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Full text of "Allgemeines Handbuch der Freimaurerei"

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1 AKTIKVARIJAT 

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f rom the Income of a Fund 
Established in Memory of 

John Burtis Saxe '23 




I HARVARX» COLLEGE LIBRARtI 






Allgemeines 

Handbuch der Freimaurerei. 



Erster Band 



I 



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Allgemeines 



Handbuch der Freimaurerei. 



Dritte, 

völlig umgearbeitete und mit den neuen wissenschaftlichen 
Forschungen in Einklang gebrachte Auflage 



Lennlngs 
Encyklopädie der Freimaurerei. 



Herausgegeben vom Verein deutscher Freimaurer. 



Erster Band. 

A-li. 




Leipzig. 

Max Hesse's Verlag. 

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Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts haben die Aufmerksamkeit 
in hervorragender Weise auf die Freimaurerei gelenkt. Nicht nur, dass die 
Angriffe auf sie, namentlich von kirchlich-orthodoxer Seite und von dem ultra- 
montanen Klerus in geradezu unglaublicher Verkennung des eignen Interesses 
besonders scharf hervorgetreten sind, haben auch die ethischen Bestrebungen der 
Neuzeit und die Forschungen auf dem Gebiet der Reformationsgeschichte wesent- 
lich auf die Freimaurerei hingewiesen. Die allgemeine Bildung steht dabei nicht 
in letzter Linie. Sie und die Freimaurerei haben einen innigen Zusammenhang. 
Von aller äussern Thätigkeit hinweg übt die Freimaurerei in ihren stillen, ab- 
geschlossnen Kreisen die edle Menschlichkeit, die über die Trennschaften und 
Zufälligkeiten der bürgerlichen Gesellschaft das Wohl der gesamten Menschheit 
als eines ungeteilten Ganzen im Auge hat und überallhin durch Bildung und 
Aufklärung versöhnend wirken will. Der lange Bestand und die grosse Ver- 
breitung des Freimaurerbundes haben nicht wenig dazu beigetragen, jene Auf- 
merksamkeit zu steigern. Die auch hier im 18. Jahrhundert vorgekommnen 
Verirrungen und die bedauerliche Verquickung freimaurerischer Formen mit 
fremden Verbindungen dienen noch heute vielfach als Unterlage mannigfacher 
Anfeindungen, wozu leider auch einige ausländische Freimaurerlogen durch 
bedauerliche Abweichungen von den ursprünglichen Grundsätzen der Neutralität 
in politischer und kirchlicher Hinsicht das Ihre beitragen. Die deutsche Frei- 
maurerei hat sich, abgesehen von einigen noch erhalten gebliebenen, nicht all- 
gemein mehr gebilligten Formen, in theoretischer und ritueller Hinsicht zu ihrem 
Yorteil herausgebildet zu einer idealeren Richtung, wie sie von Anfang an in 
Übung war, und auf die Höhe der Zeit geschwungen, die reinigend und läuternd 
auf sie eingewirkt hat, so dass sie als Ganzes eine beachtenswerte Stellung in 
der Kulturentwicklung der Gegenwart einnimmt. 

Es ist deshalb von hohem Interesse, an der Wende des 19. Jahrhunderts 
über Entstehung und Fortbildung, Wesen und Aufgabe, Einrichtung und Stand 
der Freimaurerei, namentlich in Deutschland, genaue und sachgemässe Kenntnis 
aus glaubwürdiger Quelle zu erhalten, und zwar um so mehr, als gerade die 
Neuzeit bemüht ist, aus unlautern Quellen durchaus irrige und falsche Nach- 
richten zu verbreiten, die geeignet sind und dazu dienen sollen, die Frei- 
maurerei und ihre Anhänger zu verdächtigen und den Bestand des Bundes zu 
erschüttern. 

Das vorliegende ^ Allgemeine Handbuch der Freimaurerei* soll jenen Zweck 
verfolgen und diese Bemühungen aus dem Felde schlagen. Es will mit voller 
Offenheit die geschichtliche Entwicklung der Freimaurerei darlegen und selbst 
deren Verirrungen nicht verschweigen, denen jedes Menschen werk mehr oder 
weniger ausgesetzt ist. Zugleich wird sich aus der Behandlung der innem Ge- 
staltung des Bundes und seiner Einrichtungen klar ergeben, dass dieser kein 
geheimer Bund ist, als den man ihn vielfach noch heute hinzustellen sucht, und 
seine idealen Ziele und ethisch - religiösen , wahrhaft erzieherischen Gebräuche 
werden ins rechte Licht treten und darthun, dass der Freimaurerbund weder 
dem Staat, noch der Kirche feindlich gegenübertritt und noch gegenwärtig eine 
Einrichtung bildet, die, wie Fichte einst sagte, ebenso nützlich, als wünschens- 
wert für die Menschheit im allgemeinen ist. 

Das Handbuch ist für das Verständnis der nichtmaurerischen, wie der 
maurerischen Welt berechnet. Deshalb gilt es zunächst der Darstellung der 
Freimaurerei von dem Standpunkt aus, auf dem gegenwärtig die Kulturwissen- 
schaft steht^ somit der wissenschaftlichen Behandlung als eines Teils der letztern. 



VI 

Dadurch kommt dem Werke ein eigentümlicher Zug zu statten, vielleicht einer 
der edelsten, des Geistes unsrer Zeit überhaupt: die Würdigung des Welt- 
bürgertums, dessen Bedeutung immer deutlicher, wenn auch zunächst und in 
erster Linie von praktischer Seite, hervortritt. Es ist für die Allgemeinheit 
Teilnahme erweckend und wissenswert, zu erfahren, wie die Gesellschaft der 
Freimaurer entstanden und fortgebildet worden, wie weit sie verbreitet, wie sie 
thätig, wie sie geordnet und gegliedert ist. Ein Gesamtbild von dem Wesen 
und der Geschichte, der Verfassung, den Zuständen und der Wirksamkeit der 
Freimaurerei in allen Ländern der Erde ist für den Mann der Wissenschaft, 
wie für jeden Gebildeten ebenso belehrend, wie anziehend und erhebend, min- 
destens aufklärend. 

Der Freimaurer wird eine reiche Fundgrube der Belehrung finden, wie sie 
ihm sonst kaum anderswo geboten werden kann. Der weite, so grossartig 
und weltumfassend gestaltete Bund hat eine solche Fülle des lehrreichsten 
Stoffs nicht bloss nach der Seite seiner geschichtlichen Entfaltung in den 
verschiedensten Staaten und Zeiten, sondern auch nach seiner gegenwärtigen, 
unendlich gegliederten und ausgebreiteten Erscheinung und nach den Summen 
von tiefen und mächtigen Gedanken aufzuweisen, die er in seinen Lehren 
und Symbolen birgt, dass hiervon nur der kleinste Teil auf jenen Wegen 
(durch die innerhalb des Bundes selbst vorhandnen Mittel) mitgeteilt werden 
. kann. Diese in der Lage der Sache selbst begründete Lücke auszufüllen, ist 
das Handbuch bestimmt. Es soll gründliche Belehrung, deutliche Nachweisung, 
anregende Erhebung jedem Maurer gewähren, der über die eine oder die andre 
Seite des so überaus mannigfaltigen Bundes -Ganzen sich näher unterrichten 
will, — es soll aber im einzelnen auf das Ganze wirken, und das thut es, indem 
es dazu führt, den einzelnen Bundesgliedem von der Stellung, der Entwicklung, 
den Mitteln und den Zwecken des Freimaurerbundes klare Einsicht zu gewähren. 
Diese Einsicht aber muss allgemein verbreitet werden unter den Maurern, wenn 
der Freimaurerbund seine wahre geistige Geltung und Wirksamkeit erhalten und 
immer erweitern soll. 

Im allgemeinen ist bei der Bearbeitung des Handbuchs der Standpunkt der 
verbesserten Freimaurerei, wie sie in Deutschland bei weitem vorherrschend auf- 
gefasst und verfolgt wird, zu Grunde gelegt, jedoch sind ohne Eingenommenheit 
sachlich alle Verhältnisse geschildert, und selbst wesentlichen Meinungsverschieden- 
heiten ist genügend Kechnung getragen worden. Die fortgeschrittnen neuern 
Forschungen sind berücksichtigt, auch wenn sie manchen bisherigen Anschauungen 
entgegentreten, was namentlich von einzelnen englischen Zuständen gilt. 

Das Handbuch erscheint als dritte völlig umgearbeitete Auflage von 
Lemiings „Encyklopädie der Freimaurerei* und als neue Auflage des »All- 
gemeinen Handbuchs der Freimaurerei*. Da seit des letztern Erscheinen 30 
Jahre verflossen sind, hat sich mancherlei verändert, die geschichtliche Forschung 
ist weiter vorgeschritten, und vieles zeigt gegenwärtig ein andres Gepräge. 
Dadurch allein ist, abgesehen davon, dass die letzte Auflage vergriffen ist, eine 
neue notwendig geworden. 

Der Umfang ist wesentlich eingeschränkt worden, um den Preis zu 
ermässigen und die Anschaffung zu erleichtern. In der Hauptsache ist Kück- 
sicht auf deutsche Verhältnisse genommen worden, ohne dass das Ausland, nament- 
lich in der geschichtlichen Entwicklung, vernachlässigt worden wäre. Weg- 
gefallen sind als selbständige Artikel die ausländischen Orte mit nichtdeutschen 
Logen, während um so mehr Aufmerksamkeit den deutschen Logen und ihren 
Grosslogen gewidmet worden ist. Bei den Lebensbeschreibungen ist in der 
Hauptsache der freimaurerischen Thätigkeit gedacht, die sonstigen Lebens- 
beziehungen sind nur kurz berührt und, wo sie sonst leicht zu erlangen sind, 
ganz weggelaasen worden. Von den zahlreichen Geheimbüpd^ij. ^^elfach mit 



VII 

der Freimaurerei verquickt erscheinen, sind nur die erwähnt und aus der vorigen 
Auflage beibehalten worden, die in irgend welcher Beziehung zur Freimaurerei 
wirklich gestanden haben oder zu bringen versucht wurden. Vorzügliche Be- 
achtung haben die ethischen Beziehungen und die Einrichtungen der Freimaurerei 
gefunden, so weit solche allgemeines Interesse haben. Bei der Knappheit der 
Darstellung, die durch den Umfang geboten war, ist die einschlagende Litteratur 
um so eingehender beigefügt, um Gelegenheit zu weitern Belehrungen zu geben. 
Die desfallsigen Abkürzungen der freimaurerischen Fachpresse sind nachstehend 
aufgeführt und erläutert. 

Fremdwörter sind, so weit nur immer thunlich, vermieden und auch für 
die sog. Logensprache die entsprechenden deutschen Ausdrücke verwendet, um 
so den deutschen Geist mehr und mehr einzubürgern und den Sinn von dem 
Fremdartigen, das oft verwirrt, abzulenken. 

Die Einwohnerzahlen sind nach den letzten amtlichen Volkszählungen, wie in 
andern ähnlichen Werken, aufgeführt, um eine notwendige Gleichmässigkeit zu 
erlangen. Für das Deutsche Reich war das Jahr 1895 massgebend, das deshalb 
nicht mit beigefügt ist. 

Wenn auch der Umfang des Ganzen wesentlich gekürzt erscheint, ist doch 
der geistige Inhalt eher erhöht und vermehrt, obgleich in kürzerer Form 
geboten. Nichts Wesentliches wird man gegenüber der vorigen Auflage ver- 
missen, wohl aber vieles Neue finden. 

Das ausführliche Sachregister bringt alles das, was in besondern Artikeln 
nicht behandelt ist, sondern sich zerstreut im Werke selbst findet. Dort wird 
sich auch fast alles das zeigen, was bisher eigens behandelt wurde, einer solchen 
Darstellung aber nicht bedurfte. Man suche daher, was unter den besondern 
Artikeln nicht steht, zunächst in diesem Sachregister, und meistens wird es nicht 
vergeblich sein. Verweisungen sind nur für besondere Artikel angebracht. 

Wir haben die Herausgabe dieser neuen Auflage nach Beschluss unsrer 
Jahresversammlung vom Jahre 1898 unter gleichzeitig finanzieller Unterstützung 
in die Hand genommen, um durch die That auch hierdurch zu beweisen, dass, 
wie bisher schon, unsre Aufgabe zugleich in der Förderung freimaurerischer Wissen- 
schaft besteht. Wir sind dabei von einzelnen deutschen Grosslogen in dankens- 
werter Weise unterstützt worden, und eine Anzahl bewährter und anerkannter 
Männer der freimaurerischen Wissenschaft haben mitgewirkt, um das Handbuch 
in möglichst vollkommner Gestalt herzustellen. Die Hauptleitung liegt in der 
Hand unsres Vorsitzenden, des bekannten freimaurerischen Schriftstellers, Geh. 
Regierungsrats Robert Fischer, und dessen Sohnes, Landrichters Paul Fischer, 
beide in Gera, wobei der bekannte Bücherkundige Reinhold Taute in Stuttgart 
allenthalben hilfreiche Hand geleistet hat. Dem allseitigen bereiten Streben ist 
es zu danken, dass der gesamte bedeutende Stoff in kurzer Zeit bewältigt und 
schon jetzt, nach kaum zwei Jahren, der erste Band hinausgegeben werden kann, 
dem der zweite in kürzester Frist folgen wird. Immerhin schreitet die Zeit mit 
ihren Veränderungen unaufhaltsam vorwärts, so dass wir genötigt sind, dem zweiten 
abschliessenden Band Nachträge beizufügen, mit denen zugleich notwendige Be- 
richtigungen und Bekanntgabe unterlaufner Druckfehler folgen wird. 

Ebenso beabsichtigen wir, ein alphabetisches Verzeichnis der Namen sämt- 
licher deutscher Logen, sowohl der bestehenden, als der eingegangnen, anzu- 
schliessen, um eine bisher fühlbare Lücke auszufüllen, der die mehrfach vorhandnen 
Verzeichnisse der Logenorte nicht abhelfen. 



Gera, August 1900. 



Der Verein deutscher Freimaurer. 

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Abkürzungen. 



1) Zeitsebriften. 

A. s= Asträa. Taschenbuch für Freimaurer. 
30 Bde. 1824—1870 (nach Bänden ange- 
geben). Neue Folge von 1882 an (mit 
Jahreszahlen angegeben). 

A. J. = (Altenburger) Journal für Frei- 
maurerei, 1804 u. 1805; fortgesetzt als: 
Neues J. f. Fr., 4 Hefte. 1812, 1819, 
1820. 

AQC. = Ars Quatuor Coronatorum. Zeit- 
schrift der Loge Quatuor Coronati in 
London, von 1888 an. 

A. Z. = (Altenburger) Zeitschrift für Frei- 
maurerei, 1823 — 1827; fortgesetzt als: 
NeueZ. f. Fr., 1832/33, 1833/34, 1834, 
1835, 1836 und Neueste Z. f. Fr. 1838, 
1839/40, 1841. 

Bbl. = Bundesblatt. Organ der Grossen 
National-Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln in Berlin, von 1887 an. 

Bh. = Die Bauhütte. Zeitung für Frei- 
maurer, von 1858 an. 

Bst. F. = Bausteine. Mittheilungen der 
Grossen Freimaurer-Loge von Preussen, 
genannt Kaiser Friedrich zur Bundes- 
treue in Berlin, von 1892 an. 

Bst. R. = Bausteine gesammelt von Brü- 
dern des Logen-Bunds Royal York zur 
Freundschaft in Berlin, 1881—1884. 

Br. L. = Braunschweiger Logen-Correspon- 
denz, herausgegeben von der Loge Carl 
zur gekrönten Säule in Braunschweig, 
von 1882 an. 

BZC. = (Berliner) Zirkelcorrespondenz 
unter denSt. Johannis-Logenmeistem der 
Grossen Landesloge der Freimaurer von 
Deutschland, von 1872 an. 

Dr. L.= Dresdener Lo^enblatt. Handschrift 
für die Brüder-Mitglieder der Freimaurer- 
logen in Dresden, von 1871 an. 

FZ. = Freimaurer -Zeitung, von 1847 an. 

H. L. = (Hamburger) Logenblatt. Hand- 
schrift für die Brüder- Mitglieder der 
unter Constitution der Grossen Loge 
von Hamburg arbeitenden fünf ver- 
einigten Logen, von 1868 an. 

Die übrigen Abkürzungen bedürfen keiner weitern Erklärung (MS. = Manuskript). 



HMW. = (Hamburger Medaillenwerk). Ab- 
bildungen freimaurerischer Denkmünzen 
und Medaillen. Hamburg 1898, 1899. 

HZC. = Hamburgische Zirkel-Correspon- 
denz. Maurerische Arbeiten aus dem 
Kreise der Grossen Loge von Hamburg. 
Bis 1867 nur nach Nummern (147); dann 
in Jahrgängen von 1896 an. 

L. = Latomia. Freimaurerische Viertel- 
jahrs-Schrift (von 1868 ab als Jahrbuch). 
29 Bde. 1842—73 (nach Bänden ange- 
geben). Neue Folge von 1878 an (nach 
Jahreszahlen angegeben). 

Mh. = Die Maurerhalle. Zeitschrift fttr 
Freimaurerei. 1842—1845. 

M.L.= Mecklenburgisches Logenblatt, von 
1871 an. 

O. = Orient. Amtliches Organ der Jo- 
hannnis- Grossloge von Ungarn, von 
1873 an. 

R.= Am Reissbrete. Handschriftliche Mit- 
theilungen aus den fünf unabhängigen 
Logen, von 1875 an. 

Sl. = Signale für die deutsche Maurerwelt, 
herausgegeben von J. G. Findel, von 
1895 an. 

S. L. = Schlesisches Logenblatt, von 
1881 an. 

W. J. = (Wiener) Journal für Freymaurer. 
1784—1786. 

Z. = Der Zirkel. Eigentum und Organ der 
Humanitas in Wien, von 1871 an. 

Zd.=Der Ziegeidecker im Osten von Alten- 
burg. 1837—1854. 

2) Ortsnamen. 

Altbg. = Altenburg. 
Brl. = Berlin. 
Brsl. = Breslau. 
Dresd. = Dresden. 
Frkf. = Frankfurt. 
Hmbg. = Hamburg. 
Hann. = Hannover. 
Lpz. == Leipzig. 
Nürnb. = Nürnberg. 
Stuttg. = Stuttgart. 



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A. 



A, als Abkürzung bei Jahresbestimmun- 
gen = anno (im Jahre), kommt in der frei- 
maurerischen Zeitrechnung (8.d.) in mannig- 
fachen Zusammensetzungen vor, die unter 
Zeltreohnung aufgeführt sind. 

Aachen (St in der preuss. Bheinproyinz, 
110551 E.]. 1) Johannis-Loge das. unter der 
Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln: Zur Beständigkeit und 
Eintracht, MitgUederzahl (1899): 121. 
Vers. 2. Mittwoch Ferien: Juli und August. 

— Die Loge Zur Beständigkeit wurde 
16. Sept. 1778 (von einer frühem Loge 
kennt man nur den Namen eines Mitglieds) 
durch den Visitator von Oberdeutschland, 
V. Bestell, im Auftrag der grossen schotti- 
schen Direktorialloge in Wetzlar errichtet 
und dies von ihr 5. März 1779 den be- 
freundeten Logen mitgeteilt. Meister vom 
Stuhl war Phil, de Witte, Baron v. Lim- 
menghe und Schuppe beim königl. Stuhl 
in A.; unter den Mitgliedern findet sich 

— was wegen des unter 2 zu erwähnen- 
den Vorgangs von Literesse ist — der 
»Vice -Meyer« der Stadt Aachen, ein Dr. 
der Bechte und Stadtsyndikus und ein 
Konventualordensgeistlicher. Sie war eine 
der ersten Logen, die sich dem Eklekti- 
tischen Bunde anschloss, 28. Juli 1788 
(eingetragen 1789 in das Register der Gross- 
loge von London unter Nr. 565 v. 1781 
und Nr. 424 v. 1792), ging zwar 1794 ein, 
wurde aber nach der französischen Be- 
setzung 22. Mai 1799 unter dem Namen 
La constance vom Grossorient von 
Frankreich neu gegründet und mit der 
ebendaselbst von Paris aus 8. Aug. 1799 
(nach andern Angaben 8. Mai 1808) ge- 
gründeten Loge La concorde unter dem 
jetzigen Namen 5. Mai 1814 vereinigt, wo- 
rauf sie sich nach dem Anfall A.'s anPreussen 
dem Logenbund der drei Weltkugeln 7. 
Mai 1816 anschloss, auch die delegierte alt- 
schottische Loge Borussia zur Heil- 
quelle 17. März 1829 eingesetzt wurde. 
[Vgl.C.H.Georgi, Geschichte der Loge. Zur 
lOOjähr. Jubelfeier 9. Sept. 1878 (Aachen 
1878). Merzdorf, Denkm., S. 1.] — 2) Die 
Freimaurerverfolgungin A. imJ.1779. 
In der Fastenzeit des gedachten Jahres 
hielten zwei Mönche, der Dominikaner P. 
Greinemann und der Kapuziner P. Schuff, 
in A. mehrere Predigten, in denen sie die 
Freimaurer, die kurz zuvor erst eine Loge 
daselbst gegründet hatten, des Atheismus, 
der Betrügerei und andrer Laster beschul- 
di^n und dadurch den Pöbel zu thät- 
lichen Verletzungen aufreizten. Auch der 
Magistrat zu A. erliess 26. März 1779 in 
dessen Folge einen Befehl, der bei Strafe von 

Allgemeines Handbuch der Freimaurerei. 



100 Fl., die im Wiederholungsfalle ver- 
doppelt und sogar bis zur Verweisung aus 
dem Stadtgebiet gesteigert werden sollte, 
den Bürgern untersagte, den Freimaurern 
die Abhsitung von Versammlungen in ihren 
Häusern zu gestatten. Die Loge suchte 
sofort an mehreren Orten, namenüich auch 
bei dem damaligen Grossmeister Herzog 
Ferdinand von Braunschweig, sowie bei 
dem Bischof zu Lüttich, zu dessen Sprengel 
A. gehörte, um Schutz und Verwendung 
nach. Dies hatte den besten Erfolg. Noch 
im J. 1780 wurden die Arbeiten der Loge 
wieder aufgenommen. — Dieser Vorgang 
rief mehrere apologetische Schriften her- 
vor; irrig aber ist die Annahme, als habe 
Friedrich der Grosse eins dieser anonym 
veröffentlichten Schreiben verfasst; s. hier- 
über den Aufsatz von Schletter: »Friedrich 
der Grosse und die Freimaurer Verfolgung in 
A.« in der FZ. 1860, S. 216. [Litteratur, 
ausser dem letztgedachten Aufsatz: Ddr. 
fense des F. M. contre les calomnies des 
deux religieux, Philantropol. (Holland) 
5779; übersetzt u. d. T.: Vertheidigung der 
F. M. wider die Verläumdungen zweener 
Geistlichen etc. (Frkf.1779). — Frejrmäurer- 
BibUothek TBrl. 1779), H, 216 fg. — Auf- 
sätze: in der Brl. FZ. v. 26. Juli 17»2, 
wieder abgedr. A. 1826, S. 95 fg.; im 
Courrier du Bas-Rhin v. 22. Mai 1779, 
deutsch in A. 1830, S. 858 fg.; im W. J. 
n, 2 (1785), S. 94 fg.] 

Aaraa (Hauptstadt des Schweiz. Kantons 
Aargau, [1898] 6809 E.). Fünf Freimaurer, 
von denen drei kurz vorher in der Loge 
Zur edeln Aussicht in Freiburg im Breis- 
gau aufgenommen worden waren, ver- 
einigten sich hier 5. Okt. 1810 zu maure- 
rischen Arbeiten. Unter ihnen waren H. 
K Sauerländer (s. d.), Heldmann (s. d.) und 
H. Zschokke (s. d.). Um ihre wohlthätige 
Wirksamkeit leichter auf den ganzen Kan- 
ton auszudehnen, begannen sie damit, einen 
allgemeinem Verein zu gründen, die Ge- 
sellschaft fdr vaterländische Kultur, die 
heute noch, über alle Gegenden des Kantons 
verbreitet, fortfährt, wohlthätig als Grün- 
derin mancher gemeinnützigen Institute 
zu wirken. Ais die Zahl der dem Frei- 
maurerbunde Angehörigen auf ^ sieben 
gewachsen war, wandten sie sich um 
Gründung einer eignen Loge Wilhelm 
Teil an das Schweiz. Direktorium der 
rektifizierten schottischen Maurerei in Basel. 
Diese bewilligte ihnen 11. Dez. 1811 eine 

Srovisorische Gründung, schickte ihnen 
en Code ma9onnique und gestattete, dass 
sie die französischen Bituaie übersetzten. 
Li dem maurerischen Gesetzbuch aber 

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Aarons Rute — Abkürzungen. 



fanden sie Bestimmungen, die dem Wesen 
der Maarerei fremd waren. Durch Unter- 
handlungen mit dem Direktorium erhielten 
sie die gewünschten Freiheiten und Vor- 
rechte, und es wurde dann 11. Dez. 1811 
die neue Loge eröffnet, die aber, beson- 
ders infolge der Kriegpverh&ltnisse, schon 
27. Dez. 1812 ihre Arbeiten einstellte. Nach 
Jahresfrist wurden von 13 Mitgliedern 
wieder neue Unterhandlungen mit dem 
Direktorium angeknüpft, das 12. Juli 1813 
abermals nur eine provisorische Gründung 
bewilligte und die frühere Übereinkunft be- 
stätigte. In einem neuen Lokal begannen 
15. Nov. 1814 die Arbeiten, und 27. Febr. 
1815 wurde die nach dem Wunsche des 
Direktoriums ZurBrudertreue genannte 
Loge förmlich eingesetzt. Vielfache An- 
griffe gegen die Maurerei in der Schweiz 
bewogen sie 27. Dez. 1820, ihre regel- 
mässigen Arbeiten auszusetzen. Während 
zweier Jahre beschränkte man sich auf 
maurerische Privatversammlungen. Vom 
27. Dez. 1822 an nahm die Loge wieder 
einen erfreulichen Fortgang und legte den 
Grund zu einer Unterstützungskasse für 
bedürftige Witwen und Waisen von Frei- 
maurern. Die politischen Stürme und 
.Wirren im Ajifang der dreissiger Jahre, 
nicht minder der Tod lichteten die Eeihen ; 
zwei Jahre lang entbehrte man auch ein 
Logenlokal. Doch wurde nach dessen 
Wiedereinrichtung die Loge durch neue 
Aufnahmen bald wieder stark, besonders 
nachdem die Gründung der Grossloge Al- 

Sina (s. Sohweis) 1844 der Freimaurerei in 
er Schweiz einen neuen Aufschwung ge- 
geben hatte. 1849 stifteten neun Mit- 
§lieder der Brudertreue eine Tochterloge 
lur Bundestreue in Liestal (s. d.). Während 
der letzten Jahre vermehrte sich die Zahl 
der erstem nicht nur in den Städten und 
Dörfern des eignen Kantons, sondern auch 
in den Nachbarkantonen Solothum und 
Luzem auf eine erfreuliche Weise. Zu 
den hervorragendem Mitgliedern der Bru- 
dertreue gehörte, ausser den oben ge- 
nannten, auch Dr. J. Wieland. Mitglieder- 
zahl (1899): 140. Klub: Montags. Eignes 
Logenhaus hinter dem Bahnhof, eingew. 
1865. Milde Stiftung: Witwen- und 
Waisenkasse, Kapital: 50000 Fr. — [Vgl. 
Fragmente zur Geschichte der schwei- 
zerischen Maurerei (Bern 1840) S. 16. Al- 
pina 1895, S. 135.] 

Aarons Rate oder Stab, eins der Haupt- 
symbole der Royal -Arch- Maurerei, aas 
als Zeichen der Wiedererweckung und 
der Bückkehr vom Lrtum zur Wahrheit 
im Allerheiligsten des Tempels aufbewahrt 
wird. Vgl. 4. Mos. 17, 18; Hebr. 9, 4. 
Aball, s. Aigner, Ludwig. 
AbbreTiataren, s. Abkürstingen. 
Abd el Kader, eigentlich Sidi el Hadschi 
Abd el Kader TJled Mahiddin, Araber- 
häuptling, geb. 1807 in Ghetna in Alge- 
rien, gest. 26. Mai 1883 in Damaskus, 



wurde in den Freimaurerbund 18.^ Juni 
1864 in der Lo^e Zu den Pyramiden Ägyp- 
tens in Alexandrien für die Loge Henri Iv . 
in Paris aufgenommen. Die Beantwortung 
der ihm vorgelegten Fragen, die in hohem 
Grade bedeutungsvoll sind, finden sich 
u. a. abgedruckt in FZ. 1894, S. 411. [Vgl. 
FZ. 1864, S. 249. Bh. 1864, S. 324. Zille, 
Spitzhammer u. Kelle (Lpz. 1872), S. 80.] 

Abeliten, nach Abel, Adams Sohn, so 
genannt: 1) eine Sekte im nördlichen 
Afrika, wohl eine Abschwächung der in 
Afrika in jener Zeit vorkommenden Ma- 
nichäer. [Vgl. Baur, Das manichäische 
ßeligionssystem (1881) S. 366.] 2) Ein ge- 
heimer Orden, 1745 in Greifswald gestiftet, 
mit christlich-moralisch-philanthropischen 
Grundsätzen, geheimen Zeichen, Worten, 
Symbolen und Zeremonien. Ordenswahl- 
spruch: Aufrichtigkeit, Freundschaft und 
Hoffnung. Auszüge aus den Statuten in v. 
Biedenfeld, Geschichte und Verfass. aller 
Ritterorden, I, 181—183, und der Schrift: 
Der Abelit (Lpz. 1746). [Vgl. R. 1891, S. 
30 fg.] 

Abend. Die gewöhnlichen Logenver- 
sammlungen werden abends gehalten, weil 
zu dieser Tageszeit die Mitglieder am we- 
nigsten durch Geschäfte abgehalten sind. 
Festversammlungeu finden auch vom Mit- 
tag au statt, in der Regel an Sonntagen oder 
Feiertagen. (S. auch: Himmeligegenden.) 

Aberglaube drückt eine gewisse Schwäche 
und Befangenheit in Bezug auf den Glau- 
ben an das Göttliche aus; in der Regel 
und der Hauptsache nach sind abergläu- 
bische Meinungen solche, die das als 
Wirkung aus der Geisterwelt ansehen, was 
auf naturgemässe Weise erklärt werden 
müsste, z. B. Glaube an Hexerei, Schutz- 
kraft der Amulette, Heilkraft geweihten 
Wassers etc. Die Fortschritte der Natur- 
wissenschaften haben sich als das kräftigste 
Mittel gegen den A. bewährt. Der A. 
wirkt für das bürgerliche Leben verderb- 
lich, und es ist Pflicht, ihm entgegen- 
zuarbeiten. Dieser Pflicht unterzieht sich 
auch die Freimaurerei , die mit A. nichts 
zu thun hat und überallhin Bildung und 
Aufklärung zu verbreiten sucht. [Vgl. 
FZ. 1851, S. 180, 192, 198; 1892, S. 297.] 

Abgeordneter Meister vom Stuhl, s. 
Zageordneter K. v. 8t. 

Abif, d. h. sein Vater, s. Hiram. 

Abkünmigen (Abbreviaturen) sind zu- 
erst 1774 vom Grossorient von Frankreich 
angewendet worden. Sie bestehen meisten- 
teüs bloss in deo Anfangsbuchstaben des 
betrefl^enden Wortes, hinter denen mitunter 
drei Punkte in Dreieckform gesetzt wer- 
den, wie: A. L. G. D. G. A. D. TU. = k la 
Gloire du Grand Architecte de TUnivers; 
A. B.a.w. = Allmächtiger Baumeister aller 
Welten; A.M.=Anno Mundi; A.L.=Anno 
Lucis; Br.'. = Bruder, Brother; F.*. = 
Frfere; G.'.L.-. = Grossloge, Grande Loge, 
Grand Lodge. , ^r^r^ir> 

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Abrao — AbwasohuDgen. 



Abrae (Kunst des). Sie wird erwähnt 
im Verhör Heinrichs VI. (s. d.), Frage 8, 
unter den übrigen Künsten, die die Maurer 
bergen und h^en. Abracadabra ist ein 
magisches Wort, wodurch man Krank- 
heiten, vorzüglich die Fieber, heilen zu 
können glaubte. Dieses Wort heisst eigent- 
lich Abrasadabra, wie die griechischen 
Amulette mit der Inschrift ABPÄCAJÄBPA 
beweisen, und ist von dem heiligen Namen 
des höchsten Wesens (nach den Ansichten 
der Gnostiker) Abraxas oder Abrasax so 
benannt. [Vgl. Dieterich, Abraxas, Stu- 
dien (Lpz. 1891). Barzilai, Gli Abraxas 
(Triest 1878).] In dem Verhör wird den 
Maurern die Kunst zugeschrieben, solche 
Talismane anzufertigen. [Vgl. Hutchinson, 
Spirit of Masonry, S. 86. Preston, Illustra- 
tionsonMasonry (1792),S 156—158. Krause, 
Kunsturkunden, I, 1 (1819), 75—78. Oliver 
Historical landmarks (1846), I, 177 und 
Note 61.] 

Abraham, Antoine Firmin, lebte zu 
Anfang des 19. Jahrb., früher als Beamter bei 
der Militärverwaltung, später als homme 
de lettres zu Paris, war Stifter mehrerer 
Logen und seit 1802 Meister vom Stuhl 
der Loge Les ^l^ves de Minerve. Er gab 
von 1800—2 eine freimaurerische Monats- 
schrift »Miroir de la v^rit^« heraus, die 
mehrere interessante historische Akten- 
stücke in nicht immer ganz getreuem Ab- 
druck enthält. Diese Zeitschrift füllt die 
Lücke im Erscheinen des «Etat du Grand 
Orient de France« aus. Durch die Ver- 
öffentlichung von Ritualen u. d. T.: ,L'art 
du Tuileur« (1804) und des »B^^lements 
^^n^raux de la ma^onnerie ^cossaise«, die 
ihm auch begemessen wird, kam er 1812 
in Streit mit dem Grand Orient sowo)il, 
als dem Supr^me Conseil de France. Vor 
allem aber hatte erZwistigkeiten im Schosse 
der französischen Freimaurerei durch sein 
Zirkular vom Juni 1802 hervorgerufen, in 
dem er die sog. schottische Maurerei wieder 
ins Leben zu rufen sich bemühte; über- 
haupt war er für die Einführung der Hoch- 
grade sehr thätig, errichtete sogar auf 
eigne Hand zahlreiche Kapitel etc. [Kloss, 
Gesch. d. Freimaurerei in Frankreich I, 
8. 388, 398, 550, 566.] 

Abrahamson, Werner Hans Fried- 
rich, geb. 10. April 1744 in Schleswig, gest. 
22. Sept. 1812 in Kopenhagen, Artillerie- 
offizier, Lehrer an der Artillerieschule 
und bei seinem Tode Inspektor an der 
Landkadettenakademie, wurde 10. Febr. 
1770 in der Kopenhagener Loge Zorobabel 
zum Freimaurer aufgenommen, nahm 1778 
am Wolfenbütteler Konvent Teil und war 
vom 30. Okt. 1782 bis 19. Nov. 1794 Meister 
vom Stuhl in der Loge Friedrich zur ge- 
krönten Hoffnung, die in Kopenhagen in 
der deutschen Sprache nach dem Kitual 
der strikten Observanz arbeitete; ihm folgte 
als Meister vom Stuhl Bischof Munter fs.d.). 
Ausser mehreren militärischen Schriften, 



Gedichten und ästhetischen Rezensionen 
hat er mehrere Sammlungen seiner frei- 
maurerischen Eeden u. d. T. »Deklama- 
tionent (Kopenhagen 1776, 1779. 1785) und 
ausserdem noch eine «Trauerrede zum An- 
denken des Provinzialgrossmeisters der 
vereinigten Freimaurerlogen in Deutsch- 
land und Dänemark« (Kopenhagen 1777J 
herausgegeben. Sein wohlgetroffenes Bila 
hängt im Vorzimmer des Arbeitslokals in 
Kopenhagen. [Vgl. seine Biographie in 
FZ. 1874, S. 13.] 

Abgchied, s. EntlaMungssoheln. 

Abstimmaiig über fireimaurerische An- 
gelegenheiten in Logen, Beratungen u.s.w. 
geschieht, insoweit sie nicht durch oflöie 
Stimmgebung erfolgt, entweder durch Ku- 
gelung (s. d.) oder durch Skrutinium (s. d.) 
mittels Stimmzetteln; jenes ist die bei 
Aufnahmen, dieses die bei Beamtenwahlen 
übliche Form. In minder wichtigen 
Sachen tritt an deren Stelle häufig Zu- 
ruf (s. d.) oder Erteilung des Beifalls- 
zeichens (s. d.). 

Abt, Franz, Liederkomponist, geb. 22. 
Dez. 1819 in Eilenburg, gest. 31. März 1885 
in Wiesbaden, wurde in den Freimaurer- 
bund aufgenommen in der Loge Karl zur 
gekrönten Säule in Braunschweig 17. März 
1853 und blieb dieser Loge treu bis zu 
seinem Tode, obgleich sein Besuch der 
Arbeiten kein regelmässiger war. Er wid- 
mete ihr aber sehr wertvolle Kantaten. 
Auf seinen auswärtigen Reisen verkehrte 
er mit Vorliebe in den Logen, hing über- 
haupt der Maurerei mit warmer Liebe an. 
[Vgl. FZ. 1885, S. 241.] 

Abteilangen des Meistergrads (afdee- 
lingen van den Meestergrad) heissen die 
beiden Grade des auserwählten (uitver- 
koren) und hochauserwählten(opper-uitver- 
koren) Meisters, die im System des Gross- 
ostens der Niederlande auf Vorschlag 
des Nationalgrossmeisters Prinz Friedrich 
der Niederlande seit 25. April 1819 ein- 
^efQhrt und ausdrücklich als »Abteilungen 
des Meistergrads«, nicht als neue Hoch- 
grade bezeichnet sind. Sie haben zum Zweck 
nähere Darlegung der Lehren der Frei- 
maurerei und stehen somit den »Erkennt- 
nisstufen« oder »Engbünden« der deutschen 
Maurerei nahe. Die Mitglieder tragen nur 
ein kleines silbernes Abzeichen und führen 
keine besondem Titel. Die A. d. M. 
hatten anfangs sehr mit Anfeindungen der 
Hochg^ade zu kämpfen, haben sich aber 
neuerlich in der niederländischen Maurerei 
befestigt. Am 22. Jan. 1845 wurde das 
25jährige Bestehen der Abteilungen im 
Haag in Gegenwart des Nationalgross- 
meisters feierlich begangen und ihm dabei 
eine silberne Denkmünze überreicht. [HMW. 
n, S. 62 a. E.] 

Abwasehangen fanden schon bei den 
Mysterien (s. d.) der Alten statt, als Vor- 
bereitungen zur Aufnahme in den Geheim- 
bund. Li einigen Graden 

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Ahjs Royet — Adoptionsmaarerei. 



tischen Bitos sind ebenfalls A. in Ge- 
brauch. 

AbTS Royet (langjähriger eidgenössischer 
Oberkriegskommissar), geb. 16. März 1790 
in Ghur, gest. 16. Sept. 1868, schloss sich 
in den Niederlanden dem Freimaurer- 
bunde an, dem er bis an sein Lebensende 
mitUnverbrdchlichkeit anhing; 1822 kehrte 
er in seine Heimat zurück, wo er der Loge 
Concordia cum libertate beitrat. Schon 
im folgenden Jahre wurde er zum Vor- 
sitzenden Meister gewählt und behielt 
diese Stelle bis zur Deckung der Loge, 
die 14 Jahre später erfolgte, weil die Frei- 
maurerei in Graubünden noch keinen 
günstigen Boden fand und ihr namentlich 
auch von dem katholischen Klerus ent- 
gegengearbeitet wurde. (S. Chur.) Bei der 
Deckung der Loge 1887 nahm A. das 
Archiv der Loge in Verwahrung. Als sich 
1856 in Chur eine neue Loge Concordia 
cum libertate bildete, überlieferte er ihr 
sämtliche Akten und Gegenstände der alten 
Loge. 

