande 
der Brandscliiclit; Text S. IQ. 





Abb. 6. Die Metallfunde: Text S. 22. 



Igensdorf 7361. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel VII 





Abb. 7. Scherbengruppe 7 

(ergab vier Tonkessei und vier Schöpftassen) 

Text S. 19. 



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Abb. 8. Scherben- und Gefäßgruppe 8, 22 28; Text S. 20. 




Abb. 9. Oefäßgruppe 29— 32; Text S. 20. 

Igensdorf 7361. 



Abh. d. Naf. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel VIII. 




Abb. 10. Scherben- und 



34? 



34? 
^ Gefäßgruppe 34; Text S. 20. 





379 



Abb. 11. Scherben- und Gefäßgruppe 36—41; Text S. 21 



37 a 





Abb. 12. Aus Streuscherben wiederhergestellt; Text S. 19—21. 

Igensdorf 7361. 



Alih. d. Nat. Ges. Niiniberg XXI. Bd. 



Tafel IX. 




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Igensdorf 7361. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnber" XXI. Bd. 



Tafel X. 



Abb. 14. 

Scherbengruppe 7, 
Gefäß 8; Text S. 19, 20; 

oben die drei Scliädel 
13,15, 16; 

Text S. 22. 





Abb. 15. 

Scherben bzw. Gefäße 34 

und die Diele in der 

Brandschicht 

Text S. 18 und 20. 



Igensdorf 7361. 



Abh. d. Nat. Oes. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XI. 




Abb. 16. 

Scherben- und üefäß- 
gruppe 22—28. 

Text S. 20. 



Abb. 17. 

Scherben- und Gefäß- 
gruppe 29 32. 

Text S. 20. 




Igensdorf 7361. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XII. 



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Abb. 18. Steinrand und abgedeckte nördliche Hügelhälfle, die Scherben 1; 

Text S. 31, 32. 




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Abb. 20. Die vier Steine am 
Hügelrand; 

Text S. 31. 



Abb. 19. Die Scherben 2 außerhalb der Steinsetzung; 

Text S. 32. 



Igensdorf 7362. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XIII. 



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Abb. 21. Stellung des photographisehen Apparates bei 270° 
4,20 m von der Mitte. 




Abb. 22. Stellung des photographischen Apparates bei 360°, 3,40 ni von der Mitte. 



Brandbeisetzung der Hallstattstufe C. 

Das Feld zwischen Gefäßen und Meterstab, auf welchem das weiße Papier liegt, 
ist mit Leichenbrand bestreut. 



Igensdorf 7362. 



Abli. (.1. Nat. Ges. NiiinbLTg XXI. Bd. 



Tafel XIV. 




iBsiiopfer" 

Abb. 23. Text S. 32. 





Abb. 24. Die Gefäße der Westgruppe; Te.\t S 32. 




Abb. 25. Die Gefäße der 



Ostgruppe; Text S. 32. 



Igensdorf 7362. 



Abh. d. Nat. ües. Niirnbci<; XXI. Bd. 



Tafel XV. 




Abb. 26. Steinsetzung 7363 und Scherben; Text S. 34. 




Abb. 27. Aus den Scherben 7363 wiederhergestellt; Text S. 34. 




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6,12 



Abb. 28. Scherben und Gefäße 3 5, 7364. Abb. 29. Bronzen ; Scherbchen 8. 
Igensdorf 7363 und 7364. 



Abh. d. Nat Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XVI. 




Abb. 30. Scherbengruppe 5 7; Text S. 36. 




Abb. 31. Das Hügelinnerste, die letzten Steine, Gefäßgruppe 13-^15; Text S. 37. 



Igensdorf 7364. 



Abh. d. Nat. Ges. Niirnberff XXI. Bd. 



Tafel XVII. 




Abb. S2. Scherben- und Oefäßornppe 3 7; Text S. 36. 




Abb. 33. Scherben- und QefäRüriippe 13 15; Text S. 37. 

Igensdorf 7364. 



Abh. d. Nat. Ges. Nünibcm XXI. Bti. 



Tafel XVIII. 




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Igensdorf 7704. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XIX. 




Abb. 37. Stellung des pholographischen Apparates in Süd bei 170" 
3,40 m von der Mitte. 



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Abb. 38. Stellung des photographischen Apparates in West bei 275", 4,50 m von der Mitte. 

Die freigelegten Leichen, die Scherbengruppen und die Brandschichten. Text S. 42. 

Der besseren Sichtbarkeit halber sind die Skeletteile leicht überarbeitet und die Erde 

daneben ist scharf abgestochen. 



Igensdorf 7704. 



Abh. d. Nat. Ges. Niiinberg XXI, Bd. 



Tafel XX. 




Abb. 39. Die Gefäße in Brandsciiicht II naeli Wegnaiime der Leiclien; Text S. 43. 




Abb. 40. Dieselben Gefäße, wiederhergestellt; Text S. 44. 




Abb. 42. Gefäß neben der Leiche 14. 
Igensdorf 7704. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXI. 




Abb. 43. Die wiederhergestellten Gefäße des Scherbenhaufens zur rechten Hand der Leichen; Text S. 42. 

Igensdorf 7704. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXII. 




14 16-19? 

Abb. 44. Gefäße aus Hügel 6908; Text S. 51. 




Abb. 45. Gefäße aus Hügel 6909; Text S. 56. 



Unterrüsselbach. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg' XXI. Bd. 



Tafel XXII 



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V. 




Abb. 46. Die Metallfiinde; Text S. 60. 




Abb. 47. Die Steine nach Abheben der Grasdecke; Text S. 59. 




Abb. 48. Die Scherbenlager am Grunde des Hügels; Text S. 59. 

Unterrüsselbach 7759. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Band. 



Tafel XXIV. 




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Schönberg 7971. 



Abb. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXV. 



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Tafel XXVI. 



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Schönberg 7971. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXVII 




Abb. 53. Die Öffnung d im Steinkranz. 

Standpunkt des photographischen Apparates siehe Orundrili bei o^i, 190"; Text S. 66. 




Abb. 54. Das Gefäß 13 bei der Aufdeckung. 

Standpunkt des photographischen Apparates siehe Orundrili bei cjk, 210"; Text S. 69. 



Schönberg 7971. 



Abh. il. Nat. Ges. Niimber),' XXI. Barul 



Tafel XXVIII 




Abb. 55. Scherben 3— 5 im Steinbau ; 

Standpunkt des photographischen Apparates bei 210", 4 m von der Mitte. 




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Abb. 56. Die steinfreie Hügelsotiie nach Abtragung des Steinbaues. 

Standpunkt des photographischen Apparates annähernd bei o'g- 



Schönberg 7971. 



Abhandlungen 



der 



NATURHISTORISCHEN 
GESELLSCHAFT 

zu 

NÜRNBERG 



XXI. Band 

3. Heft. 

Grabungsberichte 

der Anthropologischen Sektion 

Kasing 7444 

mit Grundrissen, Querschnitten und Tafeln. 
Von Konrad Hörmann. 



NÜRNBERG 1922. 
J. L. Stich, Buchdnickerei und Verlag, 



Grabungsberichte 



der 



Anthropologischen Sektion 



mit Grundrissen, Profilen und Tafeln. 



KÖSChinger Forst bei Kasing, Bezirksamt Ingolstadt. 
Einl.-Nr. 7444 mit 94 Unternummern. 



Von 
Konrad Hörmann. 



DREI GROSSHERZIQE FREUNDE UNSERER GESELL- 
SCHAFT, DIE IMMER SCHON OPFERWILLIG EINEN 
TEIL IHRER SORGEN MITGETRAGEN HABEN, ER- 
MÖGLICHTEN DURCH BEZAHLUNG DER DRUCK- 
KOSTEN DIE HERAUSGABE DIESES BERICHTES. 



LIBKAKY 
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Zeichen er k|l ä r u n g : 



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■ Eisen \voov • Fcuarstam ;•.■■".••;■: 



Hügelgruppe im Waldteil „Auf der Leber".') 

Köschinger Forst bei Kasing, 

Bezirksamt Ingolstadt. 

Literatur; Weber, Die vorgesch. Denkmale d. Kgr. Bayern I S. 70 Köschinger Forst : 
,,.... Leber, nördlich von Hellmannsberg. Hügelgruppe von etwa 60 Hügeln, größtenteils 
angegraben; Funde aus einem: Bronze und Eisenreste, näheres unbekannt. Ein Hügel 
anscheinend Hallstattzeit. Funde verschollen." 

Den östlichen Flügel dieser großen Nekropole bilden : 
Die 27 Hügel im Noldschen Waldanteil. 

Literatur: Raithel, Hügelgräber-Oeffnung bei Kasing; mit 8 Blatt Zeichnungen, 
Sammelblatt Histor. Ver. Ingolstadt u. Umgbg. XXXII. 1908. 

Allgemeines. 

Frühere Grabungen: Der Graben durch den großen Hügel 19 
soll vor Jahren durch einen Generalarzt gelegt worden sein; von Funden 
nichts bekannt. Den westlichsten Hügel der Gruppe im angrenzenden 
Waldteil hat Krämer Binder von Kasing angegraben. Er fand: eine Lanzen- 

') Hierzu beiuerkt Raithel S. 6 : „ Diese in Siiddeutschland und Oesterreich bei vor- 
geschichtlichen Hügelnekropolen wiederholt anzutreffende Bezeichnung bedeutet so viel wie 
, Auf den Grabhügeln ' und ist ebenso wie das gleichbedeutende , Leeberg ' von den ur- 
germanischen Wörtern hlaiwaz, hiaiwiz = Grabhügel abzuleiten, wobei das z nicht unser z, 
sondern ein tönender s-Laut ist, der teils abfällt, teils zu r wird und dadurch die Spaltung 
des Wortes in zwei bewirkt. Eine Weiterbildung davon ist das gotische hlaiwasnös = 
Gräber. Aus den Grundformen entspringen das gotische hlaiw Grabhügel — urnordisch 
(runeninschriftlich) hlaiw — altsächsisch hleo — angelsächsisch hläw, hlew — althochdeutsch 

hleo, leo, auch hlewir, lewir — mittelhochdeutsch le mit Genetiv lewes Bei dem 

Ausdruck ,Auf der Leber' ist also das b kein wirkliches b, sondern ein w, wie es auch 
, gesprochen wird; es liegt außerdem eine volksetymologische Umdeutung eines alten unver- 
ständlich gewordenen „Auf den Lebern" vor". 



78 



spitze, angeblich jetzt in München, und eine „Münze"; von uns dort auf- 
gelesene Scherben, Einl. Nr. 7444', haben Latene-, fast römischen Charakter. 

Grabung 190Q: Im Mai wurden von den 27 Hügeln im Ostteil des 
Gräberfeldes 10 durch die Anthropologische Sektion und 5 durch den 
Historischen Verein Ingolstadt abgegraben. Gutsbesitzer Karl Nold auf 
Erlachhof, Besitzer dieser Waldabteilung und Mitglied der beiden Vereine, 
überließ die Funde in dankenswerter Weise den Museen in Nürnberg und 
higolstadt. 

Geologischer Horizont: Dolomit, äußerster Südrand der Franken- 
jura-Hochebene, der sog. Eichstätter Alb. Benachbart Nester von Solnhofer 
Plattenkalken. Der gewachsene Boden ist gelber, grobkörniger Sand, durch 
den Streifen ziehen, wie Bachbetten, aus kleinen Quarzkörnern bestehend, 
Rückstände einer tertiären Einschwemmung, die auch sonst auf der Jura- 
Hochebene häufig zu beobachten ist. Das zum Hügelbau verwendete 
Steinmaterial sind Dolomitfindlinge z. T. von ansehnlicher Größe. 

Flurplan. 



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— • — • — • Grenze des Noldschen Waldanteils. 

Hügel 2, 5 a, 7, 8, 9, 14, 17, 20, 21, 22 von der Anthropol. Sektion 
ausgegraben; — 19, 23 — 26 vom Historischen Verein [ngolstadt 
ausgegraben; — 6, 10, 12, 18 vom Kgl. Generalkonservatorium für 
unantastbar erklärt; — 3, 4, 11 von Alters her verschleifte Hügel; — 
1, 5, 13, 15, 16 nicht ausgegraben. 



79 



Einzelbeschreibung. 

Hügel 2. 

Fundnummern 35 36 38 bis 42; Tafel 2Q Abb. 1, 2. 

Grundriß und Profil. 




HÜ gel bau: Erdaufwurf beinahe rund, 8 Meter Durchm., 50 cm hoch. 
Ueber der unteren Erdanhäufung eine lückenhafte, ungleiche Steindecke, 
teilweise bis zu 40 cm Stärke, von unregelmäßiger Ausdehnung. Die Erd- 
anhäufung ebenso nachlässig wie die Steindecke; zum Teil (gegen Ost) aus 
weißem, zum Teil (gegen Süd und West) aus gelbem Sand bestehend; im 
übrigen aus schwarzem Humus bezw. Waldboden. 

Weder Kohlenschicht noch -flecken, hie und da Kohlenstäubchen; 
weder Reste von Menschenknochen noch Andeutung von Leichenbrand. 

Funde: Durch den ganzen Hügel vereinzelte Streuscherben 35, vor- 
wiegend roher Gattung; bei 39 ihrer mehrere zusammen, doch konnte nur 
ein Teil der unteren Gefäßhälfte wiederhergestellt werden, Bodendurchm- 
7 cm, dabei ein Henkel; verhältnismäßig viele Bodenstücke von massiven 
Standfüßen 35a— d, welche einen Durchmesser von 9 bis 11 cm annehmen 



80 



lassen, also von großen rohen Gefäßen herrühren. Ein Knollen 35g von 
feingeschlemmtem Ton, anscheinend Bruchteil einer massiven Tonkugel ; 
Bruchkanten verwa- 
schen. Eine kleine 
Anzahlstreuscherben 
gehören einer feine- 
ren Gattung an, düim- 
und dickwandig, teil- 
weise mit Ornament 
Taf. 29 35 h i. Ein 
Bronzezierbuckel zer- 
trümmert,dunkelgrün 
patiniert, Taf. 29 38. 
Die beiden Zahnrei- 
hen eines Rehunter- 
kiefers; Stücke von 
Speiche und Elle ei- 
nes jungen Schwein- 
chens; Knochenstück 
aus der Tibia eines 
jungen Rindes 41; 

Stück einer 
Feuersteinklinge 30 
Tafel 38. 




Beurteilung. 

Das Fehlen von Spuren einer Leiche spricht nicht gegen einen Grab- 
hügel, da alle sonstigen Anzeigen eines solchen vorhanden waren. Den 
wenig sorgfältigen Aufbau, die lässig hingeworfenen Steine, das Fund- 
durcheinander trifft man nicht selten bei Hügeln der ausgehenden Hallstatt- 
oder der beginnenden Latenezeit. Die Bronzescheibe 38 widerspricht 
nicht, wie die gleichen Stücke aus der Hagenreuth zeigen (Abb. 27 S. 138 
der Festschrift 1913) der jüngsten Hallstattzeit. Die Mehrzahl aller Scherben 
ist unbestimmbar; die eingezogenen Standfüße 35a -d können frühbronze- 
zeitlich sein; die ornamentierten Scherben sind es sicher, vielleicht auch die 
Feuersteinklinge 36. Die Scherben 35 e und 39 sind junghallstattzeitlich. Als 
Speisereste erscheinen Teile von Reh und Schwein, nicht aber der Rinder- 
knochen 4-1; er dürfte Rückstand einer Waffe sein. Die Verwendung von 
Knochen und rohen -splittern zu Waffen und Pfeilspitzen war in der jüng- 
sten Hallstatt- und Latenezeit den Funden auf der Houbirg und bei Thal- 
mässing zufolge sehr gebräuchlich. Trotz der Bronzezeitreste ist die 
Hügelerrichtung also etwa zur jüngsten Hallstattzeit anzusetzen. 



81 



Hügel 5a. 

Fundnummern 93 94; Tafel 29 Abb. 3. 

Grundriß und Profil. 



2,90"^- 
90 9 Ost 




Hügel bau: Erdaufwurf nahezu rund, 8 Meter Durchm., 35 cm hoch. 
Ein rundum geschlossener Steinkreis, beiläufig 6 Meter Durchm., 20 cm 
mittlere Höhe, unre- 
gelmäßig und ohne 

Sorgfalt gesetzt. 

Füllungsmaterial 
weißer Sand mit 
vielen natürlich ge- 
sprungenen Horn- 
steinen. Wenige, 
vereinzelte Kohlen; 
keine Knochen, kein 
Leichenbrand. 

Funde: Streu- 
scherben roher und 
feiner Gattung 93. 
Bei 94 Henkelbruch- 
stück und einige 
Scherben eines nicht 
wiederherstellbaren 
Gefäßes, wie die 

ornamentierten 




82 



Scherben 1 und m Tafel 2Q aus einem von groben Beimischungen freien, 
mit feinsten Ghmmerteilchen gespici<tem Ton. Die mit Fingereindrücken 
verzierte Wulst der Scherbe g ist zu einer energischen Warze ausgezogen. 
Einiges Steinzeug mit geringen Bearbeitungsspuren s. f S. 107; Bruchstück' 
einer massiven Tonkugel h, die in der Mitte durchlocht war, mit zwei 
kräftigen, 15 mm langen Vertiefungen. Sonst nichts. 

Beurteilung. 
Der Hügel kann ein Grab gewesen sein, aber sicher ist es nicht. 
Unter den Scherben befinden sich sowohl bronzezeitliche M 1)3 g m k 1 
wie hallstattzeitliche a d f. Der Steinring ist durch keinen Fund datiert. 



Hügel 7. 

Fundnummer 77 bis 79 92; Tafel 29 30 Abb. 4 5. 

Grundriß und Profil. 




Hügel bau: Sandaufhäufung von beiläufig 7 Meter Durchm., 30 cm 
hoch. Enthielt eine breite, ringförmige Steinsetzung von rund 6 Meter Durchm., 
ringsum geschlossen; im Südwesteck mit dem Steinbau von Hügel 8 in 
Berührung. 

Funde: Hie und da etwas Kohle, keine Menschenreste. Viele Scherben 
verschiedener Art 77, beisammeniiegend, darunter das mit starker Ergänzung 
wiederhergestellte Gefäß 77, s. Abb. 4. Unter den wenigen Streuscherben 78 
ein Henkel und einige mit Ornamenten, s. Abb. 5 78a— e. Eine Tasse 79 
stark ergänzt, rötlich braun überfangen, feiner Ton, dünnwandig, mit zwei 
Strichelbändern, Durchm. 13,5, Höhe 5,5, mit Omphalos; bei Behrens, 



83 



Bronzezeit Süddeutschlands erwähnt als „Henkeltasse" 26 467. Ein Henkel ist 
jedoch nicht vorhanden, aber wohl nur deshalb, weil ein Teil der Randpartie 
fehlt. Eine Hörn- oder Feuersteinkugel 78 mit einigen Abschlägen, einiges 
rohes Steinzeug, eine sehr schöne, gezähnte Feuersteinspitze 92, s. Tafel 38. 

Beurteilung. 
Auch bei diesem Hügel kann die Bestimmung als Grabmal zweifelhaft 
sein, sicher ist nur, daß zwei verschiedene Zeiten vertreten sind, die Schale 77 
hat eine nichtssagende Qebrauchsform, wie solche von der jüngeren Hailstatt- 
zeit an häufig sind. Die übrigen Fundsachen sind bronzezeitlich. 

Hügel 8. 

Fundnummern 80 bis 91; Tafel 30 31 Abb. 6 bis 10. 

Grundriß und Profil. 
3bo? 

330?. 




120? 



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84 

Hügelbau. Durchmesser bei 13 Meter, Höhe 135 cm; zur Hälfte 
mit weißem, zur Hälfte mit gelbem Sand überdeckt. Grabessohle nahezu 
2 Meter unter dem Meßbrett. Massiger, aber unregelmäßiger Steinbau von 
11 Meter Durchm., teilweise sehr fest gefügt, in Nordost den Steinbau des 
Hügels 7 berührend, in Südost durch eine Steinbrücke mit dem vom 
kgi. Generalkonservatorium als unantastbar erklärten Hügel 6 verbunden. 

Brandschicht: Gelegentliche Kohlenspuren, aber weder Brandschiciit 
noch Kohlenflecke. 

Leichen: In den unteren Teilen des Hügels, 105 bis 118 cm tief 
unter dem Meßbrett, von der Mitte bis 2,30 Meter nach West Menschen- 
knochen 87 zwischen und auf den Steinen liegend, Abb. 8. Etwas tiefer 
zwischen Steinen steckend die obere Schädelhälfte 89, gleiche Abbildung 
bei B. Einzelne Menschenknochen auch zwischen den unteren Steinen und 
vereinzelt ein solcher auch in einer 12 cm tiefen Grube im gewachsenen 
Boden unter den Steinen, Abb. Q. Einige Fingerknochen und Rückenwirbel 
an verstreuten Stellen; vielleicht Reste von zwei Toten. 

Funde: Metallgegenstände nur in kleinen Resten regellos im Hügel: 
ein kleines Stückchen Bronzedraht; ein kleines Bruchstück eines massiven, 
gebogenen Bronzegegenstandes 82, 110 cm tief; der Bügel eines Bronzezeit- 
Fingerringes 91, 15 cm über dem gewachsenen Boden; unter den Skelett- 
knochen 130 cm tief ein Stückchen Bronzeblech mit Eisenrest 88; ein kleines 
Ringchen 89, lichter Durchm. 8 mm; eine kleine kobaltblaue, einfache Glas- 
perle unter den Streufunden 80; rohes Steinzeug mit Bearbeitungsspuren 




d und k, siehe S. 107 und Tafel 39 k 1, 2; 80: a eine Knochenpfeilspitze; 
zwei Bolzen b von Knochen, c von Hirschhorn. 

Tierreste: Ziemlich weit außen am südlichen Hügelrand mit einigen^ 
Scherben 80 ein rechter Oberarmknochen vom Schwein ; an anderer Stelle 
einer desgleichen von einem großen Schaf; ein Stückchen Unterkiefer milj 



85 



Zahn vom Hirsch ; ein Rinderzahn bei den Scherben 84. Eine Anzahl Gehäuse 
von Hehx nemoralis und der Weinbergschnecke, Helix pomatia, im inneren 
Hügel müssen seinerzeit bei Errichtung des Hügels mit dem überdeckenden 
Sand an ihren Platz gelangt sein. 

Keramik: Viele Streuscherben 80, die meisten von ganz rohen Gefäßen, 
darunter Trümmer mit einer Wandstärke von 24 mm. Bei 84, 85 Scherben 




verschiedener Gefäße beisammen, 76 bis 80 cm unter dem Meßbrett, s. Abb. 7 
bei A; einige zusammenpassende ergaben den Rest eines Tonkessels 84 i von 
wenigstens 30 cm Höhe, rötlichbraun getont, mit löcheriger Oberfläche, 
vielleicht weil die an der Oberfläche befindlichen Quarzkörner, Beimischung 
des Tones, ausgefallen sind. 85 k zeigt Spuren von Graphitierung. 84 q im 
Aussehen wie Sandstein mit steinhart verfestigter Kruste; Ton mit viel kleinstem 
Glimmer und Quarz versetzt, im Kern schokoladebraun, schwach gebrannt; 
breite, jedoch ausgebrochene Handhabe eines großen Gefäßes. — Die Schale 
90 Abb. 10 Tafel XXXI, beiläufig 1,50 Meter unter dem Meßbrett und 
tiefer als Schädel 89 B, eine mit Ergänzung wiederhergestellte Henkeltasse, 
Durchm. 12 cm, Höhe 5,5 cm, dünnwandig, braungrau, mit 5 cm weitem 
Omphalos am Boden; Ornament zwei Dreieckreihen Kerbschnitt in drei 
Linienbändern; erwähnt bei Behrens unter Nr. 26466 S. 113. — Von den 
Streufunden 80 fallen auf die Scherbe m Ansatzteil eines Henkels und die 
große Scherbe n, anscheinend zusammengehörend; beide von einem stark- 
wandigen rohen Gefäß stammend, grau, mit sandig rauhen Oberflächen, 



86 



steinhart, aber nicht stari< gebrannt, Ton stark mit i<leinsten Glimnierpünktchen 
und Quarz durciisetzt. — 80o von rauhem Sandstein kaum zu unterscheiden, 
hellbraun, mit steinhart verfestigter Kruste, im Kern grauschwarz mit viel 




Quarz und ülimmerpünktchen versetzt, schwach gebrannt; mit kräftiger 
Warze. SOp zitzenartig ausgezogene Warze an einer mit Fingereindrücken 
versehenen Wulst; mit Resten von rotem Ueberfang; der Ton stark mit 
Glimnierpünktchen durchsetzt; schwach gebrannt. — Die ornamentierten 
Scherben SOr— v Abb. 6 Tafel XXX, gehören größtenteils dem feineren 
Geschirr an; Scherbe u war vielleicht quer gestreift, es kann sich aber auch 
um die gebräuchlichere Längsstreifung handeln. 

Beurteilung. 
Der um die Wende von Hallstatt- zur Latenezeit mit viel Arbeits- 
aufwand und Mühe errichtete Hügel enthielt viele älterbronzezeitliche Bei- 
mischungen an Scherben und einigen Bronzefragmenten. Die Ausstattung 
der oder des Toten war sehr dürftig; das kleine Bronzeringehen, die Scherben 
SOd— I, die Glasperle, die Tierreste sind von seinem mitbegrabenen Hab 
und Gut übrig geblieben. Die Aufbahrung der Leiche bot das gleiche Bild 
wie diejenige des Latenehügels in der Stadelleite, vergleiche Abb. 8 Tafel XXXI 
mit der Festschrift 1Q13, S. 133, Abb. 19; der Tote war übereinstimmend 
mit jenem Ritus in die Steinsetzung eingebaut, zu Häupten, Abb. 7 bei A, 
Gefäßreste 30 bis 25 cm über ihm, die sicher H4 oder Lj sind, S'thil und 
85 k. Die Schale 90 und die übrigen Scherben m bis v, der Bügel des 
Fingerringes 91 sind bronzezeitlich. 



87 



Also: trotz der Bronzezeit-Beimischungen ist die Be- 
stattung typisch für den Ritus der Späthallstattzeit, wie er 
S. 9 und 72 dieser Abhandlungen festgestellt und geschildert ist. 



Hügel 9. 

Fundnummern 3 bis 28; Abb. 11 bis 14, Tafel 31 bis 33. 

Grundriß und Profil. 




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88 

Hügelbau: Oberfläche gestört; 14 Meter Durchm., 130 cm hoch; 
dazu eine Ueberhöhung von 20 cm zur Unterbringung des Meßbrettes: 
mein Meßbrett lag demnach 150 cm über der Waldboden -Oberfläche 
Hügelsohle in nahezu 2 Meter Tiefe. Die Erdüberdeckung gelblicher und 
weißer dolomitischer Sand, stellenxx'eise so fein wie Dolomitasche und dann 
durch Auslaugung des Kalkes zementartig verhärtet, steinhart und überaus 
schwer zu bearbeiten. Im Gegensatz dazu die Erde unter den Steinen 
dunkel, locker und leicht beweglich, auf Abb. 14 einigermaßen erkennbar. 
Im Unterteil des inneren Hügels Gänge eines alten Fuchsbaues, nach außen 
zu verschüttet und unkennbar. Außerhalb der Steinsetzungen ganz wenig 
Steine. 

Steinsetzung: Ein etwa 1 Meter breites, bis 50 cm hohes, unregel- 
mäßiges Steinlager etwa 15 cm über den gewachsenen Boden ringförmig in 
den Sand gelegt, lichter Durchmesser 10 — 11 Meter. In Nordost eine meter- 
breite Unterbrechung der Steinsetzung; s. Abb. 14^ Ein 85 cm hoher Stein- 
haufen von fast 2 Meter Durchm. inmitten des Ringes, ohne Verbindung 
mit ihm; seine untere Kante lag 150 cm, die obere 65 cm unter dem Null- 
punkt. Alle Steine Dolomitbrocken, groß und klein. 

Brandschicht: Kohle vereinzelt in Stäubchen und Brocken nicht 
selten. Ein Brandfleck in der Nähe der Scherben 17 Nordwest. Im übrigen 
ohne Brandschicht. 

Leichen: Mehrfache Funde von Menschenknochen 13 weisen auf 
mindestens eine bestattete Leiche hin. Schädelrest 28 unter dem Steinhaufen 
in der Mitte, 20 cm über der Hügelsohle. Von Leichenbrand keine Spur. 

Funde: In und unter dem Steinring: 

Einige unscheinbare Honisteinsachen, vielleiLht bearbeitet. — 18 ein Bronze- 
drahtrölichen, spiraiig gewunden, 28 mm lang, Abb. 12. — 

Keramik: 4 Henkel eines derben, braungrauen Gefäßes, sandiger Ton, selilecht 
gebrannt. — 17 Scherben verschiedener Art 10— 14 cm tiefer als der Steinring; Rand- 
stück eines stark gebauchten Gefäßes mit tief eingeschnittenen, gleichlaufenden Rillen, 
S.Zeichnung; Scherben eines großen Topfes mit kräftiger Warze am abgesetzten Rand, 
graubraun, streifig gerauht am Bauch wie 93k Abb. 3. — 17' Fragment einer halb- 
kugeligen Schale mit Henkel oder Warzenandeutuug, hell bis rötlichbraun, Ton voll 
Glimmerstaub, feingeschlemmt. — 19 Henkelkrüglein, 5 cm tiefer als der Steinring; 
stark ergänzt Abb. 11; mit weitem, scharf abgesetztem Trichterhals, mit Strichelung 
am Rücken, dunkelgraubraun, dünnwandig, 90 mm Durchm. am Bauch, 77 mm 
Durchm. am oberen Rand, 8 cm hoch; erwähnt bei Behrens S. 113 als „Henkelkrug 
mit weitem Trichterhals". 

Tierreste: 16 Kalb, r. Oberarm u. r. Speiche, dabei ein Entenschädel, nach 
der freundl. Bestimmung Dr. Staudingers-Halle wahrscheinlich Krickente. 

In und unter der menhirartigen inneren Steinsetzung: 

28 Rest des menschlichen Schädeldaches 20 cm über der Hügelsohle. — 27 
Hund, linkes Unterkieferfragment, Abb. 12; Jagdhundgröße, auffallend schlank, von 
der Spitze des Eckzahnes bis zur Mitte des halberhaltenen Reißzahnes 77 mm. 



89 



Keramik: 26 Scherben zweier Gefäße ineinander am Rand der Steinsetzung, 
20 cm über der Hügelsohle, s. Abb. 13 nach Wegnahme der darüber gelegenen Steine; 
daraus wieder hergestellt, s.*Abb. 11: 26a Henkelschale mit scharf abgesetztem Rand, 
graubraun, dünnwandig, feingeschlemmter Ton mit Olimmerstäubchen, rundMcher 
Boden mit kräftigem Omphalos, 20 cm oberer Durchm., 9 cm hoch ; darinnen lag die 
Tasse 26b mit Schnurösenhenkel; scharf abgesetzter Rand, braun, im Ton wie a, 
runder Boden mit kräftigem Omphalos, 11,5 cm oberer Durchm., 6 cm hoch; bei 
Behrens S. 113. erwähnt als „zwei unverzierte Henkeltassen mit Omphalos". 




In der Erdauffüllung des Hügels: 

Mensch : 13 Oberarmknochen, ganz für sich allein im Sand gelegen. 

Tierreste: Schaf (Haidschnucke?), Speiche, linker Oberarm, Fesselbein, Mittel- 
handknochen. 

Flintgeräte der Abb. 27, Tafel 38: 3 ein schaberähnlicher Silex; 5 eine schön- 
gearbeitete Pfeilspitze;" 11 eine Pfeilspitze mit runder Basis; 10 ein Schaber; 20 ein 
an der Basis stumpfer, sonst rundum bearbeiteter Schaber und andere rohe Formen, 
welche zum Teil unter „Steinzeug" zusammenfassend besprochen sind. 

Bronzen : 6 ein kantiger Bronzering, geöffnet, das linke Ende etwas aufgebogen, 
62 mm lichter Durchm., an der Vorderseite schwach erkennbar eine Riefelung mit 
abwechselnd breiten und schmalen erhabenen Wülsten ; unschöne, mißfarbene Patina; 



90 



4mm hoch, an den hinteren Enden auf 3 mm verjüngt; gefunden 70 cm unter dem 
Nullpunkt. 22 Rest eines Bronzegravier- oder Punzstiftes, beschädigt, 22 mm lang, 
nach der Mitte anschwellend, an einem Ende mit rundem, am anderen Ende mit 
vierkantigem Querschnitt. 28 Nadel einer kleinen Fibel ; nachträglich bei den Streu- 
scherben vorgefunden, Lage nicht mehr feststellbar. 

Eisen: 14 Lanzenspitze mit Tülle, jetzt entrostet und verstümmelt, aber vor der 
Entrostung von eleganter Form, 9,5 cm lang, gefunden 142 cm unter dem Nullpunkt. 
21 Eisenring, 4,5 cm äußerer Durchm., gefunden 112 cm ninter dem Nullpunkt; 
Tafel 32 Abb. 12. 

Keramik: Es kamen nur Streuscherben zu Tage; davon seien erwähnt: 7 Boden- 
stück, Durchm. 5,5 cm, innen und außen mit hellbraunem Ueberzug, im Kern grau- 




schwarz, feingeschlemmter Ton, schwach gebrannt. 8 Rest einer am oberen Rand 
vielleicht 25 cm Durchm. haltenden niederen Schale, außen und innen braunrot, im 
Kern erdfarbener Ton mit etwas Quarzkörnern. 12 Scherbe mit drei Buckeln oder 
Warzen, sandigrauh wie Mörtel, durchaus hellbräunlich. 23a Scherbe eines Henkel- 
krügleins mit Gerstenkorn-Ornament, braun. Mehrere Henkel. 

Unter den auf Tafel 32 Abb. 12, abgebildeten Scherben sind erwähnenswert: 
23 ab Scherbe eines innen und außen mit hellem Braun überfangenen Gefäßes, teil- 
weise angeschmaucht; von feinem, im Kern grauschwarzen, mit viel Olimmerstaub 
durchsetzten Ton; nach oben Ansatz eines breiten, abgebrochenen, eng gelochten 
Henkels; ornamentiert mit hängenden Zweigen in Kerbschnitt. Eine zweite Scherbe 



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trägt dasselbe Ornament, aber unscharf, weil verwaschen und abgescheuert oder gerollt. 
23 ad Scherbe mit dem Ansatz des abgebrochenen Henkels eines mit tiefen Quer- 
furchen ornamentierten, rundlichen Gefäßes. 23x Scherbe eines außen und innen 
brauntonigen Gefäßes von feinstem, mit Glimmerstaub und spärlich mit Quarzkörnchen 
durchsetztem* Ton; Innenseite glatt und flach, die abgebildete Außenseite mit kranz- 
artig aufgesetztem Omphalos, verziert in Gerstenkorn-Technik. 23 y vielleicht eine 
Ansa lunata. 

Die übrigen Scherben erklären sich selbst. 

Beurteilung. 

Der Bronzering 6, die Fibelnadel 23, die Lanzenspitze 14, der Eisen- 
ring 21, die Scherben der nebenstehenden Textabbildung größtenteils und 
viele nicht abgebildeten gehören der jüngsten Hallstattzeit, H4, an, die 
übrigen Gegenstände der Bronzezeit, B^. Der Hügel wurde also zweimal 
zu Begräbnissen benützt. 

Alle unter Steinsetzungen gefundenen Gegenstände rühren aus der 
Zeit der ersten Benützung her, und das nötigt zu der Annahme, daß die 
beiden Steinsetzungen bronzezeitlicher Abkunft sind, und daß Steinkranz 
und menhirartiger Innenbau zusammengehören. Die Scherben, bez. Gefäße 
26a und b und der Schädelrest 28, beide in gleichen Tiefen und in an- 
gemessenen Entfernungen von einander gefunden, können ein Rest der 
rituellen Bronzezeit-Bestattung sein, die mehrere Gefäße zu Füßen der auf 
dem Rücken ausgestreckt ruhenden Leiche hat, wie es bei Hügel 25 S. 114. 
der Fall war. Ich habe aber leider während der Grabung versäumt darauf 
zu achten, ob zwischen 26 und 28 die Färbung oder sonstige Spuren im 
Erdreich auf das Lagern einer Leiche hindeuteten. Mithin kann man das 
nur als wahrscheinlich oder möglich, nicht aber als bewiesen erachten. 

Hügel 14. 

Fundnummern 43 bis 57. Abb. 15 bis 18. 

Hügelbau: Durchm. 15, Höhe 2 Meter; Nordostviertel zerstört bis 
auf den gewachsenen Boden. Erdaufwurf im oberen Teil locker, an un- 
berührten Stellen unten teilweise ebenso fest wie in Hügel Q. Außerhalb 
der Steinsetzungen Steine vereinzelt. Unten verschüttete Gänge eines alten 
Fuchsbaues. 

Steinsetzung: Ein in der Breite und in der Höhe ungleichmäßiger 
ringförmiger Steinkranz im Erdaufwurf des unteren Hügels, die untere 
Kante schwankend zwischen 20 und 50 cm über der Hügelsohle, unter- 
brochen an der gestörten Stelle; Durchm. 10 bis 11 Meter. Ein halber 
Steinring (?) im oberen Teil des Hügels von 108 cm ansteigend bis zur 
Hügeloberfläche, s. Abb. 18; ob es eine ursprünglich sichelförmige Stein- 
setzung war, wie Raithel sie bei seinem Hügel 25 angenommen hat, oder 
eine ehedem geschlossene Steindecke, oder was es sonst war, ließ sich eben 
der Störung wegen nicht feststellen. 



92 



Grundriß und Profil. 







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Brandschicht fehlt; gelegentliche Kohlenstückchen; ein Brandfleck 
von geringer Ausdehnung im Westen 215 cm tief, etwa 30 cm tiefer als 
die Steine. 

Leichen: Im zerstörten Teil des Hügels ein menschlicher Calcaneus 
und auch sonst einige Stückchen anscheinend menschlicher Knochen. Kein 
Leichenbrand. 

Tierbeigaben: Auf einem Klumiien 90 bezw. 107 cm unter dem 
Meßbrett außerhalb der oberen Steinsetzung, s. Abb. 16, ein Hirschschädel 
55 mit Atlas und mehreren Halswirbeln, der Länge nach gespalten; 
darunter vermorschte Rinde, also wahrscheinlich auf Birkenrinde gelegen ; 
sonstige Funde nicht in der Nähe. An anderen Stellen: Atlas und andere 
Hirschknochen, ein Schafschädel, ebenfalls auf Rinde liegend, und Schaf- 
knochen; Fesselbein eines erwachsenen Rindes; Oberarmknochen vom Reh; 
Dachsknochen von zwei Individuen; Hasenknochen; 13 ein Eberzahn aus 
dem unteren, W^ desgleichen aus dem oberen Teil des Hügels, s. Abb. 15. 



93 

Keramik: Scherbenfunde zahlreich, meist unbestimmbares Material. 
Die Streufunde aus dem unteren Hügel tragen die Nummer 43, solche aus 
innerhalb der oberen Steinlage 043. 

43 a großes Bruchstück eines Tonkessels von etwa 36 cm Höhe, am 
oberen Rand etwa 22 cm Durchm., Ton mit starkem Quarzzusatz, rötlich- 
semmelfarbener Ueberzug; auf dem Rücken ornamentiert mit Buckeln, 




welche der Finger einer kleinen Hand von innen heraus in den weichen 
Ton gedrückt haben kann ; darüber eine Reihe annähernd viereckiger Ver- 
tiefungen. — Größere Scherbenfetzen mit verwaschenen Kanten, fast flach, 
also von einem sehr großen Gefäß herrührend, 14 mm Wandstärke, im 
Kern dunkelbrauner, feingeschlemmter Ton, außen braungrau überfangen, 



94 

Gefäßform unkenntlich. — Eine gleichfalls 14 mm dickwandige Scherbe 
von ziegelsteinartiger Beschaffenheit, im Kern schokoladefarben, außen lebhaft 
rot überfangen, mit Kies gemischter Ton. — Rauh geriefte Scherben wie 
93 k Abb. 3. — Dünnwandige, braune Scherbchen kleiner Gefäße von 
feinster Tonmischung, darunter 43c, Teil einer halbkugeligen Henkeltasse 
mit abgesetztem Hals. — Scherbchen mit eingeritzten Dreieck- und Strich- 
ornamenten 43 k m n, eines mit Fischgräten- oder Koniferenzweig-Ornament 
431, S.Abb. 17. — 43 e, Henkel eines großen, rohen Gefäßes, durch und 
durch mit Quarz versetzter Ton, schwach gebrannt aber steinhart infolge 
Durchdringung mit Kieselsäure, im Kern braun, von außen rötlich-hellbraun, 
nach oben geknickt und mit Zäpfchen. — Sodann Gefäßscherben mit 
stumpfem grauschwarzen Ueberzug und Resten von Qraphitierung, 43 f; 
ähnlich 43 d. 

Die getrennt gehaltenen Scherben des oberen Hügelteiles 043 sind 
ebenso bunt gemischt wie die von 43 aus dem unteren Teil, die Trennung 
war also überflüssig. Ein Gefäßstück 043 g mit völlig verwaschenen Kanten 
und ehemals rot überfangener, vielfach abgeblätterter Oberfläche läßt ein- 
geritzte, schraffierte Dreiecke und darunter ein Strichband erkennen. Ein 
Randstück von dünnwandigem Gefäß aus feinstem Ton mit schönem, matt- 
glänzenden, rotbraunem Ueberzug zeigt ebenfalls eingeritzte Dreiecke, 043 i. 

Sonstige Funde: Eine eiserne Schließe 53 im Schutt des gestörten 
Teiles; ein Bronzedraht 48 etwa 40 cm lang, zusammengeknüllt, s. Abb. 15. 

Beurteilung. 

Auch ohne die ausgiebige Störung hätte der Hügel kein klares Bild 
hinsichtlich der vermutlich darin beigesetzten Toten gegeben; ein Grabmal 
war es jedenfalls, dafür sprechen alle Anzeichen. Im Scherbenmaterial über- 
wiegt die Bronzezeit, welcher auch die Eberzähne angehören dürften, doch 
ist die jüngste Hallstattstufe gut vertreten, und wahrscheinlich gehört ihr 
auch die obere Steinsetzung an, in der eine Hügeldecke vermutet werden 
darf. Von den Tierresten sind Hirsch, Reh, Schaf und Rind als mutmaßliche 
Totenbeigaben zu betrachten. Die Reste von Dachs und den kleineren 
Tieren werden den vierbeinigen Bewohnern des Hügels zu verdanken sein. 

An dem unschön patinierten, im Innern messingglänzenden Draht 48, vermutlich 
zu H^ gehörig, hat die Untersuchungsanslalt der Firma H. D. Wilke Nachf., Inhaber 
O. H. Dohne in Letmathe im November 1921 eine Untersuchung vorgenommen, um zu 
ermitteln, ob er durch Ziehen oder Schmieden hergestellt ist. Ein mit ammoniakalischem 
Kupferchlorid geätzter Längsschliff ergab nach allen Richtungen gleichmäßig aus- 
gebildete Kristallite. Daraus ergibt sich, daß der Draht nach der Bearbeitung geglüht 
worden ist ; Angaben über die Art der vorausgegangenen Bearbeitung lassen sich 
aber nicht machen. 



Hügel 17. 

Fundnummer 58, Ol bis 76; Abb. 19 bis 22. 

Grundriß und Profil. 



95 




Qe w-c^c C\^ <2^\^ ts^y~ (j\ ^ odc-vx 



Hügelbau: 13 Meter Nord-Süd-Durchm., 10 Meter West-Ost-Durchm., 
1,40 Meter Höhe, unberührt. Der Waldboden von Nord nach Süd abfallend 
(Bodentiefe in Nord 150, in Süd 192 cm). 

Steinsetzung: 10 bis 20 cm über dem gewachsenen Boden in den 
Erdaufwurf ringförmig gelegte Steine in unregelmäßiger Anordnung ohne 
Unterbrechung mit je einer Steinbrücke nach den Hügeln 16 in Ost und 
18 in West s. die Abb. Tafel XXXV. Inmitten des Erdaufwurfes ein Stein- 
haufen für sich ohne Verbindung mit dem umgebenden Ring; über dem- 
selben und etwas seitlich davon eine kleine, obere, unregelmäßige Steindecke 
s. Abb. 22 und Profil. Außerhalb der Steinsetzungen keine Steine. 



96 

Brandschicht: An zwei Stellen unter den äußeren Steinen Kohlen- 
flecke s. Grundriß; Kohlenspuren auch unter dem inneren Steinhaufen, aber 
keine durchgehende Brandschicht. 

Leichen: Zwischen den Steinen des Mittelhaufens, zum kleinen Teil 
auch vor ihnen in 125, 135 bis 149 cm Tiefe unter dem Meßbrett, also 
20 bis 25 cm über dem gewachsenen Boden von Nordost nach Südwest 
gerichtet menschliche Skelettreste. Beigaben nicht in nächster Nähe. 

Tier beigaben: Von Tieren herrührende Knochen kamen nicht zum 
Vorschein; indessen fand sich ein Schafzahn unter der inneren Steinsetzung. 

Keramik: Mit 58 wurden die Streufunde aus dem Erdaufwurf und 
dem Steinring, mit 66 diejenigen des geschlossenen inneren Steinhaufens 
numeriert. Wenige Scherben, mit unansehnlichen Ausnahmen s. Abb. 21 
ohne Ornamente, keine Randstücke; sie verteilen sich auf beide Arten: grobe, 
mit viel Quarzkörnern, einmal sogar mit fingernagelgroßem Kiesel und 
dünnwandige Scherben von feingeschlemmtem Ton, rötlichbraun überfangen. 

Sonstige Funde: Die Fibel 76, gut erhalten, doch ohne Verschluß- 
nadel; der hohle Knopf auf dem Fuß enthielt Spuren einer weißen Masse, 
die aber beim Tränken in heißer Oelatinelösung leider verschwand. Zwei 
kobaltblaue Perlen mit Einlage 74 und 75; alle drei Funde aus der oberen 
kleinen Steindecke bezw. der oberen Lage des Steinhaufens seitlich der 
Mitte. Ein Spiralfingerring von Bronze 67 und Teile von solchen, eine 
Bronzescheibe 72, ein Bronzeringehen 68 fanden sich im Steinhaufen der 
Mitte verstreut. Eine Anzahl roh bearbeiteter Feuersteine, bemerkenswert 
insbesondere a (61) s. Text- Abb. S. 107. 

Beurteilung. 
Gleiche Mischung von Jung- und Altsachen wie in den anderen Hügeln 
Die Fibel ist typisch für H^, auch die Perlen gehören in diese Zeit, ebenso 
wie ihr auch die obere unregelmäßige Steindecke zugeschrieben werden 
muß. Bronzezeitlich sind einige der Scherben und die übrigen Bronzen. 
Es stand zu hoffen, daß die nach ihrer Freilegung sich völlig unversehrt 
darbietende untere Steinsetzung mitten im Hügel, s. Abb. 22, guten Aufschluß 
über die Zeit der Errichtung geben würde. In der Tat sind auch alle darin 
gemachten Funde bronzezeitlich. 



Hügel 20, 21, 22. 

Fundnummern 59 60; 2; 29 bis U. Abb. 23 bis 26. 

Ein Hügel hatte 6, die beiden anderen je S Meter Durchm. Die Höhen 
betrugen 25, 40 und 55 cm. Der Erdaufwurf deckte in jedem Hügel eine 



97 



Grundrisse und Profile. 




Hügel 20 





Hügel 21 



Hügel 22 



98 



unregelmäßige Steinlage in Ringform mit je einer Oeffnung in Nordost, 
s. Abb. 25. Hügel 20 hatte zwischen den Steinen der Oeffnung einige im 
Boden eingelassene Steinplatten wie eine Andeutung von Pflaster. Brand- 
schichten waren nicht vorhanden, aber hie und da Klümpchen von Kohlen, 
An Funden kamen sowohl bronze- als hallstattzeitliche Scherben zum Vor- 




schein; in Hügel 22 fand sich ein zerbrochener Fingerring der gleichen Art 
wie 67 Abb. 21. Feuersteine mit Merkmalen der Bearbeitung fanden sich 
mehrfach, aber keine typischen Formen. Anzeichen von Bestattungen ergaben 
sich nicht, weder Leichenbrand, noch Knochenreste. 



99 



Gesamtüberblick. 

Die Metallfunde 

geben wenig Anlaß zu Bemerkungen. Die für die ältere Hügelgräberbronze- 
zeit charakteristischen Fingerringe mit Spiralscheiben waren in einem voll- 
ständigen Exemplar 67 und außerdem in Bruchteilen von mindestens fünf 
anderen vertreten. Sie scheinen im nördlichen Bayern nicht selten zu sein; 
wir besitzen außerdem Bruchstücke solcher von Labersricht und vom Linden- 
bühl und einige aus der Oberpfalz. Nach Behrens S. 217 finden sie sich 
in Frauengräbern bisweilen in großer Zahl, meist allerdings nur ein Paar. 

Ebenso typisch ist für H^ die Fibel 76 mit Fußzier, zu Schema 18 
des Beltzschen Fibelkataloges gehörig; die unsrige ist bei ihm erwähnt 
S. 875 unter Nr. 142. Die Heimat der verschiedenen Abarten dieses Schemas 
ist Süddeutschland, das Verbreitungsgebiet annähernd dasselbe wie das der 
Paukenfibeln. Die Fibeln der Kasinger Art scheinen ein Verbreitungszentrum 
im südlichen Teil des Frankenjuras zwischen Laaber, Altmühl und Donau 
zu haben : drei von Muttenhofen, zwei von Staufersbuch, drei vom Paradies 
im Raitenbucher Forst bei Eichstätt'). Eine der letzteren, bei Reinecke ab- 
gebildet, Altertümer unserer heidnischen Vorzeit, V Tafel 27 Nr. 482 der 
unsrigen fast genau entsprechend, hat einen Koralleneinsatz im Knopf, und 
der Rest eines solchen war auch bei unserer Fibel vorhanden. Ein anderes 
Verbreitungszentrum dieser Art Fibeln mit Schlußknöpfen und Korallen- 
einlagen führt Naue an nach Salomon Reinach in der Champagne, besonders 
im Depot der Marne, Präh. Blätter XIV 1902 S. SS^. 

Raithel gibt S. 4 die Analyse der Bronzemischung einer bronzezeitlichen 
Gewandnadel aus Hügel 25; es ergaben sich 92,3 "/o Kupfer, 7,2 7o Zinn 
und 0,3 7o Nickel. Blei und Zink waren nachweislich nicht enthalten. Die 
fehlenden 0,2 % sind auf Verunreinigung durch Reste von Patina zurück- 
zuführen. 



Die Keratnilf. 

Von den sechs Gefäßen, welche die Grabung ergeben hat, sind fünf 
bronzezeitlich; sie waren trotz der späteren Wiederbenützung der Hügel 
ganz erhalten oder leicht wiederherstellbar. Das sechste, ein unbedeutender 
hallstattzeitlicher Napf 77, wurde mit Hilfe starker Ergänzungen aus Scherben 
gewonnen. 

') Beltz bildet unter Abb. 51 ein Exemplar gleicher Art nach Naue Präh. Blätter 
XIV Tafel VII 11 ab von Wimpasing, Bezirksamt Beilngries. Die 16 Wimpasing und 
3 Wimpassing Bayerns liegen aber nach Orübels statistischem Ortslexikon des Kgr. Bayern 
alle in Ober- und Niederbayern, keines in der Oberpfalz. Die 3 Fibeln vom Paradies sind 
abgebildet bei Pickel, „Beschr. versch. Altr., welche in Grabhügeln alter Deutschen nahe bei 
Eichstätt sind gefunden worden", Nürnberg 1789. Die Skelette in Hügel 2, wo die Fibeln 
sich fanden, hatten viel Oeschirr bei sich. Es handelte sich also wohl um Bestattungen nach 
dem alten Ritus von H3 in der Späthallstattzeit. 



100 

Das übrige keramische Material sind Einzelscherben, Streu- 
scherben, aus denen die Oefäßform nur ausnahmsweise ersichtlich ist. 
Viele Randstücke verweisen auf die ausgehende Hallstattzeit. Die große 
Masse gehört ganz rohem, dickwandigem Geschirr an; die geringe \^Wölbung 
mancher umfangreicher Scherbenfetzen läßt auf ansehnliche Oi^cße der 
Gefäße schließen. Häufig ist die Außenseite, zuweilen auch die Innenseite, 
sandig rauh; sie sind zwar nicht hart gebrannt, aber schwer zu brechen, 
vermutlich weil sie durch langes Lagern im Boden m.it Kieselsäure verfestigt 
und gehärtet sind. Vereinzelte Scherben aus verschiedenen Hügeln sind 
durchaus ziegelrot, wie nachträglich durchgeglüht. Viele haben rundliche, 
verwitterte oder verwaschene Bruchflächen. Die rohen Scherben sind zeitlich 
zwar nicht zu bestimmen, sicher aber zumeist bronzezeitlich wie die gleich- 
gearteten Scherben mit Warzen. 

Die Scherben des dünnwandigen, hell- oder lederbraunen Geschirres 
von feingeschlemmtem Ton kennzeichnen die Ornamente als bronzezeitlich. 
Ueber die Gefäßformen läßt sich kaum etwas sagen; einige gehörten zu 
kleinen Täßchen. 

Bronzezeitkeramik. 

Die überhöhten, plastischen Verzierungen. Eine größere 
Anzahl Scherben tragen schmale, andere breite Tonwülste mit den bekannten, 
an keine Zeit gebundenen Fingereindrücken der verschiedensten Art oder 
sonstige Einkerbungen. Eine glatte, scharfkantige Leiste 4 hat die Scherbe 23a, 
und die untere Gefäßwand ist künstlich gerauht, wie des öfteren bei Ton- 
kesseln der jüngeren Hallstattzeit; doch kommt diese Technik auch früher 
schon vor') und kann also auch der Bronzezeit angehören. Gewiß gehören 
dahin die Scherben, deren Tonwülste mit kräftigen Warzen ausladen, z. B. 
80 op und 93 g. Warzen sind auch sonst vorhanden, 43 b 16, und neolithische 
Erinnerungen scheinen auch in ihrer Anwendung fortzuleben. 

Die Scherbe 12 aus Hügel 9 trägt drei pyramidenförmige Buckel von 
8 und 10 mm Höhe; sie ist rauh, 13 mm dick und fast flach, hat also zu 
einem großen Gefäß wahrscheinlich einer rohen Gebrauchsgattung gehört. 
»Man sollte meinen, daß eine so auffällige Form des Dekors zur Zeit- 
bestimmung höchst geeignet sein müßte. Das ist aber nicht der Fall. Denn 
solche Gefäße kommen von der jüngeren Steinzeit ab bis in die römische 
Zeit hinein vor. Daraus ergibt sich, daß das Vorbild zu dieser Art nicht 
unbedingt in getriebenen Metallgefäßen gesucht werden muß. Der Vergleich 
liegt ja allerdings nahe, besonders wenn man an die mit Bronzeknöpfchen 
besetzten Tongefäße denkt, die gleichsam eine Zwischenstufe zu bilden 
scheinen 2)." Nach Seger führen Gefäße dieser Art in der Literatur den 

') Siehe die Scherbe 1 der Abb. 5 bei Bersu, Tonscherben aus d. spätbronzeztl. Siedig. 
Mergenthciiii, Fiindberichte aus Schwaben 21.Jhrg. 1913 S. 19 oder das Aunjetitzer Gefäß 
von Staiikowitz in Nordböhmen nach Weinzierl Mannus I. Bd. S. 200. 

-) Fuhse, Oräbeifelder der ältesten und älteren Eisenzeit aus der Gegend von Braun- 
schweig; Mannus VIII 1917 S 1Ö9. Auch unter niykenischen Vasen finden sich solche Igel- 
gefäße, Furtwängler und Loeschcke, Myk. Vasen Taf. III 22 V zugleich mit Sieblöchern. 



101 

Namen Igelurnen oder besser Warzenurnen '). In unserer Nähe, Dechsendorf 
bei Erlangen, wurden zwei ähnliche Scherben, mit rohen, unregelmäßigen 
Klümpchen besetzt, in einem Hügel von Lj gefunden-). Die Zeitstellung 
unserer Scherbe ist nach alledem unsicher; ich halte sie jedoch für bronze- 
zeitlich. 

In größerer Zahl sind Scherben vorhanden, deren Außenseite roh 
gestreift ist, wahrscheinlich durch Fingerstriche 59 78 80v93. Sie gehörten 
ausschließlich Gefäßen mit rauher, quarzreicher Oberfläche an. Ein solches 
bildet Naue ah^); auch Kiekebusch hat derartige Scherben in dem jung- 
bronzezeitlichen Dorf bei Buch angetroffen *). Ein wiederherstellbares Gefäß 
dieser Gattung ist inzwischen aus einem Bronzezeit-Grab, Bj, aus Appen- 
stetten-Thalmässing in unsere Sammlung gelangt. 

Henkel haben sich in größerer Anzahl gefunden. Die breite, abge- 
brochene Handhabe 84 q des Hügels 8 erinnert an ähnliche Vorkommnisse 
aus der jüngeren Bronzezeit bei Naue. Der Henkel 43 e des Hügels 14 war 
mittelst eines Zäpfchens der Gefäßwand eingefügt. Ein ganz gleiches Stück 
bildet Hrodegh aus dem Burgstall von Kronhegg im Loistal ab '■) ; er ver- 
mutet, daß es steinzeitlich ist. In unserem Hügel zählt es sicher zur Bronze- 
zeit wie die Mehrzahl der übrigen Henkel. 

Die Ornamente: Nur ein Teil der Scherben trägt Ornamente und 
fast nur die dünnwandige feinere Ware. Sie sind geritzt oder eingestochen, 
eingestempelt, eingeschnitten und hier größtenteils photographisch wieder- 
gegeben, Taf. 2Q bis 38. Farbige Ausfüllung der Vertiefungen ist nicht 
feststellbar, bei manchem Ornament jedoch zu vermuten nach Beispielen 
von anderwärts. Der Motivenschatz besteht mit einer Ausnahme (43 ab) 
aus Linien, Kreisen, Vierecken und gerstenkornartigen Vertiefungen. 

Lineare Verzierungen: In Abständen sich folgende wagrechte 
Linien ohne anderen Schmuck, z. B. 23 59 80 und sonst, sind teils tief 
eingeschnitten, teils geritzt 59 23 ad. Horizontale, senkrechte und Winkel- 
Bänder sind gebildet aus je zwei Linien, bald leer, bald mit den gersten- 
kornartigen Eindrücken gefüllt; breitere Bänder 2 und Dreiecke, sog. Wolfs- 
zäline, tragen schräge Strichschraffuren 43. In Tiefstich hergestellte, 2 31 
59 80 oder flach eingestempelte 78 a Gerstenkörner in zwei Reihen sich 
gegengestellt ohne begleitendes Linienband, bilden zweigartige Ornamente, 
einen Blätterkranz, ohne und mit Blattstengel 2. Striche statt der Gersten- 
körner gegenständig an eine aufsteigende Linie gestellt, 431 geben das 
sogen. Tannenzweig- oder Fischgrätenmuster. 

') Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift VI 3 Seite 182. 

^) Erhard, Hügelgrab bei Dechsendorf, Beitr. z. AU. Bayerns IX 1 890 S. 74 u. Taf. X Fig. 5. 

') Naue, Bronzezeit in Oberbayern Taf. XXXVI 1 u. im Text Fig. 96 S. 200 ; oder das 
altbronzezeitliche Nutzgefäß von Stankowitz in Nordböhmen nach Weinzierl, Mannus I S. 205. 

*) Kiekebusch, Die Ausgrabung eines bronzezeitlichen Dorfes bei Buch ; Präh. Zeitschr. II 
1910 Abb. 14 S. 405 unten links. 

=■) Wiener Präh. Zeitschr. IV 1917 S. 58 Abb. 4 b. 



102 

Die gleichen Motive und die damit bewirkten Zusammensetzungen 
bilden einen namhaften Bestandteil des Oberpfälzer und südbayerischen 
Bronzezeitornamentes; anderwärts sind sie teilweise schon in der Steinzeit 
üblich, die Linienbänder in der Winkelbandkeramik, das Tannenzweigmotiv 
in der Schnurkeramik. Das bestätigt die Worte Schumachers: „Wir können 
uns also schwer der Erkenntnis verschließen, daß zum wenigsten ein Teil 
der spätneolithischen Bevölkerung in Bayern wie auf der Schwäbischen Alb 
ruhig sitzen blieb und bis tief in die Bronzezeit hinein die altgewohnten 
Qefäßformen und Verzierungsmuster herstellte " '). 

Kerb schnitt ist in zweierlei Anwendung vorhanden. Die Tasse 90 
ist mit den bekannten Dreiecken eingeschnitten, die am Grunde durch Ein- 
stiche gerauht sind, ein Beweis dafür, daß sie mit Farbe, wahrscheinlich 
mit weißem Kalk eingelegt waren. Diese geometrische Kerbschnittdekoration 
hat ihr Hauptverbreitungsgebiet in Württemberg, ist aber auch in Bayern 
nicht selten. Die zweite Anwendung zeigt den Kerbschnitt in Verbindung mit 
naturalistischer Dekoration, wofür mir anderweitige Beispiele nicht bekannt 
sind, Taf. 32 23 ab. Das häufige Blätterzv/eigmotiv der vertieften Gerstenkorn- 
technik ist hier umgekehrt und ins Plastische übersetzt; die Zweige treten 
erhaben aus dem durch Kerbschnitt vertieften Grund heraus, die Blätter 
sind frei behandelt, wie mit dem Bossierholz überarbeitet, eine für so frühe 
Zeit ganz ungewöhnliche Technik. Das Gefäß scheint mit hängenden 
Zweigen vollständig bedeckt gewesen zu sein. In Gerstenkorntechnik ist 
das Motiv nicht selten; eine von Naue abgebildete Tasse aus Oberbayern 
ist ganz mit Blätterzweigen behängt-), und schon in Megalithgräbern im 
Norden kommen sie vor^). Auch die von Steinmetz im Brandholz bei 
Laaber gefundenen Gefäße sind hier zu nennen *). Unter frühmittelalterlichen 
bezw. frühgermanischen Scherben von der „Krottengasse" bei Trimbach- 
Solothurn ') ist das Motiv der hängenden Zweige in Plastik mehrfach ver- 
treten, nicht auf ausgekerbtem Grund, sondern in Relieftechnik, vielleicht 
gepreßt? E. Tatarinoff, dem ich eine Abbildung unserer Scherbe übersandte, 
hat die Aehnlichkeit gleichfalls festgestellt; er fügt hinzu, daß bei den 
Scherben aus der Krottengasse Hallstattzeit nicht ganz ausgeschlossen sei. 
An der Fundstelle war nur ein unklares Schichtenprofil vorhanden, und in 
unmittelbarer Nähe ist eine hallstättische Wehranlage, Refugium Dicken- 
bännli. Für unsere Kasinger Scherbe, zu der noch eine stark verwaschene 
zweite vorhanden ist, halte ich der Kerbschnitt-Technik und der verwaschenen 
Kanten der Scherben wegen an bronzezeitlicher Abkunft fest; möglich, daß 
auch hier der vertiefte Grund mit anderer Farbe eingelassen war. 

') K. Schuniaclier, Stand und Aufgaben der bronzezeitl. Forschung in Deutschland. 
X. Bericht der Röm.-germ. Kommission 1917 S. 34. 

-) Naue Bronzezeit in Oberbayern, Tafel 48, Abb. 1 und la, Text S. 225. 

") Topf von Blengow; Beltz, die vorg. Altertümer des Großh. Mecklenburg-Schwerin 
Tafel 17, 155 Text S. 85. 

*) Vhdlgn. d. Histor. Ver. in Regensburg LV. Bd. 

*) Fünfter Jahresber. d. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 1912 Abb. 60 S. 217. 



103 

Buckelkeramik wird erst in der jüngeren Bronzezeit häufig, begeg- 
net aber nach Schumacher ') in West- und Süddeutschland im allgemeinen 
überall, wo die Kerbschnittkeramik zu Hause ist. Die Reste des großen 
Tonkessels 43a haben Buckel am Rücken des Gefäßes; der gerade Hals, 
die Oefäßform überhaupt erinnern an jüngere Bronzezeit. Aber die darüber 
befindliche Reihe schwach und etwas undeutlich eingedrückter Vierecke 
weist auf ein Gefäß der Kerbschnittkeramik hin, wie es Behrens ähnlich 
aus Oberbayern anführt 2). Möglicherweise besaß das unsere gleichfalls einen 
Henkel, aber aus dem Bruchstück ist das nicht ersichtlich. 

H a 1 1 s t a 1 1 k e r a m i k. 

Bei den als hallstattzeitlich bestimmbaren Scherben fehlen Ornamente 
ganz, und Graphitierung ist nur in Andeutungen erhalten geblieben. Sicher 
kenntlich und in H4 unterzubringen ist eine Anzahl Randstücke. Die viel- 
fach geradlinige Randkante, der Mündungsrand, z. B. 93a, b, d, f, tritt in 
dieser Häufigkeit eigentlich erst in L, auf, doch fehlen die dieser Stufe 
außerdem eigentümlichen schönen Randprofile vollständig; von Li ist also 
abzusehen. Es kann sein, daß in dem außerhalb des Noldschen Grund- 
stückes gelegenen westlichen Teil der großen Nekropole Latenestufen vor- 
handen sind, denn im Abraum eines von früher her angebrochenen Hügels 
fand ich Scherben, welche fast an römische Terra sigillata erinnern, aber 
unsere Grabungen förderten nichts dergleichen zu Tage. Wie in unserer 
sonstigen Hi-Keramik üblich, kommen gelegentlich auch ältere Formen vor^); 
so gleicht der Gefäßrest 8 aus Hügel 9 dem Topf 2 von Oberreinbach 7317 
Festschrift 1Q13 S. 126 Abb. 10, welcher dort der zweiten oder jüngeren 
Hälfte von H.; angehört; das Kasinger Stück weist sich aber durch die 
geradlinige Oberkante als jünger und zu H4 gehörig aus. 

Herkunft der Scherben. 

Chronologisch bestimmbare Bronzezeitreste, Scherben und Bronzen, 
fanden sich als Streufunde in allen von uns geöffneten Hügeln, auch in 
denen ohne Steinkränze. Das erklärt sich aus der Wiederverwendung der 
alten Hügelerde als Füllmaterial. 

Die eingerissenen Bronzezeithügel wurden nicht alle wieder als Hügel 
neu aufgebaut. Die Planzeichnung des Noldschen Anteiles an der Kasinger 
Nekropole S. 78 läßt ersehen, daß auch auseinandergerissene Hügel, Hügel- 
fragmente, vorhanden sind, 1, 3, 11, links und rechts von 4, neben 3; 
ich sehe in ihnen niedergerissene Bronzezeithügel, aus denen die Hallstatt- 
leute Matedal zu ihren Hügeln entnommen haben, und auch dabei geneten 
unabsichtlich Scherben und Bronzetrümmer in die Neubauten. Das Gleiche 
habe ich bei dem Hügel 7374 in der Stadelleite beobachtet und in der 

•) S. 34. 

') Tafel VII Fig. 30 S. 113. 

') Vergleiche Schönberg 7971 13 18 Tafel XXVI Abb. 52 dieses Bandes. 



104 

Festschrift 1Q13 S. 135 beschrieben; dort deci<te die Abgrabung des Latene- 
hügels ganz unverhofft ein vorher unl<ennbares Bronzezeitgrab nebenan auf, 
dessen Material wie bei Kasing in den jüngeren Hügel eingebaut worden war. 

Auf anderen Ursprung vieler Streuscherben macht Dr. Reinecke auf- 
merksam •): In manchen Fällen stammt das Erdreich, mit dem die Tumuli 
errichtet sind, aus älteren Wohnstätten, und mit dem Schutt kamen zugleich 
die Scherben in die jüngere Orabausstattung der Hügel. „Da wo Streu- 
scherben usw. in erheblichen Mengen in einem Hügel oder in einer Hügel- 
gruppe begegnen, darf ohne weiteres also auf ein enges Nebeneinander von 
Wohn- und Grabstätten geschlossen werden. Entsprechend wird da, wo 
sie ausbleiben, die Nekropole erst in einiger Entfernung etwaiger älterer 
oder der gleichalterigen Niederlassungen angelegt worden sein. . . . Anders 
hingegen liegt die Sache da, wo die Beisetzungen in den Hügeln und die 
Streufunde das gleiche Alter haben .... Nach unseren Beobachtungen in 
Bayern gilt dies insbesondere für die ältere Hügelgräberbronzezeit, in der 
auf süddeutschem Boden nicht selten die Tumuli einfach inmitten der zu- 
gehörigen Wohnstätten angelegt, die Toten mithin sozusagen in oder zwischen 
den Häusern und Hütten bestattet worden sind .... Dieser, im vorgeschicht- 
lichen Mitteleuropa äußerst befremdende Brauch hat allerdings einmal in 
früherer Zeit große Verbreitung im altweltgeschichtlichen Kreise gehabt — 
auf sein Vorkommen außerhalb dieses Kreises gehen wir hier nicht weiter ein. 
Zweifellos steht er im Zusammenhang mit uralten Seelenkultvorstellungen, 
eine Erinnerung daran hat sich ja bei Griechen und Römern wie Germanen 
noch spät erhalten .... So wie im Mittelmeergebiet, reicht auch bei uns 
dieser Brauch weit in das zweite vorchristliche Jahrtausend zurück. Ja, es 
treffen die ältermykenische Stufe im Aegäikum und unsere ältere Hügel- 
gräberbronzezeit zeitlich einigermaßen zusammen. Es ist da wohl kein 
Zufall, daß der auf uralte Vorstellungen zurückgehende Brauch der Bestattung 
der Toten in Häusern im Norden wie im Süden ungefähr zur gleichen Zeit 
wieder auflebt. Bevor jedoch weitere Schlüsse in dieser Richtung erlaubt 
sind, müssen vor allem die Beobachtungen über das Vorkommen von Streu- 
funden in Grabhügeln aus anderen Teilen der Zone nordwärts der Alpen 
und den übrigen Gebieten Mittel- und Nordeuropas sich wesentlich ver- 
dichten." 

Die zahlreichen Streuscherben der Kasinger Hügel stammen offensicht- 
lich vielfach von Gebrauchsgefäßen; das und ihre verwaschenen Kanten 
könnten sie als Wohnstättenreste verdächtig machen, umsomehr, als ich ja 
auch nicht alle ausgegrabenen Hügel als zweimal benützte Gräber bezeichnen 
kann. Trotzdem glaube ich nicht, daß die von Reinecke angezogenen Fälle 
hier zutreffen; Hügel 25, s. weiter unten S. 25, war ein sicheres Totenmal 
der Bronzezeit und in den anderen Hügeln, von denen sich das Gleiche 
nicht mit ebensolcher Sicherheit behaupten läßt, fanden sich immerhin einige 

') Die Streuscherben in süddeutschen Grabhügeln; Wiener Präh. Zeitschr. IV 1917 S. 83. 



105 

Bronzen, die als Grabbeigaben, niciit als Wohnstättenfunde zu bezeichnen 
sind. Außerdem war in den Hügeln und auch in der Nähe nichts, was 
einen Schluß auf Wohnstätten zuließe, insbesondere keine Spur von Lehm- 
■ bewurf. Die rundlichen Bruchflächen mancher Scherben sind kein aus- 
schließliches Merkmal für Wohnstättenfunde, denn sie finden sich in fast 
allen Gräbern; wenn eine künstliche, d. h. absichtliche Rundung nicht 
erkennbar ist, gehören sie wahrscheinlich in das große und noch ganz 
ungeklärte Kapitel der teilweisen Kantenverwitterung im Boden, die so 
häufig an Knochen, Hörn und selbst an Stein gefunden wird und aus 
anderen Gründen noch aufmerksam studiert werden muß. 

Sehr beachtenswert ist jedoch, daß Reinecke auf ganz anderem Wege 
zu der Annahme von Hüttenbegräbnissen in der älteren Bronzezeit gelangt, 
wie dies weiter unten S. 116 aus den Steinkränzen gefolgert wird. 

Im übrigen sei betont, daß noch bei keiner der zahlreichen Hügel- 
grabungen in unserem Gebiet Siedlungsreste der älteren Bronzezeit be- 
obachtet wurden, und das gilt als sicher; die Scherben im Schönberger 
Hügel 7971 (S. 67 bei 2 und 68 bei 6 dieses Bandes der Abh.) und in dem 
der Stadelleite 7374, die schon erwähnt sind, erklären sich auf gleiche Weise 
aus der Wiederverwendung alter Bronzezeit-Grabhügel wie die Kasinger 
Streuscherben. 



Das Steinzeug. 

Fast in jedem Hügel fand sich Flintgerät, das man als neolithisch 
bezeichnen könnte. Da die Hügel aber mit Neolithik nichts zu tun haben 
so beweist es nur die Weiterverwendung von Steinmaterial in den Metall- 
zeiten, wofür wir auch ohnedem Beispiele genug aus anderen Hügeln und 
Grabungen besitzen. Tafel 38 Abb. 27 : 

92 Pfeilspitze, tadellos erhalten, sehr schönes Exemplar, 56 mm lang einschließlich 
der Flügelspitzen; Plattensilex, auf Vorder- und Rückseite Spuren der Rinde; über 
die ganze Oberfläche gemuschelt, auch an den Flügeln überarbeitet; Kanten gezähnt. 
Sicherlich die Arbeit eines gewiegten, berufsmäßigen Pfeilspitzenmachers. 

5 Pfeilspitze, gut gearbeitet; 27 mm lang; Plattensilex, rückseitig mit Spuren 
der Rinde. Durch Muschelung hergestellt. 

20 Schaber 56 mm lang; Material: Feuerstein, beiderseits mit Resten der Rinde; 
Muscheln über die vorder- und rückseitigen Flächen, Dengehmg an den Kanten, die 
rundum bearbeitet sind. Die natürlich verdickte, untere Schmalseite mit rückseitiger 
Schlagzwiebel ist klotzig gerundet durch kleine Abscliläge oder Pressung. 

58 a rohbearbeiteter Kielkratzer oder Flintknollen 32 x 38 mm groß ; Unter- 
seite flach, Material: Feuerstein. 

23 c Schaber, nur zur Hälfte erhalten ; dünner Plattensilex mit einseitiger feiner 
Randbearbeitung; Bruchstelle unten alt, doch scharfkantig, übrige Kanten und 
Retuschen gerundet wie gerollt. 

43 untere abgebrochene Hälfte einer Spitze mit schöngearbeiteter, einseitiger 
Oriffangel ; Bandjaspis. Ganz erhaltene Instrumente dieser Art mit schöngearbeiteten 
Oriffangeln fanden sich auch am Hohlen Fels, eines von Hornstein (7221 348) und 



106 

zwei auffallende Stücke von geschnittenem und gehämmertem Roteisenerz (7221, 
344 und 348) s. die Textabb. S. 108. 

19 a Gi Kleintypen von Feuerstein, 69 von Bandjaspis; Unterseiten flach. 

Steinzeug der letzteren Art kennt die Paläolithik als »mikrolithische 
Klingen". Ist die Klinge ein Steingerät, dessen Langseite zum Schneiden, 
Trennen, Schlitzen gedient hat, dann kann man jedoch diese drei nicht als 
wKlingen" bezeichnen, denn die Absicht des Verfertigers war ersichtlich auf 
Erzielung einer Spitze oder einer Schneide an der Schmalkante gerichtet 
»Bohrer" sind es auch nicht; ich nenne sie Pfeile mit Spitze und Pfeil mit 
Querschneide. 

Neben gut gearbeitetem Steinzeug fand sich auch solches von recht 
mangelhafter Beschaffenheit; es diente meines Erachtens gleichfalls zu 
Pfeilspitzen: 

29 Tafel 3Q; kleine Dreiecksform mit halbmondförmiger Basis aus der abgelösten 
Hartrinde des Doggersandsteins; linker Flügel verlängert, rundum und beiderseits 
mit ^ abgeschrägten Kanten. 

043 Tafel 38 Feuersteinspitze geflügelt; nur an Kanten und Spitze roh zu- 
geschlagen. 

58 c Tafel 38 Hornsteinspitze mit Griffdorn, sonst wie vorige. 
78 Tafel 38 Hornsteinkugel mit Schlagspuren 

Die aus einem halbierten Kieselstein geschlagene Widerhakenspitze W 
Tafel 3Q gehört meines Erachtens zum Formenkreis der Pfeilspitzen, welche 
ich in der Festschrift 1Q13 Hohler Fels S. 55 Abb. 24, zweite Figur von 
links zunächst frei und dann auch geschäftet beschrieben habe. Gleiche 
Widerhaken-Formen sind in Knochen vorhanden, Abb. 17 S. 52 der Fest- 
schrift z. B. ist das Schema für die Pfeilspitze 80 a der Textabbildung S. 84. 
Die punktierte Mittellinie gibt die Achse der Schaffung an, aus der sich der 
Widerhakenpfeil ergibt. 

Die Pfeilbolzen aus Knochen 80 b und aus Hirschhorn 80 c derselben 
Textabbildung, letztere mit einer deutlichen Einkerbung am unteren Ende, 
haben möglicherweise Seitenstücke in Bolzenformen aus Kieselstein 80 c d 
Tafel 3Q, die unter Umständen gleichen Zwecken gedient haben, da sie 
offensichtlich zugeschlagen und zugerichtet sind. 

Sind schon diese „Bolzen "formen aus Stein etwas fragwürdig, so ist 
das bei den folgenden noch mehr der Fall. Dessenungeachtet scheue ich 
mich nicht sie hier anzuführen; sie sind mir verdächtig durch ihr Material 
und weil sie auch an anderen unserer Fundplätze in Knochen und Stein 
vorkommen ; Steinzeug mit nichtretuschierten Kanten hat die Spätzeit häufig. 
Wo Ueberfluß an gutgearbeiteten Steingeräten herrscht, wird man derlei 
Stücke ohne weiteres ablehnen. Vielleicht geben meine Abbildungen Anlaß, 
auch anderwärts auf dedei zu fahnden, sei es auch nur, um es endgültig 
abzutun, wozu ich mich bisher nicht entschließen konnte. 

Steinzeug mit grober Bearbeitungsweise fand sich in größerer Zahl, 
rohe Formen, welche ich als so etwas wie „Spitzhacken" bezeichnen möchte, 
vielleicht irgendwelche Bestandteile von Waffen. 



107 




a (61) schöngearbeitete, fast-gleichseilige Spitze, heilebardenförmig, 7 cm lang, 
sehr massiv, brauner Feuers'.ein mit durchsichtigen Kanten, nordisches Material (?), 
an einigen Stellen mit Rinde; die obere Seite hochgewölbt, die untere flach mit 
Schlagzwiebel, an den Kanten scharfschneidend, ohne Randbearbeitung, unten mit 
Griffangel ; Spitze sehr scharf. 

b (59) branner Jaspis, 5 cm lang, ebenfalls hochgewölbt mit gut zugerichteter 
Spitze; Unterseite flach. 



108 



c (6G) 5 cm lang und d (80) S'/o cm lang; Hornsteine mit groben Schlägen 
zubehauen, beiderseitig fast flach. 

e (24) eine ähnliche Spitze wie b, nur klein, 3 cm lang; Unterseite flach; mit 
Schlagzwiebel; Hornstein. 

f (93) ein beiderseitig roh zubehauenes Stück Plattensilex, 5';, cm lang, mit 
ovaler, gut retuschierter Spitze. 

g (59) Hornstein, 4 '/j cm lang, rückseitig ovale obere Schmalseite mit 
Kantenre'.usclie; beiderseits zugeschlagen. 

.h (30) Hornstein, 6 cm lang, ganz roh, beiderseitig zugeschlagen, mit breitem 
Kopf, s. Textabb. unten. 

i (93) Bandjaspis; in der Form beinahe einem Kielkratzer ähnlich, aber mit 
gut zugearbeiteter, schnabelartiger, scharfer Spitze, 4 '/s cm lang; Unterseite flach. 

k (80) Kieselschiefer; roh zugeschlagene Spitze, 5 '/.^ cm lang; Unterseite flach; 
s. auch Tafel 39 dsbe. mit Schäftungsversuch. 

1 (23) Hornstein, 4 cm lang; unteres Ende einer breiten, rohen Klinge; Rück- 
seite flach. 

m (78) Plattensilex, 3'/s cm lang, obere Seite mit rohen Abschlägen, ohne 
Randbearbeitung; Unterseite flach mit Schlagzwiebel. 

Wären diese Geräte auf Feldern aufgelesen, so könnte man sie mit 
Ausnahme der schönen Spitze a (61) als Funde aus einer Freilandstation 
des Campignien bezeichnen. Auch unter dem Hohlen Fels-Material sind 
diese Formen vertreten ganz wie anderwärts, siehe z. B. die hier wieder- 




gegebenen Instruments en silex aus einer französischen Fundstelle, angeblich 
vom Anfang der Neolithik '). Einen ganz ähnlichen Scheibenschaber (?) 



') Poulain, l'Atelier du Neolithique ancien au pied d'un rocher des bois de Metreville 
(Eure); Compte rendu Congres intern. d'Anthrop. Monaco 1906 I S. 445 Fig. 171—173. 



100 

wie m haben Obermaier und Breuil, Festschrift 1913 Tafel 17 Nr. 82, dem 
Azilien vom Hohlen Fels zugeteilt. 

Die in den Kasinger Hügeln gefundenen Stücke können keinen Anspruch 
auf so hohes Alter machen, denn man wird wohl kaum annehmen wollen, 
daß sie mit den zur Auffüllung der Hügel verwendeten Sanden von irgend 
einer unbekannten Fundstelle zufällig hierhergelangt sind. Dagegen beweisen 
sie die Verwendung von Steingeräten mannigfaltiger Art auch während der 
Metallzeiten, eine Beobachtung, die schon oft gemacht wurde. Nach 
Dechelette hat sie gelegentlich bis in die Merowingerzeit fortgedauert'); 
Tatarinoff zählt Feuersteinfunde in französischen und schweizerischen vor- und 
nachrömischen Nekropolen auf-); Beltz erwähnt Feuersteinmesser mit 
wendischen Kulturresten gemengt als sehr häufig in Mecklenburg-'), aller- 
dings mit dem Beifügen, daß sie zufällig mit der aufgetragenen Erde 
hineingekommen sein könnten. Sehr energisch wendet sich Holwerda dagegen, 
daß der Gebrauch von Steingeräten als ein ausschließliches Merkmal der 
Steinzeit betrachtet wird*). Flintgeräte kommen auch sonst vereinzelt in 
Hügelgräbern unseres Gebietes vor; so sagt z. B. Ludwig Wunder in dem 
Ausgrabungsbericht von 1901-'): 

1, Die Bedeutung der Feuersteinsplitter, welche sicli in den meisten Grabhügeln 
unseres Juragebietes in wechselnder Anzahl finden, scheint uns noch keineswegs auf- 
geklärt. Sie machen zunächst auf jedermann den Eindruck, als seien sie mit der 
Wertschätzung, welche nur unentbehrlichen Gegenständen gebührt, dem Verstorbenen 
zur Seite gelegt worden. Daß man diese Splitter nicht bloß in Hügeln der Bronze- 
zeit, sondern auch in solchen der älteren und jüngeren Hallstattzeit findet, kann dahin 
gedeutet werden, daß in der Metallzeit in solchen relativ armen Gegenden, um welche 
es sich hier handelt, der Feuerstein immer noch das billigste Material zur Herstellung 
von Messern war. Es wäre erklärlich, wenn ein solches Material nicht so rasch aus 
dem Gebrauch gekommen wäre. 

Indessen sprechen doch gewichtige Gründe dafür, daß diese häufig wieder- 
kehrenden Feuersteinsplitter überhaupt keine absichtlich geschaffenen Artefakte sind. 
Es gehört zu den typischen Kennzeichen der Regionen des oberen weißen Juras und 
des Dolomits, daß alle Kieselsäure, welche in anderen geologischen Formationen in 
Gestalt von Sanden und Sandsteinen auftritt, hier sich in Form von dichten Feuer- 
steinknoUen von muscheligem Bruch findet. Diese Knollen sind einzeln oder in 
Nestern dem Kalk- und Dolomitboden eingestreut. Fast jede Kalkplatte, welche wir 
in diesen Formationshorizonten vom Boden aufheben, enthält einen oder mehrere 
eingewachsene Quarzknollen, und wirft mau die Platte auf einen Stein, so kann man 
oft beobachten, wie der Feuerstein mit hellem Klang in dünne Splitter springt. Diese 
Splitter sind nach Form und Eigenschaften nicht von den Feuersteinmessern zu unter- 
scheiden, welche die neolithischen Bewohner unserer Jurahöhlen in gleicher Weise 
hergestellt haben mußten. Da alle Grabhügel, in welchen wir bis jetzt Feuerstein- 
splitter gefunden haben, entweder ganz aus solchen Kalkplatten oder mit Verwendung 

') Manuel II 2e partie S. 699. 
^) Schweiz. Ges. f. Urg. Jahresber. VI 1913 S. 59. 
") D. vorg. Altmr. d. Großh. Mecklbg.-Schwerin S. 370. 

'') Die Niederlande i. d. Vorg. Europas, intern. Archiv f. Ethnographie, Supplement zu 
Bd. XXIIl 1915 S. 44. 

") Nekropole im Waldteil Vogelherd bei Weißenbrunn. Festschrift der Nat. Ges. 1901, 



110 

derselben gebaut waren, so müssen ja bei dem Zusammenwerfen dieser Steine Feuer- 
steinsplitter entstanden sein. Tatsächlich fanden sich diese stets durch den ganzen 
Hügel zerstreut; durchaus nicht immer als Beigaben neben der Leiche, sondern oft 
in solcher Entfernung von den Bestattungsplätzen, daß wir uns vergeblich bemühten, 
einen Zusammenhang derselben mit der Fundstelle festzustellen." 

Gutgearbeitete Feuersteinartefakte sind für den Fachmann ohne weiteres 
i<ennthch; sie entstehen nicht durch zufälliges Abspringen. Ihre Herstellung 
hinterläßt aber Arbeits- und Abfallsplitter, und diese können natürlich ent- 
standenen Splittern gleichen; kommen sie an einer Fundstelle ausschließlich 
vor, dann hat der Mensch aus dem Spiel zu bleiben. Ich stehe nicht dafür 
ein, daß alle von mir hier abgebildeten Flintstücke von Menschen geschlagen 
und benützt sind, aber im Zusammenhang mit den guten Stücken verdienen 
sie Beachtung. Für die späteren Metallzeiten ist es denkbar, daß sich die 
Technik der Steinbearbeitung in rohen und plumpen Formen verliert. 
Jedenfalls ist dem Ausgrabenden zu raten, alles Zweifelhafte mit nach Hause 
zu nehmen, mit der Zeit werden sich die Zweifel schon beheben lassen. 
So reichlich und allgemein, wie dem Zitat zufolge Feuersteinsplitter in 
Hallstatthügeln unseres Gebietes vermutet werden dürfen, habe ich sie 
übrigens noch nie angetroffen; ich würde sie selbstverständlich in den 
Berichten erwähnt haben. 

Welchem Zweck die hier abgebildeten Spitzen gedient haben mögen, 
ist unklar, wie bei so vielen steinzeitlichen Geräten. Ich habe versucht, 
Figur k (80) der obigen zu Schäften, s. Abb. 1 und 2 Tafel 3Q. Eine natürlich- 
gekrümtnte Föhrenwurzel wurde am kurzen Ende eingeschlitzt und in 
geringfügiger Weise mit Messer und Feuersteinschaber zugerichtet, die 
Silexspitze eingeklemmt und die Lücke mit etwas Pech geschlossen. Die 
Befestigung hält gut, obwohl sie nur provisorisch und ohne jede Um- 
schnürung ist. Es lassen sich mit der Keule wuchtige Hiebe wie mit einem 
Totschläger führen; der Stein aber ist empfindlich. Ein kräftiger Schlag 
gegen einen harten Gegenstand hat die Spitze und einen schmalen Span 
längs der Mittelrippe abgesprengt, was auf der Abbildung 2 deutlich 
sichtbar ist. 

Die Sachen lassen sich also in sehr einfacher Weise Schäften ; nur ist 
anzunehinen, daß man im Gebrauchsfall eine viel größere Sorgfalt darauf 
verwendet haben würde, die hier unnötig ist, weil es sich bestenfalls doch 
nur um eine Möglichkeit handelt, die, wenn es wirklich Waffen oder andere 
Gebrauchsgegenstände waren, wahrscheinlich auf andere Art gelöst wurde, 
niemals aber ohne Fassung. 

Alle Hügel enthielten Oesteinseinschlüsse, die sonst nicht in Grab- 
hügeln angetroffen werden: Stücke verkiesten Holzes, Quarzit- oder Sand- 
steinplättchen, deren Körner durch Brauneisenstein verkittet sind, Bohnerz- 
kugeln und dergleichen. Sie finden sich, einer gütigen Mitteilung ProfessorJ 
Schwertschlagers zufolge, häufig auf der Hochfläche der Alb, wohl alsf 



111 

Ueberbleibsel der kretazischen oder tertiären Aibüberdeckung. Bearbeiteter 
und unbearbeiteter Kiesel- oder Hornsteinschiefer, Plattensilex, fand sich 
reichhch; sein natürliches Vorkommen in dünnplattiger Ausbildung liegt 
im benachbarten Gebiet der Solnhofer Schiefer. Bei Kasing nächstanstehend 
ist er, wie ich gleichfalls obiger Quelle verdanke, zwischen Parkhaus und 
Waldhütte bei Adelschlag. Material dieser Art hat schon dem paläolithischen 
Menschen der Höhlen im Altmühltal zu Werkzeugen gedient; ebenso an 
unserer Qrabungsstelle im Kirchtal bei Alfeld, und zu schönen Lanzenspitzen 
ist es verarbeitet bei Thalmässing (in unserer Sammlung Franz Kerl). 
Das Vorkommen dieses Rohmaterials in den Kasinger Hügeln erklärt sich 
durch die geologische Eigenart der Oertlichkeit; ob aber die Spitzenformen 
23 32 9 33 der Tafel 3Q dem Zufall ihre Entstehung verdanken, 
möchte ich bezweifeln. Sie sind vollkommen flach, der Zuschnitt oder 
Schlag beschränkt sich ganz auf die äußere Gestalt. Das Material ist teils 
dünner Plattensilex, halbierter Kieselstein oder die abgelöste stahlharte Rinde 
des eisenschüssigen Doggersandsteines. Die Spitze ist nicht gleichschenkelig, 
regelmäßig ist die linke Winkelseite länger als die rechte. 

Außerdem fanden sich fast in jedem Hügel runde oder annähernd 
runde oder ovale, ganz flache Scheiben von P/j bis 4 cm Durchmesser 
und 2 bis 3 mm dick aus gespaltenen Kieselsteinen, teilweise mit rund- 
geschliffenen Rändern, siehe die untere Reihe der Tafel 39. Kieselsteine 
gehören gleichfalls zum Bestand der Albüberdeckung; sie können mitunter 
geteilt oder aufgeschlagen aus natürlichen Ursachen sein. Für beiderseitig 
zugeschlagene Scheiben reicht aber diese Erklärung nicht aus; doch vermag 
ich auch über den allenfallsigen Zweck nichts zu sagen'). Vielleicht deckt 
sich ihre Bedeutung mit den anderwärts gefundenen runden Scheiben aus 
Tonscherben. Die von Götze veröffentlichten -) gleichen den unsrigen bis 
auf das Material; sie gehören der Hallstattzeit an und kommen auch durch- 
bohrt vor. „Man hat sie , Geldscherben' genannt, aber wohl mehr wegen 
einer gewissen Aehnlichkeit mit Münzen, als um den Gebrauchszweck damit 
zu bezeichnen. Dieser ist nicht recht ersichtlich .... Vielleicht war es 
Spielzeug. Sie kommen außer auf dem Schloßberg noch auf den gleich- 
zeitigen Ansiedlungen auf dem Batzlin und bei Zauchel .... vor. Im 
übrigen ist ihr Vorkommen nicht auf die Lausitz beschränkt; man findet 
die nichtdurchbohrten z. B. an verschiedenen Stellen Oesterreich-Ungarns 
und der Troas." Auch aus der Schweiz sind sie bekannt^) und möglicher- 
weise als Spielzeug aufzufassen. Die meisten Spätlatene-Stationen kennen 
solche Scherbenrundel. So wurden durchlochte Exemplare in Gerichtstetten 

') Künstlich hergerichtetes halbiertes Geröll unbekannten Zweckes hat Hahne auch 
bei Ausgrabung des Hügels I, ältere Bronzezeit Periode I— II Montelius. bei Wohlde 
gefunden; Festschrift z. I. D. Tagung f. Vorg. Hannover 1Q09 Tafel XII Fig. 7 Text S. 63. 

^) Prähistor. Zeitschrift IV 1912 S. 323 und Tafel 29 Fig. 11-14 Der Schloßberg bei 
Burg im Spreewald. 

') Major, Die präh. Ansiedlung bei der Gasfabrik in Basel; Anz. f. Schweizer Altskde. 
1914 XVI S. 9. 



112 

(Baden) ebenso wie im hessischen Nauheim und Nierstein zutage gefördert, 
vgl. K. Schumacher, gaUische Schanze bei Gerichtstetten»); „auf dem A\ont 
Beuvray waren beide Arten, die durchbohrten und die ungelociiten, heimisch, 
während sie auf dem Hradischt zu fehlen scheinen." Ob die Kasinger 
Kieselscheiben der Hallstatt- oder der Bronzezeit angehören, geht aus den 
Fundumständen nicht hervor-). In der Certosa, wo sie auch in Gräbern 
vorkommen, gehören sie dem beginnenden Latene an. 

Ethnographie und Ritus. 

Acht unter den zehn von uns, alle fünf vom Historischen Verein 
Ingolstadt geöffneten Hügel enthielten Steinkränze, zwar von verschiedenen 
Ausmaßen, aber von gleicher Art. Die schönste Anlage wies der große, 
vom Historischen Verein Ingolstadt ausgegrabene Hügel 25 auf, der zugleich 
auch nahezu ungestört erhalten war und deshalb einen Einblick in die 
Bestattungsweise gewährte, wie ihn keiner der anderen bronzezeitlichen Hügel 
bot. Ein Auszug aus dem Raithel'schen Grabungsbericht möge daher 
gestattet sein; vgl. dazu Abb. 29 30 Taf. 39 und 40. 

Hügel 25. Der ringsum geschlossene Steinkranz hatte eine lichte 
Weite von 8 Meter; angeschlossen in Südost bildete ein zweiter gleichfalls 
geschlossener Steinkranz eine kleine Seitenkammer; beide bestanden in der 
Hauptsache aus einer Lage loser, in die Erde geworfener Steine, etwa 25 cm 
über dem gewachsenen Boden 8), s. die Abb. 29 und 30. Die Verbindungs- 
wand zwischen beiden Steinkränzen und benachbarte Teile der Seitenkammer 
waren dagegen aus mehrfachen Steinlagen direkt auf dem gewachsenen Boden 
aufgebaut wie gleichfalls aus den Abbildungen ersichtlich. 

Inmitten des großen Steinringes, auf unseren Bildern bei a lag auf dem 
gewachsenen Boden ein Skelett in gestreckter Rückenlage, ungestört, aber 
nicht völlig erhalten*). Am Oberkörper eine Anzahl Bronzen, die Füße mit 
vier zertrümmerten Gefäßen umstellt. In der Seitenkammer stand ein Ton- 
gefäß auf gewachsenem Boden, mit der Erde fest zusammengebacken, auf 
unserer Abbildung 29 bei b; außerdem wurden hier drei, etwa 15 cm weite 
Pfostenlöcher angetroffen, nach unten enger werdend, etwa SO cm tief. 

Die geschichtete Verbindungswand zwischen beiden Steinringen hatte 
auf der Südseite bei c einen kurzen, ebenfalls von Grund auf aus Steinen 



') Veröffentl. der Karlsruher Sammlgn. II 1899 S. 79 Tafel XII Fig. 17. 

'■') Scheiben, jedoch von eckiger Form, aus Sandstein, bildet Schnittger ab aus stein- 
zeitlichen Ueberbleibseln im Wasserbassin bei Kvarnby. Präh. Ztschr. II 1910 S. 185 Abb. 
52 ohne eine Erklärung dafür zu geben. 

^) Die neben den Steinen abgestochene Erde täuscht auf den Abbildungen eine 
Erdmauer unter den Steinen vor, ist aber nur durch das Tiefergraben neben den Steinen 
während der Ausgrabung entstanden. 

') Bei Abbildung 30 noch nicht aufgedeckt, bei Abbildung 29 zur Zeit der Aufnahme 
bereits entfernt; es wurde samt der umgebenden Erde in das Museum des Historischen 
Vereins nach Ingolstadt überführt, 



113 

bestehenden Fortsatz. Darauf, unmittelbar unter der Oberfläche des Hügels, 
wurden Bronzen mit den Anzeichen einer zweiten Bestattung angetroffen. 
Auf der entgegengesetzten Seite, am Steinkranz nördlich bei d war eine 
nahezu 3 Meter lange und 50 bis 75 cm breite mit dem Steinkranz gleich- 
laufende Steintenne, neben welcher ein menschlicher Röhrenknochen und 
Spuren vergangener Knochen eine dritte Bestattung vermuten ließ. 

Der Hügel war 1,7 Meter hoch aus Erde aufgeworfen; „in der Mitte 
— über dem beigesetzten Skelett — türmte sich eine sichelförmige Stein- 
setzung bis unmittelbar unter den höchsten Punkt des Hügels; sie war in 
der Mitte am höchsten, fiel zu beiden Seiten bis auf 50 bis 60 cm über dem 
gewachsenen Boden ab und war auf drei Seiten mit sogenannten ,Wächtern' 
aus Stein auf einer Erdunterlage von 50 cm umgeben. Auf der vierten, offenen 
Seite der sichelförmigen Steinsetzung fehlte ein Steinwächter." Unmittelbar 
unter dem obersten Stein der sichelförmigen Setzung, also nahe der Oberfläche 
und höchsten Erhebung des Hügels lagen die Scherben eines Tongefäßes 
hallstattzeitlichen Charakters. 

Von diesem und einem anderen Gefäß abgesehen, zeigen alle Funde 
im Hügel die typischen Formen und Verzierungen der älteren süddeutschen 
Hügelgräberbronzezeit Stufe B. Das Hallstattgefäß von der Spitze des 
Hügels und das am Boden der Seitenkammer bei b aufgedeckte nimmt 
Raithel für die Hall statt stufe C in Anspruch und schließt daraus auf 
Nachbestattungen dieser Stufe. Dem muß jedoch entgegengehalten werden, 
dalj die Bestattungen gerade dieser Zeit durch ihren Oefäßreichtum und 
die Aufbahrung sehr deutlich gekennzeichnet sind, wie ich in den voraus- 
gegangenen Abhandlungen glaube nachgewiesen zu haben; von solchen 
war in Hügel 25 nicht die leiseste Andeutung vorhanden, die Bestimmung 
ist auch lediglich nach der Gefäßform erfolgt, und diese läßt bei schlichtem, 
einfachem Geschirr eine Unterscheidung zwischen C und D nicht zu. Ich 
kann daher nur sagen: Hallstatt stufe C (H«) war in Kasing nicht 
vertreten, weder in Gefäßen noch nach der Bestattungsform. Es kann 
sich also nur um H., handeln. 

Für das Geschirr aus dem Boden der Seitenkammer ist aber auch 
Hallstatt D (H 4) abzulehnen. Wie aus der Raithelschen Zeichnung ersicht- 
lich, ist es ein Bronzezeitgeschirr. Das Fund- 
durcheinander in den anderen Hügeln war so 
groß, daß es auf eine Unklarheit mehr oder 
weniger nicht ankäme, man braucht es aber auch 
nicht ohne Not zu vermehren. Hügel 25 war 
anscheinend — falls sich unter den zahlreichen Streuscherben nicht auch 
solche der Hallstattzeit aus dem Innern des Hügels finden — meines 
Erachtens der einzige mit reinlichen Fundumständen und zugleich der 
einzige, bei welchem die bronzezeitliche Errichtung der Steinsetzungen ohne 
weiteres feststeht. Es ist deshalb von Wichtigkeit zu wissen, ob sich dem 




114 

ein hallstattzeitliches Hindernis in den Weg stellt, und das glaube ich ver- 
neinen zu müssen^). 

Bronzezeit-Ritual. Die Fundumstände geben Anhaltspunkte über 
etliche Aeußerlichkeiten einer der bei uns vorkommenden bronzezeitlichen 
Beisetzungsarten. Der Tote wurde aufgebahrt auf dem geebneten Platz, 
ausgestreckt auf dem Rücken liegend, seinen Bronzeschmuck am Gewand, 
die vier Gefäße zu Füßen^). 

Diese Aufbahrung und Leichenausstattung scheint in der älteren Hügel- 
gräberbronzezeit Nordbayerns die meist übliche zu sein. In der benachbarten 
Oberpfalz fand sie Steinmetz in mindestens 25 Gräbern dieser Stufe B'). 
In Oberbayern dagegen hat Naue Bronzezeittote in Rückenlage zwar mehrmals, 
aber nur einmal ein Gefäß zu Füßen angetroffen^). Die Schweiz besitzt, 
soweit bisher bekannt, eine Bronzezeit-Nekropole mit Totenaufbahrung in 
Rückenlage in Raron (Valais), aber von Gefäßbeigaben wird nichts berichtet-'). 
In jüngerer Zeit scheint dann diese Art der Aufbahrung und Ausstattung 
allgemeiner und häufiger zu werden. Dechelette bezeichnet eine auf dem 
Rücken ruhende Leiche mit Gefäßen zu Füßen von Courtavant, Dep. Aube, 
als typisch für sein Bronzezeitalter 111, ungefähr Reineckes Stufe C entsprechend, 
doch meint er damit wahrscheinlich mehr den Steinbau als die Gefäße zu 
Füßen''). Noch jünger ist sie im Norden: „Erst mit Montelius 111 (Reinecke D) 
werden die Gefäße reichlicher und gehören zur Ausstattung der Skelettgräber, 
indem sie als Behälter für Speisen meist zu Füßen des Beerdigten diesem 
beigegeben werden" '). In der der Bronzezeitstufe D angehörenden Nekropole 
Henfenfeld bei Hersbruck begegnete ich der gleichen Sitte; sie erstreckt 
sich demgemäß in dieser Einfachheit über die ganze spätere Bronzezeit, geht 
aber in der Frühhallstattzeit und weiterhin bald zu größerem Aufwand und 
anderer Anordnung der Gefäße über. Ob die Aufstellung zu Füßen eine 

') Wenn das Gefäß b zur Hallstattzeit in den Boden gelangt wäre, müßte man ent- 
weder einen Teil der Seitenkammer eingerissen und dann wiederhergestellt haben, oder aufs 
Geratewohl ein Loch gemacht und dabei zufällig mitten in die Kammer geraten sein. Das 
ist an sich denkbar; aber dann hätte die Erde an dieser Stelle locker gelegen, und dies wäre 
dem ausgrabenden Fachmann, kgl. Qrabungstechniker J. Maurer, nicht entgangen. Im 
Bericht ist aber ausdrücklich gesagt, „das Tongefäß stand auf gewachsenem Boden in der 
Seitenkammer und war mit der Erde fest zusammengebacken". 

'') Der Kopf war dem Toten auf den Leib gelegt. Nach Wilke wäre der Anlaß 
hierfür im Vampyrglauben zu suchen. Ich vermute dagegen, daß sich der Kopf infolge 
vorgeschrittener Verwesung noch vor der Bestattung gelockert und vom Körper getrennt 
hatte, weil zwischen Tod und Beerdigung ein längerer Zeitraum verflossen war. Für den 
Ritus ist diese Sonderheit ohne Belang. 

■"') Steinmetz, Präh. Forschungen in d. Umgd. v. Laber SA, S. 26: „Die Toten lagen, 
soweit das bei dem osteophagen Charakter des Erdreichs überhaupt zu erkennen war, mit 
gerade gestreckten Gliedern, die Arme an den Körper gelegt .... in jedem Grab finden 
wir mindestens ein Gefäß, in der Regel bei den Füßen des Beigesetzten." 

') Naue, Bronzezeit Mühlthal XIV 9, S. 41. 

') Viollier, Essai sur les rites funeraires en Suisse S. 26. 

') Dechelette, .Manuel d'Archeologie II S. 148. 

•) Beltz, Die vorg. Altertümer d. Großh. Mecklenburg-Schwerin S. 195. 



115 

besondere rituelle Bedeutung hat, läßt sich nicht sagen; jedenfalls gibt es 
Gegenden, wo sie nahezu allgemein, und andere, wo sie Ausnahme ist. Vom 
Bau des Grabes, der wiederum für sich ein wichtiges Vergleichsobjekt bildet, 
dürfte die Sitte voraussichtlich unabhängig sein, und ebenso ist sie auch nicht 
die einzige Art, in welcher die Toten jener Zeit und hierzulande der ewigen 
Ruhe übergeben wurden. 

Die weiteren Vorgänge während der Bestattung in Hügel 25 gehören 
eigentlich nicht mehr hierher, ich möchte aber trotzdem eine Deutung des 
Befundes versuchen. Es handelt sich um Sonderheiten, welche die angesehene 
Persönlichkeit des Insassen kennzeichnen. Er hatte zu seiner linken Hand 
einen Begleiter in dem Toten auf dem Steinbau und wahrscheinlich auch 
noch einen zweiten auf der Steintenne ebenerdig zur rechten Hand; vielleicht 
darf man sie als Totenopfer ansprechen. Die Steinmauer, auf der der eine Tote 
lag, erscheint dann als die Opferstätte, als der Altar, auf dem die Begleitung 
geopfert wurde, wie ja auch Naue davon spricht, daß die Bronzezeitleute 
vor dem Zuwölben des Grabhügels auf den kleinen Steinkisten Totenopfer 
vollzogen zu haben scheinen '). Im Grundriß hatte die Steinmauer etwa 
folgende Gestalt; die drei /— Punkte bedeuten Funde. 

Den Pfostenlöchern nach zu PiA^^-S^B^^O schließen war der Steinauf- 
bau oder Altar überbaut VqlX£q2-^^^^ und verdeckt; wenn eine 
Opferung hier stattfand, dann /-^'-riFv wäre sie möglicherweise 

ungesehen vom Trauerge- \i"^vl^ folge vor sich gegangen, 

vielleicht ähnlich, wie es -' ' der Araber Ibn Fotland von 

den Slaven des 9. nachchristlichen Jahrhunderts beschreibt-). Das am Grund 
der Kammer bei b angetroffene Gefäß, der vermeintliche Hallstatt-Topf, 
stand mit dieser Zeremonie in irgend einer Verbindung. 

Diese Erzählung hat natürlich nur den Wert einer Mutmaßung; klar 
ist lediglich, daß ein ganz besonderer Anlaß, diesen Teil des Steinbaues auf die 
Grabessohle zu stellen, vorhanden gewesen sein muß, und daß diese in den 
anderen Hügeln fehlende Sonderheit mit der sozialen Stellung der hier 
bestatteten Persönlichkeit in Zusammenhang steht. 

Im Fortschreiten der Leichenfeier wurde die Begräbnisstelle mit einer 
25 cm hohen Lage von Erde überschüttet, ein Vorgang, der zu verallgemeinern, 
d. h. auch auf die anderen Bronzezeithügel der Kasinger Nekropole mit 
Steinringen auszudehnen ist. Er bildet mithin eine Begleiterscheinung der 
rituellen Beerdigung, und auch Naue hat ihn aus dem Befund seiner Hügel 
in Oberbayern erschlossen s). Die Ueberdeckung des Platzes mit 25 cm Erde 
war gerade hinreichend, um den in der Mitte auf der Grabessohle aufgebahrten 
Toten zu bedecken und unsichtbar zu machen. Erst als dies geschehen, 
derTote nicht mehr sichtbar war, ging man an die Errichtung 
des Steinkranzes. Daraus geht hervor, daß die auf dem gewachsenen 

') Bronzezeit in Oberbayern, S. 267. 

^) Die ausführliche Beschreibung ist abgedruci<t bei Pic, Die Urnengräber Böhmens S. 156. 

') Naue, S. 48. 



116 

Boden erriclitete Steinsetziing, der hypothetische Opferaltar, vor der Erd- 
eiiideckung auf der Orabessohle und gleich in ganzer Höhe errichtet worden 
sein muß, denn sonst würde er ja auch eine Sandunterlage haben, bzw. eine 
sandige Zwischenschicht aufweisen. Als dann die Setzung des Steinkranzes 
begann, wurde der «Altar" mit einbezogen und bildete nun die Ver- 
bindungswand für beide Steinkränze. 

Nach Fertigstellung des Steinkranzes wurde der Hügel aus Sand gewölbt 
und vollendet. Ob die „Wächter" zu dem sichelförmigen Steinoberbau mit 
dem Hallstattgefäß gehören, die gelegentlich einer Nachbestattung zur jüngsten 
Hallstattzeit (H,) hinzugefügt wurden, oder was davon zum ursprünglichen 
Hügelbau gehörte, an dem die Nachbestattung vielleicht etwas zerstört hat, 
läßt sich nicht mehr entscheiden. 

Toten woh n ungen. Von den insgesamt 13 Steinkränzen der 15 aus- 
gegrabenen Hügel waren die meisten rundum geschlossen; ihrer vier aber 
hatten je eine nach Nordost gerichtete Oeffnung. Man tut den Tatsachen 
keinen Zwang an, wenn man sie für Türen in Nachahmung von Wohnungen 
erklärt. Das Grab ersetzt den Toten das Wohnhaus, und darum haben 
Gräberfelder unter Umständen Aehnlichkeit mit Dorfanlagen. Wenn einer 
unserer Hügel, Hügel 17, mit den Nachbarhügeln durch Steinbrücken ver- 
bunden war, darf man das wohl mit gegenseitigen Beziehungen der Insassen 
bei Lebzeiten in Verbindung bringen. 

Steinkränze sind nicht aligemein üblicli. Soplius Müller sagt dies ausdrücklicii 
von Grabliügeln der ältesten Bronzezeit in Dänemark'). Naue stieß selten auf Stein- 
kränze in den südbayerisclien Hügeln'-'), i:nd auch Steinmetz fand nur zwei in der 
Oberpfalz. Dagegen sind die Hügel derselben Zeit in Mecklenburg gewöhnlich von 
einem Steinkranz umgeben, und Beltz, dem diese Angabe entnommen ist'), setzt hinzu; 
«Ob das bronzezeitliche Hügelgrab .... als Nachbildung einer hölzernen Rundhütte 
aufzufassen ist, bleibt noch zu untersuchen." 

Den Toten innerhalb der menschlichen Wohnstätte zu begraben, war 
älteste menschliche Gepflogenheit; noch in der Spätneolithik beerdigte man 
z. B. bei Jordansmühle die Toten zwischen oder innerhalb der Hütten, »man 
hielt wohl noch an der ursprünglichen Anschauung fest, wonach dem Toten 
ein Recht auf sein Haus und den wärmespendenden Herd gebührte"*). 
Wie oben nach Reinecke zitiert ist, waren Vorstellungen dieser Art weit in 
der Welt verbreitet und sind es noch; lies beispielsweise in unseren Ab- 
handlungen XIX. Band S. 4Q Bamler's Erläuterungen zur »Grabhütte Yabim", 
der eben erst durch die Europäer der Steinzeit entrissenen Tami-Insulaner. 
Die Kasinger Hügel waren nicht auf Wohnhütten errichtet; wenn auch 
der Hügelinhalt bisweilen eher Wohnstättenschutt als einem Grabe glich, so 
fehlte doch jede Spur von Hüttenlehm oder Pfostenlöchern. Als Hütten- 
fundamente wären die unregelmäßig in die aufgestreute Erde geworfenen 
Steine auch wenig geeignet gewesen; sie stimmten aber im Grundriß mit den 

') Nord. Altertskde. I S. 339. — ') S. 47. — ") S. 200. — ■*) Seger, Schlesiens Vorzeit 
in Bild und Schrift NF VII 1916 S. 6. 



117 

hölzernen Rundbauten überein, deren Spuren Holwerda in spätneolithischen 
Grabhügeln der Niederlande aufgefunden hat'); die Toten waren dort bei- 
gesetzt wie in den berühmten mykenischen Kuppelgräbern. Er ist mit mir 
der Meinung, daß auch die Steinkränze in den Kasinger Hügeln die gleiche 
Bedeutung haben (Briefwechsel vom Jahre 1910). Freilich beschränkt sich 
die noch erkennbare Aehnlichkeit mit dem Kuppelgrab auf den Steinkranz, 
eventuell mit offenem Eingang, der bei Hügel 20 sogar gepflastert war. 
Man kann auch sagen, bei uns zu Lande ist es am Ausgangspunkt seiner 
Entwicklung stehen geblieben, denn aus der runden Wohnhütte mit ring- 
förmigem Fundament ist das Kugelgrab hervorgegangen. Das Bestreben, 
dem Toten eine der Wohnung gleichende Ruhestätte zu geben, reicht bis 
in die jüngeren vorgeschichtlichen Zeiten; am Ende der Bronzezeit zeugen 
die Hausurnen dafür, und wenn Hoernes die Tonmulden des Hallstätter 
Salzberges nicht mit Tonsärgen, sondern mit dem Estrich einer Rundhütte 
vergleicht-), dann gehören sicherlich die Steinkränze in Hügeln der Hall- 
stattzeit in dasselbe Gedankengebiet. 

Die Nachbestattungen. Als die Hallstattleute rund 1000 Jahre 
später die Bronzezeitgräber in Wiederbenützung nahmen, werden sie sich 
ihnen im äußeren Anblick so dargestellt haben, wie auch wir sie anzutreffen 
pflegen: bald kleine, bald große hügelartige Erhebungen. Um einen neuen 
Toten darin unterzubringen, hätte es, wie man denken sollte, genügt, den 
Hügel zu koppen, die Leiche hineinzulegen und wieder zuzufüUen. Ihre 
Beigaben an Bronze, Eisen, Scherben könnten sich dann nur in den in 
Mitleidenschaft gezogenen Hügelteilen finden. Tatsächlich waren sie aber 
auch in den tieferen Partien der Hügel, ja fast bis zur Hügelsohle anzutreffen 
und vermieden nur die Steinsetzungen. Diese sind bronzezeitlich ; für die 
Steinkränze liefert Hügel 25 den Beweis; aber auch die Einbauten inmitten 
der Steinkränze gehören hierher, denn sie enthielten keinerlei Funde aus 
jüngerer Zeit. Die Steinsetzungen haben demnach aus irgend einem Grund 
den Beifall der Hallstattleute gefunden, oder sie scheuten sich sie einzureißen, 
oder sie blieben unbemerkt: sie erhielten sich aus unerklärten Gründen. 

Die Mehrzahl der Bronzezeithügel, alle mit Steinkränzen von kleinem 
Durchmesser, waren niedrig vor der Wiederbenützung, blieben es auch danach, 
und unansehnlich haben wir sie vorgefunden. Trotzdem der Anschein also 
dagegen spricht, hat man auf die Nachbestattung doch auch Fleiß und Sorgfalt 
verwendet. Die alten Hügel wurden fast ganz auseinandergenommen, bei den 
größeren Grabmälern wenigstens beträchtliche Teile des Hügels abgetragen, 
ehe man ihnen den neuen Toten anvertraute. Das unterste, sicher hallstatt- 



') Das alteuropäische Kuppelgrab. Präh. Ztschr. I 190Q S. 374. Bei den mykenischen 
Kuppelgräbern findet sich zuweilen eine Seitenkammer; sie war aber vom Hauptraum aus 
zugänglich, undder Tote wurde ursprünglich darin beigesetzt: Zehetmaier, Leichenverbrennung 
und Leichenbestattung im alten Hellas S. 62. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied gegen- 
über dem Hügel 25 bei Kasing. 

-) Hoernes, Natur- und Urgesch. des Menschen, 1. Aufl. 2. Bd. S. 458. 



118 

zeitliche Fundstück in Hügel Q, die Lanzenspitze 14, lag 142 cm unter dem 
Meßbrett, 65 cm die Oberkante der inneren Steinsetzung. Um diese herum 
hat man also mindestens noch 77 cm tiefer gegraben, wahrscheinlich aber 
mehr, und die Steinsetzung wurde absichtlich oder zufällig geschont. 2 V2 Meter 
südlich von der Lanzenspitze, 70 cm unter dem Meßbrett lag der Bronzering 6 
und zwischen beiden in der Tiefe von 112 cm der Eisenring 31. Den dreifachen 
spätzeitlichen Funden auf der Südostseite des Hügels steht in den anderen 
Teilen des Hügels nichts gegenüber, und es ist also anzunehmen, daß der 
oder die Neuzugekommenen hier Platz genommen haben und ziemlich tief 
gelegt wurden. Aber auch die anderen Hügelteile müssen umgearbeitet 
worden sein, das geht aus den Scherbenfunden hervor. 

Bei jedem vorgeschichtlichen Totenritual läßt sich aus den Bestattungs- 
rückständen, den keramischen oder Metallbeigaben die Stelle ausfindig machen, 
wohin der Tote gebettet wurde. Nur ein Ritus kann in dieser Hinsicht 
ganz versagen, der von H4, der Hallstattstufe D. Wenn die Leiche nicht 
erhalten ist und von Beigaben nur Streuscherben und ein paar Tierknochen 
angetroffen werden, dann sind solche Hügel, selbst wenn sich auch noch 
etwas von Metall darinnen findet, von Schutthaufen kaum zu unterscheiden. 
Die meisten Scherben in unseren Hügeln haben sich als bronzezeitlich 
herausgestellt, und sowohl diese wie die mitunterlaufenden Hallstattscherben 
lagen als richtige Streuscherben in wirrer Unordnung. Ein solches Durch- 
einander ist kein rituelles Charakteristikum der Bronzezeit, das ist nur bei 
einer Art vorgeschichtlicher Bestattung möglich, nämlich beim Ritus der 
Hallstattstufe D. 

Die unserem Verstehen entrückte, vielleicht nur scheinbare, Unordnung 
läßt die Begräbnisse dieser Stufe recht zeremoniearm erscheinen. Das teilweise 
Einreißen des alten und die Errichtung eines neuen Hügels mit Wieder- 
verwendung verschiedener Bestandteile des alten, das Auflegen einer oberen 
Steindecke in Hügel 14 und wahrscheinlich auch in 17 zeigt jedoch, daß man 
bei Neubestattungen ebensowenig Mühe scheute, als das zu anderen Zeiten 
bei Hügelneubauten der Fall war. 

Hall statt D- Ritus. Die beiden Hügel 2 und 8 hatten den bei 
Hallstatthügeln üblichen Steinbau ohne Steinkränze bei gleichem Durcheinander 
von alten und neuen Einschlüssen. Hügel 2 ist dem Bau nach ein H,-Grab, 
und dem entspricht auch das Fehlen von Anzeichen einer Begräbniszeremonie. 

Hügel 8 war der einzige unter den von uns ausgegrabenen Hügeln, 
welcher infolge der teilweisen Erhaltung eines Skelettes die Art der Beisetzung 
erkennen ließ. Es lag ausgestreckt zwischen den Steinen, der Länge nach 
über sie verteilt und nicht am Grund des Grabes, sondern fast 50 cm darüber. 
Wie ein Vergleich der Abb. 7 Tafel 31 mit Abb. 19 der Festschrift von 1913, 
S. 133 oder der Tafel IV dieses Bandes zeigt, handelt es sich hier wie dort 
um einerlei Bestattungsform. Dem Ritus nach sind ferner gleichwertig: 



HO 

Hügel 7333, Festschrift 1Q13 S. 136 und das Brandgrab 7Q71 bei Schönberg, 
S. 64 dieses Bandes i). Dem, was S. 9 und S. 72 über den Ritus gesagt ist, 
braucht nichts hinzugefügt zu werden. 

Auch in Hügel 8 wurde ein altes Bronzezeitgefäß, die Tasse 90, ganz 
wie eigenes Geschirr der Hallstattleute wiederbenützt, angetroffen; es kehrt 
also auch hier die merkwürdige Tatsache wieder, daß von den Hallstattleuten 
das Eigentum der früheren Toten wiederverwendet und der Totenausrüstung 
ihrer Sippenangehörigen beigegeben werden konnte. 

Beachtung verdient das vollkommene Fehlen von Brandschichten, die 
in unserem Arbeitsgebiet weiter nördlich niemals zu fehlen pflegen. Mit den 
Bestattungsgebräuchen von Hj ist demnach in der Köschinger Forst-Nekropole ^ 
vollständig gebrochen. 

Die Rasse. 

Zur Morphologie der hier bestatteten Menschen tragen unsere Grabungen 
wenig bei. Das Knochenmaterial ist dürftig und schlecht erhalten. Doch 
ist die Schädelhälfte 89 dadurch wichtig, daß sie eine weit geringere 
Dolichokephalie aufweist als die anderen Hallstattschädel unserer Sammlung; 
eine nähere Untersuchung steht jedoch noch aus. Rückschlüsse auf die 
Ethnographie der Bevölkerung ermöglicht also vorläufig nur das Geräte- 
inventar in Ergänzung des schon anderweit bekannten Materials. 

Für Süddeutschland gibt Behrens zur Bronzezeit keltische Bevölkerung 
an. Schumacher äußert sich zurückhaltender; ein uransässiges und ein zur 
frühesten Bronzezeit von Westen her zugewandertes Volk bleiben ihm vorläufig 
namenlos, doch bezeichnet er die von Kossinna und Schliz auf verschiedenen 
Wegen gewonnenen Annahmen keltischer Bewohner als „höchst beachtenswert" 
In seiner jüngsten Veröffentlichung ist er geneigt, als Träger der älteren 
süddeutschen Hallstattkultur die Illyrer, nicht die Kelten, anzunehmen'-); 
zu gleichem Ergebnis kam Schliz auf Grund von Schädelbefunden. 

