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AEGYPTISCHE CHRONOLOGIE 



VON 



EDUARD MEYER. 



AUS DEN ABHANDLUNGEN DER KÖNIGL. PREUSS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

VOM JAHRE 1904. 



MIT 7 TAFELN. 



BERLIN 1904. 

VERLAG DER KÖNIGL. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



IN COMMISSION BEI GEORG REIBfER. 



Gelesen in der Sitzung der phii.-hist. Classe am 23. Juni 1904 

[Sitzungsberichte St. XXXIII S. 987]. 

Zum Druck eingereicht am 29. August, ausgegeben am 16. December 1904. 







(. 



I. Kalender und Sothisperiode. 



Der ägyptische Kalender. 

Über die Einrichtung des ägyptisclien Jahres sind wir dadurch genau unter- 
richtet, dafs die griecliisclien Astronomen zur Datirung ihrer astronomischen 
Beobaclitungen den ägyptisclien Kalender benutzt liaben/ Dadurcli ist dieses 
Jahr astronomisch festgelegt. Es war bekanntlicli ein Wandeljahr von 365 
Tagen , das sich gegen das julianische alle vier Jahre um einen Tag ver- 
schob, so dafs 1461 ägyptische Jahre = 1460 julianischen sind. Es liegt 
gegen da« julianische Jahr so, dafs der ägyptische Neujahrstag, der i.Thoth, 
im Jahr i Nabonassar's auf den 26. Februar 747 v. Chr. fiel imd, da das 
julianische Jahr 745 v. Chr. ein Schaltjahr ist, im Jahr 4 Nabonassar's auf 
den 25. Februar 744, im Jahr 8 auf den 24. Februar 740 rückte u. s. w.^ 



* So auch in der Einleitung zu den milesischen Parapegmen (Sitzungsber. d. Berl. 
Akad. d. Wiss. 1904, 96). Ebenso sind die erlialtenen Horoskope (Wilcken, Ostraka I, 792) 
neben dem festen röniiscli-alexnndrinisciien nach dem ägyptischen Wandeljahr datirt. — 
Die von den Babyloniern übernommenen Beobaclitimgen (imd der zugehörige Konigskanon), 
die der Almagest bewahrt, sind lange vor Ptolemäos auf den ägyptischen Kalender umge- 
rechnet (vergl. Forsch. II, 454). — Wenn die griechischen Astronomen einen immerwährenden 
Kalender aufstellen wollen, benutzen sie dagegen einen nach dem Stand der Sonne zu den 
Thierkreiszeichen eingerichteten Idealkalender, in den im praktischen Gebrauch die Daten 
des laufenden bürgerlichen Jahres eingesteckt werden (s. Diels und Rehm, Sitzungsber. d. 
Berl. Akad. d. Wiss. a.a.O.), so schon Meton, das Parapegma des Geminos, die milesi- 
schen Parapegmen u. s. w. In der Kaiserzeit kommt daneben in Aegypten die Datirung nach 
dem festen alexandrinischen Jahr von 365 ;J Tagen auf, das bekanntlich mit dem julianischen 
identisch ist (Beginn i. Thoth = 29. August); so Ptolemäos in den oAceic Xhaanän und Theo 
Alexandrinus im Commentar zu Arat*s Phaenomena. 

^ Bequeme Tabellen bieten Brandes, Abhandlungen zur Gesch. des Orients im Alterthum, 
1874, 130 ff., fiir den i.Thoth von 4 zu 4 Jahren, von 4000 v.Chr. bis 136 n. Chr., und Mahler, 
Chron. Vergleichungstabellen , 1888, für alle Monate jedes Jahres von 747 v.Chr. bis 451 n.Chr. 

r 



4 Meter: 

In vollkommener Übereinstimmung mit den Angaben der Astronomen 
stehen die sonst in der griechischen Litteratur erhaltenen Beschreibungen 
des ägyptischen Jahres^ sowie die Angaben und Datirungen der ägyptischen 
Denkmäler selbst. Nach diesen zerfallt das ägyptische Jahr in drei Jahres- 
zeiten von je vier dreifsigtägigen Mofaaten , auf die am Schlufs fünf aufser- 
halb der Monate stehende Zusatztage, die Epagomenen der Griechen folgen. 
In der Schreibung werden die vier Monate jeder Jahreszeit einfach mit 
Zahlen bezeichnet; die (vielleicht erst in späterer Zeit aufgekommenen, von 
Festen entlehnten) Namen lernen wir durch die griechischen Documente 
und Schriftsteller kennen. Danach ist die Gestalt des Kalenders folgende: 



I Mil echuty Überschwemmungszeit 



II 



prdjety Winter oder Saatzeit 



czsa 



in >^i^x^ SomUy Erntezeit oder Sommer 



A/VVW\ 



I 

iTi 

MM 

I 

M 

MI 

MM 

I 

M 



Monat I 
» 2 



Thoth 

Paophi 

3 Athyr 

4 Ghoiak 

1 Tybi 

2 Mechir 

3 Phamenoth 

4 Pharmuthi 

1 Pachon 

2 Payni 



Mt • 3 Epiphi 
"^^ » 4 Mesori 

jo II ^ ^ diia lieriu ronpet die fünf Epagomenen. 

Dieser Kalender ist ein absolut künstliches Gebilde. Seine Eigenart 
besteht darin, dafs seine Monate keine Monate, seine Jahreszeiten keine 
Jahreszeiten, ja selbst sein Jahr kein Jahr ist. Das einzige Element, das 
er der Natur entnommen hat, ist der Tag; Monate, Jahreszeiten und Jahr 
dagegen sind lediglich Summen von Tagen, die zu einer bequemen Ein- 
heit zusammengefafst sind. Er ist beherrscht von einem Rationalismus 
und Radicalismus , wie ihn, soweit meine Kenntnifs reicht, kein anderer 
Kalender irgend eines Volks zeigt, auch der julianische nicht, in dessen 
absurden Monaten von 28 (29), 30 und 31 Tagen und in dessen Schalttag 

^ Vor Allem Herod. II 4. Decret von Kanopos Z. 43 ff. Geminos isag. in phaenom. c 8, 
8. 106 f. ed. Manitius. Censorin 18, 10. 



Aegyptische Chronologie. 5 

am 24. Februar doch noch die irrationalen Elemente erhalten sind, die 
auch Cäsar nicht zu beseitigen wagte, als er dem römischen Pseudomond- 
kalender die Länge des ägyptischen Jahres aufzwängte: lediglich die fran- 
zösische Revolution hat es bei ihrer ephemeren Kalenderreform den alten 
Aegyptern gleichzuthun gewagt. Eben auf diesem rationellen Radicalismus 
beruht die aufserordentliche praktische Bequemlichkeit des altägyptischen 
Kalenders, um derentwillen ihn die griechischen Astronomen adoptirt und 
auch dann noch beibehalten haben, als in Alexandria das julianische Jahr 
eingeführt wurde — dadurch ersparten sie sich nicht nur die Umrechnung 
aller überlieferten astronomischen Daten, sondern auch die unbequeme 
Rechnung mit einem Jahr von -'*- Tagen. Aus demselben Grunde haben 
unsere Astronomen die Rechnung nach julianischen Jahren beibehalten, 
statt mit dem gregorianischen Jahr oder gar mit dem in seiner Länge 
nicht einmal constanten wahren Sonnenjahr zu rechnen, das für das Jahr 
1800 n. Chr. auf 365^ 5** 48°* 46!43 bestimmt wird'. Ein Jahr, das mit 
Hundertsteln von Secunden operirt, ist für eine chronologische Rechnung 
unbrauchbar; das wahre Datum nach dem Sonnenjahre kann daher immer 
nur aus einer Umrechnung unter Zugrundelegung eines fictiven Jahres ge- 
wonnen werden, und als solches diente den griechischen Astronomen das 
ägyptische Jahr von 365 Tagen und uns das julianische Jahr von 365^ Tagen. 

Es kann nun aber keinem Zweifel unterliegen, dafs dieser Radicalismus 
des ägyptischen Jahres nicht beabsichtigt ist, sondern lediglich auf un- 
zureichender Kenntnifs der Thatsachen bei den Urhebern des Kalenders be- 
ruht. Offenbar haben sie geglaubt, wirklich die wahre Länge des Sonnen- 
jahres gefunden und einen Kalender geschaffen zu haben, der mit dem 
Wechsel der Jahreszeiten Schritt hielt. Beabsichtigt war nur die Aufgabe 
des Mondmonats und der mit ihr untrennbar verbundenen Nothwendigkeit 
fortwährender Schaltung, also eines Jahres von schwankender Länge; und 
eben darin besteht der gewaltige Fortschritt, den die Einführung des 
ägyptischen Kalenders bedeutet. 

Die unlösbare Schwierigkeit, mit der jeder naturwüchsige Kalender zu 
kämpfen hat, besteht bekanntlich darin, dafs die beiden von den natür- 
lichen »Zeitmessern« gegebenen Elemente, der Mondmonat und das Sonnen- 
jahr, sowohl unter sich wie mit dem Tage incommensurabel sind und daher 



* Diese Angabe entnehme ich Wislicenüs, Astronom. Chronologie S. 22. 



6 Meyer: 

einmal selbst von schwankender Länge sind (Monate von 29 und 30, Sonnen- 
jahre von 365 und 366 Tagen), sodann aber auch durch das raffinirteste 
Schaltsystem immer nur annähernd ausgeglichen werden können. Gerade 
dieser letztere Umstand macht sich am stärksten filhlbar; solange man 
nach wirklichen Monaten rechnet, d. h. nach der Zeit, welche von einem 
Erscheinen des neuen Mondes in der Abenddämmerung bis zum nächsten 
vergeht*, erhält man nicht nur ziemlich regellos abwecliselnde Monate von 
29 und 30 Tagen, sondern mufs auch das Jahr, um es einigermafsen mit 
dem Stande der Sonne und dem Wechsel der Jahreszeiten in Einklang zu 
erhalten, bald zu 12, bald zu. 13 Monaten, d. h. bald zu 354 oder 355, 
bald zu 383 oder 384 Tagen rechnen.^ Es ist bekannt, in wie vorzüglicher 
Weise die Griechen diese Aufgabe gelöst haben, aber auch wie völlig un- 
brauchbar in Folge dessen ihr Jahr fiir alle praktischen Zwecke gewesen 
ist, und wie daher der Bauer aus Naturereignissen und Sternphasen den 
Stand der Jahreszeiten erkennen und der Historiker nach ihnen datiren 
mufste, Avährend für alle Rechnungen, z. B. für Zinsrechnungen, nur die 
Rechnung nach Tagen oder höchstens nach Monaten (die dann conventioneil 
immer zu 30 Tagen angesetzt wurden, gleichgültig ob sie in Wirklichkeit 
voll oder hohl waren) verwerthbar war.^ 

Zu einem wirklichen Sonnenjahr und einem Kalender, bei dem die 
Monate eine feste Lage im Jahr haben, ist nur zu gelangen, wenn man 
jede Beziehung zum Monde aufgiebt. Der Grieche verlangte ebenso wie 
der Muslim, dafs an dem Abend, mit dem der erste Monatstag, die noy- 
MHNiA, begann, der neue Mond auch wirklich am Himmel sichtbar sei, und 
der letzte Monatstag, die eNH kaI n6a, auf einen Tag falle, an dem der Mond 



' Ich mochte gleich hier darauf hinweisen, dafs der astronomische oder »wahre« 
Neumond, d.h. die Conjunction von Sonne und Mond, ein durchaus kunstliches, lediglich 
durch Rechnung zu findendes Gebilde ist, auf das der Name »Neumond« nsommnia eigentlich 
sprachwidrig übertragen ist. Für die Praxis der Mondkalender und Mondsonnenjahre kommt 
nur der sichtbare Neumond, das »Neulicht« in Betracht. 

• Auf den absurden Gedanken eines reinen Mondjahres von 12 Mondmonaten konnte 
nur ein in diesen Dingen so völlig unerfahrener Kopf kommen wie Mohammed, und nur 
die imgeheure Autorität der göttlichen Offenbarung hat ein so thörichtes und unpraktisches 
Jahr den Gläubigen aufzuzwingen vermocht. 

' Gelegentlich hat man auch rein willkürlich eine bestimmte Anzahl von Monaten, 
etwa 10, als Jahr definirt, so in dem Vertrag der Söldner mit Eumenes I. (Inschr. von 
Pergamon 13. Dittenberger, Orientis gr. inscr. 266) oder im zehnmonatlichen Zinsjahr der 
Römer. 



Aegyptische Chronologie. 7 

überhaupt unsichtbar ist.^ Auch für die Aegypter waren die Mondtage von 
hoher Wichtigkeit: seit ältester Zeit werden das Neumonds- und Vollmonds- 
fest [ ^ r^l ™™6r unter den Hauptfesten aufgezählt, und in den histo- 
rischen und religiösen Texten neben anderen Mondfesten sehr häufig er- 
wähnt.* Eine Rechnung aus der Zeit Sesostris' III. zeigt denn auch, dafs 
wenigstens im Mittleren Reich das in Naturalien gezahlte Gehalt der Tempel- 
schreiber nach Mondmonaten von abwechselnd 29 und 30 Tagen gezahlt 
wurdet nicht nach Kalendeiinonaten ; datirt sind jedoch auch diese Rech- 
nungen nach dem bürgerlichen Kalender des 365tägigen Jahres. Man hat 
also bei Einführung desselben für den Cultus den älteren Mondmonat, soweit 
es nöthig war, beibehalten.* Aber für den Kalender haben diese Mondmonate 
keine Bedeutung, so willkommen uns derartige Angaben über den Stand 
des Mondes für die genaue Berechnung eines Datums sein können.^ 

Der Monat des neuen Kalenders ist thatsächlich nichts als eine will- 
kürlich gewählte Unterabtheilung des Jahres; doch bewahrt, ebenso wie in 

unserem Kalender, sowolil Name und Schreibung , ^ ebod »Monat« 

^ Thatsächlich war das bei dea ungenügenden Schaltcyklen nicht immer zu erreichen 
und hat bekanntlich den Anlafs zu wiederholten Kalenderverbesserungen gegeben. 

' Es genügt dafür auf Bruo'sch , Thesaurus II zu verweisen. Die in den gleichlautenden 
Kalendern Ramses* II. und Ramses' III. von Medinet Habu aufgezählten Stiftungen für den 
29-1 30., I., 2., 4., 6., 10 und 15. Tag jedes Monats können aber nicht auf den Mondmonat 
bezogen werden, wie Brugsch, Thesaurus II, S.3iof. und 476 annimmt, sondern nur auf den 
Kalendermonat, da die einzelnen Posten bei Angabe der Jahi*summen einfach mit 12 multiplicirt 
sind. Auch würden bei Mondmonaten die Opfijrgaben für den 30. Tag nur halb so oft; zur 
Auszahlung kommen wie die für die übrigen Tage. 

* BoRCHARDT, ÄZ. 37, 92 f. Weiteres s. unten S. 52. 

* Völlig analog ist es z.B., dafs in meiner Vaterstadt Hamburg in Folge der Ein- 
führung des gregorianischen Kalenders das Datum, an dem die Dienstboten abgingen und die 
Wohnungsmiethen abliefen, um 10 Tage verschoben wurde — man wollte eben auf die 
rechtlich begründeten Ansprüche nicht verzichten. Die weitere Verschiebung der beiden 
Jahrfoimen gegen einander hat dann dieser Rest des julianischen Kalenders nicht mitge- 
macht; aber der Umzugstag und der Tag des Abgangs der Dienstboten fiel in meiner Jugend 
noch ganz allgemein auf den 11. Mai und 11. November. 

* Ob das »Fest des grofsen Jahres« und »des kleinen Jahres« vjL^j VÄ-^j . 

das wir lediglich aus der Festliste im Grabe des Chnembotep in Benihassan (Dyn. XII) kennen 
(LD. II 123 f. Brugsch, Thes. 231), neben den beiden Neujahrafesten und dem »Fest des Jahres- 

Schlusses« und den 12 Neumond- und 12 Vollmondfesten ( , r\ w ^ 1 il» wi't diesen 

V X \\\\ (^ \\ß 

Mondmonaten etwas zu thun hat, ist mit Sicherheit nicht zu sagen. 



o 



B Meyeb: 

wie seine lÄnge die Anlehnung an die ältere Form der Zeitrechnung und 
bestätigt, was ja an sich selbstverständlich ist, dafs man vorher nach wirk- 
lichen Monden gerechnet hat. Schon damals wird man, wie bei den Griechen, 
den Monat conventionell zu 30 Tagen gerechnet haben, gleichgültig ob er 
voll oder hohl war; jetzt setzte man jeden Monat auf 30 Tage fest. Dafs 
das Sonnenjalir ungefähr 365 Tage lang war, d. h. dafs nach Verlauf dieses 
Zeitraums die Jahreszeiten und die Wasser des Nils auf ihren alten Stand 
zurückkehrten, mufs man längst gewufst haben. Wie man früher dieses 
Sonnenjahr durch Schaltungen zu gewinnen suchte, so war auch bei dreifsig- 
tägigen Monaten eine Schaltung unentbehrlich, aber nicht mehr eine unregel- 
mäfsige Schaltung von ganzen Monaten, sondern eine regelmäfsige Schaltung 
von 5 Tagen am Schlüsse des Jahres. In dieser kühnen Neuerung liegt 
eigentlich das überraschendste Moment des ägyptischen Kalenders, und zu- 
gleich dasjenige, welches ihm seine Stabilität durch Jahrtausende und damit 
seinen eminenten praktischen Werth verliehen hat. 

Wie stark die Aegypter die Anomalie dieser Zusatztage empfunden 

haben, ist denn auch noch klar zu erkennen. Sie heifsen j ^ h^nii/ 

"''" fimiX^' -^^ u^WT- "i""' "-" m H X^^f? "■»■* 

geschrieben, diuz hriu ronpet »die fünf, die auf dem Jahre befindlichen«^, 
a\ n^NTe At ^nArÖM€NAi*; d. h. sie stehen wie aufserhalb der Monate so auch 
aufserhalb des Jahres als eine Taggruppe für sich, die an das Jahr an- 
gesetzt (oder genauer »daraufgesetzt«) ist. Daher ist der als Festtag ge- 
feierte »Schlufstag des Jahres« <=>*^jo^3^^ nicht etwa der 5. Epago- 
mene, sondern der 30.Mesori®; und im Kalender von Medinet Habu berechnen 




» Pyr. Pepi II Z. 754 (Cap. 413). 

* Inschriften des Hapzefa von Siut, Erhan, ÄZ. 20, 1882, 166 ff. Inschrift des 

Vv qS^ in München unter Ameneines L bei Brugsch, Thes. 236. 

■ II Vi I ^^ ^^^ Festliste aus dem Grabe Chnembotep's in Benihassan (Bruoscb, 

Thes. 231, 33a). 

* Bruoscb, Thes. 479 f. 

* Siehe Erhan, Aegypt. Gramm. 2. Afl. §155. 

* Decret von Kanopos 44. 

"^ Inschrift des Chnemf^otep. 

* Brugsch, Thes. 478. 



Aegt/plische Chronologie. 9 

Ramses IL und der ihn abschreibende Ramses HI. die täglich f^^''^) 
für den Amontempel zu liefernden Opfergaben durch Multiplication mit 
365 »für das Jahr und die 5 Tage« (^^^^f^ili)^ — die »5 Tage« gehören 
also streng genommen nicht zum Jahr, da dies nur aus den 12 Monaten 
besteht. So wird sich denn auch die in den Verträgen aus dem Grabe 
des Hapzefa mehrfach vorkommende Formel »wohlan, ein Tempeltag ist 
r^ des Jahres« noch einfacher erklären, als ich früher annahm*: fÄr die 
Berechnung der täglichen Tempelrationen kommt hier nur das »Jahr« in 
Betracht, d. i. die 12 Monate, nicht die Epagomenen. 

Man sieht deutlich, wie schwer es den Aegyptern geworden ist, den 
Gedanken zu fassen , dafs es Tage geben solle , die aulserhalb der Monate 
stehen^ d.h. dafs bei der CJonstituirung des Jahres die Unterabtheilung 
des Monats, nach der man bis dahin zu rechnen gewohnt war, übergangen 
wurde. Um diese Tage überhaupt einfuhren zu können, hat man sie far 
Festtage und für Geburtstage der fünf grofsen Götter Osiris, Horus, Set, 
Isis und Nephthys erklärt — nach der bei Plutarch de Is. 1 2 erhaltenen 
Sage, die gewifs uralt ist, liabe Re^ (Helios), als Nut (Rhea) heimlich mit 
G6b (Kronos) der Liebe pflegte, sie verflucht, »sie solle in keinem Monat 
noch Jahre gebären«; da habe Thoth (Hermes), der sie liebte, im Brett- 
spiel dem Monde ein Siebzigstel jedes Mondlichts (tön ♦cötwn) abgewonnen 
und daraus 5 Tage gebildet, die er den 360 Tagen des Jahres anfügte; an 
diesen habe dann Nut ihre fünf Kinder geboren. Bereit« die Pyramidentexte 
kennen diese Verbindung: in der Pyramide Pepi's II. heifst es: »als die 
Götter geboren wurden an den 5 Epagomenen.«* Das ist nichts weniger als 
Volkssage oder Priestertradition, sondern eine durchaus künstliche und be- 
wufste Erfindung, welche die Neuerung dem Volke zugänglich machen soll; 
auch sie zeigt, dafs nach ägyptischer Anschauung die fünf Tage nicht zum 
Jahre gehörten. Sie ist zugleich religionsgeschichtlich wichtig, da sie zeigt, 

' DuMicHEN, Die kalendarischen Opferfestlisten von Medinet Habu (1881) Taf. IX. 
Kalenderinschriften (1866) Taf. II. IX; hervorgehoben schon von Cbabas, Calendrier des 
jours fastes et nefastes S. 100. 

* Bei Erman, ÄZ. 20, 172, wo ich annahm, dafs wie bei den Griechen (Herod. I, 32) 
und sonst das Jahr conventioneli zu 360 Tagen gerechnet sei. 

■ Wenn wir jetzt den ägyptischen Kalender einfiihren sollten, würde sich das Volks- 
gefuhl ganz ebenso dagegen strauben. 

Phüos.'histor. Ahh. 1904. I. 2 



10 Meter: 

dafs zur Zeit der Aufstellung des Kalenders die Gottheiten des Osiriskreises 
bereits in hohem Ansehen standen. 

Theils die angeführte Sage, theils die Stellung der »Zusatztage« im 
Kalender hat den Glauben hervorgerufen, dieselben seien späteren Ursprungs 
als die 12 Monate; das wird im Decret von Kauopos als officielle Anschauung 
der Priester ausgesprochen.^ Dafs dem späteren ägyptischen Jahr ein Jahr 
von 12 Monaten vorangegangen ist, ist freilich ganz richtig; aber das waren 
echte Mondmonate, die mit dem späteren ägyptischen Kalender nichts zu 
thun haben. Die zwölf gleich langen Monate von 30 Tagen sind jedoch von 
den 5 Epagomenen untrennbar; beide können nur gleichzeitig entstanden 
sein. Ein 36otägiges Jahr hat freilich auf Dilettanten immer eine magische 
Anziehungskraft geübt und wird das auch in Zukunft weiter thun — der 
Glaube daran ist recht eigentlich der Prüfstein des Dilettantismus in der Chro- 
nologie — ; aber geschichtlich hat es nie existirt (aufser in Rechnungen, wie 
Herod.I, 32 [ebenso im Räthsel der Kleobulina und sonst] oder bei der Zahlung 
der Löhnung an unsere Soldaten, wo es nichts ist als eine bequeme Abrun- 
dung) und kann nicht existiren (es sei denn, dafs ein Dilettant nach Art des 
Mohammed es den Gläubigen aufzwänge), da weder vom Mondmonat noch 
vom Sonnenjahr aus zu ihm zu gelangen ist. Vielmehr fuhren die mit der 
Rechnung nach Mondmonaten untrennbar verbundenen Schaltungen mit 
Nothwendigkeit sofort auf ein Sonnenjahr von rund 365 Tagen (12 Mond- 
monate = 354 Tage -hu Tage, d. i. etwas über -J- Monat). Dafs das un- 
gefähr die Länge des Sonnenjahres sei , mufsten die Aegypter schon ermittelt 
haben, als sie noch nach echten Mondmonaten rechneten. 



* Z. 43 f. TflC CYNTA56(üC TOY ^NIAYTOY MeNO^CHC ^K TÖN TPIAKOCJWN feII^KONTA AmCPÖN 

KAI TÖN ¥cTePON npocNOMiceeicÖN ^nAreceAi n^Nxe HMepÖN. — Bekanntlich hat Eudoxos be- 
hauptet, das ursprüngliche ägyptische Jahr sei der Monat gewesen (Proclus in Plat. Tim. 
p. 102 Diehl), und hat wohl schon selbst damit die hohen Zahlen der Götterregierungen 
erklären wollen. Jedenfalls ist diese Hypothese dann sowohl bei Diod. 1 26 (Hekataeos von 
Abdera?) aufgegriffen, wie von Varro (bei Lactant. inst. II 12 = Piin. VII 155). Als nächste 
Stufe erscheint dann, entsprechend den ägyptischen Jahreszeiten, ein viermonatliches Jahr 
(Diod. I 26, 5; Flut. Num. 18; Solin I 34; Augustin civ. dei XII 11). Isolirt steht Censorin 
19,4 mit der Angabe, das älteste ägyptische Jalir habe aus 2 Monaten bestanden (Jahn und 
HüLTSCH corrigiren wohl mit Recht menstruum), König Ison habe es auf 4, Arminos auf 
13 (sie!) Monate 5 Tage verlängert. Bekannt ist, wie willkommen diese Phantastereien den 
christlichen Chronographen gewesen sind und wie Panodoros noch das allerursprünglichste 
Jalir von der Länge eines Tages hinzuerfunden hat. 



Aegyptische Chronohgie. 11 

WandeljahTi Siriasjahr und wahres Sonnenjahr. 

Dafs die Aegypter geglaubt haben, mit Ansetzung des Jahres auf 
365 Tage die wahre Länge des Sonnenjahres gewonnen zu haben, lehren 
die Namen ihrer drei Jahreszeiten Überschwemmung, Aussaat oder Winter, 
und Ernte.* Aber die Voraussetzung war bekanntlich falsch. Schon nach 
wenigen Jahren mufsten die Sternkundigen beobachten, dafs der Kalender 
gegen den Stand der Sonne und der Gestirne zurückgeblieben sei, und 
zwar alle 4 Jahre um i Tag, und nach etwas längerer Zeit mufste das 
auch an dem Stand der Jahreszeiten, d. h. an den Feldarbeiten und dem 
Verlauf der Überschwemmung wahrnehmbar werden. Aber eine Änderung 
des Kalenders und die Einfügung eines Schalttags in jedem vierten Jahre 
hat das nicht zur Folge gehabt. Der Grund dafür wird zunächst in der 
Scheu gelegen haben, durch eine neue Schaltung von Neuem ein schwanken- 
des Jahr zu bekommen und dadurch wieder in eine Kalenderverwirrung 
hineinzugerathen , der man eben glücklich entronnen war; alsbald kam dann 
die Macht der Tradition hinzu. Vor Allem aber wirkte die grofse prak- 
tische Brauchbarkeit des neuen Kalenders für seine unveränderte Erhaltung. 
Denn wenn uns bei dem Blick auf lange Zeiträume der Übelstand sehr 
fühlbar hervorzutreten scheint, so dürfen wir nicht übersehen, dafs er im 
Leben des Einzelnen und jeder einzelnen Generation nur recht geringe Be- 
deutung hat. In den 60 Jahren, die das höchste Mafs für die bewufste 
Feldarbeit eines Bauern bilden, beträgt die Verschiebung nur 15 Tage, 
und sie erfolgt so langsam und so regelmäfsig, dafe sie von ihm im Verlauf 
eines Jahrzehnts überhaupt noch nicht bemerkt werden kann ; denn die Natur- 
})hänomene, auf die es ihm für die Feldarbeiten ankommt, kehren auch 
bei dem bestregulirten Kalender nicht immer an demselben Tag wieder, 
da sie von atmosphärischen Einflüssen abhängig sind. Andererseits aber 



* Bei Diod. I 26, 5 als ^ap (= Somu Ernte), e^Poc (= echut Überschwemmung) und xei- 
MCüN (= pröjpt) wiedergegeben. Im Decret von Kanopos werden die natilrlichen Jahreszeiten 

xeiM(*)N und e^poc (Z. 4iff.) im hieroglyphischen Text Z. 21 durch Q prqjet und JJJXXJX O 

Somu übersetzt. Ebenso erfahren wir aus einer InschriA; auf der Sinaihalbinsel aus der 
Zeit der 12. Dynastie, deren Kenntnifs ich Breasted verdanke (s. Abschn. IV am Ende), dafs 

damals der »dritte Monat des Winters« . . . ^ (Phamenoth) in die natürliche Jahreszeit 

fXSX^ O ^OTww »Sommer«, die Zeit der gröfsten Hitze, gefallen ist. 

2* 



12 Meter: 

verschiebt sich in derselben Zeit von 8 Jahren, wo sich die Lage der 
ägyptischen Monate um 2 Tage verschiebt, in einem gut regulirten Mond- 
kalender wie der griechischen Octaeteris ihre Lage fünfmal rückwärts um 
II Tage und dreimal vorwärts um 18 oder 19 Tage.* So erklärt es sich, 
dafs sich für jeden einzelnen Aegypter und fiir jede Generation mit jedem 
Monat genau wie bei uns die Vorstellung einer bestimmten Gestalt des 
natürlichen Jahres verbinden kann, dafs z. B. Una in der 6. Dynastie es 
als selbstverständlich voraussetzt, dafs der Epiphi ein Monat tiefen Wasser- 
standes ist (s. Abschnitt IV am Ende), und dafs Herodot in seiner Beschrei- 
bung des ägyptischen Jahres (II 4) keine Ahnung davon hat, dafs es ein 
Wandeljahr ist, sondern es als weit verständiger rühmt als das griechische 
Schaltsystem, weil bei ihm der Kreis der Jahreszeiten alljährlich auf das- 
selbe Ealenderdatum zurückkehre. 

In einem längeren Zeitraum freilich trat die Verschiebung auf's Stärkste 
hervor. »Es geschah«, wie es im Decret von Kanopos heilst*, »da& die 
Feste, die im Winter gefeiert waren, in den Sommer, und die im Sommer 
gefeierten Feste in den Winter fielen.« Noch charakteristischer ist, dafe 
die Namen der drei Jahreszeiten dadurch rein conventioneil wurden und 
mit den Naturvorgängen, die sie bezeichnen, im ägyptischen Kalender 
ebenso wenig zu thun haben, wie die ägyptischen oder unsere Monate mit 
dem Monde. 

So tritt neben das Wandeljalir, das der bürgerliche Kalender that- 
sächlich darstellt, ein lediglich in der Theorie existirendes fest.es Jahr, das 
er der Intention nach darstellen sollte. Dieses feste Jahr ist aber bei den 
Aegyptern auch nicht das wahre, den Wechsel der Jahreszeiten bestimmende 
Sonnenjahr, sondern das julianische Jahr von 365 J Tagen, und es richtet 
sich nicht nach der Sonne, sondern nach dem Sirius, d. h. es ist nicht 
dadurch bestimmt, wann die Sonne wieder auf denselben Jahrpunkt zu- 
rückkehrt — der sich bekanntlich in Folge der Präccssion der Nachtgleichen 
in ungefähr 2200 Jahren gegen den Fixsternhimmel um 30^ oder ein Stern- 
bild der Ekliptik verschiebt — , sondern danach , wann sie wieder in die- 

^ Im mohammedanischen Jahr durchlaufen die Monate bekanntlich im Laufe einer 
Generation von ^^ Jahren das ganze Sonnenjahr, wahrend sich für den Aegypter der Neu- 
jahrstag in dieser Zeit nur um 8j Tage verschob. 

* Z. 4iff. Ebenso Geminos, Isag. in phaen. 8, 16 ff., wo der Kreislauf der Feste durch 
alle Jahreszeiten als bewufste Absicht hingestellt wird. 



Aegyptischs Chronologie. 13 

selbe Stellung zum Sirius zurückkehrt. Der Fruhaufgang des Sirius, d.h. 
der Tag, an dem dieser, nachdem er längere Zeit unsichtbar gewesen ist, zu- 
erst wieder am Osthimmel in der Morgendämmerung sichtbar wird, Ist der 
Neujahrstag des festen ägyptischen Jahres oder, correcter ausgedrückt, der 
Tag, auf den der Theorie nach der Neujahrstag des bürgerlichen Kalenders 
fallen sollte, von dem er sich aber thatsächlich alle 4 Jahre um einen 
Tag weiter entfernt. 

Es ist bekannt, dafs der Frühaufgang des Sirius, ägyptisch Sopdet^ 
Cöeic, in die Zeit fiel, wo die Wasser des Nils langsam zu steigen be- 
gannen. Dadurch gewann dieser Stern, der schon durch seine Helligkeit 
alle anderen überragte, eine ganz exceptionelle Stellung: er zeigte den Ein- 
tritt des für den Aegypter wichtigsten Ereignisses an und fährte es offen- 
bar selbst herbei. Der Kalender wollte mit der Überschwemmungszeit das 
neue Jahr beginnen: der Frühaufgang des Sirius ist daher der Normaltag 
für den Neujahrstag, den i.Thoth. Schon die Pyramidentexte zeigen diese 
Verbindung: »Sothis, deine (des Osiris) geliebte Tochter, die deine Früchte 
(renpowei) gemacht hat (d. h. durch die Überschwemmung deine Nahrung 
geschaffen hat) in diesem ihrem Namen ronpet »Jahr«, sie ist es, die den 
N. N. (den Todten) fiihrt, wenn er vor dich kommt. «^ Sie gilt als Stern 
und Sitz der Isis^, die sich in ihr manifestirt; auch hier wieder sehen 
wir die Anknüpfung des Kalenders und des Jahres an die Gottheiten des 
Osiriskreises. 

Thatsächlich fällt nun, wie schon erwähnt, der Frühaufgang des Sirius 
alle 4 Jahre euien Kalendertag später; erst nach Ablauf von 1457 bürger- 
lichen Jahren fallen beide wieder zusammen. So ergiebt ein festes Jahr 
von 365^ Tagen und die der sogenannten Sothisperiode zu Grunde liegende 
Gleichung 

1461 bürgerliche Jahre = 1460 Sothis- (julianische) Jahre. 

Beim Ablauf einer Sothisperiode ist freilich, da das Sonnenjahr etwas 
kürzer ist, die Sonne (und damit die Jahreszeiten) bereits über den Stand, 
den sie beim Beginn derselben, vor 1460 Jahren, am i.Thoth einnahm, 
schon um etwas mehr als S-J- Tage vorgeschritten. Aber theils in Folge 



U.S.W. Cap. 258 Pepi Z. 189 = Merenre^ 355 = Neferkere^ 906 f. Vergl. auch Unas Z. 39of. 
' So schon in den Pyramiden texten Cap. 154 (Teti 276 f. = Pepi 30 f. = Merenref 40 f.)« 



14 Meter: 

der Präcession der Nachtgleichen , theils durch die Eigeubewegung des 
Sirius hat sich inzwischen auch die Stellung der Sonne zum Sirius in der 
gleichen Richtung fast genau um denselben Betrag verschoben, d.h. der 
Siriusaufgang fallt zwar nicht mehr auf dasselbe Datum des echten (gre- 
gorianischen) Sonnenjahrs, sondern 8 — 9 Tage später, wohl aber immer 
noch auf dasselbe Datum des julianischen Kalenders. Hrn. Prof. W. Föbster 
verdanke ich die nachstehenden, auf Grund eigener Untersuchungen, mit 
Benutzung der Abhandlung Oppolzer's über die Lange des Siriusjahrs und 
der Sothisperiode' berechneten Daten. Die Länge des Siriusjahrs betrug: 

im Jahre 4231 v.Chr. 365^2498352 

» 3231 » » 365f2500000 (d.h. genau 365-JTag, wie 

» 2231 » » 365^2502291 das julianische Jahr) 

1231 » . 365^2505225 

» 231 » » 365^2508804 

» 770 n.Chr. 365^2513026 

Mithin war das Siriusjahr im 5., 4., 3. Jahrtausend v. Chr. mit dem 
julianischen fast völlig identisch und ist seitdem ganz langsam etwas 
grölser geworden. Der Frühaufgang des Sirius ist also Jahrtausende lang 
auf demselben julianischen Datum geblieben ; in Memphis z. B. , wo er im 
Jahre 4231 v.Chr. (und schon Jahrtausende vorher) auf dem 19. Juli lag, 
blieb er auf diesem Datum bis weit über das Jahr 1000 v. Chr. hinab, 
erst dann verschiebt er sich auf den 20. Juli.^ In demselben Zeitraum 
von 4000 Jahren, von 4231 bis 231 v.Chr., in dem sich der Siriusauf- 
gang gegen das julianische Jahr um i Tag verspätet, ist dagegen die 
Sommersonnenwende im julianischen Jahr um 31 Tage vorgerückt, nämlich 
vom 28. Juli jul. im Jahre 4231 auf den 27. Juni jul. im Jahre 231 v.Chr. 
Die Sommersonnenwende trat daher im 43. Jahrhundert v. Chr. in Memphis 

* Ber. Wien. Akad. , inath.-phys. CI. Bd. 90, 2. Abth. 1884, S. 557 ff. 

* Hrn. Prof. Förster verdanke ich folgende Tabelle, in der die vorchristlichen Jahre 
nach astronomischer Schreibweise durch das negative Vorzeichen und eine um i Jahr niedrigere 
Zahl bezeichnet sind als in unserer Schreibweise (weil die Astronomen das julianische Jahr 
I V. Chr. als Jahr o bezeichnen): 

Von — 4230 bis — 3230 Verfrühung 0,08 Tag 

■ — 4230 » — 2230 Verspätung 0,03 » 
» — 4230 » — 1230 » 0,41 » 

• — 4230 ■ — 230 » 1,1 1 » 

• — 4230 « + 770 » 2,20 » 



AegypHsche Chronologie. 15 

9 Tage nach dem Siriusaufgang ein, im 31. Jahrhundert (3100 — 3001 
v.Chr.) fiel sie mit ihm zusammen auf den 19. Juli, seitdem ist sie in 
jedem Jahrhundert um i8-J Stunden weiter vorgerückt. 

Diese Daten zeigen, dafs die Aegypter praktisch völlig im Rechte 
waren, wenn sie das Siriusjahr als ein festes Jahr von 365-J Tagen an- 
sahen. Dagegen sollte man erwarten, dafs ihnen die Verschiebung des 
wahren Sonnenjahrs gegen das Siriusjahr allmählich hätte zum Bewufst- 
sein kommen müssen, zumal sie sich im Laufe der Jahrtausende auch im 
praktischen Leben, in den Daten der Feldarbeiten und der Überschwemmung, 
genau in derselben Weise bemerklich machte, wie den christlichen Völkern 
die Verschiebung des julianischen Jahres. Indessen gerade dieses Beispiel 
zeigt zugleich, wie wenig Bedeutung einer solchen säcularen Verschiebung 
zukommt: dem Bauern der Gegenwart kann es völlig gleichgültig sein, 
dafs seine Vorfahren vor 1000 Jahren die Feldarbeiten nach dem Ka- 
lender eine Woche später begonnen haben. Li der That würde es ja ohne 
den religiösen Anlafs, den die Bestimmungen über das Osterfest boten, 
zur Einfuhrung der gregorianischen Kalenderverbesserung schwerlich ge- 
kommen sein. Ob diejenigen ägyptischen Priester, welche sich wirklich 
ernstlich mit Astronomie beschäftigten, aus der Thatsache, die ihnen nicht 
verborgen bleiben konnte, dafs der Siriusaufgang jetzt beträchtlich später 
fiel als die Sommersonnenwende und in die Zeit der beginnenden Nil- 
schwelle tiefer hineingerückt war als ehemals, die Consequenzen fär die 
Länge des wahren Sonnenjahrs gezogen haben, wissen wir nicht; aber es 
findet sich keine Spur davon, dafs sie die Jahrlänge von 365-^ Tagen nicht 
als die wahre Länge des Jahres betrachtet hätten (vergl. das Decret von 
Kanopos und Cäsar's Kalenderreform), und es ist sehr möglich, da£s auch 
auf diesem Gebiet für ihr Denken die geheiligte Tradition starker war als 
alle Empirie. Jedenfalls war der Sirius, der sie in uralter Zeit bereite 
so erstaunlich nahe an das richtige Jahr herangeführt hatte \ für die Folge- 
zeit eben darum ein um so stärkeres Hindernüs, darüber hinaus zu noch 
genaueren Bestimmungen fortzuschreiten. 



^ Bei den Griechen setzt z.B. noch Oinopides die Lange des Jahres beträchtlich 
gröfser an als das julianische Jahr, auf 365 f| Tage; und selbst Meton kommt nur auf 
365^ Tage, d.i. 30' 9" zu viel, während das julianische Jahr, das dann Eudoxos und 
Kallippos annahmen, nur etwa 11' 13'' zu lang ist. Darüber hinaus ist bekanntlich erst 
Uipparch gelangt. 



m^f^ 



16 Meter: 

Somit kommen för Aegypten, abgesehen von den in den Mondfesten 
fortlebenden echten Mondmonaten, folgende drei Jahrformen in Betracht: 

1. das bürgerliche Wandeljahr von 365 Tagen, nach dem alle Ur- 
kunden datirt werden; 

2. das (julianische) Siriusjahr von 365-^ Tagen, das för das bürger- 
liche Leben dadurch Bedeutung hat, dafs ihm der Festtag des Siriusauf- 
gangs angehört; 

3. das echte (gregorianische) Sonnenjahr, nach dem sich der Gang 
der Feldarbeiten (und der Überschwemmung) richtet, das nach dem Volks- 
bewufstsein mit dem Siriusjahr identisch ist, aber thatsächlich sich lang- 
sam von ihm loslöst. 

Das Nebeneinanderbestehen dieser Jahresformen ist nicht lästiger, als 
wenn bei uns neben dem bürgerlichen Sonnenjahr das lunisolare Schaltjahr 
einherläuft, dem die beweglichen Feste angehören — oder vielmehr das fort- 
währende Schwanken derselben ist unendlich viel lästiger als die langsame Ver- 
schiebung des ägyptischen Wandeljahrs — , und in den Ländern mit juliani- 
schem Kalender thatsächlich für die Landwirthschaft noch das wahre Sonnen- 
jahr hinzukommt. Damit vergleiche man, dafs z. B. die Athener des 5. Jahr- 
hunderts fortwährend mit drei ganz verschiedenen Jahren zu rechnen hatten, 
nämlich : 

1. dem bürgerlichen (Archonten-) Jahre des Kalenders, einem luni- 
solaren Schaltjahr von abwechselnd 12 und 13 Mondmonaten — von uns 
auf julianische Daten reducirt; 

2. dem Rathsjahr von abwechselnd 360 und 390 Tagen*; 

3. dem natürlichen oder Bauernjahr, das sich nach den Sternen' und 
den sonstigen Anzeichen des Wechsels der Jahreszeiten (Ankunft der 
Schwalben u. s. w.) richtet, und nach dem auch die Historiker, wie Thu- 
kydides, allein datiren. Wir reduciren dasselbe zunächst auf julianische, 
und dann, wenn wir uns den damaligen Stand der Jahreszeiten klar 
machen wollen, weiter auf gregorianische Daten. 

Erst durch solche Vergleiche gelangt die gewaltige Überlegenheit des 
ägyptischen Jahres, die auf Herodot einen so grofsen Eindruck gemacht 
hat, lebendig zum Bewufstsein. 



Dazu kommt noch das Panathenäenjahr von Panathenäen zu Panathenaen. 



Aegypüsche Chronologie. 17 

Der Nonualtag des Siriusaufgangs und die Sothisperiode. 

Aegypten erstreckt sich der Länge nach durch mehr als 7 Breiten- 
grade: Alexandria = 31^9' n. Br., Sais und Tanis = 31^, Memphis und 
Heliopolis = 30^ \ Koptos = 26° (Abydos etwas nördlicher, Theben etwas 
südlicher), Syene = 24°. Von einem Breitengrade zum anderen aber ver- 
schiebt sich das Datum des Siriusaufgangs rund um einen Tag; wenn er 
z. B. in Memphis auf den 19. Juli fiel, war der Sirius in Koptos schon 
vier Tage vorher, am 15. Juli, sichtbar geworden. 

Theoretisch f&llt daher der Neujahrstag des Siriusjahres, d. h. der 
supponirte Nonnaltag ftr den i. Thoth, unter jedem Breitengrade auf 

einen anderen Tag. Wurde also das Fest des Siriusaufgangs, <::i:>A^^s3>' 

i^eb peret Sopdety nach wirklicher Beobachtung gefeiert, so verschob es 
sich durch das Nilthal jedesmal sieben Tage lang von Ort zu Ort. Dafs 
das bei einem allgemeinen Feste und zumal bei einem, das mit dem im 
ganzen Lande einheitlichen Kalender in so enger Verbindung stand, höchst 
unwahrscheinlich ist, liegt auf der Hand: es erfordert einen Normaltag, 
an dem es in ganz Aegypten einheitlich begangen wurde, unbekümmert 
darum, ob die Himmelserscheinung thatsachlich an den einzelnen Orten 
früher oder später eintrat. Dafs man so verfahren ist, beweisen die An- 
gaben des Decrets von Kanopos und die der griechischen Astronomen, 
die durchweg ein bestimmtes Kalenderdatum als Tag des Sothisaufgangs 
angeben. »Der Tag, an dem der Stern der Isis aufgeht« (hierogl. 

C) A lA^^ *^^^ "^^^ ^^^ Aufgangs der Sothis«) war eben, wie es 
im Decret von Kanopos heifst, »in den heiligen Schriften als Neujahrs- 
fest U^ {Ikeh wep ronpet) bezeichnet« (th öm^pa in h önu^AAei tö Xctpon 

TÖ THC "^Icioc, fi No«ii€TAi AiA TÖN iGPÖN rpAMMÄTWN n6on 6toc eTwAi), ciuc Be- 
zeichnung, die in den Denkmälern häufig wiederkehrt. Slbenda erfahren 
wir, dafs das Fest in ganz Aegypten auf denselben Tag (damals den 
I . Payni) fiel und sich alle vier Jahre um einen Tag verschob.*^ Genau 



^ Memphis liegt etwas sudlicher, Heliopolis etwas nördlicher; für unsere Betrachtung 
kommt auf diese kleinen Unterschiede nichts an. 

* Das neueiugerichtete Fest der eeoi ercpr^TAi soll dagegen dauernd am i. Payni ge- 
feiert werden, auch wenn cymbaini;! rdu ^niTOA^N to9 Xctpoy weTABAiNeiN eic ^t^pan A/a^pan 
AiA T€ccApci)n ^tän Z. 38; ebenso Z. 41 f. 

Philos.-'histor. Abh. 1904. I. 3 



18 Meter: 

dasselbe lehrt die officielle Angabe Ober die Festfeier im 7. Jahre des 
Sesostris (Usertesen) III. aiis der 12. Dynastie, die aus dem Papyrusfund 
von Kahun (am Eingang des Faijüm) von Borchardt (ÄZ. 37, 99) publicirt 
worden ist. Die Priesterschafl erliält hier von dem Grafen und Tempel- 
vorsteher unter dem 2 5.Phamenoth die Weisung: »Du sollst wissen, dafs 
der Siriusaufgang am 16. Pharmuthi stattfindet«; demeiitsprechend sind 
die »Festgaben des Siriusaufgangs« am 17. Pharmuthi in den Tempel- 
rechnungen geburht. Wenn das Eintreten des Frühaufgangs 22 Tage 
vorher mitgetheilt wird, kann er nicht beobachtet, sondern nur nach dem 
Kalender vorausberechnet sein; und ebenso ist es selbstverständlich, dafs 
man nicht für jeden Tempel Aegyptens, je nach seiner geographischen 
Breite, ein anderes Datum berechnet, sondern an alle die gleiche Weisung 
geschickt hat. 

Dadurch wird bestätigt, dafs alle Sothisdaten auf einen Normaltag 
gestellt sind und nicht auf Beobachtung beruhen, sondern cyklisch zu 
verstehen sind, d.h. dafs sie nach dem Kalender auf Grund der alle vier 
Jahre eintretenden Verschiebung berechnet sind , genau wie das Decret von 
Kanopos angiebt. Hiergegen haben die Astronomen, die sich seit Oppolzer 
mit der Sothisperiode beschäftigt haben, verstofsen, und die Historiker, 
Chronologen, Aegyptologen sind ihnen meistens gefolgt.^ Aber es ist 
chronologisch völlig gleichgültig, ob an dem Tage, an dem das Sothis- 
fest gefeiert wiu'de, der Siriusaufgang wirklich unter dem Normalparallel 
beobachtet wurde oder nicht — so gleichgültig wie es für das Datum 
einer noymhnia, des ersten Monatstages ist, ob an dem betreffenden Abend 
der Mond wirklich gesehen wird oder nicht, sobald die Monate nicht mehr 
am Himmel abgelesen werden (so dafs man vor Eintritt der Abenddäm- 
merung nicht weifs, ob der damit beginnende Tag der dreißigste des 
endenden oder der erste des neuen Monats ist)^, sondern nach einem 
Kalendersystem wie der Oktaeteris oder dem me tonischen Cyklus von 



' BoRCBARDT, ÄZ. 37, loi, dem Brix das Sothisdatum von Kahun astronomisch be- 
rechnet hat, hat die dagegen vorliegenden Bedenken richtig empfunden. Seltsam ist, dafs 
ein Chronologe von Fach wie Mahler, ÄZ. 27, 98 f.; 40, 78 f. den Fehler mitmacht und die 
Daten astronomisch berechnet; dadurch sind alle seine Ergebnisse unhaltbar geworden. Sehr 
mit Recht hat sich soeben Sethb, ÄZ. 41, gegen diese Art zu rechnen erklart. 

* So verfahren die Mohammedaner bekanntlich noch heutigen Tages. Erst wenn der 
Kanonenschufs gefallen ist, der das Erscheinen des Neumondes verkündet, wissen die Be- 
wohner Constantinopels y dals jetzt der Fastenmonat Ramadan begonnen hat 



Aegyptische Chronologie. 19 

vorn herein berechnet werden. Seit der ägyptische Kalender einmal ein- 
geführt war, läuft die Sothisperiode unabänderlich weiter, d. h. alle vier 
Jahre rückt das Sothisfest im bürgerlichen Kalender um einen Tag vor- 
wärts, bis es im 1461. Jahre überhaupt nicht stattfindet, weil es im 
Jahre 1 460 noch auf den fünften Epagomenen gefallen war, das nächste Fest 
aber bereits auf den i.Thoth des Jahres 1462 = i der neuen Periode 
fallt. Mit anderen Worten: die Sothisperiode ist zwar aus einer astro- 
nomischen Thatsache entsprungen, verläuft aber, sobald diese Thatsache 
einmal zur Grundlage des Kalenders gemacht war, ganz unabhängig von 
aller Astronomie lediglich nach dem Kalender weiter, auf Grund der Regel, 

dafs das Sothis- oder »Neujahrs «fest \y sich alle vier Jahre um einen Tag 
verschiebt.* ^^ 

Diese Regel ist aber auch das einzige Moment, in dem das feste oder 
Sothisjahr in die Erscheinung tritt. Es besteht lediglich in der Theorie: 
die weit verbreitete Anschauung, es habe in Aegypten neben dem bürger- 
lichen Wandeljahr ein festes Sothisjahr mit eigenem Kalender gegeben, 
ist falsch. Ein solcher Kalender und eine Datirung nach festen Jahren 
kommt nirgends vor, auch nicht im Papyrus Ebers (S. 46 f.), und wenn 
wir ein solches festes Jahr neben das bürgerliche stellen, so ist das 
lediglich eine moderne Hülfsconstruction derselben Art, wie wenn wir, 
um uns (las Verhältnifs des Oster- und Pfingstfestes zum festen Jahr zu 
veranschaulichen, den Schaltkalender eines fingirten Mondsonnenjahres mit 
Mondmonaten neben unseren julianischen oder gregorianischen Kalender 
stellen wollten. 

Für die richtige Bestimmung des Normaldatums des Siriusaufgangs 
ist es noth wendig, auf die Frage nach dem Anfang des ägyptischen Tages 
einzugehen. Für einen Mondkalender ist als Tagesanfang die Abenddäm- 
merung gegeben, und so rechnen bekanntlich die Israeliten und Juden, 
die Mohammedaner, die Griechen. Beim Bauernkalender dagegen, nach 

^ Die auf der astronomischen Berechnung beruhende Annahme, der Normaltag des 
Sothisfestes habe sich im Verlauf der ägyptischen Geschichte vei*schoben, vom 19. auf den 
20. Juli jul., mufs voraussetzen, dafs zu irgend einer Zeit das »Neujahrsfest« einmal nicht um 
einen, sondern gleich um zwei Tage vorgerückt sei, etwa vom 4. Epagomenen auf den i.Thoth. 
Dafs das undenkbar ist, leuchtet ein. Die einzige Folge der thatsächlichen Verschiebung des 
Aufgangstages ist, dafs — modern ausgedrückt — der Normalparallel des Sotlüsfestes sich 
nach Norden verschiebt, von 30** n. Br. auf den 31. Grad. Das konnte aber den Aegyptern 
ganzlich gleichgültig sein. 



20 Meteb: 

dem der Bauer, wenn er aufgestanden ist, in der Dämmerung aus dem 
Stand der am Morgenhimmel verblassenden Gestirne den Stand der Jahres- 
zeiten (und die Wettervorzeichen) abliest, ist es das natürlichste, die Nacht 
als die Grenzscheide zweier Tage zu betrachten. »Im gewöhnlichen Leben«, 
sagt Plinius II, i88, »wird der Tag vom Anbruch des Lichts bis zum 
Eintritt der Finsternifs gerechnet (vulgus omne [observat diem] a luce 
ad occasum)«. Das fuhrt, wenn es einer genaueren Bestimmung bedarf, 
auf die Mitternacht als Anfangspunkt des neuen Tagdatums. So haben 
die Römer gerechnet und so rechneu wir. Wesentlich künstlicher ist die 
Rechnung von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang; aber sie bietet den Vor- 
theil, einen leicht mit ziemlicher Genauigkeit bestimmbaren Zeitpunkt als 
Ausgangspunkt zu haben. Deshalb haben sie wohl die Babylonier an- 
genommen \ und ebenso ist sie bei den Astronomen geläufig — daneben 
hat Ptolemäos, dem die modernen Astronomen folgen, den ifur das prak- 
tische Leben absurden^ Tagesanfang mit dem Mittag. Mit welchem Zeit- 
punkt die Aegypter den Tag begonnen haben, würde sich a priori nicht 
entscheiden lassen ; nur ist klar, wie unwahrscheinlich die Annahme mancher 
Neueren* ist, die Aegypter hätten den Siriusaufgang in der Morgendäm- 
merung, der ihnen den Anfang des festen Jahres verkünden sollte, noch 
zum vorhergehenden Tag gerechnet, als »Neujahrstag« also nicht den Tag 
gerechnet, an dessen Beginn, sondern den, an dessen letztem Ende der 
Sirius zuerst wieder sichtbar wurde. Dieser Annahme stehen denn auch 
alle Zeugnisse gegenüber. Nach Plinius 11, i88 begannen die Aegypter 
wie die Römer den Tag um Mitternacht. Im Sternkalender im Grabe 
Ramses' IX. (LD. III, 228 bis) aber steht am i. Thoth bei der ersten Nacht- 
stunde der Vermerk »Anfang des Jahres« (-^^^ f ). Dieser Kalender, 

\ü C^ I /www I / 

der bekanntlich in besserer Copie schon im Grabe Ramses' VI. vorliegt 
(LD. ni, 227. 228), giebt die Stellung der Gestirne, nach denen der Ho- 
roskop die Stunden der Nacht bestimmte und abrief*, für den Anfang 



* Varro bei Gellius III, 2 = Plin. II, 188 = Censorin 23, die Hauptstelle über den Beginn 
des Ta^^es bei den vei-schiedenen Völkern. A'ergl. auch Plutarch, Quaest. Rom. 88, 

' Volkstliümlich war derselbe nach Varro's Zeugnifs nur bei den Umbrern, die ja 
überhaupt eine starke Neigung zu Absurditäten gehabt zu haben scheinen. 

' Als Vermutlumg bei Ideler, Handbuch I 100; als Voraussetzung seiner Erklärung 
der Stelle Censorin's über die Sothisepoche bei Oppolzer, Ber. Wien. Ak. math. Cl. 90, 2, 558. 

* Weiteres s. unten S. 36 f. 



Aegyptische Chronologie. 21 

und die Mitte jedes Monats von Stunde zu Stunde, und zwar für den 
»Anfang der Nacht« und die Stunden von i — 12. Danach ist klar, dafs 
die Aegypter als »Nacht« nur die Zeit" wirklicher Dunkelheit betrachtet 
haben, vom ersten Erscheinen der Sterne in der Abenddämmerung bis zu 
ihrem Verlöschen im Morgengrauen ; denn wäre hier die Nacht von Sonnen- 
untergang bis Sonnenaufgang gerechnet, so wären die für den »Beginn 
der Nacht« und die für 1 2 Uhr Nachts verzeichneten Gestirne unsichtbar 

gewesen. Die Monatstage, für die die Liste der 13 Gestirne gegeben ist, 

1 1 p 
werden durchweg als erster und als Ofl p|l", d.i. etwa »Tag i6 incl. 

15«^ bezeichnet, d. h. die Nacht gehört gröfstentheils dem 16., ihr Anfang 
aber noch dem 15. an. Danach ist klar, dafs auch die Nacht des ersten 
Monat^stages nicht die ist, die auf ihn folgt, sondern die, welche ihm vor- 
hergeht; und die oben angefahrte Bemerkung zum i. Thoth zeigt, dafs bei 
genauer Rechnung der neue Tag um i Uhr Nachts, d. h. nach völligem 
Eintritt der Finsternife, begann. Die Bezeichnung zeigt aber zugleich, 
dafs für das Gefühl die Nacht zwischen den beiden Tagen stand. In 
derselben Weise bedingt sich Hapzefa von Siut (Mittleres Reich) in den 
Verträgen, die er für seinen Todtencult mit der Priesterschaft geschlossen 
hat^, Dochte für die nächtlichen Feiern »am 5. Schalttag, der Nacht des 

Neujahrs ( * vrvr)* wnd »am 17. Thoth, Nacht des Uagafestes«, das am 

18. Thoth stattfindet — d. h. die beiden Vorfeiern der grofsen Festtage 
beginnen mit Eintritt der Dunkelheit an dem dem Fest vorangehenden 
Tage, aber die Nacht selbst wird schon zum folgenden Tage gerechnet. 
Genau wie die thebanischen Stundentafeln redet noch das Horoskop eines 
Papyrus aus dem Jahre 81 n.Chr., das nach dem festen alexandrinischen 
Kalender auf die dritte Nachtstunde des beginnenden 6. Pharmuthi = i. April 
gestellt ist; als altägyptisches Paralleldatum nach dem Wandeljahr wird 
der 1./2. Pachon gegeben.^ Im Jahre 81 n. Chr. fiel der i. Pachon auf den 
3 1 . März jul. ; die dritte Nachtstunde desselben (nach unserer Rechnung 
3 1 . März 9 Uhr Abends) wird also nach alexandrinischer Rechnung schon 

^ Welciies Wort durch das Zeichen - in dieser Formel abgekürzt wird und was 

es genauer bedeutet, wissen wir nicht. 

^ Erhan, AZ. 20, Vertrag 5. 7. 8. 9. 10. 

* WxLCKKN, Ostrakal, 792 ^toyc tpitoy ecoY TiroY 4>APM0Yei rfl ^ni<i>ö)CKO^ci;i ^kth ^ni 

TPITHC Tftc NYKT6c ÖPAC, 6c A^ "^PwMaToI XrOYCI KAaAnaAIC ^AnPIAlAIC, KAT' ÄPXAIOYC Zk^ nAXC»)N 
NCYMMNIA eiC tAn ACYT^PAN. 



22 Meteb: 

dem folgenden Tage (i. April) zugerechnet, während sie nach altHgyptischer 
Bezeichnung zwischen dem i. und 2. Pachon steht. 

Danach kann es keinem Zweifel unterliegen , dafs , wenn es in der astro- 
nomischen Inschrift des Deckengemäldes des Ramesseums vom Sonnengott 

keifst — ;^'7J^y SÄS'^'^T^'^^^o^i/ '^^^ ^^'* ^'""^ ^^^"^^ 

Ramses II.) strahlen wie Isis-Sothis am Himmel am Morgen des Neujahrs« \ 
darunter der dem Neujahrstage vorangehende Morgen zu verstehen ist, nicht, 
wie es Oppolzer's Annahme erfordern würde, der auf ihn folgende. 

Über den Normaltag des Siriusaufgangs besitzen wir nun Zeugnisse 
genug. Sie beweisen, wie Unger erkannt hat^ dafs als solcher der 19. Juli 
jul. gegolten hat. Unter diesem Datum verzeichnet das unter Geminos' 
Namen überlieferte Parapegma den Siriusaufgang in Aegypten nach Dosi- 
theos.* Dieser lebte in der zweiten Hälfte des 3 . Jahrhimderts v. Chr. ; da 
damals der Sirius in Alexandria am 22. Juli aufgingt, kann sein Datum 

■^— ^^^— ^^— ^"^ ■■!.- ■■■■■■ I - » ■.., MM _■!■■■■ ■ ■■-■^ 1 ■ ■■■■I^J.M. ■ l.-l »^^^— p 

' Lbpsius, Denkm.m, 170 f. Bruoscr, Tlies. 1,87. Brugsch S.90 erkläi't ^(](]^^ (das 

er sebii^ nicht duait lesen will) als die elfte Stunde der Nacht, weil in den auf Theon von 
Alexandria zurückgehenden Scholien zu Arat v. 152 (comin. in Arat. ed. Maass S. 366) vom 
ägyptischen Neujahi'stag gesagt wird TÖre tap (wenn die Sonne im Löwen steht) ^/abaingi 
kaI Ö NeTAOC, kai Pi toy Kyn6c ^niTOAH nepi ti^n riß katA ^na^kathn öpan <»AiNeTAi, kai 

TA^HN ÄPXi^N ^TOYC TIOeNTAI KaI tAc "^IcIAGC UpÖN cTnAI TÖN Ky'NA KAI AYTOY tAn ^niTOAlHN. 

Aber fiir die ägyptischen Anschauungen beweist das gar nichts; denn der griechische Astronom 
Theon befolgt naturlich den astronomischen Sprachgebrauch , nach dem der Tag mit Sonnen- 
aufgang beginnt. Der Sirius wird am Morgenhimmel zuerst wieder sichtbar, wenn er bei 
Beginn der Dämmerung etwa i Stunde vor der Sonne aufgeht, also astronomisch um 11 Uhr 
Nachts. Für die altägyptische Berechnung der Nachtstunden ist das aber, wie die The- 
banischen Stundentafeln zeigen, 12 Uhr Nachts, d.h. das Ende der Nacht. Für sie beginnt 
eben der Tag schon mit der Dämmerung. 

^ Chronol. des Manetho 46 ff.; Zeitrechnung der Griechen und Romer, im Handbuch 
der class. Alterthumsw. I (i. Aufl.), S. 606, wo er mit Recht auf die glänzende Bestätigung 
seiner Ansicht durch das inzwischen gefundene Decret von Kanopos verweisen konnte. Ich 
bedaure, dafs ich mich früher und noch in der kurzen Angabe über die Ergebnisse meiner 
Untersuchungen in den Sitzungsberichten 1904 durch die Autorität von Ideler und LspsrtJS 
habe verführen lassen , den 20. Juli ungeprüft als den Normal tag zu betrachten. 

* Kapkinoy KT (= 19. Juli) Aocie^ü) ^n Airf'nTü) K'f'coN ^niT^AAei {Gemini elementa 
astron. ed. Manitius p. 212. Lydus de ostentis ed. Wachsmuth p. 175). 

* Dieses Datum giebt Ptolemäos in den Apparitiones (in Wachsmuth's Lydus S. 253) 
ganz richtig für den Parallelkreis von Alexandria (28. Epiphi des alexandrinischen Jahres 
= 22. Juli); för den Parallelkreis von Syene setzt er den Siriusaufgang ebenso richtig 7 Tage 
früher auf den 22. Epiphi =16. Juli. In Memphis ging er also damals am 20. Juli auf 
(vergl. oben S. 14 und unten S. 28). 



Aegyptische Chronologie. 23 

nicht auf eigener Beobachtung beruhen, sondern nur das ägyptische Normal- 
datum sein (daher auch die vage Angabe in Atr'fnTij)^, während eine Be- 
obachtung gerade in Aegypten die Angabe einer bestimmten Localität noth- 
wendig erfordern würde). Der 19. Juli als Normaltag wird auch von Theon 
(4. Jahrhundert) angegeben* , ebenso unter Consta.ntin von Hephästion von 
Theben^ (25, Epiphi alexandrinisch = 19. Juli), ferner im Hemerologion des 
Aetius Amidenus (6. Jahrhundert).^ Dasselbe Datum gi^bt aber auch ein 
offioielles und völlig authentisches Documenta das Decret von Kanopos, nach 
dem im 9. Jahr des Ptolemäus Euergetes (= 2 2.0ctober 239 bis 2i.October 

238) die hM^PA ^N H ^niT^AAei tö Xctpon tö rfic'^lcioc (hierogl. | A ^ ^c Sothis), 

fi NOMiieTAi AiA TÖN lepÖN rpAMMÄT(i)N N^oN ^Toc gTnai auf dcu I. Payni fiel, das 
ist der 19. Juli 238 v.Chr.* 

Aus dem Datum ergiebt sich zugleich, dafs der Normaltag des Sirius- 
aufgangs auf den 30. Breitegrad, d.h. das Gebiet von Memphis und Helio- 
polis , gestellt ist. Hier fiel er während des ganzen Verlaufs der nationalen 
ägyptischen Geschichte, von den ältesten Zeiten bis in die zweite Hälfte des 
ersten Jahrtausends v.Chr., auf den 19. Juli des julianischen Jahres. 

Dafs von den Neueren ganz allgemein, au&er von Unger, der Sirius- 
aufgang nicht auf den 19., sondern auf den 20. Juli gesetzt wird, beruht auf 
der bekannten Stelle des Censorinus 21,10 über die ägyptischen Jahre : sed 
horum (annorum) initia semper a primo die mensis eius sumuntur, cui apud 
Aegyptios nomen est Thouth: quique hoc anno fuit a. d. VII Kai. lul., cum 
abhinc annos ceutum, Imp. Antonino Fio II Bruttio Praesente Komae coss., idem 
dies fuerit a. d. XII Kai. Aug. , quo tempore solet Canicula in Aegypto facere 
exortum. quare scire etiam licet, anni illius magni, qui ut supra dictum 



* Schol. Arat. 150 (p. 366 ed. Maass): Um den 38. Epiphi (nach alexandrin. Kalender, 
= 2 3. Juli) tritt die Sonne in den Löwen, bre kaI ö K^wn tAc ÄniTOAAc noieTrAi- g^ tAp 
hAntcdc ncpi n^MOTHN kai cikAaa (19. Juli) ö Kif'öN tAc ^hitdaAc hoicTtai [das war also das 
allgemein angenommene Datum], XaaA kai ncpi ice kai Ä (23. und 34. Juli) np6c tAn bpaay- 
T^PAN TOY Aaioy kinhcin. Diese letzten Worte sind mir unverständlich. 

* Bei Unobr, Manetho S. 46. 

* In Wachshutb's Lydus S. 264 mhni IoyaIcj) ie K^ün fe^oc Xnat^aa€I. 

^ Es ist sehr bezeichnend, dals Lepsius, als er das Decret von Kanopos publicirte, 
dieses Datum für ein R&thsel erklären mufste, das er nicht losen könne (denn die Ver- 
muthung, die er dann doch noch vorbringt, ist keine Lösung); auf den Gedanken, dafs 
der 20. Juli falsch sein könne und das Decret das richtige Datum gebe, ist er überhaupt 
nicht gekommen. 



24 Meter: 

est* et solaris et canieularis et dei annus vocatur, nunc agi verteiltem annum 
centesimum. Censorin giebt ganz richtig an, dafs im Jahre 238 n.Chr., 
in dem er schrieb (c. 21, 6 ff. 18, 12), der i.Thoth auf den 25. Juni ge- 
fallen sei; aber die weitere Angabe, er sei im Jahre 139 auf den 21. Juli 
gefallen , ist falsch ; er fiel in diesem Jahre auf den 20. Juli.^ Mau hat daher 
seit Scaliger allgemein und wohl zweifellos mit Recht — wenn wir nicht 
annehmen wollen, dafs Censorin ein arges Versehen begangen habe — das 
Datum in a. d. XIII Kai. Aug. corrigirt. Wenn das am 20. Juli 139 n. Chr. 
beginnende Jahr 139/40 das erste einer neuen Periode war, so ist das am 
25. Juni 238 beginnende Jahr 238/39 in der That das hundertste. 

Nun steht aber das Datum i.Thoth = 20. Juli als Anfang einer Hunds- 
sternepoche nicht nur im Widerspruch mit den Angaben, welche als Normal- 
tag des Siriusaufgangs den 19. Juli nennen, sondern es ist auch das vierte 
Jahr, in dem der i.Thoth auf den 20. Juli fiel; im nächsten Jahr räckt 
er auf den 19. Juli. Man sollte also annehmen, dafs es vielmehr das 
Jalir 1461 der vorhergehenden Epoche gewesen sei und die neue mit dem 
19. Juli 140 n.Chr. begann (so Unger), oder dais, wenn der 20. Juli der 
Normaltag war, die neue Epoche bereits mit dem 20. Juli 136 n.Chr. be- 
gonnen habe. 

Letzteres ist die Ansicht von Brandes.* Er glaubt sie dadurch erwiesen 
zu haben, dafs er aus dem Almagest zeigt, dals sowohl 132 wie 135 n.Chr. 
der I.Thoth auf den 21. Juli gefallen ist, also 136 — 139 auf den 20. Juli 
fiel. Indessen das hat, soweit ich sehen kann, nie Jemand bezweifelt; es 



^ c. 18, 10 ad Aegyptiorum annum niagnum luna non pertinet, quem graece kynikön, 
latine canicularem vocamus, propterea quod initium iliius sumitur, cum primo die eius 
mensis, (|uem vocant Aegyptii ecovei, caniculae sidus exoritur. Nam eonim annus civilis 
solos habet dies CCCLXV, sine ullo intercalari, itaque quadrienniuni apud eos uno circiter 
die minus est quam naturale quadriennium; eoque fit, ut anno MCCCCLXI ad idem revol- 
vatur prjncj])ium. hie annus etiam ^aiak6c a quibusdam dicitur, et ab aliis 6 eeoY ^niaytöc. 

* Oppol/.er hat das überlieferte Datum durch die Annahme zu retten gesucht, in der 
Morgendämmerung des 21. Juli sei der Frühaufgang des Sirius in Alexandria bereits sicht- 
bar gewesen , und die Aegypter hätten die Morgendämmerung noch zum vorhergehenden Tage 
gerechnet. Aber i. weist nichts in Censorinus' Angabe auf Alexandria hin; 2. fiel nacli 
des zeitgenössischen Astronomen Ptolemäos Angabe der Frühaufgang des Sirius in Alexandria 
nicht auf den 21., sondern erst auf den 22. Juli; 3. rechneten, wie wir gesehen haben, die 
Aegypter die Morgendämmerung nicht zum vorhergehenden, sondern zum folgenden Tage 
Oppolzer's Annahme ist daher falsch. 

' Abh. zur Gesch. des Orients 123 ff. 



Aegypüsche Chronologie. 25 

ergiebt sich das einfadh daraus, dafs die julianischen Jahre 140, 136, 132 
n. Chr. u. s. w. Schaltjahre sind. Die Gleichung zwischen dem ägyptischen 
und dem julianischen Kalender steht eben vollkommen fest; sie ist aber 
von der Frage nach dem Anfangsjahre der Sothisperiode völlig unab- 
hängig. Wie die Angabe des Censorinus mit der eben erwähnten That- 
sache in Übereinstimmung gebracht werden kann, hat bereits Boeceh ge- 
zeigt*: er nimmt an, dafs von den 4 Jahren, in denen nach ägyptischem 
Kalender der Sothisaufgang auf denselben Tag fiel, im ersten dieser Tag 
dem 20. Juli jul. entsprach, in den drei folgenden dem 19. Juli.^ Usener 
hat das weiter mit der Schaltregel des festen alexandrinischen Jahres com- 
binirt. Bekanntlich beginnt dasselbe mit dem ersten Jahre des Augustus, 
am 31. August 30 v. Chr.; aber der Schaltcyklus ist erst im 5. Jahre des 
Augustus = 26/25 V. Chr. eingeführt, und im Jahre 22, d. h. am Ende des 
Jahres 8 des Augustus = 23/22 v. Chr., zum ersten Mal ein 6. Epagomene 
= 29. August eingelegt worden. Fortan erfolgt die Schaltung regelmäisig 
im 4. Jahr der Tetraeteris, d.h. am 29. August 22, 18, 14 v.Chr., 3, 7, 
1 1 n. Chr. u. s. w., also 6 Monate vor der Schaltung im julianischen Jahr 
(29. Februar 21, 17, 13 v.Chr., 4, 8, 12 n.Chr. u. s. w.).^ Usener stellt 
nun die Übereinstimmung so her, dafe im alexandrinischen Jahre geschaltet 
worden sei, nachdem im Wandeljahre der Siriusaufgang sich um i Tag ver- 
schoben hatte. Nach dem Schema von Boeckh und Usener rückt im Wandel- 
jahr der Siriusaufgang im Sommer 22 vom 25.Epiphi (= 19. Juli 23 v.Chr.) 



^ Manetho und die Hundssternepoche S. 24, gegen Des Vionoles, der bereits das 
BRANDEs'sclie Argument vorgebracht hat. Auch ich habe mich lange durch Brandes bestechen 
lassen, mufs aber zugeben, dafs dieser Beweis die BoECRR*sche Annahme, d.h. die An- 
gabe des Censorinus, nicht widerlegen kann. Anders steht es mit Brandks' Beweis aus 
der Aera knb AAeNÖ<t>pecoc (s. unten). Auf Boeckh fufst Usener in der Ausgabe von Theon's 
P^asti Alexandrini in den Chronica Minora ed. Momhsen vol. III (Mon. German., Auct. anti- 
quissimi XIII). Kbenso fafst Mabi.er, ÄZ. 28, 119 f.; 40, 79 ff. die Sothisperiode auf, nur dafs 
er sie falschlich im Jahre 1318 v.Chr. beginnen läfst. Alsdann hätte die nächste am 19. Juli 
143 n.Chr. beginnen müssen, und der Normaltag wäre der 19./ 18. Juli. 

' Das hätte an sich gar nichts Auffälliges; denn es scheint zunächst Zufall, dafs gerade 
die Jahre 4, 8, 12 u. s. w. n. Chr. Schaltjahre sind; der Schalttag könnte ebenso gut in 
irgend ein anderes Jahr der Tetraeteris verlegt sein. 

* Ideler, Handbuch I, 143. Theon bei Usener, a. a. 0. 372 f. Dem entspricht das Vor- 
kommen des 6. Epagomenen im Jahre 95 n. Chr. (Wilcken, Ostraka I, 789). Nach dem Schalt- 
tag fallt der r. Thoth auf den 30. August; vom folgenden i. März =: 5. Phamenoth an stellt 
sich dann die regelmäfsige Coincidenz der alexandrinischen und julianischen Daten (i. Thoth 
= 29. August) wieder her. 

Phüos.-histor.Aöh. 1904, L 4 



26 Meyeb: 

auf den 26. Epiphi (= 20. Juli 22 v.Chr.); daher hätten die Alexandriner 
unmittelbar darauf, am 29. August 22, den Schalttag eingelegt. 

BoECKH und UsENEB geben eine Tafel, in der sie das Wandeljahr neben 
ein festes Siriusjahr stellen und in letzterem alle 4 Jahr einen Schalttag 
einlegen. Da eine solche Construction nur zu leicht falsche Vorstellungen 
weckt \ gebe ich ihre Tafel in etwas anderer Fassung f* = julianisches 
Schaltjahr; die 4 Jahre der Tetraeteris bezeichne ich mit a — d]: 

Jahr Jahr _,. , ,. , 

der Nabo- ^^ T v '^t" SIriurfert 

Periode ««««•. '• ^°* *"■ ^- EP'«»°""« 

1456 881 d 31. Juli 133 bis 20. Juli 134 n.Chr. 19. Juli 134 = 4. Epag. 



1457 


882 


a3i. 


• 


134 • 


30. 


• 


135 


• 


30. • 135 = 5. • 


[Schalttog des Sirius- 
jahrs 19. Juli 135] 


1458 


883 


bsi. 


• 


*35 • 


19. 


• 


I36»> 


• 


19. . 136 = 5. • 


[alex. Schalttag 

39. August 135] 


1459 


884 


C30. 


• 


136 • 


19. 


• 


137 


■ 


19. . 137 = 5. . 




1460 


885 


d30. 


• 


137 • 


19. 


• 


138 


• 


19. • 138 — 5- • 




I46I 


886 


— 30. 


• 


138 • 


19. 


■ 


139 


• 


nUlt aus 


[Schalttag des Sirius- 
jahrs 19. Juli 139] 


I 


887 


aso. 


• 


139 • 


18. 


• 


140b 


■ 


30. Juli 139 = i.Thoth [alex. Schalttag 






















39. August 139] 


3 


888 


b 19. 


• 


140 • 


18. 


• 


141 


• 


19. • 140 = I. • 





Eine derartige Construction der Sothisperiode ist theoretisch durchaus 
möglich; aus ihr würde folgen, dafs, wie Biot, Ideler, Boeckh, Lepsius u. A. 
annehmen, die vorhergehende am 20. Juli 1322 v.Chr. begonnen hätte. Aber 
sie scheitert am Decret von Kanopos, nach dem im Jahre 239/38 v.Chr. 
= 510 Nabonassar's das Siriusfest auf den i. Payni = 19. Juli 238 v. Chr. 
fiel. Denn dieses Jahr ist nach obigem Schema ein Jahr a der Tetraeteris^, 
in dem danach der Siriusaufgang auf den 20. Juli = 2. Payni fallen müfste. 
Die BoECKH'sche Reconstruction der Sothisperiode ist also falsch.* 

Nun kommt hinzu, dafs bei dieser Annahme dem ägyptischen Normal- 
tag zwei julianische Daten entsprochen haben würden: das ist nicht gerade 
wahrscheinlich. Noch unwahrscheinlicher ist Usener's Erklärung des alexan- 

^ Von einem festen ägyptischen Jahr mit vierjährigem Schalttag weifs [abgesehen von 
dem alexandrinischen Jahr] keine Quelle etwas, auch Theon bei Usenbr, a. a. 0. 373 f. nicht; 
er kennt nur Wandeljahre von 365 Tagen. 

' 1085 nach BoBCKH^scher Zählung, nach meiner natürlich 1084 == d. 

' Ich bemerke gleich hier, dafs die Hoffnung, aus den Daten von Kahun weitere 
Aufklärung über die Lage der Periode zu gewinnen, sich als trügerisch erwiesen hat (s. 
unten S. 52 ff.). 



Aegyptischß Chronologie. 



27 



drinischen Jahres. Denn nach ihm (und Boeckh) fallt das Sothisfest im 
Jahre 24/23 v.Chr. auf den 19. Juli = 25. Epiphi 23 v.Chr., im Jahre 23/22 
aber auf den 20. Juli =26. £piphi 22 ; erst darauf wird im alexandrinischen 
Kalender am 29. August 22 geschaltet und dadurch im nächsten Jahr 22/21 
das Sothisfest alexandrinisch wieder auf den 19. Juli = 25. Epiphi, 21 ge- 
bracht, während nach dem Wandeljahr dieser Tag jetzt der 26. Epiphi 
ist. Viel einfacher und glaubwürdiger gestaltet sich der Hergang, wenn 
wir annehmen, da& der Tag des Sothisfestes immer der 19. Juli des juliani- 
schen Jahres gewesen ist. Dann erhalten wir: 



Jahr Jahr 
der Nabe- 
Periode namar's 



«293 
1294 

1295 
1296 

1297 

1298 

1299 
1300 

1301 
1302 



7«9 
720 

721 

722 

723 

724 

72s 
726 

727 
728 



Wandeljahr 
i.Thoth bis 5. Epa^mene 

a 31. Anglist 30 bis 29. Angost 29b 

b30. 

C30. 

d3o. 

a30. 

b 29. 

C29. 

d29. 

a29. 

b28. 



. 29 . 


. 29. - 


. 28 . 


. 29. . 


. 27 1 


. 29. • 


. 26 1 


• 28. > 


. 25 . 


. 28. » 


. 24 . 


. 28. • 


. 23 . 


> 28. . 


• 22 1 


. 27. - 


• 21 < 


► 27. . 



amms 












Datum des Sirinsfestes 


Augusto- 


■ 


alexandrinisches Jahr 




(= 


= 19. Juli 


jiü.) 


mm 












im Wandeljahr 


alex. 


29b I 




ebenso 






24.Epiphr29 


ebenso 


28 2 












24. . 


. 28 






27 3 












24. ' 


• 27 






26 4 












24. • 


> 26 






25*» 5 












25. 1 


• 25 






24 6 












25. • 


. 24 






23 7 












25. ' 


• 23 






22 8b 


29. 


Augnst 23 


bis 29. 


Anglist 


22 


25. • 


22 






2ib 9 


30. 


22 


B 28. 


• 


21 


26. . 


21 


25. Epiphi 


20 10 


29. 


» 21 


• 28. 


• 


20 


26. . 


20 


25. . 


Q. 


s. w. 



















Wie man sieht, ist, als in Alexandria im Jahre 26/25 die Schaltung 
eingefilhrt wurde, das Schaltjahr so bestimmt worden, dafe das Siriusfest 
sich nicht wieder auf einen anderen Kalendertag verschieben konnte (wie 
das bei Usener's Schema im Jahre 22 und 21 der Fall ist), sondern fortan 
dauernd auf dem 25. Epiphi alexandrinisch liegen blieb; und dieser ent- 
spricht durch die Einrichtung der Schaltung in allen Jahren dem 19. Juli, 
in vollständiger Übereinstimmung mit den oben S. 22 f. angeföhrten Angaben. 