A bleichen, maurer Ische. Als solche 
gelten z. B. die drei Punkte im Dreieck [vgl. 
Öchauberg, Symbolik der Freimaurerei 
(SchaflTh. 1801), I, S. 92], auch sonstige 
äussere Dinge an Uhrketten, Busennadeln 
u. dgl. Sie waren früher sehr in Aufnahme, 
kommen aber mehr und mehr ab. Der 
Deutsche Grosslogentag hat ihren Gebrauch 
zu Geschäftszwecken für unzulässig er- 
klärt. Wegen Logen-A. vgl. Mitglieder- 
seiohen. 

Accepted, s. Angenommene. 

Acerrellos, s. Böesler. 

Acht, s. Zahlen. 

Ackermann, Konrad August, geb. 5. 
Okt. 1791 zu Kröplin in Mecklenburg, gest. 
2. Juli 1862 in Bützow, seit 1888 Krimmal- 
rat daselbst, welches Amt er körperlicher 
Schwäche wegen 1858 niederlegte, wurde 
27. April 1814 in der Loge Zu den drei 
Sternen in Bostock Freimaurer und später 
der Loge Zur Vaterlandsliebe in Wismar 
angescMossen, woselbst er auch verschie- 
dene Logenämter bekleidete. Als er nach 
Bützow versetzt wurde, schloss er sich der 
dortigen Loge am 16. Jan. 1884 an und wurde 
sofort am 18. März zum Logen meister er- 
wählt, in welcher Stellung er bis zu seinem 
Tode verblieb. 

Adel. Es ist vielfach darauf hingewiesen 
worden, dass in neuerer Zeit der A. in 
den deutschen Logen zurückgegangen ist 
und dass dies als ein Bückgang der Frei- 
maurerei überhaupt zu bezeichnen sei. Dass 
im 18. Jahrhundert der A. der Aristo- 
kratie eine Hauptrolle in den Logen spielte, 
ist richtig. Es hatte das seinen Grund in 
den damaligen Bildungsverhältnissen und 
dem ganzen Geist der Zeit. Im 19. Jahr- 
hundert hat der Geburtsadel abgenommen. 
1881 waren in 49 Logen unter 4658 Mit- 
gliedern 8®/o adelige, während 1890 bei 
7715 Mitgliedern nur noch 2^/^ vorhanden 



waren. Es ist demnach eine Verminderung 
um 58,8 */o eingetreten, wogegen sich die 
Mitgliederzahl um 65,6 ^/a vermehrt hat. 
Ln Durchschnitt kamen 1881 auf eine Loge 
7,6, 1890 nur noch 8,1 «/o Adlige. Damit ist 
nicht nachgewiesen, dass die Intelligenz, die 
ja ohnehin nicht ausschliesslich in dem Ge- 
burtsadel zu finden ist, abgenommen habe; 
denn es sind 1890 21^1^^ Doktoren nur an 
der Spitze der Logen gezählt worden. Der 
Geburtsadel hat gegenwärtig in Deutsch- 
land nicht mehr die frühere Bedeutung, wie 
es z. B. noch in England der FaU ist. Hier 
findet er sich noch zahlreich vertreten. [Vgl. 
A. Z. 1882/88. Hefb8, S.126. A. 1891,S.114.] 

Aden (englische Halbinsel an der ara- 
bischen Küste). Hier besteht unter der 
Grossloge von Schottland die Loge Felix, 
gestiftet 1850. 

Adept (adeptus, wörtlich: der etwas er- 
langt nat), der Name der in die Alchemie 
(s. d.) Eingeweihten (weil sie vorgaben, die 
Ofibnbarung geheimer Wissenschaft erlangt 
zu haben), kommt als Benennung zahl- 
reicher Hochgrade vor. 

Adhnc stat, d. h. noch steht [sie], wird 
mit dem dazu gehörigen Sinnbild eines 
Säulenstumpfes als eine der im Mittelalter 
üblichen Wahlsprüche (s. d.) gebraucht und 
im System der strikten Observanz zu einem 
freimaurerischen Symbol gemacht, durch 
das man bezeichnen wollte, dass der Tempel- 
herrenorden , ungeachtet er unter Philipp 
dem Schönen gewaltsam unterdrückt (seines 
Kapitals beraubt) worden, doch im stillen 
auf festem Grunde fortbestehe. Dieses 
Symbol kommt auch auf mehreren maure- 
rischen Denkmünzen vor. [HMW. Nr. 87, 
78.] — Unter diesem Titel erschien eine 
Schrift von Henne- Am-Rhyn (s. d.J. 

Adonai (hebr. = der Herr), Bezeichnung 
der Gottheit, zugleich das Wort, das stets 
statt des unaussprechlichen Jehovah ge- 
lesen wird. — In einigen Hochgraden dient 
dieser Name als Erkennungswort. 

Adon-Hiram, Adonlram, s. Hiram. 

Adoption eines Luftons, s. Lufton und 
Taufe (maureris(;he). 

Adoptionsmanrerei , Ma9onnerie 
d'Adoptio n(Adoptive Masonr jr, Angenom- 
meneFreimaurerei,Freimaurerei der Damen, 
Adoptie-Ma9onnerie, Ma9onnerie blanche). 
Frankreich, das vielen maurerischen Ver- 
irrungen den Ursprung gegeben hat, ist 
auch der Urheber dieses Zwitterdings, der 
Frauen-Freimaurerei. Die Aufnahmefähig- 
keit erstreckte sich von Beginn der Frei- 
maurerei an nur auf die Männer, nicht auf 
die Frauen, und schon frühzeitig ist in 
Schriften untersucht worden, worin die 
Ausschliessung des schönen G^hlechts be- 
gründet sei. [Sendschreiben eines Freimau- 
rers an Mylord Robert Truell, Mitglied 
der Gesellschaft der Plauderer, über die Aus- 
schliessung des schönen Geschlechts aus der 
GesellschcSt der Freimaurer, aus dem Engl. 
(Halberstadt, 1741)]. Seit 1780 entstanden 
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Adoptionsmaurerei. 



verschiedene GesellBchaften mit mehr 
oder weniger maurerisch ausgeprägten 
Formen, die den Frauen Zutritt gestat- 
teten: so der Orden der Möpse, rordre 
de ia F^licit^ ou des F^licitaires, Tordre 
des Dames ^cossaises de Thospice du 
Mont-Tabor, des berüchtigten Cagliostro 

};. d.) Ma^onnerie ägyptienne u. a. m. 
ede dieser Genossenschaften hatte ihre 
verschiednen Grade, z. B. den der erha- 
benen schottischen Dame oder den der 
vollkommenen Schottin, und ihre eignen 
Eituale. Beauchaine (s. d.) führte 1744 
dies Zwitterspiel ein, und der zugeordnete 
Grossmeister Lacome (s. d.) veranstaltete 
Frauenlogen für den Grossmeister, den 
Grafen von Clermont (Louis, Prinz von 
Bourbon). Die Neugier, der Eigensinn und 
die Eitelkeit der Frauen einerseits und an- 
drerseits die Galanterie und Ver^ü^ungs- 
sucht der vornehmen Herren, die sich in 
der Gesellschaft der Damen belustigen und 
ergötzen wollten, leisteten dem Umsich- 
greifen dieses maurerischen Unwesens vielen 
Vorschub. Der Grossorient beschloss 1 I.Juni 
1774, «dass sich kein Maurer in einer 
Adoptionsloge befinden dürfe ausser mit 
regelmässigen Maurern, und wenn sie vom 
Meister einer regelmässigen Loge oder in 
seiner Abwesenheit von dessen Beamten 
abgehalten werden.« Damit war die A. 
anerkannt Statt dessen und anstatt sogar 
ihre Eituale zu genehmigen, hätte der 
Grossorient diese ganze Einrichtung für iin- 
re^elmässi^e Arbeit erklären sollen. Die 
Stimmen über die A. sind sehr geteilt. [Vgl. 
Thory, Hist. de la fondation du Gr. Or. de 
France S. 360 ff. Bonneville, Les J^uites 
chass^ delaMa^onnerie, 11,80. Abb^Bobin, 
Becherches sur les initiations anciennes et 
modernes (Amsterdam 1779) S. 151 ff. 172. 
Köthener Taschenbuch 1801, S. 237 ff. 
Encycl. Ma^. I, 193 ff. Freemas. Quaterly 
Beview 1837, 8. 466.] Die Herzogiu von 
Bourbon war seit 1775, die Prinzessin von 
Lamballe seit 1780 Grossmeisterin der schot- 
tischen Adoptionsmutterloge. Die Frauen- 
logen wurden mit viel Aufwand und grosser 
Pracht abgehalten. Der höchste Adel (&ängte 
sich dazu, die berühmtesten Künstler fanden 
sich ein, gelehrte und künstlerische Vor- 
trJlge wurden gehalten, Konzerte veran- 
staltet, Preise ausgesetzt, Denkmünzen für 
verdienstvolle Handlungen der Menschen- 
liebe gestiftet, Sammlungen veranstaltet und 
zum Schluss wurde die Nacht hindurch 
das Vergnügen eines glänzenden Balles 
genossen. Mangourit (s. d.) versuchte 1809 
die Adoptionsmaurerei dadurch zu veredeln, 
dass er als ihren Hauptzweck die Wohl- 
thätigkeit am weiblichen Geschlecht in 
ihren manni^achen Beziehungen hinstellte ; 
aber dieser Reformversuch misslang. Auch 
in Nimwegen und Loo wird eine Adoptions- 
loge unterm Vorsitz des Prinzen von Waldeck 
und der Prinzessin von Oranien und in 
Prag bei der Loge Wahrheit und Einigkeit 



zu den drei gekrönten Sternen erwähnt. 
In Warschau bestanden seit 1783 Adoptions- 
logen, die vom Grossorient von Polen an- 
erkannt und von denen die eine 1810 
wieder eröfihet wurde und Anna Potocka, 
geb. Fürstin Sapieha, zur Grossmeisterin 
hatte. Das Rituelle der A. ist in den 
Schriften bei Kloss, Bibl. Nr. 2112—2119, 
2122, 2128, 2131 und in Lachmann, Ge- 
schichte und Gebräuche der Hochgrade 
(Braunschweig 1866) S. 230 fr. behandelt, 
in denen zum Teil auch ihre Statuten una 
Reglements vorkommen. Für gewöhnlich 
bearbeitete man 3 Grade, doch kamen auch 
5 und sogar 10 Grade vor. [Essai sur le 
myst^re et le v^ritable objet de la con- 
frSrie des Francs MaQons (Haye 1771, H.^. 
Amsterdam 1776); abge<u:. im Abr^gä de 
rhist. de la F.-M. (Londres, Lausanne 1779); 
übers, in der Freym.-Bibl., I, S. 99 flf. 
B. 1884, S. 22 (wo die ritualgemässe Be- 
förderung in den zweiten Grad abgedruckt 
ist). Dr. L. 1895, S. 2126. MiUheilungen a. d. 
Verein deutscher Freimaurer, I, 3, S. 9; 
n, 1, S. 40 (wo das Bitual der französischen 
Logen mitgeteilt ist). FZ. 1892, S. 62.]. 
Nachdem die Adoptionsmaurerei seit An- 
fang des 19. Jahrhunderts eingegangen war, 
ist sie in Frankreich neuerdings wieder 
aufgelebt, indem Maria Deraismes 1893 
eine Loge mixte gründete, die sich zur 
Grossloge : Grande Loge Symbolique Ecos- 
saise «Le Droit Humain« ausbildete und 
«gemischte Logen« nicht nur in Frankreich, 
sondern auch in der Schweiz und Bumä- 
nien ins Leben rief [vgl. L. 1896, S. 142, 
192; 1897, S. 24J. In Spanien ist die 
Adoptionsmaurerei sogar um dieselbe Zeit 
(1892) offiziell anerkannt worden durchGrün- 
dung des Bito de adopcion ä de sefioras 
durch den Grossorient von Spanien, und 
zwar, wie es in dem betreffenden Bund- 
schreiben heisst, um der wilden Aufiiahme 
der Frauen in den Logen zu steuern. [Die 
Statuten s. FZ. 1892, S. 62.] Ebenso hatte 
die 1890 gegründete Gran Dieta Symbolica 
in Mexiko die Aufnahme von Frauen 
zugelassen und Frauenlogen gegründet, 
musste aber 1895 von dieser Praxis ab- 
lassen. Dafür hat die mexikanische Gran 
Logia del Distrito Federal einen »Orden 
Estrella Nacional« für Frauen eingerichtet 
Pygl. L. 1896, S. 16]. Auch aus Spanisch- 
Westindien und Argentinien ist im letzten 
Jahrzehnt die Existenz von Frauenlogen 
gemeldet worden. Li England hat man 
aus Gefälligkeit gegen die Frauen freim. 
Bälle ins Leben gerufen, an denen Nicht- 
maurer teilnehmen dürfen und die Maurer, 
wie es dort und in Nordaro erika Sitte ist, mit 
allen maurerischen Abzeichen geschmückt 
erscheinen. In Nordamerika hat sich das 
System der A. zwar nicht ausgebildet, es 
werden aber die verschiedenartigsten Grade 
(ladies degrees) als Ehrenzeichen an Maurer- 
witwen, -firauen, -Schwestern und -töchter 
mit und ohne Feierlichkeiten verteilt; am 
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6 



Adressbuch — Afrikanische Bauherren. 



bekanntesten von ihnen ist der Orden vom 
östlichen Stern. In Deutschland blieb es 
bei einem Versuche durch den Baron 
V. Hund (s. d.) und den Besen-Orden (s. d.), 
die A. einzuführen. 

Adressbnoli für Freimaurer, in dem 
jeder Geschäftszweig, bez. Beruf eine eigne 
Abteilung eröffnet, ist ein Gedanke, der 
FZ. 1892, S. 80 aufgetaucht ist, aber nicht 
verwirklicht wurde und zwar mit Becht, 
weil die Freimaurerei allen geschäftlichen 
Dingen fem steht. Deshalb ist auch der in 
Berlin erscheinende «Herold« (s.d.), der zum 
Teil nur geschäftliche Bekanntmachungen 
und Empfehlungen enthält, vielfach be- 
kämpft und verworfen worden. 

Affen« nnd Löwenritter (Orden der), 
ein ganz bedeutungsloser und ziemlich un- 
bekannter Auswuchs der sog. schottischen 
Maurerei in den Jahren 1776—80, der sich 
im Besitz der Geheimnisse der alten Tem- 
pelherren zu sein rühmte und nach den 
beiden Symbolen des (mit offnen Augen 
schlafenden) Löwen als Sinnbilds der Wach- 
samkeit und des Affen als Sinnbilds der 
Nachahmung benannt war. 

Afftliation, 8. Annahme. 

Afghanistan (asiatisches Emirat). Hier 
hat kurze Zeit in Kabul eine Loge be- 
standen, die von der Grossloge von Eng- 
land 3. Juni 1880 gestiftet wurde, aber 
mit der Aufgabe Kabuls durch die Eng- 
länder 1881 wieder einging. 

Afrika. Bereits 1747 soll in Alexan- 
drien von Schottland aus eine Loge ^e- 
eründet worden sein, deren Bestand in- 
dessen nicht erweislich ist. Dagegen wurde 
schon 1764 eine Loge in St. Helena von 
England aus gestiftet. Die älteste noch 
bestehende Loge auf dem afrikanischen 
Festlande ist die holländische Loge De 
goede hoop in Kapstadt, die 1772 errichtet 
wurde. Demnächst fand die Freimaurerei 
Eingang 1775 auf B^union und 1778 auf 
Mauritius von Frankreich aus, 1792 in 
Sene^unbien und 1810 an der Goldküste 
von England aus, 1811 in Ägypten von 
Frankreich aus, 1820 auf den Kanarischen 
Inseln und 1822 in Sierra Leone von Eng- 
land aus, 1882 in Algerien von Frankreich 
aus, 1851 im Oranje- Freistaat und 1858 
in Natal von England aus, 1861 in Tunis 
von Frankreich aus, 1864 in Tripolis von 
Italien aus, 1864 auf Ascension und 1867 
in Lagos von England aus, 1867 in Li- 
beria« wo sich eine eigne Grossloge bil- 
dete, 1869 auf den Seschellen von Frank- 
reich und in der Südiufrikanischen Bepublik 
von den Niederlanden aus. Neuerdings 
sind endlich britische Logen in Britisch- 
Betschuana- und Matabeleland, italienische 
in Erythräa und eine französische in Ma- 
daga^ar entstanden. Ferner hatte die 
Freimaurerei auch vorübergehend Fuss ge- 
fasst in Angola und Mosambik, wo portu- 

§iesische Logen in den siebziger Jahren 
es 19. Jahrhunderts thätig waren. Auch 



in Marokko und auf Madeira entstanden 
Logen, über deren gegenwärtige Thätigkeit 
nidits bekannt ist. Ausser in Liheria giebt 
es noch eine einheimische Grossloge in 
Ägypten; die 1879 errichtete Grossloge von 
Tunis ist wieder eingegangen. Dagegen 
haben die Grosslogen von England und 
Schottland und der Grossosten der Nieder- 
lande in Südafrika Distrikts- und Provin- 
zialgrosslogen geschaffen. 1898 bestanden 
in A. etwa 228 Logen, und zwar: I. Unter 
der Grossen Nationalloge von Ägypten 
etwa 20. H. Unter der Grossloge von 
Liberia: 7. HI. Unter der Grossloge von 
England: 102, nämlich im Kapland (3 
Distriktsgrosslogen) 89, in Natal 18, der 
Südafrikanischen Bepublik 22, im Oranje- 
Freistaat 4, in Britisch-Betschuanaland 2, 
in Bhodesia 3, in Ägypten 4, in Tunis 1, 
auf St.-Helena 2, an der Goldküste 2, in 
Sierra Leone 2, in Lagos 2, auf Mauri- 
tius 1. IV. Unter der Grossloge von Schott- 
land: 80, nämlich im Kapland 9, in Natal 
3, im Oranje-Freistaat 1, in der Südafri- 
kanischen Bepublik^ 13, in Bhodesia 2, 
auf Mauritus 1, in Ägypten 1. V. Unter 
der Grossloge von Irland: 3, nämlich in 
der Südafrikanischen Bepublik 2 und auf 
Mauritius 1. YI. Unter dem Grossorient 
von Frankreicn: 19, nämlich in Algerien 11, 
in Senegambien 1, in Ägypten 3, in Tunis 1, 
auf B^union 1 und auf Mauritius 2. VII. 
Unterm Supr^me Conseil von Frankreich: 
12, nämlich in Ägypten 7, in Algerien 4 
und auf Madagaskar 1. Vin. Unter dem 
Grossosten der Niederlande: 22, nämlich 
im Kapland 8, im Oranje-Freistaat 5, in 
der Südafrikanischen Bepublik 8 und in 
Bhodesia 1. IX. Unter dem Grossorient 
von Italien: 8, nämlich in Ä^pten 5 und 
in Erythräa, Tripolis und im Kapland je 1. 
X. Unterm Grossorient von Griechenland: 
1, in Ägypten. Ob und wieviel Logen unter 
den spanischen Grosslogen und dem Gross- 
orient von Lusitanien in A. bestehen, ist 
unbekannt. Deutsche Lo^en befinden sich 
in Kapstadt und Johannesburg, früher auch 
in Kairo. S. diese Städte und die ein- 
zelnen Länder. 

AfriluuiiBohe BanlierreB. Unter diesem 
auf Beschäftigung mit Mathematik und zu- 
gleich auf Zusammenhaue mit den ägypti- 
schen Geheimlehren hindeutenden Namen 
kommt in den sechziger Jahren des 
18. Jahrhunderts ein freimaurerisches Sy- 
stem in Deutschland vor, das aber nur ge- 
ringe Ausbreitung fand, seinen Haupt- 
träger in dem Knegsrat Küppen (s. d.) in 
Berlin, der seiner eignen Angabe zufolge 
im Oktober 1767 zum Grossmeister der 
A. B. erwählt wurde, hatte, 1775 in Berlin 
und 1785 überhaupt gänzlich aufhörte. 

K'gl. Q<«chichte der Grossen National- 
utterloge Zu den drei Weltkugeln (Brl. 
1890J, S. 54.1 Es unterschied sich da- 
durck vorteilhaft von andern zahlreichen 
Systemen jener Periode, dass es gelehrte, 
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Agapen — Agdollo. 



freilich immerhin sehr unwissenschaftlich 
betriebene Forschungen über Geschichte 
imd Geheinmisse der Freimaurerei zum 
Zweck hatte, daher auch Mitglieder dieses 
Ordens nur Gelehrte und Künstler sein, in 
den Kapiteln in lateinischer Sprache ver- 
handelt und alljährlich an einem der bei- 
den Hauptfesttage, am 5. Okt. (der andere 
Festtag war der Himmelfahrtstag), ein 
Preis von 50 Dukaten für die beste Ar- 
beit erteilt werden sollte, wie denn die 
ganze Einrichtung den Charakter einer ge- 
lehrten Gesellschaft trug und der der Pari- 
ser Akademie nachgebildet war. Über- 
haupt scheint ein Zusammenhang mit der 
Gesellschaft der Alethophilen (s. d.) bestan- 
den zu haben, worauf namentlich auch der 
5. Grad des Ordens hinweist Andrerseits 
trftgt die Gliederung und die überladne 
und vielfach geradezu geschmack- und 
sinnlose S3rmbolik des Ordens deutliche 
Spuren der Abstammung von dem franzö- 
sischen Hochgradwesen jener Zeit, und es 
ist leicht möglich, dass er mit einer bereits 
1747 in Hamburg errichteten, aber gleich- 
falls bald spurlos verschwundnen sog. 
afrikanischen Loge zusammenhing. — Die- 
sem doppelten Cnarakter des Ordens ent- 
spricht, was wir über die Tendenz und das 
Rituelle der vier ersten Grade desselben 
wissen. (Näheres über Tendenz und Bitual 
siehe in der vorigen Auflage I, S. 7.) — Von 
Erfolgen der wissenschaftlichen Thätig- 
keit der A. B. ist nichts bekannt; nur 
im «Taschenbuch der höheren Magie« 
(Altbg. 1804), liegt, wie es darin aus- 
drücklich heisst, »ein Produkt ihrer Be- 
mühungen nach ihrer Auflösung« vor. Es 
enthält auf die sog. geheimen Wissen- 
schaften bezügliche Auuätze, die, soweit 
sie geschichtlich sind, ziemlich unkritische 
Wi^erholungen früherer Untersuchungen 
und Aufstellungen sind. — Der Orden der 
A. B., schon seiner ganzen Anlage nach 
nur auf einen engern Kreis von Genossen 
angewiesen, fand diese nur in sehr geringer 
Zahl. Er scheint hauptsächlich nur in 
Berlin — den Sitz des Hauptkapitels — , 
hiemächst in der Oberlausitz Jjogen ge- 
habt zu haben; auch in Köln und Worms, 
sowie in Paris unter Leitung eines gewissen 
Kühn sollen Logen bestanden haben. 
Mit V. Hund (s. d.) und dessen Svstem der 
strikten Observanz (s. d,) kam der Orden 
in Streit, den Koppen leohaft führte; von 
andrer Seite fand der unzweifelhaft auf 
Edleres gerichtete Zweck imd die würdige 
Haltung der A. B. auch, wiewohl nur ver- 
einzelt, Anerkennung. Der Mangel an 
Lebensfähigkeit des Ordens trat bald zu 
Tage; nur aus den J. 1766—71 sind Kapitel- 
beschlüsse als Lebenszeichen vorhanden; 
bald daraufscheint er ganz erloschen zu sein, 
wohl schon lange vorher, ehe ein von Kop- 
pen verfasstes originelles lateinisches Aus- 
schreiben, das Scnlözer in seinen »Staats- 
anzeigen«, Bd. IX, St 38 (vgl. Bd. X, St. 42) 



abgedruckt hat, 1781 das Kapitel der Bitter 
des Stillschweigens für aufgenoben erklärte. 

C7gl. Die entdeckten Trümmer der Bau- 
erren Loge, (Berl. 1790). Das angeführte 
Taschenbuch, S. 1—17.] 

Agapen. Unter A. versteht man die 
Liebesmahle der ersten Christen, die 
mit der Feier des Abendmahls verbunden 
waren. Sie wurden Liebesmahle genannt, 
weil sich auch die Armem dabei beteiligen 
durften. Anfönglich wurden sie tätlich 
gefeiert. Als sich die Barche ausbreitete, 
vollzog sich im 2. Jahrh. die Trennung 
des agapischen Mahls von der Abendmahls- 
feier. Ersteres wurde an Gedenktagen, an 
Todestagen der Märtyrer, bei Hochzeiten 
oder Leichenfeierlichkeiten in der Kirche 
oder in Privathäusem unter geistlicher 
Aufsicht gehalten. Trotzdem erregte es 
Anstoss, und es kamen auch in der That 
Missbräuche vor. Daher schafite man zu- 
erst die A. in den Kirchen ab und unter- 
sagte den Geistlichen die Teilnahme. Ende 
des 7. Jahrh. hören sie ganz auf. Wieder 
eingeführt sind diese Liebesmahle von den 
Baptisten, Methodisten und der Brüder- 
gemeine. An die A. erinnern im allge- 
meinen die Tafellogen (s. d.) der Frei- 
maurer und die in freierer Form gehaltenen 
Brudermahle (s. d.). Liebesmahle nach der 
Weise der ersten Christen werden von den 
höhern Graden einiger Systeme und von 
den Eosenkreuzem gefeiert. In Zusammen- 
hang mit der Freimaurerei wollte sie der 
Prowssor der Theologie Kestner in Jena 
bringen, durch seine Schrift: «Die Agape 
oder der geheime Weltbund der Christen, 
von Clemens in Bom nach einer hierar- 
chischen Konstitution und einem Gnmd- 
system maurerisch -symbolischer, religiös- 
ceremonieller Systeme unter Domitians Ee- 
gierung gestiftet« (Jena 1819). Doch fanden 
seine Phantastereien selbst zu jener Zeit 
keinen Glauben. Das ganze Werk beruht 
auf willkürlichen, aus neuerer Zeit in die 
alte übertragnen Mutmassungen. Daher 
hat die theologische Wissenschaft die An- 
sichten des Verf. stets unberücksichtigt 
gelassen und den Agapenbund als ein ge- 
lehrtes Traumbild betrachtet. Ebenso un- 
nachweisbar ist der Zusammenhang des 
Weltbundes der A. mit dem Bunde der 
Freimaurer. [Vgl. über das Ganze: Drescher, 
De vet. Christ, aga^is (Giessen 1824). Siegel, 
Handbuch der diristUch-kirchlichen Alter- 
tümer (Lpz. 1886), 1, 83—92. W. J., Jahrg. 1, 
Quart 3, S. 97—120: Abhandlung von flof- 
rat V. Bom, Über den Ursprung der Tafel- 
logenJ 

Agdollo, auchAgdalooder Agdolo,Peter 
Aloys d', Marchese, Sohn eines venetiani- 
schen Kauteanns, gest. 27. Aug. 1800, wurde 
1768 Major, 1769 kurf. sächs. Oberst und 
Generaladjutant des Prinzen Xaver, als 
Administrators von Sachsen, später (1776) 
als Agent der verwitweten Kurfürstin von 
Sachsen in Untersuchung verwickelt und 



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8 



Agram — Ägypten. 



starb als Staatsgefangener auf dem König- 
stein. Er erhielt 1766 von der Grossloge 
zu London ein Konstitutionspatent, das 
ihin, sowie A. F. v. Brühl (s. dX Baron 
Y. Weiler (s. d.) und Leutnant Borghesi 
die Würde eines Provinzialgrossmeisters 
•aller Logen des KurfQrstentums Sachsen, 
die unter der englischen Konstitution 
stehen«, erteilte. Sfitbegründer der Loge 
St. Jean des voyafeurs in Dresden 1766, 
deckte er diese 1767, als wegen anderweit 
erschienener englischer Bestimmungen Miss- 
helligkeiten unter den Mitgliedern ent- 
standen, schloss sich aber der 1768 aus 
genannter Bauhütte hervorgegangnen Loge 
Aux vrais amis an. die sich 1772 mit der 
Loge Zu den drei Schwertern vereinte. Als 
Mi^lied der vereinten Logen war er na- 
mentlich auch bei dem zur Linderung der 
Hungersnot im Erzgebirge in Dresden ein- 
gerichteten maurerischen Wohlthätigkeits- 
werk und der Begründung des Dresdner 
« Freimaurerinstituts c thätig. [Vgl.Peuckert, 
Gesch. der Loge Zu den drei Schwertern 
u. s. w. (Lpz. 1888.) Bülau, Geh. Gesch. I, 
196 fg.] 

kgrtOKk (Hauptst von Kroatien-Slawonien, 
[1890] 87529 E ). Hier bestand im 18. Jahr- 
nundert eine von der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln ge- 
stiftete, wahrscheinlich nur bis 1794 thfttige 
Loge Zur Klugheit, die deutsch und 
lateinisch arbeitete. 

Igypten (türk. Tributärstaat). Die Frei- 
maurerei hat den ersten Eingang in diesem 
Lande 1747 in Alexandrien gefunden, doch 
ist das Bestehen dieser Lo^e nicht sicher. 
Ebensowenig beglaubigt ist eine Loge 
nach dem Kitus von Memphis, die 1798 
in Ä. französische Ofißziere gegründet 
haben sollen. Die ersten Logen, von denen 
man sichere Nachricht hat, sind die Logen 
Les Chevaliers des Pyramides in Kairo 
und Les amis de la concorde in Alexan- 
drien, die 1811 und 1812 von der Pariser 
M^re-Loge du rit ^cossais philosophique ge- 
stiftet wurden, aber nicht von langem 
Bestand waren. Nach der italienischen 
Bevolution vom Jahre 1880 errichteten 
vornehmlich geflüchtete Italiener eine Lo^e 
unter dem Namen Pyramidenloge, die 
etwa bis 1858 bestanden haben mag. 1847 
stiftete der Grossorient von Frankreich 
eine Loge in Alexandrien, der er 1863 und 
1875 zwei weitere daselbst und 1868 und 
1882 Logen in Kairo und Mansura folgen 
Hess. 1862 errichtete das Suprdme CJonseil 
von Frankreich die erste Loge in Alexan- 
drien, der weitere Logen daselbst und in 
Ismailia, Kairo, Port Said, Suez und Chou- 
brah folgten. 1862 stiftete auch die Gross- 
loge von England eine Tochterloge in 
Alexandrien und im weitem Verlauf 
noch 8 Logen daselbst und in Kairo und 
Ramleh. Ebenfalls 1862 errichtete der 
Grossorient von Turin zwei Logen in 
Kairo; später wurde noch eine Anzahl 



italienischer Logen vom Grossorient von 
Italien gestiftet 1866 wurde in Kairo (s. d.) 
eine deutsche Loge Sphinx unter der 
Grossen Loge von Hamburg ins Leben 
gerufen. In demselben Jahre wurde ein 
-Versuch gemacht, den Bitus von Memphis 
in Ä. einzuführen; allein bald zeigte es 
sich, dass die Träger dieser Idee hierzu gar 
nicht die erforderliche Ermächtigung hatten. 
Am 16. und 17. Jan. 1867 berief die Loge Les 
Pyramides in Alexandrien (unter dem Gross- 
Orient von Frankreich) die ägyptischen 
Logen (deren damals 13 waren) zu einem 
Kongress in Kairo, zu dem sich ihrer zehn 
einfanden. Es wurde ein Vertrag abge- 
schlossen, nach dem alle ägyptischen Logen 
einander die Namen der Suchenden mit- 
teilen und für den Fortschritt wirken 
^chulen unterhalten, den Freihandel be- 
fördern, die Landwirtschaft unterstützen, 
Wohlthätigkeit ohne Almosen üben u.s.w.) 
sollten [vffl. Bh. 1867, S. 90, 164]. Nament- 
lich zeichnete sich die deutsche Loge 
Sphinx in Kairo durch ihr Wirken mr 
Schulen aus. 1867 errichtete auch die 
Grossloge von Schottland ihre erste Tochter- 
loge in Suez, der sie 1884 eine Loge in 
Alexandrien folgen liess. Um diese Zeit 
entstand auch eine einheimische Gross- 
behörde. Schon vor 1862 soll der Gross- 
hierophant des Bitus von Memphis, J. E. 
Marconis, in Kairo eine Loge Menes und 
in Alexandrien einen Obersten Bat unterm 
Namen Grossorient von Ägypten ein- 
gesetzt haben mit der Befugnis, die ersten 
90 Grade dieses Eitus zu erteilen und 
Logen, Kapitel, Areopage, Senate und 
Konsistorien zu errichten. Als Marconis 
seine Stellung als Grosshierophant zu 
Gunsten des Grossorients von Frankreich 
aufgab und der Bitus von Memphis diesem 
Grossorient einverleibt wurde, schuf sich 
der Grossorient von Ä. 1867 auch ein 
Sanktuarium, um die Grade 91 — 96 bear- 
beiten zu können und wählte den Prinzen 
Halim Pascha, einen Sohn des bekannten 
Mehemet Ali, zum Grossmeister. Als dieser 
das Jahr darauf in die Verbannung ging, 
fielen die Logen des Grossorients in Un- 
thätigkeit und auch das Sanktuarium stellte 
1869 seine Thätigkeit ein. Am 21. Dez. 
1872 wurde es wieder ins Leben gerufen, 
und mit Genehmigung des Elhedive wurde 
der später durch seine Abschwörung [vgl. 
L. 1896, S. 88] bekannt gewordene S. A. 
Zola Grossmeister und 1874 Grosshiero- 
phant. Neben dem Grossorient bestand 
das Supremo Consiglio d'Egitto in 
Alexanorien für den schottischen Bitus, 
der 4. Sept. 1864 vom Supremo Ck>nsiglio 
Grand' Oriente von Neapel gegründet wor- 
den war und auch vom Grossorient von 
Spanien eine Stifbungsurkunde erhalten 
hatte. Durch Vertrag vom 1. Aur. 1875 
vereinigte sich das Supremo Consiffuo mit 
dem Grossorient des Bitus von Meinphis. 
Es wurde ein Grosskollegium der Kiten 



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Ägyptische Maurerei — Ahiman Rezon. 



9 



gebildet und zugleich die Grosse Na- 
tionalloge von Ä. abgezweigt und die 
Zuständigkeit unter diesen drei Körper- 
schaften in der Weise verteilt, dass die 
Grosse Nationalloge die symbolischen 
Grade, die beiden andern die Hochgrade 
und zwar der Grossorient die des Kitus 
von Memphis und das Supremo Consiglio 
die des schottischen Ritus zu bearbeiten 
hatte. 1878 schied das Supremo Consiglio 
wieder aus und bildete sich als selbständige 
Behörde unter dem Supremo CJonsiglio von 
Palermo und später unter dem des Supremo 
Consiglio in Turin, stellte aber schon Ende 
1878 jede Arbeit ein. Am 1. Nov. 1890 
wurde es von dem souveränen Gross- 
kommandeur ad vitam Domenico Sciarrone 
wieder ins Leben gerufen. Nachdem sich 
der Grossorient ursprünglich 10. Dez. 1890 
gegen diese Wiederemeuerung verwahrt 
hatte, fand kurz darauf eine Verständigung 
statt, womach der Grossorient 1 .Jan. 1 89 1 das 
Supremo Consiglio als zu Recht bestehend 
anerkannte und es sich wieder einverleibte. 
Neuerdings (1897) hat der Grossorient den 
Vertrag mit der Grossen Nationalloge wie- 
der aushoben und alle seine Rechte wie- 
der f&r sich allein in Anspruch genommen. 
[Vgl.L. 1885,S.124; 1896, S.39; 1 897, S. 168; 
Bh.^1896, S. 108.] Gegenwärtig bestehen 
in Ä. etwa 41 Logen, davon I. unter der 
Grossen Nationalloge vonÄ. etwa 20 Logen; 
n. unter der Grossloge von England 4 (8 
in Kairo und 1 in Alexandrien); in. unter 
der Grossloge von Schottland 1 (in Ale- 
xandrien); IV. unter dem Grossorient von 
Frankreich 8 (in Alexandrien, Kairo und 
Mansura) ; V. unter dem Supr^me Conseil 
von Frankreich 7 (3 in Kairo, 2 in Ale- 
xandrien, je 1 in Port Said und Chou- 
brah) ; VI. unter dem Grossorient von Italien 
5 (8 in Alexandrien und 2 in Kairo); Vn. 
unterm Grossorient von Griechenland 1 (in 
Kairo). — Seit 1871 erschien in Alexan- 
drien die Zeitschrift La Ragione und seit 
1875 Memfirisorta. Seit 1896 wird daselbst 
die Monatsschrift L'Egitto massonico her- 
ausgegeben. 

Ägyptische Manrerei. 1) Ein mystischer 
Orden, von CagHostro (s. d.) 1782 erfunden. 
2) Rit ^gjptien, die von dem Rit Misralm, 
Rit de Memphis und einigen andern fran- 
zösischen Systemen gebrauchte Benennung 
ihres Systems. (S. Mlumim und Memphis.) 