Neuerdings hat Wilke durch Veröffentlichung eines Teiles seiner Ver- 
breitungskärtchen die Ausdehnungsgebiete der in Mitteleuropa herrschenden 
Geräte- und Verzierungstypen der größeren Allgemeinheit zu anschaulicher 
Kenntnis gebracht ä). Daraus ergeben sich drei mitteleuropäische Formenkreise, 
von denen mindestens zwei klar und ausgesprochen sich abheben. Einer 
davon, der südwestdeutsche, kommt für unser Gebiet in Betracht. Als seine 
Träger erscheinen von frühneolithischer bis zur frühen Römerzeit die Kelten. 

') Das der gleichen Zeit angehörige Brandgrab 7146 in der Weidlach, Festschrift 1913, 
S. 140, stand in seinem Ritual noch unter dem Einfluß der Hallstattstufe C, H,,, denn es führte 
viel Keramik. Gleichfalls reiche Keramik, also etwas für diese Stufe rituell Ungewöhnliches, 
fand Dr. Wagner in einem späthallstättischen Steinbautengrab bei Kastlhof-Riedenburg i. O.; 
ob sie nach dem Ritus von Hg um den Toten aufgestellt war, oder ob ein anderer 
ritueller Brauch beobachtet werden konnte, was ethnographisch doch sehr wertvoll wäre, 
erfährt man leider nicht; Korr. Bl. D. Ges. f. AEU. 1917 S. 97. 

') Schumacher, Siedelungs- und Kulturgeschichte der Rheinlande I S. 119. 

") Wilke, Die Herkunft der Kelten, Germanen und Illyrer; Mannus IX, 1917, S. 1. 



120 

Als ausgesprochene Leitformen unter unseren Funden sind für 83 die 
Kerbschnitt-Ornamente, für H4 die Fibel 76 mit Fußzier zu betrachten; 
Wilkes Kärtchen Tafel 11 11 und Tafel 1 3 weisen für beide gleiches 
Verbreitungsgebiet innerhalb des südwestdeutschen Formenkreises nach. 
Während des fast tausendjährigen Zeitraumes zwischen B.^ und H, kann 
natürlich von einer kontinuierlichen Besiedlung keine Rede sein, das geht 
aus dem oben Gesagten schon hervor. Wenn aber bei Ausgrabungen von 
Hügelgräbern künftig auf tunlich genaue Feststellung der rituellen Bestat- 
tungsgebräuche gleicher Wert wie auf die Typologie gelegt wird, dann 
sind auch von dieser Seite neue Unterscheidungsmerkmale zur prähistorischen 
Völkerkunde zu erwarten. Bei aller Einheitlichkeit der mitteleuropäischen 
Hallstattkultur läßt sich nicht annehmen, daß Illyrer und Kelten ethnologisch 
eine Einheit bildeten; genügendes Beobachtungsmaterial würde darüber 
Gewißheit bringen. Für jetzt kann nur gesagt werden, daß es sowohl in 
der Hügelgräberbronzezeit wie in der Späthallstattzeit keltische Stämme 
gewesen zu sein scheinen, die zeitweise hier lebten und ihre Toten hier 
zur Ruhe legten. 



Abb. d. Nat. Oes. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXIX. 




Abb. 1. Hügel 2, Erdaufwurf und Einmessen der Funde (Fund 36) 

Text S. 79. 
Standpunkt des photographischen Apparates bei 230°, Entfernung 8,5 ni. 





Abb. 2. Hügel 2; Text S.SO. 



Abb. 3. Hügel 5a; Text S. 82. 





Abb. 4. Gefäße aus Hügel 7; Text S. 82. 



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Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXX. 



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Abb. 5. Hügel 7; Text S. 82. 




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Abb. 6. Hügel 8; Text S. 84 u. 86. 




Hügel 8. 
Abb. 7. Bei A die Scherben 84 i und 85 m; Text S. 85. 



Kaslng 7444. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXXI. 




Abb. 8. Die Skelettrcste 87 auf und zwischen den Steinen; B Schädel 89. 

Text S. 84. 










Abb. 9. Grube unter den Steinen; Text S. 84. 

Hügel 8. 






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Abb. 10. Schale 90. 
Text S. 85. 




Die Gefäße. 
Abb. II, Hügel 9; Text S. 88. 




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Abh. d, Nat. Oes. Nürnbercr XXI. Bd. 



Tafel XXXII 




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Abb. 12. Streufunde; Text S. 8S 91. 



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Abb. 13. Die freigelegten Gefäße 26a und b. 

Standpunkt des photographisclieii Apparates bei c? B, Mitte, 2,5 ni von der Mitte. 

Hügel 9; Text S. 8Q. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXXIII. 






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Tafel XXXIV. 





Abb. 16. Hirschschädel und -Knochen 55. 

Standpunkt des Apparates: 10"; Entfernung 6 ni. 
Text S. 92. 

Hügel 14. 





Abb. 17. Text S. 94. 




Abb. 18. Die halbzerstörte obere Steinsetzung im inneren Hügel. 

Standpunkt des Apparates: 30"; Entfernung 9 ni; Text S. 91. 



Kasing 7444. 



Abli. d. Nat. Ges. Nürnberg, XXI. Bd. 



Tafel XXXV. 





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Abb. 19. Die Ostseite des Steinrandes mit der Steinbrücke zu dem Nachbarhügel 16. 

Standpunkt des pliot. Apparates 130»; Entfertuing 7 m im Grundriß bei cJ b; 

Text S. 95. 




Abb. 20. Die Westseite des Steinrandes mit derSteinbrücke zu dem Nachbarhügel 18. 

Standpnnl<t des pliot. Apparates 315°; Entfernnnu 6,80 ni im Orniulril! bei va; 

Text S. 95. 

Hügel 17. 



Kasing 7444. 



Abh. tl. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXXVI. 




Abb. 21. Text S. 96. 
Hügel 17. 



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Abb. 22. Die innere Steinsetzung und die seitlich verschobene obere Steindecke. 

Standpunkt des photographischen Apparates siehe Grundriß bei 'od; 

Text S. 95. 

Kasing 7444. 



Ahh. 1.1. Nat. Oes. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXXVII. 




Abb 23. Hügel 20; Text S. 98. 





Abb. 24. Hügel 21. 
Text S. 98. 




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Abb. 25. Der Steinring. Hügel 21; Text S. 98. 



Kasing 7444. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXXVIII. 





Abb. 26. Hügel 22, Streuscherben von 31; Text S. Q8. 




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Abb. 27. Steingeräte der verschiedenen Hügel. 

Text S. 105. 



Kasing 7444. 



Abh. cl. Nat. Oes. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XXXIX. 




Abb. 2S. Text S. 111. 
Kasing 7444. 



Ahb. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XL. 



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Kasing 7444. 



Abhandlungen 



der 



NATURHISTORISCHEN 
GESELLSCHAFT 

zu 

NÜRNBERG 



XXI. Band 
4- Heft 



Grabungsberichte der Anthropologischen Sektion 
Die Petershöhle bei Velden 

in Mittelfranken 



Mit Tafeln und Plänen 
Von K. Hörmann. 



NÜRNBERG 1923 

Verlag der Naturhistorischen Gesellschaft, Nürnberg. 
Für den Buchhandel; Krische & Mencke, Universitätsbuchhandlung, Erlangen-Nürnberg. 



Grabungsberichte 



der 



Anthropologischen Sektion 



Die Petershöhle bei Velden 

in Mittelfranken 

Mit Tafeln und Plänen 



Von 
FC. Mörmann. 



Die Petershöhle. (Eini. Nr. 7806.) 

In einem Seitental links der Pegnitz bei Velden befindet sich hoch oben 
in einem Dolomitberg die Petershöhle; sie liegt in einer Einsenkung an der 
höchsten Erhebung eines von Nordwest nach Südost sich ausdehnenden langen 
Bergrückens, über die ein paßartiger Fußpfad führt. Südlich neben dem Paß- 
pfad erhebt sich das Bergmassiv etwa 40, nördlich etwa 20 Meter über den 
Boden der Höhle. Nach Nord und West fällt der Berg in steilem Winkel 
nach Ost senkrecht ab; siehe Tafel 41. 

Die Höhle ist von Trockentälern umgeben. Wasser ist nirgends anzutreffen; 
nächste Wasserstelle wäre heute der Flußlauf der Pegnitz, 182 m tiefer als die 
Höhle, Entfernung in der Luftlinie 1 km. 

Im Jahre 1914 wurde auf Veranlassung der Entdecker der Höhle, Dr. Ing. 
Peters und Härder, eine Versuchsgrabung unternommen, die zu eingehender 
Durchforschung ermunterte. Daraufhin wurde durch eine Reihe von Jahren 
jeweils mehrwöchentlich an der Untersuchung der Höhle gearbeitet. 

Versuchsgrabung: 1. bis 10. Oktober 1914: Ein Graben in der Längenachse der 
Höhle und ein solcher quer dazu an ihrer Südwand, ersterer bis 120 cm, letzterer bis 224 cm 
Tiefe geführt, ohne anstehenden Fels oder ein unteres Ende der Einlagerung zu erreichen; 
Hauptergebnis : Völlige Unberührtheit der Schichten bei merklichem Dunklerwerden der Ein- 
lagerung von 100 bis 120 cm Tiefe abwärts. An Funden nur zahlreiche Höhlenbärenreste. 
Grabungen: I.Grabung 10. September bis 21. Oktober 1916 (Tafel 41 unteres Bild). 
2. Grabung 31. Juli bis 23. August 1919. — 3. Arbeitsperiode 4. bis 26. Juni 1920 Stein- 
sprengungen zur Freilegung des Platzes vor. der Höhle, Beseitigung der Gesteinstrümmer 
und der Walderde an dieser Stelle. — 4. Grabung vom 28. Juni bis 30. Juli 1921 Abgrabung 
des Platzes vor der Höhle (Tafel 42 oberes Bild) und der östlichen Nebengrotten. — 
5. Grabung 6. Juli bis 12. August 1922 Haupthöhle und anschließende Nebengrotten. 

Grabungsleiter war immer der Berichterstatter. Die geologische Über- 
wachung lag bei Oberstudienrat Dr. Kellermann bis zu seinem leider schon 1918 
erfolgten Tod. Die Räumungsarbeiten und Sprengungen des Jahres 1920 wurden 
unter der sachkundigen Leitung der Herren C. F. Schramm Vater und C. E. 
Schramm Sohn-Hersbruck ausgeführt, die auch in den Jahren vorher und nachher 
werktätigen Anteil an den Grabungen nahmen. Ihrem historischen Sinn und 
ihrer Heimatliebe hat die Naturhistorische Gesellschaft viel zu danken. 

Die volle Ausräumung der Höhle ist noch nicht beendet. Es bleiben noch 
zu bewältigen: Die hinterste Südkammer und die von der Westwand der Haupt- 
höhle aus nach der Westseite des Berges führenden Höhlenteile. 

Vor der Höhle liegt ein Vorplatz in Nordost, dessen Entstehung verhältnis- 
mäßig jungen Datums sein muß. Ursprünglich war nach dieser Seite, nach dem 
Abgrund zu, die Höhle durch von Klumpsen und Spalten durchzogene Felsen 
geschlossen. Das läßt sich daraus entnehmen, daß vor Beginn unserer Arbeiten 
hier ein wirres Durcheinander gewaltiger Felstrümmer bis zu 3 m hoch über 
der Höhlensohle lagerte, deren Abbruch von der stehenden Felswand noch 
ersichtlich ist. Während jetzt die Höhle mit dem Holzgatter endet, durch das 
wir sie bei Beginn unserer Arbeiten verschließbar machten, gehörte vor. dem 
Einsturz ein Teil des Vorplatzes noch zur Höhle, bis zu der niederen Felsen- 
barre, welche 5,80 m vor dem Gatter querüber streicht. Bis hierher reichten 



124 



war unter rotem Letten nur eine 



auch die Schichtenbildungen der Höhle; vor der Barre, nach dem Abgrund zu, 

schwache Decke gelber Lehmsandschicht, 
Schicht II, entwickelt, die ganz wenige 
Knochen enthielt, im übrigen von 
Einschlüssen frei war; darunter ver- 
witternder Dolomit, teils Sand, teils 
anstehender Fels. Der Zusammen- 
bruch fand also statt, während die 
Bildung der Lehmsandschicht im 
Gange war. 

Oberhalb der Felstrümmer auf 
dem Vorplatz, im Mulm, mit dem sie 
zugedeckt waren, fanden sich neben 
den Knochen einer Wildkatze eine 
Anzahl Scherben: die Hälfte einer 
Tasse der Hallstattstufe A, also sche- 
matisch aus den Jahren 1200 bis 1000 
V. Chr. Daraus geht hervor, daß sich 
seit damals bis auf unsere Grabung 
das Bild vor der Höhle nicht geändert 

hatte. 

Q rabu ngstech n i k. Während der 
Grabung wurden verschiedene Arbeits- 
systeme durchprobiert. ,'\nfänglich gruben 
wir mit kleinen Instrumenten und durch- 
suchten die Fundstelle bei künstlichem 
Licht. Da die Funde spärlich, die Ein- 
lagerungen enorm , die Arbeitskräfte un- 
geschult waren, versprach diese Arbeits- 
weise wenig Erfolg. Wir richteten uns 
sodann vor der Höhle im Tageslicht ein, 
schafften die Funderde heraus und pro- 
bierten es mit Durchsieben. Höhlenerde 
ist immer etwas feucht; anstatt zu einer 
reinlichen Scheidung kam es zu uner- 
wünschten Neubildungen: Die Sieblöcher 
setzten sich mit feuchter Erde zu, und 
an den Gegenständen ballte sie sich durch 
das Worfeln zu Erdklößen und -wursten, 
die umso unförmlicher wurden, je länger 
das Sieben anhielt. Selbst wenn Wasser 
in hinreichender iVlenge vorhanden ge- 
wesen wäre, hätte die Methode des be- 
rühmten Siebens am wenigsten befriedigt. 

Die Arbeit kam erst richtig in Fluß 
als Herr Conrad Schramm sen. auf dem 




Grundriß. 

Aufgenommen durch die Sektion für Heiniat- 

forschnng der Naturhist. Ges. Juni 1923 unter 

Leitung von Herrn R. Spöcker. 



Vorplatz am Bergrand über dem Abgrund eine Art Hütte konstruierte, mit einem großen 
Tisch und mit einem Zeltdach überdeckt. Hieher wude die Funderde überführt und konnte 
annnähernd bequem bis ins Einzelne durchsucht werden. Auf diese Weise ließ sich auch 
die Arbeitskraft der zahlreichen Besucher in den Dienst der Sache stellen. Die Einrichtung 
hat sich bis ans Ende vortrefflich bewährt. Es versteht sich aber von selbst, daß die Unter- 
suchungsmethoden an heiklen Fundstellen den jeweiligen Umständen gemäß wechselten. 

Die Erdeinlagernngen in den Höhlenräumen lassen erkennen, daß sich 
verschiedentliche nicht miteinander in Einklang befindliche Episoden während 
ihrer Bildung abgespielt haben. Dies erschwerte die Beurteilung zeitweise ganz 



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erheblich und führte zur Aufstellung verschiedener Arbeitshypothesen, die der 
erlangten Einsicht gemäß nach jeder Grabung sich etwas änderten, allmählich 
aber klärten und vereinfachten. Was sich nach Beendigung der Grabung von 
1Q22 sagen läßt, kann die spätere völlige Abgrabung noch etwas berichtigen, 
in den allgemeinen Zügen aber kaum mehr ändern. 

Die Schichten. 

Die Einlagerungen bestanden aus Erden verschiedener Färbung und aus 
dolomitischen Gesteinen jeder Größe, die fast durchweg scharfkantig waren, hie 

_ ^ ._. und da jedoch auch Kantenrollung aufwiesen. 

Die Erde ist kalkreich und braust in Salzsäure 
stark auf. Hornsteinknollen, Kiesel, Bohnerz 
oder Fossilien kamen nicht vor, aber einige- 
male Butzen von Manganmulmerz und ocker- 
iger Brauneisenstein, wahrscheinlich Rück- 
stände aus dem Tertiär der Albüberdeckung. 
Unter dem S. 137 erwähnten Brandfleck im 
Innern der Höhle war der Boden verhärtet, 
ein Konglomerat bildend, dessen Bindemittel 
gelber, eisenhaltiger Kalk ist. 

Die sandigen Einlagerungen sind z. T. 
Verwitterungsprodukte aus der flöhle selbst, 
z. T. sind sie von außen in die Höhle ge- 
langt, zu einer Zeit, wo im oberirdischen 
Einzugsgebiet nur noch ganz \ ereinzelt Reste 
der tertiären Albüberdeckung vorhanden 
waren; andernfalls wäre mehr davon in der 
Höhle angetroffen worden. 

Im Wesentlichen bestanden die Ein- 
lagerungen aus drei Schichten über dem 
QuerprofiF[zwischen den nörd- Liegenden. Es bedarf kaum der Erwähnung, 
liehen und südlichen Neben- daß ihre Mächtigkeit nicht durchweg gleich 
grotten (im Grundriß „Profil d"). war. Von den ersten Grabungen an erwähnen 
die Protokolle nesterweise Einlagerungen in den Schichten, andersfarbige Erde, 
Anhäufungen von Steinen und Knochensplittern unmittelbar neben fast leeren 





Längsprofil durch die Haupthöhle (im Grundriß „Profil a"). 



126 




und andersgearteten Stellen. Einmal bestand der Eindruck, als arbeiteten wir in 
einem ausgetrockneten Bachbett: die größeren und kleineren Dolomitbrocken 
waren blank gescheuert, und hinter ihnen lagen geschützt wie im Windschatten 

Häufchen von Knochen- 
splittern. Diese Fest- 
stellungen beschränkten 
sich jedoch auf gewisse 
Tiefen; sie wurden kennt- 
lich etwa von 80 cm un- 
ter der Oberfläche und 
reichten nicht bis unten. 
Als Einheitsmaß wurde 
die Oberfläche der Ein- 
lagerung an ihrer höch- 
sten Stelle angenommen. 
"^ Obering. Stadtrat Huber 
: hatte die Güte, die Ver- 
; messungspunkte durch 
' ; die ganze Höhle festzu- 
; I legen. Sie sind in der 
§ Folge als „ Nullmeter- 
Horizont " bezeichnet. 

Das Liegende. 
Während auf dem Vor- 
Querprofil durch die Haupthöhle (im Grundriß „Proilf b"). platz und in den Neben- 
grotten der anstehende 
FelsMem Tiefergraben Einhalt gebot, bildete in der Haupthöhle ein weißer Sand, 
Rückstand verwitterten und ausgelaugten Dolomits, die untere Grenze unserer 

Grabung. Im Südeck folgten wir ihm 
durch Aushebung eines Schachtes bis 
zur Tiefe von 5,70 m unter Null, ohne 
den gewachsenen Fels zu erreichen. 
Er führte nur oben, soweit er in Be- 
rührung mit der durch ihre dunkle 
Farbe scharf abgegrenzten Kultur- 
schicht I stand, einige Tierreste; aber 
schon in geringer Tiefe war er völlig 
knochen- und steinleer. Er wurde des- 
halb überall, wo wir in den übrigen 
Teilen der Höhle auf ihn stießen, nur 
oberflächlich angegraben. 

Schicht I. Der unterste Teil der 
Einlagerungen, Schicht 1, war in der 
Farbe dunkelbraun, von verschiedener 
Mächtigkeit, aber alle Höhlenräume, 
gleichmäßig durchziehend. Nach unten 
zu sehr dunkel, fast schwarz anzusehen. 




Querprofil zwischen Vorplatz und Neben- 
grotten (im Qriindriß „Profil c".) 



127 

hellte er sich oben auf ins gelbbraune. Manchmal glaubte ich die Trennungs- 
stellen zwischen einer dunklen unteren und einer helleren oberen Hälfte unter- 
scheiden zu können; deshalb habe ich auch beide durchweg getrennt gehalten. 
Zumeist aber gingen sie kaum merkbar ineinander über. Ihrem Inhalt nach 
sind beide Hälften als „ Kultur Schicht " zu bezeichnen und zusammengehörig, 
nur war die untere Hälfte reicher als die obere. Von den erwähnten nester- 
artigen Einlagerungen war die obere Hälfte stärker, die untere fast gar nicht betroffen. 
Auf dem Vorplatz vor dem Gatter und vor dem Eingang zur östlichen Neben- 
grotte, unserer Orabungsstelle 22, waren starke Umlagerungen besonders deutlich 
erkennbar: Bänder der überlagernden Schicht II kreuzten sich mit solchen von 
Schicht I, und Gruben, ausgefüllt mit Schicht II, reichten tief in Schicht I hinab. 

Schicht II. Die Lehmsandschicht, Schicht II, war ausgesprochen gelb 
und lagerte gleichfalls verschieden stark in allen Höhlenräumen. Im Hauptraum 
lagen darin und z. T. auch noch in der oberen Kulturschicht I große, von der 
Decke abgestürzte Felsblöcke, s. Tafel 44 oberes Bild, deren Beseitigung — Sprengung 
durfte wegen der Gefahr des Nachsturzes von Deckensteinen nicht in Anwendung 
kommen — durch Zerklopfen geschehen mußte. Die dadurch entstehenden Stein- 
trümmerfelder, das Aufwühlen der Umgebung, machten an solchen Stellen ein 
genaues Auseinanderhalten der Schichten unmöglich. Von der Mitte der Haupt- 
höhle aus nach rückwärts waren Schichtenunterschiede überhaupt nicht mehr 
wahrnehmbar. Die geringen Farbenunterschiede wechselten, und es konnte nur 
mehr nach dem Abhub, von oben bis unten sechsmalig, geschieden werden. 

Außerhalb der heutigen Höhle, vor dem Gatter auf dem Vorplatz, war der 
obere Teil der gelben Lehmsandschicht zu einem roten Letten verleimt, siehe 
Profil a in 100c und c in 85 c Tiefe; diese Bildung fehlte im Innern der Höhle, war 
aber auch in einer der Nebengrotten, siehe Profil d in 173 c Tiefe in geringer 
Ausdehnung vorhanden; es war dies die schwächste Stelle der Einlagerungen 
(137 bis 295 cm unter Nullmeter). 

Der rote Letten auf dem Vorplatz war feucht, fettig, an den Stellen seiner 
stärksten Mächtigkeit plastisch knetbar und führte im allgemeinen gar keine 
tierischen Reste, noch weniger Artefakte. Seine untere Grenze hob sich nicht 
horizontal von der Lehmschicht ab, sondern reichte zungenförmig in sie hinein. 
An den Verbreitungsrändern keilte er aus bis zum völligen Verschwinden. Zur 
Zeit seiner Entstehung muß die Höhle schon eingestürzt gewesen sein, sonst 
hätte er sich nicht über einen Höhlenteil und zugleich über den Vorplatz ver- 
breiten können. 

In der Mitte der Haupthöhle und in ihrer vorderen Hälfte, 1,30 m unter 
Null, ging eine schwärzliche Bodenfärbung horizontal durch die Schicht, wie ein 
Strich, der nach unten verschwommen und verwaschen ist. Sie entpuppte sich 
als ein feinverteilter Kohlenbelag; im Westteil an der Felswand häufte er sich zu 
kleinen Kohlennestern mehrere Zentimeter hoch. Unter dem Kohlenstrich im 
Vordergrund IV2 m breit bis nahe zum Gatter, war die Erde lebhaft rostrot 
gefärbt, a bei Profil a; sie bestand fast durchaus aus Höhlenbärenresten in allen 
Stufen der Verwitterung. 

Oberflächenschicht III. Die Oberfläche war mit Unmassen scharf- 
randigen großen Dolomitscherben übersät und durchsetzt, besonders an der Ost- 
wand und in den anschließenden Nebengrotten. Unter den Steinen war die Erde 



128 

weißlich gefärbt von aufgelöstem Kalk, oft geradezu wie mit Kalkmilch über- 
schüttet. Die von den Höhlenwänden abfließenden Sickerwässer hatten hier 
überdies eine derart starke Verkittung bis tief in Schicht II hinein bewirkt, daß 
die Grabung überaus mühselig, Felswand und angesintertes Gestein kaum zu 
unterscheiden möglich war. Der West- und Südteil der Haupthöhle war davon 
so gut wie gar nicht betroffen, der Boden hier leicht bearbeitbar, staubig und 
schmutzig von vermodertem Laub. 

Sinter. Feste Sinterdecken wurden in keinem Teil der Höhle angetroffen, 
aber Ansätze dazu, pappendeckelstarke Sinterplatten fanden sich an der Westwand. 
Derbe Trümmer von Plattensinter bis zu 5 cm stark fanden sich nicht selten in 
den Schichten, sie sind häufig viereckig, wie absichtlich, zugeschlagen. Woher 
sie stammen, blieb unbekannt. 

Waldboden auf dem Vorplatz. Die Sprengungen und das Beseitigen 
der Felstrümmer auf dem Vorplatz erschwerten genaue Beobachtungen. Über 
der Schicht II sowie zwischen und hinter den Felsblöcken lag eine aus Mulm 
und Waldboden gebildete Erde, die nahe dem Gatter gewaltige Aschenmengen 
und Holzkohlenhaufen enthielt. 

K o n t r 1 1 p r f i 1. In der Haupthöhle ließ ich an der Westwand die 
Schichteneinlagerung in ganzer Höhe auf eine Strecke von fünf Meter unberührt 
als Kontrollprofil, s. Tafel 44 oberes Bild, um späteren Nachuntersuchungen ein 
Bild des Aufbaues zu hinterlassen, vorausgesetzt, daß es den Nachstellungen un- 
berufener V Höhlenforscher" entgeht, die durch Einbruch sich schon dreimal Eingang 
in die Höhle verschafften und 1Q21 auch einen Teil des Profiles zerstört haben. 
Es war nicht vorauszusehen, und wurde erst im Laufe der Arbeit ersichtlich, daß 
hinter diesem Profil die Höhle nach West sich fortsetzt. Auf der anderen Seite 
des Berges führt ein verschütteter Gang nach dieser Stelle und somit in die Höhle 
herein. Dies legt die Annahme nahe, daß hier der ursprüngliche alte Zugang 
zur Höhle war (s. Grundriß S. 124). Zurzeit mit Steinschutt und Erden zugefüllt, 
wird seine Erschließung erst möglich sein, wenn solidere wirtschaftliche Grund- 
lagen die wissenschaftliche Tätigkeit weiterzuführen gestatten. 

Unausgegraben blieb außerdem noch der Südgang aus der Hauptgrotte zur 
Südkammer und diese selbst. Hier hatte seinerzeit der erste Bearbeiter der Höhle 
und mit anderen Gefährten ihr Entdecker, Dr. ing. Peters, viele Teile eines mächtigen 
Höhlenbären herausgeholt. 

Für die folgenden Ausführungen kommen in allen Teilen der Höhle im 
Wesentlichen nur in Betracht: eine Kulturschicht I untere und obere Hälfte; eine 
gelbe Lehmsandschicht II; die Oberflächenschicht III. 

Die Kultureinschlüsse. 

Die Höhle war von altsteinzeitlichen Menschen bewohnt; an 
Kulturresten haben sie hinterlassen : Flintgeräte, Gegenstände aus Knochen, einige 
bearbeitete Geweihstücke unbestimmter Form; im übrigen Kohlen und Feuer- 
stellen. Die Funde waren unterschiedslos aber immer vereinzelt über alle Räume 
der Höhle verstreut. 

F li n t g e r ä t e. 

Es fanden sich 31 bearbeitete Flintgeräte verschiedener Form und ver- 
schiedenen Materials. Größtenteils ist jurassischer Hornstein des oberen Weißjura 
verwendet. Die Umgebung der Höhle — durchweg Dolomit — ist arm an 



129 

diesem Material, es muß aus einigen Stunden Entfernung lierbeigebracht sein, 
wo es reichlich vorkommt. Ein (nicht abgebildeter) Bandjaspis-Nukleus könnte 
dem Altmühl-Jura angehören; einmal ist Kreide-Feuerstein vertreten 24, wahr- 
scheinlich nordischer Herkunft. 

Wie das Material, sind die Geräte auch der Zahl, der Größe, der Form- 
gebung und der Bearbeitung nach mit wenigen Ausnahmen dürftig und armselig. 
Sie lassen sich nicht ohne weiteres in das französische Paläolithschema einreihen ; 
es sind wechselnde Formen altsteinzeitlichen Charakters, wie sie für mittel- 
europäische Herkünfte nicht selten sind. Charakteristisch ist u. a. die nachlässige 
Technik und der Formenwechsel. Die meisten unserer Funde haben beinahe 
eolithenhaftes Aussehen, sind aber doch als »mousterienartig« zu bezeichnen. Von 
deutschen Fundstellen kommt vor allem Sirgenstein zum Vergleich in Betracht i); 
auch Ehringsdorf ist nahestehend. Jedoch möchte ich sie weder der „Weimarer" 
noch der „ Sirgensteiner " Stufe der Wiegersschen deutsch-paläolithischen Gliederung^) 
zuteilen, denn damit wäre geologisch das Alter nach Wiegers und typologisch eine 
französische Paläolithstufe festgelegt; beides möchte ich vermeiden. 

Eher bin ich geneigt, sie auf das Schema zu beziehen, welches ganz neuer- 
dings die österreichische Forschung unter Führung Bayers aufgestellt hat 3); sie 
läßt einigen Spielraum für das geologische Alter, und es ist nicht nötig, sich für 
eine frühere oder spätere Mousterienstufe zu entscheiden. Ein „ westeuropäischer 
Kulturkreis ", der sich hauptsächlich auf Frankreich stützt, ist einem „ osteuropäischen 
Kulturkreis", der vorläufig auf Mitteleuropa beschränkt ist, gegenüber gestellt. 
Eine solche Unterscheidung ist zweckmäßig, denn die Kulturstufen des ersteren 
besitzen einen gut umschriebenen Formeninhalt mit ausgesprochenen reifen Typen, 
und jede ihrer Stufen bietet das Bild einer zeitgemäßen kulturellen Höchstleistung. 
Die Herkünfte mitteleuropäischer Fundplätze sind dagegen vielfach roher; wollte man 
mit ihren unentwickelten oder die Eigenart mehrerer Paläolithstufen zeigenden 
Formen ein Schema aufbauen, so würde es, wenigstens was die Altpaläolithik 
anbelangt, kulturell niedriger zu werten sein als das französische; es läßt auf 
Menschen schließen, die vielleicht in größerer Abgeschlossenheit und unter härteren 
Bedingungen den Kampf ums Dasein führten. Der andere Kulturkreis ist dann 
eben die Umschreibung für andere Lebensbedingungen. 

Nach Bayer charakterisiert den westeuropäischen Kulturkreis die „ Faustkeil- 
kultur ", den osteuropäischen die „ Handspitzenkultur "; unsere Funde gehören 
demnach der letzteren an. Weiter vermag ich Bayer vorläufig nicht zu folgen, 
von seinen übrigen Voraussetzungen und Schlüssen sehe ich ab. Unser Gebiet 
lag zwischen der nördlichen und südlichen Vereisungszone, es stand mehr als 
Westeuropa unter arktischen Einflüssen, und arktisch ist auch das Geräteinventar 
der Petershöhle. Obwohl sie vom Lichtenfelser Kosten (Luftlinie 71 km) und der 
Klausennische bei Neuessing (76 km) für schweifende Jäger nicht allzu entfernt, 
zwischen beiden in der Mitte liegt, hat sie mit den Mousterienfunden dieser beiden 
Stationen nichts gemein. 

Dagegen hat die Mehrzahl unserer Flintgeräte Aehnlichkeit mit den Klein- 
typen vom Schulerloch*) in der nächsten Nähe der Klausennische und ebenso 

') R. R. Schmidt, Die diluviale Vorzeit Deutschlands S. 18. 

') Wiegers, Diiuvialprähistorie als geologische Wissenschaft. 

') Bayer, Die Ausbreitung des Menschengeschlechtes; Naturw. Wochenschr. XXI 1922,5.693. 

*) Birkner, Die eiszeitliche Besiedelung des Schulerloches und des unteren Altmühltales 1916. 



130 



mit den Funden des unteren Horizonts der Gudenushöhle '), die nach Menghin 
gleichfalls .der Handspitzeiikultur angehören'). Formen wie dort Tafel V 4, 
7- VI 2, 3, 5, 8- Vlli 3, 6- IX 1, 2, 6- X 3, 7- sind auch unter den unsrigen vertreten, 
Spitzen wie unsere drei 16, 18, 19, wurden dort nicht angetroffen; sie allein halten 
allenfalls einen Vergleich mit besseren Mousterien-Formen aus. 

Mit einem Teil des Mousterien vom Hohlen Fels bei Happurg^) (Luftlinie 
14 km) und mit dem, was Breuil-Obermaier als Aurignacien bezeichnet haben, 




Flintgeräte aus Schicht I untere Hälfte 

1 bis 3 im und beim Feuerherd gefunden. 



') Obermaier-Breuil, die Gudenushöhle in Niederösterreich; Mitteilungen der Anthropologischen 
Gesellschaft Wien, 38 1908 Seite 277. 

') Urgeschiclite Niederösterreichs, Heimatkunde von Niederösterreich Heft 7 Seite 2. 

') Der Hohle Fels bei Happurg; Abhandhuigen der Naturhistorischen Gesellschaft XX. Bd. 
(Festschrift zum 44. Anthropologen-Kongreß) 1913 S. 21. 



131 



besteht einige Ähnlichi<eit, das Kleingeräte 2 aus der Herdstelle z.B.; die Retuschen 
sind aber nicht in Spänen abgespHssen, sondern stufenförmig ausgebrochen, mit 
überstehenden Kanten, wie das in der Mousterientechnil< öfter begegnet. Bei zwei 




Flintgeräte aus Schicht I obere Hälfte 
16 und 17 zweifelhaft ob aus Schicht I oder II. 

Stücken 3 und 18 sind die Retuschen unscharf, als wären die Stücke gerollt, und 
einige andere könnte man auch für neolithisch oder noch jünger halten; gleichwohl 
sind sie vom Grunde der Kulturschicht. 

Die untere Hälfte der Kulturschicht I lieferte elf bearbeitete Flintgeräte. 
Drei lagen im Herd, 1 bis 3, und eines, 5, in dessen Nähe, alle auf der Sohle der 



132 

Nebengrotte. Fünf Stück, 4, 6, 9 bis II, fanden sich in der Haupthöhle; zwei 
7, 8, lagerten in der Unterführung zwischen Haupthöhle und östlicher Nebengrotte. 

Die obere Hälfte der Kulturschicht I ergab neun Stück; unsicher, ob zu 
Schicht I oder H gehörig, sind 16, 17. 

Schicht 11 hatte fünf Stück aufzuweisen, wovon zwei auf die durch unklare 
Schichtverhältniste gekennzeichnete Orabungsstelle 22 treffen. 

Schicht 111 lieferte vier Stücke, 26 bis 29, alle von Orabungsstelle 22. 
Einige belanglose kleine Stückchen und mehrere größere Handstücke jurassischen 
Hornsteins bleiben außer Betracht, weil sie keine oder kaum Spuren von Bearbeitung 
tragen, im Ostteil der Haupthöhle, in Schicht III, nur 38 cm unter der Oberfläche, 
kam ein größeres Stück dichten, nicht kristallinen, also ortsfremden Kalksteins 
8 cm lang, ö,2 cm breit in der Form einer flachen Mousterien- Handspitze zum 
Vorschein; es ist leicht übersintert. Wenn auch wahrscheinlich nur eine Zufalls- 
form, will ich es doch nicht unerwähnt lassen; abgebildet Tafel 46b. 




Flintgeräte; 
21 bis 25 aus Schicht II; 26 bis 29 aus Schicht III. 



Außerdem ist noch eines Stückes Tertiärgerölles zu gedenken, rötlicher Eisen- 
kiesel, mit deutlicher Abnützung der einen Schmalkante, also ein Hammer oder 
ein Schlagstein. Es fand sich in der Kulturschicht der Haupthöhle, in der Nähe 
des kleinen Brandfleckes. 



133 

Die Gliederung nach den Fundtiefen ergiebt kein ganz klares Bild, was um 
so auffälliger ist, als doch der gesamte Höhleninhalt unberührt vom Menschen 
abgelagert war. Eine Erklärung dieser Erscheinung wird weiter unten gegeben. 
Die Funde aus beiden Hälften der Kulturschicht I können unbedenklich zusammen- 
gelegt werden, es sind 20 Stück. Schicht II und III ergaben zusammen 9 Stück. 
Die erwähnten belanglosen Stücke sind hierbei nicht mitgezählt. 

Die Knochengeräte. 

Unter den Knochen und -fragmenten sind sehr viele mit unscharfen, d. h. 
in geringem Grade abgenützten Kanten, aus denen sich schließen läßt, daß sie 
irgend einen schleifenden Vorgang durchgemacht haben. Das kann an ihrer 
Lagerstätte geschehen sein, denn diese hat nicht dauernd in völliger Ruhe ver- 
harrt: in Kälteperioden war die mit Feuchtigkeit durchzogene Erde wahrscheinlich 
gefroren, wie sie des Winters noch jetzt an der Oberfläche gefriert. Sie zog sich 
also zusammen, und beim Auftauen dehnte sie sich aus. Ein geringfügiges, im 
Laufe der Jahrtausende aber doch merkbares Schleifen im umgebenden Sand ist 
deshalb wohl denkbar. Umlagerungen durch Wassereinbrüche konnten die 
Wirkung verstärken. Die vielfache Splitterung der Knochen, ihr leichtes Zerfallen 
bei Berührung ist ohnehin als Folge einer übermäßigen Mazeration im Wasser 
unter Mithilfe des Frostes zu betrachten. 

Außer diesen geringfügigen Kantenabscheuerungen ist bei einer nicht geringen 
Anzahl großer und kleiner Knochentrümmer, aber auch bei ganzen Unterkiefern, 
Extremitätenknochen, Wirbeln, eine starke Rundung vorhanden, die sich nicht 
auf die Kanten beschränkt, sondern sich über die ganze Oberfläche hinweg er- 
streckt. Sie fallen sehr auf, und leicht gerät man in Versuchung, sie für Werk- 
zeuge zu halten, da sie sich auf den ersten Blick vom sonstigen Knochenmaterial 
unterscheiden. Das Zustandekommen dieser Glättung befriedigend zu erklären 
ist kaum möglich. Es kann Rollung im Wasser die Ursache sein, wie bei den 
in ungefähr gleicher Verhältniszahl gefundenen rundlichen Kalksteinen, Gerollen 
aus der Albüberdeckung, mit denen sie dann auf eine Stufe zu stellen wären. 
Am Fundort ist diese Veränderung nicht entstanden, sonst müßten auch die 
benachbarten Fundstücke von gleicher Beschaffenheit sein; diese sind aber über- 
wiegend zermürbt, splitternd und scharfkantig, während jene sich durch gesunden 
Erhaltungszustand besonders hervortun. Die Erscheinung ist fast in jeder Höhle 
zu beobachten und läßt sich auch experimentell erzeugen. Ein Versuch, über 
den im Anhang berichtet wird, ergab eine verblüffende Aehnlichkeit, nicht nur 
mit gerollten Knochen, sondern geradezu mit fertigen Werkzeugen. Die Wahr- 
scheinlichkeit der Oberflächenveränderung durch Rollung ist unter allen Umständen 
sehr groß. Hat ein Gegenstand keine anderen als diese Merkmale aufzuweisen, 
dann sind vorsichtshalber natürliche Einwirkungen als Ursache anzunehmen. 
Damit scheidet eine nicht unbeträchtliche Anzahl derartiger Knochengegenstände 
unter unseren Funden aus der Betrachtung aus *). 



') Der größte Teil aller Knochenfunde der Grabung von 1921 wurde auf Rollung untersucht; 
unter rund 300 Kilo waren lO'/j Kilo mit Rundung oder teilweiser Rundung; das sind S'/j'/o. 
Die verschiedenen Fundstellen sind jedoch sehr ungleich an diesem Prozentsatz beteiligt. Grabungs- 
stelle 22 vor der Höhle, der Örtlichkeit, die vermutlich durch die von oben konnnenden Über- 
flutungen am meisten betroffen war, wies ll'/j'/o auf; alle anderen weniger, 6 — 3—2 bis C/o. 
Die Untersuchung ist aber kaum voll verwertbar, weil ich leider, wie sich nachträglich heraus- 



134 

Diese notwendige Vorsichsmaßregel genügt indessen nicht ; mit der bloßen 
Verneinung sind die Bedenken nicht behoben. Die Handlichl<eit mancher dieser 
Stücke mußte dem paläohthischen Menschen ebenso auffallen, wie sie uns auffällt 
und konnte ihn veranlassen, sie aufzulesen und in Gebrauch zu nehmen. Das 
kann beispielsweise der Fall gewesen sein bei einem Stück, das sich zusammen 
mit angebrannten Knochen und Hornsteingeräten in der Herdstelle fand. 

Die Rollung ist aber nicht die ausschließliche Möglichkeit, denn auch 
der Gebrauch, die Verwendung durch Menschenhand, wirkt ähnlich und form- 
gebend. Rohe Knochentrümmer verändern durch Schaben, Kratzen, Schürfen, 
Wühlen in der Erde sehr schnell, wie mich häufige Proben überzeugt haben, 
die natürliche scharfe Kante und lassen eine Anpassungsform an der Gebrauchs- 
stelie entstehen ^). Der Knochen hält nur nicht lange aus, er bricht leicht beim 
Auftreffen auf Steine mit einer charakteristischen Quersplitterung; Verletzungen 
dieser Art finden sich häufig an handlichen Stücken. Benützte Knochen unter- 
scheiden sich von natürlich gerollten allenfalls auch dadurch, daß sie nur an der 
Gebrauchsstelle abgearbeitet, im übrigen und an den spongiösen Innenseiten 
scharfkantig sind. Doch ist eine solche Feststellung selten einwandfrei zu machen. 
Als Arbeitsgeräte kommen daher nur Stücke mit öfter wiederkehrenden Zweck- 
mäßigkeits-Merkmalen in Betracht, die durch Zufall zwar auch der Natur einmal 
gelingen können, die bei öfterer Wiederkehr aber auf Absicht und Nachhilfe 
schließen lassen: Einkerbungen an den Seiten, welche auf eine Schaffung durch 
Umschnüren hinweisen siehe Tafel 4ö die zwei Mittelstücke; mehrseitige 
Muschelungen, welche den Gegenstand zu Stich oder Stoß geeignet machen 
ebenda, obere Reihe 6 von links; Meißelformen (die Meißelkante meist infolge 
des Gebrauches beschädigt) obere Reihe 5 von links; halbierte distale Enden 
von Speichenknochen; Wadenbeine oder ähnlich dünne Knochen mit schnabel- 
förmigem Bruch der meist gerundet ist, ebenda, zweite Reihe links von a-) u.a.m. 
Vielleicht ist auch der Hochglanz mancher Stücke ein Beweis der Benützung 
durch den Menschen. Nur bei sehr wenigen Stücken geht unzweideutig aus der 
Form hervor, daß sie zu bestimmten Zwecken angefertigt wurden; in diesem 
Falle handelt es sich um Waffen, Speerspitzen. Sie stammen aus den tiefsten 
Stellen der Kulturschicht, gehören also sicher der ersten Besiedlung an. Die 
Technik ihrer Herstellung entspricht dem Anfangsstadium der Knochenbearbeitung, 
wie bei den anderen hier zur Besprechung stehenden Stücken. 

Die vollendete Technik ist nur durch ein Stück aus Schicht II der Haupt- 
höhle vertreten, Tafel 46 bei a Vorder- und Rückseite; es ist ersichtlich von 
verhältnismäßig junger Abkunft. Dies ergibt sich sowohl aus der allseitig sorg- 
fältigen Ueberarbeitung, als auch aus der elfenbeinartigen Knochenfarbe, mit der 
es unter allen Funden allein dasteht. Man kann das Instrument einen Pfriem 
nennen; Geräte dieser Art habe ich in der Fränkischen Schweiz des öfteren aus- 
gegraben. Ein anderes, weniger gut gearbeitetes Stück aus Schicht III, ein an 

stellte, den Anteil der Kulturschicht I untere Hälfte, ca. 150 Kilo, in gleicher Weise festzustellen 
übersehen habe. Gerade dieser wäre wichtig gewesen, denn er enthält besonders auffallende und 
viele sehr kleine Stücke mit Rundkanten. 

') Ein derartiges Stück fand sich in der Hirnkapsel eines zertrümmerten Höhlenbären-Schädels, 
und ich hatte den Eindruck, als hätte man damit das Hirn herausgelöffelt. 

') Schaben mit rohen Knochen ist, freilich aus sehr später Zeit, geschichtlich bezeugt. 
Herodot erzählt von den Skythen des 5. vorchristlichen Jahrhunderts, daß sie dem getöteten Feind 
die Haut abzogen und das daran hängende Fleisch mit einer Ochsenrippe entfernten. 



135 

der Spitze abgebrochener Dolch (nicht abgebildet) ist aus dem Qriffelbein eines 
Pferdes erstellt und mit dem vorgenannten vermutlich gleich im Alter. 

Die Menschen der ersten Besiedlung hatten kein Bedürfnis oder legten noch 
keinen Wert darauf typische Qeräteformen herauszuarbeiten, sie wären aber, wie 
die Ansätze zu Waffentypen und die gleich zu erwähnenden Kleinsachen beweisen, 
im Rohen wahrscheinlich dazu im Stande gewesen. Es ist ein ähnliches Sammel- 
surium von Zufallsformen, wie bei den Flintgeräten, und wie bei diesen kam für 
die Herstellung nur Schlagen und Klopfen, nicht aber Schleifen oder Polieren 
in Betracht. Am häufigsten verwendeten sie zufällig aufgegriffene Knochen- 
trümmer, die ohne Zurichtung oder nur mit geringen Nachhilfen in Verwendung 
genommen wurden. Daß dies in weit höherem Maße der Fall war als mit Be- 
stimmtheit nachweisbar und bei der gebotenen Zurückhaltung anzunehmen erlaubt 
ist, geht aus den nun zu besprechenden Fundstücken, den sogenannten „Knöpfen", 
hervor, die sich ausschließlich durch ihre Anzahl und durch ihre Form, nicht 
aber durch größere Sorgfalt oder bessere Technik als absichtlich hergestellt zu 
erkennen geben. Wenn selbst bei diesen häufig wiederkehrenden, also beliebten, 
für die Petershöhle geradezu tonangebenden Kleinsachen von jeder bessernden 
Nachhilfe abgesehen und nur die roh zugeschlagene Form in Gebrauch genommen 
wurde, dann befinden sich auch sonst unter den Knochensplittern viele vom 
Menschen benützte; wir müssen aber darauf verzichten sie herauszufinden. 

Diese zahlreichen Kleingeräte, Tafel 45 obere Hälfte, bezeichnen wir noch 
immer mit dem Verlegenheitsnamen „Knöpfe", den ihnen Dr. Kellermann 
gegeben hat. Die von ihm abgebildeten zwei Stücke ') entstammen zwei ver- 
schiedenen Höhlen der Fränkischen Schweiz, dem Kummetsloch bei Streitberg 
und einer kleinen namenlosen, viele Menschenskelette enthaltenden Höhle östlich 
von Tüchersfeld. Letzteres zeigt eine wahrscheinlich durch Eisenoxyd herbei- 
geführte Rotfärbung, ähnlich manchen Knochengeräten vom Kesslerloch. An den 
Kellermannschen Ausführungen ist nur richtig zu stellen, daß der in der Mitte 
stehen gebliebene schmale Kamm des Gerätes durch Abschleifen hergestellt sei. 
Wie schon die Abbildung, besser noch die Originale zeigen, ist von einem 
Schliff nichts wahrzunehmen; der Kamm ist ebenso wie bei sämtlichen in der 
Petershöhle zum Vorschein gekommenen nur durch Schlag oder Absprengung 
zustande gekommen. 

Die 22 gut erhaltenen Stücke schwanken in den Größen zwischen 24 und 
58 mm Länge, in der Breite zwischen 8 und 18 mm. Einige sind aus Höhlen- 
bären-Rippen gefertigt, andere von Röhrenknochen kleinerer Tiere, Eines sogar 
aus dem Eckzahn eines Höhlenbären. Fast durchweg zeigt der in der Mitte des 
Gegenstandes stehen gelassene Steg oder Kamm eine kleinere steile und eine 
breitere flache Hälfte. Nicht bei allen, aber bei vielen ist der Steg durchlocht 
d.h. die Spongia des natürlichen Markkanals sind ausgefallen, aber bei keiner 
Durchlochung ist eine Abnützung bemerkbar, wie sie stattgefunden haben müßte, 
wenn die Gegenstände als Knöpfe aufgenäht gewesen wären. Abnützung der 
Oberfläche des Steges zeigt sich dagegen mehrfach. Die Spitzen und Enden der 
Stücke sind unregelmäßig, bei jedem anders, so daß sich Schlüsse auf die Ver- 
wendung nicht daraus ziehen lassen. 

') Kellermann, Das Kumniefsloch bei Streitberg, eine paläolith-)ägerstation; 20. Bd. Abhdlgn. 
d. Nat. Oes. (Festschrift z. 44. Anthr.-Kongr. Nbg. 1913) S. 17 Tafel 13 Fig. 69, 70. 



136 

Außerdem sind angefangene oder mißlungene Stücke in größerer Zahl 
vorhanden, dieselbe Tafel untere Hälfte und andere ähnliche, bei denen der Steg 
in der Mitte nicht geschlossen, sondern offen ist. Bei einigen kann er ausgebrochen 
sein; bei anderen ist er absichtlich offen gelassen. Die erhabenen Enden des 
offenen Steges sind mehrfach durch Abnützung blankgescheuert. Manchmal liegt 
der offene Steg ober oder unter der Mitte des Gegenstandes, und dann könnte 
man allenfalls eine Pfeilspitze darin sehen ; vielleicht war der Hohlraum zwischen 
dem Steg, der Markkanal, mit einem Gift gefüllt. 

Diesen pfeilspitzenartigen Formen ließen sich Varianten anreihen, bei denen 
der Steg nur auf einer Seite vorhanden ist. Stücke dieser Art pflegen bedeutend 
größer zu sein. Es verbietet sich aber „Entwicklungsreihen" aufzustellen, denn 
die Formen schwanken, und es ist nicht möglich zwischen Zufall und Absicht 
zu unterscheiden, wenn es sich um eine andere als die vollendete »Knopfform" 
handelt. 

Von Pfeilspitzen führe ich Tafel 46 untere Reihe nur wenige an; sie sind 
ebenso reichlich vertreten wie am Hohlen Fels, unterscheiden sich aber etwas 
von den dort vorkommenden, was auf andere Befestigung oder sonstige andere 
Gepflogenheiten dieser Höhlenmenschen schließen lassen könnte. Es steht für 
mich fest, daß Bogen und Pfeil den Leuten bekannt waren. 

Messer aus Höhlenbärenzähnen, wie sie Hillebrand aus ungarischem Höhlen- 
mousterien beschreibt ^), haben sich nur wenige gefunden; ich gebe die Abbildung 
von drei Stücken; siehe Tafel 45 seitlich rechts. 

Auffallend ist das vielfache Vorkommen von viereckigen oder rundlichen 
Scheiben aus Knochenplatten von Höhlenbärenschädeln. Ob Absicht oder Zufall 
ihrer Bildung zugrunde liegt, muß dahingestellt bleiben. Das Tafel 46 bei c 
abgebildete Stückchen weist vier gleichlaufende tiefe Einschnitte auf, die von 
Menschenhand herrühren müssen. 

Noch erwähne ich das Vorkommen einer anscheinend bearbeiteten hölzernen 
Spitze 120 bis 130 cm tief nahe der Schädelnische in der Nebengrotte in Schicht 11, 
Tafel 46 obere Reihe siebentes (letztes) Stück von links. Ich habe den Fund 
selbst gehoben und muß ihn für ursprünglich halten. Bei der Auffindung weich 
und biegsam, ist das Holz bald durch Austrocknung geschrumpft und mehr als 
einen Zentimeter kürzer geworden. Professor Dr. Gothan-Berlin hatte die Güte fest- 
zustellen, daß es Holz von Pinus silvestris, der Kiefer, ist, nicht von der Eibe, 
wie erst vermutet wurde. 

Für die Eiszeit setzt man Tundrenflora voraus; sie bringt aber keine Bäume 
hervor, sondern nur an bevorzugten Stellen dürftige Sträucher, „das arktische 
Wachstum ist daher eine Miniaturvegetation". Mit einer Miniaturvegetation war 
den großen Dickhäutern, Rhinoceros, Mammut, sicherlich nicht gedient. In die 
Tundra hinein ragt in Sibirien die Taiga, der Urwald, dem Fichten und Föhren 
in keinem Teile fehlen. Auch Nehring hat seinerzeit eine Konifere bei Westeregeln 
angetroffen, Pinus larix, die Lärchentanne, zusammen mit Rentier, Rhinoceros 
tichorrh. und Höhlenlöwe 2). Unser eiszeitlicher Kiefernfund steht also nicht allein, 
so unwahrscheinlich es auch klingt, daß nicht angekohltes Holz bis auf unsere 
Zeit sich erhalten konnte. 



') Wiener Prähist. Ztschr. V 1918 S. 14. 
'') Ztschr. f. Ethnol. 16 1884 S. 463. 



137 

In der Gegenwart ist Pinus silvestris, die Föhre, der herrschende Baum in 
nächster Nähe der Höhle. Dann folgen Picea excelsa, die Fichte oder Rottanne 
und Fagus silvatica, die Buche. Vereinzelt kommt auch Pinus larix, die Lärche, vor. 

Die Feuerstellen. 

Die Grabung des Jahres 1Q16 schnitt eine Feuerstelle an im Innern der 
Höhle 2,24 cm unter der Oberfläche, also in der dunklen unteren Kulturschicht I. 
Damals war eine ordnungsgemäße Freilegung nicht möglich; sie wurde deshalb 
wieder eingedeckt. Ihre Untersuchung erfolgte 1922, brachte aber insoferne eine 
Enttäuschung, als nicht eine Herdstelle, sondern nur eine kleine Feuerstelle mit 
Kohlenresten ohne weitere Begleitfunde zum Vorschein kam, s. Grundriß und 
Tafel 44, oberes Bild. 

Dagegen deckte die Grabung des Jahres 1921 einen großen Feuerherd in 
der Grotte neben dem Vorplatz auf, unmittelbar auf dem gewachsenen Felsboden, 
also zu Unterst der schwärzlichen Kulturschicht I. Es war eine unregelmäßige 
Steinsetzung im Umfang von 75 cm und 15 cm dick, innerhalb welcher beträcht- 
liche Kohlenhaufen, sowie verkohlte und angebrannte Höhlenbärenknochen lagen. 
Die Kohle stammt nach der gütigen Bestimmung Dr. Gothans jedenfalls von Kiefern- 
holz, Pinus silvestris, doch könnte auch Picea excelsa, die Fichte, in Frage kommen. 

Zum Teil darinnen oder in nächster Nähe befanden sich die Feuersteine 
1 — 3 und mehrere „Knöpfe". Eine von der Decke abgestürzte flache Steinplatte, 
etwas größer als die Herdstelle, lag unmittelbar über dem Herd; dadurch geschützt, 
war er noch im ursprünglichen Zustand erhalten und wurde ins Luitpoldhaus 
überführt. Die photographische Aufnahme ist mißlungen, da das Blitzlichtpulver 
Feuchtigkeit angezogen hatte. Das photographische Bild Tafel 43 ist nach der 
vom Befund aufgenommenen Handzeichnung nachgebessert. 

Während die beiden Feuerstellen der untersten Schicht angehörten, war die 
S. 127 erwähnte Kohlenschwärzung in der Haupthöhle sehr viel höher gelegen, im 
Mittel 130 cm unter dem Nullmeter. Sie verdichtete sich an den Höhlenwänden 
in Ost und West zu Kohlennestern oder Feuerstellen, deren gegen 10 angetroffen 
wurden. Als leichte Schwärzung des Bodens machte sich die Kohle durch einen 
Teil der Haupthöhle bemerkbar und ist auch am Kontrollprofil zu sehen; man 
hatte den Eindruck, als wäre die Kohle aus den Feuerstellen entweder durch 
Herumtrampeln oder aus sonstigen Ursachen über die Fläche vertreten oder 
verschwemmt worden. Gegenstände lagen nicht auf dieser Ebene, unmittelbar 
darunter aber fand sich der erwähnte schöngeglättete Knochenpfriem Tafel 46 a. 

Die Tierreste. 

Die Bestimmung der Tierreste hat Herr Professor Dr. Schlosser-München 
in entgegenkommendster Weise übernommen; hierfür auch an dieser Stelle der 
Dank. Schicht I I II III 

untere obere 
Hälfte Hälfte 

Ursus spelaeus Bl. Höhlenbär sehr häufig selten 



Ursus arctos L. brauner Bär 

Meles taxus P. Dachs . . . 

Felis catus Wildkatze . 

Felis domestica Br. Hauskatze . 

Felis spelaea Höhlenlöwe 



Skeletteile 4 3 13 

— — - 1 

— — — 7 

— - - 4 
12 9 17 2 



138 



Höhlenhyäne 
Hund . . . 
Wolf .... 
Fuchs . . . 
Hase . . . 
Hausschwein 
wollhariges Nash 
Reh . . , 
Edelhirsch 
Rentier 
Hausziege 
Schaf 
Rind . 



Ur . 

Wisent 

Pferd 



orn 





Schicht I 

unifre 
Hälfte 


I 

obere 
Hälfte 


II 


II 


Skeletteile 


1 





— 


— 


ti 




— 





— 


1 


H 




12 


11 


10 


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1 


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4 


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1 


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4 


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4 


4 


13 


20 


» 




1 


4 


9 


27 


« 




— 


— 


3 


3 


II 




6 


4 


6 


3 


V 




— 


— 


— 


5 


II 
II 




2 

1 


1 


3 


1 


n 

M 




1 


2 


1 

3 


3 


» 




— 


1 


2 


6 


II 




— 


— 


1 


4 



Hyaena spelaea Gldf. 

Canis familiaris L. 

Canis lupus L. 

Canis vulpes L. 

Lepus timidus L. 

Sus scrofa domesticus 

Rhinocerosantiquitatis Bl 

Cervus capreolus L. 

Cervus elaphus L. 

Cervus tarandus L. 

Capra hircus L. 

Ovis aries L. 

Bos taurus L. 

Bos primigenius Boj. 

Bison priscus H.v.M. 

Equus caballus L. 

Equus germanicus Nehr. Wildpferd 

Myoxus glis Sehr. Siebenschläfer 

Tetrao tetrix L. Birkhuhn . . 

Schneehuhn?, eher Rebhuhn .... 

Gallus domesticus Br. Haushuhn . 

Anser domesticus L Gans . . . 

Wie üblich, ist der Höhlenbär re 
auch spärlich, in der obersten Schicht, 
mäßig wenige Knochen und nur drei Schädel annähernd ganz geborgen werden, 
und sehr selten wurden zusammengehörige Knochen zusammen gefunden. Die 
den Höhlenbären kennzeichnende individuelle Verschiedenheit im Knochenbau 
und Schädel ist auch hier vorhanden; wenngleich kein einziges Formenelement 
als charakteristisch gilt, machen sich doch hier wie anderwärts öfter wieder- 
kehrende Typen bemerkbar: kurze, hohe und plumpe Unterkiefer mit rundlichem 
Basalrand; langgestreckte, schmale mit geradliniger Unterkante bezw. Basalrand. 
In den oberen Schichten ist der zierliche Ursus spelaeus arctoideus, nach v. Reichenau 
eine jüngere Abart des U. sp. Blumenbachi mehrmals vertreten, kenntlich durch 
das Vorhandensein des ersten Prämolaren außer dem vierten im Unterkiefer. 
Auch der braune rezente Bär fehlt nicht. 

Vertreten ist jedes Alter, selbst Embryonen fanden sich. Sehr häufig, ja 
weitaus überwiegend sind jugendliche Tiere überhaupt. Es gilt dies als ein 
Zeichen, daß der Mensch die Tiere gejagt und sich vorwiegend unerwachsene 
zur Beute auserkoren hat. Eine Verteilung nach den Schichten gibt hierfür freilich 
keinen Anhaltspunkt. Von zusammen 141 Stück jugendlichen und ganz jungen 
Unterkiefern oder Fragmenten solcher kommen auf den unteren Teil der Kultur- 
schicht I 27 Stück; auf die obere Hälfte 50 Stück; der gelbe Lehmsand, Schicht II 
enthielt 53, und selbst Schicht 111, die obere Schicht, wies noch 11 Stück auf. Es 
fällt zwar auch hier wie bei allen anderen Funden ins Gewicht, daß die Lagerungs- 
verhältnisse kein reinliches Merkmal zeitlicher Unterscheidung sind; immerhin 
stehen den 77 Stück oder rund 54 «/o aus beiden Hälften der Kulturschicht, in^ 



chlich und überall vertreten, selbst, wenn 
Bei alledem konnten doch nur Verhältnis- 



13Q 

welche der Aufenthalt des Menschen zu setzen ist, 66 d. s. 46 % aus den beiden 
oberen Schichten gegenüber, für welche der Mensch als Jäger nicht in Betracht 
kommt. Ob man bei dem fast gleichen Prozentsatz die menschliche Jagd für 
das Überwiegen bezw. Töten jugendlicher Tiere verantwortlich machen kann^ 
scheint mir doch etwas fraglich. 

Knochen mit krankhaften, nicht allein durch Knochengicht (Arthritis defor- 
mans) verursachten Erscheinungen, verheilte Knochenbrüche sind häufig. Zwei 
Rückenwirbel eines älteren Tieres sind in der Weise fest und unbewegJich 
mit einander verwachsen, daß der Wirbelkörper bei beiden nach unten eine gemein- 
same Platte mit je einem kräftigen Fortsatz an den vier Ecken gebildet hat. Bei 
einem jugendlichen Individuum ist der Unterkiefer durch Periostitis so sehr auf- 
getrieben, daß das Tier daran wahrscheinlich zu Grunde gegangen ist. 

Einigemale ist am Atlas die das Gefäßloch nach außen abschließende 
Knochenbrücke am Flügel auf einer Seite viel stärker als auf der anderen ent- 
wickelt, einmal fehlt sie ganz auf beiden Seiten. 

Bei ganz jungen Tieren ist in einer Anzahl von Fällen die Alveole des 
3. Prämolaren ausgebildet, eine demnach öfter wiederkehrende Unregelmäßigkeit. 
Entwicklungsgeschichtlich merkwürdig ist der Unterkiefer eines ganz jungen Tieres, 
bei dem die Alveolen sämtlicher vier Prämolaren ausgebildet sind, während 
beim Höhlenbären normaler Weise nur der vierte Prämolar, dieser aber immer 
vorhanden ist. 

Aeltere Höhlenbären mögen etwa mit 50 bis 60 Exemplaren vertreten sein. 
Dem Gebiß nach waren die meisten Fleischfresser, denn die Zähne sind selbst 
bei ganz alten Tieren zumeist nicht bis auf die Wurzel abgekaut, die Höcker auf 
den Zahnkronen meist noch vorhanden. Nach Schlossers Beobachtungen ist dies 
eine Eigenart der fränkischen Höhlenbären überhaupt; doch fehlen auch Unter- 
kiefer mit ganz abgekauten Molaren nicht, also das auf Pflanzenfresser hinweisende 
Gebiß. Der Höhlenbär in unserem Jura war nicht kleiner als anderwärts. Die 
Tibia des Skelettes aus der Steiflinger Höhle in unserer Sammlung i) ist mit 326 mm 
Basilarlänge der weitaus größte unter den von Professor Kinkelin gemessenen 
Unterschenkeln 2). Die im Besitz des Bürgermeisters Distler in Pottenstein, aus 
seinem Höhlenkeller stammenden Schädel stehen dem unseres Steiflinger Bären 
an Größe kaum nach, und in der Petershöhle kamen ebenfalls Reste sehr großer 
Tiere zum Vorschein. 

Der Höhlenlöwe ist durch zwei Exemplare in unserer Höhle vertreten; 
es fanden sich 40 bestimmbare Skeletteile, darunter zwei rechte Oberschenkel, beide 
sehr großen alten Tieren angehörig. Die Teile fanden sich über alle Räume der 
Höhle und vor der Höhle verstreut, fehlten selbst in Schicht 111 nicht ganz; bei 
den leicht kenntlichen Mittelhand- und Fußknochen fiel dies schon während der 
Grabung auf. Daß die Knochen von Alters her in verschiedenen Schichten lagen, 
geht aus ihrer verschiedenen Färbung hervor, teils weißgelb, teils rostrot. 

Aehnlich verstreut und verschieden in der Farbe waren die Reste von 
Rhinoceros antiquitatis, von dem sich unter anderem ein schönes ganzes 



') Das Skelett rührt nicht von einem einzigen Tier her, es sind auch Knochen aus der 
Rabensteiner Höhle dazu verwendet worden. 

■■') Kinkelin, Bären a. d. altdil. Sand v. Mosbach-Biebrich ; Abh. d. Senck, Nat. Ges. 29, 
1911 S. 440. 



140 

Becken an der Grenze zwischen oberer und unterer Hälfte der Kulturschicht I in 
230 cm Tiefe unter dem 0-Meter fand. 

Die auffallend weit oben gefundenen Reste von Bos primigen ius sind 
echt fossil und haben eine Tonung, die sie nur in der mit Phosphaten reichlich 
gesättigten Erde einer ursprünglich tieferen Lagerung erhalten konnten. Die Reste 
von Hausrind reichen, ebenso wie Schaf, Hausziege und Haushuhn bis in die 
obere Hälfte der dunklen Kulturschicht hinab, es fehlt ihnen aber die Fossilisation. 
Dagegen sind alle Teile vom Rentier fossil; das gleiche gilt von den aus den 
unteren Schichten stammenden Knochen vom Hirsch und vom Wolf. Ein 
Schädelstück vom Reh mit schöner Krone und Geweihfragment ist gleichfalls 
fossil; es ist der tiefste Fund, 324 cm aus dem weißen, sonst inhaltlosen Dolomit- 
sand des Liegenden. Ebenso ist fossil ein an gleicher Stelle etwas höher gefundener 
Schaf zahn. Verschwemmtsein ist in dieser Tiefe unter Schicht I wohl aus- 
geschlossen; doch sind diluviale Wildschafe für Deutschland nicht erwiesen. 

Die sonstigen Tierreste bieten kaum Anlaß zu Bemerkungen. Nagetier- 
schichten waren der Örtlichkeit nach nicht zu erwarten und fehlen gänzlich. 
Durch Schlemmen von Sanden wurden einige dürftige Reste von Schnecken 
gewonnen, die R. Paalzow zu bestimmen die Güte hatte. ,, Sie finden sich sämtlich 
noch lebend an den Jurafelsen, und dürften deren Schalen seinerzeit in die Höhle 
eingeschwemmt worden sein." 

Geschichte der Höhle. 

Die Arbeiten in der Petershöhle galten vor allem den archäologischen und 
paläontologischen Untersuchungen. In geologischer Hinsicht durften Verhältnisse 
vorausgesetzt werden, wie sie in unseren Jurahöhlen sich immer wiederholen: 
im Diluvium zustandegekommene Einlagerungen in dolomitischen Hohlräumen, 
beide ohne zeitlichen Zusammenhang. Die Vielseitigkeit der Aufgaben darüber 
hinaus trat erst nach und nach hervor; die Arbeitshypothesen rührten eine Fülle 
von Fragen auf, welche sowohl die Geschichte der Höhle wie der Einlagerungen 
betrafen. Sie war ersichtlich schicksalsreich und verwickelt; es spielen schwierig 
zu erkennende Naturvorgänge mit, zu deren Aufhellung umfangreiche Arbeiten 
im ganzen dortigen Karstgebiet — von unserer 1921 begründeten » Heimatsektion " 
mit Erfolg bereits in Angriff genommen — notwendig sind. Vorläufig läßt sich 
Folgendes sagen. 

Die Entstehung der Höhle liegt weit zurück, jedenfalls in der Kreidezeit. 
Sie ist ein Teil eines größeren, wahrscheinlich unter Mitwirkung fließenden Wassers 
entstandenen Höhlensystems, das in seinen Ruinen noch kennbar ist; nordwestlich 
schließen sich verfallene Höhlenräume unmittelbar an und setzen sich auch süd- 
östlich und östlich fort. Doch wird erst die völlige Ausräumung der Höhle ab- 
gewartet werden müssen; dann kann man vielleicht an einen Nordwest-Südost 
gerichteten Flußlauf denken, der durch unsere Höhle floß. Aehjiliche Felsgrotten 
und eingestürzte Höhlen im gleichen Höhenzug lassen eine solche Annahme zu, 
und die 1,8 Kilometer Luftlinie entfernte »Hainkirche" ist das imposante Natur- 
denkmal einer mächtigen, unverkennbaren Flußhöhle. Aber sowohl in dieser, 
wie in unserer Petershöhle hat der hypothetische Höhlen- Urstrom keinerlei Boden- 
geröll hinterlassen, es sei denn, daß es in tiefergelegenen Schlotten und Klüften, 
die nicht fehlen werden, aber noch nicht gefunden sind, noch angetroffen wird. 
Was sich vereinzelt in den Schichten vorfand, ist weit später hineingelangt. 



1 



141 

Das Liegende, zum Teil Dolomitfels, zum Teil fund- und steinleerer Dolomit- 
sand, war einstmals durchaus Felsboden, er hat sich unter dem Einfluß von 
Feuchtigkeit durch Korrosion, durch chemische Auslaugung, teilweise zersetzt. 
Als die Höhle zum ersten Male im Jungdiluvium vom Menschen bezogen wurde, 
war der Berg jedenfalls noch wenig aus der Umgebung herausmodelliert; er 
muß noch tief in sandigen Ueberdeckungen gesteckt haben, die ihn heute um- 
gebenden Trockentäler waren erst im Entstehen begriffen. 

So lange Wasser die Höhle durchflutet hatte, war sie vermutlich frei von 
Sinter geblieben. In Höhlen mit Wasserläufen läßt es die überschüssige Feuchtigkeit 
nicht zu Sinterbildungen kommen; dies pflegt erst nach Versiegen des Wasserlaufes 
einzutreten. Während der Grabung fiel es auf, daß der Feuchtigkeitsgehalt in 
der Höhle mit Entfernung der Einlagerungen nachließ; seit reichlich 2 Meter 
Bodeninhalt entfernt ist, hat sich die Luft der Außenatmosphäre, die nun ungehindert 
Zugang hat, etwas angenähert. 

In der kalten Jahreszeit ist in der Regel die Temperatur in Höhlen wärmer 
als diejenige der Außenluft; deshalb, und weil im Winter die Landleute über 
reichliche freie Zeit verfügen, arbeiten die Höhlenbesitzer in der Fränkischen 
Scliweiz über Winter gern in ihren Höhlen. Mit Rücksicht darauf hatte ich die 
erste Grabung 1Q16 auf den Herbst verlegt. Ich war sehr überrascht zu finden, 
daß für die Petershöhle die Erfahrungen von anderwärts nicht zutrafen. Es war 
kalt darin, fast kälter als im Freien, und wir froren jämmerlich — es winterte 
damals schon frühzeitig — , so daß wir uns während der Mittagspause so nah als 
möglich an das offene Lagerfeuer drängten. Mehrmals besuchte ich die Höhle 
im Winter und fand sie vollständig vereist; große Eisstalaktiten und -Stalagmiten, 
die selbst im März noch nicht ganz abgeschmolzen waren, s. Tafel 44, füllten 
den Mittelgrund. Ich schloß daraus, daß eine verborgene Verbindung mit der 
Außenwelt bestehen müsse, und eine solche fand sich auch bei den späteren 
Grabungen in dem erwähnten westlichen Durchgang. Wahrscheinlich ist noch eine 
zweite, in die Tiefe führende Oeffnung vorhanden. In der kleinen Kammer am Süd- 
ende der Höhle ist die Temperatur gleichmäßiger und im Winter einigermaßen 
erträglich. 

Die erste Besiedlung fand auf dem Felsboden oder dem Dolomitsand 
der Höhle statt; der Feuerherd lag unmittelbar auf Fels, und in allen Höhlen- 
räumen war die Kulturschicht auf dem Liegenden besonders dunkelfarbig. Damals 
war die Höhle an ihrer Nordseite, von wo aus wir sie jetzt betreten, geschlossen, 
wenngleich durch Klüfte und Spalten mit der Außenwelt auch hier Verbindung 
gewesen sein mag. Der Zugang war in der Haupthöhle an der Westseite, wurde 
erst während der Grabung aufgefunden und ist noch mit den Einlagerungen der 
Höhlenerde erfüllt. 

Für die Entstehung der gewaltigen Einlagerungen, im Durchschnitt 3 Meter, 
kommen verschiedene Umstände in Betracht. Einesteils die Abwitterung der 
Felswände und der Decke insbesondere während der Kälteperioden, und dies 
könnte vornehmlich die Bildung der Schicht II begünstigt haben. An der Auf- 
häufung der Kulturschicht, die durchschnittlich metertief lag, war sicherlich 
die Unreinlichkeit der Bewohner, die ihre Abfälle einfach liegen ließen, mit- 
beteiligt. Der Hauptanteil an den Ablagerungen aber kam von außen : zeitweise 
Überflutungen brachten von oben her durch die Felsspalten und Zerklüftungen 



142 

auf dem Vorplatz Sande, Schlamm und Steine herein, die sich in der Höhle 
ablagerten. Derartige Einschwemmungen haben wahrscheinlich der Bewohnbarkeit 
ein Ende gemacht, denn es bestand die Gefahr, daß die Höhleninsassen damit 
überschüttet wurden. Die für den Aufenthalt so sehr geeigneten Räume mußten 
nun einen geradezu lebensgefährlichen Aufenthalt bilden, und es ist begreiflich, 
wenn dies die Leute vertrieben hat. 

Die Dunkelfärbung der unteren Schicht rührt einer Bodenanalyse Dr. Keller- 
manns zufolge zum Teil von Kohle her; daß sie so gleichmäßig in allen Räumen 
die Schicht durchsetzt, ist wohl dem Umstand zu verdanken, daß die Höhle 
zuweilen von Wasser durchflutet war. Jedenfalls waren auch mehr Feuerstellen 
vorhanden; die unter Steinen geschützt liegende hätte zur Speisung und Durch- 
tränkung der ganzen Einlagerung nicht hingereicht. 

Wie lange die Höhle besiedelt war, läßt sich nicht ermessen. Die Mächtig- 
keit der Kulturschicht I ließe auf eine lange Dauer schließen; doch spricht die 
verhältnismäßig geringe Zahl der Funde nicht dafür. Jedenfalls aber hing die 
Möglichkeit der Besiedlung ganz und gar von den geschilderten Katastrophen 
ab, die sich wohl kaum schon äußerten, als die Menschen von der Höhle Besitz 
ergriffen, die sich aber mit der Klimaverschlechterung nach und nach eingestellt 
haben werden. 

Nach Abzug des Menschen konnten sich Höhlenbären einnisten und ihren 
Winterschlaf wenigstens in der hintersten Südkammer halten; während sich Schicht 11 
bildete, waren sie ausschließlich Herren der Höhle. Zu Zeiten der Schneeschmelze 
und in sommerlichen Regenzeiten war es aber sicherlich auch für sie ein unsicherer 
Aufenthalt; auf Höhlengicht weisen viele verunstaltete Knochen hin. Ob damals 
schon wie jetzt der Winterfrost ungehinderten Zugang hatte und die Erdauffüllung 
durchzufrieren vermochte, ist fraglich, solange die Höhle nach dem Vorplatz zu 
durch Felsen mehr oder weniger geschlossen war. Jedenfalls aber bot die südliche 
hintere Kammer einen erträglichen Aufenthalt, und dort haben die ersten Entdecker 
der Höhle auch ein Höhlenbärenskelett angetroffen, aus dem sich schließen läßt, 
daß sich ein Tier hierher zurückgezogen hatte, um zu verenden. 

Während die Lehmschicht sich bildete, oder besser, seit das Klima sich 
verschlechtert hatte, gelangte Feuchtigkeit zur Verdunstung, die Höhlenwände konnten 
sich mit Sinterkrusten überziehen. Die letzte Eiszeit im Jura hat sich „ nicht durch 
Vergletscherung der Täler, sondern durch zahlreiche Niederschläge bemerkbar 
gemacht, welche die Zirkulation einer viel reichlicheren Menge von Sickerwasser 
in den Gesteinsmassen und daher auch stärkere Tropfsteinbildung zur Folge hatten 
als dies heutzutage der Fall ist ' (Schlosser). 

Die Höhlenwände, besonders die Decke, mögen zu jener Zeit durchweg 
versintert worden sein; jetzt sind sie das nicht mehr in diesem Maße, Verwitterung 
und Frostwirkung hat Teile davon entblößt. Der Versinterungsvorgang ist längst, 
vielleicht seit dem Zutritt der Winterfröste, zum Stillstand gekommen. In dieser 
Hinsicht ist die Höhle jetzt tot, ihre Tätigkeit erloschen, wenngleich noch jetzt 
Sickerwässer bei langem Regen sich bemerkbar machen; dagegen begünstigt der 
Frost die Verwitterung. 

Die Einschwemmungen von außen waren aber noch in anderer Weise für 
die Beschaffenheit der Einlagerungen mitbestimmend. Ohne sie wäre Schicht II 
nicht sandig, sondern wie anderwärts als fettiger Höhlenlehm entwickelt. Die 
glattgescheuerten Felswände auf dem Vorplatz besonders an einem Spalt auf der 



143 

nördlichen Seite zeigen den Weg, auf dem die Zufuhren erfolgten, Schlamm und 
Wasser sich ergossen haben. Daß dies mit Macht geschah, beweist die ausgewaschene 
Mulde unterhalb der Spalte im Felsboden, unsere Grabungsstelle 22. Hier war 
das größte Durcheinander der Schichten; von hier aus floß die von oben kommende 
Masse ab in die Nebengrotten und in die Haupthöhle, nicht nur die bereits 
abgelagerte Erde immer neu überdeckend, sondern sie vielfach umlagernd und 
durcheinander werfend. Wie weiter unten gezeigt ist, beträgt der Höhenunterschied 
gleichartiger Funde bis 2 Meter, und er kann nur durch diese Vorgänge bewirkt 
sein. Daher auch die Aufhellung des oberen Teils von Schicht I, sowie das nicht 
durchweg geschichtete, sondern häufig nesterartige, einmal auch flußbettartige 
Aussehen der Einlagerungen. Die immer vereinzelt vorkommenden, der Gesamtzahl 
nach aber doch häufigen gerollten Kalksteine haben ihre Form nicht erst in der 
Höhle erhalten, sondern von außen mitgebracht; die Einschwemmungen hatten 
unter Umständen lange Wege hinter sich oder geraume Zeit gebraucht, bis sie 
Ruhe in der Höhle fanden. 

In die Zeit der Lehmsandbildung fällt der Einsturz der nordöstlichen Höhlen- 
bedachung auf unserem Vorplatz und vielleicht auch anderer Teile des weitver- 
zweigten Höhlensystems. Die vielen großen Felstrümmer der Schicht II, die wir 
auch in der Haupthöhle zu entfernen hatten, stehen wahrscheinlich mit diesem 
Ereignis in Verbindung. 

Die obere Hälfte der Lehmsandschicht auf dem Vorplatz war in einen roten, 
teilweise noch bei der Ausgrabung feuchten, bis zu 40 cm mächtigen Letten 
umgewandelt. Gestandenes Wasser hat diese Verlehmung und sein Gehalt an 
Eisenoxyd die Rotfärbung bewirkt: durch die Häufigkeit der Niederschläge herbei- 
geführt, stand während dieses Zeitraums ein Höhle nteich auf dem Vorplatz und 
eine kleinere Lache in der Nebengrotte an der niedersten Stelle. Der Teich, der 
einen großen Teil des Jahres Eis gewesen sein muß, hinderte Mensch und Tier 
am Zutritt, und deshalb war diese Stelle auch so gut wie fundlos. Das Wasser, 
oder wenn es gefroren war, das Eis hat die Bildung einer Sinterdecke verhindert, 
die in anderen Höhlen, z. B. der benachbarten Finstermühlhöhle, den Abschluß 
des Höhlenlehms, dem in der Petershöhle, wie S. 145 ausgeführt wird, die Lehm- 
sandschicht entspricht, nach oben zu bilden pflegt. 

Die bedeutend jüngere zweite Besiedlung kann den wenigen Funden 
nach — mit Sicherheit nur zwei Knochengeräte und kein Feuerstein — nur eine 
vorübergehende gewesen sein. Die obere Hälfte der Lehmsandschicht in der 
Haupthöhle, die damals noch vom westlichen Durchgang aus zugänglich war, 
weist in den Kohlenresten ihre Spuren auf. Die Nebengrotten und die Stelle 
des jetzigen Vorplatzes hat sie nicht erreicht, daran hinderte das Wasser. Anhalts- 
punkte für eine Zeitschätzung haben sich nicht ergeben. Der Schichtentiefe 
nach möchte ich sie für eiszeitlich, dem Knochenpfriem oder -dolch nach für sehr 
viel jünger halten. 

Nach oben endet die gelbe Lehmsandschicht in der Haupthöhle ziemlich 
unvermittelt in einer überlagernden Verwitterungs- und Oberflächenschicht, weiß 
von Farbe, wie mit Kalkmilch Übergossen, besonders in der Nähe der Höhlen- 
wände. Es entspricht dies wiederum einem Wechsel in den klimatischen und 
äußeren Verhältnissen der Höhle. Die Gewalt jener Ereignisse, die bis dahin in 
so reichem Maße Wasser, Erde, Steine nach der Höhle verfrachtet hatten, war 
gebrochen, und die Umgebung hatte sich mehr und mehr der gegenwärtigen 



144 

Gestaltung genähert. Was von oben noch abgeschwemmt werden konnte, war 
belanglos, gelangte auch nicht mehr in die Höhle hinein, sondern ging an ihr 
vorüber niederwärts zu Tal. 

Im letzten vorchristlichen Jahrtausend hausten gelegentlich Hallstattleute 
auf den Trümmern der eingestürzten Höhlenteile des Vorplatzes. Wie aus Bruch- 
stücken von Mahlsteinen, den Getreidemühlen vorgeschichtlicher Zeit, hervorgeht, 
hatten sie sich hier häuslich eingerichtet. Auch in der Höhle selbst fanden sich 
die Scherben, und einzelne reichten an den Felswänden bis in Schicht 11 hinab. 
Noch spätere Besucher hinterließen die an solchen Plätzen unvermeidlichen 
Topfscherben des Mittelalters. Kohle und Asche bildeten mächtige Haufen, die 
Gäste haben sich also nicht bloß vorübergehend, sondern längere Zeit hier auf- 
gehalten und Reste vieler Mahlzeiten hinterlassen. 

Eingliederung in das Zeitschema. 

Die Unberührtheit der Höhle in allen ihren Teilen, die Sicherheit, daß 
keines Menschen Hand je eingegriffen und Verwirrung hereingetragen hat, schien 
von allem Anfang an glückverheißend dafür zu sein, daß sich einwandfreie 
Schichtenfolgen mit reinlichen Fundumständen ergeben müßten. Umso betrübender 
war die Wahrnehmung, daß sich die Funde keineswegs so glatt der Schematisierung 
fügten, wie das vorweg anzunehmen war. Es ergaben sich Widersprüche, die 
nur mit Hilfe der Enstehungsgeschichte der Einlagerungen zu lösen waren, und 
da zeigte sich, daß die Natur selbst den Störenfried gemacht hatte, der Unteres 
und Oberes durcheinandermengte. Das Durchfluten von Erd- und Wassermengen 
bei gelegentlichen Ueberschwemmungen hatte die zusammengehörenden Teile 
über weite Strecken auseinander- und mitgerissen; leichte Gegenstände wurden 
hinaufgewirbelt, schwere senkten sich, wie z. B. das 6 Kilo schwere Rhinoceros- 
becken bei Lagerungsveränderungen, wenn es seinen Platz nicht behauptet hat, 
eher tiefer als höher geriet. 

Aus der Fundhöhe oder -tiefe zwischen Schicht I obere Hälfte und III lassen 
sich also keine durchaus bindenden Schlüsse ziehen, man wird nicht die Lage des 
einzelnen Gegenstandes berücksichtigen dürfen, sondern ganz allgemein zu ermitteln 
haben, wohin die Mehrzahl neigt. Dagegen ist die untere Hälfte der Kultur- 
schicht I glücklicherweise eindeutig und gibt zu Zweifeln keinen Anlaß: der Herd 
lag gesichert unter einer Felsplatte, darin Knöpfe, Feuersteine und artefaktartige 
Knochenstücke, sowie angekohlte Höhlenbärenknochen. Die ganze untere Hälfte 
dieser Kulturschicht ist nicht allzusehr mit oberen Teilen untermengt worden, 
sie war durchweg einheitlich und sehr dunkel gefärbt. Nach oben aber — und 
je höher hinauf um so mehr — hatte sie Bestandteile von Schicht II auf- 
genommen, und dieser Zuwachs hatte nicht nur die Schicht vermehrt, sondern 
sie auch heller gefärbt. Beide Hälften untersciiieden sich im allgemeinen gut, 
doch ließen sie sich nicht bestimmt trennen. Die Lehmsandschicht II war 
deutlich anders als Schicht I; wo beide sich berührten, war die Trennung aber 
auch meist unsicher, da hier die Farben, soweit sie nicht unmerklich ineinander 
übergingen, bandartig wechselten. 

Die Stückzahl der Funde verteilt sich wie folgt: 

Schicht I " II III 

obere und untere Hälfte 

Flintgeräte 20 5 4 

„ Knöpfe " 20 5 — 



145 

Schicht I II III 

obeic und untere Hälfte 

größere Knochengeräte (?) oder -waffen (?) . . 322 51 25 

desgleichen kleinere . . ■ 282 37 15 

Einheitlich und zusammengehörig sind die Knöpfe; sie gehören der ältesten 
Besiedlung an. Die untersten fanden sich in 2,65 bis 3 Meter, der oberste zwischen 
U,70 bis 1 Meter Tiefe. Es ist also mit einer Verschwemmung oder 
Streuung von reichlich 2 Meter Höhenunterschied zu rechnen. 

Danach wird sich auch die Beurteilung der übrigen Einschlüsse, insbesondere 
der Flintgeräte zu richten haben. Die in Schicht II gefundenen unterscheiden 
sich nicht von denen der unteren Schicht, sie kamen zudem an Stellen zu Tage, 
wohin die zweite jüngere Besiedlung nicht gelangt ist, auf dem Vorplatz und in 
der Nebenhöhle. Die in Schicht III gefundenen 4 Stücke können als belanglos 
außer Betracht bleiben; sie sind auf dem Vorplatz beim Gatter gefunden. 

Es darf daraus geschlossen werden, daß Knöpfe und Flintgeräte gleiches 
Schicksal hatten: sie gerieten durch Naturereignisse in verschiedene Horizonte. 
Da die einzige ausgiebige Siedlung in den untersten Teilen der Höhle lag, können 
auch für die gleichgearteten Funde verschiedene Zeiten nicht angenommen werden, 
sie unterliegen einheitlicher Beurteilung. 

In der Nähe der Petershöhle, 3 Kilometer Luftlinie von ihr entfernt, befindet 
sich eine andere Höhle, welche Professor Dr. Schlosser untersucht hat'). Der 
Eigentümer, Joh. Distler, hat unwissenschaftlich und für sich allein darin gegraben 
und sie zugänglich gemacht; es ist die Finstermü hl höhle. Sie liegt 70 bis 
80 Meter tiefer als unsere Höhle; die Einlagerungen bestehen aus Höhlenlehm. 
Vom Menschen hat sich darin nichts vorgefunden, dagegen reichliche Tierreste: 
Höhlenbär, Hyäne, Mammut, Rhinozeros, Rentier, Bison, Hirsch, Diluvialpferd, 
Wolf. Das beobachtete Profil ist folgendes: 

Lehmschicht: Halsbandlemming, Schneehuhn 



llllllllllllll 1 1 1 1 1 1 Sinterdecke 



• o- "O. --o.- •• 0-- .. Höhlenlehm: Rentier, Mammut, Rhmozeros. 

0-. •• 0-- "O-- .-O" •■ o •• 

Bei der kurzen Entfernung zwischen beiden Höhlen sind die Feststellungen 
Schlossers auch maßgebend für die Petershöhle. Er nennt die obere Lehmschicht 
postglazial, den Höhlenlehm späti nt er glazial; die Bildung der Sinterdecke 
aber ist nach ihm während der letzten Eiszeit, der Würmeiszeit, erfolgt. 

Wie hervorgehoben, fanden sich in der Petershöhle zwar Trümmer von 
Plattensinter des öfteren, aber keine Sinterdecke. Der mindestens 40 Zentimeter 
tiefe Höhlenteich auf dem Vorplatz im oberen Teile der Lehmsandschicht, im Winter 
vermutlich bis zum Grund gefroren, war hier der Ausbildung einer festen Sinter- 
decke im Wege, und so darf dieses auf dem Vorplatz und in einer der Nebengrotten 
stehende Wasser mit der Sinterdecke der Finstermühlhöhle zeitlich gleichgesetzt 
werden. Wir haben also hier dieselben Verhältnisse wie dort, nur daß in der 
Petershöhle nicht von Höhlenlehm, dieser fettigen, sandfreien, knetbaren Masse, 
gesprochen werden kann; di? ihm entsprechende Ablagerung ist durch Beimengung 
von Sand körniger und weniger verfestet. Die gleiche Beschaffenheit wie die 

') M.Schlosser, Die Bären- oder Tischoferhöhle im Kaisertal bei Kufstein: Abh. d. II. Kl. d. 
K. Ak. d. Wiss. XXIV,II. S. 393. 



14Ö 

Lehmsandschicht weist unsere darunter liegende Kulturschicht auf: die dunklere 
Färbung ist nur durch organische Beimengungen bewirkt, die Ueberfiutungen 
haben Kohlenteilchen durch die ganze Schicht verteilt. 

Die Mächtigkeit unserer beiden Schichten I und II, die mit 2 bis 2,5 Meter 
den Einlagerungen samt der Sinterdecke in der Finstermühlhöhle nahekommt — sie 
dürfte dort noch etwas erheblicher sein, ist aber nicht bis zum Grund ausgehoben — 
bestärkt in der Annahme, daß ihre Bildung einen langen Zeitraum, nicht nur die 
zweite Hälfte des Interglazials, sondern auch den größten Teil der letzten Eiszeit 
in Anspruch genommen hat. 

Die faunistische Begleitung unserer Schichten leidet unter demselben Miß- 
stand, wie er sich für die Flint- und Knochengeräte herausgestellt hat: sie ist teilweise 
verschwemmt und umgelagert. Nichtsdestoweniger läßt sich doch ein klares Bild 
bekommen, wenn von Kleinigkeiten abgesehen wird. Die untere Hälfte der Kultur- 
schicht I war von den Umlagerungen nur wenig betroffen worden ; ihr Inhalt darf 
daher für die Beurteilung als beinahe unberührt gelten. Für Rhinoceros ist die 
Lage des Beckens an der Grenze von Schicht 1 und II zeitbestimmend, wenn meine 
Annahme richtig ist, daß sein nicht unbedeutendes Gewicht bei den Umlagerungen 
es eher gesenkt als gehoben hat. Etwas höher oder tiefer ändert ohnehin nichts 
an der Sache, denn Rhinoceros war in der zweiten kälteren Hälfte des Interglazials 
schon vorhanden. Ein klares Bild aber gibt die Verteilung der Rentierreste, die 
der Schicht II und im Innern der Höhle sogar noch der Schicht III angehören, 
während Schicht I frei davon war. 

In diesem Befund ist unzweideutig ein zunehmendes Kälterwerden des Klimas 
ausgesprochen, das auf die Annäherung an eine Eiszeit, bezw. auf diese selbst 
hinweist. 

Umgekehrt läßt sich von der oberen Hälfte der Schicht I nach unten auf 
ein Wärmerwerden schließen, das zwar nicht die Bedingungen für eine warme 
Fauna bot, wie sie Rh. Merckii verlangen würde, das aber hinreichend als ein der 
Gegenwart ähnliches Klima mit schütterem Wald dadurch gekennzeichnet ist, daß 
am Grunde der Schicht Cervus elaphus, der Hirsch und Canis lupus, der Wolf, 
gut vertreten sind und Cervus capreolus, das Reh, sowie Lepus timidus, der Hase, 
und Canis vulpes, der Fuchs, nicht fehlt. 

Der Höhlenbär ist in Schicht I und 11 annähernd gleichstark vorhanden; er 
und die Gliedmaßen des in zwei Exemplaren angetroffenen Höhlenlöwen, Felis 
spelaea Goldf., gehen durch alle Schichten. Chronologisch sind sie also nicht 
verwertbar. 

Gibt uns der große Herd in der unteren Hälfte von Schicht I den unzweideutigen 
Beweis, daß die Höhle vom Menschen bewohnt war, so sind wir zur annähernden 
Ermittlung dieser Frühzeit mangels anderer Anhaltspunkte auf die Fauna angewiesen. 
Die Besiedlung fiele demnach in eine Periode mit ähnlichem Klima wie das heutige. 

Die Funde von Weimar, nach Wiegers unteres Mousterien der zweiten 
nordischen, d. h. der letzten allgemeinen Zwischeneiszeit, gehen mit Rh. Merckii 
und Elephas antiquus, mit warmer Fauna, zusammen.- Das obere Mousterien der 
Gudenushöhle, die Funde vom Sirgenstein und aus dem Altmühltale, Wiegers 
„Sirgensteiner Stufe", haben kalte Fauna und werden dem Anfang der letzten Eiszeit 
gleichgesetzt. Nach Penck, auf den sich Sclilosser S. 402 zustimmend beruft, war 



147 

aber schon in der zweiten Hälfte der letzten Zwischeneiszeit eine Abkühlung der 
Temperatur erfolgt und E. primigenius sowie Rh. tichorhinus vorhanden. 

Von einer warmen Fauna hat sich bei uns nichts vorgefunden; die kalte 
Eiszeitfauna hat aber mit Wahrscheinlichkeit auch erst eingesetzt, als unsere Höhle 
vom Menschen wieder verlassen war. Mit ihm zusammen lebte eine gemäßigte, 
eine Waldfauna, wie schon gesagt ist. Wenn sich dazwischen auch Rhinozeros 
zeigt, so ist das nach Obigem nicht unzeitgemäß. Das Ren aber tritt erst erheblich 
später in unserer Höhle auf, und auch zu dem verarbeiteten Knochenmaterial hat 
nur der Höhlenbär oder vereinzelt ein großes Wildrind, nicht aber das Rentier 
beigetragen. 

Die Fauna weist somit auf die ausgehende Zwischeneiszeit hin; damit 
ist geologisch auch die Zeit im Einklang, in welche Schlosser die Bildung des 
fränkischen Höhlenlehms setzt, während die gelbe Lehmsandschicht mit dem Ren- 
tier größtenteils eiszeitlichen Ursprungs ist. 

Die Flintgeräte kann ich nicht als Mousterien, geschweige denn als unteres 
oder oberes bezeichnen, wenngleich Anklänge vorhanden sind und auch zeitlich 
nichts im Wege stünde. Man wird so unentwickelte Formen auch nicht zu einer 
„Industricstufe vereinigen können, wohl aber mögen sie der Ausdruck einer 
»Entwicklungs"stufe der Kultur sein, für welche ein Kennwort noch nicht 
gefunden ist. Daß diese Kultur nicht die bekannte westeuropäische sein kann 
glaube ich u.a. auch aus den „Knöpfen" ableiten zu dürfen, die von dort her 
noch nicht bekannt sind, für unsere Funde aber charakteristische Leitformen bilden. 
Diese und die Dürftigkeit unserer Steingeräte sind Erscheinungen aus einem 
anderen Kulturkreis; doch liegt mir die Bezeichnung «osteuropäisch" etwas zu 
weitab. Ich glaube ihn vorläufig zutreffender als »mitteleuropäisch" und diluvial- 
arktisch ansprechen und überhaupt eine Kultur von Arktikern darin erblicken zu 
dürfen. Es erinnert dies zugleich an jene ältere Hypothese, wonach die paläolithisch- 
europäischen Rentierjäger ihrem Jagdtier nach Nord und Ost nachgezogen seien, 
und unter den noch lebenden Polarvölkern ihre Abkömmlinge haben sollen. 

Schlosser hat einige Zahlen errechnet, welche das absolute Alter der Höhlen- 
bärenschicht in der Tischoferhöhle ersichtlich machen. Sie liegt in den Alpen ; 
die dortigen Verhältnisse dürfen daher, wie er hinzusetzt, nicht ohne weiteres mit 
nichtalpinen Gebieten, also auch nicht mit denen unseres nicht vereisten Jura in 
Vergleich gesetzt werden, ganz abgesehen davon, daß Zeitangaben für die Dauer 
der Eis- und Zwischeneiszeiten nur schätzungsweise gewonnen werden können 
und deshalb je nach den Voraussetzungen großen Schwankungen unterliegen. 
Schlossers vorsichtige Ansätze ergaben ein Minimum von 74000 und ein Maximum 
Von lOQOOO Jahren. Mit obigen Vorbehalten wird auch die Bewohnung der 
Petershöhle auf eine ähnliche Zeitenlänge zurückzuversetzen sein. Faunistisch 
und geologisch halte ich die Annahme für gerechtfertigt, daß die Besiedlung der 
Petershöhle an den Ausgang der letzten Zwischeneiszeit zu setzen ist. 
Archäologisch steht dem nichts entgegen, es trägt aber auch nichts zu näherer 
zeitlicher Begründung bei. 

Wenn wir das Glück gehabt hätten, Menschenreste anzutreffen, wären sie 
den Voraussetzungen nach vom Neandertaltypus. Da es nicht ausgeschlossen ist, 
daß sich bei Wiederaufnahme der Arbeiten solche noch finden, so kann der 



148 

Schutz der Höhle den in Frage kommenden Aufsichtsbehörden und den allen- 
failsigen Besuchern nicht warm genug empfohlen werden. 

Für die zweite Besiedlung lassen sich keine Zeitangaben gewinnen. Sie 
gehört dem oberen Teil von Schicht 11 an, fällt also vielleicht in das letzte Stadium 
der Würmeiszeit oder aber schon in die angehende Postglazialzeit. Die beiden 
Belege an Knochengeräten, die allenfalls dafür in Anspruch genommen werden 
dürfen, können möglicherweise noch jünger sein. Sie ähneln den in der Fränkischen 
Schweiz vorkommenden Qerätetypen in Form und Bearbeitung, aber die Zeit, der 
diese angehören, ist noch ganz unsicher. 

Ethnologische Erwägungen i). 

Die Entfernung der Erde aus den Höhlenräumen legte nach und nach di^ 
Felswände bloß; die Grotten zeigten sich in der Gestalt, in welcher sie die Höhlen- 
menschen bewohnt und benützt hatten. Dabei wurde eine Beobachtung gemacht, 
die auch Handlungen und Tätigkeiten jener Menschen in den Bereich der 
Betrachtungen zu ziehen geeignet ist. 

In den östlichen Nebengrotten lag in einer nischenartigen Auswaschung der 
Felswand hinter vielen Steinen ein Haufen Höhlenbärenknochen am Boden; in 
kleineren Höhlungen und Löchern steckten Schädel. Von Bären, die hier verendet 
waren, konnten sie nicht herrühren; viele Teile fehlten, und kein Skelett war ganz. 

Ich erklärte es mir so, daß einströmendes 

-+;=^^^^sä-l-. . .y:Mp Wasser die Knochen seitlich hinausgeschwemmt 

j^t^^^^^^so? ^^^*§^;;,iW und in die Winkel gedrückt habe. Wir kamen 

■'"^^^^^^'jic ^^"^^ ^0^^ aber in der anschließenden Grotte an eine 

^ ^^^te>»TW-''.7o?-"^§ Stelle, für welche eine solche Erklärung nicht 

■ ■-'"^äi^L-.«^^ ausreicht. Es ist dies eine wandschrankartige 
g,j<. ^'^^^^^l Nische in der Felswand mit kleiner Öffnung 

■ ^9" ;^^^^§ nach vorn, 120 cm über dem Boden (s. Tafel 
i. •* "'^-f^w 42 und 43). Darin fanden sich fünf Schädel, 

'>^^ zwei Oberschenkel- und ein Oberarmknochen, 

äf alles vom Höhlenbären. Die Schädel waren 

-W mürbe und zerbrachen beim Herausnehmen. 

Durch Naturvorgänge konnten diese Skeletteile nicht dahinauf und dahinein 
gelangt sein, dazu war die Zugangsöffnung zu hoch gelegen und zu klein (s. die 
Maße an der vorstehenden Abbildung) sie waren hineingelegt, und das konnte 
nur der Mensch gemacht haben. In den anderen Teilen der Höhle zeigte sich 
nichts dergleichen. 

Die Wahrnehmung in der Nische veranlaßte mich, meine Deutung des 
Knochenhaufens als Einschwemmung nochmal zu prüfen. Ich halte nun dafür, 
daß er nicht auf die vermutete Weise auf natürlichem Wege zustande gekommen 
ist. Das wäre möglich gewesen wenn ein ausschließlicher Wassertransport alle 
großen schweren Teile, Knoclien und Steine, zur seitlichen Ablagerung gebracht 
hätte. Derartiges beobachtete Abel in der Drachenhöhle bei Mixnitz '•'). Dort 
hatten sich bei der Einschwemmung die Knochen nach Größe und Gewicht 
gesondert abgelagert, zuerst die großen, dann die kleineren und kleinsten. Die 



') Als Vortraf!; gehalten in der Naturhistorischen Gesellschaft am 20. Dezember 1922. 
'') Berichte der staatl. Höhlenkomm. Wien I 1920 S. 59. 



149 

neu erschlossene Tetifelshöhle bei der Schüttersmühle in der Fränkischen Schweiz 
birgt in einem seitiiclien Gang, der mit stari<em üefäll abwärts führt, ein merl<- 
würdiges und großartiges Höhlenbärenmausoleum, mehr als hundert Skelette, die 
eingeschwemmt zu sein scheinen. Aber auf Haufen geschwemmt sind sie nicht, 
und die Schädel liegen bei den Knochen, ein ganz anderes Bild. Bei uns lag 
der Haufen wirr durcheinander zu unterst auf dem Felsboden; darüber lagerte 
die Erde. Bei Überschwemmungen mußte der Höhleninhalt aufgewühlt und 
breiig werden; daß aber ein Knochenhaufen aus dem Brei herausgestrudelt und 
Schädel in die Löcher gepreßt werden konnten, ist doch etwas unwahrscheinlich. 
Ungezwungener ist die Annahme, daß die Knochen vom Menschen hingeworfen, 
aufgestapelt, die Schädel in die Löcher verstaut worden sind. Ganz gewiß aber 
ist dies mit dem Inhalt der erwähnten Nische der Fall, und dazu muß eine be- 
stimmte Absicht Veranlassung gegeben haben. 

Aufstapelungen von Knochen sind schon mehrfach an den Aufenthaltsorten 
des paläolithischen Jägers angetroffen worden. Bächler fand im Draggaloch ob 
Vättis 54 Wadenbeine vom Ursus sp. beisammen auf einer Platte liegend, und 
»mehrere Depots, bestehend aus Schädeln des U.spelaeus Claviculae vom gleichen 
Tier, alle gleich mit dem verdickten Ende gegen eine Seite hingelegt, aus ab- 
gebrochenen Gelenkpfannen, deren Ränder stark abgenützt waren " '). Tatarinoff 
erinnert in seinem Bericht darüber an den Fund von Pfedmost in Mähren, wo 
Mammutknochen so sorgfältig aufgeschichtet waren, daß auch hier der Urmensch 
absichtlich sortiert haben muß. Magazinierungen also, aus denen sich schließen 
läßt, daß bestimmte Knochen zur Seite gelegt wurden, um sie zu gelegentlicher 
Verwendung zur Hand zu haben. 

Hinsichtlich der Schädel in unserer Nische wurde von anderer Seite der 
Gedanke ausgesprochen, daß sie von glücklichen Jägern als Trophäen hinterlegt 
und aufbewahrt worden sein können. Obwohl die Möglichkeit nicht in Abrede 
zu stellen ist, scheint mir der Beweggrund doch ebensowenig wie die angezogenen 
Beispiele der Magazinierung für unseren Befund ausreichend. Die wirklichen 
Beweggründe kennen wir nicht; indessen braucht man auf eine Erklärung nicht 
ganz zu verzichten, denn die Handlungsweise bekommt Sinn, wenn man ethnologische 
Gleichungen heranzieht. ^ 

Kulturell niedrig stehende Völker — darüber hat die Ethnologie auf- 
geklärt — betrachten die Welt mit ganz anderen Augen als der Kulturmensch. 
Für sie ist jedes Ding der organischen und selbst der unorganischen Natur mit 
persönlichen Eigenschaften und Kräften begabt, die sie glauben nicht ohne Gefahr 
unbeachtet lassen zu dürfen. Pflanzen- und Tierreich liefern Nahrung und Unter- 
halt; aber anders als der Kulturmensch, dem alle Dinge der Welt nur Wertobjekte 
sind, die er zu seinem Vorteil oft bis zur Vernichtung nützt, verhält sich der 
Naturmensch bis weit in die Kreise der Halbkulturvölker zur umgebenden Natur. 
Nicht als ein Wesen besonderer, höherer Art stellt er sich ihr gegenüber, sondern 
er ist eins mit ihr, mit allen Wesen und Dingen, ihnen gleichgeordnet. Wenn 
er einerseits Pflanzen verzehrt und Tiere tötet, glaubt er andererseits dafür sorgen 
zu müssen, daß die ihnen innewohnenden Seelen und Geister den Körper nicht 
im Unmut verlassen und ihm feind werden. Sie würden auf Rache sinnen und 



') Hier zitiert nach Sclweiz. Ges. f. Urg. 12.Jiirb. 1919 u. 1920 S. 40. Der Bächlersche 
Originalbericht war mir damals noch nicht zugänglich, siejie die Nachschrift Seite 152. 



150 

ihre Artgenossen warnen; Hunger und Unheil käme über den Unglücklichen und 
seine Gefährten, wenn dies au[5er Acht gelassen würde. Die animistische Welt- 
anschauung hat unzählige Zeremonien und Vorkehrungen voll tiefer mystischer 
Logik gezeitigt, um die nutzbar gemachten Wesen mit ihrem Schicksal auszusöhnen, 
ihnen die Wiederkehr zu ermöglichen und vor allem, sie zu veranlassen, ihre 
Artgenossen demselben Schicksal zuzuführen. 

Der Animismus, die Allbeseelung der Natur, ist eine religiöse Entwicklungs- 
stufe, die nicht ganz mit Recht auf die ferne Urzeit bezogen werden darf; sie 
steht höher. Es geht eine andere, tiefer stehende Logik voraus ') ; sie denkt sich 
die Dinge nicht sowohl von Geistern bewohnt und beseelt, sondern von Kräften 
erfüllt, die von ihnen ausstrahlen, emanieren; man kann sich diese Kräfte nutzbar 
machen, indem man sich in den Besitz von Teilen ihres Wesens setzt. Man 
erlangt dadurch die Schnelligkeit des Hirsches, das scharfe Auge des Raubvogels, 
die Stärke des Bären und dgl. Das mag wohl die Geistesverfassung des Ur- 
menschen gewesen sein. Allein dieser Zustand liegt soweit zurück, daß er zwar 
aus geistigen Relikten erschließbar, aber nirgends mehr rein zu beobachten ist 
Er haftet aber noch dem Animismus an, und nur von diesem sind Beispiele aus aller 
Welt und in Masse erreichbar. „ Ueber diese Dinge sind wir erst seit kürzester 
Zeit ausreichend belehrt; vor ganz wenigen Jahren wären derartige Erwägungen, 
in den Fachkreisen wahrscheinlich mit allergrößtem Mißtrauen aufgenommen 
worden. Wir haben eben unsere Anschauungen von der Religion der Natur- 
völker bedeutend ändern müssen und glücklicherweise vertiefen können, und das 
kann ja gar nicht ohne gewaltigen Einfluß auch auf die europäischen Anschau- 
ungen bleiben "''). 

Von den amerikanischen Indianern im allgemeinen, besonders aber von den 
ecuadorianischen Stämmen sagt Karsten ^): „Alle Indianer sind von dem Gedanken 
durchdrungen, daß die Knochen und vor allem die Schädel von auf der Jagd 
getöteten Tieren die Macht hätten, Tiere ihrer Art herbeizulocken. Dies ist der 
Grund, weshalb man in fast jeder Jivarohütte eine Anzahl von Schädeln und 
Knochen von Tieren findet, die während der letzten Monate und sogar Jahre 
auf der Jagd erlegt wurden. Die erlegten Schädel sind mittelst einer Schnur an 
einander gereiht und werden an der Decke aufgehängt, während die Knochen 
aufbewahrt werden, nachdem sie sorgfältig vom Fleisch befreit und gewaschen 
sind. Dies ist so wichtig, daß, wenn Stücke des getöteten Tieres in andere Häuser 
verteilt werden, der Eigentümer alle Knochen sammelt, die nach der Mahlzeit 
übrig geblieben sind. Die gewaschenen Knochen werden sorgfältig in einen Korb 
gelegt und im Dach des Hauses aufgehängt, wo sie so lange aufbewahrt werden, 
bis sie halb zerfallen vom Rauch und von der trockenen Luft. Dann werden sie 
in den Fluß geworfen, damit sie die Strömung fortnimmt. Dies wird so gemacht, 
damit die Hunde und die Hausschweine sie nicht fressen können". Die Hunde 
würden zu Räubern werden, und es wäre unmöglich, je wieder ein Wild mit ihnen 
zu jagen. Indem man auf diese Weise die Knochen der Vernichtung entzieht, 
ist man sicher, den Getöteten die Wiederkehr als Tiere gleicher Art ermöglicht 
zu haben. 



') Karutz, Der Emanisimis, Zeitschrift für Ethnologie 45 1913 S. 545. 
') Ed. Hahn, Die Entstehung der wirtschaftlichen Arbeit S. 50. 

") Raf. Karsten, Contributions to the Sociology of the Indian tribes of Ecuador; II. Hunting 
and Fishing S. 44 uf. Abo, Acta Academiae Aboensis Humaniora I 1920. 



151 

Ganz klar ist dieser hier schon etwas verblaßte Gedanke in einem anderen 
Teile der Welt ausgesprochen. Eines der Hauptjagdtiere der ostsibirischen Polar- 
völker ist der Bär. Der Russe Leo Sternberg i) schildert ausführlich die ganz in 
animistischen Anschauungen wurzelnde Religion der Giljaken, die keine unver- 
nünftige Natur kennt, sondern alle, selbst leblose Dinge, mit Leben und Vernunft 
begabt. Jedes Tier ist ein menschenähnliches Wesen und mit Kräften ausgestattet, 
die oft diejenigen des Menschen übertreffen. Insbesondere der Bär, der in Ost- 
sibirien und' Kamschatka dem Höhlenbären an Größe kaum nachsteht, ist ihm ein 
Wesen höherer Ordnung, weit mächtiger als der Mensch. In jedem Dorf wird 
ein jung eingefangener Bär gehalten als Schutzgeist, um die fortwährenden hinter- 
listigen Überfälle seitens ganzer Scharen von bösen Geistern zu hintertreiben. 
Die Gegenwart dieses mächtigen Wesens muß als stärkste Desinfektion jeden 
ränkeschmiedenden Geist töten oder doch vertreiben, eine religiöse Sanitätsmaß- 
regel, setzt Sternberg hinzu, »die allein dem ursprünglichen Menschen einleuchtend 
ist«. 

Wenn der Bär einige Jahre alt geworden ist, wird er unter großen Zere- 
monien getötet, um verspeist zu werden. Als Sühneopfer schlachtet man ihm 
Hunde, welche ihn als Diener begleiten sollen, wenn er nach dem Tode zu 
seinem Herrn eilt. Dieser aber ist der „Herr des Berges und des Urwalds", 
dem alle Tiere Untertan sind. Bei aller Verehrung für den Bären betrachtet man 
die Tötung nicht als Sünde, da der Giljake überzeugt ist, daß der Herr des 
Urwalds ihm aus Wohlwollen die Tiere zur Beute schickt. Eine nicht wieder 
gutzumachende Sünde aber würde es sein, wenn der Bär ohne Ehrenbezeigungen 
getötet würde. Der Bär verliert auch nichts durch die Tötung und wenn der 
Giljake ihn aufisst; unbekümmert darum und hochbefriedigt von der ihm bei 
der Tötung gewordenen Auszeichnung kehrt seine Seele zum Herrn zurück, und 
dieser, gerührt von der frommen Zuneigung des Menschen, schickt ihm alsbald 
wieder einen Bären zur Beute. Die Knochen aber, sowohl dieser, wie der 
auf der Jagd erlegten Bären und besonders die Schädel werden verwahrt 
wie Heiligtümer; würde das nicht geschehen, so würde der Herr des 
Urwalds derart zürnen, daß man keinen Bären mehr zur Strecke brächte. 

Und wie bei den Giljaken ist es auch bei anderen Polarvölkern; selbst 
bei den amerikanischen Eskimo zeigen sich Spuren eines solchen Kultes. 
Daher konnte Pfizenmayer niemals einen Tungusen bewegen, ihm einen 
Bärenschädel zu bringen; das wäre für ihn eine gefährliche Sache und große 
Sünde gegen den Geist des einstigen Inhabers dieses Schädels. Bärenschädel 
verwahrt der Tunguse stets in aus Birkenrinden gefertigten Schachteln oder in 
Ermangelung solcher wenigstens in Reisigbündeln, und bestattet sie auf besonderen 
Gerüsten im Urwald. Knochen und Schädelstätten von Jagd- und Schlachttieren 
haben Polarreisende öfter an den Küsten des Eismeeres angetroffen; auch die 
Lappen häufen in Nordeuropa solche Knochenlager '). Das Aufsammeln der 
Knochen, das den Tieren die Wfederbelebung ermöglichen soll, ist bei Völkern 
aller Erdteile nachweisbar. 



') Die Religion der Giljaken; a. d. Russ. von A. von Peters ; Archiv f. Religionswiss. Bd. 8 1905. 

") Nordenskjöld, Die Umsegelung Asiens und Europas. 1 S. 181. — Crahmer, Ethnographische 
Arbeiten in Lappland, Zeitschr. für Ethn. 45 1913 S. 535. Skelett- und Schädelkulte dieser Art hat 
Martin behandelt: über Skelettkult und verwandte Vorstellungen, Zürich, Mitteilungen der Geogr.- 
ethnogr. Ges. 1919/20, Bd. 20, S. 5. Die Arbeit befaßt sich zwar in der Hauptsache mit dem 



152 

Die Aufstapelung von Knochen und das Niederlegen von Höhlenbärenschädeln 
in den Winkeln und Nischen unserer beiden Grotten bekommt tieferen Sinn unter 
der Annahme, daß unsere Höhlenmenschen einen ähnlichen Kult ausübten. ■ Von 
den Jungpaläolitikern Südfrankreichs ist Jagdzauber bekannt, die Tierbilder und 
Fresken an den dortigen Höhlenwänden sind jetzt nahezu allgemein als diesen 
Zwecken dienend anerkannt. Derartige Höhlenbilder sind für das Altpaläolithikum 
nicht zu erwarten, waren bei uns zu Lande auch den Jungpaläolithikern fremd; 
daß wir dem aber in dem Knochen- und Schädelkult etwas ähnliches, eine 
Vorstufe, an die Seite stellen dürfen, das läßt mir die Wahrnehmung in der 
Petershöhle glaubhaft erscheinen. Mit Polarmenschen haben wir es hier auch zu tun. 

Die Jagdtiere der Polarvölker sind keineswegs auf den Bären beschränkt; 
Wildrentier, Elch, Hirsch und Reh zählt Brehm aus ihrem Gebiet auf. Haupt- 
gegenstand des Kultes aber ist der Bär. Auch unsere Paläolithiker lebten inmitten 
einer reichen Tierwelt, deren Fleisch sie sicherlich nicht verschmäht haben. Kein 
anderes Wesen aber hat, wenn meine Wahrnehmung zutreffend ist, einen ähnlich 
tiefen Eindruck auf sie gemacht wie der Bär, darin gleichen sie den Randvölkern 
der Ökumene. Es fällt freilich nicht leicht zu glauben, daß sich ein religiöser Kult 
vom Diluvium bis zur Gegenwart in Übung erhalten haben soll. Aber es ist 
doch wohl so; darum nennt sie eben der Ethnologe: Völker ewiger Urzeit. 

So lange die Beobachtung an der Petershöhle alleinsteht, fehlt ihr die Über- 
zeugungskraft. Wenn aber die daran geknüpfte Hypothese richtig ist, wird sich 
Gleiches oder Ähnliches auch in anderen Höhlen zeigen. Es empfiehlt sich also 
an den Siedlungsstellen der Paläolithiker auch auf diesen Punkt das Augenmerk 
zu richten. 

Nachschrift. 

Seit Abschluß der Niederschrift ist unserer Bibliothek das Jahrbuch der 
St. Gallischen Naturw. Gesellsch. 57. Bd. zugegangen, dessen 1. Teil Bächlers muster- 
gültige Veröffentlichung über das Drachenloch enthält. Rascher, als ich es annehmen 
konnte, erfolgt die Bestätigung eines primitiven Jagd- und Opferkultes der 
Paläolithiker durch Beobachtungen gleicher Art, wie ich sie in der Petershöhle 
machte. Bächler fand »eine Art Steinkisten, rechteckige Gemäuer aus rohen, 
flachen Steinplatten, die vom Verwitterungsschutte der Höhle stammen, aufgebaut, 
auf allen Seiten mehr oder weniger geschlossen und mit einer großen Deckplatte 
zugedeckt. Es haben sich im ganzen etwa sechs solcher Steinkisten vorgefunden. 
Jedesmal, wenn im Grabungsprofil eine flachgelegene größere Steinplatte zum 
Vorschein kam, konnte man sicher sein, daß man es mit einem absichtlichen Bau 
zu tun hatte. Die eigentliche Ueberraschung folgte aber erst, wenn zwei unserer 
starken Männer die Platte abhoben. Da lagen in den Steinkisten, meist 
gut orientiert, Schädel von Höhlenbären (bald 2 — 3, bald 5 und mehr) 
aufeinander und daneben eine Anzahl großer Gliedmasse n - 
knochen Charakteristisch ist für sämtliche Schädelmagazine, daß immer 



Meiisclienskelett urd -schädel, zählt aber anhangsweise auch diesbezüghche Tierkulte der Südsee- 
völker, Malayen und Neger auf. — Im späten Glauben def Germanen wird Thors Wagen von 
Böcken gezogen, die er abends verspeist ; die Knochen sammelt er auf ihren Fellen. Des Morgens 
weiht er sie mit dem Hannner und fährt mit den auferstandenen Tieren weiter. Auch im Märchen 
vom Macliandelbaum sammelt da*; Schwesterlein Mareinchen die Knochen des verspeisten Brüderleins, 
das dann wieder ersteht. 



153 

einige große Röhrenknochen, intai<te und an den Enden abgebrochene, beigegeben 
sind". Also genau so wie bei uns in der Wandnische. 

„ Es unterliegt gar i<einem Zweifel " fährt Bächler fort, » daß wir es hier 
mit einer absichtlichen Aufspeicherung von Jagdtrophäen durch den urgeschicht- 
lichen Menschen zu tun haben, die ganz innerhalb der Rahmen des primi- 
tiven Jagd- und Opferkultus gehört, wie wir ihm in urgeschichtlichen 
Perioden, ja noch sogar bei heutigen primitiven Naturvölkern, die der Jagd obliegen, 
begegnen ". Bächler hat den religiösen Charakter dieser Aufspeicherungen ganz 
richtig erkannt und führt eine Anzahl ethnologischer Beispiele an, welche die 
äußerliche Uebereinstimmung mit den Kulten primitiver Naturvölker dartun. Die 
eigentlichen inneren Beweggründe zu solcher Handlungsweise lassen aber erst 
die tiefgründigen Schürfungen über das Religionswesen erkennen, die Karsten und 
Sternberg zu verdanken sind. Mit Recht schließt Bächler: „Daß im Drachenloch 
— ich darf hinzufügen: und gleichzeitig in der Petershöhle — zum 
ersten Male für eine derartige älteste Kulturstätte der Nachweis für primitiven 
Kultus des Menschen geführt werden kann und damit auch die Tatsache sicher- 
gestellt ist vom bereits erwachten Seelenleben des Menschen, das schon in den 
Bereich der geistigen Kultur gehört." 



A IN I-I A IN G. 



Gerollte Knochen. 

Inwieweit sich scharfkantige KnochenbruchstücI<e durch die oft besprochene 
Rollung im Wasser verändern können, wurde durch einen Versuch festgestellt, 
den Herr Joseph Wildner auf mein Ersuchen im Mai 1921 vorzunehmen die 
Freundlichkeit hatte; er bildete den Gegenstand eines Vortrages in der Natur- 
historischen Gesellschaft am 22. Juni 1Q21 und in Eichstätt bei der Tagung des 
Verbandes bayerischer Geschichts- und Urgeschichtsvereine September 1922. 

Das auf Taf. 47 abgebildete, jeweils linksstehende Rohmaterial wurde, nach- 
dem es zum Zwecke der Abbildung photographiert war, eine halbe Stunde lang in 
einer elektrisch angetriebenen rotierenden Trommel, wie solche zum mechanischen 
Polieren von Metallringen üblich sind, mit Vs Wasser und Vs Sand gerollt. 
Der Sand war grobkörniger, quarzitischer Keupersand. Die Knochenstücke 
bestanden z. T. aus fossilen, z. T. aus mittelalterlichen, z. T. aus rezentem 
frischen Material; alle hatten scharfrandige Bruchstellen. Sie verhielten sich 
unterschiedslos gleich und nahmen die auf der Tafel jeweils rechtsstehenden 
Formen an. Sie gleichen ganz den in Höhlen gefundenen, schon so viel erörterten 
Stücken mit gerundeten Kanten, haben z. T. Werkzeugcharakter erhalten und 
mahnen jedenfalls zur äußersten Vorsicht bei der Beurteilung derartiger Funde. 
Aber so wenig die Kreidemühle von Mantes die menschengewollte Herstellung 
der Eolithen restlos abgetan hat, so wenig ist mit der kreiselnden Trommel die 
Frage der rundkantigen Knochen endgültig erledigt. Wie schon S. 133 gesagt, 
gibt auch der fortgesetzte Gebrauch eines Knochens diesem ungewollt, also eine aus 
natürlichem Anlaß entstandene Form, und von dieser bis zur gewollten Herstellung 
derartiger roher Geräte ist nur ein Schritt, den wir aber vorlaufig mehr nach- 
fühlen als nachweisen können. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XLI. 



r 
i 




Die Höhle oben am BergjBlick von Nordost. S. 123. 