Des weiteren folgt, dafs die Schaltperiode des julianischen Jahres in 
der That, wie man oft vermuthet hat, mit Rücksicht auf den ägyptischen 
Kalender gewählt worden ist: genau wie im alexandrinischen Jahr wird 
auch im julianischen in demjenigen Jahr geschaltet, in dem das Sirius- 
fest im Wandeljahr um einen Tag weiterrückt, nur daJfe die Alexandriner 
vor dem Neujahrstag schalten, die Römer im folgenden Februar. 

Für den Schlufs der alten und den Beginn der neuen Periode er- 
giebt sich: 

4* 



28 Meter: 

Jahr Jahr _. j ,. . Fest des Sirius- 

, ^T 1 Wandeljahre ^ 

der Nabo- ^. ... •'„ aufgangs 

_. . . , i.Thoth bis 5. Epagomene , t ?•> 

Periode nassar's ^ *^® (19. Juli) 

1456 882 da I.Juli 134 bis 20. Juli 135 4. Epag. 135 [alex. Schalttag 29. August 135] 



1457 883 a2i. . 135 - 19. 

1458 884 b 20. • 136 • 19. 

1459 885 C20. • 137 . 19. 

1460 886 d20. • 138 - 19. 

1461 887 — 20. ■ 139 • 18. 

1 888 a 19. • 140 " 18. 

2 889 b 19. • 141 * 18. 



136b 5. • 136 

137 5- • 137 

138 5- - 138 

139 5. • 139 [alex. Sdialttag 29. August 139] 
140^ föllt aus 

141 I.Thoth 140 

142 I. • 141 

Der Irrthum des Censorinus kann sich nicht daraus erklären, dafe zu 
seiner Zeit der Siriusaufgang unter dem Normalparallel thatsächlich längst 
auf den 20. Juli vorgeräckt war"; denn dann müfste er die neue Periode 
vom Jahre 136 an datiren. Das Richtige wird wohl Unger^ mit der Ver- 
muthung getroffen haben, dafs er sich durch die Angabe täuschen liefs, 
die Periode bestehe aus 1460 (julianischen, aber nicht ägyptischen) Jahren, 
und im 146 1. kehre sie auf den Anfang zurück : eoque fit, ut anno MCCCCLXI 
ad idem revolvatur principium (18, 10). Er liielt also das Jahr 1461 = 139/40 
nicht für das letzte der alten, sondern für das erste der neuen Periode. 
In Wirklichkeit ist demnach das Jahr 238/39 n. Chr. nicht, wie er angiebt, 
das 100., sondern das 99. Jahr anni illius magni gewesen. 

Also hat eine neue Sothisperiode begonnen in den Jahren: 

19. Juli 140/41 n.Chr. — 143/44 n.Chr., 
19. » 1321/20 V. Chr. — 1318/17 V. Chr., 
19. » 2781/80 » » — 2778/77 » » 

19. » 4241/40 " » — 4238/37 » » 
Eine Bestätigung dieser Daten ergiebt die seit Biot vielbesprochene 
Stelle des Theon, in der er die Aera Xnö MeNÖopewc erwähnt, unter der 



^ Dem entspricht die Angabe des Solin 32, 13 Qber den Siriusaufgang: quod tempus 
sacerdotes natalem miindi iudicarunt, id est inter XIII Kai. Aug. et XI (20. — 22. Juli). 

^ Chrono!, des Manetho 55 if. Unger hebt mit Recht hervor, dafs Censorinus auch 
die alexandrinische Aera Augustorum falsch reducirt hat. Kr setzt 21,9 das Jahr, in dem 
er schreibt (238 n.Chr.), = 986 Nabonassar's und 562 Philipp's, d.i. 238/39, aber zugleich 
= 267 Augustorum, d.i. 237/38. Er hat also dort das romische, am r. Januar beginnende 
Consulatsjahr mit demjenigen geglichen, welches in seinem Verlauf begann, bei den Anni 
Augustorum aber umgekehrt mit demjenigen, welches in seinem Verlauf endete. Letzteres 
ist die alexandrinische Gleichung: Theon setzt in seinen Fasten die Consuln von 139 (Antoni- 
nus II. und Praesens) = 168 Aug. 462 Phil., und die von 238 (Ulpius und Pontianus) = 
267 Aug. wie Censorin, aber daher auch = 561 Phil. 



Aeffyptische Chronologie. 29 

nur die Sothisperiode verstanden sein känn.^ Auf die Schwierigkeiten, die 
sie im Einzelnen bietet und die bisher nicht alle gelöst sind (namentlich 
was die Hinzurechnung von 5 Tagen bedeutet, ist ganz unklar), brauchen 
wir hier nicht einzugehen. Es genügt, dafs Theon von Menophris bis 
zum Ende der Aera des Augustus 1605 Jahre rechnet. Die diocletianische 
Aera beginnt am 29. August 284; das letzte Jahr der augustischen Aera 
und das 1605. Xnö Menöopewc ist mithin 283/84 n.Chr. Da Theon für 
seine Rechnung ausdrücklich ägyptische Wandeljahre zu Grunde legt, können 
wir die augustischen (= festen alexandrinischen Jahre) sogleich (und nicht 
mit Theon erst im Verlauf der Rechnung) in solche umwandeln, also dieses 
Jahr vom 14. Juni 283 bis 12. Juni 284 ansetzen. 1605 Wandeljahre sind 
1604 julianische Jahre weniger 36 Tage; das erste Jahr des Menophris 
ist also = 19. Juli 1321 bis 18. Juli 1320 v.Chr., d.h. genau das eben 
ermittelte erste Jahr einer Sothisperiode. 

Wonach diese Periode bei Theon benannt ist, wissen wir nicht. Der 
Name Menophris oder Menophreus könnte ägyptisch O^^/wvvv Merenre^ 
sein, mit eingeschobenem Artikel (p) vor dem Gottesnamen. Könige dieses 
Namens kennen wir nur in der 6. Dynastie, an die hier nicht gedacht 
werden kann; dagegen giebt es im 14. Jahrhundert und überhaupt im Neuen 
Reich keinen Herrscher dieses Namens. Wenn man also einen Königs^ 
namen und nicht etwa einen Privatmann, z.B. einen Astronomen, darin 
suchen will, bleibt nicht« übrig, als den Namen zu corrigiren — man 
hat sehr oft Me(r)neptah, den Sohn Ramses' 11., darin gesucht. Aber es 

^) Der Text lautet nach Lepsius, Konigsbuch 123 (= Unobr, Chronol. des Manetho 
47 ff., Brandes, Abfa. 124^!): ^ni toy p ^toyc Aiokahtianoy nepi rftc toy kynöc ^niTOAfic 

"YTTOAeirMATOC ^NCKSN AAMBÄNOMeN tA Au6 A\6NÖ«t)P€CüC ^ü)C xftc Al^ieWC AvTO'f'CTOY. ÖMOY TA 

^nicYNArÖMCNA ^TH Ä3ÖE (1605)* oTc ^ninpocTieoYM6N tA Xn6 rfic Xpxftc Aiokahtianoy ^th p (ioo), 
riNONTAi 6moy ÄYe (1705)* TofTcoN aambAnomgn t6 t^tapton m^poc, ö öctin ykc (426) • TO^OIC 
nPoce^NTec "e riNONTAi yää (431)* An6 to'v'twn Aogaöntcc tAc töt€ TeTPAeTHpiAAC ofcAC pb 
(102 ; d. h. die vierjSlirigen Schaltperioden des alexandrinischen Jahres vom Jahre 26 v. Chr. 
an) [AOinÖN icÄ — diese ganz unverstandlichen Worte sind wohl zu streichen], tA AcinoNTA, 

flM^PAl TKÖ (329), TA^TAC AnÖAYCON An6 9(1)9, AlAÖNTeC ^KACTCp MHNl ^M^PAC Ä, iüc c'r'picKcceAi 

T^N ^niTOA^N ^n) t6 <[p) Aiokahtianoy ''6ni<t»i ke. Im übrigen ist mit Recht darauf hin- 
gewiesen worden, dafs Theon gar nicht mehr weifs, dals die Aera Anö McNÖ^peoc die Sothis- 
periode ist, da er des Glaubens war, die AhokatActacic des ägyptischen Jahres, d. h. der 
Ablauf der 1460 festen Jahre sei im Anfangsjahr des alexandrinischen Scbaltcyklus, dem 
5. Jahr des Augustus, = 26 v.Chr. eingetreten (s. den Text bei Usbneb in den Chron. mi- 
nora III, 372). 



30 Meteb: 

ist gänzlich unmöglich, diesen in's Jahr 1321 zu setzen, da Ramses II. 
frühestens ei*st gegen 1300 auf den Thron gekommen sein kann. Man 
könnte auch etwa an Menpehtire^, den Vornamen Ramses' I., oder selbst 
an Menma^atre^ (oder Ma^atmenre^?), den Vornamen Sethos' L, denken. 
Damit wird aber der Willkür das Thor geöffiiet; zur Festlegung der Re- 
gierung eines ägyptischen Herrschers ist daher die Angabe nicht ver- 
werthbar. 

Dais 1461 ägyptische Jahre 1460 festen entsprechen, wird in der 
Litteratur ziemlich oft erwähnt. Eine Sothis- oder Hundsstemperiode findet 
sich dagegen nur sehr selten genannt, nämlich auüser bei Censorin (S. 24) 
und in einer Stelle des Chalcidius* noch bei Clemens Alex., Strom. I, 21, 136, 
wo der Exodus katä "^Inaxon 345 Jahre npö tRc CweiAKfic nepiÖAOv gesetzt 
wird. Im Folgenden werden dann aus der griechischen Sagenchronologie 
die Daten bis auf die erste Olympiade gegeben, aus denen man das Jahr 
»der Sothisperiode« würde berechnen können, wenn die Zahlen intact und 
vollständig überliefert wären. Da das aber nicht der Fall ist und Con- 
jecturen, mögen sie auch noch so wahrscheinlich sein, uns nicht helfen 
können, gehe ich auf diese Stelle nicht weiter ein. 

Aufserdem hat ohne Zweifel Manetho von der Sothisperiode geredet, 
und der Fälscher des Sothisbuchs, das Panodoros und ihm folgend Syn- 
kellos (durch den allein wir davon etwas wissen) für den echten Manetho 
gehalten haben, hat sie fiir seine gefälschten Königslisten verwerthet.* Für 
uns ist das ohne jeden Werth. 

SchlieMich ist noch hervorzuheben , dafs so wenig wie das feste Sirius- 
jahr jemals zu Datirungen verwerthet wird, ebenso wenig die Sothisperiode 
(abgesehen von dem Astronomen Theon) als Aera verwendet wird. Eben 
darum wird sie auch so selten erwähnt und kommt in den ägyptischen 

^ Chalcidius, comm. in Plat. Timaeum ed. Wrobel c. 125 canis . . . hanc stellam Aegyptii 
Sothim vocaiit, cuius completur annus, qui Cynicus vocatur, annis mille quadringentis sexa- 
ginta. — Gar keine Erwähnung verdient in einer clironologischen Untersuchung die sog. 
Phoenix penode, von der Tac. Ann. VI, 28 und Plin. X, 4f. allerlei Phantastereien berichten, 
in denen sie zum Theil mit der Sothisperiode vermengt wird. 

* Nach Synkellos p. 193 Bonn begann sie im Jahre 2776 der Welt [= 2718/17 v. Chr.] 
mit Mestraim^ dem ersten Konig Aegyptens. Ihr 700. Jahr == 3475 der Welt war das 
5. und letzte des 25. Königs Koncharis, des letzten Königs der 16. Dynastie. Dann folgen 
die liyksos. Das genCkgt zur Charakterisirung dieses Machwerks vollkommen. Auch im 
HAAAiÖN XPONIKÖN War der Kyniköc k^kaoc erwähnt (Sync. p. 96). 



Aegyptische Chronologie. 31 

Texten niemals vor. Beides sind nur chronologische Regulative, die das 
Verhältnifs des Wandeljahrs zu dem Stande d6r Jahreszeiten bestimmen; 
dieses Verhältnifs wird durch das alle vier Jahre sich um einen Tag ver- 
schiebende »Neujahrsfest« des Sirius im Bewufstsein gehalten, dient aber 
nicht etwa selbst zur Zeitbezeichnung, da dafür der Kalender des Wandel- 
jahrs vollkommen ausreichte. 

Das angebliche feste Jahr. Ealenderinschriften und Stemtafeln. 

Seit der bürgerliche Kalender des ägyptischen Wandeljahrs einmal 
eingeführt war, hat er unverändert bestanden bis zum Ende des alten 
Aegypterthums. Denn der Versuch des Ptolemäos III. Euergetes, ihn durch 
Einföhrung eines Schalttags in jedem vierten Jahre zu verbessern, ist trotz 
des feierlichen Priesterbeschlusses, der die Mafsregel sanctionirte, platt 
zu Boden gefallen, so da£is wir nicht das Geringste davon wissen würden, 
wenn das Decret nicht insehrifllich erhalten wäre.^ Und als dann Augustus 
das feste, mit dem Siriusjahr und dem römischen Jahr identische Jahr 
von 365-^ Tagen wirklich auch far den ägyptischen Kalender einführte, 
hat sich neben diesem sogenannten alexandrinisclien Jahr doch im Ge- 
brauch des Volkes das alte Wandeljahr unverändert noch Jahrhunderte 
lang erhalten^ — ebenso wie die Astronomen weiter danach rechneten 
(S. 3 A. i). Man sieht, wie zähe die Aegypter an ihrem Kalender fest^ 
hielten; die bekannte Angabe der Schollen zu Germanicus' Aratea', die 
Könige hätten vor der Thronbesteigung im Tempel der Isis (d. i. der 
Göttin des Sirius) schwören müssen neque mensem neque diem intercala- 
turos se neque festum diem immutaturos, sed CCCLXV dies peracturos, 
sicut institutum sit ab antiquis , mag zwar legendarische Formulirung des 
pi'iesterlichen Ideals sein, wie so vieles Ähnliche, was von den Königen 
erzählt wird, giebt aber die in Aegypten herrschende Auffassung völlig 
richtig wieder. 

Nun bieten freilich die in den Urkunden vorliegenden Gleichungen 
zwischen ägyptischen und makedonischen Daten aus der Zeit der ersten 



^ Die Annahme von Bruosch, dafs den Kalendern von Exlfu und Dendera das kano* 
pische Jahr zu Grunde liege (Thesaurus II), kann ich nicht fUr begründet halten. 
' Siehe Wilcren, Ostraka I, 793 ff. 
■ S. 88 f. = 157 f. ed. Brstsig. 



32 Meter: 

sechs Ptolemäer* grofse, bis jetzt nicht erklärte Schwierigkeiten: sie zeigen 
ein starkes Schwanken und eine aufserordentlich rasche Verschiebung des 
makedonischen Mondsonnenjahrs gegenüber dem ägyptischen und dem 
festen Jahr.^ Die Lösung, welche Strack^ versucht hat: »es sind im 
Reiche der Lagiden während der ersten Hälfte ihrer Herrschaft zwei ägyp- 
tische und zwei makedonische Jahre im Gebrauch gewesen«, hat wohl 
nirgends Zustimmung gefunden. Es ist ja auch ein ganz unmöglicher 
Gedanke, da& dieselben ägyptischen wie makedonischen Monatsnamen, 
ohne irgend welchen unterscheidenden Zusatz, in gleichzeitigen Documenten 
ganz verschiedene Bedeutung gehabt haben sollen. Im Übrigen behauptet 
Strack: »Die beiden ägyptischen Jahre kennen wir vollständig: es ist 
das Wandeljahr von 365 Tagen und das feste Siriusjahr von 365-^ Tagen, 
beginnend am 19. Juli«. Diese Behauptung ist durchaus nicht richtig: 
ägyptische Kalenderdaten, die nach dem Siriusjahr datirt wären, sind 
vielmehr gänzlich imbekannt; und ehe man mit solchen bei Erklärung im- 
sicherer und schwieriger Probleme operirt, wäre es doch geboten, unter 
den Hunderten von ägyptischen Daten mit genauer Angabe von Monat 
und Tag auch nur einen sicheren Fall aufzuzeigen, in dem vor der Zeit 
des Augustus nach festen Jahren gerechnet wäre. Das von Augustus ein- 
geföhrte alexandrinische Jahr beweist übrigens erst recht, dafe vorher das 
feste Jahr kalendarisch nicht existirte: denn dasselbe besteht, wie wir 
sahen, lediglich darin, dafs der Tag des Siriusaufgangs vom Jahre 26/25 
an dauernd auf den 25. Epiphi festgelegt und deshalb vor dem Jahre, in 
dem er im ägyptischen Kalender vorrückt, ein 6. Epagomene eingeschaltet 
wird. Gegen das ägyptische Wandeljahr verschieben sich jetzt die alexan- 
drinischen Monate vom Jahre 22/21 an alle vier Jahre um einen Tag. Da 
aber die Monatsnamen in beiden Kalendern identisch sind, ist von hier 
an bei Datirungen nach dem Wandeljalir eine Unterscheidung durch den 
Zusatz KATÄ TO'v'c AfrynTioYC oder kat' Xpxaioyc nothwendig. 



* Das bis jetzt vorliegende Material hat jetzt Beloch, Griech. Gesch. III, 2 (1904), 21 ff. 
in klarer Übersicht zusammengestellt. 

* Wie auch die Erklärung im Einzelnen ausfallen möge, sicher ist, dafs die Schaltung 
im makedonischen Jahr ganz in Unordnung gekommen sein mufs. Man hat offenbar auf 
die makedonischen Daten von Anfang an wenig Gewicht gelegt, sondern im praktischen 
Lehen ausschliefslich nach dem weit überlegenen agyj)tischen Kalender gerechnet. 

' Der Kalender im Ptolemäerreich, Rhein. Mus. 53, 1898, S. 399 ff. 



AegypHsche Chronologie. > 33 

Wenn also trotz des Versuchs Ptolemäos' III. in der Ptolemäerzeit eine 
Störung im regelmäfsigen Ablauf der Wandeljahre nicht eingetreten ist, 
so ist das in der älteren Zeit noch viel wenigei denkbar. 

Nun ist allerdings immer von Neuem der Versuch gemacht worden, 
ein festes Jahr in Aegypten im praktischen, kalendarischen Gebrauch schon 
für viel fi'ühere Zeiten nachzuweisen. Namentlich Brugsch, der mit er- 
staunlicher Energie alles dafür verwerthbare Material zusammengetragen 
und zu verarbeiten versucht hat\ ist in diesem Bestreben unermüdlich 
gewesen. Aber auch von anderen Forschem ist sehr viel Fleifs und 
Scharfsinn in derselben Richtung verwendet worden, und es steht zu 
erwarten, dafs die bisher vorliegenden Versuche nicht die letzten sein 
werden. 

Denn in der That, wer nicht von den Einzeldaten, sondern von den 
inschriftlich erhaltenen Kalendern und kalendarischen Texten ausgeht, wird 
nur zu leicht immer auf's Neue von dem Phantom eines festen Jahres ge- 
narrt werden, das er dann doch, wenn er ihm nachjagt, niemals greifen 
kann. Wenn z. B. in dem sogenannten Kalender von Medinet Habu, einem 
Verzeichnifs der Opfergaben, welche König Ramses III. den thebanischen 
Göttern an jedem Tage, an den acht Mondfesten jedes Monats, und an 
allen Festtagen des Jahreskalenders darbringen liefs, unter letzteren an 

ei-ster Stelle* am i. Thoth der »Aufgang der Sothis« <r:>A ^ Jö verzeichnet 



^ Den Abschlufs seiner kalendarischen Arbeiten bilden die beiden ersten Bände seines 
Thesaurus inscr. aegypt. (I. astronomische und astrologische Inschriften 1883. IL kalendarische 
Inschriften 1883). In seinem letzten Werk, Die Aegyptologie, 1891, hat er die Ergebnisse 
kurz und allgemeinverständlich zusammengestellt. Es ist sehr bezeichnend , dafs er sich hier 
viel reservirter ausdrückt als im Thesaurus und die Frage nach der Existenz eines festen 
Jahres olTen läfst (S. 356f.). Es sind ihm doch offenbar schliefslich seine kühnen Construc- 
tionen, die er im Thesaurus als sichere Thatsachen vorträgt, recht bedenklich erschienen, 
und er hat sich sagen müssen, dafs mit der Annahme eines festen Jahres den historischen 
Daten gegenüber schlechterdings nicht auszukommen war. Es ist dabei nicht zu vergessen, 
dafs Brugsch' Stärke, der wir seine staunenswerthen Leistungen verdanken, durchaus auf 
dem Gebiete divinatorischer Combiuation lag, die durch eine eminente I^enntnifs der Denk- 
mäler und Texte gestützt wurde. Zu einer nüchternen, streng methodischen Untersuchung, 
wie sie die clironologischen Probleme erfordern , war er nicht der Mann , so ernsthaft er es 
versucht hat. Es wäre sehr zu wünschen, dals das grofse von ihm zusammengetragene 
Material von einem Aegyptologen , der sich die nöthigen astronomischen Kenntnisse erworben 
hat, nochmals sorgfaltig durchgearbeitet würde. 

" Nur das Thronbesteigungsfest des Königs ist vorausgeschickt. 
Phihs,'hisU)r, Abh. 1904. L 5 



34 Meter: 

ist\ so konnte man zur Noth annehmen, dafs Ramses' III. Regierung in 
eine Zeit gefallen sei, wo der Siriusaufgang wirklieh vier Jahre lang auf 
den 1 . Thoth fiel , und dals der Kalender sich gerade nur auf diese vier 
Jahre beziehe , so unwahrscheinlich , ja unmöglich auch beides war.* Seitdem 
aber DüMiCHEN^ entdeckt hat, dafs die ganze Inschrift eine wörtliche Copie 
einer nur in wenigen Fragmenten erhaltenen Inschrift Ramses' II. ist, schien, 
da Niemand bezweifeln wird, dafs in dieser beim i. Thoth genau ebenso 
der Siriusaufgang verzeichnet gewesen ist, in der That kein Zweifel 
möglich, »dafs der Kalender sich nur auf ein festes Jahr beziehen kann«. 
Das Gleiche gilt von den Kalendern der ptolemäischen und römischen 
Tempel von Dendera, Edfu und Esneh*; in ihnen (und auch sonst) ist der 

I. Thoth als \{y^^37 i^b wep ronpet »Neujahrsfest« bezeichnet, mit eben 

dem Ausdruck und Schriftzeichen, mit dem nach dem Decret von Kanopos 
der Tag des Siriusaufgangs in den heiligen Schriften bezeichnet wird (oben 
S. 17). Und ganz dasselbe findet sich im Grabe des Hapzefa von Siut 
(oben S. 21) zu Anfang des Mittleren Reichs, und in den Fragmenten eines 
Opferkalenders Thutmosis' III. aus Elephantine.^ Und doch steht in eben 
diesem Kalender von Elephantine das Fest des Sothisaufgangs unter dem 
28. Epiphi verzeichnet, fiel also damals nicht auf den i. Thoth. Und 
ebenso wissen wir, dais das Kalenderjahr des Mittleren Reichs nicht ein festes 
Jahr gewesen ist, wie es nach der Inschrift des Hapzefa scheinen könnte, 
sondern ein Wandeljahr, in dem im Jahre 7 des Sesostris III. der Sirius- 
aufgang auf den 16. Pharmuthi fiel (oben S. 18), und erfahren das Gleiche 
für den Anfang des Neuen Reichs durch den Kalender des Papyrus Ebers 
(s. unten S. 46f.). Für die Ptolemäerzeit aber bezeugt das Decret von Kanopos 
die Alleinexistenz des Wandeljahrs , das eben durch Einfügung eines Euer- 
getenfestes (6. Epagomenen) in jedem vierten Jahre beseitigt werden soll, 



* DuMtcHEN, Kalenderinschriften Taf, 12. Der Kalender selbst ist correcter von Brugsch, 
Thesaurus 364 publicirt. 

' Lepsius suchte sich durch die Behauptung zu helfen, dafs die Datirung y lUiÜ 
nur den Monat Thoth im Allgemeinen , nicht den i. Thoth bezeichne. 

* Die kalendarischen Opferfestlisten im Tempel von Medinet Habu iSSr. 

* Brugsch, Materiaux pour servir a la recoustruction du calendrier 1864. Drei Fest- 
kalender 1877. Thesaurus p. 365 ff. 

* 1? ^^^ \\f S ^T^ ] 1 verbunden mit den Festen des Amon und Chnuinii, LD. III, 
43 c. f. (Brugscu, Thesauixis S. 363, fr. b. c). 



Aegyptische Chronologie. 35 

»auf dafs die Jahreszeiten durchweg ihre Schuldigkeit thim entsprechend 
dem jetzigen Stande der Welt (katA tAn n9n o?can katäctacin to9 köc/aoy), 
und es nicht vorkommt, dafs einige der öffentlichen Feste, die im Winter 
gefeiert werden, dereinst im Sommer gefeiert werden, wenn der Stern 
(ägypt. Sothis) alle vier Jahre einen Tag vorrückt, andere aber, die jetzt 
im Sommer gefeiert werden, in Zukunft im Winter gefeiert werden, wie 
es früher geschehen ist und auch jetzt geschehen würde, wenn die Zu- 
sammensetzimg des Jahres aus den 360 Tagen und den später hinzuge- 
fugten 5 Tagen bestehen bliebe«. Dem entspricht es, dafe, wie schon 
mehrfach hervorgehoben ist, vor Einfuhrung des alexandrinischen Kalenders 
auch nicht ein einziges Datum angeführt werden kann, das dem festen 
Jahre angehörte, während wir aus allen Zeiten der ägyptischen Geschichte 
auch abgesehen von den Daten der griechischen Astronomen Angaben 
genug besitzen, die mit Sicherheit nach dem Wandeljahr berechnet werden 
müssen. 

Auch die in den Festkalendern von Medinet Habu für die Feste ge- 
gebenen Daten können trotz der Angabe über den SiriusaXifgang nur dem 
Wandeljahre angehören. Denn wie hier das Uagafest auf den 18. Thoth 
gesetzt istS so fiel es ein Jahrtausend fi*üher, zur Zeit Hapzefa's, auf den- 
selben Tag (oben S. 21); wäre der Kalender von Medinet Habu auf ein 
fictives festes Jahr gestellt, so müfste es zu Hapzefa's Zeit auf einen ganz 
anderen Tag gefallen sein. 

Das Gleiche gilt von den übrigen Festtagen dieser und aller ähnlicher 
Kalender.* Wenn also in ihnen der Sothisaufgang oder das Uepronpetfest 

U^ auf den i. Thoth gesetzt ist, so kann das nicht so erklärt werden, 

dafs sie ein festes Jahr geben, sondern dafs sie auf das ägyptische 
Normaljahr gestellt sind. Dafs das Siriusfest ein Wandelfest war, war 
so allbekannt und selbstverständlich, dafs es nicht nöthig war, das aus- 
zusprechen; wollte man es aber in den Festkalender überhaupt aufnehmen, 
so konnte es nur an die Stelle gesetzt werden, an die es der Theorie 
nach gehörte und der es seinen Namen W verdankte. Der bürgerliche 

' DüMicBEN , KalendeiiDschr. Taf. 13 giebt für das Uagafest sowie für das darauffolgende 
Thothfest den 19. Thoth; aber Bruosch, der den Text neu verglichen hat, giebt Gesch. 
Aeg. 607 und Thes. S. 365 fiir ersteres den 18. Thoth, für letzteres den 19. Das ist zweifel- 
los richtig. 

* Vergl. z.B. de Rouge, ÄZ. IV, 1866, 92. 

5* 



36 Meyer: 

Kalender ist ja überhaupt auf die Fiction aufgebaut, dafs er ein festes 
Jahr darstelle, während man doch weifs, dafs das nicht der Fall ist. Genau 
ebenso wie zur Bezeichnung der Monate und Monatsgruppen die Namen 
der natürlichen Jahreszeiten verwendet werden, auch wenn der »erste 
Monat der Überschwemmungszeit u in den Winter oder Fi-ühling fallt, wird 
mit dem ersten Tag des bürgerlichen Jalires der Siriusaufgang oder das 
Neujahrsfest des Siriusjahres verbunden, obwohl es nur alle 1460 Jahre 
einmal auf diesen Tag fällt.^ Wir finden daher die Bezeichnung des bürger- 
lichen Neujahrs (i.Thoth) durch W wie in den Kalendern und in der 

Inschrift des Hapzefa so auch sonst oft genug; nur die Opferformeln der 
Mastabagraber des Alten Reiches^ scheiden genau zwischen dem Sirius- 
neujahrsfest \y\ wep ronpet und dem bürgerlichen Neujahrsfest \\c^ tepi 

ronpety »erster (sc. Tag) des Jahres«. 

Etwas anders liegt es mit den bekannten, vielbesprochenen Stunden- 
tafeln der Nachtgestirne in den Gräbern Ramses' VI. und Ramses' IX.* 
Auch hier hat man vielfach ein festes Jahr angenommen , während andere 
aus ihnen die Zeit dieser Herrscher haben berechnen wollen. Da in beiden 
Gräbern der gleiche Text (wenn auch mit vielen Schreibfehlern und Flüchtig- 
keiten im Einzelnen) vorliegt, ist zunächst klar, dafs wir es hier nicht mit 
Beobachtungen aus der Zeit 'dieser Könige zu thun haben, sondern mit 
Copien eines vermuthlich viel älteren Buches, des Buches des Horoskopen, 
das dazu dient, die Stunden der Nacht festzustellen und auszuinifen.* 
Früher erklärte man die für jede Stunde des i. und 16. jedes Monats ge- 
nannten Sterne fiir die, deren Aufgang alsdann beobachtet wurde ^, und 
mufste daher, da der Siriusaufgang um 12 Uhr Nachts (d. h. bei Eintritt 



* Gleichartig ist es, dafs bei den Aegyptern wie bei den Griechen der Mondmonat 
auf 30 Tage angesetzt wird, obwohl er in der Hälfte der Fälle thatsächlich nur 29 hat. 

' Gelegentlich auch noch später, siehe die Zusammenstelhing bei Brugsch, Thes. II, 
231 ff., die sich leicht beti-ächtlich vermehren liefse. 

' Lepsiüs, Deukin. III, 227. 228. 228^". Übersicht bei Brugsch, Thes. I, 185 ff. — 
Vergl. oben S. 20 f. 

* Clem. Alex, ström. VI, 35 zählt bekanntlich vier Bücher des (bpocKÖnoc auf: i. nepl 

TOY AIAKÖCMOY TÖN AhaANÖN 4>AIN0W^Na)N ACTPWN ; 2., 3. nePI TÖN CYNÖACON KAI ♦WTICMÖN f<AIOY 

KAI C€AHNHc; 4. n€p] TÖN Xnatoaön. Die Stundentafel würde zu dem ersten dieser Bücher 
gehören. 

' So BioT, Lepsius, Brugsch, Gensler (die thebanischen Tafeln stündlicher Stern- 
aufgänge , 1872). 



I 



Aegyptische Chronologie. 37 

der Morgendämmerung, s. oben S. 22) am 16. Thoth verzeichnet ist, die 
Abfassung um 1260 v. Chr. (oder eine Sothisperiode früher) ansetzen^ oder 
ein damals eingeführtes festes Jahr annehmen. Aber H. Schack-Schacken- 
BURG* und BoRCHARDT^ sch einen erwiesen zu haben, dafs es sich vielmehr 
um Culminationen (Meridiandurchgänge) der betreffenden Sterne in den an- 
gegebenen Stunden handelt. Dann ist die Tafel, wie Schack-Schackenburg 
richtig erkannt hat, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts* — oder 
vielleicht eine Sothisperiode früher, um 3000 v. Chr. — aufgestellt. Zu 
ihrer praktischen Benutzung war mithin eine kalendarische Notiz nach Art 
der im Papyrus £bers erhaltenen unentbehrlich , die bei der lediglich de- 
korativen und daher flüchtigen Aufzeichnung in den Gräbern weggelassen 
ist, die aber dem zu Grunde liegenden Buch nicht gefehlt haben kann. 
Mit ihrer Hülfe konnte der Horoskop die seitdem eingetretene und regel- 
mäfsig fortschreitende Verschiebung annähernd ermitteln^; vermuthlich wird 
er einfach , so unzureichend das war, alle 60 Jahre um einen halben Monat 
vorgerückt sein. 

Jedenfalls ist klar, dafs, wenn die Deutung von Schack-Schackenburg 
und BoRCHARDT richtig ist, von einem festen Jahre erst recht nicht die 
Rede sein kann. Denn ein festes Jahr, in dem der i. Thoth etwa auf den 
9. September jul. gefallen wäre, ist gänzlich undenkbar. Ebenso evident 
ist aber auch, dafe för die Chronologie aus den Stundentafeln nichts ent- 



* Bruosch kam auf 1202 v. Chr., weil er die (vollendete) 11. Stunde, in der der Sirius 
am I. Paophi verzeichnet ist, för die Stunde des Frühaufgangs hielt (s. oben S. 22A.1). 

* Aegyptologische Studien I, 1902, S. 57 ff. (geschrieben 1894). 

' Ein altagyptisches astronomisches Instrument, ÄZ. 37, 1899, loff. Borchardt scheint 
die erhaltenen Instrumente richtig gedeutet und Hergang und Wesen der Stundenbeobach- 
tung einfacher und richtiger erklart zu haben als Scrack-Schackenburo, der dafür die Texte 
genau analysirt und eine Berechnung versucht hat. 

^ Nach Ptolemäos apparit. geht der Sirius in Syene am 16. Juli frQh auf und 
142 Tage später am 5. December früh unter. Da in dem Intervall die Nächte länger wer- 
den, liegen zwischen Frühaufgnng und Culmination etwa 2^ Monat; wenn er am 19. Juli 
aufging, wird er etwa am 24. September beim Eintritt der Dämmerung culminirt haben. 
Auf dieses Datum fiel der 16. Thoth in den Jaliren 1529 — 1526 v. Chr. 

^ An eine genaue Berechnung ist bei der verschiedenen Länge der Nachtstunden in 
den verschiedenen Monaten nicht zu denken; dazu reichen auch weder die Bezeichnungen 
der Sterne (bald »der Sirius«, bald »das was auf dem Siiius folgt« u. ä.) noch die der Po- 
sitionen (»über der Mitte, dem rechten bez. linken Auge, Ohr, Arm, Schenkel« u.s.w. des 
unter dem Meridian sitzenden Horoskopen) irgendwie aus. 



38 Meyer: 

nommen werden kann; bei chronologisehen Untersuchungen scheiden sie 
ebenso vollständig aus wie die Festkalender.^ 

Gänzlich ohne Bedeutung für die Chronologie ist endlich auch das 
astronomische Deckengemälde des Raulesseums^ in dem Brügsch* und ihm 
folgend Mahler* eine Darstellung der Erneuerung der Sothisperlode unter 
Ramses 11.^ haben sehen wollen. Hier sind die zwölf Monate aufgezählt 
— die fünf Epagomenen werden übergangen, wie immer — und mit den 
zugehörigen Gestirnen sowie mit den Namen der Monatsgötter (oder -Feste) 

verbunden. Neben dem Thoth steht natürlich die »Isis-Sothis« ^ K^- 

Das besagt selbstverständlich nicht, dafs damals der i. Thoth wirklich auf 
den Tag des Siriusaufgangs gefallen ist, sondern nur, dafs in dem idealen 
Normaljahr beide mit einander verbunden sind, genau wie im Kalender 
von Medinet Habu.® 



Die Zeit der Entstehung des ägyptischen Kalenders. 

Jetzt endlich können wir uns der Frage zuwenden, wann das Wandel- 
jahr von 365 Tagen in Aegypten eingeführt worden ist. Die Hypothese 
von dem späteren Ursprung der Epagomenen haben wir oben S. 10 schon 
kennen gelernt. Der Verfasser des Sothisbuchs hat ihn in die Zeit des 



* Ähnlich wie mit den Stundentafeln wird es sich vermuthlich mit den von Lspsrus 
und Brugsch eingehend behandelten Listen der Dekansterne verhalten, auf die daher ein 
Eingehen nicht erforderlich erscheint. 

* LD. III, 170. 171. 
» Thes. 115. 

* ÄZ. XXVII, 1889, 99 f., vergl. Brugsch ebenda S. 103; ferner ÄZ. XXXII, 1894, 
99 fr. Wie willkürlich die Deutung ist, hat Mahlek ÄZ. XXVIII, 1890, S. 32f., wo er die 
Zweifel, die Brugsch doch richtig empfand, zu widerlegen sucht, eigentlich geradezu ein- 
gestanden. Dafs beide lediglich durch einen Machtspruch die Gruppe pp ^»«»^ , die den 

20. Mondtag anzeigt, mit dem Thoth verbinden, wahrend sie beim Tybi steht, hebt Eisenlohr, 
Proc. Soc. Bibl. Arch. XVII, 1895, ^^^ hervor, der auch alle weiteren von Mahler für die 
Chronologie Ramses' II. gezogenen Folgerungen zurückweist. 

* Nach Mahler am 20. Juli 1318. Er setzt das dem 30. Jahre Ramses' II. gleich, weil 
er, wie Eisenlohr bereits bemerkt hat, das Sedfest im 30. Jahre Ramses' II. fälschlich mit 
dem Siriusaufgang in Verbindung bringt, mit dem es gar nichts zu thun hat. 

* Noch weniger ist natürlich aus der Phrase der den Konig verherrlichenden Um- 
schrift in der Seitencolumne zu entnehmen, dafs Ramses II. «strahle wie Isis-Sothis am 
Himmel am Morgen des Neujahrstages« (oben S. 22). 



Aefft/ptische Chronologie. 39 

Hyksoskönigs Aseth* gesetzt, der bei ihm der 32. König und Vorgänger 
des Amosis = Tethmosis ist. Von Aseth heifst es im Sothisbuch Sync. 
p. 232 Bonn: o?toc npoc^eHKe tön ^niaytön tac i inAroM^NAc, kai ^n1 a^to9, 

Joe OACIN, ^XPHMÄTICeN tÜ ^MePÖN Ö AirvnTIAKÖC ^NfAYTÖC, TI MÖNON hM€PÖN nPÖ 

To^TOY Mexpo^weNOC. ^ni a-y'to? ö möcxoc eeonomeeic "Anic ökai^bh. (Diese Ein- 
fuhrung des Apiscults setzt Manetho bei Africanus und Eusebius unter 
Kechoos, den zweiten König der 2. Dynastie.) Eusebius kennt den Aseth 
nicht.^ Aus ihm ist aber wörtlich das Scholion zu Piatos Timäos S. 2 1 E 
(S. 947 ed. Baiter, Orelli und Winckelmann) entnommen» und an dies ist 
am Schlufe der Zusatz angefugt ö a^ CaIthc (so heifst bei Africanus und 
Eusebius der erste Hyksoskönig, den Josephus CAaitic, das Sothisbuch 
Ciaithc nennt) npoc^eHKe tö mhni öpac ib, 6>c gTnai hmcpön a, kai tö öniaytö 
h/n^PAc c, KAI r^roN€N hmcpön rie. Es ist klar und von Lepsius erkannt, dafs 
diese Notiz nur eine Modification der Angabe des Sothisbuch» ist: sie sucht 
den Ursprung der Epagomenen durch die Verlängerung der Monate von 29^ 
auf 30 Tage zu erklären, kommt aber damit in die Brüche, da so sechs 
Zusatztage^ und ein Jahr von 360 Tagen herauskommen würde. Mit vollem 
Recht hat Lepsius beide Angaben als werthlose Speculationen verworfen, und 
es ist mehr als wunderlich, dafs ihnen neuerdings ein Vertheidiger er- 
standen ist.^ 

* Vergl. unten S. 85 f. 

* Ebenso wenig Africanus ; bei beiden ist es durch den Namen "^Apxahc ersetzt. 

* BoECKH*s Correctur der 6 Tage in 5 halte ich nicht tiir richtig; sie würde zwar 
der Notiz einen vernünftigen Sinn geben (Erhöhung der Monatstage auf 30 und daneben 
Einführung von 5 Zusatztagen, also Uebergang vom 354tägigen Mondjahr zum 365tagigeii 
Sonnenjahr), aber verwischt den handgreiflichen Ursprung der Nachricht. 

* VON Bissing, Geschichte Aegyptens im Umrifs 1904, S. 32f. Nach ihm stammt die 
Angabe im Timäosscholion aus Manetho, »der bekanntlich (!) der Sothisperiode seine be- 
sondere Aufmerksamkeit zuwandte«. Der ganze Abschnitt bei von Bissino zeigt nur, dafs dem 
V^erfasser das Wesen der chronologischen Probleme völlig dunkel geblieben ist. Ueber das 
Sothisdatum aus der 12. Dynastie sagt er: «Die Voraussage konnte ja irrthümlich sein, die 
Beobachtung des Frühaufgangs mit Hülfe der unvollkommenen astronomischen Instrumente 
[wozu brauchte man denn die?] auch«; die Rechnungen kennen nach ihm kein Jahr von 
365 Tagen, sondern ein Mondjahr von 354 Tagen — während sie docii durchweg nach den 
30 tagigen Monaten des gewöhnlichen ägyptischen Jahres datirt sind und die Erkenntnifs, dafs 
die Gehälter nach Mondmonaten gezahlt werden, eben nur dadurch möglich ist, dafs den 
Datirungen ein Jahr von 365 Tagen zu Grunde liegt! \'on der angeblichen Kalenderreform 
des Saites und Aseth sagt er: »Natürlich lagen ihr alte Beobachtungen der Aegypter selbst 
zu Grunde. Es ist nur ein Bruch mit der bisherigen traditionellen Art der Berechnung, 



40 Meyer: 

Wir braucheil uns bei diesen Phantastereien um so weniger aufzu- 
halten, da uns die Denkmäler völlig ausreichende Auskunft geben. Wir 
haben schon gesehen, dafs die Epagomenen nicht nur unter der 12. Dynastie 
und im Grabe Hapzefa's als Festtage erscheinen, sondern dafs sie und die 
mit ihnen verbundene Legende von der Geburt der Götter bereits in den 
Pyramiden texten vorkommen und diese ebenso die Verbindung des Sirius 
mit dem Jahre kennen (S. 9. 13). Dem entspricht es, dafs, wie gleich- 
falls schon erwähnt, die Opferformeln der Mastabagräber von Dyn. 4 an 
durchweg zwei Neujahrsfeste kennen, wep raupet und tepi ronpet, das 
Siriusneujahr und das bürgerliche Neugahr/ Also zur Zeit der Pyramiden- 
erbauer, d. h., wie wir unten sehen werden, um 2800 v. Chr., bestand 
bereits der bürgerliche Kalender des 365 tagigen Wandeljahrs und neben 
ihm das feste (julianisclie) Siriusneujahr in regelmäfsigem Gebrauch. Noch 
weiter aber fiihren uns die Pyramidentexte (d. h. die Todtentexte in den 
Pyramiden der Könige) hinauf; denn wenn dieselben auch erst unter dem 
letzten König der 5. und den ersten der 6. Dynastie an den Wänden 
der Grabkammern aufgezeichnet sind, so ist doch nach Schrift, Sprache und 
Inhalt kein Zweifel, dafs sie sehr viel älter sind und zum Theil vielleicht 
sogar in die Zeit vor Menes hinaufragen. Für sie aber ist, wie wir gesehen 
haben, der Kalender des 365 tägigen Jahres bereits etwas Gegebenes und 
Geheiligtes; er bestand schon in der Zeit, da die Götter geboren wurden 
und die jetzige Weltordnung geschaflfen wurde. 



nicht die Einführung einer neuen Thatsache [dieser Satz ist mir völlig unverständlich 
geblieben]. So erkläre ich das gelegentliche (!!) Vorkommen der Epagomenen in der 
12, Dynastie, ja in den Pyramidentexten und Gräbern der 6. Dynastie. Auf ein eigent- 
liches, im allgemeinen Gebrauch befindliches Sonnenjahr oder gar die Existenz der Sothis- 
periode als Aera darf man daraus nicht schliefsen«. Mit solchen Argumenten zu rechten 
ist in der That kaum möglich. Ich möchte den Verfasser nur darauf aufmerksam machen, 
dafs die Einführung des Apiscults durch Aseth »mit ebensolchem Detail- und eben >so 
genau« berichtet wird wie die der Epagomenen. Wird er diese Angabe also auch für 
historisch halten!* Und wird er auch der Meinung sein, dafs sie durch »das gelegent- 
liche Vorkommen« des Apis in älterer Zeit bis zu den ersten Dynastien hinauf nicht wider- 
legt wird? 

^ Bruoscb hatte den ansprechenden Gedanken , dafs man aus der Reihenfolge, in der 
diese beiden und die sonstigen Feste aufgezählt werden^ die Zeit der einzelnen Gi'äber 
werde ermitteln können. Leider aber zeigt sich, dafs die Reihenfolge völlig regellos und 
zu chronologischen Folgerungen gänzlicli unbrauchbar ist. Meist sind die Feste nach sach- 
lichen Gruppen und nach ihrer relativen Wichtigkeit geordnet. 



Aegyptische Chronologie. 41 

Auf der anderen Seite ist völlig evident, dafe der ägyptische Kalender 
nur zu einer Zeit eingeführt worden sein kann , wo der i . Thoth auf den 
Siriusaufgang am 19. Juli fiel, d. h. am Beginn einer Sothisperiode. Mit 
anderen Worten , als man den Kalender einführte, hat man als ersten Tag des 
ersten Überschwemmungsmonats den Tag des Siriusaufgangs gewählt, und 
das nicht auf irgend welcher Theorie, sondern lediglich auf dem Zufall, d.h. 
auf emer historischen Thatsache beruhende zeitliche Verhältnifs des Wan- 
deljahrs zum Sothisjahr ermöglicht uns, diesen Zeitpunkt zu bestimmen. 
Hätte man in irgend einem anderen Jahre, etwa im Jahre 4000 oder 3000 
V. Chr., den Kalender eingeführt, so würde eben mit diesem Jahre die 
vierjährige Verschiebung des bürgerlichen gegen das feste Neujahr oder 
die Sothisperiode beginnen. Da nun durch die angefthrten geschichtlichen 
Thatsachen die Sothisperiode von 2781 — 2778 v.Chr. ausgeschlossen ist, 
ergiebt sich, dafe der ägyptische Kalender in den Jahren 4241 — 4238 
V. Chr. eingeführt sein mufs.^ 

Dafs einem so frühen Datum und dem Culturzustande, den wir als- 
dann bereits für das 5. Jahrtausend voraussetzen müssen, geschichtlich 
nichts im Wege steht, haben die Funde des letzten Jahrzehnts gelehrt. 
Natürlich haben wir nicht anzunehmen, dafs der neue Kalender sogleich 
im ganzen Lande zur Herrschafl gelangt ist, sondern er wird zunächst in 
einem einzelnen Fürstenthum eingeführt und von hier aus theils durch 
politische Ereignisse, theils durch seine eminenten Vorzüge in ganz Aegypten 
durchgedrungen sein. Von besonderer Bedeutung und eine wesentliche 
Vermehrung unserer historischen Kenntnisse ist aber, dafs das Datum 
des Siriusaufgangs am 19. Juli zeigt, dafs die Heimath des Kalenders in 
Unterägypten, im Gebiet von Heliopolis und Memphis, zu suchen ist. Die 
Denkmäler der ältesten Zeit, die für Oberägypten so reichlich vorhanden 
sind, lassen uns, bis jetzt wenigstens, für diese Gebiete vollständig im 
Stich, so grofs auch die Bedeutung ist, die in Cultus und Traditionen 
Heliopolis und den Deltastädten zukommt. Mit dem Kalender aber hat 
Unterägypten ein Denkmal geschaflfen, durch das es auch flir unsere Er- 
kenntnifs noch in der Urzeit ebenbürtig, ja überlegen den Culturcentren 
Oberägyptens in Hierakonpolis und Abydos zur Seite tritt. 



* Theoretisch konnte man natürlich auch noch eine Sothisperiode hoher hinaufgehen 
(5701 bis 5698 v.Chr.); doch liegt dafür keinerlei Anlafs vor. 

PMos.'hist&r. Ahh. 1904, I. 6 



42 Meter: 

Eine Bestätigung der von uns gewonnenen Jahreszahl ergiebt sieh 
noch von ganz anderer Seite. Der Siriusaufgang soll den Beginn der Nil- 
schwelle bezeichnen. Über den Verlauf derselben entnehme ich Baedeker^ 
Aegypten (5. Aufl. S. XLVIII) folgende Daten: 

»Anfangs Juni macht sich ein langsames Steigen des Stroms bemerk- 
lich, zwischen dem 15. und 20. Juli wächst er reifsend, gegen Ende Sep- 
tember bleiben die Wasser in der Regel 20 bis 30 Tage auf gleicher Höhe, 
und in der ersten Hälfte des Octobers erreichen sie ihren Gipfelpunkt.« 

Wie man sieht, entspricht der 19. Juli jul. in der ptolemäischen und 
römischen Zeit, wo er nach gregorianischem Datum nur wenige Tage früher 
fiel, diesen Angaben nur insofern, als wirklich in dieser Zeit ein rapides 
Steigen stattfindet. Aber es ist klar, dafs der Glaube, das Wiedererscheinen 
des Siriussterns oder die in der Sothis erscheinende Göttin Isis föhre die 
tTberschwemmung herbei, nur entstanden sein kann in einer Zeit, wo der 
Siriusaufgang wirklich an den ersten Anfang der Überschwemmung fiel, 
in die Tage, wo sich zuerst ein neues Anwachsen des Nils über den 
niedrigsten Stand bemerkbar macht. Der heutige koptische Volkskalender, 
der nach alexandrinischen Jahren rechnet, und daher den Stand des Jahres 
25 V. Chr. darstellt, hat folgende Nilfeste ^: 

Nacht des Tropfens (wo ein Tropfen vom Himmel, die Thr&ne der 
Isis, in den Flufs fällt und sein Steigen veranlafst) 1 1. Baüna = 5. Juni jul. 
(jetzt 18. Juni greg.); 

Beginn der Nilschwelle 18. Baüna = 12. Juni jul. (jetzt 25. Juni greg.); 

Verkündigung des Nilsteigens 26. Baüna = 20. Juni jul. (jetzt 3. Juli 
greg.). 

Hier sieht man, wie sich die Volksfeste nicht nur von dem Wandel- 
jahr, sondern ebenso von dem Siriusjahr losgelöst und wieder einmal — 
wann das geschehen ist, darüber ist mir wenigstens nichts bekannt — 
mit dem natürlichen Verlauf der Jahreszeiten, d.h. mit dem wahren Son- 
nenjahr ausgeglichen haben ^, auf das sie berechnet sind. 

* Nach Brugsch, Thes. 11,334. Ebenso Baedeker, Aeg}*pten 5. Aufl. S. LXXII, wo 
nur das Auftreten der Nilrufer einen Tag spater gesetzt ist. Stein dorff schreibt mir: »In dem 
»Koptischen Kalender« für das koptische Jahr 161 7 (1900/01) ist das »Fest« (die Ulat 
ennukta, Nacht des Tropfens) auf den Abend des 17. Juni (11. Payni) festgesetzt«. Das ist 
das gregorianische Datum des 19. Jahrhunderts, das ebenso natürlich bei Baedeker steht. 

* Da sie am alexandrinisch- koptischen Kalender haften, verschieben sie sich jetzt 
wieder in derselben Weise gegen das wahre Sonnenjahr wie ehemals das Siriusjahr. Wenn 



Aegyptische Chronologie. 43 

Diesem idealen Stand, den wir auch für den altägyptischen Kalender 
und för das altägyptische, mit dem 19. Juli beginnende Normaljahr postu- 
liren müssen, nähert sich derselbe um so mehr, je weiter wir in der Zeit- 
rechnung hinaufgehen. Im Jahre 2781, beim Beginn der 2. Soth isper iode, 
fiel der 19. Juli auf den 26. Juni gregorianisch, also immer noch auf einen 
Tag, wo der Nil bereits seit einiger Zeit im Steigen war; im Jahre 4241 
dagegen entspricht der 19. Juli dem 15. Juni greg/, fiel also drei Tage 
früher als jetzt die Nacht des Tropfens gefeiert wird. 

Das Gleiche lehren die Daten über die Feldarbeiten. Im Gebiet der 
Wintercultur (Rai-äcker, die keiner künstlichen Bewässeining bedürfen , be- 
stellt vor Allem mit Weizen, Gerste, Klee und Saubohnen), die für den 
normalen altägyptisclien Ackerbau allein in Betracht kommt, beginnt die 
Aussaat »gleich nach dem Zurücktreten der Überschwemmung, in Ober- 
ägypten bereits Mitte October, im mittleren Aegypten, von Siut bis Kairo, 
zu Anfang November, im Delta gegen Ende December«. »Überall kann man 
die Periode von der Aussaat bis zum Abschlufs der Ernte auf vier Monate 
festsetzen. Die Ernte* fällt daher in Oberägypten gegen Mitte Februar, 
in Mittelägypten gegen Mitte März und im Delta gegen Ende April.«' Mit 
diesen Daten stimmt die Lage der Jahreszeiten des ägyptischen Normal- 
jahrs, d. h. desjenigen Jahres, welches der Kalender darstellen wollte, aber 
nicht konnte, und dem die Namen der Jahreszeiten und der Beginn mit 
dem Siriusaufgang entsprechen, in griechischer und römischer Zeit, wie 
ihn die julianischen Daten wiedergeben, nicht mehr, um so besser aber 
im Jahre 4241. In diesem Jahre fällt: 

die Jahreszeit Mil Überschwemmung (jul. 19. Juli bis 15. November) 

C2i O 

greg. 1 5 . Juni bis 12. October ; 

die Jahreszeit <:z> Winter oder Aussaat (jul. 1 6. November bis 1 5. März) 
greg. 13. October bis 9. Februar; 

die Jahreszeit jjvvvvv Ernte (jul. 16. März bis 13. Juli) greg. 10. Februar 
bis 9. Juni; 



die Differenz zu grofs geworden ist, so dafs sie sinnfällig wird, wird wohl wieder einmal 
ein Ausgleich eintreten — falls alsdann der koptische Kalender überhaupt noch besteht. 
^ Er lag also damals 9 Tage vor der Sonnenwende. 

* Baedeker sagt »die Winterernte«. Aber die Gewächse der Sommercultur (Reis, Baum- 
wollenstaude) und der Herbstcultur (Mais u a.) kommen für das Alterthum nicht in Betracht. 

* Baedeker y Aegypten 5. Aufl., S. LIII. 

6* 



44 Meyer: 

die sEpagomenen (jul. 14. Juli bis 18. Juli) greg. 10. Juni bis 14. Juni. 

Schon beim Beginn der zweiten Sothisperiode , 278 1, lagen diese Daten 
sämmtlich gregorianisch , d. h. im wahren Sonnenjahr, 1 1 Tage später, im 
Jahre 1321 v. Chr., beim Beginn der dritten Sothisperiode, sogar 21 Tage 
später, entsprachen also dem Stand der Feldarbeiten nicht mehr vollständig. 
Wir können daher mit völliger Sicherheit behaupten , daXs der ägyptische 
Kalender für denjenigen Stand der Jahreszeiten geschaffen ist, der sich 
ims soeben für das Jahr 4241 v. Chr. ergeben hat. 



Aegyptische Chronologie. 45 



n. Das Neue und das Mittlere Reich. 



SothisdateiL 

Auf Grund der gewonnenen Ergebnisse stehe ich nicht an, die Ein- 
führung des ägyptischen Kalenders am 19, Juli 4241 v. Chr. als das erste 
sichere Datum der Weltgeschichte zu bezeichnen. Es ist noch auf lange 
Zeit das einzige geblieben. 

Aber so unschätzbar die geschichtliche Belehrung ist, die wir daraus 
ziehen können, für die Ciironologie der ägyptischen Geschichte ist damit 
unmittelbar noch wenig gewonnen. Für sie kann das Hülfsmittel, welches 
das Wesen des ägyptischen Kalenders und sein Verhaltnifs zum festen 
Jahre bietet, nur dann von Nutzen sein, wenn Doppeldaten nach dem Ka- 
lender und dem Sirius vorliegen*, die zugleich mit einem historischen Er- 
eignifs oder dem Regierungsjahre eines Königs verbunden sind. Solche 
Doppeldaten oder Sothisdaten besitzen wir bis jetzt* nur drei, nämlich: 

1. den Kalender des Papyrus Ebers; 

2. die Siriusangabe des Kalenderfragments von Elephantine aus der 
Zeit Thutmosis' IE. ; 

3. die Siriusangabe des Papyrusfiindes von Kahun aus dem 7. Jahre 
Sesostris' ÜI. 

Die beiden ersteren legen den Anfang des Neuen Reichs, die letztere 
das Mittlere Reich (Dyn. 12) fest. 



' Ergänzend können Monddaten hinzukommen, die namentlich von Bruqsch betont 
und von Mahler für die Festlegung der Zeit Thutmosis' 111. und Ramses* II. verwerthet 
worden sind. Sie sind indessen nur in dem Falle verwendbar, wo das in Betracht kommende 
Jahr anderweitig bereits annähernd genau ermittelt ist, da bekanntlich die Mondphasen nach 
19 Jahren fast genau in gleicher Weise wiederkehren. 

' Abgesehen von der ftkr die historische Chronologie nicht oder wenigstens nicht mit 
irgend welcher Sicherheit verwendbaren Aera Xn6 M6N64>P6CdC (oben S. 29; vergl. unten S. 68) 
sowie dem Datum des Decrets von Kanopos (S. 23) und der Angabe des Censorinus (S. 23 ff.), 
die an dieser Stelle nicht in Betracht kommen. 



46 Meyer: 



Der Anfang des Neuen Reiclis: Amenophis L und Thntmosis IDL 

I. Der medieinische Papyrus Ebers ist zu Anfang des Neuen Reichs 
geschrieben; der Kalender befindet sich auf der Rückseite der ersten Co- 
lumne. Trotz der etwas flüchtigeren Schrift ist die Annahme von Lepstos, 
dais er nicht eine gleichgültige Notiz, sondern ein unentbehrliches Zubehör 
zum Papyrus sei — etwa in derselben Weise, wie zu den astronomischen 
Werken des Alterthums chronologische Tabellen gehörten — , wohl richtig: 
er sollte die Benutzung der in ihm gelegentlich vorkommenden, auf den 
Kalender gestellten Recepte ermöglichen, indem er die Lage des Wandel- 
jahres zu den Jahreszeiten für die Zeit seiner Abfassung festlegte.^ Man 
nimmt daher allgemein an, da£s der Papyrus in dem 9. Jahre des Königs 
geschrieben ist, den der Kalender nennt. Auch dafs dieser etwas flüchtig 
geschriebene Name O \^ LJ Zeserkere^ zu lesen ist , der Vorname des 
Amenophis L, des zweiten Königs des Neuen Reichs (Dyn. 18), ist jetzt 
wohl allgemein anerkannt.^ 

Im übrigen aber bietet der Kalender der Interpretation Schwierigkeiten, 
die zu lösen bisher nicht gelungen ist.* Der Kalender folgt nebenstehend. 

Wie man sieht, wird der 9. Epiphi als Tag des Sothisaufgangs be- 
zeichnet; wie es aber zu verstehen ist, dafs diese Bemerkung durch den 
die Wiederholung anzeigenden Punkt auch zu allen folgenden Daten gesetzt 
ist, ist völlig unverständlich, und man wird geneigt sein, das für ein Ver- 
sehen des Schreibers zu halten. Nun ist aber auch von jedem der folgen- 
den elf Monate der 9. Tag genannt, mit Übergehung der 5 Epagomenen, 
die hier so wenig wie sonst irgendwo zum »Jahre« gerechnet sind (ebenso 

* Vergl. Lepsius, ÄZ. XIII 1875, HS^- 

* Siehe Erman, Märchen des Pap. Westcar II, 56 f. Dagegen hat sich Eisknlohr, Proc. 
Soc. Bibl. Arch. 1895, 281 erklart; aber auch wenn die Lesung zweifelhafter wäre, als sie 
in Wirklichkeit ist, konnten wir doch auf Grund der babylonischen Synchronismen kaum 
einen andern König in diese Zeit setzen als Amenophis I. Früher hat man einen unbe- 
kannten Namen darin gesucht. Duhichen glaubte die Zeichen O /»— ü i^I^ lesen zu können 

und erklärte das f&r den manethonischen Bicheris (Dyn. IV, 6). Da das gänzlich unhaltbar 
war, nahm ich Q. d. A. I an, der Papyrus sei unter einem unbekannten (Hyksos-) König 
kurz vor Beginn des Neuen Reichs geschrieben, und habe deshalb damals den Anfang des 
Neuen Reichs etwa 50 Jahre zu niedrig gesetzt. 

* Die Erklärung von Lepsius, ÄZ. VIII 1870, 167 ff., die Ebkrs in seiner Ausgabe des 
Papyrus wiederholt, ist mir nicht recht verständlich. 



Aegyptische Chronologie. 



47 



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(oVc^Uj Jahr 9 unter S. M. König Zeserkere^. 



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A . Neujahrsfest 



Techi [== Thoth] 
Menchet [= Paophi] 
Hatbor [= Athyr] 
Kaberka [= Choiak] 
Sefdbet [= Tybi] 



Epiphi Tag 9 Aufgang der Sothis. 



Mesori Tag 9 



Thoth Tag 9 
Paophi Tag 9 
Athyr Tag 9 



Choiak Tag 9 



Rekeb {uer) [== Mechir] Tybi Tag 9 
Rekeb (nezes) [= Phamenoth] Mechir Tag 9 
Renwet [= Phannuthi] Phamenotli Tag 9 
Chonsu [= Pachon] Phannuthi Tag 9 



Chontchat [== Payni] 
Apetbont [= Epiphi] 



Pachon Tag 9 
Payni Tag 9 



fehlen sie z. B. im Deckenbild des Ramesseums, oben S. 38); und vor ihnen 
stehen die Namen der Monatsgottheiten oder Monatsfeste, aus denen die 
meisten der späteren uns geläufigen ägyptischen Monatsnamen hervorge- 
gangen sind. Man würde diese also zunächst fiir Bezeichnungen der Monate 
eines festen, mit dem Siriusaufgang beginnenden Jahres, und den Kalen- 
der für einen Doppelkalender des festen und des Wandeljahres halten. Aber 
der erste von ihnen, Techi, steht weder beim Siriusfest, neben dem wir 
ihn erwarten müfsten, noch etwa beim Thoth des bürgerlichen Jahres, 
sondern zwischen beiden, neben dem 9. Mesori, und die Epagomenen sind 
hier auch nicht berücksichtigt.^ Nach ihrer Folge würde man den Gott 



' In einer schon früh vorkommenden cursiven Form geschrieben, die, wie mir Herr 
Dr. Möller nachweist, aus der Schreibunc ' entstanden ist. 

* Der Bereich des Techi erstreckt sich liier also über 35 Tage, vom 9. Mesori bis 
8. Thoth des Wandeljahrs. 



48 Meter: 

des Mesori , Re^ Harmachis , neben dem 9. Epiphi erwarten müssen ; statt 

seiner steht hier das uns bekannte \y »Neujahrsfest«. Und nun hat Bruosch 

nachgewiesen \ dafe dies Zeichen in ptolemäischer Zeit in der That als 
Aequivalent des Mesori gebraucht wird. Auf der anderen Seite aber kann 

man das »Neujahrsfest des Siriusjahrs« "Xy von dem danebenstehenden 

»Aufgang des Sirius« immöglich trennen. Wir stehen hier vor lauter 
Rathseln, die wir als solche anerkennen müssen, die zu lösen ich aber 
gänzlich au&er Stande bin.^ 

Die chronologisch -geschichtliche Deutimg des Kalenders wird dadurch 
indessen glücklicherweise nicht afficirt: die beiden ersten Zeilen sagen 
mit aller Bestimmtheit, dafs im 9. Jahre Amenophis' I. der Siriusaufgang 
und das Neujahrsfest des Sothisjahrs auf den 9. Epiphi gefallen ist. Wenn 
also der 9. Epiphi =19. Juli jul. war, so fiel der i.Thoth im ersten Jahre 
der Tetraeteris (dem julianischen Schaltjahr) auf den 15., in den drei fol- 
genden auf den 14. September; das 9. Jahr Amenophis' I. war mithin eins 
der vier Jahre 1550/49 bis 1547/46 v.Chr., sein erstes also 1558/57 bis 
1555/54. Da sein Vorgänger Amosis, der Vertreiber des Hyksos, nach den 
Denkmälern mindestens 22 Jahre regiert hat, beginnt das Neue Reich um 
1580 v.Chr., schwerlich früher, vielleicht aber ein paar Jahre später (um 

1575)- 

IL Das Kalenderfragment von Elephantine' stammt sicher aus der 

Regierung Thutmosis' HI.*; nach ihm fiel das Fest des Sothisaufgangs, far 

das die Opfergaben verzeichnet sind, auf den 28. Epiphi, der i. Thoth 

also im ersten Jahre der Tetraeteris auf den 27., in den drei folgenden auf 

den 26. August. Der Kalender stammt also aus einem der Jahre 1474/73 

bis 1471/70 V. Chr. Leider ist die Angabe des Regierungsjahres, das in 

dem vollständigen Text nicht gefehlt haben kann, nicht erhalten; wir 



^ ÄZ. VIII 1870, 119; die Texte auch Thes. S. 266 Z. 16, verglichen mit den mit F 
bezeichneten Texten auf S. 271. 272. 

' Auch Lehmann, der einen Theil der Schwierigkeiten berührt (Zwei Hauptprobleme 
S. 194fr.), hat eine Lösung nicht gefunden. •-««vi nn r^\ 

» LD. III 43e (Bkugsch, Thes. p. 363), vergl. o. S. 34: , , . jjjj^ O m 1 ^ ' <=>/\ -^Ic 

n m /T^l n a/wwv MM a^/wna O Li 

^^3C7^^ ^ ' ^olgt das Veraeichnifs der Opfer. 

* Sein Name kommt in dem zugehörigen Fragment LD. III 43 f vor. 



Aegyptische Chronologie. 49 

können somit nur sagen, dafs die betreffenden Jahre in die Zeit Thut- 
inosis' III. , und zwar wahrscheinlich in die spätere Zeit seiner Alleinregierung, 
gefallen sind. 

Nun giebt Thutmosis IIL an, dafs in seinem 23. Regierungsjahr [das nach 
der bekannten Stelle seiner Annalen am 4. Pachon begann] der 2i.Pachon 
und im 24. Jahre der 30. Mechir ein Neumondsfest ( © ^^57) gewesen sei/ 
Dafs unter Neumond nur die wirkliche Neomenie, das erste Erscheinen 
der Mondsichel, nicht die Conjunction, auf die die Astronomen den Namen 
Neumond übertragen habend zu verstehen ist, ist mir so wenig zweifelhaft 
wie Lehmann/ Unter dieser Voraussetzung hat Lehmann mit Unterstützung 
Ginzel's die betreffenden Neumonde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhun- 
derts gesucht; er glaubte, dafs die Neomenien vom 19. Mai 1493 ^^^^ 
27, Februar 1491 v. Chr. den Bedingungen entsprächen, Thutmosis' III. 
54jährige Regierung also in die Jahre S.Mai 15 15 bis 21. März 1461 falle. 
Aber bei Lehmann's Rechnung würde sich, da das julianische Jahr 1493 
V. Chr. Schaltjahr ist, von diesen beiden Daten aus ergeben: 

Bürgerlicher ._ Neujahrstac 

XT • u * Neomenie , Tr- • • ? Neomenie 

Neujahrstag des Konigsjahrs 

I. Thoth J. 22 •=. 2. Sept. 1494 4. Pachon J, 23 = 2. Mai 1493 21. Pachon = 19. Mai 1493 

I. Thoth J. 23 = I. Sept. 1493 4- Pachon J. 24 r=: 2. Mai 1492 

I. Thoth J. 24 =: I. Sept. 1492 30. Mechir = 27. Febr. 1491 4. Pachon J. 25 = 2. Mai 1491 
I. Thoth J. 25 = I. Sept. 1491 

In Wirklichkeit aber fiel der i. Thoth im julianischen Jahr 1494 auf den 
I. September und in den Jahren 1493 ^"d 1492 auf den 31. August. 
Lehmann's Ergebnisse, so bestechend sie zunächst erscheinen, sind daher 
nicht haltbar. 

Nun läfst sich bekanntlich nie mit absoluter Sicherheit sagen, an 
welchem Tage die Mondsichel zuerst wieder gesehen worden ist: »das 



^ Die beiden Stellen (LD. III 32, 13 und Mariette, Karnak 12,7) sind von Brugsch 
vielfach besprochen worden, zuletzt Thesaurus p. 95 und 323 (vergl. p. 280 und sonst). 

' Auf sie bezieht Mauler ÄZ. 27, 1889, 97 ff. das Datum, der überdies zuerst mit 
Brugsch an ein festes Jahr daciite. V^ergl. Eisenlohr, Proc. Soc. Bibl. Arch. 1895, 281. 
Mahler kam dadurch für Thutmosis' III. Regierung auf die Jahre 20. März 1503 bis 14. Februar 
1449. In einem von Eisenlohr mitgetheilten Briefe ist er bereit, das Wandeljahr anzuer- 
kennen; er kommt alsdann auf die astronomischen Neumonde 16. Mai 1482 und 24. Februar 
1480 und setzt Thutmosis III. 4. Mai 1504 bis 18. März 1450. 

^ Zwei Hauptprobleme S. 1 50 ff. 
Philf}s,'hütor. Abh. 1904, L 7 



50 Meyer: 

erste Sichtbarwerden der Mondsichel kann hei klarem Himmel, aber sonst 
verschiedenen Umständen, i bis 3 Tage nach dem [wahren oder astrono- 
mischen] Neumonde erst eintreten«.* Alle Rechnungen, bei denen auf Grund 
einer Angabe über den sichtbaren Neumond das betreffende Jahr erst 
ermittelt werden soll, sind daher nicht als sicher zu betrachten. Im All- 
gemeinen wird man, wenn nicht die Conjunction sehr früh am Tage ein- 
getreten ist, den Beginn des neuen Monats zwei Tage nach derselben an- 
setzen dürfen.* Unter dieser Voraussetzung würden iur die erste Hälfte 
des 15. Jahrhunderts nach der von Mahler, ÄZ. 27, 104 gegebenen Tafel 
der Neumonde^ nur folgende Daten in Betracht kommen: 

a) astronomischer Neumond 1479 v. Chr. am 13. Mai 6^0' Morgens, 
erster Monatstag =15. Mai = 21. Pachon J. 23; 

b) astronomischer Neumond 1477 am 22. Februar 4^48' Morgens, erster 
Monatstag = 23. Februar = 30. Mechir J. 22. 

Hier wäre also bei b die Mondsichel schon am Abend des Tages 
nach der Conjunction sichtbar gewesen, Was bei ihrem frühen Eintritt 
nicht unmöglich erscheint. 

Wir können demnach mit hinlänglicher Wahrscheinlichkeit annehmen, 
dafs diese beiden Daten die gesuchten sind. Dann ergiebt sich: 

Bürgerlicher ^, . Neujahrstag t.^. 

^- . , Neomenie , rr - • • • Neoinenie 

Neujahrstag des Konigsjahrs 

« 

I. Thoth J. 22 = 28. Aug. 1480 4. Pachon J. 23 = 28. April 1479 21. Pachon = 15. Mai 1479 

I. Thoth J. 23 =: 28. Aug. 1479 4. Pachon J. 24 ^=z 28. April 1578 

I. Thoth J. 24 z= 28. Aug. 1478 30. Mechir 1= 23. Febr. 1477* 4- Pachon J. 25 = 27. April 1477 
I. Thoth J. 25 = 27. Aug. 1477 4. Pachon J. 26 z= 27. April 1476 

Somit fiele Thutmosis' IIL Regierung in die Jahre 4. Pachon J. i 
= 3. Mai 1501 bis 30. Phamenoth J. 54 = 17. März 1447 v. Chr. 

Die Daten der Denkmäler reichen nicht aus, um die Dauer des Inter- 
valls zwischen Amenophis I. und Thutmosis III. genau anzugeben; im 
Gegentheil, nur dadurcli, dafs diese beiden Regierungen annähernd fest- 
gelegt sind, wird sich die Zeit der Thronwirren unter Thutmosis I. und II. 
und Ha^tsepsut mit gröfserer Sicherheit bestimmen lassen. Dafs im All- 
gemeinen das von uns für Thutmosis III. gewonnene Datum, das von dem 



^ WisLicKNüs, Astronomische Chronologie S. 29. 

" So rechnet auch Lehmann a. a. O. 

' Nach Greenwicher Zeit, zu der fiir Aegypten rund 2 Stunden liin/.uzureclinen wären. 

* Der folgende 29. Februar 1477 ist julianischer Schalttag. 



Aegyptische Chronologie. 51 

Mahler's um 2 und von dem Lehmann's um 14 Jahre nach unten ab- 
weicht, zu dem für Amenophis I. und den Beginn des Neuen Reichs sehr 
gut pafst, hedarf keiner Ausfiihrung. Ich will nur erwähnen, dafs, wenn 
der eben gewonnene Ansatz für seine Regierung genau ist, der Auszug 
Thutmosis' IIL aus Zaru im Jahre 22 am 2 2.Pharmuthi auf den 16. April 
1479 fallt. Am 4. Pachon 23 = 28. April 1479 war er in Gaza, am 2 1. Pachon 
= 15. Mai fand die Schlacht bei Megiddo statt. Gregorianisch, d.h. nach 
dem Sonnenjahr, liegen alle diese Daten 1 3 Tage früher, der Aufenthalt in 
Gaza also am 15. April. Das würde vortrefflich passen; aber eine Verschie- 
bung um ein halbes Jahrhundert würde daran noch nicht allzuviel ändern. 

Im Übrigen ist es bekannt, dafs die aus den Amarnatafeln sich er- 
gebenden Synchronismen mit den babylonischen und assyrischen Herrschern, 
so wenig auch hier schon eine auf's Jahr genau bestimmte Chronologie ge- 
wonnen ist, doch mit Notli wendigkeit die Ansetzung Amenophis' III. an'sEnde 
und Thutmosis' III. in den Anfang des 15. Jahrhunderts erfordern. Wir 
dürfen dalier behaupten , dafs, wenn die Sothisdaten für Amenophis I. und 
Thutmosis III. die Ermittelung der Zeit dieser Könige ermöglichen, so auch 
umgekelirt die für sie gewonnenen Daten die Richtigkeit unserer Anschauungen 
über die Sothisperiode und ihr Verhältnifs zum Wandeljahr in willkommen- 
ster Weise bestätigen und jeden Zweifel an ihr zum Verstummen zwingen. 

Um so weniger haben die Zweifel irgend welche wissenschaftliche Be- 
rechtigung, die gegen die Verwerthbarkeit des Sothisdatums vorgebracht 
sind, das uns im Jahre 1899 fär das Mittlere Reich bescheert worden ist; 
sie beruhen lediglich auf der vorgefafsten Meinung, dasselbe müsse beträcht- 
lich älter sein. 

Die zwölfte Djmastie. 

Das oben S. 18 schon besprochene Sothisdatum des Papyrusfundes 
von Kahun aus dem 7. Jahre eines Königs stammt, wie der Herausgeber 
BoRCHARDT crwiescn hat\ aus der Regierung des Königs Senwosret oder 
Sesostris III. (früher Usertesen gelesen). Da der Siriusaufgang auf den 
16. Pharmuthi fiel, der i.Thoth also im ersten Jahr der Tetraeteris auf 
den 7., in den drei folgenden auf den 6. December, ist das Datum eins 



' ÄZ. 37, 99 fF. Das Teinpeltagebuch , zu dem die Angabe gehört, zeigt fiir die Jahre 
5 — 9 die gleiche Handschrift und erwähnt Senwosret II. als verstorben, Senwosret III. da- 
gegen als lebend. 



52 



Meyer: 



der 4 Jahre 1882/81 bis 1879/78 v.Chr. und das erste Jahr Sesostris' III. 
= 1888/87 bis 1885/84. 

Nun enthält der Fund von Kahun eine Abrechnung* aus dem 30. und 
31. Jahre eines Königs, der schwerlich ein anderer gewesen ist als Sesos- 
tris III.; sie würde also aus den Jahren 1859/58 bis 1856/55 und 1858/57 
bis 1855/54 stammen. In derselben sind sechs Tempelbeamte aufgezählt, 
deren Einkünfte verrechnet werden; jeder hat einen Monat functionirt, 
und zwar wird immer i Monat übersprungen. Die Monate sind nach dem 
bürgerlichen Kalender datirt, sind aber deutlich Mondmonate; sie laufen: 

vom 26. Payni bis 25. Epiphi, 

» 25. Mesori » 20. (?) Thoth des Jahres 3I^ 



Jahr 31 » 20. (?) Paophi » 

» 19. (?) Choiak » 

» 18. Mechir » 

» i7.Pharmuthi » 

So erhalten wir folgende 12 Monate: 



19. Athyr, 
18. Tybi, 
17. Phamenoth, 
16. Pachon. 



26. Payni 
26. Epiphi 
25. Mesori 
2 1 . Thoth 
20. Paophi 
20. Athyr 
19. Choiak 
19. Tybi 
18. Mechir 
18. Phamenoth 
17. Pharmuthi 
1 7 . Pachon 



bis 25. Ei)iphi 

» 24. Mesori 

» 20. Thoth 

» 19. Paophi 

» 19. Athyr 

» 18. Choiak 

» 18. Tybi 

» 17. Mechir 



= 30 Tage 

= 29 j» 

= 31 

= 29 » 

= 30 1» 

= 29 » 

= 30 • 

= 29 » 



[ 



17. Phamenoth = 30 
16. Pharmuthi = 29 
16. Pachon = 30 
15. Payni] =[29] 



Sa. 355 Tage, 

also ein Mondjahr mit einem Schalttag. Wie man sieht, wird bei den 
Monaten schematisch zwischen vollen \md hohlen gewechselt; der Schalt- 



* Puhlicirt von Borchardt, a. a. O. S. 92f. Nach einer Mittheiliing von Hrn. Dr. Möller 
ist in der Überschrift Z. 2 -Jahr 31» zu lesen, wie die Übersetzung angiebt; ebenso in Z. 7. 
Die übrigen Zahlen sind wahrsclieinlich richtig wiedergegeben, wenn auch einige stark 
beschädigt sind. 

^ Die Jahrzählung beginnt also mit dem bürgerlichen Neujahr am i. Thoth. 



Aegyptische Chronologie. 53 

tag ist aber dem vollen Monat am Ende des bürgerlichen Jahres zugelegt, 
so dafe dieser 31 Tage erliält. Daraus geht hervor, dafs diese Monate 
nicht auf Beobaclitung, sondern auf einer recht rohen Rechnung beruhen. 
Man hat nun vermuthet, dafs die Anfangstage dieser Monate Neumonde 
seien, und danach das l)etreffende Jahr, dessen ungefähre Lage durch das 
Sothisdatum gegeben ist, astronomisch berechnen wollen. Die angestellte Be- 
rechnung^ beruht freilich auf falschen Voraussetzungen über die Sothisperiode 
und den Mondmonat; aber verlockend ist der Gedanke, von hier aus sowohl 
eine genaue Festlegung des betreffenden Jahres und damit zugleich des Jahres 7, 
aus dem das Sothisdatum stammt, als auch eine Controle fiir die Sothisperiode 
zu gewinnen, welche unsere Annainnen entweder corrigiren oder bestätigen 
würde. Hr. Prof. Ginzel hat die Freundlichkeit gehabt, für mich die astrono- 
mischen und bürgerlichen Neumonde (letztere sind im Folgenden als Neulicht 
bezeichnet) fiir die Jahre 1859 bis 1848 v. Chr. zu berechnen^, und mit Hülfe 
der 19jährigen Periode läfst sich die Liste leicht in einer für diese Zwecke 
ausreichenden Weise weiter ergänzen. Da andererseits die julianischen Daten 
für die ägyptischen Tage in jedem Jahre feststehen, läfst sich die Vergleich ung 
leicht ausfuhren. Aber sie führt zu einem durchaus negativen Ergebnifs. Bei 
der auf Oppolzer beruhenden Annahme von Mahler, das Sothisdatum des 
Jahres 7 falle in die Jahre 1879/78 bis 1876/75, wäre das einzig vergleichbare 
Jahr das Jahr 1852/51 (dann wäre das Jahr 7 = 1876/75). In diesem ist: 

Jahr 30: 26. Payni 26. Epiphi 25.Mesori Jahrßi: 2i.Thoth 20. Paophi 20. Athyr 

= 1852 20. Sept. 20. Oct. 18. Nov. 19. Dec. 1851 17. Jan. 16. Febr. 

astron. Neumond Sept. 21.00 Oct. 20.79 Nov. 19.59 Dec. 19.32 Jan. 17.93 Febr. 16.43 

Neulicht 22.5 22.3 21.1 20.8 19.4 17.9 

Jahr 31: 19. Choiak 19. Tybi 18. Mechir 18. Phamenoth 17. Pharmuthi 17. Pachon 

= 1851 17. März 16. April 15. Mai 14. Juni 13. Juli 12. August 

astron. Neumond März 17.82 April 16.13 Mai 15.41 Juni 13.71 Juli 13.06 August 11. 51 

Neulicht 19.3 17.6 16.9 15.2 14.6 13.0 

Man sieht, in der ersten Hälfte des Jahres liegt selbst der astrono- 
mische Neumond zu spät (nach unserer Bezeichnung 21. September, 21. Oc- 



^ Von Mahler, ÄZ. 40, 1903, 78 ff. 

' Die Daien sind für den Meridian von Memphis nach astronomischen Tagen an- 
gegeben, die von Mittag zu Mittag laufen (also 12 Stunden später als der bürgerliche Tag), 
die Tagtheile in Decimalen; also Febr. 10.88 bezeicimet nacli unserer Ausdrucksweise den 
II. Februar um 9 Uhr Morgens. Das Neulicht, d. h. die Sichtbarkeit des Mondes, ist 
i-J- Tage nach dem astronomischen Neumond angesetzt; fallt sie aber in die Nacht oder auf 
den Morgen, so war der Mond natürlich erst am folgenden Abend sichtbar. 



54 Meyeh: 

tober, 19./20. November, ig.December, 18. Januar, 16./1 7. Februar, 18. März, 
16. April, i5./i6.Mai, i4.Juni, 13. Juli, 1 1./ 12. August), so dafs dieses Jahr 
in keinem Falle das richtige sein kann. 