Ahiman Bexon, or a Help to a Brother; 
shewing the Excellency of Secrecy and the 
first Cause or Motive of the Institution of 
Free-Masonry etc. by Brother Laurence 
Dermott, See. London 1756, ist der Titel 
desjenigen Buches, das man als das 
Konstitutionsbuch der sog. Andent Ma- 
sons (alten Maurer) zu betrachten hat. 
Wie alles, was Dermott (s. d.) und die 
»Alten Maurer« angeht, bisher einseitig 
und falsch beurteilt worden ist, so auch 
diese Schrift die in ihrer ersten Auflage 
in keiner Weise als «Streitschrift« gegen 



die Londoner Grossloge gemeint war; denn 
diese wird mit keiner Silbe in dem ganzen 
Buche erwähnt. An der Spitze steht eine 
Widmung an den «Recht Ehrwürdigen 
Wilhelm Grafen von Blessington« , der 
am 27. Dez. 1756 als Grossmeister der 1751 
gegründeten Grossloge der Alten Maurer 
eingesetzt wurde, also bei Erscheinen des 
«Ahiman Rezon« noch nicht Grossmeister 
war, aber jedenfalls schon seine Zusage zur 
Annahme des Amtes gegeben und die Wid- 
mung des Buches ^enelunigt hatte. Er war 
1838—89 Grossmeister von Irland gewesen 
und spricht in einem Schreiben an Dermott, 
das in den Protokollen der Grossloge ent- 
halten ist, seinen Dank aus; er äussert sich 
sehr verbindlich und bezeichnet seine Wahl 
als eine ihm von der Brüderschaft angethane 
Ehre. Dasselbe wiederholt er, als i^ 1758 
zum dritten Male das Amt angeboten wurde, 
mit der Versicherung, dass er von ganzem 
Herzen das Anerbieten annehme und stets 
bereit sein werde, die »Alte Zunft« zu för- 
dern. Er behielt das Amt bis zum 27. Dez. 
1760, wo ihm der Graf von Kelly folgte. 
Man sieht hieraus, welchen Wert die vom 
Grosssekretär der »Neuern Maurer« He- 
seltine (s. d.) im Jahre 1769 brieflich ausge- 
sprochene Behauptung hat, der Graf von 
Blessington habe den »Alten« verboten, 
seinen r^amen zu gebrauchen, bei Strafe 
der Verfolgung; ja Heseltine deutet ^anz 
unverblümt an, die »Alten« hätten seinen 
Namen ohne Ermächtigung (authority) ge- 
braucht. Dermott hätte selbstverständlich 
nicht einmal die Widmung seines Buches 
ohne vorherige Erlaubnis wagen dürfen. 
Heseltines Brief ist voll von Unwahrheiten 
und verleumderischen Entstellungen [vgl. 
Sadler, Facts and Fictions, und Masonic 
Reprints and Revelations]. Also Thatsache 
ist: Blessington (oder Blesinton) hatte sich 
den »Alten« entgegenkommend gezeigt, 
darum widmete Dermott ihm seinen » Ahiman 
Rezon«. Die Bedeutung dieses Titels ist 
bisher nicht ergründet, die zur Lösung des 
Rätsels gemachten Versuche sind nicht über- 
zeugend. Das Wort »Ahiman« ist einfach 
ein Personenname, wie man aus Dermotts 
Vorwort »An den Leser« mit voller Sicher- 
heit entnehmen kann. Er erzählt, er sei 
bei der Abfassung einer »Geschiente der 
Maurerei« eingeschlafen, und im Traum 
seien ihm vier Männer erschienen, die sich 
»Shallum, Ahiman, Akhub und Talmon« 
nannten und sagten, Salomo habe sie zu 
HauptpfOrtnem beimTempel gemacht, Shal- 
lum sei der Oberste von ihnen. In einer 
Anmerkung verweist Dermott auf 1. Chron. 
9, 17; dort steht zu lesen: »Und die Pförtner 
waren Shallum und Akhub und Talmon 
und Ahiman und ihre Brüder; Shallum 
war der oberste« (Schreibung der Namen 
nach der englischen Bibel, genau so bei 
Dermott, nur in andrer Reihenfolge). Im 
weitem Verlauf des Traumgesprächs ist 
»Ahiman« der Wortführer, der Dermott 

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10 



Ahiman Rezou. 



aufklärt, und darum hat er dessen Na- 
men auf den Titel gesetzt. Das Wort 
•Bezon« ist jedenfalls ein hebräisches, 
denn Dermott hat von dieserSprache etwas 
verstanden (vgl. Dermott). Das hebräische 
Wort »raz6n« (Wohlgefallen; Huld, Gunst; 
Wille), das schon zur Erklärung heran- 
gezogen ist, lautet verkürzt »r'zön«, und 
diese Form ist zugleich der das Genitiv- 
verhältnis ausdrückende sogenannte Sta- 
tus constructus. Darnach wäre «Ahiman 
rSz6nc (eigentlich richtiger :«r^z6nAhimanc) 
etwa »Ahimans Gunst« oder «Ahimans 
Wille« oder «Ahimans Wohlgefallen«, um 
anzudeuten, dass der Inhalt des Buches 
nach Ahimans Meinung (Wille, Wohlge- 
fallen) zusammengestellt sei und nun gleich- 
sam als «Ahimans Rat« den Aufklärung 
suchenden Brüdern zur Hilfe dargeboten 
werde. Das Vorwort ist ein feiner Spott 
über ^e in den bisherigen Konstitutions- 
büchem enthaltene Geschichte der Maurerei 
von der Schöpfung bis auf die Gegenwart, 
die Dermott auf Ahimans Bat lieber fort- 
lässt, um die für die Gesellschaft zur Zeit 
notwendigem und nützlichem Dinge dar- 
zubieten. Man hat Dermott den Vorwurf 
Gemacht, er biete wenig Eigenes und habe 
en grössten Teil des Inhäts aus andern 
Büchern abgeschrieben. Dies ist ganz 
richtig, zeigt aber, dass der andre 
schwere Vorwurf, Dermott habe in bös- 
williger Absicht die »Alte Maurerei« ge- 
schaffen und gefördert, in der Luft schwebt. 
Er hat auch nicht einfach alles abge- 
schrieben, sondern nennt im Vorwort ganz 
ehrlich aie Bücher, die er benutzt hat; 
denn er hatte gar nicht die Absicht, etwas 
angeblich Neues zu bieten, sondem wollte 
der Brüderschaft gerade die Bekannt- 
schaft mit den alten Bräuchen und Ge- 
setzen vermitteln (Vorwort, S. XV). 
Der leise Spott über die in ähnlichen 
Büchern dargebotene «Geschichte der Mau- 
rerei« ist vöflig berechtigt, und im übrigen 
spricht der redlichste Ernst aus des Ver- 
fassers Worten. Auch die 24 Seiten Vor- 
bemerkungen zu dem eigentlichen Unter- 
richtsstoff offenbaren die ehrlichste Ge- 
sinnung und den reinsten Eifer für die 
Sache der Maurerei. Ein grosser Teil dieser 
Seiten ist, was bisher noch niemand be- 
merkt zu haben scheint, auch gar nicht 
Dermotts Eigentum, sondem bald wörtlich, 
bald mit kleinen Veränderungen aus dem 
im Vorwort gleichfalls genannten Buche 
Dassignys (s. d.) entnommen. Die «Alten 
Pflichten« (S. 25—84) sind aus Spratts 
«Konstitutionsbuche zum Gebrauch der 
Logen in Irland« (Dublin 1751) abgedruckt, 
der seinerseits diese mit kleinen Änderungen 
aus Andersons 2. Ausgabe von 1788 her- 
übergenommen hatte. Die Fassung weicht 
nicht unerheblich von der in der 1. Aus- 
gabe (1728) ab, welche letztere von der 
Londoner Grossloge in der 3. Ausgabe von 
1756 wiederhergestellt wurde. Die irische 



Grossloge hat aber in der Folgezeit an der 
Fassung von 1738 festgehalten und erst 
1899 diejenige Penneils von 1730 her- 
gestellt. Dass Dermott die irische Be- 
arbeitung wählte, war bei der Stellung 
der «Alten Maurer« selbstverständlich, 
wie er denn ja auch die «Allgemeinen 
Verordnungen« (S. 51—87) nicht von 
Anderson, sondem von Spratt entlehnte. 
Die dazwischen stehenden kleinem Stücke 
(S. 35—50) sind aus verschiednen Quellen: 
die «Kurze Ermahnung« (S. 35—38) steht 
schon in Smiths Pocket-Companion von 
1735 (London und Dublin), die »Alte Art 
der Einsetzung einer Loge« (S. 39—42) bei 
Spratt (nicht unmittelbar nach Anderson 
1738), vier Gebete (S. 43—47), davon zwei 
in Scotts Pocket-Companion von 1754 fein^ 
auch bei Spratt). Ln Anschluss an diese 
Gebete erwähnt Dermott (S. 47—50), dass 
vor einiger Zeit jemand fälschlich behauptet 
habe, er kenne den Royal -Arch- Grad 
und könne ihn vollkommen lehren, dass 
er aber den Namen des Betreffenden 
verschweigen wolle, da seine Absicht eher 
sei zu bessern, als blosszustellen ; der Ver- 
irrte werde dies lesen und nicht weiter Un- 
ehre über die Zunft und sich selbst bringen, 
er habe gute Absichten mit ihm, wie Hesiod 
mit seinem Bruder Perses, als er ihm einen 
guten Rat gab (folgt eine Stelle aus Hesiod). 
Dies macht dem Dermott alle Ehre und 
zeugt für seinen Edelmut, von der Sache 
selbst ist im Protokoll der Grossloge vom 
4. März 1752 die Rede, wo ein Dr. Mackey 
als dieser falsche Lehrer genannt wird. 
Dermotts Ermahnung sagt auch, dass nach 
altem Brauche der Zunft niemand ein Recht 
auf den Grad habe, «ohne in regelrechter 
Form durch den Stuhl gegangen zu sein« 
(S. 48), wofür er sich noch auf eine aus 
Dassignys »Enquiry« angezogne Stelle 
beruft, ^piese Anschauung Dermotts beweist, 
neben verschiednen andern Äusserungen 
in den Protokollen, dass er mit der Ertei- 
lung des Grades sehr zurückhaltend und 
weit entfernt war, ihn als «Belohnung« im 
Hintergrund zu zeigen oder ihn «anzu- 
preisen« [vgl. Kloss, Geschichte der Frei- 
maurerei in England, Lrland und Schott- 
land, S. 448, unter 24 und 25]; was er sagt, 
ist eine Abmahnung und keine Ermunterung. 
DenSchluss des «Ahiman Rezon« (S.88— 96) 
bilden die «Verordnungen für Wohlthätig- 
keit, wie sie in Lrland und von York-Maurern 
in England geübt werden«, mit der Vor- 
bemerkung, dass diese seit 1738 in Irland 
von der Grossloge und seit 1751 in Eng- 
land von den alten York-Maurern geneh- 
migt und geübt worden seien. Die Seiten 97 
bis 209 enthalten eine SammUing von Ge- 
sängen, Prologen und Epilogen nebst einem 
Oratorium (Salomos Tempel). — Die zweite 
Auflage erschien 1764 unter dem Titel: 
«Ahiman Rezon, or a help to all that are 
or would be Free and Accepted Masons, 
Containing the Quintessence of all that 



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Ahiman Rezon. 



11 



haa been published on the Subject of Free 
Masonry«, wo schon der Titel angiebt, 
dass der Verfasser nicht etwa Neues bieten, 
sondern im Gegenteil nur den Kerninhalt 
schon vorhan(£ier Schriften zusammen- 
stellen wollte. Als Titelbild sind zwei 
Wappen beigegeben, die weiterhin berück- 
sichtigt werden. Eine Widmung hat diese 
Ausgabe nicht. Das Vorwort an den Leser 
ist dasselbe wie 1756, nur dass er in einer 
Anmerkung (S. ET— VII) verschiedne Schrif- 
ten nennt, die inzwischen erschienen waren, 
wobei er namentlich den Verfasser von 
»The three distinct Knocks« vornimmt. 
Er nennt ihn Daniel Tadpole und sagt, er 
sei ein Backsteinmaurer gewesen, aber auf 
jämmerliche Weise umgekommen. Diese 
ganze Darstellung ist eine lustige Erfin- 
dung, um der genannten Schrift die Glaub- 
würdigkeit zu rauben. Von dem Verfasser 
von «Jachin and Boaz« wird behauptet, er 
habe sich in einem Anfall von Eifersucht 
die Kehle durchschnitten. Beide Verfasser 
haben nachher ihr Fortleben bestätigt, und 
ihre Bücher wurden weiter gekauft, trotz 
Dermotts Schauergeschichten. Auch Pri- 
chards »2iergliederte Maurerei« wurde ihrer 
Zeit ohne Erfolg für ungereimt erklärt. 
Von S. XVII— XXTTI folgt eine .Philac- 
teria« für solche Herren, die geneigt sein 
möchten, Freimaurer zu werden. Hierin 
mahnt er zu grosser Vorsicht durch meh- 
rere gute Ratschläge, und man sieht auch 
hier, dass Dermott kein Mann war, der 
Leute anlocken wollte, um nur seine Schar 
möglichst zu vergrOssem, sondern ein ernster 
Freimaurer, der Uneingeweihte vor Täu- 
schungen möglichst bewahren wollte. Auch 
warnt er hier nicht etwa vor den «Modem 
Masons«, sondern allgemein vor solchen 
Logen, die keine »Vollmacht vom Gross- 
meister« aufweisen können. Erst das nächste 
neue Stück (S. XXIV— XXXIII) beschäf- 
tigt sich mit der »modern masonry« in 
London. Es ist an die »Herren der sehr 
Alten und Ehrenwerten Brüderschaft« ge- 
richtet und beginnt mit der Mitteilung, 
dass er von Schottland, Irland und Ame- 
rika aus darnach gefragt worden sei. Der- 
mott versichert weiter feierlich vor 
Gott und Menschen, er habe nicht 
die geringste Abneigung gegen die 
Mitglieder jener Gemeinschaft und 
wolle keinerlei Anstossgeben Wenn 
er dann auch nach seinem Standpunkt 
der »ancient masonry« den Vorzug giebt, 
so vermeidet er dabei jede Feindseligkeit 
und Gehässigkeit. Dass die gescMcht- 
lichen Anschauungen, die er vorträgt, zum 
grossen Teil irrtümlich sind, dürfen wir 
ihm nicht als Böswilligkeit auslegen; denn, 
so nahe man damals auch noch den An- 
fängen der neuen Freimaurerei stand, nie- 
mand wusste sicher Bescheid, und die von 
der Grossloge der »Modems« dargebotene 
Geschichte ist gleichfalls unzuverlässig. 
Dermott erzählt, was ihm berichtet worden 



ist, und lässt dabei allerdings einigen Spott 
mit einfliessen; zum Schluss aber sagt er: 
»Ich hoffe, dass ich noch eine all- 
gemeineÜbereinstimmung und eine 
Gesamteinheit zwischen den wür- 
digen Maurern aller Benennungen 
erleben werde. Dies ist der ernst- 
lichste Wunsch und das heisse 
Gebet von .... Laurence Dermott.« 
Diese Worte werden in den folgen- 
den Ausgaben (1778 und 1787) von 
ihm wiederholt und sind auch in den 
Ausgaben nach Dermotts Tode (1800, 1801, 
1807) noch zu lesen, wurden aber von 
Kloss (S. 393) und von allen dessen Nach- 
folgern unbeachtet gelassen, obwohl sie 
für eine richtige Beurteilung Dermotts von 
grosser Bedeutung sind. Ein N. B. 
(XXXIV— XXXVI) berichtet, Dermott 
habe das vom mitgeteilte Wappen mit 
den Cherubim bei dem gelehrten »Bau- 
meister und Bruder Babi Jacob Jehudah 
Leon« gefunden, der zur Zeit Karls H. 
ein Modell von Salomos Tempel angefertigt 
und dem Könige eine Scli^ift über den 
Tempel gewidmet habe. Es sei das Wappen 
der Maurer gewesen, welche die Stiftshütte 
und den Tempel bauten, also sicherlich 
das eigentliche Wappen auch der freien 
lind angenommenen Maurer. Dies war 
ohne Zweifel Dermotts aufrichtige Über- 
zeugung (wenn auch natürlich ein ge- 
schichtlicher Irrtum), denn ein solches 
Buch hat es wirklich gegeben. Das Wappen 
ist also keine Erfindung Dermotts, sondern 
aus einer altem Quelle gezogen. Die »Alten 
Maurer« nahmen es erst 1 7 75 als Siegel an. Ob 
die Dubliner Grossloge und das Grosskapitel 
von York es schon früher angenommen 
hatten, ist zweifelhaft; es scheint aber fast, 
als hätten es beide erst durch Dermotts 
Beschreibung kennen gelernt und von ihm 
entlehnt. Die irische Grossloge führt das 
Wippen noch heute. Der weitere Inhalt 
der zweiten Ausgabe des A. R. ist der- 
selbe wie früher, abgesehen von einigen 
Auslassungen und Zusätzen; die Gesänge 
im zweiten Teil zeigen eine stärkere Ver- 
mehrung. Gegen diese zweite Ausgabe 
des A. R. erschien 1765 »A Defence of 
Free-Masonry« von einem Anhänger der 
»Neuem Maurer«, ein recht klägliches 
Machwerk, in dem man die mangelhafte 
Sachkenntnis des Verfassers leicht wahr- 
nimmt; drum ist es auch keine »energische 
Widerlegung«, am allerwenigsten eine 
»gründliche«, wie Kloss meinte fa. a. O. 
S. 395 und 449], sondern eine oberfläch- 
liche Schmähschrift ohne jeden wissen- 
schaftlichen Wert (vgl. auch »Anolent 
MasonB«). — In der (mtten Auflage von 
1778 ist die Vorrede an den Leser wesent- 
lich verändert, die Traumgeschichte ganz 
weggelassen, dafür aber eine Kritik der 
Gründung der Grossloge von 1717 gegeben, 
die Dermott als nicht gesetzmässig nach- 
zuweisen sucht. Der Ton ist aber irar 
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12 



Ahiman Rezon. 



nicht ausfallend, sondern ruhig, wenn auch 
bestimmt, da er eben, von falschen ge- 
schichtlichen Voraussetzungen ausgehend, 
von der Richtigkeit seines Standpunkts 
fest überzeugt war [vgl. die Einzelheiten 
bei Kloss, a. a. O. S. 383 fg.]. Er berichtet 
dann noch, dass die «Modem Masons« 1770 
das Parlament um einen Korporationsbrief 
ersucht hätten mit der Vollmacht, jeden 
Freimaurer in England zu bestrafen, der 
ihnen kein Vierteljahrsgeld zahle, was 
das Parlament natürlich ablehnte. Die 
*Philacteria« ist wie 1764, aber die Be- 
sprechiing der «Modem Masons« hat einige 
Zusätze, die bemerkenswert sind. Zu der 
oben mitgeteilten Versicherung seiner Un- 
befangenheit gegenüber den Mitgliedern 
jener Gemeinschaft macht er eine Anmer- 
kung: «Das war meine Erklärung in der 
zweiten Ausgabe dieses Buches; nichts- 
destoweniger sind einige der neuem Ge- 
sellschaft äusserst ungezogen gegen mich 
gewesen. Nicht zufrieden mit der Behaup- 
tung, die Alten Maurer in England hätten 
keinen Grossmeister, wichen einige der- 
selben von der Wahrheit so weit ab, dass 
sie aussagten, der Verfasser (d. i. Dermott) 
hätte des Grossmeisters Unterschrift unter 
maurerischen Vollmachten gefälscht« ; der 
Herzog von Atholl habe aber seine Hand- 
schrift anerkannt und den Verfasser in 
Zeitungen gerechtfertigt; noch andre hätten 
ihm nachgesagt, er sei so ungebildet, dass 
er seinen Namen nicht schreiben könne, 
ja, er hätte weder Vater, noch Mutter, son- 
dern sei wild im Winkel eines Kartoffel- 
gartens in Irland aufgewachsen; aber die 
Verleumdung einiger Neuern Mau- 
rer habe ihm keinen wirklichen 
Schaden gethan, und er werde in 
dem Geiste der obigen Erklärung 
fortfahren. Die letzten niedrigen Ver- 
leumdungen und die Schlusserklärung hat 
Kloss (a.a.O. S. 387, Anm.) auch wieder 
weggelassen. Wie vorteilhaft iinterscheidet 
sich hier und überall Dermotts Gesinnung 
und Bedeweise von der seiner Gegner I 
Eine weitere Anmerkung erzählt auf Grund 
der Mitteilungen eines GrinseU, die acht 
Personen, die 1717 die «Neuere Maurerei« 
erfunden, seien Desaguliers, Gofton, King, 
Calvert, Lumley, Madden, de Noyer und 
Vraden gewesen. Der Urheber dieser Nach- 
richt hat die Aufiiahme des Prinzen von 
Wales im Jahre 1787, bei der gerade jene 
acht zugegen waren, mit der Gründung der 
Grosslo^e im Jahre 1717 verwechselt; ob 
absichtlich oder durch ein Missverständnis, 
bleibt unentschieden. Jedenfalls hat Der- 
mott hier in gutem Glauben gehandelt; 
ihn kann der Vorwurf eines bewussten 
Missbrauchs der Namen nicht treffen, wenn 
er seinem Gewährsmann ohne weiteres 

flaubte, was dieser ihm berichtete. Die 
[enntnis der Vorgänge bei Gründung der 
Grossloge von 1717 war selbst bei den 
eignen Mitgliedern damals so unsicher. 



dass man sich über die Verbreitung solcher 
Erzählungen nicht allzusehr wundem darf. 
Jedenfalls ist das. was in dem Konstitutions- 
buche der «Modems» von 1784 vom Ur- 
sprung der »Ancients« erzählt wird, viel, 
schlimmer, diese werden geradezu »Be- 
trüger« (impostors) genannt und ihnen 
wiederholt «Täuschung und Betrug« zur 
Last gelegt. Northouck wird von der 
Bichtigkeit seiner Erzählung ebenso über- 
zeugt gewesen sein, wie Dermott bei der 
seinigen, aber die Darstellung des letztern 
ist sachlicher und enthält sich beschim- 
pfender Ausdrücke, ja in weitem Zusätzen 
spricht er den Gegnern sogar gesellschaft- 
liche Gleichberechtigung zu. Indem er 
hervorhebt, dass in London viele geschlos- 
sene Gesellschaften entstanden sind, die 
keine Freibriefe besitzen, also in Bezug 
auf die Gesetzlichkeit ihrer Vereinigungen 
auf gleichem Fusse stehen, betrachtet er 
«in diesem Lichte« die beiden Brüder- 
schaften der Alten und Neuern Freimaurer, 
die zwei grosse Gemeinschaften in England 
geworden wären, aber infolge mancher Ver- 
schiedenheiten als zwei verschiedne Gesell- 
schaften weiter beständen, als völlig unab- 
hängig voneinander. Die «Neuem« hätten 
ein unzweifelhaftes Becht, sich einen Gross- 
meister zu wählen, und das gleiche Becht 
stände den «Alten« zu. Nachdem er dann 
noch die Verbindung der »Alten« mit den 
Grosslo^en von Irland und Schottland her- 
vorgehoben, endet er mit dem Ausdruck 
der Hoffnung auf eine spätere Vereinigung 
aller Maurer (vgl. S. 11^. Daran schÜesst 
sich ein Abdruck des angeblichen soge- 
nannten Freimaurerverhörs aus der Zeit 
Heinrichs VI., das in den folgenden Aus- 
gaben seinen Platz behauptet, wie es auch 
im Konstitutionsbuch der «Neuem« einen 
eisemen Bestand bildet (1756, 1767 und 
1784), ebenso in Scotts Pocket Companion 
(seit 1754) und Prestons lUustrations of 
Masonry (seit 1772). Der Hauptteil, der 
eigentliche« Ahiman Bezon«, ist wie 1764. — 
Die vierte von Dermott selbst besorgte 
Ausgabe erschien 1787 und stimmt an- 
scheinend mit der von 1778 überein. — 
Nach Dermotts Tode folgten noch vier 
Ausgaben (1800, 1801, 1807, 1813), besorgt 
von Thomas Harper, die im wesent- 
lichen den frühem gleich sind, aber einen 
veränderten Titel haben, nämlich: »The 
Constitution of Free-Masonry, or 
Ahiman Bezon U.S. w.«, so dass »Alnman 
Bezon« nur noch Neben titel ist. Diese 
Ausgaben enthalten Ergänzungen aus den 
Verhandlungen der Grossloge und als Zu- 
satz namentlich» Begeln und Verordnungen« 
für die Boyal-Arch- Kapitel unter der 
Grossloge der Alten Maurer, die zuerst im 
Jahre 1794 zusammengestellt zu sein schei- 
nen, obwohl nach den Protokollen einzelne 
massgebende Bestimmungen schon früher 
getroffen waren, namentlich über die Be- 
schränkung des Grads auf besonders wür- 

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Aigner. 



18 



dige Brüder. Der Anfang der Verord- 
nungen von 1794 lautet: *Die Alte Mau- 
rerei besteht aus vier Graden. Die drei 
ersten sind der Lehrlingsgrad, der Gesellen- 
grad und der erhabene Meistergrad; und 
ein in diesen Graden wohl bewanderter 
Bruder, der die Ämter seiner Loge, na- 
mentlich das des Meisters, verwaltet und 
deren Pflichten zur Zufriedenheit der Brüder 
seiner Loge erfüllt hat, ist wählbar, wenn 
er würdig befunden wird, zum vierten 
Grad, dem Heiligen Eoyal Arch, zuge- 
lassen zu werden.« Dieser Grad wird 
weiter als »wesentlicher Bestandteil der 
Alten Maurerei«, aber auch als »Vollen- 
dung und Ende« derselben bezeichnet. Wer 
Zulass begehrte, musste ein im Wortlaut 
vorgeschriebenes Empfehlungsschreiben 
seiner Loge vorlegen, in dem die einstim- 
mige Genehmigung der Loge bestätigt war. 
Die »Alten« waren also noch 1800 weit 
davon entfernt, den Grad als »Köder« zu 
benutzen, ebensowenig wie zu Dermotts 
Lebzeiten; sonst hätte man den Zutritt 
leichter gemacht. Die Ausgabe von 1807 
bringt eine in diesem Jahr beschlossene 
neue Fassung der »Gesetze und Verord- 
nungen«, die aber im wesentlichen dieselben 
geblieben sind, nur dass die Aufzunehmen- 
den nicht mehr Logenmeister gewesen zu 
sein brauchen; datur sind aber die Ge- 
bühren verdoppelt. Die Ausgabe von 
1807 ist noch dadurch wichtig, dass die 
erste amtliche Logenliste der »Alten« 
darin abgedruckt wurde. Die erste Aus- 
gabe des A. B. wurde alsbald in Dublin 
und Belfast nachgedruckt und bis 1808 an 
beiden Orten häufig wiederholt, gelegent- 
lich mit Ergänzungen. Als 1804 die 
irische Grossloge durch Downe ein Ver- 
fassungsbuch herausgeben Hess, wurde der 
Titel »AhimanBezon« amtlich angenommen 
und in den Ausgaben von 1807, 1816, 1820, 
1889, 1850 und 1858 beibehalten; seit 1872 
ist er angegeben. Auch in Amerika 
wurde der Titel mehrfach verwendet, ist 
aber jetzt überall verschwunden. — Eine 
gegenteilige Ansicht ist vBrtreten in Bh. 
1885, 8. 289, wo nachzuweisen versucht 
wird, dass der A. K. nicht verdiene, in 
allen seinen Teilen ernsthaft für eine 
Quellenschrift gehalten zu werden, und 
wie unzuverlässig die Dermottschen An- 
gaben seien.*) 

Aigner, 1) Franz Xav. Adam v., geb. 
4. Nov. 1751 in Gran, Infanteriehaupt- 
mann, gab 1791 den Dienst auf, um sich 
gänzlich der Freimaurerei widmen zu 
können. 1 784 beigetreten (auch in den Rosen- 
kreuz- und Rosenorden aufj^enommen), er- 
hielt er 1791 in Prag den Ritterschlag und 



*) Seit 1887 ist ftber durch die Vonchongen Sad- 
l«r8 (Maionic Fftots and Fictioni 1887; Matonic 
Beprints and Historioal Bevelations 1898) ein gans 
andre« Licht über Dermott und die »Alten« rer- 
breltet worden [Tgl. Imeleat Mmobi; Dermott]. 



die grosse Profess, sowie die Ermächtigung, 
als Legatus a latere und Direktorifumit- 
glied der Prager Präfektur die strikte Ob- 
servanz in Ungarn auszubreiten. In Wien 
erwirkte er von Kaiser Leopold II. Er- 
laubnis zur Errichtung neuer deutscher 
Logen in Ungarn. Nun errichtete er 1792 
in Ofen die altscb ottische Loge Franz zum 
wachenden Löwen, sowie in Pest-Ofen die 
Logen Zu den sieben Sternen und Zur 
Vereinigung, welch* letztere mit ersterer 
1794 sich verschmolz und nun als Loge 
Zu den sieben Sternen und zur Vereinigung 
ein Jahr länger bestand, als alle andern 
Logen Österreich-Ungarns, das ist bis Juni 
1795. Ein Majestätsgesuch um den wei- 
tern Fortbestand der Loge wurde, ebenso 
wie A.'s Bewerbung um die Stelle eines 
Erziehers bei einem Erzherzog, abschlä^g 
beschieden. — Schon bei Ausbruch der 
Jakobinerhetze (1794) wähnte man die 
Ordensakten in Prag nicht mehr sicher, 
und, nachdem A.'s Loge dennoch weiter 
arbeitete, glaubte man die Schriften in 
seiner Hand sicher verwahrt. Graf Sweerts 
überbrachte ihm nun persönlich das ganze 
Prager Archiv. Dies fährte A. auf die 
Idee, auch die Archive der aufgelösten 
ungarischen Logen, sowie die Schriften 
einzelner Freimaurer, Rosenkreuzer, Asiaten 
U.S.W, in Wien und Ungarn an sich zu 
bringen, was in überraschender Weise ge- 
lang. 1805 trat er sämtliche Ordensschriften 
gegen eine, auch auf seine Frau und Kinder 
übergehende Leibrente von 800 Fl. dem 
Grafen Anton Festetics ab, der sie dem 
Fideikommissgute Schloss D^gh einver- 
leibte, wo die Manuskriptensammlung, in 
104 stattlichen Bänden (ca. 10000 Bogen) 
aufgestellt, für die Geschichte der Frei- 
maurer, der Rosenkreuzer u. s. w. in Öster- 
reich-Ungarn einen geradezu unschätz- 
baren Wert darstellt. Auf deren Grund 
hat L. V. Aigner -Abafi (s. d.) seine »Ge- 
schichte der Freimaurerei in Österreich- 
Ungarn« abgefasst. 

2) Ludwig V. [litterar. Pseudonym 
Abafi], Mitglied der litterarischen Petöfi- 
gesellschaft, nrüher Verlagsbuchhändler, in 
Budapest, geb. 11. Febr. 1840 in Gr.-J6csa 
(Komitat Torontäl) in Ungarn, wurde am 
1. Dez. 1870 in der Loge Corvin Mätyäs 
in Budapest aufgenommen und entfaltete 
durch Vorträge, Denkreden, Anträge u.s. w., 
sowie durch Vorträge in andern Logen, 
als Mitglied des Bundesrats (1879—1892) 
und der Hochgradwerkstätten eine äusserst 
rege Thätigkeit, war 1879—1883 zugeord- 
neter Meister, bis 1885 Meister vom Sttml und 
bis 1889 wi^er zugeordneter Meister und 
ist seit 1896 Ehrenmitglied seiner Loge. 
Das Hauptgewicht seiner Wirksamkeit be- 
ruht auf seiner litterarischen Thätigkeit. 
1879 übernahm er mit Dr. L. v. Wekerle 
die Redaktion des amtlichen Organs des 
Grossorients »Hajnal«, führte diese 1880 
bis 1886 allein, dann bis 1888 ^em^n^ 
y y y^ 



14 



Akademie — Akademie, maurerisohe. 



schaftlich mit Moritz Gellen und versah 
das Blatt mit zahlreichen, meist histori- 
schen Aufsätzen. Er wirkte auch lehhaft 
für die Einigung der beiden Biten in Un- 
garn, nach deren Zustandekommen er mit 
&ell^ri und Gabriel Spitzer das jetzt in 
Gebrauch stehende Bitual ausarbeitete. 
Auch in der profanen Litteratur, haupt- 
sächlich auf historischem und litterar- 
historischem Gebiete thätig, begann er 
schon 1878 Stoff für die Geschichte 
der Freimaurerei in Ungarn zu sammeln; 
allein erst 1882 gelang es ihm, Zugang zu 
dem freimaurerischen Archiv in D^gh zu 
erlangen, das ausserordentlich reichhaltig 
(ca. 10000 Bogen) und ftLr die Geschichte 
der Freimaurerei in der Österreich -unga- 
rischen Monarchie geradezu unschätzbar 
ist. Nach der, viele Jahre in Anspruch 
nehmenden Aufarbeitung des Stoffs be- 
gann er, unterstützt von der Grossloge 
von Ungarn, 1890 mit der Herausgabe 
seiner grossangelegten »Geschichte der 
Freimaurerei in Österreich-Ungarn«, von 
der bisher fünf Bände erschienen sind und 
noch zwei Bände erscheinen sollen. Eine 
Ergänzung dieses Werkes bildet — eben- 
falls auf Grund der D^gher Akten — seine 
Geschichte der Bosen^euzer, der Asiati- 
schen Brüder, des Bosenordens und sons- 
tiger geheimen Gesellschaften in Österreich- 
Ungarn, Polen, Bayern, Württemberg und 
Sachsen, die, auf drei Bände berechnet, 
handschriftlich vollständig vorliegt; sie be- 
findet sich derzeit in London, um zuerst 
in englischer Sprache zu erscheinen. Auch 
eine Geschichte der Jakobiner in Öster- 
reich-Ungarn ist zum grössten Teile fertig- 
gestellt. Einzelne Teile und Vorstudien 
der Geschichte der Freimaurerei brachten 
die Zeitschriften: Hajnal, Vilägossäg, Ee- 
let, Orient, Szäzadok, Hazänk, Zirkel und 
Bauhütte. Einige sind auch in Separat- 
abdrücken herausgegeben, so : »Franz Ea- 
zinczy als Freimaurer« (Denkrede, Buda- 
pest 1878. auch in ungarischer Sprache); 
•A szabaokomüvess^g is az uralkodöhäz« 

g)ie Freimaurerei und das Herrscherhaus, 
udapest 1896); »Feszlerlgnäcz Aur^l« (auf 
Grund unedierter Briefe, Budapest 1886). 
Gegenwärtig ist A. mit der Herausgabe 
eines Handbuchs der Geschichte der Frei- 
maurerei in Ungarn (ein Band in unga- 
rischer Sprache) beschäftigt, auch ist er 
im Begriffe, seine freimaurerischen Denk- 
reden, Aufnahmearbeiten und nennens- 
wertem Vorträge und Aufsätze für den 
Druck vorzubereiten. 

Akademie. Der Name A. kommt in 
allen Ländern Europas, in denen sich der 
Einfluss der italienischen Kultur stark 

feltend gemacht hat, noch im 18. und 19. 
ahrh. in gleichem Sinne wie der Name 
Loge, sowie zur Bezeichnung einzelner 
Hochgrade und Kapitel vor. Dahin ge- 
hören ausser Italien namentlich Frankreich, 
Polen und Österreich, sowie die von letz- 



tem Ländem besonders beeinflussten 
Staaten Schweden und Bussland. Der in 
der strikten Observanz bekannte polnische 
Freimaurer Thoux de Salverte stiftete 1763 
in Warschau die Acadämie des secrets 
mit maurerischen Formen, und es wird 
ausdrücklich berichtet, dass diese nach 
dem Vorbild der Academia dei secreti in 
Neapel eingerichtet war. Unter dem Namen 
Acad^mie des sages bestand 1776 ein bei 
der Mfere-Loge ^cossaise üblicher Hoch- 
^ad und eine Acad^mie des vrais ma^ons 
ist 1778 in Montpellier -nachweisbar; die- 
selbe Akademie nahm später den Namen 
Acad^mie Russo-Suedoise an. Die Loge 
La parfaite union in Douav, welche die 
sog. schottische Maurerei in Frankreich 
zu emeuern suchte, besass nodi 1815 einen 
Hochgrad der Acad^mie des sublimes 
maitres u. s. w.; sie hatte ihn angeblich 
aus Schottland seit 1784 übernommen, wie 
er denn thatsächlich als eine Art Erkennt- 
nisstufe im schottischen System vorkommt. 
Aber nicht bloss in diesen Ländem, son- 
dern auch in Westdeutschland ist der 
Name A., und zwar nicht zur Bezeichnung 
eines Hochgrads, sondern im Sinne von 
Loge nachweisbar. Unter dem 16. Juli 
1792 erliess die Grosse National-Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln in Berlin an ihre 
Tochterloge Zu den drei Eosenknospen in 
Bochum einen Befehl, wodurch verboten 
wurde, die Loge forthin eine A. zu 
nennen. Wenn dieser Gebrauch in 
Bochum etwas Zufälliges war, so hätte 
sicherlich dieses Verbot zur Beseitigung 
hingereicht; die Thatsache, dass noch die 
Bochumer Logenprotokolle von 1813 den 
Brauch trotz des V erbots fortsetzten, liefert 
den Beweis, dass es sich hier um eine tief 
und fest eingewurzelte Sitte handelte. 
[Näheres in der Chronik der Loge Zu den 
drei Bosenknospen in Bochum (2. Ausg., 
Bochum 1896) S. 10, 19.J Ebenso ist der 
Gebrauch des Namens in Belgien nach- 
weisbar; noch 1889 erklärte der Grand 
Inspecteur der belgischen Loge in einer 
Ansprache, die Logen seien eigentlich A. ; 
man möge diese »A.« nicht zu politischen 
Klubs erniedrigen. 

Akademie der wahren Maurer (Aca- 
d^mie des vrais ma^ons), und 

Akademie der Weisen (Acad^mie des 
sages), s. Akademie und Frankreioh. 

Akademie, manrerische. Dieser Vor- 
schlag ging von Dr. Besetzny in Sachshaus 
bei Wien aus und wurde, auf Veranlassung 
des Kronprinzen des Deutschen Reichs 
und von Preussen, des nachmaligen Kaisers 
Friedrich III., durch den Grossmeister Pfalz 
in Darmstadt 30. Dez. 1875 zur öffentlichen 
Kenntnis gebracht. Zweck der A. sollte 
sein, die kulturhistorischen Denkmale je- 
der Gattung, insofern sie sich auf hu- 
manitäre Gesellschaften, insbesondere auf 
die Freimaurerlogen und verwandte oder 
diesen feindliche Genossenschaften be- 



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Akazie — Albrecht. 



15 



zieheu, zu sammeln und einer kritischen 
Prüfung zu unterziehen. Sie sollte unter 
kaiserlicher Protektion stehen. Man wollte 
damit gewissen zersetzenden Bichtungen 
enteegentreten, die die Arbeiten der Logen 
verflachten. Die Freunde unparteiischer 
maurerischer Forschung sollten einander 
näher gerückt werden. Der Gedanke ist 
über den Vorschlag nicht hinausgekommen. 

AkAsie, Name eines Baums, dessen sinn- 
bildliche Bedeutung im Meistergrad mit- 
geteilt wird. Vielfach herrscht der Ge- 
brauch, den Sarg eines Maurers mit einem 
Akazienzweig oder Akazienkranz zu 
schmücken. — In einigen Hochgraden gilt 
dieser Name auch als Erkennungswort. — 
[Vgl. BZC. 1886, S. 44. Zd. 1844, S. 88. 
K. 1899, S. 51. Schauberg, Symbolik der 
Freimaurerei (Schaffh. 1861), n, S. 149.] 

AkAzieiibrfider (fr^res acassais) nannten 
sich (nach dem VIII. Logenbuch der Eck- 
lefi'sdien Akten) die Freimaurer der schot- 
tischen Meister, die sich vornahmen, Ar- 
beiter eines geistigen Baues zu werden, 
womit der Name frferes ^cossais der schotti- 
schen Brüder seinen Anfang genommen 
haben soll [vgl. R. 1899, S. 51]. Dagegen 
behauptet Findel, dass dem nicht so sein 
könne, weil diese Umänderung nicht schon 
1740 hätte möglich sein können, wo man 
die angeblich ursprüngliche Bezeichnung 
noch kannte [vgl. S. 1899, S. 84]. Ver- 
gleiche auch Englisches System, wo jene 
Vermutung als sachlich und sprachlich 
kaum zulässig erklärt wird. 

AkklAmation, s. Zuraf. 

Akra, die dritte Spitze auf dem Berge 
Sion im Thale Josapnat, auf dem (nach 
der schwedischen Lehrart) der Sitz der 
jüdischen Fürsten und Könige nach der 
Eückkehr aus Babylon sich befand. 

Aktiv (tUtIg) 1) nennt man eine Loge, 
wenn sie regelmässige Versammlungen 
hält; 2) auch die Mitglieder einer Loge 
werden bisweilen in aktive (ordentliche, s. 
Mitglied) und Ehrenmitglieder (s. d.) unter- 
schieden. 8) Endlich nennt man aktive 
Mitglieder auch die, die überhaupt einer 
anerkannten Loge noch angehören (wirk- 
liche Mitglieder). 

Alabama, einer der Vereinigten Staaten 
Nordamerikas. Die ersten Logen das. wur- 
den durch die Grosslogen von Tennessee 
und Nordcarolina errichtet. Am 15. Juni 
1821 bildete sich die Grossloge, die 
anfangs in Tuscaloosa, später, als Mont- 
gomeiy die Hauptstadt des Staates wurde, 
an diesem Orte tagte. Ihre Töchter 
wuchsen rasch an Zahl. Die Maurer- 
verfolgung unterbrach oder beschränkte 
die Arbeiten der Grossloge und der meisten 
untergeordneten Logen, obwohl keine 
regelmässig gebildete antimaurerische Par- 
tei bestand; während 1827 bereits 26 
Logen in Thätigkeit gewesen waren, er- 
schienen 1884 bei der Grosslogensitzung 
<üe Vertreter von nur acht. Jetzt besitzt 



die Grossloge 875 Logen mit 11588 Mit- 
gliedern. — Ausserdem giebt es in A. eine 
Grossloge der Farbigen, gest. 24. Sept. 1870, 
mit 54 Logen und 1152 Mitgliedern. 