Vor der Höhle 1916. 



Petershöhle 780e. 



Abh. d. Nat. Ges. Nünibere XXI. Bd. 



Tafel XLIl. 





'.■^ 


Vor der 


W-J 


Höhle 1921; 


•■■:• -^ 


Grabtingsstelle 




22. 


«.^ 




'^ 






Die Schädelnische + 

in der 

Nebengrotte 

S. 147 
und Grundriß 5. 



Petershöhle 780e. 




Abh. d. Nat. Oes. Nüriibero; XXI. Bd. 



Tafel XLIII. 



Die Öffnung zur Schädel- 
nische 
in der Nebengrotte. 

S. 147. 





Der Feuerherd 

vor der 

völligen Abdeckung. 

(Pholographie 
stark überarbeitet.) 

S. 136. 



Retershöhle TSOe. 



Abh. d. Nat. Oes. Nürnbera XXI. Bd. 



Tafel XLIV. 



|Das Kontrollprofil, Westwand 
der Haupthöhle; 1918 

Ursprüngliche Höhe der Einlagerung 
Text S. 128. 



Abgestürzte Felsblöcke s 
Text S. 127. 



Die kleine Fenerstelie, 2,24 m— >- 
unter der Oberfläche. 
Text S. 136. 





-ÜL 



«^'»-■^'' 



■ttSbi^aai^ÄUl 



ä^SSgiä 



^^ 



Osteck der Haupthöhle, teilweise abgegraben. 
Die vereiste Höhle; 25. März 1918. Text S. 140. 



r»etershöhre 7806. 



Abli. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XLV. 




Kleine Knochengeräte S. 134 und Klingen von Höhlenbärenzähnen S. 135 
Petershöhle T806. 



Abh. d. Nat. Ges. XXI. Bd. 



Tafel XLVI. 




Bearbeitete Knochen und Pfeilspitzen 

a = jung- oder nacheiszeitlich; S. 134; b = Kalksteinspitze S. 132; c = Schädelstück 
vom Höhlenbären mit Einschnitten S. 135 



Abh. d. Nat. Qes. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XLVII 







Versuch 8151. 

Knochenfrümmer vor und nach der maschinellen Rollung; S. 153 



ABHANDLUNGEN 

DER 

NATURHISTORISCHEN 
GESELLSCHAFT 

zu 

NÜRNBERG 



XXI. Band 
S.Heft 



Die dritte Hallstattstufe 
im Gebiet der Anthropologischen Sektion 

und die 

Nekropole in der Bediersloh 

mit 12 Tafeln 
von K. Hörmann 



NÜRNBERG 1925 
LORENZ SPINDLER VERLAG 



DIE DRITTE HALLSTATTSTUFE 

IM GEBIET DER 

ANTHROPOLOGISCHEN SEKTION 

UND DIE 

NEKROPOLE IN DER BECKERSLOH 



VON 

K. HÖRMANN 



1925 
NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG 



Diese Arbeit erscheint gleichzeitig unter dem Titel 

Hörmann, Aus der Vorgeschichte der Heimat 

im Verlag von 

Lorenz Spindler Nürnberg 



C. H. Beck'sche Buchdruckerei in Nördlingen 



NEW YORK 

BOTAMCAL 

ÖAKüEN 



I 

Die Jurahöhen im Nürnberger Hinterland waren in den frühesten Vor- 
geschichtsepochen nicht bewohnt und auch die übrigen Landschaften um 
Nürnberg waren es nicht. Abgesehen von zwei urzeitlichen Höhlensiediungen, 
welche dem alten Abschnitt der geologischen Gegenwart, ihrer eiszeitlichen 
Hälfte, angehören und ungezählteJahrtausende zurückliegen, ist dielangwährende 
jüngere Steinzeit, die Neoiithik, gar nicht vertreten und ebenso fehlen die An- 
fangsjahrhunderte der Metalle, der Anfang der Bronzezeit, den man zwischen 
2500-2000 v.Chr. ansetzt. 

Die Besiedlungsgeschichte beginnt mit einem Einzelgrab und Funden aus 
dem 18. vorchristlichen Jahrhundert; vom 16. an mehren sich die Fundstellen, 
sind aber immerhin dünn gesät und bleiben es, so lange die Bronze herrscht. 
Nicht viel anders ist es mit dem ersten Auftreten des Eisens, das von 1200 v.Chr. 
an, zunächst nur als Schmuckmetall, Eingang fand. Mit diesem Zeitpunkt be- 
ginnt, nach Prof. Dr. Reineckes Chronologie der Vorgeschichte, die für Süd- 
deutschland sich allgemeiner Anerkennung erfreut, die „ältere Eisenzeit" oder 
die Hallstattzeit, so benannt nach einer besonders ergiebigen Fundstelle 
oberhalb Hallstatt am gleichnamigen See in Oberösterreich. Sie ist nach Unter- 
schieden in den Formen der Keramik und der Metallgeräte in vier Stufen A 
bis D gegliedert, mit Hj H^ Hj H^ bezeichnet sie der Fachmann. Aber weder 
von den Zeiten der Stufe A noch der von B, welche bis 850 v. Chr. reicht, 
kann man sagen, daß unsere Heimat „besiedelt" war, wenngleich Menschen 
zu jenen Zeiten hier gelebt und einiges aus ihrer Hinterlassenschaft uns ver- 
erbt haben. 

Die wirkliche Besiedlung unseres Landes hat um 850 v.Chr. eingesetzt mit 
Beginn der Hallstattstufe C, die jüngere Hallstattzeit nennt man sie ge- 
wöhnlich. Da zeigt es sich als Teilgebiet einer ausgedehnten Bevölkerung, die 
westwärts bis über den Rhein und diesen hinab gegen Holland, östlich bis 
Westungarn reichte, deren kultureller Einfluß aber noch darüber hinaus bis 
Bosnien und der Herzegowina sich geltend machte und auf der anderen Seife 
sich mit der Zeit selbst auf die iberische Halbinsel erstreckte. Die Alpen bil- 
deten die Süd-, der Thüringer Wald die ungefähre Nordgrenze; aber auch über 
diese beiden Grenzen hinaus verloren sich die Kulturwellen der soweit ver- 
breiteten, ganz Mitteleuropa beherrschenden Bevölkerung. 

Die Hallstattleute waren ein in Stämme unterteiltes Volk, dessen Einzelgebiete 
Verschiedenheiten ausweisen in der Industrie, den Gebräuchen und dem Be- 



158 

Stattungswesen, IndogermanenderAbkunft nach, wahrscheinlich Illyrer- Raeter, 
örtlich wohl auch mit älteren Anwohnern oder Angrenzern gemischt. 

Rund 150 Jahre, von 850 bis 700, herrschte eine einheitliche Kultur im ge- 
schlossenen Gebiet dieser Landmasse. Von 700 an treten stilistische Unter- 
schiede so merkbar hervor, daß die folgenden Jahre bis 550 v. Chr. als Stufe D 
(HJ typologisch unterschieden werden können. In manchen Gegenden ist letztere 
sehr reich und von der vorhergehenden recht verschieden entwickelt; an anderen 
Orten, beispielsweise bei uns zu Lande, wächst ersichtlicherweise Stufe C in D 
allmählich hinein und die Unterschiede sind gar nicht groß, im Totenkult über- 
haupt kaum angedeutet: die Bevölkerung gleichen Schlages hat nur einige neue 
Moden aufgenommen. 

Im Verlauf der Stufe D schob sich eine wenig zahlreiche Bevölkerung anderer, 
sicher keltischen Abstammung von Westen ein, die erwähnten typologisch neuen 
Formen und ein anderer Totenkult macht sie kenntlich. Gegen Ablauf der 
Stufe D sind unsere Illyrer verschwunden, die Kelten aber blieben. 

Inzwischen war weit im Westen unter südlichem Einfluß eine neue Kultur 
herangereift, der es bestimmt sein sollte, die hallstättische zu ersetzen. Man 
nennt sie nach einer Untiefe im Neuenburger See in der Westschweiz, die im 
dortigen Dialekt la Tene heißt und sehr viele Funde dieser Epoche geliefert 
hat, die Latenekultur oder die jüngere Eisenzeit. Sie ist gleichfalls in 
vier Stilgruppen gegliedert und reicht bis um die Zeit von Christi Geburt. 

Die bei uns wohnen gebliebenen Hallstatt-D-Kelten übernahmen noch die 
Anfänge der Latenekultur. Aber nur schwache, wenige Zeugnisse besitzen wir 
von diesen Vorgängen, trotzdem der mächtige Ringwall auf der Houbirg in 
diesen Zeiten entstanden sein muß. Schon bald nach dem ersten Auftreten der 
Lat^neformen verlieren sich für Jahrhunderte fast alle Anzeichen menschlicher 
Bewohnung und nur verschwindend wenige Spuren deuten an, daß die Gegend, 
sei es von streifenden Jagdtrupps oder durchziehendem Volk, wenigstens nicht 
ganz unberührt geblieben ist. 

Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich nur mit den mutmaßlichen 
Illyrern der Hallstattstufe C (H,), die ein eigenartiger, komplizierter Totenkult 
bestimmt kennzeichnet. Er erlischt bei uns nicht mit Beginn der Stufe D wie 
anderwärts das typologische Schema der Geräteformen, sondern besteht fort 
vielleicht während deren ganzer Dauer. Die geringen Unterschiede in den Geräte- 
typen beider Hallstattstufen C und D bei uns zu Lande lassen es angängig er- 
scheinen sie zusammenzufassen und bis gegen das Jahr 550 v.Chr. fortzuführen. 

Die oben erwähnten gleichzeitigen nichtillyrischen, sondern keltischen Siedler 
der Stufe D, gering an Zahl im Arbeitsgebiet der Anthropologischen Sektion der 
Naturhistorischen Gesellschaft, aber anderswo, an der Donau z. B., zahlreicher 
in wahrscheinlich geschlossener Volksmasse sitzend, schließe ich aus. Das Be- 
stattungswesen liefert die Anhaltspunkte zu der bestimmenden Trennungslinie. 



159 

Die Jahrtausende haben die Männer jener Zeit unseren Blicken entschwinden 
lassen, sie sind nicht unsere Ahnen und nicht unseres Blutes, ob sie gleich 
derselben Wurzel lichtfarbener Nordlandvölker entsprossen sind. Sie bewohnten 
jahrhundertelang die gleiche Scholle wie wir, unsere Berge, Wälder, Auen bildeten 
die Bühne auch ihres Tuns, ihres Lebens, Leidens, Hoffens und Wollens und 
so ist eine Schilderung dieser fernen illyrischen Epoche heimatkundlich doch 
wohl berechtigt und möglich ist sie auch. Denn sie stellten nicht nur eine 
zahlreiche Volksgruppe von einheitlicher Abstammung dar, sondern besaßen 
eine leicht kennbare ansehnliche, in sich geschlossene Kultur, die weder vorher 
noch nachher gleich war. Ein Kulturanfang, der Beginn einer „Neuzeit" war 
es indessen doch nicht. Ihr Kulturabschnitt ist die zeitlich-lineare Fortsetzung 
und der Abschluß einer ähnlichen, vorausgegangenen Lebenshaltung und Lebens- 
führung, nur auf etwas anderer ökonomischer Grundlage. 



Die Kunde von Vorgängen, die vor Beginn der Geschichtsschreibung liegen, 
läßt sich ausschließlich den Bodenfunden entnehmen und diese sind entweder 
durch Zufall oder aus Nachlässigkeit oder mit Absicht in die Erde gelangt. Durch 
Zufall: verlorene Gegenstände, die als Einzelfunde an den Tag kommen oder 
versteckte Gegenstände, mitunter ganze Warenlager, die der Eigentümer nicht 
wieder an sich nehmen konnte, sog. Depotfunde. Aus Nachlässigkeit: die Leute 
hausten in ihren Wohnstellen über dem oder mitten im Unrat, der durch Häu- 
fung von Abfällen der Nahrung, der Arbeits- und der Lebensweise entsteht, 
„Kulturschichten" bildend und diesem unhygienischen Verhalten sind viele 
wichtige Aufschlüsse über das tägliche Leben zu verdanken. Die weitaus er- 
giebigste Quelle unserer Kenntnis vom vorgeschichtlichen Menschen aber bilden 
die absichtlich hinterlegten Gegenstände, welche den Verstorbenen ins Grab 
mitgegeben, seltener an Stätten der Verehrung, z.B. Quellen, hinterlegt wurden. 

Von all den auf verschiedene Art in die Erde gelangten Dingen konnte sich 
nur das behaupten und ist auf uns gelangt, was dem Verderben widerstand, 
also Gegenstände aus unorganischen Stoffen und selbst diese nicht immer; 
Eisensachen z.B. zehrt mit der Zeit der Rost auf. Nur unter besonders gün- 
stigen Umständen ist ausnahmsweise Vergängliches erhalten geblieben, aber 
doch verdorben, in einem Zustand des Verfalles, der bei der Aufdeckung und 
Bergung die größte Vorsicht nötig macht und eine sorgfähige Konservierung 
erfordert. 

Den ganzen materiellen Besitz des vorgeschichtlichen Menschen, den vollen 
Umfang seiner Kultur, alles was er aus Holz und sonstigen pflanzlichen oder 
tierischen Stoffen wie Leder, Wolle u.dgl. geschaffen hat und was naturgemäß 
den größeren Teil seines Besitzes ausmachte, die mehr oder mindere Kunst- 
fertigkeit, die er dabei entwickelte, lernen wir gar nicht oder nur hie und da 
andeutungsweise kennen. Eine Sammlung prähistorischer Altertümer gibt des- 
halb immer nur einen schwachen Begriff vom Leben und Können des Vor- 



160 

zeitmenschen, besonders in unseren Breiten, wo die Natur mehr auf Zerstörung 
als auf Erhaltung hinarbeitet. Das ergibt sich in die Augen springend aus dem 
Vergleich mit ethnographischen Sammlungen selbst kulturell weit niedriger 
stehender Naturvölker der Gegenwart, deren Besitz und Können wir vollständig 
vor Augen haben. Rein äußerlich betrachtet, scheinen sie höher zu stehen und 
reicher zu sein, als die überlegeneren alten Vorläufer unserer Kultur es waren. 

Prähistorische Sammlungen sind daher ohne ergänzende Worte eher unver- 
dauliche als leicht zu genießende Schaustellungen. Sie illustrieren den Werde- 
gang der Kultur und bergen das Beweismaterial für die Lehrsätze, welche die 
wissenschaftliche Forschung aufgestellt hat. Dies ist ihr hauptsächlichster Zweck, 
der noch über dem Lehrwert steht, aber nur dann erreicht werden kann, wenn sie 
die Sammelbecken eines größeren Gebietes sind. Nur als solche kommt 
die Bedeutung zur Geltung, ganz abgesehen von der besseren Gewähr für sach- 
gemäße Behandlung der oft in äußerst fragwürdigem Erhaltungszustand anfallen- 
den Gegenstände, Trümmer und Scherben. Ganz zu verwerfen ist das Sammeln 
dieser ehrwürdigen Reste in Privathänden und auch die Unterbringung in kleinen 
Ortsmuseen empfiehlt sich nicht; nach wenigen Jahren tritt der Verfall ein und 
bald gerät Fund und Fundstelle in Vergessenheit, wenn auch das Gesetz und 
dessen Hüterin, das Landesamt für Denkmalpflege dem entgegenarbeiten. Gerade 
so, wie man wertvolle geschriebene Urkunden aus geschichtlicher Vergangen- 
heit in Kreisarchive zu retten trachtet, dürfen auch die Zeugen aus den Zeiten 
ungeschriebener Geschichte nicht einem zufällig und momentan daran Inter- 
essierten überlassen bleiben; denn jedes einzelne Stück ist ein unersetzlicher 
und nicht wie Naturobjekte wieder nachwachsender Gegenstand, auf den nur 
allein Volksgemeinschaft und die Wissenschaft ein Anrecht haben sollte. 

Für das Nürnberger Heimatgebiet ist die Anthropologische Sektion der Natur- 
historischen Gesellschaft die staatlicher- und städtischerseits autorisierte 
Stelle, anscheinend die Besitzerin, in Wirklichkeit aber den gesetzlichen Bestim- 
mungen und der eigenen Einsicht gemäß nur die Bewahrerin und Pflegerin der 
Gegenstände, welche die vorgeschichtlichen Zustände unseres Heimatlandes 
widerspiegeln und diesem als eigentlichen Besitzer erhalten bleiben müssen. 



Vor allem wichtig ist das Verhältnis des Menschen zur Umwelt; jene waren 
in weit höherem Grade als heutzutage von der Landschaftsgestaltung abhängig, 
die in unserem Gebiet bekanntlich nicht durch eine einheitliche geologische 
Grundlage bedingt ist, sondern durch die Keuperformation im Westen und im 
Osten vom Juragebirg. 

Die mit Sandsteinhügeln und kleinen Flußläufen gleichmäßig und etwas ein- 
tönig sich ausbreitende, flachwellige Keuperlandschaft charakterisiert in Nürn- 
bergs Nähe das in Süd-Nordrichtung zwischen flachen Flußterrassen breit- 
gedehnte Talgelände der Rednitz-Regnitz. Im Ostteil greift mit dem unteren 



161 

Tal der Pegnitz der Keuper weit in den Jura hinein, der mit 150—200 m Höhe 
darüber liegt, ein Tafelhochland bildend, dem zahlreiche Höhenrücken und 
Bergkegel aufsitzen; der Oberlauf der Pegnitz durchschneidet, viele Bäche und 
Trockentäler durchsetzen und queren das vom Zahn der Zeit stark benagte 
Gelände. 1 

Diese zweifache Bodengestaltung verstärkt sich zu ausgesprochenem Gegen- 
satz durch die Pflanzendecke: der Keuper überwiegend Waldland, die Juratafel, 
soweit sie nicht von sandigen und tonigen Bildungen überlagert ist, über- 
wiegend waldfrei. 

Die dichte Bevölkerung der Neuzeit hat im Keuperland von ihrer Ellen- 
bogenfreiheit gegen den Wald reichlich Gebrauch gemacht; der Gegensatz ist da- 
durch gemildert. Ehedem machte er sich wuchtig geltend. Noch die Römer 
fanden dem Jura ein westliches Urwaldgebiet vorgelagert, dem sie ausweichen 
und ihren Limes in einem Knie an seinem Westrand von Gunzenhausen nach 
Walldürn und Miltenberg führen mußten, obwohl das eine um 20 Stunden längere 
Grenzlinie zu befestigen und zu besetzen nötig machte. - 

Zwischen Römer- und Hallstattzeit liegt zwar eine gewaltige Spanne Zeit; 
da aber währenddem stets die gleichen klimatologischen Verhältnisse herrschten, 
so ist das Gesagte auch für die rückliegende Zeit gültig. Hieran hätte keines 
Menschen Hand, nur die höhere Gewalt der Natur etwas zu ändern vermocht. 
Ein solches Land ist sehr unwirtlich und über alle Maßen menschenfeindlich 
ist der Urwald. Ich hatte in Mittelschweden Gelegenheit, den Rand eines solchen 
zu betreten. Das ist nicht, was wir so obenhin unter „Urwald" verstehen, ein 
besonders üppiger, dichter Wald, ein Bild gesundheitstrotzenden Lebens, nein, 
hier herrscht der Eindruck des Todes vor, der Armut, der Verkommenheit. 
Kümmerliches Stangen-, kränkelndes Jungholz neben vereinzelten Baumriesen, 
der Boden eine schwankende Decke von Moos und vermoderten Baumleichen, 
in die man knietief einsinkt und unter der gurgelnd ein Wasser rauscht. Riesige 
Ameisenhügel dazwischen, verdorrter Äste Gewirr und Gestrüpp, nirgend eine 
Stelle, der sich der Fuß sicher anvertrauen kann und ringsum trostloses Schweigen. 
Ebenso schildert Prof. Grad mann die vorgeschichtliche Waldlandschaft, beson- 
ders den Nadelholzwald. Dazu Flußwildnisse mit Altwassern und Tümpeln, 
Röhricht, Moor und Brüche; Gestrüpp von Weiden, Erlen, Eschen, Pappeln, 
Eichen: Auenwald und Eschenbruch an Bächen und Flußläufen. ^ 

Die Richtigkeit dieser aus Vergleichen gewonnenen hypothetischen Bilder 
wurde durch die umfassenden, unlängst zu einem vorläufigen Abschluß ge- 
brachten Arbeiten der Klima- und Bodenforschung bestätigt. Die von schwedi- 

' Näheres hierüber bei H. Scherzer, Erd- und pflanzengeschichlliche Wanderungen durchs 
Franlienland. Lorenz Spindler Verlag Nürnberg. 

" R. Qradmann, Der obergerm.-rät. Limes u. d. fränk. Waldgebiet; Petermanns Mitteilungen 45 
1899 S. 57. 

' Derselbe, Das mitteleurop. Landschaftsbild nach seiner geschichtl. Entwicklung; Hettner, 
Qeogr. Zeitschr. 7. Jahrg. 1901 5.361. 



162 

sehen Forschern im Norden begonnenen, von Ganis und Nordhagen in Mittel- 
europa weitergeführten Untersuchungen setzen sogar in den Stand, eine chrono- 
logische Gliederung des mehrfachen Klimawechsels und der Pflanzenverbreitung 
während der vorgeschichtlichen Zeiträume durchzuführen.' Danach ist ein Klima- 
sturz konstatierbar, der mit Beginn der Hallstattstufe C, also um das Jahr 850 
V. Chr. in Mitteleuropa mit feuchtem und besonders zu Anfang kaltem Klima 
einsetzte. Es ist die von den Schweden Blytt und Sernander „subatlantische 
Zeit" benannte Klimaperiode, die bis weit in die geschichtliche Zeit anhielt. 
Sie äußerte sich in erneutem Vorrücken der Gletscher, vermehrter Wasserführung 
aller Orten, Ansteigen der Seen, Moorbildung mit Sphagnetumtorf, Rückgang 
der Nord- und Höhengrenze vieler Pflanzen und Tiere und was sonst noch mit 
einer klimatologischen Verschlechterung zusammenhängt. 

Das war in der vorausgegangenen Bronzezeit und noch früher einmal anders 
und besser gewesen; da waren die der Nacheiszeit entstammenden Moore aus- 
getrocknet, mit Föhrenwäldern und Heiden bedeckt, die Seespiegel gesenkt, 
die Waldgrenzen in größere Höhen gerückt, auf der Juratafel herrschte die Steppe, 
ein Klimaoptimum allerwegen, das einen Gürtel von ständigem Hochdruck über 
Mitteleuropa anzunehmen zwingt; „subboreale Zeit" nennen sie Blytt und 
Sernander. 

Unter den Gesichtspunkten wechselnder klimatischer Verhältnisse ist die Be- 
siedlung zu betrachten. Soweit archäologisch beglaubigte Funde vorliegen, stehen 
sie im Einklang mit Resultaten der postglazialen Geologie und Pflanzengeschichte, 
gestatten nun aber auch, die kleinen lokalen Schattierungen in den hypothetisch 
gewonnenen Überblick einzutragen. Dazu sind genaue Fundortsangaben und 
chronologisch gut bestimmte Funde notwendig; aber diese beiden Bedingungen 
bleiben leider recht häufig ein frommer Wunsch. In der Westhälfte des Gebietes, 
zwischen Ansbach und Neustadt a/Aisch, liegen und lagen viele Nekropolen. 
Man kann vermuten, daß sie zu einem großen Teil der Hallstattzeit angehören, 
aber feststellbar ist es nicht mehr. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte 
sich ihrer ein ganz unmethodischer Forschungstrieb bemächtigt und sie des 
Inhalts beraubt; er ist verschollen und verloren. 

Noch weitgehender als dort aus Unkenntnis wurden in der Fränkischen Schweiz 
die Bodenaltertümer zerstört. Es besteht Grund zu der Annahme, daß dort zur 
Hallstattzeit und auch vorher schon eine dichte Bevölkerung saß; aber ihre 
Hinterlassenschaft wurde des geringfügigen Erlöses wegen gewerbsmäßig ge- 
plündert, und das hat fortgedauert, bis kein unversehrter Hügel, keine un- 
berührte Höhle noch Felsvorsprung übrig blieb; das 1908 erlassene Denkmal- 
schutzgesetz kam ein Menschenalter zu spät. Organisator des blühenden, von 
den Kurgästen angeregten Handels mit Bodenaltertümern war der bekannte, 



' Garns u. Nordliagen, Postglaziale Klimaänderiingen u. Erdkrustenbewegungen in Mittel- 
europa; Mitteilungen d. Qeogr. Qesellsch. München 16 1923 2. Heft. 



163 

originelle Hans Hösch auf der Neumühle bei Rabenstein; die Bronzen, welche 
er nach und nach oft für wenig Geld nach auswärts verlcaufte, sollen sich, wie 
es heißt, im Lauf der Zeit auf Zentner belaufen haben. Und in der Oberpfalz 
war es nicht besser; man lese nur die durchaus nicht übertriebene offizielle 
Darstellung des Historischen Vereins in Regensburg, i 

In diesem Zusammenhang — um auch dies zu erwähnen — darf gleich auch 
auf den Schaden hingewiesen werden, welcher der Wissenschaft durch den 
Pflug und die bessere Ausnützung des Bodens seitens der Landwirtschaft un- 
beabsichtigt erwächst. Bestenfalls gelangen Bruchteile, in ihrer Vereinzelung 
nahezu wertlose Bronzeringe, ein vom Rost entstelltes Stückchen Eisen in ein 
Museum; die für die Zeitbestimmung unter Umständen besonders wichtigen 
Scherben gehen in der Regel ganz verloren. Nicht selten sind gerade solche 
vom Zufall der Vernichtung überantworteten Hügel überreich an Funden. Das 
berühmte „Reitergrab im Hirgast" bei Thalmässing z. B., das nach der Ver- 
sicherung des in Fachkreisen bekannten Prähistorikers Bader EUinger in Alfers- 
hausen Unmengen von Bronze enthielt. Die Kleinsachen, Geschirrbeschläge, 
Nägel, Knöpfe warf der über so viel Unrat in seinem Acker ärgerliche Bauer 
korbweise in die Dungstätte; später fischte man sie so gut man konnte wieder 
heraus und es ist einiges davon in Museen gelangt. Prof. Mehlis erwähnt nach 
Hörensagen vom Reiter aus diesem Grab Helm, Pferdeknochen, prächtige Ge- 
hänge, Panzerhemd (?), Lederkoller (?).2 Welche Fülle von Beobachtungen über 
die oft noch rätselhafte Bestimmung der Gegenstände, die Bestattungsform, 
vielleicht auch über die Tracht ist damit verloren gegangen! 

Nach alledem kann es nicht wundernehmen, wenn das Wissen selbst von 
der Zeit der stärksten Besiedlung unserer Heimat so sehr lückenhaft ist und es 
auch immer bleiben wird. 



Die spärliche Besiedlung während der älteren Bronzezeit im Ostteil unseres 
Gebietes — und nur über dieses sind wir aus den dargelegten Gründen einiger- 
maßen unterrichtet — hat ihren Gräbern nach zu urteilen die Höhen der Jura- 
tafel aufgesucht, die unter dem Einfluß des damaligen Klimas eine Steppe bil- 
dete und wildreich gewesen sein muß; die Annahme, daß in der Nähe dieser 
Gräber und der dazugehörigen Siedlungen gute Jagdgründe gelegen waren, 
ist berechtigt. 

Zur jüngeren Bronzezeit (1400— 1200 v.Chr.) dagegen und in der frühen 
Hallstattzeit (1200—1000, bezw. bis 850 v.Chr.) lagen die Siedlungen im 
Tal: in der Ebene bei Henfenfeld, im Hirschbühl bei Altensittenbach-Hersbruck, 
in der Mögeldorfer Sandgrube, im Nürnberger Racknizgarten, in Fürth an der 
Lehmus-Hardtstraße; mit Ausnahme des Racknizgartens alle in den niedersten 

> Zum Schutze der prähistor. Altertümer in d. Oberpfalz LlV.Bd. d. Verhandlungen d. histor. 
Ver. 1903. 

2 Archiv für Anthropologie 1884 15. Bd. S. 305. 



164 

Flußterrassen unmittelbar am Ufer, recht eigentlich im Hochwassergebiet. Es 
war dies, wie wir jetzt wissen, die Hochperiode der Trockenheit, und da wird 
es verständlich, daß die wenig zahlreiche Bevölkerung, die nicht ausschließlich 
von der Jagd lebte, sondern aus Bauern bestand, die unmittelbare Nachbar- 
schaft des Wassers vorziehen lernte. 

Dann folgt die Besiedlung mit dem Volk der Hallstattstufe C, ebenfalls 
Bauern, ob Nachkommen der vorigen oder neuzugewanderte, das läßt sich noch 
nicht unterscheiden; wahrscheinlicher ist das Letztere. Der Klimawechsel setzt 
ein und wieder steigen die Leute auf die Höhen, wo eine gute Schafhut winkt 
und die Äcker nicht im Grundwasser ersaufen. Die Talsiedlungen verschwinden 
größtenteils; aber die Bevölkerung ist zahlreich, nicht alle haben Platz auf dem 
nicht sehr fruchtbaren Tafelland, und sie sieht sich genötigt, auch die wald- 
freien Oasen aufzusuchen, die in den Urwäldern eingestreut sind. Man könnte 
an Rodungen denken, und es ist nicht ausgeschlossen, daß mancher besiedelte 
Fleck damals dem Wald abgetrotzt wurde. ' Eine solche, mit den Hilfsmitteln 
jener Zeit schwer zu bewältigende Arbeit war aber wahrscheinlich gar nicht 
nötig; das Studium der postglazialen Geologie lehrt, daß die Natur selbst dem 
Wald Schranken setzt, vor denen er haltmachen muß. 

Die Staubstürme der nacheiszeitlichen Steppenperiode haben manchenorts 
eine Bodenart zur Ablagerung gebracht, die sich als Löß verfestigt hat. Sie 
ernährt eine eigenartige Vegetation, die als „Steppenflora" ihre Selbständigkeit 
bis zur Gegenwart behauptet. Dem Löß weicht der Wald aus; er findet sich 
im Windsheimer Gau,^ bei Weinzierlein im Bibertgrund, bei Marioffstein, bei 
Heroldsberg, und alle diese Gelände waren von jeher waldfrei, boten demgemäß 
Siedlungsmöglichkeiten, die sich z.T. auch ausgenutzt finden. 

Wüßten wir, welcher Zeit die ausgeraubten Hügel im Keuperland angehört 
haben, ob der Bronze-, Hallstatt- oder Latenezeit, dann ließe sich auch fest- 
stellen, was jeweils Wald und was offenes Land gewesen ist. Denn auch andere 
Umstände, über welche wir heute noch nicht unterrichtet sind, haben an manchen 
Orten den geschlossenen Wald gelichtet. Kalk- und Lehmböden z. B. begün- 
stigten während der trockenwarmen Periode eine Steppenbildung, in der sich 
„die sonnenliebende Steppenheide ausbreiten konnte". Von diesen Waldlücken 
hat der Mensch Besitz ergriffen, „in diesen offenen Landschaften hat er sich 
festgesetzt und seine Kulturflächen gegen den wieder vordringenden Wald be- 
hauptet", so daß die vorgeschichtliche Waldverteilung manchenorts der heutigen 
nahegekommen sein wird.' 



' Den vorgeschichtlichen Menschen hält man für gewöhnlich mangels geeigneter Werkzeuge 
außerstand zu größeren Rodungen. Und docli haben die Pfahlbauern Großes geleistet! Nur allein 
der Pfahlrost der Station Bodmann im Bodenscc bestand aus nicht weniger als 61500 Pfählen, 
d. h. ausgewählten Baumstämmen und andere der Hunderte von Pfahldörfern waren noch größer. 
Reinerth, Pfahlbauten am Bodenscc S. 17. 

' Hierzu s. Scherzer, Erd- u. pflanzengeschichtl. Wanderungen durchs Frankenland I. Teil S.69. 
Der BotanischeVerein Nürnberg hat dort ein kleines Pflanzenschutzgebiet errichtet. 

^ R. Gradmann, Die postglazialen Klimaschwankungen Mitteleuropas; Hettner Qeogr. Ztschr. 
30 1924 S.248. 



165 

Die Hallstatfkultur hat bei uns keine tieferen Eingriffe im Landschaftsbild 
hinterlassen, keine Ruinen größerer Bauwerke, keine Reste von Verkehrs- oder 
umfangreichen Wehranlagen, wie einige Jahrhunderte später die Lat^neleute auf 
der Houbirg, dem Walberla, dem Staffelberg. Sie hat noch Teil am Unvermögen 
aller Jugendvölker, die nicht in der Lage sind, der Natur irgendwie einen Stempel 
aufzudrücken. Aber schon neigt die völlig geschichtslose Zeit Europas ihrem 
Ausgang zu, eine Menschheitsentwicklung von ungeheuerer Dauer zum Ab- 
schluß bringend. In diesem Sinne ist die Hallstattperiode eine Art kultureller 
Alterserscheinung, eine Zeit des Stillstands und der Reife, eine Episode ster- 
benden Völkerlebens, der nach langen Zeiträumen ein neuer Völkerfrühling, das 
Jugendstadium einer anderen Menschheitsseele folgt. 



Nur die Gräber geben Aufschluß über die Siedlungsdichte sowohl, als über 
die ungefähren Sitze der Bewohner. Wo die dazu gehörigen Dorfschaften 
belegen waren, ist daraus nicht zu entnehmen. Ebensowenig sind bisher Wohn- 
stätten angetroffen worden, obwohl viele Fundstellen in der Fränkischen Schweiz, 
den Gegenden von Sulzbach und Thalmässing als Andeutungen solcher zu be- 
trachten sind. Darin war Dr. Frickhinger in der Umgebung Nördlingens glück- 
licher. ' Von dort und anderwärts ist bekannt, daß verschiedene Haustypen vor- 
handen waren : rundliche und viereckige Hütten, viereckige und kreisrunde Wohn- 
gruben. Letztere mögen in unserem Gebiet wohl auch vertreten sein, zahlreich 
z.B. bei Heuchling-Birtl; aber es ist schwierig. Genaueres festzustellen, denn 
selten nur hat eine Grabung in den Gruben irgendeinen Erfolg. Wahrschein- 
lich sind die heutigen Ortschaften auf den alten Siedlungen angelegt, so daß 
deren Spuren längst verwischt sind. 

Nicht überall werden die Gehöfte der Hallstattleute so geräumig und statt- 
lich gewesen sein, wie Prof. Schumacher eines von Neuhäusl im Westerwald 
schildert: „Es hatte in seinem erweiterten Umbau 30 >; 28 m und besteht aus 
mehreren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden um einen Wirtschaftshof, ganz nach 
italischer Art, mit Vorhallen, Herd- und Kellergruben, Zisternen usw. Die Dächer 
waren mit leicht vergänglichem Material, Stroh, Ginster usw. abgedeckt. Die 
Pfostenlöcher lassen auf große und sorgfältig bearbeitete Balken schließen; die 
Lehmbrocken mit Ruteneindrücken beweisen Riegelwände mit Lehmfachwerk, 
ihr teilweises Fehlen Spaltholzwände. Der Wandverputz ist geglättet, die Tennen 
sind aus feinem Bimssand hergestellt. Die langen Hallen, Ställe, Scheunen und 
Remise lassen keinen Zweifel, daß es ein richtiger Bauernhof war", der inmitten 
eines größeren Dorfes lag. Das Römisch-Germanische Zentral-Museum in Mainz, 
dessen Direktor diese anschauliche Beschreibung gibt,^ fertigt kleine Modelle 
des Gehöftes, die sehr lehrreich sind; aber die Nürnberger Sammlung ist leider 
nicht im Besitz eines solchen. 



' Eine Wohnstätte d. früli. Hallstatizeit auf dem Spitzberg b. Appetstiofen, 5. Jalirb. d. Histor. 
Ver. f. Nördlingen u. Umgebung 1916 S. 11. 

^ Schumacher, Siedelungs- u. Kulturgesch. d. Rheinlande I S. 110. 



166 

Vereinzelt waren Gehöfte dieser Art keineswegs, denn auch das in der Wasser- 
burg Buchau im Federseemoor bei Schussenried aufgedecl<te Gehöft zeigt die 
gleiche Anlage, i 

Funde in Höhlen lehren, daß auch diese gern zum Obdach gewählt wurden; 
sie dürften jedoch mehr vorübergehend kleinen Streiftrupps auf der Jagd zum 
Aufenthalt gedient haben oder als Zufluchtsorte bei feindlichen Überfällen, wie 
so oft noch im Lauf der späteren Geschichte. Bestattungen sind zu dieser Zeit 
in Höhlen selten. 

Zum Bau der Häuser und Hütten verwendete man nur Holz, -Lehm und 
Stroh oder Schilf. Mit groben Steinsetzungen konnten die Leute zwar umgehen, 
das beweisen die umfangreichen, aus Steinen oft erstaunlich fest geschichteten 
Grabhügel. Aber der Lebende wohnte in Lehmhäusern und -hatten, Steinbauten 

A;l-i^M.Ä;m®K _ Mff^-^'Ur r- - ' ^ '•',/ 




'»'■■■■■[■ ' i' ii \v-\ III ll.*,i«. 



Gehöft von Neuhäusl 

Nach einem Modell des Röm.-German. Zentralmuseunis in Mainz 



kamen erst viele Jahrhunderte später in nachrömischer Zeit auf. Städte gab es 
nicht, die Sippen wohnten in Dorfschaften; doch werden reiche Bezirke, wie 
einer um die Zant bei Neukirchen den Funden nach sich ausweist, einen eigenen 
Namen getragen haben und weithin bekannt gewesen sein. 

Der nachbarliche Zusammenhalt, vielleicht sogar der Verkehr unter den ein- 
zelnen Dorfschaften oder Sippen mag von geringer Bedeutung gewesen sein, 
vielleicht standen sie sich öfter feindlich als freundlich gegenüber, wie das in 
der Natur zersplitterter Siedlungen liegt und wie sich erfühlen läßt aus der zu- 
sammenhangslosen Hinterlassenschaft nächstbenachbarter Nekropolen, die nicht 
selten ihre Seitenstücke in Ornamenten und Industrie bald in ungarischen, in 
böhmischen, württembergischen, rheinischen, ja südfranzösischen Funden haben, 
während sie im Nachbargebiet oft gänzlich fehlen. 

Aber wenn wir auch zwischen den Nachbarsippen Vereinsamung mehr als 
Berührung wahrnehmen, so geht doch aus der oft weit entfernten Wiederkehr 



• Urgesch. [-orschungsinstitut Tübingen: Reinerth, Das Federseemoor als Siedlungsland d. 
Vorzeitmcnsclien S. 63. 



167 

gleicher Erscheinungen die imposante Einheit der gleichartigen Kultur in dem 
großen Ländergebiet deutlich hervor. 

Handelswege gab es sicher, einige Überlandwege von Süd nach Nord sind 
schon für eine weit ältere vorgeschichtliche Zeit als die hier in Rede stehende in 
ihrem ungefähren Lauf bekannt (Montelius), führten aber nicht durch unser Gebiet. 
Der Verkehr ging über die Höhen und folgte möglichst den Wasserscheiden. 
Von „Straßen" läßt sich wohl nicht reden, die Fernwege waren kaum etwas 
anderes als Saumpfade, nicht von Menschenhand und absichtlich angelegt, 
sondern Bahnen, die sich die Durchziehenden im Lauf der Zeit gebrochen 
hatten und die der wahrscheinlich bescheidene Verkehr offen hielt. Wagen kamen 
für weite Strecken nicht in Betracht, obwohl es solche gab, und so brauchten 
die Wege auch nicht breit zu sein, selbst die nachmaligen Römerstraßen waren 
mit ihrer nur 3,5 Meter breiten Fahrbahn noch schmal und nur für Reiter und 
Tragtiere, nicht für Wagen berechnet. Winkelmann ist es gelungen, eine Anzahl 
nordsüdwärts gerichteter Straßen aufzufinden, die schon vor Römerzeiten vor- 
handen gewesen sein können; aber wie er in seiner schönen Arbeit über die 
vorrömischen und römischen Straßen in Bayern zwischen Donau und Limes' 
selbst sagt, mußte leider bei der lückenhaften Erhaltung der älteren Linien nur 
allzuoft an Stelle noch vorhandener Überreste lediglich die Wahrscheinlichkeit 
der Führung als Beweis angerufen werden, und so läßt sich auch nur ver- 
muten, daß ihrer einige schon zur Hallstattzeit begangen waren. In anderen 
Gegenden kennzeichnen Depotfunde den Verlauf der Handelswege; aber in 
unserem Gebiet sind sie noch nicht in dazu hinreichender Zahl zum Vorschein 
gekommen. 

Sicher ist, daß noch kein Fluß durch eine Brücke unterjocht war. Die sumpfigen 
Täler mit vielen Altwassern, die Flüsse und Bäche, ließen nicht überall ein 
Überschreiten zu, augenfällig mußte daher die Bedeutung der Furten sein. Bei 
Hochwasser hatte man — und auch in sehr viel späterer Zeit noch — am 
Ufer zu warten, bis der Übergang möglich war. 

Scheiche, Einbäume, beim Fischfang und als Fähren für Personen gebräuch- 
lich, waren bekannt, gelegentlich wird auch einer aus Flußbetten ausgebaggert; 
ein solcher vielleicht vorgeschichtlicher Fund ist im Germanischen Museum 
aufbewahrt; freilich, zu welcher Zeit er als Fahrzeug gedient hat, das ist ihm 
nicht anzusehen. 

Wagenreste finden sich nicht allzu selten in den Gräbern dieser Zeit als 
Leichenbeigaben; die in der Regel mit Bronzeblech beschlagenen Radnaben, 
die schmalen Eisenbänder der Radreifen weisen auf zierliche Prunk-, nicht auf 
schwere Lastwagen hin. Daß aber den Hallstattleuten schwere, vierrädrige Wagen 
nicht fehlten, kann man den roh eingeritzten Darstellungen zweispänniger Wagen 

' Sonderabdr. a. d. XI. Bericht d. röm.-german. Komm. 1918/1919, Sammelbl. d. Histor. Ver. 
Eichstätt 34 1919 S. 4. 



168 

auf Tongefäßen aus Grabhügeln von Ödenburg in Ungarn und sonst' ent- 
nehmen. Der Mangel an gebahnten Straßen läßt sie aber für weiten Transport 
unangebracht erscheinen. 

Ackerbau und Viehzucht waren zeitweise schon zur ausgehenden Bronze- 
zeit die Hauptbeschäftigung und blieben es auch während der ersten Jahrhunderte 
der Hallstattsiedlung im Jura. Man kann dies unter anderem schließen aus der 
Art der Speisebeigaben, welche der Tote ins Grab mitnahm. Soweit Fleisch 
in Betracht kommt, gehörte es den Knochenresten nach zumeist Schafen, einer 
kleinen, heidschnuckenähnlichen Rasse an, nach oberflächlicher Untersuchung 
wahrscheinlich von einerlei Abkunft mit dem Torfschaf der Schweizer Pfahl- 
bauten; oder es sind Jungschweine, die, wahrscheinlich am Spieß gebraten, 
neben den Toten gelegt wurden (Beckersloh, Prohof bei Sulzbach). Doch fand 
sich statt dessen auch einmal Reh verwendet (Beckersloh Hügel lli). 

Vom Rind verirrte sich selten etwas in ein Grab der Hallstattzeit; nur der 
Riesenhügel in den Edelfeldern bei Stücht-Heiligcnstadt, der sonst fast nichts 
enthielt, foppte uns mit Rinderknochen, was den Ebermannstädter Wiesentboten 
vom 4. Juni 1905 zu einem schönen langen Gedicht begeisterte. Aus diesen 
und aus Funden in Wohnstelien ist ersichtlich, daß die damals gezüchteten 
Rinder auffallend klein waren, nicht viel größer alls ein Neufundländer Hund. 

Die Ziege macht sich in Knochenresten wenig bemerkbar; in Gräbern ist 
sie nicht anzutreffen, nur in Wohnstellen findet man Spuren von ihr. Sie war 
schon vor der Hallstattzeit in Europa eingebürgert und ist ein Abkömmling 
der südosteuropäisch-kleinasiatischen Wildziege Capra aegagrus. 

Neben der Viehzucht spielte immer auch die Jagd eine Rolle im Haushalt, 
in welchem häufig genug Schmalhans Küchenmeister gewesen sein mag. Bei 
der gegen Ende der Hallstattzeit auftretenden keltischen Bevölkerung überwog 
ebenso wie da und dort zu jeder Zeit die Jagd als Beschäftigung der Siedler. 
Im Köschinger Forst z. B., den wir uns gewiß als wildreich vorstellen dürfen, 
liefern Hirsch und Reh den Toten die Speisebeigaben und dem Jäger folgt 
sein Hund ins Grab (Kasing). 

Die Wildbahn von damals wies außer dem heutigen Wild noch einige Tier- 
arten mehr auf. Wildrinder müssen in ihren beiden europäischen Vertretern zahl- 
reich gewesen sein: der Ur, Bos primigenius, der riesige Stammvater einiger 
unserer heutigen Hausrinderrassen, und der ebenso gewaltige Wisent, Bos bonasus, 
dessen letzte in Europa wildlebenden Stammesgenossen erst in den jüngsten 
Tagen durch die Nachwehen des Weltkrieges ausgerottet wurden. Doch trifft 
man Knochen dieses Großwildes unter den Speiseresten der Hallstattleute nur 
höchst selten an; vom Ur ist mir aus dieser Zeit noch gar nichts unter den 



» H. Mötetind, Der Wagen im nord. Kulturkreise, Festschrift f. E. Hahn ; La Baume, Wagen- 
darstellungen auf ostgerman. Urnen, Blätter f. deutsche Vorgeschichte, Danzig 1924 Heft 1. 



169 

Spaten gekommen und vom Wisent nur an einem einzigen Fundplatz, im Kirchtal 
bei Alfeld, da aber in Unmengen. Dort muß ein diesem Wild, das ein aus- 
gesprochener Waldbewohner ist, außerordentlich zusagendes Gelände und eine 
von Jägern lange aufgesuchte Station gewesen sein. 

Wildpferde in verschiedenen Rassen gab es gleichfalls; mit dem erst 1879 
in Rußland eingegangenen letzten Exemplar der Tarpanrasse sind die europäi- 
schen Wildpferde ausgestorben. Ihre Knochen sind aber kaum von denen der 
damaligen selten genug anzutreffenden Hauspferde zu unterscheiden und bleiben 
somit zumeist unerkannt. Einen gut erhaltenen Tarpanschädel vom tiefsten 
Grund des Nürnberger Marktplatzes und einen anderen aus den Pegnitzauen 
Hersbrucks zwischen Stadt und Ostbahnhof besitzt die Nürnberger Sammlung. 
Beide stammen aber wahrscheinlich aus jüngerer Zeit; zeitlich bestimmbar sind 
sie leider nicht, weil bei der Auffindung auf Begleitfunde — als solche sind 
bekanntlich Topfscherben am besten geeignet — nicht geachtet wurde. Das 
unterbleibt bedauerlicherweise bei Zufallsfunden fast immer und entwertet selbst 
sehr wichtige Funde. 

Nicht gerade selten finden sich unter den Speiseresten der Hallstattleute 
Knochen oder Zähne von Petz, dem braunen Bären. Wildschwein und sein 
Abkömmling, das Hausschwein, unterscheiden sich im Knochenbau zu wenig, 
als daß man sie in jedem Falle auseinander halten könnte. Geweihstücke von 
Hirschen kommen an Siedlungen häufig zutage; zuweilen lassen die heute nicht 
mehr erreichten Ausmaße schließen, daß ein solcher Recke sich lange des 
Lebens freuen durfte, ehe der Jagdpfeil oder der Spieß des Jägers ihn ereilte. 
In allen Flüssen und Bächen trieb der Biber sein arbeitsames, munteres Wesen 
und wurde ebenfalls gern verspeist. 

Vogelwild scheint bei den Hallstattleuten nicht begehrt gewesen zu sein, 
wenigstens ist mir von Knochenfunden nichts bekannt, und Wildgans und -ente 
muß es doch zahlreich gegeben haben; vielleicht bestand dieselbe abergläubische 
Abneigung gegen den Genuß von Vogelfleisch, die man noch in der Gegen- 
wart bei Balkanvölkern antrifft. Haushühner gab es damals noch nicht in 
Mitteleuropa; sie sind exotischer, indischer Abstammung, vom wilden Bankiva- 
huhn, Gallus ferrugineus oder G. bankiva, ihre ersten Vertreter kamen seit dem 
6. vorchristlichen Jahrhundert unter dem Namen „persischerVogel" nach Griechen- 
land und erst in nachchristlicher Zeit zu uns. 

Fischreste, Hechtwirbel z. B. finden sich manchmal und Forellen galten gewiß 
noch nicht als unerschwingliche Delikatesse. 

An den verschiedensten Wildarten war also kein Mangel; aber aus den 
Knochen der Speisereste geht doch mit Sicherheit hervor, daß die Haustiere 
zum weitaus größten Teil die Fleischlieferanten waren. 

Von den vegetabilischen Speisebeigaben in Gräbern ist selbstverständlich 
jede Spur geschwunden, während von den tierischen zuweilen doch Knochen 



170 

Kunde geben. Honig fand sicher auch als Totenspeise Verwendung; bei den 
Bestattungen der mykenischen Griechen hat er sogar als Konservierungsmittel 
gedient;' das erlaubt aber natürlich keinen Rückschluß auf unsere Hallstattoten. 
Als einziger Süßstoff hat er auch damals eine nicht weniger bedeutende Rolle 
gespielt wie in geschichtlicher Zeit. Eine andere Beobachtung darf der Merk- 
würdigkeit halber hier angefügt werden. 

Ein Gefäß der Nürnberger Sammlung aus einem Hügel bei Sulzbach — 
welches läßt sich nicht mehr feststellen — wurde seinerzeit gleich nach der 
Ausgrabung vom Ausgräber dem bekannten Kunsttöpfer Fischer in Sulzbach 
übergeben, dem Wiederentdecker der Terrasigillatenherstellung, zur Ausbesse- 
rung und ungereinigt. Das Gefäß stellte Fischer — die Erzählung habe ich 
von ihm selbst — auf den heißen Brennofen in seiner Werkstatt. Nach einiger 
Zeit machte sich mehr und mehr ein unangenehmer Geruch von „schmergeln- 
dem", d.h. heißgewordenem schmierigen Fett bemerkbar. Da dies lästig wurde, 
suchte man mit der Nase die Werkstatt ab und ertappte den so harmlos tot 
erschienenen Topf auf frischer Tat: er war in der Hitze lebendig geworden. 
Nach Aussage Fischers hatte sich am Boden des Topfes eine zentimeterhohe 
Fettschicht angesammelt, die als Ursache des Geruches erkannt wurde. Von 
seiner Untugend wurde der Topf säuberlich kuriert, leider aber unterblieb eine 
wissenschaftliche Untersuchung des interessanten Vorkommnisses. 

Ein ähnlicher Fall, den Naue erzählt, hat besser geendet. Die weiter unten 
erwähnte Holzschale enthielt einen festen, schwarzbraunen Bodensatz, der an- 
fänglich für ein Scherbenfragment gehalten wurde. Die Untersuchung im Labora- 
torium der Universität stellte jedoch fest, daß er von einem Rückstand herrührte, 
der aus eingetrocknetem Honig oder Meth, gemischt mit einer eiweißhaltigen 
Masse von Quark oder Topfkäse bestand. Der Honig enthielt viele Blüten- 
überreste und einige Gräschen, war also schlecht gereinigt. Es handelte sich 
demnach um ein dem Toten beigegebenes, nach Griechenart gemischtes Ge- 
tränk oder um eine musartige Speise. - 

Zur Hallstattzeit war Europa schon längst im Besitz des Pfluges, der frei- 
lich primitiv und nur von Holz, aber doch besser war, als es die Pflüge im 
Süden fast bis zur Neuzeit geblieben sind. Landwirtschaftlich waren Mittel- und 
Nordeuropa von jeher dem Süden überiegen, die Landesnatur war ein harter 
Lehrmeister; was der Süden an natüriicher Fruchtbarkeit voraushatte, mußte 
der Norden durch Mehraufwand an Arbeit oder bessere Geräte wettmachen. 
Auch Düngung ist zu vermuten, nachdem sie nach Heers Untersuchungen in 
der Pfahlbaustation Robenhausen bereits für den steinzeitlichen Ackerbau wahr- 
scheinlich geworden ist. Manche alten Waldbeete, Erdwälle, Terrassen gehen 
auf jenen frühen Feldbau zurück, wenngleich es mehr als schwierig ist, den 
sicheren Nachweis dafür zu erbringen. 



' Zehetmaier, Leichenverbrennung u. -bestattiing im alten Hellas S.54. 
' Naue, Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee S. 144. 



171 

Die zur Hallstattzeit einsetzende Klimaverschlechterung war dem Acker- 
erträgnis sicherlich nicht förderlich. Immerhin ist die Zahl der damals schon 
angebauten Gewächse beträchtlich. Weizen in mehreren Arten und die Sechs- 
zeilengerste kannten schon die vorausgegangenen Zeiten ; nunmehr kamen Roggen 
und Hafer hinzu. Das auf dem Walberia gefundene verbrannte Getreide gehört 
den mitgefundenen Tonscherben nach in diese Zeit; auch andere Punkte der 
Fränkischen Schweiz könnten angezogen werden, wenn die dortigen Funde 
besser beglaubigt wären. Erbsen, Bohnen, Linsen wurden angebaut, Flachs 
schon seit dem Neolithikum gezogen (Schussenried); die Hanfkultur soll erst 
am Ende der Hailstaüzeit von den Thrakern aus nach Mitteleuropa gelangt sein. 

Daß trotz allem kein Überfluß an Nahrungsmitteln herrschte, ist nicht ver- 
wunderlich. Unter anderem weist die Verwendung von Eicheln zu Speisezwecken 
darauf hin; mehrfach wurden Massen solcher bei Ausgrabungen in unserem 
Gebiet gefunden, bei Labersricht, bei Schnaittach. Sie schienen zu den Bestattungen 
nicht unmittelbar in Beziehung zu stehen, aber die Nachweise von anderwärts 
geben Anlaß sie als Mundvorrat zu betrachten. Daß man es verstand die Früchte 
zu entbittern, ebenso wie aus Kraut durch Säuren oder Gären einen Dauer- 
proviant zu gewinnen, hat Hahn glaubhaft gemacht.i Das eifrige Sammeln von 
Beerenfrüchten und Pilzen ist auch ohne bestimmten Nachweis anzunehmen. 

Äpfel und Birnen, in Europa wildwachsend, wurden schon zur Steinzeit, 
mehrere tausend Jahre früher, von den Schweizer Pfahlbauern kultiviert und 
waren sicher auch bei unseren Hallstattbauern eingeführt. Die in Kleinasien 
wildeinheimischen Zwetschgen und Süßkirschen kannte man schon zur Bronze- 
zeit in Europa, sie haben also wahrscheinlich im Jura auch nicht gefehlt. 

Bei allen Völkern leitet der Ackerbau die Menschen zur Frömmigkeit an. Das 
Ernteerträgnis ist ungewiß und von der Gunst des Himmels abhängig; damals 
wird es wohl nur selten so groß gewesen sein, daß Vorräte zurückgelegt werden 
konnten. Der schon von langer Vorzeit eingebürgerte Handel und Verkehr — 
er wird wie zur Römerzeit und in der Gegenwart noch auf dem Balkan mit 
Saumtieren und Packpferdekarawanen betrieben worden sein — konnte einer 
Hungersnot nicht steuern, denn bei größeren Strecken verschlingt der unzuläng- 
liche Transport mehr Lebensmittel unterwegs als er befördert. Da lehrt die Not 
beten. Wie alle Indogermanen waren die Hallstattleute eifrige Verehrer der Sonne, 
der im II. Teil ausführlich zu schildernde Totenkult wird dies dartun. Hier 
möge nur angedeutet sein, daß beim Ackerbau allerorten unzählige Riten und 
Gebräuche für nötig erachtet werden, welche Fruchtbarkeit herbeiführen, Sonnen- 
schein und Regen zur rechten Zeit bewirken, Mißwachs und Ungeziefer fern- 
haltensollen. Mannhardt'szweibändigesWerk über Wald- und Feldkulte belehrt 
uns, wie viel von solchen uralten Gebräuchen bis auf die Neuzeit gekommen 
ist und wenn wir davon auch nichts als für die Hallstattzeit bezeichnend aus- 
scheiden können, so darf doch, wenn vom vorgeschichtlichen Ackerbau die 

' Ed. Hahn, Von der Hacke zum Pflug. 



172 

Rede ist, der Hinweis darauf nicht unterlassen werden. Als ein sehr frommes 
Volk werden wir im Weiteren unsere Hallstattbauern kennen lernen, es kann 
auch in dem, was wir jetzt Aberglauben nennen, keine Ausnahme gemacht 
haben; wir wissen aber sattsam aus der Ethnologie, daß Ackerbau und Vieh- 
zucht um so mehr von Magie und Zauber begleitet sind, je primitiver sie be- 
trieben werden. Die profane Alltags- und die religiöse Betätigung haben sicher 
auch hier eine vollkommene Einheit gebildet. 

Sonst vermögen wir über die religiösen Verhältnisse wenig auszusagen. Die 
Gegend um die Zant bei Neukirchen war der reichen Ausstattung ihrer Toten 
nach zu schließen offenbar begünstigter als andere Örtlichkeiten unserer Heimat, 
von der in dieser Hinsicht unbekannten Fränkischen Schweiz vielleicht ab- 
gesehen. Es scheint aber, als wenn an der Zant auch ein religiöser Mittelpunkt 
bestanden hätte. Die Leiche in dem reich ausgestatteten Frauengrab im Becker- 
hölzl bei Gaisheim trug auf der Brust den Hängeschmuck Tafel LVl 1, dem 
religiöse Symbolik beigelegt werden kann. Ein ganz ähnliches Schmuckstück 
ist im Grabfeld von Hallstatt selbst gefunden worden, gleichfalls auf der Brust 
einer reich geschmückten Frau.' 

Nicht weniger prunkvoll war das Skelett in Hügel VIII der Beckersloh aus- 
gestattet, mit dem Pferdchen als auffallender Beigabe. Der Schmuck, nament- 
lich der Gürtel, läßt auf eine Frau schließen: „Bronzegürtelbleche," sagt Naue,* 
„die auf Ledergürtel befestigt waren und vorn am Leib getragen wurden, sind 
sowohl in dieser als in der darauffolgenden Periode in Gebrauch und scheinen 
nur von Frauen benutzt worden zu sein." Nach dem Bericht des damaligen 
Ausgräbers lag an der rechten Seite des Skelettes ein drei Fuß langes ein- 
schneidiges Schwert. An diesem Bericht ist unter allen Umständen etwas falsch; 
einschneidige Schwerter von dieser Länge gab es in der H^-Stufe nicht; also 
entweder war das Schwert einschneidig, dann muß es viel kürzer, ein Messer, 
gewesen sein; oder es war wirklich 3 Fuß lang, dann war es zweischneidig. 
Der Hügel enthielt, wie weiter unten ausgeführt wird, auch eine Brandleiche 
und eine Nachbestattung; obwohl der Bericht des Ausgräbers sehr bestimmt 
lautet, ist es bei den früheren Hügelöffnungsmethoden doch nicht ganz aus- 
geschlossen, daß eine irrtümliche Beobachtung vorliegt. 

Bei den Nordlandvölkern wie bei den Griechen galten Frauen als Seherinnen. 
Heilkundige waren als zauberkräftig betrachtet, denn im Altertum hielt man 
nicht das Heilmittel, sondern den damit verknüpften Zauber für heilwirkend, 
und solche Frauen nahmen eine besondere, sicherlich angesehene Stellung ein, 
obwohl im indogermanischen Familienrecht der Frau nur eine untergeordnete 
Stellung zukam; bei anderen, den niedriger stehenden Naturvölkern sind Funk- 
tionen dieser Art überwiegend Sache der Männer. 

Der außergewöhnlich reiche Schmuck und die religiösen Symbole könnten 
die erwähnten Frauen vielleicht als „Zauberfrauen" beglaubigt erscheinen lassen. 

' Hoernes, La necropole de Hallstatt, Congrcs Monaco II S. 88 Fig. 89. 
' Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee S. 73. 



173 

Messer finden sich öfter in Frauengräbern, ja, die im Altertum berühmten 
thessaiischen Hexen, von denen die Sage ging, daß sie sich vermaßen, den 
Mond herabzuziehen, führten, wie Naue vermutet,' wirklich auch das Schwert. 
Unsere Abb. bildet eine klassische Illustration zu Goethes Anaxagoras, der 
an den Mond gewendet ausruft: „So war es wahr, daß dich thessalische Frauen, 
in frevelnd magischem Vertrauen, von deinem Pfad herabgesungen. Verderb- 
lichstes dir abgerungen?" 




Mondbeschwörung thessalischer Hexen 
Griech. Vasenbild 

Dem sei, wie ihm wolle, so viel dürfen wir unseren Gräbern entnehmen, daß 
es Halistattfrauen gab, welche durch ihre religiös-symbolischen Beigaben als 
sehr fromme Personen gekennzeichnet sind, und da wird man nicht allzuweit 
fehlgehen, wenn man sie als Seherinnen oder Zauberfrauen — Ärztinnen — 
betrachtet. 

Die Kleidung wird auch damals schon nach Volkstrachten wie heute ver- 
schieden gewesen sein. Einige^ ist darüber bekannt von kindlich-naiv ein- 
geritzten Zeichnungen auf Tongefäßen von Oedenburg. Sie zeigen Männer mit 
anscheinend enganliegenden Hosen. Da sie demselben Volk und dergleichen Zeit 
angehörten, nimmt man an, daß es auch hierorts so gewesen sein wird. Bei den 
Germanen im Norden waren Hosen um diese Zeit nicht üblich; wenigstens hält 
Montelius dafür, daß sie dort nicht vor dem 3. Jahrhundert n. Chr. auftraten. 

Frauen mit „fußfreien" Röcken sind — wenn wir die geometrischen Zeich- 
nungen auf einigenunserer Gefäße ausdemBeckerhölzl bei Gaisheim,s.Taf.XLVIII 3 

' Eine Art Hirschfänger von etwa 80 cm Länge bildet Naue, die vorröm. Schwerter Tafel 38/5 
ab und bespricht es S. 89 als seltenes Vorkommnis in einem Grabhügel zwischen Traubing und 
Machtlfing, Oberbayern, .der bei dem Schwerte die verbrannten Knochen des Mannes in einem 
Ossuarium und neben demselben die mit ihren Schmuckgegenständen bestattete Leiche der 
Frau enthielt. Hier wollen wir doch noch jene großen, wuchtigen, eisernen und stark geschwun- 
genen Hiebmesser anreihen, die freilich nicht als Schwerter aufzufassen sind, da sie mit Hais- 
und Armringen, mit Vogelkopf- und Frühlatene-Fibeln gefunden worden sind und werden also 
zum Grabinventar der Frauen gehören. Möglicherweise sind derartige Hiebmesser 
von den Priesterinnen als Opfermesser gebraucht worden." Das Schwert aus der 
Beckersloh ist leider nicht erhalten. 



174 

richtig deuten — auch aus unserer Gegend in schematischer Darstellung über- 
liefert. Ein anderes Grab desselben Friedhofs, welches Zollinspektor Knarr- 
Sulzbach geöffnet hat, zeigte Figuren mit etwas anderer Gewandung: 
Die Scherben, bezw. Gefäße mit letzteren befinden sich in der Staats- 
sammlung in München. 

Die WoIIerträgnisse der Schafzucht, des Flachs- und Leinbaues lieferten das 
Material zur Kleidung, und da sich auf den erwähnten Oedenburger Vasen auch 
die Darstellung eines Webstuhls findet, sogar in den Schweizer Pfahlbauten schon 
zur Steinzeit jede Hütte einen Webstuhl besaß,- dürfen wir sicher sein, daß 
Webstühle auch hier zu Lande gebaut wurden und die fleißigen Frauen mit 
dem Weben dauerhafter Stoffe vertraut waren. Zahlreiche Funde von Tonwirteln 
beweisen, daß sie eifrig dem Spinnen der Wolle oblagen, deren Fäden das 
Material zur Kleidung abgaben. 

Deutliche Reste eines Gewebes von Leinwand als Bedeckung einer Leiche 
in Grab II der Sandleite bei Gaisheim will Dr. Huber-Sulzbach bei der Aus- 
grabung beobachtet haben. ^ Dergleichen festzustellen ist aber sehr schwierig, 
bei der geringsten Berührung und schon bei Luftzutritt zerfällt es, wenn nicht 
zufällig Vertorfung im Boden, manchmal auch Verkohlung den Stoff kennbar 
erhalten hat. Vielleicht war die Beobachtung richtig; die Nekropole in der 
Sandleite hat besser und mehr als irgendeine andere organische Reste bewahrt, 
aber der für Prähistorie begeisterte Forscher hat leider die Anwendung irgend- 
welcher Hilfsmittel unterlassen, um einen so einzigartigen Fund wenigstens 
teilweise zu bergen, und so ist er für die Wissenschaft verloren. 

Einige Stoffreste hat der Hügel 7513 bei Behringersdorf ergeben. Die sehr 
sorgfältige Untersuchung stellte fest, daß das Gewebe zweifellos aus tierischer 
Faser, wahrscheinlich brauner oder schwarzer Schafwolle besteht. Es ist Köper- 
gewebe; „die Anordnung des Fadenlaufes ist so, daß der Faden des Ein- 
schlages gewöhnlich zwei Kettenfäden übersf)ringt, ehe e' den nächsten über- 
brückt."* „Die Reste sind zweifellos ein kleiner Bruchteil eines größeren Klei- 
dungsstückes gewesen, das an einer Lederschlinge [von der sich ebenfalls Reste 
fanden] angeknotet war, welche wieder zur Befestigung eines schön geformten 
Bronzereifes gedient hat. Der Reif ist nach der Manier des Anschlusses an 
Leder und Gewebeteile möglicherweise freihängend an irgendeiner Stelle des 
Körpers getragen worden. Sehr wahrscheinlich ist es, daß er als Gewandhalter 
und zwar in der Weise benutzt ward, daß ein überfallendes Ende der Gewan- 
dung durch den Ring gezogen und geschlungen wurde. ... In dem Behrings- 
dorfer Funde ist der sichere Nachweis begründet, daß in der Prähistorie unseres 

' Mitgeteilt u. nach dem Gedächtnis gezeichnet von Friedr. Knarr. 

- Messikomer, Die Ptalilbauten von Robenhausen S. 73. 

' .Die Leiclie war offenbar mit einem Gewebe aus Leinwand bedeckt, da sich noch sehr 
deutliche Reste desselben nachweisen ließen. Geschmückt war dieses Leinenkleid mit kleinen 
Bronzebuckeln, wie sie auf der Sandleite vielfach zum Vorschein kamen.' 

' Dr. V. Forster, Ein Grabhügel bei Behringersdorf im Pegnitztal; Abhandl. d. Nat. Ges. 
VIII. Bd. 1891 S. 108 u. 111. 



175 

engeren Frankenlandes in der Zeit der Hallstattkuitur die Textilindustrie schon 
höher entwickelt war und die Kunst der Weberei es verstand, das ihr zu Ge- 
bot stehende Material der tierischen Faser mit ausgesprochen guter technischer 
Begabung zu Gespinsten zu verarbeiten." 

Ein Gewebe gleicher Art weisen Teile einer Schwertscheide auf, die an dem 
Eisenschwert 7373 von Gersricht bei Sulzbach i.d.O. erhalten sind, s. die Abb. 
TafelXLVlI12. Alles Eisen ist in Eisenhydroxyd umgewandelt, und diese Umwand- 
lung hat sich auch auf das Gewebe erstreckt, welches dadurch vor dem völligen 
Untergang bewahrt wurde. Von sechs Eisenschwertern, welche Naue in den 
Hügelgräbern zwischen Ammer- und Staffelsee ausgegraben hat, war bei dreien 
gleicherweise die Scheide mit Stoff umwickelt. 

Aus so geringfügigen und unscheinbaren Einzelgliedern setzt sich die Kunde 
unseres Wissens von der Vorzeit zusammen, und es muß einleuchten, daß die 
allergrößte Sorgfalt bei Ausgrabungen gerade gut genug ist, wenn unsere 
Kenntnis sich mehren soll. 

Kleidung und Ausrüstung eines Kriegers der Hallstattzeit zeigt die Modell- 
figur des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, bei der sorgfältig alle den 
Fundtatsachen zu entnehmenden Kenntnisse verwertet sind. Das Haupt ist be- 
deckt von einer wollenen Mütze, Tafel XLVIII Fig. 1. 

Leder ist nicht weniger vergänglich, als es Gewebe sind; doch besteht aller 
Grund zu der Annahme, daß die Vorzeit in Lederarbeiten sehr Anerkennens- 
wertes geleistet hat. Den Untersuchungen Ölshausens' ist zu entnehmen, daß 
verschiedene Methoden des Gerbens bekannt waren: Sämisch- oder Ölgerberei, 
welche die Felle mit Fett in einen Dauerzustand überführt; und Alaun- oder 
Weißgerberei, wobei Alaun und Kochsalz zur Anwendung kommen. 

In Gräbern findet sich Leder selten erhalten. Der erwähnte Behringers- 
dorfer Hügel hat eine Kleinigkeit geliefert, die Beckersloh hat Fragmente 
von Lederriemen und eine Gürtelunterlage ergeben, aber dieses wenige 
wird weitaus übertroffen durch das, was die Nekropole in der Sandleite be- 
schert hat. 

Hier, in dem des reichen Inhalts wegen sogenannten Fürstengrab fand sich 
prunkvoller Lederschmuck; z.B. mehrere handbreite Gurten, reich verziert mit 
Bronzeknöpfen, die zu Wolfszahnornamenten gegenständig gruppiert sind, ent- 
weder Teile eines Pferdegeschirres oder eines Prunkwagens, Taf. LIX 3. Merk- 
würdig ist unter anderem, daß sich papierdünne Lederlappen, Reste eines Leder- 
polsters, vielleicht eines Kopfkissens, haben erhalten können. Es war an den 
Rändern vernäht und inwendig vermutlich mit Heu oder Wolle ausgestopft. 
Ein ähnliches „Haarkissen" ist in Forrers Lexikon S.314 aus den spätgriechisch- 
ägyptischen Funden von Achmim abgebildet; dort gehört es dem 6. Jahr- 
hundert n. Chr. an. Dann ist ein glatter Bronzering vorhanden, der von zwei 

' Ztschr. f. Ethnol. 16 1884 S.518; 18 1886 S. 240. 



176 

Seiten her von Riemen gefaßt ist, die kunstvoll in Zöpfe geflochten sind 
Taf. LVI 2. 

Die Lederarbeiten machen die Annahme gewerbsmäßiger Herstellung un- 
abweisbar, was den Rückschluß auf berufüch ausgebildete Sattler zur Folge 
hat. Das klingt wenig glaubhaft; aber noch schwerer hält es zu glauben, daß 
all dies am eignen Herd und innerhalb der Familie hergestellt sein soll. Griechen 
und Römer besaßen zu jener Zeit schon seit langem Riemer und Schuh- 
macher. Die Hallstattleute waren ihrer Hinterlassenschaft zufolge in dieser Be- 
ziehung nicht rückständiger. 

Holz ist gleichfalls ein allzu vergängliches Material, als daß wir mehr als 
nur vermutungsweise von einer ausgiebigen Verwendung in der Vorzeit sprechen 
dürfen. Wiederum ist es die Sandleite und das „Fürstengrab", welche uns in 
den Besitz von Proben gesetzt haben. Es ist freilich so sehr mit Tonerde 
durchsetzt, daß eine Feststellung der Holzart nicht möglich war. Erhalten sind 
Gestänge, v. Forster schreibt sie Pferdekummeten zu;' ich halte sie für Teile 
des Wagens, mit dem vermutlich der Tote, der auch die Ausrüstung für zwei 
Pferde bei sich hatte, in den Hügel ging. Die Holzstangen sind gleichfalls 
dicht mit Bronzenägeln besetzt, welche das Wolfszahnornament aufweisen. 

Überaus selten sind Holzgefäße unter den Grabbeigaben vertreten; wir 
dürfen aber annehmen, daß sie im Hausgebrauch häufig und bei der Gewohn- 
heit des früheren Menschen nicht über Feuer, sondern mit glühendheiß ge- 
machten Steinen zu kochen den schlechtgebrannten Tongefäßen gegenüber 
auch praktischer waren. Bei uns kam noch keines zum Vorschein. Naue fand 
einmal eine elegante, 5 ',2 cm hohe Schale mit 12,4 cm oberen Randdurchmesser. 
Die Herstellung zeugt von großer Geschicklichkeit und ist um so merkwür- 
diger, da sie die Drehbank zur Voraussetzung hat,^ was ebenfalls auf gewerbs- 
mäßige Tätigkeit schließen läßt. „Tüchtige Meister des Drechseins versicherten 
wiederholt, daß es ihnen nicht möglich wäre, derartig scharf gezogene Rippen 
herzustellen. Der findige Arbeiter leistete überdies noch ein richtiges Drechsler- 
kunststück, indem er den zweifach gerippten größeren Reif des Mittelfußes, 
den dritten auf unserer Zeichnung, als beweglichen Ring vom Holze loslöste, 
was bei der außerordentlichen Dünne desselben viele Geschicklichkeit und lange 
Übung voraussetzt" (Abbildung Tafel LVII 2). Die Holzschale lag bei der Auf- 
findung in einem Bronzeeimer (Situla) und dieser in einem Binsenkorb. 

Naue erwähnt noch eine ähnliche Holzschale aus dem Elsaß und Kossinna 
macht auf germanische Holzschalen aufmerksam, die der Bronzezeit angehören, 
also viel älter sind.^ Gleichfalls aus der nordischen Bronzezeit gibt Montelius 
Abbildungen einer gedrechselten, mit Zinnstiften verzierten Holzschale und einer 
runden Spanschachtel mit Deckel aus Dänemark.^ 

' Festschrift 1913, bez. Abhdlgn. d. Naturh. Ges. XX. Bd. S. 117. 
'' Naue S. 143. 

•^ Kossinna, Der germ. Goldreiclitum zur Bronzezeit S. 45, 46. 
* Montelius, Kulturgescli. Schwedens S.88. 



177 

Wo die Birke zu Hause ist, die nur in nordischen Klimaten gedeiht, werden 
und wurden überall unzählige Gegenstände aus ihrer Rinde gefertigt. Wir dürfen 
um so mehr voraussetzen, daß sie auch im Haushalt der Hallstattleute ver- 
wendet wurde, als schon Jahrtausende vorherbei den Steinzeitbauern im Schussen- 
rieder Moor Biri<enrinde als Teppiche für den Fußboden sowohl, wie als Wand- 
tapete in viereckigen, mit Holzstiften angehefteten Tafeln zweifelsfrei festgestellt 
sind. Auch im Fürstengrab fand sich viele Birkenrinde, die Art ihrer Verwen- 
dung ist aber nicht mehr kennbar. In einem anderen Grab der Sandleite, Hügel II, 
fand ich bei einer mehrere Jahre nach der Ausgrabung vorgenommenen Nach- 
untersuchung den Boden des Grabes mit einer Holzdiele belegt, wahrschein- 
lich Föhrenholz. 

Unter den wenigen damals bekannten Metallen stand die Bronze in der all- 
gemeinen Wertschätzung noch immer obenan. Sie besteht bekanntlich aus einer 
Mischung von Kupfer und Zinn. Zur Bronzezeit häufig in der Zusammensetzung 
von 90 "/o des ersteren und 10 «/o des letzteren, was eine sehr harte Metall- 
komposition zur Folge hat, zeigt sie zur Hallstattzeit einen größeren Zinn- 
gehalt; beider fast ausschließlichen Verwendung zu Gegenständen des Schmuckes 
— Bronzewaffen sind nur ausnahmsweise noch gebräuchlich — fiel der Härte- 
grad weniger ins Gewicht. 

Eine Analyse, welche Dr. Neukam an der Untersuchungsstelle der bayerischen 
Landesgewerbeanstalt Nürnberg in dankenswertester Weise vorgenommen hat, 
ergab an einem der Geräte des Hügels VI, des sog. Fürstengrabes von Gais- 
heim (7366"): 

Cu 75,62 0/0 
Sn 21,44 o/u 
Pb 0,68 0,0 
Ni 0,38 o/o 
98,12 0/0 
Zink und Eisen waren nicht vorhanden. Auf oxydfreie Legierung umgerechnet 
zeigt sich folgende Zusammensetzung: Kupfer 77,08; Zinn 21,85; Blei 0,69; 
Nickel 0,38 o/o. Das ist ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz an Zinn, der sich 
auch in dem graugrünen Aussehen der Bronze ausspricht. 

Ihre Hauptverwendung fand in unserer, d. i. der dritten Hallstattstufe, die 
Bronze im Körperschmuck. Er bestand zumeist aus Ringen verschiedenster 
Art: große, ornamentierte, häufig aus sieben Einzelringen bestehende, von 
Frauen getragene sog. „Halsbergen", s. Tafel XLIX 5; Armreife, teils massiv 
und breit, einzeln oder paarweise an jedem Arm, teils schwächere aus Draht 
gebogene, von denen oft zehn und mehr am Arm der Skelette hängen. Fuß- 
ringe über die Knöchel und unterhalb der Waden, bei der „Priesterin" vom 
Beckerhölzl bei Gaisheim z.B. ihrer zwölf an jedem Bein, was wiederum darauf 
schließen läßt, daß Frauen kurze Röcke trugen. Gürtel sind häufige Beigaben 
in Frauengräbern, kommen aber gelegentlich auch in Männergräbern vor;i sie 

' Schumacher, Siedlungs-uKulturgesch.d. Rheinlande IS. 113; V. Sacken, Gräberfeld von Hallstatt. 



178 

sind aus ganz dünn gehämmertem Bronzeblecli, oft ornamentiert und mit Leder 
oder Stoff unterlegt. 

Federnde Ohrringe verschiedenster Größe, oft noch mit Bommeln in der 
Form kleinster Rollen behängt (Abb. Seite 187 Figur 24). Nadeln mannigfacher 
Art dienen als Kleiderhaften. Toilettegegenstände, die der Körperpflege 
gedient haben, fallen in Männergräbern auf; gewöhnlich hängen drei Stücke 
an einem Ring (Abb. Seite 187 Figur 14 — 16) oder stecken in einem zierlich aus 
Bronzedraht gerollten Büchschen: ein Ohrlöffcl, ein Fingernagelputzer und eine 
Pinzette zum Ausziehen der Bart- und Schnurrbarthaare, i Die Männer hul- 
digten demnach der amerikanischen Mode des glatten Gesichts. 

Als chronologische Leitformen von Wichtigkeit sind die Kleiderhaften, Sicher- 
heitsnadeln mit federndem Bügel, die sog. Fibeln (Abb. Seite 190 Figur 5— 8). In 
der ausgehenden Bronzezeit sehr selten, häuft sich ihr Gebrauch in der Hallstatt- 
zeit und setzt sich auch in den späteren vorgeschichtlichen Zeiten und bis auf 
unsere Tage fort, stets in neuen Formen auftretend, darum auch zur Zeit- 
bestimmung in hohem Maße geeignet. Besonders schöne Formen, groß, reich, 
Meisterwerke der Kunst und der Technik entwickelten die Jahrhunderte der 
Völkerwanderungszeit. Diejenigen unserer Hallstattzeit bewegen sich dagegen 
meist in recht einfachen Formen. 

Von Gebrauchsgegenständen aus Bronze kommen insbesondere noch Kessel, 
die häufig auch vom italischen Süden her eingeführt wurden (Abb. Tafel LVI 1, 2 
und tassenartige Becher in Betracht, von denen im zweiten Teil noch zu reden 
sein wird. 

Eine bedeutende Rolle im Haushalt muß die Töpferei gespielt haben. Kein 
Zweifel besteht darüber, daß sie lokale Frauenarbeit war; mitunter lassen Finger- 
eindrücke im Ton die trotz der groben Arbeit zierliche Frauenhand erkennen, 
die ja allenthalben in der Welt der Primitiven dies Handwerk meistert. Grobes 
Gebrauchsgeschirr weisen die Siedlungsstellen, die Wohnreste auf. Das un- 
genügende, schwache Brennen in offenem Feuer läßt es zu den Zwecken, 
die heute dem Tongeschirr zugemutet werden, wenig geeignet erscheinen; im 
Wasser löst sich mit der Zeit der Ton auf und es sinkt in sich zusammen. 

Kochen in oder über direktem Feuer war wohl überhaupt nicht gebräuch- 
lich. Noch bis ins Mittelalter und manchenorts noch jetzt werden Steine im 
Feuer glühend gemacht, die in Holzgefäßen, ja selbst in Ledersäcken Speisen 
und Flüssigkeiten rasch zum Sieden und Kochen bringen. 

Das Hauptcharakteristikum der Hallstattzeit ist die erstmalige Kenntnis der 
Eisenverarbeitung. Bis dahin unbekannt kam sie möglicherweise aus Afrika 
nach Europa; man hat das vermutet, weil bei den Negervölkern die Kunst des 
Eisenschmiedens uralt ist. Neuere Untersuchungen lassen annehmen, daß die 
Kunde auf zwei Wegen nach Europa gelangte: auf dem Seeweg nach Italien 
und andrerseits über Gibraltar nach Spanien. ^ 

' Festschrift 1913 Tafel 29 Nr. 92. — '' Klusemann, Die Entwicl<lung d. Eisengewinnung in 
Afrika u. Europa; Mitteilungen d. Anthr. Ges. Wien 54. Bd. 1924 S. 140. 



179 

Für das Hallstattgebiet war Noricum, das heutige Oberösterreich und Ober- 
steier, ein Zentrum der Gewinnung von Eisen, das dort im Tagbau abgebaut 
werden kann. Sonst und besonders bei uns wurden Raseneisen- und tertiäre 
Bohnerze verhüttet; mitunter fördert der Zufall solche sog. Eisenluppen, Roh- 
eisen von vorzüglicher Beschaffenheit an den Tag. Eisenschlacken sind durch- 
weg häufig im Gebiet, und mitunter ist es möglich, sie als halistättisch zu 
bestimmen. Auch Eisenschmelzgruben sind bekannt, z.B. vomArzberg bei Hers- 
bruck; doch ist die chronologische Fixierung schwierig und noch nicht versucht. 

In der älteren Hailstattzeit wurde nur ein geringfügiger Gebrauch von Eisen 
gemacht; im Lauf der Jahrhunderte bürgerte es sich dann mehr und mehr ein. 
In den Gräbern überwiegen unter den Metallgegenständen die Bronzegeräte, und 
das ist nicht verwunderlich, denn Bronze war und blieb noch lange das Metall 
des Schmuckes. Man verwendete Eisen zwar anfänglich, als es noch etwas 
Rares war, auch zum Schmuck; es fand aber schon bald seine wahre Ein- 
schätzung als Werkmetall, welche ihm bis zur Gegenwart in immer steigendem 
Maße zuteil geworden ist. 

Eiserne Arbeitsgeräte aus der ersten Eisenzeit sind bei uns noch nicht zum 
Vorschein gekommen, obwohl es solche, z. B. Sicheln, gegeben hat; sie ge- 
hörten wahrscheinlich zum Haus und bildeten kein persönliches Eigentum, 
denn dem Toten folgten sie nicht ins Grab. Anderes, wie Pflugschare z. B., 
waren sicherlich noch lange von Holz, sind sie ja selbst jetzt noch nicht aller- 
orten völlig vom Eisen verdrängt. 

Andere Metalle haben nur spärlich Anwendung gefunden. BeiDeiningi.d.Opf. 
wurden einige Toilettezängchen aus Blei angetroffen. 

Goldschmuck und -gerate sind meines Wissens in unserem Gebiet noch 
nicht gefunden worden und überhaupt um diese Zeit selten in Hallstattländern. 
Der unverwüstliche Glaube unserer, und wie es scheint der Landleute aller- 
orten, wähnt trotzdem in jedem Hügel den „goldenen Sarg" des Hunnen- 
königs verborgen, und ich gebe den Gedanken auf, daß sie den Prähistoriker 
jemals für etwas anderes als für einen „Schatzgräber" halten werden. Grabungen 
erschwert vielfach die Furcht des Eigentümers, daß ihm der Schatz entrissen 
werden soll; erst wenn man ihm alles aufzufindende Gold und Silber zusichert, 
wird er weich und zugänglich, arbeitet aber vorsichtshalber mit als erster, der 
kommt, und letzter, der geht. Wenn man die Landleute häufiger zum Besuch 
der Sammlungen bewegen könnte, würden sie sich überzeugen, daß ihnen auch 
„verstohlenerweise" nichts entzogen wird; die Funde haben ja wirklich nur 
wissenschaftlichen und heimatkundlichen Wert, diesen aber auch nur in einem 
größeren Museum. 

Wie aus den Ausführungen hervorgeht, verdanken wir das Wissen von der 
Vorzeit zum weitaus größten Teil den Gräbern und dem Glauben, daß das 
persönliche Eigentum des Toten ihm auch der Tod nicht entreißen kann: er 
braucht es in der anderen Welt, und wollte man es ihm vorenthalten, dann 



180 

wären die Hinterbliebenen der Rachsucht seines Geisterwesens ausgeliefert. Die 
Gräber und die zu Nekropolen, zu Totenstädten vereinigten Hügel, die in der 
Bronzezeit sogar wie Siedlungen mitunter dorfartig angelegt waren, sind des- 
halb für die Prähistorie von ausschlaggebender Wichtigkeit, sie unterrichten 
nicht nur über die materielle Kultur, sondern gewähren auch einigen Einblick 
in die Geistesverfassung und selbst in soziale Verhältnisse. 

Die Menschen jener Zeit wendeten dem Hügelaufbau immer große Sorgfalt 
und Mühe zu; da ist er manchmal etwas solider, dort etwas nachlässiger aus- 
gefallen, aber daran tragen zeitliche und lokale Ereignisse, persönliche Regsam- 
keit oder Nachlässigkeit einer Sippe die Schuld. Verschieden ist aber auch die 
Ausstattung; es gibt Hügel mit reichem Inhalt, und daneben solche von Leuten, 
die uns arm wie Kirchenmäuse zu sein scheinen. Für unsere Beurteilung sind 
eben zumeist die Metallbeigaben ausschlaggebend; was sie an vergänglichen 
Stoffen enthalten haben mögen, Gewänder, Pelze, Holzgeräte, und in Rücksicht 
gezogen würde, wenn es erhalten wäre, ist desselben Weges gegangen wie das, 
was am Leib des Besitzers vergänglich war. 

Aus der Ungleichheit der Grabausstattung ergibt sich eine Ungleichheit des 
Besitzes und darum ist manchmal von einer damals schon der heutigen gleichen 
Schichtung von Besitzenden und Besitzlosen, von Reichen und Proletariern, 
gesprochen worden. Ein solcher Vergleich ist aber unstatthaft; die damaligen 
sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse beruhten ausschließlich auf verwandt- 
schaftsrechtlichen Organisationen. Das ist von den Hallstattleuten nicht aus- 
drücklich überliefert, braucht es auch nicht zu sein, denn es ergibt sich aus 
der allen Indogermanen gemeinsamen Familienform. Es bestand das Prinzip 
der Verwandtschaft im Mannesstamm, und zwar in der Form der Großfamilie.' 
Im gemeinsamen Haushalt hatte der Vater oder sonst Älteste für alle An- 
gehörigen zu sorgen; die Söhne scheiden bei der Verheiratung nicht aus, son- 
dern bleiben in der Gemeinschaft. Einheiratende Frauen aber wurden Eigentum 
des Mannes, weder sie selbst noch ihre Sippe waren ihm verwandtschaftlich 
verbunden, sie galten höchstens als befreundet. „Daher gibt es im Indoger- 
manischen noch keine Bezeichnung für ,Witwer', so wenig es für den Mann, 
dem eine Kuh stirbt, einen eigenen Namen gibt." 2 Der reiche Schmuck mancher 
Frauenleichen läßt annehmen, daß diese rechtliche Zurücksetzung im häuslichen 
Leben sich kaum bemerkbar machte, um so mehr als die Wahrscheinlichkeit 
besteht, daß Frauen auch als Priesterinnen in Ansehen standen. 

In der Großfamilie oder Hausgemeinschaft gehört die ganze Habe der Ge- 
samtheit der männlichen Mitglieder, auch Grund und Boden, wenn ein Eigen- 
tumsbegriff schon daran geknüpft ist. Das Vieh, die Wirtschaftsgeräte, der Wirt- 
schaftsertrag, kurz alle Habe ist Gesamteigentum. Der Hausvorstand verwaltet es 
und alle anderen haben daran teil. „Wirkliches Privateigentum werden in der 
Urzeit daher nur Dinge wie für den Mann die Kleider oder Waffen, für die Frauen 

' Schopen, Die Familie im Verfassungsleben der indogerm. Centumvöliier. 

= Schrader, Reallex. d. indogerman. Altertumsl<unde unter .Familie" u. .Eigentum'. 



181 

die Kleider und der Schmuck gewesen sein, ein Besitz, der in der Urzeit über- 
haupt nicht vererbt, sondern nach uraltem Brauch dem Toten ins Grab mit- 
gegeben wurde. Aus diesem mit den Toten begrabenen oder verbrannten 
Fahrnis ist das hervorgegangen, was in den germanischen Rechten als Toten- 
teil bezeichnet wird und in christlichen Zeiten sich zu dem der Kirche ge- 
bührenden Seelgerät oder Seelschatz umgestaltete." 

Unter solchen Verhältnissen äußern sich auch die uns so natürlich erscheinen- 
den persönlichen Gegensätze Arme und Reiche in anderer Weise. Die soziale 
und wirtschaftliche Gleichheit läßt innerhalb einer Familie keine arme oder 
reiche Einzelperson zu. Aber verschieden begüterte Sippen und Familien hat 
es gegeben, mag daran nun die Beschäftigung, Viehzucht, Jagd, Ackerbau auf 
gutem oder schlechtem Boden, kriegerische Betätigung durch Raubzüge, hie 
und da vielleicht auch handwerksmäßige Hausindustrie die Ursache gewesen 
sein. So kommt es, daß die Nekropole in der Beckersloh eine Totenstadt vor- 
wiegend reicher, die nur zwei Kilometer entfernte im Weidenschlag diejenige 
armer Sippen ist. 

Doch auch innerhalb einer Nekropole gibt es neben den reichen Gräbern 
solche mit wenig oder fast keinem Inhalt; man kann vermuten, daß Unfreie, 
Hörige, Knechte darin bestattet sind. Es könnte aber auch sein, daß ein räube- 
rischer Überfall von heute auf morgen eine reiche Sippe arm gemacht hat; 
solche Fälle müssen sich unzählige Male ereignet haben und die in den Gräbern 
ruhen, würden vieles davon zu erzählen wissen. Dafür zeugen auch die Schutz- 
vorkehrungen durch Wälle und Wehranlagen, die mehr als alles andere die Un- 
rast der Zeiten widerspiegeln. Es kann der Beste nicht in Frieden wohnen, 
wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. War doch selbst in den vor- 
geschritteneren südlichen Ländern in jenen Zeiten nicht einmal der Höchst- 
gestellte vor dem Schicksal sicher, eines Tages von einem Mächtigeren wenn 
nicht getötet, so doch als Sklave verkauft zu werden. 

Über die Körperbeschaffenheit ist wenig genug zu sagen. Den Berichten 
nach sollen sich zuweilen unversehrte Skelette und Schädel in Gräbern ge- 
funden haben. Der seinen Acker säubernde, an nichts Böses denkende Land- 
mann entfernt die Steine und plötzlich taucht wie aus dem Boden wachsend 
vor dem Ahnungslosen eine Leiche auf! Da ist es fast die Regel, daß im ersten 
Schrecken der Schädel kurz und klein geschlagen wird. Nach eigenen Beob- 
achtungen bei Grabungen müssen aber wohlerhaltene Skelette und Schädel 
recht sehr selten sein. Unsere Sammlung besitzt nur einen tadellosen Schädel 
oline Unterkiefer. Er kam aus einer Höhle zu uns und lag zusammen mit 
Urnenscherben der dritten Hallstattstufe, der er wahrscheinlich angehört; immer- 
hin ist die Sicherheit nicht absolut. Er ist mit einem Längenbreitenindex von 
68,8 typisch dolikokephai, also langköpfig, dabei schmalgesichtig. Bei einem 
anderen Schädel, Beckersloh Hügel V, ist Kurzköpfigkeit festgestellt worden, 
demnach Unterschiede in den Kopfformen wie heute. Beiläufige Messungen 
der Körperlängen lassen sich mitunter nehmen; sie weisen auf eine Durch- 



182 

schnittsgröße von 1,65 — 1,70 cm hin, annähernd den heutigen Ausmaßen ent- 
sprechend. Wir gehen gewiß in der Annahme nicht felil, daß die Hailslattleute 
ein wohlgebauter, kräftiger, eher großer als kleiner Menschenschlag waren. 
Nicht übermäßig viele Waffen haben sie hinterlassen; das würde sie im all- 
gemeinen als friedfertig ausweisen. Mächtige, lange, doppelschneidige Eisen- 
schwerter deuten aber immerhin an, daß sie mit den Waffen umzugehen wußten 
und wehrhaft waren. 

Die Hallstattzeit liegt rund 27 bis 24 Jahrhunderte hinter der Gegenwart. 
Ein langer Zeitraum; aber an der Tiefe und am Alter der Menschheit gemessen 
doch nicht sogroß, daß Änderungen in der Körperbeschaffenheit naturnotwendig 
bedingt sind. Nährweise und Tätigkeit, der stein- und kalkreiche Boden, das 
kalkhaltige Wasser, die klimatologische Eigenart der Landschaft taten sicher ein 
übriges, um den Menschenschlag der Hallstattbauern dem unseres Jurabauern 
anzugleichen und in manchen Beziehungen würden sich wohl auch äußerlich 
kulturelle Gleichungen zwischen beiden finden. Aber fremd und ohne Verständnis 
stehen wir dem Innenleben gegenüber, nicht nur deshalb, weil wir fast nichts 
davon wissen, sondern mehr noch deshalb, weil zwischen jenen und uns die Aus- 
wirkungen und das Auf und Ab vieler Kulturen liegen, deren jede während 
ihres Zeitalters dem Dasein anderen Inhalt gegeben und uns stufenweise dem 
Fühlen und Denken jener Frühzeitmenschen entrückt hat. 

Daher sind wir auch in der Deutung und in der Auslegung der auf uns ge- 
kommenen Hinterlassenschaft, die immerhin nicht klein und dabei mannigfaltig 
ist, bei aller Vorsicht und Zurückhaltung vor Trugschlüssen nicht sicher. Ein 
unmittelbares Einfühlen in die Psyche von Menschen einer so gänzlich anderen 
Weltanschauung bleibt uns versagt; wir können nur von einem unüberbrück- 
baren Abstand aus nach ihnen Rückschau halten. 

Was die Wissenschaft über vorgeschichtliche Zeiten zu sagen weiß, hat sie 
zumeist den Geheimnissen der Gräber abgelauscht. Einige allgemeine Worte 
über diese so wichtige Quelle dürften daher am Platze sein. 

Den Menschen der Gegenwart verfolgt das rastlose Hetzen und Jagen nicht 
nur während des Lebens, sondern noch über den Tod hinaus im Grab. Nach 
10- bis 15-jähriger „Umtriebszeit" hat, wer sich nicht verbrennen oder ins tiefe 
Meer versenken läßt, einem anderen Anwärter auf die „ewige Ruhe" Platz zu 
machen, denn wie beim irdischen Wohnungsamt ist auch beim himmlischen 
der Andrang groß. 

Die prähistorischen Menschen hatten Zeit im Leben und fanden Ruhe im 
Grab. Die Jahrtausende rauschen über sie hin, Völker kamen und gingen, sie 
aber ruhen ungestört im stillen Wald oder auf weiter Flur, am Berghang oder 
im Wiesengrund. 

Das Hallstattbegräbnis kündigt sich äußerlich an durch einen runden Hügel, 
an Höhe und Umfang immer verschieden. Häufig hat er an der Spitze eine 
Einsenkung, und das ist eines der Merkmale, um einen Grabhügel von einem 



183 

Erd- oder Steinhaufen annähernd zu unterscheiden. Die Einsenkung fehlt manch- 
mal, und wo sie vorhanden ist, kann sie verschiedene Ursachen haben: ein 
ehemaliger, längst verfaulter Holzeinbau, ein eingefallener Hohlraum ließ die 
Hügelkuppe sich einsetzen. Oder die Vertiefung gibt Kunde vom Angriff eines 
Neugierigen oder Schatzgierigen. 

Die Hügel pflegen aus großen Steinen und Erde sehr fest gebaut zu sein, 
jeder in der Regel etwas anders. Das Stein- und Erdmaterial ist fast niemals 
der Nähe entnommen; häufig läßt sich feststellen, daß es von weit her geholt 
ist. Unter normalen Verhältnissen ist daher in der Umgebung des Hügels keine 
Vertiefung anzutreffen, die das Material zu seinem Bau geliefert haben könnte. 
Ein leicht vertiefter Graben rund um den Hügel weist ihn als Kohlenmeiler aus. 

Die Hügelsohle liegt gewöhnlich etwas tiefer als die Bodenoberfläche ringsum, 
die sich durch natürliche Vorgänge — Humusbildung durch Laubvermoderung, 
Verschleifung der Ackerkrume beim Pflügen usw. — in den abgelaufenen paar 
tausend Jahren etwas erhöht hat. Größere geologische Vorgänge in der Boden- 
gestaltung, Geländehebungen, -Senkungen in diesen Zeiten, falls solche statt- 
gefunden haben, lassen sich nicht wahrnehmen, denn die Hügel verhaken sich 
zu ihrer Umgebung heute noch so wie zur Zeit ihrer Errichtung. 

Mitunter, wenn auch selten, ist der ganze Hügel in den Boden eingelassen 
und äußerlich durch nichts gekennzeichnet, die Frauenleiche in den Kotäckern 
bei Oberreinbach an der Zant z. B.;i solche Gräber werden nur durch irgend- 
einen Zufall entdeckt. Welche Beweggründe maßgebend waren, um einen Grab- 
hügel zu verstecken, entzieht sich unserer Kenntnis. 
Die Vorgänge bei der Bestattung sind etwa folgendermaßen zu denken: 2 
Ein ebener Platz, er kann auch an einer Berglehne liegen, wurde gesäubert 
und gereinigt mit Feuer: 1 bis 2 cm hoch und noch höher bedeckt unter Um- 
ständen die zurückgebliebene Kohle den Boden in einem Kreis von wenigen, 
aber auch bis zu 8 m Durchmesser und der Boden darunter ist gerötet von 
der Glut. Zweimal ereignete es sich im Laufe meiner Grabungen, daß beim 
Aufdecken ein ganz durchdringender Brandgeruch plötzlich frei wurde, der in 
Auge und Nase biß; dann entsinken Reithaue und Schaufel den Händen der 
Grabenden und von beinahe andächtigem Erstaunen überwältigt beschnuppern 
alle den zwei- bis dritthalbtausendjährigen Geruch! 

War der Platz solcherart gesäubert, dann konnte mit der Aufbahrung des 
oder der Toten begonnen werden. Manchmal, und. wenn es sich nur um einen 
Toten handelte, legte man ihn nicht hoch über die untere Kohlenschicht; man 
warf einen Erdsockel auf, unterließ aber nicht, auch diese Stelle nochmals mit 
Feuer zu reinigen, wobei manchmal auch irgendein kleines Tier als Opfer mit- 
verbrannt worden zu sein scheint, denn zuweilen finden sich kleine, weiß- 
gebrannte Knochen darin. Sind mehrere Leichen in einem Hügel untergebracht, 

' Festschrift 1913 S. 125. 

^ Etwas ausfütirlicher habe ich sie behandelt unter Igensdorf 7361 Heft 2 Bd. XXI d. Abhand- 
lungen d. Nat. Gesellsch. S.28. 



184 

dann liegen sie höher, bis zu einem Meter über der unteren Kohlenschicht 
neben einander und Brandflecken geringerer Ausdehnung zeigen an, daß beim 
Fortschreiten der Eindeckung die herbeigeschafften Erden und Steine immer 
wieder durch Feuer entgeistert wurden. Feuer vertreibt die bösen Geister und 
begleitet als unerläßlich alle Zeremonien in vorgeschichtlicher Zeit. 

Am Grund des Grabes, in der unteren großen Kohlenschicht, stehen rechter 
Hand vom Toten die großen Tonkessel für die Getränke nebst den dazu ge- 
hörigen Schöpf-, bezw. Trinktassen,' linker Hand oder an der Kopfseite die 
Teller und Schüsseln, vermutlich mit Speisen. Das ist die grob-wahrnehmbare 
Anordnung im Grab. Der Körperschmuck liegt beim Toten und gewöhnlich 
pflegen die ebenerdig Bestatteten und allein Liegenden reicher an Schmuck 
zu sein als die weiter oben Ruhenden. 

So verhält es sich mit den bestatteten Leichen; daneben war aber auch Ver- 
brennen üblich, und zwar errechnet sich nach einer von L. Wunder aufgestellten 
Statistik ein Prozentsatz von 67 "/o für Bestattungen und 33 '^/o an Brandleichen. 
Beide Arten werden für sich allein angetroffen; aber häufig sind in Hügeln 
mit einer größeren Anzahl von Bestattungen auch ein oder zwei Brandleichen 
in der unteren Kohlenschicht untergebracht. Zweimal fand sich auch der Scheiter- 
haufen im Hügel, in welchem der Tote verbrannt worden war (Beckersloh 
Hügel VIII, Igensdorf 7361, 2) was sonst nicht die Regel ist. Die weißgebrannten 
Knochenüberreste 3 sind entweder in einem kleinen Viereck aufgestreut, mit den 
Schmuckbeigaben belegt und von den Gefäßen umstellt, oder sie liegen in 
einer Urne, in oder neben der auch die metallischen Beigaben Platz ge- 
funden haben. 

Das sind die regelbildenden Vorkommnisse. Daneben gibt es aber andere, die 
schwieriger zu verstehen sind. Es kommen Leichen von anscheinend Verstüm- 
melten vor; da fehlt einmal der Kopf, dort die Beine oder Arme, ein anderer 
hatte zwei Köpfe (Henfenfeld) usw., Erscheinungen, die zu den abenteuerlich- 
sten Mutmaßungen Anlaß geben, aber teilweise durch die sogen, zweistufige 
Bestattung ihre Erklärung finden: der oder die Toten waren einstweilig irgendwo 
anders aufbewahrt oder begraben gewesen, ehe man Zeit und Gelegenheit fand, 
ihnen den großen Hügel zu wölben, und als es endlich geschah, konnte man 
nur noch das zusammenraffen, was nicht Staub geworden war. Den Beweis 

• Körte hat in Gordion in Phrygien Gräber geöffnet, darunter ein sehr großes, dessen Er- 
richtung sich auf die Wende des 8. u. 7. Jahrhunderts bestimmen ließ, also gleichalterig mit 
unseren Hallstattgräbern war. Griechischer Einfluß war nirgends nachweisbar; die Ausstattung 
des Toten mit vielen Gefäßen glich der unserer Gräber. 42 Gefäße wurden in einem großen 
Bronzekessel von 2,68 m Umfang gefunden, .und diese bilden, wie sich namentlich aus der 
Kombination von Nachrichten des Xenophon und Archilochos mit der eigentümlichen Bildung 
der Siebkännchen erweisen ließ, ein vollständiges Bierservice' (von Körte gesperrt). Auto- 
referat im 8. Bd. Arch. f. Religionswissensch. 1905 S. 153. 

» Abhandl. d. Nat. Ges. Bd. XXI Heft 2 S. 18. 

' „Die weißen Brandknochen ohne Färbung oder Beimengung von kohliger Masse sind An- 
zeichen, daß die Verbrennung unter ungehindertem Zutritt von Luft erfolgte, also auf einem 
offenen Scheiterhaufen oder in einem Ofen mit guter Luftzufuhr", Götze, Germ. Kistengräber,, 
Präh. Ztschr. IX 1917 S. 65. 



185 

hierfür erbrachte uns 1919 eine Grabung im Weidenschlag nahe der Beckers- 
loh, deren Resultate noch der Bearbeitung harren. 

Eine andere Quelle von Mißverständnissen und Irrtümern rührt daher, daß 
mitunter in einem Hügel aus früherer Zeit nochmals bestattet wurde; so leicht 
sich in solchen Fällen die Stilformen weit auseinander liegender Zeiten unter- 
scheiden lassen, so unsicher kann sich die Beurteilung bei zeitlich nahe liegenden 
Perioden gestalten, beispielsweise H„ und H^, zumal in den „Nachbestattungen" 
eine einfache Formel gegeben ist, die in Zweifelsfällen aus aller Not hilft. 

Nicht selten sind die Angaben, daß Kammern oder Grüfte in die Hügel ein- 
gebaut waren, in denen der Tote lag, und auch Zeichnungen werden gegeben; 
die älteren Grabungen erwähnen sie besonders häufig. Sicherlich waren Ein- 
bauten aus Holz oder Steinen manchenorts üblich; denn wenn auch der Ritus 
zur Hallstattzeit im allgemeinen gleich war, so ist doch der Hügelbau recht 
verschieden. In unserem Gebiet habe ich noch nichts dergleichen angetroffen, 
muß also annehmen, daß sie bei uns mindestens selten sind; ich kann mir aber 
erklären, wie die Meinung entstehen kann. Zeigen sich Funde, so nimmt man, 
um ihnen beizukommen, die hindernden Steine weg, und da dies ganz acht- 
los geschieht, so glaubt man eine Viertelstunde später in der Tat einen ab- 
sichtlich angelegten Hohlraum vor sich zu haben. Was daran fehlt, reden einem 
die Arbeiter ein, die ganz darauf versessen sind, die „Grabkammer" zu finden. 
So ging es wenigstens mir in den ersten Jahren. Da wir uns in den meisten 
Fällen darauf beschränken, nur gefährdete, d.h. schon halbzerstörte Gräber ab- 
zutragen, so ist ein abschließendes Urteil auch nicht wohl tunlich. 

Menschenopfer beim Tode eines Familienhauptes kamen vor, waren aber 
kaum allgemein gebräuchlich; ich habe nur einmal (Igensdorf 7704) ein solches 
Vorkommen feststellen können. 

Nach Schraderi lassen sich sechs Hauptakte einer rituellen Bestattung bei 
den Indogermanen unterscheiden: I. die Ausstellung der Leiche; II. die Leichen- 
klage; III. der Leichenzug; IV. die eigentliche Bestattung; V. das Leichen- 
mahl; VI. die Leichenspiele. Die Errichtung des Grabhügels war eine Sache 
für sich, die wohl nur dann gleichzeitig mit der Bestattung vorgenommen 
wurde oder werden konnte, wenn es sich um die Beisetzung eines Einzelnen 
handelte. 

Belege für solche Festlichkeiten bei unsern Illyrern lassen sich nicht bei- 
bringen; gefehlt haben sie sicher nicht. 

Die Ausgrabung eines großen Hallstatthügels ist immer eine Arbeit von Tagen 
und muß unter allen Umständen in einem Zuge durchgeführt werden. Mitunter 
sind bis zu 20 Arbeiter erforderlich, die dann freilich, je weiter die Arbeit fort- 
schreitet, nach und nach entbehrlich, aber schwer wieder loszuwerden sind, 
weil jeder dabei sein will, wenn der unvermeidliche „Hunnenkönig" heraus- 
kommt. Der Größe der Hügel und der oft gewaltigen und vielen Steine wegen 

' O. Schrader, Reallexikon der indogertn. Altertskde, 2. Aufl. Bestattungsgebräuche S. 123. 



186 

ist die Arbeit mühsam; ergab doch der Hügel bei Langenzenn 1896 nicht weniger 
als 1110 Fuhren Steine und einige 100 liegen heute noch da. Dann bietet sich 
der Anblick einer gewaltigen Ruinenstätte, der Grundeigentümer donnerwettert 
und schlägt die Hände über den Kopf zusammen; da heißt es säuberlich den 
Platz wieder in Stand setzen, wenn man in Freundschaft auseinandergehen will. 

Kommt man aber unten in der großen Brandschicht auf die Scherbenlager 
und muß sie nun sorgfältig aus Lehm und Steinen, wenn der Himmel noch 
mit Regen oder Schnee nachhilft, herauspräparieren, wozu die Landarbeiter nur 
selten zu gebrauchen sind, soll beobachten, vermessen, photographieren, die 
Funde kennzeichnen und in Sicherheit bringen, dann ist man ohne gute Freunde 
und getreue Mitarbeiter in keiner beneidenswerten Lage. Nur die Freilegung 
der ganzen Beisetzung — wo sie durchführbar ist — gestattet einen Überblick 
und genaue Feststellungen. Dazu ist man erst in neuerer Zeit übergegangen, 
und deshalb haben die meisten älteren Grabungen an H^-Hügeln Fragen hinter- 
lassen, die nicht mehr aufzuhellen sind; so z.B. die Frage, ob die keramischen 
Formen von H3 sich zu solchen von H4 an Ort und Stelle allmählich weiter- 
entwickelt haben, oder ob sie von anderswoher mit anderer Bevölkerung und 
durch Nachbestattungen in die Hügel gelangten. Das letztere scheint mir un- 
wahrscheinlich, aber geklärt ist die Frage nicht völlig. 

Der Grundstock unserer Kenntnis der heimatlichen Hallstattkultur ist den 
Hügeln des Gräberfeldes in der schon erwähnten Beckersloh zu verdanken, 
einer Waldabteilung nördlich vom Glatzenstein; es ist die einzige größere Nekro- 
pole, deren Funde in der Nürnberger Sammlung annähernd geschlossen ver- 
einigt sind. Die dortigen 15 Gräber wurden während der Jahre 1887 bis 1900 
von der Anthropologischen Sektion der Naturhistorischen Gesellschaft geöffnet, 
worüber deren Obmann mustergültigen Bericht erstattet hat,* der aber durch 
seitherige Ergänzungen überholt ist. 

Vier der dortigen Hügel waren schon viele Jahre vorher durchgegraben 
worden. Einen davon hatte das Schicksal ereilt im Jahre 1826 gelegentlich 
des Abholzens einer mehrhundertjährigen Fichte, wobei man Armringe, Ge- 
beine u.dgl. fand. ^ Drei andere wurden 1837 vom kgl. Landrichter Heilmann und 
dem kgl. Landgerichtsassessor Haas, beide in Hersbruck, angegraben. Die Funde 
aus erstgenanntem Hügel gelangten vermutlich in die Sammlung des damaligen 
Kommandanten vom Rothenberg, Oberstleutnant Karl Gemming, und sind ver- 
schollen. Die zweitgenannten wurden mit einem von Zeichnungen begleiteten 
Grabungsbericht in die Sammlung des Historischen Vereins nach Ansbach ge- 
bracht, wo sie heute noch eine Zierde bilden. Dem liebenswürdigen Entgegen- 
kommen des Vereins ist es zu danken, daß Nachbildungen der Gegenstände 
zur Ergänzung der Nürnberger Sammlung angefertigt werden konnten. 

Außer dieser Ergänzung durch Nachbildungen erfuhr das Hügelinventar seit der 
Veröffentlichung von 1901 eine Vervollständigung an Originalen durch Wiederher- 

' Dr. S. V. Forster, XV Hügelgräber d. Beckerslolier Nekropole ; Festsclir. d. Nat. Gesellsch. 190L 
» T.Jahresber.d.Histor.Ver.v. Mittelfranken in Ansbach 1836 S.84. 



187 

Stellung einer Anzahl Gefäße aus der großen Scherbenmasse der Beckersloh im 
Magazin. Dadurch ist ihre Zahl von 37 im Jahre 1901 auf 82 gestiegen, und sie 
könnte noch vermehrt werden, wenn es nicht an Arbeitskräften fehlen würde. 




Metallfunde aus der Beckersloh 
Der Neuzuwachs ändert an den v. Forster'schen Ausführungen nichts Wesent- 
liches; dagegen ist eine dem Laien erheblich scheinende, dem Fachmann je- 
doch verständliche Korrektur an den Zeitansätzen vorzunehmen. Damals standen 
Naue's mutmaßliche Schätzungen zurVerfügung. Inzwischen ist die Chronologie 
dervorrömischenMetallzeitensehrviel exaktergeworden; aus Prof.Dr. Rein ecke's, 
im Einklang mit den sonstigen wohlbegründeten Systemen stehendem Schema 
geht hervor, daß der Hallstattzeit weit höheres Alter und längere Dauer zu- 



188 



kommt. Statt mit den Jahren 450—350 v. Chr. rechnet man jetzt für die beiden 
Perioden C und D von 850—550 v. Chr. 

Die Becl<ersloh gewährt den besten Einblick in unsere lokale Hallstattkultur und 
soll deshalb im folgenden eingehendere Schilderung finden ; zwar war, wie schon er- 
wähnt, die Gegend um die Zant reicher noch. Die Funde von dortsind aber in ver- 
schiedenen Sammlungen verstreut und das macht das Bild lückenhaft. Die übrigen 
Hallstattgräber des Gebietes lassen teils infolge ihrer Vereinzelung, teils der min- 
deren Ausstattung wegen den Kulturstand niedriger erscheinen als er war. Mithin 
gibt die Beckersloh ein Durchschnittsbild, und als solches hat sie Hoernes in 
richtiger Erkenntnis auch in einen seiner Überblicke über die Hallstattkultur auf- 
genommen.' 

Die Beckersloh (7503) 

HÜGEL I 

Grabbau: Durchmesser 14 m, Höhe 

1,3 m. Steine am Rand des Hügels; 

ein Stein, pflaster' in 1,25 m Tiefe 

im inneren Hügel. Steinbedeckung. 

Von früher her angegraben. 
Brandschichten: Eine mächtige Koh- 
lenschicht unter dem Steinpflaster in 

1,3 m Tiefe durch den ganzen Hügel. 

Darüber, 45 cm höher, ein Kohlen- 
fleck von geringer Ausdelinung. 
Leichen: Menschenknochen beim 

oberen Kohlenfleck und auf dem 

Steinpflaster, wahrscheinlich durch 

die frühere Angrabung verstreut. 

Weißgebrannte Knochen, Reste ver- 
brannter Leichen in den Gefäßen d 

und e der unteren Kohlenschicht. 
Metallfunde: Bei Gefäß d zwei 

Bronzeblechringchen halbrunden 

Querschnitts C, zweimal gelocht, fin- 
gerringgroß; eine Schlangenhalsna- 

del wieS. I87Fig.7. In den Scherben 

der Gefäße e ein bronzenes Spiralröhrchen mit 18 Windungen. Ein Stückchen Eisen im 

oberen Kohlenfleck. 
Keramik: Die Festschrift von 1901 wußte nur von einer schwarzen Tonvase, Tafel 28,4, 

zu berichten; nunmehr sind 13 Gefäße wiederhergestellt, z.T. stark ergänzte kleine Schalen 

und Tassen, meist nichtssagende Formen. 

Aus den Fundnummern 1, 3—5 wiederhergestellt fünf kleine Gefäße, darunter zwei ovale 

Wännchen, hellsemmelfarben, ohne Ornament: 

a mit Andeutung von zwei Warzen am Rand der einen Schmalseite, 5 cm lioch — 16,3 x 

14,5 cm Randdurchm. — 10 x 8,2 cm Bodendurchm. 

b mit einer Warze am Rand, 4 cm hoch — 12,6 >c 11,7 cm Randdurchm. — 9 x 7 cm 

Bodendurchm. 2 




' M. Hoernes, Die Hallstattperiode, Arcli.f. Anth. NF. III 1905 S. 275. 

' Ahnlich Pldlenicer Typus Pic, Die Urnengräber Böhmens, Tafel 35 Fig. 10, u. Scheidemandel, 
Hügelgräberfunde bei Parsberg 1886 Tafel VII 2. 



189 

c Täßchen in Brustwarzenform aus den Scherben Nr. 4 u. 5, innen und außen semmel- 

farben 4,7 cm lioch — Randdurchm. 7 cm. 

d kugeliges Gefäß — Fund Nr. 22, graphitiert 14,8 cm fioch — 14,7 cm Randdurchm. — 

23,5 Bauchdurchm. — 7 cm Bodendurclim. 

e Fund Nr. 29 ergab zwei gleiche Näpfe, außen stumpfdunkelgraubraun, innen graphitiert; 

5 cm hoch — 20,5 cm Randdurchm. — 10 cm Bodendurchm. 

f Tasse Fund Nr. 2, braimgrau; 6,5 cm hoch — 12,7 cm Randdurchm. —6 cm Boden- 
durchmesser. 

g Tonl<essel, nicht wiederherstellbar, Scherben von Fund — Nr. 27, Graphithochglanz, un- 
gefähr '/lo nat. Größe. 

h Schöpftasse zum vorigen, nicht wiederherstellbar; Scherben von Fund Nr. 27 u. 28; 

Graphithochglanz; ungefähr 7, 8 cm hoch — 8 cm Randdurchm. — 5,5cm Bodendurchm.; 

mit äuß. Bodenornament. 

Die Tasse f und mit anderen Scherben die des Tonl<essels g stammen aus den oberen 
Teilen des Hügels, das sonstige keramische Material insgesamt aus der unteren Brand- 
schicht; außer den hier abgebildeten: Scherben mannigfaltiger Gefäße, Kugeltöpfe, Sonnen- 
teller, Tonkessel nach Form, Graphitierung und Ornament reine Hj-Ware; daneben aber 
auch vereinzelt Randstückchen, die sowohl Hi als wahrscheinlicher H4 angehören können. 

Die erwähnten fünf Gefäße einschließlich des für H3 typischen Brustwarzengefäßes setzen 
sich zusammen aus Scherben der Fund-Nr. 1 vom Ostrand und solchen der Nr. 3 bis 5 vom 
Westrand des Hügels. Das ist eine Entfernung von 13 m; sie müssen demnach schon zer- 
brochen in den Hügel gelangt sein und das entspricht einem Gebrauch, der oft in Gräbern 
dieser Zeiten angetroffen wird, es ist aber auch ein Beweis, daß der Hügel in einem Zug 
errichtet worden ist. 

Scherben der Nr. 27 vom oberen Kohlenfleck ergänzen sich mit solchen von 28 aus der 
tiefen Brandschicht unter dem Steinpflaster, s. z.B. das Täßchen h. Wenn nun auch der 
Hügel bis zum Pflaster vielleicht durch die frühere Angrabung zerstört war, so war doch 
die Brandschicht ungestört, und so beweisen die oben und unten zusammengehörenden 
Scherben, daß sie nicht aus verschiedenen Zeiten herrühren und daß der Hügel in einem 
Zuge errichtet wurde. Naturgemäß gilt das gleiche für die Bestattungen oben und die Brand- 
leichen unten. Damit entfällt jede Möglichkeit der Annahme einer Nachbestattung, und trotz 
der erwähnten Randstückchen kann auch die Keramik nur aus ein und derselben Zeit stammen. 

Ergebnis: Hügel I, ein in allen Teilen gleichalteriges Grabmal der Hall- 
stattstufe C 850—700 V. Chr. 

Der Zweck der kleinen durchlochten Hohlringe von Bronzeblech ist un- 
bekannt, vielleicht gehörten sie zur Kleidung. Spiralig gewundene Bronzeröll- 
chen ähnlich dem hier gefundenen waren in der viel älteren Bronzezeit be- 
sonders häufig, wo sie bei Halsketten Verwendung fanden. Die Schlangenhals- 
fibel ist nichts Seltenes bei den Illyrern der jüngeren und jüngsten Hallstattzeit; 
sie diente wahrscheinlich dem Zusammenhalten der Kleidung. 

HÜGEL II 

Grabbau: Durchm. 20 m, Höhe 1,5 m. Der innere Kern durchweg aus Steinen aufgebaut. 
Brandschichten: Eine schwache Brandschicht in 2 m Tiefe, Brandflecken in den oberen 

und Außenteilen des Hügels. 
Leichen: Teile von vier Menschenschädeln in 50 bis 80 cm Tiefe sowie in der unteren 

Brandschicht; Extremitätenknochen. In der unteren Brandschicht kalzinierte Knochen. — 

Knochen eines jungen Schweinchens. 
Metallfunde: Bei den oberen Bestattungen sechs große Hohlohrringe, sog. Stöpselhohlringe 

S. 187 24, eine Paukenfibel — 5, eine Fibelnadel, zwei Bronzehohlringe und einige Kleinig- 




190 

keiten. In der unteren Brandschicht ein Eisenschwert S. 187 1 mit Ortband von Weiß- 
bronze — 2 und ein kleines Bronzeringehen. 
Keramik: a Henkeltasse, liochglänzend graphitiert aus Scherben 
der Fund-Nr. 25 in der unteren Brandschicht; schräge, scharf 
ausgeprägte Kannelierung auf dem Rücken und kannelierter 
Henkel '; 6 cm lioch — 10 cm Randdurchm. — 3,5 cm Boden- ^N^^^^^^^a 
durchm. Eine ähnliche zweite im Scherbenmaterial. 
b nicht wiederherstellbare Tasse aus Scherben der Fund-Nr. 27 
(oben) und 30 (unten); innen und außen mit terrasigillatenrotem «^ T=^ 
Ton überzogen; Henkel massiv, mit kleiner Durclilochung; unter 
dem Hals zwei breite, energische Hohlkehlen. Ungefährer Durch- ^■.. ..■■'\a 

messerl6cm, ungefähre Höhe 8,5 cm. 

Bei dergleichen Fund-Nr. 27 Scherben eines hellsemmelfarbenen Gefäßes mit Mäusepfötchen- 
ornament. 

