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Allgemeine geographische 
Ephemeriden 

Friedrich Justin Bertuch 




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Allgemeine 
Geographifche 

EP H E M E RID E N. 

Verfaffet 
von 

einer Gefellfchaft von Gelehrten^ 
und herausgegeben 



I F. J. Bbrtuch 

1^ Doctor der Philolophie und Herzogl. Saehfen • Weimar. 
Legations • Rathe. 



Acht und zwanzigßer Band. 

— - ' I 

Mit Charten und Kupfern. 

Weimar, 

im Verlage des Landes - Indußrie - Gomptoirs. 

1809. 



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Allgemeine 
Geographifche 

E P H E M E R I D E N. 



XXV IIL Bds. Efßes Stück. Januar 1809. 



ABHANDLUNGEN. 



Allgemeine U e b e r f i cht 

der 

Jämmtlichen geographifchen Veränderungen und 

der Fortjchritte der Länder*^ Völker- und 

Staatenkunde 

im Jahre 180 8* 



Einleitung, 

13 er Zeitraum , in dem wir leben» ih fo reich an 
weitgreifenden geographifchen EreignifTen nindt 
Veränderungen, dafs faft jed^r W^echfel des Mon* 
des eine neue Erfcbeinung hervorbringt! — Jene 
A. O. E. XXVin. Bds. i. 5f. A3 



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4 Abhandlungen» 

Plane , die in dem Riefengeiße des grorsen Man« 
nes, der jetzt das Scbickfal eines Welttheils leitet, 
fchlummern , und noch lange nicht ihrer Vollen* 
düng nahe. Jeder Moment , der unter unfern Au«- 
gen verfliegt, verkündet uns, dafs noch Manchee 
in dem Hintergrunde dier Zeiten verborgen liegt^ 
wovon die Gegenwart kaum eine dunkle Ahndung 
hat. 

Wir fahen in der Mitte des Jahrs 1807 einen 
weitausfeh enden Continentalkrieg geendigt; wir 
fahen durch den Tilfiter Frieden ein Reich, wel- 
ches Geh, durch die Perfonalgröfse seines Frie^- 
drichs IL imponirend, emporgefchwungen , wie 
durch einen Zauberfchlag von feiner Höhe herab- 
geftürzt und im Frieden ajj den empfangnen Wun- 
den faft verbluten; wir fahen auf feinen Ruinen 
im Mittelpuncte von Europa zwei Reiche fich er- 
heben, die beide zu den gröfsten Erwartungen he* 
rechtigen , beide nicht geboren oder regenerirt zu 
feyn fcheinen, um auf der Stufe flehen zn bleiben, 
worauf ße ihr Schöpfer gerufen hat! 

Gewöhnt hat uns die vorüberfliegende Zeit an 
die überrafchendften Ereigniffe. Auch das verfloffene 
Jahr blieb gegen feine Vorgänger im erßen Zehn- 
tel des neunzehenten Jahrhunderts nicht zurück. 
Das Thema der Jahrsgefchichte von 1808 enthält ei- 
ne Mannichfaltigkeit von Begebenheiten, die jedoch 
lämmtliqh nur Einem hohem Gefichtspuncte un- 
tetliegen , indem fie mit dem Fortfehreiten Frank* 
reichs auf dem Gontinente und Brittanmen% Ent- 
fernung von demXelben in nähezex oder entfern- 



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Abhandlungen. 5 

teier BerührtiBg flehen. Da« Sinken der einen 
Waagschaale hat läogß Europa's ideales Gleichge* 
wicht mit Hefa herabgezogen , aber noch nicht die 
andre Schaale , in der ßch die Schätze der Welt 
und die Tribute des Alleinhandels 2ulammen- 
haufen, eniporfchnellen können. 

Unbedeutend ift im Ganzen, was in Italien 
Geh begab; die Einfchränkung der weltlichen Ho* 
heit des Papi^eSy die A nslöichnng Hetruriens aus 
der Reihe der Staaten, der Regenten wechfel in 
beiden Sicilien — Alles das würde in jedem andern 
Zeitpuncte ganz Europa in Flammen, gefetzt haben, 
in dielem zieht es kaum die Aufmerklamkeit des 
Augen blicks'.auf ßch! 

Im äufserAen Norden wagt ein kühner Nach- 
komme Guftav fVafa's einen nicht unrühmlichen, 
aber ganz ungleichen Kampf mit jener colöIT^len 
Macht, die über ein rolles Neuntel des Continents 
gebietet; aber Tapferkeit allein war nicht im Stan- 
de, Finnland zu retten! Im OHen wurde Byzanz 
derSchauplatz der blutigften Scenen, zweimal wech- 
feite es feine Herrfcher, und der letzte Spröfsling 
Osmans wird wahrfcheinhch die Reihe der Sul- 
tane befchliefsen, die unter ihren Mohammeden 
und Solimanen drei Welttheile erfchütterten. — 
Noch immer verlaffendie rufBtchen Adler die Ufer 
itt Donaunicht; Servien hat fich fofmHöh von der 
Pforte losgefagt, und nur i/^enige Paf chen g;t»horchen 
noch ihren Befehleh; ' Aber, es iHr- nicht die^eit, 
wo eine verlohme Pftyirinz oder der Ui^ftnrz eine» 
baibarilchen Thront' Bnxopa^s Inter^fTö auffordern 
kann! 



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^ Abhandlungen. 

Unirerwandt neigt ßch det Blick Ae$ Welt- 
theils auf die grolsen Begebenheiten im We^itexy, 
auf den ungeheuren Kampf, den der Continent 
mit dem Oceane befteht. Von einer fo cololXalen» 
ausgedehnten Verbindung, wie die gegenwärtige 
Vereinigung wider das ftolze Alhion ilt, bietet die 
ganze Gefchicbte kein Beifj^iei dar. Allein unan- 
greifbar durch feine Lage, befchützt durch feine 
hölzernen Bollwerke, trotzt der fiebere Infelftaat den 
AnftrenguDgen eines ganzen Welttheils, und was 
vielleicht noch mehr, eines Welttheils, de (Ten 
Willen ßch in dem grofsen genialifchen Manne 
concentrirt, der an feiner Spitze fteht. 

Europa hat unencllich gelitten. Alles, was 
bisher die Nationen zufammenhielt, ift zerrifTen. 
Handel und Weltverbindung find zernichtet, der 
Wohlftand der Völker untergraben und die Aus- 
ficht eines trollenden Friedens entfernt. Ueberall 
dringt das Gold der Britteu durch;'' der Norden 
und Often find noch nicht einmal beruhigt, und 
fchon fchwingt im Weften die Zwietracht abermals 
ihre blutige Fackel! 

Keiner der Kriege, die, Europa zerrütten, ift 
bis jetzt beendigt: es gehört alfo nicht vor unfer 
Forum, die^eiiig^n Veränderungen, die in ihrem 
Gefolge Statt fanden , zu re^iftriren , und wir könt 
nen hier nut. diejenigen aufführen, die.in Italii^ii 
und, im Innern der verfchied^nep^ Staaten vorg^efal« 
IiQn find. Eigentliche Erweiterung der Länder- 
und Völkerkunde bringt jedes Jahr mit. Beson* 



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jtb Handlungen, j 

Um fruchtbar, ift die Lefe in dem verflolXenen 
Jahre gewefen, indem es aus feinem Pruchtkorbe 
Bicbt allein die R,efultate der Humboldt^Bonpland* 
fchen Reife imSpanircjiSn.Amertca, fondern auch 
der Peronfcfaen in der Südf^e ausgefchüttet hat. — 
Von A, Humboldt und Bonpland ift das zweite und 
dritte Heft der zweiteil Abtheilung ihrer Reife 
mch den Tropenländern des neuen Continents in 
^teutfcher und franzölifcheü Sprache erfchieneUi 
ein Pracht werk, das aber Cotta oSenhdit zu luxu- 
riös, zwar nicht f$t das Befte der Kunft, doch tut 
die Wiflenfchaft , ausgeltattethat; esftand daher zu 
erwarten , dafs fogleich eine rüAige Schaar darübet . 
herfallen und es in mancherlei Formen und Ge- 
richten geniefs- und kaufbarer machen würde. So , 
lieferte die Vollmerich^ Handlung die Reife als 
ein Lefebuch für die Jugend, fo erfchien lie als 
Tafchenbuch \u.. f. w. Pit^ronV Reife kam zwar 
fchon im Jahre 1807 franzöfifch heraus; aber erft 
in dem verwichnen Jahre verpflanzte lie iiier das 
gcographifche Inüitut zu Weimar durch Frofeilor 
Ehrmann , dort Catta zu Tübingen auf teutfchem 
Boden. Noch haben uns Robin das Innere von 
Louißana und Florida und Paulin de St. Barthc' 
lemy und Sonnimi Oftindien bekannter gemacht; 
von der Krufenfternfchen Reife um die Welt fehlt 
jedoch die ausführliche Relation noch immer. 

Von unferm teutfchen Reifenden Dr. Setzen, 
der jetst Arabien durcfavs^and^rt, erhalten wir von 
Zeit zu Zeit Nachrichten ; ein andrer Landsm ann, 
der Böhme Hänkl^ der mit Malaspina die Welt 
unfegelte, lebt jetzt im fpanifchen America und 



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g Ahhandlungeh. 

otdnet feinen interetTantenBericlit über eine Reife, 
die bis dahin, wie bekannt, unterdrückt wurde. 
Ritter i;. HöglnUiüer wird dagegen durch den Krieg 
im Often abgehalten, feine intere (Tante Wande'- 
rung nach dem Oriente anzutreten« 

Das grofse Heer der Reifgfammlungen ift auch 
in diefem Jahre noch vermehrt ; indefs erreichen 
wenige an Gehalte und Auswahl die Ekrmann^ 
Sprengellcht^ die nunmehr bis zum 38ften Bande ge-> 
diehen ift. Von den übrigen bemerken wir nur 
die Abentheuer zu WafTer und zu Lande von Chm 
Weyland^ wovon der 8und9teBanderfchienen ift; 
Fifchers Reifebibliothek , weiche diesmal Bouir" 
goings 4t. Theil feiner Reife in Spanien enthält ; das 
Journal für die neueren Land - und Seereifen, 
welches Braun^j zu Berlin angelegt hat, und zu 12 
Heiften angewachfen ift. Ein Poft - und Reife- 
buch hat Anton Lenz zu Wien geliefert. Das ge- 
haltvolle Zimmermann£che Tafchenbuch der Rei- 
fen ift auch im Jahr 1808 fortgefetzt, fo wie das 
Wiener Tafchenbuch von Degen mit Choijeul 
GouffierSy und das Leipziger von Fieißher mit 
Lahorde's Reife ausgeftattet war. Von diefen 3 
Tafchenbüchern empfiehlt fich das erftre vorzüg- 
lich durch eine hinreifsendeDarftellung und Reich« 
haltigkeit , das zweite aber durch feine niedlichen 
Kupfer. 

Dafs Beckmann in Oottingen mit unermüde- 
tem Fleifse die Literatur der altern Reifebefchrei- 
bangen bearbeite , wiffen wir bereits aus den vori- 
f^i Jahrgängen unfrei A. G. £. ; im verflofTeaen 



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Abhandlungen, 9 

Jahre ift davon das 3te Stück erfchienen. Die 
Biblioth^ue umverfelle pai Böucher de la Äi- 
chardiere (rec. A. G. E. XXV^L S. 402.) verfpricht 
die bisher gelief^erten Reifebefchreibungea in eia 
chronologifches Repertorium zu bringen r al* 
lein leider ift ihr VerffilTer dem Unterneh- 
men nicht gewachfen, und trotz der 6 Bände die» 
ler Bibliothek bleibt die Lücke in anferer Literatur 
noch unausgefüUt. 

r 

3- 
Die allgemeine Geographie and Topographie 
haben in dem abgelaufenen Jahre befonders durch 
den von Ebeling und Rühs fortgefetzten Büfching 
gewonnen ; fenft ift die Lefe der beiden literari- 
fchen Märkte für diefe WifTenfchaften in fyftemati- 
fcher Hinficht fehr dürftig ausgefallen, und felbft 
jene beiden Meifterwerke gehören eigentlich mehr 
der fpeciellen Geographie an. D^s Liechtenftern- 
fche Handbuch der politifchen Erd - und Staaten-^» 
kande, wovon der zweite Band erfchienen ift, ift zwar 
nicht ohneVerdienft, aber äufserft weit ausgedehnt. 
Ä'f^n'* Handbuch der Geographie (rec. A. G. E. 
XXVIL S. 100.) erfüllt keine der Erwartungen, 
die die Ankündigung verfprach und ift nicht viel 
mehr als eine Compilation. J". B.Schütz allgemeine 
Erdkunde für gebildete Lefer gehört in eben diefe 
Klasse von Schriften, womit trotz der theuern Zeit 
unfere literarifchen Märkte überladen find. Von 
Imm. Kanu phyfifcher Geographie ift eine zweite 
Auflage erfchienen. Von ausländifchen Schriftf?n 
merken wir nur A. Moitte Cours eomplet de To- 
pographie wegen feiner Originalität an. — Noch 



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10 Abhandlungen^ 

gedenken vvir des Unternehmens, wodurch das 
Studium der geographifchen Mappirungskunft fehr 
Jehr erleichtert wird, nämlich deik Verfuchs, die 
bekannten geographi£chen Ortsbeftimmungen von 
allen Ländern der-firde zm fammeln und fie lo* 
wohl in den A. G. E,^ als auch befonders abge* 
. druckt, den Geographiefreunden miuutheilen« 

Zn den der Wiffenfchaft theils allein, tbeils 
getbeilt geweihten Zeitfchriften bleibeii die 
A. G. E. noch immer ihrem alten und bewährten 
Zwecke tre^; neben denfeJben geht Za^h^s M, 
Corr.y doch mehr für die Himinels , als iür die 
Erdkunde fort. Aber eine reine geographiCch - fta- 
*tiftifche Tendenz haben die fchätzbaren Annales des 
woyages von Malte- Brun^ wovon die erften bei-- 
iden Theile in den A. G. E. (XXVI. S. 321 ff.) mit 
«verdientem Lobe angezeigt find. Ein der Vöiker- 
'.kunde und Linguiftik eigens geweibetes Journal 
Jhaben Bertuch und Vater unter dem Titel: Etk- 
nographijches Magazin^ angelegt, üebrigens hat 
die Zeitßhrift: ALlg. Länder- und Vqlkerkunde 
iin, dem- abgelaufen.en Jahre Helvetien , Italien, 
.Holland^und Weßphalen, )ene beiden erfteren von 
Ehrmann ^ letztere beide von Ua^el bearbeitet, 
aufgenommen. 

Der graphifche Theil der Wiffenfchaft hat in 
dem verflofTenen Jahre fehr gewonnen; auch hiei; 
w&ren es Teutiche,. die die m'eiften Blumen in den 
Krfinz geflochteti habe®, und zwar Blumen von 
einer Schönheit, wie ße bisher nur auf ^^n Beeten^ 
dei Franzofen und Bvitten blüheten. Zwar brachte 



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Abhandlungen. ii 

der tentlche Himmel von jeher Prodacte hervor, 
die Cch, durch Solidität und Güte auszeicfaaeten^ 
jetzt könne» ße ßch in HinGcbt der Nettigkeit und 
des Aeufseren dreift neben das Ausland ftellen. 
Zu den vor züglich ften Depots der Kunft g^ören 
jetzt das Kunft- und Induftriecomptoir zu fVien^ 
das Geographijche Inftitut zu Weimar ^^ Artaria 
zu fVieUy die Schneider- und fVeigeltche und die 
Homanni^chen Handlungen zu Nürnberg, Das 
geogr. Inftitut zu fVeimär fähti fort, lowohl fei-' 
nen großen Hand- als Bärgeratlas immer mehr 
zu vervollkommnen, und die unbrauchbar gewor« 
denen Charten mit richtigem zu veriaufchen ; der 
Freiherri;. Liechtenftern hat den Anfang zu feinem 
HandatlafTe von 6^ Originalcharten über alle 
Theile der Erde geliefert, und mehrere fchöne 
Charten einzelner Länder werden wir bey diefen 
anzeigen. Von Franz grofsen Erdglobus haben 
wir (J. G. E. XXV. S., lig) eine Nachricht 
mitgetheilt« 

Die Statiftik bat zwei Theorien erhalten, wo- 
von jedoch die erJte dem Jahre ig07 angehört, näm- 
lich: A, NiemantVs Abrifs der Statiftik und der 
Staatenkunde; Altana, igof* g. und ff. Butte:: 
Die Statiftik als WifCenfchaft bearl^eitet; München^ 
l8o8- 8' Beide fjnd in den A. G. E. XX VI. S. 59 
u. «f., gegen einander gehalten und mit Eminenz 
benrth^ilt. — Sonft find uns keine allgemeinen 
Itatiftifchen Schriften bekannt geworden. Meujels 
Literafur der ,,Sfiatd&\fc war fchon im /ahre 1807 
vollendet, und HaJJeVs Ueberfichtstabellen » ob» 



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i2 Abhandlungen. 

fchon zur Oftermeile igoS angekündigt, fii^d erf^ 
zu Neujahr 1809 fertig geworden. An einzelnen 
Beiträgen fiel die Lefe deüo reichhaltiger aus , ein 
Beleg, wie felbft die gewaltigften Erfchtitternngen 
nur dazu dienen, um diefe WilTenfchaft täglich 
gemeinnütziger und wohlthätiger zu machen. Sie 
ilt eine Geburt der neueften Zeit, und doch hat 
keine andere fo reifsende Fortfehritte gemacht, * 
als eben diefe; man werfe nur einen Blick auf 
jene tabeliarifche üeberficht, die uns der vex* 
diente Bändel 178.4 gab, und man vergleiche (ie ^ 
mit denen, die un^ Hajfel zu Ende von 1S08 gab — 
wie fchnell durchlief fie nicht die kurzen Jahre 
der Kindheit, um nach einem 24iährigen Alter in 
der vollen Kraft der Jagend iich zu emfaltenf 

A. Europa. 

Europa ili zwar noch immer der" Schauplatz 
der grofsen Vf eltbegebenheiten , der Planet, um 
den lieh die übrigen Theile unferer Erdvefte, wie 
um ihre Sonne, drehen. Allein auch diefer Planet 
fcheint nachgerade zu altern ; vielleicht dafs der 
Zeitpunct nicht mehr fern ift, wo er die Rolle 
eines begleitenden Trabanten übernimmt! Was 
jetzt unter unfi^ren Augen gefchieht^ fcheint dar* 
auf vorzubereiten; diö Lethargie, der Hch jetzt 
die Völker überlalTen, führt zum nahen Tode. 
Jene Kinder, die jenfeits dem Oceane dem Gän- 
gelbande entwachfen zu feyn fcheinen, dürften 
in wenigen Jahrhunderten fchon die ^oUe uiber- 
nehmen, die die Mutter unfähig iß, fortzu- 
fpielen. 



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Abhandlungen. 13 

Aii9gerprochen ift in dem yerflolleneii Jahre 
deotlicher,. y/sls man fcfaon -'längft ahndete! 
Europa wfrd wahrlcheinlich künltighin in zwei 
grofse Hälften zerfallen. Die Eine umfafst alief 
Land zwifchen den Säulen des Hercules und zwi- 
fchen der Elbe^ den Sudeten und Norifchen Alpen^ 
alle Nationen, die zu Germanieus Stamme gehö> 
ren oder römifchen ürCprungs find: Franken, 
\ Italiener, Spanier, Portugiefen , Teutfche, 
Helvetier ,, Holländer, Dänen und vielleicht 
Schweden. Die zweite Hälfen, breitet fich über 
den KeJt des £rdtbeils aus; ihr dominirendes 
Volk find die Slawen mit ihren verfchiedenen 
Zweigen. Zwilchen beiden diirfte als Mittelftaac 
noch vorerft Oeftreich ftehen bleiben; die firitten 
aber auf Ihre beiden^ Eilande ifolirt werden. 

Vielleicht dafs das laufende Jahr uns eine 
nähere Entwickelung der Plane, die die beiden 
grofsen Herrfcher im Welten und Norden in der 
Mitte Teutfchland^ fafsten , mitbringen wird; mag 
indefs der Würfel fallen, wie ei: will, möge er fich 
nur auf Ruhe und Frieden, deffen die geängi^ete 
Welt fo fehr bedarf, lenken! Was in den einzel- 
nen Reichen, die zu den verfchiedenen Staaten- 
fyftemen unferer Welttheile gehören, fiir Verän- 
derungen vorgefallen find, werden wir, in fofern 
fie vor den Richterftuhl der Geographie und Stati- 
üik gehören, kurz berühren und auf die Fort- 
fchritte dieler Wilfenfchaiten aüfmerklam machen. 

Von fcientififchen Werken, die ganz Europa 
betreifen, wüfsten wir, aulser der geographifcb- 



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14 Abhandlungen. 

ftatiftifcheii Tabelle, die zu Berlin heraüsgekoui'- 
inen, yirtdLiechtenfiern's [tSLliMichexüehexRcht der 
lämmtlicKen europäifchen Staaten (mit einer 
Charte), <^ie jedoch fchon dem Jahre 1807 atige- 
hört ( rec. Am G, E. XXVII. S. 97)» keines anzu*^ 
führen; das geographifchp Inftitut zu fVeimar ift 
in dem abgewichenen Jahre mit der Fortfetzüng 
von feinem brauchbaren Tableau: Europa nach 
feinen poHliJch- geographijcken Veränderungen ^ 
zurückgebliehen', die europäifchen Annalen, die 
einft von dem verewigten Poffelt dirigirt wurden^ 
erhalten fich zwiar noch , a^her auch fie altern ♦ -— . 
M^hrern Werth hat das Hamburgifche politifche 
Journal in neueren Zeiten erhalten. 

s 

Kiittner^s Wanderungen durch einen Theil von 
Europa find 1807 zum zweiten Male aufgelegt 
(rec. 4. G. JS; XXV. S. 322); Fick'/ neuefte Reifen 
zu WafTer und zu Lande find in den J, G. E. XXVI. 
S. 176 angezeigt. Von Charten haben wir eben- 
felis nur Liechtenfiern^s Charte von £uropa, fer» 
ner die Fortfetzüng von delTen Mitteleuropa 
(rec. A. G. E. XXVI. S. 452), die neue Poft* 
und Generalrharte von Europa bei Artßria (rec« 
A* G. E. XXVI. S. 84) zu bemerken. 

■ ■ 'I 

L Das franzöfifche Kaijerthum. 

Frankreich ift durch das aufserordentliche Ge- 
nie eines grofsen Mannes auf den hdthßen Gipfel 
feiner Macht und feines Ruhms geßiegen: wie im 
Cabinette trnd im Felde , fo in der innern Aegie- 
rungsverwaltung bewährt jeder Schritt jene bewun*. 



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Abhandlungen. 15 

deniffrnrflige Confequenz und Einheit des Plan», 
die nur ein Eigenthnm und ein Vorrecht der kräf« 
tigften Menfchen find, wenn, fie ein vorgellecktes 
Ziel erreichen wollen. »Denfelben Geift, denfel- 
ben Zweek erkennt man in Napoleon^s MVirkram' 
keit im Innern, wie im Aeufsern. Wechfelfeitig 
greifen beide in ei a and er, um den fchönfteii Be- 
weis der innern Harmonie Teines Herrfcherplans 
darzulegen. 

Der Tilliter Friede hatte eine mächtige Coali- 
tion gefprengt und wenigftens in Hinficht auf 
Frankreich dem Continente den Frieden wiederge- 
geben. Zwar behielt Napoleon feine Heere aiiF 
fremden Boded gerüftet, um den theuer errung- 
Ben Frieden zu fiebern und die Vorthlile, die er 
nicht für Geh, aber für fein Haus erkämpft, auf 
kein neugewagtes Spiel zu fetzen ; indefs gieng er 
felbft in fein Reich zurück und viele mehr oder 
minder wichtige Veränderungen in der Verfalfung 
und Adminiftration, die fämmtlich auf die An- 
wendung des Elnheitsprihcips in der Regierung 
und auf den Zweck der Befeftigung des Staats und 
des Throns hinwiefen, folgten unmittelbar auf 
seine Rückkehr. So wurde das TribunaV — unver- 
träglich mit der AUeinherrfchaft — aufgehoben 
und dagegen der Senat vermehrt $ fo wurde ein 
Generil^gouvemement jenfeits der Alpen begrün» 
det; lo zur Erhöhung des Glanzes der Majeftät 
Thronlehen und erbliche Titel gefchaffen und Ma- 
jorate eingeführt; fo durch die Errichtung der kai- 
ferlichen Univerfität den ünterrichtsanftalten und 
den Wiffenfchaften ein Centralpunct gegeben ; fe 



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i6 Abhandlunge n* 

die Verordnungen des peinlichen Gefetzbuc}is ent^ 
wrorfen, eine Handehgefetzgebung organilirt und 
die CiyilgerichtsverfaJTang zweckiqäfs^iger e^ge- 
richtet. Es erlaubt der Raum diefer Blätter nichts 
den Gang der Napoleoni^hen Regierun gsverwal<» 
tung und Gefetzgebung nur während eines Jahres 
Schritt vor Schritt zu verfolgen; wir bemerkem 
nur noch, dals die angefangenen Verlchönerungen. 
der Hauptftadt und im Innern des Reichs mit raft- 
lofer Thätigkeit betrieben , dafs die durch das 
Recht der Waffen im Auslande erworbenen Kunft* 
Ichät^e Fämmtlich an die Ufer der Seine verpflanzt, 
neue Canäle zur ununterbrochenen Verbindung des 
Reichs gefchaifen, fchon vorhandne ausgebeilert 
und Heerßrafsen angelegt wurden , die von dem 
kühnften Unternehmung^geifte zeugen. 

Eine neue innere Stärke gewann das Reich 
durch die Einverleibung der Städte We^^l^ ^Cassel^ 
Kehl und Viie [fingen^ unbedeutende Puncto zwar, 
auf welchen Ichon feit Jahren der franzöCfche Ad* 
ler wehte, aber wichtig zur Beobachtung und zum 
Schutze des mit dem Kaiferftaate fo innig alliirten 
Rheinbundes nnd des von einem Prinzen aus Na* 
foleorCs Dynaftie beherrfchten Hollands. Glänzen- 
der war der Zuwachs, den es durch Hetrurien und 
Pharma erhielt, Länder, die zwar ebenmäfsig fchon 
von Frankreich befetzt waren, indefs erft in die* 
lern Jahre förmlich zu der MalTe des Reichs hinzu- 
geworfen wurden. Frankreichs Macht iß dadurch 
um 458 Quadrat -Meilen Areal und feins Volks- 
menge mit 1,350,000 Menfchen vermehrt, und 
gewann blofs an dixecten Steuern 4,900,000 Fran- 
ken 



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Ah,handlung§n. 17 

ien. BeMe Länder liilden 4 Departemente, flei 
Taro^ des Arno ^ des mit teil ändijchen Meers 
und des Ombrone^ wodqrch die Zahl der Depar«» 
temente auf 114, und die der Deputirten zurii 
gefet^g€benden Körper auf 342 angewaühfen ift. 
Ein ii5ies Departement wurde im Innern des 
Reichs zu Ende des Jahres 1808 etablirt, das des 
Tarn xind der Garonne^ folches in drei Beziriie 
getheilt und Montaub^in zum Hauptorte und" zu 
einer der Städte beftimmt, deren Mai res der Krö- 
nung des Kaifers beiwohnen. Das coloffale Kai- 
ferthum- umfafste am Ende de» Jahres igo8 ei neu 
Flächeninhalt von i6,784tW Quadrat Meilen, wor- 
■tt^ 39>347.3$7> (weithin auf jeder Quadratmeile 
2,344 Individuen) in 2,294 SWldten uiid 104,000 
Marktflecken und Dörfern lebten. Davon kamen 

1) auf den eigenilichpn 

Kaiferftaat .... I3,277,i*^ DM. 3?>848,567 Ew. 

2) auf die Lehnfürfte^- 

tbümer . . . , . Ö^.^Si — 2i8,430 — 

3) anf die Colonieea . 4,441, /ö's — 1,286,400 — 

Die Einkünfte beliefen Itch auf 720 Millionen 
Franken; das Heer auf 569,930 Mann; die Flotte 
taf 40 Linienfchiffe upd 30 Fregatten. 

Die Mitte des abgewichnen Jahrs rief indefs 
den Monarchen zu neuen Tl?aten und ßefchäfti- 
gangen in das Feld. Der Seekrieg hatte unun-r 
terbrochen fortgedauert: die Britten waren durch 
Frankreich von dem Continente ifulirt und von 
allen Häven Euröpen's ausgefchloffen. Pi^rtagaly 
noch dem Einflniie des Londoner Cabinets offen, 
hatte zu fchwankende Maasregeln ergriffen, um 
A. G. E. XXVIIL Bds, I. St. B 



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I^ A hhdndlun g ejt. 

>» 

ficli an das. allgemein gewordene Continentalfy- 
item anzufchliefsea. Ein franzöfifches Heer gieng 
nach Lisahon ^ und zwang den Prinzen .Regenven 

'mit feinen Schätzen und feiner Flotte fich jen^ 
Xeits des Meers ein Afyl zu fuchen. Spanien, 
im ewigen Kampfe mit feinem eignen Interelfe 
und dem der Bourhoniden ^ wurde in feinen 
Fall hineingezogen; die bisher herrfehende Dy- 
naRie trat ihre Rechte auf die Krone an den 
Kaifer Napoleon ab, der folche feinem Bruder 
Jo/eph von Neapel auffetzte, den Thron beider 
Sioilien aber feinem Schwager Joachim , Grofs- 
herzog von Berg, gab, wogegen diefer feinem bis- 

.berigen Beßtzungen in Teutfchland zu Gunften 
des franzöfifthen XCaifers entfagte. — Ein Tkeil 
der fpanifchen Nation war mit diefem Arrange- 
ment unzufrieden, und es entfpann üch auf der 
Iberifchen HsLihmM e)n Bürgerkrieg, der noch 
fortdauert und in deffen Gefolge die mit den 
misvergnügten Spaniern verbundenen Britten Por- 
tugal wieder befetzt haben, die Franzofen aber 
in das Innere der Halbinfel vorgedrungen find. 

Die Statiftik und Topographie von. Frankreich 
ift zeither von den Franzofen mit geringem Erfolge 
bearbeitet wotllen; es fcheint vielleicht nur eine 
vorübergehende Aufwallung gewefen zu feyn,. 
die diele lebhafte Nation vor einigen Jahren zu 
den Stufen einer Göttin führte, deren Ernft fich 
fo wenig mit dem icanzöiiicben Character verr 
trägt. Was diefelben in den vorigjährigen Kranz 
geflochten, befchränkt fich vorzüglich auf den, 
fvie in den vorigen Jahrgängen, ausge^atteten 



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Abhandlungen» 19 

Mmanach Imperial (rec, jf. G..E. XXVI.S. 38. 
ff.), ferner auf die Fortfetzung der Statiftique 
ginerale de ia Trance. Departement du Mont- 
blanc, par Verneilk k Paris 1807. 8« (^ec. A, G. 
E, XXV L S. 423 ff.), eine der treftlichrten Mate- 
xialienlammlu^gen , wie wir ße nur von irgend 
einem Staate beützen, deren langfames Fortrük- 
len — ;- fie macht erß das Achte in der Reihe 
der franzöfifchen Departemente aus! — den 
Werth des Ganzen fehr vermindern dürfte. Von 
J, G. Jain haben wir ein Tabloau d* Tempire 
francais von wenigem Werlhe erhalten: eben fo 
unbedeutend ift der Almanuch du commerce de- 
Strasbourg pour 1808 , und das Annaaire hiß, et • 
ftat. du Depart. du Bas-Rhin von P, 1. Für y es» 
Mericourt. Die beiden Compilationen, die Teut- 
fche über dies Reich geliefert haben — J. D. A, 
Hock unter dem Titel: ftatiftifch topographifcher 
Abrifs von Frankreich. Nürnberg. 8» «tid /. G, 
Cleminius unter dem Titel: Frankreich in Hin- 
ficht auf feinen Handel y feine Fabriken, Manu« 
facturen und Gewerbe. Coblenz. 8* machen ih-« 
ren VerfalTern wenig Ehre. Von Reifebefchreibun- 
gen bemerken wir blof« die Fonfetzuug von MiU 
hn's gehaltvoller Voyage dans les Departements" du 
Midi de la France T, IIL Paris. 180«. 8- (rec. A. 
G. E. XXVII, S. 179); die Voynge ä risle d'EU 
be von Arjenne Thihaut de Berneaud. Paris. iSog. 
8. (rec. A. G, E. X^VII. S. 179); die neuen Auf- 
lagen von Beckers Befchreibung feiner Reife 
in die Departemente vom Rhein ^ des Donners» 
bergs und -fier Mojcl^ Berlin. 8» ^tid der Voya- 
ge sur le Rhin. depuis Mayen ce jusqu'k DüCTel- 

B i 



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20 Abhandlungen» 

dorf. Maynz. 8» ^^ wie Reichards Itiniraire de In 
France, welches im Verlage des Industriec^mtoir« 
zu Weimar herausgekommen. Von Charten fikid' 
erfchiehen : die brauchbare Cart« de V empire 
frangais, zwar Ichon ein Prodoct des Jahr» 
1807, w^lch^s wir jedoch hier nachzuholen für 
Pflicht halten; .reo. A. G. E. XXVL S. 188); 
ein nomveau Plan routier de la ville de Parit 
chez Esnault k Paris (rec. A. G. E. XXVII. S. 
2ji), und Lesage's Fastcs Napoliennts (rec. A', 
G, E. XXVIl. S. 103); drei Blätter, wegen ihrer 
politifchen Tendenz eine merkwürdige £r-^ 
feheinung« 



IL FranzÖ/i/ch'es Jleich. 

A. Königreich Italien, 

So thätig Napoleon* s Geift für den colofTalen 
Kaiferftaat wirkte, deüen Thron er einnimmt ^ fo 
wenig wird von ihm feine neue Schöpfung, das 
Königreich Italien, vernachlälfigt. Von feinex 
Autmerkfamkeit und Vorforge zeugen die ver- 
Ichiedenen conftitutionellen Statute, die die in* 
nete Verwaltung delTelben feßfetzen: ein con- 
fulirender Senat trat an die GeCetzgebungsftelle im 
Staatsrathe, der Orden der eifernen Krone wurde 
,vergröfsert, die Stadt Venedig erhielt mehrere 
Freiheiten und die Auszeichnung , dals der Vice- 
könig und präfumtive Erbe der Krone fich nach 
ihr Prinz von f^enedig , fo wie delTep e» ßgeborne 
Tochter Prinzejfinvoß Bologna nennen wird; eio 
neuer Müuztanf wurde eingeführt, ein Commerz- 



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Abhandlungen.^ 21 

tractat mit Baiem abgefchloCTen, zu Mailand ein^ 
Börfo errichtet, neue erbliche Titel und Majorat« 
eiogefuhrt, und überhaupt die ganze innere Verwal- 
tung immer mehr der Franzöfifchen angefchmiegt. 

Noch mehr aber bewies er (olches dadurch, 
daff er die befetzten Provinzen des Kirchenftaau 
UrbinOy Ancona^ Mäher ata und Camerino un- 
wiederruflich und auf immer dem Reiche ein- 
verleibte. Diefe Provinzen bilden f^it dem ii. 
Mai 1808 drei Departemente des Reichs, das des 
MetaurOf des Tronto und Mujone^ und die Zahl 
feiner Departemente ift dadurch, ohne Dalmä- 
tien, auf 24 angewachfen« Wir geben hier eiia 
Aati/tifches Tableau von dem gegenwärtigen Be« 
ftande des Reichs,' welches aus dem iialienifchen 
Staaucalender von 1808 gezogen ift. 



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3» 



\ Abhandlungen. 







Areal u. 


Volks- 


Einw. auf 






geogr. Qu. 
Meilen. ' 


menge. 


die Q u.M. 


I. 


Dep. Adda 


48»40 


82,119 


1.696 


2. 


— Adriatico^ 


29,72 


307,501 


10,349 


3- 


— Ago»iia 


72,78 


349.133 


4*783 


4- 


— Bacchiglione 


73^95 


327,802 


4.435 


5- 


— Brenta 


3Ö'96^ 


274*649 


4,725 


6. 


— Crostolo 


48.3r 


179*072 


3,706 


7. 


— Etsck 


30,81 


^66,550 


8,651 


8. 


— Istria 


52,10 


89,1^56 


1,713 


9. 


— Lario 


57^94 


317*230 


5,474 


10. 


— Mella 


59.IÖ 


298,788 


5*050 


II. 


— Mincio 


- 34»68 


218,242 


6,291 


12. 


— Olona 


41^32 


515,718 


12,841 


13- 


— Panaro 


4i>78 


166,632 


3,988 ,, 


14- 


— Passariano 


52,99 


290,411 


5,480 


15. 


— Piave 


54^36 


110,591 


2,034 


16. 


— Niederpo 


79.90 


229,855 


2,876 


17- 


— Oberpo 


49»3o 


326,479 


3,223 


18. 


— Reno 


60,18 


378,003 


6,285 


19. 


— Rubicone 


81.7^ 


257,890 


3>i54 


20. 


— Serio . 


74.21 


288,629 


3,889 


II. 


— Tagliamento 


126,47 


311,084 ' 


2,459 ' 


22. 


— Metauro - 


96 


• 




23. 


— Musone 


64 


680,000 


3,192 


24. 


— Tronto 
dazu: 


53 J 


' 




I. 


Dalmatien. 


233,66 


210,000 


898 


2. 


Inseln d.Quarnaro 


I3»55 


36.000 


2,675 


3. 


Oalmatisclie Ins. 


70,57 


55iOOo 


779 


4. 


Gebiet v. Cattaro 


21,94 


IO,COO 


456 


5- 


Gebiet v.:^agusa 


30 


60,000 V 


2,000 


6. 


Gebiet v. Poglizza 


9 


20,000 


2,222 


Summe 


^798te^ 3 


[,656,684 3,700 



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Ahhan dlun geju 13 

Die Zahl der Städte belauft Heb auf 126, der 
Flecken auf 272, der Dörfer auf 7,500 und der 
Feuerwellen auf 98o»ooo. Die Staatieinkünfte 
mögen etwa 122 Mill. Lire (36,220,275 GuK:en) 
betragen ; die Staaisausgaben waren 1807 auf 
114,230,000 Lire angcfchlagen. Das He,er fteigt 
auf 30,000 Maniir 

Von Schriften , die in das Fach der Staats-, 
Länder- und Völkerkunde einfchlacjen, find uns 
in dem abgewfchetien Jahre, aufser dem italje* 
nifthen StaatscaJender , der fine treue Copie de« 
franzöfifchen ift und wie jener, treffliche Aati- 
ftiTche Nachrichten enthält, keij^e hekonnt ge- 
worden; noch befitzen wir nicht einmal eine 
gute Charte von diefem Reiche^ fo fehr fie auch 
Bedürfnils ift. 



B. Königreich Neapel. 

Neapel verehrte bis in die Mitte des abge- 
wichenen Jahres in einem Bruder NapuleoiVs feinen 
Herrfcher Jofeph I. Er verliefs den Thron, um 
ihn mit dem fpanifchen zu vertaufchen j aber an 
feiner Stelle b^üieg denfelben der Napoleonide 
Joachim I., Schwager des franzöfifchen Kaifers, 
und die Tendenz der Regierung , dem tief gefun- 
keoen Staat wieder aufzuhelfen und eine Ener- 
gie zurück zu fiihren, die man bis dahin ver- 
geblich in Neapels Mauern gefu cht hatte, blieb 
die . Bämliche. Jofeph hatte im Scheiden dem 
Reiche eine Conftitution gegeben, die das Glück 
feiner Völker begründen kann , ^9; ßeht von Jörn* 



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94 Abhandlung en* 

chim zu hoffen, dafs er den Erwartungen ent- 
fprechen wird, mit welchen er den Thron be- 
ftiegen. Schon hatte Jo/eph Vieles für das Wohl 
feine« Voljies. gethan; die ßritten und Sicilier 
find von dem Continente verfchwunden, unu 
felbft Capri der Macht der erftern entrilXen^ Nux 
in Sicilien behauptet fleh unter der brittifchen 
Aegide der vorige Beherrfcher von Neapel. 

In diefen kriegerifchen und unruhigen Zei* 
ten darf man freilich auf keine grofse literari- 
fche Ausbeute im Fache der LKlnder- und Völ- 
kerkunde rechnen; indefs lind bei aller Flüch- 
tigkeit Rehfues Gemälde von Neapel und deHea 
Briefe über Italien kein unwillkommenes Ge- 
fchenk, das uns diefes Jahr mitgebracht hat« 

C. Die übrigen italienijchen Staaten^ 

Der Kirchenftaat hat in dem vorigen Jahre 
eine grofse Erfchiitterung erlitten; die weltUghe 
Hoheit des Pabftet ift durch die italienilche Bep 
Ctznehmung der Mark Ancona^ Urbino^ CamC' 
rino und Macerata bis auf das zunächft um Rom 
gelegene Gebiet eingefchränkt, und' es fteht dahin» 
ob für die Zukunft demfelben noch Etwas von 
dem übrigbleiben werde, was bis dahin' das Patri- 
monium des heiligen Stuhls ausgemacht hat. — 
Noch 1792 befafsen die Bifchöfe von Rom aufser 
ihrem beträchtlichen Gebiete in Italien die Grai^ 
Icbaften Avignon und Fena^in^ und das Heic- 
zo'gthum Benävent mit Pontecorvo — ein Areal 
von 960 Quadratmeilen mit 2,1009000 Menlohen; 



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dbkan dl ungern 95 

fetzt blofs noch Rom mit der Campagna und 
dea Legationen Viterbo y Spoleto und Perugia 
— 310 Quadratmeilen, von 6*^0,000 Menfchen be- 
iwohnt« r— 

Sicilien und Sardinien gehorchen unter der 
Aegide der Britten ihren alten Beherrfchern ; von 
beiden Staaten erhalten wir in diefem Augen» 
blicke wenige Nachrichten." Lucca und Piom» 
hino bietet fo wenig etwas Merkwürdiges dar, 
als die Jonifchen Infeln, welche von den Fran- 
zofen befetzt, aber wie es fcheint, für die Zu- 
kunft dem Neapolitanifchen Reiche öufgefpart 
find, yxn^ Malta y welches dem brittifchen Staats- 
körper einverleibt ift. 

Ueher Theile von Italien hat Eichholz den 
vierten Band feiner neuen Briefe, Zürich 180S* 
8.9 heraus gegeben; ganz Italien aber ift von 
Ehrmann in der N. I^änder- un^ Völkerkunde^ Äie 
auch unter dem Titel: Neuefte Kunde von Hel- 
vetien und Italien, hefonders ausgegeben wird, 
neu bearbeitet« Ein topographifches Lexicon 
von Italien hat die Stettinfche Buchhandlung M 
Ulm angekündigt. 

D. Spanien» 

Ein unglückliches Land, welches in diefem 
Augenblicke fchwer dafür hüfsen mufs, dafs i\>r- 
tocarreros Te&ament einß einem Bourboniden 
feine Krone gab! — Die alte Djnaßie hat zwar 
den Thron verlafTen und ihre Rechte aufgege- 
ben; ein Bruder Napoleon* Sy Jojeph^ bisher Kö- 



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26 Abhandlungen. 

nig von Neapel, hat denfelb^a beilegen und 
eine neue Conftitution dem Reiche mitgebracht, 
aber die Ruhe ift noch nicht hetgedeUt. Noch 
wüthet Volksaufftdnd and innerlicher Krieg von 
allen Seiten und Frankreichs Heer halt die 
Hduptftadt, die Brillen und die Mils vergnügten 
alle Häven befetzt. — Wie es in den fpanifchen 
Colonieen ausfehe, davon ift nichts bekannt; 
mag indefs der Würfel fallen, wie er will, mag 
Spanien auch auf das Aevgfte alles das verlieren, 
Tvas es in fremfien Welttheilen befitzt; für die 
Iherifche Halbinfel wird und muFs dieJTe Cata- 
Ärophe zum Glücke ausfchlagen. Zwar wird die 
jetzige Generation unter den Schlägen des Schick- 
fals bluten, die Rentenirer von America werden 
2u Grunde gehen oder auswandern; aber ein 
neues Gefchle«iit wird aufltehen , Fleifs den rei- 
chen Boden des Vaterlandes düngen und mit der 
erwachenden En^gie des Volkes ein dauernder 
Wohlftand wiederkehren, den Potofi's und Mexi- 
co's JN^inen verfcheuoht hatten. 

Wir haben in diefem Jahre manches ephe- 
mere Werk über Spanien' erhalten, was die Zeit- 
umftände hervorgebracht haben. Von bleiben- 
dem Werthe ift das Prachtwerk, die Voyage pit- 
toresque de PEspagne, von Alex, de la ßorde^ 
wovon wir 5 Lieferungen vor uns haben (rec. A. 
G, E XXV. S. 69.); fo wie deffen Itin^raire defcript. 
de TEspagne in 5 Bänden, dann die gehaltreiche 
Voyage dans Ifes lies Bial^ares et Pithiufes^, von 
Grajfet de Saint -Sauveur dem Jüngern (rec. 
A: G. E. XXVI. S. 45.); das Meißerwerk, Bour- 



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Abhandlung en. 37 

going's tableau de TEspagne moderne, wovon zu 
Paris bereits im Jahre 1807 eine vierte Auflage 
erfohienen war, Fijcher zu Wirzhurg aber den 
vierten Theil unter dem Titel: Bourgoing's neue 
Reife durch Spanien, überfetzt und mit Anmer- 
iLUDgen begleitet ins Publicum gebracht hat (reo. 
ji. G. E. XXVII. S. 320); von eben diefem Ge- 
lehrten ih auch der dritte Theil zu feinem Ge- 
mälde von Valencia herjausgekommen. Aus dem 
Induftrie-Comptoir zu Weimar haben wir eine 
fkizzirte Befchreibung diefes Reichs erhalten ; 
auch über Gibraltar find zwei ähnliche Werke 
zu Berlin und zu Deffau und Leipzig erfchienen. 
Uebrigens verdient auch der Auffatz in Malten 
Br uns Archive-, die Baskifchen Provinzen \on Mar^ 
chenaj wovon die j4, G. E, einen Auszug (B. XXVI. 
Jonius^ Julius) geliefert haben, einer ehrenvollen 
Erwähnung. — Von Charten bemerken wir nur: 
Carte d'Espagne et de Portugal eh neuf feuilles 
par Mentelle et Chanlaire. Paris 1807 (rec A. 
G. E. XXVI. 5. 71.) , und die im Verlage des Wei- 
marfchen Geogr. Inftituts herausgekommene ver- 
befferte Charte von Spanien; beide befriedigen 
indefs das Bedü^fnifs einer richtigem , den neuecn 
Zeiten anpafTendern , Abbildung diefes Reichs 
nicht ganz. 



E. Eortugah 

Portugal iß während des Laufs des albgewi- 
chenen Jahrs ebenfalls' der Schauplatz grofser Be- 
gebenheiten gewefen. Es hatte faft die nämlichen 



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«8 



Ah hanälungen. 



Schickfale, wie Spanien, aber es fiel früher; die 
heri lebende Dynaftie faK fich b^i der AniiiLherun||[^ 
der franzöUfcbeQ Heere gezwungen, nach BrafiUen 
auszuwandern, worauf es von Frankreich in Be- 
litz genommen wurde. Während der ausgebrochen 
Ben Unruhen ic Spanien eroberten es indefs die 
Britten und halten es noch befeizt. 

Hier das ft^tirtifche Tableau von Portugal, 
n^L^Yi Ebelinß'sl>d^ien'. 





Qu. Meilen., 


Einwohner. 


I. Prov. E»fer^madnra 


366,97 


876,289 


2. — Baira 


461,63 


I|I23,245 


3. -— ^ Entre Minho«6 






Düero 


110,08 


817,167 


4. — Trai OS Montes 


137,29 


308,984 


5J. — f Alemtejo 


4ÄI.25 


339,555 


6. — Algarre 


99*22 


93,472 


Summe 1,656,40 DM. 


3,558,712 E. 




' 



Dies Reich hat an Ebeling einen trefflichen 
Topographen gefunden, der es mit Meifterhand 
in feiner Fortfetzung des Büfching uns darftellt 
(rec. A. G. E. XXVI* S. 171). Aufserdem find 
mehrere Federn befchä/tigt gewefen , uns mit 
Nachrichten über dies Reich- zu bereichern*. Da- 
hin gehören: Das Königreich Portugal und teiuM 
Colonien. Berlin igoS« 3« — Uebex Brafiliens 



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Abhandlungen. 39 

tnd Portugal« Handel m^t feinen Colonien. Harn» 
bürg 1808. 8- — ^* ^- anders Portugifitk Hefa. 
Th. L 11. Stockholm, 1807. 8-, iiberfetzt von Ger^ 
ken. Berlin, 1803. 8 (rec. AG. E. XXVIL S. 
^\6). — LilTaboQ und feine Umgebungen, eine 
kurze geographifch-^, ftatiftifch • topographifche 
Skizze, mit Anßcbt, Plan und Charten von Por- 
tugal. Dedau und Leipzig, Igo^ 8. — 

F, Helvetien. WalliSy Neufchatel, 

Diefe drei Länder haben im Laufe des abge- 
wichenen Iahtet keine Veränderungen erfahren; 
indefs ift Helvetien nicht ohne innere Unruhen 
geblieben und überdies der Schauplatz erheb It* 
«her Naturvervfültungen gewefen, --- Von den 
Schriften über diefe Länder zeichnen wir blofi 
aus: .den Helvetifchen Almanach für 1808» ein 
treffliches Material zur Länder- und Völkerkunde 
Helvetien«, nur zu ungleichartig bearbeitet. — 
Alpina, eine Schrift zur nähern Kenntnifs der Al- 
pen, herausgegeben von K. M. v. Salis und /. 
Rieh. Steinmliller. 3 Bde. Winterthur, 1808. 8* . 

— J. H. Eichholz Darftellungen aus der Schweiz, 
oder die Cataftrophe im Thale von Goldau. Elber- 
leldj. i8o8« 8« ^-^ ^^^ Rigiberg in Zeichnungen 
nach der Natur von H, Füejsli und //. Keller^ be- 
fchrieben von H, Meyer , mit 13 colorirten Ku- 
pfern und einer Charte. Zürich, 1808. Fol. — F. 
BruHf geb. Munter^ Epifoden und Reifen durch 
das füdliche Teutfchland , die weftliche Schweiz, 
Genf und Italien u. f. w. 2. Th. Zürich, i8o8' 8- 

— K. Zays Goldau und feiile Gegend, wie fie 



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30 



Ahh andlung cn. 



war and wie Ce geworden ift,, in Zeichnungen 
tind Befchreibungen. Zürich, i8o8* 8* 

G. Königreich Holland. 

Die Vergröfserung, die Holland im Jahre 1807 
durch Oßfriesland und Jever jsugedacht war, ift 
nun im abgewichenen Jahre Tvirklich zu Stande 
gekommen, und OMriesland mit Jever, Varel und 
Kniephaufen von Holland, in Befitz genommen. 
Die Zahl feiner Departemente iÄ dadurch aoif eilf 
gebracht, nämlich: 









^u. Meilen. - 


Einwohner. 


I. Amstelland . . . 


43»8i 


45S,000 


2. Maasland . . 


59» 15 


34i>978 : 


3. Zeeland 


I8>88 


74»o50 


4. Utrecht 


23,40 


108, '820 


5. Brabant 


T?^^'^ 


207,708 


6. Geldern . '. 


^ 95»4o 


323)282 


7. Overyssel 


61 


135.060 


8. Drenthe . » 


37»2o 


.39*672 


9. Friesland 


54;36 


96,846 


10. Groningen • 


50.52 


103,000 


II. Osifriesland . 


5Ö.90 


i33»ooo 


Sumn 


le 577 >70 D M. 2,001, 4t<5 E. 1 



Dagegen hat es Vliefßngeriy den Diftiict von Xow- 
mel und anc'cte. Pdrzelen durch den Gränztractat 
an Frankreich überlalTen. Von leinen Colonie^^ 
die einen Flächenraum von 6,114 Quadratmeilen 
mit 2,353,000 Menfchen enthalten, find die mei- 
ften , bis auf die Gouvernements Batavia^ Am-', 
ioinay Banda in die Hände der Bajtten |;efallen. 



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Abhandlungen^ ' 31 

Die Tendenz der gegeffvärti^en Regierung 
|[eht ganz dahin , die Nationalindnftrie und deni 
Handel wieder zu beleben und befonders die groEse 
Unordnung, die iu den Finanzen herrfcht und 
jähriich ein ungeheures Deficit yeranlafst, zu he^ 
ben. Defsenungeacbtet Unkt Hol]and immer mehr^ 
und die Staatsfchuld, die im Jahre 1807 ichan 
1,172,827,252 AoZZ. GwZ^/i betrug, wächit zu einec 
fürchterlichen Gröfse an. Da« jährliche Deficit 
von 1808 machte allein die Summe von 24,119.354 
Gulden au», üebrigens bemerken wir nur, dafs 
Hollands guter, das Wohl feines Volks aufrichtig 
wollender, Monarch feine Refidenz von Haag und 
Utrecht jetzt nach Amfterdam verlegt hat. 

Von geographifchen und ftatiÄifchen Schrif- 
ten über das Königreich bemei&en wir: die Reife 
in Holland im Jahre 1806. Aus dem Franzöfifchen. 
Leipzig, iSoß. 8- '— Das Tableau d'Arafterdani» 
ou Guide des etrangers par cette ville, par P. G. 
WiUen ' Geisheck» Amfterdam 1807. 8- ir^o, A, 
G. E XXV. S. 4^4.) — Den königl. Almanach 
Yon Holland für das Jahr 1808. — G. HaffeVs fta>- 
tiftifchen Abrifs des Königreichs Holl|Pd. Weimar^ 
im Verlage des Geographi feien Inftituts. i8o8- — 
.Von Charten. aber: Charte von dem Königreiche 
Holland, zuerft entworfen von A, Stielerund bA« 
lichtigt von Fr, W. Streit. Weimar, 1808, im Ver- 
lage des Geographifchen Inftituts. (rec. A. G. E. 
XXVI. S.180) 

H. Der Rheinhund. 
Diefer an die Stelle des germanifchen Völker- 
vereins unter dem unmittelbaren Protectorate 



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3« 



Ahh^n dlun g e ju 



Frankreichs fich gefammelte Bund umfarst nun- 
mehr das ganze vormalige Teutfchland mit Aus- 
nahme der zu Oefterreich, Preufsen und Däne- 
mark gehörigen und der von Fiankreich und Hol- 
land abgeriffetien Provinzen. irf dem Laufe des 
verflofTenen Jahr« find die Herzoge von Meklen- 
burg- Schwerin, Meklenburg-Sirelitz und Olden- 
burg demfelben beigetreten. Es gehören alfo zu 
demfelben folgende Souveräne, die theils das kö- 
nigliche , theils das fürltliche Coilegium des Ban- 
des bilden : ' 

a. Königliches Collegium* 
aa) der Furß Primas, Seire Länder beflehea 



. 


Qu. M. 


Einwohner. 


l) ans dem Fürst^ntliumc 






AschafFenburg 


21 


67,411 


2) aus dem Fürstenthume 






Hegensburg 


4,10 


32,200 


3) aus der Graftchaft Wfiz- 






lar .... 


60 


4,988 


4) ans ^n Gebiete von 
FrankfÄ . 






4 


52,000 


5) aus den enclavirten rit 






tersch. Parzelea . 


925 


18,137 


, . Suäune 


38-05 D 


ivi. 174,7^6 E. 



Merkwürdige Veränderungen find in der Veif- 
waltung derfeiben nicht vorgefallen; durch einen 
Vergleich mit Wirzburg vom iQien Auguft 1808 find 
die über einige ritterfcliaflliche Paizelen im Sinn- 
und Saalgrunde [entstandenen Streitigkeiten aus* 
geglichen. 



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Abhandlungen. 



33 



bb)^ der König von Baiern. Mit ra&lpr«r 
Thätigken jwird die neue O^rgamfationBäiecn» be- 
Uieben; j^der-Zs^eig derjniiea;h Verwaitung er- 
luüt.eiiie neue E^inriditting^N Eine Zuraovmenrtel- 
hin^ yea deoiy was vm Laufe des abgewicbeueu 
Jahres .^uiiir,.g,e|ha^,,if^y würde den Rauifi die£er 
fiätter i^ei;f]c;bieit4^Q. ,Wir begnügen yns dah«r 
bLer blofs die D^qe, EintheUM.ng des Reichs in 
X^U^ ™i^ ibrem Areiile und ibrer Bevrölkerung 
aatzufübren. 





Qu Meilen. 


Volksmenge. 


I. Mainkrei? . . \, 


7aj 


I90>653 


'2.Pegnit«Iu:ei« 


..•42. 


141,930 


3. Naal^kreii . ^ . i^ 


> 130J 


320,635 


4..Eevtkreis 


6ri . 


190,077 


5. Ältmtihlkreis 


941 


202,107 


6. Obere DdV^aukreis 


?5 


258,539 


'7* Lechkrei« 


91 


223/176 


8«!iR«g».iikreJ» • . 


; 181 


237.095 


,9. Ujii^^jre Dgnfjilp-ei». 


"8 


215,661. 


10 Isarkreis . . ' 


1551 


3ü2,i53o 


3 1. Saltachkreif, ' . ' 


1031 


'190,967 


12. Illerkrcis * . 


118 


237,007 


13* Ina kreis . . - 


'176* 


. 202,751 


14. ßiMcHkrfsi« , 


1544 


I9i>6n 


.^5* ]^t8«?bkreis . 


.ii2i 


2;26,492 


Summe 


1,6361 DM. 3,231,570 E. 1 



Unter den Schrifien \ clie die Geographie und 
StatiAik diefes Reichs erläutern, find die mefkwür- 
digften ; 'das Ä. Bairijehe Regierungsblatt für r8o8. 
— /. Chr. Freiherr von Aretih Prodromus seines 
Kteranfcben Handbuchs über die Baierfche Ger 
fchichte und Statiftik. München , i8o8- 8- -^ Dw- 
i. O. JB. XXV HI. Bdt. I. Su C 



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£tn literarifehe« Handbuch über die BaierCdlie Ge^ 
fcbichte und Statiftik ir. Band. München, igoS* 
g. -^ Das Don«i€rn]oo8 in Baietn u. f.^w^ Mann- 
heim, i808- 8. — ^' ^. Hazzi^s Äatiftifche Auf- 
fcblülFe über das HertogAnm Baierh, ^t B. ^tTh. 
Nürnberg , 1808- 8« — ^or. Hühner's B^fbhrei- 
bung roh München. München, iSog. 8- -— Von 
Charten ^führen wir an: Mannerfs Charte von 
Baiern in 2 Blfittern, Nüimberg Im Honi * Verl^ife, 
eine Charte, die ihrem berühmten Verfaffeir Ehre 
macht, und Güßefeld'sCl^a^TXe vod Baiern. Weimar, 
im Verlage des Geographifchen^ Inftituts. Riedps 
Stroms^tlas von Baiern iß in den ji. G.E. (B.'XXV. 
S. 980» Hammer's Charten von Bamberg (ß, XXV. 
S. 102.) und von Eichfiedt (B. XXV.« S. 105.) und 
Spätk's Charte von Nürnberg (Bi XXV. S. 464.) mit 
verdientem Lobe angezeigt. 

Qc) der König von Sachfen. Hier finden wjic 
keine Veränderung in der innern Verwaltung ; 'wir 
bemerken nur, dafs die beiden Aemter Gommern 
und Barhy und der iachßfche Antheil von Maus* 
feld mit Ausnahme der Aemter Artern , Bornstedt 
und Vockftedt durch einen mit Weßphaleo ab« 
gefchlolTenen Staatsvertrag JFür den Cotbufserkreit 
an letzteres Reich abgetreten find und der Kur- 
kreis feinen Namen mit dem des Wi^enberg^ri 
vertaufcht hat. 

Das Königreich befieht gegenwärtig ans zwei 
^anz verfchiedenen upd nach ganz heterogenen 
iGrundfätzen beherrfchten Ländern , dem eigentli- 
chen Königreiciie Sachfen und dem Gröfsherzog- 
tbume Warjchau* Von beiden liefern wir hier ein 
Aatifnfches Tableau : 



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jihhandlungtn. 



35 



► 


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. 2 


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1 


9 


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(3 


■ 3- 

»1 



l) Königreich Sach/en»^ 
a.Krais Wittenberg 

b. Kreis Thüringen 

c . Re<t TOD Mali sfeld 

d. Graflcbaft Stolberg 

e. Kreis Meiüen 

£• Kreis Leipzig i 

g. Kolleg. Stift Wurien/ 
b. Kr. Erzgebirge 
1. die Schönburglcben 
Herrfchaften 
k* Kreis Yoigtland 
1. Kreis Weuftadt 
m. Stift Merfeburg 
B. Stift Naumburg Zeitz 
o. Fürftenth Querf utt 
p. SSchnfchHenneber|; 
q. die Oberlau litz 
r. die Niederlaufitz 
t. der CotbuITer Kreis 
t. die Armee 





130,730 


22 


3 


66.50 


I77,2<)3 


21 


4 


1.^ 


6,220 


I 


— ", 


15,000 


3 


— . 


6 


282,308 


40 


5 


9f- 




t 




234»02I| 


33 


f 


I02,S0 


434.021 


'46 


6 


18.50 


60,260 


13 


I 


33»5 


85.738 


16 


I 


I4>25 


36,812 


8 


3 


20 


40,837 


7 


— 


15 


3i.iK?6 


4 ^1 


,i,25 


20,469 


4-! 


8,75 


23^965 


2 


3 


126,50 


3 '3,963 


23 


4 


80^ 


126,405 


20 




17,167 


.33,a6o 


2 


1 


"" 


50,997 


^ 





409 
476 

'3 

44 

1.223 

592 

595 

121 

397 

218 ' 

212 

'37 
67 • 
48.. 

869 

608 
47. 



Summe [ 748i|2,o85476 t264t33|6.336 



2) GrsJthtrzogihumWar^ 
Jchau, 

1. Uepart. Warfchau 

2. Depart. Kaiilcb - 

3. Depart. Pofen 

4» Depart. Brohiberg 
5. Depart. PJock 
6* Torm. Depart. Bialy- 
ftoek 
7» NeaTcblefien 





• 






218 


255,000 


61 


■ ■-, 


332 
408.50 


396,000 


64 


— 


599000 


120 


24 


159»50 


214,000 


45 


1 


^ 


316,000 


43 


2 




325,000 


47 


—" 


4i 


72,000 


17 


— 



2426 
2,245 

3*828 
1,077 
3,399 

2f7l0 

762 



Summe [1,851 | 2,277,000! 387 [27 |f6t847 



Totalfumme l2,599^| 4,362,4761651 1 60 1 «2,183 



C a 



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36 Abhandlung£h^ 

Im Grofsherzogth nme Warfchau ßnd mehrere 
Eibrichtungen aetrofTen, die jedoch noch nicht 
iBinmtlith zur Reife gediehen; das kähftige Jahr 
wird uiif Wahrfcheinlicb mehrern Stoff darhieten, 
rm mit reibigemdivLeferiinferer ^4. G, E, bekafnnt 
zu machen 

A'^on Schriften über das Königreich Sachfen 
ßnd erfchienen: Ä. Z,*.Pofc*^^ Gefchichte, Geogra- 
phie und Statiftik des Königreich Sachfens und des 
neuen Herzo|ithum« Warfchau. Leipzig, i8o8- 8» — 

; Ä. A. Engelhardfs Erdbefchreibung des König- 
reichs Sachsen, 7r B. 30 Auflage. Dresden/ iScjB. 
g. — NeuerteBefchreibuni; von Leipzigs ein Hand- 

^bucb für Fremde und £inheim<fche mit einer £in- 

rleitung von Leonhardi, Leipzig, I^oS- 8; «nch 
Franzölircb. Leipzigs mit leinen Umgebungen 

ru. f. w. Leipzig 1808- mit 2 Planen. 8- — -P« 
Scheitlirfs Beobachtungen und Phantafien auf ei-*" 

^xietr Aeife durch Sachfen und Brandenburg. i. 

*ar Band. Stl Gallen 1808. 8« - Tafchen buch für 
f^remde in Leipzig. Leipzig, 1808. 8» -* Johann 
MaufS Bemerkungen auf einer Reife von Wittep 
her« durch einen Theil des Wittenb^rger Kreifes, 
der Nieter • und OberlauGtz u. f. w. Wittenberg, 

. 18^8- 8- -^ DefTen Bemerkungen auf einer Reife 

ivon Wittenberg nach Dresden, Pirna, u. f. w. 
Wittenberg, 1808. 8- — 

dd) der König von Weftphalen. Die» neae 
Reich, auf den Ruinen ehrw ürdi^er Staaten aufge- 
führt, hat lieh nun nach und nach dieVerfaHung 
gegeben, die ihm in fetner Conftitution vorge» 
fchrieben war, DeA Gang derfelben zu verfblgen. 



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Ah h an dl üh gen» *. ^7 

• geliört nicht hierlier"; wit werden jedoch BaldigH 
ein detaiUirtps Tableau der So eben völlig zu Stau- 
Ägekommeneh Departement^!.£imheilung liefern. 

Die Staatseinkünffte für das Jahr 1809 find auf 
SZ.SrS^ooc^t'räDien (14,430,50!^ Conr.Gl.) tirech- 
fiel, nämlicli: 

die GrunäflteuÄT auf - . - 10,000,000 Fr. 
. — PatehtÄeuer ;— - >' 1,000,000 — 

— directen Abgaben auf : . 11,460,000 — 

— Perfonenfteuer — . . 4,000,000 — 

— Domänen und Regalien. auf - 10,975,000 — 

'*- '■ ■' - ^ 

; ^ ' • Suipme 37,375,000 Fr^ 

* Die Ausgaben betragen dagegen; 

Oeff«nü;&chui4^1^^^ 4.^00 ooöFr . 

(Amortii'at. 8,oof,ooo) #^5oa,ooot«r. v 

Ciyillifte des i&ni§s \ .. f [' . .5,000,000 — 

MinifteriuÄider Ju&i2 und d^> Innern 5,000,000-^ 

Minifterium d*s Kriegs * • 1*' ' . ' 13,000,000-^ 

Minißerfum der 'Finanzen und des' 

^Handels '^. ; . ' . - , 8,463,000- 

ölaatsfecriBtärlat und Minifterium 

der auswärt. Angelegenheiten •- 1,090,000 — 

Staaurath *- . ^ . . 322,000 — 

' ^ ' ' -^ - '■ • ■ ' - 1 • i. ■ 
' > % Siunme 37,375,000 iFr. 

Die ifefaijimte Staatsfchuld^'mit Inhegriff der 
Departfflne'n^l - \ind Communalfchulden machte 
1808 eine; $umn^e von 112,667,750 Franken aus. — 
Das Mijitä^r beftand in 14,048 Mann , namKch 
ii>048 /nfinterie^ 2,000 Cavsdlerie und 1,000 Ar- 
tiUerie. ^ '♦ 



t 

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38 , ^ JlbhandlunfMn. 

Kein Reich in Europa hat im verwiehenen Jahre 
fo viele Federn für die geographifch ßatiftifche Li- 
teratur in Bewegun|[ gefetzt, als eben diefes, ^ 
lein die WilTenfchaft hat fehr wenig Gewinn davon 
gehabt. Das MeiAe beßeht i^us Compilationen der 
vielei^^ortreflichen topographiCchen ^ind ftatlAlr 
Xchen Werke , die wir bereit» aus ältAn Zeitea 
hatten. Neues findet man nur dann eingetragen, 
wenn die oüiciellen Blätter etwas davon gaben^ — 
Von den allgemeinen Werken führen den Zug an : G, 
HaJfeVs ftatiftifche Üeberficht des Königreichs Weft- 
phalen vor feinerQrganifation. Braunfchweig, 1307.. 
8. (rec. A. G. E. XXVI. S. 167.) und Maoul ßoje 
«JEsquiDe de la Stat« g^n. et particul^ du Roy. de 
Weftphalie. Brunfwick, igog. 8- .(^©c- -^- ^- ^* 
XXVI. S. 163) beides als vorbereitende, vielleicht 
zu eilig hii^eworfene, Schriften^ dann folgen Bd. 
Kaulitz tableau alphab. des villes etc. compolan^ 
le Roy. de Weftphalie. CalTel, l8o8* 4« (rec. A. G, 
E. XXVI. S. 169.); ^ie kurzgefafcte Erdbefchrei- 
bufg des Königr. Weftphalen. Oelmenhoirfly .igoQ« 
g.; das Handbuch über das Königf. jpert|>halen, 2 
Hefte, Halle, 1808. 8- 5 Pried. Hßrtmann's b^leli^ 
render Bürgerfr^nd. Halle, ißoS- 8N?.^i« Lettre? 
Weftphalicnnes, ^crites par M. le Comte d, R. M.. 
Brunfwick, jgog. 8* • ^^^ Letlres für WeAphalie pat 
Louis de Qraimberg» Carlsroühe, 1808- %.i G,L. We^ 
ber's Entwurf ein|pr geographifch enBefchreibung 
des Königreichs Weftphaleij, Eifenach ijgOS. 8«; J^* 
G. Reinhardts l^leiner WeÄphale. Halle, 1808. 8-i 
C f. B. Außußin's ftatiftifche Üeberficht dlt^ Kö- 
nigr. Weflph. ifier\Pand.. Halle, 1808. 8- (nur al^ 
Materienfammlung von Werthe.); VVerXuck einer 



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Ab handln ngs M^ ^ 

fBOgr. Darftellung des Bouen Königr. Weftplk vaa 
F. L. B — b. Tübingen, igoS- 8.? und G. H^ffeV^ 
§eograpfa. ftatüt. Abiif« des Königr. Weftph« Weimar, 
l%0%. ^i mithin dreizehn befchreibende Werke übec 
ein Reich, das eben er/t aufblühet; dreizehn WevJte^ 
die eine und diefelbe Tendenz haben! — Von 
einzelnen Schriften nennen wir hier das gehaltrei- 
che Werk von Af. C. Villers: Coup d'oeil für lek 
mniverfitds etc. en particailier du Roy. de We%h,. 
die Stimme eines Ausländers, die ein Wort zu fei- 
ner Zeit fpricht und auch em ßatiftifches InterelT^ 
hat; J. if. Q ^rf/ig^rod'«Gefchichte von Münden in 
TorzügU eher Hin ßcht au£ Handlung und Schiffahrt» 
Gotungen, l^og. 8 5 «^^ Ä. Hafner*s die 6 Cantona 
der ehemaligen Herrfchaft Scbmalk^||ui. ifter B. 
Schmalkalden, i8o8* 8 > ein Werk,^^as lieh gut 
ankündigt; Heren de Villefoffe Nivellement des 
Harzgebirgs, herausgegeben von Oilbert. Halle,: 
I8<>8* 8*> <^ie geog^* nati^rhiftor. und mineralog;« 
Befchreibung des Harzgebirgs, 2 Theile. Leipzig^ 
]8o8- 8*9 ^' C. H^n^eVs Befchreibung des hohen 
Petersbergs an der Saale. Halle, i8o8 -S-i CaICel in 
hi&or. topogr.Hi^ficht (rec. A. G. K XXV. S. 3 t 2.) 
— Von Journalen und Zeitfchriften : den Weftphä- 
lifchen Moniteur^ und das Archiv für Gefchichte^ 
Geographie , Topographie und Statiftik des Königr> 
Weftpb. von J. P. Rotfenfnejrer ^ wov4)a 2^ Hefte vor 
uns liegen, aber der «^Wartung durchaus nicht ent- 
Iprechen. — V^on Charten: Fr. PT, Streife Ckdiit^ 
des Königr. Weftphalen , Weimar, im Verlage des 
Geogr. Inftituts. iSog. (rec -4. G. E. XXVI. S. i80.> 
und ß. BL F. SeideVs C\i9x\e des Königr. Weftph^ 
Kümbexft, i» Yf/lage dei; Hom. Erbeni die Special- 



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40 



Ahk an d l un gen. 



Charte von dem Harzgebir^ und den nmliegetidvti 
Ländern in 4BI; (rec, J. O. JS.XXVl.S. 470); di# 
Specialcharte vom ehexr.aligen Eichsfelde' odec den 
jetzigen 3 Bezirken des Königr. Weftph. (rec. Ä. G. 
J?. XXVI. S.469) und F. L Giijfefeid\s Charte voa 
dem Harzgebirge, (rec. A^ G, E, XXVI. S. 471), 
beide letztre ni^u berichtigt und alie Jim Verlage 
desGeogr. Inftitüts zu Weimar; da on die Charte 
von den 6 Cantonen der Herrfchaft Schmalkalden 



ee) der König von Wärtemherg. — Die Ver-. 
änderungen ifi der innern Staatsverwaltung gehö* 
ren nicht hierher. DasAeich ift in x2Kreire abge* 
theilt, näq|^h: 



Areal in geogr 
Qu. Meilen 



Volksmenge. 



I, Kreis Stuttgardt 


I8i32 


96,631 


HauptftadtStuttgardt 


— 


22,771 


2. Kreis Ludwigsburg 


i5»i2 


lo8,$o9 


Hauptft. Ludwigsbur^ 


— 


5,8^ 


3. Kreis Hej^briinn 


18,26 


10?, 167 


4^ Kreifr Ohringen 


22M 


81,147 


5. Kreis Calw 


28,62 . 


80,078 


6. Kreis Kothenburg 


23.81 


120,193 


7. Kreis Rothweil 


35'iä 


102,623 


8. Kreis Urach 


25,69 


t04,986 


9. Kreis Ehingen 


39'27 


93.39a 


10. Kreis Altdarf 


43»o8 


72»746 


II. Kreis Schorndorf 


22,59 


ZlyQ^S 


12* Kreis Elvrangen 


37,62 - 


97,784 



Summe 329,5^0 M. i,i8i,378E. 



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Jlbhandlungen. 



41 



■oter welchen letztren 272,036 Patrimonial- Uottr- 
thanen. . Vob ftatißifchen Werken ilt Uofs der 
iLöaigl. Würtembergifche Seaatskal ender lur 1808» 
QDd von Charten die Charte des Königreicht ßVür* 
temherß, Grofsberzogthums Aä^^^n und Füllten* 
thamt Hohenzollern von Fr» W. Streit. Weimar, 
im Verlage dei Geograph. In&iu 1808 anzuführen. 



fF. das GrofsherzagthUffn Baden» 
ift in 3 Provinzen eingetheilt: 



Das Land 





Areal in geogr. 
Qa. Meilen. 


Volksmenge. 


lo Obcn'hein • 

2. Mittelrbein 

3. Niederrhein . 


12^,50 

7875 


369»6i6 
270,306 
28232? 


Ipmme 275,25 DM. 922,649E. j 



Die Staatseinkünfte betrugen 1808 2,953,936, 

die Ausgaben 37472,765 und die Slaatifchuid 1$ 

Mill.Gl. 

t 
Von geo^raphifch J^atiAifchen Werken, vdie im 

Laufe des abgewichenen Jährt erfchienen« lind z« 

bemerken: das grofsherzogjich Badenfche Regie^ 

rungsblatt für 18O8; •^- Fridrich's hiftorifch poli- 

tifche Skixze von MafinA^fm. Mannheim, 1808 8* 

G. C. //ar^mannV Befchreibung det Boden/ee* 

Neue Auflage. St. Gallen, 1808. 8» G- Reinbeck' f 

Heidelberg und feine Umgebungen. Leipzig, i8o8« 

8- ; die Anflehten aut dem MurgthalevonKunz und 

Primaveß. d Hefte. Heidelberg, j8o8- 4« 



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jp Abhandlungen^ 

gg) der Grafsherzog von Berg und €lev€ 
Grofsherjög Joachim erhielt im erften Viertel des 
Jahrs 1808 die bisher Preufsifchen und Orauirchea 
Länder \Afwii/l«r, Mark^ Litten ^ Teekienburg 
und Dortmund 9 wodurch der Län derbe ftand det 
GroCsherzogthumsauf 314, 82 U Meilen mit 931,000 
Menfchen erhöht wurde , nämlich: 





Areal in geogr. 
Qu. Meilen. 


Volksmenge. 


I. Hörxegtliuin Ber^ 


66 


20*877 


2. Herzogthum Oieve 


28 


83,456 


3« Herzogthum Münßer 


49 


126,291 


4. Graffehaft Mark 


46 


137890 


5. GraffbhaftLingen 


8 


«5.021 


6. Grafsch. Taklenburg 


5 


20,059 


7. Graf f eh. Dortmund 


i,8a 


9,500 


8. die Stande&herrli- 


• 




chen Bezirke : Sie gen, 




Dillcnhurg, Hadamar, 


^ , 




Beilftei i^aheina,Beni- 






heim »und Steinfurt^ 


1 




Horftmar, Weßerburg 






und Schadeck und ein 






Theil vpn Riuikei. 


^11 


«31*400 


Snm 


oie 314,8» D 


M-93o>494E* 



Die Organifatibn diefer Staate» wurde ganz auf 
franzölirchen Fufa gefetzt , auch erhielt der Grofs^ 
herzog das ErbgeneralpoTtmeifteramt in den Ha»* 
leftädten und andern benachbarten Staaten: io^- 
defs gab er feine iämmtlichen Staaten , nachHent 
er auf den Tbxon beider Sicilien gerufen wtt£d9> 



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Abhandlungen» 



43 



in die Hände dei franzödfchea Kaiferf zurück.» 
welcher fle für lieh in Belltz nehmen liefs. — Von 
itat. geogr. Schriften haben wir blofs: Ad. v, Da- 
niels vollftändige Befchreibaijg der Schwert- , Mef- 
Jer - und übrigen Stahl - Fabriken lu Solingen, 
Düfleldorf, i8ö8. 8» ^^^ v«>n Charten Fr. Wilh. 
Streit Charte des Grorsherzogthumi Berg und 
Hejfen u. f. w. Weimar, im Verlage def Geogr. 
lafiituu 1808. zu'bemerken. 

hh) der Großherzog von Hejfen. — Gegen- 
bärtiger Länderbeftand: 200 Q Meilen mit 539,000 
Menlchen, nämlich: 



, Tm4I.t -»»'"»"«•• 


1. FÄrftenthum Starke» - 
bürg 

2. Ffirftenthum Ober- 
helTeii . 

3» Herzogthnm Weft- 
pbalen • . • 


43^ 
90.75 

66 


I79*»S 
aa6,545 
131.888 


S^mme 200 D M. 538,256 £. 1 



ii) der Großherzog von Winhurg. Durch 
Staatsverträge find die Gränzen mit Meiningen (H 
A. G. E. XX Vir. S. ni) und mit dem Färß Pri- 
mas feßgeletzt. Sotnh keine Veränderung. — Ebea 
to Und die VerhälfnifTe des Hoch - und Teutfch* 
meißers, ebenfalls «ine« Prinzen aus demErzhaüs« 
Oefterreich, nichts weni gier als berichtigt, tind es 
Aeht zu erwarten y was derlelbe aus dem Schiff« 
brache dts Ordens retten, und oh derfelbe zum 



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44, Abhandlungen, 

Bheijnbuii(!e treten wird. Nach d^m Südteutfchem 
Archivie H, l. S. 66. betrugen die Emküntte 4es Or- 
dens noch 1806 426,000 Gulden , nämlich aus dem 
MeiAerthume 115 600» aus der Bailei Elfat 100,000, 
aus der Ballei Oefterreich 60.000, aus der BaUei 
Tyrol 11,000, aus der Ballei Helfen 50,000 aut 
der Bajlei Tliiüringen 20,000, aus der Ballei Sach«- 
f«ti 50,000, aus der. Ballei WeAphdlen 15,000, aus 
der Ballei Coblenz 4,000 Guld&n. -t Von der 
Stadt Wirzburg hat Jof Jnt. Oegg eine Chorographie 
geliefert, wovoüder ifteBand zu Wirzburg erichie« 
nen ift. .^ 

i 
b). Fürßencojlegium. 

Dies bellehi aus folgenden altern Mitgliedern: 
«a) dem Herzoge und Fürften von NaHau. 
bb) den Herzogen von Hoh^nzollern Hechingea 

und Siegmario^en. 
cc) denFürften von Salm Salm und Salm Kir bürg, 
dd) dem Fürlten von ^enburg Birltein. 
ee) dem Herzoge von Arein berg. 
ff) dem Fürften von Liechtenftein. 
' gg) dem FüiiEtcn von Lejen. 

Ferner aus den neu hinzu gakommenen Mtt-^ 
g^ied^rn : 

hh) Herzoge von Sachfen \Veimiir^ 
ii) — — , Sachfen Qutha. 
)Lk) — — Sachfen Meiuingen. 
11) — — Sachfen Cobu^rg. 
mm) — — Sachfen HUdburghaufeii. 
nn) — — Meklenbur^ Schwerin* 
00) — — M eklen bürg Strelitz. 
pp) — — Oldenburg. 



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Abhandlungen. 45 

qq) Herzoge von Anhalt OelTau, 

TT) — ' — Anhalt Hernburg^ 

st) — — AnhtfU Kötheki. 

tt) dem Fünften vda Schwarzbuifg Sonden- 

häufen, 
ua) — — S^hwarzbolrg Radk>lftadt. 
vv) — ^ Waldeck. 
xx) -^ — Reufs. 
m yy) — — Lippe Detmold ^ittd Lippe 
Scheumbarg. 

Aufser dieifea giebt es noch «erfchiedeiie teüt* 
fcbe Staaten, Woirübe^r bis jetzt nibkt disponirt ift 
und die anter den unmittelbaren Befehlen des fjcan- 
2öQrcben Kaifers ftohen. ' Dahin gehören : 

j) die Hanciverifchen Länder Kaienberg, Lüne- 
burg. Lauenburg, 'Brd^men, - Verden, Ha* 
dein, Hoya und Diepholz; 
3) die PrejuMfchen Länder ßrfUTt mit Blanken- 
hayn und Baireuth; 

3) die Hefsifcben Länder Hanau und Niederka- 
tzenel Inbogen ; 

4) das Oranifche FürÄentbum Fuld; 
, 5) dat Schwedifche Vorpommern. 

ebenfo ßnd die vier HanfeMdte Hamburgs Bre* 
men^ Lübeck und Danzig noch nicht in denRhein-^ 
buad aufgenonimen. 

Bin voUfiätidiges Tahleau der fämmtlichen 
tentfchen Scaateti, die nicht zu dem Oeßerreichi- 
fchen , Preulsilchen , Dänifchen , Franzöfifohen 
und^Holländifchen Staatsk^örper gehören, dürfte 
hier mit Angabe ihres Areals, Volksmenge, Ein- 
künfte, und Bundescontingenti an der rei^htea 
Stelle (tehen* 



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46 'Ahh^ndlung^n. 




1 

1 
1 


Ttuttche Stauten. 


irreal in 


VoUwmenge. 


Einkünfte 
in Gulden. 


Bundes* 
Coatin- 


..a. Rheinbund. 


'& 


I5»484'97t 


8504i»95i 


118,885 


I. Baiern 


3ii*3i»570 


17,500,000 


30,00a 


2. Sachfen mit War- 










fchau « 


2,599} 


4.362,476 


17,500,000 


20,00a 


3. Weftf^alen 


688A 
329J 


. 1,958,366 


14,430,502 


25,000 


4. Wirtemberg 


1,181,372 


8,000,000 


li,000 


5. Fürft Primas 


38Ä 


. 174,736 


1,800,000 


968 


6. Baden • 


276J 


922,649 


2,963,9:^6 


8,000 


7. Berg und CleTe 

8. Heften • 


3Hf 
200 


930,494 
538,256 


4,000,000 
3,500,000 


looö 


9. Wirzburg mit 










Teutfchmeifter 


97 


309»78i 


3,226,000 


2,000 


10. Sachfen Weimar 


m 


110,421 


I,OCiO,000 


IOj 


II. Sachfen Gotha 


55 


180,144 


1,300,000 


Z|200 


la. SacKfcn Meinin« 










gen 


:5f 


44,012 


350,000 


300 


13 Sachfen Koburg 


61,000 


425,413 


400 


14. Sachfen Hildl>urg- 










, häufen 


IZ 


33,000 


150,000 


200 


15. Mecklenburg 










Schwerin 


3i9f 


288,853 


1,800,000 


1,900 


16. Meklenburg StM- 










lits . 


36A 


66,000 


525,000 


400 


17. Oldenburg 


io8i 


160,000 


800,000 


800 


18. Anhalt Deftau 


17 


63,?i3 


600,000 


350 


19. Anhalt Bernbarg 


16 


35,193 


390,000 


240 


20. Anhalt Köthen 


15 


28,842 


2oo,(y)o 


210 


21. NafTau . 


io3i 


272,000 


1,767,000 


l,6öo 


22* Hohcnzollem He- 










<:hingen • .' 


5i 


14,000 


6o,ooa 


93 


23. Hohen loUern Sig- 










maringen 


19 


39,000 


240,000 


197 


24. Salm Salm • 


20i 


, 34.720 


/ 150,000 
t 8o,Q09 


323 


25. Salm Kirbnrg 


lo| 


18,9" 


26. IfenburgBirftein 


Il| 


43,000 


fi6o,cop 


.291 


27. Äremberg 


5o| 

2§ 


59,000 


3oo,cob 


379 


28* Liechtenßein 


5,012 


40,000 


40 


29. Leyon * 


2I 


4)500 


34,000 


29 


30. Schwarzb^rgSon* 






g 




dert häufen 


23 


66,000 


250,000 


650 


31. Schwarzburg Ku- 










dolltadt 


22 


54,5^7 


1200,000 




32. Waldeck . 


2IÄ 


47,293 


375,000 


400 


33. Reuf« Graiz 


7 


21,800 


i3c.t)oo 


"7 


34. Reuft Gera ; 


7i 


22,836 


140,000 


146 



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AbKanilungfn. 



f47 



IcutCche Staate]». 



Areal in 
Meilen. 



VoULUBCAgt. 



Einkaufte 
in Gulden. 



Bundes 

Contin 

«ent. 



35. AenCi Schleitx 

36. Kenfe Lobentteiii 

37. Kettlt £bersdorf 
^ Üppe Detmold 
^ Lippe Schanen* 

borg . . 

I, di€ Hdnfefiädtg. 
I. Hambarg 
3. Lübeck 

3. Bremen 
4* Daaxig 

c. Disponible Staaten, 

1. Kalenberg 

2. Lüneburg . 
3» Lauenbnrg 

4. Hadela . » 

5. Bremen . 

6w Verden • , 

7. Hoya 

8. Diepbols 

9. Schvred.Pommern 

10. Erfurt 

11. Batrefith 
12- Puld . 

13. Hanau « 

14. ILatieneInbogen 



6 

4* 

04. 
10 

t 

, 9 

4 

19 

663, 

200J 

6 

94J 

24f 

49 

12 

66 

16 

57i 

324 

22 



16,360 

7498 

7,614 

70,040 

20,132 

298»000 

119,000 

45*000. 

50,<)0o 

84tOOO 

I,ai6t667 

dH>OOQ 

10^,000 

38.«K) 

^0,060 

190.000 

1^,000^ 

. 70,000 

I§,000 

6i,oop 
251.067 

9T,000 

66,000 

18,(X)0 



100,000 
90,00p 
80,000 

025,000 

80,000 

3,000,000 

1,500,000 

400,000 

400,000 
700,000 

6,700000 
580,000 
950,000 

löOtOOO 

30,000 
700,000 
120,000 
460,000 

70,000 
400vOO0 
300000 
900,000 
600.000 
32 ,000 

80,000 



^umne 



i§r^| if^^2t^i^\ 



125 

39 
23 

150 



Alle Souveraine des Rheinbundes riclie^ten ihre 
vorzaglichi^e Sorgfalt dahin, ihr Hautwefen auf ei» 
Ben ordentlichen Pub zu fetzen , die Verh&ltniiXe 
mit ihren Nachbarn und mit den tnediatifirjten Für- 
ften zu offnen und zu beriditigen, zumTheil auch 
wie in Weftphalefiy Hejferty Anhalt Köthen^ Arem» 
herg^ Danzig das xVa/^of^onfcheGe fetz buch einzu* 
fiilu:«o. In mthrexn^ beiondert den Säehfifchea 



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;f9 lAbha^nilungs^n» 

Staaten/ ift man überall init leifer*Sc1ionüng^ttt 
Werke gegangei^in ^tuderil dagegen ift die alte Ovd- 
.nuDg der Dinge .mit..eineni M^e aber, den Hauf^ 
geworfen worden. Bocb ßnd fo .wenig das Staatiredkit 
detRheinbundteründ der Bundestag, als ^ie Verhält- 
nille der Fürftfn ^nter ßiph, «ihr Rang, ibr^< Ver<> 
bindlicbkeiten gegf^nfeltij geordnet, und Alles er- 
wartet noch eine nähere Beitimmung. 

Wir haben eine Menge Sc^hriften iiber die 
Bheinconföderatibn , die an die Stelle des Germa* 
»ifctieh Steatenverein» getreten; aber eine eigne 
Stati&ik und Erdbe&hreibung (uchi man noch 
unter der Literatur vergisblich upd^ wird, auch nur 
erlt» denn erfcbeinen können, wenn alle Räder det 
B edes in. gehörigem Gleife laufen. ' An ^ateria« 
lienfdmmlungen fehlt es dagegen nicht: f^mkopp*t 
Rheinbund, Crom^f und Jaups Germanien, , 0<?yi^r- 
reiehersArchiy ,^ das JVirzhurger Archiv der Re- 
gierung und Gefetzgebung der gefammten Bundes- 
ßaaten, die thevaiidkke Bundeszeitung und der rhei- 
nifche JJortf haben alle diefe Tendenz. rDie Staats» 
künde und £rd belehr eibung gewinnt wenig durch 
Keysers rheinilchen^Buod. Tübinge«, r^oS- 8- Voh 
Charten lind fertig geworden: Teutfchland nach 

-»dem-ieizigen Be&aade von , Güffl^fsid. N ti r nfc y erg - 
bei Harn. Erb. 1806.; Charte füv dia neuen Ver- 
bältniJTe von Teuifchia^d. Nürnberg ebend. igoö.; 

. Teuufchland zur Anllcht der conföderirten^tfi^A^a 
amH-hf^in. Weimar, imGeogr* Injiit. 1^06; ;vndt^ie 
Intevimscfaarte von Teutfchland fiaclf d^m Frieden 
von Tilfit von Güjjfef^ld, Weimar,, im Geogr. Initi- 
tut i8'07* Alle diefe Pxoducte wax^n, aqf das vor- 
liegenide Bedürfnifs bei:echnet.. 

Mit 



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Abh^n dlun §cn. ^9 

Mit Vergnügen haBen wir dagegen die rafcbe 
Fonrückung der beiden , Knnlt uod WilTenCchaftea 
gleiche Ebre bringenden y Werke, der grofsen to- 
pographifchen Militär - Charte von Teutfchland^ 
wovon nunmehr im Verlage des Weimarifchea 
Geogr. Inftitms XIV Lieferungen fertig geworden 
(ang. A. G. E. Xkvll. S. 108), und der Arhman^ 
Bohnenbergerfchen Charte von Schwaben^ die bei 
Cotta jetzt wieder mit 6 Blättern vorgerückt, (rec.^f, 
G. E. XXVII. S.202), gefeben; werden beide voll* 
endet feyn , fo darf der Teutfche fie dreift den Mei« 
Aerwerken aller Wationen zur Seite Hellen. Daft 
auch die franzöHfche Regierung die Abficht habe, 
eine g^ofie SpeciaVcharte von Teutjchland ausar- 
beiten zu lalTen, davon iü^em Publicum in den^ 
<?. E. XXVII. S. 343 Nachricht gegeben worden. 

An einzelnen Bereicherungen dex Geographie 
und Statiftik der kleinen teutjfchen Länder war dat 
vorige Jfthr nicht fphr ergiebig;, eine Topographie 
vofi.Bairemh hat S. W. A^BikenJcher geliefert; 
eine tefMigr. Skizze von Hanover die Müller(ch9 
Buchhandlung zu Hanover und Bremen. Von 
Charten haben wir bjofs noch die Anzeige der 
Iriiatzbaren Giyjejeldichen Charte ven dem Für* ' 
iemhame Weimar in ^ Blättern Berlin, iQof und 
det Parkf von Weimar im Virlage dts Geogr. 
InAit. rSoS« fo wie auch v. Riedls hydrographifchet 
Charte von Bayern in^^ Blättern, nachzutragen. Ein 
EepeKtorium und Charte aller Foftltationen von 
Teutfchland ift zu Berlin bei den Gebrijidern Gä» 
Üke heraufgekommen. 



4. Q. E. XXVIU. Bds. X. S$. 



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BÜCHER- RECENS IONEN. 



IHniraire dejcriptif de V.Espagne^ et tableau 
ilementaire des diffirentes branches de Vadt 
mmiftration et de Vinduftrie de ce Koyaume^ 
pur 4^^^ ^^ Lamords. Parii. 5 Bdt« gr. 
8« 1808' Mit einem i^tlM* 

Diefes Tehr weitlSuftige Werk §Uht £lch auf dem 
Titel und in der Vorrede für ein Randbncli tum Ge« 
brenehe der Keifenden müh. Wenn ei .daher feprfift wer* 
den toll y fo littmiiit ea roV. allen Oingea dnramf mm , ca 
^unterfttdun, ob die Fenn dellelbem Itüaem Zveeke est- 
fpreehe« 

Seitdem die Periode des Reifen* bei den meiftca 
Nationen von Suropa angefangen hat, fuchte man ancli , 
das Bedürfnir« nach brauehbaren Leitffiden für die Aee^ 
feuden tu befriedigen. Die erfte EntAehiing derfelbea 
sft abf^r Ivohl in Italien tu fucHen^ wohin die Schönheit 
det Himmels , die herrlichen Erinnerungen an eine greif e 
Vergangenheit und die vielen Ueberbleibfel derfelben 
firüh eine Menge Neugieriger "^gelocJct hatte. Kurs nach 
jenem pftpftUchen SchwetterColdaten , der tuerft in Rom 
ein Gewerbe aut der Begleitung der Fremden bei J^e«» 
fichtigung der Merk würdi|ikeiten gemacht hat, und auf 
delten Benennung , Suizzero , nach und nach der Name 
Cic€ron€ entftanden ift , wurde diefes Handwerk lu einer 



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Bücher -- AecenfioneiU' gl 

Art vm Wifl^nlbbaft erhoben^ bei welober äii^ h%hx* 
Jbae1i«r »«türlich iiicbt lange autbleiben konnten. Man 
fobrieb mllö Führer für du Fremden , ohne dalt man 
«lariun die lebendigen' Führer unnütz machen woUtei und 
bald gaK es nicht leicht eine anlehnliche Stadt Ita« 
Hcnt , ^eren Merkwürdigkeiten nicht mit einem unnütsen 
Oeprittge Tön Gelehrfamkeit, und meift; ohne alle Au«* 
wähl 9 in einem befondern Buche aufgesei ebnet wurden» 
Für welche GlaXIe der Yon'krchen Keirenden dielb Schrift 
tan snnächft beftimmt waren, Geht man kli^rlich aus dem 
ganzen Geifte ihrer Einrichtung:: — für die müHigen R,ei« 
fenden , welche mehr fehen , als beobachten , mehr be- 
wundern, als unt^rfuchen wollen, lieber das Wefent* 
lichft • Wiflenswürdige , über Bevölkerung , Induflrie, 
wiirenfchaftHchen Zuftand u. dgl. enthielte^ fie gewöhn- 
lich heine Syibe , und dfes dauerte fo lange fort , hU 
der finftere Ernlt der Zeit an das wahre Bedürfnifs erin* 
aerte, und durch die ftärkere Reibung der Staaten an 
«inatider die Unterfuchung der Itreitenden Kräfte Heb 
Ton lelbft aufdrang. 

Volkmann war daher wohl der Erfte, welcher in feinett 
eritifchen Nachrichten von Italien und anderu Lfindem 
das lebhafter ^fühlte Bedürfnifs su befriedigen fuebte. 
Wie es ihm gelungen, ift, auch ohne Kückficht auf einen 
erften Verfnch im Allgemeinen , fchon fehr lobenswerth, 
wenn fein Werk gleich weit nicht allen Ferdemngen einet 
geübteren Reifenden su entfprechen ▼erm6ehte. Ift es 
bent su Tage vSUig unbrauchbar gewordeU, fo liegt die 
Schuld an der Zeit, welche einmal alles Alte wiederge* 
hären wollte. Zuverläffig ift aber, dafs der Hauptfehler 
deflelben darin beftand, dafs das Buch das Bleibende und 
das Vorfibergebende riicht gehörig von einander abfon« 
derte, und noch mehr^ dafs es feinen Hauptzweck dahin 
ausdehnte, dem "Reifenden feine eigenen Ai4gen und 
Ohre^, die eigene Unlerfuehung , und damit das eigene 
Unheil SU erfparen. 

Heut SU Tage würde es beinahe lächerlich feyn, nook 
Mrtttfa<di«a zu wollen i was «in Reifender eigent^idi auf 

Da 



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5« Büehsr - Refnjionen. 

feiiier Heife tu thun , und gegen fieh Xell>ft and ledtk 
Vaterland' zu leiften habe. 'Hätte er Zeit genug und 
brSchte die gehörige Vorbereitung mit » fö könnte 
•r aller Handbücher für feine Reile geradezu entbeh<> 
Ten. Da diet aber f'elten der ^atl ift , iind To viele ent«» 
weder in Gelchäften, oder nur föf kurze Zeit fremd* 
Linder befuohen, und dennoish ^ründlichA Urtheile übeir 
diefelb^n nie ndthiger gewefeu find, alt heut zu Tage, 
lo mag man fich erklären, wie fich nach und nach di* 
Literatur dielet Pacht angehäuft hat, uai wie fie den* 
noch nie unbefriedigender gewefen ift, alt jetzt. 

Vorliegendes Werk ift von dem letzten Vorwurf nicht 
autzunehmen , wenn auch gleich gegen leinen Plan im 
Ganzen wenig eingewendet werden kann. So wie Spa- 
nien jetzt ilt, kann und muls der Faden dellelben fich 
^n beßimmte Keiferouten binden , und das Allgemein^ 
}n befondern Artikeln abgehandelt werden. Es zerfallt 
daher in zwei Haupitheile, deren eriterer, dat Itindraire, 
der zweite, die Statißik — wie ihn der VerfalTet* über* 
fchreibt — umfafst. Ohne noch in das Einzelne einzu- 
gehen, wollen wir fiber die Autdehnung det Pluut ei« 
uige Bemerkungen machen. 

Waa wir de mfelben hauptfächlich vorzuwerfen haben, 
ift Mangelan Sparlamkeit, fowohl im phyfiTchpu Aaum^, 
als in der Mittheilung feiner Materialien. Fünf groXt^ 
40ctavbände mit einem kleinen Atlat find kein Haiidbuch 
für Reifende, und am allerwenigften für Reifende in 
Spanien, die fo häufig genöthigt find, ihr giUizet Gepäck 
in einen Mantelfack zufammen zu nehmen und, wenn 
fie klug find , dielVt immer thun werden. Wir felbft 
wurden bei einiger Bequemlichkeit, mit der wir unfern 
Reifen machen konnten , durch daa Toü^inannfche über 
Italien oft befchwert und fanden, alt wir nach Spanien 
giengen, fogar;defi^tlben Verfaflert Buch für diefe« X«anii 
in zwei dünnen Octarbinden' zu weitfohweifig. Wif 
fchwerfällig wird man nun erft durch dat dt Laborth'^ 
fche Werk, und wie fauer mnft man fich dat erkaufen» 
was etwa daraut zu lernen ift?- 

Att£rer dem daher, dal^ diet Bnth mit au viel typn* 



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Bü tfh r<- 9,0 ee nfi^nM n* 5^ 

^!|pliifeiieiii Aufwände g^dntekt ift^/ indem fScb fefn Iii<r. 
lialt mit einigeiTy hloU ättCfarliehen , Oeooiioini« auf di# 
HiUfte Itätte befchtänken lalTen , finden «irir «ueh den 
^khelt felhft su Kr«itMuftit> oft sweeklo»y und manch« 
liMl «fre^widrig. Beifpiele hieTon mögen das am Atler* 
beften xeigeki, loh w^ihle i^ä^k mtk99 au» -dem ItindraiNw 

* Oief^ beginnt mit einer Einleitung ron z6o Seiten^ 
in welcher unter fieben Abthf i>ungen : 1) Aber dM R^i* 
fien überhaupt und dann befondere in Spanit»; %) ftbc'k' 
die Art, in Spanien zvl reifen; 3) tiber die phyßfch«^ 
Geographie Spanien*; 4) über fein Gfima u. f. w.; 5) Qbar 
Ibine hiftorifche Geographie' fehr^ viel InterefTantet ge» 
fbgt, und tn 6)' und 7) anth «die- Chronologie. der Könige 
und die Eintbeüting' der* Landes beigefügt wird.' Iclfr 
btn-gan« und gar nickt in Abrede^ dafk fehr t^iel Vor« 
treffliches in diefer Einleitung enthalten ift, .'und werd*C 
auch fpiter wieder auf de surückkommen ; allein man 
hätte £ich kürzer falTen mölTen, indem hei einem folchen 
Werke, auch felbft für Pranzofen , wenig auf künftHche 
Einkleidung ankommt, und der Verfafler ohnedieft felbft 
geweht , dafs er datn gar k^ine AbGcht gehabt habe. 
Nach diefer Einleitung geht er auf die einzelnen Pro« 
Tineen mit ihren B.eiferquten über, denen dann |edesA 
mat auch wieder eine Art von Einleitung vorängefchickt 
i&y und eine Statißique particulikre nachfolgt» Diefet- 
Trennen der Materialien ift für ein Buch der Art über- 
haupt ungefchickt, indem es 'nie die. Beftimikiung hati, 
ftudirt «tt werden., tonrlern an^enhlicklicb zu orienti* 
ien, und diefes nur durch häufige Wlecterhol^ingeh ge« 
Ceheheii kann. Warum hier ^eder* unbedeutende Bachi^ 
& Za|il der Doinkapitel u. dgt. aufgeführt wird, läfst 
iich nicht begreifen, indem Tolches mehr iü den ftatiftt« 
fchen Theil gehprt, und dort in W%it kü'rzerem ftaum» 
und zu* allgemeinen AnCtchten leitend , aufgeführt wer*^ 
den kann. Gehen wir aber einen einzelnen Artikel der 
Keiferoute felbft durch, und nehmen Wir nur, dcB Zeit- 
htttrelTe wegen, die Stadt ISurgosy als Hanptftadt von 
Alt • Kaftilien , f0 ift das Wefeutlichße davon in fünt 
tÜtlartt dtti Owigifirfa jdl^cb gewilslidi isi Eantf Stitd zn- 



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filier Etym^ogie det Ji$mßmi,ß9trgo^,^ an feioem $tK«i^. 
mit Toktdo tmi liie Shre, di^ H#iij^ft#ilt Itoid^ Kal|«UMt 

Woftu die ganfe Lage der öudf belehrciban , wa«ii dM 
9iwli f itr d«ii lUüenden beHanunt tft, der fick an Or^ 
und Stelle felbft be£mdet? Warum die Namen aller 
iliver Tht^tßf Vovftädte u. dgl. aiig^oJ>en| — So mufcmam 
fioh duroh aiite Menge iiberflumger Notiten durohar|kei^ 
tan, bis man-, eitdlicli von 0inigen Getnälden, von da^ 
felunkelien IndjiArie und von der 8—9000 Seelen AnrkaA 
Bevölkerung hört. Sodann verninimt man von varfolii#» 
.denen Klöftem in • der Utngegend ^ welche iill«, keln#. 
Merkwürdigkeit haben v dafür vermifft matt aber dai von 
S. Pedro de Gardena, weil in feiner Kireha der nnßerb* 
liehe KaftiliTche Held, Ruy Diag d$ Vivmr^ oder liu Cid^ 
hegraben ift. 

Küpkt man al$dann tu der Provin« Neu • Kallilien vor, 
fo geht diele unnöthige Weitfchweifigkeit bei der gro« 
^sen Menge von Materialien, die dem Verfaller su Ge* 
bete Itanden , noch viel weiter. Hier erfahrt man unter 
fehr vielem WifTenswürdigen die Namen aller berühm- 
ten Gelehrten/ welche' diefe Provinz feit Gregorius 
Boe^icus , im vierten Jahrhundert, hervorgebracht hat, 
und auf deren Schätzung wir uns nicht einmal eintafTe« 
wollen» hört auch von einigen der vorzüglichem MSn« 
ner, die ße heut zu Tage noch befitzt, und wäre frei- 
lich auf\ VoUIiändigkeit In diefem Punct begieriger^ 
als- im Vorigen. JDabei ift aber doch der Artikel Madrid, 
wenn gleich blattreioh , doch fehr inhaltsarm , und ent- 
hält wenig mehr, als lieh die meilten Keifenden felbik 
in ihr Tagebuch aufzeichnen mochten. Diefe Bemer« 
knngen lallen iich l^i den andern Provinzen noch Mr« 
ker wiederholen t indem fich die Weitläöftigkeit bei die^ 
fcn weniger verzeihen läfst, der Vorrath an Materialien 
fie einander höchll ungleich gemacht hat^ Und man deü 
Mangel ^erfelben nur zur Attsfüllttn(|[ det Eaumt suweU 
len durch unnütze Gelebrftmkeit eirf^t^t findet* 

Der zweite Haopttheil iit^Whii^r 4ä4 Gmilfh^itf 



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^$ ^ßokU 4 tnwn Zw^g i&r Mmmiftrmtivn und ZnduftrU^ 
w^cke« <M« baideti letttta Baute fttUt, geßattet, nebe« 
•B« AneskeMiiaiig Tieler vortügUcker MatAriaUen» den«* 
«ock diefelbea Beatcrkangeiiy and ift s» viel voa dem 
dwriiiy traf «idbt m einüamdbitcii fftr Keifende gekört, 
wenn «s «iiek gleick toa demköek^en IntevelTe fär ^•^ 
Mbes ift. Seine .fieofteftiliel find folgende: i. BeedUce» 
noif; S* d t h trhmu j 3^ Mtmmrgn üh€f< du V^th^st^m 
nmg des Aek»bau€M und über di€ ugrartfchen 0€fut§* 
4. Mam^fmkturm^ 5. Omndil; 6. Strufstn u. dgh; 7. üHf- 
Üti^rstt/^ond ; , 8* Fmanzen ; 9* Getßliehktit ; 10. Jußi»^ 
II. i4iei; la. Ordwn^ 13. tViffgnf^kaften ; X4. Theater; 
15. JTun/l«; 16. €harukur und Üeiräi^ciu der NMimm. und 
17. Naturgefehickte de* Itandee. 

Unter diefen Kabriken ift dae M^fte ton. dem ge« 
faBimelt, was in den bitberigen, h«rnndcrs franiöriichen 
Werken Qb«r Spanien vorhanden -war, t^ivd noch Viele« 
nue dee VerfaiTers eigenen ficobachtungrn und aot man- 
ckerlci bandrchriftlichen Beiträ^^n hinzugeletzt , dag 
Gänse bleibt aber dennoch rudis indigefiacjue motes, die 
■nr mit grofter Vorficht «u gebrauchen ift. Wag tum 
Bejf piel vom Militfirz^ftand geXagt ift , war vor xeken 
Jahren wahr, hat aber Seither viele Verändernngen €r^ 
litten. B^im Pinanzwefen und beini Handel iSL diee 
! derCelbe Fall, und wir können nicht begreifen , warnm 
die OarfteJlung einer einzelnen frühem Zeitperiode im 
gegenwärttgea Augenblick befondre Belehrung für den 
Bellenden hätte, wenn fie auch volUtandig wttr, wie 
indeft nie der Fall ift* Dehnen fich dergleichen Unter« 
(nekongen auf verfohiedeae Bpochen auf , fo müftea 
üelblt^ diefe mit gröfiter Wahl heraufgehoben werden, 
wenn fie su allgemeinen SchHirTen berechtigen foilen. 
Einzelne Angaben aber; wie lie ein einzelner Sobrifl« 
fteller hie und da auf einer, oft erit noch unbekannten, 
Quelle erhaitea , haben in ^^Ick einem Werke höchftent 
den Wertb* ikn surFrüfung derfelbeti aufzufordern, und. 
das kann deck kier -^ wo allnt beftimmt gegeben rwer- 
dm foll — nickt der Fall feym Bei dem Artikel öb«r 
den AckeilMUi ift die k^Enmite toknft det JevelUmi^ f^m 



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^6 Bücher ^ Reo^nfi^^n^'m» 

fibcrfttti, WM wirklich irei^nfl^ch i^, 4a ^fiirii 4^«Ml»» 
Xehr felteii gemacht halt. Aber Jedarmaiiii wird-^awoii 
ffihleiL, dafs üe darum ^ocfa nicht in diete Bttftk JMtflt» 
wetehec für das grolie Publicum beftnmnty niir da« -all»- 
gemein IntereUaate davatu aaiafa^ban «Nrite. - In d«ite 
Artikel Theater ift die ganse Irühelfie dramatir^lte Lit«- 
iratnr der Spanier durchgegangen^ 4ie^Oeg$ni«iasfr*ab«ir 
jiur mit fiem Titel von einem halben Dnttenid ftchftu^ela«. 
Abgefertigt, i^rovon drei gerade zu ,^ezce]lentes*^ ^enaüot 
werden, weil ße im Oijehmock des frans^ß/tktft Thetb^ 
Ur^s. gefchriebtn ßnd, ' r 

An dergleichen Urtheiie .find wir ftreüich längft ge-^ 
wohnt, allein" et kann unfrer Nation, die fo willig alle« 
AusländiTche bei fich aufnimmt , nie genug gefagt wer- 
den , daf» fie Vörfichtig in i^rer Oaltfreiheit feyn folle. 
Wenn Rt daher in dielem Buche, trotx der langen Arti- 
kel ^ etwas Neues über die Würenfchaften und Literatur 
der Spanier erwartet , fo irrt Re fich lehn Sie findet 
hier freilich die frühere Literaturgefchichte auf franzö^ 
filche Weife durchgearbeitet; allein wir haben das All ea 
Xcbon ungleich belTer in vaterländifchen Werken. Waa 
die Gegenwart betrifft, So find es Namen, und nichta 
weiter, uhd fogar völlig fehlerhafte Angaben, wie die 
Behauptung, dafs Spanien noch J7 Univerfitäten habe« 
ungeachtet die ehemaligen zwei und zwanzig im Jahr 
1807 auf Eilf herabgefetzt worden find. J^ur in dem Aih» 
tikel Medicin wird man gröfsere Details finden, deneu 
aber auch nicht ganz zu trauan iJI, ungeachtet ntan 
fühlt , dafs fie von zwei Sachkundigen , aber in ihrer 
Anficht völlig verfchiedene», Männern herllammen, und 
der Compilator fich entweder nicht Zeit genug nkhaii 
oder fich nicht darauf verband, das Medioia heraus zu 
aehmen. 

Dies find wohl Vorwürfe genug gegen ein Werk» 
delTen vielfältige hrauchbare Materialien wir^felbft aner^ 
kennen, Allein wir glautoen unt zu einer ftrengen Cri- 
tik genöthigt'y da eipes der gefehätztefien franzöfifchea « 
Blätter imXre Lwidaleote leiokt durch Xeiue N«ehfioht 



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Bücher - Reten/ionen. jgf 

4afMM irre fähren kSimte, mid gerade efn Bueti 
der Art, das durdi den Umfang tind die Mannichfaltigf- 
keit feinee Inhaltt imponirt, am Tchärfften heurtheüt 
werden muf«. Wäre Alles geiTckrieben , wie Mie Einle!«- 
tang, to würde ^^e Critik bald entwaflbet teyn*; deAH 
««▼erlüfig ift-eir, dafe folgende Sätze, diem-derfelbeii 
dturckgefOldt find, uor alt RörttltaCe tiefer Studien aif- 
gefehen werden können» ' ^ 

yyMaiii wird fieh ^er die Bebaupttmgen wundern^ 
dafs Spanien nie blüh ender , aie'befi'er asgebattty und 
aiie bevölkerter gewelen ift, ala beut su Tage; 

„dafa et nie herabgefuSiken fft ^ weil es nie hock 
geftanden bat; ' 

„dab die Xo gertihmtei^ Regier^gen Ferdinanff T», 
KarVs V. and Philipp^^ U, niqr durch Waffenruhm ui^ 
fiursern £influft erglänzt, und dat Land feiner wahren 
VerbelTerung um keine Linie näner geführt haben; 

,,daft dat 15. und j6. Jahrhundert , wel<:he man f Qr 
die Glanzzeit Spanient «nlieht,- weniger glücklieb für 
daflelbe waren, alt dat I8te $ ^ 

„dalt die Entdeckung yon America nie, weder fei« 
ner Bevölkerung, noch feiner Induftrie , fchädlich ge* 
wefen, und gegenwärtig beiden unendlich nützlich ift; 

„daft die Inquifition , fo graufam und blutig Ge im 
15 und l6ten Jahrhundert gewefen ift, doch nie, weder' 
der Bevölkerung , noch den Forifchritten der Aüfklä- 
rang gefchadet , während ihr Einflurs , fo gering er feit 
lechszig Jahren fcheint, dennoch jede Verbellerung ver- 
hindert hat; 

„und daft Spanien , bei feinem jetzigen Ziii^ande in 
beiden Welttheilen , unter der Regierung eine« einAchtt-< 
Vollen F^rlten bald die höclifte Stufe von Reichthum 
and Glanz erreichen , und mit den grÖftten Mächten» 
.Bnropa?« rivali£Lren müftte/^ .> ' 

Üeber verfchiedene dlefer Pnncte liefte Üph natflr* 
üdi ttdcb ftn^ten ^ ab«r die Bvweite det Verfaüterk gebas 



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v4ooli HUBcherlei wicblige ^nCTchllifl« « . W6UI Ül^- n\^ 
nicht Ichon darum merkwürdig wftr«i»| 4a£l viel« d«r 
einf^chtsvollftet^ Männer Spaiiieat. tiarXell»eti Meinunfj; 
find. Auf jeden Fall gehen lle aÜber in «in gröfter«« 
2)etai1y, ala diefe filäUev geftattea, d^eisi e« bei der g»- 
«rüräigtfii Hanptanfickt dee Werks genügfn mufiy dar 
wir nur noch einige Wortt «her dfn, di«|felheii lieig«* 
legten Atlas y hinxuztifügen haben. . :) \ 

* £r befteht in seht und «wan lig Blitttem in groft Octar, 
.von denen, mehrere fioh in Quartblfttter Öfhien. Die 
erftem geben da« gante Königreich^ einet mit feinon 
Hauptgebirgto,, ein anderes mit deiner Haupteintheilnng^ 
ein drittes Madrid mit feinen Umgebungen , und die 
^rigen die verfchiedenen Keiferouten, welche im Buche 
befchrieben find. 9ie find ttht hfibfch geHochen, und 
li^en ans auch fonft richtig und brauchbar gefchienen. 



Voyages dansVintirieur dg la Louisiüne de la 
Ploride occidentale et dans les isles de la 
Martinique et de So/int Domingudf p^ndaat 
les ann^es igoa. 1803- 1804« ^805. «806. Con* 
tenant de noüvelles obfervations für Thiftoire 
naturelle, la g^graphie, les moeurs, Tagri- 
culture, le commerce, Tinduftrie et les naa- 
ladies de ces contr^es, particuli^remeat für la 
fievre jaune et \e$ moyen$ de les pr^venir« 
En putre qonte]>ant oe qui s'eft pall^ 4e plui 
inttfreCTant, relativement k r^tabliCTem^iit des 
Anglo-aiQ^ricains k la Louiliane. Suivif d« 
1« Flpxe Louifianaife. Avec im« cacte bou- 



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ßuebsr Keeenfi^n^n. §| 

v«U« Bwvte «a Uille^daace* Par C. C^ Ru^ 
MiNy auteur d« piufiaars ou^nnga» far la litt^ 
rature et Us fciences* A Paris, chez F. BüiT* 
fon libraire. T* L 1307. p. 346. Xllpr^faca« 
T. n. Sil, T.ia ssrp. 8- . 

3* 

C C. Ao^/i^^ Reifen nach dem Innern von 
Louißana^ dem weftlichen Florida und auf 
die Infeln Martinique und <9. Domingo in den 
Jahren ]g09— 'J8o6. Aus dem Franzöfifchem 
von K. L. M. M^LLKK. I. Tb. Börl. igog« 
Im Kunft- und Indaftrie-Comptoir. L T. 219 
S. II. T. «65 S. 8. 

WahrrcHeinlioli wollt« K9hin dtcf«« Werk tarn Dapat 
feiaer natnrhiftorirchea, geognoftifebea» pliyfifo1ieit| pki* 
lofopKifehen , geograpliifchen and mediciaifchea Anfich* 
ten maoHen , oder dadureh daa Grand la eintm Warka 
lagen , wov^on diefe Eeire die hiftorifoliea Bawaife lia* 
iura rollte. Die gröftere H&lfte ift daker blortaa Rai« 
fonnement, und nur die kleinere Hälfte entkält geegra* 
pkifck-ftatiftifch • hi^orifche and fplcke Nackrickten« dia 
der Zweck TonKeiTenden feyn können.— Wir find freilidi 
weil entfernt , die pkilofapkifcken ^ p^yiSrckea und geog- 
aoftifckaa Anfichten tu unterfckreiben , allein man wird 
lUbft in feinen Peklern das Tietg ebildete und eigMitkün» 
lieka Talent d^t Vert^er$ nickt t erkennen» Sebade^ 
dalfl ikm eine gewiffe Gediegenkeit «bgekt » die feiaea 
EigentkÖmlickkeiten and Ken nteilTtn jene Harmonie katia 
gdiien können ^ wovon allein fick Rundung und Hai* 
tnag erwarten IMfst. 

Die Hauptfehler diefes Werket werden wir eben fd 
nnparteüfch , alt feine Hauptvorzu^e aufziklen. — 
Beide 1' um dat Urtheil über dat Gänse , dat tkeiU sa 
aeaig gekannt j tkejile verkannt iil , xu fiziren. 

Seiaem Werke lokadet am meillea der MMgal af 



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£» Bükiher «. Recen/iönen.^ 

Jenft^ HüKe, womit G«gtnMiMkf 4«r Natur betrachtet, 
fromit UnterfuehtMigeti angefangeit mid- vollendet feyn 
wollen. ./Seine' £in^ili)uii|(skrafty lebendig: an üch und 
mehr angefacht durch die Schrecken der Revolutioliy 
die ihn aui feinem Vaterlande trieben', und ihn jeden 
liarmlofen Genuls aurter demfelben^ dankbar tiufgteifeu 
liefsen , milcht lieh in das ganze Gebilde feinei SylW- 
snet, oder wenn man recht • ragen foU, feiner Syfteme. 
Pie. gante Theorie der Endurfadien^ der R<kHn df^e Voi* 
^ede gewidmet hat, beruht, au^ diefem Grunde. 

'* Aus diefer Quelle entliehen dann noch andere- Feh- 
ler , die man 'tak in ' keinem'' 'G^pttel vtrkeitiien wird. 
9o macht er unbedeutende triviale Bemerkuiigeu:^ dafs 
man auf den Märkte^ der Städte das Leben und den 

, Pills der Induftrie kennen lernen könne, zu wichtigen. 
Er ergiefst fich in weitläuftige Erörtei'ungen über Nützen 
tmd Schaden des Caffe's , Tabaks»^ theih die gaiiise^Ge- 
fchichte mit, fchaliet eine Meng» Nebat^f^Hen von j^q^, 
CDU, Iiidftgo ein, und macht fait den ganzen eriteu Band 

'm «hier ifolirtisn Gefchichte und Parftellung yon Mar^ 
Hnique und St^-Domingp. Ein gewilfes Prahlen mit Ge* 
lehrfamkeit V das indictum orie nlieno^ und die E^clama«* 
tionen. fchVielven lieh hier dicht. an. So führt er 4ie 
interenante Gefchichte des Oberanführers der Wilden^ 
des Engländers Ba^Us an, der fich den Wilden ganz 
Widmete, und zuletzt eine Infnrrection verajilafste. •** Die 
Urfachen , warujn der Tabak fich, -bei den Wilden fo 
ausbreitet, begleitet er mit eineii' weitlihiftigen Note aus 
der Encyolopädie : Artikel Schleim» .Oafs dM gelbe. Fie^ 
ber keine neue, fondern dfe Maladi€ 4e Siäm und iUa* 
ladie des Ehtropdens fey , veranJafet ihn, zu mehrere* 
SrHbrterungen,. und um z» beweifen , dafs es nicht epi^ 
demifch fey , citirt er Ldbat und .J» OmmiUtL, Eine 
Piatribe über die Noth wendigkeit der Beibehaltung der 
franzÖfifchen Spräche in den beiden tiouifianen nimmt 
mehrere Seiten über, einen Bogen ein. — Auf feine nai- 
tnrhillorifchen Beobachtungeii fcheint er einen gröfseA 
Werth zn legen , dr critÜirt und tadelt feine Vor- 



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Büeher -« Rec9njiünan^\ A% 

Die tlwe Louißänalfe oder cUe DtfctiptioA^dgi pUuf 
HS 4fui ont ^ti oi^ffrvees par l^^uUur 4^ns x#x v^yag^ ä 
U Louißane^ clajjfie/elon la mdthoikt de Jujßeu geht im 
dritten Bande von d. 313 bi^ zum Öoklufle, worin leiteik« 
und gewöhnliche Pflanzen mit der ganzen Beichreibu«^ 
und Kückweilnn^;: auf die Reife vorliommen. — . Wit 
weit er die Verkettung aller DiJige greifen Ufst, kana 
am ans der erilen Zeile des ihr rorgeletzten Discifurs 
priliminaire feben. L€4 V^Hnux ^ fagt er, fönt let agens 
intermddiaires entre les miniraux €t U* animaux; et fönt 
#ttx, qui ilahorent la matikre brüte, afin que j^inciptiU'^ 
ment elU pttiffe fervir ä la fuhßftance des animaux, Vair 
st V tau m^me fönt modifiis^ prepoPdS et peut * itre crd4$ 
par les Vigdtaux, De la diverfiti des Vegitaux \ait p ra* 
tablement la configuration des ^elt et des Mdtaux ato. 
Neben diefen Fehlern ftehen feine bedeutenden Vorzüge, 
Wahrheit und Gutrnfithigkeit X^heinen ihm i^ber- alle«' 
th^upr zn feyn. £r Tagt Be mit Unbefangenheit, ohne 
Riickficht auf Perfonen und Staaten, und mit hohar 
RsTzUchkeit. So iobt er die fpanifche Regierung , und 
nennt he le plus patemel de toute la Urre ; aber er laug» 
liet die Polgen nicht , die die SubwHcbe diefer Regie- 
rung, z. £. auf St, Domingo hatte. Es giebt vieifeicht| 
fagt er, kein /o frugale« Volk, als der Sanier, er könn» 
te den eifngden Anachoreten der Vorzeit beiohSme», 
Ein oder zwei Paradie«feigen^ (Bandnes) und ein wenig 
Chocolade genügen ihm; aber der, welcher mehr con» 
fumirt, alt er erzeugt, confumirt fchon zu viel, und 
f<ilt dadurch der Gefellfchaft iva Laft. Di* Schwer voa 
Mönchen , die bei der erften und wefentlichlten Wahr* 
heitt - Pflicht der Thätigkeit und Arbeit v ?ritummea 5 
und felbft das gef abriebe Brirpjel des MöHii^^frangs ^e- 
ben ; die Gerin^fchätznng des Arbeitsmannes und des 
Ackerbauers, der tief unter den letzten Staatsbeamten, 
felbft anter den Bedienten eines Groften herab g wür-> 
digt wird;'die^ von einerii unter der Maske des Gemein» 
Wohls hintergangenea Hofe erfch li ebene n , Privilegien 
and Freiheiten , die den Werth ausländifcher Waaren 
felteu machen und iteigern und die einläadifchen Pro* 
duete def.JBod«iif in. ihrem Werthe rerringera} die Cof* 



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te Bäcker -^ Recenji^nen^ 

VttptioA der ltM%f di« ktiae G«Cttt« krant/ fie naeli 
WillkOr vtriettt, fie den Moaöpolifien-öfftBlIicb feil« 
tretet 9 die YerkVafiithkeit eOer Suetsbeamten«3telleii 
begünftigty und den Verfällchern und Meineidigen, die 
unter der Bftatke der Religion ihr gewiffenlofes Spiel 
treiben y elf Mittel dient — diefe Umftftnde zufemmeä 
genommen, beben Domingo entvölkert^ und eine Na« 
tion, die die reicbfte nnd mäehtigße auf dar Erde feyn 
könnte , fo antnerrt , daf« fie «bne . Iremde HnlCa fiob 
sieht mebr erholea kann. 

^ Ueberall bat der Verfafler ficbtbar» wenn fincli nicht 
Immer g lücdiliGb , geftrebt , auf der einen Seite dat 
Jbraiichbare und Praotifcbei und auf der andern d^$ In* 
terelTante heraufinheben. So weiXf er die verföbreri^ 
leben Einladungen an PalTagiere , und die Mittel , fi^sk 
•brer SU erwehren; die Mittel, welche in dar Gewalt 
•inet j^den Reifenden liegen , fich vor ^ Seekrankheiten 
SU fcbütsen und die Anfteckung bei dem gelben Fiebef 
%u vermindern, neue Aneodoten mit demQanxen xu ver* 
weben, und die ganze GeXchicbte der Verwaltung von 
Xett(/£aii«| die uns noch fremd war, und nur erft durch 
die Mieoellea . der neueilen^ Weltkunde alt ein 'Auszng 
aiii diefem Werke mitgetheilt wurden , in die ftatiftiXche 
nnd geographifche DarftoUung, zu verlLeehten. — Faft 
Alle« iß in diefer Hinficht neu, und man kann dem Ver* 
ftfiTar einen gewiffen f&inen Tact in Beobfichtun gen nicht 
nbfprechen. Ale Beifpiel mag Martinique gelten , wovon 
er im I. B. V. Capiiel die Urlacbfpn des Wachsthumt 
imgiebt. 

Und dann ift das Detail diefer Keife fahr fchüzens* 
werth. So vergiftt er nicht, alle gewerbtreibende Clafn 
fen von i^T^n* OrZ^nm mitzutb eilen , und Loui/iana in 
allen feineu Beziehungen darzuftellen. 

Mit diefem Urtbeile haben wir vorher den Werth 
diefet Werke befiimmen wollen, ehe wir dem Verfalter 
nof der Reife folgen. 

Das miotir feinet Reifs war, neue Sntdedci|ingen in 



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Atn l^rofteiii umd {nxcktlMurcii hm^ßana tn maeKtliy nm 

dadurch feine eigenen Beobaclitttiigaii und firfahmngw 

Ui berichtigen. Weder der xärtliche Ratfi Ton Freuii'^ 

den, weder lein eigeu^ interefle ^« »»oth die fttf«^'Kuh# 

rnud Unabhängigkeit konnten ihn davon tnrfickh alten. 

Unmhiger , als jene AbenthenVf r ^ die dat £t Doradg 

auflachten, reifte ^er im Herbfte i8o2 haoU Ndntts tkh^ 

wo er aber über drei Monate rerweilen muXste.^ St 

hütte wohl' Qelegcnheit ßnden können , den geraden Weg 

nach L^mi/iama tm' nehnieh, aber er z6g den über dim- 

Icfeln ver, weil er hier fich verfprecheo durfte, die}«^ 

nigen Erfahnrtigi*n tu fammeln, wodnreh feine uhrigen^ 

künftigen fit^bachtüngen mehr Licht und Sicherheit exii 

hieUen. Den dr^ und ' dreifaigften Tag nach feineir Ab« 

reife lag Morn'ntflievvor ihm^ woirofi er die Kfifte, di« 

Stadt 5. Pierre y Sittett , Gebräuche, Handel, dat Port 

Royal mit feine« Umgebungen , Moräfte und die Kuni| 

£e aatxtttroehnea , die NatuYgefchlchte , die Urfachea 

det Wohlßandes, Noti«»»tt über Handel und^ftidtiihie, ia 

lofertt jß« einem EüropMer in diefer Gegend wichtig 

feya ki^aaen , die v#rfchiedenen Zweige der einheimi« 

üchen Cahnr , di(» Folgen der von Hols entbjdfiten B^rg«^! 

die Naturgeüchichte de» Roooui , Indigo , Tabakt , Caf^ 

feet in alleii B««iehungeti , Krankheiten , gelbes Fieber 

mit den Mitteln ^et «u verringern , die GefchicHt« det 

EntftehtfBg det Infel, die flattrri^^f^hiohte g«fShrlieh«# 

Schlangen und Am^iff'ily mit den Mitteln, Heb dagegeüi 

faverwahten, die^ Vulkane ,- Berge und ihren Nutzen, 

die innerlichen Unruhen der Golonie und den Anfang 

der FeindTeligkeiten während feiner Auwefenheit an« 

fiebt. ^ 

f X ■ ^ -.*•■• ' 

Schon hi^au« ficht man, dafs deY Verfettet Heh blo£i 

dar Folge der Eindrficke überlieft , dhne Hch an ftrenglr 

OrdttUBf tu halten. Er konnte' daher auch nicht dett 

fehler Vermeiden, 6ch felbft zu wiederholen, und 1a 

dtn Ideenkrei« C«rficktu treten , den er vetlafTen hatte. \fit 

haben ihm diefen Fehler nicht zum Vorwurfe gemaeht, 

weil diefe Ordnurtg ihm die Lebendiglceit feiner Anficht, 

«ad dM Feuer der Dai^ftallung bitte raiHMS^ odet daoh[ 



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MwitlMii kdiweii. - W«iiigft«tii / wfirde fie leine «Ifra^ 
indiTidaalitit ^getrübt; liabftM« ^ 

In d«ii Momcateiiy wo innere UnruKen, die th eile 
von deii betrogene«^ theiU miXshandelten Anfaün^ern der 
vorigen Regierung I theilc ron^ den aueßchtdeeren «nd 
gedrückten Bewohnern ualerhAltea wurden^ diie Admini« 
j^atioii unlergrubea» und die Feindseligkeiten, von de|^ 
Engländern angefangen wurden , verlieft er 'ilf(ertii»f^u#, 
itnd regelte nach Portp-Ütca ,..tind^v«ii da kan» er tieK 
Sd Juin.(i8oS) zu St, Domingo an, w«von er dae Gebiet^ 
die Lage und ihre ergiebigen Htillt^ellen , die Mittet 
snr Emporhebung^ mit der G^tohichie, wat der Colonie 
gefchadet hat^ die N^urgefphichtOi die Petrificationpn, 
Abnahme de< Meer« mit leinen Hypot^iefen uöd Anfich-» 
|en bef^hreibt. 

' " ■ '^ -• . '- 

Am Haven von Sä* Domingo liegt et« Stiele in Rui*v 
|ien. 0er Reifende fetfle üch auf einen filoek und man 
^gte ihm; daTe ea die Wohnung V0n (C4ir^ap& Coiomii 
^ W4ur. Hiervon ergriffen , ergiefst er in bräftägan iSentea« 
' sen feinen Unmuth über die undankbare Naobwoit ^ und 
ea ift bei alle dem muffalleftd^^dafa' de« Verf. . vo» 
diefen ehrwürdigen Ruinen weder > eiti# eigene Zeich««' 
^ung aufgenommen, noch die Gegend> upd die Trümmer 
«um Nacbseichnen characteriiUfch daigefteUt hatw -^ Er,, 
4er doch diefe Gebend &ueril belchrieb» itnd £o glück- 
lich War 9 £e zu finden; ßr, der von den FrkngofMi di* 
l^aWige Entfündigung erwartet) 

Jamaiea^ 20 Lieues ^von Domingo , Cuba^ l^ hieuem 
von Jamaicüj und die Hauptftadt von diefer werden nur 
fiaektig berührt» und an dem Ende der InXel Cudia^ bei 
4em Eintritt in den mezikanifchen Meerbufen, verfetit 
er lieb 9 begeifert von den Thaten der Vorteit» .eanee 
^ernandgz von Corde va, einef Cortez und, JPizarro^s iiä 
ein Reich f das uns jetzt nur alt Feenreich erfoheinen 
muliy ttnd deswegen die Abentheurer entfchuldigt, dia 
von hier aui das Goldland tt9d die Quellen der Verjün* 
fang f ttchtta^ ■ j 

Mit 



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Bücher - Re.cenfiengn. 65 

Da der SchifFscapitain den Eingang in die Mündung 
de« MijJiJJipi verfeKUe, und über 10— 12 Stunden zu weit 
sördlich gefahren war, lo kam Robin in Lebensgefahr; 
alle Lebensmittel wären aufgezehrt , und er mulste auf 
der Infel S, Ro/a ai^Ianden, wovon die mitgetheilte Be« 
Icbreibung ebenso unzureichend iß, als die von JamaU 
ta und Cuba. Seine Abrcife nach Peti/acoU verunglückte 
ebenfalls , und nur da er noch einmal nach S^ Roju xu« 
rucigekehrt war , konnte er dorthin gelangem 

Mit dem zweiten Bande hebt die Befchreibung voa 
Penfac4xle an. Diele Hauptßadt von ff'eß . Florida hat 
fehr viel feit der Zeit, al« fie von Englanil an Spanien 
abf;etreten ilt, verloren, und nur die Sage vom alten 
Wohlüand erhält fich noch. Von dem Handel mit Schiff- 
bauholz, Harz^ etc. weils n^an nichts mehr; die ländli- 
chen Wohnungen, 4ie lieh an der weiten Kliede und 
längs den Ufern der FlüITe bildeten , yLud der fonll 
thätige Ackerbau find verfchwunden« Mais und Geflü* 
gel kommt nur von Mobile ^ Beils und Wein von Neu* 
OrUans» Die Transportkolten liaben, jich um die Hälfte 
verdoppelt Das' Pfund. Brod koXtet :(2 Sous, das ö^kollea 
konnte. Es giebt nicht einmal einen Markt mehr. Wal- 
fermelonen , ein gewöhnliches Landesproduct » finden 
keinen Abfatz, und der Anbau derfelben ift der einzige 
Acker -Cultnrzweig. Jeder Privatmann liält Kühe | man-* 
eher 100, ein englifches Haus 2000, die Tag und Naclit^ 
Winter und Sommer herum laufen, einmal gemolken^ 
und an den aufgebrannten Zeichen erkaimt werden. Der. 
Boden ih ein feiner« nicht bindender Sand; aber frucht- 
bar an Obft und Gemüfe. Wein , Orangen , Feigen ge« 
deihen vortrefflich; Pfirfchbäume übertragen lieh. Zwet- 
TcLen giebt es einheimifcher Art. — FltilTe und Meer 
lind fehr fifchreich $ die Fifche felbft aber und das Hol« 
koften nichts, nur d^r Transport wird bezahlt. -^ Die 
Laft i£t Xo gefund , dafs Kranke aut Löuißana hiehet 
kommen« Alles, was hier etiAirt, ift militärifcli , und 
alfo confumirend, und daher find auch viele Haufer un- 
bewohnt. Ein Billard ilt der allgemeine ZufammenkunftS' 
Ort, 'wo Gouverneur und Handwerker erfcheinen. Die 
4. G. E. JCXVIIL Bds. U St. E 



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66 Bücher ^ Ree en/ionefh 

€cliifFa1irt bedeutet tiiclits , und der einzige Handel ill 
der mit etwas Pelzwerk. -7- Die Khede hält 21 Faden 
WalTer am Ufer , kann alfo Schiffe v<tn 60 Kanonen auf- 
Jiehmen. Sie ift die einzige fichere und zugleich für 
▼iele Schiffe bequeme am Mexikanifchen Bufen, deflen 
Beherrfchung nur auf ihr beruht, da die angränzenden 
Länder alles liefern , was zur Erbauung der Schiffe und 
Kalfatere! nöthig ift. Spanien kanh im Befitze derfelbeyi 
America wegen Louißana unbeweglich machen. Aber 
wie fehr ift Spanien fchon beeinträchtigt durch eigene 
NachläHigkeit? Von Georgien aus haben die Americaner 
fehon wenigftens 15 — 16 Meilen ihre NiederlaJJungen nach 
Penfacole vorgetrieben ; der obere Theil des Pluffes Mo* 
hile ift bis auf 30 Stunden von feiner Mündung iu ihrem 
Befitze. Die Regierung ift arm in ihrem Keichthum und 
Xchwack in ihren vielen . Beamten , die befoldet kein« 
Dienfte thun. Man hat ^ine einzige Schaluppe ohne 
Verdeck, und befoldet Zimmerleute , Schreiner, Kalfa» 
terer bis auf den Laternenjungen; man verwendet 15,000 
Francs Jährlich zur Fortification , und nichts wird er« 
halten. Von allen Forts, die die Engländer pTanmäfsig 
erbauten, ficht man nur noch einige ifolirte. — Ein 
einziges Pelzhandelshaus Plant on ^ von Engländern ge- 
ftiftet , und unter fpanifcher Hoheit ihnen erhalten, 
dehnt feine Handels verhältnilTe 80 — 100 Stunden w«it 
mit den Wilden aus. Seine Agenten find Engländer» 
und fie führen den Wilden Pulver, Blei, Flinten, Aexte, 
' Beile, Tücher zu, die aus England kommen, um Pels* 
werk für London d4mit einzukaufen. 

Von Penfacole^ wovon er die durch Archenholz h%* 
kennt gewordene Gefchichte des Engländers 'Bawles^ ei. 
* nes Oberanführers der Wilden , und dann die Naturge* 
fchichte , Mineralogie , Botanik und einige Notizen aua 
der Zoologie der Infecten, fammt einem Hinblick auf 
die Greolcn in Anfehung ihrer Kunftanlagen mittheilt» 
geht er über die Seen nach der Infei Duuphine y und 
von da nach Neu- Orleans , als der Hauptftadt von Leui- 
fiana. 



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Bücher - Iteeen/ionen. 67 

Bat Detail über diVfe Stadt ift HiterelTant , weim 
•ucK gleich nicht uberatl befriedigenct Die (fonft fo 
fchdnen u«id geraden) Strafsen waren von einer Uefoer« 
fchwenmiiin^ zerrilTen Und in Morftße yerwandelt. Dio 
ffAmen derfelben lagen im Archiv und die Bürger be- 
teichnen fie jet»]t einzeln nach einem vornehmen Ein- 
wohner, der darin ^ohnt. Die Luft ift fehr ungefund, 
weil die hohen Häuter von mehreren Stocken und die 
Uoräfte fie verpeften. Die Berölkexung fchätxt er auf 
Io-I2,000 Seelen. Frankreich machte dazu niit 2 Schif- 
fen öffentlicher Mädchen den Anfang; Re giengen fo 
reiTsend ab, dafs iUier die letzte geloft werden muffte. 
Auch das dritte Schiif fand. AbnehmeiT, und die Mädchen 
find ^ute Mütter geworden. I^er vorziiglichfte Stand ift 
der des Kaufmanns, d. h. der Ladungen von Schiffen 
kauft und Re im Ganzen wieder verkauft. Das Bäcker- 
gewerk ift das ^ewinnreichfte. Metzger giebt es in gro- 
Iser Zahl, denn mjrti kann Loui/zflna die fleifcb freuen de 
Provinz nennen« Die Schneider l«|lTeri iich 10 Piafter für 
ein Kleid geben. Schufter habea fchlechtes- Leder , da- 
her ift der Abfatz aus Europa grofs. Die Apotheker und 
Aerzte , deren es wenige gi<»bt, werden nicht unnütz 
feyn , da man hier viel ifst , unmäfsig trinkt , da die 
Temperatur fo häufig wechfelt, und d*e UnwifTenheit 
die Diätetik und den Gebrau dh einheimifcher Mittel 
Texhindert. Alles ^befchränkt üch auf Arcanen verkauf. 

Die Waaren , als Weine , Tafia und Rum in ^rofser 
Qnanutät, Oliven» Oele, EfPig, Liqueuie, Fleifch würze, 
Sardellen, eingemachte Früchte, franz. Käfe, Porcellan, 
Kucbengeräthe , in gegoüenen KeiTeln bedeRend , iodiani- 
fcheZeuche, Monlleline, Seide, find deni VerfaJTer nur in fo- 
fem bemerkenswerth , als Re von Frankreich eingefchijf t 
»erden oder werden können, da man, wie er fagt, d^s 
GUma's ungf^acht^t , Alles von Frankreich nachahmt. 
Wollene Decken erhält man häufig von Danzig, Frank- 
Jurt, Hamburg^ Holland,^ Ein blau grobes Tuch (Lim-^ 
karger) ift ein beträchtlicher Handelsartikel. Die Jagd 
macht die Fliirten und das Pulver beliebt. Jene werden 
voRägliüh hettLhltf .ohne daXs man dabei auf den Luxus 

E » 



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68 Bücher •* Retsn/ionen. 

fiehtf diefet konint von Kentucky» ScblöiTer ubcI Qain- 
caillerie lind meiüent eiif lilch. Die Neg«r koftea weit 
.mehr, als irgendwo , und Manclier wird ^uicli ihrem 
Ankauf ruinirt, -^ Mangel an allen KenntnilT^n^nd an 
Unterhaltung mit den monotonen Weibern, lie^ünftigtdat 
Spiel ; maiftciier SchifFQcapitaiii verliert oft in einem Tage 
mehr I als er für die Ladung empfängt; mancher (ettt 
fogar die Ladung, wovon er nar Verwahrer ift, auft 
Spiel, und mancher Bauer, der feine Aerndte der Stadt 
verkauft hat, um davon feine Familie auf ein Jahr til 
ernähren und feine unglücklichen Neger tu kleideui 
geht ohne Gewinn und ohne Kleider zurück. Die dffent- 
liehen LYiftbar keilen werden durch Prätenlionen der Da^ 
men gehindert. Keine Dame von gemifchtem GeblÜte 
darf fichaufdfn Bällen fehen lafTen. — Religion. Kaum 
hat das ^rofse Louißana ein Duttend Gei/tliehe, und 
^ doch einen Bifchof mit 15,000 Piafter BefolduAg , wSh- 
rend der Gouverneur nur 6000 hat. Jeder tauft, wer 
kan^ , und der Gommandant des Cantons vollzieht die 
Heirathen. Die ganze Keligion ift Form, eher Intole- 
ranz kennt man nicht. Kein Land hat mehr Gefetfc, 
keins, das eine zärterf Sorge bewies, den Milibrluchen 
zu Iteuern, aber keins itt mehreren MifsbrÜuchen und 
Vexationen unterworfen. D'^'r Präfect Lau/)Qzt , den ileHn 
als einen vortrefflich en Mann fchildert , kam den. jo. 
Nov. 1^03 in Neu - Orleans an , um Befitt von. Louißamt 
im Namen Prankreichs zu nehmen. Der Marquis von 
Caza Cßlvo und der Marquis tr. Sälcedo^ dama]i|^er Gou- 
verneur, übei-goben es ihm im Namen ^s Köbigs .von 
Spanien, und nach 20 Tageu trat er et wieder an die 
CommilTäre der vereinigten Staaten , Herrn Ciäiborne 
und Wilkinfon ab. Unter dtin J'itel Hifioire naturelle^ 
infectes remar^uahles fShrt der Verfafler eine natttrhiftori* 
fche Befchreibung vOn Schmeichlern an , die den Marquis 
von Caza Calvo hintergiengen, — eineBefchveifounjg, diefo 
licht naturhiitonfch ift, dafs fie eine Mfttheihing ver- 
diente , wenn nicht intereiTantere Notioen den Haum m 
fahr befchränkten. 

'Ehe er die Reife in das Innere des Landes antritt, 
geht er in ilie Gefohickte zurück « und eriählt vom An- 



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Bäehtr - Rteen/itnem. 



H 



fuf der GrüadnnK bis' auf feinem Zeit lehr genau di« 
ganie Verwaltung«- Art. Wir werden dfiefe lieJehrenden 
Nachrichten bei einer andern Gelegenheit benutzen. Hier 
anr die BeTC^kerungslilte , die noch gans unbekannt ift: 



Untßrlouifia na, 

Weifse 3984I 

Freie färb. Ißsf 

Sklaven 2773; 



Jfiu Orleanr u. 
die Vorltadt 



SuBemard oder 
das OcbXen-^ 
land (7 erre 
aux boeufs) 

Uaterkufte oder 
Stadt ä la Ba^ 

Gentillx u. Ba* 
y9U S, Jean 

Oberküfte oder 
Chapitoulas 

Mfte 5. Charles 

i)DesAllemaf 

^ iwj(Teutfchft 

f KMe S. Jean 
Baptifte2)iei 
Allemanas ■ 

Cühahan^ci od. 

1) der Jcodier 

Ita fourche de 
Chetimachas 

2) der Acadier 

Valenzuela de la 
Fourche 

Ihtrville 



Oalveftown 



Weifte 68q| 
Freie färb. 105^ 
Sklaven 1620] 

i Weifse 1161 
Pteie färb. 4H 
• Sklaven 1204 

Weifse 1584 

Frei e^ färb. IQ 

Sklaven 11.^9 

Weifse 677 f 

Freie färb. ISV 

Sklavep 464J 

Weifse 2367^ 
Sklav. 375^ 



8056 



661 

2388 

449 

1444 

2414 

2413 

2742 

1154 



Bemerkungen, 

Nuch d*»n ZSlk« 
fungsliften voni 
1803 aber riel zu 
gering. 

Wenig - flklavem 
meiltensverfets- 
te Coloniften. 



Darunter 12— X5oa 
Sklaven. 

Beide 1200 — 1500 
Sklaven. 



Zählungslifte voa 
1805. 



Zählung von 1805. 



Zählung voa 1803* 

Zählung von 1797 
gewiß jetzt eii| 
Sechstheil mehr. 



2742 Zffhiung Von 1805. 



Weifse 778} 
Freie färb. S} iioo 
Sklaven. 314J 

Weifse 213] 
Freie färb. 8^ 947 
Skiaren tt6il .. . 



Zälilung von 1797 
_■ *^ wiß ein Se^as- 
theil mehr^ 



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fo 



Büeher - Reeen/ioHeH. 

Bemerkungen, 



Unterloufiana, 

Pointe eoup^e 
oder Fausse 
riviere 



Atmkapas 
Opetutas . 
Avojrelles 
Rapides 

Nachitoches 

Concorde erit 
entitekend 

Öuachitas 
Arkansas . 



Weifae 547 1 
SMaveu 1603 f 



* Wöifse Ü270] 
Freie färb.. 2iü^ 3746 
Sklav^en 1260J 

We 
Freie 
Skia 



AVe tse :Js6] 

Freie färb. 2> 

Sklaven 94 I 



Zählung von 1791 
jetzt gewifs 3000. 




Ü^2Z 



Weifse 606 
Sklaven ^76 

Weilte 702I 
Sklaven 718 j 



Weifse, 440) 
Sklaven 58; 

Weifse 340] 

Freie färb. 3^ 

Sklaven 47] 



43i 

782 

1420 

498 
392 



Zähl. V. 1803 diö^ 
1789 betrüg nur 
80 17 Stfelen. 

Zahl. ^., 1797 >etzl 
gevrifs 4o€0 ob^t 
3 — ^4000 Sklaven. 

ZählungiFon 1794* 
Zählung von 1799« 
Zahlung von 1791. 

Zählung von iSogv 
Zihlang von I797- 



überhaupt 
Oh er lau ijian a^ 



37697 Individuen. 

Bem,erkungen- 



Keu Madrid 

Cap Girardeau 
Si, Genevieve 
Carändolet 

Po rtage des Sci^ 
eux St, Char- 
les 

St. Ferdinand St 
Louis 



1500 



der lUinierl 5500 



Zählung ton l802* 



Zählung 1805. 



Zufammen 7000 
Mit Unte rlouifiana 37,697 

Totallamme 441697 



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Bficher - Recen/ionen. ji 

Die R^fe ia das Innere enthalt die widitigüeii 
Kaehrichten. Man macht fie auf dem FlulTe, und der 
Kahn heifst WaiTerkutrche , die nach Gröfte und Geftalt 
Terfchieden ift, und in ihrer Bauart von der Verfchie* 
deahert det Gebrauch« und der Orte , die lie tu befah- 
ren haben, ^bhängt. Eine folche Kutfohe kann , wenn 
£e fute Ruderer hat, nur 6 Stunden den Tag machen. 
Deim von swei zu zwei Stunden wird angehalten, um> wie 
man in unferer Sprache, lagt, auazufchnaufen, oder, um 
eine Pfeife Tabak zu rauchen y und zwei Stunden braucht 
zttfli MittagfeUcn und zum Ausruhen« 



Hie Anpflanzungen um Ncu-^OrUans find gröfsten- 
tkeils Z uck erplan tagfn ) die der harten, wechfelnden 
und auf einmal oft einfallenden Freite ungeachtet, doch 
gedeihen , und mit dem Pflog bearbeitet werden. i802 
sahlte man 72 Zuckerplantagen , wovon, die ßarküen 
iwreihundert , und einige tauleud Pfund rohen Zucker, 
die ganze Aerndte 5 Millionen rohen Zucker ohnaSyrup 
gaben. Man kailn den Ertrag eines Arpens a^f lOOoLiv. 
Tournois anlchlagen , und würde man nur die Hälfte 
Ton dem 10 Stunden grofsfn Bezirke unterhalb der Stadt 
Neu- Orleans bis nach Pointe coupie dazu beltimmen, fo 
müfste diefes eine jährliche Revenue von 61,500,000 Liv. 
geben. Die nahen umliegenden Gegenden enthalten viele 
SigemShlen , wovon man oft 30^40,000 Franken jährlich 
zieht. Die Reifsplantagen k&nnten iich vergröfsern. Der 
vom Mangel an Ablatz politifch verurlachte niedrige 
Preis (2i Piafter das Baril k 190 Pf.) entmuthete die Be- 
wohnei;. Jetzt ift er auf 9 Pialter geftiegen. Das leifenar- 
tigeWaXTer des Mijßjßppi icYkeint ilini das Markigte zu rau- 
ben. Er ift lehr weils und läfstfich in einer halben Stunde 
kochen; feine breiten und fleifchigten Blätter fchützea 
ihn gegien die brennende Hitze und gegen noch 16 Har- 
ken Regen und er wird.fo die Wohlthat feloher Ge- 
genden« 

Der Ganton der Teutlchen imd Akadier ill fehr von 
ainiinder un terfchieden. ,,I««<f AUemands ont eonfervi au 
fiinUieH dt* Frunqais leur languagt et hur* mo4urs/* Sje 



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J2 Büther ' Reee n/i o nen. 

haben weder das oiFene noch das affetiftirt« Aenfserr der 
Frantofen; Ge find intereflirt, abet fanft und redlich; 
fie bauen Alles felbft und haben wenig Neger. Si* leben 
in einem Mittelvermögens - Stande , ohne grofse Reich- 
thfimer. Die Akadier find , eine gewiHe Kälte ihres Cha- 
ractcrs abgerechnet, die wahren Franzofen dee 'Landpf» 
eben Xo fröhlich, wie diefe, und eben fo warm für ihr 
Vaterland, Ueber die Kfifte ron Akadien hinaus werden 
die Anlagen mehr ui^d mehr gedehnt, 

Pointe coüp^e y 50 St.^von Neu^ Orleans , vereinigt 
in fich ;^veit mehr Wohllland , Würde und Fröhlichkeit, 
Gefelligkeit nnd doch Prätenfiouen. Denn w^r~ioO Ne- 
ger hat , giebt fich mit keinem ab » der nur 50 hat. Die 
NiederlafTung gewährt einen kößlichen Anblick. 3ie 
liegt erhaben , hat weite , fchöne Wohnungen , grofse 
Gärten. Herbergen giebt es gar nicht, aber wohl Piätie 
ffir Mulliggänger. Man bauete hier zuerft EanmwoUe. 
Von iVeu - Orleans bis la Föurchc find beide Ufer mit 
Wohnungen regelmäfsig angebaut; von la Fourche bis 
Pointe coupSe werden die Intervallen gröfser; über Po in« 
te ^oup^e hinaus bis zu den lUiniem findet man nur in 
beträchtlichen Diftanzen Gruppen voll NiederlalTungeni 
wie ^e auf der beigefügten (vortrejfiichen) Charte an* 
gezeigt find, 

Nach 45Tagen, wo Robin die verfchiedenen NiederlaC* 
fungen an dem ( Eoth - und Schwarz -^ Fl nlTe) hivikre 
rouge et noire^ die fich beide in den MiJJiJfippi ergiefsen, 
befucht und bef^hrieben , die reiche Zerliörung der Wäl- 
der , die unangebauten Gegenden lüngs dem FluITe, 
die Belchwerlichkeiten der Schiffahrt, die Naturgefchich- 
te und die Abfichten der Natur bei der Anlagt von 
Wäldern und vorzüglich der Gyprefi'e, die Unbeftändig- 
Jseit des Flulsbettes vom MiJJißippi ^ und die daher für 
J^ew Orleans entgehende Gefahr | die Eigenichaften des 
FluITes Noire^ Wüi^en , Wiefen, die NiederlalTung am 
Cataoüloüf den Fluls Ten/a, und die auf einem See ent« 
deckte Wafi'erpflanze, die er Napoleona nennt -^ (la pl¥s 
lelU et la plns majeftnei{fg des plant^s 4e la terr$ ifw 



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Büxher ' Reeenfi iie n. 73 

iominent für Ut eaux) entwickelt und Torgetvagen hat, 
gellt er bis zu der neuen fiianädifchen NiederlarTung, 
Oaachitay ndrdlich hinauf. Sie liegt unter 33<' 30' der 
Breite y auf eintt Seite von kleinen Sandhöhen ^ auf der 
andern Ton Ebenen eingefchloirea. Sie enthält 450 Weifse 
nnd 50—60 Sklaven. Das linke Ufer des Fluffea ift bef» 
fer, als das rechte, bebauet. Seit 25 Jahren lebt hier 
ein eigener fpanifcher Commandant , der von einem 
amerikanifcheu «u des Verf AlTers Zeit äbgelöft wurde. 
Pelzwerke dienen als Taul^ch mittel« ^ 

Bei feiner Znrücklninft nvLch Wtu- Orleans^ in Zeit 
von vier Monaten , hatte (ich die Stadt, fchon zu ihrem 
Tortheil geändert. Man brach Strafsen , reinigte die 
GafTen und Gräben , und baute überall. Täglich kamen 
Anglo- Amerikaner an, und fpgar eine Zeitung erfqhien^ 
Da die Amerikaner die englifche Sprache einführen 
woßtenj £0 ward Ra^m von dea Bewohnern aufgefor- 
dert, die Noth wendigkeit und Gefetzlichkeit der fränzö* 
fifchen Sprache darzulegen. Das Memoire iit hier ein- 
gerückt Diefes Memoite contraftirt lehr jnit dem Halle 
der Amerikaner gegen die Franzolen, wovon Robin [o 
aufiMlende Beweife anführt. 