Alardus, M atthiasAndreas ,geb.9.Sept. 
1 7 1 5 in Neuenkirchen in Norderditmarschen, 
gest. 29. Mai 1772 in Hamburg als ge- 
heimer Legationsrat und schleswig-hol- 
steinischer geheimer Kabinettssekretär des 
Bischofs von Lübeck zu Eutin, wurde 

6. Juli 1741 in die Loge Absalom in Ham- 
burg aufgenommen, war deren Sekretär und 
Redner 1741—1747, 1746—47 auch erster 
Aufseher der Schottenloge Judica und 
wurde 10. August 1745 Mitglied der Loge 
St. Georg. Er besang: »Die höchst be- 
glückte Wahl des Kaisers Franciscus I.« 
(Hmbg. 1745). Seine gesammelten Beden 
und Gedichte erschienen unter dem Namen 
»Canthiers« 1747 und 1754. Er nannte 
sich Alardus v. Canthier nach einem Gut, 
das die Familie in der Nähe Brüssels 
besass. 

Albanus, St-Alban. In der Zunftsage 
der englischen Werkmaurer wird der hei- 
lige A. als der erste Förderer der Maurerei 
und der Maurer in England gefeiert, auf 
Grund alter Legenden, die von den Be- 
arbeitern der Sage benutzt und weiter 
ausgeschmückt wurden. In einigen Fas- 
sungen dieser Zunftüberlieferung gilt er 
auch als Schüler des Amphibalus (s d.). 

Albany (Hauptst. des nordamerikan. 
Staates New York, [1890] 94928 E.). Hier 
besteht unter der Grossloge von New York 
eine deutsche Loge Gutenberg Nr. 787, 

fegr. 19. Febr. 1878. Vers. Donnerstags, 
lasonic Temple. 

Albertini, Joh. Bapt., geb. 5. Okt. 1742 
in Brez (Südtirol), gest. 1820 das., wurde 
1766 zum Priester geweiht und 1774 zum 
ord. öff. Professor der Logik, Metaphysik 
und Moralphilosophie an der Universität in 
Innsbruck ernannt, 1782 Rektor des Gene- 
ralseminars fttr Bildung und Erziehung 
des tirolischen Klerus und trat 1790 in 
den Buhestand. Treffliche wissenschaft- 
liche Werke bewahren sein Andenken. — 
Als .Freimaurer gehörte er der Loge Zu 
denfdrei Bergen in Innsbruck an, in der 
er als Redner thätig war. [Vgl. Rapp, Frei- 
maurer in Tirol (Innsbr. 1867), S. 91 fg.] 
Albreeht, l)Heinrich Christoph, geb. 

7. April 1768 in Hamburg, gest. 11. Aug. 
1800 als privatisierender Gelehrter auf 
seinem Landsitze Kielseng bei Flensburg, 
studierte Theologie und wurde Mitdirektor 
eines Erziehungsinstituts in Eppendorf bei 
Hamburg. Er ist 5. Nov. 1785 m die Loge 
Absalom in Hamburg aufgenommen, wurde 
später Mitglied der Loge Emanuel und 
21. Juni 1792 wiegen Nichterfttllung seiner 
maurerischen Verpflichtungen gestrichen. 
Er war ein wackerer maurerischer Schrift- 
steller und mit seinen »Materialien zu einer 
Ütischen Geschichte der Freimaurerei« 
(Hmbg. 1792) begam..^.jine^ejlj5g|.^ 



16 



Alchemie — Aldworth. 



sachgemässe maurerische Geschichtsfor- 
schung. Er veröffentlichte im Berliner 
Archiv der Zeit, 1797, S.849, undl798, S/^3, 
einen Aufsatz: «Spur einer Freimaurerei 
aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh.«, und 
im »Neuen Journal aller Journale«, 1790, 
St. 1, 8, 4, einen Aufsatz: Ȇher Myste- 
rien«. Ausserdem gab er noch heraus: »Ge- 
heime Geschichte eines Bosenkreuzers« 
[J. F. Kadike] (Hmbg. 1792), die vorher 
schon im Braunschweiger Journal 1791, 
St. 7—10, stand. [Vgl. Thiess, Autobiogr., 
n, 110. Schröder, Lexikon Hamburgischer 
Schriftsteller, I, 38—40.] 

2) Heinrich Wilhelm Eduard, Zahn- 
arzt, geb. in Berlin 1832, gest. 25. Jan. 1888 
das., liess sich nach beendigtem Studium 
an der Berliner Universität als Privat- 
dozent für Zahnheilkunde nieder und 
wurde 1868 zum Professor ernannt. Am 
17. März 1851 wurde er in der Loge Zu 
den drei Seraphim in Berlin in den Frei- 
maurerbund aufgenommen, war 1868—1879 
dort Bedner und wurde später zum Vor- 
sitzenden Meister gewählt. 1865 trat er 
in die Grossloge ein und wurde 1876 zum 
Mitglied des Bundesdirektoriums gewählt. 

Sgl. Geschichte der Grossen National- 
utterloge Zu den drei Weltkugeln (Brl. 
1890), S. 406.] 

Alchemie (Alchvmie, Goldmacherkunst) 
bezeichnet die geheimnisvolle Kunst, un- 
edle Metalle in edle zu verwandeln; sie 
heisst die Ägyptische Kunst, weil sie dort 
zuerst getrieben wurde und von diesem 
Lande (Khemi oder Kimi, d. i. schwarzes 
Land) auch ihren Namen erhielt, femer 
hermetische Kunst, von Hermes Trisme- 
gistus, auch heilige oder spagirische. 
Das Alter dieser Kunst wird weit vor 
unsre Zeitrechnung gesetzt. Das älteste 
alchemistische Buch stammt aus dem 4. 
Jahrh. v. Chr., von einem gewissen Demo- 
kritos; später wurde die A. vorzüglich in 
Alexandrien gepflegt. Das Mittelalter war 
der A. besonders günstig. Man meinte, 
die Verwandlung durch Beimischung eines 
gewissen Stoffes bewirken zu können; 
diesen Stoff nannte man den Stein der 
Weisen. [Vgl. Kopp, Die A. in älterer und 
neuerer Zeit (Heidelberg 1886, 2 Bde.). 
Schmieder, Geschichte der A. (Halle 1832).] 
— In der Maurerei wurde die A. seit der 
Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Rosen- 
kreuzer (s. d,), besonders durch F. J. W. 
Schröder (s. d.) in Marburg, sowie durch 
E. S. Bosa (s. d.) eingeführt; doch gegen 
Ende des 18. Jalurhundertß ward die Kunst 
der Alchemisten oder Adepten (s. d.) all- 
gemein als Betrügerei und Hochstapelei 
erkannt und die hermetische Freimaurerei 
(s. d.) als eine lächerliche Verirrung ver- 
worfen. [Vgl. L. 1886, S 196.] 

AlcniB, geb. 735 in York, gest. 804 als 
Abt von Tours, war Leiter der Schule 
in York, die sich durch ihn eines grossen 
Bufes erfreute. Von entscheidendem Ein- 



fluss wurde für ihn eine Beise nach Born, 
auf der er in Parma mit Karl dem Grossen 
zusammentraf, der ihn an den kaiserlichen 
Hof einlud. EUer übernahm er die Lei- 
tung der Hochschule und wurde auch mit 
der Erziehung der Sander Karls des Grossen 
betraut. — Wenn Anderson ähnlich wie 
andre alte Konstitutionen berichtet, dass 
ungefähr um das J. 710 Karl Martell einige 
erfahrne Maurer aus Frankreich habe nach 
England gehen lassen, damit sie die Sachsen 
in den Gesetzen und Gebräuchen der alten 
Brüderschaft unterweisen möchten, so be- 
ruht diese Nachricht augenscheinlich auf 
einem Lrrtum. Die Franken standen in 
der Bildung zu jener Zeit weit hinter den 
Angelsachsen zurück, die sich einer reichen 
Litteratur rühmen konnten. Wahrschein- 
lich sind später Schüler des Angelsachsen 
A. von Frankreich herübergekommen, und 
daraus ist der Irrtum entstanden. [Vgl. 
Krause, Kunsturkunden, IV, 222. Schlosser, 
Weltgeschichte, V, 389 fg. Kugler, Kunst- 
geschichte, I, 274.] 

Aldworth, Elisabeth, von den Eng- 
ländern «the Lady Mason« genannt, war 
eine Maurerin, ctie wirklich die Weihe 
erhalten hat (vgl. Frauen). Sie war die 
Tochter von Arthur St Leger, Baron Kil- 
mayden und Viscount Doneraile, und die 
Frau von Bichard A. von Newmarket. 
Nach Familienüberlieferung war sie »als 
junges Mädchen« (young girl) durch Zufall 
Zeugin einer Aufnahme gewesen, die von 
ihrem Vater in dessen Hause vollzogen 
wurde, und man hielt es nun für das Bich- 
tigste, sie auch förmlich aufzunehmen und 
zur Verschwiegenheit zu verpflichten. Es 
wird ihr auch nachgesagt, dass sie diese 
Pflicht gewissenhaft erÄUt hat. Ob sie 
später Logen besucht hat, weiss man nicht 
sicher; nach einer angezweifelten Nach- 
richt soll sie sogar eine eigne Loge ge- 
leitet haben. Ihr Bild in maurerischer 
Bekleidung ist erhalten. Während man 
früher über den Zeitpunkt ihrer Geburt 
und ihrer Aufriahme ganz falsche Angaben 
machte, wissen wir heute aus urkundlichen 
Zeugnissen, dass sie 1693 geboren ist, sich 
am 7. April 1713 verheiratet und 1778 das 
Zeitliche gesegnet hat. Da sie als »junges 
Mädchen« geweiht wurde, muss dies vor 
1713 geschehen sein, etwa 1710, als sie 17 
Jahre alt war, vielleicht auch sclion früher. 
Ihr Bildnis befindet sich beinahe in 
jeder irischen Loge. Der Schurz der Lady 
A. ist noch vorhanden und im Besitz 
des Colonel B. W. Aldworth in New- 
market -Court. Auch zwei Logenzeichen 
werden noch verwahrt, das eine von der 
Lady Doneraile, das andre von der Loge 
Nr. 1 in Cork. Bildnisse von ihr sind 
enthalten in The Signet of king Solomon 
(New York 1860), femer im Londoner 
Masonic Magazine 1876 Nr. 1 und in der 
frühem Wiener illustrierten Monatsschrift 
Der Freimaurer 1876, S. 11. Ein Fak- 
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Alethophileu — Almosenkommission« 



17 



simile ihrer Handschrift wird in der Ars 
Quat. Cor. VII, 55 wiedergegeben. [Vgl. L. 
1896, S. 59.] 

Alethoptailen (Gesellschaft der). Diese 
Gesellschaft wurde 1736 in Berlin unter 
Vorsitz des Grafen von Manteuffel (auf 
den auch eine Denkmünze geschlagen 
wurde, (vgl. Merzdorf, Denkmünzen der 
Freimaurerbrüderschaft, S. 48, Nr. 96) ge- 
stiftet, von Verehrern der Wolfschen Phi- 
losophie, welche die Wahrheit aufirichtig 
zu suchen sich vornahmen. [Vgl. Nach- 
richt von der zu Berlin auf die Gesell- 
schaft der Alethophilorum oder Liebhaber 
der Wahrheit geschlagenen Münze (1740). 
Holderrieder, Historische Nachricht von 
der Weissenfelsischen Alethophilotischen 
Gesellschaft (Lpz. 1750). Kundmann, Die 
hohem und niedem Schulen Deutschlands 
(Brsl.1741), S. 769 fg. Biedermann, Deutsch- 
land im 18. Jahrb., U, Abt. 1, S. 406, 
Note 8.] — Im System der Afrikanischen 
Bauherren (s. d.) bildeten die A. den fünften 
Grad, und es ist ein innerer Zusammenhang 
zwischen diesen und der vorgedachten Ge- 
sellschaft zu vermuten. 

Alexandersbad (Badeort im Königreich 
Bayern). Hier bestand in den Jahren 1888 
bis 1896 ein maurerisches Kränzchen wäh- 
rend der Kurzeit. 

Alfeld (St. in der preuss. Prov. Hannover, 
4735 E.). 1) Von der Grossen Landesloge 
in Berlin wurde hier 9. Sept. 1805 eine 
Loge Luise Auguste zu den drei 
Sternen gegründet, die sich 1810 der dama- 
ligen Grossen Loge Hieronymus Napoleon 
zu Kassel anschliessen musste, aber 1815 
unter die englische Provinzialloge zu Han- 
nover, später unter die Grossloge das. 
trat Sie ruht seit 1809. [Vgl. Voigts, Die 
Freimaurerlogen im Königr. Hannover.] 
2) Jetzt besteht hier eine gesellige Ver- 
einigung mit zwanglosen Zusammen- 
künften. 

Algerien (franz. Kolonie in Afrika). Hier 
wurde die Freimaurerei bereits 1882 durch 
Gründung der Loge B^lisaire in Algier 
vom Grossorient von Frankreich einge- 
führt Um die Verbreitung in A. machte 
sich insbesondere der Meister vom Stuhl 
der genannten Loge Descous (Capitain 
d'ätat-major en retraite und holländischer 
Konsul in Algier) sehr verdient. Es sind 
das. nach und nach vom Grossorient und 
seit 1853 vom SuprSme Conseil von Frank- 
reich eine beträchtliche Anzahl Logen er- 
richtet worden. 1869 gründete auch der 
Grande Oriente National de Elspafia eine 
Loge in Oran. Gegenwärtig bestehen I. 
unterm Grossorient von Frankreich 11 
Logen in Algier (2), Constantine, Aln-Te- 
mouchent, Mascara. Mostaganem, Oran, St.- 
Denis-du-Sig, Sidi-oel-Abbfes und Tlemcen; 
n. unterm Su^rtoe Conseil von Frank- 
reich 4 Logen m Algier, Constantine, Or- 
l^ansville und S^if ; HI. unterm National- 
Grossorient von Spanien 1 Loge in Oran, 

AUgemeinei Handbuch fttr Freimaurerei. 



zusammen 16 Logen. 1896 erschien hier 
eine Halbmonatsschrift »L'Orient d'Alger«. 

Alinge, Emil Eugen Karl August d'. 
Geh. Regierungsrat und Direktor der Straf- 
anstalt in Zwickau, geb. 6. Nov. 1819 in 
Schneeberg, gest. 18. Mai 1894, wurde in 
den Freimaurerbund aufgenommen in der 
Loge Apollo in Leipzig 26. Juni 1852 und 
hat sich um die Gründung des Freimaurer* 
klubs und der Loge Bruderkette zu den 
drei Schwanen in Zwickau (1868) verdient 
gemacht, deren Meister vom Stuhl er bis 
1866 war. 

AUegtaany (St. im nordamerikan. Staat 
Pennsylvanien, [1890] 105287 E.). Hier 
besteht unter der einheimischen Grossloge 
eine deutsche Loge Jefferson Nr. 2&, 
gegr. 6. März 1854. Vers. 1. Mittwoch. 

Allendorf (St. in der preuss. Prov. Hessen- 
Nassau, 2789 E.). Unter dem Namen Ein- 
tracht zur Acacia bestand hier eine 
Loge von 1817—22, die 1810 in Eschwege 
gegrtlndet worden war. (S. Esohwege.) 

Allensteln (St. in der preuss. Prov. Ost- 
preussen, 21579 E.). Loge das. Stein an 
der Alle unter der Grossen Landesloge 
in Berlin, gegr. 27. Jan. 1888. Mitglieder- 
zahl (1899): 60. Eignes Logenlokal: Gutt- 
städter Strasse Nr. 8. Vers. Donnerstag. 
Ferien: Juli und August. Hausgesetze v. 
1. Apr. 1892. 

AÜied Masonle Degrees (verwandte mau- 
rerische Grade). Unter diesem Namen be- 
greift man in England den Orden von St. 
Lorenz dem Märtyrer, der Ritter von Kon- 
stantinopel, des Boten Kreuzes von Baby- 
lon und des Gross-Hohen Priesters, neuer- 
dings auch noch den Grossziegeldecker 
König Salomos und den Geheimen Warner 
(Secret Monitor), während man in Schott- 
land nur die Grade St. Lorenz den Mär- 
tyrer, die Ritter von Konstantinopel und 
den Gross-Hohen Priester darunter oefasst. 
Die Grade werden in Räten (Councils) er- 
teilt, die unter einem Grossrat (Grand 
Council) stehen. Der Grossrat von Eng- 
land zählte 1898 35 Räte. 

Allokatlon, s. Päpste. 

Allstedt (St. im Grossherzogtum Sach- 
sen-Weimar, 8888 E.). Unter der engli- 
schen Provinzial- Grossloge in Hamburg 
wurde hier 15. Mai 1801 eine Loge: Karl 
August (so benannt zu Ehren des da- 
maligen Herzogs von Sachsen- Weimar) ge- 
stiftet und 3. Aug. 1801 eingeweiht, der 
aber das Protektorium 1809 wieder ent- 
zogen wurde. Sie ist seitdem ausser Thä- 
tigkeit. 

Almanaeb, s. Fresse. 

Almosd (Dorf im Komitat Bihac in Un- 
garn). Hier, auf dem Gute des Vizegespans 
Emerich v. P^chy bestand, mit ihm an 
der Spitze, die Loge Probitas, die um 
1792 entstand, aber sich 1794 sicherlich 
auflöste. [Abafi, Gesch. VI, MS.] 

AlmosenkomnÜMloii (Committee of cha- 
rity) in London. Die dreizehnte alte Verord- 

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18 



A 1 m ftg Atiafifwm I Ar^ Aumoiüer — Alströmer. 



nung der Grossloge von England bestimmte, 
dass die Grossloge die Mittel erwägen solle, 
wie man das zur Unterstützung notleiden- 
der Brüder gesammelte Geld am besten 
verwenden möge, und es sollten die ein- 
zelnen Logen ihren alten Satzungen ge- 
mäss so lange über das von ihnen Ge- 
sammelte nach eignem Ermessen verfügen, 
bis man einen gemeinsamen Beschluss ge- 
fasst habe, die Almosen bei der Grossloge 
einzahlen zu wollen, um daraus ein Ka- 
pital zum bequemem Unterhalt dürftiger 
Brüder zu bilden. Gemäss dieser Verord- 
nung schlug der abgetretne Grossmeister 
Graf v. Dalkeith, nachherige Herzog von 
Buccleugh, 1724 vor, dass zur Beför- 
derung der brüderlichen Liebe der Frei- 
maurer und zum Nutzen der Brüderschaft 
jede Loge je nach ihrem Vermögen eine 
Sammlung veranstalten möge, das ge- 
sammelte Geld in eine gemeinsame Kasse 
gelegt und ein Schatzmeister bestellt werde; 
aus dieser Kasse sollten dann solche be- 
drängte Brüder Unterstützung erhalten, die 
den die Geschäfte dieser Kasse leitenden 
Beamten von den beitragenden Logen em- 
pfohlen würden. Da dieser Vorschlag all- 
gemeinen Beifall fand, ernannte der Gross- 
meister Herzog von Eichmond 17. März 
1725 eine Kommission, um Vorschläge zur 
Einrichtung einer solchen Almosenkasse zu 
beraten. Die von dieser Kommission ge- 
machten Vorschläge fanden in der Gross- 
loge 27. Nov. 1 727 grossen Beifall, wurden 
angenommen und Abschriften davon an die 
einzelnen Logen verteilt. Da es aber an- 
fänglich an einem Schatzmeister fehlte, 
wurde beschlossen, dass die vier damaligen 
Grossbeamten nebst drei andern Brüdern 
eine Konmiission bilden sollten, um die 
Unterstützungsgesuche zu prüfen und über 
die eingehenden Almosen zu verfügen. Am 
25. Nov. 1729 trat durch die Bemühung 
des zugeordneten Grossmeisters Blakerby, 
der das Schatzmeisteramt angenommen 
hatte, die A. wirklich ins Leben, indem 
verschiedne Logen ihre Beiträge einzahlten, 
und es wurde Beschlossen, dass jede neue 
Loffe für ihre Einrichtung zwei Guineen 
in diese Wohlthätigkeitskaase zahlen solle. 
Am 28. Aug. 1780 wurde der Beschluss 

fefasst, die Kommission durch je zwölf 
[eister der beitragenden Logen zu ver- 
stärken. Fünf versammelte Mitglieder dieser 
Kommission, wenn darunter ein Gross- 
beamter wäre, sollten beschlussfällig sein. 
Sie sollte in der Grossloge von ihren Ver- 
handlungen einen auszugsweisen Bericht 
erstatten. Ln Mai 1781 wurde beschlossen, 
dass alle ehemaligen Grossmeister und zu- 
geordneten Grossmeister Mitglieder der A. 
sein und dass letztere die Befugnis haben 
sollte, bis zu ö Pf. St. an einen bedürftigen 
Bruder zu geben, doch nicht mehr, es sei 
denn die Einwilligung der Grossloge er- 
folg. Ln J. 1788 wurden die Vorsitzenden 
Meister solcher Logen, die regelmässig 



Beiträge leisteten, auch als Mitglieder der 
Kommission anerkannt. — Nur in regel- 
mässigen Logen aufgenommene Brüder 
konnten Unterstützung erhalten, und es 
musste die Bittschrift von der Loge, wel- 
cher der Bittsteller angehörte oder ange- 
hört hatte, unterstützt, auch auf ihr Name 
und Gewerbe des Unterstützung Suchenden 
angegeben sein. Nach einem Beschluss 
vom Okt. 1768 musste ein solcher in seiner 
Bittschrift angeben, wann und wo er zum 
Freimaurer gemacht worden, und eine Be- 
scheinigung beibringen, dass er seine Ein- 
trittsgelder bezahlt habe. [The Laws 
relating to the General Charity, and dis- 
posed there of. Printed in Pursuance of 
an Order made the 7the Day of March 
1747.] Die Einsetzung dieser^ Kommission 
hat manches Gute gewirkt. Ähnliche Ein- 
richtungen bestehen heute bei allen Gross- 
logen, um so mehr als auch überall sich 
zahlreiche milde Stiftungen teils einzelner 
Grosslogen, teils, wie in Deutschland, des 
Grosslogenoundes bestehen, die ihre eignen 
Kommissionen zur Verwaltung haben. Aber 
auch die einzelnen Logen besitzen Stif- 
tungen, an deren Spitze Kommissionen 
stehen. Armenpflege, teils Beschenkungen 
von Konfirmanden, Bekleidung armer Kin- 
der, Weihnachtsbescherungen leistet heute 
wohl jede Loge je nach ihren Mitteln, be- 
sonders Witwen (sog. verschämte Arme) 
finden durch Logen häufig Unterstützungen. 
[Vgl. Armenpflege, Wohlthätigkeit. R. 
Fischer, Entwurf zu einem Handbuch für 
die Amtsthätigkeit der Logenmeister (Lpz. 
1891) S. 88.] 

AlmosenBammier, Aumonler, s. Armen- 
pfleger. 

Alphabet der Engel. Ein solches soll 
durch himmlische Vermittlung den Erz- 
vätern bekannt gewesen sein. In einigen 
Graden des Schottischen Ritus (s. d.) nimmt 
man Bezug auf dieses Alphabet. S. auch 
Mund. 

Alpina. 1) Name der Grossloge der 
Schweiz (s. d.). 2) Eine maurerische Zeit- 
s(?hrift, herausgegeben von der vorgedachten 
Grossloge (s. Preaae). Sie erschien zuerst 
als »Maurerisches Taschenbuch«, heraus- 
gegeben von Dr. F. öchauberg in Zürich 
1859 und 1860 in zwei Jahrgängen und 
war nicht amtlich. Erst seit 1875 kam die 
A. als »Centralorgan des Schweizerischen 
Logenbundes« mit einem »nicht offiziellen 
Teü« heraus, und zwar anfangs nach Be- 
dürfnis, später 14tägig unter der Leitung 
von Prof. Dr. H. Hagen in Bern, von 1894 
in grösserm Quartformat halb in franzö- 
sischer, halb in deutscher Sprache, von 
1897 unter Leitung von C. Fr. Hausmann 
in St. Gallen, von Nr. 9 an von H. Keller 
in Waldstatt in Appenzell. 

Alströmer, Patrick Freiherr, Kom- 
merzienrat, geb. 26. Febr. 1783, gest. 28. Okt. 
1804, war Grosskaufmann in Göteborg im 
Verein mit seinem Bruder Freiherm das 



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Altar — Altenbnrg. 



19 



A., unter der Finna N. Sahlgren, Direktor 
der ostindischen Kompagnie, Bitter des 
K. W. Ordens, Mitglied der K. W. Aka- 
demie, ein sehr kunstliebender und 
wohltbätiger Mann. Er war 1771 einer der 
Mitbegründer der Eönigl. Musikakademie 
in Stockholm und Vorsitzender Meister der 
Loge Salomon k trois serrures in Goten- 
burg. Ihm zu Ehren wurde 1785 eine 
Denkmünze von seiner Loge geschlagen. 
[Vgl. BMW. Nr. 182.1 

Altar. Ln alten ttitual und in allen 
alten englischen Logen, auch in der Schrift 
von S. Prichard: «Masonry dissected« (Lon- 
don 1730), kommt der Name A. nicht vor; 
man bediente sich anfangs nur eines Lehn- 
stuhls, mit einem Schemel davor, später 
eines einfachen Tisches. Im schottischen 
Andreasgrade wird der A. zuerst genannt. 
Im Clermontschen System heisst der A.: 
Throntisch des Palastes. Gegen Ende des 
18. Jahrhunderts wird der Gebrauch des 
Namens A. allgemein und auch von Schrö- 
der gebilligt: »Altar, Bibel und Gebet sind 
beizubehalten«. [Schröders Abhandlung 
über alte und neue Maurerei, S. 45.] Zu 
dem A. führen drei Stufen und hinter dem- 
selben ist der Sitz des Meisters vom Stuhl. 
Nach dem Gebrauch vieler Lehrarten ist 
über dem A. ein Baldachin (s. d.) als Sinn- 
bild des Himmels angebracht. Der A. ist 
in der Loge der hervorragendste Ort; auf 
ihm befinden sich die Hauptsymbole, hier 
Nvird gebetet, und von hier geht die Lei- 
tung der Logenarbeiten aus. [Vgl. B.Fischer, 
Bitual und Symbol (Lpz. 1878), S. 97.] 

Alte Maurer, s. Aneient Masons. 

Altena (St. in d. preuss. Prov. Westfalen, 
12108 E.). Hier besteht ein maurerisches 
Kränzchen, gegr. 13. Sept. 1876, seit 
13. Jan. 1891 unter die Aufsicht der Loge 
Zum märkischen Hammer in Lüdenscheid 
gestellt. Mitgliederzahl (1899): 27. Vers. 
2. Dienstag im Monat. Lokal: Hotel 
Xlincke. 

Altenbnrg (Hauptst. des Herzogtums 
Sachsen- Altenburg, 33423 E.). Loge (un- 
abhängig) das.: Archimedes zu den 
drei Beissb retern. Mitgliederzahl (1899): 
280. Vers, den 2. Donnerstag. — Am 81. 
Jan. 1742 gründeten hier Albr. Ant.v. Büx- 
leben (s. d.) und die ihm verschwägerten 
Brüder Joh. Aug. und Ludw. Heinr. Frei- 
herrn Bachoff von Echt (s. d.) eine der 
ältesten deutschen Johannislogen. Sie wurde 
unter der damaligen Grossloge von Ober- 
sachsen Aux trois aigles blancs in Dresden 
durch eine Abordnung der Loge Aux trois 
compas in Leipzig (jetzt Minerva zu den 
drei Palmen) gesetzmässig und nach ge- 
höriger Form errichtet und erhielt hi dem- 
selben Jahre den Namen Aux trois planches ä 
träger. Vom 28. Juni 1786 an führte sie 
den Namen Archimedes zu den drei Beiss- 
bretern. Bis 1775 arbeitete die Loge 
nach dem neuenglischen Bitual und hielt 
sich frei von dem System der strikten Ob- 



servanz und von Hunds Tempelherren- 
system. In dem gedachten Jahre gab sie ihre 
Selbständigkeit auf und trat zur Grossen 
Landesloge in Berlin, zu deren Grossmeister 
inzwischen der Herzog Ernst von Sachsen- 
Gotha und Altenburg (s. d.) gewählt worden 
war. 1785 trennte sie sich von dieser 
Grossloge und gehörte von 1788—93 dem 
eklektischen Logenverein an, um dann ihre 
frühere Selbständigkeit wieder für immer 
anzunehmen. Mit dem Beginn des neuen 
Jahrhunderts begann für die Loge, die sich 
auch bisher den maurerischen Schwärme- 
reien und Gaukeleien zu entziehen gewusst 
hatte, eine Zeit der Beformen. Es wurde 
zunächst die förmliche Ablegung des Frei- 
maurereides abgeschafit; die bisher beibe- 
haltenen Zinnendorfschen Bituale wurden 
aufgegeben, und es wurde einstweilen nach 
dem Bitual des eklektischen Systems gear- 
beitet, bis 1803 das von Pierer (s. d.) nach 
»dem ältesten, unzweifelhaft als echt und 
unverfälscht anerkannten, bis 1650 in aUen 
Logen üblich gewesenen Bitual« für alle 
drei Grade ausgearbeitete Bitual eingeführt 
wurde. Li demselben Jahre gab die Loge 
ihr namentlich von Schneider (s. d.) bear- 
beitetes »Konstitutionsbuch« heraus. (Die- 
ses jetzt seltene und wertvolle Buch ent- 
hält in einem Anhang Studien über die 
Geschichte der Freimaurerei und andre 
verwandte Gegenstände und Fragen und 
ist eins der vorzüglichsten Werke der 
ganzen damaligen maurerischenLitteratur.) 
Inzwischen war auch der Bau eines eignen 
Logenhauses in Angriff genommen worden ; 
es wurde 25. Okt. 1804 eingeweiht. [Vgl. 
HMW. Nr. 1.] Bereits 18. Dez. 1803 hatte 
die Loge eine Deputationsloge in Gera (s. d.) 
errichtet, die kurz nachher, 25. Okt. 1804, 
als selbständige Loge unter dem Namen 
Archimedes zum ewigen Bunde von der 
hiesigen Loge eingerichtet >vurde. Gleich- 
zeitig wurde bei der hiesigen Loge eine 
besondere Direktorialloge errichtet, welche 
die wichtigem Angelegenheiten der Loge 
in Gera und der in zwei Kolonnenlogen 
(Ernst zur Wahrhaftigkeit und Ernst 
zur Gerechtigkeit) geteilten Loge in 
A. leitete. Jedoch bereits 1806 wurde 
diese Einrichtung wieder aufgehoben. 1809 
eröflhete die Loge eine Deputationsloge 
in Schneeberg, die 1812 unter dem Nameu 
Archimedes zum sächsischen Bunde von 
der Grossen Landesloge von Sachsen als 
eigne Loge eingerichtet wurde. Die fort- 
schreitende Zeit forderte manche Verän- 
derung der bestehenden Logengesetze, wie 
auch des G^brauchtums. Infolgedessen 
erschien eine Neubearbeitung der Verfas- 
sungsurkunde 1836, während die jetzt noch 
gültige 11. Sept. 1862 in Kraft trat. Auf 
Grund derselben erhielt die Loge vom 
Herzog Ernst unter dem 29. Mai 1863 die 
Bechte der Gesamtpersönlichkeit. Das 
neurevidierte Bitual wurde am Stiftungs- 
feste der Loge 31. Jan. 1871 dngeöilu^. 
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20 



Altenglisohes System — Altersheim. 



Bereits 1875 trat die Loge der Vereinigung 
der fünf »selbständigen« Logen bei, die 
14. Okt. 1883 in die »Freie Vereinigung 
der fünf unabhängigen Logen in Deutsch- 
land« umgeändert wurde. — An der Feier 
des lOOjähjrigen Jubiläums 1842, wie auch 
des 160jährigen Jubiläums am 81. Januar 
1892 [vgl. HMW. Nr. 2) nahmen nicht bloss 
die sämtlichen Grosslogen und Logen 
Deutschlands, sondern auch die städtischen 
Behörden, sämtliche hohem Unterrichts- 
anstalten, das Direktorium und das Kol- 
legium der Bürgerschullehrer und eine 
grössere Anzahl wissenschaftlicher Vereine 
regen Anteil. Bei Gelegenheit des letztem 
Jiibiläums empfing die Loge von Seiten 
des Sparkassenvereins ein Geschenk von 
100000 M. als Stiftung zu Wohlthätigkeits- 
zwecjcen. — Die Loge arbeitete sofort nach 
ihrer Konstituierung indeutscher Sprache 
und ist daher höchst wahrscheinlich die 
erste Loge in Deutschland, die bei ihren 
Ajrbeiten sich dieser Sprache bediente. (S. 
Iiogenspraohe.) 1746 gab sie eine Anzahl 
»Freymaurer-Lieder«, von L. F. Lenz (s. d.) 
gedichtet, nebst dabei in Kupfer gestochnen 
Melodien in 4. heraus. Dies ist das erste 
deutsche Liederbuch für Freimaurer. 
1798 erschien ein Gesangbuch unter dem 
Titel »Gesänge für die ger. und vollk. 
Loge Ajrchimedes zu den drey Eeissbretem 
zu Altenburg« und 1804 ein neues Lieder- 
buch: »Maurerische Gesänge«, dem 1821 
ein zweiter^ Band folgte. 1850 erschien 
eine neue Bearbeitung dieser Gesänge unter 
dem Titel: »Gesänge der Freimaurerloge 
Archimedes u.s.w. « . — Verfassung : Die Loge 
erkennt als eine Johannisloge nur die drei 
Johannisgrade (s. d.)an und arbeitet daher 
nur in diesen. Der Meister vom Stuhl 
und die beiden Vorsteher werden von den 
Brüdern des dritten Grads aus der Zahl 
der Meister alljährlich durch Stimmen- 
mehrheit gewählt; die übrigen Beamten 
wählt der Meister vom Stuhl. Die wich- 
tigem Angelegenheiten der Loge werden 
vom Meister vom Stuhl, dem zugeord- 
neten Meister vom Stuhl und den beiden 
Vorstehern beraten. Die Loge besitzt eine 
Bibliothek von ungefähr 1400 Bänden 
(Verzeichnis v. 1843 nebst Nachträgen von 
1854, 1862, 1896), sowie eine aus dem 
Nachlass des Horst v. Bärenstein (s. d.) 
angekaufte und seitdem unablässig ver- 
grösserte maurerische Münzsammlung von 
ca. 1000 Nummern, die jetzt wohl die bedeu- 
tendste imBesitz deutscherLogen befindliche 
ist. Wahlspruch : Noli turbare circulos.— Aus 
der Loge nervorgegangene Anstalten sind : 
1) der 1808 gegründete Logenfiskus; 2) die 
1823 gegründete, von der Einwohnerschaft 
Altenburgs und Umgegend stark benutzte 
Sparkasse (jetzt Sparkasse); 3) die Johannis- 
stiftung, mit einem Stiuungskapital von 
60 000 M. Die von Altenburg ausgegangnen 
sehr schätzbaren maurerischen Zeitschrif- 
ten sind: das »Journal für Freimaurerei« 



(1804 fg.), die »Zeitschrift für Freimau- 
rerei« (1823 fg.) und »Der Ziegeidecker« 
(1837 fg., fortgesetzt unter dem Titel »Bru- 
derblätter. 1848-1854). Zur Geschichte 
der Altenburger Loge s. : 1) »Konstitutions- 
buch vom J. Ib03; 2) Waitz, die S. J.-Loge 
A. z. d. 3 R. in A. nach lOujähr. Bestehen 
(1842); 3) Henny, Kurze (jeschichte der 
Loge (1868); 4) Zumi)e, Zur Frage über 
maurerische Werkthätigkeit nebst Mittei- 
lungen über die Werkthätigkeit der Loge 
A. z. d. 3 R. (1876); 5) Dietrich, Aus ver- 
gangenen Tagen (1889); 6) ders., Blätter 
der Erinnerung (1889); 7) ders., Deutsches 
Logenleben (1890). 

Altenglisches System, s. EnglisoheB 
System. 

Alte Pfliohteii, s. Pflichten. 

Alter. Zur Aufnahme in den Freimaurer- 
bund ist schon nach den Alten Verordnungen 
der Grossen Loge von England vom 29. 
Dez. 1729 das 21. Altersja£r, in manchen 
Ländern das Alter der gesetzlichen Voll- 
jährigkeit, in Preussen nach dem Edikt v. 
J. 1798 das 25., erforderlich. Diese Be- 
stimmung haben die drei altpreussischen 
Grosslogen auch nach Herabsetzung des 
Volljähngkeitsalters im Deutschen fieich 
beibehalten und erst 21. Febr. 1899 noch 
beschlossen, dass, wer als preussischer 
Staatsangehöriger in ausserpreussischen 
Logen vor vollendetem 25. Lebensjahre 
aufgenommen worden ist, bei Logen inner- 
halb des Verbands der drei altpreussischen 
Grosslogen, so lange er das 25. Lebensjahr 
noch nicht zurückgelegt hat, nur als Be- 
suchender zugelassen werden kann. In 
Frankreich befähigt gleichfalls das erfOllte 
21. Lebensiahr. (8. Aufnahme.) Eine Aus- 
nahme findet in manchen Logen bei der Auf- 
nahme von Luftons (s. d.) statt. Übrigens 
haben sich auch schon sehr bejahrte Männer 
au&ehmen lassen, so Wieland (s. d.) im 72., 
Voltaire (s. d.) im 80. Lebensjahre. Im all- 
gemeinen sollte der Eintritt nicht zu früh, 
namentlich nicht vor erlangter voller Selb- 
ständigkeit im profanen Leben bewilligt 
werden. Das maurerische oder symbolische 
Alter eines Freimaurers bestimmt sich nach 
den Graden in verschiedner Weise. [Vgl. 
Z. 1893, S. 63.] 

Altershelm mr Freimaurer. Ein deutsches 
A. wurde zum ersten Male angeregt von 
einem Bruder in Dresden (B.) 1865 und weiter 
verfolgt von der Loge in Einbeck bei Ge- 
legenheit ihrer Hundertjahrfeier 1897, das 
aber aus den ersten Anlangen noch nicht 
herausgekommen ist und für dessen Ver- 
wirklichung noch gesammelt wird. Doch 
sind schon beträchtliche Mittel im Betrag 
von c. 40000 M. vorhanden (vgl. FZ. 1897, 
S. 261]. Die Satzungen sind abgedruckt 
in L. 1898, S. 101. -. Auch 1886 hatte 
A. Stahlberg den Gedanken angeregt und 
einen Plan veröffentlicht [vgl. FZ. 1886, 
S. 3731. Ebenso schwebte dem v erein deut- 
scher Freimaurer bei der Gründung seines 

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Alter und angenommener Ritus — Altona. 



21 



Zentralhilfsfonds ein gleicher Gedanke 
vor. — In Amerika bestehen Altersheime 
für Freimaurer in New York (in Utica seit 
1893 und das deutsche Altenheim in Tappan 
seit 1888), Philadelphia (seit 1889), Chicago 
(seit 1885), St. Louis (seit 1889), Michigan 
m der N&be von Grand Bapids (seit 1889), 
Virginia östlich von Bichmond (seit 1890), 
Kentucky und Tennessee. Das ijrösste ist 
das von Kentucky, das durch eine Kopf- 
steuer von 1 Dollar für jeden angenom- 
menen Meister, den Zinsen der &pital- 
aidagen des Endowment-Fund, freiwilligen 
Beiträgen und den Einnahmen des Jo- 
hannisstifts erhalten wird. Es birgt jetzt 
216 Insassen und kostet jährlich 24686,88 
Dollar. 

Alter nnd angenommener Ritus, s. 
Schottifloher Bitos. 

Altkatholizlsmns. Als Anstifterin des 
A. hat H. von Hartenstein in »Enthüllungen 
über die Freimaurerei«, besonders über die 
schweizerische Grossloge Alpina, 1. Heft, 
»Was ist und was will die Freimaurerei?« 
(Solothurn 1873) die Freimaurerei hinzu- 
stellen versucht. Dass sie damit nie etwas 
zu thun gehabt hat, bedarf keines Beweises. 

Altkireh (8t. in Elsass-Lothringen, »315 
E.). Unterm Grossorient von Frankreich 
wurde hier die Loge Les amis r^unis 
1. Dez. 1809 gegründet, die aber nur kurze 
Zeit bestand. [Vgl. Chalne d'union 1877, 
8. 508.] 