Nun mufs sich innerhalb der 19jährigen Mondperiode immer ein Jahr 
finden, welches ungefähr pafst, zumal wenn die überlieferten Daten nicht 
auf Beobachtung, sondern auf roher Rechnung beruhen. So würde hier 
das Jahr 1860/59 einigermafsen passen. In demselben ist — ich setze nur 
die letzten 8 Monate her: 

Jahr 31 20. Paophi 20. Athyr 19. Choiak 19. Tybi 18. Mechir 18. Phaiiienoth 17. Pharniuthi i7.Pachon 

= 1859 19. Jan. 18. Febr. 19. März 18. April 17. Mai 16. Juni 15. Juli 14. August 

astron. Neumond Jan. 16.34 Febr. 14.96 März 16.44 April 14.82 Mai 14.13 Juni 12.41 Juli 11.71 August 10.07 

Neulicht 17.8 16.5 17.9 16.3 15.6 13.9 13.2 11.6 

Die sichtbaren Neumonde (nach unserer Bezeichnung 18. Januar, 17. Fe- 
bruar, 18. März, 16. April, 16. Mai, 14. Juni, 13. Juli, 12. August) fallen 
zwar durchweg 1 bis 2 Tage vor das überlieferte Datum, doch könnte man 
das zur Noth dulden. Aber wenn dies das gesuchte Jahr wäre, so wäre 
Jahr 7 = 7. December 1884 bis 6. December 1883 und der Siriusaufgang 
am 16. Pharmuthi fiele auf den 20. Juli 1883. Alsdann wäre spätestens das 
Jahr 20. Juli 138 bis 19. Juli 139 n. Chr. das erste der neuen Sothis- 
periode, und im Jahr des Decrets von Kanopos 239/38 v. Chr. müfste der 
Siriusaufgang auf den 20. Juli = 2.Payni 238 fallen. Auch diese Com- 
bination ist also ausgeschlossen. 

Da es nun ein anderes brauchbares Jahr nicht giebt\ so ist das Ergeb- 
nifs, dafs unsere Voraussetzung falsch ist: d. h. entweder die Jahre 30 und 31 
gehören einem anderen König (Amenemhet II. oder Amenemhet III.) an oder, 
da das recht unwahrscheinlich ist, die Daten sind keine Neumonde. In der 
That ist ja auch diese Voraussetzung gänzlich unerweislich: die Tempelbeamten 
können ebenso gut an irgend einem anderen Mondtage, z. B. am Vollmond 
oder an einem durch ein Tempelfest gegebenen Mondtage, ihre Functionen 
angetreten und ihre Bezahlungen erhalten haben. In diesem Falle bleiben 
die Mondabstände natürlich immer die gleichen, die Daten aber würden für uns 
nur dann berechenbar sein, wenn wir den betreffenden Tag kennen würden.^ 

* Im Jahre 1863/62 würden die Monatsdaten des Papyinis zu dein astronomischen 
Neumonde stimmen; aber das Jahr liegt viel zu hoch, als dafs man es heranziehen konnte. 

' Nachtraglich hat sich die Unmöglichkeit, die Daten als Neumonde zu betrachten, 
noch weiter bestätigt. Herr Dr. Borchardt hatte die Freundlichkeit, mir ein weiteres Bruch- 



AegypHsche Chronologie. 55 

Somit ist das Sothisdatum das einzige, welches uns für die Festlegung 
der Zeit der 12. Dynastie zur Verfiigung steht. Bekanntlieh ist aber keine 
Dynastie durch die Denkmäler chronologisch so gut bekannt wie diese. Da 
die ersten vier Könige ihre Söhne zu Mitregenten angenommen haben und 
für sie auf den Denkmälern mehrfach Doppeldatirungen vorliegen, stehen 
die für sie zu verrechnenden Jahre vollständig fest, und für die späteren 
Regierungen bieten die Papyrusfunde von Kahun am Eingang des Faijum^ 
ein reiches Material, so dafs die Unsicherheit hier nur ein paar Jahre 
beträgt. Sowohl die Doppeldatirungen wie namentlich diese Urkunden 
lehren, dafs im bürgerlichen Leben die Königsjahre den bürgerlichen gleich- 
gesetzt wurden und wie diese mit dem i.Thoth begannen^: so die eben 
besprochene Rechnung aus den Jahren 30 und 31 (Borchardt S. 92 f.) 
und ebenso eine Rechnung »vom Jahr 19, Pharmutlii (Tag i)^ bis zum Jahr i, 
Mechir, letzter Tag«, in der unter »Jahr 19« Daten aus dem Pharmuthi, 
Pachon, Payni, Epiphi, Mesori verzeichnet sind und dann »Jahr i, Thoth 
Tag I« folgt. Das Document stammt also aus dem Jahre eines Thron- 
wechsels; die beiden Könige sind Sesostris II. und IE., von denen jener 
auch nach dem Turiner Papyrus 19 Jahre regiert hat. Sein Todestag ist 
nach den von Borchardt S. 91 mitgetheilten Angaben der 14. Pharmuthi 
gewesen. Die Frage ist, ob er in seinem 19. oder 20. Jahre gestorben ist, 
d. h. ob die Regierung seines Nachfolgers antedatirt oder postdatirt ist. In 
späterer Zeit, unter der 26. Dynastie, den Ptolemäern und Römern, herrscht 
bekanntlich ausnahmslos die Antedatirung, ebenso im ptolemäischen Kanon, 



stück mitziitheilen , das er in derÄZ. 41, 1904 piibliciren wird, nach dem im Jahre 9, zwei 
Jahre nacli dem Sothisdatum , eine neue Priesterphyle am 10. Phamenoth angetreten ist. Auch 
das stimmt zu keinem der in Betracht kommenden Neumonde. Im Jahre 6 aber wechseln 
die Phylen sogar nach den Monaten des bürgerlichen Kalenders. Wie das zu erklären ist, steht 
dahin; klar ist aber, dafs diese Daten für chronologische Berechnungen nicht verwendbar sind. 

* GRiFFrrH, llieratic Papyri from Kahun and Gurob, 1898 (im Text p. 85 giebt er 
eine Reconstruction der Dynastie und der Daten des Turiner Papyrus). Borchardt, Der 
zweite Papyrusfund von Kahun. ÄZ. 37, 1899, 89 fF. 

* Ob die Konige selbst so rechneten, kann zweifelhaft erscheinen, namentlich in den 
Fällen, wo sie nicht bereits zu Lebzeiten ihrer Väter auf den Thron gekommen waren. 
Ich halte es nicht für unmöglich, dafs sie in ihren Urkunden und Inschriften nicht der 
bürgerlichen Rechnung gefolgt sind, sondern, wie Thutmosis 111., ihre Jahre vom Krönungs- 
tage an gerechnet haben. 

" Die Schreibung 1 1 1 1 [ZTZD O ohne Hinzufügung der Tagzahl bezeichnet hier 

wie sonst deutlich den ersten Tag des Monats. 



56 Meyer: 

und da sie das einzig Natürliche ist, werden wir sie auch hier anzunehmen 
haben, d.h. Sesostris IL ist am 14. Pharmuthi seines 20. Jahres gestorben 
und dieses Jahr dann als i. Sesostris' III. gerechnet worden.* 

Auch die Daten des Turiner Papyrus sind uns meist wenigstens theil- 
weise erhalten, ebenso die Gesammtsumme der Dynastie, 2 1 3 Jahre i Monat 
17 Tage. 

Nun ist es zweifellos, dafs der Turiner Papyrus bei den Doppel- 
regierungen nicht diejenigen Zalilen gegeben hat, welche chronographisch 
allein zu verrechnen sind, sondern die Jahrzahlen, welche jeder Herrscher 
für sich erreicht hat. So hat Amenemhet I. in seinem 2 1 . Jahre seinen 
Sohn Sesostris I. zum Mitregenten erhoben und bis in sein 30. Jahr neben 
diesem regiert; ebenso hat Sesostris II. in seinem 43. Jahre* seinen Sohn 
Amenemhet II. zum Mitregenten gemacht, aber noch mindestens bis in's 
45. Jahr regiert. Chronographisch sind also für Amenemhet I. und Se- 
sostris I. nur 20 + 42 == 62 Jahre zu rechnen; der Papyrus aber giebt fär 
Amenemhet I. [2]g Jahre [x Monate]^, für Sesostris I. 45 Jahre [x Mo- 
nate?]. Ich hatte daher früher mit Brügsch* angenommen, dafs die Summe 
des Papyrus auf einer Addition dieser Posten beruhe, mithin etwa 20 Jahre 
zu hoch sei. Das ist, wie Sethe^ aus den jetzt vorliegenden Daten nach- 
weist, nicht richtig: addiren wir die höchsten bekannten Jahreszahlen, so 
erhalten wir bereits etwa 221 Jahre, und diese Zahl wäre thatsächlich wahr- 
scheinlich noch um einige Jahre zu erhöhen. Mithin wird die Summe des 
Papyrus richtig sein, also nicht auf einer Addition beruhen. Da der Pa- 
pyrus aber über die Doppelregierungen und die Art, wie sie zu verrechnen 
sind, keinerlei Angaben macht, folgt daraus, dafs die Summenzahl von den 
Einzelposten unabhängig ist, d. h. dafs die Liste des Papyrus ein Auszug 
aus 'einem gröfseren Werk ist, das die genaueren Angaben enthalten hat 
und noch im Stande war, die richtige Rechnung anzustellen. 



^ Der angefiihrte Papyrus kann nichts beweLsen, da er ja jedenfalls frühestens am 
Ende des ersten Jahres Sesostris' 111. geschrieben ist, also die Jahrbezeichuung nachträglich 
eingesetzt haben kann. 

* das natürlich von seiner Erhebung zum Könige, nicht vom Tode seines V^aters an 
gerechnet ist. 

" Man könnte auch [i]9 ergänzen, aber das hätte gar keinen Sinn. Setzen wir 
29 Jahre x Monate ein, so ergiebt sich, dafs er in seinem 30. Jahre gestorben ist. 

* Gesch. Aeg. 115. 

* ÄZ. 41 (mir durch die Güte des Vf. bereits vor dem Erscheinen zugänglich geworden). 



AegyptiscJi^ Chronologie. 



57 



Da die ersten Regierungen bis auf Sesostris HI. völlig feststehen und 
dieser durch das Sothisdatum festgelegt ist, so sind wir im Stande, die 
Zeit der Dynastie mit einer I^titude von nur 4 Jahren genau zu bestimmen. 
Die vier Vorgänger Sesostris' III. haben zusammen 1 1 3 Jahre regiert. Da 
sein erstes Jahr = 1888/87 Ws 1885/84 v. Chr. ist, so ist der Anfang der 
Dynastie = Jahr 1 Amenerahet's I. = 2000/1999 bis 1997/96 v. Chr.\ letztes 
Jahr der Dynastie = 1789/88 bis 1786/85 v. Chr. 

Turiner Papyrus 
•Könige des Hofes von Ithit-taui'« 

Amenemhet 1. regierte [2]9 Jahre 30 

J. 2 1 = I . Sesostris' I. 
» 45 Jahre 45 

J. 43 = I . Amenemhet's II. 
[30 + x] Jahre* 35 

J. 33 = I. Sesostris' II. 



Höchstes Chronographisch 
Datum zu verrechnen 



V. Chr. 



20 2000/1997 bis 1981/78 



Sen wosret (Sesostris ) I. 



Amenemhet II. 



42 



32 



1980/77 • 1939/36 
1938/35 • 1907/04 



Sen wosret (Sesostris) IL » 


1 9 Jahre 19 19 1 906/03 » 


1888/85 


Sen wosret (Sesostris) III. » 


30 + x . » 33« 38?^ 1887/84 . 


1850/47? 


Amenemhet III. » 

• 


40 + x » 46* 48 bis 49?^ 1849/46?» 


1801/1798 


Amenemhet IV. » 

• 


9J. 3M.27T. io?M 1800/1797? . 


1792/89 


Sebeknofrure^ » 


3 « 10 » 24 « 3?M ^^ 1791/88 . 


1788/85 


»Summe der Könige des Hofes 






von Ithit-taui 


213J. iM. 17T.« 212 bis 213 





* Denn im Jahre 1981 v.Chr. beginnen zwei Jahre der Dynastie: Jahr 20 == i./i. 1981 
bis 30./12. 1981 und Jahr ai = 31./12. 1981 bis 30./12. 1980. 

« So. als )S(ö%©5^U-fl"^ 



, wird die Residenz der Konige der 12. Dynastie 



(Akanthos = Dah§ür) bekanntlich auch sonst bezeichnet. 

• Dafs, wie Manetho angiebt, der Name Sesostris in der That dem früher Usertesen 
gelesenen Königsnamen entspricht, der richtig Sen-wosret zu sprechen ist, hat Setbb, Sesostris 
(Unters, zur Gesch. Aeg. II, i, 1900) erwiesen. Dafs Sesostris mit Ramses II. nichts zu thun 
hat, sondern der 12. Dynastie angehört, hatte auch Unger, Chron. d. Manetho 120 ff. erkannt. 

• Die theilweise erhaltene Zahl kann zu 10, 20 oder 30 ergänzt werden; 30 ergiebt 
sich aus den übrigen Zeugnissen. 

• 30 ist deutlich erhalten. 

• Nach GRiFFrrH vielleicht 35. 

^ Vergl. Setbe, ÄZ. 41, der diese Zahlen wahrscheinlich macht. 
® Die Zeit seiner Regierung mit Amenemhet IV. ist nicht bekannt. 

• Nach Griffith sind die Daten aus den Jahren 9 und 10 des A. IV und 3 der 
Sebeknofrure^ nicht sicher. 

PhÜos.'histar. Abh. 1904. I. 8 



58 



Meter: 



Da in dieser Zeit das ägyptische Jahr annähernd mit dem julianischen 
zusammenfallt (2000 v.Chr. beginnt am 5. Januar, 1789/88 am 13. No- 
vember 1789), können wir der Vereinfachung wegen vor 1981 das untere, 
nach 1 98 1 das obere der beiden Jahre weglassen , den Beginn der Dynastie 
daher 2000 — 1997, das Ende 1788 — 1785 setzen. Danach sind in der 
Übersicht auf S. 57 die Quadriennien bezeichnet. 

Damit vergleiche man die Angaben aus Manetho (der Amenemhet I. 
noch im ersten Tomos , nach der 1 1 . Dynastie , abgehandelt (wee* o^c Awwe- 
N^MHc ^TH iE) und die 12. Dynastie und den zweiten Tomos erst mit seinem 
Sohne begonnen hat): 



Africanus 

A^MeN^MHc 16 J. 

12. Dyn. 7 Diospoliten 
I. Cecörxücic^ 

ÄMMAN^MOY yWc 46 J. 



Eusebius 

ÄMMeN^MHc 1 6 J. = Amenemhet I. 

12. Dyn. 7 Diospoliten 
I. Cecörxocic^ 

AMMeN^MOY yWc 46 J. = Sesostris I. 



2. 


ÄMMAN^MHC 


38« 


2. 


ÄMMeN^MHC* 


38» 


= Amenemhet II. 

• 

[Sesostris IL fehlt] 


3- 


C6C(|)CTPIC 


48 » 


3- 


CÖCOCTPIC* 


48 » 


— Sesostris in. 


4- 


Aaxäphc 


8 > 


4- 


Aamäphc" 


8 » 


— Amenemhet III. 


5. 


ÄM€PI^C^ 


8 > 


) 








6. 


ÄMM€N^MHC 


8 » 


! 


otro'i'TüN aiAaoxoi 


42 » 


Amenemhet IV. 

• 


7- 


Ck€MIOOPIC Xa€A<I>I^ 


4 » 


) 






— Sebeknofrure^ 



Sa. 245 J. 
Die Posten ergeben 182 Jahre. 



Sa. 160J. 

[Ebenso ist die Summe beim Bar- 
barus herzustellen (s. unten S. 84, 3). 
Bei ihm sind die Dynastienzahlen 
verschoben, so dafs sie als die 
II. erscheint: XI potestas Diopoli- 
^ tanorum ann. ^C)LX.] 

Zu 2. Ammenemes (II.) wird bei Beiden bemerkt, dafs er von seinen 
Eunuchen getödtet sei, auf 3. Sesostris (III.) werden die Erzählungen Hero- 

^ recoNröcic cod. B., auch in den anderen codd. entstellt. 
* So Bf die anderen codd. "ArtMePi^c. 

So B; Cecörxcopic A. Cec^rxttPic O. Sesonduris arm. 

""A/VAAN^MHC B. Ammcn^mhc 6. arm. 

So B'y C^CüCTPIC Ä. 

AAmapic B, AAbapic ff. Lampares arm. 



Aegyptische Chronologie. 59 

dot's (n, I02f.) von Sesostris' Kriegszügen und bei Eusebius auch von 
seiner Gröfse (11, io6) übertragen, und zwar Beides in einer überarbeiteten 
Gestalt, die mit Diod. 11, 5 3 ff. [aus Hekataeos von Abdera] stimmt.^ Er 
gilt bei den Aegyptern als der Erste nach Osiris. Lamares, bei 'Africanus 
verschrieben Lachares, hat sich im arsinoitischen Gau das Labyrinth als 
Grab gebaut. Er ist also Amenemhet IIL , und sein Name Aamäpic aus dessen 
Thronnamen Nema^atre^ (spr. Lemarfe) entstanden, mit dem sehr häufigen 
Übergang von n in 1. 

Es ist sehr bezeichnend, dafs die Epitome hier eine Herodoterzählung 
in hellenistischer Bearbeitung aufgenommen hat, von der Manetho gewifs 
nichts gewufst hat; daher darf man die Bezeichnung des Faijüm als ApcinoIthc 
nicht als Zeitbestimmung fiir Manetho verwerthen, sondern sie kann sehr 
wohl interpolirt sein. Die Übereinstimmung in diesen Notizen sowie in 
den sonstigen Zusätzen, den Namen und den ersten fiinf Zahlen beweist, 
dafs Eusebius nur eine Überarbeitung der bei Africanus vorliegenden Epi- 
tome giebt. Um so stärker ist die Differenz in den letzten Zahlen (wo 
Eusebius wie so oft keine Lust mehr hatte, die leeren Namen aufzuzählen) 
und in der Summe des Eusebius, die gänzlich unerklärlich ist. Sie be- 
weist aber, dafs er seine Summenzahlen nicht selbst berechnet, sondern 
seiner Quelle entnommen hat, dafs er also auch für die Abweichungen 
seiner Epitome von der des Africanus nicht selbst verantwortlich ist. 

Was uns von Manetho über die 12. Dynastie vorliegt, ist für sein 
ganzes Werk höchst charakteristisch.^ Im Grofsen ist seine Skizze ja nicht 
ganz falsch, aber im Einzelnen wimmelt sie von Fehlern. In der Königs- 
folge ist Sesostris IL ausgefallen und dafar Amenemes IIL, der gegen die 
Regel mit seinem Thronnamen bezeichnet wird, verdoppelt — denn Am- 
(m)eres ist doch wohl eine Variante zu Lamares. Von den Zahlen sind 



^ Bei Diudor heifst der Konig Cecöcocic. Seine Kriegszüge dauern bei Diodor (I 55, 10) 
wie in der Epitome neun Jahre, wovon Herodot nichts weifs. Die Gröfse seines Bildes 
(der Meinnonreliefs bei Smyrna) bezeichnet Herodot als M^rAeoc n^MnJHC cnieAMftc , Diodor I, 
55, 9 T^ Mer^eci t^ttapci nAAAicTATc weiiONA tön T€ttApü)n nHXÖN, Maikoc ön KAI A'YTÖC 
^■pfrxANeN. Die Epitome bei Eusebius geht noch etwas weiter: bc A^reTAi reroN^NAi hhxön ä, 
rTAAAiCTÖN r, AAKPr'ACöN B. — In der Epitome ist dann die Angabe nochmals auf Sesochris, 
Dyn. II, 8 übertragen, in der absurden Variation: bc ¥yoc eTxe hhxön e, haAtoc r (Afr.), 
bei Eusebius gemildert zu bc A^rexAi reroN^NAi ¥yoc ^xün hhxön e, nAAAicTÖN r tö M^reeoc. 

* Für einzelne Fehler mag die lange und complicirte Überlieferung verantwortlich 
sein, die zwischen ihm und Africanus liegt; aber alle Fehler ihm abzusprechen, ist unmöglich. 

8* 



60 Meyer: 

die f5r Sesonchosis = Sesostris L, für die beiden letzten Herrscher und 
vielleicht auch die für Ammenemes II. annähernd richtig, dagegen die für 
Ammenemes L, Sesostris III., Lamares und Araeres gänzlich falsch, die Summe 
ist bei Africanus viel zu niedrig, bei Eusebius dafär viel zu hoch. Hier, 
wo wir am genauesten informirt sind, zeigt sich mit voller Evidenz, dafs 
Manetho so wie er vorliegt zwar einen ersten Anhalt fär die Ordnung der 
Könige bieten konnte, aber fiir die wirkliche Geschichte und nun gar 
für die Chronologie einen irgendwie brauchbaren Führer nicht abgeben kann. 
Jedes chronologische System, das auf Manetho aufgebaut ist, mufs noth- 
wendig total in die Irre gehen. 



Das Intervall zwischen Mittlerem und Neuem Reich. 
Dreizehnte Dynastie und Hyksoszeit. 

Durch die Sothisdaten fiir die 12. Dynastie und för Amenophis I. und 
Thutmosis III. schrumpft das Intervall zwischen dem Mittleren und dein 
Neuen Reich, oder genauer zwischen dem Ende der 12. Dynastie (1788/85 
v.Chr.) und dem Beginn der 18. (um 1580 — 1575) auf rund 210 Jahre 
zusammen — ein Zeitraum, der für eine Epoche der Zersetzung und Fremd- 
herrschaft grofs genug erscheint, so lang wie das Intervall von Perikles' 
Tod (429) bis zum Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges (218), von 
der Ermordung Domitians (96 n. Chr.) bis zur Abdankung Diocletian's 
(305), oder zwischen dem Antritt Rudolfs von Habsburg (1273) und dem 
Maximilian's (1493). Aber bekanntlich stehen dem in der manethonischen 
Überlieferung, wenn wir die africanischen Zahlen zusammenaddiren\ nicht 
weniger als 1590 Jahre gegenüber, mit 217 (bez. da in Dynastie 17 
neben einander 43 Hirten und 43 Thebaner regieren, 260) Königen, darunter 
nicht weniger als 953 Jahre Fremdherrschaft unter 81 Hirtenkönigen. Und 
auch im Turiner Papyrus folgen nach Dynastie 12 noch mindestens 5, 
wenn nicht 6 Columnen mit Königsnamen; hier waren also etwa 150 bis 
180 Herrscher genannt, von denen die letzten den Hirtenkönigen, der 
Haupttheil aber den 60 + 76 = 136 Königen der 13. und 14. Dynastie Ma- 
netho's (aus Theben und aus Xois im Delta) entsprochen zu haben scheint. 



^ Dieselben sind aber zum Theil unsicher, zum Theil, wie die für Dynastie 15, nach- 
weislich falsch, s. unten. Eusebius* Zahlen haben hier gar keinen Werth. 



Aegyptische Chronologie. 61 

So ist es begreiflich , dafs die aus dem Sothisdatum gezogenen Folge- 
rungen bei manchen Forschern Anstofs erregt haben. Der einzige Ausweg, 
welcher bleibt — da die Existenz des Wandeljahres von 365 Tagen für 
den Anfang des Alten Reichs erwiesen ist — , wäre, das Datum eine volle 
Sothisperiode früher zu legen. Dann fiele auch der Anfang der 12. Dynastie 
1460 Jahre früher, als wir ihn angesetzt haben, also 2000/1997 + 1460 
= 3460 — 3457 v.Chr., ihr Ende 3248 — 3245. Das wäre noch etwas 
höher, als sich aus Manetho's Zahlen selbst dann ergiebt, wenn wir seine 
überall unhaltbaren Zahlen für das Neue Reich festhalten wollten. Nach 
diesen Zahlen fällt der 

Anfang des Neuen Reichs (Dyn. 18) nach Boeckh 1655 v.Chr., nach Unger 1796 v.Chr. 

Intervall Dynastie 13 — 17 » » 1589 Jahre, » » 1360 Jahre 

Ende der 12. Dynastie » » 3244 V. Chr., » » 3156 v.Chr. 

Anfang der 12. Dynastie » » 3404 " , » » 33^5 * 

Nach Durchschnittsrechnung setzt Petrie die 12. Dynastie auf 2778 bis 
2565 v.Chr., Brügsch auf 2466 — 2233 v.Chr. 

Diese Zusammenstellung dürfte allein schon genügen, um zu zeigen, dafs 
die Hinaufrückung der Sothisperiode eine Absurdität ist, die fnr die wissen- 
schafVliehe Discussion nicht in Betracht kommt. Da der Anfang des Neuen 
Reichs um 1580 unbestreitbar feststeht, würde sich das Intervall that- 
sächlich auf fast 1670 Jahre verlängern, eine Zeit, langer als die von 
Constantin bis auf die Gegenwart, die uns, abgesehen A'on den paar Denk- 
mälern der Sebakhotep und Neferhotep und ihrer Genossen, so gut wie 
gar keine Überreste hinterlassen hätte als elende Gräber und Skarabäen*, 
innerhalb deren Cultur und Sprache Aegyptens sich so wenig geändert 
hätten, dafs wir kaum oder auch gar nicht unterscheiden können, ob ein 
Denkmal dem Ende der 12. oder dem Anfang der 18. Dynastie angehört. 
Überdies würde sie eine Fremdherrschaft von nahezu einem Jahrtausend (wie 
von Alexander bis auf Mohammed) umfafst haben , unter Königen , die als 
Beherrscher des cultivirtesten Landes der damaligen Welt uns insgesammt 
nicht mehr Überreste hinterlassen hätten, als sich bequem auf einer halben 
Seite aufzählen lassen — und was fiir welche ! , eingekratzte Namen auf 

^ Bekannt ist, dafs die Königstafeln von Abydos und Sakkara die gesammte Zeit von 
Dynastie 13 — 17 übergehen und auf Amenembet IV. (Ab.) oder Sebeknofrure^ (Sakk.) gleich 
Amosis folgen lassen. Die Tafel von Karnak dagegen giebt eine Auswalil der Herrscher der 
13. Dynastie. 



62 Meyer: 

älteren Monumenten, ein paar Skarabäen, einen nach Apopi datirten Papyrus 
u. Ä., aber nichts, was den Eindruck eines dauernd begründeten, Jahr- 
hunderte lang bestehenden Staats hervorrufen könnte. 

Aus diesen Gründen habe ich vor 20 Jahren das Intervall von Dyn. 13 
bis 17 incL auf 400 Jahre geschätzt. Die Sotliisdaten zeigen jetzt, dsSs 
das noch fast um das Doppelte zu hoch gewesen ist. Nun wird man 
gern bereit sein, die Zeit der Hyksosherrschaft auf ein geringes Mafs, 
etwa ein Jahrhundert (1680 — 1580), herabzusetzen und die Könige von 
Theben, die drei Ra^seqenen Ta^a und Kamose, schon bald nach Anfang 
derselben beginnen zu lassen; aber, wird eingewandt, wie ist es möglich, 
die etwa 150 Könige des Papyrus, die der 13. und 14. Dynastie Manetho's 
entsprechen, in einen Zeitraum von wenig mehr als 100 Jahren^ zusammen- 
zudrängen? Darauf ist principiell zu erwidern, dais es sich gar nicht mehr 
darum handelt, aus der Königsliste und den zugehörigen Daten die Dauer 
dieser Epoche zu berechnen, sondern vielmelir diese in die bereits fest- 
stehende Zeitspanne einzuordnen. Und das ist durchaus möglich. Ich habe 
schon früher daraufhingewiesen, dafs unsere Überlieferung fiir die Zeit von 
193 bis 284 n. Chr. etwa 80 römische Kaiser zählt^; dafs darunter manche 
sind, deren Anspruch auf Aufnahme in die Liste recht problematisch ist, 
kommt dabei nicht in Betracht, denn an solchen Gestalten wird es auch 
in der langen Liste des Papyrus nicht fehlen. Auch die Zeit der Mame- 
luken hat man mit Recht verglichen. 

Bei dieser Sachlage kann ich auf eine eingehende Analyse der späteren 
Columnen des Papyrus — so mancherlei sie im Einzelnen für die Geschichte 
dieser Zeit ergiebt — und auf eine Zusammenstellung der Angaben der 
Denkmäler um so eher verzichten, da das gesammte bis jetzt bekannte 
Material demnächst von Pieper gesichtet und geordnet vorgelegt werden 
wird. Ich beschränke mich daher auf einige kurze Bemerkungen, bei denen 
die Ergebnisse der folgenden Untersuchung — Normallänge der Columne 



^ oder, falls sie noch in den Anfang der Hyksoszeit hineinragten, höchstens etwa 
150 Jahren. 

' Die scriptores historiae Augustae geben 66; dazu kommen auf die gi'ofse Lücke von 
Goi-dian bis Valerian noch mindestens 11. Stande die Chronologie dieser Zeit nicht ander- 
weitig fest, so würden wir hier auch ein paar Jahrhunderte herausrechnen, zumal so be- 
deutende und zum Theil verhältnifsmäfsig lange Regierungen darunter sind wie Severus, 
Caracalla, Alexander, Valerian, Gallienus, Aurelian, Probus. Und wer würde z.B. wagen, 
dem Christenverfolger Decius nicht ganz zwei Jahre zu geben? 



Aegyjptische Chronologie. 63 

400 mm; Col. X der SEYFFARXH'schen Anordnung gehört an den Schlufs, 
hinter Col. XII — vorausgesetzt werden. 

1. Von Col. VII, Vni, IX (richtiger als 6 — 8 zu bezeichnen) sind von 
den meisten Zeilen Bruchstücke (in der Regel der Anfang; die ersten Zeilen 
bekanntlich überall ganz) erhalten. Danach hatte Col. VII wahrscheinlich 
30, die beiden anderen 31 Zeilen. Erhalten sind 

von Col. Vn* 27 Zeilen; es fehlen 3 
» » Vin 24 » B 7 

» » IX^ 27 » »4 

Da auf Col. VII die ersten drei Zeilen zur Dyn. 12 gehören, Z. 4 die Über- 
schrift der neuen Dynastie enthält, haben auf den drei Columnen im Ganzen 
88 Namen gestanden. 

Col. XI und XII haben möglicherweise nur eine einzige Columne ge- 
bildet. Die Fragmente sind viel weniger und zerfetzter. Sie zeigen durch- 
weg eine viel engere Schrift mit durchschnittlich etwa 11 mm Zeilenbreite, 
also etwa 36 Zeilen. Erhalten sind 27 Zeilenanfänge, 

Col. X, die eine andere, dickere Schrift zeigt, ist etwas weiter ge- 
schrieben, Zeilenabstand ca. 12^ mm, enthielt also ungefähr 32 Zeilen. 

Insgesammt erhalten wir also 88 + 36 (+ 36?) + 32 = 156 oder 
192 Zeilen. Ein paar Zeilen enthielten nicht Königsnamen, sondern all- 
gemeine Bemerkungen (s. sogleich) und zweifellos auch Summirungen, von 
denen nichts erhalten ist; es bleiben aber immer noch etwa 150 — 185 Zeilen 
för Königsnamen. Auf Col. X hat man in fr. 112* mit Wahrscheinlichkeit 
Hyksosnamen, wie Apopi, erkannt, und auch die ganz barbarisch aussehen- 
den Namensreste von fr. 152 (Col. XII) mögen zu ihnen gehören ; die übrigen 
Namen würden der 13. und 14. Dynastie angehören. 

2. Jahreszahlen sind von 34 Regierungen ganz oder theilweise er- 
halten.' Sie ergeben zusammen ziemlich genau 100 Jahre. Darunter hat 

* Für unsere Zwecke ist es gleichgültig, ob man im Einzelnen die SEYFFARTH'sche 
Ordnung beibehält oder, wie Pieper wahrscheinlich macht, fr. 77 — 80 nach Col. IX und 
fr. loi nach Col. VII stellt. 



mm- 
miW'- 

■ Aufserdem eine Reihe von Fragmenten, auf denen nur Monate oder Tage stehen. 



64 M K Y E R : 

Neferhotep ii Jahre, Uahjebre^ Ja^jeb (uääÄJ i )> ^^^' Begründer einer neuen 

Dynastie (Col. VIII Z. 2), 10 Jahre 8 Monate 18 Tage, sein Nachfolger Merne- 
ferre^ 13 Jahre 8 Monate 18 Tage regiert; dreimal kommen 4 Jahre vor, bei 
dem ersten König Chutauire^', bei Cha^hotepre^ (Sebakhotep) , dem Vorgänger 
des Ja^jeb (Col. VIII, i), und bei dem zehnten König von Col. IX (. . . zefa); 
sonst finden sieh nur 3, 2, i, o Jahre und einige Monate und Tage. 

3. Es ist sehr möglich, dafs im Papyrus selbst bemerkt war, dafs 
nicht nur einzelne Herrscher, sondern ganze Serien oder Dynastien* gleich- 
zeitig in verschiedenen Theilen Aegyptens neben einander regiert haben. 
Dafs Notizen erläuternden Inhalts in der Liste vorkamen*, lehren die Frag- 
mente 159 und 160 (Col. XII) und 134 (Col. XI), die freilich zu fragmenta- 
risch sind, um den Sinn der Bemerkungen errathen zu lassen. 

4. Der Verfasser des Papyrus ist sichtlich von der Absicht geleitet 
gewesen, für diese Zeit — anders als bei Dyn. 7 — 10 — alle Namen 
aufzuzählen, die überhaupt einmal, auf wie kurze Zeit immer, die Krone 
getragen hatten. Wie sauer das dem Schreiber geworden ist, lehrt die 
immer schlechter und enger werdende Schrift. Nun haben wir bereits 
bei der 12. Dynastie gesehen, dafs die Summenzahl der Dynastie von 
den Einzelposten unabhängig ist; würden wir bei der 12. Dynastie die 
Posten zusammen addiren , so würden wir eine zu hohe Zahl erhalten. Für 
die folgende Zeit ist keine Summirung mehr erhalten ; es ist aber sehr mög- 
lich, dafs die Sachlage hier dieselbe war und dafs wir Unrecht thun, wenn 
wir die erhaltenen Zahlen einfach addiren und far die übrigen Namen 
irgend einen Dui'chschnitt einsetzen. Allerdings hat der Papyrus die Namen 
(soweit nicht etwa ein Vermerk verschiedene Dynastien als gleichzeitig be- 
zeichnete) offenbar als eine zeitlich fortlaufende Reihe betrachtet; aber 
Doppelregierungen und in einander greifende Regierungen mögen sehr häufig 
vorgekommen sein, ja, sie sind bei den zahlreichen Usurpationen dieser 



^ Siehe Griffitu, Hieratic papyri from Kahun p. 86. Die nach ihm datirten Urkunden 
reichen bis zum fünften Jahre, die seines Nachfolgers Sechemkere^ bis zum dritten. 

' Dynastieneinschnitte, bezeichnet durch ar nef m stUenUf sind fünf- oder sechsmal 
erhalten, aber ohne vorhergehende Summirungen, auch ohne Rubrum. 

' Auiserdem ist beim zweiten Konig der Dynastie , Sechemkere^, am Schlufs der Zusatz 

^^ (roth geschrieben) 1 ^ erhalten; vergl. unten die Bemerkungen zu Col. 4, Z. 15. t6. 
Auf fr. 100 finden sich roth geschriebene Zeichen innerhalb der Monats- und Tageszahlen. 



j 



Aegyptische Chronologie. 65 

Zeit^ eigentlich unvermeidlich: und das mufis die Summe ganz wesentlich 
beeinflufst haben. Dafs alle Herrscher dieser Zeit, von denen wir etwas 
wissen, sich sehr wohl in ein Jahrhundert zusammenfassen lassen, bedarf 
keiner weiteren Ausfuhrung. 

Die Aera des Jahres 400. 

Zum Schlufs dieses Abschnitts mufs ich noch ein Monument be- 
sprechen, das einzige ägyptische Denkmal, auf dem eine Aera vorkommt, 
die berühmte »Stele vom Jahre 400«. Es ist das eine von Mabiette in 
Tanis gefundene Stele*, auf der Ramses 11. vor dem Gott Set dargestellt 
ist; hinter dem König steht der Vezir, Oberst der Fremdtruppen und der 
Reiterei, Gommandant der Festung Zaru, Oberpriester des Set u. s. w.' 
Seti. In der darunterstehenden Inschrift wird zunächst die Titulatur 
Ramses' 11. ausföhrlich gegeben (Z. i — 4). Dann folgt: 

Z. 5: Es befahl seine Majestät, eine grofse Stele von rothem Granit 
zu errichten auf den grolsen Namen seiner Väter (a^/wsa^^ JJ^I ), damit 

bestehen bleibe (oder »aufgerichtet werde«, Mf a) der Name des Vaters 
seiner Väter [^^ ^ '" )• 

Z. 6: König Seti L, beständigen Gedeihens ( a^^ { §]|) in Ewigkeit 
wie Re^ jeden Tag. 

Z. 7: Jahr 400 Mesori Tag 4 des Königs (Set-^a-pehti)| des geliebten 
Sohnes des Re^ (Nubti)|, geliebt von Re^ Harmachis, der immer und 
ewig ist. 

Z. 8 : E^ kam der Vezir u. s. w. — jetzt folgt die lange Titidatur 
des Seti und seiner Eltern, und dann Z. 1 1 ff . ein Gebet an Set, dessen 
unterer Theil abgebrochen ist. 

Einen vernünftigen Sinn in diese Sätze zu bringen, ist noch Niemand 
gelungen. Wer »die Väter« des Königs und »der Vater seiner Väter« ist, 

^ Offenbar sind zeitweilig fast alle Herrscher ephemere Usurpatoren gewesen, wie 
im Römerreich in der verglichenen Epoche; das spricht sich in ihren Eigennamen, in dem 
sehr häufigen Fehlen der Thronnamen, in der Hinzusetzung der Vatersnamen sehr deutlich aus. 

* Publicirt von Maribtte, La st^le de Tan 400, Rev. archdoL, nouv. sdrie XI, 1865, 
169 ff. und pl. IV. 

' Die Titel stehen Z. Bf. ausfuhrlicher; auch sein Vater Phraoneses hat dieselben 
Ämter bekleidet (Z. lo). 

Philo8,'histor. Abh. 1904. L 9 



66 Meter: 

was sein Vater Seti I. damit zu thun hat, der Z. 6 wie ein lebender, nicht 
wie ein verstorbener Herrscher titulirt wird, ist alles unklar, ebenso was 
die Ankunft des Vezirs (in Tanis?) zu bedeuten hat. Man könnte ver- 
muthen, er habe vom König den Auftrag erhalten, das betreffende Denk- 
mal, also etwa eine Ahnentafel wie die von Abydos und Karnak, in Tanis 
zu errichten, und bei der Gelegenheit an den Gott Set von Tanis ein Gebet 
gerichtet, das er in dieser Stele verewigt habe. Wollte er das sagen, so 
hat er sich recht wunderlich ausgedrückt, und die Erwähnung des Königs 
Seti I. bleibt dabei doch noch ganz räthselhaft. 

Das Seltsamste an der Stele ist aber die Datirung nicht nach Jahren des 
regierenden Königs, sondern nach dem 400. Jahre des Königs Nubti, der 
auch eine Titulatur erhält wie ein lebender Herrscher. Man nimmt jetzt ge- 

wohnlich an. dafs dieser König. MCSmI^'XCSH)!^^' 
kein irdischer Herrscher sei, sondern der Gott Set, der unter seinem Bei- 
namen Nubti, der ombische, in der Götterdynastie regiert habe.* Aber 
ich kann diese Erklärung nicht fiir zutreffend halten. Dafe ein Zeitgenosse 
Ramses' 11. geglaubt habe, der Gott Set, der Mörder und Nachfolger 
des Osiris in der ersten Götterdynastie, habe vor 400 Jahren auf Erden 
regiert, inmitten der menschlichen Könige, die, wie Jeder wufste, Jahr- 
tausende zurückreichten, ist völlig undenkbar'; und dafs j ^ hier nicht 

»Jahr« bedeute, wie sonst überall, sondern eine Jahrperiode — zum min- 
desten doch ein Jahrhundert — , ist ebenso unmöglich, zumal Monat und 
Tag dabei steht. Es ist gar keine Frage, dafs eine wirklich genaue Da- 
tirung gemeint ist, wie sonst nach Königsjahren. Wir haben also wirklich 
eine Aera, die in Tanis gebräuchlich gewesen sein mufs, wenn auch viel- 
leicht nur in besonderem Zusammenhang, etwa im Setcultus. Und da 
mufs ich von Neuem darauf aufmerksam machen, dafs eine solche Aera 
von Tanis im Alten Testament vorkommt, Num. 13, 22, in der jahwistischen 



* Die Berufung auf die Datirung des Horustextes von Edfu aus dem «Jahre 363 des 
Königs Re^ Harmachis des ewig lebenden«, die man als Parallele heranzieht, will wenig 
besagen. Denn da handelt es sich um die Erzählung eines Krieges, der wirklich in der 
Gdttei*zeit gespielt hat, nicht um ein alltägliches Ereignifs der Gegenwart. 

* Wie Sethe, Beitr. zur ältesten Gesch. Aegyptens (Unters. III), S. 60 diese Ansicht 
ernsthaft vertreten kann (»das 400. Regierungsjahr dieses Gottes . . . sollte nnch einem uns 
unbekannten Gedankengang in die Zeit Ramses' II. fallen«), verstehe ich nicht. 



Äegyp tische Chronologie. 67 

Kundschaftergeschichte, wo es heifst, daXs »Hebron sieben Jahre vor Zo^an 
(Tanis) in Aegypten gebaut« ist. 

Bei einem König Nubti, mit einem aus dem Namen und dem ge- 
wöhnlichsten Epitheton des Set gebildeten Thronnamen, denkt man so- 
gleich an die Hyksos, die Verehrer des Set. Das ist die älteste und 
natürlichste Erklärung, und ich wufste nicht, was der Annahme im Wege 
stände, es habe einen Hyksoskönig Nubti gegeben, der eine Aera ein- 
geführt habe, die sich in Tanis erhalten hat. Soll der König aber durch- 
aus der Gott Set sein, so kommen wir doch im Wesentlichen auf die- 
selbe Erklärung. Denn Ramses' U. 67jährige Regierung f&Ut jedenfalls 
in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Nehmen wir an, daJfe die In- 
schrift etwa aus der Mitte seiner Regierung, um 1270, stammt, so be- 
ginnt die Aera um 1670, d. h. zu Anfang der Hyksoszeit. Ist sie also 
nach dem Gott Set benannt, so müssen wir annehmen, dafs es eine 
Tempelaera ist, die an die Einfuhrung oder wenigstens Ausgestaltung des 
Setcultus von Tanis durch die Hyksos, etwa an die Erbauung des Tempels 
des Gottes, anknüpfen würde. 



Chronologie des Neuen Reichs. 

Ein näheres Eingehen auf die Chronologie der späteren Epochen liegt 
aufserhalb der dieser Abhandlung gesetzten Grenzen. Es würde das eine 
grofse Zahl historischer Einzeluntersuchungen erfordern, welche die Zeit 
jeder Regierung innerhalb des feststehenden Rahmens genauer festzulegen 
hätten, an diesem selbst aber nichts mehr ändern können. Im Allgemeinen 
kann der Ansatz der einzelnen Regierungen, namentlich in den genauer 
bekannten Abschnitten, höchstens um i — 2 Jahrzehnte schwanken.* 

Ich begnüge mich daher an dieser Stelle mit nachstehendem provi- 
sorischen Schema fiir die Glanzzeit des Neuen Reichs'^, dessen Zahlen mit 



* Die Hauptschwierigkeit bietet die Zeit der 20. und 21. Dynastie von Ramses' III. 
Tod bis auf Schuschenq , flir die wir nur ein äufserst geringhaltiges Material besitzen. Diese 
Zeit läfst sich nur dadurch bestimmen , dafs wir von oben und von unten ihre Grenzen fest- 
legen. — Eine zweite, äufserst schwierige und unsichere Epoche ist bekanntlich die Aethiopen- 
zeit (Dyn. 25). 

* Eine Übersicht der einzelnen (nicht durchweg gleich sicheren) Daten giebt Lehmann, 
Zwei Hauptprobleme S. 52 f.; 147 f.; 159 f« 

9* 



68 Meyer: 

einem Spielraum von höchstens einem Jahrzehnt als zutreffend betrachtet 
werden dürfen: 

Amosis 1580/75 bis 1557/54- 
Amenophis I. ) . . . 

Thutmosis I. 1 ^557/54 bis 1501. 

Thutmosis in., f im 54. Jahre, 1501 — 1447. 

Amenophis 11. ) 

Thutmosis IV. i H47bxsca. ,415. 

Amenophis ni., f im 36. Jahre, ca. 1415 — 1380. 

- ,. I mindestens 60 Jahre', ca. 1380 — 1321. 
Haremhebi \ > o o 

Aera Xnö MeNÖ^pewc, vielleicht von Ramses I. an, beginnt 

19. Juli 1321. 

Ramses L, Sethos I. ca. 1320 — 1300. 

Ramses n., f im 67. Jahre, ca. 1300 — 1234. 

Merneptah, Thron- ) 

• o ^ 1.^2 1 ca. 1234— 1200. 

wirren, Setnecht ) 

Ramses III., f im 32. Jahre*, ca. 1200 — 1179. 

* Vergl. unten S. 90, 2. 

* Vergl. unten S. 93 f. 

* Vergl. Erhan, Zur Erkl. des Pap. Harris, Sitxungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1903, 
S.457 f., der erwiesen hat, dafs der 6. Epiphi Jahr 32 sein Todestag ist. 



Aegyptische Chronologie, 69 



m. Die KönigsHsten. 



Die Aufgabe für das Alte Reich. 

Wesentlich anders als beim Mittleren und Neuen Reich liegen die 
Dinge fär die Zeit vor der 12. Dynastie. Hier besitzen wir absolute Daten 
bis jetzt nicht. Das einzige Mittel, die Chronologie des Alten Reiclis und 
den Anfang der ägyptischen Geschichte unter König Menes zu bestimmen, 
ist daher eine Untersuchung der überlieferten Königslisten und Regierungs- 
zahlen und eine Prüfung derselben an der Hand der in den DenkmRlern 
erhaltenen historischen und chronologischen Nachrichten. 

Diese Königslisten zerfallen in zwei Gruppen: die in griechischer 
Sprache überlieferten — Manetho und Eratosthenes^ — und die ägyptischen 
— der Turiner Königspaj)yrus und die Königstafeln. Wir wollen sie jetzt 
der Reihe nach betrachten. 

Die Überlieferung der manethonischen Fragmente. 

Von der in drei Bände (tömoi) zerfallenden ägyptischen Geschichte 
des Manetho* liegen uns bekanntlich — wenn wir absehen von den von 
Synkellos bewahrten, aus Panodoros übernommenen Fälschungen des haaaiön 
xpoNorPA^eToN (Sync. p. 95, loff. ed. Bonn) und des Sothisbuches (Syuc. p. 32, 
7 2 f., 97 Z. i6flf., 193 f.), das Synkellos für die echten Manetho hält — 
zweierlei Auszüge vor: 

^ Herodot und die Überarbeitung seiner Geschichte durch Hekatäos von Abdera, 
die im Auszug bei Diodor vorliegt, kommen als Quellen nicht in Betracht. Hier ist die 
Aufgabe umgekehrt: zu ermitteln, aus welchen geschichtlichen Thatsachen und Sagen etwa 
ihre Erzählungen hervorgegangen sein können. 

* Vergl. vor allem Boeckh , Manetho und die Hundsstemperiode ; Unger , Chronologie 
des Manetho 1867; und über die Chronographen das grundlegende Werk von Gelzbr, Sextus 
Julius Africanus und die byzantinische Chronographie 1 , 1880, II, 1885. Die einzige voll- 
ständige, aber wenig übersichtliche Fragin entsammlung Manethos giebt C. Müller in den 
Fragm. Hist Gr. II, 526 ff. 



70 Meyer: 

1 . Die von Josephus in die Schrift gegen Apion aufgenommenen Aus- 
zöge (die zum Theil Eusebius aus ilim in seine Praep. evang. und in das 
erste Buch seiner Chronik übernommen und schon Theophilus ad Auto- 
lycum in 20f. benutzt hat). 

2. Die sogenannten Epitome, eine vollständige Liste der Dynastien 
mit den zugehörigen Zahlen, die aber nur bei den wichtigeren Dynastien 
(i — 6. 12. 15. 18. 19. 21 — 30) die einzelnen Herrscher aufzählt, bei den 
übrigen (7 — 11. 13. 14. 16. 17. 20) dagegen sich mit der Angabe der 
Dynastiesumme begnügt. Auch die Summen der Regierungen und Jahre 
der drei tömoi sind aufgenommen. Bei manchen Königen, namentlich denen 
der ersten Dynastien, aber auch in Dyn. 12. 23 — 26 und vereinzelt auch 
sonst (18,8. 19, 6) sowie zu Anfang der Hyksosdynastie (15), sind allerlei 
kurze historische und anekdotische Notizen beigefugt; wir haben schon 
gesehen, dafs die Notiz bei Sesostris Dyn. 12, 3 nicht aus Manetho, sondern 
aus der hekatüischen Überarbeitung Herodot's stammt, und so mag fremdes 
Gut auch sonst gelegentlich hineingekommen sein. Berücksichtigt wird 
Herodot auch bei dem mit Recht mit Cheops identificirten Suphis Manethos, 
ferner wenigstens in der eusebianischen Epitome bei Menes. Ebenso ist 
bei Dyn. 26 das Alte Testament berücksichtigt. 

Die Epitome ist von Africanus (220 n.Chr.) und in einer theilweise 
abweichenden Recension von Eusebius in ihre Chroniken aufgenommen; 
aus beiden hat sie Synkellos (p. 100 — 146) bewahrt. Die des Eusebius liegt 
aufserdem in der armenischen Übersetzung (Chron. I, S. 133 ff. ed. Schoene) 
vor, die die Götterdynastien allein bewahrt hat, während ein Auszug aus 
Africanus (bis Dyn. 18) in den sogenannten Excerpta Barbara S. 38a. b 
(in Schoene's Eusebius I, p. 215. 214; Chronica minora ed. FrickI, p. 286f.) 
erhalten ist, allerdings mit fremden Zusätzen in den Namen von Dyn. 1 2 — 18, 
s. u. S. 84. Die eusebianische Epitome hat in einzelnen Fällen bessere 
Lesungen bewahrt, gelegentlich auch Einzelnes, was bei Africanus über- 
gangen ist (z.B. dem Aethiopen Ammeres, Dyn. 26, i); aber im Allgemeinen 
ist sie viel nachlässiger als die africanische, läfst Regierungen aus oder 
zieht sie zusammen (so Dyn. 12, 5 — 7, ebenso Dyn. 2. 3. 4. 5 — 7. 22 u.a.); 
und wo sie absichtlich geändert hat (so bei Dyn. 15 — 17), herrscht die 
freie Erfindung. Sonst beruhen viele Abweichungen offenbar auf Schreib- 
fehlern. In einzelnen Zahlen (Dyn. 24. 25) mag sie eine andere und vielleicht 
bessere Überlieferung bewahren. Ganz unaufgeklärt sind die beiden Dy- 



Äegf/ptische Chronologie. 71 

nastiesummen 12 und 18, die von den Einzelposten abweichen; dafs die- 
selben sonst auf Grund der Einzelposten berechnet sind, zeigen Dyn. 3 
15. 19. 22. 23. 24. 26 — 30. Deutlich ist, dafs Eusebius seine Liste nicht 
selbst angefertigt, sondern mechanisch aus einer Vorlage übernommen 
(wenn auch vielleicht beim Abschreiben weiter verkürzt und entstellt) hat/ 

Das Gleiche gilt aber auch von Africanus; es ist gar nicht daran zu 
denken, dafs er Manetho selbst in der Hand gehabt hätte. Die Epitome 
ist lange vor ihm angefertigt worden und war am Schlufs bereits durch die 
3 I.Dynastie (Ochos, Arses, Darius III.) ergänzt; daran schlofs eine Liste der 
Ptolemäer (s. den Anhang). In dieser Gestalt ist sie dann noch mehrfach 
überarbeitet worden; eine dieser Redactionen hat Africanus, eine andere 
Eusebius aufgenommen. 

Weiteres wird die folgende Untersuchung ergeben. Manches hat uns 
schon die Analyse der 12. Dynastie gelehrt; wer aber über Manetho selbst 
und über den Charakter der manethonischen Überlieferung ein richtiges 
Urtheil gewinnen will, muis von einer genauen Analyse der bei Joseph us 
bewahrten Bruchstücke und einer Vergleichung derselben mit der Epitome 
ausgehen. 

Die Fragmente Manetho's bei Josephus. 

Die Annahme, dafs Josephus ein Exemplar des Manetho besessen und 
daraus die Stücke, die er mittheilt, selbst ausgezogen habe, erweist sich 
bei näherer Untersuchung durchweg als unhaltbar. Die Abschnitte, die er 
mittheilt, sind vielmehr sehr verschiedenen Ursprungs und haben, seit sie 
zuerst in der umfangreichen Litteratur über den Ursprung der Juden her- 
angezogen worden sind, bis zu ihrer Aufnahme in Josephus' apologetische 
Schrift bereits eine lange Geschichte durchgemacht. Dadurch erklärt sich 
der confuse Zustand, in dem sie bei ihm vorliegen. Sie zerfallen in fol- 
gende Stücke: 

I. Den Anfang bildet ein wörtliches Citat aus Manetho (c. Ap. I, 14 
§ 75 — 82 ed. Niese) über den Einfall der Hirten ^ die Gründung von Auaris 



^ Unmittelbare Benutzung des Africanus zeigt sich bei Eusebius nur einmal: in der 
Bemerkung Ober das Buch des Cheops (s. u. bei Dyn. 4). 

* Der Eingang ist bekanntlich in der gesammten Überlieferung (cod. L, von dem alle 
anderen abgeschrieben sind, der lat. Übersetzung, Euseb. praep. ev. X, 13,2, der armen. 
Chronik des Eusebius 1,151) versti'unraelt in Toytimaigc 6noma* ^ni tg'J'toy cet. 



72 Meyer: 

und die Regierung des Salitis (la). Daran schliefst (Ib) eine Liste seiner 
5 Nachfolger und weiter die Erklärung des Namens Hyksos^ als baciagTc 
noiM^Nec. 

n. Daran schliefst formell an §83: tin^c a^ A^rovciN a'^to'5'c ""Apabac €Tnai, 
^N A Xaa(|) XNTirpA«({) O'Y' BACiAeTc CHMAJNeceAi AiÄ Tfic YK npocHropiAC Xaaä toynantion 
AfxMAAtiTOYC AHAo9ceAi noiM^NAC u. s. w. , eiuc Ausicht, die Josephus für die 
glaubwürdigere erklärt. Also: »Einige erklären sie für Araber und be- 
haupten, in einer anderen Handschrift werde der Name durch a(xmäa(i)toi 
noiM^Nec wiedergegeben.« Hätte Josephus selbst verschiedene Codices des 
Manetho verglichen, so würde er sich ganz anders ausdrücken; so aber 
weifs er überhaupt nicht, was unter dem Xaao XNTirpA^ON zu verstehen ist, 
sondern betrachtet es § 91, wo er auf die Sache zurückkommt*, als »irgend 
ein anderes Buch der AtrYnTiAKÄ Manetho's« — welches der drei soll es denn 
gewesen sein? Man sieht, er hat das Werk nie in der Hand gehabt, sondern 
die Variante in seiner Vorlage citirt gefunden. Offenbar stammt die andere 
Etymologie in Wirklichkeit gar nicht aus Manetho, sondern aus einem 
anderen Autor; erst von der Quelle, der Josephus folgt, ist sie mit dem 
vorhergehenden echten Excerpt aus Manetho als Variante verbunden, und 
Josephus (oder seine Vorlage) hat sie dann für eine Variante des Manetho 
selbst gehalten, die »in einer anderen Handschrift« stehe. Auch die An- 
gabe, die Hyksos seien Araber gewesen, gehört zu dieser pseudomanetho- 
nischen Notiz und nicht zu dem manethonischen Text: von dem tin^c 
A^roYciN hängt ja auch das folgende cH/^AiNecoAi ab.^ 

in. Es folgt §84 — 90 ein in indirecter Rede , mit viermaligem ♦hci, 
gegebener kurzer Auszug: die Hirtenkönige regieren über Aegypten 511 Jahre; 

* Die Lesarten der beiden Stellen, an denen das Wort vorkommt, sind: ""Ykc^c 2/., 
sesos und yesos Lat , ''Ykoycc6c Euseh. praep, ev, , Hikkusin und Hykus6s arm, Vergl. Stkik- 
DORFF in den Kleineren Beiträgen zur Geschichte, Leipzig 1894, S. af.; Wilcken, Archiv 
för Papyrusforschung III, 189 Anm. 3 und 4. 

■ ^N XaAI;! Ai TINI BIBA^ TÖN AlTYnTIAKÖN MANCeöC TOYTÖ ♦HCIN t6 foNOC TO'Vc 
KAAOYM^NOYC nOIM^NAC AiXMAAÄTOYC ^N TA?C ICPaTc A'Y'TÖN BIBAOIC r€rPA<DeAI, A^rWN ÖPGÖC, was 

aus dem Alten Testament bewiesen wird. 

■ So richtig von Gutschhid, Kl. Sehr. IV, 431. — Wilcken, Archiv för Papyrusforschung 
III, 188 f. hat in den Resten eines Zolltarifs der Kaiserzeit unter arabischen Importartikeln 
auch Xmmoc YKCia)TiK(H) gefunden , was er riclitig als AloS erklärt , die aus dem Bereich eines 
Stammes eingeführt wird, den die Aegypter Hyksioten nannten. Derselbe ist sonst ganz 
unbekannt; aber mit Recht nimmt Wilcken an, dafs die tin^c bei Josephus den räthselhaften 
Hyksosnamen Manetho's diesem Stamme gleichgesetzt haben. 



AegypHsche Chronologie. 73 

dann erheben sich die Könige aus der Thebais und dem übrigen Aegypten, 
und es folgt ein langer Krieg. König Misphragrauthosis^ schliefst sie in 
Auaris ein, das hier nochmals beschrieben wird, als sei nicht § 78 schon 
einmal — zum Theil mit denselben Worten — von ihm die Rede gewesen^; 
sein Sohn Thummosis belagert die Stadt und zwingt die Besatzung zur 
Capitulation und zum Abzug nach Syrien. Aus Besorgnifs vor den Assyrern 
gründen sie hier Jerusalem, wie nach § 77 aus gleichem Grunde vorher 
Salitis Auaris gegründet hat. 

IV. Jetzt folgt als wörtliches Citat aus Manetho zum Zweck der täiic 
TÖN xpÖNWN § 94 — 102 eine lange Regentenliste, die im Eingang an das 
vorher in indirecter Rede Erzählte angeknüpft ist: mctä tö eieAeeTN ^i 

AirinXOY tön AAÖN tön HOIM^NCUN efc ""lePOCÖAVMA Ö ^KBAACbN A't'TO'5'C ^3E Atr+nTOY 

BACiAe'v'C T^eMwcic ÖBAciAevceN metA ta?ta £th eiKOcm^NTe kaI mhnac t6ccapac 
kaI ^TeA€^THC€N. Dcr erste König der Liste, Tethmosis*, wird also mit dem 
vorher genannten Eroberer von Auaris Thummosis* identificirt, und letz- 
tere Form ist wohl nur Schreibfehler und auch noch im Josephustext beide 
Male Tuthmosis herzustellen, wie Manetho gewifs geschrieben hat (s. Anm. 4). 
Aber eben darin liegt eine gräuliche Confusion; denn der erste König der 
Liste hiefs bei Manetho in Wahrlieit Amosis, wie Africanus und Eusebius 
in Übereinstimmung mit den Denkmälern ganz richtig angeben, und die 
Könige Misphragmuthosis und Thutmosis^ erscheinen in der Liste als 6. 
und 7. Herrscher. 

Mithin waren Nr. III und IV ursprünglich zwei parallele Excerpte , die 
fälschlich als auf einander folgende betrachtet und zu einer fortlaufenden 
Erzählung verbunden sind. Dafs die Verbindung nicht von Josephus ge- 
macht ist, sondern ihm schon vorlag, beweist die Umänderung des Namens 



* So Euseh, praep, ev, und arm.\ cod. L. und Lat. 'AAic«t>P. Nachher § 95 haben alle 
Quellen MH4>PAM0^eü)Cic, mit kleinen Varianten. 

■ TA^THN ^KTIC^N T€ KAI ToTc TeiXeCIN ÖXYPOTATHN ^nOIHC€N § 78 = TOYTON TeiX€l T€ 

A'.erAACj) KAI icxYPÖ nepiBAAeTN to"Vc noiM^NAC § 87. Auch die Zahl der abziehenden 240000 
89 ist gleich der Zahl der Hyksoskrieger § 78. 

* T^GMücicL. , Themusis Za/. , Seihmosis Eus. arm. p, 155 y MÖchc (aber nachher Tee- 
MÖcic) Theophü. ad Äutol, III, 20; T^eMCocic auch § 231. 241. 

* Go^MMCüciN L. , Thumnosim Lat. , GwO'f'ecociN Euseb. praep. ev. , Thmosim Eos. arm. 

* 0m6cic L.y etinusis LaL, Tygmcöchc Theophil. ad AutoL III, 20, Thmötliosis Eus. arm. 
— Dem entspricht bei Africanus Sync. J). 133, bei Eusebius Sync. p. 135 [Eus. arm. I, 145 
Tuthmosis] und im Sotliisbuch Sync. p. 278 TofeMCOCic. 

Phüos.'hi8ior. Abh. 1904. I. 10 



74 Meyer: 

Amosis in Tethmosis und der Eingang des Excerpts über diesen, der 
lediglich ein harmonistisches Machwerk ist, während Joseph us ihn för echt 
manethonisch hält. Das Excerpt HI gehört mit dem pseudomanethonischen 
Excerpt 11 zusammen und hat vielleicht mit Manetho überhaupt nichts zu 
thun: es ist eine wesentlich schlechtere Version über die Vertreibung der 
Hyksos, welche diese dem Misphragmuthosis (= Thutmosis III. , s. u.) und 
seinem Sohne Thutmosis (das ist in Wirklichkeit Thutmosis IV, s. u.) zu- 
schreibt, im Übrigen aber in der Schilderung von Auaris und in der Rücksicht 
auf die Assyrer den echten Manetho benutzt. Manetho selbst wird in Überein- 
stimmung mit der wirklichen Geschichte den Amosis ebenso gut als Eroberer 
von Auaris genannt haben, wie Ptolemäos von Mendes\ und bei Jos. § 94 wird 
die Angabe, dafs Tethmosis nach der Vertreibung der Hirten noch 25 Jahre 
4 Monate regiert habe , wirklich aus Manetho stammen , aber natürlich bei 
ihm von Amosis, nicht von dem interpolirten Tethmosis berichtet worden sein. 

Die Königsliste in IV können wir wieder, ebenso wie Ib, als Excerpt 
aus Manetho betrachten. Natürlich hat aber dieser nicht so geschrieben, 
sondern eine Geschichte der Könige gegeben, an die am Schlufs die Jahres- 
zahlen angehängt waren. Nur auf diese kam es jedoch, abgesehen von 
Sethos und Harmais, dem Excerptor an; seine Liste verhält sich zu Manetho 
wie die aus ihm excerpirten Consularfasten zu Livius. 

Excerpt IV besteht aus zwei Theilen, der Königsliste IVa § 94 — 97, 
die nur Namen und Zahlen enthält, wie die Liste der Hyksoskönige , und 
einer Geschichte des Königs Sethos -Ramesses IV b §98 — 102. Dafs beide 
Stücke ursprünglich nicht zusammengehören, werden wir später sehen. 
Bei Josephus aber, und schon von seiner Quelle, sind sie zu einem fort- 
laufenden Ganzen verbunden. Die letzten Könige sind: 

14. Harmais 4 Jahre i Monat, 

15. Ramesses I. i Jahr 4 Monate, 

16. Ramesses II. Miamun 66 Jahre 2 Monate, 

17. Amenophis 19 Jahre 6 Monate, 

18. To9 A^ C^ewc Ö kaI ""Pam^cchc^ 

* Apion Aegypt. Ib. IV bei Tatian adv. gent. 38 (daraus Clem. Alex, ström. I, 21 , loi 
und Euseb. praep. ev. X, 11, 13 ff., vgl. Africanus bei Euseb. praep. ev. X, 10, 16 f.; Justiniis 
martyr coh. ad Gr. 9) kat^ckayc thn A yapian "^Amwcic , katA t6n ApreToN reNÖweNOC "^Inaxon, 
(!öc ^N ToTc Xpönoic XN^rpAY€N Ö MeNAi^cioc TTtoa€a\aToc. 

* So BoECKH, dein Niese folgt, nach Euseb. arm. I, 157 huius vero Sethos qui et 
Rrameses; cod. L. hat C^ewcic kai Pam^cchc, Theoph. ad Autol. III, 21 toy a^ eoiccoc kaI 



Aegyptische Chronologie. 75 

von dessen KriegszOgen dann ausfuhrlicher berichtet wird. Daran schliefst 
die Erzählung von der Rebellion seines Bruders Hannais\ die von dem heim- 
kehrenden Sethosis unterdrückt wird. Das Excerpt schliefst mit den Worten 
Kl a6 x(J)pa iK^kQH Xnö to9 a'y'to? önömatoc AtrvnTOc " A^rei rAp öti Ö m6n C^ewc 
^kaacTto AtrvnToc, "Apmaic a^ 6 aagaoöc a^to9 Aanaöc * ta9ta m^n ö MANeeöc. 
Das ist der Grund, weshalb nicht nur diese Erzählung IV b, sondern auch 
die ganze Liste IVa aufgenommen ist: sie soll den Synchronismus mit der 
gi'iechischen Geschichte herstellen und zeigen, wie viel älter der Exodus 
der mit den Hyksos identificirten Juden ist als der Anfang der griechi- 
schen Überlieferung, eine Consequenz, die Joseplius denn auch im Folgen- 
den zieht. 

Es ist ja nun möglich, dafs Manetho wirklich von Danaos und Aegyptos 
gesprochen und sie in dem Brüderpaar Sethos (= Ramesses) und Harmais 
wiedergefunden hat; aber sehr wahrscheinlich ist es nicht, und der Wort- 
laut bei Josephus spricht nicht gerade dafür, trotz der Versicherung, daJfe 
Manetho so sage — das beweist nur, dafs Josephus die Angabe in dem 
von seinen Vorgängern zurechtgestutzten Text gefunden hat. Ich halte es 
für viel wahrscheinlicher, dafs einer der judischen Apologeten, eben um 
einen chronologischen Anhalt zu finden , der den Griechen imponiren konnte, 
nach Daiiaos und Aigyptos bei Manetho gesucht und sie in dem feindlichen 
Brüderpaar zu finden geglaubt hat.^ Dann ergab sich der Zusatz: »das 
sind Aegyptos und Danaos, und nach jenem heifst das Land Aegypten«, 
ganz natürlich; und ebenso begreiflich ist es, dafs Josephus, der ihn im 
Excerpt fand, ihn als echt manethonisch betrachtet und durch sein Schluis- 

Pam^cchc. — cod. L. hat die Randnotiz eyp^eH ^n fer^pco ANTirpA<t>ü) oVtwc* /^ee' ön Wetocic 

KaI "^PaM^CCHC A^O XAeAOoi- Ö M^N NAYTIkPiN ^XCON A^NAMIN TQ^C KATA eAAATTAN AnANTÖNTAC 
KaI AlAXeiPCOM^NOYC ^nOAlÖPKCI ■ M6T* OY' HOA'^ A^ KAI TÖN '"PAM^CCHN ANGACbN ''ApMAIN AaAON AYTo9 

Aaca^ön ^niTPonoN xftc Air^nroY KATAcrficAi. Das ist nicht, wie Gutschmid annahm (Kl. 
Sehr. IV, 450 fif.), eine von Josephus selbst aus einer andern Handschrift Manetho*s heran- 
gezogene Variante, sondern deutlich eine Correctur des josephischen Textes, welche die 
überlieferte Lesung C^ecocic kai Pam^cchc (nicht Ö kaI) voraussetzt. Sie will das Vorkommen 
von zwei Königen erklären und Ramesses, von dem nachher nicht mehr die Rede ist, 
möglichst bald beseitigen. 

^ Die Geschichte erinnert von fern an die Erzählung Herodot's von Sesostris und 
seinem Bruder (II, 107, modernisirt Diod. I, 57, 6 f.), ist jedoch im Einzelnen völlig von ihr 
verschieden und nicht von ihr beeinflufst. 

^ Eusebius und das Sothisbuch haben sie statt dessen mit den Königen Uarmais (Nr. 14) 
und Ramesses II. (Nr. 16) identificirt, s. u. S. 88. 

10* 



76 Meter: 

wort ta9ta m^n ö MANeeOc die vorhergehenden Worte A^rei rÄP u. s. w. 
dem Manetho selbst in den Mund gelegt hat, so absurd das ist. 

Wie wenig selbständig Josephus ist, zeigt gleich das Folgende. Die 
Posten von i. Tethmosis (= Amosis) bis 17. Amenophis ergeben genau 
333 Jahre; er selbst aber giebt § 103 = 231 als Summe und zugleich als 
Intervall zwischen dem Exodus und Danaos' Ankunft in Argos 393 Jahre. 
Seine Quelle hat also die 59 Jahre des Sethos (§ 231) mitgerechnet^ d. h. 
Danaos' (Harmais') Abzug nach Argos in's letzte Jahr des Sethos gesetzt. 
Da der Exodus in dem Jahre erfolgt sein soll, welches dem ersten des 
Thetmosis voranging (wie § 94 ausdrücklich gesagt wird), ergeben sich 
als Intervall zwischen beiden Ereignissen nach gewöhnlicher griechischer 
Rechnungsweise in der That 393 Jahre. Nun rechnet aber Josephus , um 
das Intervall zwischen dem Exodus und dem von Manetho mit Mose identi- 
ficirten Osarseph herauszufinden, in § 231 (= 280) die 59 Jahre des Sethos 
noch einmal; dazu 66 Jahre seines Nachfolgers Rampses, giebt mit den 
393 Jahren zusammen 518 Jahre. Man sieht, das ist seine eigene Leistung; 
die 393 Jahre dagegen hat er in seiner Quelle vorgefunden. 

V. Das -letzte und zugleich umfangreichste Stück aus Manetho ist 
die Geschichte von Osarseph und den Aussätzigen c. Ap. I, 26 § 232 — 250, 
die nach §229 = 105. 287 Manetho selbst als Volkssage bezeichnet hat. 
Dem Excerpt ist § 231 eine Fortsetzung der Königsliste vorausgeschickt; 
die Erzählung selbst beginnt § 232 mit einem Auszug, der § 237 in ein 
directes Citat übergeht, worauf § 251 (= 266. 300) wieder ein kurzer 
Auszug folgt. Auch hier ist der Schlufs nicht concinn. Nachdem § 238 
•schon erzählt war, dafs die aufständischen Aussätzigen in Auaris einen Priester 
aus Heliopolis Osarseph^ zum Häuptling eingesetzt und dieser ihnen Gesetze 
gegeben habe, welche alle heiligen Satzungen der Aegypter in ihr Gegen- 
theil umkehrten, heifst es § 250 (= 265) A^rexAi a6, bxi <ö) ti^n noAueiAN 

KAI TOYC NÖMOYC A'if'TOTc KATABAAÖWeNOC tePC't^C TÖ T^NOC ""HAlOnOAlTHC ÖNOMA "'OcAPCA* 

Xnö To9 ^N ""HAiOYnÖAei eeo? ""Ocipewc, oöc Mex^BH efc to9to tö t^noc, wereT^eH 
Tol^NOMA KAI npocHropeveH AAwYcflc. Hier wird also Osarseph von Neuem ein- 
geführt, ganz ebenso wie § 78. 86 f. Auaris zweimal mit denselben Worten 



* So richtig schon Lepsius, dessen Erklärung Gütschmid, Kl. Sehr. IV, 459 mit Un- 
recht verwirft; Unger's Deutung Manetho 170 f. ist recht verfehlt. 

* OcApchoon It., Osarsifam Lat Nachher § 250 "'GcAPci* X., Osarsifas ia/., § 286 
^OAPCi^<t> X., Osarsifas Lot. 



AegypHsche Chronologie. 77 

eingeführt ist. Offenbar gehört § 250 nicht zum echten Text, sondern ist 
ein Stück eines kürzeren Excerpts, so dafs es sogar fraglich erscheinen 
kann, ob die Gleichsetzung mit Mose von Manetho herrührt und nicht 
vielmehr von einem antijüdischen Schriftsteller, den dann die apologetische 
Quelle des Josephus widerlegt. 

Die Königsfolge, § 231 f. 245. 251, welche die vorhergehende Liste 
(IVa und IV b) unmittelbar fortsetzt, lautet wie bei Africanus: 

18. Sethos = Ramesses III. (= Aigyptos) 59 Jahre, 

19. Rampses 66 Jahre, 

20. Amenophis, 

21. Rampses oder Sethos -Ramesses IV. 

Die beiden letzten Könige haben in dem Excerpt keine Regierungs- 
zahlen, weil dasselbe vor dem Ende der Regierung des Amenophis ab- 
bricht^; bei Africanus stehen die Zahlen natürlich. Josephus aber folgert 
daraus, dafs »Manetho den König Amenophis erfunden und deshalb für 
seine Regierung eine Zeitangabe nicht zu machen gewagt habe«^! Man 
sieht, dafs er das Werk des Manetho niemals in der Hand gehabt hat, 
sondern von ihm nur kennt, was in den Excerpten stand, die seine Vor- 
gänger aufgenommen hatten. 

Wenn das Excerpt V der Sache nach unmittelbar an IV an schliefst 
[daher auch der Name T^eMocic § 241 und die Bezeichnung auf die Fest- 
setzung der Hirten in Jerusalem §241. 248 = § 94], so weicht es formell 
darin ab, dafs in ihm die feindlichen Brüder C^ewc und ""GpmaToc^ heifsen 
(§ 231), gegen C^ewc (oder C^ewcic) ö kai ''Pam^cchc und "I^pmaic in IVb*, 
während der König, der in IVa'^ßpoc heifst (§96), in V, § 232 "^XIp (osorem 
Lat.) genannt wird. Gleichartig ist es, dafs innerhalb des Stückes selbst 



^ Man sieht daraus, dafs bei Manetho die Zahlen am Sclilufs der Regierungen standen; 
ebenso bei 18 Sethos ^ Ramesses III., bei dem daher die Zahl nicht in § 98 fF., sondern erst 
i^ § 231 gegeben wird, und bei Salitis § 79. 

* § 230 "'AM^Na)<t>iN rXp bacia^a npoceelc y€ya^c önoma ma) aiA toyto xp6non aytoy rfic 
BACiAeiAC ÖPiCAi Mk TOAMJ^CAC, KAiTOi TG ^nl TÖN Xaawn bacia^cün Xkpiböc tA ^th npocTieeic, 
vergl. § 232 TÖN ^A«^NCü<WN eicnoiAcAC ^mböaimon bacia^a. 

■ "^ePMAioN und '€pman X., Ilermetum und Hermeum Lat, 

* Darauf, dafs es nach § 231 scheint, als werde Sethos' Regierung erst von der Ver- 
jagung des Ilermaios ab gerechnet (ön ^kbaacI)n Ö C^ewc ^BACiAGYceN ^th ns) , lege ich kein 
Gewicht; das kann mifs verständliche Kürzung beim Excerpiren sein. 



78 Meyer: 

der Nachfolger (Nr. 19) des ebengenannten Sethos ''Pamyi^c heifst*, während 
§ 245 sein nach ihm ben<innter Enkel'^ den Namen C^ewc ö kai ''PAMeccflc 
fülirt (ebenso § 300. 301 TAMeccfic), dagegen in dem summarischen Excerpt 
§251 gleichfalls ""PAmyhc. Rampses (Tac. Ann. 11, 60 Rhamses) und Ramesses 
(Plin. 36, 65 Rhamsesis) sind beides Transcriptionen des von den Aegyptern 
etwa Ra^msfise ausgesprochenen Namens; aber die Varianten weisen darauf 
hin, dafs an dem Excerpt verschiedene Hände thätig gewesen sind und 
dafs es schwerlich von demselben Autor excerpirt ist, der die Königs- 
liste IVa und die Geschiclite des Sethos und Harmais (IV b) ausgezogen 
hat. Die Folgerungen werden wir erst später ziehen können (s. u. S. 91 ff.). — 
Als echte, wenn auch gelegentlich etwas entstellte Fragmente Ma- 
netho's bleiben somit, abgesehen von der Königsliste, die Erzählung von 
den Hyksos I, §75 — 82'*; die Geschichte des Sethos und Harmais IV b, 
§ 98 — loi; imd die Geschichte des Osarseph V, § 232 — 251. Sie alle 
tragen so sehr das charakteristische Gepräge ägyptischer, Erzählungen, dafs 
es nicht im mindesten überraschen würde, wenn ihre Vorlagen wörtlich 
gleichlautend in einem hieratischen Papyrus zum Vorschein kämen. Na- 
mentlich die Unbestimmtheit, das Verschwommene und Phrasenhafte, das 
allen realen Thatsachen möglichst aus dem Wege geht, welche wir als 
wenig erfreuliche Eigenthümlichkeit ägyptischer Berichte einerseits aus den 
Königsinschriften, aus dem Bericht des Harris- Papyrus über RamsesIIL, aus 
Biographien wie z. B. der des Una, andrerseits aus volksthümlichen Er- 
zählungen, wie dem Cheops- und dem Hyksospapyrus , kennen, tritt auch 
in ihnen überall in drastischer Weise hervor.* Dafs die Geschichte vom 



^ § 231 '"Pamyhc X., Rapsis Lat\ der Genetiv § 245 'Payhoyc L.^ Rapso Lat\ § 251 heifst 
der Enkel "^PAmyhc X., Ramsis Lot, Otferibar ist an allen drei Stellen "^Pamyi^c, gen. 'Pamyhoyc 
zu schreiben. Auch bei Kuseb. Dyn. XIX, 2 heifst er "^Pamyhc, bei Africanus dagegen ""PayAkhc. 

' Konig Amenophis tön yIön C^eo), t6n KAi'pAMeccft Xhö'Payhoyc toy hatpöc (ünoaaa- 
CM^NON, neNTAerft önta ^i^eero npöc tön ^aytoy <t>iAON. 

' Dazu vielleicht der Kern des pseudomanethonischen Stuckes III Ober die Er- 
oberung von Auaris (§88 f.), aber mit Einsetzung des Namens Amosis. 

* Daneben sei verwiesen auf den Eingang ^nl to'v'Toy oyk oTa' önwc ö eeöc. [so Euseb. ; 
L, hat den Artikel nicht, und so druckt auch Niese ec6c; aber dann müfste doch wohl 

eeöc TIC stehen, und auch ägyptisch scheint mir in diesem Zusammenhang /i^ |^ wiit 

Artikel das Gebotene] ANT^nN€YceN cet., die Schilderung der Verbrechen der Hyksos § 76 und 
der Aussätzigen § 249, thn anw ka! kAtco x6pan § 77, die mythologische Erklärung des Namens 
Auaris § 78 r^ 237, die absurden grofsen Zahlen , die inhaltlosen Phrasen über Sethos' Kriegszüge 
§99, den Fortgang der Erzählung mit d}c xpönoc ikanöc ^iPJAeeN §237 und manches Andere. 



Aegyptische Chronologie. 79 

weisen Amenophis, Sohn des Paapis, völlig echt ist, ist bekannt.^ Die 
Einwirkung der Griechen zeigt sich nur in der Combination der Hyksos- 
geschichte mit dem angebliclien grofsen Assyrerreich, d. h. dem Reich 
des Ninos und der Semiramis, in der Hereinziehung von Jerusalem*, und 
in der Benennung der Völker, die Sethos -Ramesses imterwirft, als Cyprier, 
Phöniker, Assyrer und Meder — vage Allgemeinheiten, die echt ägyptisch 
sind und ebensowohl in dem, was die Priester in Theben dem Germanicus 
von den Thaten des Ramses aus den Denkmälern vorübersetzten ^ wie in 
der Wiedergabe von Phönikien durch Kaft und Syrien durcli Ost-Ruthenu 
im Decret von Kanopos ilir Gegenstuck haben. 

Wenn also bei Josephus § 228 (— 104 f. 287) behauptet wird, Manetho 
habe seine übrigen Erzählungen ök tön iepön tpammAtwn übersetzt (weeepMH- 
Ne^eiN 'Y'necxÖMeNOc), so ist das ganz richtig, wenn darunter schriftliche ägyp- 
tische Vorlagen verstanden werden, aber durchaus falsch in dem Sinne 
des Josephus, der darunter XpxaTai XNArpA^Ai authentischen Inhalts versteht 
im Gegensatze zu den unzuverlässigen Quellen, aus denen die Osarseph- 
geschichte geschöpft sei. Diese entliält genau ebenso viel und ebenso wenig 
exacte Geschichte, wie seine Erzählungen von den Hyksos, von Sethos und 
Harmais, oder etwa von König Bokchoris und dem prophezeienden Lamm^. 
Wir sehen deutlich, die Hauptquelle Manetho's ist die populäre Sagenlitte- 
ratur gewesen: das war eben die »historische« Litteratur der Aegypter, in 
scharfem Gegensatz zu den trockenen, aber authentischen Annalen der Baby- 
lonier, aus denen Berossos geschöpft hat. 

* WiLCKEN in den Aegyptiaca (1896) S. 147 ff. Über Amenophis Sethe ebenda S. 107 ff., 
der in seiner Schrift über Imhotep (Unters, zur Gesch. und Alterthumskunde Aeg. II, 4, 1902) 
sein Gegenbild, den weisen ln)hotep, ins rechte Licht gestellt hat. Ein anderes Analogon 
sind die von Lange, Sitzungsber. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1903, 601 ff. behandelten Prophe- 
zeiungen des Apu. Auch die sogenannte demotische Chronik scheint verwandt zu sein. 

' Ob aber Manetho selbst schon die Hyksos oder die Aussätzigen des Osarseph mit 
den Juden gleichgesetzt hat, oder ob das erst von seinen Benutzern in antijüdischer Tendenz 
geschehen ist, ist nicht sicher. 

■ Tac. Ann.11,60: Mit einem Heere von 700000 Mann erobert Ramses Libyen, Aethiopien, 
Medien, Persien, Baktrien und Skythien, Syrien, Armenien und Kappadokien und dringt in 
Bithynien und Lykien bis an 's Meer vor. Es folgten die Tribute und die Geschenke an die Götter. 