Viele Scherben, fast ausschließlich mit Typen der Stufe C. Bei den Scherben der Fund- 
nummern 20, 25, 30 Stücke eines großen Tonkessels, graphitiert, mit Rasterlinienornamenten 
an Hals und Rücken; Scherben eines reich ornamentierten Gefäßes wie S. 203 XVI b, das 
sog. .Danaidenfaß'. 

Zeitstellung: Die Bronzen, sämtlich obenauf gefunden, sind bezeichnend für 
Stufe D, Schwert und Ortband dagegen typische Leitformen der Stufe C. Das 
scheint dafür zu sprechen, daß obenauf eine Nachbestattung stattgefunden hat. 

Bei den keramischen Funden sind die Umstände nicht klar. Die Fund- 
nummern 20, 27 wurden im oberen Teil des Hügels angetroffen, unten in der 
Brandschicht lagen 25, 30. Die Scherben des semmelfarbenen Gefäßes mit den 
Mäusepfötchen, ebenso solche des Tonkessels mit den Rasterlinien lagen oben 
bei 27 und das sind, wie man annimmt, alte Formen. Scherben der Tasse 
b lagen bei 30, in gleicher Tiefe wie das Eisenschwert; sie ist eine sehr späte 
Form, ähnlich dem Billendorfer Typus bei Pic Tafel 45, 7, der in Böhmen zu 
Lat^ne A gehört. 

Die Bestattungsform ist die der Stufe C; die magere, schüttere Brandschicht 
begegnet öfter in Stufe D, ohne aber hier die Regel zu bilden. 

Es sind demnach zwei Möglichkeiten: entweder war der Hügel so sehr ge- 
stört, daß das obere zu unterst kam, und dies könnte durch eine Nachbestattung be- 
wirkt worden sein; oder alle Sachen sind gleichalterig, dann wäre bei unseren 
illyrischen Hallstattleuten das alte Eisenschwert noch in Stufe D geführt worden. 
Das letztere ist mir wahrscheinlich, läßt sich aber nicht beweisen. 

Die Zeit der Errichtung und ebenso ob er zweimal benützt worden ist, bleibt 
demnach fraglich. 

Das lange Eisenschwert tritt in der jüngeren Hallstattzeit auf, die danach 
auch die Periode der eisernen Hallstattschwerter genannt ist, obwohl Bronze- 
schwerter noch nicht ganz außer Kurs gesetzt sind. Ortband nennt man das 
Endstück an der Schwertscheide. Das vorliegende ist von Weißbronze, eine 
Komposition von hohem Zinngehalt. Als es aus dem Boden kam, war es weiß 

' Ähnlich bei Hoernes, Urg. d. bild. Kunst 1898 Tafel XXIII 3 aus einem Hallstatthügel bei 
Oedenburg-Ungarn. 



191 

und glänzend wie jüngst aus Silber gegossen (im Boden oxydiert Silber zu 
einer schwarzen, unscheinbaren Masse); seitdem hat es trotz Zaponüberzug 
eine fleckige und unschöne Patina angenommen. 



HÜGEL 111 

Grabbau: Durclitnesser 14 m bei 1,4 m Höhe; am Umfang gestellte Steine, ein unregel- 
mäßiger Steinkranz. Ein Steinpflaster in 1,8 m Tiefe. 
Brandscliichten: Eine mächtige Brandschicht in 2 m Tiefe, also 60 cm unter dem heutigen 

Waldboden, durch den ganzen Hügel; eine obere Brandschicht in 90 cm Tiefe. 
Leichen: Ein Kinderschädel im Nordostteil des Hügels; gegen die Mitte Bruchstücke von 

drei Schädeln Erwachsener und sonstige Knochen. — Unterkiefer von (Torf?) Schaf und 

Reh 13 oben. In der unteren Brandschicht Gefäße mit weißgebrannten Knochen. 
Metallfunde: Obenauf: Reste eines Eisenmessers; von Bronze zwei Sclilangenfibeln 

Abb. Seite 187 7, eine Punze — 22, einige Kleinigkeiten von Bronze, ein Bronzenagel, 

eine Kniefibe! mit spitzem Buckel' Abb.— 6, an einem Oberarmknochen zwei grobe, 

vierkantige Armreife in Steigbügelform. 

In der unteren Kohlenschicht: Drei Toilettestäbchen Abb. — 16, eine Pinzette Abb. — 14. 

— Ein Fiintkratzer von Bandjaspis. 
Keramik: Bis zum Jahre 1901 waren fünf Gefäße, die hier nicht weiter berücksichtigt sind, 

wiederhergestellt; nunmehr sind es 24, da seitdem 19 Stück hinzukamen. 
a— e Gefäße aus dem oberen Teil des Hügels: 

a Topf mit hohem Hals, 
graphitiert gewesen; 17,5 cm 
hoch — HcmRanddurchm. — 
26 cm Bauchdurchm. — 9 cm 
Bodendurchm. 

b Schale mit ausgehöhltem 
Fuß, schwache Spuren von 
Graphitierung außen u. innen; 
12 cm hoch — 26,5 cm Rand- 
durchm. — 8,5 cm Durchm. am 
Fuß. 

c Vase,stumpf-scliwärzlich- 
graubraun, dickwandig, stark 
ergänzt, mit Reliefwülsten in 
der unteren Hälfte; 14,5 cm 
hoch — 11cm Randdurchm. — 
19 cm Bauchdurclim. — 7 cm 
Bodendurchm. 

d Schüssel, 10,5 cm hoch 

— 29 cm Randdurchm. — 
31 cm Bauchdurchm. — 9,5 cm 
Bodendurchm. 

e Napf, stark ergänzt ; 7,5 cm 
hoch — 16 cm Randdurchm. 

— 5 cm Bodendurchm. c— e 

überein dunkelgraubräunlich ohne Graphit, a— e sämtlich aus dem Scherbenhaufen Fund, 
Nr. 19, oberer Teil des Hügels. Dabei noch viele Scherben, unter anderem Reste einer 
Schale innenseitig mit breitem Qraphitrand und -strichen, die nach dem Boden laufen, 
also eine Sonnenschale. 

und hallstattzeitlichen Fibeln, 




' Beltz, Die bronze- 



14 : Kniefibeln Nr. 52 S.827. 



192 




Im Scherbenhaufen Fund-Nr. 9, gleichfalls oberer Hügelteil, sind noch Reste von zwei 
bis jetzt noch nicht wieder hergestellten Sonnentellern wie Fig. h; einer mit Graphithoch- 
glanz 32 cm Randdurchm. — 11 cm Bodendurchm., der andere sehr viel größer. 

Im Scherbenhaufen 20, oberer Hügelteil, u. a. Reste eines großen Tonkessels. 
f— m Gefäße aus dem unteren Teil des Hügels: 

Die beiden wiederhergestellten Näpfe von 27 sind nichtssagend (ähnlich Festschrift 1901 
Tafel 28 111 17). 

f Tonkessel, nicht wie- 
derherstellbar, obere 
Hälfte graphitiert, untere 
gerauht; ungefähre Maße 
30 cm hoch — 18 cm 
Randdurchm. 

g Tonkessel, obere 
Hälfte graphitiert gewe- 
sen, unteregerauht;41 cm 
hoch — 30 cm Rand- 
durchm. — 45 cm Rücken- 
durchm. — 15 cm Boden- 
durchm. 

h Sonnenteller mit 
viergeteilter Sonnen- 
scheibe und vier Gruppen 
laufender Beinpaare ; gra- 
phitiert; 10 cm hoch — 
39 cm Randdurchm. — 
14,5 cm Bodendurchm. 

i Sonnenschale, als Bruchstück abgebildet Festschrift 1901 Tafel 28 111 18; nicht terrassiert: 
innen graphitiert; 8,5 cm hoch — 32 cm Randdurchm. — 12 cm Bodendurchm. 

k Schüssel, außen und innen hellsemmelfarben, Ornament mit schwarzem Lack auf- 
getragen gewesen; 11 cm hoch — 23cm Randdurchm. — 8 cm Bodendurchm. 

I Schüssel, graphitiert, in Rädchentechnik ornamentiert; 12 cm hoch — 23 cm Randdurchm. 
— 8 cm Bodendurchm. 

m Schüssel, graphitiert gewesen; 8 cm hoch — 22,5 cm Randdurchm. — 10,5 cm Boden- 
durchmesser. 

n Napfscherben, dunkelgraubraun; ungefähre Maße: 10 cm hoch, 18 cm Randdurchm. 

Scherbe s. Tafel L 7, Fund Nr. 17, anscheinend von einem terrassierten, graphitierten Sonnen- 
teller; die in Rädchentechnik eingepreßten Figuren erinnern an Tierbilder der Oedenburger 
Hallstatthügel bei Hoernes, Urg. d. bild. Kunst 1898 Tafel 28 u. 30. Diese und das folgende, 
Fund Nr. 39, aus dem unteren Hügelteil. 

Das rotgelbtonige Gefäßbruchstück mit dem Ochsenkopffries ist abgebildet 1901 Tafel 28 
III 15; der ansa-lunata-Henkel trägt das gleiche Ornament wie Igensdorf 7363 ". 

Was sonst noch an Gefäßen, sowohl aus dem oberen wie unteren Hügelteil wiederher- 
gestellt wurde, sind nichtssagende Formen. 

Ergebnis: Ob der Hügel in einem Zug errichtet wurde oder ob die oberen 
Funde von einer Nachbestattung herrühren, läßt sich mit Sicherheit nicht mehr 
entscheiden. Auffallend sind die im oberen Hügelteil angetroffenen, noch nicht 
wiederhergestellten zwei Sonnenteller bei 9 und die erwähnten Scherben des großen 
Tonkessels bei 20; Gefäße dieser Art kommen sonst nur in der unteren Brand- 
schicht vor. Man könnte daran denken, daß der Hügelinhalt durch eine frühere 
Grabung in Unordnung gebracht war. L. Wunder, der die Meinung vertrat, daß 



193 

jeder Hügel wie unsere Friedhöfe nacli und nach mit Leiclien beschicl<t wurde, 
bis er voll war,' betrachtete eine solche Störung als Beweis für die Richtig- 
keit seiner Hypothese. Diese Friedhoftheorie ist aber heute verlassen. So 
läßt sich nur sagen, daß die zwei oberen Sonnenteller und die beiden unteren 
übereinstimmen, also auch gleichalterig sein sollten. 

Zwei Fußschalen der gleichen Art wie b gelangen im nächsten Hügel zur 
Aufzählung; sie sind mit H3- und H^-Formen zusammengefunden, die Schale 
hier in diesem Hügel III kann also gleichfalls für beide Stufen in Anspruch ge- 
nommen werden. Die Schale d kommt Latene nahe und die Vase c ist eine 
Lateneform; nach freundlicher Mitteilung von Prof. Dr. Hock ist ein ähnliches 
Gefäß in unterfränkischen Latenefunden vertreten. Scheidemandel fand in der 
Oberpfalz 2 Reste eines ähnlichen, zusammen mit zwei Kniefibeln, die nach der 
Fibeltypenaufstellung in die Jahre 700—500 fallen. s Von unseren Knie- und 
Schlangenfibeln gilt das gleiche. Vierkantige Armreife besitzen wir noch aus 
einem H^-Grab Holnstein 7116 Abh. der NG. 20. Bd. S.121. 

Die sonstigen Gefäße und Scherben sind reine Hj-Formen, gleichviel ob sie 
in den oberen oder unteren Teilen des Hügels angetroffen wurden. Der Grab- 
ritus spricht für Hallstattstufe C und für die Errichtung des Hügels in einem Zug. 

Deshalb: ein Grabhügel nach altem Ritus, errichtet gegen Ende der Hall- 
stattzeit, vielleicht zwischen 650 und 500 v.Chr. 

HÜGEL IV 

Qrabbau: Durchmesser 12 m, Höhe 1,2 m. Steinsetzung am Rand, Steinpflaster in der Mitte, 
mächtiger Steinbau in der Südhälfte. 

Brandschichten: ein breiter, starker Kohlenstreifen unten in 1,2 m Tiefe. 

Leichen: Menschenknochen an mehreren Stellen; ein Skelett in 90cm Tiefe, also 30 cm 
über dem Kohlenstreifen. 

Metallfunde: Das Skelett trug am rechten Vorderarm dreizehn, am linken neun bronzene 
Steigbügelringe wie Seite 187 18, 19; sechs Halsringe, sogen. Halsbergen und neun große 
Stöpsel-Hohlohrringe, ungefähr wie 24; weiter fanden sich ein Bernsteinring, zwei 
Schlangenfibeln wie 7, eine Qürtelschließe, ein sehr dünnes, auf Leder genietetes Gürtel- 
blech u. einige Bronzekleinigkeiten. 

Keramik: Neues ist nicht hinzugekommen: zwei schwarze, innenseitig schwach graphi- 
tierte Schalen mit hohlem Fuß, gleich der Schale b des vorigen Hügels; eine tönerne 
Kinderklapper in Kugelform mit Steinchen gefüllt. 

Außerdem noch vorhanden eine größere Zahl kleiner, unkennbarer Scherben, von denen 
aber ungewiß ist, ob sie nicht zu Hügel XV gehören. 

Beurteilung: Das Grab einer wahrscheinlich weiblichen Leiche, den Hohl- 
ohrringen nach vom Ende der Hallstattstufe C, um 750 v. Chr. oder noch etwas 
jünger. 

HÜGEL V 

Grabbau: Durchmesser 15m, Höhe 1,5 m. Steinbau durch den ganzen Hügel. 

Brandschichten: Angaben fehlen. 

' Abhandlungen d. Nat.Ges. XXL Bd. 2. Heft S.58. 

' Hügelgräberfunde Parsberg 1886 Tafel VII 1 u. Tafel V 3. 

' Beltz S. 829 Nr. 74, 75 u. Chronologie S. 700 Süddeutschland RD. 



194 

Leichen: Skeletteile höher liegend als die Gefäße u. übrigen Funde; Schädel brachykephal, 
kurzköpfig. 

Metallfunde: In der Mitte am Hiigelgrund zwei sehr schöne Brustplatten Seite 187 17; 
sechs massive bronzene, hübsch ornamentierte Armspangen. Beim Schädel drei gewundene 
(tordierte) Halsreife, sieben federnde Ringchen von Bronzeblech, 18 mm Durchmesser mit 
gestanzten Punkten Abb. Seite 187 21; GUrtelschließe 4 von Eisen. 

Keramik: Tongefäße in großer Zahl umrahmten die unteren Funde, bezw. umstellten den 
Raum der Bestattung. Da man aber zur Zeit der Ausgrabung dieses Hügels (1887) nur 
ganz erhaltenen Gefäßen, kaum aber den Scherben Beachtung schenkte, sind bloß drei 
Tassen vorhanden, die in der Festschrift 1901 beschrieben und abgebildet sind. 

Beurteilung: Aufzeichnungen über den Befund während der Grabung liegen 
nicht vor, aber soviel ist ersichtlich, daß Hügelbau, Art der Beisetzung und das 
Ritual die in Hallstattstufe C üblichen sind. 

Bemerkenswert ist, daß mit den zwar kleineren, sonst aber ganz ähnlichen 
Brustplatten des Hügels II in der Sandleite bei Gaisheim ' ebenfalls drei, mit 
den Beckerslohern dieses Hügels fast übereinstimmende tordierte Halsreifen 
gefunden wurden. In welcher Verbindung die Brustplatten mit der Kleidung 
standen, ist unbekannt. 

Eine der kleinen, semmelfarbenen Tassen trägt einen Fries von aufgemalten, 
koniferenartigen Motiven, der eines Tages eine eigenartige Deutung fand. Der 
1905 durch vermeintliche Eolithenfunde bekannt gewordene Kantor Rabe in 
Biere bei Quedlinburg teilte uns mit, daß hier eine Inschrift in irischen, also 
keltischen Oghamzeichen vorliege. Er las: ut ohl et cua laa, „durch Gott Leben 
(und das) Geheimnis des Tageslichts". Das Ogham ist die alte Nationalschrift 
der Iren, die vom 4. bis zum 9. nachchristlichen Jahrhundert ähnlich den Runen 
des germanischen Nordens üblich waren, also 1200—1700 Jahre jünger ist 
als unser Gefäß. Zeitlich war von vornherein keine Möglichkeit zu der Rabe- 
schen Hypothese vorhanden; immerhin zogen wir Erkundigung ein bei eng- 
lischen Forschern. Sie bezeichneten die Auslegung als eine „Pickwickian 
Story", als eine Burleske. 

Ähnliche Ornamente an Urnen hatte schon 1885 Lepkowski in Krakau für 
Oghamzeichen erklärt.' 
Der Grabhügel gehört sicher der Hallstattstufe C an. 

HÜGEL VI 

Grabbau: unregelmäßig, Durchmesser nach einer Seite 9, nach der anderen 7 m, Höhe 1 m. 

Steinbau. Durch eine frühere Grabung angegriffen. 
Brandschichten: In 1 m Tiefe eine dünne Kohlenschicht durch den ganzen Hügel. 
Leichen: ein Skelett 25cm über der Kohlenschicht und sonst einige verstreute Knochen. 
Metallfunde: ein dicker Eisenring am rechten Knie, ein ebensolcher in der Beckengegend 

der Leiche; ein dritter Eisenring; an den Armen und auch sonst Bronzereifen; außerdem 

ein Eisenmesser Seite 187 3. 
Keramik: aus wahrscheinlich zu diesem Hügel gehörigen Scherben konnte seit 1901 

ein großes Gefäß, das durch Tassenform auffällt, wiederhergestellt werden. Hals und 



' Festschrift 1913 Taf. 28 7366 '» b Text S. 109 u. 161. 
' Zeitschrift f. Ethnol. 17. Bd. 1885 S. 116. 



195 




Rücken graphitiert, nach unten stumpftonig; 25 cm Höhe, 
30 cm Randdurchm., 35 cm Rückendurchm., 13 cm Boden- 
durchm. Von früher her schon vorhanden eine dunkel- 
braungraue Schale 7,5 cm Höhe, 25 cm Randdurchm., 
10,5 Bodendurchm. und zwei kleine semmelfarbene Täß- 
chen mit einem Fries von Tupfen oder Blättern in schwar- 
zem Lack. 

Unter den übrigen Scherben Reste eines großen Ton- 
kessels mit kreisrunden O Eindrücken am Rücken. 

Beurteilung: Ein Hügel der Hallstattstufe C 850— 700 v. Chr. 

HÜGEL Vll 

Grabbau: Durchmesser 15m, Höhe 1,35 m; außen ein unregelmäßiger Sleinkranz, innen 
Steine von unten bis zur halben Höhe. Von früher her angegraben. 

Brandschichten: Am Grund des Hügels 1,35 lief eine mächtige Kohlenschicht ;'40 cm 
höher eine schwächere. 

Metallfunde, Keramik: Im Protokoll heißt es: „Knochen und Scherben fanden sich 
meistens zerstreut und aus den wenigsten wird sich etwas Zusammenhängendes zusammen- 
setzen lassen. Von Bronze war nur einmal eine schwache Spur (Fibelnadel) zu erkennen." 
Zu den 1901 abgebildeten Gefäßen, nichtssagende Ha-Formen, sind seither vier weitere 
gekommen: a dickwandiger, stumpf-schwärzlichgrauer Tonkessel 28 cm hoch, 19,5 cm 




Randdurchm., 12 cm Bodendurchm., b ein ebensolcher Topf 18 cm hoch, 14 cm Rand- 
durchm., 25,5 cm Bauchdurchm., 10,5 cm Bodendurchm., c eine Schüssel rot mit schwarzem 
Ornament, 14 cm hoch, 19,5 cm Randdurchm., 9,5 cm Bodendurchm. Das vierte Gefäß ist 
eine Tasse gleich den 1901 abgebildeten. 

Die nichtgraphitierten Gefäße a und b, die rote Schüssel c, sind späte Typen, 
H^. Dem Begräbnisritus nach ist es ein Hügel der Leute von Hg, die noch im 
sechsten, bezw. siebenten Jahrhundert nach dem Ritus des achten und neunten 
begruben. 

HÜGEL VllI 

Vermittelst zusammenpassender Scherben- und Bronzebruchstücke der Samm- 
lungen in Ansbach und Nürnberg ließ sich zweifellos feststellen, daß unser 
Hügel Vlll bei Haas 1837 der Hügel II war; es ist dies darum wichtig, weil 
unsere Nachgrabung 1893 die Teile des Pferdchens zutage förderte, von welchem 
im zweiten Teil ausführlich zu sprechen ist. Er verdient daher auch eingehende 
Würdigung. 

Die Festschrift von 1901 S. 265 zählt nur die Tonware in Nürnberger Be- 



196 

sitz richtig auf; wie sicii aus dem wiederaufgefundenen Grabungsprotokoll und 
an Hand der Ansbacher Sammlung feststellen ließ, sind die Metallfunde irr- 
tümlich bei Hügel XV veröffentlicht worden. 

Die Grabung von 1837 schildert der VIII. Bericht des Historischen Vereins 
Ansbach: „Nach Hinwegnahme einer Erdschichte von ungefähr 3 Fuß zeigte 
sich ein Steinkreis, welcher acht Fuß tief bis auf den Boden reichte und einen 
runden Kessel bildete. In diesem Kessel folgten mehrere Erd- und Steinlagen 
aufeinander und in den ersteren fanden sich eine Menge Gefäße, welche aber, 
ungeachtet der angewendeten Vorsicht, zerfielen, bis auf einige kugelförmige 
Gefäße, welche man ganz erhielt. [Sie sind nicht mehr vorhanden.] 

Am merkwürdigsten aber war in einer Erdschichte mitten in dem Kessel 
die Entdeckung eines vollständigen Menschengerippes, dessen Haupt nach 
Osten gekehrt war und welches an den Hals- und Brustknochen sieben, an 
jedem Vorderarm zwölf, an den beiden Unterschenkeln sechs, zusammen 37 
schöne und vollständig erhaltene Ringe von Bronze trug. Außerdem fanden 
sich an dem Gerippe noch sehr verweste Teile eines Gürtels, ein Bronze- 
blech auf der Brust und an der rechten Seite ein in Rost aufgelöstes, ein- 
schneidiges Schwert von 3 Fuß Länge. Sonst wurden noch weiters viele mensch- 
liche Gebeine, Geschirre von mancherlei Formen, teils von groben, schwarzem 
Ton, teils von feinerer Erde, mit Graphitglanz überzogen, ohne und mit Ver- 
zierungen von Linien und Rauten — dann bronzene kleine Kugeln in der 
Größe einer Kirsche, Nadeln, Agraffen, Fibeln, Ohr- und andere Ringe von 
Bronze ausgebeutet. 

Ganz gleiche und ähnliche Gegenstände haben sich auch bei Eröffnung 
eines zweiten und eines dritten auf gleiche Art konstruierten Grabhügels im 
Beckersloh gefunden." 

Die meisten der erwähnten Gegenstände sind in der Ansbacher Sammlung 
im Original erhalten und die Nürnberger besitzt Nachbildungen davon; es 
fehlen nur die Kugeln von Bronze, das Bronzebrustblech, das einschneidige 
Eisenschwert und die Gefäße. 

Nach diesem Erfolg der Ausgrabung von 1837 mußte für unsere Grabung 
nur noch eine armselige Nachlese übrig bleiben. Es ist interessant, den be- 
greiflicherweise etwas resigniert klingenden Grabungsbericht J. Wunder's zu 
lesen; ich gebe ihm daher selbst das Wort: „Infolge der alten Ausgrabung 
waren die meisten Knochen und Urnenscherben zerstreut, ein Urnenscherben 
südsüdöstlich war von besonders schönem Schwung und schöner Ornamentie- 
rung (unser Pferdchen!); da er aber in einem Haufen in den alten Durchstich 
hineingeworfener Steine lag, so konnten keine weiteren an ihn passenden 
Stücke gefunden werden. [Sie fanden sich bei Überarbeitung des Scherben- 
materials 1911.] Gegen die Mitte zu bestand der Hügel fast nur aus Erde. 

Eine Brandschicht zog sich am Boden durch den ganzen Hügel, die gegen 
die Mitte zu außerordentlich mächtig wurde und die Erde verfärbt hat. 



197 

Ein Rückenwirbel und Rippen mit Patina, welche sich, ohne weitere Knochen, 
südöstlich fanden, gaben das erste Anzeichen von Bronzen. Später fand sich 
hier ein Stückchen Bronzeblech, Gürtelblech. (Dies Stückchen paßt zum Gürtel= 
blech der Ansbacher Sammlung und ist der sichere Beweis, daß die Haas'sche 
Hügelnummer II mit unserer Zählung Hügel VIII gleichbedeutend ist.] Südlich, 
5 m von der Mitte, fanden sich Knochen mit Patina uud ein hohler Bronze- 
ring. Südlich 4 m von der Mitte, wahrscheinlich zur vorigen Leiche gehörig, 
fand sich eine Fibel und eine Bernsteinperle. 

Östlich 4 m von der Mitte auf der Brandschicht fand sich ein Eisen, bei 
4,5 m ein Bronzestückchen. Nordwestlich sind lose Steine mit Löchern da- 
zwischen, offenbar bei derfrüheren Ausgrabung hineingeworfen; darüber Knochen 
und Scherben ohne Zusammenhang. 

Nordöstlich 1 m von der Mitte ist die Brandschicht am Boden sehr stark, 
die Kohlen liegen 30 cm hoch. Das dürfte der Verbrennungsplatz einer Leiche 
gewesen sein. Hier fanden sich mit schwarzen Urnenscherben viele Bronzen 
(Fibeln, Ringe, Bronzeperlen), alle voll Oxyd und durch Feuer stark beschädigt. 
[Es sind die bei Hügel XV in der Festschrift 1901 abgebildeten Bronzen, jetzt 
mit Hügel VIII wieder vereinigt, insgesamt 11 Stückchen von dieser Stelle.] 

Südlich 1 m von der Mitte und 1 m über dem Boden fand sich eine präch- 
tige Bronzefibel. In der Mitte am Boden mächtige Urnen in großen zusammen- 
hängenden Stücken. 

Das Meiste war infolge der früheren Ausgrabungen zerstreut und unzu- 
sammenhängend, nur am Boden, wohin die früheren Ausgrabungen nicht ge- 
langten, waren zusammenhängende Stücke, hier fanden sich aber keine Knochen, 
da der mächtige Leichenbrand alles Oxydierbare zerstört hat. In höherer Schicht 
fanden sich Knochen und die schöne Perlenfibel [?], Bernstein, gut erhalten, 
das meiste aber war durch die frühere Ausgrabung entfernt oder zerstreut." 

Danach ergibt sich folgendes: 

Qrabbau: Ungefährer Durchm. 19 m, Höhe 2,4 m. Steinbau, wenn auch nicht näher mehr 

feststellbar. 
Brandscliichten: Eine mächtige untere Brandschicht durch den ganzen Hügel, anscheinend 

mit einem Scheiterhaufen, v. Forster erwähnt noch eine zweite kleinere, höher gelegen. 
Leichen: Oben eine bestattete, in der unteren Brandschicht eine verbrannte Leiche. 
Metallfunde: Von den erwähnten 37 Ringen sind in Ansbach im Original, in Nürnberg 




198 



in Nachbildung 32 vorhanden und einige Bronzestlicke, dann eine Bandfibel s. um- 
stehend — 24 und der Bronzegiirtel. 

Aus der Nürnberger ürabung von 1893 sind im Original vorhanden: ein Ringbruch- 
stück, eine Bronzepinzelte, zwei Bronzenadeln mit kleinen Köpfchen, eine Vogelkopf- 
fibel, eine Armbrustfibel,' das erwähnte ergänzende Stückchen Gürtelblech, ein Eisen- 
zängchen s. umstehend — 27, die Bernsteinperle - - 26 und elf Stückchen in Feuer ge- 
legener und bis auf eines unkenntlich gewordene Bronzefragmente. Das letztere ist zwar 
auch verstümmelt: eine halbrunde massive Spange runden Querschnitts, an einem Ende 
mit verbogener, am anderen mit abgebrochener Doppelscheibenspirale. Kenntlich in der 
Form, aber seinem Zweck nach ein unbestimmbarer Gegenstand, umstehend — 25. 
Keramik: Wunder führt mächtige Urnen in großen zusammenhängenden Stücken in der 
Mitte am Boden an. Solche fanden sich zwar im Scherbenmagazin, doch ohne Hügel- 
angabe. Was sich davon zusammensetzen ließ, ist weiter unten bei den Gefäßen .Hügel- 
nummer unbekannt" aufgeführt und möglicherweise gehört einiges hierher. 

Zu den in Festschrift 1901 Tafel 30 abgebildeten keramischen Originalen: dem Kugel- 
gefäß und dem Sonnenteller (s. hier Tafel XLIX 1, 4) sind seitdem die Ergänzungen am 
Pferdchen gekommen, Tafel LI. 

Aus der Ansbacher Sammlung stammen folgende Abgüsse aus Hügel VIII: eine flache 
Schale mit weiß eingelassener Ornamentik auf stumpf-grauschwarzem Grund; 28 cm 
oberer Durchm., 34cm Bauchdurchm., 9 cm Durchm. des Omphalos-Bodens; 9,5 cm hoch; 
stark ergänzt. Außerdem fünf Teilstücke von Gefäßen, wie sie in der hiesigen Hallstatt- 
keramik sonst nicht vorzukommen pflegen, s. die Abbildungen Tafel L 1 — i. 

Das Kugelgefäß, der Sonnenteller, das Pferdchen und das Bruchstück 3 gehören sicht- 
lich zusammen: sie sind im Ton gleich fein geschlemmt, die Ornamente einheitlich und 
sorgfaltig ausgeführt; alle graphitiert oder es gewesen, reine Hj-Ware. Vielleicht ist auch 
das Bruchstück der kleinen Tasse L 3 mit dem Fischgrätenornament, das sich an Bruch- 
stücken eines großen Gefäßes aus Hügel X s. Taf. L 5 zu Rauten häuft, hierlier zu rechnen. 

Die übrigen Gefäßreste sind auch einheitlich unter sich. Die Schale L 4 gleicht in der 
Form einer ähnlichen vom Hirschberg bei Behringersdorf aus einem Hallstatt D-Grab- 
hügel, hat aber keinen Fuß, sondern statt dessen einen Omphalos. Ahnliche Gefäße, 
wenn auch mit anderem Ornament, finden sich in den Gräbern von Plätenice in Böhmen 
schon in H^,' doch scheinen mir Schalen aus den Rheinlanden, die latenezeitlich sind, 
näher zu stehen.^ Ich weise sie dieser Zeit zu. 

Die Scherbe Tafel L 2 mit den Fingernageleindrücken ist latenezeitlich.* 

Die kleine Vase Tafel L 1 mit dem Zäpfchen am Boden legt die Annahme nahe, daß ihrer 
mehrere einem gemeinsamen, flachen Untersatz aufgesteckt waren. Auf einem Gefäß 
von Monzernheim-Rheinhessen* trägt der Rücken acht solcher Becherchen, aber ein Ver- 
gleich läßt sich nicht ziehen, weil dort jedes durch eine Öffnung im Boden mit dem Innern 
des Gefäßkörpers in Verbindung steht, wogegen das unsrige ohne solche und ein in 
sich abgeschlossenes Gefäß ist. Gehörten wirklich mehrere solcher Zwillings- oder Dril- 



' Die im Wunder'schen Protokoll erwähnten zwei Fibeln sind auch in einem handschriftlich 
vorhandenen .Hand- und Zugangs-Katalog zur Anthropologischen Sammlung" von Aug. Stöhr 
1893 S. 57 als zu Hügel VIII gehörig aufgeführt und gekennzeichnet als „eine Vogelkopf- und 
eine Armbrustfibel, beide ohne Nadel". Durch Zufall ist das Inventar der Hügel VIII, IX u. XV 
durcheinander geraten und dadurch kam Unklarheit in die Hügelbestände. So gut es ging, 
wurde dies bei der Neuaufstellung auszugleichen versucht und deshalb weichen die Angaben 
hier in diesen Punkten von denen der Festschrift 1901 ab. Die Armbrustfibel ist abgebildet 
Festschrift Tafel 18 IX 2. — ^ Pic, Die Urnengräber Böhmens Tafel 37, 7. 

' Altertümer u. heidn. Vorzeit V Tafel 8 Fig. 134, 135, 147. 

* Eine Scherbe mit ähnlicher Dekoration Jhrbch. d. histor. Vereins Dillingen 31 1918 S. 56 
Fig. 2 ist Latene C, ca. 200 v. Chr.; eine andere im Certosawerk von Zannoni Tafel CII Fig. 1 
mit einer Paukenfibel zusammen wäre dort gleich unserem H^. 

' Altertümer u. heid. Vorzeit III IX II 1. 



199 



lingsbecher zu einem Gebilde, so würde das vielleicht an griechische Gefäßformen er- 
innern, bei denen jeder einzelne solcher Napf zur Aufnahme verschiedener Gewürze und 
Flüssigkeiten diente.' 

Stilistisch gehört unser Väschen der Latene A-Stufe an. 

Das Bruchstück Taf. XLIX 2 als Griff eines Deckels zu denken verbietet sich, denn der 
Hals ist hohl, wie der Ausguß eines Gefäßes. Vielleicht war es das Bodenstück eines 
sog. .Danaidenfasses', wie 75031 S. 203 XVI b. 

Ergebnis: Trotz der bei diesem Hügel besonders bedauerlichen Verwirrung 
scheint mir sichergestellt, daß er ursprünglich in einem Zug errichtet wurde. 
Die reiche Bestattung und die verbrannte Leiche mit den Scheibenspiralen sind 
gleichalterig, Zeit der reinen Hallstatt C-Stufe, 850—700 v. Chr. 

Die Bestattung ist dem reichen Schmuck nach : Steigbügelringe an den Armen, 
Halsberge, Gürtelblech (wie in Hügel IV) diejenige einer Frau. Da auch das 
Pferdchen zu ihren Beigaben gehört, das, wie sich zeigen wird, ein religiöses 
Symbol darstellt, so ist sie als eine sehr fromme Frau, wenn nicht gar als 
eine Frau von priesterlichem Rang gekennzeichnet. 

Die Armbrustfibel * ist bemerkenswert, denn sie stellt das jüngste Stück unserer 
heimischen Vorgeschichte dar, schematisch der Zeit von 400 — 300 v. Chr. an- 
gehörend, der Latenestufe B. Aus diesen späten Jahrhunderten hat der hei- 
mische Boden bis jetzt keine weiteren Funde ergeben. In Verbindung mit den 
latenezeitlichen Scherben und der Schale ist die Annahme unabweisbar, daß 
Hügel VIII zur Latenezeit eine Nachbestattung aufgenommen hat. 

Welchen von beiden Bestattungen die Vogelkopffibel zuzuweisen ist, bleibt 
unentschieden, doch halte ich dafür, daß sie der Priesterin eher als der Nach- 
bestattung gehörte. 

HÜGEL IX 

Grab bau: Durchm. 11 m, Höhe 1,5 m. Steinbau, Steinpflaster. 

Brandschichlen: oben eine schwache, unten eine stärkere. • 

Leichen: ein Schädeldach, einige Extremitätenknochen. 

Metallfunde: über die Funde hat der damalige Grabungsleiter im Protokollbuch 1 der 

Anthropolog. Sektion derNaturhistor. Gesell. S.181 

berichtet; er nennt nur Zangen, einen Reif und 

drei Schwanenhalsnadeln gleich S. 187 10. Ob 

das, was jetzt sonst noch beigefügt ist: eine Bronze- 
punze S. 187 23, eine Vogelkopffibel, ein Eisenring 

und die Spitze der Stange eines Hirschgeweihes, 

wirklich zu diesem Hügel gehört, ist somit fraglich. 
Keramik: Der in der Festschrift 1901 abgebildete 

Topf ist falsch gezeichnet; er hat 

dort durch Außerachtlassung des 

geradlinigen Halses Lateneform 

erhalten.Die hier wiedergegebene 

Zeichnung zeigt den Hallstatt- '^^;r;^^^ ^^^^ ./^^ 

typus. In Fragmenten sind hin- 
zugekommen: drei graphitierte 

Henkeltassen, ein großer Tonkessel, ein graphitierter Sonnenteller, reich ornamentiert. 

Die sonst noch vorhandenen Scherben führen ebenfalls Ornamente nur der Hj-Stufe. 

' Dasselbe, Te.xtband. — ' Abgebildet Festschrift 1901 Taf. 18 Hügel IX 2. 





200 

Zusammenfassung: Von den Zweideutigkeiten abgesehen, zu denen die 
unvollständige Aufzählung des Inventars im Protokollbuch und die unrichtige 
Zeichnung Anlaß geben, durchaus ein Hügel der Hj-Stufe. 

HÜGEL X 
Wurde schon 1837 durchgegraben. 

Grabbau: Durchm. 22 m, Höhe 2 m; am äußeren Rande Steinkranz mit teilweise radial 
gestellten Steinplatten. 

Brandschichten: Wunder gibt außer der großen, am Boden durch den ganzen Hügel 
reichenden Brandschicht eine kleinere an über ihr und zwei kleinere unter ihr im ge- 
wachsenen Boden. 

Leichen: Im Horizont der kleinen oberen Brandschicht Reste mehrerer bestatteter Leichen; 
vorhanden sind erhebliche Reste von zwei Schädeln, deren einer mit dem Längenbreiten- 
index von 71 dolichokephal, der andere mit 75 mesokephal ist. Leichenverbrennung war 
nicht feststellbar. Bei den Leichen Knochen von einem erwachsenen Schwein. 

Metallfunde: fünf Bronzearmreife S. 187 20, ein kleiner Bronzering, eine Schwanenhalsnadel 
wie — 10, eineBronzenadel mithohlem Kopf 12, ein kleiner Eisenring, einStückeiner eisernen 
Schwertscheide, ein Stückchen schmaler Lederriemen mit Bronzenieten, ein zugeschlagener 
Hornstein sind die aus unserer Grabung herrührenden Funde, Originale. Von Nach- 
bildungen aus der Ansbacher Sammlung sind vorhanden: eine Bronzeschlangenfibel 
wie — 7, drei Schwanenhalsnadeln wie — 10, das Bronzefragment eines Geschirr (?) teiles, Hohl- 
ohrring mit Bommeln in Form kleiner Rollen, und einige Bommeln ohne Ohrring; ein 
großes Eisenschwert der üblichen Hj-Form — 1. 

Vorhanden, aber im Grabungsbericht nicht genannt, ist eine in Stücke gebrochene und 
geschrumpfte, nahezu in Braunkohle, Lignit, verwandelte Stange Holz, die ungefähr 35 cm 
lang war. Es ist, wie Prof. Dr. Gothan-Berlin zu bestimmen die Güte hatte, Holz der 
Fichte, Picea excelsa. 

Keramik: Das vorhandene Scherbenmaterial führt die gebräuchlichen H, -Ornamente, 
mehrere Fragmente feintoniger, innen und außen roter Schalen, eine mit kanneliertem 
Henkel, Randdurchm. etwa 14 cm, Bauchdurchm. 17,5 cm, Bodendurchm. 
7 cm, Höhe 8 cm; Fragmente von Schöpftassen mit Graphithochglanz; :■ -■■■— ^^^ 

Scherben eines oder mehrerer hellfarbener, rötlich-toniger Gefäße mit A ]^Mb 

durchlochtem Warzenhenkel, also bronzezeitlich und ferner drei Scher- ^ ^^/s.^ ^ 
ben mit demselben Fischgräten-, zu Rauten zusammengestellten Orna- 
ment in tiefem Kerbschnitt, von dem größere Stücke in der Ansbacher Sammlung liegen; 
dort mit der Angabe Hügel II, demselben, aus dem auch das Pferdchen stammt: das 
beweist, daß der Inhalt der verschiedenen Hügel schon 1837 von Haas verwechselt wor- 
den ist. Es sind die Reste eines großen, reichornamentierten Tonkessels; das bei uns 
fremde Ornament ist in Südwestdeutschland häufig, sein hiesiges Vorkommen auffällig; 
unsere keramischen und Ornamentformen haben sonst, soweit sie nicht landläufig sind, 
ihre Verwandtschaft in Ost und Südost. Abbildung Tafel L Fig. 5. 

Ergebnis: Obwohl der Hügel durch die Grabung von 1837 weitgehend ge- 
stört war, ist es doch so gut wie sicher, daß er nicht zu verschiedenen Zeiten, 
sondern in einem Zuge errichtet worden ist. Keramik, Eisenschwert, Schlangen- 
fibel, Schwanenhalsnadeln gehören der H,;-, die Ohrringe der H^- Stufe an. Die 
Armreife mit den Knöpfen sind noch etwas jünger, man bezeichnet sie 
als Latene A-Formen, sie finden sich aber in unserem Gebiete schon in H^. 
Der Bestattungsritus ist zweifellos der von H^. Die bronzezeitlichen Scherben 
dürften beim Bau dieses Grabmals mit dem Schutt in den Hügel gelangt 



201 

sein, wie anläßlich eines ähnlichen Vorkommens an anderer Stelle ausgeführt 
wurde.' 

Alles in allem: ein Grabhügel, der von Nachkommen der Hg-Bevölkerung 
zur Zeit der Hallstattstufe D, 700—550 v. Chr., errichtet wurde, als man zwar 
noch alte Gegenstände und Gewohnheiten besaß, aber die neueren auch schon 
eingeführt waren. 

HÜGEL XI 

Grabbau: Durchm. 9 m, Höhe 0,9 m; aus Erde und Steinen errichtet. 

Brandchichten: in 0,6 m Tiefe eine starke Brandscliicht; außerdem werden noch .Brand- 
schichten", also wohl kleinere Brandflecke erwähnt. 

Leichen: beerdigtes Skelett, hoch liegend und wenig davon erhalten. Leichenbrand ge- 
langte nicht zur Beobachtung. 

Metallfunde: wenige Bronzefragmente ohne Bedeutung, ein einfacher Bronzering, ein 
Hohlohrring. 

Keramik: einige wenig charakteristische Gefäße, die sowohl H, wie H^ angehört haben 
können; Scherben großer Tonkessel, ein Terrassenteller ohne Sonnenornament, Sclierben 
semmelfarbener Gefäße und solcher mit weichem, rundlichem Profil, eine Scherbe mit 
Warzenhenkel. 

Ergebnis: Im Ganzen nicht sehr charakteristisch; Zeitstellung Ausgang der 
H3-, Beginn der H^-Stufe, also wohl 750—700 v. Chr. Die Scherbe mit dem 
Warzenhenkel ist bronzezeitlich. (Siehe die Bemerkung bei vorigem Hügel.) 

HÜGEL XII 

Grabbau: Durchm. 10 m, Höhe 1,9 m; mit Steinen durchsetzt. 

Ein Kohlenstreifen, Skeletteile, keine Metallbeigaben. 
Die Keramik H3- und H^-Ware gemischt; 

u. a. Scherben eines sehr großen Ton- 
kessels, oberer Teil Graphithochglanz, 

untere Hälfte gerauht. 

a untere Hälfte eines braungrauen Ton- 
kessels mit Sonnenornament, 11 cm Boden- 
durchm. 

b Scherbe einer Schale, stumpf schwärz- 
lichgrau. 

c Scherbe eines dickwandigen, braun- 
grauen Gefäßes, Topfes von löcherigem 
Ton; oberer Durchmesser ungefähr 22cm. 

Alle drei Fragmente H^. 

Ein Hügel der H^-Bevölkerung zwischen 700 und 550 v. Chr. 

HÜGEL XIII 

Grabbau: Durchm. 14 m, Höhe 1,5 m. Steinbau, am Rand von einem Steinkranz umstellt. 

Brandschichten: nur eine große Brandschicht am Grunde des Grabes. 

Leichen: Den Resten von drei Schädeln nach zu urteilen drei bestattete Tote; zwei Urnen 

mit Leichenbrand. 
Metallfunde: ein derber Bronzenagel, eine Nadel mit kleinem Schälchenkopf S. 187 11, 

ein Toilettestäbchen — 15. 




1 Abhdlgen d. Nat.Ges. Bd. 21 Heft 3 S. 104. 



202 

Keramik: Wiederliergestellt sind jetzt 16 Gefäße gegen 9 im Jahre 1901, mit Ausnahme 
des Tafel L 6 wiedergegebenen Gefäßes nichtssagende Hj-Formen. Dieses, ein kleiner 
Tonkessel, wie sie sich als Beigaben von Brandleichen öfter finden, außen und innen rot 
ohne Überfang, wie im Feuer gelegen, von groblöcherigem Ton stark ergänzt; Rand- 
durchm.20,5 cm, Bauchdurchm. 27 cm, Bodendurchm. 11,5 cm, Höhe 24,5 cm; als Ornament 
ausgestochene Dreiecke unterm Hals. Unter den Scherben Stücke von großen Tonkesseln 
und noch mindestens einem Sonnenteller, mit den schon früher wiederhergestellten also 
sichere drei in einem Hügel. 

Ergebnis: Dem ganzen Inhalt nach ein Hügel der reinen Hallstatt C-Stufe, 
in einem Zug errichtet. Der kleine rote Tonkessel Tafel L Figur 6 ein auch in den 
anderen Hügeln der Beckersloh in Scherben häufiger Typus, entpricht mittel- 
rheinischen Gefäßformen von H^ bis H,,' wird also bei uns an den Anfang 
der Stufe C zu setzen sein. Der Hügel gehört demnach der zweiten Hälfte 
des 9. Jahrhunderts an. 

HÜGEL XIV 

Eine unserer frühesten Grabungen, kleiner Hügel mit 8 m Durchm., 0,9 m 
Höhe; Steinbau. Enthielt Skeletteile und nur Scherben. 

Wiederhergestellt ist ein Sonnenteller a, außen dunkelbraungrau, innen gra- 
phitiert gewesen. Randdurchm. 27 cm, Bodendurchm. 12 cm, Höhe 5,5 cm. Das 




Ornament des^inneren Kreises ist mangelhaft und sehr flach in Rädchentechnik, 
die Strahlenzacken sind gestrichelt, eine Manier, die in der Beckersloh öfter u. a. 
auch in Hügel VIII Anwendung fand. Außerdem eine wenig besagende größere 
Schüssel, Stücke eines Gefäßes mit kanelliertem Henkel. Teile eines hoch- 
glänzend graphitierten Tonkessels und einer ebensolchen Schüssel, beide mit 
Ornamenten wie der Strahlenkranz des Sonnentellers; b obere Hälfte eines 
graphitierten kugeligen Gefäßes, Randdurchm. 17,5 cm, Bauchdurchm. 27,5 cm. 
Metallbeigaben keine.^ 

Der Keramik nach H„ 850—700 v. Chr. 

HÜGEL XV 
Qrabbau: Durchm. 13 m, Höhe 1,3 m. Steinkranz, stellenweise Steinpflaster. 
Brandschichten: in 1,25 m Tiefe eine sehr starke, in 0,40 m Tiefe eine kleine Brandschicht. 
Leichen: Skelettfragmente, also mindestens eine bestattete Leiche. 



' Z. B. Schumacher, D. Hallstattkultur am Miltelrhein; Prähist. Ztschr. XI/XU 1919/1920 S. 134 
Melsungen. 

' Bei der Zeichnung Gefäß b ist versehentlich die Füllung des Ornamentes auf dem Rücken 
nicht angegeben: je zwei Dreiecke haben :::: wagrechte, je zwei .-.•.schräge Strichelung. 



203 

Metallbeigaben: Zu diesem Grab gehörig sind nur die drei Bronzenadelköpfe Fest- 
sclirift XVIII 1—3 und ein Eisenstuckchen. Die dort sonst noch diesem Hügel zugeteilten 
Bronzen haben sich zu Hü- 
gel VIII und IX gehörig er- 
wiesen. 
Keramik: Im Qrabungsbericht 
von 1889 ist nur von einer 
großen Zahl von Scherben 
roher Art und feinornamen- 
tierter die Rede. I90I war 
noch kein Gefäß wiederher- 
gestellt. 

a Sonnenteller 7,5 cm hoch, 
27,5 cm Randdurchm., 10,5 cm Bodendurchm. 

b Sonnentellcr 5,5 cm hoch, 21 cm Randdurchm., 10 cm Bodendurchm. Beide dunkel- 
graubraun, innen graphitiert gewesen. 

c oberer Teil eines graphitierten Gefäßes 
mit Fischgrätenornament. Randdurchm. 20cm, 
Bauchdurchm. 24 cm. 

d Henkeltäßchen, hellbräunlichgrau mit 
einer doppelten Reihe schwarzer Lacktupfen 
6,7 cm hoch, 7,5 cm Randdurchm., 3 cm Bo- 
dendurchm. Eine ebensolche zweite Tasse 
ohne Ornament. Außerdem noch eine innenseitig graphitierte Schüssel und 
e das Bruchstück eines großen, hellbraunen Tonkessels mit »-förmigem Profil und drei 
eingedrückten Fingertupfen. 
Die Zugehörigkeit der Gefäße zum Hügel ist nicht sicher. 





XVI Hügelnummer unbekannt 
Unter dieser Bezeichnung sind acht Gefäße in der Nürnberger Sammlung 
aus Scherben der Beckersloh wiederhergestellt, für welche sich die Hügelnummer 
nicht mehr ermitteln läßt. Alle sind typisch für Hallstatt C. 




a eine Schale, außen graphitiert und ornamentiert, innen stumpf schwärzlichbraun mit dem 
Sonnenornament; 7,5 cm hoch, Randdurchm. 24,5 cm, Bauchdurchm. 26 cm, II cm Boden- 
durchm. 



204 

b eine Schale, außen und innen Qraphithochglanz, außenseitig mit netzartigem Ornament 
überzogen, nadi unten mit einer Ausgußöffnung. 12,5 cm hoch, Randdurchm. 30 cm, Durch- 
messer der Ausgußölfnung 5 cm. 

Eine ähnliche Trichterschüssel wurde im Gstäudi bei Unterrieden, andere sog. .Loch- 
schüsseln' wurden bei Speikern gefunden.' Gefäße mit Löchern im Boden bezw. ohne Boden 
bezeichnet man bei den Griechen als .Danaidenfässer" ; man nimmt an, daß sie einem Regen- 
zauber dienten.* 

c Schale mit einfachem Sonnenornament, nicht terrassiert; innen und außen stumpf schwärz- 
lichbraun, innen graphitiert gewesen; 6 cm hoch, 26 cm Randdurchm., 11 cm Bodendurchm. 

Diesen Gefäßen sind eine Anzahl Abgüsse von Bronzen aus der Ansbacher 
Sammlung zugesellt, meist schwere plumpe Ringe, sowie ein Gefäßdrahthenkel. 
Sie sollen zu den Beckersloher Funden von 1837 gehören, doch fragt es sich, 
ob diese Angabe stimmt. 

Überblick 
Trotz der wenig einheitlichen Grabungsmethoden, der mitunter mangelhaften 
Protokolle, der Unstimmigkeiten und Verwechslungen ist die gleichartige Aus- 
stattung aller 15 Hügel unverkennbar. Immer in der oft sehr starken Brand- 
schicht am Boden die große Masse der Gefäße gruppiert zum Büffet mit den 
nie fehlenden großen Tonkesseln und Schöpftassen, allenfalls auch mit Schmuck 
aus dem Besitz des oder der Toten. Mehr oder weniger hoch liegen die Be- 
statteten darüber, meist mehrere in einem Hügel und hatten sie bei der Be- 
erdigung noch Schmuck am Leib mit diesem; einige Gefäße und die Weg- 
zehrung, Schaf, Schwein, Reh um oder neben sich. Brandleichen — vielleicht 
weniger häufig, als sie in den Protokollen erscheinen, denn die kalzinierten 
Knochen rühren wohl manchmal von Tieren, nicht von Menschen her — immer 
am Boden, manchmal in Urnen gesammelt, manchmal auf die Kohlenschicht 
gelegt mit Tellern, Schüsseln und kleineren Tonkesseln umstellt. Kurz: durch- 
gehends das Zeremoniell der Leichenfeier in Hallstatt C und Ornamente, 
Sonnenteller, die auf die Sonne Bezug haben, in jedem Hügel, alles spricht 
für gleiche Religion und für Leute gleichen Stammes. 

Fast in jedem Hügel sind ältere und jüngere Geräte- und Gefäßforinen ge- 
mischt; einmal, Hügel XIII, nur ältere Formen allein und, wenn dies nicht Zu- 
fall ist, müßte man annehmen, daß er als erstes Grabmal der Sippe in der 
Beckersloh angelegt wurde. In sieben Hügeln ist nur die Stufe C vertreten, 
einer (II) bleibt fraglich und sieben andere weisen mehr oder minder Bekannt- 
schaft mit Stufe D auf. 

Ob damit die Zeit in jedem Fall richtig eingeschätzt ist, läßt sich nicht mit 
Sicherheit sagen; aber der Schluß ist erlaubt, daß die Hügel zu recht ver- 
schiedener Zeit errichtet wurden, nämlich so lange die Leute hier hausten und 
wohnten, von 850 bis 550 und wohl noch etwas länger. So käme durch- 
schnittlich auf je 20 Jahre die Errichtung eines Hügels. Wer in der Zwischen- 



' Festschrift z. 18. Anthrop. Kongreß Nbg. 1887 S. 62, S. 71. 
2 Gruppe, Griech. Mythol. u. Religionsgesch. II 1896 S. 831. 



205 

zeit starb, wurde vorübergehend untergebracht, bis die Umstände die Errichtung 
des Hügels zuließen, der dann zumeist mehrere bis dahin Verstorbene auf- 
zunehmen hatte, denen Grabmal und Totenfeier gemeinsam galten. 

Soweit sich aus den Protokollen der Ausgrabungen ersehen läßt, haben in 
dem genannten Zeitraum etwa 31 Tote die ewige Ruhe hier gefunden. Ihrer 
24 wurden bestattet, 7 verbrannt. Das Verhältnis der Bestatteten zu den Ver- 
brannten wäre also 77V3">/o zu 22'-ls"!o; aber die Zahl der Toten war aus den 
dürftigen Resten nur annähernd zu erfassen.' Immerhin läßt sich schließen, 
daß die zum Friedhof gehörige Siedlung nur klein gewesen sein und kaum 
mehr als eine Familie umfaßt haben kann. 

In dem Zeitraum von 300 Jahren, den die Gräber umschließen, hat sich 
anscheinend nur wenig geändert; einige neue Formen, einige Anpassungen 
an neue Moden fanden Eingang. Dazu brauchte es keinen Bevöikerungswechsel 
und nicht die gezwungene Annahme, daß die Gegenstände jüngeren Charak- 
ters im Wege der Nachbestattung, womöglich durch ein anderes Volk an ihren 
Platz geraten sind. Die einzige nachweisbare Nachbestattung in Hügel VIII 
vermag daran nichts zu ändern. Zu ganz den gleichen Bedenken und Vor- 
behalten haben nahezu alle von uns geöffneten Hügel der hallstättischen Il- 
lyrer Anlaß gegeben und nur wo es sich um den keltischen Anteil der Stufe D 
handelt, sind die Merkmale reinlich und unzweideutig anders. 

Was die Hallstattstufe C bei unseren Illyrern so langlebig machte, daß ihre 
Formen auch in Stufe D noch tonangebend sind, war allein eine Folge ihrer 
Religion, die bis ans Ende des ganzen Zeitraums, bis in sechste Jahrhundert, 
beim eingesessenen Teil der Bevölkerung in Übung blieb, auch als daneben 
gelegentlich Siedler eines anderen Volkes mit anderer Religion sich nieder- 
ließen. Blieb aber die Geistesverfassung sich gleich, welche die religiösen 
Bedürfnisse bestreitet, so ist es undenkbar, daß man die herkömlichen, ihrem 
Zweck angepaßten Formen durch neue ersetzen konnte. Keine Glaubensform 
würde das zulassen, am wenigsten die hier in Rede stehende, für welche der 
Gefäßkult ein unverletzlicher Bestandteil, ein Glaubenssatz war. Daher mußten 
die alten Hj-Formen der Gefäße, wo sie Sepulkralzwecken dienten, 
ebenso wie die darauf angebrachten Ornamente auch dann noch 
beibehalten und immer wieder neu hergestellt werden, als zu pro- 
fanem Schmuck und Gerät schon die neuen Moden von H^ Eingang 
gefunden hatten. 

Einige Sonnenteller tragen eine anders geartete, nur entfernt an die hieratisch- 
herkömmliche erinnernde, wahrscheinlich späte Ornamentik, Abb. Hügel XV b, 
XVI c. Über den Bestattungsritus, zu dem sie gehörten, sind Einzelheiten leider 
nicht mehr feststellbar. Vielleicht wäre bei schärferem Zusehen auch im Ritus 
eine Abkehr vom Herkommen (geänderte Brandschicht? andere Aufbahrung? 

' V. Forster zählt dreizehn Brandgräber; man erblickte noch 1901 in der Brandschicht am 
Grunde des Hügels den Beweis für eine stattgehabte Verbrennung (Festschrift S. 272, bez. 273). 



206 

abnehmende Gefäßezahl? andere Typen?), eine Zersetzung des illyrischen 
Kultus der Stufe C erkennbar geworden. 

Der reine Hallstatt D-Kult ist in unserem Gebiet im Vergleich zur Stufe C 
spärlich vertreten, aber er ist da und man hält seine Träger für Kelten, die 
von Westen kamen. Man vergleiche die Ausstattung der Gräber von Kasing, 
von Schönberg, von Creußen mit denen unserer illyrischen Hallstattleute und 
der Unterschied wird in die Augen springen: hier Reichtum, dort fast völliger 
Mangel an Gefäßen in den Gräbern. 



11 

Das Pferdchen mit der Schale aus Hügel VIII der Beckersloh: 

Tafel LI 

Im vorausgegangenen 1. Teil ist dieses Fundes nur nebenher Erwähnung 
getan und bis zum Jahre 1911 waren auch nur die in der Festschrift 1901 
durch V. Forster veröffentlichten Bruchstücke bekannt. Bei Ueberarbeitung der 
Sammlungen für die Aufstellung im Luitpoldhaus fand ich ergänzende Teile 
des Körpers und Trümmer der Schale, offensichtlich zusammengehörig. Trotz- 
dem wollte ich die Zusammensetzung nicht in unserer eigenen Werkstätte vor- 
nehmen lassen, bat vielmehr das Römisch-Germanische Central-Museum 
in Mainz um Nachprüfung und gegebenenfalls um Fertigstellung. Das Institut 
kam zum gleichen Ergebnis und entsprach in dankenswerter Weise dem Wunsch. 
Einige geringfügige Partien wurden ergänzt: ein Stückchen am Hinterleib des 
Pferdchens, ein Teil des rechten Vorderbeines und unwesentliche Teile der 
Schale. 

Größe und Beschaffenheit. Die Figur ist vom Hals bis zu den Hinter- 
beinen 155 mm lang; von der Standfläche bis zum Scheitel 105 mm hoch; 
der Unterleib ist 20, der Rücken 40 mm über der Standfläche. Länge des 
Kopfes 21 mm. Durchmesser der Schale 140, Höhe 44 mm. 

Pferdchen und Schale von feingeschlämmtem Ton, wie einige der im gleichen 
Hügel gefundene Gefäße und Scherben; graphitiert gewesen und zum Teil 
noch, an den von Graphit entblößten Stellen rötlich durchscheinend. 

Vergleiche. Plastische Pferdedarstellungen sind nach Hoernes in der Hall- 
stattbildnerei nicht häufig, wohl aber im Süden bei den Italern und im Dipylon- 
stil Griechenlands. Der Größe, der Erscheinung, der Technik und dem Stil 
nach am nächsten kommen unserem Bild die Tonpferdchen von Zainingen 
in Württemberg, deren sich vier, zwei männliche und zwei weibliche, in einem 
Grabhügel der jüngeren Hallstattzeit gefunden haben: Goeßler hat sie ver- 
öffentlicht, hier Tafel LH l.') 

Die Zaininger Pferdchen dienen nicht wie das unsrige einem Nebenzweck: 
sie tragen nichts, sie ziehen nichts, sie haben nicht als Henkel an Gefäßen 
gedient, dazu müßten die Beine ganz anders beschaffen sein; Aufsteckfiguren 
waren es auch nicht, die Darstellungen erschöpfen sich in der Roßgestalt, 
welcher Goeßler die Bedeutung von Idolen beimißt.^) 

' Die vor- und frühgeschichtlichen Altertümer d. OA. Urach S. 144. 

' „Diese Tonpferdchen sind zu denken als ein Ersatz für den Streitwagen, den man ganz 
oder in Teilen dem Vornehmen mitgab . . . und zugleich für die nur durch teuren Import zu 



208 

Ein anderes Tongebilde, wie es scheint von gleicher Art, ein 20 — 30 cm 
hohes Tonpferd roher Arbeit hat in den achtziger Jahren der Malermeister 
Ignaz Heriitz-Pottenstein aus einem Grabhügel zwischen Hollenbergund Körbel- 
dorf bei Pegnitz ausgegraben.') Es wurde von dem bekannten Gastwirt Hans 
Hösch auf der Neumühle nach auswärts verkauft. 

Aus anderen Gegenden dürfen als vielleicht vergleichbar die von Hoernes 
aufgezählten tönernen Pferde aus Althallstattgrabhügeln von Podsemel in Unter- 
krain genannt werden, deren eines wie das trojanische Pferd auf vier Rädern 
stand. =!) Mehr als diese kurze Angabe ist mir leider nicht bekannt. 

Zu erwähnen sind ferner die Pferdchen der bekannten Reiterdarstellungen 
von Gemeinlebarnä), die als Aufsteckfigürchen auf einem Gefäß gedient haben. 
Ich gebe eine Abbildung davon, um die Unterschiede zu kennzeichnen. (Tafel 
LVII 4). Zu gleichem Zweck die Dipylonpferde auf dem Deckel des Napfes 
in der ehemaligen Sammlung Arndt, sz. aufgestellt in der Glyptothek in München 
(Abb. Tafel LH 2),* und die von Behn veröffentlichten italischen Pferdchen 
an der Biga aus einer tomba a camera zu Pitigliano (Abb. Tafel LVII 5), 
wichtig besonders auch deshalb, weil sie durch die mitgefundenen Vasen 
schwarzfiguriger Technik in die zweite Hälfte des sechsten Jahrhunderts datiert 
werden. 5) Ebensolche roh ausgeführte Pferdegespanne italischer Abkunft und 
vom Dipylonfriedhof haben Undset.G) von Reitern und Pferdchen gräko-phöni- 
kischer Abstammung Ohnefalsch-Richter aus Cypern" abgebildet. 

Weitaus häufiger sind Pferdeplastiken in Bronze, wie Hoernes an der zitierten 
Stelle nach S. Rein ach ausführt. Sie hegen aber mit Ausnahme des hallstätti- 
schen Bronzepferdes von Obrzan bei Brunn (Abb. Tafel LH 3) weitab von 
Hallstattgebieten und haben anderen Zwecken, als Anhänger usw. gedient. Ein 
iberisches, von Dechelette veröffentlichtes Bronzepferd aus Calaceite ist in- 
soferne unserem Pferdchen ähnlich, als es gleichfalls auf dem Rücken eine 
Scheibe trägt. Wenngleich anders in der Darstellung und einem anderen Kultur- 
kreis angehörend, bringe ich auch dies in Abbildung (Tafel LH 4). Es ist an- 
nähernd gleichalterig mit unserem Tonpferd.)« 

Beschreibung. Sowohl der Beckersloher wie die Zaininger Pferdekörper 
sind plump, mißgestaltet, unwirklich. Nichtsdestoweniger möchte ich sie nicht 
den Ohnefalsch-Richter'schen „ Schneemannfiguren " zuzählen: sie verraten 
ein gewisses Kunstwollen und haben Stil, was sich beim Beckersloher Pferdchen 

gewinnenden Bronzefiguren. F.s hat aber die Wahl von Tierchen beider Geschlechter auch 
einen besonderen Sinn gehabt, der irgendwie religiös zu deuten ist: es waren sicherlich Idole, 
besonders verständlieh bei der Bauernbevolkerung, die hier bestattet war.' 

' Mitgeteilt von seinem Sohn M. Heriitz-Pottenstein. 

' Urgesch. d. bild. Kunst in Europa 1898 S. 476». 

» Szombathy, Die Tumuli v. Gemeinlebarn; Mitlgn. d. Präh. Comm. Wien I. Bd. 1890 S. 49. 

* Ein ähnliches Gefäß aus Böotien gibt Schuchardt wieder in der Präh. Ztschr. I 1909 Tafel XIII. 
» Behn, ausgew. Neuerwerbgn. d. RQCM., Mainzer Ztschr. VTll X 1913 4 S. 7. 

' Undset, Antike Wagen-Gebilde, Ztschr. f. Ethn. 22 1890 S. 65-69. 

' Ohnefalsch-Richter, Bericht U.Ausgrabungen auf Cypern, Ztschr. f. Ethnol. 31 1899 (S.73— 75). 

* Dechelette, Le culte du soleil aux temps prch. E.xtrait de la Revue Archeol .4« serie t. XIX S. 17. 



209 

allerdings auf den guterhaltenen Kopf und Hals beschränkt. Der übrige Körper 
nimmt keine Rücksicht auf die Tiernatur, er ist ganz dem Zweck des Tragens 
angepaßt: ein in die Länge gezogenes Untergestell für die Schale, das gar 
nicht nach einem Pferdeleib aussieht und vier sehr kurze, plumpe Stützen 
statt der Beine. Der fehlende Schwanz vergrößert den Abstand von der Natur. 

Kopf und Hals sind weit besser; sie erinnern an ein Pferd, drücken aber 
deutlich Nebenabsichten aus. Dem zierlich modellierten Kopf fehlen Nüstern 
und Ohren; die großen runden Augen stehen weit vor. Das sind Anklänge an 
einen Vogelkopf. Dem entspricht auch der Hals, verhältnismäßig länger als ein 
Pferdehals, rund und walzenförmig im Querschnitt, doch von eleganter Haltung. 
Die deutlich gewellte Mähne allein ist ein ausgesprochenes Pferdemerkmal. 

Die Vogelkopf-Ähnlichkeit hebt Goeßler auch an den Zaininger Pferdchen 
hervor; ich finde sie in der Abbildung nicht so deutlich ausgesprochen wie 
bei dem Beckersloher, das mir in dieser Hinsicht am weitesten zu gehen 
scheint. Was die Kurzbeinigkeit des letzteren betrifft, könnte sie vielleicht 
und zur Not aus der Absicht, den Leib nur Stütze der Schale sein zu lassen, 
erklärt werden. Die anderen kurzbeinigen Gestalten besitzen diesen Entschuldi- 
gungsgrund nicht; sie berühren sich darin mit den geritzten Tierzeichnungen 
auf Tongefäßen, von denen man annehmen kann, daß sie auf Unvermögen 
beruhen, nicht auf einer Stileigenart. 

Im Dipylonstil stehen die gemalten sowohl wie die plastischen Pferde zur 
Beckersloher Pferdedarstellung in einem vollkommenen Formen-Gegensatz: 
jene erstgenannten sind auch bei roher und schematischer Ausführung am 
meisten der Natur genähert (Abb. LH 2 ), die letztere ist am weitesten von ihr 
entfernt. Ein Einfluß des südöstlichen Dipylon-Stils auf unsere Hallstattfiguren 
ist nicht wahrnehmbar. Auch die Ähnlichkeit mit den etruskisch-italischen und 
cypriotischen Pferdchen ist unbedeutend und beruht nur auf der gleich rohen 
und plumpen Ausführung; der Leib der Pitigliano-Pferdchen z. B. zeugt bei 
alledem von guter Auffassung. Bildtechnisch stehen trotz individueller Ver- 
schiedenheit das Beckersloher, die Zaininger und das Pferdchen von Obrzan 
auf einer Stufe, derjenigen der mitteleuropäischen jüngeren Hallstattzeit. In 
seinem weiten Abstand von der Natur, in der Mehrdeutigkeit seiner Körper- 
teile ist das Bild aus der Beckersloh aber kein Pferd, sondern ein Fabel- 
wesen, es muß daher von sinnbildlicher Bedeutung sein, ein Symbol. Wenn es 
anch weiterhin immer wieder Pferdchen genannt wird, so geschieht das nur, 
weil sich der Name eingebürgert hat. Dagegen hat das Pferdchen von Obrzan 
einen deutlichen Pferdekopf. 

Ornament. Der Gesichtsteil des Kopfes, Hals, Brust und Vorderbeine des 
B'Pferdchens tragen ein rautenförmiges Ornament, freihändig gestrichelt, nicht 
mit dem Rädchen aufgetragen. Zur Zeitder V.Forst er' sehen Veröffentlichung 1901 
lagen diese Teile nur in Bruckstücken vor. Das begünstigte die Auffassung, 
als handle es sich um eine Andeutung des Pferdegeschirres. Davon kann nun 
keine Rede mehr sein; aber auch bloßes Ornament, raumfüllender Schmuck, 




210 

ist es wohl kaum: auf dem Kugeltopf des gleichen Hügels (Abb. Tafel XLIX 
Fig. 1) sind wir ihm schon einmal begegnet. Die keramischen Ornamente der 
Grabausstattungen, es sind nur wenige Motive, haben neben einem raumfüllenden 
auch den Sinn redender Zeichen, die sich immer auf die Sonne beziehen. 
Wie sich gleich zeigen wird, ist für gewisse Motive diese bilderschriftliche 
Deutung auch schon eingebürgert. 

Die Schale. Das Pferdchen trägt eine Schale in Form der gewöhnlichen 
Hallstattschaien. Das Innere weist ein Ornament auf, das als häufiger Schmuck 
unserer Hallstatterrassenteller uns schon bekannt ist: das von Strahlen umgebene 
Kreuz im Kreis. Neu ist nur, daß es an einer kleinen 
Schale auftritt. Der Verfertiger war bemüht, es der Klein- 
heit des Raumes angemessen, sorgfältiger, zierlicher aus- 
zuführen, als das sonst an den größeren Schalen nötig und 
üblich ist. Das bringt auf den Gedanken, daß der Gegen- 
stand überhaupt die verkleinerte Wiedergabe einer größeren 
Plastik ist. Die Schalen mit diesem Ornamentbiid haben 
sonst die doppelte bis vierfache Größe, und wenn auch 
das Roß die entsprechende Vergrößerung erfährt, so ist klar, daß ein derartiger 
Gegenstand von ungewöhnlicher und nur von kultischer, also religionsgeschicht- 
licher Bedeutung gewesen sein könnte. Wir haben es aber nur mit dem uns 
vorliegenden kleinen Gerät zu tun und auch dieses sagt schon genug. 

Das Ornament im Innern der Schale, ein Kreis mit dem Kreuz, stellt die 
Sonne dar. Das braucht eigentlich nicht mehr bewiesen zu werden; man 
blättere die alten Jahrgänge der Zeitschrift für Ethnologie durch, um zu sehen, 
daß in den Verhandlungen der Berliner Anthropologischen Gesellschaft schon 
vor 50 Jahren diese Auslegung angenommen war. Neuerdings wurden nun 
diese Bilder als Monddarstellungen gedeutet. Selbst der von Montelius ge- 
lieferte Nachweis, daß das Radzeichen von den ältesten Zeiten bis zur Gegen- 
wart als Sonnenbild fortlebt, wird bestritten und der Mond an Stelle der Sonne 
gesetzt.') Ohne mich in diesen gelehrten Streit einmischen zu wollen, darf ich 
sagen, daß mir selbst die mich damals (1901) sehr in Erstaunen setzende 
Feststellung vergönnt war, daß in der Volkskunst unserer Gegend die gleichen 
Gebilde in hundertfacher Variation noch bis zur Gegenwart Sonnen genannt 
werden, obwohl die Figuren häufig zu Sternbildern geworden sind, hinter 
denen niemand eine Sonne vermuten würde. Lückenlos konnte ich die An- 
wendung auf den gleichen Geräten bis zur Völkerwanderungszeit verfolgen, 
wo sie ausmünden in eben dieselben primitiven Rad- und Radkreuzzeichen, 
die sich zeitlich rückwärts durch die ganze Vorgeschichte verfolgen lassen. - 

' W. Schultz, Zeitrechnung u. Weltordnung. S. 103, Mannus-Bibl. Nr. 35 1924. Vielleicht ist 
der Gegensatz nur scheinbar. Die aus Mytlienstoff und Volkskunde erschlossene arische Zeil- 
rechnung läßt dem Sonnenjahr einen älteren Mondkalender voraufgehen. Da ist es möglieh, 
ja wahrscheinlich, daß in den Sonnenzeiclien und -Mythen Züge wiederkehren, die der alten 
Mondrechnung entstammen. Meine Untersuchung kann darauf nicht eingehen. 

' Hörmann, Herdengeläute u. seine Bestandteile Buchausgabe 1917 S. 189; Hessische Blätter 
f.Vkskde 1915 XIV. Bd. S. 77. 



211 

Viel allgemeiner als in unserer gelten sie aber der siavischen Volkskunde 
als Sonnen und als Überlieferungen der Urzeit. Daran ist nicht zu rütteln. 

Zweck. Was sich aus der archäologischen Betrachtung unseres Gegen- 
standes ermitteln läßt, ist nicht sehr viel: ein pferdeähnliches Fabelwesen, das 
eine Sonnenscheibe trägt, also seinem Gedankeninhalt nach kultische oder 
symbolische, kurz irgendeine religiöse Bedeutung hatte. 

Der Bildweise nach ist es ein Bestandteil des großen Hallstätter Kultur- 
kreises; der Entstehung, der Technik, dem Material nach eine lokale Arbeit 
aus unserem Jura. Sicher war zu seiner Zeit der Zweck des Gebildes klar 
und allgemein verständlich, denn die Darstellung ist schlicht, einfach, in sich 
geschlossen. Uns verhindert nicht nur die Unkenntnis der seiner Bestimmung 
zugrunde liegenden Idee am Vorständnis, sondern wir würden auch, wenn 
über das Religionswesen der Hallstattzeit etwas bekannt wäre, einer unserem 
Denken so weit entfremdeten Vorstellungswelt gegenüber stehen, daß ein un- 
mittelbarer Deutungsversuch zu nichts führen könnte. Der archäologisch-prä- 
historische Weg endet hier in einer Sackgasse. 

Etwas mehr Aussicht besteht, wenn eine Schwesterwissenschaft, die Mytho- 
logie, zu Hilfe genommen wird; denn diese verfügt gerade nach dieser Rich- 
tung über eine große Zahl gesicherter Ergebnisse. Völlig reicht aber auch sie 
nicht aus, um zu verhindern, daß willkürliche, subjektive Gesichtspunkte ge- 
fühlsmäßig mit unterlaufen. Erst wenn die durch ernste, wissenschaftliche 
Forschung gewonnenen, freilich außerhalb der engeren Fachkreise bisher leider 
so gut wie unbeachtet gebliebenen Erfahrungen der Ethnologie kontrollierend 
und wegweisend mit verwertet werden, dann — aber erst dann lassen sich 
einigermaßen die Zutaten aus Eigenem fernhalten und es findet sich auch der 
Ausweg aus der Sackgasse. Eindringlich mahnt die Ethnologie daran zu be- 
rücksichtigen, daß die Denkweise des primitiven, dem vorgeschichtlichen ver- 
gleichbaren Menschen anders orientiert ist als diejenige des sie zu verstehen 
trachtenden Menschen der heutigen Kultur. 

Der ethnologische Beistand geht nur nebenher, darf nicht Zwangsjacke sein; 
er gibt den realen Boden ab, auf welchem nunmehr mechanisch ohne Speku- 
lation, gewissermaßen naturwissenschaftlich die Untersuchung zu verlaufen hat. 
Angesichts der Auswüchse und des Mißbrauches, der in der neueren Literatur 
mit Phantasiegebilden getrieben wird, die angeblich „mythologischer Forschung" 
oder ethnographischen Vergleichen entnommen sind, dürfte es gut sein darauf 
hinzuweisen, daß grundsatzloses Ausklügeln von Möglichkeiten, die in jedem 
Kopf sich anders malen, unwissenschaftlich und zwecklos ist. 

Die Sonne in indogermanischen Mythen 
Die festen, von der Prähistorie ermittelten Ausgangspunkte für die anzustellende 

Untersuchung sind: 

1. Das Beckersloher Fabelwesen, unser „Pferdchen", ist bodenständig und 

trägt ein Sonnenbild; es kann nur ein Gebilde der damaligen Mythologie bei 

uns zu Lande sein. 



212 

2. Noch ist die Rassenfrage für die Hallstattleute nicht ganz geklärt, aber 
man neigt, wie schon gesagt, mehr und mehr zu der Annahme, daß zu jener 
Zeit den Rätern verwandte Illyrer hier saßen, ein indogermanisches Volk, 
dessen Sprache nach Schrader möglicherweise der Ostindogermanengruppe 
angehört hat; sie wäre dem Lituslavischen nähergestanden als dem Griechi- 
schen oder Lateinischen und dem Germanischen. ^ In jedem Fall handelt es 
sich um Indogermanen und deren religiösen Kult. 

Die Aufgabe lautet also: einem Sonnenmythus der Illyrer auf die Spur 
zu kommen. 

Die religiösen Vorstellungen der Hallstattzeiten — waren es nun Illyrer oder 
andere Indogermanen — auf geradem Wege zu erfassen, ist ganz unmöglich, 
denn gar nichts wissen wir von ihnen, alles ist Nacht und Dunkel. Aber die 
Mythologien der Indogermanen weisen vielfach verwandte Züge auf. Es ist 
also notwendig, sich unter ihnen umzusehen, was sie von der Sonne hielten. 

Dabei ist eines vorauszuschicken. Träger der Vorstellungen sind immer die 
Individuen, der einzelne Mensch; sie teilen sich aber, insbesondere die reli- 
giösen, allen Volksgenossen mit und spiegeln sich in all deren Köpfen wieder. 
Daher bilden sie gleichwohl ein Ganzes, einen Kreis, eine Vorstellungswelt 
für sich, welche Wachstumsgesetzen, dem Werden und Vergehen unterworfen 
ist. Die Vorstellungswelt einer vorausgegangenen Epoche zu verstehen, ihr 
Denken mit- oder nachzudenken ist schon der folgenden kaum mehr möglich. 
Um wie viel schwieriger wird es sein, derjenigen einer Vorbevölkerung ge- 
recht zu werden, die durch so viele seitdem sich folgende unserem Vorstellungs- 
vermögen völlig entrückt ist. 

Die bestbekannte unter den indogermanischen Mythologien ist die grie- 
chische; aber sie leitet sich aus viel jüngerer Zeit her. Während wir für das 
Beckersloher Pferdchen schematisch mit dem 9. oder 8. vorchristlichen Jahr- 
hundert rechnen, gehört die Mythologie des klassischen Griechenlands dem 
5., besser dem 4. und noch späteren Jahrhunderten an, Menschen mit der 
Denkweise einer weit vorgeschrittenen Kultur, ja bereits einer Zivilisation, die 
ihrem Höhepunkt zustrebt und die vorgeschichtliche Geistesverfassung nur 
noch nebenbei durchscheinen läßt. Das Gleiche gilt von den Römern und 
Italikern überhaupt, bei denen der griechische Götterhimmel und damit auch 
ähnliche Sonnenmythen Eingang fanden. 

Die Sonne als anthropomorphe Gottheit. Die dem Christentum vor- 
ausgegangene Mythologie der Griechen bevölkerte den Himmel mit menschen- 
gestalteten Gottheiten; eine ihrer schönsten Gestalten ist Helios mit den vier 
Rossen vor dem Sonnenwagen s. Abb. Tafel Uli Fig. 1 ; es ist eine Schöpfung 
der griechischen Dichter und der Kunst, ein abgerundeter, nicht mehr zu 
steigernder Gedanke, der Abschluß einer Entwicklungsreihe. Wie es heißt, be- 

' Da von der Sprache dieses vorhistorischen Voll<es kaum ein Wort bekannt ist, so muß 
auch ihre wahre Verwandtschaft in völliges Dunkel gehüllt sein und nur als Hypothesen können 
solche Angaben gewertet werden. 



213 

gegnet der Sonnenwagen zuerst auf attischen Lekythen der reifen, schwarz- 
figurigen Vasenmalerei, das ist nach 550 v. Chr. Über dem Viergespann schwebt 
die Sonne als runde Scheibe. Die erste Erwähnung des Wagens gehört dem 
6., kaum schon dem 7. Jahrhundert an, der Zeit der Homerischen Hymnen, 
aber nicht Homer selbst. 

Weniger bekannt ist, daß auch andere indogermanische Völker die Sonnen- 
gottheit unter dem gleichen Bild verehrten. Diese Verehrung fällt bei jedem 
in eine andere, kaum mehr feststellbare Zeit, entsprechend dem kürzeren oder 
längeren Lauf der geistigen Entwicklung. In den indischen Veden, deren 
älteste Hymnen bis 1500 v. Chr. zurückgehen, wird der Wagen des strahlenden 
Sonnengottes Surya von 2 oder 7 oder 10 goldfarbigen Stuten gezogen, deren 
Namen haritas ist.i 

Bei den eranischen Persern fährt Mithra auf goldenem Wagen, den vier 
weiße Renner ziehen, Götterspeise von gleicher Farbe essend, ohne Krankheit. 
„Mithra, dem wachsamen, dem falbe Renner angeschirrt am Wagen laufen, der 
ein goldenes Rad hat und die Speichen ganz glänzend." ^ 

Der germanische Mythos ist erst zur christlichen Wikingerzeit, etwa im 
9. oder 10. Jahrhundert aufgezeichnet worden; wie weit er zeitlich zurück- 
reicht, ist nicht feststellbar. Die Sonne, Mundilföris Tochter, führt die beiden 
Hengste, Arwakr (Frühwach) und Aswidr (Allwissend), welche den Sonnen- 
wagen ziehen, den die Götter aus den Feuerfunken geschaffen hatten, die von 
Muspelheim herübergeflogen kamen. 

Bei anderen indogermanischen Völkern läßt sich das Vorhandensein nur aus 
Sagen und Märchen folgern: bei den Serben fährt die Sonne im goldenen 
Wagen mit zwei Pferden; bei den Polen hat sie zwölf goldgraue Rosse (die 
zwölf Monate). Bei den Letten sagt ein Lied: „Sonne mit zwei goldenen 
Rossen fährt den Kieselberg (das blaue Himmelsgewölbe) hinan . . ."; und in 
einem andren „fährt die Sonne mit zwei stolzen, goldnen Rossen". ^ 

Ob auch die Kelten die Sonne unter einem ähnlichen Bild verehrten, konnte 
ich nicht in Erfahrung bringen.' Es heißt, die späteren gallischen Götter hätten 
den römisch-griechischen und zugleich den germanischen entsprochen. Was 
man von den Kelten wirklich weiß, ist so unsicher, daß es hier nicht in Be- 
tracht kommt. 

Mit Ausnahme der letztgenannten ist also den meisten Indogermanen die 
Verehrung der Sonne unter einem gleichen, poetisch-schönen Bild geläufig, 
ist Gemeingut. Es kann aber in dieser Form nicht in die Zeit des ungeteilten 

> Kuhn, Mythol. Studien I: Herabkunft des Feuers u. des Göttertrankes 2. Aufl. 1886 S.51. 

' ebenda. 

' Mannliardt, Lett. Sonnenmythen Ztschr. f. Ethn. 7. Bd. 1875 S. 77, 78, 96. 

* Wilke, Die Religion d. Indogermanen, sagt S. 132: .daß auch die Kelten einen Sonnen- 
gott verehrten, ergibt sich aus Cormaks Qlossary . . ., wonach die Irländer auf ihren Altären 
Bilder der Sonne aufstellten, und in heiligem Zorne wettert St. Patrick in Irland gegen die 
Sonnenverehrer, die alle in die Hölle kommen würden." 



214 

Urvolkes zurückgehen, denn dann müßte es schon vor der Ostwanderung 
des arischen Volksteils, um 2500 oder 3000 v. Chr., vorhanden gewesen sein. 
Damals konnte aber eine Anthropomorphisierung der Gottheit, wie sie sich in 
dem Bild ausspricht, noch nicht stattgefunden haben. Ob die Ähnlichkeiten 
auf Übertragungen oder auf selbständiger Entwicklung aus den vorhandenen 
Keimen beruhen, ist — so interessant es an sich wäre — für unseren Zweck 
unwesentlich. Es handelt sich zunächst nur um den Nachweis, daß die ver- 
schiedenen Völker zu gleichen Vorstellungen gelangt sind. Mit dem Sonnen- 
pferdchen der Beckersloh hat das Bild nichts zu tun, die Verwandtschaft ist 
schon zu weitläufig. 

Bei Homer ist die Entwicklung noch nicht so weit vorgeschritten, daß Helios 
mit Roß und Wagen ausgestattet ist; ihm ist er ein unermüdlicher Wanderer 
„rastlos im Lauf", „aus des tiefergossenen Okeanos ruhiger Strömung steigend 
am Himmel empor". Von sich selbst sagt Helios Od. XII 380 „so oft ich den 
sternigten Himmel hinanstieg oder wieder hinab vom Himmel zur Erde mich 
wandte". Darin glaubt man noch eine Erinnerung an ein vorausgegangenes 
älteres Stadium erblicken zu dürfen, das die Sonne als Roß verehrte. 

Die Sonne als tiergestaltige Gottheit. Die eben dargelegte Anschauung, 
daß ein menschenähnlicher Gott Lenker und Führer der Sonne sei, entsprach 
dem religiösen Denken einer vorgeschrittenen, neueren Menschheitskultur. Vor- 
dem überwogen die mystischen Vorstellungen einer zwar nicht mehr in urzeit- 
licher, aber in einer ihr verwandten Geistesverfassung befangenen Mensch- 
heit; sie verehrte die Sonne in Tiergestait. Das Zeitalter dieser Art Verehrung 
liegt weit vor den schriftlichen Aufzeichnungen. Die Erkenntnis dessen konnte 
nur durch geistreiches Anatomisieren der Mythen, der Götter- und Heroen- 
gestalten gewonnen werden. Diese Arbeit haben die Mythologen geleistet. 

Die älteren Religionsstufen sind nicht auf die Gruppen der Indogermaneu 
beschränkt; tiergestaltig ist die Sonne deshalb auch bei anderen Völkern. Auf 
Kreta im mykenischen Kuiturkreis z. B. — um in Europa zu bleiben — wurde 
sie „in Stiergestalt verehrt; es könnte aber auch sein, daß Mondmythen hier 
iiereinspielen",' was schwer zu unterscheiden ist. Da mykenisches Kulturgut 
bei den südlichen Indogermanen Aufnahme fand, taucht auch bei diesen die 
Stiergestalt oder Teile von ihr und die damit verknüpfte Unklarheit mit- 
unter auf. 

Eine indogermanische, die Sonne repräsentierende Tiergestalt ist das 
Roß. Als solche galt es bei den Griechen, ^ ist aber nur auf dem Umweg 
über die Mythendeutung zu erfassen. 

Besser läßt sich aus den Schriftdcnkmalen der Inder das Werden ihrer gött- 
lichen Wesen ersehen: „ganz besonders ist dies bei den Begriffskreisen der 



' Pauly's Real-Encyclop. d. class. Altswiss. v. Wissowa-Kroll 15. Halbbd. 1912 Helios Sp. 87. 
" Ztschr. f. vgl. Sprachforsclig hrsg. v. A. Kuhn 10. Bd. 1861: Charis von W.Sonne S. 118: 
.Die Auffassung der Sonne als Roß ist älter denn die Auffassung der Sonne als Held." 



215 

Fall, in denen die Inder ihre Anschauungen vom Himmel und den Göttern 
niedergelegt haben. Der Grund für die höhere Bedeutung des Sanskrit in dieser 
Beziehung liegt in der Treue der Bewahrung seiner ältesten Literatur."' 

In den Veden ist die Sonne der hurtige Wettläufer, das Roß schlechtweg. 
„Jedenfalls steht fest, daß die Sonne selbst auch als ein Roß gedacht wurde, 
weshalb der Rigveda I 163 ^ die Vasus preist, daß sie aus der Sonne ein 
Roß, den aus den Wassern (dem Luftmeer) aufsteigenden, mit den Schenkein 
des Hirsches, den Flügeln des Falken begabten Arvan (d. h. der lichte) ge- 
macht haben."' 

Das Sonnenroß ist mit verschiedenen Namen genannt, anders wenn der 
Morgen noch mit dem Zwielicht ringt, anders am lichten Tag oder wenn 
die Sonne umwölkt mit Wolkenbergen kämpft. Es heißt Etaga, der Soma- 
opferer, und von diesem wird gesagt, daß es das Sonnenrad trägt: „die 
goldenen Führer der Sonne ließest du rasten, es trug dieser das Rad wie Eta^a, 
Indra." Oder er kehrt den Sonnenwagen um, spannt die Rosse hinten vor 
und läßt ihn gleichsam zurückfahren: „der Sonne Wagen selbst im Kampf, 
den eilenden, den vorderen machte er zum hinteren, Etaga trug das Rad und 
rettet es; unser Begehren voranstellend, erfüllt er's."* 

Bei den europäischen Indogermanen ist man ähnlich wie bei den Griechen 
auf Volksüberlieferungen und Sagen angewiesen. Nicht immer wird hier mit 
Sicherheit zu entnehmen sein, ob ein gebrauchtes Bild alter Volksglaube oder 
poetische Umschreibung der späten Erzählung ist. Immerhin mögen Beispiele 
hierher zu stellen sein. Im russischen Volksmärchen von der Wassilissa er- 
scheinen naciieinander drei Reiter auf drei Rossen: die drei Tageszeiten; der 
rote Reiter auf rotem Roß ist nach Mannhardt die Sonne. ^ 

In einem anderen, einem slowakischen Märchen, besitzt der König ein Pferd, 
welches eine nach allen Seiten strahlende Sonne im Kopfe hat und das von Haus 
dunkle Land mit taghellem Licht erfüüt; hinter ihm ist schwarze Nacht. Das- 
selbe mythische Tier tritt auch in einem siebenbürgischen Märchen auf.^ 

Als Sonnenroß nimmt die Mythenforschung auch Allvater Odhins achtfüßiges 
Roß Sleipnir in Anspruch. Ein anderes, ebenfalls achtfüßiges Roß stellt sich 
ihm in der russischen Erzählung vom Helden Joruslav an die Seite. ^ König 
Feuerschild reitet es, der Flammen ausstrahlt, unverbrennbar ist und einen 
Flammenspeer führt. 

Mit der Sonne die Vorstellung von einem schnellfüßigen Roß zu verbinden 
war demnach den religiösen Vorstellungen indogermanischer Vollmer nichts 
Ungewöhnliches. Betrachtet man daraufhin die archäologische Hinterlassen- 
schaft an Pferdebildern, so bleiben von den oben aufgezählten Beispielen 
sowohl die Aufsteckfiguren der Reiter, wie die den Wagen ziehenden Pferde 
außer Betracht, selbst wenn letztere Darstellungen zum Sonnenwagen irgend- 

' Kuhn, Myth. Stiid. S. 6. — ^ ebenda S. 52. - ' Mannhardt, Lett. Sonn. S. 94. 

* Kuhn, Myth. Stud. S. 58. — ^ Lett. Sonn. S.94. — « ebenda S. 95. — ' ebenda S. 96. 



216 

welche Beziehungen haben sollten. In diesem Fall wären sie dem vorgenannten 
jüngeren Vorstellungskreis zuzuweisen, nicht aber diesem älteren der tiergestaltigen 
Gottheiten. 

Die Pferdchen von Zainingen und Obrzan beziehen sich wahrscheinlich auf 
den Sonnenkult, aber man kann nicht sagen, sie stellen die Sonne vor. Das 
Pferdebiid von Körbeldorf bei Pegnitz bleibt außer Betracht, weil es nicht zur 
geeigneten Beobachtung gelangt ist. Dagegen darf das Pferdebild von Cala- 
ceite, auch wenn es keiner indogermanischen Religionsgruppe angehört, in 
diesen Gedankenkreis einbezogen werden, es ist gleichwertig mit Etaga, denn 
es trägt wie dieser die Sonne. Das gleiche gilt vom Beckersloher Pferdchen, 
soweit der Pferdeanteil reicht; sein vogelverwandtes Doppel wesen weist aber 
auf noch eine Eigenart religiöser Frühstufen hin, für welche sich Gleichungen 
in Menge bei Natur- und Halbkulturvölkern finden. Davon wird noch zu reden 
sein. 

Die Untersuchung ist somit schon zu einem vorläufigen Ergebnis gelangt. 
Sie stellt fest, daß unsere Hallstattleute einem Glauben anhingen, der sich in 
tiergestaltigen Vorstellungen bewegte, welche die Höhe der anthropomorphen 
noch nicht erreicht haben. Es gilt nun im folgenden diese Glaubensphase 
bestimmter zu kennzeichnen. 

Die Sonne als sachliches Wesen. Im fernsten Hintergrund, noch aus 
den Jugendtagen der Menschheit herüberragend und deshalb nicht als Eigen- 
art einem einzelnen Völkerkreis angehörend, sondern im Sinne der Denkweise 
aller Primitiven der weiten Welt tut sich uns die Sonne als ein sachliches 
Wesen auf, als Scheibe, Kugel, Rad u. a. und die der Sonne zugeschrie- 
benen mystischen Eigenschaften werden auch der Form der künst- 
lich verfertigten Gegenstände beigelegt. 

Diese der primitiven Denkweise entnommene Formulierung stellt uns un- 
mittelbar vor die tiefe Kluft, welche die Geistesverfassung und die Vorstellungs- 
welt der Primitiven von der unsrigen trennt. Daß es möglich ist, diese Tiefe 
wenigstens zu ermessen, ist das Verdienst der neueren ethnologischen Forschung 
und besonders des in der Fußnote genannten Werkes, auf das im folgenden des 
öfteren zurückzukommen ist." 

Wir haben unsere Untersuchung auf die Indogermanen zu beschränken und 
bei ihnen nach den Resten der vorzeitlichen Denkweise Umschau zu halten. 
Mit dem Sonnenroß Etaga zusammen wurde das Rad in den indischen Mythen 
schon genannt. Aber nicht nur im Zusammenhang mit dem Roß, sondern für 
sich allein ist das Rad dem Rigveda die Sonne; das „zwölfspeichige Rad der 
festen Ordnung, nicht ja altert es, wälzt sich um den Himmel, 720 Söhne, 
Agni, weilen paarweis bei ihm."^ Und wie aus Monumentallauten der Ur- 
zeit ist das Lied geformt R IV 28, 1 : „Mit dir vereint, in deinem Bund, o Soma, 

' Levy-Brühl, Das Denken der Naturvölker, übers, von Dr. W. Jerusalem, Wien-Leipzig 1921. 
" Kuhn, Myth. Stiid. 50'. 



217 

tat Indra das: die Wasser ließ er den Menschen fließen, er schlug den Ahi, 
ließ die sieben Ströme laufen, er öffnete die gleichsam verdeckten Höhlen, 
Mit dir vereint, Soma, riß Indra sogleich mit Kraft das Rad der Sonne 
nieder, das über dem gewaltigen Gipfel stand. Vor dem großen Schädiger 
ward das alles Leben Schaffende verborgen." * 

Hierzu einige Erläuterungen von Kuhn. Die Sonne tritt nicht immer als 
nur segen- und lebenspendende Gottheit auf, besonders in Indien nicht; wenn 
sie unablässig wie mit glühendem Odem die Erde sengt, ist ihr Wirken ver- 
derbenbringend, lebentötend. Dann ist nicht mehr der strahlende Sonnengott 
Surya im Besitz des Rades, sondern eine andere dämonische Gewalt hat sich 
seiner bemächtigt: ^ushna, der Trockner, die Dürre oder Kuyava, die Miß- 
ernte, im obigen Lied Ahi, der Drache. Vereint im Gewitterkampf mit dem 
zauberwirkenden Himmelsnaß, dem Soma, entreißt Indra dem Unhold in der 
Höhe das Rad und öffnet dem Wolkenberg die Schleußen. Ein Bild von 
gigantischer Größe und Schönheit! 

Was im indischen Mythos Indra am Himmel vollbringt, findet A. Kuhn wie- 
der im dramatischen Fruchtbarkeitszauber der deutschen Sonnwend- und Fast- 
nachtsfeiern: das Feuerrad ist die brennende Sonne. Dort reißt es Indra herab 
mit Kraft vom Wolkenberg, hier wird es brennend hinab den Berg geschleu- 
dert, im Wolkenmeer dort verlöschend, hier im Strom; wie dort Indra, Soma 
und die Scharen ihrer Begleiter kämpfen, so folgt hier die lärmende Schar 
der Zuschauer dem stürzenden Rad. Und wie dort der große Schädiger, die 
Mißernte, besiegt wird, weissagt man hier aus dem im Strom verlöschten Rad 
ein gutes Erntejahr. '■^ 

Die Zusammenstellung der deutschen Gebräuche in Grimms Mythologie 
und seither von anderen gebrachte Ergänzungen reichen weit ins Mittelalter 
zurück; sie liefern den Beweis, daß die Räder die Sonne vorstellen sollten 
und auch so genannt waren. 

Die Slowenen, in Galizien die Ruthenen kennen ebenfalls mit Pechkränzen 
umwundene und brennend von Bergen herabgewälzte Räder; die Bulgaren 
nennen den Dezember kolozegu = Monat der Entzündung des Sonnenrades. 
Bei den alten Griechen ist zwar nicht dieser Gebrauch, aber die Vorstellung 
vom brennenden Rad der Sonne anzutreffen, wofür A. Kuhn Belege und 
Nachweise erbringt.» Eine Erzählung bei Servius berichtet, daß Prometheus 
die Fackel daran entzündete, mit welcher er den Menschen das Feuer brachte, 
nachdem er mit Hilfe der Minerva zum Himmel aufgestiegen war. Also auch 
bei den Römern die Sonne ein brennendes Rad. 

Die nächtliche Sonne. Was bisher von der Sonne gesagt wurde, läßt 
jene anderen Bilder und Vorstellungen unberücksichtigt, die sich nebenbei 
noch an sie knüpften; ihr Weg am hohen Himmel z. B. machte sie zu einem 

' Kuhn ebenda S. 52. — = ebenda S. 87. — ' ebenda S. 63, 64. 



218 

allessehenden Wesen und darum hieß sie aucli bei Indern, Germanen, Grie- 
chen, Römern das glänzende Auge des Himmels. Das berührt hier nicht 
weiter und alles Gesagte hat auch nur Bezug auf ihre Tagfahrt. Aber ein 
anderes muß die Menschen schon immer zum Nachdenken gereizt haben: 
was geschah mit der im Westen verschwindenden Sonne und wieso kam sie 
am Morgen von Osten wieder des gleichen Weges? 

Von dem Sonnenrad der Inder heißt es, daß es jeden Morgen erneut ent- 
zündet wurde, nachdem sein Feuer am Abend erloschen sei.^ Von einem 
Zurückkehren nach Westen kann dabei nicht die Rede sein. Vielleicht war 
das keine allgemein indogermanische Vorstellung; vielleicht war es ein nur 
bei den Indern noch wahrnehmbarer einzelner Zug der Denkweise der Ur- 
zeit. Am ausführlichsten ist auch hier wieder die griechisch-römische Spätzeit 
mit dem Sonnenwagen und seinem göttlichen Lenker Helios. Zu ihm, in die 
Vorstellungswelt des vorgeschritteneren Kultus, hat die weitere Untersuchung 
zurückzukehren, um von hier aus sich abermals rückwärts zu tasten und zu 
fühlen. 

War Helios mit dem Sonnengefährt im Westen angelangt, dann nahm ihn 
Okeanos in Empfang, der Grenzstrom, der den Himmel scheidet von der 
Veste, die Weltgrenze, der Vater alier Ströme, Flüsse, Bäche und Quellen, der 
rings die Erde umfaßt. Auf ihm schiffte sich Helios ein und während der 
Nacht kehrte er zurück nach dem östlichen Aea, um von dort aus wieder am 
Himmel emporzusteigen. Diese Rückfahrt haben die Dichter in nicht minderer 
poetischer Verklärung geschildert wie des Gottes Tagesfahrt. Er kehrt zurück 
zu Wasser, aber sonderbarerweise nicht auf einem Schiff: „denn es trägt ihn 
durch die Wogen das wunderschöne Lager, das hohle, welches Hephästos aus 
kostbarem Golde geschmiedet, das beflügelte. Über die Fläche des Wassers 
führt es ihn schlafend in reißender Schnelle von der Stätte der Hesperiden 
hin zu dem Lande der Aethiopen, wo der schnelle Wagen und die Rosse 
stehen, bis die frühgeborne Eos naht. Dann besteigt Hyperions Sohn dort 
seinen Wagen." 

Wie die Dichter-Philosophen haben auch die Künstler das dankbare Motiv 
aufgegriffen und ihre Darstellung ist nicht weniger phantastisch (s. Abb. Tafel 
LIII Fig. 2) nach einem Vasenbild, auf welchem Helios zusammen mit der 
Mondgöttin Selene im Nachen dahinschweben.^ 

Mit der täglichen Fahrt des Sonnengottes Helios begegneten sich die ge- 
legentlichen Fahrten einer anderen Sonnengottheit der Griechen, des großen 
Gottes Apollon. Er galt als Sonnen- und Lichtgott nicht in Gestalt des am 
Himmel auf- und absteigenden Helios, der seiner immerhin etwas mechanischen 
Tätigkeit wegen nicht zu den großen Göttern zählte, und eine junge Schöpfung 
der Mythologen und Dichter ist, sondern Apollon war nach älteren Vorstellungen 

■ Kuhn S. 224. 

'' Welcker, Griech. Vasengemälde III. Teil 1851 Tafel X 1 : Helios u. Selene, geführt von dem 
Licht-Pan, Text S. 69. 



219 

der Sonnengott, die göttliche Natur des Lichts, der Lichtgott schlechthin, im 
Licht geboren und im Lichte wohnend, die erhabenste, das Gemüt noch jetzt 
tiefergreifende Gestalt der griechischen Religion,» nächstverwandt dem Einen, 
Großen, dem Ältesten, Zeus, der ja auch ein Lichtgott ist. 

Der Hauptsitz der vielgestaltigen Verehrung Apollons war Delphi. Dem hier 
üblichen Festzykius lag die religiöse Vorstellung zugrunde, daß Apoilon während 
der Wintermonate bei den sagenhaften Hyperboreern weile, einem Volke, das 
hoch im Norden im ewigen Licht wohnt. Nahte der Frühling, dann wurde 
er von den Delphern mit Päanen und schönen Chorgesängen herbeigerufen. 
Er kam, von fliegenden Schwänen gezogen, oder wie andere sagen, fahrend 
in dem von Schwänen gezogenen goldenen Wagen, den ihm Zeus bei 
seiner Geburt verliehen hatte. Schwäne sind des Sonnengottes Apoilon stete 
Begleiter; sie galten als die schimmernden und singenden Vögel des Lichts, 
man dachte sie heimisch auf dem Okeanos, der das Land der Hyperboreer 
begrenzte. Man erzählte auch, daß letztere die eigentlichen Gründer des Orakels 
zu Delphi waren und zeigte noch zu Herodots Zeiten die Gräber von zwei 
auf unbekannten Wegen von dorther gekommenen Mädchen. Nordländer hatten 
ehedem auch alijährlich Gaben nach Delphi gesandt. 

Diese Apollonmythe weist nach Norden, gleichviel, wohin man auch das 
trotz vielfacher Erklärungsversuche geographisch nicht festgestellte oder nicht 
feststellbare Land der Hyperboreer verlegen mag. 

Apoilon war durch viele Funktionen stark in Anspruch genommen; als ein 
über Stürme und Meer gebietender Gott war er Schirmherr der Schiffahrt und 
Herr der ihr günstigen Winde. In dieser Eigenschaft fährt er mit einem wirk- 
lichen Schiff, einem Langschiff, und Delphine sind seine ständigen Begleiter; 
als sog. „weisende Tiere" schwimmen sie den unter seiner Obhut stehenden 
Schiffen voraus und zeigen ihnen den Weg. 

Je nach der Funktion im betreffenden Fall benützt Apoilon bald die Sonnen- 
barke, bald das Langschiff. Es ist sehr wichtig, dies auseinander zu halten, 
denn nur dadurch kommt Klarheit in die Deutung auch der archäologischen 
Dokumente. Dechelette z. B. hat dies außer acht gelassen und ist dadurch 
zu falschen Schlüssen gelangt.'^ Er gibt Abbildungen von Langschiffen auf 
keramischen Serien der Nekropoie von Chalandriani auf der Insel Syros, die 
Tsountas zuerst veröffentlicht hat. Sie beziehen sich mit den weisenden Del- 
phinen unzweifelhaft auf Apoilon, den Schirmherrn der Schiffahrt, nicht 
aber auf ihn als Sonnengott. Da nun ganz ähnliche Langschiffe zusammen 
mit Sonnenrädern Gegenstand zahlloser Felszeichnungen Skandinaviens und 
auch bekannte Bilder auf nordischen, brozenen sog. Rasiermessern sind, so 
hat er sowohl alle diese wie jene Langschiffe samt und sonders auf den 
Sonnengott bezogen. In jedem der Fälle zu Unrecht; denn in den Mythologien 

' Preller, Griech. Mythol. I Theogonie u. Götter IV. Aufl. 1894 S. 231. 
2 Culte du Sol. S. 26. 



220 

hat kein Langschiff je das Wasser gekreuzt, welches bei fast allen Völkern der 
Erde die Götter von den Menschen schied. 

Für die nordischen, mit dem Schiff verknüpften Radsymbole ist die erst 
kürzlich von W. Gaerte gebrachte Lesart weitaus vorzuziehen, wonach sie nach 
altgermanischem Rechtsgebrauch Sonnenlehen, d. h. die Besitzergreifung von 
Land unter Berufung auf die Sonne beurkunden.' 

Der Nachen, dessen sich beide Gölter, Helios sowohl wie Apollon, wenn 
er in seiner Eigenschaft als Licht- und Sonnengott, als delphischer Apollon, 
gedacht ist, führt verschiedene Namen; sie passen jedoch weder auf das hier 
wiedergegebene apollinische Fahrzeug, noch auf ein Schiff. Die alten Philo- 
sophen nennen ihn Depas ((5f'.-7ac), und da er von Gold ist, in der Regel 
chrysoyn depas {ygvaovv ÖETräg); oder er wird Phiäle (qoiäXrj) genannt, oder 
Lebes i^sßijg). Nach den Wörterbüchern ist 

Depas: ein silberner oder goldener Becher, Pokal, ein Mischkrug, der auch 
von Ton sein kann; der Nachen des Helios; chrysoyn depas: der goldene 
Nachen des Helios. 

Phiäle: eine flache Schale ohne Henkel und Fuß; ein Gefäß, die Gebeine 
eines Toten aufzunehmen, Aschenkrug, Urne.— Schild. 

Lebes: ein Kessel, kesselartiges Gefäß; Becken zu verschiedenem Gebrauch; 
Aschenkessel-krug-urne, worin die Asche des verbrannten Leichnams auf- 
bewahrt wird. 

Vom goldenen Nachen des Helios gibt es gleichfalls Vasenbilder; das häufigst 
zitierte ist das hier wiedergegebene (Abb. Tafel Llll Fig. 3 2). Nur benützt ihn 
in dieser Darstellung nicht Helios, sondern Herakles: er ist im Begriff die 
zehnte der ihm auferlegten Arbeiten auszuführen, er fährt nach der Unterwelt 
um die Rinder des Geriones zu holen, und da kein anderes Fahrzeug hin und 
insbesondere wieder zurückführt, so hat er mit einiger Gewaltsamkeit das 
Depas des Helios entliehen. Der Becher hat die Fähigkeit, sich jeder Größe 
anzupassen, so daß er imstande ist, bei der Rückfahrt die ganze Rinderherde 
aufzunehmen. 

Es ist jedenfalls sehr auffallend, daß der goldene Nachen als Becher be- 
zeichnet wurde und runde Form hatte; aber „man darf behaupten, daß alle 
älteren Zeugen der mythischen Vorstellung, soweit sie überhaupt deutlicher 
reden wollen, darin übereinstimmen, daß Helios die Tagesfahrt am Himmel 
mit dem Viergespann macht und im fernen Westen dann den goldenen Becher 
besteigt, um in ihm ausruhend während der Nacht über den Okeanos nach 
Osten zu gelangen". ^ Die meerumwohnenden Griechen wußten natürlich ganz 
genau, daß Wasserfahrzeuge längliche Bootsform haben und besitzen viele 
Worte für die verschiedenen Schiffsarten. Es muß also ein besonderer Grund 



' W. Gaerte, Das Schuhsolen-Rad u. Kreuzsymbol auf d. schwed. Felszeichnungen Mannus 15, 3 
S. 271. — ' Nach einer rotfigurigen Kylix der Vatikanischen Sammlung. 
= Herrn. Usener, Die Sintflutsagen 1899 S. 132. 



221 

vorliegen, daß das Volk und seine Dichter in diesem Fall vom Herkömmlichen 
abwichen: seit alter Zeit sind runde Fahrzeuge, die aus Tierhäuten her- 
gestellten ledernen Göfa, eine Eigentümlichkeit der Schiffahrt auf dem Euphrat 
stromabwärts (s. Abb. Tafel LIV Fig. 1 1); Herodot däuchte sie nächst der Stadt 
Babylon die größte Merkwürdigkeit des Landes (I 194). Es lag daher ganz 
nahe, darin einen bedeutsamen Hinweis auf die Abkunft des Mythos zu er- 
blicken, um so mehr, da Babylonien von jeher als das Hauptausfuhrland für 
geistige Güter nach dem Abendland gilt. Der Becher war demnach der ledernen 
Göfa abgesehen; daß sich unterwegs das Leder in Gold verwandelt hat, dazu 
bedurfte es nicht vieler Phantasie. Die Götter Babylons zwar scheinen sich 
bei ihren Seefahrten der Göfa nicht anvertraut zu haben; das Relief (Abb. 
Tafel LIV Fig. 2) beweist, daß sie das überall sonst gebräuchliche Langschiff 
vorzogen. - 

Wie dem auch sei, nach dem Glauben der Alten war das der Sonne eigene 
Boot becherförmig und es war das einzige, welches über das Wasser den Weg 
zugleich zur Unterwelt und zurück zur Oberwelt fand. So diente es dem 
Helios, gelegentlich auch einmal dem Herakles; aber auch ApoUon selbst war 
aus dem genannten Grund darauf angewiesen. Was aber das apoUonische 
Fahrzeug besonders vor dem des Helios voraus hat und auszeichnet, das sind 
die Schwäne, die es durch die Luft tragen oder über das Wasser ziehen. 

Die Apollon begleitenden Schwäne haben die griechisch-römische Poesie 
und Kunst so nachhaltig beschäftigt und auch in unserer Hallstattzeit eine so 
große Bedeutung erlangt, daß den Schwänen einige Worte hier zu widmen sind. 

Es handelt sich um den wilden Singschwan Cygnus musicus L. „den die 
Wölbung seines Brustbeins und die Windungen seiner Luftröhre in stand setzen, 
zwei trompeten- oder glockenähnliche Molltöne auszustoßen, die er meist im 
Fluge hören läßt, so daß, wenn wie gewöhnlich mehrere beisammen sind, jenes 
Geläute entsteht, das bei günstigem Wetter und Wind wohl meilenweit ver- 
nommen wird. Seine Heimat ist im hohen Norden, auf Island und Spitzbergen, 
im oberen Norwegen, Schweden und Rußland bis nach Asien hin, wo er be- 
besonders häufig ist." Im Winter zieht er südwärts. Auf der Insel Femarn 
„kennt ihn jedermann, es ist ein wunderbar melancholischer Klang, ähnlich 
fernem Geläute oder tönenden Ambossen, mitunter so stark, daß wer nicht 
daran gewöhnt ist, nachts im Schlafe dadurch gestört wird". 3 Seine Art ist 
gedrungener als die der anderen Arten Schwäne, der Hals kürzer, der Ein- 
druck fast gansartig, siehe Abb. Tafel LVl 4 aus Brehm, Tierleben. 

Noch Aelian um 250 n. Chr., für unsere Betrachtungen also reichlich spät, 

schreibt den Schwänen bei den Nordvölkern folgende Rolle zu: „Die Priester 

des Gottes Baidur sind dort Söhne der Reifriesen und der Frau Holle, drei 

an Zahl, leibliche Brüder . . . Wenn diese die gewohnten heiligen Handlungen 

' Aus Nat. Geogr. Magazine, Washington Novem. 1912. 
' Friedr. Delitzsch, Baoel und Bibel 1903 S. 49. 
' MüUenhoff, Deutsche Altskde 1 S. 1— 5. 



222 

zu gewissen Zeiten vollführen, dann fliegen von den sogenannten Fjelden 
unermeßliche Scharen von Schwänen herab, umkreisen den Tempel und reinigen 
ihn gewissermaßen durch ihren Flug; dann lassen sie sich im Tempelhofe nieder, 
der sehr groß und wunderschön ist. Wenn die Leute nach ihrer Weise Hymnen 
singen, wenn die Zitherspieler ihre Akkorde schlagen, dann stimmen auch die 
Schwäne mit ein und man hört nie einen Mißklang in diesem heiligen Konzert." 
Ob die Stelle echt ist, vermag ich nicht zu unterscheiden, jedenfalls berühren 
die angezogenen Eigennamen etwas sonderbar. 

Im germanischen Mythos sind die Walkyrien als Schwanenjungfrauen ge- 
kennzeichnet und können Schwanengestalten annehmen, um durch Luft und 
Wasser zu ziehen. Der Schwan galt als weissagender Vogel (schwanen = ahnen). 
Vielleicht hatten die Griechen Kenntnis von den im Norden ihnen beigelegten 
Fähigkeiten, was sie um so geeigneter zu ApoUons Begleiter erscheinen ließ, 
als der Gott die Gabe der Weissagung und sein delphisches Orakel Weltruf 
besaß. Nach Mannhardt wurde auch bei den nordischen Völkern der Sonnen- 
ball neben anderen Naturbildern unter dem eines Schwanes gedacht.' 

Im indischen Rigveda ist der Schwan ein Emblem der Sonne.* 
Das Sonnenboot findet sich auch bei den Letten: „die Sonne fährt auf 
goldenem Boote durch das Luftmeer, nachts versinkt es im Meere, morgens 
baut Gott ein anderes halb golden, halb silbern. Wiederum ist der Sonnenball 
dieses Boot, auf welchem die Sonnengöttin durch das Luftmeer steuert. "^ Auch 
bei anderen Völkern findet sich die Kahnfahrt der Sonne und das goldene ge- 
flügelte Bett.* 

Rückblickend läßt sich sagen: Die Antwort auf die Frage, was des Nachts 
aus der Sonne wird ist scheinbar ganz einfach vom späten Heliosmythos ge- 
geben: sie fährt auf dem Okeanos nach Osten zurück. Doch ein anderes macht 
stutzig: Helios-Sonne fährt auf dem Wasser, aber nicht zu Schiff, sondern in 
einem Becher, der, wie die Mehrdeutigkeit der alten Worte anzeigt, auch 
anderen Zwecken dient. 

Aus dem Mythos selbst ist darüber nichts weiter zu erfahren; was daran 
unklar ist, muß also vorläufig zurückgestellt werden. 

In derselben Lage wie Helios ist auch Apollon; wenn er als delphischer 
Sonnengott von seinem Winteraufenthalt am Okeanos zurückkehrt, benützt er 
gleichfalls den becherartigen Nachen oder den goldenen Wagen; und wie 
Helios von Pferden, so wird er von den Wasservögeln seiner Heimat, den 
Schwänen, gezogen oder getragen. Fraglich ist daran nichts mehr, der Mythos, 
erklärt sich restlos. Sein Anfang, das Motiv selbst, ist nordischer Herkunft, 
seine Ausgestaltung hat er im Süden erfahren, er hat sich aber auch über 

' Die Götter der deutsch, u. nord. Völker S. 59; hier zitiert nach H. Böttger, Sonnencult d. 
Indogermanen S. 51. 

2 Ztschr. f. vgl. Sprachforsch. IV A. Kuhn S. 120. 

ä Mannhardt, Lett. Sonnenmythen, Ztschr. f. Ethnol. 7 1875 S. 102. 

* Preller, I 2 S. 399. 



223 

das ganze Hallstattgebiet besonders im Südosten erstreckt. Im Süden gehört 
er der anthropomorpliisierenden Periode der Religion an, Apollon ist die 
Hauptfigur im Mythos und das andere ist Beiwerk; im Hallstattgebiet wäre 
diese Ausgestaltung nicht möglich gewesen, weil es zur selben Zeit noch in 
der tiergestaltenden und den Resten der älteren Auffassung verharrte, daher 
auch keinen Apollon zu denken vermochte. Es hat nur den Teil des Mythos 
ausgebildet oder aufgenommen, der die Bootsfahrt der Sonne zum Gegen- 
stand hat und ebenso volles Verständnis wie für das Pferd als Sonnenroß, 
hatte es für den Schwan, den Sonnenvogel. 

Sonne, Boot, Schwan und Pferd, und nicht mehr, dürfen wir im 
Hallstattgebiet voraussetzen und daraufhin sind nun einige Stichproben 
am Denkmälerbestand zu machen. Es läßt sich dabei nicht vermeiden, daß 
nach Süden über unser Gebiet hinausgegangen wird. 

Die Sonne in Archäologie und Prähistorie. In Oberitalien wurden 
Bronzegegenstände schon in der mit unserer frühen Hallstattzeit gleichaltrigen 
Villanovakultur fabrikmäßig hergestellt und zur Ausfuhr gebracht. Abb. Tafel LV 
Fig. 1 zeigt einen italischen Bronzekessel mit getriebenen Ornamenten, der 
nebst einem zweiten gleichartigen in Siem-Dänemark gefunden wurde. Nach 
Montelius gehört er in Periode IV seiner Bronzezeit, d. i. das 11. Jahrhundert,' 
Reineckes Hallstattstufe A (H^). 

Das darauf eingepunzte, die Sonnenscheibe umgebende Ornament ist in 
der Literatur schon häufig besprochen worden. Undset leitet es ab von einem 
der altägyptischen Kunst und Ornamentik geläufigen Bild, die Sonnenscheibe 
mit den Uräusschlangen, * bei Undset Fig. 9 nach einem phönizischen 
Monument.3 Hoernes stimmt ihm einmal zu: „Die Möglichkeit, ja 
Wahrscheinlichkeit dieses Zusammenhanges muß zugegeben wer- 
den",'* scheint aber später nicht mehr dieser Annahme geneigt, 
denn in seiner Urgeschichte der bildenden Kunst in Europa 1898 S. 492 sind 
ihm die Gefäße dieses Typus „nach Form und Verzierung evident italischen 
Ursprungs". A. v. Scheltema schließt sich in der Besprechung desselben Mo- 
tives Undset an: „Der Ursprung dieses, besonders in der Villanova- und Hall- 
statt-Kultur Italiens bzw. Mitteleuropas ganz allgemein verbreiteten Vogelmotivs 
ist vermutlich außereuropäisch-orientalisch; weder die Dipylon-, noch die Villa- 
nova- oder Hallstatt-Kunst war, in naturalistischem Sinn, schöpferisch genug, 
um diese Form spontan hervorzubringen. Uns interessiert hier namentlich der 
Ursprung der Vogelprotome zu beiden Seiten einer Sonnenscheibe, ein Motiv, 

' L' äge du Bronze en Suede; Compte rendu 13'- Sess. Congres intern. Monaco 1906 Tome II 
S.251. Die Situla ebenda fig. 171 S. 253. 

2 Undset, Oriental. Einfluß innerlib. d. ältst. europ.Civilisation, Ztsctir. f. Ethnol. 23 1891 S.293. 

' Hier wiedergegeben nach Hoernes Urg. d. bild. Kunst Taf. Xi, da, wie er S. 444 im Text 
bemerkt, die Undset'sche Darstellung nicht ganz korrekt ist; bei der .Reliefskulptur von Um- 
el-Awamid ist stets mehr oder minder deutlich die Mondsichel unten hängend angefügt.' 

'' Hoernes, D. ornamentale Verwendg. d. Tiergestalt in der präh. Kunst; Mitlgn. d. Anthr. Ges. 
Wien XXII 1892 S. 115. 




224 

das sehr häufig auf den weit verbreiteten italischen Kultgefäßen anzutreffen 
ist und durch Undset zweifellos richtig aus den ägyptisch-phönikischen Uräus- 
schlangen abgeleitet wird".' 

Die Ähnlichkeit im Bild ist in der Tat vorhanden und es mag ja sein, daß 
die Italiker den Ägyptern etwas abgesehen haben. Aber Kultsymbole haben 
ihren Ursprung in denen, die sie besitzen, sie entstehen nicht wie eine 
neuzeitliche Fabrikmarke. Ohne es kunsthistorisch beweisen zu wollen, ziehe 
ich vor, es mit Hoernes zweitzitierter Äußerung für evident italisch zu halten, 
denn hier war das Bild heimisch im Kult. 

Dechelette hatte die Dekoration dieser Bronzesitula kultisch gedeutet, was 
auch V. Scheltema erwähnt, und es ist ihm meines Erachtens in glücklicher 
Weise gelungen. Sie stellt den vollständigen mythologischen Apparat 
des Apollon -Sonnenmythos in Hallstattfassung dar: Die Sonnen- 
scheibe, ruhend in der Barke, dem Kessel oder Becher, und von Schwänen 
durch die Luft getragen. Die Schwäne, auf Kopf und Hals reduziert, bilden 
mit ihren Leibern die Barke, den Wagen oder den Becher, öinäg, in dem das 
Wahrzeichen der Lichtgottheit, die Scheibe, ruht. Eine zwar bilderschriftliche, 
aber geist- und gedankenvolle Komposition. Es stellte gleichsam dar, wie 
Sonne-Apollon im Frühjahr von den Hyperboreern durch die Luft zurück- 
kehrt nach Delphi. 

Häufiger als diese Luftreise ist die Darstellung des in ein wagrechtes Linien- 
band eingelassenen Sonnenbechers Abb. Tafel LV Fig. 2, wobei die Schwäne 
zu Rudimenten werden und die Schönheit der Komposition verloren gegangen 
ist, sie erscheint „verballhornt", wenn man den Maßstab des Ornamentikers, der 
Kunst überhaupt, an das Bildwerk legt, was aber, wie sich gleich zeigen wird, 
hier verfehlt wäre. Dechelette äußert sich dazu wie folgt: „Ursprünglich waren 
die Barken in horizontaler Ebene rings um das Gefäß angebracht. Aber ein 
Arbeiter, dem die wahre Bedeutung des Gegenstandes unbekannt war, hatte 
die Idee, Bug und Hinterteil des Schiffes in einer horizontalen Linie zu ver- 
einen. Auf diese Weise verlor das Motiv seine Bedeutung. Der die Sonne 
umgebende Halbkreis [der eben den Sonnenbecher vorstellt] und die beiden 
Schwanenköpfe wurden mit einemmal unverständlich, in eine noch halbwegs 
klare Darstellung kam ein phantastischer Zug." 