Altmeister (Pastmaster), ein Ehrentitel, 
der in Deutschland den Vorsitzenden 
Meistern einer Loge bei der Niederlegung 
ihres Amts im Faß besonderer Verdienste 
beigelegt wird. (8. auch Ehrenmelster 
und Pastmaster.) 

Alton (8t. im nordamerikan. 8taat Illi- 
nois, [1890] 10294 E.). Hier besteht eine 
in deutscher 8prache arbeitende Loge Er- 
win Nr. 315 unter der Grossloge von 
niinois, gegr. 5. Okt. 1859. Vers. Donners- 
tag vor Vollmond. 

Altena (8t. in der preuss. Prov. 8chles- 
wig-Holstein, 148944 E.). 1) Die erste in 
A. gestiftete Loge ist die noch jetzt in 
Hamburg arbeitende Loge Zum Pelikan. 
Sie wurde 16. März 1771 von einem öster- 
reichischen Offizier, der sich regelmässig 
einen Teil des Jahres in Dienstgeschäften 
das. aufhielt, gestiftet. Dieser ist mit 
Zinnendorf (s. d.) persönlich bekannt ge- 
wesen und hat von ihm den Stiftungs- 
brief erhalten. [Vgl. BZC. 1893, 8. 105.] 
2) Von abtrünnigen Brüdern dieser Loge 
wurde die Loge Juliane zu den drei 
Löwen 19. Juni 1776 in A. gegründet, 
die sich der unter dem Schutze des 
Prinzen und Landgrafen Karl von H^essen 
in Dänemark eingeführten sog. strikten 
Observanz anschloss. Nach mannigfachen 
Zwistigkeiten verdrängte sie die ältere Loge 
Zum Pelikan aus A., die zunächst nach 
dem Hamburger Berge (Vorstadt 8t. -Pauli) 
übersiedelte. Die stets an Mitgliedern 



arme Loge Juliane zu den drei Löwen er- 
losch aber schon 24. Juni 1786. 8) Nach 
Auflösung dieser Loge entstand in A. eine 
unregelmässige Loge unter dem Namen 
Sympathie. Nach und nach wurden 
deren Mitgl\eder in der Hamburger 
Loge Ferdinand zum Felsen rektifiziert und 
stifteten dann 4) durch ein Patent des 
Prinzen Karl von Hessen vom 18. Febr. 
1796 die heute noch bestehende Loge Karl 
zum Felsen nach der sog. Wilhelmsbader 
Lehrart (eingew. 22. März 1796). Der erste 
hammerführende Meister dieser Loge war 
der Buchhändler J. H. Kaven, der auf 
der Bückreise von der Leipziger Messe in 
dem hannoverschen Dorfe Tatendorf bei 
Ülzen am 22. Juni 1800 starb und dem auf 
dem Friedhofe zu Bamum in Hannover 
von der AJtonaer Loge ein Denkstein er- 
richtet wurde, welcher, nachdem der Fried- 
hofgeschlossen war, 1872 nach A. überführt 
und in dem Neubau des Logenhauses auf- 

§estellt wurde. 5) Prinz Karl von Hessen, 
amaliger Generalgrossmeister, stiftete 7. 
Okt. 1815 die schottische Loge Juliane 
zur Freundschaft und am 24. Mai 1817 
die völlig unabhängige altschottische Di- 
rektorialloge Karl zur heiligen Wahr- 
heit und ernannte den Geheimen Kon- 
ferenzrat, Oberpräsidenten der Stadt A., 
Grafen Konrad zu Blücher- Altona zum alt- 
schottischen Obermeister mit der Voll- 
macht, Logen zu stiften und mit Akten 
zu versehen. Dieses altschottische Direk- 
torium stand völlig unabhängig und selb- 
ständig neben dem Direktorium in Kopen- 
hagen, und die Gemeinschaft bestand ledig- 
lich im gemeinsamen Generalgrossmeister. 
Die einzelnen Logen der dänischen Mo- 
narchie unterhielten nicht einmal einen 
Briefverkehr miteinander und kümmerten 
sich nicht um die gegenseitigen Verhält- 
nisse. Jedoch schon bald nach dem Tode 
des altschottischen Obermeisters, des Grafen 
zu Blücher -Altona, 1. Aug. 1845, zeigen 
sich die ersten Versuche von Kopenhagen 
aus, durch den Pastor Hamburger eine 
Annäherung und Verschmelzung der un- 
abhängigenbeiden Direktorien zu bewirken. 
Da aber gerade damals die politischen 
Richtungen der deutschen und dänischen 
Parteien schroflT hervprzutreten begannen, 
so wies der Logenmeister und damalige 
Verweser des altschottischen Direktoriums 
Callisen alle Anträge, die bei der zuneh- 
menden politischen Wühlerei die Selb- 
ständigkeit und Unabhängigkeit der AJto- 
naer Loge hätten gefährden können, be- 
stimmt zurück. Alle weitere Beeinflussung 
von Kopenhagen her hörte von da an 
völlig auf. Übrigens war bei den Anträgen 
des Pastors Hamburger durchaus von keiner 
Verbesserung der Lehrart die Bede. — Da- 
gegen begannen einzelne Mitglieder der 
Loge Karl zum Felsen 1846 nach vor- 
hergegangener gründlicher Prüfung der 
Lehrart sich mit voller Überzeugung, der 
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Altruümus. 



sog. Bchwedischen Lehrart zuzuwenden, und 
1849 war diese Überzeugung in der Loge 
Karl zum Felsen in einer solchen Aus- 
dehnung zur Oeltunff gekommen, dass sie 
sich fast einstimmig derLehrart der Grossen 
Landesloge von Deutschland und dieser 
Grossloge anzuschliessenbeschloss. Die An- 
nahme geschah mittels Beschlusses vom 16. 
Juni 1849 am 24. Juni 1849. — Am 15. Sept. 
dess.J. wurde die unter der Grossen Landes- 
loge von Deutschland arbeitende Andreas- 
loge Concordia gestiftet. — Nach Beseiti- 
gung mancher Missverständnisse und, nach- 
dem ebenfalls in der Kopenhagener Loge 
die Überzeugung von der Richtigkeit der 
schwedischen Lehrart zur vollen Geltung 
gekommen und der König sich an die 
Spitze dieser Bestrebungen und Anschau- 
ungen gestellt hatte, erfolgte die Rück- 
gabe der Altonaer Logen, der Johannisloge 
Karl zum Felsen und der Andreaslo^e Con- 
cordia, an die königlichen Kommissarien 
(Commissarius magni magistri Berling und 
Pastor Visby] 7. Juli 1863 durch den Ab- 
geordneten aer Grossen Landesloge von 
Deutschland. Inzwischen wurde die eben- 
falls nach der schwedischen Lehrart ar- 
beitende Grosse Landesloge von Däne- 
mark 17. Dez. 1853 errichtet, und es waren 
somit alle Hindemisse eines ruhigen Fort- 
arbeitens für die Logen beseitigt, bis der 

15. Nov. 1868 eintretende Tod des Gene- 
ralgrossmeisters Königs lYiedrich VII. von 
Dänemark die Ruhe wieder unterbrach. 
Ordensgesetzlich mussten bis zur Wahl 
eines neuen Generalgrossmeisters alle Ar- 
beiten eingestellt werden. Anfang April 
1864 wurde die Wahl Braestrups zum Ge- 
neralgrossmeister angezeigt und die Loge 
zur vorgeschriebenen Huldigung aufge- 
fordert; aber die politischen Wirren hatten 
die Gemüter auch in der Loge aufgeregt, 
so dass der Wunsch nach Trennung von 
der dänischen Grossen Landesloge laut 
wurde. Doch erst nach heftigen Kämpfen 
in der Loge wurde ein solches Gesucn an 
diese Grossloge 1. März 1865 beschlossen. 
Die Verhandlungen zogen sich ein Jahr 
lang hin, und erst 11. Apr. 1866 wurden 
die Logen wieder von der Grossen Lan- 
desloge zu Berlin übemonmien. Wahl- 
spruch: Parate viam domini. Neues Haus- 
gesetz der Loge Karl zum Felsen vom 

16. Febr. 1894, bestätigt 10. Juli 1894. 
Stiftungen: 1) Witwen- und Waisenunter- 
stützungskasse (30000 M.), 2) Erziehungs- 
verein von 1877 (hat in den ersten 20 
Jahren seines Bestehens 10500 M. für 
Schulzwecke und 14000 M. zum Reserve- 
fonds aufgebracht), 8) Stuhlmannstiftung 
aus dem Jahre 1872 zu wohlthätigen 
Zwecken (4428 MX 4) Unterstützungskasse 
der Andreasloge Concordia für bedürftige 
Mitglieder und deren Angehörige (5000 M.). 
Mitglieder (1899): 404. Vers. Freitags. 
1869 wurde eine Denkmünze gestiftet für 
Brüder, die das 25jährige Maurerjubiläum 



feiern; seitdem die Grosse Landesloge in 
Berlin für alle ihre Tochterlogen eine solche 
Denkmünze eingeführt hat, wird sie nur 
noch ausnahmswebe verliehen. [HMW. 
Nr. 3.] [Vgl. Bericht über die Feier des 
lOOjährigen Stiftungsfestes (1896); Ge- 
schichte der Loge von C. Bröcker (1897).] 
6) Ebenfalls unter der Grossen Landesloge 
zu Berlin arbeitet hier die Johannisloge 
Friedrich zur Wahrheit, gest 18. Okt. 
1892, eingew. 20. Nov. 1892. Sie besitzt 
eine Witwen- und Waisenunterstützungs- 
kasse. Mitglieder (1899): 63. Vers, alle 
14 Tage Donnerstags. — Alle drei Logen 
arbeiten in dem der Loge Karl zum Felsen 
gehörigen Hause Gr. Bergstr. 183, das beim 
50jährigen Jubiläum 22. März 1846 ein- 
geweiht und 1873 und 1891 erweitert wurde. 
Altruismag, philosophischer Ausdruck 
bei Auguste Comte, dem Begründer der 
positiven Philosophie, geb. 19. Jan. 1798 
in Montpellier, gest. 5. Sept. 1858 in Paris, 
von dem Worte der Languedoc altrui, d. h. 
ein andrer. Die Willensantriebe des Egois- 
mus (s. d..) verfolgen die Selbsterhaltung 
und das Eigenwohl, die des A. die 
Erhaltung und das Wohl des andern. 
Beide stehen sonach zu einander im Gegen- 
satz. Aber der Widerspruch zwischen 
selbstischen und altruistischen Anlässen, 
zwischen eigner und fremder Wohlfahrt 
ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme. 
Li der Wirklichkeit des Lebens stimmen 
sie meist zusammen. Der einzelne Mensch 
weiss sich als Glied einer Gesamtheit, 
nämlich einer Familie, eines wirtschaft- 
lichen und eines geselligen Kreises, eines 
Gemeinwesens und eines Volks. Ihm ist 
nicht wohl, wenn es seinem Lebenskreise 
nicht wohlgeht. Sein Eigenwohl ist vom 
GemeinwoM abhängig, ist in das Gesamt- 
wohl eingeschlossen. Weil er dies erkennt, 
ist das Ziel seines Willens: Gesamtwohl 
mit Einschluss seines Eigenwohls. Der 
einzelne kann nicht für sein Eigenwohl 
sorgen, z. B. für seine Gesundheit, die 
Ausgiebigkeit seiner Arbeitskraft, sein Ver- 
mögen U.S. w., ohne dass dies seinen weitem 
Lebenskreisen zu Gute käme, und umge- 
kehrt die Gesamtheit kann ftlr ihr Wohl 
nicht sorgen, z. B. in wirtschaftlicher Hin- 
sicht, in Beziehung auf ihre Wehrkraft, 
auf Volkserziehung, Kunst und Wissen- 
schaft, ohne dass dies dem einzelnen zu 
Gute käme. Und wie in den Wirkungen, 
so zeigt sich auch in den Veranlassungen 
der Handlungen ein Zusammenstimmen des 
egoistischen und des altruistischen Triebes. 
Die Handlungsweise des einzelnen wird 
begründet durch die Rücksicht auf andre, 
die Liebe heischend, bittend, fordernd, 
drohend ihn bei seinem Handeln beein- 
flussen, und umgekehrt wird sein Thun 
und Handeln hervorgerufen und geleitet 
lediglich durch seinen Sondertrieb, wäh- 
rend ihm dabei gleichwohl bedeutender 
Gemeinwert und grosse Gen^einnützigkeit 
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Alxinger — Amelimg. 



zu eigen ist, wie z. B. der Schriftsteller 
nur fSr sich schreibt und dabei die Litte- 
ratur seines Volkes bereichert, der Dichter 
nur f&r sich dichtet und dabei mit den 
Gaben seiner Muse die Gesamtheit be- 
glückt, der Ehrenmann sich nur für sich 
allein um den guten Buf eines selbstlosen 
und pflichttreuen Menschen bemüht und 
doch dadurch in gemeinnützigen Dingen 
für die C^esamtheit wirkt. Gleichwohl behält 
der G^ensatz zwischen Egoismus und A. 
seine Wahrheit. Es kommen Ffille im 
Leben vor^ in denen das Eigeninteresse 
mit dem Interesse andrer in Widerstreit 
zu stehen scheint oder wirklich steht. Hier 
ist entscheidend zwischen den beiden fÜr 
die Handlung zur Wahl stehenden Zwecken 
die grüssere objektive Bedeutung, der Vor- 
rang in der !Naturordnung der Zwecke: 
das grössere Lateresse muss jederzeit dem 
kleinem vorangehen ohne Bücksicht dar- 
auf, ob das Eigeninteresse oder das Li- 
teresse des andern das grössere ist. Es 
ist die Aufgabe der Freimaurerei, bei 
ihren Angehörigen und durch sie in der 
Menschenwelt auf Klärung und Weitung 
der Lebensauffassung, sowie auf Schärfiing 
und Sicherung des Werturteils über die 
Zwecke des menschlichen Handelns hin- 
zuwirken. Mit dem Fortschritt der So- 
zialisierung der Menschheit hat keines- 
wegs die Entwicklung und das Vordringen 
der altruistischen Empfindungsweise glei- 
chen Schritt gehalten, und der E^pf 
feindlicher Interessen, wennschon er gegen 
vergangne Zeiten in der Gegenwart andre 
Formen angenommen hat, währt bei dem 
Überwie^n der egoistischen Triebe über 
die altnustischen Instinkte noch immer in 
der Menschheit fort. Soweit hierin das 
Leben nicht schon selbst ausgleichend 
wirkt, ist es Sache der Freimaurerei, das 
Gewicht der altruistischen Gefühlsweise 
und Gesinnung in der Menschheit zu mehren 
und zu stärken. Hierbei nimmt sie zur 
Bichtschnur den Grundsatz, dass sie sich 
ebenso sehr vor einer pessimistischen Ver- 
kennung der Vergangenheit und der Gegen- 
wart und vor einem phantastischen Zu- 
kunftsoptimismus, wie vor dem roman- 
tischen Schönfärben der sog. guten alten 
Zeit und vor dem ideallosen, entnervenden 
Verzagen an dem Fortschritt und der Ver- 
vollkommnung der Menschheit zu hüten 
habe. [Vgl. HL., S. 2670.] 

AlxiBger, Joh. Bapt. v., Hofagent, dann 
1796 Sekretär des Hoftheaters, deutscher 
Dichter, geb. in Wien 26. Jan. 1755, gest. 
1. Mai 1797, seit 1779 Mitglied, dann erster 
Aufseher, Bedner und 1790 zug. Meister 
der Loge Zum heiligen Joseph in Wien, 
trat gegen die von L. A. Hofimann her- 
ausgegebene Wiener Zeitschrift auf in einer 
Schrift: »Anti-Hoffbaann« (\Vien 1792). Seine 
Gedichte gab er 1784 zum Besten der Armen 
heraus. [W. J., Jahrg. 1, St. 2, S. 256. Über 
sein Leben vgl. Jördens, Deutsche Dichter, 



1,86— 45;V,711-.713.Wurtzbach,Biograph. 
Lexikon, I, 23 fg.] 

Alsey (St. im Grossherzogtum Hessen, 
6509 E.). Loge das. Karl zum neuen 
Licht, unter der Grossloge Zur Eintracht. 
Mitgliederzahl (1899): 44. Vers, letzten 
Samstag im Monat, Klub: Donnerstags. 
Lokal: Dautenheimer Landstrasse 6 und 
Steinwe^. Lokalgesetze v. 1861 u. 1890. — 
Sie ist die Fortsetzung einer in Kirchheim- 
bolanden 7. März 1813 gegründeten Loge 
Zur Säule am Fusse des Donnersbergs. 
Dal816Kirchheimbolanden (s.d.) anBavem 
fiel, wurde die Loge nach A. verlegt, 
wo sie 11. Mai 1817 den Namen Zum 
neuen Licht, später Karl zum neuen Licht 
annahm. Laiidgraf Karl von Hessen (s. d.) 
erteilte ihr als Generalgrossmeister 
unterm 17. Nov. 1817 eine Stiftungsur- 
kunde; die Einweihung erfolgte 25. Juli 
1819. Ende 1824 stellte die Loge ihre 
Arbeiten ein und erwachte erst wieder im 
Somip^r 1836. Am 20. Okt. 1839 trat sie dem 
Eklektischen Bunde bei, den sie 20. Mai 
1860 ¥äeder verliess, um sich auf den 
Wunsch des Landesherm und Protektors 
der Grossen Freimaurerloge Zur Eintracht 
in Darmstadt anzuschliessen, wobei der 
Lo^e gestattet wurde, dass der das 
christliche Prinzip grundsätzlich fest- 
stellende Paragraph des Gesetzbuchs der 
GroBsloge auf sie keine Anwendung finde. 
[Bh., 1861, S. 60. L. 1892, S. 158.] 

Amanta du plaigir, s. Phflooboreites. 

Amelang, KarlFriedr. Wilhelm, Jus- 
tizrat und Bechtsanwalt beim Kammerge- 
richt in Berlin, geb. das. 10. Nov. 1792, gest. 
2. Dez. 1858 das., war 22. Juli 1819 in der 
Loge Pythagoras zum flammenden Stern 
in Berlin in den Maurerbund aufgenommen 
worden, wo er seit 1835 mehrere Beamten- 
stellen, auch 1836 — 1840 das Amt eines 
Meisters vom Stuhl bekleidete; seit 1850 
gehörte er dem Innersten Orient der Grossen 
Loge Boyal York an und wurde nach 
Klödens (s. d.) Tode 1856 Grossmeister der 
Grossen Loge Boyal York. Die Gesetz- 
gebung der Grossloge hat ihm viel zu ver- 
danken. fVrf. Bh. 1859, S, 36. L. XVI, 
S. 158. Flohr, Geschichte der Grossen 
Loge Boyal York, II, S. 79.] 

Amelnng, Karl Franz, Militär, geb. 20. 
Sept. 1825 in Eisenach, gest. 19. Apr. 1892 
das., studierte Bechtswissenscharb, trat 
aber bald als Soldat ein. Aufgenommen 
in den Freimaurerbund wurde A. 28. März 
1851 in der Loge Amalia in Weimar, 
schloss sich 1859 der Loge Karl zur Wart- 
burg in Eisenach an, wo er von 1864 bis 
1867 Meister vom Stuhl war, leitete, nach 
Jena übergesiedelt, das dortige maure- 
rische Kränzchen und wurde m Görlitz, 
wo er zuletzt als Pensionär lebte, in der 
Loge Zur gekrönten Schlange angenom- 
men. Er deckte diese Loge aber bald 
wieder und kehrte zu seiner alten Loge 
in Eisenach zurück. Von ihm sind viele 
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24 



Amerika — Ancient Masons. 



Aufsätze und gediegene Vorträge in maure- 
rischen Zeitschriften, namentlich der Frei- 
maurerzeitung und Asträa, veröffentlicht. 
Amerika. Die Freimaurerei ist in A., 
im Verhältnis zur Einwohnerzahl, teilweise 
viel ausgebreiteter als in Europa, steht aber 
auch im allgemeinen auf einer viel weniger 
hohen Stufe der Reinheit und Durch- 
bildung. In Nordamerika (s. d.) bestehen 
zahlreiche Logen in fast allen Teilen der 
Vereinigten Staaten (s. die einzelnen Staa- 
ten) und den britischen Besitzungen (s. die 
einzelnen Kolonien), sowie in Mexiko (s. d.). 
In Westindien (s. d.) sind Logen nament- 
lich auf Haiti, Cuba, Jamaica, Puerto 
Rico, St. Thomas, St. Croix, St. Cristopher, 
Guadeloupe, Martinique, Curassao, Trini- 
dad, Barbados, Grenada, Antigua, St. Vin- 
cent, Tobago und den Bahamas. In Süd- 
amerika (s. d.) finden sich dergleichen in 
allen Staaten und Kolonien, mit Ausnahme 
von Patagonien. — In den Vereinigten 
Staaten bestehen in jedem Staate, aber 
auch in Mexiko, Zentralamerika und fast 
allen südamerikanischen Freistaaten (aus- 

fenommen Bolivia und Ecuador) selbstän- 
ige Grosslogen; aber auch die drei briti- 
schen, sowie die französischen und spani- 
schen Grosslogen, der Grossosten der 
Niederlande und der Grossorient von Italien 
haben, zum Teil wieder unter Provinzial- 
logen, dort Logen gegründet. Unter einer 
deutschen Grossloge, der zu Hamburg, 
stehen nur fünf Logen in Brooklyn, Blu- 
menau, Valparaiso, Santiago de Chile 
und Buenos Aires. Deutsche Logen be- 
stehen ausserdem in der nordamerikani- 
schen Union, in Mexiko, in Brasilien 
und in Buenos Aires, ein deutsches 
Kränzchen in Concepcion (Chile). Auch 
an zahlreichen Abarten und hochgradlichen 
Systemen fehlt es nicht. Bei der zu 
grossen Verschiedenheit der einschlagen- 
den Verhältnisse lässt sich ein allgemeiner 
Überblick nicht geben, vielmehr muss auf 
die vorbezeichneten einzelnen Artikel ver- 
wiesen werden. (Die deutschen Logen in 
A. sind unter den betreffenden Ortsnamen 
besonders aufgeführt.) 

Amiclsten, ein 1771 gegründeter und 
1809 ein^egangner, im nördlichen Deutsch- 
land verbreiteter Studentenorden, der be- 
sonders in Jena und Halle seinen Sitz 
hatte. Zweck des Ordens war eine patrioti- 
sche Freundschaft, um die Menschen tu- 
gendhafter und zu bessern Bürgern zu 
machen. [Vgl. Graf Guido von Taut kirchen 

Keissenfels und Lpz. 1799; neue Ausg., 
la 1812). Laukhard, Der Mosellaner- 
oder Amicistenorden nach seiner Ent- 
stehung, innem Verfassung und Verbrei- 
tung (Halle 1799). Rechtskritik des Ami- 
cistenordens (Chemnitz 1800). HL. 1896 
Nr. 286.] 

Amphibalns. In einigen Fassungen der 
alten Zunftsage der Werkmaurer (im Cooke 
MS., im Wüliam Watson MS. und bei 



Plot) heisst es, der heilige A. habe den 
heiligen Alban bekehrt und mit den Pflich- 
ten und Gebräuchen der Maurer bekannt 
gemacht. In alten Legenden ist er als 
Bekehrer Albans bekannt. [Vgl. Begemann, 
BZO. 1894, S. 295 u. S. 801 fg.] Die Ver- 
bindung des Kaisers Carausius mit Alban 
ist eine Erfindung Andersons (1788, S. 57), 
die durch den Verfasser der unechten 
Yorker Urkunde noch erweitert wurde, 
indem er Amfiabalus zu einem römischen 
Baumeister macht und durch Carausius 
nach England berufen lässt, wo er dann 
Albans Lehrmeister wird. 

Amster, Moritz, geb. 13. Febr. 1831 in 
Czemowitz, ursprünglich Landwirt, ver- 
tauschte das Landleben mit der Stadt, 
gründete eine Wechselstube imd wurde in 
seiner Vaterstadt zum Gemeinderat, Han- 
delskanmierrat, Tumrat u. s. w. gewählt. 
Er hat sich in Wien durch seine huma- 
nitäre Thätigkeit hervorgethan , gründete 
den Verein zur Bekleidung armer Kinder 
und war lange Zeit hervorragend thätig 
bei dem Verein gegen Verarmung und 
Bettelei. Ein so angelegter Mann war ge- 
bomer Freimaurer. Er wurde aufgenommen 
25. Juli 1875 in der Loge Humanitas in 
Neudörfl bei Wien (jetzt Pressburg). In 
Anerkennung seiner vielen Verdienste um 
i diese Loge wurde er zu deren Ehrenmitglied 
und zu solchem des ersten österr. Kinder- 
asyls der Loge in Kahlenbergerdorf er- 
nannt. Seit 1873 hat A. auf Ersuchen der 
Loge Humanitas deren Organ, den Zirkel, 
geleitet, und zwar in durchaus selbstloser 
Weise, und hat erst in den letzten Jahren 
von der Loge behufs Bestreitung seiner 
Auslagen einen monatlichen Zuschuss er- 
halten. Nennt man in Österreich-Ungarn 
die besten freimaurerischen Namen, so wird 
auch der seine genannt. 

Ancient Masons (Alte Maurer). I. Die 
ältere Litteratur über die Stellung der sog. 
»Alten Maurer« ist völlig veraltet, seit in 
neuerer Zeit durch die Auffindung früher 
unbekannter Quellen ein gewisses Licht 
über diesen bisher ganz dunkeln Punkt 
der Geschichte der Freimaurerei in Eng- 
land verbreitet worden ist. Wer sich mit 
den ehemaligen Meinungen bekannt machen 
will, findet das Nötige in den gründlichen, 
aber jetzt meist gegenstandslos gewordenen 
Ausführungen bei Kloss, Geschichte der 
Freimaurerei in England, Irland und Schott- 
land (1847), S. 828—449. Man glaubte, die 
»Alten Maurer« hätten sich von der 1717 
gestifteten Grossloge als Unzufriedene ge- 
trennt, die sich seit etwa 1739 zusammen- 
gethan und eine ungesetzmässige Gross- 
loge gebildet hätten; der Urheber dieser 
Bewegung sei Laurence Dermott (s. d.) ge- 
wesen, der durch falsche Vorspiegelungen 
und andre unsaubere Mittel die Unzufrie- 
denen um sich gesammelt und durch die 
Verheissung des sog. Royal -Arch- Grades 
auch andre Brüder an sich gelockt habe. 

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Ancient Masons. 



25 



Wenn Kloss im J. 1847 diesen Stand- 
punkt yertritt, so ist ihm daraus kein Vor- 
wurf zu machen; denn die damals bekannte 
Litteratur gestattete ihm keine richtigere 
Erkenntnis, und man muss es lobend her- 
Yorheben, dass er den von seinen Zeit- 
genossen so arg geschmähten Dermott 
im ganzen sachlich zu würdigen sich be- 
müht, was Torteilhafb absticht gegen die 
Art, wie er noch in allemeuster Zeit beur- 
teilt wird. Wir wissen, dass Dermott weder 
ein »niedriger Charakter« (Findel, 8. 168, 
Anm.) noch ein »grosser Schwindler« (Boos, 
Geschichte S. 119) war, sondern ein eifriger 
Freimaurer, der wohl manchmal etwas 
schroff erscheint, aber persönlich der von 
ihm mit Begeisterung vertretenen Sache 
grosse Opfer gebracht hat und in Eng- 
land, wie in Irland heute als einer der 
bedeutendsten Freimaurer anerkannt wird. 
Die Quellen für eine sachliche Würdigung 
Dermotts und der »AJten Maurer« 
liefen seit 1813, seit der Vereinigung der 
beiden Londoner Grosslogen, im Archiv 
der jetzigen englischen Grossloge, sind 
aber erst in neuerer Zeit benutzt worden. 
Zuerst von By water, der bereits 1869 bei 
Gelegenheit der Jahrhundertfeier seiner 
Loge »Boyal Athelstan«, die ehemals der 
Grossloge der »Alten Maurer« zugeh5rte, 
die alten Bücher dieser Grossloge durch- 
forschte und einige Einzelheiten öffentlich 
bekannt machte (Freemasons' Magazine 
1869). Die Beschäftigung mit den alten 
Protokollen hatte ihm gezeigt, dass man 
Dermott unrecht gethan; darum verfasste 
er eine Schrift, um dies darzuthun, unter 
dem Titel: »Notes on Laurence Der- 
mott and his work« (London 1884). Die 
Quellen, aus denen er schöpfte, sind die 
»Transactions of the Grand Committee of 
the Most Ancient and Honorable Frater- 
nity of Free and Accepted Masons« (seit 
1752) und die »Transactions of the Ste- 
wards' Lodge« (seit 1754). Diese beiden 
Protokollbücher kannte und benutzte auch 
Gould far den betreffenden Abschnitt 
seiner »History of Freemasonry« (1886) IV, 
S. 484 — 465. Inzwischen hatte der Unter- 
bibliothekar der englischen Grossloge, 
Henry Sadler (s. d.) 1885 einen alten Folio- 
band angefunden, der sich bei näherer Be- 
trachtung als der von Dermott in einer An- 
merkung zum Protokoll vom 5. Febr. 1752 
erwähnte Folioband zu erkennen gab und 
den man längst verloren geglaubt hatte. 
Er wurde noch in einigen Nummern des 
»Freemason« von 1885 seinem Inhalte nach 
von Laue beschrieben, und ausführliche 
Mitteilungen machte Abbott in fOnf 
langem Aufsätzen im »Freemason« von 
1886. In seinen »Masonic Becords« (Lon- 
don 1886) weist Laue noch einmal auf 
die Bedeutung des Bandes hin, den man 
als »Morgan's Eegister« bezeichnet, und 
druckt dann die darin enthaltnen ersten drei 
Logenlisten der»AJten Maurer« ab (S.6 — 8). 



Besonders wichtig sind^die 1751 von einem 
am 17. Juli d. J. eingesetzten Ausschusse 
festgestellten »Bules and Orders« und ein 
am 14. Sept. 1752 dazu gefügtes »Agree- 
ment«, die in das Buch eingetragen sind, 
die ersten von der Hand des ersten Gross- 
sekretärs Morgan, das zweite von Der- 
mott. Beide sind von Abbott abgedruckt 
und wiederholt in Sadlers »Masonic 
Facts and Fictions« (London 1887), S. 70 
bis 77. Durch diese Schrift ist Sadler 
sozusagen der Retter der »Alten Maurer« 
geworden, nachdem Bywater und Gould 
bereits ihren Grosssekretär Dermott gegen 
die ihm seit mehr als 100 Jahren ange- 
thanen Verunglimpfungen erfolgreich in 
Schutz genommen und ihm eine hohe Be- 
deutung zuerkannt hatten. Sadler hat 
die Sache weiter verfolgt und zuerst, allen 
frühem Forschem gegenüber, die Ansicht 
verfochten, dass die »Alten Maurer« sehr 
mit Unrecht von ihren Gegnern im 
18. Jahrhundert und darnach auch von 
den Geschichtsschreibern der Neuzeit als 
»Abtrünnige« (Seceders) oder »Schisma- 
tiker« (Schismatics) gebrandmarkt worden 
sind. Auch von Bywater und Gould 
werden sie noch so genannt, während 
Sadler nachweist, dass die ersten Be- 
gründer der Grossloge der »Alten 
Maurer« nicht etwa unzufriedne 
englische Freimaurer waren, die 
sich von der altern Grossloge ge- 
trennt hatten, sondern in vorwie- 
gender Zahl irische Freimaurer, die 
sich der englischen Grossloge nie- 
mals angeschlossen, vielmehr selb- 
ständige Logen für sich gebildet, 
hatten und 1751 zu einer geschloss-' 
nen Gemeinschaft zusammentraten. 
Diese völlig neue Auffassung erregte zu- 
erst Staunen und Widerspruch, aber die 
Stoffmasse und Beweiskraft dessen, was 
Sadler aus den zeitgenössischen Quellen 
mit Riesenfleiss zusammengetragen, musste 
die Zweifler bekehren, und heute stimmen 
die massgebendsten englischen Forscher 
ihm bei. Ein vortrefflich gerüsteter Bun- 
desgenosse erstand ihm in dem gelehrten 
irischen Freimaurer Chetwode Crawley (s. d.), 
der zur Geschichte der irischen Freimau- 
rerei unschätzbare Beiträge geliefert hat, 
unter dem Titel: »Caementaria Hibernica« 
(Fasciculus primus, Dublin & Margate 
1895. Fasciculus secundus, ebenda 1896). 
Dieser Forscher tritt von seinem irischen 
Standpunkte überzeugt und überzeugend 
far den irischen Ursprung der »Alten 
Maurer« ein und ergänzt die BeweisfQhruug 
Sadlers vielfach in überraschender Weise. 
Weitere Stützen fttr seine Meinung bringt 
Sadler in seinem neuesten Werke: »Ma- 
sonic Beprints and Historical Bevelations« 
(London 1898), in dem namentlich ein 
Neudruck der gegen die »Alten Maurer« 
gerichteten »Defence of Free-Masonry« 
von 1765 dargeboten und besprochen^ wir4 
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26 



Andent Maaons. 



— n. Nach dieser notwendigen Übersicht 
über den Stand der för die Geschichte der 
Freimaurerei in England so sehr wichtigen 
Frage ^eben wir die Nachrichten selbst, die 
über die »Alten Maurer« aus ihren eignen 
und andern Quellen bisher zu Tage geför- 
dert wurden. Um eine sichere Grundlage 
für die Beurteilung zu gewinnen, zuerst Aus- 
züge aus den »Bules and Orders«, aufweiche 
die »Alten Maurer« ihren Bau gegründet 
haben, in deutscher Übersetzung: »Kegeln 
und Ordnungen, zu beobachten von der 
sehr alten und ehrwürdigen Gesellschaft 
freier und angenommener Maurer, verein- 
bart und festgesetzt von einem Ausschuss, 
der von einer allgemeinen Versammlung 
(General Assembly), Mittwoch den 17. Juli 
1751, im Jahr der Maurerei 5751, ernannt 
worden ist. Von Phil. S. Mc. Lou^hlin, 
Saml. Quay, James Shee, Josph. Kelly 
& Juo. Morgan, Grosssekretär. In Ver- 
tretung der Grossloge (For the Grand). 

— 1. Die Meister und Aufseher sollen 
am ersten Mittwoch jedes Monats . . . zu- 
sammenkommen, um dort eine monat- 
liche Beratung (monthly committe) zu 
halten, zur bessern Ordnung und Verwal- 
tung (regulation and govemment) der Logen, 
und alle Angelegenheiten und Streitfragen, 
die etwa in einer der regelmässigen Logen 
entstehen sollten, zu hören und zu ent- 
scheiden. Und der Stuhl soll am ersten 
Abend von dem Meister der ältesten Loge 
eingenommen werden, und jeden andern 
Abend von den andern Meistern der Eeihe 
nach dem Alter entsprechend, bis zu der 
Zeit, wo ein Grossmeister und Grossauf- 
seher ernannt sein werden; dann soll jeden 
Grosslo^enabend der Grossmeister den 
Stuhl einnehmen, in seiner Abwesenheit 
der abgeordnete Grossmeister (Deputy 
Grand), und in der Abwesenheit bei- 
der der ältere Grossaufseher, in deren 
Abwesenheit der jüngere Grossaufseher, 
und wenn alle Grossbeamte abwesend sein 
sollten, dann der Meister der ältesten Loge 
und so weiter alle Meister der Beihe nach 
dem Alter' entsprechend. — 2. Solche Ver- 
sammlung (meeting) soll nur aus den 
Meistern und Aufsehern aller regelmässigen 
Logen bestehen, . . . Niemand soll zuge- 
lassen werden, als Meister, Aufseher und 
gewesene Meister regelmässiger Logen 
und solche, die regelmässig eingesetzt 
worden sina, und zur Zeit ihres Kommens 
sollen sie Mitglieder einer regelmässigen 
Loge Alter Maurer sein. — 4. Kein Bruder 
soll zum Meister oder Aufseher einer Loge 
gemacht werden, wenn er nicht ein halbes 
Jahr Maurer und während dieser Zeit Mit- 
glied einer regelmässigen Loge gewesen 
ist. — 5. Niemand soll in einer Loge zum 
Maurer gemacht werden, ehe nicht sein 
Name, Beruf und Aufenthaltsort dem Sekre- 
tär gemeldet ist, mit Angabe der Zeit, wann 
er aufgenommen werden soll (is intended 
to be made), damit der Sekretär alle Logen 



davon benachrichtigen kann. — 6. Kein 
älterer Maurer (Old Mason) soll als Mit- 
glied einer Loge zugelassen werden, wenn 
er nicht in einer regelmässigen Loge auf- 
genommen ist und ein gehöriges Zeugnis 
(properCertificate)übersein gutes Verhalten 
hat. 7) Alle Klagen und Berufungen müssen 
mit einem Gesuch vor diese Loge (d. i. 
Grossloge) kommen. — 8. Keine Geneh- 
migung oder Vollmacht (Admission or 
Warrant) soll Brüdern gewährt werden, 
eine Loge zu halten, ehe sie nicht eine 
Loge Alter Maurer gebildet haben und 
regelmässig in einem zuverlässigen Hause 
tagen; dann sollen sie ein Gesuch ein- 
reichen, und dieses Gesuch soll von den 
Meistern dreier regelmässigen Logen, die 
einen gehörigen Bericht über sie machen 
sollen, bescheinigt werden. — 9. Am Jo- 
hannistage, am 24. Juni, und am Johannis- 
tage, am 27. Dezember, soll der Meister 
jeder Loge dem Sekretär der Grossloge 
die Namen der Meister und Aufseher ein- 
liefern, die ernannt sind, während des 
nächsten Halbjahres zu amtieren. — 10. Am 
ersten Grosslogenabend nach jedem Jo- 
hannistage soll der Meister jeder Loge 
dem Grosssekretär die Namen der Mit- 
glieder seiner Loge zugleich mit ihren 
halbjährigen Gebühren einliefern, d. h. die 
Mitglieder jeder regelmässigen Loge sollen 
zum Besten bedürftiger Brüder, oder was 
sonst die Grossloge für angemessen halten 
wird, jedes Mitglied einen Schilling viertel- 
jährlich zahlen. — 11. Wenn eine Loge zu 
zahlreich werden sollte, soll die Loge 
Meister und Aufseher ernennen, um eine 
neue Körperschaft (body) zu bilden, indem 
sie sich um Vollmachten und Stiftung 
(Warrants and Constitution) innerhalb eines 
Monats nach dem ersten Sitzungsabend 
an die Grossloge wenden. Keine Loge 
soll am ersten Mittwoch jedes Monats 
Sitzung halten (shall sitt), da dies der 
Grosslogenabend ist, wo die Meister und 
Aufseher zugegen zu sein gehalten sind. — 
12. Jeder, der in einer regelmässigen Loge 
zum Maurer gemacht werden wird, soll 
für seine Eintragung (Register) in das 
Grosslogenbuch die Summe von einem 
Schilling bezahlen. — 18. (Kürzer zu- 
sammengefasst.) In der Grossloge soll nie- 
mand den Grossmeister oder die Gross- 
beamten oder einen andern Bruder, der 
zum Grossmeister spricht, unterbrechen, 
auch nicht ohne nachgesuchte Erlaubnis 
sprechen. Sonderbesprechungen während 
der Sitzung sind nicht gestattet, niemand 
darf ohne Erlaubnis des Grossmeisters die 
Loge verlassen, bei einer von der Gross- 
loge zu bestimmenden Strafe. — 14. (Auch 
gekürzt.) Wenn ein Mitglied einer Loge 
zu einer andern übergehen will, muss er 
ein Zeugnis vom Meister seiner Loge haben, 
und sein Ausscheiden ist dem Grosssekretär 
anzuzeigen; der Meister seiner neuen Loge 
muss der Grossloge Mitteilung machen, 
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Anoient Masons. 