* Diese bis dahin völlig dunkle Notiz hat Krall (vom König Bokchoris , in den Fest- 
gaben für BuüiNGER 1897) aus einem demotischen Papyrus aufgeklärt, in dem ein Bruchstück 
der Prophezeiungen erhalten ist. — Vergl. auch den von Krall in der Wiener Z. für Kunde 
des Morgenlandes XA'II behandelten deniotischen Roman von Petubastis, von dem bei 
Manetho gewifs auch etwas zu finden war. 



80 Meyeb: 

Die kurzen Notizen, welche die Epitome sonst bewahrt hat, tragen 
meist denselben Charakter. Dafs Manetho daneben gelegentlieh auch ur- 
kundliches und vielleicht selbst inschriftliches Material herangezogen hat, 
ist möglich, aber in den uns erhaltenen Stücken nicht nachweisbar. Da- 
gegen hat ihm als Gerippe deutlich eine Königsliste nach Art des Turiner 

« 

Papyrus gedient, aus der er die Königsfolge und die Zahlen der Regie- 
rungen und Dynastien übernommen hat. In der bei Africanus und Eusebius 
vorliegenden Epitome ist sein Werk wieder so gut wie ganz auf diese 
Liste zusammengeschrumpft. 



Die Listen der Hyksoskönige. 

Auch für die Epitome mufs die Vergleichung mit den Bruchstücken 
bei Josephus den Ausgang bilden. Sie ist für die Hyksoszeit ausfuhrlicher 
als sonst, weil diese für die jüdische und christliche Chronographie wegen 
der Gleichsetzung der Hyksosvertreibung mit dem Exodus von besonderem 
Interesse war. Ich stelle S. 8i ihre Angaben und die des Josephus neben 
einander, und zwar zunächst den kurzen historischen Bericht, in dem Afri- 
canus* und Eusebius^ abgesehen von der verschiedenen Dynastienzählung 
und dem Schreibfehler Xa€A0oi für a6 bei Eusebius, wörtlich übereinstimmen. 

In der Epitome ist die Bezeichnung der Herrscher als bacia€7c noiM^nec, 
die bei Josephus am Schlufs der Dynastie steht, vorangestellt — den Namen 
Hyksos hat sie ausgelassen — , ebenso dem Salitis sogleich seine Regierungs- 
zeit beigefiigt. Der Name ist zu Saites verstümmelt (ebenso wie in den 
Joseph US-Handschriften CeepoijHC nomöc in den bekannteren C aIthc verschrieben 
ist), und das hat dann, in Verbindung mit der sogleich folgenden Angabe 
über den CeepoiTHc nomöc, zu der unsinnigen Erfindung Anlafs gegeben, 
der Gau von Sais sei nach ihm benannt. Alles Andere ist lediglich ein 
Auszug aus dem vollständigeren Text, den Josephus bewahrt hat: i. die 
Herkunft aus der Fremde; 2. die Einsetzung des Salitis; 3. die Eroberung 
von Memphis — Nr. 2 und 3 sind in der Epitome umgestellt — ; 4. die 
Gründung der Stadt in dem Sethroitischen Gau [den Namen Auaris hat die 



* Sync. p. 113. 

' Gleichlautend erhalten bei Sync. p. 114, Eiiseb. Arm. I, 143 und schol. Plat. Tim. 
(oben S. 39). 



Aegyptische Chronologie. 



81 



Epitome bei Africanus und 
Eusebius. 

neNT€KAIAeKÄTH^ AYNACTeiA nOIM^NWN.* 

Scan a^^ <t>oiNiKec z^noi bacia6Tc c:^ 

^OT KAI AA^MOIN eTAON. 

ISn npÖTOc CaIthc ^BACiAevceN tin le, 

X«"* 0? KAI Ö CaITHC NOMÖC (ÖKAI^eH^). 

OT KAI ^N TÖ CeePOITH NOM(ii nÖAIN ^KTICAN, 

Xo' HC ÖPM<&MeNOI AfrynTlOYC ^X€IPCi)CANTO. 



Manetho bei Josephus. 

iK TÖN npöc Xnatoa^n M6PÖN ^Nepwnoi 

TÖ r^NOc tcHt^oi erobern Aegypten. 

Sie setzen sich Salitis* zum König. 

KAI 0?TOC ^N Tfi M^MOIAI KATeriN€TO CetJ 

fehlt 

G'Y'PCbN a6 ^N NOMÖ TÖ CeePOITH^ nÖAIN 
^niKAIPOTÄTHN . . . TA^THN ^KTICeN Cet. 

tueA Aä katA e^peiAN fipxeTO* tä m6n cito- 

M6TPÖN KAI MICeO<t>OPiAN nAP6x6M6NOC 

cet. 

XpIAC A ^NNGAKAIAeKA ^TH TÖN ßfON ÖTG- 

Ae^THCe . . . 
^KAAgTtO Afe TÖ C^MHAN A'Y'TOn ^GNOC ""Yk- 

C(*)c*, to9to Ai ^ctin BACiAeTc noiM^Nec. 

^ CaaAtic Z». corrigirt in caaitic, Sualitis 
Lat; Silitis Eus. Arm. 7, 151. Ciaithc hat 
auch das Sothisbuch bei Sync. p< 195. 

* Caith Zt., nomo to suati Lot., per 
legem Methrajitem Arm.j d. i. ^n nomö tö 
CeePoiTH, was also Josephus noch richtig ge- 
schrieben haben mufs [Niese hat es mit Recht 
in den Text aufgenommen]. 

* '^pxeTO non satis intellego' sagt Niese 
mit Recht. 

* Siehe oben S. 72,1. 



Epitome ausgelassen]; 5. die von hier aus ausgeübte Herrschaft über Aegyp- 
ten. Endlich 6. stimmen beide darin überein, dafe sie im Gegensatz zu 
dem historischen Bericht über Salitis bei seinen Nachfolgern sich auf Namen 
und Zahlen beschränken. Nur eine Notiz hat die Epitome mehr als Josephus, 
die Bezeichnung als Phöniker. Manetho selbst hat sie offenbar nicht ge- 
geben, sondern sich in echt ägyptischer Weise mit der vagen Bezeichnung: 
»Leute unansehnlichen Geschlechts aus den Landschaften im Osten« be- 
gnügt. Das gab den Benutzern, die exacte Angaben haben wollten, Anlafs 
zu der Frage, wes Stammes sie gewesen seien — eine Frage, die um so 

Philo8.'kistor. Ahh. 1904. L 11 



* fenTAKAlACKATH hu8. 

" noiM^Nec Eus. 

■ Für Ad hat Eusebius (auch der Ar- 
menier) AAeAOoi, was doch nur eine seltsame 
Verschreibung sein kann. 

* Die Zahl fehlt bei Eusebius , der der 
Dynastie nur 4 Könige giebt. 

^ Zusatz bei Eus. 



82 Meteh: 

wichtiger war, wenn sie die Vorfahren der Juden waren — : der eine er- 
klärte sie fiir Araber (dafs das nicht von Manetlio stammt, wird jetzt noch 
evidenter), der andere, die Epitome, für Phöniker. Wie bei Sesostris (S. 59) 
sind also auch hier die aus Manetho stammenden Excerpte durch fremde 
Zusätze erweitert worden. Historischen Werth , auch nur far die Auffassung 
der späteren ägyptischen Tradition, hat keine der beiden Angaben. — 

Für alles Weitere liegt nur die Königsliste vor. Hier kommt neben Afri- 
canus und Eusebius auch die Liste des Sothisbuchs in Betracht, das Synkellos 
fiir den echten Manetho gehalten hat; er* hat sie allerdings, wie er selbst 
sagt (p. 194, 20, vergl. 232, 15), gelegentlich nach Josephus corrigirt. Aber 
auch in seiner urspränglichen Fassung ist das Sothisbuch hier nichts Anderes 
als ein etwas veränderter Auszug aus Josephus gewesen. Denn während 
die Sothisliste sonst ein ganz elendes Machwerk ist, in dem manethonische 
und sonstige — ägyptische und erfundene — Namen ganz beliebig durch ein- 
ander geworfen sind^, ist die bei Josephus c. Ap. I 75 — 102 vorliegende 
Königsliste — aber auch nur diese, nicht die Könige von §231 ff.*; viel- 
mehr ist gleich der letzte König der 20. Dynastie Go^wpic angeschlossen, 
ob durch Zufall oder weil der Verfasser hier in die manethonische Epitome 
geblickt hat, ist schwer zu entscheiden* — vollständig und so gut wie in- 

^ Oder seine Quelle Panodoros, vergl. Gelzer, Africanus 11, 211. 

' Das gilt von Nr. i — 25 [vergl. o. S. 30, 2] und 50 — 61 der Liste; derSchlufs, von 
Nr. 62 an, ist aus Eusebius Dyn. 21 ff. entnommen, doch auch hier nicht ohne viele Will- 
kiirHchkeiten. Zum Theil stammen die Namen sicher aus einer anderen Quelle als Manetho, 
die der Verfasser ebenso willkürlich ausgeplündert hat wie diesen (Nr. 8 Sesonchosis und 9 
Amenemes sind aus Dyn. XII, Nr. 59 Athothis, 60 Kenkenes, 61 Uennephes aus Dyn. I 
entlehnt), so vor Allem die lange Liste Nr. 10 — 24, in der Thronnamen und Eigennamen 
der 18. und 19. Dyn. deutlich erkennbar sind: 10. "^A/aacic r= Amosis. 11. AK6C^<i>ePHC, d. i. 
*Acheprure* (Amenophis II.) oder einer der ähnlichen Thronnamen. 12. Ärxopev'C = OYXOPe^c 
Diod. I, 50, d. i. Uahkere*, der Vorname de^ Bokchoris. 13. I^PMAYcfic = Harmais. 
14. Xamoic = Cha'niu^s, der Sohn Ramses* II. 15. Miamoyc = Miamun (Ramses II. u. a.). 
16. AMecflcic? 17. OfcHC, Abkürzung von Nr. 20. G't'cimaphc = Usermare*, dem Thron- 
namen Ramses' II. und 111. (= Oywcimaphc bei Eratosth. Nr. 24 [cod. 0y(ocimaphc] und ""Gcy- 
MANA^AC Diod. 1 47). 18. 'pAMecHC = Ramscs. Daneben stehen 5 aus Ramses erweiterte 
Namen: 19. '■PAMeccoMeNHC. 21. TAwecci^cecoc. 22. '"PAweccAM^NCü. 23. TAMeccft loYBACcft. 
24. '^PAMeccfi Oya4>poy, in denen Gutschmid, Kl. Sehr. I, 238. 244 ff. schwerlich mit Recht 
echte Namen der 20. Dyn. erkennen wollte. 

' Auch Eusebius hat in seine Chronik (und ebenso in die Praep. ev.) nur das erste 
Stück (Hyksos und 18. Dyn.) aus Josephus übernommen, dagegen nicht die Osai-seph- 
geschichte. Hat also das Sothisbuch den Josephus nur durch Eusebius kennen gelernt? 

* Vergl. S. 95. Er kehrt als Nr. 58 wieder, wie Amenses als Nr. 55 , Rampsis als Nr. 54. 



Aegyptische Chronologie. 83 

tact aufgenommen. Hier hat die Sothisliste also zur Controle der Namen 
und Zahlen etwa den Werth einer schlechten Handschrift des Josephus. 

Bekannt gewesen ist übrigens dem Verfasser auch die ältere Epitome 
aus Manetho, die er eben durch eine bessere, d. h. mit der Bibel leichter 
in Übereinstimmung zu bringende Liste ersetzen will; aus ihr hat er den 
Namen Amosis entnommen, der ja in der christlichen Litteratur als Pharao 
des Exodus eine so grofse Rolle spielte. Den Angaben des Josephus gegen- 
über hilft er sich dadurch, dafs er Amosis und Tethmosis identiiicirt : ^Amwcic 
ö KAI T^ewwcic, ein Sprachgebrauch, in dem ihm Synkellos gefolgt ist. 

Das Sothisbuch hat die Hyksoskönige als Taniten bezeichnet und mit 
ihnen seine 17. Dynastie begonnen^ [sonst wissen wir über die Dynastien- 
eintheilung des Sothisbuchs wenig Sicheres, nur dafs es auch, wie Ma- 
netho, 30 Dynastien in 3 tömoi zählte, und zwar 1 13 reNeAi und 3555 Jahre, 
einschliefslich der Götter, Synk. p. 97 f.]. 

Nun ist die Dynastienfolge bei Africanus folgende: 

Dyn. 1 3. 60 Diospoliten 453 Jahre. 

14. 76 Xoiten 1 84 » 

15. 6 Hirten [die Liste des Josephus] 284 » 

16. 32 andere Hirten 518 » 

17. 43 andere Hirten und 43 Thebaner 151 » 

18. Beginnt mit Amosis. 

Bei Eusebius stimmen die 13. und 14. Dyn.'; dann aber folgen: 

Dyn. 15. Diospoliten [ohne Zahl]. ... 250 Jahre. 

» 16. 5 Thebaner 190 » 

» 17. Hirten [4 Könige , vgl. unten] 103 » 

» 18. Beginnt mit Amosis. 



* Sync. p. 193: die 16. Dyn. schliefst mit 25. Koncharis im Jahre 700 der Hundsstern- 
periode (S. 30, 2). p. 194, 3 KaI AI€A^5ANT0 TANTtAI BACIAeTc Ä, OT KAI ^BACIAeVCAN Airf'nTOY ^ni 

Tfic iz AYNACTeiAC tjH CNA. Aber nicht die 4, sondern die 6 folgenden Könige geben zu- 
sammen 254 Jahre; und so heifst es denn auch p. 195,4 von Silites: npÖTOc tön c^ thc \± 
AYNACTeiAC hapA MANeeCi). Der siebente König ist Aseth (Nr. 32), der achte ^Amcocic ö kaI 
T^eMWCic (Nr. ^^)\ und diesen bezeichnet Synkellos p. 117, 18; 127, 5; 128, 3 als zweiten König 
der 18. Dyn. [und als Sohn des Aseth, p. 117, 18; 118, i; 127, 5. 8; 128, loj. Trotz der sehr 
auffallenden Übereinstimmung mit Eusebius bleibt also doch wohl nichts übrig, als die Zahl 
von 4 Konigen p. 194,3 in 6 zu corrigiren. 

' Die 14. Dyn. hat bei ihm nach Sync. p. 114 in einer Handschrift 184, in einer andern 
484 Jahre; letztere Zahl steht auch in der armenischen Übersetzung. Vergl. unten S. 99, 2. 

ir 



84 



Meter: 



Die Verschiebung der Hyksosdynastie ist deutlich aus dem Streben hervor- 
gegangen, die bei Josephus vorliegenden Königslisten in continuirlicher Folge 
zu geben, genau wie im Sothisbuch. Letzteres ist also von Eusebius ab- 
hängig (vergl. S. 82, 3) und hat aus ihm auch die Ansetzung der Hirten 
als Dyn. 17 übernommen. Die eusebianische Redaction selbst ist eine 
Überarbeitung der africanischen Epitome, die eine bessere Concordanz mit 
Josephus lierstellen wollte. Zur Ausfiillung der Lücke sind vorher 2 Dynastien, 
Diospoliten und Thebaner, eingelegt, die aus Africanus' 17. Dynastie von 
43 GhbaToi AiochoaTtai zerlegt sind. Dafs Eusebius bei seiner 15. Dynastie 
keine Königszahl gegeben hat, zeigt den secundären Charakter deutlich.* 
Eine weitere Liste dieser Zeit enthält die Chronik des Barbarus p. 38b^, 
der bekanntlich sonst nur ein Auszug aus Africanus ist. Bei ihm ist die 
II. Dynastie ausgefallen, so dafs die Nummern der Dynastien sich um i 
verschoben haben. — Er giebt als Dynastien des 2. Tomos Manetho's: 



Chron. Barb. 

XL potestas Diopolitanorum 

XIL » Bubastanorum. 

XIIL » Tanitorum . . . 

XIV. » Sebennitorum . 

XV. » Memfitorum . . 

XVL » Iliopolitorum . 

XVn. » Ermupolitorum 

usque ad septimam decimam po- 
testatem secundum scribitur 
totum (lg. tomum), ut docet 
numerum habentem annos*. . . 



ann. 


, <i)6o» 


— 


Dy 


» 


153 


— 




» 


184 


— 




» 


224 


— 




» 


318 


— 




» 


221 


— 




» 


260 


— 





Africanus 

Dyn. 12, Diospoliten 160 Jahre. 

13, Diospoliten 453 

14, Xoiten 184 

15, Hirten 284 

16, Hirten 518 

17, Hirten und Diospoliten 151 

1 8, Thebaner 263 



1520 



Die Zahlen des Africanus sind bei ihm nicht stärker verschrieben als 
bei Dyn. I — 10 auch. Woher dagegen die von potestas XII = Dyn. 1 3 an 



^ Die Zahlen für Dyo. 16 (Thebaei, 190 Jahre) und 17 (pastores, 103 Jahre) giebt 
auch Eusebius* Kanon. 

* Bei Euseb. ed. Schoene I, 214. Frtck, Chron. min. I, 288. 

' Dafs LX zu CLX zu ergänzen ist, in Übereinstimmung mit Africanus, hat Gblzer, 
Afp. I, 200 erkannt; nur so wird die Summenzahl richtig. 

^ Frick hat das griechische Original im wesentlichen richtig so hergestellt: m^xpi 

THC \Z AYNACTeUc 6 AefT€POC rPA<l>eTAI TÖMOC, ^C AHAOT 6 APieMÖC, ^XÖN ^TH Ä<>K, 



Aegyptische Chronologie. 85 

gänzlich abweichenden Dynastiennamen stammen, ist nicht zu sagen: das 
ist eins von den Rätliseln , wie sie in den Untersuchungen über die Chrono- 
graphen immer wieder vorkommen und auf Contaminationen hinweisen, 
denen wir nicht nachkommen können. Erfunden sind sie gewifs nicht; 
und aus Manetho stammen sie sicher nicht/ Marquart^ hat die nicht un- 
wahrscheinliche Vermuthuiig ausgesprochen, die Bubastaner entsprächen den 
Xoiten von Dyn. 14, die Taniten, Sebennyten und Memphiten den Hyksos, 
die Iliopoliten (d. i. Heliopoliten^) den Diospoliten von Dyn. 17, die Her- 
mopoliten der 18. Dynastie, bei der das Vorherrschen der Benennung nach 
den Mondgöttern (J'oh und Thoth) in der That auf eine Abstammung 
aus Hermopolis, der Stadt des Thoth, weisen könnte. Dem könnte zur 
Bestätigung dienen, da&, wie wir gesehen haben, auch im Sothisbuch 
die Hyksos als Taniten erscheinen. Das wäre dann wieder eine Ver- 
bindungslinie zwischen den verschiedenen Quellen, die wir weiter zu ver- 
folgen nicht im Stande sind. 

Ich stelle jetzt die Listen der Hyksos zusammen (s. S. 86). Die Ab- 
weichungen in den Namen sind sämmtlich leicht erklärliche Verstümme- 
lungen (auch CtaAn bei Africanus für IAnnac = Chian der Denkmäler), bis 
auf die seltsame Ersetzung des Aseth (Assis) bei Josephus durcli Archles 
bei Africanus und Eusebius, die als blofser Schreibfehler kaum zu begreifen 
ist. Im Sothisbuch ist er in Nr. 30 C^ewc und Nr. 32 AcAe zerlegt und 
dazwischen ein KAptwc eingeschoben, der als Nr. 53 (Sync. p. 302) wieder- 
kehrt; lannas ist ausgelassen. Aus den Denkmälern kennen wir von diesen 
Königen bis jetzt nur den Chian = lannas und mindestens drei Könige 
des Namens Apopi = Apophis. 

Die Abweichung der Reihenfolge des Africanus von Josephus hat zu 
vielen Discussionen Anlafs gegeben*, obwohl das Richtige längst gesagt ist. 



^ Gelzer, Afr. I, 203 dachte an eine aus Ptolemäos von Mendes entlehnte Tabelle, 
mit der der Verfasser die Zahlen des Africanus verbunden habe. 

* Chronol. Untersuchungen, Philologus Suppl. VII, 1900, S. 663 f. Ahnlich schon 
GuTscHMiD, Kl. Sehr. I, 258 f. 

* Marquart will das in AiocnoATTAi corrigiren; aber dafs auch alle vorhergehenden 
Dynastien nach unterägyptischen Städten benannt sind , scheint für die Richtigkeit der Über- 
lieferung zu sprechen. 

* Zuletzt bei Marquart, a.a.O. S. 660 ff., der hier wie so oft bei grofsem Scharf- 
sinn völlig in die Irre geht, weil er das Einfache nicht sehen kann. Verfehlt ist auch 
W. Max Müller, Studien zur vorderas. Gesch. (Mitth. der Vorder-asiat. Ges. 1898, 3) S. lyf. 



86 



Meyer: 



I >• 

2 » 



Die Listen 

Manetho 

bei Josephus 

Hyksos, BAciAeTc noiM^nec 

1. CAaitic^ 19J. 

2. Bn(i)n^ 44 » 

3. ÄnAXNAN^36 » 7 M. 

4. "^AnW'Dic* 61 » 

5. ""IannAc^ 50 » 

6. "^AcHe* 49 » 

[Sa. 259 J. 10 M.] 
[Interpolirter Manetho 

§84 ff.: 
Diese und die folgenden 
Hirtenkönige herrschen 
über Aegypten 5 1 1 J. 
Dann erheben sich die 
Könige ^k tPIc 0hba(aoc 
KAI Tflc Xaahc Af rinTOY ge- 
gen die Hirten. Langer 
Krieg bis auf Misphrag- 
muthosis und Thum- 
mosis.] 



der Hyksos lauten folgendermafsen : 
Sothisbuch 

Sync. p.194,3; i95»4 [oben S.83, i] 

Dyn.17 6 Könige aus Tanis 

26. ClAITHC I9J. 

p. 204. 27. Baiwn 44 » 

28. ""AnAXHÄc 36 » 

29. "^Aowoic 61 » 
p. 232. 30. C^ewc 50 » 

31. Ki^PTWc 44 »' 

Sa. 254J. 
[p.194,4] 

[Dyn.18] 32. Acne 20 J.® 



Africanus 
Dyn. 1 5 6 Hirten 

19 J. 



1. Caithc 

2. BnG^n 

3. TTaxnAn 

4. CtaAn 

5. "T^PXAHC 

6. "7\0OBtc 



44 • 
61 » 

50 • 

49 • 
61 » 



Sa. 284 J. 
[224 J. Barb.J 

Dyn. 16 32 Hirten 

518J. 

[318 J. Barb.] 

Dyn. 1743 Hirten 
und 43 GhbaToi 

AiocnoATxAi 

zusammen 1 5 1 J. 

[221 J. Barb.] 



Eusebius 
Dyn. 17 Hirten 

1. Caithc 19J. 

2. BhQ^h 40 » 



3. "T^PXAHc 30 »* 

4. "T^^w^ic 14 »® 

Sa. 103 J. 



^ Zur Nainensfonn s. S. 81, i. 

' BH(t)N L.y Banon Eus» Arm, p. 153 [mit 43 Jahren]. Offenbar liat auch Josephus 
BN<i>N geschreiben. 

' "'AnAXNAC L,, Apachas Lat,^ Apakhnan Baas, Arm. 
^ Aphosis Eus. Arm, 

* Samnas Laty Anan Eus, Arm, 

• "^Accic L,y Ases Lat,\ Aseth Eus, Arm, 

' ^TH ice katA ■"IcbcHnnoN [der Kertos überhaupt nicht kennt; aber Synkellos hat gesellen, 
dafs dein josephischen Aseth mit 49 Jahren im Sotlnsbuch die beiden Könige Kertos und 
Asetli ents|)rechen. Da letzterer 20 Jalire erhält, bleiben für Keitos »nach Josephus« 
29 Jahre], katA £Ä t6n Mancsö [d.i. das Sothisbuch] ^'th «a. 

* Vgl. Anm. 7 und Sync. p. 127. In der Schreibung schwanken die Handschriften 
des Synkellos überall zwischen "Act^e und Acci^e. 

• So schoi. Plat. Tim. und die armenische Übersetzung p. 143; bei Sync. p. 115 haben 
Aphophis [Apüphis Ann.] und Archles [Apxahc schol. Plat.] ihre Stellen vertauscht. 



Aegyptische Chronologie. 87 

Die Zahl des Apophis, 6i, kommt bei Africanus zweimal vor, während die 
des Apaehnan fehlt. Mithin ist Africanus bei Apachnan auf die Zahl des 
Apophis abgeirrt, hat daher diesen ausgelassen und ihn dann am Schlüsse 
nachgetragen, natürlich nochmals mit der Zahl 6i. Dafs nicht ein späterer 
Al)schreil)er, sondern Africanus selbst oder schon einer seiner Vorgänger 
der Schuldige ist, beweist die Summe von 284 Jahren, die durch die Ver- 
schreibung in 224 beim Barbarus als africanisch erwiesen wird. Die correcte 
Liste lautete also in der Epitome [ich setze gleich die richtigen Namen ein] 
genau wie bei Josephus: 

Dynastie 15 i. Salitis 19 Jahre 

2. Bnon 44 » 

3. Apachnan .... ^36) » 

(4. Apophis) 61 » 

(5.) lannas 50 » 

(6.) Archles [Aseth] 49 » 

Sa. 259 Jahre 

Eusebius ist nichts als eine Verstümmelung des Africanus, ohne jeden selb- 
ständigen Werth: die beiden mittleren Könige sind ausgelassen und die 
Zahlen entstellt. So urtheilt schon Synkellos p. 115 ganz richtig. 

Das Sothisbuch stimmt in den Zahlen mit Ausnahme der letzten und 
in den vier ersten Namen zu Josephus. Was zur Auslassung des lannas, 
zur Einschiebung des Kertos und zur Verdoppelung des Aseth als Sethos 
und Aseth den Anlafs gegeben hat, wissen wir nicht. Jedenfalls ist Aseth 
mit Absicht an den Anfang der nächsten Dynastie gesetzt — damit hängt 
seine Kalenderrefonn (oben S. 39) zusammen — , so dafs Amosis (= Teth- 
mosis), der Pharao des Exodus nach der gewöhnlichen Ansicht, an die 
zweite Stelle rückt. 

In den Zahlen hat Josephus theilweise noch die vollständigere Angabe 
nach Jahren und Monaten (die Tage sind auch hier schon weggefallen) be- 
wahrt, während die übrigen nur volle Jahre geben. Das auf die sechs ersten 
Hyksoskönige folgende Intervall bis auf Amosis hat aufser der zweiten, 
in indirecter Rede abgefafsten und jedenfalls nicht rein manethonischen 
Epitome bei Josephus nur noch Africanus bewahrt. Aber sie weichen im 
Einzelnen ganz von einander ab. Nach Josephus regieren die Hyksos (bis 
auf die Erhebung oder bis auf den Sieg der Thebaner?) insgesammt 



88 Meyer: 

511 Jahre; die drei afrieanischen Hyksosdynastien dagegen ergeben 284 
+ 518+ 151 =953 Jahre. Die erste Zahl ist fipeilich falsch berechnet, 
statt 259 Jahre \ und an Stelle der zweiten ist vielleicht die Zahl des 
Barbaras 318 einzusetzen [oder auch 418, vergl. S. 99; auch statt 151 
giebt Barb. 221]; aber ein Ausgleich zwischen den Zahlen wird dadurch 
niclit gewonnen. — Dafs diese Zahlen geschichtlich absolut werthlos sind, 
ist oben schon ausgeführt. 

Die Listen der 18. und 19. Dynastie und die Sagen von Osarseph 

und Ramses IIL 

(Sielie Ubersiclit zwischen S. 88 und 89.) 

Die Liste des Sothisbuchs berührt sich auch hier mit Eusebius, indem 
beide Ramesses I. und IL (Jos. Nr. 15 und 16) zu einem einzigen König 
zusammenziehen und ihre Jahre (i Jahr 4 Monate + 66 Jahre 2 Monate) 
zu 68 addiren, und diesen Ramesses und seinen Vorgänger Harmais für 
Aigyptos und Danaos erklären , während das bei Josephus erst Ramesses III. 
(Nr. 1 8) und sein nicht in der Königsliste erscheinender Bruder sind.* Sonst 
hat das Sothisbuch nur für die Namensformen einen bedingten Werth; die 
Zahlen sind meist arg entstellt, wohl mehr durch Zufall als mit Absicht. 

Im Übrigen aber tritt deutlich hervor, dafs allen erhaltenen Listen 
dieselbe Epitome zu Grunde liegt. Bei Africanus ist Ramesses IL (Nr. 16) 
ausgefallen, bei Eusebius (abgesehen von der Verschmelzung von Ra- 
messes I. und IL) Ramesses IV. (Nr. 21), ferner Amenses (Nr. 4) und, 
wenigstens im ersten Buch, Rathotis (Nr. 11); aber in jedem dieser Fälle 
beweist die Parallelliste, dafs der Name ursprunglich in der Epitome ge- 
standen hat. Die einzige wirkliche Abweichung von Josephus ist Nr. i Amosis 
statt Tethmosis; und hier haben die späteren Listen das Ursprüngliche, 



^ Nach Josephus, der för die 6 ersten Konige 259 Jahre 10 Monate bietet, blieben 
also für die übrigen 251 Jahre 2 Monate. Doch ist es sehr fraglich, ob wir die Zahlen der 
beiden Überlieferungen bei Josephus mit einander verbinden dürfen. 

* Auch die bei Eusebius im Kanon und bei Synk. vollständig stehende Namensliste 
Achencheres, (Athoris, Chencheres), Acherres [auf die dann noch Cherres folgt] deckt sich 
mit den Namensformen des Sothisbuchs. Ebenso hat der Kanon und das Sothisbuch fOr 
Nr. 8 AM€Na)<i>eic gegenüber AMeN(!i)<t>ic bei Jos. , Afr. und im ersten Buch des Eusebius. Aber 
Africanus hat dieselbe Form bei Nr. 3, und bei Nr. 17 AM€Na)<i>Ae ; das sind wohl Varianten, 
die nach Dyn. XIX, 3 AMM€Ne<t»eftc [richtiger MeNe<t>efic = Merneptah] fabricirt sind. 



Zu S. 88. 



25 J. 



Manetho bei Josephus ^^ius Ib. I 

14 Diospoliten 

1. T6eM(i)cic\ nach Vertrei- 

bung der Hyksos 25 J. 

2. X^BPa)N 

3. Am^N(i}4>IC I. 

4. XagaoPi Äwecci^c^ 
6. MHOPAMo^ewcic^ 

7. TYeM(i)CHC* 

8. ÄM6N(i)<t>IC II. 

9. "^flpoc 

10. evrATHP AKerxepi^c I. 

11. '■PAewTic^ Xagaoöc 

12. ÄKerxi^PHC II. 

13. ÄKerxi^PHC III. eTepoc 

14. "Apmaic 

15. ''Pam^cchc' I. 

16. '"PaM^CCHc'' II. MlAMO?N 

17. Am6n(i)4)IC III. 

[Sa. 333 J. • Sa. 348 J. 

ergeben 317 — 327 J. 

5 Diospoliten 

18. C6e(i)c I. ö® KAI 'Pam^cchc IIL 55 J- 
[= Aigyptos, s. Bruder Hannais = D. 

19. ""Pämyhc* 

20. "Am^nw^ic IV. 1 di^ 

2 1 . C6e(i)c II. ö KAI ''Pam^cchc IV. ) U 

Kleinere Varianten bei Eus. arm. 1 1 5 
Theoph. ad Autol. III 21, namentlr Polybos) 
den Zahlen, habe ich nicht angeföh: 
beide nur Jos. c. Ap. 1 94—102 excei 



13 • 


•« 


13 » 


20 » 




21 » 


21 » 






12 » 




12 » 


25 » 


B(i)CIC 

1 


26 » 


9 » 




9 » 


30 » 


c= Memnon) 


31 . 


36 » 


»36od. 38,af7w 


.28 » 


12 » 




16 . 


9 » 


^ 




12 » 




8 . 


12 » 




15 » 


4 » 


Danaos) 


5 » 


I » 






66 . 


= Aigyptos) 


68 . 


19 » 


__ 


40 » 



66 » 

40 »^ 

26 » 

7 ' 
Sa. 194 J. 



Eusebius' Kanon 
[ebenso bei Sync. p. 1 3 S] 



ebenso 



Orus 


37 J. 


Achencheres 


12 » 


Athoris 


9 • 


Chencheres 


16 . 


Acheres 


8 » 


Cheres 


15 » 



ebenso 



ebenso 



brechen sie mit Nr. 1 8 ab. ^3o, 12. * Nach Sync. p. 130, 12 vielleicht 21 Jahre, 
I Barbarus 260 Jahre. * Zu corrigiren in 66 Jahre. 



* Vergl. oben S. 73,3. 



"Am^q cön. 



Amenophthis can. 



"^ Arm. hat 8, was 



Form richtig ist, ist schwer zu entscheiden. ' als Schreibfehler erwiesen wird. 
S.73,5. * Athohyis arm. • Fehl 

16 gestellt. "^ 'Apm^cchc L., Armesis Lat., A 



Aegyptische Chronologie. 89 

Tethmosis ist, wie wir gesehen haben, bei Josephus eine harmonistische 
Correetur. In den Zahlen bietet Josephus die ältere Fassung; bei den 
Chronographen sind die Monate bald nach oben, bald nach unten zu vollen 
Jahren abgerundet, und dann durch Schreibfehler weiter entstellt, so bei 
Africanus Nr. 3 (Amenophis I. 24 Jahre statt 21^), Nr. 10 (Acherres 32 Jahre 
statt 12) und wolil auch bei Nr. 11 (Rathos 6 Jahre statt 9, vergl. Eus. 
Kanon, im Sothisbuch hat er 29 Jahre).^ 

Und nun ist diese Liste bekanntlich ein wahrer Hohn auf die geschicht- 
liche Überlieferung. Es handelt sich um die Glanzzeit des Neuen Reichs, neben 
der 1 2. Dynastie die bekannteste und ruhmreichste Epoche der ägyptischen Ge- 
schichte: aber was ist daraus geworden! Sie ist noch wesentlich schlechter 
als die Liste der 12. Dynastie. Kaum einen und den anderen der berühmten 
Königsnamen kann man herausfischen. Zu Anfang steht ganz richtig Amosis; 
aber sein Sohn und Nachfolger Amenophis L ist von ihm durch einen unbe- 
kannten Chebron getrennt. Amenophis' Schwester, Königin Amesses, mag, 
wie Sethe^ vermuthet hat, die Königin A^ahmes, Gemahlin Thutmosis' L sein; 
aber weder dieser noch Thutmosis IL noch Ha^tsepsut sind genannt, während 
Thutmosis III. zweimal, als Misphres = Mencheperre^ [von Manetho etwa Me- 
spe-re^ gesprochen] und als Misphragmuthosis = Mencheperra^-Thutmose, 
erscheint* — beide zusammen erhalten 38 Jahre 7 Monate, während Thut- 
mosis IIL 53 Jahre 10 Monate 26 Tage'^ regiert hat. Seine Nachfolger waren 

in Wirklichkeit: nach der Liste: 

Amenophis IL Thutmosis regierte 9 Jahre 8 Monate 

Thutmosis IV. Amenophis » 30 »10 » 

Amenophis IIL, regierte 36 Jahre Horos » 36 » 5 » 



* Synkellos rechnet p. 130,12 auf die Könige 2 — 6 nur 69 Jahre statt 72, scheint 
also fÖr Amenophis 1. nur 21 Jnhre gerechnet zu haben, wie Jos. und Eus. Aber die 
Dynastiesuinme erfordert für ihn mindestens 24 Jalire. 

* Bei Eusebius sind wie gewöhnlich die Zahlen noch stärker entstellt. 

' Die Thronwirren unter den Nachfolgern Thutmosis' I. (Unters, zur Gesch. und 
Alterthumskunde Aegyptensl, 1896) S. 5, im Anschlufs an Lepsius. Dafs und weshalb ich 
im Übrigen die Art, wie Sethe von Manetho möglichst viel zu retten sucht, nicht für richtig 
halten kann (am wenigsten die von Lepsius übernommene Aimahme eines Dynastieeinschnitts 
nach Misphragmuthosis S. 57), geht aus meiner Darlegung hervor. 

^ Das hat Setue S. 19. 71 f. richtig erkannt, und ebenso, dafs er mit Mesphres bei 
Plin. 36, 64. 69, dem die beiden Obelisken von Alexandria angehören, identisch ist. 

* Oder wenn man die Epagomenen besonders hinzuzählt, wie die Aegyj)ter sehr oft 
thun , 53 Jahre 1 1 Monate i Tag. 

. Phäos.'histor. Abh. 1904, L 12 



90 



Meyer: 



Es scheint also, dafe die beiden ersten Könige umgestellt sind, wrährend 
Amenophis III. als Horos erscheint/ Seine Regierungszeit ist also ungefthr 
richtig, ebenso vielleicht die des Thutinosis IV., während die des Ame- 
nophis IL zu hoch sein wird. Unter den folgenden Herrschern lO — 13 
verbergen sich die Ketzerkönige , dann kommt Harmais = Haremhebi , der 
aber sehr viel länger als 4 Jahre i Monat regiert hat.^ Ramses I. mit 

1 Jahr 4 Monaten ist wahrscheinlich richtig, ebenso Ramses II. mit 66 Jahren 

2 Monaten (er ist in seinem 67. Jahre gestorben); aber zwischen ihnen ist 
Seti I. ausgefallen. 

Und nun wird die Verwirrung noch ärger. Denn im Folgenden er- 
scheint bei Josephus zweimal ein König Sethos, der auch Ramesses heifst, 
und in dem Seti I. und Ramses IL zusammengeworfen sind; und das erste 
Mal erscheint Ramses IL nochmals als sein eigener Nachfolger unter dem 
Namen Rampses (var. Rapses, Rapsakes). Und sein Sohn Merneptah theilt 
sein Schicksal: wie Ramesses mit seinen 66 Jahren (das dritte Mal zu 60 
abgerundet) erscheint auch er nicht weniger als dreimal! Unter Thuoris 
verbergen sich dann die Herrscher der wirren Zeit nach Merneptah. Die 
folgende Zusammenstellung, die ich aus Gr. d. A. I, S, 315 wiederhole, 
macht das Verhältnifs deutlich : 

Ramses I. 15. ""Pam^cchc i J. 4 M. 



Jos. Afr. 



Seti I. 



Ramses IL 



Merneptah 



16. ''Pam^cchc Miamo9n 
66 J. 2 M. Jos. Eus. 



21 



18. C6e(i)c ö KAI Pam^cchc 59 J. 
Jos. = C^ewc 51 (55) J. 
Afr. Eies. 

19. ""Pämyhc 66 J. Jos. Afr. 
Eus. 

17. Am6n(ü4)IC 19 J. 6M. 20. "Am^nw^ic JoÄ. =:ÄMMeNe*eHc 22. "ÄMMeNeMMfic 5 J. 
Jos. Afr. Eus. 20 J. Afr., 40 J. Eus. Afr., 26 J. Eus. 



C^ecac b kaI'Pam^cchc 
Jos. = '"Pam^cchc 
60 J. Afr. 



* Er ist dann also der König **Ap, der nach Jos. § 232 die Götter gesehen hat; das 
pafst in der That für Amenophis III. gnnz gut. 

' Aus der von Loret, ÄZ. 39, iff. publicirten Inschrift aus der Zeit Ramses* II., 
Südwand Z. 8, wo das 59. Jahr llarembebi's erwähnt wird, geht hervor (wie Loret S. 4 
richtig erkannt hat), dafs man die Zeit der Ketzerkönige chronographisch dem Haremhebi 
zugerechnet hat. Vom Ende Amenoi)his' III- bis zum Antritt Ramses' I. sind daher mindestens 
60 Jahre verlaufen. [Bei Josephus regieren die Könige dieser Zeit zusammen 49 Jahre 9 Mo- 
nate, bei Africanus, bei dem aber die 32 Jahre des Acherres offen})ar in 12 zu C(nrigiren sind, 
67 [nichtiger 47] Jahre.] Von llarembebi selbst kennen wir das 21. Jahr. 



J 



Aegt/ptische Chronologie. 91 

Zur Aufhellung dieser erstaunlichen Verwirrung hilft die Beobachtung, 
dafs der Doppelname Sethos -Ramesses bei Josephus nur da gebraucht ist, 
wo der betreffende Herrscher zuerst eingefiihrt wird, §§ 98 und 245. Nach- 
her heifst Nr. 18 immer nur Sethos (Sethosis): §§ loi, 102, 231, während 
Nr. 21 immer nur Ramesses (§ 300 f.)' oder Rampses (§ 251) genannt wird, 
wie er auch, da er nach seinem Grofsvater benannt ist (§ 245), allein heifsen 
kann. Also ist § 98 b kai Tam^cchc Interpolation zu C^ecoc, § 245 C^eu) 
TÖN KAI Interpolation zu TAweccfi; auch die Namensform des letzteren als 
Ramesses geht offenbar auf den Interpolator zurück, während der ursprüng- 
liche Text hier Rampses gesagt hat. Mit anderen Worten, die ursprüngliche 
Namensfolge bei Josephus war: 

16. Ramesses Miamun 

17. Amenophis 

18. Sethos 

19. Rampses I. 

20. Amenophis 

2 1 . Rampses 11. 
(22. Ammenemnes) 

d. h. dieselben Namen wie in der Epitome, nur dafs Africanus Nr. 21 
(Rampses IL) gleichfalls Ramesses nennt [Eusebius hat ihn ausgelassen]. 
Der Interpolator aber erklärt sowohl Nr. 18 (Sethos) wie Nr. 21 für identisch 
mit Nr. 16, d. i. mit Ramesses Miamun, dem echten Ramses II. Dadurch fällt 
fiir ihn natürlich Nr. 19 (Rampses I.) überhaupt aus, und die drei Ame- 
nophis (bez. Ammenemnes) Nrn. 17. 20. 22 werden identisch. Es zeigt sich, 
dafs der Interpolator eine ganz gute Kenntnifs der ägyptischen Geschichte 
gehabt hat; er hat an der Joseph ischen Liste im Wesentlichen dieselbe Kritik 
geübt wie wir oben, nur dafs er falschlich Sethos und Ramses zu einer 
Person verschmolzen hat. Die historisch richtige Liste erhalten wir, wenn 
wir Nr. 16 und 17 (= Dyn. 18, 16 bei Afr., 13. 14 bei Eus.) sowie Nr. 21 
und 22 (= Dyn. 19, 4. 5 bei Afr., 4 bei Eus.) streichen und nur Nr. 18. 
19. 20 (= Dyn. 19, I — 3 bei Afr. und Eus.) stehen lassen. 

Ich glaube, dafs wir im Wesentlichen so verfahren dürfen , wenn wir 
den echten Manetho herstellen wollen. Denn die Verwirrung ist ja nur 



* Ebenso bei Chairemon Jos. c. Ap. 1, 288. 292 (Am^n(ü4>in kai tön yiön a^oy ""PAwecci^N), 
dessen Erzählung lediglich eine Verballhornung der mancihonisclien ist. 

12* 



92 Meyer: 

dadurch entstanden, dafs die beiden Excerpte IV und V bei Josephus, die, 
wie wir sahen, ursprünglich nicht mit einander zusammenhingen, schon 
von seiner Quelle als continuirlich betrachtet worden sind. Wir sehen aber 
jetzt, dafs auch in IV die Königsliste IVa , die mit 17 Amenophis schlie&t, 
von der angehängten Erzählung IV b von Sethos und Harmais getrennt 
werden mufs. Es ist also kein Zufall, dafs bei der letzteren keine Jahres- 
zahlen gegeben sind: sie gehört eben nicht zur Königsliste IVa, sondern 
ist ein für sich stehendes Stück manethonischer Geschichtserzählung. Schnei- 
den wir es weg, so ist die Liste am Schlufs ganz correct, nur dafs vor 
Ramses IL Miamun sein Vater Sethos ausgefallen ist, sei es durch Zufall, 
sei es in Folge der Identificirung der Beiden. Ebenso correct ist (oder 
vielmehr noch correcter, da sie Sethos kennt) aber auch die Liste in V, 
sobald wir sie nicht als Fortsetzung von IV, sondern als Parallelüber- 
lieferung dazu betrachten. So erklärt sich zugleich, dafs Va, die chrono- 
logische Einleitung zur Osarsiphgeschichte, Hermaios sagt, IV b dagegen 
Harmais. Die Excerpte aus Manetho gruppiren sich also folgenderma&en : 

IVa Königsliste §§ 94 — 97 IV b Va Konigsliste Vb 

schliefst mit: §§ 98 — 102 § 231 § 232 — 251 

14. Hannais 4 Jahre i Monat 

15. Ramses I. T Jahr 4 Monate 

[16 a. Sethosl Geschichte des Sethos Sethos 59 Jahre 

i6b. Ramses II. Miamun Rampses 66 Jahre 

66 Jahre 2 Monate 
17. Amenophis 19 Jahre Geschichte des Osar- 

6 Monate siph unter Ameno- 

phis und seinem 
Sohne Rampses 

Reine Geschichte haben wir damit freilich noch nicht. Die Geschichte 
von dem heliopolitischen Priester Osarseph und dem weisen Amenophis, 
Sohn des Paapis — der ein Zeitgenosse Amenophis' III. gewesen ist — , 
hat ursprünglich zweifellos unter Amenophis IV. gespielt und ist eine 
sagenhafte Erzählung von der Einführung des solaren Monotheismus und der 
Verfolgung der Götter durch diesen König ^; aber Manetho hat sie sicher 
auf Merneptah , den Sohn Ramses' II. , bezogen , deshalb ist dessen Name in 
Amenophis verwandelt. Wenn dieser König auf 1 3 Jahre nach Aethiopien 



^ Siehe meine Gesch. Aegyptens S. 276 f., bestätigt durch Wilcken in den Aegyptiaca 
S. 147 ff. 



Aegypüsche Chronologie. 93 

abzieht und dann erst zurückkehrt, und mit Hülfe seines jetzt mannbar 
(i8 Jahre alt) gewordenen Sohnes Ramses, den er als fun^ährigen Knaben 
bei einem Freunde untergebracht hat, die Gottlosen verjagt, so ist dabei 
an die win-en Zeiten nach Merneptah gedacht. Der junge Sohn des Ame- 
nophis = Merneptah , der nach dcvssen Vater, Ranises IL, benannt ist imd 
offenbar in dem nur in kurzem Auszug vorliegenden Bericht der eigent- 
liche Sieger und der Erneuerer des alten Cultus gewesen ist, ist also 
Ramses III. Geschichte ist das freilich nicht; aber wie gut eine derartige 
Sage auf ihn pafst, bedarf keiner Ausführung: hat er sich doch in Allem 
als den Nachfolger und Nachalimer des grofsen Ramses gegeben und in 
der That das Reich noch einmal in den alten Formen wiederhergestellt. 
Kr wird durch die Sage an das alte Königshaus angeknüpft und sein 
wirklicher Vater Setnecht unterschlagen. Da(s er als fiinfjähriger Knabe 
von seinem angeblichen Vater Amenophis »bei seinem Freunde in Ver- 
wahrung gegeben wird«, um dann nach 13 Jahi*en als jugendlicher Held 
und Befreier wieder aufzutreten, läfst den wahren Sachverhalt deutlich 
genug erkennen. Im Übrigen hat die Flucht des alten Königs nach 
Aethiopien vor fremden götterfeindlichen Eroberern ihr Gegenstück in der 
Nektanebossage; und wie Amenophis den Rächer und Retter Ramses III. 
erzeugt hat, so Nektanebos den Alexander. 

Wir können in der Analyse der Sage noch einen Schritt weiter gehen. 
Nach ihr rufen die Aussätzigen unter Osarseph, d. h. die Anhänger der 
von Heliopolis ausgehenden Reformation, die unter Amenophis IV.-Chu- 
enaten zeitweilig zum Siege gelangte , die Nachkommen der Hirten zu Hülfe, 
die sich in Jerusalem festgesetzt haben; und diese beherrschen und ver- 
wüsten mit ihnen zusammen Aegyptcn 13 Jahre lang (§§ 241. 248 f.). Zur 
Zeit der Reformation ist von einem asiatischen Einfall in Aegypten keine 
Rede, im Gegentheil, einen Rest der Suprematie über Syrien haben auch 
die Ketzerkönige noch aufrecht erhalten. Dagegen in den Wirren vor Ram- 
ses III. hat, wie wir aus dessen eigenem Bericht im Harrispapyrus wissen, 
in der That ein Palästinenser, der Choriter Arsu\ über Aegypten ge- 
herrscht und Tribut erhoben, während seine Genossen raubten und »die 
Götter ebenso behandelten wie die Menschen: man brachte keine Opfer 



^ Ob dieser mit einem der ephemeren Könige dieser Zeit identisch ist, läfst sich nicht 
entscheiden; dafs er officiell einen ägyptischen Namen angenommen hat, ist wahrschein- 
lich genug. 



94 Meyer: 

in den Tempeln«, bis Setnecht, der Vater Ramses EH., ihn stürzte und 
Recht und Cultus wiederherstellte. Deutlich sieht man, wie bei Manetho 
die beiden ursprünglich ganz verschiedenen Sagen von Osarscph und von 
Ramses III. contaminirt sind: jener geliören die Aussätzigen, dieser die 
asiatischen Eroberer, die »Hirten« oder »Solymiten« an; das sind Arsu 
und seine Gesellen. Wir können den historischen Bericht Ramses' III. 
geradezu aus der Sage ergänzen: sie zeigt, dafs es sich bei Arsu in der 
That um eine Fremdherrschaft gehandelt hat — was ich mit Anderen 
bisher bezweifelt hatte. 

Ursprung und Sinn der von Manetho berichteten Sage durfte damit 
völlig aufgeklärt sein. Aber Manetho selbst hat sie nicht mehr verstanden. 
Er hat sie selbst als Volkssage bezeichnet \ und wird deshalb von Josephus 
(oder vielmehr seiner Vorlage) scharf angegriffen, dafs er sie überhaupt 
aufgenommen habe. Neben ihr stand die in den Königislisten vorliegende 
Überlieferung, die als Nachfolger Ramses' II. nicht Amenophis, sondern 
Memeptah M€Ne4>eftc nannte, und dann mehrere ephemere Fürsten, die sich 
in der Epitome unter dem Namen Go^capic zu verbergen scheinen. Es ist 
vielleicht möglich, dafs schon Manetho selbst Ramses, den Sohn des 
Amenophis, von Ramses III. getrennt hat und dadurch zu der ersten der 
Verdoppelungen gefuhrt worden ist, die wir kennen gelernt haben. Falls 
das richtig ist, so hat er von der 19. Dynastie in der That eine ebenso 
entstellte Liste gegeben , wie die Epitome bei Africanus. Dafs in der con- 
taminirten Namensform, in der Mernephtah hier beide Male erscheint, 
AwMeNeoefic und "AMMeNGMNRc, die Einwirkung des Namens AweNÖoic vorliegt, 
ist schon erwähnt worden.^ 

Schliefslich erhält jetzt auch ein bisher ganz räthselhaftes Problem 
volle Aufklärung, nämlich die absurde Stelle, an der die Epitome den 



* § 105 Y'n^p ÖN ö A\an€Göc o't'k ^k tön nAP'' AfrYnrioic rPAMMATWN, Xaa** u)C ay'töc 
ÄMOAÖrHKeN, ^K TÖN AAGcnÖTwc MYeoAoro^MeNCüN npocT^eeiKeN, yct€pon ^leA^raEw 

KATX W^POC AnOAGIKN'^C THN AniGANON AYTOY YeYAOAOriAN , = 229 eneiTA A^ AOVC 61OYCIAN 
AYTÖ AlX t6 <t>ANAI TPA Y€l N TA MYGG YÖM€NA KAI A6 rÖM€ N A nePI TÖN 1 OYAAIWN, AÖrOYC 

XniGANOYC nAPeN^BAACN. Ebenso § 287. 

' Vielleicht steckt also in der Bezeichnung des Königs Amenophis als ysya^c 6noma 
und ^mböaiwoc baciaeyc bei Jos. 230. 232 doch noch ein Stück des echten Manetho, das 
dann bei Josephus vergröbert ist (oben S. 77): er mag in der historischen Darstellung, nach 
den ANArpAOAi, MeNei>eflc, in der Sage ''AMeNÖoic gesagt und beide Namen fJir identisch er- 
klärt haben. 



Aegyptische Chronologie. 95 

Dynastieeinschnitt macht und die 19. Dynastie beginnt. Bekanntlich kann 
man historisch einen Dynastieeinschnitt nur nach dem Ende der Ketzerkönige 
(oder vielmehr der illegitimen Herrscher Tut^anchamon und Ai, die zur Ortho- 
doxie schon zurückgekehrt waren) machen, vor Harmais = Haremhebi, ebenso 
wie wir die 20. Dynastie nur mit Setnecht, dem Vater Ramses' III., be- 
ginnen können. Der überlieferte Dynastieeinschnitt erklärt sich sehr ein- 
fach dadurch , dafs er mit dem Einschnitt zwischen den beiden Excerpten 
IV und V bei Josephus identisch ist. Die Epitome hat die in IV ^ auf- 
gezählten Könige Nr. i — 17 (von Tethmosis, d.i. Amosis, bis Amenophis) 
sämmtlich der 18. Dynastie zugewiesen, und aus den in V genannten Herr- 
schern, die in Wirklichkeit mit den letzten Herrschern von IV identisch 
sind, die 19. Dynastie gebildet. 

Und nun gewinnt es vielleicht doch Bedeutung, dafs die Liste des 
Sothisbuchs alle diese Könige der 19. Dynastie der Epitome übergeht, 
und auf das erste Paar, Ramesses und Amenophis (=16. 17 bei Jos.), 
gleich Thuoris folgen läfst. Möglich ist es ja, dais das nur Zufall ist; 
denkbar wäre aber doch , dafs sich hier noch das Richtige erhalten hätte. 
Setzen wir den ausgelassenen Ramses L und den mit Ramses ü. ver- 
schmolzenen Sethos wieder ein, so wird die Liste des Sothisbuchs an dieser 
Stelle völlig correct, allein von allen erhaltenen. 



Ergebnisse. Geschichte der manethonischen Überliefenmg. 

Die Dynastie- und Tomossrnnmen. 

Dafs Josephus und die Epitome nur verschiedene Versionen desselben 
Auszugs aus Manetho darstellen, ist jetzt völlig evident geworden; daraus 
folgt zugleich, dafs es keineswegs Zufall ist, dafs beide von den voran- 
gehenden Dynastien nur bei der ersten Hirt^ndynastie die Königsnamen 
aufzählen.. Aber auch in die lange Geschichte, welche diese Excerpte hinter 
sich haben, haben wir einen Einblick gewonnen. Ich will versuchen, die- 
selbe kui'z zu skizziren, wobei, wie bei allen ähnlichen Untersuchungen, 
immer im Auge zu behalten ist, dafs sich die Einzelheiten und Zufalle, 
die dabei gewaltet haben, niemals vollständig enthüllen können, und 



* D.h. in dem Stuck, das Eusebius allein in s(Mn erstes Buch aufgenommen und daher 
auch das Sothisbuch allein benutzt hat. 



96 Meyer: 

dafs es daher niemals möglich ist, dals das Exempel wirklich ohne Rest 
aufgeht.^ 

Die Listen der Chronographen sind der Rest einer Epitome aus dem 
Gesammtwerk Manetho's. Diese trägt in den übrigen Abschnitten genau 
denselben Charakter wie bei Dyn. 15 — 19: sie ist ein chronologischer Aus- 
zug, mit gelegentlichen kurzen Notizen wie bei den Hyksos und wie die 
Bemerkungen Xa€A4)I^, evrÄTHP, Xagaoöc bei Jos. Nr. 4. 10. 11, und mit ver- 
einzelten Zusätzen aus Herodot und hellenistischen Schriftstellern; und sie 
giebt bei den wichtigeren Dynastien Namen und Zahlen der Könige wie 
bei Dyn. 15. 18. 19, bei den übrigen nur die Summe der Dynastie wie 
bei Dyn. 16. 17. 

Danach ist kaum zu bezweifeln, dafs die Listen der Hyksos und der 
18. und 19. Dynastie von der Urquelle des Josephus aus der Epitome ent- 
nommen sind^, d. h. dafs diese schon im Wesentlichen ebenso vorlag, wie 
wir sie besitzen, als ein jüdischer Apologet sie fiir seine Zwecke benutzte. 
Dessen Absicht ist offenbar gewesen, nachzuweisen, dafs die Juden mit 
den Hyksos identisch seien, also nicht die Aussätzigen des Osarseph sein 
könnten. Deshalb hat er zunächst 

1. die Geschichte der Hyksos gegeben (Exe. I bei Jos.), und zwar 
die Erzählung nach Manetho selbst, die Königsfolge nach der Epitome [viel- 
leicht gehört dann § 84 f. über die Dauer ihrer Herrschaft und den Anfang 
des Befreiungskrieges doch noch dazu ^ dagegen sicher nicht § 86 ff. über 
Misphragmuthosis und Thimimosis]. Daran schlofs die mit Amosis begin- 
nende Liste der Könige des Neuen Reichs bis auf Ramses Miamun und 
seinen Sohn Amenophis (Nr. 17), unter den Osarseph's Geschichte fiel. In 
dieser Liste (Exe. IVa) ist der Name des Sethos ausgefallen. Neben ihr 
stand 

2. selbständig die aus Manetho selbst entnommene Geschichte des 
Osarseph (Exc.Vb), der die Namen der zunäclist vorangehenden Könige 



^ Es ist daher auch zweifellos, dafs der nächste Forscher, der sich mit diesen Fragen 
beschäftigen wird, meine Skizze verwerfen und eine andere an ihre Stelle setzen wird. 
Darauf kommt wenig an: denn sie ist nur eine Hiilfsconstruction, welche verdeutlichen soll, 
wie die von ihr völlig unabhängigen Thatsachen, die wir ermittelt haben, etwa erklärt 
werden können. 

* Dafs die Dynaslieneintlieilung bei Josej)hus nicht erwähnt wird, erklärt sich daraus, 
dafs dieselbe für einen jüdischen Apologeten gar kein Interesse hatte. 



Aegyptische Chronologie. 97 

Sethos und Ramses IL aus der Epitome vorausgeschickt waren (Exe. Va). 
Dann ist dieses Excerpt als Fortsetzung von Nr. i betrachtet worden: so 
wurden Ramses II. und sein Sohn verdoppelt. 

3. In dieser Gestalt ist die Liste von einem Schriftsteller benutzt 
worden, der den Zeitabstand des Exodus unter Amosis von dem mit Sethos 
identificirten Aigyptos (393 Jahre) ermitteln und dadurch nachweisen wollte, 
wie viel älter die jüdische Geschichte sei als die griechische. Deshalb hat 
er die Geschichte des Sethos und Harmais (Exe. IV b) aus Manetho in die 
Epitome eingelegt. 

4. In dieser Fassung ist die Liste zu den christlichen Chronographen 
gekommen, in reinerer Gestalt zu Africanus, in weiter entstellter und über- 
arbeiteter zu Eusebius. Sie verdanken ihre Epitome also (direct oder in- 
direct) einem jüdischen Chronographen , der die ursprüngliche Epitome nach 
demjenigen jüdischen Apologeten corrigirt hat, bei dem die Zeit von den 
Hyksos bis aufAmenophis die unter i — 3 beschriebene Gestalt gewonnen 
hatte. Deshalb hat er die Verdoppelung oder vielmehr Verdreiiacliung 
der Könige aufgenommen, und den Dynastieeinschnitt zwischen i und 2 
angesetzt. Dagegen weifs er von der Ersetzung des Amosis durch Teth- 
mosis noch niclits, ebenso wenig von der Gleichsetzung von Sethos und 
Ramesses; die Hyksos sind ihm bacia€Tc noiM^Nec (später für Phöniker er- 
klärt), in Dyn. 19 hat er nicht den Namen Amenophis, sondern Amme- 
nephthes und Ammenemnes. Nach letzterem fährt er mit Thuoris mit der 
echten Epitome fort. 

5. Ehe die Excerpte dagegen zu Joseph us gelangten, sind in sie die 
pseudomanethonischen Stücke II. III eingelegt über die arabische Herkunft 
des Hyksos und die Namenserklärung aixmäawtoi noiM^Nec, über Misphrag- 
muthosis und Thummosis. Deshalb ist dann der Name Amosis in Thet- 
mosis geändert worden. Endlich hat ein historisch ganz gut informirter 
Interpolator die Könige 18 (Sethos) und 21 (Ramesses) mit einander und 
mit Nr. 16 (Ramesses Miamun) identificirt und deshalb beide Male C^ecac 
ö KAI "^PAMeccftc geschrieben. In dieser Gestalt hat Josephus die Stücke 
übernommen. — 

Für die Chronologie, um derentwillen wir diese lange Untersuchung an- 
gestellt haben, ergiebt sich, dafs Manetho in der ursprünglichsten Fassung, 
die wir erreichen können, zwar wesentlich freier von groben Fehlern ge- 
wesen ist als die Epitome in der uns vorliegenden Gestalt, dafs er aber 

Philos.-histar. Ahh, 1904. 1. 13 



98 Meyer: 

doch , wie bei der 1 2. Dynastie, von der geschichtlichen Wahrheit noch recht 
weit abstand. Das gilt sowohl von Namen und Folge der Könige, wie von 
den Zahlen, auch wenn wir noch so viel auf spätere Schreibfehler in Anrech- 
nung bringen. Bei den Zahlen sind, wie bei Dyn. 12, einige wenige ganz 
oder annähernd richtig, die meisten aber ganz falsch. Manetho konnte 
daher sehr wohl ein Leitfaden für die Ordnung der Monumente sein, als 
die Aegyptologie in ihren Anfängen stand; gegenwärtig aber dürfen wir ihn 
immer nur mit äußerster Vorsicht benutzen. Wenn das von der Glanzzeit 
des Mittleren und Neuen Reichs gilt, so trifft es natürlich die älteren und 
vor Allem die dunklen Zeiten in noch viel höherem Mafse. Wie weit die 
Zahlen der Epitome für Dyn. 13 — 17 im Einzelnen wirklich die Manetho's 
sind, läfet sich nicht controliren, aufser bei Dyn.15; und da sind sie sicher 
nicht historisch. Ihre Gesammtsumme aber ist, wie wir oben S. 60 ff. schon 
gesehen haben, absurd im höchsten Grade und daher ohne Bedenken als 
gänzlich unbrauchbar zu verwerfen. 

Ein weiteres Ergebnifs ist, dafs die viel gepriesenen Dynastiesummen 
bei Africanus* gar keinen Werth für Manetho haben, geschweige denn för 
die Geschichte. Denn die Summe fiir Dyn.15: 284 Jahre beruht auf der 
irrthümlichen Wiederholung der Zahl für Apophis, die von Dyn. 18: 263 
Jahre (oder vielmehr nach den Posten 262 Jahre, s. sogleich) auf der Aus- 
lassung der Zalil des Amosis^ und auf der interpolirten Liste sowie den ver- 
schriebenen Zahlen für Amenophis I., Acherres, Rathos und der Auslassung 
des Ramesses Miamun, die für Dyn. 19: 209 Jahre gleichfalls auf der inter- 
polirten Liste. 

Auf den Summen der Einzeldynastien beruht aber wieder (vgl. S. 167) 
die Summenzahl, die Africanus für die tömoi Manetho's angiebt und die Euse- 
bius unbesehen übernommen hat, so wenig sie zu seinen Zahlen stimmt^ — ein 
weiterer Beweis , dafs er nur eine Verschlechterung der Liste des Africanus 



* Dafs die des Eiisebius ohne jeden Werth sind, liegt auf der Hand. 

' Eusebius giebt ihm wie Josephus 25 Jahre (4 Monate); das ist von der Vertreibimg 
der Hyksos an gerechnet. Unger, Chron. d. Man. 163 glaubt die volle ihm zustehende Zahl 
im Barbaras p. 38a in einer zu dem Götterkönig Anubis gerathenen Notiz zu finden, die 
er in scharfsinniger Weise reconstruirt (vergl, Gklzer, Afr. 1, 202); danach hätte Amosis 
67 Jahre regiert. Historisch ist diese Zahl aber natürlich nicht. 

■ Beim Barbarus dagegen ist die Tomossumnie nach seiner Liste corrigirt (s. oben 
S. 84). 



Aegyptische Chronologie. 99 

giebt. Die Summe des zweiten Tomos, = Dyn. 1 2 — 19, ist ^ 96 (Eus. 92) Könige, 
21 21 Jahre. Hier beruht die Summe der Jahre auf den Dynastiesummen 
des Africanus; denn wenn wir bei Dyn. 18 statt 263 die Summe der Einzel- 
regierungen 262 einsetzen, erhalten wir: 

Dyn. 12. 7 Könige 160 Jahre 

453 » 
» 184 » 

» 284 » 

» 518 » 

» (+43) 151 » 
» 262 » 

» 209 » 



13- 


60 


14. 


76 


15- 


6 


16. 


32 


17- 


43 


18. 


16 


10. 


6 



Sa. 246 (289) Könige 2221 Jahre. 

Dafs die Jahrsumnie gerade 100 Jahre mehr ergiebt als die überlieferte 
Zalil, kann kein Zufall sein; offenbar ist vielmehr bei einer der Dynastien 13. 
14. 16. 17 die Summenzahl um 100 zu kürzen, vielleicht bei Dyn. 16, wo 
der Barbaras 318 Jahre giebt.^ 

Wie dagegen der ungeheure Unterschied in der Summe der Könige 
zu erklären ist, ist nicht zu sagen. Jedenfalls ist klar, dafs die Summe 
der Könige und die der Jahre ganz verschiedenen Ursprungs sein müssen. 
Sollte hier eine Rechnung vorliegen, welche von den 246 (289) Königen 
etwa 150 (193) als ephemer oder als gleichzeitig mit den anderen regierend 
ausschied und also eine Andeutung enthielt, dafs diese Zeit in Wirklich- 
keit viel kürzer gewesen ist, als es nach den Listen den Anschein hatte? 



Die thebanische Eönigsliste des Eratosthenes. 

Für Synkellos war die manethonische Kpitome des Africanus und Euse- 
bius geschichtlich ohne jeden Werth; in dem historischen Theil seiner 
Chronographie hat er sie durch das Sothisbuch ersetzt. Daneben hat er 



* Africanus bei Sync. p. 135 ; Eusebius chron. 1, p. 145 = Sync. p. 136 (verschrieben äpkX). 

' Gelzer, Afric. 1, 199 ff. nimmt auf Grund des Barbarus an, der II. Tomos habe mit 
Dyn. 18 geschlossen, und erhält dann eine Summe von 2120 Jahren (also i J. zu wenig), 
indem er für Dyn. 14 die Zahl des Eusebius (484 Jahre), für Dyn. 15 — 18 die Zahlen des 
Barbarus (224. 318. 221. 260) einsetzt. Das kann ich nicht für richtig halten. 

13* 



100 Meter: 

— oder vielmehr schon seine Quelle Panodoros — noch eine Liste von 
thebanischen Königen aufgenommen, die er auf ApoUodoros zurückfahrt. 
Sie besteht aus zwei Theilen: 

1. einer Liste von 38 Königen, die Apollodor aus Eratosthenes ent- 
nommen hat, und die Synkellos mittheilt; 

2. einer Liste von 53 weiteren Königen, die Apollodor hinzugefugt 
hat, und die Synkellos als überflüssig bei Seite lafst.* 

Diese 53 letzten Könige sind, wie von Gutschmid* mit grofser Wahr- 
scheinlichkeit vermuthet hat, mit denen der eusebianischen Epitome von 
Dyn. 20, 2 bis zum Ende der 30. identisch gewesen. ApoUodoros aber, 
aus dem die Liste stammt, ist, wie allgemein anerkannt, nicht der be- 
rühmte Verfasser der jambischen Chronik, die mit der Zerstörung Troja's 
begann, sondern derselbe Apollodor oder Pseudoapollodor, aus dem Euse- 
bius und Synkellos die Liste der chaldäisclien Könige entnommen haben 
und bei dem auch die Urkönige von Sikyon und Argos verzeichnet 
waren.' 

Aber damit ist über Eratosthenes und die Liste der 38 Thebaner 
noch nichts entschieden. Freilich wird auch sie, nachdem sie früher 
mafslos gepriesen war, jetzt fast allgemein für ein spätes Machwerk ge- 
halten; nur Frick* und Gelzer^ sind energisch für die Echtheit einge- 
treten. 

Nun zeigt eine Vergleichung mit der Epitome sofort, dafs die Liste 
aus dieser interpolirt ist: 



* Sync. p. 171 "AnoAAÖACöPoc xponiköc Xaahn AfnrnTicöN tön Ghbaicön AeroM^NWN BACiAeiAN 
ANerpAYATO bacia^con äh, 6tön äoc (1076) [Synkellos setzt sie a. mundi 2900 — 3975], c5n tAn 

TNÖCIN, OHcIn, Ö ""GPATOCe^NHC AABd)N AirvnTIAKoTc YnOMNI^MACI Ka) ÖNÖAVACI KATX HPÖCTAIIN 

baciaikI^n tPI '■eAAAAi 4>ü)Nfl nAP^<t>PAC€N OYTü>c — folgt die Liste. Dem entspricht am Schlufs 

p. 279 fl Tü)N ÄH BACIA^(üN TÖN KAt' AfrYTTTON AerOW^NCON GhBaIcoN, (Sn tX ÖNÖAVATA ''GPATOCe^NHC 

aabwn ^k tön 6n AiGcnÖAei leporPAMMAT^WN hap^^paccn ^i AfrYnTJAc eic "^Gaaaaa owni^n, 

^NTAYGA ^AHieN XPXH . . . TÖN A^ TO^TOIC ^<t>€lfic AAAWN NT GhBaIcoN BACIA^CÜN ^UÖ TOY A"tTOY 
ÄnOAAOA^POY nAPAAGAOM^NCöN tAc nPOCHrOPlAC nCPITTÖN ^rO^MeGA ^NTAYGA, ^C MHA^N CYM- 
BAAAOM^NAC fHM?N, nAPAG^CGAl * ^nei MHA^ A\ np6 A'VTÖN. 

* Beitr. zur Gesch. des alten Orients S. 4f. 

* Siehe zuletzt F. Jacob v, Apollodor's Chronik (1902), S. i9ff.; die entsprechenden 
Fragmente sind S. 397 ff. zusammengestellt. 

* Rhein. Mus. 29, 2 56 ff. 
' Africanus II, 196 ff. 



Aegyptische Chronologie. 101 

Eratosthenes Africanus 

A ^BACIAevCe AAl^NHC GeiNITHC* GhBaToC, nPÖTOC AAl^NHC GemiTHC ^BACIAeVCeN i^TH 
b fePMHNe^eTAI At(i)NIOC* fiSACIAeYCeN IB 

^TH IB 



B Ghbaiwn AG^'Tepoc ^BAcUevceN "Ae^GHc B '7Ve(i}eic vföc iSth ni 
vtöc AAANewc i^th Ne: o?toc fepwH- 

N€+eTAI ""CPMOr^NHC. 

In derselben Weise stimmen die Zahlen auch sonst mehrfach ; besonders 
deutlich ist die p]ntlehnung bei Apappus = Phiops (unten S. 167); sie sind 
offenbar durchweg entweder aus der Epitome eingesetzt oder frei erfunden. 
Ebenso ist Geinithc neben GhbaToc deutliche Interpolation: die Könige sollen 
ja 9hbaiü)n baciagTc sein, also hat die Liste ursprunglich AA»^nhc 9hba7oc ge- 
sagt.* In derselben Weise ist bei dem 6. König AAgm^Ithc hinzugefugt, wo- 
durch er mit dem zweiten König der 3. Dynastie Manethos identificirt 
werden soll. 

Streichen wir die Interpolationen, so bleibt eine Liste von 38 Namen 
(ohne Zahlen) mit einer Übersetzung in's Griechische, die zwar fast immer 
absurd ist, aber oft genug die echt ägyptischen Spielereien erkennen lafst, 
von denen auch die Schrift der Ptolemäerzeit wimmelt^; nur sind Namen 
und Übersetzungen vielfach so heillos entstellt, dafs die richtige Form 
nicht mehr zu erkennen ist.* Diese Liste dem Eratosthenes abzusprechen 
sehe ich gar keinen Grund. Sie mufs, wie die Überschrift sagt, aus Theben 
stammen, und ihre Grundlage wird, wie öfter vermuthet ist, eine Königs- 
tafel ähnlich der Thutmosis' HI. von Karnak sein; dafs man in der Ptole- 
mäerzeit daran ein Interesse nahm und Eratosthenes sie sich hat vorlesen 



^ Die Bonner Ausgabe liest GHSiNfTHC, was Gelder, Rh. Miis. 44, 268 für Druckfehler 
erklärt, »da das Lemma bei Dindorp in den Noten GeiNiTHC hat«. Aber Dindorf's Be- 
merkung lautet: »GeiNiTHc] legebatur Ghbinithc. Ghnithc B.« Also hat Dindorf GeiNiTHC für 
richtig gehalten, aber in den Text aufzunehmen vergessen; GhbinIthc scheint dagegen ein Theil 
der Handschriften wirklich zu bieten. 

' Daher ist Gutscbhid's Correctur Mmnic Ginithc eHBAiAOC, Rh. Mus. 44, 268, falsch. 

• Z. B. Athothes = ep/Aor^NHC; CiPioc- yiöc köphc, Sohn der Pupille, wonach Putschmid 
sehr hübsch 28. Me^PHc <t>iAÖCKOP0c in oiaoc köphc verbessert, u. Ä. Die Varianten bei 
Nr. II und 15 können sehr wohl von den Priestern selbst stammen. 

* Eine grofse Zahl zum Theil sehr ansprechender, zum Theil unhaltbarer Verbesse- 
rungen Gutschmid's hat Gelzer, Rh. Mus. 44, 267 ff. veröffentlicht. 



102 Meyeh: 

und die Namen übersetzen lassen ^ ist leicht begreiflich. Veröffentlicht hat 
er sie allerdings schwerlich in seinem chronographischen Werk, sondern 
in irgend einer anderen Schrift. Der Titel Ghbaiwn baciacTc enthält zugleich 
eine kritische Reservation: dafs die Könige von Theben über ganz Aegypten 
geherrscht hätten, wird damit als problematisch hingestellt. 

Die Liste hat zwar historisch keinen gröfsereu Werth , ist aber als Seiten- 
stück zu Manetho und den Königstafeln nicht ohne Interesse. Sie zählt auf: 

I — 5. 5 Könige, die der i. Dynastie entsprechen; 

6 — 12. 7 kaimi zu deutende Namen, die der Interpolator vielleicht mit 

Recht der 3. Dynastie gleichgesetzt hat; 
13 — 17. 5 Könige der 4. Dynastie; 
18 — 22. 5 Könige der 6. Dynastie. 

Die Namen, die weiter folgen, sind gröfstentheils undeutbar; sie er- 
halten ein so seltsames Gemisch von Königen des Mittleren und Neuen 
Reichs und uns wenigstens unbekannten Namen, wie selbst die Liste von 
Karnak nicht. Mehrere Namen sind deutlich nicht die bei Manetho vor- 
liegenden Jligennamen , sondern Thronnamen , wüe es sich für Königstafeln 
gehört; auch der Turiner Papyrus giebt bekanntlich fast durchweg nur 
diese. Ich setze diesen Theil der Liste gleich hierher: 

23. MyptaToc (ä^\wü)nöaotoc) 2 2 Jahre. 

24. O'^'üciMÄPHC^ der Vorname Ramses' IL, erklärt als Haioc kpataiöc', 
12 Jahre. 

25. CeeiNiAoc* (a+ii^cac tö nÄTPiON kpAtoc) 8 Jahre. 

26. CeMopoYKPÄTHc CHpakahc [d. i. Su] "ApncKPÄTHc) 18 Jahre. 

27. Xovei^p (ta9poc [ka] t^pannoc) 7 Jahre. 

28. Mevpi^c (oiAoc KöPHc)^ 12 Jahre. 

29. XwMAeoeA [Merneptah?] (köcwoc ♦iai^^aictoc) ii Jahre. 

30. CoiKOYNiöcoxoc (t^pannoc)® 6o Jahre. 



* Wenn auch schwerlich im Auftrage des Königs; das ist späterer Roman, so gut wie 
die Beauftragung des Manetho (im Sothisbuch) oder der 72 Dolmetscher durch Philadelphos. 

' So richtig Jablonski. 0yocimaphc ä. Oycocimaphc B, 

* So VON GUTSCHMID Statt KPATAlÖC ö ^CTIN HaIOC. 

* So B» 0IPIAAOC Ä, GiNIAAGC Di N DORF. 

* <|)|AÖCK0P0C, em. Gutschuid (s. S. toi, 3). 

* COIKO^NIOC ■'OXOTY'PANNOC B. CyK. Ä. CoIKO^NIOC, CoYXOC "Pf'PANNGC GuTSCHMlD. StCckt 

einer der Sebekf^otep's darin 1* 



M ^^ T-.U ^ ^ ^^^ Könige der 12. Dynnstie. 



Äegypttsche Chronologie. 103 

31. rTeT€AOYpfic [ein vortreflflich gebildeter Name Pedu-hathor, der aber 
als Königsname nicht vorkommt] 16 Jahre. 

32. [Amm^ngmhc a', X Jahre]* 

33. 1i\^\M^N€MHc b'*, 23 Jahre 

34. CicTocixepMfic ("HpakaRc [= Su] kpataiöc) 53 Jahre. 

35. MAphc, 43 Jahre. 

36. Ci4>eÄc^ (6 KAI '"ePMflc, Yiöc "^Hoaictoy) 5 Jahre [König Siptah Dyn.19]. 

37. Opoyopö (NeTAOc) 5 Jahre — also der Flufs (p-jeor) als König. 

38. ÄmoygaptaToc 63 Jahre. 

Bei Nr. 31. 33. 35. 38 ist die Übersetzung ausgefallen. 



Die Eönigstafeln. 

Von den ägyptischen Königstafeln, d. h. Listen verstorbener Herrscher, 
welche in Königsbauten dem Ahnencult, in Privatgräbern dem Todtencult 
(da die Könige unter den Göttern weilen, mit denen der Todte in Ver- 
bindung treten will) dienen, kommen die kleineren, die nur einige wenige 
Namen enthalten, fiir uns nicht in Betracht. Auch die grofse Tafel Thut- 
mosis' III. aus Karnak^ bietet für unsere Zwecke wenig. Sie enthält zu 
Anfang ein paar Namen des Alten Reichs, weiter einige der 11. Dynastie 
und vollständig (zum Theil zerstört) die der 12. Dynastie, aber auch diese 
nur theilweise in richtiger Reihenfolge, zum Theil dagegen auf's Ärgste 
durch einander geworfen. Alle anderen Namen (aufser Seqenenre^ Dyn. 17) 
gehören der 13. Dynastie an und sind för diese nicht ohne Werth, wenn 
auch auf die Reihenfolge selir wenig zu geben ist. Wie Auswahl und An- 
ordnung zu erklären sind, ist völlig räthselhaft (vgl. S. 145. 161). 

Um so wichtiger sind die beiden Königstafeln von Abydos und Sakkara. 
Jene, aus dem Tempel Seti's I. in Abydos*, giebt eine Königsliste von 



* In den Codd. ist ein Name ausgefallen. Sie bieten ab ^BACiAevce Ctawmcn^mhc b. 

* So GüTSCBMiD mit Recht für Ci<t>ÖAC. 

' Nur theilweise erhalten, jetzt in Paris; publ. von Lepsii:s, Auswahl Taf. I. 

* Entdeckt und publicirt 1864 von Dumichen, ÄZ. II,8i, und danach öfter wieder- 
holt (z.B. von DE Rouge, Rech, sur les mon. des six prem. dyn. pl. II). Selbständig ist die 
Publication von Marirttr, Abydos I, pl. 43. Bekanntlich ist die nur (mvolist&ndig erlialtene 
Tafel Ramses' II. (in London, publ. Lkpsivs, Auswahl Taf. 2) eine genaue Copie der Tafel 
seines Vaters. 



104 Meter: 

76 Namen (bez. Thronnamen) von Menes bis auf Seti L; dieser selbst bringt 
ihnen die Todtenopfer, sein Sohn, der Kronprinz Ramses, »recitirt die Lob- 
sprüche«, die er aus einer Buchrolle abliest/ Die Tafel von Sakkara^ aus 
dem Grabe des königlichen Schreibers und ersten Todtenpriesters (cherbeb) 

vs I l H Tunroi aus der Zeit Ramses' IL, stand auf einer zerstörten 

Wand des Grabes und ist nur theilweise erhalten; namentlich fehlt ein 
Stück in der Mitte. Da Mahiette in seiner Publication die Dimensionen 
der einzelnen Stücke und der durcli die Überreste des Grabbaus feststehen- 
den Gesammtlänge der Wand eingetragen hat, kann der von ihm angege- 
bene Umfang der Lücke als gesichert gelten; er stimmt genau zu der in 
der oberen Zeile fehlenden Zahl von Königsschildern der 18. Dynastie. Damit 
ist zugleich festgestellt, wieviel Namen in der unteren Zeile fehlten; und 
das ist historisch von grofsem Werthe (s. S. 143). 

Ich gebe auf Taf. I die beiden Königstafeln, die von Abydos mit Weg- 
lassung der zugehörigen Darstellung und der untersten Zeile, die lediglich 
die Namen Seti's I. wiederholt. Ich konnte für sie eine für das Wörter- 
buch angefertigte Collation Borchardt's und eine Photographie benutzen. 
Dieselben ergaben, aufser der Berichtigung einiger kleineren Versehen in 
den bisherigen Publication en, dafs der Königsname Nr. 52 mit Makiette 
Sneferka ^Anu (nicht mit Dumichen Neferkere^ ^Anu) zu lesen ist. — Der 
Tafel von Sakkara liegt Mariette's Publication in den Mon. Div. zu Grunde. 
Aufserdem hat mir Hr. Prof. H. Schäfer freundlichst eine Skizze des Grund- 
risses und eine Collation zur Verfügung gestellt, welche die richtige Lesung 
der Namen 10 (Huzefa), 15 (Huni), 44 (Amenemhet III.) und 57 (Seti L) 
ergiebt. Die zerstörten Namensschilder habe ich eingefiigt und die Namen, 
soweit es möglich ist, in punktirter Schrift ergänzt. 