/ ■! ; 

Die weftliche Gegend von Louißana , die wenig Rei- 
fende befchrieben , war bei feinem zweiten Gours der 
Hauptpntact, worauf er feine Aufmerkfamkeit richtete. 
Die NiederlaJTung der Atakapas (wörtlich überXetzt Men« 
XchepfrefTer) ilt von Neu ' Orltans auf dem geradeftea 
Wege fchwer zu erreichen, da der Flufs la Fourche nur 
bei grofsem WaiTer wegen föiner Wrftopfüngen befahren 
werden kann, und auf dem Bayou (der VerfalTer verfteht 
darunter weder Plüfs, noch Bach, noch Quelle, fondcm 
einen Wafterbtih älter , der von der l^g« des Landes ge- 
bildet wird), Plaquemint , der mit dem Mijß/ßppi mit- 
telbar veräftet ift , verliert man ßcb oft in breite Seen, 
bald darauf in ein der Sonne undarchdringliches Dn^L^ht 
von Bäumen, Nor Ariadne*s Faden kann den Pilote» aus 
dem Labyrinthe Von Infelchein retten^ > Das Auge verliert 
fieb zuletzt auf einem See , voa mehreren Stunden im 



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t 74 Bücher- JSiecenJioneni * ' 

Ümfiuig, die fich mit hohen Cypreflen in einer unabfeli:- 
baren Ferne fchlielsen. 

In dem dritten Bande f^tzt er die geögraphifcheni 2tm» 
tiilifchen und hiftörifchen Nachrichten über die weftlidi^ 
Gegend und den Canton der Atakajtfis fort , wo er aulcH 
von den Natchitochtn ^ OpÜoufas nördlich, von den i^ta^ 
haperiy ein Ichatibares und neues Det^l diefer Gantone, 
wie fi^. in keinem Reifenden vorkonAnen» auf die befrie- 
di^endite Art mittheilt. Nichts entgeht ihm hier. Bald 
entlehnt er aus der Gefchichte der Vorzeit das Hiftori- 
fche, bald aas der Gefchichte der Gegenw^t das Statl- 
üifche^ und vergleicht beide mit einander, um den Ah^ 
.Hand defto fühlbarer zu machen. Auch hier hat der Par- 
teigeift , wie üherall , den Wohlftand verringert, und 
die Herzen entfernt. 

B^i feiner Zurückkauft nach N^u^ Orleans Jjiörte er^ 
dafs der Marq;uis von Caza Calvö zum Gouverneur der 
innern Provinzenpd. h. jener Provinzen , die fich von 
JLouißana bis Mexico eritrecken , durch den .König Von 
Spanien ernannt fey. JDiefes giebt ihm Gelegenheit, nicht 
nur ei^tsn Abrifs von allen feinen /Ideen , die ilim daf 
Iiitereffe an dem Wohl diefer Provinzen und das für 
Prankreiph eingiebt, darzulegen , fondern auch das Pro- 
blem über die Gränzen Louißaha*s zu lÖi^n. 

Die Gegend zwifchen Louißana, und Mexico von We- 
lten gegen Often, ungefähr 250 franz. > Stunden breit, und 
von Süden nach Norden mehrere lOQO Stunden enthaltend» 
und bis unter den Polarzirkel ausgedehnt, von fall 80 fehr 
beträchtlichen fchiffreichen Strömen in paralleler Rich- 
tung und in keiner grofsen Entfernung voi» einander 
durchfchnitten und mit einer grofsen Menge herumirren* 
der Pferde und Kühe belebt, iH den Amerikanern feit 
langer Zeit ein Gegenftand der Lüjfternheit, und He ma* 
eben oft Einfälle , um Pferde zu entführen , die ihnen 
die. Eroberung des Ganzen, da^iie die Gränzen fchon 
ftar|[ befeltigt haben» erleicjitern wird. An das Schick* 
fal vba Mexico üad diß^ gröfsten Veränderungen der 



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Bücher ' ReeenfionBH, j% 

alten nad ilenen Welt gebunden. DiefesLand, »icKtbloft 
reicli durch feine Metalle, londeni aiich durch die Frucht- 
barkeit reinet Bodens , der die Producte der heifien uud 
feoiä£sigten Zone gleich üppig gedeihen läfst (Kaffee und 
Zucker mit Wein und Korj^, das Ichönfte Möbeiholz mit 
Schiffholz, Gold und Silber mit Kupfer und Eilen) , liegt 
an beiden Oceanen , d^m Atlantifchen und Stillen , und 
ein thätiger und kraftvoller Befitxer diefes Landes kann 
um viele Tooo Meilen den Weg nach Olbindien verkürzen, 
ia wenig Tagen an den Küften von Peru und Weft- Ame- 
rika feyn, und lieh diele Länder unterwerfen. 

Das eiriz^e Mittel , diefer Gataftrophe , wie Ro*in 
den nachtheiligen Einflufs des Verluftes von. Mexico auf 
Ecuropa nennt , zuvor zu kommen , begeht darin , die 
Xchonften Regionen der Welt nicht in einem.faff herren- 
lofen Zuffande zu lalTen , fondem fie zu bevölkern und da* 
doroh den Anglo - Amerikanern den Zugang zu vorhin* 
dem. Kein Land in der Welt läfst iich fo leicht bevÖl- 
kern, wie diefes, da es Mittel dazu im reichilea Mate 
darbietet. 

Würde Spanien feine Verwaltnngs- Maxime in Anfe» 
hung der ZulaiTiing dpr Fremden, der Religiens*Tole* 
ranz, der Sprache und Oefetze in etwas ändern und fich 

iarin nach der Mehrzahl richten, fo würde eine grofs« 
lenge Franzofen und Spanier, die Louißan^ beviithncmi 
ja vielleicht alle diefe fich fchleünigft der amerikani* 
fchen Oberherrfchaft, worüber lie lieh mit Recht bekla* 
gen können, entziehen, um fich mit ihren Familien, mit 
ärer Habe Und mit ihrer Thätigjkeit hier anzuCiedeln* 
Die Anglo -Amerikaner würden ihre düftern Wälder , ihre 
bergigten Gegenden und ihren nicht feiten Tchnei den d 
kalten Auf enthalf verlalTen und nachziehen , uifi fich mit 
ihnen in den glü eidlichen Befitz dieies gelobten Landes zu 
ikeÜen, und die EuropStir aller LändMr, angelockt durch 
4iefe VortHetley irelchen die Gharlätanerie nichts zufetzen 
kann, würden zahllos herbeiftrönten , um'unermefslicke 
Schätze XU Tage vx fördern und den Fabtiketen einen, 
ananterbroohen^n Abfets SU verfobAffina 



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ji Bücher - Recken fionen. 

Gegenwärtig führt eine englifthe Coiiipag;nie , unter 
dem Namen M^rphil^ die lieh mh Ganton Nachez etablirt 
hat, den unüberfehbaren Handel von Pelzwerk ansfcbHe- 
fsend mit allen den wilden Völkerfoliaften / die in d«ft 
unbekannten nördlichen Gegend«>n herumfkreifen. Der 
Haiidel geht auf dem Roth* Flujfe (Rivikre roug^); im 
Innern unterhält lie loo Maulefel, um die Taur6hwa«r«ii 
weiter tu bringen; eine tahllofe Menge Agenten, überall 
»erftreut , feiten an die rerfchiedenen wilden Völkerdäm- 
me die eingebrachten Waaren ( meiftens engUfche l^obrir 
kate) ab, und obgleich der Handel noch weit auagedelui* 
ter feyn könnte, fo iit er doch fohon ittt Spanien und 
Frankreich in den Ex- und Imp^^rten rehr\ nachtheilig, 
tind man kann he nur dadurch 'tu Grande richien , dafa 
man den Handel mit Pelzwerk auf dem Rothflufs unter* 
fagt, und ihn nur auf den ^eefliiCGen in Haven gemattet. 
So würde der Handel, an lieh weniger koMpielig, immer 
melir Umfang gewinnen. Pann^ würden «uelr die fpani«" 
fchen Colonien, Xelbft die Havanna^ nicht mehr von «len. 
Americanem mit gefallenem Pleifche und Pferden , die 
fie in den fpanifchen Befittungen aufgekauft haben>, rer* 
fehen werden. Oi^fe iBinrichtung aliein kann die Schutz- 
matter ron Mexico w Etilen , und wenn die vereinigten 
Staaten im Befitz von Louißana verbleiben , and ihre 
Herrfohaft von Canadahis in Weften de« FinlTec M\ßijßppi 
behaupten rollten , fo konnte Spanien, nnterftütst voa 
feine^ fiUiixtcn ,. fich hier lu feinem Überwiegenden Vor* 
theil gegen die andere ei^glifch-americanifche Hälfte ein 
weit gröfieres und wirkfamere« Gegengewicht fchaffen, 
das zugleich Peru^ T^rrufirma und die Infein. deekte. 

In Anfehung der Grunzen ven Louißana fetzt Robüi 
folgende Refultate feft : i) Spanien, alt der erile und 
wahrte Sou verain der Länder von der Bat S, Efprit bi« 
ilim Rio bravo, hat nicht nöthig, feine SeUverainetftt über 
alle diefe Länder durch neue Reohtstitel nach tu weifen, 
2) fondem dat ifX die Pflicht der nachherijgen Eigentbü«^ 
mar , die bei Zerilückeltingen etwas erhalten haben wt^l- 
len $ 3) LoMäßana mit allen Umgebattgen mufs nacd& die- 
fem Eechtsprincip beartbetU werden | 4) usd biernack 



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Bü öfter - Ree dnfi onen. jf 

Ut dielet Land weltlieh den MiJJtJJippi zur Ortete, s)^^^ ' 
Lmdftriche, Yon der Itofel \a Fourche ein^efchloflen , ge« 
kdrea aufser diel^a GrüirB-Kreife, und al/o an Spanien; 
auf dem Rothfluffe gehen diele OrSnzen nach dem Caiiton 
Kachitoches bis an dein ^rofsen Bach der Adaytn ; bei 
dem Rückweg an den MiJJlJJippi aufWartf ift das weftliche 
X]fer des FlUlTes bis an den Plufs Arkanfas die Richtfchnnr 
für diefe Gräuze , wo De dann bis an die Mündung des 
Arkanfas und etwat höher bis an den MiJJouri fortlüuft. 

Der neuen Einrichtung:, die die vereinigten Staaten 
gemacht haben , ertheilt Kobin gar kein Lob. Die Com* 
mandanten, die in die Stelle der Ipanilbhen traten , waren 
)uuge , unbefonnene, dem Trunk ergebene, unwiflende 
Bleofcben, ohne ein Wort franiölirch^ ohne etwas ron 
den Landesiitten zu verftehen, die alte ehrwürdige Leute ^ 
mit empörendem Stolze, wie kein Sieger die Befiegten, 
behandelten* Auf die Gommandanten folgten noch Xchlech* 
tere Biohter , umgeben mit einem Schwärm ton Advo- 
caten und Trocuratoren , die wie die Heufchrecken über 
die Colon ie herfielen. Ein gewiffer Liwingtön machte 
fich lu Neu* Orleans in 2eit von «zwei Jahren ein Vfr* 
mögen von 400,000 Franken, ,Der Congrela theilte ,, ge« 
leitet durch den Hals gegen die Franzoleni Louißana in 
den oberu und untern Theil, und iJTolirtc dadurch die 
Franzoieiiy die er ganz auszurotten uch bemüht. Man 
organifirte ein gefetzgebendes Corps , das blofs eine 
GommifTiou genannt zu werden verdient, und der Qe* 
fetzcodex iß das Bizarrlte , das fich denken läfst. Man 
bat darin englifche Gefetze in Menge aufgenommen, 
ohne auch nur die Ueberfchrift davon zu vergehen, und 
okne die . Zeit utid Art ihrer Ciiifiihrung zu beftimmen. 
Man theilte die Golonie in 12 Grafföhaften : Orleans^; 
Ttutfche Xüße, Akadien^ la Fourche ^ Yberville^ Pointe 
coupee^ Makapas f OpeUHi^us ^ Natehitochei ^ tiapides^ 
Ouachi$af Conooräia^ wovon einige loo« andere zustun- 
den im UiUtfang und eine zehnfach gröfsere Bevölke- 
nmg haben, II /emble ^ fagt er, ^ue leur but n*ait iU 
dans cette /olle ^^vijien que de livrer ce4 malheureux An* 
^iian# ä la. rapaciti des gtne de loi. 



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78 Bucher - Recenßoneru * 

Hieraus künn mnn leicht auf die Stimmung , womit 
der VerfafPer endigt , /qhliefsen. Den E^indruck, den er 
lälst, wird durch den Anhang: Flore Lou\fianu\fe y ver- 
weht. Die Natur verlohnt, wenn MenTchen^erbittern. 

' - < , . * 

Die in Berlin ex€chienene Teutfphe Ueherfetzung ift 
flüchtig, oft Iteii[, oft untreu, oft ganz unwiihr. Sogar 
hat jd^z' Hr. DoXmetfcher nicht einmal die Vorrede, -worin 
Rohin doch die genze AnHcht feiner Individualität giebt, 
überfetzt , und was noch ärger ift , den Anfang y wo 
man lieh doch fonft zufammen nimmt , wahr wieder* 
gegeben ; das geht fo weit, dafs er Je defcendis la Loire 
Überletzt : icÄ fuhr den Flyfs hinauf! l! -^ 



UebBr den Bau der Erde in dem Alpen* 
gebirge zwijbhen li Längen- und 2 bis 4 
B reden- Graden, nebst einigen Betrachtungen 
über die Gebirge und den Bau der Erde über* 
haupt* Mit geognoßijchen Karten ^ von Jo* 
hann Gottfried Esel^ Doctor der Medi- 
zin. Zürich, 1808; bei Orell, Füfsli u. Goxrip. 
i. Band XXX u. 408 S; IL Band X u. 428 Seiten 
in 8. (Preifs 9 Rtblip.) 

Schon längffc ift Hr. Dr. Ebel als ein emfiger For* 
fcher der Schweizer GeJ^irge und deren Bewohner aus 
früheren Schriften rühmlichft bekannt. Man darf nur 
an deffen, nach vorurtheilsfreien , edlen Grün dfätten 
bearbeitete Schilderung der Gebirgsvölker . der Schweiz 
in ^ Bänden, und an deffen mühfam zufammen getra«- 
gene , möglichlt volllländige und bündige alphabetifck 
geordnete Anleitung , die Sthvaeiz zu bereifen (in 4 Bän- 
den), erinnern« 



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Büch^^r - Reee n/i onen^ 79 

Die allgemeinen UeberHchten, welche dat gegen- 
wärtige neuefte i/Vert des Verf. enthält , fcfieinen Tchon 
leit mehreren Jahren tum Drucke ausgearbeitet gewefen 
und der Abdruck felbll nur durch die Zeitumftände ver- 
hindert worden zu feyn ; denn in dem dritten Bande 
der Anleitung,* die Schweiz zu bereifen (2te Auflage von 
1805) S. \tS ""^^^ *^«« Werk unter obigem Titel fchon fo 
aufgeführt y als wäre es bereits 1804 im Drucke erfchie- 
nen; auch in der Zeitfchrift Alpina ^ Th. i. von IS069 
wird es fo angeführt, als wäre es bereits in den Hun- 
den des Piiblicums , da es doch ^]eVit erft mit der Jahr- 
tahl 1808 öffentlich erfcheint. J^ie allgemeinen Ueber- • 
fichten der Schweizer Alpen waren nämlicH Anfangs be* 
ßimmt, beim Artikel vpm Lukmanier Berge in die An- 
leitung y die Schweiz zu bereifen , eingerückt zu wer- 
den; nur um genannt^ Werk nicht noch mehr zu ver- 
gröfsern , wurden iie weggelaffen , und erfchienen 
hier befonders. In diefer Zwifchenzeit hat nun, aber 
auch die Arbeit an Umfaffung gewonnen, und verbreitet 
fich durch Zuwachs an eigenthümliphen und fremden 
Beobachtungen über den ganzen Alpengebirgszug, von 
dem Rhonc/im füdlichen Frankreich an, bis an die Grau- 
ten von Ungarn; und zwar fo viel wie ^möglich war, 
über die äufseren fowohl, als inneren VerhältniiTe , über 
iolsern Umfang , Form und Richtung, fo wie über den 
iimeni Bau und die Befchaffenheit der MalTen. 

In der Vorrede erklärt (ich hierüber der Verf. in . 
folgenden beXcheidenen Ausdrücken: ,yAllerdings ift es 
ein Wagßück , diefen Ungeheuern Naturgcgenftand fohon 
jetzt in einen allgemeinen Ueberblipk zufammen zu faf- 
lea. Der VerfaCTer, bekannt mit der gerechten Foi^de- 
rang einer allfeitigen VollMndigkeit folcher geognofti- 
fchen Schilderungen, und durchdrungen von der Man- ' 
gelhaf tigkeit ^ fowohl der bisher in dem Alpengebirge ^ 
aageßellten Beobachtungen in Hinficht einer, diefes un- 
trmefsIicheFeld ganz erfchöpfenden, Kenntnifs, als auch ^ 
feiner eigenen Kräfte zur Erreichung ^e& vorgeßeckten 
Zieles , erbebte mehr wie ein Mal über die fich Aeta 
häufenden Schwierigkeiten des Unternehmens. Nur de^ 



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Sa Bücher 'Reee nji ö n en. 

Keiz für Naturunterfuchungen diefer Art , welche ein 
unerXchöpflicher Quell von Geiftesiibun|^ ift, führte im- 
mer wieder zur FortXetznng des begonirenen Werkes zu- 
rück; und allein der Gedanke, dals es bei der, obgleich 
langfam , dock fortgehenden Entzifferung neuer Zeichen, 
womit die Gefchichte der Erde in den Gebirgen unaut« 
löXchlich gefchrieben ift, zur Beförderung der fortfchritt« 
in der Geognofie noth wendig wird, von 2eit zu Zeit 
alle einzelnen und zerltreuten Thatfachen zu ordnen, 
und allgemeine U eberficht dri von Gebirgsganzen zur i?rii- 
fung vor Augen zu legen , gab zur Vollendung Mutb. 
Diefer erfte Verfuch , das ausgedehnteile und höchlte 

^Alpengebirge Europa's in feinen grofsen Verhäitniffen 
zu fchildern , wii'd bei aller feiner Unvollkommenheit 
doch wenigltens den Vortheil bringen , dafs alle Lücken 
und Mängel, welche in den geognoltifchen (Jnterfuchun- 
gen des Alpengebirges noch Statt finden, bemerkbarer 
werden^ und^ den Eifer anderer N^turforfcher dahin, 
wo bis jetzt die Beobachtung noch wenig eindrang, len- 
ken wird. Ohne diefe Ueberzeugung und ohne diefe 
Hoffnung , dafs Meiner in der Wiffenfchaft dadurch 
VeranlafTuiig erhalten möchten, die Schätze ihrer tie- 
fern KenntnifTe und i£rer gefam igelten koftbaren Beob« 

Pachtungen ^ und geognoftifchen Zeichnungen über den 
Bau des Alpengebirges zu Öffnen , wäre vorliegendes Werk 
nie dem Drucke übergeben worden.** — 

Unftreitig verdient der Verf. den wärmiten Dank für 
fo viele und mancherlei Berichtigungen älterer irriger 
Darftelluhgen .und $egr)ffe von den Form-, Bau- und 
MalTen-Verhältniffen der Schweizer und der benachbar- 
ten Alpen. Wenn aber derfelbe (und zwar im Wider* 
fpruche mit den fchüchternen Aeufserungren in der Vor- 
rede) bei AuffteÜung der Refultate in dem Werke felbft 
immer mehr und mehr geneigt fich zeigt 9 und felbll 
dahin ftrebt, die meilten , wo nicht alle Urgebirge, und 
fomit einen grofsen Hieil der Erdoberfläche mit den 
von ihm dargeßellten Gebirgsverhältniffen. der Schwei- 
zerifchen und der benachbarten Alpen fchon im Voraus 
(und felbft mit Bezw^eiflung mancherlei Beobachtungen 

anderer 



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Bü eher --Rece n/i onen. gi 

inderer, utn die Geognofie hochft Yerdienter Männer» 
tifkd mit Untergrabung' ihrer Anlichten und Dnrftellitn- 
fen) als übereinftimmend gehalten wilTen zu wollen; Xo 
fteht er im Begriffe, für fo manchen und höchlt wich- 
tigen iteueti ZuwacShs in der Summe des WilTensy den 
tv vais giebt , ^ns da;;egen im Felde der Gebirgiskunde 
Manche« niöbt weniger Wichtige and aus treuen zuver- 
Htfflgen Beobachtungen derNatar Abftrahirte zu rauben^ 
wodurch die Runde von dem Bau« der iufsern Erdrinde 
und Erdoberfläche auf der einen Seite faft eben fo riel 
▼erlieren würde , als fie auf* der andern Seite gewonnen 
hätte. — 

Ree. bält fich daher Tort^glich rerpfliehtei , nebeu 
det treueften Darftellung der wichti^^ften Beobachtungen 
Und der daraus abgeleiteten Refullate des Verf., im Ge- 
genr^tze auch die von ihm angegriffenen und beftrtt* 
" tenen Sätze der Gebirgs - und Erdkunde in Schutz zu 
nehmen , und zu zeigen s dafs eben diele beftrittenen 
Sitte ▼orztiglich geeignet lind, (elb'ft liher mehrere B(>ob- 
achtungen und Darßelluugen des Verf. nöthiges Lv'cbt 
tu verbreiten , und möglichem Irrthume vorzubeugen. — 

Ganz* richtig wird in der Einleitung bemerkt , dafs 
tretz aller fcheinbarcn Unordnung und aller zum öftern 
eingetretenen Zerftörnngen der Erdrinde, der menA:hIiche 
Yet&ättd dennoch durch unermüdetes Beobachten und 
VirglCTcrbeTt der noch lyeftehtn den OebirgsrerhältnilTc zu 
dtfr£fnficln gelangen könne und bereit« gekommen fey, dafs 
ik Natutwirkfamkeit nicht gefetzlos thätig war; (nicht« 
h dfer Natur , beifu es j^ ift ohne Ordnung und Gefetz. 
Wo fieidiffs zu mangeln fcheirrt , ift es nur 5fchnld be- 
fchrknlLter Sinne) fondern auck dahin gelangten könne, die 
inttlk fo manche Zerftorungen ▼erwifchte urfprön gliche 
Oifdnnng und Regelmäfsigkeit iirlrkHch boeh heraus zu 
fhideik und darzuftellen. Der einzig richtige Weg, da- 
. hin zu gelangen, fey aber nicht der frühere, ^rn fo 
manchem berühmten Phyßker betretene , nicht der der 
Blolsen Phantafie und der ungezügelten Hypothefen, 
fondem der des wirklichen Beobacbtens der natürlichen 
d. G. M. XXV HL Bds. I. St. F 



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ga Bücher 'Rece nfi onem 

VerhSHtuiffe Telbft. — Ei heifit: „Alle Theorien jener 
Phyßker (zn den neneren derfeiben gehört de Lue ^ und 
findet manche von ihm angekündigte irrige Behauptiragy 
z. B. die der urlprilnglich horizontalen Lagerung aller 
Gebirgsfchichten, hier Xchon zum Voraus die begründet* 
ße Widerlegung) find nichts als glänzende geologilcha 
Träiime. Es mangelte bisher durcMus (v. Humholdfr 
Darftellungen ausgenommen) «n.geognoiHrcheh Lieber« 
fichten von groXsen Gebirgsganz^n. , Alle jene Syfteme 
wurden daher nur auf einzelne örtliche Beobachtnngen 
gebaut, und deswegen mulstei^ ^e verunglücken. (Letz- 
terer Satz triift aber leider auch manches zu früh al« 
allgemein durchgreifend aufgeltellte Kefultat des Verf.)* 
Immer verfiel man in den Fehler, mit jeder Ueb^ficht 
ein geologilches Syftem aufftelleu zu wollen , wozu wir 
noch nicht reif genug find. Man mufs zuerft wirfen, 
was alles da i&, ehe man delTen Entftehung erklären will.^* 

Eben fo richtig lagt der Verf. ferner : »»Die WilTen- 
Ichaft der Erdforfchuug ifi; ((anz jung, und ihr unüber* 
lehbares Gebiet liegt dergeltalt noch ungebant, dafs es 
hin jetzt von keinem grofsen Gebjrgsganzen geognp- 
Xtifche Charten gab. Ja, was noch mehr üt, wir be- 
fitzen noch nicht einmal von irgend einem Lande trv* 
gonometrifch aufgenommene g^eographilche Gcbirgs- 
Gharten; und alfo lelbft das, was als eine wichtige, Vor- 
arbeit der Geognofie . betrachte werden mufs , ift npch 
ungefohehen. Dies fcheint bei der allgemeinen thäti- 
gen Bearbeitung aller Wiireiifchaften in Europa «faft 
unglaublich , und es gereicht dem vielwüTendöi;! und fidi 
noch mehr duukendea Zeitalter gewifs nicht zur Ehre, 
die Urelemente aller w^ren Geographie in . diefem 
Örade vernachlälTigt zu haben. Die F/chler aller Land- 
Charten von Gebirgsländern überAeigei^ jede Vorltellung. 
(Es werden als Beleg einige grobe Fehler der alten 
Charten dei^ Schweiz vor Trallcs genaueren Beitimman- 
gen aufgeführt). 

, Es heifst femer: „Wer würde fich vorfielen, dafs 
auf dem vierten Blatte des Meierfchen AtloJJts übtr di€ 



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B uch er - Reoe nfi oneru 83 

ßthwfit (den neuelten und heften Charten , welche man 
Int jetzt üher diefes Land befitzt j die Stadt Konfianz i| 
Stunde zu weit nach Öften gelegt ^ der ganze Bodenfe^ 
Terzeichnet fey, und alle Oerter zwifchen Stein und 
RomUhom verfchoben wären ? Und dies in einer faÜ 
flachen Gegend, wo fich einer richtigen Aufnahme gar 
keine Hindernifle und Schwierigkeiten entgegenfetzea. 
Diefer gänzliche Mangel richdger geographifcher Ge- 
l>irg9- Charten erfchwert die Bemühungen der Erdfor- 
Tcher und hindert ihre , Beobachtungen in Erkennung 
geognoftilcher VerhältniiTe ganzer Gebirge leider nur zu 
fehr. Beide WilTenCchaften leiften iich gegenfeitigen 
Nutzen; denn auch die Er^orfchung geognoftilcher Ver- 
haltnüTe il^ für die phylicaliXche Geographie nothwendig 
ohne welche Re häufig in grobe Irrthümer verfallen 
muff, wovon die, bis in den ncueften geo- und orogra- 
phifcKen Werken vorgetragene Behauptung , dafs alle 
Gebirge in Buropa vom Gotthard wie Strahlen aut einebi 
Mitteipuncte ausliefen, zum Beifpiele dienen kann« 

Es jft nnmöglich (fagt der Verf,) , di^ Poi'tfchrittt 
der Geognoüe zu befördern, wenn nicht die ihr unent- 
behrlichen Hülfsmittel erleichtert und viele für Natur- 
beobachtung fähige Köpfe auf diefe Bahn der THäitfg« 
keit geleitet werden. Zunächft ift es um Erforfchun^ 
aller geognoÄifchen Verhäl^nille jedes Gtbirgsganzen zu 
thun. Da es aber die Kräfte einzelner Männer über* 
fteigt, auf diefe mit fo vielen Befch werden , Entfagun- 
gen und Kollen verknüpften Unterfuchungen ihr ganzes 
Leben zu verwenden ; fo wäre es fehr wünfchenswerth, 
dafs an vielen Puncten' l^atürforlcher einen Längen - 
und Breiten -Grad während einer R<uhe von Jahren er- 
forfchten, und den allgemeinen Entwurf davon mit illu« 
aiinirten Zeichnungen bekannt machten. Aus d«>r Zu« 
lammenfaXrung aller diefer Fächer würde die Wiffen- 
fchaft zu auf serordentlich ausgedehnten Ueberficht<Ufi ge- 
langen, und auf diefe Art eine Summe vfn allgemeinen 
Thatfachen und grofsen Natürgefetze^ gewinnen ^ ohne 
deren Kanntnifs kein geologifches Syftem möglich ift.^^ 

F 2 



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S4 Bücher - Reeenfionänp 

Der €rße Ah/chnitt d«f Werket beginnt nnii mit 
einem geographifch - hiftorif ohen Ueberblicke der Alpeniy 
. und handelt vom Urlprunge ihrer allgemeinen und ihrer 
theilweifen Benennungen, und von der UnvoUltändigkeit 
der geographifchen Kenntnifs derfelben. Es heifst: ,»lJn* 
ter d#>n Atp$n werden gewöhnlich die hohen Gebirge vfT- 
Aanden , welche Italien von Frankreigh und Teutfchland 
trennen; allein diefe Üarilelliing befchränkt ihre wahre 
geograpbifche Ausdehnung auf eine willkürliche Art, 
und ift deswegen unvc^lltändig. — Die Alpen erßrecken 
fich eigentlich vom 23ften bis xum 35ilen Grade der Län* 
ge (oßliche I^änge von^^erro) und liegen twifchen dem 
44l\pn und 48iten Grade der Breite; Und in SW. von dem 
Khone im füdlicben Frankreich, in NO. von' der Donau 
in Ungarn , in S. und SO. vom Mittelländifchen Meere, 
dem Po^ dem Adriatifchen Meere^ dem Kulpa» und Sau» 
Flüßen, in N. und NW. von der Donau in Teutfchland, 
dem JKheine an der nördlichen GrSnze der Schweiz und 
dem Doubs im Jura begränzt. Dielem zu Folge durch- 
läuft diefes Gebirge in Frankreich^ Savoyen^ der 'Schweiz^ 
Italien^ Teutfchland^ Kroatien und 5/avonifn (nicht Sklm- 
▼onien) II bis 12 Längen- und 2 bis 4 Breiten - Grade, 
und nimmt einen Flächenraum von 5 bis 7000 Quadrat* 
meilen ein. — 'Der füdliche Theil der Alpen erreicht 
zwar in Kroatien, in dem 35ften Längengrade, keines* 
wegs fein Ende, Ton dem fetzt ununterbrocheu ah defn 
linken Sau- und Donau- Ufer bis an das fchwarze Meer 
np^ lo bis II Längengrade weiter; da jedoch die Alpen 
in ihrer grBfsten Breite unter dem 34. und 35. Grad* 
iu die ungarifche Ebene herabfinken : fo darf wohl da- 
felbH tin9 geogri^hifche Abtheilung gemacht werden.«* 

Nachdem die Bedeutung äts Ausdrucks Alpen , nSm* 
IjcH fo viel als (wegen ewigen Schnees) Itets weifse Ge- 
birge ^ fowohl aus der Geltifchen als Grie^hifchen Spra- 
che, welcher letztem auch die Kömer folgten, darge- 
tban worden ift : fo wird gezeigt , wie die Bömer nach 
und nach mit den verfchiedenen THeilen der Alpen auf 
ihren Heereszügen bekannt und wie die verfchiedenen 
Alpenerßreckungeu von ihnen benannt werden (ind. -^ 



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Buch er • Keeen/iß/^ßn* 8S 

9h Gnechen kanntea nur cUe Meeralpen {Alpes ma- 
n'trmae); diele erftrecken lieh von der Küfte des mittel- 
l&ndifcheii Meeres iwiXchen Oneglia und Toulon^ über 
dea CtfZ ardente und dt T«/t«{e bis zum Monte Wifo {Ve* 
fubu) y /cheiden Piemont von der Provence und dem 
Meere. Oiefe Meeraipen gehdnai eigentltch dar Oebirgs* 
ketU imt Apenninen an, weiche hier mit den Alpen im 
Zitfunmenhcttge ftehen, und nun in paralleler Richtung 
mit ihnen nur 12 bis 30 Stunden entfernt ^ nach Oi>fO. 
Tier Längengrade durchlaufen; .b^ Modena -fich plöts« 
üch krfimmen , und dann nach S. O. mitian durch Italien 
bis nach Kaiabriea xi«hen. — 

Die Cottifchen Alpen (Alpes Cottiae) erltreckem 
fich vom Monte Vifo üb«r den Mont Genevre bis zum 
Jtfoat Cents , und trennen Piemont von Dauphin^. 
Die Römer gaben diefer Aipanftrecke diefen Namen nach 
dem mit den Rdmerli (zur Zeit Cäfar^s und Auguß^s) in 
Freundfchaft lebenden Könige Cottius, welcher ^Ue fUd*** 
liehen uud nördlichen Thäler di^fes Alpenftrichs be- 
herrichle« — 

Die Grauen Alpen (Alpes ßr^ij^ie) di^hn^ fich 
tom Mont Cents über den Ifarn und. kleinen Bernhard 
bis an den Cot de hon ^mmeaus^ fcheiden Piemont von 
Saroy^tt , und erhielten ihren Namen dav^on , dafs He 
wenig mit Schnee bedeckt find, folglich mehr grau ab 
wei£s erleheinen. — • 

Die Penninifchen Alpen (Alpes Penninae oder 
fummae\ ziehen Höh vom Col de bon fromme über 
den Mont ' Blanc ^ den grofsen Bernhard^ den Combtn 
bis zum Mont-Cervtn (auch Sjrlvto und Matterhorn ge< 
nannt) bis zuqi Mont^Ro/ay etwas mehr als einen Län- 
getagrad , uud fcheiden Piemont von Savoyen und Un* 
ter- Wallis. Penn, Penne bedeutet in Celti (eher Sprache 
eine flöhe oder faöchfte Felfenfpitze. — 

Die I? c hw eizer Alpen ( Alpes Lepontiae , auch 
Aiulae} trßrecken fich vom Mont-Rofa auf beiden Sei- 



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86 Bucher - Recenßo neu, ^ 

ten des Rhone- oder Wallis - Thaies über das Götthardf- 
Gebirge bis zum Mofchelhorn und Bernhardino ih GrAÜ- 
büiidtfn , ungefähr i| Längengrad, und fcheideu die 
Lombardei von der Schweiz. 

Die Rhät ifc hen Alpen {Alpes rha^titae) verbreite» 
lieh vom Bernhat dinp durch das ganze jetzige Qrau- 
hündten utid Tyrol bis zum Dreiherrn* Spit 2 ^ auf der 
Grftnze von Salzburg und Rürnthcn , und füdlicher bis 
zum Monte- Pelegrino j etwas über 3 Lüngengrade 9 und 
trennen die Lombardei und einen groCsen Thei] der 
▼enetianifchen Terra firma-von dem nördliclien Khäticn 
und von Teutlchland* — 

Die Norifchen Alpen (Alpes Noricae) reichen vom 
Dreiherrn Spitz durch ganz Kärnthen am linken Ufer 
der Drau y durch Salzburg ^ Oeßreich und Steiermark bis, 
in die Oedenburger Ebene Ungarns ^^ etwas über 4 Län- 
, getigrade» und erhielten ihren Namen von der römifchen 
Stadt Noricum, — 

Die Karnifchen Alp^n (4ipis Camiae) gehen Töm 
Pelegrino zwifchen den Sau- und Drau • f^lülTen bis zuni- 
Terglou , am Urfprunge der Sau, -* 

Die Juli/chen Alpen {Alices Juliae) reichen vom 
TergloUy Zwilchen dem rechten Ufer der Sau, der Kul- 
pa und dem Adriatilchen Meere , bis zum Fellen Kleh 
bei Zenk , zufammen 4 Längengrade , Tcheiden Friaul 
und Iftrien, und^ überhaupt ganz Ober -Italien von Käm- 
t&en y Krain , Kroatien und Slavonien. 

Die Diharifchen Alpen (vom Mons Adrius be* 
nannt) eritrecken lieh von Kiek bis nach Sophia 7 Län- 
gengrade f längs den rechten Ufern der Sau und der 
Donau , und gehen über in den Haemus (oder Balkan^ 
auch Sard{fches Gebirge genannt), welcher lieh in den 
Vorgebirgen Emineh Burnu am fchwarzen Meere, und 
Xara Burnu am Börphorus endigt. 

Es wird ferner gezeigt, wie den Körnern 'd^r Befitt 
der^AlpenpälTe das Wichiigfte war, und dafs Re lieh 



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'Bjicher ^ Recenjionen. 87 

tofser ihren Heerftrafsen Und einigten Thälern in den 
FenniniXichett und Norifchen Alpen (wo edle Metalle ge- 
grabes wnrden ) die genauere Erforlchung der übrigen 
Tbäler nicht angelegen feyn lie£seo; dafs vom fünften 
\it zum achten Jahrhunderte gVofse Dunkelheit in Be- 
tre£F des Alpengehirges herrfcht ; dafs endlich von der 
Regierung^ Kaifer KarVs des Grofsen an bis ing i4te Jahr- 
hundert zur Beförderung der He^reszüge fowohl, als des 
Handels nach Italien die yerichiodenen HauptpäiTe üher^ 
die Alpen ganghar gemacht wurden , und dafs von dief er 
2eit an- die Bevölkerung nach und nach durch alle Thä- 
ler d^s Gebirges fich ausjp^ebreitet habe. Dellen ungeach- 
tet irurde doch das Dnvofer Thal in Grauhündten erll im 
I4ten Jahrhundejrte von einigen Jägern des Hrn. v, Vaz 
entdeckt , und nachm^ von ibnen und ihren Verwand- 
ten ans dem Wallifer Thale bezogen und bevölkert. — 

£rft im 16. Jahrhunderte erfchienen die erlten Keife- 
hefchreibnngen einzelner Alpen gegen den , und die Be* 
kanntfcUaft der Ausländer mit dem Alp^ngebirge Xchritt 
nun fehr langfam vorwärts. Mit dem Chamouni^ ThaU 
und dem Riefenberge Enropa's (dem Mont-Blanc)vfurde 
man im Jahre 1741 durch Bourrit^s und Sauffurc's Schrif- 
ten im eigentlichen Sinne erit bekannt. Und obgleich 
die Alpenländer ihren poiitiiftchen und ÜatiHifchen Ver- 
hältnilTen^ , fo wie ihre Bewohner , ihren ehemals 
Epoche macheiiden hiftorifehen YerhältnifTen^ nach.nun^ 
mehr ziehilich genau und allgemein bekannt find , fo 
feklt doch noch fehr^ viel an der genauen K^nntnifs der 
naturhiftorifchen und. topographifchen Verhältnilfe der 
Alpengögendcn ; befonders auch in Hinficht genauer ma- 
thematifcher Beftimmungen der Lage der merkwürdig- 
ften Berge y der Hohe derfelben über dem Meere, der 
Berchaffenheit ihres Gei^eins und der VerhältnifTe des 
Streichens und FäiUens ihrer Gebirgsfchichten. Vcrhält- 
ÄÜTe, die nur unter befondern BegünÄigüngen und libe- 
ralem Vorfchnb ^ie irii Jahre 1804 die Befteigung der 
dem Mont-Blanc an Höhe wenig nachftehendcn OrteUr 
Spitze durch hlefondern Antrieb und- Vorfchub des Erz- 
herzogs Johann Kaiferh Hohiit) von Gelehrten er- 



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gS Bücher * Rede^fionen» 

forfcbt werden köanen. ^ ^Vie mancli« ander« TMl^v 
und Gebik-gshaufeti (fa^^t deWVerf. ) find naek zu unter* 
fuchen , wie manche PeUcn zu befteigen , wie viele tyi* 
gonometrircbe Vermeffangeft und Längenbeftinukitfiftis*« 
▼on Oertem und Felfen werden nocb gemacbt wefd^s 
mäH^n , ehe lieh die Europäer «iner gründlioH feo- 
graphischen und phyficaiifohen Kenntiiife und To)lli»ni«> 
men treuer und richtiger Landcharten ihrep AlpeMgebir« 
ges werden erfreuen können!! (Es giebt bis }«tet hiSch* 
ftens nur 3—4 Charten, und zwar von lehr befchrJUiktea 
Alpengegenden y welche auf trigpnemetrifcher Vermef« 
fung beruhen ^ und die h^ehfte Richtigkeit befitzea« 
Keine von allen Charten über ganze Alpenl&ader iS^ 
befriedigend; und fie unterlcheiden fich nur von ein^ 
ander durch mehrere oder wenigere Unrichtigkelteu )• 
In der zootogi/chen und 3oean(/c&en RenntniXs von die« 
fen Gegenden find wir feit 20 Jahicen unverhältuifsmä« 
ff lg weiter gekommen, alt in der mineralpgifch geogno- 
llifchen KenntniXt von denlelbea^ dethalb müiTen aucli 
die vom Verf. gelieferten neuen BekvMge äuTieri^ will* 
kommen feyn. 

Das erfte HauptverhSltntfs i& mvn die Etftreckungs« 
richtung der Alpen. Es heifst S. I) : »»I^i« Richtuugp 
oder der Hauptzug des ga^sen Alpengebirges geht picht 
von Mittag nach Mitternacht , wie manche Schriftaellör 
(unter andern Herrmann) behauptet haben, fondern voi& 
WSW. nach ONO. und macht mit der Erdaze einen 
Winkel von 67 Grad. i)er Irrtiium entitand daher, dafs 
man die fchlechten Landcharten und nicht die N^atur tu 
Käthe zog , und dafs man die Meeralpen Aets zu d^m 
Zuge des Alpengebirges rechnete, 'da fie doch ganz ia 
der Richtung der Apenninen liegen , unmittelbar mit 
denfelben zufammenhängen , und der^n Kette «ngehö* 
ren, wie geognoftifche Tkatfachen i>ew«fea.«< 

„Eine auffallende Erfcheinung (fagt der VerJ.ß. 14) ift 
es, dafs die fingften und bedeutendftea Thaler in det 
Längenriehtung oder Streichungsrichtung des Alpenge- 
birges liegen ,1 und zählt diefe Thäler Aut Bei der An- 



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^ibe tor ▼erfeIiif»4Qneii Etobtlingen 4er X).u«frth|ller (S. 15) 
vM ulkt ri^btif beim^rkt, dali', weim die ^litlfchen 
0eogr«{>li#n das Q^b.irge, welche« a« dem fecbteo Sdo- 
ne - aad B^one * Uler 4Ut Burgimd und 3e4tt)Q}l4« durcli 
dis XudUchc Fnu^reicli nach dem IV^re liinaiszielit» 
4^ Alpen lUgeot^iMit* hätten 9 £0 würde d«^ i^eeae* und 
Khone-Thal, als das einzige die Aljpen^ dwricheus durchs* 
rehaeidende jQaeerthal, fchon längft für Xehr merkwür- 
dig gehalten «forden D^a. -*- 

* 
Oafs unter dc^ cidilreiclien Parallalketten die lulch« 

Ben in dem Xnnern des Alpengebirges ftreichett» bemerkt 

■war der Verf. richtig , fchli^Xst aber \$k der Vfi^^ d^ 

Werket nicht alles daraus , was zu Xchlic^ten gewelen 

wire. -* Die übrigen Parallelketten ßiifen (erniedrigen 

üch) nach S. udd N. (aUo zu beiden^Seiten der Gcbirgs- 

eri^re^kung) allmShltg hinab. Daher die Eintjieiliiug in 

Hochalpen f Mitt9lalpin und Nieder' oder Vor* Alpen, — 

Die richtige SchäUung der Höhen des Alpongebirges ift 

erft das Werk der neu^^n Zeit von 1786 aUf J>is jetzt. 

krig hielt man ehemaU das Su GotthardigMbirgt für die 

hdchüe Gegend d^ Schweizer Alpen. -* 

Die Hochdlpen erreichen eine Höhe to^ 8OQO ]>is %vl 
14,700 FuTs über den Meec^srpiegel. Sie find meiHens 
mit ewigem Schnee Tgokä, Eile bedeckt , < zeigen nur hier 
und de nackte FeÜenw^nde) di^ nur m^ einzeliien ge« 
fchützten. Strecken bis zur Hohe von lo^soo Fufs mit 
Flechten und e^inigen. wenigen^ Pfl<inzen des kalten Nor- 
dens fparfam. bekI,eAdet find. Die ^usficht v^J^ diefen 
^öhen heträgt im ^ Milben Durchmelüer ihres Gefiqhjtf 
kreifee 40 bis 6ß Standen , und bei lieiterem Wetter wer- 
den fie ebenfalls wieder am gleichen Sn;tfernungen er* 
blickt. So erblickt man den M^^n^.- 3Za»c i;i Sayoyen. 
Xelbft aui der jQegieJüd der §tadt LfHigres in Fr.anl^reich. 
Den GefichUkif^is vom Mont-BUnc eus hÄt d^ Verf. 
enf der^heigelügten Charte der höcHiten Gebirge Euro- 
pa*s fndlich bis zu den Mündungen des Khone, des 
Arne und his faft zur Mündung des Po ; öftUch bis über 
den Orteler im Finigau hinaus und "kis in die Geg^dem 



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90 Bücher^ Mecen/ivn&n. 

des.Leähs; nSHlicH bi^ in die Gegendetl der Donau in 
Schwaben^ his^trasburg sim Rhey'n unjl bis Langres in 
Frankreich; weftlicH bis Über die Ba/altgebirge in Au* 
▼ergne hinaus angedeutet. Jedoch kann Xelbft bei hei- 
terer Luft wegen mancher -rorliegenden BergA y z. B« 
der Meeralpen im Süden, des Ortehr^f in Ollen da»- 
Auge nicht überall fo weit vordringen. -» . 

^ ■' .- r ^ 

Die Mittel' Alpen liegen zwifchen den Linien , wo 
der ewige Schnee aufhört , bis fin die Gränzen des 
Baumwuchfes abwärts. Sie Iteigen von 4,500 bis zu 8000 
Puls über die Meeresfläche cmj^or , und find der Wohn- 
litz der koftbariteh eigentlichen Alpenpflanzen und der 
höchfteh Viehweiden. 

Die Nieder^ oder Vor- Alpen erftrecken fich von da, 
wo die eigentlichen Alpenpflanzeh zu wachfen anfangren, 
und der Baumwuchs aufhört, abwärtf, von 500Ö Puf» 
Höhe über dem Meere bis zu 2000 Fufs herab; tragen 
die Alponwätder unü die niedern Viehweiden , die im 
Frühjahre das Vieh zncrft befteigt. — Alle übrigen Ber^- 
gruppen, die (ich von 3cx) bis zu 1400 Fufs über den Mec« 
resfpiegel erheben, können in den Alpen, wegep den im- 
mer noch fehr hoch liegenden Thälflächen nur für Hügel 
gelten ; da felbft die grolsen S^en füdlich und riördlicK 
des* Älptngebirges immer noch 600 bis 1700 Fufs höher, 
als der WalTerfpiegel des Meeres liegen. 

Interelfant ift die vom* Verf. angelteUte VergleichxiB^ 
der höchiten bekannten Gebirge der übrigten enrop^fchea 
und aufsereuropäifchen Erdftriche mit dem euro^äifehea 
Alpengebirge, fo Widrtli^ DarDreHung von den Schnee- und 
Eifs - Gebirgen und ihren Grftreckungen in dielen Alpen. 
Die Zahl aller Gletfcher in der ganzen Ausdehnung des 
Alpengebirg^s mag Geh auf 500 bis 600 belaufen , welch« 
zufammen ein Eismeer von 60 bis 72 Quadrat - Meileti 
bilden. Rechnet man noch alle Schneefelder dazu, fo 
darf man wohlloo Quadrat -Meilen annehmen, welche 
felbft mitten in den Sommermonaten ftets mit Schnee und 
Eis bedeckt find. Dies ift, fagt det Verf., der ewige Vor- 



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Bucher - ReeeH/ioneru 91 

ratH des befruthtenden Elements, welches dt« Mtar ffir 
die weiten Länder Europa's zwifchen den Scheiteln des 
Alpengebirges (t«ts unterhält , und aus welchen die ni« 
Terfiegenden Quellen des RheirCs und Po^f , des Rhoru 
und mehrerer der D4)nau zuA^ömenden Alpeiifli£fe , nnd 
taufend anderer Ströme und ßäche, welche alle die von 
den unüberlehbaren Eis - und SchneewüAen Winter und 
Sommer unausgefetzt abfUelsenden Wafferfcliätjen 1 *► 
Ti(7Hauptftrdmen unfers Erdtheils zuführen, — 

Die aufserordentliche Verfchiedenheit des HöHener- 
jreichs der E-rdobei^flache in dem Alpengebirge bewirkt 
auch eine, zugleich neben einander beXteliende, aufseror* 
dentliche MannicKfachheit des climatirchen Zuftandes, 
oft innerhalb der Entfernung von 6—8 Stunden von der 
ewigen Schnee -R^^gion herab bis in Thäler, wo, wie in 
Unter Wallis und im Veitlin, das HenumMrfche Thermometer 
des Sommers am Pelfen in der Sonne bis auf 40 und 48^ 
ftefgt; und dies macht dann wieder eine aulserordentlich« 
Mannichfachheil der^Jiier - und Pflanzenbewohner der- 
felben möglich; ähnlich hierin den van Hrn. v. Humboldt 
fo meifterlicli gefchilderten Cordillef-en des Americani* 
fchen Andengebirges ; und find die Entdeckungen des Alpen- 
reichthnms in dielen Fächern noch lange nicht erlchöpft. 

Die Anzahl aller Alpen rölker in der Anfangs bemerk- 
ten AlpenerAreckUng fchätzt der Verf. mit 6—7 MiU. eh«v 
noch zu niedrig, als zu hoch, von welchen i — 2 Mülio** 
nen dem celtifch^allircUen, B — 900,000 dem italienifcb^n, 
etwas über t Million dem navifchen, und gegen 3 Mil-^ 
lionen dem germauifchen Stamme augehören. , Unter 
diefer ganzen Summe befinden fich wenigft^ns i| Mil- 
lion, welche blof« Hirtenvölker find, und fich auslchlie- 
fiend mit AlpenwirtliXcbaft und Viehzucht befchäftigen. 
Es loU fögttr uocb viel Thäler geben , deren Bewohner 
wenig 'oder gar nicht beobachtet und befchrieben find. ^ 

Et folgt nun die geognoß(fche Ueberßcht des Alpenge^ 
birges^ und der Verf. fchildert die materielle Befchaf- 
fenheit der Malten , aus welchen die Alpen beftehen , im 



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ifß Bücher' * Rectji/io men. 

Allgam^ncn £o: ^,th der Mute derüelbeiiiltrfioluii dtircli. 
4eroa ^aiiv> Auf dehiiung di^ PeUenlietten MVi$ Ürge^irge» 
mu8 VxMieB , welche in üie gröXste Hahe fteig^n , in die 
t^iiixCite Tiefe fi|ik«^ ., iui4 ;Qie (wegen jleilen Cinf chief- 
iems) mv^ llo4evii ^eifjurten AufliegieMd aipL§etxoSen werden. 
t^itt find ii€ Ür'Jlp4n» An der Norfi*, SM- und Md- 
jweli-Sei^e der Ur «Alpen Reichen diejenigen Gebirge, 
weichte §m Schieber und dic^lftem FlötzJkAÜ^ftein JieÄeken, 
lind dies und die Kalif - Mp^n, 

An der Nord - , Süd - und Südweft - Seite der Ka^k- 
•Ipen folgen die aufgefchwemmun Gebirge aus Sand!fteiii, 
Nagelfluhe und Mergel, welche an der iS^ord- und Nord- 
Iveü - Seite von den K^ilkfteinketten des Jura , an der 
Weil- upd Südwelt- Seite längs 4et Ahone im rüdlichen 
Frankreich theilt ,von UrfeUen , theils von Kalkbergen 
hegränzt werden , und im der SÜdleite in weite Ebenen 
<hi$ an die Apenninen und das Adriatifche Meer auslau- 
fen. An der Oft- Nord- Olt- Seite fallen die nördlichen 
JCalk- Hnd die Uralpen in ihrer ganzen Breite ziemlich 
.Xteil in die Ungarifchen Ebenen ab , und nur die lud- 
pichen Kalkalpen letien auf dem rechten Donauufer un- 
terhalb der Saumüudung nach ONO. weiter. -* 

. Unter allen dielen Gebirgen von verfchie^nen Feie* 
arten bilden dit Uralpen und die ndrdiiclien und lüdli- 
ehen Kalkalj^en den eigentlichen , durch R^ite und 
iiShe gleich un^heueren Körper des Alpengebirges. Die 
Breite deffolbeii aber reigt l^ch in der ganzen Anedeh- 
nung nicht gleich , fondern nimmt von WSW. nach 
ONO. ftets zu, fo dafs z. B., wenn vom nördlichen Fufise 
-der Kalk^lpen bei Annenf in Savo^yen fiber 4en Mant^ 
Cenif bis Avigliana die Breite nui^ H7 ^^ SS Stunden 
i>etivägt^ folche Vom Trann-See in Oeftreiph über Aim 
Tauern bis F^u^e 76 bis 78 Stunden währt« Hingegen 
liegen die höchllen Gebirge in dem Xchmalilen Alpea- 
ßriche und werden nach ONO.^ wo die Alpen am brei- 
teften werden , niedriger. — 

Im zweiten Ab/chnitte fchildert jinn der^erf. Um 
Vrgebirge der Alpen» die er Uralpen pder auch Urfels- 



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Büth ir - Ä^ f # n/io n t h; ^ 

gfbilde n^ant, nach ihrei" AüsdeUiiUiig , Bt^ffb «md* 

HöHe dArch das ganie Alpen^ebirjt«- -^ Schon die üt^ 

geJjirgsmalTt'n der Alpett liabcn durch tö LängengrAdt^ ( voA' 

pauphin^ bis über die Miirr alt der ungarifchen Ebente) 

Bar mir Atisnähttie einiger knrien, etwas weniger brei-^ 

ttn Strecken, überall eine volle Breite TOn 25 bis ^o 

Stunden 9 und lelbft übet dit£e Breite hinaus zeigt ficH 

nördlich das Urgebirge nOph faft in allen Queerthälem 

1 bis '3^ Stunde weit als hervorftehende Unterlage Jef 

Kalkgebirges. Desgleichen kommen auf der Südfeite hi 

vielen Thäleim zwifchen den Kalkfteinketten fogar^ bis 

I? St. weiter über jene Bteite hinaus noch Urg^birgsmarTöii 

mm Vorlbheine , fo dafs diefe VerlWlttnifl'e der Haupt> 

breite mit tu^rechnet,* diefe dann 40 bis 42 Stundeit 

beträgt. Zieht man nun zugleich die aufserordentliche 

Höhe der äufserft zahlreichen Felfenkol offen (Hörnet, 

Aiguiilcs) in Betracht, die meift!ens bis* zu 9 und tO,ö(kt 

Tuts, ricle bis ZH 12, einige fbgat bis xn t^ nrid I4>oo0 

Pnfs über die Meeresfläche iich ^rheben , fo behauptet 

das Alpengebirge den Vorrang Vor al'en übrigen euro- 

p&ifchen Gebirgszügen 5 ja es u'lrd an Breite nicht, woht 

aber an Längenerftr<^ckung und Höhe nur von der füd* 

tmericanifchen Ändertkette übertÄoffen. — 

Die hScljRen Gebirgsrücken der Alpen liegen abeif 
nicht in einem Striche, fondern gehören mehreren pa- 
rallel neben einander ftreichenden Gebirgsketten an) 
daher dann auch der hSchfte Alpenkamm (der allgemeine 
WalTerfcheidungs rücken) eine vielfach gekrümmte, eini- 
gemal fogar eiiie, faft einen ganzen Breitengrad vor oder 
rückwärts tretende Richtung hält; wfe der Verf. auf det 
tinen Charte durch befondere Farb^ng^ung fehr ah- 
fchaulicH gemacht hat. — ^ 

Aber auch noeh aCufserhalb tiefes höchften Alpeii- 
kammet befinden fifch in noch andei^n patallelen Gebirgs- 
zügen fowohl gegen Notden, als Süden Felfengipfel, wef- 
eh« mit denen des Hauptrückens wettei'fern und ebenfalli 
Höhen von I2,0<10 Fufs (z. B. jlie Viefch- und Schreck* 
nsrntr) und 13,000 Fuf« v.^« d4« JVitJfl^r^-sfflVÄörw), ja 



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o^ Bücher - Atcenfianen. 

[ogBX 14*000 FuXs (wie der Qrteltr) darftellen. — , Sehr 
richtig fagt der Verf.: „In geographifcher und pfiylica- , 
lilcher RöcUic^it iÄ die Linie der fVaJferfcheide in dett 
Vralpeii über allet wichtig und mcrkWürdig. Man 
könnte folche auch mit vollem. Rechte Climafcheidt und 
für 6 Längeiigrade aitch Völkerfcheide nennen ; denn 
yon dt-n Cottifchtn ^(tlpen an bis ins Tyrol trennt der 
bezeichnete Uralpenhamm die italienifehen von den 
tßutfchen und franzößfchen Völker/chatten^ fo wie ai^ck 
dat füdlicht von dem nördlichen Clima, " — 

' ' t • . ■ 

Jener hohe Alpenkamm bildet^ obgjieich höchfter 
WalTerrch«'ider , docb kein ganz ununterbrochenes Gan« 
sety fondern Zähllofe Felfenpyrainiden und Hörner, t«u- 
fendföltig durch Eiplchnittc, Hochthäler und auch hohe 
Grasberge unterbrochen und von einander getrennt, ftei^ 
gen auf diefer Lii^ie empor , und bilden colofTale Ge- 
birgssinnen einer gleich coloiTalen Gebirgsmeuer. SelbA 
die Alpenpäffe laufen nie über die Gipfel, fondern durcb 
die Einfchnitte zwifchen den Gipfeln oder Zinnen des 
Kammes hindurch. Verhältniffe, welche der Verf. von 
Seite 39 &0 genauer entwickelt, und die AIpenpäJTe, ihre 
Höhen und die Höhen der noch zu beiden Seiten der- 
leiben anfteigenden Gebir^s7inuen ausführlich bemerkt. 
Jm Allgemeinen haben die PälTe eine Höhe zwifchen 4000 
nnd 6000 Fufs; die neben ihnen emporragenden Pelfen- 
pyramiden ileigen aber noch 2 bis 3900 Fufs höher an.. 
— Denn nichts ift fcitener auf der Hohe cter ürfeifen, 
als gleiche fortlaufende lange Kückgrate ohne HÖrner. 
Der merkwürdigAe und piächtigfte Qebirgskamm diefer 
Art zieht in einer Höhe yon 9— lo,ooo Fufs zwifchen den 
Viefch- y Wild- und Glet/ch - Hörnern in Oberwallis! 
Gewöhnlich aber fteigen atifl den Gebirgsrückgraten 
Felfenpyramide^ kühn empor; find oft an den oberlten 
Seiten aufserft fcharf gezahnt und zackig , ^9d endigeu 
Heb häufig ganz fpitzig. Doch giebt es Auch manche 
Ausnahmen von diefer Form; zu denfelben gehört vor- 
znglich die höchlte aller ür - Felspyramid^n , der Mont- 
Blancy defTen füdwelUiche und nordÖIiliche Seite (jedoch 
nur d«;r äalseja Form nw^h) aUmählig über mehrere Stä- • 



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Bücher" Re cen/i ontn, ^ 

fen y unter Linxeii , welche mit dem Horixoate ^ineH 
Winkel von 23 bis 24^ bilden , hinaaffteigen , und auf 
der Spitze ungefähr unter einem Winkel von 130** lu- 
(ammen^ofsen. .Sein Gipfel zeigt fick wie eine gedrückte 
Halbkugel, welche , aus Standpuncten in ONO. betrach* 
tat, genau einen Kameelbuckel darileilt. 

Eben Xo zeichnft fich der Nebenbuhler des Mont^. 
Blanc (der Mont^Ro/a) durch feine eigen thümliche Ge« 
fialt aiu. Er befteht aus e^em JSirlcel vieler 1^ gleijcji 
hoher Homer , die wie Blätter einer Köfe um ihren 
Mittelpunct ffcb anlegen (daher auch die Benennung).' 
Die Mitte aller diefer Hörner aber, welcl^e nach dem 
Anxasca - Thale liegt , bildet eine weite runde Vertie- 
fung, ungefähr wie manche runde KelTelthäler auf der 
Oberfläche des Mondes. — ( Möge balc( ein Naturfor« 
fcher den Mont-Rofa genau unterfucl^en! denii es findet 
auch horizontale Lagerung am Mont-Rq/a Statt, \^oyoa 
der Verf. in 4iefem ganzen Werke nichts erwähnt «^ alfo 
weder betätigt noch berichtigt [falls es irrig wäre], w^s 
er in feiner Anleitung, die Schy^reiz zt|..berei£en Th. Jf., 
anfuhrt: der Rofa ^eftehe yön ui^%en b^s oben aus Gneifa 
und adrigem Gi^nit in falt horizontalen Schichten, denn 
fie fenken fich nur unter einem Winkel von 30 Grad. Ein 
folches Verhältnils mitten im höchlten Alpenkamme, wo 
fteiles EinfchieXsen der Schichten lo herrfchend feyn 
fbll, verdient a^e Aufmerkfamkeit). 

So wichtig, wie in g^ographifcher und phyüealifchip 
Hinficht (meint der Verf. S. 32) (ey der hpchfte Urge* 
birgskamm des Alpengcbirges in geognoftilcher Hinfielet 
nicht (wir werden jedoch noch anzeige q, daXs auch für d^ 
Geognofie einige wichtige VerhältnilTe daraus £ch er- 
geben). Man nennt jenen Kamm auöh wphl Zgntralkft$e 
(fährt der Verf. fort), und hält ihn für den fonderb^r 
gekrümmten Äückgrat des Alpengcbirges , a^a de^^n un- 
geheuren Wirbelknptefi alle Neben&etten auslaufen.; allein 
diefe Vorilcllungen beruhen blofs auf einem üüchtigen 
> Ueberblicke der äufsern , UmrifTe , uuär ganz ^n^ gar 
nicht auf d^ innern B4ue de^ Urfelsgebild^sf woraus 



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Bücher * Recen/ionen, 

«Hein Hclti^^ B^^tlffe ffber den Ltof ihrer Felfenketteb 
^ gefoh^^ft #erdtli kötmen.«' 

Der Verf. verbreitet fiöh nun flber die BerchefTen- 
lieit der AlpentRSl^r; deren verfehiedentliCfh Bok« Lage, 
Länge,. Breite» aÜwechl^Inde £rweiteriMgMf üHd Veren« 
gerungen (Zufammenrchniirun^en , ^tranglements , Thal- 
kehlen), verbui^den mit ftafenfärmigen Aniliägen| wor« 
oni f^hr aug^dnf^exnlich folgt, daft vor der Dutqhlir^- 
chuttg dlefer QuerdStnfhe die Thäler ütiemalf «u «hier 
gewinVn 4|eit bldfs mehrere hinter einander liegende ge- 
fchleffene See* datfteilten; nnd^iat der Virf. aire» Wieb- 
tige ^ber dieJRl TerhäHniffe und die Folgen der Ourcb- 
brüehe ^tgleichett eingefchloüTencrr WalTer zufamniengt»- 
trag^tt und attfgeltelll. ^ 

Im $. 6. ift iinn die Kede iron der Mannichfacbbeit 
der Felsarten in den Uralpen. Et werden folche einzeln 
durchgegangen) irnd die mancherlei AbSnderungen jede^ 
Hauptgebirgdart kur« angegeben. DH abei' der Ve^f. nicht 
ilber&li Mhh beobachtete , londenk h&ufig fitli bacb 
Bäi/^Hfurt^f ^und «ndör^ Gebirgtfotfcber äheri^ Angaben 
locktet» die XU einfet 2eit gemacht wurden , wo man mit 
den Benennungen der G^birgsarten eben h^ht feDrt ge- 
^au veHähr : fo kann man auf diefe Angaben fidi nicfht 
*fo vc^IalTett, wie auf diejenigen neuerer PoTfcher (einet 
V, Humboldt f v. Buch, )^eu/s etC.) Denn unter Sanffn- 
reV Graniten itecken noch Werner's und der Teutfchen 
f e^nettgtet Qrünßtin und Syenit ; fo darf niafi ein ur- 
i^ünglichei Oemfettge aus blöfs Quanf und tillimnter 
lrx>tt k^rAiger Atrtictnr nicht mehr Granit nennen. Die 
^Gneifs - Benenttttifkg wird ebenfklU zu wilfkihrlich und 
in weit susgbdehAt ; fÖ wird tmter andern S. 64 Th. t. 
^ne Gebirg«maiTe des fintteve- Thaies tfü9 Gümmer ui»d 
Qitan Kneifs genannt , da doch im Gegefatheüe Feld- 
fpatb und Glimmer , mit oder ohne Quatz äxt wefeiitli- 
'^ein Gettiengthene äes Gneiftet find. 

Auch did Abänderungen der Urtrapparten find nicht 
hinlftnglicb unterf<^ieden worden ttc. Vorzüglich bat 

man 



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Bücher * tLecen/ianen* ^j 

Hau den Mang«! diefer Geriaitigkeit in den I^neHiiüil- 
gen bei den Gebirgsarteii des Mont ^ Blanc tu bedauernl 
wie fpStere fcbulgcrech^e Beobachter ficher finden wor* 
den « dafs in diteii Benennungen Vieles tu berichtigen ift« 
^rof. Furine^s verfuchte ynterfcheidungen. und neue Be- 
Bennungen det Gebirgsarten (Wie Arkeßne^ Dohritte <tc« 
im Jeurftßi dS Chjrmit) haben n^it Kedht keinen Beifall 
gefunden $ und eben fo wenig wird des Verf. Ausdruck| 
Urgrauwacke , Beifall und Nachahmer finden ^ da rox^ 
ftuglich durch Grauwacke eine neue Gebirgsfolge cha<* 
tacteri^ft wiifd^ die man allgeüiein^ felbft in FrankteicH 
Üebergang^gebirge ^ rbehes de trandtion ou de fecdnd^ 
fbrmation , nennt. Es jft ▼ielrtiehf wahr£phein]ich| x 
dafs die fogenannte Urgtauwacks nichts weniget»^ al# 
eine wirkliche' Grau wacke ifX*, d^nn es heifst fpäter Th« 
I. S. 65: „in diefer foiiderbaren Felsart zeigen iich dili 
BefUndtheile dts GflelTseiff liur auf eine ei geile Weiftf 
▼ertheilt) aufserft uiigleich krydallifirt, und in Niereif 
odet eckigen Stücken lufammen getreten.** 

El giebt übrigens keine Urgebirgs art ^ die fich nicht 
in dem Alpengebirge fände; vielmehr manche, wie deif 
Sauffürit (magerer Nephrit, Schweizer Fade, Lemanit)| 
der UrgxpSf der Dolomit etc., die fich in andern Ge-i 
liirgen feiten finden^ desgleichen euch mancherlei feite« 
nere Abänderungen von Urgebirgsarten. Am feltenftelt 
itt det Porph^r^ uud zwar nur auf die Südfeite befchränkt^ 
wo er jedoch eine weite firftreckitng hat, deren genaUettf 
Angaben Gebirgsforfcher interef^ren Wefden. Vom CölU 
mann in Tyröl ftreicht Porphyt bis ins Thal Jgögnd^ 
twir^hen .den Seen Logo maggiore und Orta, und noch 
weAIicher führen mehrere Fl üITe, wie der Sefia-Stronl 
in der Ebene von' Vercelli uftd andere FlüfTe in Dau« 
^hin^ nach Saüjfurt noch Potphyrtrümmer ; Und a^ch 
nordöftlicher als der CoUmann lieht zwifchen den füdli^ 
chen Kalkalpen in K^mthtn an mehreren Orten Porphyi» 
lu Tage aus* Er hat übrigens Glimmerfchiefer unmit- 
telbar unter oder hinter fich^ und üebergangs - Kalk ödei? 
auch gleich Alfenkalkftein (älteften Flötzkalk) übet fich| 
und gehört in letzterem Falle fehön mehr zu deni Uebet' 
gangsgebirge. , 

A. Ö. E. XXVlIt. Bdsi 1. St. Ö 



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98 B^ "eher - R ec e nfi onen. 

Auf der Alpennordfeite fehlt der Porphyr zwar gifii- 
lich, da aber die UrgebirgsmalTen der Nordfeite Iteiler 
einfchiefsen und fchneller in die Tiefe fallen , als auf 
der Alpeuffidfeite , fo liegt auf der Nordfeite der Por- 
phyr vielleicht nur zu tief, und zu fehr mit Kalkftein 
bedeckt y als daft er über Ta^e erfcheiuen könnte; wo- 
für auch die erwHhnten ßeifpiele feines vereinzelten 
Hervortretens unter den Karnthifchen Kalkallien fpre- 
chen. — 

Ebenfalls feiten tritt der dichte Feldfpalh als Ge- 
birgsmalle auf (Sauffure^s Palaiopetre ^ Petrpßlex der 
Pranzofen , unter welcher Benennung aber wohl auch 
nufchliger Hornftein und gemeiner Kiefelfchiefer, als 
nicht geiiau von der. franzölifchen Schule gekannt , mit 
begriffen fiild , fo. dafs auch hier dereinft ein fchulge« 
rechter Minernlpge noch manches genauer zu beftimmei 
findet.) <** 

iVi6 Fortletzung folgt.) 



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CHARTEN - RECENSIONEN- 



I. 

Charte von Mittel-Europa oder von den 
Erbmonarchien O eftreich und Preujsen^ 
dann den Jämtlich teutjchen Ländern y in 6^ 
Sectionenj herausgegeben von Freyh&rYn von 
Ljschtensteb^n. Section ßg. 29. 46. 37. 
39. 54. 61, 63. 64. Wien, 1808. 

In d^m IV. Stfiqkp des XXVI. Bds. unfrer A. G. E. hi- 
ben igir bereits dem Publicum Ton der Erfcheinuii^ obi- 
ger Charte |!^otitz gegeben, und 15 Sectioncn derfelben 
•ngckündigt;- es ift i^ns eine angenehme Pflicht, die 
Fortruckung diefes als Generalcharte allerdings lehr 
brauchbaren Werks anzuzeigen und den Inhalt der vor- 
bemeldeten 9 Blätter durchzugehen. 

Steu 28. Thtile des Königreichs Böhmen ^ des Herzoge 
ihums Schießen und der La\{ßtz^ Gezeichnet von 
Scharr er, geß, von hiß. 

Ein gut getelchnetet und lehr fanber geftochenet 
Blatt, nur dals der Zeichner bei feiner wirklich fleifsi- 
gen Ausführung der Gebirge und der Situation häufig 
den Fehler begeht , die Curiiv - Schrift zu mager zu hal- 
ten, wodurch folche, ungeachtet fie fonft fehr rein gef- 
ftocHen ift, an Deutlichkeit aufserordentlich v^crliert^ und 
itiM Ange bei deäi Lefen^ «nßrengt. 

G 2 



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100 Char ten ' Recenjionen. 

Diefes Blatt geht von 6d bit'si® 30, nSrtJliclier^ Breite, 
und vcm 32* 5' bis 35«^ der Lauge von F^rro' Die hiezu 
benutzten Materialien lind bei der ^nlwerfimg voi^ Böh- 
men die bekannte Müller£Qhe Charte , und bei der Orto- 
graphie Schauer und (^rußus Poft* JiCxicon, und Ree. 
kann mit Recht lagen, d^f.t fplche mit Vortheil ang^viren- 
det lind ; zu Schießen ift dagegen wohl der JVieland£ch^ 
Atlaty tkhtr WeigeU ScbJeiien nicht bfnutzt^worden , wo- 
durch ßch einige Fehler eingefchlichen Haben, z. B. der 
Marktflecken Koßenblut im Canthifchcn Kretfe ift als 
Stadt angegeben , und einige aridere ; auch ift die Poft- 
%arte zwifchen Reichenbach und Nimptfch ausgelaTten 
«worden. 

Die Laußiz ift nach ^cÄrnÄ -bearbifitet , deJEren Atlas 
un» nocb immer da« Befte und Hitchtigft« viiti 5achl%n 
liefert. Leider haben fich alle die Fehler dabei mit 
eingefchliqhen , die Schenk hat, und die bei Zuziehung 
der neuern grörsern Topographien leicht Yerfnied^n wer- 
den konnten.] 

Zur Grtffchaft Glatz hätte wohl die von Seidel 1806 
bei Homann^s Erben erfchienene Special- Charte redncirt 
werden Tollen ^ weUhes aber leider nicht gefchehen iSt; 
ein kleiner Beweis, dafs die Herren Herausgeber und, Ver- 
faller doch nicht immef die bellen Vorhandenen Htilfs- 
mlttel kennen, in welchem Falle e» lieh dann nicht v6r- 
müthen liefse , dafs manche Fehler ßehen geblieben feyn 
mochteii; lo ift z. B.Jdas ganz unbedeutende Dorf S'cÄarf«* 
Winkel hing^fetzt, und die lehr groXsen Kirchdörfer Tut- 
fchendorf und Oher- Steina , welche mit Mittel- und Vn» 
tef' Steina lu einem Zufammeuhange an dem SteinauflSfs- 
chen über 2| Stunde lang fortlaufen ,' ausgelalTen worden. 1 
Zwilchen Ob Schwendeldorf und Rtichenau ift das Dorf ! 
W ernens dorf Wallirfurth hentnnt, und oben über «^cÄar- 
feneck ein Dorf Endegut niedergelegt worden, welches 
in der Wirklichkeit nifibt exiftirt, wohl aber eins, 4^ | 
Rudlesdorf heifsen foU. Niederhansdorf , delTen Haufer 
bis an die Neiffe gehen und kaum | Stunde von Giatt 
entfernt find, liegt auf uaferm Blatte J^ eine Meil* 



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Charten - Rcc en/i onen. loi 

laTon; der g^nz atif d«m Gipfel einei beträchtlichen 
Berges liegende Kitterfitz Schnellenftein ift hier Ins 
Thal an einen Flufs gelegt etc. ; es liefsen iich noch eins 
Menge dergleichen kleine Sünden anführen , welches 
Rec. aber zur Schonung feiner Augen unterlalTen mully 
fo dafs es die^Herren Verfafför und Herausgeber Hrn. 
hifis feil wacher Schrift sn danken haben, daft folohe 
nicht alle Aufgeführt werden; de'^n eine Section diefer 
■Art ganz genau Wort für Wort durchzugehen, umd 
wm. beartheÜen > wäi^ üch muthwillig um das liicht lei- 
aer Augen bringen ; bei welcher Gelegenheit Kec. nicht 
umhin kann , Hm . v, lAechtenßern die Verficherung zu 
^ebeu , dafs alle feine geographifchen Werke Weit mehr 
Werth haben würden, wenn derfelbe nicht, wie et 
fcheint, feil der Meinung wäre , feine General ^ Charten 
als Special - Plans geltend zu machen^ was helfen dem 
Befitzer diefer Charte die Menge unbedeutender Dlkfer, 
wenn er Tor folchen die bedeutehden Qrfe nicht finden 
und erkennen kann? Zu welchem Zwecke dient die 
Asftopf ung mit G.ebir^, da iti diefem Mafsftab gewifs ^ 
Niemand mehr als die Hauptzüge rerlangen wird? wozu 
die, oft nur wie hier bei Glätz blofs poetifch eingelegten 
Abdachungen ? wegen welchen die Hauptzüge weit ftär- 
ker angefeben. werden müITen, mithin jene doppelten ^ 
Schaden bringisn, die ohnehin lolche fchwache Schrift 
noch nnleferlicher machen ^ und den Charten den heften 
Werth benehmen. 

S4€t, 99. TheiU des Königreichs Oalizien^ der Ber^ 
zogthümer Warschau und Schießen, Geztichnst von 
Schloif^ geft, w^ fVitkalm, 

Diefes an letzteres anftofsende Blatt geht von 490 58' 
his 5 £0 28' nordl. Breite und von 35° bis 37° 54' der Lange 
^on Ferro; und hat ([olches, da es überdies aus den heften 
Torhandnen Materialien bearbeitet zu feyn Icheint^ für 
den Befitzer weit mehr Werth als das vorige, da es we- 
niger Gebirg enthält, und die Schrift etwas fietttr and 
lUürkcz aasgefallen ift* 



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102 Ch arten - R:e c enfi onen. 

Sevt, 46. Des Königreichs Ungarn mittUrtr oßU^her 
TfieiL Gez, v, Simm.j geß. v, fVithalm, 

Dielet Blatt beginnt niit 46* 50' und endet mit 48® 
20' nördlicher Breite, in^leichen mit 37^42' und endet 
mit 40'^ 28' öftlicher Länge. 

Dafs zu tlnf^arn Lip^k^y Görügk und Crusius benntxt 
worden 9 . ift unfern Lefern- fchon aut der Kec. der er« 
ftern Bliftter Bekannt, und es gefcHieht dielet bti.B««r- ^ 
beitnng dtefes Königreichs in der That mit Nutzen y wi« 
ebenfalls diele Section iieweift. 

Diefes ohnehin gut und mit Fleifs ^gezeichnete Blatt, 
.gewinnt noch mehr durch feine Deutlichkeit, £0 dafs 

wir in der That dem. Hrn. Herausgeber danken, dafs er 
.doch weuigftens da nichts hinfetzen läfst, wo nichts ii^ 

deim in den }>eiden obern Ecken hätte wieder eine g^ute 

Anzahl Orte und Gthirg - Abdachungen wegbleiben köu- 

nen« 

Auf diefem Blatte ift aufser Ungarn noch ein klei- 
ner TheH Ton Siehenhürgen, nämlich des mittlem bellte« 
her Stuhls mit begriffen. 

* ' ' ' ' ' 

I 

Seet, 37. TheiU der Königreiche iTngani und Galizien^ 
• und der Markgraffchaft Mähren, Gez, v, Novahp 
' geß. Vi Kühni ' ^ 

Diefe Section, fo von 48® 27' bis 49** 58' nördL Breite 
und von 35» bis 37^48' der. Länge von Ferro reicht, ift 
unftreitig eines der heften und deutlichften der- litis 
ibisher vorgekommenen ; denn aufser delTi^n lleilsiger 
Bearbeitung nach Lipsky^ Görogk^ Miller^ Crußus etc. 
ift es auch wirklich dasjenige, in welchem, in toppgr««- 
phifcher Hinficht durchaus ein gleiches , und swar das 
Verhälttnfs, welches Charten diefes Mafsftabes angemef- 
f^n, beobachtet worden ; wozu noch der durchgängig reine 
und deutliche Stich kömmt, ' fo dafs man mit Recht be- 
haupten kann , dafs diefem Blatte in keiner Ruckücht ein 
Vorwurf zu machen ift; wollte aber der Hr. Herausgeber 
diefea lohöae Blatt, mit feiner Section 43 und 44 / und 



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. Chart en " Rgcen/iönen» » loj 

^•IcH andern vergleiehen; fo darf Rec. ihn wohl nicht 
dsranf anfmerkram mach«!!, dals diefet mit jenan dttx^i- 
ans in keinem VerhXltnilTe fteht« Da in jenen Seotidnen 
die niedrigßen Abda<;hun|[en höher und fchwÄrser al« 
hier die ICarpathea ericheinen, welch einen üheln Effect 
wird dies bei der einzigen Zufammenftellung der ganrea 
64 Blatter herrorbringen , Co dafa iene Blätte^r , der lin- 
de ntüehkeit der meiiten UDgeachtet, kaum in dem Gan* 
sen aufgelttllt werden können. * 

S€eu 39. IhtiU d$s Konigniehs Oalitien nnd dis nord* 
oßlichen Ungarns, Gtz. v. ßfovak^ geß, v,xWithalm, 

Ein Blatt, das ron 48^ 5' bis 49<> 36' der Breite nnd 
▼on 40® 3J?' bif 43^ 25' der Länge reicht; tu welchem lehr 
gute Materialien, ja vietleicht die heften vorhanden 
Und, welche der Zeichner auch richtig benutzt hat; eben 
fo fehr dient ihm zum Lobe, dafs er, fo wie bei dei#vo- 
vigen Blatte, ein nichtiges VeirhäUnifs in d^m vorliegenden 
beobachtet und die Gebirge nicht fo Ichwarz 'gehalten 
liat; es finden lieh zwar noch eine Menge unbe- 
deutende Orte, welche füglich hätten wegbleiben kdn- 
Ben, dock tragen fie nichts znr Undeutlichkeit bei, ond 
das Blatt kann in jeder Hinficht unter die heften ge« 
reebnet werdan; auch hat fich Herr ^itÄa/m bemüht, 
reinen Stick und deutliake Schrift an liefern. • 



Bai Anficht diefes Blattes dringt fich Rec. eine Be*« 
mctkung ron neliem auf, die er fchon lüngft bei allen 
Werken, dia Hr. v. L. hesausgiebt, gemacht hat, und 
laiche B1W nicht li&ngar zurückhalten kann. 

Man .findet bei allen Blättern, des Hrn. Herausgehers,, 
dals et, fo wio mehrerf Ciiarten- Zeichner, Freude daran, 
fiadat , dia Gebirgszüge recht malerifch mit einer Schat- 
taafeite dargeftellt zu fehen, iind es ift doch gar nickt 
zn glauben, dafs er nicht willen foUte, dafs diefes gans 
wider die Regeln der. Situations - Zeichnung und der 
nchügen Darftellung tofiagraphifcher Gegenftände ill; 
dann manwül ja dnrch. d^ Sehwäraa dar Gebirge bloC» 
dUf Steüe aiixeigfn> npd gitbibei dtr Situation nie akm 



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r#^attetffeit9 an; es ttiSt' Hcl/wbHl, daTf Berg»^ lin{ 
der einen Seite 'Aeil und auf der andern fluch ansUi^feiiy 
doeh ift diet nicht überall ^r Fall; folglich £i«ht man 
-deutlich y dafs hier nur die Darft^llnng malerifcher hat 
Husf allen foUen, und dies ift, mit Erlauhnife det Herrn v« 
fäiechtenfiern^ falfch und bleibt immer ein Fehler feiner 
fonlt tum Tl^il lo richtig und gut dargeftellten Blätter; 
fx beliebe darüber Schinne rt^s Abhandlung über die Si- 
tuation s - Zeichnung (das hefte bisher ex ütirende Buch 
hierüber, in welchem diele WilTenfchaft fyÄematifch 
geordnet und fehr richtig vorgetragen ift) «u lefen, lind 
lieh eines belTeren «n überzeugen , nnd mir diefe Be« 
fnerkupg nicht übel zu deuten, 

Sect. 54. Der füdößliche Theil des K^nigr^ich^ Ungarn 
mit einem Theil von Siebenbürgen. Cez, v, Schloif% 

%ۧ. V, WithahL 

Diefg Section beginnt mit 45*' 20' find geht bis 46^ 
50' der Breite, und von 37° 39' bis 40° 2,0* der Länge. 

Es läfst fich von diefdm Blatte lieiden vorhandenen 
Quellen von Ungarn, die Xchon mehrmals erwähn^ wor- 
den ^ nichts Mittelmäfsiges erwarten , und der Seichner 
kat auch in der That fich benitiht, alles Mögtiche «itf 
Vervollkommnung dtefes platte« beizutragen, lo wie auch 
der Stecher hier mit eben dem Fleilse, wie bei dem vori- 
gen, gearbeiteft hat, fo dafs Öibfes Blatt, ausgenommen 
dars einige Bergrücken, beföndets aber der zwifchen det 
Maros und dfem Begu- Canalj ^ein wenig zn ftark im Ver- 
liältnifs mit den Karpathen getalhen find^ und der Thtfil^ 
von 'Siebenbürgen, etwas mit Schrift und Qrten überla- 
den ift, recht gut den beiden Vorigen zur Seite gefeti^ 
"werden kann, 

Sect, 61. Bosnien Mn4 die ßxdlichen GranT^Dißrieie vö^ 
Slavpnien, gezeichnet von Fartfch^ geßoc^en von Lift» 

Der uttterfte Parallel -^ Kreis diefes Blattes ift dec 
•^n 43^ 57'j «Jer oberfte Ton 4S^ oS^ linkt lyt^ ^s dem 
Mtridian von sjö«, xouhu d04 VP» »7° 35% * 



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Charten • KecenJJLo nen, J05 

Dafii d«r Theil vqii SlavonUn gut bei^bf ite£ ley, l&{st 
Icliy «ach ohne Unterlnolii^itg,^ gar nicht besweifeliiy da « 
wir es von diefen Charten gewrohnt üad^ daft htfondera 
die öl^reichifche Monarchie anbetreffen^! , alles yorlian* 
dene Gute zugewendet wird ; was aber den Theil 
Tön Bosi%ien anbelangt, mufs man lieh, da man def« 
Ten Hulfs^uellen nicht kennt , alles Urtheils enthalten 
und den gewifs nicht unbiUigen Wunfch äufsernV <^^^^ ^^* 
V. L, dem geograph. Publicum bekannt machen mochte, 
ob er SU dielen im Felde der Geographie noch fo wenig 
bearbeitAen I^ändern vielleicht Handzeichnungen oder 
loaft gute Materialien znr Hand gehabt, damit man 
wüTe, welchen Werth man diefen Ländern beilegen kann. 

Es ift fonderbar, dafs auf diefem Blatte allein, einigt 
kleine Abdachungen abgerechnet , die fehlerhafte Dar- 
ftellung der Gebirge mit Schatten > Seiten vermieden wor^ 
den ift; es hab^ 6s nun Zeichner oder Stecfier gethan, 
fo hat er in feiner Art ganz Reöht, aber dies harmonirt 
durchaus nicht mit dem Ganzen, und es fcheint, dafs 
fiber die ganze Bearbeitung diefes Werks das SylVtm 
aicht feft genug niedergelegt iSt. 

, Herrn Li/^V GrabAich«! hat alles Mögliche zur Ver- 
fchönerung diefes Blatts, beigetragen, wir wir überhaupt 
von ihm, wenn ihm das ScheidewafCer keinen Übeln 
SU:eich fpielt, S. 5<ct. 43, Tchon gewohnt find. 

Stet. 63. Der wfßliche Theil des flirßenthumf der Wal^ 
lacheXf gezeichnet von Novak^ geßochen von Kühn, 

Diefe Section geht von 43«^ 37* bis 45O 7' der nörd- 
HeHen Breite, und von 40^ lO^' bit 4«^ 43< der Länge« 
£in iu aller HioScht fchdn g<earbeitetes Blatt, bei wel* 
ckem man nichts Anders thun kann, als d^a eben ge&uf« 
ferten Wunfch, zum Beilen dßs geographifchen j^ubli- 
cams tu wiedeirii<elen , der fich tugloich mit auf di^ foU 
gende Section betiehtr 

Stet, 64. Der Ößliche Theil des Fiitjienthums der Wal* 
lach^x 9 gezeichnet von Noyah^ geßochen von Kühn, 
Dfefes leMI» Blatt geht VOR430 21^^)1440^4^ der Breite» 
«ud TQn 42^ 45' >i8 45' 18'' ikirjüängf I i^fo fHe dM ▼•- 



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lo6 Charten - tiecenjiohen, 

lige fekon gearbeitet , nud geftochen, ifnr find di« 6e« 
Virge' in Bulgarien zum Theil etwai fteif «utgefalten» 

E« lind unt nun Im Ganzen 24 Scctionen diefer Charte 
bekannt, luid es IKfst lieh bei der Tbatifkeit des Herrn 
Herautgebers und 'der binifinglicben Anzahl guter Bear- 
beiter und Stecher nicht bezfreifeln , dafs diefer Atlat 
l^ewifs feinen guten Fortgang haben wird. 



2. 

Das Königreich Böhmen mit feinen An* 
gränzungen^ nach dem Entwurf und der 
Angabe des Herrn Jofeph Marx Freiherrn 
V, LzscHTE iT'STKRN 9 bearbeitet und gd* 
zeichnet von Jofeph v, ScsorrIsr ^ Lieute- 
nant de« K. If. Bombardier- Corps , geßochen 
von Jofeph Lift und Anton Witthalm* 
Wien, 1808. 

Herr v, Liechtsnßem Tettt auf den theils im IV. 
Stück« des XXVI Bandes der A. G. £., theils fo eben 
angezeigten BIftttem die Sectionen 2T$ 28» 35^ n- 36 sufam- 
uen und formirt daraus die eben bemeldete Charte, in- 
dem er jene Titel beim Druck mit Papier überlegen 
und dem Ganzen den* obigen Tittel geben llifst. 

~' .1 j . « 

Das Ganze erhält hißt eine zwMkmüfsige Illumini* 
rung der Grenzen ^ jedoch ohne die Kreis - Gränzen , und 
macht fomit ein ganz artiges Tableau ¥on Böhmen au$, 
über welches fich , da alle Sectionen einzeln fchon auf- 
geführt worden find, nichts weiter fagen läfst, als dafs 
es in'ji^dei^ Hinficht eine fehr brauchbare und gute 
Aarie diifet K6tii^mcli6>li. 



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Charten- Ittc smfi i^nen. ' lOJ 

Hee. kaira hier nickt umhin tu liemerlieay dtTs n$ 
lon4«ibaT iit, die Arbeit «4net Mannes eioent imd^rm 
suztifchreiben. Die Sect. 27. ift, wi# ilir hefonderer Tit* 
t«l »eipt, und wie wir fchon S. .454 unftrt XXVL' Ban- 
det bemerkt, rom Oberlieutnant Streit^ eiavm Mitarbei- 
ter des hielii^en ^ea^rapJufchen Jnßituts ^eteicHnet, und 
Mrird nun auf einmal dem Herrn Lieut^ant $ch0rrer xu- 
^elclirieben , et konnten ja eben fo gut zwei Bearbeiter 
als swei Kupferftecher auf d^tn Tit^ angeg^eben werden. 

Wir erwähnen dies nur, um IrrunjC tu^Y*^*"^^*^*"^ 
luid damit das Publicum nicht etwa glaubt, dafs jent 
Section zweimal exiitire , oder wir wegen fener An- 
sage im XXyi. Bande einer Unwahrheit belchuldigt 
werden könnten« 



3. 

Der engli/che Garten bei München^ auf 
allerhöchßen Befehl herausgegeben von der 
KönigL bairifchen. Dlrection des topographi' 

fchen Bureau , aufgenommen und gezeichnet 
durch Ober - Lieutenant von RjqBAUERy ge- 

ftochen von Katl Schleich, München, i8o8» 

Diefes Ichöne Blatt iß; 17,91" Per. 2ioU breit, und 
12,15'' hoch, und Itelit uus die Gegend twiTcJi^n dem 
^itilifchen Tfar Damm undder ChauIWe YüikMünchen nach 
hgolßadt mit der gröfsten G^enauigkeit dar, welche 
links , oder eigentlich In' Often von' der königl. Gallerie 
Und Hofgarten , und rechts, oder eigentlich in Weften 
von Bieder fttin eingefchlonen wird, und 9iRMnt im Gan« 
ten eine Fläche von 9000 bairifchen Sphuh Länge , und 
«twa 4500 Schuh Bffite ein , in welcher jeder nur im Ge- 
nngften bedeutende Gegenftand rmch fetneilA wahren 
tage niedergelegt iSty fo dafi man bti itufieht diereePlam» 



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io8 



Ch^rt^n >- Recenfianen. 



iMi welchem 1,75^' auf 1000 bairirelie Schuh gerechnet 
fitid, fieh fenz in jeae reizenden Gegenden zerfetzt fieht; 
welches die unter dem Fla^ als LandCchaffc dargeftellte, 
von Domer vortrefflich gezeichnete , und von Schltich 
geftochene Anlicht eines Theils diefes wirklich könig- 
lichen Gartens, wo man die Stadt Manchen im Hinter« 
gründe üeht, navh mehr Terannlicht. 

\ 
Herr Schleich hat zur Vervollkommnung diefee prSch- 

tlgen Blattes das feine nach Kräften heigetragen, und 

Alles, was ihm die genaue und Ichöne Zeichnung angab, 

meilterhaft ausgeführt. 

Wir erhalten feit einigen Jahren von Baiem fo viel 
•vortreffliche Sachen im geographifchen und topographi- 
fchen Fache , als uns falt noch kein Land geliefert hat, 
fo dafs man von ganzem Herzen irvünfchen mufs , dafs 
man in. andern Ländern, worüber wir noch fo fehr in 
Ungewifsheit fchweben, bald dem vortrefflichen Beifpiel 
von Baierns gütigen' und menfchenfreundlichen Monar- 
chen, dem Bildung und Aufklärung feiner fo fehr ge- 
liebten Untertbanen zunächft am .Herzen liegt , recht 
bald nachfolgen möchte. 



Plan der Haupt • und Re/idenz - Stadt 
Mü nchen^ auf allejj^öchßen Befehl heraus^ 
gegeben von der Köhigl. häierifchen Direction 
des topographifchen Bureau 1806, aufgenom' 
men vom Ingenieur Geograph Ober " Lieutenant 
Jofeph CoNs^osri^ geßochen von J. Carl 
Schleich^ Königl. häierifchen topographifchen 
Kupferüecher. Münclien, i8c^- 

Ab^Hbalt ein vmrtrefßicbet Blatt, das wir aus Mün* 
^n ezhalten» welches 94'' Par* ZoU hoch und Siyö'^ 



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Charten - R^cekfionem 109 

Zoll breit ift, xtiad für den Raif enden und. Fremden in 
München y fo wie för jeden» der lieh von diefer grofsen 
und prächtigen Kelidenzitadt einen deutlichen Begrilf 
machen will, ein lehr willkommenes Gefchenk ijft. Diefer 
Pkn ift fo fpecielly als es. nur imm«r möglicl), und wie et 
fon einem Plan in meinem Xo grölten Maaiitalle, nsimlich 
1000 Bair. Ruthen auf 6,35'' Par. ZoU gerechnet» erwartet 
werden kann. Et iit darauf jedes Haus feparirt mit feiper 
Nummer und Hof e angegeben» und dabei die beinernen Ge- 
bäude mit horizontaler, und die hölzernen mit perpen- 
dicttlärer Schrafßrung wohl unterfchieden ; die königl« 
und öffentlichen Gebäude find aufser ihren beigeletzten 
Benennungen durch Mrker« Schrafßrung vor den übri- 
gen Häufern herausgehoben; die Kirchen in richtigen 
architectonifchen GrundrifTen» mit Bezeichnung aller 
Säulen, Hochaltäre» Gewölbe etc. niedergelegt, und 
durch ganz fchwarze Schrafiirung ausgezeichnet ; alle 
Gaffen » öffentliche Plätze, felbft die kleinllen Gäfschen 
find durch verfchiedene» ihrer Gröfse angemeffene Schrift 
benannt; alle in der Stadt befindliche Gärten mit rich- 
tig topographifchen Grundrifien eingetragen» und end- 
lich die Stadt felbft durch fein punctirte Gränzen in ihre 
4 Viertel» nämlich: i) das ^rüggenauer ^ 2) Kreutz^ 3) 
dnger und 4) Häcktn - Viertel eing^theilt. 

Innerhalb ihrer Kingmauern oder in oben genannten 
4 Vierteln » befinden fich 22 Kirchen, als i) die AUenhof" 
Kirche, 2) Hof-CapelU^ 3) das evangelifahe Hof -Bet* 
h$us y im erften Viertel» im zweiten : 4) die Frauen^y 
5) Äo/*». 6) Multhe/er-^ 7) Congregations- y S) Schulkirche^ 
9) der mirgerfaal,^ lo) die Herzog Max - Cap eile ^ 11) die 
S. SaXvator- Kirche; im dritten Viertel: 12) die S. Pe- 
twi', 13) S.^^hastians" y 14) Heil. G^ist-y 15) Anger- ^ 
16) die kleine S. Sebastians - Kirche, und endlich im 
vierten Viertel 17) die S. Anna-^ 18) iSTreutz-» 19) S^ Jo' 
hannes'y 20) Seminar ium- Kirche, 2l) die Jo/eph Spitats-^ 
und 22) die Herzog - Spitale- Kirche, 

München hat innerhalb feiner Ringmauem 945 Hau« 
ftr ohne Kirchen. ^ - 



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Oll Qh arten - Recenfionen. 

Der rühmlich bekannte Knpferftecher Herr Schleich, 
hat dielen Plan auf das meifterhaf teile ausgeführt, und 
mit fchöner deutlicher SchrilFt geziert. 

Diefer in jeder Hinficht vortreffliche Plan ISfsl 
nichts zu wünfchen ihrig, als dafs die Vorltädte und 
Environs der Stadt mit angegeben feyn mächten, oder 
dafs wir bald einen ähnlichen Plan im kleinen Maasitab 
mit Einfcl^lnfs der Vorßädte nnd nächüen Umgebungen, 
erhalten möchten. 



5. 

Ch arte von den Grojsherzogthümern B e rg und 
Hefjen , den füYfth primat ijc hen Ländern^ 
dem Herzogthum Nafjau und den uhrigen 
darinne hegränzten ^ zum Theil noch uneinge- 
theilten Landern, Nach den neueften vorhan* 
denen Hülfsmitteln entworfen v, F.W, Streit, 
Ober - Lieutenant. 'Weimar, im Verlage des 
geographifchen Inisituts, 1803* 

Diefe Charte liefert uns eine Ueberficht mehrerer 
durch ihre Lage in 'einander verwebten Länder am Rhein, 
Tom Main bis zur Zuydtr*Se$. 

Das geogr. Inilitut bemüht fich, wie wir nun fchon 
ans mehreren feiner herausgegebenen neueren Charten 
fehen, die durch die neueften Ereigniffe unferer Zeit in 
feinem grofsen HandatlalTe unbrauchbar gewordehf^n 
Charten fo bald als möglich durch neuere in dem Laufe 
der jetzigen Zeit ioterelTant gewordene tu erfetzen; und 
fo fehen wir die oben angezeigte als einen neuen Beitrag 
zu gedachtem Atlas an, und finden hierauf ausgearbeitet: 

1) Das Grofsherzogthum Berg^ 

2) Das Grofsherzogthum HeJJen, 

3) Die fvlrftl. Primatijchen Staaten. 

4) Das Herzogthum NoJJau, 

5) Das Herzogthum Aremberg» 
. 6) Das f üritenthum Salm. 



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Charten ^ R9€enfioneny lii 

7) Die Für AI. Jfenburgifoheir LSnder, nnd 
i) die dermah}en »och tineing«th eilten Länder vom 
Fulda und Hanau ^ neblt der Graffchaft KatzentU 
Itnhogen, 

Das 211 den fürAl. Primatifchen Staaten gehörig Füf- 
ftenthum. Kegensburg ift, um die Länder diefet Souve« 
rains ohne AuslaiTung darzuftellen, in dem linken oberm 
Winkel alt Garton augebracht. 

Diefe Charte fafst alle merkw findige Orte und 6e« 
ffenßinde, fo Tiel al« von einer Qineral - Chartt ^ ohmm 
£>Iclie IQ überladen^ erfordert wird; ihr yerfalTery der 
uns fchon aus mehreren feiner Arbeiten bekannt ill^ 
fcheint folche aut den Güjfefeldi/chtn Materialien za 
diefen Ländern fufammen getragen zu haben , indem wir 
die Situation diefer Charte genau init jenen harmoniren 
fehen ; doch mufs man hierbei nicht öberfehen , dafc 
Tiele in oben erwähnten Materialien noch vorfrodlicbe 
Fehler in Hinficht der Ortszeichen* hier yerbeltert und 
berichtigt find. Das Blatt ilt in dem gewöhnlichen For^ 
mat des Hand > Atlaües des geographifchen InAituts und 
hat 5 Ferifer Zoll zum Breiten -Grade, als Maaiftab.^ 



6. 

Neueße allgemeine Fofi-Charte von Eu» 
ropoy in welchem /amtliche Poftrouten der 
europäijchtn Staaten nach den zuverläßigfien 
Ppßhüchern eingetragen find ^ mit fernerer Be^ 
itutzung der heften aftronomijchen Ortsbeßim^ 
mungen und der vorzüglichßen geognoßifchen 
Hülfsmitteln entworfen von Johann Po nqnaz^ 
Lieutenant des K. K. sten Feld- Artillerie -Regi- 
naents, nach den neueßen Poßherichten und 
Verzeichnifsen ergänzt und berichtigt im Jahre 
l8o8« Wien, bei Tranquillo Mallo. 

Diefe Charte erfchien zqerft im Jahr igoi, in 4 Blat- 
tern im grÖfsten Landchartenformat, wo folche ab^r ört- 
lich, nicht weit über Nowgorod, SmoU'mk und Czerw^ 
gouf in RuI^Iand, und Bender in der Türkei reichte, unil 
zu feinen füdJichften Funkten Sevilla^ Cordova^ Grana- 
da in Spanien, Oriflagni in Sardinien, und Otronto im 
K5nigreiche Neapel hatte; nördlich geht Re noch jetzt nur 
bis über die orcadüchen Infeln, und etwas über St. P«- 
Uriburg; aber fchon im J, 1804 erfchien folche mit a 
Erganzungsblältern, welche füdlich äogeßofseu werden, 
und ans den noch fehlenden Theil Spaniens und Ita- 



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it2 * Charten ^ B-ecenfioneitk 

liens , Sicilie», und Malta f dann Mona und Caniia^ BebU 
einen Th«il der nÖrdl. Afrikani£chen Küfte liefern : im 
vorigen Jahre ill fol-she abermals neu berichtiget er-i 
Ichienen , und hat abermals 3 Supplement» Blatter oft« 
lieh anzupalTen erhalten, mittelft welchen lie nun bis 
i/ifhnei Nowograd reicht, und den gröfsten Theil def 
Ich Warzen Meers mit leinen Umgebungen darllellt. 

Diele Charte verdient allerdings als eine gute Gene» 
ral- Charte von Europa ^ und als Polt- Charte gefchätzt 
SU werden , da lie uns in beiden Hinlichten alles Erfor- 
derliche liefert; es lind aufser den Hanptörten, FoA- 
Arafsen und Stationen alle beträchtliche FlüHe, und die 
Hauptgebirgszüge ein^tragen, nur Schade, dafs letzte- 
xe in der fchon langft verworfenen Manier mit Schat- 
ten und Licht dargeltellt find. 

Die Gränzen find nach den neneften Traktaten be- 
richtiget, nur ift die Abtretung des KirchenHaatt an das 
Königreich Italieh noch nicht bemerkt worden« . 

Obfchon der Hr. VerfalTer uns noch weiter nichts 
im Fache der Geographie geliefert hat , fo läfst fich 
doch fchon bei deffeu erHen Produkten an mathemati^ 
Icher Genauigkeit keinesweges zweifeln, da derfelbe in 
einem Corps dient, wo ohne gründlich - mathematifche 
Kenntniffe, und die äufserlle Genauigkeit, in allen da- 
hin gehörigen Arbeiten keiner zu einer Officierftelle ge* 
langt, und wo man Unterofiiciere findet, die einen öf- 
fentlichen Lehrßuhl der -Mathematik jeden Augenblick 
betreten können. Der Stich uufrer vorliegenden Charte 
ift von den kürzlich in feinen beAen Jahjren und für die 
Kunft leider zu früh in Wien geftorbnen Chartenßecher 
Hieronimus ßenediktif der uns durch feinen vortrefli- 
eben Stich der v« Zac^iTchen Charte von V^nedi^f tind 
mehrere Liechtenßerniiclxe Blätter hinlänglich J^ekannt ift« 



Chärtchen der Infet Elha* 

(Mit Beilage deHelben.) 

Wir liefern hierbei unfern Lefern die klefine Speeial« 
Charte der Infel Elba, welche wir ihnen fchon bei der 
AecenGon von Hrn. de Berneau's Befchreibung diefer 
Infel, im vorigen October - Hefte unferer A< 6. £. S. 
179 verrprachcn , durch eine Krankheit de« Kupferfte- 
chers aber verhindert wurden He ihnen eher zu geben. 
Hoffentlich wird fie ihnen auch jetzt noch wilUiommelt 

INHALT. 1 



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I N H A L* T. 



StiU 

nhhandtungen» 

AUgeneine Ueberficht 4^r fämtlichen göograpliirclieii 
Veränderungen una der Fortfehritte dei^ Länder- 
Volker * und Staaten* Kundtf im J. i8o8* (I* Abtheil. 
Europa,), r •««••«•• 3 

Bücher* R§C€n/iönen» 
I. Jl. de Lahorde Itin^raire defcriptif de TEsp^gne etc« 

«vec AÜat . ."*'•'« . . . 5t 

8« C C. Rohin^ Voyaget dan$ Tinterieur de la Loui« 

* Haue etc. T. I— III 58 

3. RobinU Reifen nach dem Innern ron Louifia- 

na etc « « • • 5d 

4« J. G. Ehel^ Über den Bau der Erde in dem Alpen* 
Gebirge etc. ^« ...•••• 78 

Charten - Reeen/ionen* 
X. Fr, V, Liechtenßern*s Charte von Mittel • Europa. 

Sect. 23. 29. 37« 39« 46* 54' 61. 63. 64/ Wjcn. Vei;f. 99 
9* Fr. V, Litchtenfierfi's , Königreich TÜ)lj|nen mV 

feinen Angränznngen , Wien. Veril^oÖS* • • to6 
3« Plan det Engl* Gartens bei München « von Ri- 

chauer^ München, i8o3. • • • • I07 

4. Plan von München , von J. Con/onu München, 
1808 108 

5. F. W. Streit , Charte des Grofshertogthums Berg, 
Helfen und der fürftl. Primat. Länder. Weimar, 
geograph. Inftitut, 1808 IIa 

A. Q. E. XXVIIL Bdf. X. St. H 



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XX4 Inhalt* 



Seit« 
6. X Pongraz f neuefte allgemeiue Poft«Ghftrte von 

Europa, Wien, Mollo. 1808. . • * * *in , 
fi ChärtcHen der Inlel Elba • ^ , . « 112 



* * 



^ iZa^iefem^Heftf, gehöht 5 . 

c I, Portrait des Herausgebers, i?. /. ^erliie4. 
* g« Ghärtcheu der Infel Elba« 






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m-^..'irgi^t, . 



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Carmeliter Ordens u. 3Iis sionax 
auf der TSüste Alalatbar. 



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A 1 1 g e-^me ine 
Geographifche 

EPHEMERIDE N. 



XXFIIL Bds. Ziveites Stüqk. Februar igog* 



ABHANDLUNGEN* 



Allgemeine U e berj i c h i 

der 

Jämmtlichen geographi/chen Veränder^ngen unä 

der Fortjchritte der Länder- Völker • und 

Staatenkunde 

im Jahre i 8 o 8- 

(Tortsettung nnd SchloT« ron S. 49 des Januar - Hefta I 



IIL Das Ruffifche Kaijerthum. 

JLIi«s unexmefiliclie Reich , da« gegenwärtig dio 
Zweite Hauptrolle im £uropäifch9n Staaten fyftem« 
ibernommen hat, Ichreitet unanfhaUram auf der 
Sahn fort, die ihm Peter der Grofse — eben iik 
>in v^olles Jahrhundert verflollen, wo, diefem Monar» 
:he«i der Sieg bei Pultawa das Uebergewicht übiBir 
ilio Staaten des Nordens gab! — vorgezeichnet, 
and welche die erhabne Katharina mit fo groltex 
.4. G. E. XXVII J. Bds. 3. St. I 



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Ii6 Athandlung^n. 

Energie verfolgt hat^ Feft ruht fein Einer Fufs ai! 
Auen, indefs der Andere immer weiter in Europ 
vorrückty und Alles zu zerdrücken droht, was Jiq 
ihm entgegen zu ftemmen wagt! 

Aus einem der furchtbarften Gegner JVapt 
leon's ift Alexander 1. lein erklärter Freund um 
BundesgenoITe geworden» Der Anfchlufs an da 
Europäifche Continentairyßem war f ine unmittel 
bare f*olge; der Fehdehandlchuh wurde allen de 
nen hingeworfen, die nicht wie beide Herrfchei 
wollten, und Schweden, delTen König Cch offei 
dagegen erklärte, wutd^ in einen Krieg mit Rufii 
land verwickelt, als deffen Folge ganz Finnland 
von den RulTen bef^tzt, in eine Provinz des un< 
ermeltlichen Reichs verwandelt und das fchwedi^ 
fche Heer bis in den äufserften Norden zurückge« 
drängt ift. Mit.PerjBen und der Pforte wurde zwax 
der Krieg geendig^t, aber die eroberten Provinzen bii 
an iie Donau blieben beletzt, und wahrrcheialichl 
werden Iie Ebenfalls zu der MalTe des Reichs hin*^ 
zugeworfen wetden. Das durch den Frieden zu 
Tilfit erworbene Bialyftock ist ebenfalls in diefem 
Jahre in ein Gouvernement umgefchaffen worden, 
und Bat ruflif che Ve^pfailung und Ge fetze empfangen. 
Von den weitem Einrichtungen, die Alexander zur 
Aufnahme feiner Staaten getroffen, iß nicht« be- 
kannt geworden, indefs gehen fie immer ihren ru« 
higen und fiebern Schritt fort^ und das Aufwan« 
dem teutfcher Gelehrten in dies Reich , wo Iie 
eine willkommne ehrenvolle Aufnahme finden^ hat 
nie aufgehört. . 

Ein Hatiftifches Tableau über das RuOirche 
Reich 4ürfte hiex an feiner Stelle ßehen: 



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jih hmnälungsm 



»17 



Areal in geo- 
grapJi. Q. M. 



"Wahrfchein- 

liche Volki- 

menge. ' 



Revifioii 
voA iT^^ 



%, Europ, Kufsland 



GooTernementfl. 

1. 8t. Petersburg 

2. Finnland . • 

3. Bsthland 

4. Livland -> • 

5. Kurland * • 

6. Moskwa • < 
^ Archangelsk 

8. Wologda 

9. Olonet 4, « 4 

10. Kostroma 

11. Nowgorod * 
\ \% Pskow « tf 

13. Smolensk . . 
I If Twer • . . 

15. Niskni) Nowgo- 
Yod 

16. Wladimit . 

17. Tula * * 

18. Kaluga • * 

19. Jaroslaw • < 

20. Kursk 4 • 
21« Woronesck 
22. Orel * - * 
33. RJäsan • • 

24. Tambow . . 

25. Slobodsk. Ükräne 
26* Tschernigow 
27. Pultawa . . 
aS. Kiew - - * 
29« Mobilew 
^0« Witebsk < • 

I 31. Minsk • • 



66»333|OÖ 



848>8a 

487^26 

938»5« 
509,12 

474)43 
16225,5« 
6867 
3787>w 
i8o8,?3 
^ 3578»3^ 
1045,41 
1008,68 

ii35»4o 

961,45 
9120,64 

558»53 
395'i9 
671,88 
701,66 

1434»^ 
849.^7 

781)48 
1271,38 
lil8'3^ 
li89»84 

850*76 

978*85 

918,55 

668.13 

1098.26 



S3|139)80O 



664,200 
205,100 
214,700 
602,200 
464^200 
1,216,900 
141,500 

664,800 
281,400 

1,272,200 
825*300 
69^,500 

1,058,700 
773,300 

1,105,500 

Iio66,i0o 

866,900 

946,500 

S35,ooo 

1,312,900 

769,700 

Ii037j80o 

1,045,000 

1,135*700 

736,700 

1,125,100 

1,499.300 

1,004,300 

786,3001 

746,400/ 

926,500 



26,272,692 

jedoch 
meiliens 
ohne die 
Privileg. 
Volks? 
clässen. 

655,669 

186,5^0 
217,672 
542,446 
418,162 
1,125,972 

102,488 

^9,830 

226,966 

1,146,09a 

755,833 

629,217 

953,^35 
906,910 

992,292 

960,446 

748,045 

«46t3?3 

762,199 

11,182,709 

679,60 

934.949 

941,387 

1,623,089 

657,808 

1,013,600 

li35o,726 

994.838 

835,503 
834)619 



I a 



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ii8 



Ahhanälurtg en. 



Gouvernements. 



Areal lin ffeo-T Wahrfchein- 
graph. Q;M,|' liehe Volks- 
menge. 



Revifion 
yon 179 i. 



33. Wilna . , 

33. Grodno . • 

34. Wolhyn . . 

35. Podol 

36. Bialystock 

37. Jekaterinoslawr 

38. Gherson • « 

39. Taurien . . 
Kosaken am Don 

B. Asiatisähes Rvfsland 

40. Kasan . 

41. Pensa 

42. Simbirsk 

43. Wiätka 
44« Perm • . 

45. Astrachan 

46. Kaukasien . , 

47. Grazien u. Der- 
bent ' • • • 

48. Saratow . . 

49. Orenburg 
Kirgiskailaken 

50. Tomsk • • \ 

51. Tobolak ♦ . / 
§2* Irk|itk mit den 

Infein . • • 

C. Americ, Rufsland 



;} 



1081,26 
536,19 

139447 
694,63 
206 

. I4i7»02 

I206,58j 

1646,4? 
2973>72 
272442,13 
1044,70 
777>7? 
1402,14 
2221 »98 
5954,?4 

6107,76} 

878 

4292,70 

. 5626,15 

31681,17 

85386,97} 
127088,15 



940,0001 
594,000/ 
1,194,900 
1^311,100 
183,300 

1,049,000} 

301,400 

354,000 

9,274,000 

1,011,500» 

787,500 

904,400 

1,048,200 

i,o99>3po 

532,300} 

1^10,000 

1996,700 
874,400 
300,000 



1,391)265 
1,076,42? 
1,181,155 

944,093 

I57»i33 

318,825 

6,893>677 

' 834,664 

700,405 

807,55 

.930,78? 

1,045,542 

119,153 



[897,895 
519,322 



841,000}; 622422 
415,93? 



669,700 
800 



Summe 37'647,i9 4^404,000 35,i66,3Öf 



Das eroberte Finnland 

bat • • • • 
Die Walachei 
Die Moldau i • 
Budschak • . 



4,550 
1,125 

875 
398 



835,000 

950,000 
f42o,5oo 
200,000' 



Hauptfumme 



344712,19 I 43,809,500 



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Abhandlungen, tr^ 

inn iXt diesmal die Ausbeute an geögraphi- 

und ftatiftifchen Werken über diefes Reich. ' 
Spätling erfchien und wurde uns Teütfcheu 
bekannt das 25ite Heft Von Storchs Rufsland, 
lit aber diefes clalErche Werk gefchloiTe?n ift. 
e kurze Befehreibutig von Finnland hat der 
itszath Friccius in unfern A. G. E. B. XXVII. 
3 ü. f. geliefert. Dureau de la Malle Gdogra* 
Je phyfique d e la Mer noire , iÄ in den A. G. E. 
S. 308 weitiäuftig beuftheilt. Ueber den 
del Rufsland's hat Pfeifer in feinen Tableaux 
commerce de Tempire de Russie gehandelt, 
iches von ihm dem Kaiser Napoleon dedicirt ift. . 
künftige)! Jahre wird dagegen die Erdbefchrei- 
ga|^ neuen Werken gewinnen, die Heym im 
eil. d. geogr. Inft. über Rufsland herausgiebt, und 
Bc zu grofsen Erwartungen berechtigen. Von 
»harten haben wir diefinäl blofs Späths (r^c. A. 
kfi. XXVI. S.351) und Artaria's Charten (rec. A. 
kE.XXVI. S. 86.) > l>«We ohneinnexn Werth, an- 
ömgen. ^ . . 1 

IF. Das ößerreichifche Kaiferthum. 

Oe&erreich hatte fo eben feine VerhältnilTe 
lit Frankreich durch dfen Foritainebleauer Vertrag 
Irichtigt; Braunau war geräumt, die Gränzen ge- 
ll Italien feftgefetzt unä der Zeitpunct da, wo 
l&ch einer lang entbehrten und fo nöthigenRuhe 
Inzugeben im Stande war^ um die vielfachen Wun- 
bn, die ihm fein Unglück im ^elde, und die Vejwir- 
k^g feiner Finanzen gefchlagen hatte , durch 'di» 
^facheIl Hüifs^nelle^ eines gefunden StaatskSr* 



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I9Q \ A h h^a n dlun g e n» 

perf auszugleicl)en. So kündigte lieh aucjx ^ 
den% 4erRegTeriiiig in allen Schritten an, di 
idx&en Viertel des abgeXchiednen Jahrg nähr 
der yerzQgerte Aufenthalt franzöKIcher Arn 
Grojjberzogtbume Warfchau und im Scha 
Tautfchland, fcbienen BeforgmCTe für feini 
ftändigkeit zu erwecken, gegen die es Hc^ 
3tu muffen geglaubt hat. Ei hat fich zwai 
das Cominentairyftem angefchloITen und ap 
hältnifTe mit den Britten abgebrochen; al^ 
$m Zuftande der Bewaffnung geblieben» IJ 
beträchtliche Aeferve gefchaffen, und un| 
^amei^ der Landwehr und Aehenden Inf ui^ 
die grofif M^9 feixtei: Streitkräfte in Bei^ 
gefetzt, tfi 

. i 

Untei: diefen kriegerifcben V<^rkehrangj( 
jjedoch die Regierung fortgefahren , niitj 
kennbarer Kraft füj^ das iunere Wohl d^r 
vertraueteu Provinzen zu forgen. Lobeni^vi 
in diefer Hinli'cht befonders, was Re für diel 
jfcunde des Reichs gethan hat , und die Of 
mit der fie alle Geheimnifskrämerei nieder! 
und Alles, was dabin gehört, zur KenDtn| 
Publicums gelangen läf st; es giebt jet?t\ 
ge Staaten Europa's, von welchen wir in 
iUUd in einzelnen Theilen fo detailjjrte und 
Ratiftifche Nachrichten beßtzeu , als vom 
Teich« Belege dazu liefern die beiden Zeitig 
ten ; die Annalen der Literatur und KunH , 
dieVaterländifchen Blätter, belonderc die letzte] 
worin die wicbtigften ftatiftiXqben Dm üpet 



i 

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Zu Seite X2f. 



Volks 


m € n g g^ 


\ BUtter. 


▼. Liechtcnftern. 




8,301,000 


96 


1,0^0,000 




630,000 


«9 


8ii,oo(> 


SS 


d8o,ooo 




432,009 



30,000 
1,150,000 

i,7ia,ooo 



5*095,000 



10,569,100 
^ 7>99o>ooo 

1,669,600 
91^8,500 
165,000 

825,000 

g9i,ooo 
I37>600 



53>965»ioo 



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Abhandlungen. lai 

*. ^ 

Linder- upd Völkerkunde def Kaiferftaati von Zeit 
zu Zeit aufgenommen werden. 

Wir liefern hier ein vergleichende« Tableau 
diefes Reichs über delTen Areal und Bevölkerung^ 
dai theils au« den vaterländifcben Blättern, ih'eil« 
au« V. Liechunftern^M ftatillifcher ^Ueberficht ge« 
zogen iSu 

(Man fehe nebtnstoli'eiide Tabelle.) 
'/ ' . 

Den Betrag dee-angebauten Bodene^schlägt r. Liech^ 
tenftern auf 7^^79f%7^ Oeft. Joche aif. Die Staat«« 
efaikü^fte bef echnet er auf 146 Mill. Fl. ; die Land« 
macht auf 390,000 Mann.. 

Den OefterreirMfchen Staaten find aufsez je« 
nen beiden Zeitfu iften auch das Hormayrtch^ 
hift. fiat. Archiv von Südteutfchland , und das Man 
gazin für Gefchichte, Statiftik und Staatsrecht d* 
Oefi. Mon. eigens oder doch vor9Ügli<äi gewied« 
met; von beiden find Fortfetzungen erfchienen. 
Die Zahl der einzelnen Werke über Länder- und 
Völkerkunde ist bei keinem Staate im v«rwichnen 
Jahre fo grofs geweleil; dahin gehören SartorU 
Naturwunder des Oeß. K< * Bonfaing*% merlantili- 
fche Erdbefchreibung d^r Oeft. St«, freilich nur 
ein unbedeutendes Werk ; Böhmen und Schießen 
in feiner jetzigen Lage, ein Gemälde; Hacquet^^ 
gehaltreiche Befchreibung und Abbildung der füd« 
weft- and ^eAlichen Wenden, Illyrer undjSIa« 
vea; PezzVs Umgebungen von Wien, in der be- 
kannten Manier diefes Verfallers; PezzVs neue 
Auflage feiner Befchreibung von Wien; Wien 



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iM . Abhandlungen. 

nnd Berlin, eine Parallele von Cöln^ fchlecbt 
gezeichnet und fchlecht gehalten; das hift. ßat. 
top. Gemälde von Krain, von H, G. Hoff; dat 
Lehrbuch der neüefteu Geographie ; Bgrdit/ch 
top. Kuade von Grätz u. a., v, Liechtenfiern hat eine 
zweite Auflage feiner Itatift. Uebeplicht von OeA.; 
Crufius den vierten JBand feines vieirten Theile 
vom Poltlexicon geliefert. Der Hof* und Staats* 
fcbematismus des Oeft. Kalferthun^s enthält , fo wi« 
das D^g^^nfcheTafchenbuch viel hierhex Gehörige». 
Unter den Reifen zeichnen ifvir aus: /. von S^tern^ 
terg R. nach den Ungrifchqu Bergitädten, und des 
Chev. Brajfr Voyages aux Salines de Salzbourg et 
de Reichenhall; ferner die malerifchen Streifzil« 
ge durch die intereffanteften Gegenden von Wien, 
wovon der viertfe Band erfchienen iß; Erhard' s 
YOyage d^ Dresde Ji Prague ; C GenerfiMs R; 
in die Garpaten (rec. A. G. E. XXV. S. 219); L. T. 
Wort Vklansky's Briefe über Polen, OeAerreich u. 
f. w. ; C. Bertuch*s Reife, die manche fchätzbare Be- 
merkungen über die Kaiferftadt enthält. Von Chat« 
ten lind erfchienen : Fifcher'*s berühmte General- 
Charte des £rzh. Oeftr. ob der Ens ; die neue. 
Charte der Linzer Diöces ; die Charte von Welt«* 
galizien im Kosmogr. Mag. ; v* Liechtenfiern^s Char-* 
te des weMichen Oeiterreichs ; defTen Charte von 
Steyermark ; deffen Charte von Inneröftereicb; 
defTen Atlas von WeÄgalizien ; Schörer^s Chaiv 
te von Böhmen m^t Mähren und den angrän« 
zehden Ländern; > CapellarVs Charte von Dalma* 
tien, Albanien u. f.,w. (req* A. G. E. XXV. S. 224.); 
Mannert's Charte der Oeß. Erbm. (rec. A. G. E. 
XXV. S. aa6)i F. m Streü's Charte der O^Ä. M. 



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Ahhßndlun gen^" 123 

Im Verlage das geogr. Inft. ;' Diewald's Herzogth. 
Steyermark (rec. A. G. E, XXV. S. 226) ; deffen 
Herzogth. Krain (rec. A. G. E. XXV. S. 229); X E, 
Schmidt' 5 Charte von Friaul; Charte des neuen 
Wiener Kanals (rec. A. G. E. XXVI. S. 333); JaiU 
lot's neuere Poftcharte des Erzh. Oeft. (reo. A. G. E. 
XXVI. S. 38) und Bocks Mappa totius regiri Boh«- 
mici bei Artaria (rec. A. G. E. XXVI. S. 338). Van 
der durch den Major von Heldenfeld vollendeten 
V^rmelTang von Weilgalizien haben wir in den A* 
G. £. XXVII. S. 117 and 354 Nachricht erthei^u 



F. Die Brittifchen Reiche. 

Oiefer Staate der durch iVa;7oZeo»V Wink gfe- 
genwärtig ganz von dem Contiiiente entfernt ift, 
fetzt d»n Krieg gegen eine Verbindung , , wie He 
in der Wehgetchichte beifpiellos ift, mit unef« 
mefsUchem Kraftaufwande fort* Noch immer be^ 
hauptet es feine Präponderanz auf dem Oceane, 
und lo lange di^€d lieh erhält^ dürften vielleicht 
die Anfirengungen des Continents fruchtlos blei- 
))en. Die meinen dänifchen und holländilchen 
Beßtzungen in WeMndien .Und feine Beute ge« 
forden , und es herrfcht mit gröfserm Defpotism 
alt je über Alles , wohin feine Flotten reichen. 
— Für die Länder - und Völkerkunde haben wir 
in diefem Augenblicke von den brittifchen Infein 
nichti anzumerken, ah die &oltaulc\ie Ueberfez- 
2nQg des- engUfchen Werks: Scotland and the 
iUbriiei. 



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124 jtbhmndlungsn.' 

VI. Die übrigen nordifchett und ößlichen 
Reiche» 

a) Preußen blutet noch iimnet an den Wun- 
den y die ihm der ung^ücklidhe £ranzölirche Krieg 
fchlug. Zwar haben die franzöJiCchei] Heere Ber* 
lin geräumt und den gröfsten Theil des Staatf 
Verlanen; aber noch halten lie 3 der wichtigHen 
Feitungen befetzt, und dar König iß oaoch nicht 
nach feiner Hauptftadt zurucl^gekehrt. Die Ue* 
beU die bisher den Staat .untergruben und^i^in 
Unglück herbeiführten 9 werden jetzt mit mög* 
lichfter Schonung aus dem Wege geräumt ; Preuf- 
fen erhält eine ganz neue VerfafCung, welche die 
willkürliche Gewalt in eine conftitutionelle Mo- 
narchie verwandeln wird. Wai der Monarch bis- 
her fchon dafür gethan hat, ift viel, und die Auf« 
Zählung würde den Raum diefer Blätter über- 
fchreiten. Mit Danzig ift wegen des Territorial- 
vmfangs der Stadt am 6.1>ec. 1807 ein Vertrag ab- 
gefchloHen worden, wodurch diefa neue Republik 
das ganze Gebiet wieder erbalten ^hat, .was Ca 
Tormals befafs. 

Wir haben eine Menge Schriften über dieteu 
Staat erhalten, ^ie jedoch meiltens politifchea 
Inhalts find und nicht dazu dienen, um das Gebiet 
der Länder- und Völkerkunde zu erweitern. Sta- 
tiltifchen Inhalte lind: Ä A. tVinkopp's Darftel- 
lung der preufsilchen Monarchie $ die preufsifeh# 
'Monarchie vor ämm, Kriege n$it^ Frankreich und 
nach dem Frieden von Tillit bei Herzog in Leip- 
^g, und unter gleichem l'itel bei Oehmigke in 



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Ahh An Hungert* 125 

Berlin ; die liiA. Ueberlicht des Länder - und 
Volk sbeftan des der pr. Mon. bei Ungar. 13 eher 
Berlin und Potsdam lind Rumpfs und Milai Wer- 
ke zum zweiten Male aufgelegt. (Jeher den Handel 
von Breslau hat S^ G. Meisner und über diefa 
Sudt K» F. Nenke gefchrieben , auch ift eine nta- 
lerifclie Reife durch Schießen erfchienen.. Die 
VoIle:pdiing der IVor^orfchen Charte von Neuoft« 
preufsen mit Sect. IX* XI. Ya und IX ä haben wir 
A. G. E- XXV. S. 334, ^und Sect. I. II. III. A- G. 
E. XXYL S. 188 angezeigt. — Die vielen poli* 
tifchen Schriften, die mehr erbittern aU heilen^ 
können wir hier nicht anführen* 

b) SchwecLeji ift in diefem Jahre in einen un« 
glücklichen Krieg mit den RufTen verwickelt, der 
ihm eine fehr werthe Provinz, das ganze Findland, 
trotz eines muthigen Widerftandes entrifTen hat. — 
Rühs'n treffliches Werk überSchweden, als Fortfez- 
zung äei Büfching^ gehört, fo wie die gehaltvolle 
Arntkifche Reife B. 3. 4. (rec, A, G. E. XXVII. 8.295) 
den vorigen Jahren an. Vom S^hwe^ifchen Finn- 
land hat Malte 'Brun in feinen Annales des voya« 
get eine wphlgeratfane Befch^eibu^g geliefert. Ei« 
ue Winterreife durch einen Theil von Norwegen 
und Schwedenim J. 1807 ift bfi Braunes herausge-: 
kommeBf bringt aber wenig Neues mit. 

c). Dänemark hat. in feinem Innern keine 
Veramderungen erfahren. Der Krieg mit Scfawe« 
den und. den Britten dauert fort, wird aber 
von dänischer Seite mit vteler Schonung ge* 
fährt» und blofs einige unbedeutende Soharmützel 



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,ii26 AhUan älung en. 

find auf den norwegifcheri Granzen uttd zwifchen 
den im Sunde ßationirten Kanonenböten vorgefaU 
Ich. IndelTen nahmen die Brillen diefo woblgelegr 
ne Infel Helgoland, den Schliiffel zur Elbe, in 
Befitz und find noch nicht daraus -verdrängt. Det 
neue König hat dem Dannebrogsorden eine vei^an- 
derte Einrichtung gegeben. -^ Nierups Biefclirei- 
bung von Kiöbenh»^vn ift in diefem Jähre von Möl- 
ler ins Tentfche überfetzt ; auch ifk in den A. G.E. 
eine interelTante Befchreibung von Helgoland von 
dem Dr. Heinemeyer geliefert worden. Ein Guide 
iies voyageurs en Danemarc et en Süfede , F. i» 
G'uffefeld'ß Charte von Jütland (rec. A. G. E. XXV. 
S. 475) , Krebs und Angelos Grundrifs von Kiöben- 
havn und eine Carte itin^raire du Danemarc et 
d*une partie de la Suide find aufserdem das Binzi* 
ge , was hier einen Nachtrag verdient. 

d) Das Osmanijche Reich. Diefer alternde 
Staat unterliegt beinahe dem Sturme der Zeiten; 
auch die Gefchichte des verfloffenen Jahrs bietet 
ein trauriges Gemälde feines finkehden Zuftan- 
des dar. Noch ift der Krieg nicht geendigt, den 
die Pforte mit ihrem mächtigen Nachbar im Nor- 
den führt, ob er gleich durch die Verwendung 
di's gofsen Vermittlers zu Tilfit einft'#eilen 
aaf gehört hat. Noch find die Pi^vinzen jen- 
feits der Donau nicht von feindlichen Hel^^en ge* 
räumt , Servien nipht beruhigt , und wahrfchein- 
lieh ift das Schickffil diefer Länder, fö wie: viel- 
leicht der tförte felbft zvi'Erfurt provifdrifch be- 
ftimmt. Andre Provinzen aüfser Europa befinden 
'fich in offenbitrer Empörung; zwar^ find die We-* 
chabiten durch den Pafeha von Damask zUrückg«- 



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'Abhandlungen. 127 

djraogt, aber die heiligen Städte noch nicht wie« 
der gewonnen. In Aegypten haben die Osma^ 
nen freilich die Britten aus Alexandrien gewor- 
^eti, aber fchwer leidet Conßantinopel durch 
die Flotten diefe» Nation , die Handel und Zufuhr 
hemmen, und noch immer capitulirt man mit dem 
. Botfchafter Adairy der auf einer Fregatte am Ein- 
gange der Dardanellen fefidirt, vergeblich. In 
Conßantinopel lelblt jagt eine Revolution die an- 
dere; und die Schreckenszeit ift dort an der Ta- 
gesordnung: rwei Mal wechfelte der Thron, und 
der letztre Osmanide konnte fich nur durch das 
Blut feiner Vorgänger und feiner treueften Diener 
auf demfelben erhalten. Mußapha Bairaktar^ der 
ihn emporgehoben, wurde ein Opfer der letztem 
Revolution, welche die Prälorianer der Haupt ftadt 
herbeiführten, und worin fie den Sieg ermetzelten. 

Neue Beiträge zur Kunde diefes Reichs, das 
noch eine wahre' ^terra incognita iit, haben wir 
wenige erhalten; die meißen betreifen die präch- 
tige Hauptftadt und ihre Umgebungen , wie Erön- 
ners Ausflug von Conßantinopel nach Burßha^ 
Wien 8« ^J3id Conßantinopel und die Dardanellen 
eine hiß. Itat. top. Befchreibung mit Anflehten, 
DelTau u. Leipzig 8-» ^Q^ ^i© Voyage pittor^ssque de 
Confiantinbple et des rives du Bosphore d'apr^s les 
delHns de Mr. Melling» Die Barthold liehe Reife nach 
Griechenland ift zu Paris von A, D. C. ins Franzöl*. 
übergetragen, worden. Joß Eug. Beauvoißn's No- 
tice für la cour du Grandfeigneur, Paris, 1807 ift 
eine frfilerhafte Compilation. Die TFolßchen Bei- 
träge zu einer Hat. hiß. Befchreibung der Moldau 



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\ 



^128 Abhandlungen. 

(rec. A. G. E. XXV. S. i86) gehören bereits dem !• 
1835 an. Von Charten merken wirnur den voll* 
ftändigen Kriegsfchauplatz der Türkei und Ruft- 
lands, welcher zu Wien bei Artaria herarugekom« 
men iß, an. 



B. A f i e n. 

Aus dierem grofsea Welttheile können wir 
jetzt wenige Nachrichten erhalten, da die Seever- 
bindung ganz gefperrt ift, und der Weg zu Lande 
bei den Unruhen im Often ebenfalls nur auf einer 
Seite offen Äeht. — Die. Afiatic Relearches find 
in dem abgewichnen Jahre durch Labaumey Lau» 
gUsy Cuvier^ Delamhre^ Lamark und Olivier 
Huf franzöfifchen Boden verpflanzt, auch hat das 
Aliatilche Magazin Fortletzungen erhalten. 

/. Das RuJJifche Aßen. 

In dem unermefslicben Lande, das man nur 
als einen Anhang zu dem weiten AuIBrchen Reiche 
betrachten darf, ift, fo viel uns bekannt gewor« 
den, keine Veränderung vorgefallen« Wie und auf 
welche Art der Krieg zwifchen Rufsland und Per« 
fien geendigt fey , davon wilTen wir nichts, auch 
nicht, wie weit die RuITen ihre Befitzungen über 
deil Kur ausgedehnt haben. In Grüßen und zu 
Derbent behaupten fie fich indefs den neueften 
Nachrichten ja ach noch immer. — Dafs der Zoo- 
log Adams von feiner Reife im nördlichen Sibe- 
rieb zuriackgekehrt fey, davon haben die A. G. E. 
XXV. S. 245, lind von feiner Reife zum nördlichen 



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Abhandlungen. c?9 

Polarmeere wegen Entdeckung der Üeberbleibfel 
des räthrelhaften Mammuths XXV. & 258 u. f. Nach- 
rieht ertheilt. 

Z/L *Die Länder am Kaükafus und 
Dfchägatau 

So viel uns- bekannt, hat lieh in diefen Län- 
dern keine geographifche Veränderung ereignet. 
Ueberdie Völker des Kaukafus « die jetzt gröfsten- 
theils unter ruflifchem Zepter leben und ruITirchen 
Gefetzen gehorchen , hat uns Rommel ein fchöne» 
Gemälde unter dem Titel: die Völker des Kau- 
kafuSy geliefert. Ihifs diefe Nationen nach und 
nach fich zu einer bürgerlichen und fefshaften Le- 
bensart gewöhnen y erzählen uns ruflifche Berich- 
te; die Tfcherkarten , das muthigite und edelfte 
, aller Kaukafusvölker, hat fogar feinen Raubzügen 
entfagt, und unter rufßfcher Aegide eine Art Frie- 
densgericht zur Ausgleichung feiner inneren Streik 
tigkeiten geiliftet. 

Von Khiewa^ einem ariftocratifchen Staate 
▼on Weftdfchagatai, haben die A. G. E. XXV. S. 107. 
einen interelTanten geograph. fiatift. Abrifs aus dei; 
Sprengel - und BÄrmÄnnfchen Bibliothek der Rei- 
fen B. XIV geliefert. Diefer merkwürdige Staat im 
mittlem Auen , zum Theil von fchauerlichen Wü« 
fteneien umgeben, hat einen Flächeniphalt voa 
300 O Meilen, und zählt ohne die umherfchwei- 
fenden Konfater 214,000 fefshafte Bewohner. 

///. Das Osmanifche Reich. 

Keine geographifche Veränderung. Diefe Län* 
itr, die Wiege der Menfchheity einit der Sitz der 



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Ige Abhandlungen^ 

höchilen Cultur, feufzen unter dem eiteroen Zep- 
ter ihrer barharifchen Beherrfcher und veröden 
von iTage zu Tage mehr» Oh die RuiXen die am 
fchwarzen Meere gemackten Eroberiingen aufge- 
geben haben, ift uns nicht bekannt; die \yechabi- 
ten find, wie uns tiirkifche Berichte verlichern, 
gegenwärtig Wieder von ^eia Bodtä des Osmani- 
fchex^ AfienSy worauf fie bis Damask vorgedrun« 
gen waren, zurückgefchlagen^ Uebrigens erken* 
nen faft alle Pafchen nur in fo weit die Befehle von 
Conßantinppel an , als es ihnen gutdünkt^ — , Von 
dem merkwürdigen Volke der Drufen, das einen 
eignen wenig abhängigen Staat im Schoofe der 
Ösmanen bildet und auf 55 O Meile^ über 160,000 
Bewobn er zählt, hat uns r. Dälberg in feiner 6e- 
fchichte ,einer Drufenfamilie und der Ueberfez* 
zung des Dabeftan (reo. A.G; B. XXVIL S» 433) in* 
terelTante Nachrichten mitgetheilt. 



IF. Arabien. 

Die Wecbabiten herrfcfaen noch immer in die« 
fem uns gegenwärtig wenig bekannten Lande, wor 
her uns doch feit einiger Zeit wieder Stimmen von 
unferm dort reifenden Landsmanne D. Seetzen er- 
fchallen. Die heiligen Städte find von ihnen be- 
fetzt, und ihr Einflufs erßreckt fich nicht nur über 
das ganze innere Land , fondern auch über die 
meiften Küftenltriche. Die Britten find die einzi- 
gen, die von Bombai aus ihre Verbindungen mit 
Arabien unterhalten. (M, f. auch A. G. £. XXVIL B. 
S. 241.) 

V. Per- 



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Abhunälttngeh, I^l 

r. Perfien. 

Perfien zexfällt gegenwärtig in zwei grofse 
Reiche: i) Weßperfien^ wo Fat' Ali- Sehach ^ be- 
kannt durch feine Yeibindung^n mit Frankreich, 
zu delTen^ Herrfcher er eine glänzende Ambaffade 
gefchickt hat, und dutch Teinen Kridg mit (lufs- 
land , der jedoch gegenwärtig zu ruhen Ibheiht, 
h^rrFclit , und 2) Oftperfien , daf hoch imiher ia 
dem Belitze der Afghanen fich befindet. Von bei- 
den Reichen iß Weftperfieh, obgleich dÄs gröftete, 
das mindermächtige und iählt auf etwa 34,500 Q 
Meilen nath Oliid^ und Jf^artng kau*tt xneht J 
Mill. Bewohner. Indefs iJl es jetzt beruhigt, und 
Bebt unter feinem unternehmenden Schach ^inei 
Icffern Zukunft entgegen» Das Reich der Afgha« 
nen» deffen Hauptftädte Herat und Kandahar find, 
aähh nach Pluyfair dagegen auf ^5,240 DMeil. ge- 
gen 19 Mill. Menfchen und wirft etwa 72 Mill. Gul. 
ab. £9 ift ganz in dem Intereffe der Britteür aber 
die innern Unruhen, die es bisher zerrüueten, find 
noch nicht gedämpft, und es fcheint^ als wenn 
der Kampf unter den Thronbewerbern noch im- 
mer fortdaure. Sichere Nachrichten haben wir dar- 
über bei der Unterbrechung der Correfpondenz 
mit Grofsbrittanien nicht erhalten können. Eini- 
ge Nachrichten über Weftperfien find in den A. G* 
E. XXVII. S. 239 mitgetheilt. Von Olivier's fo in- 
tereffanter Voyage dans Pempjre Ottoman, TE- 
gypt« et Pcrfe T. V. u* VI. , die faß ganz von Weft- 
perfien handeln, (rec. A, G. E. XXV, S. 203) find 
a Ueberffitzungen von T. F. Ehrmann (im Verlage 
des geogr. Inftituts.) und von AT. L. M. Müller (zu 
Leipzig) erfchiei^n. Auch JVarings minder ge- 
il. G. Z. XXVJII. Bdx. 9. Su K 



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13» Abhandlungen. 

haltvolle Reife nach Sheeraz ift zu Rudolßadt int 
Teutfcbe übergetragen worden* 



FZ Vorder' Indien^ ' • 

In Vorderindien behaupten die Btitten fort« 
dauernd ihre Oberherrfchaft und herrfchen mit ei- 
fernem Zepter über die ganze Halbinfel. Hier ein 
ftatißifobesTableau von dem Reiche^ nvelches eine 
brittifche Kaufmanns - Innung an den Ufeim des 
Ganges gefli^et hat, und welches jetzt zu einer fo 
fnrchtbarea Gröfse angewachfen iß. 



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Abhandlungen^ 



'33 



Brittifches Reich in 
Oftindi^n. 



2. 

3- 
4- 
5. 
6. 



2. 
3. 
4- 
6- 



A, Unmittelbare ßeßtzungen 
a.'Präfidentfch. Gal^utta 
f. Bengalen • * 
Bahar . • 
Oeßliches Add 
Wem. Aud. u. Duab 
Allahaba^' U. Benärciä 
Tipora u . C?litttigong 

b. Präfidentfch. Madrat 
I. Circars mit Gattak 

Carnatik . • 
JagKjr6 • « 
"^anjore . 
Die Pojygars 

6. Tondiman 

7. Madura « 

8. MBtwaru.RamiiTeram 

9. Tinevr«lly • 

c. Präiidentfch. Bombai 

1. Bombai mitSalfette 

2. Guzurate und Broach 

3. Fort Victoria 

4. Myfore und Polnaud 

d. Präßdfch. Bencoolcn 

1. Brittilcbes Sumatra 

2. Infel Pulo Pinahg 

3. Infel .Bunwut 

4. Infel Orulong 

e. Britlifch Ceylon 

B, Zinsbare Fiirfien , 

a. Gochin und Travancöife 

b. Su'bali von Decan • 

c. Nawob von Aud . 

d. Myfofe 

e. Gurra^Mudela, Bündel* 
cund . < « . 

f. Agra und Dehli « 



'.} 



Are öl 
iiach Albers. 



Volksihence 

nach britiich. 

Angaben. 



17,42870 
943870 
.4,062,20 
3,286,10 

^ 499'5o 

i>48o,5o 

59i>4o 

5i9>io 

4)01^,20 - 

1.96*80» 
1,113,40 
13570, 
161,70' 
69,60 
61,10 
72,60 
121.30 
304 

3»^34»3o 
14 

6- 
3'383^o 
401 

350 

22 

29 

548^50 

483»to 
54^930 

1,006,10 

1,196,90 

1,107,10? 
2,539,2(v 



30,677,270 
21,49^184 



6380,086 






'2,8ÖÖ,00Ö 



1 J 



600,0Q0 



4oo,t)oo 

1*^7596'* 

I,i6ö750| 
6,428,780 

' ' '-2f2«8,«CÖ 

'- i,6^j5oo 



9»6^37^o 



Summe 1 29.181'^^ 1 45,67^,000 



K 'j 



j 



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1 



134 Ahhandluiigen. 

ÖiefeLänder^ welclie die indußriöfeften Menfchen 
ernähren, Menfchen, die g Monate im Jahre von 
Yegetabilien leben f und iiir einen Lohn , weit ge« 
ritiger als Sclavenlohn , ihren Gebietern ihren 
^chweifs und ihre Induftrie verdingen ^ lind die 
Haupt quelle der brittifchen Macht , aber fie gehö* 
(enbisauf Ceylon nicht eigentlich dem Staate an, 
fonderi\ find ein Eigenthum der ol^indifchen Com* 
pagnie. Sie hat unermefsliche Einkünfte aus ih* 
tem Reiche, die fichim J. l8o6au{i5,6oD,oooPf.Ster* 
ling, oder auf 140,400,000 Gl. beliefen« Im I. igol 
nahm fie erft 9,9189^89 Pf- ein, und gab dangen 
|^> 284,75a Pf. aus: nämlich 

Einnahme. Ausgab«. 

X Bengalen ' • . . 6,33^,204 4|282,048 Pf- 

j Madras . . . . 3»273»o7l 3f723>il2 — 

\ Bombal . . . . 3oo>475 11051,693 — 

^ Bencoolsn ,. . . . 5,539 87^899 •*- 

Abe^r fchoti f8oi hatte fie eine Schuldenlaft iron 
17,674^53^ P£, die 1806 bereits auf «5^,722,991 Pf. 
angewachfen war, und fchon zweimal hat die 
l^wifchenkunft der Krone die Compagnie vom Un* 
^rgange gerettet. Die Landmacht^, die diefelbe 
j^ Vorderindien unterhält , beftebt aus 2381600 
Mann, nämlich 

EnrcfpUifelte Cavalleri«!» 4 Keg. . » . 2,400 Äff« 

— iMfanterie, 24 Reg. . 24,000 — 

— Artillerie , 6 B&lt. . . . 3)O0O — 
Seea^yt Cavallerie , 9 Reg, . . • 7,800 -*- 

, — : Infanterie, 42 Reg. . . . 84,000 — 

Nationale Ingenieure und Pionire • . 3,500 *^ 

AUiirte Truppen, zum Theil von Alliirten . 

geilelU . 119^300 — 



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Althandlungen. 135 

Bei diefex beträchtlichen l^riegtmacht uii4 
noch mehr bei der individuellen Lage des Reicht 
am Ganges darf die Compagaie, fo lange der 
oeptonifche Dreizack von dem Mutterlande eat- 
por gehalten wird^ fo wenig einen Umftur^ ihrei( 
Macht von innen, a^s. einen Angriff von aufs^a 
her fürchten. Alle ihr gefährlichen indirchen 
Forften find unterdrückt oder dürfen es doch nichr 
nageB^ ihre precäre Exiltenz auf das Spiel zn fei;* 
zen, und ein europäifcher Heereszug zu Lande 
nach <3alcutta durch die Wüften der Türkei und 
Indien«: gehört dock w<^hl nur zu den Cbimar«», 
die einen Augenblick zur Unterhaitang des Pari- 
ffr Publicnmf dien«n können. Wohin ein Ein-' 
zelner kaum mit den gröfsten Aufopferungen und 
Befcbwerden zn dringen vermag, dahin gelangt 
ficher ein Htfer, und zwäir ein europaiTches noch 
weniger^ Die Zeiten eine» Alexanders, wo Aßen 
und Perßen in der böchüen Blüte feiner Cultur 
Aaad, find nicht inehr, und alles, was man dafür 
%en kanA, üi, dals ein Herrfchergenie» wie iVa- 
poleen , felblt die nnwahrfcbeinlichrten Dinge zur 
WirkUchkeit bringen kann. Uebrtgens hat dieCer 
piDjectirte ~Zug , der gewifs nie exißirt hat» nie 
entworfen ift, mehrere Federn, die für das Für 
geAritten haben, in Bewegung gefetzt; wir zeich- . 
ntn darunter nur die £&rmannfche (A. G. E. XXY. 
S. 377) und die Malte* «Brunfche Abhandlung im 
Moniteux aus. 

Untet den übrigen Vorderindifchen Staaten ift 
der Mehrattifcfae dar beträchtlichüe; dann folgen 
die Si«ks* DAe Danifchen Colonien find im Lauf« 



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^36 



AhhändtuH^en. 



des abgewichne^n Jahrs , fo wie die fran^Ößrcheti 
fchon vorhin, von den Britten in Befitz genom- 
?nen. Uebrigens bemerken wirnujr noch, da fs nach 
neueren ßferichten fich das katholifche Chriften- 
thurn inOfiindien immer mehr v^rbrieite und Xalbft 
die Britten zu beunruhigen anfange. 



f-«p- 



U^brig^ Varderißdijchß 
j Staaten, 



Areal nach 
Albert. 



Volksmeng« 
II. vetrchieaer 
nen Angaben. 



I. Staat der Mahratten 

a. WeJWiahe« K<Qich , , 

b. QeftJ?9)^ef ^fich . ^ ,. 
i» Staat der Sieks , 

3. Jaiver,' B.äiiipöre,-'Seerd 

huna * -• ,' 7 . ' . 

4. Oasind^pendenttGaylon 

5. Die franzöf^ Golonielt 

6. Die dänifchen Kolonien 

7. DatbraniirdieGouverne 

inent Goa , ' . 



16^804 
. 10*317,90 
6,486,10 

4»i5P 

55 
676,50 

33'2o 



a8,34Ä,928 



4i6oOyOOO 

ioa,ooo 

600^000 

5o«ooo 

50,000 

' 4ö;OO0*" 



Summe 121,767,70 133782,928 



Von Schriften, die über OÄindien erfchienen 
find, zeichnen yvir aus: die Fprtfetzung des Wahl- 
fchen Werk$ über Qft Indien (rec. A. G. E. XXVI. 
S. 438)» Perrins Voy. dans Tlndoftan (rec. A. G. E. 
XXyil. S. 58) und die Voy. dans l'Inde par L. de 
Grandpri^ beides Werke, die mit' einer MeÄ-» 
gQ unnützq,r und iinbedeutender Details angefüllt 
find. Sonnerat Voyage äux lindes Orientale« et k 
la Chine (rec. A. G. E. XXVfl. S. 73). ^Paulin de 
St- Barthelemy \oy, aux Indes orieAtalfsi Huaf- 



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Abhandlungen. 137 

ners Reize längs de Kufte Orixa et Coromandel tx. 
Deal (rec. A. G. E. XXVI. S. 440). Pas Effax hift. 
gäogr.. et pol. für rinduftan par Mr. le Goux de 
flaix^ enthält ein mit vieler Sächkenijtnifs i^er- 
falstc« Gemälde fon.'Jpftindien/beftimmt die Äuf- 
inerkfamkeit der frarizöfifchen Regierung auf dea 
oftindifchen Handel zu richten, iind iß iii den A. G. 
E. XXV. 'S. 277 feeurt^eilt, «uch wird eine Üeberfet- 
zung davon für die Sprengel- Ehrmannlchen Biblio« 
thefc der Reifen bearbeitet, Solvyns Sittengemäl- 
de, die Hindus, ift franzößfch zu Paris und teutfch 
zu Leipzig lierausgekommen. Die grofse Arrow* 
pimidüche Charte von Oftindien in 6 Blättern hat 
Jlhers (rec. A. G. ß. XXV. S. 336) reducirt, und 
eine Berechnung deis Areals der Vorderindifchen 
Staaten geliefert. 



yiL Hinter - Indien. 

Von den hinterindifchen Staaten ift nichts weiter 
Ibekannt gevrorden. Von Barrows ^. nach Cochin- 
'China haben vyir 2 teutfche Ueberfetzungen erhal- 
ten, eine in ier Sprengel - Ehrmanntchen Biblio* 
4hek der Reifen, die zweite zu Leipzigs auch in 
diefem Reiche , deffen Namen nur nach und nach 
durch feinen eigentlichen,^/i/iam, aus unfern Geo* 
graphien verdrängt werden wird, und das gegen* 
Mrärtig über Tsiompa und Cainbodsha — 7504 D 
Meilen mit JO Mill. Menfchen herrfcht, foU das 
katholifche Chriftemhum Wurzel faffen. 



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138 Abhanilfin gen. 

• . : FIIL China. 

Nach Rutsland das weitläuftigfte Reich der Er« ' 
de, das aulser dem Hanptftaate über 4ie gan^e cfai« 
nefifche Tatarei, Kafchgar, Kore^ Tibet und eiai- 
jge hinterindifche Staaten gebietet, — Es hat zwar 
iLeine bedeutenden Veränderungen erfahren, aber 
in feinen füdweftUchen Provinzen wüten Empö» 
rungenfort, die es mit allem Kraftaufwand« i^ocb 
nicht unterdrücken konnte* Der Seehandel dahin 
iß jetzt ganz in den Händen der Britten; der Land- 
handel mit Rulsland indefsen wieder bergeßellt. 



Hier ein ftatifiifches Tableau über das Areil 
und die Volksmenge des Reichs, erftejes nach den 
A. 6. E. von 17989 letzte nach Allerftein. 






T^ 



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Abhandlungen. 



»39 



Kaiferthum China. 


Areal in 


VolktiB»iig«. 


A, Dtr Hauptßaat' . ' .^ 


81,343 


r50,ooo,ocx) 

Desgnlgnes. 
198,213718 


Prov^naen: 




Alitirftein 


1. Petrcbeli . . . 


3,684 


15,222,940 


2. Kiangnan . . . 


5.8I0 


459^2,439 


3. Kiangli . . . 


N>5ii 


11,006,604 


4. Tfchekiang , 


^ 2,447 


15429,6190 


5. Fokien mit Formofa . 


3,561 


8,063,671 


6. Hoap4 1 ^ 

7. Houuang / Houquang 


9,048 


16,910,423 


8. Honang . . 


4,069 


16,332,507 


9. Schantong 


4,069 


26,t80,734 


la Schanli' 


3,464 


9,768,189 


11. Signan 1 « , 

«. KanTo« 1«'='**''^ • 


9,626 


14,699457 


13. Setfchuen , 


10,425 


2,78a,9i6 


14. QuantoDg mit Hainaii 


4,966 


6,782,976 


15. Qnanfi . . . 


4,890 


3,947,414 


16. Yunnan . « 


6,748 


2,078,892 


17. Koeitfcheou 


4,035 


3402,722 


B. ChineßfcKe /Tatarn 


991870 


3,000,006 


X. Die Mpngolei . 


53,130 


X, 000,000 


2. Tungufien 


36,250 


1,700,009 


(Prov. LeatöBg) 


— 


(668,852) 


3. KaTchgar oder Oftdfchaga* 


• ' 




tai 


i;q,5oo 


300,000 


C* Zirubnr$ Länder .. 