27 



damit er im Grosslogenbuch bei der 
Nummer der neuen Loge eingetragen wird; 
daftlr sind sechs Pence zu zahlen. — 15. Ge- 
bühren (Charges). — 16. (Gekürzt) Der 
Grossmeister oder sein Vertreter in Abwesen- 
heit kann nach Belieben einen Ausschuss 
von LfOgenmeistem berufen; die Beschlüsse 
sind Tor die nächste Versammlung der 
Grossloge zu bringen. Der Ausschuss kann 
sich vertagen, aber nicht über drei Gross- 
logenabende hinaus. — 17. (Zusatzbestim- 
mung vom 6. Apr. 1752) betrifil Strafen. 
— 18. (Zusatz vom 1. Juli 1752; ge- 
kürzt.) Beim Tode eines würdigen Bru- 
ders hat der Meister der Loge den Gross- 
sekretär sofort zu benachrichtigen, wann 
das Begräbnis stattfindet, damit er alle 
Logen auffordern kann, dem Begräbnis 
in gehöriger Ordnung beizuwohnen. Jedes 
Mitglied soll für das Begräbnis oder an 
die Witwe oder den nächsten Freund einen 
Schilling zahlen, wenn das Bedürfnis vor- 
liegt; sonst soll das so erhobene Geld für 
einen andern mildthätigen Zweck verwen- 
det werden. — Einige Bandbemerkungen 
und Zusatzbestimmungen sind ganz un- 
erheblich und können übergangen werden. 
Die Begeln 1—16 bilden den Grundstock 
und sind nach Sadler (Masonic Facts 
&nd Fictions, S. 75) »offenbar von John 
Morgan geschrieben«, während die Zusätze 
von Dermott geschrieben zu sein schei- 
nen. Die oben erwähnte Vereinbarung vom 
14. Sept. 1752, die »von Dermotts wohl- 
bekannter Hand« geschrieben ist und sich 
an die »Bules and Orders« auschliesst, 
lautet: »Sintemal es höchst förderlich für 
den allgemeinen Nutzen der Alten Zunft 
(Ancient Graft) ist, dass ein Grossmeister 
und eine Grossloge die Verhandlungen 
der verschiednen Alten Logen in und 
um London und Westminster regieren und 
leiten, und das der gegenwärtige niedrige 
Stand (low condition) der Alten GeseÖ- 
schaft (Ancient Society) der Freien und 
An^nommenen Maurer die Hoflhung, eine 
adlige Persönlichkeit zu unsrer Leitung 
zu gewinnen, zur Zeit sehr fraglich macht, 
so vereinbaren, um die gegenwärtigen 
Überbleibsel der echten AJten Zunft u. s. w. 
zu erhalten, wir Unterzeichneten, als 
gegenwärtige Meister und Aufseher der 
verschiednen Maurerischen Versamm- 
lungen (Masonical Meetings), die Logen 
echter Alter Maurerei genannt werden, 
gemäss der Macht, mit der wir von unsern 
Brüdern der verschiednen Logen bekleidet 
worden sind, einen Grossausschuss (Grand 
Committee) zu bilden, nämlich einen solchen 
Ausschuss, der den Mangel eines Gross- 
meisters ersetzen kann, bis sich eine Ge- 
legenheit bietet zur Wahl einer adligen 
Persönlichkeit, um unsre Alte Brüderschaft 
zu regieren . . . « (folgen die Unterschriften der 
Meister und Aufseher der Logen Nr. 2, 4, 
5, 6, 8, 11, 12, sowie von zwei gewesnen 
Meistern von Nr. 4 und einem gewesnen 



Meister von Nr. 6, endlich von Dermott 
als Grosssekretär). Dann heisst es weiter: 
»Und sintemal mehrere der Logen sich 
versammelt und Maurer gemadit haben 
ohne eine Vollmacht, so wird, um 
solch unregelmässiges Verfahren, so weit 
es in unsrer Macht steht, gut zu machen 
(rectify), hierdurch veror<met, dass der 
Grosssekretär Vollmachten auf Pergament 
für die nicht bevollmächtigten Logen 
schreiben soll, nämlich die unter dem 
Namen Nr. 2. 3, 4, 5, 6 bekannten Logen, 
und dass alle besagten Vollmachten das 
Datum des 17. Juli 1751 tragen sollen, als 
des Tages, an dem die besagten Logen zu- 
sammenkamen, um die AJte Zunft wieder 
zu beleben. Der Sekretär soll angemesse- 
nen Baum für den Grossmeister, den 
abgeordneten Grossmeister und die Gross- 
au&eher lassen, um alle besagten Voll- 
machten nach altem Brauch zu unter- 
zeichnen. Sobald als wir das grosse Glück 
erlangen werden, geeignete Grossbeamte 
einzusetzen, sollen die Inhaber der nicht 
unterzeichneten Vollmachten sie dem Gross- 
meister zu seiner ehrwürdigen Unterschrift 
oder Erneuerung vorlegen, bis zu welcher 
Zeit die besagten Vollmachten, ... als gut 
und gesetzlich gelten sollen. Endlich 
soll diese unsre Verordnung in 
unser Begisterbuch eingetragen 
werden, um der Nachwelt zu zeigen, 
wie sehr wir wünschen, die Alte 
Zunft wieder zu beleben, nach 
echten Maurerischen Grundsätzen.« 
Unterschrieben ist das Stück von Der- 
mott als Grosssekretär, und am Bande 
steht: »Geo. Hebden, Meister von Nr. 4, 
im Stuhl«. — Zur Vervollständigung des 
Bildes geben wir noch das erste erhaltene 
Protokoll der Grossloge vom 5. Febr. 1752 
in der Schenke zum Greifen in Holbom; 
es lautet: »Herr James Hagarty im Stuhl. 
Anwesend die Beamten von Nr. 2, 8, 4, 
5, 6, 7, 8, 9 und 10, als die Vertreter aller 
Alten Maurer in London und Umgegend. 
Bruder John Morgan, Grosssekretär, be- 
nachrichtigte den Ausschuss, dass er 
kürzlich für ein Amt (ofüce) an Bord eines 
von Seiner Maiestät Schiffen ernannt sei 
und Befehl erhalten habe, sich zur Ab- 
reise bereit zu halten; deshalb schlug 
er dem Grossausschuss vor, sofort 
einen neuen Sekretär zu wählen. 
Worauf Bruder John Morris, gewesner 
Meister von Nr. 5, und Bruder Laurence 
Dermott von Nr. 9 und 10 und gewesner 
Meister von Nr. 26 in Dublin, als Kan- 
didaten für das Amt des Grosssekretärs 
vorgeschlagen und zugelassen wurden. 
Der Grosssekretär Morgan wurde beauf- 
tragt, die Kandidaten getrennt zu prüfen 
und seine Ansicht von ihrer Befähigung 
mitzuteilen. Nach einer langen und 
genauen Prüfung über Aufnahme, 
Beförderung, Amtseinsetzungen (In- 
stallations), allgemeine Verordnungen 
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28 



Ancient Masons. 



u. 8. w. erklärte Bruder John Morgan, 
dass Bruder Laurence Dermott für das 
Amt des Grosssekretärs gehörig befähigt 
wäre. Darauf stellte der ehrwürdige Meister 
vom Stuhl die Namen von John Morris 
und Laurence Dermott getrennt zur 
Wahl, und der letztere wurde einstimmig 
zum Grosssekretär gewählt. Demgemäss 
wurde er von dem ehrwürdigen Herrn 
James Hagarty, Meister von Nr. 4, als 
Vorsitzendem Beamten eingesetzt (in der 
alten Weise), wobei Herr John Morgan, 
bisheriger Grosssekretär, und die anwesen- 
den Meister ihn unterstützten. Hiernach 
rief Bruder Morgan (auf das Ersuchen 
des Vorsitzenden) den neuen Grosssekretär 
dreimal aus, nach dem alten Brauche, 
worauf der neue Sekretär die übliche Be- 
grüssung empfing. Dann überlieferten der 
Vorsitzende und der bisherige Grosssekre- 
tär, John Morgan, die Bücher u. s. w. 
den Händen des neuen Sekretärs, unter 
gewissen Bedingungen, die von allen Teilen 
vereinbart wurden, welche Bedingungen der 
genannte ehrwürdige Br. James Hagarty 
erklären kann. Der Grossausschuss wünschte 
einstimmig dem Bruder Morgan Gesund- 
heit und eine glückliche Eeise, dann schloss 
er die Sitzung mit der grössten Harmonie 
und vertagte sie auf Mittwoch, den 4. März.« 
In einer Anmerkung wird als das von 
John Morgan überwiesene Manuskript 
»ein grosser Folioband in weissem 
Pergament« erwähnt, der bis 1885 verlegt 
war und jetzt die wichtigen Aufschlüsse 
über die Anfänge der Grossloge der »Alten 
Maurer« bietet. Protokolle über die Ver- 
sanmilungen scheinen vor dem 5. Febr. 
1752 nicht geführt zu sein, jedenfalls 
hat Dermott, wie er in einer Anmerkung 
zum Protokoll vom 14. September 1752 
ausdrücklich bemerkt, von Morgan keine 
erhalten. HI. Nehmen wir nun zu den 
mitgeteilten Nachrichten noch die älteste 
Logenliste von 1751—52 hinzu, so er- 
ffiebt sich mit unbedingter Sicherheit, 
dass am 17. Juli 1751 eine »Allge- 
meine Versammlung« (General Assembly) 
stattgefunden hat, um die »Alte Zunft« 
(Ancient Graft) neu zu beleben, und 
dass an dieser Versammlung die Mit- 
glieder von fünf Logen beteiligt waren, 
nämlich Nr. 2, 3, 4, 5 und 6. Nr. 7 ist nach 
der ältesten Liste erst am 29. Juli hinzu- 
getreten, hat also an der Gründung des 
neuen Verbands noch nicht teilgenommen; 
Nr. 8 folgte am 29. Januar, Nr. 9 am 30. 
Januar und Nr. 10 am 1. Februar 1752. 
Diese 9 Logen sind auch im ersten Proto- 
koll vom 5. Febr. 1752 aufgeführt, so dass 
Protokoll und Logenregister genau über- 
einstimmen. Was vor dem 17. Juli 1751 
geschehen ist und ob schon früher allge- 
meine Versammlungen abgehalten waren, 
entzieht sich der Kenntnis. Natürlich 
müssen ja Verhandlungen vorhergegangen 
sein, und diese fünf Logen hatten sicher 



schon längere oder kürzere Zeit bestanden ; 
sie erkannten sich gegenseitig als »regel- 
mässige Logen« an, ^^de die Fassung der 
»Rules and Orders« beweist, und nannten 
sich auch schon »Begelmässige Logen 
Alter Maurer« (Regulär Lodges of An- 
cient Masons; Regel 3). Die Nummern 2 
bis 6 haben sie selbstverständlich auch 
nach dem Alter unter sich verteilt, aber 
in der ersten Logenliste erscheinen sie 
sämtlich als »warranted« unterm 17. Juli 
1751. Dies erklärt sich aus der Verein- 
barung vom 14. Sept. 1752 (vgl. S. 27), 
wonach der Grosssekretär den fünf ältesten 
»Unwarranted Lodges« nachträglich »War- 
rants« mit dem Datum des 17. Juli 1751 
ausstellen sollte, da dieser Tag als der 
Gründungstag der Vereinigung feststand. 
Wir sehen aus der Überschrift der »Rules 
and Orders«, dass an genanntem Tage in 
einer allgemeinen Versammlung ein Aus- 
schuss von fünf Mitgliedern ernannt wurde, 
dass John Morgan Grosssekretär und die 
Fünf zusammen die Vertretung einer Gross- 
loge sein sollten. Die fünf Logen zusammen 
zählten an diesem Tage 74 Mitglieder, 
wie das Generalregister ergiebt: Nr. 2 be- 
stand aus 8, Nr. 3 aus 10, Nr. 4 aus 18, 
Nr. 5 aus 20 und Nr. 6 aus 19 Brüdern, 
was 75 ergiebt; da aber ein Bruder den 
beiden Logen Nr. 4 und 5 angehörte, so 
beträgt die Gesamtzahl nur 74 (vgl. Free- 
mason 1886, S. 286). Unter diesen 74 
Brüdern war John Morgan vermutlich 
die treibende Kraft; das Register nennt 
leider nicht seinen Stand, wir können daher 
auch nicht sagen, zu welchem »Amte« er 
auf dem Kriegsschiffe berufen war; wenn 
der Grosssekretär der »Modems« ihn 1769 
geringschätzig als einen »Schustergesellen« 
(joumeyman shoemaker) bezeichnet, so ist 
das ebenso wertlos wie andre Thorheiten, 
die er auftischt, wie er z. B. Dermott 
einen »Brauerknecht« nennt, während er 
nachweislich Maler und später Weinhändler 
war. Die Mehrzahl der Mitglieder waren 
Handwerker und kleine Kauf leute, beson- 
ders viele Maler, doch finden wir auch 
einen Buchhändler, einen Fähnrich und 
einen Anwalt. Die Hauptmasse bildeten 
offenbar L-länder, und das Ganze trägt ein 
unverkennbar irisches Gepräge. Wenn 
sie in den von ihnen entworfnen »Rules 
and Orders« ihre Logen »regelmässig« 
nannten, so wollten sie damit sagen, 
dass die von ihnen gepflegten Ge- 
bräuche mit denen rechtmässiger Logen 
der »Alten Maurer« übereinstimmten, und 
die Grossloge wollten sie bilden, um in 
den von ihnen gegründeten und später zu 
gründenden Logen die alten Gebräuche zu 
hüten und zu erhalten. Wer unbefangen 
die mitgeteilten Stücke liest, kann nur 
den Eindruck bekommen, dass es sich um 
ein ganz redlich gemeintes Unternehmen 
handelt, bei dem regelrecht aufgenommene 
und eifrige Freimaurer das Wohl der Frei- 

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Ancient MasoDS« 



29 



maurerei im Auge hatten. Von einem 
Abfall von der schon bestehenden Londoner 
Grossloge ist keine Spur zu entdecken, 
kein Wort der Feindseligkeit oder auch 
nur der Gegnerschaft tritt uns entgegen, 
die »Modems« werden nirgends erwähnt. 
Die neue Gründung war nach alledem zu- 
nächst gar nicht gegen die ältere Gross- 
loge gerichtet, sondern es war ein ganz 
gerechtfertigtes Streben, die Brüder mit 
gleichartigen Anschauungen zu sammeln 
und durch eine engere Vereinigung fester 
zusammenzuschliessen. Ängstlich sind sie 
bemüht, dem Ganzen eine gesetzmässige 
Unterlage zu geben, was sich besonders 
auch dadurch zu erkennen giebt, dass sie 
durch die Beschlüsse vom 14. Sept. 1752 
den fünf ältesten Logen nachträglich noch 
durch Ausstellung von Stiftungsurkunden 
eine gesetzliche Bestätigung verleihen. Die 
irische Abstammung wird auch bestätigt 
durch die Art der Zählung der Logen. 1749 
hatte die Grossloge von Lrland fwc eine 
Loge der Grossbeamten, die kurz zuvor 
gebildet war, den Namen einer »Gross- 
meisterloge« (the Grandmaster's Lodge) 
bestimmt und ihr den ersten Platz im 
Grosslogenregister zugesprochen. Dies Ver- 
fahren wurde von den irischen Brüdern in 
London nachgeahmt, indem sie die Nr. 1 
von vornherein für eine zukünftige »Gross- 
meisterloge« offen Hessen, die denn auch 
thatsächlich 1759 mit dieser Nummer ein- 
gesetzt wurde. Femer erfahren wir aus 
dem Protokoll vom 3. Juni 1752, dass der 
Grosssekretär Dermo tt nach dem »alten 
Brauche, Grosssekretäre einzusetzen«, 
wiedereingesetzt wurde (damals betrug die 
jedesmalige Amtsdauer nur ein halbes Jalur), 
und dass er dann »die ganze Förmlichkeit 
der Einsetzung von Grossbeamten wieder- 
holte, in der Weise, die er von Bru- 
der Edward Spratt, dem berühmten 
Grosssekretär von Irland, gelernt 
hatte« [Bywater, S. 13]. Schon vorher 
waren am 1. April 1752 die von Dermott 
vosgeschlagnen Sondergesetze (By-laws) 
seiner Loge Nr. 26 in Dublin flr die Einzel- 
logen der neuen Vereinigung angenommen 
worden. Auch das Le^buch der »Alten 
Maurer«, Dermotts »Ahiman Bezon« (s. d.), 
das zuerst 1756 erschien, bestätigt 
die Abhängigkeit von Irland in allen 
Teilen. Die Loge Nr. 7, die sich nach 
dem 17. Juli 1751 zuerst angeschlossen 
hat, unterm 29. Juli, scheint vorher schon 
bestanden zu haben, aber nur noch in 
Trümmern, denn sie zählte am Tage des 
Anschlusses nur sechs Mitglieder, von denen 
noch dazu drei, unter ihnen auch Mor- 
gan, von Nr. 2 und Nr. 4 der altem 
Logen herübergetreten waren. Neben dem 
Namen des ersten Meisters, John Hamil- 
ton, in dem Generalregister steht »St. John«, 
wie man solche Brüder zu bezeichnen 
pflegte, die aus einer unabhängigen Loge 
kamen, die sich keiner Grossloge unter- 



stellt hatte [vgl. Gould, IV, 384. Sadler, 
Facts and Fictions, S. 113 fg.l. Daneben 
ist bemerkt: »New Constitution by Petition«, 
die also jedenfalls von dem am 17. Juli 
ernannten Ausschuss oder von den Meistern 
der fünf alten Logen erteilt war; denn 
nach einer Anmerkung zum Protokoll vom 
14. Sept. 1752 war in der allgemeinen 
Versammlung am 17. Juli 1751 den Meistern 
der alten Logen die Ermächtigung zuge- 
sprochen, zusammen in Vertretung eines 
Grossmeisters »Warrants« auszustellen, und 
die Meister von Nr. 3, 4, 5, 6 hatten, nach 
Dermotts Aussage, auch wirklich für 
Nr. 8 eine solche »Vollmacht« ( Warrant) 
ausgefertigt, aus deren Wortlaut Dermott 
den Inhalt seiner Anmerkung entnommen 
hatte. In gleicherweise waren wohl alle 
neuen Logen vor dem 14. Sept. 1752 
(Nr. 9, 10, 11, 12) gegründet worden, 
während von da an die oben mitgeteilten 
Beschlüsse massgebend waren, indem nun 
der »Grossausschuss« die Vollmachten er- 
teilte. Das Generalregister giebt auch 
Auskunft über Dermotts Anschluss an 
die neue Vereinigung. Am 1. Febr. 1752 
erhielt Nr. 10 eine »neue Konstitution«, 
und unter den 6 Mitgliedern ist Laurence 
Dermott an letzter Stelle aufgeführt als 
von Nr. 26 in Dublin kommend, wo er am 
14. Jan. 1741 zum »Maurer gemacht« war. 
Gleich in den nächsten Tagen hat er sich 
auch der am 30. Jan. 1752 gegründeten 
Nr. 9 angeschlossen; denn am ö. Febr., am 
Tage seiner Wahl, wird er schon als Mit- 
glied von Nr. 9 und 10 bezeichnet. Bereits 
am 24. Febr. ist er aus Nr. 10 ganz aus- 
geschieden, und diese Loge wurde im Dez. 
1752 gestrichen, zugleich mit Nr. 7, worauf 
dann Nr. 8 und 9 je eine Nummer, Nr. 11 
bis 16 je zwei Nummern in die Höhe 
rückten, so dass die am 27. Dez. 1752 neu 
begonnene Liste 14 Logen zählte, die sich 
bis zum 19. Aug. 17M bis auf 37 ver- 
mehrten. In der Folgezeit wurden beim 
Ausscheiden von Logen die Nummern nie 
wieder nachgeschoben, sondern die Plätze 
blieben frei, bis irgend eine jüngere Loge 
eine leere Stelle für einen hohen Preis 
käuflich erwarb. Dermotts Lo^e war 
fortan Nr. 8, erhielt nach der Vereinigung 
der beiden Grosslogen die Nr. 15 im Jahre 
1814 und behauptet noch heute diesen 
Platz als »Kent Lodge«, wie sie seit 1820 
heisst — Man sieht, er war erst am 5. Tage 
Mitglied seiner Loge, als er zum Gross- 
sekretär gewählt wurde. Vermutlich war 
er also schon mit einigen der massgebenden 
Brüder bekannt gewesen, die seine Tüch- 
tigkeit wahrgenommen hatten; vielleicht 
war er gerade zu dem Zwecke herangezogen 
worden, und zwar von Morgan selbst, um 
an dessen Stelle treten zu können. Er ist 
aber sicher an der Gründung der neuen 
Vereinigung ganz unbeteiligt gewesen, fand 
diese vielmehr schon fertig vor und hat 
nur das von andern, hauptsächlich von 

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80 



Andent Masons. 



Morgau begonnene Werk weitergeführt. 
Er wurde freilich nach seiner Ernennung 
die leitende Kraft vermöge seiner über- 
legnen Sachkenntnis und Geynssenhaftig- 
keit. Die Protokolle erzählen von manchen 
Widerwärtigkeiten, die ihm bereitet worden 
sind, und von entschiednen Auseinander- 
setzungen mit minderwertigen Mitgliedern, 
die ihn beneideten oder denen er zu ernst 
und strenge war (vgl. Dermott). Sein 
Streben war zunächst obEu^uf gerichtet, nach 
der in Grossbritannien herrschenden Vor- 
liebe, einen adligen Grossmeister zu ge- 
winnen, nicht, um etwa für sich und sein 
Werk einen guten Köder zu gewinnen, 
sondern um der jungen Vereinigung einen 
festen Halt zu geben. In den Protokollen 
von 1752 und 1753 ist oft genu^ davon 
die Rede, und zwar in solcher Weise, dass 
der ideale Zweck ganz zweifellos ist. 
Endlich am 5. Dez. 1753 dringt Dermott 
darauf, »da die Brüderschaft keine der 
früher in den Verhandlungen erwähnten 
Adelspersonen gewählt hat und es zweifei- | 
haft ist, ob die alte Zunft mit einem ad- I 
ligen Grossmeister zur Zeit beehrt werden 
könnte«, dass man »einen würdigen und 
geschickten Meister« wählen solle. Man 
wählte einstimmig den Meister von Nr. 15, 
Robert Turner, zum Grossmeister, der 
William Rankin zu seinem Abgeordneten 
ernannte, und dann wählte die Brüder- 
schaft Samuel Quay zum altem, Lachlan 
Mc. Intosh zum jungem Grossaufseher, die 
alle vier »nach altem Brauch«, d. h. nach 
der in Irland üblichen Weise, feierlich ein- 
gesetzt und begrüsst wurden. Am 27. Dez. 
1754 wurde Edward Vaughan Turners 
Nachfolger, und 1756—1760 folgte diesem 
der Graf von Blesinton, unter dem die 
Zahl der Logen von 59 auf 83 stieg; er 
war 1738 und 1789 Grossmeister von Irland 
gewesen, ein weiterer Beweis fdr den engen 
Zusammenhang der »Alten Maurer« mit 
Irland. Von 1760—66 folgte der Graf 
V. Kelly (Zuwachs bis Nr. 145), 1766—70 
Thomas Mathew (Zuwachs bis Nr. 167), 
1771—74 John, 3. Graf von AthoU (bis 
Nr. 192), 1775-81 John, 4. Graf von 
Atholl (bis Nr. 219), 1782 SteUvertretung 
durch den Abgeordneten William Dickev, 
1783—91 der Graf von Antrim (bis Nr. 
269), 1792-1818 wieder John, 4. Graf 
von Atholl (bis Nr. 359), der am 8. Nov. 
1818 zu Gunsten des Herzogs von Kent 
zurücktrat, damit dieser die Vereinigung 
der beiden Grosslogen zu Ende ftthre, die 
auch am 27. Dez. 1813 vollzogen wurde. — 
IV. Das Recht der irischen Maurer in Lon- 
don, sich »Alte Maurer« zu nennen, ist 
nicht anzuzweifeln; denn die^ Londoner 
Grossloge hatte nachweislich Änderungen 
vorgenommen, anscheinend schon 1730. 
während man in Irland und Schottland 
an der altem Weise festgehalten hatte. 
Bei der Vereinigung haben denn auch 
thatsächlich die sogenannten »Modems« 



den » Ancients« das Zugeständnis der Rück- 
kehr zum fthem Brauch gemacht Ja 
sogar die Herübemahme des Royal-Arch- 
Grades (s. d.) in das Gebrauchtum der Ver- 
einigten Grossloge ist den »Alten« zuge- 
standen worden, obgleich dieser Grad sicher 
eine spätere Zuthat ist. Aber man thut 
Dermott und den »Alten Maurern« unrecht, 
wenn man sie fttr die Erfindung und Aus- 
breitung des Grades verantwortlich machen 
will. Dermott schätzte den Grad sehr, 
aber er war weit entfemt, ihn als Lock- 
speise für seine Grossloge zu verwenden, 
und es ist geschichtliche Thatsache, dass 
der Grad unter den »Modems« viel mehr 
gepflegt und ausgebreitet wurde, als unter 
den »Ancients«. In ihren Protokollen 
ist wohl schon zeitig vom »Roval Ajrch« 
die Rede (4. März 1752 und 2. Sept. 
1752), aber in so nebensächlicher Weise, 
dass von einer Betonung und Ausbietung 
nichts zu merken ist; von 1754—1771 wird 
er gar nicht genannt, und im letzten Jahre 
wird ausdrücklich gesagt, nur die gesetz- 
lichen Vertreter der Loge sollten den Grad 
erhalten, was vielmehr eine Beschränkung 
ist. Während unter den »Modems« 1765 
ein Royal -Areh- Kapitel bereits in voller 
Blüte stand, wurde bei den »Alten« ein 
Royal -Arch- Register erst 1783 begonnen 
und zählt nur acht Brüder auf, die bis E^de 
1770 den Grad erhalten hatten, davon noch 
dazu zwei in Irland, zwei in Schottland 
und einer in Amerika, und der eine aus 
Irland ist Dermott selbst. Von 1770—80 
kommen nur 20 hinzu, also bis 1780 im 
ganzen 28, während in einer Versanmüung 
des genannten Royal -Arch -Kapitels der 
»Modems« am 22. Juni 1765 bereits 84 
Mitglieder anwesend waren und 42 die an 
diesem Tage beschlossenen Satzungen unter- 
schrieben haben, unter ihnen mehrere her- 
vorragende Mitglieder ihrer Grossloge. 1766 
traten der damalige Grossmeister Lord 
Blayney, der Grosssekretär Heseltine, 
der aogeordnete Grossmeister Dillon, 
der Provinzialgrossmeister Dunckerley u.a. 
dem Kapitel bei, und das Protokoll vom 
12. Febr. 1766 zeigt, dass damals schon 
noch andre organisierte Kapitel vorhanden 
waren, während die »Alten Maurer« an so 
etwas noch gar nicht dachten. Am 22. Juli 
1767 entstand aus dem Londoner Ka- 
pitel sogar ein »Grand and Royal Chapter 
of the Royal Arch of Jerusalem«, förmlich 
konstituiert von dem eben gewesnen Gross- 
meister Blayney. Alle diese Dinge sind 
längst bekannt und zu lesen bei Hughan, 
Origin of the English Rite of Freemasonry, 
especiallv in Relation to the Royal Arch 
Degree (London 1884), S. 70 fg., 109 fg. 
und bei Sadler, Masonic Facts and Fictions 
(1887). S. 166 fg. Der den »Alten« mit 
Unrecht gemachte Vorwurf mtLsste also 
eher den »Neuem« aufgebürdet werden. 
Die 1765 gegen Dermott und seine Ge- 
nossen gerichtete »Defence of Masonry« 
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Ancient Masons. 



81 



(vgl. oben) ist nicht, wie Kloss wohl noch 
glauben durfte, eine Widerlegung Der- 
motts, sondern eine recht gehässige 
Schmähschrift ohne jeden sachlichen Wert, 
aber mit mebireren nachweislich falschen 
Verdächtigungen. Bemerkenswert daran 
ist aber, dass der ungenannte Verfasser 
die »Alten Maurer« als Irländer bezeichnet 
und sie als solche mit Geringschätzung 
behandelt; dagegen sagt er kein Wort 
davon, dass sie «Abtrünniffe« oder «Schis- 
matiker« oder dgl. wären, die sich von der 
altem Grossloge losgesagt hätten. Auch 
ein mit Schmähungen gespickter Brief 
des Grosssekretärs Heseltine vom 8. Aug. 
1769 (bei Sadler, S. 178 fg), der sonst 
viele Irrtümer enthält, weiss noch nichts 
von einem »Abfall« oder dgl., sondern 
nennt sie »eine Schar von Leuten, die 
zuerst um das Jahr 1746 in die Erschei- 
nung traten«. Erst in dem »Free-Masons 
Calendar« von 1776 werden die »Alten« 
als Abtrünnige und Schismatiker be- 
zeichnet, und dies ist die Hauptquelle 
aller spätem Darstellungen, wie Kloss 
bereits ganz richtig erkannte (a. a. O. 
S. 362). Vgl. Sadler, S. 184 fg. — V. Was 
das gegenseitige Verhalten der »Alten« 
und »Neuem« betrifft, so wurde schon 
bemerkt, dass die erstem bei ihrer Ver- 
einigung keinerlei Feindseligkeit gegen 
die letztern erkennen lassen, obwohl sie 
sich in ihren »Orders and;Rules« wiederholt 
als »Ancient Masons« bezeichnen und 
solche, die nicht einer Loge von »Ancient 
Masons« angehören oder nicht durch Zer- 
tifikat dieAu&ahme in einer »regelmässigen 
Loffe« ihrer Art nachweisen können (Regel 3 
und 6), von ihrer Gemeinschaft ausschliessen. 
Am 6. Juni 1752 werden die »Modems« 
zuerst erwähnt, indem ein Bruder als von 
ihnen kommend eingetragen wird, mit der 
Bemerkung, er sei »made ancient« ; und bis 
zum August 1753 werden noch sechs andere 
in dieser Weise gekennzeichnet, nachher 
nicht mehr. Der Name »Modem Ma- 
sons« war also den »Ancients« 1752 bereits 
geläufig und sicher schon vorher aufge- 
kommen, nicht erst etwa von Dermott 
erfunden.*) In den Protokollen der altem 
Grossloge finden wir die »Ancient Masons« 
zuerst erwähnt in den Verhandlungen über 
eine Tochterloge, deren Mitglieder, aus 
Liebhaberei oder der Abwechslung wegen, 
manchmal Logen nach der Weise der 
»Ancient Masons« abgehalten und einigen 
andern Brüdern den Zutritt nur gestattet 



*) Der Ausdruck > Modem Mfttons« wurde aohon 
Uhr« gebraucht, um die 1717 cur Orouloge zu- 
tftmmengetretenenFrelmfturer zu benennen, im Gegen- 
•ata SU den alten Werkmaurem; so lesen wir in der 
Nr. 668 von »The Gountry Journal, or the Grafts- 
manc (16. Apr. 1787): «unsre neuern Maurer 
woUen eine aUgemeine stumme Sprache besitsen 
u. s. w.» (auch abgedruckt in »Masonry farther Dis- 
sected« (London 1789, S. 26). Die «Alten» brauchten 
also den NMnen gar nicht erst zu erfinden. 



hatten, nachdem sie sich »in ihrer eignen 
neuen und besondern Weise« (in their own 
novel and particular manner) zu »Ancient 
Masons« hatten machen lassen. Verhandelt 
wurde darüber am 20. März und 24. Juli 
1755, wobei den Beklagten vorgeworfen 
wurde, dass sie »die Neuerungen und Er- 
findungen eingebildeter Personen in die 
Zunft (Graft) einzufülireu und den Glauben 
zu erzeugen strebten, es habe andre und 
ältere Gesellschaften von Maurern gegeben, 
als die dieser alten und ehrwürd^en Ge- 
sellschaft.« Da Meister und Aufseher der 
betr. Loge sich weigerten, auf die Wieder- 
holung Yon Arbeiten nach Art der »Ancient 
Masons« zu verzichten, so wurde die Loge 
gestrichen, hat sich aber der Grossloge 
der »Alten« nicht angeschlossen, sondern 
ist selbständig geblieben, wie Dermott 
vollkommen wahrheitsgemäss im »Ahiman 
Bezon« von 1778 berichtet (vgl. schon 
Kloss, S. 378, 884 fg.). In den Protokollen 
Dermotts wird sachlicher gesprochen, 
ohne persönliche Ausfälle auf die Gegner. 
Auch in der ersten Ausgabe des »Ahimaa 
Bezon« von 1756 werden die »Modem 
Masons« mit keiner Silbe erwähnt, sondern 
erst 1764 und 1778 vielfach mit beissen- 
dem Spott behandelt, da Dermott von 
ihnen m gehässiger Weise persönlich an- 
gegriflTen und verleumdet worden war. 
Unterm 27. Dez. 1755 bemerkt er im Pro- 
tokoll, dass in diesem Jahre die »Modem 
Masons« zuerst Zertifikate einführten (was 
vollkommen richtig ist), während die »An- 
cient Masons« seit undenklichen Zeiten 
(time immemorial) Zertifikate ausgestellt 
hätten; auch hierin giebt sich der irische 
Brauch zu erkennen. Obwohl nun amtlich 
die beiden Grosslogen ablehnend einander 
gegenüberstanden, haben sich Brüder der 
Tochterlogen doch gegenseitig häufiger 
besucht, wie wir aus den Protokollen von 
Einzellogen erfahren, und schon lange vor 
der Vereinigung treten Bemühungen her- 
vor, eine Ausgleichung der Gegensätze 
herbeizuführen, zuerst 1797, aber ohne Er- 
folg. Ein weiterer Versuch im Jahre 1802 
führte sogar zu erneuter gegenseitiger Be- 
fehdung, und erst von 1809 an schritten 
die Verhandlungen und Annäherungen un- 
unterbrochen fort, so dass am 27. Dez. 1818 
die Vereinigung vollzogen werden konnte, 
und zwar unter dem Namen »Vereinigte 
Grossloge der Alten Freimaurer von Eng- 
land«; aber bereits 1815 in der von Wil- 
liams besorgten neuen Ausgabe der »Con- 
stitutions of the Ancient Fratemity« heisst 
sie »Die Vereinigte Grossloge der Alten 
Freien und Angenommenen Maurer von 
England«. Der Verlauf der Verhandlungen 
war ein Sieg der »Alten«; denn schon am 
12. April 1809 hatten die »Modems« be- 
schlossen, »dass es nicht länger nötig 
sei, jene Massregeln, zu denen man 
um das Jahr 1789 mit Rücksicht auf 
unregelmässige Maurer Zuflucht 
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82 



Ancient Masons. 



genommen habe, noch aufrecht zu 
erhalten, und dass man deshalb die 
einzelnen Logen veranlassen solle, 
zu den Alten Landmarken der Ge- 
sellschaft zurückzukehren« [Gould, 
rv, S. 498]. Die fernem Vereinbarungen 
brachten weitere Zugeständnisse der »Mo- 
dems« an die »Ancients«, so dass deren 
Eigentümlichkeiten seit 1818 die allgemein 
üblichen in England sind. Li den »Articles 
of Union«, die am 25. November verein- 
bart und am 1. Dez. 1818 endgültig ge- 
nehmigt, unterzeichnet und untersiegelt 
wurden, wird über die anerkannten Grade 
folgendes bestimmt: »Es wird erklärt 
und ausgesprochen, dass die reine 
Alte Maurerei aus arei Graden und 
nicht mehr besteht, nämlich denen 
des Lehrlings, des Gesellen und des 
Meistermaurers mit Einschluss des 
Hohen Ordens des Heiligen Boyal 
Arch. Aber dieser Artikel soll keine 
Loge oder kein Kapitel verhindern, 
eine Versammlung in irgend einem 
der Grade der Ritterorden zuhalten, 
gemäss den Verfassungen der ge- 
nau n t e n O r d e n « (IL Artikel; vgl. Hughan, 
Memorials of the Masonic Union, London 
1874, S. 22). Hierbei ist die Einverleibung 
des Royal- Arch-Grads in den Meistergrad 
ein Zugeständnis der »Moderas« an die 
»Ancients«, aber die Aussprache der Dul- 
dung von Ritterorden ist umgekehrt ein 
halbes Entgegenkommen der »Ancients« 
für die »Modems«; denn höhere Grade 
waren vorher von den letztern schon lange 
eifrig in besondem »Kapiteln« gepflegt, 
während Dermott alle über den Royal 
Arch hinausgehenden Grade verwarf und 
die »Ancients« sich nur wenig damit be- 
fasst zu haben scheinen. — VI. Die »Alten 
Maurer« wurden auch wohl »York -Mau- 
rer« genannt und ihnen vorgeworfen, dass 
sie üire Bräuche von der Grossloge von 
York zu haben behaupteten. Dieser Vor- 
wurf ist unbegründet. Freilich gebrauchte 
Dermott in der ersten Ausgabe seines 
»Ahiman Rezon« einige Male den Namen 
»York-Maurer in England« (1756, S. 88 
96), aber in einem ganz andern Sinn, 
den er zur Abwehr der unverdienten Vor- 
würfe in der zweiten Ausgabe durch fol- 
gende Anmerkung klar stellte: »Sie heissen 
York-Maurer, weil die erste Grossloge in 
England im Jahre des Herm 926 in York 
versammelt wurde, vom Prinzen Edwin, 
der (zur selben Zeit) einen Freibrief von 
König Athelstan zum Nutzen der Brüder- 
schaft kaufte« (1764, S. 89). An die 1726 
gestiftete »Grossloge von ganz England« 
in York hat also Dermott nie gedacht, 
seine Kenntnisse und Gebräuche führt er 
vielmehr stets auf Irland zurück. Seit 
der Graf von Atholl an der Spitze der 
»Alten« stand, wurden sie auch sehr oft 
»Atholl -Maurer« genannt. In den von 
ihnen erlassenen »Warrants« nennen sie 



sich selbst »die Grossloge der sehr Alten 
und Ehrwürdigen Brüderschaft der Freien 
und Angenommenen Maurer (nach der 
Alten von S. K. H. Prinz Edwin in York 
A. D. 926 gewährten Verfassung)«, womit 
sje nur sagen wollten, dass sie den alten 
Überlieferungen treuer geblieben zu sein 
vermeinten, wUirend die »Neuem« that- 
sächlich einige Veränderungen vorgenom- 
men hatten, z. B. die Vertauschung der 
Erkennungswörter des ersten und zweiten 
Grades, was ja später von den »Neuem« 
selbst zugegeben und rückgängig gemacht 
wurde. Kürzer nannten sie sich auch 
»die Grossloge der Freimaurer von Eng- 
land nach den alten Einrichtungen« (old 
Institutions). — VU. Die Schriften, in denen 
das von den »Alten Maurern« gebrauchte 
Ritual enthalten sein soll, sind folgende: 

1. The three distinct Knocks, or the Door 
of the most Ancient Free-Masonry opening 
to all Men (London 1860; oft wiederholt). 