Mir kommt es sehr unwahrscheinlich vor, daß nur der Verfertiger des 
Bronzekessels von Siem die Bedeutung der Symbolik kannte, während es 
seinen zeitgenössischen Kameraden unbekannt geblieben sein soll. Es stünde 
schlimm um unsere Auslegung, wenn nur der erste Hersteller und nach 
3000 Jahren wir, die Ausleger, es verständen. Die Darstellung auf der Bronze- 
situla von Siem soll die älteste bekannte dieses Motives sein; es ist in den 
folgenden Jahrhunderten unzählige Male in allen möglichen Formen, Kür- 
zungen und Kombinationen in Bronze und — wie sich zeigen wird, auch in 



' A. van Scheltema, Die altnordische Kunst S. 135. 



225 

der Keramik — wiederholt worden und muß demgemäß in Oberitaiien und 
.durch das ganze mitteleuropäische Haiistattgebiet verstanden worden sein, 
sonst wäre seine Voli<stümlichi<eit und seine Langlebigkeit ganz unbegreiflich. 
Im Norden wurde das Motiv auch aufgegriffen, aber, wie schon Beltz be- 
merkt hat und auch v. Scheltema ausführt, ist es dort in durchaus eigener 
Weise variiert worden, die Vogelköpfe wurden zu Drachen. Dies konnte nur 
geschehen, weil der Sinn des Mythos fremd war. 

Die Bedeutung der häufiger auf der Horizontallinie ruhenden Barke ist — 
nachdem diejenige des Symbols gegeben ist — nicht schwer festzustellen, 
Dechelette hat den Gedanken nur nicht zu Ende gedacht. Die Schwäne des 
Kessels von Siem tragen die Sonnenbarke fliegend durch die Luft, die anderen 
führen sie auf dem Wasser schwimmend. Die Horizontallinie ist immer 
das Wasser, der griechische Okeanos, das Weltmeer der Alten. Das Gewicht der 
Sonne drückt die Barke tief ins Wasser und bis zum Hals stecken die Schwäne 
darin, das gibt die Bilderschrift naturgetreu wieder. Die Übereinstimmung 
der prähistorischen Illustration mit den dichterischen Gebilden der historischen 
griechischen Mythologie ist — sowohl was die Luft- als was die Wasser- 
fahrt betrifft — so vollständig, daß sie sogar einige Blätter aus dem Ruhmes- 
kranz der späten Poeten nimmt, denn sie brauchten nichts erfinden, sondern 
das Erbe der Vorwelt und der Kesselschmiede nur in die entsprechenden 
Worte zu kleiden. 

Bei den folgenden Beispielen werde ich mich nicht weiter in Einzelheiten 
ergehen, die vorausgeschickten Betrachtungen möge man als den Prüfstein 
nehmen, mit dem ich an andere, meines Erachtens in diesen Ideenkreis ge- 
hörende Gebilde summarisch herantrete. Fürs erste kommt es auch gar nicht 
darauf an, daß in jedem Einzelfall der Nachweis erschöpfend gebracht wird, 
das ist Sache der Kleinarbeit. Zunächst handelt es sich darum, die archäologische 
Reichweite der Auswirkung des Sonnenglaubens anzudeuten. 

Der Sonnenbecher in der Plastik. Die von Vögeln getragene oder ge- 
führte Barke ist auch in der Plastik zu Hause; doch verlieren hier die Wasservögel 
in der Regel das Schwanenhafte, das auch der Singschwan nicht in vollem 
Umfang aufweist, sie werden zu Gänsen, Enten. Mit dieser Einschränkung 
gleicht der kleine „ Doppelvogel " von Bronze aus dem Szamosflusse bei 
Szatmär-Ungarni (Abb. Tafel LV Fig. 3) ganz der Schwanenbarke auf den 
Situlen und ist, wie diese, nichts anderes als das mythische, napfartige Fahr- 
zeug wahrscheinlich der Sonne; mit voller Sicherheit es auf diese zu beziehen 
ohne das sonstige begleitende Sonnenzeichen wage ich doch nicht, da der Anteil 
des Mondes nicht ausgeschlossen ist. Hoernes bezeichnet es als schiffchen- 
förmige Nachahmung eines Gefäßes, das in zwei Vogelköpfe ausläuft; es hat 
zwei paar kleine Löcher zur Befestigung eines Deckels. 

' Hoernes, D. orn. Vwdg. d. Tiergest. S. 116; dsb. Urg.d. bild. Kunst S.495. 



226 

In Enten- oderGänse-, nichtin Schwanenprotomen endetauch diedurch Sonnen- 
zeichen als Sonnenbarl<e gekennzeichnete obere Bekrönung des Ring- und 
Kiapperschmuckes aus dem Beckerhölzl in unserer Sammlung (7420/42)' 
(Abb. Tafel LVI Fig. 1). Man könnte versucht sein, in dem massiven Ring, 
der das Vogelschiff trägt, das die Erde umschließende Weltmeer, den kreisenden 
Strom Okeanos zu sehen. 

Wie viel anderer Hallstattschmuck ist auch der unsere reich besetzt mit 
Klapperblechen, die an Kettchen hängen. Hoernes hat diesen Anhängseln 
längere Ausführungen gewidmet;'- er sieht nicht bloße ästhetische Erfindungen 
darin, sondern er schreibt ihnen eine gewisse Amulett- und Zauberwirkung 
zu gleich dem Klimperwerk der nordasiatischen Schamanen. Kann sein, daß 
sie mitunter auch diesen Zweck zu erfüllen hatten; wo sie aber mit den 
Schwänen in Verbindung gebracht sind, lassen sie auch eine andere Erklärung 
zu: vielleicht versinnbildlicht ihr Klimpern, Klingen, Tönen den Gesang dieser 
schimmernden Vögel des Lichts, der ja fernem Geläute oder tönenden Am- 
bossen vergleichbar ist.^ Beweisen freilich läßt sich weder die eine noch die 
andere Annahme. Aber Klapperbleche treten auch an profanen Gegenständen 
häufig auf, an Fibeln z. B., die doch kaum einer Zauberwirkung wegen ge- 
tragen wurden, und das rechtfertigt auch die ohnehin nur eine Nebensache 
betreffende Vermutung. 

Nicht selten sind dem Vogel Gliedmaßen anderer Tierkörper angefügt und 
daraus entstehen sonderbare Fabeltiere, besonders eigentümlich, wenn sie 
Rinderähnlichkeit besitzen (Abb. Tafel LV Fig. 4), worüber sich Hoernes fol- 
gendermaßen ausspricht: „Bei gehörnten vierbeinigen Gefäßen blickt doch 
mit ziemlicher Deutlichkeit die Absicht durch, wenigstens nebenher auch an 
die Gestalt eines Rindes zu erinnern, das dem Vogel gleichsam den Platz strei- 
tig macht . . . Soviel wollen wir zugeben und nicht bloße Ungeschicklichkeit 
für jene seltsamen Zwitter verantwortlich machen. Aber es fehlt doch unend- 
lich viel zur wirklichen, wenn auch einfachsten künstlerischen Verschmelzung. 
Das ist nicht bildnerische Poesie, d. h. Kunst, sondern bildnerische Prosa, d. h. 
Bilderschrift." Das letztere ist sicher richtig: nicht durch Kunst zu erfreuen 
ist des Verfertigers Absicht, neben- und ineinandergeschobene Andeutungen 
genügen der Vorstellung des Wissenden. Vogel und Gefäß allein ohne den 
Rinderanteil würden sich auf die Sonne beziehen; ob letzterer ein Hinweis 
auf den Mond ist, oder eine Erinnerung an die tiergestaltige südliche Sonnen- 
vorstellung enthält, läßt sich mit Sicherheit wohl kaum entscheiden. Die Häufung 
von Anteilen zweier gleichwertiger Tiere an einem und demselben Wesen ent- 
spricht aber durchaus der noch nicht zur Kunst ausgereiften bilderschriftlichen 
Darstellung und ist ein ethnologisch ganz allgemeiner Vorgang. 

Ein anderes hübsches Beispiel für die Gleichwertigkeit der beiden Sonnen- 
tiere Vogel und Roß und für ihre gegenseitige Stellvertretung findet sich eben- 
falls bei Hoernes (Abb. Tafel LVI Fig. 3). Der plastische, in Siebenbürgen 

• Festschrift 1913 Tafel 34 Text S. 118. — ^ Urg. d. bild. Kunst S. 440— 445. — ^ s. S. 221. 



227 

gefundene Pferdeschmuck stellt ein Pferd dar, dem zwei kleine Pferdchen 
auf dem Rücken stehen; unter „dem Bauch des Pferdes, setzt er hinzu, sind 
zwei Vögel in sinnloser Weise als saugende Junge angebracht".' Er hat später 
in der Urgeschichte der bildenden Kunst S. 481 den Schmuck wieder ab- 
gebildet, inzwischen aber seine Meinung geändert und gibt es nun als Be- 
leg für „die gewiß symbolische und bedeutungsvolle Verbindung des Pferdes 
mit der Vogelfigur". 

Pferd und Vogel sind besonders häufig zusammenkomponiert; fast läßt es 
sich für den Hallstattkulturkreis und das Gebiet im Süden der Alpen als Regel 
aufstellen, daß, wenn beim Pferd, das zur Sonne in Beziehung steht, alle 
sonstigen Andeutungen fehlen, wenigstens der Kopf vogelähnlich zu sein hat. 
Beide Tiere standen im Dienst der Sonne; das Bild des einen wie des andern 
bezog sich auf sie und beide haben gleichen Anteil an den mystischen Eigen- 
schaften, welche diese Stufe dem Urbild und infolgedessen auch dem Abbild, 
der Nachahmung, beimißt. Da sie die gleiche Sache sind, kann auch ein Tier 
an Stelle des anderen stehen. Und da jeder Körperteil an den mystischen 
Eigenschaften des ganzen Wesens ebenso teilnimmt, wie der kleinste Tropfen 
einer Flüssigkeit dieselbe Beschaffenheit zeigt, wie die größte Menge des- 
selben Stoffes, so ist es auch nebensächlich, welcher Teil zum andern gefügt 
wird und ob der Schwan vier Füße oder das Pferd einen Vogelkopf be- 
kommt.2 

Vogelkopf-Ähnlichkeit und Schwanenhals weist auch unser 
Beckersloher Pferdchen auf; obwohl es ein bodenständiges Erzeugnis des 
9. oder 8. Jahrhunderts ist, wie die übrige Keranik desselben Hügels beweist, 
verrät sich darin eine ebenso gute und sichere Kenntnis des Schwanenmythos, 
wie sie in Oberitalien zu Hause war. So etwas wird nicht durch Hörensagen 
erworben, durch eine übertragene Märe, das muß unser jurassischer Bauern- 
künsller oder -künstlerin mitgeglaubt und mitgefühlt haben. 

Damit hat die Untersuchung abermals einen Schritt vorwärts getan: die 
Doppelnatur dieses Sonnenwesens ist erschlossen, ein Einblick in das 
mystische, fast noch prälogische Denken der Hallstattleute gewonnen und zu- 
gleich ihr starker innerer Anteil an diesem Sonnenmythos wahr- 
scheinlich geworden. 

Die jüngere Hallstattzeit hat von den auf die Sonne sich beziehenden Sinn- 
bildern auch zu profanen Zwecken einen sehr umfangreichen Gebrauch ge- 
macht. „Die Motive sind so abgedroschen, daß man unmöglich ihren religiösen 
Charakter argwöhnen könnte, wenn man ihre wahre Herkunft nicht kennen 
würde. Sie sind nach und nach zu Schablonen geworden und sowohl die 
Vasenmaler, wie die Metallarbeiter werden nicht müde, sie immer und immer 
wieder darzustellen." „. . . Andrerseits wurden gewisse Motive unzählige Male 

' Hoernes, Ornam. Vwendg. d. Tiergestalt S. 112. 

^ Vgl. hierzu die Ausführungen über das Hikuli bei Levy-Brühl S. 98. 



228 

von den Künstlern wiederholt, ohne daß ihnen eine bilderschriftUche Bedeutung 
beigelegt ist; denn der Wert eines symbolischen Zeichens mindert sich mit 
seiner Ausbreitung und die Alltäglichkeit verdammt es, gradweise herabzusteigen 
zum Rang eines Ornamentmotives."i 

Nach der Häufigkeit der Motive zu urteilen kann man sagen, daß das Leben 
zur Hallstattzeit in einer Weise von Religion durchdrungen war, welche an 
das christliche Mittelalter erinnert, obwohl sie ja keiner Zeit ganz fremd ist. 
Vielfach war der Schmuck, im Bereich der etruskischen Kultur besonders am 
Pferdegeschirr, im übrigen auch an der Kleidung damit ausgestattet. Dafür 
scheinen mir die Fibeln zu sprechen. Schon die kahnförmigen Certosafibeln 
mit langem Nadelhalter dürften sich auf die Sonnenbarke beziehen, wenn bei 
wagrechter Haltung der Kahn nicht über der Nadel, sondern umgekehrt, unter 
ihr getragen wurde. Vielleicht war dies nicht allgemein üblich, jedenfalls bilden 
wir sie in der Regel nicht so ab; wenn aber der Kahn wie auf unserer Abb. 
Tafel LVII 6 mit Kettchen und Klapperblechen behängt ist, dann konnte sie 
gar nicht anders als mit der Nadel nach oben getragen werden und damit rückt 
sie dem Gedankenkreis der Sonnenbarke sehr nahe. 

Ihr schließt sich die Paukenfibel an, bei der die Pauke vielfach ganz die 
Form des Sonnenbechers unserer Abbildung mit dem seefahrenden Herakles 
hat oder auch die Form des Kessels an den siebenbürgischen Kesselwagen, 
den Schwäne geleiten (Abb. Tafel LVII Fig. 1). Der profane Gebrauch hat 
jedoch vielfach das Motiv seiner vermutlichen Abkunft entfremdet und ohne 
Rücksicht darauf dekorativ ausgestaltet. 

Die Vogelkopffibel scheint mir gleichfalls die in einen Vogelleib umgestaltete, 
oder, wenn sie ähnlich dem Doppelvogel aus dem Szamosfluß (Abb. Tafel LV 
Fig. 3) beiderseitig Vogelprotome aufweist, von zwei Vögeln getragene Sonnen- 
barke zu sein. Daß sie nicht aus der Paukenfibel hervorgegangen ist, läßt 
sich daraus entnehmen, daß die „Pauke" aus dünnem Blech getrieben zu sein 
pflegt, während der Vogelleib an der Fibel immer massiv gegossen ist. Beide 
sind selbständige Bildfiguren und nur darin gleich, daß sie beide den gleichen 
durchaus hallstattzeitlichen Gedanken auf verschiedene Art illustrieren. Darum 
kann auch die Vogelkopffibel nicht erst zur Latenezeit, wo ein anderes Volk 
mit anderem Kult auftritt, entstanden sein. Noch gilt ihr häufiges Vorkommen 
in Hügeln von H^ und selbst H3 als unsicher oder man macht Nachbestat- 
tungen dafür verantwortlich. Es erklärt sich aber dadurch, daß sie zur Hallstatt- 
kultur gehört; wenn auch L^ sie weiterführt, so zeigt das nur, daß zwischen 
Hallstatt- und erster Latenezeit, vielleicht nur lokal wie beispielsweise bei uns, 
engere Beziehungen bestanden, als man bisher anzunehmen Anlaß hatte. Darauf 
weist ja auch manches aus unserer lokalen Keramik hin. 

Die verhältnismäßig junge Paukenfibel greift auf die älteste Auffassung von 
der Sonne als einem Kessel zurück, sie hat daneben kein anderes Sonnen- 

' Dechelette, Culte du sol. S. 60, 62. 



229 

emblem; sie tritt vielfach auch in Formen auf, die nichts mit einer Sonnen- 
bari<e zu tun haben können, weil sie eben zum einfachen Bildmotiv geworden 
sind. Auch andere Darstellungen gleichen ihr darin und sind unverständlich, 
wenn sie nicht diesem Gedankenkreis angehören, z. B. das Bronzekrüglein 
vom hallstattzeitlichen Glasinaz in Bosnien (Abb. Tafel LV Fig. 6). Der Krug 
ist das gleiche Sonnenmotiv wie der Kessel; als solches führen ihn auch die 
Veden auf: der Krug mit der Schnaube ist dort die nach siegreich überwunde- 
nem Gewitter im milden Regen lebenspendendes Naß zur Erde herabsendende 
Sonne. 1 Beim Krüglein vom Glasinaz ist die Eigenbewegung der Sonne in 
einer ganz impressionistisch anmutenden Weise wiedergegeben durch die Ringe, 
die andeuten, daß es mit Schnelligkeit sich fortbewegt und der Eindruck 
schneller Bewegung wird um so lebhafter, je länger man das Bildchen betrachtet; 
ob die Ringe Räder vorstellen oder nicht, ist nebensächlich. 

Die Kesselwagen. Die Darstellung der Eigenbewegung der Sonne leitet 
über zu anderen, in der Vorgeschichte oft berührten Gegenständen, den so- 
genannten Kesselwagen, das sind Bronzekessel, die auf einem Rädergestell 
ruhen. Bei den hallstättischen sind Vogelköpfe angebracht oder sie werden 
von Vögelchen geführt oder geleitet, s. Abb. Tafel LV Fig. 5, LVII 1. 

Ihre älteren Vorgänger führen zeitlich und geographisch über die Hallstatt- 
kultur hinaus. Im germanischen Norden, wo sie der ausgehenden Bronze- 
zeit, Reineckes Stufe D 1400— 1200 v. Chr., ^ angehören, sind die Vögel am 
Kesselwagen unbekannt, jedenfalls weil die Schwanenbegleitung der Sonne den 
Germanen überhaupt fremd war, oder weil die Mythen jener Zeit eine solche 
Ausstattung noch nicht zuließen. 

Dem prälogischen Denken der alten Zeit war der Kessel ein Bild der Sonne, 
mit dessen mystischer Eigenschaft sich erreichen ließ, was vom Urbild gewünscht 
wurde. Regen oder Sonnenschein. Die späteren Kesselwagen standen auch in 
ihrem Dienst; sie sind längst als Requisiten eines mit kultischen Umfahrten 
verknüpften Regenzaubers erkannt: „Diese Umfahrten sind ja in ihrem Kern 
alte Zauberhandlungen, Fruchtbarkeits-, genauer gesagt Sonnen- bezw. Regen- 
zauber in der Gestalt, die sie in der Zeit der persönlichen Götter angenommen 
hatten; sie weisen zurück auf gleichgeartete Handlungen primitiverer Zeit, als 
man den Zauber noch direkt ausübte, indem man noch nicht den Gott, der 
die Sonne heraufführen oder regnen lassen sollte, auf dem Wagen umherfuhr, 
sondern die Sonne selbst, ^ oder im Regenzauber den das erbetene Wasser 
enthaltenden Kessel.*" 

Auch Furtwängler beschreibt den gleichen Gebrauch und solche Geräte, 
eines aus Krannon in Thessalien = und ein anderes aus Cypern, das ihn zu 

' Kuhn, Myth. Studien S 154. 

2 Reinecke, Kultsymbole ad. europ. Kreise Korresp.BI. f. AEU. 37 1906 S. 63. 
' Von mir gesperrt. — * Helm, Altgerman. Religionsgesch. I S. 181; s. auch Gruppe in 
J. V. Müller, Hdbch. d. Altmswiss. V2 1906 S. 820 .Regenzauber". 

^ Meisterwerke d. griech. Plastik 1893; s. hierzu jedoch Hoernes, Urg. d. bild. Kunst S. 457. 



230 

einem Vergleich veranlaßt mit der biblischen Schilderung der Salomonischen 
Tempelgeräte, aus dem hervorgeht, „daß hier wie dort einerlei Geräte zugrunde 
Hegen müssen. Beide sind Arbeiten einer spätmykenischen Kunstgruppe, aufs 
engste verknüpft mit Erscheinungen der ersten nachmykenischen Zeit in Griechen- 
land."' Die Geräte gehören dem 10. Jahrhundert an. „Nachdem sich nun er- 
weist, daß jene Salomonischen Geräte einer von Nordwesten nach Phönikien 
gekommenen Kunsttradition entstammen, ist gar nicht mehr daran zu zweifeln, 
daß jene Erscheinungen alle untereinander in Beziehung stehen." Diese hier 
ausnahmsweise von Mittel- und Nordeuropa nach Phönizien — Palästina gehende, 
gewöhnlich umgekehrt kommensollende Ausstrahlung eines gleichen Kult- 
gebrauches kann aber hier nicht weiter beschäftigen. 

Der auf Rädern fahrende Kessel war in dem noch großenteils prälogisch 
denkenden Alteuropa die Sonne und nun laufen die Fäden weiter rückwärts 
nach dem hinteren Grund und verknüpfen mit dem Bild von Trundholm, der 
auf Rädern aufrecht stehenden Sonnenscheibe, welche ein Pferdchen zieht, nach 
Reinecke 1600 — 1400 v.Chr. So weit zurück lassen sich also die Bestandteile 
des indogermanischen Sonnenglaubens archäologisch lückenlos verfolgen. 

Zusammenfassung des Bisherigen. Aus der Denkweise der ältesten 
Zeit ging in die Nachwelt die Vorstellung vom sachlichen Wesen der Sonne 
über, in der Größe, wie wir sie sehen, ^ als Scheibe, Kugel, Rad und das ist 
auch uns verständlich, denn diese Zeichen sind Kreisfiguren und als eine solche 
erscheint ja auch der Himmelskörper. Nicht in gleichem Maße trifft die Selbst- 
verständlichkeit auf die anderen sachlichen Begriffe für uns zu und dies ist 
natürlich den Mythologen nicht entgangen: „Von den besonderen Zügen sind 
Wagen und Viergespann als Heliosgefährt sogleich klar, die oder besser der 
Kessel dagegen minder deutlich. Wir dürfen ihn hier ... als Sinnbild der 
Sonne fassen, welche der Urzeit neben anderen Bildern einem schwimmen- 
den, goldenen, ehernen Kessel, Becher, Napfe gleich erschien." » 

Es ist richtig, die prälogische Denkweise, welcher die Sonne ein Rad ist, 
macht ebensogut einen Kessel oder noch ganz andere Dinge daraus ohne sich 
untreu zu werden; und ebenso kann auch eine Spätzeit, die bereits metallene 
Gefäße besitzt, in diesen Bahnen weiter denken, denn nur sehr allmählich und 
nicht auf jedem Gebiet zugleich stellt sich eine andere Geistesrichtung ein. 
Aber bei dem auf irgendwelcher Ähnlichkeit beruhenden Vergleich läßt es die 
hier ausschließlich in Frage kommende prälogische Denkweise nicht bewenden. 
„Es ist eine wohlbekannte Tatsache, daß die Primitiven und selbst die Mit- 
glieder von schon ziemlich fortgeschrittenen Gesellschaften, welche mehr oder 

' Über ein auf Cypern gef. Bronzegerät; Sitzgsber. d. b. Ak. d. Wiss. phil.-hist. Cl. 1899 II S.41 1. 

' Noch für Epikur im 3. — 2. Jalirfi. v. Clir. war die Sonne nur einen Fuß groß; Boll, Die 
Sonne im Glauben u. in d. Wejtanscfiauung d. a. Völker 1922 S. 6. „Der Grieche ignoriert die 
Tatsache, daß ferne Dinge kleiner erscheinen; er ignoriert die Ferne, den Horizont überhaupt" 
(Spengler 1 S. 314). 

' W. Sonne in d. Ztschr. f. vglchd. Sprachwissensch. 10 1861 Charis I Helios-Poseidon S. 161. 



231 

minder die geistige Besctiaffenheit der Primitiven belialten haben, Bilder der 
Wesen, mögen sie gemalt, graviert oder geschnitzt sein, für ebenso wirklich 
halten, wie diese Wesen selbst.'" Das rührt davon her, daß ihr Wahrnehmungs- 
vermögen anders ist als das unsere. Wir sehen in einem Gegenstand nur das 
ObjeI<tive, Wirkliche und nur dieses: die Form, die Größe, die Farbe, den 
Ausdruck. Jenen sind diese Merkmale weder die einzigen, noch weniger die 
wichtigsten, sie sind ihnen nur die Träger der den Gegenständen innewohnen- 
den geheimen Kräfte und mystischen Fähigkeiten, die für uns nicht vorhanden, 
ihnen aber die Hauptsache sind und an denen auch die ihnen lebendig schei- 
nenden Nachahmungen teilhaben. 

Die Mythologie, eine im Geistigen und der Vergangenheit wurzelnde Wissen- 
schaft, konnte sich nicht bestimmter fassen, als daß der Vorzeit die Sonne 
einem schwimmenden, goldenen, ehernen Kessel, Becher, Napf gleich er- 
schien. Die Ethnologie, auf lebendes Beobachtungsmaterial gestützt, vermag 
sich bestimmter auszudrücken: Kessel, Becher, Napf, Rad usw. sind die Sonne 
und haben in der Hand des Kundigen dieselben mystischen Kräfte, wie sie 
dem Urbild beigelegt werden. 

Die Feststellung, daß Mythologie und Ethnologie auf ganz verschiedenen 
Wegen zum gleichen Ergebnis kommen, ist sehr beachtenswert. 

Auf die Ethnologie gestützt läßt sich demnach sagen: nicht als Sonnen- 
Symbole haben die prälogischen Vorstellungen Rad- und Kreuz- und Kessel- 
figuren geschaffen, sondern sie gelten den Verehrern als Sonne. Wir sind da- 
her berechtigt, aus den bei den frühesten Indogermanen vorhandenen Bildern 
auf gleiche Vorstellungs- und Denkart zu schließen. 

In der Denkart der primitiven Gesellschaft fühlt der Mensch sich eins mit 
allen übrigen Wesen im All, der einzelne glaubt in mystischer und kollektiver 
Weise ihnen verbunden zu sein und selbst an ihren physischen Eigenschaften 
teilhaben zu können. Er ist kosmisch mit dem All verbunden. 

Was die Sonne, um bei dieser zu bleiben, zu wirken vermag, das vermeint 
auch er herbeiführen zu können und vermittelst der Gegenstände, die er für 
Sonnen hält, bringt er seine mystischen Fähigkeiten zu zauberischer Anwendung, 
wie dies oben beim Regenzauber — und sicherlich nicht nur bei diesem — 
an den Kesselwagen sich gezeigt hat. 

Für die jüngeren, vorgeschritteneren Zeiten ist das bisher beigebrachte 
Material unserer Untersuchung noch nicht hinreichend zur Beantwortung der 
Frage, welcher Art der Hallstattglauben war und wieviel prälogisches Denken 

• Levy-Brühl S. 31. Sogar einem so hochstehenden Volk, wie es die Chinesen sind, ist die 
gemalte oder geschnitzte Nachahmung das andere Ich der lebendigen Wirklichkeit, eine Woh- 
nung seiner Seele, oder richtiger diese Wirklichkeit selbst. Die Beispiele dafür entbehren aller 
Wahrscheinlichkeit, die chinesischen Autoren aber finden sie vollkommen natürlich: ,eine junge 
Witwe hat ein Kind von der Tonstatue ihres Mannes; Porträts werden lebende Wesen; ein 
Hund aus Holz beginnt zu laufen; Tiere aus Papier, z. B. Pferde, benehmen sich wie lebende 
Tiere usw.' 



232 

in ihm vertreten ist, oder gar überwiegt. In der materiellen Kultur bildet die 
Hallstattzeit eine Grenze zwischen den noch steinzeitlich anmutenden alten 
Bronzezeitkulturen und der schon unter antikem Einfluß stehenden Latene- 
periode; man kann Ähnliches auch von den religiösen Vorstellungen vermuten. 
Aber hier am Unbekannten lassen zunächst Mythologie und Ethnologie im 
Stich, denn das Denken einer solchen Übergangszeit ist nicht vermittelst einiger 
von anderswoher geholter Vergleiche zu erschließen. 

Vorerst aber ist noch mit einem abschließenden Rückblick von der antiken 
Mythologie der Spätzeit Abschied zu nehmen, von der wir ausgegangen sind. 

Der antike Mensch stand nicht in dem engen mystischen Verband mit der 
gesamten Natur wie der primitive, er war nach Denkart und Weltauffassung 
losgelöst aus der kosmischen Wesenseinheit mit dem All, dem im unkritisch- 
prälogischen Denken der Primitive als kollektiver Teilhaber mystisch angehört. 
Der Grieche stand dem Kosmos als selbständiges Individuum — punktförmig 
bezeichnet es Spengler — mit anderem Weltgefühl gegenüber. 

Vom 8. Jahrhundert ab war die höchste Stufe der vorgeschichtlichen Mythen- 
bildung, der anthropomorphe Götterhimmel erreicht und Wesen der Ver- 
ehrung geschaffen, mit denen nicht mystische Teilhaberschaft verband, son- 
dern mit denen man sich durch religiöse Handlungen und Zwischenglieder 
in Verbindung setzte. 

Die andersgearteten Vorstellungen der alten Zeit blieben fort an der Sonne 
haften, wurden aber umgewertet und untergeordnet. Scheibe, Rad und die 
ihr nächstverwandten geometrischen Zeichen: der Kreis mit dem Zentralpunkt, 
die Suastika u. dgl., ebenso Becher, Roß, Schwäne und die daraus gebildeten 
Fabelwesen wurden nun, nachdem sie ihrer mystischen Kräfte entkleidet waren, 
zu Symbolen der Sonne und weiter zu Lieblingen der Dichterphilosophen, 
Mythographen und Künstler bei der poetischen Ausgestaltung und Verschöne- 
rung des vorgeschrittenen Mythos. Dadurch wurden sie der Vergessenheit ent- 
rissen und mit ihrer Hilfe ist es möglich, sich in die religiöse Vergangenheit 
der Vorzeit zurückzutasten. 



III 

Die Sonne im TotenJiult unserer hallstättischen Illyrer. 

p\ie vorausgehenden Ausführungen lassen die historische Tiefe, die mytho- 
L-'logische Breite des Sonnenglaubens ersehen und geben einige Beispiele, 
wie er in kultischen und profanen Dingen bildlichen Ausdruck fand. Selbst über 
das Leben im Diesseits hinaus fühlten sich die Hallstattleute dem Tagesgestirn 
verbunden. 

Beinahe jeder unversehrte Hügel der Ha-Periode beschert uns in den kera- 
mischen Beigaben eine größere Schale mit dem Sonnenbild: ein Kreuz im 
Kreis, bezw. den viergeteilten Kreis auf dem Innenboden, oft von prunkvoller 
geometrischer Ornamentik umgeben, wenn auch nie buntfarbig wie in Würt- 
temberg oder Baden. Die kleine Schale, welche das Beckersloher Pferdchen 
trägt, gehört in diese Gruppe, obgleich sie ausnahmsweise — vielleicht ihrer 
Kleinheit wegen — nicht terrassiert ist. 

Auf mehreren Schalen der Beckersloher Nekropole,i und nicht nur dieser, 
besteht die den Kreis umgebende Dekoration aus 3, öfters aus 4 Paaren von 
gegenständigen Zickzackfiguren, mit und ohne Füßchen am äußeren Ende: 
in der primitiven Zeichnungstechnik der Töpferei Beinpaare. Weit davon, 
natürlich zu sein, bringen sie doch das Rotieren des Kreises, der die Sonne 
darstellt, sehr wirkungsvoll zum Ausdruck, ähnlich wie ihn die laufenden Beine 
der Triquetren auf römisch-griechischen Münzen auch hervorrufen. Auf einem 
anderen derartigen Teller« sind dem Sonnenbild selbst, dem Kreuz, die Füß- 
chen angeheftet; hier ist die Eigenbewegung der Sonne auf die denkbar ein- 
fachste Formel zurückgeführt und das Zeichen wird zur Suastika. 

Man sollte glauben, daß diesen Schalen mit dem auffallenden Ornament 
der kreisenden Sonne eine wichtige Rolle im Hügelinhalt zukommt; soweit 
indes unsere Beobachtungen reichen, nehmen sie unter den übrigen Ge- 
fäßen der Beisetzung keinen bevorzugten Platz im Hügel ein; es wurde eben 
jede Stelle und jedes Gefäß für gleich wichtig erachtet. 

Seltener als an den Schalen findet sich an anderen Töpfen unten am äußeren 
Boden das Sonnenkreuz und bei anderen ist es innenseitig angebracht (Hirsch- 
berg, Labersricht, Heidenhäuser usw.). Bei letzteren gilt der Rand des Topfes, 
der Mundsaum, als Radkranz und vom Rand über den Boden zum Rand 
laufen die roh mit dem Finger aufgetragenen Graphitstriche. 

' Festschrift d. Naturh.Gesellsch. Tafeiso, 31; hier Hügel Illh, IXb und sonst. 
^ Aus der Nekropole im Weidenschlag 7285^°, noch nicht veröffentlicht. 



234 

Dekorativ ist diese Bemalung ganz und gar nicht. Man entdeckt sie erst, 
wenn man den Topf aufmerksam mustert und zu diesem Zweck dreht und 
wendet. Auch praktische Bedeutung hatte sie nicht, sowenig wie der Graphit- 
anstrich im Innern der Gefäße, bei Ingebrauchnahme wäre alles verschwunden. 
Nur weil die Gefäße, wie schon oben gesagt wurde, zu Zermonial- und Sepul- 
kralzwecken eigens angefertigt wurden, hatte es einen Sinn so zu verfahren. 

Die übrigen ornamenttragenden Gefäße variieren eine nicht große Anzahl 
einfacher geometrischer Motive, manche schon von recht erheblichem Alter und 
früheren Ornamentschätzen entnommen. Alle Motive finden sich gesammelt wieder 
in den Kompositionen der Sonnenteller-Ornamente. Bei den übrigen Gefäßen 
aber schwirren sie in Einzelteile aufgelöst auf Rücken und Bauch umher, um- 
ranken sie in Reihen gesellt oder genügen sich in einfachen Wiederholungen. 

An und für sich mögen die Ornamente auf profanen Gegenständen oder 
an Bronzen vielleicht wirklich nur dem Schmuckbedürfnis entsprechen, wie 
wir nüchterne Menschen einer anderen Zeit ohne weiteres glauben annehmen 
zu müssen und in Ermanglung besseren Wissens auch gut tun, denn sonst 
wäre der Phantasie Tür und Tor geöffnet. In der Gräberkeramik aber haben 
sie Bedeutung, da steht es uns nicht zu sie einfach nach dem ornamentalen 
oder zeichnerischen Wert einzuschätzen, den sie für uns haben, sie mit kaltem 
Blut analytisch aufzulösen und ihnen überlegen oder wohlwollend ein Urteil 
zu fällen. Sie reden nicht zu uns, denn sie sprechen eine unverständliche, 
unserem Stilgefühl nicht zu erschließende Sprache. Nur ahnen läßt sich, was 
sie sind: der Ausdruck einer anderen, der unseren weit entrückten Gedanken- 
welt, und das ist auch die Ursache ihrer Monotonie, ihrer Einheitlichkeit und 
ihrer Langlebigkeit. 

Mit dem Gefäßkörper zusammen bildet das Ornament ein Ganzes, das immer 
in Beziehung zur Sonne steht. Manchmal steigert es sich zu einer bilder- 
schriftartigen Formel, die freilich unter der ausführenden Hand der wenig 
kunstfertigen Töpferin ein schwer entzifferbares Bilderrätsel darstellt. Die 
rätselhaften Figuren der Urne von Speikern" z. B. (siehe Abb. Tafel LVII Fig. 3) 
sind nichts anderes als die fliegende Sonnenbarke in keramischem Bilderstil, 
von zwei Schwänen getragen: die Sonne ein schraffiertes Dreieck auf eine 
Linie, die Barke, gestellt; diese endigt links und rechts in Vogelprotome, bei 
denen die Köpfe durch Querstriche angedeutet sind; die Barke nach unten 
mit Klapperblechen behangen. Und merkwürdig: wenn auch unbeholfen kaum 
kennbar in Ton geritzt ist es doch dieselbe Allegorie, welche der kunstgeübte 
italische Kesselschmied auf der Situla von Siem (Abb. Tafel LV Fig. 1) in Bronze 
gepunzt hat und die Anordnung um das Gefäß herum ist die gleiche. Ein- 
fachste Sonnenbarken mit Andeutung der zwei Vogelprotome in vielfacher 
Wiederholung als Fries um den Boden der Sonnenteller s. Beckersloh Hügel III i 
sind ein vielfach wiederkehrendes Motiv. 



' Festschrift 1887 S. 72. 



235 

Daraus geht hervor, daß die von Schwänen getragene Sonnenbarke nicht 
nur bei den Itaiil<ern im Süden, sondern ebenso im Halistattgebiet zu Hause 
war. Daß sie hier zu einem selbständigen Bild umgestaltet werden konnte, 
ist nur denkbar, wenn die Hand vom gleichen mythologischen Verständnis ge- 
führt wurde wie dort. 

Aber selbst wenn man die Deutung dieser Gebilde als Sonnenbarken ab- 
lehnen wollte, bleibt doch die Tatsache bestehen, daß Sonnenbilder dem Toten 
ins Grab folgten. Welchen Zweck konnte dies haben? 

Wiederum sind es die Mythologen, welche die Antwort schon gegeben haben, 
anscheinend freilich nur für die Griechen, aber in so hohes Altertum hinauf- 
gerückt, daß nicht das Griechentum, wohl aber der ungetrennte Indogermanen- 
stamm selbst berührt ist. 

Die Sprache der Mythologen verdunkelt dies nur etwas; denn obwohl, wie 
schon des öfteren ausgeführt wurde, die persönlichen Gottheiten und ihre Namen 
einer späten Zeit angehören, also sekundäre Konstruktionen sind (Ratzel), nennen 
die Mythologen die unpersönlichen primären Vorstellungen der religiösen 
Vorstufe mit gleichen Personennamen, so daß beispielsweise die jüngste 
Schöpfung des Sonnenmythus, also die sekundäre Konstruktion „Helios" heißt 
und den gleichen Namen unterschiedslos auch die unpersönliche Primärvorstel- 
lung führt. 

Das bewirkt für den Nichtfachmann Unklarheit. Es gilt also erst den Be- 
griff freizulegen, indem man ihn für die alte Zeit des Persönlichen entkleidet. 
Denn vordem war kein Helios um die Sonne zu führen, die als Gegenstand, 
als Bild geschaute Sonne selber kam und ging; kein Apollon brachte das 
strahlende Himmelslicht: das Gestirn selbst war die Leuchte und noch war 
kein Zeus der hehre Gott des hohen Himmels, thronend im lichten Äther: 
nur allein die Sonne herrschte da oben. Sie, die gegenständliche, unpersön- 
liche, faßte die Wesenheit der drei späten Gottpersonen in sich. Für die Früh- 
zeit war sie der Allgott, mit dem alle übrigen Götter identifiziert wurden;» 
das war die primäre, vorausgegangene Vorstellung und um diese handelt es 
sich jetzt. 

Wenn also W. Sonne in „Charis" vom hohen Altertum sagt, daß Helios- 
Zeus die Seelen entrückt ins Sonnenland, nach den Inseln der Seligen, so 
hat er damit schon eine wenn auch nicht erschöpfende Antwort auf obige 
Frage gegeben, denn er meint damit nichts anderes als die alte gegenständliche 
Sonne, welche die Seelen der Toten mit sich nimmt dorthin, wo sie selbst 
hingeht, gleichwie bei den Indianern die Seelen der Helden mit der sinken- 
den Abendsonne nach dem Himmel ziehen. 

Die zitierte Stelle fährt fort: darum „betrachten wir als Gebieter der chthonischen 
Welt eben Sonne und Mond, Gestirne, welche im Untergange der Urzeit das 
sichtige Symbol des Todes werden mußten. So herrschen sie selig im ,Ober- 

' Pauly-Wissowa, 15. Hlbbd 1912. 



236 

lande' über Selige, herrschen gestorben aber geisterhaft fortlebend in der Unter- 
welt über unselige Geister. Später scheiden sich die Vorstellungen, fallen aus- 
einander, treten sich feindlich entgegen, doch ohne die tiefen Spuren des 
Ursprünglichen zu verwischen. . . . Dieser Unsichtbare, Verschwundene, wer 
könnte er anders sein als der zur dunkein Tiefe eingegangene Helios [lies: 
Sonne]; die Vorstellung wenigstens de r Tiefe allein, des Dunkels allein, hält 
sich bei dem Mangel aller sinnlichen Anschauung gewiß nicht zu dem Bilde 
eines gewaltigen Königs über die Toten verkörpert. "i 

Am Grunde der den Mythologen gerade noch erschließbaren Zeit erscheint 
die Sonne als Beherrscherin der Unterwelt. Freilich sind diese ähesten 
Vorstellungen aus Griechenmythen gewonnen, aber sie haben einen tiefen, 
weiten indogermanischen Untergrund, der im Halistattgebiet noch wirksam ge- 
wesen sein muß, denn es hieß ja auch, daß bei den Barbaren die Sonne 
mehr verehrt war als im gleichzeitigen Griechenland," d. h. doch wohl, daß 
bei ihnen die urtümliche Auffassung zu einer Zeit noch gang und gäbe war, 
welche die Griechen schon weitaus überholt hatten. 

Im Germanischen werden die Himmelsgottheiten im Winter gleichfalls zu 
Todesgottheiten, ja „der höchste Himmelsgott darf in seiner Eigenschaft als 
Wintergott ohne weiteres als Herr des Totenreiches in Anspruch genommen 
werden". „Das ist wenigstens die ursprüngliche indogermanische 
Idee."« 

Nicht mit der Feder, aber mit dem Spaten ist der gleiche Nachweis für das 
Hallstattvolk schon unzählige Male erbracht worden. 

Die keramischen Grabbeigaben mit dem Sonnenzeichen, die weder praktischen 
und manchmal kaum dekorativen Zweck hatten, können nur aus sepulkralen 
Motiven niedergelegt worden sein. Hier berühren und ergänzen sich Prä- 
historie und Mythenforschung; mit der Ethnologie zusammen, die hier nicht 
Voraussetzung, sondern Schlüssel ist, ermöglichen sie jetzt die erschöpfende 
Antwort auf die Frage, welchen Zweck die Sonnenbilder im Hallstattgrab hatten. 
Erstere liefert die Tatsache, die zweite lehrt, daß in älterer Zeit die Sonne 
herrschte im Totenreich und daß sie die Seelen der Verstorbenen an sich nimmt; 
die letztere läßt erkennen, wie nach prälogischem Denkvorgang dieses Ein- 
gehen ins Totenreich sich vollzieht. Becher, Kessel, Napf, kurz die Bilder der 
Sonne sind der Vorstellungswelt primitiven Denkens die Sonne selbst, Nach- 
bildungen, welche kraft der mystischen Partizipation „materiell und psycho- 
logisch" mit den mystischen Eigenschaften des Urbilds ausgestattet, sie zu 
ersetzen bestimmt sind. 

Die Antwort auf obige Frage lautet demgemäß: die Gefäße, soweit sie 
Sonnen darstellen, haben im Hallstattgrab den Zweck, die Seelen 
hinüber z u führen ins Totenreich. Das sonnengestaltete Gefäß ist 

' Ztschr. f. vglchde Sprachwiss. 10 S 132. 

* Pauly-Wissowa Reallex. 15. Bd. .Helios". 

^ Von mir gesperrt; Schröder, Tolenreich d. Indogerm. S. 20, 30, 40. 



237 

das Schiff, welches die Seele durch die Luft und über das Wasser 
trägt, denselben Weg, den die Sonne zurücklegt. Es ist dazu nur 
dann imstande, wenn es die Gestalt der Sonne hat, die der Vorzeit 
einem Kessel, Becher oder Napf gleich erschien. 

Was bei den Griechen im Süden der Mythos aus überlebten Vorstellungen 
getreulich überliefert hat und der Sprachschatz andeutet, das war in der Zeit 
und im Gebiet unserer Hallstattkultur noch lebendig in voller Kraft. 

Die Grabausstattung gewährt uns mithin nicht nur einen bedeutsamen Ein- 
blick in die kultischen Verhältnisse, sondern sie gestattet auch ein Urteil über die 
Geistesverfassung der Hallstattleute: ihr Denken weist noch deutlich prälogischen 
und mystischen Charakter auf. 

Mit ihrem Glauben an die Zauberwirkung der Sonnenbilder stehen die Hall- 
stattleute nicht allein unter den Indogermanen; auch in Altindien war er an- 
zutreffen, nur äußerte er sich dort etwas anders. Bei der leidenschaftlichen 
Verehrung der Inder für die Kuh — hinter der sich vielleicht auch eine uralte 
tiergestaltige Sonnenvorstellung verbirgt — war es deren Aufgabe, den Toten 
ins Jenseits über das breite Wasser zu bringen, was sich eng mit dem Vor- 
gesagten berührt. 

„Dem Leichenwagen folgte eine schwarze Kuh. Diese wurde dann getötet 
und mit ihrem Fleische der auf dem Holzstoß liegende Leichnam belegt und 
darauf mit dem Fell das Ganze bedeckt. Bei dem Auflodern der Flammen er- 
tönte ein feierlicher Gesang, worin die Kuh aufgefordert wurde, mit dem Ver- 
storbenen in das Land der Pitris (wo die Seelen der Abgeschiedenen weilen) 
emporzusteigen." Die Beschwörungsformel lautete: „Am grausen Pfade zu 
Yama's Tor (Yama Herrscher über die Toten) ist der grause Strom Vaitarani; 
ihn zu überschreiten begehre ich, drum gebe ich die schwarze Kuh Vaitarani."» 
Diese nicht bittende, sondern mit ungestümem Wollen freie Fahrt 
fordernde Zauberformel ist typisch für den Glauben an die Wasserfahrt 
ins Jenseits und könnte ähnlich auch an einem Hallstattgrab gelautet haben. 

Wie dem Inder die Kuh war im Hallstattglauben der Becher, die Barke 
demii, kurz gesagt die Urne ein sehr notwendiges, ja unentbehrliches Aus- 
stattungsstück des Toten, denn darin machte er, bezw. seine Seele die Reise 
sei es durch die Luft oder zu Wasser. Bei allen Indogermanen waren Himmel 
und Erde durch ein Wasser geschieden, das überquert werden mußte. Das 
ist, wie aus den über diesen Völkerkreis hinaus fast überall auf der Erde an- 
zutreffenden Sintflutmythen- hervorgeht, eine so allgemeine Vorstellung, daß 
es geradezu befremden müßte, wenn nicht auch die Hallstattleute gleichen 
Glaubens gewesen wären. Für den germanischen Norden hat M. Ebert den 
treffenden Nachweis erbracht. 

Schon W. Grimm spricht davon, daß die Seelen in das Gebiet der Unter- 
welt gelangen durch ein Wasser, welches das Reich der Lebenden von den 

' Schröder, Totenreich S. 6. 

'' Gerland, Der Mythus v. d. Sintflut 1912 S. 120. — Usener, Die Sintflutsagen 1899 S. 1 f. 



238 

Toten trennt.' Von Ebert erfahren wir nun, daß die Idee von einer „Boot- 
fahrt ins Jenseits" in zwei Perioden den germanischen Norden beeinflußt hat: 
„die erste umfaßt die Bronzezeit und die erste Periode der älteren Eisenzeit. 
Zur vollkommenen Materialisation der Idee, zur Bestattung in Booten und 
Schiffen kommt es dabei nicht. Es bleibt bei Substitutionen: das Wirkliche 
wird durch ein Bild oder durch eine andeutende Wiedergabe in anderem, nicht 
geeignetem Material ersetzt." Es ist die gleiche Erscheinung wie im Hall- 
stattgebiet. 

„7 — 8 Jahrhunderte später erscheint die Vorstellung im Grabritus der Nord- 
germanen von neuem: diesmal kleidet sie sich anfangs in das Gewand antiken 
Brauches. Um 500 nach Christus hat man bereits die letzten Konsequenzen 
in der Richtung auf eine vollständige Realisation der Vorstellung gezogen und 
bestattet die Toten in einem wirklichen Boot.''^ 

Selten kommt es vor, daß zwei von verschiedenen Gebieten Ausgang neh- 
mende Arbeiten sich so harmonisch ergänzen, wie die Darlegungen Ebert's 
und die unsrigen. Die Bronzezeit und erste Eisenzeit des Nordens umfassen 
die Jahrhunderte etwa von 1800 — 500 v. Chr. Daraus geht hervor, daß gleich- 
artige Vorstellungen sowohl im germanischen Norden wie in den Hallstatt- 
gebieten den Totenkult beseelten. Den mythologischen Rudimenten und dem 
Sprachgebrauch nach müssen einstmals auch bei den Griechen ähnliche Vor- 
stellungen geherrscht haben; sie dürfen demgemäß wohl als allgemein indo- 
germanisch anzusehen sein. 

Noch einen weiteren überraschenden Aufschluß gibt der Gefäßkult. Er isi 
vorhanden im Hallstattgebiet, seine eigentliche Heimat scheint aber im Norden 
gewesen zu sein. Das ergibt sich aus folgenden Überlegungen. 

Im griechischen Mythos ist der Becher, das Fahrzeug Helios-Apollons von 
Gold. Aus dem Süden sind aber, selbst den mykenischen, nicht hierher ge- 
hörigen Kulturkreis inbegriffen, kaum irgendwelche Goldfunde dieser Art in 
größerer Zahl bekannt. Hier greifen die Forschungen Kossinna's ein; sie er- 
bringen volle Klarheit über die Heimat des „goldenen" Bechers im Mythos, 
fixieren die Zeit und machen ersichtlich, daß er nicht der Sage angehört, 
sondern Wirklichkeit war. In seiner Arbeitüber dengermanischen Goldreich- 
tum zur Bronzezeit stellt der Gelehrte nicht weniger als 58 Funde von Goldgefäßen 
der Germanen fest, bei denen „Alles auf die Verehrung des Himmelsgottes in 
Gestalt der Sonne, sehr selten auch auf die des Mondes hinweist" ; ich darf hin- 
zufügen, daß sie sogar in der Form vollständig dem Becher des Helios glei- 
chen, in dem Abb. LllI 3 Herakles die Fahrt macht und das ist sicher kein bloßer 
Zufall; das Wort Sfvräc „Becher" weist gleichfalls auf ein Gebilde dieser Art 
hin. Da doch nur ein kleiner Teil solcher Wertstücke auf die Gegenwart ge- 
kommen sein kann, muß die Sonne im Norden wirklich eine goldreiche Gott- 
heit gewesen sein. Kein Wunder, wenn die Mär davon dem Süden zugetragen 

' Deutsche Mythologie S. 790. 

2 Ebert, Die Bootfahrt ins Jenseits; Präh. Ztschr. XI/XU 1919,20 S. 196. 



239 

wurde und dort weiter sich verdichtete zur Sage von den goldhütenden Greifen, 
die ja auch in der nordischen Bronzezeit-Ornamentil< auftreten, und dem glück- 
seligen goldreichen Land der Hyperboreer. 

Die Zeit dieser nordischen Abbilder der Sonne fällt nach Kossinna in die 
Perioden III bis V der nordischen Bronzezeit, das ist vom 14. bis zum 8. Jahr- 
hundert, genauer eigentlich in Periode IV und V 12. bis 8. Jahrhundert; denn 
der Periode III gehört nur eine Schale, die von Gönnebek, an, zugleich die 
einzige, die in einem Grab gefunden wurde. Alle anderen werden als Weihe- 
gaben angesprochen oder stammen aus Schatzfunden; aber sie gehören dem 
Gedankenkreis der Sonnenbarken an, ob sie nun in Gräbern gebraucht wurden 
oder nicht. 

Dieses Ergebnis macht auch die Annahme von der babylonischen 
Herkunft der Sonnenbarke und des Helios-Apollonmythus hinfällig. 
Freilich sind die Lederbarken auf dem Euphrat seit uralten Zeiten rund wie Töpfe 
und Becher; aber nach dem, was die europäische Mythologie und Prähistorie 
lehren, ist die heimische Entstehung des Mythus nicht von der Hand zu weisen. 

Die goldenen Schalen des Nordens sind gleichalterig mit der alten oder 
frühen Hallstattzeit, den Stufen H^ und H^, welche die vier Jahrhunderte 
vor der uns hauptsächlich beschäftigenden Stufe H3 währte und, wie eingangs 
erwähnt, auch bei uns schwach vertreten ist. Getriebene Metaligefäße gleicher 
Form und mit gleichen Ornamenten sind auch hier nicht unbekannt, aber 
das germanische Gold ist ersetzt durch Bronze. Zu jener Zeit war vorwiegend 
Brandbestattung üblich, hier wie im Norden. Die Bronzeschale von Altensitten- 
bach Nr. 7044/1 in der Nürnberger Sammlung war mit den Resten verbrannter 
menschlicher Gebeine und Asche gefüllt, sie ist also recht eigentlich das, was 
man als eine Urne bezeichnet: „ein Gefäß, worin die Asche des verbrannten 
Leichnams aufbewahrt wird". 

Gefäße von Bronze sind aber auch recht selten, nur das erwähnte einzige 
besitzt die hiesige Sammlung. An deren statt sind mehr oder weniger umfang- 
reiche Tonkessel gebräuchlich, in denen bei den Resten des Toten die Schmuck- 
beigabep und einige Miniaturgefäßchen liegen. Daneben, eng an die große 
Urne geschmiegt, pflegen einige andere Gefäße gesteht zu sein, im Urnen- 
friedhof von Altensittenbach z. B. sogenannte Etagen- oder Doppelgefäße, bei 
denen einer unteren Hälfte eine obere aufgesetzt ist, als wären zwei Töpfe 
ineinandergestülpt. 

Das Ganze ist eng beisammen auf kleinstem Raum, gewissermaßen „reise- 
fertig verpackt" und das ist so ziemlich bei allen Urnenfriedhöfen dieser Zeit 
anzutreffen. In Kleinigkeiten schahet und waltet freier Wille; über allen aber 
Hegt eine vom gleichen Glauben gesättigte Atmosphäre, die Idee von der 
Reise der Seele mit der Sonne. 

Wie für das Depas, den Becher, hat sich ersichtlich der Nachweis erbringen 
lassen, daß das Griechenwort für Kessel, Lebes — das sowohl den Nachen 



240 

bedeutet, in dem die Sonne reist, als ein kesselartiges Gefäß, worin die Asche 
des verbrannten Leichnams aufbewahrt wird — in indogermanischer Vorzeit 
und im prälogischen Denken überhaupt keinen Doppelsinn besitzt, sondern ein- 
deutig ist und ein Totenrequisit für die Reise in den Himmel umschreibt. Die An- 
nahme ist unabweisbar, daß die Bildung dieser Griechenworte in eine Periode glei- 
cher Geistesverfassung zurückreicht und ebenso, daß es auch für das Griechische 
eine Zeit gab, wo diese Worte auch ohne Erläuterung verständlich waren. 

Die Epoche, in welcher sich diese Erscheinung so auffällig kennbar macht, 
der Ausgang der Bronzezeit, dürfte wohl auch die Zeit der Entstehung des 
Glaubens sein.' 

Dem Sonnenglauben kommt die Brandbestattung sehr zu statten. In der älteren 
Bronzezeit und noch früher war sie selten, Inder jüngeren von 1400 an greift 
sie um sich und gewinnt an Boden, in den althallstättischen Urnenfriedhöfen 
ist sie allgemein. >! Ihre Beliebtheit können praktische Gründe mit veranlaßt 
haben: der zu wenigen Knochenresten und Asche verbrannte Tote war in 
seiner Sonne, seinem Totenschiff, leicht unterzubringen, er reiste in dieser 
Form sozusagen bequemer. Dem festen Glauben an die Fahrt tat es keinen 
Abbruch, in welcher Gestalt der Tote daran teilnahm, denn im Grunde schickte 
man ja nur die Seele auf den Weg. Darum geht mit der Brandbestattung 
Hand in Hand der feste Glaube an die Allbeseelung. Wenn schon der Körper 
des Toten im Feuer blieb und nur seine Seele ins Jenseits gelangte, dann 
konnten ihm folgerichtig die Beigaben auch nur nützen und begleiten, wenn 
sie entmaterialisiert waren, d. h. die gleiche wesenlose Eigenschaft von Schatten 
oder Seelen besaßen. 

Man verbrannte also alles zusammen auf dem Scheiterhaufen und wandelte 
es um zu Schattenleibern. Daher sind immer auch einige der keramischen 

' Meine diesbezüglichen Ausführungen hätten an Bestimmtheit viel gewonnen, wenn mir 
nicht durch einen Zufall die ausgezeichnete Arbeit Oskar Fleischers im Mannus 1922 „die 
vorgeschichtliche griechisch-germanische Kulturgemeinschaft" entgangen wäre. Erst während 
des Druckes kommt sie mir zu Gesicht. Seine Untersuchungen haben unter anderen den Be- 
weis dafür erbracht, daß die Hyperboreer kein mythisches, sondern ein wirkliches und zwar 
germanisches Volk waren. Sie haben einen uralten kulturellen Zusammenhang zwischen Ger- 
manen und Griechen erwiesen, der in der Sage von der nordischen Hcrkuuft des grtechischen 
Kulturgottes Apollon — der mit Wodan im wesentlichen gleichzusetzen ist ■ — den Niederschlag 
einer geschichtlichen Tatsache von größter volkergeschiclitlichen Bedeutung gefunden hat. Der 
sagenhafte Verkehr zwischen dem nordischen und südlichen Volk Kißt sich nun als ein wirklicher, 
in ältester Zeit direkter und persönlicher erkennen, der aber später durch andere Völker, nament- 
lich die illyrischen Veneter iu den Niederungen des Po, vermittelt wurde. Ehedem wohnten 
Nordillyrer, wie Kossinna ermittelt hat, neben Germanen im südlichen VVestpreußen. Zwi- 
schen 1400 und 750 v. Chr. als immer mehr Germanen von Norden her in die Weichselgegend 
vordrangen, wurden die Illyrer nach Süden geschoben, wo die Völkerbewegung unterhalb der 
Donau zur Ruhe kam. Somit stellen diese Illyrer die Verbindung zwischen den Ostseevölkern 
und denen am Adriatischen Meere dar (S. 67 u. 57). 

Die rechtzeitige Kenntnis dieser Ergebnisse würde meine Arbeit erleichtert und Einzelteile 
bestimmter oder anders haben fassen lassen. 

^ Daß es daneben gleichzeitige Bevolkerungsteile gegeben hat, welche der brandlosen Be- 
stattung treu blieben, beweist für unser Gebiet das Grab von Holnstein (7167); Festschrift d. 
NG. bezw. Abhdlgn 20. Bd. 1913 S. 121. 



241 

Beigaben zu Miniaturgefäßchen zusammengeschrumpft. Dieser animistischen 
Idee galt die gesamte Zeremonie und die längst bekannte Erklärung trifft sicher 
auch das Richtige. 

Es ist nun nicht wenig überraschend, statt dieser durchgeistigten, über das 
prälogische Denken hinaus vorgeschrittenen Glaubensform der alten Zeit eine 
rohere, ältere, präanimistische bei den Leuten der jüngeren Hallstattzeit, unseren 
Illyrern, anzutreffen. Ihr Glaube an die Sonnenreise der Toten war der gleiche, 
aber er äußerte sich anders. Grobsinnlich ließ man den Toten das gewohnte 
Leben auch stofflich weiterführen. Man rüstete ihn reichlich mit Speise und 
Trank aus, wozu mitunter bis zu 30 und mehr Gefäße gebraucht wurden; 
damit konnte sich zur Not auch ein Speise und Trank bedürfendes Körper- 
wesen eine Zeitlang fristen, bis die Reise beendet war. Und auch diese wurde 
ganz naturalistisch, als ein wirklicher Vorgang betrachtet. Darum legte man 
den, bezw. die Toten regelmäßig über die Gefäße, die — wie aus der Beckers- 
loher Hügelbeschreibung hervorgeht und wie ich früher schon als für H.. 
charakteristisch geschildert habe' — stets am Grund des Hügels gruppiert 
sein mußten, denn, wie sich jetzt herausstellt, waren sie nach mystischer 
Vorstellung das Fahrzeug, die Schiffe, die Sonnen, die sich als 
Leichenkondukt allesamt mit der Bestimmung auf die Fahrt be- 
geben, die Toten und alles was sie besaßen und was ihnen mit- 
gegeben wurde in das Sonnenland hinüberzutragen. 

Bei Durchsicht meines Materials finde ich, daß man den Toten geradezu 
in eine Urne, gewissermaßen in seine Sonnenbarke, hineinbettete. Das läßt 
sich besonders gut mit der Ausstattung der männlichen Leiche des Hügels 
7704 der Igensdorfer Nekropole belegen. ^ 

Die Leiche lag ausgestreckt auf dem Rücken in der obersten Brandschicht III. 
Zu Häupten rechts der Scherbenhaufen mit den üblichen Tonkesseln und 
Tassen für Getränke. Neben der rechten Hand der immer vorhandene „eiserne 
Bestand" an Proviant, ein handgerecht greifbar gelegtes Stück von Schaf, be- 
stimmbar am Unterkieferrest 14^ und •>. Zu Füßen das Gefäß 14"=. Als Bei- 
gabe ist auch die Leiche des getöteten Mädchens 15 zur Linken aufzufassen. 
Tafel LVIII 1 Lagerplan, 2 Profil; Tafel LIX 1 Situationsbild. 

Nachdem die Skelette der Toten mit Schicht III abgehoben waren, kam die 
Basis des Begräbnisses in der wenig tieferen Brandschicht II zum Vorschein 
(Abb. Tafel LIX 2). Darin sichtbar — wiederum rechts — nur noch die Bodenteile 
der großen Gefäße des Scherbenhaufens. An Stelle der Leichen zu Häupten 
die Gefäße 19, 27. Unter dem Gesäß die Schale 23, was mir bei der 
Auffindung ebenso auffallend als rätselhaft erschien, und zu Füßen die beiden 
ineinandergestülpten Gefäße 26^und''. Der Tote lag tatsächlich in der 



• Abhdlgn. Bd. 21 Heft 1 S. 9. 

^ Man vergleiche zum Folgenden Abhdlgn. Bd. 21 Heft 2 S. 40. 



242 

Schale. Das schreiende Mißverhältnis der Schale 23 zur Größe des Toten 
hatte man auszugleichen gesucht, indem man Haupt und Füße gleichfalls auf 
Gefäße bettete. 

Der hier stattgehabten Bestattungszeremonie liegt nicht animistisch-durch- 
geistigte, sondern eine prälogisch-realistische Denkweise zugrunde, es ist robuste 
Wirklichkeit, fast möchte man sagen groteske Naivität. Und doch handelt es 
sich um ganz dieselbe Vorstellung, wie sie der Fahrt des Helios im Sonnen- 
becher zugrunde liegt, den auf unserer Abb. Tafel LIIl Fig. 3 Herakles zur 
Fahrt nach der Unterwelt benützt. Der Vasenmaler konnte Gefäß und Figur 
in ein passendes Größenverhältnis bringen und man glaubte ja, daß auch dem 
Sonnenbecher eine Anpassungsfähigkeit innewohne. Die Leidtragenden des 
alten Igensdorfers halfen sich in ihrer Art. Seine Einbarkierung zur Fahrt ins 
Jenseits hüllte sich nicht in mystisches Dunkel, sondern sie erfolgte erschreckend 
naturalistisch, mit dem geopferten Mädchen zur einen und der reichen Ver- 
sorgung mit Speise und Trank zur anderen Seite. Von sonstigen Begräbnissen 
dieser Zeit wissen wir, daß man zuweilen selbst mit Roß und Wagen in den 
Hügel einging. 

Nicht überall war der Igensdorfer Notbehelf üblich, der mehrere kleine Ge- 
fäße unterlegte. In der Nekropole zu Hallstatt selbst legte man zuweilen die 
ganze Bestattung oder den Leichenbrand und die Beigaben in große Ton- 
wannen und manchmal sind auf einer solchen mehrere Leichen beigesetzt. Die 
Wanne ist jedenfalls nur eine andere Forni des Totenschiffs (Taf. LVIII 3).' 

Um einen Nachweis wie diesen zu führen genügt es nicht gut auszugraben, 
sondern der Befund muß derart graphisch festgelegt werden, daß er auch 
später auftauchenden Fragen stichhalten kann. Die bloße Erinnerung des Aus- 
grabenden reicht dazu nicht aus, auch wenn sie mit der Zeit nicht verblassen 
würde. 

Die auffallende Übereinstimmung des sprachlichen Inhalts mit dem sach- 
lichen Bild der Griechenworte für Becher (Depas) — Schale (Phiale) — Kessel 
(Lebes) erhält durch die letzten Ausführungen über die körperliche Beisetzung 
in einer flachen Schale ohne Henkel und Fuß (Phiale) auch in dieser Hinsicht 
bis ins Einzelne volle Bestätigung, die kultischen Gepflogenheiten der Hall- 
stattleute erläutern ebenso die einer vorgeschichtlich-griechischen Vergangenheit, 
in der Worte und Begriffe sich deckten. 

Meine unmittelbaren Beobachtungen erstrecken sich über Landstriche der 
engeren Heimat; inwieweit sie sich anderswo im Hallstattgebiet bestätigen oder 
Widersprüchen begegnen, die sich aus Beobachtungen bei Grabungen ergeben 
können, muß dahingestelU bleiben. Die Kultur dieser Zeit ist im allgemeinen 
einheitlich, die Resultate dürfen also immerhin den Anspruch erheben, als An- 
regungen zum Weiterforschen in dieser Richtung zu dienen. Alle Hinweise 

' Hoernes hat die Tonmulde mit dem Estrich einer Rundhütte verghchen, was an die Be- 
stattung der Toten im Hause erinnern würde, die bis zur älteren Bronzezeit und örtlich be- 
schränkt auch später noch üblich war. Vgl. auch S. 117 des 21. Bds. d. Abhlgn. 



243 

scheinen mir in einem beherrschenden Glauben an die Sonne zu gipfeln; daß 
der Mond nicht unbeachtet geblieben sein kann, ja, daß seine Verehrung an 
anderen Orten möglicherweise über der der Sonne stand, ist denkbar und an- 
gemessen: aber von einer Mondverehrung konnte ich in den Grabfunden nichts 
wahrnehmen. 

Der Glaube an die Totenreise mit der Sonne äußert sich, wie wir sahen, 
auf zweierlei Art. Die zur Althallstatfzeit, 1200—850 v. Chr. vorwiegend üb- 
liche Leichenverbrennung ließ die Körper und Beigaben vom Feuer verzehren. 
Vielleicht, um nebenbei durch gänzliche Vernichtung die gefürchtete Wieder- 
kehr zu verhindern. Jedenfalls wurden animistischen Vorstellungen gemäß die 
Seelen der Wesen und Dinge frei und gingen leicht beschwingt hinüber ins 
andere Reich. 

Die überwiegende Leichenbestattung der jüngeren Hallstattzeit 850—550 
V. Chr. läßt Körper und Beigaben unversehrt. Das kann nicht in der Absicht 
geschehen sein, die Körper mit den Seelen zum Verfaulen zu bringen und sie 
auf diese Art unschädlich zu machen für immer. Die Sonnenbarken und der 
damit verknüpfte Kult beweisen, daß es nicht auf Vernichtung abgesehen war, 
das Fortleben nach dem Tode unterlag keinem Zweifel. Es wurde in die 
andere Welt verwiesen in der uns gröblich scheinenden Annahme, daß der 
Körper mit allem Um und An dorthin gelange. Die seltenere Brandbestattung 
dieser Stufe, in der Aufmachung und wahrscheinlich auch im Beweggrund 
sehr von der älteren unterschieden, macht darin keinen Unterschied. 

Und gleichwie beide Auffassungen gegeneinandergestellt die ältere als reifer 
vorgeschrittener, die jüngere dagegen als prälogisch-roher, unbegreiflicher uns 
erscheinen läßt, drücken auch die Ornamente einen ähnlichen Gegensatz aus: 
der uns ansprechender dünkenden, zierlichen, reichen, dekorativen Formen- 
sprache der althallstattzeitlichen Keramik steht zur jüngeren eine vorwiegend 
plumpe, vierschrötige Formenwelt gegenüber. 

Neben der Formenarmut fällt ihre Starrheit auf. Jahrhunderte blieb sie un- 
verändert, und das konnte nur geschehen, weil sie, wie schon im ersten Teil 
gesagt ist, unter dem Zwang religiöser Vorstellungen im Dienste der Sonne 
stand, die sie zu hieratisch-starren Formeln stempelten. Mit dogmatischer 
Strenge mußten sie beibehalten werden, denn sie hatten immer nur das Gleiche 
zu sagen und zu bedeuten: den Gegenstand aufzuhöhen zu einem Sonnen- 
bild voll mystischer Eigenschaften. Auch die sonstigen profanen, kleinen Kunst- 
regungen standen im Bann religiösen Zwanges, der freiere Entfaltung hinderte. 
Daher sind im weiten Gebiet der Hallstattkultur die Leistungen im allgemeinen 
gleichartig, wenn auch lokal bald ärmlicher (Gegend um Igensdorf), bald 
reicher (Gegend um die Zant bei Sulzbach i/0.) und beharren auf der einmal 
erreichten Stufe, solange der Glaube in Übung blieb, bis ins 6. Jahrhundert, 
d. i. bis fast ans Ende der Hallstattzeit. Noch in. dieser und besonders dann 
in der Latenezeit tritt ein Glaubenswechsel ein, das ergibt sich zweifelsfrei 



244 

aus den Formen des Totenkultes, und von da an verliert die Ornamentik den 
Charakter einer teilweise iiieratischen Bilderschrift, sie wird zum profanen 
Ornament mit dekorativer Bestimmung. Auf die alten Motive verzichtete man 
nicht ganz, sie fanden, wie Teile der halistättischen Bevölkerung wahrschein- 
lich auch, Aufnahme in die Latenekultur. 

Die Untersuchung hat ergeben, daß das Leben zur Hallstattzeit einen hohen 
Sättigungsgrad religiöser Empfindungen einer uns ganz unverständlichen Vor- 
stellungsart, eben des prälogischen Denkens, aufwies. Darum, weil so viele 
Erzeugnisse ihrer kleinen Kunst und ihre Dekorationen im Glauben wurzeln, 
könnte eine einseitig kunsthistorische oder kunstästhetische Betrachtung ihrer 
Bedeutung nicht gerecht werden und müßte zu falschen Schlüssen kommen. 

Das wird ersichtlich an dem Pferdchen aus der Beckersloh, dessen hier 
nochmal zu gedenken ist. Die Sonnenscheibe trägt es, wie der indische Eta?a, 
aber es ist nicht wie dieser ein Roß, sondern ein Doppelwesen, zusammen- 
gesetzt aus Schwan und Roß. Weder die Phantasie des Darstellers, weder 
bildnerischer Drang, noch zwangsläufige Entwicklung irgend eines im Fluß 
befindlichen Kunstwollens schufen das die Sonne führende Fabelwesen; es war 
der Glaube, der in dem Bild die Formel von der zugleich das Himmels- 
gewölbe und die Fluten des mitternächtlichen Ozeans überwindenden Sonne 
erfand. 

Das Köpfchen unseres Pferdchens ist geschickt modelliert, wogegen der 
Körper in der nebensächlichen Behandlung des Pferdeanteils zu zeigen scheint, 
daß dem Verfertiger an dem Hinweis auf ein Roß vielleicht weniger gelegen 
war; unsere Hallstattleute zogen den Schwan vor, der sich in ihre Mythologie 
eingenistet hatte, ohne das Pferd zu verdrängen. Die Zwienatur der himmlischen 
und der chthonischen Fahrt aber bringt das Doppelwesen gut zum Ausdruck. 
Als Bildwerk betrachtet hätte Hoernes vielleicht nicht so ganz unrecht, wenn 
er von einem seltsamen Zwitter und Ungeschicklichkeit des Bildners sprechen 
würde: aber nicht irgend einem oder unserem Kunstempfinden, der Bilder- 
sprache eines Glaubenssymboles ist hier Rechnung getragen und 
die Absicht scheint mir trefflich wohlgelungen. 

Das Rautenornament auf der Brust des Pferdchens ist häufig auf den Sonnen- 
töpfen und findet sich im gleichen Hügel VIII der Beckersloh auch auf dem 
Rücken eines solchen Topfes.' Dies beweist einesteils wiederum, daß die Urne 
und das Pferdchen aus der gleichen Werkstatt hervorgegangen, also in unserem 
Jura zu Hause sind, und andernteils: wenn an dem Gesamtbild vom Innen- 
ornament der Schale bis zur Fabelgestalt des sog. Pferdchens alle Teile mytho- 
logische und mystische Beziehungen haben, dann fällt das Rautenornament 
auch nicht aus der Rolle und ist auf einmal nur eine profane Dekoration; es 
gliedert sich vielmehr dem Kultbestand ein, dem es dann auch dort dient, wo 

' Festschrift der Naturh. Gesellsch. 1901 Tafel 30 VIII 6; hier Tafel XLIX 1. 



245 

es in der Grabausstattuiig sonst vorkommt. Und so verhalten sich die anderen 
Ornamente ebenfalls. 

Es könnte scheinen, als stünde das Pferdchen in einem gewissen Gegen- 
satz zu den Grabgefäßen insoferne, als das Roß das Tagesgestirn vorstellt, 
während die Sonnenbecher der Nachtfahrt gelten, der nächtlichen Sonne als 
Beherrscherin der Unterwelt. Es ist aber kein Bild der Tagessonne, kein 
Etaga, sondern das eines unwirklichen Doppelwesens, einer Gedankenkon- 
struktion, welche die Mystik prälogischer Partizipationen geschaffen hat: 
der Roßanteil bezieht sich auf die Tagessonne, der Schwanenanteil auf die 
nächtliche Meerfahrt und beide zusammengelegt kennzeichnen eben die volle 
Sonne, den ganzen vierundzwanzigstündigen Umlauf. Aber selbst wenn diese 
Auslegung als zu sehr von rezenter Logik beeinflußt abzulehnen wäre, mußten 
die Vorstellungen sowohl von dem oberirdischen, wie vom chthonischen, dem 
unterirdischen Vorgang notgedrungen der einen ungeteilten Sonne gelten; eine 
Scheidung konnte nicht erfolgen, da für die hallstättische Halbkultur persön- 
liche Götter nicht vorhanden waren, welche die Vorgänge gesondert hätten 
bewirken können. 

Das Pferdchen ist demnach in der Mystik seines Ideengehaltes eins mit den 
Sonnenbechern und sonstigen Schalen und Töpfen, mit denen sich die große 
Mehrheit aller Toten begnügen mußte; aber es offenbart ein gesteigertes Wollen, 
den Superlativ des Verlangens nach dem Land der ewigen Sonne. Der Insasse, 
wahrscheinlicher die Insassin des Hügels wird bei Lebzeiten wohl eine hervor- 
ragende Persönlichkeit gewesen sein, das drückt sich schon in der reichen 
Ausstattung des Begräbnisses aus. Nicht glaublich scheint, daß es einem pietät- 
vollen Einfall, einer Laune zulieb angefertigt und der Totenaussteuer beigefügt 
wurde. Das Beckersloher, sowie das aus der Gegend von Pegnitz oben er- 
wähnte Pferdchen legen den Gedanken nahe, daß auch größere derartige Bilder, 
sei es aus Ton oder Bronze existierten, von denen eine Nachahmung hier 
vorliegt. 

Zusammenfassung 

Auf die Geistesbetätigung aller Indogermanen hat die Sonne zu allen Zeiten 
befruchtend gewirkt und ihre Spuren im Totenkult hinterlassen, während die- 
jenigen des Mondes weniger deutlich hervortreten. Der als ältester erkenn- 
bare Typus von Vorstellungen unterscheidet sich kaum von der allweltlichen 
primitiven Auffassung; wie bei dieser ist die Sonne ein sachliches Wesen, 
dessen mystische Eigenschaften auch den Gegenständen innewohnen, die als 
ihre Nachbildungen betrachtet sind. Der Besitz des Bildes verleiht vermöge 
der mystischen kollektiven Partizipation magische Gewalt über das Urbild, ein 
Fundamentalsatz prälogischen Denkens, der schon in den Tierdarstellungen der 
Paläolithiker zum Ausdruck kam. 

Als in diesen Vorstellungskreis gehörig wurden die goldene Scheibe von 
Trundholm und Kessel wie der von Peccatel bei den Germanen aufgeführt, 



246 

während sich bei anderen Indogermanenstämmen die gleiche Vorstellung nur 
aus mythologischen Überlieferungen herausschälen ließ. 

Eine spätere, in gleichen Bahnen verharrende Periode religiösen Denkens, 
ebenfalls dem germanischen Norden angehörig, fügt das Bild der goldenen 
Schalen hinzu und wird kultisch erkennbar in der Bestattungsform: die unter- 
gehende, ihre Herrschaft in der Unterwelt täglich aufs neue sichtbar antretende 
Sonne steigt herab ins Grab. Diese Bestattungsform drückt sich aus im Toten- 
glauben der Urnenfelderleute und verbreitet sich mit ihnen. Die goldene Sonne 
des Nordens, Schale und Becher, wird nachgebildet in Ton und Bronze, sie 
sind die Vehikel der mit der untergehenden Sonne zur Unterwelt ziehenden 
Seelen der Toten. 

Mit diesem sich auch uns im Kult noch sichtbar äußernden Glauben tauchen 
die illyrischen Hallstattleute auf in unserem Land. Bei ihnen ist er dahin ver- 
gröbert, daß nicht nur die Seelen, sondern auch die Körper der Toten mit 
allem, was sie besitzen, und mitbekommen, leibhaftig an der Reise mit der 
Sonne teilhaben, ein letzter Ausläufer der prälogisch denkenden, in kollekti- 
vistischer Mystik befangenen Vorzeit, als veralteter, letzter Ausläufer dadurch 
kennbar, daß eine entwickeltere, religiöse Vorstellungskraft, welche die Sonne 
als ein belebtes Wesen erkannt hat, daneben Platz greifen konnte. TiergestaUet, 
als Roß, hat es Eingang gefunden in dem Glauben. Südliche Zutaten erweitern 
den Vorstellungskreis durch die Schwäne, welche die Sonnenbecher sowohl 
durch die Luft, wie über das Wasser des irdischen Grenzstroms zu bringen 
vermögen, und es entstehen Fabelwesen, halb Pferd halb Schwan, die nicht 
mehr mit mystischen Kräften an der Sonne partizipieren, sondern in der Form 
von Symbolen an die Verehrung der Sonne mahnen. 

Der Totenkult der illyrischen Hallstattleute läßt demnach auf eine Geistes- 
verfassung schließen, die an der Wegscheide zweier Weltanschauungen der 
Prähistorie stand: eine uraltertümliche, bodenständig mitteleuropäische, die aus 
der Vergangenheit primitiver, noch halb paläoethnologischer Vorstellungen 
nachwirkte und einer jüngeren, vorantiken, die von Süden her Eingang gefunden 
haben kann. Auch ihre kulturelle Hinterlassenschaft steht damit im Einklang, 
die gleichfalls eine vermittelnde Stellung zwischen Altem und Neuem einnimmt. 
Daß sich ausschließlich im Sonnenkult die Glaubensstärke des Hallstattvolkes 
erschöpft habe, kann als ausgeschlossen gelten, ihr materieller Besitz läßt eben 
nur diese eine Seite ihres Wesens hervortreten. In Mythen, Sagen, Volkskunde 
ist sicherlich heute noch viel und anderes Hallstattgut verborgen, kann aber 
völkisch nicht ausgeschieden und vom Prähistoriker nicht belegt werden. 

Im Ablauf der Hallstattkultur sind die jüngeren Jahrhunderte reicher als die 
älteren an symbolischen, auf die Sonne Bezug habenden Darstellungen auf 
profanen Dingen, am Schmuck, den Fibeln z. B., oder am Pferdegeschirr ; 
manches ist im Hallstattgebiet gefertigt, vieles durch den Handel aus Ober- 
italien gekommen. In letzterem herrschte zu jener Zeit die Sonne nicht im 
Grab, aber in der Mode, in der Poesie und in Mythen von hoch organisierten 



247 

Formen, wie sie das Hallstattgebiet nie erreicht hat; hier war das letzte Stadium 
der Sonnenverehrung erklommen, nunmehr in Gestalt persönlicher Gottheiten, 
die mit Attributen und Sagen umgeben sind, welche nur noch schwach einen 
Zusammenhang mit mitteleuropäischen oder nordischen Völkern erkennen lassen. 

Die Grabessitte und in Verbindung damit die zur Kultausübung benötigten 
Gegenstände, also vornehmlich die Keramik unserer Hallstatt-C-Stufe kamen 
auch während der Stufe D zur Anwendung; gegen Mitte des 6. Jahrhunderts 
verschwinden sie spurlos. Vorher waren von Westen her aus dem nördlichen 
Frankreich andere, keltische Leute gekommen, gering an Zahl in unserem Ge- 
biet, aber Vermittler anderer Gefäße- und Schmuckformen, von denen nament- 
lich letztere bei unseren alteingesessenen Illyrern gern aufgenommen wurden. 

In religiös kultischer Hinsicht verhalten sich beide Völker durchaus ver- 
schieden, das habe ich an anderer Stelle schon ausführlich begründet und 
auseinandergesetzt. Den großen, schönen, häufig sehr massiv gebauten Hügeln 
der Neuankömmlinge ist die als Vorbereitungen zur Reise des Toten mit der 
Sonne bestimmte Aufbewahrung und Ausstattung vollkommen fremd, obwohl 
Brandschicht, metallene und keramische Beigaben — freilich nicht mehr als 
eine Handvoll Scherben — ebenfalls eine Rolle spielten; da die Gräbersitte 
immer nur aus dem tiefsten Grunde des echten Volksglaubens erwächst (Furt- 
wängler), so muß dieser anderen Sitte auch ein anderer Glaube und ebenso 
ein anderes Volkstum entsprechen. 

Die Stufe D hat unseren Illyrern Neues gebracht, soweit sie nicht kultisch 
behindert waren, also vorwiegend in profanen Dingen; von der Religion ab- 
gesehen scheidet sie aber kein jäher Bruch von der vorausgegangenen Stufe 
C, sie tritt als deren Tochter und Erbin auf. Viele der alten Ornamentformen 
und Motive setzten sich bei den keltischen Neusiedlern fort, wenngleich ohne 
die ihnen von früher innewohnende symbolische Nebenbedeutung. Im Latene- 
stil erscheinen zwar auch die Schwäne noch, aber sichtlich nur in dekorativer 
Verwendung! inmitten einer ganz anderen Formenwelt. 

Was sich dem Totenkult der Hallstattleute entnehmen läßt, spricht dafür, 
daß das Sehnen nach der Sonne ihrem Sterben den Stempel aufgedrückt hat. 
Vielleicht trug dazu bei, daß ihre Lebens- und Wirtschaftsweise klimatisch un- 
günstig beeinflußt, sonnenarm war. Aber auch ohnedem mußten die Gedanken 
dieser Zeit den Weg zur Sonne finden, es war ja ein alter, von den Vorfahren 
schon beschrittener Pfad. Glaubensstark gehen die Menschen am Ende ihrer 
Tage in den düsterdunkeln Hügel, der wie für die Ewigkeit festgefügt aus 
Steinen ist und in dem sie doch nur kurze Zeit zu weilen gedenken, denn 
sie hoffen auf die Sonne, die da kommen und sie mitführen und heimholen 
wird zu sich in die Unterwelt. 



' z. B. auf dem schönen Latene-A-Ring vom Totenfeld von Catalauni in den Altertümern 
u. heidn. Vorzeit Bd. II Heft XII Taf. 4 Fig. 1, auf den mich M. Neuß freundlich aufmerltsam macht. 



248 

Und die alten, unbekannten Schläfer aus grauer Vorzeit liegen nun seit 
bald 3000 Jahren, warten und schlafen, schlafen und warten in den stillen 
Nekropolen auf den Jurahöhen. Wald und Wald und wieder Wald ist ge- 
wachsen über ihnen; immerzu rauscht in den Wipfeln der Wind, die Sonne 
kommt und geht und grüßt ihre alten Freunde Tag um Tag, die frommen 
Gläubigen, deren Leiber des Einzugs harren in die andere Welt, wohin die 
Seelen mit dem verglühenden Abendrot ihres letzten Tages vorausgegangen sind. 
Es war gewiß ein trostreicher Glaube, der die letzte Zuflucht zur Sonne nahm 
und fand; weihevoller noch als bisher schon erscheinen die stimmungsvollen, 
einfachen Bodendenkmäler im Feld- und Waldfrieden, seit wir die Gedanken 
der darin Ruhenden kennen. 

Nicht solchen elegischen Gefühlen zulieb, sondern aus anderen schwer- 
wiegenden, sachlichen Gründen wurde das mutwillige Öffnen der verschwiegenen 
Ruhestätten unter strenges Verbot gestellt; das ist aber auch darum zu be- 
grüßen, weil unberührte Hügelgräber den Reiz und die Stimmungswerte der 
Landschaft erhöhen, für deren Erhaltung eine feinfühligere Nachwelt Dank 
wissen wird und der heute auch die ernste Forschung Rechnung trägt. 



LORENZ SPINDLER VERLAG / NÜRNBERG 

Bei mir erschien ferner: 

Hans Scherzer: 

Erd- und pflanzengeschichtliche 
Wanderungen durchs Frankenland 

II. Band. I.Teil (Juralandschaft) 
Mit zatilreichen Naturaufnahmen, Profilen und geologischen Tabellen. M 3. — 

Bayer. Botanische Gesellscliaft: . . . Das Werk ist deshalb eine erfreuliche Bereicherung 
unserer Heimatliteratur und geeignet, die Freude an der Beobachtung in freier Natur in 
weitere Kreise zu tragen. Es ist durchaus von eigener Anschauung getragen; außerdem 
ist die neueste Literatur benützt. Den Botaniker dürften besonders die Beziehungen zwischen 
Bodenbeschaffenheit und Pflanzen fesseln, auf die immer wieder hingewiesen wird. Der 
Bilderschmuck ist künstlerisch hervorragend. Es sollte mehr solche Darstellungen von 
Gebietsteilen unseres Heimatlandes geben. . . . 

Im gleichen Verlag erschien als Sonderdruck: 
Hans Scherzer: Geologische Tabelle unserer Juraberge 

M— .30 
Ferner als erweiterter Sonderdruck aus dem gleichen Buch: 

Hans Scherzer: Die Flora alter Bauerngärten und Friedhöfe 

M— .50 

Dem Heimatkundler und Heimatfreund seien dann noch folgende Heimatwerke 
empfohlen, deren niedriger Preis die Anschaffung erleichtert: 

Dr. M. Winter: Das Bauernhaus im nürnberg.-fränkischen Land 

Mit zahlreichen Bildern, Skizzen usw. M 2.— 

Dr. M. Schütz: Die Ganerbschaft vom Rothenberg 

in ihrer politischen, juristischen und wirtschaftlichen Bedeutung. Mit 9 Abbildungen 
nach alten Stichen und photographischen Aufnahmen. M2.50 

Prof. R. Gradmann: Frankenland und Schwabenland 

Nach einem Vortrag in der Geographischen Gesellschaft Nürnberg. (Sonderdruck 
aus der „Fränkischen Heimat"). M — .30 

Dr. AI. Geistbeck: Das Maindreieck 

Seine geographische, wirtschaftl. und allgemein kulturelle Bedeutung für Franken 

und das übrige Bayern. M 1. — 

u.a.m. Ich bitte Verlagsverzeichnis anzufordern. 



LORENZ SPINDLER VERLAG / NÜRNBERG 

Bei mir erschien weiter: 

Dr. Georg Wagner: 

Die Geschichte der Altmühl 

Mit zahlreichen Abbildungen M 1.50 

In dem auch an weitere Kreise gerichteten Büchlein, das eine beachtenswerte Bereicherung 
unserer für Nordbayern noch so spärlichen landeskundlichen Literatur bedeutet, hat der 
Verfasser seine im angrenzenden Württemberg bewährten geomorphologischen Unter- 
suchungen auch auf den bayerischen Teil des Stufenlandes ausgedehnt. Er hat durch seine 
über das ganze Flußgebiet der Altmühl ausgedehnten und mit Geschick und Liebe durch- 
geführten Beobachtungen so viel neues Material über die Keuper- und Jurastufe, ihre 
Oberflächengenese und Talgeschichte zusammengetragen, daß Baybergers Ansichten als 
endgültig überwunden gelten können. Schwertschlagers grundlegende Arbeit über den- 
selben Gegenstand erscheint im Prinzip gerechtfertigt, in vielen Punkten modifiziert und 

ausgebaut 34 Landschafts- und Kartenskizzen beleben die anschauliche Darstellung. 

Karl Troll (Mitt. d. Geogr. Gesellschaft, München). 

Prof. Dr. Friedr. v. Morton: 

Vergehen und Werden 

Zur Lebensgeschichte des europäischen Waldes 

Mit zahlreichen photographischen Aufnahmen M 2. — 

In seinem neuesten Buche „Vergehen und Werden" erzählt der Verfasser von zwei spannen- 
den Abschnitten aus dem Leben des europäischen Waldes. In den sonnigen Süden, in 
das Idyll der dalmatinischen Inselwelt führt er uns, wo der Lorbeer duftet, der Granat- 
apfelbaum in Purpurglut erblüht und zur Weihnachtszeit das Land vom Wohlgeruch der 
Zaunheide erfüllt ist. Da greift der Mensch mit rohen Händen ein, vernichtet, zerstört, 
schafft grauenhaft öde Felswüste. Das Küstenklima, die Haustiere mit den Unkräutern 
gesellen sich dazu und wirken mit an dem inhaltsvollen Drama. Und dann sehen wir 
uns mitten im Gebirge. Tannenduft und Firnenwind umfängt uns. Mutvoll ist die Pflanzen- 
welt am Werke, aus wüstem Karrengebiet sehnigen Bergwaid zu schaffen. Hineinver- 
woben in diese zwei, auf Tatsachen beruhende und in jahrelanger Forscherarbeit erfaßte 
Geschehnisse finden wir die Grundlehre der modernen Pflanzengeographie, so daß das 
Büchlein zugleich als eine Einführung in jenen interessanten Zweig der Botanik erscheint, 
der die Pflanzenwelt in ihren gesellschaftlichen Verhältnissen im Rahmen der Landschaft, 
in Anpassung an Klima, Boden und Mensch betrachtet. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XLVIII 




1. Traclit eines Kriegers der Hallstattzcit. 
Modellfigur des Rom. -Germ. Centralmiiseums in Mainz. 





2. Stoffüberzug auf einer Schwertscheide. 

Gersricht 7373 = 



3. Frauendarstellungen auf einem Ürnchen. 

Beckerhölzl 7368 *5 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XLIX 




Beckersloh 7503 



Hügel VIII 



Abb. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel L 




1 — 4 Hügel VIII 



Beckersloh 7503 

5 Hügel X 6 Hügel XIII 



7 Hügel III 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LI 





» „Das Pferdchen" » 



Beckersloh 7503 



Hügel Vlll 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd^ 



Tafel LH 




1 Pferde von Zainingen. 2 Dipylonpferde, attischer Napf der ehemaligen Sammlung Arndt. 
3 Bronzepferd von Obrzan, Böhmen. 4 Bronzepferd von Calaceite. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel Llll 



1 



Helios mit den vier Rossen 

Altar von Pergamon 
330-220 V. Chr. 





2 

Herakles 

im goldenen Becher 

des Helios 

in die Unterwelt 

fahrend; 

500 bis nach 460 v. Chr. 




3 Helios und Selene mit Roß und Wagen im phantastischen Nachen; Vasenbild. 



Abh. d. Naf. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LIV 






Lederboot 

-Gofä- 

auf dem Tigris 

bei Bagdad 

1912 



Babylonischer 
Siegelzylinder / Der 

Sonnengott 
M a r d u c h (?) 

auf der Meeresfahrt. 




Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LV 




1 Bronzesitula von Siem. 2 Bronzesitula aus Ungarn. 3 „Doppelvogel" aus dem Szamos- 

fluß, Ungarn. 4 Bronzegefäß, Ungarn. 5 Kesselwagen von Schwänen geführt, Dänemark. 

6 Bronzekrüglein aus Bosnien. 



Abli. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LVI 




1. Schmuck der „Priesteriu". 

Beckerhölzl b. Gaisheim 7420. 




2. Qeschirring mit Resten von Lederzüpfen. 

Sandleite b. Gaisheim 7366. 




3. Brunzene Pferdefiguren mit Vögelchen. 
Siebenbürgen. 




4. Der Singschvvan, Cygnus musicus L. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LVII 




i 

'X., 



Trrrrr/TrrrnFr 



1 Kesselwagen, von 12 Vögeln 
geleitet; Siebenbürgen 
2 Holztasse mit beweglichem Fuß- 
ring, Drechslerarbeit der Hallstatt- 
zeit; Oberbayern 
3 Ornament der Urne von 
Speikern 7511 
4 Urne mit Aufsteckfigiirchen; 
Gemeinlebarn 

5 Biga mit Pferdchen von 

Pitigliano 

6 Fibel mit Schwänen und 

Klapperblechen. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LVIII 



^^or^^-^-^^6. 







not 



W 



1. Lageplan der Bestattung 7704 in Igensdorf. 

14 die Hauptleiche, 15 das geopferte Mädchen. 







2. Profil 
derselben Bestattung. 




3. Bestattung 
in einer Tonwanne. 

Gräberfeld von 

Hallstatt 
nach Hoernes. 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LIX 




I. Situation der Bestattung 77(14 in Igensdorf mit den Sl\elettresten 




2. Dasselbe nach Abnalinie der Sl<elettreste. 
19, 27, 23, 26 die Gefäße in denen die Toten lagen. 




3. Ledergurt mit Bronzeknöpfen und Wolfszahiiurnament; Sandleite, Fürstengrab 7366. 



ABHANDLUNGEN 

DER 

NATURHISTORISCHEN 
GESELLSCHAFT 

zu 

NÜRNBERG 



XXI. Band 
6. Heft 



Bronzezeitgräber in Mittelfranken 

von 
K. Hörmann 

Grabungsberichte der Anthropologischen Sektion 
der Naturhistorischen Gesellschaft 



1926 
NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG 



BRONZEZE IT-QRÄBER 
IN MITTELFRANKEN 



VON 

K. HÖRMANN 



GRABUNGSBERICHTE DER ANTHROPOLOGISCHEN SEKTION 
DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT 



19 2 6 
NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG 



Gedruckt mit Unterstützung 
der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft 



C. H. Beck'sche Buchdruckerei in NSrdlingen 



NEW YOüK 

*©TANICA1 

SARU£cti 



Appenstetten 

bei Thalmässing, Bez.-Amt Hilpoltstein 
Einlauf-Nr. 8099 mit 68 Unternummern 

Allgemeines. Der Weiler Appenstetten liegt in einem nach Westen offenen, 
zu Tal geneigtem Kessel; im Norden, Osten, z. T. auch Süden umgibt ihn die 
hier als Steilrand abfallende Weißjurahochfläche des Auerbergs; s. Tafel LX 1. 

Nördlich oberhalb Appenstetten, im Horizont des Personatensandsteins auf dem 
Weg nach Dixenhausen ist der Boden mehrfach nebeneinander tief gefurcht 
durch Bodenrillen, wie eingeschnittene Wallgräben. Man hat fälschlich „Hoch- 
äcker" in ihnen gesehen; aber ihr unregelmäßiger Verlauf und die wechselnde 
Höhe und Tiefe lassen erkennen, daß die Hohlwege vom Wasser geschaffen 
und ausgeschwemmt sind. Der Grund und Boden östlich des Hohlweges ge- 
hört dem Holzhändler Sieghardt, bezw. seinem Sohn Gastwirt Sieghardt 
in Thalmässing. Im Jahr 1919 wurde in einer Partie des Bergteiis der Wald 
abgetrieben; an den freigelegten Stellen entdeckte unser Mitarbeiter Franz 
Kerl in Dixenhausen Steinsetzungen im Boden, die Gräber vermuten ließen. 
Daraufhin unternahmen wir vom 18. bis 22. März die Untersuchung der Ört- 
lichkeit, wozu die Herren Sieghardt in dankenswertester Weise die Er- 
laubnis gaben. 

Die Neigung des Geländes an dieser Stelle beträgt ungefähr 7" nach Süd, 
bezw. Südwest, ist aber-oberhalb und unterhalb der Grabungsstellen etwas be- 
trächtlicher. Der völlig glatte Waldboden zeigte keine Andeutung von Hügeln, 
insbesondere oberflächlich keine Steine, auch vereinzelte nicht. Wenn ein Erd- 
aufwurf einstmals vorhanden war — und es könnte nur Erde gewesen sein — , 
so war er mit der Zeit verschwemmt und talwärts geführt worden. 

Steinbau. Versuche mit der Sonde ergaben Steinlagen, durchschnittlich 
30 cm unter der Oberfläche. Nach Entfernung des Waldbodens kam in leb- 
haft rotem Lehmsand ein Belag von größeren und kleineren Weißjuraplatten 
in großer Ausdehnung zum Vorschein, der ein Ausmaß von rund 15 m in 
der Länge bei einer Breite von 8^/2 m aufwies und das Bild eines unregel- 
mäßigen Ovales darbot, Grundriß auf S. 252 und Abbildung Tafel LX 2. 
Die Steindecke bildete eine gleichmäßig ebene Fläche, schwächer geneigt als 
der obere Waldboden. Nie zuvor und auch seither nicht wieder ist mir eine 
ähnliche Anlage vorgekommen; sie glich eher einem ebenen Tanzboden, als 
sonst etwas anderem. Was daraus werden sollte, ein Grab, ein Hüttenboden?, 



252 

konnte ich mir nicht denken. Franz Kerl hatte bei seinem ersten Versuch 
einen Feuersteinschaber 1, einen bearbeiteten Hornstein 2 und das Bruchstück 
eines Steinbeilchens 3 hervorgeholt, s. Tafel LXV. 

Wir begannen am äußersten Ende (bei 250" unserer Meßbretteinteilung) mit 
der Entfernung der Steine. Die- Steinfläche war hier zwischen 235 und 270" 
von großen Steinen fest umrandet. Die gleiche Erscheinung wiederholte sich 
von 3400 über 0" bis 70«. Wie sich im weiteren Verlauf der Grabung heraus- 
stellte, war der innere Bau dem äußeren entsprechend: zwei massive, an- 
nähernd runde Plattensätze, in Südwest ein kleinerer, in Nordost ein größerer, 
stießen aneinander. Die Ovalform des ganzen Baues war durch Auffüllung 
mit Steinschutt, nur mit wenigen größeren Steinen untermischt, erzielt worden. 
Nach der durchaus ebenen, ungestörten Fläche zu schließen schien der Bau 
in einem Zug hergestellt worden zu sein. 




Grundriß und Profil von Grab I (südwestliches und nordöstliches Steinrund) 

(Die Linienscliraffur bedeutet massiven Steinbau, die punktierten Linien die Ausfüllung mit Steingrus) 

Funde im südwestlichen Steinrund 

Bei 4, 5, 6 fand unsere Grabung noch einige Flintgeräte zwischen den Steinen. 
Es schien sich also um eine neolithische Anlage zu handeln. Bei 260", 8'/2 m 
vom Maßbrett kam auf festem Unterbau der erste Menschenknochen: demnach 
doch eine Grabanlage. Nach Freilegung der ganzen Stelle: Reste eines Skelettes 
mit Unterkiefer und einzelnen Trümmern vom Schädel, dem ersten Anschein 
nach liegender Hocker, denn Femur und Tibia des Beines lagen in Kniebeuge 



253 

wie in natürlichem Zusammenhang. Bald stellte sich jedoch heraus, daß der 
Rückschluß auf diese Bestattungsform verfrüht war. Armknochen, Schlüssel- 
bein, Schädeltrümmer, Rippen lagen wirr durcheinander. Leider verhinderte 
heftiges Schneegestöber eine photographische Aufnahme. Unter der Kniebeuge 
des vermeintlichen Hockers ein einziges Stückchen weißgebrannter Knochen (11); 
außerdem einige dicke Scherben 9, aus denen es gelang, die beiden Gefäße 
Tafel LXV wiederherzustellen, eine winzige Bronzeschleife 12 und einige nicht 
sicher bearbeitete Hornsteine, darunter 13. 

Zwischen 250 und 260°, 6 m vom Maßbrett fanden sich Knochen eines 
zweiten Skelettes 18, 2','2 m vom ersten Skelett entfernt; an beiden äußersten 
Enden der Skelettreste lagen die beiden Oberarmknochen; die distalen Enden 
nach auswärts 1,40 m voneinander entfernt, dazwischen die anderen Knochen, 
soweit sie erhalten waren, regellos, aber alle in gleicher Längsrichtung aus- 
gebreitet. Beigaben keine. Der solide Steinunterbau der Südwesthälfte ent- 
hielt demnach in geschlossenem Rund zwei Bestattungen. Zwischen dem süd- 
westlichen und nordöstlichen Steinrund die schon erwähnte beide Hälften ver- 
bindende Aufschüttung von Steingrus in gleicher Höhe wie der solide Steinbau. 

Funde im nordöstlichen Steinrund 

Der massive, runde Steinbau der zweiten Hälfte enthielt zwischen den 
Steinen liegend die Skelettreste von zwei, vielleicht auch drei Leichen, genau 
ließ es sich nicht feststellen; die sehr vermorschten Knochen waren auf 3 m 
in der Runde verteilt. Ein kräftiges, großes Femur, intakt liegend, aber völlig 
in Trümmern, hatte 48 cm Länge vom Trochanterkopf bis zum distalen Ende. 
In einiger Entfernung von den Skelettresten fanden sich Scherben, Bronzen 
und bei einem Gefäßrest 20 zwei große Eberzähne 33, 34. 

Der Sand über, zwischen und unter den Steinen wies die lebhaft eisenrote 
Farbe des Personatensandsteines auf. In der Nähe der Skelettreste und um 
sie herum war der Boden dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt, nicht durch 
Kohle, sondern durch andere organische Beimengungen. Der anstehende ge- 
wachsene Boden war hellgelber Sand. 

Mit Ausnahme eines Stückes Kohle keine Kohlenspur; außer den Schweins- 
hauern auch keine Tierbeigaben. 

Die Funde: Tafel LXV 

Die eingeklammerten () Zahlen bedeuten: nicht abgebildet 

Südwestliches Steinrund: 

1 derber Hornsteinschaber, Unterseite flach; 5 cm lang, an der Stirnseite gut gedengelt; 
1 '/s cm hochgewölbt. 

2 flacher, dünner Schaber; Kieselschiefer; an der oberen Schmalseite beiderseitig schlechte, 
dachförmige i^ Retusche. 

3 Bruchstück eines kleinen flachen Steinbeilchens; glimmeriger Quarzitschiefer, Schneide 
beschädigt. 

4 flaches Kieselschiefermesser; Schneide ^ dachförmig von beiden Seiten retuschiert ; 
5 cm lang, 2'/2 cm breit. 



254 

5 Hornsteiiimesser, auf der einen (auf der Abbildung im Scliatten befindlicfien) Langseite 
gut gedengelt; 6'/^ cm lang. 

6 Kieselschiefer, messcrartig; Schneide dachförmig von beiden Seiten gedengelt; beider- 
seits z.T. mit Rinde; 7 cm lang. 

(7) das erste Skelett. 

8 Hornsteinspilze, sehr scharf. 

(9) viele rolie Scherben, einzelne bis zu 2 cm dickwandig; davon mit vielen Ergänzungen 
wiederhergestellt: 

9 Henkeltasse, graubraun, sehr dickwandig; Randd. 10,5, Bodend. 5, Höhe 6 cm. 
9/10 hellbrauner Topf mit wulstigem Rand, Wandung 1 cm dick; Randd. 7, Bauclid. 8'/*, 

knopfartiger, in der Mitte etwas verliefler Boden 3 cm Durchm., Höhe 8 cm. 
9 ein winziges ornamentiertes Scherbchen, s. Abb. Tafel LXV. 
(12) ein kleines Stückchen S-förmig gebogener Bronzedraht. 

13 ein großes gloiziges Stück Hornstein, an der Schmalkante als Schaber zugerichtet. 
(18) zweite Skelettgruppe. 

Nordöstliches Steinrund: 

19 mehrere (6) Stückchen Bronzeblech mit eingestanzten Punktreihen. 

20 Henkelkrug, stark ergänzt, die Scherben aus verschiedenen Teilen des Steinrunds; grau- 
braun, rauh, mit scharf abgesetztem Hals; rechts und links um den Henkel lagen die 
Bleche 19. Randd. lO',! cm; Halsmitte Durchm. 9'/«; Bauchd. 16; Bodend.4; Höhe IScm. 

(21) Knochen, Unterkiefer. 
(22 —31) zehn Bronzenägel wie 23, 28 gewölbt, mit Stift, Durchm. beiläufig 16 mm. 

32 Bronzeblechband, gerollt; Durchm. 16 mm, Bandbreite 10 mm; mit je vier eingepunzten 
Strichen. 
32a sechs Bruchstücke eines Bronzebandes, ein Ende eingerollt; lichte Weite ca. 8 cm, 

Bandbreite 6 mm. 
33, 34 zwei Eberzähne. 

35 Bruchstück einer Sichel. 

36 Dolch mit Mittelrippe, scheckige Patina, 138 mm lang, 33 mm breit. 

Einige Monate später entdeckte Franz Kerl eine zweite Begräbnisstelie un- 
mittelbar neben der ersten. Diese und danach eine dritte wurden abgegraben 
vom 2. bis 11. Juli 1919. 

Begräbnisstätte II mit den Steinrunden A und B 

Steinbau. Alle äußeren Umstände wie bei Begräbnisstätte I. Die Abhebung 
des Waldbodens ließ auch hier ein langes, flaches Oval entstehen, H'/s m 
lang, 8 m breit. Es zeigte sich, daß es abermals aus zwei Steinrunden bestand; 
sie waren aber nicht durch Steingrus zu einer ganzen Fläche verbunden, 
sondern isoliert, wenn auch nahe beisammen: ein kleineres Steinrund A 
nordöstlich, ein größeres B südwestlich. Bei A war die Oberfläche flach, 
wie Begräbnisstätte I im ganzen; bei B war die Oberfläche mäßig gewölbt, 
s. Tafel LXI. 

Die Steinumgrenzung war bei A solid und fest am Rand. Bei B fand sich 
ein äußerer Anwurf von kleinen Steinen und erst dann kam das eigentliche 
Begräbnisrund, das wie ein Brunnenrand steil zum gewachsenen Boden ab- 
fiel, s. Tafel LXll. Während der Arbeit ging ein heftiger Wolkenbruch nieder, 
dessen Gewässer am unteren linken Rand des abgedeckten Steinrundes B 
Tafel LXI große Steinplatten freilegten, welche, wie sich später zeigte, der 



255 

inneren Grabumgrenzung angehörten; die anderen Partien der Umgrenzung 
wurden erst bei fortsclireitender Grabung erkennbar. 










090* 



Grundriß und Profil von Grab II A (oben), B (unten) 

IIA 
Die Begräbnisstätte A war fast durcliweg mit mittelgroßen flachen Weiß- 
juraplatten bedeckt, die am Rand z.T. dachziegelartig standen. Sie enthielt 
an fünf Stellen 45^80 cm tief die Scherben (38—42). Die Scherben (39) 



256 

gehören zu einem großen nicht wiederherstellbaren Kessel genau wie 61; 
nur sind an der Leiste unter dem Rand die Fingereindrücke kräftiger. — Aus 
den Scherben von 40 ergab sich mit sehr viel Ergänzung eine Tasse, die 
möglicherweise Henkel hatte; rötlichbraun, ursprünglich mit einem dunklen 
Ton überfangen; wahrscheinliche Maße: Randd.9; Bauchd. 10,5; Bodend.5,5; 
Höhe 7,5cm. — 41 eine derbe Henkeltasse, rötlichbraun, schwarz geschmaucht; 
Randd. 12; Bodend. 5; Höhe 6 cm. — Scherben von 42 lassen das Fragment 
einer dickwandigen Schale mit Standfuß erkennen, rötlichdunkelbraun ; Bodend. 8 ; 
Höhe 10 cm. — Ein kleines, unbestimmbares Stückchen Bronze (37), ein Feuer- 
steinmesserchen (43) und drei Metacarpale nebst einigen z. T. weißgebrannten 
Knochenfragmenten vom Menschen waren außerdem die ganze Ausbeute. 

Zwischen 315 und 320o in 110 cm Tiefe, also am gewachsenen Boden lag 
am Steinrand des Grabes und darüber hinaus ein längeres Stück Holzkohle, 
anscheinend von einem verbrannten Ast herrührend. 

IIB 

Das zweite Steinrund B war größer; im äußeren Steingrusanwurf kam außer 
einem Hornsteinschaber 47 und den Rinderzähnen (44) nichts zum Vorschein. 

Das innere Grabrund war in Südwest äußerlich gekennzeichnet durch die 
großen, schon erwähnten, flachen Weißjuraplatten, s. Grundriß zwischen 180 
bis 280". An drei anderen Stellen, zwischen 300 bis 340" in Nordwest, zwi- 
schen 17 bis 60» in Nordost und zwischen 85 bis 130» in Ost bildete je 
eine Trockenmauer den Abschluß des inneren Steinrundes nach außen, s. die 
Abbildungen der Tafel LXIl. Die Platten waren vom gewachsenen Boden an 
fünfreihig übereinander gelegt und ineinander gepaßt, „gezwickelt", die Fugen 
mit kleinen Steinen verkeilt. Im Grabrund hinter den Randsteinen und Trocken- 
mauern lagen große und kleine Steine regellos. 

Zwischen 45 bis 60°, 3 m von der Mitte wurde ein von dünnen Weiß- 
juraplatten umstellter, viereckiger Schacht aufgedeckt, im Lichten 20 — 25 cm 
weit, der von 60 cm unter dem Nullpunkt des Maßbretts bis 95 cm Tiefe 
reichte, s. Abb. Tafel LXIII und das Profil. Der mit Erde gefüllte Schacht ent- 
hielt nichts als ganz unten am Boden eine dicke, rohe Scherbe (54). 

Vom Skelett war nicht allzuviel mehr vorhanden, immerhin aber noch genug, 
um zu zeigen, daß es ausgestreckte Rückenlage hatte und daß die Glied- 
maßen des Unter- und des Oberkörpers osteologisch falsch zueinander orien- 
tiert waren, s. Abb. 7 Tafel LXlll. Die Knochen sowohl wie die darum ge- 
streuten Bronzen und die Gefäßreste machten den Eindruck völliger Un- 
berührtheit; eine spätere Störung, ein Verschieben im Boden oder Verschleppen 
durch Tiere war nicht wahrnehmbar, sie schienen so in die Erde gelegt worden 
zu sein, wie wir sie freilegten. Vom Scheitel des Schädels bis zum Ende der 
abgebrochenen Tibia betrug die Entfernung 170 cm. 

Den Bronzen nach handelt es sich bei dieser Beerdigung um die Leiche 
einer Frau. 



257 

An Beigaben kamen zum Vorschein: 
an sehr verschiedenen Stellen sechs Bronzeanhänger 50, 51, 55, 59, 63, 65. 
65 lag isoliert auf dem Brustteil der Leiche, sichtbar auf der Abb. 7. Eine 
abgebrochene Bronzenadel 64, durch einen Rückenwirbel gesteckt, den das 
Stollenarmband 64 umfing, lagen auf der Schläfe des Schädels; auch diese 
sind auf der Abbildung leidlich kenntlich. Das Stollenarmband 66 und die 
lange, ornamentierte Bronzenadel 66 gleichfalls auf dem Brustteil der Leiche 
s. Abb. 7. 

(44) Rinderzähne, Schafzahn und einige Scherben eines dünnwandigen glatten Gefäßes; 
Stucke halbverbrannten Holzes, grobe Holzkohle. 

(45) Streufunde: Knochen, die wie angesengt aussehen, Stücke weißgebrannter Knochen, 
einige Scherben, ein Hornstein. 

(46) Rinderzahn. 

47 ein Steinmesser oder -schaber von Kieselschiefer, die Schneide dachförmig von zwei 
Seiten zugeschlagen, 4 cm lang, 3 cm breit. 

48 ein eng tordierter Armring, schöne Edelpatina, 5'/2 cm weit im Lichten; Enden verjüngt, 
das eine vierkantig, häkchenartig gekrümmt, das andere von rundem Querschnitt ohne 
Häkchen; dabei zwei grazile iVletakarpalglieder vom Menschen. 

(49) kleines Bruchstück einer Bronzenadel von rundem Draht; Aussehen wie im Feuer gelegen. 
50, (51), (55), (59), 63, (65) die sechs Anhänger aus verschiedenen Fundstellen um den Ober- 
körper; sehen aus wie im Feuer gelegen, z. T. zerbrochen. 

52 eine Rollennadel 14 cm lang; Aussehen wie im Feuer gelegen. 

53 Fragment eines Ringes? aus gebogenen Drähten; dabei weißgebrannte Knochenstückchen. 
(54) die dickwandige Scherbe vom Boden des kleinen Schachtes der Abb. LXIII 6. 

56 oben und unten abgebrochene Bronzenadel von rundem Querschnitt mit verdicktem 
ornamentiertem Hals; 17 cm lang; Aussehen wie geschmolzen im unteren Teil. 

57 kleines Spirahöhrchen und weißgebrannte Knochen. 
(58) die Schädelkaloite und Skelettreste. 

59 bei dem Anhänger 59 ein derber offener Armring mit verjüngten Enden; drei Stücke 

eines dreikantigen Armrings; Aussehen der Bronzen wie im Feuer gelegen. 
(60), 61, (62) Scherben; aus den Scherben konnte mit Ergänzungen ein großer Tonkessel 61 
wiederhergestellt werden, Tafel LXVI; ornamentiert unter dem Rand mit einer Leiste von 
Fingereindrücken, über den bauchigen Teil mit Fingerstrichen; bräunlichgrau, ursprüng- 
lich vielleicht ockerfarben; Randd. 28'/«, Bauchd. 35, Bodend. 11, Höhe 23 cm. 

64 Nadelbruchstücke von rundem Bronzedraht, dabei Stollenarmband; Aussehen wie im 
Feuer gelegen. 

66 Stollenarmband, dabei lange Nadel von rundem Draht mit verdicktem ornamentierten 
Hals; Spitze abgebrochen, 26 cm; Aussehen wie im Feuer gelegen. 

Zu Füßen der Leiche weißgebrannte Knochen. 

Begräbnisstätte III 

Während der Arbeit an Grab II machten wir einige 100 m weiter oben an 
dem gleichen, hier stärker geneigten Hang eine dritte Begräbnisstelle aus, 
Abbildung Tafel LXIV 8. 

Offenbar hatte der Regen im Lauf der Zeit Sand und Erde von hier nach 
abwärts verfrachtet und verschwemmt. Die mäßig gewölbte Oberfläche war 
z. T. abgetragen, und, wie die Ausgrabung lehrte, die Grabanlage auch sonst 
sehr zerstört, so daß nur im Nordteil sich einige Beobachtungen machen 
ließen. Eine Trockenmauer war, wie bei Begräbnisstätte II B, noch erhalten, 
Abbildung Tafel LXIV 9. 



258 

Das Grab enthielt nur wenige, seicht liegende Knochen; an weit voneinander 
entfernten Steilen zwei Bronzen: den derben, ornamentierten Bronzering 67 
und die Scheibenspirale 68 als Rest eines zertrümmerten Fingerringes. 

Typologie 

Keramik. Einige der wenigen, z. T. stark ergänzten Gefäße erinnern an 
B^-Formen, die aus der Steinzeit übernommen sind. Der Krug 20 z. B. an 
die Frühbronzezeiturne mit Henkel von Heroldingen am Ries bei Nördlingen; 
nur ist unser Krug höher (15 cm gegen 10 dort).' Der Topf 9/10 hat einen 
eigentümlichen pfropfenartigen Boden, der in der Mitte eingetieft ist; ein 
Bodenstück dieser Art fand sich in Kasing* und ähnliche sind auch aus dem 
Neolithikum bekannt." Die Henkeltassen 9 u. 41 sind ebenfalls alte Formen. 
Das Fortleben solcher Erinnerungen hat nichts Auffallendes. 

Der große Kessel 61, der in Scherben von 42 ein Seitenstück hätte, wenn 
sie sich zu einem Gefäß ergänzen ließen, ist charakteristisch für B,; Scherben 
dieser Art waren auch bei Kasing vertreten.* Das zwar kleine aber wichtige 
Scherbchen 9 Tafel LXV trägt ein typisches B^-Ornament, das in Kasing gleich- 
falls häufig vorkam. 

Die Bronzen schließen sich den Typen der Stufe B^ an, wie sie in unserer 
Sammlung aus heimischen Gräbern und bei Behrens Tafel IX aus der Ober- 
pfalz vertreten sind. Der Dolch 36 mit kräftigen, plumpen Nietstiften und ver- 
hältnismäßig breiter Klinge, die beiden langen Nadelfragmente 56, 66 mit 
geschwollenem, reich ornamentierten Hals, der nach oben in einer Scheiben- 
platte endet (die bei 56 abgebrochen ist), gehören zur Stufe Bo. Ebendahin 
lassen sich auch die sechs Anhänger zählen, die einem Hals- und Brustschmuck 
angehören, bei dem Bronzespiralröllchen die verbindende Kette abzugeben 
pflegen, wie bei Labersricht;'^ ein minimaler Rest der Röllchenkette fand sich 
auch hier, 57. 

Der Schmuck hat sich langer Beliebtheit erfreut; Behrens kennt ihn in 
Stufe B^, bei Labersricht geht er mit einer am Hals gerippten Nadel zusammen, 
welche nach Reinecke auf B3 hinweist; er ist also dort jünger. Ein gleiches 
läßt sich von den Stollenarmbändern 64, 66, dem tordiert gegossenen Arm- 
ring 48« und dem Fragment einer Armspirale 32a sagen. Die beiden Bronzen 
67 u. 68 gehören der Stufe B^ an. 

Ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich als Zeit der Bestattungen die 
ältere Hügelgräberzeit von 1800 — 1600 v. Chr. annehme, vielleicht näher dem 
letzteren als dem ersteren Jahrhundert. 



' Belirens, Brzt. Süddeutschlands S.68 Abb. 16. 1. — ' Siehe gleichen Band Tafel XXXII 23 x. 

' z. B. Pravek 1908 Tafel III 12, 13. — ■■ Tafel XXX. 

' Abhdlgen d. Nat. Ges. XV. Bd. Tafel 2. 

« Naue, Bronzezeit in Oberbayern Tafel XXXllI, fand zwei gleiche Armringe, einen an jedem 
Arm, zusammen mit zwei Nadeln mit umgekehrt kegelförmigem Kopf, geschwollenem orna- 
mentiertem und durchbohrtem Hals, wie sie für B2 bezeichnend sind. — Ebenso bei einem 
Grabfund bei Brennlau, Württemberg; Präh. Bl. XVll 1905 Tafel VI 5, 6. 



259 

Das Steinzeug. Über das Vorkommen von Steingeräten in Hügeln der 
Metailzeiten habe ich S. 105 dieses Bandes schon Mitteilung gemacht. Die 
Gegend von Thalmässing ist besonders reich an Fiintsachen aller Art, zu- 
nächst deshalb, weil dort unser Franz Kerl mit ebenso großem Eifer als Er- 
folg die Felder, Sandgruben u. dgl. planmäßig darnach absucht. Wäre überall 
ein so scharfsichtiger Beobachter, dann würden vielleicht auch andere in vor- 
geschichtlicher Zeit bewohnte Gegenden nicht zurückstehen. Wer die Samm- 
lung Kerl in unserem Museum kennt, muß annehmen, daß die Thalmässinger 
Gegend von Steinzeitleuten dicht besiedelt war. Und doch ist noch keine 
einzige steinzeitliche Gefäßscherbe und ebensowenig ein Steinzeitgrab dort 
angetroffen worden. Die Begleitfunde gehören immer, wenn sie bestimmbar 
sind, der Bronze-, Hallstatt- oder Latenezeit an. 

Von den in den Appenstetter Gräbern gefundenen Flintgeräten haben nur 
1, 5, (43) und allenfalls 13 (von dem verstümmelten Beilchen 3 abgesehen) 
steinzeitlichen Charakter. Bei 4, 6, 47 tritt das sonst kaum wieder zu be- 
obachtende Bestreben hervor, die Schneide nicht wie üblich an eine Kante 
zu legen, sondern sie wie bei Metallmessern von zwei Seiten her zu be- 
arbeiten, so daß sie mitten unter dem dicken geradlinigen Rücken liegt. Die 
Instrumente sind somit gleichseitig, Vorder- und Rückseite nicht unterschieden, 
wozu der flachplattige Kieselschiefer sich gut eignet. Die Technik sieht sich 
roher und primitiver an, als sie ist: Rücken- und die halbgekrümmte Schmal- 
seite bei 6 glatt, als wäre der Stein von Butter und mit dem Messer zu- 
geschnitten; nur die Schneide ist geschärft, aber nicht in einheitlicher Technik, 
sondern teilweise durch muscheliges Abheben, teilweise durch Absprengen 
oder Drücken, wie beim alten Mousterien. An den Kanten ringsum bearbeitet, 
ist beiderseits die ursprüngliche Oberflächenrinde belassen. 

Ethnologie und Ritus 

Die Typenuntersuchung ermöglicht die Zeitbestimmung und das ist von aus- 
schlaggebender Bedeutung. Aber auch die ethnologischen Beobachtungen ver- 
dienen Erwähnung. Wenn wir unsere Ziele mit „Anthropologie, Ethnologie 
und Urgeschichte" umschreiben, dann sollen wir sie auch bei der Arbeit im 
Auge behalten. 

Von den bei Leichenfeiern der Bronzezeit üblichen Zeremonien haben wir 
keine Vorstellung. Eine wichtige Maßnahme am Grabe ist die Überführung 
und die Einbettung oder Verbrennung des Leichnams; ebenso bestimmt der 
Ritus Art und Maß der Beigaben. Für die früheste Bronzezeit, Stufe B^, ist 
nach Behrens, „was den Grabritus anbelangt, der liegende Hocker in Flach- 
gräbern die Regel; daneben begegnen aber auch vereinzelt gestreckte Skelette. 
Mitteldeutschland hat nicht selten Steinkisten, bisweilen aber auch Grabhügel". 