Die Tafel von Sakkara enthielt 58 Namen von Miebis bis auf Ramses IL; 
von denselben sind die der zehn Herrscher der 1 1 . und 1 2 . Dynastie (Nr. 3 7—46) 
in umgekehrter Folge aufgezählt, Sebaknofrure^ (verschrieben Sebakkere^) 
zuerst, Nebchrure^ (Mentuhotep IL) zuletzt. Daraus ergiebt sich , dafs die Liste 
aus einer nach Dynastien geordneten Vorlage ausgezogen ist; und zwar waren 
die letzten Könige der 11. Dynastie mit Dynastie 12 zu einer Einheit^ zu- 

^ Die Photographie läfst die geöffnete Buchrolle deutlich erkennen. 
* Entdeckt 1860 von Mariettk, publicirt Rev. archeol., nouv. serie X, pl. 17 (danach 
DE Rouge a. a. 0. pl. I). Monuments divers pl. 58. 



J 



Aegyptische Chronologie. 105 

samznengefafst. Schreibfehler, die wohl auf fluchtiger Lesung des hiera- 
tischen Originals beruhen, kommen in ihr mehrfach vor ( ® ^ 

für Chufu, oßU ^^' Dedkere^^; bei den Namen Mentuhotep's IL, Amo- 

sis' L und Ramses' L o|^37, Olü^i:^ und [o^liliiiiä sind die Zeichen 

verstellt). In der Tafel von Abydos ist nur \^Y für Zoser verschrieben. 
In Namen und Folge der Könige stimmen beide Tafeln im Allgemeinen über- 
ein, aber in der Auswahl weichen sie stark von einander ab. Wenn S. 
in Dyn. i nur 2 (3) Namen aufgenommen hat, gegen 8 von A., so giebt sie 
dafür in Dyn. 2 und 4 mehr und nicht selten, namentlich in Dyn. 3, aber 
auch sonst, andere Namen als A. Bis Ende Dyn. 6 laufen beide Listen 
parallel; dann aber folgen in A. 18 Namen (= Dyn. 8), die in S. übergangen 
sind. Die Herakleopoliten (Dyn. 9. 10) fehlen bei beiden, wie in der Tafel 
von Karnak. Dann folgen in A. und S. die beiden letzten Könige von Dyn. 1 1 
(ihre Vorgänger, die die Tafel von Karnak zum Theil nennt, sind dagegen 
in beiden übergangen) und darauf Dyn. 1 2 vollständig (nur Sebaknofrure^ 
hat A. ausgelassen). Nach derselben springen beide Tafeln sofort auf die 
18. Dynastie (König Amosis) über und geben die legitimen Könige bis auf 
Seti I. bez. Ramses IL vollständig; Ha^tSepsut und die Ketzerkönige sind 
natürlich übergangen. 

Es ist klar, dafs die beiden Tafeln aus verschiedenen Vorlagen aus- 
gezogen sind; man könnte annehmen, dafs A. eine Auswahl aus der Liste 
giebt, die in Abydos als legitim galt, S. aus der in Memphis. Dafs die 
Tafel von Sakkara sich mehrfach eng mit dem Turiner Papyrus berührt, 
werden wir noch sehen ; ihre Vorlage mufs diesem sehr ähnlich gewesen sein. 

Geschichte und Beschreibung des Turiner Eönigspapyrus. 

Weitaus das wichtigste Document für Königsfolge und Chronologie 
ist der Turiner Königspapyrus; wenn er uns vollständig erhalten wäre, 
würde er eine Berücksichtigung aller anderen bisher aufgezählten Zeug- 
nisse überflüssig machen. Auch in seinem gegenwärtigen Zustand mufs 
er die Grundlage aller Untersuchungen auf diesem Gebiete bilden. Merk- 



^ Der Lesefehler 11 h^IJÜ fiJr fl A®t t ^^^ älteren Ursprungs, da er auch im 

Turiner Papyrus vorliegt. 

Philos.'histor.Abh. 1904. L 14 



106 Meyer: 

würdigerweise ist das bisher nur in sehr geringem Umfange geschehen; 
vielmehr haben sieh trotz einiger sehr guter Untersuchungen namentlich 
von IIiNCKs^ und de Rouge^ und einer neben manchem Phantastischen 
viel Brauchbares bietenden Abhandlung von Lauth* die meisten Aegypto- 
logen geradezu mit ängstlicher Scheu von ihm fern gehalten, und aus den 
Bruchstücken, die von ihm erhalten sind, ist noch keineswegs alles das 
herausgeholt, was aus ihnen zu entnehmen ist. 

Nacli einer weit verbreiteten, mehrfach auch schriftlich fixirten Tra- 
dition*, deren Glaubwürdigkeit ich nicht zu prüfen vermag, soll der Pa- 
pyrus, als ilui Drovetti erwarb, noch so gut wie unversehrt gewesen sein. 
Jedenfalls aber war er, als dessen Sammlung von der sardinischen Regie- 
rung gekauft und dem Turiner Museum überwiesen wurde, in unzählige 
kleine Fetzen zerbröckelt, die sich mit den Fragmenten vieler anderer 
Papyri untermischt in einer Kiste befanden.*^ Den Inhalt dieser Kiste hat 
Champollion im November 1824 untersucht und die Zusammengehörigkeit 
einer Anzahl Fragmente® sowie den unschätzbaren Werth des »canon royal«, 
dessen Reste sie bildeten, erkannt. Eine kurze Notiz über seinen Fund 
hat er damals im Bulletin universel veröffentlicht^; eine Publication dieser 
tJberreste d'un tableau chronologique des dynasties egyptiennes stellt er 
1826 in Aussicht^ hat sie aber niemals gegeben; erst 1850 hat sein Bruder 
die damals genommene Abschrift veröffentlicht.'* Sie besteht aus 48 mit 
Buchstaben bezeichneten Fragmenten, von denen keins mehr als sechs uu- 



• Transactions R. Soc. of Literatiire II ser. III, 1850, 128 ff. 

.* Rech, sur les tnonuments des six premieres dynasties 1866 (Mem. de Tac. des iiiscr. 
XXV, a«partie). 

• Lauth, Manetlio und der Turiner Konigspapyrus , 1865. 

• Z.B. bei WiEDEMANN, Aegypt. Gesch. 73. Maspero, Hist. ancienne de Torient 
classique I, p. 225, 4. 

' Die llauptquelle für die Geschichte des Papyrus sind die Aufsätze von Champollion- 
Fiokac in der Rev. aiTheol. VII, 185 1, 2« partie ; ferner die auf Lepsius zurückgehenden 
Angaben bei BrNSEN, Aegyi>tens Stelhing in der Weltgesch. 1, 82 f. (nicht ioimei* richtig) und 
die Vorbemerkungen Wilkinson's zu seiner Ausgabe. 

• Wie weit die Beschuldigung richtig ist, der Director habe ihm aus Neid eine gi'o&e 
Zaiil Fragmente untei'schlagen, die er dann später Seyffarth mittheilte, weifs ich nicht. 

' Vollständiger abgedruckt uud durch einen zweiten Brief ergänzt von seinem Bruder, 
Rev. archeol. a. a, O. 398 f. 

• Lettres a M. le duc de Blacns relatives au uiusee i^oyal egyptien de Turin , 2* lettre 
1820, p. 43. 

• Rev. ai*chcol. VII, pl. 149. 



Aegyptische Chronologie. 107 

vollständige Zeilen umfafst; manche der Fetzen sind ganz winzig. Die 
Publication ist von grofsem Werthe, weil sie von dem ursprünglichen Zu- 
stand dieser Fragmente ein anschaulicheres Bild giebt als Worte veimögen 
und dadurch das grofse Verdienst, das sich Seyffakth um den Papyrus 
erworben hat, erst in's richtige Licht stellt. 

Denn inzwischen war Seyffabth 1826 nach Turin gekommen und hatte 
alle Bruchstücke gesammelt, die nach der Form von Schrift und Papier 
zu dem Papyrus gehörten, insgesammt gegen 300. Die Königsnamen der 
damals bekannten Monumente haben ihm vielleicht bei der Anordnung 
einige Hülfe geboten; aber wirklich lesen konnte er die Schriftzeichen nicht, 
da er in seinen absurden Theorien über das Wesen der ägyptischen Schrift 
befangen war. Dies ist jedoch für die mechanische Aufgabe, die ihm ge- 
stellt war, eher ein Vor! heil als ein Nachtheil gewesen. Kr hat mit genauer 
Berücksichtigung der Faseruiig des Papyrus und der Zusammengehörigkeit 
der Schriftzfige auf Vorder- und Rückseite die kleinen Fetzen nach Mög- 
lichkeit an einander gefügt und so die Zahl der Fragmente auf 164 redu- 
cirt, darunter etwa 16 gröfsere Stücke, die zum Theil aus 10 — 12, wenn 
nicht mehr Fetzen zusammengefugt sind; die grofsen, sich unmittelbar an 
einander schliefsenden, aus zahlreichen Fetzen componirten Fragmente 71. 
81. 97 — 99 ergeben sogar die Überreste von 13 — 14 Zeilen des oberen 
Theils von drei zusammengehörigen Columnen. Die so hergestellten Frag- 
mente hat er in 12 Columnen geordnet und durchnumerirt. In dieser Gestalt 
ist der Königspapyrus zuerst in sorgfältiger Durchzeichnung von Lepsius\ 
dann unter Zugrundelegung der LEPsms'schen Zeichnung, bei der die er- 
neute CoUation nur ein paar ganz irrelevante Änderungen ergab ^, aber mit 
Eintragung der Grenzen zwischen den ursprunglichen Fetzen, soweit sie 
noch erkennbar waren, mit sorgfältiger Nachprüftmg der Faserung der 
einzelnen Fetzen und mit der Rückseite von Wilkinson.^ 

In modernen Werken ist oft von einer CnAMPOLLiON'schen Copie des 
Papyrus die Rede, auf der mehr zu lesen sei als in diesen Publicationen ; 



* Auswahl, Taf. 3 — 6. 

' «The only corrections 1 have inade in the front, are, the wings of a wasp in 
no. 88, whicb glve another king of the same dynasty; and also in no. 86, shewing that the 
top of tlie reed is not part of that in no. 87; part of another unit at the end of the nunibers 
in no. 98; and some others of little importance« Wilkinson preface p. Vf. 

• The fragments of the Hieratic Papyrus at Turin, 185 1, mit einem Textheft. 

14^ 



108 Meyek: 

mithin seien von dem Papyrus seit seiner Zeit noch Bruchstücke verloren 
gegangen. Das ist ein Mythus, der durch die ausföhrlichen Mittheilungen 
Champollion-Figeac's seit 53 Jahren widerlegt ist; es scheint, dafs sein 
Aufsatz wohl oft citirt, aber nie gelesen wird. Von Champollion stammt 
nur die oben erwähnte Abschrift der 48 Einzelfragmente. Von den 8 Frag- 
menten, die sein Bruder in Lepsiüs' Publication nicht finden konnte* und 
deshalb für verloren hielt, sind 4 ohne weiteres nachzuweisen*^; 3 enthalten 
nur Theile des Königstitels (Dd, Rr, Ss), und nur eins, Tt, mit den unter 
einander stehenden Zahlen 3., 20, 4, kann ich nicht sicher nachweisen.' 
Die sogenannte Copie Champollion's dagegen ist nichts als die Bear- 
beitung einer Abschrift des Papyrus, die Seyffarth ihm Knde 1827 über- 
lassen hat.* Von den beiden ersten Seiten hat Champollion eine Über- 
setzung hinterlassen *\ die namentlich in den Zahlen einiges mehr enthält 
als die Facsimiles, und so hat man gemeint, dafs hier noch jetzt verlorene 
Stücke erhalten seien. Aber es ist zweifellos, dafe Champollion mehrfacli 
den Text vermuthungsweise ergänzt hat und dafs niemals im Papyrus ge- 
standen haben kann, was er angiebt; z.B. fr. i Z. 11 »Les rois (du) roi 
(de la famille) Menes (a) ont exerce la royaute 200 . . .«, Z. 12 »duree de la 
vie en le roi Menes a exerce la royaute 60?«, wo nur das von mir ge- 
sperrt Gedruckte wirklich im Text steht und die Ergänzungen gröfsten- 
theils ganz verfehlt sind. Champollion hat eben in seiner Übersetzimg 
den Versuch gemacht, möglichst viel Zusammenhang in die Bruchstücke 
zu bringen, und z. B. die Zahl 60 fiir Menes zweifellos aus Eusebius ent- 



* A. a. 0. S. 467. 

* Aa = fr, 34a zu Anfang (mit Ergänzung des Honiszeichens , durch dessen Mitte der 
Bruch hindurch geht); Bb = fr. 97 Mittelstück; Cc = fr. 108 links unten. Die Abweichungen 
vom Original sind nicht gröfser als bei den anderen Fragmenten auch. Uu ist das Verso 
von fr. I unten, wie Champollion -Fioeac selbst angiebt. 

' Die beiden letzten Zeilen sind deiti Mittelstuck von fr. 59 rechts sehr ähnlich. 

* Chabipollion - FiGEAC p. 468. Die beiden Gegner haben sich im persönlichen Ver- 
kehr mit Höflichkeit behandelt und sich gegenseitig Material überlassen — was Skvffarth 
niclit gehindert hat, nach dem Tode seines Rivalen, dem er mit ernsthaften Argumenten 
nicht entgegen zu treten gewagt hatte , die tollsten Behauptungen über ihn drucken zu lassen, 
z.B. er habe «in Abwesenheit des Inspectors die Hälfte (des Inhalts der Kiste) in die Cloake 
werfen lassen« (die Grundsätze der Mystik und der alten Keligionsgeschichte, 1843, S. 265). 
Der Versuch einer partiellen Ehrenrettung Seypfarth's, den Ebers, ZDMG 41, 193 ff., unter- 
nommen hat, geht über das Ziel hinaus. 

' A. a. O. p. 591 f. 



Aegyptische Chronologie, 109 

nommen, ebenso die Zahl 2CX> . . . für die Dynastie. Danach zweifle ich 
nicht, dals auch das, was er sonst mehr bietet als der Papyrus ^ auf 
eigenen Ergänzungen beruht, bei denen er vielleicht zum Theil andere 
Fragmente versuchsweise hierher versetzt hat. Jedenfalls hat seine »CJopie«, 
da sie ausschliefslich auf Seyffarth beruht, gegenüber dem von diesem 
hergestellten Original keinen selbständigen Werth. 

Bei Schriftstellern, die sich niemals ernstlich mit dem Gegenstande 
beschäftigt haben, findet man nicht selten die Behauptung, Seyffarth's 
Reconstruction des Papyrus habe gar keinen Werth und man dürfe sich 
nur an die ursprünglichen kleinen Fetzen halten^; dadurch würde der Pa- 
pyrus natOrtich zur Herstellung der Königsfolge und der Chronologie völlig 
unbrauchbar.^ Ja, es wird Seyffarth zum schweren Vorwurf gemacht, 
dafs er die Bruchstücke so an einander gefugt habe , dafs sich die Fugen 
kaum oder auch gar nicht mehr erkennen liefsen! Ein solches Urtheil 
richtet sich von selbst; schon Wh-kinson hat mit Recht bemerkt, dafs das ja 
gerade ein Beweis sei, wie sorgfaltig er bei der Zusammenftigung ver- 
fahren ist. Seit ich die Copie Chamfollion's aus dem Jahre 1824 kennen 
gelernt habe, ist mein Respect vor der Leistung Seyffarth's nur noch ge- 
wachsen. Denn zu seiner Zeit wufste man von den Königen des Alten 
und Mittleren Reichs noch gar nichts*: hier hat erst die Tafel Seti's I. 



* Am aufTallendsten ist , dafs er vor fr. 1 1 noch drei Zeilen hat , die im Papyrus nicht 

stehen : 

»le roi ... ann^es 300 . . . 

»le roi ... annees 300 . . . mois . . . jour total i . . . 

>le roi • . . annees 300 . . .• 

Den beiden folgenden Königen (in Wirklichkeit Geb und Osiris) giebt er je 300 Jahre, für 
Ma*at 3140, für den auf sie folgenden Horus 1400 -h^ Jahre, x Monate; dann folgt: > Total 
des r^gnes 23 duree en annees 5623 ... jours 28 [aus der nächsten Columne, fr. 20, Z. i]«, 
und in der nächsten Zeile (= fr. 12) «total des annees 13218«. 

' Eine amüsante Zusammenstellung derartiger Argumente kann man bei Budge, History 
of Kgypt, 1902, 1, 1 15 f. lesen, der alles Ernstes glaubt, damit den Papyrus abgethan ku haben. 

* Das ist auch der eigentliche Grund dieser Urtheile. Der Papyrus ist vielen Ge- 
lehrten sehr unbequem: fallt er weg, so kann man ruhig auf dem Meer der manethonischen 
Zahlen herumsteuern. 

^ Setffarth hat z.B. die Könige Othoes und Phios (Dyn.6) in fr. 20 (col. 2, x6. 17), 
d. h. in den ersten Konigen der i. Dynastie gesucht: s. seinen Aufsatz Remarks upon an 
Elgyptian History in Egyptian Characters, in der London Literary Gazette 1828 (Separat- 
abdruck auf der Königl. Bibliothek in Berlin). Die Gotternamen von fr. 1 1 hat er ebenda 
meist richtig gelesen. 



HO Meyer: 

von Abydos die Grundlage geschafifen, die seitdem durch die Monumente 
immer weiter ergänzt worden ist. Wenn sich nun dadurch die Anordnung der 
Könige im Papyrus fast überall glänzend bestätigt hat, wenn ebenso Zahlen 
und Folge der 12. Dynastie und der anschliefsenden ersten Könige der 
13, Dynastie^ durch die gleichzeitigen Urkunden als absolut correct er- 
wiesen sind, so ist dadurch eben erwiesen, dafs er alle Anhaltspunkte, 
nach denen die Bruchstücke eines Papyrus zusammengesetzt werden müssen, 
auf das Sorgfaltigste beobachtet hat und dafs wir seine Herstellung der 
einzelnen Fragmente als durchaus zuverlässig betrachten können. In der 
That sind es nur ganz wenige Stellen, wo er einzelne Bruchstücke mit 
Unrecht unmittelbar mit einander verbunden hat.^ 

Auch die Vertheilung der nicht unmittelbar zusammenhängenden Frag- 
mente auf die einzelnen Columnen ist im Allgemeinen überraschend gut 
gelungen'; Zeilenabstand und Charakter der Schrift haben daför den Haupt- 
anhalt geboten. Im Einzelnen freilich hat das fortschreitende Verständnifs 
hier Vieles geändert; vor Allem ist erkannt, dafs Col. II vor Col. I gehört 
und dafs die zu Col. I, III, IV gewiesenen Fragmente zu zwei Columnen 
zu verbinden sind. Col. X gehört wahrscheinlich an den Schlufs, und die 
zusammenhanglosen Fragmente, die auf Col. XI und XII vertheilt sind, ge- 
hören vielleicht nur einer einzigen Columne an. Bei manchen der kleinen 
Bruchstücke, die jetzt über alle Colunmen vertheilt sind und aus denen sich 
(wenigstens in ihrer Isolirung) inhaltlich nichts oder so gut wie nichts 
entnehmen läfst, wird die Zuweisung wohl immer zweifelhaft bleiben. 

Wie weit hier eine erneute Untersuchung des Originals durch einen 
Techniker, der die gegenwärtig so hoch entwickelte Kunst der Zusammen- 



* Gerade hier hatte dk Rouoe 1850 die Zusammennjgiing Seyffarth's für unhaltbar 
erklärt (Rev. archeol. VII, 2<^ partie, p. 561 f.). In dieser Arbeit spricht er überhaupt recht 
ungunstig über Seyffarth's Arl)eit. Spater hat er sehr anders darüber geurtheilt: »rarrange- 
ment du a M. SeyfTarth, (pii, en ce point coinme en beaucoup d'autres, a tenu un compte 
scrupuleux des indications materielles« six pr. dyn. p. 154; das hat aber Budoe nicht ge- 
hindert, das veraltete Urtheil de Kouge^s von 1850 als jetzt noch mafsgebend abzudrucken. 

* In Col. VII ist fr. 74 aus der Verbindung mit 72 + 73 herauszunehmen, ebenso, wie 
Pieper erkannt hat, das kleine zwischen fr. 78 und 79 stehende Bruchstück. In Col. V sind 
fr. 45 und 48 von 46 + 47 zu trennen. Das dürften alle Änderungen sein, die an den in 
unmittelbare Verbindung gesetzten Bruclistücken vorzunehmen sind. 

' Es ist z. B. erstaunlich, dafs Seyffarth ein Bruchstück wie fr. 46 + 47 richtig angesetzt 
hat; daüs es an die von ihm gewählte Stelle gehört, ist erwiesen, seitdem in ihm der Name 
Achthoes erkannt ist. Auch die Reconstruction von Col. VI ist bewunderungswürdig. 



Aegyptische Chronologie. 111 

ftigiing von Papyrusbruchstücken beherrscht, und durch einen mit allen 
Finessen der hieratischen Schrift dieser Zeit vertrauten Aegyptologen noch 
Weiteres zu leisten vermag, ist abzuwarten. Es wäre dringend zu wünschen, 
dafs der gegemvartige hochverdiente Director des Turiner Museums, Ebnesto 
ScHiAPARELLi , die Hand zu einem derartigen Versuche böte. Für die Rück- 
seite, vor deren Bearbeitung bisher noch Jeder zurOckgescheut ist, ist wohl 
noch Manches zu erhoflfeu, und es wäre ein grofser Gewinn, wenn mit 
Hülfe derselben auch nur einige weitere Fragmente sicher eingeordnet und 
vor Allem die gegenwärtig ermittelte Anordnung der entscheidenden Haupt- 
stücke an ihr controlirt werden könnte. Für die Lesung der Vorderseite 
scheint das vortreffliche, von Wilkinson nachgeprüfte Facsimile von Lepshts 
eine völlig sichere Grundlage zu bieten; nur an einzelnen wenigen Stellen, 
z.B. bei den Königsnamen fr. 20 Z. 5 und fr. 47 Z. 3, könnte ein gründ- 
licher Kenner des Hieratischen vielleicht an dem Original noch etwas mehr 
erkennen. — 

Das Turiner Königsbuch bildet nach Wilcken^ in Wirklichkeit die Rück- 
seite eines Papyrus, auf dessen Vorderseite in äufserst flüchtiger Schrift 
Rechnungen eines königliclien Bureaus (Lieferungen aus der Oase) aus der 
Zeit Ramses' 11.^ aufgezeichnet sind. Trotzdem habe ich die übliche Be- 
zeichnung Rückseite oder Verso far diese Seite beibehalten , zumal es zweifel- 
haft ist, ob die WiLCKEN 'sehe Regel, dafs die Horizontalstreifen eines Papyrus 
die zuerst benutzte Vorderseite, die Verticalstreifen die Ruckseite bilden und 
daher erst später beschrieben sind als jene, durchweg gültig ist. 

Sicher ist dagegen jedenfalls, dafs das Königsbuch nicht eine pri- 
vate Aufzeichnung oder eine Abschrift für den Hausgebrauch gewesen ist. 
Vielmehr trägt der Papyrus auch äufserlich durchaus den Charakter einer 
Buchhandschrift; er ist schön, auf den ersten Columnen sogar hervorragend 
schön geschrieben, mit grofsen, festen Zügen und weitem Zeilenabstand. 
So wird man wohl anzunehmen haben, dafs er zum Besitze des betreffenden 
Bureaus gehört hat. Hier brauchte man eine authentische Königsliste, da 
alle Documente nach Königsjahren datirt waren. Dafs man für dieselbe, 
etwa als das bis dahin benutzte Exemplar unbrauchbar geworden war und 
wieder abgeschrieben werden mufste, eine ältere ActenroUe nahm, deren 
Inhalt jetzt keinen Werth mehr hatte, ist sehr wohl möglich. Dafs man im 

' Hermes 22 , 492. 

' fr. 1 1 verso Z. 5 und 6 ; fr. 30 verso letzte Zeile. 



112 Metek: 

Alterthum mit dem Papier recht sparsam umging, ist bekannt genug; pflegen 
(loch auch wir noch damit zu geizen, so spottbillig es geworden ist. 

Als Höhe des beschriebenen Theils der Columnen wird die Einzel- 
untersuchung 400™" ergeben. Der Schreiber hat die ersten fünf Columnen 
(= I — ^VI der Editionen) mit grofsen Schriftzügen und weitem Zeilenabstand 
geschrieben, 26 — 29 Zeilen auf die Colurane. Dann aber merkte er, dafe 
für die lange Namenliste, die er noch zu copiren hatte, der Raum knapp 
wurde; so beginnt er von der 6. Columne an enger zu schreiben (Col. 6 
= VII 30 Zeilen; 7 = VIII und 8 = IX 31 Zeilen, s. oben S. 63), und 
die Columnen werden schmaler. Noch enger und daher auch wesentlich 
schlechter ist die nächste oder die beiden nächsten (XL XII = 9 oder 9. 10) 
geschrieben. Dann hat ihn ein anderer Schreiber abgelöst, mit gröberen, 
dickeren Zügen; von ihm stanamt die letzte erhaltene Columne X = 10 
oder II, auf der die oben S. 63, 2 angeführten Namen stehen, die wahr- 
scheinlich den Hyksos angehören. Dafs diese an den Schlufe des Papyrus 
gehört, geht daraus hervor, dafs sie eine andere Hand zeigt als Col. XL XIL* 

Die letzte Columne des Königsbuchs kann aber diese Columne noch 
nicht gewesen sein. Denn unter den erhaltenen Bruchstücken findet sich 
kein einziger Name des Neuen Reichs; es ist aber undenkbar, dafs eine 
derartige Liste mehrere Jahrhunderte vor der Gegenwart abgebrochen wäre. 
Auch von der Schlufssummirung und der gewifs mehrere Zeilen umfassenden 
Subscription des Schreibers, die nicht gefehlt haben kann, liegen keine 
Bruchstücke vor. Dafs der Papyrus noch weiter reichte, wird dadurch 
bestätigt, dafs fr. iio, das dem linken Rande von CoL X angehört (es 
enthält das Ende von Regierungszahlen; vergl. auch fr. 107. 109. iii. 113), 
auf dem Verso, wo es den ersten Anfang des Erhaltenen bildet, das Ende 
mehrerer Zeilen enthält. Es ist also von dem Anfang des Verso eine 
ganze Columne bis auf diese Schlufszeichen verloren : auf der Rückseite der- 
selben wird der Schlufs des Königsbuchs, etwa 25 Namen des Neuen 
Reichs, und der Abschlufs des ganzen Werkes gestanden haben. 

Dafs der Turiner Königspapyrus die Abschrift einer Vorlage ist und 
nicht etwa eine Originalarbeit, ist selbstverständlich; es wird dadurch be- 
stätigt, dafs, wie wir gesehen haben, die Summe der 12. Dynastie von 

^ Schon Lauth hat die Umstellung vorgenommen. Volle Sicherheit Qber Umfang und 
Anordnung der letzten Columnen wird übrigens, wenn überhaupt, nur durch eine genaue 
Untersuchung der Ruckseite zu erlangen sein. 



Aegyptmhe Chronologie. 113 

dem Schreiber des Papyrus nicht aus den Posten berechnet, sondern anders- 
woher übernommen ist. Aus welcher Zeit die Vorlage stammt, ist nicht 
zu sagen. Nur soviel ist klar, dafs solche Listen irgendwann einmal ab- 
schliefsend redigirt und dann continuirlich weitergeführt worden sein müssen, 
in derselben Weise wie z. B. der Y)tolemäische Kanon. Dafs diese Redaction 
friihestens zu Anfang des Neuen Reichs stattgefunden hat, scheint die 
Behandlung der 13. (einschl. 14.) Dynastie zu beweisen: alle die ephemeren 
Regierungen, die liier an einander gereiht sind, können kaum von den Zeit- 
genossen in dieser Weise verzeichnet sein , sondern müssen geordnet worden 
sein, als diese Epoche bereits abgeschlossen war. Auf die Berührungen 
mit der Tafel von Sakkara ist schon hingewiesen: danach giebt der Pa- 
pyrus wahrscheinlich die Königsliste, wie sie im unterägyptischen Reich 
in officieller Geltung stand. 

Der Papyrus beginnt, wie alle spätere gleichartige Überlieferung, mit 
den Göttern. Dann folgen die menschlichen Könige, zu Dynastien geordnet, 
die zum Theil stark von den manethonischen abweichen. Und zwar unter- 
scheidet der Verfasser gröJfeere Gruppen , die durch Summirungen zusammen- 
gefafst werden, und einzelne Dynastien, die dadurch angedeutet sind, dafe 
die Worte ^^ ^^1 H^ ^ ' * ^^ regierte« zwischen dem Namen eines Königs 

und den Jahren seiner Regierungsdauer stehen. Sonst werden diese Worte 
nicht gesetzt, auch nicht am Anfang einer Columne* (Col. 3 = III; 7 = VIII; 
8 = IX), mit Ausnahme von Col. 6 = VII, wo sie gegen die Regel hinter 
Amenemhet IV. stehen. Die Regierungszahlen sind durchweg in Jahren, 
Monaten und Tagen angegeben, mit ganz wenig Ausnahmen, wo die Re- 
gierungen aus vollen Jahren, ohne überschüssige Monate , bestehen. Bei den 
Königen der drei ersten manethonischen Dynastien war auch ihr I-icbensalter 
angegeben; bei den späteren nicht mehr (S. 140). Die Summen werden durch 
das roth geschriebene Zeichen /fej\ »Summe« bezeichnet und sind auJ&er 
bei Dyn. 6 gleichfalls in Jahren, Monaten und Tagen angegeben. In der 
Regel, aber nicht immer (z.B. nirgends bei Dyn. 13, ebenso nicht bei 
Menes), sind bei einem Dynastieeinschnitt auch die Königstitel roth ge- 
schrieben.^ Besondere Überschriften, welche die folgende Dynastie be- 



* Ich bezeichne die Columnen Srtffarth*s in den Ausgaben von Lepsius und Wil- 
KiNSON mit lateinischen, die der Reconstruction mit arabischen Ziffern. 

* Vereinzelt finden sich roth 2;esrhripbcne Zeichen noch in dem .Tahreszahlen enthalten* 
den fr. loo (ferner Col. 6 -=■ VII fr. 72a links und auf den zusammenhangslosen fr. 4 und fr. 45). 

PMos.'histor, Abh. ^904. L 15 



114 Meter: 

zeichnen, haben »die Könige seit Menes« (Dyn. i — 5), die Herakleopoliten, 
Dyn. II, 12, 13, dagegen nicht Dyn. 6, es sei denn, dafs der Schreiber 
Col. 4 eine Zeile höher begonnen hat als die übrigen. 

Zwischen Dyn. 6 (+ 8), d. i. dem Ende des Alten Reiches, und den 
Herakleopoliten standen mehrere Zeilen, die aufser Summirungen noch 
weitere Notizen enthalten haben. Ähnliche Angaben haben auf Col. 9 
(XI. XII) gestanden (s. oben S. 64); femer finden sich kurze, uns unver- 
ständliche Bemerkungen hinter den Jahreszahlen der Regierung auf Col. 3 
(III) Z. 8 und Col. 6 (VII) Z. 6. Auch einzelne der isolirten und für uns 
völlig unverständlichen Fragmente 35 — 39 mögen solche Bemerkungen 
enthalten haben. 

Die späteren Columnen, von Dyn. 12 an, sind oben schon kurz be- 
sprochen worden. Die vorhergehenden sollen im folgenden Abschnitt ein- 
gehend analysirt und^'nach Möglichkeit reconstruirt werden.* Die beige- 
gebenen Tafeln II — V sind nach dem Facsimile von Wilkinson durchge- 
zeichnet und in der Photolithographie auf fünf Sechstel verkleinert. Die 
Zeilen sind durchgezählt. Die Länge der Columnen ist bis zur Schriftlinie 
der untersten Zeile gemessen; auf die oberste Zeile sind, um einen gleich- 
mäfsigen Ausgangspunkt zu haben, durchweg 15"^ gerechnet. Die gering- 
fügige Differenz in der Länge des beschriebenen Theils der einzelnen 
Columnen (die natürlich im Original auch nicht bis auf den Millimeter 
gleich lang gewesen sind) : Col. 2 400°*°\ Col. 3 39 1"'", Col. 4 398°*°*, Col. 5 
393°*", hätte sich durch geringe Verschiebungen des Abstandes der einzelnen 
Fragmente mit Leichtigkeit noch mehr verringern lassen. Für die Lesung 
schwieriger Stellen, namentlich auf Col. 2, bin ich Hrn. Dr. G. Mölleh zu 
lebhaftem Dank verpflichtet. 



* Die 2. und 3. Columne hat bereits de Rouge (six prem. dyn. pl. III) im Wesentlichen 
richtig hergestellt. Den ganzen Papyrus hat Lauth, Manetho und der Turiner Konigs- 
papyrus, 1865, neu zu ordnen versucht; seine Reconstructionen sind zum Theil vortrefflicli, 
zum Theil aber auch ganz unhaltbar. Vor allem hat er Zeilenabstand , Charakter der Schrifl- 
zeichen und Länge der Columnen viel zu wenig berücksichtigt. 



Aegypüsche Chronologie. 115 



IV. Königsfolge und Chronologie des Alten Reichs. 



Erste Golnmne des Papyras. 

Von der ersten Columne des Turiner Papyrus ist die Götterliste fr. 1 1 
+ lo* erhalten; voran ging, wie Lauth erkannt hat, fr. 141 mit dem Namen 
des Re^, darüber ein horizontaler Strich von der vorhergehenden Zeile. Da 
rechts vor den Schriftzeichen ein unbeschriebenes Stuck von 80°™ Breite 
erhalten ist, ist die Columne, der dieses Stück angehörte, die erste des 
Königspapyrus gewesen, und hat derselbe rechts einen breiten unbeschrie- 
benen Rand gehabt. 

Der obere Theil der Seite ist verloren ; denn selbstverständlich muls 
eine Überschrift vorangegangen sein. Der Zeilenabstand beträgt 15"™; also 
enthielt die Seite, falls der Schreiber die erste Columne nicht etwas tiefer 
begonnen hat, 27 Zeilen, in denen, da einige auf Überschrift und Sum- 
mirungen in Abzug zu bringen sind, nicht viel mehr als 20 Götternamen 
gestaQden haben können. 

Aufserdem hat Lauth fr. 40 zu dieser Columne gezogen. Es lautet: 

vac. »s^onch« (Rest eines Eigennamens?). 



Pf 



^^/^/^AA 




Man möchte das in der That gern an den Anfang der Götterliste setzen^; 
aber darüber ist ein Vacuum von 24"", darunter ein fast ebenso grofses, 
an dessen Schlufs zwei Striche stehen. So ist dieses Fragment mit fr. 141 
und dem Anfang von 1 1 kaum in Verbindung zu bringen; es mufs in irgend 
einen ganz anderen, unerkennbaren Zusammenhang gehören. 



* Die Zugehörigkeit von fr. 10 ergiebt sich aus dem Verso, wonach hier die Schrift 
(und mithin die ursprüngliche Länge der Rolle) noch viel weiter reichte. 

' Es ist ein seltsamer Zufall, auf den H. Schafrr mich hinweist, dafs der >Sohn 
des Ptah« Imbotep eine Mutter Chredu^onch hat, die man in Z. 2 suchen konnte. Aber hier 
steht deutlich das männliche, nicht das weibliche Determinativ am Schluls. 

15* 



116 Meyer: 

Die erhaltenen Bruchstücke lauten: 

fr. 141 

[König Ptah^] 

[König Su^] 
fr. 1 1 

1 \^ ^»» J 5^ f @ König Geh [seine Lebens]zeit . • . 



MG^I König Osiris .. . 

1 \^ (^1 "t i P' f "^ ^ ^ ^ ^^"'S Horus 300 Jahre 

M(ÄHiP[HI-^-filir K»"'sTh„th 3..6 Jahre. 

\ 1^ (^ P o B\f ^ ■ • • ^^°'^ ^^'^^ ' ' • '^*^''® 

i^](^"- König Har... 

/^ [roth] Summe 

\ König 

J König 

Für die erste Götterdynastie erhalten wir also mindestens 10 Namen. 
Sehr auffallend ist, dafs Ma^at, die Gemahlin des Tiioth, unter den Herrschern 
erscheint, dagegen z. B. Nut und Isis nicht. Der auf sie folgende Name, 
von dem Har erhalten ist, ist entweder ein von dem Sohn des Osiris 
unterschiedener zweiter Horus oder etwa Hathör. — Jedenfalls zeigt die 
Liste klar, dafs die herkömmliche Gleichsetzung der ersten Götterdynastie 
mit der ersten der drei Götterneunheiten der ägyptischen Theologie* (Atum- 
Re^ §u und Tefnut, Geb und Nut^ Osiris und Isis, Set und Nephthys) nicht 
haltbar ist, wie denn auch keinerlei Beweis dafiir vorliegt. Weder im 



* Die beiden Namen können mit Sicherheit an diesen Stellen eingesetzt werden. 

' Verschrieben 1 

I 

* Die Lesung der Tausende und Hunderte ist recht unsicher. 

* Siehe Maspero, Proc. Soc. Bibl. Arch. 12, 419 fF. {z^ Etudes de mytliol. et d'archeol. 
cgypt. II, 279 fr). Danach z.B. Sethe, Beitr. zur ältesten Gesch. Aegyptens S. 9. 



Aegyptische Chronologie. 117 

Papyrus noch bei Manetho umfafst die erste Götterdynastie (die natürlich 
die Namen der grofsen Hauptgötter ebenso gut enthält wie die erste Götter- 
neunheit) 9 Regierungen. Die Gleiehsetzung der folgenden Dynastien mit 
der zweiten und dritten Neunheit sehwebt vollends ganz in der Luft. Die 
Könige waren hier nicht nach dem System aufgezählt, sondern so wie sie 
in der Göttergeschichte aufeinander gefolgt waren, und zwar nur diejenigen 
von ihnen, welche wirklich selbständig als Könige über Aegypten geherrscht 
hatten. 

Sicher zu Ck)l. i gehört ferner die auf die nächste Columne hinüber- 
geschriebene Zahl »28 Tage« (fr. 20, Z. i), der Schlufs einer Regierungs- 
zahl. Ferner wohl fr. 12, wo in Z. i eine Zahl I28i8\ in Z. 2 die Zahl 7, 
in Z. 3 das Horuszeichen erhalten ist. Andere Fragmente sind unsicher.^ 



Zweite Golonme. 

Von Col. 2 ist aus jeder Zeile wenigstens etwas erhalten. Denn fr. i, 
enthaltend Summirungen der mythischen Dynastien vor Menes, sowie diesen 
und seine zwei ersten Nachfolger, beginnt mit der ersten Zeile der Co- 
lumne, über der auf der Vorder- und Rückseite ein Stück des oberen, 
unbeschriebenen Randes erhalten ist. An dieses Fragment schliefsen un- 
mittelbar fr. 20+21 und fr, 19, enthaltend die weiteren Könige bis auf 
Sendi und Neferke[re^] ; und des letzteren Nachfolger war nach der Tafel 
von Abydos Neferkesokar, der auf Col. 3 als erster König genannt ist. Dafs 
die Columne mit fr. 19 endigte, wird dadurch bestätigt, dafe die Rück- 
seite hier bereits ein Stück des unteren, unbeschriebenen Randes zeigt. 

Als Länge der beschriebenen Fläche ergiebt sich 400°*". Der Fehler 
kann nicht mehr als 3 — 4°°* betragen. Wir dürfen daher die Länge 
des beschriebenen Theils der Columnen des Papyrus durchweg 
auf 400°° ansetzen. 



^ So ist die Zahl nach Hrn. Dr. Möller zu lesen. 

* Vielleicht gehören fr. 13 — 17 und 35 — 39 hierher, mit denen nichts anzufangen ist 
Lauth setzt nach Col. I aufserdem fr. 41, eine Liste von Namen in Königsringen, in der Z. 3 

( Hl ^5^ J Hapu der Apis zu erkennen ist. In Z. 5 steht deutlich l H^^ Menes ^ was 

er fälschlich als den Mnevisstier deutete. Möglich ist immerhin, dafs hier ein Fragment einer 
späteren Götterdynastie vorliegt, zu der die heiligen Thiere gehörten. — Fr. 150, das Lauth 
gleichfalls hierhersetzt, gehört nach Schrift und Zeilenabstand sicher zu Col. XI — XII. 



118 Meyer: 

Die Columne enthält 26 Zeilen (Col. i war etwas enger geschrieben); 
die durchschnittliche Zeilen weite ist mithin 1 5™4. Thatsächlich schwankt 
der Zeilenabstand zwischen 14 und i6"°. 

An das äulserste Ende von Z. 2 gehört fr. 17, da es mit fr. 18 (Col. 3) 
gleiche Faserung hat. Ferner gehören nach Wilkinson die kleinen Frag- 
mente 2. 3.* 6. 7 hierher, das letztere mit Zahlen, wohl vom Schlufs von 
Z. 5 — 8; entnehmen können wir aus ihnen allen nichts. Dagegen gehört 
fr. 2 2 , mit Resten von drei Königstiteln und zwei unlesbaren Namen , nicht 
hie^he^^ sondern entweder zu Col. 5, oder nach dem Zeilenabstand (12""*) 
eher zu einer der letzten Columnen. 

Die Könige vor Menes. 

Der obere Theil von Col. 2 lautet: 

^- ■ L , 1 

Z.2 o(f)RH,,Ien^ (?)... 



nri°fl1iliP 



I I I 



Z.4 [[op]**™®.«n.n| 



^■^ n01iliPT,f4,T,M7[4 



Z. 6 



'|iiO'^','^lllf-nCo||of]ii 






* Falls diese seltsamen und iinlesbaren Zeichen wirklich hierhergehören, können sie 
wohl nur vor Z. 2. 3 gestanden haben. — Mit fr. 4. 5. 13 — 16 ist nichts anzufangen. 

* Trotz Wilkinson's Bemerkung »same fibres as no. 20«. 

* Die Zeichen sind halb zerstört, können aber kaum anders gelesen werden. 

^ Die richtige Lesung verdanke ich Um. Dr. Möller; früher suchte man hier und in 

Z. 7 das Zeichen rj {fm-ü), 
» Vergl. Z. 9. 

* So MÖLLSR. 



• • • 



• • • 



Aegyptische Chronologie. 119 

Z. I. ihre [Jahre?] looo . . . 

Z. 2. 20, ihre Jahre iiio, Monate? . . . 

Z. 3. 10, ihre Königsherrschaft beträgt 

Z. 4. ihre [Jahre] 330, [ihre Lebens]dauer 

Z. 5.. 10, ihre Königsherrschaft, ihre Lebensjahre Jahre 1000 + x 

Z. 6. diese . . . von Memphis 19, Jahre 11, Monate 4, Tage 22 

Z. 7. ehrwürdige (?) vom Nordland 19, Jahre 2100 + x 

Z. 8. ... auf seinen Vater, Frauen 7, ihre Jahre und [Lebens]dauer 

Z. 9. ... ehrwürdige, Semsu Hör, Jahre 13420 + x 

Z. 10. Regierungen bis zu den Semsu Hör, Jahre 23200 + x 

Z. 1 1 . ... König Menes 

Die letzte Zeile bildete entweder den Abschlufs der vorherigen, Sum- 
mirung: »[bis auf] König Menes«, oder sie gab die Überschrift der fol- 
genden »Dynastie des Menes«. Bei den vorhergehenden Zeilen besteht 
eine Schwierigkeit darin, dafs der erhaltene Theil, wie Z. 12 und 13 zeigen, 
nahe am Rand beginnt^ so dafs in Z. 6. 7. 8. 9 knapp Raum ist, das Wort, 
in dessen Mitte das erhaltene Bruchstück beginnt, zu ergänzen. Andrerseits 
aber scheint jede Zeile (aufser vielleicht Z. 7/8, die wohl zusammengehören) 
einen Posten für sich gebildet zu haben. Zu der Annahme, dafs die ersten 
elf Zeilen weiter nach rechts ausgerückt gewesen seien als die folgende 
Königsliste, wird man sich nicht leicht entscliliefsen. 

Wenn demnach eine vollständige Herstellung des Textes nicht mög- 
lich ist, so kann doch über den Sinn im Allgemeinen kein Zweifel sein. 
Z. 9 giebt als Dauer der Regierungen der Semsu Hör, der »Horusdiener«, 
der N^Kvec Manetho's, über 13420 Jahre; Z. 10 giebt eine Summe von über 



^ Setbe, Beitr. zur ältesten Gesch. Aeg. S. 8 wiU I^^J^ »Geister« lesen; aber das 
ist wenig wahrscheinlich. Vielleicht steht © da. 

* Verstummelt, aber noch deutlich erkennbar. 

* Das Fragment ist etwas weiter nach links zu drehen als in der Ausgabe von 
WiLKiNsoN (das gestattet auch die Rückseite), so dafs Z. 5 und 6 weiter vom Rande ab- 
stehen als Z. 9 und 10. In Z. i — 4 ist ein weit gröfseres Stück rechts verloren. 



120 Meyer: 

23200 Jahren »bis zu den Semsu Hör«. Das Nächstliegende ist, diese als 
eingeschlossen zu betrachten, so dafe die hinzugekommenen 9000 Jahre 
die Summe der in Z. i — 8 vorhergehenden Posten wären.* Z. 8 hat eine 
Schlufsbemerkung zu den vorhergehenden Regierungen gegeben, zunächst 
offenbar die Angabe, dafs regelmäfsig der Sohn auf den Vater gefolgt ist% 
dann, dafs darunter 7 Frauen waren, deren Regierungszeit und Lebens- 
dauer angegeben war. Das entspricht der bekannten Angabe Herodot's II, 
100, dafs unter den 330 Königen, deren Namen die Priester ihm aus einer 
Buchrolle vorlasen, 18 Aethiopen waren, mia a6 tyn^ inixcbpioc, 01 a6 Xaaoi 
Xnapgc Atr^'nrioi.^ Eine gleichartige Notiz hat der Turiner Papyrus also 
für die ganz- und halbmythischen Könige vor Menes gegeben, bei denen 
er auf eine Aufzählung der Namen (die der Stein von Palermo noch ge- 
kannt hat) verzichtete. 

Die ersten 7 Zeilen enthalten ein summarisches Verzeichnifs dieser den 
Semsu Hör vorangehenden Dynastien. Bereits die erste Zeile bietet eine 
Summe, 1000 + x Jahre. Ob diese Dynastie die erste war, die auf die 
Götter folgte, oder andere gleichartige schon auf Col. i standen, ist natür- 
lich nicht zu sagen. 

Dann folgen: 

2. 20 Herrscher mit über 11 10 Jahren 

3. 10 » » X » 

4. X » » 330 » 

5. 10 » » über 1000 » 

6. 19 »diese . . . von Memphis {inbw)^ mit 1 1 J. 4M. 22 T. — das 
sind also nicht eigentliche Könige, sondern ephemere Dynasten oder ähn- 
liches gewesen. 

7. »19 ehrwürdige (Herrscher) aus dem Nordland« mit über 2 100 Jahren. 



Möglich ist natürlich auch, dafs aufgezählt war: 

Z. 9 bemsu Hör 13420 

Z. IG ihre Vorgänger 23200 -f x 



Z. II [Summe der Könige bis auf] Menes [36620 -\- x]. 

' Vergl.Herod.il, 143, wonach die Priester bei den 341 Kolossen der Hohenpriester 
von Theben ^Moi XneAeiKNYCAN oaTaa oatpöc fecoYTOY fe'KACTON ^önta. 

• Daraus überarbeitet Diodor 1,44 (d.i. Hekatäos von Abdera): abgesehen von der 
äthiopischen, persischen, makedonischen Fremdherischaft To^c AOino'Y'C xpönoyc XnANTAC aia- 

T€A^CAI BACIA€YONTAC THC XÖPAC ^rXCOPlOYC , ANAPAC MCN ^BAOMHKONTA HPÖC ToTc TeTPAKOCIOIC, 

tynaTkac A^ n^NT€. 



Aegyptische Chronologie. 121 

Die Gesammtsumtne dieser 7 Dynastien kann sehr wohl die rund 9000 
Jahre ergeben haben, die in Z. 10 zu den Jahren der Semsu Hör hinzu- 
addirt werden. Die §emsu Hör sind alsdann die 8. und letzte prähistorische 
Dynastie. 

Andrerseits sind die Götterdynastien schwerlich in diesen Zahlen ein- 
begriffen; denn gerade die ersten Posten sind für eine Summe von Götter- 
dynastien zu klein, und wenn die Semsu Hör 13420 Jahre regierten, so 
erwartet man für sie eine viel höhere Z.ahl (vergl. die Zahl 128 18 in fr. 12). 
Wir haben also in ilinen eine Reihe von Zwischendynastien zwischen den 
Göttern und den geschichtlichen Herrschern von Menes an zu erkennen. 

Damit vergleiche man nun die manethonische Überlieferung, die einiger- 
mafsen vollständig nur bei Eusebius vorliegt/ 

I. Götterdynastie : ^ 

1. Hephästos = Ptah, 

2. Helios, s. Sohn = Re^, 

3. Sosis* (Ares) = Su, 

4. Keb* (Kronos), S. d. Helios = Geb, 

5. Osiris, 

6. Typhon, 

7. Horos, der Sohn der Isis.^ 

IL post quos per successionem protractum est regnum usque ad Bidin*, 
in spatio annorum 13900. 



^ Chron. I, p. 133 f. ed. Schonk. Die Gotterliste ist aus Africanus mit manchen Verseben 
auch in den Exe. Barb. p.38a und bei Joh. Antioch. fr. i, 21 (vergl. fr. 6, yff. = Malalas p, 21. 
24 f.) erhalten, vergl. Grlzer, Africanus I, S. i22f. 192 ff. Die Gülterliste des panodorischen 
Sothisbuchs bei Sync. p. ^^, aus der Lepsius den echten Manetho herstellen wollte, ist so gut 
wie werthlos (vergl. Gelder I, 193 f. II, 207 f.) — Diodor I, I3ff. (vergl. 26. 44; Herod.Il, 144) 
giebt als eeoi kai ttpcoec (in Wirklichkeit vergötterte Menschen) die Liste: Helios oder nach ande- 
ren Prieslei'n Hephästos, Kronos, Osiris, Typhon, Horos mit zusammen fast 18000 Jahren; 
nach Cap. 26 regieren die alteren Gotter über 1200 Jahre, die jüngeren nicht weniger als 300. 

' Die in den anderen Quellen zum Theil erhaltenen Zahlen für die Einzelposten habe 
ich nicht angeführt, da alle Versuche, ihre ursprüngliche Gestalt zu ermitteln, lediglich zu 
erweisen scheinen, dafs sie heillos verdorben oder vielmehr absichtlich corrigirt sind. 

' Erhalten bei Barb., Joh. Ant., Malalas; bei Eusebius ausgefallen. 

* Der Name Ki^b erhalten bei Joh. Ant. 

* Beim Barbarus ist Oros ptoliarchus fälschlich vor Typhon gestellt. 

•** Welcher ägyptische Name darin steckt, ist zur Zeil noch nicht erkannt. 
PhÜos.'histor.Abh. 1904. L 16 



122 Meyer: 

Dafs diese Zahl die Gesammtheit der Götterdynastien (I und II) um- 
fassen soll, lehrt Eusebius' Summirung p. 135, 15 f. 

III. post deos regnavit gens semideorum annis 1255. 

Den Eingang dieser Dynastie hat der Barbaras erhalten: 
Deinceps mitheorum regna sie: 

I. prota Anubis — das weitere ist durch einen nicht hierher ge- 
hörigen Einschub verdrängt. Man könnte allerdings vermuthen, das Anubis 
in Wirklichkeit an den Anfang der zweiten Götterdynastie gehört, und 
vom Barbar US fälschlich unter die Halbgötter verschoben ist. 

IV. atque rursus alii reges dominati sunt annis 181 7. 

V. post quos alii 30 reges Memphitae annis 1790. 

VI. post quos alii Thynitae 10 reges, annis 350. 

VII. ac deinde manium et semideorum^ regnum annis 5813. 

Als Gesammtsumme fiir Dyn. 3 —7 giebt Eusebius 1 1000 Jahre, was 
aus dem correcten 11025 abgerundet ist. 

Also auch hier finden wir, wie im Papyrus, zwischen den Gött^r- 
dynastien und den n^kygc hMieeoi = Semsu Hör eine Anzahl (4) Dynastien 
theils von Halbgöttern, theils von irdischen Herrschern , aus Memphis und 
Thinis. Die Übereinstimmung des Papyrus mit Eusebius ist mehrfach so grofs, 
dafs man versucht ist, beide noch mehr in Harmonie zu bringen^; doch ist 
das, zumal bei dem trümmerhaflen Zustande des Papyrus, der die Zuge- 
hörigkeit der Einzelposten nicht sicher erkennen läfst, undurchführbar. 
Nur ist jetzt völlig klar, dafs alle die immer erneuerten Versuche^, die Über- 
lieferung bei Eusebius als entstellt und verfälscht darzustellen, unhaltbar 
sind. Die ägyptische Überlieferung hat in der That zwischen 
den Göttern und den Semsu Hör, in denen Sethe wohl mit Recht 
die geschichtlich noch greifbaren Könige der beiden Reiche von Hierakon- 
polis mid Buto unmittelbar vor Menes wiederfindet, mehrere Dynastien 



* So hat Eusebius zweifellos geschrieben (p. 133, 25; 135, 11. 15. 31; 137,8; mgtA 
N^KYAC kaI toVc HMie^OYC Sync. p. 102, 10) anstatt des von Africanus (Sync. p. 100, 16 
M€tA n^kyac to^c HMie^oYC = Barb. p. 38 a post liec Ecyniorum reges interpretavit imitlieos 
vocans et ipsos, fortissimos vocans) bewahrten richtigen n^kycc HMieeoi. 

' Z. B. Dyn. 2 und 3 des Papyrus = 20 -f 10 = 30 Könige könnte den 30 Memphiten 
des Eusebius (V), die 330 Jahre von Dyn. 4 des Papyrus den 350 Jahren der Thyniten des 
Eusebius (VI) entsprechen. 

' So zuletzt Sbtue, Beitr. zur ältesten Gesch. Aegyptens S,gL 



Aegypüsche Chronologie. 123 

irdischer Herrscher gekannt; und ich stehe nicht an, darin eine zwar 
verblafste, aber in ihrem Kern ganz correcte Erinnerung an die Vorgeschichte 
Aegyptens zu erkennen, die weit über die Zeit des Menes, ja über die 
der beiden Reiche hhiausfiährt. Wir werden bei dem Stein von Palermo 
darauf zurückkommen. 



Der untere Theil der zweiten und die dritte Golomne. 

Der untere Theil der zweiten Columne enthält die Nachfolger des 
Menes. Zu ihm gehört wohl sicher (so auch de Rouge) fr. 30, 10 Zeilen 
(die erste verstümmelt) mit Angabe des Lebensalters der Könige; die letzte 
Zeile gehört dem unteren Rande einer Columne an und kann daher nicht 
von Col. 3 stammen, da diese mit einer Dynastiesumme abschlofs. Da- 
gegen stimmt sie in Sdirift und Zeilenabstand zu Col. 2 sehr gut.^ 

König Menes erhält in Z. 12 wie in Z. n den Segenswunsch H^ly^ der 

sonst im Papyrus nur noch ganz vereinzelt vorkommt (z. B. Col. 3 , Z. 8 bei 
Huni). Sonst werden die Könige immer mit ß\ determinirt. Auffallend 
ist, dafs bei Menes kein Rubrum gemacht ist. 

Z. 15 (fr. 20, i) enthält nur die Zahl »28 Tage«, die über den Rand 
von Col. I hinübergeschrieben und durch eine Umrahmung zu ihr gezogen 
ist, wie auf fr. 61. 72a. 97. Der Vergleich mit den übrigen Königslisten 
zeigt, dafs in Col. 2 diese Zeile leer gelassen war, während in den drei an- 
deren Fällen der Königsname eingerückt ist. 

Auch von Col. 3 ist keine Zeile ganz verloren. Das Kopfstück fr. 18 
besteht aus zwei Lappen. Wie Läuth, de Hoeeack, de Rouge ^ erkannt 
haben, ist zwischen diesen das fr. 32 so einzusetzen, dafs die erste Zeile 
von fr. 32 die Lücke zwischen den beiden Hälften der fünften Zeile von 
fr. 18 ausfallt. An fr. 32 schliefst sich fr. 34, das sicher zu dieser Co- 
lumne gehört, da die letzten Zeilen die Namen der letzten drei Könige der 
fünften Dynastie und die Summe der Herrscher von Menes bis Unas ent- 
halten. Nach dem Verso bildet diese Zeile die Schlufszeile der Seite; auch 
wäre es recht unwahrscheinlich, dafs auf die Summirung nur noch eine 



* Gesammtlänge der neun vollständig erhaltenen Zeilen 131""; im Durchschnitt i4™?*5 
für die Zeile. 

^ Seine Bedenken prem. dyn. 154 ff. sind ohne Gewicht. 

16^ 



124 Meyer: 

Zeile mit der Überschrift oder der ersten Regierung der nächsten Dynastie 
gefolgt wäre. 

In den Ausgaben ist fr. 34 so an fr. 32 an gefugt, dafs die erste, nur 
in halber Höhe erhaltene Zeile von fr. 34 mit der letzten von fr. 32 identisch 
wird. Aber das ist unmöglich ; denn am Rande stofsen alsdann zwei Striche 
unmittelbar an einander, die beide Reste des Zeichens | sein müfsten, 

sich aber nicht mit einander verbinden lassen.* Mithin mufs die erste 
Zeile von fr. 34 auf die letzte von fr. 32 gefolgt sein. Rücken wir sie 
mit dem Zeilenabstand von 16°*", den auch die benachbarten Zeilen haben, 
unter einander, so ergiebt sich für den beschriebenen Theil der Columne 
eine Länge von 391"°*, d.i. eine ganz unwesentliche Abweichung von 
der far Col. 2 gefundenen Länge von 400"'". Danach kann kein Zweifel 
sein, dafs wir die Columne richtig reconstruirt haben. 

Die Columne hat mithin 27 Zeilen gehabt mit einem durchschnitt- 
lichen Abstand von 14^5.^ Die Breite betrug etwa 160""". 

Sicher zu dieser Columne gehört fr. 3 1 mit den Namen Huni und 
Snofru. Wenn ferner fr. 46, das nur am äufsersten linken Rand ein Paar 
(zu Col. 4 gehörige) Zeilenanfänge enthält, mit fr. 47 richtig verbunden 
ist, wie WiLKiNSON angiebt (appear to correspond)^, so ergiebt sich, dafs 
die linke Seite der Columne wenigstens bei den letzten 9 — 10 Zeilen auf 
eine Breite von etwa 40°" unbeschrieben gewesen ist. 



Die Eönigslisten der ersten und zweiten Dynastie. 

Der Turiner Papyrus betrachtet die Könige des Alten Reichs, der 
fünf ersten Dynastien Manetho's, als eine Einheit. Innerhalb derselben 
macht er nur zweimal einen Einschnitt durch Rubrum und Wiederholung 
der Worte »er regierte« zwischen Namen und Jahreszahl, Col. 3 Z. 5 bei 



' WiLKiNsoN bemerkt zum Facsimile der beiden Fragmente: do not join well, no. 34 
should be placed a little higher. Aber das würde nichts helfen. 

* Im Einzelnen schwankt er von 16 bis 14*"". Die letzte Zeile steht sogar von der 
vorhergehenden nur 11"" ab, ein Beweis, dafs der Raum knapp war. Aber der Schreiber 
wollte die Summe noch gern auf dieser Columne anbringen. 

■ Fr. 45 gehört nicht dazu (»not corresponding«), — Über fr. 33 (drei Zeilen mit 
Bruchstücken von Konigstiteln) läfst sich nichts sagen; von fr. 35 — 39 gehört schwerlich 
etwas hierher; über fr. 40 s.S. 115. 



col. 3 



roth 



Zu S, 125, 



Turiner Papyrus 



Name 



Regierungszeit Lebensalter (fr. 30) 



col. 2 I . 



jumu, 



h (Menes) 
2. J^^i (Atöti). 



/W\AAA 



3. zerstört . 

4. |^(| (Atöti?) 



5- o \\ (Usapliais) 

> D 



AM/VV\ 



7. unlesbar . 

8. [^]JJ(Qebtu). 

9. 0^i^ (Beunoter) 



(Miebis) 



Eratosthenes 



unlesbar 



J.7o + x(73?) 



72 



• • • 



63 . . . 

95 • • 



. Mi^NHc [SeiNiTHc] 9hbaToc 62 J. 



1. Ae(i)eHC [yWc] . 



r 



Äet&eHC ÖM(i)NYMoc 



59 
32 



i 



o. I^'^iö^ (Kekau) , 
i' 4\ (Benoteren) 
2. verloren . . . . 



3. ^> (Send) 



vacat 



» 95 • 
» 70 . 

» x + 4 



4- JLJ (Neferkere^ . 

6, J^l"^' (Huzefa) . . » ii v 8 » 4 



» 70 . 

» 20(?) + X 



34 



• • 



7- JJ^ (Bebti) .... 

8. ^^i^U (Nebka) .... 

9. V^ (Zoser) » 19 » o » o 



»27 »2 »I 
»19 » o » o 



• 40 (+x?) 
» o . . 
. verloren 



i^. AiABii^c [vtöc Ae(i)A6(üc] . 19 • 

I 
l 

5. TTeM<t>ä)c [vföc Ägcöaoyc] . 18 » 

2i 

Übersetzung der Namen bei 
Eratosthenes 

. Xld)NIOC 

. *"6pMor6NHc 
J. (ebenso) 

k. ♦lA^TAIPOC 
4). ""HPAKAeiAHC 



5 
6 



8 



Der Barbarus giebt p.38a: 
n MineusetpraenepotesipsiusVn 

regnaverunt ann. 253 
n Bochus et aliorum octo 

ann. 302 
V Necherocheus et aliorum VII 



ann. 214 
j Jals erste Dynastie zählt der Bar- 
barus Ecyniorum reges = NdKvec] 



1 1 



12 



^ Schreibfehler. * O ist zu Anfang ausgelassen. * Das Zeichen, das 

Schlufs, col. IX fr. 97 Z.5 und 7, fr. 99 Z.2 wiederkehrt, ist eher^^, soll aber off 



• Arm, 30 



* Arm. Wavenephis. 



Aegt/ptische Chronologie. 125 

Zoser und Z. 20 bei dem siebentletzten König der Liste.^ Mithin befolgt der 
Papyrus eine andere Eintheilung als die der manethonischen Dynastien: 
den fünf Dynastien Manetho's entsprechen bei ihm nur drei. 

Ich gebe jetzt zunächst die Liste der 18 Könige bis auf Zoser, die 
den beiden ersten Dynastien Manetho's und dem ersten König der dritten 
entsprechen, und stelle ihnen die Listen der Tafeln von Abydos und 
Sal^kara, die Liste Manetho's nach Afrieanus^ und Eusebius^ und die des 
Eratosthenes gegenüber. Die beigefügte Umschrift bezweckt lediglich eine 
Orientirung derjenigen, welche diese Zusammenstellung benutzen wollen, 
ohne Hieroglyphen lesen zu können; eine wirklich correcte Transscription 
läfst sich bei mehreren dieser Namen überhaupt nicht geben (s. die Beilage). 

Dafs Eusebius' Liste nur eine verschlechterte und flüchtige Variation 
der africanischen ist, tritt sehr deutlich hervor/ In einzelnen Namen (I, 8. 
II, 2) hat Eusebius die bessere Form bewahrt; die Abweichungen in den 
Zahlen beruhen wohl durchweg auf Flüchtigkeiten und Schreibfehlern, auch 
bei den Summen. Dafs die ursprüngliche Summe für Dyn. i 263 gewesen 
sein mufs, lehrt die Tomossumme (S. 166). Die Namen O^caoäiaoc und 
AAieBiAÖc bei Africanus im Gegensatz zu O'y'caoäic und NiesAic (lies Micbic) 
bei Eusebius, Aiabii^c (lies Miabii^c) bei Eratosthenes scheinen zu zeigen, 
daUs in Africanus' Vorlage die Königsnamen im Genitiv standen. Über 
die Interpolation des Eratosthenes auf Grund Manetho's ist schon oben 
gesprochen. 

Wie weit die älteste erreichbare Form der Liste wirklich den echten 
Manetho wiedergiebt, ist natürlich nicht zu sagen. Historisch brauchbare 
Zahlen werden wir nach dem , was wir bei Dyn. 12 — 19 kennen gelernt 
haben , in dieser Zeit überhaupt nicht erwarten. Dafs die Gesammtsumme 
der beiden ersten Dynastien, 565 Jahre fiir 17 Könige (durchschnittlich 



^ Das Rubrum ist hier verloren, aber trn/ms'inß erhalten. Bei anderen Konigen 
haben diese Worte auf Col. 3 sicher nicht gestanden, während in Col. 2 nirgends ein 
Rubrum vorkommt. 

^ Bei Synkellos p. reo, 16 — 102, 7; 104, 3 — 7. [Dies letzte Stuck ist falschlich an 
den Schlufs der 2. Dynastie des Eusebius gerathen, während das hierhergehörige Stück des 
Eusebius erst p. 106, 3 ff. folgt.] 

• Chron. I p.137 Schoene = Synk. p. 102, 10 — 104,2; 106,3 — 8* 

* In den zu den Königen hinzugefugten kurzen historischen Notizen stimmen beide 
vollständig überein, bis auf die charakteristische Milderung der Angabe über die Mafse des 
Sesochris bei Eusebius (oben S. 59, i). 



126 Meyee: 

also über 33 Jahre), gesell ich tlich unmöglich ist, ist oft hervorgehoben 
worden; der neuerdings vouSethe gemachte Versuch \ sie zu vertheidigen, 
dürfte schwerlich viel Zustimmung finden. 

Viel glaubwürdiger erscheinen die wenigen im Papyrus erhaltenen 
Daten. Die vier letzten Könige regieren zusammen nur 66 Jahre i Monat 
X Tage. Die drei ersten von ihnen haben kein hohes Alter erreicht; der 
erste, Neferkesokar, ist, wenn die Zahl 20 + x für sein Alter richtig ist (zur 
Noth kann auch 30 gelesen werden), im besten Falle als eben mündiger 
Jüngling auf den Thron gekommen, sein Nachfolger Huzefa mit 22 Jahren, 
Zazai noch als Knabe. Für die vorhorgeli enden Könige wird ein weit 
höheres Lebensalter angegeben, doch so, dafs die Zahlen durchweg möglich 
sind; nur dafs zwei Könige, noch dazu mit sehr ähnlichem Namen, Beunoter 
und Benoteren, das gleiche hohe Alter von 95 Jahren erreicht haben sollten, 
ist wenig wahrscheinlich. Auch wenn es über diese Dinge wirklich eine 
brauchbare Überlieferung gab — und dafiir spricht der Palermostein , auf 
dem das Geburtsjahr des Cha^sechemui verzeichnet ist — , ist es sehr 
denkbar, dafs dabei gelegentlich Ungenauigkeiten und Übertreibungen vor- 
kamen. Für die Glaubwürdigkeit spricht jedenfalls, dafs bei Kekau keine 
Altersangabe gegeben wird; fiir ihn lag offenbar keine Überlieferung vor. 
Beruhten die Altersangaben lediglich auf Fiction, so würde man gewifs 
auch für ihn eine Zahl erfunden haben.^ 

Von besonderem Interesse ist, dafs Nebka, der letzte König der 
Dynastie, 19 volle Jahre erhalt, ohne überschielsende Monate und Tage; 
auch sein Alter wird nicht angegeben. Da kaum anzunehmen ist, dafs er 
gerade am letzten Tage seines 19. Jahres gestorben ist, besagt das, daüs 
man sein 20. Jahr dem ersten seines Nachfolgers Zoser gleichgesetzt und 
seine Regierungszeit nicht bis an seinen Tod gerechnet hat. Er mag sich 
in einem Theile Aegyptens noch länger behauptet haben, wie umgekehrt 
Zoser schon vorher irgendwo regiert haben wird. Aber die officielle Königs- 



^ Beitr. zur ältesten Gesch. Aegypteus, S. 46ff. — Geradezu ungeheuerlicii ist, dafs 
die drei ersten Könige, die ausdrücklich als Vater, Sohn und Enkel bezeichnet werden, 
zusammen 150 Jahre regiert haben sollen. Dann miifste Menes als Knabe auf den Thron 
gekommen sein, wie Ludwig XIV., dessen Urenkel doch nur 131 Jahre (1643 — 1774) nach 
seinem Regierungsantritt gestorben ist, oder wie Ludwig XV., dessen jüngster Enkel Karl X. 
117 Jahre (1715 — 1832) nach seinem Antritt starb. Also selbst diese Parallelen helfen nichts. 

* Dafs die Altersangaben in vollen Jahren gegeben werden, ohne Monate und Tage, 
ist ganz begreiflich; chronologische Bedeutung hatten sie ja nicht. 



Aegyptische Chronologie. 127 

liste, welche der Papyrus wiedergiebt, erkannte diese Regierung nicht 
an, sondern datirte den Thi'onwechsel vom Neujahrstage des 20. Jahres 
des Nebka. Zoser war also ein Usui-pator; so erklärt es sich, dals 
der Papyrus mit ihm eine durch das Rubrum bezeichnete neue Dynastie 
beginnt. 

Vergleichen wir jetzt Namen und Königsfolge, so zeigt sich, dafe der 
Papyrus vor Zoser ebenso 18 Könige genannt hat wie Manetho; und die 
Tafeln von Abydos und Sakkara enthalten zusammen 19 Namen. Im Ein- 
zelneji freilich ergeben sich neben zahlreichen Übereinstimmungen die auf- 
fallendsten Abweichungen. Wie wenig eine Übereinstimmung in der 6e- 
sammtzahl der Regierungen einer Dynastie fiir die Identität der einzelnen 
Namen beweist, hat uns schon Dyn. 12 gezeigt und lehren ebenso z. B. 
die Listen des Africanus und Eusebius für Dyn. 26 und 27. 

Zunächst ist bei Manetho der 18. König, der Vorganger des Tosorthos 
= Zoser \ nicht der letzte König der zweiten, thinitischen, sondern der 
erste der dritten, memphitischen Dynastie. Da sein Name Necherophes oder 
Necherochis zu Nebka schlecht stimmt, haben wir wahrscheinlich gar nicht 
diesen in ihm zu suchen, sondern einen Vorgänger des Zoser, der sich 
unabhängig gemacht hat und von Manetho's Quelle, im Gegensatz zum 
Papyrus, bereits als legitimer König an Stelle des Nebka anerkannt wurde. 
Damit mag es auch zusammenhängen, dafs die Tafel von Sakkara den 
Nebka übergeht. Doch ist das natürlich nur eine unsichere Vermuthung. 

Warum die Liste von Sakkara die ersten fünf Könige weggelassen 
hat, ist nicht zu sagen. In ihren Namen stimmt der Papyrus mit der 
Tafel von Abydos überein; dagegen weichen beide im dritten und vierten 
Namen von Manetho auf's Stärkste ab. Denn in jenen beiden Listen haben 
der zweite, dritte und vierte König ^ ganz ähnliche Namen , die wir wohl 
am Besten alle drei Athothis aussprechen — und dazu stimmt in über- 
raschender Weise Eratosthenes, bei dem der zweite und dritte König beide 



wissen- 



* An der Identität beider Namen ist kein Zweifel. Das ägyptische ^( z (wL 

schaftlich d transscribirt) wird z. B. auch im Namen von Tanis (äg. Zcn^ hebr. yt) mit i 
wiedergegeben und wurde daher früher durch t' umschrieben. Fiir Tosorthros 4/^- ^*t 
Eu8. arm. Sosorthos [Sesorthos Sync.\^ hier wird S tm Anfang Schreibfehler sein, dagegen 
das r in der Endsilbe mit Recht fehlen, so dafs die correcte Form Töcopeoc ist. 

* Oder im Papyrus wenigstens der zweite und vierte; der Name des dritten ist nicht 
erhalten. 



128 Meyer: 

Athothis heifsen^; bei Manetho dagegen heifsen diese Könige 2. Athothis, 
3. Kenkenes, 4. Uenephes.^ Mit Bestimmtheit wird man behaupten dürfen, 

dafs Kenkenes und Uenephes nicht andere Namen für (joi und 0^^. 

sind, sondern andere Könige, die in einem anderen Theile Aegyptens 
regierten als Athothis IL und III. Genaueres läfst sich freilich nicht fest- 
stellen, zumal ims die Namen der Nachfolger des Menes in den Funden 
von Abydos gänzlich im Stich lassen. 

Bei den Königen 5 und 6 herrscht Übereinstimmung. Denn der fünfte, 
= ^*^\ Jispti, wird in der That Usaphais oder Usaphaidos aus- 



gesprochen worden sein, wenn das auch schwerlich die ursprünglich richtige 
Lesung ist, und der sechste, Mrhapn^ entspricht dem Miebis (Miebidos). 

Wie ^ in A^ [in S übergangen] auszusprechen ist, wissen wir nicht, und 

der phonetisch geschriebene Name , der an dieser Stelle im Papyrus stand, 
ist leider vollständig zerstört. So ist es möglich, dafs beide denselben 
Namen wiedergeben, der bei Manetho (und Eratosthenes) als Semempses 
erscheint, möglich allerdings auch, dafs hier zwei oder drei verschiedene 
Namen vorliegen (vergl. u. S. 131) und dafs die Auslassung dieses Königs 
in S darauf beruht, dafs keiner als legitim galt. An achter Stelle erscheint 
bei T A S ein König Qebhu, dessen Name bei Manetho fehlt, und an 
neunter bei T und S Beunoter, bei A Bazau- Der Name Beunoter ist oflTenbar 
identisch mit Manetho's achtem König OvBieNeic (so Kusebius, arm. Wibethis, 
bei Africanus verschrieben BiHNexi^c), der Name Bazau mit Manetho's Boethos 
(so Africanus, bei Eusebius und Barb. verschrieben Böxoc, Bokhus), dem 
ersten König der 2. Dynastie, Wir haben also dieselbe Erscheinung wie 
am Ende der 2. und Anfang der 3. Dynastie Manetho's, nur noch etwas 
complicirter : die ägyptischen Listen nennen zunächst einen König Qebhu, 
den Manetho übergeht; auf ihn folgten zwei concurrirende Könige, Beunoter, 
der letzte Sprofs der alten Dynastie, den T und S allein anerkennen, und 
Bazau , der Begründer eines neuen Herrscherhauses , den A allein auffuhrt. 
Manetho hat diesmal beide aufgenommen, dafür aber Qebhu übergangen. 



^ Der dritte Athotis ist bei ihm übergangen, ebenso wie Usaphais. 

' Die drei Namen "^Aeweic, KeNK^NHC und OYeNN^<t)HC hat (mit den eiisebianischen 
Jahren 28. 39. 42) auch das Sothisbuch unter Nr. 59 — 61 aufgenommen (Sync. p.320). 

• Ich gebrauche fortan die Siglen: T = Turiner Papyrus, A = Tafel von Abydos, 
S = Tafel von Sakkara, M =^ Manetho, E = Eratosthenes. 



Aegyptische Chronologie, 129 

Wie hier so stimmt T auch im Folgenden , wo Abweichungen vorliegen, 
meist mit S\ nicht mit A. Die nächsten Könige sind in allen Listen 
identisch: lo. Kekau = Kexöoc, 1 1. Benoteren = BiNwepic, 12. Uznas=TAÄc\ 
13. Sendi = Cee^NHC. Dann aber kommen neue Abweichungen. A übergeht 
die drei folgenden Könige von T S, während der nächste H®flfl Zazai A 

nur durch einen Schreib- oder Lesefehler bei S zu J J^OQ Bebi, bei T zu 

j^ Bebti geworden ist. Bei Manetho dagegen erscheint zunächst ein König 

II, 6 Xaiphc, den keine andere Liste kennt. Darauf folgen die beiden ersten 
der drei Könige von T 8:14. Neferkere^ = II, 7 Ne<t>€Px6pHC, 15. Neferkesokar 
= II, 8 C6cü)xpic*. Dagegen Manetho's letzter König II, 9 XeNCPi^c läfst sich 
weder mit i6. Huzefa* T S, noch mit 17. Zazai gleichsetzen. Auch hier 
liegen also Abweichungen vor, die auf Thronwiiren und verschiedene Rech- 
nung der legitimen Herrscher hinweisen. 

Über den letzten König Nebka T A (diesmal in S übergangen) und 

III, I Necherophes bei Manetho ist schon gesprochen. 



Die Könige der beiden ersten Dynastien nach den Monumenten. 

Wir wollen jetzt mit diesen Ergebnissen die Daten vergleichen, welche 
sich aus den im letzten Jahrzehnt erschlossenen Denkmälern der ersten 
Dynastien ergeben. Hier tritt uns eine grofse Schwierigkeit entgegen. Die 
älteren Könige Aegyptens haben bekanntlich das spätere Namensystem 

noch nicht gehabt, nach dem jeder Herrscher einen mit dem Titel 4?a^ 

»König von Ober- und Unterägypten« eingeleiteten Thronnamen fuhrt, auf 

den sein eigentlicher Eigenname mit ^^ »Sohn des Re^« folgt. Dieser 

Brauch ist erst unter der 5. Dynastie aufgekommen und auch unter der 6. 
noch nicht streng durchgeführt. Später ist dann der Thronname der officielle 



* So auch in den Schreibungen 6 und 13. Dagegen schreiben T und A Benoteren, 
S fehlerhaft Benoteiai = BiNCüepic. 

' Uznas bedeutet nach Erman's richtiger Erklärung »einer, dessen Zunge kräftig ist«. 

ns »Zunge« ist zu aac geworden, wie im Ivoptischen; T entspriclit dem z ^| wie bei Zoser, 
und der anlautende Vocal ist abgeworfen, wie so oft. 

■ Für N€<i)€PC^C(i)Xpic; in ce = |_^ he liegt der bekannte Lautwandel vor. 

^ D.i. nach Erman ^u -{- ze/a »Geschmack und Nahrung«. 
Philos.'Mstar. Abh. 1904. L 17 



130 



Meter: 



Name, der auch in den Listen T S A meist allein erscheint, während Ma- 
netho und ebenso wir den König mit seinem Eigennamen, dem ^^-Namen, 

bezeichnen. Die ersten Dynastien kennen dies System noch nicht. Aber 
auch hier nennt der König seinen Eigennamen nur selten, sondern ge- 
wöhnlich den mit ^. Horus eingeleiteten, von dem Portal des Königs- 
palastes* imirahmten Namen, den wir als Horusnamen bezeichnen; die Listen 
dagegen, T S A sowohl wie Manetho und Eratosthenes, geben hier durch- 
weg den Eigennamen.^ Wo uns von einem König in den Denkmälern nur 
der Horusname erhalten ist, ist daher die Gleichsetzung mit einem Namen 
der Listen immer unsicher und mehrfach völlig willkürlich und wissen- 
schaftlich nicht verwerthbar. 

Im Übrigen können wir uns bei der i . Dynastie um so kürzer fassen, 
da die scharfsinnigen, auf die Fundthatsachen gestützten Ansätze von 
Flinders Petrie neuerdings von Sethe^ einer sorgfältigen Nachprüfung 
unterzogen und im Einzelnen mehrfach berichtigt sind. Sethe's Ergebnisse 
dürfen als im Wesentlichen gesichert betrachtet werden. Seine Liste lautet: 



I 

2 

3 
4 

5 
6 



8 



Horus Q^ C^') König Ciüü (Mni) = ^^^j\ Menes 

T {N'rmr?) » unbekannt 



(Dn) 



n 



(ndjeh) 



(hnrht ?) 



unbekannt 
unbekannt 

OuTLO I— +— I 



f>ur>yi (?) = , Usaphais 



° {Mrpba) = ''^ ^ ° Miebis 
O — ' 



I AA/VV\A 



(Q') 



y] (Aussprache unbekannt) = In A, viel- 
leicht Semempses M. 

y 4» (S/i, nach Sethe Snmw), 



Früher falschlich als Standarte erklärt. 




oder ^^R oder auch mit beiden Titeln zusammen 



* Derselbe wird meist mit 
bezeichnet. 

■ Beitrage zur ältesten Geschichte Aegyptens I, 1903 {= Unters, zur Gesch. und 
Alterthumskunde Aegyptens 111). 



Aegypüsche Chronologie. 131 

Wie man sieht, ergeben sich auch hier acht Könige. Aber im Ein- 
zelnen ist eine Übereinstimmung mit unseren Mitteln hier ebenso wenig 
herzustellen, wie sie in den Listen vorlianden ist. Überall identisch sind 
aufser Menes noch Nr. 5^ und 6. Über Nr. 2 — 4 lafst sich nichts sagen, 
da wir ihre Königsnamen nicht kennen; so wissen wir auch nicht, ob 
Nr. 3 und 4 den Königen von T und A oder denen Manetho's entsprechen. 

Schwieriger ist Nr. 7 j^, der bei A wiederkehrt, aber bei S ausgelassen 

ist. Es wurde schon erwälmt, dafs wir weder wissen, ob der phonetisch 

geschriebene Name, den der Papyrus enthielt, dem ^ entspricht, noch ob 

er mit Semempses identisch ist. Es kommt hinzu, dafs, wie Petrie und 
Sethe wahrscheinlich gemacht haben, die Succession in dieser Zeit umstritten 
war: Miebis hat seinen Namen auf Steingefäfse des Usaphais gesetzt, 

während aJ auf mehreren Geßlfsen den Namen der Königin Meritneit, der 

Gemahlin des Usaphais, und den des Miebis tilgte; und dasselbe Schicksal 
hat er wieder durch seinen Nachfolger erlitten. Danach scheint es, dafs 
auf Usaphais sein Sohn von Meritneit (die daher ein prachtvolles Grab 

erhielt) Miebis folgte, dieser aber von ^ gestürzt wurde.^ Dessen Nachfolger 
V V Senmu(?) wäre dann wieder ein legitimer König gewesen, der das 

Andenken des Usurpators verfolgte. 

Unter diesen Umständen liegt der Gedanke nahe, dafs Semempses bei 
Manetho und Eratosthenes und vielleicht auch der zerstörte Name in T 

gar nicht dem nur von A aufgenommenen j^^ entsprechen, sondern diesem 

Senmu.* Sicher ist jedenfalls , dafs letzterer nicht mit dem nächsten König 
bei T S A Qebhu identisch sein kann; beide Namen haben gar nichts mit 

* Dafs die späterea Schreibungen aus fvrvyi entstellt sind, ist zweifellos; aber die 

Conventionelle Transscription Siui (Sethe Qa^^J) giebt gewils nicht die echte Aussprache 
wieder. — Dafs Meritneit nicht ein Konig ist, wie Prtrie annahm, sondern die Gemahlin 
des Usaphais, hat Sethe erwiesen. 