35»^l«> 


31^500,000 


X. Reich Trchao<fieii(Kovta) 


4,000 


1,500,000 


2. Tibet oder Tangut 


16,896 


12,000,000 


3. Heich Annam .v 


7,504 


X0,000,000 


4. Keicli Tongkiti ^^ 






5. Die Likeiottinfeln / . 


. 7i900 


aiOOo,ooo 


Summe 


207.613 


1881500,000 



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140 ^h handlange n. 

Desguignes berechnet In den A. G, E. von ^8^7 
die Einkünfte auf 300 M1U..GI. , dagegezi Barrow 
Re auf 66 Mill. Pf. St. oder 594 Mill. GL erhöhet. 
Die Landmacht macht nach Desguignes 8iOtOO(\ 
nach Barrow 1,800,000 Mann aus. 



IX. Uebrige afiatifche Staaten. 



Von Japan und den Infeln im Indifchen Ocea*^ 
ne können wir hier nichts anführen; miehrere der 
holländilchenEtablirremens, worunter auch^m^of* 
na^ find in die Hände der Britten gefallen, die auch 
an den Kulten von Java eine hoUändirche Escadre 
zerftörten. Von Lefchenault de la Tour ßeife itt 
Jaav Jhaben wir in den A. G. E. XXV.'S^ 356 Nach- 
zieht gegeben; diele Reife, wovon auch] ikfalt^^ 
Brun in feinen Annales des voyages Auszüge] mit» 
getheilt hat| berechtigt zu grofsen Erwartungen. 

I Unfre Nachrichten über diefen Brdtheiriind 
|ufseri^ dürftig ;, in Aegypten haben die Osmahen 
iie Britten aus dem Befitze von Alexandrien ver» 
drängt, in Algier hat eine blutige ^^evolution Statt 
^fanden, ui|d auf der Oftkülte find <lie brittifchea 
itabliffemen« von den Kegern geftürnit worden. AI-* 
les dies hat keinen Einflufs auFdie Lancier* und VölW 
kerkunde. Von den berühmten Reifenden Mangan 
Park und Hornemann fehlen uns^ wenn fie, i|for-j 
auf jetzt nicht mehr zu hpften h^hx^ npch le^en 
foUten, alle Nachrichten , und imf^r «Kf^^steir^tA« 
nacli Aegypten noch' nicht übergegangen. — Voa 



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'jllb ha ndlungen. i\t 

Scbrifteny die s^ unferm Fache gehören, heben 
wti blof» Ferranges Reife nach Madagascar in den 
J. 1802 und 180J au«, wovon Malte» Brun in den 
Annales des voyages einen Auszug mitgetheih hat, 
dei auch in den A. G. £. XXVII. S. 361 aufgenom* 
men iß; in erftrei Zeitfchrift finden fich aufser- 
.dem mehrere intereiXante Nachrichten über diefe 
InTeL Algier, eine hift. ftat. geogr. Befchreibung, 
iH ein unbedeutendes Werk, das blofs den Zeitum* 
Idudeix feine Sntltehung verdankt« 



D. A m e r i c a, 

Dieter Welttheil hat für Europa gegenwärtig 
nnftreitig das gröfste InterefTe; er iil das AT}! ge- 
worden, wohin lieh Alles flüchtet, was in Europa 
nicht mehr dauern kann. Throne, hier umge- 
fiurzt, werden dort wieder/aufgebauet; MenCchen, 
die hier keine Sicherheit , keinen Unterhalt mehr 
finden, fuchen ihn dort, wo Ge mit offnen Armen 
aufgenommen werden und ein neues Glück ihnen 
blühet. America wird lieh einit auf den Trüm- 
mern von £uropa erheben; der alternde Welttheil 
wirdfinken, und' ein neues kraftvolles Gefchlecht 
auf den reichen Ebenen von Mexico und Peru, wie 
an den Ufern des Plata , Maranhon , MiHillppi, 
Lorenz, Delaware und Hudfon aufblühen. Alles 
fcheint auf diefe Epoche vorzubereiten, der wir 
unaufhaltram entgegeneilen. — ^ Schriften , die 
fich über ganz America verbreiten, haben wir in 
diefen unruhigen Zeiten nicht erhalten; einen An- 
fang von der Berechnung des Flächeninhalts diefes 



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H% Ahhmnilung§n. 

Welttheils bat i;. Z<rcft in der monatlichen sCorrt« 
fpondenz gemacht. 



/. Nordamericanifcher Freißaat. 

Entruftet über die AnmarsnngeD , die die Brit«' 
ten ,auf der See nfurpirt haben ,^ etttfehloft fich 
der americanifcbe Freiftaat zu einet MaCsregel, 
die freiwillig getroffen in der Gefchichtb ohne 8ei- 
fpiel ift; diefer Handetsüaat hat alle Verbrndunv^ 
gen mit fremden Nationen aufgegeben und ein 
Arenges Embargo auf feine eignen Schiffe gelegt! 
— Indefs mehrt fich fein Wohlftand und feine 
Volksmenge im Innern von Tage zu Tage, und ge- 
genwärtig leben 6( MilL Menfchen auf dem ame* 
ricanifchen Boden. 



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'ASh and tun gen. 



'43 



Nor dam ericanif eher , 


Areal ih feo^ 
graph. Q. M. 


Volfcsmence 
1800. 


Fripißaat. 






Staaten: 






U Newhamprhire 


l,5ßo 


183,858 


2. Maffachufets 


3,035 


^ 573,955 


3. Rhode - Blainl 


80 


69,122 


4. Connecticut • « 


246 - 


239,704 


5. Vermont . \ , 


414 


251,018 


6. New * York ... 


2,470 


584,065 


7. New-Jrtrfey 


317 


211,149 


8. Pennfyl\rama 


ö»l48 


632,000 


9. Delaware 


65 


64,293 


10. Maryland mit ColumMa 


5^4 


523,807 


II. Virginien • • • 


5»3oo 


878,890 


12* Nordcarolina . . 


1,760 


475,000 


13. Südcarolina 


1,138 


345,501 ^ 


14. Georgiien * . • 


936 


162,686 


15. Ttnetti . . 


5ri98 


166,000 


16. Keat^diet 




204,000 


17. Indiana 


91,000 


6,000 


18. Ohio ... 




98,463 


19. New- Orleanf . 






20. Miffifippi 


7,000 


136,000 


21. Louifiaaa . 


• 




Summe 


52,191 


5*725,571 



Im J. 1801 war-di« Volk«.niengerchon auf 6,091,591 
und 1^04 a«tf 6,327,813 Köpfe aBgewachfen. Die 
Suatseinküafte beliefeti ßch igog auf i8Mill., die 
Ausgabeiri^af 15,450,000, und die Staatsfchuld auf 
77*88 1,890 Dollars, die durch den Ankauf von Loui« 
fiana um noch 15 Mill. vergrofsert ift. 

Lehrreich und intereHatit , vorzüglich in na- 
torhiTtorifchex Riickficlit, ift Robin's »ene Reife ia 



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J44 Abhlxnälungen. ^ 

einen Th^il des nordamericanifclieji ContinenU^ 
und durch einige weftindifche Infein uhter.dem 
Titel : Voyage dans Tini^rieur de la Louifiäne, de 
la Floride pccidentale et dans les Isles de la Marti« 
nique et de St. Domingue pendant les ann^es igoi, 
1803, 1804, 1805 et 1806, Paris, 1867, welche voa 
Müller zu Berlin fchlecht auf teutfchen Boden ver- 
pflanzt ift. Dies ift aber auch die einzige Beröi- 
cherung , die uns die Literatur des verwicbnen 
Jahrs in Anfehuug Nordamerica^s mitgebracht hat 

//• Da^ brittifche Nordamerica. 
Für uns nichts Neues. 

; ///. Weßindien* 

Veränderungen ßnd hier, aüfser der durch dis 
Britten gefchehenen Befitznahme der dänifchen lilii 
t holländilthen Infein, nicht vorgegangen, Domin- < 
go ift noch immer der Schauplatz, des Xcheufslich- 
ften Bürgerkriegs; die Neger find jetzt UMter ßch 
uneinig, bekriegen fleh felbft, und bald wird die 
blühendfte und reichße Colonie Wefiindiens ganx 
verödet feyn. — Aufser der üeberfetzang von Ma^ 
louets Befchreibung der Infel Domingo, welclif 
im Induftriecomptoir zu Weimar herausgekom- 
men ift, und Robin's Notizen über Martinique und 
Domingo können wir hier nichts Neues regißri- 
len. In der monatlichen Correfponden\ hat uns v. 
Zach eine Berechnung von dem Flacheninhalte 
dermeißen wefiindifchen Infein mit^etheilt; auch 
find in den A. G. E. XXV. S. 047 Naührichten von 
der Bevölkerung und dem Handel Weftindiens aus 
1V. Youngs Weftittdia Common- Place- Book auf- 
genommen. Hier ein Tabjeau über die Gröfse 
und Volkfismmge diefes Archipels* 



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Abhandlung »t- 



?45 



WeftindUru 


BeCtzer. 


Areal in 
ge^gr^ph. 


Volks- 
menge. 


A. Gro/se AntilUn, 








r. Coba 


Spanien 


2,309,20 


520,000 


2. Saint - Domingne 


Negferrepublik 
u. Frankreich 


i;385 


679,831 


3. Jamai9a 


GrofsbritUnien 


268,80 


353,000 


4. Puerto -Rico • 


Spanien. 


l82;IO 


90,000 


h. Kleine Antillen. 








I. Die Jangferninfeln 


-^ 


-» 


— 


aa. St. Thomas 


Dänemark 


1,80 


5»75o 


bb. St. Jean 


Dänemark 


1,80 


2,800 


^cSte. Groix . 


Dänemark 


4,80 


28,000 


ild. Ane^ada % 
ee. Virgingorda} • 
it. Tortola 








Groftbrittainen 


5. 


9,000 


gg. Paflageinrel 

£h. Die Krabbenjnrel 


Spanien 


6,7b 


3,000 


unbewohnt 


75 




2. Saint Eultatz u. Saba 


Holland 


2,25 


24;000 


3. Saint Martin . 


Holland. Frank- 








reich 


4)^5 


6,000 


4. Anguilla u. Barbude 


Grofsbrittanien 


5'9o 


2,100 


5. Saint Bartheiemi 


Schweden 


2,75 


8,000 


6. St Ghriitoph • * • 


Grofsbrittanien 


3 


32,200 


7. Antiffua 

8. Guadeloupe 


Grofsbrittanien 


* 4'5o 


60,000 


Frankreich 


30>7o 


248,000 


9. Defirade » Marie 








glüante und les Saintef 


Frankreich 


11,20 


14,600 


idb Dominica 


Groftbrittanien 


13.70 
10,90 


17,000 


tl. Martinique . 


Frankreich 


105,000 
16,645 


12. Sainte Lucie . 


Frankreich 


10,40 


13. Saint Vincent 


Groftbrittanien 


6,50 


13,100 


If Barbados 


Grofsbrittanien 


10,40 


79,200 


15. Grenada und die Ore* 








■adillen ./ . 


Grofsbrittanien 


11,70 


25,000 


l6.Tabago • . -\ 


Grofsbrittanien 


6,50 


14,000 


IJ. Trinidad 


Grofsbrittanien 


78»20 


38,000 


IS. CuralTao • 


Holland 


8)50 


8,500 


19. Newit ... 


Grofsbrittanien 


I 


0,500 


90. Montlerrat 


Grofsbrittanien 


2 


11,300 


21. Die Bahamainfeln 


Grofsbrittanien 


257 


6,000 


Summe 




4»^S3»io 


2,419,626 



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146 Abhandlungen. 

IV. Die Spanifchen Länder in America. 

KeineVeränderung. DU Beütznahme von Buenos- 
Ayres durch die Britun war nur mameatan» Wat in* 
defseii/ gegenwärtig aus dielen weiten Staaten g^v^or- 
den iß, mit welchen Augen ße die Veränderung 
im Mutterlande betrachten, davon ßnd noch keine 
Kachrichten zur Kunde des Publicums gelangt; 
indefsen fcheint ef felhfi; naeli fraxizöfifchen Blät- 
tern, dafs Dich einige derlelben als unabhängig be- 
trachten. 

A. V. Humboldt und BonplantTs'Reiiey wovon in 
dem abgewichnen Jahre die zweite Abtheilung des 
zweiten Bandes erfchienjen ill, hat unfeine Kennt- 
nifs von dem ^reichen Neufpanien und überhaupt 
▼on allen Trop« blandem der neuen Welt fehr ver- 
mehrt. Hier ein Tableau über Neufpaniens Areal 
und Volksmenge, welches un« einen .Beweis giebt, 
dafs diefe Länder doch nicht fo menlciienleer und 
verödet find, wie Volney und neuere Geogra- 
phen fie uns befchreiben. 



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AthaHdtuHgen. 



»47 



Neufpanien. 


Areal in 
geogr. Q.H/I. 


1 1 

Volktxnenge. 


• 

1. Fror. «Mex^ , « 

2. — Puebll 


2,134,08 


I,SII,8oo 


. 972,72 


813,300 


3. — Guadi^laxara , 


3^466.08 


635.6OO 


4. — Oxaca . 


1,603,80 


534,800 


• 5.' — Guanaxuato 


327»96 


51:^,300 


6. — Valladolid . 


628,sjo 


4?6,4oo 


7. — MeridU . • 


2,069,64 


^65,700 


8, — Luis Potofi . 


9,956.38 


331.900 


9. — Durango . 


5.749 20 


159,700 


10. — Vera Cruz : . 


15*8» 16 


iß6,ooo 


II, Zacatecaf \^ * T" 


^ 848*88 ■ 


153,300 


12. Sonora • . %^ 


7>i^83'88 


121,400 


Summ« 


36,559,48 


5,877,100 



alfo etwa die Hälfte mehr, als man die TolkizaM 
vorher fchätzte. Darunter find etwa 2,500,000 In- 
Äier, 2,400,000 Mulatten 9 der Reit Creolen / Spa<- 
Bier und Neger. 

Eine andre Spanifche ii^ uns ebenfalls durch 
die Verpflanzung des Mercuiio Peruano auf teut* 
fchen Boden weit bekannter geworden. Das In« 
Äuftriecomptoir zu Weimar hat einen Auszug dar- 
tui durch Bibliothekar iVcAmt/2^ fertigen lalTen, und 
iiui als zweiten Tbeil von Skinner^Ve^txx heraussage- 
len. C. G. V, Murr*i Nachrichten über verrchie4eno 
Länder des fpanifchen America \h befonders unter 
^cn jetzigen Umitänden nicht ohne InterelTe. — Von 
Liadcharten haben wir blofs die Carte g^ndrale du 
Colfe de Mexique et de PArchipel des AQtilles pax 
le D^p6t g^n^ral de la Marine anzuzeigen. 
^ O. jB. XXrilL Mdt. 2. St. '^ ^ L 



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148 Ahhandlungän^ 

V. Braßlieru 

Ein neues Reich , welches auf dem. umgefturz^ 
ten portugießlchen Throne In der n«uen Welten 
richtet, Und vielleicht bald an GJpnZy Macht uni 
Anfehn daf Mutterland überJftrahlen' wird. Der 
Prinz Regent bat feinen Thron zu Rio Janeiro an^ge^ 
fchla^en; gefolgt Kind ihm feine Flotte, der Kört 
leiner Armee, und die edelften Familien Portugds, 
lind die bereit« volkreiche -Hauptftadt hat dadurch 
noch mehr gewonnen. So viel, wie man weif«, 
haben fich demfelben auch die portugiefifchen Co- 
lonien in den übrigen Welttheilen untervvorfen.— 
Ein Hatiftifcbes Tableau üb#r das Areal und die 
Volkf menge leider Staaten wollen wir z^ar hi^^rhec 
fetzen, abe^ dabei bemerken., dafs die Angaben 
von Brafilien alt und nach Raynal find, und dafi 
dies Land wahrfclreinlich gegenwärtig mehr ab 
d Millionen Menfchen faüe^ 



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Äihandlumgen, 



14^ 



• 

Königreich Brafilien. 


Areal nach 
geogr, Q.-M. 


Vollisiiiangei 


A, Königreich Br(\ßlien 


100,000 


1,500,000 


Capitanias. 






I. Para 


— ' ' 


47i06o 


3. Maranhao 


— 


. 65,8iO 


. 3. Fernambuco • 


— 


^6.6<JO 


4. Bahia • . . . . 


"^ • 


158,000 


5. Rio Janeiro . 


— 


• 132,270 


6. San Paulo 


. — 


5i»9oo 


7. Matto grolTo 


— 


iH,5oo 


8. Minof geraet • 


. — . 


169,000 


9. Goyax . 


- , — 


, 73,000 


B. Africanifch^ Nehenlän" 




t 


' der ... • \ 


860 


351,000 


1. Gouv. Mozambiqne \ 

2. Gouv. Angola . / 






S50 


80000 


3. Madera u. Porto Santo 


25 


82,000 


4. Intel San Thomas 


7 


5>ooo 


5. Die Capverdifchen 






Infeln 


78 


45,000 


6. Die Azorirchen Inleln 


200 


p 142,000 


C. Afiatifche Nebenländer 


42,20 


60,000 


I. Oouv. Goa • 


33>2o 


40,000 


^2. Infel Macao und Thail 






Tou Timor 


9 


20,000 


Summe 


100,902,20 


1,911,000 



£1 war zu erwarte!)^ dafs fogleicli nach der grofsen 
Cataftrophe , die Brafüien zü einem leU^ÜRändigeii 
Staate erhob, mehrere Federn ßch befcbäftigen 
würden, das Publicum mit^iefem Lande bekannt 
zu machen. Crome Ichrieb zu diefem Ende lein . 

L 2 



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igo Ahhanätungen. 

Bralilieii, eine neue «iifblühexfde Monarcbie in 
America, G-ieffcn, 8.; auch lieforte die ^oürner» 
fche Buchhandlung z\k Hamburg unx^x dem Titel: 
BrafiUen, ein WeA zum Nutzen und frommen dei 
erwacbienen Jugend, und bei Hefmann in Harn* 
bürg kaan ei;ae Brotchüre über Bra&lient und Por- 
tugals fiandel mit feinen Colonien heraus* hhtt 
da Cuiibo de Azared6*s Werk über das nämlicbf | 
Thema Xrec. A. G. E, XXVII. S.3Q6) ^hört £m we* 
«ig , als die treffliche Befchreibung Braßlieni iil 
Zimmermannes Tafchenbuche in diefe Aubrik. 

r VL Guiana. 

Das f ranzölifche Guiana und Cajenne ' bat 
keine Veränderung erfahren. Das holländifchf 
"Guiana rft noch immer von den Britten beletzt. 
Von letzterm Lande wurden Quandt's Nachrichten 
über Surinam und {eine Einwohner im verflpITe- 
nen Jahre dem Publicum v^irgelegt. Sie bereicbera 
indefi die^dkunde nicht lehr, doch mehr noch« 
als Pitous Deportationsreife nach Cajenne unter 
dem Titel : Vpyage k Cajenne , dans les deux Am^* 
rlques et thez les Anthropophages, Paris, i8o8* 8*» 
die Ton Mährcfaen und Abeatheuerlichkeiten wia- 
meit. 

E. Australien* 

Diefer Welttheil , kaum erft feit 40 Jahren ab 
fblcher anerkannt , wird von Tage za Tage mebc 
befucht und unfre Kenntnifs von demfelben e^ 
weitert. Zwar find es eigentlich nur die Kauen» die 
der Fufs det forfchenden Euf opäerb betrat/ dean ia 



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ZUi. Seite i$u 



f: 



Jahre i 3 o S* 






ß 

00 
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3« 

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910 

lOlO 

1x40 



2.»o 

3k) 

4» K> 

5-0 

:2 



750,000,000 

200,000,000 

1,200,000,000 

6,a62,352»245 



40,000,000 
600,000,000 

I,l72,827»a52 

hollandirch. 

50,000,000 

— " • ( 

80,(X»,00Q 

53,000,000 
42,310,407 
25»ooo,ooo 

18,000,000 
I0,000,00Q 
2f 000,000 

4,000,000 
2,000,000 

40,000,000 
130,000,000 



106,700,000 
50,000,000 
38,000,000 
29,000,000 



569,930 
558>I20 
390,000 
306,760 



30,000 

262,893 

22,384 

21,600 

118,850 
5P,ooo 
05,000 
14,048 
20,000 
12,000 
8,000 
8,000 
2,5.00 
I5»023 



40 
32 

236 



J>5 



30 
224 



15000 
10,000 I 



296 

8 
422 



16 

209 

50 



8 



297*000 
84tOoo 
43>275 
74»635 

4rOOO 



20 



15 



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32 



213 

346 

1,03^ 



24 

3or 

76 

13 



66 



22:^8 
3 i 



253 
3 



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'AVhandhungßn. ' 15,1 

jas Innert 4e« gtob^n Gontincnt», das n^ch im« 

I mer nach dem Vaterlaade feiner eriten Bntdeckex 
benanot wird, ift noch Niemand gedrungen. Ein 
ganz vorzügliches Pracht werk \Jk die Voyage de d^- 
convertes aux terres außrales etc. r^di-g^ par M\, F^ 
Peroriy Paris, iSog., wovon bereit« d Ueberfez- 
anngen in der Sprengel- Ehrmann f<^jj^en Bibliothek 
der Reifen, und bei Cotta In Tübingen vor uns 
liegen; aber nicht blofs als Pracht werk, fondern 
ah eine treffliche Darftellun^ der von dem Verfaf- 
fef und feinen Gefährten befuchten Gegenden 
und als eine wahre Bereicherung f iir die Länder« 
und^ VölkerlLunde verdient Re eine yorziiglich'» 
Auszeichnung, Zu Paris ift auch eine Ueberfez- 
zungvoa Turn^ttZZ'^fteife unx die Weh und Brough^ 
i^n's Reife nach dem nördlichen Theile des grofsea 
Oceans erfchienen. — £in Auszug ans des Xpani- 
fchen Seef^rers Z>. M. Guimper iA J. 179 1 uüteip* 
nommenerReife nach den Sandwichiitfeln iH in 
den A. G. E. XXVf. Sv 129 Aitgeitheilt. — Die» 
wäre indefTen Alles, was das verfloüene Jahr^in den 
Kranz der Landes- und Völkerkunde von Auftralien 
geflochten hat, mithin im Grunde nur £in Werk, 
das aber an Gediegenheit Dutzende von andern 

ReiCebefchreibul%en aufwiegt. 

(Hier folgt nun die ftatiftifche Tabelle.)- 



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BÜCHEU -RECENSIONEN. 



U 

Veber den Bau der Erde in dem Alpen^ 
gebirgs zwifchen 12 Langen' und ^n bis 4 
Breiten 'Graden, nehft einigen Betrachtungen, 
über die Gebirge und den Bau der Erde über' 
haupt. Mit geognoßi/chen Charten, von Jo* 
Kann Gottfried Ejbel, Doctor de^ Medi- 
zin. Zürich, igog, bei.Oi^ll, Füffu u. Comp* 
L Band XXX n.*4oa 8, IL B. X. u. 428 Seiten 
in 8. (Preiff 9 Rthlr.) 

(Portletzung Ton S. 98 des JtnilAr - Hefti.) 

Im §. 7. bandelt der Verf. von der Schichtung aüer 
Vrf eisarten , Tom Streichen und Staken (Fallen oder 
Einfchiersen ) der Urgebirgsfchiclitln. E^ fagt felbft 
S* 57t ^ft^* mit dieXem Capitel der wichtigfte und frncht- 
barile Theil der ganzen Un ter£ucliung lieginne. In die 
fiarltelluug des Einzelnen können wir jedoch bei fo 
grofser Mannichfachheit der GegenMnde hier nicht ein- 
gehen $ nur die Hauptfötze und Hauptrefultate , die dt$ 
Verf. Aniichten darllellen^ können yrir hier angeben. 
Mit Recht drückt lieh der Verf. gegen die halsftarrigeB 
oder ^ verblendeten Läugner der Schichtung vorzüglich 
beim Granit, S. 59 fo au«: „E« ift zuverläffig gewifs, 
da£s das ganze Urfelsgebilde gefckichtet ift| und dafs 



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Bucher ^ Reeen/io nen. 153 

ille^U^^sart«ti > kiine einzige nusgrniommen , die be* 
ftisimtefte Schichtung überall behaupten; pb es glei,ch 
nic^ifc au jeder belieb) gffn Stelle in die Augefi Ipriagt/' ^* 

^£t ift ferner zuverlalTig gewifs» dafs die Schichtea 
iii»d Lager aller Urf elfiarten , allo das ganze Schichten- 
lyOem der Uralpen von WSW. nach ONO. ßreicht. Von 
dkfem wichtigen Gefett^ Toll nach dem Verf. durchaus 
nirgends eine' Abweicbung ftatt finden; lelbft da. nicht, 
wo die Schiqbtenrenkung Abänderungen bildet/' Auch 
laufen die glimmerigen oder talkblättrigen Ablölungen» 
lelbft der dünni^en Blätter, und das Faferige (richtiger 
das Strahligc) mancher Felsartcn Iläts unveränderlich 
parallel mit der Streichungsrichtung der Schichten. <' — 
Diele C^arHeliung iH wichtig, und als Kegel (fQr das AI* 
pengebirge) aucK gegründet. Aber fo ganz ohne alle Ah^ 
weichung zuxulalten^ dürfte diele Regel befonders in 
ihrer allgemeinften Anwendung lieh doch nicht erwei- 
feli ; denn Ichon die auf der Charte angegebenen beiden 
Urkalkparallelen haben Erllreckungen, wo Re nicht von 
WSW. nacK ONO. , londern gerade von W. nach O* 
ftreichen. FäÜde jedoch in der That nebej^i der Haupt» 
oder generellere» Streichungsrichtung in dem Alpenge- 
l^irge nirgends eine, entweder ganz oder halbkreisior- 
mige (mantelförmige) partielle Bichtung der Urgebirgs- 
Ichichten bei manchen ßergkoloften ßatt} lo liegt davon 
der Grund rorzüglich in der herrschenden Harken Ein- 
renkung der Schichten und Lager; und zwar veranlafst 
durch eine verfcMedentiich hoch anfteigende, ebenfalls 
&nl einichiefsende, der MaHe nach librigens, in wiefern 
lelche nicht Granit wäre , uns unl^ekannte ^ tief unter 
Tage verborgene > mehrfach kämm* oder rückenfprmig 
Ibreichende Unterlage ( Auflagerungsfläche), an und auf 
Welche nothwendig die ürfelsfchichten gleich Gebirge« 
mauern iich anlehnen mufsten , und daher wie Wälle 
pwallel hinter einander fortllreichen. In der That cliirfte 
dies vorzüglich und. meillens der Fall bei den höchfteuy 
^i^iteftcn und läuten Hauptgebirgszügeu der ErdiB 
feyal _ * "^ 4^ ' ^' 



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154 Bücher - Reten/i onelkä 

Als durchaus HerrfcBeiide Regel (ohne Ahi n^ahtne flUr 
alle Gebirgszüge der Erde) rerbteten etttgegengefettl«^ 
käufige Beobachtungen 9 ein lolckes Verhalten aufzUÜfl* 
len ; denn in mehreren Gebirgen bilden bei fohlifjer unll 
flachfallender Lagerung fchon die älteren Ürgebirgsmaf« 
Ten 9 Granit Und Gneufs, mehrere (durch xwifehen It«- 
gende urfprtinglich niedrigere Strecken mit einander 
verbundene) kegelförmig ßeh erhebende BergJtoloJfe ^ ait 
und um welche , und über welche hinweg wellenförmig; 
Iteigend und fallend nach* irgend einem Hauptftriche die 
f^ätern Urgebirgsmalten auf- oder angelagert lieh zeigen. 
-^ Dergleichen Verhalten beweist dann auch cur G^^ 
nüge ) dafs in den Urgebirgszügen oder Ketten auch 
fchon urfprüngltch höhere und niedere Strecken vor* 
Kunden find, und dafs durch die urfprfinglich niederea- 
Strecken (urrprüngliche Thal Tiefen) Anfang und Eich* 
tnng vieler, in der Folge durch flutende und ablaufen do 
Waller eingegrabener Th&ler von dör Natur felbft be« 
ceichnet waren. 

Uebrigens zeigt die verfchiedene Dicke oder Mäch- 
tigkeit chemifcher Niederfchläge im Kleinen, fo wie im 
Gnpfsen, dafs kryftallinifche Anfchüffe innerhalb eines 
•gegebenen Kaumes keineswegs durchaus gleichmMsig 
fich anhänfen , fondern an man^ien Stellen (im Grofsen 
innerhalb mancher Strecken) fich häufiger ab- und a.n* 
fetzen,, als an andern Stellen (oder Strecken) $ wodurch 
Unebenheiten entfpringen ; und daf^, wo einmal eine 
Hervorragung entltanden ift, alle folgende AnfchülTe auch 
dafelbfl häufiger lieh abfetzen (Gefetr der Anziehung)^ 
als an eben gebliebenen niedern Puncten oder Strecken; 
daher auch die aufserordentliche Mächtigkeit des älterelt 
Flöfzkalkftf^^'ns (des Alpen* und Jura - Kalkfteins) auf der 
Höhe der Uralpen im Vergleich zu der Mächtigkeit def- 
felben in niedern Gegenden. -« 

Nach dem Verf. (S. 6i) liegen die Urfelsfchichtea 
nicht hori^ptal über einander; As««feyen nur wenige 
Fälle bekannt (blofs^Jkusnahmen) , wo die Schichten ii> . 
ihrem Fällen weniger als 6o Grad von der horizontale« 

I 



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I 

Bucher » R^ten/io nen» 15$ 

ftiobtunf «bw«i«hei| (am Mont^Rufa jedoch Mir. itm. ^ 
Grad!) Mail^at Tollen fie unter Winkeln vo»t4o bis 80S 
einfehiefsen , mitunter ^«nx feakreoht (auf dem &0))f«| 
ftehen; nM dies nicht hlofs an einzelnen Stellen^ loqi- 
dem narerrüclet auf dieffolbe Art -durch die ganse Aus* 
dthming der Uralpea. Das füdöitliehe EinXehii^eii 
Ml fowohl auf der Nord- als vSiidreite..der Alpen freif 
hinfiger ieyn^ kU das nordweftllehe fiüifehielfeu; wio 
«nch diie ▼<mi Verf. mitgetheüten Gebirgs^urchfchnitu- 
•der Profil -RiJTe angeben; auf der änfserßen I'for^ftiiß 
der Alpen hat der Verf. das Einfchiefsen der UrgebirKt- 
iekkihten /amtlich /üdößlichf alfo'ia der BergmanniXpra- 
ehe widerjmnig fallend ^ dem Abfall der Gcdl>ivgsabhlbtg« 
entgegen fall^id dargeftellt; aber auf der äM/serßen Süd' 
* /$üe hat er das Einfchiefsen durchaus reck^finnig^ d. i. 
dem Gebirgsabfall nicht entgegen, wenn gleich njch^ 
«nter denfelbeu Winkelu einfchielsend , ebenfalls ßidi^ß^ 
ikh dargeüeUt; au der äufserfteli Sndfeite kommt kein« 
«trdweftliche Einrenkung der Urgebirgsfekiohten viO% 
aber wohl etwas weiter nach Innen , fo wie mehrere Mal« 
Bach der Mitte su, und auch wieder näher nach der 
NordXeite hin; und beide einander entgegengefetxt« FaI- 
lungsrichtungen gehen jedesmal allmälich in feigere« 
Fallen über ^ welches in der Mjtte «wifchen beiden ein^ 
tritt, fe dals in mehreren Erftreckiuigen der Profilrüi 
der Schichtung einen geöffidetea Fächer bildet. 

Im 5. 6. ift dttnn die Rede rem den Uebergftnf «U 
eitt«r Pelsart (Urgebirgyart) in die andere. Weder nach 
der Lingenerftreckung des Streichens » noch nach der 
Dicke oder Mächtigkeit bleibt eine Schicht ( Urfektafclf 
tranehs) durchaus fich gleich , fondern geht durch eil» 
«näliche Abänderungen entweder in der Mengung oder 
in der MiTchung , oder auch nur durch Abänderung der 
Structnr , theils in eine verwandte , theils in eine gans 
▼erfchiedene — heterogene — Gebirgiart über. ür- 
f eisarten ron ganz ungleichartigen Mengungs • oder 
Mi^chungs - fieftandtheilen gehen än&arft feiten, und 
Mir durch Zwifchenftuf^n in einander über, und derVerf* 
tkaät kierttber S. 66 intexeffante Bam^rkmigen mii. .S. aa 



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I5i 1 'B%c^her «- Retenfio'ntmi 

li^iftt et feriier Mtr licktig : , „le xixfaiiim«i^^r?lcter di» 
Felsart «aticr MalTe v;<»n Urlaftki ift , dcft^ mehr ift fit 
AlB4ti4erungeiii.an Xer^ Mcit^ttng ihver ^iBÜatultlieile , der 
KryltalHfation und ' der GrÖfse derfelben UAUrwovfen ;, 
ulid defto weniger behauptet jße etne gleicbjartige Bt- 
Cchaireiiheit in der Erfireckung v«n mehreveu JLäiigeii- 
grtfden; und umgekehrt: |e einfacher ^ne Felfart va» 
'den Hauf»tglic»4axn des Urfekgebirgea ift, de|ta uurei» 
äuderlicher durchlängt ße iu gleichet Bi^fohaffe&heil dat 
gauze Ürlekgehüde. — 

A«ch keilen ßcb. Gebirgsarte» lowohl ia ilurer Uh^ 
geu-* als Rahen evüreckkng 4Ui^, l^felstafaln endigen Jßeh 
nt ihrer Erl^reckudg. durch Verfphm&lerttng ; %, B. iljr« 
kalktafela zwifchei» Gneufstafeln ; und £o mufs as auch . 
ieyn^; denn eisteine Schichten jßnd aUeit ^eu Verhälb- 
ilii£Pen unterwarf ett > ' nia viele Lachter müchtige^Jüiger.; 
'ittid mit Vergnügen JOteht man hieifbei die Nj^ur h» 
dhret Wirklamkeit- di^Xelbe^ Eegaltt in«, Giofaen wie^ 
Klerneu befolgen. 

Obgleich nun nicht feite» Schichten einer Urgebirg^ 
»rt in andere Urgebirgsarten tibergehen, fo giel>t ei doch 
such fehr häufig Schichteu, belonders vou Haupt -«U^ 
felsarten^- welche» obgleich mit Abänderung in^ Gröfse 
des||^orns und. dem VierhiUtni£i der. Gemengtheil e ganaa 
und viele , vielleicht alle Längengrade der Uralpeil 
durchlaufen, fagt^fdar Verf. ganz richtig; und kommt,, 
^urch diefe Anficht geleitet, zu, der weit auagreifeudea 
l>arftellttng von allgemeiner Durclf^längung der verfchie- 
d^iea Haupte Urgebiir|f maflen y er mitteilt einer beltimm- 
ften Steeichun^rrtc^htung durch daa g«nze Alpengiebirge, 
und berichtigt, nebenher e^ien Auffats von Player iß 
V, MolVs AnnalgHf Bd. I. Lief. 3. Jahrgang i8od, we 
irrig Urkalk und Urgypt lüy Fldtzkalk uud Fic^zgypt 
ausgegebeU wordeu lind. •— / 

Wegen defta «uffallendercr Verrehiedenheit an Grimd* 
maHe und Farbe , folgUch von deu übrigen Urgebirga- 
,arteu am lcichied«i|. ^u untf xXcheideu » ha,t f|er Vei:l.,iuv 



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Bucher - Re't^nfionen. t^j 

Beftltigun^ des obigen Satzes cwei ' Urfels • Setiickteii« 
glieder, die theils aus UrkalkCtein , theits aus Urgypi 
beftehetiV ^ui^ i^ gerader Linie meiftens wax ^«-4 Stun^ 
den, Berg auf Ber^ ab, über die Gebirge aber 6 — 10 Stn«* 
den Weges ron einander entfernt liegen , und in die£tr 
Eptfemung parallel ftreichen , befonders ins Auge g#* 
&fsi, und fowobl durch fpeoielle Angaben des V«rk(mi- 
»ens Ton Urkalk auf diefem Striche , als auch dunk 
befondere Farbengebung auf der einen Cbarte geteigt» 
dals diele beiden Urfels-SchiohtengUeder da« ganze Alp 
pengebirge dJircblangen (nach der Längenerltreohung 
duTchxiehen) , obgleich .man wegen eingetretenen Zer* 
reiXsungen, Einfttirzungen und VerA:hüttungen im G«« 
birge diele beiden ausgeicichneten UrkalkmaTTen nichl 
abritt vor Schritt verfolgen , und an jedem Pu'taetd 
ibres Streichens ^ anfiehtig vorfinden: kann. Die gerade 
Streichungslinie (fagt der Verf. $.78)» welche diefe bei- 
den UIrkalkfteintBge von WSW. nach ONO. durch dai 
ganze A^Ipengebitge halten , ilt dergeitalt unverrückt^ 
(Kec. hat fchon früher angezeigt ^ dai's die Streichunga» 
linie zum Theil auch von W. nach O. geht) dafs man 
lie mm Prüfungjmafsftabe der Genauigkeit einer geo- 
graphifchen Charte des Alpengebirges anwenden kaui|. 
Nach oft wiederholten Vergleichuhgen der Beobachtun- 
gen mit den belten Charten und nach grofsar Marter 
'fiber die nicht immer eintreffende Uebereinitimmung 
erkannte der Verf. am Ende^ vermittelt jenes Aicht- 
mafses , daCi die Schuld nicht an den Beobachtungen, 
fondern an den Charten liege, deren keine einzige fich 
einer richtigen trigonometrifchen VermefTung rühmen 
darf, die Meytrfche Charte nicht ausgenommen^ welche 
dem hier beigefügten AbrilTe hauptfächlich zum Grunde 
felegt wurde. Nichts würde die Forfcbungen über die 
geognoftifcKen Verhältn ilTe der Alpen fo Xehr erleich- 
tem, als Gebirgschartei) , welche mit der gröfsten trigo- 
Bometrifchen Genauigkeit aufgenommen wären» — 

Ob aufser dem Urkalkftein der bezeichneten Faral- 
lellinien noch andere U^elsarten die Alpen durchlängen, 
niüXTen künftige TcrrieliTachte Unterfuchungen darthuo, 



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I5S Jfüjcker - B-tcenfi^ntn. 

meint der Verf. (deb Gneuft «md Glimmerfehielelr ab 
HAuptgebirdflgUeder fie durchläiigeii mÜfl^n , ift gar aiebt 
' »tt besweif^a, Eec.) ^ Jene beiden Urkalk^intöge bil- 
den an uncäbligea Orten ihrer StreicbungtHnie Feire« 
von 6-*9000 FuTs Über dem Meere , ^ie der Cpl d» Bah» 
me y Cot de la SMgnt ^ Aiguilü de Bslhivalf der Cra^ 
fMHt an der SfidCe^t« des £iitr^o€x - Thalet , der Pain dSe 
^cr« am groften Bernhard^ desgleieben am Grit^^ im 
XJfJtrtn, Tkmi$^ am Splügen und Alhula^ am Wvrmftr^ 
Joche f am ' Brenner y am iVinifeh in den Aadftftdter 
Tattern etc.; und an allen diefen Stellen teigen fick die 
ibeils ßeil ^ thetls gans Xenkrecbt einfcKialiettden U»> 
kallcfchicbten nicht etwa nur oberfUlcblich (wie der VerIL 
gegen Hm, v^ Buch bemerkt)^ Tondeni von den oberitea 
Felienhöhen an brf in nnbekannite Tiefen hinab, ^fowol^ 
in den hdchften, als niedrigften Thilern, kurs in alleft 
Highen bis mm Alpenkamme , und iwar heifst ei (S. 79) 
feft und unmittelbar an Oranit^ Gneu/s, Glimmer/chiefer^ 
Urthoj^fehiefer oder Talkarte» entweder angelehnt oder 
parallel neben einander. — 

Man kann alfo (nach S.SS) diefe beiden Urkalk- Pa- 
rallelen gleichlam als fefte » mitten durch die rerwirrte 
öebirgswelt aufgehellte Rieh tun gsitäbe betrachten^ 
welche dem Beobachter des Urfel'sgebildes in feinen ün* 
terfuchungen theils zu Standpuneten der Ueberfchanung 
"und Vergleichun^ y theils zu un^erilnderlichen Bez^e« 
hungspuncten dienen, und dadurch ein grofsei Hülft- 
niittel zur genauen Bellimmung mancher geognoHilcher^ 
VerhältnifTe und Thatfachen werden können. *- Ulm 
erfte Urkalkfteinparallele bleibt in ihrer Streichungslinie 
ftets an der Nordwellfeite des Alpenkammes , bald mehr^ 
bald weniger Ton demfelben entfernt. Die zweite Ur«^ 
kalklleinparallele aber zieht in mancher Gegend füd« 
wärts, in ahderer Gegend nordwärts des hoheil Alpen*-^ 
kammes, und durchfchneidet ihn auch in verjchiedeneit 
Stellen, wie die beigefügte Charte zeigt. ^ Acfi der blofsen 
Anficht derfelben ergi^bt fich gleichfalls, welche Felfen-» 
ketten, z. B. der Mont^Blanc^ der öotthard^ der Luk'^ 
manier ^ und welche Langenthäler am genaueren zwi» 
fchen diefen beiden UrkalkHein- Parallelen liegen. — 



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Znr BSheren Beftimmung tor Streichungtltiii« diete 
gamenSchichtennuifleii iwifcHeti den beiden Urkalkpuml« 
lelen kenn cUe PolkÖke einiger Heuptf eilen in derfelbeil 
iienen. Der Mtmt-Blunc liegt nnter 45O 50' n'*; der 
G^nhärd (da wa dtt Horpitium am Alpenpaite Aeht) 
liegt untes 46® 27', und der Orofs* Oloktur unter 47^ 7^ 
J5'% elfo um \^ l?'4" nördlicher alt der ilfont-Blane. — 
Her F>r/. bi-müht fick S. 85 (aber vergebens) tin ß^h 
gleiehMeibendts Virfutlten keraueznreehnen , um wie viel 
Minuten und Secunden dier\» Urkelkfteinparrllelen (und 
fomit auch die übrigen Urfelsfchichten ) auf ihrer 
Streichungtljni» nach O. N. O. durch j^n LÜngengrad 
»ordlidher; und auf ih^er ^reichungslinie nach W.S.W» 
durch Jeden Läugengrtid lüdlicher «iehen; und unter wel* 
ehern Winkel fie die Ei^achle durchlchneiden. Eine MiU 
lelzi^ von 14 Minuten Abweichung für jeden Längen- 
grad giebt ihm diefe Durchfchneidung derErdachfe un- 
ter einem Winkel von 71* bi« 7a®. 

Rec. gefteht aufrichtig» dafs er an kein folches Geh 
gleichbleibendes y oder ein gewüTee Gefetz befolge&def 
Verhalten glauben kann. 

Würde auch das Alpengebirge einen hoch hervorfte* 
henden Gürtelkreis 11m die gerne. Erde bilden, fo würde 
man d§ch die Streichungsliuie der Urfelsfchichten def* 
Xelben keineswegs durcliaus eine fo beftimihte Richtui^g 
halten feheto ; Tondern höchftens zwifchen Nord und O^ 
und Süd und Welt fich erftreckend finden; aber Äec. 
iweifelt fehr: dats deren Richtung *in der Erftreokun^ 
ringsum die Erde innerhalb diefen weiteren Gränzm 
yariirend fich noch erhält. Rec. kennt fehr gut den 
Werth und die Fruchtbarkeit höherer Anfichten von dea 
TerhültnilTen des Erdrindenbaues, und freut fich innig 
über jeden neuen Schritt, der zu grofsen Refultaten 
ffihrt; aber eV glaubt auch, dafs man fehr behutflam 
luid fceptifch bei Aufstellung allgemeiner Sätze zu Werk« 
gehen mü0e. ^ 

4 

Weder das Streichen noch das Fallen der Urgebi^gf- 
Ibldchteii iH fo lU^ereinftimmend in den bisher in dieler 



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lijo ^BücheY - Reetnfionen;^ 

Hiniicht unterfilchten Gebir^n (wie Reo. fpäter ceigeii 
whrd), al« c^aft man di« Grundurfache davon von höheren 
kosmifGhen EinfltiCPen Herleiten iti wollen, hinlänflich be«' 
reohtl^tfeynkÖnnte; wie die ji<:h mehrenden Beobachtnnges 
fibe»Strei(iIien und Fallen . der Schichten in den verfchie-i 
denften Urgebirgen der Erde künftig zeigen werden. Jede^ 
Jpäter entftandene GebirgsmalTe richtet fich in ihrem Streik 
thtn und Fallen nadi dem StreicKen nnd Fallen der ihnen 
«ur Unterlage dienenden AuflagernngtflMche; bei den 
Üebergang8> und Flotigrfjirgen wird dies nicht bezweifelt, 
und bei den UrgebirgsmalTen wird man endlich auf dai 
gleiche Verhalten zurückkommen müJTen, we^n man auch 
•ine Zeitlang, andere Anfiohten vorzuziehen, verieit^ vfor«t 
den wäre. Man erkläife doch nitr erft aas höheren bosmi* 
fchen, oder magnetifch - electrifchen EinflÜlTen, wanun 
Urgebirgsmairen theils horizontal, theils verlical, theik 
unter allen möglichen Neigungswinkeln diefer beidcst 
Extreme gelagert fich finden! Nach Tergebliehem Be- 
mühen, wird matt zur Befchaffenheit der Anflagerungt- 
flächen zurückkommen müfiVn ; fo wie auf die ur- 
fprüngliche Unebenheit der Erdrinde, felbft fchon vor 
allen mit der Zeit gewaltfam erfolgten ZerltÖrungen« — 

Uebrigens kann in einem grofsen Hauptgebirge fehf 
wohl ein Streichen nach einerlei Richtung für alle Ur« 
gebirgsfchichten Statt finden, entweder ohne alle, oder 
mit einigen Beugungen. Mehrere einander nahe oder 
entfernt gelegene, <5ebirge können einerlei Streichen und 

«dien ihrer Schichten haben; dafs aber alle, oder nur 
e meiften Gebirge einerlei Streichungsrichtung ihrer 
Schichten hätten, dagegen fpricht laut die Erfahrung.-* 
»Hingegen ftimmt Rec, dem Verf^ in Betreif der Vorßcht 
in der Beurtheilung gewilter GebirgsverhältuüTe bei, 
wo er S, 87 f^M^*- ti^^« bei VergleicKung zweier in, den 
•Uralpen (auch in anderen Gebirgen bei Heiler Einfeii* 
kung der Lager) von einander entlegenen Felsgegendea 
der Beobachter vorzüglich darauf zu merken habe, ob 
beide Gegenden* auch in gleicher ürfelspnrallele liegen; 
denn ohne diefe Erwägung können aas folchen Ver- 
gleichungen keine nutzbaren XhatCachen, hervox^eheQ. -^ 



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Bücher ^ Reeen/ipfien. iSt 

Im §. 10. Bandelt der Vtrf. yoin RUts wiederhehrenr 
dem Weclirel derlelben Urfelsarten in dem Schichtenl^aa 
der Uralpeo. — Gebirgsforfchern der neueften Zeit ift 
•I hinlänglich bekannt: daXt innerhalb mächtigen Ur^ 
gebirgsketten Granit (von yerlchi^j^nem Alter) mit 
Gnealt, mit Glimmerrchiefer und mit Urthpnlchiefer ab« 
wecbfek^ alfo unter oder hinter Gneufs, lo wie zwi- 
fcben und über oder nach ihm 9 desgleichen unter oder 
biater Glimmer fchieier, fo wie zwifchen ihm und übeic 
•der nach ihm; endlich auch unter oder hinter CJrthon- 
jTchiefery Xo wie über oder nach demletben vorkommt» 
El ift ferner bekannt, daff Urtrapp - Hornbl^ndgefteinT 
and Grünftein-GebirgfrmaO'en, daXs Syenit und mehrere 
Förphyrarten, In wie dichter Feldlpath, ilafs körniger 
Urqaarz, fe wie Urkalkllein und Serpentin, auch Urgyps 
alt untergeordnete Lager Kwifchen Gaeufs und Glimmer- 
fchiefer > GebirgsmalTen wiederholendlich vorkouimeUi 
und folglich mit denfelben - abwechfeln. Dafs ferner 
Glinun^rXchiefer theili unmittelbar in CJrthonXchiefer, 
und diefer in Ohlorit- und Talkfchiefer fich verlaufen; 
theilf auch Glimmerlchiefer diirch Ghlorit und Talkfchie- 
fer in Drthonfchiefer übergeht. 

Ja nach Haufs,nanrCs neueren Beobachtungen , die 
bereits Hr. v. Huch (nach feiner Zurückkohr) belitätigen 
SU können vetüchert hat, kommt auch nach dem frühe- 
ren Glimmerfchiefer , uud zuweilen auch nach fchon 
aufgetretenem Urthonfchicfer nochmalt Granit undGneuff 
vor , die häufig mit einander wechfeln , ,fehr erzführend 
find, und endlich wieder in fpäteren Glimmerfchiefer 
(befondert in der Nähe der Erzlager) übergehen; auch 
ebenfalls die fchon bemerkten Gtibirgsa,rten als unterge- 
ordnete Lagt-r zwifchen ßch haben, wie der frühere 
Gaeufs und Glimmerfchiefer. — Ja es wird bemerkt, 
daff nach fchon eingetretenen (Jcbergangs-Gebirgsmailea 
nochmals Granit- und Syenit > GebirgsmalTen auftreten, 
die fich in Porphyr verlaufen. — 

Die beßehtnde GehirgskWnde hat mithin durch Er- 
labrungen geleitet, einen fehr männichfachen Wechfel 



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I6a Büther - Reeenjioneiu 

TOD Urgeblrgilagem und Scbicliten • bereite attei^aant 
und aufgehellt; «her fie hat ebenfalls nach Beobach^ 
tonnen in den Gebirgen yieler Erdfiriche, auch ein^ii 
j-egelmäTsigen Ganf der producirenden Naturwirkfamkaü 
anerkannt; nnd ^1 eine, an gewiiTe Regeln £eh hal» 
tende Reihenfolge der Urgebirgsmaften , (fo wie der U«- 
bergangs- und FI5tz • Gebirgf malTen ) anerkannt;- wel* 
che elftere der Verf. leider nicht glücklich genug war^ 
in dgn^ Uralpen entwickeln tu können; weil die fteil 
einfchieftende und tum Theil fenkrechte Stellung der 
, Gebirgfilager ihm diefe Entwickelung erlchwerte; daher 
derfelbe lieb^' &e Richtigkeit alterer , aus anderen Ge- 
birgen (oftit mehr verflachter und föhliger Lagerung 
derMaffen) entnommener Beobachtungen in Zweifel zie- 
hen und untergraben, alr eine ähnliche Reihenfolge und 
Alters folge ffir die UrgebirgfmaHen dea Alpengebirge« 
anerkenne!^ wollte. ^— 

Statt daff derfelbe hätte freimüthig geliehen follen, 
es halte fchwer^ bei feigeren und Hark 'einfchiefsenden 
Schichten (ohhe Anleitung oder AuffohlnITe aus der au- 
genfälligeren Gebirgsartenfolge in andern Ländern i^ 
Hülfe zu nehmen) eine an gewiHe Regeln gebundene 
Reihenfolge und Afters folge der Urgebirgsarten ^die 
Torzüglich an föhliger und ftark verflachter L^gemngs- 
weile zuerß erkannt wurde) in den yralpen aufzufinden; 
Batt bellen fücht derfelbe vielmehr folgende Satire ans 
feinen Darftellungen zu begründen, wie z. B. Bd, i. S. s 
2o6. No. 17.: dejs keine einzige Urfelsart als die Grund- 
felsart betrachtet weräen "könne ^ über wtlche (oder bei* 
Aeilem Fallen , an welche augelagert und angelehnt) alle 
übrige Felsarten wären abgefetzt werden etc, £s gtbe 
alfo keinen Granitkern (Granitf cbale) , d. i. keine ältere 
frühere Granitbildung), auf, oder an welclae iich all« 
fibrigen Felsarten lagerweife angelegt hätten etc. — 

Desgleichen Bd. i. S. 100. «,Die Vorßellung vxm> 
Centralit'dt entweder einer gewiffen Urfelsart^ oder einet 
gewijjeti Schichtenftellung , ' an welche alle übrige Fels- 
arten und Schichten üch angelegt hätten ^ wird durch 

die 



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Bächer -^ Recen/ionen. 163 

Ä# Biohaehtung und Ünter/uchung des ÜrfeUgtUldet 
durchaus nickt hemährt, fondern günzlich ver^ 
ntchteu Es findet fich fehl echt er dings itiVgends eine 
Ürfelsart äusfchließend nur in einet Riektung^ welch« 
fcls der Kern ,betraehtet werden könnte, um d«n ßcH 
Alle anderen Felsarten angehäuft hätten etc. — Fernem 
Band I. Seite 207, No, 18. heifst esf da/s alle tahlloferK 
Schicktenglieder (der üralpen), aus welcher Felsart Ee 
auch beftehen, mUhrend einem und dtmfelben Zeittmtmei 
unter Veth'dUniJfen und Einwirkungen gant gleicher Na^ 
turhräftt geUldet worden feyen; es gehe älfo kein ver^ 
fchitdenes Alter für dii mannichf altigen EeU^eH, woraus 
die Schichtenglieder heßehen etc. — Gleich darauf (S. 208) 
Beifft es jedoch wieder f ^^die Dauer des Zeitraums^ »iiÄ 
welchem die mannichfaltigen Felsarten abgefetzt wurden, 
mag bedeutend gewefen fejrh; und da die Schicktennieder^ 
Schläge wahrfcheinlich fehr langfam nach und nach Statt 
fanden.* fo giebt es in diefer Rüekßcht allerdings eifk ' 
terfehiedenes Alter des Entßehens der FiUarten,** -^ 

Aul eine fonderhare Wei/e lettet der Verf zum ö/-% 
teren gans wahre richtige Sätze und Schlöffe an fchiefe . 
und halbwahre.' fo dals man dergleichen Verflechtungeii 
theil« bejahen, th^lt verneinen, oder wenigßen* cin- 
fchiänken mufs, wie ein aufmerkfamer Lefer fchon aut 
den vorhergehenden Satieh erfehen kann^. Wenn auch 
die Uralpen keine Centralkette haben, wird dethalb fOr 
ille Gebirge der Erde die Vorftellung von Centralketteit 
ttmlchtet? ? Wir geben dem Verf zu, dafs ia den ür- 
tlpoa keine befondere Kette alt Haupt • oder Centralkette 
fich erweifit; aber dies Verhältnifs findet nur deswegen 
8utt, weil \i^\ der grofsen Breite und Höhe der Üral- 
pen »ioht eine einzelne Kette Centralkette ift, fondem 
mehrere parallellaufende urfprüngliche Gebirgsketten aue 
UrfehmalTen den Haupt -• oder Ceiitralkörper des Alpen* 
febirges bilden.' und deshalb treten auch der ältefte un« 
bekannte Granit und Gneufs etc. nicht blofs in einer ein- 
tigen Schicht, fondern mehrmals (nach der Zahl der 
lurfpf Anglichen Ketten) auf. Alle jene Satze de% Verf^ 
find dahex" halb wahfr halb irüg* Eben fo ein atidei«« 
A. O. E. XX VI IL Bde. a. St. M 



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i^ Bächer " Rscenfi^nin. 

Bd. I, S. 208 gleich auf die Stelle (daft et wegen lang* 
Xaiuen Entgehen f der OebirgtmalTeii docli ein yerfchiede- 
nes Alter gebe) folgender SaU , mit den Worten: ^jAber 
auch auf diefe Art httraektety kann das höhere Alter dts 
Granits nicht gerettet werden ^ denn es gebe denn deck 
Urhalk und Urgyps/chiehten etc., die tuverlHjßg früher 
abgefetzt feyen als viele Granitfchithten.*^ — Dies Lett- j 
tere wird kein fcbnl gerechter Geognoft der neueren Zeit I 
IMugnen; aber deflenungeachtet find ja Urkalk und Urgypf 
4 doch nicht früher entftatfden alf die ältere noch nicht 
mit Gneufs wechfelnde Granitbildung ! Neuere Geogno- 
tten, die vorGchtiger in ihren Aufdrücken lind, fpre- 
chen nicht mehr von einem Granitkern überhaupt, weil j 
auüh felbft der ältefte um bekannte Granit weiter nichtf 
als nur eine mehr innere Schale der Erdrinde ift, was 
freilich bei flachfallender Lagerung deutlicher Heb xeigt, 
alf bei fenkrechter oder Iteil einfchiefsender ! — 

Der Verf hätte bei feinen Widerlegungen «um öf- 
teren mehr die Meinungen der neueren Zeit von denen 
# der früheren ünterfcheiden ; oder (wie ef nur zum Theil I 
. gefchehen ift) jedesmal die Autoren nennen follen, gegen 
die er fpricht$ denn ef giebt allerdingf noch lebende 
und fchreibende Autoren, die auf Mangel an mehrfachen 
und mannichfachen Bieobachtungen , oder wegen irrig 
combinirter einfeitiger Anfichten der VerhältnilTe noch 
dei Glaubens früherer Zeiten £ind, r- ' 

\ Auf den bif her gegebenen Darftellungen , deren eia- j 
seine Belege man in dem Werke felbft nachlefen rnnls, 
sieht der Verf, *(Bd. i. S.' TTO.) nc»ch folgende SchlSITe. 
denen hier nur gans kurxe Bemerkungen beigefügt wer- 
den können. Er fchliefst: i) d^/s die ÜrfeUatten ta 
den Schichtengliedern der Uralpen unaufhörlich wechfibu 
(Gut!). 2) Dafs keine timige Urfelsart^ felbfl nioht der\ 
Granit f ausfchliefsend #ie Mitte der Uralpen einnehme^ 
und gleichfam den K^em derfelben bilde. (Wortlich wahr, 
ftreng und fcharf unterfucht, aber irrig; fobald erwie- 
Ten werden kann, und das ift fo fehwer nicht, dafi ii^ 
den Uralpen niob^ ein« GtntrallMiuptkette, londeni meh« 



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Bücher * MeceH/iatigtu 165 

ttm fMd^eUaufende Rauptketten exiftiren, deren jedü 
itite relatii^ Sltefte Graiiit- öder Gaenff Unterlage , und 
Üire fpSteren Schichten glied er hat. Ehen daher ent* 
rpringt das auf den Purchrchnitten des Uralpengehirgeg 
aehrmalf vorkomihende, ycAn Verf, lalXch heurth eilte 
6ef aneinander -Eintchlefien der Ürgehirgirchichten mit 
initten inne Befindlicheir gaht lenkrechter Stellung dei^ 
Zwifclieqfchichten oder Lager; fo daft mehr alf wahr- 
fcheinlicli die twifchen den einander zufallenden Schich- 
ten (mitten inne liegenden l^eilfteii und fenkrechteti 
Schicliten) gerade die jüngften ErseugnilTe lind, die zu- 
letzt den Raum erfüllten, der nothwendig zwifchen zwe| 
Terfchiedenen gegen einander einfchieff enden (oder ein- 
ander zufallenden) Auflageriingsflachen zweier parallel 
ftreichender Gebirgsketten Statt finden i^ufste« — 

Wenn ferner (S. iro) N. 3. gefagt wird: da/s der 
Granit üherhaupt nicht in tiner gewiffen Richtung firei»^ 
cÄe, fondtrti in der ganzen Breite des Urfelsgehildes in 
4 his 6' Taraltelen ^ in anjehnlichen mit andern Felsarteft 
vieehfelnden\SchichienmaJfen vorkomme — <* io ^nn diefeif 
mehrmals fich wiederholende Granit theils von verfchie- 
denem, theils von einerlei Alter £eyn; nSmlich von ei- 
nerlei Alter der Entftehung, und doch mehrere Male im 
Dnrchfchnitte des Alpengebirges auftretend, weil diefes 
Gebirge aui mehreren ürrprünglichen Urgehirgs* Haupt«' 
ketten befteht, deren jfingfte Urgebirgsfchichten end- 
lich in fteilfter und fenkrechter Stellung fich nothwen* 
dig an einander fchliefsen muftten; daher dann auch 
leidar der Tsi/. weder Anfang noch Ende Iterant sn fin» 
den wnftte* <— 

4) Heiftt et dafelbfts ^yiaft die Sehichtengtieäer aus 
9n€u/f und Glimmet/chief er »Arten in der ganzen Breite 
viel häufiger ßnd, alt die Schichtenglieder de/ Granitf,^^ 
Hinauf ergiebt fich^ dafs man der Natur gemfifs han«^ 
delt , wenn man Gnenfs , Glimmerfckiefer und Urthon- 
fchiefer als 3 Hauptformationen betrachtet, und die mit 
denfelben wechTelnden Granit- 9 Syenit-, Ürtrapp-, Hörn* 
Mendgefteiti- tmd 6rdnfttfin-| Quarz und Porphyr- » Kalk« 

M 3 



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i66 B,ücher • Ree^njionän. 

und Gyps- und firtlager, als Befondere dettlallbe« unter* 
geordnete Gehirgslager aufführt. — Femer No, 5. y,d<\fs 
der Urkalkßein nicht blos in den zwei befchriehenen Pa- 
ralleUn das Ufftlsgthilde durchlänge^ fondern dafs dej' 
ftn Schichtenglieder durch 4ie ganze Breite dejfelben mit 
den übrigen Felsarten wechfeln.** — N Ganz recht! Schon 
früher wollte Rec. erinnern , dafs. der Verf. leicht noch 
mehrere, das Urfelsgebilde durchlängende Urkalkparal« 
lelen hätte aufftellen können. Z. B. nur die det Mt, Ce» 
nis tu erwähnen, die in ihrem Sireichen von W. S. W. 
nach O. N. O. entweder durch die Berninakette^ oder 
noch füdlicher durch den Teiina und Orteier geht. — 

Daff übrigens Urhalk in fchmalften oder dfinnften 
Schichten mit Gneifs oder Glimmorfchiefer etc. unend- 
lich oft wechfelt, ohne ein hervt>rtretendes mächtiges 
Lager tu bilden ; dies iSt auch in anderen Gebirgen tum 
öfteren der Fall. Uebrigeni hätte der Verf kaum nSthig 
gehabt, den alten, noch von Linnis Zeiten herftanunen- 
denSatz: daf« alles Kalkgebirge jüngeren Urfprungs fey, 
als die ki^eligen, kiefeligthonigen und talkigen 6e* 
birgsmaHe* und der Uebergangs- oder gar fchon der 
Flötzperiode angehöre, befonders xu widerlegen; we- 
nigitens nicht für tenifche Geognoften; höchllens der 
Italiener und Franzofen wegen, die oft noch buohftäb* 
lieh lieh an Saujjfure halten, obgleich der fcharfjann^ 
Dolamieu diefen Gegenltand längß berichtigt hat* — 

Endlich No. 6. heifst es: „<^/> jede Urfelsart fidh 
ßets wiederhole^ und in gewiffen Zwifchenräumen wie- 
der erfcheine,*^ Viele wiederholen lieh regelmäfsig, wie 
Rec. fchon überhaupt bemerkte ) dafs fie aber alle uad 
jede, und zwar mehrmals, }a Tielmal zu wiederholen du 
Anfehen haben, erklärt fich aus den TOm Verf nicht «r* 
kannten, mehreren gleich urfprQnglichen parallel hinter 
einander llreichenden Hauptketten des Urgebirges. Zn 
S. 113. (Bd. I.) über die Wiederkehr des Porphyr^s mofi 
Ji^c. dem Verf* bemerken , (^afs älterer Porphyr zwifehea 
Oneufs und Glimmerfchiefer irorkommt, fo wie fpätertf 
«uf GHmiiierfchitftr und ThonXchiefer; dafs aber auck 



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Bücher * Aecgn/ianenr 167 

ftHtev^Vd^ergangfspeiriöde zuifi '^ftereiiiiocli fehr xnScH- 
tlgeir Porpbyr auftritt, jtt noch fpäteiwr xtt Anfang der 
PlStsperiotie , als Thonfti&inpörphyv« Alfo kann Porphyr 
Übmrhaitpt iii«lirere Maft6 im Durchfohnitte eines ganzen 
Gebirges vorkbmmen, lindmit Ferfchiedenen Gebirgsarten ' 
<4ttteren uiTd neifteren) 'wedifeln. Neu oder doch nicht 
iUgunein bekannt ift das vom Verf. angefahrte Vor^ 
kemmea^es Porphyrs b«i Schio im Visentinifchen. — 

GegenftSnde ^s §* II. lind die Hdhe der verfchiede« 
MB UrfelstaMn; ( UrgebirgsfcMckten ) Urlache davon, 
nnd Ton der Pyramidalform der Urfelshörner. Gebirgt* 
forfcher- werden hier tnamcherlei fehr wichtige Darftel- 
Ittagen finden, von welchen gewöhnliche Lehrbficher der 
Geognofie wenig oder nichts enthalten. Selbft Werner 
nahm auf Saujfure's Berichte bei feinem Vortrage wenig 
afiokßcht. *Das von JTemer als allgemein herrfchend 
aufgeftellte immer niedriger und niedriger werdend« 
Niveau der fjpftter aufgelagerten Urgebirgsfchichten, und 
das datier su allgemein gilttg gemachte höhere Anftei- 
fen der älteren Urgebirgsglieder findet in dem Alp«nge» 
Wrge wenig Beftätigung. Dehn faß alle Urgehirgsgii^ 
der ( Gneufs , Glimmer(^chiefer^ Hornblendfchief er , Sye- 
nit und fpäterer, fo wie älterer Granit , desgleichen Ur« 
gtSuftein und Seirpentin, befonders aueh Urkalk und 
^tgff»y n^men Theil an, der Bildung der hSckflen AU 
f€Hhdmer; felbft da, wo folehe auf Granit beftehen, ift 
et feiten der ältere, fondem meiftenf jüngerer und neue- 
tut Granit. ' 

1« künfitige GebirgsIMcher werden es aufser allen 
Zweifel ibtzen (woran Rec, fchen jetzt nicht mehr zwei- 
felt) dflcfe felbft dto MentBlanc an feinen Gipfel aus 
fpäterea Ürgebirgsgliederu befteht. Der Verf, fagt daher 
&ltft. ToUkomnoen richtig:- ,^Diefe wenigen (.dort an* 
ftfährten) unter uniäliligen Beifpielen mögen hinrei- 
chend f#yn, um »u heweifra, dafs keine einzige Ürfels- 
«rt in ihren Schieb tengliederu ausfchliefsend die höch- 
tei Felfm cufmnmenfeuet , fondern dafs jede Urfelsart 
^ VMfdiMdeaitt SttUtn ihrer Schichten eine anf^eroi^» 



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l68 läcAirr ^ Aeeen/iBnsML 

^entUcHe R^He trraiokt.^* -<- Jede tm dta 
pArailel hinter einandeir ftreic^ende« iifX|>riii^;li€k6ii 
Hauptketteu des Urgebirgei der Alpen hat «ber an Ter- 
Xchiedenen Puncteh ihrer |;Sn|(enerftreckiiBg ihre h5di- 
ften Gehirgshdrner. Auch dit 4nd0n im Südamtnka «r* , 
.reichen nur an 4 ▼•rfchiedeMem Strecken ihrea Streicheoa 
ihre aufeer ordentliche Höhe. -^ Bei Querdurchichiuttan 
des Alpengebirf es liegen diele KÖmer daher nicht im ei- 
ner Linie; daher auch der fonderbar gekrümmte and 
gewundene höch^ Gebiygskanim ; weil er durch 'die 
;höchften Puncte aller mittleren Hauptketlen läuft, «ad 
nur wenige höchfte Urgebirgsh^rner (wie die Ortütf- 
/pitze) auTser de« hohen Alpenkamm liegen« -1^ Dar 
Fer/. fpricht aber nur ton Schicltten|^iederny nicht tea 
mehreren urrprüngliGheu Urgebirgt- Hauptketteu» 

) 
Nach mehreren aufgehellten Beilpielen der H8he der 
Hörner und der Verf chiedenheit ihrer Bellandmallea hei£it 
es (S. 119.) „auf diefelbe Weife ßnkeu und erhebea 
fich die Sphichtenglieder aller Schichtenmaffen durch 
das ganze Urfelsgetilde ohne Regel und Ordnung» Bite* 
glaubt jedoch nicht zu irren , wenn er IHxs VerhältnilTea, 
welche bei chemifchen Nie^erfchlägen na Grofsen in der 
Natur eintreten » die negel entnimmt; dafis wo aMhrere 
fiauptketten von UrgebirgsmafTen bei einem breiteu Ge- 
birge Statt finden, die höchßen Strecken aUer JJUttcBf 
dem Querdurchfchnitte nach, ni« i^inter eimander^ loa* 
dern uothwendig im 2;ipkwck liegen muffen, 

Ree, kann daher dem Vf, nicht durchauf (yonSf< 
lieh nicht in dem Anfange de« folgenden Satzes S. 119.) 
beiitimmen, wo gefegt wird;. „Bei einem allgem«ia«a 
Ueberblicke der Uralpen dringt Beb dem Beoba^ter die 
Bemerkung auf, a) di^fs ur/jfrUnglich AII4 5$kickt$n§}M*f 
der ver/chUdenen UrftU^rftn thm /a gm»\fs einm §mt;U 
Hohe hehaupt0$€n\ als ße h)okntl^üfk$nundUnUrhr€ckun^ 
gen fefi und dicht parallel hinter ^inand^tr ß reichend^ ein 
ungeheures Game bildeten ^ weichte nur von Später ein^ 
tretenden Zerßörungskräften taufendfühig %€Mr\ffen uni 
fff^rUmm^rt vfHrtkf^* ^ So weiiii; all« Vr{«iii«|iaftflgt im 



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Bücher y^ Keeenfiönen. 169 

&dobevfiäche urfprfinflicli einerlei Hökis hatten (wovt>ii 
der Verf.. das Gegentheil nicht wird behaupten wollen), 
eben lo wenig haben die Gebirgf lüge oder Ketten in ih- 
rer ganzen Länge- und Breite - Erltreckung urfpränglich 
einerlei Höhe gehabt , und A wie jüngere Gebir^fs«- 
mafTen, x. B. UebeJ^gangs-GebirgsmalTen, ältere Flötzge- 
bkgsmalTen und FIötztrappgebirgsmalTen ihre jetzt noch 
behauptende Höhe meiitens nur einer lehr hohen Urge- 
birgtunterlage verdanken; eben fo verdanken die höhe- 
len Drgebirgf ketten und die urfprünglich höheren Er- 
Ibecknngen der Urgebirgsketten ihre Höhe einer höhe- 
ren Unterlage , welche deshalb , weil lie höher in das 
Schöpfnngsmeer hinein ragte, und wegen gefteigerter ört- 
licher MafTeninenge rerhäUnifsmäfsig immer Aärknre 
Anziehung äufserte, und itärker auf das Urmeer und die 
lieh ausfcheidendeA MaH^entheilchen einwirkte; /und 
folglich auch fortdauernd immer wieder höher wurde, 
als die urXprünglich niederen benachbarten Strecken. — 

Der Vtrf, wiitd das Bette des Oceans fo wenig durch 
Einfinku^gen de« Erdrinde erklären wollen, als er die 
Thaltiefeii zwifcheu den Bergen und die ^i^geu und wei- 
ten Niederungen zwifohen g«wzen Gebirgszügen als Ein- 
£uikuagen|^er Erdrinde (und mit vollem Rechte; aner- 
kennt. iJas Bette des Oceans ift eine urrprängliche, un- 
geheure Thaltiefe der Erdoberfläche. Die' grofsen Nie- 
derungen zwifehen den verXohiedenen Gebirgszügen lind 
ebenfalls gröXstentheils urlprünglich (zuweilen Kali- 
niBgen, Einebenungen , nie Einlinkungen); und die Ur- 
g^irgszüge mit allen ^äteren chemifchen Ablag eiungen 
find hingegen urfprüngliche Erhabenheiten der Erdober* 
fläche (keine gewaltfame Emporhebungen, was auch der 
F«r/. nicht annimmt); endlich lind die noch begehen- 
den höheren und höchften BergkololTe als Integraltheile 
der Gebirgsketten, ebenfalls noch Ueberrefte ehemali- 
ger nrfprfinglich höher anlleigender Strecken diefer Ket- 
ten. ♦)— 



♦) Mit Vergnügen fand noch vor Tlem Abdrucke dci Textel 
Rec. eine ganz neme Beftätigung der gagebenen Anficht 



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17© Bücher - Regen/i^nen: 

^ Aach moclit^ Rec. keine$w«g< bel^npteu wollen, dalb 
nUe Längenthäler überbaupt (nicbt auffchUersend die der 
Alpen )> befonderi die febr breiten, j^nzlich und allein, 
blofs Folgen von Au$- und Weg^Sobwemmungen, flti» 
tbender.und abfjief^end Möbmender WaHer leyen, wie di« 
meüten übrigen Tbäler, — Aucb die auf den zulet^ 
angefübrten Satz unmittelbar folgende Stelle kann nicbt 
ibrem ganzen Umfange nach aU ganzlieb ricbtig zuge« 
Jtanden werden. Nämlicb (J19. ) ^^,Währ€nd des zerßö" 
renden Zeitraums widerßanden in Jeder Schicht enmajje di^** 
jenigen Schichtenglieder ^ welche mit dem h'drteßen Korne 
zugleich das fefieße Gefüge verbanden^ der auf ße los^ 
ßürmenden Zerßörungsgewalt am -ß'drJtßen, blieben auf^ 
recht ßehen, und wuchfen gleichkam zu hohen Gebirgen 
und Felshörnern empor ^ in dem Maafey ^wie die andern^ 
aus weicherem Korne und loferen Blättern aus einander, 
gel'öß und erniedrigt wurden. Je gröfser die , Ausdehnung 
einer Felsart von feßem Korne hin, und wieder in einer 
Schicht enmuffe war ^ eine deßo langer^ Kett^ von mächtig 
^en Felfen erhob fich in einer gewiffen ÄicAtun^,** — 

DaTi mehrere Urgebirgvarten , %. B. Urtrap^ -^ Hörn- 
Mendgeltein undGrünAein, Qnarzfelr, HoraHein, Pech- 
fteinf dichter Feldfpathy felbft Urkalkfteiii der Verwitte- 
rung und Zer0örung mehr widerüehen , alt ffl^ift vieler 
Ornnit, und die flaf erigen Gebirg9mairen des Gneufteti 
Glimmerfchtelerf etc, befonders bei fteilem^Eitfrchiefsen 
der Schichtan, dief i(t nicht «u bezweifeln; dafs aber 
(befonders wenn man eine ganze Gebirgskette linrcftaux 
iUrfpriingUch von gleicher Hohe gewefen zu feyn, anneh- 
men wollte I wie der Vf. tbut) alle niederen Strecken 
finer Urgebirgskette h^U durch Zerftörttnj;en, AuswÄ'» 



dnrch felgende Stelle in Hrh, Alex, v. HumbotdVf EJfai 
politique Jur le Aoyaume de la nouvelle Espagne, iM* 
Lirraifon I. Livre I. p* 36, wo es heilet; „un grand ^om- 
bre de coniideratious g^ologiqiies nous prouvent, que, 
lors de la formation de» montagnes, des^ caufes, tH«- pe* 
tite« en äpparence, ont ddtermini la matiire h s'accu- 
■muler dans des cimes colojfale^ tant^t vers iß ^entrt% 
taittöt Jttr les bordtlies CordilUres,^* 



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JI|f^£A«r * R0cerifiofi9n* 171 

lelraii^tB und W^chwemmungon you der Höhe der 
köchften nocli ];>eüel^endeii Gebirgsftrecken « , und vorma- 
ligen noch h^Dieren Anfteigens bis zu der gegenwärtigea 
Eniiedrigiuig herabgerunken und t^ermiudert worden leju 
rollten y blof« weil die GebirgtmalTeiirämmtlicher gegen* 
wartig niedriger Strecken leichter verwitterbar und zer« 
fterbar geweXen leyen, diet ift wahre Ueber treibung! — 
Defto richtiger ift es; dafs fchwere verv^itterbare und 
serüörbare MafTen, z, B. Ur- undUebergangskalk, Quarz, 
Porphyr, BaTalt etc., andere leichter zerltörbare Gebirg«- 
malTen, die ihnen zum Unterlager dienen, gegen Zerßö- 
rang fiebern, und eben deshalb mit der Zeit zuweilen hö- 
ker oder gleich hoch ansehend gefunden werden, alt 
▼ielc oft alle (in einer Gegend) von ihnen unbedeckt ge- 
bliebene zerüörbarere GebirgsmalTeuftrecken , die ehemals 
viel höher waren, durch den Zahn der Zeit aber jetzt 
aar noch wenig höher, gleich hoch, oder gar um vielea 
«iedriger geworden find; fo dafs, wie z. B. in den Py- 
renäen' (nach Ramond) der höchfte wafferfcheidende' ge- 
krümmte Gebirgskamm aus Uebergangskalk und zum 
Tkeil fclbÄ an« Flötzkalk beÄeht. — 

In dem Alpengebirge bilden nun zwar Uebergangs- 
Wk und älterer Flötzkalk nicht den höchften Gebirgs- 
k«mm und den Haupt - Waflerfcheidungtrucken , doch 
dier, befonders an der Nordfeite, einen von 8 bis weit 
^^ 12,000 FdIs hooh «nitetgenden Gebirgszug, und ein» 
swÜte befendere WafTerfcheidungslinie, Die nördlichen 
Ukalpen ftejgen thmls vermöge ihrer an fich fchon ho-* 
k«i Unterlage*), tlyeils &uch wegen ihrer grofsen Mäch- 
tigkeit, {die /elhß wieder eine Folge ihrer h'öhertn Lage 
^ßy) viel höher an, «Is alle übrige Urgebirgszüge von 
fit« Frankreich} Teutfchlend, Foien^ Ungarn etc. — 



^ Der Verf. fagt felblt B. i. S.234; Bedenkt man, daf« die 
Kalkalpen auf ihrer' nördlichften Linie gewöhnlich* auf 
rrfels» von mehrereii taufend Fufs Höhe gelagert find , fe 
verliert ihv« dem Anfcheint na«h ungeliettra Mächtigkeit' 

, Xekr ^iel, — . 



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if2 Bücher - Reeenßi^ngn. 

Ein anderer^ vortOglicIi wiebtif«r Gegenftaud det 
f. II. ift die Anffibrung der Urfachen von der pyrami- 
dalen Täfelform der Urfelsfchichten oder Bänke. Es liat 
folche ihren GriTnd in der gereUmäftigen fchiefvrinkltg 
paralleXogrammirchen Zerklüftung der Urfelstafein , wo- 
durch regelmärtige, fowohl aufserordentliche koloiTale, 
als aueh kleine Sonder unjgsHticke gebildet werden. — 
Schon Saujfure machte darauf aufmerkfani$ tLUch Abbd 
Gruber führt dergleichen im h'öhmifch - fchitfifchen Rie- 
fengebirge au , und hat lie abgebildet. (Man-^ fehe Be^ 
ohachtungen auf Reffen nach dem Kitfengebirge» Dresden, 
I791 in der gten Abtheilung des Werkes in den phylika- 
üfchen und oryktologifchen Bemerkungen); Sehr aus- 
fübrlich fchilclern folche auch, fogar mil Abbildungen^ 
Ramend im Vorrage au Mpnt - Perdu, Paris igoi ; und Pa-r 
fuhiot in den Voyaget phyfiques dans les Pyrdnies, Parit^ 
1797* " R^o. fah felbft zum öfteren faft horizontal ge- 
lagerte Gneursbänke in längliche Rhombenilücke regel- 
mäfsig serklüftet. — Nimmt man nun Rückficht auf die 
regelmäfsige Schichtung der UrfelsmalTen und auf die 
gewilTen Gefetzen unterworfene regelmäfsige Zerfpaltung 
diefer Schichten , ( wovon die Grundurfache diefelbe wie 
bei wirklichen KryAallen ift, ) fo lind derjgleiclten Ge- 
birgsmalfen allerdings als coloffale derbe Kryfiallmafftm 
itt be urth eilen $ denn lie haben mehrfache , regelmäfsige 
Theilungsrichtungen (oder Spaltungs-Dnrcbgänge), wenn 
gleich nicht durchaus anter fo beftimmten Winkeln, wie 
bei den minerologirch einfachen FoIElien; ein Verhält- 
nifs, welches Pafumot und Ram%nd richtig beurtheift 
haben. De ham^thtrie's Ausfege: die Berg- und Ge*' 
birge feyen koloflale Kryftalle, wird allerdings {gegen dgm 
Verf.) dadurch' gerechtfertigt; nämlich in dem Sinn^ 
derber Kryfiallmqlfen^ nicht in dem Sinne vollkommener 
Kryftalle, d. i. folcher MafPen, deten beftimmte äofiere 
Flächen unter beftinunten Winkeln zufammenftofsen; in 
welchem Sinne de Lametherie gewifs feinen Satz auch 
nicht verftanden wilTen wollte. Hiernach ift das zu be- 
richtigen und einzufchränken , was der Verf. Band, i« 
Seite 2x6 gegen de Lametherie^ von Humboldt nnd Herr» 
mMnn angeführt bat« Schwerlich haben auch diefe Min« 



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Bü c h€r -^ Meesnfi 9H^n. 173 

K«r dl* Vorftelluiig ^oa «iiittr plöulielieii EwtftaKiiBg ft^ 
kegt, wie der Ver£. fagt» 'da lelhJft kryftallifirte Folfiüea 
anr feltea und nur in befoadeni FäUem anf ditft WalTa 
ftbÜdel werden. -«- ^ 

(Der Schlnlt folgt) 



Voyagei ä Pekings Manille et Vlle dg 
Franc e^ faits dans Vinttrvalle des annies 
1784 ^ j8oi, par M.^de Gvionks^ refident 
de France k la Chine, attacbd |iu MiniA^re det 
x^laüons ^xt^rienreSy Correfpondant de la pre- 
mihxB et d« la troifiime ClalTe de TlnAitut. 
Paris» igog. 3 Bde. in g., mit einem Atlaf in 
Folio. 

BekanatUcli war Herr dt üuignt tckon Mt 1801 
nach Europa surüek gekehrt. Der Name feine« Vaters, 
feiae denfelben entfprech enden Studien , und ein Anf* 
enthalt ron fechsiihn Jahren in einem der merkw&r* 
digften Länder anferer Erde , hfttten ISngft Xohon auf die 
Bekanntmachung feiner Naehrichten darüber begierig 
gemacht. Diefe war bisher durch yerfchiedese Um- 
ftände versSgert wordan, am mSchtigften aber wohl durch 
deä Stich dea fahr anfehnlichen Atlall^s, auf den fich 
nur wenige Verleger einlaflen konnten. 

Nnn aber erfdieint das Werk in disr kaiferii Dmcke* 
fei, nnd tu einem Preife (48 F'*)» ,dafs man nicht an* 
den, als auf eine Untejrftfitsnng ron Seiten der Regie« 
nag lehliefsen kann. Diefem UmAand gemlfi, ift be» 
fonders der Atlas an beurtheilen , delK^n lieben und nenn* 
tig Kupferplatten füglich auf eine wait geringere Anzahl 
kilteti redüeirt werden kdnnen, da dks Meifte davon 
feUn in den biäherigea Wfsken iflber China enthalten 



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374 Büek^r " Recenfion^n. 

und dfli eigentlidi Pittoreske doch nicht fo gezeichmt 
jft, daXs es die Kuallfoderunj^ befriedigen könnte. Den 
vikeü^n Weith dütften daher die demfelheu beigefügte» 
Charten No. 93. , die Reijerikite des Verfaffers^ 94. Plam 
von Macae^ ^. Aufrifs dßs Flujfes vf» Macao bis Kan- 
ton y 96. die JPhilippini/chen Ir^feln, g*^,* die Bai von Ma^» 
nilin und unter dielen die beiden letztern haben. 

Das Werk felhft zerfällt in verfchiedene Theile, 
welche Geh über Alles verbreiten, was uns über China 
XU erfahren wichtig feyn kann. Wir werden ihm daher 
Schritt vor Schritt nachfolgen ,^ und uns bei den vielen 
Federungen , welche wir an den Styl und die ganze Dar- 
üellungsweife machen lollten,, nicht aufhalten. JEr^sr 
Band, Nach den Vorreden, in welchen der VerfalTer be- 
fonders von den von feinem Vater zurück gelaHenen 
bandfchriftlichen Werken fpricht, kömmt ein chronolo* 
gifches Verzeichnifs der Kaifer lonmChina von 2953 ^<>' 
Chrifii Geburt bis auf 1736 nach derfelben in 32 Dyua- 
Äien, wobei die Namen neben der franzöfifchen Aut- 
fprache in chinefifchen Gharacteren abgedruckt find. 
Dann fo}gt die Reiferpute von Kanton nach Peking^ und 
von da auf einem andern Wege wieder zurück. Beider 
I4nge au^uümen wird auf 1573 Lieu«s berechnet* Das * 
Wichti^ile in diefem Bande ift abe« unareitig das i^s* 
mälde der alten G^chichte von China, welches hauptfädi*» 
lieh dazu dienen mag, die übertriebenen Voraellungen 
von .dem AltertQum diefes Staates, und V'on der W^s- 
beit Xeiner Bewohner herabs^ «f^immeu. Da ergidl>t ficll 
dann, daXs jener erft feit 530 Jahren £ch in feiner jetzi- 
gen Form befindet,, und tuyor blofs in einzelnen .Horden 
beftanden-bat, welche ihren Aufenthalt wechfelten, und 
▼erfohied#nen Herren im G6i&0 des Nomadenlebens un- 
terworfen waren; und, dafs diefe, ausbin dem Ganjceik 
der Gefchichte betrachtet, , nur in. moiralifcb«||; Heden 
und Sprüchen beftebt, welche im Grunde datfjrölli§a 
Wrefen derfelben ausmachen,, und ohne die fia nichu» 
als ein Gerippe von. Namen feyn würde. Der Verf. ift 
Kiebei ganz dem Scl^iking gefolgt, u«d hat anfers Be« 
«jinkanf feiu «ut ^mgfiibßAf indam. diafo Ditauzüt 



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Bitcher - A^cenji&nen. 175 

WBt» die ältefte orientaliTche Form der Kegei»teiiA>1|i|d#» 
tung sn feyn fcheiiien, und bei einer Unterfuchung in 
diefer Rückficht lehr fchöue Kefultate liefern dürften. < 

Auf dlefen, fehr anfehnlichen , Abrifs der Ge£cb'icht# 
v|n China — er füllt, mehr , als die Hälfte der Bauf 
des >~ folgt die Erzählung der Reife de« VerfalTer« n^ch 
Peking, Er machte Re im Gefolge eines hoUändifcheti 
fiotfchafters , Herrn Tittings^ Mitglied des Raths von 
iataviay den dieCer in Folge einer Intrigue, welche 
darch einen gewifTen Herrn Fan^aam belebt wurde, iM'» 
ftatt des Letztem y ein Jahr nach der bekannten 6efandt# 
fohaftsreife des Lord Macartney y nach Peking fchickte* 
Herr dt Guignes giebt nun auf feiner Reife getreulichi 
and umftändlich an, was er gefehen und erfahren hat* 
Allein diefe Details (i)id zum Theil höchft uninterelTant, 
md gewinnen erft während des Aufeuthalts von etlichen 
vierzig Tagen, den der Botfehafter in Peking macht, 
einiges InterefTe, und diefes hauptfachlich durch die, 
ffir uns Europäer höchft auffallende, und uns vom eng« 
lifchen Stolze nicht ganz getreulich berichtete, Nachläf« 
. fgkeit und Verachtung, womit die' Gefandten dafelbft 
behandelt werden. Man lieht fie für nichts anders an, 
als für Diener der Vaf allen des Kaifers von China ^ weU 
che diefem Tribut zu bringen , ^rfcheinen , und ein am 
Ende diefes Band^ eingerückter Brief des letztern an 
den Statthalter von Holland ift ein fo merkwürdiges 
Zeagnifa von der Anficht , welche Sr. Ghinefifche Maje- 
ft&t von der übrigen poHtifchen Welt hat, dafs wir ihn 
gern hier unfern Lefern bekannt machen mögen. 

„Seit feehszig Jahren, da ich vom Himmel diefes 
Beich empfangen, habe ich es fo gu^^ regiert — theils in- 
dem ich Beweif e meiner Herrlichkeit gab, theils indem 
Seh den Schrecken von meinem Namen verbreitete, — 
dafs Frieden und Glück überall herrfchen, und Geh die 
Sitten der benachbarten Nationen verbeflert haben. Die- 
fes Reich und alle andern bilden in meinen Augen nur 
liiie einzige ^amiüe* Ich betrachte die Grofsen und das 
T»U,niur ^ ^i^ne ffinzige Perfonty und darum fenden mir 



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17* Müeher ^ R^oenfionen. 

•Ho Mvften nacb der Reibe, zu WalTer und zu Lande^ 
Botfehafler, um /mir Glück ift wAnfclleii« Freilich ift^ 
99 auch walir, dafs ich alle meine Sorge darauf ver- 
wende, gut SU regieren, dalf mir die Aufriclitigkeit de«' 
rar. Welche, mich zu bewundern, zu mir kommen, ge- 
fftnt, und 4afs ich mich mit allen meinen Nachbarn d^a 
Glicka fireue, welches uns der Himmel gegeben hat. 

„Ich billige Eure Regierang, dafs He, Trotz ihrer 
Entfernung Ton China ^ mir Oefchenke und Briefe ge* 
fohickt hat. Ich weifs Eure Abßcht, Eure Verehr nngf 
gegeil, mich, uAd das Lob^ welches Ihr mir ertheilt^ 
und das wahr ift, zu fch^tzan, und fiphlief^a daran«, 
dafs, meine Randlungsweife Euch gefällt. 

„ Air die langen Jahre her , da Fremde den Hafem 
Ton Kanton befuchen , bab ich Ge immer gut behandelt. 
Das hat die Por^ugiefen , die Italiener, Engländer und 
andre Nationen bewogen, mir koltbare Gefcheoke zuia 
Beweis ihrer Dankbarkeit anxubieten. Ich liebe fie alle« 
Kurz, ich bandle ohne alle Parteilichkeit, und obgleicli^ 
die Gefchenke, fo man mir macht,- geringfügig find, fo 
wifst Ihr, daXs ich lie immer hundertfach zurück zu ga* 
ben pflege. 

„Ihr habt die glücklichlten Epochen meiner Regie* 
rnng zu' wifTeii verlangt, um mir dazu Glück zu wfin* 
fchen. Wegen ^der grofsen Entfernung war es Eurer Ge« 
fellfchaft aber unmöglich , Euch die Annäherung mei« 
net fechszigften Jahres kund zu machen, und fo hat 
fie Euch felbft zu erfetzeu vermocht, und mir ein^n 
BotTchafter gefandt , um mir ihre Glückwünfche und 
ihre fchuldigen Complimente in ihrem und ihrer Fnrfteü 
Namen machen zu lalTen. Ich habe darum ihren Abge* 
ordneten aufgenommen, als ob er von Euch felbil ge«* 
kommen wäre, und ohne feine und Eure Gefinnunge« 
in Zweifel zu ziehen , meinen Groft en befohlen , ihn itt 
die Audienz zu führen^ und ihm Fefte zu geben. 

„Ich habe ihm erlaubt, meine PaUäfte und die fchBu« 
ften Stellen meiner Gftrten von Yu€n*ming^yu§n zu fe* 



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iien; knri, ieh Üahe kUei 4^un hi^ohUnf M» er dur«1i 
die Beweife meiner Wohlgewogen^eit mit mir de§ Glückt 
und Priedent geniebciL konnte , welche ib diefem Keiclie 
lierr/chen. 

„Ueberdies habe ich nicht nur Eurem Botfehafter, 
fondem auch den Perfonen feines Gefol|tei kol^ar« 
Din^e gegeben , und dabei noch , Ober den fonftigen Ge- 
brauch, Manches hinxugefägt, wie aus beiliegender Lift* 
erhellet. 

„Ich habe £urem Botfchafter befohlen, Euch in 
meinem Namen feidne Stoffe, antike Vafen und ander« 
Koftbarkeiten tu überbringen. 

„FürJfty empfanget meine Gefchenke. Behaltist ein 
ewiges Angedenken an meine Wohlthiten , und gerührt 
Ton dem, was ich für Euch thue, gebt Euch MÜhe^ 
Euer Volk mit Sorgfalt und Gerecbti^keit %n regieren« 
Das ift das, was ich Euch am ßärkften empfehle.*' 

Mit dehi zweiten Bande^ welcher mit der RÜckreife 
der Gefandtfchaft nach Kanton eröffnet wird, beginnt 
das Intereffantefte. Es find die verfchiedenen Capitel, 
^mter welche der Verfafier alle feine Nachrichten Über 
den Zuftand der Cultur, Sitten u. dergl. geordnet hat* 
Sie weichen oft völlig von den , bisher im Umlauf befind* 
liehen, Anfichten ab, find aber immer, wie uns dünkt|i 
nicht blofs auf flüchtige Beobachtungen gleich denen dev 
steiften Reifenden, fondem auf tiefe Unterfuohung, viel« 
fache Erkundigung, und auf eine, dabei hauptfächlich 
Bothwendige, YOrfichtige Gritik gegründet. Dafs er aber 
bei der Behauptung (S. 164), dafs die Ghinefen zuweilen 
Menfchenfleifch eften , wie während der Hungersnoth 
in Sekan^tong (1786) gefchehen feyn foll, fo getreulich 
tn Werke gegangen, wollen wir gerade nicht bezwei- 
fln; nur darf er diefes Ereignifs nicht als einen Be« 
weif für die Barbarei der Chine/en anführen, indem 
dent Menfchen in FftUen der Noth jedes Mittel der Selb^« 
erhaltang gut genug ift. Die übertriebenen Vorftellun<b 
gen Ton der Höhe des cHifieGfchen Kunftfleifses betref- 
tmdf lagt er^ (S* 167.) dafe fie es nur im Färben, in 



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178 Büche^r - Recenjioneiu 

Sddetiiirb^itln / Stii l^nit mid Im FoYcelAin weit §[•« 
Haclit hiil^ii. Defiö htehr wird man fich aber wandeni| 
't^ hören (S. 190. ), dafs die Gärten in China ganz im 
Gefchmacke der fogenannten englJfchen angelegt findi 
i^ad man et bei ihnen in der Nachahmung itt Natur 
eben fo oft «um Lächerlichen treibt, alt ^ in Europa« 
Was von S. 236 über die Malerei zu lefen ift|.ift höchü 
merkwürdig. Von der Perfpective wiiTen die Ghinefen 
«. B. ganz und gar nichts, und glauben Alles gethan zu 
haben, wenn üa die entfernteren Gegenftände durch Wd* 
kenßreife gleichfam von eüiander fchneiden« Von Sehat- 
tiruiig wollen he gleichfalls nichts hören, und für dfi 
Dar/tellung des Raifers haben Ba ToUends eine ganz ei« 
gene Idee. Er toll idealidrt werden in jedem Gemälde, 
aber auf chinefifche Weife, indem fie ihm einen ungeheuer 
grofsen Kopf geben. Noch ungleich weiter, als in der 
Malerei, find lie in der Bildhauerkunft zurück. Dafär 
iß es aber erfreulich zu hören, (S. 885«) dais die Am* 
letzung der Kinder heut zu Tage lehr feiten ift, und daft 
fich deffeu ungeachtet in jeder Stadt eigene Häufer zur 
Aufnahme von dergleichen Unglücklichen belinden. Seht 
richtig wird aber die übertriebene Vorftellung diefer Grau« 
famkeit ausdem Umitande erklärt, dafs viele Aehern ihr^ 
todten Kinder ausfetzen, weil die Beßättungskoßen fehr 
anfehnlich find, und die Kinder nicht in die Familiengrä- 
i)er begraben werden. — Den Miflionen redet der Ver« 
fafler (S. 340.) aus politifchen Gründen das Wort, indem 
er es als einen Vortheil darfteilt, den die Franzofen allein 
befitzen , Leute ihrer Nation in der Haupt&adt felbft , und 
von der Regierung anerkannt und l^efchützt, zu haben* 
Er fchlägt die UnterJdützung, welche die Mifiien in Pt* 
hing und die einzelnen in der Provinz bedürften, auf 
lährliche 80^000 Fr. an, eine Summe, welche natürlich die 
franzöfifche Regierung in ihren allumfaflenden Planen 
nicht zii grofs finden kann. — Von dem AberglanbeÄ 
diefes Volkes werden von S. 356 an merkwürdige Beweift 
gegeben. Selbft Während fich der VerfalTer in Peking-h^ 
fand, wagte es der Kaif er eines Tags nicht, feinen Pallaft 
zu verlaXTen , weilgerade eine £klipf e eingetreten war. — 
Ueber die Regierung wird (S. 431.) hätter geurtheilt, als 

y ' ei 



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B.ikeher - Aecew/ianen. ^79 v 

et^liiiSieiip^fcifcheliett w«r«; Die Väterlichkeit derrelliett b«« 
ftdit ii4Uj^t(äqhlieh iB den, liebevollen Edicteu, die fie er-' 
S^en lä£st^ . Das AecUt dea Stärkecn ( durch Stand oder 
^flals) entfcbeidet hier, wie überall, und der Haupt* 
mg in^Character deip Cbinefen , der Eigeiuiuüz ,. verr&tbr 
Btk auf den höcbiten Foi^eti , wie bei den niedrigftea 
Gffwerbeii. Auch, liegt dies fchon im ganaen. .Welen der 
erftem« indem .die Befifcznahme einer Stelle mit unge- , 
hearen Präfen^en er<>ifnet worden muCi. So koftet der 
PUtz des Gouverneurs einer Stadt oft nahe«aR 100,000 Fr. 
JM^r dennoch Terl^fst nicht leicht ein höherer Zoflbe* 
ditfnter, oder ein VjeekÖnig Teine Stelle, ohne ein Vermögen 
Ten mehreren Millionen gelammelt zu haben. ZurSchil««* 
^enuig des Geilte s der Kegicruug mag nachfolgender 2ag 
dienen. DerVicekönig.von Kartton rüftete im J. 1794 Galee- 
xea attS| lun damit Jagd auf die vielen Seeräuber zu machen, 
welche die KilAe beuniruliigt^n , und gab der Regierung in 
P^i^f davon NzKhricht. Diele antwortete im Namen 
das Kaifers: 99 Dein Vorgänger hat mich verßchert ^ da/s- 
ItUn^ ^Stiräuher mehr übrig /eyen^ die Ausrüftung geht 
dfo airf Deine eig^He Reaknung, " Dergleichen Zuge er- 
tiklt der VerfalTertmanche, die zu nichts anderm dienen, 
ak ein Blendwerk forthin zu zerilören, das uns die Ver* 
gangenheit zurück gelalTen hat. £s war eine Zeit, wo 
man «olser Europa fuchte, was man in diefem nöthig 
hatte. Man wollte durch fremde Tugend das einheimi- 
fche Lafter erröthen machen , nftd die Schriftlleller er- 
feköpften lieh in fchönen Tiraden, bei denen ihnen eh&n 
nicht fehjr viel . auf die Wahrheit ankam. . Nur Xo kann 
man fich z. B. RaynaVs Enthufiasmus erklären , wenn 
er von dem geiftloXeAen , bornirteften ,..e]gennützigften, 
hochmüthiglten und heimtückifchllen aller Völker l^fiXi 
•fWas untear diefem T^olke von Weifen die Menfcherk ver^ 
hndet^ iß die ReUgil^r^^ und diefe iß bei ihm nichts 
anders f als die Ausübung der gefellfchoftlichen Tugen» 
dea» Es ift.ein weif<s , vernünftiges Volk, bei dem der 
Imim der bürgerlichen Gefctze hinreicht, um gerecht zu 

Der Keft diefes Bandes enthalt Details über di« 
A, G. B. XXVjil. Mds. 2. St. N 



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tfQ Mucker, ^ü^^enß^n^m. 

SpyiieHe und ilire OrMvunatik, ftll«r die TAtfi^hfclMM 
Stand« mit ihren OecOrfttionen ^ weicht fägfücli«» im 
WMrke leJlsft, bU in diefen Bütteni gfi^eioii weidep. 
p4ifto merkwürdiger ift der dritu Mand. -— Dief« 
^Öffnet Hch mit febr intereilanten Nachriolite» iily« 
die eigentliohtfA Staatfkrüfte des grölten Keioli«.^ Bf« 
Kanntlieh waren diefe bisher twar auf die abenteaerlick- 
fte WeiCe tihertrieben , aher dennoch von beinah» gaiis 
Europa ^glanbt worden. Da hiels es 7.. B, die Chinrfm 
fiind ein Volk vpn Weifen. Ihre Bevl^lkevnng iä 300 Mil- 
lionen Menichen. Pia Regierung hat, zwei Milliaidtn 
Binkünfte, und beinahe twei Millionen Soldaten tu ik- 
'ren Befehlen. Selbft die neueften onglirohen NAehviohtsn, 
welche dutch Lord MacartneyU GeAindtfchaftsreife mUk 
Europa kamen, erhöhten dieTe alten Nachrichten beia«ka 
noch , ftatt fie su mildem , indem dov edlo tovd gerade» 
■n die Angaben aufseichnete, dio ihm dia Mandarinen 
ron den Staats kräften ihres Reichs mittheiltan , «ad 1»^* 
che im Geiile diefer ^rahleriTchen Nation und felbft ik* 
rer Politik^ nicht anders, als im hdehften Oirade fikar« 
trieben feyn konnteo. Alle diefe Angat>en prüf^ der T«r- 
laffer nun auf*s genaue Ite, und gewinnt am Ende, dardi 
einen wirklich fehr fcharffinnigen , auf die tielfte Lab« 
deskenntnifi gegründeten Calcul, folgende Refültale? 

Bevölkerung, Die Mifiioiiare gaben fie im J. 174^ n 
130,^65/475; der Pater Mienßein 1761 %n 198,214,552, uad 
die Engländer 1794 tu 333,000,000 an. Der Verfeüier ift 
übeneugt, dars China verhäUinfsmäfsig nicht ftärker bt« 
Tölkert ift, als Frünkrtieh^ und will nicht mehr als ifiO 
Millionen für dm$ Maximum augeben. 

B^waffngtß Mßchu Infanterie: 570,0001 Cavallerier 
943,000 Mann. 

l^künfu. Hierin weichen nun die verXehiedenia 
Angaben am allerftärkften von einander ab. 
Der P. Trigauh im Jahr 1587 giebt lie 

^u .' ido,poo,uoo Urr. 

meuhof 1655 . . . ' . . 832.000,000 — 
DerV.Ma^alhensie^ . • ^* 282,000,000 -^ 
Der P. Le Comte etwa zu gleicher Zeit 288,000,000 — 
Die Engländer 1794 • • • i,4S5,ooo>ooo — 



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Üef^ VerfalTer führt Ge detaitlirt, und nach den von 
ihm angegebexieii Gründen fehr glaubwürdig folgender 
Mafien auf : ■ \ ' 

Z^ Folge eines Edicts von 1777 beträgt die H&lfte der all« 
gemeinen Abgabe in baarerMünze 206,955,000 Livr« 
fiben fo viel als andre Hälfte in natür- 
lichen Erzeug« iireit . . . 1206,955,000 — 
Der zweite Zehnte , welcher im Süden 

in Natur erhoben wird . . 161,320,000 *• 
, Die Zollämter bringen für Salz , Koh- 
len u. dgl. ' . . . . . 48,0.17,670 — 
Die Abgaben der Handlung in iTanton . 6,0OQ|p6o -— 
Abgabe von Seide, und allerhand Stof- 
fen, Hrnis, Forcelain, Bifam 
u. dergl. . . . . • " 50,000,000 — . 
Abgaben der Krämer und Handwerkar 

als folche ^ . . . ^30^000,000 — 
ZuXammen 7091277,670 Livsr« 
Beinahe diefe ganze Summe fliefst in die öifeutlichei^ 
CsITen, i^dem der Kaifer fad einzig und allein von fei^ 
ne^ lehr anlehnlichen Domänen, den Einköpften fein^ 
Pr{?at- Viehzucht, und von den reichen Gefchenken, 
welche er erhält,, lebt. Der VerfafTer fchlägt dies Alle« 
IQ etwa 100 Millionen an,,^ie demnach für das ^aus dea 
Kaif^rs jährlich aufgehen. ^ 

Die Staats aus gaben hat der. unermüdlic^he Fleifs de^ 
%nm df Guignes gleichfalls berechnet. Sie find nac^ 
Ainam D4ttkü folgende: 

Bezahlung der Mandarine, der hebern und niedern 
Staatsbeamten, fowohl der bürgerlichen 

als militairifchen • . . 57,523»ooo Livr. 
Koften für 600,000 Mann Infanterie . 162,000,000 — 
Kofienfür 242,000 Mann Ca vallerie . 87,120,000 — 

Remonte der Cavallerie in Pferden , 3,630,000 

Uniformen für das fämmtliche Militair 25,260,000 — 

^^•S^n 6,315,000 ~ 

Die Marine . . , . , 100,000,000 -^ 
Die Cauäle . . . . , , 30,000,000 — 
Die Ports, Artillerie . . , 28,r75,<X)0 — 
Zufamnlen in runder Zahl 500,000,000 Livr. 
N 2 



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Dielen Rei^Qungen ,su Folge kü^ue, nun ]#dM ^1^ ein 
Üeberrchufs ;d^jt Einnahn^ei^ ü))ef die ausgaben von melue 
als 200 Millionen heraus. Was mit dielem angefangen 
wird^ hatjdei; Veri[alTer nicht erfahren j^önnpn. £r glaubt 
aber, dafs derfelbe wohl in die Privi|tcaffe . des KaiXeri 
fliefsen möge^ wtjlche — unter folchen Un^änäen,— 
freilich fehr anfehnlich leyn mufs, ^ und ^^em geldarmen 
Europa wohl einmal halfen könnte, wenn eine .Ijeifier 
Mächte einen, wie Herr «2« Gwi^n^J glaubt, gar nicht fehr 
rchwierigen, Verfuc;h auf diefpn Staat machen woHte. 

Wyr wollen es an diefen A^uszügen genügen laÜ^j H» 
dem Lefer das Vergnügen nicht zu Ichmälern, das Inter/jf- 
fante felbft in diefem Buche aufzuluchen. Für den Zenker 
ergeben Geh aus den vielen Materialien dcITelben gew;ifi 
manche merkwürdige , und röllig neue Auüchten uier 4i^ 
Gnlturgefchichte , nicht nur diefes Staats,, Tongern auck 
des ganzen Welttheils , in welchem er liegt. Auf jedea 
Fall werden viele Irrthümet durch- diefesWerk widerlegtf 
indem es zwar nicht in angenehmem Style, aber mit deÄ? 
lieferer Sachkenntnifs und gefüi^derer Kritik gisTchrlöben^ 
ift. Die Nachrichten über di^ Pkilippinen, Isle' de Fronet 
n. f. w. haben natürlich nicht den Werth des Ucbrigea; 
indefs können Re uns doch, wegen der Seltenheit, mit 
welcher wir^das Neue über diefe '^rdgegenden verhehmeiij 
willkommen feyn. — Was den Atlas betrifft, fo habeii wir 
uns darüber bereits geäufiert. Die teutfche Ueberfetiuof i 
welche von diefem Buche bereits angefavgeta ift, mag 
dcITelben füglich entbehren. 



Journal d'un Vayage . dans la Turquie d*Jsii 
et la Perse^ fait en 1807 et igog. Paris/ 1809. fi» 

Der Titel diefer kleinen Sclirift von etwa neun Bogeo 
fcheint Etwas zu verfprechen , ' indem auch Ichon der g6- 



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finge Umfaag eitt - günftiget Vomrtlieil erregt; Hat mail 
it» etfte Blatt aber um^felilagen , fo ftöfst man auf eine 
|ans kurze Vorrede , ia welcher der Wcrth des Büchleins 
felhftgan^ treuherxig benimmt, und das Ganze für nichts 
weiter 9 alt die blpl^e 'Einzahlung einet Gouriert anegege« 
ben wird. 

/ 
Unter diefem Courier darf mai^iich aber keinen in- 
Taliden Hufarencorperal, oder einen bef<Srderten LeibjS» 
ger denken. Der Reifende und Erzähler ift Herr Ange dt 
Gardanne , Bruder des Dirifioni - Generals diefes Namensy 
welcher feit 1807 am Hofe^ou Teheran ^ in.Pcrficn, alt 
Grofs- Botfehafter von Frankreich lebt, und den er alt 
erfter Legations - Secretalr auf feiner Reife dahin be^ 

gleitetel' 

» 

Erwartet man bei Lcfung diefer kleinen Schrift nichtt 
weiter, als was^diö Vorrpdie verfpricht/ fo wird man 
feine Erwartungen oft wfeit übertrofFen finden. Herr Gar- 
danne geht gar nicht darauf aus, durch fchöne Befchrei« 
bangeA, Anekdötchen iind Schilderungen von Reifebe- 
rchwerlichkeiten die Theilnahme feiner Lefcr zu ge- 
winnen. Ihm iEt es hauptfächlich darum zu thun , künf- 
tigen Conrieren ihre Reife zu erleichtern. Allein ev 
giebt uns mituiUer Nachrichten, zwar nicht in vielen 
Seiten, fondern in wenigen Zeilen, aber von vorziigli- 
ckem Werthe. Bei al'.er Troctcnlioit det Styls Reht man 
dennoch, wie Alles aus einem gefunden j unverdorbenen, 
«war nicht mit KenntnifTen belafteten, Xopfe Itammt, 
und ma^ fich aus der iSedrängtheit und dem Verfchmähen 
•Ucr rhetorifch^n Künfte gern eine yorßellung von der 
ftarken männlichen Natur des Verfaffers machen. Diet 
find bei Reifebefchreibungen^ heitt zu Tage unendlich fei*- 
tene Vorzüge, tmd darum wollen wir fie dankbar fckätzen^ 
wo wirfie finden. . • 

Der Aufenthalt det VerfalTeTs Jkat nur kurze Zeit itt 
Tihtran gedauert. DefTen ungeachtet giebt er uns inan- 
derlei Naohridktaiiy welehe indeft weiterer Betätigung 
WcOrfeB, da fifii.«^^ lU ft&r T.Qn uofe^n bisher wgßnxm-y 



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]^4 ^^^ ^^^ ' R0€9nfiönen^ 

men^n Angaben «bweiclM«. Er theilt dat ganceE«ic1i te 
Fetb -^ Ali ' S^hmh in zelien ProTinieni und zwar lok 
gen de: 

j) Azerhaidjän — das alte Medien — welcbet fehr gal 

an^r-baut ilt, aber gäniHck des Heises ermangelt. 
3) Guilan, reich an Seide. 

3) Mu za n der an, 

4) Korajfan , Minen von Gold und 'Silber* 

5) Kurdißan, 

6) Irak' Adjemi, 

7) haurefian. 

8) Farfißan , urorin ScIuraaAind PerfepoUt. 

9) Kerman, 

10) Derhtißan, 

DieTe Provinien haben eine BaTÖlkemng v<on ao Mil« 
lionen und werden durch Gouverneurs regiert , woruatsr 
feohs Söhne des SchahV lelbft find. Dieler hat überhaupt 
dreifsig mtnnliebe Kinder, worunter der dritte Sobn, 
Abbas ' Mirza y welcher die perüTche Krm^e in G€orgu% 
gegen Rufsland conunandirte , und Teinl^n Si(s iu Tau» 
rU haty zum Thronfolger beftimmt ift. 

Ueber das Kurdißan giebt derYerfalTer folgende Naob« 
i^ieht aus den Papieren eines MilSonart vt)n Mofsul : 

„Die Entfernung diefer Provinz , inre Lage aiif bei« 
nah unzugänglichen Gebirgen, und die Wildheit ihrer Be- 
wohner haben bis jetzt wohl die nähere Kenntnifs derlel- 
ben verhindert.** 

,, Diefes Land liegt zwifchen den Grausen von Mefo- 
potaniien und von Perfien. Sein« Ausdehnung beträft 
etwa fünf und zwanzig Tagereilen in derLi^nge, und ze« 
hen in der Breite. Es theilt lieh in f (inf mahomedanifche 
Füritenthiimer, Berlis; Gtzira oder Botan; Antiditn^ 
lonll Badintin; Scheiklamerk , oder SßamLof und Kaf" 
racciolan, das wieder in zwei andre zerftUt, wovon das 
eine Baban nrit der Hauptftadt Solimanp das andre Koi* 
Sanfchak^ oder Soran heilst.'* 

„ Kurdißan macht %intn TheB det Taurtu • Öehirgi 
aus. Es befteht in nichts, ah aofseMrdtfntUch hahan Ber- 



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täeher - keeenfionen, 1^5 

|9ii, mit ThSIern von grofiter Fruchtbarkeit an Keift un<l 
Gemüfen, und fc1i8neti .Weiden. Die Berge lind roll 
Qall«Eichen und medicinalifcli er Kräuter, 'und nähren eini 
M^nge wilder Ziegen mit ungeheueren Hörnerti, und auch 
Tonftnoeh Fiele andere wilde Thiere.'< 

99 Die Fftrfteii regeren hier nieht in Br'hfoif« vom Va» 
ter tum Sohae. In am Familie derXelben bleibt dieWdrda 
twar immer; allein, wenn ein Thron erledigt ift, lo be^ 
aldOigt fioh tferMtttkigfte und KQhnfte defTelben.«« 

9, Die Sprache der 9^ohn^ ift perfifchen Urlpranga, 
aber mit Arabifchem, Türkifchem and Ghaldäirchem ftark 
?ermüj||it.'* 

„In allen diefen Fürft^nthUmem gtebt es riele DSrfer 
▼OB mehr alt 100,000 Bewohnern. Die meiften derfelben 
find Ntßorianer. Sie wilTen iron Kaifer Napoleon, und 
^den mit Bewunderung von ihm. Auch Bndet<iman vielt 
JoiobitsH und ArnunUnsr^ wejiche tlle ihre eigenen Bi-* 
(ch5!e haben. <« 

„Die Kurden find nnwi/Tend, trag, eigenfinnig und 
ftebifch. Die Chriften und Juden haben mahomedani- 
fche Befchiitzer, welche die gröfite Gewalt, nur nicht 
fil^r Leben und Tod, tibei' fie autüben, und denen Re Je- 
def Jahr eine beträchtliche Sumnie Schntigeld beiahlen 
MfifiTem««« 

Die Gel^ndtrchaft des Generals Gardanno iSt ^n$ ter^ 
lehiedenen Perfonen zutammen gefetzt, von welchen wir 
mit der Zeit genauere AufTchltifTe über diefe Oegendeii 
ehalten werden. Der Doetor Salvadcri fammelt über 
fein Fach , Naturgefchichte und MünzwilTeiifchaft. Eilt 
g^wiCTer Herr Lajard giebt ßch hauptfächlieh mit Minera4 
logie uttd gefchnitteneu Steinen ab. ^^Ji^ermänn, fkgt 
der Yerfalfer ganz naiv, ifi hejchäßigt, und weHh nuin 
Tagebuch etwas Merkwürdiges enthalt ^ fö vtfdank itfi iif 
Hefen Herren.^* Das ift imn feinen Lefem katärtieh «lejft- 
lich gleichg^hig, nur werden fich diefe ^uirdeVit, wMi 
ftr 8. 73. die Bemerkung macti^i ^^ervtrftiki einigt H^^rilt 
pfvfij^kj v^l filf aiglifth feyetU^* 



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lg6 Bücher - Reaenfion^i^ 

Diefer ScKrfft ift ein. Wörterbuch der itali^t^ifdieBi 
peirfilchcn und türkifcHen Sprachen iu. 52 Seitea. angß- 
hängt, welches, aufser feiner Kürze ,' noch die Merk- 
würdigkeit hat, daJs es -von Sr. Hoheit dem Fürften voa 
Georgien f Timurath Mirza^ verfafst worden ift. Ob e« 
dadurch gerade befTer geworden , wilTen wir nicht. In- 
delTen wird es blofs für den Gebrauch von Reifenden, 
welche kein vollüandiges Sprachfto^kim machen kÖnnti, 
!beftimmt> aufg^eßeben, und diefe nSbeu wenigftens den 
Vorth^ü dabäi , iich mit dielem WörUrbaoh» ni^ht. ßtrk 
beladen zu dürfen.. 



2. ' -' 

i^ettres Jut la Morde et les lies de CSrig^' 
Hydria et Zante, Par A. X. CAßrzt- 
LAN. Avec vingt ' trois deffins [de tAuteur, 
.gravis par lui-meme et trois Plans: — r (Motto): 
Et in Ar4:adia ego! — Zwei Theile. k Paris 
' chezv Agalfe, 1808. ,1. Part. jiö. IL Part. 156 
^Seitiöni gr* 8- " 

Der VcrfalTer fagt uns in feiner Introduction odtr 
yi^lmehr Vorrede, daf« er tu. der Zeit, als die firaniö- 
iif^hf repuhlicanifche Regierung, auf das Verlangen des 
Vürkifche^i Käufers, Officiöre , Ingenieurs , Gelehrte, 
^ünitler und Handwerker^ lyid dann auch einen Kriegt- 
taumeifter mit.^^iijen Gehülfen nach ConßaHtin^el, ab- 
gefchickt habe,, als Zeichner mit dahin gegangen fey. — 
Bald nacb,. 4^' .Ankunft diefer Franzofen in der türki- 
fchen JHaupt^ftadt tjf^^ten ü.inJftä,nde ein, weichte ihrp gawe 
Sendung vergeblich machten, und fie, rtöthigtert, bald 
wieder nach Frankreich zurück zu kehren. — Unfer Vf. 
lii*itztadiere,9eiegenheit, um über die Länder, welch« 
er dparchreifete» .fö weit feine Xchwachen, Kci^ntnüre za- 
reichten, (wie er Xchr befcheidea fich aijisdriickt,) Bß» 



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obtchttnigett lu. oiiachen, die- er an, Ort. Und Stelle, i^ 
Briefform niederlcUrieb , um dielen öenufs tu verviel» 
faltigen, unjd aucb die S^inigeu tjd^aii AntHeil nebmen 
zttlaiTeii; zu welchem Ende er auch näpli der Natur ge- 
machte Zeichnupg|en beifügte. , ' 

Was er hier in diefen zwei Thcileil dem Publicum 
davon vorlegt, iil nur eine Auswahl feiner Briefe un# 
Zeichnungen , in welchen et fich blofs auf Mojrca und 
einiga benachbarte Infein befchräpht, welche minder be- 
kannt iind, als das übrige GHechenland, >- Andere Rei- 
fen, die erleither machte, und neue Gefchäfte, 'dfe ihik 
oblagen, fo wie das von ihm Telblt übernommene Kadiren 
feinar Zeichnungen verzögerten die Herausgabe feiner 
Reifebemexkuugen; fo'dafs, da inzwifehen die fchitz- 
bare Beführeibung der Keife, welche Dr. FiuquevilU 
feitdem nach Mona gethan hat, im Drmske elrfchienen 
ift, uafer V^erf. iicU genöthigt fühlte, aus /eine»»» Werk« 
Alles das. wegLulalJCen , was. nur eine unangenehme Wie* 
derhoUi^g .gewefen wäre , oder ihn ;u den yerdacht eir 
aes Plagiats bätte bringei^ können. . . i .. ' : 

Er fetzt hinzu,' er habe als Maler beobachtet und 
folglich auch als Maler gefchildert, d. h. treu nach dqt 
Natur, wie feine Zeichnungen bezeugen können. Er hat 
keina voUftandige Befchreibnng der von ihm bereifcten 
Lander, liefern können, noc^ wollen, fondern bloti 
Skizzen. Seine Reife war zu eilig und fein Aufenthalt 
tn kurz, als dafs er lieh nicht hHtte begnügen muffet^ 
Blumen an dem Wege zu pflücken , den er reifte , um 
begünßigtere und kenntnifsvollere Reifende auf die reir 
(hen Aerndton aufmerkfaui zu machen 9 die ihrer ^ojpit 
«arten. — — . 

Dierf ift es, was der VerfaiTer uns vorläufig von fich 
uad fefueln Werke ragty#das wir nun noch näher be« 
itfiichten woHen. 

Der erße Brief (datirt vom 24. December i^) han- 
dfh von 4ar Abmfe des Verf» von MurftilU tm 80. De- 
«iiubec auf «ittvm törkifehui Sehiffe» ^atm drei]n«Q;^» 



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1^ Bücher • Rieen/ionen. 

|[ft]i Sdmdllfegler) und fktttirt äim Anficht der Mhrifehih 
tnjeln. 

Im zweiten wird die weitere Fahrt auf dem Mittel« 
meere l^is cur Ankunft an der Infel Cerig» befchriebeii» 
Herr heffeps^ der berühmte Reireberdtreiber, war mit 
mut dem Schiffe , und durch feine Erfahrenheit im See- 
wefen wurde dafTelbe belTer geleitet, alt der unwillend« 
Capitain, ein Grieche, und feine zwei Bruder ^ die im* 
ner mit ihm uneinig waren , es thun konnten. 

Dia im dritten Uri^e jnitgetheilten Nachiicbten vom 
dier damals nach venetianifchen Infel Cerigo , und befon- 
dert von Ueberrei^n des Altevthums auf derfelben, ?oa 
den bis dahin unl^ekannten Katakomben u. f* w. liad 
fahr interelfant, und werden es noch mehr durch die 
liaif eftigiten Kupfer. Da • diefe Notizen aber meilt anti- 
f«atif9)^en luhalis £nd, fo kann hier kain Ausmg aoa 
4anf«lban Raum finden. 

i Der werte Brief enthfllh eine kurte, doch hier will- 
kommene Notii von der Stadt Napüli di Malpaßa, wcl- 
efae damals noch die auÜlnlien^ften Spnren d«r VerivÜ^ 
ftungen des vorherigen Kriegs an fich trug, und die 
Schilderung eines tiirkifchen Mittagmals, das unferea 
foantofen gar nicht behagte« 

Im fünften Briefe findet inan eine Schilderung der 
IJeberrefte alter, höchft merkwürdiger Feftungswerke und 
mn^ bafeftigten Landhaufes bai Napoli di Malvaßa^ mit 
itwai dazu gehörigen Abbildungen. Alltrdings fehr inte- 
reffant für den Dilettanten l 

Nicht minder niterelTant ift im fechfien Briefe dia 
Bafehreibung der Lebensweife der grieohifchen Hirten im 
Gebirge bei vorgenannter Stadt ,^ welche in völliger Un- 
abhängigkeit leben , noch gan% nach der Weife der Schi« 
fer, welche Theokrit fo tchiS^ gefchil^ert hat, geklei* 
det find, in FelfenhÖhlen wohnen, und gleich Naturkin* 
dem die einfachfte Lebensart führen. (Hiezu eine Ab« 
bUdung«) 

Dar m^tt Btief fkinirt dia Sitten 4er Tütthen tu Ka* 
püli di Mahqfia* .Ihr Qharü^tar ift, «üfezw Vevf. an 



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BBüher " Aeeenfio nen. t^ 

Mge« «in Gemifcif« von HochiAutk fmd Ni««lettdlch* 
tigkeit, Muth und Füklloßgkeitr — I>«r Verf. ävg«rt» 
fick fekr darüber , die Ke&e Yortrefflicher arolntttctonl« 
feker AUerthümer von flen Türkeir Eit geringen (MmUi* 
IcA angewandt und dadurch verdovlien «n febon. -- 

Im neunUn Briefe theilt der Verf. die antielietid» tni4 
gekaltreicbe Schilderung ein^r ExcurfiOn Ton der vorge» 
dachten Stadt in dag Innere von Mcr^a mit, worauf wir 
dn Paar Züge ausheben wollen. Jmß lehr foköne» eben« 
and fruchtbare Gege^id ill weit umher unangebaut und 
TOB Einwohnern verl alten ^ deren Wohnungen jetzt vor- 
fallen. Noch Iah unfcr Verf; hier au[j|er ander^i Obft- 
Bäumen 9 eine Menge Pomeranzen- und Oitronenbäume» 
die jetzt Niemand angehören. Bei einem v4>rmäls -fchö« 
aen, wohfangelegten, gegenwärtig; der Zerftörung; Preia« 
gegebenen LuHgarten , von welchem auch noch ein 
Springbrunn von ttirkifcher Bauart übHg ift -^ daa 
Gante bildet einen reizenden Aufenthalt— foefegneten 
onlere FranzoXen einem umherwandernden griechifchetf 
Bkflkelfänger und Hiftorten-£raähler, der ihnen hilblche 
Liedchen mit vieler Kunft vorfang, wozu er auf einer Art 
von Mandoline klimperte^ und nachher eine Qefchichte 
erzählt« y die er mit fo aufdruckfvoUen Mienen und Ge- 
bärden begleitete, daf» leine Zuhörer Ite betnahe, auch 
ohne Zuthun ihrea Dolmetfchers , verßandea. <Hie«ii 
•iae Abbildong.) 

Der cehnte Brief handelt von verfehiedenen Arten 
Ton tärkifchen Orabm&lern in der Nähe der mehrgedach» 
tea Stadt Napoli di '^abutßa ; mit zwei Abbildungen. -^ 
IHefem Briefe ift die Nachahmung einer nfugi^iechifchen 
Elegie beigelegt. 

Im eüften Briefe fpricht unfer Verf. Etwa« von der 
Voealmnftfc der Griechen , und fchildert mit Gefühl die 
^tte der griechifchen fiauermädchen , iioh Abende vor 
eiawln liebenden, mit einem Madonnen- oder Heiligen^ 
bilde gefchmückteif Capellchen «uf die Kaiee oi^delrzu* 
werfen und rühvende Lobgefängc «bzufingem 



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19^' Bücher.'^ Rtcenfiön4in.?^ 

D«r zwölfte Brief &a%\A\X die Nachvidit von dtf Verf. 
Abreife von ^apoli di Malvafia und Ankunft auf der la-t 
U\ Hydra (naoh Beauchamp unter 37* 20' 33'^ N. Br.), 
Yon welcher liier brauchbare Notisen, atit zwei Abkü-^ 

' duugen, 'mitgetkeilt werden. Unüere frantÖEfcben Ref- 
fenden wurden hier von den Strafsen jungen mit Steia- 
wnrfen empfangen. Sie ^kündigten lieh nach der Ur- 
lache diefes unfreundlichen Betragens, und man Tagte 
ihnen, die Hydriottn hatten einen unauslölchlichen HaIS' 
auf die Franzof^ pkorfen, weil fie von denfelben 
Ichlecht bezahlt worden wären, als fi o ihnen einft (wann?) 
bei grofser Thcurung und Noth Getraide nach MarfeilU 
gebracht hätten. -^ Und doch , fetit unler Verf. hiuiu, 
find die Einwohner von Hydria feit jenem Zeittsuncte 
reicher geworden, und' haben fich mehrere Schiffe, an- 

gefcbafft. Der Schilf scapitain wollte hier einen An- 

"ker kaufen, der ihm fehlte, und dagegen eine Anwei- 
fung auf Conftantinojyel gehen; aber die Hydrifften v^oM- 
teh baares Geld. Da- man ihnen vorteilte , fie war den 
fich durch diefe Verweigerung Verdrufe xuziehen, indem 
Re uns xu lange aufhielten, fo antworteten fie ganz troc- 
ken: ^ydas Meer ßeht Euch offen /^^ — Als man ihnea 
dann Tagte, Re würden für die Unfälle verant wörtlich 
£eytiy diu uns bei dem Mangel einers Ankers treffen kÖnn* 
ten, lo Tagten fie gana kaltblütig: „ Go<£ iß gut, er 
wmd Much geleiten i^^ Andere als folche lacouijjfne Ant- 

* Worten konnte mau nicht Ws ihnen herausbringen. 

Auf diefer Inlel findet man vortreffliche' Lebensmittel» 
aber in etwa» thencren Preifen. -^ -r- Die MydricteK 
find Wohl unter allen heutigen Griechen am wenigfteJi 
axisgeartet Sie find luftige, kraftvoll und thätig; anck 
leben üe in einem auffallenden Wohlüande. Ihr Handel 
ill fehr blühend; auch find Re beinahe Unabhängig, und 
bezahlen der Pforte nur einen geringen Tribut, ^'t 
liefern derfelben aber auch die belten Seeleute. — — 
SeinerSkizze fügt nun unfer Verf. noch elhe kurze SchiU 
(Terung der Infel Hydra und ihr^r Bewohner aus einer 
Abhandlung des griechifchen Atztes Co.ray bei , der nun 
in Paris anftifig lÄ, welche im Jahra 1803 unter dem 
Titel: Mimoirt für Viiat actuel de la eiviUfatien dt It^ 



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g^RTorden iß. Da eine zweckmSfi^ Xyearbeit«te U^^ 
letzung all^r^diefer i^ntciellanl«^ [Nachiachten nÄ^ften» 
erlcheint j i^id di^ Schüd^ruag der InTel Hjrfi'a,.bcrpiiy 
in dielen A. <?! E. (XXVIl. B, Ö..236 t) xnitgetheiiti^X 
lo wäre ein weiteirer Auszug ai;s denfelben hier ^^n^y 
überflüffig. " , , '.,*'.,*,,'?* 

Der rfmzcÄnfe uii.d letzte Brief des erften Thcils^.^lul- 
dert kutz lind etwas flüch^:!]» die Anfiöhten des. Attifchen 
'üehietes^ des Vorgebirgs Sunnium vind des dortigen Mi^ 
nerven^ Tempels' von der See aus geTehen ; denn uniero 
Keifenden I^amen hier nicht ans Land. ' " 

.1 -Der zweite Thitil.heginnt'mit^'ekiQm Av€ttiff^ment\ 
worin der Verf. ficlu wagen der Xifiök« entCchiUdigt, die 
fifih xmlehen dem SekltdlBe leinef erl^n Thsili, d^.f[«& 
Mit der i^aveile nach- Confläntinipel endigt,*' 4inti difilfc 
Anfange, de« zweiten. he£iM!et,^ w&' fühon Benierkt(»^ei#, 
die auf der IVückreife jgemacht worden find , mitgc^theilt 
werden. I^ie ürfache ift, weh er lieh vorgenommea^ 
&atte, in diefein WerkcTien blöfs von Morea uhd'denau£ 
dfem l^tel genannten Infein zu fprechen. 

Er fagt„dabei, dafs er mit feinen Gefährten die Ge- 
legenheit, auf einem Schiffe, das eine Compagnie leich- 
ter Iranzöfif eher Artillerie, die afs Lehrmufter nacti Con^ 
ftantinopH gefchickt worden , nach Frankreich zurück- ^ 
^»Tadite, die Rückreife anzutreten benützte;, doch; wallte 
«r fich in der Gegend von Athen an'sJLand fatzen lafTea, 
um Griechenland näher kennen zu lernffn; hierin. gieng 
u ihm aber nicht nacli Wunfche; das Schiff lief in Co^ 
ron auf Mprta ein, wq er mit feinem Freunde dem Stra- 
IfOlbaumei^er {Jn^Snieur des Ponts^ et Chavjfdes) LeveilU 
•HS I«and ^ieng , und eine Strecke yon ikfor^a hereijfte^ 
Ej bedauert , dafs er, bei diefer Arbeit der riülfe feine« 
^«ttalige« Gefährten entbehren mufste, welcher fchätz- 
ijure Notizen über die bürgerlixiHe Terfaffung • und über 
di^ Ifatui^iiftorie von Morea gefammelt ,' auch von da 
•lue Sammlung von feltenen Pflanzen und Infecten mit- 
fllvacht hat; nun aber bei dtva Baue des OureqcanaU 



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0O§M C^hv ]i«feiaftifl la, aU il^Cl «r^nnftritt Verf. UKlr 

Der vürzehnte Briefe ( datirt ^bron vom 18. Junini 

1^97) handelt Tön Mörea überhaupt, wozu auch eine röii 

' Barhii'-du'Bocdge beigefügte grofte Anmerkung und eittt 

Imdere Ton Btrmont^ gehört» kurx, doch guty und ent* 

hftlt auch einen Blick auf den Archipel. 

pie in dem fünfzehnten Briefe mitgethieilte Skitu 
von der Stadt Coron (mit Anficht) ift allzu kurz. Wal 
von der ttirkifchen Unjfiliz gefagt wird, ift empörend^ 
auf ein grundlofei Gerüchte werden Unlchuldige in Fe(* 
fein gefchlagen, um einen Vornehmen aufser Verdeckt 
,«U bringen. Die von ,dem frantdfi£ehen OeBeral-Genfoi. 
dfi Btrmonk im M^reQ onlerm Vejcf. autgetheÜten Bemef^ 
kuagen über die Mmnoten , welche den Schluf« diefei 
Briefes aufmacbtn, fi»d felur £chllttbary obgleich att«k 
io k«is« 4a£i lie oicht wohl einet Auszugs fähig find. 

Der fechszehnte £ri^ fchildert den Befudi, d&n dtr 
Verf. mit Hrn. de Bermont bei dem Bey von Cor4>n mächtig 
und den pantomimircben griechilchen Tai^z, den er bei 
diefer Gelegenheit aufführen fah. ^ 

Im ßehenzehnten Briefe fpricht der Verf. ganz kan 
von dem Siroeco^ und von der HeilTamkeit des Seebadet« 

Der achtzehnte Brief enthält die ebenfalls kurze Nach- 
richt von einer Excurfion auf das Land in die £bene voa 
Nijfy und nach dem L^ndgtite d^ Bey, wo der Verf. iä 
dem Garten eine neue und finnreiche MaTchine, das 
Waller aus einem Brunnen zu fchöpfen fah, die er andi 
abgebildet hat. Die Art, wilde Enten bei einbrechender 
Nacht durch Fackelfchein und Glockengelfiute anfzu* 
fohrocken, und dann in Sacken lebendig zu /ange% 
möchte wohl i^och wenig bekannt*^ feyn. Das Fifchea 
mit Lichtern und Fifchgabeln iit fchon bekannter. Eine 
wilde Ente koltete hier nur 3 franz. Liards öder unge- 
fähr 3 Pfenn. fachf. — [ ^ 

Im neunzehnten Briefe erzählt der Verf. feine Abreife 
zu Pferde von Craton nach Motion t wo er bei Nacht vor** 



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M vite^ uail fein« Abenteuer infd^rclbfeti; er §chiU 
dert ein Sommerlager der griecliifcheii Nomaden muf Mo^ 
r$a^ und theilt die ErsSHluag einef alten QriecJ^e^mitf 
welchen er in jenem JUagec traf^ 4« hfifiSi den Kiieg 
fon'f77o, ,'., . . .•. " . ' ,'\ 

' ^ Deir zwdhtlgßt BrrtfmeldtriAie Pottfettung ä6r HeiTe,' 
Ite Ankunft In einer Höhle, die deii Hirten 2nr Winter^ 
Wohnung dient, und die Entdeckung der Ueberrefte ei- 
nes kleinen elten Denkmal». Die Ebene von iVat^orm und 
Anblick diefer Stadt mit einer Anficht. 

■ i 
Im ein und zwanzigflen Briefe wird die Stadt Navarin 

mit der umliegendim Gegend kurc , doch ziemlich befrie* 
digend gelöhädert.' 

^ Der y«r|, bf^pjice^t im ^u^i und zwanzig/an ^f4e^€^ 
Xfiiie ffei^er^y Keile» ^entheiier.) er vrar einÄ nail lei*} 
i^en Gefährten in G^ahr h^i NfiQhti Aon Räubern über^t 
üllea lu we^depi^idie ßcl| jedQ«^ noch turöcklchröchem 
lieTsen. — Die furcht vor Käufern i^ Schuld,. daDi ia. 
Morea ?ie{e (chöne Strecken Landes unaagebaut liegen. -^ 
Eine wandernde albaninfche Familie, die unlerm Verf. 
^9g€gn6tef ga)> ihm Gelegenheit, ihre Kleidungsart zu, 
befchreiben und abzuzoichnen« — Ai^unft zu Philat^f > 
lebft einer Anficht diefer Sudt. 

Der drtiund zwänzigfte Brief enthftlt fchStzbare Nach- 
richten Ton Philätrea und den Einwohnern diefer Stadt; 
reo einem dcvtigen Mönchsklofter, und von der uhilie« 
fendea Gegend , fo wie von einer Ei^curfion in Ar» 
l^ie^. — Die Kleidung der Griechinnert, bemerkt unf er 
Yerf. , fteht nur jungen ,, höbfchen Frauenzimmern gut« 
Bis Notizen von den Arkadiern find fehr interefifant. 

Der vier und zwanzigfie Brief giebt einige Nachrich- 
tfn von der Küfte von Philätrea und bcfchreibt die üe- 
berfahrt von da nach, der Infel Zante, '^ 

Der fünf und zwanzigße Brief enthält eine ziemlich 
int^relTante , doch nicht ganz neue Schilderung der Stadt 
Zonte (mit einer Anficht) und ihier Einwohner, Hier 
wird auch titke Notiz von einem griechifchen GeilUiche 



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initg«|tli^lt, 4«^, , wigl-^f^h pjiphtf^r ; Hnfikex , und Ma« 

'■ Im 'fechs Und zwaniigfien und lötlten Briife gieVt 
mis'äer V^rf. einö ktirz^J*Äei^'wiiirtpeiTaiite NÄcKi-i^ht von 
reiner R«ife in das Innere de« InXel Zantt tu d'cir;^fefd- 

digendi;gefchiM?irt iW^i^den. — Z^^ ^^ele^ Zeit (;;f.^Iim, 
1797) , wurde . die JnfeJt.Zanfji? von den F^an^q^n in VfiBX% 
gcn^cnimen. — 7 Uute^V^xf* i^ BegrifiFe, mu;h.Imlwi 
üljerznfcliiffen, fchlierst h^ei; XeüiQ 3je%l^emf]r}mFlg«i^ un^ 
leine Briefe. 

. , pipr? Brjcfe %4^wirkUc]^ £utge(;ß)|i:iebjeff:,. piJw^XnSv* 
JntereiTant, wenn iicii fckon manches llf^i^^tige,,^^'' 
che upnöthige Abfehweifnng , «mandie überfiüfiige. JD«- 
ciathWlion >nit eiugeiÄJfcht Ba*^ diiTfe^ ilMiieiJÄüsvfüyhre, 
dift JefA«*n' fri^iz«*lf elfcen aeifebejfchrQiier ' u^ '£• weniger 
übfel gewftmnien Börden dürfen, tla ni^n^aef^ febch'w^tf 
«idelnsirSrdiger* bei-iÄäncllen t^utlfeheii SfeMiftftetlfcW 
xählt, ^ntftellen Jedoch idks XJ&irzc gar'äichV, dlls, weifti 
fchon die hübfchen Zeichnungen veil Atificht<>li , Vdlks«* 
trachten und Sitten eiilen Haupttlieil ' d^fl%lbett ausW 
öhen^ nichts dcHo wejri>ger auch ohnÄ fie %iiie bunte, an- 
flii||pende Galen«' w^h abwechfelniJen SkilteA ia, die 
überdies manchen neuen Stoff für den Geögraphcfn ntftf 
Ethnographen enthalten. t~ Ein teutfch^r Bearbeiter 
wirdUdas Werkchen ;^hörig i^u bejjiandeln willen^ untlg^ 
n^n Werth für den. Kenner noch mehr zu jexhÖhen* 

Die beigelegten Plane eines *rheiis der Infel tmgi^ 
und der (Rhede von Napoli d'i Mälvaßä hat Barbu-dUi' 
Bocß^e gezeichnet. * -^ • *" ' 



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Bücher - BLecenß^nen. 195 



EffM politique Jur le Royäume de la Nouvelle* 
^jspagne^ pax AL de Humboldt. Parii, iSog, 
chez Schoell, et Tubingue cli«z Cotta I. et IL 
Livraison, XLATIII und 174 S. in 4to. Avec 
«n tulas geographique et phjrßque^ tonäi für 
der ohfervatioBf aBronomiquet, de« mernrea 
trigonom^triqnea 1^ des nivellemem bavem^ri» 
ques. I. et II. Livrahon in gr. Polio. (^Beides 
als dritte Hauptabtheilung der Reife des Hrn. 
AU von Humboldt und AL Bonpland^ (Der 
Preis: iß la Rthlr. 16 gr. jede Lieferung). 

Bilt dem erften Bande der erften Hanptabthoilung 
diefer bBchfl merkwürdigen Heile , mit dem Tahleau 
phyß^ue des rtgiuns dquinottiales ^ haben wir die Lef^ 
imferer A. <t. & fchon Seite 22? und 453. Band XXIII. 
r. J, r8e7 ausführlich bekannt gemacht. Von den feit* 
her erfchienenen Hauptabtheilungen der Reifebefchrei* 
blitig greift nun wieder die gegenwärtige xunacbft in 
iat Fach der Geographie ein, und fordert uns auf, ei* 
aren grofsen Theil der Freunde des geographifchen Stp* 
dium«, die den köftlichen Genufs der Lecture de« then* 
tni Werkes felbft fich überhaupt nicht, oder doch nicht 
Agleich verfchaffen können , mit dem äufserü reichhal''* 
tigen ( altere Angaben mannichfach berieh tilgenden , und 
die Summe nnferer KenntnifTe vt>n jenem merkw^digeu 
Lande aulkerordentliph erweiternden ) lubaltt' dellelbea 
ekenftiHs in Bekanntfchaft tu fetzen. 

Um den inneren Drang der Dankbarkeit gegen Seine 
Majefti^t den K'önig Carl IV, von Spanien^ der 
iei Hrn. VerfUlTers Reife in Jenen Ländern möglichft be* 
fünftigte, auch Öffentlich «u erkennen m geben; fo iA 
diere den Staatsmann Torzüglich intereffirende Abthei- 
Inng der Reifebefchretbung dielem« obgleich nunmehr 
im Rniteaande lebenden Könige gewidmet worden; und 
A. O. E. XXV in. Bus. 2. St. O 



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j^ö Bücher •Retenjii>nen. 

empfangt in der Oedication aucB das Miniftennm iu 
fpanifchen America und die füdamericanifche Nation den 
g^bürenden Dank für die dem Hm, Verf. gewährte edel- 
möthige Aufnahme. 

Da ein möglichß richtiger Atlas, die erfte (TTundlage 
aller geogiraphirch-IUtißirchen Darltellungen, nothwendig 
iTt; fo beginnt auch der Hr. Verf. fein Werk mit einer 
(XLVIH. Seiten einnehmenden) geographifchen EinUi* 
tung; worin er nach feiner gewohnten Gründlichkeits- 
und Wahrheits - Liebe Iowohl ron allen den Hülfsmit- 
teln^y die er bei Entwerfung und der detaillirten Aus« 

^führung der zum Werke gehörenden Charten benutite, 
fo wie von der vorangegangenen Prüfung jener Hülfi- 

« mittel , als auch von der Art und Weife der eigens an- 
gebellten Beobachtungen und Meffungen, und den ver- 
fchiedenen Graden der ZuverUUBgkeit derlelben fi.echea- 
ichäft giebt. 

Nach der Berichtigung fo vieler^ xum Theil &u£iserft 
grofser Fehler der bisherigen Chargen von Nei^fp^inUnf 
iil Hr. V, H. doch belcheiden genug, zu erklären: feine 
^ Arbeit erwarte von der Zukunft noch manche Verbefie- 
rung; zur Zeit werde folche aber unter allen die beße 
feyn. (Auch vr,ird lie manches Decennium hindurch wohl' 
noch die belle bleiben ! ) 

• Die iiocalbefiimmnngen von und in Neu - Mexic^^ 
dem Gouvernement Cohahuila und der Intendantfchaft 
von NtU'Biscaja können zur Zeit faft nur auf Zeitmalse 
von Tagemärfohen gegründet werden. Auch über die 
Länder nördlich von Durango gewährten die vorgefun- 
denen Charten Zeichnungen keine mathematifche Gewüs- 
heit« Genauer unterfucht und beftinmit (felbft snm 
öfteren ^vermitteli^ aftronomifcher Beobachtungen) ift 
das Innere von Mexico ; nämlich die Ländererftreckun- 
gen zwifc^heu den Häven von Acapuico und Vera^ Crut^ 
und zwifchen den Städten MexUo und Guan^^xuato. — 
Da nun die vortrefQich eingerichtete und gut befetzte 
Bergwerkt - Akademie zu Mexici^ gegenwärtig viele itt»g* 



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Bücher - Mecen/ionen, 197 

KitlreKiflüker Bildet^ und auch die königliche Marine 
Towo^ k^nntnifsreiche, als geübte Mathematiker befitzt, 
und auch mit InArumenten verleben ift; fo hat Hr. v, H» 
künftigen Beobachtern und Rectificatoren die noch ge«^ 
naaer «u beüimtnenden Gegenden und Orte, und die 
defhalb au unternehmenden Reifen im Inneren des Lan« 
des, desgleichen die Art der anzuftellenden Beobachtun- 
gen, und die Verbindung der verfchiedenen Arten von 
Beobachtungen mit einander, angegeben, um tu ganz zu« 
virläffigen Refultaten gelangen zu können. 

Die Befchaffenheit des neufpanifchen Bodens aus 
weit geftreckten Ebenen mit zeritreuten weit über folche 
bervorragenden , . aus grofser Ferne ficbtbaren Berggi- 
pfeln , erleichtern dafelbft mathematifche Beltimmungen 
der Ortsentfernungen gar lehr 5 )a jene Gegenden lind 
iosbefondere vorzüglich dazu geeignet, die genauere 
MeiTung einiger Breitengrade an der nördlichen Gränze 
des heifsen Erdgürtels dafelbft vornehmen zu können , 
was gar feHr zu wünfchen wäre. — Die Zeiten, wo die 
fpaniTche Regierung ein Geheimnifs aus ihren VermeC« 
I^gshcf^ininiungen machte, find vorüber; mit der unp 
zoröckhaltendften Offenheit ift es jetzt erlaubt, Land- 
and See- Charten ins Publicum gelangen zu lallen. 

Da die von Hm. v. H, neu entworfene Charte von 
Neufpdnien die Lage vieler Städte, Ortfchaften, Häven,^ 
Berge und Bergwerke, Plüffe etc. um vieles anders an- 
gi^, als ältere Charten, z. B. die von Arrowsmithy und 
f«i|^ Auders als die älteren einheimifch americani^chen, 
xaai Theil noch ungellochenen Charten; fo hat der Hr. 
V«^ jene älteren unrichtigen Ortsbeltimmungen , und 
fti»e «tgeuen yerbefferungen in der Einleitung angezeigt; 
damit 4IHU1 wilTe, dafs er nicht ohne Grund von jenen 
ältereit Angaben abgewichen fey. Da jedoch diefe Charte 
felhft noch nicht im Publicum er fchienen ift ; fo verfpa- 
ren ilHr die Mittheilung diefer von Humboldtic\\en ver- 
beHerten Ortsbeltimmungen , fo wie der Art und Weife^ 
wi« Mche genauer beftimmt wurden, um Xo lieber bis 
zur BKlcheiuuufi der Charte Dtlbft; alz ohne dies lohen 

O a 



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198 \ ^Svher - Rgeen/ionwn. 

die beiden Lieierangen au gegenwärtig mi^ntSieilraden 
Gegenftänden noch Überreich find. Einftw eilen folgt hier 
die Anzeige , was für Charten und Zeichnungen der Adas 
von N€u/pani:n enthalten wird, und wat davon in diefen 
beiden Lieferungen fchon erfohieneli ift. Der Atlas wird 
fnthalten: 

i) DI« Geatval - Charte dfs- Ktoigveifilis NmüpanieB, 
entworfen naoji Maais^abfi aftronomiMier Beobaeh* 
tungen, ungeftochener Chartenzeichnnngeni and nadi 
. Anleitung Ton iE|ntfern«Migi«Verhültni£ren nach Tagt- 
aiftrfehett und nach ZufandmenAeikmgett aas allsa 
1804 in der Hanptftadt Mt^ito au%ef undenen gedmdb 
tMi» fohariftliehtn und mündHeliett Nachrichten. 

2) Eine Charte des/ Landes Mtxico und der angritnieB- 
den Länder, welche die weltlichen Grenzen Ton 
Ifcuißana und den vereinigten nordamericanilcHen 
Staaten darHellt. 

3) Eine Chart» Tom-Thale von Mexico oder den altsa 
Tgnccktitlam^ mit der Bergkette, welche die Hoch* 
ebene von ilna^uec umgiebt. ^ 

4) Eine Charte, welche die 9 Strecken darfteilt, für 
welche man Entwürfe. %n einer WalTer- Verbindung 
swiXchen der Südlee und dem atlantischen Ooean ge* 
macht hat« . ^ 

5) Charte von den Gegenden * unmittelbar auf dem 
Wege von ^capulco nach Mexico. (U^ mit der zwei« 
ten Lieferung erfchienen. ) j 

6) Charte von dem Wege^ der von JUirctcosiaeh Onrangs 
führt. ( Ift mit der zweiten Lieferung eitfchietten. ) 

7) Charte von dem Wege, der von Durango nach Chi» 
huahua führt. (Ift mit der zweiten Lieferung er- 
fchienen. ) 

8) Charte yon den Erftrecknngen , durch welche uv 
mittelbar der Weg von ChUtuahua nach Santa' Fi 



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ISnll» (Ift mit der xweiten Lieferaiig erfcliieneD; 
und befinden fich letztere drei Charten neben einan- 
der auf eineuk Kojalbogen. Die Meridiane und Paral» 
Meiiy unter welchen die Hauptorte liegen, find ge« 
nau angegeben, und häufig die Hdhe fiber dem Meere^ 
felbft bei Dorfern angemerkt; Bergwerke, Militair- 
poßen, Stationen find angegeben , die Art der £e- 
Itinunung äer Lage angezeigt eto. ) 

9) Charte der Tergrölserten Darftelhing d»f Sftliehen 
Theils Tou NeuTpaniftn, ^^n der'Boohebeite an^ auf 
welcher die Stadt Mexico. liegt, bis an den üaren von 
Vera'Cruz^ (Befindet fich bei der crften Lieferung* 
Gewährt ein lehr genaues Bild des Landes. Von vie« 
l#n Functeu ift die Höhe Über dem ^lEeere beigefügt; 
und verfchiedene Zeichen geben an, ob die Lage 
durch altroliomifche Beobachtungen, eder durcbtri« 
^nometriTohe MelTung beftimmt worden, ift« Rieh«, 
tnng und Form der höheren Bergrücken mit ihren 
Yulcanen j welche die Hechebenen bekränzen , fe wie 
die Hauptftralsen find genau angegeben* 2^ichnttnf 
und Stich find rnuiUrhaft.) 

10} Skizsirte Charte, welche dfe früheren falfchen An- 
gaben Ten der geograpliifcken Lage der Räven Fe re- 
Cruz und Acapulco und der Stadt Mtxieo darfteilt. 

11) Flau des Habens iron Vera^Cruz^ (Ift bei der erfiea 
IdeferuBg erfchienen ;. utft>rünglich irom fpaniTcheu 
Schiffs capitaiu Bsrna^do de Ona au%enomm«n und 
entworfen und yon WittUh um die Hälfte des Ori- 
ginals verkleinert woxden. Er zeigt aufs er der Stadt 
Vtra^Crim^ die Ktlfte und das Foart St. Juan de 
Ulua in der See felbH, welches deu Haven deckte 
dUnn den Hayen mit feinem Moloj die irerfchiede- 
aen Kichtungen zum Einlaufen in deii^ Haven, die 
Untiefen der See, und die Walfiertiefe nach mehr- 
fachen Richtungen rings itm den Hayeu durch Zah* 
len ausgedrückt. Sodann einen Aufcifs rön der An- 
ficht des I^andes mit Benennung der rorzüglichfteu 
Höhen für Schiffahrer» die fich der Xüüe uäherju 



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90O Bücher - Rece nfi o nen. 

Zur Seite aucli noch die neuefte geograplnfcfte Orts« 
beltimmung von Vera ^ Cruz ^ (=190 11' 52" nörd- 
licher Breite, und 6^ 33' 56^' Länge, weltlich Tom 

'Purifer erften Meridian) und Angabe der pkyficali« 
fchen VerhältnilTe der Gegend, alt der Temperatur, 
der Ebb« und Flut etc. ) — . ^ 

• . (■ 

t2\ Profil- Aufrifs Ton dem öftlicben Abfalle der Hoch- 
ebene von Neufpanien, und die Richtung und Be- 
fcbaffenheit des Weges von der Stadt Mescicö nach 
Vera' Cruz durch Puebla und Xalapa, (Befindet fick 
bei der ^weiten Lieferung. ) 

13) ProfiUAufrifs von dem weftlichen Abfalle der Hoch« 
ebene Neufpaniens, und die Richtung und Befchaf- 
fenheit des Bodens i|uf dem Wege von Mexico nach 
Acapulco, ( Befindet fich bei der erften Lieferung. ) 

X4) Profil * Auf rifs der Central • Hochebene des Gebir- 
ges von Mexico zwifchen dem I9 und 21^ nördlicher 
Breite; ftellt zugleich Richtung und J^elbhalPenheifi 
des Bodens auf dem Wege von Mexico nach Gua- 
naxuato dar. ( Befindet fich bei der erlten Lieferung» 
Die nähere Zek'gliederuug und Befchreibung aller 
drei Profil - Aufrille Werden nachher gegeben wer- 
den.) — 

15) Profil- Auf rifs des Canals von Huehuetocay der die 
Stadt Mexico gegen Ueberfchwemmungen fiebert« 

16) Malerifche Anficht der Vulcane in Puehla , die eine 
Höhä von 16,626 Fufs und von 14,730 Fufs über d^em 
Meere erreichen. (Befindet fich ^ei der erften Liefe- 
rung. Ift 13 Zoll lang und 4 Zoll hoch, vortrefflich 
gearbeitet, von Arnold geftochen, die Landfchaft ift 
hellbiefterf arbig; die oberen in Schnee gehüllten 
Theile der Vulcane .find WeiTs gelafien« Die Anficht 
ift von der Stadt Mexico aus gefehen. Die Charte Nr. 9« 
erklärt diele Lage.) 