Die folgende Stufe 83, mit der wir es hier zu tun haben, führt den Namen 
„ältere Hügelgräberbronzezeit"; Grabhügel sind allgemein. Es gibt solche bis 
zu 2 m Höhe, in der Regel erheben sie sich aber nur wenig über den Boden. 



260 

„Ihr heutiger Zustand gibt uns keine Vorstellung vom ursprünglichen Aus- 
sehen, denn der von Erde umhüllte Innenbau ist inzwischen längst zusammen- 
gesunken, da er aus Holz oder aus ohne Verband aufgetürmten Steinen er- 
richtet war" (Behrens S. 221). Leichenbestattung herrscht ausnahmslos. 

In den zumeist niedrigen Hügeln liegen die Funde und Leichenteile größten- 
teils so hoch, oft nur wenige Zentimeter unter der Bodenoberfläche, daß auf 
die Vorgänge bei der Beerdigung kaum ein Schluß zu ziehen ist. Es ist des- 
halb auch nicht leicht, über den Ritus dieser Stufe klar zu werden. Naue's 
eingehende Angaben betreffen fast nur das Technische, den Hügelbau;» wie 
man bei ihm lesen kann und wie auch die vierzig von Steinmetz aus der 
Oberpfalz beschriebenen Hügelgräber bewiesen haben, sind die Bauweisen in 
einem und demselben Friedhof oft sehr verschieden: mit und ohne Stein- 
kränze; Gewölbebau mit und ohne Lehmeinlagen; gar keine oder eine oder 
bis zu sieben Steinsetzungen in einem Hügel; fest aus Stein gefügte und 
steinlose, durchaus mit Sand aufgeführte Hügel kommen nebeneinander vor. 
Aber es gibt doch hie und da auch Hügel, in denen der Zufall das übliche 
wüste Durcheinander verhindert hat und dann zeigt sich, daß ebenso wie in 
der vorausgegangenen Stufe Bj zuweilen und in der späteren jüngeren Bronze- 
zeit B4 zumeist (soweit nicht Verbrennung herrscht), auch in B^ das Skelett 
ausgestreckt liegt und außer dem allenfallsigen Schmuck ein Gefäß oder einige 
zu Häupten oder zu Füßen bei sich hat. Und das ist der für uns noch 
sichtbare Teil der zeremoniellen Riten; wie der Hügel sonst gebaut 
war, kann nebensächlich sein. 

Wo bis zu sieben und mehr Steinsetzungen mit Leichen gleicher Zeitstufe 
in einem Hügel untergebracht sind, spricht die Wahrscheinlichkeit zunächst 
dafür, daß der Einzug in den Hügel zu verschiedener Zeit stattfand, so wie 
eben die Todesfälle sich folgten. Man hat also mit Nachbestattungen zu rech- 
nen und tut dies bekanntlich auch ausgiebig. 

Das von uns bei Appenstetten geöffnete erste Grab enthielt an drei ge- 
sonderten Stellen die Reste von vier bis fünf Toten. Sie starben sicherlich zu 
sehr verschiedenen Zeiten, aber die letzte Ruhe fanden sie hier zu gleicher 
Zeit. Das ergibt sich aus den Umständen. 

Die Lage der Gebeine bei allen Appenstetter Toten war organwidrig. Das 
kam nicht durch fremde Eingriffe nach der Beerdigung zustande; in den mas- 
siven Steinbauten konnten weder durch Rutschungen noch durch Tierver- 
schleppung Veränderungen vor sich gehen, welche die Körper umzustülpen 
und zu zerstückeln vermochten oder die Gliedmaßen zu einer Linie hätten 
reihen lassen. Das Steinplattcnrund, in dessen Mitte die Skelettreste ruhten, 
war in beiden Hälften beider Gräber durchaus unverletzt; jede Störung im 
Bau hätte bei der Aufdeckung auffallen müssen. Im zweiten Hügel ist das 
reich ausgestattete Totenlager der Südhälfte Tafel LXIII Abb. 7 besonders über- 

' Auch in Ohlenschlagers verdienstvoller Arbeit: Die Begrdbnisartcn aus urgescli. Zeit auf 
bayer. Boden, Beiträge z. Antlir. u. Urg. Bayerns, 2. Bd., 1879, überwiegt das Teclinisclie. 



261 

zeugend. Das Bild zeigt die Skeiettreste ganz und gar so, wie sie aufgedeckt 
und angetroffen wurden, nichts ist durch die Ausgrabung verändert oder von 
der Stelle gerückt. Da sieht man, daß die Absicht bestand, die Gebeine in 
der natürlichen Körperform niederzulegen; aber aus Unkenntnis sind Arm- 
und Beinknochen der linken Seite in eine anatomisch völlig unmögliche, pfeil- 
gerade Richtung gebracht worden, wie sie nur denkbar wäre, wenn Arm und 
Bein ein einziges Glied bilden würden! 

Diese Beobachtung führt zu der Erwägung, daß die Toten nicht als Leichen 
beigesetzt wurden, sondern erst einige Zeit nach dem Tode, als die Weich- 
teile verwest oder z. T. verbrannt und nur die Knochen übrig waren. Wo die 
Knochen wild durcheinander liegen, kommt die Absicht, statt des Leichnams 
nur seine Knochen einzubetten, weniger deutlich zum Bewußtsein, weil man 
doch immer noch an andere Möglichkeiten denken kann. 

In den Appenstetter Gräbern muß es sich mithin um sogenannte „zwei- 
stufige Bestattungen" handeln, die vorgenommen werden, wenn das Fleisch 
von den Knochen entfernt ist und die bis dahin anderswo untergebrachten 
Toten nun endgültig der ewigen Ruhe übergeben werden. 

Diese Bestattungsart ist schon sehr lange bekannt; nach Dechelette' hat 
1832 der schwedische Archäologe Bruzelius sie erstmalig beobachtet; später 
kamen Pigorini und Cartailhac darauf zurück. Seitdem sind aus den Ethno- 
logien der Alten und namentlich der Neuen Welt Beispiele in großer Zahl 
bekannt geworden und auch für das Altertum haben sie sich gehäuft. Eine 
sichere zweistufige Bestattung habe ich 1919 auch in einem H^-Grabhügel im 
Weidenschlag bei der Beckersloh angetroffen, dessen Veröffentlichung 
noch aussteht. 

Diese Bestattungssitte ist eine der vielen Begleiterscheinungen des Animismus; 
sie hat daher bei Völkern der entgegengesetztesten Gegenden und zu allen 
Zeiten eine Ähnlichkeit, die nicht auf Entlehnung beruht, sondern aus der 
gleichen Naturanschauung herauswächst. Sie gehört, wie Rütimeyer nach Foy 
ausführt,* „einer allgemeinen, ziemlich global sich ausbreitenden älteren Kultur- 
schichte an, der sogenannten Zweiklassenkultur, zu deren typischen Kenn- 
zeichen u. a. Geheimbünde, Masken und Skelettkult gehören". 

Die abgeschiedenen Seelen verlangen unablässig Speisung und Trank; eine 
harte, aber nicht zu verweigernde Forderung an die Hinterbliebenen. Sie wird 
durchgeführt für die erste Zeit nach dem Tode vielleicht manchenorts täglich, 
aber bald beschränkt sie sich auf Termine. In der östlichen rechtgläubigen 
Kirche findet heutzutage die Totenspeisung mit Koliwa (Kutscha) bulgar., ge- 
kochtem Getreide, am 3., 9. und 40. Tag nach dem Begräbnis statt, wenn 
Parastoß, die Totenmesse, gelesen wird; außerdem am Allerseelentag. 



> Manuel d'Arch. I S. 469. 

' Über Totenmasken aus Celebes u. d. Gebräuche bei zweistufiger Bestattung; Basel, Verh. 
d. Naturf.Qes. 1910 XXI S.290. — Foy, Führung durch d. Rautenstrauch-Joest Museum, 2. Aufl. 
1908, S. 59, 71, 177. 



262 

Die Speisung dauerte bei vielen Völkern so lange, bis man die 
Seele im Jenseits angekommen wäiinte. Eines der Merkmale, daß die 
Reise beendet und das Ziel erreicht sei, glaubte man gefunden zu haben, 
wenn die Verwesung vollendet und das Fleisch von den Knochen gefallen 
war. Man grub die provisorisch beerdigten Leichen aus; saß noch etwas 
Fleisch an den Knochen wurde es abgeschabt und in der Regel verbrannt. 
Mit den gereinigten Knochen konnte nun zur zweiten Beerdigung ge- 
schritten werden; von da an war jeder Verkehr zwischen Toten und Leben- 
den unterbrochen. Die Hinterbliebenen hatten und haben deshalb ein sehr 
reges Interesse an der Kürzung der Reisedauer, denn mit der Beendigung 
erlischt die schwerwiegende Verpflichtung der Speisung und Tränkung des 
Toten. 

Die Reinigung der Knochen scheint überall wesentlich für die Wieder- 
beerdigung zu sein. „Selbst im heutigen Griechenland", sagt Poulsen,* „pflegt 
man die Leiche nach Verlauf von drei Jahren wieder auszugraben. Haftet dann 
noch Fleisch an den Knochen, so wird alles schleunigst wieder vergraben. 
Sonst werden die Knochen gewaschen, in eine bronzene Urne gelegt und in 
einer Kapelle beigesetzt." An gleicher Stelle sind weitere Beispiele aus dem 
mykenischen und späteren Griechenland gegeben. 

Vielfach wurde die Sitte des Entfleischens der Leichen mit der absichtlichen 
Rotfärbung mancher Skelette, die schon vom Jungpaläolithikum an vorkommt, 
in Verbindung gebracht. Darüber gibt es eine umfangreiche Literatur,^ doch 
besteht kein Grund hier darauf einzugehen, da Rotfärbung bei den Appen- 
stetter Knochenresten nicht vorliegt. 

Vom Ritus ist bei einer zweistufigen Bestattung kaum noch etwas wahr- 
zunehmen; einzig das Bestreben, der Frau in Grab IIB ausgestreckte Rücken- 
lage zu geben, läßt den Anklang an eine rituelle Bestattung durchblicken, 
wie sie bei einmaliger endgültiger Beisetzung üblich war. 

Bronzen und Gefäße haben sicherlich schon die erste Bestattung mitgemacht. 
Was davon bei der zweiten noch übrig war, zerbrochener Schmuck, Scherben 
der Gefäße, durfte man den Toten nicht vorenthalten. Wären ganze Gefäße 
bei den Leichen gewesen, dann hätten sich mehr Scherben finden müssen, 
denn sie sind unvergänglich. 

Noch eine Bemerkung drängt sich auf. Die Bronzen in Grab II B waren 
einem Feuer ausgesetzt. Einige einem starken, andere einem schwächeren 
Feuer. Die Knochenreste machen denselben Eindruck. Von den in Grab II B 
verstreut angetroffenen Menschenknochen ist ein Teil ganz weißgebrannt und 
zwar größere Stücke, als von Menschenknochen in kalziniertem Zustand sonst 
übrig zubleiben pflegen; andere sind wie angekohlt. Bei den meisten ist ein 

• Poulsen, Die Dipylongräber und die Dipylonvasen S. 7, 1905. 

' R. Martin, Über Slielettkult und verwandte Vorstellungen; Zürich, Mitteilungen d. geogr.- 
cthnogr. Ges. XX 1919/1920 S. 5. 



263 

Brennen nicht zu erkennen. Man kann den Verdacht hegen, daß einige der 
Knochen mit Feuer in Berührung kamen, aber mit dieser Beobachtung aliein 
ist nichts anzufangen. 

Um so mehr Nachdruck ist auf die Bronzen zu legen. 

Ein bestimmter Nachweis, ob Knochen wenig oder leicht gebrannt sind, 
läßt sich anscheinend nicht geben; von diesem Gedanken muß also zunächst 
abgesehen und angenommen werden, daß der Körper der Frau mit Feuer 
nicht in Berührung kam, daß man sie mit ihren Beigaben regelrecht begraben 
hat und daß sie in der Erde blieb, bis das Fleisch verwest war. Dann hat 
man sie herausgenommen, die Knochen gereinigt und das zweite Begräbnis 
so ausgerichtet, wie wir es antrafen. 

Sogleich taucht die Frage auf: wann und warum wurden die Bronzen ge- 
glüht und halb geschmolzen (s. 56 auf Tafel LXVI)? Man hat gewiß noch bei 
keiner ohne Feuer bestatteten Leiche ausgeglühte Bronzen gefunden. Das 
konnte weder für die erste noch für die zweite Beisetzung von ritueller Be- 
deutung sein und auch aus der vergleichenden Völkerkunde läßt sich kein 
erklärendes Beispiel heranziehen. Es wird also doch wohl zu untersuchen 
sein, ob nicht der Schmuck und die Leiche gemeinsam ein Feuer zu über- 
stehen hatten, das nicht stark genug war, um die Leiche ganz aufzuzehren, 
das aber bei mäßiger oder verschieden starker Glut einige Körperglieder und 
Bronzen stärker traf und andere schwächer. Mit anderen Worten, es käme 
eine ähnliche Hypothese in Frage, wie die W. Dörpfelds vom Rösten und 
Sengen der Toten bei den Achäern und Hellenen. 

Es galt nun, nach dieser Richtung hin Versuche anzustellen; in dankens- 
wertester Weise haben sich zwei Mitglieder unserer Gesellschaft, Chemiker, 
hierzu bereit finden lassen; es sei ihnen auch an dieser Stelle der Dank er- 
stattet. Der Knochen enthält einen gewissen Prozentsatz organischer Substanz, 
der beim Verbrennen verschwindet; je nach dem Befund muß sich ermitteln 
lassen, ob ein Knochen im Feuer war oder nicht. 

Heinrich Kolb, Chem.-lng. an der Bayerischen Landesgewerbeanstalt, hatte 
die Freundlichkeit, zunächst einmal 1. einen kalzinierten und 2. einen un- 
gebrannt scheinenden Knochen aus dem nachfolgend besprochenen Henfen- 
felder Jungbronzezeit-Friedhof 7468 14 zu untersuchen. Er stellt folgende 
Notizen zur Verfügung: 

„In beiden Knochenproben war die organische Substanz zu bestimmen. Zu 
diesem Zwecke wurden die gut gereinigten Knochen bei 105" zwecks Be- 
stimmung der Feuchtigkeit getrocknet; hierauf verascht, die Asche mit Ammon- 
karbonat befeuchtet, bei 160" getrocknet und der verbliebene Rückstand als 
Mineraisubstanz gewogen. 

Die organische Substanz ergab sich dann prozentual aus 100 (Mineral- 
substanz -j- Feuchtigkeit). 



264 

Es wurde gefunden: _ , ^ , ^ 

^ Probe 1 Probe 2 

kalzinierter Knochen vermutlich ungebrannter 

Knochen 

Mineralsubstanz + Feuchtigkeit 99,82 »o 85,86 »/o 

organische Substanz 0,18o;o 14, HV." 

Dies Ergebnis stimmt so ziemlich mit Analysen überein, welche Freiherr 
V. Bibra schon im Jahre 1846 an Knochen aus einem prähistorischen Grabe 
erzielt hatte, nämlich organische Substanz 15,92o/o.i 

Aus den Analysen von Knochen verschiedener Körperteile rezenter Menschen 
und Tiere in dem eben zitierten Werk v. Bibras geht hervor, dat3 die Menge 
der organischen Substanz je nach dem Körperteil, dem Alter oder auch der 
Krankheit des zu untersuchenden Objektes etwas schwankt. Solche Schwan- 
kungen wurden von Dozent Dr. S. Klein ebenfalls festgestellt, der an einer 
unverbrannten Fibula desselben Henfenfelder Toten, von dem die vorige 
Probe 1 genommen war, 24,50/0 organische Substanz ermittelt, bezogen auf 
die bei 110» C getrocknete Knochenprobe. 

Der Theorie nach müßten nun an den Knochen gesengter Toter sämtliche 
Übergänge vorhanden sein von O^/o bis 14 resp. 24"/o organischer Substanz, 
je nachdem der Knochen am Feuer durchgebrannt, angebrannt, berührt oder 
nicht berührt ist. Wenn dies chemisch erweisbar ist, dann läßt sich ein Sengen 
der Leichen nicht bestreiten. 

Nach der von Dörpfeld aufgestellten Hypothese war der Zweck des Brennens 
oder Röstens die bessere Konservierung des Leichnams: das Fleisch sollte 
auf längere Zeit hinaus vor Verwesung geschützt werden. Dieser Auffassung 
gemäß hat es sich nicht darum gehandelt, das Fleisch mittels Feuer von den 
Knochen zu lösen, es zum Verschwinden zu bringen um gereinigte Knochen 
zu erhalten, wie es die zweistufige Bestattung verlangt, sondern es kommt 
nur ein Oberflächen-Rösten des Fleisches in Betracht. 

Im letzteren Fall kann das Feuer an den von starken Fleisch- und Muskel- 
partien geschützten Stellen den Knochen gar nicht erreichen, kann ihn also 
auch nicht verändern; der Nachweis des Brennens ist in diesem Fall wohl 
kaum zu erbringen. 

Demgegenüber ist daran festzuhalten, daß unsere Appenstetter Tote nicht 
in einem Zustand niedergelegt wurde, der irgendwie andeutet, daß die Glieder 
in natürlichem Zusammenhang waren, wie es bei leichtem Brennen noch der 
Fall sein würde. Hier wurden entfleischte Knochen benützt, das ist sicher und 
den Verdacht auf Brand tragen die Bronzen herein; er verstärkt sich noch 
infolge einiger weißgebrannter und angekohlter Knochenteile. In Stufe B^ 
kommt, wie oben gesagt wurde, Leichenbrand nicht vor. 



' V. Bibra, Chemische Untersuchungen über die Knochen und Zähne der Menschen und 
der Wirbehiere, S. 356. 



265 

Die von Dr. S. Klein gütigst vorgenommene Untersuciiung von Knochen- 
teilen, auch zunächst der Henfenfelder Leiche 7468 14 hatte folgendes Er- 
gebnis: 

Humerus 19,5o/o 

Femur 22,5 »/o 

Tibia 18,50/0 

Fibula 24,0 "/o 

„Tibia sah beim Abschaben recht verdächtig nach Brand außen aus, ich 
konnte aber gar nichts Positives hierzu finden. 

Im ganzen sprechen die hohen Zahlen insgesamt gegen Leichenverbrennung." 
Gegen Verbrennung, ja; aber um eine solche kann es sich nach Lage der 
Sache gar nicht handeln, da bei dem hier in Rede stehenden Prozeß ein Ver- 
brennen ausgeschlossen ist. Bei seinen Untersuchungen an Knochen rezenter 
Menschen hat v. Bibra beträchtliche Schwankungen im organischen GehaU 
je nach dem Körperteil bei einem und demselben Individuum feststellen müssen. 
Femur und Humerus weisen am wenigsten auf. Er sagt darüber S. 178 seines 
Werkes: „Ich habe einige Knochen bloß auf den Gehalt an organischer und 
anorganischer Substanz untersucht, die ich schon mit Äther vollkommen ent- 
fettet hatte, und dabei folgende Resultate erhalten: 

Organische Substanz Anorganische Substanz 









Femur 


Humerus 


Femur 


Humerus 


Mann 


von 


40 Jahren 


29,87 


29,34 


70,13 


70,66 


Mann 


von 


38 Jahren 


31,02 


30,35 


68,98 


69,65 


Mann 


von 


21 Jahren 


31,26 


31,77 


68,74 


68,23 


Weib 


von 


30 Jahren 


30,27 


30,08 


69,73 


69,92 



„Die übrigen Knochen der Extremitäten haben bei allen Säugetieren, so wie 
beim Menschen, mit nur sehr wenigen Ausnahmen, mehr organische Substanz 
als das Femur und der Humerus. Das Schlüsselbein verhielt sich so ziemlich 
wie die Knochen der Extremitäten. . . . Die Resultate, die andere Beobachter 
bei den menschlichen Knochen erhalten haben, ergeben gleichfalls durch- 
gängig, daß die der Extremitäten mehr Knochenerde (d. h. anorganische Sub- 
stanz) enthalten, als jene des Rumpfes." 

Es herrschen also neben den individuellen Schwankungen noch beträcht- 
liche Unterschiede im organischen Gehalt der Knochen eines und desselben 
Körpers. Das gleiche läßt sich an den Knochen des Henfenfelder Toten be- 
obachten: Femur 22,5, Humerus 19,5^/0 und wie bei den rezenten Knochen 
ist der organische Gehalt des Femurs höher als der des Humerus. 

Zwischen den alten und den rezenten Knochen besteht eine beträchtliche 
Gesamtspannung 70,0 nach der höchsten Zahl bei Dr. Klein, bis 11 »/o nach 
der niedrigsten bei Heinrich Kolb, aber auch unter sich stimmen die Resul- 
tate an den Henfenfelder Knochen nicht mit dem von v. Bibra gegebenen 
Schema überein. Denn die Tibia, welche seinen Angaben nach mehr organi- 



266 

sehe Substanz entlialten sollte als Femur und Humerus und bei den v. Bibra- 
schen Analysen auch tatsächlich immer etwas mehr enthält (S. 158: Mann 
zwischen 25-30 Jahren z. B. Femur 31,03, Humerus 30,56, Tibia 31,97), 
weist bei unserem Henfenfelder Toten nur 18,5o/u organischer Substanz auf, 
bleibt also beträchtlich hinter dem Schema zurück. 

Das kann natürlich verschiedene Ursachen haben; es könnte von leichtem 
Brennen herrühren, es muß aber auch der Verwitterung im Boden ein breiter 
Raum gelassen werden; und da fragt es sich wieder, ob die Knochen eines 
und desselben Körpers in der Erde gleichmäßig verwittern oder die einen 
rascher und die anderen um so viel langsamer. 

Obwohl ich schon 1909 in meinem Grabungsprotokoll die Notiz vorfinde 
„die Knochen sehen z.T. aus wie angebrannt", hätte mich diese Beobachtung 
doch sicherlich niemals veranlassen können, irgendwelche Folgerungen in 
dieser Richtung zu ziehen, wenn nicht jetzt bei Bearbeitung der Appenstetter 
Grabungsresultate die gleiche Beobachtung und zugleich die geglühten und 
geschmolzenen Bronzen hinzugetreten wären. 

Bei der Toten von Appenstetten fand Dr. Klein folgende Prozentsätze an 
organischer Substanz: 

Scapula 15,7 

Phalanx secunda .... 16,0 

Radius 14,0 

Femur 12,8 

Caput femoris (Spongiosa) 16,7 

Tibia 12,4 

Die hier angeführten Prozentsätze bleiben in weit höherem Maße hinter 
denen rezenter Menschen zurück, als diejenigen der Henfenfelder Knochen. 
Besonders groß ist der Abstand bei der Tibia, er beträgt gegenüber der Norm 
nicht weniger als 19,930/0. Das läßt die Annahme zu, daß die Leiche eine 
Sengung oder Röstung durchgemacht hat mitsamt den Bronzen; um so mehr 
als bei der gleichen Leiche sich ein Stückchen Knochen fand, das an einem 
Ende kalziniert, in der Mitte nur angerußt und am anderen Ende wie un- 
gebrannt aussieht, das also bei der Untersuchung drei verschiedene Prozent- 
sätze ergeben würde, wenn ich das Stückchen opfern wollte. 

Für die Appenstetter Leiche festigt sich damit der Verdacht auf ein teil- 
weises Brennen, und die Möglichkeit einer größeren Verbreitung dieser Maß- 
nahme kann, wie die Henfenfelder Knochenuntersuchung ergab, auch nicht 
mehr vornherein als unvernünftige Annahme zurückgewiesen werden. Haben 
die Hellenen in der Tat die von Dr. Dörpfeld verfochtene Gewohnheit des 
Sengens der Toten gehabt, dann besteht die Wahrscheinlichkeit, daß sie diese 
aus der nordischen Urheimat nach Süden mitbrachten, und in Mitteleuropa 
müßten sich die Spuren davon finden. 



267 

Mit den hier gegebenen und untersuchten Fällen ist in einer so weitreichenden 
Angelegenheit natürlich nichts entschieden. Insbesondere muß ermittelt werden 
wie viel organische Substanz der Knochen bei natürlicher Verwitterung ver- 
liert. Wenn Serien von Untersuchungen angestellt werden, läßt sich sicher 
ein Resultat erzielen, zumal wenn geglühte und geschmolzene Bronzen und 
teilweise Knochenkalzination die Verdachtsmomente unterstützen. In der Natur- 
historischen Gesellschaft Nürnberg ist glücklicherweise durch die enge Ver- 
bindung der Prähistorie mit den Naturwissenschaften einige Gewähr gegeben, 
daß die Versuche fortgesetzt werden können. Inzwischen hat Dr. S. Klein einen 
Versuch mit Knochen aus Reihengräbern gemacht. Die Toten dieser Zeit kamen 
ganz gewiß ohne Berührung mit Feuer in die Erde, was ich, nachdem die 
Zweifel einmal geweckt sind, selbst von bestatteten Hallstattleichen jetzt nicht 
mehr als durchaus sicher anzunehmen wage. Die Knochen 7162 stammen aus 
den Reihengräbern von Dettenheim, welche Lehrer Roth in Schambach und 
einige andere Herren 1889 ausgegraben haben. i 

Sie besitzen freilich nur ein Alter von 13 bis 14 Jahrhunderten, während 
das der Appenstetter Toten auf 35 bis 36, also beinahe auf das Dreifache, zu 
schätzen ist. 

Das Ergebnis war: 

rechte Tibia 27,2^/0 organische Substanz 

Fibula 28,0 o/o 

linker Humerus 29,2 "/o „ „ 

rechte Ulna 25,2 "/o 

linker Radius 25,60/0 „ . „ 

linker Femur 12,5o/o „ „ 

Der auffallend niedere Prozentsatz der letzteren Analyse veranlaßte eine zweite 
Konfrollbestimmung, zu der das Material einer anderen Stelle desselben Femurs 
entnommen war. Diese zweite Bestimmung ergab ll,9o/o organische Substanz. 

Eine Erklärung für diesen großen Unterschied im Prozentsatz vermag ich 
nicht zu geben. Die übrigen Maße entfernen sich nicht so weit von den 
V. Bibra'schen Mittelwerten, daß sie gegen die Hypothese des Sengens der 
Toten sprechen. Er fand für den erwachsenen Menschen im Mittel 31,18o/o 
organische und 68,820/0 anorganische Substanz;- für Säugetiere im allgemeinen 
30 bis 31 "/o (nur Katze, Fledermaus und Kapuzineraffe mit 36 bezw. 29o/o 
machten eine Ausnahme).^ 

Für die bisherigen sehr interessanten Untersuchungen sei Herrn Dr. Klein 
auch an dieser Stelle der verbindlichste Dank ausgesprochen. 

Eine für unsere Gegend neue Erscheinung war der kleine Schacht im Rund- 
grab IIB. Einer der Teilnehmer an der Grabung, Gust. Mengert, sprach die 
Vermutung aus, daß er einem Blutopfer gedient habe. Beweise dafür fanden 

' Naues Präh. Blätter V 1893 S. 55. - v. Bibra S. 172. ' Ebenda S. 171 unten. 



268 

sich nicht, es ist aber wohl niögUch, daß Blut oder Milch darin geopfert 
wurden. Bis zur Oberfläche des Grabes hat er niclit gereicht, war wenigstens 
nicht wahrgenommen worden. Da er nicht mit Steinen, sondern mit Sand ge- 
füllt war, ist die Anhäufung erst während oder nach der Eindeckung erfolgt 
und wenn ein flüssiges Opfer darin dargebracht wurde, dann war es ein ein- 
maliges, das nur während der Beisetzung stattfand. 

Von besonderer Eigenart war die Grabanlage. Sie ist mir in dieser Form, 
wie schon erwähnt, noch nicht begegnet, und ich weiß auch aus unserer 
heimischen Literatur kein Beispiel dafür, wenn nicht allenfalls Hügel XXI im 
Brandholz bei Brunn ein Seitenstück dazu bot. Steinmetz sagt darüber:' „Der 
viele Mühe verursachende Hügel von 12 m Durchmesser und 1 m Höhe er- 
gab erst unter 0,5 m Tiefe eine im Innern fast kreisrunde, aus starken Blöcken 
errichtete Setzung, einer Brunnenmauer gleich, von 60 — 70 cm Dicke, gegen N 
noch stärker, mit 1,5 ni breitem Innenraum ohne Steindeckung. Die bis in 
den natürlichen Boden hinein fortgesetzte mühsame Grabung ergab keine 
Spur der einstmaligen Bestattung mehr, vereinzelt kamen grobe Scherben und 
Bruchstücke vom Steilrand eines braunroten Gefäßes von roher Arbeit zum 
Vorschein." 

Obwohl es sich hier um einen Hügel, noch dazu 1 m hoch, nicht um ein 
äußerlich unkenntliches Flachgrab handelt, glaube ich doch auf die kreisrunde 
Innensetzung, die einer Brunnenmauer glich, hinweisen zu sollen. Vielleicht 
war das etwas Ähnliches? Ein eigentlicher Vergleich verbietet sich beim 
Fehlen eines Grundplanes oder einer Zeichnung. Ob sich in der Gegend von 
Thalmässing mehr derartige Anlagen finden, ist unbekannt; da sie unterirdisch 
sind, werden sie nur durch Zufall entdeckt. 

Es ist oben gesagt worden, daß der Hügelbau recht mannigfaltig sein kann, 
ohne daß dies von besonderem Belang wäre. Aber die hier angetroffenen 
Eigentümlichkeiten sind möglicherweise doch der Ausdruck eines besonderen 
Grabtypus, der sich unter Umständen dann auch einmal anderwärts wieder- 
holt. Mit der Doppelbestattung haben die Plattengräber nichts zu tun, das ist 
ein zufälliges Zusammentreffen. 

Im Jahre 1923 hatten wir in Nürnberg Gelegenheit, einen Vortrag von Prof. 
W. Dörpfeld über seine bedeutsamen Grabungen auf Leukas, dem alten 
Ithaka, zu hören und Lichtbilder der freigelegten, achäischen Herrengräber zu 
sehen. Da war es für die Beteiligten an der Appenstetter Grabung sehr über- 
raschend, Ähnlichkeiten zwischen beiden Flachgräberanlagen festzustellen: hier 
wie dort ein Plattenfußboden, unter dem die Beerdigung — auf Leukas mehr- 
fach in Pithosgefäßen — eingebettet war; eng aneinander geschlossene Stein- 
kreise mit Trockenmauern wie Brunnenschächte' und dahinter Auffüllung mit 
größeren und kleineren Steinen. Tafel LXXVlll Abb. 35 gibt mit Dr. Dörp- 
feld's freundlicher Erlaubnis die von ihm dort freigelegten Königsgräber wieder. 



' Präh. Forscli. a. d. Laabcr S. 15. 



269 



Auch inhaltlich stellen sich beide Bronzezeitanlagen ziemlich gleich: Feuer- 
steinspitzen, neben Bronzen, Dolchen, Armringen. Die Zeit der Leukasgräber 
ist nach Dörpfelds freundlicher Mitteilung 
etwa das 12. Jahrh. v. Chr. 

Diese Gegenüberstellung beabsichtigt 
nicht, die zwei Vorkommnisse in ein Ab- 
hängigkeitsverhältnis zu bringen; aber es 
handelt sich in beiden Fällen um nörd- 
liche Indogermanen und so darf man auch 
auf die Ähnlichkeiten hinweisen. 

Im äußeren Ansehen ähnliche, sonst aber 
doch recht verschiedene Anlagen bietet das 
von E. Tatarinoff besprochene Gräber- 
feld von Gudo im Kanton Tessin, von dem 
bis 1911 306 Gräber untersucht waren. Es 
sind immer Flachgräber von kleinem Um- 
fang, die bis zu 6 m unter dem heutigen 
Boden liegen, ehedem aber mit dem da- 
maligen Boden übereinstimmten. Sie ge- 
hören der jüngsten Hallstatt und einer 
gallischen Lat^neperiode an; beide zusammen umfassen etwa sieben Jahr- 
hunderte. „Analoge Erscheinungen wurden in den gleichzeitigen Gräberfeldern 
von Golasecca, Vetulonia, Este, Terni und an verschiedenen Orten Frankreichs 
gefunden. Diese Art der Signalisierung der Gräber ist also hier als eine lokale 
Eigentümlichkeit anzusprechen und hat jedenfalls keine kulturelle oder ethno- 
graphische Bedeutung."' 




Grundrisse der Königsgräber 
in der Nidri-Ebene auf Leukas 

(aus Dörpfeld, Die Ergebnisse der Aus- 
grabungen von 1910, 6. Biief) 



Gaisberg bei Gaisheim 

Einlauf-Nr. 7330 

Am Gaisberg, im Waldteil gleichen Namens, zur Gemeinde Mittelrainbacli 
Bez.-Amt Sulzbach gehörig, liegen mehrere flache Hügel. Den östlichen hat 
vor Jahren Regierungsrat Streit-Sulzbach ausgraben lassen und einige Bronzen 
und Scherben gefunden, die nach München in die Staatssammlung gekommen 
sein sollen. 

Der mittlere wurde im September 1907 von der Anthropologischen Sektion 
ausgegraben. Er war gebaut wie die nachfolgend beschriebenen im Weiden- 
schlag: flach und nieder, etwas in den Boden gesenkt mit vielen großen und 
kleinen, meist knolligen Steinen bedeckt, fast ohne Erde, aber fest gefügt. 



' Siehe die Abb. 10—15 bei E. T.it.irinoff, Die Nekropole von Gudo (Tessin) im Anz. f. 
d. Schweiz. Altskde NF. XIll 1911 S. 216. 



270 

In geringer Tiefe Knochenfragmente auf eine weite Fläche verstreut, einige 
Scherben, ein Ringlein von Bronze (3), ein unterer Prämolar vom Rind, ein 
halber Hundezahn. Zweimal größere Stück Kohle, aber keine Kohienschicht. 
Zeit: Das Ringchen und die Scherben geben keinen Anhaltspunkt für die Zeit- 
bestimmung; der Grabbau, der Hundezahn, der Rinderzahn, die Kohlenstücke 
machen die ältere Hügelgräber-Bronzezeit B^ oder die beginnende jüngere B^ 
wahrscheinlich. 



Weidenschlag 

Bez.-Amt Hersbruck Einlauf-Nr. 7582 

In der Waldabteilung Weidenschlag des Forstamtes Schnaittach, auf der 
Jurahochfläche nördlich vom Glatzenstein, befindet sich eine Gruppe von etwa 
10 oder mehr Grabhügeln sehr wechselnder Größen, die von der Anthropo- 
logischen Sektion zu verschiedenen Zeiten, je nachdem sie holzfrei geworden 
waren, ausgegraben wurden. Zwei sehr stattliche Hügel VII und VIII gehörten 
Hg an; sie brachten bemerkenswerte Ergebnisse, unter anderem den sicheren 
Nachweis einer zweistufigen Bestattung; Grabung vom 19. bis 26. April 1919. 
Der Bericht bleibt einer späteren Veröffentlichung vorbehalten. 

Drei kleine Hügel I— III öffnete Justin Wunder am 28. u. 29. August 1901 ; 
Ludwig Wunder hat in den „Präh. Blättern" 1903 Nr. 2 über die Ergebnisse 
kurz berichtet. Während der Grabung 1919 wurde der kleine Hügel X ge- 
öffnet, dessen Ausgrabung unser rühriger Freund Conrad F. Schramm- 
Hersbruck leitete. Die Hügel V, VI, IX wurden vom 14. bis 16. Mai 1925 von 
mir untersucht. Die Funde aller Hügel waren geringfügig und nur eben hin- 
reichend, um Bj und wohl auch B^ feststellen zu können. Darüber im folgenden 
der Bericht. 

Die durch die Anlage in verschiedenen Zeiten merkwürdige Hügelgruppe 
ist eine halbe Stunde von der weiter nördlich gelegenen durch ihre reiche 
Ausbeute an Funden der jüngeren Hallstattzeit bekannt gewordenen Wald- 
abteilung Beckersloh entfernt. In der sonstigen Umgebung sind noch andere, 
z. T. recht stattliche Grabhügel auf der gleichen Jurahochfläche, von denen 
einige bereits weitgehend gestört sind. 

Die von J. Wunder 1901 ausgegrabenen Hügel waren „in kunstloser Weise 
aus Kalksteinen mit wenig Erde errichtet", also anscheinend von gleicher 
Bauart, wie die später von uns geöffneten. Sie sollen hier Erwähnung finden, 
damit die Bronzezeitanlagen im Weidenschlag in einem Zuge erledigt sind. 

Hügel I enthielt neben einigen Fragmenten von Menschenknochen und 
wenigen unbestimmbaren Scherben einen kleinen „Zierbuckel" aus sehr dünnem 
Bronzeblech Tafel LXVIIl, I 3a, stark beschädigt; einen Fußknochen vom Schaf. 
Kohle fand sich nicht. Die Funde genügen nicht zu einer Zeitbestimmung. 
Nach Wunders Annahme sollen 3 Leichen in Hügel I bestattet gewesen sein. 



271 

Hügel II: 8 m Durchmesser und 'h m Höhe; war „von I nicht vollständig 
getrennt, sondern bildete gewissermaßen die nordöstliche Fortsetzung und 
besonders an der Übergangssteile fanden sich Scherben und Knochen". Die 
meist rohen Scherben sind bis zu iVzcm dic]<; einige ornamentierte siehe 
Tafel LXVIII, 118; andere tragen Leisten mit schönen Fingerspitzenabdrücken. 
Bei Wunder, „Präh. Blätter" findet sich eine interessante Bemerkung: „die 
Knochen zeigen teilweise Feuerspuren bis zur Kalzinierung". In dem sehr 
spärlichen Knochenmaterial weisen allerdings zwei Fragmente solche Spuren 
auf; soweit sich feststellen läßt, sind es aber Knochen vom Schwein (11 6), 
Trümmer von Elle und Speiche. An den Menschenknochen kann ich nichts 
dergleichen entdecken. Ferner sind zu erwähnen: ein kurzer Bronzenagel mit 
hochgewölbtem Kopf II 11; ein Hunde- (nicht Bären-) zahn (Uli) mit querer 
Durchbohrung nahe der Wurzeispitze; Nagetierspuren an dem Knochensplitter 
II 6 täuschen „deutliche Spuren von Bearbeitung" vor. An Tierknochen sind 
noch vorhanden: ein Zahn und ein distales Ende vom Mittelfußknochen des 
Rindes; ein Schafzahn. 

Die Ornamente tragenden Scherben gestatten die Feststellung, daß der 
Hügel ganz am Ende der Bronzezeit, bezw. schon in H^ errichtet wurde, von 
1200 — 1000 V. Chr., und es ist bemerkenswert, daß er noch die altertümliche 
Bauweise zeigte und die Leichen nicht verbrannt, sondern bestattet waren. 

Hügel III enthielt nichts Erwähnenswertes; ob er als Grabhügel diente, ist 
zweifelhaft. 

Hügel X mit den Funden 7582 66—70 Tafel LXVII; Ausgrabung 1919. 
Der kleine, ca. 50 cm hohe Hügel mit 7 m Durchmesser, dessen Ausgrabung 
1919 C. F. Schramm leitete, unser geschätzter Hersbrucker Mitarbeiter und 
Freund, hatte nach dem Protokoll eine Art Pflaster aus schollenartigen Kalk- 
platten, die auf dem gewachsenen Boden — lehmiger, gelbrötlicher Sand — in 
1 m Tiefe unter dem Meßbrett lagen. Daraus ergibt sich, wie Schramm mit 
Recht hervorhebt, daß der Boden erst gesäubert worden war, ehe man die 
Leichenreste einbettete, denn sonst hätte unter den Steinen dunkler Humus als 
alte Oberflächenschicht zum Vorschein kommen müssen. Der Hügelbau, wenn 
man von einem solchen sprechen darf, ist der zur älteren Bronzezeit in unserem 
Gebiet meistgebräuchliche, der schon an einer früher gegebenen Abbildung 
des Hügels in der Stadelleite ersichtlich gemacht wurde. i 

Funde: 

66 ein offener Bronzering von dünnem Dralit, dessen sicli verjüngende Enden watirschein- 
licfi übereinander griffen; das eine Ende abgebrocfien; Querschnitt oval; Durclim. 
33 mm. — Streuscfierben, darunter einige mit Ornament, s. die abgebildeten 66; eine 
Anzahl Knochen. 

67 ein abgenützter Bronzeknopf mit massiver Oese; Durchm. 15 mm. 

68 ein tordierter Ring von Bronze, an einem Ende abgebrochen; er muß ehedem auch 
übereinander gegriffen haben; Durchm. 5 cm. 

69 Kopfleil einer Bronzenadel; der geriefelte Nadelkopf 12 mm lang und 12 mm Durchm. 

70 noch einige menschliche Knochenfragmente und Scherben. 



Abhdlgen d. Nat. Ges. XX. Bd. Festschrift 1913 S. 131 Abb. 16. 



272 

Der Nadel 69 zufolge gehört das Grab in Prof. Reinecke's Bronzezeitstufe C, 
1650 — 1400 V. Chr.; auch das geringfügige Ornament der Scherbchen 66 
spricht für diese Zeit. 

Wie Hügel X, dessen Fundhorizont in 83 cm unter dem etwas erhöhten Meß- 
brett die Abb. 13 Tafel LXVII zeigt, waren auch die nachfolgenden drei Hügel 
beschaffen und wahrscheinlich auch die vorbeschriebenen Hügel I bis III. Die 
Überdeckung bestand aus großen und kleinen Dolomitbrocken mit wenig Erde. 
Die Funde lagen fast durchweg in der Tiefe von 83 cm unter dem Meßbrett. 
Keine Kohlenschicht. 

Ausgrabung 1925. Hügel VI schien sehr ansehnlich: 1 m Höhe bei min- 
destens 14 m Durchmesser. Aber das erwies sich als Täuschung; einem un- 
vermittelt aufragenden Knock der anstehenden, plattigen Pseudomutabiliskalke 
war ein Hügelchen von kaum 7 m Durchmesser aufgesetzt. Zudem hatte man 
vor Jahren einen Baum mit der Wurzel daraus entfernt und dabei viel 
ruiniert. 

Es fanden sich nur Knochen einer bestatteten Leiche und einige Scherben. 
Mit vieler Ergänzung konnte aus letzteren ein Gefäß 71 wiederliergestellt 
vi^erden, Tafel LXVIII; rotbraun geschmaucht; Randd. 19,5; Bodend. 8; Höhe 
14 cm. Ein Scherbchen war ornamentiert 71. Die beinahe steinzeitliche, 
bombige Form läßt den Schluß auf ältere Bronzezeit zu, B2 oder B3, für 
welche auch das Ornament des Scherbchens spricht. 

Hügel V. Das südwestlich eng an den vorigen angebaute, sehr unansehn- 
liche Hügelchen brachte einen Unterkiefer und eine Anzahl Skelettknochen (72) 
auf einer Unterlage von plattigen Weißjuraschalen; einige Rinderzähne und 
unbestimmbare, aber doch wohl bronzezeitliche Scherben, sowie derbe Stücke 
Holzkohle. 

Hügel IX. Der kleine, elegant aussehende Hügel, 9 m Durchmesser bei 
75 cm Höhe, war ganz ungestört. Dem gewachsenen Boden lag in 1 m Tiefe 
unter dem Meßbrett, ganz wie in den anderen Hügeln, eine Art Pflaster auf 
von Weißjuraplatten und -steinen. Auf dem Raum zwischen 130 bis 170 cm 
südwestlich der Hügelmitte lag ein regelloses Durcheinander von Fragmenten 
menschlicher Knochen. Das Vorhandensein von zwei Unterkiefern, die Reste 
von vier Oberschenkeln bezeugen, daß der Knochenhaufen von zwei Leichen 
gebildet wurde. Ein Schädel, leider ohne Gesichtsteil, konnte geborgen werden, 
langköpfig, schmalbreit. 

Wenige Scherben; doch konnte eine henkellose Tasse 73 wiederhergestellt 
werden mit Knopf oder Buckel am Mündungsrand; bräunlichgrau; Randd. 10, 
Bodend. 4, Höhe 7 cm. 

Im Knochenhaufen lagen drei Stückchen hohlgebogenes Bronzeblech (74) 
und eine schön patinierte Bronzenadel 75, Länge 14 cm. Der Drahtteil ist 
glatt, ohne Ornament und am Halse nicht verdickt; die Kopfplatte ist ge- 
riefelt und eingekerbt. Ein flaches Steingerät von eigenartiger Form 76, mit 



I 



273 

angefangener Durchbohrung, eine Art Quarzitschiefer, 7'/2 cm lang, 2 cm 
breit, 8 mm dick, lag unter den Knochen. Auch hier nur Stücke Holzkohle, 
keine Kohlen- oder gar Brandschicht. 

Die Bronzenadel 75 hat den flachen, kegelförmig in den Draht übergehenden 
Kopf der älteren Bronzezeit; das Fehlen jeder Verzierung unterhalb des Kopfes 
und die Profilierung der Kopfplatte nähern sie aber den jungbronzezeitlichen 
Nadeln z. B. von Henfenfeld so sehr, daß sie in dieselbe Zeit zu setzen sein 
dürfte, B^ 1400-1200 v. Chr. 



Henfenfeld 

Bez.-Amt Hersbruck Einlauf-Nr. 7468 mit 103 Unternummern 

In einer altdiluvialen Flußterrasse der Pegnitz beim Bahnhof Henfenfeld be- 
findet sich ein Friedhof der jüngeren Bronzezeit. Das Gelände führt im Ka- 
tasterplan den Namen „auf der Ebene". Als sonstige Benennungen werden 
die Namen „Lerchental" und „Leichental" angegeben. 

Das alte Flußtal der Pegnitz ist hier am linken Ufer sehr breit, rund 1 km, 
und die Terrasse folgt dem Flußverlauf. Sie hat sich vermutlich früher weiter 
nach Osten erstreckt, ist aber durch die Art der Nutzung nach und nach ent- 
fernt worden. Sie trägt obenauf eine schwache Humusdecke, die zum Kar- 
toffelanbau gerade ausreicht. Im Oktober, wenn abgeerntet ist, wird die Humus- 
decke abgehoben und zur Seite geworfen, s. Abb. 21 Tafel LXXl; dann liegt 
der Diluvialsand frei und davon wird nach Bedarf zu Bau- oder anderen 
Zwecken während des Winters abgefahren. Von Ost nach West fortschreitend 
verschwindet auf diese Art nach und nach die Terrasse; der nachrückende 
Boden liegt um beiläufig 4 'h m tiefer, wird mit dem von oben abgedeckten 
Humus überwerfen und trägt nun einen neugewonnenen Acker. So zieht sich 
die Terrasse allmählich immer weiter nach Westen zurück und wird über kurz 
oder lang einmal ganz abgetragen sein. Wie viel von unserem jungbronze- 
zeitlichen Friedhof mit der Terrasse verschwunden ist, entzieht sich der Kennt- 
nis; es wird nur von früheren Funden erzählt, die unerkannt verloren gingen. 

1909 konnten wir durch die gütige Vermittlung des Germanischen Nationalmuseums 
die ersten Funde von dort erwerben, Nr. 1—8. Sie hatten vom 7.-9. Oktober 1909 eine regel- 
rechte Ausgrabung zur Folge, welche unsere Fundstiicke auf 21 Nummern erhöhte. Eine 
Grabung am 23. u. 24. Dezember 1910 vermehrte die Sammlung auf 47 Nummern. Am 
4. Januar 1913 erhielten wir durch C. E. Schramm jr. einen Zugang und sie zählte nun 
61 Nummern. 1914 ebenfalls einige Zufallsfunde, bis Nr. 72. Am 19. März 1915 konnten 
wir durch eine Grabung die Sammlung auf 89 Nummern bringen. Damit schien der Acker 
erschöpft. Inzwischen hatte der Grundeigentümer, Maurermeister Bezelt in Henfenfeld den 
Acker an seinen Schwiegersohn Scharrer abgetreten; sie hatten einen kleinen Streifen 
Jungholz, in dem gleichfalls Gräber zu vermuten waren, erworben; das Wäldchen wurde 
abgeholzt und im Februar 1926 ist mir von diesem neuen Platz ein Zufallsfund übergeben 
worden, so daß die Zahl unserer Fundstücke damit die Nr. 103 erreicht. 

Der Friedhof zeichnet sich dadurch aus, daß Brand- und Bestattungsgräber 
nebeneinander vorkommen. Drei der vier, uns überbrachten Zufallsfunde 



274 

scheinen Brandgräbern entnommen, wenigstens ist dies aus dem Fehlen von 
Knochen und aus den Angaben zu schließen. Von den durch Grabungen ge- 
öffneten Gräbern enthielten drei Bestattungen und drei Brandleichen. Die 
Gräber verteilen sich auf einen Raum von 10 m Breite bei 8 m Länge, also 
auf 80 qni, lagen demnach ziemlich dicht beisammen, äußerlich vollkommen 
unkenntlich. 

Die Funde 

Früher sollen gelegentlich Funde im Boden des jetzt dem Abholzen ver- 
fallenen Streifen Jungholz am Südrand des Ackers gemacht worden sein. Man 
erzählt von einem „Dolch"; er ist verloren gegangen. 

7468 1 Lehmgelbes, dickwandiges, terrinenartiges Gefäß mit zwei kräftigen, ösenartigen 
Henkeln Hals hoch und nach ohen verjüngt; am Rande beschädigt; Randd. 11; Bauchd. 
14,8; Bodend. 6; Höhe 15 cm. Tafel LXX Abb. 20. 
2 Bronzenadel, schwärzlich-kupferfarben; 154 mm lang. Tafel LXX Abb. 20 
(3) u. (5) Drahtspiralröhrchen wie 49 u. %. 
4 Ringspirale mit 5 Umdrehungen; Aussehen wie 2; ungleiche Drahtstärke, etwa l'/i nim; 
Durchm. 34 mm. Tafel LXX Abb. 20. 
(5—8) Scherben und Knochen. 

Die Funde 1 — 8 müssen als zusammengehöriger Grabinhalt betrachtet werden. 
Bestattung ist wahrscheinlich. 

Ausgrabung am 7. Oktober 1909: An einer Stelle, aus welcher der Eigen- 
tümer schon früher Steine herausgenommen, aber nichts gefunden hatte, 
deckten wir die zerstörte Steinsetzung der Funde 9 — 11 auf, Tafel LXXIl Abb. 25. 
Außer Scherben (9) fand sich ein Ring 10, Tafel LXX Abb. 20, mit Edelpatina 
(sichtbar in situ auf der Abbildung unterhalb des Täfelchens mit 3); über- 
einandergreifende, sich verjüngende Enden; innen flach, 4 mm stark, außen 
hochgewölbt; Durchm. 40 zu 46 mm. 11 Bronzeknopf mit massiver Öse; 
stark beschädigt, Tafel LXX Abb. 20. 

Weder Kohle noch Brandschicht. Zuunterst flache Weißjuraplatten wie ein 
Pflaster. Bestattung ist anzunehmen. 

Ausgrabung vom 7. — 9. Oktober 1909: Abschürfen des Bodens ließ dicht 
nebenan größere Steine zum Vorschein kommen, s. Abb. 15 Tafel LXVIII. 
Die Freilegung zeigte, daß es sich um einen Haufen unordentlich liegender 
Steine handelte; je tiefer wir gruben, desto deutlicher wurden die Merkmale 
einer neuzeitlichen Durchsuchung des Haufens, in dem nur hie und da eine 
Scherbe sich fand. Die Arbeit schien aussichtslos; aber in rund 1 m Tiefe 
änderte sich plötzlich das Bild. Der Unbekannte, der uns zuvorgekommen 
war, hatte sich genug der Steine gewälzt und die unfruchtbare Arbeit auf- 
gegeben: das Ende der Störung war erreicht, s. Abb. 16 Tafel LXIX. Noch 
25 cm tiefer und vor uns lag ausgestreckt, ganz unberührt ein Skelett in 
Rückenlage mit allen Beigaben, s. Abb. 17 Tafel LXIX u. 19 Tafel LXX. 

Da bot sich nun ein eigenartiger Anblick: das Skelett hatte zwei Schädel. 
Das sprach sich wie ein Lauffeuer herum und alsbald waren wir von zahl- 



275 

reichen Besuchern umgeben, die redlich bemüht waren, dieses Mirakel zu 
enträtseln. Alles verstummte jedoch, als sich beim Abnehmen des Skelettes 
zeigte, daß es zwei Schädel half ten waren. Allerdings nicht die zwei Hälften 
eines Schädels, sondern zwei verschiedene Hälften; denn bei der auf der 
Photographie nach dem linken Arm blickenden Hälfte sind beide Temporale, 
Sciiläfenbeine, mit Processus mastoideus und dem Gehörgang vorhanden, und 
die nach rechts gerichtete Hälfte besitzt auch das rechte Schläfenbein mit 
Zubehör. 

Damit nicht genug, waren auch die Oberschenkel doppelt da und lagen, 
wie auf den Abbildungen ersichtlich, direkt nebeneinander; etwas weiter ab- 
seits dem linken Unterschenkel lag noch das Fragment einer linken Tibia. 
Die übrigen Knochen waren zu fragwürdig, als daß sich genaue Feststellungen 
hätten daran knüpfen lassen. Die Füße und Hände fehlten ganz, wie dies 
auch anderwärts häufig der Fall ist; an ihrer Stelle pflegen gebrannte Knochen 
zu liegen, wie ich schon S. 42 dieses Bandes bei den Igensdorfer Toten be- 
tonen konnte. Ebenso lagen um die Knie, und zwischen ihnen, sowie unter 
dem Becken weißgebrannte Knochen, die nach H. Kolbs vorgenommener 
Untersuchung 0,18 "/o organischer Substanz enthielten. Dr. Klein hat gleich- 
falls Knochen dieser Leiche analysiert, s. die S. 265 mitgeteilten Verhältnis- 
zahlen. 

Nach Entfernung des Skelettes blieb ein Steinbett von flachen Weißjura- 
platten zurück, s. Abb. 18 Tafel LXlX.i 

Funde; Tafel LXX Abb. 20 

(12) Streuscherben; darunter solche einer dünnwandigen kleinen Tasse. 

13 Bronzenadel vom recliten Arm des Skelettes, 124 mm lang, mißfarben. 
(14 u. 15) die beiden Schädelhälften und die Skelettreste. 

16 Rasiermesser neben dem Schädel 14 

17 Bronzenadel von der linken Achsel; 146 mm lang. 
(18) ein kleines Stückchen Bronzedraht (Ringfragment?). 

19 ein Bronzering neben der rechten Ferse. 

20 eine kleine Henkeltasse, die Scherben lagen unter, bezw. neben der rechten Tibia; 
braungrau, Randd. 7'/;; Bauchd. 8; eingedrückter Boden 2; Höhe 5'/2 cm. 

21 Nadelfragment, mißfarben, verbogen, abgebrochen; 7 cm lang. 

Ausgrabuug vom 14. Januar 1910; Fund-Nr. 22 — 28. Einige Meter vom 
vorigen Grab entfernt ließen Steine im ungestörten Sand unter der abgehobenen 
Ackererde ein neues Grab erkennen, s. Abb. 21 Tafel LXXI. Ehe die Unter- 
suchung beginnen konnte, mußte der Boden aufgetaut werden; dann wurden 
die Steine freigelegt und erwiesen sich als die unansehnliche Überdeckung 
eines Grabes, s. Abb. 22 gleiche Tafel. Nach Entfernung der obenaufiiegenden 
Steine kam leerer Sand und unten das Steinbett der Abb. 23 gleiche Tafel, 
dessen Lage schon auf Abb. 22 erkennbar ist. Über das Steinbett verstreut lagen 

' Wie die Gräber im Weidenschlag zeigten, sind derartige Pflaster als Unterlagen für die 
Toten nicht selten. So sagt auch Prof. Hock von einem Eßfelder Frühhailstattgrab: „der Boden 
war sorgfältig mit Kalksteinplatten pflasterartig belegt" ; Die Frühhallstattzeit im bayer. Main- 
gebiet, Sep.-Abdr. S. 17. 



276 

allenthalben weißgebrannte Knochen, etwas dichter auf dem linken (Süd-)Ende 
des Pflasters. Skelettknochen waren nicht vorhanden. Einige Stücke Holz- 
kohle, keine Kohlenschicht. Die obere Steinkante lag 60 cm unter dem ober- 
flächlichen Ackerboden; die Unterkante des Steinpflasters 123 cm. Einige 
Bronzen und das Gefäß 24 lagen auf oder etwas über dem Steinpflaster. 

Lehrreich und besonders hervorzuheben ist, daß die kalzinierten Knochen 
der Brandleiche auf dem Steinpflaster oder -bett den gleichen Raum ein- 
nahmen, welchen eine bestattete Leiche in Anspruch genommen hätte.' 

Funde; Tafel LXXII Abb. 24. 

(22, 23) verstreute Scherben. 

24 ein morscher, von oben nach unten sich erweiternder Becher, hellbraun; Randd. S'/»; 
Durchm. über dem Boden Q'/a; Bodend. 7'/2 cm; Höhe 9 cm. 

25 ein spiraliger Drahtring, mit 1'/^ Umdrehung, 28— 32 mm Durchm., Edelpatina; Draht- 
stärke 1 mm; ein Ende abgebrochen. 

26 Nadel mit glattem Hals, Edelpatina, 138 mm lang. 

27 Ohr(?)ring, ein Ende spitz, das andere abgebrochen, breitoval im Querschnitt, 19 mm 
Durchm., Edelpatina. 

28 Blechröllchen mit zwei eingravierten Rillen, II mm hoch, Durchm. 1 cm. 

Nach beendigter Grabung machten wir mit der Sonde noch einige Steine 
im Boden nebenan ausfindig; sie bedeckten, wie sich herausstellte, die Scherben 
einer Urne 29, in welcher eine Menge weißgebrannter Knochen lagen, 
s. Tafel LXXII Abb. 26. Der Scherbenhaufen lag auf einem Stein, auf welchem 
die Urne ursprünglich gestanden haben muß. Da die Scherben mit der wieder- 
hergestellten Urne 29 ohne Rückstand aufgearbeitet wurden, so kann sie nicht 
mit einem Tongefäß oder Deckel, sondern mit einem Stein zugedeckt gewesen 
sein. Die Urne war ohne alle sonstigen Beigaben, kann aber trotzdem als 
typisches Urnengrab mit Leichenbrand angesprochen werden. 

Im Sand, ohne Zusammenhang mit der letzteren Beisetzung und an ver- 
schiedenen Stellen wurden die Hornsteingeräte 31, 33 (Tafel LXVIII, LXXl, 
LXXII) und die hellkobaltblaue Glasperle 32 (Tafel LXXV) aufgelesen, von 
der ich annahm, daß sie Kinder verloren hätten, bis ich später mit dem Bern- 
steingehäng 82 noch mehrere gleichartige fand. 

Tafel LXXIII Fund-Nr. 34—41. Am 23. Dezember 1910 wieder nach Henfen- 
feld gerufen, weil sich Steine wahrnehmen ließen an der Ackergrenze gegen 
das Wäldchen, beiläufig 7 m westlich der ersten Grabung 12—21, und bald 
fanden sich auch Scherben, Abb. 27. Es handelte sich um ein Skelettgrab, 
das aber längst schon zerstört war. Zustand und Lage der Funde sind aus 
der Abb. 28 zu ersehen. Schädeltrümmer in Ost, Trümmer der Armknochen (38) 
in einer Mulde zwischen Steinen; ein Bronzernesser 40 auf dem Stein neben 
dem Schädeldach; weiter abseits die Bronzenadel 37 mit der Spitze nach 
Nord, dem Kopf nach Süd weisend; unter dem Armknochen, auf die Kante 



' Prof. Hock hat die gleiche Beobachtung gemacht: ,Man möchte fast meinen, daß hier 
bei der Herstellung des Brandgrabes noch die alten Maße der ehemals üblichen Leiclien- 
bestatiung beobachtet wurden.' Ebenda. 



277 

gestellt, ein Rasiermesser 36; in der Nähe des Schädels, etwas tiefer, nocii 
ein kleineres Bronzemesser 35. Es ist möghch, daß neben diesem Skelett 
noch ein zweites gelegen hatte und die Reste von zwei Unterkieferhälften 
sind vorhanden; ebenso einige weißgebrannte Knochen. Doch könnten sie 
bei dem Durcheinander in der und um die Grabungsstelle auch aus einem 
andern Grab hierher gelangt sein. Keine Kohlenschichten, aber Stücke 
Holzkohle. 

Somit läßt sich nur sagen, daß Leichenbestattung vorlag. Die Hälfte 

einer Henkeltasse, zu 41 ergänzt, fand sich in einiger Entfernung abseits am 

Wäldchen; Randd. lO'/a; Bauchd. 11; Bodend. 3'/2; Höhe 8 cm; graubraun. 
Tafel LXXII. 

Am 31. Januar 1911 holten wir die große Urne 42 mit einem Säckchen 
voll schlecht und gut gebrannter Knochen sowie das kleine Gefäß 43, 
Tafel LXXIV, herein. Die Urne war unerwartet und zufällig im Sand ge- 
funden worden; rötlichbraun, Randd. 30; Halsd. 23; Bauchd. 41 ; Bodend. 12'/2; 
Höhe 381/2 cm. Das kleine Gefäß hellbraun, schwärzlich geschmaucht, Randd. 9; 
Halsd. 6; Bauchd. 91/2; Bodend. 3; Höhe 6'/2 cm. Ein Urnengrab mit 
Leichenbrand. 

Schädelstückchen (44) und ein Schalenfragment 45 Tafel LXXIV, fanden 
sich gelegentlich irgendwo im Sand; letzteres braun, Randd. 10 cm; Boden 
etwa 7, Höhe 3'/2 cm. 

Am 4. Januar 1913 erhielten wir durch C. F. Schramm-Hersbruck eine 
Anzahl Funde, die in zwei ganz seichten Gruben, 1'/^ m auseinander an- 
getroffen wurden, ohne Steinsetzung und ohne Knochen. Zum Folgenden 
s. Tafel LXXIV. 

(46, 47) waren Scherben. 

48 einige kalzinierte Knochen und ein braunes Henkeltäßchen, Randd. 9, Bauchd. 9'/«, 
Bodend. 2 cm. 

49 Bronzedrahtspiralen von 8 mm Weite wie Abb. 95 in Gesamtlänge von 17 cm und 
andere mit 3' j mm Weite in Länge von 14 cm; mißfarbene Patina. 

50, 51 zwei kleine mißfarbene Bronzeblechtingerringe von 2 cm Durchm., Innenseite flach, 

äußere gewölbt. Ersterer ist 2 mm, letzterer 6 mm breit. 
52 Bronzering mit übergreifenden Enden, vierkantig. 
(53) Bronzeblechknopf wie 68 mit aufgebogenem Rand; massive Öse, Durchm. 76 mm. 

54 Bronzenadel mit geriefeltem Hals, 14 '/^ cm lang. 

55 Bronzenadel, schwarzgrüne Patina, unter dem Kopf und am Hals geriefelt, 36 cm lang, 
zusammengebogen; Drahtstärke 4 mm. 

(56) Drahtteil einer ebensolchen, abgebroclienen Nadel, 25 cm lang. 

58 Hornsteinklinge, 9'/^ cm lang. 

59 Hornstein mit scharfen Kanten, 4'ji cm lang. 

60 kleines Hornsteinmesserchen. 

61 Henkeltassenfragment; braun überfangen; Bauchd. 15'/2, Bodend. 5 cm., Höhe ohne den 
fehlenden Rand 8 cm. 

Ob die Funde einem Grab mit Leichenbrand oder mit Bestattung an- 
gehörten, ist nicht zu entscheiden; die paar bei 48 erwähnten Knochen sind 
nicht ausschlaggebend. 



278 

Am 12. März 1914 wurden uns von C. F.Schramm wiederum Bronzen über- 
geben, welche Bezelt bei Aufräumungsarbeiten am Rain neben seinem Acker 
im Gras gefunden hatte. Seiner Meinung nach waren sie vor Jahren im an- 
grenzenden Wäldchen ausgegraben und dahin geworfen worden; s. Tafel LXXIV, 

(62), 63 zwei lange Nadeln, am Halse fünf Gruppen Wülste, deren mittelste bei einer vier, 
bei der anderen sechs Rillen zählt; mehrfach gebrochen; eine 54, die andere 50 cm 
lang; Durchmesser der Kopfplatten 28 mm. 

64 Nadel mit schlechter Patina, Spitze abgebrochen, 14,2 cm lang; durch Riefelung orna- 
mentierter Hals. 

65 ein tordierter Ring mit Häkchen, in vier Trümmern ungefähr 12 cm Hellte Weite. 

66 ein massiver, offener Halsring mit übereinanderstehenden Schraubengewinden, orna- 
mentiert; im Feuer gelegen; Drahtstärke 6 mm, Durchm. 12 cm. 

(67) ein Stückchen Knochen. 

Am 9. Juni 1914 übermittelte uns Georg Schrainm-Hersbruck, unser in- 
zwischen verstorbener lieber Freund, als noch zu den vorigen gehörend: 

68 einen Bronzeknopf mit massiver Öse und umgebogenem Rand, 6'/2 cm Durchmesser; 

Tafel LXXIV. 
(69) kleiner massiver Ring mit übergreifenden Enden wie 4. 
(70, 72) ein Stückchen Graphit augenscheinlich von Passauer Abstammung, ein Stückchen 

Rötel und einige kleine Hornsteinsachen. Dazu später noch 
71 ein Henkeltäßchen, Tafel LXXll; braun, Randd. 8; Halsd. 64 mm; Bauchd. über dem 
Boden 9; Bodend. 4; Höhe 77 mm. 

Am 18. März 1915 erhielten wir die Nachricht, daß wieder ein Grab auf- 
gefunden worden sei; am 19. wurde es abgegraben. 

Bei meinem Eintreffen fand ich leider einen Teil der Steine und zwei Ge- 
fäße schon nicht mehr an ihrem Platz, so daß eine photographische Aufnahme 
der alsbald freigelegten gesamten Steinsetzung nicht möglich war. Sie hätten 
zwar wieder rückversetzt werden können, denn sie lagen noch daneben und 
ihre Spuren waren im Sand zu sehen; aber ich zog vor, mich für die Ge- 
samtsteinsetzung auf die Grundrißzeichnung zu beschränken. Die Steine bil- 
deten ein Viereck und innerhalb desselben lagen folgende Funde; Tafel LXXII 
Abb. 24: 

73 Gefäß mit walzenförmigem Hals und zwei Henkeln, braun überfangen; Randd. 11; 
Bauchd. Xb'lr, Durchm. des Standfußes 6; Höhe 11' 2 cm. 

74 Schale mit Henkel, braun Übertangen; Randd. 19; Rückend. 18'/;; Bodend. 5; Höhe 9'/» cm. 

Die beiden zieinlich gut erhaltenen Gefäße waren mit den bereits entfernten 

Steinen herausgenommen worden; doch konnte mir bewiesen werden, daß sie 

an der Stelle standen, an welcher sie im Grundriß angegeben sind. Es war 

die Fußpartie des oder der Bestatteten. Nicht weit davon lagen, s. Tafel LXXV 

u. LXXVI: 

75 — 77 drei geschlossene Bronzetingerringe, 20 u. 21 mm Durchm. im Licliten, 3'/i— 4'/^ nim 
breit, innen glatt, außen flach gewölbt; außerdem hier und 

78 zusammen sieben schmale Bronzeringe mit 20—21 mm Durchmesser wie 76 ^ und einer 
78' mit übereinandergreifenden Enden. 

Beim Kopfteil des Skelettes: 

79 eine 62 cm lange Bronzenadel mit fünf Wulstgruppen am Hals. 

80 ein Bronzenadel mit geriefeltem Kopf und Hals, 18 cm lang, in drei Teilen. 

81 eine ähnliche Bronzenadel IG'/j cm lang. 



279 



82 verstreut 284 Bernstein- und 2 ','2 Glasperlen, s. Malsschmuck. 

83 eine Anzahl Spiralröhrchen, s. Halsschmuck 82. 
(84) ein Gefäß wie 73. 

Daneben liegend: 

85 kleines Gefäß, dunkelbraun. Randd. 4; Bauchd. 5; Fußd. 3, Höhe 4'/2 cm. 

86 dickwandige grobe Henkellasse, braun überfangen, stellenweise geschmaucht; Randd. 10'/2; 
Bodend. 6; Höhe Tji cm. 

87, 89 zwei Spiralringe mit je fünf Windungen, einer mit spitz zulaufendem Ende, der 

andere an beiden Enden abgebrochen. 
(90) einige Skelettreste. 

Dazu ist folgendes zu bemerken: 

Die Steinsetzung (Tafel LXXV Abb. 30, 31) war annähernd rechteckig und 
nur Umrandung; innerhalb war kein Stein. Über der Bestattung, 18 cm höher, 
zeigte sich ein 7 cm 
langes Kohlenfleck- 
chen; sonst nur ge- 
ringeSpuren von Kohle. 
Die Gefäße waren 
sämtlich nur mit taubem 
Sand gefüllt, kalzinierte 
Knochen fanden sich 
nicht. Vom Skelett 
hatten sich nur wenige 
Reste erhalten, insbe- 
sondere vom Schädel. 
Sie haben, entgegen 
den sonstigen in prä- 
historischen Gräbern 

üblichen Knochen- 
resten, das Aussehen 
von beinahe frischen 
Knochen. Eine von 
H. Kolb vorgenom- 
mene Analyse ergab 
14,140/0 organische 
Substanz an einem 
dieser Knochen. Die 
Schädelreste lehnten 
sich unmittelbar an das 
Gefäß 84 an, im Grund- 
riß bei 89. Vom unteren 

nördlichen Ende der Steinsetzung bis dahin waren 115 cm Entfernung; auf 
diesem Raum hätte unmöglich eine Leiche Platz gefunden. Den derben Knochen- 
resten nach war es eine Person von mindestens Durchschnittsgröße, sicher nicht 
von Zwergenwuchs. Die Schädeltrümmer weisen die Stärke von 1 cm auf. 




280 

Der Hängeschmuck 82, Tafel LXXVI. Kleine Bemsteinperlen wurden in 
der Nähe des Schädels gefunden und vereinzelt am gewachsenen Boden oder 
wenig darüber in der ganzen Ausdehnung zwisclien den Funden 88 bis 78, also 
verstreut. Gehäuft waren sie bei 82, ähnlich wie dies auf Abb. 32 Tafel LXXV 
sichtbar ist; doch sind hier einige der nebenan gefundenen Perlen hinzugelegt. 
Immerhin lagen sie an dieser Stelle, welche dem Gesicht entsprochen haben 
müßte, in mehrfachen Reihen übereinander, ebenso die zwei Glasperlen dabei, 
dann die Bronzeröhrchen beieinander und nach unten die größeren Bernstein- 
perlen, im ganzen 284 Stücl<. Der Höhenunterschied, über den sich die Perlen 
verteilten, betrug 20cm. Die Aufmachung als Gehängeschmuck beruht auf einer 
wahrscheinlichen Annahme, für welche einige Anhaltspunkte gegeben waren. 

Die Bronzen. Zu den bei den Gefäßen 73, 74 liegenden Fingerringen ist 
nichts weiter zu bemerken. Die Nadel 81 lag ebenso wagrecht wie 79, aber 
in etwas anderer Richtung und 8 cm höher. Die Nadel 80 lag mit dem Kopf 
in gleicher Höhe wie 79, aber mit der Spitze bedeutend tiefer und fast recht- 
winkelig von 79 abgekehrt Um die Nadel 79 herum hingen an einer Steile 
Gespinnstreste oder Pflanzenfasern und der Sand war mulmig schwarz; ich 
hoffte darin durch die Metailsalze erhalten gebliebene Gewebereste zu finden 
und nahm sie mit. Ich glaube mich auch nicht getäuscht zu haben. Eine 
Probe davon habe ich an ein wissenschaftliches Institut zur Untersuchung ge- 
sandt, aber nie eine Antwort erhalten. 

Die Spitze der Nadel 79 reichte weit über den Scheitel der Leiche hinaus, 
s. die Abb. 32 Tafel LXXV. Sie kann nicht zur Kleidung gehört haben, weil 
sie Gesicht und Kopf so weit überragte. Es erklärt sich jedenfalls so, daß die 
Leiche, vielmehr die Knochen der Leiche mit ihren Beigaben in eine Decke 
oder Matte gehüllt hier niedergelegt wurden und daß diese Decke in der 
Mitte die Nadel 79 und an den Seiten die Nadeln 80 u. 81 zusammenhielten. 

Nach langjähriger Pause erhielt ich vom jetzigen Besitzer des Ackers 
Scharrer im Februar 1926 Nachricht von einem Fund, der in dem inzwischen 
abgeholzten, schmalen Streifen Jungholz gemacht worden ist. Es sind dies 
(s. Tafel LXXVI Abb. 33): 

7468 90 eine 46 cm lange Bronzenadel mit geschwollenem, ornamentiertem Hals. 

91 großer, ganz ornamentierter Halsring, IS'/a cm weit, nach den Enden sich verjüngend. 

92 offener Ring von 1 mm starl<em Draht mit übereinanderstehenden Enden, 7 cm weit. 
(93) ein Stück Draht, derselbe Ring wie der vorige, aber aufgebogen. 

94 eine krumm gebogene und abgebrochene Nadel, 13 cm lang. 

95 Drahtspiralen in vielen kleinen und kleinsten Stückchen, insgesamt etwa 24 cm lang; 
8 mm Durchm. 

96 desgleichen von S'/s mm Durchm., insgesammt bei 75 cm Länge. 

97 Armreif, 1 mm starkes Bronzeblech 13 mm hoch in der Mitte; 6 cm weit; sehr einfach 
ornamentiert. 

98 Armreif mit (] -Querschnitt, 5 mm hoch in der Mitte, mit verjüngten Enden; 5'/a cm weit. 

99 Armreif, Noppenring, aus einmal umgebogenem Draht; 6 cm weit. 
100 desgl. aus zweimal umgebogenem Draht; 6'/2 cm weit. 

(101, 102) Scherben von drei Gefäßen und zwei Henkel. Völlig kalzinierte bis schwach ge- 
brannte Knod'.en. Größere Stücke Holzkohle. 



281 

Die sämtlichen Bronzen haben unschöne, schwarze Oberflächen und lagen 

im Feuer. Der ganze Fund stammt offenbar aus einem Brandgrab. 

103 Nadel mit Edelpatina, 17 cm lang. Der Nadeldraht steckt in einem 8'/' cm langen 
Spiralröhrchen, das wahrscheinlicli der Finder aufgesteckt hat. Die Nadel lag getrennt 
von den anderen Sachen abseits im Sand. 

Die Nekropole kann ganz allgemein als jungbronzezeitlich bezeichnet werden, 
der Stufe B4 angehörend; das Inventar ist aber keineswegs einheitlich, sondern 
enthält mehrfach ältere Materialien. 

Waffen sind unter den Funden nicht vertreten, sie sind in dieser Stufe 
wohl überhaupt selten; der Dolch, der ehedem gefunden und wieder ver- 
loren wurde, kommt leider nicht in Betracht. Die beiden Messer 35 und 40 
sind zusammengehörig und ebenso wie die beiden Rasiermesser 16 und 36 
gleichalterig, Stufe B^. Einschneidige Messer mit gerundetem Rücken und 
kurzer Griffangel mit 1 oder 2 Nietlöchern begegnen in Bayern öfter, z. B. 
von Labersricht im städt. Museum zu Neumarkt i/0. oder die drei Messer der 
Tafel 38 der Altert, uh. Vorzeit V.Bd. aus Oberbayern, ausgegraben von Naue. 
Sie kommen gleicherweise in Männer- wie in Frauengräbern vor. 

Die zweischneidigen Rasiermesser sind häufig in der Zone nördlich der Alpen. 
Bei 36 ist die Klinge am oberen Ende noch nicht rundlich ausgeschnitten und 
der Griff hat glatten Stiel mit zwei Längsschnitten, nach Behrens S. 214 Merk- 
male der älteren Form. Die Klinge bei 16 hat einen oberen rundlichen Aus- 
schnitt wenigstens angedeutet und der Griff ist zierlich durchbrochen; man 
wird es demgemäß als etwas jünger ansprechen müssen. Eines der Labers- 
richter Rasiermesser läßt den Übergang zu den tief ausgeschnittenen Formen 
noch weiter vorgeschritten erkennen.' In ihrem heutigen bußwürdigen Zustand 
machen sie keinen vertrauenerweckenden Eindruck; ehedem aber wurden sie 
ebenso sorgfältig gehalten und in Etuis aufbewahrt wie unsere Rasiermesser 
auch. Im Pfahlbau von Guevaux (See von Morat) fand sich eines mitsamt 
dem Holzgehäuse 2 und bei dänischen Funden hat man Rasiermesser in Leder- 
etuis gefunden. 3 

Unter den 18 Bronzenadeln sind die verschiedensten Typen vertreten; mit 
einer Ausnahme sind alle charakteristisch für B^; nur 90 stellt einen älteren 
Typus dar mit doppelt-kegelförmigem Kopf und verdicktem ornamentiertem 
Hals, eine Form, die in Stufe B.^ entsteht, bei uns aber so alt nicht sein kann, 
weil ihr die Durchlochung fehlt; auch die zu diesem Stück gehörigen Be- 
gleitfunde sind von altertümlichem Ansehen, ohne wirklich alt zu sein. Piö 
hat nichtdurchlochte Nadeln mit geschwollenem Hals in jungbronzezeitlichen 
Urnengräbern bei Plätenica gefunden.* Die langen Nadeln 62, 63, 79 haben 
Scheibenkopf und je fünf kräftig-quergefurchte Wülste; ähnliche Nadeln mit 



' Jahresbericht d. Hisfor. Ver. f. Neumarkt i/0. 1. u. 2. Jahrg. 1904 u. 1905, Tafel I, 9. 

2 Dechelette 112 S. 264. 

' Neergard, Tumulus ä sepultures multiples 1911 S.A. S. 248. 

♦ Piö, Die Urnengräber Böhmens, Tafel 111 2—5. 



282 

mehrfachen gewöhnlich drei Anschwellungen am Hals begegnen schon in der 
vorausgegangenen Stufe B3 und finden ihre Weiterbildung noch in der nach- 
folgenden, U^. In der liier vorliegenden Form sind sie typisch für B4. Die 
Nadelköpfe von 2 und 94 reichen schon nahe an Frühhaüstattformen heran. 1 

Die Zahl der Ringe, 27, ist beträchtlich und mannigfaltig: Hals-, Haar-, 
Arm-, Fuß-, Ohr-, Fingerringe und andere unbestimmten Zweckes. Der ziem- 
lich massive Halsring 66 mit ornamentierter Schaufläche und schrauben- 
förmigen verjüngten Enden, hat im Ornament und in der geschraubten Endung 
Seitenstücke in unseren jungbronzezeitlichen Funden von Labersricht, Ring 23 
Hügel X und Ring 2 Hügel I;^ er ist also zeitlich ebenso zu werten. Weniger 
stark, aber mit 66 übereinstimmend ist der zierliche Halsring 91. Der gedrehte 
Halsring 65 mit Hakenverschluß gleicht ganz dem von Prof. Reinecke ver- 
öffentlichten Halsring 655 von Weitgensdorf, Brandenburg;' er stellt ihn in 
B^, während Montelius die Ringe dieses Typus (bei ihm Typ B und C) in 
Periode 4 abbildet, welche nach Reinecke unserer Frühhallstattzeit entspricht, Hj.* 

Als Haarringe werden anderwärts dünne Drahtringe wie 92, 93 bezeichnet, 
denen man vielleicht noch einen und den anderen der sonst vorhandenen 
ähnlichen beizählen kann, 25 z. B. Die Prähistorischen B'ätter 1894 Bd. VI 
bilden einige ab aus mährischen Hockergräbern, also der Frühbronzezeit an- 
gehörend. 

Die Armreife sind zu wenig charakteristisch, um Anlaß zu Bemerkungen 
zu bieten. Ob der Ring 19, der neben dem Fußende eines Skelettes lag, und 
einige andere ihm gleiche aus diesem Grunde als Fußringe zu bezeichnen 
sind, mag dahingestellt bleiben. Die 11 Ringe von kleinem Durchmesser in 
dem Grab mit dem Brustschmuck dürften der Bekleidung zugehört haben. 
Naue nennt ähnliche Formen Fingerringe," die Abbildungen bei ihm ent- 
sprechen den unseren. Dagegen sind die drei, auf unserer Tafel LXXV wieder- 
gegebenen 75—77 sicherlich Fingerringe und auch bei Naue sind sie gleicher 
Art.*' Die Spiralringchen 87, 89 erweisen sich durch den Fund von Labers- 
richt in Hügel II, wo ein ebensolches noch am Fingerkncchen saß, gleich- 
falls als Fingerringe.' 

Als Ohrringe bezeichnet Dechelette französische und irische ähnliche 
Formen wie unser 27; sie sind dort allerdings nicht von Bronze, sondern 
von Gold. 

Der kantige Armreif 98, der bandartige 97 und die Noppenringe 99, 100 
sind älterbronzezeitliche Formen, die aber auch in jüngerer Zeit weitergeführt 
werden. Kantige Armreife wie 98 wurden in Böhmen zusammen mit tordierten 



' z.B. AuhV. VNr. 717 aus Rheinhessen; doch ist bei den unsrigen der massive Kopfleil 
mitgegossen, nicht aufgeschoben. 

2 Abhdlgen d. Nat. ües. Nbg. XV. Bd. Tafel 1,2. « AuhV. V Tafel 39, Text S. 209. 
■• Montelius, Om tidsbestämning inom bronsälderen 1885 Tafel 4 Nr. 83 u. 84. 
=■ Bronzezeit in Oberbay. Tafel XXXV 6a, 7, 8. " Gleiche Tafel Fig. 9. 
' Abhdlgen d. Nat^ Ges. XV. Bd. S. 47 u. Tafel 2. 



283 

Armringen und einer Rollennadel in einer älterbronzezeitlichen Hügelgruppe 
gefunden.! Die nach 97 gearteten Bronzearmbänder pflegen sonst breiter und 
besser ornamentiert zu sein; das unsrige ist in dieser Hinsicht eine etwas 
ausgefallene, sozusagen dem Aussterben verfallene Form, die am Ende der 
Entwicklung steht und jungbronzezeitlich ist, B^. 

Die weite Verbreitung der Noppenringe war schon 1886 bekannt, als 01s- 
hausen die Spiralringe im allgemeinen geographisch, technologisch und chro- 
nologisch behandelte 2 und seither sind viele neuere Fundorte hinzugekommen. 
Sie beginnen in B^; von Labersricht besitzen wir ein jungbronzezeitliches 
Exemplar^ und die beiden Ringe 99, 100 fallen auch in diese Zeit, B^. 

Die vielfachen Funde von dünnen oder stärkeren Spiralröllchen der ver- 
schiedensten Länge kehren auch anderwärts immer wieder. Sie fanden meist 
Verwendung bei Halsketten. In der älteren Bronzezeit wurden sie in der Regel 
mit Bernsteinperlen welchselnd getragen. Wie schon in vorausgegangener Zeit 
fanden sie auch später noch massenhaft Verwendung,* sind also kein Charak- 
teristikum der Stufe B^. 

Die in Henfenfeld gefundenen großen Bronzeknöpfe sind flach und am Rand 
etwas nach innen eingebogen, als wären sie mit irgend etwas gefüttert gewesen; 
an der Innenseite haben sie eine Öse. Naue scheint in den oberbayerischen 
Gräbern keine Knöpfe dieser Art gefunden zu haben; er sagt, daß „Tutuli", 
welche innen meist eine Öse haben, aus Schweizer Pfahlbauten und aus Ost- 
frankreich stammen. Ob sie flach oder erhöht sind, geht daraus nicht hervor, 
wahrscheinlich meint er letzteres. Ein Schmuckknopf wie die unsrigen be- 
findet sich in der Altenburger Sammlung » und Piö veröffentlicht einen solchen 
aus einem Urnengrab vom Lausitzer Typus bei Rosic." 

Der Bernsteinhalsschmuck paßt nicht recht in Stufe B^; „Bernstein, der zuvor 
(in der II. Stufe der reinen Bronzezeit) eine so wichtige Rolle spielt, ist kaum 
angedeutet", sagt Prof. Reinecke von Stufe B^. Da aber die Nadeln 80, 81, 
insbesondere aber 79 ganz und gar bezeichnend für die jüngste Bronzezeit- 
stufe sind, so wird auch der Bernsteinschmuck keine andere Datierung herbei- 
zuführen vermögen. Glasperlen sind schon von Stufe B^ an bekannt;' die 
unseren, hellblaugrün und hellgrünlichblau, sind also der Stufe B^ angemessen. 
Piö erwähnt „kleine Glasperlen von blauer Farbe" im Grab Nr. 67 von Lliari 
bei Jicin, Nekropole vom Lausitzer Typus. 

Die Tongefäße sind nicht zahlreich, 15 Stück und ein Fragment (61); sie 
bieten wenig Eigentümliches. Das Gefäß 42 ist eine in dieser Größe sehr 
seltene Form, während sie in Tassengröfie wie 43 häufiger zu sein scheint. 
Sie findet sich noch in dem Fragment eines ebenso großen Kessels aus Holz- 



' Steinhügel im Kukliwald; Pamätlty archaeol. a mistopisne XXI Prag 1906, S. 333/4. 

■' Ztschr. f. Ethn. 18 1886 S. (433). ' Abhdigen d. Nat. Ges. XV. Bd. Tafel 3 23. 

* AuiiV. V704b. Reinecke, Grabfunde d. Frühhallst. 

'- Altenburg, NaturfGes. d. Osterlandes, Mtlgen 16 1919 Tafel XUI Nr. 9. 

'^ Pic, Die Urnengräber Böhmens, Abb. 1'; Text S. 390 u. ' Reinecke, AuhV. V S. 67. 



284 

heim in der Sammlung in Neumarkt i/O./ oder, soweit die Form allein in 
Betracht kommt, in manchen Buckelurnen der Lausitz. Doch ist zu betonen, 
daß unser Exemplar weder Buckel noch irgendein anderes Ornament auf- 
weist, während umgekehrt die Lausitzer Urnen wiederum nicht von dem 
Buckelornament oder den Kannelierungen zu trennen sind. Vielleicht darf auf 
altbronzezeitliche Vorläufer verwiesen werden, die, wie das große Vorratsgefäß 
von Stankowitz,2 einen Anklang an unsere Form zeigen. Ein Gefäß aus dem 
Gräberfeld auf dem Sehringsberg bei Helmsdorf im Mansf eider Seekreis » hat 
Ähnlichkeit, ist aber jünger, zur Stufe Hi gehörig. Gefäße wie 1 und 73 finden 
sich anderwärts häufig; bei uns ist die Form vertreten in Labersricht,* Grab X 20. 
H. Busse hat gleiche Gefäße öfters angetroffen bei seinen Ausgrabungen in 
Woltersdorf;* R. Troitsch in den bronzezeitlichen Friedhöfen bei Cosilenzien 
im Reg.-Bez. Merseburg; ^ E. Amende im Kammerforst bei Altenburg;' Piö 
bildet sie ab in den Urnengräbern Böhmens von Tfebesitz, Peßke, Wesseln 
usw.; in den Pamätky (z.B. 16. Bd. 1896) sind sie angegeben von Holubitz 
Tafel IX und so fort an vielerlei Orten mit Lausitzer Kultur. Das gleiche gilt 
für die übrigen Gefäßtypen wie 29, 24, 41, 20. Sie alle schließen sich den 
Gefäßen vom Lausitzer Typus mehr oder weniger eng an. In Naues Bronze- 
zeit in Oberbayern sind sie nicht vertreten. 

Dem Lausitzer Charakter der Keramik widersprechen die wenigsagenden 
Bronzen nicht, nur finden sie sich auch in Gebieten, welche die Lausitzer 
Keramik nicht kennen, wie das eben genannte bronzezeitliche Oberbayern. In 
den Gräberfeldern vom Lausitzer Typus sind Bronzebeigaben selten, das 
hebt M.Jahn ausdrücklich hervor; ^ darin unterscheidet sich Henfenfeld wesent- 
lich, denn hier ist die Zahl der Bronzen und anderen Beigaben nicht un- 
beträchtlich. 

Es hat sich gezeigt, daß die Bronzen nicht alle gleichalterig sind, einige 
Typen, besonders unter den letzten Zugängen 90—103, sind etwas älter. 
Immer jedoch findet man anderwärts ähnliche Beispiele, so daß die 200 Jahre 
Spielraum, in denen die Kultur der Stufe B4 sich auslebt, zur Erklärung schein- 
barer Unstimmigkeit durchaus genügen: einiges gehört an den Anfang, anderes 
an das Ende der Stufe. Bernsteinschmuck, noch dazu so üppig wie unserer 
82, pflegt für diese Stufe nicht mehr üblich zu sein, er ist aber durch die 
Nadeln und Gefäße, und das Grab durch die viereckige Steinumrandung so 
einwandfrei festgelegt und datiert, daß man sich zufrieden geben nmß. 

Der Wechsel von bestatteten und Brandleichen ist allem Anschein nach 
willkürlich und bedeutungslos; zwischen älteren und jüngeren Gräbern ist kein 
Unterschied. Die letzten Zugänge 90 — 103 waren von kalzinierten Knochen 
begleitet und die Bronzen haben durch den Brand gelitten; seiner Zusammen- 

' Jahresb. d. Hist. Ver. 1. ii. 2. Jahrg. Tafel V Holzheim. ' v. Weinzierl, Forschungserg. 

in Nordböhmen, Manniis 1 S. 200 Fig. 17. ^ Lechlcr im Mannus 16 1925 S. 428 Abb. 194. 
' Abhdlgen Bd. XV Tafel 4. ^ Ztschr. f. Ethn. 43 1911 S. 436 u. f. 
Präh. Ztschr. II 1910 S. 356. ' NaturfQes. d. Osterl., Mtlgen 16 Tafel XIV 9. 
» Zur Chronol. d. .Lausitzer Kultur", Mannus III. Erg.Bd. 1922 S. 39. 



285 

Setzung nach gehört der Fund in den Anfang der Stufe B^. Bestattung an- 
zunehmen wäre deshalb naheliegend, sie liegt aber trotzdem nicht vor. 

Bemerkenswert ist das Einbauen oder Niederlegen der Leichenreste; die 
meisten lagen auf einer Art Steinpflaster, s. Abb. 18 u. 23, ganz gleich, ob es 
sich um bestattete oder verbrannte Leichen handelte, und der gleiche Befund 
hatte sich bei den Hügeln im Weidenschlag ergeben. Daneben erscheint ein- 
mal die viereckige Steinumrandung, die sonst typisch für B4 zu sein pflegt, 
auch bei Dixenhausen vorlag und in Nord und Süd meist vertreten ist.» Die 
Urne 29, wahrscheinlich auch 42, war nach Art der Frühhallstatt-Urnengräber 
in den Sand gesetzt und mit Steinen umstellt, bezw. zugedeckt, s. Abb. 26 
Tafel LXXII; darin spricht sich bereits der Typus dieser neuen Art Bestat- 
tungen aus und so darf dieses Begräbnis wohl als eines der jüngsten der 
Gruppe gelten. 

Eigentümlichkeiten, wie die sonderbare Doppelbestattung der Zugangs- 
Nr. 12 — 21 bleiben vorläufig unerklärt. 

Das ganze Gräberfeld ist in die Erde gesenkt und oberflächlich unkennt- 
lich; das gleiche ist bei Dixenhausen der Fall, während im Weidenschlag die 
Beisetzung unter Hügeln stattfand. Es könnte sein, daß in Henfenfeld und 
Dixenhausen einmal Hügel vorhanden waren, daß sie aber durch den Acker- 
bau abgetragen wurden. Obwohl mir dies unwahrscheinlich vorkommt, müssen 
die Gräber zu ihrer Zeit doch äußerlich kenntlich gewesen sein, denn sonst 
würden sich Fälle finden, wo ein Grab in das andere hineingestellt ist. 

Ein Überblick über die Henfenfelder Gruppe führt zu dem Ergebnis, daß 
der Friedhof ein Ableger der Lausitzer Kultur ist und daß er während der 
Jahre 1400—1200 v. Chr. angelegt wurde. 



Dixenhausen bei Thalmässing 

Bez.-Amt Hilpoltstein in Mittelfranken 
Einlauf-Nr. 8101 mit 68 Unternummern 

Im April 1919 benachrichtigte uns Franz Kerl, daß in den Martersäulen- 
äckern bei Dixenhausen ein Grab beim Ackern auseinandergerissen worden sei. 

Die Gräber sind oberflächlich nicht wahrzunehmen; nur zufällig oder wenn 
die Bauern ihre Äcker von Steinen säubern, werden gelegentlich Gräber an- 
geschnitten. Die alte Wirtin von Dixenhausen erzählte von einer großen, mit 
Asche gefüllten, grünen Schüssel (Bronze?), die bei einer solchen Gelegen- 
heit im Acker gefunden, aber in der Enttäuschung, daß kein Geld darin war, 
vernichtet wurde. 



' Die längliche Viereckform ist manchenorts durch hölzerne Bretter oder Planken veranlaßt, 
von denen sich zuweilen noch Spuren finden. Die Bretter sind nicht wie ein Sarg verbunden, 
zusammengenageh, sondern lose in die Erde gestellt; die Steinsetzung dient zu ihrer Stütze. 
Neergaard, M6m. de la Soc. Roy. des Antiqu. du Nord 1911 S. 231 u. Fig. 1. 



286 

Die Martersäulenäcker, wie die dortige Gegend überhaupt, hat sclion viele 
oberflächlich liegende Flintwerkzeuge geliefert, die Herr Franz Kerl sammelt 
und an unser Museum abgibt, wofür ihm auch an dieser Stelle der Dank 
ausgesprochen sei. Eine kleine Auswahl dieser Oberflächenfunde aus den 
Martersäulenäckern, zumeist aus jurassischem Hornstein- und Jaspismaterial, 
ein Stück auch aus Kieselschiefer gefertigt, sind Tafel LXXVII abgebildet. Im 
Heft 96 der Deutschen Gaue 1915, Denkmale der Heimat, S. 6, hat Franz 
Kerl darüber berichtet und eine Steinzeitsiedlung dort vermutet. Das ist nahe- 
liegend, wenn sich immerzu Steinwerkzeuge finden; bei dem Fehlen ent- 
sprechender Scherben und auch nach dem Ergebnis unserer Grabung ist aber 
der Gedanke an Steinzeit abzuweisen. 1925 fand Franz Kerl auf dem Acker 
auch eine Bronzespitze, Tafel LXXIX r, 3 cm lang, an der abgebrochenen 
Stelle 15 mm breit (Klingenspitze eines schmalen Bronzedolches?). 

Die Funde überließ der Ackereigentümer Herr M. Fürst in Dixenhausen 
dankenswerterweise unserem Museum. 

Der Umstand, daß Franz Kerl rechtzeitig von dem zerstörten Grab erfuhr, 
ermöglichte es ihm, den Inhalt zu bergen und auch einen Lageplan mit den 
Maßen anzufertigen. 

Die Steinsetzung bestand aus Weißjurabrocken von geringer Größe, welche 
ein ungleichseitiges Viereck bildeten und höchstens 30 cm unter der Acker- 
oberfläche lagen. Die Längsachse war von Ost nach West gerichtet gewesen. 
Die östliche Schmalseite maß 1 m, die westliche 1,30 m; die südliche Lang- 
seite 1,90 m, die nördliche Langseite 2,05 m. Die Steinsetzung glich dem- 
nach ersichtlich der des nächst zu erwähnenden Grabes. 

Keramik. Innerhalb der Steineinfassung an der östlichen Schmalseite 
ca. 50 cm mit kleinen Steinen überdeckt; darunter ein mächtiges Scherben- 
lager 8101 1: viele Scherben eines sehr großen Kessels ohne Ornament, 1 cm 
dickwandig, leider nicht wiederherstellbar. Ein Gefäß Abb. 37 Tafel LXXIX 1 a 
stark ergänzt, hat Randd. 20, Bauchd. 23, Bodend. 11, Höhe 16,5 cm; ver- 
schiedene Gefäßfragmente mit Henkeln, s. die Abbildungen ebenda Ib, c. 

Bronzen. Im steinfreien Raum, 35 cm von der nördlichen Steinreihe, 15 cm 
tief, auf einem Haufen durcheinander Bronzen 2, alle zerschlagen, ver- 
bogen oder geschmolzen vom Brand. Das Hauptstück dürfte ein sogenannter 
Schildarmring oder ein Knieband gewesen sein 2a, wahrscheinlich von 
gleicher Art, wie das von Dr. Eidam in Merkendorf, Bez. -Amt Gunzen- 
hausen, Mittelfranken, in einem Depotfund angetroffene Prachtstück, ' sowohl 
was Form als Größenverhältnisse anbelangt; nur die Ornamentierung ist 
eine andere. 



> Dr. Eidam, Bronzefund bei Merkendorf; Präh. Bl. XI 1899 S. 33 u. Tafel IV. Die Literatur 
über die Kniebänder verzeichnet Julie Schlemm, Wörterbuch z. Vorgesch. S. 292; Dechelette 
und Behrens sind seitdem noch hinzugekommen. 



287 

Knie- oder Beinbänder nennt man diese Spiralsclieiben, weil bei einem in 
Württemberg durch v. Föhr ausgegrabenen Sl<elett unterlialb der beiden Kniee 
je ein Exemplar gefunden wurde und man deshalb annimmt, daß sie am Unter- 
schenkel getragen wurden. 

Eine Beschreibung läßt sich nach unseren Bruchstücken und Trümmern 
nicht geben; das Knieband der Gunzenhausener Sammlung ist aus starkem 
Bronzeblech gefertigt und hat spitzovale Form, an welche sich auf beiden 
Seiten die großen Spiralscheiben anfügen. 

An der Außenkante ist unser Blechband verdickt und bei weiterer Verdickung 
geht es in den Stollen über, der in die Spiralscheiben ausläuft. Die Verzierung 
läßt sich nicht genau ersehen. Neun Millimeter unter dem Blechrand sind drei 
dem Rand gleichlaufende Linien eingeschlagen, von denen abwechselnd bald 
die oberen, bald die unteren zwei mit senkrechten Dreiecken gepunzt 
sind. Über die Fläche verteilen sich von rückwärts getriebene Buckel, die an 
ihrer höchsten Stelle und in 4 mm Entfernung rund herum im Kreis ein- 
gepunzte Punkte tragen. 

Sonst sind noch vorhanden: 

zwei Knopfscheiben von starkem Bronzeblech mit einwärts umgebogenem 
Rand und massiven Ösen 2b; einer der beiden zerknüllt und zerfetzt; 
Durchm. 63 mm; 

ein ebensolcher kleinerer Knopf mit 26 mm Durchm. 2c; viele Stückchen 
Spiralröhrchen 2d, zusammen etwa 24 cm, sie dienten mitunter als Hals- 
schmuck für Frauen; zwei Oberteile von Bronzenadeln, beide mit Platte, um- 
gekehrt kegelförmigem Kopf und je dreimaligen ornamentierten Verdickungen 
am Hals 2e. 

Der Rest besteht aus Draht- und anderen Bruchstücken 2 f. 

Ein zweites, nebenan befindliches Grab hatte Franz Kerl sachgemäß auf- 
gedeckt und zum Photographieren vorbereitet. Es war eine viereckige Stein- 
setzung wie beim vorigen, Tafel LXXVllI Abb. 36. Der steinfreie Innen- 
raum maß im Schmalen 40, im Weiten 180 cm. Der Steinrand lag zweireihig, 
die Längsrichtung ging von Nord nach Süd. 

Weder Brandschicht noch Kohle. 

Leichenreste. Kalzinierte Knochen unter den Steinen im Ost und bis zur 
Mitte des Innenraumes. Im ganzen nicht sehr viele. Von Speisebeigaben 
nichts wahrnehmbar. 

Keramik. Der Acker liegt im Personatensandstein und der Boden ist von 
leuchtender, bräunlichroter Farbe. Vorausgegangene Regen hatten ihn so 
durchweicht, daß wir nicht die Scherben, sondern nur Erdklumpen, in denen 
Scherben steckten, herausnehmen konnten. Von den Scherben unter den 
Steinen der nördlichen Schmalseite 3 u. 4 war nur mit Aufgebot aller Kunst 



288 

unseres Präparators J. Lutz ein Gefäß wiederherstellbar, denn die Scherben 
haben nur eine Wandstärke von 1 mm. 

In der Mitte unter den Steinen der südlichen Schmalseite die Scherben 6 
bis 8, die folgende Gefäße ergaben, Tafel LXXIX: 

6, 7a einen Kessel mit einem sorgfältig gestrichelten Rhombenornament als 
5 cm breites Band zwischen eingetieften Linien; feingeschlämmter Ton; der 
ausladende Rand Durchm. 23,5; Halsdurchm. 18,3; Bauchd. 26; Bodend. 7,5; 
Höhe 18,5 cm. 

6, 7b eine Schale von feingeschlämmtem Ton; Randd. 19; Bauchd. 18; 
Bodend. 5,5; Höhe 7 cm. 

6,7c ein Näpfchen von gleichem Ton; 3 mm Wandstärke; Randd. 11,5; 
der eingetiefte Boden 1,5; Höhe 4 cm. 

6, 7d einige Scherben eines anderen, größeren Gefäßes mit gleicher, aber 
kräftigerer Linienführung. 

8 ein sehr elegantes Täßchen von feingeschlämmtem Ton; Wandstärke 2 mm; 
Randdurchm.7,5; Halsd. 6,2; Bauchd. 8,2; eingetiefter Boden 2 cm; am Rücken 
eine schräg gekerbte Wulst inmitten von fünf eingetieften Linien, an einer 
Seite über der Wulst einen kleinen Buckel, eine Nase, bei welcher die oberen 
zwei Linien in eine zusammenlaufen und enden. An dem scharfen Knick gegen 
den Boden zu ebenfalls eine schräg gekerbte Wulst inmitten von je zwei ein- 
getieften Linien. Diese reiche Gliederung des Profils und die absichthche 
Hervorhebung der trennenden Flächen läßt guten Formensinn erkennen. 

Metallfunde kamen nicht zum Vorschein. 

Die Farbe aller Gegenstände ist ein stumpfes Braunrot, auch die Bronzen 
weisen keine Patina auf, sondern haben denselben Ton; der, wie erwähnt, 
sehr farbsloffreiche Boden hat alles in einerlei Farbe gehüllt. 

Eine andere Steinansammlung in den gleichen Äckern erwies sich als ein 
vermutlich früher schon geöffnetes Grab und war leer bis auf einige Scherbchen. 

Typologie 

Das Verbreitungsgebiet der ziemlich seltenen Beinbänder hat Eidam an der 
erwähnten Stelle umschrieben: „Sie kommen in einem Streifen vom Elsaß 
quer durch Mitteleuropa bis Böhmen, und zwar nur in ganz vereinzelten 
Exemplaren vor. In Bayern bildet .... die Altmühl die Grenze gegen Süden. 
Südlich der Donau finden sie sich nicht. Da sie am häufigsten im Elsaß ge- 
funden werden, könnte man annehmen, daß sie von dort ausgegangen sind, 
etwa durch Einwanderung gegen Osten hin. Unwahrscheinlich ist, daß sie 
lokal entstanden sind, da sie sich in diesem Falle sicher zahlreicher finden 
würden." Ob neue Funde in den 27 Jahren, seitdem dies geschrieben wurde, 
daran etwas geändert haben, vermag ich nicht zu sagen. Den Begleitfunden 
bei dem Vorkommen der Blechbänder in Württemberg zufolge stammen sie 



289 

aus „dem Ende der älteren Bronzezeit". Dort fanden sie sich bei einem 
Si<elett; das unsrige ist einem Brandgrab entnommen, das samt seinem Inhalt 
typisch ist für B^, 1400—1200 v. Chr. 

Das Beinband ist eine technisch hervorragende, gute Arbeit; auch die 
übrigen Funde zeichnet das gleiche Merkmal aus. Die zwei Nadelteile sind 
zierlicher, energischer profiliert, kräftiger eingeschnitten als beispielsweise 
die gleichen Nadeln bei 7468 79, 63, die plumper sind und weniger elegant 
wirken. 

Was von den Bronzen zu sagen ist, gilt erst recht für die Gefäße, von 
denen man den Eindruck erhält, als wären sie Metallgefäßen nachgebildet. 
Als Freihandarbeiten ohne Drehscheibe sind es sehr ansprechende Leistungen. 
Gefäße von gleicher Art und Vollkommenheit beschreibt Naue aus Ober- 
bayern;» sie sind ebenso dünnwandig und leicht, aus braunem Ton mit Sand- 
mischung gearbeitet. Vergleichbar ist auch eine kleine Urne der Sammlung 
in Gunzenhausen.* 

Dieser schöne keramische Stil scheint ebenso wie die zierlichen Bronzen 
nach Westen zu weisen, wo er in den Stempel- und kerbschnittverzierten Ton- 
gefäßen der Rhelnlande und des Elsaß entsprechende Vorbilder hatte, worauf 
Prof. Reinecke aufmerksam gemacht hat.s Auch die Keramik der nächst- 
folgenden Frühhallstattzeit bewegt sich dort noch gerne in Nachahmungen 
kantiger ausgesprochener Metallformen, wogegen ein Frühhallstattgefäß 10 
aus der Gminderschen Kiesgrube in Reutlingen sich ganz unseren Jungbronze- 
zeitformen von Dixenhausen anschließt.* 

In der Lausitzer und der von ihr abhängigen Keramik Böhmens konnte ich, 
obwohl reiches Abbildungsmaterial zur Hand war, entsprechende Seitenstücke 
nicht finden. Doch ist ein Gefäß aus dem Brandgrab 5 von Kosteletz in 
Böhmen hierher zu rechnen. ^ 

Einige Gegenstände der Dixenhausener Bronzen und andere aus unserer 
Sammlung konnten den Döhnerschen Untersuchungen der handwerks-tech- 
nischen Herstellung des Drahtes im Altertum zugeleitet werden und sind in 
dessen Werk über die „Geschichte der Eisendrahtindustrie", die auch dem 
Prähistoriker viele Anregung vermittelt, wiedergegeben worden. ^ Wir haben 
selten Gelegenheit, über die Fabrikationsweise der Vorzeitfunde fachmännische 
Aufklärung zu erhalten und müssen deshalb für solche klaren, auch dem 
Laien leichtverständlichen, von zahlreichen metallographischen Abbildungen 
der Dünnschliffe in Längs- und Querschnitt begleiteten Darlegungen dankbar 
sein. Aus den Dixenhausener Funden ist eine Anzahl von Bronzedrahtstücken 



' Bronzezeit in Oberbayern S. 217; Tafel XLIII XLIV XLIX L. 

^ Eidam, Ausgrabungen und Funde bei Gunzenhausen 1904 Tafel III 7. 

' Altert, u. heidn. Vorzeit V S. 213. 

■• Fundberichte aus Schwaben XVIII 1910 Tafel II 10 Text S. 19. 

5 Cervinka, Pravek 1907 S. 15 Nr. 1. 

^ C. H. Döhner, Gesch. der Eisendrahtindustrie. Berlin 1925. 



290 

unserer Abb. 2f Tafel LXXVIII, sowie die Spirale an dem Knieband Abb. 34,2a 
Tafel LXXVII gewählt worden. 

Eine regelrechte Drahtherstellung durch Ziehen war späterer Zeit vorbehalten. 
Als ältestes Stück, das diese Technik als möglich erscheinen läßt, konnte ein 
3,89 m langes Drahtseil von Bronze aus Pompej im Nationalmuseum zu Neapel 
ermittelt werden. Es ist 10 mm dick und besteht aus zwei „Zöpfen" von je 
10 einzelnen Drähten, die je 0,9 mm dick sind. Sie sind sehr biegsam, an der 
Oberfläche vollkommen glatt und von gleichmäßiger Stärke. Die tatsächliche 
Untersuchung auch nur eines Teilchens dieses Stückes ließ sich leider nicht 
erreichen. Die nachfolgenden ersten Jahrhunderte christlicher Zeitrechnung 
brachten dann das Ziehen von Eisendraht, insbesondere bei den vielbegehrten 
Ringelpanzerhemden, in allgemeine Aufnahme. 

Bei allen drahtähnlichen Stücken vor jenem Zeitraum, 79 n. Chr., kommt 
die dem „Draht" eigene Herstellung nicht in Betracht, also auch nicht bei 
den Sachen aus unserer Sammlung. Bei ihnen ist als wesenlichste Technik 
an ein Schmieden zu denken. Bei der erstaunlichen Geschicklichkeit und Be- 
herrschung des Stoffes, die die Alten hinsichtlich der Gießereitechnik auf- 
weisen, wird man, soweit ein Vergießen überhaupt in Frage kam, selbstver- 
ständHch den Gußrohling dem beabsichtigten Fertigprodukte weitgehendst an- 
gepaßt haben, um die Schmiedearbeit abzukürzen. An ein Gießen fertiger 
Drähte kann aber wohl kaum gedacht werden, vor allem dann nicht, wenn 
ein gewisser Querschnitt unterschritten wurde. 

„Die gegossenen Rohlinge wurden wie jeder andere Gegenstand warm aus- 
geschmiedet, wobei eine gewisse Rundung nicht eben schwer zu geben war. 
Bei Unterschreitung eines gewissen Querschnittes schmiedete man, wie ich 
das durch meine Untersuchungen nachweisen konnte, kalt weiter, wobei Glüh- 
operationen eingeschaltet wurden, wenn die Kaltbearbeitung hemmende Sprö- 
digkeit hervorgerufen hatte. Eine letzte, auf gleichmäßige Rundung und blanke 
Oberfläche gerichtete Überarbeitung kann man sich durch Schaben mit harten 
Steinen, Rollen zwischen flachen Steinen, Scheuern mit Sand und ähnliches 
als gut ausführbar und gute Ergebnisse zeitigend vorstellen. Mit der in jener 
Zeit anzunehmenden Muße, Ausdauer und Geschicklichkeit konnte es so ge- 
lingen, selbst einige Meter lange Drähte herzustellen, wie sie meiner obigen 
Festlegung also vollauf genügen würden." 

Bei Eisen gestaltete sich der Herstellungsweg etwas schwieriger, da ge- 
gossenes Ausgangsmaterial nicht in Frage kam. Schmiedeeisen „wurde in Form 
einer teigigen, durchaus formlosen Luppe dem Schmelzprozeß entnommen". 
Die „nahe Anpassung" mit Hilfe der Gießtechnik fiel also fort; von Anbeginn 
an kam bei einer auf Eisendraht gerichteten Hersteilung nur ein Schmieden 
in Frage, das durchaus möglich war, wenn sich auch die Arbeit außerordent- 
lich langwierig nicht nur infolge der nicht abkürzbaren Schmiedearbeit, son- 
dern auch deshalb gestaltete, weil Eisen schneller wie Edel- und Halbedel- 
metalle nach Kaltbearbeitung spröde wird und häufiger zu glühen war. 



291 

Die zweistufige Bestattung 

Über den in allen unseren Bronzezeitgräbern angetroffenen Ritus ist noch 
einiges zu sagen. 

Von den ca. 8 in den Appenstetter Gräbern niedergelegten Toten war nur 
in Grabstätte IIB der Versuch gemacht, die Frauenleiche in einigermaßen 
ritueller Form der Erde zu übergeben; aber wie die Fundumstände zeigten, 
geschah dies nicht mit dem Leichnam, sondern mit den vom Fleisch befreiten 
Knochen, kürzere oder längere Zeit nach dem Ted. Grabstelle III war allzu- 
sehr gestört, um beweiskräftig zu sein. Die Knochenreste aller übrigen etwa 
6 Toten aber fanden sich in einer Verfassung, bei der ausgeschlossen ist, 
daß sie als Leichname hier zur Ruhe gebracht wurden und die Einbettung in 
den Gräbern war derart gut und unversehrt, daß spätere Störungen nicht in 
Betracht kommen. Für alle diese Toten ist somit erwiesen, daß sie fleischlos 
bestattet wurden; die ihnen errichteten Grabmäler waren nur die letzte Ruhe- 
stätte ihrer Gebeine, nachdem sie an einem anderen Platz die Verwesung der 
Fleischteile durchgemacht hatten. Auch die Reste der Beigaben, ihre willkür- 
liche Verteilung zwischen, neben, oben und unter den Resten der Knochen 
bezeugen den gleichen Vorgang. 

War dies nur eine Gepflogenheit der Appenstetter Sippe oder war es eine 
in der Bronzezeit allgemeinere Erscheinung? 

Gehen wir daraufhin die besprochenen Grabungen durch, so kommen außer 
den Appenstettern noch die Bronzezeithügel im Weidenschlag und am Gais- 
berg in Betracht. Die Obereinstimmung im Bau dieser Hügel und Hügelchen 
unter sich ist eine weitgehende.' 

Die wenigen vorhandenen Knochen, die Lage der meist zusammenhang- 
losen Scherben, die dazwischen geworfenen Bronzen, das Fehlen von Kohlen- 
schichten, das Vorhandensein grober Stücke Holzkohle, die geringe Tiefe aller 
Funde, die nicht gebaute, sondern nur darüber geworfene Steinüberdeckung, 
all dies bildet übereinstimmend das Kennzeichen dieser Gräber. Man könnte 
nun wohl annehmen, daß sie früher schon einmal geöffnet, ausgeraubt und 
dann wieder zugedeckt worden sind. Aber das ist zweifellos nicht der Fall. 
Sie wurden überhaupt mit geringer Sorgfalt angelegt, denn sie waren nicht 
zur Aufnahme eines oder mehrerer Leichname bestimmt, sondern hier legte 
man nur das nieder, was von den Toten aus einer erstmaligen, vorausgegangenen 
Beisetzung noch übrig wer, von ihm selbst und seinen Beigaben. Das trifft 
besonders bei den Gräbern zu, in denen mehrere Skelette auf einem Haufen 
lagen. Daher alles in Trümmern, alles in Scherben, daher auch die nach- 
lässige Eindeckung. Die Überreste brauchten nur wenig P'atz, die fleisch- 



1 Der von H. Busse ausgegrabene schöne Bronzezeithügel bei der Gieisdorfer Mühle hatte 
dort eine sorgfältige, hocligeschichtete Steinsetzung, bot aber nach der Abdeckung das 
gleiche Bild wie unsere Hügel, vgl. Abb. 1 S. 251 im Mannus V 1913 mit unserer Abb. 13 
Tafel LXVII. 



292 

losen Knochen zogen kein Raubtier an, daher die Hügel klein, niedrig und 
nur wenig bedeckt. 

Auch die Henfenfelder Gräber, soweit sie Skelette bargen und eine gute 
Beobachtung ermöglichten, erlauben keinen anderen Schluß. Die doppelten 
Schenkelknociicn, die beiden Schädelhälften nebeneinander in dem Grab der 
Nummern 7468 12 bis 21 können nicht so gedeutet werden, als wären hier 
zwei Leichen oder Leichenteile aufeinander gelegt worden. Ein Begräbnis ist 
kein Metzgereibetrieb; man wird die Leichen nicht nach Belieben vierteln 
oder halbieren. Denn von der früher viel gehörten Meinung, daß die Leichen 
nach dem Tode oft gräßlich verstümmelt wurden, ist man doch wohl ab- 
gekommen. Daß eine solche Meinung entstehen konnte, beweist aber, wie oft 
schon derartige Fälle zur Beobachtung gelangten, jedoch falsch gedeutet 
wurden. Das Fleisch mußte bei unseren Henfenfeldern bereits verschwunden 
gewesen sein, als man die Knochen da niederlegte und niemals seit jenem 
letzten Begräbnis hat irgendeine Störung etwas an ihnen ändern können, sie 
waren viel zu gut verwahrt. 

Das gleiche gilt von dem Begräbnis in der viereckigen Steinumrandung in 
Henfenfeld, 7468 72 bis 90. Ich habe oben im Fundbericht hervorgehoben, 
daß der für die Leiche verfügbare Platz vom Schädeldach bis zum unteren 
Innenrand der Steine nur 1,15 m betrug, und das weist auch der Grundriß 
S. 279 auf. Auch hier konnte sich nach der Beisetzung nichts geändert haben, 
wir trafen völlig ursprüngliche Verhältnisse bei der Aufdeckung. Der in eine 
Decke oder Matte gehüllte Knochenbündel mit dem Schmuck wurde in den 
verfügbaren Raum hineingelegt, oben und unten die Gefäße daran gestellt. 
Eine Leiche hätte nur in zusammengebogener Lage, in Hockerstellung unter- 
gebracht werden können. Davon war aber kein Anzeichen vorhanden und in 
dieser späten Zeit, Stufe B^, sind Hockergräber nicht mehr anzutreffen, wenn 
auch einmal vereinzelt eine Ausnahme denkbar wäre. Die Verteilung und 
Stellung der drei Nadeln weisen aber mit Sicherheit darauf hin, daß sie nicht 
dem Kleiderverschluß dienten, sondern zur Sicherung einer Packung. 

Aus alledem geht für mich hervor, daß die zweistufige Bestat- 
tung sich nicht auf die Appenstetter Gräber beschränkte, an denen 
ich zuerst diese Entdeckung machte, sondern in der Bronzezeit 
eine viel allgemeinere Erscheinung war. 

In diesem Zusammenhang erscheint nun auch die Dörpfeldsche Hypothese 
vom Rösten oder Sengen der griechischen Toten vor der endgültigen Bei- 
setzung in einem anderen Licht, ja, wenn andere Untersuchungen noch be- 
stätigend hinzutreten, dann würde auch das große Rätsel der Ursache des 
Übergangs von der Erd- zur Brandbestattung und ihr teilweises Nebeneinander- 
vorkommen in einem ganz anderen, neuen Licht erscheinen und wäre dem Ver- 
ständnis nahe gerückt: denn vom Rösten und Sengen bis zum gänz- 
lichen Verbrennen ist nur ein kleiner Schritt. 



Die bis jetzt bekannten Bronzezeit- und Frühhallstattzeit-Funde 
in unserer Nachbarschaft 




Bronzezeitstufe A2 
X Ein2<?lfund<2 



D Ha 
Ä. Depotfund 



Startstufe A 



Bronzezeitstufe A zweite Hälfte: Fischleinhof bei Tbalmassing; Ruherten bei Rupprechtslegen. 
Bronzezeitstufe B: Appensteiten ; Attenhofen t?j; Aue (Germ. Museum); Belmbrach (Roth); Breitenloh bei 

Weißenbronn; Erlangen (Erlangen); Gaisberg; Haghof bei Sulzbach; Houbirg; Kippenwang bei Thalmässtng ; 

Labersricht bei Neumarkt i. O. ; Lauterhofen (?) ; Ludwigshöhe bei Lauf; Mischelbach bei Pleinfeld (Gunzen- 

hausen); Raigerring bei Amberg i München); Schwand i.O.; Unterrieden bei Altdorf (Berlin) ; Vogelherd bei 

Weibenbronn; Waizenhofen bei Greding. 
Bronzezeitstufe C: Deinsdorf bei Hartmannshof; Eschenbach bei Hohenstatt; Hammer; Lindenbühl bei 

Offenhausen; Schafhof bei Nürnberg; Schnellersdorf bei Sulzbach i. O. ; Unterrieden bei Altdorf (Berlin). 
Bronzezeitstufe D: Dixeniiausen bei Thalmässing; Henfenfeld ; Mischelbach bei Pleinfeld (Gunzenhausen) ; 

Prosberg bei Hersbruck; Schupf bei Hersbruck (verschollen). 
H allst att st ufe A: Altensittenbach bei Hersbruck; BetteUeite bei Holnsteln; Dormitz bei Erlangen ; Frankenloh 

bei Thalmässmg; Fürth am Scherbsgraben; Fürth Lehmusstraße (Privatbesitz); Heroldsberg bei Nürnberg; 

Honnings bei Erlangen; Kersbach bei Forchheim (Pfalzmuseum Forchheim); Kirchehrenbach hei Forchheim 

iPfalzmuseum Forchheim) ; Kirchensittenbach bei Hersbruck; Mäbenberg bei Spalt (Ansbach): Mögeldorf bei 

Nürnberg ; MönlasbeiKönig^tein; Mühlanger bei Engel thal; Nürnberg Racknitzgarlen ; Petershöhle bei Velden ; 

Prohof bei Sulzbach; Rosenberg bei Amberg; Schwimmbach bei Thalmässing; Unlerkrumbach bei Hersbruck. 
Einzelfunde, zumeist Kelte : Altenfurth (Privaibesitz) ; Oormitz bei Erlangen (Erlangen); Düsselbach bei 

Vorra; Frankenloh hei Thalmässing; Holfeld - Frank Schweiz; Laufamholz bei Nürnberg; Muggendorf- 

Fränk. Schweiz; Spardorf (Erlangen). 



Abh. (]. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LX 




Abb. 



Abb. 2 



Abb. 1. Weiler Appenstetten mit dem üraberleld (x ) darüber. S. 251. 
Abb. 2. Grabstätte I nach Entfernung des oberen Waldbodens. S. 251. 



Appenstetten 8099 



Abh. d. Nat, Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXl 




Appenstetten 8099 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXll 




Abb. 4 



Abb. 5 



Abb. 4. Trockenmauer, Einbau in Grabstätte IIB. S. 2.56. 
Abb, .5. Dieselbe nach Abnahme der oberen Steinplatten. S. 2.56. 



Appenstetten 8099 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXlll 




Abb. 7. Das Skelett in Grabstätte II B. S. 256. 
Abb. 6 (oben). Der Schacht in Grabstätte IIB. S. 256. 



Appenstetten 8099 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXIV 




Abb. 8 



Abb. 9 



Abb. 9. Die Trockenmauer in ürabstätte III. S. 257. 
Abb. 8 (oben). Grabstätte Ili. S. 257. 



Appenstetten 8099 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXV 




Abb. 10. S. 253. 

Appenstetten 8099 



Abli. d, Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXVl 




Abb. 11. S. 257. 

Appenstetten 8099 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXVll 




Abb. lo. b. J/l. 

Weidenschlag 7582 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Fid. 