' Dem entspricht es, dafs nach Petrib, Royal Tombs I, p. 12 das Grab des Miebis 
schlecht gebaut ist und sein BegHlbnils »seems to have been more carelessly conducted than 
that of any of the other kings here«. 

* Diesem gehört auch die Siegestafel auf der Sinuhalbinsel, die Weill, Rev. arch., 
4« Serie II, 1903, 23o£ publicirt hat. 

* S hätte alsdann beide Herrscher übergangen. 

17* 



132 Meter: 

einander gemein.' Wir haben gesehen, dafs Manetho den Qebhu gleich- 
falls nicht kennt, sondern sogleich den bei T und S als seinen Nachfolger 
angeführten Ubienthes folgen läfst. 

Die Könige 3 — 8 der Denkmäler bilden eine einheitliche Gruppe. 
Sie sind sämmtlicli in Abydos neben einander bestattet, umgeben von 
ihrem Hofhalt, und ihre Grabbauten zeigen eine continuirlich fortschreitende 
Entwicklung. Voran geht ihnen eine Reihe einfacherer Gräber, die zum 
Theil älteren localen Dynasten angehören mögen.^ Die beiden ersten Könige 
der Dynastie dagegen sind nicht in Abydos bestattet', sondern Menes in 
Negade gegenüber von Koptos*, während das Grab des N^rmr noch nicht 
gefunden ist. Jedenfalls hat dieser König vor Allem in Hierakonpolis 
residirt, wo seine wichtigsten Monumente gefunden sind. Wir werden 
nicht geneigt sein zu bezweifeln, dafs die Dynastie aus dem thinitischen 
Gau stammt, in dem Abydos liegt; aber die beiden ersten Könige scheinen 
ihre Residenz nicht hier aufgeschlagen zu haben, sondern Menes vielleicht 
in Koptos, sein Nachfolger in der alten Hauptstadt des oberägyptischen 
Reichs, Hierakonpolis; erst der dritte König ist in die Heimath seines 
Geschlechts zurückgekehrt. 



' Pktbie's Annahme, A jj 8 >^{V sei aus V l^ corrumpirt, und die Sethe's, es sei 

aus dem Horusnamen ^ n entstellt, erklären sich nur aus dem Streben, um jeden Preis 
die Namen der Monumente in den Listen unterzubringen. 

* Dazu mag der Konig | j ha gehören (Petrie, Royal Tonibs II , 13; Abydos 1, i — 3), 

wenn das wirklich ein Herrschern ame ist; vergl. Sethe a. a. O. S. 32 f. Ebenso gehört der 
aus Hierakonpolis bekannte König, dessen Name mit dem Bilde des Scorpions Jl^P ge- 
schrieben wird, wohl sicher der Zeit vor Menes an. Oder sind sie etwa mit Kenkenes 
und Uenephes, den Rivalen des Athothis H. und HL, zu identificiren ? 

■ Pktrie will ihnen einige der bescheidenen Graber von Abydos zuweisen. Aber wir 
haben das grofse Grab von Negade aus Menes' Zeit, und es ist undenkbar, dafs er das etwa 
fiir seine Frau Neitl;otep gebaut habe, wie Petrie meint (Royal Tombs II, p. 4f.), während 
er sich selbst mit einem Miniaturgrab begnügte. Dafs sich eine ziemliche Anzahl Objecte 
von Menes (auch von Neit^otep, Royal Tombs II, 2, 11. 12. Abydos 1,4,6) und einige von 
N'rmr in den Gräbern von Abydos gefunden haben, ist begreiflich genug, denn unter ihrer 
Suprematie standen die Magnaten von Abydos gewifs. 

^ Das Grab von Negade ist dadurch noch besonders instructiv, dafs es uns warnt, 
rein archäologische und speciell architektonische Momente zu überschätzen. Wäre nicht 
durch die Fundobjecte sicher, dals es aus der Zeit des Menes stammt, so würden wir es 
weit später, an den Anfang der 3. Dynastie, ansetzen. Ebenso hat in Abydos nur der 5. König, 
Usaphais , einen Granitfufsboden ; seine Nachfolger verwenden wieder lediglich Ziegel und Holz. 



Aegyptische Chronologie, 133 

Mit Senmu hört die zusammenhängende Reihe der Graber von Abydos 
auf; von den folgenden Herrsehern haben nur zwei hier ilir Grab gebaut, 
die sich als eng zusammengehörig auch dadurch erweisen, dafe sie allein 
von allen ägyptischen Königen, die wir kennen, die Bezeichnung des 
Herrschers als »Horus und Set«^ titular fuhren, und zwar der erste so, 
dafs er die beiden Gottesnamen mit seinen beiden Königsnamen verbindet: 

■Horus yY^ (Shemjeb) Set = Raa^v. {Perjebsen)^^, während der andere beide 
Namen in das Portal des Palastes setzt und die Gruppe des Horus und Set 

darauf stellt^ ^1^ ^f f-^-^^^ ^ ^"^^^^ ^ =^*)- ^^^ ^^^^^ ^^^^^^ ^^^ 
Gruppe, Ch.a^sechemui, ist der Horusname, der sehr häufig allein erscheint; 

* Ich mufs nach wie vor (s. ni. Set-Typhon 1875, S. 31 ff.) mit Chabas daran festhalten, 
dafs die Bezeichnung des Königs als Horus und Set den König als Inhaber der Macht der beiden 
Götter bezeichnet, dagegen zu den beiden Reichen ursprünglich gar keine Beziehung hat; erst 

secundär wird der Titel nach Analogie von 4^\c^» ,Ä*k "'^'W' ^^^ »Inhaber der Antheile (psst) 

des Horus und Set« gedeutet und dann bald Horus, bald Set zum König des Südreichs 
gemacht. Alt ist diese Bezeichnung des Königs nur in dem schon unter der i. Dynastie 

gebräuchlichen Titel der Königin ^^'^^ 7 (Royal Tombs 11, 27. 26 unter Zer, 

30, 128 f. unter Usaphais, ebenso mehrfach in der 4. Dynastie), und das kann nicht heifsen: 
"die den König von Ober- und Unterägypten sieht«, sondern nur »die den Gott Horus -\- Set 
sieht.« Als solcher, als Incarnation der beiden feindlichen Bruder, deren vereinter Macht- 
bereich erst die Allmacht dai*stellt, thront der König in seinem Palaste; und so heifst es in 
der Unaspyramide Z. 214: »Du siehst die beiden im Palaste befindlichen, das ist Horus 

und Set« ^ ^^z=>tl ^J^'^'—^^^^ß\^'^^^\^' Auch Z. 68f. heifst es nicht 

etwa, dafs sich der Süden vor Horus und der Norden vor Set beugt (oder umgekehrt), 
sondern »beide Lande sind gewohnt, sich vor Horus zu beugen« und »beide Lande sind 
gewohnt, vor Set zu zittern«, d. h. jeder der beiden Götter ist Herr des Gesammtreichs 
und nicht nur der einen Hälfte desselben. Das gilt auch von dem Gebrauch der beiden 
Gottesnamen in der Königstitulatur, der wie gesagt nur unter Perjebsen und Cha^echemui 
vorkommt, während sonst in derselben immer nur Horus allein erscheint. Auf den Siegeln 
des Cha^sechemui trägt Set bald die rothe (Royal Tombs II, 23, 193. 198) bald die weifse 
(ebenda 22, 179) Krone, bald hat jeder der beiden Götter beide Kronen (ebenda 23, 197. 
Hierakonp. pl. 2,3); und wenn Perjebsen sich auf seinen beiden Grabstelen als »Set« be- 
zeichnet, so heifst das nicht, dafs er nur König des einen der beiden Reiche gewesen 
wäre, sondern soll ihn ebenso gut als König des Gesammtreichs bezeichnen, wie wenn er 
nur den Titel »Horus« führte. 

* Gelegentlich auch ^|^j^ ^ Ia^wva. 

* Gelegentlich finden sich auch die andern Konigstitel bei ihm. 
^ QuiBELL, Hierakonpolis pl. 2. 



134 Meyer: 

der zweite ist der Eigenname, von dessen erstem Bestandtheil, den beiden 
Horussperbern, wir die Aussprache nicht kennen'; er lautet etwa ». . .hotep 
wonf« oder »... wonf- hotep • . Von diesem König stammt auch eine gra- 
nitene Thüreinfassung aus Hierakonpolis^; aufserdem erwähnt die Tafel 
von Palermo seine Geburt. Er mufs, wie schon Petrie erkannt hat, der 
Vorgänger des Zoser gewesen sein, da seine Gemahlin »die Mutter der 
Königskinder 8 /\ 4 Nema^athapi, der jedes Wort erfiillt wird, was 

sie spricht (^^ Mj*^ als »Mutter des Königs« unter Zoser in Bet 

Khallaf auf acht Siegeln von Weinkrügen erscheint/ Da auf ihren Todten- 
cult bekanntlich Amten zur Zeit Snofru's eine Anweisung erhält (LD. II, 6), 
scheint dieser im Gebiet von Memphis seine Stätte geliabt zu haben, ver- 
muthlich bei der Stufenpyramide Zoser's; so hat man die Königin wohl 
mit Recht als Stammmutter der 3. Dynastie bezeichnet. Uir Gemahl würde 
also wahrscheinlich dem Necherophes (Necherochis) Manetho's (III, i), dem 
Begründer der neuen Dynastie , entsprechen; doch wäre auch eine Gleich- 
setzung mit dem Nebka der Listen oder Manetho's Cheneres (II, 9) nicht 
zu widerlegen. Irgend welche Verbindung zwischen seinem und diesen 
(oder den benachbarten) Namen herzustellen, ist freilich unmöglich. Diesem 
Ansatz entspricht die Stelle, an der seine Geburt auf dem Palermostein 
genannt wird. Dafs er von der i . Dynastie durch eine grofse Kluft ge- 
trennt ist, zeigt Lage und Grundrifs seines Grabes in Abydos und vor 
Allem die grofse von Steinen erbaute Grabkammer. 

Perjebsen, dessen ziemlich kleines Grab seitwärts von der Gräbergruppe 
der I.Dynastie liegt, aber sich von ihnen durch die Grabkammer aus Ziegeln 
(statt aus Holz) 4ind den Gorridor, der sie umgiebt, merklich unterscheidet. 



* Skthe liest Nebui ; Schäfer schlägt Rhui vor. Möglicherweise stecken zwei Götter- 
namen darin. Dafs die Zeichen zum Eigennamen gehören, geht aus den gleichartig gebil- 

deten Namen I J) ^^ . x;XÄXa ' J! Ü n •«4»'^'^'^'^ des Mittleren Reiches (Lange und 

Schäfer, Grab- und Denksteine, Kairo, Nr. 20273; vergl. Schafer, ÄZ. 40, 122) hervor 
■ Sebek-Pbiutiwonf, Sohn des Sebek-Anupwonf«, auf die Schafer mich aufmerksam macht. 

Ebenda findet sich auch I jl^:;zi:^(l _ _ Sebek-Anup-botep. 

* Hierakonpolis I , pl. 2, femer U, pl. 23. 59,8. 

* Royal TombsII, pl. 24, 210, als ^\lm bezeichnet. Ebenso LD. 11,6. 

* Garstang, Mahasna and Bet Khallaf pl. 10, 7 (vergl. p. xi), als ^|^^ \!N' ^^^^ dem- 
selben Zusatz. ^ ^ 



ff' 



Aegyptische Chronologie. 135 

wird zeitlich von . . . hotep-wonef nicht allzuweit abstehen. In den Listen 
kommt sein Name nicht vor/ Dagegen findet sich sein Todtencult (ge- 
schrieben { "ö* ' P verbunden mit dem des Königs Sendi fl J in 

der Mastaba des Scheri in Sakkara.^ Sendi, der in allen Listen genannt 
ist, ist dagegen bisher in Abydos oder einer der anderen Fundstätten Ober- 
ägyptens noch nicht aufgetaucht. Dafs Perjebsen vor ihm regiert hat, ist 
mit Sicherheit daraus nicht zu folgern, dafs er auf der Inschrift des Seri 
ihm vorangeht.' 

Jedenfalls zeigt diese Inschrift, dafs König Perjebsen, der sich in 
Abydos ein Grab baute , auch im Gebiet von Memphis geherrscht und dafs 
er hier einen Todtencult und wohl auch ein Grab gehabt hat.* In Memphis 
finden wir denn auch sonst die Spuren der 2. Dynastie. Die knieende 
Statuette des Dedet-dhuti (?) im Museum von Gizeh^, eine der ältesten er- 
haltenen Statuen , trägt auf der Schulter die Horusnamen der drei Könige 

und I , Hotepsechemui , Nebre^ und Ntrn; und die beiden 

ersten von ihnen haben ein Grab bei Sakkara, östlich von der Pyramide 
des Unas, gehabt, in dem sich mehrere Siegel von WeinkrOgen mit 
ihren Namen gefunden haben.® Der erste heifst mit vollem Namen 

i\r^^jL==^==^ »Horus Hotepsechemui, König Hotep«, von dem 
zweiten ist nur der Horusname Nebre^ erhalten. Scherben von Steingefafsen 
beider Könige finden sich auch im Grabe des Perjebsen in Abydos.' Dem 

* Die Vermuthung, der gute Name J [] Uznas = Tlas II, 4, dessen Stelle Perjebsen 

zu entsprechen scheint, sei eine Corruption aus ^ I' , ist wieder lediglich ein Erzeugnifs 

des Strebens, die Namen der Monumente um jeden Preis in den Listen wiederzufinden. 

* MxRiE'rrE, Mastabas p. 92 f.; Lepsiüs, Auswahl 9. Sendi's Name (geschr. ^iS"» wie 
TS) kommt bekanntlich auch im niedicinischen Papyrus Bruosch, Receuil 99 vor,, als ein 
Nachfolger des Usaphais. 

* Ein Siegel des Perjebsen, auch hier mit dem Titel »Set«, hat sich im Grabe des 
Zoser in Betchallaf gefunden (pl. 10,8, vergl. p. ir). 

^ Dafs mehrere der alten Könige zwei Gräber gehabt haben, scheint nicht zu be- 
zweifeln. Sicher ist es seit Langem von Snofru, der sich zwei Pyramiden (die von Medum 
und die südliche Steinpyramide von Dah§ur?) gebaut hat; und von Zoser scheint dasselbe zu 
gelten. Es wird das wohl mit der Doppelheit des Reiches zusammenhängen. 

' Grebaut, Le musee Egyptien pl. 13. De Morgan, Reclierches II, pl. IV, p. 253 u.a. 

' Maspero im Bulletin de Tinstitut egyptien, 4« serie, no. 3, 1902, S. 107 ff. 

' Royal TombsII, pl. 8, 8 — 10. 12. 




136 Meyer: 



des Nebre^ ist der Name des dritten dieser Könige , des | Ntrn , nachtrag- 
lieh hinzugefugt; und eine- Scherbe, die letzterem angeliört, hat sich gleich- 
falls in Perjebsen's Grabe gefunden.' Hier ist sein Name 4^\^^£ I 



ök Ck ^7^3" AVSAAA 



König Neteren-ua geschrieben, wobei allerdings nicht ganz sicher ist, ob 
das letzte Zeichen, die Barke ua, noch zum Eigennamen gehört; andern- 
falls wäre sein Horusname mit seinem Eigennamen identisch, was sonst nie 
vorkommt. Der König »Horus Ntrn« findet sich auch auf dem Palermo- 
stein, und man kann trotz des Bedenkens, das darin liegt, dafs dies der 
Horusname ist, der Versuchung kaum widerstehen, ihn mit Aj^ | Bi- 

nothris (II, 3) der Listen zu identificiren. — Aufserdem hat, nach einer 
gütigen Mittheilung Borchardt's, vor Kurzem Reissner auf einer späten In- 
schrift aus dem Gebiet von Memphis den Namen des Bazau, des bisher 
nur aus A bekannten ersten Königs der 2. Dynastie = Boethos M, ver- 
bunden mit denen der in Gize bestatteten Könige der 4, Dynastie gefunden, 
wohl ein Beweis, dafs auch sein Grab hier gelegen hat. 

Das sind alle Könige der 2. Dynastie, die wir bis jetzt nachweisen 
können.^ Wie man sieht, ist nur ein einziger, Sendi, mit Sicherheit iden- 
tificirt, und von diesem ist bisher kein gleichzeitiges Denkmal gefunden. 
Aufserdem ist walirscheinlich Binothris ermittelt. Die übrigen Namen da- 
gegen stimmen mit den in den Listen erhaltenen absolut nicht überein. 
Namen und Folge der Denkmäler sind: 

1. Horus Hotepsechemui König Hotep 

2. » Nebre^ » unbekannt 

3 . » Neteren » Neterenua (?) = Binothris II , 3 (?) 

4. » Sechemjeb » Perjebsen 

: 5 (?) König Sendi = Sethenes II, 5 

6. ■ Cha^^sechemui » . ... ^lotep wonef (Gem. Nema^at hapi) 

Es folgt König Zoser. 

^ Ebenda 11,8, 13. 

^ Dafs der Siegelcyllnder aus Elkab (Quibell, Elkab pl. 20, 28), mit einem undeutlich 

geschriebenen Namen (00] i'^^ Konigsring (der unter Dyn. 2 sonst niemals vorkommt), 

Ke rec zu lesen und mit Manetho II, 6 Xaiphc gleichzusetzen sei, ist mehr als fraglich; vergl. 
Stkindorff, ÄZ. 35, 7 ff. 

* Von Nebre^ kennen wir nur den Uorusnamen; er könnte also etwa den Eigennamen 
Kechüos (11,2) gefuhrt haben. 



3 



Aegyptische Chronologie. 137 

Wie man sieht, herrscht die der i. Dynastie noch nicht bekannte, später 
durchweg befolgte Tendenz, ein Element des Eigennamens Ar den Horus- 
namen zu verwerthen (bei i. hotep, 3, neteren, 4. jeb); aulserdem be- 
rühren sich die Könige 1. 4. 6. in der Verwendung des Elements y 
sechem, und der Name des 6. Königs ist dem des i. sehr ähnlich. Das 
verfuhrt dazu, in Übereinstimmung mit Petrie und Anderen, trotz Sethe's 
Widerspruch, dieser Dynastie noch einen 7. König einzureihen, nämlich den 
aus zahlreichen Denkmälern von Hierakonpolis bekannten ^.Qy »Hoiiis 
Cha^sechem«. Auf der Granite und der Alabastervase des Königs, welche 
seinen Sieg Ober das Nordland verherrlichen \ hält die Geiergöttin von Eilei- 
thyia einen runden Siegelring, der die Zeichen ^ Be§ umschliefst. Sethe 
glaubt darin mit Quibell seinen Eigennamen und in dem Ring die Urform 
der späteren sogenannten Cartouche zu erkennen; da diese unter der 2. Dy- 
nastie noch nicht vorkommt^, sei er später anzusetzen. Aber sicher ist weder 
dieses Argument, noch die Annahme, dafs Bes ein Eigenname ist, und jeden- 
falls wird man sich schwer entschliefsen, den König Cha^sechem von Cha^- 
sechemui^ zu trennen; letzterer gehört aber jedenfalls an's Ende der Dynastie. 

Dais die Einheit Aegyptens nicht allezeit aufrecht erhalten war, lehrt 
das angefiihrte Siegesdenkmal des Cha^sechem; aber aus den wenigen 
erhaltenen Denkmälern etwa den Machtbestand der einzelnen Herrscher 
genauer bestimmen zu wollen, wäre sehr voreilig. Wie sich die fast durch- 
gängige Discrepanz zwischen Listen und Denkmälern erklären läfst, ob etwa 
die Könige zum Theil neben den auf den Denkmälern erscheinenden noch 
andere auf ihnen (bisher) nicht genannte Namen geführt haben oder ob 
wir durchweg eine Zerreifsung des Landes in mehrere Staaten annehmen 
müssen, das sind Fragen, auf die wir mit unseren bisherigen Mitteln in 
keiner Weise zu antworten vermögen, die uns aber nicht veranlassen 
dürfen, über die Differenzen hinwegzusehen und eine kunstliche Concordanz 
zu schaffen, liir die bis jetzt jede Grundlage fehlt. 

Das Ergebnifs unserer Untersuchung mag folgende Liste einigermafsen 
anschaulich machen. Die vorangesetzten Zahlen sind die des Papyrus, die 
Zahlen Manethos sind in Klammern beigesetzt. 

* Quibell, Hierakonpolis, pl. 36 — 38. 

' Auch auf Zoser*s Monumenten findet sie sich noch nicht. 

■ Es kommt noch hinzu, dafs sich auch von diesem Denkmaler in Hierakonpolis ge- 
funden haben , von den übrigen Konigen der beiden ersten Dynastien (aufser Na^rmer) nicht. 

FhUo8.'histor. Ahh. 1904. L 18 



138 



Meyer: 



Monumente 

Menes (Negade, Abydos) 

Horus Na^rmer (Hierakonpolis , Abydos) 

» Zer (Abydos) 

» Z (Abydos) 
Usaphais (Abydos) 
Miebis (Abydos) 

V| (Abydos) 

Sen(.mu?) (Abydos) 

Horus Hotepsechemui König Hotep 

(Sakkara) 

» Nebre^ (Sakkara) 

» Neteren (Sakkara, Abydos) 
König Perjebsen (Abydos, Sakkara) 
König Sendi (Sakkara) 

Horus Cha^secliem [Bes?] (Hierakonpolis) 



Horus Cha^secliemui König . . . hotep- 
wonf (Abydos, Hierakonpolis, Sakkara?) 
König Zoser 



Königslisten 

1 . Menes (I i ) 

2. Athothis I. (I 2) 

3. Athothis IL Kenkenes (I3) 

4. Athothis III. Uenephes (I 4) 

5. Usaphais (I 5) 

6. Miebis (16) 



7. 



Semempes (I 7) 



Bazau (Gize?) 
= Boethos (H i ) 



8. Qebhu 

9. Bauneter = Ubienthes 

(18) 

10. Kechoos (II 2) 

11. Binothris (II 3) 

12. Tlas (II 4) 

13. Sendi, Sethenes (II 5) 

Chaires (U 6) 

14. Neferkere^ I. (II 7) 

15. Neferkesokar (118) 

ebeneres (11 9) 



16. Huzefa 

17. Zazai 

18. Nebka 



Necherophes 

(ini) 



19. Zoser (III 2) 



Über die Zeitdauer der beiden ersten Dynastien läfst sich aus dem 
bisher behandelten Material wenig ermitteln. Zahlen sind in T nur bei 
den letzten vier Regierungen erhalten, zusammen 66 Jahre, i Monat, x Tage. 
Das ergiebt denselben Durchschnitt von i6-j- Jahren, den wir nachher 
bei Dyn. 4 und 5 linden werden. Danach hätten die 1 8 Könige von 
Menes bis Nebka zusammen 18 X i6^= 297 Jahre regiert. Diesen Ansatz 
(300 Jahre) habe ich meinen Minimaldaten (GdA. I § 79 A.) zu Grunde 
gelegt. Es liegt aber auf der Hand, wie unsicher eine solche Berechnung 
ist. Nach den Altersangaben des Papyrus sind von den letzten vier Königen 
drei jung gestorben , während ihre Vorgänger meist ein ziemlich hohes Alter 
erreichten. Allerdings könnten einige von ihnen selir wohl Brüder gewesen 



Aegyptische Chronologie, 139 

sein; aber es ist nicht unwahrscheinlich, dafs die Durchschnittsdauer der 
Regierungen in der Blüthezeit der Dynastien höher war als am Ende. Nach 
den in Ahydos erhaltenen Inschriften haben Usaphais\ yy und Q^ Sen' 

das Sedfest gefeiert, also vielleiclit über 30 Jahre regiert, und das Gleiche 
gilt wahrscheinlich von Miebis (s. den Abschnitt über den Palermostein). 
Da wir far Menes und seine ersten Nachfolger doch wohl auch ziemlich 
lange Regierungen anzusetzen haben, mag die i. Dynastie leicht über 
200 Jahre regiert haben. Andererseits wäre es ebenso übertrieben, wollten 
wir jede Regierung einer Generation gleichsetzen , drei auf ein Jahrhundert 
— das ergäbe für 18 Könige 600 Jahre, ein Ansatz, der bei den letzten 
vier Königen (die alsdann 133-^ Jahre anstatt 66 Jahre erhielten) gerade 
um das Doppelte zu grofs wäre. Zwischen diesem Maximum und dem 
Minimum von 300 Jahren mag die Walirheit ungefähr in der Mitte liegen. 

Herstellung der 3. Golomne des Papyrus. 

Von der mit König Zoser beginnenden zweiten Dynastie des Papyrus 
lauten die vier ersten Posten 

^ • f @ D ' '^^'^ w^ir ^ ^^^^ Schlufs ist verloren] 

]fiP folffli ^MM 

1 . König Zoser . . regierte J. 1 9 M. [ausgelassen] seine Lebensdauer [verloren] 

2. » Zoser -Ti » 6 » o T. o vacat 

3 ]zefa* .... » 6 » I + X o 

4 [Schlufs der 

Cartouche] ... »24 [Lücke] ? ^ pTö? [das weitere verloren] 

* Royal Tombs I, 14, 12 (— 11,5). 

* Ebenda 7, 5 — 8. Übrigens stellt das Zeichen, mit dem der Konigsname geschrieben 
wird, den Konig im Ornat des Sedfestes dar. 

» Ebenda 8 , 4—8. 

^ Über das Zeichen ze/a siehe die Bemerkung auf der Beilage zu S. 125, Anm. 3. 

18* 



(rotb) 



I I I 
I I I 
I I I 



140 Meter: 

Bei Zoser scheint die Zahl der Monate und Tage durch Flüchtigkeit 
des Schreibers ausgelassen, da das Wort Monat ausgeschrieben ist. Bei 
seinem Nachfolger dagegen lag ilim offenbar eine Angabe darüber so wenig 
vor wie bei Nebka; vielleicht könnte man das durch Mitregentscliafl erklaren 
(vergl. S. 152). Bei dem dritten König, . . . zefa, waren dagegen die Monate 
(und Tage) angegeben und ebenso doch wohl bei allen folgenden Königen, 
wo sie für uns sämmtlieh verloren sind. Dagegen ist die Columne für das 
Lebensalter, das bei Zoser gegeben war, aber nicht erhalten ist, bei seinen 
Nachfolgern nicht ausgefüllt; bei dem vierten Könige steht an ihrer Stelle 
eine leider nicht zu deutende Notiz.* Da nun fiir die letzten 8 — 9 Könige 
der Columne ein grofses Stück des linken Randes in fr. 46 erhalten, aber 
unbeschrieben ist (oben S. 124), hat der Papyrus auch hier keine Alters- 
angaben mehr geliabt: und dazu stimmt, dals in allen folgenden Colum- 
nen diese Spalte überhaupt weggelassen ist und die Zeilen mit den Re- 
gierungszahlen schliefsen. Es scheint also, dafs Zoser überhaupt der letzte 
König war, von dem der Papyrus eine Altersangabe verzeichnet hat. Dafar 
hatte man offenbar nur noch bei den ältesten, mit dem romantischen Nimbus 
grauen Alterthums umgebenen Königen Interesse. 

Wie beim vierten König der Dynastie ist uns auch bei den 1 5 folgenden 
nur die Jahreszahl (in fünf Fällen ist auch diese weggebrochen) erhalten, 
aufserdem mehrfach die Striche hinter den Namen, welche die Cartouche 

und das Determinativ 3 (bez. "tJ P) bezeichnen. Aufserdem enthält Z. 20 

die einen Dynastiewechsel anzeigende Notiz ^irnf m stnjU. Erst die Namen 
der drei letzten Könige sind wieder erhalten: es sind die letzten drei 
Könige der 5. Dynastie Manethos. Aufserdem bewahrt fr. 31 den Anfang 
der beiden Namen Huni und Snofru, von denen auch aus S und dem 
Papyrus Prisse feststeht, dafs sie unmittelbar auf einander folgten. Es 
gilt womöglich die zu den Jahreszahlen gehörenden Königsnamen zu er- 
mitteln. Ein Aufsteigen von unten auf kann zu einem sicheren Ergebnifs 
nicht fuhren, da Zahl und Folge der Könige der 5. Dynastie aus anderen 
Quellen nicht durchweg feststeht; und noch viel unsicherer ist die Über- 
lieferung über den Anfang, die Könige der 3. Dynastie. Einen sicheren 
Anhalt bieten folgende Thatsachen: 



* Wenn unsere Reconstruction von Col. 4 richtig ist , reichte di^e Bemerkung in die 
nächste Columne hinüber (s. S. 164). 



Aegyptische Chronologie. 141 

1 . für die 4. Dynastie stellt die Folge Chufu (Cheops), Dedefre^, Cha^fre^ 
(Chephren), Menkeure^ (Mykerinos) fest; dann folgte (möglicherweise nach 
einer Zwischenregierung) Sepseskaf. Ferner ist es nach den Monumenten 
wie nach dem Papyrus Westcar zum mindesten höchst wahrscheinlich , dafs 
Snofru der unmittelbare Vorgänger des Cheops war; 

2. die grofsen Pyramidenerbauer Snofru, Cheops, Chephren, Mykerinos 
müssen ziemlich lange regiert haben, während wir für die übrigen Könige 
kürzere Regierungszeiten ansetzen dürfen; 

3. die Fragmente des Papyrus lassen die Länge der verlorenen Königs- 
namen noch einigermafsen erkennen. Von allen Namen der 4. Dynastie ist 
der des Cheops bei Weitem der kürzeste; er gehört also an eine Stelle, 
wo der Papyrus einen kurzen Namen erkennen läfst; 

4. die drei ersten Könige der 5. Dynastie waren Userkaf, Sahure^ und 
Nefererkere^^ Kakai* (s. Papyrus Westcar). Man wüi'de also zunächst ver- 
muthen, dafs Userkaf zu dem Dynastiewechsel in Z. 20 des Papyrus ge- 
höre. Indessen alsdann wäre auf Nefererkere^ unmittelbar der viertletzte 
König der Dynastie Newoserre^^ Ini gefolgt, während wir hier mindestens 
noch zwei weitere Könige unterzubringen haben. Der Dynastiewechsel 
mufs also im Papyrus an anderer Stelle angesetzt gewesen sein und Userkaf 
mindestens zwei Stellen weiter hinaufgerückt werden, nach Z. 18, wo in 
der That ein auf ^J ausgehender Name gestanden hat.^ Der wenig Raum 
einnehmende Name Sahure^ kommt dann nach Z. 19, wo ein kurzer Name 
stand, Nefererkere^ nach Z. 20, wo ein ziemlich langer Name gestanden 
liat; bei ihm hätte also der Papyrus den Namenswechsel verzeichnet. Dann 
erhalten wir: Userkaf 7 Jahre, Sahure^ 12 Jahre, Nefererkere^ x Jahre. Sie 
noch weiter hinaufzurücken ist unmöglich, da die vorhergehenden Regie- 
rungen tur diese Herrscher zu kurz sind. 

Mithin bieten sich theoretisch folgende Möglichkeiten der Ergänzung: 

^ Die Identität des Nefererkerec mit Kakai ist durch die Gleichheit ihres Pyramiden- 
namens erwiesen: Borcrardt in den Aegyptiaca (1896), S. 13, i. Er ist der erste König, 

bei dem ein Doppelname (4lsR ^^^ ^^) ^^^^i^^^i^^^^ ist. 

* Das schliefsende /*^^a^, das der Papyrus sehr kurz zu schreiben pflegt, hat alsdann 

darunter gestanden: '— ^ 



142 



Meyer: 



Coi. m 
Z. 8. 



lO. 



15 



Papyrus 

4- mw 

6. vacat 

7- &i 



8. 



Reste von 
Zeichen 



M 






20. I 



10 

1 1 . nichts erhalten 

12 

14. nichts erhalten 

16. vacat 



J. 24 

» 24 
» 23 

» 8 

• [fehlt] 

» [fehlt] 

» [fehlt] 
»18 oder 28 

» 4 
» 2 

» 7 



j drei un- 
f bekannte 
> Namen, 
Huni, 
Snofru 

Cheops 

Dedefre<^ 
Chefren 



B 

zwei un- 
bekannte 

Namen, 
Huni, 

Snofru 

Cheops 
Dedefre^^ 

Chefren 
Mykerinos 



C 

ein unbe- 
kannter Name, 
Huni, Snofru 

Cheops 
Dedefre^ 
Chefren 

Mykerinos 
Sepseskaf 



D 
Huni 

Snofru 

Cheops 

Dedefre^ 

Chefren 

Mykerinos 

i§epseskaf 
und 
drei un- 
\ bekannte 



V 

Mykerinos Sepseskaf Zwei unbe- 

Sepseskaf unbekannt kannte Könige / Könige 



AA/>AAA 




» 12 

£1^ 






/VS/W>A 




iJ 



» regierte « 



Userkaf 
Sahure^ 

• 

Nefer- 
erkere^ 



desgl. 
desgl. 
desgl. 



desgl. 
desgl. 
desgl. 



desgl. 
desgl. 
desgl. 



u. s. w. 

Bei der Ergänzung A kommt Cheops an eine Stelle, wo ein ziemlich 
langer Name stand, und Mykerinos imd Sepseskaf erhalten viel zu kurze 
Regierungen (4 und 2 Jahre). Bei B erhält Cheops einen der längsten Namen 
der ganzen Columne. Bei C erhält Cheops, der Erbauer der gröfsten Pyramide, 
nur 8 Jalire. Somit bleibt als einzige Möglichkeit D, wobei Cheops an die 
Stelle kommt, wo einer der kürzesten Namen der ganzen Columne stand. 
Dedefre^ erhält alsdann 8 Jahre, was sehr gut pafst, und Chefren kommt an 
eine Stelle, wo die im Papyrus erhaltenen Zeichen sehr gut zu O L ii ^ i 

ergänzt werden können. Alsdann sind Huni und Snofru nach Z. 8 und 9 zu 
setzen, jeder mit 24 Jahren, und in der That lassen sich die Anfänge ihrer 
Namen in fr. 31 mit den in fr. 32 erhaltenen Endstrichen sehr gut verbinden: 



M'PI^M]|| 



* Der Anfang der Cartouche ist vom Schreiber ausgelassen. 



Aegyptiache Chronologie. 



143 



Obere 
Zeile 

Untere 
Zeile 



So hat bereits de Rouge, wenn auch mit grofeen Bedenken, diesen Theil 
der Columne ergänzt \ und ich bin ihm GdA. I S. 79 gefolgt. Ich glaubte 
dann, gleichfalls im Anschlufs an de Rouge (p. 75), die ersten Könige der 
S.Dynastie bis nach Z. 15 (Nr. 11) hinaufrücken zu dürfen^; aber dann 
erhält Sahure^ 4, Nefererkere^ 2 Jahre, was unmöglich ist. Es bleibt nichts 
übrig als die Annahme, dafs in Z. 14 — 17 (Nr. 10 — 14) aulser Sepseskaf 
noch drei Könige standen, von denen in den Denkmälern keine Spur er- 
halten ist: und diese drei Könige finden sich am Schlufs der 4. Dynastie 
nicht nur bei Manetho, sondern sie standen auch in der Tafel von Sakkara! 
Danach kann die Reconstruction D als gesichert gelten. 

Wie schon S. 104 bemerkt ist, hlfst sich der Umfang des zerstörten 
Theils der Tafel von Sakkara genau bestimmen. Das in Betracht kommende 
Stück hat folgende Gestalt: 

zerstört 



erhalten 



Amosis 



Dedefrec ! 



^ r 



Ainen- Thut- 
ophis I. mosis 1. 

Chac- 
ufrec 



Thiit- 
mosis II. 



Thut- 
inosis III. 



Ameii- 
ophis II. 



Tluit- 
inosis IV. 



Amen- 
ophis III. 

Userkaf 



unterer Theil erhalten 

Harem- 
habi 



Sahure^ 



Ramses I. 

Nefer- 
erkerec 



erhalten 



zerstört 



V 

erhalten 



Es fehlen also zwischen Chephren und Userkaf fünf Könige. Der erste 
war natürlich Mykerinos, einer der folgenden Sepseskaf; aufserdem aber 
standen hier drei unbekannte Namen, genau wie im Papyrus und bei 
Manetho. 

Die Liste des Eratosthenes läfst auf 5. TTewoöc zunächst 7 Könige folgen, 
die von dem Redactor der dritten, memphitischen, Dynastie Manetho's gleich- 
gesetzt sind, wie der Zusatz MewoiTHc bei dem ersten von ilmen beweist; 
und das wird wohl auch richtig sein. In dem ersten, ToirAPAMAxoc MoMxeipl 
[MewoiTHc], wird wohl eine Verstümmelung von Zoser Töcopeoc stecken 
(daher corrigirt GuiscHMm ToicapämIAxoc^ Mocxeipi), ebenso wie 8. TocoPMiHC 
(GüTscHMiD ändert Tocopmihc) dem zweiten Zoser entsprechen mag; und 
10. AN(i)Y<i>ic ist w^ohl = Manetho's III 5. Cc»>y<i>ic. Mit den vier anderen 
Namen der Liste 6 — 12 ist dagegen nichts anzufangen. Dann aber folgen 



* Mon. des prem. dyn. p. 156. 

' Ich Dahm damals fälschlicli an, dafs zwischen fr. 32 und 34 noch eine volle Zeile fehle. 
s 



Dabei hat er wohl an ^Axhc, Manetho 111,7 gedacht. 



144 Meter: 

von 13 — 17 die Könige der manethonischen 4. Dynastie, nur so, dafs 
König 5 und 6 vor 2 — 4 geratheu sind: 

Erat. 13. ""Pa^wcic = Man. IV. 5. Tatoichc* 

14. Bi^PHC = IV. 6. Bixepic 

15. CAWoic = IV. 2. Co9*ic 

16. CacdoicIi. = IV. 3. Covoic n. 

17. Mocxepfic = IV. 4. MeNx^PHc 

Dafs die Namen von Manetho unabhängig und zum Theil in besserer Form 
gegeben sind, als bei diesem, ist klar; so ist Cawoic eine vortreflEliche 
Transcription von Chufu (spr. etwa Chaufu), die das Mittelglied zwischen 
Herodot's X6oy und Manetho's Co9<t)ic bildet. Somit bestätigt Eratosthenes 
zwei von den drei manethonisclien Namen, die bis jetzt in den Denkmälern 
nicht nachweisbar sind. Eine weitere Bestätigung wird uns der Stein von 
Palermo geben. 

Wie die 2. Dynastie ist bei Eratosthenes aucli die 5. übergangen; es 
folgen sofort die Könige der 6. Dynastie. 

In der manethonischen Überlieferung zeigt Eusebius hier noch gröfseren 
Mangel an Interesse als bei Dyn. 2. So ist bei ihm der letzte König 
von Dyn. 3 ausgefallen, Dyn. 4 und 5 sind zu einer einzigen zusammen- 
gezogen ; dementsprechend umfafst seine Summe für Dyn. 3 nur die Posten 
der ersten acht Könige, während seine Summe für Dyn. 4 (+ 5), 448 Jahre, 
aus Africanus' Summe fiir Dyn. 5 248 Jahre entstanden ist. Diese Zahl 
ist 30 Jahre höher als die Einzelposten ergeben, wird aber durch die 
Tomossumme geschützt; es sind also wohl die Einzelposten fehlerhaft 
überliefert. Bei Dyn. 4 wird umgekehrt die Summe 277 durch die Tomos- 
summe bestätigt, während die Posten 284 Jahre ergeben. Im Übrigen zeigt 
sich gerade hier, dafs Eusebius auch den Africanus selbst benutzt hat. Denn 
Africanus berichtet, dafs er das heilige Buch des Suphis I. (den die Epi- 
tome richtig mit Herodot's Cheops identificirt) selbst erworben habe: o?toc 
A^ kaI 'Y'nepönTHC eic eeovc ^r^NCTo'^ kai thn lepÄN CYN^rPAYe bibaon, Hn iac m^fa 
xPHMA ^N Afr^nTO) reNÖMeNoc €kthcAmhn — eine Angabe, auf die jetzt 
durch das neue Fragment von Africanus' KecToi in den Oxyrynchospapyri 



* Die Vermuthung, dafs Eratosthenes' Rayosis dem Hyksoskonig Rac Cq user Apopi 
entspreche, ist also unhaltbar. 

^ Das stammt noch aus Uerodot. 



j 



Zu 5. 145. 



Turiner Papyras 

Die erste Zahl bezeichnet die Nummer in der fortlaufenden Konigsliste, die 
zweite die in der mit Zoser beginnenden Dynastie. 



Name Regierangszeit 

19. I. W^öp (Zoser) regierte J. 19 M. - T.- 



Lebensalter 

. verloren . 



20. 2. v^^J) (Zoserti) 



21. 3. ^^3 {. . . zefa) . 

] (Huni) 




f 



L ^v 



'3- 5. pj;^[^] (Snofru) 

24. 6. [Cheops] . 



25- 
26. 

27. 



7- 
8. 



[Dedefre«] 
[Mykerinos] 



28. 10. X 



29. I I. X . . . 

30. 12. [Sepseskaf] 

31. 13. X . . . 



32. 14. 



34. 16. [Nefererkere^] regierte 
35- ^7- [Sepseskere^] 



• . 



36. 18. [Akeuhor] . . . . 



37. 19. [Newoserre^] . 



• . 



38. 20. 




MVWVA 



LJ (Menkehor) 



39. 21. ff n' (Dedkere^ . . . 

40. 22. -^«(in (Unas) . . . 



6 » o » o 



» 6 » 1 » X 

»24 [Monate 
und Tage 
' von hier 
an ver- 
loren] 

» 24 
» 23 . 
. 8 
» X 

» X 
■ X 

• 1 8 [oder 2 



» 2 



8] 



i|n<z>l ^ (Userkaf) • 7 
33. 15. [Sahure^] «12 



» X 

• 7 

» X 

» 30 + x* 
» 8 
H 28 . 

• 30 • 



vacat 



o 



Bemerkung 



diiiilip »Summe der Könige 
'"^"^^ ^ von Menes bis auf. . . « 



Taf( 



Eratosthenes 



12. \J 



13- W 



14. G^^'ioc 



ipapAmaxoc MoMxeipl Mgm^ithc . 79 J 

oTxoc vtöc K^io9 6 

COPMIHC 30 

PHC YtÖC A'^TO? 26 

ü)Y*ic 20 

18 



09bOC fNeYPÖC 22 



15 




■«■ pj: 

17. ^ 

18. oj 

19- Ge 



ie Umstellung der folgenden Namen 
s. S. 144. 



ü)^IC 



29 J. 



ü)^IC B 



27 



. >CX€PflC 3^ * 

. ^wcic ^3 ' 

zei 'PHC 10 » 



20. 

21. 
22. 

23- 

^^' ^ * Übersetzung der Namen 

Ic [^THc Gutschbod] Xnap6c nepiccoMeArtc 

ÄA Ihc XNAiceHTOC 

^* II y-HcmANTÖc (Sthc hantöc Gutschmid) 

26. Q j Jm6a(i)poc 

27. gI-c 



7. oj 

28. G^ 

29- Ge 




30- 
31. op^t 

32. -^«1 



KUMOC 

C KÖPHC, ä)C A^ ^TGPOI XsACKANTOC 

^CHC Xp^coy y16c 

^mactAc, katA Afe ^nIoyc xphmatictkic 

lenso) 

klÖAOTOC 

^ukpAtwp 
slllt 



A/WVAA 



^ Siehe 8. iao. 



* Vwkrirxt« Srhi*^ihiinc 



* S*»hr#»iHf*»Kl*»r- 



* So nrul n 



irbarus p. 38a: 

herocheus et aliorum VII ann. 2 1 4 

liliter aliorum XVII » ^77 
iiliter aliorum XXI 



• 25S 



Aegyptische Chronologie, 145 

ein helles Lieht fällt. Eusebius (der die Notiz von Suphis L = Cheopiy auf 
Suphis II. = Chephren überträgt) macht daraus: bc kai ynepönTHC efc eeo'v'c 

r6rON€N, fe'wC^ MeTANOI^CANTA A^TÖN T^'N tcpAN CYrrPÄYAl BIBAON, Hn (S)C m^pa 

xPH^yA Atr^nrioi nepi^novci. 

Schliefslich erwähne ich noch, dafs die Tafel von Karnak von den 
Königen des Alten Reichs folgende seltsame Auswahl aufgenommen hat: 

1. zerstört 

2. PJ^=>^ Snofru 

3. O^^ Sahure^ 

4. i] Ini = Newoserre^ 

5. Ijlpn Asosi' = Dedkere<: 

Weiter enthält sie Merenre^ und Pepi (Nr. 9 und 10 bei Lepsius^); Newoserre^ 

findet sich wahrscheinlich ganz versprengt noclimals als Nr. 28 G IM 
Userenre^. 

Ich stelle jetzt die Listen fiir Dyn. 3 — 5 zusammen (s. die Beilage). 

Vierte und fünfte D3mastie. 

Bei Vergleichung der Listen tritt ein scharfer Gegensatz zwischen 
Dyn. 3 einerseits und 4 und 5 andererseits hervor: dort gehen sie auf's 
Stärkste aus einander, hier lierrscht fast völlige Übereinstimmung. T und S 
stimmen auch hier, soweit wir seilen können, wieder vollständig; nur hat S 
unbegreiflicherweise den hocligepriesenen König Newoserre^ Ini ausgelassen 
— ist das Absicht oder Flüchtigkeit? — und hat daher eine Stelle weniger 
als T, Bei M (und E) ist in Dyn. 4 der dritte König der anderen 
Listen, Dedefre^, ausgelassen.* Das kann nicht Zufall sein, sondern mufs 



/vvwvs 



* So V. GuTSCHMiD statt (j&c auf Grund der armenischen tibersetzung (usque dum). 

* So wird nach Analogie von Atoti, Apopi u.a. der Name zu sprechen sein (Krman). 

* Die Zählung der Namen bei Lepsiüs entspricht offenbar den Intentionen des Ver- 
fassers nicht; Z. i und 3 sollten von links nach reclits, Z. 2 und 4 von rechts nach links 
gelesen werden. Nr. 6 und 7 (bei Lepsius 3 und 2) sind zerstört, Nr. 8 (Lkpsius i) Ra^sechem 
smentaui gehört zu Dyn. 13. 

* Der alte Gedanke, ihn mit Manetho*s Tatoichc zu identificiren , findet seltsamer- 
weise noch immer Vertreter, obwohl beide Namen eigentlich gar nichts mit einander gemein 
haben und DedefreC unmöglicli nacli Mykerinos regiert haben kann. 

Phüos,'histor,Abh, 1904. L 19 



146 Meter: 

damit zusammenhängen, dafs Dedefre^, der sich seine Pyramide in Abu 
Roasch erbaute, zwischen den Erbauern der Pyramiden von Gizeh eine 
noch nicht aufgeklärte Sonderstellung einnimmt. Daher hat Manetho eine 
Stelle weniger als der Papyrus, 17 Könige von Soris bis Onnos, während 
der Papyrus von Snofru bis Unas 18 genannt hat (S aus dem ange- 
gebenen Grunde auch nur 17). Auf Grund dieser Thatsachen und über- 
haupt einer unbefangenen Betrachtung der Denkmäler ist es mir nach 
wie vor nicht zweifelhaft, dafs Snofru dem Soris, dem ersten König der 
4. Dynastie, entspricht^; mit ihm beginnt die zusammenhängende Reihe der 
grofsen Memphiten. 

Im Übrigen stimmen die ersten Könige der Dynastie in den Listen 
tmd Denkmälern überein: 

Snofru = IV. I . CöPic 

Chufu = 2. Co9*ic (Ca(D0ic E); Herod.IIi24 X^oy; Diod.163 X^^y^ylc'^ 

Dedefre^ fehlt 

Cha<^fre^ = 3. Co90icII., Herod. II127 Xe^pflN; Diod. I 64 Ke^pi^N^ 

Menkaure^ = 4. MeNx^PHc; Herod.ni29 MYKepTNOc; Diod.164 MykcpTnoc, 
Un tin€c MerxepTNON önomAioycin, mit ganz vortrefflicher Transscription. 

Von den folgenden Königen ist aus den Denkmälern nur Sepseskaf = IV 7 
CeBepx^PHc (verschrieben für CeBecx^PHc^) bekannt. Wir haben jedoch schon 
gesehen, dafs die drei anderen Herrscher, welche Manetho nennt und von 
denen Eratosthenes gleichfalls zwei kennt, auch im Papyrus und in der 
Tafel von Sakkara gestanden haben — leider sind ihre Namen nirgends 
erhalten. Nach Manetho war Sepseskaf der dritte Nachfolger des Mykeri- 
nos, würde also im Papyrus 4 Jahre erhalten. Das ist ganz wohl möglich* 



* Skthk, Beitr. S. 51, hat ihn wieder der 3. Dynastie zuweisen wollen, allerdings als 
unmittelbaren Vorgänger des Cheops; dann könnte er doch = Soris sein. Lkpsius dagegen 
identificirte ihn mit Sephuris, dem vorletzten Konig der 3. manethonischen Dynastie; das 
wäre lautlich zulässig, aber ich halte es für unmöglich, ihn in dieser Weise von Cheops zu 
trennen. Steckt in ci^<j>oypic der Name . . . zefa T. Nr. 2 1 1* 

' Bekanntlich geht ägypt. b in späterer Aussprache vielfach in § über und wii*d daher 
von Manetho durchweg durch c wiedergegeben. 

* Sepseskaf »ehrwürdig ist sein Geist« wird in Manetho 's Wortform sachlich völlig 
richtig gedeutet als »ehrwürdig ist der Geist des Re^«. Ebenso giebt er Userkaf »stark ist 
sein Geist« durch Usercheres wieder. 

* Auch bei Manetho hat er nur sieben Jahre, während seine beiden Vorgänger hier 
25 und 22 Jahre regieren. 



Aegyptisehe Chronologie. 147 

und wird unten durch die Chronik des Steins von Palermo als richtig 
erwiesen werden; alsdann liegen aber zwischen ihm und Mykerinos zwei 
Regierungen, von denen die zweite i8 (oder gar 28) Jahre umfafst und doch 
keine Denkmäler hinterlassen hat, während wir nach den Biographien des 
Sechemkere^ und Ptahsepses annehmen würden, dafs Sepseskaf unmittelbar 
auf Mykerinos gefolgt sei. Hier liegt eine mit unseren bisherigen Mitteln 
nicht zu lösende Schwierigkeit; vielleicht können wir auch hier Nebenregie- 
rungen vermuthen und annehmen, dafs die Summe im Papyrus wie bei 
Dyn. 12 nicht einfacli die Posten addirt hat, sondern kleiner gewesen ist. 
Jedenfalls haben schon die Zeitgenossen von den Nachfolgern des Mykerinos 
nur Sepseskaf als legitim betrachtet; daher wird sein Todtencult unter der 
5. Dynastie oft genannt, während Ratoises, Bicheris und Thamphthis und 
ihre Graber niemals erwähnt werden^; und auch die Tafel von Abydos 
nennt nur Sepseskaf. 

Im schärfsten Gegensatz zu der Übereinstimmung in den Namen steht 
der Unterschied in den Zahlen. Schon früh hat die Legende geglaubt, den 
Erbauern der grofsen Pyramiden eine aufsergewöhnlich lange Regierungs- 
zeit zuschreiben zu müssen : so erhält bei Herodot (ebenso bei Diodor, dessen 
Quelle, Hekatacos von Abdera, lediglich Herodot überarbeitet) Cheops 50, 
Chephren gar 56 Jahre, Mykerinos dagegen wegen der Kleinheit seiner Pyra- 
mide nur 6 Jahre — und dabei sollen Cheops und Chephren gar Brüder^ 
und Mykerinos der Sohn des Cheops gewesen sein! Bei Manetho erhalten 
sie die absurden Zahlen 63, 66, 63 Jahre. Demgegenüber giebt der Papyrus 
dem Cheops 23 Jahre ^ (seinem Vorgänger Snofru, der zwei grofse Pyramiden 
erbaut hat, ein Jahr mehr). Auch am Schlufs der Dynastie stimmen Manetho's 
Zahlen nicht mit dem Papyrus. Die erhaltenen sechs Regierungszahlen 
(Könige 23 — 25, 29 — 31) ergeben zusammen 79 oder 89 Jahre (dazu x Mo- 
nate); rechnen wir für Chephren, Mykerinos und seinen unbekannten Nach- 
folger (Könige 26 — 28) zusammen rund 70 Jahre, so ergäben sich für die 
Gesammtdauer der Dynastie etwa 160 Jahre, statt der 277 Jahre Manetho's. 

^ Höchstens könnte man , wie Bouriant und £. Bruosch , Livre des rois , p. 6 , vor- 
schlagen, den König Imhotep, der LD. II, 115 h im Wadi Hammamat vorkommt, mit 6AM4>eic 
identificiren , der dann arg verschrieben wäre (der Name müiste correct ''iMO'v'eHC lauten). 
Ebenso Pktrie, History I, 66. 

' Aus dem Papyrus Westcar wissen wir, dals Chephren der Sohn des Cheops war. 

* Es ist sehr beachtenswerth , dafs die eratosthenische Liste ihm hier recht nahe steht, 
wenn sie dem Saophis I. 29 Jahre giebt; ebenso erh&lt Saophis U. nur 27, Moscheres 31 Jahre. 

19* 



1 48 Meyer: 

'Es ist oft liervorgehoben, dafs die Monumente nicht gestatten, die Dauer 
der Dynastie wesentlicli länger anzusetzen. Denn die Favoritin des Snofiru, 
Merit-atefes, die dann in Clieops' Harem überging (also bei dessen Antritt 
etwa i6 — 18 Jahre alt gewesen sein mag), lebte noch unter Chephren!, 
und Prinz Sechemkere^, vielleicht ein Sohn Chephren's, lebte unter diesem, 
Mykerinos, Sepseskaf, Userkaf und Sahure^.^ Danach hat die Dynastie 
nicht mehr umfafst als zwei vielleicht recht lange Menschenleben', d. h. 
etwa i6o Jahre. Dem entspricht es, dafs sie nur fünf Generationen um- 
fafst, die durch Snofru, Cheops, Chephren, Mykerinos und Sepseskaf ver- 
treten sind. 

Die fünfte Dynastie beginnt Manetho mit Userkaf, mit dem in der 
That ein neues Geschlecht auf den Thron kam. Der Papyrus dagegen 
macht den Einschnitt erst bei seinem zweiten Nachfolger Nefererkere^ Kakai. 
Nach der Sage des Papyrus Westcar waren Userkaf, Sahure^ und Kakai 
Drillinge, die Re^ zu Königen gezeugt hatte , und man nimmt gewöhnlich an, 
dafs sie wenigstens alle drei Brüder gewesen seien. Aber man darf zwei- 
feln, ob das historisch ist; es wäre doch recht auffallend, dafs dann die 
beiden ersten den Thron nicht auf ihre Söhne vererbt haben. Vielleicht 
waren sie alle drei Usurpatoren, die sich gegen die alte Dynastie verbanden 
und dahin einigten, dafs sie nach einander den Thron besteigen sollten. 
So mag Nefererkere^ Kakai in der That der Stammvater der neuen Dynastie 
gewesen sein; dafs erst mit ihm die neue Wendung zum Abschlufs kam, 
wird auch dadurch wahrscheinlich, dafs er der erste König ist, der sich 
einen Thronnamen beigelegt hat (oben S. 141,1). 

Wie die drei ersten Namen stimmen auch die drei letzten in allen 
Quellen überein. An Stelle des viertletzten Königs Newoserre^ Ini, den 
S ausgelassen hat, erscheint bei Manetho ""PAeo^PHc, was doch nur eine 
seltsame Versclireibung fiir Newoserre^ sein kann *, da dieser mächtige Herr- 
scher bei ihm unmöglich gefehlt haben kann. Gröfsere Schwierigkeiten 
bieten der 4. und 5. Herrscher der Dynastie. Die Listen bieten: 

' Die dazwischen liegende Regierung des Dedefre^ erwähnt ihre Grabschrifl nicht. 
' DK RouGK, Prem. dyn., p. 37. 77. 

* Meritatefes mag etwa in dem Jahre gestorben sein, in dem SechemkereC geboren 
wurde, und die Jahre, die dieser unter den beiden ersten Königen der 5. Dynastie verlebte, 
mögen ungefähr denen Snofru*s vor der Gehurt der Meritatefes entsprechen. 

* Wie Erman bemerkt, müfste der Name correct etwa Aayciphc wiedergegeben werden; 
vergl. Aa/aAphc = Nema<^atrec (Amenembet III.). 



Aegypüsche Chronologie. 149 

S 28 Sepseskere^ A 29 Neferfre^ M V 4 Ciciphc 
29 Cha^neferre^ — 5 X^phc. 

Aus den Denkmälern .kennen wir die Königsnamen Nefcrfre^ und Akeuhor, 

letzteren mit dem Horusnamen yS^ Sechemcha^u\ ferner den Horus- 

namen Is^ Nefercha^u.^ Dem Sepseskere^ gehört vielleicht ein Scarabäus 

mit der Legende [ J^O an.** Wie H. Schafer im Anschlufs an Borchardt 

bemerkt, sind die Namen, unter Berücksichtigung des Gleichklangs zwischen 
Horus- und Thronnamen, folgendermafsen zu gruppieren: 

PHC M. 

5- ^f^^ = M(I33-=^(MyBI ^^euhor = X^phc M. 

Manetho liat in beiden Fällen, abweichend von dem bei Nefererkere^, 
Newoserre^ und Dedkere<^ befolgten Verfahren, den Eigennamen der Könige 
gegeben*, während S beim ersten den Eigennamen, beim zweiten den Thron- 
namen giebt und A nur den ersten König mit seinem Thronnamen auf- 
genommen hat. 

Zu den Regierungszahlen des Papyrus ist zu bemerken, dafs die dem 
Newoserre^ zuzuweisende Zalil (Nr. 37), von der nur der untere Theil der 
Zehner erhalten ist, an sich ebenso gut 10 oder 20 wie 30 gelesen werden 
kann. Da dieser König aber jedenfalls sehr lange regiert und das Sed- 
fest gefeiert hat, wird 30 richtig sein. Auch Dedkere^, dem der Papyrus 
28 Jahre giebt^, hat das Sedfest gefeiert*'; da« ist wiederum noch kein Grund, 
die Zahl anzufechten, da das Fest zwar sicher ein 30jähriges Jubiläum 
sein sollte, aber ebenso sicher mehrfach schon vor dem 30. Jahre eines 



* Thonsiegel des Berliner Museums Nr. 16277. 

* Ihm gehört das verstümmelte Decret bei Fräser, Bersheh II, p. 57 an (vergl. Gripfith 
bei Pbtrie, Abydos II, p. 42). 

* Petrie, History I, 74. 

* Ciciphc = §epses[ke]re^, X^phc -- [A]keubor, wobei Hör zu phc geworden ist wie 
bei MeNX^PHC V 7 = Menkeuhor. 

'" Wir haben von ihm Datirungen aus dem »Jahr nach dem 4. Mal der Zählung der 
Rinder und alles Kleinviehs«, dem »Jahr des 9. Mals der Zählung der Rinder«, und dem 
»Jahr des 15. Mals« (s, Sethe, Beitr. S. 79). Er hat also bis in sein 29. Jahr regiert, über 
diese Art der Datirungen s. unten beim Palermostein. 

" Gefalsinschrifl bei Sethe, Urkunden des Alten Reichs I, 8.57, Nr. 38. 



150 Meyer: 

Königs gefeiert ist/ Im Übrigen stimmt von den Daten des Papyrus mit 
Manetho vollständig eine Zahl: 

T 35 (Sepseskere^ 7 Jahre = M V, 4 Ciciphc 7 Jahre, 
und annähernd zwei: 

T 33 (Sahure9 12 Jahre = M V, 2 C€<t>pAc 13 Jahre. 

T 38 Menkeuhor 8 Jahre = M V, 7 Mgnxcphc 9 Jahre. 
Alle anderen weichen auf's Stärkste ab. Erhalten sind im Papyrus 7 von 
den 9 Regierungszahlen, davon die für Newoserre^ unvollständig; ihre Summe 
ist 122 Jahre + x Monate. Von den beiden fehlenden kann weder die des 
Nefererkere^ noch die des Akeuhor besonders lang gewesen sein; "das be- 
weist nicht nur die geringe Zahl der Monumente, sondern zwingend die 
Thatsache, dafs Ptahsepses, der unter Mykerinos geboren ist und eine 
Tochter des Sepseskaf geheirathet hat, noch Priester an dem Sonnentempel 
§opujebre^ gewesen ist, den Newoserre^ Ini erbaut hat.^ Er hat also das 
Ende der 4, Dynastie und die ganze erste Hälfte der 5. Dynastie, bis in 
die Regierung des 6. Königs hinein, durchlebt. Nehmen wir an, dafs er 
beim Ende der 4. Dynastie etwa 30 Jahre alt gewesen ist und ein Alter 
von 90 Jahren erreicht hat, so kommen auf die ersten 5 Herrscher der 
Dynastie doch immer nur höchstens 50 Jahre. Wahrscheinlich aber sind 
es beträchtlich weniger gewesen, im Maximum 40 Jahre.^ 

Überhaupt aber sehen wir, dals die Zeit von Snofru bis auf Newo- 
serre^ durch drei in einander greifende Leben umfafst wird. Aus den an- 
geführten Daten ergiebt sich: 

^ Sethe hat die veraprochene Abhandlung, in der er nachweisen will, es sei das 
30jährige JubäSum der Proclamirung zum Thronfolger (Unters. I , S. 9 f.) , noch nicht geliefert. 
Ohne Bedenken ist auch diese Erklänuig nicht; doch verstehen wir ja von den Ceremonien 
dieses uralten Festes und ihrer Bedeutung eigentlich noch gar nichts. 

* Mabiette, Mastabas, p. 112 = 451 ff. Danach hat Sethe, Urkunden des Alten 
Reichs I, 51 ff., seine lückenhaft erhaltene Biographie zu reconstruiren versucht. — Das »Jahr 
des 14. Mals der Zählung des Rindviehs und alles Kleinviehs« in einem Papyrus Naville's 
Reo. 25,8 gehört, wie Sethe, Beitr. 79 bemerkt, wohl nicht Nefererkere^ , sondern einem 
seiner Nachfolger an , vielleicht Dedkere^ Asosi. Das 10. Jahr des Nefererkere^ ist das letzte 
auf dem Stein von Palermo erhaltene, s. unten. 

* Etwa üserkaf 7 

Sahurec 12 

Nefererkerec [10] 
Sepseskerec 7 
Akeubor [4] 

Summa 40 Jahre. 



Aegyptische Chronologie. 151 

Snofiru \ 

Cheops ) Meritatefes 

Chephren ) 

Mykerinos 

äepseskaf und die übrieen Herr- v d i, i r 
*^ ® > Secnemkere^ 

scher am Ende der 4. Dynastie 

Userkaf 

Sahure^ ^ / ) Ptahäepses 

Nefererkere^ 

äe^eskere^ 

Akeuhor 

Newoserre^ 

Danach sind vom Antritt Snofru's bis zum Antritt Newoserre^'s nicht mehr 
als höchstens 200 Jahre verflossen. Dazu kommen noch die Daten des 
Papyrus für die vier letzten Könige der 5. Dynastie (Newoserre^ bis Unas): 
rund 100 Jahre. 

Die Gesammtdauer der 5. Dynastie dürfen wir daher auf nicht mehr 
als 140 Jahre ansetzen, gegenüber den 248 Manetho's, und die Gesammt- 
dauer der Blüthezeit des Alten Reiches von Snofru's Antritt bis zum Ende 
des Unas auf nicht mehr als 300 Jahre, gegenüber den 525 Manetho's. 
Zugleich sehen wir, dafe die im Papyrus erhaltenen Angaben mit den Mo- 
numenten auf's Beste übereinstimmen. 

Als Durchschnitt für die 1 8 Könige der beiden Dynastien ergeben sich 
somit 16,6 Jahre, eine Zahl, die keineswegs zu niedrig erscheint, wenn man 
erwägt, dafs 6 Regierungen (Nr. 25. 30. 31. 32. 35. 38) zusammen nur 
36 Jahre (+ x Monate) umfafst haben, d. i. durchschnittlich 6 Jahre, und 
zwei andere (Nr. 28.36) schwerlich länger gewesen sind. Für die 10 übrigen 
bleiben dann also etwa 250 Jahre, d.h. der recht hohe Durchschnitt von 
25 Jahren. Dies Ergebnifs bleibt völlig unangetastet bestehen, auch wenn 
man die oben ermittelte Vertlieilung der Namen auf die Daten des Papyrus 
nicht fiir richtig halten sollte. 

Dritte Dynastie. 

Im Gegensatz zur 4. und 5. Dynastie und zu der wenigstens an- 
nähernden Übereinstimmung der Listen bei den beiden ersten Dynastien 
zeigt die dritte die stärksten Discrepanzen. Den 8 Königen Manetho's (denn 



152 Meyer: 

der erste, Necherophes, kommt hier nicht melir in Betracht, s. S. 127) und 
den 7 des Eratosthenes stehen in allen drei ägyptischen Listen nur 4 Könige 
gegenüber. Und auch diese stimmen nur in den beiden ersten Namen 
überein, Zoser und Zoser-Atoti [in A nur Atoti], die man mit Recht in 
Manetho's Töcopeoc (III, 2 ; zur Namensform s. S. 1 27, i) und Toc^ptacic (III, 6) 
wiedererkannt hat, und die sich zur Notli auch bei Eratosthenes finden 
lassen. An den beiden folgenden Stellen bieten die ägyptischen Listen: 

3. T i^» (-^^ö, vergl. S. 146, i) S Nebkere^ A Szs 

4. T und S Huni A Neferkere^.l 

Man würde vermutlien, dafs Nebkere^ bei S der an falsche Stelle gerathene 
Vorgänger Zoser's bei T und A, Nebka, wäre, den S übergangen hat, wenn 
nicht auch der Papyrus Westcar die Königsfolge Zoser, Nebka^, Snofru, 
Cheops gäbe. 

An Doppelnamen, wie in Dyn. 5, ist in dieser Zeit noch nicht zu 
denken. So bleibt nur die Annahme, dafs die Einlieit des Reiches meist 
aufgelöst war, aufser etwa unter Zoser und Zoser-Atoti, und dafs daher 
jede Liste andere Herrscher als legitim betrachtet. So dürfte es sich auch 
erklären, dafs M und E so viel mehr Namen geben; an manchen Stellen 
haben eben in dieser Epoche mehr ephemere Herrscher regiert, als an 
anderen. Vielleicht mag es so auch zu erklären sein, dafs der Papyrus 
wie bei 18. Nebka, so auch bei 19. Zoser und 20. Zoser-Atoti die Regie- 
rungsdauer in vollen Jahren, ohne Monate und Tage, giebt; alsdann läge 
seinen Zahlen eine Ausgleichung zwischen verschiedenen Jahrzählungeu zu 
Grunde. Dafs die Liste des Papyrus chronologisch vollständig sein will, ist 
nicht zu bezweifeln. Die Summe ist nur 55 Jahre (+ x Monate), d. i. durch- 
schnittlich nur etwa 14 Jahre. Dafs in der That das Intervall zwischen 
den letzten Thiniten der 2. Dynastie und dem Antritt Snofru's nicht gröfser 
gewesen sein kann und Manetho's 214 Jahre für Dyn. 3 uns völlig in die 
Irre fahren, dafür werden wir aus dem Palermostein eine unanfechtbare Be- 
stätigung gewinnen. 

Von den Königen der 3. Dynastie tritt uns in den Denkmälern bis 
jetzt nur der erste, Zoser, mit dem Horusnamen | , Ntrclit, bedeutend 



^ Diesen Namen konnte man mit MIII,9 Kep<j>^PHC identificiren, das alsdann aus 
Ne<j>€px^PHC entstellt wäre. 

^ Dafs der Papyrus \.._^j | ohne -rec^ S Q^ — >'| | sclireil)t, hat schwerlich Bedeutung. 



Aegyptische Chronologie'. 153 

entgegen, den wir bereits als Sohn der Nema^athapi kennen gelernt haben 
(S. 134). Ihm gehört die grofse Stufenpyramide von Sakkara'; er hat also 
wie schon seine Vorgänger im Gebiet von Memphis residirt. Aufserdem 
aber findet sich sein Name auf zahlreichen Siegeln des grofeen Grabes von 
Betchalläf nordwestlich von Abydos^; wie es sclieint, hat also auch er sich 
zwei Gräber angelegt, eins im älteren, eins in dem von ihm zuerst ge- 
schaffenen neuen Styl. Dafs die Inschrift von Seh61, welche ihm die Schen- 
kung des Dodekaschoinos an die Kataraktengötter zuschreibt und den wei- 
sen Arzt und Baumeister Imhotep unter ihm leben läfst, im Wesentlichen 
authentisclie Angaben enthalt, hat Sethe^ erwiesen. Von ihm stammt auch 
eine Siegesinschrift auf der Sinaihalbinsel.* Auf allen diesen Denkmälern 
fiihrt er nur den Horusnamen ; dagegen hat sich der Name Zoser auf einer 
Scherbe aus den Königsgräbern in Abydos^ gefunden. Dafs beide Namen den- 
selben Herrscher bezeichnen, wird durch die angeführten Inschriften aus spä- 
terer Zeit erwiesen. Dafs dermemphitische Herrscher später in hohem Ausehen 
stand, geht daraus hervor, dafs Sesostris II. ihm eine Statue errichtet hat." 
Zoser's Nachfolger, Zoser II. Atoti, kennen wir bis jetzt aus gleich- 
zeitigen Monumenten nicht; aber ein memphitischer Priester der Perserzeit 
war Priester des Zoser und des Zoser-Atoti', imd so hat er sein Grab wohl 
gleichfalls in Sakkara gehabt. — In Betchalläf liegt unweit des Grabes des 
Neterhet-Zoser ein anderes, dessen Siegel den Namen des Horus v , 

d. i. wahrscheinlich Sa nbt (so Seihe), nennen^; nach einem Bruchstück' 



' Briigsch und Stkindorpf , ÄZ. 28, 1 10 f. (vergl. Borchardt, ÄZ. 30, 83). Aegypt. Insclir. 
der Kgl. Museen I, p. i. 

* Garstano, Mahasna and Bet Khallaf, pl. 8 — 10. Garstang mochte ihm die Stufen- 
pyramide absprechen (p. 3 f.), hat aber irgend welche Gründe, welche das Zeugnifs der Thür- 
inschrifl entkräften könnten, nicht vorgebracht. Über seine Verehrung im Gebiet von 
Memphis in späterer Zeit s. Erman, ÄZ. 38, 119 ff. 

^ Dodekaschoinos (Beitr. zur Gesch. Aegyptens II, 3) 8. 75 ff. Imhotep (Beitr. 11,4) 
8. II. 14. 18 ff. Er nimmt mit Recht an, dafs in der entsprechenden Notiz Manetho's der 
Name Imhotep (Imuthes) ausgefallen ist. 

* BKNEorrE, Receuil 16,104. Vollständiger Weill, reviie archeol. 4 serie 11,235. 

' Royal Tombs 1,4.3 (vergl. öethe, Beitr. zur ältesten (iesch. S. 31). Ein Krugsiegel 
des Ntr^t in Uierakonpolis , pl. 70, 3. 
" Berl. Mus. 7702. 

' Daneben des Königs Atoti I. ( D ^ J] I ^^^^ <ies Amasis, s. Eruam, ÄZ. 38, 115 ff. 

* Garstano, a. a. O. pl. 19. 

* Ebenda 19,7, vergl. Skthe bei Garstano, 8. 25. 

Philos.'hi^tor. Abh. 1904. L 20 



154 Meter: 

führte er im Königsring einen auf ^J ausgehenden Namen, den Sethe wohl 
mit Recht zu ''^z^l | (bez. O'^^^LJ) Nebka ergänzt. Alsdann ist er der 
König, den die Tafel von Sakkara an dritter Stelle nennt und .den der 
Papyrus Westcab zwischen Zoser und Snofru aufführt. Einen Priester des 

Todtentempels des (^^37 1 )J nennen Bruchsteine einer sehr alten Mastaba 

von Abusir^; hier lag also wohl auch das Grab des Königs. — König 
Huni (bei T und S an vierter Stelle) kennen wir nur noch aus dem Pa- 
pyrus Prisse, der ihn als directen Vorgänger des Snofru nennt. Die übrigen 
Namen der Listen sind bis jetzt nicht nachweisbar. 



Dagegen findet sich auf einer Alabasterplatte der Name 




n 



'. ?or- 



nefersa, und derselbe kehrt in ganz gleicher Schreibung in dem uralten 
Papyrus 8 von Boulaq wieder, der sich im Sande bei der Stufenpyramide 
von Sakkara gefunden hat.^ Da der Horus im Königsring steht, ist es 
schwerlich ein Horusname, sondern ein Eigenname Nefersahor, der in un- 
seren Listen nicht vorkommt, aber, nach dem Königsring zu schliefsen, 
der 3. Dynastie (oder dem Ende der vierten?) angehören wird. Ein anderer 

König dieser oder der 2. Dynastie ist Qf^^^J Shtn(??), dem nach einer 

Angabe des Palermosteins König Nefererkere^ in der 5. Dynastie eine Stiftung 
macht und an dessen »Haus« Amten angestellt war.* 

Schliefslich hat sich in Hierakonpolis noch ein Siegel mit dem Horus- 

namen Q^v^ gefunden^, unter dem wohl einer der Könige dieser Zeit ver- 
borgen ist. 

Das ist alles, was sich zur Zeit über die 3. Dynastie ermitteln läfst. 



^ LD. II , 39a. b = Aegypt. Inschr. des Berl. Mus. I , S. 30. Scarabäen mit ( O^^ — ^j | 

bei Pktrie, Uistorical Scarabs, j)!. i = Fräser, A catalogue of scarabs, Nr. 6 (vergl. Pktrie, 
History I, 25 f.); aber man kann zAveifeln , ob sie wirklich zeitgenössisch sind. Noch 
problematischer ist der von Petrie angefiihrte 

* Petrie, History I, 106. 

* Pap. de BoüLAQ I , pl. 39. 

* LD. II, 3 = Aegypt. Inschr. aus dem Berl. Mus. II, p. 79 (E, Z. 17), vergl. Schafer, 
Bruchstück altägypt. Annalen, S. 40. 

' QuiBELL, Hierakonpolis II, pl. 70, i. — Ich erwähne noch den Scarabaus O 
bei Petrie, Hist. I,io6. 




Aegyptische Chronologie, 155 

Die Fragmente der 4. und 5. Golumne. 

Die 4. Golumne ist, wie die wichtigste, so auch die am schwersten zu 
reconstruirende des Papyrus ; von ihr und Col. 5 sind uns nur recht dürftige 
Trümmer erhalten. Zum Glück besitzen wir zwei gröfsere Fragmente (59 
und 61 + 62 + 63), auf denen die Zeilenenden der einen und die Anfänge 
der anderen erhalten sind , so dafs beide Columnen sich gegenseitig erganzen. 
Fr. 59 wird als zu Col. 4, d. h. zu Dyn. 6, gehörig dadurch erwiesen, dafs in 
Z. 5 eine Regierung von über 90 Jahren, in Z. 6 eine von i Jahr i Monat 
verzeichnet sind; das können, wie schon Hincks erkannt hat, nur Phiops 
(Apapj)us) und Menthesuphis Manetho's sein. Das zu Gol. 5 gehörige 

Stück von fr. 61 enthält in Z. i die Worte: /^ (roth) 1 ^ Jn!!!! »Summe 

18 Könige«, in Z. 2, gleichfalls roth, die Überschrift der nächsten Dynastie: 

1 ^ ()( I »Könige«. Darunter sind zunächst vier Zeilenanfange mit Königs- 

titeln erhalten, dann bei zwei weiteren auch noch die Namen. Es sind 
die aus ihren Denkmälern wohlbekannten Könige Nebchrure^ und S^anch- 
kere^, die in den Tafeln von Abydos und Sakkara (und auch sonst) un- 
mittelbar vor Amenemhet I. erscheinen. Sie gehören also dem Ende von 
Dyn. II an. Auf fr. 61 folgt daher unmittelbar fr. 64 + 67, welches die 
Regierungen der 12. Dynastie enthält und den Schlufs der Golumne ge- 
bildet hat. Seyffarth hat hier also (obwohl er keine Ahnung davon hatte, 
welchen Dynastien sie angehörten) die Fragmente völlig richtig geordnet, 
vor Allem wohl nach der Rückseite, auf der sie sich sehr gut an einander 
ftigen. 

Auf fr. 64 steht in der zweiten Zeile die Überschrift von Dyn. 12 
(»[Könige des] Hofs von Ithtaui«), darüber in der ersten die Zahl i6o\ die 
also die Summe der Jahre von Dyn. 1 1 sein muls. In den Ausgaben ist nun 
die letzte, unter S^anchkere^ stehende, Zeile von fir. 61 der ersten von fr. 64 
gleich gesetzt; hier müfste also der Anfang der Summirungsformel gestanden 
haben. Aber deutlich sind hier noch zwei schwarze Striche erhalten, die 
nur von den Flügeln der Biene des Königstitels von Unterägypten herrühren 
können; dieser kann aber in einer Summirungsformel nicht vorgekommen sein. 

^ Man könnte versucht sein, 260 zu lesen. Aber abgesehen davon, dafs das historisch 
zu hoch wäre, hängt der Strich, der dann das zweite Hundert bezeichnen müfste, mit 
dem Zeichen für hundert nicht zusammen , sondern gehört deutlich zu dem Zeichen für 60. 

20* 



156 Meyer: 

Dafs trotzdem die SEYFFARTn'sche Verbindung von fr. 6i und 64 all- 
gemein für richtig gehalten wird, beruht auf der Überzeugung, dafs 
S^anchkere^ der letzte König der 1 1 . Dynastie gewesen sein müsse. Aber 
Breasted hat mir gezeigt, dafs diese Annahme nicht unumgänglich ist, 
sondern dafs es sehr wohl möglich, ja geboten erscheint, auf ihn noch 
einen weiteren König, Nebtauire^ Mentuhotep IV., folgen zu lassen. Er 
hat auf meine Bitte das Ergebnifs seiner Untersuchungen in dem folgenden 
Aufsatz zusammengefafst , für den ich ihm zum gröfsten Danke ver- 
pflichtet bin. 

The eleventh Dynasty, by James Henry Breasted. 

Since Steindorff^ showed that the Intf's do not all belong in the 
eleventh dynasty, the greatest uncertainty has prevailed as to the length 
of this dynasty, and the order of tho kings belonging to it. A closer 
examination however, will, Ibelieve, permit of a fairly safe arrangement 
of these kings, and determine also how long the family reigned. 

It is evident from the monuments which they have left, that they 
conquered the North, and overthrew the Heracleopolitans. Now this con- 
quest can be made the basis of a rearrangement of the family which ac- 
complished it. It is possible from the contemporary monuments to deter- 
mine whether the reign of a given king falls before or after the conquest 
of the North. Let us apply this test to the four Mentuhoteps known to 
US." These are: Nb-htp, Nb-hrw-R', S'nb-k'-R' and Nb-twy-R\ 
The Turin Papyrus places Nb-brw-R* and S^nb-k^'-R' together toward the 
end of the dynasty, in the order, in which I have named them. In the 
Sakkara and Abydos lists, they are the only kings of the eleventh dynasty, 
who are mentioned at all; while the prestige of Nb-brw-R' was such 
that in the tradition of the New Kingdom, he was regarded as the founder 
and establisher of Theban power (LD III, 2 a. d). He is named at the 
Ramesseum, side by side with Menes and Ahmose I, and receives the 
same honors as they. It is evident that he must have ruled the whole 
country; in bis time the conquest of the North was a thing of the past. 



* Die Konige Mentuhotep und Antef, AZ. ^^y 77 ff- 

' I need hardly say to any one who has examined it, that the Karnak list cannot 
be employed in such a reconstruction , as its arrangement is not chronological. 



Aegyptüche Chronologie. 157 

The monuments of his successor, S'nb-k'-R', show clearly that he like- 
wise reigned in the period after the conquest. At Hammamat his records 
(LD II, 150a == GoLENiscHEFF , Hamm. XV — XVII, 9 — 10) state that he 
drew men for the work in the quarries from the territory between Oxy- 
rhynclius and Gebel^n, showing that all upper Egypt practically was in 
his hands. Similarly the boast of Henu, who had cliarge of the work 
at Hammamat, that he was a "queller of the H*-nbw" (1. 8), sliows that 
he must have controUed the Delta. 

In the case of Nb-htp we find very remarkable and hitherto un- 
noticed evidence of his position in tlie family. Fragments^ of a now 
vanished temple of his have survived at Gebelßn, rebuilt into the well 
of a Ptolemaic temple there. One block represents Nb-htp smiting an 
enemy, bearing the inscription: "Prince of Tehenu and — (?)". He could 
hardly have smitten the Libyans unless he had possession of the Delta. 
Quite decisive however is the remarkable scene on another block. Here 
Nb-htp strikes down four enemies, three of whom are designated as 
"Nubians, Asiatics (Sttyw), Libyans"; while the fourth, without inscrip- 
tion, is an Egyptian! Over the whole is the foUowing significant in- 
scription: "Binding the Chiefs of the Two Lands, capturing the South and 
Northland, the foreign countries (b^sbwt) and the two regions (ydbwy), 
the Nine Bows and the Two Lands". Nb-htp was therefore the king 
who completed the conquest of the North. For the first time since the 
wars of the early dynastlc kings with the North, we have here a Pharaoh 
openly boasting of his victories over the Egyptians, and without hesitation 
depicting his defeated countrymen among the despised barbarians whom 
he had conquered. It is therefore perfectly certain that Nb-htp belongs 
before Nb-brw-R'. We cannot place him immediately preceding this 
king however; for in a contemporary relief at Shatt er Regäl^ Nb-Jirw-R* 
is shown receiving the homage of a vassal king of his own family, an 
otherwise unknown 'Intf. Now this coregent 'Intf cannot have been the 
successor of Nb-brw-R', for the reason that the Turin Papyrus shows 
S*nb-k'-R' as Nb-Jirw-R^'s successor. This unknown ^Intf therefore 



^ Now in Cairo; published (very inaccurately) by Daressy (Reo. XIV 26. XVI 42); 
much better by Frazer (PSBA XV 494, no. XV). I was fortunately able to use also a 
dictionary copy by £r5ian. 