2. Jachin and Boaz, or an authentic Key 
to the Door of Free-Masonry, both Antient 
and Modem (London 1862; sehr oft wieder- 
holt). 8. Hiram. or the Grand Master-Key 
to the Door of Doth Ancient and Modern 
Free-Masonry (London 1764; 2. Ausg. 1766). 
4. Shibboleth, or Every Man a Free-Mason 
(London 1765). 5. Mahnabone, or the Grand 
Lodge Door open'd. Wherin is discovered 
the whole Secrets of Free-Masonry both 
Ancient and Modem rLondon 1866, 2. Ausg.). 
6. The Freemaaon Stript Naked (London 
1769). Ausserdem giebt es noch eine sie- 
bente Schrift (Tubalcain), über die Schreiber 
dieses, da ihm die Auszüge daraus abhanden 
gekommen sind, hier nichts näheres anzu- 
geben vermag. Das Buch »Solomon in all 
Eis Glory« (London 1766) gehört nicht 
hierher, sondern ist eine Übersetzung des 
französischen »Ma^on D^masqu^« (Londres 
1751). Die Nummern 1, 2, 8 und 6 kennt 
Kloss, Bibliogr. unter 1888, 1887, 1889 
und 1890, aber mit unrichtigen Angaben 
über die ersten Ausgaben von 1 und 2. 
Die einzige Originalquelle ist 1 . die zuerst 
1760 in London erschien una sofort in 
Dublin nachgedruckt wurde; alle folgenden 
sind unselbständig und stützen sich auf 1 
oder dessen Nach^imungen, die noch dazu 
durch fremdartige Zuthaten entstellt sind. 
Schon »Jachin and Boaz« ist ein Ge- 
misch aus »The three distinct Knocks« 
und der gleichzeitigen Schrift »A Master- 
Key to Free-Masonry« (London 1760). 
Diese ist eine an manchen Stellen verkürzte 
Übersetzung der französischen Schrift 
» L' Ordre des Francs-Ma9ons trahi« (Amster- 
dam 1745; nachgedmckt als »Les Secrets 
de rOrdre des Francs-Ma^ons dövoil^ et 
mis au jour« ; gleichfalls Ainsterdam 1745), 
so dass »Jachin and Boaz« bei näherer 
Betrachtung viele Widersprüche aufweist, 
da der Inhalt ausfranzösiscnen und irischen 
Gebräuchen gewaltsam gemengt ist. Der 
Verfasser von 8 hat, wie der Titel schon 

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Ancke — Anderson. 



andeutet, aus 1 und 2 und dem »Master- 
Key« zusammengeschrieben; ausserdem hat 
er aus dem Buche »The Antient Consti- 
tutions and Charles of the Free-Masons« 
(London 1762, bei Cole) ganze Stücke ent- 
nommen. Ebenso plündert 4 seine Vor- 
gänger, und 5 benutzt ausser diesen für 
die »Modem Masonry« noch Prichards 
Masonry dissected (zuerst London 1780; 
später oft wiederholt) und »Solomon in 
all his Glory«. Da schon 2 manches von 
1 entstellt hat und die Nachfolger nicht 
immer auf 1 selbst zurückgehen, so ist 1 
die allein glaubwürdige und zuverlässige 
Quelle, wie auch Kenner der irischen Ge- 
bräuche noch heute bestätigen. Diese 
Urteile stützen sich auf eine genaue Ver- 
gleichung der fünf Schriften, die bisherige 
Bevorzugung von » Jachin and Boaz« kann 
vor der philologischen Kritik nicht be- 
stehen. Der Verfasser von 1 spricht in 
seinem Vorwort immer von »Isländern« 
und »irischen Logen«. 

Ancke, Friedrich Oskar, geprüfter 
Baumeister, geb. 8. Juli 1887 in Chemnitz, 
war in vielen gemeinnützigen Vereinen, 
teilweise als Vorstand thätig, auch stellv. 
Vorsitzender im Stadtverordnetenkolle- 
gium, so dass er bei seinem Wegzug nach 
Dresden, wo er jetzt lebt, zum Ehrenbürger 
der Staat ernannt wurde. Er fand Auf- 
nahme in der Loge Zur Harmonie in 
Chemnitz 5. Mai 1864, war 1868—1870 
Schriftführer, 1873—1880 erster Aufseher, 
ebenso 1881—82, 1884—86 zugeordneter 
Meistervom Stuhl und ist seit 1886 versitzen- 
der Meister, zugleich seit 1889 Ehren- 
meister. Unermüdliche Ajrbeit und hu- 
maner Umgang neben reichem Wissen 
haben ihm einen Ehrenplatz in seiner 
Loge gesichert, die er auch jetzt noch von 
seinem Wohnsitz aus als Vorsitzender 
Meister leitet Bei seinem 25jährigen 
Maureijubiläum wurde die Anckestiftun^ 
als eiserner Fonds fttr die Witwen- und 
Waisenkasse gegründet (s. Chemnitz). 

Andananen (brit. Liseln im Meerbusen 
von Bengalen). Hier arbeitete 1866—1885 
eine Tochterloge der Grossloge von Eng- 
land in Port Blair. 

AHderson, Jakob, Dr. der Philosophie 
und Theologie und Prediger an der Kirche 
der schottischen Presbyterianer in London, 
war ein gebomer Schotte, vermutlich aus 
Aberdeen. Jahr und Tag seiner Geburt 
sind unbekannt, ebenso der Zeitpunkt 
seiner Übersiedelung nach London. Dass 
er 1717 bei Gründung der Grossloge eine 
Hauptrolle mitgespielt habe, ist oft be- 
hauptet worden, aber unerweislich und 
ganz unwahrscheinlich; denn dann würde 
er schon früher ein Logenamt erhalten 
haben und nicht erst 1723 nach Fertig- 
stellung des Konstitutionenbuchs. Auch 
hätte er dann gewiss seinen Namen auf 
den Titel gesetzt und selbst die Widmung 
an den Herzog von Montagu geschrieben. 

Allgemeines Handbuch der Freimaurerei. 



wie er sich 1738 als Verfasser bekannte 
und dem Prinzen von Wales das Buch 
selbst widmete. A. war eben 1722 im 
Kreise der Brüder noch nicht lange be- 
kannt, er Hess daher die Widmung von 
dem bereits angesehnem Desaguliers (s. d.) 
verfassen und von ihm sein Buch empfehlen, 
wie denn in der That die Anpreisung der 
Vorzüge desselben den Hauptteil der 
Widmung bildet. Ob A. schon in Schott- 
land Freimaurer geworden war, ist nicht 
festzustellen, aber aus verschiednen Grün- 
den wahrscheinlich, da er mit schotti- 
schen Eigentümlichkeiten vertraut ist 
(er hat schottische Benennungen in Eng- 
land eingeführt) und sich ausdrück- 
lich auf Schriften aus Schottland beruft. 
Er selbst erwähnt sich 1738 zum ersten- 
mal unterm 29. Sept. 1721, wo es heisst: 
»Da Seiner Gnaden Ehrwürden (Montagu) 
und die Loge an allen alten Handschri^n 
der alten gotischen Verfassungen auszu- 
setzen fanden, beauftragten sie Bruder 
James Anderson, A. M., sie in eine 
neue und bessere Gestalt zu bringen.« 
Von hier an erwähnt er sich dann öfter. 
Wir dürfen annehmen, dass er sich nicht 
lange vor dieser Zeit überhaupt erst ange- 
schlossen hatte. Zu Ausarbeitung des Buches 
hat er sich wahrscheinlich selbst ange- 
boten, wie, nach Ausweis der ProtokoUe, 
die zweite Ausgabe erst auf seine An- 
regung hin genehmigt wurde. Die Einzel- 
heiten, die A. weiter unterm 27. Dez. 1721, 
25. März 1722 und 17. Jan. 1723 im J. 1738 
über die erste Ausgabe mitteilt, sind un- 
zuverlässig und stimmen nicht mit ander- 
weitigen Angaben überein. Das erste er- 
haltene Protokoll der Grossloge vom 24. Juni 
1723 sagt: »Die Anordnung vom 17. Jan. 
1723, die am Ende der Konstitution S. 91 
abgedruckt ist, für die VeröflTentlichung 
der genannten Konstitution wurde ver- 
lesen, des Inhalts, dass sie vorher hand- 
schriftlich von der Grossloge genehmigt 
und dann, nämlich am 17. Jan., im Druck 
vorgelegt und von der Gesellschaft ge- 
nelmiigt wurde.« Dagegen heisst es 1738 
bei A.: »Grossaufseher Anderson legte das 
neue Konstitutionsbuch im Druck vor, 
welches wiederum genehmigt wurde, mit 
Hinzufßgung der alten Art eine Loge 
einzusetzen.« Dieser Zusatz hat aber 
am 17. Jan. bereits gedruckt mit vor- 
gelegen, wie man aus der Originalausgabe 
ganz sicher ersehen kann. Nachgedruckt 
und angehängt sind offenbar nur die Seiten 
73—91, von der »Approbation« bis zum 
Schluss, während die Seiten 1—72 bereits 
fertig waren. Damach könnte die »Appro- 
bation«, die Wharton (s. d.) als Grossmeister 
unterschrieben hat, auch erst am 17. Jan. 
1723 vollzogen sein, zumal da dieser nach 
A.'s eigner Angabe erst an jenem Tage als 
Grossmeister eingesetzt war, was freilich 
nach andern bestimmten Nachrichten 
zweifellos falsch ist. Ein weiteres, beson- 
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84 



Anderson. 



ders überzeugendes Beispiel für A.'s Un- 
genauigkeit mag genügen, um die Glaub- 
würdigkeit seiner Angaben in das rechte 
Licht zu stellen. Untenn 25. Apr. 1723 
heisst es: «Wharton, Grossmeister, schlug 
als seinen Nachfolger den Grafen y. Dal- 
keith (jetzt Herzog von Buckleu^h) vor, 
den Meister einer Loge, welcher einmütig 
bestätigt und als erwSiilter Grossmeister 
ffebührend begrüsst wurde, c Dagegen sagt 
das Protokoll der Grossloge vom 24. Juni 
1723: >Als dann der Grossmeister (Wharton) 
ersucht wurde, seinen Nachfolger zu nennen, 
und ablehnte, es zu thun, vielmehr die 
Nennung der Loge übertrug, wurde der 
ehrenwerte Graf v. Dalkeith vorgeschlagen, 
als Grossmeister für das folgende Jahr er- 
nannt zu werden.« Die Versammlung vom 
25. Apr. hat vermutlich gar nicht statt- 

fefiinden, und am 24. Juni ist es nach dem 
^otokoU ganz anders zugegangen, als A. 
berichtet. Damach hat sich Wharton 
der Einsetzung von Desaguliers als De- 
putierten widersetzt und, als er trotzdem 
im Auftrage des Grafen v. Dalkeith durch 
dessen Vertreter als ernannt erklärt wurde, 
die Loge * ohne jede Förmlichkeit« (without 
any Ceremony) verlassen. So sind an der 
Hand der Protokolle auffallend viele Irr- 
tümer und Ungenauigkeiten A.'s nachzu- 
weisen, z. B, wurde der frühere Gross- 
meister Payne (s. d.) am 24. Juni 1724 nicht 
als älterer, sondern als jüngerer Grossauf- 
seher eingesetzt, und das Protokoll dieses 
Tages weiss nichts von dem grossartigen 
Umzug, den A. unter diesem Tage be- 
schreibt; solche Umzüge werden erst später 
erwähnt, in der von A. angegebnen Weise 
zum erstenmal am 29. Jan. 1730. A. scheint, 
wie die Protokolle ausweisen, in denen 
die anwesenden frühem Grossbeamten 
stets genannt werden, die Grossloge vom 
24. Juni 1723, wo er jüngerer Grossauf- 
seher war und die endgültige Genehmigung 
zur Veröffentlichung seines Konstitutionen- 
buchs erlangte, bis zum 24. Juni 1731, 
wo er zum erstenmal wieder als an- 
wesend verzeichnet wird, niemals be- 
sucht zu haben, so dass er 1738 nicht 
nach eigner Beobachtung, sondern nur 
nach Hörensagen berichten konnte; die 
Protokolle hat er in höchst willkürlicher 
und ungenauer Weise benutzt, wie eine 
fortlaufende Vergleichung Schritt für 
Schritt zeigt. A.'s Darstellung ist also als 
Grundlage f&r die Geschichte der Lon- 
doner Grosslo^e werüos, da man immer- 
während auf die urkundlichen Quellen zu- 
rückgehen muss, um die Bichtigkeit seiner 
Angaben nachzuprüfen. Zuverlässiger sind 
die Angaben in den »New Beguiations« 
(1738 S. 152 — 178), obwohl auch hier 
manche Einzelheiten mit unterlaufen, die 
mit den Protokollen nicht genau über- 
einstimmen. Die Aufstellung aller mög- 
lichen Grossmeister u. s. w. seit urdenk- 
lichen Zeiten war für die zweite Ausgabe 



von der Grossloge gewünscht worden, die 
am 31. März 1735 beschloss, »dass Dr. James 
Anderson ersucht werden sollte, die Namen 
aller Grossmeister zu drucken, die vom 
Beginn der Zeit gesammelt werden könnten, 
zusammen mit einer Liste der Namen aller 
zugeordneten Grossmeister, Grossaufseher 
und der Brüder, die der Zunft in der 
Eigenschaft von Schaffnern gedient haben« 
(Protokoll). — A. war jüngerer Grossauf- 
seher, aber, wie es scheint, nur kurze Zeit; 
am 24. Juni 1723 hörte sein Amt auf; 
wann er eingesetzt war, wissen wir nicht, 
jedenfalls aber nicht allzulange vorher, 
denn die »Approbation« ist noch von 
seinem Vorgänger unterschrieben. Nach- 
her ist er offenbar lange Jahre (bis 1731) 
wieder ganz in den Hintergrund getreten 
und später erst durch die Vorbereitung 
der zweiten Ausgabe seit 1735 aufs neue 
in Thätigkeit gekommen. Die Vorrede 
zur zweiten Ausgabe ist am 4. Nov. 1738 
unterschrieben, und im Jan. 1739 hatte er 
noch die Genugthuung, das Buch dem 
Prinzen von Wales, dem es gewidmet ist, 
persönlich überreichen zu dürfen; am 28. 
Mai 1739 ist er gestorben. Seine Verhält- 
nisse scheinen nicht glänzend gewesen zu 
sein, und er soll im J. 1720 beträchtliche 
Verluste erlitten haben (Gould IV, 291). 
Dies würde seine schriftstellerischen Be- 
mühungen, die er für eigne Bechnung be- 
trieb, erklären und es begreiflich machen, 
dass er 1735 den Schutz der Grossloge für 
sein »alleiniges Eigentum« (sole Property) 
gegen William Smith, den Herausgeber 
des »Pocket Companion« (1735), nach- 
suchte. Meister und Au&eher der Logen 
wurden denn auch angewiesen, vor dem 
Ankauf dieses Buchs zu warnen. Ausser 
den beiden Auflagen des Konstitutionen- 
buchs hat A. noch das umfangreiche Werk 
»Roval Genealogies, or The Genealogical 
Tables of Emperors, Kings, and Princes, 
from Adam to these Times« (1732; 2. Aus- 
gabe 1736) verfasst, woraus er manches fttr 
das zweite Konstitutionenbuch verwerten 
konnte. Für die Geschichte der Baukunst 
und der Baudenkmäler waren beide Kon- 
stitutionenbücher damals gewiss nicht ohne 
Wert, aber als Vorgeschichte der heutigen 
Freimaurerei können sie nicht gelten; denn 
A. hat sie den alten Zunftsagen angepasst, 
wie er selbst sagt, und diese in demselben 
Sinne weiter ergänzt; es ist daher auch 
unstatthaft, hinter seinen Darstellungen 
besonders tiefe Geheimnisse zu wittern 
oder alles Mögliche und Unmögliche 
zwischen den Zeilen lesen zu wollen. Wir 
dürfen aber auch nicht zu streng mit dem 
Verfasser ins Gericht gehen, denn von 
einer auf wissenschaftliche Kritik gegrün- 
deten Geschichtschreibung hatte man zu 
seiner Zeit noch keine Ahnung. Weil A. 
in der Ausgabe von 1738 die »Defence of 
Masonry, published A. D. 1730. Occasion'd 
by a Pamphlet calPd Masonry Dissected« 

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AndHissj — Anerkannte Logen. 



85 



(S. 216—226) wieder abgedruckt hat, ist 
er für deren Verfasser gehalten wor- 
den, jedenfalls mit Unrecht. — [Über 
A. vgl. Gould, History of Freemasonry, 
IV, 291—293, 854—856; über die Kon- 
stitutionenbücher Begemann in der BZC. 
1887, S. 140—160, 213—221; 1891, 
S. 267-303; 1892, S. 18—38, 152—190; 
femer FZ. 1861, S. 81 fg.; 1862, S. 121 fg. 
(von KeUer); 1865, S. 84 fg. M. L. 1894/5, 
8. 211 fg.] 

kndrüasj, Julias Graf, Staatsmann, 
geb. 8. MÄrz 1823 in Olähpatak, gest. 18. Febr. 
1890 in Volosca, beteiligte sich an dem Un- 
abh&ngigkeitskrie^ 1848—1849, wanderte 
dann aus, kehrte jedoch 1858 nach Ungarn 
zurück, wurde Mitglied des Parlaments, 1867 
Ministerpräsident und 1871 österreichi- 
scher Minister des Äussern. Er wurde in 
der Loge Le Mont Sinai in Paris in den 
Freimaurerbund aufgenommen, hielt sich 
aber, heimgekehrt, vom Logenleben fem. 
Es ist ihm jedoch zu verdanken, dass die 
Logen in Ungam auf gesetzlicher Grund- 
lage stehen. 

Andr^, Christian Karl, Pädagog und 
landwirtschaftlicher Schriftsteller, geb. 20. 
März 1763 in Hildburghausen, gest. 19.Febr. 
1831 in Stuttgart, war mehrere Jahre Lehrer 
in Schnepfenthal, mit Becker 1797 Heraus- 
geber des »Ailffemeinen Reichsanzeigers«, 
1798 Direktor der protestantischen Schule 
in Brunn, 1812 Wirtschaftsrat des Fürsten 
Salm und 1821 Sekretär bei der 2^ntral- 
stelle der Landwirtschaft in Stuttgart. Er 
war ein eifriger Maurer, der in vielfachen 
maurerischen Verbindungen mit bedeuten- 
den Persönlichkeiten seiner Zeit stand. Er 
gab heraus die freimaurerische Zeitschrift: 
»Der Freymaurer, oder kompendiöse Biblio- 
thek alles Wissenswürdigen über geheime 
Gesellschaften», fünf Hefte, die 1789—96 
teils in Göttingen, teils in Gotha und 
Halle erschienen und sowohl Auszüge aus 
gleichzeitigen freimaurerischen Schriften, 
ab auch eigne Aufsätze und Abhandlungen 
enthalten. 

Andreft, Job. Valentin, geb. 17. Aug. 
1586 in Herrenberg in Württemberg, gest. 
27. Juni 1654 als Generalsuperintendent 
in Adelberg. Seine Schrift: »Chymische 
Hochzeit Christiani Bosenkreuzc erschien 
in Strassburg 1616 in vier Ausgaben, war 
aber nach seinen eignen Ang^en schon 
1602 oder 1603 verfasst. Er wurde von 
Arnold (Kirchen- und Ketzer -Historie, 
zuerst 1699) für den Verfasser der »Fama 
Fratemitatis« und »Confessio« der sog. 
Bosenkreuzer gehalten. Auch Herder u. a. 
traten dafür ein. Der in neuster Zeit ge- 
machte Versuch, es abzuleugnen, ist miss- 
lungen, da gar zu viele Gründe für A.'s 
Verfasserschaft sprechen. A. hat sich in 
vielen Schriften von 1616 bis 1623 in auf- 
fallender Weise mit den Rosenkreuzem 
beschäftigt, namentlich der »Turbo« (1616), 
die »Turris Babel« (1619) und das »De 



Curiositatis Pemicie Syntagma« (1620) 
lassen ihn als Verfasser jener Schriften 
mit ziemlicher Sicherheit vermuten. [Vgl. 
Hossbach, Joh. Val. A. u. sein Zeitalter 
(Brl. 1819); Begemann in d. Monatsh. d. 
Com.-Ges. 1899, S. 145; Freymäurer- Bib- 
liothek, V, S. 24. Glökler, J. P., Lebens- 
bild des J. V. A. (Stuttg. 1886). R. 1885, 
S. 85. BZC. 1899, S. 372.] 

Andreas (der Heilige), ein Apostel Jesu 
und vorher ein Jünger des Täufers Jo- 
hannes, war der Schutzpatron Schottlands. 
Von seinem Tode wira erzählt, dass der 
Prokonsul Aegeas in Achaja ihn in Paträ 
mittels einer crux decussata (eines schrägen 
Kreuzes: X) ^^^^ kreuzigen lassen. Die 
Abteilung der hohem Grade, die sich 
Schottische Loge oder Andreasmaurerei 
(s. SohottlBohe Maurerei) nennt, hat ihn 
zum Schutzpatron gewählt, weil A. von 
Johannes dem Täufer als der Erstberufene 
zu Christus sich wandte. Beda Venera- 
bilis nennt ihn auch Einf&hrer bei Jesu, 
was zur Tendenz der Andreasgrade 
stimmt. [Vgl. Woog, Presbyteror. et dia- 
conor. Achajae epistola de S. Andreae 
apostoli martyrio gr. lat. (Lpz. 1749).] 

Andreasgrad (Andreasmaurerei), der äl- 
teste aller Grade, die den frühem drei 
Graden hinzugefügt wurden; wahrschein- 
lich erfanden ihn die schottischen An- 
hänger des Prätendenten um 1736, worauf 
er sich bald in Frankreich verbreitete und 
später nach Deutschland kam. (S. Schotti- 
sche Maareret) — Andreaslehrüng und 
Andreaggeselle, der vierte (und in Skan- 
dinavien fOnfte) Grad der schwedischen 
Lehrart; Andreasmeister, der fOnfte (in 
Skandinavien sechste) Grad derselben Lehr- 
art; AndreasTertraate (Fr^res favoris de 
St.-Andr6), auch Ritter vom Purpurbande, 
der achte Grad derselben Lehrart. (S. 
Schwedische Iiehrart.) — Andreaslogen 
heissen im Schwedischen System die Logen, 
die die Andreasgrade (4 und 5, in Skan- 
dinavien 4 — 6) bearbeiten. 

Andreastag ist der 30. Nov., der Namens- 
tag des Andreas, des Schutzheiligen von 
Schottland. Am 30. Nov. 1736 wurde in 
Edinburg die Grossloge von Schottland 
gegründet und der erste Grossmeister ge- 
wlüilt; der Tag wurde dann als Stiftungs- 
tag und Wahltag festgehalten. Die An- 
dreaslogen der Grossen Landeslogen von 
Deutschland, Schweden, Dänemark und 
Norwegen feiem ihr Stiftungsfest gleich- 
falls am 30. Nov. 

Androgjue Maarerei, englische und vor- 
züglich amerikanische Benennung der 
Aooptionsmaurerei (s. d.). 

Anerkannte Logen heissen, im Gegen- 
satz zu den Winkellogen (s. d.), die 
Logen, die eine freimaurerische Lehrart 
befolgen, die von den übrigen Logen als 
den Grundsätzen der Freimaurerei nicht 
widersprechend angesehen wird und deren 
Mitglieder infolgedessen allenthalben als 

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86 



ADgenommen — Angriffe. 



wirkliche Mitglieder des Freimaurerbundes 
aafgenommen und behandelt werden. In 
manchen Staaten bedarf jede Loge der 
Anerkennung der oder einer der in diesem 
Staate bestehenden Grosslogen (s d.). In 
Deutschland erfolgt die Anerkennung durch 
den Deutschen Grosslogenbund, d. h. es 
werden von diesem nur anerkannt die 
Logen, die er als solche ausdrücklich be- 
zeichnet, das sind zur Zeit die zu den 
acht deutschen Grosslogen gehörigen Logen 
und die fünf unabhängigen Logen (s. 
Deutsohland). Alle übrigen Logen, wenn 
sie sich auch Freimaurerlogen nennen, 
gelten nicht als anerkannte, und ihre Mit- 
glieder haben keinen Zutritt bei jenen. 

ADgenommen (accepted) nannte man in 
England alle Maurer^ die in eine Loge 
eingetreten und geweiht waren; dass, wie 
man lesen und hören kann, nur die Nicht- 
werkmaurer so bezeichnet wären, ist ein 
geschichtlicher Irrtum: jedes Mitglied 
der engern Vereinigung war ein «accepted 
mason« oder auch »accepted freemason«. 
Der zusammengesetzte Ausdruck «free and 
accepted mason« ist vor 1722 nicht nach- 
gewiesen und erst von der neuen Gross- 
loge geschaffen worden. Anderson (s. d.) ge- 
braucht auch als Gegensatz die Benennung 
«unaccepted masons« für solche Maurer, 
die in die Kunstgeheimnisse nicht einge- 
weiht waren. [Vgl. Begemann, BZC. 1887, 
S. 238 fg.; 1839,8.66,81,106, 118, 116 fg.; 
1894, S. 383 fg. (S. auch England.)] 

Angerbnrg (St. in der preuss. Prov. Ost- 
preussen, 4M)9 E.). Loge das. unter der 
Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln: Luise zum tröstenden 
Engel, gest. 9. Okt. 1811, eingew. 1. Jan. 
1813, geschlossen seit 16. Juli 1829. 

AngermAnde (St in der preuss. Prov. 
Brandenburg, 7334 E.). Hier besteht unter 
der Loge in Eberswalde ein maurerisches 
Kränzchen Auf Hoffnung, gest. 20. Jan. 
1885, bestätigt mit den Satzungen 16. Apr. 
1890. Mitgliederzahl (1899): 16. Vers. 1. 
und 3. Mittwoch vom Oktober bis März, 
8. Mittwoch vom April bis September. Lokal : 
Hotel Zu den drei Kronen. 

Angola (portug. Kolonie an der Küste 
Westafrikas). 1884 bestand in Mossamedes 
eine Tochterloge des Grande Oriente Lu- 
sitano Unido. 

Angriffe. Keine Gesellschaft hat Ver- 
dächtigungen, Verleumdungen, falschen 
Ansichten so viel Baum gegeben, als der 
Freimaurerbund, und Unwissenheit, Arg- 
wohn und Bachsucht drückten den Schrift- 
stellern meist die Feder in die Hand, um 
Kirche und Staat für die Verfolgung des 
Bundes zu entflammen. Wir begreifen 
unter den Angriffen nur die Verdäch- 
tigungen, die von den Schriftstellern aus- 
gegangen sind, während unter Verfolgungen 
(s. d.) die Massregeln verstanden werden, 
die geistliche und weltliche Obrigkeiten 
gegen den Bund unternommen haben. — 



Alle Schriftsteller hier aufzuzählen, die 
den Kampf gegen die Freimaurerei auf- 
nahmen, würde nur auf die Au&ählung 
von Büchertiteln hinauslaufen, weshalb 
auf Kloss, Bibl., S. 21-56, 258—71. auf 
Taute, Bücherkunde, S. 139 fg., und auf 
den vortrefflichen Aufsatz v. Nettelbladts, 
»Geschichte der Angriffe und Verfolgungen 
gegen den Bund der Freimaurer«, im Ka- 
lender für die Provinzialloge von Mecklen- 
burg, 1830, S.94fg.; 1831, S.39fg.; 1834, 
S. 25 fg. verwiesen sein mag. Die An- 
griffe, von 1725, also von Anfang an, be- 
ginnend, sind verschiedner Natur, indem 
sie entweder ihre Absicht auf vollkommene 
Vernichtung des Freimaurerbundes oder 
wenigstens der Formen der Freimaurerei 
richteten und durcH Enthüllung wahrer 
oder falscher Gebräuche das Geheimnis der 
Verbindung aufzudecken glaubten, wie z.B. 
früher »L'ordre des Fr. Mac. trahi«, später 
»Sarsena« und »Das Freimaurertum in 
sieben Graden«, sowie neuerdings Taxils 
•Drei Punkte-Brüder«. Andre Angriffe 
fanden in der Spottlust ihren Grund, wäübi- 
rend wieder andre darauf abzielten, die 
weltliche Regierung gegen den Bund zu 
erregen, indem sie den Freimaurern die 
Schuld aller physischen, moralischen, re- 
ligiösen und politischen Revolutionen auf- 
bürdeten. Hierbei freilich verfielen die An- 
greifer in den grossen Irrtum, dass sie andre 
feheime Gesellschaften, die sich in der 
'reimaurerei ähnliche Formen zu hüllen 
wussten, z.B.diellluminaten, dieCarbonari, 
als freimaurerische betrachteten oder das, 
was einzelne Maurer thaten, der Allgemein- 
heit aufbürdeten. Unsre mildesten und 
dabei gewichtigsten Gegner waren und sind 
die, welche die Freimaurerei als eine über- 
flüssige, an und für sich bedeutungslose, 
§ leichgültige Sache betrachten. Dass 
er Bund in verschiednen seiner Erschei- 
nungen Handhaben zu solchen Angriffen 
geboten hat, ist nicht zu leugnen; aber 
deshalb müssen die jetzigen Mitglieder 
auch eifrigst bestrebt sein, alles das aus 
den verschiednen Gebräuchen zu entfernen, 
was einer falschen Deutung und einer 
Übeln Auslegung fähig ist. Dass gegen 
diese schriftstellerischen Angriffe eine voll- 
ständige, erfolgreiche Verteidigung nicht 
zu führen ist, liegt in der Natur der Sache; 
denn teils müssten die Verteidiger nach'> 
weisen, wo ein Irrtum und eine VerflÜ- 
schung der Gebräuche stattfinde, waa 
ohne Kenntnis aller nicht möglich ist, 
teils über das Ganze der Verbindung in 
allen Lehrarten und Abzweigungen den 
freiesten Überblick haben, um zeigen zu 
können, was jenen nur einseitig aufge- 
pfropft und was wirklich ihr innerster Kern 
ist. Aus diesem Grunde sind selbst in den 
besten Verteidigungen und Schutzschriften 
des Bundes Mängel zu entdecken, die nicht 
zu beseitigen sind. — Alle einzelnen 
Schriften aufzuzählen, ist nicht nötig* 

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Angriffe. 



87 



1821 zog Prof. Steffens, ein Mann von An- 
sehen, mit herausfordernder Keckheit 
(»Karrikaturen des Heiligsten«) gegen den 
Bund zu Felde, was ungeheures Aufsehen 
erregte, dann die 1824 zu Leipzig erschie- 
nene Schrift: »Sechs Stimmen (d. i. Stuve, 
E. M. Arndt, Knigge, Steffens, J. F. Meier 
und Fessler) über geheime Gesellschaften 
und Freimaurerei«, die alle Angriffe und 
Gesichtspunkte feststellt, die gegen den 
Bund sprechen. Die Hauptentgegnungen 
wurden damals von Grävell, Wankel, 
Eössler und Weiss gegeben, und die An- 
griffe schienen bis auf die in den »Hbtorisch- 
politischen Blftttem« und dem »Bayrischen 
Volksboten« enthaltenen abgewiesen. Stef- 
fens schwieg fortan. Die Schriften aus 
der 2ieit bis 1848 sehe man bei KIobs und 
Taute nach. Bis 1848 schien der Frei- 
maurerbund in ruhigem Besitz seiner Ge- 
bräuche zu bleiben. Von dieser Zeit 
an aber sind die Angriffe öfters wiederholt 
worden, teils in Zeitschriften verschiedner 
Färbung, je nach den Parteischattierungen, 
teils in eignen Schriften. Dass in den 
maurerischen Zeitschriften derV erteidigung 
von jeher ein grosses Feld gewidmet war, 
versteht sich von selbst, sowie auch, dass 
einzelne Gegenschriften entstanden sind. 
In neuerer Zeit scheint man, in Deutsch- 
land wenigstens, statt Verteidigungs- 
schriften zu schreiben, vorzuziehen, das 
grössere Publikum mit dem Geist des Frei- 
maurerbundes bekannt und dadurch die 
Schutzschriften unnötig zu machen. S. »Der 
Freimaurerorden in seiner gegenwärtigen 
Nichtigkeit dargestellt« (Lpz. 1847). — 
Schletter, »Der Freimaurerbund in seiner 
gegenwärtigen Bedeutung dargestellt« 
(Lpz. 1848). Entgegnung der vorherigen 
Sdburift. — »Der Freimaurerorden in seiner 
gegenwärtigenBedeutung,Beleuchtung etc. « 
(Magdeburg 1848). — »Ein zweites Wort 
in der Logenfrage. Vom Verfasser der 
Schrift: Der Freimaurerorden in seiner 
Nichtigkeit dargestellt« (Lpz. 1848). — 
Advokat E. E. Eckert (s. d.) litt an der 
fixen Idee der Verderblichkeit des Frei- 
maurerbundes, den er durch eine Reihe 
von Schriften, die unter seinem Namen 
näher verzeichnet sind, zu vertilgen suchte. 
Da man Eckert schon kannte, so unterliess 
man die Entgegnungen, doch erschien 1852 
in Leipzig: »Die Freimaurer und ihre 
Stellung zur Gegenwart. Offene Enthüllung 
der Geschichte und Zwecke des Freimaurer- 
ordens, nebst einer Abwehr der jüngsten 
Anmffe des Advokaten E. E. Eckert«; 
auch kann man in gewissem Sinne die 
Schrift von Voigts: »Die Kunst der Frei- 
maurerei im Lichte von Fürstenstimmen 
und im Urtheil grosser und edler Männer« 
(Hann. 1858) als eine Entgegnung an- 
sehen. Das weitere über die Angriffe 
Eckerts s. unter Sachsen. — Viel ernst- 
licher waren die Angriffe des berühm- 
ten Theologen Hengstenberg (s. d.) in 



Berlin gemeint, der in seiner Evangelischen 
Kirchenzeitung sowohl, als in einzelneu 
(bei seinem Namen näher aufgeführten) 
Schriften gegen den Bund auftrat und 
hauptsächlich darauf sein Augenmerk rich- 
tete, die Geistlichen aus dem Bunde zu 
entiemen. Die dagegen erschienenen Schrif- 
ten aus dem Kreise des Freimaurerbundes 
s. unter Hengstanberg. » Neben Eckert 
und Hengstenberg liess sich noch 1856 der 
Generalsuperintendent Möller fs. d.) in 
Magdeburg in einem Hirtenbrieie verneh- 
men, ^egen den acht Magdeburger Brüder- 
Geistliche auftraten: »Antwort der acht 
Magdeburger Br.-Geistlichen auf den Hir- 
tenbrief des Generalsuperintendenten Dr. 
Möller« (Magdeburg 1856 — beides abge- 
druckt in der vorigen Auflage dieses 
Handbuchs H, 831 fg.). Unter dem Schilde 
eines ehemaligen Logenbeamten erschien 
die Schrift: »Die Gegenwart und Zukunft 
der Freimaurerei in Deutschland. Offener 
Brief zur Warnung und Bettung« (Lpz. 
1854), die nur scheinbar für den Buna ge- 
schrieben ist. [S. Kelloz in der FZ. 1854, 
Nr. 21 fg., 47.] Als getreue Knappen 
Eckerts erschienen die Schriften: (von 
Briesen) »Der Freimaurerorden und sein 
Einfluss auf die Rechtspflege« (Döbeln 
1860), und von einem frommen Anonymus: 
»Betrachtungen eines evangelischen 
Christen« (Hmbg. 1860). Gegen diese 
Schriften erschienen für die Freimaurerei 
sprechend : 1) »Kirche, Duell, Freimaurerei, 
nebst einem Anhange: Über Wohlthätig- 
keit. Ein wahres Wort auf die Angriffe 
gegen Duell und Freimaurerei« (Brl. 
1858); 2) R. Seydel, »Reden über Frei- 
maurerei an denkende Nichtfreimaurer« 
(Lpz. 1859; 2. Aufl. 1860); 3) Dr. Pilz, 
»Das Heiligtum der Maurerei. Gespräche 
über die Vorurteile gegen den maurerischen 
Bund, über die Wirksamkeit und den Segen 
desselben« (Lpz. 1860). Eine gegnerische 
Schrift, wenn auch sehr wohlwollend, ist 
von G. F. Schlatter: »Hat der Freimaurer- 
orden heute noch eine zeitgemässe Bedeu- 
tung? Ein Votum« (Msumheim 1861). 
Dieser schriftstellerische Kampf, den ausser 
den ultramontanen und orthodoxen Jour- 
nalen auch die Blätter der äussersten Lin- 
ken gegen den Bund in Deutschland füh- 
ren, hat mehr oder weniger auch in an- 
dern Ländern seinen Widerhall gefunden; 
so z. B. ward in Luzem 1853 die Frage 
aufgeworfen: »Was ist von der Freimau- 
rerei zu halten?« und von A. G. zur ernsten 
Prüfung vorgelegt, worauf J. J. Hottinger 
(s. d.) näig und würdig antwortete : »Vortrag 
über Systemverhältnisse und die Angriffe 
auf die Maurerei« (St. Ghdlen 1854). Li 
Belgien warf sich der Kampf mehr auf das 
praktische Feld; aus Holland und Frank- 
reich wissen wir nichts weiter, als dass 
nur die Geistlichkeit dem Bunde abhold 
ist, was sogar in Schweden der Fall ist. 
In England wurde in den litterarischen 
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Angriffe. 



8 



Journalen Athenaeum. Critic, Saturday 
review der Freimaureround seines unkri- 
tischen Sinnes halber angegriffen, doch 
Schriften wie die M. C. Tre'villians, »Letter 
on the antichristian character of Free- 
masonry« (London 1849), gehören zu den 
Seltenheiten. Li Nordamerika hatte sich 
nach der angeblichen Ermordung Morgans 
(s. d.) wegen der Herausgabe seiner «H- 
lustrations on Masonry« 1827 eine heftige 
Strömung gegen den Freimaurerbund ge- 
bildet [vgl. H. Brown, Narrative of the 
antimasonical excitement in the western 
part of the State of New York 1826, 1827, 
1828, 1829 (Batavia 1829); Convention of 
delegates opposed to Masonry at Le Roy 
(1828); Procedings of a Convention of dele- 
gates of New York at Albany, opposed to 
Freemasonry, Februar 1829 (Rochester 1829) ; 
Massachusetts Antimasonic Convention 
1830)], die durch Beimischung kirch- 
icher Eiferer an Ausdehnung gewann [vgl. 
J. G. Stearns, Dialogue on means of se- 
parating masonry from the church of Ohrist 
(ütica 1828); derselbe, Liquiry into the 
nature and tendency of speculative Free- 
masonry (Utica 1829)], so dass Verteidigungs- 
schriften wie Luther Pratts «Defence of 
Freemasonry« (Troy 1828) nichts halfen 
und man gezwungen war. Maurerei und 
Gegenmaurerei in Schriften zusammenzu- 
stellen [W. L. Stone, Letters on masonry 
and antimasonry (New York 1832). Manual 
of Masonry and Antimasonry (Louisville 
o. J.). J. Penkin, Downfall of Masonry 
being an authentic history of Antimasonry 
(o. O. 1838). Creigh, Masonry and Anti- 
masonry (Philadelphia 1854)] und so den 
Sturm austoben zu lassen, den 1854 nur 
die Kirchenmänner in Ohio vergeblich 
wieder anzufachen suchten. Diese ganze 
antlfreimaurerische Litteratur ist in einer 
besondern Schrift : Oatalogue of antimasonic 
books (Boston 1862) verzeichnet. (S. Anti- 
maurer.) Nach Eintritt der reaktionären 
Strömung in den 50 er Jahren begann der 
Kampf in Deutschland von neuem. Zunächst 
vom Bischof Ketteier (s. d.) in Mainz (Frei- 
heit, Autorität und Kirche, Mainz 1862), 
den Seydel in «Katholicismus und Frei- 
maurerei« (Lpz. 1862) widerlegte, worauf 
Ketteier in der Schrift «Kann ein gläu- 
biger Christ Freimaurer sein?« (Mainz 1864) 
antwortete und Seydel kurz entgegnete; 
dann von Alban Stolz (s. d.) in «Mörtel 
für die Freimaurer« (1861), »Akazienzweig 
für die Freimaurer« (1862), widerlegt von 
J. Venedey (s. d.) «Danksdbreiben« u. s. w. 
(1892); von G. F. Daumer (s. d.) in der Zeitr 
Schrift > Aus der Mansarde« (1863J, die bereits 
wie Eckerts Bücher, an Wahnsinn streifte; 
von Bischof Dupanloup in Orleans, den 
Caubet und Conrad zurechtwiesen. — 
Besonders gegen die Christlichkeit der 
Hchwedischen Lehrart (s. d.) wendete sich 
Professor Nielsen (s. d.) in Kopenhagen 
mit seiner Streitschrift »Freimaurertum 



und Christentum« (1882), worauf u. a. der 
Archidiakonus G. A. Schiffmann (s. d.) ant- 
wortete mit einem «Offenen Brief« (1883). 
Von einigen minder wichtigen A. abge- 
sehen, erschien von dem orthodoxen 
V. Oertzen : «Was treiben die Freimaurer? 
Wegweiser« (1881); Baumgarten (Jesuit) 
»Das Rundschreiben des hl. Vaters Leo XIIL 
gegen die Freimaurer« (1884), Beuren, «Die 
innere Unwahrheit der Freimaurerei« (1884). 
Dagegen: Findel, »Die Papstkirche und die 
Freimaurer. Antwort auf die päpstliche En- 
cyklika« (1884); »Die schweizerischen Frei- 
maurer an ihre Mitbürger« (1885). Auch 
später erschienen einige kleine Gegen- 
schriften. — Nun begann unter Anlehnung 
an die Encyklika »Humanum genus« ein 
Hauptstreich gegen den Bund, der indessen 
statt dessen beabsichtigter Vernichtung 
eine empfindliche Niederlage seiner Gegner 
brachte. Hand in Hand mit Taxil (s. d.). 
an dessen Bekehrung man glaubte una 
dessen von Frömmigkeit triefende Redens- 
arten man ernst nahm, betrieben in Deutsch- 
land der Jesuit Hildebr. Gruber (Gerber), 
in Frankreich der Bischof Fava u. a., in 
Italien mehrere Kardinäle und die Jesuiten- 
presse, von Amerika und Holland ganz ab- 
zusehen, die Vorbereitungen zu einem inter- 
nationalen Sturm gegen die Freimaurer, 
von dem man sich (Ewald) gleichen Erfolg 
versprach, wie in Amerika von der Morgan- 
fabel, da die schwindelhaften Ausstreu- 
ungen Taxils (Teufelskultus, Hostien- 
schändung, Bund mitCrispi und Mazzini, 
Palladismus) willkommner Hetzstoff zu 
bieten schienen. Taxils Buch: »Drei 
Punkte-Brüder« (1890) folgten auf dem 
Fusse Gerbers (Gruber) »Schwindler und 
Beschwindelte« (1891), Taxils »Der 
Meuchelmord in der Freimaurerei« (1891), 
Gerbers »Die Freimaurerei und die öffent- 
liche Ordnung« (1893). Inzwischen war 
in den »Memoiren einer Ex-PiJladistin« 
(Miss Vaughan) die Einberufung eines 
internationalen Kongresses angeregt wor- 
den, eine Idee, die von den Klerikalen 
aller Länder um so mehr mit Energie ver- 
folgt wurde, als Taxil eine Audienz beim 
Papste gehabt, Leo XIIL der apokryphen 
Miss Vaughan seinen Segen gespendet und 
die Zahl der Streiter unter Taxils Banner 
riesenhaft anwuchs. Einen Verstoss machte 
das Erscheinen von Marghiottas »Die zen- 
trale Leitung der Freimaurer und ihr der- 
maliges Oberhaupt« (1896, angeblich Adr. 
Lemmi in Rom), eine Schrift, der Findeis 
epochemachende Broschüre: »Katholischer 
Schwindel. Wider Marghiotta u. A.« (1896) 
auf dem Fusse folgte, worin »Fuder von 
Lügen« in jener nachgewiesen und der 
PaUadismus nebst Miss Vaughan als Er-« 
findungen hingestellt sind. Die erste und 
zweite Auflage wurde von der klerikalen 
Presse totgeschwiegen, aber nach &schei- 
nen der dritten erschien zunächst eine 
Warnung vor diesen Erfindimgen in der 
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Anhalt. 