Tafel LXVIll 




1-^; 



Abb. 15. Qrabungsstelle 12—21 vor Beginn der Grabung. S. 274. 



Henfenfeld 7468 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXL Bd. 



Tafel LXIX 




Abb. 
16 




Grabunasstellcl2— 21: Abb. 16. Steinsetzung in derTiefe,bis2uderdieStörungreichte.S.274. 
Abb. 17. Das freigelegte Skelett. S. 274. Abb. 18. Nach Wegnahme des Skeletts. S. 275. 



Henfenfeld 7468 



Abb. il Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bö. 



Tafel LXX 




Abb. 19, Grabungsstelle 12— 21. S. 274. 

Henfenfeld 7468 



Abb. 20. S. 274, 275. 



Abli. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXI 




Abb. 23 



Grabungsstelle 22— 28: Abb. 21. Vor Beginn der Grabung. S. 275. 
Abb. 22. Die Steinsetzung. S. 275. Abb. 23. Das Steinbett. S.275. 



Henfenfeld 7468 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXII 




Abb. 25. Zu Fundnummer 9-11. S. 274. Abb. 26. Zu Fundnummer 29. S. 276. 



Henfenfeld 7468 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXIII 




Zu Fundnümmer34— 40. Abb. 27. Vor Beginn der Grabung. S. 276. 
Abb. 28. Lagerung der Funde. S. 277. 



Henfenfeld 7468 



Abb. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXIV 




Abb. 29. S. 277. 

Henfenfeld 7468 



Abli. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXV 




Abb. 32 
Zu Fundnummer 73 — 90. Abb. 30. Steinsetzung und Fundverteilung, noch nicht 
völlig aufgedeckt. Abb. 31. Dasselbe von der Seite. Abb. 32. Die über die Leiche 
hinausragende lange Nadel 79. S. 278, 280. 



Henfenfeld 7468 



Abli. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXVl 




Abb. 33. S. 279, 280. 

Henfenfeld 7468 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXVII 




Dixenhausen 8101 



Abb. d, Nat. Qes. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXVIII 




.^ 1^^ 





Abb. 36. Die Steinsetzung 8101. S. 287. 

Abb. 35. Grabungen Dürpfelds in der Nidri-Iibenc; 
die steinernen Unterbauten der Königsgräber. S.268. 



Zu S. 287 



Dixenhausen 8101 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXIX 




Zu S. 286, 288 

Dixenhausen 8101 



ABHANDLUNGEN 

DER 

NATURHISTORISGHEN 
GESELLSCHAFT 



zu 

NÜRNBERG 



XXI. band 
7. (Schlu6-)Heft 



Mesolithikum und Neolithikum in Mittelfranken? 

Von 
Konrad Hörmann 



Mit ^Tafeln 



1928 
NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG 



Gedruckt 

mit Unterstützung der Notgemeinschaft 

der Deutschen Wissenschaft 



GRABUNQSBERICHTE 

DER 

ANTHROPOLOGISCHEN SEKTION 

MIT GRUNDRISSEN, PROFILEN UND TAFELN 



MESOLITHIKUM UND NEOLITHIKUM IN MITTELFRANKEN? 
DIE KIRCHTALHÖHLE UND ANDERES 



VON 

KONRAD HÖRMANN 



19 2 9 
NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG 



C. H. Becksche Buchdruckerei in Nördlingen 



örtlichkeit und Grabungsweise 

Im Südosten von Hersbruck hebt sich die mächtige Houbirg aus den 
340 Metern des Alluviums im Pegnitztal durch alle Juraschichten hindurch 
615 Meter hoch empor. An der Südkuppe des Berges schaut der Hohle Fels 
ins Förrenbachtal hinaus dem Bach entgegen, der das abwechslungsreiche Tal 
aus dem Juramassiv herausgearbeitet hat. Die Talgehänge sind allenthalben, 
das läßt sich der Jura nicht nehmen, mit schönem Waldbestand bedeckt; 
neben dem munteren, wasserreichen Bach führt die Distriktstraße nach Alfeld. 
Bis über Thalheim hinaus verlaufen Tal und Bach und Straße südöstlich. Bei 
der Claramühle, 7 Kilometer vom Hohlen Fels, wenden sie sich mit scharfem 
Eck nach Südwest; folgt man aber der seitherigen Richtung und einem Seiten- 
arm des Baches weiter, dann befindet man sich in dem romantisch schönen 
Kirchtal, steht alsbald an der Kirchtalmühle, hinter der die Talränder näher 
zusammenrücken, um dann rechtsseitig in die Weißjura-Hochebene beim Popp- 
berg auszulaufen. 

In dem Winkel rechts, in dem der letzte Weißjurafels steil aufragend an- 
steht, befindet sich eine Höhle, das Fuchsloch oder, wie man sie häufiger 
nennt, die Kirchthalmühlhöhle und um sie herum, auf dem sonnig-warmen, 
sturmfreien Fleck davor, lagerte bis vor kurzem eine Menge großer und kleiner 
Felstrümmer, Reste eines zusammengebrochenen Felsendaches vor der Höhle; 
s. Tafel 80a. 

Die rührigen Freunde der Anthropologischen Sektion in Hersbruck, Herr 
C. F. Schramm und sein y Bruder Herr Gg. Schramm, untersuchten im Mai 
1914 den Platz, an dem sie eine prähistorische Niederlassung vermuteten. 
Wirklich fanden sie schon in geringer Tiefe am Einschlupf zur Höhle eine 
Kohlenschicht und prähistorische Tonscherben mit Feuersteinen. Sie benach- 
richtigten uns und wir gingen gemeinsam ihrer Entdeckung nach. 

Der Eigentümer des Platzes, Herr Kugler, Ökonom in Kursberg, gab be- 
reitwillig die Erlaubnis zur Grabung und erklärte sich einverstanden, daß 
allenfallsige Funde Eigentum der Naturhistorischen Gesellschaft würden. Das 
gleiche Entgegenkommen erwies uns seine Witwe, Frau Barb. Kugler, als ihr 
Mann 1916 auf dem Felde der Ehre in Frankreich geblieben war. 

Wir arbeiteten zuerst in der Höhle. Sie enthält mehrere Räume und fällt 
nach innen beträchtlich ab. Bei starken Regengüssen und bei der Schnee- 
schmelze läuft deshalb Wasser von außen in die Höhle hinein und da es 
nicht zu versickern und kaum zu verdunsten vermag, ist der Lehm in der 
Höhle in breiigem Zustand. Das Ergebnis unsrer Arbeit war unbefriedigend: 
wenige Knochen rezenter Tiere (Hirsch, Dachs, Rind), ein unvollkommenes 



294 

Knochengerät, ein bearbeiteter Silex und einige prähistorische Tonscherben. 
In etwa 65 cm gewachsener Felsboden. 

Der Kriegsausbruch verhinderte die Weiterarbeit. Erst 1916 konnte vom 
4. bis 17. August mit dem Graben vor der Höhle begonnen werden. 

Die Grabung war der Hindernisse wegen schwierig und gestaltete sich recht 
verschieden. Auf der ebenen Fläche (Tafel 80) zwischen dem anstehenden und 
dem abgestürzten Fels, im Vorder- und Mittelgrund zwischen Höhenlinie 
420 und 419 (Abb. 1) kam der gewachsene Weißjurafels schon handbreit unter 
der Oberfläche zutage. Längs der Felswand im mittleren Hintergrund, wo 
genügend Erde vorhanden war, um in die Tiefe gehen zu können, erschwerten 
die teils zutage liegenden, teils erst beim Graben auftauchenden großen Fels- 
blöcke die Übersicht ganz ungemein; s. Tafel 81a. 

Wir zogen zunächst einen Versuchsgraben längs der Felswand an der schmalen, 
steinfreien Stelle, welche die hier Einkehr haltenden Touristen zu einem Pfad 
ausgetreten hatten, der 1 — 1 '/2 m tiefer liegt als der übrige Boden. Er senkt 
sich etwas nach dem Einschlupf der Höhle zu, verläuft eine Strecke annähernd 
wagrecht und fällt dann nach dem Tal ziemlich rasch um 4 bis 6 m ab; 
s. Abb. 1. 

Neben dem Einschlupf in die Höhle (s. Tafel 82 b) fand sich in geringer 
Tiefe eine Feuerstelle mit gewaltigen Kohlenmengen, mittelalterlichen Scher- 
ben, Eisenrest und 3 — 4 Silexmesserchen. Erfahrungsgemäß sind Brandplätze 
von so großer Ausdehnung, dazu metertief, zumeist mittelalterlich. Ebenfalls 
nur in geringer Tiefe und neben dem Feuerplatz fanden sich die Reste eines 
vollständigen menschlichen Fötus, wahrscheinlich auch aus dem Mittelalter 
oder noch jünger. Unter den Kohlenstellen folgte eine ergiebige Fundschicht 
von dunkelbrauner Erde genau desselben Aussehens, wie die von uns sogenannte 
„gute Fundschicht" am Hohlen Fels. Der Schichtverlauf war ganz unregel- 
mäßig; bald spaltete sich die Schicht, indem andersfarbige, fundlose Stellen 
sich einschoben; bald stellte sie sich auf den Kopf und schien ganz abzu- 
reißen, um gleich daneben in mehreren ungleich starken Fundadern weiter- 
zuziehen. Ich nahm eine Anzahl Profile auf und hatte schließlich hinter und 
neben- und übereinander 14 verschiedene Schichten, die sich dem Inhalt 
nach nicht sehr viel, dem Aussehen nach aber merklich voneinander unter- 
schieden. Es waren offenbar Versturzwirkungen, hervorgebracht durch das 
Einwühlen der Felstrümmer in den Boden; stratigraphisch waren sie ohne 
Bedeutung. 

Der Platz vor der Höhle liegt 1 bis l'/s m höher als der Einschlupf in die 
Höhle samt dem schmalen Pfad längs der nördlichen Felswand. Er hat eine 
Nord- Südausdehnung von 18 m und etwas über 12 von West nach Ost. Seine 
Südhälfte ist eben, denn irgendein Vorbesitzer hatte diese Seite des Platzes 
gesäubert und die Steine entfernt. In einer tiefen Grube — ich gab ihr die 
Nr. 1 1 unserer Schichten — lagen Unmengen großer und kleiner Hornstein- 
knollen, die bei dieser Gelegenheit vom Platz und den angrenzenden Feldern 
zusammengetragen und hier hingeworfen worden waren. Manche dieser Knollen 



295 



machten den Eindruck, als wäre an ihnen herumgeschlagen; zwei davon sind 
abgebildet, weil sie Artefakten gleichen; die Unterseiten sind bei beiden ganz 
flach, s. Tafel 84 Nr. 23, 24. 

Ein sehr großer, abgestürzter Felsblock von 6,70 m Länge und 3,40 Breite 
schließt den Platz nach Osten gegen das Tal ab; s. Abb. 1. Er ragt auf der 
dem Grabungsplatz zugewendeten Seite 1,40 m über den Boden empor; gegen 




<^ \ ^ \ ^-.o..-\\ "^^v.^ ■Cn.v ■'t 



Abb. 1. Qrabungsstelle im Kirchtal 



die Talseite fällt er 6 — 7 m ab. Er ist tief im Boden verankert, bei 3,50 m 
hatten wir seine Basis noch nicht erreicht. 

Die großen Felstrümmer, welche bald obenauf lagen, bald unter dem Boden 
zum Vorschein kamen, wurden, soweit es anging, den Abhang hinabgerollt, 
s. Tafel 81a; zumeist aber wurden sie durch Sprengen beseitigt, was von den 
Arbeitern mit Pulver gut und gern gemacht wurde. Wir verwendeten aber 
auch Dynamit. Unser Mitglied, Herr Dr. Friz, Mitbesitzer der großen Kalk- 
steinbrüche in Hartmannshof, hatte die Güte, seinen Sprengmeister damit zu 
beauftragen, wofür auch an dieser Stelle der Dank ausgesprochen sei. Die Er- 
fahrungen mit Dynamit waren indessen nicht sonderlich günstig. Im Gegensatz 
zum Pulver, das die Steine in große Trümmer zerlegt, ohne viel zu splittern, 
reißt das Dynamit die Steine auf kleine Fetzen, so daß nach jedem Schuß 
das Gelände weit und breit mit Steinscherben überschüttet war, welche — um 
mit dem Grundeigentümer in gutem auszukommen — aufgelesen und zusammen- 
gesammelt werden mußten. 

Nicht an allen Stellen konnten wir den gewachsenen Boden, bzw. den 
anstehenden Fels erreichen. In der Mitte des Platzes überkreuzten sich in 1,30 m 
unter dem Boden die Steinblöcke derart, daß Schießen zwecklos gewesen 
wäre, z. B. bei Tafel 82 a. Die Tiefen, in denen der anstehende Fels erreicht 



296 

wurde, waren sehr verschieden: in Südwest in 10 cm, in Südost in 2,20 m. 
An einer Stelle, an dem schmalen Pfad neben der nördlichen Felswand, wo 
wir ungehindert in die Tiefe gehen konnten und ich immerzu hoffte, auf 
eine Silexschicht ohne Gefäßscherben zu kommen, endeten wir in 3,20 m 
Tiefe in knallgelbrotem Sand, einer richtigen Ockergrube, die ja im Jura 
häufig sind. 

Auf die Einzelheiten der überaus verwickelten Grabung einzugehen, erübrigt 
sich, denn das Resultat war trotz aller von einem Platz zum andern wechselnden 
Verschiedenheit überall ganz gleich. Es fanden sich Steingeräte, Scherben 
und Knochen in jeder Schicht und selbst an isolierten Punkten. Eine Schicht 
oder eine Stelle, an der nur Steingeräte vorgekommen wären ohne Scherben, 
gab es nirgends. Aber es wäre schwer und unzuverlässig gewesen, in dem 
Tohuwabohu des Steingewirres der Nordseite eine Schicht als durchlaufend 
oder als „die Kulturschicht" zu bezeichnen, obwohl ich mich während der 
Grabung sehr darum bemühte. 

Gegen Schluß der Arbeiten trafen wir im Südosteck aber doch eine Stelle, 
wo die Schichtung horizontal und anscheinend ganz ungestört war, Profil A. 
Sie begann neben der Grube (Schicht) 11, in der die früher schon in den 
Feldern aufgelesenen Hornsteine lagen, und reichte südlich etwas über das 
Ende des großen Felsblockes hinaus, s. den Grundriß S. 297, hatte also eine 
Länge von gut l'/» m. 

Der für Profil A angenommene Null-Meter läuft nach dem Vermessungs- 
punkt bei Höhenquote 420, s. Grundriß. Der Pfahl im Felsen bei Ost war 
8 m vom Punkt entfernt, der direkt auf der Erdoberfläche liegt. An unserem 
Profil hier ist die Oberfläche 170 cm unter Null. 

Von 170—220 cm A total verfilztes Wurzelwerk von Sträuchern und Stauden. 
Ganz ohne Funde. 

Von 220—250 cm B, eine grauschwärzliche Kohlen- und Kulturschicht; viele 
Scherben, Knochen, etwas Eisenblech, einige Silexmesserchen, „mittelalterliche 
Schicht". 

Von 250 — 270 cm C, eine braune Schicht ganz ohne Funde. 

Von 270—325 cm D schwarze Kulturschicht; viele Scherben, viele Silex- 
messer; die Pfeilspitze 5 Tafel 85, viele Knochen, „prähistorische Kultur- 
schicht". 

Unter 325 cm hören die Funde auf; nur vereinzelt noch Knochen und einige 
Scherben bis 350 cm. D'e Farbe der Schicht verändert sich erst ins Braune, 
dann ins Braungelbe, Weißgelbe, wird zu Dolomitasche und endet bei 390 cm 
im anstehenden Dolomit. 

Die Bearbeitung des Schichteninhalts zu Hause hatte folgendes Ergebnis: 
die „mittelalterliche" Schicht B enthielt 4 Flintgeräte, 1350 Gramm mittelalter- 
liche und 4900 Gramm vorgeschichtlicher Scherben. Die „vorgeschichtliche" 
Kulturschicht D enthielt viele Silexgeräte, die Pfeilspitze, 2 Kilo vorgeschicht- 
liche und 750 Gramm mittelalterliche Scherben. 



297 




Abb. 2. Profil A im Süden der Grabungsstelle im Kirchtal 

In Prozenten ausgedrückt: 

mittelalterliche vorgeschichtliche Scherben 

Schicht B 21 2/5 783/5 

Schicht D 273/11 728/11 "/o 

Ist es schon sehr toll, daß die obere, jüngere Schicht weniger mittelalterliche 
Scherben hatte als die ältere Schicht D, während bei den vorgeschichtlichen 
Scherben das Verhältnis sich umkehrt, so ist die durchaus leere Schicht C noch 
erstaunlicher. Ich fand schon an Ort und Stelle keine Erklärung dafür und 
auch jetzt weiß ich diese Erscheinung nicht zu deuten. Es läßt sich daraus 



298 

entnehmen, wie unzuverlässig „ungestörte" Schichten sein können, wenn es 
sich um Kulturen verschiedener Zeiten handelt. 

An anderen Stellen war das Mischungsverhältnis wenigstens nicht so auf- 
fallend. Obere Schicht 5 an der Nordseite längs der Felswand 2 Kilo mittel- 
alterliche und 0,25 Kilo vorgeschichtliche Scherben. Die stellenweise durch 
sterilen Sand davon getrennte Schicht 6 führte 1,1 Kilo mittelalterliche und 
rund 3 Kilo Vorgeschichtsscherben. Dabei ist aber zu bedenken, daß beide 
Schichten zwischen, über und unter den Lagerstätten der großen Felsblöcke 
verliefen, während Profil A von Versturz frei war. 

Die Silexvertei'lung in den Schichten war ähnlich. Die oberen Schichten 1 — 5, 
7 — 13 lieferten nur vereinzelt Silexgeräte; dagegen fanden sie sich in Massen 
auf der Nordseite in Schicht 6 und auf der Südseite in Schicht D. Man kann 
also annehmen, daß beide Schichten einander entsprachen, so daß die ersten 
Besucher des Platzes in etwa 1 m bis 1,50 m Tiefe unter der neuzeitlichen 
Oberfläche gehaust haben. 

Die Funde waren reichlich. Sie bestanden vor allem in Geräten von Horn- 
stein, einige auch von Felsgestein; etliche Metallgeräte; Gefäßscherben aller 
Art; Unmassen von Tierknochen. 

Die Steingeräte 

Das Silexmaterial ist mannigfaltiger Art. Die Bearbeitung ist durchweg gut, 
denn der ausschließlich verwendete Hornstein dieser Gegend eignet sich besser 
als jeder andere im Jura zur Verarbeitung. Infolgedessen zeigen manche Stücke 
einen hohen Grad technischer Fertigkeit. Man könnte ohne Schwierigkeit das 
Material in Typen sondern, die paläolithische, neolithische und mesolithische 
Formenreihen umfassen würden. 

Es sind vorhanden: 

Klingen: 12 Klingen von 97 bis 60 mm Länge, s. Tafel 84 14—16; 

30 Klingen von 57 bis 42 mm Länge, s. Tafel 84 13, 20, 21 ; 
24 Klingen von 41 bis 25 mm Länge, s. Tafel 84 10, 11. 

Breite Klingen sind vorhanden: 
12 Klingen von 80 bis 60 mm, s. Tafel 84 17—19; 

31 Klingen von 60 bis 35 mm, s. Tafel 84 22, 7—9. 

Zusammen 109 Klingen. 
50 Mikrolithen in der Größe von 17 bis 30 mm, s. Tafel 84 1—6. 
Kratzer: 29 Klingenkratzer von 97 bis 30 mm, s. Tafel 83 13—15; 
17 breite Klingenkratzer oder -schaber wie Tafel 83 1 — 5, 10 — 12, 16 — 19. 
6 Doppelkratzer wie Tafel 83 6, 8, 9, 18, 20. 
3 aurignacienartige Kielkratzer wie Tafel 83 3, 4. 
14 mikrolithische Rundkratzer wie Tafel 83 21—29. 

Insgesamt 69 Kratzer. 
Stichel: 2 Stück, 45 und 47 mm lang; Tafel 84 a, b. 
Bohrer: 7 Stück Tafel 93 2, 3, 8; Tafel 85 11. 
Pfeilspitze: ein sägenartig gezähntes Stück Tafel 85 5. 



299 

Lanzenspitze: 95 mm lang; Plattensilex Oberseite mit Gesteinsrinde und 
guter Kantenretusche, Unterseite flach, glatt; Tafel 85 4. 

1 weidenblattähnliche Spitze, beiderseitig überarbeitet; 60 mm lang, an der 
Basis mit seitlicher Abplattung, Tafel 85 10. 

Außerdem gegen 50 abgebrochene Klingen und etwa 300 atypische Klein- 
sachen und Splitter. 

Einige atypische Stücke, die Unterseiten durchweg flach, „mousterien"-artig, 
als Artefakte zweifelhaft Tafel 84 23—31, davon 26 sicher ein Artefakt 
aus quarzitischem Hornsandstein, wohl dem Emscher, der örtlichen Kreide- 
überdeckung des Jura, entstammend. Zwei flache, völlig weiße, ovale Bach- 
kiesel, kristalliner Gangquarz, aus dem von hier weit entfernten Keuper, an 
Asilien erinnernd, jedoch ohne Bemalung; s. Tafel 85 16. 

Zwei einseitig flache Beilchen (s. Tafel 85 1 und 2) von Felsgestein, anscheinend 
Diorit oder quarzitischem Tonschiefer, vielleicht Material vom Rand des Fichtel- 
gebirges oder vom Frankenwald, entsprechen den Steinbeilen des Ostischen 
Kulturkreises vom Michelsberg bei Reinerth, Chron. d. jung. Steinzeit S. 49 
Abb. 35. Das größere Beilchen 18 mm dick, 70 mm hoch, am Rücken 41, an 
der Schneide 52 mm breit. Das kleinere Beilchen 11 mm dick, 54 mm hoch, 
am Rücken (beschädigt) 36 mm (?), Schneide 40 mm breit. Ob das Steinbeil 
gleichen Charakters Tafel 98 Nr. 16, gefunden in Alfeld 2'/2 km Luftlinie von 
hier entfernt, der gleichen Siedlungsgruppe zuzuschreiben ist, muß dahingestellt 
bleiben. 

Außerdem sind noch einige Bruchstücke derberer Steinbeile vorhanden, dar- 
unter Tafel 85 3, welches zum Typus der Reinerthschen Arbeitshämmer des 
Ostischen Kulturkreises gehört, Chron. d. jung. Steinzeit Tafel 26 1. 

Betrachtet man jeden Typus für sich, dann die Steingeräte einesteils und 
die Keramik andernteils auch für sich gesondert, so würde man aus diesem 
Inventar ein Altpaläolithikum, ein Jungpaläolithikum, ein Mesolithikum, ein 
Neolithikum usw. herauslesen können und wem dies Freude macht, der mag 
es immerhin tun, es kommt ja niemand zu Schaden dabei. 

Die Wahrheit aber ist, daß all die Steintypen in verhältnismäßig junge Zeit 
gehören und daß sie von der Keramik nicht zu trennen sind. Die Keramik 
ist es also, die den Ausschlag gibt. Wir werden sehen, daß sie bronze- 
zeitlich und jünger ist. 

Eine ähnlicheTypenmischungergaben die Ausgrabungen bei Kasing — betrachte 
S. 107, 108 und Tafel 38 dieses Bandes — , diejenige bei Appenstetten Tafel 65, 
beide ältere Hügelgräberbronzezeit; oder jüngste Bronzezeit von Henfenfeld 
Tafel 74 und Dixenhausen S. 286 und Tafel 77 dieses Bandes. 

Für die Ablagerung des Stein- und Flintmaterials muß nicht notwendiger- 
weise eine Periode — die alte Bronzezeit — allein in Frage kommen, es 
können auch spätere Epochen daran beteiligt sein und sind es sicher auch. 
Wie sich im folgenden zeigen wird, war bis zur späten Bronzezeit und selbst 
noch in der Eisenzeit die Möglichkeit zur Vermehrung des Flintmaterials ge- 



300 

geben; sie erstreckte sich über viele Jahrhunderte. Das läßt sich jedoch im 
einzelnen nicht feststellen; man wird also die hier angetroffene Steinindustrie 
nach dem höchstmöglichen Alter, das sind die Jahre 1900 oder 1800 v. Chr., 
ansetzen und nur beifügen müssen, daß auch die späteren Epochen wahr- 
scheinlich zur Vermehrung beigetragen haben. 

Keramik 

An den vielen Scherben sind so gut wie alle in unserem Gebiet vertretenen 
vorgeschichtlichen Epochen beteiligt, doch sind nur die wenigsten bestimmbar, 
weil Ornamente oder Randstücke fehlen. Die anscheinend ältesten stammen 
von großen, rohen Tonkesseln, rötlichbraun, schwärzlich geschmaucht; oder 
graubraun, vielfach mit eingekerbtem Rand, einmal auch mit Durchlochung. 

Aus dem gesamten Scherbenmaterial hätte sich kein einziges Gefäß wieder- 
herstellen lassen, wenn wir nicht einige zusammengehörende Scherben zu 
Dreivierteilen ergänzt hätten, s. Tafel 87 1. So entstand ein breiter Kessel, hell- 
rötlich-graubraun, 26 cm hoch; am Rand 26^'2 cm Durchmesser, an der engsten 
Halsstelle 24 cm, am Bauch 29 cm Durchmesser. Er ist also dadurch charak- 
terisiert, daß er weiter als hoch ist. 

Gefäße von ähnlicher Form sind typisch für die Michelsberger Keramik ;i 
mit einem Unterschied: sie sind sämtlich höher als weit, sie machen weniger 
den Eindruck eines Kessels als den eines Kruges, „glockenförmige Vorrats- 
gefäße" nennt sie Reinerth S. 18 im Text. 

Daß das Verhältnis der Höhe zur Weite bei unserer Wiederherstellung von 
einem Fehler beim Zusammenfügen der Scherben herrühren soll, ist nicht 
anzunehmen, da sie sehr gut aneinander passen. Es wird also schon ursprüng- 
lich auf gewollter Absicht beruht haben, auf Formentwicklung. 

Auch unter dem sonstigen Scherbenmaterial finden sich Randstücke mit 
Michelsberger Charakter, z. B. Tafel 87 2 — 7, dann Stücke mit umgelegtem Rand 
und Schnürösen, wie sie Dr. Bersu, Germania XI 1927 S. 54 von der Alten- 
burg bei Niedenstein abbildet. 

Man hat es also mit einem Niederschlag dieser Kultur zu tun und es ist 
hinzuzufügen, daß die S. 299 aufgeführten Steinbeile der gleichen Kultur zu- 
zuschreiben sind. Dr. Reinerth setzt sie in seiner „Stammtafel" Tafel 29 der 
Glockenbecher Keramik gleich, der frühen Bronzezeit also. 

Ähnlich rauhe Scherben wie die hier beschriebenen und andere mit Warzen 
statt der Henkel sind bei uns gesichert bronzezeitlich, z. B. die Bronzezeit B 
Scherben von Kasing, Seite 86, 89, 93, 98 dieses Bandes. Auch die seitliche 
Durchlochung der Schnurösen findet sich dort 43 c S. 93. 

Aus alledem ergeben sich genügend Anhaltspunkte für die Zeit, in welcher 
der Platz vor dem Fuchsloch die ersten Besucher anzog. Die Chronologie des 
Michelsberger Typus war sehr umstritten (nach Bremer-Eberts Reallexikon); 

' Reinertli, Chronologie d. jung. Steinzeit Tafel 6 2; Ebert Reallexikon VllI Tafel 57 9-11; 
Mainzer Ztsclir. XXll 1927 Jlirsb. d. Altert.Mus. Abb. 4 S. 27; Germania X 1926 Hell. Michels- 
berger Keramik aus Salzburg Abb. 1 7; Altertm. u. h. Vorzeit Bd. V Tafel 19 Fig. 310. 



301 

die Reinerthschen Untersuchungen datieren ihn jetzt ans Ende der Steinzeit 
und in die frühe Bronzezeit, das wäre ungefähr 1900 v. Chr. Es wurde oben 
darauf hingewiesen, daß unser Gefäß an die glockenförmigen vom Michels- 
berger Typus zwar stark anklingt, aber im Verhältnis der Höhe zur Weite eine 
deutliche Weiterentwicklung nach jüngeren Bronzezeitformen aufweist. Ebenso 
deute ich das Fehlen der scheibenförmigen Backteller und der Horizontalreihen 
von senkrecht durchbohrten Schnurösen in regelmäßigen Abständen. Unsere 
Keramik ist also jünger als 1900 v. Chr. und damit rückt sie in die Nähe der 
Bronzezeitstufe B, 1800 v. Chr. 

Diese Zeit ist auch sonst unter unseren Scherben gut vertreten. Eine schwach- 
mattglänzende Scherbe mit dunklem Überzug und Kerbschnitt-Ornament, 
Tafel 86 20, von einem sehr vollkommenen Gefäß stammend, gehört ihr an, 
ebenso wie Scherben vieler Gefäße mit rohem Fingerstrich-Ornament in der 
Art des Bronzezeit B-Kessels von Appenstetten Tafel 67 61 dieses Bandes. 

Bronzeitstufe D (B4) ist durch mehrere breit ausladende Henkel Tafel 86 1, 2 
vertreten, die für die Keramik dieser Stufe charakterisch und in unserer Samm- 
lung auch sonst vertreten sind (Dixenhausen 81011 und an einem Gefäß von 
Schwimmbach 8007 41). 

Einige Scherben tragen Ornamente der Hallstattstufe A, Tafel 86 3 — 5, 8, 
während eine Anzahl Randstückchen sich auf die Hallstattstufen C und D 
verteilen, 10, 11, 15; 6, 29. 

Wegen der Beschaffenheit des Tones und dem Ansehen nach stelle ich einige 
Scherben in die Latenestufe A. Sie sind dunkelbraun, stumpf und glanzlos. 
Ein solcher Gefäßteil ist sternförmig mit tiefeingeritzten Linien ornamentiert 21. 
Beispiele von anderwärts sind mir für diese Verzierung nicht bekannt. 

Auffallenderweise ist aber auch die in unserem Gebiet sonst sehr seltene 
Latenestufe D durch ornamentierte Scherben vertreten, 26 — 28, von denen 
zwei mit Graphit so stark durchsetzten Ton aufweisen, daß man damit schreiben 
kann. Scherben dieser Art haben sich innerhalb des Ringwalles auf der Houbirg 
gefunden, sonst immer nur in den entlegensten Schlupfwinkeln des Jura und 
in der Fränkischen Schweiz; dem Kirchtal benachbart in der Spurzlgrou, 
s. Tafel 88 17, im Windloch bei Sackdilling (8149) usw. 

Zwei Spinnwirtel, Tafel 86 18, 19, gehören gleichfalls in die letzten Zeiten 
unserer Vorgeschichte, 18 ist sicher latenezeitlich. 

Rohe frühgeschichtliche Scherben lassen sich, wenn sie kein Ornament 
tragen, von den prähistorischen kaum unterscheiden und es mögen auch unter 
den unsrigen sich solche befinden. Eine rohe Scherbe mit doppeltem Wellen- 
linien-Ornament, Tafel 86 23 würde man früher als „slavisch" und etwa dem 
7. oder 8. Jahrhundert angehörig betrachtet haben. Doch ist eine Feststellung 
slavischer Scherben in unserem Gebiet noch nicht gelungen, denn die Wellen- 
linie hat sich bis fast zur Gegenwart hier gehalten. Die Tonmischung dieser 
Scherbe, mit Kalk und Quarz, anscheinend auch etwas Ruß gemischt, spricht 
für eine frühe Zeit. 

Das späte Mittelalter ist mit Scherben, selbst mit Ofenkacheln, reichlich beteiligt. 



302 

Aus der Scherben-Aufzählung geht hervor, daß viele Perioden an den Ab- 
lagerungen beteiligt sind. Neolithische Scherben sind nicht darunter, wenn 
auch die als Michelsberger Typen bezeichneten noch steinzeitlichen Charakter 
tragen. Die Randeinkerbung, die seitliche Durchlochung, die Warzen, das sind 
alles Dinge, welche in unserem Gebiet, wie schon gesagt wurde, in der Bronze- 
zeit vorhanden sind. 

Die Keramik ist entscheidend für die Datierung des gesamten 
Inventars. Danach sind die ältesten Besucher dieses Platzes am Ende der 
Bronzeperiode A oder zu Anfang B hierhergelangt, also etwa um 1900 oder 
1800 v.Chr. Das stimmt mit den sonstigen Besiedlungsverhältnissen unseres 
Jura- und mittelfränkischen Gebietes ganz und gar überein, denn das erstere 
kennt gar keine neolithische Bevölkerung und das letztere nur in seinen süd- 
lichen Teilen, bei Gunzenhausen. Der bisher älteste Fund unseres Heimat- 
gebietes war der von Dr. v. Forster veröffentlichte aus der „Ruherten" bei Rup- 
prechtstegen,' zweite Hälfte der Bronzezeit A, 1900 — 1800 v. Chr., und daran 
schließt sich jetzt die Kirchtalstation. Nach Material und Arbeitsweise ist sie 
eine Fortsetzung des Neolithikums, aber entstanden ist sie zur Bronzezeit. 

Auffallend ist die Übereinstimmung mit den Flintgeräten vom Hohlen Fels, 
welche in unserer Festschrift von 1913 abgebildet und durch die Professoren 
Obermaier und Breuil als Azilien bestimmt worden sind. Diese Ähnlichkeit 
beschäftigte mich schon während der Grabung auf das lebhafteste und gab 
Anlaß, bis in die unwahrscheinliche Tiefe von 3,20 m zu graben; denn wenn 
es sich an der Kirchtalhöhle um Azilien gehandelt hätte, dann mußte eine 
Stelle vorhanden sein, die nur Steingeräte und keine Scherben führte. Es gab 
aber nirgends eine solche Stelle. Dies und das gleiche Ergebnis bei der sich 
anschließenden Untersuchung in der Spurzlgrou (s.S. 318), wo die Fundver- 
hältnisse ungleich einfacher und vollkommen klar waren, brachte mich zur 
Überzeugung, daß die Kirchtalstation chronologisch nicht ins Azilien gehören 
kann, mögen ihm auch die Steingeräte typologisch gleichen wie ein Ei dem 
andern. Wollte man sie trotzdem bei diesem einreihen, dann müßte man alle 
übrigen, in engster Verbindung damit stehenden Funde abtrennen, eine Pause 
von beiläufig 8000 Jahren dazwischen schalten und dann alles nochmal durch- 
einander mischen, ein Verfahren, das wie Hohn auf jede Grabungserfahrung 
klingen müßte. 

Metallgeräte und anderes 

An Metallfunden sind verschiedene Eisengegenstände zu verzeichnen, die 
mittelalterlicher Herkunft sind und hier nicht weiter berühren, Pfeilbolzen mit 
Tüllen, Schlüssel, Nägel, Bruchstück eines breiten Schwertes. Ein Fingerring 
von federndem Silberdraht und eine kleine Silbermünze sind weiter zu nennen. 
Herr Landesgerichts-Direktor Hans Meyer hatte die Güte, letztere zu bestimmen, 
wofür auch hier bestens gedankt sei. „Die fragliche Münze ist ein Pfennig 

' Dr. S. V. Forster, Ein Fund in der Ruherten, Abhdlgn. d. Nat. Ges. XVllI. Bd. 1 Heft 1909 
S. 41—54. 



303 

des Grafen Johann I von Wertheim. Er regierte von 1373 bis 1407; der Pfennig 
ist aber schon vor 1395 geschlagen, da Wertheim von diesem Jahr ab wie die 
andern fränkischen Stände nur einseitige Pfennige prägte." 

An Bronzen fand sich eine iiurze Rollennadel, Tafel 85 8, 69 mm lang, mit 
hübscher Patina. Zur Zeitbestimmung sind diese Objekte wenig geeignet, denn 
sie kommen während der Bronze- und Hallstattzeit vor. Wir besitzen solche 
von B2 bis Ha; am Hohlen Fels fand sich ein gleiches, zum Verwechseln 
ähnliches Stück, Nr. 155 Tafel 20 der Hohle Fels-Arbeit. Außerdem ein Stückchen 
6 mm breites Bronzeblech gleiche Tafel 9, wohl von einem jener langgeroiiten, 
dünnen Armspiralen der jüngsten Bronzezeit herrührend, wie sie z. B. in Labers- 
richt zum Vorschein kamen. Das Stückchen würde demnach auf Bronzezeit 
Stufe D, 1400—1200 hinweisen. 

Außerdem sind noch zu nennen ein Knochenplättchen mit eingeritzten Strichen, 
vielleicht von einem mittelalterlichen Messergriff, Tafel 85 12 und ein glattes, 
durchlochtes Stäbchen, gleiche Tafel 7. Ich hielt es lange für poliertes Bein 
oder Hörn, bis es sich herausstellte, daß es von geschlemmtem Ton ist. Es 
dürfte also auch mittelalterlich sein. 

Die Fauna 

Während sonst in und vor den Höhlen unserer Juraberge der Höhlenbär 
die unbestrittene Vorherrschaft führt, seine Knochen vor 30, 40 Jahren noch 
massenhaft und vereinzelt auch heute noch oberflächlich herumiagen, war das 
am FuchsJoch im Kirchthal anders. Hier war ein riesiges Rind der Haupt- 
lieferant der zahlreichen Knochenfragmente, die in allen Schichten angetroffen 
wurden. Nach der Bestimmung von Prof. M. Schlosser-München, der sich 
wie immer schon bei unseren Grabungen in dankenswertester Weise der Mühe 
unterzogen hat, die Tierreste zu überprüfen, ist es ein Bison, 

der Wisent, 
der hier in so außerordentlicher Weise vorherrscht. Das Gesamtgewicht seiner 
mitgenommenen Knochen beträgt über 1 ^ji Zentner. Sie sind größtenteils zer- 
stückelt und nur wenige größere Extremitätenknochen, dann Hand- und Fuß- 
wurzelknochen sind ganz; mehr als das Doppelte an zerstückelten Knochen 
vermutlich vom Wisent sind dem Boden zurückgegeben worden. 

Schon aus der Zertrümmerung der Knochen geht hervor, daß es sich um 
Speisereste handelt — manche Knochen sind angekohlt — , wenn auch ein 
Teil der Zerstückelungen auf Rechnung des Höhleneinsturzes zu setzen sein 
mag. Der Platz war eine ausgesprochene Jägerstation und ein Teil der erlegten 
Tiere ist an Ort und Stelle verzehrt worden. Sie waren dort offensichtlich 
Standwild. Über die Zeit, in der die Wisentjagden anzusetzen sind, wird weiter 
unten zu reden sein. 

Was Hilzheimer über das Zusammenleben des Wisents und des Ures auf 
deutschem Boden im Alluvium zu sagen weiß,' hat natürlich auch für das 

' Hilzheimer, Rom. Wisentreste auf deutschem Boden ; Ber. d. intern. Ges. z. Erh. d. Wisents 1 3 
1926 S.69 



304 

Kirchthal Gültigkeit. Von beiden Wiidrinderarten sind uns bisher fast nur in 
Höhlen unseres Gebietes Funde unter die Hand gekommen und da gehören 
sie dem Diluvium an. Im Alluvium scheinen sie merkwürdigerweise zu fehlen, 
aber in Bronzezeit und Hallstattschichten in der Fränkischen Schweiz treten 
sie, allerdings spärlich, auf. Es müssen also besonders günstige Umstände ge- 
wesen sein, die das Wild im Kirchthal an den Boden gefesselt und uns die 
Reste erhalten haben. Das letztere kann nur der Jagd zu verdanken sein. 

Die Gegend um das Kirchthal gehört dem oberen Weißjura an, dem Fran- 
kendolomit, der hier mannigfach von nach der Höhe zu sich verflachenden 
Tälern zerteilt und zerklüftet ist. Auf der Hochfläche ist die Bodengestaltung 
in diesem Teil der Frankenalb etwas mannigfaltiger als in dem weiter nörd- 
lichen Gebiet der Fränkischen Schweiz, welliger, abwechslungsreicher. Ihre 
Höhe liegt zwischen 520 bis 560 Meter. Allenthalben erheben sich darüber 
mäßig hohe Hügel und kleine Bergzüge bis zu rund 600 Meter Höhe, nur 
der Poppberg im Süden des Gebietes ist 658 Meter hoch. Die sandige Alb- 
überdeckung der Hochfläche trägt Föhrenwaldinseln, die zwischen den Feldern 
eingestreut sind. Alle Höhen und Berge, an denen häufig die Kalkfelsen steil 
zutage treten, sind mit Fichten und Buchen mehr oder weniger dicht bedeckt 
und wo Bäche vorhanden sind, gibt es feuchte Wiesen, Sumpf und Auwald. 
Der im Westen nahe Grafenbucherforst, heute noch sehr ausgedehnt, war in 
vorgeschichtlicher Zeit sicherlich Urwald; im übrigen mögen aber wohl immer 
schon wie heute noch waldfreie, kurzgrasige Strecken mit Park- oder Wald- 
landschaft gewechselt haben. 

In der erwähnten Arbeit kommt Hilzheimer zu dem Schluß, daß der Ur zur 
Römerzeit bedeutend häufiger war als der Wisent, das Verhältnis beider Tiere 
zueinander darf danach mit 4:1 angenommen werden. Um so auffallender 
i.st es, daß der Ur im Kirchthal gänzlich fehlt, doch ist es nicht ausgeschlossen, 
daß er unter den oft stark beschädigten und daher nicht genauer bestimm- 
baren Knochen vertreten ist. 

Zu der sehr interessanten, von Hilzheimer angeschnittenen Frage, ob unser 
süddeutscher Wisent in der starken Markierung des Buckels mit dem Bialo- 
wieser Wisent übereinstimmt oder die geringere Entwicklung des Kaukasus- 
Wisents aufzuweisen hatte, tragen unsere Reste leider gar nichts bei, denn die 
Dornfortsätze sind bei sämtlichen Wirbeln abgeschlagen und nur minimale 
Reste davon vorhanden. 

In seinem Vortrag „über die Wisenthaltung" sagt G. v. d. Groeben:' „Der 
Wisent ist in der Freiheit, wie bekannt, Laubfresser, welcher sich im Sommer 
großenteils und im Winter ausschließlich von Laub und Zweigen nährt." Die 
diluvialen Wisente dürften, wie ihre amerikanischen Verwandten, Tiere der 
Steppen gewesen sein.^ Nach dem Verschwinden der großen Steppen im Mittel- 

' Berichte d. intern. Ges. z. Erhaltung d. Wisents Bd. 1 1923/26 S. 34. 

^ Dr. E. Feige: »Auch bei den Wisenten handelt es sich um Waldtiere, der ursprünglich ver- 
breitete Steppenbison (Bison priscus) wurde in der nachdiluvialen Zeit durch die Waldform 
ersetzt." Die Haustierzonen der Alten Welt, Petermanns Ergänzungshefte 198, 1928. 



305 

europa des Nachdiluviums mögen ihnen die halboffenen Landstriche der Alb 
annähernd ähnliche Lebensbedingungen geboten haben. Die Nahrung der Wald- 
form des Wisents im Bialowieser Wald bildeten nach Brehm Gräser, Blätter, 
Knospen und Baumrinden; ihr Lieblingsbaum scheint die Eiche zu sein, deren 
saftige Rinde sie jeder anderen vorziehen. Nadelbäume dagegen lassen sie un- 
behelligt. Im Winter äsen sie fast ausschließlich Rinde, Zweige, Knospen der ihnen 
zugänglichen Laubbäume, außerdem auch wohl Flechten und trockene Gräser. 
Das ist eine Nahrung, welche ihnen auch die vorgeschichtliche Alb bieten konnte. 

Unter den Knochenresten sind Tiere jeden Alters vertreten, vom Kalb bis 
zum mächtigen Bullen. 

Der Schädel läßt die Artmerkmale am besten erkennen; leider ist aber von 
Schädeln so gut wie nichts vorhanden oder nur kleinste Trümmer. Einzelne 
Zähne haben sich dagegen massenhaft gefunden. 

Auch von den für die Bestimmung so wichtigen Hornzapfen sind nur Trüm- 
mer vorhanden. Doch ließ sich mit Ergänzungen ein linkes Hörn einigermaßen 
wiederherstellen, aber die Maße können nur annähernd richtig sein, da ein 
fehlendes Mittelstück ergänzt ist; Tafel 87 10 

Das wiederhergestellte Hörn ist am Hornstiel abgebrochen und etwas ver- 
letzt, so daß auch die Hornbasis nicht mit absoluter Sicherheit angegeben 
werden kann. Den folgenden Maßen sind vergleichsweise diejenigen der Her- 
mannstädter Bison priscus-Kuh (Phleps)i und eines alten q" von B. americanus 
aus dem hiesigen Tiergarten beigefügt, K. 81 unserer Sammlung. 

K. 81 



Hornzapfen 


Kirchtal 


Phleps 


Umfang an der Basis 


32—33 cm 


33,2 


horizontaler Durchmesser 


103 mm 


110 


vertikaler Durchmesser 


90 mm 


92 


Länge der äußeren Krümmung 


550 mm 


480 


Länge der inneren Krümmung 


440 mm 


— 


Sehnenlänge 


390 mm 


— 



Der Hornzapfen ist mächtig an der Basis, aber er verjüngt sich rasch. Die 
Hornspitze ist abgestumpft und das gleiche ist bei noch anderen drei kurz ab- 
geschlagenen Hornspitzen der Fall; an der äußeren Krümmung sind sie im 
Querschnitt gewölbt, innen flach mit einer bis an die Spitze verlaufenden 
Rinne. Rückseite und Unterseite des Hornes gehen in gleichmäßiger Wölbung 
ineinander über, die tiefen Furchen sind leicht nach vorn gedreht. Die Form 
der Basis des Hornzapfens ist, wie aus den Maßen hervorgeht, nicht gleich- 



O 



mäßig rund, sondern etwas gedrückt I j. Der Länge und der Stärke 

nach entspricht der Hornzapfen einem Stier und in den Maßen kommt er denen 
des Bison priscus gleich. 

' O. Phleps, Über das Skelett eines weibl. Bison priscus Boj. Hermannstadt, Siebenbürg. 
Ver. f. Naturw. Verhandl. und Mitteilungen LVl 1906. 



306 

Oberarm. Der rechte Oberarm eines ausgewachsenen Tieres, an dem der 
Tuberculum majus und minus abgeschlagen sind, der aber sonst gut erhalten 
ist, hat ein dreikantiges Oberarmbein, wie das von Phieps beschriebene Bison- 

si<eiett in Hermannstadt. 

Kirchtai Phieps K. 81 
Länge von Tuberkulus majus bis zur unteren 

Gelenkrolie — 39,7 392 
Länge von der Gelenkfläche des Caput bis zur 

unteren Gelenkrolle 342 — 339 

Größte Breite des proximalen Gelenkkopfes 145 — 142 

Durchmesser desselben 157 — 150 

Geringste Breite des Körpers 63 66 60 

Geringste Stärke des Körpers 58 58 58 

Längsdurchmesser der Gelenkrolle 108 109 98 

Höhe des äußeren Randes der Gelenkrolle 43 — 43 

Höhe des inneren Randes der Gelenkrolle 63 — 67 

Außerdem sind 24 abgeschlagene Gelenkrollen vorhanden, von denen aber 

nur 3 meßbar sind: 

Kirchtal Phlebs K. 81 

Längsdurchmesser 91 107 105 

Höhe der äußeren Gelenkrolle 38 47 48 

Höhe der inneren Gelenkrolle 54 60 66 



Unterarm: Speichen sind durch Trümmer in größerer Zahl vertreten. 
Meßbar sind 18 distale Enden mit größeren oder kleineren Stücken vom Körper. 
Ihre Breite wechselt von Bandhöcker zu Bandhöcker von 116 bis 90 mm und 
ebenso der Durchmesser von 62 zu 52 mm. Das ist eine Spannung von 26 mm 
in der Breite und 10 mm im Durchmesser; sie wechseln aber nicht proportional, 
sondern den individuellen und Altersverschiedenheiten entsprechend verschieden. 

Bei K. 81 sind die entsprechenden Maße 101 mm in der Breite und 64 mm 
Durchmesser. Phieps hat als Breitenangabe 108 mm. 

Die proximalen Enden sinden allzusehr verstümmelt, um meßbar zu sein. 

Die Elle ist durch einige kleine Stücke und zwei obere Hälften vertreten, 
von denen eine Schnittspuren zeigt. 

Kirchtal Phieps K. 81 

Von der Spitze des Olecranon bis zum 

Processus coronoideus 170 165 148 153 

Vom Processus coracoideus bis zum hintern 

Rand der UIna 103 100 80 98 

Mittelhandknochen. Einem ganzen Metacarpus und einem anderen zur 
Hälfte erhaltenen, sowie den genannten Vergleichsobjekten kann ich noch ein 
Vergleichsstück von B. priscus aus den altdiluvialen Tuffen von Streitberg 
6669 an die Seite stellen. 



307 





Kirchtal I 


Kirchtal II 


Phleps 


K. 81 


6669 


Größte Länge 


255 


— 


221 


205 


235 


Breite am proximalen Ende 


91 


87 


83 


76 


— 


Durchmesser ebenda 


55 


51 


— 


43 




geringste Breite 


55 


50 


51 


57 


60 


geringster Durchmesser 


36 


34 


30 


33 


39 


größte Breite unten 


90 





85 


80 


93 


Durchmesser ebenda 


44 





— 


40 


50 



Diese Maße sind nicht uninteressant: die subfossilen vom Kirchtal sind die läng- 
sten und haben erheblichen Körper; der kürzeste und schwächste ist der rezente 
Amerikaner K8 1 . Die beiden fossilen sind kurz, der Hermannstädter dabei schwach 
an Körper, der altfossile von Streitberg an Körper der gedrungendste. 

Zertrümmerte Metacarpalknochen sind noch in ziemlicher Anzahl da, 18 ab- 
geschlagene obere Epiphysen und 21 untere, nebst zahlreichen Fragmenten. 

Fesselbeine. Phalanx prima 

Fesselbeine sind in großer Zahl vorhanden, hintere sowohl wie vordere, im 
ganzen 46 Stück und eine Anzahl Fragmente. Von einigen sind hier die Maße 
wiedergegeben. 

Größte Länge 83 83 77 70 72 

obere Breite 45 45 40 35 39 

oberer Durchmesser 50 47 44 38 39 

untere Breite 41 38 36 33 34 

unterer Durchmesser 30 29 29 25 27 

Die Vergleichsstücke verhalten sich wie folgt: 

Phleps K.81 

Vorderfuß 

^ "o. T ■• ( Vorderfuß 72 größte Länge 

Größte Lange ( u- , , „ vi u n •. 

* I Hmterfuß 71 obere Breite 

••o* r> •. f Vorderfuß 40 oberer Durchm. 

größte Breite ( , ,• , . n orv 



Hinterfuß 39 



untere Breite 



73 
37 
43 
39 



67 
38 
41 
33 
24 



67 
38 

42 
35 
25 



unterer Durchm. 27 



K.81 
Hinterfuß 
71 
42 
43 
47 
28 



Kronbein. Phalanx secunda 

Vorhanden 55 Stücke. 

Kirchtal Phleps 

Länge 58 56 54 51 48 47 47 

Durchmesser 44 46 47 42 40 32 42 



K.81 
50 
46 



Hufbein. Phalanx tertia 
Vorhanden 25 Stücke. 











Phleps 


K.81 


Länge 


107 100 92 


78 


72 


70 


100 


Breite 


37 37 30 


29 


25 


33 


34 


Höhe (senkrecht) 


52 57 48 


39 


42 


— 


49 



Kirchtal 


K. 81 


77 75 82 


80 


60 69 77 


68 


80 71 90 


87 



308 

Schulterblätter. 

Erhalten sind nur eine Anzahl Gelenkpfannen, 18, mit Stücken des Schulter- 
blatthalses. 

Längsdurchmesser der Gelenkpfanne 

Querdurchmesser 

Breite des Halses über der Gelenkpfanne 

Die Gelenkpfannenränder sind meist stark beschädigt. 

Oberschenkel. 

Außer vielen kleinen Trümmern nur ein stark beschädigtes distales Ende 
vorhanden; der innere Rollfortsatz und der innere Gelenkknopf fehlen. 

Kirchtal Phleps K. 81 
Durchmesser vom Außenrand des Rollfortsatzes 

zum äußeren Gelenkknopf 135 — 119 

Vom Knopfausschnitt zwischen den Gelenkknöpfen 

zur Außenkante des Rollfortsatzes 91 — 80 

Breite des Körpers 19 cm über dem Gelenkknopf 51 52 53 

Durchmesser des Körpers 19 cm über dem 

Gelenkknopf 63 — 60 

Unterschenkel. Tibia 

Nur in Bruchstücken vorhanden; 6 Fragmente vom pro.ximalen, 18 vom 
distalen Ende. Letztere ermöglichen einige Maße: 

Kirchtal Phleps K. 81 

Breite 68 64 73 — 57 

Durchmesser 82 85 93 86 80 

geringste Breite des Körpers 48 42 — 40 42 

geringster Durchmesser 57 56 — 58 57 

Fersenbein. Calcaneus. 

Die Fersenbeine sind mit 4 ganzen und 20 Bruchstücken vertreten. 

Kirchtal Phleps K. 81 

Länge . 181 182 188 196 173i 163 

größte Breite 73 81 77 79 80 67 

größter Durchmesser 51 54 57 60 — 56 

Mittelfußknochen. Metatarsus 

Vom Metatarsus sind ebenfalls nur Bruchstücke vorhanden und zwar 25 vom 
oberen und 26 vom unteren Ende. Breite und Durchmesser lassen sich bei einigen 
abnehmen: 

• Ein Calcaneum von B. priscus Boj. aus dem Dürrloch im Scliwaighauser Forst mißt 
185 mm; ein anderes von Taubacli 210 mm. Schlosser, Abhandl. d. k. bayer. Altad. d. Wiss. 
mathemat.pliysik. Klasse XXVIII G.Abhdlg. 1916 S. 56 



Kirchtal 




Phieps 


K. 81 


75 62 67 


68 


68 


64 


71 59 58 


61 


— 


56 


73 69 68 


78 


78 


72 



309 



Breite am proximalen Ende 

ebenda Durchmesser 

Breite am distalen Ende 80 

Rollbeine. Astragalus 

Vorhanden 61 Stück, die meisten sind zwar beschädigt, aber doch ganz. 

Kirchtal Phieps K. 81 

Größte Länge 91 92 92 88 85 76 78 87 81 

größte Breite 64 62 66 61 56 53 48 55 55 

größter Durchmesser 51 53 53' 50 48 46 42 — 45 

Aus den Maßen geht hervor, daß alle Knochen der ausgewachsenen Kirch- 
tal-Wisente wesentlich größer und massiger sind als die des alten Bison 
americanus aus dem Tiergarten, der ein Riesentier im Leben war, und ebenso 
sind sie größer als die Maße bei Phieps. Vergleichszahlen vom lebenden Wisent 
stehen mir nicht zur Verfügung; wir besitzen zwar ein Skelett von Bialowies, 
aber es ist von einer etwa einjährigen kleinen Kuh, also ganz ungeeignet zum 
Vergleich. Im Brehm heißt es, daß der lebende Wisent mit seinen kurzen 
Hörnern eine Waldform ist; die Steppenform sei wahrscheinlich viel größer 
gewesen. Hilzheimer hat," allerdings mit vorsichtiger Zurückhaltung, eine be- 
sondere Unterart des rezenten Wisent aufgestellt, B. bonasus rnaior n. subsp., 
die größer als die lebende Art zu sein scheint und hat sie mit einem sub- 
fossilen Fund aus dem Hermsdorfer Fließ und einem von La Baume veröffent- 
lichten^ westpreußischen von Strasburg belegt. Aber die Schädelmaße beider 
Autoren nützen uns hier nichts. Die Länge und Form des Hornzapfens unseres 
Kirchtal-Wisents läßt auch an den gleichfalls von Hilzheimer aufgestellten B. 
uriformis von Klinge denken^ und auch La Baume beschreibt einen ähnlichen 
Holzzapfen von Lenzen an der Weichsel. Das ist aber eine fossile Form. 

Prof. Schlosser hat bei Bestimmung unseres Materials (es lag ihm nur ein 
Teil vor), sich nicht mit aller Bestimmtheit für eine B.-Art entschieden, er hat 
sie mit „Wildrind, wohl B. priscus" bezeichnet und die gesamten Größenver- 
hältnisse geben ihm Recht. Wenn ich daraus nun vorläufig die Reste auf 

Bison bonasus L. 
abändere, so sehe ich mich dazu durch eine Bemerkung von La Baume veranlaßt, 
der auf den geologischen Altersunterschied der europäisch-asiatischen Bison- 
arten mit folgenden Worten aufmerksam macht: „Sowohl aus der Untersuchung 
des mir zu Gebote stehenden Materiales wie durch eingehendes Literaturstudium 
bin ich zu dem Resultat gelangt, daß Bison priscus Bojan. nur im Dilu- 
vium, jedenfalls nicht in Schichten vorkommt, die jünger als dilu- 
vial sind, daß dagegen Bison europaeus nur subfossil, also in allu- 

' S. 74 im 3. Beitrag z. Kenntn. der Bisonten. 

" La Baume, Beitrag z. Kenntn. d. fossilen und subfossilen Bovriden usw. Danzig, Naturf. 
Gesell. Schriften NF 12. Bd 1909 S. 58. 

' Berlin, Ges. naturf. Freunde, Sitzungsberichte April 1910 S. 138. 



310 

vialen Schichten gefunden wird.' Es läßt sich aber mit aller Bestimmt- 
heit sagen, daß im ganzen Kirclital und an der Fundstelle vor der Höhle von 
Diluvium keine Rede sein kann. Die Knochen und sonstigen Funde sind nicht 
in diluvialem Lehmsand, nicht in einer Höhle, sondern im alluvialen Schichten- 
inhalt des Platzes vor der Höhle gefunden. Im ganzen Kirchtal würde man 
vergeblich nach einer Stelle suchen, welche Diluvium aufweist. Wenn also 
La Baume recht hat, dann kann es sich bei unserem Wild nur um eine groß- 
wüchsige Form von B. bonasus, allenfalls maior n. subsp. handeln. Dies zu ent- 
scheiden wird späteren Untersuchungen vorbehalten bleiben müssen. 

Wie erwähnt und wie auch aus der geringen Zahl großer, unversehrter Knochen 
ersichtlich ist, waren die meisten Knochen zerstückelt. Am zahlreichsten sind 
die Rollbeine. Da diese Fußwurzel einen sehr festen, massiven Körper hat, 
ist das auch ganz natürlich. Es sind 34 rechte und 27 linke Stücke vorhanden; 
daraus geht hervor, daß mindestens 34 Tiere hier erlegt worden sind, eine 
stattliche Zahl. Die Jagd auf den Wisent ließe sich auf keine bestimmte Zeit be- 
schränken, wenn wir nicht an die Begleitfunde gebunden wären. Diese reichen 
durch eine Anzahl Vorgeschichtsepochen hindurch bis zur Latenezeit, ja bis zum 
Mittelalter. Man könnte also die Jagd auf den Wisent bis zur Latenezeit und 
bis ins Mittelalter dauern lassen und tatsächlich haben auch einige wenige 
der Knochen ein frischeres Aussehen als die Mehrzahl aller. Das kann davon 
herrühren, daß sie jünger sind, freilich aber auch daher, daß sie zufällig unter 
Steinen oder dergleichen eine besonders geschützte Lage hatten. Aber der Er- 
haltungszustand der weitaus größten Menge aller Wisentknochen weist doch 
darauf hin, daß sie zu den ältesten Bestandteilen der Funde gehören und so dürfen 
wir als sicher annehmen, daß es die Wisente gewesen sind, welche die Jäger 
in diese so sehr abgelegene Gegend gelockt haben. Nicht als Wohnplatz, 
sondern als Jagdstation hat der Platz von jeher gedient. 

Noch eine andere wichtige Beobachtung ließ sich hier machen. Bei Gra- 
bungen in Höhlen fiel schon von jeher auf, daß eine große Zahl von Knochen 
aller Art nicht immer scharfe, sondern nicht selten gerundete Kanten haben, 
aussehen wie gerollt, nicht nur Knochensplitter, sondern auch ganzerhaltene 
Knochen. Wir haben uns oft darüber den Kopf zerbrochen, ob die Rundung 
durch die Handhabung des Menschen enstanden sein kann. An der Kirchtal- 
höhle zeigten fast alle Knochen starke Kantenverletzungen, Rundungen. 
Während der Grabung beobachtete ich nun, daß die Kanten weich waren. Bei 
unsanfter Behandlung bröselten sie sogleich ab und man konnte mit dem Finger- 
nagel ganze Oberflächenpartien abheben. Nahm man einen solchen Knochen 
vorsichtig aus der Erde, so blieb seine Form als feinkörniger, weißer Rück- 
stand sichtbar zurück, die aufgelöste Knochenepidermis. Dies rührte offenbar 
davon her, daß sie von Bodenfeuchtigkeit stark durchtränkt waren. Regen- 
wasser und namentlich die Schneeschmelze erreichten sie ungehindert und 
diese Jahrhunderte- sogar jahrtausendelange kohlensäurereiche Feuchtigkeit griff 
den Kalkgehalt des Knochens an, veränderte seine Oberfläche und nahm ihm 
' Bei La Baume, S. 58, gesperrt gedruckt. 



311 

die scharfen Kanten. Deshalb sehen die meisten Knochen wie zerfressen aus, 
S.Tafel 80b. in dem immer feuchten Höhlenlehm muß ganz der gleiche Vor- 
gang stattfinden, nur greift der feine Schlick des Lehms den Knochen zarter 
an und rundet seine Kanten fast unmerklich. 

Diese Beobachtung wird uns in der Beurteilung gleichartiger Vorkommnisse 
in Höhlen sehr zustatten kommen. Man darf noch beifügen, daß solcherart 
entstandene Kanten in der Erde niemals Hochglanz annehmen. Wo sie solchen 
bei der Auffindung schon aufweisen, ist die Benützung durch den Menschen 
kaum fraglich. 

Bos taurus L. Hausrind; Torfrind. 36 Zähne und 32 Fragmente. Der Er- 
haltungsgrad läßt erkennen, daß nur einige der Knochen vielleicht so alt sind 
wie die Wisentknochen und alle nicht einheitlichen Alters; jünger als mittel- 
alterlich dürfte kein Stück sein, obwohl es bei einigen Zähnen, einer Phalanx II 
und einem Astragalus den Anschein hat. 

Schädel ist keiner vorhanden und von den Rumpfknochen nur Bruchstücke. 
Dagegen sind einige Fußknochen meßbar. Den nachstehenden Zahlen füge 
ich zum Vergleich jeweils die Maße eines der Duerst'schen Torfrinderknochen 
vom Schloßberg an.» 



Distales Ende vom Humerus: 
Längsdurchmesser der Trochlea 
Höhe des äußeren Trochleaendes 
Höhe des inneren Trochlearandes 

Proximales Ende vom Metacarpus: 
Breite 
Durchmesser 

Desgl. distales Ende: 
Breite 
Durchmesser 









Schloßberg Nr. 77 


60 


62 




65 


28 


28 




25 


43 


43 




38 

Schloßberg Nr. 185 


63 


64 


47 


53 


39 


37 


27 


32 
Schloßberg Nr. 185 


48 






56 


30 






30 



Astragalus: 
größte Länge außen 
größte Breite in der Mitte 
größter Durchmesser 



63 59 61 58 61 
37 34 38 35 37 
34 35 33 33 32 



Phalanx I: 
Länge 

proximale Breite 
distale Breite 



56 55 54 67 
26 25 24 26 
25 22 22 23 



Schloßberg Nr. 234 
58 
30 
18 



' J. U. Duerst, Die Tierwelt der Ansiedlungen am Schloßberg zu Burg an der Spree; Arcli. 
f. Anthrop. 30 1904 S. 229. 



312 

Phalanx II: Nr. 321 

Länge 37 34 

Durchmesser 33 30 



37 






33 






61 


65 


62 


— 


25 


20 


— 


40 


38 



Phalanx III: Nr. 239 

Länge 61 65 62 86 

Breite — 25 20 31 

Höhe senkrecht — 40 38 44 

Aus diesen dürftigen Messungen geht nur das eine hervor, daß es sich wie 
am Schloßberg um das kleine, dem Torfrind ähnliche Hausrind handeln kann, 
das schon seit dem Neolithikum in Europa bekannt war.i Es ist auch an vielen 
anderen Siedlungsplätzen unseres Gebietes, besonders innerhalb der latene- 
zeitlichen Umwallung auf der Houbirg anzutreffen, hat aber auch in mittel- 
alterlichen Burgruinen bei uns seine Spuren hinterlassen. Als „Waldrind" sind 
seine Nachkommen zuweilen heute noch in der östlichen Oberpfalz anzutreffen. 
Chronologisch kommt ihm also keine Bedeutung zu. 

Nach den Abmaßen der Rinderknochen vom Schloßberg hat Prof. J. U.Duerst 
eine Größenberechnung vorgenommen, wonach die Widerristhöhe des lebenden 
Torfrindes im Mittel 108 cm betrug. Das dürfte auch annähernd die Größe 
des Hausrinderschlages an der Kirchtalniühlhöhle und anderen unserer prä- 
historischen Fundplätze gewesen sein. Daneben kommt seltener, und bis jetzt 
zeitlich noch nicht datierbar auch eine größere Art des Hausrindes vor, das 
vielleicht dem Bos taurus primigenius entspricht. 

Equus caballus L., das Wildpferd, ergab 5 Fragmente, welche den Schichten 6, 
13 und 15 angehören. 

Nach allgemeiner Annahme sind Pferdefunde aus der jüngeren Steinzeit in 
ganz Europa selten. In den Schweizer Pfahlbauten kommen sie nur ausnahms- 
weise vor; erst in den bronzezeitlichen Stationen werden sie zahlreicher^ und 
sind von einer schlanken, kleinen, nach Keller orientalischen Rasse. Auch nach 
den Ranke'schen Aufzeichnungen der Funde in der Fränkischen Schweiz^ war 
das Pferd nicht häufig und Prof. Schlosser hat es dort ebenfalls nicht oft und 
auch in der Gegend von Velburg nicht häufig angetroffen. 

Dem Erhaltungszustande nach könnten unsere Wildpferdreste alt sein, stein- 
zeitlich so gut wie bronzezeitlich. Drei Molaren, ein Kronbein und ein proximales 
Ende vom Radius lassen auf ein einziges Individium schließen; freilich weisen 
die beiden Knochenreste auf ein kleineres Pferd hin als das heutige, während 
die Zähne dem letzteren nahekommen. Die Kauflächen der Zähne, mit rezenten 
Pferdeschädeln vergUchen, an denen die Inzisiven vorhanden sind, lassen das 

' Reste von ihm finden sicli manchmal auch in unseren Bronzezeitgräbern, z. B. in dem 
S. 251 dieses Bandes beschriebenen Frauengrab von Appenstetten beilhalmässing, 8099 ''5 S 257. 
' B. Schnittger in Präh. Ztschr. II 1910. S. 176. 
3 Beilr. z. Anthr. und Urg. Bayerns II 1879. 



313 

Pferd als 10 bis ISjährig erscheinen. Bei dem einen oberen rechten P I ist die 
Kaufläche 34 mm lang und 22 mm breit; beim oberen 1. P III 26'/2 mm lang 
und 26 mm breit; beim I. oberen M (Zahnkrone beschädigt) 26'/2 mm (?) lang 
und 25 mm breit. 

Die gleiciien Zähne an zwei alten Tarpanschädeln unserer Sammlung geben 
folgende Maße: 

ob. Prämolar I IV. ob. Molar III. ob. Molar 

Länge 30 mm 27mm 21 mm 19 mm 22 mm 21 mm 

Breite 21 mm 20 mm 23 mm 23 mm 24 mm 25 mm 



Phalanx II, das Kronbein von der Kirchtalmühlhöhle hat als 

a) größte Länge in der Mitte 42 mm 

b) größte Länge an der Seite 40 mm 

c) größte Breite des oberen Gelenkendes 52 mm 

d) Durchmesser 31 mm 

e) größte Breite in der Mitte 45 mm 

f) Durchmesser 22 mm 
g) größte Breite des unteren Gelenkendes 47 mm 
h) Durchmesser 20 mm 

alle Maße zusammen 299 mm. 
Zum Vergleich seien die Maße des gleichen Knochens an Skeletten unserer 
Sammlung hierhergesetzt: 

Großes Reitpferd, rezent Schwedischer Pony, rezent 

a) 53 mm 37 mm 

b) 55 mm 39 mm 

c) 65 mm 41 mm 

d) 38'/2mm 26 mm 

e) 55 mm 35 mm 

f) 29 mm 19 mm 

g) 63 mm 38 mm 

h) 29 mm . . 18 mm 

alle Maße zusammen: 387 mm 253 mm 

Nach der Gesamtheit der Maße bleibt demnach das Kronbein der Kirchtal- 
mühlhöhle um 88 mm oder 22,74 »/o hinter dem rezenten Reitpferd zurück, 
während es den Pony nur um 46 mm oder 18'/5 "/o übertrifft. Der Radius ist 
wegen Beschädigungen am Gelenk nicht meßbar, nach dem Röhrendurchmesser 
hat er zum gleichen Tier gehört. Ob das auch für die Zähne gilt, wage ich 
nicht zu sagen, doch darf darauf hingewiesen werden, daß dem kleinen Wild- 
pferd mit zartem Gliederbau ein breiter, fast eselartiger Schädel zugeschrieben 
wird. Es ist dann wohl der seit dem Diluvium heimischen Pferderasse zuzu- 
rechnen, dem auch der Pony der alten Germanen und des ganzen europäischen 

1 Duerst, Die Tierwelt d. Ansiedlgn am Schloßberge, Arch. f. Anthr. 30 1904. S. 278. 



314 

Nordens angehörte. Nehring hat es als „kleines Bronzepferd" bezeichnet, 
J. U. Duerst aber hat es dem Gelehrten zu Ehren Equus caballus Nehringi 
genannt. Eine Bestimmung nach so geringen Unterlagen ist aber naturnot- 
wendigerweise recht unsicher. 

Wildschwein und Hausschwein, Sus scrofa ist mit 24 Knochentrümmern 
und 70 Zähnen vertreten, die allen Schichten mit Ausnahme der beiden sterilen 
7 und 12 angehören. Dem Knochenzustand nach verteilen sich die Rückstände 
anscheinend auf verschiedene Zeiten; neuzeitlich ist nichts, aber ein 1. unterer 
P II mit anhaftendem Kieferrest könnte vielleicht mittelalterlich sein. 

Das Schwein wurde schon in neolithischer Zeit als Haustier gehalten und 
in allen nördlich der Alpenlinie gelegenen Ländern aus dem einheimischen 
Sus scrofa ferus gezüchtet, wie der schönen Arbeit von Staffe,' der die Funde 
durch alle vorgeschichtlichen und geschichtlichen Epochen verfolgt, entnommen 
werden darf. Damit ist eine lange währende Meinungsverschiedenheit über die 
europäische oder außereuropäische Abkunft des Hausschweins außerhalb der 
Alpen zum vorläufigen Abschluß gebracht. 

Unter unseren Funden sind Wildschwein und Hausschwein vertreten, aber 
ich bin nicht imstande, sie auseinanderzukennen. Wie die Zähne alter Exem- 
plare zeigen, war immer das große, bodenständige Wildschwein oder wild- 
schweinartige Hausschwein hier heimisch. Von den 7 vorhandenen unteren 
M III hat der stärkste am Alveolarrand eine Länge von 48 mm und eine Breite 
von 21 mm, während der kleinste immer noch 36 mm in der Länge und 17 mm 
in der Breite mißt. Die entsprechenden Maße an 2 Oberkiefer-M 111 sind 
40 mm Länge bei 24 mm Breite, bez. 39 und 23 mm. 

Cervus elaphus L., der Edelhirsch, etwa 70 Teile, darunter abgeschlagene 
Endzapfen von Geweihen, 12 Zähne, 3 rechte und 3 linke altersverschiedene 
Calcanei, einige Astragali und sonstige Hand- und Fußwurzelknochen; abge- 
schlagene Epiphysen und anderes. Nur die Hand- und Fußwurzelknochen sind 
ganz, wenn auch z. T. beschädigt. Daraus geht hervor, daß es sich um Speise- 
reste handelt; andernfalls müßten ja auch ganze Knochen dabei sein. 

Nach Duerst* ist der frühere Hirsch mit dem heutigen vollkommen über- 
einstimmend, die Maßdifferenzen zugunsten des subfossilen Stammvaters sind 
wohl mehr individuell und nicht auschlaggebend. Man kann ais sicher aimehmen, 
daß der Hirsch in alter Zeit im allgemeinen ein höheres Alter erreichte, ehe 

' A. Staffe ü. d. Wild- und Hausschweine d. Sudetenländer in vorgescli. und gescliichtl. 
Zeit und ü. d. sog. Torfschwein; Arbeiten d. Lehrkanzel f. Tierzucht a. d. Hochschule f Boden- 
kultur Wien II 1923. — Nach Feige, Haustierzonen S. 104 war der Wildschweinbestand „ehe- 
mals formenreicher als heute und so hat also auch die Domestikation mehrere Wildformen 
erfaßt, in Schweden ein zwergartig kleines Wildschwein und in der Schweiz ist ein kleines aus- 
gestorbenes Wildschwein die Stammform der Torfschweinc". Zwergformen kommen unter 
unseren Resten nicht in Betracht. 

^ J. U. Duerst, Die Tierwelt der Ansiedlungen am Schloßberg; Arch. f. Anthrop. NF. Bd. II 
1904 S. 481. 



Kirchtalhöhle 


rezent 


73 mm 


70 mm 


61 mm 


86 mm 


44 mm 


28 mm 


27 mm 


30 mm 



315 

er dem Jäger in die Hände fiel. Doch gibt es auch Verschiedenheiten, die 
sich nicht allein durch Altersunterschiede erklären lassen, sondern auf einen 
etwas anderen Bau hinweisen. Die Knochen sind plumper, gedrungener, massiver 
als die grazileren, eleganteren Formen beim neuzeitlichen Hirsch. Besonders 
auffallend ist in dieser Hinsicht die Verschiedenheit eines distalen Endes vom 
Femur gegenüber dem rezenten. Während bei letzterem der Knochenkörper 
fast rund und der Durchmesser vom Kondylus zur Trochlea wie aufgeblasen 
ist, sieht das alte Stück im Vergleich dazu aus als wäre es in die Breite ge- 
quetscht: 

Breite des distalen Endes 

Durchschnitt desselben 

Breite 10 cm über dem untersten Trochleenrand 

Durchmesser ebenda 

Allerdings stammt mein rezentes Vergleichsmaterial vom Hirsch meist von 
jugendlichen, eben ausgewachsenen Tieren. 

Es liegen 10 basale Geweihstücke vor, von denen 3 über der Rose einen 
Umfang von etwas mehr als 20 cm (20,2; 20,3; 20,7) haben, also von mittel- 
starken Hirschen herrühren, Zwölfender etwa. Die anderen sind weit kleiner: 
18, 17, 16 cm; einer mit 11,5 cm Umfang wird als Gabler zu bezeichnen sein. 

Dem Erhaltungszustand nach erscheinen etwa '/s Teile so alt wie die Wisent- 
reste, die Hälfte etwas jünger und '■je verhältnismäßig jung. 



Castor fiber L., der Biber. Es sind 10 Stücke vorhanden, die sich auf die 
Schichten 5, 6, 13, 15 verteilen. Drei linke Calcanei von verschiedener Größe 
weisen auf 3 Individuen hin. Der Beschaffenheit nach mögen die Knochen 
mittelalterlich sein.' 

' Der Biber muß früher eines der häufigsten Tiere und in fast allen unseren Gewässern zu 
Hause gewesen sein. O. von Linktow, der in seiner bewundernswerten Arbeit' nicht weniger 
als 671 Literaturnachweise angibt, kennt in Mittelfranken und der Fränkischen Schweiz ungefähr 
12 Vorkommnisse von Biberknochen; wir könnten heute die doppelte Zahl anführen. Mit Er- 
staunen liest man, wie spät dies Tier aus unserer Gegend verschwunden ist. 1679 wurde für 
einen Biber der Burggrafschaft Nürnberg nach einer Verordnung des Markgrafen Joh. Friedr. 
V. Brandenburg-Ansbach ein Fanggeld von 1 fl. 12 kr. bezahlt. Die Donau und ihre Nebenflüsse 
bewohnte er noch im vorigen Jahrhundert. Bei Leipheim wurde 1839 ein Biber im Netz gefangen, 
bei Offingen 1850 ein Biber im Fischnetz tot aus dem Wasser gezogen; bei Dillingen unter- 
halb der Brenz 2 Exemplare geschossen, ebenso 1851 in der Gegend von Höchstädt. Pfarrer 
Jaeckel nimmt jedoch an, daß kein Biber mehr in Bayern das Jahr 1860 überlebt hat. Die 
allerhöchste Verordnung über die Behandlung der Jagden vom 6. Dez. 1857 setzte eine Schon- 
zeit vom 2. Febr. bis 1. Okt für den Biber fest, bezahlte aber zugleich eine Prämie von 2 fl. 
für den Kopf, mit der Anordnung, daß die wenigen Biber nicht geschossen werden sollten! 
Diesem konfusen Gesetz ist denn auch alsbald der letzte zum Opfer gefallen.* 

' Die Verbreitung des Bibers im Qiiatlär; Magdeburg, Mus. f. Natur- und Heimatkde, Abhdign und ßericlite 
Bd. 1 Heft 4 190S. 

= Zoolog. Garien VII 1866 S. 103. 



316 

Canis lupus L. der Wolf. Ein einziger Knochen, ein Calcaneus, ist vom Wolf 
vorhanden; er kann vorhistorisch oder auch mittelalterlich sein, angetroffen 
wurde er in Schiclit 6. 

Felis catus L., die Wildkatze hat fünf Knochenteile geliefert, darunter eine 
rechte und eine linke Unterkieferhälfte. Es handelt sich um ein Individuum, und 
das war ein nicht sonderlich starkes Tier. Die Knochen sind nicht sehr alt und 
fanden sich in Schicht 5. 



Canis vulpes, der Fuchs, ist mit 7 Stücken beteiligt, von denen zwei der 
Schicht 6 angehören, während die übrigen ohne Schichtbezeichnung und sicht- 
lich rezent sind. 



Meles taxus Pall., der Dachs, mit 5 Stücken, darunter zwei Unterkieferfrag- 
mente, die mittelalterlich sein könnten; die Knochen haben neuzeitliches An- 
sehen. Sie verteilen sich auf Schicht 6 und 3. 



Lepus timidus L., der Hase, ist nur mit 2 Stücken vertreten, die ganz neu- 
zeitlich anmuten. 



Lutra vulgaris, die Fischotter, hat in Schicht 13 ein rechtes Unterkieferfrag- 
ment hinterlassen, das seinem Aussehen nach mittelalterlich sein dürfte. 

Ovis aries L., das Schaf, ist mit 3 Anteilen beteiligt, worunter sich zwei 
Molaren befinden, die einem großen Tier angehören müssen. Die Stücke sehen 
neuzeitlich aus, sind aber in Schicht 6 gefunden. In der Gegenwart wird Schaf- 
fleisch auf dem Land nur sehr selten verzehrt. 



Capra hircus L., die Ziege, hat 4 Knochen geliefert, welche nach ihrem 
Aussehen der Neuzeit angehören dürften. Zwei davon sind in Schicht 6 ge- 
funden. 

Cervus capreolus L., das Reh. Davon sind 6 Fragmente vorhanden, die der 
Schichte angehören, aber wohl verhältnismäßig jung sind. Nach Schoeten- 
sack' ist es in den neolithischen Pfahlbauten der Schweiz häufig, wohingegen 
es in den bronzezeitlichen Seeansiedlungen fehlt. Im Mittelalter und in dieser 
Gegend kann das Reh nicht selten gewesen sein. Die geringfügigen Reste 
sind daher auffallend. Das Gleiche gilt vom Hasen. 

' Beiträge z. Kenntnis d. neol. Fauna Mitteleuropas S. 45; Heidelberg, Vhdlgn d. naturw.- 
ined. Ver. NF VllI 1904. 



317 

Ursos arctosL., brauner Bär, hat insgesamt34 Knochentrümmer undZähne 
hinterlassen, wovon 9 aus Schicht 6, 9 aus den Schichten 13, 14; und 7 aus 
Schicht 15 stammen; die restlichen 9 verteilen sich auf die sonstigen Schichten. 
Es sind 3 Fersenbeine (Calcanei) vorhanden, von denen ein sehr starkes, großes 
und ein kleineres dem Knochenzustand nach alt, d. h. vielleicht vorgeschichtlich 
sind, während ein mittelgroßes mit kaum angegrilfenem, derbem, festem Knochen 
mittelalterlich sein kann. Es handelt sich demnach um Reste von 3 Tieren, 
und es kann sein, daß sie gegessen wurden. Der Bär ist an vorgeschichtlichen 
Fundplätzen ein häufiges Tier. 

Canis familiaris L., der Hund, ergab acht Stücke aus den Schichten 6 
und 15. 

Die Tierwelt an der Kirchtalhöhle setzt sich also aus folgenden Arten zu- 
sammen: 

Haustiere Wildtiere 

Rind Wisent 

Hausschwein Wildpferd 

Schaf Wildschwein 

Ziege Hirsch 

Hund Reh 

Dachs 
Hase 
Wildkatze 
Fuchs 
Wolf 
Biber 
Fischotter 
Bär 
Aus dieser Aufzählung ergibt sich vor allem das Eine, daß die gesamte Tier- 
welt rezent ist. Das sonst so sehr seltene Vorkommen des Wisents würde daran 
nur dann etwas ändern, wenn es Bison priscus, der fossile Bison, wäre. An dieser 
Lokalität und auch in Anbetracht aller anderen Funde ist das ausgeschlossen; 
wenn auch eine seltene Erscheinung, hat seine Anwesenheit nichts Außer- 
gewöhnliches, denn er war noch in geschichtlicher Zeit ein Tier unserer Wälder. 
Anffallend gering ist der Haustieranteil. Schaf und Ziege sind ganz ver- 
einzelt, nur das Rind ist etwas stärker beteiligt. Es sind eben Haustiere an 
diesem Platz nicht gehalten worden; wenn man gelegentlich eines verzehrt 
hat, so war es wohl auch ein erbeutetes Stück, bei dem der rechtmäßige Eigen- 
tümer das Nachsehen hatte. Die Kleinheit der Rinder weist nicht notwendig 
auf sehr frühe Zeit hin; die dünne, armselige Bevölkerung dieses entlegenen 
Gebietes kannte auch in später Zeit nur den kleinwüchsigen Rinderschlag. 

Das Vorkommen von Biber und Fischotter weist auf eine größere Wasser- 
führung des sehr kleinen Rinnsales hin, welches jetzt durch das Kirchtal fließt. 



318 

Wann die letzten Biber bei uns verschwunden sind, ist nicht bekannt; im Mittel- 
alter waren sie hier sicher noch vorhanden. 

Altersbestimmungen lassen sich aus der Tierwelt dieser Jägerstation nicht 
erschließen. In dieser Beziehung sind wir lediglich auf die Stein- und Metall- 
geräte, insbesondere aber auf die Keramik angewiesen. 

Die Spurzlgrou (8023) 

Ganz in der Nähe des Kirchtals, zwischen Heldmannsberg und der Clara- 
mühJe auf der östlichen Talseite, hat ein kleiner Bach, der Thalbach, sich tief 
in die Weißjurahochfläche eingeschnitten. Über dem Tal, auf der Höhe, streben 
dolomitische Felsen hoch empor, welche auf der Generalstabskarte die Zant 
benannt sind. An der Nordseite der Zant, bei der Höhenangabe 527, bilden 
die Felsen einen Kessel mit einer hohen, aber nicht tiefen Grotte, die im Volks- 
mund den Namen Spurzlgröü führt.i 

Es ist ein wildromantischer, schöner, aber kalter Platz. Hier hatten die 
Herren Seh ramm -Hersbruck geschürft und eine Feuerstelle mit mächtigen Kohlen- 
anhäufungen und eine Kulturschicht mit einigen Scherben angetroffen. Sie 
veranlaßten uns im Anschluß an die Kirchtalhöhlen-Grabung zur Untersuchung 
der Stelle. Der Boden war Waldhumus; in der Grotte deckte nur wenig Erd- 
reich den felsigen Grund und auch vor der Grotte war allenthalben der Fels 
nur schwach mit Humus überdeckt. Immerhin fand sich eine Stelle von ge- 
ringer Ausdehnung, welche Funde gleicher Art wie die Grabung am Fuchs- 
loch lieferte, wenn auch nur in geringer Zahl. Sie ist aber um deswillen be- 
deutsam, weil hier keinerlei Störung, weder durch Steinsturz, noch von Menschen- 
hand herbeigeführt worden war. Wir hatten reinliche ursprüngliche Verhältnisse 
vor uns, die auch Licht über die Grabung an der Kirchtalhöhle erbrachte. 

Die Funde bestanden aus einigen Flintgeräten, s. Tafel 88 obere Hälfte, in 
gleicher Mischung, wie an der Kirchtalhöhle: Klingen, schöngearbeitete Klingen- 
kratzer 2, 3, einem Stichel 5, ein Kielkratzer 20 nach Art der Aurignactypen, 
verschiedene Mikrolithen und atypische Stücke. Ein Bronzeplättchen 13 mit 
2 Bronzenieten ist der grasgrünen Patina nach vielleicht Latcne. 

Von den nicht sehr vielen Scherben ist die weitaus größte Zahl nicht orna- 
mentiert, sehr roh, vorgeschichtlich, aber zeitlich unbestimmbar. Ein Scherbchen 
zeigt eine Warze und daneben seitliche Einkerbungen 16, ein Motiv, das man 
anderswo für neolithisch halten würde. Ein Scherbchen mit ähnlichen Ein- 
kerbungen habe ich jedoch kürzlich in Schutzendorf in einem Bronzezeit- 2 
Grab gefunden (8262 2). Ein anderes Ornament gehört der seltenen Latene- 
D-Stufe an 17, der auch ein oder zwei Randstückchen zugeschrieben werden 
können. Das Mittelalter ist hier nur durch eine Scherbe vertreten. 

Von den Knochensachen ist nur ganz wenig bestimmbar, das meiste sind 

' Oberstudiendirektor Dr. Clir. Beete liat die Güte, zu dem Namen folgendes mitzuteilen: 
„Ein Name Spurzlgrou ist mir bis jetzt nirgends begegnet, kann auch in den mir zur Verfügung 

stellenden Nachschlagewerken nicht nachgewiesen werden Das grou wird wohl .Grube' 

sein. Spurzl kann als Sporzen— -Porzen, verkrüppeltes Nadelliolz aufgefaßt werden." 



319 

Trümmer und Splitter, von denen einige auf sehr große Tiere, Rinder, schließen 
lassen. Außerdem sind vorhanden das lini<e Pyramidale eines sehr kleinen 
Rindes; der starl< beschädigte obere, hinterste Molar eines sehr großen Wild- 
rindes; ein Kieferstüci< mit dem Eckzahn vom braunen Bären, sowie ein oberer 
Molar; der obere Molar eines sehr kleinen Schafes. Eine größere Zahl von 
Knochentrümmern sind angekohlt. 

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Funde in dei Spurzlgrou denen 
der Kirchtalhöhle gleichgeartet sind. Steingeräte und Keramik sind untrennbar 
miteinander verbunden, mag man nun die Mehrzahl der Scherben in die Latene- 
zeit oder mit dem erwähnten einzigen Scherbchen in die Bronzeit datieren. 

Die Steingeräte der Fränliischen Scliweiz 

Seit reichlich 30 Jahren hat die A S unserer Gesellschaft die Fränkische 
Schweiz — das heißt das Gebiet zwischen Heiligenstadt-Aufseß im Norden 
und Pegnitz im Süden, Creußen im Osten bis Ebermannstadt im Westen — 
untersuchen lassen, und kaum ein Jahr dürfte vergangen sein, in dem wir nicht 
den Spaten an irgendeinem Teil derselben eingesetzt haben. In erster Linie 
galt unser Suchen den bekannten fragwürdigen Knochen- und Steingeräten, 
mit denen jahrelang die Museen überschwemmt wurden. Prof. Joh. Ranke 
hat sie erstmalig in die Literatur eingeführt, und ihm war es auch vergönnt, 
unzweifelhaft echte Stücke teils zu erwerben, teils selbst zu finden, denn er 
war der erste, der sich um diese Dinge annahm. Das war am Ausgang der 
70er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Ende der 80er und in den 90er Jahren 
setzte dann jener großartige Vertrieb der verblüffendsten Knochen-, Schiefer- 
und gefärbten Steingeräte ein, welche teils als Reiseandenken im Kleinhandel 
abgegeben wurden , teils vom Wirt auf der Neumühle bei Rabenstein, Hanns H ö s c h , 
s. Tafel 81 b, und Kaufmann Limmer in Muggendorf im großen an Museen und 
Sammler abgesetzt wurden. Unsere Sammlung im Luitpoldhaus zählt über 
8000 Nummern, und ähnliche Quantitäten lagern in anderen Museen, jetzt meist 
in den Kellern oder auf den Böden, möglichst unsichtbar gemacht. 

Unser Interesse an der Fränkischen Schweiz ist also begreiflich; wir hofften 
von Jahr zu Jahr einen Fund zu machen, der Anhaltspunkte über die Fund- 
umstände und die Zeitstellung dieser Dinge ergeben hätte. Wir haben uns aber 
immer vergebens bemüht und bis heute haben wir auch nicht ein einziges 
Stück in situ gesehen. 

Doch dies nur nebenbei, denn die Geschichte dieser Knochen und Stein- 
artefakte verdient eine eigene Monographie. 

Bei diesen zahllosen Streifzügen haben wir Schürfungen in großer Zahl vor- 
genommen, in Höhlen, vor den Höhlen, unter Felsvorsprüngen, auf freiem 
Feld, kurz, überall, wo ein Erfolg denkbar hätte sein können. Scherben fanden 
sich nahezu allerorten, hie und da auch ein Feuersteinmesserchen, damit war 
es aber abgetan. Ist somit unser Besitz an selbst ergrabenen Gegenständen 
ein sehr geringer, so verfügen wir doch über ein ziemlich reiches Material, 
dasmitderÜbernahmedersog. Gabriel-Max-Sammlung — die oben erwähnten 



320 

beiläufig 8000 Nummern Knochen- und Schiefergeräte — an unser Museum 
gekommen ist. G. v. Max war nicht nur ein gottbegnadeter Künstler, sondern 
auch ein leidenschafthcher und verständnisvoHer Sammler prähistorischer Gegen- 
stände. Er war regelmäßiger Abnehmer der Funde, welche die beiden „Pro- 
spektoren" derFränkischen-Schweiz-Altertümer, Lim mer und Hösch,niitemsigen 
Fleiß zutage förderten. Er pflegte jeweils den ganzen Fund aus einem Platz 
zu erwerben, der immer von einer Beschreibung der Örtlichkeit und der Fund- 
umstände begleitet war. Wie weit freilich die Angaben der Wirklichkeit ent- 
sprachen, muß dahingestellt bleiben, denn kontrolliert wurden sie nie. G. v. Max 
stand ihnen mit Recht skeptisch gegenüber. An einer Anzahl von Stellen habe 
ich wenigstens die Schichtangaben nachzuprüfen versucht, und da stellte sich 
heraus, daß sie im allgemeinen nicht wohl anders gewesen sein konnten, als 
die Angaben lauteten. Was aber sonst für Schwindel getrieben wurde, ließ 
sich natürlich nicht mehr feststellen. 

Im folgenden sind nur die Flintgeräte der Max'schen Erwerbungen berück- 
sichtigt, die neben den merkwürdigen Knochen- und Schiefergeräten eine ganz 
untergeordnete Rolle spielen, aber doch ziemlich zahlreich sind. 

Es sind nachstehende Ausgrabungsplätze vertreten, denen die Max'schen 
Verzeichnisnummern belassen sind. 

4 Hoher Stein bei Hohenmirsberg L(immer). 

6 Felsvorsprung im Totental beim Schwalbenloch L. 

7 Höhle bei Bozenfels L. 

8 Felsvorsprung 200 m westlich von der Krottenseer Höhle L. 

12 Höhle im Aufseßtal L. 

13 Höhle im Weitiers(bach)tal L. 

18 Höhle im Haselbrunner Tal, unterhalb des Schwalbenlochs L. 

20 Höhlenvorsprung im Totental, „die hohe Wiese" L. 

23 Höhle nördlich Tüchersfeld gegen Kleinlesau L. 

26 Felsvorsprung auf der Hochleiten bei Haselbrunn L. 

29 Höhle in der Wolfschlucht im Püttlachtal gegen Weidmannsgesees L. 

49 Kleine Höhle Hochlerlar (?) bei Haßlach L. 

50 Höhle im Hollenberg L. 

51 Halbhöhle am rechten Asbachufer H(ösch). 

55 Höhle im Trubachtal r. unterhalb Wolfsberg H. 

59 Halbhöhle unterhalb Schloß Pottenstein H. 

60 Felsvorsprung r. Asbachufer H. 

61 Keller bei Oberailsfeld r. Asbachufer L. 

62 Gaiskirchhöhle r. Asbachufer H. 
74 r. Pegnitzufer bei Neuhaus H. 

81 Felsvorsprung 1. Asbachufer bei Rabenstein H. 

85 Höhle im Totental. Nagel. 

87 Höhle im Weihers(bach)tal L. 

90 Seitental der Püttlach zwischen Tüchersfeld und Kleinlesau H. 

99 Höhle in Steinamwasser, Oberpfalz L. 



321 

101 Höhle nördl. von Tüchersfeld L. 

102 Felsvorsprung bei der Klumpermühle L. 
112 Höhle bei Oberailsfeld L. 

117 Höhle zwischen Tüchersfeld und Kleinlesau L. 
124 Feisvorsprung bei Heroldsreuth a. d. Pegnitz H. 
122 Höhle bei Kohistein r. Püttlachufer H. 

und 4 andere Stellen, die nicht näher bezeichnet sind, im ganzen die statt- 
liche Zahl von 35, Flintgeräte führende Fundstellen. 

Unter Fiint ist hier der örtlich reichlich vorhandene Hornstein zu verstehen, 
der auf allen Feldern zu finden ist, ein sehr schlecht splitterndes Material. 
Nur selten begegnet ein Hornstein besserer Art, wie er sich an weiter ent- 
fernten Örtlichkeiten mit kreidigen Überlagerungen, z. B. im Veldensteiner Forst, 
vorfindet. 

Das schwer bearbeitbare Steinmaterial hatte zur Folge, daß die Instrumentchen 
meist klein und unansehnlich und dabei spärlich retuschiert sind, zum über- 
wiegenden Teil Mikrolithen, wie man sie nennen kann, typologisch dem Tar- 
denoisien oder dem „Asilien" verwandt. Eine weitere Folge ist, daß die Geräte 
aus allen diesen Fundstellen eine verblüffende Ähnlichkeit unter sich aufweisen. 
Sie könnten dem Aussehen nach alle aus einer einzigen Grabung und aus 
ein und derselben Schicht stammen. In großen Mengen sind sie begleitet von 
Hornsteinsplittern atypischer Kleinformen, aus denen sich schließen läßt, daß 
die Instrurnentchen an Ort und Stelle geschlagen wurden und daß es nicht 
gelang, mehr als 8 — 12 "/o halbwegs brauchbare zu erzielen. 

Von jeder oder nahezu jeder Fundstelle liegen auch Tonscherben vor und 
Tierknochen, und insofern sind alle die Grabungen ganz fachmännisch be- 
handelt: jedesmal ist angeblich der gesamte Befund, soweit er nicht Erde und 
Steine betraf, aufgesammelt und mitgenommen worden. 

Die Tierknochen rühren größtenteils von Haustieren her, Rind, Schwein, 
Schaf, Ziege oder von Wildtieren der frühgeschichtlichen Zeit, Hirsch, Wild- 
schwein, Wildrind, Braunbär, Biber usw. Die Scherben bestehen zumeist aus 
rohem Gebrauchsgeschirr, das selten ein Ornament oder kennzeichnende Form 
aufweist. Wo das aber der Fall ist, gehören sie entweder der Bronzezeit oder 
der Hallstattstufe A oder jüngeren, besonders Latenestufen an. Die jüngste 
Latenestufe, im sonstigen Gebiet sehr selten, ist einigemal vertreten, und zu- 
weilen gehen die Scherben fort bis ins Mittelalter, was ja auch sonst in unserem 
Gebiet eine bekannte Erscheinung ist. Frühgeschichtliche und mittelalterliche 
Scherben weisen als Dekor zuweilen Wellenlinien auf, ohne daß man sie des- 
halb als slavisch mit Sicherheit bezeichnen könnte, angesichts der Tatsache, 
daß das germanische Geschirr bei uns zu Lande diese Verzierung ebenfalls führt 
und sonstige charakterisierende Begleitfunde fehlen. 

Das ist so ziemlich alles, was über die 35 Fundstellen zu sagen lohnt. Es 
läßt sich aber einigermaßen ergänzen aus den eigenen, in ungefähr 30 Jahren 
gewonnenen Erfahrungen. Dabei soll nicht die Rede sein von den zahllosen 
Schürfungen und Versuchen, sondern nur von einer Stelle, an der wir mehr- 



322 

mals systematisch, oft aber auch nur flüchtig im Vorbeigehen gearbeitet oder 
gesammelt haben, wenn wir nach vergeblichen Bemühungen anderwärts erfolglos 
mit leeren Händen auf dem Heimweg waren und wie der Ritter Milon von 
Anglante in Uhlands Ballade von Roland, dem Schildträger, das Rößlein lang- 
sam gehen, das Haupt traurig sinken ließen. Dann zog es uns noch nach der 
„Breit" in der Weidmannsgeseeser Leite, wo man wenigstens einige Flintgeräte 
einheimsen konnte. Ich habe sie zuerst besucht mit dem Zimmermann Martin 
Dütsch von Tüchersfeld, ein Treuhänder vom Höschenhans auf der Neumühle, 
dem „alten Höhlenbären" wie er sich selber nannte, einer der berüchtigten 
Biedermänner, die die Fränkische Schweiz zu ihrer Zeit gemeinsam, wenn auch 
nicht immer einträchtig, von prähistorischen Altertümern bis aufs Hemd ent- 
blößten, abgesehen von den Fälschungen, die sie unterschoben. 

Die „Breit" liegt im Püttlachtal zwischen Pottenstein und Tüchersfeld auf 
dem rechten Ufer der Püttlach, wo die Felsenwände zu einem flachen Halb- 
kreis zurücktreten und überragende Felsvorsprünge vom Zusammenbruch ehe- 
maliger Höhlenräume, wie Major Dr. Neischl, neuerdings auch Prof. Dr. Brandt 
annehmen, oder von der Gewalt des fließenden Wassers erzählen, das vor 
Jahrtausenden oder gar -millionen (die Flußdurchnagung hat wohl schon zur 
Kreidezeit stattgefunden) den Fuß der Felsen unterspült hat, s. Tafel 90a. Vor 
den Felsen breitet sich ein zur Püttlach sanft abfallendes Gelände aus, auf 
dem den ganzen Tag die Sonne liegt. Wenn sie nicht allzusehr brennt ist der 
Aufenthalt sehr angenehm. 

Die Fundumstände sind, wie in der Fränkischen Schweiz so ziemlich überall, sehr 
einfach. Unter der Grasnarbe, die 20 — 25 cm stark ist, folgt eine dunkle Kultur- 
schicht von 20—40 cm, stellenweise bis 50 cm Tiefe. Darunter folgt der sterile, 
reine Waldboden, der obenauf ziemlich viele Steine führt. Wiederholt hat 
uns Dr. O. Hauser früher den Rat gegeben, in größere Tiefen zu gehen, in 
denen sich totsicher richtiggehendes Paläolithikum finden müsse, geradeso 
wie in der landschaftlich frappant ähnlichen Dordogne Südfrankreichs. Wir 
haben dies immer unterlassen, einesteils aus Mangel an Mitteln, andererseits 
aber auch deshalb, weil bei den zahlreichen Grundaushebungen zu Häuser- 
und Kellerbauten, Kraftanlagen, Pump- und Wasserwerken niemals in der Tiefe 
etwas gefunden wurde. 

Bevor ich aber die vorliegende Arbeit zum Abschluß brachte, sollte doch 
ein Versuch unternommen werden, und keine Stelle schien geeigneter als die 
überhängenden Felsen „in der Breit". Vom 30. März bis 3. April 1928 grub 
ich einen im rechten Winkel zur Felswand laufenden 11 m langen, 2 m breiten 
Graben und erhielt folgendes Profil. Obenauf die uns längst bekannte schwarze, 
durchaus einheitliche Kulturschicht mit ihrem mannigfachen, aber jetzt infolge 
der zahlreichen früheren Wühlereien nur sehr mageren Inhalt. Darunter gelb- 
lichbraunen, etwas lehmigen Sand, der sich bei der Säureprobe als Dolomit- 
asche erwies. Je tiefer, desto steinfreier und feinkörniger wurde der Sand. 
Unter dem stets scharfkantigen Steingeröll fanden sich nur 2 oder 3 runde Bach- 
geröUe. In der Tiefe von rund 4 m kamen wir auf den anstehenden gewach- 



323 

senen Fels, der nahezu wagrecht verlief. Die durchgearbeitete und heraus- 
beförderte Erdmasse unter der Kulturschicht war vollkommen leer, 
weder ein Knochen noch irgendein Silexstückchen kamen zum Vorschein. 
Damit ist an dieser Stelle der Beweis erbracht, daß die landschaftliche Ähnlich- 
keit keine archäologische Übereinstimmung bedingt. Unser Juragebirge ist ja 
auch weit älterund viel greisenhafter als die südfranzösischen Kreidelandschaften. 




Abb. 3. Profil der Grabung in der Breit 

Die Fränkische Schweiz ist ein sehr kompliziertes Gebirge. Der beste Kenner 
desselben, Prof. Dr. Brandt, versichert, daß jedes Tal und selbst jeder Ab- 
schnitt eines Tales seine eigene geologische Geschichte habe. Nach ihm ist mög- 
licherweise die Talverbreiterung in der Breit ein altes Stauseebecken, bevor 
sein Wasser in sehr ferner geologischer Vorzeit die Felsen durchbrochen und 
sich Abfluß geschaffen hatte. Die Felsenwände der Breit am rechten Püttlach- 
ufer seien abgesunken, und diesen Eindruck machen sie auch im Vergleich zu 
den übrigen anschließenden und gegenüberliegenden Felspartien. 

Von den Ablagerungen eines Sees ist heute in der Breit keine Spur vor- 
handen, die Lehmsande, durch welche wir den Versuchsgraben legten, be- 
standen sowohl hier wie überall im Tal bis zu den Höhen hinauf aus ver- 
wittertem Dolomit, und eine Terrassenbildung hat an unserer Versuchsstelle auch 
nicht existiert. Die Möglichkeit ist aber gegeben, daß an anderen Stellen noch 
Spuren von solchen gefunden werden und vielleicht sind dann dort die Aus- 
sichten auf Paläolithik etwas günstiger. Wir werden uns aber mit dem negativen 
Ergebnis in der Breit zufrieden geben. 

Tafel 91 sind einige Proben der Steingeräte wiedergegeben, wie wir sie im 
Laufe der Jahre dort entnahmen. Einige andere aus der Sammlung M. Nabe, 
Heimatmuseum Pottenstein, an gleicher Stelle gefunden, enthält die Tafel 92. 

Es sind nicht die nächstbesten, sondern ausgewählt gute Stücke herausgesucht; 
die Retuschen, soweit solche vorhanden, sind auf den Photographien freilich kaum 
zu erkennen. Gezeichnet würden sie sich etwas besser präsentieren, aber das Zeich- 
nen öffnet der Willkür Tür und Tor. Die Photographie ist eben das kleinere Übel. 

Die Abbildungen stellen nur einen sehr kleinen Teil des Vorhandenen dar, 
sie sind charakteristisch für alle Flintgeräte der Fränkischen Schweiz, insbesondere 
auch für die der oben aufgezählten 35 Fundstellen der Gebr. Max-Sammlung. 



324 

Die Masse besteht aus Kleinformen von zumeist geometrischem Zuschnitt, 
„dreieci<ige, rhomboide, trapezoide und tcreissegmentförmige Instrumentchen, 
sowie i<ieine, runde Kratzer und sog. Nukleusl<ratzer und wirkliche Stichel. 
Die Funde an diesen Plätzen gleichen ganz denen an den Tardenoisstationen 
von Nordfrankreich bis nach Polen. Typische Pfeilspitzen und Reste von ge- 
schliffenen Steinbeilen treten den Tardenoisformen gegenüber sehr stark zu- 
rück,"' sagt Prof. Birkner von den Funden unseres Gebietes. 

Tardenoisien, Azilien, Mesolithikum sind Ausdrücke, die im folgenden öfters 
wiederkehren. Es empfiehlt sich also bei Obermaier nachzusehen, was sie zu 
bedeuten haben. 

Das Mesolithikum umfaßt die Übergangsperioden von der Alt- zur Neu- 
steinzeit, vom Paläolithikum zum Neolithikum. Es ist keine einheitliche Periode 
mit organischer Fort- und Weiterbildung der Formen, sondern ein allgemeiner 
Sammelbegriff für verschiedene Formengruppen, wie dies bei Paläo- und 
Neolithikum auch der Fall ist. Das Mesolithikum reicht vom Magdalenien 
bis zur Kjökkenmeddingerstufe, das ist nach Obermaier der Zeitraum vom 
Jahr 13000 bis 6000 vor Chr. 

Innerhalb des Mesolithikums ist das Azilien eine Kulturgruppe, deren An- 
fang und Ende vielleicht zwischen 13000 und 7500 vor Chr. liegt; ihre Haupt- 
verbreitung hat sie in Westeuropa. 

Tardenoisien fällt mit dem Azilien zeitlich zusammen. Es umfaßt das nach 
Birkner oben aufgezählte Fundinventar, dem nur die bemalten Kiesel und 
die Harpunen des Aziliens fehlen. Es ist also einesteils identisch mit dem 
Azilien, unterscheidet sich andererseits aber doch wesentlich dadurch, daß es 
eine Freilandstufe ist; es ist das Azilien der Oberflächenfunde, „weshalb 
auch sein Knocheninventar regelmäßig bereits völlig zersetzt und zerstört ist".* 
Azilien und Tardenoisien kennen noch keine Keramik. 

Die oberen Reihen unserer Tafel 91 zeigen das „Tardenoisien" von der 
Breit; die gleichen Formen kehren aber auch an den anderen Fundstellen der 
Fränkischen Schweiz und in der Gabr.-Max Sammlung immer wieder. Da- 
neben treten vereinzelt größere, plumpe Stücke auf, atypische Hornsteine mit 
geringfügigster Retusche an einer Stelle, wo sie eben gerade benützt wurden. 
Ich habe nur aus dem Grunde einige davon hierhergesetzt, weil sie der Lokal- 
forschung als ein „Primitiv-Mousterien" gelten. Das bestgearbeitete Gerät, 
Tafel 92 26 ist leider nur ein Bruchstück. Es besteht aus einer nur 7 mm dicken, 
flachen Platte von Kieselschiefer mit Jaspisbänderung, ist fast durchsichtig an 
der Schneide, die von Vorder- und Rückseite her gedengelt ist, so daß sie nicht 
an der Kante, sondern in der Mitte der Schmalseite liegt (Sammlung Nabe). 
Ein wenn auch plumper, aber doch gut gearbeiteter Kratzer ist Tafel 92 28. 

Das Flintmaterial paßt also gut zu den „Tardenoisformen", wie sie oben 

' F. Birkner, Das Mesolithikum. S.-A. aus Natur und Kultur 21 S. 10. 
' Obermaier, Der Mensch aller Zeiten S. 221. 



325 

aufgezählt wurden. Da das Tardenoisien aber keine Keramik kennt, so muß 
man die Scherben weglassen, die sich in den gleichen Schichten finden. Dieses 
einfache Mittel macht dann die Ähnlichkeit mit dem Tardenoisien vollkommen. 

In Wahrheit aber sind die Flintgeräte aller Fundstellen von Scherben be- 
gleitet; meist sind es Scherben von rohen Gebrauchstöpfen ohne Dekor und 
nur sehr selten ein Randstück. Eine größere Scherbe mit abgebrochenem Henkel 
und von rundbauchiger Form, Tafel 87 12, gleicht im Profil den Tassen der 
Hallstattperiode H^ in unserer Sammlung und das gleiche gilt für verschiedene 
Randstückchen. Ein starkgeripptes Scherbchen, Tafel 87 9, das unter den Thal- 
mässinger Feldfunden (P 38 22) genau so wiederkehrt, ist nach Ausweis anderer 
Funde unserer Sammlung (Altensittenbach 7056, Dachstadt 8268) Hallstatt- 
stufe C, H3. Ein Randstückchen der Sammlung Nabe kann man als B^ gelten 
lassen, ein Scherbchen zeigt Linienfragmente der H^-Stufe, ferner frühgeschicht- 
liche und mittelalterliche. Einmal kommt die Wellenlinie in Hochrelief vor und 
andere Male graviert, sehr steil gestellt und hoch gezogen. Scherben mit ge- 
kerbtem Rand gehören den verschiedensten Zeiten an und ein Henkelbruch- 
stück verweist auf das gotische Mittelalter. Im allgemeinen sind Scherben aber 
nicht häufig. 

Der Schichteninhalt gehört also langen Zeiträumen an, er verteilt sich auf 
3000 Jahre. Nur die ältesten Metallzeiten und die Steinzeit sind nicht vertreten 
und sie kommen auch für die Feuersteingeräte nicht in Betracht. Die eigent- 
liche Besiedlung der Fränkischen Schweiz setzt erst in der jüngeren Bronze- 
zeit ein und älter sind auch die Steingeräte nicht. Sie beschränken sich aber nicht 
nur auf diese Zeit, sondern sie reichen bis ins Latene und wahrscheinlich 
noch weiter. Denn sie finden sich ganz gleichartig auch dort, wo die Scherben 
nur für die jüngeren Perioden sprechen. 

Eisenteile von Gebrauchsgegenständen sind in den Schichten und auch in 
der Breit nicht selten. Sie sind wohl meist mittelalterlich, und das gleiche gilt 
von den häufigen Eisenschlacken, Brauneisensteine, die nicht völlig aus- 
geschmolzen sind, also eine primitive Schmelzanlage verraten. 

Auffallend ist in der Breit das Vorkommen einer Gagat- oder Lignithalbkugel, 
Tafel 94 9, deren Unterseite flach geglättet ist. Die Verwendung von Lignit- 
gegenständen kennt nach Alfr. Götze' bereits das ausgehende Paläolithikum, 
häufig ist sie aber nur in der jüngeren Hallstattzeit und dem Latene; sie paßt 
also recht gut hierher. Wozu sie gedient haben kann, entzieht sich der Kenntnis. 

Knochengeräte sind recht selten. Ein 127 mm langes Knochenstück mit ge- 
gabeltem Ende, Tafel 94 10 hat offenbar zur Fassung irgendeines wahrscheinlich 
eisernen Gegenstandes gedient, einer Feile oder dergleichen, denn die Lochung 
ist nur 6 mm breit und 12 mm lang. Durch Abnützung ist der Knochen glatt 
und glänzend geworden. Eine halbierte Hirschhornspitze von 96 mm Länge, 
Tafel 94 11, hat möglicherweise als Speerspitze gedient; nach dem spitzen Ende 
ist sie ein wenig geglättet. Auch die proximale Hälfte eines menschlichen Ober- 
schenkels ist vertreten. 

' Ebert's Reallexikon unter „Kohle". 



326 

Ein anderes kleines Knochenfragment ist zugespitzt, so daß man es für das 
Ende einer Rehgeweilistange halten könnte, und ein anderer Knochen ist rundum 
zugeschnitzt, im übrigen aber formlos. 

Ein seltsames Gerät ist eine kleine Muldenform, 12,8 cm lang, 4 cm breit 
Tafel 94 8. Es schien mir aus Hirschgeweih geschnitzt zu sein, dem Ansehen 
nach. Bei näherer Untersuchung aber stellte es sich als eine Bildung von kalk- 
haltigem, in Salzsäure brausenden Ton oder Mergelschiefer heraus, die künstlich 
und absichtlich sein muß, dessen Bestimmung aber ganz unklar ist. In letzterer 
Hinsicht ähnelt es einigermaßen den oben erwähnten rätselhaften Typen der 
Fränkischen Schweiz-Knochen- und Schiefergeräte, nur daß diese in der Regel 
ganz verrückte Formen haben. 

Es verlohnt sich nicht, die Abbildungen durch Zugaben aus den 35 Fund- 
stellen der G. Max-Sammlung zu vermehren. Allerorten in der Fränkischen 
Schweiz gleicht sich das Silex-Kleinzeug wie ein Ei dem andern und wie den 
von C. Gumpert in seinem „Fränkischen Mesolithikum" abgebildeten Funden. 
Besser gearbeitete Sachen sind äußerst selten, und richtige Pfeilspitzen, wie sie 
Tafel 89 aus der Thalmässinger Gegend wiedergibt, fehlen gänzlich. 

Was mit diesen Gegenständen zusammen an Speiseüberresten, zerschlagenen 
Knochen und Zähnen zum Vorschein kam, ist im allgemeinen wenig und der 
Tierwelt der alten geschichtlichen Zeit entsprechend: von Haustieren das Rind, 
des Schwein, das Schaf, die Ziege; von Wildtieren sind Wildrinder zu nennen, 
wobei es im einzelnen Fall dahingestellt bleiben möge, ob es sich um den 
Wisent oder den Ur handelt. Beide kommen vor. Weiterhin der braune Bär, 
die Wildkatze, Hirsch, Fuchs, Dachs, Reh. Selten fehlt der Biber, aber selten 
sind das Pferd und der Wolf. Bei den oben aufgezählten Funden aus der 
G. Max-Sammlung, von denen eine ganze Anzahl aus Höhlen stammen, ist 
die Fauna im großen und ganzen dieselbe, nur läuft dazwischen noch Höhlenbär 
mit unter, der ja in den Höhlen auch ganz oberflächlich liegen kann. 

Eine hübsche Serie von 66 Hornsteinmesserchen kam 1887 mit dem Kauf 
der Webersammlung an uns. Es sind nur ausgesucht gute Stückchen, sie müssen 
also schon vom Vorbesitzer, Dr. Weber, von den in der Fränkischen Schweiz 
immer unvermeidlichen atypischen Splittern gereinigt worden sein. Der Eti- 
kettierung zufolge stammen sie aus einer Wohnhöhle auf der Neid eck bei 
Streitberg. Im Protokoll der Anthropologischen Sektion vom 7. Okt. 1895 ist 
über eine Schürfung des Komm.-R. J. Bing in einer Höhle auf der Neideck be- 
richtet. Da es auf der Neideck keine zwei Höhlen gibt, so kann es sich nur um 
ein und dieselbe handeln. Bing fand in 34 m Tiefe Urnenscherben und 
Knochen. 

Die überwiegende Zahl der Hornsteinmesserchen gleicht ganz den oberen 
Reihen unserer Tafel 91, sie sind 15 bis 25 mm groß, nur einer ist 65 und 
ein anderer 47 mm. Es befinden sich 9 Stichel darunter und viele geometrische 
Figuren mit feinen Kantenretuschen, wenn auch manchmal nur an einer Seite, 
alles Tardenoisienformen. 



327 

Andere 3, etwas größere Hornsteintnesser, den Typen 7, 17, 18 der Tafel 84 
gleichend, sind mit Latenefibeln aus Streitberg zu uns gelangt. Doch fragt 
es sich, ob sie zu diesen gehörig sind. 

Ein Prachtstück, eine dolch- oder lanzenspitzenartige Klinge von schwärzlich- 
grünem Hornstein — nach Fickenscher vermutlich aus dem Diabas von Berneck — 
s. Tafel 85 13, könnte man fast für eine Solutreen-Spitze halten, sie weist aber 
neolithische Technik auf. Es trägt die Herkunftsangabe Sc honst ein höhle bei 
Streitberg, und wenn das richtig ist, ist es sicher eines der schönsten aus der 
Fränkischen Schweiz bekannten Stücke; Länge 68 mm. Breite an der Basis 
32 mm, Dicke 8 mm. Fein gemuschelte Abblätterungen über Vorder- und Rück- 
seite. Es stammt aus der in den 80er Jahren erworbenen Weber-Sammlung. 
In der Schönsteinhöhle hat Komm.-R. Bing gleichfalls graben lassen, aber über 
die Funde hat nichts verlautet. 

Gleichfalls in den letzten Tagen vor Abschluß dieser Arbeit, vom 27. bis 
30. März 1928, konnte eine Stelle untersucht werden, deren Bekanntgabe dem 
Heimatmuseum Pottenstein, M. Nabe, zu danken ist. Im oberen Püttlachtal, 
an der jetzt Gaiskirche, früher Hetzel-(das ist Elster-)kirche genannten Fels- 
partie wurden durch Abfuhr von Geröllschutt für das Pottensteiner Wasserwerk 
mächtige Kohlenschichten freigelegt; da nur kleines Silexzeug und keine Scher- 
ben zum Vorschein kamen, wurde die Fundstelle als „mesolithisch" bezeichnet. 

Die Fundstelle war eine Geröllhalde unter dem Felsen, die als schräge 
Böschung die obere Püttlach längs ihres rechten Tallaufes begleitet. Zwischen 
dem Bach und der Böschung zieht sich ein schmaler, neuzeitlicher Fahrweg hin. 

Bei Beginn unserer Arbeit fanden wir eine Grube von 320 cm Längen- 
erstreckung, welche durch die erwähnte Geröllabfuhr entstanden war. Wir er- 
weiterten sie auf 8 m Länge; vom Felsen bis zum Weg schnitten wir die ganze 
Halde, 450 cm, durch, soweit die großen Felsblöcke dies zuließen. 

Die Böschung, welche nebenstehendes Pro- 
fil zeigt, bestand obenauf aus lehmigem, eisen- y^-«- ^ ^^ ^ s^j 

haltigem, gelbraunem Sand, der das ganze |T''"'^^.^*s.-he,-"i."c- ■ ; ■ 

Talgehänge und die Felsoberflächen über- 
deckt und aus verwitterter Dolomitasche be- 
steht. An unserer Stelle war er von einer 
seitlichen Schlucht herabgeschwemmt worden. 
Die Hauptmasse der Böschung aber bestand 
aus scharfkantigen, kleinen Gerollen, die vom 1"'^^^^ "^ ''wh^*« seu« '^^>' 
anstehenden Fels als Gesteinsschutt abge- v.v-.v^ItrrCZ-.^''-«««*^'''''« 
bröckelt waren; außerdem aus großen Fels- ^'^— ~-.a.^..,~5..p.,r 

platten und -blocken, welche Frost und Ver- 
witterung gleichfalls vom stehenden Fels herabgebracht haben. Das Arbeiten 
an dieser ständig Gefahr drohenden Stelle war sehr unheimlich. Als dritter 
Bestandteil der Böschung lag dicht am Felsen und sehr deutlich gekennzeichnet 



328 

Schwemnimaferial, das aus einem tiefen Riß im Felsen mit Wasser herabgeführt 
war und stark eisenhaltig imprägniert sein mußte, denn es spielte in allen Farben 
von weiß und braun bis zu feuerroter terra rossa-Farbe. Die Begrenzung 
dieses Materials war besonders deutlich zu erkennen; es war gänzlich frei von 
Kohle. Eine horizontale Schichtung wies die ganze Böschung nicht auf, wohl 
aber eine schräg von oben links gerichtete, natürliche Schwergewichtsverteilung 
nach rechts unten. 

Die von M. Nabe festgestellten Kohlenschichten waren zuoberst nicht sehr 
stark, immerhin aber zwischen 6 — 15 cm dick, waren von Nord nach Süd 
1 — 3 m breit und von West nach Ost bis zu 2 m lang, vor der Geröllabfuhr 
aber sicherlich länger gewesen. Zwischen den Kohlenstellen waren starkgerötete 
Erden und rotgebrannte Dolomitsteine, auch mächtige, zusammengebaute 
Klumpen anscheinender Asche. Der fünfte Kohlenhaufen lag in einer Grube, die 
bis 50 cm Tiefe, nach unten aber fast keine Begrenzung hatte, sondern mit 
erdigen Zwischenlagen sich noch tiefer fortsetzte. Der Kohlenhaufen begann 
120 cm vom Felsen und reichte südlich bis zu einem großen Steinklotz, unter 
dem die Kohle sich noch weiterzog, den wir aber nicht zu beseitigen ver- 
mochten. Ihre noch konstatierbare Länge (sie war ja durch die vorausgegangene 
Geröllabfuhr schon angeschnitten worden) betrug beiläufig 170 cm, vor der 
Geröllabfuhr sicher nicht unter 3 m. In der Kohlengrube lagen Kohlen und 
Erden derart locker, daß man sie mit der Hand herauswerfen konnte. Wir sahen 
zeitweilig aus wie Schlotfeger. 

Unter dem Kohlenhaufen war eine deutliche Unterscheidung der unteren 
Kohlenstellen nicht mehr recht möglich, sie gingen einander über. Bei nahezu 
4 m Tiefe mußten wir die Grabung einstellen, weil massige Felsblöcke die 
Arbeit unmöglich machten. Wir waren weit unter den Weg und vielleicht 
50 — 70 cm über den Spiegel der Püttlach gekommen. 

Der Schwemmsand von oben war an Funden fast leer, doch fanden sich 
in der Nähe des Felsens in 25 cm Tiefe eine Anzahl Scherben, die eine korrekte 
Datierung zwar nicht erlauben, aber ihrer Beschaffenheit nach nur Hallstattstufe D 
oder Lat^nestufe A angehören dürften. Weiter ab kamen kleine Silexstück- 
chen zum Vorschein bis in die Tiefe. Sie gleichen in jeder Hinsicht denen 
aus anderen Örtlichkeiten der Fränkischen Schweiz, namentlich den schlech- 
teren aus der Breit und denen der Gabr. Max-Sammlung. 