17) Malerifche Anficht des Yulcan's Pico ^Orizala^ 
oder d9» CitlaltepetVsf der eine Höhe von 16,302 Pult 



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Rüeher ^ Reeen/iotten. soi 

fiber 4em Meere erreicht. (Ebenfalls von Arnold ge- 
ßochen. Cölorirt wie berm w>rigen Bilde. Länge 
nar S^ZoU, Höhe 6 ZoU^ befindet fich bei der erften 
Lieferung. ) 

18) Plan dei Hav^ns von Aenputco^ (Befindet fich bei 
der zweiten Liof'erung. Ift aufgenommen und ent- 
worfen 1791 von fpanifchen Marine- Officieren. Mati 
erkennt auf den erlten Blick die unendlichen Vorzüge 
diefet fchönen weiten und geräumij^en tief einge- 
fcbnittenen fieberen Havens , ohne Untleten.; vor je- 
nem blofs zur h5chften Noth erkünftelten von Vtra" 
Cruz. Die Unebenheiten der Küße find fchdn drirge- 
ftellt; Verfehl edenheit des Ankergrundei durch Buch- 
ftabetty der Tiefe des Walters aber durch Zadlen be- 
zeichnet. Die nenefte Ortsbefiimmung von JcapuUa 
ift = 16*^ 60^ 29" nördl. Breite-^ und 6h 48' 24." der 
Länge [weM. von Paris}, Andere phyficalifche Ver- 
hältnifle der Gegend find noch^iefondcrs angege* 
ben.) — 

19) Skizzirtft Charte, welche die verfchiedenen Wege 
darftellty aufweichen die Keichthümer an Metall aUs 
einem Gontinente dem anderen zuQielsen. , 

20) UmrilTcy welche den Umfang Nsufpaniens und der 
Intendantfchaften delTelben darftelleu.. 



Wir gehen nuniu«hr «um gtographifch ^ ßatiftifchen 
ßemäld^ von Neu/paniert felbft Über. Der Hr. Verf. kam 
9rh im März 1803 nach Mexico; nachdem er fchon die 
Provinz Caracas, die üferländer des Orinoco und des 
Rio -negro/ Neu 'Granada, die Gegenden von Quito und 
die Kfiften von Peru bereift und unterfucht hatte. Aeuf- 
ferft auffällettd war ihnk daher der hohe Grad der Cultur 
▼Ott Neu > Spanien im VefrhfiltffifiTe zu den Ländern, woher 
er kam. Dies erregte feine Wifsbegierde um fo mehr> 
und er war glücklich genug , während eines einjährigen 
Aufenthalts , doch fo viele Data fammeln , prüfen und 
prüfen lafTen zu können, um eine fa vielfache üeber- 
ficht zu liefern, wie man in gegenwärtigem Werke fin» 



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«08 Bücher * KtCBnfiünen. 

det. Sclioii mehrere Jalire ToVher hatte der Hr. Terf. Kf- 
feutliche Actenftücktfn über Neu-Spanien gefamineh; und 
nun fand er glücklicher Weife im Lande felbß; eine grofte 
Anxahl handfchrifdicher, Auffätfe , die er mit den fiüher 
gefammelten Angaben verglich , und %uerß in fpanifeher 
Sprache, noch im Lande felbft den erßen Entwurf zu ei« 
ner geographifch ^* ilatiftifchen Schilderung deHelben nie- 
derfchrieby und Gopien davon vertheilte, die vorsiiglieh 
bewirkten, dafs der Inhalt von unterrichteten Männern 
»och vor det Hrn. Verf. Abreife geprüft, und wo es nd« 
thig.war, berichtigt werden konnte. Ja das fpanifck* 
americanifche Miniilerium intereIHrte fich felblt dafär| 
und nahm manche Darßellungen , die 4aa Handels- und 
Fabrikwefen beti'efFen, in reiflichere Ueberlegung, und 
erliefs darüber neue Verordnungen. Lücken und Irrna- 
£en, die bei aller angewandter Sorgfalt dach noch hier 
und da Statt finden mögen, können nur durch fleifsiget 
Nachforfchen unterrichteter Inländer mi^ der Zeit Ver- 
beHbruiigen erwarten. 

Der gefammte Inhalt des Werkes ih in' ffchs Baupu 
m^fchniitt oder Bücher vertheilt. Das erße Buch giebt 
allgemeine Betrachtungen ' Über den Flächeninhalt und 
die phyiicalifche Befchaffei^heit von Neu- Spanien, mit 
Vermeidung aller, befonderen natuifhiiftorifchen Befchrei« 
Imngen, die einer anderen Abtheilung der Reifebefchrei* 
bung angehören. Dagegen wird vorzüglich der Einfluli 
unterfuoht, welchen die Hauptunebenheiten des Bodens 
auf den ZuAand des Clima^s, des Landanbaues, des Han- 
dels und der Vertheidigung der Küüen äuDsera* — X>ai 
»weite Buch handelt von der Bevölkerung im Allgemeinen, 

, und von der Eintlieilung des Volkes in Qaften. ^~ Das 
dritu Buch Iteilt die befonderen üatülifchen VerbältnilT« 
der Intendantfchaften 2 des Flächeninhalts und der B»* 
Tölkerung derfelben nachMaafsgabe der von dejn Herrn 
Verf. neu entworfenen Charte dar, -r Im vierten Buche 
wird der Zultand des Land - und Ackerbaues, fo wie des 
Berg - und Hüttenwefens mitgetheilt, — Im fünften 
Buche werden die Fortfehritte derManufacturen und des 

»Handels augegeben; und däM/echße Bück enthält Uttter- 



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Mieker - Mseen/ionsm mo^ 

Aiebiiiigeii über dt« Einkünfte 4er Stnatt und die Vev- 
tkfidif mift - Anftalten des Landes. -*- Die beiden bli 
{etat erichieaenek Lieferrungen hdhn die drei eri^n 
Bftcber des Werke« in ficb , wovon wir bier Beriöht tu 
«ftatten haben. 

Jedes Buch begreift wieder mehrere Gapitel in fich, 
Dtf erßt Cofitel hat xu Gsgenftänden den Umfang der 
fptnifchen Beützungen in America; die Vergieichuq^ 
tiefes Umfanges mit dem der Befitxungen der Eagläi^ 
der und HuITen in Aden; die Benennungen Ton iV«i«* 
Spanien und Anahuac^ und die Grünten des ehemaligen 
&eiohs der Könige aus dem Stamme der Ait€k€n. — 

Die fpanifch - americanilchen Beützungen nehmen die 
ungeheuere ErßreckuQg ein vom 41® 3' füdl. Breite an 
min 37<^ 48' nördl. Breite; n&mlich von der nördlichilen 
rpaniXchen Milfion San Francisco auf der Küfte yon Ncu-^ 
Califomien, 7 Stunden nordweMich yon Santi^ Cruz bis 
irurn Fort Maulin auf der Küfte von Chili ^ gegen über 
der nördlichen Spitze der Inf ei Chilo'i.. 

Diefe UmfalTung von 79 Breitengraden kommt nicht 
aar der Länge Ton ganz Africa gleich» fondern über» 
trifft *attch noch die Beützungen der Engländer in Alien» 
3% nm vieles die Breite des ruififchen Reiches, das lieh 
zwar durch 167 I«ängengrade ausdehnt» welche Grade 
aber wegen ihrer nördlichen Lage nur halb fo viel Um« 
lalTung haben, als die Grade nnter dem Aequator. Auf 
einer befonderen Tafel (die aber noch nicht erfchienen 
ih) werden diefe {ür die höhere Staatspolitik hochft wich- 
tigen Verhältnirfe , befonders auch die Proportion des 
Miicheninhaltes und der Bevölkerung der Mutter- Staaten 
tti ihren ausländifchen Befitzungen anichaulich gemacht 
«erden. ^ 

Oio fpanifoh •» MAepeanifchen BeQtinngen find in 9 
gt^e, Yon einander unabMlngige, Gouvernemens abge- 
theilt« Davon liegen 5 in dem heifsen Erdgürtel ; näm* 
Keil die Vieekönigreiche Poru and Ncu^öranada^ und 
die Geneidl^iUuptmaniif «haften (Capitanias generales) 



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§04 /BUcher -^ ^^te^/ionem 

GuatimAlaf Porto ^rico und Caracas, Die 4 iibnf«^ 
Hauptabtkeilungen > die Vicekönigreiohe Mtxico uiul 
Biuncsr AyreSy die ^ Geveral - GoiiTerltemeiif Chili und 
Halfan« enthalten auch fcken viele Landerftreckungen, die 
über den Wendekreis hinaus *in den gemäfsigten Erdgir- 
tel hinüber reichen. - 

Die Verfchied^heit des klimatitohen Zaßandes nnd 
der natürlichen Towohl , als künitlich erzweckten Pflan- 
«en*Pi^oduction des Bodens hängen aber in dem ^ani- 
fchen America nicht blofs von der Lage der Länder naek 
ihrpr nördlichen oder füdlichen Breite , fondem zugleieh 
und auflidlender nech von der Verrchiedenh^it der Höhe 
ihres Bodens über dem Meeresfpiegel ab. — Unter den 
Terichiedenen Territorial * Hauptabtheilungen behauptet 
xur Zeit das Vice -Königreich Mexico, wegen feines Lo- 
calreichthums, feiner grofsen Bevölkerung, feiner aahl- 
reichen Städte und feiner günlligeren Lage für den Han* 
del mit Buropa und Afien in allgemein politifcher Hin- 
ficht den Vorrang vor den übrigen fpanifch - americani- 
fchen Belitzungen; obgleich einige Zweige des Laudan- 
baues in der Provinz Caracas mehr vervollkommnet find^ 
als in Neufpanien; wo im Gegenfatze das Berg - nnd 
Hüttenwefen obenan fteht; Und obgleich der Boden der 
Provinzen Cumana^ Neu- Barcelloi^ und Venezuela, £0 
wie an ^en Ufern des niederen Orinoco^s und im t|örd- 
liehen Neu - Granada viel fruchtbarer ift , als in NeU' 
Spanien, Ü 

Alle Gebiete, die unter der OberaufGcht des VicekÖ- 
»igs ton Mexico itehen, werden zwar insgemein unter 
der Benennung Neu- Spanien begriffen; und in fofern 
erftreckt lieh diefes von Norden aus gegen Süden vom 
38lien bis zum loten Grade der Breite. Allein der Ge- 
neral - Gapitain von Guatimala hängt als Gouverneur faft 
gar nicht vom Vicekönige von Mexico ab; . GuaiimaU 
gehört mithin im eigentlichen Sintae nicht zu Neu- 
Spaqien; auch rechnet Solches der Herr Verf. überall in 
feinem Werke nicht daxu; fo dafs daher die füdXichften 
und öitlichaen Gräuiprovinxen von NeoijHUUfltt ^t In- 



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Bücher - Recenfionen. 205 

tendantrchaften Merida und Oaxaca lind; und die Gränz* 
linie «witchen Ntu^ Spanien und Guatimala öftlich vom 
tfaven TeHuantepec am grofsen Weltmeere bei la Barra d€ 
Tonala an, querüber bis an die Küfte des Meeres der 
Antillen bei der Honduras •Bai lieh erHreckt. — Guati- 
mala als Königreich betrachtet, umfafst aber nach der 
politifchen 4btheilung die Gourernemens Co/^a - rica und 
Nicaragua, und iit im Verhältnifs zu den übrigen fpanir 
fchen Befitzun^en äufserlt fruchtbar, gut biBvölkert und 
gut angebaut; hat wenige Bergwerke, aber defto mehr 
Valcane, und wird füdöftlich vom Königreiche Neu- 
Granada begränzt, zu welchem die LanxlXchaft Darign und 
die Landenge Ton Panama gehören. — y 

Das ahe indilohe Reich des Montezuma (acht indifch 
eigentlich Moteuczoma) des Sultans von Tgnochtitlau 
(oder Mexico) erltreckte lieh aber keineswegs über das 
ganze heutige Neu - Spanien , fondern begriff ( nach dea 
fcKarffinnigen Unterfuohungen dei mexicanirchexi Ge^ 
rchichttforfchers Abb^ Clavigero in feiner Storia antica.del 
MeJJicOjT, IV. p. 265) blofs die gegenwärtigen Intendant- 
fchaften F«ra- Cruz, Oaxaca , Puebla^ Mexico und Valla^ 
iolid; alfo ungefähr eine Erftreckung von 15,000 Qua* 
drat- Stunden Flächeninhalts. -^ Auch das alte Anahuac 
begriff nicht ganz Neu -Spanien, fondern aufser dem 
Azteken •'Aeiche des Moteuczontaf blofs noch die kleineii 
^Republiken Tlaecallan und Cholallan, und" die König- 
reiche Tezeuco oder Acolhoacan und Mechuacan ; z|i wel- 
chen letzteren ein Theil der heutigen Intendantfchaft 
Valladolid gehörte. — *" 

Das alte oder europäifche Spanien ift demnach fünf 
Mal kleiner als Americanii\:h ^ oder Neu -Spanien^ und - 
wenn nicht befondere Unglücksfälle in letzterem Geh er- 
eignen j wird auch defTen Bevölkerung der von Alt -Spa- 
nien in weniger als einem Jahrhunderte gleichkommen. 
Der Flächeninhalt der vereini|:ten Nord-Americanifchen 
Staaten kann feit dem Zuwachfe von LouiTzana und der 
durchaus verlangten Ausdehnung der Gränzen diefer 
Prtviuz bis an den Rio Bravo oder del Norte auf 340,000 



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fo6 Bücher « Reeenjicnen. 

Quadrat «Stunden angefchlagen werden.- und doch über* 
trifft die gefammte Bevölkerung diefer Länder jene von 
Neu -Spanien um nicht gar Vieles; obgleich jene Stafr 
ten fogar nahe an einer Million eingeführte Negerfclaven 
unter ihrer Bevölkerung mitzählen , da Neu - Spanien de- 
ren nur gegen 6000 hat^ und die weüigften davon wirk- 
lich Sola ven lind. Obgleich nun N6u - Spanien aus diefer 
Quelle für die Zukunft keine Gränellcenen wie die aaf 
St. Ehmingo zu befürchten hat;, fo kann jedoch aus den 
mannichfachen Kränkungen und Bedrückungen der In- 
dianer und der beinahe 2^ Million Jl^arken Anzahl niede« 
ren Volkes aus maitnichf^ch gemifchtem Blute «in glei- 
ches Uebel entfpringen, wie fchon gewaltige Spuren dsi« 
Ton fich gezeigt haben* 

GegenMnde des tvfeiten Capitets ß^d die GelhJt der 
Küßen; Anzeige der Orte an beiden gegen über liegen« 
den Küften, Wo die beiden Meere einander am nächßea 
liegen. Allgemeine Betrachtungen über die Möglichkeit 
hcrzufteUender Qanäle zur Verbindung des gtofsen Oce- 
ans mit dem ätlantifchen Meer^. Nachrichten von den 
FlüITen <ls la Pnix^ Taeoutche ' Tejfe und Guallaga;, vott 
den Quellen des Rio Bravo und Rio Colorado ; von den 
Xiandengen von Tehuantepec und Panama; vom Nicarth 
gna-See, von der Bai von Cupica^ vom Ganal des CAacs 
lind von dem Meerbufen von St., George, — ^ Wir heb^ 
TOB Allem/ dem Folgendes hus. 

Bei der Erftreckong Neu-Spaniens vom. l^ten bis tum 
3dAen Breitengrade beträgt die Längenerfbreckung diefes 
grofsen Erdßrichs in der Richtung von SSO nach NNW 
ungefähr 6lö. gemeine Stunden. Die gröfste Breite die- 
fes Landes befindet ßch unter der Parallele des ^often 
Cradet. Vom Rio Colorado in der Provinz Texas an bis 
2ur Infel Tiburon an der KüHe der Inten dantfchaft de h 
Sonora zählt man von Often nach WeAien 364 Stunden. Lq- 
dör liegen aber zur Bequemlichkeit der Ausfuhr der Iiiui- 
desproducte weder die Hauptftadt Mexieoy noch die Se^ 
Kaven Acapulco und Vera - Cruz auf dem fchmäleren 
LandRriche , wo beide Meere einander am nächften koni* 



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meii. Nael» afbronomifciiea Beobftclitaitf en des Hm. TerfL 
]>6trigt die Bntfernttng zwifohetf Atapitlco und Mexico in 
Bo^wridhtnng 2®'46' 19''» oder I55>885 Toifen; dieEnt- 
fenmiig der SUd« Mexice von Vera- Cruz beträgt aber 
Ä« 57' 19" , ©der 158,572 Toilen; «»d die« BtTtfemitiig 
twUbbe» Aoüpulco und Fera-Crvs ift doppelt fo groft, 
aSmhch 4^ lo' 7'^ Gerade Bei diefen Entfemongen ha« 
bea die Mi^Mrigea Gbartea am meiAen gefehlt. «-> 

Bj« Landenge von TthuMmtfta ift in Neu - Spanien 
der fohmalfte Landitriehy er ntifst nur 45 Stunden von 
dnem Meere xtim anderen. Die einander genäherten 
Qaellem det Huafacualco und Chimaiäpa fcheinen den 
Entwarf zu einem Verbindungs- Canale beider Meere 
hier xn begfinlligen. Inzwifchen befteht fchon feit 179S 
and 1800 zwifchen dem Haven Tehuantepgc und der 
Rhede von d§ la Cruz ein guter Landweg , auf welchem 
wähxMid de« Krieget mit den BngUlndern dfer Ouatimala- 
Indig nacli dem Haven von Vera-- Cruz zur Ausfuhr nach 
Europa tranfportirt wurde. Auch jetzt 'fchon benutzt 
man die , obgleich befchwerliche. Fahrt auf dem PluITe 
ekmgre\ der fich weftlich von Forte -hello ins Meer der 
Antillen ftürzt, 120 Toifen an feiner Mündung breit iSt^ 
nad bie nach der Venda de Cruces fahrbar bleibt; und 
von da bia Panama, tranfportirt >nMi auf Maulefelu in 5 
Standen dte^ einzitfchiffenden Waaren. — ,/ 

Da mehrere Longitut2ma/-TAdl«r auf diefec Landenge 
(N»i# man Digt» uns auch fehr wahrfoHeinlich i(t) lieh 
befinden , t& müflen diefe die Ausführbarkeit einer her- 
anilellett^fen Verbindung beider Meere fehr begüniligen. 
Ein Iblchea Lengitndinal -Thal ift^wohl allerdings auch 
düjrmigr , in welchem die Seen von Leon und Nicaramim 
liegen, welcher letztere vermittellt des FIufTes $u Jnmi 
fÜ^aguadero ) mit dem mezicanifchen Meerbufen in Ver^ 
idttdting fteht. Beide genannte Seen l^hen fchon unter 
Mit f fe wie der Nicaragua» See durch natflxliohe Flufs«« 
ITetten mit dem Rio Partidoy der fich in den Meerbufen 
von Papagayo des grofstn Ooeans ergiefsl, bereits in 
TWbittdiiBg. Auch der See von Lsen wäre durch eiaen 



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•08 Bäcker' Recenfipnen^ 

knrxen Oanal vtm. 3 Ständen Länge mit dem Rio Tortop 
der ebenfiklls dem grofsen Ocean durch dtie Bucht Rem» 
lijo zufliefst, leicht in Verhinduug zu fetzen« Alfo auch 
hier Icheint von Natur eine Anlage zur Schiffahrt aus 
einem Meere in das andere gemacht zu feyn; worauf 
auch fchon de Laborde in feiner Hi/lo/re abrigie de la 
Mer du Sud von 1791. S. 14. der Beilagen zu Tom. i. ; 
und de la Baßide in einem Memoire nebft CDtarte in den 
Beilagen zu T. II. des ßjahordefcheu Werkes (weicht 
ßchriftei^ Hr. V. H. nicht angeführt hat) aufmerkfam ge« 
macht haben, Indefs ift die Hdhe jener Seen über be^ 
den Meeren, fo wie die Tiefe ihres WalTers« und der 
Fall der angeführten Fläffe zur Zeit noch nich^ erCorfcht; 
auch ift nach Hrn. v, H. 3 bis 4 Monate lang die Südfee*' 
Küüe in diefen Gegenden wegen heftiger Stürme nicht 
zugänglich; und endlich würde die nahe Nachbarfchaft 
vieler Vulcane, nordweillich von diefen Seen, an der Welt- 
ki^ilte für die' anzulegenden Schleolsen in der Zukunft viel 
Gefahr beforgen lafTen. — ^ 

Während in Europa durch immerwährende Kriegt 
die anwachfende Volksmenge immer um Vieles wieder ver^ 
mindert wird, nimmt folche hingegen durch anhaltende 
Kühe ^ in Nord- und Süd «America ununterbrochen im- 
merwährend zu. Mit der wachXenden Bevölkerung 
fchr%4tet auch die VerbefTerung und das Wachsthum der. 
Land- und Menfchen-Gultur auf jenem Gontinent^ im- 
mer vorwärts; und da zugleich der Handel von und 
nach China y fo wie von und nach Nord-America, unter 
anderen auch der ungeheure Pelzhandel des nordweftli- 
chen America*s von Jahr zu Jahr immer wichtiger wird; 
fo gewinnt dadurch eine herzultellende kürzere^ ge|fahr- 
Ipfe WalTerfahrltrafse zwifchen dem grofsen und dem at« 
•lantifchen Oceane (wodurch der Weg von China und von 
Nootka - Sund an der ' Nordiveftkülte von Nordamenca 
igiach Europa um 2000 Stunden abgekürzt werdea könnte) 
•in immer höheres Intereffe für alle handeltreibende Na- 
tionen. 

Der Hr. Verf. hat deshalb 9 Strecken angegebeui in* 



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Bücher '^ Recenjioften. 809 

\ 

aeskalb welchen eine abgekürzte Veriiindnng beider 
Meere Termittelft berzuftelknder Flui« • Verbin dongeA 
dnrch GanSle als möglich vermathet werden kannf auek 
leigt er an, wie wenig ron den bei einer folchen Aut* 
ffihnuig Torhes in Erwägung zu zieh^den VerhältnilTea 
bereite etf^rfcht ift. Auch dt la Baßide führt in feinem 
Memoire Xehon einige diefer Gegenden und FlülTe an, 
die bereits Antonelli unter König Fhilipp II. in Vorfchlag 
brachte 9 als den Rio Chagre oder Caimanei auf der Land« 
eage von Panama; und den Flula ChamaluJJon am Meer« 
bafen von Honduras^ den man vermittelft eines Ganala 
mit dem FluHe St, Miguel^ der in den grofsen Ocean fick 
•rgieüity Terbili den könnte ; zieht, aber die Verbindung 
Vermittelft des Nicaragua • Sees und der vorher angezeig* 
ten Flüffe den von Antonelli yorgefchlagenen Puncten 
vor. Bei Ericheinnng der Charte ^ auf welcher der Herr 
Verf. alle 9 Strecken dargeltellt hat, werden wir viel« 
leicht lolche int Belondere durchgehen. 

Hier bemerken wir nur noch ^ daft Herr v. H. nach 
allen eingezogenen Nachrichten über dielen Gegenitand 
der Meinung itty dafs man die Idee von einen 20 Fufs 
tief und 60 bis 80 Fuls breit zu ßechenden Ganale, fo 
dalii die Schiffe, die von Europa nach den Infein fegeln, 
^ne auszuladen, feU)it durchfahren könnten, in der 
Tkat werde aufgeben und blofs auf einen, für flache 
Boote fahrbaren , Canal jich werde befchränken muffen. 
Dann würde aber wegen des Umladens der Schiifsladun« 
pssL ein. folcher Canal keinen allgemeinen Nutzen gewäh« , 
xen, .fondern blofs die Ausfuhr der ameri4;anirchen Pro- 
dacte und die Verfendung der vom Auslande nach dem 
und für das fpaniXche America überbrachten Waaren nach 
beiden Küften erleichtern, 

I 

Dafs aber die Regierung des Landes bisher gar nichts 
in diefer Hinlicht unternommen hat, gereicht derfelben 
nm f6 mehr zum Vorwurfe, als in der That die Be« 
[ Ichaffenheit des Bodens in America eine folche Ausfüh- 
Yong im meinen mehrmals auf serordentlich erleichtert 
^«tj denn vermittelft kleiner Boote exiftirt fchon wjLrk« 



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ÜcH r«it 178S i« der ^ovint Cftdr«' (wie wohl MoXf wÜtftM 
mid nach der Regemeit ) eine lolche WefiTerronimitiik» 
tton von einem Meere vom anderen > vermittelft eintt 
fohmalen Ganalt , de« ein eben lo klufor ale paftrioti« 
fcher Geiftiicber (Pfarrer dee Dorfes Navitm) bloli dnrdt 
feine Gemeinde und Beichtkinder dinreh die AnhcHM 
Quehrndtt de la Raspadura ohne wettere Aulforderm^ 
und Anregung ftechen lieCti, um die i^erhiiidung twiXclien 
den (Quellen de« FlufTes Naanama od^ Su Jumn. mit de« 
Flüfiftchen Quito su hewerfcftelligen« Von- dieÜir Gegend 
geht danb eine natürliche Flufs - Verhindung eineyfoltf 
durch den Quito, ÄndagedOf Zitara. und Jtrato Ina im 
Meer der Antillen 9 während «ndererfeitf de» Nammmm 
fich in den grofsenOcean evgieftt; DieEatfennuig bei» 
der Mündungen beträgt 75 Stunden^ -^^ 

Hätte nicht Hr. v. H« diefen Landftrioh mit ttBter de« 
iien angeführt, wo eine Gommunication ausffthrbar und 
im Kleinen fchon wirklich ausgeführt i^j^y fo«' würde Rt« 
ferent folchen angeführt haben, und zwar blofs nach Anlei- 
tung der in London ^799 durch den k^nigi« GeogMphea 
Fadefi copirten und publicirten fsltene» grollwt»ClMrla 
in 6 Blättern mit der Ueberfchrif t : Jlfepa gieo^aphiea 
dm America mtridional dispuefla y gravada por D. Jttai» dt 
Ut Cruz Cano X Olmedüla^ 1775; ^o ^eutHeh find disninl 
die begünftigenden Verhältniffe angegeben; dair BoH 
Novita heilst darauf el Real de Su öeronimo^ de Nonfiuu 
Nach diefer Gharte^ fliefst der Atrato^ mit feinen Nebe» 
HÜifon in einem weiten und langen Länge« « lluUe , rmd 
fwifchen ihm und de^ Küfte liegt eine Bergkette (C«ir» 
dillera grande), die fich am Naonama ^ VluWt endigt; 
Wir würden daher nach diefer Charte nich^ vermutkett 
Irönnen, dafs oberiialb dem Cap Coriehtes vom der B«i 
Cupica aus ( die aber hier nicht angegeben ift) dar Ter* 
rain einen Communications ^ Canal landeinwärts bis su 
einem Rio Naipi^ der unterhalb Zitara in den Atrato fich 
ergiefiien foU, (wegen der angeceigten Bergkette) mög« 
lieh mache. Diefe demungeaohtet von Hrn. v» H. enge« 
gebene Möglichkeit, beweift dann, 'wie ungenügend 
felbft die bisherigen heften und detaillirteften Charten 
Tom fpanüikliaii Aaienea find« 

"Aber 



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. iMber.leQe von .^fin Ht?i. Usecftfenten dcf Humboldt" 
/cKen Werket in der jnonatlichen C^orrefpondenz $ Se|v. 
temb«r« Stücke v^u tgpS» Sv 2i^ nach ewr fpanircheu 
Seecbajrte. T^m JaHve,a;6o5 >aBg>eg«bfiien L^palv^irliältaill« 
l^ifl offenbar melirfaQh gänslieK ffnUoh^ £f Toll .nMmlick 
die Xchmallle Strecke de^ {«itndetige (i^^^^^n^e' heilst ei 
dort tttletot) von Panama beteich ii«t werden ^ und wird 
folche ungefähr 63^ weitlick Yom AucfluITe de« üie <2^ 
Chagre ausgeben; ffd^ißßß Hn^eii wir (fegt jener Hr.. 
Rec. ) eine mit einer Meng« hieiner tnMn und Klippen 
■ngefüÜ^f tiel in« taj^d äck ^rftteckende EnfefLada de 
Mandmg4r wo an , fltr Külle (det Meeree der AntilUn 
itämHc^) ]»ei' einem Fort de St^ Raphatl de Manditigm ein 
Aakerpla;^ .hezeiehnet iß» dem enf der KiTIte^des grorsen 
Oceftnt eii^ Ort C/iimim^ gegen Über li«gti > AnXierdem 
(KtiTtt €8 Weiter) fiiydet li^h (auf. de:^ ^anirchen See<> 
Charte) andemPuncte^ wo. beide Oceane in der klein-^ 
hin £nt£«r^mg von einander find« die; hier. ^(»n nnem 
Üferzant anderen kaum .vier(?) teutlohe Meil^ betflCgt« 
kdnOrt weiter angegeben« Der Küfte dei^ grolf^g Oet^ 
9m giigen über liegt der ArMpelago de hu JUrUt^i^ -r- 

Weft^ich vom AuffLalTe des Ute Chagrt ift Wöh^ 
tdlerdingfl die fchmalfte Sttecke der Landenge ^-^ n'äni* 
lidi twifchen Natä am ^ofsen Oöean am Gotfö da 
Ptrita nn4 irgend einem Puncte gegen. Hbeif an der 
Küfte det Antillen « Meere« etwa« öftlieh vom Ana* 
fioHie de% JRiö Cocte^ aber weder hier, noch 4ttch nähe« 
•m Ans^uITe de« Rio Chagre liegen die übrigen, von je- 
nem Hm* JXec. angegebenen Puncte ! jund hat Heh deorfel^ 
ke beim Ni^derfchreiben entweder etwas lUrk verfehen» 
•der 4er Ipanifche Qhart«^tei9hlier ift nicht hei Binnen 
gewelent Denn die En/eüada de Mandinga liegt über 40 
gemeine fipanifche Meilen (20 auf einen Grad) 4A)^h vom 
AoiflaiTe de$ Rio Chagre $ und von dem innerfteli Puncto 
dieler En/eüada bi« en die gegen über liegende W«(Uiüile 
uud die Mündung de« Rio Ckitnärt find weniglten« 18 ge-« 
meine ^anirche Meilen; bi« an da« weit landein W&ff« am 
Fluffe Chiman gelegi^ne DorC ^Chimanänd aber, von je« 
Her Enjenada doch iminer noch gegen li gemeine fpani? 
fcke Meilen« ' 

A. 0. E. XXVllh Bds. ^, St* V 



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atsi B Seil er ^'^ tCs c enjioifi^in. 

Hr. V. H. und die Geogtapliekl Wefdeii fi^ M6t ge- 
freut haben über die gegebene Nachweifnng ; denn )•* 
ver Hr. Kec. lagt 1. c. ,, Wir ivondern uni , daf« der 
Verf. hier hiebt det Puntetei erwiihnt , der wtnigftent in 
derHinficbty daft beide Meere einander *dii ani allermei* 
ften genähert ßnd, der fchiclclichjle tu einer folcbea 
Vereinigung (beider Meere nfimlich) su feyn fcbeint; 
«ind da wir glauben , dafs dfd Angabe dielet Punetet hier 
«m recshten:Orte ift, £» entlehnen wir die Data dacu aul 
der fcho'tt (Erwähnten Ipamfcben Se'ecbarte.'^-^ 

Da der Herr v. H, felbft, wenigltent io bfld nicbt^ 
•eine AusföKraiig eines bedeutenden WalTercanal» xut Vta> 
^lindung beider Meere von der Neu-Spateifeken i^hördt 
%n erwarten foKeint; le >»igt er -näeHThAtfalbben tob 
1802 und 180?» dafs für die Erleichterung der Ausfohr 
der americnnifcnen Froducte auf dem Haven von Vgror 
Cruz fchon durch Anlegung einer guten Hdndeblkraisb 
4ti den Erftrackungen voti Tehuanteptc nich der« Rhcdt 
^ lä Crae und von Panama hacK Pdrto M/o, neth beffilr 
•«her dut<5h -Aflifchairung und Unterhaltung voA Gatteeleli 
(deren ^^-bish^ nur in der VtavintXaräcüs^ -^IMUi IM 
iCmiaii{fchinv^lntt\n her ein^füUrt — giM)t) aitf cBefen 
-Wegen.tremioh -geftorgt werden könnte. 
» Die alte Meinung, dafs der 'WalTerfpiegel dea • grotsea 
-Oeeaüi i«i' Verhältnifs iti jenem dös Meeres der'ifvtt/l^ 
•^m Vides höher ftehe, fchrSnkt der Hr. Ve^. nä^h eiga- 
t-nen' baratnetrirchen Beobachtungen dahrn emr daÜB 'wena 
•ifrirklich ein Uuterlchied Statt ün det, tiefer nicht Ober 
^bis7Mfetre« (18 bis ^l Pufs) betra|:en k'öntee; *ni 
«dannimöchte man im Gegentlifile den höhereii WalTer- 
ftand Vi#hnehr bei dem Meere der Antill^ und dem Meer- 
ihuXtüi^'^tai Mexitö vermuthen, Wegen der (bei demUn»' 
.febwüa^ d:er Erde nach Oßen) in WeAen türückbleibea- 
den lind felbll in den Meerbufen hineinftrÖmenden and 
'Heb ftanenden WaiTermafle des atlantifthtn Meeres. Aus 
der Lage und Kichtnng der Landenge von Panama glauM 
der Hr. Vf. annehmen zu k^hinen, dafs folche ohne Erdbe- 
ben von den Strömungen des Meeres nij:ht werde durch- 
brochen werden. — ^ 

(Der Schlufs folgt.) 



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• 



vermischte; Nachrichten. 



!♦ 



Sammlung von Ortsbejiimmungen. 

Grojsbritannien und Hollands v 

Vom Hrn. Oberlieut. Stkbit. 
. (Fortletzung von Seite S38- des XXyil. Bdi.) 



Grofsbritanmen nnd Irelahd 
nebft den dazu gehörigen kleinen Infein *)• 



Orte« 



Läng^ 



CO 



Breite. 



Qa eilen. 



St.AhhU'.Head. S. 
Ahhtravoit, JS. 
£krhrothih, S. 
Aberinn» S, 

MillHead. L 
Aghris ,Cap. 1, 



*)B. beaentetBügland. S. Schottland. I. Ireland- Inf. Inlel. 
C.d.T. ConnailTance de Tems. A. G. E. Allgexneuit geogr. 
Bplitatrid«B. L. A. Lieehtenftern't Axchir. 

- - . p » • 



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«4 Vermi/chte Naehricht§n. 



Orte. 

# 



Agnes (Sorlini 

$U Andre. S. 
Annagh (Inf.) 
Ardnamurojian 

Arran(lnL} Li 

Aßynt Point o 
ßoxr. S. 

Auhin od. St, 
(Inf. Jersey 

Ayr. &, 

Ayre, (Inf. B 
Tag. Landfpi 

Bantry. E. 

Bärra »^Green 
(Inf. Flad.) 

Barra - Head» 
.Flad.) 

Bath. JE. 

Beacworth» 1 

-Be£f Cap.^ E, 

Beifaß. J. 

Benbecuta, In. 

Bembridge, 
Wight.) 

Bervie, S, 



Länge. 



Q 



Breite« 



O 



S 



CO 



Qaellea. 



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Vermiffht» N »-ehrt cht *n. 



•'« 



O r t «. 


Länge. 


Breitk 


(Quellen. 






CA 





*> CT 


2$Tmch. E. 


17 


44 
64 
55 


46 
56 

st 


^ 
50 

53 

51 

52 

61 

54 

55 

51 
53 
58 
51 
55 
56 
66 
52 
65 
51 
61 
61 


44 
45 
44 
44 

47 
63 
40 

40 

52 

6 


35 



A. G. E. XXIV. 


/ — . — 


Malham L. A. 


Mevesiers (Pap. £» 


P. L. B. L. A. . 


— — 


23 


C. d. T. 


^lack^Head, i. 



29 

30 



A. G. % XXiV. 


MUnham, E, 


-^ 


ZI 





C. d. T. 


Brandom^Head, I» 




5 




5 

6 


A. G. E. xxrv. 


Brax^ Hiad. h 


A. G. E. XXIV. 


Bredanach. VVeUfpit- 
U. (Inf. Rum.) 


A. G. E. XilV. 


Bridport. E. * 






50 


Malham L. A. , 


Brifloh E, . 
Burrow Htad, 


Malham L. A. 
A. G. E. XXIV. 


Bute, (Inf.) Garroch 
Head. 


30 





A. 0. £. xxnr. 


'Caermatheti, B» 


Malham L. A. 


derfiavon, E* 


Malham L. A. 


Caithna^, S, 
Caldy. (Inf.) 
Campleton, S. 

Cambridge. E, 


3 
2 
2 
2 

I 


t\ 


Malham L. A* 
Malham L. A. 
A. G. E. XXIV. 
Malham L. A. 
A. G. E. XXIV. 
C. d. T. 


Cmtire, Mull cf^ 




I- 


I 


A. G. E. XXIV. 


Cantorbury, E, 
^ap Clear. L 


18 


44 
25 


63 



I 

I 
1. 




G, d. T, 

A. G. E. XXIV. 

Malham L. A* 






- 


/ 



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Hl6 VßrmiJchtB N ae^hrichten. 



. Otf* 



Länge. 



Breite« 



' 3 



Quellen. 



Cap' Lean,' ( 
Head.) L 

C<xp Spum. E 

Cap Start Or^ 
Inf. 2»«a]da. 

Cap WratK S 

Qardy, (F^Uen 

Carrickammelf 

Cßrrickareede, 
Car/ick fergus. 
Carinish (füdw( 

(Üaftle. (Inf. I 
Cafile Rißng. 
Cafth Main. 

Catharine St, 1 
thurm (Wigl 

Caj^n- Glaffes, 

Cavan, f^ 

Cers. (Inf,) 

Charles, (Fort 

Cheßer. E, 

Chepstow, E^ 

^ichißer. E, 

i^riftchurch^ 

CJare. IJ 



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Wärifiiftht^ Na^^hricht^n. 217 



Q r t e. 



Cöckerni 
Coiachl 

Colch^ß 

Col iln 
Norde 



Cnlonfa 

Comb m 
ÜQoly i 
Coptanii 
€o(j.uet 
Carh, 

Comwc 

Cromtr 
Croppai 

Cröük 

Deal. 

Denni- 
Inf. 

DingU 

G«m 

Donne^ 
BonuK 



Länge. 



breite. 



Q 



Quellen. 



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«l8 f^ermifchte NacliVtchten. * 





-. . . — 


^~- 


' 






, ,. 




i 




Orte/ 


Länge. 


Breite. 






H 


1 










Quelle. 



Dorcheßer^ 1 

Vortmoutkf 1 

Douglas, dnL 

Power f E^ 

Drack, (Inf. { 
Was.) 

Vrochhettaf I, 

Dublin f 7, 

Duinbardonf «6 

DumhardoHy ' 
Douglas ), S 

Duncanshy Hti 

Dungarvan^ £, 

Vund4t^ S. 

Dunghc'Ties^y 
Pungshjr Cap , 
Dunmor$ Head 
Dunnet Head^ 
Vunnojfe^ Wig 



Dunwich i K, 
Durfay , Infel 

Eafthurn, B. 
^aß Dercham) 
B.ddxßone, (Le 

tliurm Ei, bei 

mouth) 



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V^rmifchte Nmchriehten. «19 



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Ö20 VrerT&iJcHte Nachrichtens 



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Vermi/chte Nachrichten. »t 



Ort e. 



Hareficld, E 

Harris i Hei 
Xnfel. 

Eartlepoolf 

Harwich 

EaftingSf E 

Hawhillf S. 

SeadoUf E, 

Selens f St. 

BolyHeadyi 
Apglerea) 

Molx Island 

Eoog, Spiti 
Eorn K$ad 
hrjay^ Inf. 

luXel 

Inverqriy S< 

InverneSf S 

Irwin ^ S4 

Jthc, od. '.S* 

Jura, N.O, 

Kerry ^ /. 

Kerry' Read 

Killala, h . 

Kilmare , F 
dang, /. 

Kingf/aU ,. 



Länge. 



?ii 



Breite, 



O 



QueUeii. 



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üM Vermifchte Nachrichten. 



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Vermijchte Nachrichten. aaj 



O 1^ t e; 



Ltzatd^ C 

Zezheardy 

Limmerih 
Mgathf . 

-Liverpool 

Idannefyf 

Llayi^hari 

Lochrush^ 

London, f 
Kirche i 



Wohnu 
Street 

Lmdonde 



Long Isln 

Ludwigs^ 
Intel Si 

Ludwigs. 
Infel IN 

Lymingti 

Lynn oi 

Lynny . 

Maiden j 
Maideßoj 
M^ilden f 
Malin K 



Länge. 






Breite. 






Quellen. 



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:224 Vermifchte Nädhrichteit:, 




Malin Htm 

Mariy InX. 

' -^ Inf. ( 

Manninhay 

Marty Inf, 

Margot e^ B 

Marie St., 
InXel) 

Market Jew 
— Engl. 

-Mnrwick Hi 
Mainl. (C 

-Mayy Leuc 

Mewy I. 

Michel St.^ 

Milford^ H 

Miltm, E. 

MineHead, I 

Mizen Head 

Montrof€f . 

Moor BaXf 

Mortf Land 

Mougholdf 
fei Man 

Moult Heac 
Mainl. (O 

Moult Head 
* Baba Wel 
oadan) 



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Vrrmijchte Nachrichten. lk9$ 



DigitizedbyCjOOglC 



^6 V^rmijehte Naehrichterir * 



O r t «• 



Oran\ 

QTCat 

nah 



Ord, 
Orfoi 
Oafo 

Patrii 

Pemh 
Fgnil 

der 
- Seh 

Petwi 
Ptven 
Pittei 
Plymi 
Ppolt 



forth 
thu 



Porti 
Port 

Ports 



Länge. 



012 



Breite. 



5-1? 



Quellvii. 



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Vermijfchte Nachrichten. %2J 



ä. O. f. XXVUL B4f. 9. St. ^ 

Digitized by VjOOQIC 



/ . 



mS Vermijehte Nachrichten. 



O r t •* 



Länge. 



Breite. 



?l?.| 



Qltell^^n. 



Sidmouthy Ha? 
Skerrie^^ Inf. 
Sladpointf Süd 

Sling'JIeadf i. 

Smallif LeucKt 
Smerwichy Hay< 

South üifi^l$l 
Ardvuia (Iti 

Spurn^ Cap £• 

Stalhridge, E, 

Start Points E 

Stockten^ E. 

Stranra$r^ S. 

Stromne/Sf B 
(Orcaden , 
land) 

Stron/a f{Orch^ 

Swanfea , JE. 
Tariitntjs^ ^ 

Tec^y Flnfsmü 
Tellingf Cap 
tihhigh^ E. 



.Digitized by 



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Fermi/cht0 Nmchriehttn. $09 



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230 Virfnijchte 'Nächrichten. 



Winter tt>n^ Ltfucht* 
thurni, E, 

tVorcefier^ E. 

Workington^ Leucht- 
tHarm, Ep 

Wrtath Capf S. 

Yarmcuth \ Inlcl 
Wight. 

York E. 
Tough^n, J. 



18 


17 


053 


2 





15 


39 


4 


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12 


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33 


5 


7 


46 


16 


33 


3 


7 


45 


J 


18 


— 1=- 


:^ 






A. G. E. XXIV* 



G. d. T. 


Malham 


L. 


A. 


Malham 


L. 


A 


A. G. E. 


XXIT. 


Trlesnecler 


L.A 


C. d. T. 






Malham L. 


A 



Königreich Holland. 



Orte. 



AaUmeer 


22 


24 


36 


52 


16 
16 

37 

37 
37 

34 


19 

II 


Krayenbof M. C. 
VIII. 


Aardsnburg 


1 I 

J 2 

\ 2 
S 2 

22 24 30|52 


Krayenhof M. & 
YIII. 


Alkmaar 


SnelllUt' MeüTiuig 
von MuTdiea- 
broek berecHaet, 
L. A. 


' -" ^ ' 


II 


C. d. T. 


— Kirchthiurm 


58 


Klräveiibof ' M. G. 
VIII. 


~ Thurmd.Wäge 


2 


Krayenhof M« C 
VIII. 



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Vermifchte Nachrichten. aji 



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33^ Fermijchte Naehrtchten. 



O r f •• 



LlBfe. 



9121 



Breite. 



?l§l? 



Qaelleo« 



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Vermifchte Nachrichten^ 9iyjt 



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; «34 Vermifehte NaehricH^en^ 



^' 



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' V^ermijchte Nachrichten. §35 



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93^ V0rmifcht0 Nachriehten^ 



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Vermijchte Nachrichten. $37 



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Ä38 Fermif&ht€ Nachrichten* 



ö T t «. 



Länge . 1 Breit«. 1 

1 1 Omttllei 



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Vetmifthte Nmehrichten. d39 



(Di« FortTetzuiig folft») 



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«4* Wermi/ckf Nachrichitn. 



2, 

I 

Uebtr tinige ntae Charten von den prenftilcliett 
Provinzen und vqm Königrelclie Sachsen. 

(Aoisng eincf Schreikeiu «n den Herautg. der A« G« E*) 

l0]i fibergebe Ihnen nnd den Frennden der Ge6gre« 
fhie kiemtit eine Ueberlicbt derJMiigiiii $p€cUihharUm 
von den UBnigL preu/sifehtn Provinzin ^ welche ibeilt 
Idion unter dm H&nden der Knplti^ftecher find, lli<A 
Bpeh Ton mir erjft geieiohnet wevdee. 

Ix. J>i€ ^^ft* iÄ eine Sp$cialcharte i>on der Mittelmarh 
Brandonburg «nf 4 groTte Bogen Colombier -.^prinet ini 
nftmlicben Maf<il|ibe ale der ift, Reicher lieh eufjden 
am Jehre 1795 und 1796 Ten mir berautgegebenen Spe« 
cialcharten fou der Prißnitz und Uk4rmark befindet« Sie 
wird fich m'cht allein im ßetitere heiie «nfchliefB^n^; |qnr 
dem auch denjenigen Theü det .Reriogthumt Magdebnif 
enthalten, welcher nach dem Tilfiter Frieden ,^^^,prenC* 
fifchen jEIaufe ▼e^blieben iSt, %Ue .bis xur Blhe reichen« 
Dai Ganze Toll in nämlicher Art ausgeffihrt werden, wie 
man et auf Forgedachten beiden Charten Ton der Prig- 
niti und Ukermark JMit , «ind da dieOröIse des MaTtfta- 
bes fchon mehr Detail xuiafsty als auf der mit Genehmi« 
gung der Berliner Academie der WiHenfchaften im Jahre 
1791 auf I Bogen herausgegebenen Specialcharte der 
Mittelmark *)f die noch nicht einen Rheinl. Duodeclmal* 
Zoll pro Meile tum Malsftab hatte , lo werde ich nicht 
allein mehr Situation ^ fondem auch Hlmmtliche neu an- 
gelegte Ghaullöen mit allen ihren Biegungen und den 
dabei befindlichen HäoTem nach der VermelTnng anbrin* 



e) Die Knpferplatte wurd« beim Binbrnche der zur Academie 
der WiHenrchaften gehörigen Zimmer, nebft allen übrif en 
der Academie gehörigen Platten geftohlen , und hat lieh 
aller gegebenen Mühe ungeachtet noch nicht wiederge^ 
fimden» 






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V^rmifchte Naehritht$n. 041 

^n und übtrlniupt Aii<ra dat liiitiatnigetty w«it idl 1^ 
Svfc!li«iltllttg )«B«r «tif I Blatt f eAimmelt habe. Da diefi» 
Ckart«! welclfe ralammeogefetzt 4 RheidiL DaodeciifMd- 
ftli fMig Vttd 3 Fafs hoch iß, auf Kofte« der AoidemAi 
ttor WtfTettIchffteii geltociten wird, fo kaan ich für a»- 
-»üi fohdttfln Stich hü^-geoi wenigftene foU fie ihre Ve»^ 
%liig«r -wo nicht an Sauberkeit fiberlreffen » doch ^ewi£t 
ümen «lichtt nadigeben ; anch kann ich Tcrlttiiiif tw^ 
fdiNhhti, daft alle '4 BlStter nicht fiber fünf Rthhr. prenl*«. 
€ditrattt kofttn feilen. 

IL Die zweite ift efne SptdtMione von der^eumarh 
In "2 BÜtttern^ jedes Ton 8 Faft 3 Zoll Bheinl. lang ntt4 
) PnTt 3^c^ hoch im gleichen Maüsftahe -mit Toirgedaeh^ 
fir'tlharte ton ^0« Mittelmark a»f x Bogen unter £al* 
g«adem Titel: 
Specialcharte von der Niumarh in % Sectionen mit In* 

Itegriff des in der Laußtz tiefenden und im ^ilfiter 

frieden an den Konig von Sachsen ahgetreten^n Co«- 

hifi/chen Kre\ffs» 

f Da Be gewiITer maften aU Cömpägnon Jener ron der 
"ifittelmark anxufehen iit ^ fo habe ich die Zeichnung 
anch in nSmlicher Art aufgeführt, d. h. ulle Zeichen 
beibehalten. Die hielige Handlung Schropp und Oomp^ 
rerlegt diefelbe, und da der Stich des erAren Blattes bei- 
nahe vollendet ift, fo dürfte die Erfcheinung des <lan- 
jen wohl nicht mehr ron langer Dauer feyn. 

. in. Die dritte betrifft Schießen. 

■ * 

' Von diefer Pro tini lAren f^iUier die Specklchaiteti 
^te eimelnen f arfteitthfimer in d*m Wieland^Schuhartt^hta 
'Attas von 20 Bogen grofs Format immer noch die he* 
fei, weni^hens haben Kenner und Reifende terfieh«rt, 
■«tls^^ie Lagen der Ortf chaften Uhr richtig dÄrauf wä- 
irttu Man beklagte blofs , dafs lie nicht voUftKndig wa- 
ten, was gar nicht zu verwundern war, da feit ihrer 
StMeinun^ (1736 bis 1739) ein Zeitraum von 60 Jahren 
▼arfloütei ü^, während daJETen ein» grofse Anzahl neuer 



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t4t Fetmijcht9 Nachrickt^fU 

\ 
Dirier« GolöBieen und Vorwerke ete. «iigeleft wordtti 

'fiDd. Blau k«tia Gcli dayon fehr bald fiberzeugtn » weim 

»an Xolcbe mit den Beitrfigen rergleicliti welcke der 

^Bveslaufche Camtuer-Calcalatör -Herr Zimiturmann ket« 

«ttsf egeben bat. Dies , nnd da die Platten ik:bon fö ak- 

genutet waren , dalt iie neu aafgeftocben werden mnli- 

ten y veranlaTftte micb der Homannifcben Handlupg , alf 

Verleger dief es Atlalle»^ mein Exemplar mitsutbeilen, wor* 

%Vki ich TOB Zeit zu Zeit alles dasjenige roth bintoge» 

tragen und corrigirt batte , was ich durch die BemfiboDg 

guter Freunde und Reifender erhielt, und was ich Telbft 

Text Ti^n Jahren gefamlnelt hatte. Auf diefe Art find 

bun bis jetzt nachftebende Blätter vermehrt , nach dss 

jettigen Gränzen der Kreife verbeflert und die nenca 

Durchftiche und Cattäle A<ttOder nachgetragen woiikg 

und unter folgenden Titeln erlchien^n: / 

l) Üat Fürßenthum Gtogau in feine 6 tandräthUchen 
Kreife, Glogau, ^reyßadt , Guhrau, Sprottau^ Grä«. 
berg und Schwiebus getheilt ^ mit dem Fürfienthum 
Carolath. Ehehin gezeichnet von iVieland und ver* 
hejfert potn Ingenien r - Major Schubnrth, jetzt eher 
umgearbeitet und vermehrt von D. F. Sottmanrt. Mit 
Homanns Erben l8o6* 

(Dielet Blatt ift im Atlas das dreizehnte.) 

' Die binzngetragetien Ortfchaften find folgende : 

a) im Glogaufchen Kreife : Glashütten an der QtMik 
des Grünbergifchen Kreifes und des Herzogthums War« 
fchauy ein aus 15 Feuerwellen und i44£inwohnem befte« 
«hender zu Grünwald (nicht* frünwald^ gehöriger Ort| 
i^^eu- Schlabrendorfy eine Golonie^?on 35 Feuerwellen und 
106 Einwohnern; Neu^Otterstedt, gle;cb falls eine Colo-* 
nie Ton 14 Feuerüellen und 72 Einwohnern , beide de» 
Grafen t^« «Sc^'a^rem^O}/ zugehörig '^); ferner: Setffinen^ 

grufid 

♦) Dlefe fämtlichen Ocrter liegen in dem ifolirten St^ck^ 
. des Glogauer Kreifes , welches nördlich an den GrüAbrf- 
fer Kreis und an Ait Hsnogthum Wasfchau fr&nat« 



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Verm ijih i€ Na t^'k richten» S43 

gfund^ ftii ^r nörfflidi«!! QtKme dei Ffirfteftthumi Ca* 
roituh ton 4 Feiwrilellea und 23 Eiawohneim* 

J^ßphhof^ eia Dorf am tidrdliohMi End« dei'über 
•ine Meile fangen ScMawetr See* gelegen ^ Ton 8 Fentr- 
ftellea und 32 EiBwohitern. Schäferei* V^rutttk bei der 
Stadt Schlawa ; das zum Dorfe TJchepplau gehörige Vor* 
werk Carlsfeld von 3 Feuefitellen und 15 Einwohnern^ 
Marienfeld von ^ Fisuerftellen und 11 Einwohnern; die 
mit dem' Dorfe Alt* Kranit verbundenen Beiden Vorwerke 
ftitienfeU von 5 Einwohnern und Schäferei* Vorwerk 
von 11 Einwohnern I Katfch* Vorwerk von 7 Einwohnern 
SU Neu* Kranit gf hörig, von Welchem e« | Meile weft- 
lich an der Gtänse des PürD;enthums Ca roZai^ liegt; Glo* 
iifchdotff eine Teit 1770' erbaute Golonie, der Stadt Glo* 
galt gehörig, von 16 Feuerwellen und 96 Einwohnern , t 
Meile nördlich von der Hauptlfodt; da« Torfihaus da* 
felb^y das tu Rheinberg gehörige an der Oder liegende, 
einxclne Feld -Vorwerk Perfchke von g Einwohnern, dai 
dem lungfemltifte zu G/o^au ^gehprige Vorwerk Oppaeh 
au der Oder gelegen von 3 Feuerwellen und 16 Einwoh- 
nern , die Klingen - ♦ Petzel - , Clofter- und Linden - Muhli 
bei GlogaUf das Neue f^orwerk dafelbft; das zu Biegnitt 
gehörige Berg* Vorwerk nebß Tehrhaus^ das Oder ^ Vor* ^ 
totrk^ die Brieger Fehre^ die Sand- Mühle bei Beutfeh 
und t die Sand* Mühle bei Schiatzbau ^ die Tauten -und 
lieber 'Mühle bei Ober • Herrendorf ^ fVilhelmsäue, ein zu 
Priedemoß gehöriges Feldvorwcrk, dar zu Gratnfchütt 
fehörii^e Gräm* Vorwerk , das Dorf fValddorf zu Simb^ 
Jen gehörig von 4 Feuerwellen und 33 Einwohnern, das 
Wirthshaut der Schwarze Adler beim Dorfe Priedemoß 
gelegen, Pritdrichedorf tua Schwarzwajfer gelegen voa 
39 Einwohnern I das eben dafelbit befindliche zu Riet» 
fchütt gehörige Teich* Vorwerk^ die^ zu Pinquart gehö» 
tige Koslinsky* Mühle f die Goldbach- Mühle zu Grafs* 
Bräditz und die Eich -Mühle zu Kummerink gehörig, das 
Vorwerk Einßhcf oder Emß Vorwerk^ daXelbft , die Pul* 
nr* Mühle bei Trebitfch^ das Sophien* Voru^erk zwifchen 
Croß^Logifch u. Töppendorff Belegen* Vorwerk Zu Te/j- 
Hendorf gehörig .mit 1(3 Seilen, ^ die Golosiie QuitenßMdt 
JL Q. E. XXV IlL Bdt. 3. St. R 



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944 K^^ ijc:ht^ N,a chrickten. 

•wif^iiM B€md^rf ^nd Haynh^ mk.5 F^w^l)«ii «ad 
28 Eittwohnerji, Schäferei- Vorwerk %u. Buchwald :*gßlk^ 
rig> Heinzenburgf ein bei Grofs-Heinzendcrf An qinem See 
«ngilegter Ort». Friedriehswaldtm^ ein9- £eit 1770 «zbaute 
«ColoMie I Mtile rüdöHlich von dev SUdt Poikirm ▼«« 
•15 Fe«erA^en imd 68 £inwo)iiierii. ... 

; * < *' 

b) Im FreinUdtilchen Kreife: das Freiheits " Vorwerk 

. iiebil Schitferei bei Uartmünrudorf ^ und das B^eiheitt' 

Voriberk am fogentiDnten Schwarzgraben bei Fürßetuu, 

friedrichsruhe ^ ein aus 34 Feuerftellen beftebender, bei 

Afinj-Aa^eit liegender Ort, Ntudorf^, ein ebenfalls mit 

Koiu^a^ert verbundener Ort> die fpgenannten Stn^CMu" 

fer bei O^er*£o^raii^ und die Biifcbhäufer bei Neudorf; 

das Freiheit! ^ Vorwerk am ^Schwär zgr ab en bei Lieb/chün; 

die itf/tc FeAr« an der Oier unterbalb Neu * Salz; dM 

Jägerhaus bei Kölsch, an der 0^«r und die NeuhÜt^ir 

bei Kalt " Briesnitz* « 

e) Im Gti^raufchen Kreite , ttnd zwar i) im uSrdli- 
then ^heile: Johannisf et df eine zwifchen Logifchen and 
jReicAen feit 1770 erbaute Colonie von 9 Feuerftellea mit 
33 Einwobmern» Friedrichsau j eine Colonie, welche feit 
1770 bei Obet^Lünhen nicht Weit von der vorigen mit 
20 Feue^ltellen angelegt worden, Worin 86 Seelen wolle- 
nen y Landhäuf er bei Nechtau aus 7 feit 1770 angelegten 
Goloniften - Stellen beftehend, das Schabenautr Wald-VoT' 
werk unweit des vorigen; Ober^^ Mittet - und Nieief" 
Friedrichsivaläaü^ drei von der Stadt- KMmmerei zu Guh' 
rau 1770 erbaute Golonieen , erftere von 8 FeuerfteUen 
und si Einwohnern liegt J Meile lÜdlit^h , die cWeille von 
11 Feue1|^ftel)en und 52 Einwohnern liegt J Meile 5lt* 
lieh und die dritte von 15 Peneritellen und 90 Einwok« 
nern liegt J Meile nördlich von der Kreisftadt; ' Obit' 
Schüttlauer Wald - Voriuerk^ } Meile füdweftHch voni t)oTfe 
gleiche» Namens ^ das Schüjer» Vorwerk eben dafelbft 

2) Im (fidlichen Theile: K'dbner- Wäldchen ^ ein Etk« 
, bliCTement an der Oder^ fVatdhaus ( Meile von der vor* 
bergehenden , Kohlkäu ftr^ gleichfalls ander 0<^r, heftehf 
^«ut. 2 Priiigiirtnev S«tHe;4>ii»t 77 Einwohnern. 



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Fi im ifcht e- N it&hr^tc<htmn^ Äff 

iMfX; bei Sprottau^ swei tum ^iia^f«ra(Hft& diefer Stadt 
gehörig Dörfer, erfteret vo». 27 F«itfCsAeliea »nd 1421 
£iiiw6litfeni> und letttent von ^ FiiueWMIe» nild 64 
BiBWohnern; Hof^pe UühU, ei» Qi6t ai» Id getutmiteit 
Bilir^BTtiche]>6im Dorfe- J^ieM'o^«» 4)der ltui$ka^; Eck^ 
trtswül^ Hfldr SprbUUfhmuUde^^ t^tk tf^ trbaate CoYo«. 
itieen im Walde zwiklhtn den Dörfern Zauchf und Nie^^ 
dtr-Ltfchenf 1} Meile Iftdöftlich voa^ev K^Äsftadt^ er- 
ftere von 28 Peucrilellen und 135 Einwohnern, undHetz« 
tar^ föu i6t Feuerft eilen, und B? Einvcoliaeray Fekte^^ein 
cinxeLves^ Hfiaa^ unterhalb Rejith^ am Spre^a Plufi , der 
bei Spro^aiL in. dia ßoi^r füllt;, die Bruchhäufir. da£«lbft^ 
* d^e jU4W|r'~'^''^f^^^^ Lauterbofihi di^ Papier" u. Sand^ 
mubi$ i^ei Prinicßnau , die HammermjUhU bei Ober-te-^ 
/c^^rei» Hüttenwerk iron jj' Hütten, Beamten - Wohnun- 
gen und. d Hütten und BergmannshMufer; Heilige Kret* ^ 
Mäi»,. ein au de? Gräns^fi ^^et Pürften^um«. Tauber gel«- 
fsnor Krn|;« . 

e) |m Öründergtcii^n Kreifer die N^euKaufer ftefmr 
Dojpfe tanßtz^ J Meilen iiöirdKch von Grünberg; Neuif 
irugvaxd Fröb'eU'Muhf/e titi der Orfer zwifchen Läßchert 
mid Pölnifch'Neikau^ äie Snüermann^i Mühh bei La/i-* 
dien an der Neumärkfchen Gränxe; Meileiche , ein zum 
P^t SeiJ^rshalz gehdri|^ Gafthöf ,. ij Meil^ nordnoud- 
weftlich ¥0» der Rreiiaajdt, a«f de» He^r- undl?oftftrafte 
»^ Ci^oAen i dae Neuenhäu/er zwiTcJien GrünJ^r^. und 
&Äifr#dor/ bei Schiein y hei KUifätt und bei Karfchin^ 
Al» Tom^flrt«n-^l(ori^rfejMHi Ochel^Mermsdorf gehörig, 
I Meli« füdlich. von dßV^Kjlei«Äa4t;. MphatJ^h^ l^i^erk^ 
l Meile nardlich von Grünkerg;; der ;Dorii. .und a^'i/«- 
-ÄTmg zwifchen Prittag und Tfchichertzig ^ das zu Loor 
gehörige Vorwet* .ftö45«>er^ ; da* ÄTa/i- .^^rm^rfe zu 
Schwarmitz ; die !'»>/ - und ' GeWtz - Mühle dafelbft 5 daa 
D^iJE JtfiiWdör/e/ .hart a» der Qränze des. Züllichauer 
liitüt^ itL der keumarfc hei *trebfchen, die Bu/c%-Mühle^ 
Sfllhei^ßiUn^ Mühle niid Stein- Mühle am fo genannten 
ii%fieftelbaGh ^ das Neiie Torwerk und die Ziegelei am 
^rev^^ßch^ die Krampf -Mühle zwifcheu Ltkwald und 



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S4# V €T mischt m N^^hri^ihten. 

Drentkau; die beidra nen mmg^lßf^ten WimdmühUn M 
B0 bering; dmr P/änderhaiu und die Kukawa • MühU m 
der Oder daCetbftf der AnhaU^Krug beim A.ilsfkiCi dei 
Öe^eZ-FlnlTe« 'in dl« O^r; f^&o Bnfch^ Mühle cwiXehea 
ZiiAn iind^ Z>r4{/c^aU!;. dal zH^Milttigg^htige Prenkki" 
Vorw>er1c', Üfit Btrg- Vorwerk d%£e}bSt; die Loqfer Fehrew$ 
4 FeuerfWI^n b^ftohead; die VormmAm-Schutnowhä^ Dick* 
ßrauchy (tu Bovadel gehörig) ^hiuCfhorß uad da» tll 
Fiming feU^vi^B Zi*g€l*V0rw€rk^ 

f) Im Schwiebulfer Rreife: Friedrichswerder ^ ein« feil 
2774 eine halbe Meile woltTjch von der Stadt ^chyoitht 
etablirte Golonie von 20 Häuslerftellen und 86 Einwoh* ^ 
nern; da« 5t|in., Stadt ^ unii See- Vörwerh\ dM Nm 
Vorwerk und die Schilferet bei Kutfchlau\ die Cotoflit 
Ft^iedrichs - Läffichen mit 10 Ve^erftellea unjl gJ^'P^rfo- 
Mpn ; Klippendorf , eine feit 1774 erbaute Colonie von 10 
Häuslerßellen und 66 Binwol^nern/ i| Meile rfidd/ltidi 
von der Kreisftadt; Friedrichstabor desgleichen von 10 
Häufler /U!id 48 Seelen , beide «um Dominio Rackau ge- 
bi^rig; Friedrichsfelde ^ eine feit 1774 etablirte CoTonit 
tum Dominio Ri/ien gehörig » l| Meile ftidlich voii dtc 
Kreisftadt mit iq Freibäuslern und 43 £;inwobnerii. 

2) Das Fürftemhüm Neyffe ifder Gtothau naffh denpaii 
Kreifen Nejjfe und Orotkcu^ ■ nebfi dem unter i^l*'- 
reichifüher Hoheit fiehenden Theil vorgefiellt» Ot* 
zeichnet von J, W. Wieland^ dann vom Ingenieur* 
^Major Ifon Sehul^Hrih berichtigt, fkt€t e^er umge^r* 
biket und vermehrt von D, !F, So$zmann^ J^ümbir^ 
bei HoHianns Erben ^ I806. 

(Diefet Blatt iH im Atlat las füufle), 

a) im Neyjfer Rreife find Kinzugekommeti ; ICoKU^ 
dorf^ nnch Rofs- Vorwerk genannt, | Meile weHllcli ron 
der HauptiUdt von 8 Feuerftellen ; Ober * und 'l^wrf#r* 
Kupferhammer^ | Meilen füdweftlich von Neiffe^ beide! 
Freigüter, erfteres aus 6 und letzteres aua 2 Feuerftellea 



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Vermifehte Nachrichten. , 94; 

biftehetid; die Vitwegs ^ MühU unweit der H4U9tft«d|| 
^fardtllick^i Meüe öiUich toh der Hauptftadt, ein dei^ 
Briefuiten zu Ntijfe gehöriger Ort, | Meile füdöH^ 
Ufth ron der H«i]|>tftadt Ton 19 FeuerHellcQ. ni»4 93. ^9r^ 
wohner«, 0^§lUn4orfy ein Dorf nahe bei den votheig«- 
henden von 93. Feuerftellen; Schuf €rti eben da/eilift, ein 
herrl^hcfiUches Vorwerk , welches dem FörÄ j^iXchpf ge* 
hört; NUdtr^ Und Mitul- Neuland ^ eiu | Mfile fü4Qft* 
lieh von der Heuptfttfdt liegeitdes Dorf, beide entha^tejf 
]Ii Fenerliellen; das Freigut Kalttnhtrg bei Rückerswaid^ ^ 
I Meile füdweÄli^h von Nei'/se^ Ni^dtr ^ Ton- Mühle nnd 
Ober-Mühltf zwei WaiTermÜhlen bei Oppersdorf; Feld» 
Krttfcham^ ein Krug bei Grey/m^ an der Oppflnrcben 
Qrlnte; die Stroh-Mühle bei Aluwalde; der Ung^r-. Berg 
twifchen Oppersdorf unU Hejrdauj der Hoppen • Berg zwi- 
fchen Prejrland und ' Efldu ; der kleine Hof^ eine Yltter* 
ntfsige Scholti^rWi bei dem bifchöfüchen Dorfe ' BU 
Jchojtwalde y i| Meilen füdlich von' Neifst von 5 Feuer* 
ftfllen, Neu*t>örfeliafe\m Dni^e B^rkmdorf; Aie Otänt- 
Mühle und deJp Gränz*'Krug a J Meile füdlteh ron Neijw 
an der öiterreich •< fthlcfüföhen GrSnze; Waid- Vorwerk 
oder JValddBrfeif ein Vorwerk di«ht bei der Stadt Zie* 
genhals; die Ludewigs - Mühle bei dem Dorfe Ludwigsm. 
iorf; Einßedel bei dem 3} Meile rtidüch von Neiße, gßr 
legenen Dorfe Arnoldfdorf; der Schlofs >- B*rg und dit 
Schiffs »Koppi oder ^ränrm-fiergdafelbft. 

i ** ... 

b) Im Grotkauer Kreife: der Pfaffen* und Galgen* 
htrg I Meile nordweHlich von der Kreislt^dt; die Ö/ZT-* 
^<r Mühle unweit dem Dorfe gleiche; Namens^ die 
Berg^ Häufer bei Seifersdorf und der Kuh- Berg (jarelblt, 
die Vorwerke Oberhof und Riedeherg bei dem Ritterfitze 
Hertigswalde 2| Meilen weftlich von cter Stadt Otmachdu, 

e) In« dem ^ibenreichfohen Antheile ; Landshug^ ei« 
Dorf 9 l| Meilen Xüdlicb von der Sudt Fatfchkau. 

An der LaoRtzer^drXnzei der Grün« -Berg, der Krehs* 
Grund \ die Grünt -KapHU^ d/tr S^itzhtrg und die Schmiß 



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948 Fei^'mifehte Nachrichten. 

Mt'Xofpt; im Innern: der Kohlnein und rechts dame^ 
inen dai Dorf MBlttndorffel ; femer der Mnerhof zwt^ 
fehen Saubs^rf und. Grofs-JCunz^ndörf^ an der öftlicheä 
GrinM twifchen den Städten ZuchmanuP und WVtrhtt^ 
thml; dat Dorf Vorwitz hei Hetmßadt und der Sfiiihirg^ 
Bei Ff^rbenthal zwifchen der Mittel^ und Kleinen- Opp^ 
der Sehlo/s^^ Büttner» und Br^nd-Berg und di^ fo ge- 
iiannte SckUifmuhle; an dier Mäli^iifdien, Gsänz»: -ei» 
^äferhausn . 

|V. Di» utVrte Charte ift eine neue^ 

BtneraloharH det- KönigteichsSachfen tir 2 B|<itf#m' voar 
Ä. 1». L. ^ 

wel<^ha ittr dex Kunühandlung von. H« Kitnvr in Dresdin 
in iohannit dial^ Jalures erXcheinan loU*. 

Iah habe Gelegenheit gehaht , e|n#ii. Probe^uck ron 
ungefähr | THeil dei Ganten, su fehen» worauf der %x^ 
pferhecher Keil bereits einen. Theil des Gebirges mit den 
nufsgabieten meifterhaft ge^lochen hatte ^ und. kann, da- 
her verficherl^ da£f . maü lieh von diefer Arbeit viel Gntei 
zu ^Yerfprechen hat. Die Meile* iH ungefähi' Einen rheinr 
SUtdiföheuv ZoU grof«. Die Gharle exitreekt . fich. nach 
der Befchreiboag gegen Norden bis ßraw\/chweig und 
Berlin , gegen Oßen bis an die fchlelirche Granze , . ge» 
gen Süflen bis Prag^ £^«r nnß. St^hweinfinrt^ g^fü^n Wc- 
•hfm bia Göttingen und Eifenach,, Sie lA (wiewohl in eig- 
nem dreimal Co grofsen Ma£il^abe> naqh dem. Vorbilde 
der duxch das D^pöt de la guerre zu Farti hecausgeg^ 
benen Charte tou Frankreich angefertigt; d. h. man hat 
eine vorzügliche Sorgfalt auf die Da^rJlellung der. Ga* 
birgs» und WalTerzuge, fo wie der StrafSen^Gommnnica^ 
tion verwendet y und nur eine lolche MalTe von Oertern 
anfgenommen , äla dem Mafsllabe und' dem Zweck» der 
Charte entfprechend' iH. Diefer AnQbht gemäfs enthält 
di^ Charte: i) alla Städte, und nur diejenigen Dörfer^ 
welche fich durch irgend eine hiftorifche oder ilatifti- 
Iche MerhwtUdigjtelt atmaifihna»« Duirch icexfchiedjenfi 



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Mk Jeicht sn unterfch^^nd« Bezeicbnung wfrden. 6«* 
wcrbs* und HandelsHädte , Bergwerke , Garnirouen ,. Uni« 
▼erfitaten , Sitte der Regierungen u. f. w. kenntlich ge<k 
macht. 2) Alle Fluide » Seen und Bäche mit der erlina* 
licbften Genauigkeit^ 3) Sämmti^che ^>birg«ziige und 
Flufsthäler mit mö^liclift genauer Andeutung ihrer HnjT* 
lern Form^ nämlich den ganzen Harz, den Thüringer» 
Waldy da« Kfiöngehirge^ einen Theil des Fichtelgebirgts^ 
den SaaU und Franktnwald^ nebft den Toigtländifchen und 
tliüringirchen Bergtügen, d&B Erzegbirge^ das böhmi/ch^ 
Mittelgebirge^ daf Laiifitzer und einen Theil des Sude-^ 
tifchen Gebirges» 4) Alle Handelt* und PoftßraTsen mit 
ihren Zwilchen« Coramunicationen. 5) Die Lande«- uad 
ireiigrättxen. 

Es wird fich diefe Charte aielit allein alt eine tweck* 
nSTtige Poft-- ui(d Rejfecharte gebrauchen laiTen, lon- 
dern (ie erfüllt «u gleicher Zeit alle Anfprüche, die man 
■n eine Charte machen darf, welche zum geographi« 
fchen Schulunterricht benimmt i(t, und fchcint ffir dat 
nilitärifche Studium der Gfichichte des ntueften^ lo 
wie des fiebenjährig^n Krieges ein unentbehrliches und 
hiihtr vergeben* gefuchtet Hülfsmittel zu leyn. 

Die ^nutzung aller bekannten guten und fpecielle-* 
ren Materialien , worunter fich manche noch nicht edirt« 
befinden, die perfönliche BekanntCchaft des Herausge<* 
bers mit dem Schauplatz der Charte, Fleifs und Accura- 
teiTe im Entwurf, Taubere Ausführung von Seiten des 
Kiipferftechers, Herrn Keil in Dresden (wovon derfelbe 
ia dem ror mir liegenden Probedruck eines I^heils die« 
fer Charte eine rühmliche Probe abgelegt hat) berechti- 
gen den Verleger zu der Verlicherung , dafs er dem Pn« 
blicum ein Product überantworten werde, wie im glei- 
chen Mafsftabe jnooh kein ähnliches vorhanden iH, und 
das den Beifall der Kenner und Liebhaber unbezweifelt 
▼trdienen wird. 

Bis zur nächften Leipziger MelTe kann auf die ganze 
Charte mit zwei Athlr* lächf, (d. h. in Conventions« 



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#^ Wermifchts Nachrichten. 

li/liSinf nach dem so Gnldeu > Fufs) uuf die w«ftBcbe 
Hälfte, oder die Charte von Thüringen ^ desgleichen an! 
die eftliche HSlfte, oder dit Charte vön der Lüufitt'*) 
auf jede hefonders mit Einem Speciet thaler pränumerirt 
werden. **) 4|lsdann Icoltet das Tollftändige Eiempiir 
3 Ethlr.y jedfe Hälfte allein i Kthlr. i6 gr. 

Berlin den i4ten Febr« 1809* Sotzmann. 



*) Leipzig fällt auf die von Th^rinf en , und Dresden sni 
die der LatiÜtz. Anch wird crltgenannte beftimmt bii nr 
befagtcn Melle ausgegeben werden. 

♦») Wir nehmen Pränumeration darauf an« nur muls lolcb« 
Bndc April d. J« entrichtet werden« 



Dm 6M>f«^ laMlttt» 



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Termijchte N achrichten. 2^{ 

3- 
Neueßer Titel des Kaifers von Rafsland. 

Nach den neuelten Aecfuifitionen ilt nunmehr folgen- 
des der Titel Sr. Maj. deJ'KaHer» Alexanders: 

Von Gottes hülfreieher QnßAtf^ Wir AJjMeandfr der 
Erfie^ Kaifer und Selbftherrlcher a}ler K§jxUen^ Zaar zu 
Moskau , Zaar zu Aftrachan , Zaar von Sibirien , Zaar des 
Tanrifehen Cherfonee; He»r v>o« Pfkow und Grofsfürü 
Ton Smolensk, Litthauen, Volhynien , Fodolien und 
Finnland f Furft von Efthland, Livland, Gurland und 
Semgallen, von Samogetien, Bialxfioky Karelien, Twer, , 
Jogorien , Perm , Wätka , Bolgarien und anderer ; Herr 
und Grofsfärft zu f<fowogorod desr niedei^ X^andei» zu 
Tfchemigow, Räfan, Polozk, Roftow, Jaroslawl, Belo* 
Xe?o, (Jdorien, Obdorien, Kandien , Witepsk, Mftislaw^ 
und der ganzen nördlichen Gegend Gebieter , und Herr 
der Iwerlfchen, Kartalinifchen , Grufifchen tind Kabar« 
dinifchen Lande; der Tfch^rkailifchen und Gebirg«£ür- 
ften und anderer Erb- und Lehnsherr; Erbe von Nor- 
wegen ^ Herzog vom Schleswig -Holftein, Stormarn, Dith- 
Biarfen und Oldenburg u. £. w. u« T. w. u. f. w. 



A Q. S. XXrilL Bds. %. St. 



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Druckfehler im lanuar Stücke 4er A. G« £pll^ 
meriden. 

S. 22. bei der Volksmenge des KSnigireichs Italien, feUt 
man 6,656;6S4 ftatt 1,656,684. 

8. 97« f. m. Jurinc Statt Furiue , Jade ftatt Fade. 



Druckfehler im Februar Stücke der A. G. Ephe- 
xneriden« 

S. 227. Zeik l, lies XXIV. Aatt L. A. « , 

S« 229. Zeile 14, bei Waterford lies 51 ftatt 5. 



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INHALT. 



Abhandlungen. ■ 

I. Allgemeine Ueberfiokt der lammtlichen geogra« 
phirchen Veränderungen und Fortrehritte der 
Länder* und Völker - Kunde im Jahre i8o8« 
(Fortfetzung und Schlufs.) . • . « . 11$ 

S. StatißiTches Tablean des Enropäilchen Staaten- 
Syltexns. im Jahre i8o8. • • • • • H^ 

Bücher • Recenfionen» 

I. Ueher den Bau der Erde in den Alpengehirgen etc. . 
Ton J. G. Ehtl, (FortTetzung.) . . . 153 

3. Voyage k Peking, Manille et P Ile de France etc« 

par M. de Guignes, . . . • • * 173 

3« Journal d*un Voyage dans la Turquie d'Afie et 

laPerte etc. par M.*A. de Gardanne, • . 182 

4. Caßellan (A.L.) Lettres für la Mor^e etc. . 186 

5. Humboldt {A, de) Eflai politiqne für le Royaume 

de la Nouyelle - ETpagne. Livr. i. T. IL • I9S 

Vermi/chte Nachrichten, 

I« Sammlung von OrtsbelÜmmungen« (FortTetzung) 
Grofsbritannien und Holland; von Hm. O. Lient. 
Streit. . ^ ♦ aai 



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954 Inhalt. 

%. lieber Hrn. Kr. R. Sotzmanns neue Charten ▼on 

^en Preufs. Prorinzen u. Königreich Sachfen. 24# 

^. Neueiter Titel des Kaifers von Kulsland. ^ 351 



Zu diefexn Hefte gehBrt: 
^;^ Das Portrait des P. Paulin .de St, BartheUmy, 



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> t 



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CB.ll?ADSTBÖ3t 



^^^td. 



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Allgemeine 
Geograph^itche 

E P H E M E R I D E N. 



XXyill. Bds. Drittes^ Stück. März 1809. 



ABHANDLUNGEN. 



L 

Ueber die 
g eo gr ap h ifc he Literatur^ 

ihren 
gegenwärtigen Umfange und ihre noch auszu- 
fallenden Lücken. * 



Ein fragmentarifcher Verracli» 
(Gerchrieben am SchlniX« dea J. iStiSJ 



^o wie eine allgemeinnützliche Wiffenfchaft -^ 
fcefonders wenn fie, wie dies bei der Geographie 
Äer Fall ift, zur Lieblings - Wijjinßhaft ganzer 
X O. M. XXrm. Mds. 3. ^*. T 



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356 Abhandlungen. 

Nationen wird -^ fchtfelt und hoch auTbluht, 
von allen Seiten begünftjgt, au! die oberfte Stufe 
erhoben; von zahlreichen Verehrern genährt, ge- 
pflegt und bereichert , y.pn p][iijkorophifchen Kö- 
pfen aufgehellt ,^ von fleifsigen Gelehrten forgfam 
angebaut, von den aufgeklärteftexi Völkern wett- 
eifernd ausgefchmückt und vervollkommnet , und 
(elbft von den Regierungen grofser Staaten beför« 
dert , unterHützt und reichlich belohnt w^rd — fo 
entwickeln lieh ihre Vorzüge immer mehr, fo er- 
hebt lie lieh im fchönften Glänze, und ihr Gebiet 
erweitert fich bis ins ünüberfehbare, fo 4afs kei- 
nes einzelnen Menfchen Kraft es mehr allein zu 
umfpani«^ Mextpei^l 

So jetzt die Geographie] — Sie, erÄ die 
fchwankende, unvollftän^ige, unbeAimmte Kunde 
eines unbedeutenden Fleckchens Erde — Kennt- 
nifs des Wohnorts aufkeimender Völk^rfchaften, 
die oft ifer^ ©ächftAn Nachbareji nicht kannten —f 
dann die Mährchen - ßrzShletin der abentheuerli- 
chen Miräbilia mundi — für deö Neuling iß alles 
neu und wün'delrbcnr -^ weiterhin die unfichere 
Wegveiferin g4»laddurüiger A^entheurer und die 
Aufbewahrerin der Handwerksburfchen-Erzählun- 
gen, untmterrichteter Wagehälfe j und endlich nun 
zur WifCenfchaft erhoben ^ im hetrlichllen Glänze 
ihrer ho9ta^fgehlHhten S^h^nh^it — die Lehrerin 
der Jugend aller Stände; die Rathgeberin des Re- 
genten und Staatsmannes; die Führerin Aes Spe- 
culn^^eö^ d^sfr Seefahrers, .des Kriegers, des Ero- 
berers ; die Vertrautet des tiefdenkenden Forfcheu; 
die traulipbe Qejä)irtin des pilgernden, Weltbäri 



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Ab handlungtn, , «57 

§eri; die unterhaltende Gefelirchafterin de« Ge* 
tchäftsmannes f der am kühlen Lebensabende aus* 
ruht; die Gefpielin aller Müfefi; eine WohUhäte* 
rin der Menfchheit ! — - 

So fteht nun die Geographie , von ihren 
Schwefiern umringt und unterüützt, in Ichonftet 
Glorie da, und verbreitet Licht, Wärme und Se- 
gen weit um fich her. 

Ihre Gefcbichte, wie fee zum Theil fchon 
ton Meifterhand *) fkizzirt wurde, entwickelt den 
Gang ihrer allmälichen Fortfchritte und zeigt, 
wie fie nach und nach durch Kriege und Völker* 
Wanderungen, durch Speculations- und £ntdek- 
knngsreifen, Wallfahrers-Pilgerfchaften und Wan^ 
derlchafien von Glaubensboten, mit Hülfe erfahr* 
tk^t Gelehrten das geworden ift, was fie [etzt iß. 

Mit dem lorgfältigern Anbaue und der immer 
hoher getriebenen Aufhellung der Geographie hat 
fich auch das Gebiet diefer Wiilenfcbaft lo fehr 
erweitert , dafs nun felbft das geübtere Auge es 
kaum noch zu überblioken vermag; — und es er* 
weitert fich noch täglich mehr! 

Wie viel gehört nicht jetzt fchon zu dem 
gründlichen Studium diefer fo lehrreichen, loh- 
nenden, allbeliebten, nützlichen, ja unentbehrli- 
chen Wiffenfchaft! — Der Geograph mufs hinrei- 
chend aftronomifche und ein ziemliches Quantum 
mathematif^er KenntnilTe befitzen, um mit den 

*) Z. B. von Sprengelf gfewifTer Mafsen auch von 
Herder in feinen Idef»n zurPhilofophie der Gefchichte ' 
der Menfchheit , u« A, m. 

T a 



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358 AhhandluHgem 

VerhältnilTen unfers Erdballs zu d«n übrigen Him^ 
znelskörpern, mit deüen Geßalt, Gröfse, Ausmef« 
fung, AbtheiluDg u. f. w. genati bekannt zu feyn; 
welche Bekanntfchaft ihm ganz unentbehrlich ift. 
•^ Er mufs fich von der Phyfik in die GeheimnilTe 
der Natur einweihen laffen, um die innere und 
äufsere natürliche Befchaffenheit der Erde , des 
He umgebenden Dunftkreifes und ihrer einzelnen 
Theile gehörig kennen zu lernen. — Die Natur- 
hiAorie mufs ihm hei der Unterfuchung der PA- 
ducte der ganzen Erde, fo wie der einzelnen Län- 
der hülfreiche Hand bieten , um ihn mit den Er- 
zeugniffen de« Mineral-, Pflanzen- und Thier- 
Teichs näher bekannt zu machen. — Gefchichte, 
I.inguiftik und Philofophie muffen ihm bei der 
nähern Betrachtung der mcnfchlichen Erdbewoh- 
ner mit ihren Fackeln vorleuchten, und Anthro- 
pologie mufs ihm als Wegweiferin zur Seite gehen. 
— Mehrere andere Hülfswiffenfcbaften werden 
ferner dazu erfordert , um den Geographen in die 
nähere Kenntnifs i'owol der Erde überhaupt, all 
ihrer einzelnen Länder und topographifchen Merk- ' 
Würdigkeiten einzuleiten ; ja hier treten alle Wif- 
fenfchaften und Künfte zufammeu , um jede ihren 
Beitrag zur Vervollkommnung der Geographie 
abzuliefern. Die Theologie beleuchtet den Reli- 
gionszußand der Länder; die ArzneiwiCTenfchaft 
unterfuchi die in einem Lande endemifchen Krank- 
heiten und ihre ürfachen; auch entwirft fie medi- 
cinifche Chorographien und Topop*aphien ; die 
Jurisprudenz entwickelt das Staatsrecht, das Pri- 
vatrecht, die Jultizverfaffung u. f. w. jedes Lan- 
des ; die Oekonomie zeigt die Anwendung der na«- 



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Abhandlungtn» S59 

t&cliphen Staatskräfte, und die Erzeugung und Be- 
liutzung der Ndturproducte ; die Technologie lehrt 
(Ue künftliche Veredelung derlelben ; die Han> 
delswiHenrchaft belehrt uns über den Abfatz und ' 
Umtaufch der in einem Lande erzeugten Handelsi- 
waaren; die Alterthumskund« leitet zur Kennt- 
nifs dei aus den Vorzeiten übriggebliebenen Denk* ~ 
mäler» die BaükunXt führt uns zur richtigen Be« 
artheilung der Gebäude, fo wie die Malerei und 
andere fchöne Künfte zur richtigen Kenntnifs ande- 
rer topographifcher Merkwürdigkeiten» u. f. w. 
u. f. w. 

Es ift hier nicht der Ort, diefe fkizzirte 
Ueberfi cht weiter auszumalen. Genug, der (?0o* 
itraphhedarf mehr oder weniger der Beihülfe aller - 
Künite uad WifTenfchaften , und felbft dem Geo* 
grnphiefreunde find zum Verftändnirfe geographi« 
fcher Schriften, befonderd der Reifebefchieibun- 
gen, taufenderlei verfchiedene KenntniEe unent* 
^ehrlich ; dahin gehört denn auch die Bekannt^ 
fchaft mit der nautiCchen Terminologie. 

Von der Statiftikih hier abfichtlich nicht dib 
Rede, da fie jetzt, als ein ehemaliger Haupttheil 
Äer Geographie unter dem Namen der politijchert 
Oeographie^ eine eigene WilTenfchaft gewerden,. 
Äie 2vi?ar als Staatenkunde mit der Länder - und 
Völkerkunde noch ihni^ verfchwiftert iß ; aber 
nun zu Gunßen dör Staatsgelehrten eilote bePonde« 
TeDoctrin bildet, die des be Händigen BeiAande« 
einer*Menge von Hülf^iffenfchaften bedaÜT. — 

Za den immer wachCenden Sch,wierigkeite»,, 
di« du.hiex nur kurz angedeutete Umfang, des Qj^ 

. ■ ? ^ 

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36o Alfhandlungcnr 

biets der Geographie nothwendig ^etvorbriögtii 
mufs — es liegt aufser dem Plane und Zwecke dei 
geg*^nwärtigen VerfuchSj diefe Gebiete äuszume^ 
fen und kunftmäXsig niederzulegen — gehört vot* 
züglich auch die jetzt fchon beinahe unüberfebba* 
re und tätlich an innerer nnd äufserer Ausdeh- 
nung zunehmende geo^rapJiifchß Literatur ^ de- 
ren üeberblick der Gegenftand diefes Anffaz- 
jes ift. — 

Der Geograph und Geographiefreund koö- 
nen die Kenntn^ffe, welche zufammen genommen, 
gefichtet, geordnet und erläutert, die Geogrd' 
phie als WilTenfchaft bilden, picht aus eigeiaem 
Nachdenken iind Fo riehen , nicht aus^ eigenen Er- 
fahrungen und Anßchten fchöpfen; denn die G^o- 
graphie iß eine Gedächtnif«- WilTenfcbaft, eine 
Schwefter der Gefrhichtskunde^ <die, fo wie diefe, 
erft durch die Fackel der PbiK>fophie ihren fcbön- 
ften Glanz, erhält, und fo wie bei dlefer find ih- 
re Quellen die Erzählungen ü«d Berichte Ande* 
re^, .die fie kritifch prüft, , vorfichtig benutzt, 
in^ daa gehörige Licht fetzt, vergleicht ^ zuf^m" 
menftellt, das Befte herauszieht, und es mit Ge- 
fchmack verarbeitet, fyftematifch zufammenreiht 

Die. Berichte und Erzählungen, welche die 
Quellen dpx Geographie bilden , find in Betracht 
ihrer Form und Ausdehnung von verfchiedener 
Art, ali nämlich Land-, Reife-i Bezirks - un40^^^* 
befchreibungen , Staatsfcnriften und Memoireo, 
Aktenftücke und andere unffer öffentlicher Auto- 
rität erfchicnene Schriften ; wefche iiehenb6i gi^^ 

i 

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irapbiüäie EtläiKerungen emhaltttnv maiü^herlei 
venaifchte Auffiätt^ nnd Beitcäge zur Länder** 
Völkern und Staatenkuttde , kiireft Notizen ia* 
Zeitfebriften, ©ft Auch ki Werken verborgen, -die. 
nitbt eigentlich geogtaphifchM lah^lu iiad, Gor-* 
lelfioiidenz - und audete Nachridbteuy mündliche 
Mittheilungea u. f. w.; die fit^h theils «ef eigene 
ADÜchten und £rfahrungen, theils, auf.authenti« 
Iche handfehriftlicbe oder mündliche Erzähl an- 
gift von Augenzeugen gründen, % L w. • Solche 
Berichte, als Quellen lier Länder - Völker - und 
Staate&kunde , lie mögen gedruckt , oder noch 
UBgadruckt feju', machen, in rofetn Ge noch^ 
btauühbar und zuganglich llnd^ dib -geogr^a^phi'- 
/eh€ Literatur au^. . ; ; 

Eine tettvaute Bekak^ntfchaft mit diefelr geo* 
gripkißhem Lk^r^ur, ift das erlie Hauptbedürf* 
»ifr des Geog'taphenv[n6, ßeographiefriurid's, ins- 
l)efond^e aber des g€ographiJchen Schriftßellers. 
Denii, ft wie ein Baumeifter^ wenn er auch 
^«r gefefaicktefte Theoretiker ift, kein gefchmack- 
▼oUes, folides, ihm l^re bringendes Gebäude 
aaffiibren k.ansi,'ohiie genaue Ketintnifs 4er Ma* 
HHalien, aus welchen cdeir Bau 3iuramiii,engeretzt 
werden: f oll; eb^n Je und noch in einem höhera 
Grade -mufs der Osd^räphdxirchsLva 4^Z^ Materia* 
U«ii feines wiJTenfchaftUchen Baues genau und 
*Äch ihrem Sufs^rn und ini^ern Wörtbe kennen, 
rtd Zu Tchätzen witTeh , .wie es die geographU 
fdu Kritik ihn lehrt*). 

)^)iPi in diiBfen A. G* E. (B. XI. S» 4K4. f.) auch fchon 
ein fragmentarifcher Verfuch über die geographische, 
Kritik geliefert worden ift, fo wird hier nicht wci'» 

, ter darüber gefprochen. 



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969 A'bhandlungem ^ 

Dia Ktnntnift der geograpliifchen Mftterk« 
lien oder der fämmtlichen Qaellen der'Mlge» 
meinen Erdkunde^ (o wie der befondern Län* 
der^\ Völker '^ und Staatenkunde lehrt die Torge- 
A^cbte geographi/che Literatur ^ ais dieAufzdiöh« 
nerin alUi deü'en, was in bibliographifcher Hin« 
ficht in irgend ein Fach der geographifghen Wil« 
fenfchaften einfchlagt. 

Hier aber ftehen wir nun auf einer fteiltn 
Anhöhe und überblicken ein nnabfehbares Feld, 
das vor unfern Augen Geh immer mehr ervrei* 
terty und wo die Tchönßen Fruchtbäume nebea 
magerem Qeßrüppe^ der WeinAock neben Dorn- 
gebüfchen; die Rofe neben Sinkenden Blumen, 
das fchönfie Getraide neben DiAeln und Unkraut 
in buptem Gemifche durch einander ftehen; eiii 
wahres Labyrinth, durch welches kein Wegwei- 
fer den Irrenden leitet, eine Wildnils, v^n wel- 
cher nur unbedeutende einzelne Thefte durch 
kunAerfahmen Gärtners Hände etwas geordnet 
worden find; eine Gemeindetrift, wo Jeder, dem 
es gefällt, pflückt, ämdtet, weidet, und. nur We« 
»ige es ^ noch gewagt iubea, kleine Stucke an- 
zubauen. Bies ift das weite, bald unermefslif 
che Feld ünfrer geographißften Literatur. — 

Diefe geograpkijche Literatur ift, einzelnt 
Lücken ausgenommen, überfchwenglich reich« 
ja fo reich, dafs ihr ganzer Ueberfaiick nur mit 
vieler M<\he von einem Einz^en umfafst wer- 
den kann; und doch, wie nothig, wie unent- 



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' fcehrHck ift diefer GefaxnmmbeKblick )ed«m wah* 
reu Geographen! Wie unumgänglich nothwendig 
iß ihm die genaue und kritifche Kenntnifs aller 
Quellen, atis Welchen er die Angaben, Notizen 
und Nachrichten fchopfen foll, welche das TyUe- 
matifche Gebäude äetLändef-f Völker^^ und Staa^ 
ienkunde bilden! 

Et wäre wohl fehr unnöthig, hier erft den 
tiglich zunehmenden Umfang, des Gebiets der 
geographi/bhen Literatur mathematiCch beweifen 
9U wollen; auch fehlt es nfcht im Minderen an 
Beweifen füx di0 unumgängliche Noth wendigkeit 
eii(ier gepftu^n B^l^nntfcbaft mit derXelben. Sol- 
che Beweife w^erden täglich häufiger bei der 
immer höher pufl^p^oirenden Blüte der gefamm- 
ten geograpbi/bJfen Wiffenfchaften und ihrer Li* 
teratuT. Diefes Bedürfnifs wird auch immer, fühl- 
barer, je weiter lieh das fchon überreiche Feld 
dieler Literatur ausbreitet, und feine Qränzen 
den unKewa£fneten Augen des minder Scharffich« 
tigen' entzieht und je weiter man Jich von djen 
Zeiteh en^Ternt, in welchen*die Erdkunde auf- 
shblühien begann. 

Leicht ilt es daher jetzt auch -^ an Beifpie- 
len davon iß hier kein Mangel -^ Goldkörnec 
aus längft vergefTenen alten geographifchen und 
hinerarifchen Werken herauszuklauben , hubfch 
neumodifch ausiuftafiiren, und dem lefeluAigen 
Publicum, als funkelnagelneue Beiträge zur 
neueßen Lander • und Völkerkunde aufzutifcfaen. 



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%64 AhhitndliMg€*^t. 

,6elbft Kennet^ find-^f^on auf lolehe WeiTe Bülkt 
feiten getäulöht worden *). i 

,^ Dafs esiedoch ^erdienftlich iß, alte vergef*^ 
fene» bisher ^nl?enutzt gebliebene geogrAphifche 
Nachrichten 9 .bpfpndexs von minder >j&kanntei]i 
Ländern, mit Angabe der Quellen^ ^^iedp zu 
Tage zu fördern, bedarf iLeines weitern Be- 
w^ife«. , .:. . ^^ , ,..., ^^ 

* ' Von unlauteren Qttelleö, ja fogar al^fiebi 
lieh erdichteten Land- und'R^ifebirf(ibteibEitt|e]^ 
deren Angaben zuweilen fogar von Gelehrten lü 
Äiancherlei Beweifen,» ja felbft^'ttfr StStze^fchii^ttf- 
Kender Hypöthefen gebraucht "Wcntden lind^ nnd 
VoA anderen Gift- und SchiAtfrotkerpHan^en , fo 
Wie -von dem kahUbren Unkranbd in dem w^Mf 
Felde der geögruphijchen' Literatur «u fprecbea^' 
itf hier der Ort nichts er wird fich aber ?iel-' 
reicht bald fihd<sn« -^ 

Es ift auch keiii Wunder, wenn felbft Man- 
iierv deren Scjtiarfiinii fonli; anerkannt ift, in die^ 
fem Fache vto faM<;h«^ Berichtgebern irre ge- 
führt werden; denn die Mode in eine Willen- 
fchaft zu pfufchen, die lieh allgemein beliebt 
geniächt hAt^.up[d;ih^em Diener , wenn er auch 
nur Lichtputzer in ihrem Tenfip^l ilt ,; wenigftent 
«in Stückch^a Bro4 {Candle - ends). verfpricht» 
ift fchen alt. Die ZahL derer, welche wie jener 
ungerechte Haushalter, fagen.-; ^^ßx^hen mag icl^ 
,)nicht^ auch fchäme ich micl^ zu betteln, dar* 

• "•■ -^ '■■' .- -^ . /.■ -A ,. . 

♦) Exempla funt odiota! — *Docli foUeh welche ander* 
wärts angeführt werden. 



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Abh an diu n g e i>. ^63 

Üttm f<^reii)ie ifch flug« — Bücher l^^iaehxtUch 
täglich; und *da«^och nicht Jeder Rbmane Ichinei^ 
ten kann, fo fällt ein Theil diefer unberufenem 
Herifen üb«]' die hübleheii Aecker d«$ t^-elde« der 
Geographie her , ' uöd fSet Unkraut unter den 
Weizen, -oder Schliefst fich an ias imitatofiim 
p4cus au , das hier Stt^ppeln für Aehireu f ammelk 

ßewirsift wohlinxugiferu.Zelteili in fchrif tftel- 
lerifcherHinfieht und um de« liehen Brodes willen^ 
keine WiffeUifchaft (0 febr zur gemeinen Buhl- 
dirne herabgewürdigt worden^ als die gute Oeo: 
graphie! — Mufttefi« ja fogar den Beutelfchnei* 
der Taurinius, : o^^ Damherger. ^nA CompaguA 
ihren Schleier b{px|en^ um darunter Gaunerütteiche 
Xpieien zu kö^nMil^ ; 

' . . . . n ■ . 

Zwar ift Tonf pichen Erzeugniffen des Hun- 
ger« und einer diebifchen Habfucht hier nicht 
eigentlich die Rede, fon dem nur von wirklichen 
Quellen und flälfs mittein ; da aber folche und 
andere Früchte der Schreibfeligkeit unferer Zei- 
ten, doch den Trofs der geographi/cherß Litera- 
tur und die Zahl der Büchertitel vermfhrens 
auch unter dem Schilde von diefen niöht feiten 
für ächte Quellen und hrauchhare Hülfsmittel 
Ängefehen werden wollen, fo mufsten wir doch 
im VorbeiÄeheu, ^üch von diefen Schmarotzer- 
pflanzen, Dilteln und ünkj-aute im Felde • der 
geographi/chen Lifefatur ein Paar Worte fprechen» 

' Im GaÄieii feöijfommen ilt die Zahl der gbo- 
graphifchen S^rhrifteu und Sehriflchen jed^er Artj 
wie fchoÄ %fem^r&t, zu einet -^ubgeheuem Gröfse 



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d66 Abhandlu ngstk 

angewachfeii, und nimmt noch täglich zu, «it 
ein Schneeball, der Tic h über d#8 befchneite AU 
pengebirg herabwälzt! — Zahllos ift die Schalt 
der Reife-, Land-, Bezirks- und Ortsbefchreibuii!- 
gen und einzelnen dabin einfchlagenden Auifatzt 
und Nachrichten! — Wer kennt alle die einzel- 
nen. topogxaphiCchen Werke nnd Werkchen , die 
oft nicht über die Glänze ihres Geburtsorts hin- 
anskommen ! -i- Wer kennt alle die Gelegenheits- 
fchriften, welche zuweilen interelTante g^ogra- 
pbifehe und Aatißifche Notizen enthalten! — Wi# 
viele Wichtige geographifche Schriften fchlum- 
snern oder vermodern unbenutzt in Bibliotheken, 
Jfrchiven und Trödelbuden! -^ Wie viele treff- 
liche geographifche Beiträge find nicht in ganz 
fremdartigen, vergebenen Werken, in beASubten 
Folianten und ephemerifchen Flugblättern zer- 
ftreut! — Wie manche wichtige Notiz entgeit 
dem Geographen bei dem Ungeheuern literari- 
fchen Reichthume feiner Wiffenfchaft, weil die- 
fer noch nicht gehörig regiftrirt ift! — 

. f ^ 

Schon die blofse Kenntni/s aller geograpki* 

Jchen^uellen und H'ulf »mittel ^ wenn fie durch 

eigenes Nachforfchen erworben werden foll, über- 

fteigt die Kräfte eines Einzelnen ; um wie viel 

mehr alfo nuch eine nähere, kritifche Bekannt- 

fchaft mit denfelben, die doch dem Geographen 

fo unentbehrlich ift; denn ohne fie kann die 

WifTenfchaft nicht den möglichften Grad der Voll- 

< kommenheit erreichen! — Litecaturken^itiiifs muff 

den Geographen leiten, wenn er mit ficherm 

Tritte auf feinem noch hie und d% ziemlich un* 



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Abhandlung e^i, §6/ 

gebahnten Pfade vorwärts gehen will. Aber die 
Erlangung diefer wichtigen Kekintnif« wird täg- 
lich fchwieriger, und ift es fch.on an lieh dqrcli 
die Mannichfaltigkeit und Verfchiedenheit de^ 
Quellen felbß, in Betracht ihres Alters ^ ihres Ur* 
iprungs «und Urhebers, ihrer mehrern oder n^in* 
dem Genauigkeit, VoUftändigkeit; und Glaub« 
Würdigkeit, wodurch ihr Werth und folglich auch 
ihre Brauchbarkeit beftimmt wird, deren £nt* % 

fcheidung einer vernünftigen geographlfchen Kri- ^ 
tik vorbehalten bleibt, zu welcher wir auch noch 
keine voUßändige Anleitung befitzen. 

Die vorhan4eneQ geographlfchen Hülfsquel* 
len lauen fich wohl in Bückßcht ihres innerii 
Werths am fchicklichäen auf folgende Weife ein- 
theilen. 

Nämlich in Urkundenwerke , Orf^inal werke, 
Halb- Original werke, und Stoppelwerke oder Com« 
pilationen. 

l) ürkundenwerke find folche geographifche 
Werke,' oder Schriften, welche wenigftens zur 
Geographie dienliche Nachrichten enthalten , die 
unter öffentlicher Autorität und mu der Sanction 
der Regierung eifchienen fin^. 

in fo weit folche Schriften Actenftücke ent- 
halten oder auf authentifche Documente gebaut 
find, verdienen fie immer den höchften Grad det 
Zutrauens und gelten in der Regel für ganz zu- 
▼erlMffig. Wenn es aber Ouvrages de commande^ 
beftellte Schriften, oder Arbeiten von Männern 
find« welche auf diefe oder jene Weife einem 



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^68 ji'bhandlungem 

Obern zu fchmeicheln fdch«n; beTondcrs in Bt» 
nohten, die den Zxiüand eines Ottt, eine« Landet» 
n. f. w. nur von der Seite darftellen, von welcher 
ihn der Regent fehen foU ^^ dann iß die Zu* 
▼erlSfligkeit fchwankend, und die Angaben mof« 
Ten dnrob das Feuer einer gefunden Kntik ge« 
läutert werden. 

3) Originalwerke nennen wir tolche geogra- 
phifche Schriften oder Beiträge zur Geographie, 
Beife-, Land- und Ortsbefchreilyingeny die von 
Augenzeugen herrühren, welche Glauben ver- 
dienen. 

In wiefern die Glaubwürdigkeit der Bericht- 
geber, fowohl von ihrer individuellen Lage, ih- 
ren Talenten und Eigen fchaften, als auch von 
äufseren ümftänden abhängt,, lehrt die geogra- 
phifche Kritik. 

3) Halb originalwerke lind folcfae in die Geo- 
graphie einfrhlagende Werke, die von Männern 
gefchrieben find, welche zwar nicht, od er^ doch 
nicht immer als Augenzeugen fprechen, aber 
Anderen unzugängliche oder minder zugängliche 
Urqt:^llen zu benutzen Gelegenheit hatten, oder 
Originalfchriften Anderer fammelten oder verar- 
beiteten , oder in eigene Schilderungen verweb- 
ten. 

Beifolchen Werken lehrt die eeograpbifche 
Kritik die ZuverlälTigkeit ihrer VerfalTer *rÄ ge- 
nau prüfen, ehe man ihr Zutrauen fchenkt. 

4;> Stoppehverke oder Compilationen — gee- 
ftAphif^» Schsifoen , die aua Qoelien zufammea 



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jt'b h ait d l un ßen, üfß 

fttrzgen find, welche für Asdre tben niclit gans 
unzugänglich find. Ihr Wertk hängt fowohl von 
der Qualität uiid Quantität der dazu benutz- 
ten Quellen , als auch von der Art ihrer Benuz- 
zung ab. 

Alf Quellen können und dürten^ Compilatto^ 
nen nur dann von dem Geographen fngenommea 
und muffen immer mit Vorficht beni&txt werden, 
wenn £e zum Theile wenigftens aus Schriften ge« 
zogen find , die nicht Jedem fo leicht zu Gebote 
Aehen, und befonders wenn der VerfafTer feine 
GewilTenhaftigkeit erprobt hat. In der Regel aber 
können Stoppelwerke nicht für Quellen gelten; 
doch ih es immer nothig, dafs der geographifch^ 
Schriftßeller die befCeren derfelben wenigftens 
zur Vergleichung giebraucht. 

Von Sammlung^, welche theilJzu denUrkdii' 
denwerken, tbeils zu den Original werken gehören; 
ktnn hier nichi insbefondete gefpröchen werden; 
auch ged^sken wi«: der geographifchen Ausarbei- 
tungen nicht, die^ ohne eigentliche Quellen zu 
feyn, doch nicht in die ClalTe der Stoppelwerke 
verßoTsen werden dürfen , wenn fie das fcböpferi** 
fehe Genie der I^r&ellungskunit und den philofo^ 
phifch^kritifcken Blick ihrea VerfafTers^beurkundn. 

Wir übergjehQil, ajajch Ui^ Werke und Werk»- 
chen y welche die VorbereitungskenhtnilTe und 
die HülfswifTenfchaften der Geographie vortragen* 
Ihre Zahl iß b«trä<ehtlich geniig , und doch ver*» 
^milst unfere liuratur noch ein valUMUidfges und 
•tt^lillttliehes Mun^uoh Mllengepgru^hifidten Far- 



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djd Abhandlungen» 

kenntmjfe , wozu dann auch tin detaillixtant 
Wörterbuch derfelben nöthig wäxe. 

Die Haupttheil« der allgemeinen Geographie 
und ihrer HülfswiiXenfcfaaften haben auch noch 
einige bedeutende Lüeken. Dahin' gehört vor- 
xüglich der Mangel eines allgemeinen GrundriJ- 
fes der VHtkerkunde und eines ryltematifchen 
Handbuchs der Productenkunde, — Ein Mangd^ 
den jeder geographiCche SchriftAeller lebhitft füh* 
len mufs! — 

Was . hingegen die Geographie im engern 
Verßande oder die eigentliche Länder-nn^ Völ* 
herkunde betrifft, da ift unfere Literatur Ichon 
weif reichlicher gefeegnet $ denn hier geht der 
Vorrath von Berichten bereits bis ins Unüberfeh« 
Bare; und doch lierrfcht bei diefem übergrofsen 
^eichthiime eine fehr auffallende lind ärgerliche 
Ungleichheit; auf der einen Seite aufserordentli* 
eher Ueberflufs , und auf der andern äufser&e 
Dürftigkeit. Von dem einen Lande- oder Volke 
beiitzen wir eine zahlreiche Menge der zuverläf* 
figften , genaueren , befriedigendften , reichhal« 
tigAeu , trefflichlten Schilderungen und Nadirick« 
ten, unä von dem andern kaum einige magere, 
unzulängliche Notizen , welche noch obendrein 
oft mühfam aus alten , oder wenig bekannten 
Werken zufammen geklaubt werden mülten. 

Darum ift et auch Pflicht des Geographen^ 
fich mit dem Studium der älteren Hülfsquellea 
der Erdkunde zu befchäftigen. Denn wenn fchott 
bei vielen^ ja. beinahe bei den zneijftexi Ländern 

neue 



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Abhandlungen, aji 

neue, vermöge des Zeitalter^, in welchem fie ver- 
faßt worden find, vorzüglicbere und befriedigen- 
dere Befchreibungen und Nachrichten in betracht- 
hcher Zehl vorhanden find, fo werden doch da- 
durch ältere Hauptwerke über denfelben Gegen- 
fiand nicht ganz entbehrlich ; weil oft noch in 
denfelben manches bisher unbenutzte Goldkörn- 
cben verborgen liegt, das zu Tage gefördert zu 
werden verdient; oft tritt aber auch der Fall ein, 
dafs ein beliebter und belobter neuerer Schriftftel* 
ler nur von den Acbfeln eines feiner Vorgänger 
herab, fich eines weltern Blicks in das vorliegen- 
de Feld rühmen kann, und mit den Federn eines 
Alten gefchmückt , als neuer Beobachter fich brü* 
Aet. — Dielen erborgten Putz unterfcheiden zu 
können, ift Bedürfnift des ächten kiitifchen Geo^ 
grapheriy und dazu iH ihm die genaue Kenntnifs 
der älteren Hülfsquellen unentbehrlich. 

Noch unentbehrlicher ift ihm aber diefelbe 
bei Ländern, von welchen wir in neueren Zei- 
ten keine ganz befriedigende Nachrichteii haben, 
befonders von fernen , entlegenen Erdftrichen, 
die in früheren Zeiten näher erforfcbt worden 
find, als in den unfrigen. Ja auch dann, 
wann neuere Seefahrer und Foifcher minder 
bekannte entfernte Länder befucht haben, ift aus 
mancherlei Gründen, die hier nicht weiter aus 
^einander gefetzt werden können, wenigftens eine 
^ergleichung der älteren Nachrichten durchaus 
ndthig. 

Hier zeigt lieh nun eine Hauptfchwierig- 



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272 Abhandlungen. 

keit det geograpbircht^ Studiums. Denn wenn 
es dem Geographen fchon fchwer wird, alle neue« 
ren Hülfsquellen feiner WifTenfchaft zufammen 
zu bringen , die doch noch häufiger vorhanden 
find und wenigftens für -Geld herbeigefchaift wer- 
den können , fo wird es ihm noch fchwerer, Geh 
ältere geographifche Werke zu verfchaffen, dia 
nicht mehr im Buchhandel , fondern off nur noch 
in Wenigen Exemplaren vorhanden, in öffentlichen 
und Privatbibliotheken zerftreut und blofs W^ni' 
gen zugänglich find, wenn diefe Wenige auch den 
Ort , wo der Schatz verborgen liegt, - auszuwittern 
im Stande waren. 

Allmälich verlieren Hch die altern Land- und 
Reilebefchreibungen immer mehr; &e verkrie« 
chen fich in beftaubte Bücherfammlungen, wenn 
ihnen anders noch ein folches Afyl zu Theil wird, 
oder fie mü£fen fich von dem Meffer des Krämers 
zu Düten zerfchneiden lalTen. Oie immer mehr 
überhand nehmende Geringachtung alter Bücher 
lallet auch fchwer auf den alten geographifchen 
Werken; man fchleudert Ge ohne Bedenken ins 
Maculatur oder unter die Stampfe des Papier- 
machers, und manches treffliche Werk iit nur 
noch als Käfehülle vorhanden. Die Zahl der Ken- 
ner brauchbarer alter Werke nimmt täglich mehr 
ab; fie werden am Ende gänzlich vergelten, und 
dann ift es dem Scribler, dem der Zufall eine 
folche fogenannte alte Scharteke in die Hände 
führt , leicht, einen vergefi'enen Edelftein vom 
Staube zu reinigen, und modifch aufgeputzt dem 
Publicum für eigme neue Waare vorzulegen. Wis 



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Ab hanätungen, 273 

feiten ift der Kunllrichter im Stande, einen fol* 
eben Betrug aufzudecken , da ihm felbH, weiL 
das Neue mehr Reiz hat^ und fchon für lieh al- 
lein feine ganze Aufmerkfamkeit erfordert , das 
Alte nur noch aus dunkler Erinnerung be- 
kannt ift! • 

El bedarf nicht mehrerer Gründe , um zu he- 
weifen, wie unentbehrlich, dem Geographen die 
Kenntnifs der älteren Hülf^quellen feiner WiCfen- 
fchaft ift; auch haben wir fchon gefehen, wie 
Ichwierig diefelbe ift ; es bleibt jetzt nur noch zu 
unterfuchen übrig, wie^ fowohl diefe Schwierig, 
l^eit, als die, welche aus dem bereits allzu grufsen 
Umfange der geographifchen Literatur ^entfpringt, 
zu beben y und dem Geographen, fo wie dem Geo- 
graphiefreunde , die nähere Bekanntfchafty fowohl 
mit den älteren, als mit den neuexen geographi-^ 
fchen Schriften und Quellen, zu erleichtern fey ? 

Die Antwort il^ keiner Schwierigkeit untere 
werfen. Durch ein geographifch^literari/ches 
Werk^ das zu diefem Zwecke ausgearbeitet ift, 
liann allein ieifn Uebel abgeholfen werden« 

Wir haben noch kein folches Werk , und 4ie- 
Tai gereicht unferer Literatur wahrlich nicht zur 
Ehre! — > 

Wir befitzen zwar StucJCs f«br lellätzbAres^ 
Verzeichnifs von Land- und Reifebefchreii^.ungen« 
-^ aber diefes könnte, wenn es aa^jh vollftänAlg 
wSre^ die grofse Lücke jotioht ausfüllen f ^ienn w». 

ü 2 



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174 Abhanälungen» 

i£t bloft alpliabetifcher Catalog mit einigen Nach- 
vyeifungen auf Recenßonen> aber ohne kritifche 
Anmerkungen, ohne Anzeige des Inhalt! dei 
Werke, ohne Fingerzeige über ihre noch jetzt 
gültige Brauchbarkeit. — Die zu Prag er- 
fchienene Literatur der Reifen ift keiner ^rwäh« 
nung werth. 

MeufeVsy ^es verdien ßvollen Neftors unferer 
Literatoren , vortreffliche Bihliotheca hiftoricä 
enthält zwar hieher gehörige Notizen mit fchätz* 
baren kritifchen Anmerkungen) aber fie ifi eben 
fo wenig zu diefem Zwecke gefchrieben, alt delTeii 
nicht minder brauchbai:e Literatur der Statifiik; 
beide Werke leil^en hier ' dem Hülfefuchenden 
treffliche Dienfte, aber ße können doch die grofie 
Lücke nicht ausfüllen, zu deren Ausfüllung Gt 
auch von dem YerfaHer gar nicht b^ßimmt find. 

Neuerlich hat ein franzößfcher Gelehrter 
Böucher de la Richarderie unter dem viel verfpre- 
chenden Titel : Bihliotheque üniverfelle des Voya* 
ges in fechs Grolsoctavbänden ein Werk herausge- 
geben , däB zum Theil den Plan hat, jene grofie 
Lücke auszufüllen ; aber wie wenig es hierin die 
Bedürfniffe des teutfchen Geographen befriedigt, 
hat der Recenfeiit deffelben in den A. G. E. 
(XXVIL B. S. 403. f.) hinlänglich bewiefen. 

Die Lücke iß alfo noch unauffgefüllt ! — Wir 
*haben kritifche Werke genug, ih welchen hieher 
gehörige Materialien aufgeltapelt, aber freilich 
aitbt gehörig benutzt liegen ; wir haben kritiftb- 



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Abhandlungen^ 2^5 

tSfonnirende geographifche QuellenverzeichnilT« 
in mehreren Werken, befonders auch in neueren 
Reifefammlungen ; wir haben für die neuere get- 
graphifche Literatur das reichhaltige Allgemeine 
Repertorium der Literatur feit 1783, und feit 
1798 die A. G. E. Zu der altern Literatur der Rei- 
fen liefert Hof rat h Beckmann y überzeugt von der 
Wahrheit, dafs man in alten Reifefoefchreil>ungen 
noch manchen verborgenen Juwel findet, wichti- 
gt Beiträge, und über die in Zeitfchriften zer- 
ftrenten Beiträge zur Geographie hat uns der ver- 
dienfivolle Literator Er/ch mit einer fiegiftratur 
befchenkt, die jetzt in dem Repertorium zum 
Theil fortgefetzt wird ; auch fehlt es uns nicht an 
tinzdnen literarifch - kritifchen Notizen , die in 
fielen und vielerlei Werken zerßreut find ; aber ^ 
alle diefe meift trefflichen Materialien find (wenn 
iie auch gehörig gefammelt und geordnet wären) 
noch nicht hinreichend zu dem Baue eines fylte« 
matifchen Gebäudes der allgemeinen geographi- 
fchen Literatur^ £0 fehr fie auch diefen not hi gen 
Bau zu erleichtern und zu befchleunigen dienen. 

Denn eine yollftändige kritifche Literatur 
der Geographie mufs nicht nur das möglich^ 
complete Verzeichnifs aller vorhandenen und be- 
kannten Reife-, Land- und Ortsbefchreihungen, 
einzelnen geographifcben Nachrichten, Abhand- 
lungen und Notizen zuerAr geographifch (nach 
den Erdtheilen, Ländern, Provinzen und Völ- 
kern), dann chronologifch geordnet enthalten, 
fondern auch den Werth und Inhalt eines jeden 
W«tks oder Beitrags^ bei neueren mit Ntchwei- 



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276 Ai handlangen. 

fang auf vollgültige Rec^nßo^en, angeben, vmi 
dem Geographen genau anzeigen , ab er £twM, 
das ihm nützen kann, und was er in dem Bache 
oder Auffatze zu Tuchen hat. Solche Änzeigea 
müfsten fich nach dem Maafse der Seltenheit und 
des innern Werths eines jeden Werk\ neigten, ntid 
in erforderlichen Fällen dürften auch ganz kurz# 
Auszüge Statt finden. 

Ein folches Werk würde dem Geographen ein 
unentbehrliches Repertotium feyn, und ihm dea 
Mangel einer grofsen Bibliothek erfetzen ! — *) 

T. F. E. 

\ 
*) Eine wtitere Aiiseinanderretzung dieles Plsni, 
nebft der Darftelliing feiner Ausführbarkeit behält 
%Eich der Verf. auf eine andere Gelegenheit rdr. 



Ueber die 
n e u e ft e Kunde 

P e r f i e n. 



Sine hißerirdi* kritifche Skizze. 



Da et zu den Hauptzwecken diefer . dtn 
gefanunten geographücben WiffenfclifUten «oi- 



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Abhandlungen. %'jj 

XchUeltlich geweihten Zeitfchnft gehört , die Fort- 
fchritte fowohl der allgemeinen Erdkunde über- 
haupt, als auch der Li^nder-^ Völker * und Staa^ 
tenkunde insbefondere zu verzeichuen, in einem 
Gefammt *^ Ueberblicke darzultellen , und für die 
Kachwelt aufzubewahren, fo ift es gewifs auch 
Pflicht des Mitarbeiters, der die früheren Beiträge 
zur neueren Kunde von Perfien in dielen A.G. E. *) 
geliefert hat, jetzt den Lefern die Fortfetzung der- 
felben nebft Berichtigungen und Ergänzungen zu 
jenen mitzutheilen. Dies ift der Zweck der ge- 
genwärtigen Skizze» 



Die neueften Nachrichten aus und über Per» 
fien lind theils in den Reifebefchreibungen des 
Franzofen Olivier und des Britten Scott Waring^ 
und' dem nun neuerlich hinzugekommenen Tage- 
buche des Jüngern GtfrrfÄne '•^), theils in einzelnen 
Zeitungsberichten und Briefen enthalten. — * OZt- 
vier (ein Arzt und Natjirforfcher) hatte fich mit 



♦) Im Xin. B. S. 517 f. im XIV. [B. S. 291. f. und im 
XXIV. i. S. 3. u. f. 

••) Journal d*un voyage dans la Turquie - d*Aße et la 
Ftrfe^ faxt en 1807 et 1808. ä Paris ^ 1809. 8. Der 
VerfalTer ift Herr Ange de Oardane , der feinen 
Bruder den Geiaeral Gardane ^ der im. Jabre 1807 
all FranzÖlifcher Gefandter nach Perßen gieng, alt 
Gefandtfchafts • Secretair dahin begleitete, aber 
fchon im Januar i8o8 als Gefandtfcliafts - Courier 
wieder nach Frankreich zurückkehrte. (M. i[. die 
lleeenfion , im XXVIII. B. diefer A, Cr. £. Februar.) 
AbM Uiatkk» Udberfotiiuig erloheint nftchfteiu. 



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2^8 Abhandlun gen, 

reiüem aaf der Rückreife verßorbenen Gefährten 
Bruguiere von dem Ende des Monats Mai bis zn 
Ende des^Monats Novembef 1796 in Perßen aufge- 
halten, und eine nicht unbeträchtliche Streckt 
des weftlichen Theils diefes Landes durchreifet. 
Die Kränklichkeit (eines Reilegefährten hinderte 
ihn, feiner Reife darch P^r/zen mehr Ausdehnang 
zu geben, und noch mehrere Land- und Ortfchaf- 
teii zu befuchen, als diejenigen, durch weicht 
der gerade Weg die beiden franzöGfchen Reifen- 
den führte; ob fie gleich auf ihrer Rückreife den 
Umweg über Ispahan machten, da fie auf der 
Hinreife den nächften.Weg von Bagdad nach Te* 
heran ^ der jetzigen Haupt- und Refidenz- Stadt 
von Weftperfien, eingefchlagen hatten. Trotz 
diefes Urnft^ades und des nicht allzu langen Aaf- 
enthcAtes in Perfien^ hat uns doch Olivier unge- 
mein fchäLzbare Nachrichten von diejem La;ide, 
feinen Bewohnern und den Ortfqhaften , die er 
felbß auf der Reife befuchte , mitgetheilt<; bcftm- 
ders wichtig ift feine 0,arft^llung der neueren Ge- 
fchichte . diefes Reichs feit Nadir - Schach. Di 
aber feine Nachrichten nur bis gegen das Ende des 
J. 1796 gehen ^ undf feither durch den fpäter er- 
folgten Tod des damals regierenden Königs Mehe- 
m^t-£/ian mancherlei Veränderungen in Perfien 
Stattgefunden haben 9 fo können Olivier's Nacfc 
, richten nicht mehr auf den neueren politifthen 
Zuftand von Perßen paffen, und muffen daher, wo 
möglich durch neuere ergänzt werden. 

Der brittifche Efquire Edward Scott Waring^ 
der im J. igoft eine Gefcbäftsreife «ui Indiemnvl^ 



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Abhandlungen. §79 

Perfien machte, Kat uns zwar in feiner Reifebe- 
fchreibung neuere^ aber bei weitem nicht fo be- 
friedigende Berichte über diefes Land mitgetheilt, 
als vorgedachter Oliviet\ mau wird aber auch 
nicht Vieles von diefem Britten erwarten, fobald 
man weifs, dafs er in Perfien nicht weiter, ali 
von Abujchär bis Schiras kam , und dafs er folg«* 
lieh, wenn er auch ein belTerer Beobachter gewtf- 
fen wäre , bei feinem kaum dreimonatlichen Auf* 
enthalte in einem kleinen Theile ^et füdweMi- 
chen Perfiens^ nicht wohl hätte ausführlichere 
Berichte mittheilen können. *) 

Neuere , aber noch kürzere Nachrichten über 
Perfien geben uns einige Zeitungsberichte , wct- 
che in der Vorrede des V. Bds. der Octavausgabe 
yon Olivier^s Reifen **), mit Anmerkungen von 
diefem Gelehrten begleitet , aufgeftellt find. 

Noch netier ift des Gefandtfchafts - Secretairt 
Gärdane kurzes Tagebuch; es beginnt mit denn 
10. Sept. 1807 , an welchem die franzölifche , nach 
Perfien beftimmte Gefandtfchaft von Scutari ab«- 
gieng, bis zum 18* Junius i8o8> an welchem der 
VerfafTer wieder in Marfeille^ feiner Vftterftadt, 
ankam, nachdem er feine Depefchen dem Kaifer 
Näpoteor^n Bäyonne eingehändigt hatte. — Die- 

*) M. r. die Kecenfion im XXVII. B. S. 162. f. dlAi 
A.G. E, 

**) Man findet iie auch in der teutfchen UeberfetBung 
in XXXV Bde. der Sprengel -Ehrmannifcktn Biblie» 
tkeck der Reifen« 



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t89 Abh.andlungeiL 

tt ReiM>«rclireih]ing ift zwar blors dai kurzgefofst« 
Tagebuch eines Eilboten ; aber es find fo mancht 
interelTante Notizen zur Kunde der Länder, wel« 
cbe^der Verf affer bereifet hat, mit eingemifcht, 
dfift auch der Geograph diefes Büchelcben nicht 
4>^ne Belehrung aus der Hand legt/ Es ih zu- 
i;leicb der Vorläufer delfen , was wir von den fran- 
zölifchen Gelehrten, die bei diefer Gefandtfcfaafr 
find, über die Kumde^ von Perßen zu erwarten 
bähen. 

Der allerneuefta Bericht aber ift derjenige, 
welchen der erft kürzlich in diefen A. G. E. mitge* 
.theilte Brief eines Franzofen aus Teheran vom 
erften Jqn. igog^ enthält. *) Schade nur, dafs er 
fo mager iü! — 

Aqs allen diafen neueren und , nen^Aen Be- 
richten aus und über Perßen laffen fich nun fol- 
gende Notizen zumeuiilieo Kunde diefes Landes 
und iur Ergänzung und Berichtigung der frühe- 
ren Nachrichten zufammentragen*, ron welchea 
4ie Hauftfunme hier eine Stelle verdi#nt. 



Perßen war .bekanntlich in n^eren Zeitea, 

befonders feit dem Tode des Nadir Smach oder 

Xfihmas - Kuli' Khan^ des kühnen Ufurpators, 

ein fchauetlicher Gegenßand des Unwillens und 

^Bedauerns aller gleichzeitigen Weltbürger, ze^ 

^) XXVIL B. S. 939 «• ^« 



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Ahhmndlungen. «St 

rittet dorcli blutigt, Allet verlakeerrade Bärgel^- i 
kriege y von innerer Zwietracht und Partei(ucht 
zerfleifchty zerriCTen, zertheilt und dabei fo tief 
herabgefunken von feinem ehemaligen Glänze, 
dafi einlichtsvolle Augenzeugen neuerer Zeiten 
in der Hoffnung verzweifelten , diefes einft fo blü- 
hende Reich fich wieder erholen zu fehen. *) 

Seit Nadir - SchaMs Tode war Perfien in 
«wei Theile, fVeß'XxnA Oßperßen vertheilt. Je- 
nes, als der Ueberreft des Hauptlandes behielt den 
Namen Ar^en, diefes erhielt von det Hauptpro* 
vinz, aus welcher es gebildet wurde, den Na- 
men Kandahar , pder von feinen heutigen Be« 
hexrlchern den Naipen Afganiftan. 

A. Weji • oder das eigendiche Perfien. 

Von diefem insbefondere , das jetzt wieder 
aufs neue merkwürdig geworden iit, wie ja alle 
Zeitangslefer willen, handeln hauptfächlich un« 
fere neuexen und neueften Berichtn. 

s. I. 

Heutiger polilifeber Zuftand im (Allgemeine». 

Als Olivier im Jahr 1796 in Perßen war, 
genofs diefes Land wieder einiger Ruhe , . und 
fehlen ßch wieder zu erholen; aber der damals 
Herrfchende Terrorism und Defpotism fchien 
diefer dumpfen, erzwungenen Ruhe keine lange 

*) CHmsr, S« 135, f. d^r Uutfchen UelitrCetxiuit, IIX. B* 



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aS^ Abhandlungen, 

IHuer tn vsrfprecheiiy und didfet A Afchdin tättfch« 
te auch nicht gan^» 

Aga^ Mehemet ,^ welcher unter dem Titel 
Schach noch im Jahr 1796 über JVeftperßen 
herrfchte , war der zweite Sohn ^en Mohamed- 
Haffan - Khan , vom Stamme der Kadfcharen^ 
welcher als Commandant von Afterahad dienacli 
Nadir ' Schachts Tode ausgebrochenen Unruhen 
benutzte 9 um fich die ganze Landfchaft Mazan* 
deran unterwürfig zu machen , von wo aus ti 
dann feine Eroberungen weiter auszudehnen 
l^ichjte. 

Diefer Mehemet wurde in feiner Jugend im 
J. 1748 auf B^iehX' Adel ' Schachts {^eütn von 
Nadir - Schach) , der durch Aufopferung aller 
Kronbewerber die Qberhftrrfchaft an lieh rtifsen 
wollte, zum Verfchnittenen gemacht , und blieb 
dann bis in fein 4olte8 Lebensjahr Gefaugenet 
zu Schiras. Durch Kerim* Khans Tod (im Jabr 
1779) wurde er frei , folgte feinem Vater in der 
ufurpirten Herrfchaft über Mazanderan und 
Ghilan , trat als Mitbewerber um die Ksone aof; 
fchlug fich mit feinen- Nebenbuhlern D/chaffaT' 
Khan und L^\f - Ali • Khan nfehrere Jahre um 
den Thron, beilegte fie mehr durch Verratherei, 
als durch Tapferkeit und blieb endlich feit Lu^' 
Ali-Khän's Tode (1794) ungeftörter Beherrfcher 
von Weßperßen. Er war ein graufamer, Wut« 
dürüiger Tyrann^ der feine Herrfchaft nur mit 
Hülfe des Schreckens befeAigte, und wurde am 
14. Mai 1797 Morgens frühe in feinem Zelte, ah 
et gerade auf einem Heeireszuge ;gegen die Ruf- ^ 



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I 'Abhandlungen. q%^ 

Jen begriffen war , von einem feiner eigenen Of- 
ficiere ermordet. *) 

Sein unvermntheter Tod veranlafste zwar 
neue Gährungen in deiki Reiche , da zugleich 
vier Thronbewerber aufwanden; aber diefe Unrq^ 
ben wurden bald gedämpft , indem es dem Nef- 
fen des verltorbenen Monarchen , dem Prinzen 
Baba • Khan , bisherigem Statthalter zu Schiras^ 
mit Hülfe des erllen Minißers und der Armee 
gelang , Geh auf den Thron zu fchwingen, den 
fein Oheim widerrechtlich erobert hatte , delTen 
lieh aber der Neffe, der noch jetzt unter dem Na- 
men Fetah' Ali- Schach *♦) regieit, würdig be- 
Mrielen hat; denn nach dem Zeugniffe aller un* 
feret Berichtgeber, ift er nicht nur ein gerechter 
und flrenger Regent, der in feinem Lande Ord- 
nung, Ruhe und Wohlftand wieder hergeltellt 
hat ♦*♦), fondem auch ein gebildeter, aufgeklär- 
ter, denkender Kopf, ja felbft Dichter, f) 

*)Olwi€r, T. VI. p. 263: 

**) Wegen des Altert diefet Monarchen find die Anga* 
ben der neneften B^richtgeber fehr ▼erfehieden. In 

' einem Zeitungsberichte vom J. 1806 wird er zu 36 bis 
.* ,37 labre alt angegeben; OlivUr hält ihn f^ir einig« 
lahre älter, ^nnd Scotts Waring (i. B. S. 177) gieljt ihn 
(im j. ^802) 27 lahre altf an. Der Angabe von Gar* 
dane (p. 83) tu Folge, dafs der Mllefte Sohn des Fe* 
,tah Ali' Schach (er hat deren 30) im I. 1808 Heben 
und t wanzig lahre alt war, mufs der König doch 
wenigftens in den Viertigen fcyn. 

♦♦*) Gardane fagt (p.76.) DicPerfer lieben ihren jezigen 
Kiinig mit Enthuiiasmus. 

t) ^•^n- Waring^ (i. B. S« 163. f.) theilt die profaifcha 



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t|4 ' Abhanilungem 

So viel von den BeherrfcheTn Weß^PerfieM 
mufste hier zur Berichtigung der früheren Anga« 
ben *) nachgetragen werden. 

Die DynaAie der Sefiden (gewöhnlich Sih 
phis). i& längü ausgefkorben ; die neue Königs« 
familie ih aus dem Stamme der Kadjchmrtn^ 
von welchem wir hier noch eint kurze Notiz am 
Olivier *'»^) beifügen. 

Der Name Kadjcharen ftammt aus der türki- 
fchen Sprache ab , und bezeichnet Flüchtlinge^ 
wodurch zugleich auch der Urfprung diefei 
neuen Stammes angedeutet wird. Nämlich unter 
^er Regierung des perfifchen Königs Schach 
jibbas I. fammelte lieh an der Gränze von Per» 
jien auf der Seite von Armenien ein zahlreicher 
Haufe von türkifchen Austeifsern und anderen 
Flüchtlingen \ lie boten dem perlifchen Könige 
ihre Oienfte an, und diefer verfchmähte iie nicht; 
er gab ihnen denfelben Sold , wie feinen übrigen 
Truppen, und bediente lieh ihrer im Kriege. 
Da er aber befürchtete , dafs diefe Fremdlinge 
nach feinem Tode Unruhen ftifien möchten, 
wenn ile vereint beifammen blieben , fo zertheilte 
er iüe in mehrere Haufen , und zerftreute lie im 

Ueberfetzun^ eines Gedichts von diefem Könige mit 
DalTelbe bekräftigt auch Gardanc^ welcher fagt, der 
König befinge meiitens nur die Schönheiten feinet 
Harems. 

♦) Befonders der im XIV. B. diefer J. G, B. $. 391. f. 
befindlichen Nachrichten. 

♦•) VoxagCj r. VI p. 15. f. 



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Ahhmndlungen. tg^ 

Itaile nin!heT; er Tchicktr einen TheirdeyfelhM 
in die Landfchäft Rermefir » ISngs dem perfi* 
fchen Meerbufen / um über die Araber zu wach* 
en; Andere kamen in die Gegenden von Kand^ 
fcha und ürmia; aber der gtörste Theil wurde 
in die Landfchäft Mazanderan verpflantt , um 
die Turkmanen und tatarifchen Usbeken im 
Zaume zuhalten. Hier bildeten diefe Kadföhü" 
ren einen eigenen Stamm , der bald fehr zahl* 
reich und folglich mächtig wurde.' Die in den 
übrigen Provinze^ Perßens zerftreuten Kad/cha* 
ren verfchmolzen hingegen bald mit der übipigeii 
Volksmenge y und zeichneten lieh durch nichta 
mehr ?on diefer aus. 

Aus jenem in Mazanderan anniÜgen Stamme 
der Kadjcharen ift nun die heutige periifche Kö* 
nigtfamilie entfproICen , deren Vorältern (chon 
Stammshäupter waren. ^) 

Was nun den neueßen littlichen und bSrgerli* 
eben Zußand von Perfien betrifft, fo mülTenlich die 
Leier inzwifchen mit den von OlivierMvA Garda* 
ne mitgetheilten Nachrichten und den neuern Zei« 
tnngsberichten begnügen, befonders demneueßen 
Briefaaszuge, der in diefen A. 6. E. mitgetheilt 
worden ift"^*^) , bis wir von den jetzt am perßCchen 

^ Gardang fagt (p. 68). fy^hhas Mirxa der dritt« Sohn 
pdes jeztregierenden Königs fey zu feinem: Naehfol- 
9,ger emiinnt, weil feine Mutter aui d^em Stammfe 
„der Kadfcharen entfproITeii i^, dem edelAen in P«r- 

•♦) Im XXVU. B. S. 239. f* 



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^g6 Ahhandlu ngen» 

Hofe befindliclien Franzofen ausführlichere Scbil* 
dexungtn erhalten. . Den Charakter der Psrjer 
und den iittlichen ZuAand des Landes ( im Jahr 
1796) hat uns Olivier fehi; befriedigend tkizzirt *). 
Die Notizen, die uns Scott - TVaring hierüber 
mittheUt, find zu einfeitig und tragen zu lehr 
das Gepräge der Flüchtigkeit an fich , als dafi fie 
hier weiter benutzt zu werden verdienen roll- 
ten, "^^y Doch führen wir einige davon hier unten 
an, welche die Topographie betreffen. 

Was den neueren politifchen Zuftand von 
Weftperßeii betrifft, fo fagt uns GarrfÄZi^ ***), dals 
es 20 Millionen Rin wohner enthalte , aus den 
zehn Provinzen: Azerhaidjchan^ Ghilan^ Ma- 
zanderartf Karajfan^ Kurdiftaiiy Irdk-Adjchem^ 
Lauteftan , Farjiftan , Kerman und Derhtifian 
beßehe ^ und dab die A^rmee fich auf 60|000 
Mann Infanterie und mehr als lao^ooo MannX^a- 
Valerie belaufe. Die Artillerie ift nicht zahlreich. 
Die Per/er find vortreffliche Soldaten. Der Or- 
den der Sonne ift in neueren Zeiten in Perfien ge* 
ftiftet worden f ). 



*) Ein Auszug davon ift im XXIV. B. diefer A. G. JS. 
S. 3. u. f. geliefert worden. Gardane hat uns (p. 329 
3^» Sh 52f 54» ?2) nur einzelne^ aber fehr inttreiTABte 
Notizen Hierüber mitgetheilt. 

**) M* f. di« obeuangeftihrte Recenlion. 

•♦♦) P. 68, 76. 

t) Qardane^ P- 53* 



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.jtb handlangen,. t8f 

s. «. 

Topographifclie Noti]^eti* 

Billige topographifche Notizen zur Berichtigung 
tind Ergänzung der neueiten Länder- und Oerter- 
kunde znülTen hier noch ans Qlivierf Scott'tVuring 
und Gardane ausgehoben werden« 

Olivierh^Lt uns in di^rer HinHcbt manche iil 
feinen:! Werke zerAreuie Bemerkungen mitge-' 
theihy bellnders was die Provinzen^ Gegenden 
und Orte betrifft , die er felbjl befucht und mit 
Kenneraugen überblickt hat. Alle diefe Notizen 
zu fammeln , und gehörig an einander zu reu 
hen, ilt hier der Ort nicht. £$ können nur die 
wichtigßen Beiträge zur neueiten Topographie 
von Perßeriy mit den Notizen von Scott- Wa* 
ring und Gardane aufgezählt werden. Wegen dei 
Weitern muffen wir auf di© Werke felbft ver» 
weifen» 

1) Teheran oder Tehran (in der Landfchaft 
Irak'AdJcherni^ 12 Stunden Wegs von Kashiti) 
die jetzige Haupt * und Refidenzftadt von Weft* 
perfien, wurde es erft durch Mehemet* Schach^ 
war vormals nur ein unbedeutender Ort, der auf 
den beften Special- Charten kaum angezeigt, und 
in den geographifchen Lehrbüchern gar nicht auf« 
geführt war *). Es ift jetzt eine anfehnliche , oH- 
gieich im Sommer ungefande Stadt , welche im 
Jahr 1796 exA 15,000 £inwohnej: hatte ^ jetzt aber 

^) Selbft nooh nicht in der Qten Auflage yon FahrVi 

Handbuch e. 
A C. E. XXVIIL Bds. 3. St. X 



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99$ Abhandlungsn* 

weit volkreicher iü, und (nach Gardane ^ p. 55) 
im, Winter über 50,000 Einwohner hat; im Som- 
mer ift lie wegen der ungefunden Luft beinahe 
menlchenleer« Aufser dem königl. Pallafte, der 
(nach Olivier's Verficherung) in Betracht feiner 
Gröfse, der Schönheit der Gebäude, der Pracht 
der Gärten 9 und des Reichthums an BewälTerung 
nichts zu wünfchen übrig läfst ^) , find hier noch 
viele anrehnlix:he Palläfte und vier fchöne ßafari; 
die Stadt wird immer mehr verfchönert ; aber die 
Gewerbfamkeit ift nicht von Bedeutung *♦). 

ö) Kashin (47^^ 17' L. von Pari«, und 36^ 15' N. 
Br.), febr herabgekommene Stadt mit nur noch 
etwa 25,000 Einwohnern, (Olivier; nach Garda' 
• ne jetzt 6o,ooo) ift die Niederlage der Seide auf 
Ghilan und Schirwan und Aes Reifses aus Ghilan 
und Mazanderan, Et werden hier auch Seiden- 
zeuche, Baumwollenzeuche und ungemein künft- 
liche Teppiche; ferner Säbelklingen, Ackerwerk- 
zeuge u. f. w. verfertigt. Der ßafar ift feiner 
fcbönen Bauart wegen merkwürdig. {Olivier^ 111. 
B. S. 'JY ^' ^^^ teuifchen üeberfetzung im XXX VI. 
B. der Sprengel -Ehrmannfcben Bibliothek der Bei- 
fen und Gardane, Journal etc. p. 44, 45)« 



*) Das Weitere hierüber fche nian bei Olivier^ im gten 
Abfchn. des Vten Theils; auch in dem mehrerwähn- 
ten Briefaustugc. 

♦♦) Gardane fagt (p. 53). es fey fchwer die Koftbar- 
keiten und Reichthümer der Verzierungen diefei 
Falaftes %n befchreiben , in welchem die Teppiche 
von ^oldHoif lind. 



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Abhandlungen. t^^ 

3') Amaäan oder Hamadan (unter 46® L. v. P« 
und 35° N. Br.), Stadt in einer Ebene, eineStunde 
ofiwärts vom Berge Elwind ^ ift jetzt nnr noch eitt 
grofser Flecken ; über die Hälfte ift terftört; doch 
findet man noch hübfche Gebäude, (nach Garda- 
ne hat die Stadt T2,ooo Häufer). Die vormal« blii* 
banden Seiden* und Baumwollenteuch - Fabrikeü 
findfehr tief herabgefunken* (Oliviet S. 47 f). 

4) Tabris oder Tauris ^ Stadt ^ in vi^elclier 
gegenwärtig der Prinz Abhasr Mirza^ dritter Soha 
des jetzigen Königs und fein ernannter Nachfolget 
reßdirt, und mit feiner Garde von io,00O Manit , 
die Landfchaft regiert* Es iil hier auch ein« Ka» 
nonengiefserei. (Gar dam p. 35 f,)* 

5) Sing-hian^ Stadt ^ die iti den büfgerlichen 
Kriegen zerftört ward, jetzt aber wieder aufgebaut 
wird, und fchon im L 1807 wieder 15,000 Ein- 
wohner und Brocat «^ Fabriken hatte« {Gardant^ 

6) Kerman/chah (unter 34« t4' N. Br.), Stadt 
in einer von hohen Bergen eingefchloffenen Ebe* 
iie, bat etwa 9000 Einwohner (nach Gardane 
10,000 Häufer), ih nicht anfehnlich, doch ziem« 
lieh gut befeftigt, und hat eine Citadelle. In der 
Nähe die merkwürdigen Denkmäler Tak^Boßan 
^ni yon Bijff'utun. {Olivier^ S. 16 f.). 

7) ^om (34^ 45' N.Br.), alte berühmte Stadt, 
Hegt nun ganz in Tiömmern; fie befteht nur noch 
aui etwa 50 Häufern , welche um die Hauptmo- 
fchee herum , die wegen der berühmten Gräber 
veifchont blieb , erbaut find« Ehemals hatte diefe 

X j 



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S90 Abhandlungen* 

Stadt bei lOO^ooG, jetzt kaum noch 300 Einwohner« 
(Oliviery S. 142 £.)• Der jetzige König von Per- 
ßen hat die Molchee im J, 1802 wiedeir neu aus- 
bauen laden, und die wenigen Einwohner leben 
jetzt meift von den Almofen der frommen Pilger, 
die hieher wallen. {Gardane ^ p. 570* 

8) Kafchan (33® 51 N. Br.), eine zwar auch 
herabgekommene Stadt , doch noch immer eine 
der gröffiien y fchönüen, reichften und bevölkert* 
ten in ganz Perßeriy hat noch etwa 30,000 Ein- 
wohner; zwar ift ungefähr der fünfte Theil der 
Häufer zerftört; aber die Mofcheen, Karawanfe- 
rajs/ Bezefteins und der königL Pallaft find noch 
in gutem Zultande. (Befchreibungen derfelben 
findet man in den älteren Berichten.) Es werden 
hier viele Seiden- und BaumwoUenzeuche, Kq- 
pfergefchirre, febr fchöne Arbeiten in Gold, Sil- 
ber und Stahl, befondert vortreffliche Säbel- und 
Degenklingen verfertigt. Die Gegend ift unge- 
mein fruchtbar. (Olivier^ S. 145 f.). 

9) hpahan (di« Einwohner fprechen Sfahan 
oder Isfahon)y die vormalige Haupt- und Reli- 
deüizftadt, die einft 600,000 Einwohner zählte, hat 
jetzt deren nur noch 50,000; denn ße tu gröfsten 
Theils zu einem Schutthaufen geworden *). Doch 
find noch manche Sehenswürdigkeiten vorhanden, 
z. B. der immer noch fcjiöne königl. Pallalt, die 
Brücken, die fchöne 3200 Schritte lange , and iio 

♦) Nach Gardane (p. 70, 71,) ift diefe Stadt jeit beinalii 
ganx verfallen^ 

■■ - I ' 



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jthhandlungen. 991 

Scliritte breite Platanen - Allee Tfcher - Bag , dier 
Maidan ^ der Garten Azer^ Gerih u. f. w. Die ar- 
ftienirche Vorftadt DJckulfa ift auch noch vorhan- 
den , und hat wenig an ihren Gebäuden gelitten; 
aber die Armenier^ ihre Bewohner , find Verarmt, 
und ftatt der 12,000 Seelen, die fie ehemals fafste, 
zählt man deren nur noch goo. {Olivier, S. 151 f.). 

10) Ferahad , ehemalige« prächtiges königL 
Luftfchlofs, dai aber jetzt ganz zerßört ift. (OU- 
vier, S. 168). 

11) A/chrafj prächtiges königl. SchloFs mit 
herrlichen Gärten, auf einem Abhänge, zwei Stun* 
den vom kafpifchen Meere , ein wahrhaft bezau- 
bernder Aufenthalt. (Olivier , Orig. T. V. p. 458). 

12) Lar^ grofse und reiche Handelsftadt, in 
einer Ebene , die fich um einen fehr hohen Fel- 
fen hei^mzieht, auf welchem eine Gitadelie er- 
baut iß, die beinahe unüberwindlich ift. {Olivier 
Orig. T. VI. p. 202 f.). 

Kermeßr ^ Küftenftrich am perfifchen Meer- 
bufen, der fich von Bender- Ahaffi oder Gomron 
bis an den Schatäl - Ärah zieht, von Arabern^ 
etwa 4 bis 500,000 an der Zahl, bewohnt, welche 
Sunniten und daher Feinde der Per/er, dennoch 
aj^er dem Könige von Perjien unterworfen unf 
zinsbar find , übrigens aber ganz nach ihren eige- 
nen Gefetzen leben. Sie wohnen in Städtchen 
und Dörfern, find aber jeden Augetiblick bereit, 
bei der geringften Gefahr, die fie bedroht, ihre 
fieften Wohnfitze zu verlalTen. (Olivier, Orig. T. VI. 
pag. 105 f.). 

13) Abujchär, Handelsftadt und Seehaven auf 



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9oa Abhandlungen. 

einer fchmalen Erdznnge im pcrfifclien MeerbcT. 
fen , ein unanfehnlicher Ort mit fchlecbt gehau- 
ten, niedrigen Häufern, iß mit einer Mauerunl 
einigen Bafteien umgeben. Es wohnen hier viel« 
hinduifche Kaufleute, Von hier geht viel baares 
Geld für Kattun , Zitz , MoulTelin a. f, w. nach 
Indien,' (Scott- fVaring, I. Thl. S. 3. u. f.) 

14) Kasri/n , bedeutend grofse Stadt, doch 
liegt ein beträchtlicher Theil derfelbetl ia Trüm- 
mern, und fo s^uch die Stadtmauer. Dabei dai 
Judenfort y ein Caftel, fo benannt, weil ehemalt 
Juden e> inne gehabt haben Tollen, und die Bi* 
der. i&ott'fVarifi§t i. S. 40, 42 f.) 

jg). Schirm verdient die Lobfprüche nicht, 
welche mehrere Schriftfteller diefer Stadt ertheilt 
haben; He hat enge Gaffen , und elende, fchmu- 
^ige Häuler, BeXonders merkwürdig ift der ffä^ 
hils " Ba/ar (Kaufhof) und die Hduptmofchee. 
Per vierte Theil diefer Stadt liegt jetz( in Rui« 
wen* {Scotts fVaring^ I, S. 52. f.) 



Diea ift die Haaptfumme deffen , was Geh 
für die neuefte Kunde von Weft-Perßen aus den 
vorgenannten Quellen eufammentragen läfst. Von 
Oß'Perßen haben wir, wie aus den Nachfolgen« 
den 7u erfehen ift, noch weniger neue heüimmte 
vod keine befriedigende Nachrichten, 

Mit Sebnfucht fieht gegenwärtig jeder Geo- 



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Abhandlungen» tpj 

gtaphiefreand den reichhaltigeren Berichten ent-* 
gegen, die wir von den gegenwärtig in Perfien 
lieh aufhaltenden Franzofen zu erwarten haben.*) 
Inzwifchen muff das Vorftehende zur Ergänzung 
and Berichtigung fowohl der früher in die£$|i 
A. G. £. mitgetheilten Notizen, ala auch der in 
unferen Lehr- und Handbüchern enthaltenen An- 
gaben Ton dem heutigen Zuftande Perßens hin« 
reichen. 



B. Oft' Perfien, 

Der öAliche Theil von Per(ien, oder das 
Königreich Kandahar^ der jetzt, nebft einigen 
angränzenden Landfchaften von Hindu ftan und 
der Tatarei in den Händen der Afganen ift, 
und daher auch Afganiftan genannt wird**), ift 
uns gegenwärtig weniger bekannt , alt Weßper- 
ßen ; auch beftehen die neueßen Nachrichten, 
die wir davon haben, aufser denjenigen, welche 
6. Forfter in der Befchreibung feiner Reife zu 
Lande aus Bengalen nach England mitgetheilt 
hat, die jedoch auch nicht von grofsei^ Belange 
find, in einzelnen, kurzen, zerßreuten Berichten. 

Dahin gehört auch der neuefte Bericht , der 

*) Was . wir daxüber hoffen dürfen , lehrt uns Gardarf 
(p. 73), indem er uns eine kurze Notis von den Be- 
Ichäftigungen feiner Reifegefellfchafter in Perßen 
mitt heilt. 

♦») M. f. 4. G. E. XrV. B. S. 291. f. 



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094 Abhandlungen, 

in dem Afiatic Annual Regifier for 1804 enthal- 
ten ilt *) , aus welchem hier nur dai \^^ichtigfte 
Eur Ergänzung und Berichtigung der früher in 
diefen A. G« £4 mitgetheilten Notizen ausgeho- 
ben werden darf^ und diefes ift Folgendes. 

Der zu Anfang ^es Jahres 1804 in Kabul 
jtwifchen den Kißlbajchen (Perfern) xinA. AJ ganen 
ausgebrochene Bürgerkrieg hat die traurigften 
Folgen gehabt. In der Stadt Kabuls welche der 
Hauptfcbauplatz aller Gräuel war, find bei 4000 
Menfchen ums Leben gekommen. Der König 
Schach Mahmud wurde von den Afganen^ die 
ßch heimlich gegen ihn verfchworen, weil er die 
Kißlbafchen zu fehr begünftigt hatte, des Throns 
entfetzt, des Geßchts beraubt und in das Caftell 
Balla Kijfar zu Kabul cingefperrt. Ihr Anfüh- 
rer war Schach Zadß Schehahöl^Muth, Bruder 
des noch lebenden von Schach Mahmud des 
Throns entfetzten, geblendeten und iii das erft- 
genannte Caftell eingefperrten vorigen Monarchen 
Zeman Schach^ welcher nun von feinem Bruder 
und Mitregenten wieder auf dea Thron gefetzt 
worden £eyn foll, 

Schach Zade Kamron , Sohn des SchaA' 
Mahmud^ hat lieh inzwifchen , als es ihm nicht 
gelang, feinen Vater zu retten, dem- er zu Hülfe 
geeilt war, in der grofsen Stadt Kandahar y deren 
Gouverneur er war, feÄgefetat, um feine Unab- 
hängigkeit zu behaupteju. 