• PSBA 1881, 99 — 100; Pktrie, Season XVI, 489; Maspero, Hist. I, 463. 



158 Meyer: 

was the predecessor of Nb-hrw-R*, and had been displaced by the latter, 
who then allowed liim to reign for a tiine as a vassal. We may there- 
fore regard the foUowing Order of kings as certain: 

Nb-htp 

The vassal Intf 

Nb-brw-R' 

Biit it is still uncertain whether there may not have been a reign or 
two between Nb-htp and the vassal Intf. This last question will be 
resumed later. 

Before discussing the position of Nb-t'wy-R*, the remaining Mentu- 
hotep of the four, let us now examine tlie positions to be assigned to 
the remaining 'Intfs. As Steindorff has conclusively shown, we have 
beside the vassal Intf, only two other ^Intfs, who are shown by the 
contemporary monuments to belong in the eleventh dynasty. These are 
the nomarch 'Intf, and Horus Wh-*nb-'Intf. It is evident from the title 
of the former, that he should head the family line, before they assumed 
royal predicates. Even the erratie Karnak list plaees such a nomarch 
Intf at the beginning of this dynasty. Horus W'h-*nb reigned before 
the conquest of the North; indeed he began that conquest himself. His 
tomb stela^ erected in the fiftieth of his reign at Thebes states: 

"... her northern boundary as far as the nome of Aphroditopolis.* 
I drove in the mooringstake^ (that is, I landed) in the sacred Valley, I 
captured the entire Thinite nome, I opened all her fortresses (or prisons). 
I made her* the *door of the North'." This 'door of the North' is of 
course his northern frontier, corresponding to the 'door of the South' at 
Elephantine, known since the sixth dynasty. Wh-'nb's 'door of the 
North' in the nome of Aphroditopolis, can hardly have been anything 



* Mariette, Mon. div. 49, cf. p. 15; Rouge, Inscr. Hier. 161 — 162. 

' Read the serpent and feather. That this is the proper reading is rendered ahnost 
certain by the connected data. W'h-*nlj is here speaking of the establishment of his northern 
boundary. The inscription of 'Intf-ykr (see below) shows that W'lji-'nJ) ruled as far north 
as Akhmim, which is directly across the river fi-om the nome of Aphroditopolis, and the 
latter is just north of the Thinite nome. 

* Compare Sharpe, Inscr. I, 79, 1. 14; Pap. Ebers 58,9, and Sethe, Verbum I, 359. 

* The Thinite nome is masculine; hence "her" is doubtless the nome of Aphroditopolis. 




Aegyptische Chronologie. 159 

eise than the "fortress of the port of the South", which Tefibi of Siut 
stetes^ was his southern frontier at about the same period, tliat is toward 
the close of Heracleopolitan supremacy. But Wh-^nb evidently pushed 
the conquest no further during his life time, if this point was his frontier 
at the erection of his tomb-stone in his fiftieth year. As the conquest 
of the North was incomplete in his reign, he must be placed before Nb- 
htp, who completed the conquest, and after the nomarch *Intf. 

We have now determined the relative positions of six kings of the 
dynasty. That of Nb-t'wy-R' still remains uncertain. It has usually 
been accepted that the Turin Papyrus assigns six kings to the eleventh 
dynasty; in that case we should have no place in its ranks for our re- 
maining Mentuhotep. As a matter of fact however, the papyrus shows 

under the sixth name piain traces of a seventh; the remains of the 

in the title preceding the name are especially clear. Now the monuments 
of Nb-tVy-R' show beyond question tliat he ruled the whole country. 
For his Operations in the Hammaniat quarries he mustered no less than 
ten thousand men, three thousand of whom came from the Delta; and 
his skilled artisans were drawn from the "whole land". We must there- 
fore place him after the conquest of the North, that is after Nb-htp. 
We left a possible lacuna between Nb-htp and tlie vassal ^Intf. But 
the extent of Nb-t'wy-R"s Operations in Hammamat is quite against 
the conclusion that he immediately foUowed tlie union of all Egypt under 
Nb-htp. Moreover, if we insert his reign aft^r Nb-htp, we have no 
king of the dynasty left to fill the vacancy of the lost name at the end 
of the dynasty in the Turin Papyrus. Furthermore Nb-t'wy-R* cele- 
brated his Hb-sd already in the second year of his reign.^ He had thus 
waited twenty eight years as crown prince, before his father's death had 
brought him the crown. He is therefore likely to have been advanced 
in years at his accession. His mighty vizier, Amenemhet, who mustered 
ten thousand men for the Operations in Hammamat, and boasts of unusual 
power, was therefore, as has been before suggested, probably able to 
thrust aside a feeble old king, and become the founder of a new dynasty. 
However this last supposition may be, I do not think that any other 



^ Griffith, Siut. Tomblll, pl. ii, 1. 18. 

' GoLENiscuEFF, Haiiiinaitiat, pl. X, i (= LD II, 149c). 



160 Meter: 

arran cremen t of tlie eleventh dynasty kings can be supported from the 
contemporary documents and the lists. The £act that the temple lists 
have omitted Nb-t'wy-R* after S*nb-k'-R* and before the twelfth dyn- 
asty, cannot be cited against our reconstruetiou ; for any reconstnietion 
must rf^ckon with such Omission of the name lost at this place in the 
Turin Papyrus. Such temple lists commonly omit ephemeral reigns at 
the close of a dynasty. 

We may therefore restore the seven kings of the Turin Papyrus as 
follows : 

Nomareh 'Intef I x years 

Horus W'h-*nb 'Intfll 50 + x 

Nb-htp Mentuhotep I x 

Vassal 'Intf in x 

Nb-brw-R* Mentuhotep n 46 + x 

S'nb-k'-R* Mentuhotep' m 28 +x 

Nb-tVy-R' Mentuhotep IV 2 + x 

An examination of the chronology of this reeonstruction shows that 
it will fulfil the demands in this respect also. From the Stela' of *Intf- 
yljr at Leyden, we know that this man's great grandfather had been 
appointed to a scribal oflfice in the Thinite nome by W'h-*nlj. Estimating a 
generation at thirty to thirty five years, we may roughly date the appoint- 
ment of 'Intf-ykr's great grandfather at 1 20 to 140 years before the erection 
of *Intf-ykr's tomb-stone at Abydos, which ocurred in the 33"* year of 
Sesostris I., that is 53 years after the accession of the twelfth dynasty. 
His appointment feil therefore in the period from roughly 67 to 87 years 
before the fall of the eleventh dynasty. If the appointment oceurred near 
the end of W'h-*nb's reign, the latter's accession may have oceurred as 
early as 137 years before the fall of the eleventh dynasty. This is again 
corroborated by the surviving dates from the reigns of his successors, 
which show that his death could not have oceurred later than some 
80 years (minimum 76) before the accession of the twelfth dynasty. Now 



* Dals S^anchkerec den Kigennainen Mentuhotep führte, hat Gardner, PSBA XXVI, 
^904» 75» nachgewiesen. 

* Lekmans, Descr. rais. des mon. Eg. a Leide, pp. 264 — 266; Rouoe, Rev. arcli. i'^ser. 
VI, 560; PiKiiL, Inscr. III, XXI — XXII. 



Aegyptische Chronologie. 161 

the Turin Papyrus gives at least i6o^ years as the length of the dynasty; 
the remaining 23 years necessary to make up this total may belong 
to the reign of the nomarch ''Intf, who preceded W'h-*nb. It should 
be noted that the war for the conquest of the North may have been 
concluded as late as eighty years before tlie end of the eleventh dynasty. 

Ich habe diesen Ausfuhrungen nur hinzuzusetzen , dafs ich nicht über- 
zeugt bin, dafs der Nomarch Antef im Turiner Papyrus vorgekommen ist. 
Sein Anspruch auf eine Stelle in demselben beruht ausschliefslich darauf, 
dafs in der Tafel von Karnak nach den Königen der 6. Dynastie^ der 

D f R \^^ 11 "Forst {rp^tt) Antef« erscheint, im Königsring aber nicht mit 

Königstitel. In ihm werden wir, wie allgemein angenommen, den Ahn- 
herrn der II. Dynastie zu sehen haben, einen thebanisclien Gaufursten, der 
den Grund zu ihrer Macht gelegt hat. Er kann sehr wohl der eine der 
beiden durch ihre Grabschriften bekannten Gaufiirsten Antef* gewesen 
sein. Aber officiell sind beide nur Vasallen eines Oberherrn*, mögen sie 
thatsächlich auch noch so unabhängig gewesen sein; in einer chronologi- 
schen Liste der ägj^ptischen Könige haben sie daher eigentlich keinen 
Platz zu beanspruchen. Auf den Fürsten Antef folgen in der Liste von 
Karnak, die hier die chronologische Ordnung ziemlich zu bewahren 
scheint^ drei mit dem Titel Horus bezeichnete Herrscher (Nr. 13 — 15), ein 



* That this total refers to the 1 1 **» dynasty is certain. It inimediately precedes the 
12*^ dynasty, and as a suinmation also immediately precedes the ii*** dynasty, the sum 160 
(+ x) raust refer to the reigns of the 11*^ dynasty. 

' Nr. 9 Merenrec, Nr. 10 Pepi, Nr. 11 ein zerstörter Name, Nr. 12 der rp^ti Antef. 
' Steindorff, ÄZ. 33, 81. Der erste ist der S. 158 von Breasted erwähnte. 

* Der erste heifst: ^rpcti ftatica, Gaufurst j^'^j des thebanischen Gaus, der das 

Herz des Königs erfüllt, Vorsteher des Södthors, grofse Säule ( fl I (j ) des Ernährers 

der beiden Lande (so richtig Breasted), die ihn lieben, Oberpriester Antef« (Mariette, 
Mon. div. 50b) — Titel, die nicht über die Amenemliet's unter Nebtawire^ und die anderer 
Vezire u. ä. hinausgehen. Der zweite führt lediglich den gewöhnlichen Nomarchentitel. 

' In der nächsten Zeile folgen die Könige der 12. Dynastie von Amenemhet I. an, 
allerdings recht confus. Nebchrure^ (Mentuliotep IL, Nr. 26) ist wie Sesostris L (Nr. 31) in 

die vierte Zeile gerathen, und der |T Antef in Z. 3 (Nr. 17 Lepsius, richtiger Nr. 22) 

hinter Dyn. 12 wird ein Herrscher der 13. Dynastie sein so gut wie Nubcheperre^ (Nr. 27 
in Z. 4) = Mariette, Mon. div. 50a, im Pap. Abbott und im Decret von Koptos (Stein- 
dorff a. a. O. S. 83). 

Phäas.-histar. Äbh. 1904, L 21 



162 Meyer: 

Mentuhotep^ und zwei Antefs; auch sie haben also, wenigstens far den 
Verfasser der Tafel, noch nicht die regelrechte sonst übliche Königstitulatur, 
sondern stehen im Übergang von localen Dynasten Z\i wirklichen Vollkönigen 

mit regelrechten Thronnaraen. Einer von ihnen wird der ^^5 T* Horus 

Wah^anch, der Antef IL Breasted's sein, der andere hätte meines Er- 
achtens allen Anspruch darauf, an Stelle des Nomarchen als Antef I. gezählt 
zu werden.*' — Dafs den ersten Thebanern, die eine königliche Stellung zu 
usurpiren wagten, mehrere andere vorangegangen sind, die auch schon 
thatsächlich von den Herakleopoliten unabhängig waren und vielleicht mehr- 
mals Kriege gegen sie führten, ohne doch den entscheidenden Schritt, die 
Annahme wenigstens der halben Königstitulatur, zu wagen, ist recht wahr- 
scheinlich; darauf würde auch hinweisen, dafs Manetho der 11. Dynastie 
16 Könige giebt, falls auf diese Zahl irgend welcher Verlafs ist. 

Indessen das ist für unsere Zwecke gleichgültig; das Wesentliche ist 
Breasted's Nachweis, dafs Nebtauire^ Mentuhotep IV. nach S^anchkere^ 
regiert hat, die Dynastie mithin im Papyrus sieben Könige umfafste und 
der Schlufs von fr. 61 (+63) eine Zeile höher zu rücken ist als der An- 
fang von fr. 64. 

Reconstruction von Gol. 4 und 5. 

Jetzt bietet die Reconstruction von Col. 5 keinerlei Schwierigkeiten 
mehr. Setzen wir fr. 61 in der ermittelten Weise über fr. 64, so bleiben 
zwischen fr. 59, das ein Stück des oberen Randes enthält^, und fr. 61 
drei verlorene Zeilen von der Durchschnittsbreitc von 15™™, von deren 
erster am Schlufs von fr. 59 noch ein minimaler Rest des Königszeichens 
erhalten ist. Die Summirung in fr. 61, Z. i kommt also in Z. 10 der 
Columne, und von den 18 Königen dieser Dynastie waren neun auf dieser 
Columne verzeichnet. 



^ Dafs der Name, von dem nur der Anfang ^^^^^ erlialten ist, nur so ergänzt werden 
kann, ist mir trotz Steindorff a.a.O. 79 nicht zweifelhaft. 

^ Der Antef von Satt er Regal führt den Konigstitel «Sohn des Re^« aufserlialb des 

Namensringes, aber keinen Thronnamen: | ^^ f R ^^ J nr ä1 . 

' Das kleine fr. 60, das nur den Schhifs eines Königstitels enthält (verso unbesclirieben), 
brauclit nicht zu dieser Columne zu gehören. Wilkinson liat keine Angabe, dafs es mit 
fr. 59, an das es Seykfarth geriickt liat, gleiche Faserung zeige. 



Aegyptische Chronologie. 1G3 

Nun gehört an den Sclilufs von Col. 4 unzweifelhaft fr. 46 + 47 \ 
der Anfang von zehn Zeilen, deren erste die Reste eines Rubrums^, mithin 
der Dynastieübei-schrift enthält; also standen hier gleichfalls neun Königs- 
namen. Man sieht, die beiden Golumnen schliefsen vortrefflich und lücken- 
los an einander. Die Dynastie ist die der Herakleopoliten , wie der Name 
Achthoes in fr. 47 Z. 2 beweist. 

Der obere Theil der 4. Columne ist durch fr. 59 und 61 festgelegt. 
Fr. 59 enthalt sechs Zeilen (die zweite unbeschrieben); zwischen ihm und 
der ersten Zeile von fr. 61 fehlen drei Zeilen von 14"" Breite. Dafs 
die Columne etwas enger geschrieben war als Col. 5, lehren die Stacke, 
die von beiden erhalten sind. Auf fr. 61 ist in Col. 4 der untere Theil 
unbeschrieben; die Zusammen fugung mit fr. 46 ergiebt, dafs das Ende 
dieses unbeschriebenen Stücks der ersten Zeile von fr. 46 entspricht, in 
der die Dynastieüberschrift stand; zwischen dieser und der letzten be- 
schriebenen Zeile lagen zwei Zeilen von rs*""* Breite. — Col. 4 hat 
demnach 28 Zeilen gehabt, Col. 5 dagegen nur 26, da sie, wie schon 
erwähnt, mit etwas gröfserem Zeilenabstand geschrieben ist und überdies 
in der Mitte von fr. 61, wo die Schrift von Col. 4 in die nächste Columne 
hinübergreift, fast eine volle Zeile verloren geht. 

Von den übrigen Fragmenten, die Seyffarth nach Col. V (= 4) gesetzt 
hat, gehört fr. 41 (oben S. 1 1 7, 2) und 42 sicher nicht hierher^ wohl aber nach 
Ausweis der Namen fr. 43 und 48 (ganz verkehrt mit fr. 47 verbunden). 
Letzteres enthält in Z. i die Andeutung eines Dynastiewechsels, in Z. 2, 
weit nach links verschoben, so dafs die Schrift der vorhergehenden 
Columne hier in die folgende hineingereicht haben mufs, den für die 
6. und 8. Dynastie charakteristischen Namen Neferkere^, in Z. 3 bis 5 
Reste von drei weiteren Namen. Wegen Z. 2 läfst es sich weder auf 
Col. 5 irgendwo unterbringen, noch neben fr. 46; die einzige Stelle, wo 
es hingehören kann, ist kurz nach dem P]nde der 6. Dynastie. Setzen 



^ Als Endstück auch durch die Rückseite festgestellt. 

* In einem Exemplar der WiLKiNSON'schen Ausgabe, in Erman's Besitz, ist das Rubrum 
an dieser Stelle nicht herausgekommen; aber auf dem Exemplar der Königl. Bibliothek ist 
es sehr kraftig bezeichnet. Ähnliches findet sich auch sonst gelegentlich. 

■ Ebensowenig fr. 35 — 40; über die theils mit Zahlen (von Tagen) beschi-iebenen, 
theiis unbeschriebenen fr. 49 — 58 ist nur zu sagen, dafs sie dahin, wo die Ausgaben sie 
untergebracht haben, sicher nicht gehören. Ebenso ist das unbeschriebene Stück 45 (mit 
Resten von rothen Zeichen) falschlich an fr. 46 gerückt (oben S. 124, 3). 

21' 



1 64 Meter: 

wir es nach Z. 7, so folgt im Papyrus auf Menthesuphis (regierte i Jahr 
I Monat), den Nachfolger des icx)jährigen Pepi II., ein Dynastie Wechsel, 
und die eingerückte Zeile kommt neben die Bemerkung zu Huni auf Col. 3 
Z. 8, die sehr wohl nach Col. 4 hinübergegriffen haben kann. Danach 
dürfen wir diese Stellung des Fragments als ziemlich gesichert betrachten. 
Nun enthält aber fr. 43 vier Königsnamen, und darunter an erster 

Stelle Nt-'aqert (I , d. i. gewifs* die Königin Nitokris, bei Erato- 

sthenes durch äghna nikh^öpoc wiedergegeben. Nach Manetho (und Erato- 
sthenes) — sonst kommt sie nirgends vor — ist sie die Nachfolgerin des 
Menthesuphis und die letzte Herrscherin der 6. Dynastie; daher hat man 
dieses Fragment allgemein unmittelbar auf fr. 59 folgen lassen. Jetzt ist der 
Platz durch fr. 48 besetzt, und in Col. 4 bleibt für fr. 43 und damit ffir 
Nitokris überhaupt kein Platz mehr.^ Dafs das Fragment in der That nicht 
in diese Columne gehören kann, beweist die Rückseite, die die letzten Enden 
von vier Zeilen und dahinter einen grofsen leeren Raum enthält, während 
im übrigen die Rückseite von Col. 4 die erste Hälfte einer breiten , dicht 
beschriebenen Columne bildet.' Vortrefflich pafst die Rückseite dagegen 
nach Col. 5, und die einzige Stelle, wo es hier placirt werden kann, ist 
am Ende von fr. 59.* Die vier auf ihm enthaltenen Namen sind dann 
die letzten vier der Herakleopolitendynastie des Papyrus. Ist das richtig, 
so ist Nitokris bei Manetho an eine falsche Stelle gerathen, vielleicht 
unter Einwirkung des Namens Neterkere^, der in der Tafel von Abydos 
auf Menthesuphis folgt.* 



^ obwohl der erste Bestandtheil des Namens nicht mit dem gewöhnlichen Zeichen 
der Gottin Neit, sondern rein phonetisch gesclirieben ist. 

' Man mQfste denn annehmen, dafs es /.wei Königinnen dieses Namens gab, und, um 
für die erste (im Papyrus nicht erhaltene) Platz zu schaffen , fr. 48 eine Zeile weiter herab- 
rücken. 

' Die Rückseite von fr. 48 dagegen pafst an die zugewiesene Stelle, über fr. 44. 

* Unter der Voraussetzung, dafs das kleine fr. 60 (oben S. 162, 3) nicht hierher gehört. 
Sonst bleibt natürlich immer der Verzweiflungsausweg, das Fragment in die 13. Dynastie 
zu werfen; doch ist das wegen der Namen (Z. 2 Neferka, Z. 3 Nefer-es) nicht walirscheinlich. 

' Ob Herodot's sagenhafte Königin Nitokris mit der alten Herrscherin irgend etwas 
zu thun hat (der Name kommt bekanntlich auch unter Dyn. 26 vor), ist nicht zu sagen. 
Die Angabe der manethonischen Epitome, sie habe die dritte Pyramide gebaut (bei Africanus 
als Thatsache, bei Eusebius als problematisch mit A^rcTAi berichtet), ist späte Legende und 
vielleicht eine Interpolation aus anderer Quelle. 



Aegyptische Chronologie. 165 

Der obere Theil von Col. 4 enthielt im Papyrus 13 Königsnamen, 
die den manethonischen Dynastien 6 und 8 entsprechen. Dann folgt 
Z. 14 in fr. 61 die Zahl 181, die nur die Summe der Jahre (von dem 
Sehlufs des Wortes Jahr ist in der That noch ein Rest erhalten) dieser 
13 Könige darstellen kann. Darauf folgen zwei Zeilen mit Bemerkungen, 
die in die nächste Columne hinübergreifen, dann zwei Zeilen, die am 
Ende unbeschrieben sind, dann erst die Überschrift der nächsten Dy- 
nastie. Hier ist also der gröfste Einschnitt, den der Papyrus überhaupt 
macht; auf die Summirung von Dyn. 6 (+ 8) sind nicht weniger als vier 
Zeilen mit weiteren Bemerkungen gefolgt, ehe die Überschrift der neuen 
Dynastie folgte. 

Nun hat Seyffarth noch fr. 44 hierher gesetzt, das vier Zeilen mit 
Summirungen und dazu gehörigen Bemerkungen enthält; und zwar greift 
es bis auf Menes zurück. Zu einer der späteren Columnen kann es nach 
Zeilenabstand und Schrift nicht gehören, an eine frühere Stelle ebenso 
wenig. Denn die Summirung der urzeitlichen Dynastien bis auf Menes 
steht Col. 2, Z. 10. II, die der ersten ftinf manethonischen Dynastien am 
Sehlufs von Col. 3. Die Stelle, an die Seyffarth es gesetzt hat, ist also 
die einzig mögliche; es ist zugleich die einzige, wo nachweislich, wie fr. 61 
lehrt, eine derartige Summirung von mehreren Zeilen gestanden hat. Auch 
die Rückseite pafst zu fr. 61 und 464-47 sehr gut, wenn auch leider die 
Herstellung eines Zusammenhangs hier so wenig wie sonst bisher hat ge- 
lingen wollen. Ich betrachte daher die Stellung des Fragments als zweifel- 
los gesichert. 

In Z. 4 des Fragments steht nun ganz deutlich^ die Zahl »955 — das 
können nur Jahre sein — Tage 10 + x«. Es ist klar, dafs das nur die 
Summe aller vorhergehenden Dynastien seit Menes sein kann. Hier ist 
uns also ein geradezu unschätzbares Datum erhalten. 

Wie fr. 44 mit 61 zu verbinden ist, ist natürlich mit Sicherheit nicht 
zu sagen; von den beiden Möglichkeiten halte ich die auf Taf. V vorge- 
schlagene Combination fiir die wahrscheinlichere. Dann lauten Z. 14 — 18 
(die Rubra sind unterstrichen): 



^ Dafs das erste Zeichen 900 ist, ist nacli Eruan und Möller zweifellos. 



166 



Meyer: 



Z. 14 

Z.15 

Z.16 

Z.17 
Z.18 



.o(f)]||oV|||M----'---U, 



Ci 



• • • • 




«3 




MJ(Sl^l^flyiP,T,[TPTJ-ira| 



1 1 o @ @ @ @ n n n 1 1 ^ ^^.^ 1 • • • vct^At. 

Kleine Reste von Zeichen vacat. 




r^iii 

lOlll 



Z.14. Summe der Könige Jahr i8i 

Z. 15 Summe der Könige 

Z.16. seit König Mene», ihre Regierungen und Jahre .... 
Z.17. .... Jahr 955 Tag lo + x. 

Die nächste Zeile (18) könnte vielleicht eine allgemeine Überschrift 
für den zweiten Theil des Papyrus enthalten haben. 



Yergleichung der Eönigslisten. Sechste D3niastie. 

Wir können jetzt die Listen neben einander stellen (s. die Beilage). 

Wie man sieht, ist Eusebius auch hier ohne jeden Werth. Auch die 
Variante des Barbarus bei Dyn. 10, 204 Jahre statt 185, hat keine Bedeu- 
tung. Denn wenn wir bei Dyn. i (s. oben S. 125) und Dyn. 6 (s. sogleich) 
die Summe der Posten 263 und 197 (statt 253 und 203) einsetzen, ergiebt 
sich in der That die von Africanus und Eusebius gleichmälsig überlieferte 
Tomossumme 2300 Jahre 70 Tage.* Die Summe der Könige dagegen 
ergiebt 201^ Könige statt 192. Hier wird der Fehler wohl in Dyn. 8 



' Über das Zeichen zf/a siehe die Bemerkung; auf der Tafel von Dyn. i. 2 (Beilage 
zu S. 125). Die seltsame Coinbination , in der es hier zweimal vorkommt, mit der Zahl 6, 
findet sich nochmals in der Bemerkung zu 8echemkere<^ (Hyn. 13, 2) auf Col. 6 (V^ll) 

Z. 6: ^^ (roth) \ ^ • Was das bedeutet, ist völlig dunkel. Man erwartet etwa »über- 
schüssig«, d.h. -nicht mitzuzählen« (oder umgekehrt?!*) sind sechs Jahre. 

^ liier ist noch ein langer gebogener Strich erhalten. 

» Vergl. Col. 3 (IV) letzte Zeile. 

* 263 + 302 + 214 + 277 + 248 -f 197 -j- 146 -h 409 + 185 -j- 43 + 16 = 2300, dazu die 
70 Tage von Dyn. 7. — Bei Dyn. 4 und 5 ist also die Summenzahl 277 und 248, nicht die 
Postensumme 284 und 218 das Richtige. 

* Wenn wir Dyn. 5 nach den Einzelposten zu neun Königen rechnen. 



Zu S. 166. 



col. 5 41; 
42; 

43' 
45; 

f 

4ä 

4/ 
4» 



Eusebius 
Dyn.5 I. •'OeÖHc 

31 Konige 
aus Elephantine 



• • ■ • 



4. Ct>(ü)Y . . . 94 J. 



Dyn. 6. tynki Nitwkpic 



Sa. 203 J.' 



Eratosthenes 



18. Moceflc 33 J. 



19. TTammAc 35 » 



20. AnAnnoYC lOO » 

21. XxgckocokApac I >» 

22. NiTü)KPic TYN»^ Xnti to9 Xnapöc 6 » 



i«' 



Aegyptische Chronologie, 167 

# 

stecken, wo Africanus 27 Könige, der Barbarus 14 angiebt; corrigiren wir 
XIIII in XVIII, so erhalten wir 192/ 

Der Felller bei Dyn. 6 erklärt sich sehr einfach. Africanus (oder 
seine Quelle) hat die Angabe über Pliiops ^ia^thc XpiAm€noc bacia€^€in 
Ai€r^N€To M^xpic iiQiH feKATÖN , d. h. cr kam mit sechs Jahren auf den Thron 
und regierte bis zum liundertsten Lebensjahr, also 94 Jahre, dahin mifs- 
verstanden, er habe 100 Jahre regiert; danach hat er auch die Dynastiesumme 
um sechs Jahre erhöht. Dasselbe Mifsverständnifs hat der Redactor der 
eratosthenischen Liste begant^en, der richtig (vor Allem wohl an Nitokris) 
erkannte, dafs die hier genannten Könige der 6. Dynastie Manetho's 
entsprachen; er setzt zu Apappus (das steht der wahren Aussprache, 
vermuthlich Apopi, viel näher als Manetho's Phiops) die Bemerkung 
OYTOc üc 0ACI hapA üpan wian ^BAciAGYceN CTH €kat6n, dic das Curiosum noch 
steigert. 

Es ergiebt sich daraus, dafs die überlieferten Dynastiesummen bei 
Africanus aus den Einzelposten berechnet sind (oder sein sollen), dafs er 
aber die Tomossumme aus seiner Vorlag« übernommen hat, dafs jedoch 
auch diese nur auf etwas älteren, aber historisch gleichfalls werthlosen 
Dynastiesummen beruht, dasselbe Resultat, welches wir oben S. 99 für den 
2.Tomos gefunden haben. Natürlich wird aber auch Manetho, genau wie 
der Papyrus, bei seinen Hauptabschnitten Gesammtsuramen gegeben haben: 
nur haben wir gar keine Gewähr dafiir, dafs die überlieferten Summen 
wirklich nocli die seinigen sind, beim zweiten Tomos ist vielmehr das 
Gegentheil erwiesen. — Dafs Manetho den Amenemhet I. von seinen 
Nachkommen getrennt und noch zum ersten Tomos gezogen hat, in einer 
Zwischenstellung zwischen Dyn. 11 und 12, ist auffallend; aber zu be- 
greifen ist es, dafs er die neue Consolidirung Aegyptens unter ihm nocli 
im ersten Bande erzählt hat. 

Wie Apappus mit Phiops, hat der Überarbeiter des Eratosthenes den 
räthselhaften Namen Echeskosokaras dem Menthesuphis II. gleichgesetzt 
und giebt ihm daher ein Jahr. Audi dieser Name ist in seinem ersten 
Bestandtlieil dunkel; die Schreibung der Tafel von Abydos *^^^;^. 

^v v^Cc^ . . . cmsaf, wie sich 
Merenre^ I. (= Metliusuphis I. Manetho's) in seiner Pyramide schreibt; hier 

^ 8-f9-|-9-f8-f9-|-6-f- 70 -f 18-}- 19 + 19-1-16-1-1 = 192. 



168 Meyer: 

kennen wir aber die Aussprache des ersten Zeichens nicht. Moceflc bei 
Eratosthenes wird in der That aus ""OeÖHc entstellt sein^ Pammes dem 
Pepi I. entsprechen. Über die Fortsetzung der Liste s. S. 102. 

Die Tafel von Sakkara nennt nur die vier bedeutendsten Könige 
der 6. Dynastie.^ Dann folgen, wie schon erwähnt, sofort Dyn. 11 und 12, 
aber in umgekehrter Reihenfolge.^ 

Die Tafel von Abydos nennt vor Neferkere^ = Pepi II. vier Namen 
anstatt drei bei S und M. Der König Userkere^, der in ihr auf Atoti 
folgt, kommt sonst nirgends vor. Aber auch der Papyrus hat vor der 
90jährigen Regierung vier Herrscher genannt, von denen beim zweiten 
die Jahreszahl entweder weiter rechts stand, aufserhalb der Jahrcolumne, 
oder überhaupt fehlte. Er hat also den Userkere^ offenbar auch ge- 
habt. Vielleicht ist die Vermuthung richtig, dafs er mit dem epheme- 
ren König ö^fll Ati identisch istS für dessen Pyramide im »Jahre des 

ersten Mals« sc. der Zählung (s. unten) in Hammamät Steine gebrochen 
wurden.* 

Die Jahre der Regierung des ersten Königs, Atoti V. (Teti), sind im Pa- 
pyrus nicht erhalten und sonst nicht bekannt. Für den dritten, Merire^ 
Pepi I., giebt er 20 Jahre, fiir Merenre^ I. 4 Jahre**, für Neferkere^ III. = 
Pepi IL über 90 Jahre — die Einer sind verloren — , also wohl zweifel- 
los 94; Merenre^ IL Menth esuphis IL endlich erhält i Jahr i Monat. Die 
beiden letzten Zahlen stimmen mit Manetho überein, die vorhergehenden 
nicht. Über Nitokris s. oben S. 164. Wir erhalten also far die Dynastie: 



* GuTSCüMiD corrigirt dalier geradezu "'Oeoflc; die Änderung ist gering. 
' Über die Tafel von Karnak s. oben S. 145. 161. 

* Es ist seltsam, dafs manche neuere Gelehrte den in Folge dessen unmittelbar hinter 

Dyn. 6 gerathenen Namen 0^^| ) ^Jr einen Konig der 8. Dynastie gehalten haben, 

obwohl das doch handgreiflich nur eine Verschieibung von O^^^lll Sebaknofrure^ ist, 
der letzten Herrscherin von Dyn. 12. 

^ Man hat diesen Namen mit Othoes identificirt, an den er allei*dings stark anklingt. 

Aber (1 Atoti kann bei Manetho unmöglich gefehlt haben und mufs daher Othoes sein. 

* LD. II, 115 f. Setiie, Urk. des Alten Reichs S. 148. 

* Völlig überzeugt hat mich allerdings auch Sethe, Beitr. 86, i nicht, dafs der Punkt 
(Rest eines Zeichens?), der im Papyrus zwischen »Jahr« und den Trümmern von »4« er- 
kennbar ist, wirklich bedeutungslos ist; ein Rest von 10 kann es jedoch kaum sein, und 
so sind «4 Jahre« wohl sicher. 



Aegyptische Chronologie. 169 

Papyrus Manetho 

1 . Atoti V X J. 6 M. 2 1 T. I . Othoes 30 J. 

2 . Userkere^ (= Ati ?) — 

3. Pepi 1 20 » 2. Phios 53 » 

4. Merenre^ I. . . . emsaf I. . 4 » 3. Methusuphis . . 7 » 

5. Neferkere^ Pepi II 9[4] » 4. Phiops 94 » 

6. Merenre^ II. . . . emsaf IL i » i M. 5. Menth esuphis . . i » 

— 6. Nitokris 12» 

Als Summe wurden sich för den Papyrus, wenn wir die beiden ersten Re- 
gierungen wie Manetho's Othoes auf 30 Jahre ansetzen — wahrscheinlich 
zu hoch — , etwa 149 bis 150 Jahre ergeben, gegenüber den 197 (oder ohne 
Nitokris 185) Manetho's. 

Es ist nun sehr auffallend, dafs die drei mittleren Könige im Papyrus 
nur volle Jahre erhalten. Dieselbe Erscheinung haben wir bei Nebka (S. 1 26) 
und den beiden ersten Königen von Dyn. 3 (S. 140. 152) gefunden. Der 
zunächst verlockende Gedanke, unter Dyn. 6 habe man nicht nach Königs- 
jahren, sondern nach vollen bürgerlichen Jahren gerechnet (so Sethe), ist 
kaum haltbar, da bei Atoti V. und Merenre^^ II. sowie den Königen von 
fr. 61 Monate und Tage genannt sind; so ist die abgerundete Zahl vielleicht 
eher durch Mitregentschaft zu erklaren. Allerdings ist auch die Summe nur 
in Jahren (181) angegeben \ obwohl sie doch schwerlich genau darin auf- 
gegangen sein wird. Volle Klarheit Ist hier, zumal bei dem sehr fragmen- 
tarischen Zustand des Papyrus, nicht zu gewinnen. 

Die Zahl von 20 Jahren för Pepi I. steht wahrscheinlich in Wider- 
spruch mit den Angaben der Denkmäler^, nach denen er das Sedfest zum 

ersten (und soweit wir wissen einzigen) Male im f^s. -^ ^1^ »Jahr nach 

dem 18. Male« der Zählung gefeiert hat; das wäre, falls die Zählung unter 
ihm alle zwei Jahre stattfand (s. unten), im 36. oder 37. Jahre. Da das 
Sedfest sonst nie später als im 30. Jahre gefeiert wird, wohl aber nicht 
selten früher, vermuthet Sethe, die Inschriften stammten nicht aus dem 



* Man könnte vermuthen, dafs die Monate und Tage in dem O O der folgenden 
Zeile zu suchen seien; doch ist das wenig wahrscheinlich. 

* Zusammengestellt bei Sethe, Urk. des Alten Reichs S. 9ifF. Beitr. S. ypf. 84 f. 
Vergl. ScHAFER*s Bemerkung AZ, 40, 75. 

PMlas.'histor. Ahh. 1904. I. 22 



170 Meyer: 

Jahre des Festes, sondern erwähnten nur die frühere Feier, die gewisser- 
mafsen zu einem Attribut des Königs geworden sei. Unmöglich ist das 
nielit; aber wahrscheinlicher ist mir doch, dafs unter* ihm die »Zählung« 
unregelmälsig und mehrfacli in zwei Jahren hinter einander erfolgt ist, wie 
unter Snofru/ Von Merenre^ I. wird das »Jahr des fünften Males« sc. der 
Zählung in zwei Inschriften erwähnt^; da.s würde sich mit der Zahl des 
Papyrus nur vereinigen lassen, wenn unter ihm die Zählung alljährlich er- 
folgte [so Sethe]; dann wäre er in diesem Jahre gestorben und der Pa- 
pyrus hätte seine überscliussigen Monate und Tage fortgelassen. Dafs er 
in jungen Jahren gestorben ist, beweist seine erhaltene Leiche, und wenn 
sein Bruder Neferkere^ Pepi IL wirklich als sechsjähriges Kind auf den Thron 
kam^, kann er nicht länger als 5 Jahre regiert haben. 

Die Jahreszahl des Papyrus ist also vielleicht bei Merenre^ L und 
wohl sicher bei Pepi I. historisch falsch. Für eine längere Regierung 
Pepi's spricht auch die Biographie des Una, der unter Atoti V. mannbar 
wurde und sein erstes Amt erhielt, dann unter Pepi I.^ eine lange und 
glänzende Laufbahn durchmachte und schliefslich unter Merenre^ in den 
höchsten Ämtern gestorben ist (oder wenigstens seine Grabschrift verfa&t 
hat). Die 53 Jahre Manetho's werden wir freilich Pepi I. nicht geben 
können, denn dann hätte Una als Greis, hoch in den Siebzigern, das 
Amt des Gouverneurs des Südens bekleidet und grofse Steinbrucharbeiten 
geleitet. 



^ Die Inschrift aus den Alabasterbrucheu von Hat-nub (Blackden- Fräser, Hieratic 
graffiti, pl. 15, i; danach Sethe, Urk. des Alten Reichs S. 95), die das »erste Mal des Sed- 
festes« gleichfalls erwähnt, ist aus dem j O fl fl 1 1 1 1 1 "Jahr des 25. Males« datirt, das wäre 

bei regelinäfsigein Wechsel der Zählungsjahre das 49. oder 50. Jahr. Aber da würde man 
nach den bekannten Analogien des Neuen Reiciis längst eine Wiederholung des Sedfestes 
erwarten — dafs diese in kurzer Frist in Aussicht genommen war, lehrt die regelmäfsige 

Angabe O f ' |JJ [ ö ] »erstes Mal des Sedfestes« — ; ich mochte also glauben, dafs 

hier ein Fehler in der Zahl vorliegt. [Anders Sethe, Beitr. 84f.]. 

* Sayce, Rec. 15, 147 = Sethe, Urk. des Alten Reichs S. iio; Blackobn- Fräser, 
a. a. 0. 15, 2; vergl. Sethe, Beitr. 80. 85 f. 

' Dafs er unmündig auf den Thron kam, beweist bekanntlich die Inschrift LD.II, i i6a = 
Sethe, Urk. 112 aus Wadi Maghara, nach der er im »Jahr des 2. Mals der Zählung der 
Rinder und alles Kleinviehs im Noi*den imd Süden« unter der Regentschaft seiner Mutter 
stand. Vergl. auch Erman, ÄZ. 31.72. 

* Die kurze Regierung des Usei-kere^ ist offenbar absichtlich übergangen. 



Aegyptische Chronologie, 171 

Ob die 94 jährige Regierung Pepi's IL wirklich historisch ist, können 
wir nicht entscheiden (dafs er das Sedfest mindestens zweimal gefeiert hat, 
beweist natürlich nichts); physiscli unmöglich ist sie nicht, aber sie wäre 
ohne Parallele in der Weltgeschichte. 



Siebente bis zehnte Djmastie. 

Mit Pepi IL brechen die Denkmäler so gut wie völlig ab, und was 
aus den folgenden Jahrhunderten erhalten ist, tragt nur selten einen Königs- 
namen. Dem entspricht es, dafs die Tafel von Sakkara (ebenso die von 
Karnak) die folgende Zeit bis zur ii. Dynastie ganz übergeht, und dafs 
die Epitome aus Manetho, deren ursprünglicher Verfasser aus seinem Werk 
ein ganz richtiges Bild gewonnen hatte, von Dyn. 7 — 11 die Namen der 
Könige nicht mehr anfuhrt, sondern sich mit den Summenzahlen begnügt. 
Der Staat des Alten Reichs, innerlich schon seit der 5. Dynastie stark ver- 
wandelt, geht unter Pepi II. seinem p]nde entgegen; die Annahme, dafs 
unter den folgenden Dynastien Aegy2>ten in mehrere Staaten zerfallen und 
von inneren Kriegen zerrissen war, ist jetzt für die Zeit der Herakleopoliten 
urkundlich erwiesen. 

Bei Manetho folgt auf die mit Nitokris schliefsende 6. Dynastie zu- 
nächst die wunderliche 7., 70 Könige aus Memphis mit 70 (Eus. 75) Tagen. 
Wenn daran überhaupt etwas historisch ist, kann mau in ihr nur ein Inter- 
regnum sehen, während dessen etwa die höchsten Beamten des Reichs 
jeder einen Tag lang die Regierungsgewalt vertreten haben, ähnlich den 
fünftägigen Regierungen der römischen Patres im Interregnum. Jedenfalls 
ist diese »Dynastie« in die Königsliste nur durch eine Construction der- 
selben Art gekommen, wie die späteren griechischen Chronographen den 
Vezir Artabanos, den Mörder des Xerxes, in die Liste der Perserkönige ein- 
gereiht habend man wollte die Angabe, dafs eine Zwischenregierung statt- 
gefunden habe, irgendwie in die Tabelle aufnehmen. 

Dann folgt die 8. Dynastie, die, wie wir gesehen haben, nach der 
Epitome wahrscheinlich aus 18 Memphiten mit 146 Jahren bestand. Ihr ent- 
spricht offenbar die lange Liste von 1 7 Königen, welche die Tafel von Abydos 
nach Merenre^ IL und vor den Königen der 1 1 . Dynastie auffuhrt. Ihre Namen, 



^ Forsch. II, 494. 

22' 



172 Meyer: 

die durchweg an die der 6. (und 5.) Dynastie anknüpfen, beweisen deutlich, 
dafs hier die alten Traditionen fortlebten. Bezeichnend ist, dafis bei sechs 
von ihnen die Eigennamen in demselben Schilde mit dem Thronnamen 
vereinigt sind [so schon bei Meronre^ II. . . . emsafj, eine Erscheinung, die 
unter der 13. Dynastie wiederkehrt. Denkmäler, die ihre Namen enthalten, 
besitzen wir nicht, aufser einigen Skarabäen.^ Aufserdem enthält ein Pa- 
pyrusbruchstück in Berlin, das zu einem Funde »aus dem Ausgang der 
6. Dynastie« gehört, dessen Kenntnifs ich Hrn. Dr. Möller verdanke, den 
Königsnamen OyLJ Sechemkere^; er wird wohl der 8. Dynastie zuzuweisen sein. 

Im Papyrus, wo ein Einschnitt wahrscheinlich gleich hinter Merenre^ IL 
gemacht war, standen von all diesen Herrschern nur sieben, von denen drei 
Namen (Neferkere^, . . . ndti^ . . . i) erhalten sind, ebenso die Zahlen der letz- 
ten vier, die zusammen nur 9 Jahre 4 Monate 3 Tage regiert haben. Dann 
folgt die Summirung, die für beide Dynastien zusammen (VI. und VIII.), die 
er ebenso als eine Einheit behandelt wie III — V, 181 Jahre beträgt.^ Es ist 
klar, dafs der Papyrus hier keine vollständige Liste der 8. Dynastie ge- 
geben hat, vielmehr abbricht, als sich in Herakleopolis ein neues Herrscher- 
geschlecht erhob. Die späteren Könige der 8. Dynastie, welche die Tafel 
von Abydos als allein legitim betrachtet, mögen neben den Herakleopoliten 
noch ein Jahrhundert lang oder länger sich in Memphis oder im Delta be- 
hauptet haben. Die Verhältnisse liegen offenbar ähnlich wie in Dyn. 22 — 26. 
Der Papyrus aber hat für diese Zeit, anders als bei Dyn. 13 und 14, deut- 
lich nicht die Absicht gehabt, sämmtliche Herrscher zu nennen, die ein- 
mal irgendwo den Königstitel geführt haben, sondern nur eine chronolo- 
gisch conti nuirliche Folge geben wollen. 

Dafs die nächste Dynastie von 18 Königen den Herakleopoliten Ma- 
netho's entspricht, ist nicht zweifelhaft. Nach Manetho hiefs ihr erster 

^ Zusammengestellt bei Petrie, Hist. I, 113. König Sneferka (Nr. 47 und 52 der Liste) 
ist wohl mit Sneferkere^ der Tafel von Karnak Nr. 25 identisch. 

* A(l oder A(I oder Ä(l. Es liegt nalie, ihn mit A Nr. 45 Nefer- 

kere^ Chendu gleichzusetzen und in . . . i Nr. 43 Neferkere^ Nehi zu sehen. Dann wäre die 



Reihenfolge allerdings abweichend. — Vielfach ist der Name A(l gelesen worden, d.i. 

Achthoes, wie der in Z. 23. Das wäre paläographisch nicht ganz unmöglich, scheitert aber 
daran, dafs Fragment 48 unmöglich an der ihm von Seyffarth zugewiesenen Stelle stehen 
bleiben und ebenso wenig sonst irgendwo in die Herakleopolitendynastie eingefugt werden kann. 
■ Auf die sieben Könige der 8. Dynastie kommen also zusammen etwa 31 Jahre. 



Aegt/piische Chronologie. 173 

Herrscher Achthoes (Ochthovis beim Armenier), »der schrecklicher war als 
alle vor ihm und allen Bewohnern Aegyptens Schlimmes anthat, später 
aber in Wahnsinn verfiel und durch ein Krokodil umkam«. Sein Name ist 
bekanntlich als Chti (sprich: Ach toi) wiedergefunden, und zwar kennen wir 

bis jetzt zwei Herrscher dieses Namens, t^(^^^^-ÖÖJ^^(^^ J^b- 

merire^ Chti und MQ^^CSIDI ^^^^^^^^ ^^^^'' ^" ^^^ Schreibung 

|(| erscheint einer von ilinen im Papyrus als vierter König der Dynastie; 

der erste, dessen Name verloren ist, kann sehr wohl ebenso geheifeen haben. 

Als einen späteren Herakleopoliten kennen wir Q} l''^==x,(( Kamerire^^ aus 

der von Gkiffith veröflFentlichten grofsen Nomarcheninschrift von Siut, nach 
der er mit dem Sudreich von Theben im Kriege lag; er ist vielleicht identisch 
mit 0'''^=^LJ Merkere^ auf dem Sarkophag des Apa^anchu aus Sakkara.^ 
Ferner gehört der aus der Geschichte des Bauern, die bei Herakleopolis 
spielt, bekannte König 0^:37 LJ Nebkaure^ hierher.* 

Im Papyrus sind nur wenige Namensreste erhalten, meist deutlich von 
Eigennamen, nicht von Thronnamen. Der dritte König hiefs Neferkere^, 
ein Beweis, dafs auch diese Dynastie Anknüpfung an die alten Traditionen 
suchte. Der Name kehrt in fr. 43 wieder, das, wenn unsere Anordnung 
richtig ist, die letzten vier Namen der Dynastie enthält: Nitokris, Nefer- 
ke[re^]^ mit dem Zusatz ^^hunu der junge«, Neferes und Jeb. 

Bei Manetho zerfallen die Herakleopoliten in zwei Dynastien von je 
19 Königen. Der ersteren mögen die 18 Könige des Papyrus entsprechen. 
Auch hier zeigt sich, dafs er nicht die Absicht gehabt hat, alle Herrscher 
dieser Zeit aufzuzählen; sondern sobald die thebanische Dynastie zu selb- 
ständiger Macht gelangt, geht er zu dieser über. Wir haben gesehen, dafs 
die ersten Thebaner lange Jahre hindurch mit den Herakleopoliten im Kriege 



^ Maspero, Proc. Soc. Bibl. Arch. XIII, 1891, 429. Lacau, Rec. 24, 1902, 90fr. Der 
Name findet sich auch in dem Papyrus Golcnischeff, ÄZ. 14, 109. 

* Auch auf einer Palette im Louvre, Petrie, Hist. I, 115. 

* Aegypt, Inschr. der Kgl. Museen zu Berlin II, S. 132. Er war auch Priester der 
Pyramide des Atoti V. (ebenda S. 131). 

^ Einige andere Namen von Skarabäen setzt Petrie, Hist. I, 116 f. wohl mit Recht 

hierher, z. B. O ^Ü^ ^ Ma^ajebre^. Dafs dagegen Konig Chian nicht hierher, sondern in 

die Hyksoszeit gehört (= lannas bei Manetho, oben S. 85), ist jetzt wohl allgemein anerkannt. 

* O ist durch Versehen ausgelassen wie Col. 2, 26. 



174 Meyer: 

lagen; die Könige dieser Zeit mögen der zweiten Herakleopolitendynastie 
Manetho's entsprechen, die der Papyrus übergangen hat.* 

Umgekehrt mag bei Manetho in den Zablen ein Ausgleich versucht 
sein, wie er sicher auch bei Dyn. 22 — 26 vorkommt; nur so lafst es sich 
erklären , dafs seine 1 6 Thebaner der 1 1 . Dynastie — die Zahl ist gewifs 
zu hoch, auch wenn alle Nomarchen der vorköniglichen Zeit mitgerechnet 
sind — nur 43 Jahre erhalten. In der That wäre es nicht undenkbar, dafs 
die letzten Herakleopoliten als Schattenkönige bis in die Zeit des Nebchrure^ 
Mentuhotep IL fortvegetirt hätten; yergl. die »Königssöhne« mit Königs- 
ring (A^hmose se Pa'ar, Binpu u. A.), die zu Anfang des Neuen Reichs neben 
den ersten Königen der 18. Dynastie erscheinen. 

Dagegen ist es zweifellos, dafs wir die Dauer der monumentenlosen 
Zeit von Dyn. 8 — 10 und der 11. Dynastie zusammen unmöglich mit der 
manethonischen Epitome auf 783 Jahre" ansetzen können, sondern in ähn- 
licher Weise reduciren müssen, wie das Intervall zwischen der 12. Dynastie 
und dem Neuen Reich. Für die Gewinnung brauchbarerer Zahlen geben uns 
die Überreste des Turiner Papyrus genügenden Anhalt. 

Ergebnisse. Die Daten der elf ersten Djmastien. 

Wir können jetzt den gesammten Aufbau der Königsliste des Papyrus 
betrachten. Er theilt die Geschichte Aegyptens von Menes bis auf die 
Hyksos — von der folgenden Zeit ist nichts mehr erhalten — in zwei 
grofse Abschnitte, die genau den von der modernen Forschung aufgestellten 
Epochen des Alten und des Mittleren Reichs entsprechen. Der Einschnitt 
liegt vor dem Auftreten der Herakleopoliten. Das Alte Reich zerfällt in 
zwei durch Summirungen abgegrenzte Perioden, die durch das Ende der 
5. Dynastie gebildet werden. Jede von diesen zerfallt wieder in mehrere 
Unterabtheilungen (= Dynastien), die zum Theil durch Rubren (bei Zoser), 
zum Theil vielleicht nur durch die Worte »er regierte« bezeichnet sind. 
Das Mittlere Reich besteht aus vier durch Summirungen gebildeten Perioden: 



* Möglich ist es natürlich , dafs im Papyrus eine Unterabtheilung in der Dynastie vor- 
kam, ehenso dafs die Konigszahlen Manetho's (bei beiden Dynastien 19) verschiieben sind. 
Aber als sicher betrachte ich, dafs Manetlio*s Herakleopoliten viel weiter hinabreichten als 
die 18 Konige des Papyrus. 

» 146 -f 409 + 185 + 43 = 783- 



AegyptiscM Chronologie. 175 

Herakleopoliten, 1 1. Dynastie, Dynastie von IthtÄui (== Dyn. 12), 13. (+ 14.) 
Dynastie, von denen nur die letzte in mehrere (mindestens 6 — 7) Unter- 
dynastien zerfallt. Von der Summirung, die am Schlufs nicht gefehlt haben 
kann, ist niclits mehr erhalten. 

Das Schema, bei dem ich die Dynastien des Papyrus durch fortlaufende 
arabische, die Manetho\s durch lateinische Ziffern bezeichne, ist also: 

I. Altes Reich. 

I.Periode, von Menes bis Unas. 

1 . Dynastie 1 8 Thiniten (= I. IL). 

2. » 15 Memphiten (= III. IV. bis Sahure^). 

3. » 7 Könige (Elepliantiner?) von Nefererkere^ bis 

Unas (= V.). 

2. Periode, von Atoti V. bis zum Ende des Alten Reichs. 

4. Dynastie 6 Memphiten (VI.) l 

5. » 7 Memphiten (VIII.) | ^ ^ *^ ^^• 
Insgesammt 53 Könige mit 955 Jahren 10 + x Tagen. 

II. Mittleres Reich. 

3. Periode. 

6. Dynastie 18 Herakleopoliten (IX. X.) 

4. Periode. 

7 . Dynastie 7 Thebaner (XI.) 1 60 + x Jalire. 
S.Periode, die »Könige des Hofes von Ithtaui«. 

S.Dynastie 8 Thebaner (XII.) 213 Jahre i Monat 17 Tage. 
6. Periode, »Könige nach der Dynastie Amenemhet's I.« 

9. — 14. (oder mehr) Dynastie (XIII. XIV.), nicht mehr voll- 
ständig erhalten. 

Dann folgten die Hyksos, von denen vielleicht noch einige Namen im 
Pa2)yrus erlialten sind. Bis zum Ende der XII. Dynastie hat der Papyrus 
86 Könige verzeichnet, gegenüber 129^ bei Manetho, 65 auf der Tafel 
von Abydos, 46 auf der von Sakkara. 

Wie jnan sieht, entsprechen von der 4« (= VI.) an die Dynastien im 
Wesentlichen den manethouischen , nur dafs natürlich Dyn. VII fehlt und 
die Herakleopoliten zu einer einzigen zusammengefafst sind. Ebenso sind 



* Wenn wir von den 192 Königen des ersten Tomos die 70 Memphiten von Dyn.Vil 
abziehen und die 7 Könige seiner XII. Dynastie hinzurechnen. 



176 Meyer: 

die Thiniten und Dyn. III und IV je zu einer Einheit zusammengefalst , aber 
der Dynastieeinschnitt bei Dyn. HI und V anders angesetzt. Wie das zu 
erklären ist, haben wir früher besprochen. 

Das wichtigste Ergebnifs ist jedoch das chronologische. Mit der Summe 
von 955 Jahren für die Zeit von Menes bis zum Ende des Alten Reichs 
haben wir eine feste Basis gewonnen. Da uns zugleich die Summe für 
Dyn. 4. 5 = VI. VIII, 181 Jalire, erhalten ist, bleiben fiir die drei ersten Dynastien 
des Papyrus = I. — ^V. Manetho's 774 Jahre — gegenüber 1304 Jahren bei 
Manetho. Auch die Summe der 7., thebanischen Dynastie = XL Manetho*s 
ist uns erhalten, etwas über 160 Jahre; sie hat also von etwa 2165/60 
bis 2001/1998 v.Chr., oder rund gerechnet, mit einer Fehlergrenze von 
10 Jahren, von 2160 bis 2001 v.Chr. regiert. 

Ich möchte nun nicht behaupten, dafs die Zahlen des Papyrus histo- 
risch absolut exact sind; wir haben gesehen, dafs die Zahlen für Pepi I. 
und Merenre^ I. recht problematisch sindS und Schreib- und Rechenfehler 
sind gewifs vorgekommen. Aber dabei kann es sich nur um Jahre und 
Jahrzehnte, nicht um Jahrhunderte handeln; und dafs gegenüber Angaben, 
die in einem amtlichen (oder mindestens halbamtlichen) Document erhalten 
sind, das ein Jahrtausend älter ist als Manetho, die im günstigsten Falle 
aus dritter oder vierter Hand auf uns gekommene manethonische Epitome 
überhaupt nicht in Betracht kommen kann, bedarf keiner Ausfuhrung. 

Die Zahlen des Papyrus fiir das Alte Reich halten sich durchaus 
innerhalb der Grenzen der Wahrscheinlichkeit, die von den manethonischen 
weitaus überschritten werden. 40 Könige (Dyn. I — V) mit 774 Jahren er- 
geben als Durchschnitt 19-^ Jahre, 53 Könige (Dyn.I — VIII) mit 955 Jahren 
18 Jahre.^ Wenn man bedenkt, dafs in letzterer Summe nicht weniger als 
15 erhaltene Regierungen mit weniger als 10 Jahren einbegriffen sind*, die 
zusammen nur 70 Jahre (+ x Monate) regierten, und dafs dadurch der 
Durchschnitt für die übrigen schon auf über 23 Jahre steigt, dafs aber auch 
unter diesen noch mehrere Regierungen nachweisbar recht kurz waren, so 
ist klar, dafs eine höhere Zahl kaum zulässig wäre. 

^ Dafs die Suinmenzahl dadurch aflficirt ist, ist jedoch keineswegs sicher. 

* Nach Manetho umfassen Dyn.I — V 43 Könige mit 1304 Jahren, Durchschnitt etwas 
über 30 Jahre, Dyn. 1 — VI 49 Konige mit 1501 Jaln*en 30,6 Jahre. Rechnen wir, um ganz 
gerecht zu verfahren, noch Dyn. Vlll, 18 Konige mit 146 Jahren, hinzu, so bleiben als Durch- 
schnitt immer noch über 24-i^ Jahre. 

* Nr. 15. 20. 21. 25. 30. 31. 32. 35. 38. 44. 46. 50—53. 



Aegyptische Chronologie. 177 

Zu dem, was wir aus sonstigen Nachrichten ermittelt haben, stimmen 
die Zahlen des Papyrus auf's Beste. Wir haben gesehen, dafs Dyn.IVundV 
zusammen ziemlich genau 300 Jahre regiert haben müssen. Die vier Könige 
von Dyn. III regierten nach dem Papyrus zusammen 55 Jahre. Für die 
beiden ersten Dynastien haben sich uns über 300, unter 600 Jahre ergeben; 
nach dem Papyrus bleiben für sie 420 Jahre. 

Wie vollständig diese Ergebnisse durch ein noch um etwa 1400 Jahre 
älteres Document, die Chronik des Steins von Palermo, bestätigt werden, 
werden wir alsbald sehen. 

Der einzige Posten, der uns im Papyrus fehlt, ist die Zahl der 18 He- 
rakleopoliten. Diese Zeit, der auch die späteren Memphiten Manetho's 
und der Tafel von Abydos angehören, mit Sicherheit abzuschätzen, be- 
sitzen wir gegenwärtig noch kein Mittel. Nur das können wir sagen, dafs 
man nach dem Charakter der Denkmäler vom Ende der VI. Dynastie und 
dem Anfang des Mittleren Reichs — darunter, worauf mich Hr. Dr. Möller 
hinweist, auch der Schrift der Papyri — Bedenken tragen wird, ihn sehr 
hoch zu schätzen. Der oben ermittelte Durchschnitt von 18 Jahren — 
das wären für 18 Könige 324 Jahre — ist gewifs zu viel; manche von 
den Königen mögen nicht länger regiert haben als die letzten des Alten 
Reichs im Papyrus und die der XIIL und XIV. Dynastie — deren Beispiel 
uns zeigt, wie wenig in derartigen Zeiten mit solchen Schätzungen anzu- 
fangen ist. 

Wenn ich nun vorschlage, die Zeit der 1 8 Herakleopoliten auf 200 Jahre 
anzusetzen (11 Jahre auf die Regierung), so bin ich mir sehr wohl bewufst, 
dafs das recht willkürlich ist.^ Die vorgeschlagene Zahl kann vielleicht um ein 
Jahrhundert zu grofs oder zu niedrig sein. Aber innerhalb dieser Grenze 
liegt der Fehler, und da alle anderen Posten gegeben sind, ist 
jetzt die Unsicherheit für die Zeit des Alten Reichs und den Be- 
ginn der im engeren Sinne geschichtlichen Zeit Aegyptens mit 
dem Antritt des Menes auf einen Spielraum von 200 Jahren be- 
schränkt. Dabei können wir uns bei einer so weit abliegenden Zeit schon 
beruhigen. 

* ¥^ ist nicht zu vergessen, dafs zu dem Intervall zwischen dem Ende von Dyn. 6 -f 8 und 
dem Anfang der 12. Dynastie aucli noch die 160 tJahre derThebaner hinzukommen; der Gesammt- 
abstand betrüge also bei dieser Schätzung 360 Jahre. In meinen Minimaldaten hatte ich die Zeit 
vom A nfang der 6. bis Anfang der 1 2. Dynastie auf 400 Jahre angesetzt, also 140 Jahre niedriger. 
Phüaa.'histor, Abh. 1904, I. 23 



178 Meyer: 

Somit gewinnen wir folgende Daten: 

Antritt des Menes ca. 33 1 5 v. Chr. 

18 Thiniten (Dyn.i. 2) ca. 420 Jahre ca. 3315 — 2895 » 

Zoser und seine drei Nachfolger (Dyn. 3) 55 Jahre » 2895 — 2840 » 

Snojfru's Antritt ca. 2840 » 

4. Dynastie (ca. 160 Jahre) » 2840 — 2680 » 

5. Dynastie (ca. 140 Jahre) » 2680 — 2540 » 

6. (und 8.) Dynastie 181 Jahre » 2540 — 2360 » 

18 Herakleopoliten (Dyn. 9. 10) ca. 200 Jahre. ... » 2360 — 2160 » 

7 Thebaner (11. Dynastie) 160 Jahre 2160 — 2000 » 

Amenemhet I. (12. Dynastie) beginnt 2000/1997 » 

Von den Herakleopoliten an aufwärts können alle Daten um rund 100 Jahre 
hinauf- oder herabgerückt werden, d. h. der Antritt des Menes liegt 
zwischen 3400 und 3200 v.Chr. 

Die Aufstellung und Einfuhrung des ägyptischen Kalenders in Unter- 
ägypten aber am 19. Juli 4241 v.Chr. liegt noch ungefähr ein volles Jahr- 
tausend vor Menes. So alt ist in Wahrheit die ägyptische Geschichte. 



Die Daten aus den Steinbrüchen. 

Eine Bestätigung unserer Ergebnisse durch ein absolutes Datum be- 
sitzen wir nicht. Wohl aber können wir aus melireren Inschriften einen 
gewissen Anhalt über das Verhältnifs des Kalenders zu den Jahreszeiten 
in ihrer Zeit gewinnen. Vor allem gehört hierher die viel besj3rochene 
Stelle der Inschrift des Una, nach der er unter König Merenre^ I. im Monat 
Epiphi (dem 11. des Jahres) fiir die Pyramide des Königs eine Opfertafel 
aus den Alabaster brüchen von Hatnub (in der Nähe von Teil el Amarna) 
geholt und an ihren Bestimmungsort (bei Memphis) gebracht habe, »obwohl 
kein Wasser auf den x>*<ir=i war«. Ob diese tsu Kanäle, Sandbänke oder 
was sonst sind, ist nicht bekannt; klar ist aber, dafs Una sich rühmt, den 
Transport trotz des im Ki)iphi herrschenden tiefen Wasserstandes glücklich 
bewerkstelligt zu haben. Petrie^ hat die Stelle so erklärt, dafs damals 
das Überschwemmungswasser im Ablaufen begriffen gewesen sei; er setzt 
daher den Epiphi in den Oc tober, in die Zeit kurz nach dem höchsten 



^ A Season in Egypt 1888, p. 29 f. 



Aegyptisdie Chronologie. 179 

Wasserstand. So kommt er fiir Merenre^ I. auf die Zeit um 3350 v. Chr. 
Damals lag der Epiphi allerdings 5. October bis 3. November, aber nach 
julianisehem Kalender; nach dem wahren Stand der Jahreszeiten müfste 
er sein Datum noch mindestens um ein Jalirhundert. hinaufschieben. Aber 
dafs seine Interpretation recht unwahrscheinlich ist, liegt auf der Hand. 
Nach unseren Daten regierte Merenre^ I. um 2500 v. Chr. In diesem Jahre 
fällt der Epiphi auf den 6. März bis 4. April jul. = 13. Februar bis 14. März 
greg., also in eine Zeit, wo die Überschwemmung längst vorüber ist und 
der Nil stark zu sinken beginnt, um in den nächsten Monaten seinen tief- 
sten Stand zu erreichen. Das pafst also vortreflFlich. 

Mehrere Inschriften zeigen, dafs unter der 6. Dynastie die Arbeiten 
in den Steinbrüchen und Bergwerken regelmäfsig in diese Zeit, Ende Epiphi, 
Mesori, Anfang Thoth, gefallen sind.^ Ich reducire die Daten auf das Jahr 
2500 V. Chr., da eine genauere Jahrangabe hier unmöglich ist: 

Pepi im Wadi Hammamat'^: 27. Epiphi = i. April jul., 1 1. März greg. 
» in Hatnub^: 1. Thoth = 10. Mai jul., 19. April greg. 
» in Wadi Maghara*: 6. Mesori = 10. April jul., 20. März greg. 

Ebenso ist eine Siegesinschrift des Merenre^ I. aus Wadi Maghara^ vom 
28. Payni = 3. März jul., 10. Februar greg. datirt.* 

Dazu stimmt, dafs die Daten aus der 11. und 12. Dynastie mehrere 
ägyptische Monate später fallen: 

Nebtauire<^ Mentu^otep IV. läfst in Hammamat am 3. Paophi seines 
2. Jahres arbeiten', der im Jahre 2001 auf den 7. Februar jul. = 
20. Januar greg. fallt. 



* Auch die beiden Steinbruchinschriften bei Sethe, Urk. des A. R. S. 10, aus recht 
alter Zeit, nennen den Epiphi und Mesori. 

* LD. II, 115 g. Sethe , Urk. d. A. R. S. 93. 

* Sethk , S. 95. 

^ LD.II, ii6a. Sethe, S.91. 
' Sethe, S. iio. 

* Um so bezeichnender ist es, dafs die Steine för Ati's Pyramide in Hammamat am 
3. Choiak = 9. August jul., 19. Juli greg. [auch auf das Jahr 2500 reducirt] seines i. Jahres 
gebrochen wurden: LD. 11,115h, Sethe, S. 148. Man sieht, welche Eile der ephemere 
Monarch hatte. 

' LD.II, 149 c — e = Golenischeff, Hammamat Taf. X — XII. — Die Inschrift des 
Qanu über seine Seeexpedition unter S^anchkeref ist am 3. Pachon verfafst, = 9. September 
2020 (23. August greg.), was recht gut pafst. 

23* 



180 Meyer: 

Unter Sesostris III. wird in Hammamat gearbeitet am i6. Choiak Jahr 14 
= 22. März (6. März greg.) 1883^ unter Amenemhet III. im Jahr 2 
am I. Athyr =27. Januar (11. Januar greg.) 1847, Jahr 3 am 
3. Athyr = 29. Januar (13. Januar greg.) 1846, Jahr 19 am is.Tybi 
= 6. April (21. März) 1829.^ 

Im Allgemeinen fallen die Steinbrucharbeiten unter Dyn. 1 1 und 1 2 also in 
eine etwas frühere Zeit als unter Dyn. 6.' 

Schliefslieh verdanke ich der Güte Breasted's die Kenntnifs einer In- 
schrift von der Sinaihalbinsel aus der Zeit der 12. Dynastie (leider nicht 
genauer datirt), nach der ein Beamter zu unrechter Zeit in die Bergwerke 

kam, mitten im Sommer (jXÄSO)» ^^ ^^^^^ Monaten Phamenoth bis Pachon, 

und über die starke Hitze klagt. Im Jahre 1900 v.Chr. fiel der Phamenoth 
vom 9. Juni bis 8, Juli, der Pachon vom 8. August bis 6. September (gre- 
gorianisch 17 Tage früher). 

Ein sicherer Beweis ist natürlich aus solchen Daten nicht zu entnehmen; 
aber dafs sie zu unserer Chronologie recht gut passen, ist klar, und so 
werden sie als Bestätigung willkommen sein. 



^ LD. II, 136 a. Das Jahr v.Chr. habe ich natürlich unter den vier in Betracht 
kommenden beliebig berausgegrifTen. 

' LD.II, 138 a— c. 

' Ganz aus der Reihe heraus fällt nur eine Inschrift im Hammamat aus der Zeit 
Amenemhet's I. vom 3. Mesori = 3. December (15. November greg.) 2000 (Golenischeff, 
Hammamat Taf. II, 4). 






Aegyptische Chronologie. 181 



V. Die Chronik des Steins von Palermo. 



Beschreibung und Charakter der Urkunde. 

Zur Controle der für das Alte Reich gewonnenen Ergebnisse besitzen 
wir ein sehr willkommenes Ilulfsmittel in dem »Stein von Palermo«. Dieser 
unschätzbare Text, der zuerst von Pellegrini* publieirt, dann mehrfach 
namentlich von Naville^ besproclien, dessen wahrer Charakter aber erst von 
H. Schäfer in seiner vortrefflichen Ausgabe^ richtig erkannt worden ist, ist 
nichts Geringeres als ein Bruchstück einer altägyptischen Chronik, wir können 
im Anschlufs an einen der deutschen Geschichtsforschung geläufigen Aus- 
druck geradezu sagen, von Reichsannalen des Alten Reichs; nach Schrift und 
Inhalt ist er unter der 5. Dynastie, wahrscheinlicli unter Newoserre^, verfaCst. 

Leider ist von der grofsen Platte von schwarzem Diorit, auf der 
der Text aufgezeichnet war, nur ein verhältnifsmäfsig kleines Bruchstück 
erhalten*; es reicht indessen aus, um die Einrichtung des Ganzen zu er- 
kennen. Die Tafel ist auf Vorder- und Rückseite in horizontalen Streifen 
beschrieben, die von Z. 2 der Vorderseite an durch das Zeichen j »Jahr« 
in zahlreiche Jahrabschnitte getheilt sind. Über diesen eng beschriebenen 
Jahresstreifen laufen schmalere Streifen, in denen die Namen der Könige 
und ihrer Mütter stehen und zwar, wie man deutlich sieht, über der Mitte 
der zu ihnen gehörigen Jahresreihe; bei einem Regierungswechsel ist der 
Trennungsstrich durch diese Streifen hindurchgezogen. Nur bei den letzten 
beiden Zeilen der Rückseite ist dieser Streifen weggelassen , vor Allem wohl 



* Archivio storico Siciliano, nuova Serie, ann. XX, 1896. 

' Rec. de trav. 21, 112; dann nach einem auf dem Hamburger Orientalistencongrefs 
(1902) gehaltenen Vortrag auf Grund einer neuen Vergleichung des Originals veröffentlicht 
und commentirt im Rec. 25 (1903). 

* Ein Bruchstück altagypt. Annalen, Abh. d. Berl. Akad. d. Wiss. 1903 ; der Text ist hier 
auf Grund einer Photographie von Sai.inas und einer CoUation von L. Borchardt veröffentlicht. 

^ Die Abbildung auf Taf. VI und VII ist nach der von Sethe, Beiträge zur ältesten 
Gesch. Aegyptens, auf Grund der Photographien von Salin as gegebenen Skizze gezeichnet. 
Von dem Text ist nur aufgenommen, was für meine Zwecke von Wichtigkeit war. 



182 Meyer: 

um Raum zu sparen; auch war er hier überflüssig, da die Regierungen sich 
Ober mehrere Zeilen ausdehnten. Auch die oberste Zeile der Vorderseite 
enthält keine Jahresabschnitte, sondern ist durcli geradlinige Striche ge- 
trennt, zwischen denen die Namen von Königen von Unteragypten stehen. 
Der darüber laufende Streifen ist, soweit er erhalten ist, unbeschrieben, 
wird aber wohl in dem verlorenen Theil die Überschrift enthalten haben. 
Darüber ist noch ein kleiner Theil eines gleichfalls unbeschriebenen Streifens 
erhalten: das scheint, wie Schafer S. 14 bemerkt, zu zeigen, dafs hier nichts 
mehr stand, sondern dieser Streifen den oberen Rand der Tafel gebildet hat. Ist 
das richtig, so hat Z.i der Vorderseite die erste Zeile des Documents gebildet. 
In Z. 2 — 5 sind die Jahrabschnitte in jeder Zeile gleich breit, wenn 
auch von Zeile zu Zeile verschieden. Der Verfasser hat also in jeder Zeile 
eine bestimmte Anzahl von Jahren unterbringen wollen, und sie danach in 
gleiche Jahresabschnitte getheilt; dann erst hat er in diese die historischen 
Notizen eingetragen, und zwar immer in je einer Verticalzeile. Einschliefslich 
der unvollständig erhaltenen Jahre am Anfang und Schlufs * enthält das er- 
haltene Stück von Z. 2 1 2 Jahre, Z. 3 14 Jahre, Z. 4 16 Jahre, Z. 5 1 1 Jahre. 
Untrer den Jahren sind hier wie im Folgenden durchweg Nilhölienangaben 
nach Ellen, Händen und Fingern eingetragen; nur in Z. 2 zu Anfang fehlen 
sie dreimal. Was von Z. 2 — 5 erhalten ist, gehört den beiden ersten Dynastien 

an: über Z.4 steht der Horusname des Königs I Neteren, d. i. wahrschein- 

lieh Binothris Dyn, II, 3, in Z. 5, Jahr 4: »Geburt des Cha^sechemui«, des 
oben S. 133 f. besprochenen Königs der 2. (oder des Anfangs der 3.) Dynastie. 
Z. I — 5 sind, wie gleichartig eingerichtet, so auch fast genau gleich 
hoch. Mit Z. 6 dagegen, deren 3 erhaltene Jahre^ dem König Snofru an- 
gehören, ändert sich die Einrichtung: sie ist etwa anderthalbmal so hoch 
wie die vorhergehenden, und die Jahresabschnitte umfassen mehrere Verti- 
calzeilen und sind ungleich.^ Hier hat also der Verfasser nicht mehr das 
Jahrschema vorher eingetragen und dann ausgefüllt, sondern umgekehrt 
unter jedem Jahre zunächst die Ereignisse aufgezeichnet und dann einen 
neuen Jahreinschnitt gemacht. Nocli viel ausföhrlicher sind die Jahre auf 



^ Es ist dabei zu beachten, dafs die erhaltenen Stücke der einzelnen Zeilen nicht 
gleich lang sind. 

' Aufserdem kleine Reste von zwei anderen. 

' Da der Verfasser beim 2, und 3. Jahr mit drei Verticalzeilen auskommt, sind diese 
beiden gleich breit; das erste Jahr aber iiuifafst 4 Verticalzeilen. 



Aegyptische Chronologie. 183 

der Rückseite behandelt, die dem Ende der 4. (Z. i Sepseskaf) und An- 
fang der 5. Dynastie (Z. 2 Userkaf, Z. 3 Sahure^, Z. 4 Salmre^ und Nefer- 
erkere^, Z. 5 Nefererkere^) angehören. Hier sind die Zeilen noch höher 
wie bei Snofru, und jedes Jahr nimmt einen so grofsen Raum ein, dafs 
uns in den 5 Zeilen immer nur ein ganzes oder Theile von zwei Jahren 
erhalten sind.^ Dafs der Raum, den die Jahre ausfüllen, ungefähr gleich 
grofs wird, liegt in der Natur der Sache; an wirkliche, principiell durch- 
geführte Gleichheit der Jahrräume, wie in Z. 2 — 5 der Vorderseite, ist 
dagegen nicht mehr zu denken; sie würde aucli zwecklos gewesen sein. 

Am Schlufs der Vorderseite fehlen die Regierungen von Cheops bis 
Mykerinos, die 2 oder vielleicht 3 Zeilen ausgefüllt haben dürften.^ Somit 
ist die Höhe des Monuments wenigstens annäliernd bestimmbar, und es 
zeigt sich , dafs am Ende der Rückseite (die in der Mitte von Z. 5 abge- 
brochen ist) nicht mehr als höchstens zwei Zeilen verloren sein können. 
Über die Regierung des Newoserre^ Ini kann daher die Inschrift kaum hin- 
ausgereicht haben, sondern wird unter diesem verfafst worden sein. 

Sethe' hat erkannt, dafs die Jahresangaben in Z. 2 — 5 ihrem Kern 
nach identisch sind mit den offiziellen Namen , welche die Jahre im ältesten 
Aegypten wie in Babylonien nach Ereignissen, Festen u. Ä. erhielten (s. 
unten), und die sich auf den Jahrtäfelchen der ersten Dynastie und auch 
in späterer Zeit noch in Datirungen vielfach erhalten haben. Auch bei den 
späteren Regierungen von Snofru an sind diese Jahrnamen auf dem Stein 
von Palermo überall erkennbar, aber mit zalüreichen sonstigen Notizen ver- 
bunden. Die Zusammenstellung dieser Jahrnamen zu praktischen Zwecken, 
wie auf babylonischen Tafeln mit Jahrlisten aus der i. Dynastie, ist jedoch 
keineswegs die eigentliche Tendenz des Documents gewesen; vielmehr ist 
es wirklich eine Chronik, und trägt genau denselben Cliarakter wie die 



^ Wie es sciieint, hat das theilweise erhaltene Jahr des Sepseskaf noch nicht so viel 
Kaum eingenommen wie die seiner Nachfolger, war aber doch schon mehr als doppelt so 
breit als das erste und breiteste der drei von Snofru erhaltenen. 

* Ein kleines Bruchstück mit dem Rest des Namens der Mutter ist aus der Über- 
schrift von Z. 7 noch erhalten. 

' Bei Schafer, S. 8 ff. Dafs auch Maspero, Rev. crit. 1901, 381 dieselbe Entdeckung 
gemacht hat, bemerkt Schafer selbst ÄZ. 39, 153. Seitdem hat Sethe seine Ansicht weiter 
ausgeführt und alles Material über diese Jahresbe/.eichnungen zusammengestellt in der im 
Druck befindlichen Fortsetzung seiner Beitrage zur ältesten Geschichte Aegyptens, deren 
Druckbogen er mir freundlichst zur Verfügung gestellt hat. 



184 Meyer: 

anderen Chroniken des Alterthums und des Mittelalters auch. Voran, für 
die Urzeit, geht lediglich eine Königsliste, nicht einmal mit Jahrangaben. 
Von König Menes an — denn dafs Z. 2 mit ihm begonnen hat, wird wohl 
Niemand bezweifeln — beginnt die Verzeichnung jedes Jahres, zunächst 
lediglich unter dem officl eilen Namen, wie die Archonten und Consuln 
derAtthiden, der römischen Annalen, der mittelalterlichen Chroniken, unter 
denen Jahrzehnte und Jahrhunderte lang kaum je etwas berichtet wird. 
Je näher der Chronist seiner eigenen Zeit kommt, desto mehr wächst so- 
wohl das Material wie das Interesse, und desto ausfuhrlicher wird er, bis 
schliefslich jedes unbedeutende Ereignifs der jüngsten Vergangenheit ver- 
zeichnet wird. Genau ebenso ist der ägyptische Annalist verfahren. Sein 
Interesse ist in den friedlichen Zeiten der Gegenwart fast ausschliefslich 
den Schenkungen des Königs an die Götter des Landes und seinen Bauten 
zugewandt; wo wichtigere Ereignisse vorkamen, wie unter Snofru (oder wie 
die Ankunft der Producte von Punt und der Sinaihalbinsel unter Sahure^, 
sind sie jedoch gleichfalls verzeichnet. Dazu kommt die officielle Jahrbezeich- 
nung. In dem Verzeichnifs der Nilhöhen tritt daneben das echt annalistische 
Interesse an den Vorgängen des täglichen Lebens hervor. Das ist das Quotiens 
annona cara, (quotiens lunae aut solis lumine caligo aut quid obstiterit), 
was auf der Tabula apud pontificem maximum stand und was Cato in 
seine Origines nicht aufnehmen wollte. 

Es ist nun sehr bezeichnend, dafs diese genaueren Nachrichten mit 
König Snofru beginnen. Wie er tiir uns noch vor einem Jahrzehnt der 
erste ägyptische König gewesen ist, von dem wir etwas wufsten, und 
aus seiner dominirenden Stellung auch durch die neuesten Funde nicht 
verdrängt worden ist, so war er schon für die Aegypter der 5. Dynastie 
derjenige Herrscher, mit dem das lebendige historische Interesse begann. 

Auf der anderen Seite ist der Palermostein ein Zeugnifs für die Höhe 
und Continuität der altägyptischen Cultur, das unsere kühnsten Erwartungen 
doch noch weit übertroffen hat. Er beweist, dafs mindestens seit Menes 
nicht nur völlig geregelte staatliche Ordnungen bestanden haben, sondern 
auch fortlaufende Aufzeichnungen von Jahr zu Jahr, aus denen die Chronik 
des Steins ein Excerpt bildet.^ Das Reich des Menes ist in der That bereits 
ein gewaltiger, nach allen Richtungen durchgebildeter Culturstaat gewesen. 

* In Einzellieiten versagte die Kunde mitunter; daher sind die Nilhöhen, wie schon 
Lemerkt, zu Anfang nocli nicht regehnäfsig verzeichnet. 






Aegj/ptische Chronologie. 185 

Historische Kunde aber, ja zweifellos gleichzeitige Aufzeichnungen , ragten 
noch weit darüber hinaus ; denn es ist doch offenbar viel weniger Mangel an 
Kunde als Mangel an Interesse gewesen, was den Annalisten veranlafst hat, 
von den Königen vor Menes lediglich eine Namensliste zu geben. Wenn 
die Beschaffenheit des ägyptischen Kalenders uns gezwungen hat, seinen 
Ursprung bis in's 5. Jahrtausend v. Chr. hinauf zu datiren, so erhalten wir 
hier dafar die beste Bestätigung und Ergänzung. 

Es wäre nun vom gi'öfsten Werth , wenn wir bestimmen könnten, in 
welchem Verhältnifs das erhaltene Stück des Steins zu der Breite des ge- 
sammten Denkmals gestanden hat; denn da in Z. 2 — 5 der Vorderseite 
die Jahrräume gleich grofs sind, würden wir alsdann annähernd bestim- 
men können, wieviel Jahre in diesen Zeilen gestanden haben, d.h. wie- 
viel Jahre von Menes bis auf Snofru verlaufen sind. Den ersten derartigen 
Versuch hat in äufserst scharfsinniger und lehrreicher Weise Sethe gemacht ^ 
und ihn haben wir nachzuprüfen. Mit Recht ist er dabei von der Rück- 
seite ausgegangen; hier gilt es zugleich zu untersuchen, ob die Angaben 
des Turiner Papyrus sich mit denen des um mehr als ein volles Jahrtausend* 
älteren Steins vertragen. 