Scherben fanden sich nur einmal noch, ein halber Topf ohne Boden, 40 cm 
vom Fels entfernt, 130 cm unter der Oberfläche. Ich kann ihn auch nicht anders 
als H^ oder Lj bestimmen. Die Kohlenhaufen waren vollständig leer, was nicht 
verwundern kann, da man solchen Feuern gerne auf 20 m oder mehr in der 
Runde ausgewichen sein v;ird. Man hatte es sicher nicht angelegt, um zu braten, 
zu kochen oder sich die Hände zu wärmen. Ich konnte mich des Eindrucks 
kaum erwehren, daß es sich hier um einen prähistorischen Kohlenmeiler ge- 
handelt hat. In Eberts Reallexikon lese ich eine Notiz von Prof. Götze: „Holz- 
kohle muß mindestens vom Beginn der Bronzezeit erzeugt worden sein, denn 
sie ist in der Metallurgie unentbehrlich", und unter „Brennmaterial": „Für 



329 

technische Zwecke wurde das Holz verkohlt." Kohlenstückchen aus dem Haufen 
habe ich mitgenommen, sie gleichen aber nicht den Lindenkohlenstückchen 
der mittelalterlichen und neuzeitlichen Kohlenmeiler. Immerhin fand sich auch 
Eisenschlacke. 

An sonstigen Funden ist noch eine Reibplatte aus cenomanem Kreidesand- 
stein zn erwähnen, der unweit dieses Platzes ansteht. Die Tierwelt ist durch 
spärliche Knochenfunde vertreten, die durchaus rezent sind: Hirsch, Schwein, 
ein großes Rind, anscheinend Bos primigenius, Dachs, Biber und große Raub- 
vögel, auch ein Stelzvogel, sind vertreten. Von Bachgeröll aus der Püttlach 
fanden sich unten nur 3 — 4 Stückchen. 

Ich habe diese an sich fast belanglose Grabung nur deshalb ausführlich 
beschrieben, weil in der P'ränkischen Schweiz Neigung besteht, sie zu einem 
prähistorischen Ereignis der mesolithischen Steinzeit aufzubauschen. Man be- 
zeichnet die Scherben als nicht zu den Feuersteinen gehörig; diese Auslegung 
ist jedoch schlechterdings unzulässig. Wir haben allen Anlaß zu vermeiden, 
daß nicht neuerdings wieder, wenn auch in anderer Art, eine Verdunklung 
klarer Fundumstände einreißt, die dies Gebiet von jeher in Verruf gebracht 
haben. Die Untersuchung, welcher jedenfalls am gleichen Talgehänge noch 
manche andere nachfolgen könnten, hat unumstößlich ergeben, daß es sich 
nur um spät-prähistorische, durchaus einheitliche Zeit handeln kann, etwa 
4. Jahrh. V. Chr. Eine „Siedlung" hat an dieser Stelle nicht bestanden; ob es 
sich wirklich um Kohlenbrennen gehandelt hat, bleibt fraglich, insbesondere des- 
halb, weil die Entfernung zwischen den Felsen und dem Wasser nur 8 — 9 m 
beträgt, heute. In dem, vielleicht 100 m breiten Wiesengrund der Püttlach haben 
aber die Mäanderkrümmungen des Baches häufig ihr Bett verlegt, so daß es 
vor 2000 Jahren sehr wohl bis zu 80 m weiter südlich verlaufen sein kann. 

Was die oberpfälzischen Teile der Frankenalb anbelangt, so ist fest- 
zustellen, daß es an Steinzeitresten durchaus nicht ganz fehlt, nur sind es immer 
Einzelfunde, niemals Siedlungen oder Gräber. Der verdienstvollen Arbeifi von 
Dr. Zeiß ist zu entnehmen, daß sich zuweilen ein Steinzeitmensch vom Süd- 
ufer der Donau in den Jura gewagt und dort ein Steinbeil verloren oder liegen 
gelassen hat. In seinem ausführlichen Fundortsverzeichnis ist die eigentliche 
Oberpfalz unter den steinzeitlichen Aufzählungen nur selten erwähnt. Obwohl 
von der Donau her das leicht zugängliche Naabtat ins Herz der Oberpfalz 
führt, werden doch nur Köbitz („ein Hornsteinsplitter") und Kalimünz genannt 
(„ein Steinwerkzeug, Einzelfund") und „eine schnurkeramische Scherbe, die zu- 
gleich einer der spärlichen jungsteinzeitlichen Reste nördlich der Donau ist". 
Etterzhausen, nahe bei Regensburg („Steinhaue, Einzelfund"), Forstmühle an 
der Karlswiese („Steinbeil, Einzelfund") sowie „einige gernbenützte Höhlen" 
sind noch genannt, dann ist die ganze neolithische Fundstatistik der großen 
Oberpfalz erschöpft. 

• Regensburg, Histor. Ver. Vhdlgn 77 1927 : Dr. H. Zeiß, Die vor- und frühgesch: Besied- 
lung der Gegend um Regensburg. 



330 

Aus einer Grabung von Major Dr. Neischl in der Höhle bei Aderzhausen 
südlich von Amberg, vorhanden im Nürnberger Museum, können noch einige 
Hornsteingeräte mit bronzezeitlicher hübscher Keramik angeführt werden. 
Tafel 94 1 — 5 gibt die Abbildungen dieser Geräte wieder, unter denen besonders 
die schöne Dolchklinge von Plattensilex auffällt. Sie alle sind von Neolithik 
nicht zu unterscheiden, aber die Keramik verweist sie unweigerlich in die 
späte Bronzezeit, Stufe D. Keine einzige Steinzeitscherbe ist unter den zahl- 
reichen keramischen Resten. 

Nordöstlich von Thalmässing liegt Neumarkt i. d. Oberpfalz und l',2kni 
von diesem ist die kleine Ortschaft Holzheim. Aus dieser Ortschaft führt 
nach Osten ein Verbindungsweg auf die Distriktstraße Neumarkt — Altdorf. Nörd- 
lich dieses Weges breitet sich ein öder Anger aus, der aus angewehtem 
Diluvialsand besteht und den Bewohnern der Ortschaft als Hutweide für ihre 
Schweine und als Sandgrube dient, der sog. Schindanger. 

Auf dieser Ödung befanden sich früher Hügelgräber, die vor vielen Jahren 
sehr mangelhaft ausgegraben wurden. Um 1905 veranstaltete der Historische 
Verein Neumarkt Nachgrabungen, durch welche vier Gräber festgestellt wurden. 
Eine Anzahl Gefäße und einige Bronzen gestatten den Schluß, daß sie der Alt- 
hallstattstufe, Hp angehörten. 1 „Bei den Grabarbeiten machte man die Wahr- 
nehmung, daß über den ganzen Anger zerstreut Abfallspäne von geschlagenen 
Hornsteinen und deren „Muttergesteine" (nuclei) lagen, und fanden sich auch 
nach genauerem Absuchen des Terrains eine ziemliche Anzahl Messerchen, 
Schaber, Pfeilspitzen, aus dem erwähnten Steinmaterial geschlagen. Die In- 
strumente sind alle sehr klein und fällt insbesondere ein kleine Pfeilspitze aus 
Rosenquarz auf. Da diese Gesteinsarten an Ort und Stelle ihre natürliche Lage 
nicht haben, außerdem die Steine sämtlich von Menschenhand bearbeitet sind, 
scheint hier eine Werkstätte für Instrumente aus Stein bestanden zu haben. . . . 

Ungefähr 500 m nördlich des ebenbeschriebenen Angers liegt der sog. 
, Dürranger' der Gemeinde Holzheim. Am südlichen Rande desselben, ehe 
er zu dem vorüberfließenden Gewässerchen abfällt, liegen 8 kreisrunde Ver- 
tiefungen je mit einem Durchmesser von 3 — 5 m. Ein in eine solche Grube 
gemachter Probestich brachte in einer Tiefe von 70—80 cm eine starke Brand- 
schicht an den Tag. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, daß man es hier 
mit Wohngruben, sog. Trichtergruben zu tun hat; indessen muß erst die plan- 
mäßige Aushebung dieser Gruben Gewißheit schaffen, wobei dann vielleicht 
auch konstatiert werden kann, ob diese Gruben zu den Sleinfunden oder zu den 
Hügelgräbern des südlicheren , Schindangers' in irgendwelchen Beziehungen 
standen." 

Eine Untersuchung hat bisher nicht stattgefunden. Die Funde vom Schindanger 
bei Holzheim hat Prof. Dr. Birkner beschrieben und abgebildet; mit seiner 
Erlaubnis gebe ich diese Abbildungen hier wieder. Er sagt dazu:^ „Die Haupt- 

' Neumarkt, Histor. Verein, Jahresbericht 1904 und 1905, S. 57 Abb. Tafel V und VII. 
= Das Mesolithikum, S.-A. aus Natur und Kultur, 21. Jahrg., Heft 15/16 S. 10. 



331 

masse der Funde gehört zu den Tardenoisformen, von denen in den Wohn- 
gruben nur ganz vereinzelt Stücke vorl<ommen, die aber dann durch ihre be- 
deutendere Größe sich von den eigentlichen Tardenoistypen unterscheiden. 
Besonders wichtig scheint mir aber in den Oberflächenstationen 
das Vorhandensein von typischen Sticheln, die in den neolithischen 
Wohngruben vollständig fehlen" (von Dr. Birkner gesperrt). 

Es scheint eine Eigentümlichkeit unseres Gebietes zu sein, daß die Stichel 
noch in allerspätester Zeit vorkommen. Ich verweise auf die Abbildungen: 




Mesolithikum von Holzheim 

Tafel 84 a b an der Kirchtalhöhle, im besten Fall altbronzezeitlich; Tafel 885 
Spurzlgrou, Bronzezeit? oder Latene ? ; Tafel 89 1 — 3, 26 Gegend von Thalmässing, 
Bronzezeit bis Latene; Tafel 91 26 — 28 aus der Breit, Jungbronzezeit bis Latene; 

93 18 Mögeldorfer Sandgrube, Hallstatt A; 93 24 Labersricht, (Jung)bronzezeit; 

94 3 Aderzhauser Höhle, Bronzezeit D. Mit alledem soll den Holzheimer 
Funden, wie allen ähnlichen unseres Gebietes, der Tardenois-Charakter nicht 
abgesprochen sein. Daß sie aber der Zeit nach mesolithisch sind, bestreite 
ich entschieden. 



Im Sammelblatt des Histor. Ver. Eichstätt 28. Jahrg. 1913 S. 59 hatKarl 
Gareis „Steinzeitliche Wohnstellen bei Obereichstätt und Konstein" beschrieben 
und auf einer beigegebenen Tafel die dort gefundenen Hornsteinartefakte ab- 
gebildet. Die sorgfältig durchgeführte Untersuchung förderte zuoberst zahl- 
reiche Hallstattscherben zutage, die nach unten spärlicher wurden, „in einer 
Tiefe von 30cm bis 40cm hörten sie auf." „Unmittelbar unter der Hallstatt- 
zeitlichen Schicht fanden sich Artefakte aus Hornstein und diese Funde setzten 



332 

sich fort bis zur gelben Scliicht. Verschiedene Lagen (Schichten) konnten trotz 
sorgfältiger Abhebung nicht erkannt werden, feststellbar war nur, daß die Arte- 
fakte am häufigsten in der Tiefe von 45 bis 55 cm auftraten, meist in einer Schicht 
von sandigem, grauem Humus, die den Übergang zum gelben, humuslosen 
Geröll bildet. Scherben kamen in dieser Schicht außer an einzelnen Punkten, 
wo später durch die hallstattzeitliche Bewohnung Störungen erfolgt zu sein 
scheinen, nicht vor." Weiter unten setzt Gareis hinzu: „Die Fundgegenstände, 
besonders das Fehlen einer diluvialen Fauna machen wahrscheinlich, daß die 
erste Besiedlung unserer Grabungsstelle in frühneolithische Zeit fällt. Auffällig 
ist freilich die Nähe der Hallstattzeitlichen Schicht und das Fehlen aller 
Zwischenschichten; doch um ein entwickeltes Neolithikum kann es sich nicht 
handeln, das beweist das Fehlen jeder Tonware und die primitive Oberflächen- 
bearbeitung der Werkzeuge. Soweit man nach diesen Stichproben urteilen kann, 
wird man sogar zur Überzeugung kommen, daß das Fundmaterial dem Azilien- 
Tardenoisien näher steht als dem Frühneolithikum, wie es uns in Bayern aus 
den Fundplätzen der Fränkischen Schweiz bekannt ist." 

Gareis sandte einige der Hornsteinartefakte an eine unserer Autoritäten auf 
dem Gebiet der prähistorischen Forschung und erhielt den Bescheid, sie seien 
„mit größter Wahrscheinlichkeit spätpaläolithisch, höchstens könne noch das 
Frühneolithikum in Frage kommen". Und auf eine zweite Einsendung von der 
gleichen Fundstelle neigte sich der Gelehrte „vor allem auf Grund eines Stückes 
der Ansicht zu, daß es sich um Neolithikum handele". 

Diese interessante Grabung, und insonderheit die daran geknüpften typo- 
logischen Erwägungen zeigen Eines mit aller Klarheit: daß auch eine Autorität 
auf dem Gebiete der prähistorischen Forschung aus einigen wenigen Stücken 
nicht imstande ist, derartige Vorkommnisse richtig zu beurteilen, wenn die Kennt- 
nis der örtlichen Fundverhältnisse fehlt. Diese kann auch eine Autorität nicht ohne 
weiteres wissen, das ist unsere Sache, die Sache des bodenständigen Heimat- 
forschers, zu der er natürlich auch nicht im ersten Anlauf fähig ist. 

Die Hornsteinartefakte dieser Grabung gehören zu keiner anderen 
als der Hallstattperiode, mit deren Scherben sie zusammen gefunden 
wurden. Die Lagerungsverhältnisse, ausnahmsweise ohne Beimischungen aus 
anderen Zeiten, die Artefakte selbst, die an Tardenoisien-Asilien erinnernden 
Kleingeräte sind völlig typisch für die Metallzeit in unserem Gebiet und wieder- 
holen sich an Dutzenden von anderen Stellen. Gareis war eben auch von der 
verzeihlichen, schematischen Idee befangen: jedes Steingerät muß in eine Stein- 
zeit gehören, denn die Reihenfolge ist Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, punktum. 

Östlich von Eichstätt, im Köschinger Forst, also außerhalb unseres eigent- 
lichen Arbeitsgebietes, liegt die große Hügelgruppe im Waldteil „Auf der 
Leber", von der 1909 auf Veranlassung des Gutsbesitzers Koni. -Rat Nold 
10 Hügel von uns und 5 Hügel vom Histor. Verein Ingolstadt abgegraben 
wurden. Über unsere Grabung ist Seite 77 bis 120 dieses Bandes berichtet 
worden. Die Hügel enthielten Bestattungen der Bronzezeitstufe B mit Nach- 



333 

bestattungen der jüngsten Hallstattzeit. Die dort gefundenen zahlreichen Stein- 
geräte sind S. 107, 108 und Tafel 38 abgebildet. Manches davon könnte man 
für mousterienartig, primitiv, halten, das meiste wird man geneigt sein als 
hochneolithisch anzusprechen, besonders die schöne Pfeilspitze 92 Tafel 38. 
Und alles ist Bronzezeit B!, denn nur diese und Hallstattstufe D waren in 
den Gräbern vertreten. 

Das der Pflege der Anthropologischen Sektion unterstellte prähistorische Ge- 
biet von Thalmässing umfaßt die Eichstätt benachbarten Juragebiete der 
Fränkischen Alb diesseits des Limes, der alten römischen Reichsgrenze, mit 
der Lias- und Keuperbucht gegen Hilpoltstein und Roth. Als Vertrauensmann 
unserer Gesellschaft wirkt dort seit 1911 der schon öfter in unseren Abhand- 
lungen erwähnte (s. unter anderem S. 286 dieses Bandes) Franz Kerl. Eine 
seiner verdienstvollsten prähistorischen Tätigkeiten ist die Beaufsichtigung der 
Äcker und Felder. Zwischen Greding und Hilpoltstein sowie auf den Jura- 
höhen sind viele Örtlichkeiten, die bei jedesmaligem Begehen Oberflächen- 
funde liefern, ohne daß je eine Grabung Erfolg hätte. Bis jetzt zählen wir 
dort 45 Fundstellen. Seit einigen Jahren hat sich Sparkassenbeamter Hans 
Wechsler-Hilpoltstein den Kerl'schen Ackerbegehungen angeschlossen, und 
beide wetteifern in erfolgreichem Finden. Das Gefundene besteht zumeist aus 
Flintgeräten; lange Zeit waren wir geneigt, sie für steinzeitlich zu halten, 
S.Deutsche Gaue 1915 Heft 96, Denkm.d. Heimat S.6. Zum Glück aber sammeln 
die Herren nicht nur die Flintsachen, sondern auch alle anderen auf Prähistorie 
bezughabende Gegenstände, insbesondere Scherben und die geringfügigen 
Bronzereste. Im Lauf der Jahre ist das Material stark angewachsen. Es zeigte 
sich, daß unter den Scherben niemals auch nur eine einzige Steinzeitscherbe 
vorkam, sie verteilten sich immer nur auf die Stufen von Bronzezeit B bis 
Latene A, D, wie es auch den Gräbern und den Besiedlungsverhältnissen des 
Gebietes entspricht. Seine rechte Bedeutung aber erhält diese Beschränkung 
durch die Tatsache, daß dort noch nie eine Steinzeitsiedlung, noch nie 
ein Steinzeitgrab angetroffen wurde; Prof. Mehlis' und Apotheker Ziegler^ 
würden sicher etwas davon erwähnt haben. Auch der 84 jährig vor einigen 
Jahren verstorbene Prähistoriker Bader Ellinger in Alfershausen wußte nie 
etwas von Steinzeitfunden zu erzählen. Unsere eigenen Grabungen ergaben 
wohl zahlreiches Steingerät aber nie ein Steinzeitgrab ; Appenstetten (s. Tafel 65, 66 
dieses Bandes) warBronzezeitstufeB, Dixenhausen in den Martersäulenäckern 
Bronzezeitstufe D, s. Tafel 77. Es wäre blanke Willkür, wenn die sonstigen 
in den Martersäulenäckern gefundenen Flintgeräte (einige sind Tafel 77 auch ab- 
gebildet) der Steinzeit zugeschrieben würden. 

Die meisten aller Funde der Sammlung Kerl sind Kleingeräte von Hornstein 
oder Jaspis; sie entsprechen vollständig den gleichen Miniaturgeräten der Frän- 
kischen Schweiz Tafel 91 und 92, deshalb sind sie auch um Wiederholungen 

■ Im Arch. f.Anthrop. 1884 15. Bd. 

' In den verschiedenen Jahrgängen von Naue's Prähistor. Blättern. 



334 

zu vermeiden, hier nicht abgebildet. Nur ist das Hornsteinmaterial etwas besser 
und deshalb sind auch die Geräte volil<ommener. Die guten Stücl{e gibt die 
Tafel 89 wieder. Es sind Stücke von hoher Vollendung darunter, die man 
ohne weiteres ins Hochneolithikum einzureihen versucht ist. Derartiges fehlt 
in der Fränkischen Schweiz vollständig. Es seien nur die tadellosen Pfeilspitzen 
9, 14 — 21 , 23, 24, 29 hervorgehoben ; die handspitzenartigen rundum bearbeiteten 
Stücke 5, 8; die über beide Flächen abgeblätterten, nach Art der nordischen 
Dolche behandelten „Weiden- oder Lorbeerblattspitzen" 6, 11 — 13. Ähnliche 
fanden sich ja auch an der Kirchtalhöhle Tafel 85 4, 10. Besondere Erwähnung 
verdient jedoch das hervorragend schöne Krummesser Tafel 89 7, das vielleicht 
auch als Säge oder Sichel gedient hat. Dr. Franz bildet eine ganze Anzahl 
solcher aus den Mondseepfahlbauten ab.' Der Typus kommt massenweise im 
Norden vor, ebenso wie in Ägypten; wir besitzen in der Rehlensammlung 
6 schöne Beispiele dafür aus dem Fayum, Abusir el Melek. Unser Messer ist 
aus Kieselschiefer, die untere Seite ist ganz flach, mit Rinde überzogen; an 
der höchsten Stelle der Vorderseite, das ist der scharfkantige Halbkreis in der 
Mitte des Blattes, ist es 9 mm dick. Das 2,8 cm breite Hinterende scheint ge- 
schattet gewesen zu sein und einige dem Stein aufsitzende glänzende Pünkt- 
chen sind vielleicht Rückstände des dabei verwendeten Harzes. Dr. Franz und 
Dr. Weninger erwähnen S. 20 einen Depotfund aus Storvreta bei Uppsala, 
den Sune Lindquist veröffentlicht hat, Lanzenspitzen und Tüllenaxt aus Bronze, 
dabei eines dieser Krummesser oder Flintsägen. Die Bronzegegenstände ver- 
setzen den Fund in die Stufe II der nordischen Bronzezeit. Sie sehen darin 
einen neuerlichen Beleg dafür, daß im Norden Stein noch in der ausgebildeten 
Bronzezeit zur Verwendung gelangt ist. Seite 109 dieses Bandes ist eine nam- 
hafte Zahl von Autoren angeführt, welche die Verwendung von Steingerät in 
den späten Metallzeiten gleichfalls betonen. Unser Krummesser ist auf einem 
den Martersäulenäckern bei Dixenhausen benachbarten Feld aufgelesen, auf 
welchem sich außerdem noch schönes Rohmaterial von Jurassischem Kiesel- 
schiefer und ein später Spinnwirtel fand, der kaum in die Hallstatt-, vielleicht 
eher in die Latenezeit gehört. Die angrenzenden Martersäulenäcker haben 
Gräberfunde der Bronzezeitstufe D ergeben, s. S. 285. Wenn wir daraus auch 
nicht schließen dürfen, daß das Krummesser der gleichen Stufe angehört, so 
erlauben die örtlichen Verhältnisse doch nicht, es für älter als höchstens B, 
zu halten. Das ist die äußerste Konzession, die zugestanden werden kann und 
das gilt nicht nur für dieses Stück, sondern für alle die Feldfunde insgesamt. 
Manche davon gehen sicherlich mit den begleitenden Scherbenfunden auch 
in die jüngeren Metallzeiten. Indessen ist das eine nicht in jedem Fall be- 
weisbare Annahme. Sicher dagegen ist, daß die Gegend dort ebenso wie unser 
Jura nicht früher als zur älteren Hügelgräberbronzezeit besiedeh wurde. Und 
so lange, als hier nicht mit noch älteren Gräbern oder Siedlungen ein Gegen- 
beweis geliefert wird, bietet Bronzezeitstufe B, das heißt die Jahre 1800 bis 

' L. Franz und J. Weninger, Die Funde a. d. präh. Pfalilbautcn im Mondsee, Wien 1927, 
Tafel 31, 1-8. 



335 

1600 V. Chr., die älteste Möglichkeit zur Einführung der Flintgeräte in die 
Gegend von Thalmässing. Die meisten dürften der jüngeren Bronzezeit an- 
gehören und wenn Bronzen sich dabei finden und wenn sie bestimmbar sind, 
gehören sie in diese Zeit, siehe 17 Tafel 89. 

Außerdem befinden sich Klingen aller Art darunter wie bei der Kirchtalhöhle 
Tafel 84; Stichel Tafel 89 1 -3, 26; Bohrer Tafel 93 5—7, 9—13. Geometrische 
Kleinformen sind seltener, fehlen aber gleichfalls nicht, Tafel 89 22, 23, wie ja 
auch Steinbeile aus Felsgestein in ganzen Stücken und in Trümmern ver- 
treten sind. 

Als Gräberfunde sind sie nicht zu bezeichnen, wenn auch manche aus zer- 
störten Gräbern stammen werden. Den Formen und Fundumständen nach 
sind es wie diejenigen der Fränkischen Schweiz Oberflächenfunde des Tar- 
denoisien also, nur mit dem Unterschied, daß sie viele Tausend Jahre jünger sind. 

Der Gegend von Thalmässing, Hilpoltstein, Roth schließt sich nach Westen 
das Ansbacher Gebiet an, mit welchem der Kreis Mittelfranken sich fort- 
setzt bis zur württembergischen Grenze längs der Tauber. 

Hier hat Karl Gumpert-Ansbach in gleicher Weise wie Frz. Kerl in der 
Thalmässinger Gegend gearbeitet und ein erstaunlich reiches Fundmaterial auf- 
gesammelt, das in verschiedenen Veröffentlichungen, unter anderem auch in 
der reich mit Illustrationen ausgestatteten Monographie Nr. 40 der Mannus- 
bibliothek, „Fränkisches Mesolithikum", erschienen ist. Der Verfasser hat eine 
außerordentlich glückliche Findergabe, seine Steinfunde umfassen viele Tausende 
von Nummern und sind in verhältnismäßig kurzer Zeit zusammengebracht 
worden. Sie unterscheiden sich in nichts von den in unserer Sammlung auf- 
gehäuften, nur in der Beurteilung gehen wir weit auseinander. Indem er sein 
Material auch zeitlich nicht nur der Form nach ins Mesolithikum versetzt, das 
13000 bis 6000 Jahre vor Christi gestellt wird, schießt er weit über die Wirk- 
lichkeit hinaus. Die Fundverhältnisse um Ansbach, unserer Nachbarstadt, liegen 
um kein Haar anders als bei uns. Hier wie dort und im Fränkischen Jura 
gehören diese Silexformen in die Metallzeiten, d. h, von den 6 oder 15 Jahr- 
tausenden v. Chr. ist rund eine Null zu viel und erst wenn diese gestrichen 
wird, kommt man auf eine annähernd richtige Basis. Überall finden sich mit 
den Silexformen metallzeitliche Scherben, beide sind nicht zu trennen. Natür- 
lich kann man sie weglassen; aber dann ergibt sich ein falsches Bild der 
Besiedlung. 

In der Gumpert'schen Arbeit ist eine steinzeitliche Wohngrube abgebildet 
und beschrieben. Er hat eine Schutzhütte darüber gebaut und sie mit mit einer 
Inschrift versehen lassen. Eine Anzahl angesehenster Fachleute haben sie be- 
sichtigt und sind zu entgegengesetzten Urteilen darüber gelangt. Auch die 
amtlichen Stellen haben sich mit der aufsehenerregenden Entdeckung befaßt; 
der GeoIogedesWasserversorgungsamtsinMünchen Oberregierungsrat Dr.Reuter 
hat ein sehr ausführliches Gutachten erstattet und es ist nur schade, daß es nicht 
veröffentlicht wurde. Diesem amtlichen Schriftstück darf ich folgendes entnehmen : 



336 

.Bei der örtlichen Einsichtnahme (Nov. 1924) auf Veranlassung und unter Führung von Herrn 
Bezirksamtmann Dr. Kalb-Ansbach stellte ich in geologischer Hinsicht fest, daß die festgepackte 
SteinschUttung, über der sich nun die Steinzeithütte erhebt, am obersten Ende eines kleinen 
Quelltälchens liegt. 

Die Plateaus in dortiger Gegend verdanken ihre ebenen Flächen einer harten Schicht von 
„Blasen-Sandstein", die gewissermaßen als harte dünne Decke auf Keupermergel liegt. Sie ist 
an den Plateaurändern gewöhnlich nur einige Dezimeter mächtig. Unter ihr liegt zunächst 
grünlichgrauer, dann rotbrauner Keupermergel, die sog. .Lehrberg-Stufe'. 

Die Sandsteindecke saugt sich mit dem Wasser der atmosphärischen Niederschläge voll; dieses 
fließt dann als Grundwasser den kleinen Quellmulden an den Plateaurändern zu und tritt hier 
in Form kleiner Quellen wieder zutage. 

Eine solche kleine Quellmulde liegt gerade an der .steinzeitlichen Hütte". Betrachtet man 
auf den beiden Profilskizzen der Gumpert'schen Broschüre die anstehenden natürlichen Boden- 
schichten, so sieht man beiderseits die Blasensandsteinplatte steil abbrechen und dazwischen 
den Mergel der Lehrbergstule frei gelegt. In dieser Unterbrechung der Blasensandsteinplatte 
Hegt die durch Menschenhand eingebrachte .Steinsetzung" unmittelbar auf .graugrünem fest- 
anstehendem Ton' (-Lehrberg-Mergel). 

Derartige Quellmulden sind überall in Franken, wo die Blasensandstein-Quellen entspringen. 
Je nach der austretenden Wassermenge sind sie bald mehr, bald weniger breit und tief. Sie 
sind durch das herabfließende Wasser im Lauf der Zeit ausgewaschen worden, also durchaus 
natürlicher Entstehung. 

Soweit die geologischen Grundlagen. Sie führen zu folgender Auswertung für vorliegen- 
den Fall: 

Der von Eyb nach Nord fuhrende Feldfahrweg quert an der Gumpert'schen .steinzeitlichen 
Wohngrube" das oberste Ende der genannten Quellmulde. Er hat auf seinem übrigen Verlauf 
auf der Hochfläche festen Sandsteinuntergrund, ist also hier überall gut fahrbar. Nur beim 
Queren der Quellmulde kommt er auf den weichen Keuperletten. Ähnliche Beobachtungen 
kann man gelegentlich auch anderwärts machen. Man bessert solch schlechte Wegstellen aus 
durch Einwerfen loser Steine, wie sie auf den Feldern der Umgebung ausgepflügt werden. 
Im Lauf der Zeit wird die lose SteinschUttung fest gefahren, so daß eine feste Steinpackung 
zustande kommt. Dieser Vorgang mag sich hier vielleicht schon vor Jahrhunderten abgespielt 
haben. Doch auch die letzte Wegkorrektion, bei der die umstrittene Steinpackung angetroffen 
wurde, war letzten Endes dadurch bedingt, daß gerade an dieser Stelle der gewachsene Fels- 
boden fehlt. 

Nach der Annahme des Herrn Gumpert hätten die Steinzeitleute die 15 cm dicke Blasen- 
sandsteinplatte ausgebrochen und das dabei entstandene nasse Loch durch Einlegen von Steinen 
wieder trocken und bewohnbar gemacht. Diese Annahme führt unwillkürlich zu der Frage: 
Warum sind die Steinzeitleute nicht auf der trockenen festen Felsplatte geblieben, die doch 
g enug Raum und viel bessere Wohnverhältnisse bot als das feuchte Erdloch am oberen Ende 
der Quellmulde? 

Weiteres Eingehen auf diese Frage, sowie eine Äußerung über die gefundenen Holzkohlen- 
reste dürfte sich hier erübrigen.' 

München, den 3. April 1925. 

gez. Dr. Reuter, Landesgeologe. 

' Dr. Reuter hat sich schon in seiner .Geologie von Mittelfranken' 1926, bzw. im .Abriß der 
Geologie von Bayern r. d. Rh." 1927, Abt. IV S. 34 mit der Angelegenheit beschäftigt. Er sagt 
dort: .Bei Bechhofen und Wieseth wurden diese Hornsteinknollen seit alter Zeit gegraben und 
zu Straßenschotter zerkleinert; bis zum Jahre 1888 wurden auch die Staatsstraßen in der Um- 
gebung von Ansbach damit beschottert." In einer Anmerkung sagt er noch zu diesem Satz: 
.Für Sammler prähistorischer Altertümer liegt die Versuchung nahe, die Anhäufungen von Horn- 
steinen und Hornsleinsplittern im Keupersandsteingebiet auf die Tätigkeit der Steinzeitmenschen 



337 

Diese Erklärung bekanntzugeben ist notwendig, denn sonst geht es nach 
einigen Jahrzehnten wie mit dem berühmten Runenstein im Aichach bei Groß- 
habersdorf, den ein begeisterter Altertumsfreund, Reg.-Rat Reimitsch — auch 
ein Ansbacher — im Jahr 1804 heimlicherweise errichten ließ.» Alle paar Jahre 
erhält unsere Anthropologische Sektion eine Zuschrift: gestern habe ich im Wald 
einen Druidenstein entdeckt. Ist der schon bekannt? 

Im Fränkischen Keupergebiet ist bisher ebensowenig wie im Jura eine allu- 
viale Steinzeitbesiedlung angetroffen worden. Die Neolithiker umgingen das 
Gebiet in weitem Bogen. Steinzeitlich besiedelt waren das Maintal und die 
Gelände um die Donau stark bevölkert auch das Ries und die Gegend an 
der Altmühl, am späteren Limes und bei Gunzenhausen. Es genügt, auf die 
Veröffentlichungen von Dr. Hock, Dr. Eidam, Dr. Frickhinger,fürdieGegend 
um Regensburg auf Dr. Zeiß" zu verweisen. 

Es ist gewiß auffallend, daß die Steinzeitleute vor der Urwaldgrenze bei Gunzen- 
hausen Halt gemacht zu haben scheinen, geradeso wie ein paar Tausend 
Jahre später die Römer ihren Limes am Urwaldsaum entlang führten. Das 
feuchtkalte, waldfreundliche Klima wehrte ihnen das Eindringen in die großen 
Wälder. In der trockenwarmen Periode der jüngeren Steinzeit sollte der Wald 
zugänglich gewesen sein, wenn er überhaupt existierte. Und wenn dies nicht 
zutrifft, könnte das Gebiet doch von Norden her zugänglich gewesen sein. 
Aber dieser Weg ist auch nicht beschritten worden. Aus einer freundlichen 
Mitteilung Dr. Hocks und aus unseren eigenen Erfahrungen geht hervor, daß 
aus dem ganzen westlichen Mittelfranken bis an die württembergische Tauber- 
grenze weder ein Steinzeitgrab noch eine Siedlung bekannt ist. Pfarrer Wilke 
hatte seinerzeit südlich von Hellmitzheim eine Anzahl Steinbeile gesammelt, 
die sich z. T. jetzt im Luitpoldmuseum in Würzburg befinden. Aber auch sie 
erlauben, wie Dr. Hock sagt, keinen Schluß auf eine Steinzeit in diesem Ge- 
biet; es ist in unserem Westen genau so wie im Osten. 

zurückzuführen, wie dies z. B. in einer Notiz über steinzeitliche Funde bei Ansbach geschali 
(in der Ztschr. Germania, 1925, IX, Heft 2). Demgegenüber sei erwähnt, daß der obere Keuper 
außerordentlich reich an Hornsteinen ist und daß im fränkischen Keupergebiet zahllose Horn- 
steinsplitter überall an den Stellen herumliegen und im Verwitterungsboden stecken, wo jetzt 
noch Hornsteine auswittern oder in historischer Zeit gebrochen und zu Feuersteinen verarbeitet 
oder zu Straßenschotter zerkleinert, verfrachtet und verwendet wurden." 

Alle Qumpertschen Funde auf diese Herkunft zurückzuführen ist nicht angängig. Dort, 
ebenso in anderen Teilen unseres Gebietes, ja, wie Childe sagt .Von Schottland bis Indien" 
(S. 347) finden sich allenthalben zweifellose Feuersteinartefakte in Mengen auf der Bodenober- 
fläche, obwohl nicht mit Hornsteinen geschottert wurde. Das erklärt sich eben daraus, daß 
noch lange in nachneolithischer, meiner Überzeugung nach selbst noch in geschichtlicher Zeit 
Hörn- und Feuersteinmaterial zu Arbeitszwecken Verwendung fand. 

' Ansbach, Histor. Ver. f. JVliUelfranken I Jahrsber. 1830 S. 14. Die Runenschrift soll lauten: 
Stainr dansi i rangi: noa varleg vigands tüitsmer i Zannua — rainistr risti Alfruner, di: dieses 
ist der Grabstein des Mannes Auginoa Varleg Wigands und Teutschmanes aus Zannua (Langen- 
zenn) — Den Grabhügel hat errichtet Alfruner. 

' Regensburg, Histor. Ver., Verhdlgn 77 1927, Die vor- und frühgeschichtliche Besiedlung 
der Gegend um Regensburg. 



338 

Das unserem Gebiet und unserem Teil des Jura nächstgelegene steinzeit- 
liche Vorkommen aus den Jahren 2500 — 2000 v. Chr. haben die Professoren 
Hock und Räbel im Regnitztal bei Forchheim festgestellt, nahe dem Dorf 
Kersbach.i Es sind Gräber der Zonenkeramik mit sehr schönen Gefäßen, sog. 
Glockenbechern und einem sehr gut gearbeiteten Dolch aus Jura-Hornstein, 
fast 13 cm lang. Sie befinden sich im Pfalzmuseum zu Forchheim. Das Reg- 
nitztal ist klimatisch fast ebenso begünstigt wie das Maintal. Mit dem Früh- 
lingsanfang, 29. April bis 5. Mai, ist es dem Jura, 13. — 19. Mai um volle 
14 Tage voraus.- Ob das für die allgemein warme Zeit des Neolithikums ein 
besonderer Vorzug war, wissen wir nicht, man könnte es aber annehmen. 

In der Sammlung der Naturhistorischen Gesellschaft befinden sich zwei stein- 
zeitliche Gefäße, die angeblich vom „Beckenzipfel" bei Kersbach am Rothen- 
berg stammen sollen. Eines davon ist ebenfalls ein Zonenbecher. Sie waren 
ehedem im Besitz des Kommandanten der Festung Rothenberg, Oberst Gem- 
ming. Eine solche Örtlichkeit ist dort jedoch nicht bekannt. Nach Entdeckung 
der ähnlichen Kersbacher Gefäße bei Forchheim lag es nahe, „an eine Ver- 
wechslung der Namen zu denken, so daß auch der Nürnberger Becher früher 
einmal durch irgendeinen Zufall zwischen Kersbach und Forchheim zutage 
gekommen sein müßte. Die Provenienz der ganzen in Nürnberg verwahrten 
Fundgruppe (es fallen eine größere Anzahl Gefäße der verschiedensten Zeiten 
unter die gleiche Herkunftsangabe) ist jedoch so dubios, daß man sie besser 
aus dem Spiele läßt" (Hock). Prof. Reinecke schreibt den Gefäßen Thüringer 
Herkunft zu, siehe seine Feststellung S. 340. 

Die Angaben von neolithischen Funden von Nordostbayern betrachtet 
auch Prof. Hock mit berechtigtem Zweifel. „Die bisher beobachteten neolithi- 
schen Einschlüsse in den dortigen Jurahöhlen sind verhältnismäßig bescheiden, 
das vereinzelte Auftreten neolithischer Artefakte an anderen Orten, so bei Lichten- 
fels, auf dem Staffelberg, auf der Ehrenbürg, bedarf noch weiterer Aufklärung 
und zeitlicher Fixierung." ^ 

Über die zahlreichen Steinzeitkleinfunde der Sammlung des t Obersanitäts- 
rats Dr. Roßbach-Lichtenfels wage ich gleichfalls kein Urteil abzugeben, da mir 
die dortigen Verhältnisse zu wenig bekannt sind. Ich kann deshalb nur eine 
ebensolche Zurückhaltung beobachten wie Prof. Hock. 

Nach den wenigen von der Ehrenbürg oder dem Walperla herrührenden 
Zufallsfunden läßt sich vorläufig nur sagen, daß die Besiedlung erst in den 
späten Metallzeiten einsetzt, etwa in Hallstattstufe C. Planmäßige, spätere Unter- 
suchungen werden daran vielleicht noch etwas ändern. Wie mir Prof. Räbel 
freundlichst mitteilt, befindet sich im Forchheimer Pfalzmuseum nichts, was 
auf eine Steinzeit am Walperla schließen ließe. Unsere Sammlung hat nur ganz 
wenig von dort, darunter die kleinen Flachbeilchen Nr. 10 und Nr. 15, siehe 
Tafel 96. 

' Steinzeitl. Funde v. Forchheim; Erlanger Heimatbuch 1925 S. 111. 

* Ihne, Phänolog. Karte des Frühlingseinzuges in Mitteleuropa; Peterm. Mittlgn 1905 51 S.97. 

' Steinzeitl. Funde bei Forchheim S. 111. 



339 

Außer den Gräbern bei Forchheim weiß ich noch von einem angebhch 
steinzeitiichen Grab im Eigentum des Gutsbesitzers Merkenschlager, Haus- 
iach bei Georgensgmünd. Die Fundstelle habe ich besichtigt, leichte Schür- 
fungen in der Nähe des Grabes waren erfolglos. Den Angaben zufolge lag 
ein Steinbeil (die Form s. Tafel 97 Nr. 8) einer Leiche „auf der Brust". Die 
etwas verworrenen Angaben über den Fund, der eine lange Zeit zurückliegt, 
sind nicht zu verwerten, zumal auf Scherben nicht geachtet wurde. 

Zu den beiden Steinzeitscherben von Rössener Typus, welche bei der Stempfer- 
mühle gefunden sein sollen und seither nicht mehr aus der Literatur ver- 
schwinden wollen, hat Prof. Dr. Reinecke die Güte, das Folgende mit- 
zuteilen: 

„Die Fränkische Schweiz hat, soweit ich das von einwandfreier Seite aus Höhlen oder son- 
stigen Siedelungsplätzen gehobene Scherbenmaterial (iberbUcke, immer noch keinen Anhalt ftir 
das Vorkommen neolithischer Keramik ergeben, im Gegensatz zu den Höhlen vom Ostrande 
der Rauhen Alb wie vom Kelheimer Gebiet, von der unleren Naab und aus dem Vilsbecken. 
Die endneolithischen Gräber der Glockenbecherstufe aus Kerbach bei Forchheim enthalten die 
bis jetzt ältesten keramischen Belege des weiten Gebietes, das im Norden, Westen und Süden 
vom Main, Regnitz und Pegnitz umschlossen wird. Von den wenigen „neolilhischen" Scherben- 
proben aus Höhlen des Wiesentgebietes in der Prähistorischen Abteilung der Staatsmuseen in 
Berlin halte ich die Stücke, die hier neuerdings als Altheimer Typus bezeichnet wurden, für post- 
neolithisch, während die Scherben im Rössener Charakter (Stempfer Mühle usw.; s. Tafel 87 11, 14) 
meines Erachtens nicht mit der gangbaren .Rössener" Ware süddeutschen bzw. bayerischen 
Charakters übereinstimmen, sondern eher in Mitteldeutschland zu Hause sein dürften. Diese 
letzteren Stücke kamen bekanntlich nicht etwa bei Grabungen von fachkundiger oder verläß- 
licher Seite zum Vorschein, sondern wurden erkauft von einem als unzuverlässig geltenden 
„Finder", der beim Absatz von Grabhügel- wie auch Höhlenmaterial beteiligt war. 

Über die seinerzeitigen Fälschungen von Knochen- und Schiefergerät aus Höhlen der Frän- 
kischen Schweiz brauche ich mich nicht weiter auszulassen. Um derartige „Höhlenfunde" zu 
legitimieren, haben ihnen die Verkäufer auch gute große, benachbarten Tumuli entnommene 
Hügelgräberscherben der jüngeren Hälfte der Hallstattzeit beigemengt, offenbar weil das den 
Höhlen entstammende Scherbenmaterial meist viel kleinere, also nicht recht museumsfähige 
Stücke aufweist. Hier wie auch anderwärts bei uns fehlen nun, wie wir heute wissen, gerade 
die beiden jüngeren Stufen der Hallstaltzeit unter den geläufigen Siedelungsniederschlägen, zu- 
dem gehören große Terrassenschüsseln oder Hallstatturnen, deren Bruchstücke in erster Linie 
beigemengt wurden, doch wohl mehr nur zur Grabausstattung. Weiter wurden von diesen Ver- 
käufern auch Grabhügelfunde des Gebietes vertrieben, denen einzelne gefälschte Knochen- oder 
Schiefersachen beigegeben waren, um auch auf diesem Wege die Echtheit des ganzen Materials 
zu beglaubigen. Die Knochen- und Schieferfälschungen sollten vor allem ja eine sleinzeitliche 
Kultur in den Höhlen des Gebietes vortäuschen. Nach meinem Dafürhalten wurden zu diesem 
Zweck auch aus Mitteldeutschland bezogene Gefäßreste neolithischen Charakters beigemengt. 
Die Ausbeutung der Gräber in Rossen bei Merseburg geht ja größtenteils auf einen baye- 
rischen „Ausgräber" jener Zeiten zurück. Auch sonst sind damals und später aus dem Norden 
Fremdgegenstände nach Oberfranken gekommen. Z. B. besitzt die Berliner Abteilung von einem 
Verkäufer in Bayreuth seit jenen Zeiten einen nordischen Feuersteindolch, der als nordischer 
Import von Bayreuther Fundort einmal eine Rolle gespielt hat, obwohl in einer gedruckten Er- 
wähnung der Verkäufer ehrlicherweise angab, daß ihm der Fundort des Stückes unbekannt 
sei. In neuerer Zeit tauchen in Oberfranken mit bestimmt klingender Fundortsangabe nordische 
Feuersleinsachen auf, älinlich im Laufe der Jahre wiederholt auch in Südbayern, ohne daß in 
irgendeinem der Fälle die Angaben kritischer Nachprüfung standhielten. Nach wie vor werden 



340 

wir deshalb jene „Rössener" Scherben von der Stempfer Mühle usw. als unbeglaubigte Funde 
aus oberfränkischem Boden ablehnen müssen. 

Die seinerzeit von Nürnberg und Ansbach aus der Sammlung Gemming übernommenen 
neolithischen Gefäße verschiedener Typen mit der Fundangabe „Kersbach" (gemeint war der 
Ort im Bez.-A. Hersbruck, wo Gemming vor annährend einem Jahrhundert in den Grabhügeln 
gegraben halte) stammen nach den von Gemming 1865 in Mainz anläßlich der Nachbildung 
einiger dieser Vasen ausdrücklich gemachten Angaben aus .Anhalt-Zerbst". 

München, 23. April 1928. „ ^ . , 

P. Reinecke. 

Aus anderen unserer älteren Ausgrabungen habe ich einige Flintgeräte her- 
vorgeholt und abgebildet. Früher hat man in den Hügeln nur nach Bronze und 
Eisen gefahndet, Steingeräte bestenfalls zwar im Protokoll erwähnt, sonst aber 
so gut wie unbeachtet gelassen und auch jetzt noch werden diese Angaben 
stets übersehen. 

Tafel 88 untere Hälfte, Silex-, das heißt Hornsteingeräte aus Hügel 3 von 
Labersricht; keine hervorragenden, recht gewöhnliche Sachen. Nur das letzte 
Stück, von dem 22 die Vorder-, 23 die Rückseite darstellt, hebt sich auffallend 
heraus. Es ist ein plumper Kratzer mit kräftiger, guter Stirnretusche, 57 mm 
lang, 33 mm breit, in der Mitte 13 mm dick. Er besteht aus zwei Hälften, einem 
großen oberen Teil, 41mm lang, und einem unteren, 16 mm kleinen runden 
Zapfen. An der Teilungsstelle ist er durch Einkerbungen am Rand und durch 
eine tiefe Furche auf Vorder- und Rückseite scharf vom oberen Teil getrennt. 
Letztere ist auf der Unterseite vollkommen flach, der Zapfen auf beiden Seiten 
dagegen rundum retuschiert. Unter unseren Flintsachen vom Hohlen Fels be- 
findet sich ein Stück, 7221 355, welches ganz dieselbe eigenartige Form auf- 
weist, es ist nur flacher. 22/23 ist aus Hügel X Fund 16, 3 m von der Mitte, 
40cm tief, mit Funden der Bronzezeitstufen C-D gefunden, demnach etwa 
1400 v.Chr. Obenauf war, ebenso wie im vorerwähnten Hügel III, eine H 3- 
Bestattung. 

Die von uns lange Zeit hindurch der Jungsteinzeit zugeschriebene Mögel- 
dorfer Sandgrube bei Ebensee, einem Vorort Nürnbergs, lieferte die Geräte 
der Abbildungen 14—21, Tafel 93. Man wird gerne zugeben, daß die Täuschung 
verzeihlich war. 

Aus der Mögeldorfer Sandgrube holte die Maschinenbau-A.-G. Nürnberg ihren 
Formsand, und sie war fast erschöpft, ehe wir davon erfuhren. Erst spät ge- 
langten Scherben mit unzweifelhaftem Hallstatt-A-Charakter in unsere Samm- 
lung, und wir erfuhren, daß auch Bronzen der gleichen Zeit nach auswärts ge- 
wandert waren. Heute ist die Fundstelle als Urnenfriedhof der Althallstattstufe A, 
1200 — 1000 V. Chr., allgemein anerkannt. Die schöne Speerspitze 15, von Frau 
Fickenscher gefunden, 68 mm lang, 22 mm breit, ist ein spätes Prachtstück neo- 
lithischer Technik in den Metallzeiten, gleichwie der Dolch oder die Lanzen- 
spitze 16, die 128 mm lang, 39 mm breit ist, also genau dieselben Ausmaße 
besitzt wie der Prachtdolch von Kersbach im Museum zu Forchheim.' Unsere 

' Siehe die Abbildung in Hock, Steinzeitl. Funde v. Forchlieim, Erlanger Heimatbuch, 1925. 



341 

Abbildung ist nach dem Gipsguß in unserer Sammlung gemacht, das Original 
befindet sich in Nürnberger Privatbesitz. 

Zu den übrigen Abbildungen aus der gleichen Fundstelle erübrigen sich 
Bemerkungen. 

Die Figuren 22 und 23 Tafel 93 stammen aus dem Urnenfriedhof von Alten- 
sittenbach bei Hersbruck, der gleichfalls in einer Niederterrasse der Pegnitz 
liegt und der gleichen Zeit 1200 — 1000 v. Chr. angehört. Die spärlichen, aus 
dem reichen Umenfeld geretteten F^unde sind in unserer Sammlung. 

Nr. 24 der gleichen Tafel ist ein Stichel aus Hügel VllI von Labersricht; in 
L. Wunders gedruckten Bericht über die Grabung nicht erwähnt, jedoch im 
Grabungsplan eingezeichnet. Er trägt die Nummer 7491 18. 

Für gewöhnlich nimmt man an, daß Stichel- und Bohrerformen (Burins und 
Per^oirs) nur dem Jungpaläolithikum vorbehalten waren, in den späteren Stein- 
zeiten aber nicht mehr vorkommen. Das ist an und für sich nicht richtig, denn 
unter den spätneolithischen Funden von Isling bei Regensburg sind sie gleich- 
falls vertreten. In der oberen Hälfte der Tafel 93 habe ich eine Anzahl Stein- 
bohrer unserer Metallzeiten wiedergegeben. Vor allem das Prachtstück eines 
Bohrers bzw. eines Universalinstruments 1. Die 80 mm lange Klinge hat an ihrer 
ganzen linken Längsseite zierliche Retuschen; auf der rechten Seite beschränken 
sie sich auf die obere Hälfte. Die Basis bildet einen Kratzer, der von der 
Ober- und Unterseite gleich sorgsam gedengelt ist. Der lange Hals, der den 
Bohrer bildet, ist über die Spitze und beiderseits durch Abpressen und Drücken 
erzielt. Die Unterseite ist nur an der unteren Basis und auf der linken Seite 
noch 2 cm darüber sich leicht verlierend retuschiert, im übrigen aber völlig glatt. 

Das Stück gehört zu Hügel Vill von Labersricht, in dem gleichfalls bronze- 
und hallstattzeitliche Beerdigungen angetroffen wurden; zu ihm gehört der 
Stichel 24 derselben Tafel unten. 

Nr. 2 derselben Tafel ist ein Bohrer gleicher Art und gleicher Sorgfalt wie 
der vorgenannte, aber abgebrochen. Er gehört in die Schicht 15 der Kirch- 
talhöhle. Ebendahin gehört auch der Bohrer 3. 

Nr. 4 ist ein ziemlich kräftiger, 56 mm langer, 8 mm dicker Bohrer, rundum 
überarbeitet. Er stammt aus Hügel I vom Mühlanger Fund Nr.3. 

Die dortigen Funde sind in ihren unteren Teilen mit Brandleichen der Hall- 
stattstufe B, in den oberen mit Bestattungen der Hallstattstufe C belegt. Unser 
Bohrer gehört also in H 2, die Jahre 1000— 950 v. Chr.» 

Die übrigen Bohrer Nr. 5 — 15 sind Feldfunde der Thalmässinger Gegend; 
nur 8, ein etwas größeres Stück, ist von der Kirchtalmühlhöhle. 

' Die Funde dieser Hiigelgruppe waren zur Zeit ihrer Veröffentlicliung in ihren unteren 
Teilen als .jüngste Bronzezeit' angesprochen worden und als solche halte ich sie auch Jahre 
lang betrachtet. Erst Reineckes Arbeit über die Hallstattstufe B in den Altert, uns. heidn Vor- 
zeit V lehrte mich den Charakter dieser Stufe kennen, der übrigens sich noch sehr dem jüngst- 
bronzezeitlichen nnhert. Die bisher fehlende Stufe H 2 ist also auch bei uns vertreten, bis jetzt 
allerdings nur in diesem einen Friedhof. 



342 

Ähnliche Funde wie an der Mögeldorfer Sandgrube hat A. Mayr-Lenoir 1927 
an einer Siedlung im Norden Nürnbergs, 300 Meter nordwestlich vom Gutshof 
Marienberg gemacht; sie lag in den dortigen Dünen, die gleichfalls der 
Sandausbeute zum Opfer fielen. Zahlreichen keramischen Resten nach ge- 
hörte auch diese Siedlung der Frühhallstattzeit an. Hinsichtlich der Funde sagt 
A. Mayr: „Die fast allen Frühhallstattsiedlungen gemeinsame Metallarmut be- 
gegnet auch hier, während Feuerstein anscheinend noch häufig benützt wurde. 
Bemerkenswert ist, daß sich unter den vorgefundenen Steingeräten einige ty- 
pische Kleinwerkzeuge von mesolithischem Charakter befanden."» 

Das gleiche gilt von einer Grabung desselben Herrn an der späthallstatt- 
zcitlichen Bibertsiedlung bei Altenberg-Nürnberg, von der er sagt: „Wichtig 
für die Forschung ist der Nachweis von Hornsteingeräten, darunter kleinere 
Klingen und Nukleuskratzer neben Abschlägen und Absplissen aus der Kultur- 
schicht. Diese Funde bezeugen, daß selbst die Späthallstattlcute noch fleißige 
Silexbearbeiter und -benützer waren. Auch an der neuerdings entdeckten Spät- 
hallstattsiedlung am Hirtenacker in Zirndorf wurden bereits Flintgeräte, dar- 
unter lamellare und schalenartige Stücke festgestellt."* Eine spätere Unter- 
suchung hat ergeben, daß es sich in diesem Fall nicht um Späthallstatt son- 
dern um Frühhallstatt handelt. 

Wenn von anderwärts derartige Beobachtungen noch nicht vor- 
liegen sollten, dann stellt sich das Weiterleben einer neolitischen 
Technik und Industrie als eine Sonderheit unseres Gebietes her- 
aus, das volle Beachtung und Würdigung verdient, keinesfalls aber 
ignoriert werden darf. 

Anschließend führe ich die im Laufe der Zeit bei uns angesammelten Stein- 
beile aus Grabungen oder Einzelfunden an und füge die Materialbestimmung 
bei, die aber nicht aus Dünnschliffen gewonnen, sondern makroskopisch er- 
mittelt ist. Die Zuverlässigkeit ist also nicht absolut. Für die Bestimmung bin 
ich unserem Geologen, K. Fickenscher, zu Dank verpflichtet. 

Arbeitshämmer 

Tafel 95 Nr. 1 (8111) Quarzit; geschenkt von R. Fränkel; gefunden auf einem 
Steinhaufen rechts der Straße von Dachstadt nach Walkersbrunn, Bez.-Amt 
Forchheim. Vermutlich mit Lesesteinen aus benachbarten Feldern an den Fund- 
ort gelangt. Länge 9,6, Breite 5,6, Dicke 4,5, Gewicht 330 g. 

Tafel 95 Nr. 2 (8007 34) aus unserer Bader Ellinger-Sammlung Alfershausen 
bei Thalmässing. Zufallsfund vom Altenberg bei Stauf, Bez.-Amt Hilpoltstein; 
Basalt. Länge 14, Breite 7,5, Dicke 5,3, Gewicht 850 g. 

Tafel 95 Nr. 3 (8228). Diabas- oder Basalttuff. Einzelfund aus 10—15 cm Tiefe, 
gefunden beim Stöckegraben in der Waldabteilung Reinlein am Schneidersbach 

' A. Mayr-Lenoir, Vorgesch. Siedlungsfunde im Norden Nürnbergs, Frank. Kurier Nr. 320, 
19. Nov. 1927, S. 13. 

'^ A. Mayr-Lenoir, Ausgrabungen an d.späthallstaltzeitl. Bibertsiedlung bei Altenberg-Nürnberg; 
Frank. Kurier Nr. 225. 15. Aug. 1928, S. 5. 



343 

bei Laufamholz, Bez.-Amt Nürnberg; geschenkt von Leonh. Geist. Länge 14,8, 
Breite 6,2, Dicke 4,8, Gewicht 580 g. 

Tafef 96 Nr. 4 (7601 1). Gefunden von Hans Stahl 1895 beim Bahnbau links 
der Pegnitz bei Lungendorf-Rupprechtstegen, Bez.-Amt Hersbruck; bei uns 
in Gipsguß, Original in Privatbesitz; gefunden mit einem spätmittelalterlichen 
Spinnwirtel. Angefangene Durchbohrung neben der eigentlichen Lochbohrung. 
Länge 13,8, Breite 6,9, Dicke 6,5. 

Tafel 96 Nr. 5 (7601 3). Hornblende- (Amphibol-) Schieferbeil, geschenkt und 
gefunden von Forstwart Fiedler, Leinburg am „Ursprung" bei Leimburg, Bez. 
Amt Nürnberg. Länge 14,5, Breite 6,0, Dicke 4,0, Gewicht 650g. 

Tafel 95 Nr. 6 (8250). Schön polierter Schuhleistenkeil; Hornblendeschiefer; 
gefunden in geringer Tiefe in einem Acker in Ottersdorf, Bez.-Amt Schwa- 
bach. Geschenk des Ökonomen Bauer daselbst. Länge 13,4, Breite 4,2, Dicke 5,9, 
Gewicht 550 g. 

Tafel 98 Nr. 7 (80291). Abgebrochener Schuhleistenkeil (?). Lydit; aus der 
Donau bei Regensburg. Geschenkt von Kaufmann Mayring. Länge 7,0, Breite 4,0, 
Dicke 2,5, Gewicht 150 g. 

Tafel 97 Nr. 8. Polierte Hammeraxt, gefunden an einem Ackerrand im An- 
wesen des Gutsbesitzers Merkenschlager in Hauslach bei Georgensgmünd, 
Bez.-Amt Schwabach; in Privatbesitz. Lag angeblich einer Leiche „auf der 
Brust". 13cm lang. 

Spitznackige Steinbeile 

Tafel 96 Nr. 9 (7392 287). Ausgegraben 1908 von Mayor Dr. Neischl in einer 
Höhle bei Adertshausen, Bez.-Amt Parsberg. Kalksilikat, Hornfels. Zusammen 
mit Bronzen, Bronzezeit- und Hallstattscherben. Länge 8,5, Breite 4,2, Dicke 2,5,, 
Gewicht 150 g. 

Tafel 96 Nr. 10 (7454 34). Einseitig gewölbtes Beilchen, gefunden am Wal- 
berla, der Ehrenbürg bei Forchheim und geschenkt von Kaufmann Mayring;. 
Quarzit, anscheinend aus Flußgeröll (vom Main?) zurechtgeschliffen. Länge 5,5, 
Breite 3,7, Dicke 1,2, Gewicht 34 g. 

Tafel 97 Nr. 11 (8270). Stark beschädigt; gefunden von Pfarrer Böhner bei 
Plech-Betzenstein, Bez.-Amt Pegnitz. Hornblendefels. Geschenk von O.-Med.- 
Rat Dr. Eidam, Gunzenhausen. Länge 8,0, Breite 4,4, Dicke 2,6. 

Tafel 97 Nr. 12 (8274). Gefunden an der Straße nach Spieß von Frau Ober- 
forstmeister Birkmann, Betzenstein, Bez.-Amt Pegnitz. Melaphyr, Andesit oder 
vielleicht auch eisenschüssiger Sandstein des dortigen Kreidequarzits. Länge 10,0,. 
Breite 5,2, Dicke 3,2. 

Tafel 98 Nr. 13 (8209). Gefunden mit prähistorischen Scherben, darunter ein. 
letztes Bronzezeit- oder Frühhallstattornament, in einer kleinen Höhle am 
Schwarzen Brand und übergeben von der Sektion für Heimatkunde. 

Tafel 98 Nr. 14 (7247 15). Gefunden vor 1906 bei Schwabthal, Bez.-Amt 
Staffelstein, und geschenkt von W. Hügerich, Schwabthal. Quarzitschiefer.. 
Länge 7,4, Breite 3,7, Dicke 1,0, Gewicht 40g. 



344 

Breitnackige Flachibeile bzw. Flactimeißel 

Tafel 96 Nr. 15 (7454 33). Steinscherbe eines Flachbeiles; Hornblendeschiefer. 
Gefunden am Walberla, der Ehrenbürg bei Forchheim. Geschenk von Kauf- 
mann Mayring. Länge 5,3, Breite 4,6, Gewicht 45g. Nicht abgebildet: ein eben- 
solches (7454 35) vom gleichen Ort und gleichem Schenker. Eine gleiche Stein- 
scherbe (7589 75) aus der Rabensteiner Höhle; Weber-Sammlung. Desgleichen 
(724713) Schwabthal. 

Tafel 98 Nr. 16 (8159). Gefunden 1920 beim Ziehen von Pflanzgräben 30cm 
tief im Garten des t R- Herold in Alfeld und von ihm geschenkt. Hornblende- 
schiefer. Länge 9,0, Breite 6,0, Dicke 2,2, Gewicht 250 g. Die Fundstelle ist in 
der Luftlinie 2'/2 Kilometer von der Kirchthalmühle entfernt, wo ähnliche zum 
Vorschein kamen, siehe Tafel 85 1,2. 

Tafel97Nr.l7 (724711). Gefunden bei Schwabthal, Bez.- Amt Staffelstein; ver- 
witterter Basalt. Geschenk von W. Hügerich. Länge 7,7, Breite 5,2, Dicke 3,4, 
Gewicht 228 g. 

Tafel 97 Nr. 18 (P. 71). Grob-stumpfnackiges Spitzbeil. Gefunden von Joh. 
Lutz im Waldteil Egelsee bei Neuses, Bez. Amt Schwabach; Keuperquarzit. 
Länge 11,0, Breite 5,7, Dicke 4,1, Gewicht 250 g. 

Tafel 97 Nr. 19 (5719). Steinhacke; Kieselschiefer, von der Kohlleite in Tüchers- 
feld. Gefunden bei der Grabung J. Wunders 1904 zusammen mit Frühallstatt- 
und Latenescherben, sowie einer beschädigten Tüllenpfeilspitze von Bronze. 
Noch unveröffentlicht. Die Hacke ist eine nicht gerade häufige Form; wir be- 
sitzen eine ähnliche vom Pfahlbau Mörigen (Schweiz) in der Rehlen-Samm- 
lung R394. Länge 15,6, Breite 3,3/6,0, Dicke 3,3. Gewicht 550g. 

Tafel 96 Nr. 20 (8007 33). Steinbeilfragment aus unserer Bader Ellinger-Samm- 
lung Alfershausen-Thalmässing. Gefunden 1887 bei Heiligenstadt, nördl. Frank. 
Schweiz. Länge 13,8, Breite 4,2, Dicke 3,4, Gewicht 350g. 

Tafel 98 Nr. 21 (8007 32). Steindexel, Kieselschiefer, Lydit; aus unserer Bader 
EUinger-Sammlung; gefunden bei Heiligenstadt, nördl. Frank. Schweiz. Eine 
Seite fast flach, die andere leicht gewölbt, an den Seiten scharf abgekantet. 
Länge 11,0, Breite 4,5, Dicke 1,9, Gewicht 200g. 

Tafel 98 Nr. 22 (8255). Steindexel, eine Seite ganz flach, die andere leicht ge- 
wölbt; an der einen Schmalkante scharf abgekantet. Hornblendefels. Gefunden 
1926 in einem Feld bei Hauslach bei Georgensgmünd, Bez.-Amt Schwabach 
geschenkt von Ingen. Braun. Länge 10,4, Breite 4,7, Dicke 1,4, Gewicht 150g. 

Tafel 98 Nr. 23 (8138 1) und Nr. 24 (8138 2). Quarzit und Quarzit-Tonschiefer. 
Steinmeißel? Ausgegraben mit späten vorgeschichtlichen und mittelalterlichen 
Scherben unter einem Felsvorsprung der Klumpermühle unweit der Schütters- 
mühle (Frank. Schweiz). Länge 10,0, Breite 3,4, Dicke 1,9, Gewicht 70 g. 
Länge 11,7, Breite 4,2, Dicke 1,9, Gewicht 150 g. 

Tafel 97 Nr. 25 (72471). Steinmeißel? Gefunden in einer Schicht mit nur 
mittelalterlichen oder „slavischen" Scherben und geschenkt von W. Hügerich, 
Schwabthal, Bez.-Amt Staffelstein. Körniger Hornblendeschiefer. Länge 7,0, 
Breite 3,0, Dicke 1,8, Gewicht 85 g. 



345 



Tafel 97 Nr. 26 (775951). Abgebrochener Meißel, Quarzglimmerschiefer; aus- 
gegraben und geschenkt von H. Knarr in einem Hallstatthügel auf dem Hahnen- 
kamm bei Edelsfeld, Bez.-Amt Sulzbach (Obpf.). 

Tafel 98 Nr. 27— 29 (7224 2-4). Drei abgebrochene Steinmeißel von der Hou- 
birg, Karwinkel innerhalb des Walles. Quarzitischer Sandstein und Quarzitschiefer 
Länge 3,9, 4,3, 5,5; Breite 1,6, 1,4, 2,0; Dicke 1,8, 1,4, 1,9; Gewicht 10 g, 12 g, 
20 g. Geschenkt von Karl Roßbach. Das Wallinnere der Houbirg gibt Funde 
von B 2 bis L 4. 

^ Tafel 85 15 Nr. 30 (8106). „Streitaxt", nach Reinerth Taf. 26 Fig. 6; nach Nils 
Aberg S. 35 Abb. 46 „jütländische Bootaxt" jüngerer Typus. Hornblendefels. 
Länge 12,3, 3,5, 5,5; Dicke 6,0, Gewicht 350 g. Gefunden 1919 auf einem Acker 
bei Artelshofen, Bez.-Amt Hersbruck; geschenkt von Frl. Dittmar. 

Tafel 94 6 Nr. 31 (7602 8). Streitaxt-Fragment, dichter Hornblendeschiefer. 
Gefunden anläßlich einer Ausgrabung J. und L. Wunders in der Solach mit 
mittelalterlichen Funden, 13. oder 14. Jahrh. 

Nr. 32 Steinhammerbeil gleich unserer Nr. 4 Tafel 96; lichtgrüner Serpentin, mit 
sehr exakt gearbeiteter Schneide, glattem Bohrloch und breitem, einem Viereck mit 
abgerundeten Ecken gleichendem Hammerende; Ober- und Unterseite nur merk- 
lich gewölbt, fast flach. Länge 12,1, Breite des Rückens 5,5, Höhe 4,4, Durch- 
messerdesStieIloches2,3, Gewicht 436g. Gefunden „in einem germanischen Grab 
unweit Erlangen" vom Schenker Aug.R.v. Genczik 1847. Im Museum zu Linz. ^ 

Nr. 33 „Steina.xt mit gerader Bahn (wahrscheinlich ein Schuhleistenkeil). Bez. 
Rasch bei Nürnberg; Länge 18, Breite 6, Dicke 4,5 (VI302)2. Im Germanischen 
Museum Nürnberg." 

Nebenstehend Nr. 34 (8253). Diorit- oder Hornblende, 
schiefer; geschenkt von H. Neubauer. Gefunden am 
Schwanberg, Kappelrangen. Länge 13, Breite 5, Dicke2,5, 
Gewicht 270 g. 

Tafel 85 14 Nr. 35 phot. nach dem Gipsabguß in unserer 
Sammlung (7755). Original in Amberger Privatbesitz; an- 
geblich gefunden in der Nähe des Donautores in der 
Donau bei Regensburg. Länge 12,5. 

Nr. 36 wie Tafel 95 1 (8209 2); stark beschädigt. Syenit 
wahrscheinlich vom Plauenschen Grund oder aus dem 
Erzgebirg; zusammen gefunden mit Nr. 13 in einer kleinen 
Höhle am Schwarzen Brand, übergeben von der Sektion 
für Heimatkunde. Länge 8,5, Breite 5, Dicke 5, Ge- 
wicht 310g. 

Nr. 37 annährend wie Nr. 34; (P 38 20); stark beschädigt. Abb. 3 

Quarzitischer Chloritschiefer; gefunden bei Aue bei Thalmässing, geschenkt von 
M.Wechsler, Hilpoltstein. LängeOcm, Breite4,5cm, Dicke 18m.m, Gewicht 126g. 

' A. Mahr, Gegenstände auswärt. Fundortes in der präh. Abt. des österr. Landesmus. zu Linz. 
Wiener Präli. Ztschr. I 1914 S. 160. 

^ Katalog der vorg. Denkmäler, Rosenberg-Nürnberg, Germ. Mus. Nr. 4723 S. 54. 




346 

Von den vielen hier aufgezählten neolithischen Steingeräten sind nur wenige 
bei Ausgrabungen zusammen mit Scherben gefunden worden. Wenn die Be- 
gleitfunde als datierend bezeichnet werden dürfen, dann gehören 

Nr. 9 in die Bronzezeit B (B 2) 

Nr. 13 in die Bronzezeit D (B 4) 

Nr. 19 in die Hallstattzeit A (Hl) 

Nr. 23/24 in die Latenezeit (?) 

Nr. 26 in die Hallstattzeit C (H 3) 

Nr. 25 kam mit nur frühmittelalterlichen „slawischen" Scherben zusammen 
vor und wenn letztere wirklich slawisch sind, ist die Zusammengehörigkeit 
nicht ganz unwahrscheinlich. 

Das Walberla oder die Ehrenbürg, von denen die Nummern 10, 15 stammen, 
hat nach einer freundlichen Mitteilung von Prof. Räbel, Forchheim noch keinen 
steinzeitlichen Fund geliefert und das gleiche gilt von den Nummern 27 — 29 
von der Houbirg. Somit ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß auch die Stein- 
geräte während der Metallzeiten dahin gelangt sind. Will man diese Annahme 
nicht zulassen, dann sind sie den anderen Steinbeilen gleichzuachten, von 
denen sich in keinem Fall sagen läßt, ob sie in neolithischer Zeit Jägern oder 
Durchzüglern zu Verlust geraten oder erst später an Ort und Stelle gelangt 
sind. Keineswegs beweist der Zufall ihres Vorhandenseins irgend etwas für 
eine Besiedlung oder für Begräbnisstellen in neolithischer Zeit. 

Die aufgezählten Steingeräte umfassen bandkeramisch-östliche Formen — 
die Steinhämmer und Schuhleistenkeile; nordisch-schnurkeramische Rechteck- 
keile, westlich-spitznackige Beile mit ovalem Querschnitt und einseitig-gewölbte 
Beile (ich habe sie als Steindexel bezeichnet), die, mit den Schuhleistenkeilen 
(nach Reinerth, Chronologie der jüngeren Steinzeit S.45) verwandt, wiederum 
rein östlicher Herkunft sind. Daraus geht hervor, daß von allen angrenzenden 
Ländern über unser Gebiet hinweg Ausstrahlungen ergangen sind. Zeitliche 
Anhaltspunkte ergeben sich nur dort, wo Scherbenfunde mit unterlaufen, die 
dann zeigen, daß die sicherlich hervorragend praktischen Formen noch viele 
Jahrhunderte nach ihrem ersten Erscheinen, ja, soweit sich der Aberglaube 
ihrer bemächtigte, noch bis ins Mittelalter gebraucht wurden. Chronologisch 
ist aber mit diesen Möglichkeiten natürlich nichts anzufangen. 

Sowohl die eingangs geschilderten Funde von der Kirchtalhöhle, der Spurzl- 
gröu und aller übriger Stellen lassen neolithische und mesolithische Stationen 
glaubhaft erscheinen, typologisch wenigstens. Aber der den Worten anhaftende 
Zeitbegriff muß irreführen, wenn er falsch gebraucht wird. Jede Form hat 
ein erstmaliges Auftreten zu einer gewissen Zeit; allein nicht immer und über- 
all, wo die Form sich findet, ist auch diese gewisse Zeit gegeben. Praktisch 
befundene Formen vererben sich und verlieren sich nicht wieder, die Meißel, 
Bohrer, Äxte der Steinzeiten leben in Metall fort bis heute. Solange das 
Metall unbekannt oder rar war, mußte man sich mit dem Stein begnügen. 



347 

Die typologisch und entwicklungsgeschichtlich berechtigten Namen „Meso- 
lithikum" „Neolithikum", schließen zugleich eine zeitliche Begrenzung ein, in- 
dem sie irgendwo das erste Auftreten neuer Formen kennzeichnen und für 
diese Stelle sind sie zeitlich bindend. Wenn der Name aber angewendet 
wird, um nur eine Formähnlichkeit zu bezeichnen, dann sind sie 
zeitlos oder direkt irreführend. Es wiederholt sich hier derselbe Vorgang 
wie vor zwanzig und mehr Jahren mit den „Edithen", an deren Name sich 
auch anfänglich der Begriff höchsten Alters knüpfte, bis man einsehen lernte, 
daß Eolithen jedem Zeitalter angehören können. Bei C bilde, The Dawn of 
European Civilisation, lese ich, daß „wegen der weiten Verstreuung der Tarde- 
noisien-Typen (von Nordengland bis Jndien) sowohl im Raum als in der 
Zeit de Morgan und andere zögern, das Tardenoisien als eine besondere In- 
dustrie zu bezeichnen". Wo von „Mesolithik" die Rede ist, laufen zumeist 
jüngere Formen und Keramik nebenher, welche ignoriert werden müssen, um 
die Mesolithik zu retten. Zufällig finde ich in Eberts Reallexikon Band IV 1 S.538 
eine interessante Bemerkung Obermaiers über das Tardenoisien in England 
und Irland: „Das Tardenoisien hat in England zahlreiche Spuren hinterlassen 
und ist typologisch unverkennbar belegt . . . ; leider tritt es nahezu stets ver- 
mengt mit neolithischen und noch jüngeren Keramikresten auf." 

Ja, dieser Stoßseufzer gilt nicht nur für England und Irland, sondern leider 
ist es an den weitaus meisten Fundstellen ebenso; das beweist m. E. zur Ge- 
nüge, daß es mit der Beurteilung der Funde hapert. 

Für jede Vorgeschichtsperiode gibt es sichere Merkmale zur Beurteilung. 
Für die paläolithische Steinzeit fordern die Diluvialgeologen mit Nachdruck 
und mit Recht, geologische und faunistische Beweise, welche der Kritik stand- 
halten. 

Die neolithische Steinzeit bleibt mehr oder weniger dem Prähistoriker 
überlassen, der aus Siedlungen, Gräbern, Keramik genug Handhaben zur Be- 
stimmung schöpfen kann. 

Für die mesolithische Steinzeit aber gilt als Regel, daß nichts zu be- 
achten ist als das Steinzeug. Keramik gibt es nicht, die Knochen sind bereits 
völlig zersetzt und zerstört, Siedlungen gibt es nicht, Gräber kennt man nicht, 
Wohnstätten sind — außer der einen bei Ansbach — unbekannt; es braucht 
also — ein Unikum in der Prähistorie — nichts als einen gelegentlichen Feuer- 
steinfund, um manchenorts diese Periode zu charakterisieren. 

Es war bei uns so: sowohl im Alt- wie im Jungpaläolithikum zu verschie- 
denen Zeiten war unser Gebiet vom Menschen besucht und gelegentlich hat 
er auch längere Zeit da gesiedelt. Dann war das Gebiet, das heißt der Frän- 
kische Jura und das Nürnberger Keuperland bis zur Tauber und südwestlich 
bis zum nachmaligen römischen Limes, warscheinlich nicht bewohnt, wenn 
auch gelegentlich vielleicht einmal besucht. Dafür ist aber der Beweis noch 
zu erbringen. Erst von 1900 v. Chr. ab, Bronzezeit A zweite Hälfte, kommen 
Ansiedler hierher und die Besiedlung nimmt von da ab fortdauernd zu. Dies 
währt bis Latene A, ganz spärlich bis Latene B. Dann reißt alles ab, nur in 



348 

Latene D treten nochmals Anzeichen auf, daß in entlegenen Winkeln und auf 
Bergeshöhen sich Durchzügler aufgehalten haben. 

Das ist alles, was wir zuverlässig wissen. Diesen Standpunkt sind 
wir nur dann berechtigt zu verlassen, wenn neue Funde uns eines Besseren 
belehren. 

Und während aller dieser Zeiten hat man sich bei uns noch des 
Feuersteins, bzw. des örtlich reichlich vorhandenen Hornsteins be- 
dient und Geräte daraus angefertigt, die Kleinformen darstellen, 
weil das spröde Material, beispielsweise der Fränkischen Schweiz, 
etwas anderes als Mikrolithen gar nicht entstehen läßt. 

Retuschen an Glas 

Bei Grabungen in Höhlen oder an Siedlungsplätzen hat man es nur selten 
mit Funden aus einer einzigen Zeit zu tun, sind doch sogar in Hügelgräbern 
recht oft mehrere Zeiten vertreten. Es ist verhältnismäßig leicht, die verschie- 
denen Vorgeschichtsepochen an charakteristischen Stücken zu erkennen; bei 
Funden aber, die jünger sind als die Völkerwanderungszeit, wird dies fast zur 
Unmöglichkeit. Man behilft sich, indem man alles jüngere und besonders die 
Keramik als mittelalterlich bezeichnet, die Grenze nach der Neuzeit aber ganz 
offen läßt. Damit kommt man in der Regel durch, denn der Prähistoriker hat 
mit diesen Zeiten nichts zu schaffen. So glaubte ich wenigstens bis zum 
Jahr 1914; seitdem sind mir aber auch darüber Zweifel gekommen. 

Damals kam ein Herr zu uns ins Luitpoldhaus, der mehr oder weniger stark 
irisierende Glasscherben vorzeigte, welche gerade, wie mit dem Diamant ge- 
ritzte Linien aufwiesen, wie Tafel 99 6. Darin konnte ich nun gar nichts Un- 
gewöhnliches finden. Wie erstaunte ich aber, als ich an den Kanten Retuschen 
bemerkte, die ganz mit Feuersteinretuschen übereinstimmten. Dies war nun 
wieder, wie es mir wenigstens schien, dem Herrn bis dahin entgangen, denn 
ich hatte einige Mühe ihm begreiflich zu machen, was Kantenretuschen sind 
und was sie nun gar an Glasscherben zu bedeuten haben würden. Ich bat, 
die Scherben zu weiteren Untersuchungen behalten zu dürfen. 

Der Herr kam in der Folge öfters wieder und brachte immer einige dieser 
zweifelhaften „Artefakte", schließlich auch von den Kriegsschauplätzen. Mittler- 
weile hatte ich Gelegenheit, sie Fachleuten zu zeigen, welche ja unsere Samm- 
lung häufig studienhalber besuchen. Man war natürlich einig, daß es sich nur 
um einen Schwindel handeln könne. Es irisierten zwar auch die retuschierten 
Stellen gleich dem ganzen Scherbenstück, aber man machte mich darauf auf- 
merksam, daß dies leicht zu erzielen sei, man brauche das Stückchen Glas 
nur längere Zeit in einem Düngerhaufen liegen lassen.' 

Wenn nun aber ein Mann solche Raritäten auf Feldern findet, dann müssen 
sie für andere Menschen auch auffindbar sein. Unser Vertrauensmann Franz 
Kerl, Thalmässing erhielt also den Auftrag, nach solchen Stücken bei seinen 
Feldbegehungen zu fahnden. Er ging nur mit großem Widerstreben auf den Auf- 

• Versuche haben gezeigt, daß es nach Jahr und Tag noch nicht irisiert. 



349 

trag ein, er sah darin eine Entwürdigung seiner prähistorischen Forschungs- 
tätigkeit. Aber — nach einiger Zeit brachte er einige Glasscherben mit ähn- 
lichen Retuschen. 

Nun schien es mir an der Zeit, der Fachwelt von diesen eigentümlichen 
Erscheinungen Nachricht zu geben, ich sandte einen kleinen Artikel mit Zeich- 
nungen an eines unserer bedeutendsten Fachblätter. Nach einiger Zeit kam er 
aber mit dem Bemerken zurück, daß es doch geraten sein dürfte den Artikel 
nicht zu bringen. 

Dann ruhte die Sache. Der Entdecker dieser Dinge kam währenddem — 
es zog sich durch Jahre hin — öfter wieder und hatte offenbar von meiner 
Lauheit und Zurückhaltung einen schlechten Begriff bekommen. Schließlich 
forderte er mit Ungestüm sein Eigentum zurück, und da er auch die Hilfe des 
Gerichtes in Anspruch nahm, mußte ich notgedrungen die Scherben heraus- 
geben, nachdem ich einige photographiert hatte. 

Die von Franz Kerl und Sparkassenbeamten Wechsler, Hilpoltstein in 
Mittelfranken gefundenen Scherben sind seitdem zu einer kleinen Sammlung 
angewachsen. Glasscherben dieser Art sind sehr selten; die bis jetzt von beiden 
Herren gefundenen zeigen aber die gleichen Eigentümlichkeiten wie die erst- 
gefundenen. An ihrem Vorkommen auf Feldern ist nicht mehr zu zweifeln. 
Ich benütze daher die Besprechung der nachneolithischen Erscheinungen unseres 
Arbeitsgebietes, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken und dringend zu 
weiteren Nachforschungen anzuregen, auch wenn es, wie bei Franz Kerl, einige 
Überwindung kosten sollte. 

Einige der Stücke sind auf Tafel 99 abgebildet. 

1. Planes Glas, 31 mm lang, 2'/2 mm dick, mit mattblinder, lichtgrauer Ober- 
fläche, ursprünglich farblos, Schaber- oder Kratzerform mit schöner Retusche 
um die untere Kante. Beschädigt. 

2. Stück eines runden Glasgefäßes. Glasstärke zwischen 5 — 6 mm. Allseitig 
silberglänzend und irisierend. Linke Seite und Spitze mit sehr schönen Re- 
tuschen. 

3. Grünlich-durchsichtiges Glas, leicht gewölbt, ohne Irisierung und nicht 
blind. Glasstärke 2 1/2 mm, oben und an der Spitze schön retuschiert. 

4. Planglas, 3 mm stark, blind und wenig irisierend. Besonders gut an der 
Spitze und sonst rundum überarbeitet. 

5. Spitze von undurchsichtigem, silberglänzendem Flaschenglas; 4 mm stark 
in der Mitte, nach der Basis abgedacht. 

6. Lichtgrünliches Planglas 1 mm stark, schwach irisierend. Über die Fläche 
4 gerade Ritzer, die Retuschen nicht sehr hervortretend, Spitze beschädigt. 

7. Leichtgewölbtes Glasstück, irisierend. Gutgearbeitete Kantenretuschen. 
Schaberähnlich. 

8. Farblose, blindangelaufene Glasspitze, fast 2 mm stark. Leicht gewölbt, 
bläulich irisierend. An den Rändern retuschiert wie abgeknappert. 

9. Glasspitze mit Flügeln; durchsichtig wasserhell, leicht irisierend. Die untere 
Einbuchtung abgeschrägt. 2^'2 — 3 mm stark. Schlechte Retuschen. 



350 

10. Kreisrunder Kratzer; allseitig, aber nicht besonders gut retuschiert. 

11. Gelbgrünliches Flaschenglas, farbig-silbern irisierend, 3 mm stark. An der 
Spitze und seitlich mit guten Retuschen. 

12. Gelblich-weißes Planglas, farbig-irisierend, 1 mm stark. Die hübsch retu- 
schierten langen Kanten kommen auf der Photographie schlecht zur Geltung. 

13. Gelbgrünliches Planglas, leicht irisierend, 2 mm stark. Beide Längskanten 
gut retuschiert, die rechte Kante unterseits, deshalb auf der Photographie nicht 
sichtbar. 

14. Glas einer engen Flasche, lebhaft blau und silberig irisierend, 4 mm stark; 
mit unregelmäßigen Retuschen. 

15. Spitze von Planglas, allseitig irisierend; an der Spitze 2, unten 1 mm stark. 
Gute, aber unregelmäßige Retuschen. 

16. Kleine Spitze, allenthalben irisierend, Planglas IV-imm stark. 

17. Blaugrünes Planglas, 3 mm stark, mattglänzend. Aue bei Thalmässing. 

18. Großer, schaberähnlicher Gegenstand, von 4 mm starkem, dunkelgelb- 
grünem Flaschenglas, fast rundum bearbeitet; Innenseite und Kanten silbern 
irisierend; Regensburg. 

19. Gelbgrünes Planglas, am linken Eck 4 mm, am rechten 2'/,. mm stark; 
nicht irisierend. Gefunden am Staufer Sand, Thalmässing. 

20. Gelbgraues Planglas, 3'/2 mm stark, mattglänzend. Aue bei Thalmässing. 

21. Blaugrünes Planglas, 1 ','2 mm stark, leicht irisierend. Gefunden bei Aue, 
Thalmässing. 

22. Gelbliches Planglas, 2 mm stark, allseitig und besonders an den Retuschen 
silbern irisierend. Aue bei Thalmässing. 

Die Nummern 1 bis 16, 18 sind im Besitz des Herrn Karl Gumpert, Ansbach, 
und meist aus der dortigen Umgebung, die übrigen befinden sich bei uns. 

Es war gut, daß mein seinerzeitiger Hinweis auf die retuschierten Glas- 
scherben nicht zum Druck gelangt ist. Denn es war mir ganz entgangen, daß 
man sich von anderer, hochangesehener Seite schon lange vorher eingehend 
mit Ähnlichem befaßt hatte. 

In seiner ausgezeichneten Arbeit „Über die Fehlerquellen in der Beurteilung 
der Eolithen",! die viel zur Ernüchterung in dem seinerzeitigen „Eolithen- 
krieg" beigetragen hat, führt Dr. Paul Sarasin folgendes aus: „Zwischen der 
Mündung des Paillon und dem Palais de la Jetee (in Nizza) findet man in 
der Brandungszone Glasscherben fortgeworfener Flaschen, welche von der 
Welle samt den gerundeten Rollkieseln hin und her geworfen werden. Während 
nun die einen die schon ganz abgerundete Form von Rollkieseln angenommen 
haben, zeigen andere die denkbar typischeste Form von Eolithen, Schaber, 
Spitzen, Bohrer mit schönster Retuschierung, aber namentlich auch die so auf- 
fallenden Randausbuchtungen, welche wie Abbisse aussehen und welche, an 
Eolithen vorkommend, zur Deutung derselben als Hohlschaber geführt haben. 
Die Ähnlichkeit dieser, von der Natur aus Glasscherben zurecht retuschierten 
Gebilde mit echten Artefakten ist um so größer, als diese Stücke, aus Glas- 

• Verhandlungen d. Naturforsch. G£S. Basel XXII, 1911, S. 24. 



351 

Scherben entstanden, flächenhafte Gesamtform haben, während die sedimen- 
tären Eolithen dreidimensional oder myriomorph sind," . . . „Betrachtet man 
die Rander dieser Glasscherben genau, so erkennt man, daß sie durch außer- 
ordentlich viele kleine Anschläge mit muscheligem Bruche zugerichtet sind, 
weshalb sie für die Hand nicht schneidend, sondern stumpflich anzugreifen 
sind." Derart retuschierte Glasscherben mit Randabbissen nennt er „Bißsteine" 
oder „Daktoiithen", denn sie haben die Form wie von einem Kind angebissene 
Schokoladetafein. 

„Die daktoiithische Form ist indessen nicht die einzige, welche von der 
Brandungswelle aus Glasscherben zurecht modelliert wird, sondern wie wir 
schon an Figur 3 sehen, es kommt durch Verschmälerung des Zwischendornes 
zwischen zwei Einbissen eine deutliche Spitze zustande, welche in manchen 
Fällen vollständig die Form einer paläolithischen Wurfspeerspitze gewinnen 
kann." 

Aber nicht allein die Brandungswellen kommen als Entstehungsursachen für 
Glasscherben-Retuschen in Betracht. „Glasscherben, welche durch den Schuh 
der Landleute oder den Huf des Zugviehes oder die Räder des Pfluges zu 
Eolithen zurechtretuschiert waren, fand zuerst W.G.Smith und bildete eine 
solche Scherbe ab, welche zudem eine Jahreszahl trug; er sagt dazu:' „Nie- 
mand kann die Illustration betrachten, ohne die rein neolithische Form und 
die natürliche neolithische Absplitterung zu bemerken, wie sie die Randan- 
sicht wiedergibt. Die „eiszeitlichen" Kratzer an der Oberfläche verdienen gleich- 
falls Aufmerksamkeit. Prähistorische Gegenstände sind in der Regel nicht 
datiert, aber dies Stück trägt kühn die Jahreszahl 1686 in erhabenen Lettern. 
Das Material ist Glas, es ist ein Stück einer dicken, alt datierten Flasche und 
die vertikale Streifung entstand durch die Stiefel der Landarbeiter, die Hufe 
der Arbeitstiere und durch die Berührung mit Ackergeräten." 

Sarasin setzt dem noch hinzu: „Auf Kieswegen in öffentlichen Gärten der 
Städte, aber auch allenthalben auf begangenen Wegen kann man häufig Glas- 
scherben auflesen, welche eine Randretuschierung aufweisen, die vollständig 
intentioneil aussieht; ganz wie Warren es bei seinen Feuersteinen fand, ge- 
schieht es mit diesen Glasscherben, der Fuß der Passanten drückt sie gegen 
den festen Boden, und dieser letztere preßt vom rauhen Rande durch Gegen- 
druck kleine muschelige Splitterchen ab, eines neben dem andern, von unten 
schräg nach oben, eine wohl retuschierte schaberhafte Schneide hervorrufend. 
Ist der Weg mit feinem Kiesschotter beworfen, so wird die Scherbe oft gegen 
ein solches Kieskorn angedrückt, und so resultiert ein Hohlschaber. Wer sich 
für diese Dinge interessiert, wird bei einsamem Wandeln ein Vergnügen mehr 
haben und in öffentlichen Anlagen großer Städte, wenn er seine Glasneolithen 
aufliest und einsteckt, die Augen der Spaziergänger und Kinderwärterinnen 
mit Staunen auf sich gerichtet sehen." 

Überaus dankenswert ist es, daß Sarasin seinen Ausführungen Proben dieser 

' In einer Fußnote gibt Sarasin .Man 1908 s. 53° an; die bezeictinete Stelle im „Man" ist 
aber etwas ganz anderes. 



352 

Glasneolithen in schönen Heliogravüren beifügt. Mit Recht setzt er freilich hin- 
zu: „Leider ist es sehr schwierig, diese Glasstückchen in der Photographie 
befriedigend wiederzugeben, die Retuschen werden wegen der vielen Licht- 
brechungen nur spärlich sichtbar", eine Beobachtung, die auch an meinen 
Abbildungen zu machen ist. 

Von den dreierlei Entstehungsursachen der Retuschen, Wasserrollung, Fuß- 
tritte, Ackergeräte scheiden die in Wasser und durch Brandungswellen be- 
arbeiteten Scherben, welche Dr. Sarasin abbildet, als Beispiele für die unsrigen 
vollkommen aus, nicht nur weil in den hiesigen Fundgebieten jegliche Bran- 
dung und selbst Flüsse (bei Ansbach und Thalmässing) fehlen, sondern weil 
das Aussehen derart ist, daß man jenen, im Gegensatz zu diesen, die mecha- 
nische Entstehung ohne weiteres ansieht. 

Eher kann die Entstehung durch Fußtritte von Menschen oder Tieren 
oder durch Ackergeräte in Erwägung gezogen werden. Es könnte also sein, 
daß die Nummern 5, 6, 9, 10, 12 — 16 unserer Tafel auf solche Art zustande 
gekommen sind. Immerhin müßten noch die Originale selbst eingesehen werden, 
die mir jetzt nicht zugänglich sind. So ausnehmend schöne, kräftige und nor- 
male Retuschen aber, wie sie unsere Nummern 1 untere Partie, bis4,7,8, 11, 
17 bis 22 zeigen, können weder durch Ackergeräte noch durch Fußtritte er- 
zeugt werden. Hier kommt nur der Mensch in Betracht, der sie absichtlich 
hergestellt hat. Diese wenigen Stücke genügen allein schon zum Beweis, daß 
es auch bei uns, wie in exotischen Ländern, wirkliche Glasartefakte gibt. 

Daraus kann nur der eine Schluß gezogen werden, daß in irgendeinem 
Volks- oder Berufskreis und vereinzelt steinzeitliche Technik sich bis fast zur 
Neuzeit fortgesetzt hat. Ob es gelingen wird, diese Kreise und den Zweck dieser 
Art Artefakte jemals zu ermitteln, ist fraglich. Es ist von hervorragender Seite die 
Meinung ausgesprochen worden, daß sie von mittelalterlichen Glasmalern her- 
rühren könnten. Von den modernen Glasmalern ist darüber nichts zu erfahren. 
Ein Handwerk, die Schuhmacher, bedienen sich noch heute ganz allgemein 
der Glasscherben zum Glattschaben der Stiefelsohlen an neuen Schuhen. Man 
könnte daran denken, daß diese sicherlich alte Gewohnheit in früheren Jahr- 
hunderten retuschierte Glasscherben dazu verwendete. Heute nimmt man nur 
scharfkantige Scherben und kein Schuster weiß etwas von zugerichteten. Doch 
selbst wenn es im Mittelalter üblich gewesen wäre, was könnte ein Schuster 
mit einer Spitze anfangen wie Tafel 992?, das ist doch eher ein Bohrer als 
etwas anderes. 

So sind und bleiben diese Scherben vielleicht für immer eines der Rätsel, 
denen unsere Gegend noch viele andere zur Seite zu stellen hat, siehe die 
Fränkische Schweiz-Industrie der Stein-, Bein- und Horngeräte der ungeheuer- 
lichsten Formen, siehe die Velburger Bildsteine, Feuerstein- und Knochenarte- 
fakte, über welche die Akten, wenn überhaupt, noch lange nicht geschlossen 
werden können. ,Nur von einem bin ich überzeugt: daß die Stein- 
zeittechnik die Steinzeit noch sehr, sehr lange überdauert hat. 



NAMEN- UND SACHREGISTER 



Abel, Prof. Dr. Ott. 148 

Abstechen der Erde um die Scherben 16. 59 

Ackerbau 9. 168 

Aderzhausen 330 

Agni 216 

Ahi 216.217 

Albüberdeckung 125. 133 

Allbeseelung 240. 243 

Altensittenbach 4. 239. 341 

Animismus 150. 261 

Ansbach 162.335; histor. Verein 186 

Anthropomorphe Gottheit 212 f. 223. 232 

Apollon 218.219.220.235.238 

Appenstetten 101.251.291.301 

Archäolog. Ziel 8 

Arktisch 129 

Armringe 22. 177. 257 

Armspange 54. 63 

Arwakr 213 

Asilien 302. 324 

Aufbahrung 9. 53. 73. 114. 183 

Bachbett 126. 143 

Bär, Ursus arct. 317. 326 

Baidur 221 

Bamler, Missionar 116 

Bauopfer 9. 33. 34. 60 

Bayer, Dir. Dr. Jos. 129 

Beckerhölzl 226 

Beckersloh 21. 26. 181. 188. 233 

Behn, Prof. Dr. Fr. 208 

Behrens, Prof. Dr. 82. 99. 103. 1 19. 258. 281 

Behringersdorf 174 

Beisetzung 8. 183 

Bernstein 197. 279 

Bersu, Dir. Dr. Qerh. 300 

Bestattung 7. 8. 70. 72. 158; in Häusern 104 

Bettelleite 5. 61 

Bezelt 273. 278 

Biber 169. 315. 326. 329 

Bibra, Frhr. v. 264 

Bilderschrift 226. 234. 244 

Bing, Komm.-R., Ign. 326 

Birkenrinde 92 

Birkner, Prof. Dr. 324. 330 

Bison 303 

Blytt-Sernander 162 ... 



Bodenständig 244. 246 

Bogen 136 

Böhmen 4. 5 

Bohrer 298.321.341. 

Bootfahrt 238 

Bosnien 157 

Brandbestattung 239. 243 

Brandgeruch 12. 183 

Brandplatz 294 

Brandscliicht 50. 54. 59. 66. 72. 88 

Brandt, Prof. Dr. 323 

Breit, in der 322 

Breuil, Prof. Dr. 130 

Bronzeanalyse 99. 177 

Bronzeanhänger 257 

Bronzekessel 178. 223. 224. 23C 

Bronzeknieband 286. 288 

Bronzen, geglüht 262. 264 

Bronzenadeln 257. 273. 276. 278 

Bronzeringe 258. 271. 278. 282 

Bronzeschale 239 

Bronzeschüssel 37. 277 

Bronzezeitritus 91. 112. 114 

Bronzeitscherben in Hallstatthügeln 104. 201 

Bruzelius 261 

Buchau 166 

Buckelkeramik 103 

Büfett 8. 9. 25. 45. 204 

Calaeeite 208. 216 

Cartailhac 261 

Certosa 112 

Chalandriani 219 

Childe, Prof. Qord. 337. 347 

Cohausen, v. 48. 54 

(^ushna 217 

Danaidenfaß 190. 204 

Dechelette Jos. 71. 109. 208. 219. 224. 228. 268. 

282 
Delphi 219 
Delphine 219 
Depotfunde 159. 167 
Dipylon 207. 209 
Dixenhausen 285 
Dohne O. H. 94 
Dolch 135. 254. 274 
Dörpfeld, Prof. Dr. 263. 266. 268. 292 



354 



Drachen 225 

Drachenhöhle Mixnitz 148 
Draht, gezogen 94 
Drahtziehen 290 
Drehbank 176 
Düngung 170 
Dütsch, M. 322 
Duerst, J. U. 311 
Dynamit 295 

Ebert, Prof. Dr. M. 237 

Eberzähne 253 

Edelfelder b. Sticht 168 

Ehringsdorf 129. 146 

Eicheln 171 

Eichenloh 48 

Eidam, OMed.R. Dr. 286. 337 

Eigentum 179. 180 

Einbäume 167 

Eisengeschirr 19 

Eisenschlacken 178. 325. 329 

Ellinger, Bader 163. 333 

Entwicklung von H 1 zuHs 47. 62; von H-, 

zu Ui 185. 205; von H4 zu Li 39 
Eos 218 
Etafa 215. 216 
Etagengefäße 239 

Ethnologie7.1 1.47. 149.21 1.216.231. 236. 259 
Ethnolog. Ziel 8 
Euphrat 221 

Fabelwesen 209. 211. 226. 232. 244. 246 

Familie 180 

Fauna Kirchtal 303 f. 

Faustkeilkultur 129 

Federseemoor 166 

Femarn 221 

Fett 170 

Feuerherd 131. 134. 137 

Feuerstein 80. 96. 98. 105. 337 

Fibel Latcne B 199 

Fibeln 5. 178. 193. 197. 246. 226. 228 

Fickenscher K. 342 

Fingerring 258. 277; mittelalterl. 302 

Finstermühlhöhle 143. 145. 203 

Fischer, Prof. Osk. 240' 

Fischer, Sulzbach 170 

Fischotter 316 

Flachs 171 

Flußhöhle 140 

Flußterrassen 164. 273 

Forster, Dr. S.v. 28. 174. 176. 186.207.209.302 

Frank. Jura 5. 304 



Frank. Schweiz 162. 319 
Frankenalb 329 
Frauenkloster 64 
Frickhinger, Dr. 165. 337 
Friedhöfe 6. 58. 193 
Friz, Dr. 295 
Fuchsloch 293. 318 
Furtwängler 229. 247 
FüGe, verbrannt 42. 275 
Fußringe 177 

Gaerte, W. 220 
Gagat 325 
Gaisberg 269. 291 
Qaisheim 60 
Qaiskirche 327 
Gams — Nordhagen 162 
Qareis, Karl 331 
Gefäße 278 

Gefäße unter der Leiche 42. 45. 62. 241 
Gefäßemangel 9. 11 
Gefäßeüberfluß 9. 11. 58. 33. 39. 40. 42 
Gefäßewiederverwendung 119 
Geglühte Bronzen 262. 264 
Geistesverfassung 180. 205. 212.232; der Hall- 
staltleute 237. 240. 246 
Geistige Strömungen 6. 10 
Geldscherben 111 
Gemeinlebarn 208 
Generalkonservatorium 49. 78. 84 
Geometrische Motive 234 
Geriones 220 
Germanen 212 

Germanisches JVluseum 167. 273 
Gesamteigentum 180 
Geschirringe 22 
Getränkebeigaben 8. 45 
Getreide 171 
Giljaken 151 
Glasartefakte 348 
Glasinac 229 

Glasperle 84. 276. 279. 283 
Glättung 133 
Glatzenstein 270 
Glaubenswechsel 10. 243. 247 
Glockenbecher 300 
Glyptothek 208 
Goeßler, Prof. Dr. 207. 209 
Gofa 221.239 
Goldbecher 220. 222. 236 
Goldener Sarg 179 
Qoldfunde 238 
Gothan, Dr. 136. 137 



355 



Götze, Prof. Dr. 328 
Grabanlage 268 
Grabausstattung 237 
Grabeinfriedigung 26 
Grabhügel mit Trichtersticlien 50 
Grabritus 8. 238. 247 
Grabungstechnik 8. 48. 124 
Gräberbau 180. 182. 291 
Gräberschändung 48 
Gradmann, Prof. Dr. 161 
Grafenbucherforst 304 
Graphit 278 

Griechen 212. 214. 217. 238. 266 
Grimm, W. 217. 237 
Groeben, v. d. 304 
Grundriß 10 
Gstäudi 26 
Gudenushöhle 130 
Gumpert, C. 326. 335 
Gunzenhausen 302 
Gürtel 22. 44. 46. 172. 177. 196. 

Hagenreuth 9 

Hager, Dr. G., Gen. -Kons. 12 

Hahn, Prof. Dr. Ed. 171 

Hängeschmuck 280. 

Hainkirche 140 

Hallstatt 11. 157. 242 

Hallstattstufe A 4. 6; B 4. 341; C 5. 247; D 5. 

9. 11. 70. 80. 96. 99; C-Ritus 8. 10.24.30. 

33. 62. 73. 118. 189. 193. 194. 195. 200. 
Halsbergen 177. 199 
Handspitzenkultur 129. 130 
Härder 123 
Hartmann O. 371 
Hase 92. 316 
Hauser, Dr. O. 322 
Heiligenholz 64 
Heimatsektion 140 

Helios 212. 214. 218. 220. 235. 238. 242 
Helm, Prof. Dr. Karl 224 
Henfenfeld 4. 263. 278. 292 
Henkelkrug 254 

Henkeltasse 83. 85. 254. 256. 275. 279. 
Hephäston 218 
Herakles 238. 242 
Heritas 213 
Herlitz, Ign. 208 
Herodot 221 
Heroldsberg 4 

Hillebrand, Prof. Dr. Eugen 136 
Hilzheimer, Prof. Dr. 303. 309 
Hirgast 60. 163 



Hirsch 9. 85. 92. 168 

Hirschberg 70. 233 

Hirsche in der Keramik 192 

Hochäcker 251 

Hochglanz 134 

Hock, Prof. Dr. 5. 198. 337 

Hockerleiche 252. 259 

Höhentabelle 67. 73 

Höhleneinsturz 123 

Höhlenteich 143 

Höhlenwohnungen 166 

Hohler Fels 109. 130. 293. 302 

Holland 157 

Holwerda, Prof. Dr. 117 

Holz 175 

Holzheim 330 

Homer 213.214 

Honig 170 

Hornsteine 277. 286. 335 

Hornzapfen 305 

Hösch, Hanns, Neumühle 163. 208. 319 

Houbirg 5. 158. 293. 301 

Huber, Dr., Sulzbach 174 

Huber, Stadtrat 126 

Hügelgtäberschutt 105 

Huhn 169 

Hund 88. 168.270.271.317 

Hungersnöte 171 

Hyperboreer 219. 224. 289 

Ibn Fotland 115 

Idol 207 

Igelgefäße 100 

Igensdorf 241. 243 

lllyrier 119. 158. 206. 240. 247. 212 

Inder 214. 218. 237 

Indogermanen 157. 180. 211.216. 237. 245. 269 

Indra 216 

Italer 207. 212. 224 

Jaeckel, Pfarrer 315 
Jagd 9. 139. 168 
Jagdlrophäen 149 
Jagdzauber 152 
Jahn, Dr. M. 284 
Jaroslav 215 
Jenseits 237. 238 

Kalkmilch 128 
Kalzinierte Knochen 257 
Kannellierte Tasse 190 
Kantenabnützung 133 
KantenroIIung 125. 131. 133 
Kantenverwitterung 105 



356 



Karsten, Prof. Dr. Raf. 150. 153 
Kasing 258. 300. 332 
Kaukasuswisent 304 
Kellermann, OStR. Dr. 123. 135. 142 
Kelten 12.72. 119. 147. 158. 206 
Keramik 6. 286. 287. 300 
Kerbschnitt 102. 200 

Kerl, Franz 111. 251. 259. 285. 287. 333.349 
Kersbacti 337 
Kesselwagen 228. 229. 230 
Kiefer, Pinus sylv. 136 
Kirctital 169. 293 
Klapperbleche 226. 228 
Klausennische 129. 146 
Kleidung 173 
Klein, Dr. S. 264. 267. 275 
Klimawechsel 162 
Knarr, Sulzbach 174 
Knochenbeisetzung 261 
Knochenbolzen 84. 106 
Knochen, gerollt 154, 310; benützt 134; an- 
gebrannt 42. 134. 137.262 
»Knöpfe* 135. 137. 144 
Kochen 178 

Körperbeschaffenheit 181 
Köschinger Forst 382 
Kosten 129 
Kohle 270. 272 
Kohlenhaufen 128. 144 
Kohlenmeiler 328 
Kohlennester 127. 137 
Kolb, H., Chem.-Ing. 263. 275. 279 
Konservierung 159 
Kontrollprofil 128 

Kossinna, Prof. Dr. 7. 119. 176. 238. 239 
Kreisarchive 160 
Kreta 214 
Kugel 216. 230 
Kugler, Oekonom 293 
Kuh 237 
Kuhn, Prof. Dr. A. 217 

La Baume. Prof. Dr. 310 
Labersricht 4. 233. 288. 303. 340 
Langschiff 219. 220. 221 
Lalenekultur 3. 244 
Laleneleute 165 
Latenentus 73. 87. 118 
Latenestufe A 5. 11; B 5; D 301 
Laufende Beine 233 
Lausitz 4. 284. 285. 289 
Leder 175 
Lehmfachwerk 165 



Leichenbestattung 241. 260. 271. 273. 277. 284 

Leichenbrand 7. 8. 9. 42. 72. 81. 276. 277. 284 

Leichenraub 48 

Leichenrösten 263. 266. 292 

Lekythen 213 

Letten 213. 222 

Leukasgräber 269 

Limes 161 

Limmer, Kfm. 319 

Linktow, O. v. 315 

Lituslaven 212 

Lokalarbeit 7. 211. 227 

Löß 164 

Lutz, Joh. 288 

Märchen 213. 215 

Mahr, Dir. Dr. A. 345 

Mannhardt 215. 222 

Martersäulenäcker 286. 334 

Matte 280. 292 

Ma.x, Gabr. v. 319 

Mayer, LG.Dir. H. 303 

Mayr, A., Lenoir 342 

Mehlis, Prof. Dr. 15. 23. 163 

Mengert, Gust. 267 

Menghin, Prof. Dr. O. 130 

Menschenopfer 8. 27. 46. 115. 135. 241 

Mesolithikum 324. 329. 335. 347 

Metallgefäß 238. 239 

Metallnachahmung 289 

Michelsberger Keramik 300 

Mithra 213 

Mögeldorfer Sandgrube 4. 340 

Mond 210. 225. 238. 243. 245 

Montelius 167. 173. 176. 218. 223 

Münze, mittelalterl. 302 

Musartige Speise 170 

Muspelheim 213 

Mystik 246 

Mystisches Denken 227. 229. 230 

Mythen 246 

Mythologie 211. 214. 231. 235. 236 

Nabe, M. 322. 327 

Nachbestattungen 8. 10. 24. 26. 54. 113. 117. 185. 

190. 192. 199. 205. 260 
Nachtgestirn 217. 235 
Naun, Prof. Dr. 71. 114. 102. 170. 173. 176. 187. 

281. 283. 289. 260 
Neideck 326 

Neischl, Major Dr. 322. 330 
Neolithiker 259 

Nesterweise Einlagerung 125. 127. 143 
Neuessing 129 



357 



Neuhäusl i.Westerwald 165 
Neukamtn, Dr. 177 
Neumarkt i./O. 5. 330 
Neustadt a./A. 162 
Nold, Komm.-R. 78. 332 
Noppenring 280. 282 
Norwegen 221 

Oberitalien 11.246 

Obermaier, Prof. Dr. 109. 302. 324. 347 

Obrzan bei Brunn 208. 216 

Obst 171 

Ockergrube 296 

Odhin 215 

Oghamzeichen 194 

Ohnefalsch-Richter 208 

Okeanos 214. 218. 222. 225. 226 

Ornamente 101. 243. 244. 247. 271 

Ortband 190 

Ortsmuseen 160 

Osteurop. Kulturkreis 129. 147 

Paalzow, R. 140 

Paukenfibel 69. 228 

Peccatel 245 

Perser 213 

Peters, Dr. Kuno 123. 128 

Pfeilspitzen 136 

Pferdchen 196. 244. 245. 207. 214. 216 

Pfizenmayer 151 

Pflanzenfresser 139 

Pflaster 98. 271. 274. 275. 285 

Pflug 170 

Pfostenlöcher 165; in Hügeln 15. 18.26.31.35. 

40.45. 112 
Phleps, O. 305 
Pic, J. L. 281 
Pigorini, Dr. 261 
Pitigliano 208 
Plälenica 281 
Plattengräber 268 
Plattensile.x von Adelschlag 111 
Polarvölker 147 
Polen 213 
Poppberg 304 
Poulsen, Fred. 262 
Prälogische Denkweise 242. 244 
Priesterinnen 171. 177. 180. 199 
Profil 10.296 
Prometheus 217 

Quellen 159 

Räbel, Prof. 15. 337. 346 



Racknitzgarten 4 

Rad 210.213.216.230 

Rademacher, Dir. C. 38 

Raithel 77.99. 112. 113 

Ranke, Prof. Joh.s 312 

Rasiermesser 275. 281 

Rasse 119 

Regenzauber 229. 231 

Reh 9. 30. 316 

Reihengräber 267 

Reinach, S. 208 

Reinecke, Prof. Dr.P. 3. 6. 23. 26. 1C4. 116. 157. 

187. 230. 258. 283. 289. 337 
Reinerth, Dr. H. 299. 300. 346 
Reise der Seele 237. 239. 262 
Religion 10. 12.204.247; alte Hallstatt 12.72; 

neue Hallstatt 72.86. 118 
Reuter, ORegR. Dr. O. 336 
Rhein 157 
Rigweda 216 

Rind 80. 168. 256. 270. 272 
Ring, fordiert 271.282 
Ritus 7.71. 291.205.259.262 
Rodungen 164 
Rollennadel 257. 283. 303 
Römer 161.212 

Röm.-german. Zentralmuseum 165. 175. 207 
Roßbach, OSR. Dr. 5. 3.38 
Rößen 215 

Roter Letten 127. 137 
Rotfärbung 135. 262 
Roth, Lehrer, Schambach 267 
Ruherten 302 
Ruthenen 217 
Rütimeyer, L. 261 

Sagen 213 

Salamon. Tempelgeräte 230 

Sammlung Arndt 208 

Sandleite 174. 175. 177. 194 

Sanskrit 215 

Sarasin, Dr. Paul 350 

Schacht 247. 267 

Schädelnische 136. 148 

Schaf 168. 241. 270. 316; als Wegzehrung 8. 45. 

84. 89. 92 
Scheibe 216. 224. 230 
Scheidemantel, HR. Dr. H. 193 
Scheiterhaufen 18. 25. 184 
Scheltema O. v. 223. 224. 234 
Scherben mit verwaschenen Kanten IOC 
Scherbenrundl 111 
Schiffsbestattung 238 



358 



Schliz, HR. Dr. 119 

Schlosser, Prof. Dr. M. 137. 142. 145. 147.303. 

309. 312 
Schmieden 220 
Schmuckbedürfnis 234 
Schnecken 85 
Schönsteinhöhle 327 
Schöpfbecher 19 

Schrader, Prof. Dr. L. O. 185. 212 
Schramm, C. E. 123 

Schramm, C.F. 123.270.271. 277.278. 293.318 
Schramm, Georg 278. 293. 318 
Schulerloch 129 

Schumacher, Prof. Dr. 3. 103. 112. 119. 165 
Schwäne 219. 221. 222. 224. 234, 244 
Scliwein 8. 80. 84. 168. 271 
Schwertschlager, Prof. Dr. 110 
Seger, Prof. Dr. 100. 116' 
Seelen 246 
Seelenwächter 9 
Selene 218 
Semmelfarbene Keramik 32. 34. 38. 43. 188. 

190. 192. 194. 195 
Sepulkralzwecke 234 
Serben 213 
Siedlungsdauer 204 
Sieghard!, Thalmässing 251 
Sinter 128. 145 
Siniflutmythen 237 
Sirgenstein 129. 146 
Skelette 247. 254. 279 
Slawen 211.301 
Sleipnir 215 
Slowaken 215.217 
Smith W. G. 351 
Soma 216. 217 

Sonne 210. 213. 217. 223. 230. 233. 233 
Sonne als sachliches Wesen 216. 230. 245 
Sonne, W. 235 

Sonnenbarken 219. 228. 234. 239. 243 
Sonnenbecher 245 
Sonnenbilder 243 
Sonnenglaube 243 
Sonnengott 219 
Sonnenkult 71 
Sonncnlehen 220 
Sonnenroß 214. 215 

Sonnenteller 20. 56. 57. 204. 210. 233. 234. 236 
Sonnwendfeier 217 

Speisebeigaben 8. 45. 84. 88. 92. 168. 241. 287 
Speisen, musartige 170 
Stadelleite 271.285 
Staffe, Dr. A. 314 



Staffelberg 5 

Steindecken 79. 84. 91. 95 

Steinkränze 81.82.88.91.95.98. 112. 113.117 

Steinmetz, Konrektor Dr. 102. 114. 260. 268 

Steinsetzung 251. 254, 279. 286 

Stellvertretung 226 

Sternberg, Dr. Leo 151. 153 

Stichel 331.341 

Stöcklach 70 

Streit, Reg.-R. 269 

Streitberg 326 

Streuscherben 19. 21. 27. 32. 36. 39. 42. 58. 64. 

79. 100. 189. 200 
Surya 213. 217 
Swastika 233 
Symbol 71. 209. 224. 227. 231. 232. 244. 246 

Taiga, Tundra 136 

Tardenoisien 324. 327 

Tarpen 313 

Tatarinoff, Prof. Dr. E. 102. 109. 149. 269 

Teilbestattung 61 

Teilverbrennung 42. 44. 45 

Teufelshöhle 148 

Tiergestahige Gottheit 214 

Tischoferhöhlc 147 

Torfrind 311 

Totenfeste 29 

TotenkuU 158. 233. 238. 247 

Totenschifl 242 

Totenspeisung 261 

Totenteil 181 

Trichterstich 182 

Trockenmauer 256. 257. 268 

Trojaburgen 71 

Trundholm 245 

Tsountas, Prof. Dr. 219 

Typologie 4, 7. 11. 12, 30. 120. 158 

Undset, Dr. Jngwald 208. 233 
Unterirdisches Grab 61. 63. 183 
Unterwelt 236. 246. 247 
Ur 168.303.304 
Urwald 161 

Vaitarani 237 

Veden 213. 229 

Verbrannte Fußknochen 42 

Verkehr 166. 171 

Versuchsgraben 123. 294 

Viehzucht 168 

Villanova 223 

VioUier, Dir. Dr. 11. 27. 71. 114 

Vivianit 59 



359 



Vogelkopf 209. 227; -Fibel 22. 23 
Volkskunde 246 

Wächter 9. 113. 116 

Waffen 134 

Wagen 167 

Walberla 346 

Waldfauna 147 

Waldverteilung 164 

Walküren 222 

Wanderung 214 

Weber, Dr. 326 

Webstühle 174 

Wechsler, Hans 333. 349 

Wegzehrung 8. 63. 204 

Weidenschlag 181.185.261.269.270.285.291 

Weihegaben 239 

Weißbronze 190 

Westeurop. Kulturkreis 129. 147 

Wickingerzeit 213 

Wildpferd 196.312 

Wilke, Pfarrer 337 



Wilke, OQA. Dr. 119 

Winkelmann 167 

Wildkatze 124. 316 

Windloch b. Sackdilling 301 

Wisent 168.303 

Wohngruben 165 

Wolf 316 

Wunder, J. 17. 48 f. 196.270 

Wunder L. 28. 48. 58. 60. 109. 270 

Yama 237 

Zainingen 207. 208. 216 

Zauber 172. 237 

Zauberfrauen 171 

Zeiß, Dr. H. 329. 337 

Zeus 219. 235 

Ziege 168.316 

Zirndorf 342 

Zivilisation 212 

Zvveiklassenkultur 261 

Zweistufige Bestattung 261.270 292 



Ahh. (I. Nat. Qes. Niiriiberfi XXI. I5d. 



Tafel LXXX 




4' ^ '' 




Tafel 80^ Die Orabungsstelle \<>i ^^r Höhle im Kirchtal 




Tafel 8(ib 
'A verwitternder Kiuicheii. Seite 310 



Kirchtal 7810 



Abh. d. Nat. ües. Nürnberg; XXI. Bd. 



Tafel LXXXI 




Tafel 81a. Versuchssrabeii im Touristeiipiad neben der nördlichen Felswand. Seite 294 



Kirchtalhöhle 7810 




Tafel 811'. Hans Höscli, der Höhlen- und Hügelgr;iber-..t-"orscher" 
der Fränkischen Schweiz 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel LXXXII 




Tafel 82a. Schicht 6 in der Mitte des Platzes, 1.30 unter der Oberflache. Seite 295 
Tafel 82b. Eingang zum Fuchsloch. Seite 294 



Kirchtalhöhle 7810 



Ahh. d. N;it. des. Niirnhers XXI. Rd 



Tafel l.XXXill 




21 

Tafel iS3. Schaber, Kiatzer iiiid Riindkratzei' aus verschiedenen Zeiten 



Kirchtalhöhle 7810 



Abh. d. Nat. Oes. Nürnberg XXI. Bd. 



1 2 3 4 5 .. ^ 6 ^ , 



Tafel LXXXIV 




Tafel 84. Klingen, Stichel, atypische Stücke aus verschiedenen Zeiten 



Kirchtalhöhle 7810 



Abli. il, Nat. lies. Niiniberi; XXI. Hd. 



Tafel LXXXV 




Tafel 85. 1-12 Kirchtalhöhle 7810 Seite 298; 13 Schönsteiiihöhle Seite 327; 14 Regensburg 
Seite 345; 15 Artelshofen Seite 345 



Abli. d. N:it. Oes. Niinibürg XXI. Bü 




aiel 86. Keramik. Seite 300 



Kirchtalhöhle 7810 



Abh. d. Nat. Ol-s. Nürnberg XXI. Bd 



Tafel LXXXVII 




Tafel 87. 1-8, 10 Kirchtalhöhle 7810, Seite 300: 

9, 12 ..Breit" Seite 325: 11, 14 angeblich Stempferinühle, Seite 339: 

13 Thalmassing (Bronzezeit) 



Ahii. d. Nat. Ocs. NürnbLTg XXI. HC. 



afel LXXXVIII 




Tafel SRa Seite 31S 
Spurzlgrou 8023 




l'afel 88t> Bronzezeit. Seite 340 
Labersricht 



Abh. d. Nat. Ges. NürnberR XXI. Bd. 



Tafel LXXXIX 




Tafel 89 

Feldfunde der Tlialmässinger Gegend P. 38 (Smlg. Kerl) 

Seite 333 



Abh. d. Nat. Qes. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XC 




Tafel 90a. Fränkische Schweiz ,,in der Breit" Seite 322 




Tafel 901). Püttlachtal an der Hetzclkirche Seite 327 



Abli. (J. Nat. Oes. Niirnbcri; XXI. Bd. 



rafel XCI 



$ IMff U> 



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Tafel 91, Fränkische Schweiz .,iii der Breit" 8056: Bronze- bis Latenezeit Seite 325 



Alili. d. Nat. Oes. Niirnhcrt; XXI. Bd. 



Tafel XCII 




Tafel 92. Fränkische Schweiz ..iii der Breit" 
(Sammliiiij; Niilie) Seite 323;4 



Abh. d. Nat, ües. NürnberR XXI. Bd. 



Tafel XCIII 




Tafel 93-1. Metallzeitliche Flintbohrer Seite 341 




Tafel 9311. Mögeldnrfer Sandgrube und Altensittenbach, Hallstatt A Seite 340 
Labersricht, Bronzezeit Seite 341 



Abb. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XCIV 




Tafel 94. Aderzhausen 7392 1-S Seite 330: Solach 6 Seite 345; 7 Glashütten Seite 345; 

Breit 8-11 Seite 325/6 



Abh. d. Niit. Ges. Niiniheru XXI. Hd 



Tafel XCV 




Tafel 95 Seite 342 



Einzelfunde 



Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXI. Bd. 



Tafel XCVl 




Tafel 96. Seite 34.3 

Einzelfunde 



Abh. d. Nat. Oes. NiirnherK XXI. Bd. 



Tafel XCVl 




Tafel 97 Seite 344 
Einzelfunde 



Ahh. d. Nat. des. Niirnheri; XXI. Rd. 



Tafel XCIII 




. .flM-iypHTt^^^iT^ 



Tafel 98 Seite 344 
Einzelfunde 



Abli. d. Nat. des. Nilrnbert; XXI. l-id. 



Tafel XCIX 




Tafel 99 Seite 349 
Retuschen an Glas 



New York Bolanical Garden Llbran 



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