"*) Ausgezogen im Colitifchea Joiirnalei Junius |8a8* 
5, 6«, 



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jlhh andlu ng em 395 

DalTelbe that auch Schach ZadA Firuz^ud 
.Dien^ firuder dea abgefetztea Schach Mahmud^ 
indem er lieh , als bisheriger Gouverneur von 
Herat , für unabhängig erklärt , krönen und un« 
ter feinem Namen Münzen hat fchlagen laCTen. 

So war alto nun Oft^P^rßen va drei TheijU 
zerfchnitten, Anarchie herrfchte im Reiche, unft 
die Heerßrafsen waren unficher. 



So weit diefer kurze Bericht. Aus den neue« 
ftcn Nachrichten, die wir aus Weft- Perfien ha- 
ben*), erhellet, dafs die Unruhen in OfuPerßen^ 
wo drei Mitbuhler ßch um den Thron dritten, 
auch noch bis dahin fortdauerten. 

T. F. E. 

*) GardaM, p« 69« A. G. E. XXYJL B. S. 24I« 



V 



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BÜCHER - RECENSIÖNEN. 



I. 

lieber den Bau der Erde in dem Alpen* 
gebirge zwifchen I2 Längen- und 2 bis 4 
Breiten - Graden , nebji einigen Betrachtungen 
über die Gebirge und den Bau der Erde über- 
haupu Mit geognöfti/chen Charten^ von Jo- 
kann Gottfried Esel^ Doctor der Medi- 
zin, Zürlph, x8o8» bei Oiell, Füfsli u. Comp. 
J. Band XXX u. 408 S. IL B. X. u. 428 Seiten 
in 8' (Preif« 9 Rthlr,) 

(Fortletzung von S, 173 des Februar - Heft«.) 

Nachdem der Verf, im $.10 den überall bewährttm 
Erfahrujigsfatz betätigt , dafs innerhalb der Schichten 
der Urfelsmaiten nirgends Ueberrcße organircher Korper 
▼orkommen ; lo gicbt er in drei d^irauf folgenden $$ 
eine weitlauftige Ueberiicht aller ßchtbar nicht gemeng- 
ten Mineralkörper (Pomiien), die lieh in den Urfeli« 
fchichten theils eingefprengt, theils auf Lagern, Gängen 
und in Höhlungen findenr Wir erwähnen hier nur all 
vorstiglich merkvirürdig und fernerer genauerer Nach- 
forfchungen werth, die wirklichen KochfalcqueUeni 
welche längs der ganten Erftrec^iing des Urgjpfes und 
Ueberganglgypfer (letzterer unter Uebergangs^honfcliie- 



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Bücher - Reee nfi onen. 297 

ter gelagert) anzntr#fF«ii find* Di^Ces Vorkommen würdf 
(obgleich feltener, doch mitunter) die Kochfalz Eriea- 
gnirg auch in einer früheren Periode, als man inige- 
mein bisher glaubte, «ur Gentige «Urthun. Doppelt 
merkwürdig bleibt dann hierbei das abermalige Vorkom- 
men des KochlaUes zugleich mit dem Gypfe; als mülsttt 
-in den meifteu PftUen, wo SehwcfeUäure in greiser 
Menge (beim Gypfe) entftand, auch zugleich Salziäurf 
fich mit erzeugen, — 

Auch die vielen bitterfalzigen und KohlenTaure halti- 
gen Mineralquellen , die aus den Urgebirgsmallen ent- 
Ipringen, bezeugen in der 3chweiz wie in den Pyrenäen 
und in anderen Gegenden , dafs die UrgebirgsmafTen 
reich genug an Kali, Natron, fiittererde, Kalkerde, Ei- 
fen, Schwef elfSure , SalzCäure und .Kohlenfäure lind, um 
unter günßigen Umi^änden die aus ihrem Innern her- 
Torfprudelnden Quellen zu Heil- und Gefulidhfits Wäh- 
lern (Mineralquellen^ zu veredeln« 

Nach S.. 175 kommen viele Erzlager weit erftreckt« 
nur nicht immer von bedeutender Mächtigkeit zwifche« 
den Urgebirgsfchichtjen vor und haben folglich mit den- 
Telben einerlei Streichen. Der Frr/« nennt folche, aber 
unrichtig, Erzgänge. Es ergiebt £[ch aus des Verf. Dar- 
ftellungeu, befonders Th« i, S, 211» No. 22, dafs folcher 
JVerner^s Gangtheorie nicht fattfam ftudiert, nicht hia- 
lUnglich erwogen, auch nicht mit den beltehenden Ver- 
HättnilTen in der Natur hinlänglich verglichen hat; fonft 
würde er unmöglich lieh dagegen erklärt haben, und 
des Glaubens feyn; wirkliche GangausfüllungsmalTön hät- 
ten Geh ohne Ausnahme Itets nach allen ihren Kreuz« 
und Querzügen 9 nach welchen lie die Schichtung der 
GelrirgsmaXTe durchfchneiden , delTen ungeachtet mit 
den fo mannichfach durchfchnittenen Schichten zw 
gleich gebildet, und leyen mit denfelben gf eich zeitiger 
Bntftehung. Werner^s Gangtheorie ift unftreitig den na- 
turlichen VerhältnirCm vollkommeu angcmelTen, befondera 
bei der richtigere«, von Werner gewifs felbft g^emeinten 
Deutung I daTt die fogenanute fpätere Ausfüllung der 



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298 Bücher ' Reeen/ionem 

ctotftanddnsn Kiffe und Spalten der Gebirge darcli (theiTi 
von aufserhalb, theils von innerhalb) in diefe RilTe ein- 
gedrungene FlülUgkeiten bewirkt wurde, aus welchen 
lieh die Gangmaifen allmählich aaefchieclen. 

Im §, 169 det Ton den ehemaligen gewaltlamen Zer- 
reifsungen und unaufiiörlich fortdauernden Zerftörungen 
des Urfelfgebildes handelt^ finden^ fich zahlreiche treff- 
liche Daritellungen und viele interellante Notizen. — 
Im $. 17 giebt der Verf, eine Zufammenitenung der im 
zweiten Abfchnitte enthaltenen Hauptthattach^n , die 
von hohem InterelTe lind. Z. B. S. 2oo, No. 3. ^ydof 
XJrft^sgehildt' iß in feiner ganzen Ausdehnung durch 10 
Xiängengrade und einen Breitengrad gefchichtet,^^ No. 4, 
diefes Gefetz iit fo allgemein, dafs felbft die Abl«fungs- 
fiSchen aller Blätter Jcr Schichten aus fchiefrigen Fels*- 
arten dielen- Parallelismus der Streichung {von WSW 
»ach ONO) durchaus behaupten und überall zeigen. 
Alle Schichten lind theils ganz fenkrecht aufgerichtet, 
theils Ichiefseu lie nach SO oder NW unter Winkeln 
von 50—90^ eirif No. 5^ demzufolge liegen die Schich- 
ten nicht über einander', fondern fie ibreicheu entweder 
fenkrecht aufgerichtet, oder nur etwas hinüber gelehnt, 
parallel neben einander. 

Einige andere SHtze find ficher nicht durchaus den 
Haturlichen VorhältnilTen angemelTen, und erwarten Be- 
irichtigung von dei^ Zukunft. Rec, macht Gebirgsforfcher 
darauf aufmerkfam. So heilst es z. 3. S. 102 , No 8* 
„Nirgends in dem ganzen Schichtenfyfteme zeigen fich 
Spuren weder von Urfprünglichen Trennungen und Tha- 
lern , noch von urfprünglichen Ketten , oder einer Zc»- 
tralkette. Alle Thftler, Schlünde, Klüfte, kurz alle 
Trennungen der FelsmalTen in den Uxalpen find Wir- 
ungen von zerreifsenden dnrchbrechenden Gewaltskrif- 
ten, und einer feit Jahrtaufenden fortdauernden ZerftS« 
rnng.'^ ' ^ 

Der Verf. will alfo durchaus nichts von urfprüng- 
chtn parallel Itreichenden Ketten im Alpengebirge 



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Bücher^ Retenfioneiu 299 

wifTen! ctiefe Vorftellung fcheint durchaus mit del* 
fen Begriffen ficih nicht amalgamiren zu können! es 
drangt fich folch« xwar ihm mehrmals auf > wird aber 
mit tu wenig Umfiicht und ' Unbefangenheit heurtheilt, 
und daher immer wieder veirworfen. Man höre ihn 
felbft Bd. I. S. loi, nachdem dies Vorhandenleyn 
einer einzelnen Zentralkette (x^r f^oxifv oder ^ar excel«> 
lence) verworfen worden iH (wogegen wir nichts einzu- 
wenden haben), heilst es: „^tne ändert Frage iß eSy oh 
€i aber nicht urfprUngliche Ketten, in den Uralpeii gebeP 
der ver/chiedene Wec1\fel der fenkrechten Stellung j der 
füdöfllichen und nordweßlichen Senkung der UrfeUtafeln, 
fcheint wirklich darauf zu deuten. Hierüber (fährt er 
fort) wird freilich nicht eher (warum nicht?) niit Gewifsm 
heit entfchied:n werden können y bis der Schichtenbau des 
Urfelsgebildes felbß in feiner gering ften Abänderung aufs 
genaueße erforfcht f^yn wird, (Die I>ata reichen jetzt 
fchou hin, noth wendig' zur Erklärung der begehenden 
VerhältnilTe mehrere urfprüngliche Ketten anzunehmend 
der Ferf, greift aber felblt der zukünftigen Entfchei- 
dnng vor und erklärt;) JVenn es aber erlaubt iß, (lagt 
tr), auf die jetzige Summe von (leider rom Verf, irrig 
gedeuteter) Beobachtungen fchon eine Meinung zu grün^ 
den^ fo bekennt der Verf die feße Veberzeugung (möge 
es ihm w?gen vorgefafster Meinung nicht unmöglich 
werden — wie de Luchen — das Gegentheil zu erkennen!), 
dafs es in dem Urfelsgebilde keine urfprüngliche Felfen^ 
abtheilungen , und al/o auch keine urfprün glichen Thäier 
gebe. Auf keiner Stelle und in keiner Gegend der Ural^ 
pen fehiefsen die Schichten dergeftalt ein^ dafs ße dew 
Rücken ihrer Fallungsflächen einander zuwenden^ wodurch 
fo deutlich urfprüngliche Ketten - und Thäler-Bildung dar* 
geßellt_ wird etc,'* Alfo deswegen, weil die Schichten 
nicht dachförmig obe|-hi]b lieh einander zuneigen, und 
unterhalb nach zwei entgegengefetzten Weltgegenden 
einfchiefsen , fondern zum Öftem vielmehr umgekehrt 
dachförmig nach unten einander ^zufallen , nach oben 
aber von einander ab nach entgegengefetzten Weltge- 
geuden gerichtet find, verwirft der* Verf die VorfteHimg 
von mehreren mit einander parallel laufenden urfprün^- 



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300 Bücher • Reeen/ionen. 

licken Hauptkettcn ! ! Bei dem Alpen kalk|ebirg« drängte 
ßch die bei den ürfelsxnalTen geradezu verworfene Vor- 
ilellung mehrerer urfpriinglicben Retten dem^ Verf. noch- 
mals auf und wird diesmal wenigftens für wabrfcheiii- 
lieh , tum Theil für mehr ' als wahrfcheinlich , angefe- 
lien. Bd. I. S. 375 heifst es: Wenn gleich das Kalkftein^ 
gtbilde an der NordJ^eite der Uralpeti aus mehreren ur* 
fprünglichen Ketten befteht^ und es alfo nicht ein folchet 
gefchlojfenes Gante ^ wie das Urfelsgebilde ^ ausgemacht 
hat,*^ — Früher S. 263 wird aber nur gefagt: ,/<pAr 
wahrfcheinlich beßeht dns Kalkßeingebilde aus mehreren 
ur/pr anglichen abge/otiderten Parallelketten, worüber künf" 
tige Beobachtungen Licht verbreiten werden.^' Gcivifs 
mehr noch alt wahrfcheinlich und ganz allein geeignet, 
darauf hintuleiten und AuffchlüIIe zu geben ^ aus wel* 
eher tiefer liegenden und daher nicht von felbft iu die 
Sinne fallanden VeranlaiTung *) die Schichten mehrmals 
umgekehrt dachförmig von entgegengefetzten Seiten 
lier nach der Tiefe einander zufallen i mithin weite und 
tiefe Binnen bilden » welche durch andere Schichten 
Ausgefüllt lind) die allmählich in die fenkrechte Stel- 
lung , und aus dieXer wieder ganz allmählich in das 
.erftere entgegengefetzte Fallen übergehen; fo dafs al- 
lerdings dadurch ein gefchlollenes Schieb tanryllem gebil- 
det wurde« 

Der Verf, ift durch einige bei ihm vorherrfchend 
geworden* Vorllellungen gegen entgegengefetzte Vorltel- 
lungen (von «inar Zentralkette oder von mehreren ur- 



*) Diefe Veranlaffung öder Grttndürfache lie^^t bloft Inder 
gebirgicbten tieferen Ui^terlage eine^ der MaUe nach, (in 
wiefern es nicht blofs der altere Granit wäre) uns unbe- 
kannten Theil's der Erdrinde ; auf deren Oberfläche fich die 
unt bekannten älteren Urgebirgslchjchten anlegten. Det 
Verf. findet nirgends etwas xur Erklärung des fonderbat*n 
mehrmaligen nach der Tiefe einander xufallenden Ein- 
Xchieftens der ürgtbirg»rchichteu. Wnt eine bereits ge- 
birgichte Unterlage aus mehreren parallellaufenden, febr 
Xteil abfallenden Gebirgsrücken vermag die Erfcheinunge» 
über Tage zu erklären. — 



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Bifcher - Re.c en/ionen» 301 

Iprfi^ glichen I^uptketteii , und von daclifömiigea Ania« 
gerungen Xpäterer Schichten überhaupt , fo lehr einge- 
nommen, dafs er Bd. 2 ^ S. 3589 No. 23 fogar dahin ge« 
bracht wird, fich fo autzufprechen : v^cti* gewölbt und 
giebtldachartige Beugung der Sehichteh einer und der an* 
deren Kette in manchen Fl'öttgehildeny fo dnf% die Schicht 
ten auf der einen Seite nach 5, auf der anderen nach JV 
fenken j bleibt eine /änderbare geognoßif che ßr- 
/clieinungj w eiche bis jetzt fchwer zu erklären 
iß. Die Urfaeke davon mufs anderswo ^ als in 
der Gefialt der Oberfläche^ über welche die 
Schichten jener Fl'ötzketten niedergejchlagen 
wurden^ gefucht werden: denn die ähnliche Er^ 
fcheinung zeigt fich auch bisweilen (?, oft, lehr 
tft!) in dem ü rfelsgebilde^ namentlich in Thüringen 
nach He i m. — Das heilst in der That den Wald vor 
lauter Bäumen nicht fehenl und von Verhältnif- 
fen die Ürlachen überall fucheo, nur nicht da, wo Ha 
liegen! Zieht man nun vollends in Erwägung: dafs am 
Ende des Werkes der Verf, in der That dahin Ilrebt, 
die Vorftallung herrfchend werdeu au laffen: als fey#n 
die allermeiilen Hanptgebirgszug^ der Erde gleichfam 
nach dem Mufter ^er gefcbilderten Alpen gebaut und 
gerichtet; und müITe feine Darftellung (fowoU den 
wahrhaften als den verfehlten Hauptzügen des gegebe- 
nen Bildes nach) von dem Baue des Alpengebir^^es auf 
alle Ürfelsgebilde pafTend feyn ; und die Abweichuujeeu 
feyen gleicbfam blofs Ausnahmen von« der durch ihn 
aufgeltellten Kegel: fowird man Ree. beiltiuimen , wenn 
er eine treffliche Stelle (S. XXV) der Einleitung gegen 
den Verf, Xalbft richtet; es heifst dort: Immer verfiel m>.n 
in den Fehler^ mit jeder Ueberßcht ein geologifches 
(?, geogcnifches!), Syßem auffüllen -zu wollen^ wo7.u wir 
noch nicht reif genug find; denn man mufs zuerft vvif- 
fen, was Alles da ift, ehe man die Art feiner Entft»^hua^ . 
erklaren will." Der Verf meint zwar nur die. geogeni^ 
fchen Syßeme^ aber dalTelbe gilt eben fo fehr von den 
arehitectonifchen Syßemen der Gebirge und der Erdrinde^ 
überhaupt. — Auch das relative Alter, oder die lU vcr- 
fvhiedenen Zeiten arfolgte AUf- oder Anla^eruujj; der 



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30a ' Bücher ^ R ec^en/i o n ejt* 

▼erfchieclenei] UrfeUrch teilten will dem Verß durdiant 
nicht einleuchten ; ol^gleich eir ein allmäliliches Entßehffi 
zageg^eben hat. Die fpäteren Froducte bilden daher 
nach ihm nicht die verfchiedenen neben oder hinter 
einander befindlichen Schichten (bei fteil einTchiefsendar 
Lagemng^sart) y fondern nur deren Erilreckung in die 
Höhe; bloft das Tiefile derfelben ift das Erae derlelben^ 
mithin das HöchAe derfelben, was tum Theil jetzt fchoK 
wieder xerftÖrt ift, macht das zuletzt Entliandene ans. 
Aber Alles, was beim Urfelsgebilde neben und hinter 
einander lieh befindet, foll jedesmal durchaus von ei- 
nerlei Alter feyn, aus einerlei Zeit der Entitehung her- 
rühren. — Da doch ( nach den kurz, vorher vom Ree, 
dem Verf. entgegengeftellten begründeten VorÄellungen), 
vielmehr bei fehr Heilem Etilen der Schichten eine 
gleichzeitige doppelte Anlagerung der ürgebirgsmalTen 
einleuchtend ift. Nämlich ein Mal auf die jedesmalige 
Hark geneigte Ebene der unmittelbar vorhergehenden 
Urgebirgsfchichten 5 ( fo dafs, je nachdem ein breites 
Gefammtgebir^ mehrere Hanptketten hat, einerlei Ge- 
birgsart von ^gleicher Art und von einerlei Alter der 
Entitehung auf dem Querdurchfchnitte eines Gehirge$^ 
mehrmalen vorkommen mufs) und di^ zweite Anlagerung 
auf die fchmalen Seiten (auf das Ausgehende) der Urge- 
birgsfchichten, alfo ein Anwachs nach der Höbe der 
Schichten. Sollte man in dem CJralpengebirge Schichten 
(ürfelstafeln) finden, die von unten nach oben aus ver- 
fchicdenen Gebh-gsarten beltehen , (z. B. aus Granit, 
Gneifs, Glimmerfcbiefer, Hornblendfchiefer) , fo würde 
diefer Wechfel in ein und derfelben Schicht nothwendig 
als eine Folge der zweiten Art der Anlagerung zu benr- 
theilcn feyu; da jedoch die Schichten von ihrer ehema* 
Jigcn Höhe durch Zerßorung To viel verloren haben, 
fo mag diefer Wechfel feiten noch beliehen ; der 
dann zugleich auch ein zweiter Beweis feyn würde, dafs 
während der gefammten Urgebirgsbildung das Urmeer 
an Hölie nicht fo fehr fich vermindert habe, um daraus 
ein immer niedrigeres Niveau der fpäter entitandenen 
Urg«rbirgsglieder und Schiebten abzuleiten. Dies Verhält* 
uifs läfst lieh noch ganz anders erklären. 

Se 



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Mäther-RMCen/ionem 303 

So vielerlei Folgemnf ea der Verf, aus feinen Angaben^ 
.^xog^n kftty fo hat er doch zum {Jiig]ück gerad.e diejeni- 
gen iicli nickt entwickelt , die nothwendig aus dem von 
ilm behaupteten gleichen Alter (gleichzeitigem Entftehon) 
aller verfchUdmmaJfigtn Urgebirgsfchichten nothwendig 
^ck ergeben-; und die , hätte der Verfajfer ^e lieh 
entwickelt y ihm von lelbft^ gezeigt haben würden, 
daTs er durch jene Voritelliing aiif eineh gewalUgen Irr- 
weg gerathea ley; <^enn man überdenke nur einmal reif- 
lichf zu welchen Annahmen das nothwendig führt, we^ia 
man rings um die Erde eine wahrhaft und im ftreng« 
ften Sinne unzählige Meng* Urgebtrgsrchichten von aller 
der Verfchiedenheit der MalTe, der Structur und der Ab« 
wechfelungy wie wir folche kennen, in fteil einfchiefsen* 
den und zum Theil fenkrechten manerÜhhlichen Schich- 
tentügen, auch fämmtlich parallel ^reichend von O nach 
^oder voa NO nach SW^ durchaus gleichzeitig H$J(en 
oder hinter einander entftehen läfst? wie der VerJ, wilU! 
Es ffihrt nothwendig zu der , allen chemiüchen und geo« 
gnoftilchen Beobachtungs* und ErfahrungsHitzeii zuwi* 
i derlaafenden Annahme: dafs die auf phyfifch-chemifchem 
Wege in Gebirgsproductionen begriffene Naturwirkfam? 
keit gleichzeitig, jedoch während eines ungeheuer Inn^ 
gen Zeitraums . nichts delto weniger viele taufend Mal^ 
ja millionen Mal dicht neben einander, die theils dei^ 
Mengi^ng, theils der Mifchung ihrer Beftandtheile nach» 
theils der GrÖfse und Belchaffenheit des Korns und des 
StructVir nach mannichfach verCchieden^m ürgebirgs^ 
fc-hicliten aus ein und derfelben Flüfligkeit des Schö- 
pfungsmeeres iier vorgebracht habe!! Wie verniag nun 
noch bei einer folchen Vorausfetzung der Verftand de* 
Menfchen die Grundurfaehen der Verfchiedenheit der 
M^ngiaig, der Mifchung und der Structur aufzufinden, 
weiin Alles dies zugleich neben einander entbanden iftt 
Wie in aller Welt konnte der talentvolle Verf. diefer 
widerfinnigen unnatürlichen Vdrftellungs weife fo viel 
Herrfchaf t über die entgegengefetzten , von den ^bewähr^ 
te&eik Naturforf ehern immer von neuem anerkannten 
Vorftellungen in feinem Kopfe gewinnen lauen?? -«»' 
Die theils feiger, theils fehr fteil einfchielsenden Urg««^ 
A. G. E. XXVIIL Bdx.3. SU Y 



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304 Bücher *' JKeien fionetk. 

biTgtroliichteii der Alpen ]i«lieii wahrhaft dem Verf. ei* 
Ben fehr argen Streich gefpielt! indem fie ihn mu man*' 
cherl^ einfeitigen unhaltbaren Urtheilen rerleitetea» 
MTÜren auf dem ganten Erdenrunde blöfs fenkrechte und 
Aeil einfehielsende Gebirgsfchichten vorhanden, fo wur-^ 
den die Gebirgsforfcher überhaupt (gleich dem ^<r/.) 
Ichwerlich auf eine gewilTe Altersfolge der gleicHförmig 
gelagert^ Gebirgsfchichten ' hingeleitet worden fejo; 
londem eben fo urtheilen , wie der Verf, thut» Da wk 
aber tum Glücke fchon in Teutfchland mehrere Gebirge 
^ge haben, wo fölige und flachfallende Lagerung häufig 
vorkommt y und man dann (ahne tu phantafiren) den 
iintethalb und zu unterft liegenden Gebirgsfchichten eine 
frühere Entftehnng al« den obeiren, jene bedeckenden 
Schichten nicht ablprechen kann; fo bitte der VtrJ. diet 
nicht ganz aus der Acht lalTen , noch viel weniger fich 
dahin verleiten lalTen Xollen, tine Altersfolge der neben 
und hinter einander gehenden und lehnenden Schichten 
des UrfeJsgebildes gegen die gefammte Vor • und. Mitwelt 
geradezu zu Iftugnen; fondern vielmehr VeranlafTung 
nehmen follen, auf eine mit den Lagerung8verhaltni,0ea 
in anderen Gebirgen analoge Weife die abweichenden 
Verhaltnilire der Lagerung in dem Alpengebirge zu pn%^ 
VftthXeln. — Obgleich der Verf, kaum entfchuldigt wer- 
den kann, fo fey ihm doch verziehen, eingedenk des 
Spruches :itfi> /(^A/^n alU ^ nur jeder anders! — Inter* 
eJIant und der Natur getreu ift Bd. L S. 222, No. 38 der 
Sahlnfs de« zweiten Ab/chnittes. 

Wir find bisher dem Verf. in feinen Darftelinngen 
Schritt vor Schritt gefolgt, und haben das Publicum auf 
die vielen wichtigen abgehandelten Gegenwände auf- 
merkfam, und fo viel es gefchehen konnte, mit den 
Bauptfätzen und Kefultaten des F/*.hekanntgemadit, auch 
einer Verbreitung irriger Meinungen und ürtheile nack 
Pflicht vorzubeugen gefucht. Der hier gemattete Rauni 
erlaubt nicht, das ganze, durch fleifsige, vieljährige, ei« 
gene und zufammengetrageue fremde Beobachtungen fe 
ftufserü reichhaltige Werk auf gleiche Weife durchsu* 
gehen. 



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Bücher ' Meceh/ionen. .305 

Mit dem 3, Ah/chnittt beginnt der Verf^ dfe SphiU 
demng der Kalkalpen ; uüd im 9. Abfchnitte ftellt er 
Betrachtungen über die übrigen Geb;rge Europa's und 
anderer Gontinentalländer der Erde auf. Im 10. Ab^ 
Jchnitte folgen Betrachtungen über die Felsarten und 
mineralifchen Sübftanzeu in ihren electrifch - magne- 
tifch - galvanifchen Erfcheinungen und im ii, (letzten) 
Ab/chnitte allgemeine Folgerungen aus den in ullen 
Abfchnitten enthaltenen Hf uptthatXaohen. — Letztere 
drei ^bfch^itte nehmen mehr als die Hälfte des zwei* 
ten Bandes ein. Der Kaum geltattet jedoch hier 
nicht einmal die Anzeige der ins Befondere abgehandel- 
ten Gegenftände, fondem blofs einige Berichtigungen, 
Da das Werk (die (b mancherlei verfehlten Znge in. der 
Natarfohilderung abgerechnet) übrigens als ein reich- 
Haltiges Repertorium für Gebirgs • und Erdkunde be-* 
trachtet werden kann, fpätere Werke daher oft. aus ihm 
mancherlei Angaben und Darltellungen entlehnen wer-^ 
den, die vor der Aufnahme, wie häufig die Erfahrung 
(felbft in d^s Verf, Werke) lehrt, nicht von jedem hin- 
länglich geprüft werden dürften ; £0 ift lehr zu wünfchen, 
dafs in einer eigenen Ai>handlung, die kein zugemelTenex 
Raum, wie in Journalen und Literatur- Zeitungen, noth- 
dürftig beengt, alle Angaben und Darftelliingen, die ei- 
ner Berichtigung bedürfen, zum künftigen Gebrauche 
mBgliehft genau berichtigt werden möchten , wodurch 
das Werk eine dello zuverlälBgere Brauchbarkeit gewinn 
Ben würde. — 

§. 85 heifst es : die bedeutendften Gebirge in " 
Enripa und in anderen Continenten ziehen wie 
die Alpen von ?y nach O oder von' SfV ntLch NO, 
Der Vtrf> möchte gern fo viel wie möglich durchaus 
(nicht feine Darftelltwg der Alpen gemäfs den übrigen 
VerhältnilTen der Erdrinde aufser den Alpen, modificiren, 
Ibndem vielmehr umgekehrt) die VerJiältnilTe der Erd- 
oberfläche und ihrer Strüctur in dem gefc^ilderten Al- 
pengebirge als Muilerbild aufhellen, nach welchem alle 
Gebirgszüge der Erde gemodelt und gerichtet feyen; 
und hierin geht er offenbar in mehrfacher Hiniicht viel 
SU weit« — Auch fo manches Allegat, welches er für 

Y 2 



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3o6 Bücher - Ree^njionen. 

feine* JMeinaBg angefnlin liat,- fpriclit leider (genanef 
viiiterrnclit) vielmehr dagegen, und andere Ausfagen, £t 
er übergangen hat, oder die er nicht kannte , fprechen 
ebenfalls da^^gen, wovon Aec. mehrere Belege geben 
fvird. — 

Die Streidkangsrichtung ärr Vfgthitgsjchiehtwn in dm 
Pjrrtnäen githt der ' Vtrf, §. 86 fulfch an^ und hmt Äa- 
mond nicht verßanden; auch eine Stelle ^ wo Ramend ßeh 
hoch deutlicher erklärt^ nicht angeführt. Die vom Verf, 
aus Ramend in der Note Bd. 2. S. 203 and 204 wortlidi 
angeführte Stelle Tagt gegen den Verf,: dafs die CTrge* 
birgsfchichten nicht gerade' von TF nach O oder vom 
Abend gegen Morgen ftreichen , fondern von diefer 
Richtnng ungefihr um 25^ abweichen; und swar weß* 
lieh um fo viel nach Norden zu, und ölllich um fo viel 
nach Süden zu (ei heifst nämlich: avec une declinaifom 
d^environ 25 degr^s decimaux de l*ouest an nord, et de 
l'est au fiid); mithin itreichen lie von WNW nach OSO| 
und niclit, wie der Verf, f agt , von WSW nach ONO. 
Das Streichen der Gebirgsfchichten der Pyrenäen weicht 
dalier nicht viel ven der Richtung der Gebirgskette felbft 
ab. Auf's deutlichfte drückt fich Ramend im Vcyage au 
Mont' ^rdUf^SL^, 274 aus, und beftStigt Aec. Angabe, 
er.fagtr La Beaumelle avait ohfervd dans Ue Bancs 
une direction generale de VOuest NerdOuest (von Weft 
NordWea) ä VKfiSudEß (nach ÖftSüdOll). St. Am ans 
et moi noüs avons ohfervi de notre cdtd la mime direction. 
Die Rede ift dabei ebenfalls von UrgebirgsmaCTen , wel- 
che diefe Beobachter zu gleicher Zeit in verfchiedenea 
Gegenden der Pyrenäen erforfchten. Aus dielem er*. 
hellet, dafs Weder die Gebirgsrichtung lelbft, noch die 
der Urgebirgsfchichten m|[t der S;TeichungsIiiiie der Ur- 
. felsmaXTen des Alpengebirges übereinftimmen. — 

Auch die Ausfegen des H. A. v. Humholdt^^ fprechen 
meill'pns nicht für, fcfndern gegen den Verf, ^ wir wollen 
hiervon ^inen zweifachen Beweis geben. Im Naturge^ 
mälde' der Tropenländer (teutfche Ausgabe, Tübingen, 
a8&7 ^n f'bl. S. 134) fagt Hr. v, Humboldt in der Note: 



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Bucher - Rgcenfiönen. 307 

fi ftreioh« \n^ der And€s\$n€' ypn Säd^Amtricm wie m den 
Gebirgen von Venezuela vknd Neu^Anddlmßen Gneufs und 
Glmmerfcliiefer gewöhnlieh Stande 3|..def Freiherger 
Grubencompaffes; des heifat (letst er hinia) ihre Strei- 
ehungslinie mecht mit dem Meridiane einen Winkel voa 
52® (wohlgemerlit) von Norden aus gegen Ofien gerechnet. 
(Mithin Ton N^F nach SO^ und nicht, wie der Verf. $a^ 
giebt, von 5^ nach NO.) Am Fichtelgebirge ^ und wi» 
Er. Alex, v« Humboldt mit dem vortrefflichen Freieslebew 
beobachtete, in den weßlichen Seh weiser- Alpen, i^ diefe 
Richtung (alTo iwifchen Stunde 3—4) ebenfall« lehr 
]iäufig. — Hrn. IXr. Ebel fällt jedoch wegen der entge* 
gengefetsten Angehe nicht die Schuld eine« Falfum^s, 
foadern blpfs des tn groXsen Zutrauens auf die Schrif» 
tea lur Laft, ans denen er feine unrichtige Angabe ge- 
Bonunen hat; fo wie Mangel an Prüfung vor der Aul- 
tiabme in fein Werk. Denn die Gebirgsfchichten , di# 
iwifchen Stunde 3 und 4 oder 3| des Freiberger Gruben* 
compalTes (oder des fächl. bergm. GompaHes) ftreichen, 
aüITen nothwendig von NfV nach SO oder von NTVfV 
nach «900 Arelohen. Theilt man den Kreis, ftatt berg- 
mSimifch in twei Mal 12 Stunden, vielmehr in 365 
Grade, und zwar fo, dafs die Ziffern, 180 dem Nord* 
puncte, 360 aber dem Südpuncte^ 90 dem Weftpuncte 
tmd 270 dem Oftpuncte entfprechen t fo ift dann der Zwi- 
fcheoraum iwifchen Stunde 3—4 des GrubencompafTea 
^bereittftimmend mit dem Zwifchenraume von 120 bis 
135^ nordweßlich und von 325 bis 300^ ftidöillich. — 
}ene fehlerhafte Angabe in v. Möllns Annalen und felbft in 
den Allg.^ Qeogr. Ephemeridenj Mai-Stuck, 1802, S. 399, 
tührt nun entweder daher, dafs bei der Ueherfettung 
•tu dem franz. Originale irrig Oueß mit Ojft ftatt 
^ißt \xnd Eß mit fVeß llatt O^ verteutfcht worden 
ift; oder foUte dies der Fall nicht feyn, was R«c. jetu 
•US Mangel- des frant. Originals nicht nachfchlagen 
^n; fo entlUnd die irrige Beßimmung durch ein mo« 
>tteAtane.s Verfehen des Hrn. v. Humboldt felbft. Oa 
cimlich wegen einer Erleichterung markfcheiderifcher 
Berechnungen oft tifki dem Freiberger Grubencompaßb 
0^ und iVeß abfichtlich ia dar Andeatting durch Bach'» 



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308'^ Bücher- Recenfionen. 

ftaben irerwechfelt/ iind , fo daft auf der wahren OMettt 
des Cottpaffet ein W^^ lind auf der wahren Weftfeite eis 
O ßeht. StiBimt daher di«^ Angabe des frant. Orifinalt 
mit den teutf^hen Ueberfetzungen überein ^ fo ift die äl- 
ter« Humkoldt^tA^ Angabe y im PaNe Hr. v. Humboldt 
einen Toichen Compat mit verwechfelten O und W Punc- 
ten hatte , «war bnchHäblioh einem lolchen CompalT« 
Bach richtig ^ der Natur nach aber unrichtig , und hatte 
einer erläuternden Note bedurft. Bei dem Streiches 
der Schichten von NIV nach $0 kann aber das Fallen 
Bi^ht ftreng nach NJV feyn) fohdern entweder nördli- 
cher oder gar.nordöftlich. ^ Hingegen im Königreicba 
NeU'Spanign ift (nach Hr. v. Humbpldt im Gemälde der 
Trope nländer 1. c. in der Note) das herrfchende Strei- 
chen der Schichten xwifchen Stunde 7—8 • folglich von 
ONO nach WSW und übereinüimmend mit dem Strei- 
chen der UrfelsmalTen in den Alpen. — Nach Hr, G. 
J. HavfsmarvVs neuerem Berichte von feiner fchwedi- 
fchen und norwegifchen Reife , der in v. MolVs Anna- 
len XU finden fe jn wird , * iit das Hauptftreichen der 
Schichten im Judlichen Schweden^ - in Smä,land^ fVtßgotk* 
land^ fo wia ivkiÖßlichen Norwegen bis nach ChHfliania 
▼on Norden nach Süden gerichtet ; das Fallen gegen fVe» 
fienf unter Winkeln von 60 bis 80^, mit geringen My- 
weichuugen. Nahe ein d^ Hauptgebirgskette und deren 
Zweigen ift-aber das Streichen meißens von Oßen nach 
Wefien gerichtet; das Fallen gegen Süden, s. B. im füd- 
licheU Norwegen f Wärmeland ^ Weßmannland und ia 
Dalame in Schweden. ... 

Das fchon ein Mal angeführte Werk: Beobachtungen 
auf Reifen nach dem tlie/engebirge ^ von Jirasekf Haenki^ 
Gruber und Oerstner, Dresden, 1791. hat d#r Verf. nicht 
excerpirt. In der dritten Abtheilung, welch^ des Abbi 
pruber^s (eines wirklichen Cor refpon deuten des gleich- 
feitig lebenden älteren SauJJure^s) phxßcalifche und 
oryhtologifche Bemerkungen aus dem Riefengebirgo ent- 
hält, liehen S. i8d und 189 defTen Beobachtungen über 
die Richtung^ und Neigung der Urgebirgsfchicüiten ; wor- 
aus fich ungefähr auch auf das Streichen derXelbea 



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Buehsr ^R^een/i& nen^ ^ 3of 

IdiUerfeii- ISfst. Am h&ufigftm fand Grvchir die Rii;}i^ 
tung Abs Emrchiersens füdofifUdUeh und ßtäfüdlich^ 
tum Theil faft gmnz Jüdlicti, sum TkeH ab*r auch cj[/l^ 
lic/i; mitunter auch SSWeflliöhf nnA felhß wtfllich; auch 
WNWeßlioh und NNWefilieh. Die Gebirgsmaflen und' 
dlie Orte der Beobachtungen ifind ^nau angegeben. Et ' 
giebt alio im Riere'ngebirge fehr vetfcbiedene Kichtua^ 
gea des Einfekiersens ; und da £olche nicbt nur nach 
iwei entgegengefetzten Weltgegeriden ßcb richtet ^fo ift 
auch mehr alt eine Richtung det Streichens tu verma* 
tiben. — Allet dielet teigt tur Genüge , daft die Urge* 
birgsichtcbten nicht in allen Hauptgebirgsttigeu einerlei 
Streichen haben; und daft felbft in ein und demfelben 
Hauptgebirge die Urgebirgsrchichten nicht durchaut ei» 
Derlei Streichungtlihie zeigen; daft mithin di^ Ürge» 
birgtmalTen der verfchiedenen Hauptgebirgstüge weder 
tints einzelnen Gontinentes noch der Er4e überhaupt, 
weder fämmtlioh noch gröfsten Theilt einerlei oder pa* 
raiiel laufendes Streichen haben, fondern zum Theil un- 
ter verCchiedenen , theils rechten^ theils fchiefen Win* 
Jtelo an einander ßofsen, und fomit tuf der Hrdober* 
fläche eine netzförmige Verflechtung bilden, welche ent» 
Weder flacheres urfprängliches Hochland» oder flachere 
urfpruiigliche Niederungen umgeben und einfchliefsen« 
Die Schlufsfolgen B. 2. S. 213 und 214, dersgleichen $. 
96, No. I und 18> ^* ytrf* find daher fehr mit Unrecht f» 
UinfafTend allgemein angegeben; und wird daftelbe am 
Ende det Werltet ^^ %. ^. 405, !Vo. 12. nochmalt wieder« 
liolt; alt folle diefe öftere Wiederholung gleichfam 
Schufs auf Schuft endlich die Lefer, falls fie auch Be« 
deaklichkeiten hätten, d<^ch zur Gapitulation und An* 
ttahme. folcher Sätze bringen. -^ 

Iin $. 105 theilt der Vtrf, fdne Ideen über Organi* 
fition und eigenthümliches Leihen de^ Erde mit; und 
berchliefst im $. 106 mit Anfiohten von koamifohen Er* 
fcheinnngen feine Arbeit, -— A«c. bedauert gajr fehr, , 
daft befchr&nkter Raum ihm nicht gemattet , maiiche 
fcböne Idee det Vtrf. über höchft wichtige^ Gegenftänd.^ 
^ letzt^en %%. authtbMi und hier mittheUen zu kdn* 





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^0 MuShe^r - Ree^nfionem 

neu, Do«h liplnm die-AiiMige der al^hand^tea Gegem- 
lUUide wird die VtrjXsbejEieTde der Freunde det Sludiame 
der Mutter ÜMatur erregen und xur Lecture de# Werket 
enreizen; euch lo menche aötluge Erinneritiig «her die 
«GegenMnde der letzteten $$. muft Ret. gleiehfaUt für 
ei^e^,atldeIea' Ort Arrpere»» — Eine uneligeiielim^ 
eiuen vollen helben Tag Zeit raubende 'Arbeit Feraa- 
Ufste die ß||ricbtiguttg de^ angezeigten^ iaft einen -vollen 
Bög^ ,ein|iehmenden Druckf ekler. — 

Es bleibt un« nun nocK übrig , über die dem Werice' 
lieigeiiigteu geognffiifchen Charten B^rickt tu «rftattea* 
Vojrxüglicb anziehend und belehrend ift die geegnoftifclte 
dhsirte des Alpengebirges, nach Xeinem Umfange in Sa« 

. Tojen, in der Schwei«, in einem Theile von Prankreick, 
Fiemont, der Lombardei und Teutfckland's^ DieUl 
Charte umfalst beinahe 6 Längen - und 3 Breitengrade» 
und l>egreift alle Länder und Gebirge von SW nach NO^ 
Zwilchen Grenoble in Dauphin^ und Infpruk in Tyrol) 
ttnd von N und NW nach S und SO twifchelt den Fe» 
g^fen^ dem Schwarz Waldgebirge und dem (JrXprunge der 
Dpnau bis Turin ^ Pavia und Mantua, Die beften Hülft- 
mittel wurden lut Entwerfung derfelben benutzt, und 
die Fehler, die der Verf. an früheren Charten tadelt, 
Hier verbeflert; vorzüglich die Richtung des Gebirgsza- 
ges und der einzelnen Bergzüge mit ihren auilaufendeA 
Zweigen, fo wie. die Richtung der Hauptthäler und dar 
zufallenden Nebenthäleir find, Xo viel wie möglicliy rieh« 
ti^er als bisher, der Natur getreu dargeftellt; daher ge«' 
währt Xolche im Ganzen wie im Einzelnen ehi ganz an« 

* deres Bild, als die bisherigen Charten. Der Hr, Ter« 
f affer und der^nach deXTen Anleitung zeichnende Hr« F. 

. Schodinger thaten ihr Mögiichftea ; dock Xagt der Verf. 
felbft: da jene Hülfsmittei im Ganzen noch inimer Xekr 
Xchlecht Xeyen, und von keinem einzigen Tkeile des in die« 
fer Charte' dargeftellten Alpengebirges trigpuofnetrilche 
MeXTungen , als nur über die Gegend von Cham^uny^ und 
der Mont-£/anc-Kette (durch Pxct<t) und über die höohfteo 
Gebirge des Cantons Bern (durch Tralles) angebellt und 
bekannt gemacht worden Xeyeni Xo bleibe auch dieli 



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Bücher - Rec^nfian^fu Sir 

CSitrte noch, fehr unTollkommeii in RSckßcht ihrer geo«' 
graphifehen BicHtigkeiU — - Der Stich ron Schtuermunn 
ift fehr ansdrucksToll und fchda. — Diefe Charte iA 
petrogrephifch illami«irt und in doppelten Exempla« 
ren beigefügt* Auf beiden Exemplaren ift des Urge- 
birge (das Urfelsgebilde) der Alpen, von dem Kalkftein- 
gebirge der Alpen (den Kalkalpen) , beide -wieder ron 
dem Kalkfteingebirge de« Iura und Ton dem nördlich 
twifcben inne liegenden, f tidlich aber bloft angrlnienden 
Congiomerat* und Sandftein-Gebiz^tmafTen durch belöil^ 
liere Farben auffeilend unterfchieden worden. InsbeCon* 
dere ift auf dem er^en Exemplare der höchfte wailer« 
fcbeidepde Alpenkamni mit feinen Krümmungen durch 
befondere Parbeogebung deutlich aufgeieichnet worden; 
desgleichen find das Urgebirge des Schwarzwäldes , fo wi« 
das aufgefchwemmte Gebirge am Kheine swifchen Bafel 
Q&d Brey/ach^ und die FlötztrappmafTen des KaiJerJtuhUt 
am Ober- Rhein, fo wie die bei-ifo/k^ntui^Zetc. in 5ohwa« 
ben durch befondere Farben angedeutet worden. Auf 
dem zweiten Exemplare dief er (Charte find mit Hinweglaf« 
fang des Alpenkamm-Golorits, die generelle Auszeichnung 
der vorigen ' VerhältnilTe beibehalten und durch noch 
andere Farben befondere Haupt - UnterrerhältnifTe ange« 
teigt worden. Als nämlich i) die beiden Urkii2kparal« 
lelen, welche das Urfeltgebilde durchlängen. 2) Ift der 
Uebergangikalkftein (des Verf. älterer Alpen kalkftcdn) 
lait feinem oft unter ihm herrorbrechenden und weit 
kerrorragendem Uebergdhgs - Thor^chiefer ^ ron dem an* 
gränzenden älteren Flötzkalkßeine (mut •(«X^v » Alpenkalk» 
fitin, nach dem yeif, jüngerer Alpenkalkftein genannt) 
durch befondere Farben angedeutet. '3) Ift das ältere 
Nagelllubeconglomerat durch dunklere Farbe von dem 
fpäteren Sandftein- und Mergelgebirge unterfchieden. — Ei 
ift zu wünfchen, dafs der Verleger diefelbe Charte ohn« 
tUe Illumination an Gebirgsforfcher auf Verlangen kauf* 
lieh ablaffen möge, um folche %a noch anderen, für Ge« 
birgs- und /Srdkunde wichtigen Unterfcheidungen befon« 
ders illununiren zu können. Es würde g«'wifs fehr wilK 
kommen feyn, wenn der Verf. felbft^ diefe Charte zu 
>Boch mehreren Zwecken benutzen wollte i z« B* auf. ei« 



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jft ßücher • R0i:&n/i0 110 n! 

»em 'Montieren Etemplore die Schnee* ttod Eiileldet 
naoh /deren V«^rbreiiung - und Umfaoge dtireli' weiltgelaf» 
lei>e Stellen zwiTchen der petrographifchen Ittmninatio« 
darzuftellen ; oder äut diefe Weife Alle Schnee and Ei»^ 
fekier aufzuieichnen, und zugleich eine Phyto§raphifclu 
Darfteilung der höchHea und mittleren Alpen wiefen and 
der Grenzen de«« Waldw-achfes , fo wie der wenig«»« 
Acker- 9 , Obil- .und Weinbaucul^r anzu|^eben. SownU 
för in der Schwelm üeifende, aii. nicht Reifende im Aus» 
laade gewiCn gleich willkommene DarXfcellungea. 

Ein Ghärtohen von kleinerem Formate ßellt die mei* 
Aen Hauptgebirg92Üge von Europa tiar, von den Pjre* 
naen his an die kränze Aliens und von der Nord und 
OJUee und vom lüdlichen England an bis tns mittlere 
italieh 'und );>is über die Mündung der Donau; und zwar 
grofsen Theits mit befonderer Farbengebung der her- 
vortretenden Urgebirgszüge, fo wie der fpiteren Kalk- 
gebirgszüge, der Fiötzconglomerat und aufgefchwemm- 
ten Gebirgs - und Walclftrecken , und der Flötztrappmaf« 
len in Dauphini und Auvergne^ in Schwaben, Italien i^od 
Ungarn y waruin nicht auch am Nieder- Rhein und ia 
Heffeti, Böhmen, Schieben und Sachlen?? — 

Letztere Darfteilung um fo mehr, alt ia der> '^lat 
mehrere ziemlich parallel laufende, obgleich in Cich felbil 
iMiufig unterbrochene FlÖtztrapp-Züge daraus lioh ergeben 
hüben würden! z.B. vom Nieder -Rheine durch Heilen mw|- 
fchen d^mThüriagex' Walde und dem Hdrze hindurch nach 
^iectetfachfen ; fo wie von Auvergru und dem Ober-Kheiae 
durch Schwaben t das Mittelgebirge In Dohaten^ nach 
Schießen; desgleichen von X^oup^tW durch Ober- Italien 
nach Ungarn. — Der Augenfchein zeigt es, and felbft der 
Vtrf, bat es angegeben , daft diefem Ghärtchaa die fri« 
here gröfsere oregraphifche von Schultz tu feinem 
Werke {über dgn allgemeinen Zufammenhang der Höhen) 
entworfene Charte, zum Grunde gelegt ift; die frailich 
noph viele VerbeiTerangen vcin der Zukunft erwartet; 
und hat der ^cr/. iaabefondere das Alpeagebirge , hefon« 
der* die Montblanc* und Got^h^rds •Ktu» naturgetreuer 
dargeUeUt, ^ 



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Bücher -' Reten/ionen. 313 

Ein anderes Blatt enthalt ' drei (^uerdareiifelfiiitti 
clet ganfen Alpen^ebirges an drei Ferrchiedenen Punc» 
tea feiner Längenerltreckung. Alle drei erltrecken fick 
auf dem Jnragebirge bis über den föd^ftlichen AbfaU 
des Alpen gebirges hinai^s , and gebt davon der erite 
durch das grof«e Bernbardts-Gebirge und endigt in der 
Fiemontefirchen-£bene; der «weite durek^en ilIentKB2«nc 
und MorU'Cenis ^ und der dritte durch das Gotthards^e* 
birge und endigt in der lombardifcben Ebene» Zur 
Seite jedes Durch tcbnittea befindet fick ein MaaTsftab 
Ton 1000 bis 14,000 Puff für die Höhen der Gisbirgs- 
punc^; auch lind die vorzüglichen Thäler, AlpeiapäflV^ 
Flufsbette und Seen^ d^rch welche die Ourchrchnitte 
laufen., deutlich angegeben, insbefondere das verfehle- 
deue Einfeh iefsen der Schichten und dbr dabei Statt fin- 
dende Wechfel durch verfchiedene Richtung der Schtaf* 
firungsftriohe dargeAellt, und die Gebirgsftrecken ober* 
halb des DurcHfchnittes benannt; unterhalb aber die 
Hauptgebirgsmailen derfelben angeführt ,' und die Strek- 
ken in Uebereinitimmung mit den Farben der Haupt« 
^ Charte |iach Verfchiedenheit der GebirgstnaiTen illumi- 
nirt. Auf zwei Durchfchnitten kommen aber auch noch 
unerforfchte und unbefchriebene Strecken vor, in web- 
eben fchon der äufselre Umrifs ebenfalls einen mcthrma-- 
ligen Wechfel des Einfchief sens der Schichten andeutet^ 
denn auch die Geftalt der Oberfläche diefer' Gebirgs» 
durchfchnitte ift, fo viel die Kleinheit des MaafsUabel» 
erlaubte » der Natur getreu nachgebildet. Möchten %ir 
von vielen Gebirgen dergleichen. Querdurchfohnitte h»> 
ben und möge diefer xühmliche Vorgang bald Wetteif^ 
rung erregen! ' 

Noch «wei andere Blätter geben )>lofse AbrifTe des 
Alpengebirges in der Schweiz und in einem Tbeile von 
Savojen, von der Nordfeite betrabhiet. Es find» dtefeU 
ben, die fich fchon bei des Verf, Anleitung, die Schwele 
SU bereifen, befinden, nur mit dem Unterfchiede , daCi 
bei diefer neuen Ausgabe die Gebirgsgruppen nach Ver* 
fchiedenheit ihrer Beltandmallen illuminirt erfcheinen. 
Für den nicht reifenden Ausländer Bnd die treuen Berg- 



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gif Büeker^ Kecen/ii^n^m. 

fomMB der rerfchi ebenen GekirgvoiafTeH latcsefTMit; fßr 
^n das Alpeafebirge bereifeofien Pörrcher aber habe« 
dieCe Blfitter vielmehr Nutxeä; denn fie ceigen ihn vom 
gewiffen StDindpuncte« aus, wie die feineoi Auge ftck 
darlbellenden Gebirgsgrappen heiUen und woraaa Gm 
▼Arsfiglich beftehen. Alle diele Zeiehaungett- find mit 
Titla» Fleilie «litworf eit uftd ansgefuhrt«^ 



9, 

Toyage en Hotlande et dans le midi de tAIie- 

magney für les deux rives du Rhtn^ dane 
. Viti d& 18^6 f par^ Sir Josir Camr^ tradidt de 

Vanglais pur Madame Keraglie^' Rahert. 

Paris*. 1809. 2 Bde iH 8» ^it einem Hefte 

von Projpekten in 4. ' 

Bm dat Original diefer Schrift hxk Jahr 'i8o7>rrehie> 
metLy fo kann man wohl annehmen, dals es noch nicht 
in Telitfchlattd bekannt iA» Auch m^% däe Beartheilnng 
wmtt Buchs der Art w«nig Verminderung dadarch erlei- 
den ^ dnff fie nach dem Originale oder nach einer Ue» 
Iberfetsung gemacht ift» Ea kommt heut tu Tage in 
inritifchen Blättern hauptüchl^ch darauf an, das Publi» 
•um auf 'das}enirge aufmerkTam zu machen, wae et m er- 
»em Buche sn finden hat, \oder was es, trotz feiner £r^ 
Wartung, 'nicht in demfelben finden wird«. Die Form 
geht dabei den Kritiker weit weniger an, indem die 
Knnft SU fchreiben y m nnfrer Zeit fo verbreitet ift, dafs 
man Ton den meinen Werken tum Verauf annehmen 
kann, fie fejen erträglich geCchrieben, wenn gleich Je* 
dermann weifs, dais nichts Selteneres in >edem Fache 
4er Literatur ift, als ein, anch |n Rückficht aui Eorni| 
wirklich gut gefchriebenea Buch. 

So höh« Aafprfiche macht auit der tTeriaffer wohl 



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Bücher • Recen/ionen. ^ 315 

»ielity wenn er gleich durch feine beiden frfihem Sehrif* 
ten , die Sommtrrei/e und der Sommer im Norden ^ dem 
grofaen Publicum lieh nicht übel empfohlen het. £v 
will dalTelbe unterhalten, Geht man wohl; denn er 
komint der Unfruchtbarkeit feines Stoffs für fchöne N»-, 
Utr - und Sittengemäide durch Benutzung einer Meng»^ 
bekannter Anecdoten aus dem Leben bekannter MKnner 
SU Hülfe y und dürfte den Stock «Engländern vielleicht 
aor durch die Gchrechtigkeit iniff fallen , welche er der 
neuen Kegenten-Dynaftie, befonders in Holland, wider- 
fahren läfst. Seine Detai|s über diefe. möchten aber den- 
»och gerade das Intereffantelte in dem Buche feyn, indem- 
daa Uebrige entweder nicht neu, oder das Neue unbedeu- 
tend ift, nnd auch die Indiridualität des Verfaflers unt 
nicht im Geringften tu befangen verfteht. Herr Carr 
hat feine Reife gemacht, um fie xu befchreiben, davon 
find wir fe£t übersengt; allein er ift deHen ungeachtet we- 
der fieifsig,' noch aufmerkfam genug gewefen. Was er 
uns von Boerhave f Hugo Grotius und ah/ilichen Man* 
aern eriahlt, hab^ w;r längft in unfern Gh^ftomAthien 
geleferu Ueber die niederländifche Kunft fagt er una 
nichts, das des Behaltens werth wäre; denn einige Anee- 
doten ans der Malergefchichte , und die tiemlic^ trock- 
nen Lebensgefchichten aller niederländifclien Künftler 
haben gewifs für Niemand etwas Anxiehendes, als höch- 
tLeni für feine Ueberfetterin , die Madame Keraglio , die 
darum auch nicht unterlaflen, das Unwichtige in diefcm 
Fache noch durch ihre Anmerkungen «u vermehren. 

Sonderbarer Weife kann man ein Buch der Art aber 
doch lefen, wenn gleich Jeder, während diefes Gefchäfts, 
,fich*e oft wiederholt, dafs er aus alle dem weder etwas 
lerne 9 noch dafa ihm überhaupt an dem Buche etwas 
anders anziehe , als der fchnelle Wechfel der darin ent- 
haltenen Gegenliäiide, und die Erinnerung an eine 
Menge Dinge, welche er felblt wohl weifs, die er aber 
wieder von Zeit su Zeit gern in feinem GedächtnilTe 
auffrifchen mag. Die nämliche wohlthätige Wirkung 
machen die vielen Stellen aus Dichtern, die er ange-^ 
fuhrt findet. Sie regen ihm manches Schlummernde 



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3i6^ Bücher ^ Rec en/ioneTL 

\ 
wiecknr anf ; das Gänse Befchäftigt ihn auf eine» niclit 
im Geringßen auAreogende , Weife — und fo werden 
Keifeberchreihung^n der Art Torsugsweife For asdem 
¥oti ernfterem und gediegenem Inhalt, g elf fen » und hat 
Bch in unfern Tagen uberhuupt eine neue Gattung in 
der Literatur gebildet, welche nicht mehr leiften will, 
als ein Koman; dennoch einige höhere AuTprüche an 
die I«efer macht , und lie von diefen gern eingeräumt 
crhäU, da auch fie lieh etwas darauf einbilden, liebci; 
Keifebercbreibungen als Komane lu lefen* 

Wras uns am meiften in diefem Buche beluüigt hat, 
ift eiine prolaifche Ueberfetaung von vier Verfen aa«^ 
Claudius bekanntem Hheinweiulied. Der Vers: ihn bringt 
das Vaterland aus /einer Fülle ^ Ifiutet z. B. folgendff 
Ma£se4i: 

„Cr; vin eft digne du jardin de nctre premierp^e; qucl 
„so«1, si ce n*eft celui qni fut ^chauffd par rintelligence 
,,divine, peut produire un jus R doux et fi gen^reux? 

^Debrigens 'geht die Reife des VerfalTers über Rßtter* 
danty Delftf Haag^ Leiden^ Haarlem^ Amßerdam^ Ut^ 
recht, Wtjtl, Düjfeldorf, Colin, Coblem, Cajfel^ Mainz 
und Frankfurt» D^m Buche' ift von der Ueberfetserin 
ein fchwerfälliger Ai-tikel S. 227 — 452, Unter/uchungen 
über den Handel der Holländer betitelt, beigefügt, in 
denk wir kein grofses Zutrauen haben, ob fie gleich 
TerGchert, Alles über diefen Gegenftand von Tacitus und 
C'dfar an bis auf die neueften Werke herab gelefen und 
benutzt zu haben. Auch wird dem ganzen Werke noch 
ein kleiner Atlas baigelegt, der in Anfichten verfohiede« 
ner Städte in Holland, am Khein und Main begeht; fie 
Jind von dem Verfafl'er gezeichnet und mögen im engli^' 
fchen Original wohl etwas fchmucker ausfehen, als im 
Parifer Nac^ßich, der mit nichts anderem, als mit La« 
hritzenfaft abgedruckt zu feyn fcheint« 



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3üihär - R0C0fi/i0nän. 3^7 , 



Effäi politique Jur le Royßume de la Nouvelle^ 
EspagnCy par AL de Humbotdt. Paris, i8p8» 
chez Schoell, et Tubingue thez Cotta T. et II. 
Livraison, XL VIII, und 174 S. in 410. Avec 
Uli atlas giographique et phyfique^ fond^ für 
dei obfervations artronomiqueSy de« xnefures 
trigonom^triques et des nivellemens barom^tri« 
ques. I. et IL Livraison in gr. Folio. (Beides 
als dritte Hauptabtheilung der Reife des Hrru 
AL pon Humboldt und AL Bonpland ) (Der 
Preis iß 12 Rthlr. 16 gr. jede Lieferung)» 

(Fonfetznhg von S. 195 det Februar -liefti.) 

Das 3. Capitel ftellt das pliyfifche Bild des König- 
reichs Neu-Spanien dar, verglichen mit jenem von Eu- 
ropa und dem födlicheren America. Dtefe Darltellun^ 
aiutste deshalb mit den {tolitirch-geographifcHen und Ita« 
tiftifchen VerhältnilTen verflochten werden, weil (wie bei 
allen hoben Gebirj^sländerii) die auTserordentlich grofsen 
Uiiebenbeiten des ^Bodens oft in kleinen Entftrnunger? 
nahe neben einander di^ gröfste Verfchiedenheit dca 
Clima^s und der Pflanzenproductionen , fo wie der thie- 
rifohen Bevölkerting bewirken; VerhältnüTe, die bei 
durchaus niederen oder durchaus hoh^n Landürichen 
nicht eintreten können. — » 

Vom Königreiche Neu» Spanien liegt ein gröfser 
Theil (Ton 60,000 b S^tunden Flächeninhalt, ^5 diefer 
Standen auf ,1 Grad gerechnet) nördlich über den Wen* 
4^reis hinaus in dem gemälsigten Erdgürtel. Oiefer 
Theil becrreift die fogenannten inneren Provinzen'^ fowohl 
^e, welche unmittelbar dem Vicekönige von Mexico un- 
terworfen find (wie das Königreich' Ncu^L^on und die 
l?rovin» Neu » Santander) t . als auch jene, die unter ei« 
aem befonderen Qeneralcommandanten Itehen, wie die 
latendanifchaften Durango und ö^nora^ und die Pro< 



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3i8 Büch§^ • Rseen/ianäm 

\ 

Tinfen Cohahuila^ Texas uhd Neu -Mexico; allct nnr 
wenig Bevölkerte Lander, die man insgefamittt inner» 
\ Provinzen der General^^Commandan^chaft. nennt ^ linivfi» 
von den inneren Provinzen des Vicekönigreichs zu unter* 
fcheiden. 

Aus dem vorhin fchon bemerkten Grunde haben tos 
den 56,000 D Stunden neu - fpanilchen Landes, die in 
dem beifsen Erdgiirtcl liegen, mehr als t)reifünfiel den- 
noch einen klimatifchen Zuftand,. der felbft mehi^ kah 
als gemäfsigt oder heifs zu nennen il^* Denn das ganze 
Innere des Vicekönigreichs Mexico^ vorzüglich das In- 
nere des Landes, welches man zur Zeit der indifches 
Herrfchaft Andhuac und Mechuacan nannte, und wahr- 
fcheinlich felbH noch ganz Neu- Biscaya, bilden eine un- 
geheuere Fläche, die 6,000 bis 8400 FuTs über dem Mee« 
resTpiegel erhaben Ift. 

Wirft man in tiefer Hinficht einen vergleichenden 
Blick auf Europa^ £0 zeigen fich die vorzüglich (ten Hoch^ 
ebenen (Plateaux), z. B. der Boden beider Caßilien in 
MtmSpanien nur 1740 Puls, und der Boden yon Auvtrgn$ 
in Frankreich nur 2160 Fufs über dem Meeresfpiegel er- 
haben. 

Die Hochebenen (o4er ebenen Hochländer) in des 
^Schweiz ^ in Schwaben ^ Baiern y Schießen und' in Polen 
(an den Quellen der fVartha und Piliza) erheben fich 
nicht über 1^200 hie 1,800 Fufs Über das Meer; fo da£i 
fämmtliche Hochebenen in J^uropa jiur zwifchen 1,200 umi 
2,400 Fufs höher als der Meeresfpiegel liegen. Die Gipftl 
der Alpen erreichen' zwar häufig eine Höhe von 14,100 
und 11,700 Fufs über dem Meere; aber diefe Kücken 
und Kämme bilden keine Hochebenen, fondem Berg- und 
Felfengruppen; haben auch urfprünglich nie eine Hoch- 
ebene (ein gleichhohes weit erftrecktes Ganze) gebildet^ 
wie Hr. lir, Ehel neuerlich hat behaupten wollen. — 
Die nßatifchen Hochebenen mögen allerdings die europHi» 
fchen an Gröfse und Höhenlage weit übertreffen ; wia 
nahe fie aber denen von Mexico kommen , ift zur Zeit 
nicht. erforf cht. In gleicher Unwifienheit find wir noch 
über die Höhe des Bodens im Innern von Africu. 

Du 



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Bücher • Recenfionen. 319 

Das Hauptgebirge y delfen Köclifter Rücken faft in 
(einer ganzen LängenerAreckiing durch Neu^ Spanien 
eine lugleich aufserordentlich breite, blofs hier und da 
durch Hilgelreihen abgetheilte Hochebene (Plateau) bil« 
det, ift daüelbe Anden- Gebirge^ welches auch durch das 
füdlicl^ America lieh erftreckt," In jeher füdlicfaen 
Hälfte ift es aber häufig zerrilTyi und von vielen Thä* 
lern durehfchnitten ; und wo Höh hier und da noch 
Hochebenen von 8,400 bis 9,000 Fufs Höhe finden, wie 
im Königreiche Quito und nördlicher Von da in ^ det 
Piovinz Paßos, üehen folche doch gegen jene in Mexico 
weit surtick; da die gröfsten derfelben nur 40 D Stun- 
den betragen ; und nicht etwa blofs durch Hügelreihen, 
londern durch tiefe Iteil abfallende Thäler von einander 
|etrennt find, fo wie fie lelblt noch zwifchen höheren 
Gebirgsketten liegen. Dagegen giebt es in Neu- Spanien 
Hochebenen, wie 4. B. die zwifchen dem i8ten und 40llen 
nördlichen Breitengrade,' deren Längen erftreckung gleich 
iÄ der Entfernung von Lyon in Frankreich y bis an den 
Wendekreis des Krebfes y der die gfofse afncanifche 
Wöfte durchfchneidet. * 

In Peru bilden die höchften Oebirgsglpfel den liohien 
Gehirgskamm der Anden; in Mexico hingegen find die 
xww weniger koloJCTalifch hohen, doch immer hoch bis 
XU 15^000 und l6,£0o Fufs anfteigenden Berggipfel mehr 
lerftrent, jUnd bilden keineswegs einen Hochgebirgskamm ; 
auch liegen ße nicht in einer Richtung parallel mit der 
läu^enerllr eckung des Gebirges; tie gehören alfo ver*» 
fchiedenen parallel neben einander Ilrcichenden bcfon» 
deren Gebirgsketten des Hauptgebirges an, welche an 
▼erfchiedencn Functen ihrer Erftreckung ihr höchßes 
Aofteigen halien. 

Zu jen^ weiten Längenthälern in Peru und Neu* 
Onnada gefellen lieh noch befonders tiefe (4,200 Füfs 
geraden Maafses) fteil niedergehende Querthaler, welche 
vmctÜglich alles Fuhrwerk verhindern; dahingegen in 
iVtni. Spanten fehr bequeme Fahrltrafsen , von der 3tadt 
Mexico bis Santa Fi in Ntu « Mexico , 500 Stunden 
A. G. E. XX VI IL Bd4. 3. 9t* Z 



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390 Bücker - Reeenfioneru 

weit fich erßreckaii. Ja fou der Stadt Mexico bis i nr Stadt 
Durango in Ntu-Biseaya^ eine Entfernung von 140 Stun« 
den, bleibt der Boden i^ts 5,100, und 8,100 Fufs bocH 
über dem Meere erhab^; eine Höbe, die den Alpen- 
pSTTen über ^in-McnuCenis ^ dem Gotthards» und großen 
Bernhards- Berge gleich kommt. Diele bequemen Babnen 
finden jedoch nur für die innere Gommunication Statt; 
der Transport nach den Küften des grofsen Ocean^s^ 
S» B. von Mexico nacb Acapulco , ift durch mehrere tiefe 
und Iteil eingefenkte Thäler . lehr erfchwcrt) wie die 
Profilriire zeigen» Nach der OHküfte dem Meerbufen tn, 
fenkt lieh aber das Hochland, wo es abfetzt, fortdauernd 
beßändig ftark und fclinell abwäru; ohne wieder anzuzei- 
gen. Ueber die- Befchaffenheit der Handels wege hat fich 
Hr. v. JET. fehr umftändlich verbreitet. — 

Referent entnimmt aus diefer grofsen und mannichfa- 
eben Verfchiedenheit der Land • Oberfläche zwifchea 
dem nördlichem und füdlichem fpanifchen America &x 
Schlursfolge : dafs« je weniger Berg- und Felfenfpitzen 
urfprünglich auf eine Hochebene anfgefetzt waren, und 
je weniger hoch Re (ich urfprünglich über diefelbe er- 
hoben; defto weniger wird eine folche Hochebene von 
Schlünden und Thälern durchfchnitten und durchriffen 
feyn, und umgekehrt; letzteres ift der Fall in PerUy er- 
ßeres in Neu-Spanien, — Jene Angaben von den fo weit 
•rllreckten Hochebenen in Neu^ Spanien gründen fich auf 
barometrifche O^ivellirungen , welche Hr. v. H, inner- 
halb verfchiedener Erilreckungen zwlfchen den Kfiften 
des grofsen Ocean^s und dem mezicanifchen Meerbufen 
vornahm, worüber man das Werk felbß nachlefeu mufs. 

Diefe mühfam gewonnenen Data, verbunden mit 
den^ alironomifchen Beobachtungen und trigonometri- 
fchen Meffungen innerhalb jenen Erftreckungen find von 
Hrn. V* H, benutzt worden, grofse Gebirgszeichnuhgeii 
von jenen Gegenden zu entwerfen, die in Geßalt von 
Gebirgsdurchfchnitten (ProfilaufrifTen), theils Längen-, 
theils Querdurchfchnitten , dem zum Werke gehörigen 
Atlalle beigefügt find. — 



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Bücher - K^eenßonen; 391 

Man fieHt an denfelben di> [Erhebung idea geramm- 
ten Bodens und der Hochebenen, und fieht wieder das 
befondere noch .höhere bergförmige Anzeigen über die 
Hochebenen hinaus ; und fieht die wenigen , nicht feht 
tief eing^fchnittenen Thäler, und den Abfall des Gebir* 
get oder gefammtcn Hochlandes- nach beiden Küßen. «^ 
Unterhalb ift die Erltreckung jedes ProfilaufrilTes nach 
Standen angegeben , fo wie die mittlere Richtung nach, 
der Weltgegend ^ und die aftronomifch beRimmte Lage 
eintelner Orte nach ihrer geographifchen Lange und 
Breite. Oberhalb ift die Höhenlage der Hochebenen, der 
Berggipfel und Thäler» der Städte und Dörfer in Toifen- 
zahl jedesmal beigefügt. Dergleichen Beftimmungen hat 
der Hr. Verf. iwifchen 16° 50' und 21° o' nördliche^ Breite^ 
und 102^ 8' und 98° 28' weltlieher Länge (vom Parifer 
eilten Meridian) zweihundert und achte bewerkAelliget.— • > 

DieAufrifle find dunkel biellerf arbig abgedruckt und 
terkörpern fich gefällig fur's Auge. Sie nehmen auf 
drei grolsen Realbogen die Länge von 7 Fufs und dar* 
fiber ein. — Zu beiden Seiten laufen Scalen in die 
Höhe, die eine in Metres, die andere in Toifen abge- 
tKeilt; und zur Seite an dem Kande diefer Scalen ftehen 
Aoch hechlt interelTante Angaben und Vergleichui^s- 
puncte zwifchen den phyfiTchen und öeonomifchen Ver- 
ItSltnilTen des neufpanirchen Bodens mit dem füdliche- 
TttXk americanifchen und dem europäifchen. Z. B. An- 
gaben der Höhe der merkwürdiglien Berge und Gebirgs« 
pJÜTe, der Bergwerke ^ der Schneelinien unter rerfchie- 
denen Breitengraden; der Höhe, wo noch Getraidearten 
itt Nea> Spanien gebaut werden , und wie hoch und tief 
fich Wälder, aus gewilTen Baumarten beitehend, er- 
wecken, z. B. Eichen, Tänneii, mexicanifche Erlen. 

Der Hr. Verf. hat durch diefe Profilauf rilTe wahr- 
Haft ein Mufter aufgeltelit, nach welchem man künftig 
*ttch den europäifchen Boden , zur zugleich mehrfachen 
gründlichen Beurtheilung darzultellen haben wird. — 
^ie Angaben der Richtungen des Streichens und Ein- 
^chielsens der Gebirgsfchichten lagen hier nicht mit in 

z a 



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322 Bücker - Hecenjionen. 

des Hrn. Verf. Plane; doch hätten diefe VerhältnilTe, To 
weit fie erforfcht waren , recht gut angedeutet wer- 
den können; jum fo mehr, als von den Terfchiedenen 
Landi^recken oberhalb auch jedesmal die Gebirgsgeßein- 
«rt angegeben worden ilt , ' aus welcher der Boden be* 
Äeht. — 

Udberdies bemerkt nun der 'Ar* Verf. noch» in wie 
vielfacher, hSchIhvichtiger Hinlicht dergleichen geogoo- 
ftifche Darltellungen eines Landes , felblt die Regierung 
eines Landes , fo wie den Staatsmann , den Feldherm, 
den Gameralilten und .Hydrauliker etc. intereffirei 
müITen, und wie fehr dergleichen auch von anderen 
Reichen zu wünlchen luid. So ilt z. B. jetzt fchon des 
Hrn. OberßeH von Riedl Strom ^ Attas von Baiem ein 
wichtiger Beitrag zum geognoltifchen Bilde ^ jenes Kö- 
nigreiches, und gewährt feße Anhaltspuncte nach allen 
Richtungen y von welchen aus man nun auch das Bild 
der Landgegenden zu erforfchen und zu entwerfen hat. 
In dem Atlaffe zum hiftorifcheh Theile der Reife ver- 
fpricht Hr. v. H, noch 4 Frofilaufrifle von Hochebenen» 
welche die Hauptlladt Mexico umgeben, zu liefern. -^ 

♦ Da die Richtung und Erflreckung der Hauptgebirgs- 
ketten eines Bodens vorzüglich wichtig £nd: fo wollen 
wir eine kurze Ueberlicht davon ausheben. — T}ie Cor- 
dilleren in Neu- Spanien lind eine Fortfetzung des perua- 
nifchen Andengehirges. Obgleich diefes innerhalb feiner 
weiten Erlireckung in den Landitrichen von Choco und 
Darien aufs erordentlich herabgef unken erfcheint: fo 
durchzieht es doch die Landenge von Panama und er- 
reicht im Königreiche Guatimala wieder eine betrachte 
liehe Höhe. — Der höchlte Gebirgsrücken deffelben 
Areicht theils näher der Südfee, z. B. im Königreicht 
Guatimalay vom Nicaragua-See bis an die Bai von 7e- 
huantepecy und tragt däfelblt viele Vulkane auf feinen 
Rücken; theils nimmt er die Mitte der mezicanifchen 
Lanaenge ein, wie in der Provinz Oaxaca zwifchen den 
Quellen der iPlüHe Chimalapa und Guasacualco; theils 
nimmt er aber auch das Innere des Landes von Süd 



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Müc he r • Rees nji one n/ 323 

nach Norden ein, und nj&iiert Geh sngleiclk der ö Alichen 
Küfte, nämlich zwifchen I8i und 21^ der Breite, in den 
IntendantTchaften Puebla und Mexico ^ von Mißeqa an 
bis Zimajtan'y wie man auch Ichon auf der Ü^iV^r^ffciien, 
1804 vom geographifohen Inftitute herausgegebenen 
^eaen Charte deutlich angezeigt findet. 

Im Innern des Landes, Zwilchen der Kauptftadt Me- 
xico. \m^ den Städtchen Cordoba und Xalappa liegen die 
hÖclißen Gebirgsgipfel Neu- Spanien* s^ und zwar fanunt« 
lieh Vulkane, (folglich wohl auf dem Kücken des Gehir« 
ges nach und nach durch eigenes Wirken von innen 
nach aulsen allmälich aufgebaut.) Es lind die Vulkane: 
l) JuaceihuAtl (oder Sierra Nevada ^ bis zu 14,730 Pufs 
über das Meer anzeigend). 2) Nauhcampatep^tl (oder 
Ooffrt de Perote^ ^,534 F«f« ; hoch). 3) Popocatepetl 
(oder Volcan grande de Mexico^ 16,626 Fufs hoch) und 
4) Citlaltepetl (oder Pic d'Orizdha^ 16,302 Fufs hoch 
über das ]\Ieer anfteigend). Doch fcheinen die beiden 
elften zu ruhen , und nur die beiden letzten gegenwär- 
tig noch thätig zu feyn^ und aufser diefen find ferner 
noch thätige. Vulkane , der von Tufila , der Jarullo und 
der von Colima ^ doch bewirken Re HUnrntlich keine 
(olche 2«erftörnngeny wie jene in Quito» Die Feuerberge 
Neafpaniens liegen fämmtlich zwifchen dem iSten und 
33ften Grade der Breite. 

Nördlicher von Mexico ^ bei den Bergwerksftädten 
Zimepan und Real del Doctor in der Intendantfchaft > 
Mtsico wird die.GebirgsI^ette Sierra Jdädre genannt, und 
richtet fich von da nordweftlich nach den Städten Su 
Migutl el Grande und Ouanaxuato, Nördlich von letz- 
terer Stadt , die als das PotoA von Mexico betrachtet 
werden kann , gewinnt dai Sierra - Madre - Gebirge eine 
Aufserord^ntliohe Breite, und theilt fich in 3 Arme i von 
weloben der öftlichfte fich nach Charcat und Real de 
Catorce .richtet upd im Königrei^e Neu-läcon fein Ende 
«rreieht. Der weftlichae Arm nimmt einen Theil der 
Intendantfchaft Guadalaxara ein, wird l^ei Bolannos 
pli^tiU^ nitdrigtr^ oad läuft durch Culdacan und Arispe 



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3^4 ' Büehtr ^'Recsnfioftäit, 

in der Intendantfcluift Sonora bit an das Ufer des Gila* 
FluITes; erreicht jedoch unter dem Soften Breitengrade 
in der Tarahumara nahe am Meerbafen von Californitn 
wieder eine bedeutende Höhe, und bildet die, wegen 
der Goldwäfchen, berühmten Berge der Pimtriä aluz. 

Der mittlere Arm der Sierra Madrt ift aber alf die 
Haupt- oder Gentralkette des mexicanifchen Anden-^t' 
iiirges zu betrachten; ift daher höchfter Warterfcheider 
swifchen der Sfidfee und dem Meere der Antillen , und 
nimmt die ganze Intendant^haft Zacatecas ein. Man 
kann diefe Kette verfolgen von Durango und el Parrai 
in NtU' Biscaya an bis zur Sierra de los J^^imbres^ weft- 
lich vom Rio Grande dtl Norte. Von da clurchzieht 
folche Neu'Mexico , und fchlielst fich an die Berge de la 
* Crüe und an die Sierra verde an; . ein gebirgichtes Land 
unter dem 40ften Breitengrade. 

Solche aufserordentliche Hochebenen, wie diemexiea- 
nilchen und zum Theil die peruanifchen würden bei ei- 
ner den Polarkreifen oder gar de^i Polen naher gerück- 
ten Lage ewig mit Eis und Schnee bedeckt, völlig nutz* 
los tejn; auch ift der Erdkörper näher nach den Polen 
•u , ftatt anzufteigen, vielmehr abgeplattet; nahe der 
Mittagslinie und den Wendekreifen gewähren aber jene 
Hochebenen dem Menlchengefchlechte vielfache Vor<^ 
theile, und begünftigen vorzüglich auch — gleichfani 
als feye nach der unergründlichen Weisheit des Welten- 
fchöpfers für die künftige Verbreitung der Menfohen- 
cultur fchon das Nöthige hierzu bei der Bildung des 
Erdkörpers vorbereitet worden -^ die Anfiedelung der 
Europäer, und verhindern die Geiftes« und Körper*£r- 
fchlaffung der aus Europa dahin Ziehenden , oder ehe- 
mals aus deni nördlichen Afien dahin eingewanderten, un- 
ter ihren eigenen Königen weit genug in der Gültur vor- 
gefehlrittenen Indianer ; Verhältniile, die von nun an in 
ihren Folgen auffallender feyn werden als bisher« 

DeniTauch'in pplitifcher Hinficht gewährt «• B. dis 
Lage der 'Stadt Mexico anfchätsbart VortheiUc Wirs 



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'Buchet •' Rjßcenfion^n. 325 

diefe Stsdt die RelHenK .eines thätigen Monarchen, to 
Würde er Ton da ans, wegen der Nähe beider Meere, 
öftlicfa in fünf Wochen feine Verfügungen nach Europa, 
und weftlich in fechf Wochen nach Auen und d«n Phi-< 
lippinen gelangen laflen können. Statt, dafs zeither die 
Befehle, von Madrid an den Yicekonig von Lima fünf 
und Xechs Mohate lang unter Wegs blieben. Gleiche 
Schnelligkeit in der Ausführung, wovon oft allein das 
Gelingen abhängt, würden auch die kriegerilchen See« 
expeditionen haben, wenn iie Aatt aus europäifchen Hä» 
ven auszulaufen^ aus den rüdamericanifchen Häven aus- 
laufen würden. Alle Hülfe ans Europa würde an den 
von America ans angegrifEenen Gegenden Aliens ftets zu 
fpät kommen 9 fo wie folche umgekehrt auch jetzt V09 
America aus nach Europa viel zu fpät kommen mufs. 

Die aufserordentlich verfohiedene Höhe des Bodens 
in Neu- Spanien^ und die daraus entfpringenden phyJi« 
fchen Folgen .find fo grofs , dafs man f chon längft die 
Landerftreokungen dafelbit nach drei verichiedenen 
Kauptftnfen abgetheilt. t|nd benannt hat. Nämlich in 
heifse Landßriche (tierras calientes), in gemäßigte Land" 
firiehe (tierras templatas), und in halte Landßriche 
(tienCas frias). Alle drei finden fich itk America nach 
oben zu nahe hinter einander , fowohl zwifchen dön 
Wendekr^ifen, als auch nördlich eine bedeutende Strecke 
über den Wendekreis hinaus« 

Die heiften - Landßriche find zwar die fruchtbarften 
tind an edeln und koilbaren Pflanzenerzeu^nifPen die 
mannichfachften; aber leider auch die ungefundeften, 
wo regelmäfsig zu beftimmter Jahreszeit das gelbe Fie- 
ber oder fch Warze Erbrechen (Vomito prieto) ausbricht, 
und die meillen Europäer und felbft Landeseingebome 
aus höher gelegenen Landftrichea , wenn fie fich zu die«^ 
fer Zeit lange in den heifsen Gegenden aufhalten, faft 
unvermeidlich ins Grab bringt. Doch bemerkt der Hr. 
* Verf. im 4ten Gapitel, dafs Europäer von reiferen Jah- 
ren (nahe und über 50 Jahre) diefer Gefahr, weniger 
aasgefeUt find, und leibH in. jenem Küma ein kraftvolle» 



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326 Bücher --Re^enfio nen, 

hohes Alter erreichen. Je jünger iJ>er der AuslMndtfr ift, 
je mehr läti£t er Gefahr^ -^ Zu diefen heiften und zu- 
gleich niederen Landitrichen gehören die Intendant- 
Ichaften V^ra-Cruz (mit Ausnahme der Hochebene zwi« 
fchen den Vulkanen Citlalttpeü und .Nauhcampatepeil)^ 
ferner der Landitrich yucaton,> die KüEte von Oaxaea^ 
die am Meere hin liegenden Provinzen N^u - Santandtr 
und Texas ^ das Königreich Ntu^Leon^ die Provinz Coää- 
huiltty die uncultivirten Länder Bolfqn dt Mapimi, die 
Küfte von Califomien, der weftlich« Theil von Sonora, 
Cinaloa und Neu-Gallieieriy die lüdlichen Gegenden der 
Jntend AnUchaf te fL Valladolidif Mexico und Puebla, Alle 
diele Gegenden und flach , nur von Hügeln durchlchnü» 
ten und erheben fich nur um 900 Fufs über dem Meeret- 
fpiegel. pie mittlere Temperatur derlelben » befonden 
innerhalb des Wendekreifes , ift 25 bis 26® des lOOtheili* 
gen Thermometers , d. >•• 8 hi$ 9 Grad heifser , als dit 
Tepiperatur von Neapel, ^ 

iDie gem'dfsigten Gegenden befinden Ech am Abhänge 
des, Gebirges in einer Höhe von 3,600 bis 4,500 Fufs 
über dem Meereslpiegel. Die mittlere Wärme iÄ das 
g^nze Jahr hindurch 20 bis 21 Grad; und die Abwei- 
chungen hiervon; betragen nicht mehr als 4 bis 5 Grad. 
• 

In dielen Gegenden liegen die wegen ihrer gefun- 
den Luft und dem grofsen Obftanbaue berühmten Städte 
Xalappüf Tasct nhd Qhüpanzingo; die aber zum Theü 
oft in Wolken und Nebel eingel^iillt find ,- da in diefcr 
Höhe oft 4^e Wolken Ibrelchen. Diefe Feuchtigkeit 
macht aber auch bei der fteten Wärme diefe Gegendea 
befonders fruchtbar« Der Begriff von gemäfsigter eur<K 
päifcher Temperatur pafst nicht für America, am w«r 
niglten ftimmt e^ mit d«r americanifehen gleichmSf sig^ 
Datier derlelben zu allen. Zeiten; ein YerhältniXt , das 
in ganz Europa nirgends Statt findet. 

Höher aufwärts über 6,600 Fufs über dem Me^rea- 
f^iegel beginnen die kälteren Gegenden des füdamevica- 
nifchen- MaaTiiUbef (die gemälsigteu nach dem •uropäi- 



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Bücher • Recenfioneru ^%J 

fcKen MaaCflXtaVe; bei di efen triift das fo'ftltciit mtdium 
tenuere heatiein). Die mittlere Temperatur dtrfelben ift 
unter 17®, ähnlich der mittleren Temperattur von Kam« 
In der kälteften Jalireszeit bleibt lolche immät nock 1^ 
bis 14O7 im Sommer im Schatten 24^; falten gelchieht 
c;s, daff das Thermometer auf kurze Zeit bis xum Ge*' 
frierpunote berabünkty wie in der^ Gegend der Stadt 
Mextto, 

Hochebenen, die 7,500 Fufs Hochlage überfteigen 
(alfo höher liegen als die .Stadt Mexico), find dauH aber 
auch in der That, felbft für nördliche Europäer, unan-> 
genehm; wie die Ebenen von Tolucoy die Höhen von 
Guchiläqu€y wo während eines grofsen TheiU des Tages 
die Luft nicht ober 6 oder 8^ erwärmt wird, und 'wo der 
Oelbanm keine Frächte mehr trägt. Ueberhaupt find 
}ene hÖchAeh Hechebenen fchon wegen der Trockenheit 
der Luft und des Bodens höchü unfruchtbar und ohnB' 
Baumwuchs, mitunter ganz kahl oder tioch nur wenige 
durch Pflanzen wuchs bekleidet; und doch ift die mitt« 
lere Temperatur diefer höchften £be;ien immer noch 
H bis 13 Grad, gleich der mittleren Temperatur tou 
Frankreich und der Lombardei ^ welchen Ländern jen# 
americanilchen Gegenden an Fruchtbarkeit |edoch weit 
'aachftehen, woran die zu fahr verdiinate und befoa« 
ders zur Nachtzeit zu wenig erwärmte , wahrfcheinlich 
auc)^ tu trockene Luft Schuld ift. Denn auf jenen Hd« 
hen rtickt das Wachsthum nur fahr laaglam Torwürts; 
viele Früclite der europäifchen gemSfeigtett Landftnoh» 
gelangen 4ort nicht zur völligen Zeitigung; ja folch» 
höchfte Ebenen, felbft innerhalb dea WendekreiXes, fte« 
lien tiefer liegenden Gegenden anfserhalb des Wendt- 
kreifes und felbft vielen ruififch- europäifchen nördliche» 
ren Geg^den an Fruchtbarkeit nach. -^ Bei hohen Ge* 
birgsländem kann der Zoftand det Pflanfteawaelisthuma 
und des Landbaues nur dnrcK ProfilrifTe» nicht durck 
horizontal entworfene Gharttn hinreichend vexfinnlicht 
werden. — 

Die fdgenanaten inmrgM ^vcvinz§n NeU'Sp^nuns^ 



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328 Rücher - Reeenfionsn. 

\ 
die über i^n Wendekreis hinaus zwifehen dem Soften 
und 38ften Breitengrade liegen, haben hingegen ein 
fiufserit abivechre]ndes Glima; teutlehe Winterkälte folgt 
dafelBIt auf ficilianifche Sommerhitze. Ein Wechfel, der 
unter gleichen Breitengraden nirgends in Europa Statt 
findet. ^— ' 

Ein ungünftiges Verhältnifs hat jedoch Neu-Spanim 
wieder mit Alt- Spanien gemein, nämlich die, in mehrfa- 
cher Beziehung, nicht hinlängliche Bewäfferung des Landes. 
Die Höhe de« Bodens und die Nahe zweier Meere er- 
lauben den Flüflen keinen langen Lauf ^ auf welchem 
£ch deren viele zu grofsen Strömen rereinigen könnten; 
fie lind meiltens gezwungen, als reilsende Gebirgsftrome 
in kurzen Strecken Von der Hohe den Kulten zuzueilen; 
und die beiden HauptflüITe, welche tiefer im erweiterten 
Laiide enttpringen, und parallel mit der Gebirgskette 
hl Longitudinalthälem fliefsen, wie der Bio Bravo oder 
^l iVorttf, auch der Rio Colorado fliegen in unangehan« 
teA Gegenden und bringen den angebauten Ländern nur 
Zeit keine VortheHe. Eben fo verhielt es fioh vor 90 
Jahren nach mit dem Mijpßppi für die nordamericani- 
lohen Staaten. An diefem FlnlTe haben feit diefer Zeit 
Bevölkerung und Anbau des Landes gewaltig zugenom« 
men; und fo würde dalTelbe auch aiti Rio dtl Norte Statt 
finden können, fo bald nur die fpanifch-americanifcht 
Kegiornng die Maximen der nordamencanifchen in tfit- 
Ter Hinfioht befolgen wollte. Die hohe Lage ües Bodens 
und die verdünntere trockne Luft befördern die Ver* 
^nftung des Regen waiTers ,und des Behenden WaBers 
der^ Seen fo Bark , dafs felbft letztere lieh immer mekr 
zu vem&indern fcheinen , wie der Hr. Verf. an den Seen 
nahe der Hauptßadt Mexico beweift. Auch verfchluckl 
der zei^lüftete und poröfe Mand^fteiAgebirgsbödea der 
Höhen fehr viele WalTer und entzieht es der Oberfläche; 
und erft am Fufse der Gebirge quißt es aus dem|Imiem 
häufig wieder hervor. 

Zu cien Urfachen des WaCTermangels in Neu'Spanim 
ffthört auch uodi das Verhältnifsi dafc auder füaf toI* 



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Bücher - Re ce nfi 6 neu, ^ 329 

eatiifchen Bergkoloüfen keine Bergä -bis in die Region de# 
ewigen Schnee's lieh erheben^ nm auf ihrem Kücken, 
grofse erftarrte WalTeTvorräthe a)|fEufammeln , die wie in 
den Alpen eine unverfiegbare Quelle Itets abfliefsender 
Oewäller würden. Die Kegion des bleibenden Schnee*« 
und Eilet ilt unter dem Aequator in einer Hohe von 
14,760 Fufs. In Mexico unter dem igten und 20ftea 
Grade der Breite lenkt iich diele Kegion bis zu 14,100 
Fnfs herab; während der kaltelten Jahreszeit fchneiet es 
in Neu - Spanien nur noch auf H5hen von 3^100 Fufs; 
nnd in der wärmiten Jahreszeit erhält lieh d^r gefallene 
Schnee nur noch auf Höhen von 13,500 Fufs. 

Zuweilen fchneiet es , jedoch im Januar auch in tie- 
fer gelegenen Gegenden , z. B. zwifchön dem i$tkn und 
2dlten Grade der Breite* noch auf Höhen -von 9,000 Fuf« 
über dem Meere; la es fpielt zuweilen Sehneiens felbft 
in der Hauptlladt Mexico^ 6;Bai Fufs über dem Meere; 
nnd noch tieJTer abwärts bis nach Vallädolid.^ 

Hingegen unter dem 45(ten Grade nördlicher Breite 
fenkt lieh die beftändige Sehneeregion bis zu 7,800 Fuf» 
abwärts. Diefe immer mehr und mehr fich herabXen«» 
kende Händige Schneeregion auf dem weit erftreckten 
nordöltlichen und nord weltlich eil americanifchen Conti« 
nente ift dann auch vorzüglich Schuld an der gr^fsen 
Winterkälte der inneren Provinzen Neu • Spaniens^ die 
über den Wendekreis hinaus liegen. 

Welch* eine wichtige und reiclie Befitznng felum 
Neu* Spanien allein ift, unabgefehen auf das ganze füd- 
liche America, dies ergiebt fich aus dem, was Neu^Spa* 
nieri\ fowohl feinen Bewohnern und dem Mutterftaate, 
als auch den Handeltreibenden Völkern faft aller l^onti« 
nente bisher lieferte, und bei zunehmender Bevölkerung 
nnd Cultur in doppelter und dreifacher Menge zu lie« 
fern im Stande feyn wird ; nämlich Zucker , Cochenille, 
Cacao, Baumwolle, Caifee, Waizen, Keifs, Hanf, Flachs, 
Seide, Oel, Wein« Alle Metalle, befonders Silber und 
Gold, Eiftn' und Kupfer in Menge; vortreffliches Bau- 



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330 Bucher - Recen/tonem 

liolz etc. Leider erfchwert aber d^r Mangel an meh- 
reren Seehäven an der OftküHe und die Ichleclite Be- 
fchaffenKeit der daXelk^ vorhandene^ tue Exportation 
nach Europa aulserordentlich ; während an der WeA- 
küSte ' am grofsen Oceane mehrere vortirefHiche Hä7en 
£eh befinden. Nicht kleinliche Maalsregeln, fen- 
dern ein grofses ^ühne^ Unternehmen zur abgekürzten 
Verbindung beider Meere kann dieXem Uebel abhelfen. 

Eeferent hat über die Anlegung eines* ^laichen Ca« 
»aU jßvae befondere Anficht y die er aber hier nur ih fo 
weit bezeichnen kann, dafs er einen lolchea Ganal 
jneint y durch welchen man der freien Naturwirkfamkeit 
der Wafi'erniairen beider. Meere künßlich^r JVeife Hofs 
den Wtg bahnen ,^ und die zu nehmende^ Richtung ikru 
IVirhens für alle künftige Jahrhunderte' varzeichnen f olle* 

Die Anlage eines Xolchen Ganais, den man der Na- 
tur felblt künftig immer mehr und mehr auszuarbeiten, 
tu erweitern und zu vertiefen überliefse, jwürde iiicht 
aur für die Seehandel treibenden Völker aller Gonti- 
ttente, fonder^ auch für den Beherrfcher von Mexico 
und P€ru in militaiYirc|i*nautifcher Hinficht von gröls* 
ter Wichtigkeit fey«. . 

Frankrgich*s und Alt » Spanien* s Seehäyen liegen an 
cilian(^er entgegengefetzten Küßen, wie im fpanifchen 
America, Dies bewirkt in Kriegszeiten häufig grofst 
Nachtheile, wie die neueften Begebenheiten zeigen. Die 
Flotten jeder Küfte fiild weit von einander entfernt ' und 
können iioh nicht , oder nur mit äuTserHer Gefahr und 
nur verilohlner Weife zu einem Hauptangriffe vereinigen«. 
Eben fo ift's im fpanifchen America* Englaud und Irr» 
land als nicht allzu grofse Inf elländer, find >|iicht in die- 
fer nachtheiligen Lage. 

Frankreich und Alt' Spanien können wegen grofsex 
Breite des Landes jenem Uebel nicht abhelfen , aber 
wohl Spanifch" Amtriea wegen feiner weit exAreckten 
Landenge« 



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Bächer' Re cenfionen. 331 

^ Vertnittelft der^iu Hülfe gerufenen , aber mit vieler 
Ueberlegung weislich zu leitenden freien Naturwirkfam- 
keit beider entgegengefetzten Meere kann das fpan\ftih€ 
America einen hinlänglich breiten und tiefen Ganal ge- 
binnen , und in Zukunft nach' Gefallen ohne Gefahr in 
kurzer Zeit feine Flotten aus den Häven des ei^en Meo- 
res in die Häven Ae% andern Meeres überführen;- und fo- 
mit entweder zur Vertheidigung oder zum Angriffe, fo« 
wohl nach Welten als nach Oiten, in kurzer Zeit fein« 
Flotten concentriren. Kriegsfchiite fremder Machte wur* 
den nie, fondern blofs HandelsfchifTe diefen WalTerpafS' 
durchfahren dürfen« 

Die Krzweckung eines folchen Ganais verdiente wohl 
die Anitrengung während eines ganzen Jahrhunderts , tmt 
fo mehr, als in derThat die doi-tige OMüIle kein^ liehe« 
ren Häven darbietet i und als der mexicanifche gs^nze Meer- 
bufen fich von Jahrhundert zu Jahrhundert immer höhei; 
verrandet. Dagegen auf der Weftkiiße die Häven von St* 
Francisco in Niu-Californien y von San Blas in der In- 
tendantfchdft Guadalaxara an der Mündung des PlufCeS 
St, Jago^ vorzüglich aber der von Acapulco^ fo wie ftid- 
lich der von Coquimho an der Küfte von Chili die heften 
find, die man wünfchen kann. Und dann ilt wohl noch 
obendrein tn erwarten, dafs, wenn die durch den TJm- 
IcKwung der Erde in dem Meere der Antillen und dem 
mexicanifchen Meerbufen lieh Hauenden kWaffermalTen 
einen neuen (und zwar dem Bahama-Ganale an der Kulte 
von Flbrida entgegengefetzten) Abflufs gewinnen^ nicht 
nur die fernere Verfandung des Meerbufens und der^ 
Oltküften, fondern fogar die fchon beftehende Verfan- 
dung fLch nach und nach wieder vermindern werde. -^ 

(Der Schlufs folgt) 



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333 Bücher r R ece n/i onen* 



Hieroglyphen j oder Blicke aus dem Gebiete der 
Wijjenjchaft in die Gejchichte des Ta^es von 
R. V..L. Dresden und Leipzig T809. 4. Mit 
I Weltcharte. 

Ein Geift^ reich an rortrefÖichen Ideen , ein Kopf, 
kenntnilsvoll und doch Xelbildenkend , und ein Gemäth, 
das diele ausgezeichneten Beliuthümer mit zartem Sinn 
auf Leben und Welt überträgt, und das IntereHe der 
Tage mit dem Höchften 4er Menfchheit und Weisheit 
in Verbindung fetzt und auch wünfcht, fo charakterißrt 
lieh der VerfalTer diefer Hieroglyphen. Frei von dem 
Dünkel der Schule philofophirt er nach eignem Sinn 
und Tact und , was oft iibgerifTen als Parado;xie daftehti 
findet in der Eigenthümlichkeit dieles Gemüthes feine 
Löfung, dai wie es feine Kicjitung originell fand, fie 
auch originell behauptet und durchführt. Kec. las lange 
kein Buch , was iich fo fahr in Gehalt und Fern» ioi- 

«^'fagt von d^er Schriftenmenge, in der das Alte nur nea 
bekleidet, auf allen Seiteh den Lehrling eines eingeimpf- 
ten SyAems verräth. In diefen Hieroglyphen fpricht 
kein^ Hauch des fremden Geißes aus dem GeiAe; innig 

' verwebt lind Anficht , Darßellung und das felbft er wo* 
gene Neue,, mit dem Charakter des Denkens und Re- 
dens diefes liebenswürdigen Sonderlings , der ohne Affec- 
tation fich felblt und feine Denkweile treu niederfchrieb« 
Wir danken die Enlftehimg diefes Buches einer Welt- 
~ Charte, die der VerfafTer nach eigner Projection ent- 
warf, und iie nicht ohne begleitende Erläuterungen dem 
Publicum übergeben wollte» Was wir nur auszugsweife 
hier mittheilen , nur in Andeutungen über den Gang 
det VerfafTers und die K^fultate delTelben , das verdient 
in feiner Ausführlichkeit, als in der Weife, wie es fich 
kund macht , die Aufroerkfamkeit jedes Freundes der 
WifTenfchaft und Menfchheit; das Hiftorifch^ diefer 
Anfichten iH durchdacht und das Gedachte darin , Hi- 
Aorie eines interefranten Kopfes und ideenreiche Oarle- 



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Bücher - Re^enjionen. 333 

§^iig feiner Meinungen über philoroghifche; mathema- 
tiXclie uad kosmopolitifche Gegenftände. 

Nach einer l^virzen' Gefcliichte des Biiclie« kömmt 
der VerfalTer II. auf die Vrojectionen und die Bedeutfam^ 
heit der Formen und Farben überhaupt. So wie man 
▼errchie denen Zwecken auch Verfchiedenheit der Char* 
ten anpafste , fo mufs es auch für verfchiedene Zeitpe- 
rioden , ja felbft für verfchiedene einzelne Perfonen 
ganz verfchiedene Charten geben. . Zu höhern Aratege* 
tifchen Zwecken , zu Entwürfen der Operationen im 
Orofsen taugen nur Generalcharten. Napoleon betrach- 
tete die Weltcharte anders als Friedrich der Grojse; 
anders die Minifter von England und der Kaifer von 
China. Eine Charte hat felbft vor der Natur Vorzug, 
denn fie kann ihrem Zwecke gemäfs das Wichtige her- 
▼orholen , das Unwichtige zurücldtellen. Gefchickte 
Anordnung und zweckmäfsige Illumination entfcbeiden 
Alles ; der Gebrauch verichiedener Farben follte felbft 
in der Geometrie nicht vernachläQigt f^n. — VolU 
ßändige Erkehntnl/s nur aus der Einigung entgegenge- 
Jetzter Anßchten, Form und Farbe. An Allem ^ was un» 
ferm äufscrn oder innern Sinn begegnet, nehmen wir 
zwei einander völlig entgegengefetzte Erfcheinungeu wahr, 
durch deren gemeiiffchaftlicli^ Zufammenfafrung erft 
Anfchauen und Denken möglich jgemacht wird; JEie find 
Mannichfaltigkeit und flinheit. Diefe beiden Eigenfeh af- 
ten find nicht allein in der Natur der Dinge gegründet, fie 
erhalten Dafeyn und Wahrnehmbarkeit auch durch die 
Perfonen und Organe, vor denen und mit denen &e be- 
trachtet werden. Jedes der mann ichfaltigen Elemente 
ift wiederum ein Ganzes und ein zufammengefetztes 
Ganzes; aber eben fo wieder Theil eines höhern Gan* 
zen. Alfo zut Exiltenz eines Dinges oder .auch nur der 
Vorltellung eines Dinges., mufs zuvor die Verknüpfung 
zweier ganz entgegmigefetzter Dinge zugegeben werden: 
l^atur undMenfch; Betrachter und Betrachtetes. Es ilt 
demnach gleich wichtig, die Üinge fetbß als das Ver- 
hältnifs zu betrachten, in welchem' fie mit allen andern 
umgebenden Dingen Itehen. Aber diefe Betrachtung kann 



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, 334 Bücher ^ Hece nfi o n en. 

ans Einem J^tanclpiiiicte nicht ^^enügend geXcliehen~^ man 
mufs lieh um fie hernm bewegen , jeder neue Stand- 
punkt eröffnet eine neue Welt, ^ben die/e maunich* 
faltige Anficht Eines Dinges führt zu Gehalt , Keich- 
thum und Fruchtbarkeit der menfchlichen Erkenntnili 
und das Vermögen dieferümfchauung ift Vollkommen- 
lieit des menfchlichen Gemüthes. — Nun giebt es zwei 
cntgegcngefetite Arten der Befchauüng , indem ich dti 
Ganze in feiner Einfachheit und das Einzelne in feiner 
Mannichfaltigkeit erwäge, übe ich die weit eindringen- 
4ere mathemati/chc Betraciitung ; will ich das Ganze er- 
kennen in feiner Mannichfaltigkeit, das Einzelnein feiner 
Einheit,' £b wähle ich die gewöhnlichere hifiorifcht Be- 
trachtung. Gleiche Wichtigheit der Special - und Gene- 
ralcharten. Die eben bezeichnete hiftorifche Anlicht 
'geben die Specialcharten ; Form und Geilalt des Gän- 
sen wird um fo unüberfehbarer , je detaillierter Ge ßnd, 
bei ihrer Befchauüng drängt fich blofs die Idee einer 
Mannichfaltigkeit hervor und die Idee der Einheit and 
Einfachheit wird an den einzelnen Flüffeh , Städten etc. 
wahrgenommen. Generalcharten (teilen die Erdoberfla- 

- che mathematifch dar. Auf ihnen tritt vorzüglich ^b 
Form des Ganzen und höchftens das Qeäder der. FlüfTe, 
gleichfam wie ein mathematifches Netz vor. Das Ganze 
erfcheint jetzt einfach und leicht erfafslicTi, während 
die Zergliederung des Einzelnen falt unmöglich wird. 
Das Bedürfnifs «iner folchen Weltcharte wird durch 
Globen nicht erreicht, das Umdrehen ftört die ruhige 
Betrachtung, auch fehlt der Gefammtblick $ Planiglo- 
ben verpaaren die dargeßellten UmrifTe , und es i^ 
Sorgfklt nothwendig, diefe Umgellaltung auf minder 
ivichtige 7heile fallen zu lalTen. Die meillen Pia- 
nigloben, aus aihronomifchen Gefichtspuocten verfallt, 
wenden ihren Fleifs auf DarHellun^ der allronomifthen 
Linien , und ftören dadurch die poÜtifche und phLyfiea- 
lifche Betrachtung; felbfb bei Specialcharten darf das 
gawöhnliche Orientiren ^nach Norden diö andern Zwecke, 

, die man dabei haben könnte , * nicht berücklichtig«n. 
Da« Bedürfkiifs des Publicums heifcht jetzt vorzüglich 
politifehe Berückfichligungen bei der DarilelluiK« Des 

^ rer- 



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Bueh:er - Rtic&nfionen. 335 

Vtrjafftrt Wklte^artt ift «ajoh der Pro}ectioir%efl vexkot* 
benen preufsifdieii Ingenieurmajon MülUr entworfen. -Die^ 
Bördliche HaUtkngel ift auf den Horizont von Qerlin 
Ycducirt, die füdliche Halbkugel ift durch ^nen per« 
pendieallren KreazTchnitt in 4 Ojctanten tetfchnitteni - 
die dein Kreife der nördlichen Halbkugel in yier etitge- 
gengefetzt^n Richtungen an den entfprechend^n Orten 
angeheftet find. Die gewöhnlich angegebenen aibrovo* 
mifchen Linien werden dadurch felbft in Winkel ge» 
lirechen, find nur der Meridian von Btrlin durchläuft 
in gerader Xinie die Charte«! Das Meer und die pc^i- 
tifch unwichtigen Infelgruppen , die in die äufterfieii' 
Ootantenfpitzen fallen , Jßnd weggefchnitten. — Die^ 
Torüieile diefer Projection iind unverkennbar, vorzüg* 
heb ffir die Abficht des VerfaHerf ; -Europa in der Mitte» 
du kleine Europa lagert die Welt um fich und fo wie 
Farben ron ihm ansgiengen für alle Welttheile, Xo Licht 
imd Schatten 9 fo~ gab das Zurückwirken dieDKr Farben 
auf den weltbeherrfchenden Erdtheil wieder das wunder« 
fame Streben und Aneinanderreihen » 4as Europa ent« 
iwtit und xufammenhält. Die FlülTe fpringen. auf 'diefer 
Charte am bedeutendften hervor, nur ^ ^nfdernamen 
finden fich verzeichnet; eben dies hebt die Sübficht des 
Verfaifers vortrefiElich heraus, £0 wie ^fe|ne Farbenge* 
bung und Vertheilung. Zwölf Farbenabftufungen deuten 
•uf die 12 Hauptftaatei^, je dunkler für fie diefe Farben 
gtwKhlt find, je bedeutender ift das politifche Gewicht 
derfelben. Kosmopolitifch freundlicher hätte der Verf. 
die lichteften Farben für die weltherrfchenden Staaten 
gewählt. ' Der wohlthuende Gedanke, dal^ fich Licht in , 
die Thaten der thatenfchwcren und Thaten erzeugen- 
den, imponirenden Gewalten milche und Lichterzeu« 
gnag, fey es gleich nur träum erifches Wohlwollen^ ^ür« 
de doch auch bei diefer Anfchaüung der eignen fernem 
Gedankenfolge des Verfaifers lieblicher begegnen. — * 
Im dunkeln Purpurkleide treten die b^den Hauptitaafen 
Franln^ch und England mit ihren Föderativ ftaaten und 
Golonien i^en andern vor , dann rollen die England 
irerwandten in fch wacherem Colorit u. f. f. Vergleichen 
wir di^te Weltchavte mit andern Planigloben , f« 

A. G. E. XXVllI. Bds. 3. St. A n 



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336 Büeh§r^*R€C§nß0nen^ 

find^ whr^fie um to paffeitdcr f&r ihren Zweck; p«^ 
Ikifch unil kosmopolitifch erwogen, dient allein nur 
eine folche Projecdon zu einer mathematifchen Befc^aa- 
ung in des Verfaffert Sinne. '>- Der Verfafler macht bei* 
lüufig die Bemerkung , daff Alles , was in horizontaler 
Fläche Tor^uns und sinr, Rechten liege, unwillkürlich 
grölser und bedeutender erleheine, als das, wne zur 
Linken oder gegen den Körper des Betrachters zu liege» 
So }& es z* B. bei einer Betrachtung der Charte von 
Europa etc. Diele Bemerkung findet Rec. lehr, wakr« 
D»r Grund dieref Erfahrung fcheint ihm in der frfihen 
Gewohnheit des fall ausfchüerslichen Gehvaitohe der lin« 
ken Hand zu liegen, und fo der allmilichen Gewohnheit 
dem Rechten einen Vorzug ror dem Linken zu gebent 
Bei dem lefenden Gelehrten ift et rorzfighch die Noth^ 
wendigkeit einer Beugung der Augen von der Rtehtem 
xur Linken, um iu Gedanken xu gelangen, Sohriehen 
wir, wie die Ülteften Völker, von der Rechten zur Linken, 
wären wir an einen ßäten Gebrauch der lini^n Hand 
gewöhnt, fo wurde uns vielleicht da# Linke wichtiger 
erfcheioen. Schrieben wir Bov#rfo<^«Sov und wechfelten 
im Gebrauche der Hände , rielleioht wäre uns dann link 
und recht gleich gelegen. So wie das Gefchäft des Aus- 
mefTent von uns ausgeht, fo ift uns nnfer Standpunet 
nicht fo wichtig , wie der , der uns erft Weite githl 
und Maff ; es kömmt datauf an, ob ein geisiger Gharae« 
ter nicht gern auch auf der Charte in der Nähe weilt, 
oder okcA di^ fVtlt nach ßch zu m\fn, — 

lU. Gebrauch der Churttn für da* Studium dtr Gt* 
Jthicku und Geographie. Handeln, und IViffen. fFiffen^ 
fchaft und Kunfi, Gefehichte und Mathemathih, Verthei- 
digung des Vis« jg^egen den Einwurf, dafs man jede Char- 
te , generell oder fpeciell in mathematifcher oder hifte« 
vifcher Anficht befcbauen könne, dafs allo feine Binthei* 
lung keine fcharfea Gxänzen habe. Bahylonifehe Sprach" 
Verwirrung heutiger Zeit. Jedet neue Lehrer predigt feine 
vnewe Lehre in einer neuen Sprache; gewöhnlich liegt 
eine übertriebene hohe Meinung von dem, was derLeh- 
.rer Ug^n zu können glaubt, zum Grunde-, und eine 
Sucht, neu und originell zu feyn , und Begriffe und 



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Büehtfr ' Rscenfiomn. 33^ 

Wiffenfcliafteii tu rcheidi^ii und Kufpalteii. Unglücklich 
Ichied diefe Sutsht Mathematic und Naturphilofophiei 
dag«^cM behauptet der VetfaCter» dal« es für idle philo- 
ledMIche SecteQ Tahr heilfam leyn iirarde, wenn iie fich 
der Matheiis in die Arme werfen und lieh* die Muhtf 
liicht verdrieTsen lalFeu wollten ^r ihre Syfteme und ^hi<« 
lofopheme' in ttiathematifchen Gonftructionen'auszudrük« 
ken. TVelche WyjenfQhaft iß di& höhere y Mmhentfitik 
oiUv mio/ophie? Mathamathik , lagt der VerfalPer» Rß 
ift erile und GrundwirTenfchaft. — Aber kann ich nicht ' 
auch fiber Mathematik phflofophiren ? und kann fie iht 
grofser Gebrauch in der Philof ophie berechtigten , die 
Poirm, in der Üe üch mit der Philofophie nun begegntn 
mnft, alt Gehalt anzurechnen? — Handeln und Wijfen^ 
Erfahrung und Xunfi^ Oifchichte urd Mathimatik. Pra* 
ans und Theorie, Die Thäti^keit des menfchUchen Ge« 
mfttbs serfällt in Handeln und Willen) jenes wiederum 
in Wollen uild Thun» fo wie diefes in Erkennen und 
Keftectiren. Jedes wiffenfchaf tliche Gebiet hat feine 
biftorifche Und mathematifche Anficht» jb nachdem dat 
Gemiitb» vermittelft der Erfahrung (Gefchichte^) lernt, 
oder vermittelft der WilTenfchaft (Mathematik) lehrt« 
Was im Keiphe des Wiltens die WifTenfchaft» iSt im Rei-^ 
che de« Handelns die Kunft. — ^ Jede Prasis ohne Theo* , 
tic ift regellos und uniicher» jede Theorie ohne Praxi» 
leer. SAtdiuni der Ge/ehickte und Geographie* Man kanit 
fich die Weltgefchichte unter der Form eines Cylindei^ 
denken ) delTen ßafis eitae Plandarftellnng der ganten» 
Erdoberfläche und delTen Höhe die Zeit ift; jeder mit der 
Bads parallel genömiiiene Ourchfchnitt giebt eine hiflo^ 
iritche Charte der gan«en Erde in einer beltimmten Zeit« 
hdür Durchfchnitt parallel mit der Achfe giebt eine 
fynchröniftifche Tabelle für die Begebenhaiteta eines b^<^ 
ftimmten Erdftroifeils etc. Die Weltcharte des VerfalTert 
ift ein Vcrfuch einen, im Frühjahr I808 mit der Grund«* 
flicht des Gylinders der Weltgefchichte pacallel genom< 
menen, Durchfchnitt durch eine Zeichnung anfchaulich 
tortuftellen; So ISfst fich durch verfinderte lUumina^ 
tion diefe Charte auf andere Hauptperiodcu der Ge^ 
fcbichtt anwenden, . , 

A a a 



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3^ Bücher " Rseen/ionßn^ 

IV. Uthtr Mathtmatik und Vhilqfophie, > Der-Vcr* 
ftifper, güoAig der Philolphie, ift unfern Philofophep 
nicht geneigt, er tadelt ihr EinmiTchen in Angelegen- 
heiten, wo ihnen keine Stimme gehöhrt uiud wota 
lie durch die Befugnift tu philofophiren rerleitef wer> 
den/ Philo/opkirtn^ Mathtmatifirtn. . Sucht zu Jyfit* 
mat(^rfn,' und zu tlajfifieirtnm Wahn Vttm. Axiönun und 
DefiniMngv» VerwecJ\felung dzs Ahfoluttn und KelatU 
ven, l>9Lt Mathematifiren hefteht in dem Verfüehe« alle 
Gegenwände mit mathematifchem Geiße tu hetrfch- 
ten, es JA da« wirkfamAe Gegengilt gegen dia $eucha 
des Philofophirent , eine. Anficht der Dingai die aller- 
dings zugleich auch empfehlungswttrdig ift. Aher 
dem Streben des Philofophirens mufs das des Matbema* 
tifirens entgegengefetst werden. Die Mängel des Phi- 
loXopbir ens beliehen in der Sucht SyAeme x||| bilden, dam 
"Wahn Ton der Möglichkeit ▼ollAändiger De£nitio»ien 
und dem DaXeyn uranfänglichar A;iiiom« ; die Definition 
foU eine Erklärung leyn , welche das gante Wefen bei 
Pefiuirten ▼ollftändig entfaltet, ^^ müfste mithin felbft 
unendlich Xeyn, da dia Zahl von eines jeden Dinges 
inner» und äuCsern Betiehungan unendlich ift. *- So 
auch die Axiom« und Uraxiome, Dar dritte Mangel des 
Philofophirens ift das abfolute^ Feftftallen und Abfondejm 
einzelner Begrifi'e und das Zerfchneiden in fchlechthin 
getrennte WiÜenfchaften. Aehnlich den Diagen der 
]Natur find auch die Dinge der Gedankenwelt fo genau 
9iit einander verknüpft, dafs es dem gefohickteften Ge* 
d^kenanatomea und Gedankenchemiker durchaus un« 
möglich wird, die einxelnen Beftandtheile ohne irgend 
eine Verletzung zu trennen« Eben fo uniUtthaft ift die 
Theilung der Eigeafchaften eines Dingos in wefentliche 
und aufterwefentliche. Abfolut für fich ift jedes^ Uiug 
unerkennbar. Ein Heilmittel gegen diefe. Verwirrungen 
ift die mathematifircmde Mathematik. Aber auc:h die 
Mathematiker find in ihrem wifl'enfchaftlichen Kreife 
^en fo gut Fehifcblünen und Irrthtimem unterworfen und 
die bisher beftehenden mathii^matifchen Syfteme bedürfen 
oben fo einer genauen Revifion und Kritik,;als die Me* 
tapbyfik von Kant und «iie ^aturwiCTenfchaft nach ScM* 
ling. Die mathemßti/chen Canßructimngn gi/eh§h4n übtT" 
mllf in Raum und Ztit tuglgich, ' 



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Mucker* Recen/ionen^ 33f 

Bewegung. Nach Kantus Dtefinitioti tkeilt ficH di« 
Mathematik in WifTftnrchaft der Gonftructionen int Raa« 
me und WilTenfchaft der GonftructiöBeii in d«r Zeit. 
Mathematik, und Philofophie fallen lieh durch intuitiv« 
und ditcurfive Behandlun|; ihrer Gegenwände unter- 
fcheiden. Aber durch vrelchen Sinn dai ^ nnmtchliöhs 
Gemäth die Anfchauungen empfängt , füllte bei diefer 
Art der Unterfuchung , gleichgültig feyn. Et ift kein« 
feine intuitive Mittheilung mathematifcher Darllellun^ 
gen mdglicK ; eine nicht bereita bekannte, nicht wenig- 
^^9 mit Buch/^ben benannte ge;ometrifche Figur ift ein 
▼5Uig nnverftändlichea Ding. Alles #afl uns in der exi- 
ftirenden Welt erXchcinen foll , ift an Kaum und Zeit 
Bugleich gebunden; ei läfttfich im Räume abg^fondert 
von der Zeit nichts conftruiren, nnd keine Conftruction 
im Kaum« läfat fioh d>gefondert von der Zeit anfchauen 
und auffaffftn. Es ift keine GonftructtiQn . im Raum« ' 
fliSali^ ohne V^rinderung ixt dem(i|)i>en; keine Ver'iw 
letang aber mi^j^lioh , ohne den Regriff der Zeit. Dar« 
•Ol folgt d«r wichtige Satc: alle Verändarung im Rau- 
ne gefchiehet vermittelft der Bewegung, ift. Bewegung^ 
und es gehört mithin der Begriff der Bewegung mit dem- 
reiben Rechte, wie der Begriff der Gröfse in die Ele- 
mente der Ooometrio. Wäre diefe Wahrheit .nicht un- 
umftofslieh, wie Kräre «s möglich, ^Igebraifche Con« 
ftroctionen durch geometrifche und umgekehit , dief« 
dnrch jene identifch wiederzugeben? — Von dtn Revom 
lutioneu in dem Gebiett der ^J^iathematik. Eine neue Re« 
▼alution fteht der Mathematik bevolr. Der Verf. deutet 
die Angriffspunkte näher an. Friede zwischen Mathema* 
tifc und Phih/üphie^ Beide find entgegehgtfetzte Formen 
fir einen und denjelhen Stcff, Es giebt für jeden, abej^ 
för feden Gegenftand der ^rkenntnifs zugleich einen 
philofophifchen und mathematifchen Geiichtspunkt. Einf 
«bColttte Theilung, die diafe Gegenftände ausXchliefslick 
in das Gebiet der Philo/ophie und jene einzig vot das 
Pomm d«r Mathematik zieht, ift unftatthaft. Beide, 
Pküofophie (als freies Studium der Ideen) und Mathe* 
mathik, ergänze|i und durchdringen fich gegenfei tfg 
eben fo innige wi« Hiftori« und Geographie. — ^ Unter * 



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340 Bücher <* Rete nji a.it # n. 

/chUd zwijh'h$n Vorrang und Pßs, Aruch unter dda Wtl- 
l^xifdiaften giebt es unaufhörlich Hangftreitigkeiten. El 
gieht in der Welt einen beziehungs weife zugeltandene« 
Vorzug, der Jich in dem priu», der Zeit nach, gründet, 
AVenn der Mcnfch zu gehen anfängt, muff er Eiaea 
Fufs yoreri^ vorfetzen. Ein Paar mu(s in der Tanseo« 
lonne voranilelien, Dielen relativdn Vorxug iieiivt dar 
Verf, den Pas^ oder den Schritt vorauf. So hat der Va- 
ter den Pas vor dem Sohne, der Adel Vor dem Bürger) 
im Staate der Mann vor der Frau, in der GefelUchaft 
die Frau vor dem Manne etc. I>af teulfqhe WoKt Vor- 
rang oder gar d^te der ^hilofophen, Priorität, hat etwa« 
to Hartes, Ungefch meidiges und Abfprechendes «n ßck, 
dafs ihm das zarte Wort Fas den . Vorzug alKzugew inne« 
Ich eint. ' Der Philofoph wird der Phiiofophie , der Mt- 
^ thematiker der Mathefis diefen Fat am liebfteia rergoa* 
neu. — Durehane verrdth 0ch in dem^ was der Ver& 
über Mathematik Ulid Philoropbie fagt , dcrr deokoiid« 
Kopf, der felblt i^t "Vorliebe an dem Stadium der Ma^ 
thematik hangt, die Schwächen feines Lieblings zwy? 
eingelebt) mehr aber die der Philofophen tadeUld her« 
torhebt 9 al* die 4«r Phiiofophie felbft, - - 

F, Einth^lung der Erde- Verlangen nach benimm'* 
ten OrSn^en tief im Gemtithe gegründet« Der Menfcfk 
mag üch die Uniii&gliohkeit 4erfelben aiclit eingoftehen, 
wenn fchon er täglic1| von der Un Wirklichkeit überfahrt 
wird, £$ giebt Eintheilungen , bei denen üch durchana 
|[eine fcharfe Grenze angeben lädt, ungeachtet die ge« 
fchiedenen' Dinge auf das unverke^nbarfte unterfckiedea 
find; diefe dynamifche Eintheikingsavt fcheidet die Erd« 
oberfläcfhe nach Völkern , Sprache , Sitten etc, x Di« Eio« 
ihellungen, wo Geh die genaueften Griia^ea nachweife« 
lafTeuj während ditf durch üe gefqhiedenen Dinge ia 
einander üiefsen und sU* Einem Gefchlechte gehören, 
nennt der Verf. atomißi/chf ; lie theih die Erdoberfläche 
naoh FlüITen , Meeren , Gebirgen > miMt&rifchea und po» 
litifchen IVückQchten. Bei jener- Eiatheilungsart Üegl 
vorzüglich eine hi^orifohe, hei diefer eine geogvaphi» 
fchc» Anficht %u GriUide. ^ Ntt«r und t4«nfch ftai|.4k 



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Bücker • Rec en/ionen. 34t 

J^iden gtolsen £iiitlieilung9grilnde. Beide trennen undi 
rearktiüpfen anf ihre Weife and nach ihren eigenthämli- 
«he» 'Zwecken 9 ohne daff einet dem andern fortdauernd! 
fich unterwürfe oder entgegenftellte. Der alten Ge« 
fchichte find militärifchft NaturhindemiCTe Gränzbeftim* 
mmig; der nenern merkantxlifche Natarbegünftigungea. 
SoU «i» Staat in jedem WeehXel der Ereigniffe begehen 
können^ fo muft für ihn die Möglichkeit ^ne^ hinrei- 
cheiMlen militärifchen und merken tiKfcken Gegenge- 
wichts g#gen feine Nachbarn nachgewiefen werden und 
•r juithin anf den Kriegt - alt Priedei^tzuftenft bafirt 
worden feyn. Einthtiiung tM' Erde in ylVelttheÜe^ der 
" jPA#fusitr .* in Orient und Occidefit; der Griechen .* in 
Jft>rden und Süden» Antichthen. der Alten^ — UeberaU 
in der Natur Weckfei % wichen Leben i^d Tod^ Di^ Erde 
hn Vehergange aus dem najjen Zußande in den trockenen» 
Minflufs die/er Weltbegehenheiten auf da* politifche 5j-- 
ftem ven Europa» Gedankenvolle Reflexionen dnrch-Ge- 
fchichte begründet. Folgerang: die Erdoberfläche wird 
durch MaturereignilTe o£l auf pine £0 .bedeutende Weife 
▼er£ndert, daft dadurch plötslich oder allmählich eine 
völlige UmwäUung det ganzen politifohen Sy^ems auf 
eben diefem Erdboden möglich und nothwendig wird. 

VI, Europa , im Oeger^fatze von Indien» -^ Eu^ 
Topa die Beherr/cherin der Welt y wird ße es blei" 
hen? — Stehen jene gedachte» groften Erdrerolu« 
tionen nicht, nahe zu befürchten» kaifn Europa feine 
Herff dlerroUe noch Jahrtaufende behaupten ? Gleiche. 
mi{fsig€ Kvdtur aller Brdßriche^ der phyßkaliffhen Btfchaf" 
fenh^it wegen unmögliche Buropa in die/er Hi^ßcht vor 
allen begünfiigt ^ fowohl dem OrtOy tds der Zeit' nach, Eu* 
ropa ift vor dem gelammten Anftereuropa vielfach begün- 
ftigt. Mitten in der gemäfsigten Zone gelegen» ilt et 
auf drei Seiten vom. Meere nmflolTen» von zahlreichen 
Strömen und Binnenmeeren und Gebirgen durchfehnit- 
ten» Auf der ganzen Erde giebt et nirgendt eine Region 
von gieicl^er Gröfse» die eben fo glücklich gelegen und 
gebildet wäre,/ und ein aliquoter Theil von Europa 
muft auf der Wagfchale der Weltpolitik fchwerer wie- 
gen» alt aia gleiehgrolter in andern Welttheikn. Daztt 



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^49* Büchsr ' Recen/ionen* 

Boeli das prhit in hiftnriMer Hinficht, ' indem er aO«« 
ftndem Theilen der Welt an Menfcheneuhar, "von dct* 
jMe Erdcultur ebliänff , voran|(eeilt iß. Zweierlei \f¥€£r^ 
auf denen die Cultur herbeigeführt wird, V^lharwand^* 
rungen, Action und Reaetion zwifehen Orient und Occi^ 
dent. Et giebt swei Hauptweg e , auf weleliett Staaten, 
Länder und Vdlkef «um FortTcHraiten der Xultur ge^n« 
gen: die iimere ungeitörte Eatwickelung der. rorhande» 
nen Natur anlagen , oifer die Ausbildung, welche durck 
die Reibung, die Befruchtung und den Verkehr der ver- 
fchiedenen Vdlber von aufsen hineingetragen wird« Deat 
Zuftand unthätiger Huhe eines ewigen Friedens, ift eis 
für die moralilche und intellectuelle Thatigkeit d«r 
Menfchen- unwürdiger. Die Aktion aus dena Orieaty 
Völkerwanderung^ iß diejenige hiftorifche Revolittioii, 
welche 4er Weltherrfchaft Europa's bisher am furchter- 
liehften gewefen; die Reaction des Occidents auf den 
Orient fchlieltt fich vor der Hand mit den Kolonien der 
WelteuropSer in Oßindien und de^ indifchen Infelwelt* 
— Unterfcheidung der ganzen bewohnten Erde in Eurapee 
und Antieuropa oder Indien, Oft' Weß* Süd- und Nord^ 
Indien. Napoleontifches Europa. Die bisher eingeführte 
Eintheilung der Erdoberfläche ift veraltet und unfrucht-» 
bar, wie die bekannten Elemente 4er Feripatetiker. 
' Geht ^^nan von einenr militärifchen Geüchtsj^unkt aus, 
lo machen alle lu Einem Staate gehörigen Länder, Be* 
fitzungen und Golonien auch Ein -Ganzes aus. Benga* 
leuy Neu- und Alt- Britannien , England und Sch#ttland^ 
oder Peru und Spanien und üie Philippinen etc. bilden 
eine zufammengehörige Mafle und die ganze £intheü|ing 
Ton Afien, Afrika und Amerika fallt als unnütz über den 
Haufen. In mercantilifcher Hinficht läfst fich die oben 
angegebene Eintheilung denken. So zerfällt die Erd» 
Oberfläche in den Theil^ welcher jorzugsweife erzeugt 
und in eineA andern ^ der jene Erzeugungen benutzt, fa» 
briürt und eonfumirt. — Gefchichtliche Üeberßcht der 
Handelswege nach d^n Indien. Europa in der Mitte der 
Indien etc, 

VIL England im Gegenfmtt^ des Continents^ IVXaa 



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Bücher.^ Re^en/ionen. 3^ 

famn nicht eher von England und Oontine^t Tedeiii 
ohne zuvor diejenigen Vorftellungen feßgeftelH «u h%- 
hen, worauf Jenes VerhältniTs baBhrt ift, die Vorftellunr 
gen nän&lich ^er ^litircher Gleichgewicht und über 
das Wefen des Handels und Krieges. Politi/chgs G/«i>^- 
gewißht. Wo wir in der Natur Ruhe wahrnehmen^ &m 
fey fcheinfoar todt oder fichtbar lel^endig» ift DaTeyn iißi- 
gend einet Gleichgewichts, Vorhandenfeyn verXchiedeji^ 
artiger und verrchiedenwirkender Elemente. Die Verr 
knSpfnng^ dieler Elein^te kann zwiefach feyn: fie biI^ 
den entweder ein Aggregat, d. h. die Elemente find töI- 
lig ättfser tuid neben einander (fie find atomiitifcher Nar 
tar) oder aber, fie bilden ein Product, d. h« die £le^ 
mentJB haben fich gegenfeitig durchdrungen Xfie find 
dynamiTcher Natur)^ Bei jenen findet das Verhältni£s 
mecbanifcher Feindfchaft (d. i.- KHeg) , bei dielen da» 
Verhältnirs chemifcher Verwandtfchaft (Frieden) Statt. 
Bei allen bisherigen politifchen Galculs iß die niilitäri* 
fcke. Anficht 9 zu Folge welcher' die Staaten als atomiili- 
Iche Elemente betrachtet werden, fäft ansfchlielslich 
bsrtickfiditigt worden. Die Kriegsenergie, formale (Be- 
fchalfenheit der Gränzen) und materiale (A|a0e Ivon 
Streitkräften) wurde blols unterfucht^ In diefer Anficht 
waltet das feindXelige Prinzip, keinen andern Staat aus 
leinem einUial erworbenen Zuftande kommen zu lafien; 
die ftreitenden Partieen müfl'en überdies aujch felbft die 
Bicbter feyn und es gebricht diefem Hebel an einent 
genügenden Hypomoohlion. — Bei dem atomü^ifchen 
Gleichgewichte war die quantitative Gl,eichheit der Ele- 
»lente Bedingung , bei dem dynamilcheh ift es die quer 
htative. Die Elemente müfien gleiche Fähigkeit be* 
^len, fich gegenfeitig auf das innigfte zu durchdringen^ 
iiad von einander durchdrungen zu werden. Die VoUr 
kommenheit befteht in der . gleichförmigen , Anziehung 
Und Vermifchung. JÖas atomiltirche Gleichgewicht er- 
hielt fich in dem Princip der Achtung , das dynamifcht , 
durch das Princip der Neigung, das gegenleitige later«- 
eSft, und dies ift das eigentliche Princip des .Friedens ( 
diefer Geiü feilte allen gegenfeitigen Verkehr zwifchen 
Völkern befehlen. Es gehört daih, fie mülTen. einen der 



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544 ^ Bäcker'^ Rece nji on€n. 

l^aentbelirlieh r«jii and bei jedem politifelfeii Gastem 
^hÜiTen die Principien gefrenfeitiiifer Achtung und wecli* 
felTeitiger Neigung auf gleiolie Weife befdrder^ und eni* 
§abildet werden. Wir hoffen , da£i die Zukunft d« 
Gleichgewicht cler phyfiTchen mit der moi^liTchen 
Welt herftellen werde ^ dann wird auch politifchtf 
Gleichgewicht da leyn und dauern. — • Gifcfächte du 
jf0lit\jfchen OUichgewiehu* £f gab eigentlich noch kein 
ipolitifc^et Gleichgewicht j nur alt Vehikel wurde et ge- 
llraucht för dae Streben naeh Uebergewioht. — Mmt 
liat als HauptereignüTie der Weltgefchichte die Erfindung 
der Buchilabenrciirift und die Entdeckung von Amenka 
genannt ; aber der grölste Hauptwendepunkt für «be ge* 
fammte Weltgefchichte bleibt dennoch die Geburt ChriAi 
und die Einführung der chriftlichen Religion, ^wi/che« 
dem grofsen Gegenfataey. Natur und Riäigion» urifchan 
feiner thierifchen Herki^ft «nd feiner göttlichnn Ab* 
kunft fchwebt der Menfch wie awifokea 21ukunft und 
Vergangenheit in deni Indiffesenzpunkte der Gegenwart, 
«der in der Intelligent , alt dem |Nullpunkte des rein* 
menfehlichen GegcnfafKes : Frieden und Kriege Diefer 
Anficht au Fol^ kdnnie man die] gante Weltgefehichte ht 
Urei Perioden theibn: 7) in dat Pamilen - phyfifche oder 
planetarifche Alter — Verkehr und Kampf det menfch* 
liehen Gefchleehtt mit der Natur. 2) In dat Völkers 
Verbandet- oder intellektuelle Alter — Zwietracht i^d 
ainfeitigei Verkehr der «Menfchan unter einander» 3) In 
dat Staaten*^ Vernunft- oder religiöfe Alter — Strebeii 
nach TOlIftändiger Wechfel Wirkung ,. na<;h der Einbracht 
mit Bewufstfeyn. Noch find wir nicht vollftftndig ein- 
getreten in dat dritte Zeitalter, wir befinden una in> dem 
Zuftande det Hinubertretena. — dpharümen über Handd 
t^nd Krieg, In ^ wie fem Krieg und FHeden einen voll* 
Itändigen Qegenfatt bilden » müITen nothwendig auch für 
ihre thtltlichen A^enfsernngto,, dem üchtbaren durcb die 
Waffen geführten Kriege und dem Handel^ geht entgegen- 
gefetite Maximen Statt finden und befolgt werden. Krieg 
und Handel find ihrer Natur, ihren Principien, . ihrer 
Wirkung nach , völlig entgegengefetzt« Zu Folge det krie- 
farifbhen Prineips werden die^ beabfiehtigten Zwecke 



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Bücher ' Ree en/ianem 34^ 

vtratittelft Zerftoiruii^y.zaFoIg« äss Friedenspnncip^ rje^r 
mittelft Erzeugung erreicht; dex Krieg |ut lieh iS^ end- 
licher, der Friede unendlicher Natur, Unter nülen Na- 
tionen des Erdhodfns ha^en die Franiolie^ am TolUtänf 
di|[ßen das Welen des Kriegs , fo wie die Engländer, ßm 
Refften des Wefen des Handels hegriffen, England. Ein^ 
unTerkennbare Präpotenz hat es übei^ den Gontinent ger ' 
Wonnen, fo daTs es mit trotzigem Gleichmuthe deQ Zeitr* 
punkt herannahe)« lallen J^mn, wo der geXamm^e Conti« 
nent Jich in kSchfter'AnItrengung gegen ihn auflehne!^ 
wird« IVas die Engländer auch lagen niögen, -um den 
Continent für ihr {nterelTe zu gewinnen f fo können &f 
nicht in Abrede leyn, dafs iie zur;,$ee und als Seemacht 
dielelhe Ilolle fpielen, «die Rß den Franzoren zu Lande 
und als Gontinen talmacht , nicht durchgehen lajXeij^ 
wollen,— Der Continent. Eine genau pklTende ^arr 
ftellung von des Continents inneren VerhältnilTen läTst 
fich in der Form der Gegenwart nicht geben. Diele 
ISfst^ch jet^t nur erleben« Die Glränzen der Lände^:^ 
die Namen der Gebieter find es nicht allein 9 Welche 
fort und fort wechfeln und fchwindeny fondem ein^ 
ganz neue Natur und Organilation bis auf die unfchein- 
barlten Theile und VerhäUniüe hinab , ift im Werden 
und Dafeyn und keine menfchliche Macht ift im Stande, 
die ohemilch veränderte MalTe in die alte und alln^lich 
Teralternde mechanifche Bildung zurückzuführen. Keine 
Ortung der Welt ift fo fchl|inm» daXs ihr nicht eine 
freundliche Seite abzugewinnen wäre ; und auch wie« 
derum keine fo^ gut» dafi man fich iiicht ihr zu entwoh« 
nen vermöchte. Bei deivi Autdrucke Continent kann 
man jetzt nur Frankreich un^ Kufsland « höchftens Ojar 
^erreich noch im Sinne haben. — Es und drei Urfa- 
eben , welche die neuere Revolution Europa's herbeige* 
^ führt haben: Frankreich^ England und endlich auch dit 
Continent alftaaten, welche, das Unglück betroffen .hat;^ 
felbfl. — Das ganze Detail die£es interedanten Abfchnit- 
tes iJ^ voll lichter Reflexionen » Wahrheiten lebendig 
Und fchön gefagt, und läfst f^cb, ohne wef entliehe Punkte 
lu verletzen« nicht ins Kleine ziehen. — 

yUL Ueb$r den Fqll^ wenn England fich widsr in 



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346 Bücher * Recenjionen» 

Kurzem zum Friedin vtrfieieu, . ß^Ute^ n^ch dazu Jbtlfi 
gezwungen werden k'&niien* 

i) Ift diefer FaH wa)irf6h«iii1ic1i ? — Et fbKeint nn* 
tb5glichy dalfl eittdauerntifer Priede tfrlfchen dem Coa<^ 
tinetit und Englamd beftekcn könne. England ift gegev 
den Continent im Vorth^ile und et fcheint unumgäng* 
liehe Bi^dingang %nx Garantie des Priedent zu feyn , daCi 
England in den Häiren and Marktplttten det Continentt 
als Geilliel und Aequiraltnt fKr die autwSrtigen GeJe- 
Sftleen de« Gcmtinents , einen folcHen etfetrnen^ Vorratli 
Von CoIoninY wahren niederlegen mfifste , als su dem mehr^ 
Jährigen Bedarf deir Continental -Bewoh^ner erforderlich 
wären. I>cnn feder fär den Continent vortheilhafte Frie« 
de II^Ft fckon die Abßcht künftigen neue» Krieget M 
Bch« England luit eine fo unrerhKlt^tmKftige Präpo* 
t«nx in allen mereantilifcheu Angelegenheiten, daft et 
in feiner Gewalt fteht, fich dlmftlieh in den autrchlieCi- 
Üchen Befitr zu fetzen, wenn von Seiten des Continentt 
»icht clie allerkr&ftigften Mafsregeln getroffen werdeii. 

2) Welches werden die Folgen für .den kontinent Jeyn^ 
ytenn vor der Hand Jteiti Triode zwißhen Bktgtand und 
dem Continent su Stand'e kommen foltte ? ^a Hniverfelleir 
«ler Krieg,, je wichtiger der jfweck, tut deti er gefuhrt 
wird ^ |e' weit antfehender und autgedehnter feine, Wir- 
kungen, um defto gröfser muft der Zeitraum fej», den 
Hian ^Überfchaut, um defto girofsartiger mnXTen die Be- 
lückfichtignngen feyn , die bei der Ueberlegung zur Ba*» 
fit dienen foUen. Verdient irgend ein Rri^g, .delTea 
die Wehgefchichte Erwähnung thut, auf folche Weife 
erwogen zu werden,, fo |ft es gewifs der gegen war tige. 
Alle Aagelegenheiten find durch ihn fo rerwickelt, daft 
iroth wendig eine geraume Zeit erfordert wird, fie wie« 
derum %n entwickeln. Wenn man aber glaubt, dalt dies 
durch einen Frieden mit England am frfiheften bewirkt ' 
werden k5nn^, fo 'äb^reilt inan feinen Wunfeh. Oi^ 
allgemeinen Handels verhältnilTe würden hergeftellt; aber 
d\^ Gommerzial- VerhältnilTe des Continents wären um 
7i.>-htB ^ebefP^rt. Das Band des Friedens init England 
v.v>* dem Continente war nur einfeitig. Wike diefbVer* 
ki^üßfüiig, wie fie feyn folItC;. durchaut littd in gleichem 



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Mücher * Ageen/ionem 34? 

iCliOie, wechXelfeitig, io n^übtum beide Paiteitn den 
Bruch gleich fchmerzUch empfinden.^ Der Gontineiitt 
hat wie fein militärilches , Io auch lein mercantiliXches 
Uaglfick felbft ▼erfchuldeu 

3) JVtlqhe Mittel fiahtn dem Continent zu Geholt^ 
feine Sache mit England fernerhin auizufeehten? Dal« 
es die Naturbeftiitiiniuig def Gontinentt fey, yon Eng- 
land abhSogig su leyn, ihm an Macht ^ SelblUländig- 
keit und Wohlfährt hintenantuftehen y kann wohl Nie- 
mand im Ernfte behaupten. Seine jettige Abhängigkeit 
ift, allo nur zufällig und gründet fich auf Luxut , -Vor* 
liebe für englifche Fabrikv» aaren und übertriebenen Ge- 
branch der Golonial producta« Diefe^ Bedürfuift auf ei*- 
aen mältigen Grad, freiwillig und allgemein herabxu- 
ftinunen, würde das wirktamlie Gegengewicht gegeia 
England erzeugen; aber nur die bitterße Nothwendig- 
keit würde diefe Erfcbeinung hervorbringen kön^nen« 
Welche Mittel der Gewelt itehen aber ferner dem Con- 
tinent tu Gebote? -*- In dem getheilten InterelTe' des 
Coqtinents iß hauptfächlick das CJnverhältnifs der Mapht 
England! tum Gontinente gegründet; alfo Bedingung ei- 
net güfiftigen Erfolgs gegen England Üt zuvor Einigung 
Ammtiicher Kontinentalmächte zu Eitlem Zweck. Dann 
muTt fich die Energie des Gontinentt fo hoch heben, 
daÜB England dagegen in den Schatten geftellt werde. Et 
ergeben 0cb hieraus vier verfchiedene Wege^ die zu 
demXelben Ziele fähren: abfolute Schmälerung der eng* 
lilchen Energie, abfolute Erweiterung der Continental- 
energie, Vernichtung der zufälligen (Jnentbehrlichkeit 
Englaudt für den Gontinent, Erichaffung eines Verhält- 
niffes, wodurch der Continent weniger entbehrHch für 
Ei^gland wird« Emporbringung des Landhand^ls bis an ' 
den Indus und die Tibetanifchen Gebirge ; beOi^re WaX- 
ferverbindung; Belierrfcbung der Mode vom Staat auff| 
«iJft Artikel zu heben , die inländilcher Fleifs hervor- 
bringt; Beförderung der Cultur der gefammten Länder 
*ni Mittelmeere; freier Alleinhandel des 'Gontinentt auf 
den Binnenmeeren y der Oftfee, dem Mittelmeere , dem 
Schwarzen und kafpifchen Meere, denMeerbur«u von Per« 
fttn und Arabien f Sperrung der europäifchen Bini|ien- 



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348 Bücher • Recenfioi^en. 

meere und Befreinug deir HSren vok den Ge blokistaüm 
Efcadem; Vermehrung der Kaperei. Piefe Mittel zu- 
Dummen würden den Krieg gegen den englitbhen Handd 
aufmachen« Der Krieg gegen England felbft xerfSUt in 
iwei Hauptkriegitheater ) das turopäifcht und daa indi* 
/che. Eine Landung in England felbÜ wäre das fchnellfte 
Mittel, aber fie ift fchwexüch durchzuführen; Vertrei- 
bung der Türken ans Europa und Ton den afiatifche» 
und afrikaniTchen Kulten würde den Conti'nent sn de« 
grölsten, licherßen und wichtigßen Refultaten führen; 
Wegen der geographifchen Poütion ift keine Macht mehv 
tu diefer Unternehmung geeigneti als OeAreich« 



IX» Uehtr die Ueeretzüge^zu Lande nach Indien. 
liielt dielen Zug einer franzöfifch-TuIHfchen Armee fcho« 
für fo aufgemacht, dafs man die HindernilTe nicht er- 
wog, die ihm im Wege Heben« Der Verf. giebt vorerO 
eine hißorifche Ueberficht der bisher zu Lande nach In* 
dien unternommenen Heereszüge, von Alexander^ Tfchin* 
gU^Chan^ Timür Bek^ Nadir, Schah* Dann giebt er einen 
g^eographifchen Abrils der zwifchen Europa und Hindu- 
Hau gelegenen Erdftriche , und unterlucht die Hauptwege 
dahin nach den heften neuern Quellen. Er untorfchei- 
det den wefilichen Hauptweg Über Aegypten' und das ro* 
the Meer$ den mittUrn über das fchwarze Meer, durch 
äas Thal des Euphrat und Tigris und den perfiTchen 
Meerbufen und den oftlichen^ über ^^f kaspilche Meer, 
4utch Perfien und das Land der fünf Flüfle« Randglof" 
fen zu einigen von den über den Heereszug nach Indien er» 
fehienemn Auf/litten und ^lugfchrißen. Diefe Schriften 
ßnd fo wenig eindringend, oder fo abweichend von dem 
Zw^ck des Verf., daff er dagegen oder dazu noch weit 
mehr hätte Tagen können, als er thut« Sehr gegrfindet 
find feine Bei^ierl^ungen über den Zweck einer folcfaen 
Fahrt. Würden auch wohl die grofsen Opfer, die fchon 
der Weg dahin , ohne noch kriegerifche Ereignifle anzo- 
fchlagen, koften würde, des Erfolges werth feyn; würde 
^e Wunde, England gefcblagen, unheilbar feyn, d« die 
grofse und nicht zu milTende Wichtigkeit Oftindiens gar 
nicht fo ausgemacht ift und der Gontinent Toa dMleni 



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B^ucher • Recenjionen. ^9, 

t&^uer erkauften Befitstham keinen oder wenig NntzeUi, 
lelbit für den Zweck der F^hrt keinem, erreichen dürfte* 
Kec* Icheint die Erobernng der, für diefen Zweck weit 
wiefitigern^ türkifchen Piovitisen^ eine dtirchau» in das. 
InterefTe Englands erleliüttemd eingreifende Maftregel^ 
tu i'eyn , der noch überdiet hauptfächlich der poll* 
tire Vortheil des Gontinents folgen mülste. Di« See- 
wege und die Freiheit derfelhen ift felbft bei den gröfs- 
ten Vortheilen über England j^ doch uneriäfsliche Bedin« 
gnng« des Triumphs der Goi^tincn talmächte. Die Mittel 
lieben England fxe dem Gontinente' su eröffnen, lind di« 
Mittel 9 den Krieg gegen England mit Vortheil xu been« 
digen und den Frieden mit Vortheil zu beginnen ; fonft^ 
ift jeder Friede nur Waffenftillltaud , und England hat 
kein Interefle beim Frieden* > Je mehr aber der Gonti« 
nent. Küüenländer belitzt,^ je fich<>rer iü ihm die Aus-- 
ficht auf eine kräftige Marine gewährt, die lieh unter 'J> 
keine Navigationsakte zu beugen braucht. - 

• 
Wir be£[nd«^n uns an dem SchluHTe eines man^ 
nichfaltjg reichhaltigen Werks ;, und müflen bei deir 
wiederholten Lefung . delTelben , bei der Erw.ägung die« 
fer fo ▼ielfeitig und oft tief, immer aber mit Ein«^ 
ficht . aufgef afsten , Reflexionen wiederholt geftehen« 
dafs wir dem Geilte, der fie empfieng nnd wiedergab, 
einen leltenen Genufs rerdanken. Diefe hera^sge«^ 
hoben en Punkte, oft nicht einmal die wichtigften, feU 
ten die fchonften und Mfthetifch ideenreichllen , Tollten 
nur eilten Ueberblick darbieten und nach dem GenuIT« 
diefe« Bogen lelbft, lüAern machen. Weichet Lob könnte 
ein Buch verdienen, deffen Gehalt fich von beinahe 200 
Quartfeiten auf lo irenige ausfcheiden liefse! -*- Diefe 
Weltcharte leiftet , was fie beabiichtigt ; aber Ee leiftete 
noch mehr, da fich uns, reranlafst durch fie, die in- 
nere Welt diefes Gemüthes auffchloff« Wir wollen mit 
dem Verf. nicht über einzelne Satze rechten; das Werk 
des Seibitdenkers bleibt immer fein ehrenvolles Eigeo* 
thnm, was fich auch aufleime ^e^en feine Gedanken, 
und fchon die Ahnung des Tiefern, das Ideen ^erweckend' 
fich hinter dem Gegebenen , wie die Flamme* zeigt hin- 



jp 



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3$o Bücher -> *liecenJionenm 

ter dem Lichte, daf von ihr aufftrSint, fchon diefe gidbt 
{edein Bmche den Anfprach der Vortrefflichkeit« Wer 
fich erfchöpft vor unt und dat Brüte heraustpricht, wie 
das' Letzte y was. in ihm ift und aut ihm kommen kaan, 
dem danken wir kaum feinen armen Reichthum. Sey et 
der Philoroph , der leinen Liehling gegen den Mathema* 
tlker in Schutz nimmt , oder der Geograph , der auf- 
fchreiety dafs der Verf. die Pelygaren ein Volk nennt; 
oder der Logiker, der fich gegen Paradoxien änflehiity 
des kecken <jedanken, Keckheit bekrittelt und et t4ddt^ 
daffl der Verf. in feinem Buche cu viel von feinem Bn« 
che fpricht$ der l^olitiker auch , dafs der Verf* Gewichte 
befchreiht, die in feiner Wagfchale nicht liehen, oder 
ihm das Gefchäft des Selhßdenkers anfinnt, ohne di« 
Mittel deffelben;' das Gold behält doch den gröfsten 
Werth, wenn man auch nach einigen Spänen trachtet. — 
Vieles will verfocht feyn in einer Welt, wo Vieles nicht 
gelingt; auch ein Traum kann uns beglücken, fo lang» 
uns fein Pittich trägt, und fo wie wir gefcbieden von ihm, 
arm in «ine arme Welt znrÜcklinken , fo fcheiden wir 
mit Wehinuth von e|nem Gemälde des GlÜeks der Menfch« 
heit, das ihr nur durch einen Glücks wechfel, nicht auf 
dem Wege der Befonnenheit cu Theil wird. *^ Der 
fcheidende Freund läfst uns den Troll des Wiederfeheot 
zurück; mit diefer frohen Hoffnung entläfst der Vrf. ge- 
wifs leden, dem der Sphinx, der diefe Hieroglyphen he* 
Wacht I kein unerbittlicher ift. 



CHAR- 



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CHARTEN • REC'ENSiONEN, 



Charte von dem Königreich WUrtemherg und dem 
Grojsherzogthurhe Badeti^ nach den vor^üglich- 
ßen vorhandenen Uülfsmitteln und den neue- 
Aen Ortsbeftimmungen be.arbeii^t von F, W. 
Streit^' Oäer^Ueut, Weimar. igoS* im Verlage 
desGeogr. Inftitutt, 

Da$ GepgrAphifclie Inl^itut, welches un ermüdet fort« 
arbeitet» feinein Publicum alle yon Zeit tu Zielt in dem 
)«Ut io erweiterten Felde- der Geographie vorfallendo 
Verjtndevungen , Tobald als möglicli, vor Augen zu ileU 
Icn, liefert una An diefer Ckarte einen neuei^ Baweia fei« 
lies eifrigen Beürebens , dem Laufe der Zeit und ituren 
fich jetzt fo Xebr häufenden EreignilTen immer gleick 
«tt bleiben. 

Der Verf alter dielea Blattes ift uns fc^on durch meh« 
^•«re feiner Arbeiten bekannt, und beweift uns hier^urch^ 
^afs er, wo gute Materialien eiiltiren» etwas Gutes zu 
liefern im Stande ift. 

Dem Kennpr der Geographie wird -es beim erften 
CJebcrblick diefer Charte fichtbar, dafs der Verf» fick 
4. O. JB. XXVllL Bdf. 3. St. B b 



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35i^ Ch art0n - Reee nji onen. 

hierzu der Tortrefflicktn Jimmmii^ und BchnenhergtrU^itilL 
Charte von Schwabgn^ to weit diefelbe für jettt erfchieoen 
ift, bedient und zwar mit Vortheil hedieflt hat, . indem 
Bch auf feiner Charte mehrere Ortazeichen finden , die 
. auf )ener noqh unrichtig » und auf diefer berichtigt wor« 
den find. -^ 



Wir finden da« Königreich Wurtemherg nach feiner 
neueften Eintheilung in nachfolgende I2 Kreife abgethei)ty 
welche aUe nach ihren Haupt - Kreisftidtett den Namen 
führen, als: 

I. Stuttgart^ 2, LuduH^shurg ^ 3, Atilbronn^ 4. Öhrin^ 
gcn^ 5. Calwj 6. Rothenburgs 7. Rottweil^ 8. Ur* 
achy 9. Ehingen f 10. Altorf ^ lU Schorndorf, la. JE/- 
Wangen^ 

Dia Gränzen der Kreife find nach deu bisherigen 
Nachrichten möglich^ genau angegeben ; doch laTTen 
lÜch, wenn auch hier und da, wie Kec. bemerkt, ein 
Dorf zu einem unrechten Kreife gezogen feyn foUte, 
deshalb dir Charte und ihrem Verfa/Ter Iteiiie Vorwürfe 
machen, da jeder Geograph weifi, wie fqhwierig ea ift, 
die neue Abtheilung einet Keicbs zuerft in eine Charte 
«inzutragea. Diefe Charte ift die erfte, auf welcher wir 
die neue Eintheilung Würtembergt eingetragen . finden, 
und nehm-en i;plehe .deshatb mit D«nk an, denn ohne 
d^n erften Schritt in einer Sache kann man zu keiner 
Vollkommenheit gelangen; und halten vnt übrigena to 
wohl von dem Vfr. , als der Verlags handlung überzeugt, 
dafs wir bei einfr neuen Auflage jene kleineh Uarichtig* 
keiten v abgeändert finden werden. 