Vorher aber ist es erforderlich, über die hier vorliegende Art der 
Jahrzählung zur Klarheit zu gelangen. 

Bürgerliche Jahre, Eönigsjahre und Jahre der Zählang. 

Die bürgerlichen Jahre reihen sich unterschiedslos an einander. Welches 
das gegenwärtige oder letztvergangene ist , weifs der Zeitgenosse ; aber nach 
wenig Jahren ist es unmöglich, sie aus einander zu halten. Und doch 
macht sich das Bedürfnifs nach einer Unterscheidung und nach genauer 
Bezeichnung jedes einzelnen von ihnen in der Staatsverwaltung wie im 
bürgerlichen Leben immer stärker geltend — z. B. auch in solchen Dingen 
wie bei den Jahrgängen der Weine, bei denen wir in den Königsgräbern 
der I. Dynastie die Jahrbenennungen verwendet sehen. Da man auf den 
Gedanken einer fortlaufenden Jahrzählung, einer Aera, überall erst sehr 
spät und schwer gekommen ist, bleibt kein anderer Ausweg, als jedem 
Jahre einen Eigennamen zu geben. Dazu dient naturgemäfs , wo nicht etwa 

* Beitr. zur ältesten Gesch. Aegyptens 1903 (Unters, zur Gesch.. Aeg. IIl), S. 42 ff. 

* Genauer etwa 1400 Jahre. 

Phäoa.'histar. Abh. 1904. L 24 



186 Meter: 

jährlich wechselnde Beamte vorhanden sind, irgend ein Ereignifs, das in 
das Jahr föllt. So sind, wie die Babylonier Jahrtausende lang, so auch die 
Aegypter unter dem Alten Reich verfahren; die zahlreichen Beispiele, die 
dafür in den Denkmälern vorliegen, hat jetzt Sethe gesammelt und er- 
läutert.' Man kann dazu einen Vorgang der äufseren Geschichte nehmen, 
z.B. »das Jahr der Besiegung der Unterägypter« oder »derNubier«. Das 
prägt sich dem Gedächtnifs leicht ein, hat aber den Nachtheil, dafs solche 
Vorfalle erst im I^ufe des Jahres eintreten, dasselbe seinen Eigennamen 
also erst später erhalten kann. Bei den Babyloniern, wo solche Benennun- 
gen recht häufig sind, knüpfen daher an sie vielfach kleine Aeren an, 
d. h. die folgenden Jahre werden als zweites, drittes u. s. w. nach dem 
betreffenden Ereignifs bezeichnet, bis ein neues eintritt, das wieder eine 
selbständige Jahrbezeichnung schafft. Bequemer ist es, das Jahr nach 
einem Ereignifs zu benennen, dessen Eintreten man im Voraus kennt, einem 
Götter- oder Königsfest, einem Bau u. Ä. Das haben die Aegypter in der 
Regel gethan. Am gewöhnlichsten ist unter den beiden ersten Dynastien 
das Fest des »Horusdienstes« {Semsu flor)^ nach dem viele Täfelchen be- 
zeichnet sind; ^uf dem Palermostein findet es sich in Z. 2. 4. 5 regelmäfsig 
jedes zweite Jahr; nur unter dem König, dem Z. 3 angehört, kommt es 
nicht vor, und von Snofru an ist es verschwunden. Der naheliegende Ge- 
danke, die Feiern zu zählen, ist jedoch nicht ergriffen; so ist zur Bezeich- 
nung der Jahre noch ein weiterer Zusatz nach einem anderen Feste o. Ä. 
nöthig. Diese Feste (Geburt des Anubis, des Min u. A.) folgen sich immer 
wieder in unregelmäfsigen Reihen, bei manchen, wie dem Zetfest, einem 
Apisfest, dem Sokarfest, werden auch die Wiederholungen gezählt: erstes, 
zweites, drittes Mal. Daneben kommen von Z. 4 der Vorderseite des Steins 
an die »Zählungen«, s=jÖo [nwi, auf, d. h. die Aufnahme des Vermögens 
der Unterthanen ^ ; und diese werden dui'chweg mit der Angabe versehen, 



» Beiträge S. 6off. 

* Gelegen tlicli sind sie specialisirt, und zwar unter Binothris Dyn. 2 als »Zählung des 
Goldes und der Felder«, unter der 5. Dynastie als »Zählung der Rinder« oder »der Rinder 
und alles Kleinviehs« (s. Setoe 8.750*.). Dem nuifs eine wirthschaftliche Verschiebung zu 
Grunde liegen, die sehr bedeutsam ist: unter der 2. Dynastie wird die Steuer nach dem 
Grundbesitz und (vernmthlich bei den Stadtern) nach dem beweglichen Vermögen, das in 
Edelmetall festgelegt war, erhoben , unter der 5. Dynastie nach dem Vieh. Wir würden die 
umgekehrte Entwickelung erwarten: aber in Aegypten ist die fortgeschrittener erscheinende 
Form der Besteuerung älter als die, welche wir fiir die primitivste halten wurden. 



Aegt/ptische Chronologie. 187 

zum wievielten Male sie unter der betreffenden Regierung erfolgt ist. Unter 
Binothris (Vs. Z. 4) erfolgt sie regelmäfsig jedes zweite Jahr, verbunden mit 
dem Horusdienst, und ebenso unter dem ersten König von Z. 5 ; dagegen fehlt 
sie unter seinem Nachfolger. Unter Snofru sind zwei auf einander folgende 
Jahre als 7. und 8. Mal bezeichnet, das vorhergehende Jahr erwähnt sie nicht. 
Unter der 5. Dynastie scheint sie wieder regelmäfsig jedes zweite Jahr statt- 
zufinden; und hier wird dann ständig das folgende Jahr als »Jahr nach dem 
X. Mal der Zahlung« bezeichnet. Dem entsprechen die von Sethe zusammen- 
gestellten Datirungen aus der 5. und 6. Dynastie. Hier hat sich also eine fort- 
laufende Jahrzahlung iur jede Regierung gebildet, nur dafs der Regel nach le- 
diglich jedes zweite Jahr gezählt wird. Sethe hat wohl Recht mit der Annahme, 
dafs das Zeichen für »Mal«, das bei Datirungen so oft als Determinativ zu 
ronpet »Jahr« steht ({^, fnl' ^^^ dieser ursprünglichen Jahrzählung nach 
Zählungsjahren entstanden sei. 

Aber das bürgerliche Jahr ist nirgends das einzige. Daneben giebt 
es cultische Jahre, die an ein Götterfest anknüpfen und nach denen z. B. 
die Tempelrechnungen datiren können wie in Griechenland, und vor Allem 
Königsjahre, die mit der Thronbesteigung beginnen, die in jedem Jahre 
festlich wieder begangen wird. Es ist natürlich, dafs in Monarchien der 
Staat und der Hof und daher die officiellen Urkunden und in der Regel 
auch die Unterthanen nach solchen Königsjahren rechnen; daraus hat sich 
dann später, wie anderswo so auch in Aegypten, die Jahrzählung nach 
Königsjahren entwickelt, die seit dem Mittleren Reich die älteren Bezeich- 
nungen verdrängt hat.* 

Das Königsjahr deckt sich nicht nur nicht mit dem bürgerlichen Jahr, 
sondern es hat den weiteren Nachtheil, dals sich sein Neujahr bei jedem 
Thronwechsel verschiebt. Das legt den Gedanken eines Ausgleichs nahe. 
Im späteren Aegypten ist derselbe bekanntlich dahin erfolgt, dafs das Jahr, 
in dem ein König den Thron besteigt, als sein erstes gerechnet wird, 
mit dem nächsten i.Thoth aber sein zweites beginnt. Es wird also (im 
Gegensatz zur Postdatirung der Babylonier) antedatirt, und das letzte, un- 
vollendete Jahr des Vorgangers von dem ersten des Nachfolgers absorbirt. 
Wir haben gesehen, dafs so schon unter der 12. Dynastie gerechnet ist, und 

^ Etwas später, unter den Kossäern, ist sie auch in Babylonien aufgekommen. — 
Bekanntlich findet sich daneben im Mittleren Reich in Aegypten, seinem feudalen Charakter 
entsprechend, die Zählung nach Jahren des regierenden Gaufursten. 

24' 



188 Meyer: 

wenn die Könige des Neuen Reichs statt dessen nach wirkliclien Königsjahren, 
von der Thronbesteigung an , rechnen , so halte ich es nicht fiir unmöglich^ 
dafs daneben im bürgerlichen Leben die andere Rechnung weiter bestand: 
ein Mifsverständnifs war ja ausgeschlossen, wenn Jedermann wufete, dafs die 
verschiedenen Jahranfange jeder in seinem Bereich neben einander herliefen.' 
Auf dem Stein von Palermo schwankt der Brauch.* In Z. 2 endet 
eine Regierung mit einem Jahrabsclinitt, in dem nur die Angabe »6 Mo- 
nate, 7 Tage« verzeichnet ist; das nächste Jahr, das erste der neuen Re- 
gierung, enthält die Notiz: »4. Monat, Tag 13, Vereinigung der beiden 
I^nde, Umzug um die Mauer« — die bei der Thronbesteigung regelmässig 
vollzogenen Ceremonien. Hier ist also nach Königsjahren gerechnet; das 
letzte unvollständige Jahr von 6 Monaten 7 Tagen erhält daher den Raum 
eines vollen Jahres.' Der neue König hat am i3.Choiak den Thron be- 
stiegen, sein Vorgänger also, je nachdem die Epagomenen mitgerechnet 
sind oder nicht, am 11. oder 16. Payni. — In Z. 5 dagegen, unter der 
2. Dynastie, theilt der Trennungsstrich zwischen zwei Regierungen eine 
einzige Jahresabtheilung, und zwar so, dafs die kleinere Hälfte mit der 
Angabe »2 Monate 23 Tage« dem Vorgänger, die gröfsere mit der Angabe 
über das Thronbesteigungsfest (und der Nilhöhe) dem Nachfolger zuge- 
wiesen ist. Hier ist also nach bürgerlichen Jahren gerechnet und daher 
eine Bezeichnung des Thronbesteigungstages unnöthig: der Vorgänger ist am 
23. Athyr gestorben, am nächsten Tage hat der Nachfolger den Thron 
bestiegen. Auf der Rückseite, unter Dyn. 4 und 5, finden wir dagegen 
wieder denselben Usus wie unter Dyn. i: Sepseskaf's Vorgänger hat zum 
Schluis X Monate 2 4 Tage , Sepseskaf besteigt den Thron am 1 1 . Tag des 
4 + X.Monats; SaLure^ hat (Z. 4) 9 Monate 6 Tage* überschüssig, sein 
Nachfolger tritt am 7.Paophi (M. 2 T. 7) an — mithin hat Sahure^ am 
I. oder 6. Tybi den Thron bestiegen. 



^ Ich erinnere an die verschiedenen Jahranfange, welche im christlichen Mittelalter, 
und in England sogar his 1752 neben einander bestanden und zur Folge hatten, dafs für 
die ersten Monate des Jahres standig zwei verschiedene Jahreszahlen in Gebrauch waren. 

* Vergl. meine Bemerkungen bei Skthe, Beitrage, S. 73 f. 

* Eine Nilhohe fehlt hier natürlich, ebenso wie bei der entsprechenden Angabe der 
Rückseite Z i. 

* Sicher ist die Lesung, die Schafer S. 38 nach Borchardt aufgenommen hat, nicht; 
Pelleorini und Naville geben 5 Monate (mit einer Lücke darüber) 12 Tage [letztere in 
unmöglicher Schreibung, mit 12 Strichen]. 



Aegyptische Chronologie. 189 

Da unter der 2. Dynastie bürgerliche und Königsjahre zusammenfallen, 
ist es natürlich, dais der »Horusdienst« regelmäfslg in jedem zweiten Jahr 
erscheint, unbekümmert um den Thronwechsel.* Unter der I.Dynastie, in 
Z. 2, ist dagegen das letzte volle Jahr des Vorgängers ein Jahr des Horus- 
dienstes. Dann folgen die überschüssigen 6 Monate, darauf das erste Jahr 
des neuen Königs, und erst im zweiten (und weiter im 4., 6., 8.) des- 
selben wird der Horusdienst wieder gefeiert. Hier scheint also ein Inter- 
vall von 2 Jahren vorzuliegen. Aber das ist nur scheinbar. Das Horus- 
fest kann unmöglich mit jedem Thronwechsel sein Datum geändert haben, 
sondern mufs an einem bestimmten Kalendertag gefeiert worden sein wie 
jedes grofse Götterfest, und die anderen auf dem Stein genannten auch. 
Durch den Thronwechsel verschiebt sich lediglich seine Lage im Königs- 
jahre, aber nicht die regelrechte Feier in jedem zweiten bürgerlichen 
Jahre; wir lernen aus der Angabe, dafs es zwischen den i3.Choiak und 
15. Payni fiel: alsdann konnte es erst in das zweite Jahr des neuen Herr- 
schers fallen.' 

' Er fehlt allerdings im Antrittsjahr des neuen Königs in Z. 5, aber offenbar nur deshalb, 
weil hier der Raum anderweitig ausgefiillt war, und weil das erste Jahr ofSciell regelmäfsig 
nach dem Samtaui »Vereinigung der beiden Lande« bezeichnet wird (Sethe S. 66). Dagegen 
erscheint der Horusdienst im vorletzten Jahre des Voi-gängers [ohne Berücksichtigung der 
überschussigen Monate] und im 3. und 5. des Nachfolgers; das Intervall ist also richtig ein- 
gehalten. 

* Die Jahre laufen folgendermafsen : 

Königsjahre Burgerl. Jahre 

I. Thoth 
16. Payni 

, ,r * / I. Thoth 

penult.Kg.A ^^^^^^^^^^ 



I. Thoth 



15. Payni 

ult . ( '^- ^"^ 

[unvollständig] j „ choiak 

13. Choiak 
J. I. Kg. B { I. Thoth 

12. Choiak 

13. Choiak 



Horusfest 
I. Thoth 



J. 2. 

12. Choiak 
Anders, aber meines Elrachtens nicht richtig, Setbb, a.B.0. S. 72. 



190 Meyer: 

Ebenso muTs es sich nun mit den Jahren der Zählung verhalten haben. 
Denn es ist ja klar, dafs, wenn sie auch den Königsjahren den Namen 
geben, doch ihr Termin nicht mit dem Königsnenjahr gewechselt haben 
kann, so dafs sie in einer Regierung in die Überschwemmung, in der 
anderen in die Ernte fiel, sondern dafs sie an die natürliche Jahreszeit 
gebunden war. Vermuthlich fiel sie in die Wintermonate (etwa Januar- 
Februar), zwischen Aussaat und Ernte, oder auch in die Zeit zwischen Ernte 
und Überschwemmung (Mai -Juni). Wenn ein Jahr als »Jahr der Zählung« 
bezeichnet wird, so bedeutet das, dafs in diesem zu dem bestimmten Termin 
eine Zählung stattfinden soll und das am Beginn des Jahres proclamirt 
worden ist. 

Unter der 2. Dynastie (Z. 4. 5 der Vs.), wo bürgerliche und Regie- 
rungsjalire zusammenfielen, bietet die Zähhmg in jedem zweiten Jahre keine 
Schwierigkelten. Anders liegt es auf der Rückseite unter der 5. Dynastie, 
vielleicht auch bei Snofru, bei dem wir über die Jahrzählung keinen An- 
halt haben. Hier kann es vorgekommen sein, dafs bei einem Thronwechsel 
die Zählungen scheinbar um 2 Jalire aus einander liegen, weil das un- 
vollständige letzte Königsjahr auf dem Stein als volles Jahr geschrieben 
ist, dafs aber in Wirklichkeit das Intervall doch nur ein bürgerliches Jahr 
beträgt, genau wie beim »Horusdienst« unter Dyn. i. 

Ein Anzeichen für das zwischen Königsjahr und Zählungsjahr be- 
stellende Verhältnifs bietet die Thatsache, dafs der Vermerk über die Zäh- 
lung (und ebenso die sonstigen eponymen Bezeichnungen des Jahres) durch- 
weg am Schlufs des betrefifenden Jahres stehen, hinter den Schenkungen 
des Königs und den sonstigen Ereignissen, auf der Rückseite in einer be- 
sonderen, durch einen Strich von dem Vorhergehenden getrennten Vertical- 
columne. Ähnlich ist es schon bei Snofru. Von dem ersten Jahr ist hier 
nur der Schlufs erhalten: »Geburt der beiden Kinder des Königs von Unt^r- 
ägypten«, die Jahresbezeichnung nach einem Fest, auf die ein Vermerk über 
die Zählung gefolgt sein kann. Das nächste Jahr enthält nur Angaben über 
einen Krieg gegen die Neger, Bauten und Schiffe, aber in den beiden fol- 
genden steht am Ende »7. (bez. 8.) Mal der Zählung.« Detaillirter ist die 
Rückseite.' In Z, 2 , unter Userkaf , bezeichnet der Rest des ersten Jahres 
dieses als »drittes Mal des Findens (?)«, worauf eine Angabe über die Zäh- 

^ In dem Rest von Z. i kommen entsprechende Angaben nicht vor. 



AegypHsche Chronologie. 191 

lung gefolgt sein wird. Beim nächsten Jahr folgt auf die Schenkungen 
des Königs eine besondere Colurane »Jahr des 3. Mals der Zählung des 
Rindviehs«. Ebenso in Z. 3 unter Sahure^^ »3. Mal des Findens (?) . ., Jahr 
nach dem 2. Mal -der Zählung«; und in Z. 5 unter Nefererkere^ »Jahr des 
5. Mals« sc. der Zählung. Beim Thronbesteigungsjahr dagegen stellen Z. i 
(Sepseskaf) und Z. 4 (Nefererkere^ die Angaben , nach denen das Jalir officiell 
benannt wird, »Vereinigung der beiden Lande, Umzug um die Mauer« 
voran — mit vollem Recht, denn sie gehören an den Neujahrstag des 
Königsjahrs. So deutlich wie möglich kommt also zum Ausdruck, dafs das 
■Finden« und die »Zählung« im Laufe des betreffenden Jahres stattfinden, 
dafs aber das Königsjahr mit diesem Znhlungsjahr gleichgesetzt wird. 

Nach diesen Analogien müssen nun auch die Angaben aus dem letzten 
Jahre des Sahure^ verstanden werden (Z. 4 der Rückseite). Auch hier stehen 
in dem erhaltenen Stück zunächst die Daten Ober die Schenkungen des Königs 
und die aus dem Mafkatlande (der Sinaihalbinsel) und Punt gebrachten Pro- 
ducte. Dann folgt in einem besonderen Streifen »Jahr nach dem 6. (oder 
7.) Mal der Zählung; 9 Monate 6 Tage«.' Mit Recht hebt Sethe* hervor, 
dafs diese beiden Angaben mit einander und mit den vorhergehenden 
zusammengehören, nicht etwa ein neues, unvollständiges Jahr hier auf 
engem Räume eingeschoben ist. Denn dann würde aus diesen 9 Monaten 
nichts berichtet, und überdies fehlte dem vorhergehenden (alsdann voll- 
ständigen) Jahre gegen die ständige Regel die Benennung nach der »Zäh- 
lung«. Es kann mithin nicht zweifelhafl sein, dafs das letzte Jahr Sa- 
hure^'s, in dessen 10. Monat er am 6. Paophi (s. oben) gestorben ist, das 
Jahr nach der 6. (7.) Zählung, und das vorhergehende, nicht erhaltene, das 
dieser Zählung selbst gewesen ist. Seine Königsjahre begannen am 6. Tybi 
(das wäre im Jahre 2670 am 25. October jul., sein Todestag am 6. Paophi 



' Die Zahl der Zählung ist leider nicht sicher. Zwar geben alle drei Copien Reste 
der Zeichen ^ ^t sep »nach dem Mal« und ebenso Reste von t^nut »Zählung«, aber als 

Zahl giebt Pelleorini .[ , Naville , was beides eher für 6 spricht. Schafer giebt nach 

BoRGHARDT im Tcxt '111 , hat aber die Lesung 6 selbst in seine Übersetzung aufgenounnen. 

Weiteres s. unten S. 194. — Über die Zahl der Monate und Tage s. oben S. 188,4. Wenn neben 

ihnen, wie Borchardt's Copie angiebt, das Zeichen \ steht, so kann das nur bedeuten, dafs 

dieses Jahr nur aus 9 Monaten bestanden hat 
* Beitr. S. 55. 73, i. 



192 Meyer: 

wäre der 27. Juli); in den folgenden Winter oder Frühling wird die 
»Zählung« gefallen sein. 

Im Turiner Papyrus läfst sich eine Zählung nach bürgerlichen Jahren 
nicht nachweisen, sondern die Regierungen sind, wie bei Manetho', nach 
Jahren, Monaten und Tagen gegeben, und die Summe mufs daraus zu- 
sammenaddirt werden. Die wenigen Stellen, wo lediglich volle Jahre an- 
gegeben sind, haben wir schon besprochen: zunächst bei den auf einander 
folgenden Königen Nebka, Zoser und Zoser-Atoti in Dyn. 2 — 3, sodann bei 
drei Königen der 6. Dynastie; und hier ist auch die Summe nur in vollen 
Jahren angegeben. Aber da die übrigen Könige dieser Dynastien Monate 
und Tage haben, müssen diese Ausnahmefalle durch geschichtliche Um- 
stände, Usurpationen, Nebenregierungen u. Ä., vielleicht gelegentlich auch 
durch einen Fehler in der Überlieferung erklärt werden.^ In vielen anderen 
Fällen reicht das Material zur Beurtheilung nicht aus, auch nicht bei Dyn. I2. 
Doch haben wenigstens die letzten Könige und ebenso die Summe auch hier 
Monate und Tage, und das Gleiche ist überall sonst der Fall, wo die 
Zahlen vollständig erhalten sind. So können wir mit Sicherheit behaupten, 
dafs der Papyrus und die officiellen Königslisten überhaupt inimer nur 
nach Königsjahren, mit überschüssigen Monaten und Tagen, gerechnet 
haben, wenn sie auch vielleicht im Einzelnen gelegentlich durch eine 
Rechnung nach bürgerlichen Jahren beeinflufst sind. 

Die Rückseite des Steins von Palermo (Dyn. 4. 5). 

Versuchen wir jetzt die Rückseite des Steins zu reconstruiren. Die 
unerweisbare Voraussetzung dabei ist, wie bei Sethe's Reconstruction (ab- 
gesehen von der Annahme, dafs die Jahrräume in den einzelnen Zeilen 
ungefähr gleich grofs waren), dafs die Zählung jedes zweite Jahr statt- 
gefunden hat. Auf mehr als eine gewisse Wahrscheinlichkeit können also 
die Ergebnisse niemals Anspruch erheben; immerhin aber geben sie ein 
Maximum, über das man bei der Reconstruction des Umfangs des Steins 
nicht wohl hinausgehen kann. 



^ Das zeigt Josephus, der die Monate noch ineist bewahrt hat, wahrend die Epitoine 
sie fast überall weggelassen oder auf volle Jahre abgerundet hat. 

' Vereinzelt mag es naturlich auch vorgekommen sein, dafs ein König wirklich an 
seinem Thronbesteigungstag gestorben ist. 



Aegyptische Chronologie. 193 

Nach dem vorher Ausgeführten ist nun klar, dafs wir nicht, wie es 
Sethe gethan hat, etwa das »5. Mal der Zählung« ohne Weiteres dem 10/ 
oder 9. Jahre des betreffenden Königs gleichsetzen können, sondern unter- 
suchen müssen, ob nicht ein regelmäfsiger Turnus von 2 Jahren durch- 
fuhrbar ist, unbekümmert um die Thronwechsel. Die in Betracht kom- 
menden Daten des Turiner Papyrus sind: 

[üserkaf] 7 Jahre x Monate 
[Sahure^] 1 2 Jahre x Monate 
[Nefererkere^^] nicht erhalten. 

Da die überschüssigen Monate auf dem Stein hier als besonderes Jahr ver- 
zeichnet sind, haben wir mithin für Userkaf 8, für Sahure^ 13 Jahresab- 
schnitte anzunehmen. Umgekehrt wäre im Papyrus für Sahure^ 1 2 Jahre 
9 Monate 6 Tage zu ergänzen. 

In Z. 4 steht der Rest des letzten , unvollständigen Jahres des Sahure^ 
9(?) Monate 6 Tage (S. 188, 4), vom 6./5. bis 6.J2, des ägyptischen Jahres, als 
»Jahr nach dem 6. oder 7. Mal der Zählung«. Das Thronbesteigungsjahr des 
Nefererkere^, von dem nur der Anfang erhalten ist, und das vom 7./2. bis 
6./2. lief, wäre also das erste Mal der Zählung \mter diesem König. In Z. 5 
ist der Schlufs des »Jahres des 5. Males* dieses Königs erhalten. Da- 
zwischen lägen also 7 Jahre (in., 2, 2n., 3, 3n., 4, 4n.), und das »Jahr 
des 5. Males« wäre das 9. Reglerungsjahr des Nefererkere^. Da die Grenz- 
linien zwischen den beiden Jahren in Z. 4 und Z. 5 (vor Jahr i und nach 
Jahr 5 d. Z.) fast genau zusammenfallen, würde die gesammte Breite des 
Steins 9 Jahre des Nefererkere^ umfassen, und uns wäre von derselben an 
dieser Stelle etwa \ (die Hälften von 2 Jahren) erhalten. 

In Z. 3 ist das »Jahr nach dem 2. Mal der Zählung« unter Sahure^ 
gröfstentheils erhalten. Bei seinem letzten Jahr in Z. 4 ist, wie schon er- 
wähnt (S. 191, i), die Lesung unsicher; das Jahr ist entweder das nach 
dem 6. oder das nach dem 7. Male. Zwischen beiden Zeilen fehlen also 
entweder 7 (3, 3n., 4, 4n., 5, 5n., 6) oder 9 (3 — 7 d. Z.) Jahre; in jenem 
Falle sind die Jahrräume etwas gröfser, in diesem etwas kleiner gewesen 
als zwischen Z. 4 und 5. 



^ Setbe hält für wahrscheinlich, dafs das nach der »Vereinigung der beiden Lande* 
benannte erste Jahr eines Königs niemals ein Zählungsjahr gewesen sei. 

Phäos.'histor.Ahh. 1904. L 25 



194 



Meter: 



Das letzte Jahr des Sahure^ war nach dem Papyrus sein 13. Regierungs- 
jahr. Lesen wir »Jahr nach dem 6. Mal«, so ist das »Jahr nach dem 2. Mal« 
in Z. 3 das 5. Jahr des Königs, das i. Mal sein zweites, und sein Thron- 
besteigungsjahr war ein Jahr nach der ZäJilung. Lesen wir »nach dem 
7. Mal«, so wäre das »Jahr nach dem 2. Mal« das 3. des Königs und seine 
Thronbesteigung würde dem Jahre nach der I.Zählung entsprechen. Das 
wäre nur dadurch zur Noth erklärbar, dafs Sahure^ die letzte Zählung 
unter Userkaf schon selbst veranstaltet hätte, etwa als Regent ftir den er- 
krankten Bruder, und nun von da an gleich weiter zählte. Aber wahr- 
scheinlich ist das nicht; und so bleibt nur eine von drei Annahmen: ent- 
weder es steht 6 auf dem Stein, oder es ist eine Störung in der regel- 
mäfsigen Folge der Zählungen eingetreten, oder, wozu man sich ungern 
entschliefsen wird, die Regierungszahl des Papyrus ist falsch. 

Bleiben wir bei der auch an sich wahrscheinlichsten Lesung »6«, so 
fehlen zwischen Z. 3 und 4: 7-}- Jahre. Ferner ist alsdann das Thronbestei- 
gungsjahr des Sahure^ ein Jahr nach der Zählung gewesen. Daraus folgt 
aber nicht mit Noth wendigkeit, dafs das überschüssige 8. Jahr Userkaf 's ein 
Zählungsjahr gewesen ist. Das Datum seiner Thronbesteigung kennen wir 
nicht. Nehmen wir an , er sei nach dem üblichen Zählungstermin zur Re- 
gierung gekommen, so würde vielmehr sein 8. Jahr ebensogut ein Jahr nach 
der Zählung sein, wie das erste seines Nachfolgers. Alsdann ergäbe sich: 



• 








er- 
















er- 








halten 














halten 


Userkaf Jahr i 


2 


3 


4 


' 5 


6 


7 


8 


Sahurec Jahn 

• 


2 


3 


4 


5 


I Z. 


n. iZ. 


2 Z. 


n. 2'1 


^. 3Z. 


n. 3Z. 


4Z. 


n. 4Z. 


n.Z. 


iZ. 


n. iZ. 


2Z. 


Q. 2 Z. 



Das 3. Mal der Zählung, das in Z. 2 erhalten ist, wäre also sein 
5. Jahr\ und das Intervall zwischen Z. 2 und 3 umfafste 7 Jahresabschnitte 
(obwohl nur 6 Jahre und 2 — 3 Monate). Anderenfalls ergiebt sich: 













er- 














er- 










halten 












halten 


Userkaf Jahr i 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


Saburec Jahn 


2 


3 


4 


5 


n.Z. 


I Z. 


n. iZ. 


2Z. 


n. 2Z. 


3Z. 


n. 3Z. 


4Z. 


n.Z. 


I Z. 


n. iZ. 


2Z. 


n. 2 Z. 



und das Intervall betrüge nur 6 Jahresabstände (= nahezu 6 Jahre). Die 
beiden Jahrräume in Z. 2 und Z. 3 decken sich völlig; die Breite des Steins 
würde also in jenem Falle an dieser Stelle durch 8, in diesem durch 



* Vorher gingen 3 Male des »Findens«. Auch bei Sabure^ (Z. 3) ist das »3. Mal des 
Findens« das »Jahr nach der 2. Zählung«. 



Aegyptische Chronohgie. 195 

7 Jahrraume umfafst, von denen uns } bez. ^ erhalten wäre. Da das er- 
haltene Stuck hier {mal so breit ist, wie bei Z. 4 auf 5, und die erhal- 
tenen beiden Jahre des Sahure^ deutlich breiter gewesen sind als die des 
Nefererkere^ \ wurden beide Annahmen möglich sein; doch ist die erstere 
(die Ergänzung auf 8 Jahrräume) wohl die wahrscheinlichere. 

Vor Userkaf liegt das Ende der 4. Dynastie, und hier giebt uns der 
Stein die werthvollsten Aufschlüsse. Erhalten ist in Z. i ein beträcht- 
liches Stück vom ersten Jahre Sepseskaf's. Nun werden die Jahrräume 
hier kleiner gewesen sein als in den folgenden Zeilen; aber trotzdem ist 
klar, dafs er nur wenige Jahre regiert haben kann, zumal in dem Inter- 
vall bis zum erhaltenen Stück von Z. 2 noch 4 (oder 5) Jahre Userkaf 's 
unterzubringen sind. Betrachten wir mit Manetho Sepseskaf als vorletz- 
ten König der Dynastie und geben ihm die 4 Jahre des Papyrus, so ist 
auf ihn noch Thamphthis mit 2 Jahren gefolgt, insgesammt also 6 Jahre 
nebst zweimal überschussigen Monaten"; in dem Intervall bis zu Z. 2 stän- 
den also (wenn wir das i . Jahr Sepseskaf's als erhalten abrechnen) 44-2? 
+ 4 Oders = 10 bis 12 Jahresabschnitte. Mehr können hier in der That 
nicht untergebracht werden. 

Nun geht dem i. Jahr Sepseskaf's ein Jahrraum vorher, der unbe- 
schrieben ist bis auf die am Schlufs stehende Angabe [x Monate]' 24 Tage. 
Das läfst meines Erachtens nur eine Erklärung zu: die Regierung, der 
sie angehören, galt als illegitim. Sie mufste zwar chronologisch verrechnet 
und deshalb ihre Jahre in der Jahrtafel verzeichnet werden ; aber sie blieben 
unausgefuUt, ihre Stiftungen und Thaten werden nicht verzeichnet. Es ist 
also König Bicheris, dem dieser leere Raum angehört. Das entspricht 
vollständig dem absoluten Schweigen der Denkmäler über diese Könige; 
andererseits aber erhalten die Folgerungen, die wir oben aus dem Papyrus 
und der Tafel von Sakkara, Manetho und Eratosthenes gezogen haben, 
hier die erwünschteste, fast zeitgenössische Bestätigung. 

Wir dürfen wohl annehmen, dafs die 4. Dynastie in der ersten Zeile 
erledigt war und die zweite mit dem ersten Jahre Userkaf 's begann. Als- 
dann würde sich folgende Vertheilung der Jahre ergeben (ich behalte die 



' Der Schreiber hat bei ihm die Zeichen weit enger zusammengedrängt; er sah offen- 
bar, dais er sonst mit dem Raum nicht reichen würde. 

' Es wäre denkbar, dafs diese z. B. bei Thamphthis nicht besonders verzeichnet waren. 
* Die obere H&lfte der Zeile ist abgebrochen. 

25* 



196 



Meyer: 



Richtung des Originals bei, von rechts nach links; das Erhaltene ist unter- 
strichen) : 

Thamphthis Sepseskaf Bicheris 

Z. I I 2 I I (5) 4 3 2 1 j ult. vacat 

Userkaf 
Z. 2, erhalten y . 8 7 6 5 4 



• • 



z. 3, 



Z.4, 



Z.5 ( 



S a ^1 u r e^ 

8 7 6 5_ 

Nefererkeref 
4 3 2 



4321 

Sahure<^ 

I I 13 12 II 10 9 



9 •) • 



Nefererkere^ 
10 9 87 65 



Völlig gleich an Länge können die Jahrräume weder bei dieser noch bei 
irgend einer anderen Vertheilung werden.* Immerhin aber ergiebt sich 
mit ziemlicher Sicherheit, dafs das erlialtene Stück l bis | der Breite des 
Steins einnahm, und dafs Sethe's Ansatz auf ~ jedenfalls zu niedrig ist. 
Wenn ich im Folgenden J , also das Mafs von Z. 4 (und 5 ?) zu Grunde 
lege, so bestimmt mich dazu aufser den der Vorderseite entnommenen Ju- 
dicien die Erwägung, dafs wir bei dem Ansatz auf { die Jahrräume in 
Z. 4 und 5 stark zusammendrängen mufsten, und dafs auch Z. i einen 
gröfseren Raum zu fordern scheint. Die Annahme, dafs die verlorenen Jahr- 
räume in Z. 2 und 3 namentlich in dem linken Stück, am Ende der Zeile, 
etwas gröfser waren als das in jeder Zeile erhaltene Jahr, scheint daher 
der Wahrheit am nächsten zu kommen. 

Im Übrigen spricht die von uns gewonnene Vertheilung der Jahre för 
sich selbst- Nach derselben hat die Mitte des Steins auf der Rückseite 
ungefähr am rechten Rande des erhaltenen Stucks gelegen. Das wird 
durch die Indicien der Vorderseite durchaus bestätigt. 



^ Davon kann sich Jeder leicht fiberzeiigen , wenn er die Jahresmafse der einzelnen 
Zeilen auf Linien unter einander eintragt; bei einem solchen rein mechanischen Verfahren 
ist niemals für alle Zeilen der gleiche Anfang zu erreichen. Was von Z. 4 erhalten ist, 
scheint ziemlich genau dem Umfang eines Jahres zu entsprechen, und dieses Stück ist am 
oberen Rande (108"" auf Sethk*s Zeichnung) etwas kleiner als der obere Rand von Z. 3 
(116"'"), der etwas mehr als ein Jahr umfafst (ein Jahr ist liier und in Z. 2 = iii""). 



Aegyptische Chronologie. 197 



Die drei ersten Dynastien. 

über der vierten Zeile der Vorderseite steht der Horusname des Ne- 
teren = Binothris, in Z. 5 wird die Geburt des Cha^sechemui erwähnt; diese 
beiden Zeilen gehören also der 2. Dynastie an*. Wir werden die erste also 
in Z. 2 und 3 zu suchen haben. Dafs die Jahreschronik des Steins mit 
Menes begonnen hat, ist zwar nicht positiv zu beweisen, aber im höchsten 
Grade wahrscheinlich. Zugleich zeigt sich, dafs Sethe's Annahme recht 
wahrscheinlich ist, dafs die beiden ersten Dynastien Manetho's je zwei 
Zeilen umfafsteu. Wenn der Turiner Papyrus diese Dynastieneintheilung 
nicht kennt, so haben wir doch gesehen, dafs der Einschnitt zwischen 
Dyn. I und 2 in den Judicien, welche die Königslisten bieten, deutlich 
zu erkennen, also wirklich historisch ist. 

In Z. 2 — 5 sind, wie oben (S. 182) erwähnt, die Jahrräume jedesmal 
gleich grofs. Um die Zahl der Jahre, die jede Zeile enthielt, annähernd zu 
ermitteln, haben wir nach Sethe's Vorgang davon auszugehen, dafs der 
obere Rand von Z. 4 der Vorderseite ziemlich genau ebenso grofs ist wie 
der obere Rand von Z. 3 der Rückseite'; das würde also etwa ^ der Ge- 
sammtbreite des Steins sein. Wir können dieses Stück daher als Normal- 
mafs für die Vorderseite verwerthen und ausmessen, wieviel Jahrräume 
in jeder Zeile auf dasselbe fallen; diese hätten wir dann mit 9 zu mul- 
tipliciren. 

Danach ergiebt sich: 

In Z. 2 enthält das Normalstück lO-J- Felder; Gesammtlänge loJXQ = 93 Felder 
»»3»» » 13» » 13 X9 =117 » 

» » 4 » » » 15 » » 15 X9 = 135 » 

»»5» » » 12 » » 12X9= 108 » 

Summe der Jahre in Z. 2 — 5 453 Felder 

In Z. 6 bilden die drei vollständig erhaltenen Jahre Snofru's nahezu 
■J des Normalmafses; es würden hier also etwa 40 Jahre gestanden haben. 



* Aach wenn Chafsechemui der erste i^onig der 3. Dynastie gewesen sein sollte, fällt 
seine Geburt naturlich noch unter die 2. Dynastie. 

* >£s sei hier darauf hingewiesen, dafs die beiden Tafeln bei Schäfer und daher 
auch iiier nicht genau im gleichen Mafsstab gegeben sind. Die Ruckseite ist in der Photo- 
graphie von Salinas etwas starker verkleinert als die Vorderseite,« Setue S. 43,1. 



198 Meyer: 

Indessen da die Jahrfelder ungleich grofs sind, und da sie namentlich zu 
Anfang, vorSnofru, beträchtlich kleiner gewesen sein werden, mögen leicht 
50 oder noch mehr Jahre in der Zeile gestanden haben. 

In der i. Zeile kommen auf das Normalmafs etwa 13-}- Könige; es 
können hier also über 1 20 Königsnamen gestanden haben. 

In der zweiten Zeile enthält gleich das zweite erhaltene Feld die über- 
schüssigen Monate einer Regierurig. Wenn sie Menes selbst angehören, 
so werden wir für diesen jedenfalls eine ziemlich lange Regierung anzu- 
setzen geneigt sein; sind es die letzten Jahre seines Nachfolgers, so würde 
die Zahl der rechts verlorenen Jahre noch gröfser. Auf dasselbe Ergebnifs 
fuhrt Z. 3. Hier steht in der Übersclirift zu Anfang der letzte Rest des 
Namens der Mutter des betreffenden Königs; da die Königsnamen über der 
Mitte der Regierungen angebracht waren (s. Z. 4), müssen mindestens etwa 
18 Jahre vorangegangen sein. Nun ist im 3. erhaltenen Jahre die Feier des 
Sedfestes verzeichnet; falls dies, was allerdings nicht sicher ist, in sein 
30. Jahr fiel, so wären 27 Jahre vorangegangen, und er hätte etwa 50 Jahre 
regiert, von denen das 28. — 41. (letzteres theilweise) erhalten wären. Den 
27 Jahren würden in Z. 2 etwa 22 entsprechen, mit den zwei hier erhaltenen 
also 24; das wäre für Menes vielleicht noch etwas wenig, so dafs wohl 
in Z. 3 noch eine Regierung vorangegangen sein dürfte. Vertheilen wir 
nach dem für die Rückseite angenommenen Schema, wonach (natürlich 
umgekehrt wie auf dieser) von den fehlenden Jahren die kleinere Hälfte, 
etwa ^, rechts, die gröfsere, etwa ^, links gestanden haben wurde, so 
erhalten wir (von rechts nach links gelesen): 





links 


erhalten 


rechts 




Z. 2 


46 


II 


36 


= 93 


z.3 


59 


13 (+i) 


45 


-117 


Z. 4 


68 


15' 


52 


= 135 


z.5 


55 


II 


42 


— 108 



Die in Z. 3 der erhaltenen vorangehende Regierung hätte also etwa 
1 8 Jahre umfafst, und in Z. 2 hätte Menes entweder allein oder mit seinem 
Nachfolger zusammen 37 Jahre 6 Monate 7 Tage regiert. Der folgende König 
(dem mindestens etwa 23 Jahre zuzuweisen wären, da über den erhaltenen 
9 Jahren von seinem Namen nichts steht) wäre der 2. oder 3. der Dynastie, 



* Genauer -j- 4- 14 + •)-. 



Aegyptische Chronologie. 199 

am Ende würden für einen oder zwei Nachfolger noch höchstens 32 Jahre 
bleiben. — In Z. 3 wäre der erhaltene König der 2., und für seinen Vorgänger 
blieben 1 8 Jahre, für seine Nachfolger etwa 49 Jahre. So unsicher das Alles 
im Einzelnen ist, so giebt es doch wenigstens ein ungefähres Bild, wie 
wir uns die Vertheilung der Regierungen zu denken haben. 

Sethe* hat nun vermuthet, dafs der erhaltene König in Z. 3 Miebis 

sei. Er ergänzt den erhaltenen Namensrest der Mutter zu [^cik *"«;3l] Jw 

Meritneit, dem Namen der Mutter des Miebis (oben S. 131), und macht darauf 
aufmerksam, dafs wie auf dem Stein der »Horusdienst« unter dieser Re- 
gierung nicht vorkommt, er auch in den Inschriften des Miebis nicht er- 
scheint, während er sich bei seinem Vorgänger Usaphais und seinen Nach- 
folgern ^ = Semempses? und Qa^-Sem auf Gedenktäfelchen findet. Aller- 
dings kennen wir von Miebis sonst kein Sedfest — das Argumentum a 
silentio kann hier jedoch nichts beweisen — , wohl aber von den drei ge- 
nannten Königen, während es nach unserer Reconstruction unmöglich ist, 
dafs der Vorgänger und die beiden Nachfolger des Königs von Z. 3 jeder 
über 30 Jahre regiert hätten. Indessen sicher ist es ja durchaus nicht, dafs 
das Sedfest immer in das 30. Jahr fiel; wenn Sethe's Vermuthung, dafs die 
Jahre von der Ernennung zum Kronprinzen an gezählt wurden, richtig sein 
sollte, so liefse sich diese Schwierigkeit leicht heben. Schliefelich bemerke 
ich noch, dafs die Lebensjahre des Turiner Papyrus für Miebis (73 Jahre) 
und seine Nachfolger (72 und 63 Jahre, letzterer heifst allerdings hier Qebhu) 
zu den obigen Annahmen ganz wohl stimmen würden. 

Wir können also mit Wahrscheinlichkeit annehmen, dafs in Z. 2 die 
ersten 4, in Z. 3 die letzten 4 Könige der i. Dynastie standen ^ und zwar 
da, wo die Listen von einander abweichen, in der Folge, welche sich aus 
den Funden von Abydos ergiebt. — 

In Z. 4 hat der Verfasser der Inschrift eine sehr grofse Zahl von Jahren 
untergebracht. Die erhaltenen 15 Jahre stammen vom 3. bis 10. Mal der 
Zählung, die regelmäfsig jedes 2. Jahr erfolgt; voran gingen also 4 oder 
5 Jahre, und die vollständig erhaltenen reichen bis zum 19. oder 20. Über 
dem 16. oder 17. (nach der 8. Zählung) beginnt in der Überschrift der Name 



^ Beitr. S. 47. 

* Aus dieser Vertheilung erklärt sich dano die verschiedene Breite der Jahrräume in 
jeder der beiden Zeilen. 



200 Meteb: 



des Neteren = Binothris 




1 

MM 

nn 



^X A/^'^w^ »Horus Neteren Sohn^ der 

Nub . . .« ; danach hat seine Regierung etwa 38 Jahre umfafst (Lebensalter 
nach dem Turiner Papyrus 95 Jahre). Er war nach den Listen der 3. König 
der 2. Dynastie; voran gingen etwa 47 oder 48 Jahre für die beiden ersten 
Könige, am Schlufs bleiben 50 filr vermuthlich zwei Nachfolger. 

Z. 5 hat weniger Jahre umfafst als die vorhergehende. Erhalten sind 
Stucke von zwei Regierungen. Die erste umfafst, aufser 2 überschüssigen 
Monaten 23 Tagen, 6 Jahre, von denen i. 3. 5 Jahre des 6. — 8. Mals der 
Zählung sind; vorher gingen also 10 oder 11 Jahre, und der König hat 
16 oder 17 Jahre 2 Monate 23 Tage, gerechnet nach bürgerlichen Jahren*^, 
regiert. Für seinen oder seine Vorgänger bleiben 31 oder 32 Jahre. Von 
seinem Nachfolger sind 5 Jahre erhalten, in denen eine Zählung nicht vor- 
kommt; im Ganzen verbleiben von ihm an 60 Jahre, 

Zu einer weiteren Vermuthung, um welche Könige es sich handelt, 
reicht unser Material um so weniger aus, da die Königslisten in der 2. Dy- 
nastie nicht nur unter einander abweichen, sondern auch mit den Denk- 
mälern absolut nicht übereinstimmen. Dafs, abweichend vom Turin er Papy- 
rus, der Palermostein mit den Denkmälern ging, zeigt die Erwähnung der 
»Geburt des Cha^sechemui« im drittletzten Jahre des ersten der beiden 
erhaltenen Könige.' Wir haben Ihn aus den Denkmälern als den letzten 
König der 2. (oder ersten der 3.) Dynastie und unmittelbaren Vorgänger des 
Zoser kennen gelernt. War er der letzte König, der in Z. 5 vorkam, so 
ist er etwa 63 Jahre alt geworden. Natürlich könnte er auch jünger ge- 
storben sein, wie die letzten Könige der Dyn. 2 im Papyrus (20 -f- x Jahre, 
34 Jahre, 40 + x Jahre, beim letzten ist das Alter nicht verzeichnet). Dann 
hätte in Z. 5 noch sein Nachfolger, Zoser, gestanden, der nach dem Papyrus 
19 Jahre regierte, und Cha^sechemui wäre nur 44 Jahre alt geworden. 

Die Notiz über Cha^sechemui's Geburt beweist zugleich , dafe wir das 
erhaltene Bruchstück in keinem Falle weiter nach links rücken dürfen. 
Denn in der nächsten Zeile erscheint bereits Snofru, und zwar mit dem 

' So erklärt Sethk das unbekannte Wort m. 

* Siehe oben S. 188. 

' Das ist zugleich ein Beweis, dafs der Stein hier nicht nur eine Liste der ofüciellen 
Jahrnamen, sondern eine wirkliche Chronik geben will (trotz Sethb S. yof.). — Da solche 
Geburtsangaben verzeichnet waren, können die Altersangaben des Turiner Papyrus für die 
ersten Dynastien sehr wohl historisch sein. 



Aegyptische Chronologie. 201 

7. und 8. Mal der Zählung. Da dieselbe unter ihm unregeltnäfsig erfolgte, 
bietet das keinen genauen Anhalt; immerhin aber werden mindestens un- 
gefähr 8 — 10 Jahre von ihm verloren sein. Es können in Z. 6 also immer 
nur wenige Jahre seines oder seiner Vorgänger gestanden haben; wir müssen 
aber versuchen , das Intervall zwischen Cha^sechemui und Snofru so grofs 
zu machen wie möglich, und daher das Jahr seiner Geburt in Z. 5 so weit 
wie möglich nach rechts zu schieben versuchen. Da nun eine weitere Ver- 
rückung des Fragments über die Mitte hinaus sowohl durch die Ruckseite 
wie durch die aus Z. 2 und 3 der Vorderseite entnommenen Erwägungen 
ausgesclilossen ist, so ergiebt sich, dafs die von uns angenommene Lage 
im Wesentlichen richtig sein wird. 

Die vielleicht auffälligste Thatsache aber, die der Stein gelehrt hat, 
ist das Fehlen der 3. Dynastie. Von den Jahren des Steines gehört keins 
ihr an ; in Z. 5 sind wir noch in Dyn. 2 , geraume Zeit vor ihrem Ende, 
in Z. 6 schon inmitten der Regierung Snofru's. Es sieht fast so aus, als 
ob der Stein sie Oberhaupt übergangen hat. Zu dieser Annahme wird man 
sich freilich schwer entschliefsen ; aber auch wenn wir sie zu Ende von 
Z. 5 und Anfang von Z. 6 unterbringen, schrumpft sie jedenfalls auf 
wenige Jahre zusammen.^ Das steht in stärkstem Contrast zu den Listen 
und Zahlen des Manetho und p]ratosthenes, stimmt aber auf's Beste dazu, 
dafs die Königstafeln wie der Papyrus hier nur 4, im Einzelnen von ein- 
ander abweichende Namen bieten und die 4 Könige des Papyrus zusammen 
nur 55 Jahre regiert haben. Der Palermostein bietet uns jetzt dafür eine 
Bestätigung, die mehr als ein Jahrtausend älter ist, nur dafs bei ihm die 
Zahl der Jahre vielleicht noch weiter verkürzt werden mufs. Die Abwei- 
chungen werden sich in der That nur bei der Annahme erklären lassen, 
dafs in dieser Zeit die Einheit des Reiches mehrfach völlig zersprengt ge- 
wesen ist. 

Die Tragweite dieser Thatsache reicht aber nodi weiter: sie bietet 
ein völlig gesichertes Analogon zu unseren Ergebnissen für die Zeit von 



* Stand Zoser noch in Z. 5 , so hätten wir nach den Zahlen des Turiner Papyinis in 
Z. 6 vor Snofi'ii immer noch 36 Jalire unterzubringen. Dazu reicht der Raum selbst dann 
kaum aus, wenn wir annelimen, dafs sie so schmal waren wie in Z. 4. — Ich bemerke 
noch, dafs sich das Ergebnifs fin* Dyn. 3 nicht wesentlich ändert, auch wenn man mit 
►Sethe die Breite des Steins gröfser schätzt, als ich für möglich halte. Dafs er Snofru noch 
zu Dyn. 3 rechnet (oben S. 146, i), ändert vollends an der Sache garnichts. 

Philos.-kütor.Abli. 1904. L 26 



202 Meyer; 

^y^' 7 — i^ und von Dyn. 13 — 17. Wenn wir das Intervall zwischen den 
letzten Thiniten und den ersten Königen des Alten Reiches (Snofru und 
seinen Nachfolgern) von 214 Jahren Manetho's auf den vierten Theil, 
55 Jahre [oder noch weniger] zu reduciren haben, so kann die Autorität Ma- 
netho's kein Hindernifs sein, das Intervall zwischen dem Alten und dem 
Mittleren "Reich (Ende der Dyn. 6 bis auf Amenemhet I.) von 783 Jahren 
auf rund 360 Jahre, und das zwischen dem Mittleren und Neuen Reich 
(Ende von Dyn. 12 bis auf Amosis) von 1590 Jahren auf rund 210 Jahre 
zu reduciren. 

Sethe hat bei der Reconstruction der Vorderseite die manethonischen 
Zahlen für Dyn. i und 2 (253 Jahre = Z. 2. 3; 302 Jahre = Z. 4. 5) zu 
Grunde gelegt, d.h. dieselben da för historisch genommen, wo wir keine 
directe Controle für sie besitzen, während sie sich überall als unhaltbar 
erwiesen haben, wo uns authentische Zeugnisse zu Gebote stehn. Dafs 
diese Zahlen eine beträchtlich zu grofse Breite des Steines (lO-J-mal das 
erhaltene Fragment) voraussetzen, haben wir gesehen. Bei unserer Recon- 
struction erhalten wir 

Z. 2 + 3, d. i. wahrscheinlich Dyn. i = 93 + 1 17 = 210 Jahre 
Z. 4 + 5, » » Dyn. 2 =^ 135 + 10 8 = 243 » 

453 Jahre 

In der Zahl für Dyn. 2 sind vielleicht noch die 19 Jahre Zoser's aus 
Dyn. 3 mit enthalten, so dafs Dyn. 2 auf 224, die Summe von Dyn. i und 
2 auf 434 Jahrräume anzusetzen wäre. Für Dyn. 3 würden dann in Z. 6 
im Maximum noch etwa 30 Jahre hinzukommen, insgesammt fiir die Zeit 
von Menes bis auf Snofru's Antritt höchstens* 480 Jahre. 

Oben S. 177 haben sich uns nach dem Turiner Papyrus ergeben 

für Dyn. I. 2 zusammen etwa 420 Jahre 
» Dyn. 3 » 55 Jahre x Monate 

Summa Dyn. i — 3 475 Jahre 

Wie man sieht, stimmen diese Ergebnisse so genau wie nur möglich. 

Ich bin nun weit entfernt, die fast völlige Übereinstimmung für mehr 

als einen Zufall zu halten ; beruht doch unsere Berechnung der Jahre des 



^ Es ist zu berücksichtigen, dafs wenigstens unter Dyn. i die überschüssigen Monate 
als volle Jahre verzeichnet waren. 



Aegyptische Chronologie, 203 

Steins auf der Ansetzung des erhaltenen Stücks genau auf ein Neuntel, 
was gewifs nicht absolut richtig ist. Aber dafs wir auf dem richtigen 
Wege sind, beweist die Übereinstimmung allerdings. Ich glaube daher, 
dafs man die von uns gewonnenen Zahlen für die ersten Dynastien bis auf 
einen Spielraum von ein paar Jahrzehnten als historisch richtig wird be- 
trachten dürfen; und das ist Alles, was wir bei den uns zu Gebote stehen- 
den Mitteln billigerweise verlangen dürfen. 



Die Vorgänger des Menes. 

Die erste Zeile der Vorderseite enthält in dem erhaltenen Stück die 
Namen von unterägyptischen Königen — als solche sind sie durch das 

ständig darunterstehende Determinativ m charakterisirt, während hinter 

dem Namen des Binothris in Z. 4 ein König mit der Doppelkrone sitzt. 
Sethe hält diese Könige für die Semsu Hör, die »Horusdiener«, die den 
N^Kvec Manetho's entsprechen und unmittelbar vor Menes regiert haben; 
er nimmt an, dafs ihnen eine gleichartige Liste der oberägyptischen Könige 
vorangegangen sei*, dafs also hier nach unserer Ausdrucks weise Listen der 
Könige der beiden Sonderreiche vorlägen. 

Im Allgemeinen ist das ja gewifs richtig; aber in dieser Fassung kann 
ich doch nicht zustimmen, zumal nach unserer Reconstruction die erhaltenen 
Namen noch auf der rechten (nicht wie Sethe annahm auf der linken) 
Hälfte des Steins stehen, die Oberägy|)ter also folgen würden; und an 
eine Reihe von 120 unterägyptischen Königen wird man auch nicht recht 
glauben. tJberdies aber halte ich es für undenkbar, dafs eine ägyptische 
Chronik jemals mit etwas Anderem begonnen hat als mit den Göttern. 
Es werden in der ersten Zeile die Herrscher der Urzeit genau so gestanden 
haben, wie wir sie in den Gi*undzügen übereinstimmend im Turiner Pa- 
pyrus und bei Manetho gefunden haben. Auf die Götterdynastien folgten 
bei beiden, wie wir sahen (S. 1 19 ff.), eine ganze Anzahl irdischer, und dann 
erst die Semsu Hör. Unter diesen menschlichen Herrschern erscheinen im 
Papyrus 19 aus Memphis und 19 ehrwürdige (Herrscher) aus dem Nord- 
land, bei Manetho 30 Memphiten. Diese Könige werden die auf dem er- 



^ Schafer in seiner Ausgabe S. 14 bezweifelt das. 

26* 




204 Meyer: 

haltenen Stück des Steins verzeichneten sein; auf sie sind dann links die 
Semsu Hör gefolgt, von denen leider nichts erhalten ist. 

Im Einzelnen ist begreiflicherweise eine Übereinstimmung zwischen 
den weit späteren Angaben des Papyrus und gar Manetho's und denen 
des Steins nicht möglich; auf diesem Gebiete wird Willkür und Phantasie 
früh viele Variationen erzeugt haben. Auch wäre es möglich, dafs die 
ersten der 7 im Papyrus zwischen den Göttern und den Semsu Hör ge- 
nannten Dynastien auch auf dem Stein nicht mit Namen, sondern nur als 
Dynastien aufgezählt waren. Alles was wir sagen können, ist, dafs den 
erhaltenen 9 Namen etwa 48 gleich grofse Felder vorangegangen sind, von 
denen gut die Hälfte den Göttern angehört haben wird, und dafs etwa 
64 gefolgt sind. 

Die erhaltenen Namen der unterägyptischen Könige sind in Schreibung 
und Gestalt ungefähr ebenso archaisch wie die der Thiniten von Abydos; 
daher ist es meist recht zweifelhaft, wie sie auszusprechen sind. Aber 
nach Erfindung sehen sie nicht aus, vielmehr möchte ich glauben, dafs 
hier wirklich noch historische Kunde zu Grunde liegt, wenn ich damit auch 
für die Folge der Herrscher und fiir die Zeit, in die sie gesetzt werden, 
und gar für die Jahre, die ihnen und ihren Nachfolgern vom Papyrus zu- 
gewiesen werden (ihre Nachfolger, die Semsu Hör, erhalten hier 13420 
Jahre!), in keiner Weise eintreten will. 

Bezeichnend aber ist, dafs uns auch hier wieder Unterägypten in 
derselben Weise dominirend für die älteste Geschichte und Cultur des Nil- 
thals entgegentritt wie beim Kalender. Die herrschende, bisher auch von 
mir vertretene Anschauung, die ihren Ausgang in Oberägypten sucht, und 
die ihre Stütze theils in dem Umstand hat, dafs uns hier allein Denkmäler 
erhalten sind, theils in dem Vorrang der oberägyptischen Krone vor der 
des Nordens , dürfte kaum noch zu halten sein. Vielmehr wird der Vor- 
rang des Titels des Südens und der weilsen Krone erst durch ein rein 
geschichtliches Ereignifs geschaffen sein, durch die Eroberung des Nord- 
landes durch die Könige der Thinitendynastie und die »Vereinigung der 
beiden Lande« durch Menes. 



Aegyptische Chronologie, 



205 



Anhang. 



Die letzten elf Dynastien nach Manetho. 

Um den Benutzern dieser Arbeit das manethonische Material vollständig 
vorzulegen, gebe ich hier noch einen t^berblick der t^berreste des dritten 
Tomos, dem ich nur die nothwendigsten kritischen Bemerkungen hinzu- 
gefügt habe.* Ein näheres Eingehen auf diese Zeit wurde viel zu weit 
fuhren und liegt gänzlich aufserhalb des Zwecks dieser Untersuchungen. 



Africanus. 

Dyn. 20. 12 Diospoliten 135 Jahre 
Dyn. 21. 7 Taniten 

I. Cmcnai^c 26 Jahre 

2. YOYC^NNHC . . . • . 46 » 

3. N€4>eAxepi^c 4 » 

4. AM€N(i)*eic 9 » 

5. ""Ogoxcöp 6 » 

6. YiNAxfic 9 » 

7. Yoyc€nnAc 14 • 



26 Jahre 

41 • 



Eusebius. 
Dyn. 20. 12 Diospoliten 178 Jahre^ 
Dyn. 21. 7 Taniten 
I. Cmcnaic 

2. YOYC^NNHC .... 

3. Ne*€Pxep»^c .... 

4. "ÄMeNwoefc' .... 

5. "'OcOXdbP 

6. YlNÄXHC 

7. YOYC^NNHC .... 



4 

9 
6 

9 

35 



Sa. I 



Sa. 1 30 Jahre. 

[Die Posten bei Africanus ergeben 114 Jahre ; wahrscheinlich 
Eusebius bei 2. und 7. die richtigen Zahlen.] 



30 Jahre, 
hat also 



Dyn. 


22. 


9 Bubastiten 






Dyn. 22. 3 Bul 




I. 


Ceccürxic . . . . 


. 21 


Jahre 


I. Cec6rxü)cic 




2. 


''OcopeiN . . . < 


• 15 


» 


2. ''Ocopec&N* 


3- 


-5- 


Xaaoi TPeTc . . . 


• 25 


» 






6. 


TAK^AWeiC . . . 


• 13 


« 


3. Tak^awoic 


7- 


-9- 


Xaaoi TpeTc . . . 


. 42 


» 





2 1 Jahre 
15 • 

13 » 



Sa. 120 Jahre. 
[Die Posten ergeben 116 Jahre.] 



Sa. 49 Jahre. 



^ Unwesentliche Varianten sind auch hier übergangen. Auch die Liste des Sothis- 
buchs, deren Konige 62 — 86 aus Eusebius* Liste von Dyn. 21 — 26 geschöpft sind, mit argen 
Verdrehungen (für Smendes ist Nr. 62 Coycak6IM eingesetzt), braucht nicht mit aufgefCihrt 
zu werden. ^ So Sync. und Kanon\ Arm. 172. 

■ AAW€N<ö<i>eic cod. B und Hieronymus. * Osorth6s Arm. 



206 



Meyer: 



Africanus. 
Dyn. 23. 4 Taniten 

1. TTeTOYBÄTHc 40 J, [Olymp. 1] 

2. ■'Ocopxö . . 8 » [ÖN ""Hpaka^a 

AirrnTioi kaao9ci] 

3. Yammo9c . . 10 J. 



Eusebius. 
Dyn. 23. 3 Taniten 
I. TTeTOYBÄcTic 25 J. 

2. ''OcOPe(bN . . 9 » [bN'"HPAKA6A 

AirvnTioi ^KÄAecAN] 
3. YammoVc^ . 10 J. 



4. IAt 



31 



Sa. 89 J. 

Dyn. 24. Böxxopic^ CaIthc . . . 6 J. 

{i^^ 0? Xpnion Öoe^riATo. 

^TH "^X [990 J.]) 

Dyn. 25. 3 Aethiopen 

1 . Cabäkwn . 8 J. [öc aixmAawton 

BÖXXOPIN feAWN ^KAYCe IÖNTa] 

2. Ceeixcbc Yi6c 14J. 

3. Täpkoc . . 18 » 



Sa. 40 J. 



Dyn. 26. 9 Saiten 



I. 


CTeOINÄTHC . . , 


, 7J. 


2. 


NexeYcic . . . . 


. 6 . 


3- 


NexAÖ 


. 8 » 


4- 


Yammi^tixoc . . , 


■ 54 » 


5- 


NeXAÖ A€^T€POC . 


. 6 . 


6. 


YÄMMOYeic ejepoc 


: 6 . 



7. O^AOPIC 19 » 

8. "TVmwcic 44 ■ 

9. YAMwexepiTHc . . — » 6 M. 

Sa. 1 50 J. 6 M. 



Herc 


Klot. 


Yammi^tixoc 


54 J- 


NeKöc . . . 


16 » 


Yämmic . . 


6 . 


"AnpiMC . . 


25 » 


'Amacic . . . 


44 » 


Yammi^nitoc 





Sa. 44 J. 
Dyn. 24. Böxxopic' Caithc . . 44J. 

(Ö*"' OY Xpnion ^4)e6riATO). 

Dyn. 25.' 3 Aethiopen 
I. CabAkü)n . . 12 J. 
[derselbe Zusatz] 

2. CeBIX(j}C Y^ÖC I 2 J. 

3. Tapaköc . . 20 » 

Sa. 44 J. 

Dyn. 26. 9 Saiten 

1. Amm^pic* AteioY. 12J.' 

2. CTeoiNÄetc ... 7 

3. NexeYC&c .... 6 

4. NexAö 8 

5. Yammi^tixoc . . 44 

6. NeXAÖ A€^T€P0C' 6 

7. YAMMO^eicfe'T€POC 

Ö ka] Yammi^tixoc 17 

8. O^AOPHc .... 25 

9. "^Amwcic 42 



6 



8 

8 



6M. 



Sa. 167 J.' 



* ÄÄ cod. B, ' Phramus Arm. ' So cod. B. bei Afr. und Eus.; andere codd. 

BöxxcoPic Hieron. giebt ihm 46 Jahre. * Ameres Arm. ^ So Sync. und der Kanon; 

Arm. 18 Jahre. • So Arm. und der Kanon; St/nc. 45 Jahre. ' qui et Necepsos 

add. Hieron, ^ Hieronymus giebt abweichend vom armen. Kanon dem Psammuthes 12, 

Vafres 30 Jahre. • So Arm. ; Si/nc. Pif . 



Aegyptische Chronologie. 207 

Zu Nechao II. habea beide den aus dem Alten Testament entnommenen 
Zusatz o?Toc gTag t^n ■'Upovcaa^m kai ""IwAxai tön bacia^a AtxMÄAWTON efc ATrvnTON 
XnArAre, ebenso zu Uaphres $ npoc^ovroN Xao^chc 'v'nö Accypiwn (sie!) "'Ihpoy- 
cAAi^M ot TÖN loYAAiwN ^nÖAOinoi. Auch soust tritt überall deutlich hervor, 
dafs Eusebius nur eine verschlechterte Bearbeitung der bei Africanus vor- 
liegenden Liste giebt, vor Allem bei Dyn. 22 und 23. Aber er hat manches 
brauchbare Gut bewahrt, vor Allem den Aethiopen Ammeres zu Anfang 
von Dyn. 26 (= Tanuatamon). ^ YÄMMoveic fe'Tepoc bei Africanus erklärt sich 
nur durch den Zus^atz bei Eusebius h kai Yamm»^tixoc; correct müfste der 
Text lauten Yammi^tixoc fe'TePoc ö ka] YAMMoveic. Ferner ist es chronographisch 
ganz richtig, dafe die sechsmonatliche Regierung des Psammecherites 
(= Psammetich III.) bei Eusebius nicht aufgenommen ist, weder in der 
Liste noch im Kanon. Dafs Bocchoris bei Eusebius 44 Jahre hat, statt 
sechs bei Africanus, enthält gewifs auch ein geschichtliches Element, obwohl 
zu beachten ist, dafs bei Eusebius die Dynastien 23. 24. 25 alle drei die 
Summe 44 erhalten. Die abweichenden Zahlen bei 21, 2. 7 stimmen zu der 
von Africanus und Eusebius gleichmäfsig gegebenen Summe von 1 30 Jahren, 
werden also wohl richtig sein^; über die Varianten bei 23, 1.2, 25, i — 3 
läfet sich eine sichere Entscheidung nicht treffen. 

Über die folgenden Dynastien vergl. meine Forschungen II, 48 7 f. 
490flf. Auf Manetho wird der bei beiden erhaltene Eingangssatz zurück- 
gehen Kamb^chc ^Tei n^MHTtj)^ thc feAYTO? BAciAGiAc nepcöN (= 525 V. Chr.) 
^BAciA€YceN AirvnTOY. Eusebius läfst ihn dann drei, Africanus sechs Jahre 
über Aegypten regieren; richtiger würden vier Jahre sein (525 — 522). 
Im Übrigen hat Eusebius seine eigene Liste der Perserkönige eingesetzt, 
während Africanus in die manethonische Liste die ephemeren Zwischen- 
regierungen (darunter den erfundenen König Artabanos, den Vezir und 
Mörder des Xerxes) eingefügt hat. Auf Manetho selbst dürfte nur zurück- 
gehen, was im Folgenden nicht eingeklammert ist. Bei den einheimischen 
Dynastien hat Eusebius als 29, 4 einen König Muthes, der wohl ein Usur- 



^ Aus Eusebius hat ihn auch das Sothisbuch an richtiger Stelle Nr. 78, Sync. p. 360 
(verschrieben AmaAc, mit 38 Jahren). 

* Anders Gelzer, Afr. I, 204, dessen Argumentation ich aber nicht für richtig halten 
kann (vergl. oben S. 99, 2). 

' Arm, XV. Can. arm. sexto, Hieron. quinto. 



208 



Meyer: 



pator gewesen ist, der ehronographisch so wenig mit verrechnet werden 
darf* wie die vier Monate des Nepherites IL (Dyn. 29, 4 bez. 5). 



Africanus. 
Dyn. 27. 8 Perser 

1. Kamb^chc [^]J- 

2. AarsToc ""YcTÄcnoY . 36 » 

3. I^PIHC b M^rAC ... 21 » 



Eusebius. 
Dyn. 27. 8 Perser 

1. Kamb^chc 3 J. 

2. MAroi — » 7 M. 

3. AapgToc 36 » 



[4. AptAbanoc 



» 7 M.] 4. i^PiHC Ö Aareioy . . 21 ■ 



5. ÄPTAi^PIHC 41 » 

[6. i^P5HC ^ — 

[7. CorAIANÖC — 



5. "'Aptase^pihc 40 » 

» 2 » ] 6. I6P5HC b Ae^T€POC . . » 2 » 

» 7 » ] 7. COTAIANÖC » 7 » 



8. AapeToc i^pioY [sie!] 19 » 



8. AAPeTocö I6piOY[sic!] 19 » 



Sa. 124 J. 4M. 



Dyn. 28. Am^ptgoc CaIthc 6 J. 
Dyn. 29. 4 Mendesier 

1. NeoepiTHc .... 6 J. 

2. ■'Axwpic 13 » 

3. YAwoYeic I » 

4. NeoopiTHc .... — » 



4M. 



Sa. 120 J. 4 M. 

Dyn. 28. AmyptaToc CaIthc 6 J. 
Dyn. 29. 4 Mendesier 

1. NeoepiTHc 6 J. 

2. ^Axwpic 13 » ^ 

3. Yammo^ohc .... I » 
Mo^^'eHc^ I » 

4. NeoepiTHc .... — » 4 M. 



Sa. 20 J. 4 M. 



Sa 



2 1 J. 4M. 



Dyn. 30. 3 Sebennyten 

1. NeKTAN^BHc .... 18 J. 

2. Teci)c 2 » 

3. NeKTANGBÖC. ... 18 » 



Dyn. 30. 3 Sebennyten 

1. NeKTAN^Bic* 10 J. Kanon 18 J. 

2. Teci)c ... 2 » 

3. NeKTANeBÖc 8 » Kanon 18 » 

Sa. 20 J. 



Sa. 38 J. 

Die abweichenden Zahlen fiir Dyn. 30 im Text des J]usebius beruhen 
offenbar nur auf Schreibfehlern. 



' In der Summirung ist er bei Eusebius mitgezählt, aber in der Angabe, dafs die 
Dynastie aus vier Königen bestanden habe, nicht. — Dyn. 28 — 30 finden sich auch Sync. 
p. 488, mit manchen Feiilern. 

' Im Kanon 12 Jahre, ebenso die Series Regum des Armeniers und des Hieronyiniis. 
Erstere rechnet Muthes mit, letztere und der Kanon nicht. 

' An dieser Stelle beim Armenier, bei Sync. als fünfter König nach Nepherites IL 

* So cod. A und Arm., die übrigen NeKTAN^BHC. 



Aegyptische Chronologie. 209 

Dafs Manetho nur 30 Dynastien gekannt und mit der Eroberung 
Aegyptens durch Oclios geschlossen hat, ist sicher.* Daher bemerkt 
Eusebius im Kanon [II, p. 1 12. 1 13] zum letzten Jahre des Nektanebos IL: 
Ochus Aegyptum tenuit, Nectanebo in Aethiopiam pulso, in quo Aegyp- 
tioinim regnum destructum est. Dazu hat Hieronymus noch die vom 
Armenier ausgelassenen Worte: liuc usque Manethos. Aber um die Con- 
tinuitat herzustellen, hat die Epitome noch eine 31. Dynastie angefiigt, 
vielleicht mit Benutzung von Material, das Manetho selbst gegeben hat. 
Die Eingangsworte (Eus. arm. I, 149; Sync. p. 145 = 146) ""flxoc efKocTö 
eiei Tflc feAYTO? BACiAGiAC TTepcöN (340 V.Chr.) ^BAciAevceN Air^njov, die genau 
der Angabe über Kambyses entsprechen, werden noch aus Manetho stammen. 
Jedenfalls hat dieser als letztes (18.) Jahr des Nektanebos das Jahr 17. Nov. 
342 bis 15. Nov. 341 gerechnet. Das mag das Jahr seines Todes (odeiv seiner 
Flucht nach Aethiopien) gewesen sein; denn in Wirklichkeit fällt die Eroberung 
Aegyptens durch Ochos ein oder zwei Jahre früher, Sommer 343 oder 342. 

Die Zahlen der 3 1 . Dynastie hat Eusebius wieder aus seiner persischen 
Königsliste genommen, während Africanus' Zahlen vielleicht auf Manetho 
selbst zurückgehen.^ Sie lauten: 

Africanus. Eusebius. 

Dyn. 31. 3 Perser Dyn. 31. 3 Perser 

1. '*Xlxoc 2 J. I. '^ilxoc 6 J. 

2. Apcflc 3» 2. "^Apchc "^flxoY 4 » 

3. AAPeToc 4 » 3. AAPeToc 6 » 

Die Summe (9 Jahre Africanus, 16 Jahre Eusebius) fehlt bei beiden, 

ein weiterer Beweis, dafs die ganze Dynastie secundär ist. 

Auf die 3 1 . Dynastie folgt bei Africanus die Summe des dritten Tomos 
und die SchlufsformeP, die vollständiger bei Sync. p. 486, 17 ff. bei der 
Eroberung Aegyptens durch Oehos wiederholt ist, nur dafs die Zahl von 
31 Dynastien in 30 corrlgirt werden mufs. Sie lautet: 

''Gwc "^flxoY kaI NeKTANGBcb Ö MANee<i) TAG ^\^\ AYNACTeiAC Air^nTOY 
nepi^rpAYe. Tpitoy tömoy gth an. M^xpi TÖNAe Manggö** tä Ad mcta ta9ta 
Öl ""Gaahnikön cYrrpA<t>öü)N ' Makgaönc^n baciagTc le. 

* Sielie Unoer, Chronol. d. Manetho S. 334 f. 

* Vergl. Forsch. II, 491 f. 

* Eusebius hat sie etwas verküi*zt und die Zaiil weggelassen. 

^ Diese drei Worte fehlen p. 486, sind dagegen p. 145, 11 und 146, 10 aus Afr. und 
Eus. erhalten, ebenso Eus. arm. 1 p. 149. 

Phüo8.'ki8tor.Abh. 1094. I. 27 



210 Meyer: 

Die letzten Worte sind die tTberschrift zu einer Liste der makedoni- 
schen Könige, die hier gefolgt ist; sie mufs also aufser Alexander, Philippos 
Aridaios und Alexander IL 1 2 Ptolemäer gerechnet haben. Was vorangeht, 
können wir als Schlufsworte der Epitome aus Manetho betrachten. 

Bei der Tomossumme ist die Zahl der Könige weggelassen; die Zahl 
der Jahre, 1050, stimmt mit den überlieferten Zahlen absolut nicht, und 
BoECKii wird sie wohl mit Recht in con 850 geändert haben (ebenso Unger). 
Dafs die 31. Dynastie nicht mitgerechnet Ist, geht aus dem Wortlaut hervor. 
Die Summen bei Africanus ergeben: 

Dyn. 20 135 Jahre [Eus. 172 oder 178 Jahre] 

» 21 130 » [Posten 114 Jahre] 

» 22 120 » [ » 116 » ] 

» 23 89 » 

» 24 6 » 

» 25 40 » 

» 26 150 » 6 Monate 

» 27 124 » 4 » 

» 28 6 » 

» 29 20 » 4 » 

» 30 . . . . . 38 » 

858 Jahre (ohne die überschüssigen Monate). 

Wir würden 850 Jahre erhalten können, wenn wir bei Dyn. 22 die 
Postensumme 116 einsetzen und annehmen, dafs Manetho oder vielmehr 
die Epitome die 27. Dynastie, die ja jedenfalls bei Africanus nur in inter- 
polirter Gestalt vorliegt, auf 120 Jahre angesetzt habe.* Als sicher freilich 
wird man diese Vermuthung durchaus nicht betrachten dürfen. 

Nachtrag. 

Eine Tabelle des ägyptischen Kalenders findet sicli zweimal in der von 
Sethe, Urkunden des Alten Reiches S. 24 ff., veröffentlichten Stiflungsurkunde 
aus Tehne (unter Userkaf, Dyn.V), und zwar stehen hier die Epagomenen 
( V I ) ^^^'^^> dann folgen die drei Jahreszeiten (die erste geschrieben 

'^^®) zu je 4 Monaten. Der König Neferkere^ VII. Tereru (A Nr. 49) 
kommt vielleicht in dem von Erbian, ÄZ. 32,127 publicirten Text (Dyn. 2 2) vor. 

* Dann wären für Kambyses nur drei Jahre angesetzt, wie Eusebius angiebt; historisch 
werden vier Jahre erfordert, aber ein derartiger Fehler ist leicht begreiflich. 



AegyptiscJie Chronologie. 211 



Inhaltsverzeiclmifs. 



Seite 

I. Kalender und Sothisperiode 3 — 44 

Der ägyptische Kalender 3 

Wandeljahr, Siriusjahr und wahres Sonnenjahr 11 

Der Nonnaltag des Siriusaufgangs und die Sothisperiode 17 

Das angebliche feste Jahr. Kalenderinschriften und Stern tafeln 31 

Die Zeit der Entstehung des ägyptischen Kalenders 38 

II. Das Neue und das Mittlere Reich 45 — 68 

Sothisdaten 45 

Der Anfang des Neuen Reichs: Amenophis I. und Thutmosis III 46 

Die zwölfte Dynastie 51 

Das Intervall zwischen Mittlerem und Neuem Reicli. Dreizehnte Dynastie 

und Hyksoszeit 60 

Die Aera des Jahres 400 65 

Chronologie des Neuen Reichs 67 

III. Die Konigslisten 69—114 

Die Aufgabe fiir das Alte Reich 69 

Die Überlieferung der manethonischen Fragmente 69 

Die Fragmente Manetho's bei Josephus 71 

Die Listen der Hyksoskonige 80 

Die Listen der 18. und 19. Dynastie und die Sagen von Osarseph und Ramses III. 88 
Ergebnisse. Geschichte der manethonischen Überlieferung. Die Dynastie- 

und Tomossummen 95 

Die thebanische Konigsliste des Eratosthenes 99 

Die Königstafeln 103 

Geschichte und Beschreibung des Turiner Königspapyrus 105 

IV. Königsfolge und Chronologie des Alten Reichs 115 — 180 

Erste Columne des Papyrus 115 

Zweite Columne 117 

Die Könige vor Menes 118 

Der untere Theil der zweiten und die dritte Columne 123 

Die Königslisten der ersten und zweiten Dynastie 124 

Die Könige der beiden ersten Dynastien nach den Monumenten 129 

Herstellung der 3. Columne des Papyrus 139 

Vierte und fünfte Dynastie 145 

Dritte Dynastie 151 



212 Meyer: Aegyptische Chronologie. 

Seite 

Die Fragmente der 4. und 5. Columne 155 

The eleventh Dynasty, by James Henry Breasteo 156 

Reconstruction von Columne 4 und 5 162 

Vergleich ung der Konigslisten. Sechste Dynastie 166 

Siebente bis zehnte Dynastie 171 

Ergebnisse. Die Daten der elf ersten Dynastien 174 

Die Daten aus den Steinbrüchen 178 

V. Die Chronik des Steins von Palermo 181 — 204 

Beschreibung und Charakter der Urkunde 181 

Bürgerliche Jahre, Konigsjahre und Jahre der Zählung 185 

Die Rückseite des Steins von Palermo (Dyn. 4. 5) 192' 

Die drei ersten Dynastien 197 

Die Vorgänger des Menes . 203 

Anhang. Die letzten elf Dynastien nach Manetlio 205 — 210 



Tabelle der . i. und 2. Dynastie nach den Königslisten zu S. 125 

Die beiden «rsten Dynastien nach den Monumenten S. 130. 136. 138 

Tabelle der 3. — 5. Dynastie nach den Konigslisten zu S. 145 

Tabelle der 6. — 11. Dynastie nach den Königvslisten zu S. 166 

Chronologie der ersten elf Dynastien S. 178 

Übersicht der zwölften Dynastie . . . ' S. 57 

Die zwölfte Dynastie nach Manetho S. 58 

Dynastie 13 — 17 nach Manetho S. 83. 84 

Tabelle der Hyksoskönige nach Manetho S. 86 

Tabelle der 18. und 19. Dynastie nach Manetho zu S. 88 

Chronologische Übersicht des Neuen Reichs 1, S. 68 

Dynastie 20 — 31 nach Manetho S. 205 ff. 



Tafel I. Die Konigstafeln von Abydos und Sakkara. 

Tafel II. Turiner Papyrus col. i. 

Tafel 111. Turiner Papyrus col. 2. 

Tafel IV. Turiner Papyrus col. 3. 

Tafel V. Turiner Papyrus col. 4 und 5. 

Tafel VI, Stein von Palenno, Vorderseite. 

Tafel VII. Stein von Palermo, Rückseite. 



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r. Bw/s. Akad. d.Wwenseh. — IM^-hist Äbh. 1904. 



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Stellung von fr. 12 und 40 wUlkurlich. 



Turiner Papynis col. 1 



Meter: Aegyptische Chronologie. 



^etyi. Akad. d.Wissensch. - PkÜ.^hist. Abk. 



1904. 



Taf. III 



Cell. 




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K. Ptnu^. Akad. d.Wiuenaeh. — IM.-M 



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K, Freuft. Akad. d.Wwensch. — IM.'hi8t. Abh. 1904. 



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Cot. S. 



O f*l9Tt. 



1. 




: Breu/s. Akad, d.Wüsensch. — Pha.'hüt. Äbh. 1904. 



W. VI. 







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TLeile U. 



TCeUeÖ. 



Xeiie 6, 



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mf9. AiacL eLWtBsensch. — PM.'hi8t. Äbk 1904. 



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JT. IVeufs. Akad. d.Wissm8ch. — PM.-^ 



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K. Bretf/i. Akad. eLWutetueh. — 1M.-Aw/. Abh. 1904. 



Cot S. 



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1. 




K. Preu/a. Akad. d.W%asmsch. — Pha^-hist. Ahh. 1904. 



Tqf. VT. 




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Xet'/e 2 



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Xeiif 4 



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Xeiie 6. 



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»y». Akad. d.Wwen8eh. — Pha.'M»t. Abh. 1904. 



Tqf. VII. 



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