Die Kreis - Gr&nzen find dutch die Illumination 
herausgehoben, und die Kreisftädte mit einer dunkeln 
auszeichnenden Farbe unteritrichen, und nach Befchaf- 
fenheit ihrer Gröfse mit gehender oder liegender Qua* 
dratfclirift gefchrieben. Jeder Kr^is hat übrigens feiue, 
auf der beigefügten ftatiilifchen Tabelle vorkommende 



I 



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Charten * Recenfionem 353 

^Balil etlultett ^ um folche defto eher bedkerkbar tu ma-' 
ehen. 

Daf Qrofshexzogtlium Baien itt in feine 3' Kreife^ 
nämlich: den Ober-^ Mittel- und Nieder -Rhein abge- 
theilti und übrigens fo wie Würtemberg behandelt. 

Das Herzogthum Bokenz ollem ^ und Fiirftenthuni 
Xjtyen^ welche fich mit auf der Charte befinden, Hnd 
fo wie Würtemberg und Baden, durch ihrb befondern 
Giänsen und intiminirung ausgezeichnet. Nach* der bei- 
gefügten itatiBifchen Tabelle beträgt die Vol&amenge dei 
Ksnxen Königreiche Wirtemberg 4)461,656) Baden 922>649» 
Hohenzollern 53|O0O, Leyen 4^500 Seeleii» - 

Das Format diefer Chacte tft das gewöhnliche des 
• Gaspiififehen Handatlaffes des geographilohen Inltituts^ 
kndßnd6} Far. Zoll zum Breitengrade angenommen» 



Charte Don Oftpreußen ^ nebft Preujsifch Lit*^ 
thauen und Weftpreujsen , nehft dem NetZ' 
districte. Aufgenommen unter Leitung de» 
Königlich Preufsifchen Staatsminißert Frei- 
herrn von Sc^rötter in den Jahreh 1796 bi« 
1803. Sect. XVI. ' 

£f lind nun gerade 3 volle Jahre» ^^f^ wir unfern 
Lefern der J^ G, E, nichts von dem Fortgange die f es 
vortvefFlichen Werks fagen. konnten; und wir fiengen 
fchoii an die Vollendung deffelben zu bezweifeln, als 
wir fo eben durch den ^ Empfang diefer neuen Sectio» , 
auf das angenehmfte tibe'rrafcht, und von dem richtigen 
Fortgange diefer intereffanten Charte überzeugt wurden* 
Wir fäumen daher keinen Augenblick, den Freunden 
der Geographie diefe fo^ angenehme Ericheinung mitzu« 
tiieilan* 

Bb 2 



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354 Charten ' RecBnfionen. 

Die Einrichtung und Tonftifen Notizen über ditür 
CliAite kennen unfere Lefer bereits au0 dem X. , XSILf 
XIV. , XVI. , XVII und XIX. Bande nnl^rer A. O. K, 
und wir finden nur Nachgehendes davon %vl erwXhnen 
für nöthig. 

Diefe neue Sectran der Charte geht yon 36^ 46' bis 
jgo Qt 20" der Länge von 'Ferro ^ und von 530 s^ 30" 
bis 530 55' 15'^ nördlicher Breite. 

Der Vortreißiohe Stich diefes Blattes ift aoch toe 
^m leider für die Kuiiü^a früh verftorbenen Xün^er 
Utn. Jäck^ in demrelben GefchflMcke , und gaiis den Irfi* 
hem Blättern an Vollkommenheit gleich. 

F6r die Bearbeiter der Geographie und NiehdbeAlfter 
diefer Charte heben wir, wie bei den früher aogeieig« . ^ 
ten Secttonen , einige der wichtigllen Puncto nach ihrer 
geographifchen Lage aus. Es liegt nämlich: 

Länge Breite { 

Bifchofswtrder . 370 i' 30" 53<> 30' &' j 

Frexfiadt . . . 3^^ 56' 3o" öS** 36' 20'< 

Kie/enburg . . 36O 52' 15'* 63« 45' 20" | 

Ro/enbgrg . . . 37O O' 30" 53O 42' 40" 

Chrißburg . . 37O 1^30" 53® 66' ^6" 

Teut/ch-Exlau . .37® 13' 46" 53® 35' 4o" 

TftumarJC . . ^70 15/ ^a 55O 35, 25" 

Loebau • • • 37*^ 26' «o" 530 30' xo'' 

Smatfeld . . 37O 27' o'' 530 50' 30" 

Libemühl . . . 37O gx' o* 53<> 45' 25" 

Oßerode ^ . 37O 3g' o" 53« 41' 35*' 

Oi7^«n^Mrg . . 370 42' 30" 530 25' 50" , 

Hohenßein , , 370 57' o" 530 34' 50*^ 

Möchten doch die Herausgeber aller, theils fstet, 
theils auf einige Zeit , in Stocken gerathener geographi- 
fcher Werke .bald diefem Ic'hönen Beifpiele folgen» und 
nach überftandeuen HindernilTen die für die Wiflen- 
fchaften fo nützliche Fortfetzung ihrer angtfangenaa 
Charten hetxeiben und belchleunigen * 



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Charten - Reeenfiönin. 355 



,3- 
fTiens Umgebungen , nach dem Entwürfe des 
Herrn Joseph Marx Ereiherrn von LiKc^T^if'' 
STBRjTj bearbeitet und gezeichnet von feinem 
Sohne Maximmliait Fr^ibertn iten LiscHTEw 
sT^ir. Wien IÖ09, geßochen von Zi/i, Zutz,, 
und Rendrd. 

Der Z^iobndv und BeA|l>tiler der vorliefenden Chart« 
ill, ' wie Ibhon dar Titel lagt, der Sohn d«0 durch tein9 
•§no§ßfmyihiMk^tk nn.d 'totiJtirchen Werke rühmlichft he* 
kannten und wohlverdienten Freiherrn J. M. v, Lieekten^ 
ß^rn^ welcher durch diefes kleine Werk dem geographi* 
leiten PnbliouM die £rftlinge leinoe FleiXtes und feiner 
JUnntnüTe vorgelegt hat. 

Diefes kleine Werk befteht aus 12 Blättern» die 4>87 
Par. Zoll hoch und 6^45 breit find, und 1,28 Far. Zoll 
aof eine geographifcbe Meile haben. Von den Blättern 
hat jedes feinen befondern Titel , der aber bei der Zu« 
fammeofetzung mehrerer Blätter^ wie hier der Fall ilt, 
überlegt, und durch einen Haupttitel des Qanzqn er- 
fetti wird« 

Im Allgemeinen lÄfst Heb diefer Charte kefn Vorwurf 
UAcben, indem die Bearbeitung, fo wie der Stich rein und 
deutHch ift; doch hätte wohl, wo es die Quellen gaben, 
hetondett-in Hinficht der oft Stunden lang ausgedehn- 
ten Dörfer und Ortfchaftea, bei dtefem MafiAabe etwas 
mehr Detail angegeben ^ fo wie auch die Weinberge und 
Wielen bexeiehneft werden können« Das Gebirg ift im 
Onnsen gut dargefteHt, nur hier und da fowohl vom 
Zeichner» als Stecher etwas fteii ausgefollen. 

Dia Blätter haben keine Numern » und man mnft 
die Zufammenfügung durch Anpaffen undProbiren müh« 
imm heraufXuchen^ weichet lüff einen Befitser der Charte» 



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der in dortiger Gegend keilte LocaikeutttnilTe hat} et«ft« 
Tchwierig und unangenehm ift* 

Die hauptTächlichiteli dor dabei benutzten Materia-- 
Jien ßnd Schmidt,^ Umgtbujigtn von PVUn^ welche im 
XXIV. Bande S. 567 unferer 4. G. E. als eine gute QueU© 
beurtheilt vrorden (ind ; daffi hier aber, um nicht in Hrn, _ 
Schmidt^ s dort gferögten Fehler tu fallen, Crußus Poft- 
lexicon von Oeßraich gebraucht ^worden , ift E«häich 
und lehr Ipb^nj^ertb. 2^u Ungarn,, betoiders- «u der 
P4"ersburger'Gefpanfcliaft, ift hier nicht das.BeÄe bc- 
nutxt worden, denn es finden lieh bedeuteniie Abweich- 
ungen von Lipskx VLnd t^öfft^, '^utfd da »ufser diefen 
für jettt nichts Gute? weiter 0^iftirt,' fo ift hieMtiffilW*- 
lieh ein fchlechtei , höuftig »U tetWwrfeinfoi ÄUtüfiiOt 
lieuut^t worden^ . ^i i. . i 

Bei der genauen Durchgeht d^r einielaea Blfttter fin^ 
den Jdch noch hier und da kleine Fehler und ^usiiflV»^« 
gen, die wir, jedoch nicht um unlern jungen Geogra* 
phen abzufchrecken , «ein; Sondern ihn vielmehr »ur 
VerbelTerung derlelben und «ur Aufmerkfamkeit für di^ 
Folge aufzumuntern, hier einzeln anführen wollen. 

Auf dem Blatte, wo Tullri liegt, fehlen zwifchen 
OÄer- und Unt^r^ MalUh^m die Auen, eben fo xwifcheü 
Stranzendorf und Kyjshach der Wald, der nch faft bi< 
an die Strafsa heninter «iebt, und iH erftgenanntes Porf 
} Stunde zu hoch gelegt worden | die IXamm-Miihle zwi- 
fcheQ $tr4it,dQrf und Senning ift vergellen worde^u; dia 
ainzelncn HäuCer ^wiA^jken Jiainbueh und dem untern 
Bande find nicht befch riehen ,^ . welches aber, da die Be* 
litzer diefer fiäufer nipht Jahrhunderte hindurch einer- 
lei l^amen habe^ , nicht zu tad<)lA ii^, es find aber zwei 
derXelben bei iicÄmii^t, Gitterbart und Grajfßu genennt, 
ganz weggolaffen worden, die füglich da Aeben müfsteii, 
eben fo wie die Rad- y Franz ^ Fabrik-, und SpUal - MühJ^ 
hei Klofter Neuhurg befchriebeu feyu fbllten; der Schiff- 
bau^latz bei Klofter Ntuburg- fehlt ganz. S^r richtig 
^ ßud hrev di« «wiXcheu fVtidlin^bacK ,ttftd fkkUxh^ch Ue^ 



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Chmrt^n • Reeenfiöfißn. 357* 

fft«^ Käufer Sttinriegel benetint) die Schmitt fXlfdl«* 
lieh Stiinriedttl IMchtiehen bat, 

Aaf dem an |ene0 außpfsenden Blatte , wprauf der 
Markt JSoc\/2i(/> in der Mitte liegt 1 finden nachgehende 
Ueiae Unrichtigkeiten 3tatt^ 

Die Strafte^ welche aas der Hohen • Leithen nach 
ÜoJiUnbrun führt« geht über den hier nicht benanntc^n 
Saubirg ^ der 0ch bei letztgenannte]|| Dorfe verläuft, 
uad da mit einem andern nördlich herabfallenden ein 
Thal bildet; welches hier ganz unrichtig dargeftellt ift, 
kdf m von den Hohen • Leithen bis über Gaunersdorf 
ein Kücken durchaus geht, und die Strafse eine Zeit 
lang im Thale läuft, und erH kurz yor Kohltnhrun über 
den Kücken, d«r hier Ickon herabfallen feilte, lieh weg« 
tteht. I^r Wald zwifcheu dem eben genann;ten Dorfe 
ymi Piravfarth fehlt bier ganz, und über Schwinwart ift 
der fogenannte Mühlteich nicht befchrieben ; in diefer 
Gegend finden fich mehrere Bergrücken , die Ictir unna^ 
t$)rlick fteü «^sgefallen And* 

Das Landhaus R^ende^vous. über StamiHertdorf liegt et"* 
wai weiter und entfernter, und nicht wie hiev ganz an 
der Strafse; auch ift ea hier, was fall unglaublicH 
fcheint, Aendfetieudr,' gerade fo wie bei Hrn. Sqhmidti ge- 
fckrieb^n, ein Fehler, den wahrfcheinlitih der Kupfer« 
ftecher gemacht, und Hr. v, Liechtenßern Vater und Sohn 
iberfeben haben. Die Bäume, womit der Ri^sbach ron 
Orqft^^il0ersdQrfhi9 Grafenneaßedel eingefafst ift, feh- 
IfA hier, eben fo wie das neue Wirthshaus zwifcheti . 
Rae^tdorf und Leopoldsau^ ingleicHen ift die AUee zwi« 
rcken Ober' und Unter - Liebenbrun , und noch ein Stuck 
hintet dem Garten bei erftern autgelalten worden ; Strip» 
fing liegt nur einige Minuten entfernter von Weikendorf 
9liDSrßeSj hier aber ift es iälfchlick 'f^ft„ drei Mal fa 
weit davon niedergelegt worden.. 

Auf dem Blatte, wo Stampfen und S^ Georgen liegen, 
haben fich nachftehende Unrichtigkeiten eingefchlichexl« 
Uuter Vngeraiden atf der March fehlt der Dumbrahtfi 



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$&B Charten* Rttenfi^H^n. 

auch findet in dMfer Gegend eine (^niUcke ITarsei^t» 
nung der FlälTe Sutt; der Bachi woran Z<i&or liegt, 
kömmt von Laab herab ^ und geht durch eben genann-' 
jlen Ort durch , da hingegen der, welcher Jjei Hoehji^t^ 
ten in die March fällt > von Carolyhaza und Oeiring her* 
ab kömmt, wo er Och unfern erltern Ort» mit dem Mtt* 
|tna-Bach vereinigt; ferner findet ficl^ zwifchen Breiten* 
^runn^'und Blafenfteiri ein Dorf Namens Poihragya^ wel* 
ches bei £«ipj«fey und Oördg Varalya genennt ift; auch 
fehlt zwifchen Sghatmansdorf und Duhona links an der 
Strafse das Dorf Pi/^z, welches Ebenfalls Lipizky und 
Gör'ög haben; an eb^n dxefen Strafsen ziehen fich von 
^. Georgtn bis Dubova längs hinauf Weinberge^ dia 
aber, fo wie auf der ganzen Charte ausgelaflen find^ 
auch geht diefe Strafse nicht, wie hier 9 in einer Ehena 
fort, fondem läuft, da üch die Gebirgs - Abdachungea 
noch über felbige herabziehen, fall wellenförmig fofl, 
welches ebenfalls überfehen worden. 

Auf dem Blatte , an delTen öftlich^m Handa Sehotm!^ 
irunn liegt, find die 3 Waldhätten zwUclyn Majurzback 
lind Hadersbach ganz richtig •S'tern^ac/b^ genennt; Schmidt 
und mehrere Charten nennen folclie fäUchlich IWeiding ; 
auch dies iß ein Beweis, dafs Cn^us mit Nutzen oa^ 
tur wahren Verbefierung angewendet worden« 

Obgleich die Gebirgs*Fattie I\inter Baadtn fahr i€l^* 

tig und gut dargeftellt ilt, f o iH doch' das Gebirg, dtt 

fich nördlich nach Ga<2en herunter zieht, zu nahe' aü 

, letzten Ort heran gezogen worden , da lölchei^ a^hr ia 

. einer kleinen freien Ebene liegt« « 

Der Wurtzen- Berg hat hier eine falTclia Figur er^ 
halten, indem er mit keinem andern eine Kette bildet, 
Xondern feine Abdachungen rings umher herabläfst, und 
fich nicht, wie hier weßlich, fonderxi öjftlich von tto^k 
herabzieht. 

Der Hernaus ^ Ko gel ift gar nicht bemerkt , docl^ 
könnte man die Abdachung, fo fich nach S. Fm. herab- 
zieht ^ wenn fie richtig endigte I dafür annehmen« Bei 



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9rt*haum flncUt jio^ ' ftttch nocK eine Unnchtigktit in 
dem Geliirgy da geht die Strafte über die niedere Ab* 
daeknng sweier^ iich gegte'n einander ▼erlaufenden Rük- 
fcen gleicIlXam durch ein Thor; auf unferm vorliegen* 
den Blatte aber geht Ü9 fälfdilioh über den durchaus 
laalenden Kücken weg, 

AuC dem Blatte , wo JVUn liegt , fallen die Stichfeh« 
ler Köjftl» Batterie StAtt Kejfel^ Batterie^ Pratt^r liatt Pro* 
ter auf, und swifchen GöttUfbrun und Arbenhal ift di^ 
fumpfige Stelle mit einem £ich hier flUfchlioh herabsia* 
henden Gebirgs*Att«ken angefüllt» . 

' Auf dem Blatte , worauf Prefshurg in der Mitte 
liegt y fehlt über Blumenthal der Franzhof ^ und unter 
Landfchitz und die beiden Dörfer Papfalva öder Pfaf- 
fendorf^ und IvanJta unrecht niedergelegt; die Straft« 
geht, fobald lie über d^s fchwarze fVaJfery fo hier nicht 
benennt ift, hinüber kömmt, hart an Pfdffendorf vor- 
bei, und iodann durch Ivarika eine halbe Stunde davon» 
hindurch; auf unütrer Charte aber geht fie fälfohlidi 
durch Pjafftndorf ^ und laftt Ivanka weit rechtt liegen* 

Dat Dorf Milchdorf liegt an der Strafte von So» 
merein nach Szerdahely y aber faft noch einmal fo weit 
von eriterm^ Orte entfernt, wie hier, und beinahe in 
gerader Linie mit den beiden Döffern Gantthdza und 
^ucfuhdta^ mit welchen et hier beinal|e einen fpitten 
Winkel bildet. Zwilchen Paima und Teutfeh^ Fahrendorf 
fehlt der Ziifelhof^ und linkt von Parendorf fehlen 3 
JfigerhSufer, die eigentlich noch auf die dameben an« 
ftolsende Section fallen« 

Auf dem Blatte, wo Eifenßadi liegt, fehlt swifchea 
Prodersdarf und Siegendorf der Wald, und dat Dorf anb 
Öftlichen Ufer det Neitßedler^ See* heiftt nach Lipif Asr 
Poderedorfy hier Padersdorf. 

Auf dem Blatte, worauf Wiefelburg und der nörd- 
liche Theil dtuHanfag^Moraßs fällt, ili nordweÄlich voi> 
Uttterm dat Dorf Taaden fälTohÜch TkiUen genannt. 



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3^ Chmrien - Recenfiünen. . 

^ Aiil-cl^tt Bl^tt«, welckvs den Titel estk&lt, liegt duT 
ScKlofs Farchtet^in gtm% im We^n von ^Fprchtenaui 
loUte iü>er iTtidwoftlich to« letztgedacli1;em 0)rte liegea. 

In der Section, .wo Ödtnbi^rgf liegt Rajuck unweit 
Itosing XII weit vom /^loa- Bache eittfeirnt; naoh lApszJ^ 
aber liegt es H^rtan rolcliem; eben lo hat Lipszky am 
Ote^H^ » Bache gegenllber ron Müniehhof ein Dorf auf 
der Stelle, wo hi« JVt'fc/r/cÄ Hegt, Naniens Gafozhaza^ 
und iVr/X^it/c% norddftlich von letite^m; da wilr nim noch 
keine '-UrfaGhe va Lipszky'^s Richtigkeit zu zweifeln hd^ 
hen y fo in hier wahrfcheinlich eine Irrung Und Auslaf- 
fun^ vor lieh gegangen ," die «u{ der Platte leicht %vl y^* 
Leitern feyA wird.. 

Endlich vermiilen wir noch auf dem Blatte, wo Eßer* 
haz liegt, di« einzelnen Hole B^fomhata wid Hir/chbfun^ 
und 4en Pamm. von j^eti nach eri]fc^enanntem Hofe. 

V 

Alle voxher erwähnte kleine Mangel diefer Blätter 
kdntieni mit wenig Koften und Mühe in die Platten ein* 
gf tragen und verbelTert werden, worauf fodann diefe 
Charte in jeder Hlnficht gut und brauchbar wird, und 
Ix^fonders fteifenden in jenen Gegenden , fpwohl wegen 
ihrer fothanigen Genauigkeit , alt auch de« b^^uemen 
Format« halbei*'^ vi empföhlen ift. 

MScbte doch Herr lA.. Li€ehtVfifi:t^fk -der sjüngere Mate- 
rialien, und Gelegeii^j^it haben diele Charte, wo nickt 
über gröfiere f heile der Monarchie, doch weniglteni 
iib|r da^ lißyii^ unter dtr ^n^,. fortzufetzen, nnd dadurch 
den fo lange gefühlten Mangel und die fall einzige Lücke 
in der zeichnenden- Oeographie Teutrchlandf au«füllen. 

Unfern jungen VerfalTer diefer Blätter hitten wir ja 
fortzufahren, feinem würdigen Vateir thätig an die Hand 
%\\ gehen, und uns bald möha: von feinem Flei£«e und 
f «ographifchen Mappirung« - Arbeiten zu liefern. 



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VERMISCHTE NACHRICHTEN. 



Urkunde, einer neuen Einrichtung dei Danebfog^^ 
Ordens vom 2$, Junius l8o8« , 

( Mit Abbildung des Oanebrog - Ordlens« ) 

yVir Frederik der Sechste , von Gottet Gnaden Kdaig 
«u Dänemark, Norwegen eto. thun kund hiemit: Alf dec 
3cepter UnscTrer Vor£ahrei# mitten uhter «imem bürde voli 
lea Kriege in Unsere Hand gelegt ward, fühlten Wir Una 
im Vertrauen . auf die Vorsehung gestärkt durch de« 
Gedanken an die gerechte Sache, die Wir zu Tertheidigai^ 
hatten , und durch einen Hinblick aui das Volk , weichet 
%n beherrschen Wir berufen waren. Wir liefen Uns %f^ • 
rück, w^s dieses Volk statt war nnd wat et nacli Unse* 
srer eignen Erfahrung ist: treu gegen Gott uad Könige 
nAchgiebigs und betriebsam im Frieden j xnuUiig in Gefak* 
ren , l^ereit, Alles für des Vaterland« Wohl au opfern; waA 
Wir sehen mit landesväterlicher Freude^ däXt die kom'^ 
jnenden Tage nicht minder, aU die Vorzeit, :nnter dem 
Geräusche des« Scieg«, wie untet des Friedens ruhige« 
Beschäftigungen, reich an ruhmwürdigen Thaten, .an 
ausgezeichneten Handlungen werden, und die Unterthanen 
4er Dänischtn. ' Naxtarchie auch ferner unter £ur«pa> 
l<lationen durch unerschütterliche Liebe zu König und 
Vaterland hervorstfIdkleA würden« Wir hab^n diese« 



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36a Ver m i/c ht^ Na ehrieht&m^ 

^nrcli mtaielie naträgUckc Beweite nihet heMtigt ft* 
«•h«ii. 

Es ward clalier tob der Zeit «m ^ da Wir die Regienug 
aiitrateBy eiaer Vnsmw angelegentlielifteii Wfinsdie» «a 
Pfand gegeafeitiger Anhänglichkeit zwischen yns und die* 
aem Unsem Volke zu stiften » zu einem Zeugnisse fifar 
Alle, wievhoch Wir in einer |eden Glasse ron dtaatshSx- 
fem wahre Verdienste acUten, und wie sehr Wir wihi-r 
•chon, sie tu belohnen. Ueberzeugt» dali der Rec&t* 
schaifeaa nüchst den fieweggründea der Religion und dar 
Moral» die Ehre für die rMnste und edelste Triebfed«? 
sum 'Guten hält, und d^ls er nächst dem befriedigen« 
den Selbltbewufstsejn, genutzt zu Haben, den würdig- 
sten Lohn in seines Ffirsten'und seiner Mitbürger Ach* 
tung, findet, erkannten Wir, dafs Unscnre landesWherlicha 
Hinsicht am sichersten durch ein Hufseres Zeichen fit 
anerkannten Bürgerwerth erreicht werden kdnue«. 

Wir haben dazu das Kreuz dee Danehrogs erwählt^ 
«oI^hes\seit Wrddemar des Siegt eichin Zeiten in Unsrer 
I^agge und in Unserm Panier geehrt ward, und der l>et* 
aen Könige getreue. Männer, »Is eip ri ttcorirches Ordens« 
teichen schmückte» Indpm Wir deshalb dem von Unsars 
Vaters Vater Aeltervater erneuerten Danebrog - Orden 
•tae gröfsere ErweiUnoig geben, wollen W|r, in Uebereia« 
•timmong mit seine» Absicht , den Glanx dieses Ordens 
V«ch mel^r ezh&hen, dafs wir mit demselben einen je« 
den autaeichnen V -der in seiner Lage und in seinem Wir* 
Itungskraise äusgezaichnetei^ Ehren würdig erkannt wer^ 
dtti sollte. Die beseadem Pflichten der Mitglieder dieses 
Ordens werden selbigen in den Statuten des Ordens rot* 
geschrieben'; Unser allergtiädigster Wille in Betracht set* 
xer gegenwärtigen Einrichtung im Allgemeinen wird hie« 
Mittelst aämmtlichan Daaern Unterthaaen bekannt §*• 
atacht: 

Der Zutritt zn dem Ehrenzeichen ä^e I>aaebrogs^ steht 
einem jeden Unsrer lieben und treuen Unterthanen ohne 
Räckf icht auf Stoad und Alter offen. Es wird «rworbea 



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Vermifehte NMchriciht^n., 363 

lorcli ansgei^cknet« Verdienste n^d HAiidlinigeii» nXm^ 
lieh dareh v^orzüglioke Beweite Ton Tapferkeit» Einsicht 
und Muinkejt beim Krieger; darck Treue, Einsicht und 
Eifer bei dem Beamten ; durch Aufopferungen für König, 
Vaterland und Mitbürger; glückliche, mit Anstrengung 
Terbundene und für den Staat nützliche Beendigung 
schwieriger Unternehmungen; die Nation* ehrende Fort« 
ichritte in den Wissenschaften und Künsten; sinnreich« 
Erfindungen , wodurch dem Staat neue Quellen des Wohl-* 
Standes eröffnet werden , imgleichen > gemeinnützige, 
neue und glückliche Vervollkommnungen im Ackerbau« 
in der Industrie und im Handel des Landes. Die An- 
felegenheiten des Ordens sollen zugleich m>t denen dea 
Elephinun • Ordens durch eia9 Versiimmlung von Hittern- 
Miter dem Namen eines Ordens^Capitels geleitet werden^ 
in welchem Wir ala t)rdens -Herr bei feierlichen Gel** 
genheiten selbst präsidiren. 

Der Panebrog - Orden wird in 4 Classen eingetheilt^ 
denen Mitglieder alle, doch mit verschieaenen Beneu- 
nnngen, Prärogativen und Decorationen » Ritter vom 
Danefrog sind. Ein jeder Ritter soll die niederen Clasv 
tMi des Ordens durchgegangen seyn^ bevor er in die hö* 
kern treten kann. Doch wird ^s dem Ordensherrn vor* 
behalten f für besonders ausgezeichnete Handlungen mit 
der Decoration der hBheren Ciassen auch die zu begiia* 
dsgen, die nicht die niedern Classen dea Ordens durch* 
gegangen sind. 

Die Ritter von der €r^en CUste des Danebrog* Ordens 
werden Qro/r - Commandeur^ genannt und sindMitglie« 
der des Capitels. Sie erhalten das Prädicat ExctlUnt, 
Haag zunächst deir Feldmarschftllen und General »Admi- 
'4- Lieutenants, so wie Militär -^ Honneurs gleich dcA 
Oenerallientenants. Wenn Wir für gut finden, diesen 
Grad des Danebrog - Ordens einem Prinzen vom Köni- 
glichen Hause zu ertheilen, oder einem Ritter vom 
£l«phanteh, der entweder vorher mit des Danebrog- 
Ordens andern Graden begnadigt worden, oder noch 
kein Mitglied bemeldcten Ordens gewesen ist, ao ift ee 



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^64 Permi/ekte Na ehrt cht tn» 

Unser allergnadi^ster Wille ^ ^tdi HieteS ihnen rerHil* 
Bene Ofdensteichen als ein besonderer Beweis Unsr^tf 
Itönigl. önade und Auszeichnung "angesehen werden soll. 
Die Pecortition der Grofs - Commandeurs ist folgende ; 
Sie tragen das Danehrogkreuz, mit Brillanten "besetz^ 
an einem weilsen gewässerten äeidehen Bande mit rotheit 
Kanten über den Hals^ zus^nämt dem Daneb^og - Sters 
auf der linken Brust* 

\ 
Die Ritter der ijüeiien Clause werden Gro/shreuze gi* 

tiannt. Dahin ^gehören alle die, die bisher mit dent 
Danebrog * Otden begnadigt^ sind»^ Ihr Hang ist zu» 
Oberst in der Hang - Verordnung zweiter Glasse« Ihnön 
werden RKlitär*^ Honneurs gleich den 'Generalmajors er- 
wiesen. Die Decoratiou der Grofskreuze ist folgend^! 
Sie tragen das Danebrogkreuz an dem nun gebräuch- 
lichen weifsen Ritterbande von der rechten Schulter zu* 
Jinken Seite ^ samt dem Stern auf der , linken Brust« 
ySind sie Rit1#r vom Eiephanten oder Geistlichem so wird 
dieses Band mit dem dazu gehörenden Kreuze über dem 
Halse getragen» 

Die Ritter der driiUn Ctasse werden Ordens * Com,' 
man^eurj genannt. Sie Erhalten Militär^ Honneurs gleick 
den Staabs - Officiers* Die Ordens -Commandeurs tragen 
das Danebrogkreuz ^ einem weifsen gewasserten seide- 
nen Ban8e mit rothen Kanten iHier dem Hals, "samt 
einöm lirodirten Danebrogskreuzei ohne Strahlen, auf 
der linken Brust des Kleides« 

Die, welche ^in die vierte Clause des Ordens gehBtvVi 
werden Rittet vom Datiehrog genannt und erhalten Mi- 
litär-Honneurs gleich den subalternen OfHciers* Die Rit- 
ter tragen das Danhebrogskreuz au einem schmalen w'ei- 
fsen gewässerten seideneh Bande, mit rothen Kanten, 
auf der linken Seite^ in einem der Knopflt^cher des kjei- 
^ des» Den Rittern der dritten und vierten Glasse vom 
Danebrog- Orden ^ird als Rittern kein besonderer 
Rang beigelegt; sie sollen aber als vom Könige ausge* 
zeichnete Mäilner tiberall, aufs^rhalb ihren Dienstver- 



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biUnifff»» al0 die ersten unter ihre« Gleieken «ngetelteii 
imd bebandelt wei^deii« Ui^ jeder , der mit ein^m hö* 
kern Grad des Ordens begnadigt wird, legt die Decora* 
tion für den niedrigem Grad ab. Dagegen sollen di» 
Ritter vom Danebrog, die mit den« Elepbanten • Orden 
begnadigt werden , fortfahren ^ die Oeeoration für die* . 
jenigen Glassen d$s Danebrog - Qrd«n< au tragen, yron 
der sie Mitglieder Waren* 

Aufser dieten 4 Claestn von Eittern, wollen Wir. des 
.weitem mit dem Danebrogkreuse^ in ^Silber einen jeden 
solchen begnadigen^ d^n Wir dieser Auszeichnung wür* 
füg achten. Di^se« ., Ehren zeichen -wird in eineiti sehnM<* 
leo^gewässerten seidenen Bande mit rothen Kanten auf 
der linken Seite in eiÄm der ■'Knopflöcher des Kleides 
getragen. Die, weiche damit begnadigt werden, bei* 
fsen: Danebrogs ' Männer ^ werden von einer einzelnen 
Schildwache mit ^schultcrtem Gewehr honorirt ^ . und 
sollen, als vom Könige ausgezeichnete Männer, ^überall 
«olierhalb ihrer, Dienstverhaltnisse wie die, ersten unter' 
ihr^s Gleichen angesehen und behandelt werden. Sie ha- 
ben Zutritt tu aUen feierlichen Versammlungen des Or* 
dens. Um übrigens alle CUssen und Abtheilungen dea 
Ordens in 0ine gegenseitige ehrende Verbindung zu setzen, 
wollen Wir, als Ordens -Herr, abw^echselnd eine von den 
für cfie Glassen des Ordens bestimmten verschiedenen 
Ehrenzeichen, so wie auch der Danebrogs • Männer 
Sili)erkreuB tragen, und befehlen zugleich aUergnüdigst, 
dari alle Mitglieder vom Ordens - Capitel , auTaer den ih- 
Ben übrigens ^beigelegten Decorationen, beständig das £h« 
venzeichen der Danebrogi • Männer tragen sollen. — 
I^et 28&te Junins eines jeden Jahrs , als der Geburtstag 
^ Dänen* Königs Waldemar des Zweiten^ und als der 
^Ag) an welchem dieae Unsere Urkunde ausgefertigt 
forden, soll zum gemeinschaftlichen FeierUge f^r den 
Elephanten - und Danebrog - Orden bestimmt seyn. 
Das Qapitel soll an. diesem Tage in der Prederiksborgtjr 
Schlofskirche gehalten werden, wo aUe dessen Mitglie- 
dftri imgleichen die anwesenden Ritter und Danebrogf- 
^Uaner sich einstellen müssen^ 4le Äitter voni Etitphan- 



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366 Vermijehte "N aehriehten» 

t9n\ fo wi« die Groffl-Commandears itnd Oroft^Krettf* 
▼ozn Danebrog, in der für sie dureli die Stataten be- 
stimmten Pciertf acht. \ 

» ■ 

Des regierenden Königt Geburtstag ist Otdengtag 
für die Ritter von beiden Orden, An diesem Tage der 
Feier stellen die Ritter vom Elephanten- Orden , so ivie 
die beiden ersten Glasen des Daaebrog -'Ordens, in iIh 
rer Feiertracht sich in dem Gapitel auf dem floseabnrger 
$ehlosse ein« und wird dea Rittern der übrigen CIm* 
een, so wie den D^nebrogs - Männern , dort gleichfalls 
gehdrig Platx aageiviesen. Der T5te April , ak der 
Geburtstag des zweiten königlichen Wohlthäters rotft 
Danebrog •' Orden , des höohtseligen Königs Christian 
des Fünfttn^ ist der hesonderf Ordenstag der Dane« 
brog- Ritter, und finden die/ Ritter, so wie die Dane« 
brogs - Männer, wie bereits gesagt Verden, auf dem 

' Rosenburger Schlosse sich ein. Das Gapitel hat ein, 
wachsames Auge auf ^m Verhalten aller Ordens • Mit« 
glieder, und berichtet an Uns ein, wenn Jemand gegen 
seine Ordenspfiicht fehlen sollte. Es ist autorisnt, 
Zwistigkeiten auszugleichen, die gegenseitig unter den 
Ordens - Rittern vorfallen soUten. ßs nimmt durch sei«- 

^ nen Canller oder Vice* Ganzler einen xjeden Antrag an, 
der den Orden betrifft. 

Wenn ein Oanebrogs * Mann oder Ritter vor Gericht 
wegen einer solchen Handlung sollte in Ansprache ge- 
^ nommcn oder vorgeladen werden, ^ie körperliche Strafe 
oder Verlust der Ehre und öffentlichen Achtung zur 
^olge haben .konnte, so soll es Pflicht des Gerichts 
te}r>n , darüber unverzüglich an Unsere Gaaelei «u be<* 
richten^ danut selbige des Ordens «^Gapitels Vorstellung 
zu- Unserer allerhöchsten Resolution veranlassen kann, 
(Db dem in Ansptache Genommenen oder Vorgeladenen 
bis weiter t^i}^ Ordenszeichen tu trageii untersagt wer- 
den solle. So darf eben so wenig irgend ein Ürtheil, 
/das körperliche oder entehrende Strafe verhängt, an ei- 
nem Oriclens - Mitgliede vollstreckt werden, bevor das 
Ordenszeichen I in Folge eines von dem Gapitel gefafsten 

und 



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^ ^ Färmi/chte JNTaehrichten» ' jfi^* 

und Ton Uns allergnädjgst saifftioni^ten Beschlusses, 
ihm gänzlich entnommen worden. 

Geschriehen in Untrer Königlichen K.esidenzsU4t 
Kopenh^en, den aSsten Junius i8p8. , 

Fred^rie K. 

♦ ^ ♦ 



Unterm sSslen Januar 1809 wurde eine fernere An* 
ördming für die Danebrogs ^ Männer erlassen, worin 
die vorzüglichsten Rechte und Pflichten derselben nä* 
her liestimmt und erörtert werden, als solehes bereits 
iH der frühern desfallsigen hönigl. Verfügung geschehen. 
y,Wir haben, heilst es in dieser Anordnung, dem in 6 
Jahrhunderten na^kundigen Danebrog - Orden eine aus* 
gedehntere Bestimmung beigelegt und die Ehrenzei« 
eben des Ordens yerinehrt, damit diese Zeugnisse er* 
kannter treuer Anhünglichkeit und Bürger werths meh- 
rern von den verdientesten Männern im Lande tu Theil 
werden können. Denn zwar ist es Pflicht eines jeden, 
dem Staat seine Kräfte und Bestrebungen zu heiligen; 
dodi ist es .eine schöne Und der Aufmunterung würj^e^ 
Bemühung, nfiit seinen Mitbürgeni in der Ausübung die- 
ser Fflichr zu wetteifern, und* die Zufriedenheit det 
Landesvaters ist der Loh^, nach dem d^r Rechtschaf/» 
fene strebt, wtfnn er, mit dem Gddanken an das Vate;r- 
land, mehr als andere für Mitgeschlecht und Nach- 
kommenschaft wirkt, oder entflammt von «dlem, glfi- 
henden Muth, sich über seines Gleichen durch seltene 
und nfltzliche Handlungen erhebt. Es-ist Unser KönigU' 
WiU», dafs eine solche Denk- und Handelsweise, die 
den Weg zur Ritter würde für den bahnt, dessen Lage 
ihm Gelegenheit gab, im GrÖfsern für das Allgemein^ 
wohl zu arbeiten, den Zutritt ^ur Gesellschaft der Da«» 
nebrogs • Männer einem Jeden eröffnen* soll, der durch 
kluges und redliches Streben zum Wohl seiner Brüder 
und durch edle That im engem Kreise seinem Vater« 
lande genützt hat etc.<« 



\ 



JL O. B. XXVIIL Bdt. 3. f$. C c 

'iL 

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J6g 



Vermijchtt Nathriehten. 



Refultat der grojsen in Spanien und Frankreich 
angeftellten Verjuche zur Ausmejfung eines 
Meridians , hekatmt gemacht darch eine aus* 
drücklich dazu niedergefetzte CommiCCon von 
Bureau de« Longitudes. 

„Dia neue MeiTuag erftredtt fidi Ton dem Port tob 
Mont^Joujr, hei Barcelona an^ bis tu der kleinen Indl 
Formentera im Mittelländifchen Meere. Die Ausdeknuni^ 
des Bogent von dem Zeichen von Matas an , bi$ zn dem 
auf Formgnteru ift 3i5«d59 Metres. Da er ganz auf deot 
Meere fteht, fo bat man ihn auf diefe Weife gemefTea, 
dafj man eine Folge von Triangeln auf der fpanifcheu 
Küfte^ von Barcelona an, bis zum Königreich Valencia 
▼erl&ngerte, und auch die Küfte von Valencia mit den 
Infeln durch Hülfe eines uageheueru Triangels in Ve4- 
biiftung fetzte y dclTen jede Seite mehr als 160,000 Me* 
tres (82,555 Toifen) enthält. , Bei fo grofsea Entfemnn- 
gen wären die Tagzeickea natürlich unfichtbar g^ie- 
ben. Man hat daher Nachtzeichen angewendet » welche 
durch grofse Lampen mit Keflexen gebildet, imd in je* 
der Witterung vom Abend bis Morgen brennend unter» 
halten wurden. Die Winkel wurden mit einem groiseB 
Kepetitionskreife V4in Lanoir^ und mit allen möglichen 
Beglaubigumgiproben gemelTen. Die Triangulirung fieng 
im Winter 1806 an; indem in diefer Jahreszeit allein 
das Wetter klar genug war , um die gtofsen Triangel zu 
beobachten. Gegen, das Ende vom Sommer igo^ waven 
die geodelifchen-Opc^tionen fämmtlich geendigt« 

Die Breite von Formentera^ dem fü^lichfteii Punkte 
des Bogens » wurde diefen Winter durch 255S Beobach*- 
tungen des Pölarftems mit Hülfe eines Repetitions-Krei* 
fes.^ niveau fixe beftimmt, den Front in gemacht hatte. 
Die gröfste Abweichung der Hnzelnen ProgrelHoneu um 



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Virfnifxhte Nachrichten. 369 

die mi^elße unter denlellseii hdrum lieÜeHt in vier Se« 
Xagefimal- Sekunden, und zwar iß diel nur zvreimal der 
Fall* Bei den übrigen Progrellianen hingegen iA di« 
Granze der höeliftett Abweichungen zwei Sekunden« Diele 
Abweichungen, find die aMmlicheni welthe Bradley in 
Teinen Unterfuchuttgen über dUi Schwanken der Erd- 
fechle gefunden hat) indem er mit grolsen Secitoren um 
den Zenith herum beobAcihtete* Sie Icheinen von den 
Abwechslungen der Strahletibrechüng^n herzukommeUi 
die ihrtrfeitt durch die GeftaltveTänderuttgen der atmo- 
fpharifchen Lagen entfteheU* Ihre Geringfügigkeit giebt ^ 
tibrigeUf die Veirficherung» dalf die Breite» al4 K^IulUt 
deif(^mtli^en Beobachtungen» richtig iA* 

t>i^t BreiU iß iti Üecjntalgraden * c=: 42** 961^^7* 

Dit Breite von Dünkirchtn. nabh De-* 
Umhtet Beobachtungen {Hofs des Polar*, 
ßtrnt} . 4 » , » * » ==? 561 706652. 

Öi> Verjchitdenheit ^ oäef dir MerU 
iian zwifCheH Dünkirchen und Fotmen^ 
ttra ifl fonach * > » * >» JSü 13, ^44875» 

burch Hülfe dief er HeMtate kanii man das MÄtre» 
llelches uns zur Einheit in unfern Maafsen dient^ veri«* 
ficiren« Das letzte ^ unabänderlich von den franzölifclien 
Oefetzen angenommene M^tre ift =^ 443 Linien und ^^ 
der Toife von Peru^ (genommen im i^l des Gentefimar- 
Tbetinon^eters). Diele Länge ilt nach der erlten Mef« 
''üng des Meridians « Welche Midhain und Delamhre zwi<» 
Tchea Dütikitehen und Barcelona angeltellt ^ und den man 
bisher all den vierten Theil d«s Erdmeridian« in feiner 
^lliptifchen Form angenommen hat^ beltimmti Wenn 
die Erde wirklich fphärifch ift* 'fo mufste jeder Deci- 
^tUGradi oder jeder Grad überhaupt ioO;Ooo Metretf 
enthalten. Multiplicirt man nun den geme^enen Hirn- 
tn«lsbogen durch die 2abl ioo,0oo ^ fo ergiebt üoh ge*. 
*ade die Entfernung Dünkitchtn^s ton Förnientera iU 
*3?448r' 50 MÄtres» 

^tm vcniii|trt aber cüe Abpiatttuug. Att firde dietes 

C c a " 



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370 Vernii/chte Nachricht en. 

Maas ein wenig. Um diefe Abweichung tu finden, wol- 
len wir diefe Plattung zu j}^ annehmen , wie die Theo» 
rie det Mond^^s diefelbe angieht. Diefe Berechnung ift 
aber die annehmlichlte , indem fie auf 4er ganten Form 
der Erde; unabhängig ron ihren kleinen Unregelmäfsig- 
keiten, beruht , welche in der Entfernung, in der der 
Mond von ihr fteht, yerXchwinden. So findet man dann, 
dal« man 48)37 Mdtret von^ dem Bogen absieben mnOf, 
Wodurch dann als wiricliche Entfernung twifchen Düth' 
hirchen und Fmrmenttra auf der Sphlroide ttntfteht 
1374439" 13 

Nach den . Mellnngen der Triangel ift diefe Di- 
ftan* . • • == I374438»7«- 

Verfchiedenheit twifchen beiden An* 
gaben ....... =£5 , 0,41. 

Ein fo unbedeutender Verüofs auf folch einem grofsen 
Bogen il^ wirklich zum Erüaunen , denn er ift weit un- 
ter Allem» was man vernünftiger Weife den VerftoXsen 
in den Beobachtungen zufchreibeu konnte. Er hätte 
vierzig und fünfzigmal anfehnlicher fejn dürfen, ohne 
dafs dadurch in den delikatelten Operationen der Kuojt 
ein bedeutender Nachtheil entftanden wäre. Berechnet 
man die Lsinge det Metret nacb diefen Angaben ^ Xe 
findet man: 

Länge des Metre auf der Sphäre sss 443^' a8030 
VerbefTe/ungen der Plattigkeit 
4er Erde in ^ij = 0,01559 



443,29580 



Diefes Refultat weicht nur um j^ga^ Linien von dem 
Definitiv -MMre ab, welches von der erften MelTang 
«zwifchen Dünkirchen und Barcelona genommen wurd«. 
Hätte man daher, um den Umfang des Mdter't feßzn:* 
fetzen , bis zur völligen Beendigung der Operation ge- 
wartet, fo würde feine Länge um ^ztv^ Linien geringer 
geworden feyn. Aber diefe Abweichung ilt ganz unfühl- 
bar» Sie verliert fioh in den Veritofsen (^r Beobachtungf 



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Verntifchte Nachrichten. * 571 

und wcim man fie ganz genau nach diracten Maaffete 
fcHatzen wolUb, lo brauchte man tanrend Erfahruni^en 
und mit weit vollkottimnern Inftrumenten |;emacht dazu» 
als wir hahen. Solchermalsen ift allo eine Itrengere Ge* 
nanigkeit völlig täufchend oder unmöglich. Sieht man 
TOB diefer unbedeutenden Abweichung hinweg» fo ift et 
fehv erfreulich y den geletslioben Werth des M^tre^t 
durch die gante Operation lofchön beAättigt zu lehen; 
dena diele ift um lo ficherer^ da die Piattheii der Exda 
Bur um T^J^ Linie aul diele Länge £influff hat. 

Das Verh&ltnirs des M^te^t lu der Länge der So* 
biBdenpend«iit ift für die franzöfifchen Maafse fehr merk- 
wfirdig, und reichte allein zu, fie wieder zu finden, 
wenn fie je verloren giengen. Auch ift es für die Theo- 
rie der Pigur der £rde von gleichem Nutzen. Man hat 
daket die P^dul auf Formentera fehr fergfältig beob- 
achtet» Die Experimente wurden von einer Gommilfioa 
des Bureau des longitudes geprüft und kalkulirt. Es 
find ihrer zehen» und ihre Abweichungen voii der mitt- 
lera Zahl fteigen nicht zu ^^ Millimötre, oder ^twa ^ 
Liaie. Das Refultat nach der mittlem Zahl genommen, 
and von dem Ganzen abgezogen, giebt die Länge der 
Becimalfekiinden - Pendul zu Formentera , > und im 
Leeren • . • • • « « « s= 0,7412061« 

Nach der Theorie der Pigur der Erde^ 
wie fie im If. Bande der Mechanik de« 
Riaunels» zu Folge lehr genauer, von 
^ofia in Pari' angeftellter^ Verfuche an^ 
gegeben ift,^ findet man diele («än:ge • ss 0^7411445. 

Die Differenz ift alfo j^ Millimetre , oder ^ Linie, 
^nd kann wohl in der .Unregelmäfsigkeit der Erdform 
liegen. Der nämliche Verluch wurde nach Kurzem i^ 
^ordtüux und in Figtac gemacht, und hat ungefähr dat 
nämliche Refultat abgeworfen. Auch wird er in Dun* 
Kirchen auf dem nördlichen Ende des gemelTenen Bo- 
gea« , zuvor aber noch in Parisy mit demfelben Apparat, 
^et in Spanien' gedient hat, wiederholt werden. Das ge^ 



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Jfft* Vermi/chtt Nachrichfem 

fnndene HeroUat weicht von Bürde's leinem nur nq^ 
ji^ Mülimetret^ oder j^ Linie ab, Wodurch beido 
Maafse d^ Pendalu von Fpr|n«itt^rA und Pmrit beftlti^ 
^efden, 

Die AHnäberungen der Verfobiedenen Triangel an dem 
Meridian find weitere nüUltoHe Beiträge lur' Tbeorie 
4er Figur Qer ^de. M4ihain~nnd DSlßmbre batteti fie 
aof verf cbiedeiien Punkten dts 3ogent ' xwifchen Dun» 
Jiir^hen und Mantjoux beoJbacbtett GleichÄlls hat m«a 
fLut Fprmentera- den Azimu^h der.letiten Seite* des letzten 
Triangel^ ^u Fpige einer ^rof^en Menge von Sternbewc-? 
gungen^ die man du^di die li^nette meiridiennc bceb^ 
lichtete y JoeiUnimt. • ^ ^ 

s 

Nach dielen fingefiihrt«*n B-dfuHaten ergjLebt fich dem» 
nach, dafs die, in Spanien angeheilte, MffTung des Me- 
rid)a|it den Weirth des Mdtre's beftättigt, und ihm eine 
neue Ge>f^iffheit dadurch gjebt, daft er ihn ron der 
Plattheit der Erde beinahe genz unabhängig n^acfat. In- 
dem 0c}l dieles Mfaf? an den Meridian von Frankreich 
enfchliefst, bildet es einen Bogen von beinahe 14 Gna- 
den , der ii| gleicher Entfernung vom Aequator und vom 
Pole Bebt;, auf deiTen Terfchic^denen Punkten man die 
Breiten , die Atimuths , und die Abweichungen der 
Schwere beobachtel: hat , und der filfo nach feinem Uni'! 
fang, feiner (lagf und der Qeii^iuigkeit der dab^i ange- 
wendeten Mittel die fiphpnftf Operation diefev Art, wd^ 
pbe jemals gemacht worden i||, |;e|ienlit werden kann. 

(Aus dem Annuaire pn^^ent^ au gouvemexnent par 1% 
Pnrei^U de; Xong itodf • , ^our Tan 180^) 



«9nen!nnR^cni9* 



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Vermijchte Nachrichten. 



373 



Ueberßcht der Bevölkerung FrahkreieVs zu Folge 



der drei Jahre i8o6, ,?807 und igoS. 


DeparttmenU, 


BevöHte- . 
rung. 


Bauptofte 

der 

Vepartemente* 


Bevülktr, 
letzterer. 


Ain • 


297,470 


Bourg . 


7,303 


Aifne 


43a>237 


Laon • • 


4824 


Allier. • . 


254*558 


Moulint k 


.13,803 


Alpe« (hautes) 


121,52.^ 


Gap • • • 


8,598 


Alpes (bafTes) . 


144,440 


Digne 


3,3^5 


Alpef maritimet 


130,234 


Nice . 


19^641 


Apenniny • 


239,280 


Chiarari 


7,684 


Ard^che . • 


284,743 


Privas 


3,0^13 


Ardenne • • 


268,250 


M^siferet ; 


3»33o 


Arno . 


58Q,573 


Florence • 


77.677 


Anri^go , 


220,274 


Foix / . 


3,904 


Aiibe • . 


234,035 


Txoyet . 


26,702 


Att4e . * 
Aveyron* • * 


237,813 


GarcafTonne • 


14,652 


327,424 
488,603 


Rodel « 


6,445 


Boucliet du Rhdne 


MarfeiUe . . 


102,217 


Calvados # 


497,56t • 


Caen . , 


35,638 


Gtntal * 


247,024 


Aurilfac . , 


10,332 


Gliaraiite 


319,667 


Angouldme 


14,744 


Ghar, inftfrieure 


393,oii 


Sainte« ' . . 


10,300 


Che? , 


220,721 


Bourges • 


16,352 


Gonröge . 


250,384 


Tülle , 


9,051 


C6te d'Or . . ^ 


345,827 


Dijoii 


21,612 


G6te8 du Nord 


609,232 


Saint- Brieux • 


8,750 


Greuxe , 


220 407 


Gurret 


3,358 


Daire • 


232,541 


Ivr^e . 


6,660 


Dordogae 


415,992 


P^rigueux • 


6,113 


Doubf 


220,378 


Befan^on 


28,172 


Drdmo • 


248.993 ' 


Valence . 


8,057 


Dyle , . . 
Elbe (ile de) . 


426,7^8 


Bruxellet . ^ 


72,280 


11,385 


Porto - Ferrajo . 


3,034 


Eicaut 


636,364 


Gand 


57,329 


Eure 


4H>^l 


Bvreux • « 


9,238 


Eure*et-Loir • 


259,898 


Chartret 


13,009 


Pinist^re 


446,895. 


Gimper 


6,639 


Por^t« 


243,810 


Luxembourg , 


9,320 


Gard , , 


315^778 


Nimet • • 


38,955 


Garomie , 


363,3,^2 


Touloufe ' . 


51,20^ 


öönea . 


395,756 


G(;n^t « 


75^861 


Gert . 


282,014 


Auch 


8,798 


Oironde • 


506,244 


Bordeaux: • « 


99.896 


Gelö / . , 


108,040 


ßaftia « • . 


7,626 


Hertult . . 


296,450 


Montpellier 


32,814 


I»e tt Vilaine . 


. 501,668 


Renne s • 


28,601 



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374 



Vermijchte If achrichten. 



D.eparterAentt. 


Bevölke- 
rung, 


Haitptorte 

der 

Departements. 


Bevölker, 
letzterer. 


Indre 


201,533 


Chateauroux 


8,423 


Indre-et-Loire • 


870,106 


Tours 


21,196 


Isfere . 


462,266 


Grenoble • i • 


ar,350 


Jemmape 


467,347 


Mons 


31,900 


Jura . . . 


292,883 


Lons-le-Saulnier 


7,074 


Lan^i • 


234,782 


Mont de Marfan 


4,514 


L^man • • 


207,272 


Oenhve 


22,055 


Liamone 


59,742 


Ajaccio . . . 


6,846 


Loire, 


3I0;754 


'Montbrifon 


5,218 


Loir-et-Cher . 


213,482 


Blois 


13,054 
12,069 


Loire (haute) • 


263,665 


Le Puy 


Loire-in ftfrieure* 


394,790 


Nantes • • 


75,128 


Loiret . 


280,093 


Orleans 


41,948 


Lot . 


261,347 


Cahors • 


11,036 


Lotet>Garonfie 


320,377 


Agen . 


10,746 


Loiör^ • 


i;i,322 


Meude • • 


5.752 


Lyt . , . 

Maine-et-Loire 


484,702 


Bruges • • | 


32,990 


401,223 


Angers » 


28,927 


Manche . 


666,726 


Saint Lo • 


7,387 


Marengo • 


3^5.313 


ANzandrie S • 


35,216 


Marne i 


303,132 


Chalons • • 


10,78» 


Marne (haute) 


231,455 


dhaumont . t 


5,872 


Mayenne . 


330,033 


Laval . 


IS008 


Möditerran^e 


308,017 


Livourne • 


5Q:549 


Meurtlio 


356i535 


Nancy . ^ 


29,628 


Mense 


276,607 


BarSur-Oraain 


9,803 


Meute iiif^rieure 


» 


Maeftricht 


18,41 1 


Mont-Bl^c . 


Ohamberj 


11,768 


Montenotte 


288,330 


Savone . • *. 


10,664 


Mont-Tonnerre 


429,161 


Mayenoe . • 


23, 67^ 


Morbihan « 


393,368 


Vannes • 


10,605 


Mos eile 


376,261 


Metz 


35,260 


N^thes (Deuz) 


281,801 


Anvers' . , 


59,035 


Nifevrc 


' 227,953 


Nevers • 


11,878 


Nord 


820,522 


Ulle . 


59,724 


Oiso , 


372,130 


Beauvait 


6,176 


Ombrone. 


156,113 


Sienne 


23>882 


Orne . , • 


4x4,909 


Alencon • 


12,838 


Ourthe "* 


348,707 


Liöge , . . 


45.415 


Pas de-Calats . 


559,984 


Arras 


18,872 


Pd . . . 


391,515 


Turin 


66,781 


Puy-de-Donte • 


533,722 
190,466 


GleritLont Ferrat 


3o>379 


Pyr^ndet, hautet 


Tarbes . 


7,849 


Pyr^n^es, balTes 


379,223 


Pau ♦ 


89993 


Pyr^u^es oriental. 


^25,230 


Perpignai^ 


12,301 


Khio , haut . 


404,018 


Colmar . • , 


14» 115 



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Vermifohie Nac,hrickten. 



3?5 



Dtpartements. 


Bevölke^ 


Hauptorte 
der 


Bevölker, 
letzterer» 




Departement», 




Rhin, bas 


448,660 


Strasbourg 


4^.902- 


K^in et chofell» 


246,840 


Goblenz 


10,507 


aii6oe • 


335>"3 
624,240 


Lyon 


100,04 [ 


Roer . • . 


Alz la Chapclle 


27.164 


Sambre et Meuse 


178,568 


Namur 


. 15)997 


Saone, haute 


292»I22 


Vefoul . . 


, 5>448 


Saone et Loire 


463,782 


Macon 


10,438 


Sarre 


271,573 


Trfe^es . 


13,546^ 


Sarthe 


40A,847 


Mant • • , 


18^535 


Seine . 


671*937' 


Paris 


58o>6o9 


Seine inf^rieure 


625,521 


Kouea 


81,098 
6,6gö 


Seine et Marne 


295»6i3 


M^lun ^. 


Seine et Oise . 


419,980 


Verfailles. . ^ . 


26>o37 


Sefia . . 


200,915 


Verceil , 


15^870 


S^vret, deux . 


250,633 


Niort . . 


I4>5i6 


Somme • 


420,496 


Amient . 


39»344 


Stura . 


Goni . ^ 


16,724 


Tarn . . 


291,194 


Alby . . 


9,806 


Tarn et Garonne 


226,523 


Montauban 


23,436 


Taro . . . 


368,088 


Parme . 


30,138 


Var . . 


277,929 


Draguignan 


7,862 


^anclufe • 


202,216 


Avignon 


23,211 


Vendtfe . . 


266,851 


Napoleon • 


850 


Vicnne 


248,580 


Poitiers 


2I,T24 


Vionne, haute 


236,255 


Limoget • 4 
Epinal . 


21,025 


Vofges • 


325»883 


7,520 


Yonne . * , 


318,584 


Auxerre • 


11,295 



Die Bevölkerung von ganz Frankreich ift^ nach den 
Sprachen der Bewohner abgetheilt, folgende: 

Die die franzöfifche Sprache reden • 28,126,000 

JDie itnlienilche . . « « 4,079,000 

Die teutfehe • • • . • 2,705,000 

Die flamändifche / . . • • 2,277,000 

l}ie langtte bretonne • • • 967,000 

Die baskifche . . • • ^ . 108,000 , 

Zufanunen: . . . . 38,262,600 

oder noch genauer nach der Bevölkerung 

der Departemente . * . . . 38,262,440 



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376 Vermischte Nachrichten. 

m 

Nachricht . von Thadd. Häncke und feinen 
geographifchen Far/chungen in Südamerika. 

(Ans dtn N. Aimalen der Literatur ä6* Oefteireichilchea 
• Kailerthumf. Norbr. i8o6.) 

Zu den univerralhiAdrifchen Merkwürdigkeiten der 
to merkwürdigen andern Hälfte des i8ten J^hrhnnderti 
gehört wohl auch, dar$ der im igten Jahrhundert ent- 
ftandene Entdeckungtgeüt in feiner ToUften Kraft wieder 
•rwachte. Wer ken^t nicht Männer, wie iVT/^^u/ir, Thuri' 
her^^ Pallas f ^ruce, Jones, Philipp, SavQry, Anqutül^ 
Volney, U Vnillant, Sannerat und noch viele andere, 
dieffaft zu gleicher ^eit nur eita Trieb su befeelen rchien, 
die Mühfeligkeiten des Forfcheramtet *cu tragen und» 
wie Georg Forßet: richiig bemerkt, die fchönften Jahre 
ihre? l^eUent in entfernten Weltthailen, unter uugewohn« 
ten HimmeUftrichen und bei fremden Völkern luzubrin« 
gen- Die Britten Byron ^ Wallis und Carttret ^ unter- 
nahmen fchnell nach einander ihre Keifen um die Welt; 
der Franzofe BougainviUe wagte (ich zu gleicher Zeit ia 
unbekannte Meere, und der gröffte Pilote Cook, eine 
glänzende Epoche in der Gefchichte der Entdeckungen, 
wiederholte drei Mal feine Entdeckungsreifen , derea 
Opfer er endlich wurde. *) Man war fohon gen^^igt ta 
glauben, dafs allen ferneren Entdeckungen» weni'gften& 
in der Südfae, durch diefen grofsen Mann , ein Ziel ge-. 
fetzt, worden wäre^ alt die Reifen eine$ Pellew, PFhite, 
King und Mehrerer b.ewiefen, welche fchöne Nachlefe 
noch tu machen fej. Catharine machte uns mit dem 
nördlichen i^^ri bekannt, \ind auch Spanien ^ das feit 
^endanna und Quiros keiner vorzüglichen Entdecker 
. fich rüVnen konnte, fondern das mit feinen weitläuü« 
gen BefLtzun^en zufrieden m feyn fchien, liefs im Jahre 



♦) So. wie höchft wabrlchcinÜch leider aucl\ La Peyrouje^ 
der oben vergeXTen ift. 



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Vermifehie Nachrichten. 377 

1789 am 3öi Julius 2wei ScLiffe la Dtstubiirta (die Ent« 
deckerin) und 0I Sntil (der Schlaue) unter den Befehlen 
4tr Gapitäne I>en Alexander Mala^pina und Don Jo£eph 

. de Baftamente ~au9 d^m Haven ron Cadiz in der Ahfioht 
auslaufen, um die E^ntdeckungen d«r Engländer und 
Pran^ofen su berichtigen und fortzufetzen. ^ wie mit 
Cwkf auf deüeii erfter Reife der würdige JSon^j- und Dr« 
Solander y und auf der zweiten beide Forfier und Spar^ 
mann reifeten« fo fegelte auch mit J^alospina ein junger 
IdAmi/b^ir Gelehrter ThaddHus Hnknke aus dem Flek- 
ken Kreyhitz^ im Leutmerisef' Kreife gebürtig, der 
Freunde und Verwandte verlief s, die-AusEcht auf ein 

»irönrolles Amt in feinem Vatei^lande aufgab , und ^fich 
flen zahlreichen und unzertrennlieken > Gefahren un4 
Mühfeligkeiten einer Reif e um du Welt mit frohem ftfu«, 
the unterwarf I den aber auch blofs die Liebe für die 
Wiirenrchaften erwecken, und' die heifse Begier4e, et« 
Was zum Wohl der Nationen unter feuiem Himmels« 
Itricbe, tlurch feine Kenntni^Te beizutragen, in dem Her« 
teil edler Menfchcn befeftigen konnte; Denn dadurch 
iuitezfcheiden*4ch die ^Entdecker des :r8ten Jahrhupderta 
von denen des I5ten , dafs jene nicht, wie 'diefe, blojts 
unbändiger Durlt nach Gold oder Eroberungsf ucht , 'fon* 
^rn zum Theil auch Liebe zu der Menfohheit und £n- 
thußasmus füt 4ie WüTenfchaften in f^rne Ai^eejre hin« 
Wtrjeb^ *) , * 

Dlß erAo Gefchäft diefer neuen Eeilbnden Wat , die 
genaueiten ^ee« und Küfi^neharten von Kio Ü€ la Plata 
l>is ans Kap ffom^ und von da bis an die nördliche 
J^efiküße yon Amerika aufzunehmen. Unter niancherM 
Gefahren ToUzegen iie ihre(|i i^jften Auftrag, fuchteil 
innfönft eine purch|ahrt in das A$lanti/ch^ Meer" an der 
>>ordweQlichen ^üfte yon Amerika im 59,, 60, Und 61. 
Grade, er^nn^a den Irrthum ihres Landsmannes Mal* 
donad0^ eines alten fpani^flien Seefahrers, und giengea 
dann i^n soften Septbr, 1791 ron Acäpulco aus, unter 



"*) Aueh der wü;^di|(e A* von Bumioldt mufs hier genannt 
werden. DB. 

■m 



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d7^ ^«rmiy^Ät« Nachrichten. 

^egel. Sie machten eine fehr glüeklicfie und fcinielle 
Reife duroh da» ßilU Meer nach den Marianifchen Ta- 
feln» auf den^n &e^ um ein«|*e Erfrifohungen einxnneh« 
men, wenige Tage verweilten. Eben fo fehnell erreichr 
ten lie den Archij^lagu» der Philippinifchen Infeln durch 
die Meerenge San Bernardinoy und lieften''am 27. Marx 
.1792 in der gereumigeti Bai von Manilla die Anker fal* 
len; Die KorwotieAirevida (die Kühne) ^ die (ich zu ih- 
nen geXellt hatte ^ gieng von hier aus im Anfange d^ 
April iiach Can^n; v cm woher He am 20(ten IVlai zurucle- 
kehrte. Wie fehr bedauerte Kaenfce/ dars>die8 Loo» die 
Ptscubitrtn nicht traf, ein Umftand, der feinifr Wifsbe* 
fierde die fchöne und feheue Gelegenheit verfchitfEt ha- 
lben wurde, den Sammelplats eurogpäifcher und oftindi* 
Xctrer Handlung tu fehen. — Die Zurückgebliebenen 
waren indeHen nickt müfsig. Die Desc<^bierta umlief 
e9ne|% gröTien Thetl der I^ fei Luzojiy um. die Küfte und 
ihre;*verrchiedeheu Häven aufzunehmen^ Hatnke und 
hiu Freund Pineda^ Aftronom und zugleich Naturfer- 
fohar, theilten Geh gleichfalls, um noch verfchiedene 
^entferntere Provinzen bis zu Ende der trockenen Jahres* 
zeit dtirchzureifen ^ und ihre Schätze aus den Reiches 
der Natur zu vermehren. Pinedn gieng nach der grofsen 
See- Hai f und von da nach der Provinz Cagaian» Haenke 
hingegen retfete nach dem aufserilen Norden der f nfel 
120 Meilen (leguas) von Manilla in die Provinzen Illof 
cosf Pangaßnan und Pompanga. Diefe Keife war für 
ihn befchwerlicher y als ^le vorhergehenden zufanimen 
genommei^^ da er die Sonne zwei ganze Monate faft täg- 
lich über dem Scheiti^lpunkte hatte; dadurch wurde auch 
die Grundfefte feiner Gefundheit. gänzlich erfchüttert, 
Vnd ^ fiircbtet, . dals fie es auch bis an fein Grab blei* 
ben durfte. Doch die reiche Auebeute,, die e^ im Fache 
der NatUrgefchichte machte, lief» ihm alle die Leiden 
vergelTen, und die gröfsten Mühfeligheiten mit achtem 
Heldenmuthe ertragen^ Oegj^ Ende desi Mo-nat^ Junius 
kam er wieder in Mamlla ,9.n, da die Jä^enzeit fchon 
mit aller Macht ihren Anfang ' genommen hatte. Die 
ganze Gefellfchaft erwarti^te ftündlich die Ankunft ihres 
Fr^undes^ Pineda mit der grollten Sehnfuchtj^ dach -^ 



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V^rmifchte Nachrichten» 379 

▼«rgebens ; denn bald hörte man die lo traurige Nach* 
rieht, daft dlefer fo hoifnungsvolle, fo gelehrte Mann, 
der S^oIb feiner Freunde und eine Zierde seines Vater« 
landeSy das Opfer feiner heifsen Li#be zu den WilTen«- 
fchaften geworden fey. Die Kräfte diefea Edeln erlagen 
reinem Willen; er ßarb den 2liten Junius in einem ent* 
f«riiten Orte, £ac^o6 genannt, in der Provinz Itloe^s an 
einer hitzigen Krankheit, welche die ununterbrochenen 
Anftreagungen diefet neuen Unternehmung und di« leu" 
genden SonnenArahlen ihm zugezogen hatten. 

Seine, erfchötterten Freunde trauerten mit wahrer 
Rfihrung um ihren Freund und Keifegefährten , und 
liefsen ihm unweit ßHanilla in einem reizenden Garten 
•in Denkmal errichten , das fein Freund HaehkS^ dev 
Tielleicht leinen Tod am« tiefften fühlte, und den Ver- 
luft am meiden fchätzen konnte, den die gelehrte Welt 
an ihm erlitt, mit einer lateinifchen Grabfchrift zitote. 

Die Gefellfchaft hatte lieh kaum von dem Schmerze, 
den diefer Verinft ihr zuzog, erholet, als &q mit einem 
s«>ch gröfseren Verlufte bedrohet ward. Auch Malas^ 
fina^ ein fo grofser Verehrer und Befchützer eines je- 
den Zweiges der WifTenlchaften und ein grofsmüthiger 
Freun^ unfers Hainke ^ war nicht verfchont geblieben; 
auch ihm hatte die Sonnenhitze, noch mehr abe^ feine 
anhaltenden Kopfarbeiten, eine Art von Kopffchwäche 
sugezo|^n, die bald in Apoplexie übergegangen wMre* 
Doch d^e Kräfte der Natur und wohlgebrauchte Hei* 
luntfsmittel retteten den Chef der Escadre ; die ganze 
Gefellfchaft ward nun mit neuem Muthe |>efeelt, und 
bereitete (ich , ihre Unternehmungen fortzufetzen. Un* 
fere Reifenden glaubten zwifchen dem i5ten und 20ften 
Itlovember wieder unter Segel gehen zu kennen. Anftatt 
aber jetien Abfchnitt, der ihnen zu einer Reife um die 
Welt noch übrig blieb, und der Überdies durch mehr 
bekannie Ge^senden gieng, zu endigei|, foUten lie^ Kraft 
ihrer Vorfchriften , auf einem unendlich längern Wege 
wieder nach der Küite von Amerika zurückkehren, und 
awar luerlt an die weftiiche ILüSüm von N0uh9llan4, 



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39a Vermijchte Nachrichteü. 

durcli die Meftreiige ^2/ nach der Botany^Baiy datffl 
Baek Ntu • CaUdonien y von da nach O • Tahiti , und 
da»n etft nach dea Häveu ron Conaption in Chili f deA 
£Bd« ihtet Reite« 

Bi^s waren die tetzitti Naclirichteil ^ die HaenktU 
freunde von ihm erhielten« Malaspina endigte feine 
fteiXe» und ward hald nach feiner Ankunft in Europa^ 
lammt f lleü Ofßeieren feiner Equipage gefangen' geletzt^ 
Bui Gründen» die fick h^chfteul muthiiiaff en ^ doch 
V nicht mit Oewifftheit angeben lalTen* Uaenhe- war nicht 
sui^ckgekommen ^ keine Nachricht war Unter diefea 
Umftünden von feinen Reifegefährten tu ethaltön , nnd 
f^hon fürchteten mehrere feiner Freunde in Teutfchland^ 
daff er wohl ein Opfer diefei^ Reife od^r des amerika» 
nifchen Klima'« gewv^tden wäre, und ein gtei^es Schick« 
fall wie fein Freund Pineda gehabt haben konnte ^ al« 
€• ihnen durch unermüdetes Nachforfohen gelange die 
ficherften Nachrichten von ihm einzuziehen^ 

ttaenke wat 9ini Malaspina*s Befehl iu Lima tatvick^ 
gehlieben, mit dem Auftrage ^ lieh hier nicht allein deat 
Studium der Naturgefchichte zu widmen ^ fondern fick 
vorzüglich durch Unterfuchungen für das aligemeine 
W«kl ftU verwenden« Er entfchlöfs fich daher dai ftßg 
land von Südam$rikä lu dutchfchi^eiden, in jedem Otte^ 
wo es nöthig wäife, durch l'cine KenntnüTe den Untere 
tkanen des. Kdnigs beisulleheni'bis er auf diefe J^ nach 
Buen^i * Ayrt^ f dem Ziele feiner Waiiderfc&aft gelanget 
würde« Die Reife würde jedoeh für ihn grdfstentheüs 
nutzloa gewefen feyn ^ Wenn er den gewöhnlichen Weg 
in gerader Linie ^ Wie die Poft^ genommen hätte« Denn 
die unintereHfanteften und UUfruchtbatften Gegendcm auf 
dem ganzen feil^ Lande fi|id die von Lima und CardiU 
Ittdf auf delTen Ebenen der Weg von Lima bis Jutvi 
immer einförmig, fowohl in Kückficht feiner Etl^g- 
nüle« als feines Klima's^ fortläuft. Er führt nämlich 
über die unüberfehbaren Wiefen , auf welchen das Gras 
iHi Cur Mannshöhe «nwächß, und worin kleihe Haufen 
Indfiner fick verbergen , die die Vorüberreifenden hau« 



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VMrmifchte Nachrichten. jgi 

fig ^berfftllen , deswegen die köBlglichen Gjiinriere pde^^ ' 
die Poll auch nie allein , Tondem immer in kleinen Ka- 
rawanen auf diefem Wege ihre Reife antreten. Doch. 
EoKfik^ machte ^p iich fo angenehm^ Und in Jeder K±% 
TOD Beobachtungen fo fruchtbar | alt es ihm möglich 
war; da er den fchöniten Seitenwegen der Hauptftrafse 
folgte, die £ch bald gegen die Seeküfte, bald gegen die 
eßlich liegenden Gebirge hin erßrecken, welche hier 
fo weitläufig find, dafs i^ie bis an die CordilUras grÄn- 
>«n. Alle diefe Wege führten unfern Haenke und fein. 
kleines Gefolge in Gegenden, die die koßbarften Schätse 
auf allen Reichen der Natur, vorzüglich e\iie uiUndlU^ 
«is Menge von Pflanzen und ThUren enthielten. Seinen^ 
Vorfchriften gemäfs konnte er jedoch nicht fo lange in 
diefen Gegenden verweilen, als es ihm fein. Forfchungs^ 
geiß wütiichen liefst er eilte dalfter feinen wichtigeren 
BefHinmungen entgegen, und zwar Xo fchnell, dafs di« 
Amerikaner felbft nicht begriffen, wje der unermfideta 
Böhme in fo kurzer Zeit Provinzen befuchen konnte, 
die von ei;nander fo weit entlegen find. Sobald er daa 
Vice- Königreich von Buenos- Ayrei betrat, vermehrten 
fich auch f^ine Gefchäfte; die lutendanten waren dnrch 
«ien Vice -König von feiner Ankunft im Voraus unter« 
Hebtet , und es gab nun keine Stelle (Intendencia) , die 
ihn nicht ~mit Anfragen und Bitten um Ünterfttch^Qgen^ 
und Berichtigungen überhäuft hätte. Gegen Ende des 
Monats Jnnius 1794 gittng er auf wiederholtes und drin« 
geadet Anfuchen des Intendanten von la Paz , des Don 
Antonio C^ellat, zur Unterfuchung des Co berühmten 
Golderzes von Tipuani ab« 

Diefer Ort ift fo ungefnnd und öd« f wie ei wenig« 
Gegenden auf dem feften Lände giebt« Bei diefer Ge« 
legenheit ergänzte er einen grofsen Theil der Chart« 
Tom Ses CAugtttto, auch Titicaea genünnt, und von der 
Provinz Barecafe, fammt dem Gebirge bei Tipuani. Das 
Golderz y das äofserft fchwer iÄ, findet man am Ufer 
«ines FlufTes, der fchon mit kleinen Flöfsen fchiffbar ift 
und mit dem Fluffe BepX vereinigt in die Provinz Majos 
hinabfli«Iit« Wi« hätf Hamko wohl «in« 0elcg«nh«it 



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jSd ^yermi/ehte Nachrichten. 

kStinen vorfibergehen laTTen, .und eine Schiffalirt aiif<^ 
nejti fo grofsen und faft bis heut za Tage unbekanntesr 
FluITe nicht auch verflicht haben ^ um eine Prorins sa 
befuchen, die fo berühmt wegen der, Gefchicklichkeit 
ihrer Bewohner und der Fruchtbarkeit ihres Bodens Ukl 
Der FIuTs Beni brachte die Reifenden alfo mit der gröfi« 
ten Schnelligkeit bis zu dem erften VÖlkerßamme der 
Könige von Majos. Es gab* zwar neue Unbequemlich- 
keiten lu begehen ^ es gab neue Gefahren zu überwin- 
den, aber reichlich lohnten unferm Wanderer dafür 
feine hier erworbenen . KenntnilTe und eine Special* 
Charta von den FlüHen Beni und Mapiri , der nicht we« 
nig zu zämen ichien» dafs Sterbliche es wagen kona« 
ten, ihn mit den kleinflen Flöfsen zu beüahren« 

Von da wanderteir Haenhe durch fehr weitliuftige 
Gefilde längs dem Ufer eines andern noch unbekannte 
FlulTes, Yakuma genannt, bis an das Ufer des FluITef 
Matnorty der nach feiner Vereinigung mit dem Btni dem 
Flufs Maderm bildet, jund iich in den Amazonen^ Strmm 
ergiefst. Welche Reicht^ümer bot nicht die Natur ei- 
nem fo aufmerkfamen Beobachter wie Haenhe y. in diefer 
Landfchaft dar? Wie vieler Fifche und Thiere bemäch- 
tigte er lieh nicht? Mit welcher. Menge voll majeftäti- 
fehen Palmen fchien nicht das %and wie überfüet za 
feyn ?' — War jedoch der Eintritt in diefe Provinz muh- 
"fam und gefahrvoll, fo war es um fo mehr der Austritt 
aus derfelben. Die Gefellfchaft war genöthigt, ihra 
Schiffahrt auf den reifsenden FlüiTen Mamor^ und iUe« 
grande^ auf kleinen Flöfsen, beim Anfange der Regen« 
zeit, und ohne irgend ein Obdach mit ihren Sammlun- 
gen fortsufetzenr So hart auch alle diefe Mühfeligkei- 
ten , die fich kaum Jemand vorllellen wird , aufser dem, 
der unter dem amerikanifchen Himmel nur einige dieUx 
Plagen ertragen hat, auf Haenke ^ der fchon durch fein« 
vorigen Reifen gefch wacht war, zufammeu üürmten, £» 
troUte /er ihnen doch allen , in fofern iie nur feine Per» 
Ion- trafen , dafs aber diefe Umitände vereinigt ihm die 
▼ollftändigfte und fchönile Sammlung von Vögeln nad 
andern Thieren » die man jemals in diefem iiande batte^ 

dir 



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Vermifcht^ JNßkch rieht 0m. \ 983 

ÜB Frucht fo .gro(f«r Nadifeirfchuiigen und AnlWengai»» 
gen raubten, das koniite det Gelehrte nicht ertragen, 
und hrach immer in laute, doch gewÜJ gerechte Klagen 
auc, Xo oft er Xeinen Freunden die traurige Lage Ichil- 
derte , in der er fich auf diefer AeiXe befand. — 

/ 

Unger alt einen Monat muXsten unXere KeiXendea 
mit d^n gröXsten ^angel kämpfen, waren öfter» in dev 
augenXc^einlichften Gefahr, von den Wellen verXchlun*- 
geo, und von herumftreifenden Indianern oder wilden 
Tbieren getödtet zu werden^ nur die Standhaftigkeit der 
ganxea GeXellXchaft und auch manchmal ein günliiget 
filick de« Glücke! , dat dem Kühnen zuweilen durch die 
Xchwarxen ^Regenwolken Kuzulttcheln Xchien , waren ha 
^Uade ihnen/ das Leben tu retten. Gegen dat Ende dea 
Jahree 1794 kamen fie endlich zu Sta; Cruz dt la Sierra 
(Sainte Croix anx montagnea) an and eilten, ohne fich 
bicr ^ur ein wenig Ton djen überitandenen MühXeligkei» 
teä der gefahrvollen KeiXe zu erholen , über Thuqui/aca 
nach Fotvß^ wo Ge gegen dat Ende det Monatt Mai an-» 
langten, gleich zerrüttet an Körper und Seele, vorzüg* 
lieh wegen dee plötzlichen \VechXels der h^iXteften und 
^«Iteften Klimata und unfähg für jede Geüteabe^chäfti* 
gang, Xo wie für die gerin^ite körperliche Anftrengung 
in ^en erften T^en nach ihrer Ankunft« Doch lange 
^he war nicht Haenke^s I^oot; neue Arbeiten erwarte*- . 
tea ihn wieder ^ und ehe er Heb völlig erholen konnt<i^ 
Ward er mit den wichti^ften und .beXchwerlichiten Auf- 
trägen tiberhäuft , theilf von dem königlichen Gerichtt- 
We (Audienoia) in Thufutfaca^ theiltvon dem Inten* 
danten in F^toß^ Dot Francisco Paula Sanz^ feinem 
^ften und edelften Freunde ui|d Gönner, denp er die 
gröXften UnterHützuqgen auf feiner ganzen weit autge^ 
dehnten ReiXe verdankte. Bald darauf erhielt Haenkt 
wieder ein $chreibea, noch unter dem Datum det vori« 
f«i Jährt, vom Tice * König vpn Buenos - Jy res ^ der 
ikin clie Unter Xuclung efnet Queckßlberbergwerks in der 
^ovinz Paria.^ de etliche 80 Meilen (leguat) von Potoß 
aatfernt ift, auf das nachdrtickltcbite auftrug« ^ Mit die« 
'•r für Spanien Xo wichtigen UnterXuchung auf dat #i* 
^* O. E. XXVIIL Ms. 3. Ä. D 4 



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g84 Wermifdhte Nmchrichten. 

frigfte l>«rc]iMftigt « erhielt Haenkc ron dem It^niflicIieB 
Kohen OericKtthofe in la Plata den rdhon am 28fteB Fe- - 
bruar ausgefertigten Befehl , nacih Thuquifaca inrück««- 
kehren. Di^ Provinzen ChÜquitos nni Majcs l«ideir^ Man- 
gel an SulZf nnd beliehen diefes fo nothwendige Eneag« 
nift aus der Provinz Tkuqui/aca, doch mit grofsen Ke- 
lten, die zum Theil der königliche -Schatz, lum Theil 
die Einwohner tragen mfilfen. In der Prorini Gi^uUt 
* giebt et jedoch grofse Salzquellen , die von fern dea 
Anblick einer Winterlandfchaft im Norden gewähren. 
DiB Oberflä^che des Waflert ift mit einer itarken Stli- 
rinde bedeckt, die von der Sonne befchienen, ganz d«f 
Anstehen eines frifch gefallenen Schnees ^iebt ; alle 
Pflanzen und Bäume rund um diefe Salileen itt einer 
sSemlichen Entfernung werden glefchfalls mit diefer 
Salzrinde übertogen , da die Sonne dos von den Regei» 
gtilfen aufgelöfte Salt mit den Fenchtigkeften in die 
Hdhe zieht, die sum "^heil na dfm'BInmen hängen hlei- 
l>en, wo ßch das Salz kryftalHfirt, und fo den Baaa»n 
in einem Lande, dae nWht weiter als 2Ö Grad von dem 
Aequator entfernt iit, eine' Aehnlichkeit mit denen im 
kalten Norden zur Winteüzeit verfcjiafft. Diefe Salz-, 
Xeen foilte Haenke nnn naoh dem Befehle des konigli- 
chea hohen Gerichtshofes uaterfuehen. Er eilte nun ia 
die Provinz GiquitWy, feiner neuen Be^immtfng entge- 
gen , und fand das Salz grdfstentheili gut, nur mit ei- 
nem fremden vermifcht, fo öij's deffen Gennfs Bauck- 
grimmen und Ausleernngen erzeugt. Doch hegt Haenh» 
die gröfste Hoffnung es geniefsUr su machen. Gelingt 
ihm diefes Unternehmen, fo eihält nicht nur die Pre- 
vinz Giquitos ^nen Ueberflufs ab Salz, fondern. dtefes 
'Xand kann auch die Provinzen üfajcrx und Sta, Crus reick* 
lieh und wohlfeil damit verfehen, — In der Gegend 
von Poteß giebt es eine grofse ^^ge VMirtner- miner^ 
ji/cÄer Quellen, deren Nutzen'^edock* unbekannt ift. Als 
die Bewohner diefer istadt fkhen, dah lieh Hosn^e'niekt 
allein dem Willen der hohen Gerichtshöfe mit tlem 
gröfsten Eifer füge', fondern auch dW Wünfche jeder 
einzelnen Bürger, die fich Raths bei iltm erholten, mit 
der nämlichen Bereitwilligkeit in erfüllen trachte, lo 



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Ve^rfhijchte Nachrichten; ^fl$ 

«ffttclit^n fie ihn glolclifailt, diere Xriwäffer xu nnträCn- 
dieiiy'und eine BefcHreibung di^Ton «u mmclien. 

So war die Lag« uiiferes Haeiik^ bii «ur Hälfte d«t 
Jährt 1795 1>elchftffen; und in ihr liegen die Urfaehen 
feiner ^perxögerten Ankunft in Eurt^pm. Neueivt Nach- 
richten 9 vom Abbate CavanilUs eingezogen y melden, 
dafs er lieh gegen dai Ende de« Jahres 1796 nach imnur 
in Potofi befunden habe, ftats raftlot belehaftigt, fo wie. 
^ir ihn gefehen haben, mit dem allgemeinen Beßen der 
Ikoiüglichen Unterthanen, und den ftell der ^übrigen Zeit 
dem Studium der Natur , oder alt praktifcher Arzt den 
laidenden Kranken wiedmend« 

So rechtfertigt Haenke auf eine für ihn fo rfibmllolie 
Art das Zutrauen, das der König von Spanien Und fein 
Minifterium in einen Ausländer fetzten. Er fand die 
<Teiegenheit, feine ausgebreiteten KenntnilTe Tor den Au- 
gen weitläuftiger Provinzen zu entwickeln, und er that 
^s auf eine Art , die zugleich der befte Bürge für fein 
•«dies Hers ift. Wir -dürfen daher mit Zuverficht Von 
^em Edelmuthe der fpanifchen Regierqng hoffen, daff 
Haenke bei feiner Ankunft in Europa ^ Hie königlichen^ 
GunilhezeUgungen länger geniefsen werde , . als fie Cein^ 
dLandtleute, die beiden Forfter in London genoITen. Dafs 
"hit diChin Hygiea unfers Haen^e^/ holde Freundin bleibe, 
wird wohl jeder Weltbürger aus ganzem Herten mitwün«; 
fchen; denn fein Tod wäre gewifs ein grofser Verluft 
für die gelehrte Welt. Ein Theil feiner Pßanzenfamm- 
lungy die Frucht der erlten Hälfte feiner grofsen Reife, 
und die aus fünf Kiften beliebt, welche er -in Manilla 
zurückgelafTen hatte, iü glücklich in Cadiz angelangt. 
Seit diefer Zeit find noch mehrere Kiüen mit feinen ge- 
rammelten Schätzen aus Amerika angekommen; doch die 
wichtigften pbyfikalifchen und naturhiftorifchen Entdek-' 
hungen können wir erll nach feiner Ankunft in Europa 
von ihm erwarten. Gewifs würden auch feine in der 
Erdbefchreibuug und Völkerkunde mit fo grofsem Fleifse 
gemachten Beobacbtungen der Welt ebeu fo nützlich 
als willkommen feyn, befonders wenn Spanien^ Staats- 



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I 
Ptrmijchte Naehricht^m 

Ungheit ilim nicht Verbietet, die Lückeir ia der Geoffm* 
phie von. Südamerika anttufülleii. Wir mülTeii des Befte 
lio£Peii, und ttni indeffen damit trÖßen, dafi Spaniens 
Kej^ei^ung jeitt tu aufklärt ift, um nicht einznXelieBy 
dalt die Staati § rundlätze - der Philippe fich nicht mahc 
für den Anftng da« I9tea Jahrhnaderia Xchicken. *) 



*)"• Schon Vor feinet ^Reite nath Südamerika bat fich Httr 
Mänke der europiifchen feiehrten Welt ali ein aufmerk» 
Xamer und erfahrener Botaniker durch leine botanifchea 
Beobachtungen aaf der 1786 yon der böhmilcfaen GeXelL« 
Ichaft der WilTenlchafteli ▼eranlafsten Keile nach deia 
böhmifchen Ricfeng^birge rühmlich bekannt gemacht; 
nnd man hat Heb vorzüglich auch fOr PflanzenkiuKde .vea 
-delTen künftigen Keifeberichten gewiXs fehr viel zu ver- 
Iprechen« — Hr^ d'Azara , mit delTen Reifer efultaten -mit 
in einem der nächlten Hefte unfere Lefer bekannt machen 
wei-den , hat knrz Vor feiner Abl^eife atis Südiunerika eift« 
JLbfehrift von einer fchrifdichen Abhandlung des Herra 
Jiänke über die Haturgefchichte der Provinz Cochdbemba 
und der angränzenden Länder für Cch beforgen laUen und 
hat folcha feinem Werke als Anhang beigefügt. Was da- 
von in das F^ch der Geographie einfchlägt, Werden ^wit 
dann ebenfalls ausheben ; der gröftere Theil jener HunhU- 
fchen Abhandlung, welche bisher .blot in den Hfindea 
einiger Perfonen der Südamerikanifchen Regierung zu 
Buenos jtires fich befand, Ve'rbteitet fich aber vorzüglich 
über Mineralfubltanzen Und deren Benutzung zu Salxett 
«ind Säuren, über die Wolle, von der Figogna und dem 
AlpactLy fo wie über vTichtiga HandeUartikel aus des 
Pflanzenreiche jener Provinz. 

t. H. 



INHAW. 



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INHALT. 



. Ahh/ind lungert. Seite 

' * • ' _ • 

J. Ueber die Geographifche Literatur, ihren gegen^ 
wärtigen Umfange und ihre noch auszufüllenden 
Lücken. . . . ' • . . . . . 955 
' a. Ueber die neueAe Kunde von Perfien. . . 276 

Bücher'» Recenfionen. 

1. Ebel , öbet den Bau deir Erde in den Alpengebir- 
gen u. r. w. 

(Fortfetiung) 296 

2. Joh. Carr, ^oyage en Hollande et dan§ le midi de 
rAUemagne etc, trad. de l'Aoglais par Mdme. de 
Keraglio ' Robert. , 314 

3. AI, de Humboldt, ElTai polit. für le Royaume de 

la Nouvelle Efpagne etc, (Fortfetzung). . . 317 

4. Hitroglypherty oder Blipke aus dem Gebiete der 
WifTeufchaft y in die Gefchichte des Tages von R. 

V. L, . . .332 

/ • » 

Charten - Recenfionen. 

1. Streit (F. W.) Charte vom Königreiche wJirtem- 
berg nni dem Grofsherzogthume Baden. Weimar 
1808 351 

2. Charte von Oßpreufsen, nebft PreuTs. Lithauen 
und Weft-Preufsen-, nebft dem Netzdiftricte unter 
Direct. des Hr. Miniltcr r. Schrötter, Sect. XVI. 
Berlin 1809. 363 

A. G. E. XXV III. Bnds. 4 St. E e 



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388 Inhalt. 

Scitö 
3. Wiens Umgehungen f yon Maxim. ▼. Lieclitenft'epriiy 
dem Sohne. Wien, 1809* • . • • • 355 

Vermi/chte Nachrichten, 

1. Urkunde einer neuen Einrichtung des Danebrog- 
Ordens vom 18 Jun. 1808 361- 

2. Hefultate der Meridian - MelTun^ in Frankreich 
und Spanien im ^aht iSo^ \ • • . . 368 

3. Ueberlicht der Bevölkerung Frankreicht, zu Folge 
der 3 Jahre 1806, 180? und 1808. . , . • • 373 

4. Nachricht von Thadd. Hanke und feinen geogra- 
phifchen Forlchungen ix Südamerika. • . 376 

* ♦ * 

' Zu diefem Hefte gehören: 

Portrait von JVadßrÖm, 
Abbildung des Danebrog- Ordens» 



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B 



\ 



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Allgemein« f 

Geographifche 

E P H E M E R 1 D E N. 



XXyilL Bds. Viertes Stück» April 1809. 



ABHANDLUNGEN. 



lieber Louijiana deffen Entdeckung^ 
Lage^ B e fchaffenheit unä Graft* 



I. Gefchicktt der Entdeckung und Verwaltung* 

L^Tanzofea aut Kanada^ Krieger ohne Generale 
ind Armeen, Schiffahrer ohne Marine, Kaufleute 
)liQe WohlAand, Geographen ohne Kompafs und 

*) Zam Theil nach Kohin überfetzt, f um Tlieil eigen be- 
arbeitet, mit Hinficht auf Baiiys Nachrichten, t)u^ 
vallonj The Account of Louißanaf Berrand^^ Perrin 
du LaCf Michaux^ Morje und Baudry des Lptieres. 

D. H. 
X G. M. ZXKJ12. Bdi. 4, St. F£ 



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390 Abhandlungen. 

Geometrie, machten diefe unermefslich grofse Er- 
oberung für ihr Vateiland, » wnd das' Vaterland 
wuTste nichts davon. Sie fchufen Quellen un- 
nennbaren Reichthums für den Handel, und dem 
Kaufmaune blieb es unbekannt. Sie erweiterten 
die Gränzen der Erdkunde, und bahnten den 
Weg zu anderen wilTenfchaftliphen Entdeckungen, 
und die Gelehrten bekümmerten fleh nicht dar- 
um. Dichter befangen den Uebergang einer' 
furchtbaren Armee über den Rhein alt Wunder; 
Statuen, Büßen, Triumphbogen, Gemälde, ver- 
herrlichten wetteifernd das (angeblich) Grofse, 
und AlUs fchwieg von den 'unzählbar grofseo 
und wichtigen Unternelimungen der Kanadier, 
ine^würdiger doch als Alles, was uns das 
dankbar vergötternde Alterihum von Thejeus 
und Herkules Thaten aufbewahrt hatte. 

Aber konnte auch wohl jei^er von König. 
Ludwig XF, mit fo vielen Koften «errichtete 
Frunkpallaft mit allen feinen kunftvollen und 
feenartigen Umgebungen, mit feinem geraden 
Horizonte , von holzgekrönten Hügeln gebil- 
det, konnte wohl diefer Aufenthalt der Ein- 
förmigkeit in der Seele d.es Monarchen^, feiner 
Minifter oder ihrer Agenten, jene grofsen welt- 
und ftaatenfchöpferifche Ideen erzeugen ? Konnte 
in diefem Pallafte träger Weiciilichkeit lieh 
wohl das Herz durch die Erzählungen von un- 
gehörter Anftrengung der unermüdlichen Kana- 
dier ^ntflammen? Konnte mitten unter den läppi- 
fchen Kaskaden, und dem todten , in .Marmor 
und £l«i eingezwängten WaHer, iich wohl der 



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Abhandlungen. 391 

Geiß zu einem beifälligen Hinblicke auf die 
Wunder der Schiffahrt erheben? Konnte fieh 
wohl in dei;i rteiffymmetrifchea AUeen mit Sand- 
wegen die Einbildungskraft jene fchaudervollen 
Wüfteneien vergegenwärtigen, wohin die auch 
hier lebendige Natur Gefchöpfe zieht, um ihre 
Zahl und ihren Wohlftand zu vergröfsern? Mit 
dem Worte Jagd, welches in diefem Aufenthalt 
der iLangeweile nur an jene koftfpieligftn Ver- 
gnügen erinnerte, wo es dem Monarchen fchwer 
fiel, Zwilchen dem zufammeneetriebenen zahllo- 
Jen Wilde zu wählen — mit diefem Wortö, auf 
den Kanadifchen Jäger übergetra^-en, bezeichnete 
man blofs einen glücklichen Sybariten, der die- 
les den Grofsen allein vorbehaltene Vergnügen 
fich anzumafsen wufste. , 

Und doch gieng vx>n diefen Kanadifchen Jä- 
gern die erfte Entdeckung des Landes Louißana 
aus. Geftählt durch ihr rauhes Klima und die 
langen Winter, gewohnt, Wälder' zu durchgrei- 
fen, und Schiffahrt in weite Ferne zu verfuchen, 
diente ihnen Jagd und Fifcherei zum Unterhalt 
tind Vergnügen. Sie ftteiften nach Norden zu 
den ^ Esquimaux , über die Felfen von Labra- 
dor, und umfchifften die ^wilden Küften der 
Hudfonshai, um fich zu überzeugen," ob der 
ftille Ocean mit 'der Bai verbunden fey, oder 
^icht. Auf gebr^hlichen Fahrzeugen von Baum- 
rinde drangen fie nordweftlich mit gleicher 
Kühnheit über Wafferfälle vor, ,entdeckte»% neue 
Seen, durchirrten lange Gebirge, verbreiteten 
Staunen und Schrecken unter den neuen indi- 

Ffa 



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392 Abhsindlungsn. 

fchen Bewohnern, nach Abßammungv Sitten und 
Sprachen verfchieden ; wurden bald vertiam 
nnd knüpften eheliche Verbindungen, wodurch 
Re täglich mehr gefucht und unentbehrlicher 
wurden. — Ein weit gröfserer Haufe gieog 
tiefer nach Süden. Vertrau^ mit der Fahrt auf 
Seen, und kühner geworden durch diefe, vorzüg- 
lich auf dem St, Lorenzo-Fluts, entdecken iie viele 
FlüITe mit füdlicher Richtung; abwärts die Ebe- 
nen, die fich mehr und mehr erweiterten, und 
mehr und mehr Wild und vorzüglich wilde Och- 
ien nährten; dann fruchtbarere Länder und eil 
weicheres Klima; und lo kamen Iie endlich an 
den grofsen Fiufs Mefchajfepi {Mijßßppi) — 
den Oberherrn aller FIüITe und den Sammelplatz 
von GewäCTern. Sie drangen bis an leine Mün- 
dung im Mexikanifchen Bufen. 

Während iie auf dem breiten und gefchlän- 
gelten Ohio , dem lue den Namen fchöner Flu/s 
(^Belle 'Rivikrt) ga^ien, berumfchifFten, und ent- 
lang den lieblichen, mit Ebenen und Abhängen 
wechfelnden Geraden ihre Jagd ausdehnten, 
fetzten fie häufiger ihre Fahrt auf dem FiuHe 
der minier fort, der in weniger Krümmungen 
breitere Wiefen durchläuft, und delTen Mün- 
dung fie früher und ficherer an ^en grofsen 
Flufs brachte. Sechs Stunden , tiefer fällt der 
fch lammigte Miffouris in den Mißiffippi- D* 
£ch diefer weit in das Land verbreitet, und ver- 
fchiedene Völker an feine Geftade gezogen hat: 
fo dijpften fie fich von der Thalfahrt bis zum 
Einflufs in den Mi[ßJJippi für ihre Ja'fd und ih- 
jen Handel viel verfprecheii. 



Dig,t,ze(/b/G00gIe 



4 

Ahhmndlung em 393 

Melnrer« von ihnen liefsen iicli an den Ufern 
Tom FlufTe der Illinier \n* einige Stunden"^ ab- 
wärts an dem Mijfouris nieder, und nannten 
diefe Gegend nack der mächtigen Nation , die 
hier wohnte, und die fie mit Grofsfinn und Gaft- 
fxenndfchaft aufnahm, die der lilirtier. Bald 
legten fie mehrere Dörfer an, und verfcl^molzen 
Baeh iind na9h in einander. Auch an dem hei» 
ligen Franziskus- Fluffß^ etwas tiefer unten^ 
blieben mehrere , zurück ; aber die gr^Iste An- 
zahl dieler Reifenden gieng noch ^oor Stunden 
abwärts von dem Miffouris, bis an den grofsen 
Fluf« Arkanfas ^ der den entfernten Gebirgen 
von Neu- Mexiko y nicht fern von der Haupt- 
Äadt Santa FSy entquillt, und, veirgröfsert durch 
Xöehi^re Flüffe, vorzüglich den- IVeifsßufs (Ri- 
vihre blanche) ^ nnermefsliche Wiefen durch- 
BrHint, und hier fiedelten fie fich' ' unter den 
zahlreichen Bewohnern diefer Gegenden an, die 
Tan der Jagd wilder Ochfen und Hirfche, und i^m 
^m See-Otter« und Kaftorfang.« lebtenv 

Noch tiefer kamen fie endlich an den letzten^ 
Hctfs,^ den der Mißiffippi aufnimmt, und den 
fie von der röthlichen Farbe Rothßufs {Rivi^re 
Touge) nannten. Er verftärkt Heb ebenfalls durch 
naebrere andere,, und bot, gegen die an fseib- M#^ 
^iko angränzenden Gebirge la, neue Ausfickte» 
auf Verbindangen mit vielen andern indifchen 
Völkern an. Auch hier verweilten Mehrere un4 
Vermifchten fich mi;t den Eingebornen. 

Auf dem öftliclien Ufer hauten lick diefe wot- 



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394 Ahhandlun geru 

ternebmenden Reifenden nicht mit dem nämlichen 
Eifer an. Die Länge des O/rzo - FlufTes erfchwerte 

, nhd verzögerte die Communikationen weiter aaf* 
wärts, und daher blieb es anfänglich bei der ^IS 
ßen Bekanntfchäft, die fie mit dem Laufe dtefei 

^ FluHes und dep angränzenden Gegenden ^emachf 
hatten. Sobald ^le aber in diefem öftlichen Theil^ 
bei Manchac *) einen Arm de« Mijfißippi und f«i» 
ne Verbindung mit dem Meere gevvabr' wurdeifi 
verliefsen lie diefe unwirthbaren Ge^nden, und 
z^gen den Arm des Manchac vor. In der Folge 
gaben fie ihm den Namen eines ihrer Laiadesleute 
Iberville, Die Fahrt auf demfelben ift famft, gar 

, nicht befchwerlich, und in wenig Stunden waren 
^^ auf den fifchreichen Seen Maurepas und Pont* 
Chartrin^ deren grofser bewohnbarer Umfang 
mehrere Indianer hierher gezogen hatte , um von 
der Jagd zu leben. ♦*) Unfern dem Meere ent« 



*) Die Stadt gleiches Namens liegt 2 engltfcbe Meilern 
von der indischen Stadt Alabama. Die Ufer diefes 
Flufles treten durch Frühlings - Ueberfchwemmungen 
oft über und ftehen doch 50 Faden perpendicular 
über die Oberfläche des WalTers, und der FluJfs ift 
flach, kaum 40 Faden tief und kaum i «nglilche Mei« 
le breit. 

♦*) Der See Maurepas im eigentlichen englifchen 
Weidflorida Aeht weAlich mit dem Mififfippi durch 
den K^nal von Iberville, und öltlich liiit dem See 
Pont' Chartrain in Verbindung* Er ift TO eÄgl. Mei- 
len laußr, 7 breit, und hat lo— 12 Fufs WalTer. Seine 
niedrigen Umgebungen find ein GypreXTeii- und Ei- 
chen - Wald. Der See Pont - Chartrain Iteht mit dem 
mexikanifchen MeerbuTen öftlich» mit dem MiCEUEppi 



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^Ah handlangen, 395 

deckten lie den Yluisf Pascagouia9*)l dann Mo- 
bile , und bei der Bergfahrt Länder, die der Saili- 
melplatz indifcher Nationen waren. Sie durch- 
ftreiften ganz Oßr Florida^ und kamen nördlich 
bis an die Arme des Ohio. Aufser den Vortheilen, 
die ihnen die Fifcherei , das gute KJiina und die 
Auslacht auf Verbindungen mit einer \{^nge indi- 
fchet Nationen gewahrte, ward ihnen ein weit 
gtöfserer durch die Entdeckung eines H^ndelswe* 
gel zu Meere gewährt, den fie zum Umiaufch ih- 
rer Pelz- gegen Kolonial- Waaren, und zu einer 
weit kürzern und gefahrlofern Heim/ahrt nach 
Kanada benutze^i konnten. Nur diele 3eweg« 
gründe konnten ihnen Vorliebe für einen weit 
fchlechtern Boden geben, als lie auf dem ganzen 
Strich^ von Kanada nicht angetroffen hatten. 
Die kleine In fei Dauphine ward eben deswe- 
gen von Mehreren zum Aufenthalt und zum 
künftigexi Waarenlagei für ihre Landesleute ge-. 
wählt **). 



weftl. durch den See Maurepas und den Flufs Iherville 
in \ferbindung. ^«Er ill upgefähr 40 engl. M. lang, 24 
breit, und häitt 18 Fufs W^ffer. 

*y Plufs in Weft-Georgien, von Süden nach Oilen durch 
Welt Florida laufen <J, und ßch mit mehreren, bei- 
nahe 3*^4 englifche Meilen zufammen un»farf«=nden 
Mündungen in den xnexikanilcheii Meefbufen er- 
giefscrnd. 

**J iV. B. 30» 10' W. L. 88° 7' Noch find Ruinen der 
frühen Anfiedlung, ja.fogar noch einige alte H^u- 
ter vorhanden. 



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396 ^Ahhmndlujigen. 

Auf einer über goo Stunden' weiten Strecke 
von Montrdal bis la Mobile bildeten- alfo diefe 
kühnen Kanadifchen Reifenden eine unermefsLi- 
che JLommunikationskettey wQTon die Niederlaf- 
fung der IHinier der Centralpunkt war. Si« ent« 
fleckten und öffneten fich endlich den Weg nacli 
Süden zum Ocean, und das Alles war das Werk 
von zwanzig Jahren. Wer kann die Hindernille 
befchreiben, die fich ihnen bei jeder Spanne ge- 
wonnenen Landes entgegen ftellten? Wer die mit 
jedem Schritte wachfenden neuen Gefahren, die 
fie bekämpfen , wer den Argwohn und die Feind- 
leligkeiten der Nationen, die fie fchrecken, täu* 
Ichen oder fchlagen mufsten? Auf dem Walter 
hatten fie unbekannte Flüffe zu befchiffen, Wäf- 
ferfälle und WafTerftürze zu durchbrechen» ganze 
Strecken ihre Kähne zu Lande fortzufchleppen, 
WafTerbehälter mit nngefehenen, krümmenden 
und vielfältigen Irrw^en zu befahren, eine lan^e 
Zeit irrend umher zu gehen, und nach vielem 
Il-ren, ohne Ausweg gefunden zu haben, auf 
den vorigen Pfad zurück zu kehren ; auf tier £rde 
die Veräßungen der Gebirge zu JTuchen, dem. 
Laufe der Flüffe in allen Krümmungen nachzuge- 
hen, ode^ durch diefelben durchzufchwimmen; 
Moräfte zu unterfuchen, oder zu umgehen; In- 
dem Dickicht der Wälder fich ohne Kompafs^ ohne 
fionnenfchein , wiederzufinden; fich c(urch üp- 
pige Lianen durchzuarbeiten, durch Wälder von 
hohem Schilfrohr den Weg, mit dem Beile in der 
Hand zu bahnen, <dem Durfte und noch öfter dem 
Hunger zu trotzen , und nur dann und wann fich 
mit Wurzelgewächfen , mit wilden Früchten und 



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Abhandlungen, 397 

gewöhnlich mit' erjagtem Wilde zu begnügen; 
lehr weit fchwere Laßen zu traget oder zu ziehen, 
alle unangenehme Veränderungen* der Jahreszei« 
ten zu erdulden; unter der Sonnenhitze zu ver- 
brennen y oder im Schneemeer unter ürengller 
Kälte zu Terfinken , mehrere Nächte Gehend unter 
einem Bäumendem Wettergeftöber ausgefetzt zu 
feyn, oder öfters blofsjitzend zu fchlafen, in be« 
üändiger Furcht, vom Feinde überfallen zu w^r« 
^en, die Flinte in der einen, die Jagdtafche ia 
der andern Hand , die Kugeln im Mundir. 

Der Franzi8lf;aner Pater Hennequin hatte lan« 
ge Zeit unter den indifchen Illiniern verlebt und 
fich recht Weit gewagt. Er war d^r Eri^e, der dem 
Hofe König Ludwigs XIV. von feinen Al/en« 
theuern Nachricht gab , aber man erwiederte fein« 
Erzählungen mit jener gewöhnlichen höfifchen 
Gleichgültigkeit, die an Kleinigkeiten Gefallen 
findet, und für Grc^fse« keinen Sinn hat. Ergab 
nachher feine Keife im Dru^k herauf, mit einet 
De.dication an den grofsen Colherty aber, als man 
darin las, dafs er ein Land, gröfter als Europa, 
für Frankreich in Belitz genommen habe , fo ward 
er fo verhöhnt, dafs er feine letzten Tage voll tie- 
fen Kummers in HoUax^d befchlofs. So äuftem 
fich wBh>e Vaterlandsliebe und dargebrachte Opfer 
aus diefer Quelle viel häufiger von unten i^ufwarts,- 
als von oben abwärts. ' 

Während diefm^ Zeit hatte ein Kanadifcher 
Edelmann Lajalley der von Hennequin über die' 
Vorzüge dief^s grofsen Lances unterrichtet wor- 



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398 ' Ah Handlungen. 

4ea war^ de'n Plan gefafst, es lelbft zu bereifen. 
Er gieng mit einer Marken Bedeckung 1679 von 
Qi^ebec aus, fuiir dea Lqrenz - Flufs hinauf, feix^ 
te übei' den WalTerfall Niagara^ durchfegehe die 
Se^n, daQi\ den Ulinifchen Flufs abwärts, bis ua- 
'gefähr drei Stunden unterhalb dem MiffQuris^ und 
erbaute am rechten Ufer di^s erlie Ii4>rt, dem ec 
de^ Namen' Crevecoeur (Herzbrecher), nach- 
her Und noch jetzt «S. Louis genannt, wahrfcheia* 
lieh von der Anftrengung gab, die ihm diefe lange 
Reife gekoftet hatte. Bei feinerweitern Fahrt bit 
.2ur Mündung des MiJßJJippi gab er dem FlufTe den 
Kamen £ Ludiuigs- Flujs aus Schmeichelei gegen 
Ludwig X/^-, fo wie Hennequin die von ihm be- 
ireisten Gegenden Louißana genannt ]iatte. Er 
^aiim die Höhe davon auf, und gieng ^ nach meh« 
igern angeheilten Beobachtungen, aufwärts über 
Quebec nach Frankreich. Wäre die Regierung 
von der, .Wichtigkeit der Kolonien ganz überzeugt 
und durchdrutlgen gewefen ; fo hättje die Entdek- 
kung der Mündung des MiJJiJJippi in den M[exika- 
nifchen Bufen weit mehr Eindruck tx^achen muf- 
fen, da ße ein weit leichteres und vortheil hafte- 
res Kommunikationsmittel, als, das über Kanada 
für das Innere diefer Länder darbietet, zugleich 
die Schiffahrt auf dem, Mijfijßppi und Loret^zo ge- 
währt, eine unermefsli che Länderkette umfchUefst, 
und zugleich die Ichon damals mächtigen Kolo- 
nien von' England würde befchränkt haben. ILnd- 
lich als Colbert den dringende^ Bitten Lafalle*s 
nach manchen Verffirechnnge« «i^ht mehr aus- 
weichen k,onnte, fo gab er ihm einige «usgeruAete 
Sichiffe mit üngefäli^r dreihundert Perfonen, Sol- 



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Ahh'anälungen.. 39^ 

dat^n, Freiwilligen^ Handwexkertt, Madchexv 
Oeiftlichen, i^omit er 1684^^8 Kochtlle diXxsMeL^ 
Er verfehlte aber^ da er fich za wieit weMicIts, 
hielt, den £in^ag in den.FluftyUttd landete b^ 
der Bai S. Bernard. Hier war e») wo eü von' fei- 
nen «igexien Kaoaemden ermordet wurde. Oitirch 
Seine natürlrcbe Härte hatte er die Marine^ Of«^ 
ficiere gegen lieh' anfgebracbt^ und diejeiügen, diei 
alle Anftreiigung mit ih^ getheilt hatten , nocJbi 
unehjc erbittert. Die übrige MatiÄfcbaft ff ärb un-^ 
ter den Händen der Wilden, oder der Spanier, diti^ 
diefe Niederlaffung als üfurpatlon betrachteten, 
oder im Elende* "Nur fiebea kamen nach Kanada^* 
und diefes Ereignifs fchien das ALodenken an diel«. 
Gegend und an den greisen Flufs in Frankreich: auf 
einige Zeit ganz verlöfcht zxl hahanäi 

Fünfzehn Jahre nachher (1698) gelang es ei- 
nem andern Kanadier Iberväle^ bald darauf 
Chef einer Escadre, . unter Leitung feinet an den 
. Seeji wohaenden Landesleute , und durch Hülfa 
der eingezogenen Nachrichten , durch dat Meer m 
den Flufs iu dringen.. Der. gluckliche Erfolg ver- 
fchafft'e ibtfn den T^tel piAes Gouvi^i^neurs. JSr 
brachte Koloniften mit, die er weislich in Kanor 
da felbft gewählt hatte« Aber d^r zu frühe Tod 
diefes verdienten Mannes machte abermals eine« 
langen Stillftand, ehe man an X^uißanä dachte* 
Erft dreizehn Jahre nachher gab*man einem rei« 
eben Privatmanne CrOi^^ für ihn allein die Con« 
cefiion diefes Ungeheuern Lande«. Er behiel%da<» 
bei das Privilegium , den aüs/chU&fsende» Hott", 
del in allen Ländern^ Häv^n^ Infelnf avf allen 



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40O Ahhandlu ffg ejt. 

Kü/ien^ die zu die/er Kolonie gehören^ auf im* 
mer zu treiben^ und das. ganze Land als Ei* 
^enthum mit Ober* und Gerichtsherr fchaft ^ un* 
ter blojser Lehnsverbindlichkeit ^ zu befitzen., 

*/ 

So vf iderfinnif eine folche Ceaceffion eii el* 
juen einzigen Mann ift ; fo hatte lie dennoch den 
Koloniiten der Hauptitadt Tortheilfaaft, nnd ihm 
felhft eine Quelle von Ruhm und Glück werden 
köDnen. Allein dazu gehörten Local- Kenn tni He 
und ein grollherziger Charakter. Crozat wollt« 
den Schwamm aufdrücken , ehe er getränkt war. 
Seine Erprellungen uujd fein Geiz liefsen die Lor- 
beeren verwelken, die in feiner Hand grünen 
konnten. Entmut he t durch feine nutzlofen Alt- 
Halten ^ah er nach vier oder fünf Jahren die Coa- 
celGon auf« , 

Auf ihn folgte eine neue Compagnie unter 
dem Naxiien fVeJi^ Compagnie ^ mit gleich be- 
schränkenden monopoliftifchen Planen^ wie die 
-von Crozat^ d. h« theuer zu verkaufen, und wohl- 
f^l von den Koloniiten einzukaufen. Die Gons- 
pagnie, ein Werk det Spekulanten Law ^ der die 
Abficht hatte, Prankreich von der grofsen Schul- 
denlait zu befreien, verdankt ihr Entftehea dem 
Enthuliasmuf , den er entzündete, und der Geld- 
gierde, der er unverGegbare Quellen von Reich- 
thümern verfpYach. Die 'Grofsen de« Hofes nah- 
men Actien, und Law erhielt, nebi^ dem Titel 
ein^i Herzogs, eine ConcelBon von zwei Qua- 
dratmeilen, ungefähr 250 Stunden von der pro- 
tectirten Stadt am ^luffe Arhanfas^ wo '1500 



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Ab handltcn fn. 40f 

Menfchen und eine Compagnie Dragoner elor 
treffen lollten. Wirklich kamen taui'end Mann 
und meiftens Teutfche'an} ab6r f o bald der Mi* 
nifier in Ungnade fiel, wollten alle lieh wie- 
der einfchifPen lallen. Diejenigen, die nicht im 
Elende ftarben» erhielten die Freiheit, fich ent- 
lang, des Fluffes anzuhauen, und ihr Kanton , un- 
gefähr; acht Stunden oberhalb der Stidt, ^ekanü 
den Namen Cöte des Allemands (Küfte der Teut- 
fchen.) £r ih am meiften bevölkert, und verfieht 
die Stadt mit Reifs, Mais, Bohnen, Geflügel. — « 
Man hattfe vielleicht damals abfichtlich das Ge- 
rücht von eipem in der. Nahe der Quelle des Ar^ 
kanfaB^ befindlichen Smaragdfelfen ausgeßteut, 
und dadurch alle Köpfe fo erhitzt, daß der Korn-» 
mandant diefes Poftens 1721 den Befehl erhielt^ 
ihn aufzuluchen. Dreihundert Stunden li«f ei 
beinahe herum , um diefen vermeintlichen Schatz 
zu finden, Handwerker, Soldaten und Ingenieurs 
in feinem Gefolge. Der Kriegsminifter Leblanc 
liefs fich eine ConcelTion auf den Flufs Yazoux^ 
der Marfchall Bellisle eine unten bei dem Kantoa 
Natckez auf die weifse Thonerde, die Gebrüder 
Paris ^ die am Hofe ihren Wohlftand mit Speku- 
lationen gemacht hatten , und zwar Paris da Ver^ 
nay am Bayago'ulasy Paris Montniartet a^het im 
Kanton der IHinier, auf die Minen geben. ^Si% 
fchickten fogar eine Menge Bergleute dahin. Die 
Hauptftadt erhielt den Namen Neu-OrlianSy um 
dat InterelTe des Regenten an dem Lande des Mif" 
ßjjlppi zu beweifen» und die Hoffnung zublie- 
ben 9 die man .auf feine Reichthümer fetzte. Die 
vornehrnften Fzanzolett und die Finanziers wettei* 



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409 Ah h itndlun § en. ^ 

ferten , ihr« Verwandten nn|i Ergebenen in den 
nach diefem Lande beftimmten Regimentern un- 
terzubringen. Der grölste Theil der Officiere ße- 
delte fich an und ward einheimifch. Mehrere Fa- 
milien wurden zahlreich, z. B. die Familie von 
Pelletier de la Houjjaye^ von Apremont ^ von 
Macariiy von Leblanc. 

Diefer Adelsgeift war ^ man mufs es aufrieb- 
* tig bekennen, dem Gedeihen der Kolonie in man* 
eher Hin ficht hinderlich. Mitten in diefeni abge- 
fchiedenen Theile der Welt nährte er den Ge- 
fchmack an Aufwand, Prachttafeln, Müfsiggang, 
Haufifcheue, nnd bildete allmählich einen* Hang 
zum Stolze und zur Apmafsung, dei; zehn bit 
zwölf Jahre nachher in Streitigkeiten, Verfchwö- 
_tungen und felbft in fehr blutige und zerftörende 
Kriege mit den Wilden ausartete, da doch die 
handfeften Kanadier während dre'ifsig Jahren nicht 
anders als Freunde, Gefährten und Verwandte von 
ihnen behandelt worden waren. 

Diefe blutigen Händel fiengen bei den Natchez 
an und verbreiteten fich allgemein. Die Ver- 
wüftungen wurden fo grofs und der Aufwapd an 
KriegsbedürfnilTen war fo beträchtlich, dafs die 
Weftcompagnie fich im J. 1730 genöthigt fah, den 
Befitz diefer Kolonie nach 13 Jahren aufzugeben. 
Während diefer Zeit war die Stadt Neu^Orleans 
gegründet, das Fort der Illinier (Fort S, Louis) 
, von Steinen, da« Fort Balize auf Grundpfählen in 
Moräft#n an der Mündung des Mijfiffippi zum 
Schutze einlaufender Schiffe, und das Fort Ro* 



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Abhafijdlt^ngen. , 403 

falte bei den Natihez auf einem Hi5gel mit Pal- 
lifaden angelegt. Die drei an (lern Forts im Kan-' 
ton Arkan/as, das bei ^n hatchitochen am Roth" 
Fluffe von dem berühmten S, Denis ^ unri das 
noch exiftirende Fort bei La Mobile^ Varen un- 
bedeutend und hatten in ihrem Umfange nur 
einige Wenige^ Bewohner, die ärmlich lebten, 
weil fie ihre Waaren nicht abfetzen konnten und 
die der Kompagnie theuer bezahlen mufsten. 

Von 1730— 1769, wo die Kolonie von d*r 
franzöfifchen Regierung verwaltet wurde , war 
^r Ertrag (ön fteifs, Maie / Pelzwerk) eben fo 
gering; 4lie Bevölkerung nahm nur langfam zu, 
und Spanien, da$ den. vonv dem Kanadier S. 
Denis au« dem Kanton der Natchitochen nach, 
Mexiko geöfTi]eten Weg und den iür Spanien und 
Frankreich gleich vorlheilhaften Waarenabfatz 
unbenutzt liefs , vergröfserte durch feine Eifer« 
lucbt alle HindernifTe, die Hch dem Gedeihen 
der Kolonie entgegen ftellten. 

Der Eebenjährige Krieg endigte fich ehdiich 
t76^ mit dem fchändlichen Fiieden, worin Frank- 
reich auf der einen Seite den Engländern Ka^ 
nada y und auf der andern Louifiana den Spa- 
niern, die ohnehin fchon fo viel Land unbenutzt 
befafsen, abtreten mufste» So ward das wichtige 
Band zerriffen, das die unbedeutenden Länder 
der englifchen Kolonien in eJige Gränzen hätte 
einfchliefsen können, und das Frankreich eine 
Bevölkerutig raubte, die beträchtlicher als die 
von Frankreich felbft hätte werden» ihm nicht 



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404 Abhmndlung^n. 

nnif ein* lieftändiges Uebergewicht in der neuen 
Welt hätte erhalten , loodern. auch den Handel 
und die Marine der Haiyptltadt allein hätten un* 
zerAörbar machen können, gefetzt auch, dalt 
'diefe Kolonien , wie nachher die englifcheui 
Cch loffgeriiren hätten. 'Denn diefe Unabhän« 
gigkeit hat England mehr genutzt , aJs gefchadet. 
Die franzöfifche Nation wufste wenig, wie 
grof« ihr Veiluft war.. Man kennt die unver« 
fchämte Art » wie die Maitrelle Ludwigs XF. 
.den Monarchen damit bekannt machte. Sein 
Schmerz war vprübergehend, wie der einef zwar 
empfänglichen, aber \on Liebe unterjochten und 
von Vergnügen verweichlichten Gemüthes. Die 
Akadier durch den Utrechter Frieden an England 
abgetreten, mufsten die Rache fer Engländer, mit 
denen fie nioht wider Frankreich in* diefem Kriege 
dienen wollten, fühlen. Ihrer 10 — 12,000 feilten 
in die en gl ifchen Kolonien v^rfetzt werden. Viele 
jdayon entwichen , und irrten , Greife , V\r«i- 
ber, Kinder, wohl 6 Jahre in den Wäldern her- 
um, wo fie wie Wild gejagt wurden. Die 
Louiflaner erhielten aus Frankreich nicht einmal^ 
von der Abtretung Nachricht, und lelblt alt ei- 
nige Jahre nachher Don Vlloa Befitz im Namea 
Spaniens nehmen wt>llte , blieb ihre VorAellung 
und , Bitte ün^ Verhaltungs - Be;fehle unbeant- 
wortet. 

Sechs Jah/e nach dem Frieden kam der Ge* 
neral Qrelly. Er liefs üch im Namen der Krone 
Spaniens 1769 den 19. Auguft huldigen. Kein 
Menfch weigerte fich. Einige Tage nachher 

bat 



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Abhandlungea. 405^ 

bat eT. ^it Vornebmfteii 2u fich. Alle giengen 
unbefangen hin, weil lie fich zum. Frühftück 
eingeladen glaubten» Allein er liefs ao davon 
verhaften und auf der Stelle erfchiefsen. — Ein 
Wahrer Mord , da n^an fie keinet Ungehorfams 
gegen ein Gouvernement, delfen Exiftenz fie 
nicht gefctzlich kannten, befchuldigen, und da 
man fie im Falle der Schuld nach Atn Gefetzen 
des Lande« hätte richten können und Tollen. 
Ueberdie« kannten fie die Gefetze Spaniens nicht, 
und im Frieden war die Erhaltung der Lande«- 
gefetze ausdrücklich bedungen, Diefe Wunde 
ift noch nicht verharrfcht, fondera wird jedei 
mal bei der kleinlten Veranlaffung aufgeriiten. 
Mit bitterem Schmerze und mit Empörung fpre- 
chen fie davon, und die Spanier nehmen lebhaf- 
t0n Antheil daran. Sie tröften fich aber damit, 
dafs der Mörder kein Spanier war. Orelly-y alt 
Soldat befördert, war ein Irländer von Geburt, 
befchränkt vom Kopfe, blutdürftig vom Herzen, 
und da ihn die Schwäche feines Kopfes verleitete, 
in den Louifianern nur einen Haufen von Rebel» 
len zu fehen, fo empfand diefer nichts dabei, 
edle und unter Frankreichs milden Gefetzen ge- 
bildete Koloniften hinzuopfern. Zum Glück ift 
diefes die einzige That, vforuhex Louißaha fich 
unter der fpahifchen Herrfchaft zu beklagen hat. 

Orelly vexüefs nach diefer fchändlich bluti«» 
gen That das Land bald, und übergab das Gou- 
vernement dem General -Kapitain der Hamann ah, 
Don Ludwig Unzaga^ der fich eine Angelegen- 
heit daraus machte , die Veränderung der Ober- 
J. G. E. XXVllL Bis. 4. ^t. G g ^ 



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.406 Abhandlungen. 

Itertfchaft den Louifianem zu erleichtern» und 
das« Andenken an diefe That [ zu vermindeui. 
Noch jezt erinnert man lieh an ihn mit Vergno- 
gen. Er duldete die Kontrebande mit den Englän« 
dem und gründete fo den WohlAand der Kolonie*. 
Er bewirkte, dafs die Louißanet zu einem un* 
gewöhnlich niedrigen Preife die nothwendigen 
Waaren und fogar ^egern auf Kredit von ihnen 
erhielten, und mit den verfchiedenen Landes- 
producten ihrer Kolonie bezahlen durften. Die 
Bewohner Ton Pointe coup^e^ die dem Mord- 
'merier der Natchez entkommen, waren, und heut 
zu Tage eine der wohlhaben dften NiederlaHungeo 
ausmachen, wurden durch diefe VorfchülTe der 
Engländer ^eich. Die Erweiterung der Mittel 
der Kultur fetzte fie in Stand , die Made der Pro- 
ducte zu vergröfsern. 

t)on Bernard GalvaSj Oberft und Ne£Fe des 
Kriegsminifters, war fein Nachfo.lger. Sein po- 
puläres Betragen, durch leine Jugend verfchönert, 
gewann ihpi bald die Herzei^ aller Louifianer. 
Freilich war fein Hang zum Vergnügen und Auf- 
wand, feine Liebe zu Feftlichkeiten und muffigen 
Zufammenkünften, die er verdoppelte, der Ein- 
fachheft und Nüchternheit der Sitten , wie auch 
der gemeinnützlichen Thätigkeit der Koloniften 
fehr nachtheiiig und um fo nachtheiliger, di 
diefe Eindrücke nach der Ab reife des Gouver- 
neurs nicht mehr vertilgt werden konnten« Ruhm- 
und Thatenfucht liefs ihn an dem zwifchen Eng- 
land ^ Spanien und Frankreich ausgebroch enen 
amerikanifchen InfuirrectionskriegeTheil nehmen, 
um fich fchiiell höher befördert zu fehen« Seine 



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Abhandlungen. ^oj 

Popularität brachte bald ein Corps Soldaten un- 
ter feine Fahnen , womit er die englifchen Be- 
fitzungen in 'der Nähe angreifen konnte. An d^r 
Spiize'^einiger wenigen Truppen nahm er das 
Fort Manchac bei der Mündung des FlulTes Iber» 
ville und das 5 Stunden höher; gelegene Fort Ba* 
ton rouge weg — eine grofse Ermunterung für 
die Louißaner ^ aber zugleich ein Ichmerzlichef 
Verluft, da ihnen diele Siege auf einmal den 
Weg raubten, wodurch die fo nützliche Kontre- 
bande mit den Engländern getrieben und der 
Grund zum Wohlftand und der künftigen Blüte 
der Kolonie gelegt, war. Das Jahr darauf griff 
Galvas das weit beträchtlichere Fort la Mobile 
an. Die Forts von Penfacola ergaben fleh mit 
der Stadt nur <lann erft, als er in der ffavannah 
und dem franzölifchen St. Domingo die nöthigen 
Hülfstruppen und die Kriegsschiffe beider Natio* 
nen an fleh gezogen hatte. Dafür ward er Ge- 
neral - Lieutenant und General -Kapitain der Ha-- 
vannah und bald darauf Vice -König von Mexiko. 
Er Äarb hier, aber nicht, wie man fagt, an felbft- 
genommenem Gifte, wie fein Onkel der Kriegs* 
ininiüer^ weil ihm der Plan, fich durch einen 
allgemeinen Aufftand zum Könige von Mexiko 
XU machten, mifslungän feyn foll; wie würde fq^ili 
wohl die Witwe, eine gemeine Privatperfon von 
Louißana, mit einer Penßon vpm Hofe belohnt,, 
und als Ehrendame der Königin geftorben feyn? 
Galvas war der Stifter von Valenzuela Iß Forca^ 
in der Pfarrei S, ßernard ^ und von Galveßon 
^n den Armen des Flutfes Amitte^ wovon er den 
Titel Graf führte. 

Gg 2 



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4o8 Abhandluftgen. 

Sein Nachfolger, der Oberft Miro , einer fei- 
ner Waffengefährten, Gouverneur von 1783 ^it 
1792 bauete, während diefer 9 ruhigen Jahre 
die Feftung und Stadt Neu- Madrid und Nogales 
unter der Mündung des Ohio — eine für den . 
Ackerbau und Pelzhandel günftige Lage auf ei* 
nem fruchtbaren fehr bevölkerten Boden , der in 
jedem mit Amerika zu befürchtenden Kriege ein 
Damm wider ihre Einfälle feyn, oder zur Ver- i 
hinderung der Communication zu Waffer dienen 
kann.' Nur hätte man auf die Austrocknung dtt 
Bodens bei Erbauung ^es Forts und der Stadt, 
da der Aufenthalt hier fehr ungefund ift, mehc ' 
Rücklicht nehmen follen. Im J. 1738 brannte ein 
Drittel von Neu- Orleans durch einen Zufall ab, 
wozu der SchatzmeiAer Hacinda in La Real 
durch Frömmigkeit Anlafs gab. Er liefs am Char- 
freitage in feiner det h^ijigen Jungfraa zu Ehren I 
errichteten Kapelle mehrere Lishter brennen, 
die während des Effens die verbrennlichen Gt- 
genftände zündeten, und das Peuer an den von 
Holz erbaueten Häufern fchnell ' verbreiteten. 
Durch eine verruchte That ward diefes UnglüciL 
noch vergröfsert und mehr vergräfslicht, da auch 
das vom Oberß Maxent für alle Bewohner geöff- 
nete Rettungsmagazin angefleck^ in Rauch anf- 
gieng. 

'Der Baron Carondelet^ aus einer flamäodi- 
fchen Familie, Waffengefährte des Gouverneurs 
Don Galvasy und Nachfolger des Gouverneurs 
Miro, war der Retter der Kolonie in dem kriti 
fchen Zeitpunkte der franzößfchen. Revolution. 



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Goyogle 



Abhandlungen» 409 

Seine weifen und klugen Mafsrcgeln verhinderten 
in dem Augenblicke des Aufbruchs die Verbrei- 
tung. Er verdoppelte zwar die Vextheidigungt« 
«raftalten, aber er bewies auch in feinem Be- 
tragen eben fo viel Mäfsigung als £rnil gegen 
4ie wütendfte Partei, die dfen Tpd Ludwigs 
XVL als gerecht anfah. 

Er liofs Galeeren bauen, um. Herr der 
Schiifahrt auf dem Miffifßppi zu bleiben; et be- 
feftigte die iStadt, liefs Forts anlegen, die. den 
Flufs beftrichen j er verdoppelte die Garden und 
Patrouillen ; liefs die Kanonen , alt wenn der 
Feind vor deii Thoren wäre, bereit hahen, und 
v^ermehrte die Cahilda von 6 auf la Regidoren, 
11m lieh mehrere angefehene Familien - Ober- 
häupter zu verbinden. Er legte diefem Corps 
eine gröfsere Gewalt bei, und. konnte dadurch 
wirkfamern Einflufs auf die öffentliche Ruhe ha- 
ben. Pieu'Orlians ward bei Nacht mit Lat^rn^n 
erleuchtet, um den Unruhen zu jeder Zeit zu be« 
gegnen, und die Miliz ward auf der ganzen Ko- 
lonie neu organilirt und in mehrere. Corps yer- 
theilt , um defto fchneller ' helfen zu können. 
Auf allen Foften wurden Gemeinde - Anwälde 
«ngeüellt , welche die Paffeports der Freihden 
unterfuchen, überall Patrouillen ausftellen, Ab- 
theilungen von Soldaten dahin, wo^ es nöthig, 
abfchicken, allen Auflauf der Neger aus einander • 
treiben, alle Flüchtlinge anhalten mufsten« Er 
liefs an dem FlufFe aux Ecors bei Margat ein 
Fort Varanca^ und ^twas7 tiefer unten auf dem 
andern Ufer am FlufTe des x heiligen -FrÄ/izwÄa* 



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4IO Abhandlungen, 

ein anderes in der von ihm benannten Niederlaf- 
[xxngFeliciame anlegen, um durch beide die obern 
Forts' 4S*. Louis ^ der lllinier und JNeumadrid im 
Auffteigen, und durch diefe drei die untern 
Forts von Nogales^ Batoh rouge und der Not» 
chez 2U deeken. Am untern Theile des Flulle* 
ward dasF ort Plaquemine erbaut, um dadurch zum 
Voraus die Stadt, im Faile, dafs das einige Stcm« 
den tiefer unten liegende Fort la Balizß über- 
wältigt werden folUe, zu vertheidigen. Noch 
von #inem andern Fort Conf^diration an dem la 
Mobile Vi ux ex der Gründer. 

Unterrichtet von Allem , was in den bffenU 
liehen y durch die Exaltation aller Köpfe verviel- 
fältigten und was in den geheimiten Privätver- 
fammlungen\ wo man^fich alle Ausfchweifun- 
gen, felbft Drohungeb erlaubte, vorgieng, liefj 
er die Wütendften vor üch kommen, und wie- 
derholte Ihnen All^s, was fie gcfprochen hat« 
ten, mit Ruhe, Mäfsigung und oft mit Schert 
untermifcbt. So brachte er viele zu einer bef- 
iefn G^Iinnung. Doch gab es auch Andere (und 
die(e waren meiftens Menfchen , welche Furcht 
vor Strafe oder Hoffnung auf Gewinn bei der all- 
gemeinen Vei'wirrung zurückhielt), die das Ge* 
rijcht vex^reiteten : dafs der Baron alle Franzofen 
auf der ganzen Kolonie ausrotten, ja fogar, wie 
alle feine Mafsregeln deutlich zeigten, erwür- 
gen lalfen wollte. Diefe Gerüchte liefen bis an 
die äufserfte Gränze der Kolonie, und machten 
einen folchen Eindruck, dafs alle Franzofen lieh 
Tag und Nacht zu einem Angriffe bereit hielten. 



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Ahhmndlung en. 4(t 

Mehrere Fjranzoren in den Kantonen .und in ^^u« 
Orleans glauben noch jezt an die vorgebliche 
"Walirheit eines folchen unmenfchlichen Plans, 
der allen Thatfachen und fogar dem fanften Cha* 
i^akter Car6ndelet*$ widerfpricht. Denn während 
zwei Jahren liefs er nicht einen Menfchen iju 
Oefängnils werfen, und nur zwei der unruhig« 
Aen Köpfe wurden nach der Havannah gebracht,, 
ihr Eigenthum aber nicht im geringften ge*. 
fchmäiert. . ; 

Während diefer Gährung kamen der General 
Collot und der General - Adjudant Warin ^ ein 
Genieofficier von ausgezeichneten Verdienften, 
nach Nord-Amerika^ und fchifften vom Fort Pitt 
auf dem Ohio und Miffißippi abwärts. Da fie alle 
Gegenden, und vorzüglich die Forts und Poitea 
aufnahmen, und die Mündungen der FliilTe auf 
ihrem Wege unterfuchten, fo wurden fowohl die 
Engländer in Kanada^ als die Amerikaner in den 
vereinigten Staaten und die Spanier in Louißamt 
darüber unruhig, und die beiden erßern gahen 
Befehl, fie anzuhalten. Der Baron Carandelet 
liefs wirklich auf die Nachrichten, die von Tag 
2u Tage beunruhigender wurden, und Xogar von 
dem fpanifchen Gefandten in Nord- Amerika^ 
Herrn Jaudenes^ beüättigt wurden, den General 
Collot bei feiner Ankunft in Neu* Orleans arreti- 
ren. Der General- Adjudant Warin ward von den 
wilden Kanadiern am Arkanfasflufs bei der Mün- 
dung ies Rothßujjfes^ wahrfcheinlich auf engli-* 
fcbe VeiranlaCTung , ermordet. Collot ward mit 
aller feinem Range gebührenden Achtung behau- 



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* 



4lt Abhandlungen. 

d^lt und erhielt, bald die Freiheit zui; Rückkeln 
«uf einem ihm beliebigen Wege« '*') 

Mit diefer Wachfamkeit für die Erhaltung der 
Kolonie Terhand er zugleich den Zweck, für ih^ 
ren Wohlftand zu wirken. Er liefs einen Kanal 
graben, der die Stadtgraben mit dem WalTerbe- 

^bälter Su Jean in Verbindung fetzte, und die 
Komn/unikation zu Waffer durchs den pontchar- 
traiqifcben See nach Penfacole^ la Mobile ^ den 
Apalachen und Galvefton erleichterte. . Die Ge- 
rechtigkeitspfiege gewann unter ihm. Er gab 

-den Gemeinde - Anwälteti das Recht , in allen 
StreitCachen bis auf loRthlr^^Wertf zu entfcheiden. 
El? bewirkte fogar bei feinem Hofe eine Vermin- 
derung det fchon fehr herabgefetzten Eingangs« 
tolles. In Neu 'Orleans bildete lieh bloff durch 
ihn eine franzöfifche Schaufpielergefellfchaft» 
worin die unglücKüchen Flüchtlinge von St. Da* 
mingo Aufnahme fanden. — Das kann kein Man^ 
thun, der in feinem Bufen den biutdürftigen Plan 
nährt, alle Franzofen auszurotten* Da ein zwei* 



*) Der VerfaTTer hat diefe NachricKten Ton Don 
Andre y 'einem geachteten Spanier erhalten, der 25 
, Jahre unter den verfchiedenen Gourerneliren bis «ut 
Uehergafoe der Kolonie an die Franzofen General« 
Secretair der Provinx Loiiifiana war. Des General 
Collot'g Keife von den nordamerikanifchen SUatea 
bis nach Neu - Orleans ift vor mehrerei^ Jsihren. mit 
Charten und Planen gedruckt, ab*r noch nicht im 
Publikum bckahnt, da der Tod des Generals Strei- 
tigkeiten erzeugte, und das Gouveraement möthigtei 
fein Werk hinter Siegel tii legea. 



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AbhAndlunggitj, 41^ 

t#t Braaid 1795 auch die Häufer in Afche legte, 
die iiiei dem erft^en 'rerfchont blieben: £0 verbot 
er alles hölzeriie Oachwerk. Die Fortfchritte, die 
der Acker^iau, vorzüglich der Anbau von Baum« 
woU» und Zucker, unter ihm machte, entfchä- 
digten gegen die vielen Ichlechten Indigo-Aernd« 
ten hii^länglich den thatigen , aber durch dieC# 
Mifsjahre arm gev^ordenen Bewohner. 

Im Jahre 1797 gieng er nach Quito in Peru 
ab, betrauert von Allen, und jezt wegen des vie* 
len Guten, daf er ihat, felbft von denen, die feine 
Feinde waren , öffentlich geachtet. Sein Nach- 
folger Dom Gßyojo^ vorher Gouverneur der Nat» 
chez^ erhöhte während feiner kurzen Adminiftra- 
lion Aen Schmerz über Carondtlet's Abtritt. Denn 
Gay q/b verftand von feiner eigenen liausTialtung 
gar nichts, gefchweige noch von der Verwaltung 
des Staats. Er ftarb bankerott^ Salzedo^^y [ein 
Nachfolger, warder letzte fpanifche Gouverneur, 
unter ihm ward Louißana wieder an Frankreich 
abgetreten. *♦) 



*) Snheio , ein Mann , den nicht einmal das Alter 
ehrwürdig machen konnte, weil es ihm fall gant^am 
Verltsade fehlte, blieb Gouverneur, bis der Marquit 
Caca Caloos, Brigadier in der S p an ifchen Armee mit 
der befondern Vollmacht ankam, Louißana an Frank- 
reich zu übergeben. Der Marquis liebte, wie Lauf- 
fat^ der 'fraii^Öfifche Kolonial « Prä fect, glänzende 
Vergnügungen. 

*^) Schade , dafs Robin , der hier fo manche ueue No- 
tit mittheilte, fibh nicht auch über das Detail der 
Abtretung weiAlXaftiger Tetbiwitet. 



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414 jtbhandlungen. 

Wlhirend diefer ' 30 Jahr« der fpanifcliea 
Oberherrfchaft blieben franzöfifche Sitten' der 
fienfchende Character , und die Spanier verfran- 
zöfirten fich mehr, ah die Fr^nzofen fich ver- 
Ipanierten. Ja felbft die Gouverneure und Com- 
mendanten nahmen franzöUfche Sitten an, und 
fie oder ihre /Kinder henratheten Franzölinnen. 
Sie fpanifche Sprache war fo wenig und die 
franzößfche fo allgemein im Gebrauche, dafs die 
nieißen eingeborenen Franzofen, fo wie die vor 
und nach der fpanifchen Belitznehmung gebore- 
nen , diefe fremde Sprache füglich entbehren 
konnten. Es gab fogar Franzofen, die Von ihrer 
Kindheit an mit Gouverneuren , die Famiüenver- 
wandte waren / gelebt haben , ohne ein Wort 
Spanifch zu wifTen — ein Beweis , wie fchonend 
die Spanier mit den Franzofen umgiengen, und 
wie heilig iie ihre Verträge hielten. 

Alle Ländereien wurden den Privatleuten 
faft umfonft, eine kleine Abgabe für die Aus- 
fertigung abgerechnet, von dem Gouvernement 
überlaffen und man kann ihm nichts, als die un- 
gebundene Liberalität zum Vorwurfe machen. 
Denn Leute, die mehr fchadeten, als nutzten^ 
kamen auf diefe Art zum Befitze von GrandXiücken. 

Aufser diefen unentgeldlichen Conceflionen 
erhielten flie Akadier und andere Koloniften in 
der erften Zeit jährliche Ünterftützung von der 
Hegierung. ' Diefe Ausgaben, die Erbau;ang meh- 
xe»er Forts, die Unterhaltung von faft 2000 Mann 
Truppen koltete Spanien jährlich 5 bis 600,000 



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Abhjßndlunffen, 415 

Piafter, und die Accife (fecht Pi:ocent) trug we- 
gen des ' Tielfachen Unterfchleils kaum ioO,00a. 
So verlor alfo die Regierung 4—^500,000 , die d|e 
MalTev des cirkulirenden Geldes vergröfserte: ' Da 
das Militär meiftens diefe Summe verzehrte ; fo 
mufste die* MaXTe der Einführe die der Ausfuhre 
übeiüeigen. Denn tlit Kolpniften brfK^hten nur 
Waaren, und das Militär und die Beamten nur 
Geld in Taufch. 

Alle Einkünfte der Kolonie ßiegen felbft in 
der letzten Zeit höchstenis auf die Summe von 5 
bis 6 Millionen Livres tournois, wovon Zucker 
und Syrup allein faß ein Drittel ausmachte. 
Diefe Einkünfte konnten die zweifachen Impor* 
ten von den KoloniJten , dem Militär und den 
Beamten nicht aufwiegen und deswegen mufste 
die Regierung NachfchüITe machen , und doch 
waren die Waaren^ Importen nicht uuwohlthätig. 
Sie .verhinderten die Vergrofs.erung der Geld- 
rDaffe, die foni^ die Handarbeit würde vertheu- 
ert und befonders dem Dienfte . des Ackerbaues 
würde gefchadet haben. * . 

Dea 30.. November 1803 nahm der Kolönial- 
Präfect Lauffat Beiitz von Louißana , das ihm 
der Marquis de Caza Calvo und der Gouvetneur 
Salzcdo übergaben. *^ Seine Functionen, die er 
als Verwalter zu erfüllen hatte', waren von der 
äufserßen Wichtigkeit. Es galt die Auüöfung 
der Aufgaben : ein fo weitumfaCTendes Land zu 
beleben , die Koloniften zu ihren verfchiedenen 
Belcbäftigungen zu ermuntern, zur Urbarmachung 



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4i6 Abkandlum^ßtn, 

•von Länd^reien und Befchleuiiigmig der Bevöl- 
kerung neue KoloniRen zu berufen, ^en Handel 
nicht nur wegen der. für des Mutterland ^nd die 
Kolonie daraus entfpringenden YortheiU zu be- 
lordern^ londern. auch uni' die Engländer tou dem 
Antheile daran ganxlich zu verdrängen ; Wege und 
Straffen zu öffnen, Brücken über Flüde und 
'Waffierbehälter zu vermehren, die Flüüe und 
Wafferbehälter von Verftopfungen frei zu machen, 
finige Kanäle in diefem gleichen und weichen 
Erdfiriche zu graben; Refervewälder und Refer- 
veholzFchläge auf die Zukunft anzulegen, die Ge- 
fundheitspolizei der Stadt zur Ausführung zu 
bringen, unä die auf dem Lande nur zu erhal- 
ten ; öffentliche Unterrichtsanftalten aller Arten 
von dem Elementar - Unterricht an zu gründen; 
die Landeskunde aller Orten zu vervoilkomm* 
r.en; in allen drei Reichen der Natur die Beob- 
achtungen, die von Wichtigkeit feyn könnten» 
»nzufiellen ; die Minen zu unterfuehen-, die zahl- 
lcjl«n Vegetabilien zu Audiren, um dadurch die 
Arzneikunde, die Künfte und deSi Ackerbau zu 
bereichern. 

m \ 

Latiffat befaff fowohl Grofsherzigkeit , all 
ed!e Ruhmgierde genvtg, um üch mit allen die- 
len Gegeni^änden zu befchäftigen ; und dann fehU 
te «»ihm auch nicht an den dazu nöthigen Kennt- 
niHen. Er war vor der Revolution Mitglied der 
verfchiedenen Legislaturen gewefen, und Liebe 
wxivck Studiren war ihm, wie Hang und Gewohn* 
beit zurThäti^keit, ganz' eigen/ Seine grofse Bi- 
bliothek, die er mitbrachte «^ die gröfste^ die 



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Ah handln n g sn. 417 

hier im Lande gefeben war, — beflimmte er 2ram 
öffentlichen Gehrauche Aller, die thätigen Theil 
an dem fo vielfachen Adminiftrations - und Be- 
lehrungs -Gefchäft nehmen wollten. Bei feinet 
Ankunft verfammelte er jene KoloniHen um Jich, 
die ihm aus ihrem entfernten Aufenthalte oder 
von ihren Reifen über die Verfchiedenheit der 
Länder nach Klima und Production fichere Nach* 
richten geben* konnten; und da diefe Nachrich- 
ten ihn nicht befriedigten j fo war er im Begriff 9, 
die Reife felbft anzutreten , als er von denk franzö- 
fiCchen Gouvernement beauftragt wurde, Louifia^ 
na 'an die vereinigten Amerikanifchen Staaten zu 
übergeben. Nicht ohne tiefes Schmerzgefühl muff* 
te er feinen wohlthätigen Planen entfagen. ^) 

Den 20* December übergab er da& ganze Land 
an die- Nordamerikanifchen Kommiflarien, die 
Hrn. Claiborne und Wilkinfoh, Grolse Feftlichkei- 
ten folgten auf dielen Akt. Die Stadt Neu-Orleans 
hob fich mit ^incr Schnelle , die nur aus dem In- 
tereffe der Staaten an ihrem Flor begreiflich wird, 
empor. In Zeit von vier Monaten Abwefenheit, 
fagt Robin y hatte die Stadt ein weit fchöneres und 
reinlicheres Anfehen gewonnen. Man brach neue 



♦) Der Kolonial -Pjräfect «ntliefs den 3 December einen 
gewifTen Lud, Saint Julien , gebürtig von Bourdeaux, 
Bewohner des Quartiers Curancro ^ im District der 
Ata Kapas aus dem Gefängnifs, und nahm lieh da- 
durch die Liebe aller Luifianer, die diefen Menfchen 
als den gröfsten Verbrecher betrachteten, der auch 
deswegen eingekerkert war. 

A. f H. 



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4i8 Abhandlun gie n. 

Straften , reinigte die Wadergraben , legte überall 
neue Häufer und. Gebäude ati. Die Kaufläden 
vergröfserten ßchy und täglich wuchs die Zahl 
neuer Anki^mmlinge, der englifchen Amerikaner. 
Journale in englifcher und fr^iizönfcher Sprache 
•rfchienen, und mau hatte gegründete Hoffnung, 
daf« Banken hier angelegt werden würden. ' Allein 
da meifteus Fremde, der Sprache unkundig, fo wie 
der Sitten und der Landesgefetze, die meiften Lan- 
desstellen erl^iehen , wodurch die Louifian^r ge- 
zwungen wurden y Geh in allen rechtlichen Ange- 
legenheiten der Hülfe iheuer bezahlter, und den- 
noch ungefchickter Dolmetfche^ zu bedienen, und 
da die Zollabgaben ßch vermehrten, die Einfüh- 
rung der Negern fogar verboten wurde ; fo mufste 
Mifsvergnügen mit der veränderten Oberherrfcbaft 
nach und nach einheimifch werden *). 

*) Ao^in, der im Kanton der Ma Kapat Mitglied der 
grofsen Jury wurde, erzählt den Fall, dafs die Jury 
über mehrere grobe Verbreclien zw fprechen hatte, 
und in der Verlegenlieit war, nicht zu wiffen ; ob 
ße über diefe fchon vor der Abtretung begangene 
Verbrechen , nach dem fpahifchen , frenzöfifchen, 
rein eng^Iclien oder amcrikanifchen Codex fprechen' 
Xollte. In diefer Verlegenheit habe fich ein MenfcK 
mit einer englifchen Zpitung in der Hand der Jury 
' vorteilen lafTen, worin in langen Kolonnen die Stra- 
fen auf Diebilal, Sodomiterei, Thierheit, widergefetz- 
liches Ohrabfchneiden, oder Ohrabbeifseu, Ausreifsen 
oder Verltümmeln der Zunge, Ausreifsen der Augen, 
Schlizen der Naf« oder Lefzbn , Verßummebi anderer 
Glieder des Körpers, oder Entüelluug der Geftalt nach 
einem Geldtarif oder nach Zuchthaus- und Arbeils- 
Arafe, wie in einem Codex gegen MenfcbenfreiTer, 
genau beAimmt war» ohne dafs der gröjste Tbeil 



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Ahh andlungen. 419 

Ungeachtet diefes Liuad ^oji Frankreich aa 
Spanien , von Spanien . an die Nordamerikani- 
lichen Freiftaaten m Zeit von zwanzig Tagen ab« 
gfetreien wurde: fo wuIste wader Frankreich, waa 
e^ ehemal» abgetreten, noch Spanien , was es be- 
lelTen hatte, noch Nordamerika, was es durch di» 
neue Abtretung erhielt, und doch war nicht bloA 
ein Krieg' über die Ungewifsheit der Gränzen eut- 
Itarden» . fondern die Gränzßreitigkeiten hatten 
nie aufgehört. Zam Theil kann der zweimaligi» 
Brand von Neu-Orleans, worin auch die Archive 
zu Grunde giengen , daran Urlach fejn , und dann 
Icbienen die Wüfteneien , die L^uifiana umgränz- 
^en , nicht hinlänglich flie Mühe einer forgfältigen 
Nachfudiung zu lohnen» 



' IL Gränzen von Louißana, *) 

Der Ruhm der eFjften Entdeckung des feften 
Landes von A^ierika, von der Spitze von Oßflo^ 
rida bis nach Mexiko ^ gebührt den Spaniern. 
Lucas Vofiquez de Aillon '^*) landete hier im J. 



der Jur^ die englifche Sprache oder den fcblechten 
frantöfichen Ueberfetzer verftand. 

"*) Ueber die weftliche Gräme von Louifiana liegt bis 
jetzt noch ein Dunkel $ keine Charte genügt ganz, da 
keine die FlüITe diefer Gegenden, nicht einmal ihre 
Mündungen genau beftimmt. 

*0 Vor Aaillon^ nicht AiUon, hiels Florida Jaquaza, 
Correal Voyages T. I p. 28. . 



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4^0 Ahhan^l un gen, 

1520, liefs ß'ch in Ufitftrhandlangen mit den WiU 
den ein, und kehtte vier Jahre nachher zurück. 
Pamphil Nefitnez^ der 1528 landete, gieng 25 
Tagereifeh tief ins Land; Dominicus Soto *) 
aber, der Pizzaro auf feinem Zuge nach Mexiko 
begleitet hatte , durchftreifie es 1539 von Often ge- 
gen Weßen , nahm abetn^ali davon Beiit:^, und 
erhielt den Titel : Gouverneur von Florida (in der 
"vielfachen Zahl). Mocojo folgte ihm auf dem 
nämlichen Wege 1542 und in der nämlichen Wür- 
de ^^\ Diele Beiden Jiatten fleh von der Bai det 
heiligen Geiftes bis an die Gränzen von Mexiko, 
in der Nähe des hio Bravo oder des groffen FlufTei 
musgedehiit. Sie gaben (nefem Ungeheuern Län^ 
derftrich, wovon fie Befitz gM|ommen hatten, den 
Namen det Floriden, weil fie , was im Frühling 
und Herbft der Fall ift, ihn voll Blumen angetrof- 
fen haben follen. Man verband alfo unter diefer 
Benexinung alle Länder^von der Bai *y. EJprit^ der 
Spitze von Oft -Florida^ bit an/den Rio Bravo, 
die Gränze von Mexiko; die Spanier und alle 

europäi- 



♦) Ferdinand Soto gieiifi: den 25 Mai V53Ä mit 2^ M. 
Gavallerie, ui\d 400 M. Infanterie dahtn, und itaib 
nach feinem Streifzi^ge vor Unwillen, feine einge- 
bildeten Schätze nicht entdeckt zu haben. 

♦♦) Wenn auch J. Ponce de Leon fchon 151^^ diefes 
Land kannte, und der Fortugiefe Sebaßian Cak^t 
auf Befehl Henrichf VII^ Königs von England 1597 
eine Durchfahrt von Weften nach Often fuchte ; fo-b,*t 
doch jeuer keinen Belitz genommen ^ und diefej^ nicht 
gelandet. 

A, i^on Robin. 



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Ahhandluhgtm ^i 

europäirclie Nationen mahmeii nicht nur dief^ Be* 
nenuung an, fondem jene trugen lie fogat auf ih- 
re Charten über, fp dafs zwei Jahrhunderte hin* 
durch unter &era Namen Florida nichts ändert 
v^rftanden wurde, und felbli der Engländer Dam*- 
pier itellt ße in feiner ReM'e und auf «feinen C]:i^4r« 
ttn unteji^ keinem andern Namen vor» 

' ^' . - 

Nach den damaligen und noch jet^t befteheU«^ 
den Begriffen des öffentlichen Rechts, und der 
davon abgeleiteten Erwerbungs - Titel des Eigen- 
thums und der Souveranetat , wird man nicht 
leicht eine Beßtzergreifung nennen können, die 
feierlicher in ihrer Art, wahrer Uiid unrerfälfch- 
ter in ihrer Erhaltung , und allgemeiner in ihreiC 
Anericennung gewefen >yäre. Die Krone von Spa- 
nien ift daher durch die Thathandlung der ver<^ 
fc^iedenen Befitzergreifungen nicht nur^ fondem 
logar durch die Einwilligung aller Nationen, ftir 
die erfte und allgemeine Souveranin diefes Theil« 
des neuen Kontinents 2U achten; und follten von 
diefem Lande auch in der Folge Theile abgerifText 
feyn; fo kann man nichts anders daraus fchliefsen^ 
als dafs Spanien ße entweder förmlich hingegeben, 
oder den ßefitz davon mit Itiiler Einwilligung ge* 
liattet habe« . 

ImJ. 1564 landete Kerti Deilaiidönnüre^)^ ein 



I. 



♦) im laKr 1549 hatte Kart V* mehtere 6diftlictie dahin 
gefendet, die aber vqn den EinWölitiern auf eine 
graufamä Art «rmor^et wurden^ Im Jahr 1562 hatten 
i!ch die Franzofen unter Jöh* Ribäult hier fchon 
niedergelaffen, und 2 leichte Fort«, ChatUsfött wsk^ 

A. Q, E. XXVllh Bdt. 4; St. H h 



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42a Ähhmndlunßcju 

Franzofe, bei Penjacola .^n der Mündang euiet 
durch rpanilche Benennung von Governador be> 
kannten FlufTei ; aber die Spanier beliandeitea ihn 
nicht alt Kriegsfeind , fondern als den ärgitea 
Räuber, ^lnd knüpften «lle üeine zurück ge^aHeneii 
Soldaten auL — So barbarifch dieje Handlung 
ift, fo beweist ße doch wenigftens, daXs lie dieJjB 
Länder als ihr Eigenthunoi betrachteten. "*") 

De Lajalle^ fälfcblich von fran^^öfifchen 
Scbrififtellern für'den Entdecker \onLoui/iana ge- 
halten , unterfuchte blofs im L lt?85> •^^ Veranlaf- 
Iiing der franzölirchen Regierung,, die Mündung 
des MijJißippL Aus ünwiEenheit landete er in 
der Bai S. Bernard ^ und von hier aus gieng er 
weiter ins I and. Aber diefer Act war Itein Act 
der Befitztiühme, wozu er ohnehin keinen Auftrag 
hatte, und der, wenn er ihn gehabt hätte, den 
fchon mehr als 15p Jahre älteren und früheren 



/ 

Xarofina (naeb ihrem Könige Karl IX. benannt) er- 
bauet. Di« Freundlcbaft mit de« Wilden erbitterte 
die Spanier fo ft hr, dafs R.e die Pranzofea un.v6rmu- 
thet überfielen, den Gouverneur lebendig fchunden, 
nnd die übrigen aufhi^ngen. htscarift Hißoria novi 
Mundi, ^ 

*) Biefet Argument be weift nichts .als das Recht des 
Starkem." Im J. 1567 rüftete ein Gasconier, Dominicus 
dt Gourgomes auf feine Keilen ein Schiff aus, über- 
rumt>elte 2 fpanifche Port« und liefs die Spanier aus 

, Kache an Bäumen ebenfalls aufknüpfen. War der 
Gasconier Oberharr? 



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• Abhandlungen. ^33 

Rechten der Spanier keinen Eintrag h$tfG thuji 
können. *) 

Das Nämliche gilt voi;i S. Denis, ^der in der 
Ahficht, im Namen einer Corajjagnie Handels«. 
Verbindungen anzuknüpfen , diefen unermefs- 
1/chen Lände;rftrich in den J. 1713 u. 1716 bereiste. 
Die Länder, die er durchzog, die Orte, wo» er Maga- 
zine anlegte, können eben fo wenig als fouveränes 
Kigenthum von Frankreich angefehen werden, 
wie Mexiko, wo er eine Aufnahme fand. Dafs der 
Vicekonig von Mexiko ihn feine Strafse frei und un- 
gehindert wandeln liefs, kann die Rechte der Krone 
von Spanien nicht verkleinern. Ohne ausdrückliche 
Special - Vollmacht und ohne nachherige Beftätti- 
gung feines Souveräns konnte der Vicekonig kei- 
ne Parcellen der Souveränetät hingeben. Rreilich 
find von der grofsen fpanifchen LändennafTe, die 
Soto und Mocofo auf ihren bewunderungswürdi- 
gen Reifen berührten, die Carolinen ^ Georgien 
und Louißana abgeriffen; allein daran war die 
Gröfse diefer MafCen, die die Aufficht und Wach- 
famkcit gegen alle Angriffe und heimlich fchlauen 
Verkürzungen erfchwerte, Schuld, und dennoch 
blieb Spanien fo lange im rechtlichen Befitze der- 
f elben , bis es durch Friedens fehl üfTö in die üeber- 
gabe förmlich eingewilligt hatte. **) 



♦) Im J. 1697 gicng, was Kohin nicht anführt» Ihervillt 
alt Gouverneur dorthin ab. — Einer aus defTeh Ge- 
folge, der Chevalier de la Haute - maifon ift Togar 
durcheinen Bericht über den MiJJiJfippi bekannt. 

♦♦) Wäre doch diefe Strenge der Rechts^tte, die Ro- 

Hb 9 



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4^4 Abhßfidlungtn. * 

I)tk Pater tiennequin ^ der ein neues Land 
entdeckt zu haben glaubte, wie man aut feiaea 
irerrchiedenen B.erichten fchliefsen kann» nahm 
zwar im J. 1675 davon fielitz, allein aus geographi- 
Icher Unkunde dachte man nicht an die Spanier, 
die fchon länger, als ein Jahrhundert zuvor, diefe 
nämliche{^ Gegenden kannten , He in rechtsförmli- 
chen Befitz genommen, und darüber Soto als er- 
ften Gouverneur mit einer Jurisdiction, die ßch 
über ganz Florida erftreckte , ernannt hatten« 

Unterridhtet vom Pater Hennequin^» fiengen die 
erßen Kanadier 5 Jahre hernach, im J. 1630 erft an, 
den ma)eMtifchenilf///r//i/?;7i abwärts zu fahren, und 
lieh einen Weg durch das Innere des J^andes von 
Kanada bis an den Mexikanifchen Meerbufen xa 
bahnen; aber He wufsten nur zu gut, dafs die 
bereistei;i Länder der rpanifcben Hoheit unterwor- 
fen waren. Frankreich, von Einigen diefer Ka« 
nadier ermuntert, legte an der Mündung des M/- 
ßjßppi , damals S^ Louis genannt, NiederlalTungen 
an, ohne zu wilTen, dafs diefe Länder von des 
Floriderty wovon fie einen Haupttheil ausmachen, 
eingoTchlofTen wären. Spanien wufste diefen 
wahrfcheinlich felbÄ nicht, und liefs fich viel- 
leicht durch die Verföhiedenheit der Namen , wel- 
che man dielen vermeintlich neuen Entdeckun- 
ge|^ gab, täufchen; ^nd überdies trat hier noch 



hin Ehre macht, überall aucli dann anerkannt, wenn 
die ultima ratio Regum Re in Wolken von Dampf 
und Feuer, in Tod und Verheerung verkihidigt. 



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Abhandln ng e n. ^ 425 

•ine. politirche RückGcht ein.^ Ludwig XIV, ^ ' 
furchtbar durch eine lange Reihe von Siegen und ' 
Eroberungen in Spanien felbft, war nachher der 
BundesgenolTe von Spanien geworden, das er lo 
erniedrigt hatte. Er öffnete feine Schatzkammer, 
vergofs franzöHfches Blut, und erfchütterte feinen 
Thron, um feinen Enkel auf dem Throne von Spa« 
ilien zu befeftigen. Wie konnte Ludwig XIV. al- 
fo wohl von Spanien in der Ausführung feiner Bla- 
ue, um an dem Mifßjßppi Niederlaffungen anzu- 
legen, zu der Zeit geftört, und wie Spanien felbft 
dizu bewogen werden , demjenigen, deffen Sfiröfs- 
ling es als Souverän ehrte, Theile von der Wülie 
der neuen Welt ftreitig zu machen? Spaniens 
Stillfchweigen hätte feine Rechte n|cht vermin- 
dern können , die allein durch nachherige freund- ^ 
fchaftliche . Verträge den Franzofen gefetzmäfsig 
^ugelichert wurden. Ab et auch felbft diefe Verträge 
betrafen nichts mehr und nichts weiter, als die 
fcfaon bei^ehenden Niederlaffungen, und liefsen 
Spanien im vollften Befitze feiner Floriden^ mit 
Ausnahme der ausdrücklich benannten Theile« 

Sobald aber die Spanier einfahen, dafs #eis, 
was man Louißana nennte, nur ein Theil von 
Florida fey ; fo fiengen He an , die franzößfchen 
I^iederlaffungen aQzufeinden, und lelbft einige zu 
Ternichten^ 

Als Frankreich in dem erften'Parifer Frieden, • 
1763 Louißana an Spanien, abtreten mufste, fo 
fah Spanien diefe Kolonie, was es denn auch wirk- 
lieh war, als einen von feinen Flöriden eheniak 



/" 



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426 Abhandlungen/ 

ab^erirrenen Tb eil an. Dennoch aber behielt er, 
io bald es in den Belitz wieder eingefetzt wurde, 
die Bezeichnung der Gränzen forgfältig bei. Denn 
es hatte im Frieden die Verpflichtimg übernom- 
men, die Gefetze, Gewohnheiten und Vorrechte 
der franzöiifchen Louifianer unangetaftet zu larfeo. 
Diefen Bedingungen treu , machxe es aus Louißa- 
na ein eigenes, /von feinen übrigen Provinzen ge- 
trenntes Gouverneipent; nur dafs die Provinz 
Texas im wefilichen Theile von Louifiana, wor- 
aus Spanien fchon 1716 eine eigene Provinz gebil- 
det hatte, um lie mehr zu bevölkern, lyid den 
Handel zu beleben, dazu gefchlagen wurde, da 
Nachbarfchaft , Glei;:hheit des Klima's und Bodens 
und die wechfel feit igen Bedürfniffe diefe Vereini- 
gung nothwendig machten« Und doch, wenn 
gleich unter einem Gouvernement gehend, fo 
wurden beide von Spanien, das leinen Verpflich» 
tungen ängftlich treu blieb, auf einen Verfchiede- 
ncn Fiifs regiert, fo zwar, als wenn fie zwei ver- 
Ichiedenen Herren angehörten. ; Man hatte logar, 
wenn man von einer Provinz zur andern gehen 
wollte, Pafseports nöthig, ja die Förmlichkeiten 
wilden liier mit mehr Strenge beobach^,' als 
jvenn man in ein fremdes Gebiet gehen wollte. 
Die Vereinigung hoidßancCs mit Spanieu kann al- 
lo ebenfallr zui; genauem Beftimmung der Grän- 
zen dienen und zu Hülfe genommen werden. Diefe 
Tbatfache ift allgemein bekannt, und alle Ein- 
wohner können als Zeugen die Wahrheit derfelben 
beftätigeii^. 

Einige Stunden vom Kanton NatchitO' 



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ches"^)^ nahe bei dem Kanto«; ^dayes^ riefelt 
ein Bach, g^nanat der grofse { Grand, Rui/- 
fmari), H^r iß die von Spanien ;gewilXenhaXt für 
Louifiana^ weMich nachdieCer Gegend tieitimmte 
Gränze. . 

Aber weggefehen vom Kanton Natchitochesj 
vwo waren die übrigen Gl än'.puiikte von Louißd" 
na? Das glückliebe Wagftück des H. S. Dfriii^ 
der iich bei den» Naichitociien feftfetzte , ' und nach 
langen Verfolgungen hier von den Spaniern ge* 
duldet wurde, kann Frankreich nur höchftens, und 
das nicht einmal ganz geletzlichy ein Seuverän«- 
tätsrecht auf den von ihm befeffenen Theil geben; 
die andern von den Fvanzofen nicht b(»fetziea 
Tiieii« gehörten unbcftritten und anerkannt den 
Spanier^. Nach diefer Voransfetzung darf man an- 
nehmen, dafs die übrigen wahren Gränzputakte von 
Louißana fich. bl^ofs auf die von den Franzof«*n bi« 
1765 behaupteten Niederlaffungen befchränk'ten, 
und nxxi das zum franzöfifchen Louiftana gehörte, 
was in diefer Zeit von den Franzofen heieffen, und 
für franzöfifchen Belitz von Spanien anerkannt 
wurde; alles andere hingegen fpanilche« Eigen* 



♦) Piefer ganten durch TeineB, den* Virginüchen älin- 
lichenr Tabak berühmt^ liegt am Rothßttjjfe, 75 Lieues 
von feiner Mündung. Von feiner iMündung bis z.u 
den Avoyellen rechnet noan 20, vpn da bis zu den 
WaJJerJällen elv>nfalls 20, und von diefen bis zu deit 
Natchitoches 35 Lieues. Das den Ueberfchwemmun- 
gen ausgefetzte Land ift vom FluiXe bis z^u den Jv»' 
yelUn unbewohnbar. 



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438[ Abha n dlun g en. 

thnm fey, wie denn euch die feit. der 2eit von 
1763» wo Spanien za dem ,B®ß^z von l^uißana^ 
kam, mit dem franzöGfchen Louifiana verban« 
denen Länder nicht ah ehenudige Farcellen 
▼om fran?;ölifchea Louißaria betrachtet werden 
können. 

Bei der w^abren Gränzheftimmung ven dem 
AranzöfiTcben Louißanä mufs man lieh alfo ledig- 
lich auf die von Frankreich im Jahre 1763 befelTe- 
ai^n Ländertheile befcbränken. Diefe Epoche, die 
einzige Richtfcbnu^ Voft die ganze ürittige tjränz* 
frage. Diefer Grundfatz iß unurnftöftlich. Auf 
ihm beruht das Völkerrecht. 

Aufser dem Kanton Natchitoches gab es im J. 
1763 doch noch andere Punkte, die zu Louißanä 
gerechnet wurden. Wie verhält es fich damit? 

Von dem Kanton Natchitoches abwürts, gegen 
das Meer zu, ßöfst man auf den Kanton Opelcujat^ 
und aufwärts auf den Kanton Atakapas. Man hat« 
te von beiden Kantonen , obgleich nicht weit von 
N^u-OHdafis entfernt, lange Zeit nur änfserft 
verworrene Begriffe. Die fewei älteAen frfipazöE- 
fchen Reifebefchreiber fpirechen von ihnen , wie 
yqn ganz unbekannten Ländern. 



♦) Der Kanton Opelousas im N der Atakapas 17 Lieues 
von Egli/e^ 50 von den Natchitoches^ 20 Lieues von 
den Avoyellen entfernt, mit nicht g^nz frnchtbarem 
Boden, mit herrlichen WafTetquellen hat keinen ganx 
«nbf^deutenden Handel, den et über ^Plaquemine w 
WalTer mit der Hauptftadt und mit dem Kaiftoh Ma- 
hapas treibt. — Der Kanton Atakapas, ein Kanton 
faft noph Wenig gekannt , ift ein weitllufigcr hcrr- 



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'Abhandlungen. 439 

Dumont (!• Th. S. 259) fagt: ,,dafs man weit 
^,▼011 dem FluITe S, Louis ^ der fich tief ins Land 
9, verbreitet, eine Nation mit Namen jitstkapasj 
y,wahre Menfohenf reffer, angetroffen habe»^ 

, „Entlang der WeAküfte'S ^«g^ der !;reitläufi. 
gere Le Page dit Praz (t. IL^p. 251), „nicht weit 
y,vom Meere, findet man eine Nation, ^tak-apas^ 
„(überfetzt MenrchenfrelTer) genannt. Andere 
„Nationen haben fie mit diefem Namen belegt, 
y^weil ße die abfcheuliche' Gewohnheit haben, 
9,ihre wirklichen oder Termeix)tlichen Feinde zu 
„freffen." • ■ . ^ 

„Zuverläfljg führen diefe Anthropophagenr ei» 
y,sen ihrer Nation eigenen Namen , aber ich lieh* 
yyiie keinen andern y habe auch keinea andern ge^ 



lieber Laudeiftricb, Tom Meere umgeben, und davon 
durch niedrige Wiefen getrennt $ er liegt 48 Lieue« 
Ton iVeu-Orl^anx; den Weg zu WaiTer durch deaKaHal 
laFourche der Chetimacken gerechnet; aut tiefem Ka« 
nal kommt man an die Mündung des FluITef Techt^ 
iir der Nähe der Küfte der Teutlchen; von 4* nach 
JVeu • Iberien (ein fchon in früherer Zeit ausgefuchs- 
ter Platx «ur Anlegung einer Stadt), dann »ur Pfarrei 
detDißricts an der GrSnie der Optioufas.. Die Baum- 
wolle, der Reifs und Mais, werden hjer ftark gebaut. 
'Die merkwürdifften FIüfTe und der Ttche; deiTeii 
Ufer mit Eichen wüldern, Wiefen, und fruchtbaren 
Feldern in den fchÖnften Formen wechseln; VtrmiU 
Ion ebenfalls mit fruchtbaren Ufern und den herrlich- 
Iten Perfpectiven und der MemutaOy der die Atakapaf 
Tön den Opeloujas fcheidet, aber nicht fo bewohnt 
nnd angebaut i^, als die swei erften. 



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/ 



Jl^ 'Ahjtmnilung^n. 

^yhört. Der Vater meinet Sklaven, TMtimacha^ 
,yhatte Anverffandte bei diefer Nation. Er gieng 
9,mit feiner Frau und Sohn zu ihr. Mein Sklave, 
„in feiner Jugend der Nation entkommen , kannte 
yyihren wahren Namen nicht. Ich kenae keine 
y^europäifche Nation, die mit ihr Umgang hat. Die 
^y£ingcbohrenen anderer Nationen hefuclien fie, 
>,wie andere Völker.** 

Dann fährt er S. 240 und 241 fort. y^Nech 
^,muffl ich hier bemerken , dafs uns in diefem gro» 
„fsen Lande keine Menfchenfreffer , aufser den 
^jitaJi-apas vorgekommen find, und dafs fie, feit 
,die Franzofen iie befuchen, und ihnen ehien 
^,Abfcfaau an * diefer unmenfchiichen Gewöhn- 
,,heity ihres Gleichen zufrellen; beigebracht ha» 
,,ben, verfprachen 9 diefem Gebrauche in der Zu- 
yykunft zu entfa^en, und. feit der Zeit hat mt« 
,,auch nichts mehr davon gehört.^^ 

„Die Oque-louffas {Opeloujas) find nur ei- 
„ne kleine, in Weften über Pioints coupee einge- 
"„engte Nation, von der die Franzofen felbft nichu, 
„als den Namen wifCeü. Von einem Menfchen 
'„diefer Nation, der mir begegnete, habe ich er- 
^»fahreni, daf$ fie am Ufer zwei kleiner Seen wohnt, 
„wovon das Waffer durch die Menge auf dem Grun- 
„de liegender Blätter ein fchwarzcs Anfehen, uöd 
„fie ihren Namen Oque-louffas (fchwarzes Waf- 
„fer) haben." 

„Von den O^ue • loujfas bis an den Rothßuß 
„findet xadfi keine andere Nation, als oben am 
„Stürze diefcs FlufCe* ,an beiden Ufern die kleine 



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^^tiatiqn Avoyelle^. Sie waren e«, iit den Fran« 
^^zofen in Loui/iana-^ieid^^ Ophfen, Kühe atufühir« 
9,ten« Ich kenne- 2war den Maskt^, wo fie diefet 
,, Vieh kaufen, und das GeM nicht, womit Jie et 
9,bezahlen; a'ber lo viel ift gewifs, dafs das Stück 
yynnr 20 Livre?^:koÄet* Die Spanier r^oii Neu^Me» 
^yociko haben eine lo grofse Anzahl, dafs fie .nicht 
yywilTen, wa» fie damit anfangen Folien/^ ', : 

y Wplcb^ Un^illenheit in der Länder - undi 
Orts-, undlelbrt in der ^amenls^unde beider Kan- 
toxL^, von Spit^n dfefer zwei Sohrififteller I Und 
dqqh hatte der eine^i6, der andere 20 Jahre in 
LcuLißana gewohnt, waren Beide. Zeugen voa 
Mu^, Mithelfer zu den ^vorzüglichfteii, Anpflanzun- 
gen gewelen. Beide lind darin, einig, dafs die 
Kantone npch weit entfernt von gefetzlich^r Ein- 
ric^itung waren. Ein anderer RfeifendeE neuerer 
Zeit, und franzöfircher Officier, der die Kolonie 
1762, d. h. zur Zeit ihrer Abtretung an Spanien^ 
verliefs — Herr Boffu^ — fetzt es auCser allen 
Zweifel, dafs die Atdkapas und auf der nämli- 
chen Linie die Op^loufas, und Avayelles zu der 
Zeit noch nicht eingerichtet, ja feifeft noch nicht 
bekannt waren. 

'' ■ ' • ^ 

„Die Atakap as*^ y fagt er *), „find mit gro- 

^.fsen Pfeilen und 'Bogen bewaffnet. Sie bauen 

^fden Mais, wie andere Nordamerikanifche Töl- 

• 

*) In feiiiem Werke: Nouveaux Voyäges aux inde^ 
Occidentales par itf. Bojfu , Capitaine dans les troupes 
dt La marine^ II. partie p, 151 (Jahr des Druck« 1768») 
* ; A, Rohins. 



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43t Abhandlungen. 

yykcr. Diefer Erdtbeil enthält auf feineai miu- 
yigedehnten' Fl^chcnrauäi Völker^ die, und deren 
9,Gränzen man noch nipht alle kennen lernen 
yykonnte*'^ 

Und dann ift et eine bekaon^e Thatfacke, 
die noch auTserdem durch neue fireignilTe ht- 
iwiefen ift, dafs die Atakapas^ Opeloujas und 
Avoyelles nur unter fpanifcher Verwaltung mit 
ihren Anfiedelnogen angefangen/ und von ihr 
Kommandanten erhalteü haben. Selbft la Powr» 
che ^ von Neu-OrXians^ kaum sy3 Stunden cnt- 
fAnty ward erß im Jahre 1763, wo die Abuc- 
tung von Louifiana fchon gefchehen ^war, be- 
fetzt, und zw^r von Akdoliern^ die dem Todt 
aus «^. Domingo entflohen waren. Man kann 
alfo mit Recht diefen Flufsarm als eine fpani- 
Iche,* von. den Franzofen nicht eingenommene 
Befitznng anfehen ; und Telbß , was das Merk* 
iwürdigße ift, fo gehören die Ländereien and 
Lagunen von Barataria , die zwifchen dem 
Häijfijfippi und dem Arm von La Fourche lie- 
gen, nur den neneßen Entdeckungen an. Ein 
^ franzölifcher Officier, mit N§men Marigne de 
^Mandevillej der kaum erft auf diefer Kolonie 
ftarb, 'gab ^763 ein Memoire über die neuen 
Entdeckungen nach der von ihm fogenannten 
Infel Barataria heraus, wovon die Lage der 
^Küfte, wie Boffu fagt, uns unbekannt ift, und 
wovon Mandeville auf eigene Koften mit unex- 
müdetem Eifer die Entdeckung genftacht hat 

Vo|i dem Rothßuffe alfo an bis an das Aleei 



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'Ahhmnälun g€fu 433 

hatten .die Framoren nicht eine einzige Nieder« 
lallung ; fie hatten fich von diefer Sf ite nicht wei« 
ter über die Ufer dei Miffißippi^ mit Ausl'chlub 
des Arms von La Fourche^ ausgedehnt^ und alle 
diefe Länder, aU nicht befetzt von ihnen , lind 
fpanifchea £igenthum; und\ gefetzt auch, wenn 
Franzofen bis dahin vorübergehend vorgedrungen, 
ia^fbgar lieh einzeln angeliedelt hät;:en i fo kann 
deswegen diefes doch nicht als ein bindender Be* 
vreis für die Rechtlichkeit ihred Beluzes- angefe- 
hen werden. Denn • die franzößfche Regierung 
müfste einerfeiti ihr gefetzliches Anfehen in der 
Wirklichkeit behauptet, und Spanien müfste an* 
dereirfeits lie als rechtlich erfte Eigenthümeria 
anerkannt haben — eine nothweodige F,ölge 
aus dem zum Grund gelegten völkerrechtlichen 
Princip. 

Nördlich aufwärts vom Rothfluffe kötat man 
auf den Schwarzßu/s oder Ouachita, An den 
Ufern diefes Fluffes, bei einer Wiefe, hat fich 
zwar zur Zeit des Regenten , wo mehrere grofse, 
mit ConcefTionen befchen^te Franzofen nach Loui" 
Jianä kamexif und unter diefen namentlich Vitle* 
mond angebauet; aber felbft diefe einzelne Beliz-» 
zung erhielt fich nicht, und mutfste bald wied'ei* 
aufgegeben werden. Die Ufer des Schwarzfluffes 
blieben lange nachher unbewohnt« Einzelne Ka-» 
nadirche Jäger , die hier Jagdzüge machten , . fetz- 
ten ßch feft, aber der erfte Kommandant, Filiot^ 
ward von Spanien vor 30 Jahren angeftellt. Die 
Gegend felbft war 'alfo immer in fpanifchem Be*» 
fitz, und dasFlufsufer kann noch als Gränze an* 



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' 



434 ^bhandlwng&Tu 

{«Teben werden, weil a^ dem FluHe aux hoeufs^ 
der in den Schwarzflujs oberhalb Bayou Louis 
fällt, und Zwilchen dem Miffijfippi und diefem 
inne läuft, noch jetzt keine Anfiedelung iü. 

Am Fluffe Arhanfas^ weiter oben gegen Nor» 
den, üedelien iicb, recht f^rühe aber, einzelne 
Franzofen an, die Jagdliebhaberei, der Za^ubtr 
Äen Landes und die Anmuth der Nation hieher ge- 
zogen hatte. D^r Rjtter von Tonti kam bei feiner 
Rückkunft -^ er war vom Käntofi der Illinier auf 
^QUi Mijfijßppi abwärts gefahren, um La Solle 
fuifzufncben — auf dielen Flufs, verband iich 
mit den Eingeborenen , bauete ein kleines Fort, 
und liefs dann lO Mann zurück. Von diefer Zeit 
an hatten die Franzofen diefen Poften im Befitz, 
und da Spanien ihm in den darnach gefchlpHenea 
Veriiandlungen nicht widerfprach, fo mufs er als 
ein ergänzender Theil vonj franzöfifchen Louifia- 
na^ngefehen werden, aber auch nur diefer Polten, 
da die Gegenden weiter hi^a^uf hierunter nicht- 
begriffen werden können. 

Höher gegen Nordwefien, an dem lang ge- 
krümmten, und weder von den Europäern , noch 
Amerikanern hinlänglich gekannten ikf/^ourw hin- 
auf, können die Souveränetätsrechte von Spanien 
eben fo vjrenig beftritten werden. Seit mehr ab 
20O Jahren iit Spanien im Befitz der Quellen des 
Mlffpurisj es kennt fogar praktifch alle f eichte 
Stellen, und es hat fich noch über diefe Quellen 
hinaus Wege bis tief in Nordweü gebahnt, um 
fich Handelskommvinikationen^ die es dem Auge 



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Abhandlung en* 435 

jrivalifirender Nationen forgfältig verbirgt, zu vey- 
Xchaffen. Seine Unterthanen, unglaublich Weit 
Tind überall zerftreut , haben hier Komtoire, Nie- 
derlagen und regelmäfsi^en Handel^ ausfchlie* 
fsend fogar mit den Wilden.^ ^inige diefer wil- 
den Nationen haben lieh Spanien unterworfen, 
andere^ lind ihm nur zinsbar, andere blofs Schutz^ 
verwandte. Alle diefe Verbindungen entfpringea 
AUS der ehemaligen Oberherrfchaft Spaniens über 
diefe Länder. ^ Sollte alfo ein ununterbrochener, 
2wei und ein halb Jahrhundert behaupteter Souve- 
ränetä^ts-Beiitz, geftützt auf fo ehrwÄd ige Rechts- 
titel, es nicht auch für die vereinigten Nordame- 
rikanifchen Staaten feyn können? Was würde 
dann aus ihren Rechten auf jene • Gegenden wer- 
den, die iie bewohnen? was aus ihrer eigenen 
Exißenz? Per Befitz der Mühdung des Miffouri 
giebt kein' SouTeränetäts* Recht auf feine Quellen. 
Kuropa, Alien und Afrika be weifen die Wahrheit 
der Anwendung diefes Princips zureichend und 
faft von jeder Seite. £s würde fogar das Gegen- 
theil für Iie daraus folgen. Denn es liegt in der 
Natur der Sache , die Quelle, die auf eigenthüm- 
lichem Boden entfteht, zu verfolgen, und man 
inufs bei der Rückfahrt der Natur gewifCer Mafsen 
Gewalt axvthun '*')• 

Das Nämliche gilt von den öftlicben ^egen* 



♦) Diefes Raifonnement , Xchief an fich, könnte die 
RechHanficht traben, wenn fie nicht durch andere 
- Gründe gehalten wäre. 



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436 Abhandlungeh. 

den des MiffiffippU die von $paiiien nie vertrage« 
niaCsig aufgegeben find» Wollten die Nordameri- 
kanifchen Staaten behaupten: dafs fie b§i den Ver- 
handlungen über die Abtretung von Louißana we- 
der an eine fo fehivbefchränkte Gegend hätten den- 
ken ^ noch dafa Frankreich eine inlche Befchrän« 
kung hätte irorausfetzen können noch wollen; 
fo kann man darauf antworten: Frankreich hat 
nie beglaubigte und fiebere Urkunden über die 
Gränzen von Louißana gehabt^ et hat nicht meht 
abtreten können und abtreten wollen , als ea wahr 
und rechtlich zu belitzen glaubte. Wäre Louifia- 
na viel grpfcer geweXen^ alt et Frankreich felbft 
geglaubt hätte; fo würden die vereinigten Staaten 
bei diefem glücklichen Ungefähr allein gewon- 
nen hahen; wäre es aber unter diefier nämlichen 
Vorausfetzung kleiner gewefen: fo würde Ameri- 
ka allein den Nachtheil zu tragen haben. Frank- 
reich konnte nichts zum Nacbtheil von Spanien, 
als einer dritten ganz fremden Macht und Berfoji« 
ftipuliren« 

Nut auf diele Ai^ erhält die Beantwo^ 
tung der Frage über die Gränzen von Louißana 
Klarheit und Licht. Das Principe worauf fie be^ 
ruht, ift das aller völkerrechtlichen und JPrivat ver- 
trage, der Grun^ aller gefellfchaftlichen Verbin- 
dungen. Will man diefes Princip verwerfen, fo 
ia die Frage unauflösbar; die finftere Willkür 
hat dann ihr freies Spiel, und die phyfif che Ober- 
gewalt wird alsdann allein Richterin, um den Kno- 
ten zu löfen. 

Man 

/ 

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Ahh an dlun ^ en. ' 437 

Man kann alfo als Schlufsfolgen annehmen: 
I) Spanien y als erßer ui^d rechtmäfsiger Souverän 
aller Länder zwifchcn der Bai »9. Efprit und dem . 
Rio Bravo y hat keine neueren Rechtstitel nöthig, 
um feine Souveränetät noch me)ir zu heglAubige^* 
^) Sollten Theile davon abgerilTen leyn , fo müf* 
feil die nachgekommenen Eigenthiimer ihr Recht • 
hierauf heweifen. 3) Nicht nur der Befitz Toa 
IfOuifiana , fondern auch der von allen leinen Um- 
gebungen/ mufs nach diefem Frincip beurtheilt 
werden. 4) DetwegiTn hat diefe Gegend das Ufet 
des Miffijßppi weltlich zur noth wendigen Gränze« 
5) Das auf der Infel La Fourche eingefchloffene 
Land, als nicht dazu gehörend, iü fpanifches Ei« 
g^nthum. Auf dem Rothflujfe laufen diefe Grän« 
ztnnv^h^^nNatchitochen bis an die Grofse Quelle 
in dem KantoU der Adayen vor; zurück an den 
Mijfijfippi aufwärts dient das Oftufer diefes Fluffea 
unansgefetzt bis an den Flufs Atkanfas zur Grän- 
ze; hier aber fpringt lie ein wenig nach der Mün^ 
düng diefes Fluffes, wie oben etwas höher hinauf 
nach der Mündung des Miffouri vor. 6) Die 
Principien, worn ach hier Louifiana^s Gränzen be« 
ßlmmt find , machen die Quelle , woraus die $ou- * 
reränetät aller Nationen und das Eigenthuni aller 
Individuen Schutz erhält. Die Nordanlerikani- 
fchen Staaten därfeii daher Geh keine Um - und 
Eingriffe erlauben^ weifti fie nicht den Grund ih- 
rer Staatsrechte und die Sicherheit ihres indivi- 
lueJUeA Eigenthums umftürzen wollen. 

D. 



A. O. '% XXrnU Mds. 4. Ss. li 

Digiti^d by CjOOQIC 



BÜCHER - RECENSIQNER 



I. 

Effai politique Jur It Royaume de la Nouvelle" 
Espagne, par AI. de Humboldt. Paiis, igog. 
chez Schoelly et Tubingue chez Cotta L et IL 
LivraiTon, XLVIII. und l?^ S* in 4to. Avec 
un Atlas giographique et phyfique^ fond^ fur 
des obfervations i^roxipmiques , des melures 
trigonom^tiiques et des mvellexnens barom^tn- 

. ques. I. et II. Livraifon in gr. Folio« (Keidei 
ah dritte Hauptabtheilu^g der Reife des Hm- 
AL 1)011 Humboldt undAL Bonpland.) (Dsr 
Preis iß 12 Rthlr. 16 gr. jede lAeferung). 
(ScU^ra Ton S. 317 d«ft März «Hefts-) 

Im vUrUn Kapitel wird di# ZXhlang der Bewoluer 
Ton Neu -Spanien, die mai^im I^kr% 1793 vornahm, lo 
wie die Art und Weife, wi? folche vorgenommen wurde» 
und die Relultate derfelben angegeben; aber auch das 
Unzureichende derfelben gezeigt. Sodann wird von den 
Fortichritten der Bevölkerung, befonders durch Belef« 
aus vieljährigen Liften der -Gebomen und Geitorbeneii^ 
. und 'von der Ueberzahl der^Gebornen gehandelt, welche 
Ueberzahl nach Verfchiedenheit des gefunden oder an 



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Bücher - Recenjionen/ 439 

lernnden Xiima^s lieh riclitet. Der Hr. Verf, giebt bin* 
län^lich^ Gründe an,- und zeigt, dafs die alten (und 
1763 '<<urch finen Dr. Treyob -wieder anfeewärmten) 
fpanifchQu Nacliriehten von der f^rofsen V^^lksmenir« 
s^ 8)285)000 Seelen der Indier zu^ Zeit der fpai^ifcheii 
Eroberung gänzlich falCch feyen.. Archival -Nachrichten 
geben für das Jahr 1575 die Summe der Indianer im 
KSnigreiche P^ru nur auf i;50o,ooo an.' Die xwar 
|iiizur«icbende , jedoch bis jetzt einzige Zahlung der 
Einwohner von Neu-, Spanien im Jahre 1793 gab fol« 
gende Refult#te, die man alt das Minimum des BeTÖl* 
kerungtzuftandes %^ jener Zeit «nXehen mulf . 



112 



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1 



A¥> 



MuehiT - Kecen/ion^ic 



N a m n 

d€r Gouvernement e und In- 

tendantfc haften , in welchen 
die Volkszählung t^ vollen- 
det worden iß, ^ 



Bevölkerung 



der Gouver- 

nemente und 

'Intendant' 

Schäften, 



der 
Hmuptßädte, 



Mexico 
Puebl« 
Tlaital« 
Oaxaca 
Valladolid . 
jQiiailaztutto •' 
San Lmis Fotofi 
Zacatecas • 

urango 

onora • • 
Neu- Mexico . 
Beide Californien 
Yucatan 



i> 163,886 

566,443 

69,177 

411,366 

289,3'4 

3^7»924 

842,380 

118,027 

122,866 

93.396 

30,953 

12,666 

358>26r 



112,926 ♦) 

52»7i7 

3»367 

19,069 

17.093 
32,098 

8,571 
25,495 
11,027 



28,39* 



Summa » , 
Intendantfclialt Gtiadala- 
xara (nach def Grafen Re- 
villagigedo Bericht ^n den 
König) , 485,000 Einw. 
Intendantfchaft Vera • Cruz 
(nach voriger Quelle) 

120,000 Einw. 
Provinz Qohahuila (nach vo- 
riger Quelle) 13,000 Einw. 



3i856,ö«9 



618,000 



Totalfumme 



4>4«3,529 ♦*) 



Diele Summen Gnd überein Aimmend mit deb Ar- 
chivalacten; im Lande xirkulirende Ablchtiften wei< 
chen verfehle deutlich ab. 



*) Einer berichtigten Schätzung zu Folge leben gegenwir 
tig in dey Hauptüadt Mexico 135,000 Menfchen. 

**) Alles reiflich erwogen glaubt Hr. v. H. die gefaromte 
Bevölkerung Neufpaniens zu Ende 1803 noch zu niedrig 
«n fchätzen, iirenn er lie durch 5,800,000 Einwohner aar 
drückte , und dalt lolche 1808 auf 6,500,000 fich belaufe. 



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Bucher ^ Reesn/ienem 441 

Als BeUg Ton dem Terfc^iedenen VerhiltnilT« d«v 
Zunahme der Bevölkerung ^ oder der Uebercahl der Ge- 
bornen über die Verftorbenen, nach Verfchiedenheit der 
feiunderen oder imgefnnderen Gegenden giebt d^r Hr* 
Verf. folgende Refultate. 

Man kann rechnen: ^ 

Gegen 100 Gefiorbent^ im Dolores^ 253 Oehorne, 
Oegen 100 Gefu, zu Singuilucan (nördl. von der Haupt« 

ftadt Mexico) 234 Otb, 
Gegen 100 Geß, zu Calimaya (in fchon ziemlich kal* 
ter Kegion) 202 Geh, ' 

Gegen 100 Gefl, zu Guanaxuato 201 Geb. 
Gegen JOO Gefl, zu St, Anna (bei Guanaxuato) 195 Geh, 
Gegen 100 Geß, zu* Marfil (bei Guanaxuato) 194. Geh, 
Gegen 100 Geß. zu Queretaro 188 Geb. 
Gegen 100 Gefi, zu ^ira;?uzc<> (nördlich von der Stadt 

Mexico) 157 Geh, 
Gegen 100 Geß. zu Yguala (in einem fehr heifsem 

Thale bei Chilpantingo) 14Q Geb. 
Gegen 100 Geß. zu Malacatipec (28 Meilen weHl. tob 

der Stadt Mexico) 134 Geb. 
Gegen 100 Geß. zu Panueo 123 Geb.^ 
Daa mittlere Verhältnifa dfr Ueberzahl der-Gebor- 
««■ über die Verftorbenen in diefen 11 Orten wäre 183 
SU 100. Oaf mittlere VerhSltnifs der Bevölkerungtzu« 
»ahme durch Ueberzahl der Gebornen über die Ablter- 
benden für ganz NeU' Spanien glaubt der Hr. Vfr. durch 
X70 zu 100 ausdrücken zu können. In den vereinigten 
Bordamerikanifchen Staaten ift Xolches s= 201 der Ge- 
bomen zu 100 der Abgeworbenen. Der Hr. Verf, ver* 
gleicht in diefer Hinlicht die Thatfachen mehrerer Län- 
der, und alt vergleichende Refultate der Ueberzahl der 
Gebornen Über die Verderbenden kommen ita Durch« 
fchnitt« 

gegen loo Gell, in Frankreich ^ iio Geh* 

— — — — England f X20 Gab. 

— — — — Schweden , 130 Geb. 
-^ — — — ' Finnland^ 160 Geb. 

— — — —im ruffifchen Reiche, x66 Gefcr 

— — — w. fF€fipT€nfs€i^f lao Geb. 



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4491 Bücher " Recenfionenm 

% Gelten loo G«fi;. im GouTeimemeiit Taholrk (nacli Herr- 
mann) , 2IO Qfih* 

Gegen loo GbSL in meHreiren Gegenden der Hock- 
ebene von Mexico ^-'2S<i Geb. 

Gegen lOO Geft. in Ngu - J^r/ey in Nordamerika , 300 
Geborne. ^ 

Die fcbnelle oder langfame Zunahme der BevöUce- 
jrnng eines Landes hangt alfer nicht blofs von der Mehr- 
sahl der jährlich Gehörnen über die jährlich Abfterbea- 
den ab (fonft müfste die ISevÖlkerung der letzteren 
Staaten die Bevölkerung der er Heren Staaten fchon längft 
aurterordentlich übertroffen haben)^; fondern es kommt 
zugleich auf das Verhältnifs der mehreren oder wenige- 
ren und frühzeitigen ^erheurathungen der Bewohner ei- 
nes Lan es an ; und die Zahl der Verheurathungen hängt 
dann wieder von der Leichtigkeit^ und den Vortheileo, 
oder der Schwierigkeit und den Nachtheilen , fich und 
eine Familie zu ernähren, ab. 

Wo Fabriken , Handlunj^ , Bergwerke etc« emporkom- 
men oder blühen^ wo wüfte Länder, Moräßey Wälder 
urbar gemacht werden ,^ und neue Anfiedelnngen erfol- 
gen: da niufs die Bevölkerung raich yorwärt« fchrct- 
^n, ^— 

^Ein heifses und dabei trooknes Klima ift nie unge- 
fund , njir ein heifses und zugleich fehr feuchtes Klima 
bewirkt die gefährlichen fchnell tödtenden Krankheiten, 
und ilt Kindern und jungen Leuten am gefahrlichltt^n. 
Was dann in diefen Jahren nicht ftirbt, hat fich an d$s 
Klima gew<^hnt (acclfmatiürt) und erreicht dann ein re- 
lativ fijT diefes Klima hohes Alter. Die Dauer des Le- 
bens ilt aber nach Verfchiedenheit des kälteren und 
heiXseren Klimans wieder fehr verfchieden, 

Ueberhaupt ilt in Neu ^ Spanien die Anzahl der jähr« 

hcfi Gehörnen auf» 350,000 > die der Sterbenden auf 

300,000 anzufchiagen, We/in alfo keine Unglücksfalle^ 

' B. 3. Seuchen, Huogeranoth, Erdbeben etc. eintreten: 

lo ?ermahxt fieh jährlich die Bevölkerung Neü-Spimiais 



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Bücher " R^ een/iö n0n. 443 

um X5Q,ooo Menfchcn, fo dafs ohne befondere Unglücks« 
fälle die Volksmenge von Neu- Spanien alle 19 Jahre >-.ficK 
-verdoppelt haben wird. Im König|reiche Peru rcheint 
eine Verdoppelung der Volkszahl alle 39 bis 40 Jahre er- 
folgen, zu können. In den nordamerikinifclien Staaten 
<als Gefammtftait) erfolgt eii^ Verdoppelung gegenwär- 
tig alle 13 bis 14 Jahre. In Frankreich kann (wenn nicht 
^ Kriege und Seuchen herxfchen) nur in 214 Jahren die 
Bevölkerung lieh verdoppeln. 

Das fünfte Kapitel handelt von den ■ Seuchen und 
Krankheiten Amerika's, und von den tibri(^n dem regel- 
inäXsigen FortTchreiten der Bevölkerung nachtheiligen 
Zufällen;, desgleichen von dem Gefundheitszultaudei der 
Berg- und Hütten - Arbeiter. Zii den gefährlichen Seu- 
chen gehörten bisher die Menfchenpocken , die jedoch 
nur alle 17 oder 18 Jahre h^rrfchend wurden, und des« 
Kalb auch häufig erw.achfene Perfonen befielen. 1779^ 
Aarben allein in der Hauptftadt Mexico 9000 Menfchen 
an diefer Krankheit. Worauf gründet fich die periodi* 
fche Wiederkehr mancher Krankheiten in ge willen Län- 
^ dern? fragt Hr. v. Humboldt, Die Einimpfung der Men« 
fchenpocken hat fpäterhin auch im fpanifchen Amerika 
Eingang gefunden ; noch mehr Eingang wird die Kuh- 
pockenimpfung finden, welche 1804 in Mexico einge- 
führt wurde, und vortrefflich gelang. Ja man hat an 
den Kühen in der Gegend von Valladolid und bei Pue- 
hla diete Krankheit zum Glück der Menfchheit als einr 
Heimifch entdeckt, und fomit eine un^erfiegbare Quelle 
TJtt Verbreitung der Kuhjpockenimpfung gefunden. . Es 
war fo^ar in diefen Gegenden den Indianern aus Erf^- 
rung bekannt, dafs wer die Kuhpockenkrankheit gehabt 
habe, gegen die Menfchenpocken fü^ immer gefiebert 
fey; und doch waren fie nicht vtrnünftiger als die Af- 
fen y die an einem vo^ ungefähr gefundenen Feuer fich 
wärmen , ohne es zu unterhalten ; diefe Ihdianer hatten 
keine Anwendung von dieler Cntdeckung gemacht! 

/ 
So wia das gelbe Fieber oder das fchwarze Erbre- 
chen /eine blofs endemifchei nipht epidemirche Seuche) 



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vorzüglich die nicht acclimatilirien £tiropä«r und Indi«« 
ner ergreift ti;nd hinrafft: To giebt ^s eine andere , zum 
Oliiclc nur alle loo Jahre wiederkehrende Seuche, wel« 
che hloft' und allein die Indianer erjgfreift; der Name 
da^on/ift Matlnzahuatl ^ und diefe Seuche verbreitet Gcli 
auch in die kälteilen obe^n Landftriche. Hungefsnoth 
ufid die daraus eVitfpringenden aOhenifcheu Krankheitei 
Brachten im Jahre 1784 in Neu • Spanien 300,000 Men- 
fchen ins Qrab. (Wann werden endlich die Regiemo« 
gen der Länder — nach König Fritirich de^ Gre/sgn Bei- 
fpieie— anfangen, diefer ven Zeit «u Zeit unvermeidlicli 
eintretenden Noth durch Anlegung von Magazinen vor- 
«ubeugen ? ? Die Gütigkeit der Natur ift unendlich gröX- 
fer, als die Vorfichtigkeit der Menfchen!) 

In Peru herrfcht noch das abfcheuHche Zwangr* 
trecht (Mita), die Indier lu dem Bergwerksdienfte su pref- 
fen, unter welchen ungewohnten Arbeiten in ungewohn« 
ten Klimaten fie häufige umkommen. In Neu • Spaniern 
v«ber ift feit 30 / und 40 Jahren der Bergwerks- und Hüt- 
tenbetrieb eme freie Arbeit^ Wie Hr. v. Humboldt gegen 
Rohertfon beweift. Es find 28 bis 30,000 Menfchen damit 
befchäftipt; insbefondere 5 bis 6,000 mit den Amalgc> 
mir -Arbeiten. Diefe Summe macht mithin nur jj^ Theü 
der ganzen Bevölkerung des Landes aus. Die Sterblich- 
keit bei diefen Bergleuten ift nicht viel gröfser als hü 
der gemeinen Volkaklalle des Landes. H,r. v. Humh^hU 
beweift aus den Muskelkräften diefer Arbeiter, /elbf 
der jungen Leute von 16 und 17 Jaliren, den groben Irr- 
thum Ra/naVs und Pauw's, welche die MenfchenraJTea 
an Amerika als fpätcre Schöpfung kraftlos darllelltea. 

Im feckßen Kapitel ift die Rede von der Verfchie- 
denheit der Kaften;* von den Landesein gebornen od« 
kupferfarbigen Indianern , ihrer Amahl und ihren Wan- 
derungen ; von dem Grade deir Givilifation derfelbei, 
und der grofsen Aniahl Ar indianifchen Sprachen. Dt« 
biftoiuXchen Unterfuchungen werden auf fahr geprüft« 
Notizen gegründet, find äufserft mannicKfach undböchft 
•nsiabejid; und a^igen zugleich , mit welchem Fleü^ 



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Bücher '^ Reeen/ionen» 445 

Ech der Hr. Verf, auclt der Erforfchung diefer Gegen- 
Mnde gewidmet hat. Die Mittheilung derfelben gehört 
jedoch nicht für diefes Journal, fondern für das ethno» 
graphifche Archiv. Wir heben daher nur folgende allge- 
meine Ueherfichten auf. ' . ^ 

Bei Zäh^ttg der Volksmenge 1793 fanden fidi 
«n Indianern unter der gefammten in der Inten-, 

Volksmenge von ' dantfchaft 
l75iO(X> 3^)000 Guanaxuoto^ 

119,000 290,000 Valladolid. 

416,000 638,000 Puebla, 

^63,000 411,000 Oaxacp. 

HSchft anflehend ift es zu lefen, * was Hr. v. Hum* 
Mdt von den mathematilchen und chronometrifchen 
Xenntnilfen und Pertigtceiten der früheren Indianer er- 
sählt. KenntniiTe, die durch Ausrottung ihrer Priefter 
und höheren Stände uliter den heutigen Indianern gäns- 
lich erlofchen find. Höchft traurig lautet das Fol^ 
gende: »»Die Indianer Mexico"* f überhaupt betrachtet, 
geben die DarftelJung Ton einem grofsen Elende. In die 
wenigft fruchtbaren Gegenden verbannt , forgen diefe 
Eingebornen, träge von Natur, und noch mehr nieder- 
gedrückt durch das^ Gefühl ihrer politifchen Lage nur 
▼Ott einem Tage tum andern für ihre BedürfniUe, Paft 
vergebens fucht man auch nur einzelne zu finden, 
die im mittleren Wohlßande ein weniger kümmei^liches 
Leben führen könnten. Paft insgefammt find fie äuTserft 
arm. " 

Eine delto auffallendera Ei^fcheinung gewähren da* 
her einige indianifche Paniilien, deren Vermögenszu- 
l^and um fo mehr ungeheuer grofs erfctieint , vals man 
folchen in der niedrigften VolksklalTe nicht erwartet. 
In den Intendautfchaften Oaxaca und Valladolid in dam 
Thale von Toluca^ und vorzüglich in den Gegenden der 
grofsen Stadt de la Puehla de los Angeles leben einige 
Indianer, die bei dem äufiern Anfcheine des Elends, 
gekleidet wie der ärmft« dielet Volkes, lieträchtliclie 



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446 Bücher ^ Rec e, nfi onän. 

Beic1ithümer~ befitten. In der kleinen Stadt CheluU 
ttarh damals eine indianifche Frau, die in Grundßücken 
einen Werth von 360,000 Franken hinterliels. Der Hr. 
Verf. macht einige der reichlten indianifclien Familien 
namhaft, iie heiüsen: Axcotlan\ Sarmientos, RonteroSy 
Sachipilteca^ Tecuanouegues, Jede diefer l^amilien b^ 
fitzt ein Kapital von Soo>poo bif zu einer Million 
Franken. 

Wie folche dazu gelangt lind, erklart Hr. v. Hum^ 
holdt nicht. Ref. kommen ß^ vor, wie einzelne fehr 
reiche Juden - Familien unter dem übrigen TrofTe der 
Ifiraeliten. Auch der ächte ITebraer verbirgt fein Ver- 
mögen durch ein fcl^inbar elendes Äeufsere. — Es find 
waUrfcheinlich urfprunglich reichere Abkönuriliiige in- 
diatiircher Adelichen (Gaziken); aber das ehemalige £i* 
genthum aller Indianer wurde ja felbft gefetzüch als 
Beute den Eroberern zugefprochenl 

• 

Wie aufgeklart man zum Theil über die wahren Vor- 
theile und Nachtheile der Verwaltungsr und.Kegiemngi- 
Maximen des rpanilcheh Amerika felbXt im Lande denke 
und urtheile, beweift der Hr. Verf durch ausgehobeae 
Stellen aus einem Pro Memoria des Bifchofs und des 
I Kapitels von ValladqUd und Mechoacan vom Jahre 1799 
an den König vpn Spanien; welche Vörftellungen aber 
leider ohne Erfolg geblieben lind. 

Wenn gleich die rpanirch-amerikanifchen Beiitzun' 
gen keine Kevölution von eingeführten Negern zu be- 
fürchten haben , weil deren Anzahl , wie Ichon bemerkt 
wurde, viel zu klein ift; fo giebt der Schlufs des Kapi- 
tels doch ein Beifpiel von einer Infurrection der unter- 
drückten Indianer, im Jahre 1781 und 82 / die fchreck- 
lich und blutig genug in ihren Folgen war. Ueberhaupt 
wird auf das deutlichfte gezeigt, wie unterdrückend und 
anfcheulich ungerecht felbft noch zur Zeit gegen die 
Landeseingebornen eigentlichen Indianer verfahren Wird, 
und dals dies früher nder fpeter die fchlimmilen Folgen 
nach fich ziehen muKtf wenn nicht andere Maximen ex- 



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Bücher - Rece nfi onem 447 

^priffen werden. Die gegenwärtige Umbildung deir Ver- 
warf ung Ton Alt - Spanien wäre nocK nöthiger für die 
VerfalTung in Neu - Spanien. 

Von den wichtigen Gegenwänden de9 ßthentdn Kapi" 
tels über die Europäer ^ über die Creolen, und den Zu« 
Itand ihrer Ausbildung; über den Zuftand der WilTen- 
fchaften und Künite im fpanilchen Amerik« überhaupt; 
#ber:die Cf^Ieicklfeiten des Vermögenszuftandes ; ' über 
die Vermilchung des ßlu^es, und üb^er die Kaften« üb^r 
4i« Verhält ilTe beider Gefchlechtei^ zu. einander, und 
fiber die- Lebensdauer liach dfr Veri'chiedenheit deir Meu- 
Ichenftämm« , ' ' kdnn«ii wir , nur Folgendes mittheilen. 

Die,^i;i Europa gebornen,. und blofs eingewand^erten 
WeiXsen werden Chapetones oder G^achupints genannt; 
die vfl^ den europailchen weilsen Menfchen, oder Ton 
den Europäern auf den amerikanilchen und afiatifchen 
Infeln abltammenden Menfchen werden {Criollos) Creo- 
len genannt; doch nennen fich diefe felbft lieber 4^^rU 
kaher, — Alle ^taatsbedieuungen faft bis zu clen nier 
•drigften herab werden nur Spaniern zu The^il, und 
herrfcht oft hierbei ein Kauf-SyAem; eine Prätentions- 
fucht (wie aller Unterdrücker gegen die Unterdrückten) 
ohne diels. In den indianifchen Dörfern dürfen jedoch 
keine Weifse wohnen; der Schulthe;tfs und Einwohne);: 
jedes fofchen Dorfes iüt Itäts ein Indianer. 

Die Anzahl der Weif sen odier der Spanier (Gafta d« 
lq§ blancos oder de los Efpanoles) beläuft ßch in Neu^ 
^/yamVn wahrfcbeinlich auf 1,200,000, mit Einfchlulj 
der Qreelen. Im Jahre 1793 zählte man « 

in der Intendentfohaft 

Guanaxuato bei einer Bevölkerung an Spaniern 
von 393,000 Menfchen 103,000. 

Valladolid . • 290,000 . ^ . 80,000. 

Puebla . • 638,000 . . . 63,000. 

Oaxaca . . , 411,000 • . . "26,000* 

Nach diefer nicht gai|z zureichenden Zählung befanden 
£ch in dielen vier, der Hauptitadt zunachft liegenden 
^Jutendantfchafteni unter i »737,000 Menfchen 373,000 



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448 Bücher - Reeen/ionen* 

Woifse, Büropäer und Creolen. Nach jenem VerH&Ii* 
üilTe kommen auf loo Einwolinex 
in.dbr Int^dantfchaft 

VallaAolid 27 Weiffe. 

Guanaxuaiö ^5 — 

Puehia 9 — 

Oaxaca 5 *^. * ^ 

Dief«s nngieielie Verhalten giebt einea BeUg toa det 

efiiiii maligen Aaxken Bevölkeruw, und von der vorge» 

'Icfarittetien jftaatsburgerlichen VerfaCTung (GirilifatioB) 

der Indianer eder Mexikaner im Süden ron der Haupt- 

r ßadt; denn diefe Gegenden waren von Altera her Xdioa 

die bevölkertJllen und angebauteften. {Referent kann da* 

her obige Stelle fich nicht recht trklären, wo gefagt 

wurde: »»in die wcnigjl fruchtbaren Oegenden Terbannti 

forgen diefe Indianer etc/*) — An einer änderen Stelle 

ä. 148- heifst es: Von den fünf Millionen Meufchen, 

^ welche innerhalb des W^ndekreifes den Mexikanirchea 

Boden bewohnen , leben fich er f auf dem Rücken der 

Gordilleren^ auf den Hochlebenen. 

Auiser diefem finden fich noch Vergleichangen an- 
^eßellt kwifchen dem Verhältnifl'e der weifsen Menfchea 
zu den farbigen auf Su Domingo^ Jamaiea und Culuu 
Auf Cuha machen die freien Menfchen (We|(ae und 
Creolen) | der ganzen Bevölket'ung aas , das übrige find 
Sklaven y loSyOOo an der Zahl. Unter 100 Einwoluieni 
zählt man in den-nordamarikanircheu Staaten 83 Wei- 
fse, auf Cuba 54 WeiTse^ in Neu-Spamißm (mit Ans^ 
nähme der inneren Provinzen) 16 WeiTse, im Ktoig- 
r eiche' Peru 12 Weifse, auf Jamaiea nur fO Weilse. 
Nach der Zählung unter dem Grafen Revillagiggdo Hm» 
den fich in der Hauptitadt Mexifio unter loo Einwoh- 
nern derfelben nur 49 Creolen ^ 2 in Europa geborene 
Spanier, 24 Indianer , und 25 aus gemiTchtent Blnte. 
Herr von Humboldt glaubt, dafs Unter den I|9OO/)00 
Efn wohnern fpiinircher Abkunft in Neu ^ Spanien ^ nicht 
mehr als 70 bis 80,000 in Europa geborene Spanier fich 
befinden , da lelbft in der Hauptftadt Mexiko unter ^er 
Bet^kerung 'von l35>ooa Menfchea tiicht mehr ali 



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Bücher - Mecen/ionem, 449 

^"prgoo hl .Europa geborenet Spanier fich hefiaiidan. Die 
Spanier iikerhanpt machen alfo nur ^ Theü der ganzen 
Bevölkerung NeU'Spanitns^Aus;' und die in Europa ge- 
borenen Spanier Terhaltdn fich zu den Amerikanifchen 
Spaniern oder den Creolen^ wie i tu 14» 

Die Sclkädemi^ der öffentlichen Anltalten und SamnI- 
lungen für WiirenTchafteu und KCnfte im fpanirchen 
Amerika erregt Bewux^derung.' Die amerikanilche Ju* 
gend zählt Tiel^ fähige KBpfe; hefonders zeigen im 
allgemeinen die Ton Quito und Lima viel Genie , die 
▼en Mtsiko und Santa^Fd mehr auadauernden Fleifs, 
Die Akademie der fchönen WiHenrchaften zu Mexiko 
hat 125,000 Frankeil {äbrlicher Einkünfte. Die Fort« 
fchritte in den bildenden Kuniten zeigen fich auffallend- 
an den prächtigen madtven, ftreng nach allen Kegeliy* 
der Kunft> und zugleich mit Gefchmack aufgeführten 
Gehlknäen tn Mexiko ^ GüanaxuatOj Queretaro e\c.f welche 
mit den PallaHen in den eriten Hauptßädtcn Europa*« . 
wetteifern. — Tolfa; ProfelTor djr Bildhauerkunit zu 
Mexiko, hat eine au« Erz gegoltene ^ildfaule zu Pferde, 
welche König Karl IV. darftellt» ausgeführt, von wel- 
cher Herr von Humboldt fagt: He ühertrefEe an Schön" 
heit und Reinheit des Styls Alles dei; Art in Europa, 
und geftatte nur jene^r des Marcus Aurelius zu Rom den 
Vorrang: Die Neigung für gründliches Studium der 
Natur ift in Amerika fahr verbreitet, mehr als in Alt^ 
Spanien. Auch das Studium dar Altronomie ilt fehr ge- 
üebt« — 

Die Schilderungen von Velasquez und Gama's Ta« 
lenten und deren Selbftbildun|^ zu äufserlt gründlichen 
Mathematikern und Aftronomen, und wie viel diefe 
Männer (zur Zeit ihres Lebens in Europa, letzterer f elbil 
in- Amerika nicht nach Verdienst gefchätzt) mit fo we« 
nig Hülfsmittelii geleil^et haben, beweist: dafs auch 
Creolen jeder und felbft d^r höchften Ausbildung fähig 
änd. 

Auch die Belege von dem ungeheuren Reichthume^ 



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450 ßüeh§r • Reeenfionem 

4er Bergwerk«, welcbe ron .Priratleaten gebaut wevw 
den; von dem Vermögenszuftande folcher dareh Me- 
tallausbente reich gewordener und nocli ftäts reich, aber 

.nicht leiten auch arm werdender Familien, ift iehp in- 
terelTant *); beweist aber anch , dafs es felbli in die- 
fem Eldorado mehrere >Ti|nta]ufe als Cröfuf« giebt. Der 
Statiftiker findet ferner fehr fchKtibore Naohweifungen 
über die Einkünfte der hohen <j^iftlichkeit , die aalser 
12 bis 15 Millionen Franken* an Gütern, > noch a« 
ausgeliehenen Kapitalien eine Suinn|^ von 44^ Mil« 
lion Piafter befitzt. Aber felbft in der Hanptftadt üfe« 
siko leben gegen 30,000 nichts , gar nichts befitzender, 
wenig brauchender und eben fo wenig arbeitender ante« 
Irikanifcher LazaronfSf dälelbft Samgotes und Guachu 

' nangos genannt. — 

Dit Abkömmlinge aus der Vermifchung der Euro^ 
]päer mit den Negerinnen heifsen Mulaturiy und find 

' regfamer, fleifsiger, aber .auch leidenfchaftlirher, und 
befonders viel' gelprächiger, als die Abkömmlinge ans 
der Vermifchuiig d^ Europäer mit den kupferfarbigen 
Indianerinnen, welche Abkömmlinge Metis oder Meßi* 
zen genannt werden; gegen |. der ganzen BevÖlkerans 
ausmachen, und einen fanfte^'en, -ftillercm Charakter 
zeigen. Die Abkömmlinge der Negern mit den Indiane- 
linnen werden in Lima und in der Havanak Chino^t 
(Chinefer) , « in Neu- Spanien aher auch wohl Zam^'i 
genannt. Letztere Benennung komitit nfbuerlichft aber 
nur den Abkömmlingen der Negern mit ^en Mulattinnen, 
oder der Negern mit den Ghiuo - Fraüensperfonen , s«. 
Die Abkömmlinge' der Neger mit den Zapba - Praueni* 
perfonen heifsen Zamhos prietos. Die Abkömmlinge der 
Weifsen mit Mulattinnen heifsen Quarttrori'Sy und die 
Kinder einer Quarterone mit einem Weifsen oder einem 
C^eolen heifsen Quinteron'' s, Dief« verfchiedenen be* 
nannten farbigen Menfchen bilden die fogenaiinten JCs« 

♦) So. gab ein einziger edler Gang (Silberader) nach Abxng 

c alles gehabten Aufwandes dem Marquis de Fagoaga bloi 

innerhalb 6 bis 7 Monaten einen reinen Ueberfchufs von 

20 Millioni^n Franken. Dies ilt ein mächtiger SporOi 

V Bergwerke zu bafien. 



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Sucher-Rece nji onen. 45^ 

fierif von welchen die vornehmlte die der Spanier oaer 
Weifsen iil, welche die übrigen alle verachtet, fo wi« 
jede obere Kafte wieder jed« nachgehende Kafte yerficht- 
lieh behandelt; daher auch die unzähligen SpannuK|gen 
im gelellfchaftlidijen Leben; es werden hiervon theilt 
lächerliche, theils ärgerliche Auftritte erzählt. 

Auffallend und wichtig ift die Bemerkung , dafs die 
Indianer mehr Knaben als Mädchen, und umgekehrt 
die Spanier (Europäer nn4 Creolen), und wa« diefen 
tunächft lieht, mehr Mädchen als Knkben erzeugen; 
fo dafs ~ im Durchfehnitte in Neu^J^panien auf 95 Men- 
fchen weiblichen Gefchlechts 100 Mannsperfonen ^gezählt 
werden , da. umgekehrt in Frankreich' im Durchfehnitte, 
dem Unterfchiede der Geborenen nach, die Frauens^^ 
perfonen die Mannsperfonen iii der Anzahl um 3 p. G. 
übertreffen, welches Verhältnifs durch die Folgen de» 
Krieges noch vermehrt wird. Auffferdent ift auch noch 
in Neu - Spanien die Sterblichkeit unter dem weiblichen 
Gefchlechte «iffalleftd gröfser, als unter dem männli- 
chen ; auch Xcheinen die Spanier (mit Inbegriff der 
Ckeolen) ein höheres Altor zu erreichen, als die Men- 
fohen der übrigen Kalten. 

Das achte Kapitel entwickelt die politifchen Einthei* 
lungen des Mexikanifchen oder Neu -Spanifchen Bodens^ 
und zeigt die VerhältnilTe der Bevölkerung der einzel* 
nen Intendantfchaften zu der Gröfse des Flächeninhal- 
tes derfelben. Die£e Eintheilungen, fagt der Herr 
V^rfajfer^ find felbit den neuelten Geographen noch 
unbekannt, und die diefes Werk begleitende (aber xur 
Zeit noch nicht erfchienene) Charte werde die erÜbe feyn,. 
;irelche die feit 1776 eingeführten neuen Gränzen der In- 
ttndantfchnften darftellt. Bei diefer Gelegenheit wür- 
digt Herr von, Humboldt Herrn Pinkenon^s Geographie^ 
moderne f und zei^t defTen Einfeitigkeit , Vorurtheile 
und Arroganz. 

. Nachdem d^ Herr VerfaJJer den älteren Umfang 

und die älteren Eintheilungen Neu - Spaniens nochmals 

• vorgelegt hat, giebt er zuletzt die neuelten Verände« 

tungen an. Gegenwärtig ift Neu- Spanien in zwölf In* 

tendant/chaften eingetheilt, und begreift aufserdem noclv 



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/ 

drei Ton ,der Hauptßadt lehr •utftrnte Difirikte^ welck« 
noch Pravinzen genannt werden* Diele 15 Abtheilunggm 
find nun: 

L Im gemäfsigten Brägürtgl, 82)000 OStanden 
FlSclieninheltf einnehmend, mit 677)O0O Bewohnern oder 
8 Seelen auf die Q Stunde« 

A. Im nördlichen Erdfifiche^ als innere 
Länder 

j. di« Provinm Nm^MtxikOf entlang dem Rio del 
Norte, und nördlich von der Parallele des 3iAea 
Grades ; 

' j|. die Intendantfehaft Neu» Bitcajra^ füdweftlich Tom 
Bio del Norte, auf der Central- Hochebene , die 
▼on Dumngo aUf nach Chihuahua plötzlich ab- 
fällt. 

B. Im .nordweßlichen Erdßrieht an die Sfid* 
See grausen d. * 

3. Die Provinz Neu^^lifornien^ oder die N'ordweft- 
Küfte des nördlichen, von den Spaniern in Befits 
genommenen Amerika*s$ 

4. die Provinz Alt - Californien. Die füdlichüte Gran- 
de derfelben liegt Xchon im heil sen Erdgürtel ; 

5» die Intendantfehaft de la Sonora, Nämlich der 
füdlichfte Th^il von Cinaloa^ wo die berühmten 
Bergwerke von Copala und Kofario liegen, reicht 
ebenfalle über den Wendekreis herein. 

G. Im nordöftliehen Erdfiriche^ aa den Me* 
xikanilchen «Meerbtiren gränzend : 

6. Die Intendantfehaft San Luis Potoß. Begreift die 
Provinzen Texas, die Kolonieen Neu - Santander 
und Cohajiuilay das Königreich Neu'Leon^ und 
die Diftrikte Chatcas, Altamira^ Catorcc und Ra* 
mos, Diete letzteren Diltrikte machen insbefonde- 
re'die Intendantfehaft San Luis im, engeren Sinne 

aui 



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^Bücher ^ Recen/ionen» 453 

«uf. Derjenige Theil, der lieh von der Bnrra de 
Santander und toa RM ^t Caiorce gegen Süden 
«usdeHut, gehört dem helTaen Erdgürtel an. 

II, In dem heifsen Erdgürtel, $6,500 Stun- 
den FläcHeninHalts einnehmend, mit 5,160^000 Bewoh* 
nern, und 141 derlelben auf die ^Stunde. 

D, Im Central'Erdßriehe: , 

7. Die Inpendantfchaft Zacatecasj mit Aufnahme def« 
jenigen Theils, der lieh von den Bergwexken Tpn 
Fresnille / ^egen Norden erftreckt» 

8. Die Intendanifchaft Guädalaxara. 

.^, ^mm, — .^ -^ Guanaxuat«^^ 

10. — — — — Valladelid^ \ 

II. . — — — — Mexiko. 

12. — — — — Puehla, 

13. — -^ — . — Vera Crue. 

E. Im füdioeßlichen Erdßriche: 

14. Die Intindantjhhaft Oexaea, 

15. — — — — Merida. , ' 

In HinGcht auf Handels verhSltnilTe und Lage im In- 
neren des Landes, oder an den Küften, gruppireu fiph 
jene IntendantTchaften und Provinzen, wie folgt: 

I, Innere Lmndßrichey die nicht his an die Küßen 
£ch erl^recken; diefe find Neu^ Mexiko ^ New- 
BitcayOf Zacatecas und Guanaxuato^ 

9« Oeßlicke nach Europa zu mit^ dem Meere gren- 
zende Landfiriche und die yöh San Luis Fotoß^ 
Vera - Cruz , und Merida oder. Yucatan^ 

3. Weftliche nach A&en zu an das Meer ^rai^end« 
Länder' find die von Neu -^ CaliJ ernten^ Ält-Calif 
femienf Sonor a, Guadalaxara/ Valladolid, Mexiko, * 
Puebla^ und Oaxaca» 

A, G. E. ZXVHI. Bds. 4. Ä. K k 

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454 JBScIiirr - RiCBn/ionen.^ 

AofttTM jener Eintheilviig Neu-SpanUns in T5 Pre* 
▼inzen^ beßeht auch notk zugleich folgende Hauptal)« 
theilung. 

iL. Provinzen f welche unter dem Vice -^Könige v§a 
Mexiko ßehen; üe haben zufammen 59,103 O Stunden *) 
Flächeninhalt, mit 547,790 Bewohnern. Diefe Länd^ 
find die Ifitendantfchaften Mexiko^ Puebla, Vera CruZf 
Oaxacßf Merida^ Vallaäolidf Guadalaxara^ Zacate- 
co/) Guanaxuato und San Luis Potoß^ mit AusIcMoii 

'ron C^hahuila und Texas. 

* t • 

B. Provinzen f welche unter dem General" Komman" 
danter^ der inneren Provinzen flehen; Re haben zufanuneB 
an Flächeninhalt 59,375 D Stunden , mit 359,200 Eia- 
wohnern I und find namentlich die Intendaritlchaften 
Durango und Somfroy dfe t'ra vinz Neu Mexiko^ und 
die GouTernemente Cohahujila und Texas, 

So dafs hiernach ganz Neu 'Spanien a.ttf 118,478 Qua- 
drat- Stunden , mit 5>S37>ioo Einwohnern angelchlagen 
wird. 

Man ift noch ungewifs, wo man im Norden «ad 
Oßen die Gränzen Von Neu* Spanien hinfetzen foU. 
Daf fo mächtig und refpectabel fiyn könnende gejammu 
Jpanifche B,eich ficht fich überall von energifcher wir- 
Jienclen Staaten in engere Gränzen zurückgedrängt» Die 
NordweMüHe und Nootkajund mufste es den Englandera 
überlalTen; die nordamerikanifchen Staaten werden die 
Gräme xon-Louißana \n% an den Kio Bravo oder dd 
. Norte auf dehnen und behaupten ; oblchoii zur Zeit die 
Spanier zu der Provinz Texas auch noch die Savannen 
rechnen, die fich bis ai,! den Rio Mexicano oder itfirr- 
mentas oftlich vom "Rio Sabin o erltreckeh. Aufserdfin 
verbreitfen fich die nordamerikanifchen NiederlaCTungea 
fchon bis an den MiJJoury^ und die mit dem Pelzhandel 
fich befchäftigenden Nordamerikaher dringen immer wei- 
terr rlbrdwelllich vor, und fachen fich in diefer Rick« 
, tung bis an die Kulten des grofsen Oceans auszubrei- 

♦ ) Von diesen Quadrat- Stunden gehen 25 auf einen Grad. 



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Buch er- Jtecßnfi oner^. .45g 

ten. Bei folcher Lage der Dinget erftreckt tick die Me* 
xikanifche HerrfcHaft an den Weftküften nicht weiter 
als bis an die Million St. Francisco füdlicli vom Cap 
Mtndociho f und in New Mexico bis ^n das Dprf Taos. 
OeMieh ilt zur Zeit, wie gefagt, die Gränze nocli 
itreitig. 

Seit der Abreife des Hrn. Verf.. aus Mexico ift eine 
neue, Tortüglich militätifche Abtheilung der Ibgenann-« 
ten innern Provinzen Neu- Spaniehs vorgenonimen wor- 
den, deren Flächeninhalt beinahe doppelt to grois iff^ 
als der des franzofifchen Reiches. Sie liehen gegenwär- 
tig unter 2 Generalkommandanten , und find abgetheilt 
A. 9 in weßliche innere J'rovinzen y als Sonor ä^ Durango 
oder Neu ' Biscaya y Neu -Mexiko und beide Californien^ 
U]\d B,, in Öftliche innere Provinzen > als Cohahuila, Te^ 
iaSf die Kolonie Neu ' Santander , und das kleine König« 
reich Neu > Leon, Diefe Generalkommandanten lind auch 
zugleich Chefs der Finanzverwaltung in d^n ihnen un- 
terworfenen Provinzen, nur mit. Ausnahme des König« 
xeichs Neu'Leoj^ und der Kolonie Neu-Santander. — 

In einer befonderen Tabelle vergleicht nun der Hr. 
Verf. die Vorzüglichiten Keiche Europa^s und Aliens mit 
Neu -Spanien in Hinficht der VerhältnüTe det Territo« 
xial« Flächeninhalts zur Volksmenge. 

. Dann folgt nachftehende tabellarifche ßatiAüche Zer« 
fUederung des Königreicht Neu* Spanien* 



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* 




• 




4S6 Büch§r - 


RecenfioHBn. 




Territorial - Einthei- 






Anz.l 


lungert 


Fläeheninh, 
nach Qu- St. 


Bevölkerung 
von 


ßt- 
wohn. 


dis g&fammten 


25 auf t Grad. 


1803. 


einer 
qu.it. 


VieekÖnigretchs Neujpa-^ 








ni€n (blois mit Aus- 








fchlufs des Königreichs 








Guaumak) 


118,478 


5»837,ioo 


49 


A. Innere Provinzen^ . 


1(67.109) 


(423,200) 


W 


ti, Unmittelbar dem Vi- 








CttkÖnige unterworfen 


7>8i4 


64,000 


8 


I« Neues Königr. Leon 


2,621 


29,000 


10 


2. Neu-Saiitander , 


5ii93 


38,üOo 


7 


b. de^ Gouverneur Ton 








Chihuahu« unterwor- 




* 




fen . 


(59>375) 


(359,200) 


(6) 


I. IntendantTch« Neu 








Biseaya 


16,873 


159,700 


10 


2. IntendantlcL So- 




\ 




nora 


19,143 


121,400 


6 


3. Gohahuila 


6,702 


16.900 


2 


4. Texas . . • 


10,948 


21,000 


2 


5* Neu Mexico . 


ö»709 


40,200 


7 


B. l^eu- Spanien im en- 








geren Sinne« 




^ 




Unmittelbar dem Vicekö- 








. nige unterworfen, be- 








greift die Königreiche 
Mexico. Mechoacan, 
NeU'Gallioien und die 














^ 






beiden Galifornien . 


(5if289) 


(5,4i3»9oo) 


(105) 


I. Intendantfchaft Me- 


5.927 


1,511,900 


^ 


xico • 




, 




2. Intead. Puebia . 


2,669 


813,300 


301 


3« Intend. Vera • Cruz 


4,141 


156,000 


38 


4. Intend. Oaxaca 


4»447 


534,800 


130 


5. Intend» Merida oder 


6>977 


465,000 


81 


Yucatan . . . 








6. Intend. ValladoHd 


3.446 


476,400 


H 


7. Intend. Guadalaxara 


9,612 


630,500 


8* Intend. Zacatecas 


8,355 


153.300 


65 


9. Intend. Guanaxuato 


9^^ 


517,300 


568 


10. Intend. San LuisPotoQ 








• (Mit Auslchiuls von 








Neu-SaBtandex^,Texas, 








Gohahuila u. König- 




\ 




reich Neu- Grenada) 


0,357 


230,000 


98 


II. Intend. Ah Cali/orn. 


7,295 


9^000 


I 


12. Intend. Neu Californ. 


.: 2,125 


15,600 


? 



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Bücher • ReeBn/iotiBn. 45^ 

Der Hr. Vtrf. tadelt mit Reclit die höclift lutgleicHe 
AbtKeilung in diefe Inten dantfchaften, und lagt: ,»es fey 
folche zu einer Zeit gemacht worden , als das Minute- 
dum der Kolonieen, das Gonfeil für Indien und der Vi« 
' cekonig noch gar nipbt hinreichende Notizen für' eine 
fo wichtige Arbeit gefammeU hatten.^' Das heifst: de ' 
fchnitten die Theile de« Kleides zu , ohne das Verhält* 
nüs der Qlieder des Körpers zu kennen! 

Es folgen nun die detaillirteften ftatiftiTchen Zergtie* 
derungen der einzelnen Intendantfchaften ^ von welchen 
der Anfang der ftatÜltifchen Zergliederung der Inten« 
dantfchaft Mexiko diefe Lieferung befchliefst. Diele fpe-^ 
ciellen Darltellungen müITen fehr vollAändig werben»' 
da fich der Hr. Verf. auch Xehr umßändlich t^nd äufserft 
2>elehrend über die alte Gefchichte ^ Begebenheiten^. 
Befchaffenheiten und Eintlieilungen verbreitet; und Xo- 
mit in jeder Hinficht ein Tortreffliches Mnfter liefert^ 
nach welchem Zufchnitte man auch andere Keiche und 
Länder bearbeitet zu fehen wünfchen muls« 

Ä 



Anmerkung» Spwohl in der erften Hälfte tiefer Hec/eniSoK 
im vorigen Hefte, alf^auch in diefer zweiten Hälfte fin4 
da, wo vom Flächeninhalte und von Entfernunflfen die 
Rtdeift, unter Stunden, Lieues oder fr an zößf che Mei' 
len, 25 auf einen Grad zu verftehen; deren jede alXo nui^ 
I 1/5 Stunde teutfchen Maafses beträgt, indem 25 franz. 
I^ieues iz find 30 teutfchen Stunden, oder 15 ttutlchen- 
Meilen. 

Zuletzt muffen wir noch bemerken , dafs durch ein Ver- 
fehen des Zeichners die ^untere beftäntige Sch^eelinie un-' 
ter'm 19 bis 20 Grade nördlicher Breite im Widerfpruche 
mit dem Texte pag. 44 und 45, desgleichen auch mit derfel- 
ben Anzeige auf den Kupfern 12 und 13 fowohl nach Metres 
• als Toiseu-Zal auf »der vierzehnten Tafel falfch angegeben 
worden ifk ; indem folche an der Metresfcale mit 440a ftatp 
4600, und «tf^dtr'Toisenrcale mit 2400 und darüber itatt 236P 
Höhe über dem MeeresXpiegel angegeben fich findet. 



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458 Bücher ^^ Reecnjionen* 



2* • 

VoyagB en Espagne , fait dan* l«a ann^et J786— 
1787,' par Jofepk T^wnjend y traduit d^ l'att« 
glais' für la reconde Edition par J. P. PicteU 
Mallet y orn^ d'ün hA atlas de vingt deux 
planches, Parit . 1809. 3. Bde* in 8- 

' Diefes Werk ift in TeutfcKIand hinlänglich Bekannt, 
und mufste natürlich bei der iBingefchränktheit der 
Nachrichten über Spanien , , unter den gegeuwixtigea 
Umhänden wieder aufleben. - Zuverlällig hat Bch Spa- 
nien feit der Zeit, da Herr Townfend reiste (1786), Ter- 
Sndert, und pafst daher Vieles in feinen Nachrichten ' 
nicht melir auf den heutigen Zuftand. Da aber Buch- 
händler jin ihren Speculationen dergleichen Kackfichtea 
gewöhnlich unerwogen lauen , fo. kann es uns genugai| 
nur auf den wahren Standpunkt aufmerkfam tu niachea, 
indem auch der Atlas, welcher heut zu Tage keiner Rsi- 
febefchreibung in Frankreich fehlen darf, den eigent- 
lichen Werth des Buchs nicht erhöht, die Charten nack 
dem alten fehler vollen, zufanimegefetzt, und die übri- 
gen Kupfer beinahe alle aus Cavtfni/Ze^ belLaantem Weike 
ober Valencia ausgehoben find» 



3^ 

Voya^es. d'un Naturalifte^ etfet obCeHatiov,* 
faites für les troit regnet de la Notare , ätm 
plußears ports de mer francais^ en Espagne^ 
au Continent de VAmdrique Jeptentrionale , ^ 
Saint " Yago de Cuba et ä St. DomingMU^ 
ou TAuteux de venu le prifonnier de 40,000 



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Bücher • R etmnfi o n «^r 459*. 

Noirs T^volt^fy #t pat fuite mis en libert^ par 
une colonne de Karm^e ftaocaife, dodä^ les di» 
tails les plus circoiiü;anci^s für Texpeditioii da 
Göa^ral Leclerc. eic par M. E. DescourtilZj 
Ex-MedeciQ Naturaliüe du GouTernement , et 
fondateur du Lyc^e Colonial ä St. Oomingue» 
Paris. i8ogf. Tme. I. 8- »lit Kupfern. 

Der Titel von Btichem ift manchmal, wie gewilft 
Titel -der ^enfchen; er kündigt gleich an, was man' 
£Lch von ,ilüi;?P zu verfprechen hat , und man braucht 
lieh nur zu hüten, iich von hochtönenden Worten nicht 
täufchen lu lallen , um keinen Fehlgriff tu thnn. Wie 
man Geht, ift mancherlei in- diefem Werke zu finden, 
und der Lcfer braucht nur ei|if>r von den Dilettanten 
der Gelehrfamkeit zu feyn , die am liehften auf der klav 
Ten, glatten Oberfläche fchwimmen, und er ift gewifs- 
Kch damit zufrieden. Der VerfalTer führt ihn in dcrfel- 
ben auf*s gefälligfte überall mit fich heirum, und ver- 
birgt ihni auch ganz'ün'd gar niclitr von Allem, was er 
felbft lieht, hört Und weifs, Selbft darf er iHn niit in 
die Normandie, nach Hdvre de Grace^ nach Honfleür 
und Bordeaux begleiten, wo man iich einfchifft, nach 
Charles - town überfetzt, und von da endlich auf Sü 
Domingo ankommt. Alle^ tiefes gef^hiel^t feit 1798» und 
verfpricht daher über letztere Inlel and derep. naueftii , 
Schickfale*mancherlei interelTante Notizen, die wir in« 
defs erft von den feigenden. Banden erwarten dftfeu« 

Bis jetzt giebt unt der VerfalTer wenig Merkwürdi- 
ges, und diefes mit fo vieler WeitTchweifigkeit und of« 
fenbarem Vertrauen auf die Neugierde der Leler^ daff 
fiofi das letztere durch erftere wohl manchm«! ^etiLu^cht 
finden mag. Es werden wenigftena ein halbes Dutzend 
Bünde verXprochen, welche lämmtlich mit vielen und 
lehr fchlechten Kupfern geziert find — kurz, nach die^ 
lern Bande, zu urtheilen, findet der teutfche, bloft Un- 
terhaltung fuchende, Lefer ein langweilige«, aber gar 
uicht anfpruchloles Detail, und der Belehrung «rvrar- 



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460 / Muchjer »- Bfseenfionien. 

tcnde» ol^tt-flScHUeliie und iiiiToll|^dige Angaben, die 
ilim kein Zutrauen «inmflöl^eii veroiögeii. 



Reize in eenen Pal^ntjuin; of Lotgevallen en 
merkwaardi^e Aanteekeningen op eene Reizt 
längs de Ktiften Orixa bn Choromaiütfel» Doof 
J. Haafner, In tvvte Deelen^ Tweede DeeL 
Te Amfterdam by /• Allart ^ igoS- — VIH, 
und 514 S. gr. g. mit 3^ Kupfern. 

Der vorliegende, fchcn To lange fehnlich erwartete 
iweite und letzte Theil dieler ungemein nnterlialtende», 
doch auch belehrenden B.eireberclirejhung entfpricht im 
Ganzen dem erften , der Ich on in vorigem Jahrgänge 
diefer A. G. E. (ÖVL B.S. 446 fi) angezeigt^ und 
wovon die teiitfche Üeberfctzung für die Sprengel^ Ekf 
mannfche Bibliothek bereitt abgedruckt fft.. Wir wollea 
nun auch den Inhalt diefes zweiten Theils dberblickent 
um daraus auf feinen Werth als Beitrag zur I!«ändec- 
und Völkerkunde Xcbliefsen z\\ können. 

Erft^r Ahfchnitw Diefer handelt von den Schlangea, 
deren Ar Ve^f» mehrere Gattungen aufzählt tind knrf 
befchreibt, und von den Schlangenärzten. — Der erfte 
Theil fch^ffc ßch mit der NachricHt, dbf« der Verf. im 
Gebfifch^ von einer Schlange gebilTen worden , und da& 
feine Leute in das nächfte Dorf gegangen find, um ei- 
nen indif che n Schlängenbefchwörer herbeizuholen, ^er 
erzShlt er nun ^ mit vieler Redfeligkeit und Weitfchwei- 
iigiteit (doch hört man ihm gerhe zu), wie lange er 
liake warten müITen, b^t ein Arzt oder Quakfalber her- 
beigekommen fey, wat diefer gefchwatzt und mit ifani 
vorgenommen, wie er Todesangft ausgeftanden^ feinen 
letita* Wülen gemacht, fich endlick wieder erholt habe, 



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Büth^f - Recenfio nen. 461 

ttiid wl^ kenHch feine Leute fich darüber freuten. Et' 
Sog nun am folgenden Morgen von Karrakudre *ab« ' '^ 

Im zweiten Ah/chhüte berichtet, dcir Verf. nicbt min* 
der weitfchwei£[g, wie er auf's neue in Angit gerietb^ 
da fein Arm su*fchwellen begann und er KeFtige Scbmor*. 
sen. bekam*. Er liefs Geh nach Ingola^ einem engli- 
fchea Fort bringen,, wo er, bei dem dortigen brittifchen 
Wundarzt Andtrjon v^geblich Hülfe fuchie. 

Im dritten Abfchnitte dauert das "yV^ehklagen des Ver- 
fafTers fort, Ider lieh eiligft weiter bringen liefs, um 
bald nach Madras zu kommen, wo er Hülfe für fein» 
ILieiden zu finden hoffte. In alP diefes Gewinfel und 
diefe oft gar zu weit* ausgefponnenen Schilderungen^ 
und Etitwickelungen feiner Gedanken', Empfindupgeii 
und unbe deuten dftn Zufalle, mifcht er doch beinahe im-^ 
«ler nicht zu Terwerfende Notizen von dem Lan()?j^ 
das er durchzog, deffen Bewohnern und Naturprodukte]^ 
ein. Ifier fpricht er von einer Art fliegender Wanzei;!,,; 
und von einem hinduifchen Lingamsopfer , und th^lt 
intereflante Nachrichten von den BegriiÄn der Hindufv 
▼on einem allerhöchftenWefen mit, ds^ ^t Brrm {Brem)^ 
d. h. .Gott, gewähnlich aber Ifchur^ d. h. grofser Wille^ 
nennen, und welchem Re taufend verfchiedene Namen^ 
geben, die feine göttliche Eigenfchaften ausdrücken. 

Vitrttr Ahfchnitt, Das Dorf Anantapur. S^chtld^rung 
def umliegenden» Landes. Kutze Nachricht von ^ea 
Maogä * Fliegen und den Bambusgebültehcn. Dorf T/cha-* 
hüldindie, — Nabahptent, Dorf, wegen %iAtii fchönett 
alten Tempels berühmt. Hier traf unfer Verf. die junge 
Tänzerin Mamia wieder an, in die ei* fich auf diefer 
Reife verliebt hatte, und diefe Zufammeilkunft giebt 
ihm Stoff ^zu einer hübfchen, von ihm felbft, wie die» 
Unterfchrift fagt, geiteichheten Abbildung , auf welcher 
auch 4er gedachte Tempel dargeftellt ift. Dabei folgt 
^nun eine Erzfthlting von iVfomya V Schickfalen, die fich 
'ganz artig lelfen IMfst, aber nur in fo weit dem Verf. 
verziehen werden kann, ids Re einige Notizen von hin^ 
duifch^ Sitten enthilt« Minder tu en^fohuldigen ift die 



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469 , Bucher - Recenfionen. 

w^rlich alhu weitfchlKreifige Mittheilttiig jTe&ier Ocföiil* 
und GedAnl^en über diele Zufammenkunft. Dielet AUet 
lifitte gar füglich in wenige Zeilen zufahimengefafst wer- 
den können, Hier füllt es mehrere Seiten an. — Auck 
in ausführlich ilt die Zufamniepkpuft und Unterredung 
des Verf. mit dem n^uen englifchen Göuvemeux tos 
Maßdipatnam befchriebea. 

Im fünften AJbfthniHe fagt der Verf. manch' Be* 
merken swe^th es (iber das Betragen der Beamten der Eng- 
lifch - OftindiXchen Hahdelsgetellfchaft , und deklamirt 
wieder g'egen die Ungerechtigkeiten derfelben. * — Dorf 
Tripelewalan, — Ankunft zu Paliakate und Befchreibung 
diefes Orts; fein eigentlicher Name ift Pulef ^ Kotta^ 
d. h. altes Kaltelt 

Sechfier Ahfchnitt, — Ankunft zu Madras. — Wun- 
derbarer Weife *fand unfer Verf. in dem Dr. Beijfer da- 
leli>ß (einem ElfaCTer) , der ihn. in die Kur nahm, eines 
nahen Verwandten; denn unfer« Haafner's Vater war 
Ton Kolmar, inj^Oberh ElfafTe (jetzt Dep. des Oberrhtinii 
gebürtig, wo die Familie Beijfer (foviel Rec. ^weifs) 
ttoch zahlreich und in beigem Flore iit. Hierbei muf- 
fen wir noch . Folgendes anmerken. Mamia^ Toch- 
ter eines hinduifchen Arztes^, hatte ihrem .Qelieb- 
ten ; bei ihrer yorgedachten Zufammenkunft eine Salbe 
bereitet, di«^ ejr auf feine Hand legte> und die, wie der 
als fehr erfahrner Arzt gerühmte Dr. ^^ijfer verfidiert^ 
allein dci| kalten Brand zurückgehalten hatte; diefer-Artt 
war begierig f diefe Salbe kennen zu lernen» aber nnftt 
Keifende hatte nichts mehr davon , i:^d der, Dbctor be- 
tkeuerte, dafs weder er noch ein anderer europäifchef 
Arzt, ein Mittel kenne, das in d^fefn Falle wirleCMi 
gewefen wKre. ^^ Eine andere Ueberrafqhung £3r mm* 
fern Verf. war es^ als er hörte, dajk lieh der K^nig vqb 
Tidor in Madras befand, den die holl&Jidifch« Regie- 
rung hatt^ ^fangen genommen , und- nmqh dem Vorge- 
birge der guten Hoffnung verbannt; die Ritten bsttta 
ihn aber in Freiheit gefetzt. -^ Hier fpricht der 
Verf. etwas parteülqh für die UoHänd$r gMgpoL die JEn^ 



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Bücher - R&c'enfionen. . 46^ 

iändirf Docb fcliiHIert er «uch ungefelimijikt dai Chine» 
£rche Blutbad y das die hoUändirqha Kegierung zu £a-» 
tavia im J. 1740 felblt angeXtiftat hat. Hierbei kalt lieh 
' tmler Verf. auch wieder zu laug« auf. 

Siebenter Ahfchnitt. — Wiedmufammentreifen mit 
Jl/Iamia, — Abermals eine viel zu lange Epilode! — 
Doch. CS war ja des Verf. Herzens - Angelegenheit ! — * 
Nicht minder weitfchweifig Xpricht er von der Hun- 
^ersnoth , von welcher er hier vormals Zeuge gewefen 
nvar, und deren Ichreckliche Folgen er dem Wucher 
der Engländer zufchreibt. — Die kurze Befchreibung 
diefer Stadt, die hierauf folgt, ift intereüant, docU 
nicht neu; fie verdient jedoch mit anderen verglichen 
SU werden» 

Der achte Ahfchnitt iJ^ meift, fo wie der neunte hi- 
üorifchen Inhalts;, jener handelt nämlich von de^n Na* 
tob von Karnatik {Mahomed Ali -Khan) und den letzten 
Sultanen yon ^'djjur^ naml^'ch dem Hyder- Ali -Khan nn^ 
Tippu*Saheh\ diefer fchildert die Regierung des bekann- 
ten Hafiingfy und flie von den Engländern in Indien 
Terübten Gräuelthaten. Auch hier blickt einige, doch 
einem Xo warmen Menfchenfreunde verzei|iliche, Partei- 
lichkeit hindurch. Diele hiltorifchen Nachrichten, die 
liier ein Augenzeuge giebt, ßnd allerdings fch^tzbar; 
nicht minder, find es die hielr und da eingemilchten geo* 
graphilchen und ftatiftifchen Notizen. Auszüge können 
indels nicht Statt finden. Die Berichtigung einer Angahe 
in Betreif der Frau Haßmgs mtÜTeli wir dem teutfchexL 
Ueberfetfer dberlalTen. 

Im lehnten Äbfchnitte fchildert der Verf. feine La- 
bentweife zu Madras , wo er feine Mamiß bei fich hatte^ 
feine mifslung^ne Seefahrt und Dr. BeiJJer^s SchickfaL 
Dies Alles gehört zwar nicht vor unfer Forum; da aber 
hier fich eine Angabe findet, woraus man auf den Zeit- 
punkt fchliefsen kann, in welchem Haafner diefe Keife 
machte , fo mtilTen wir einen Augenblick dabei^ verwei- 
len. Er fagt nämlich bei Gelegenheit, als er von dem 
Abfchiede fpricht, den «r von "Dt. Beiffer in Madras 



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464 Bach er - Rec e n/i onen^ 

ftiahm, er Habe zehen Jthre nachher ron^ekieiii franxo« 
lifchen Officiere erfahren, derfelbe fey nach Franln;eick 
suTÜckgekehrt y habe Militirdienfte genommen , und fey 
Kommandant von Nanu* geworden. Er fchrieb fogleick 
an ihn; Beijfer lud^n zn Cch ein, und Haafntr war 
im Begriffe lu ihm xu reifen, als er die traurige Nach« 
rieht erhielt, derfelbe fey guillotinirt worden. ' Diefe 
Hinrichtung^ fällt demnach in die Schreckenszeit unter 
lKohespieTre*s Blutherrfchaf't 1794; wenn man nun zeheo 
Jahre ziirückrechnct, lo war alfo unfer Vfr. im J. 1784 
in Madras, (Weiter unten findet Geh endlich auch diefi 
jahrszaht, doch ohne Bemerkung,- dafi der Vfr. dieft 
Reife in die/em Jahre machte ^ wie es fich jedoch an» 
dem Ganzen ergiebt). ' 

( Eilfttr Abfchnitt, ^ Abreife von Madras zu Lan- 
de. — Maliapur oder St. Thome» — Nachrichten vom 
Betel. ' (IVtit der colorirten 'Abbildung einer Meftizen- 
Frau, die lieh von einem Sklaven den Sonnenfchinn 
fiberhalten und von einer Sklavin das Gefangbnch, die 
Betelbücbf^ und das Spucknäpfchen in die Kirche nach- 
tragen läfst). — Notizen von den SchultrVs (Chaude^ 
ries) theilt der Vfr. (S. 401 f.) mit, bei Gelegenheit fol- 
eher Herbergen, die er auf dem Wege fand, und die 
im Kriege zerltört worden waren. Er ^eräth dabei wie- 
der in Eifer und deklamirt ; doch ift feine Deklamation 
immer ganz angenehm zu lefen; auch macht fein Eu* 
thufiasm feinem Herzen Ehre. - 

Zwölfter Ab/chnitt, •* Das Dorf Talafur^ deften 
lammtliche Einwohner in der durch den Krieg veran- 
laf^ten Hungersnoth umgekommen waren, giebt unferm 
Vfr. abermals Gelegenheit zu einer Herzensergiefsung. — 
Weiter fchildert er das Thal Mavtliewarom. mit feinen 
Kuinen. Man ficht hier noch unter andern , fünf alte 
beilammen ftehende Tempel, von welchen der Vfr. eine 
Abbildung mitgetheilt hat. Hier lag vor Zeiten die 
Hauptftadt des in der grauen Vorzeit berühmten Regen- 
ten und Helden Judi/chter, 

Dnixehnter Ahfchnitt, •— Sadraspatnmmi Verwftftung, 



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Bücher ' Rec en/ipnen. . 465 

welche dieljfti^Oi-t und diefe Gegend im vorherigen Krieg« 
durch die Engländer erlitten hatte. Ne»ier Sto|F zu einer 
Herzenjergiefsung, — Onur^ Gefchichte dielet Orts. — 
OmanpuT, 

VienehnUr Ähfchnüt. — Ankunft lu Pondichery^ 
hiehei eine Notiz von dem Briefpoftwefen in Indien ^ dat 
durch fufsgehende Boten oder Läufer beforgt wird. — 
Neue» Cntörmezzo aus. der Li ebesgefc fliehte unCer« Vfrs, 
Seine Geliebte reifet ihm nach — und ftirbt. Dieler Tod 
veranlafste ihn, nach Europa zurtickzukefiten. 

• •• 

Auch diefer Theil der fo unterhaltenden Haafner' 
fchen Reifebefchreibung enthält mancherlei fchätzbare 
JBeiträge zur Kunde von Indien, doch weniger, alt der 
crite; auch wird er durch die Gefchichte mit^M^mia 
romanhafter, und bedarf daher in der teutlchen Ueber- 
letiiuig einer etwas ftzengern Abkürzung. 



Koninklijke Almanak voor den Jare iBog- — T« 
' AmiterdÄm, by de Gebroeders van Cluf Boek- 
Verkooyers dies Koning. — 658 S. gr, 8* 

6. 

jilmanac de la Cour. Pouip Tann^^ 180^. i 
Amfte/dam , chcz E. Maaskamp , Magazin 
Royal des Ans. — 134 Seiten tafchenformat, 
mit Kupfern. ^ 

5) Daft der vorliegende königlich - holländ\fche AU 
manach dem franiöfifchen Almanac ImpMal nachgebil- 
det ift, fällt bei dem erften U eberblicke in die Augen; 
aber nicht minder bemerkbar wird e» bei näherer Prü' 



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466 Bucher - Recenjionen, 

fungf daTs der holländifche AUnaaftch in RückGcKt der 
üatiltiXchen Notizen hinter dem r franzÖfirchen zurück« 
bleibt; weichet jedoch im Uebrigen feiner Brauchbar-« 
keit als Ad r efs ^ Kalender wenig Tchaden wird. — Wir 
wollen leinen Inhalt überblicken. , 

Voraus geht die Konßitution 'det Königreichs SoU 
land, und dann folgt, der Kalender. 

Erßes Hauptßück, Erße Abtheilung. Genealogifclietf 
Verzeichnifs der Europäifchen Regenten und ihrer Fa- 
milien. (Nach der Ordnung des Almana^h ImpdriaL) 

Zweite Abtheilung. Kabinetiminiller der auswärti- 
Ife^ Regenten. (Nicht rolllländig!) 

Dritte' Abtheilung. Fremde Gefandte in |Ioll«nd, 
und' hblländifche Gefandte im Auslande. 

Zweites Hauptfiück, Staatsminii^er und GroXsbeamte. 

Drittes Hauptßück. Hofftaat des Königs » der Köni- 
gin, des Kronprinzen/ und Leibgarde. — Das Perfo- 
^ale 4|es Hofltaats iil ziemlich zahlreich; befonders fallt 
die Zahl der oberen Jagdbeamten auf, die fich (ohne 
FörAer und Jäger) auf 116 (beinahe durchaus adeliche) 
Perfpnen beläuft. 

Viertes Hauptflüch, Der Staat srath/ — Der gefett- 
gebende Körper, von 42 Gliedern. Der hohe Gerichts* 
hof. Die Rechenkammer. Das hohe Militär- Gericht 
Der hohe Gerichtshof über die Steuern zu Waüer und 
zu Lande. 

Fünftes Hauptßüch, Konigl. Orden der Union. — 

Sechßes HavptßücK Minifterial- Departemente. 

Siebentes Hauptßück. Wafferftaat. (Auflicht über 
Dämme, Sümpfe, Dammftrafsen u. f. w.) 

Achtes Hauptßück, Cultus. 

Neuntes Haupt ftüek, Landmacht. 

Zehntes Hauptßück. Seemacht. (Die Zahl der Offi" 
#iere ift betxächtli^ch.) 



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Mücher - Recenjionen. 467 > 

Bilflef Ifaujitßutk, VaxWaltung der Kolonieen. 

Zwölftem' Hauptßück, Verwaltung und Provinzialbe* 
hörden der Departemente und Städte. — Bei den De« 
partementen find zwar die BcÄandtheilfe angegeben , auf 
welchen Re beftchen, aber we^er ihre Gröfs'e noch ihr* 
Volksmenge ift angen»erkt. — 

Dreizehntes Haupt fiüch. Juftizwertii. 

Vierzehntes Hauptßück, Finanzwefen. 

^Fünfzehntes Hawptßütif, Handelswelen ;jnäm1ich Di* 
rection des levantifchen Handels, der grofsen Fifchferei^ 
Handelsgerichte 9 BÖrlen, Bankiers, KalHerer und Mäck* 
1er, Handelsgefelirchaften und Wechfelbanken« -^ £i* 
ner der intereffantelten Abfciinitte! — Handelsgerichte 
und Handelskammern find, aufser zu Amßerd.am ^ zu 
Dordrecht y Groningen, Middelburg, Rotterdam und Schit-^ 
dam, — Börfen find , aufser zu Amßerdam , zu Alkmaar^ 
Oröningen f Leuwltrden, Middetburg, Rotterdam, Schie-^ . 
d^m und Zieriktee. -*• Banken 'find zu Amßerdam und 
Middelhurg, 

Sechszehntes Hauptßück, Das Ober - Jagd - Departe- 
ment. — Folgender Überblick möchte wohl hier nicht 
am unrechten Orte liehen. — 



Das 


Königreich 


Holland ift feit 1807 in I15 


Ja^dl)e* 


zirke abgötheilt, deren jedrr unter einem (in der Regel 


adelichen) Jägermeilter 


fteht. Von di?fen Jagdbezir- 


&en hat 














das 


Departement 


Groningen . 7, 






■ -r- 


— 


— 


Frie^sland , ' • S^. 




/ 


— 


. — 


— 


Drenthe • 4. 






— T 


— 


— 


Oper-YJTel . 10^ 


« 







— 


' — 


Geldern . • ^9. 






— 


-r 


— 


Unrecht . . 6., 









— ' 


— 


An^ßelland . 13. 






' — 


— 


— 


Maasland • i6« 









— 


— . 


Zeeiand • ^» 4. 






— 


_ 


— 


Brabant . il. 






— 


— 


— 


Oßfriesland . 7. 


• 



XI5« 



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468 



Bjicher « Recen/ionen* 



SUhmzdmtes Hauptßüch^ Unterricht ^ WiHenrclitf- 
ten und Kiinfte. — Ein intereflknter Abfchnitt , bei dem 
wir jedoch nicht länger verweilen können. — Wir mer- 
ken n^r an, dals die Gefellfchaft der Kaufte und Wil- 
fenfchAften zu Batavia ($• 524) mit einer Keihe Toa 
Punkten abgefertigt ift. * . 

Achtzehntes Hauptbuch, Medicinalwefen. ->- Jedes 
Departement hat feine Medicinal - Commiiliofn , die aus 
Aerzten, Wundärzten, Geburtsheifern und Apotheken 
befteht*. 

Neunzehntes Hauptfiück, — Landbau; Jedes Depar- 
tement hat eine Ackerbau * CommiUion. 

Zwanzigftes Hauptßück, — Regierung i^d Verwal- 
tung Ton Amfterdam, 

Ali Zugaben folgen nun: 

Bevölkerung der Erde und der europäifchen Staa- 

^ ten. — Nach dien gemeineh und nichf gans' riehtf- 

gen Angaben, z. B, Frankreich mit feinen Kolonieea: 

35,500^500. — Das Türki/cht Reich in und auCierEi« 

ropa: 21 Mill. Einwohner u. X. w. 

^ Bevölkerung der holldndijchen Städte mit Angabe der 
Departemente, in welchen iie liegen. Wir heben fol- 
gende Angaben von Städten aus, die 8|000 Einw, nad 
drüber haben: , 



Stadt 


Departement 


SeelentüU 


Alkmaar, 


AmftelJand. 


8t373- 


Amersfoort. 


Utrecht. 


8,584- 


Amfierdam, 


Amftelland« 


• 217,000. 


Arnhem, 


• Geldern. 


10,080. 


Bofch {s' Hertogen) 


Brabant. 


I2,627* 


Breda, 


— — 


^fÄSO- 


Delft. 


Maäsland. 


I3»737. 


Veventer, 


Over.-YfreL 


s,28r* 


Vordrecht^ 


IVIaasland. 


18,014. 


Oouda. 


— — 


ii>7i5- 


^r^ningin^ 


Groningen. 


«3.770- 


Haag* 


Maasland« 


38,433- 
Hasr- 



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Buchßr " A « 9MnfiQn§m 469 



Stadt, 


Departementt 




Seeietizahh 


HaarUm.' ' 


Amftelland, 




ar,227. 


Hoom, 


-r - — 




9,55i* 


Ltuwarden» 


Friesland. 




16>625* 


Leyäen, , 


Maasland* 




8o,%5, 


Middelburg* 


Zeeland. 




17,687. 


Nymwegen, 


Geldern. 




12,783^ 


Rotterdam. 


Maasland. 




.63,2U, 


Schiedam» 


, — — . 


^ 


9,111. - 


Utrecht. 


Utirecht. 




82,294» 


. Zwoll. 


Ovcr-YITel. 




12,220. 


Poßwe/en* Lifte dör Poftcomptoire neBft 


Anzeige von 


der Ähkunft und dem 


Abgänge der PoHen. 


— Po&wU 


gen und Trckfchuiten. 








Münzen^ Maaße und Gewichte, rtrglichen mit dett 


tusländifchen« 









Auszug aus dem B.eglement der Rofetikette. 
ben Belchlufs macht ein alphabetifches IVegifter* 

Die Brauchbarkeit diefes Werks ergiebt fich aus dem 
Yorgefagten« ^ 



2) Der in franzöfifcher Sprache gefc^riebene hollHn* 
äifche Hojalmanach hat ein lehr niedliches , gefälligei 
AeuTseres^ doch Xein innerer Gehalt geht uns allein an^ 
und da. finden Wir foglcich auf der er^en Seite untef 
der Kubrikx Epoques pour Vannie 1809, die unfranzöli«« 
Ichen Ausdrücke: De la rigence de NapoUpn^ Emper^r 
det Fratigais — de la rigence de Louis • Napelion ^ Rai ds 
Hollande — es mufs heifsen du rkgne. —• Was U temä 
de la tigenae heif^t^ wilTeii dl« Franzofeii Icsider noch 
gtr wohl ! — 

Doch, ohne tini dabei atif zuhalten^ noth l^^eiler« 
Fehler gegen die franzöfifche Sprache aufzufuchen, die 
inan einem Holländer verzeihen mufs f wollen wir dett 
Inhalt des Büchelchens überblicken« - 

dr O. JE. XXVIII. Bds. 4. St. LI 

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470 Sti ch er • Kece nji onen. 

Auf den gewolmliclieii Kalender folgt eine Aowei« 
fung wegen der verrchiedenen Preife de» Stätnp«lpft- 
pier*. 

Dann kömmt des alpliabetifche genealogifclie Ter- 
zeichnifs der europäifchen Reigen ten-Familien^ und bier- 
nuf unter" dem nicht ganz pnCTenden befonderen Tite}: 
Fafies de, la Cour- et de la Rijtdenct p0ur Vannde i8oQ — 
das Verzefcbnifs der königl. Familie und des Hofftaats 
nebft einer Nachriebt Ton der Hofetikette.* (Wie ia 
No. i) — Hierauf das Perfonale des (Jnionsordens, mit 
Abbildung des Ordenskreuzes, und des königl. Inftitats, 
Beblt Jakolr Kippers Nekrolog und Bildnifs. 

Den Befcblufs macbt eine Üeberficbt tob Amßtrdam 
und den Sehenswürdigkeiten dieler Haiiptftadt, nebft ei- 
'Bern Weg-weifer durch diefelbe, in 7 Wanderungen ge- 
theilt, deren jede durch ein PUnchen erläutert iJft. Fof 
Fiemde ift di^fer Wegweifer gewiXs ein febr wfllkom- 
menes Gefchenk ; auch kann die Topographie dirfer 
grofsen Stadt hiernacb berichtigt werden. «— Wir mer- 
ken hi6r nur an , dars der Verf. die jetzige \Häuferzthl 
zu 26,300 und die Volksmenge zu 220,000 Seelen angiekt. 

Man zahlte im Jahre 1515 nur erft 253c , im J. 1632 
aber fchon I5>562 Häuf er. 

Die Berölkcrnng diefer Häuptftadt beftand 
im J. 1622 in 164,961 Seelen. 

— J747 Jn 166,244 — 

— 1780 üb. 240,000 — 

— 1797 in 217,024 — 

jyie Kupfer find, aufser den lieben erwlibnten Plan- 
eben einzelner Theile von Amßerdam^ uf^bft dem AufriiTe 
und Plane des kgl. Pallaftes, f6n£(uns dünkt , nicht gant 
getroffene, doch hübfch geltochene) Porträts des Königs 
▼on Holland , . der Kaifer von Frankreich und Rufsland, 
und der* koUändifchen MarfcbKUe Dumanceau und de 
Winter^ und des Malers Jak, Kuyper ; dann die Abbil- 
dung des Kreuzes des Unionsordens. Auch der Titel ift 
in Kupfer geitochen', und Hellt dM bolländifche Wap- 
pen dar. 



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^ ... 

X:HARTEN . RECENSIONEN. 



Charte^ von Mittel- Europa etc. herausgegeben 
von Jos BPH Marx Freiherrn von Likcmt^kN'^ 
STRKN. (13. i/n^ 14. Lieferung,) 

Der unausgefatxte Fortgang dieres, in unferit A, G. E* 
fchon mehrmab, und kürsHch er/K noch im I. Stücke die* 
Tea Bandes rühmlich erwähnten Werks, macht es uns 
tur angenehmen Pflicht^, deflen neuefte Lieferung auch 
unverzüglich anzuzeigen. Die Bl&tter der lo eben er* 
fcliidnenen J3ten und J4tea Lieferung find folgende: 

Sectio 38. 

Der mittlere nördliche Theil des Königreichs Ungarn^ 
mezeichnet von Franz Simm^ g^ß* ^^^ Kühn, 

Diefes Blatt, welches von 4IJ0 2Ö' bis 49*^ 30' nördl. 
Breite, und von 37° 48' bis 40° 36^ der Länge von Ferro 
reicht, ftellt uns einen Theil der Gränze iwifchen Gali* 
zien und l/n^ßin, mithin einen Theil der Kar pathen dsiV^ 
«nd enthitlt nachfVnhende Gef^anfchaften und KreiXe^ 
gtheilt gKüt) theüs Stücken davon; und zwar von 

L 1 s» 



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47* Chmrten - Accen/ioneUf 

Ungarn 
die Saxofeher Gefpanfchaft « 

*- Zi>/«r — — — 

— Unghvarer — — . — 

— Z^mpliner — — — • 

— BeregT — w- — 
; — Abaujvarer — — . -^ 
— . Torncr — , .— — 
und Gomörtr — — — ; ro^ji 

Oalixitn ^ 

dtn Boehnitr Kreit ^ 

— StQftdeczer — 
"^— Jasla€r — 

— Sanoker — 
nnd Samb0r$r — 

Da xn diefem Blattt Lipshy^ Garog^ Metzhurg md 
"Crußüs b«nuUt worden find^ lo läfst Geh nichts Mittel- 
mäfsigea vermuthen; nur wtinfcht Aec, welcher dtr 
Sprathea und Orthographie diefer beiden Län^r nicbt 
fehr kundig ift» mithin fein Urtheil ober letttere fufpen* 
diren muff, dalt nicht ähnliche Fehler ala Ungwalirtf 
^ Gefpanfchaft vorkommen, du doch die Stadt ünghvdff 
wovon diefe Gefpanfchaft den Namen fährt , in felbifer 
richtll; eingetragen und gefchrieben ift; auch fcheint 
uns der Flecken Schomos, nämlich von Kafchau aiclit 
richtig gefchrieben y eben fo wie Schorofcher Gefpm* 
fchaf t etc. , da unferm wenigen Willen nach die Ungarn 
fch nicht wie wir Teutfclien fchreiben; foUte aber dies 
abGchtlieh gefchehen^ feyn j fo hält Rec. es nicht fnr 
zweckmäfsigy in der Geographie l^usländifchc Proviai- 
und Ortsnamen zu germanifiren. 

Das Blatt ift rein und nett geftochen, aber die Mar" 
pathtn^ besonders in Verein mit früher erfchieneoei 
Blättern» nicht gehörig herausgehoben, und nicht be- 
fchriebeuy die Schrift aber befonders rein nad^ daatlick 
geftochen, 

S e c t i o S5* 
Der fädlicht Theil des Grofrfürßenthums Siehei^hütgeß, 

gezeichnet von Partfeh ^ geßochen von Wifhedm. 



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Charten - Rece nfi onen. • 473 

45« 7' ijft det tüHichÜte und 46» 36' der nSrdlicTit Pfiral- 
lel- Kreis, 40^ 20^ der w^ftlichAe, und 42^ 58' der oft- 
licliße Meridian diefes Qlattes; et enthält liach^ehende 
Stühle Von' SUbenhürgen\ alss 

den Unter- Weift enhurger Stuhl, den Broofer St, den 
Aranfofoher St., den MühlenboQher St., den Reismär" 
her St., den Tkitrenhurger St., den Mo ruf eher St.^ 
den Kokelburger St., den Medwifcher St., de/i Ohet^ 
IVeifsenbürger St., den Hirmannßä,Ater St., den Schaef* 
hnrger St., den Gr. Schehker St., den üdwarhelyer 
St., den Rtpfer St. und den Fagarafcher Oiftrikt; 
«tt^ei^dem noch den Diftrikt des erften Wallachirchen. 
Gräifi^ - Regiments, .und einen Theit des zweiten' 
Szekler - Kegiments ^ Diftrikts , und endlich. Theile 
der Zarander und Hunyader Ge/panlbhaften uäd ei- 
»^n kleinen Theil der Wallüeheu 

Sonderbar ift es,, dafs man dem Vulkau'Pafs hier 
das Zeichen eines Marktfleckens gegeben hat, es Ware 
doch wohl beHer gewefen , für diele Gebirgs -PälTe eigne 
Zeichen su wählen, wie man ei bisher auf allen al- 
tern Charten findet. 

Der Stidi diofes Blattes ift rtix^ und deutlich, doch 
hat Hr. Witbalm fich wieder ben^üht, die Qebirge recht 
fchön mit Schatten* Seiten darzuftellen« 

Kec. mufs fich bei Gelegenheit diefer Blätter, fo 
wie überhaupt bei dem ganzen Atlas eine fchon länglt 
gemachte Bemerkung im Allgemeinen erlauben, wozu 
er aber durch Anficht diefer Sectionen neuerdings auf- 
gefordert wird« 

Die Jetzt fehr gewöhnliche Art^ die Gränzen da, 
iBTO folche Ton FlüiTen gebildet werden, auszulallen, mag 
swar hei Charten, die illuminirt werden, allenfalls an- 
gehen ,^ erleb wert aber bei jenen , die nicht colorirt findj, 
durchaus den Ueberblick dts Ganzen , und wird zunächA 
b^fonders da, wo es kleine unbedeutende, öfters ganz un» 
bekannte Flüfschen find , lelbft bei den heften ChaH'en, 
^Qin heträchtlftchen Fehler ^ nnd kann mit fehr geringer 



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474 Charten - üec-enfi^nißm* 

Mühe rowohl TOn Seiten 4e$ Zeiölva^rt,* «U mok dm 
Kupferftechert Termieden werden; es fckeint^ <iiere Be- 
Jiandlung der Gräqzen jetit lehr gewöhnlich sa wer^e, 
de doch in' der That das Gegen theil xu wiUifeh«n wize. 

S i c t i ^f. 
Dir n6rdlieh€ Theil des Gro/sjürßenthum* Siehenkürgen^ 
gezeichnet von Parifch^ geftochen von Withalm» 

Dieles Blatt reicht von 40^ 28' his 430 11' der Länge 
Ton Ferro ^ und von 46° 37' bis 48® 6' nördlicher Breite, 
und enthält von Siebenbürgen nachgehende Theile, alt: 

Theile der mittlem Solnocker^ der Krasner find TAt- 
renburger GefpanJchaft. Ferner: 

die KJ&llöfcher oder Claufenkutjger Gei^»» die, innere 
Solnocker Geli^.y den Kövarer Dißrijtt, ^pn Bißricur 
Diftrlkt und den des xweiten Wallachifchen Grans- 
Regiments , und einen Theil des erl^en Wallachifchen 
Regiments - Diitrikts. 

Hierbei bemerkt Rec, dafs die fehr zu i^ühmende 
Art, die auf .die Section nicht ganz fallende grofse 
Schrift mit kleinen Buchftaben in den Rand ausznB;echen, 
tiberlehen worden, welches auch bei der 48ften Section 
mit eben diefem Diltri^lie der Fall ilt; fo liest man alib 
auf diefer Section Diftrikt auf der äufserften 48ften det 
erßen^ und ilb nun genÖthigt eine andere Charte nach- 
xufchlagen, um zu wiHen, welcher Regiments -Diürikt 
hier gemeint ift. ' \ 

. Von Ungarn finden wir noch auf diefer Section einen 
Theil der Ugoczer ^ Marmaro/cher und Szathmftrer Ge- 
Ipanfchaft, und endlich einen Theil der JSücou;ina oder 
dtB Czernowitzer Kreifes. 

Diefes Blatt ift, befonders in Siebenbürgen^ fehr mit 
Schrift überladen , welches der FitH auch bei den vorigen 
war^ doch^iit folche hier wiewohl von de^ nämlichen 
Stecher, dooh etwas magerer als auf jenen ausgefallen, 
welches natürlich noch mehr zur An&cengung des Ge- 
fiohts beiträgt ; übrigens ift der ^tich reii»lich und gut, 



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Charten ' Recenfiümen. 475 

und Ai ^ebirg zwav in der mehr erwähnten Manier, 
aller doch mit vielem Fleifse bearbeitet und ausgeführt. 

Was die Bearbeitung des Blattes felbit betrifft , fo 
fliefstn hierzu die Quellen ergiebig gentig , ttm' nichtt 
Mittelmäftiges erwarten zu dürfen , und &ea/ verfichert, 
dafs der fiearbeiteir dabei l^einen Fl^It gafpa^t h^t»-, 

S e c i i <3( 48. 

Der mittlere Theil des Fürftenthums. lUr Moldau; ^ezeich^ 

net von Partfeh ^ geßochtn w>n Jf^kalm* 

Diefes Blatt fchliefst an da« vorhergehen de lin-k» an 
und beginnt folglich mit ^^^ 11' der Länge y* und geht 
bis 45° 54' , iiigleivhen von 46^ 37' |^t« 4?° 6' 4er nörd- 
lichen Breite y und enthält aulter dem auf dem Titel er- 
wähnten llieil der Moldau^ noch einen kleinen Theü 
von. Siehenbürsen ^ nämlich det bei toriger Section er- 
wähnten erlten Wallachifchen K^giments « Oiftriktt , eben 
fo ein Stück dar Bucouiina ödier des C^ernöwiizcr Kreile«, 

.Dip Moldau ift hier aut dem bellen exiftirenden Wkz, 
teriale, nämlich aus der £nurrfchen (^harte der Moldau 
in fechs groften Blättern bearbeitet , und was'Kec. ver- 
bärgen kann , mit vieler Genauigkeit und Auswahl der 
Orte , und ec ilt überhaupt alles für dielen Mftlifta]| 
paffende Detail und Schrift hier auf^euommen , und 
4ochV wat fehr zu rühmen,, daa Blatt; ific^t überladen 
worden. 

Das Gebirg, welches ebenfalls ganz nach Bauer ein- 
getragen, ift hier im richtigen Verhält» ifs dargeftellt, 
und nur bei einigen, wenigen Stellen noch der ^chatten 
axigebracht worden« 

Der Stich iff fehr rein und fteifsigr grarftlBllc^, und 
die Schrift etwas weniges fetter ^als auf vorigem Blatte 
ausgefallen ; doch dürfte ficH Hr. Withalm noch Immer 
mehr nach Hrn. KüUns Schrift bilden, ßsi wir die det 
letztern durchgehends fehr gut und deutlich finden« 



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4^6 , Chmrt$H • Rec^n/iünem 



3. und 3* 

Charta det weftUchtn . Oeftreichs nemlich der 
höhmijch&m Länder und der l^ieder- und in" 
nerößrtickifchen Provinzen mit Salzburg; 
mit Benutzung der zuverlä/iigften aftrono^ 
mifch' und geographifchen Beobachtungen und 
Nachrichten y dann mit Zuhülf nehmung einer 
grofsen Anzahl fpecieller Charten y Hand- 
meichni^ngen und Ortsbe/chreibüngen^ entworfen 
von JöSEPM Makx Freiherrn^ von LikcsteiT" 

STERlf^ 

Bei der Aateige der' Charte ▼on Böhmen in Tier 
Blattern > deiTell(eii Heraotgebert , haben wir uns bereite 
S. lo6 det XXrIII. Bds unterer J* O. E, , unferm Pnbli« 
h^ Ypn der Entftehuug^ diefer Art Charten aur der, be« 
kffnten, und mehrern Orts erwähnten Charte w on Mit* 
tel' Europa in 64 Blättern , verftttndigt, lo dafs wiif hier 
weiter nichts zu fagen haben , als datis die oben ange« 
feigte Charte auf die Art» wie wir dort von Bdhmen ge* 
Jagt, aus 15 Sectionen^ nämlich: No. ^, 28, 89/35, 
B^f 37» 43» 44> 45» 5i» 62, 63» 5Ö> 60, 61 zufammengeXetU 
ift, welche bei unferer, zu yerfchiedenen Malen einge« 
rückten RecenHon der Charte Ton Mittel* Europa fchoa 
einzeln erwähnt, und ihre Bearbeiter geneaat wer« 
dea ßnd. 

Dem Titel tu Folge bitten die Sectionen 43, 53, 61 
fiiglich wegbleiben können, und es fchisinen folche, da fie 
aicbts ¥oa den auf dem Titel erwähnten X^ändem enthal- 
ten, blof« wegen der Figur des Tableaus, nämlich, dafs 
fcklches ein richtiges Oblong bildet , hinzugefugt wordea 
9U tejm hingegen fehlt zuKgänzUchen Vollendung des 
AtlaiTes von den betagten Ländern, das in die noch nickt 
geitochene Sectjon 42 fallende Stückchen yon Salzburg, 
Da« Ganze hat eine zweckmäf^iige Illuminirung erbal- 
ten; die Special *Tit%l der einzelnen Seetioaea lind beim 



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Onaoke überlegt und folglicli nicht mitgedrnctt ^ dafür 
aber der oben erwähnte Titel der ganien Charte auf diä 
Seotion Nro. 59 gellochi»n worden« 

Charte vom KQnigreiche Ungarn j mit Einfchlufs der JTe- 
nigreich^ Croatien und Slavonien , dann van dem Grcjs^ 
fürßenthume Siebenbürgen» Mit Benutzung der 9uver^ 
ISiJJigßtn aßronomifchen und geographifchen Beobgek^ 
tungen un^ Nachrichten ^ und mit Zuhül/hehrhung einer ' 
groften Anzahl fpepieller Charten , Handzeichnungen 
und Ortsbefchrtibungen , entworfen von Jqfeph Mars 
JFreiherrn v. Liecktevstern^ JVien^ 1809* 

Biete ebenfalls auf vorbefagte Art sufämmengeretzte 
Charte befteht aua. den Sectiouen: 36, 37» 38» 39, 40» 44^ 
4& 46, 47» 48, fi2, 53? 64t 65» 56, 60, 61, 62, 63, 64, ▼on 
-welohen Alles » jenfeits .getagt , gilt; hier hätten eben- 
f allf die Sectionen 40 und 64 wegbleiben können » und 
beide {[nd wieder, der Figur des Ganzen halber, beige* 
fügt, und erftere xu dem General - Titel dieXer Charte 
|»aiiutzt worden. 

Da noch zwei ganz kleine Stücke in die Sectionen 
5X und 59 fallen, fo find diefe beiden Stückchen jede» 
an einen AnTchieb-Rand gezeichnet und geltochen, und 
dem Atlas zur völligen Ergänzung beigefügt worden« 



4- 

Die Sälrifche Monardiie^ entworftn in zMfi 
JffSattern^ von Conra^d Mannjrkt. Närnhergt 
Hamanns Erben, 1808* 

itei über einander an ftofsende Blätter 1 jedes 16,6^' 
Par. ^oll hoch und 20,2 breit; 6,8^ zu«' Breitengrade» 
mithin 0,463 auf die geographilche Meile angenommen. 

Der Hr. Vfl^ hat , was er auch unter dem Titel ili 
einer Anmerkung lagt, zu die/er Charte d«(s holte Vd»« 



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^ft Ckmrtwn '^ R^esnji^nen. 

liandene Venutit, nämlich Jppicn und Finks BaUrH^ 
Mommtrs' Franken t .A^mich und Hubtrs Tyrql und FotaI- 
^«r^ neblt den Arbeiten des ,OWr(ten v, ß.iedl , zu den 
angränzenden Ländern Amman und Bohmnbergers Gliar« 
ten Ton Schwaben^ Meyers Helvetien etc., und R.ec, kann 
sieht auders als die Benutzung der oben gedachten , in 
der That einzig brauchbaren Materiaifen diefer Theile 
beitätigen, und zwar mU i^m Zufatze^ dafi lolehe mit 
Vortheil und richtiger Ausvtrahl gebraucht worden find« 

Das Königreich hat die neuefte Etntheilung in feil« 
J5 Kreife erH41ten|. ' welche durch Mrkere Gränspuakte, 
und dann durch die Illuipinirung Tehi^ deutlich von ein« 
ander unterfchied^n (ind; welcher Eintheilung undGräns- 
bezeichnjung wir hier wohl am meiften trauen dürfen, be- 
fcnders da der Vf. folche, wie er in der tchon erwähnten 
Anmerkung fagr, höherer Unterltützung verdankt, und 
die Charte überdirs Sr. RÖnigL Majeität v. Baiern durch 
die Herren Herausgeber, Franz den altern und Fembo, 
ztigeeignet ift. 

Die Hauptftfidte Jedes Kraifes find durch einen dnn- 
^ki^Jn Farbeiiltrich der dem Kreife gegebenen Farbe aus- 
Ipezeichnet; welches Ge auch aufserdem durch die gröf« 
fere S/chrift find ; doch ift der Hr. Vfr. nicht ganz fyftema« 
tilch richtig vorgegangen.* München^ Augsburgs Nüm* 
'berg , Ulm, Bamberg und PaJJau find mit gleicher Schrift^ 
nämlich mit ftehender Quadrat* Schrift bezeichnet, da 
d^ch, ili/unc/tera ausgenommen, die andern in keinem hö- 
.hern Hange ftehen^ als Baireuth^ Eichßädt ^ Jnfpruck^ 
Brixen etc., welchenur mit liegender Quadrat belchrie- 
ben find. , Sie find nämlich diesmal Hauptftädte von Krei« 
Xep, fo wie auch Kempten ^ welches aber nur mit Ro- 
tnnd -Schrift angegeben iß.; Rec. ift hier der Meinung, 
dafs die Städte bei einer Charte mit politifcher Einthei- 
lung nicht nach der HäuXerzahl, fondeirn nach dem Hangt 
derXelben beteichaet werden müfien» 

Die ehemaligen Benennungen der Länder «Theile find 
mit, grolser Schrift eingetragen, doch ift XökliM bei P^A 
/du vergeXTen worden. 



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dka^rten » Recsnfianen» 479 

Aüe Pdß- vn^ Hatiptftr«£c«n find , £0 wie die Poft- 
Stationeii richtig eingetragen y und überkaupt to viel !>•• 
taily als der Mafsftab erlaubt , und Xolchcm angemeffen 
iity aufgenommen worden, - 

Das Gebiet von 'Rtgenshurg ift der ganzen' Charta 
gleich behande It- worden y eben fo das Färftenthum LicB- 
tenßeini das Grofsherzogthum JVürzhurg ,, und das Gt^- 
biet des Te^tfchmeiiters fiofl zwar ganz begräazt, aber 
mit weniger Petail ausgearbeitet. 

Rec. hoift, dafs fo wie er felbß, Niemand die beiden 
der ChilTte gemachten kleinen Vorwürfe folcher al« Feh- 
ler abrechnen wird, da fie in der Tbat nuir alt blofio 
Verfeheui 4^e der Charte tou ihrem Werth nicht dat 
Oeringfte benehmen , zu achten find» Der 3tich toü 
.Hr. Trümmer iit, wiewohl nicht fohön, doch fehr rein^ 
und die Schrift fiir ihre Gjrbfse mögliche deutlich aus^ 
geführt. 



Die Bairifche Monarchie nehft Wilrtemberg^ 
Baadeiiy Würsihurgy fBaireuth ^ Satzburg und 
dem Innviertelf aus D. J?. Sotzh^anns neuer 
Charte von Deutjchland ^ hefonders herausQß^ 
gehen. Nürnberg i hei A^ 4}\ Schneider und ^ 
fVeigeL 1808. 

Die Verlagshandlung wollte, wie es fcheint, gern 
ohne grofse Kolten für neue Zeichnungen Charten von 
Baiern und Wirtemherg hahen, und fo liefsen fie einen 
TTheil der neueften «So tzmonnf chen Charte von Teutfc^- 
land noch ein Mal Itechhn, und die neuefte Eintheilung, 
To weit fie ihnen bekannt war, eintragen« 

Ganz lobenswerth ift nun wohl diefe Methode nicht, 
doch ift es noch immer gut itnd dankens werth | wenn 



I 

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480 Chartern ' Reeenji^nen. 

sn lolcli einem Zweck« gute Cluurleii, wie hier genoai- 
ueii werden y und man nidbX die AafwSrmnng fchleek- 
ter Produkte nockmelt bezahlen muXs. 

Wir wollen übrigens hierüber der VerlegshendlaBg 
weiter keiue« Vorwurf machen , und nur noeh unterfa^ 
eben y ob £Le Alles gethan , was JCLe bei To be wandten Um- 
Mnden hätte thun mtiJTen, 

IH^ rienefte Eintheilnng der KreifeTOli Baiem ift 
twar durch Gränzen richtig eingetragen, aber nicht 
durchgehends fo richtig i^ iit Befchreibung derfelben. 

Dex Rtgen^ Kreis ift gar nicht benennt, hingegen 
diefem mit dem untgm Donau •Kreis inTammen, wie* 
wohl beide durch die rifchtige Gräme gelchieden 'find, 
iäirohlieh die Benennung des letztern tugetheilt worden; 
und ron dem Eifach^ Kreis ift der erfte B^cbftabe der 
Schrift nochin den Etfch* Xr«i<hinübM' gezogen worden* 

Die Kreisftädte find durch rothe Fiirbenftriche her<» 
ausgehoben , doch ift diefes Xehr oft überfehen worden. 

Wirtemherg und Baden find hier gar nicht abgethe:*! 
worden , fontlern blofs die darin liegenden Fürftenthü- 
mer Hohenzotlem und v. d.. Leyen umgränzt, letaterei 
aber nicht bienennt, fondem es ftehen noch die Buch- 
ftaben Grf. (Graffchaft) fälfchlich darin. 

Letztgedachte beide Fürftenthümer, to wie auch die 
fQrftlich - Primatifchen Länder Yfenburg und Lichten' 
fietn^ hätten eben fo gut wie Sahburg und das Inn^ Pier^ 
Ul auf dem Titel mit aufgeführt werden können« 

Diefes Blatt ift in dem gewöhnlichen grofsen L,and- 
charten- Format der Herren Schneider uad fVeigel^ und 
ganz rein ^nd deutlich geftochen. 

Unter dem Bande ift eine Charte ydb D. F« 5otz- 
m4nit in 4 Blättern Ton dem Rheinbunde angekündigt, 
Vielehe uns aber bisher uocIl nicht zu Geficht gekom- 
men ift* 



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CJkarten - R^e^njiongiu 481 



Die Herrfchaft Schmalkalden , ' durch die Coiu 
fiitution im Jahre 1807 zum Königreich VFeß,* 
phalen^ und zwar zjmf' Departement der 
Werra gehörig; gezeichnet von C. Gelbkx, 

* Artillerie^ Lieutenant ^ geftothen von Z. -ATx- 
CBASLls, Gotha bei Ettinger^ iSog. "* 

Ein kleine! Blatt, 69I5 Pariler Zoll Höbe, und 9,42 
Breite, weichet 2 Par. Zoll zum Maals «iuer feographi« 
rchen Meile hat. ^ "^ 

Eine geographifclie Kleinigkeit; alieir auoh all folch« 
dem Publikum immer willkommen, belonder» da diefea 
GhHrt^hen (ehr Tpeciell ift, und darin alle Gegenhandel 
die man von eiiker Special - Charte erwarten kann, auf- 
genommen find ; die Gehirge find mit vorzüglicher Prä- 
cifion gezeichnet, und von den übrigen topographifchen 
6egenftänden vermiftt Rec. durchaus keinen; nur wäre 
es gut gewefen, wenn der Hr. Vfr. die Kirchdörfer noch 
ausgezeichnet hätte , welches er entweder durch in den 
Dörfern niedergelegte Kreuze , oder durch gröfsera 
Schrift hätte fäglich thun können , wodurch diefes Blatt 
il««oh mehr an Werth würde gewonnen haben; dellen 
ungeachtet aber bleibt folches ein fehr gutes und brauch- 
bares Materiale für die, welche fich^mit ftatillifch- oder 
geographifcher Bearbeitung* des Königreichs Wei^phalen 
berchäftigeu. 

Möchten doch Alle, die in Befitc von Special -Pia* 
Ben und Handzeichnnngen einzelner Diftrikte und Ge- 
genden find, folche auf ähnliche Art herausgeben ! jtvie 
manche Lücken in der Geographie dürften dadurch nach 
und nach ausgefüllt werden. 

Der Stich diefes Blattes ift rein und genau | und die 
Schrift gut und dcutUc)i. 



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VERMISCHTE NACHRICHTEN- 



I. 

BemerTtungen auf meiner Rückreife aus Sibirien 
nach St. Petersburg. ♦) 

Ungefähr xur nämlic]i6ii Zeit, ah England Kam* 
da und Nord ~ Amerika fich unterwürfig machte , und 
Kolonien unter der Königin EUfabeth dahin fandtt, 
um die dortigen Einöden anzuhauen und zu hevölkern, 
erhielt auch Ruftland unter den Zar^n Iwan fVafilje-^ 
ioitfeh Is Atii ehen fo öde Sibirien durch des Kofackea« 
liauptmannt Ermacks freiwillige Abtretung , zwar nicht 
in der GrÖfse, mit djer Ordnung und dem Anbau, den 
man jetzt hier hin und wieder bemerkt, aber doch die 
jetzigen GouTernemeuts Perm und Tobolsk. 

Unter Iwan JVaßljewitfch L Nachfolgern wurden Ür- 
machs im Norden von Alien gemacht« Eroberungen nach 



^ )Diere Bemerlninfren find vdn de*- Hand dq» nämlichen Be- 
gleiters der Ruisifchen Gefandtfcbaft nach China in den: 
Jahren 1805 und 1806, welche bekanntlich nur bis an die 
CbinefiXcbe Gränze k^m, und von da wieder zurück ging, 
Diefer Begleiter — deiTen letztes Tagebuch bis Jrkutzk 
wir im XXI. Bde. S. 219 unterer A. G. E. lieferten, gi*Bg 
allein, und auf einem andern und kürzern W-ege durch 
Sibirien nach St. Petersburg zurück, und rammelte bei 
dieler Gelegenheit die IchStzbaren Notiten^ welche wir 
hier unlern X^elern mittheilen. 



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. Vsrmifchte Nachrichten. 483 

den Gouvernemeiits von 7Vm*Ä, Jrku.2^, bit nach 
Kamtjchatka und dem Japonifchen Metre, hin, weiter 
ausgebreitejt , und würden fich bald tief ia dM hmer^ 
'Ton Aßen hin über den Amut und' die T^la hinaitt, wa- 
hin der ruflirche Eroberungsgeift fchon fj>dnin^en war, 
erftreckt haben , wenn nicht die eiferfächti gen Beforg- 
nilTe des Pekinger Hofes , wo jetttdie nenere kraftigere 
tatarifch - manfchurifche Dynaftie Taitßng^ nicht die 
ohnmächtigem Mings mehr herrichten, und delXf n be« 
londers 1715 bii 18 unter Xanghi genonuaenen kräfti^erea 
Maafsregeln auf der einen: Seite, fo wie die weile, 
nachgebende' Politik Kufslands auf der andern Seite, 
das das verödete, entfernte, mit Moraiten, unge« 
Jheuern Gebirgen und kalten Steppen angefüllte Sibirien 
mit einer wohl dilciplinirten , immer gnjt verforgten 
Armee g^^gen einen nahen, zahlreichen, witwöhl we- 
niger furchtbaren, Feind unmöglich Vertheidigen koitn- 
te, dem Eroberui^sgeifte einen glücklichen, unüber- 
Aei^bartn Damm entgegengeletit hütten« 

Lange über ein halb Jahrhundert hin waren die 
Gräuzen tfviilchen beiden Staaten China und Rursland, un- 
beftimmt. Die zwifchen beiden in der Mitte liegentlen 
Bs(itzungen«der Chane und Pürften der Mongolen und 
Tataren waren der gegenfeitige Zankapfel, und mehr 
joder weniger das Opfer der poiitifch^n und kriegeri- 
fchen Anftrengungen Beider. - 6ei kanghV's Tode 1722 
war die Spannung twifchen dem Pekinger. und St. Peters- 
burger Höfen fo grofs, dafs der würdige ^ Lange ^ zu* 
letzt Waiwode von Sihiriin, aus Peking verjagt wurde, 
und Alles Krieg athmete. Nur die neue unruhige Ee^ 
giernng^ Y^ngtjings und Peter T, Tod hemmten d-^n Aus- 
bruch d^s Ungcwitters. Es kam vielmehr der wichtige 
Gränxvertrag von 1728 zwifchen dem Grafeh von ////- 
rien, Säw Wlädislawit/ch Ragußnskyf dem Erbauer 
KiachtaSf von dem der vier Werfte davon entlegene 
Flecken Troitzko- Sawik noch jetzt den Namen fuhrt, 
und den eben diefes Friedens vre^en dit Kaufmann fchaft 
von Irkuxk befonders verehrt, ja fein Bildnffs kopirt 
bat, lindes auf deiti Kaufhof (Ytßinnoi- Dwor) öl^ttt- 



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484 Vermifeht0 Nathrickteru 

lieh «nfsaH^Utn Wülcttf ift, • euierfeiUy und dem 
Ton dem ChinefiCoHeii KaiMI Yongtfing beroUmäeht igten 
Gelandten andererreitt, glücklich ta Stande. Noch 
hu diefe Stande ill diefer Grinsvertrag ausf^hliersead 
die Bafit aller iwifchen China und Rubland gepiloge* 
nen Verhandlungen. Die Gränzen auf dem Apfelgthirg 
(heffer und eigentlicher Jablenniy Chrebet)^ im Goa* 
Temement Ton Irhutkf auf 4tn Saijan^n und klei* 
nen Ältay^ in den l^ifen von Biisk and Kusntzk 
def Gcuvernements von Tonuh^ find durch denXeibea 
auf dat genaueße beftimmt. : 

Dif fie in der Folge trergellen und TernachlSlGgt 
wurden » fo fchickte Katharina IL vor ^twa 30 Jahren 
Gräos • KornntilTäre hin , die fie Xorgfältig und mtthTam 
auffuohten, Gräntfteine und andere Merkzeichen letx- 
t^. Bei denfelhen rerfammeln fich Ton Zeit au Zeit 
Bevollmächtigte Ruflen und GhineTen, befichtigen und 
Verificiren fie. Mit Unrecht behaupten alle neuere, 5i*> 
tirien und Afien überhaupt nicht genau gentfg kennende, 
entfernte y Europäifche Schrifllfceller» fogar der würdige^ 
jre, tuverläfligere und fleiftige FrofelTor Heym in Moi*- 
liüUf in feinem geographifchen Wörterbuch Ton uad 
für RuXsland: „dafs Rufsland durch diefen Gränxrer- 
trag fielet rerioren habe.** Verloren hat et awar dea 
imaginüren» aber nicht^ den reellen Be6tt des bereits 
befetst gew'efenen, den Buräten und Mongolen, nickt 
den Rufien uigehörenden Landesltrichs an und jenleitt 
der Tola und dem Ahiur^ wo die letztem ein«i klei- 
nen Grttnt- und Handlungsort Alhaßn^ den 1718 JCmi« 
ghVs Truppen , , nach einer beinahe dreijährigen Bela- 
gerung, erdürmten, erbaut hatten» Verloren hat es 
eingebildete, aber nicht wahre Rechtf über Untertht- 
nen, die entweder gar nicht, oder in äufserft geringer 
Anzahl exiitirten. Verloren und auch nicht Terloren hat 
es endlich einft weilen oder interimiftifch die'freie Schif- 
fahrt auf dem Amur ^ in deren gefetxlichem pder trakta- 
tenmäfsigen BeEti Rufsland indeffen nie war, und die 
es folglich im eigentlichen Vei^ftande auch nie verlieren 
honate, Uin Hoffnung , und rieUeicht gar Wahrfcbeia- 

lichkeit 



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VgrtnifchtB Nachrichten. 485* 

üchkeit, diefe freie Schiffahrt /püt oder früh vn erhal« 
ten, hat et auch jetzt noeH. Gewonnen hat RuXsIand 
durch befagten GrÜn x vertrag : den ruhigen Beßtz Sibi* 
riens beinahe ein volles Jahrhundert hindurch, ja lo» 
gar diefes fchÖne, im Gänsen genommen fruchtbare^ 
wenn gleich entvölkerte Land TelbD^, die Mögiichkeit, 
Wahrlcheinlichkeit , vielleiKt gar Gevtrilsheit einer baU 
digen helleren Anbauung und Bevölkerung Sibiriens^ 
wenn dauernde Friedenszeiten eintreten, und man die 
Empflinglichkeit des Landes zu aurserordentlichen Wafi» 
fer > Communicationen wirklich erkennt und benutzt, 
und eine unendliche Menge anderer wefentlicher Vor« 
theile mehr. Bis Irkuzk^ Tomsk und weiterhin wür- 
den d^e in'kifciplinirten, halb rohen Tataren und IShi- 
ntC$ mehr gelehrte, als tapfere- und furchtbare Krieger, 
ohne Mühe vordringen ^ wenn die weife, nachgeben- 
de Politik Rufslands von den unrichtigen VorÜpllungeit 
•ingebildeter Scrlbenteu iich hatte beihören laiTen. 

Rufsland folgte leit den Zeiten des Hanfes RomanoiB 
bis auf die jetzige Epoche ein und eben derfelben Poli- 
tik, dereli inneren Werth und Wahrheit in Rüclificht 
Aliens die Erfahrung undGefchichte beflättigen ; es wcits, 
dafs jeder auch unbedeutende Unfall feinen tapfern Ar<< 
nieen in fo entfernten, entvölkerten und öden Gegen* 
dtn nachtheilig, ja gefährlich werden könnte; daf# 
die SubBftenz zahlreicher Armeen in den Ungeheuern 
Steppen t^m Amur und im Süden von Irkuzk lange Zeit 
hindurch unmöglieh^ die Zufuhr in der wüiten MungM" 
Ui ' oder (^ineß/chen Tatarei Mufserft fchwer, und bei dea 
hohen Gebirgen und vielen Moränen und Wildern im 
Süden voh Tothsk ebenfallt ünthunlich ift, dafs es an 
Fuhrwerken, Pferden und andern BedürfniiTen in eiJ 
iiem eroberten, von den heidnifchen Nationen bevöN. 
leerten Lande fehlt, und eine Menge anderer Dinga 
mehr. Diefe genaue und richtige Kenntnifs Sihirieni 
hat jene Politik und Fettigkeit erzeugt, mit der di# 
Kiilfifchen Regenten feit 1610 her, da das Haus Roma^ 
^ow auf den Thron kamt zu Werke gehen, und welch« 
die Abendländer, fo wie der Süden von Europa, un* 
möglich gehörig würdigen und beurtheilcn können, 
Ä. Q. M. XXrill. Bis. ^St. M la 



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i|g6 Vermijchte Nachrichten: 

Waf übrifetit den Anbau Sibiriens betrifft, fo iA 
et twar noch lange nicht da«, waa Nord- Amerilca fei« 
der nSmlithen Epoche bereits geworden iil. Es hat hei« 
ne fo fchönen^ volkreichen und grofsen Städte ^ keine To 
gut angebauten Ländereien , keine eigene Land - und 
Seemacht. Aber et ift auch viel weitläufiger und grd- 
/Iter, als das Land der drmehn vereinigten Nord*Ame- 
rikanifchen Staaten , hat ein von den letatern fehr ver*^ 
fchiedenet kältet und unfreundliches KJima, das fiek 
i«egen des Mangels hoher Gebirge, um den Windes 
Ton dem Eitmeere her den Zugang zu verfperren, fo« 
far auf den lüdlichen Theil des -grofsen Gouvernements 
von irkuzk erftreckt, ilt im Norden gänzlich unbebau* 
linoi unbewohnbar , het einen kurzen , kaum zwei Mo* 
nate dauernden- Sommer, wo die Natur uugewcAiulich 
Itark treibt, und z. B. im Gouvernement von Tomsk, 
•ine Menge grofser Steppen, ungeheuerer Waldungen 
und MoräHe,. die mit fchwcren Koften und grofser Mü- 
lie erlt ausgetrocknet werden nmfTen, ehe fie bewohn- 
bar lincl« Di^s hindert indefTen nicht, dafs der fudii- 
che Theil des Gouvernements Toholsk und au«h das von 
Ferm nicht ^eine Menge fchöner, fruchtbarer Landereiea 
enthalten follten. Am bellen angebaut^ fchön und reich 
an Früchten aller Art (Obft vielleicht ausgenommen, 
das in Sibiritn nicht fortkömmt), ih die ganze gro/se 
Landesftrecke längs dem Jfets hin, von IfchuK an bif 
jiach Jekathtrinenburg, Ich traf da viele Dorffchaften 
an, äie anfelinlicher find, als vMle Städte im Euro- 
päif^heii Rufsland. Es ift da fo zu Tagen Dorf an Dorf, 
Wolofi. an WoloI3(. Aus den Steppen am Irtjfch find 
die Kreife von Omsk^ Tara etc., aus der von Jfchim 
der Kreis v4)n I/chim^ aus der möraftigen Baraba der 
zwar noch wenig angebaute und bevölkerte, Kreis 
von Kainsk geworden. . Ueberhaupt find alle Gou- 
vernements und Kreisftädte, Kirchfpiele (Woloft), Se- 
ins (Ortfchaften mit einer I^irche) , Sloboden (etwa 
Flecken, bisweilen auch Vorllädte), und Derewinen 
(Dörfer ohne Kirchen), mehr oder weniger Rufiifche 
Kolonien, oder doch gewils vergröfserte, neuangebante 
und fo zu f^gotn umgefchalfene Oxtf ehalten , wenn auch 



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Ver.mifchte Nachricht enl 4Sf 

^e filterii urfj^rün glichen Landeseinwohner lieh dott an- 
gebaut hatten^ als die Kufren davon Befitz nahmen. 
Dies Letztere ift der Fall mit Irkuzky .welches mau al< 
die Haiiptftadt üihiriens beirachiift, und wo urfpröng* 
lieh Buräten, (Br^tzki im gemeiiien Lfhen genannt) als 
Befitzer. des L^^de« um und au d-^rn üaikai , iir £rdhiit> 
teil wohnten, mit Tvmsk, wo tatarilche Qhane odet 
Furften in Lageritättea nomadifch kampirten, und da« 
1604 erbaut wurde; mit Krasnojarsk am Jenifey ^ wo 
W0^en der Fruchtbarkeit des Bodens von jeher Tataren 
H^ohnt^n ' und kampirtcn ; mit Tobolsk , wo tatanfohe 
.Iin4 andere VölkerAämme wohnten, ali I^rmack den Ort 
eroberte I und eine Menge anderer Orte mclir» 

* t / 

Alle diefe Städte halben, ßch JTo vörgrofsert, find mit 
Iteinernen Kirchen , Kaufhöfen und fonlügeii artigen, 
O-ebäiiden verlchöuert worden, dafs man lj[e zwar nicht 
den Nord • Amerikauifchen Haupt- und ProvinzialHädtea 
•n die Seite fetzen kann, fich aber doch übet ihre all*, 
mälige A^sbiIdung und Anbauung freuen mufs. — £i«v 
gentiicbe Rufiifche Kolonien find; die artige, tnitteü 
in duftem Waldungen gelegene, und von der prächti« 
gen Kama befpülte Stadt P-erniy Troitzk (Üreieinigfteits» 
ftadt), weil fio am.Fefte der heiligen Dreieinigkeit an* 
gelegt wurde, und Orenburg im Gouvernement von 
Ufa; IJcliim und der ganze Kreis diefe« Namens im 
!tobolskif cheh ; Kainsk und die gelammte Steppe Baraha 
im Tomskifchen^ Biisk und Kusnezk mit ihren Kreifen 
im Süden von Tomsk , wo indelTen allein noch viele ta-» 
tarifche Horden non^adifch herumziehen^, Hud ein* 
Menge anderer Orte mehr. v ' 

Um diefe und ihfe jetzigi^n BeWohndt ^en^gftens im 
Allgemeinen kennen zu lernen , und fo von Sibiriett 
doch einige richtige Begriffe zu erhalten, mufs nun 
auch yoa dielen letztem etwa» Weniges noch erwähnt 
werden» 

Miin mufs die alten urfprüngtiotien LandedeinWoh* 
«tr, od«r di« Tatareii, Mogolen» Finnen etc., Ton, 

M m d 



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«fgg Vermijehte Nachrichten. 

den neuem nnd fp8tern Rnffirchen Koloniften, die Jetft 
•inen tahlretcben Theil der EiiiWoBner Sibiriens ausma- 
chen t Torgfä^tif^ nnterfcheiden. Die Unterrchetdonf 
und Kenntlichmachung diefer letstern ift bei der gro- 
ffen Vcrfchied^nheit und Mannichfaltigkeit ihres üt* 
fprungs, da fie bald Run>n , bald Teutfcbey Schwe« 
disn y Polen und Frantofen ßnd , bei dem grofsen Ua« 
terfcbied der Urfachen , die ihre NiederlalTang in SibU 
ritn yeranlafsten , da die ejnen freivvillig und auf ihre 
Rechnung fich hier anliedelten, die andern aber yon 
der Krone, oder als Verbrecher hieher'gefehickt iTur« 
den, fleh hier Terhenratheten nnd Kinder cetigten ^ and 
bai der £ch jetzt überall Kufsemden Geneigtheit der al« 
ten Einwohner, befonders der Tataren, fogar Maho- 

4inedaner im Toraskifchen, die Sitten, Gebräuche und 
Lebentart der Ueberwinder antiuiehmen oder ßcb z« 
ruifificiren , und aus Nomaden Bärger und Staatsdieacr 

* SU werden, fchwercr als man glaubt. 

Von den Tataren, Mogolen, Finnen und urrprüng* 
liehen Einwohnern Sibiriens überhäuft haben andere, 
s. B. Storch f Georgi etc. , fo gut und £o umßändlich ge* 
bändelt, dafi beinahe nichts binzuzufetzen übrig bleibt, 
und icb mich getroft.'auf fie berufeo kann. Unbekann- 
ter find uns die neueren und älteren RuCßrchen Koloni« 
ßen, die doch jetzt fchon yielieicht die Haupt-, we- 
nigltens die herrfchende KlalTe der Einwohner Sibiriens 
ausmacht, und von denen meines Yfiffen$ kein einzi* 
ger neuerer und alterer Schriftfteller uns deutliche Be- 
griffe mittheilt. Die Rullen haben für Re eine doppelte 
, allgemeine und auch befondere Benennung. Die erftera 
bezieht fich auf ihren mehr oder weniger langen Auf«* 
enthalt in Sibirien, da Re theils zu den Zarifchea Zei- 
ten, tbeils zu den Zeiten des Hauffs Romanow , firn« 
her oder fpäter, fich da niedergelalTen haben, to wie 
Huch auf ihr Geborenfayn in Sibirien, Sie nennen fia 
nämlich in diefer hier erwähnten Ruckficht Start^ekilxi 
(ältere Einwohner), Sibiriaki und Sibirianka» Die Sit- 
ten diefer letztem- haben fich in den Wöfteneien Sibi^ 
riens im gemä|sigteii Sinäa des Worte« , hei ihrer 



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Vermijchte Nachrichten, 489 

|[Iuckllc1ieii Entfernung von den groften, 'volkreichen 
und verdorbenen Heupt- und ReÜdenzMdteii belTer und 
reiner erhalten, als die der europäifcKen Kttnen, wel- 
che lie eis ihre VKter aufehen, und bei der Kenutnils 
ihrer Sprache, Lebensart und' Gebräuchen auch noth« 
'Wendig y wenigftens einet Theifs fo anfehen müHen, 
fo sweideutig auch Öfters ihre Abkunft T^yn mag, und 
fo oft es Geh auch ereignet , dafi eine KulHn einen 
£xilirten^ oder Ausländer und viceverfa,* heurathet. In« 
dteüen wollen ^e doch lo gut, wie die Sehtfchotnie Pe« 
/Itltfchiki (Koloniften, auf Rechnung der Krone abge« 
.Ichickt), Yon den jettt lebenden Sülotfchnie PoJ^ltfchiki 
(exilirten Koloniften) forgfältig unter fchieden werden. 
.Diefe Forderung hat auch wirklich in der gröfsern Sitt- 
lichkeit und Ordnungsliebe der Starofchilii oder SihU 
^ier ihren Grund. Die exilirten Koloniften find im AU» 
gemeinen viel verdorbener. In 'den beiden Sargatßch im 
ToboUki/chen^y^o in dem einen Starojchilzi , in dem an« 
eiern Sülotfchnie Po/nUfchiki wohnen, wollen fie nicht 
mit einander vermifcht werden. Die letzteren werdem 
leider wegen ihrer grofsen Verdorbenheit bisweilen mit 
-ekm Schimpfnamen IVarniaki {Hunde) bezeichnet. ' Si« 
£nd oder waren wenigftens eines Theils alle mehr od«K 
wenji^r Verbrecher. Nie Tollte man diefer Mej(tfoheB 
wegen, die aus Drang widriger gebietender CJmMnde, 
und auch aus natürlicher Immoralität und verdorbenen 
Neigungen oft unl^St und ilüchtig wie KainAa Wäldern 
. ]ier um irren , lieh dem Trünke ergebep, Diebe, ja fogar 
Mörder werden, ia Sibirien ohne Bedeckung reifen. An* 
dere denken belTer, verheurathen fich , zeugen Kinder und 
werden anfällig im Lande, oder werden auch Du;ornicki 
(Haushofmeifter) , Lehrer, Bediente, Schreiber in Städ* 
ten und auf dem Lande, Pofthalter etc. Wieder an* 
dere, wie s. B. Fürft Gortfchakow^ leben bequemer auf 
d«m Lande von ihren Renten und dem Einkommen , dM 
Anverwandte ihnen übermachen. Noch andere, die Fü- ' 
kigkeiten , Erziehung , Luft *und Talente haben , treten 
in Kronditnlte^und bekommen offen tliqhe Stellen, wo- 
durch fie fich entweder den Weg au einem fiebern gn<* 
t«B nad ehrtn vollen Autkommta» oda^ gai tu üurtr tad« 



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49© V erni ifc Tite'I7actiriehi en: 

liehen ^ückberufung bahnen. Andere Hunderte ml 
Taulende, die Verbrechen halber verwiefen lind, arbti* 
ten in Na^fchinsjc und andern Bergwerken freier odkr 
in K tten und Eiten gefchmieclet. Difefe letstem find 
indctSen, in lofern R^ unverhenr'athet ßnd, und ohat 
Kinder Herben, filr Sibiriens (iärkere Bevölkerung ver- 
loren; ein foheinbarer, keineswegs reeller Verlnft, we9 
jede Gattung nur immer ihres Gleichen hervorbringt. 
Diejenigen, die fich ^er häuslichen Oekonomie und dea 
Xandb«u widmen, deren Anzahl gröfser üt, eis mtm 
^enkt, und von denen ich in Irkuzk an einem Pole» 
Ton Stande etc. Beifpiele antraf, kommen beCTer fort 
Sie lind meiltens verheurathet und haben Kinder, raie- 
tlien für eine mäfsige Summe Geldes ein Stuck Land, 
erhalten et auch wohl unentgeldlich , bebauen es mit 
Gemfife, Kartoifeln und andern Früchten, die ffe ver- 
kauf Ai, und fich fo ernähren; mehrere vermifcben fick 
X mit den altem Kolonifteii , heurathen Ruifinnen oder 
Ausländerinnen, un<i gelangen fo durch gute Oekonomie 
tu einem gewiHen WohlHande. So find allmälich alle Goe« 
yernements, Kreisltädte, Dörfer und Oerter in Sihirim 
entlUnden« Taufende li^d abermals Taufende von Kole- 
nillen , die aber freilich nicht dem zehnten Tiieil nach 
geblieben find, find feit des Zaren Iwun Jf^aßlftmdtftk 
Zeiten, oder feit ungefähr dritthalbhundi^rt Jahi»n neek 
Sibirien gewandert. Unter PauVs und anderer Kaifcr 
und Kaiferinnen Regierung foUen Transporte von tdia, 
swa'nzig und mehrern Taufenden ^TÜirter mit eimtm 
'iäal^ verfchickt worden- feyn, eine Sache, die bei der 
grofs^n Menge Aventuriers, Welche Rufsland mit fo vid 
Güte aufnahm und aufnimmt^ bei der grofsen Irreligie« 
Jität nnferer Zeiten, die von Vaterlandsliebe und Pfiiebtea 
gegen den Regenten und die Obrigkeiten nichts wüTet 
wollen, und bei der wunderlichen und nnglückliekcn 
Neuer ungsfuoht, welche vor Kurzem noch ftrafbare Tcr- 
brecben erzeugte, auch wohl glaublich ift. Id» feM 
traf aufvdief er meiner letztem Reife kleinere nad gref- 
fere Transporte folcher Unglficklichen ynteir Wegs aa, 
die mehr oder weniger von Schuld frei feyn w<»llt^ 
«nd^micli Um Almofea enfprachen« Dm Sek^^h^mi* 



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Termifchte Nachrichten. Mt 

^ofelifchiki (Kolonißen auf Reclinung drr Krone) haben 
vor den andern oder den SüfslotfchnU Fafeltfchiki mäcIi 
das voraus, dafs Re unentgeltlich beftimmte Lätider^ien 
«rhalten, auf lehn, fünfzehn und zwanzig Jahre von al* 
len Abgaben frei find, ja Geld auf Vorfchuf» und Toga» 
.Werki^ugtf zum Arbeiten bekommen. Mach diefen uoth- 
wendigen Vorerinnerungen , ohne welche mair das Nach« 
folgende nicht verÄehen kann , komme ich um» auf m^iii« 
Rütskrcife lelbll. < 

Der Zoologe Hr. Adams war eben von feiner weiten 
und kalten Reife nach dem Eismeer hin ISngs der L$na 
hiounter zurück gekommen , die er auf ihren ganten 
Lauf von mehr als 4,000 Werften* oder vollen 592 teut* 
fchen Meilen verfolgt und einige ungeheuere Knochen 
jenes unbekannten und verloren gegangenen Mammouth* 
Thieres von da zurückgebracht hatte, als auch ich meiner 
Ruckreife nach St, Petersburg eine andere Richtung ga* 
ben und auf dem gexaden Wege^ Ipbald. als möglich |. zu 
rückkehren wollte. 

Der neue Hr. General • Gouverneur von Sibirien' odet 
belTtr der drei Gouvernements Tobolsky Tomsk und Ir» 
kuzkf der P'^chfolger des alten Sildefontief y geheimen 
Raths und Senators, Herr v. Refial^ hatte die Gewogen- 
heit, mir zur Sicherung meiner Reife einen offenen Be^ 
iehl an die Gorodnitfchen Stadtvögte, (auch partielle PoH« 
aeimeifter) Landrichter, Kreis -Kommidarien, an die Vor- 
fteher der Woloilen (Bauerngerichte) und an« die Aelte* 
ften der Dörfer ausfertigen zu lauen, worin ihnen empfoh^ 
len wurde , mir mit Höflichkeit zuvorzukommen, und auf 
jeder Station einen Kofaken zur Bedeckung mitzugeben^ 
Diefer Befehl war gültig bis an die Gränzen^les Gouver« 
nementt von Perm, wo andere öffentliche und Sicherkeits* 
Anftalten auf der grofsen gebahnten ^trafse eine befondere 
Kofaken -Biedeckung unnöthig machen, und kam mir bis 
dahin auf einem Wege von 287 teutfch. Meilen (2^13 W.) 
trefflich tu ftatten. So ausgerüAet mit Pelzen , Bebten 
und einem guten bahbaren Schlitten verfeh^n , macht# 
ich mich von Irkuzk dea soft^en Decbt« 1806. a. St». wirJ^ 
hOi auf dan. Weg^ 



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493 V$rmifcht€ Nachrichten. 

Ein dichter üarker Nebel , der Verbote der sidril« 
renden Angora^ die Ton allen FlüIIen Sibiriens aUein 
»och offen war, van unten auf sufriert, das rückftan- 
dige Wafl'er in dielem Falle , herausdrängt , und fo jedes 
Jahr in den Kellern und untertia Stockwerken der länfs 
dem tJfer hin liegendop {iäufer gefährliche Ueber* 
^hwemmungen veranUrst, erhob fich überall um mick 
her, Tetdickte die Atmofphäre und benahm mir die 
^ weitere Ausficht. 

Das Land, das ich jetzt durchzog, gehörte nrrprfinf- 
Iich den Buräten fo gut, wie der andere Tlieil deüelbea 
jenfeits des Baikals y oder die Kreite von Stltnginth^ 
Werchntf Udiiisk etc. an den Gränzen derChinelifchea 
Tatarei. IVlan fchätzt ihte Volksmenge, die Geh Au/f- 
land unterwarf, auf 35,6oo Familien, die von drei Tai« 
Jcha's oder A«lteftpn ihrer Nation , wovon der eine jetzt 
den Titel Hofrath hat , nicht weit von Irkuzk lebt , oad 
uns öfters b«fuchte, regiert werden, uiid unter den Nie- 
derland -Gerichten (Ni/ckniy Semskix Sud) ftehen, wit 
denen und durch welche lie ihre Angelegenheiten betrei- 
ben , den Ifaak ^die ihnen auferlegte Abgabe am Ps^ 
werk oder baarem Geld) bezahlen, und ^littelbar nol 
dem Hofe traktiren. Diele AbhiCngigkeit vdn den Nie« 
de rland- Gerichten (Ober- Landgerichte giebt es in Eols« 
lahd nicht , weil "man Re bei den exiftirendea Kreit- 
)gerichten und Palaten für tiberflüllig erkannt hat), Ictst 
lie vielen und mannichfaltigen geheimen Bedrnckangta 
«US, ^die bei dem Freiheitslinn diefer zahlreichen fleüst* 
]gen und treuen Nation fpj^t oder Mih Terdxülsliche Fit* 
gen hervorbringen kann und mu£f* 

Durch einen ähnlichen Druck veranlafst und milsver- 
fniigt gemacht, wanderte bekanntlich 1772 die noch viel 
zahlreichere Nation der TVirgancn oder Kalthücktn^ ein Mob« 
golifcher Völkerftamm, aus , verliefs plötzlich feine Sitte 
«wifchen dem Jaik oder l/raZ undder Wolgm^ und weMia 
£ch lieber den in China herrfchenden Man^fchuU feiaea 
«Slamm Vettern/ ob Üe gleich d«n !Staat der Eieuthtr oder 
eigentlichen ill«n^oZeiS| feiner n&hern fijr^der^ ««rito^ iMt* 



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V$rmifchte N acJirichtMn. 493 

ien 9 untftrvrcrfeii \ ^t daft £• besagten heimlichen un4 
ung^erechten Druck läager geduldig ertragen hätte. Da« , 
Ichöne, dem Gouveruement Saratow zur Zierde gerei« 
chende, Städtchen Sarepta loUte^ fpgar ein Opfer ihre* 
Wut werden y und^ würde e< auch wirklich geworden 
Xeyn , wenn der damalige Eisgang in der Wolga den hol« 
lifcHen Plan nicht glücklich vereitelt hätte. 

Sie find gute Reuter und Bogenfchützen > Heiden und 
«um Theil auch Gh|ri(^en. Die J^eiden heteii theilt di* 
Sonne und das Firmament au, un^ folgen in ifofern der 
yerdorbenen natürlichen Religion, theils lind^iie dem 
Schamanifchen Aberglauben ergeben, beten in fofern 
den Schigouminy an, haben ihre Lama's und Fagodertf 
die di« Form von mehreren auf einander gefetzten Chi« 
aefifchen Landhäuferchen, wie wir Re uns vorftellen« 
h^ben, und leben übrigens als Nomaden einfach undi 
mäfsig von ihren zum Theil grofsen Heei*den tiefer im 
Lande auf beiden Seiten der grofsen Heerftrafse, wo 
lieh bloft ruflirche KoloniAen angebaut haben, in Dör-^ 
fern und Städtchen. Die Burätfn^ beide, Chriften unil 
Heiden, find fo gut wie die Kalkai ihre Brüder, deren. 
Nachbaren R^ in den Kreifen von SeUnginsk und 
JNetifchinsk iind, ^^ongolifchen Xalmückifchen Urfprungff« 
Andere Nachbaren von ihnen in der Entfernung von 150 
i)is aoo Werften, find die Tungufen» 

Bit fiuwsk gieng et an der Angora eb«B f#rt« ' Wir 
padirten dann den Kiton, Bei Biliktutwik wurde es et« 
was waldiger und hügeliger ; die hier zu erbauend« 
neue fteinerne Kirche möchte wohl noch nicht ^fobald. 
beendigt werden. Zur Bedienung, der Polt und der Bei« 
fenden , auf.KoIten der Krone, « liegen hier 24 Bafckkiten 
und Mäfchifcheräken» Einer vpn ihnen, der mehr ein 
zerlumptes als militärifches Anfehen hatte, begleitet« 
mich an f die näcUfte Station. Ii» Maltinsk am Zufam* 
menfluITe der Malta und Bälaja^ kaoi ich um 6 Uh< 
Abends an. Ein armer Ezilirter von einer guten Fami# 
Ue, ein gewilTer $eoond- Major, nährte fich biet küm? 
«merlich al« Schreiber, nicht in Dienften dar Jüroa«, fon« 



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494 Termifchte Nachrichten. 

dem der Iswoßhicks (Fuhrleute) und fprach micli um 
Almoren an. Seiner Verficherung naoh war er einet 
Zweikampfes wegen, wo er feinem Gegner ein paar Fin- 
der abgehauen hatttt, xiemlich ungerecht hieher verwie- 
fen worden. Nach genauem und perfönlichem Erkundi- 
gen in der ReGdcnz vernahm ich, dafs Verfch Wendung, 
lüderliche Lehensart und andere Urfachen mehr die ei- 
gentliche und nähere Veranlaflung feinet gegen wärtigefl 
Exiliums waren. In der Nachharfchaft von Maltinskiol- 
len fich noch von PauVs Zeiten her mehrere alte Ver« 
fohickte befinden. 

Ueber Ncwepelowinnaj'a und T/cheremkowsh geht et 
über unbebaute Steppen fort. Den folgenden Tag dea 
Slftcn Ocbr. nm Mitternacht, trieben Hunger und Kalte 
vier Wölfe fo nahe an meinen Schlitten, dafs ich fie 
deutlich erkennen konnte. Ihre fchönen Pelze warea 
für meinen Burätfchen Fuhrmann keine geringe Lock* 
fpeife. £t %var ein Glück, daft keine Piltolen da wa- 
ren, denn diefe wurden unt beider groiften Kalte einem 
langen und Terdrieftiiehon Aufenthalt verurfaekt habea* 

Durch Kutulitz und Salarfnsk kam icK die Nacht 
Ueber Tiirtzk hinaut finden fich keine Buräten mehr; 
fie wohnen, wohl gemerkt, zu beiden Seiten der grofte« 
Heerftraff e. Auf derfelben haben fich die RufTen ange* 
baut. In Siminsk am ZufammenflufTe der Sima und Oka^ 
iauch Jkäf die fich in die Angöra ergieftt, erreichte ick 
die Grünten det Kreifes, nicht det Gouvernementt voa 
Jrkurk. £r fingt fich auf der Seite der Ghinefifchen Ta- 
tarei an, welche andere irüuzXtifche Kreife, der van Se» 
ienginsk und Nertfchinsh, auch gränzen bei dem Sndck 
( GrKnzzeichen ) Targafhaiga an, und geht nicht weit 
von der Uda fort. Ich durchzog ihn auf einer Strecke 
von 230 WerAen eder 33 tentfchen Meilen, und* trat 
nunmehr in den daran ftoftenden zweiten TrkuzkitckeM. 
Kreit, in den vett N\fchn§^Udinsk. Er fangt ebenfallt 
bei dem erwähnten Ghinefifchen Gränxzeichen* Targaft- 
taiga an, läuft aber dann jauf den Sajantn^ an den 
GrJMiiftB det jeaigtn Theilt det Chiatfifehte R^xihM £oiV 



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VsTtnifehtä Nachriehtsn. 4^ 

«ler ftlt«iiialt zu dem Keiclie des Eleuther^ das Kienlpng 
1759 strftörte, geholte, geht dann an den Kan^ der die 
Gränze zwiitchen Tomsh und Irkuzk ausmacht > fort, und 
endigt fich in Ilansk^ Kanskoi Oßrog gegenüber. Auch 
Hier noch im Kreife ron Nifchnf^Udinsh^ ündenriichy 
in fofem er an den von Trkuzk ftöfst^ hin und wieder 
snr Seite Btträteift. Die Gränzen der Wohnplätze dieret 
Volks , fo wie di^ der afiatifchen VÖlkerfchaften und 
•somadifchen Horden Oberhaupt , laJTen lieh nicht 
To genau angeben, wie bei uns in Europa die Grän« 
sen der enropäifchen Staaten , weil letztere civilifirt, 
eritere es aber nicht find; die einen überall mit Städ- 
ten und Tolkreichen Dörfern , die andern aber mit 
unangebauten Steppen abgefüllt find, und aus andern. 
Urfachen mehr. Mit Bedauern betrachte ich daher 
edle unfere neuern Charten yfon Alien , die von Ro^ 
hert Vegond^f Abercrombie ^ eine noch neuere in iVürn- 
^rg erfchienene etc., wo die Grätnen der drei Horden 
der Kirgifgn^ der Wohnfitza der Kalmücken oder eigent* 
liehen Mongolen etc. auf das genaueüe verzeichjüet find, 
cla doch die Einwohner felbft dielelben nur ungefähr» 
nie aber beßimmt anzugeben wiHen. Um allen Verwir- 
Tungen Toriubeugen » follt« man erltens die Völker Afient 
»ach ihrer Abltammung kennen . lernen ; da würde man . 
dann finden, dafs das innere Afien blofs von Mongolen 
und Tataren bewohnt ift« Die Gefchiehte diefer letzteril 
mufs man dann , fo weit wir Naohrichten von ihnen ha* 
ben, kennen lernen. Diefe zeigt uns, dafs vor 1759 die 
Mongolen oder Kalmücken fioh in drei Stämme theilten, 
deren Chane oder dürften die Ctt>erherrfchaft des u«« 
w«it des Saifsaru campirenden Contaifchas n»ehr oder 
weniger, aber immer wirklich anerkannten, und dafs 
erft einige Zeit nach diefer Epoche die drei Horden der 
Kirgifen , von denen die grofse öder freie Horde alleia 
einer anerkannten Freiheit geniefst, erfchienen und er« 
feheinen konnten , weil Bt vorher nicht Herren, frei nnä, 
unabhängig, fondem Unterthanen des Contaifcha wa^en. 
Diefe Bemerkung führt von felbft auf zwei von einander 
Xehr verfchiedene Charten über das Innere von Äßen^ 
die maM Joit^ßXiUig «ttsarbeitea tiad stt ikrer neitef« 



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49^ Vermifchte Nnehriehtem 

Ausführung, Zdchnung und das Mal«n das Jabr 1759 
alt Be0immungsepoche wählen Tollte. Sa würdea wir 
bald beCTere Charten ron Jßtn erhalten. 

In Kimiluisk an ^tm Flüfachen Kimilka^ war ich he* 
reitt in den letzten Irkuzkifchtn Kreis, in den von 
Jfifchne^Udinsk getreten. Es Tollen hier mehrere reidit 
Annen und auch Juden wohnen , die riel mit dem Bu* 
täten handeln. Nach hifswinifchnoe Bor hin wurde es 
'wieder bergiger« In Kuitunsk traf ich um 6 Uhr Abends 
ein. Aufser den Stationen, wo lieh überall RuJTen aa- 
geßedelt baben, findet man tur Seite wenige oder gai 
l^eine Oorffchaiten; man bemerkt nur auf Teiner Reil« 
Steppen und groTse ungeheure Waldungen. Unweit 
' Kijchne ' Udinsk weifs und hört man nichts mehr voa 
Buräten ; dagegen aber treten hier taiarifche Völker^» 
fiämme auf, die von den FlülTen , Bergen und Orten, 
wo fie wohnen und kampiren , den Namen führen., 
Vor und hinter Kuitunsk findet ' der ReiTende beinahe 
nichts in den elenden Dörfern , durch die er kömmt*, 
er muh Reh. TorgfÜltig mit Lebensmitteln, Thee und 
Kaffee, wenn er daraii gewohnt ift, verTbrgen. In Tu- 
ianskt am ZuTammenfluire des Ily und des Butun, liegt 
im Sommer eine Fähre. 

In Tulunofsk en der Ja, die in die üka fällt, kam 
ich den 22. December bald nach Mitternacht an. Die 
^ vier folgenden Orte, die man noch vor Nifchne-^Udintk 
pallirt. Tollen die einzigen in der Gegend leyn. In die* 
Ter elenden, 35 tentfehe Meilen von Siminsk entlegeaea 
letzten Irkuzkifchen Kreisftadt , der man bei uns viel« 
leicht den Namen eines Dorfes verweigern würde, kam 
ich den folgenden 23. December bald nach Mittag an. 
Hier ungefähr, wo der unbebaute Theil des Urals an* 
fängt, der an Metallen und koftbaren Steinen, die maa 
lieTonders häufig bei und hinter iTrojnojfarxk findet, feht 
reich Teyn Toll, hört man von Katdkaffen oder SajarU' 
Jchen Tataren , die ihre Weideplätze unfiohtbar den Au- 
gen des AeiTenden einige 50 bis 60 Werfte von Udinsk 
4wi£cheJi Bergen in Thälern baben foUeii. Sie faringca 



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Cioogk 



Verjnijchte Nachrichten. ' 497 

ihre Zobel-, Bibfr«, Pöcbfe- und Marderpehe zum Ver« 
kauf dahin, unii worden mir von den;KuiTen als ein. 
rohes, unwiffendes Heidenvolk befcKrieben , das Hie 
Sonne und das Firmament- anbete. Wenn ich auch4 das 
f weite, das bei ihnen verzeihlich ift, als wahr g»flteii 
lalle, fo fetzt ich doch in das andere Urtheil, die Rah- 
heit betreffend, Mifstrauen. „Die Sajani/chen Tataren 
haben von den Gebirgen , in denen Re wohnen , den 
Kamen. Sie wohnen nämlich am linken Ufer des /«• 
nifgy und am Abakan^Flu/s.K (Alfo eigentlich in dem an^ 
gränzenden Gouvernement von Tomtk,) Im Sommer 
kampiren G.e um die Quellen diefer FlüflV* in hohen 
Gebirgen; im VFinter aber in den flächern untern Ge- 
genden diefes FlufTes« Ihrer geringen Anzahl ungeach- 
tet theilen 66 (ich in viele Aimaken oder Gefchlechter 
•— eben wie die Juden in Stämme — die unter einem 
gemeinfchaftlichen Bafchlick oder Aelteftr-n ftehen , weU 
eher ihrer Verfaltung vorgeht und den Tribut ein- 
lanim<'lt. Sie lind iVomadcn und zifh<!»n in Pilzjurteii 
umher j wie die Bur'dten, Ihre anfserorrientlich ^rofcen 
Ileerden beftrhen aus Pferden, riornvieh und grofsen 
Schaf<»n. Sie find fleiftige Jäger und gute ßrgen- 
fchützen. — wie die Buräten — iind haben einige uner- 
fahriie Schmiede untev lieh, die ihre (JnwilTenheit felbü 
geßehen — eine Erfahrung j die ich im Tomskijchen felblt 
mehrmals gemacht habe -^ doch ihr Eifen felbft fchmio- 
den. In neuern Zeiten haben' viele Sajaner den chriflli- 
chen Glauben angenommen, und diefe follen an dem 
Abihan eine Kirche haben. Die übrigen lind noch alle 
Verehrer des Schiguminy oder Schamdnifche Heiden. • 
Doch haben ITe keine Abneigung vor der chriltlichen 
Keligion und tragen fog/ir zur Unterhaltung der Kirchen 
der Neubekehrten freiwillig das Ihrige bei. Ihre Lei» 
che» legten fie vordem in Särge , und liefsen lie auf 
BAumen verwefen. Sie bet*»n die Sonne und das t'irma- 
ment auch an, find zum Theil Sampjedifcher Herkunft^ 
Itreifcui auf den hohen Sajanijcheu Gebirgen und mn 
der Uda^ woran Nifchne- Udinsk und der ganzfe Kreit 
diefes Namens liegt, in wenigen Familien umher und 
]i«i£i«n nach ihrem btfondern Namen Karak^en^ ^etzt 



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49ft Ktrmifchtß Natkri^hteH. 

beerdigen fie ihre Todten. Cfebft ihnen siehen anch ^die 
Kelowzen und Kat/chinzen eben Lo^ als Schamanifekt 
Utidefif am Jenifty^ der Katfcha bei ^^a^an, 'und Kanskoj 
Oßrog in Jurten (PiUhütten ) herum. Letitere theilea 
lieh, in 6 Gefchlechter , Aimaki -^ Zünfte oder Stammt 
— Tou denen jedet leinen Aelteltm aus dem Adel wählt* 
Diefer Aelteße heilst > wie oben gefagt , Ba/chlicK 
Arme Liebhaber müITen Hch ihre Braute durch Vieh- 
hüten — oft fchwer genug — verdienen. Ich habe übri- 
gens in der von mir zu meinem individuellen Gebrauch 
verfertigten Charte von dem innern Aßen^ wo alleia 
Völker mongnlifchen Urfprungs herrfchen, kein Bedoi- 
Icen getragen« die Karakaffen oder Sajanifchen Tatareiiy 
io wie den ganien füdlichen Theil des Gourernemeiits 
von Tomsk dem Reiche der eigentlichen Mongolen oder 
der EUuther^ £o wie et im i^ten Jahrhundert wirklich 
exiHirte, tazuTetzen. 

Die Kreisftadt Nifchnt^ Udinslt liegt an der grofteiii 
»icht kleinen C/da. Letztere fällt bei JVerchne • Udinsk 
jenXeits des Baikals in die SeUnga; erftere hingegcm 
ergiefst lieh in die .Tunguj^a oder Ängora, die nach 
. ihrem Lauf bald die untere, bald die obere heilst. Diele 
Jng^oroj auch Tunguska^ von dem Volke, das daran wohnt, 
fb genannt , kommt unter dem erßern Namen aus dem 
Baikal y nnd behält denlelben bis an den blecken Bodo* 
rofansk^ oder bis ungefähr in die Gegend, ^ wo der J/im, 
der in einiger Entfernung mit ihr ein^ Strecke fortläuft« 
in fie fällt, yreil es dort erft Tungufen giebt; Das 6ch 
hier befindende Kreis* nnd Niederlandgericht hält hinter 
dem Ort in einem freiltehenden hölzernen Haule feine 
Sitzungen, Der anlehnlichere und etwas befTere Theil 
diefes klenien, höchft unbedeutenden Orts, liegt längs der 
(/dahin. An derfelben weiter oben lind gute heu fchiäge* 
artige Spaziergänge und Wielen. Ermüdet durch die 
Pfachtreifen, durch Schnee und Froft verweilte ich hitC 
etlicbe Stunden, und liefs mir daher von dem Goroi" 
mtfchex (Stadtvogt) ein Quartier in der Stadt, nach der 
hier Statthabenden Ordnung bei Reifen vonStaatsdienefm 
•awtifeiu NacU etwas gemarkten lüräf ten gienj «< weiter 



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VermiJchtB Nachrichten» 499 

naeh XTkow an der Üha^ wo ich erfreut war, ein reinlichere» 
und ordentlicheres Zimmer, als gewöhnlich , anzutreffen. 
Unter Wegs lieft ich mir nämiich, wenn ich Ruhe nöthig 
hatte ^ vott dem JVühomby (iFübrannaja Golowa ^ erwähl*» 
tas Bauernhaupt), von dem Golowa felbß, dem Naoßei^ 
^^Imick oder Dejfialmih^ wer eben der Aeltefte oder 
Erfte im Dorf« war, auf einige Stunden ein Quartier 
anweifen. 

Den folgenden Tag, den 24Jlen Decemher, gien^ 
et über Atgafchezk in einer waldigen» gebirgigen, 
fehr unangebauten Gebend nach BirjuJJin, an die Birjuf* 
/a, einem anfehnlichen FluCTe, hin. Ui^ armen klei- 
nen Orte , die ich hier unter Wegs antraf, und wo ich 
nichts XIX kaufen würde gefunden haben , . wenn ich 
nicht mit Lebensmitteln verforgt gewefen wäre,, ver- 
dienen keiner Erwähnung. Sie find alle von Rujfen 
hewohnt. Die Mongolen oder alten Einwohner de« 
Landes, die man fälfchlich Tataren nennt, entfernen 
von dielen Whren jetzigen Beherrfchern verfchiedene 
Sitten, 'Lehensart, Sprache und Charakter. Sie woh- 
nen mit ihren Heerden tiefer im Lande, wo Be lieh 
befcheidentlich hingezogen haben, um jeden unan^e« 
nehmen Gollilionsfall mit ihren Beliegern zu vermeiden. 
Ein Käthfel mag es einem Ausländer Icheinen , wie bei 
diefen fo oft erwähnten giiofsen Viehheerden in Sibirien. 
doch das Fleifch, z.B. in Irkuzkj fo äufserft theuer ift. 
Perfonen, die 20 und 30 von Jahren in Sibirien' antäüig 
und dafeiblt angeheilt Gnd, mögen es löfen; ich wage 
mich an diös Enträthfeln nicht. Nach denfelben foUen, 
wie das Gerücht geht, niedrige Spekulationen, Habfucht 
und InUiguen an der Steigerung der Fieifohprcire Schuld 
feyn. Man geAattet den Buräten und Mongolen n^ht^ 
ihre Heerden zum Verkauf in die Städte und auf die 
Märkte «u treiben, und legt, dem freien Abfatz die- 
ifer io noth wendigen Waare muih willig eine Menge 
Schwierigkriten öffentlich und heimlich in den Weg. 
^- Mein Igna/chinka oder jugendNcher Reifecompagnon, 
machte mir in Birjußinsk^ wo ich nur einige wenige 
Bi«£ Uii4 etwas Milch vorlAn4, in der Eile einaii Eier- 



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50O Vgrmifehte Naßhrieht§n, 

kuchen zurecHt^ wMrmte den Braten nnd andere mitge- 
tiommeae Viktualien auf» In einer halben Stande wat 
Alles geendigt. Abends trank ich gewöhnlich eine TilTi 
The«. So erreichte ich den 25. Dee. mit Anbruch det 
Tages in Ilansk die Gränzen des Kreifes von Tfifchw 
Vdinshy den ich auf einer Strecke von 74 teutfchen Mei- 
len ( 519 W. ) durchzogen , und mit demfelbcn iQch 
die Gränze des gefammten Gouvernements tob irJbuii, 
das ich TÖn dief^r Gouvernementsftadt aus auf einer 
Entfernung von loi teutfchen Meilen (749 WO dnrcii- 
reist hatte. DieGrSnzen diefes letztern gegen C&mahii 
find durch aufgeftellte Snacki (Gränzzeichen), wie fie 
1723 feftgefetzt und 1772 erneuert wurden, genau b^ 
ftimmt , und werden nach dem Inhalt des eben befigtei 
merkwürdigen Friedens - und Granzinl^uments dnrcli 
Waldungen, Gebirge und ungeheure, nicht anzubauendi 
Wüfteneien längs dem -Amur hin bei Kiachta etc. trakti- 
tenmäfsig mehr und viel b^ftätigt , durch weit ron ein« 
•nder entfernte kleine unbedeutende Forts, wie i.B. 
Kud<xrm\ Peter Pawlowsk an der Stlenga^ ßoi>zJfc<j/awxfe etc., 
gegen die eifetfüch^gen und unmilitärifchea Chinrfi» 
Tertheidigt , die , ungeachtet ihres Mangels an Entfchlof* 
fenheit und kriegerifchen Muth, doch dufch diefe Forti 
vom weitern Vordringen keine Stunde fich würden abbil* 
ten laTTen. Die Sajans^ welches eben die Gebirge Sud, 
die auf *der Gränze des Kreifes von Nifchnt'- Udinsh du 
Gouvernement von Irkuzk von C/ima Icheiden, und die 
den alten Bewohnern des nun folgenden tonuhifchtn 
Krtifes Krasnojarsk den Namen geben, kann man füglidi 
alt eine Abtheilung des Altay betrachten , in lo fern ef 
in den grofsen und kleinen eingetheilt wird , zu dea 
ich nun komme. Der unbedeutende Ort Sajansh li^t 
in demfelben. Sie foUen ihrem inöern minertli/clei 
Gehalte nach beinahe noch ganz unbekannt fejn m' 
Eifenert liefern. 

Kan ift eigentlich der Name des FIulTes, der /|* 

liuzjt von Tümsk fcheidet. Br fällt in den J«i(/>/. D*« 

Gegenden nnd Lan desllr ecken , durch die ich kam» ^ 

««ichnea di« ruIüXchen Autoren, denen ich über il>' 

l4od 



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Vgrmijchte 'Nachrichten, 501 

£««nd ^mehr 6}aul>eii beimelTe, als den Ausländern , niclit 
mit Unrecht, mit dem Namen Steppen^ So fprechen li« 
Von der Steppe am Kan , Yon der am Irtyfch^ am ffchini 
4itc Dtts Re es ehemals waren, und im gemäfsi^tea 
Sinne des Worts es noch find, leidet keinen ZweifeU 
IndelTen ift auch das wahr , daTs Be nicht allein einer 
beCTern Bebauung fähi^ find, fondern aucii wirklich tag* 
täglick belTer angebaut werden. Dies wird weiterhin 
bei den Gouverne mens vonTomsk und Tobolsk aus der 
Befchreibung ihrer pkyßkaafchen .und topographifchen 
BeXcha£fen)ieit noch viel deutlicher erhellen. Derjenig« 
Tbeil von irAuz^,* von dem jetzt die Rede ih^ liegt; mehr 
lüdlich, als Petersburg und Finnland, und doch ift hier 
der Winter länger dauernd, härter und kälter, ah im Nor- 
den des europüifchen Rufslands, Zu verwundern aber ilt. 
dafs er die Zeugungskraft der Natur nicht hemmt «Sie 
treibt deAo Ilärker im Junius und Julius* Die Früchte wert 
den gefchwind reif. Der B«den loll viele innere Wär- 
me haben, und das Düngen ^mit Mift nicht vertragen. 
So viel il^ gewifs, dafs ich nirgends den Gebrauch del^ 
felben bemerken . konnte , und daüs mein Wirth, «in 
Schwede, bei dem ich in Troitzkcjawsk einquartiert war, 
»och im October fein bischen Getraide unweit .A/acA^a 
llrndtete. Blofs das. Obft, das nach den in Irkuzk von dem. 
dortigen Apotheker angebellten Verfuchen von Jahf zu 
Jahr imn^er miehr ausartet, und immer kleiner und klei« 
ner wird, gedeihet in Sibirien nicht. Etwas ganz änderet 
ilt^e mit den Genitilerorten,. Kartoffeln, welche die Gröfse 
▼on twei Faulten erreichen, und andern FeldfröcEteo, 
Sollte das Gedeihen letzterer nicht an^ der Wärme der 
£rd«rt liegen , aus der iie ihre Nahrung zielten , und di» 
Urfacbe des Nichtgedeihen, des Obftes in der Kürze det. 
Sonunors und dem kalten Klima, das die kräftigem 
Wirkungen der Sonne hemmt? Mit den Holzungen , aa 
denen man einen Ueberfluts hat, eeht der Sihirifch€ 
Kulte leider fehr verlchwenderifch um. Ganze Wälder * 
lieht man im Früh)ahre ein Raub der Flammen werden , 
fclofs um einigen Aeckern eine zweifelhafte Fruchtbarkeit 
XU verfchafPen. Vermuthlich wird die Regierung auch 
^ie/em Uebel mit der Zeit Aeuern, und andere yveuigei^ 
A.G.E.XXVnLBds.^.St, Nä 



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joa Vermijchtt t^achrichten. 

▼ei^wiiftende, brauchlaarere Mittel der Dfinguti^ «nweireiiy 
da JUe ihr Sibirien genau kennt. Den im Frühjahre iPo6 
Statt gehabten fürchterlichen Wolkenbrnch , der des 
Damm an der Ufchakowku bei Irkuzk plötllich einrlTs , die 
Mühle auf ein gantrt Jahr und vielleicht läng^ hin gans 
Itnbrauchbar machte , unH eine ungewöhnliche Ueber« 
fchwemmung veranlafste » fchreibe ich , der ich tou die- 
fem Unglücksfall ein Augenzeuge war, den damalt üi 
Brand gefteckten Wäldern hei Irkuzk y die den gantea 
Sommer und das ganze Jahr über^ als ich da War, fort- 
brannten, und dea daraus atifileigenden fchweren Dnii« 
ßcn zu. 

Das Gouvernement von Tomsh beginnt mit dem 
Kreis von Krasnojarsky der auf einer Strecke von 35 
' teutfchen Meilen (235 W.) bis nach befagter Kreisßadt 
hin keinen einzigen grofsen Flufs oder Strom, wohl aber 
eine Menge kleinerer Flüffe und Bäche bei den Dörieni 
und Oertern , die ich paHirte, enthält. Das im Herbft 
vom I5ten Julius an bis Ende Septembers, wegen der 
Moräfte, Sümpfe und des häufigen Kegens<»dein Beifea- 
den Xo fchreckliche Gouvernement von Tomsh hat im 
Winter leine Furchtbarkeit verloren. Alles ift hart ge- 
froren, und der Weg, einige enge ungangbare Wege^ 
oder logenannte Hohlwege, z. B. zwifchen JT/iut/c^ewjfe 
und Rübinsk ausgenommen, eben und fchön. Hier aber 
bei diefen Hohlwegen verdeckt und füllt der Schnee die 
Gruben an den Seiten zwar aus, macht fie aber deswegen 
nicht gleich und eben. Eine für Wagen und Reifende vel^ 
driefsliche, )a fogar gefährliche Sache ift es daher, hierauf 
die Stunden langeni, mit Kaufmanns^tern bcladenenFok- 
ren, die ganz Sibirien bis nach Ochotszk und Kam^chatks 
während des Winters und Sommers c{^urchziehen , uni 
dalTelbe mit allem Nothwendigen und Nützlichen verfehes, 
KU ftofsen. Die äufsfrft engen Wege, verbunden mit dem 
hartnäckigen Ei gcndünirel der Fuhrleute, die lieber Schaden 
an Wagen und Pferden leiden , . fich ftreiten, zapken und 
fchlageu, als ftili und weife nachgebend etwas auswei* 
chen, fetzen hier den Reifenden in keine geringe Ver- 
legenheit und machen ihn oft mifsmüthig. Dazu kommt 



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Vermifehte Nachriehtem 503 

äit Art und Weife, wife die Güter Vind Waaren in Sibi'» 
Tien verführt werden. Da es hier £6 i'ehr an Mnnfchen 
fehlt, und man di& Pferde ans fchwere Ziehen und fo 
gewöhnt hat, dafs eines dem^ndern von, felbft fol^t, 
lieh vor Wagen und Kader vorbei durch alle Schwierig- 
keiten hindurchdrängt, blofs um den vordem Zug wieder 
SU erreichen, fo bleibt hei der Mwige der Fuhren, die fich. 
gewöhnlich auf mehrere Hunderte beläuft, bei dem har- 
ten Andf ängen der Pferde und den äufserft wenigen Men- 
fchen, die lolche zahlreiche Züge anführen, dem Rei-» 
fenden, der feinen in einem folchen Laude fchwer %a 
reparirenden Wagen nicht will zerbrochen fehen, nichts 
anderes iihrig, als entweder bei Zeiten auszubcugen, und 
eine Stunde zu warten, wenn der Weg 'enge ilt, oder 
einen Kofaken vorauszufchicken , fich Platz 2U machen, 
tind die Wagen mit Kauf man nsgntern zur Seite zu ord* 
nen, wenn der Aufenthalt zu lange dauort und (ich' 
«u oft wiederholt. Dies letztere ift der gewöhnlich« 
Pally weil im Sommer Alles von dem entferntefte ^ S i^ 
iirien her naph dem Jahrmerkt von Maka\iew S^ftbx 
odi>r fpät^r zieht, und jetzt nach Irhit im GouverrSRent 
ron Perm zog. Dazu kamen noch die Kriegs - und 
Truppen - Transporte zur Armee nach Polen, w auch 
die Heerltrafsen anfüllten, fo dafs ich bis hinter Moskau 
hin auf vielen hundert teutfchen Meilen mit der Grob- 
heit der Fuhrleute, der ungeheuren Menge von Wagen und 
den mehr oder weniger dadurch beengten, ionlt guten 
Wegen, einen fchwcren Kampf zu kämpfen hatte. Meia 
Ko/mke , deffen Peitfche ^e fürchteten und refpektirten, 
fo lange Re ihnen auf dem Kücken war, und den He 
verlachten und verfpotteten , fobald er Heb aus dem Ge^ 
lichte verlor, kam mjr dabei wenig -zu Statten. Diizu 
kam noch das unfinnige Jagen der KufTen auf etwas bef* 
fernr Weg'en, welche der Kdf^ke mit • all feinem Galo- 
pieren nicht einholen konnte. Ich entliefs ihn alfo 
frühzeitig und fuhr ohne Kofaken» Dahf^r kam es dann, 
dafs mein Schlitten auf den fonll guten Wegen ziemlich 
befchädigt wurde. 

Den 2ghtrx um «chd^ Uhr Abendi war Uih in Au- 

Nu 2 



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504 ' Fermifchte Nachrichten. 

iinsh. , Bei d«m Mang^, fowoHl an reitendmt 9^ 
fahrenden Kojakertf die bei detf jetzigen kriegeriCcliea 
Zeiten , da alle Städte . im Innern des Landes , felbft 
Moskau etc. von refuläcy Miliz ^ntblöfst find, die Stellt 
diefer letztem in den Städten vertreten, verfehen ihre« 
Dienft die hieher verpflanzten Eafchkiren und auch 
Mä/cht/cheräken, Auf allen Pollen durch Sibirien fand icli 
dia einen oder die andern, oder wohl gar beide zugleich. 
Sie theilten mir in gebrochenen ru£(ifcheu Worten vie-' 
lef Neue über ihre Nation , den in Ufa reXidirendea 
tatarifcktn - belTer mot^golifch - mahomgdanijchen MufH 
und andere GeganMude mit, die in der Folge berührt 
werden Tolleu« Mir gefielen £ie a]^ friedliche, ftüle'und 
lanftdenkeDde Leute fehr wohl ; ich fand unter ihnei 
muntere und aufgeweckte Köpfe. JJie Bafchkirtn^ derea 
'Wohnort eigentlich das Gouvernement von Perm ni^ 
namentlich ;die fogenannte Bafchkirti ^ Ufa Isings der 
Btlaja hin und der Ural find , follea -r- lagen die rul- 
Bic}ifin. Autoren — gute Reuter und Bogenfcfaützen, 
e|||i wie dfe Buräten fejn. Ihre Waffen find wie dia 
de^Riräien, Bogen, Pfeile, Lanzen, Panzarhamde ete, 
Jetzt vereinigen Re mit dem Nomadcnlebaa ^ d«a fie i« 
der Bafchkirei nach führen, hin und wiedef auch den 
Ackerbau» .wohnen entweder in belländigen Winterhiit- 
ten , auch in beweglichen Sömmerjurteny oder jetzt nach 
Art der Rufftn und wie die Kujfen^ in hölzernen Häu- 
fern und Dörfern. Ihr Vermögen , in fofera üe No* 
^ maden find, befteht in mehr oder weniger grofsen Pfer- 
de- und Viehheerden. Sie legen fich ßark auf Bi^ea- 
tucht und Gartenbau. Einige haben drei, vier, auch 
fünfhundert Bienenftöcke. Den Bergbau vernachlfifiigea 
fie beinahe ganz , und überlaTfen den Kujfen ihre Kupfer- 
Eifenbergwerke. Dia Frauen, welche Butter und Kaie 
bereiten,. Filche trocknen, Leder gärben , Neffe! ^ ua4 
' lianfleinwaad nähen, Filzdecken machen etc. ^ find thl- 
tiger, als die Männer. Sie find jetzt theils Mßhomedentrf 
theilff Ckrißen^ die wie die Ruß $n leben , übrigens rok, 
fcluMLUtzig, gaiUrei und munter. — Unter der Kaiferia 
Anna empörten Et fich, fo lyie die Buräten^ öften« 
ki wi|urdtA d^r unter ihnen ^ und um fich vor Plüa* 



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P^ermi/cht0 Nachrichten. 505 

Attvmf^rk tu rohÜtzen, Terfchiedeita klein« Forts und 
Feftungen, ttnter der Kaiferin Elifahetk 1741 etc., «rbaüt^ 
die, ungeaoht,et«ihret fichtbaren Verfalls und gegen wär^ 
tigen Üeberflünigkeit^ noch bis diefe Stunde 'dielen Na* 
men beibehalten haben. Doch hioron b<'i dem Gouv«^« 
nement Perm ein Mehreres. Ihre Kofaken - Einrichlung 
und Dienlte art den Grämen fchreiben fieh von i^bea 
erwähntem Jahre hei'* Sie haben nicht die platten Oe- 
fichter y wie die Mongolen , von uns Ipöttifch Kalmücken 
genannt, aber Vieles iron ihrem Charakter. Mit den 
Tataren itn Kafanfchen fden fie, nach ihrer Verficha- 
rung, die nämliche Sprache. Die kleine Zahl derjeni- 
gen Indiriduen von ihnen, welche hier im Tomskijchen 
du Stelle der a.bwefenden dteullleiltenden Ko/aken auf 
den^'Poften in den Dörfern rerfahen, war 12, 15, auck 
18 1 die einen gemöinfchaftlichen , das RuJJifche fchlechf 
fprechenden, Anführer hatten. Vor Kliutjchefsk und 
nü^inxk, von denen oben Erwähnung gefchah, tritt der 
Reifen<ta durch Kanskoj-Oßrog am Kan^ der die Gränse 
twifchen Irkuzk und Tomsk macht» in dies letztert 
Gouvernement durch den Krei>s von Krasnojarsk , delTen 
älter« Etawohiter, dl« Sajanifchtn Tataren^ weiter oben 
helchrieben wurden. JCanskoj ^ Oßrog , eine Schäme ^ 
wurde X628 g«g«n die Einfälle der damals noch nicht 
bezwungenen Bratzeh oder Buräten angelegt. Der Ort 
hat einen gulen Zobelfang, weswegen fich di« Kaufleut« 
unter Wegs f^itr etwas aufhalten. 

De« 26» December kam ich fiber Balai und Kosgun^ 
wo maa mich von ^n ehemaligen furchtbareren , jetzt 
aber uub«dentenden , Einfällen der Kirgifen, von der 
grofsen freierr Horde der ^/ira/;a/u;acken und Türken^ von 
der Kafal/chia- Horde in Turkeßan untWhielt.^ Vor der 
Errichtung der Vertheidigungs - und Gränzlinien am 
Irtyfch^ Ifchim, Ui^ dem Jaik oder Ural etc. foDen ii« 
ihre räuberifchen Anfäll« bis nach Tomsk und Krasnojmrsk 
hin ausgedehnt, Dörfer und Ff ecken unficher gemacht^ 
und überall Sklaven mit lieh fortgetrieben haben; jetzt 
wagen fie fich lo weit nicht mehr. IndelTen gefchiekt 
es'aa den Orien^ dit an befagttn Litticn liegen^ dock 



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5o6 Vermifcht'9 Nachri c:h i e n. 

öfters, dafs Kirgifen auf die Märkte galopirt komne«! 
und was iie finden, mit (ich fort fchleppen, um es» 
ihrer Heimath als wohler worhenes Ei^nthum zu ver- 
kaufe n $ auf folche Art bringen £ie Sklaven bis nach 
4fr grofsen und kleinen BuchareU -Da nun jetzt, als idL 
diie Reife machte, befagte Linien gerade unbefetzt wa- 
ren^ aber bald Wieder befetzt wurden, fo dankte i^ 
der Vorfehung, die meinen erden Plan, Iie zu berd« 
fen, vereitelt hatte, dachte nicht mehr an die Lini» 
von Ifchim^ Ui und Ural und fetzte ruhig meine wei- 
tere Reife fort. Sie brachte mich bald, Montags dea 
26. Dec, nach der erften Tomskifchen Kreisftadt Kras* 
nojarsky am Zufamn^enfluCTe des Jeni/ejr und der Katfcha^ 
in eine fchöne fruchtbare Gegend. Sie ift grolser, 
bübfcher gebaut und etwas volkreicher, als Nijehnt' 
XJdinsk, Kraft des mir ausgefertigten offenen Befehls des 
Hrn. General - GouVerneurs von Pefiel forgte der hieCIge 
Gorodnitfchei fogleich für eine ordentliche und^ bübfchft 
Wohhung, denn ich wollte hier einige Tage atyrnhen^ 
und auch für die Reparatur meines Schlittens forgen. 

Es wurden daher, des Feftes ungea<:htet. Dien« 
ßags den 27. Oecember Schmiede und Zimmcrleute ia 
Kequilitinn gefetzt, die auch mit ihrem Flickwerk bald 
SU Stande kameh. Krasnojarsk von den hier wo|piendeB 
Tataren f den altern Einwohnern des Orts ^ KißljarhurM 
wegen des rothen Ufers, des nordweftlig%in Ufers der 
•Katfcha und der an demselben liegenden Gebirge genannt, 
wurde — fagen die Gefchichtfchr eiber — im J. 1628 vor 
und nachher oft von den Kirgif^^ ihren damaligen 
Nachbaren f die alfo im I7ten Jahrh. , wie ich es ia 
ineinerNGharte bemerkte, nicht da kampirten, ^o iie jetzt 
feit der Vertilgiftig der BUuthen find, belagert. Jedes 
^al aber wurden die, mehr rauberifchen, als furcht^ 
baren Feinde von 400 Martit Kofaken , die •dort unter 
der Anführung des Woiwoden , Andreas Duhensky in Be- 
fatzung lagen, glücklich zurückgefchlagen; eben wie 
die Chinefen 1715 bei Alhaßn.^- Der Hauptreichthum der 
Einwohner in der Stadt und auf dem Lande find Pferde 
uud Bindvieh. Man verficherte mich| dafs es unter 



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VermiJchtB Nachrichten, 507 

%«en , befonders auf den GrHnzen des Kreifes in Aha^' 
kansk und Sajansk^ Reiche gebe, die looo bis ^qoq Pferde 
haben; auch der Arme hat nicht leicht unter 20 bis 50- 
X>at Land umher ift fo fruchtbar, dafs es 5 bis 6 Jahre 
ohne Dünger befäet werden kann. Ift es ausgezehrt, fo 
▼erlailen e« die Einwohner und nehmen n^ues Land, 
an dem fie hier nicht, wie in China ^ üeberflufs hRb«n. 
£e ilt eine ganz gewöhnliche Aerndte, wenn der Sommer« 
.rocken «ehnfältig, das Wintergetraide achtfältig, nnd ^i« 
iaeT&€t «wölffach einträgt. Das Brod könnte daher fehr 
wohlfeil feyn, wenn es nicht die Habfiicht vertheuerte. 
Der hiefige treffliche* Weifsbäcker , %in exilirter RuITe, 
deCTen/ fchönes , weifses Brod dorn Keifenden gut zxi 
Statten kömmt, verkauft einen Kuchen mittlerer Gre- 
ise von feinem Weiaenmehl für einen halben Kübel, 
einen Preis, der bei der Fruchtbarkeit und Schönheit 
d«?e Bodens .gewifs wohlfeiler feyn könnte. Von den 
hier durchkommenden befrachteten Fuhren undCchlitten, 
die fich vom November bis ,^ebruar auf mehrere Taii* 
fende erltrecken foUen , von c^em Zobel *, Fuchs - und 
Biberfang, welcher die durchreifenden Käufleute veran« 
lefst , fleh einige Zeit zu verweilen, und von andern 
Oingen wird noch weiter nuten gefprochen werden » 
und iß zum Theil f^hon gefprochen worden. Die ruf- 
fifcheu Einwohner des Orts find meiftens Kaufleute; fie 
reifen zwei Mal des Jahrs, im Frühjahr und Herbfte,. 
nach dem 45 teutfche Meilen (312 W.) von hier entle- 
genen , und an die Sinefifchen Gränzen ftoftenden Orte 
Almkansk und fo auch nach SajarUk^ das nicht volle 500 
Werfte von hier entfernt feyn föll, bringen Pelzwerk, 
wollene und feidene Zeuche und andere Wahren dorthin 
und erhalten dagegen von den dortigen Nomaden Schaafe, 
Hornvieh, Pferde etc. Zu bedauern ift, dafs die wenigen 
KenntnifTo der Tataren von der Landwtrthfckaft und ihre 
Unfauberkeit oft die Urfache grofser Vichfcuchen werden, 
die ihren Keichthum bisweilen in kurzer Zeit verzehren. 
Verdient um G,e wurde fich derjenige ruIHfche Patriot, 
machen, der, im Fall eines gründlichem Unterrichts 
von diefer Materie, fich zu ihren wenigen Begriffen 
herablittfs , und fie «Ines Beüfern belehrte. D« •» diefea 



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5C® V ermifehte N^thrieht en^ 

gutmüthigen Noitiadeii an Güte def H«rYPns nicht feliR, 
fo wür(}e fein uneigennüUiger, wohlverftandener Ei(er 
in dicfer KückHcht ein Kapital f^yn, dat ihm mehr aii 
handertfältige IiiterefTen einbringen würde. Die Tat^ 
ren und auch Chinefen &u^ durch Religion and berge- 
))rachte Sitten zur Dankbarkeit rerpflichtet. 

Auf den Sajanifchen Gebirgen, jfa Kreife tob Jtra#« 
nojarsk ift es , wo aufgeftellte Grantzeichen und aueh 
kleine Wachthäufer Tomfk von einem Theil der Cliiii« 
sinsl)4^ren weltiichen Tatarei fcheiden. Die WachtpUtA 
heifsen die Sajanjchtn^ Arhatskifchtn^ TafchUbskifcTun etCt 
Bei zweien von denfelben kommen zwei Mal jährlich 
Chineßfche und rnllirche KommüTäre zufammen , befick* 
tigen und befeftigen die Snahi (Zeichen.) Krasnojank 
hat dre^ fteinerne Kirchen , den Sobor oder die Haupt- 
kirche > die Kirche zur heiligen Mutter Gottet, and die 
in ihr^ Gelammtt^it noch nicht exilVirendoy aber zuia 
Thpü doC^ Ichon erbaute neue Kathedralkirche .mit drd 
Airären, von denep der vornehmfte und gröfste dem 
]^>il. Alexander Newsky gewidmet ift. Dai rothe Ge* 
birg, an dem die Stadt liegt, erhält feinen Nameli von 
der rothen Farbe feines Erdreichs, und erftreckt fich 
längs der Katjcka hin , (bei ^^2 Werften) bis an da^ Dorf 
Droginay das ich den SSI^en December bei deiner* Abreift 
von Krasnojarsk rechter Hand liefs» Nicht weit rom 
denifelben überrafchten mich zum zweiten Male mehrere 
Wölfe, d»e fich zwar nicht an mich felblt wagten, aber 
Jich doch mir näherten. Ein erfreulicherer Anblick, als 
diefe hun^erigen Wölfe, war mir vier Werfte von Äi- 
ledämoa' one artige neuerbautc fteinerne Kirche und 
mi'hrere Dörfer, durch die ich kam. Mala ja (Klein) vnd 
Bol/chaja Kemtfckulsh liegen in Waldungen , und liod 
arme Orte, wo lieh viele Exilirte aufhalten. Die dor- 
tigen Einwohner klagen fehr über grofse Ueberfcbwem- 
mungen im tlerbfte und Frühjahre. Das Portkommea 
Toll wegen des Mangels an Aokerbau^ fchwer fejn. Si* 
liegen , wie die meiften Orte in den dortigen Gegendea, 
an den Plüfschen gleiches Namens. In Atfchinsk an de« 
frofsen und fchönen, T/chukim kani ich den 29fteii uü 
7 Chr Morgens an. 



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V ermijchte Nachrichten* 509 

Bisher waren die We^e meiften* eng; und Holil- 
we^e« ein Umitand» der dat^ Reifen von hier aui nach 
Irkuzkf \ietonders im Sommer» lehr erfchwert. Jetzt 
ab«r im Winter pnd Re durch ganz Sibirien viel belTer. 
Bis an die Gränze von Ferm hin auf einer Strecke von 
mehreren hundert teutfchen Meilen , wo dani^ie neuen 
gebahnten Wege anfangen , iil die Strafse im Winter 
•ben i^nd Ichön. Die Sümpfe und Morälte in dem Un- 
geheuern y noch nicht genug angeb^uiten Tomskifchtn^ 
die ein Parker Herbitregen vom I5ten Julius hiu Aus- 
gang Septembers beinahe ungangbar macht, lind gefro« 
ren, Di« Reifen im Winter haben daher in Sibirien vor 
den Sommer- Reifen grofse Vortheil« voraus; man er» 
Xpart Hunderte von Rubeln für n^hipv Reparaturen ; ge* 
winnt an Zeit, und k^mmt drei Ma& gefchwinder fort. 
Ein Pfeifender, dem et indefPen nicht an Vermögen fehlt, 
dei^ feines Verguügens und Belehrung halber hierher reist, 
durch CJmltänd^ und Amtsgefthäfte nicht daran verhin* 
dett wird, thut -meiner üeberzeugung nach beffer , wenn 
•r bis nach Krasnogor (Schönberg) am Jfet im Gouver- 
nement ToboUk, welches man für den halben Weg rech- 
net, von St, Petersburg aus im Sommer oder Frühjahre 
reist. Er findet in diefem artigen iind f^höif gelegenen 
Orte Annehmlichkeit und Bequemlichkeit genug, um deo 
Herbft bis e:twa im Octbr. und Novbr. angenehm und 
auch nützlich, dort «utubringen. Nach Ablauf der rcfgne« 
rifchen Jahrszeit tritt er dann getroH die weitere Hälfte 
des Weges an die Gränzen hin an. Der Himmel ift im 
ganzen übrigen Theile des Jahrs höiter und klar;' nur 
find Pelze, Fufsfäcke und warme Kleidungsltticke n9* 
thig. Bis Krasnogor im Tobolskifchen find im Sommer 
tdic Wege (vielleicht die 'Knüppelbrücken von. 5t. Peterf^ 
'bürg nach Moskau ausgenommen) als eine grofse fchönt 
und gebahnte Strafse, gut und fchön ; im Winter aber, 
wo der aufgehäufte Schnee und das Eis Hfigel und Berge 
bildet, und die. Wege im europaifchen Rufsland fo gut 
als im Gouvernement von Perm äufserft verdirbt, ift es 
gan« anders. Ich traf fie von Perm und Wiatka an 
durcbgeheods 'bis an die Thore ^-.r Refidenz fo holpe- 
»f und hügelig an, dafs an etwas gefchwinderes Fall« 



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510 Vermi/chte Na'chri dht en. 

ren B^i einem fchwcr beladenen Wagen gar nicht zu 
denken ilt. — Das Land, das an Atfchinsk und die dort 
liegenden Polten ftöfst, keifst der KiiITe Abakanskaja Stepp, 

, Es ift dtr lüdliche Theil d^$ Kreifes von Krasnojarsk, 
nvo allein noch die Tataren üU Nomaden herumziehen. 
Da £io ziemlich frei leben uiid nur die Verpflichtung 
liaben, an ihre Beßeger die Abgabe, den Ifaak genaigiBt, 
zu zahlen , £o n^nnt Re der RuITe kurz J/atfphine, ^ Kras- 
norät/chinsk {Schöi\flufs\ auch a.m TJchulinty trägt wegea 
feiner hübfchen Lage an diefem FIufTe mit Heckt diefea 
tarnen« Der Ort hat viel Ackerbau und guten Fifch- 
fang. In dem Bette des gefrornen Tfchulims fuhr ich 
•ine gute Zeitlang fort, und kam dann nach Bogotolsh 
am Zufammenfluf^ daf Bogotol und Tfchulim , wo mir 
l>ei dem dortige» KommifTär Kolüfchef ein , wie för 
mich zubereitetes, gutes Mittagsmahl trefflich zu S^at* 
ten kam. Bei der Entdeckung falfcher Aflignatenmacher, 
die fich im Orte aufhielten, hatte er vor Kurzem das 
Unglück gehabt, hinterJiftiger und verrätherifcher Weife 
auf der By^ilt gefährlich verwundet zu werden. BIoCs 
ein Haufen Papiere, die damals glücklicher Weife die- 
len Theil des Leibes bedeckten , retteten ihm das Leben. 
Koch waiv die Wunde üchtbar, und der Verwundete 
ipifsnjiuthig und fchwacli. Itat und Te/chin liegen aa 
den Flüfschen gleiche^ Namens. In Sufsloioa gieng es 
über das Flüfschen Sufslow^ und den soften Decbr. bei 
Kiisk über den Kiy^ den einzigen etwas anfehnlickern 
Flufi, nebft dem Tfchulim und Jenijey im Kreife von 
KrasnojarsK Hier hatte ich nunmehr die.Gränzen def- 
felben erreicht, und ihn auf einer Strecke von 82 teut- 
Xchen Meilen (571 Werften) in feiner ganzen Breite 
durchzogen. Die Gebirge im Norden deffelben follen 
«ine Abtheilung des unbebauten Urals Xeyn undv|rrofsc 

> Schätze von Gold, Silber, Erz und koftbaren Steinen 
enthalten. So viel ift wenigftens gewifs , dafs die dorti- 
gen Einwohner, s. B. an dem Ufer dev Kaijcha^ des 
Jenifex und tiefer im Lande öfters kaftbare Steine fin. 
den, und dafs man uns felbft Oerter, zwölf nnd meh« 
xere Werften von Kr^snojärsk , nannte , wo iie bisweilen 
wirklich gefunden werden. Den Süden delFflhen und das 



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T ermijchte Nachrichten. 511 

fefammte Gouvernement von Tomsk IcheMen von der 
zinsbaren GhinefiTchen Tatarei und den neueroberten Län- 
dern China^s im innern Aden der grofse und kleine Altay^ 
der fich tief*in dallelbe hineinziebt. In den Kreis von 
Tomsk trat ich unweit Podelnifchnaja^ das eine Werfte 
von dem Flüfs oben Ontebia enlietni liegt. Die hier nvob«. 
nenden gistauften Tataren haben bereits feit vielen Jah-' 
ren die Lebensart, Sitten und Gewohnheiten ihrer. 
Ueberwinder, der Ruffen^ angenommen« Nach den Is- 
beii. (Bauernftaben)y worin iie wohnen, den Kirchen und 
^m Ackerbau, den fie haben, würde man ße von den. 
j^ztern gar nicht mehr unterfcheiden können, wenn 
diefer ünterfchied in der Sprache, die Iie reden, ihrer 
Tracht, Phyliognomie etc. nicht kenntlich genug läge. 
Die Richtung ihrer Triebe und Neigungen , da Ce den. 
Ackerbau und das fitzende beftändigere Stadtleben und 
des Staatsbürgers überhaupt bereits nicht mehr verach- 
ten, wie die JCalkaS' Buräten und andere mongolifche 
Völker, nahem fie fchon vielmehr ci^ilifirten Natio- 
nen, als die wahren Nomaaen. Die Triebe und Neigun- 
gen diefer letztern, die von einem Staate, Bürger- und 
Stadtleben gar keine Begriffe haben , gehen vielmehr auf 
den Genufs ihrer natürlichen Freiheit, die iie bis aufs 
aufserfte vertheidigeha , und für deren Erhaltung (ie Al- 
les aufopfern. Die Wahrheit di eles Satzes hat ein vol- 
les Jahrhundert hindurch der Krieg der Chinefen gegen 
denjenigen anfehnlichern und herrfchenden Stamm der 
Mongolen j den wir Eleutken nennen, belläti^t. Sie wa- 
ren Namaden fm eigentlichen Sinne des Worts, und ver* 
theidigten bis auf den letzten Mann die Freiheit ihres ar- 
men und'vielleicht glücklichem Hirtenlcbens. Zwifchen 
beiden in der Mitte, den nnmadifir enden und bekehrten, 
dem Bürger- und St«adtleben fich nähernden Tataren, fte- 
hen die unbekehrten und mahomedanilchen' Tataren, die 
ganz Sibirien, Tömsk, Tobolsk^ Perm und Ufa erfüllen 
entweder ebenfalls auf ruflifche Art und Weile in Isben 
oder in bleibenden Sommer- und Winterjurten, auch 
Pilzhütten, ihre Wohnung haben. Vqu dielen wird noeh 
oft gefprochen werden. Aufser demlfaak, ven dem fie 
IfßtfohnU h^itsen ^ bezahlen beide Gattungen Tataren 



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5l± yertnifcht^ Nachrichtsm 

üiclifs an di% Krone. Die Kujfen fchdnen mit fclieelett 
Allagen ihre weniger drückende Lag« zu betrachten. 

^ Schon bei Birikul am Flüfschen gleiches Nament lio- 
ren die B^rge und Hiigel auf, und fangen jene grolsta 
«^heilen an, die uur. bei Tomsk ron einigen Anhohea 
unterbrochen werden^ lieh Übrigenf durch d^n Krtu 
vofk Kainsk und den ganzen füdlichen TKetl Ae9 groXtea 
GoMvernementt ron Toholsk auf einer Strecice von mehr 
äU S30 teutfchen Meilen (über 1600 W.) bi< an die Gria* 
xen .des Gouvernements von Perm forttiehen. In P^ 
Jchitän und auf alleil Polten weiter hin vertreten eiii§* 
weilen immer Bä/chkiren und Meß/cheräcken die Stellf 
der abwelenden und dienßl eisenden Kojkkeiu Mit 
dienten lie des Nachts als Vorreuter und Anordner xnr 
Seite der langen Reihen Fuhren mit Kaufmann sgätem 
beladen, auf die ich beitändig Itiefs. Zu Beiden Seitea 
Batte ich immer grofse Öde Waldungen. Den letztet 
Tag im alten Jahre traf ich endlich über Jfchimsk j T^ 
runtaew etc. glücklich in der Gouvernememsftadt Tonuk^ 
•m ZufammenflaiTe der Ufchaika und des Tomt, 219 
teutfche Meilen (1539 W.> von Irkuzk, ein, wo ich ii 
dem Quartier, das mir der Gorodnitlchey an weifen lieft, 
ein Mittagsmahl eijinahm, und bis an den Abend ve^ 
weilte. Hr. v^Gwaß^w^ jetziger Gouverneur von Temxl» 
tind ein Bruder des jetzigen Direktors der Adignatio^ 
£ank in^t. Petersburg^ war noch nicht von da snrück, 
wurde aber bald zurück erwartet. Eine neu projektifts 
Gubernial -Einrichtung, die befTer und beqaemer feya 
Coli, als die jetzige, foU eine Miturfache diefbr Reift 
feyn. Da jede Gouverneme^tsßadt, felbß dfe HaapI* 
nnd Refidenzitadt nicht ausgenommen , in Ruf^lani !«• 
gleich auch eine Kreisftadt ift, fo hat üe als folchc ii 
ihren Mauern auch ein Kreis > und Niedbrland • Geriet. 
Aufser denfelben befinden iich in ihr die Palaten odti 
oberen Gerichtshöfe,' z. B. die Ugolownaja-Palata {im 
Hals- oder peinliche Gericht), die Grafchdanskaja-Pa* 
lata (das Civil -Gericht), und die Kafennaja-PaUu, od« 
die Gubemfäl* Schatzkammer, endlich auch das SevÜ* 
nij-Sud (GewilTensgtricht)« Die Präiidentea di«f«r ▼«• 



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Vermijchte Nachrichten. 515 

fcliieifen^n l^ribunäle^ deren- innere Einriclitung leider 
nicht immpr ordentlich und reinlich ift, und entweder 
Kollegien »Käthe oder ^taatsrathe. 
/ 
Di^ Grüher mongolifcher Helden, die unter nnd ge-,. 
gen Tanurlan Dfchingis ' Chan und wadere Mongolen foch- 
ten 9 neun bis lehn Tagreifen von Tömsk lieh befündenj, 
▼iel Silber und Gold enthalten follen, find feit Bels und 
anderer fpäterer Schrif titeller Zeiten durch die ftrafbura 
Habfucht der Europäer gleich den ägyptifchen Mumie« 
geplündert und beinahe leer geworden. Noch von Nert* 
/chinsk aus fchickte un« neulich der gelehrte Herr Ooc- 
tor Pan/ner eineiti tun^Iifchen Todtenkopf nach Ir^m 
kuzk y den wir aber von dem der Europäer eben nicht 
"verlchieden fanden* Die Wohnung des Commandanten 
von und in Tomsk war ehemals eine kleine Feftung, und 
könnte zur Noth noch dazu umgefchaifen werden. Bei 
Unterwerfung diefer Gegend unter ruHifehen Scepter, 
wurde Xie auf Bitten des Nertfchinskifcheu latarifchea 
Khaus oder Fürften 1604 erbaut, weil er in der Näho 
kampirie , und gegen die Plünderungen der Kirgifen^ 
feiuer Gränznachbaren , gedeckt feyn wollte. Jetzt iü 
fie die Kefidenz des Gouverneurs. Man hat hier^ein« 
fchöne Auslieht auf den Tom und in die umliegende' 
fchone und fruchtbare Gegend. Es Tollen des Handels 
wegen aus (dem iunern Alien aucli öfters kalmückifcho 
und bucharifche Karawanen herkommen. Die Stadt hat 
viele hübfche fteinerne Kirchen , die immer in den Städ- 
ten Sibiriern die gröfsten und fchönften Gebäude find» 
und kömmt Irkuzk an Volksmenge u|id Umfang gewifs 
gleich. Der hier vorbei fliefsende grofse fchiffbare Tom 
und die fchönen fruchtbaren Wiefen an feinen beiden 
Ufern verfchafKsn den Einwohnern der Stadt für ihi^e 
Handlung und Hei#ililag grofse Vortheile. Kn Kaskol^ 
nicken f dcreA ^annichfaltige Secten und Abtheilungen^ 
lief« UnwiiTenhelt und bedauernswcrthe Verirrungen^ 
Ausbreitung und Lehrfätze uns Ausländern noch lehr 
wenig bekannt find, fehlt es in Tomtk nicht; ich traf fia 
überall in Sibirien^ auch in Perm an, -^ In iVariuchinsk^ 
§ bis. 7 teutlche Meilen voi^ Tomsk for und nachHerj 



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514 Vertnifehte Nachrichten. 

hatte ieh Creleftenlieit , ▼erfcliiedenes Neue Aer den «ii* 
ter rnllircher Hohe;it fichv befindenden Mofti der mftbo- 
inedanifchen Tataren im gefainmien Sibirien za borab 

Betagter Mufti refidirt feit drei Jabren in Ufa im 
Gouveroement diefes Namens , bekömmt i6>ooo Rubd 
jährlichen Gehalt von der Krone, neblt Sy^oo Rubeln Ta- 
felgelder. Die Krone beitätigt feine Wahl und ift (bs 
eigentliche Triebrad derfelben. Geht in feiner Wahl eim 
Fehler vor, üherfchreitet er felbft feine Pflichten , oder 
behandelt die Tataren ungerecht , fo überreichen diefe, 
alt feine Glaubcnsgenoften , eine Bittfchrift an die Re- 
gierung , und dringen nach de& Umitauden fogar auf die 
Abfetznng. Diefes Vorrecht und Freiheit der ruflifchea 
mahomedanifchen Tataren im JITo/anfchen , (Jfa^ Perm.' 
leben und ganz Sibirien fetxt ehrgeizigen Unternehmun- 
gen Ton Seiten des Ufaifchen Mufti g<*gen einzelne und 
mehrere Perfenen einen wohlthätigen Damm entgegen; 
denn man fagte mir Falle, wo er bei gefchehenen ge- 
waltthätigen Bedruckungen und darüber geführten Klage« 
£ch weislich mit den Partien abifand, und die Sache mit 
Genehmigung der Regierung im Stillen beilegte. la 
Orenbu'rg fallen die mahon^edanifchen Tätaren zwei ftei« 
aerne Moscheen 'mit Minarets haben. Die eine liegt 
tmfcrn der Stadt auf der Steppeufeite des Jaiks oder Ur- 
als ^ und dient den aus der grofsen Bucharei aus Chiwa 
am Kafpifcheri Meere und an« dem innern Aßen über- 
haupt kommenden u^d unter einer -fftr^tAn-Bedeckung, 
für die fie bezahlen, reifenden Karawanen bei ihrer Ankunft 
in Oren^urg zum Sammelplatze einer oi^ntlichen Anbe- 
tung und Verehrung. £» kommen diefe Karawanen zwei 
Mal im Jahre nach Orenburg, Die andere' I^einerne 
Metfeh et (Moschee) liegt in der Stadt fefbft. Aufserdea 
ift hier auch noch eine hölzerne, ^^a MX ein fchlech- 
ter uiüipdf^utender Ort feyn, nicht fo'^rljls als Or«t^ 
bürg, 'Die Stadt hat eine fteinerne und zwei Kölzerna 
Metfcheten. Der dortige Mufti macht vielen Auf- 
wau1ä, fährtimit fechr Pferden, und ift'von einer xahl- 
rcicben Geilllichkeit umgeben , die in der Sprache der 
Meß/chgräcktn Ki\fni heilten. Er }^ zwar meifteiis ▼•!» ci- 



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Vtrmifchte Nachrichten. 515 

.fiem ing^feheuen grofsen tatarifclien GefcliIeclUe, leichneC. 
fich aber deswegen durch die Einfachheit feiner h^us« 
liehen Lebensart nicht von feinen Landsleuten aus. Sein 
grofses Anfehen unter den mahbmedanifchen Tataren itn 
Xafanfchen , Permifchen und ganz Sibirien unter de« 
£qfchkireny Meßfcheräcken etc. hält diefe altern Einwoh- 
ner und vorigen Befitzer des Landes in Znum und von 
Empörüngeii zurück. Die dortige Regierung, felbJl der 
Gouverneur und die Rujfen^ d^ren Zahl im Ufaifchen 
ohnehin nicht die gröfste ift, müfT^^n dah-r ans Politik 
gegen ihn grofse Schonung bew«ifen. Um daher' Ge« 
horfam und Unterwürfigkeit beffer und leichter zu er- 
halten, erkauft die Regierung diefelben zum Theil durch 
Vertlieilnng von Orden und paffende Gewahrung neuer 
Titel oder fonftiger V^rtheile an den Mufti. Bald aBer 
könnte fich das Spiel ändern, da die Kuff^n im Ufai-~ 
Xchen, als d^m bellen, frnchtbarften und fchönften, wenn 
auch kleinften Theile von Sibirien , fich immer mehr 
vermehren y immer mehr Ländereien käuflich an fich 
bringen, und fb auch hier, wie im Tomskifchen und 
Tobolskifch^n , mit der Zeit immer zahlreicher und mäch- 
tiger werden. -r Dörfer getaufter und UD|;etaufter chrift- 
' lieber und mahometanifcher Tataren mangeln zwifchea 
Krasnojarsk und Tomsk eben nicht. Sie nähern ficK ia 
ihrer Lebensart und Sitten bald den Nomaden, bald den 
^mehr ftädtifchen und bürgerlichen Rujfen, Ich fah II9 
in pefrmanenteu Jurten oder Pilzhütten während des Win- 
ters und Sommers auf dem nämlichen Fleck kampiren, ih- 
Xe von weitem leuchtenden Feuer bei kalter Witterung forg- 
f&ltig unterhalten, und auch in Isben und Dörfern , genau 
wie die Ruffen, wohnen und leben. Allein im Süden 
Ton Tomsk nomadifiren Re noch und folgen der Rtli- 
f ion u-nd den Sitten ihrer Väter. Die in der Nachbar* 
Xchaft der Raffen und in Dorfern Wohnenden haben alle 
Ackerbau. 

Den erÄen lanuar 1807 pafTirte ich über Werchne • lU 
hat nach Ta/charinsk , wo ebenfalls Takaren ^ reich an 
Vieh, wohnen, kam über Dubrowna nach Orskei-ßor Aa 
d«n Obj und err«i|||ite lo dai» zweiten Jan, in T/chauS' 



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5.i6 Vermijchte Nachrichten^ 

hoi Oftrog^ wo ein KomtnilTair ficK aufhält, und Tyryr 
/chkin di« Gräozen des tomskifchjen Kreifes, der noch 
ziemlich öde und wü(t ansßeht, aber grofse fchöa« 
Waldungen und die FlüCTe OZ^ und Tom hat, von denen 
der erfte, tou den Tataren Omar und Umar genannt, aat 
der Vereinigung der Kaumä und des Biä bei BiU^ ent- 
fteht , , und bei T/chauskoi Oßrog oder der Ueberfahrt 
eher denfelben auf der grofsen fibiriXchen Heerftrafse 
nach Sina nur 500 Faden breit leyn foll) der andere 
oder der Tom entfpdngt im Kreife von Kusnezk ans ho- 
hen Gebirgen und Moraften. Sein Lauf hi$ in den Olh- 
ßufs, in welchen er Geh ergiefst, loll über 72 teatlche 
Meilen (500 W.) betragen. Ich hatte den Krei« ron 
Tomsk in leiner ganzen Breite auf einer Strecke von 
beinahe 70 teutfchen Meilen (470 W.) durchreist, und 
nunmehr die berüchtigte moraltige, aber immer mehr 
und mehr austjtocknenda Steppe Baraha^ aus des 
doch bereits der Kreis von Kainsk geworden ift, glück- 
lich erreicht. ,,Er foU — fagen ruffifche Autoren — in 
,,feiner gefammten Länge von Norden , nach Süden 600 
„Werften (85 t. M.) und in feiner Breite von Weften 
,,nach Often 400 W. (nach meiner fehr genauen Rpch- 
„uiUi^ 69 teutfclie Meilen , oder 486 W.) haben. Er wird 
„vom Om und der Tara, einer Menge Bäche und Flüfs- 
i,chen bewälTert. Noch jetzt ilt die Baraba oder der 
,, Kreis von Kainsk voller Landfeen , hat wenig Waldun- 
„gen, keine Ber^e, und war alletll Anfehen uach ehe- 
,^nials ein Seebett, das jetzt allmälicU austrocknet/' Was 
die Einwohner dieXes jetzigen Kreifes' betrifft , fo mufs 
man die In den Dorffchaften wohnenden Kujjfen von den 
Barahinzen oder alten tatarifchen Einwohnern der Steppe 

. iinterfcheideu.v Die eriten Und Bauern, die unter den 
GoUwa Jryuhomoy y Solniken oder Desjatnicken in armen, 
weit von einander entfernten Dörfern leben , artige 
Keuchen- und Hopfengärtchen , gute Pferd- und Vieh« 
sucht haben. Die andern ftehen unter ihren Taifchas 
Oder Aeltelten, lind Mahomedaner^ treiben den Ackerbau 

*ttur als Nebenfache, legen (ich mehr auf Jagd und Fl- 
ieh crei und »iehen in ihren Jurten im Sommer über- 
^l herum. Vor Errichtung d«r Linieii| oder 173^ litten 



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Tßrmijchte Nachrichi^'/u 517 

fi« ftlir viel durch die Aäubtreien der JCirgi/tn^ ihrtr 
Oränsnachbarn am Irt'y/ch; jeUt aber lind lie rahi'gen 
Sie ßnd nehSt den Tataren im 5^ier - Lande, (▼ermuthlic]| 
die Kreife Kusnetzk und Biisk nebft der Abakan/chen Step- 
p«) die eintigeft noch nomadilirenden Völker im Süden 
roü Tomtk. Im Winter leben äe einige Monate Hin- 
durch in fixirten Jurten. Im erften Orte diefes Kreifee» 
in Krutün Ziefz, kam ich den Sten, um 8 Uhr Morgent 
an. Da die eigentliche grofse Heerftrafie nach Sibirien 
und an die ünefifchen Grannen über Tobolsk nicht über 
JfehiiTi führt 9 und^-man den letttern.Weg, der lonft guft 
gemacht und unterhalten geweXen su feyn fcheint» 
nar Courieren und auf eine ausserordentliche Art wegen 
d«t Handeltverfalls von Tobolsk eröffnet, lonft aber im- 
mer Terfperrt hält, fo gerathen auch die dortigen gewe* 
tenen altförmigen' Weg > oder Werftenteiger und der 
Weg felbft immer, mehr in Verfall; die Einwohner ma- 
chen wegen .de« gefetUichen geringen Vorlpann • Geldes 
Schwierigkeiten über Schwierigkeiten! der Poft und den 
Reifenden ihre Pferde sum Voi^pann su geben, die aber 
die woblaugebrachte Generofität der letztern in ein eifri* 
get Beftreben Ihnen su dienen, nach ihrem Gefallen 
und Befchaffenheit ihre« Beutels verwandeln können. Mir 
fpannten lie dnrchgehendt im Tomxibifchen und Tobolski* 
fchen, ftatt swei oder drei inuner vier, oft fünf und 
focht PJerde vor. Alle Orte und Dörfer der Baraba lie* 
gen an Seen^. Dies ift der Fall mit Owtfchinsk^ Setkinskp 
Itkul etc. Der We^ war gut , fchön und eben , aber eint 
unaufhörlich , heftiger und , eiskalter Wind, und das da- 
durch veranlilffte und um mich her wirbelnde Sohneege- 
0öber liefsen mich^ die ganze Zeit hindurch, da ich die 
Baraba pallirte, keinen Augenblick ruhen und zogen mir 
•ine kleine Erkältung su; denn weder Pelzmüteen noch 
Fufsllicke noch Pelse ichütsten vor ihrem Mark und 
^ein durchdringenden Einflulle* In Jtkul fah ich an der 
plötzlichen Veränderung des Betragens bei dem dorti- 
^n Schreiber oder Poftözpeditor die magifche Kraft und 
wohlthätige Wirkung des mir in Irkuzk mitgegebenen 
offenen. Befehls. .Aus einem entfchiedenen Grobian fchuf 
er ihn plötzlich in einen übertrieben höflichen Hof- 
A. G. E. XXFIJL Bds. 4, St. O9 . 



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5t| Fä^rmi/ehtg Nächriehteh. 

mann näi. Mehr Pferde, als ich^ wollt«, drang er nfo 
,aQf. So rerfäUt nicht allein der i^emeinere nncnltiTirti 
Hugey fondern jeder Ton uns imn^er in ein Extrem 
in das Zuviel oder Zuwenig/ pie genaue Mittelftrt^ 
fse — oder den richtigen Weg der Wahrheit — henat 
^nd hXlt Keiner TOn uns! — An Rebhfihnem , Hafid^ 
hühnern, wilden Soten uhd anderm Geflügel fehlt ee hier 
In der Baraba nicht. £io gegen Sümpfe nnd M»rllte g«l 
bewaffneter Jager wird nie ohne reiche Beute marüclD« 
kehren. Immer hatte ich )ettt im Winter, nicht mit ei» 
aem Heer liftiger Inrecten wie im Sommer^ aber mä 
Wind und Schneegeft5ber| einen nicht weniger ItartM 
Kampf tu kämpfen. 

Den folgenden Tag, d^n 4ten, kam ich über Uhiiuk, 
ein Ort, der- auch Ackerbau hat, nnd KatmaJetm 
nacK O/sinnowey Kolockf welchea der erhabenfte Thdl 
der Steppe tu fejn fcheint, weil ron hier aua der 
Weg etwas mehr Berg ab geht. Mittag« war ich end* 
lieb in Kainsh an der Kafka , die in den Ont fSlit, der 
fchlechte, aber doch Hauptort einer Steppe, <ße nnn et- 
ilem Rreife ihren Namen giebt, ^nd beides TaUtren und 
Rujfen tu Einwohnern hat. Ueber Ante/ehkina , Pbkrem 
und Turumaw kam ich die Nacht nach Gmloxupowa am 
Plüfschen gleiches Namens , wo tich der moraiHge und 
fchlechtere Theil der Baraba endigt und das I^aad vott 
der ddrtigen Anhöhe an nicht mehr fo niedrig , fonden 
•etwas erhabener wird. Der nun folgende noch übrige, 
Ideinere Theil der Steppe, fcfheint mir fünf bis fechi 
Fufs höher tu liegen, lüs der beireits durehrcitte ^SXkeie 
fheil derlelben.« 

.'>■ 
In Wofinefensk erreiclite ich am fünftel Jnnitar 
den Om,« an deflen gefrorenem Bett und ITf^ der 
Weg eine gute Zeitjang hinläuft. Im Winter kürtt nuui 
hier den Weg ab und 'fährt drei Meilen weiter ge» 
rede nach Chochlow an dem See gleiches Namene. Im 
Murafchewa^ dem lettten Dorf im Kreife von Kaintk, er- 
reichte ich endlich die Qränzen-des grofsen, noch -«renig 
herölkerten OönVememeat« tron Tomsk^ das ick feiner 



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Vetmifchte Nachrichten. 51$ 

(üizeii anfehiili^lieii Bt^ite nach auf 216 teutrche Mei* 
len (1,537 W.) durchwandert hatte. Ungeheure Sümpfe, 
Waldungen, Mörtffte nnd Gebirge, wie der Altai und 
die Sajanen zum Theil^ begrKnzen und rertheidigea 
ei gegen China hin belTer^ ^t die Kunft nnd Hände der 
Menfchen. Die Linie am und län]g$ dem Irtyfch oder 
die Vorpofteh und lUdouten, w^oraüs fie beHeht, fchützea 
deiTen nomadifche oder alte und Hxirte zahlreichere, 
neuer« Bewohner, deren Ortfeh afte« und Dörfer vor den 
Ir&uberifehen Einfällen der rbenachbarten groCs^n , freien 
Kord« der Kirgiptn^ auch Kirgife Kaifaehtn genannt ^ de« 
ren Ma^t, im Fall des Kriegn, jetzt auf mehr al« 30)000 
Mann gefchätzt wird und die ehcmal^ mit den Songo^ 
ken oder EUuthern, während des Flors ihres Reichs, in 
•hiem ungleichen , mehr abhängigen aljs freien Bunde 
ftabden* Auch erlheilte ihnen der Cantaifcha oder Chtf 
diefes letztem Reich« von feinem Lager am Saifsan-S^m 
aus feine Befehle« Vorn 1759 oder der ZerMrung delFel- 
ben her^ datirt Jioh die eigentliche Freiheit der grofsen 
tiord». 3ie kampirt ^m Turkeßan herum tief im In- 
nelrii Alien». Die' mittlere und kleine Horde der Kirgifen 
i^r haben ungefähr die Plätze der 17^2 ausge Wander« 
tta T\irgut9n eingenommen, haben ihre eigenen Chdnm 
und beftimmte Gegenden , wo &t weiden* ihre Stepp«n 
oder Weideplätze reichen im * Welten an den Uralßufs^ 
im Norden an den Ui und an die ^cAtmifche, vom Tobol 
hie nach dem Irtyfeh hin reichende Linie» im Often liud 
Südoften an den jy^- Dana bis nach TurHtßan nn^ ChU 
ivd, und im Süden nach dem Aralfee Und dem Kat* 
pifchen Meere 'hin. Diefe grofse Wüfte im gemäfsig*» 
ten Sinne ties Worts,^ ron der die kleinere Horde den weli-«^ 
liehen und lüdinredHcheni die mittlere aber den dßliche'n 
und nSrdlichen Theil befitzt, wird auf vielen Charten mit 
tum Gouvernement von Iffa gerechnet, weil die Charit 
diefer Horden, um ruhig an dem JaiÄ oder C/ra/ kam* 
piren zu können , Geifcel nach Orenhurg aus ihren fürft- 
licheh Familien fchicken und fo in einer weitläufigen 
Verbindung mit dtfm dortigen Gouvernement ftehea; fie 
hefteht meiftens aus offenen trockenen Pjiäohen, fandigeii 
VAd faltige« Gefilden, wie die ReilMden Tagen , und 

Oo Sl 



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530 V^ni^i/chtg Nackrichtän. 

foll wenig iruchtbare Gcfendea und aiidi Waldimg iui« 
beo. Dit Kirgifdn haben fchwan« HiMure und weaiftr 
platte Gefichter, als die Völkerlchafleii mongolifch ^kai» 
muekifchtn Urfprangt. Mehrere von ihnen find als Kindor 
und Leibeigene mit,una nach St» Fgtersburg gekommea« 
Es fehlt ihnen nicht an Anlagen und VerCtand. Oer klmr 
ne Kirgift des Botfchaftert war ein artiger Knabe. In 
Murafchewa sog wieder ein alter achttigjihriger Ezilif- 
ter meine AufmarJ^fainkeit durch feinen Bmft and an- 
Ibheinende Befcheidanheit auf iich. Er hatte (freiwillig 
oder getwnngen feit 15 Jahren) leine Wohnung won Te« 
holsk hieb» an die Orinien diafes GonTememeata rnck*^ 
wärtt verlchlageu. 

loh war nun auf Tobohkitchtm Territorium und Abel 
Rijina den fechsten Jan. bereits in Kopiewsk eingenlekl, 
wo die für mich nicht gleichgültige Fsage: ob ea dher 
.l^oboUk Otier Ifchim gehen foUe, entlehieden 'werdoi 
Tollte. Es war Mittemachti aU ich in Xopitwsk eintraf 
und fiber meinem Boftehan auf dan geradem i/chinmchm 
Weg (der von T^baUk i(t bei 4fii, teutfche MeilMi um) 
mu reifen, iwei einander entgegengefetxte Parteien ficb 
bilden fah, die mich beide über den gewöhnlicben gre* 
Isen und folilecbtem Pahrweg nach ToboUk jagen woH* 
ten. An der Spitce der einen Partei, die aus den OA/* 
watelskie Jein^chiki (atis den Einwohnern als Pubrioiite) 
beftand, war der Schreiber des Orts und an der Spitie 
der andern war der Hr. Pofthalter felbft. Weder diu 
Einwohner noch die Pol! wollten mir Pferdenach ffchim 
geben. Endlich erweichte fie doeb der oH erwähnte of* 
fene Befehl, verbunden mit meinem Verfprecbeo» nicht 
für zwei Pferde, vrw meiti Pafs lautete , londera für 
drei au befahlen. Mai|, fpai^i^te mir nicht swei, fondem 
fechs Pferde gegen mein , Efgehren vor , gab mir einen 
B^fchkirtn zur Begleitung n^t, und fettte dies übertrie* 
ben • uneigennützige B/^tragen bis an die Gränsen dea 
Gouvernements von Perm fort. Der Weg über Ifchim 
war Jetxt feW gu^ uud (wie man 1^ nachher geftand) 
belTer als über I^Qh^Uk^ der fchlecht, holpericht und eng 
ütyii foU. lob.baHe alXo alle Urfacbe mit dem Ausgang 



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#*i Streits ««frieden zu feyn. Der Omf'&tr im Kreife von 
5Pomx Xe entffinngt, die Baraba durchflierst, in den Irtyfeh 
fitfit und an deffen ^ IHern die BaimbiTishileh.^n Tataren 
wohnen, w&r mir nunmehr im Hucken; ^ ich kam bei 
Kuftinsh au dem inxfch und paffirto ihn bei diefem, 
•auf einem Belage an demfelben liegende^ Ort. Der /r- 
tfßßh etttfpringt ti^f in Aßeriy it» dem Lande der Eleuthen^ 
oder eigentlich'ön Kalm)ißkt;ny fitelat duz4>h die Weide-" 
pläue (von den Raffen 'St epp€H ' genrnnt) der grofien, 
}«ttt freien Horde*'der ^Kirgif^^ dnr«fh> den See Sayfsan; 
und fällt 'in denr O^^ I>erv an* demfelben und an dem 
4/ih^im, welcher in äen" Irtyfßh flieftt, liegende ^anz*^ 
fÜdliche Tbeil de$ Gouvernement» 'Teholsk heifst jetzt 
»ofeh im Ruffifeh^H di» Steppe am Irtyfbh und am Ifckim^ 
ungeacJitet beid« %n ^ea artigen und fVutshtfoaren Krei*. 
fenvoi» T«r«, durt^ welche der Reifende hier auf die- 
fer Seite in «a* To^aJ#X;i«c%e tritt, Omsh\ Ifckim UncI 
Jadutarowsk bereitä wirklich umgefchaffen find. Die fo- 
genannte Injrschkafa^ Stejfpe (die Weideplätze am uncI 
Iftngs'dem irtyfeh)' hegt mehr geg«n Siiden, foll mit lü- 
f8Äm fdwöhl Kooh- a)» Biuerfalz, wie belKet feyn, Kiefer, 
und B^rkenwaldong^U und zum Ackerbau tauglichet 
l<and* haben; voft «der Ifohfimfehkaja^St^pß (den Weide* 
plUtzen atm' JJhhitn) wird nachher g^fprochen werden. 
In Rtißinsk liatte iöh nun fchon die Ortfnzen des erAen 
tobolskifehen Kreifes, det von Tara erreicht nnd ihn doch 
auf zwölf teutfchen Meilen (79 W.) durchzogen. Es folgt 
mm d«r Krei» von Omsk. Up^eit Rußinsk geht es im 
Winter gerade über d»n f^f bis fechs Werften breiten 
^efrornen hotfohe'n Ofe^^"^ (grofsen 'Ss9) mich eiuem an 
defien entgegen gefetzten \2iex gelegenen uitd zehn Werften 
ven Rußinsk entf^nten, von makomedanijchen Tatnttn 
fcewohutem Dorfe, die in J/^eif (rufiTirfchea Bauerhfitten) 
bereits auf die nSmlicKe Art wie diefe ihre Ueberwin* 
der leben, gerade wie die Tataren im Tom^X^irchen längt 
dem grofsen Wege. Von da nach der nlehften Station 
Mohilna ift es nicht weit. Den Mangel grofaer FlüfTa 
Im Kreife von Omsk hat d^e freigebige und doch ökono« 
aiifirende Natur durch viele f^andfeen , wie in der Bora" 
H •rfetzt, dtr«i ciütNtende Gawäffer ftfeer den Baden im 



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521 V^rmifcU^^ Itaehriehtem 

Sommer übertvid^en f«UQlit ond lieitMli« aioraftii; mm* 
chen. Doch kann nod wird diefem Ueb«l durch Grs- 
hung von Kanälen und andere wohlthätige A«fta|teB 
in. Zukunft abgekolfen und To 4^9£m ehemalige Stej^pe am 
Irtyfch noch weiter und fchdner ange^ai^ ward^i. Bat 
Dorf und dieStati«M T/oh^rnagiMf .oier %um feliwariea 
^Cf zeigt fchon dureh ifine Benenn^a^ feia^ Lage an. 
Die beiden OitXchaflen SaKgatfeh^.StarQfchitzkaja und 
fqftlnitfchnahm , ««igen .ebenfalls durch diele charakta- 
rißifchen Beinamen, die, 4rt Ycm Einwohnern an, di^ 
hier ihren Si|s iiabfo«.- lindem ^inen wohnen, nur mtere, 
in dem andern neuere Kolonifteu^ und V^wiefeue; die 
erfteru hab^u Ehrliebe tganugf. um mit den letstem niehl 
▼erwechXelt werden tu woHon, Pfa Land ift hier darch- 
gehea4f fjchöu und fruchtbar u«d yoi^.Tein^ft mtd Jr- 
hu^ durch eine forgfältigero Kultur vortheilhal^ ywc- 
Schieden. «Wollte man iadefiEea aue diefan Worten auf 
teutfcl^ lutd englifche Kultur u«d Bevölkerung ii^lia- 
lien, fo würde mau lieh fehr betragen. Nirgand« im 
SihirUn (felbft die noch, fobönero Strecke won T/Mm 
nach /«^<|tA«riiUR^urg uiohtauegenommen) herrfcht noch 
derjenige, hoho Grad von ,phy&feh€tr, und . geiftigtf 
Kultur, den man durch die Namen voncGiviliXatien uad 
fparfamo iLandökonomie beteichjiet. Von dem »weiten 
iargat/ch geht die Strafse im Winter na^h dem Sommer* 
weg oder uach B<ifchen0fsk %w^k 9k von da aber übet 
ITeki/chef und Andfintk^ die ioh den ßehentaa paifirta, 
nach detn Wolcfi tiuk^H^sk. Jadeir fV^loß hat feine ^ 
gene -W^aßnot Prawtenit (Bauargarioht oder Kegierua^ 
und beftaht wie etwa iinfero Kirchfpiol«i <^n* mehreren 
Dörfern und OrtTohaften. Die Mitglieder deitelben ßj^ 
der Oolowa^ (das Haupt) der Wxh^m;^^ (erwählte» Mit- 
glied) Starßften Sotnikit und. Dgfjamciu Fünf bi« 
fechs, bald mehr» bald weniger WoUßen fteheit unter ei- 
nem GommüTair, der hier nach der Befohafifenhmt fei- 
mts Kopfes und Hertens in dem entfernten Sibiri€n fehr 
Tiel Gutes undBöfes wirken kann. — jpia f diönen Ebeuen, 
Tou denen bereits bei Tomtk 'die Rede war^ dauern noch 
immelr (ort% Bei JCalfnakow palfivte ich wieder einen 
gefrofcneii ^f ^|||i4 kam ^o glüi^bJiifl« st^ch dam fF0l§ß 



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JCruti^th , dem lQt?&t«A Ott im KrctiXe von Omfh^ dan Mh 
35; teutfoke Me^eii oder 244, Werft^ hin4^rc|l durishto^ 
gtn hatte, upd yro fich die. ^iisv^kner der Orte öfters bei 
mir übpr die grofse Ei^^j^^^i^ .df^ ^o^iMifM IM" 
fohfrsrten* " . .^^^ o; .c ■* • -i. . 

(Foiftfeiiteti^ And SeHliif» *ntch(tens). 



,ii^^r 3ßricMi4pAug€n der gtofsen^ig^ographych* 
näiitärijehen Charte w>n TemfdiUiHd in 304 
'Blättern, 

,u».... .... '1. »- ■ . -i 

,. . , Bei dem unuaterbroAf nen WotÜebx^itwmanteTvt mo» 
a«tlifh^i\^JLii«^erH^9«j| der grofseu top^iteilit. GHarte von 
T^t^<;iaand, d^TC^ HUB idi» JCYXI und XYIII. Uefel 
tuug erfchienen iSt^ iej et uns erlaubt» 4eaL wrtäxttBUk 
Geographifchen Publikum ein Paar ^Yorta tur Beberxi« 
gung 4U fageo. - ^ ,-. ■ - 

Da wir jetU) nntßrm, PÄayie, gemifs, bei dieIer>Ghan# 
m^it^den da» iTÄwgMK^ ^c^pn betreffenden Sectionen 
Horgehj^ff, und-Mebe m^ob und.naoh in deit monatlicben 
l^elfrjfpgbn.mit ausgebe, fo ilt es nötbig, defslialby sn 
U^ferfiJii Recktf^ti^uMg^ Naobltebendas nnlesn^L^lexa b«* 
bannt zu machen, liu. ^ » 

^ laAem -Tlieil»ehni4i>;di#to Gbarte ift ek «na nnfem 
von M% M Zeit XaWobl>:in den A. O. B.^ aUaucb iA 
andern öl^ntlicben :J&]J^tarn.,und. mit deniiliefenfagen 
relbftvV^Ufgagebenen Noti$en 4 bekannt ^ #id<<lvingg«nd wir 
Mm Aeriobtigungen dwr-ausgegdienen ISUttetf worin 
üob HocbuUonicIiltgk^itan finden foUteil, gebeten haben^ 
«ttd ^MP muffen ' dankbar geftaban^daf« unlere Bitten 
ttiabtfirttebllot gtwefen find. Wir dankan Allan, die una 
Btricbtif nngfi^ Iwf emeiPhe andiii;»^ auf das vexbtidliebfta. 



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594 Werhti/ehte Haehrie%ten. 

W4S' ä\iBt daW K$iiigr«ich Saelißn iaiibeltfii^, Ib liat m 
un» m^ht g^ückeii - tiroll«n j aiiich ; nur Sin« YerbeffeniBf 
Hb«]^ die bereit» erfbfhienenen B\ixter davon %\k erbaltem; 
wohl '"^a^m^ bat -mi^nv^^fä *«iMinyii|en Znfcbriften, x. B; 
wie die Beilagen A und B. »eigen, gefagt, dafv ehie ^dir 
die andere Section Febl^^^ Mtte^ <4i)|ec dief« nicHt bexeicb- 
net), oocb weniger die Verherfernngen geliefert; ebes 
fo h^t man uns in Briefen ohne UntMrfchrift Vor geogit- 
phifcKen Materialien gewarnter ebne zu lagen, wo £bldit 
die Fehler baben , no<^l weniger uns-beffere genannt. 
Von mebreren Orten, wohl» wir unXere Zeichnaagtn 
der Sectionen mit Bitte um Revijion getbndet, find Qp 
«na Mnt4^idit^ «^t^ckigefbb^kt worden | }a fogar von t^ 
ti^ni' }unge^ Braune, deflen w^dig^m Hüw w^ «in Hatt 
Toui SaqbJ^n fur ^uißor^ %vScy^tkX9Mi, wel^«r i^itwiei« 
der für die Wiilenfcbaften und feinen Dienft, su frnb nnd 
eben in der Zeit, als unler Blatt unter Wegs war, ftü^ 
wurde uns dAe'B<Mtion mit einem eb^n nickt Jidfluebai 
Briefe,, der. »ielif.*«iel weniger Cagte, als wenn n^lrf^ 
sten Vater tu einem> Lohd^j « Ferrfttlia hftltett reKleitea #0)- 
Un , . «uinckgefcblökt. 

Das geogmpb. Publikum» dem es ni^bt ttidieiBMBi 
ift, wie wenig gute Materialien über Sacbfen eziftirea, 
und wie w^derffreekend^I^lill^ 'die belM) teilen daronfind» 
Bebt bieiwusj .wie ixüxt man unfern gaten WiHetty etiNi 
Gutes XU liefern,, verkennt , Wnd wie wenig man roi 
do^tber imfere, gewifs billigen Wftnfche erfülÜ^ Jli'f6g« 
nocb mebr/<tlittt; tAMt^ okm xv iHfhJf^m^ od6r w^ 
nigßens uns die Febler tu beseicbnen« 

/ Wir<wi#derkplen desbalb ^uttf^r« im^ <»ll'f«^Hi#B^ 
te, befendera in Hinükkt det Säobllf«ben SeetioaM^ (bei 
weloiMnMfiihv lediglich -xur O^gbnd r«m Fmgi^rrf wA 
SpremkM^ vMä^fmnet kleinen Slteeke da» 6b«rti 'L A tft» 
•in billig denkender Freund, deka wir e« korsttok dankMi 
tnr Revi£on gefunden bat) ^ una^, föbald «iknAa iiniiw 
Blätter au Aiigan komoi^n,' ikre V^beff^ruMgetty di>i 
wen« die ^0 et Ionen ausgegeben find, ntek^Miek» te w 
^ lerem ^ fondeni tum AUgcoieiaaii JBeftea g^v^^kM»» «^ 

ko»- 



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F^tmi/chtBtfmßhrichten. ^gt^ 

fobald dift PlaU€ii, (weichet ftets unreivügliek mmt^ «in« 
fe|(««igetfeir ^'BerlohtSgttiig ^t^^tiht) abgeändert ßnd^ 
▼e^belTerte AbdfÜtfke ftr l&i« Esisii^laire iiiiule»d«tt. "t- 

Als Proben der unf aus SacJ^fen tingegang enen^MittUh 
tigungen dienen alfo folgende Beilagen« 
Weimar, d. 30. l^ärt. 1809. 

Das Gsographifche Inßitui» 



\^,me^^Uf^H^ mi^t^T det iöpt^iipkitkih ' iliilitii^rchen 
Charte von Teutfchland lalTen to viel far6yk>PMndig« 
keit und Brauchbei^ceit derfe^>en bo^en, dafs «f xw be« 
dauern wai^e, weuii da« ^nftitut in der Wahl der hierzu er« 
forderHcben, i>eVeits fchon herausgegebenen iSpecja^char« 
ten, auf folchWeffiele, die Trotz ihrer gefk,UigeiiForn^ 
und P^ro}ect?dn^ diäes '^Vertväuen niclit verdienten, D|i 
nun die, wo ich nibht irire, i. J, 1804 von Backenberg 
berausge^e&^ne *^£l!tionsch{^rte von dem. gröfsten Theil 
von Saöhfen 'ünti' einem TH'eii'^von Schießen mit unteir 
diefe geh'ört ÜM V^h mir '(Slbft 'an mehreren Stellen unj 
Gegenden" )fehV%läcthaft' gefunden worden , fp habe ich 
tos dem all^Meliien Beft'en 'fchüldjg zu feyn eraclitet^ 
ein löbliche» InftitniyWenif auch nicht geradezu da^üs 
kn wÄrn'en, doch wen/glt^n^ aufmerkfam darauf sn m^- 
«hen.-«' -'{ ""' f ' ^- ^ 



:rc 



M e i l a g € o, 

, . -'. '••■ i * l. 

Mink^rhung aus. einem Schreiben^ eines Säc^/ifchen Mil^ 
• tärs ^ umd* InHreJJenUn der tvftograpkifch • militari 
/cheUf Charte 4m 20^ Blättern. 

— — — „In äer Charte; in der Section von Dejfau^ 
find vextc'hÜeddne Uhri[chti|^keiten. ^Es würde auch mir 
fehr afig^ntfhm ^te^n, v^enn das geografHiirche Inltitii;! 
«a Weimair' /olelitt erfühl, damit es mit fondtuera- 



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0k V0rmif€hti^ Nm$hrich$mm. 

hIü flkr Xi^ i^i^Bmfif ift Mf 4er S«eti^n tu» I]lf0«v 
•ia «vofi^ Theil ^m Witt«idiie?gev JLfUßs- befindlidi^ 
üefes BUtt g«kön daher iiiok( mit twm X.öa]gr«A 



3- 

j&bildung und Bejchreibung des neuen nach dem 
Beitritte zun^ Wiemifchen Bunde verändere 

^ t)as /iieue k5iiiglictie Wappen beflfelit atis eioem ein- 
%lgitkHaupt/childe, und einem U^z - oäer MittelJchiUi. 
Beide find längliche unten an den jfecken etwas xuge. 
riind'ete^und in der Mitte in eine ki^eine Spii^ auslaufende 
Vierecke. 

Das Erßere enthält tkeüs filbeme, ^ theil« laxturna 
Bauten oder Wecken^ wplche (eigentlich zW<i und ▼ier- 
«ig an der Zahl) von der Linken «iir B^echteu iii einer 
Diagonal- Linie auffteigen/ In d^i»^ Ufeilj^tt oder auf- 
gelegten H^rz^ Schilde he£uidet fi^h auf f^itnoberrothem 
Felde ein. goldene« Scep^er, und ß\n blankes Schwerd 
fait einem goldnen GrifTe; bVid^ «ehenj^ jeue|; rechta 
diefes links , kreuzweife' übereiti ander. Oben ivifchen 
denfelden fchwebt einfe goldene mit Halbsirkeln gefchlof* 
fene Kouigskroue, Auf dem Hauptfohilde ruht ebenfalla 
eine goldene, mit Ede%ineÄ und Perlen ge^i^te ge- 
l<?hloiXenc und oben mit iiinem Äeiih«iq^el hefetste Ko- . 
»igekrone. Durch die awei und riersig^. theil« fichti- 
taran theil« durch da« Herifchüd, welchea da« Simbol 
der Souverainitat^ der Tollkommanen Unabhlngigkeit ^ 
und Mnumfchränkten Herrfcherfmacht ift, verdeckteu 
Rauten Und alle mit Baiep vereinigten ^ in Franken,, 
Schwaben und Tyrol gelegenen iPrpvinienund Bezirke,. 
HeriOf - und F^rlMuthäme^, . Oral - u^ Berrfchafteu 



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Göogfe 



V ermijchti^ Nmchrithten, 527 

Alt w«lüre «iiilrftiFl«Ültt Beftan4|Keil^ d«S) Könijjpreicliet 
üDgedeutet und auagefprochen , ohne das für lelbe iiock 
|>ero«idere Simbole oder Wappenzeiclieii angefäÜrt werden. 

Um dat HaiiptXchild hängen cU« <^rei, königlichen 
^mus^ Orden ^ isämlich der clef heiligen .^v^cru 9 des 
heiligen George und det der baierifhen Krone* Denn ftatt 
flet eheme^igen Löwenordenr ift eben 1808 der Orden der 
Ifßierifchen Krone eingefett worden« " • 

JOae Schjiidhähet^nd twei mit den Kopien einjfrScU« 
gekehrt ^pä mit goldenen Kronen gezierte LÖwen» 
mit ausgefchlaguihi rothen Zungen, vorgeftreckten ro« 
then E^auen und. gefpaltenen Schweifen. ^ 

Jeder Löwe hält reu einer goldneni Laue ein hiit 
goldenen Treffen und QeaftenfbhnÜren geliertet nnd aus- 
wärt« gewendetes \Panier^ auf' defTen Flagge ^in und 
^wan lig filberne. und lasurncy von der Linken zi^r.Kech- 
ten^aufwärts gefchobene Rauten angebracht find. 

Das Gante ü^ mit ^inem königlichen, auf .bei4eiir 
Seiten in ungebundenen Knoten aufgeJtc3ilnipge|ien aus- 
wendig purpurnen, inwendig mit Hermelin eusgeffchlage- 
»en aAi der Kuppel and am Saume mit geld^en QuaAen^ 
&epinen und Treffen beletzten üiidie umgehen, auf 
deffen Gipfel fich .nieder eine ^oldne' Königskrqne 
liefinvicft« 

Aus dieOetn auf fot6he Art gebildeten und gezierten 
Wappen bciteht auch das Majeßäts- Siegel uud. gro/se 
geheime Siegel, welches .bei dem königlichen geheimen 
Minißerial ' Departemens uiid dem geheimen Krießs^Bureau 
geführt wird. '^ 

Die Unifchrift auf demfelben.ift:' Maximilianns Jofe- 
phus Dei gratim Hex Bojeariae. Dt^ auf beiden Seiten 
gefezten Bnchftaben bezeichnen das betreffende Departe«* 
hient, yo|i w^cbeii die all^rhöchl^ett Befehle auflfgefer- 
ffgt werden. . 



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N H A L" T: 



.♦ }•» 



Ahhandlungen» Seite 

V^her LöuitianQ, defTen Entdeckung ^\ Lage , Befchaf- 
fenheit und Grämen. . . • • • 38I 

Bücher ' JUeeen/ionen, 
I. A, V, Humboldt^ Effai politi^ue für le Hoyäiune 

^de la Nouvelle Espagne. (^Schlufs.) . • 43S 
f. J. Töwnfind, Voyage en Espagnt» etc. trad« per* 

J. 9, Pietät ' Mallei. . , . .f, . ., 458 
3. Voyages di'ün Natur alifie etc. par M. ß.. Des^ 
courtilz, Tom, L, . .... . -458 

4.. J« Haafner, Keite in eehen Falaiiquin , längs- 

• ' de Kutten Orixa eat Corooiandel. il D«eU • 460 
-<>0. K^ninli^kti A^manah vor deA Jare i8o8^ Analer- 

7 ; darai. , .* .. . . ... . .4^ 

6. Almanac de la Cour, pour Pann'^e 1809. Amfter- 
dam. Maaskamp. . . . « « ^ 465 

entarten ^ Recen/ioneu» 

* I. J. M. treifierr v. laiechtenftem ^ Charte Ton 

" Mitte!- Europa? Xin. und XIV. Lieferung. . 4^ 
%i Ji^M, Freiherr v. Lievhtenßtm ^ Ghurt^ des 

'^ ireftLi Q«fter«eiclu . • « . • pV ^ 47$ 
3. Ddjeibi^n^ Charte tq|i Ungarn, Groatien und 
Scuvonien. ... . • • • . 476 
^4. C. Mannert. Die Baierirehe' Erb -Monarchie in 

2 Blättern. Nürnberg, b. Homanns Erben. t8og.'477 

5. DieBaierirckeM#narcbie9 aus Sotsmanu'aQb^zte 

V. De utlcKUnd. Nürnberg. Schneider u^JFei^'et, 479 

6. CeUfke, die Herrlchaft Scnmalkalden. .. • 4SC 

Verm.ifch,te NaQk,richten. 

I. Bemerkungen auf meiner Rückreife «ut Sibi*^ 
rieu nach St. P^texrsburg. . . ^ • . . 4S9 

9. Ein Paair Worte an das Oeograpbifcktf Publi- 
kum, über Bfricktigungen der gtofsen topogra^ 
philch-militär. Charte von Teut(e(iUiid ^^^04 
Blätttfirn. * % ^ V ^ •» • • 6^ 

3. Abbildung undBefchreibung des neuen nach dem 
Bertritte zum Rheinifchen Bunde verändeKen ' 
Königl. Baierifchen Wappens und R.eich8*Siegels. ^ 

Zu diefem Hefte gehll^rea. 
t. Das neue Wappen von Bayern., 
^ 2. Höhen - Proüie des Bodens von Neu- Spanien». 
sur Erläuterung der Kecension von A. 
V. Humboldt Essai polit. für la nouTeUe ,. 
Espagne. S. 321. 



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R E G I S T ER. 



AailloB» (Aillon) Luoaf Vaf* 

quei de,- 419 £. 
Abufchär» Stadt, oqi f. ' 
Ac^pnlcOf Plan det Ha- 

vens, 201- 
Adams , Zoalog » 49t» 
AfgaiiiltaBy 293. 
Afghanen , Reich derlei« 

Afrika , 140 f. 

Aga - Meh emet , 282* 

Almanac de la eour» po.ur 
PAn 1809* (^ Amfterdam) 
rec. 465 f. 

Almanak , keninklijke , ▼. 

..d. J. I808. rec. 465 f. 

Inhalts verzeichnif«) 466 f. 

Alpen, die, 84- ^« cotti- 
Xchen , 35. , die dinari- 
fchen , 86. die grauen, 
85. die julifchen36. die 
karnifchen, 86. die nori- 
fchen, 86. die pennini- 
fchen , 85. die rhäti- 
fohen, 86. die fchweizer, 
85« f. die Hochalpen, 
89.' die Kalkalpen , 92. 
die Meeralpen , 85. die , 
Mittelalpen, go. die Nie- 
deralpen , 90. di« UraU 
pen , 92. die Vt>ralpen, 
90. 



Alpeai^ehirg, feognoftifoh« 
Charte delTelben , 310. 

Amadan, (Hamadan) Stadt, 
289- 

Amerika, 141 %> 

AmAerdam 9 Bevölkerang , 
470. Sehenswurdigkeitea 
nebft einem Weg weif er, 
470. 

Anahuac, iadifches Reich, 

• 205. 

Anantapur, Dorf, 461. 

Andengebirg, das peruani* 

fche, 322. 
Angora- (Tunguska) Fluf«, 

492- : 

Apfelgebirg , 484. 
Arabien, 130. 
Archipelago de las Perla«, 

211. 
Aretin*s , J. Chr. Freiherr 

von , Prodromus f. lit. 

Handbuchs über die baier- 

fche Gefchichte und Sta- 

tiftik, 33- 
Arkanfas, Flufs, 393. 434. 
Afchraf, Schlofs, 291- 
Aße^, 128. dasf ruififche, 

128 f. 
Atakapas, Canton, 428. Nie- 

derlaffung, 73. 
AuAralien , 150 f. 



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530 



R e g i/t e r. 



B. 



Baden » Grofshertogthumy 
41 £• Charit ron dem- 
felbeu 9 351 f. ftatifti- 
rches^Tableau, 41. 
Baieni , KSnigreicIi , 33. 
Eintheilttiig delTelb«!! ia 
Kreile, 33. Charte, liehe 
Charten «ileoenfiotten* 
Beraba , Steppe , 516. f» 
Bafchkiren , Volk , 504, 
Beekmann^t Literatur dev 
ReiCebetchrelbungen, 8f. 

• 275- , 
Bemerkungen auf meiner 

Ktkkreifo auf Sibirien 

nach Sfc. Petersb. 482 f* 

Berg» Groftherzogthum, 42 

/ f. ftatiftifches TableaU, 

42- 
Berg «Vorwerk, Dorf, 245. 
Bermont, (de) Geueral-Con- 

ful, X92. 
Bialyftock, Gouvernementi 

1116. 
BirjuITa, Flufs, 499. 
Bonpland's Aeife nach den 

Tropenländern , 7« 
Bosnien I Charte von, 104« 
BoITu, nouveaux voyagee 

aus Indes occid. 431 f. 
Boucher de la Richarderie, 
/ 274. 

Bourgoing , Tableau^ de 

TEspagne moderne, 27« 
Brafilien , I48 f. ßatift. Ta* 

bleau, 149. 
Briitifche Reiche ^ 123 f» 
Brittif, Nerdamerika , 144« 



Brittifches Reich in OMm^ 
dien, 133 f. ftatiftiTchei 
Tableaa, i^. 

Buräten, (in Sibirien) 4^ f. 

Büfching's Erdbefchreiliu, 9« 

Butte , die Sutiftik ab Wif« ' 
fenTchafty 11. 

C- 

Caltenne, 150. 
Carlifel^, Vorwerk, 243. 
Garondelety Baron ^ 40$ t 
Garr, S« John, f« Vojage« 
Caftellan, £. Lettre« for la 

Morde. 
CaucaTus , f. iCaukafuf. 
Cerigo , f« Lettre* fwr la 

Morde. 
Ghapetoneii (Gachupiaety 

447' 

Charletfort, 421 f. 

Charten - RecenßoHen : die 
hairi/chg MonarchU Yoa 
G. Mannert, 477 t, die 
hairifcKe Monarchie ndbft 

' Würt^merg, Baden etc< 
von D« P« Sotxmann, 479 
f. Charte von dem Gr6&- 
herzogthtiitt Berg u. Brf* 
Jen , V- Oberlient. Streit, 
HO f. das Königreich Bei* 
mtn mit feinen Angribn 
Zungen, 106 £. ChlrtdMi 
der Infel Elha^ 112, PeA« 
jcharte von Europa^ Toa I* 
Ponjtnatiy lil f. Preihr* 
T. Liechtenftern^a Ghmte 
von Mittel* Europa f 99! 
471 1 der Englifche Gar- 
ten bei Müikchifif Ton Ri« 



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j 



K e g i fi e r# 



S3l 



chtfiMTf IÖ7 f. 1. Coafo* 
3ii*s Plan der Haui»tlUdt 
Münch€n^ 108 1 Freihr. 
T. Liechteiifterii's Charte 
des weftlrelien Oeftreiohs^ 
476 f. Sohrtttter's Charte 
▼©n Ofijnmifsmj 353 f. 
die Herrlbhaft Schmal^ 
kaldtn f von G. Gelhke, 
481* Freihm. ▼. Liechten- 
Heraus, Charte yom König- 
veich Ungarn, 4JJ» delTen 
fVi§ns Umgebungen, 355 
f. Streifs Charte v. dem 
Königreich VFürtembtrg ^ 

351 '• 

GHilpanuBgo« Stadt, 326. 

China, 138. Brief des Kai- 
lers an 4* Statthalter v^ 
Holland, 175 f. Gemälde 
der alten Gefchichte, 174. 
Gränze swifchen China 
und Rufsland, 483 f. fta- 
tiftilche Nachrichten, 180 
f. ftatiftifches Tahleau 

139. 

Chino*s, Abkömmlinge der 

. NAger mit den Indiana« 
rinnen, 450«- 

Chiquitos, (Giquitos) Pro- 
lin«, 384. 

Citlaltepetl, Vulkan, 333. 

Cloftermühle, 243« 

Coffre dePer(ne,Vulkan, 333. 

CoUot, General, 411. 

Colomb, ChriftopU, deffen 
Wohnung auf St. Domin- 
go, 64. 

CompOationea , geographi« 
fche, 368 f* 



Confoni , l/, X. Ofaurteb- 

Recenfionen. 
Qontinent, der, 345. « 

Cordilierea, 322. 
Coron, Stadt, 190. 
, COte 4«s Allemands, 401. 
Ge«irs compli^t de Topo« 
' graphie, p. A. Moitte, 9« 
Greolen, (Griollos) 447.«' 
Grevecoeur, f. St« Loui#. 
Croiat, delTen Privilegium, 

399 f- 
Guba, Bevölkerung, 44S1. 

D. 
Damberger , (Taurinius,) 

265. 
Oanebrog - Orden , mit Ab« 

bildung , 361. Urkunde 

einer neuen Einrichtung 

delTelben, %6l'L 
Dänemark, 125 f. 
Darofer Thal, 87* 
Delaudonni^re, Ren^, 42tf. 
Descourtils, (M. K.)L Vo^a- 

ge d*un Naturalifte. 458* 
Drogina, borf, 508* 
Dfchagatai, Länder an dem- 

felben, 129. 
Dünkirehen, f» Form'eirtem. 

K 

Ebel, I, Gottfr., über den 
Bau der firde in dem Al- 
pengebirge , reo. 78 f« 
152 'f. 296 f. 

Ebeling^s Erdbefchreibung 
yon Portugal , 28. 

Cckartswalde, Kolonie, 245. 

Shrmann^s, Prof., neuefte 



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S3^ 



R € g i.fi e r. 



Kuad» roll Helvetieii nad 
Italien 9 25. 

Ehrmann-Spreiigeirche Bi- 
bliothek der Reifen, Z» 

Elba, GhXrtchen der inüe!, 
X12. 

£ngUind, im Ge^enfatxe de»- 
Gontinenta , 342 f. Ob 
fich England tum Frie- 
den v.erftehen werde? 846« 
ob et dla^ könne ge- 
xwungen werden? 346 f^ 
Mittel, welcKa dem Gon- 
tiuaaie dazu xu Gebote 
Itehen , 347 f. Verhalt- 
juTf ■ dar Geftorbenen xu 
den Gehörnen, 441c. 

iSrmack , Kofaken - Haupt- 
mann, 482« 

Errch, ProfelTor, 275. 

ECTai politique für le Ro- 
jaume de la nouv. Es- 
pagne, par A. de Hum* 
Iboldf, L et II. läTr. ree. 
196^-317 f. 438 f. 

Bnvopa, 12. die Behevr- 

fcherin der Welt , 341; 

■:llatiftifohee Tableau. da« 

•uropäifchen Staaienfy- 

Amm 'im Jahr 1808^ ifil« 



Ferabad, Luftfehloff, afi*- 

Fetah • Ali " Sdiach , 2^. 

Finnland, Verhältnift dev 
Geftorbenen xu den Ge- 
hörnen , 441. 

Fifcher'e Gemälde von Va- 
lencia, dritter Theil, 2^ 
Roifebibliothek» 8- 



Florida, (Plorlden) 400, 
Formentera, delTen Entler* 
nunf Ten Dfinkirche«, 

369- 

Frankreich, Udberfieht der 
Bevölkerung in den Jah- 
ren 1806, t wnd 8 , 373 t 

Ptanz5fifchef Kaiferthoa, 

< 14 f. Anzahl der SUdte, 

. Marktflecken rtnd Dör- 
fer, 17. Einkaufte, 17. 
FlScheninh&lt , 17. Ver* 
Käitnife der Geilorbeaea 
SU den Gehörnen, 441. 
Volksmenge, 17. 

Freiheits. Vorwerk, 244. 

Friedenfeld, Vorwerk, 243. 

Friedricheau, Kolonie, 344. 

Friedriehsdor^, 243. 

Friedriohsfelde , Kolenie, 
246» 

Fri edr iche - LSlfichen , Ke- 
lonie, 246. 

Friedricbsruhe, Weiler, 244« 

Friedrichstabor , Kolonie, 
4H6. 

Friedrichs waldan, Kolenic, 
244- 

Friedrichs waldan , Mxtt«^, 
244. 

Friedrichswaldan , Niedei^ 
244. 

Friedrichswaldau , Ober-, 
244. 

Friedrichs werder, Kokaiib 
246. 

Fürften^oUegium d* Rheir 
bundes, 44 f« 

0. 



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^* e ift * r» 



53S 



Craelipiiines , f. Chapeto- 

ues. 
Galvas^ D. Bcmar4^^0bftj-ft, 

Gardann«, Ange de^ ^3. 

Garonne, Depar|;, *?* . 
Gayofo, Gouyarn^ur^ 41^. 
Gelbke , C. . ( ArtiU^V 

Li^Ut^ant ) I. Cbartell^ 

Recenüonen, , 

Geographie , Originalwer- 

Geograph ilcha Hvtlfsc[Bel«> 

lea,, 267. 
Geographifcha Literatur , 

265 f- . 

Giqu^tos, f. Chiquitof* 
Givaftowi (vx)n) Gouv«if- 

iieur, 512. ;. 
OlasKütten , Weiler , 242. 
Glogau, das Fürllenthum, 

▼. D. F* Sotzmann, 242 f. 
Glogifchdorf, Kolonie, 243« 
Gourgomes, Dom. de, 422. 
Guatimala, Köxtigr. 204 U 
Ouiana , das franzößfche, 

150. das holländifchc , ib. 
Gulgnes, (de) f. Voyages 4 

Peking. 
G^i^ekälftdt, Kelenia , 243. 

H; 

HflaF«eT*f , J. Eetxe in eenen 
Palancfuin. 2C Deel, rec» 

4^ f . . 
.Hamadan , f. Amadan. 

J. G. E. XXV 11 L Bnds. 



Häncke, Thadd. Nachricht 
von ihm und feinen geo- 
graphifchen Forrchiingen 
in Süd -Amerika, 376 f. 

Hänk], WeltuinfeÄler, 7. 

Halfers , G. ftatillifche» 
Abrifs des Königreicht 
Holland , 31. Äatiaifche 
Ueberfich^ difs Königr. 
Weftphalen , 38. ftatifti- 
Iche Ueberüchtitabellen, 
II. 

H^elv eilen, 29. 

Henneq^in , Franziskaner 

. Pater, 397. 424. 

Heffen , Grofsherzogthunii 
43. gegenwärtiger L'^n-^ 
derbeÄand, ebendaf. 

Hcym, ?rofeffor, 4S4. 

Hieroglyphen, oder Blieke 
aus dem Gebiete der Wif- 
fenrcfiaften in «lic Ge- 

. fohi^chte dei Taj;es, toa 
R. V. L., reo. 332 f. 

Hinter- Indien, 137 f. 
^ HÖglmüller, Ritter vton, 8, 

Holland, 30 f. Bevöl kernng 
einiger Städte, 468 f. fta- 
tiftifcbas Tableau, 30. 

Humboldt*s, Alex, von Rei- 
fe nach den Tropenlän- 
dem, 7' ECTai polititjue 
für le Royaume Je la 
nouvelle Erjiägne,^ reo, 
195 f: 3t7 f. 4.^8 f.' 

Hydria , f. Lettres. 

Hydrioten, Charakter der* 
felben, 190 f. ihr I^afi 
gegen die Franzofcui 190« 
4 St. P p 



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534 



R:^ g ifi e r^ 



Jablonniy Chrebel^ (Apfel« 

gebü-R) 484. 
IberWIle, Fluff, 394. Chtf 

einer Escadre, 399. 
Ulinier^ NiederlalTuDg der-' 

felben, 393 f. 
Indien , 132 f. Brief poftwc- 
fen dafelbft, 465. über die 
HeereszUge zu Lande da* 
hin, 348 f. Hinter -In- 
dien, 137 *• 
Jobannisfeld , Kolonie, 944. 
Jofephhof , Dorf, 243. 
Journal für die tieueften 
' Lan^i-'und Seereifen, 8. 
Journal d'un Voyage dant 
1(1 Turquie d*Alie et la 
Perfc, reo. 182 f. 
Irkuzk, Hauptftadt, ^. 
Irtyfch, Fluf«, 521. 
IrtyfGhkaja* Steppe, 521. 
Ispahan, (Isfahon) Haupt- 

üadt, 29». 
Isla de France, £1 Voyages 

k Peking. 
Italien, Königreich, 20 f. 
ftatiftifches Tableau von 
d«m gegenwärtigen Be- 
fände, 22. 
Italienifche Staaten , 24 f. 
Itin^raire defcriptif de TEf- 
pagne , .par A. de Lab«r- 
de, rec. 50 f. 
Itzaccihuatl , (Sierra Neva« 
da) Vulkan, 323. 

K. 

Kadfcharen , Abßamaung 
des Worts, 284. 



Kalmücken, 4%^ 
Kan , Flufs, goo. 
Kanadifche JKger, 391 f.. 
Kandahar, ( Oftpetfien) K8* 

nigrtich, 28l* 293* 
Kant*f, L, phyCU^eh« 6eo* 

graphie, 9. 
Karakalwacken , 505. 
KarakalTen, 496 f. 
Karolina, Fort, 422« 
Ki0bin, Stadt, 288. 
Kaitchan, Stadt , 290. 
Kasrun, Stadt, 292. 
Katfchinzen, 498* 

Kaukafus , LXnd^r an dem* 
felben, 129. 

Keraglio- Robert y f. Voja- 
ge en Hollande. 

Kermanfchah, ätadt, 289. 

Kermefir, Küßenftrich, 291« 

Kirgifen , 495. 505 520. 

KHngenmühle , 243. 

Kiippendorf , Kolonie, 9^ 

^ohlsdorl, (Rofs- Verweil) 
246. 

Kolitfcbef , ( Commiffair ) 

Kolowzen, 498* 
Kom, Stadt, 289« 
Krasjonartk, (Kifilfariran) 

Kreisitadt , 506 f. 
Krafnorltfchinak, Stiitik. 

610. 
Kuniken - Vorwerk , Darf, 

245. 
Kupferhanuner , Ob«^ «d 

Nieder-, Freigfiter, i|i 
Kurden, Gharakttr 

ben» l$S* 



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R e g iß e r. 



53S 



Theil d«f TaurufgeMrgf, 
184 f* 

. L. ■ '-^ 

][««b.orfi«»AIexaiid. de, Voya- 
ge piUoresK{ue de I*£fpago 
ne, 26. Itindraire delcript. 
de TEspagne, 26. 50. ,, 
I«aiidhäui^er , Koloiüe,, .344^ 
Landsberg, Dorf, 247.^ k 
Lar y Handelsitadt , 291:« < ^ 
X^aCalUt^ kanadifchev Edel« 
]|iaati,.39f f. 4112. "> 

Ii4#, frihiBfifÄer Speku- 
lant /40Ö. ' 

Lenz y A. ?pft • ' ni^d Keife- 
Jiiich, 8* 

LeUre^. für ^a .i\€or<Se et Jet 
lies de Cörigo » Hydria 
et Zantc^y par h^y In. Gas* 
.teUan, «c. x86 i^^ ^ . 

LoveilU^ Straffenfa^iliia^i« 
' Aer,.J9i.. 

itiecbtenJIer»*«, Freiheira 
▼on, Handbuch de«' poli- 

..«iCchenr Pr4 • >ttn4 .S^a«^ 
tf Akiin4f » 0- 4aff«a Char- 
ten, f. ChArten - jV^een- 
lionen.' , - 

liindemühle, 243. ,. 

LoiiiGana, Sg^f: GOc&ioM 

te der Entdeckung' und 

,.J§«iWH|ltAngi^8^f. .Qi^m- 

«tat 419 f. iJlJiei?-..Had 



Unter- Iieuifiaifay 69b Be- 
völkerungslifte ^ 69 f. * 

M. 

Madera, Fluftf 382. 
Majos, Provinz , 384. 
Malaja, Klein-, 508. 
Malaspina, (Cepit. D. AlexO 

Weltumfegler , 7. 377 f. 
Mambre^ Plufs , 382. 
Manehac, Plufs, 394. Stadt, 

ebend. 

'Xr . » . 

Manille, f. Voyagei Peking. 
Mannert,* ,C. die bairiicke 

Monarchie, rec. 477 f. 
Bjfarianfe^, Vorwerk, 343. 
Maurepas , See ^ 394. , 
Maveliewarom , Thal , 464» 
Meheme^, f. Aga. 
Meridian „ i. *Refultate. 
Metis, (Meßiien) 450. 
Metre , Länge deffelben , 

370. Verh&ltnirs ^Itel. 

ben XU de^ h^^&^ ^^ 

Sekundenpeaäiils , 371. 
^«Ufirers :^iJiliotkeca hülo* 

W«^^fi<V, ,76jc 196 f. vor* 
theilhafte Lage der Stadt^ 
a?4- VoI^s^^jBnge , 440. 

Miro, ObjerA*. 4©8. 

Milliflippi, ^Jufs, 392.. , 

l^iffouris^ Plufs, 392. 

Mitteleur^y^, Charte Ten» 
471 f. 

^tttelfried^cbewaUau, Ko»- 
ionie, a44« / . ' 

Pp a 



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536 



R B g iß 



8 r. 



*dHvt)a, 240 f. 

Mocofo, Gouverneur, 420, 

Mof^okn, Volk, 405. 

Moitle, U CöHT?* 

Moldau, Ch|<ie ^% mitUtw 

ren Tlieüs, 4?5- 
MöUendörfel, Dorf^ 248. . 
Moatauban, Hauptltadt, 17. 
Montcziima, (Motvucioma} 

indifches Reich, 205, ,, 
Moiit-Piofa, ^5. . , 

Morea, f. Lettref. . ^ ' * 
Morphil , englifcKe Com-» 

pMgnie ,' 76. " ' 
Mühldörfcl, Dir!, 245. 
Mulatten, 450.' 
Mfiller, (K. L. 'M.) U Ro* 

bint Reifen, 
Münclien , enRliXclier fear» 

ten , 167* f.* Plan d«jr 

Hauptliadt^ ioS^. V- 

Nababpe^ht, "0^/4(^1. ' 
.Napali di *&Ülvand, isS. ' 
f9 ateUi«ät^€%^^'K%iiton^ i)?^^. 
NauhcampatepetI ^ (f Cöf- 
• ¥re dt Wrotd^ ¥^k4*V 

323; •' -^^'/y- ■' 
Neapel, KÄi^fgwtcli , i^. 
Kefuii ez , Paw^lfif ; 42^. 
N«txfch«tel, ^9! •• ' - 
Neu - Jerfey , VcrhSltnlft rf, 

GeftoHiei^en til 'd»ti Ge- 

bornen , 442» 
ffeulahtl, Wlteder- uttd Mit 

tel'., Dorf, «i^Yi ^ 



Neumark, Special - Glwirti 

▼cm -der, 2\i. * 
Neum^exiko, 196« 
New - Orleans , Hauplftadt, 

66 f. 417, AipOanzmigett 

und Zuckerplantagen, 71. 
Pfeuott«»TÄedt, KoforÄh?, 242. 
N^urchiabrendorf , ttolonicj 
'- fi'|2, * • 

Neu -Spanien > 195. öe- 
'' hreralcÜarte • ron , tij?. 
• Hauptgebirg«,3fg. Htady' 

«bmeTi, 527. köi ff 6 iÄnd- 

Gegetid«^^, ^2ei-lwd«iöe^ 

ncr im Jalir* 1793^ 459!. 

bornen lu dea Geftoijie'« 
nea ^^ 441. öffentlich« 

^^Anftaiten , kun^e'" unl 
WüTenfchaften, 449. XuV 
pö^kl^nimpfimir, 44^. ireu- 

' eft% kiAtlieilaJgeti , 452 f. 

■ feiutlfejtrang- iÄ ÄThßcht 
•uf HkndMt^^fhdhtiürei 

' %53 "f* %irb^ariftK * ft»^ 
tiilifche Zergli«d4xii«tr<'* 

.i^rnMli9ilt gs^^ ' ' 
fUtfKe', X^Grotthrti) *«p*«i*U 
- \!^TVe -♦«ta tt^ PÄrilM- 

Nieder - FriedricHiwtWin, 

l i|;iit^ 246; • "• ^ " • • 
Iffeff^nnV AbHfs flttr'äbh 



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R\ mgsi /k ^ £ 



m 



NiXchne - Udi^sk , Kreis- 

üadt, (^98- 
Nordamenkannqheij Frer- 
"Itftat, I42lf. f laciieninlialt, 

205 f. ftaliftiföhVs f«- 
■ ^iemU,-l43: < '^' ■ ;''' 
Ä'ovaVf Charte* vom' itö- 

nigreich 'Ö^tiii'en'," rec. 

103 f. Ton^ KönigreicK 
' Ungarn , r^. 102 f. von 

ÄejT WaUacheiy »ec# 105 f. 

OberkupfeiAfimifli«^'}' < i^irli- 

-'«fWÄ»id4Ä.90 (fiov ,!ii. ;-* 
Ober * LotiiCUiMV^B^'^ite- 

Oiivi«r;a ji!mi'W%id''^i^t«Mr- 

Oppadtl 'VbTW^h; 243, '' 
0^ue*LoulTas , (Opaldufii«^ 

' Catitqu '} '428. "'Kfätiötf; 

- . ' (t 'i' "- '• . «•II« 

preilj t^ öeneVal ^ 40J-^ f.. j 
Guginaiwejr^e 4^jßfqfra* 

Orta, ScbiffsA^at*»'*«r. 

Infel Dauphini^, J95. Öbtt- 
^ ebend. Kashiiiy;28St'^%m« 



*^^. ^Kofa , 4h^itd. Mont* 
.1:^5i&vcP;'iW- V¥r«J€^x, 

bf-ftimmuBg Jn^; -j%>r6rr#f« - 

blritannien uad • ijplauij 

213 f. b)"HolI«nd, 230 fj 

Osmannifclies fteich, 126 f* 

. in Auen, 129 f. 

6ftrPernen, 131. 2Sl^ 293 ^. 

Öi^-'PrÄUfseti , ehart<i >oVi^, 

353'f.. V^ '^> .«'^ 

OeItreich^c^e»,lUiteiBlbii|ny 
bleau,.i2i. ,^, ,<»ii.9H 

PafiaT^ate' ^ 7 P'uTej -'icbllaj 
Partfeh ,' Charte von Bot- 

gen ,- TBö.' 472V' ' *^"^''' 

Peking ,t'46 d4t%il%6 R^fo 

dahin, I7|.^c: '10 j- 1^ 

t»nrrag«^vttikUp«Al»itWi40i 

Perlien , 131 Ä ^ 'iWiae ilie 

2äl f. maitli^'ZbJUi^d, 



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938 



R g iß 



r. 



0^f. topofrap&lfolie'No- 

. tiMn» 087 f' A* ^^ ^^^^^ 

4bnn« KeiTe dahia» 174. f. 

P«ytt , (K^igreich ) Ein- 
- moiinwrtkhtf 4%q* '' 
^etzehnühle, 243. 
Ffardellich^ Weiler , 247. 
I^Kilttrea, 3tadt, 193. 
Fie d*Orisaba, Vulkan, 333^ 

Fictet - Mallet^ .(J, P.) £. 
V^yages en' Etpagne« 

Fimevi« ai|a> Oebirg^ 324, 
Fineda , Aftronibm und Na* 
«''twrforrcMry 37$ f. 
FiokeirtoitVO^graj^liia nto- 

dtrne, 451. ' 
Pointe couptfe, {«^iederlaT- 

Xung, 72. 406. 
PoUtifchet Cxieichgewicht, 
, CrelpHidvte.deltelhen^ 344» 
Pongnats y,( Jolu^ (. Ch/a^r- 

tqn - Recenlionen. 
fon^'QkarUitty ;$^, 394, 
Pqpot^l^efietl, V^lftan, 3^3. 
]P(^p1;^gia ^. 27 f. ßatiifci. 

foket TaUef u , jst$. 
Poftafi, auj|r«r9k]iirdha puf ^ 
9 ^0 daralbft» ^%^,\ { 
Preufien, 124 f^t , ' ^ 
l^tiCiifiAiB'iPrafVBWi», '& 

F. Satsttann^'ir^kei'fiviyi; 

•ilMgat neveaCkmrtba 44^ 

c;)von, «40 f. , M-^vif <{ 

;isilMs» Firil,. 32. .lUti* 

,! Atfekea Tablem^ t.oh ^bT* 

.loa yüDMlfrn»32. ;t ^..i: 



Qaartaroa!f 9 Abk^mmlinga 
der Weiftea i^t MoliU- 

' tinaen , 450. 

Qainteron*f , Kinder ^iner 
. Quarter oae aiit aiaeai 
WeiTten , 450» 

IL 

Raada^f tabeUarifcka 0a- 

berfichty 12^ 
Katfch- Vorwerk, 24^ 
Rekfuet, Briefe IBbeif fia* 
rlfon^ 04.^ '^«tatlda ro«, 
..liaapflv.#boaAb ) • 
Reftaly (ron) Gen* GoMvtr- 
.na»iMriL49l^, ' 
Refultata dar i» ^^^»niaa 

ten Verfuoke. «or^Mt* 
n^Q^af e^kۧ ^iXai^aai^ 

J^Keinbundy. 31 f, die t« 

' demfelb. febar enden, Soa« 
Teraine^ ^ kgnigUckel 
Cöllbgium , 32 f. Fürftea« 
«ölleiüfatf, 44 f. TOÄ- 
iUndigat ftatxftiick^ Ta« 

. J»tea|»«;44i^ 

Kickaaar ^.; 0barlia<tf»aanl 
^^^pi»^,4^^ai^gIJLrcba Girr 

, 4an ,,bei Müncken ^ rec 

^ft«*f» pimit Toa, Stroai- 



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R g iß 9 r. 



S39* 



Rio - Jaa^iroy A«idenift«dfy 
148. g 

Rivi^re ronge, 393. 

Kobiti*0y C. C. Reifen ii«c1i 
dem Innern roi^ Louitia- 
na; aus d. Franz öliTclien 
Ton K. L. M. Müller, iti 
Theil. reo. 59 f. 

kothfluff, 393. 

Ruffifchet Kairarthnm, 115 
f. neueiler Titel des Kai« 
fers , 251. ftatift. Tableau, 
,117 f. VerhältttiT« der 
Geltorbenen tu den Ga- 
fcornen, 441. 



Sabinen grnnd, Weiler, 243. 

Sacbfen , Königreich 1 34 f. 
ftatiftifches Tableau, 35« 
JD. F. Sotematfn's Ue* 
beriicht einiger neuen 
Charten, 240 f. 

Sajanifche Tataren, 497. 

Salvador!, Ooctor, 185. 

Saliedo, Gouverneur, 413. 

Sanct Denis, 423. 

S4nct Louis 9 (Gr^vecoeur) 
S98. 

Sandmühle y 243. 

Sardinien, 25. 

Sarepta, Sttdtchen, 493. 

Schäferei • Vorwerk y 243* 

Schiras, Stadt, 292. 

Sohlefien , General - Charta 
von, 241 f. 248 f. 

Schloifs Charte vom König- 



reich Galiiien, r#c. lOT f. 
vom rüdöftliehen Theil« 
des Königreichs tJngani. 
rec. I04. 

Sch5dinger, Chartanitieh* 
ner , 310. 

Sehorrer^s, Jof. von^ Ghar« 
te vom Königreich Böh- 
men, rec. 99 f. 106 f. 

/Schrötter's y Freiherr von» 
Charte von Oft-Praulsan^ 
rec. 353 f. 

8chtt&, J. B. allgemein« 
Erdkunde, 9. 

Schweden, 125. Verhiltnirs 
der Geftorbenen xu dan 
Gehörnen 9 441. 

Scott- Waring, f. Waring. 

Seetzen, D., 7. 

Sibirien, 482. Anbau, 486* 
Einwohner , 488* ruifi- 
fche Koloniften , ebend. 
Güter- u. Waaren-Trans- 
porte, 503. S. auch Be- 
merkungen. 

Sicilien , 25. 

Siebenbürgen , Charte von 
472. 

Sierra Madre, Gebirg, 323. 

Sierra Nevada ^ Vulkan , 

Simm'i Charte v. König- 
reioh Ungarn , rec. 102 f. 
471 f. 
Sing-hian, Stadt, 289* 
Soto , Dominictts und Fer- 
dinand, 420* 



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•«w 



Ä C « 4 >C « r. 



. , ititi QT^uTsilebeii Provin- 
zen und vom Königreki^e 

Charten -Keceunonefk ^ 
Spankn, 25 f. f* iuich £«•» 

bcrde y uud Toyages^ bn 

£f|>ä|rae. 
SpsailbJi« L&iider in hmt^ 

rikA, 146 f» ftatiftifckec 

Table«u, 147. 
SpTQttifchwalde ^ KaV»iaiC| 

245- 
$taat«aiuode ^nd, SiMXjMlti 

269« 
Starofcbilti, rußiCcH« Kolo* 

iMd«» iif. Sibirien y 488 |^ 
Stein*! Handbuch der CeoK 

grapbie, 9. 
Steppen, ßbirifcbe, 501« 
Qtreit f Ober - Lieutenant ^ 

f. Charten -Recenfionen. 
S^uck^t Verzejcbnift der 

Land- und Reirebelclirti* 

Bungen, 273 f. 
Suizzero , 50. 
Sülotfcbnie Poreltfchili , 

rullirche Kolonilten in 

Sibirien, 489; 

T. 

Tableau , ftatiftifcbei , des 
europäifchen Staatenfy- 
ftemf im Jahre I808, 15t, 

Tabtis ^ ( Taurit ) Sudt , 
889* 



Tarn, Departement, If. 

Tasco , 3iadt ^ 326. 

Tataren, 495. mabomedM 
»ifche, 511 f. 

Taurinius , ~f.^ Damberger. 

Taurtisgebirg, 1S4 £1. 

Teheran, (Tehran) Haupt* 
ftadt, 287 f. Brief einef 
Franzofen von daher 1 

: «8e. 

Tehuaiitepec , Landeiigt 1 
207. 

Teutfclilandytopographiicii* 
militairifche Charte von, 
523. über Berichtigun- 
gen derfelben, 523 f. 

Titzings, Kathsmitglied ia 
Batavia, 175. 

Tobplik ) OcMkrsrn« 486 i 
Verbäaniff d#r GcEorbe- 
nen tu d«tt6efeoriien,.443. 

Tolfa, ProfelTor im Meid* 
ko, 449* 

Tom, Plufi, 516. 

Tomsk, Gouvernement, 50I 
Stadt, 487. 512. 

Townfcnd, L Voyage «« 
Espagne. 

Tripelewajaiiy Dorf, 462. 

Troitzk, Stadt, 487. 

Tlchakoldindic^ Dorf, 4$|. 

Tfchulim, Fiufs, 5IQ. 

Tulnnofskf Stadt, 4196. 

Tuugufen , deren Auswi» 
derung, 492 f. 

Tungu&ka, L, Angara. 



C. 



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A e g i ß £ r. 



541 



V«b«r Beri^tfguniifeii der 

grofsen topographifcK-mi- 

litairifchen Charte ^vo'n 

Tcutlchiand, 523 f. 

fJeber die geographilche Li* 

teratur, 255 f. 
Ueber I^ouifiana, deiTen Ent- 
deckung u. f. w. , 389 f. 
. Uebcr die neuefte Kund« 

▼on Pcrfien, 276. 
' Üeberficht, allgemeine, der| 
geographifchen Yerände- 
Illingen im Jahre 1S08. 

3 f- 115 f- 
Uda, die grofse und Wti^ 

ne, 498. 
Ungarn , Charte rom Ko« 

iiigreich , 477 f. 
Unter- Louiiiana, Bef)^^' 

rungsliÄe, 69 l 
Unzaga, g^«« <2apit. D, 

Ludw» 405 ^« , 
Urk «Ariden werke dar Gco- 
graj^hie, 267 f. 



Vera-Cru«, Plan des Ha- 

Yeni, 199. 
Tolcan grande de 'Mexke, 

323. 

Volkmann'i ciritifche Nach- 
richten Ton Italien! 51. 

Vorder- Indien, 132 f. 

Vorwitz, Dorf, 248. 

Voyage en Espagne , paf 
Jol. Townlend , trad» d« 



l'Anglaii, par J. JP. Pic- 
tet Mallet, rec. 458. 

Yoyage en Holland« et dans 
le midi de rAIIemagne, 
par S. J. Garr, trad. dm 
TAngiais, par Mad. Ke« 
ra^]io> Robert, rec 314 f. 

Voyages dans Tinttfrieur de 
la Louiüane, ,par C. ,G. 
Hobin,, rec. 58 f. 

Voyages d'un Naturalifte et 

^ fes obferv-ation«, par M. 
E. Descourtilz,, rec. 459 f. 

Voyages k Peking, Maniile 
et risle de France • V^^ 
M. de Guignes« *^*'*' ^73 ^- 

w. 

Walddorf, Dorf, 243. 
Walddörfel, (Wald?orwerk) 

247. . 
Wallis , '29. 
Warin, General - Ad judant, 

411. 
Waring, Sq. Ed. Scott, 278 f. 
Wellendorf, Dorf, 247. 
Weft-Gompagnie, 400 f. 
Weftindien, 144 f. Itatilli- : 

fches Tableau, 145. 
Weft.Perfien, 131. 281. 
Weltj^halen , Königreich , 

36 f. Staatseinkünfte , 37. 
Weftpreufsen , Verhaltnifs 

der Geworbenen zu den 

Gehörnen, 441. 
Weyland's Abentheuer c« 

WalTer und zu Lande, 8« 



A, G. M. XXV IIL £dt. 4« St. 



Qq 



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R e g i ß ^ ^^ 



64» 

Wien*« ümgebungeii, 355 '• 
Wirtburg, Grolilieriogth., 

43 <^. 
Worniaki , ruflirclie Kalo- 

niften in Sibirien, 489« 

Würtemberg, Kiinigreich, 

40 t Chart« von demfel- 

ken , 351- ftatü^ilcb«! 

Tableau, 4(X 



Xal«fpa, Stadt, 326^ 

Y. 

tUrmna, Flaliy 382* 



Z. 



ZacatecÄS, Intendatttfchafl, 

M53* 

Zambof , Abkömmlinge der 
Neger mit den Mulattin- 
nen, 450* 
Zamboi frictos, Abkömm- 
Unga der Neger mit den 
' Zamba -FrauensperXonen , 

460- 
Zante , f. Lettret ctc- 
Zimmermann'« ( ▼<>» ) Ta- 

fch«nhuck d«» R*iX«»* *• 



rgrzeichnifs der m ^^^sem Bandö gtUr^äiß 
Kupfer und Charten. 



«) JCuvftT uni Portraits. 
Portrait de» Herausgebers, F. J. Bertuch. 
Portrait de. P. Paulin de St. BarthtUmy. 
Portrait Ton C. B. JVadßröm. 

h) Charten und Kupfer. 
Clu.rt« To* d«t InM Elha, Ton J. B. Poirfen, 
Königl. DänifcKer Danehreg- Orden. 
Das neue Wappen Ton Bafern. c,«./«. 

Hhöen.DuicbXchnitte des Bodeni rom Neu. SpoHU^h 



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