»Gennania«. die sie noch Ende 1895 
gläubig aucn auf deutschen Boden über- 
tragen hatte, dann eine Eeihe Ent- 
hüOungsartikel in der »Kölnischen Volks- 
zeitung« von Gruber, deren erster sofort 
auf Findels Beweise Bezug nahm und 
dessen Bezeichnung »Schwindel« annahm. 
Trotzdem nahm die angezettelte antimau- 
rerische Bewegung ihren Lauf, so dass der 
Trienter Antimaurerkongress (s. d.) unter 
zahlreicher Teilnahme von Laien und 
Eirchenf&rsten mit Entfaltung grossen 
Pompes tagen konnte. Der Tagesordnung 
war vorgearbeitet durch gedruckte Be- 
richte. Einen solchen erstattete Ewald in 
seinem »Elleinen Handbuch der Freimau- 
rerei« (1896), nachdem derselbe Verfasser 
kurz zuvor vier Gegenschriften heraus- 
gegeben hatte, darunter eine »Antwort auf 
den offenen Brief A.V. Reinhardts«. Die Mähr 
vom Teufel Bitru und die Enthüllungen 
Gerbers beschäftigten die gesamte politi- 
sche Presse; dazu kamen sodann noch zwei 
Schriften Findels: »Die G^ermania und der 
Gockelhahn des Teufels Bitru« (2. Aufl. 
1896) und »Die katholische Klerisei auf 
der Leimruthe« (1897). Die Blosstellung 
der katholischen Kirche war eine kolossale; 
Taxil selbst drückte ihr das Siegel auf, 
indem er in einer öffentlichen Versamm- 
lung in Paris zum Schrecken seiner immer 
noch gläubigen Zuhörer gestand, dass er eine 
Probe auf die Leichtgläubigkeit gemacht 
habe, weil »die Dummheit der Menschen 
grenzenlos«, dass er alles »frei aus dem 
SCandgelenk erfunden« und dass er den 
Katholizismus mystifiziert habe. Weitere 
Nachweise über diese Vorgänge im ein- 
zelnen findet man in: Kuntzemüller, »Die 
Freimaurerei und ihre Gegner« (1897), so- 
wie in den Schriften der Protestanten 
Bräunlich und Ricks (1897), denen sich 
Gruber anschliesst in »Taxils Palladismus- 
Roman« (1897), »Betrug als Ende eines 
Betrugs«, welche letztere Broschüre den 
Spies von neuem gegen die Freimaurer 
kehrt gleich der neuesten »Die Einigun^- 
bestrebungen und innem Kämpfe in der 
deutschen Freimaurerei« (1898). Einen 
gewaltigen Anlauf, aber ohne jeden Er- 
folg, nahmen die Gegner in Österreich 
durch Veranstaltung eines Cyklus von 
zwölf Vorträgen, die dann in pompöser 
Ausstattung in der Schrift »Die Freimau- 
rerei in Österreich -Ungarn« (1897) er- 
schienen. Im November 1898 erschien im 
Verlag von Abt in München eine Bro- 
schüre über den Kulturkampf als erste 
Lieferung eines »Allgemeinen Handbuchs 
der Freimaurerei« (12 Liefgn.). Der Kampf 
wurde also fortgesetzt, wenn auch ge- 
mässigter und objektiver, als früher. Von 
Pfarrer Schwarz in Bottenbach (Württem- 
berg) wird seit 1898 eine antifreimaure- 
rische Zeitschrift herausgegeben, und ver- 
schiedner Orten bildeten sich antifrei- 
maurerische Vereine, von denen einer 



23. Sept. 1895 öffentlich eine Fahne ein- 
weihte [vgl. O. 1895, S. 318]. Man hat 
aber nichts wieder von ihnen vernommen, 
so dafls man wohl ihren Eingang annehmen 
kann. Eine besondere Art von A. ist die 
öffentliche Namhaftmachung von Logen- 
mitgHederverzeichnissen, bez. einzehier, 
namentlich katholischer Mitglieder, seitens 
der Klerikalen, sowie die Verbreitung 
unwahrer Thatsachen. Mit ersterer wifl 
man den betreffenden Personen Ungelegen- 
heiten und materielle Nachteile in il^em 
Geschäft und Beruf bereiten, mit letzterer 
fordert man nur eventuelle gerichtliche 
Verfolgung heraus, die man auch, wo sie 
angebracht ist, ruhig eintreten lassen mag. 
Im allgemeinen kann man sagen, dsas 
der Freimaurerbund sich gegen alle A. 
nicht sonderlich gewehrt hat. Sie haben 
ihm nichts geschadet, weil sie teils aus 
bösem Willen, teils aus Verblendung her- 
vorgegangen sind, zumeist aber grobe Un- 
kenntnis der Verhältnisse an den Tag 
legen und unwahre Behauptungen au^ 
stellen, die aus missverstandnen oder ab- 
sichtlich verdrehten Stellen maurerischer 
Schriften geschöpft sind. Man hält sich 
in der Hauptsache an veraltete Einrich- 
tungen des Bundes, die nicht mehr be- 
stehen, vermengt mit diesem andre, dem 
Freimaurerbunde nachgebildete geheime 
Gesellschaften, zieht namentlich Stoff 
aus den, von der Allgemeinheit gemiss- 
billigten Hoch^den und erfindet, wo 
nichts zu sagen ist. Zugegeben mag wer- 
den, dass hier und da Dinge vorgekommen 
sind, die Tadel verdienen; sie werden aber 
auch von den Freimaurern nicht gebilligt 
und zurückgewiesen, andernfalls sind die 
Vorwürfe der Unterminierung von Thron 
und Altar ebenso widersinnig, als die 
der Unterdrückung der Kirche oder Kon- 
fessionen. Eben weil alle diese Anschul- 
digungen durchaus grundlos sind, prallen 
sie an dem festen Schild des Freimaurer- 
bundes ab, und die mhige Haltung, die 
er allen diesen A. gegenüber beobachtet, 
steht ihm besser an, iQs diese seinen Geg- 
nern. Es ist der alte, nie endende Kampf 
der Finsternis gegen das Licht. Alle Ent- 
gegnungen sind zwecklos, weil die Gegner 
nicht belehrt sein wollen. [Vgl. Mitthei- 
lungen a. d. Verein deutscher Freimaurer 
1897/98, S. 65. Smitt, Katechismus der 
Freimaurerei (2. Aufl., Lpz. 1899), S. 76.] 

Anhalt (Herzogtum). Die Freimaurerei 
ist hier stets geduldet gewesen. Schon 
1783 entstand in Zerbst (s. d.) eine Loge, 
1818 ist eine in Bemburg (s. d.), 1875 eine 
in Dessau (s. d.) und 1879 eine in Köthen 
(s. d.) gestiftet worden. Letztere arbeitet 
nach dem System von Royal York, die 
drei erstem arbeiten nach dem der Grossen 
National-Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln. Mit diesen ist zugleich je eine 
Altschottische Delegation verbunden. 

Anhalt Fürstenhaus). Aus diesem 

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40 



Anhaltender — Anreden. 



Fürstenhaus sind drei Mitglieder Freimaurer 
gewesen. I. Aus dem Hause A.-Bernburg 
wurde Prinz Friedrich Franz, Sohn des 
Prinzen Franz Adolf, geb. 1. März 1769, 
am 28. Aug. 1790 in der Loge Zur Einigkeit 
in Frankfurt a. M. in den Bund aufge- 
nommen. IL Haus A.-E ö t h e n. 1) Fried- 
rich Ferdinand, seit 1798 Fürst von 
A.-Köthen-Ple8s, seit 16. Dez. 1818 Herzog 
von A.-Köthen, Sohn des Fürsten Fried- 
rich Erdmann, geb. 25. Juni 1769, gest. 
23. Aug. 1830, der mit seiner Gemahlin 
in Paris katholisch wurde und die Barm- 
herzigen Brüder und die Jesuiten in Eöthen 
einführte, trat 10. April 1789 in der Loge 
Zur Säule in Breslau dem Bunde bei 
und war 1796—97 Redner, 1799 bis 1800 
zugeordneter und 1800 bis 1802 Meister 
vom Stuhl dieser Loge. 1802 trat er als 
Mitglied aus und wurde als Ehrenmit- 
glied weitergefahrt. 2) Heinrich, seit 
1818 Fürst von A.-Köthen-Pless, seit 1830 
Herzog von A.-Köthen, Bruder des Vo- 
rigen, geb. 80. Juli 1778, gest. 16. Nov. 
1847, wurde Freimaurer 9. Febr. 1803 in 
der Loge Friedrich zum goldnen Zepter 
in Breslau. 1806 war er zweiter Vorsteher 
dieser Loge. 

Anhaltender wird in dem System der 
Grossen Landesloge zu Berlin der Auf- 
nahmesuchende in einem gewissen Stadium 
der Aufnahme genannt. 

Anhalttseher Freimaiirer-Sterbekagsen« 
Verein, s. Sterbekassen. 

Anker, Orden vom (Ordre de Pancre), 
ging 1745 aus dem Ordre de la f^licitä 
(s. VMoitki) hervor und war gleich diesem, 
von dem er sich nur durch die veränder- 
ten Erkennungsworte unterschied, einer 
der mehrfach um jene Zeit in Frankreich 
vorkommenden Versuche, Männer und 
Frauen in logenähnlichen Versammlungen 
zu vereinigen. [Vgl. Motif de la cr^ation 
de Tordre des Chevaliers de Tanere (Paris 
1745).] 

Ankl^m (St. in der preuss. Prov. Pom- 
mern, 13560 E.). Logen das. unter der 
Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln: 1) Julius zu den drei 
empfindsamen Herzen, gegr. 20. März 
1776, eingew. 12. April dess. J., gehörte nach 
Bodos Almanach vom J. 1779 zur strikten 
Observanz. Die Loge zahlt: a) Helfritz- 
Stiftung: 30 M. jährlich für Bücherprämien 
an das Gymnasium, seit 1848; b) Loesewitz- 
Stiftung: 80 M. jährlich für Bücherprämien 
an die Höhere Töchterschule, seit 1894; 
c) jährlich 72 M. zur Einkleidung armer 
Konfirmanden. Mitgliederzahl (1899): 63. 
Vers, in der Regel Mittwochs. 2) Dele- 
gierte altschottische Loge das. : Isis, gegr. 
unter dem Namen Friderica Augusta 
17. März 1781, neu gebildet 11. Mai 1805, 
nahm den jetzigen Namen an 22. Juni 
1822. 

Anklopfen (das) geschieht in besonders 
bestimmter und zugleich bei verschiednen 



Gelegenheiten in verschiedner Weise, um 
sich schon vor dem Eintritt zu erkennen 
zu geben. Auch ist das verschiedne 
Klopfen ein Zeichen der verschiednen Grade. 
[Vgl. FZ. 1860, S. 369.] 

Anmelden. 1) Eine symbolische Handlung 
bei der Aufiiahme (s. d.), die in einer be- 
sondern, von der der Freimaurer ver- 
schiednen Art des Anklopfens (s. d.) be- 
steht; dadurch deutet der Aufzunehmende 
an, dass er ein Fremdling sei, aber wün- 
sche zu dem Bunde zugelassen zu werden. 
2) Soviel als: Vorschlag zur Aufnahme in 
den Freimaurerbund. 

Annaberg (St. im Königreich Sachsen, 
15027 E.). Loge das.: Zum treuen Bru- 
derherzen, unter der Grossen Landesloge 
von Sachsen, eingew. 18. März 1856 [vgl. L. 
XIV, S. 84; FZ. 1855, S. 132 fg.], hat 
eignes Grundstück. Mitgliederzahl (1899) : 
74. Vers.: 1. Dienstag im Monat; Klub: 
Freitag; Ferien: Juli, August. Milde Stif- 
tung: Lipfertsche Logenstiftung für Er- 
ziehung und Fortbildung; Kapital ca. 
20000 Mark. 

Annahme (Affiliation) 1) eines Frei- 
maurers, die Handlung, durch die ein 
bereits dem Freimaurerbunde und somit 
einer bestimmten Loge Angehöriger nach 
erlangter Entlassung von letzterer (s. Bnt- 
lasBtmgSBohein) in eine andre Loge als 
deren wirkliches Mitglied aufgenommen 
wird. Sie kommt hauptsächlich bei Wohn- 
sitzänderungen vor und ist meistenteils 
in gleicher Weise wie die Aufnahme von 
dem Ergebnis einer Abstimmung (Kuge- 
lung, s. d.) abhängig. Die früher verlan|^ 
ehrenvolle Entlassung aus der Loge wird 
in Deutschland nicht mehr beansprucht. 
Der Deutsche Grosslogenbund hat über 
die Annahme ein besonderes Gesetz v. 
J. 1890 erlassen. Bei Annahme von Mit- 
gliedern ausserdeutscher Logen befi^ügt 
man sich auch mit einem Mitgliedschafts- 
zeugnis. Nach Beschluss des Deutschen 
Grosslogenbundes vom 1. Juni 1879 sollen 
die Gebühren bei der Annahme wegfallen. 
Das kann sich aber nur so weit erstrecken, 
als kein besonderes Einkaufsgeld in die 
Loge oder mit dieser verbundnen An- 
stalten, wie Sterbe- und Witwenkassen, zu 
bezahlen ist, ebenso sind die Kosten für 
Bekleidung u. s. w. nicht ausgeschlossen. 
Der Angenommene tritt in die Itechte und 
Pflichten seines Grads in der neuen Loge. 

E7gL R. Fischer, Entwurf zu einem Hand- 
uch für die Amtsthätigkeit des Logen- 
meisters (Lpz. 1891) S. 20]. Ausgeschlossne 
Brüder können nicht angenommen werden. 
[Vgl. Bh. 1877, S.377]. Vorschläge zu einem 
Annahme-Ritual: FZ. 1879, S. 206. 2) Die 
Anschliessung einer schon bestehenden 
Loge an einen andern Logenbund, als 
welchem sie zur Zeit angehörte, setzt die 
Entlassung aus letzterm voraus. 

Anreden (Titulaturen), maurerische, wer- 
den bei der maurerischen Arbeit und dem 



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Ansbach — Antifreimaurer-Kongress in Trient. 



41 



Verkehr unter den Mitgliedern des Bundes 
vielfach angewendet, yerschieden nach den 
Stufen und Ämtern, welche die betreffen- 
den Mitglieder einnehmen. Diese A. meh- 
ren und steigern sich bei den hohem 
Graden und bezeichnen zugleich die unter- 
scheidenden Abstufungen, die man unter 
gleichgestellten Brüdern nicht erwarten 
sollte. Krause wies zuerst darauf hin, 
dass die »gebräuchlichen Titulaturen und 
ftussem Auszeichnungen der Beamten und 
Höhergraduierten c dem Kultus der Hu- 
manität nicht entsprächen [»Hermes«, 
St. 4, 1820, S. 4], Die 1846 gestiftete Loge 
Zur Verschwisterung der Menschheit in 
Glauchau führte zuerst die durch Krause 
ausgesprochne Meinung thatsächlich aus. 
Diesem Beispiel sind in neuester Zeit 
mehrere deutsche Logen gefolgt, so 1867 
eine der ältesten deutschen Baiüiütten, die 
Loge Karl zur gekrönten Säule in Braun- 
schweig, die Loge Archimedes zum ewigen 
Bunde in Gera, die eklektischen Logen 
in Frankfurt a. M. und Ooncordia in 
St. Gallen. Auch die Grossloge von Ham- 
burg hat die meisten A. abgeschafft, nach- 
dem der Grossmeistertag von 1868 die 
Frage angeregt hatte, ob es zu bestätigen 
sei, dass die Maurerei an das Kirchliche 
erinnernde A. besitze. Die Grosse Loge 
Royal York und die Grosse Loge Zur 
Sonne (1899) haben ebenfalls die A. be- 
schränkt. Ob die A. in Deutschland geist- 
lichen A. entstammen, s. L. 1895, S. 42. 
Über Abschaffiing der A. Alpina 1877, 
S. 351. [Vgl. Zd. 1838, S. 21; Flohr Ge- 
schichte der Grossen Loge Royal York 
(1898) n, 93. Schauberg, Symbolik der 
Freimaurerei (Schaffh. 1861) I, 520.1 

A]i8baeh(St. imKönigr. Bayern, 15 883 £.). 
L Logen (jetzt geschlossen) das. : 1) Loge Z u 
den vereinigten Freunden; Stiftung 
und Schluss unbekannt. 2) Loge Zu den 
drei Sternen, gegr. 17. Mai 1758, ruhte 
1766-78, wurde 1778 vom Herzog Ferdi- 
nand von Braunschweig (s. d.) zur Direk- 
torialloge in Franken diesseits des Mains 
unter dem Namen Alexander zu den 
drei Sternen ernannt und stellte die Lo- 
gen in Marktstefb, Erlangen und Nürnberg 
unter sich, dann wieder nur Johannisloge, 
als welche sie sich 19. Nov. 1799 an die 
Grosse National -Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln anschloss, die sie 1816 wieder 
verliess. [Denkmünze ders. vom 24. Febr. 
1759 im HMW. Nr. 40 3) Delegirte alt- 
schottische Loge Zu den drei Sternen, 
24. Dez. 1799 an dieselbe Grossloge an- 
geschlossen, 1816 wieder abgegangen. 
4) Provinzialloge von Franken: Anachar- 
sis zum erhabenen Zweck, 12. April, 
mit Urkunde vom 18. Juli 1807 von der- 
selben Grossloge errichtet, Zwischenbehörde 
für die Tochterlogen in Bayern; unter ihr 
standen die Logen zu Erlangen, Ansbach, 
Markt-Rentweinsdorf, Pappecäieim, Heidel- 
berg und Heilbronn. 1814hörte die Thätig- 



keit der Provinzialloge auf. H. Ein Kränz- 
chen Alexander zu den drei Sternen 
wurde 15. Okt. 1878 unter der Loge Liba- 
non zu den drei Cedem in Erlangen er- 
richtet, löste sich aber 1889 wiedw auf. 

Ansehüts, Ernst Gebh. Salomo, geb. 
28. Okt. 1780 in Goldlauter bei Suhl, gest. 

18. Dez. 1861 in Leipzig, war von 1806—49 
Lehrer an der ersten Bürgerschule in 
Leipzig und von 1809 Mitglied der dor- 
tigen Loge Apollo, in der er fast alle 
Ämter verwaltet hat. Von ihm erschien: 
»Johannes am Jordan« (Lpz. 1853). Von 
seinen maurerischen Liedern befinaen sich 
mehrere in dem Liederbuch seiner Lo^, 
mehrere sind in der Freimaurerzeitung oder 
im Sonderdruck erschienen. Auch gab er 
heraus: »Vermischte Gedichte« (Lpz. 1841). 
[Vgl. L. XXI, S. 140.] 

ADBpaeh, Jules, Bürgermeister, gest. 

19. Mai 1879, war 1854, 28 Jahre alt, Stadt- 
rat, dann Schöffe und 16 Jahre lang Bürger- 
meister von Brüssel, zugleich in hervor- 
ragender Weise Abgeordneter im Parlament, 
in welcher Stellung er energisch die Inter- 
essen der Hauptstadt verteidigte und für 
das Wohl der arbeitenden IGassen eintrat. 
Besondere Verdienste erwarb er sich bei 
der Choleraepidemie 1866. A. wurde 25. 
Febr. 1857 in der Loge Les Amis Philan- 
tropes in Brüssel zum Freimaurer aufge- 
nommen, und zweimal während je drei 
Jahren wurde ihm die Leitung der Loge 
übertragen. Ihm zu Ehren wurde 1866 
eine Denkmünze geschlagen [HMW. Nr. 
268]. 

Antifireimanrer-Koiisrresg in Trient. 
Die Stadt des antiprotestantischen Konzils 
war zu dem von der antimaurerischen Liga 
vorbereiteten internationalen Antifrei- 
maurer-Kongress ausersehen. Es fanden 
sich ausser den Laien und niedem Geist- 
lichen 18 Kardinäle und viele Bischöfe 
ein, mit ihnen Leo Taxil (s. d.), der eigent- 
liche Veranstalter. Der Kongress wurde 
am 27. Sept. 1896 mit einer feierlichen 
Prozession eröffnet. Er sollte, wie es in 
einem päpstlichen Breve heisst, das »Lügen- 
gewebe« der Sekte aufdecken, weil es nahe 
liege, dass sich dann »alle redlich Den- 
kenden von ihrer Schlechtigkeit und Ver- 
ruchtheit voll Abscheu abwenden.« Die 
Arbeiten waren besondern Ausschüssen zur 
Berichterstattung zugewiesen und zwar 
a) theoretisches Studium des Antimaurer- 
tums, b) praktische Schlussfolgerungen zup 
Bekämpfung desselben. Die Detailarbeiteu 
waren an vier Sektionen verteilt: 1) Frei- 
maurerisches System, 2) Freimaurerisches 
Wirken, 3) Gebetsvereinigungen, 4) Be- 
kämpfung. Präsident war Fürst Karl 
Löwenstein (Kleinheubach), ihm standen 
14 Vizepräsidenten aus verschiednen Län- 
dern zur Seite. Der Fürstbischof von 
Trient hielt die Begrüssungsrede. Von 
1500 Angemeldeten waren 1200 erschienen. 
Die vierte Sektion beschloss eine inter- 



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42 



Antig^ — Antimaurer. 



nationale Organisation mit einer Zentral- 
stelle in Born, die indessen nicht zu Stande 
kam. Die Verhandlungen drehten sich 
vorzugsweise um Miss Vaughan, die 
Taxil mit französischen und italienischen 
Klerikalen warm verteidigte, während der 
Vertreter des Erzbischofs von Köln, Dr. 
Gratzfeld, deren Enthüllungen als einen 
»^ossartigen Betrug« bezeichnete, da es 
eine Miss Vaughan nicht gebe und die 
^uize Bewegung mit einer grossartigen 
Blamage der Katholiken und Antifreimaurer 
zu enden drohe. Als ein heftiger Wider- 
streit der Ansichten Taxil in die Enge 
getrieben und einer vorzeitigen Entlarvung 
ausgesetzt hatte, verschwand er von Trient. 
Das Unternehmen war in seinen Grund- 
festen erschüttert. Die übrigen Verhand- 
lungen und Beschlüsse waren nunmehr 
ohne allen Belang; sie liefen darauf hin- 
aus, als praktische Mittel zur Unterdrückung 
der Freimaurerei das Gebet, die möglichste 
Entlarvung der Sekte und die Boykottie- 
rung der Freimaurer zu empfehlen [vgl. 
L. 1896, S. 157, 169]. Als man witterte, 
dass die Bekehrung von Taxil, Marghiotta 
und der Miss Vaughan auf Verstellung 
und Lüge beruhe, sah man davon ab, 
einen Ausschuss einzusetzen, an den be- 
kehrte Freimaurer Auskunft erteilen könn- 
ten. Blieb schon unmittelbar der Erfolg 
des Kongresses zweifelhaft, so ward dessen 
Misserfolg vollends nach dem Bekannt- 
werden der weitem Enthüllungen eine un- 
bestrittene Thatsache. Auf den Kongress 
wurde eine Denkmünze geprägt [HMW. 
Nr. 1421. [Vgl. den Artikel Angriffe, Bh. 
1896, S. 353. FZ. 1896, S. 882, 337. 

Antliriia (brit.-westind. Insel, eine der 
kleinen Antillen). Die Freimaurerei hat 
hier sehr frühzeitig einen fruchtbaren Boden 

fefunden. Schon 1788 stiftete hier die 
'rovinzial-Grossloge von Boston eine Lo^e, 
und 1739 waren 3 englische Logen hier 
thätig. 1738 war auch schon von der 
Grossloge von England far die Leeward 
Islands (Inseln unterm Winde) ein Pro- 
vinzial-Grossmeister ernannt worden. Eine 
Tochterloge der Grossloge von Schottland 
wurde 1787 gegründet. Jetzt ist nur noch 
eine englische Loge hier thätig, gegr. 
1843. 

Antimasonisehe Sodetlt war eine 1741 
entstandne adelige Gesellschaft, die den 
Zweck hatte, durch Ausübung der Tugend 
und Erweisung wohlthätiger Werke dem 
gemeinsamen Wesen sich nützlich zu 
machen. Sie war der Freimaurerei nach- 
gebildet, mit Ausnahme der Grade. Sie 
hatte besondere Erkennungszeichen, gab 
sich äusserlich durch einen besondem 
Bing zu erkennen, hatte eine besondere 
Kleidung, nahm auch Frauen auf. Die 
Sitzungen fanden zu Drage und Gottorf 
statt. Kein Mitglied durfte Freimaurer 
sein. Die Statuten wurden 23. Febr. 1742 
festgestellt. Eine Abschrift befindet sich 



im Archiv des Schlosses zu Schleiz. Die 
Dauer der Gesellschaft war nicht lange. 
Jedenfalls hat sie 1779 nicht mehr be- 
standen. [Vgl. Br. L. 1883/84, S. 49.] 

AnÜmaarer (Antimasons) in Amerika. 
Vor der Unabhängigkeitserklärung der 
englischen Kolonien hatten die in diesen 
bestehenden Freimaurerlogen nur sehr 
wenig die Aufmerksamkeit der Einwohner 
auf sich gezogen, da ihre Zahl gering und 
das Volk zu sehr mit dem Widerstände 
gegen die Regierung und der Organisation 
seiner sozialen und gewerblichen Verhält- 
nisse beschäftigt war. Obwohl der Kampf 
der Kolonien gegen das Mutterland und 
die Kevolution in Frankreich ein und 
demselben Geiste entsprungen waren, so 
erregten doch die mit dieser Hand in Hand 

Gehenden Greuelszenen den Abscheu und 
ie Besorgnis der Amerikaner; dazu kam 
die Furcht vor religiöser Freisinnigkeit 
und vor monarchischen Einrichtungen. 
Schon als die Offiziere des amerikanischen 
Heeres, fast alle Freimaurer, nach dem 
Friedensschluss (1783) den Orden der Cin- 
cinnati gegründet hatten, um ein festes 
Band um die zu schlingen, die im Felde 
Gefahr und Not geteilt, erhob sich eine 
gewaltige Opposition gegen diese abge- 
schlossne Gesellschaft und ihre angeblich 
aristokratischen Prinzipien, gegen das 
Ordenswesen überhaupt, das nach franzö- 
sischem Muster bald darauf im Maurer- 
bunde zu bedeutender Geltung gelangen 
sollte. Die durch den Illuminatenorden, 
sowie durch die politischen EHubs Frank- 
reichs hervorgerufnen Angriffe eines Ro- 
binson (s. d.) und Barruel fanden auch 
in Amerika vielfachen Anklang, und die 
Schriften der Genannten wurden bald in 
neuen Ausgaben und in Nachahmungen 
verbreitet. Auch später noch, besonders 
zur Zeit der Morganverfolgung, tauchen 
solche Erzeugnisse der Presse auf. — In 
den Neu-England-Staaten, in denen puri- 
tanische Strenge allen freiem Begnügen 
des Geistes ein Ziel zu setzen suchte, 
fanden jene Verleumdungen viele dafür 
empfängliche Gemüter. Selbst der Präsi- 
dent John Adams (1797—1801) geriet in 
Besorgnis vor den Aufklärern, so dass sich 
die Grossloge von Massachusetts veranlasst 
sah, an ihn unterm 17. Juni 1798 ein 
Schreiben zu richten, in dem sie die Grund- 
sätze des Maurerbundes in Schutz nahm. 
[Triangel V, S. 141.] Dass um jene Zeit 
eine Verteidigung gegen jene Angriffe für 
nötig erachtet wurde, beweisen u. a. auch 
die in Prestons niustrations of Masonry 
(1804), S. 335—354, enthaltnen Auszüge von 
zwei in New Hampshire gehaltnen Ileden. 
Die Unklarheit, die damals vielfach unter 
den Maurern selbst über Zweck, Wesen 
und Geschichte der Brüderschaft herrschte, 
Hess auch den kühnen Verteidiger der 
Menschenrechte, Thomas Payne [On the 
origin of Freemasonry (New York 1810)], 
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Antiquity — Anüseimtismus. 



43 



sich in völlig unrichtigen Ansichten über 
diese ergehen. Ein Teil der Geistlichkeit, 
dem es hier und da an passendem Stoff 
zur Behandlung fehlen mochte, bemäch- 
tigte sich jener Erzeugnisse, um auf sie 
g^ützt Verdammungsurteile gegen die 
Freimaurer zu schleudern; andre Geist- 
liche, die Freimaurer waren, wurden von 
ihren Gemeinden mehr oder weniger be- 
drängt. [Vgl. Creigh, Masonry and Anti- 
masonry TPhiladelphia 1854).] Einzelne 
Klagen über Vorurteile, die im Volke 
gegen den Bund bestanden, finden sich 
zerstreut in den damaligen Verhandlungen 
der Grosslogen und in andern maurerischen 
Schriften. Ein bedeutenderer, organisierter 
Widerstand soll sich 1819 in dem Literary 
and theological seminary in Hamilton, 
New York, gezeigt haben. Stearns, später 
Prediger der zweiten Baptistenkirche in 
Rutland, Grafschaft Jefferson, New York, 
deutet in seinem Buche: Inquiry into the 
nature and tendency of speculative Free- 
masonry (Utica 1826) darauf hin. Eine 
andre Agitation gegen die Freimaurer 
erhob sich in der Presbyterianersynode 
von Pittsburg, Pennsylvanien, 1821, in 
Nachahmung der Associate synod von 
Schottland in Edinburgh, 1757 [Pratt, 
Mas. Register, I, 178, 294-802. Creigh, 
a. a. O,, S. 58 fg.; 241—249; 298—297]. 
Mehrere Geistliche hatten an sie den An- 
trag eingebracht, die Freimaurer von den 
Rechten und Wohlthaten der Kirche aus- 
zuschliessen, ausser in Fällen, wo sie ihren 
Irrtum bekennen und ihre freimaurerischen 
Grundsätze abschwören. Diese Verhand- 
lungen und Anträge, die das Vorspiel der 
spätem, weit ausgedehntem kirchlichen 
Angriffe gegen (fie Freimaurer werden 
sollten, riefen einen Protest der drei in 
Pittsburg bestehenden Logen hervor, in 
dem diese mit aller Entschiedenheit und 
unter ausfiihrlicher Würdigung der von 
dem Ausschusse geltend gemachten Gründe 
dem Verfahren der Synode entgegentraten, 
worauf die Synode die Anträge abwies. — 
Solch be8clu*änkten Anfeindungen trug 

Slötzlich ein Ereignis, die Entfuhrung und 
as Verschwinden eines gewissen William 
Morgan in den nordwestlichen Grafschaften 
des Staates New York (Sept. 1826), neue 
Nahrung zu; aus den über diese Thatsache 
empörten Teilen der Bevölkerung ent- 
standen viele Tausende von wütenden 
Gegnern des Maurerbundes und eine poli- 
tische Partei^ die den grössten Teil der 
Logen vor sich niederwarf und vorzugs- 
weise in den nordöstlichen Staaten der 
Union zur Macht gelangte, bis sie (1884) 
mit der Partei der Wnigs zusammenschmolz. 
(S. Morgan.) Langsam erholten sich die 
Logen von den gewaltigen Schlägen des 
Schicksals. Li neuerer Zeit sind, von rö- 
mischem Fanatismus angefacht, von ein- 
zelnen lutherschen Synoden und Geist- 
lichen Amerikas Beschlüsse gegen die 



Maurer gefasst und verkündigt worden, 
katholische Priester verweigern hier und 
da den Mitgliedern der Brüderschaft die 
kirchlichen Gnadenmittel und Einsegnung 
der Leiche. Doch blieben diese Ajifein- 
dungen zu vereinzelt, als dass sie der 
rasch fortschreitenden Entwicklung des 
Bundes ein wirkliches Hindernis zu be- 
reitenvermochten. Gegenwärtig beschränkt 
sich der Kampf wesentlich auf vereinzelte 
gegnerische Zeitungsartikel ohne merkliche 
Wirkung, wie das Entstehen neuer Gross- 
logen, selbst im Mormonenstaate Utah, und 
das Wachstum der Johannislogen beweist. 
[Vgl. Mas. Review, herausgeg. von C. Moore, 
Xni, 206—209, 265-270, 351—866. Amer. 
Freemason, 1856, S. 125, 155. Triangel, 
IV, S. 177 u. s. w.] (Wegen der Litteratur 
8. Angriffe.) 

Antiquity (Lodge of), Altertumsloge. 
Diese noch bestehende Loge war eine der 
vier alten Bauhütten in London, welche 
die Grossloge 1717 errichteten; ihr Ver- 
sammlungsort war damals im Gasthaus 
Zur Gans und zum Rost auf dem St.-Pauls- 
Kirchhof, und sie galt unter den vier be- 
teiligten Logen als die älteste (time im- 
memorial, früher 1691), weshalb sie später 
den jetzigen Namen annahm und in der 
Rangliste der Grossloge von England bis 
1813 die Nr. 1 fahrte, aber infolge der 
Losung zwischen den « Modems ** und 
»Ancients«, die für die letztem entschied, 
erhielt sie die Nr. 2. Li der Zwischenzeit 
hatte sie sich infolge eines Streits mit 
der Grossloge 1779 als »Grand Lodge of 
England South of the River Trentc mit 
Urkunde von der Grossloge von York 
aufgethan, konnte sich aber als solche nur 
bis 1789 halten. Ein Teil der frühem 
Mitglieder hatte mit Zustimmung der 
Grossloge von England die alte Loge fort- 
gesetzt, und die andern traten nach Bei- 
legung der Streitigkeiten 1789 wieder bei. 
Die Darstellung der Vorgänge von Preston 
(in den Illustrations of Masonry) ist mit 
Vorsicht zu benutzen, da er Partei war. 
[Vgl. Kloss, Die Freimaurerei in England, 
S. 214 fg., und Gould, History, III, S, 
424 fg.] 

Anti-Saint-Nieabe, s. Nioaise. 

Antisemitismas. Darunter versteht man 
die Bewegung gegen die Juden und deren 
sozialpolitischen Rechte, die nicht neu ist, 
sondern nur von Zeit zu Zeit stärker her- 
vortritt. Der Ausgang des 19. Jahrh. hat 
diese Bewegung von neuem in Fluss ge- 
bracht. Auch in der Freimaurerei hat sie 
Boden gefasst, wie naturgemäss alle äussern 
Strömungen mehr oder weniger Eingang in 
die Logen finden. Der A. hat mit der 
Freimaurerei nichts zu thun. In ihr haben 
die Bekenner aller Religionen Platz, da 
kirchliche Streitigkeiten von ihr ausge- 
schlossen sind und sie jedem Mitglied 
seinen Glauben unberührt lässt. Selbst 
darin liegt noch kein A. an sich^ < 
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44 



Anton — Arbeitsfeld. 



einzelne Grosslogeu verfassungsmässig nur 
Christen aufaehmen; denn wenigstens in 
neuerer Zeit lassen sie auch Juden als 
Besuchende zu, wenn sie in einer aner- 
kannten Loge aufgenommen sind. A. ist 
erst dann in den Logen vorhanden, wenn 
in ihnen, ungeachtet sie sich nicht grund- 
sätzlich auf Christen beschränken, Juden 
gar nicht oder nur schwer AufQahme finden. 
Solcher A. ist allerdings thatsächlich am 
Ende des 19. Jahrh. bedauerlicherweise 
vorhanden. Allein es ist trotzdem allge- 
mein anerkannt, dass ein Antisemit nicht 
Freimaurer sein kann. Mit dem Schw^in- 
den der äussern Strömung wird der A. 
auch in den Logen wieder abnehmen. Der 
Deutsche Grosslogenbund hat 1881 be- 
schlossen, «angesichts der traurigen, für 
unsre Zeit unerhörten Vorgänge, die 
an längst versunkene Jahrhunderte er- 
innern und die Jahre 1880 und 1881 in 
den Annalen der deutschen Geschichte 
als unrühmliche kennzeichnen, es als seine 
Pflicht zu bezeichnen, alle Bundeslogen in 
ihren einzelnen Mitgliedern aufzufordern, 
der sog. antisemitischen Ausschreitung 
entschlossen und energisch entgegenzu- 
treten.« [Vgl. Bh. 1888, S. 296; 1891, S. 
356; 1892, S. 92; 1893, S. 332, 260; 1894, 
S. 73.] 

Anton, Karl Gottlob v., als Schrift- 
steller besonders um die Geschichte der 
Landwirtschaft verdient, geb. 23. Juli 1751 
in Lauban, gest. 17. Nov. 1818 in Görlitz, 
studierte die Rechtswissenschaft, wurde 
Doktor der Bechte, Senator zu Görlitz 
und geadelt und war zuletzt Oberamts- 
advokat. Er wurde 1775 in der Loge 
Minerva in Leipzig in den Freimaurer- 
bund aufgenommen, trat dann der Görlitzer 
Loge bei, wo er 1778 Redner und 1803 
bis 1816 Meister vom Stuhl wurde. Er 
war ein eifriger Maurer, wovon seine ge- 
druckten Logenreden Zeugnis geben. Ver- 
dient machte er sich ferner durch Heraus- 
gabe der Schriften: Versuch einer Ge- 
schichte des Tempelherrenordens (Lpz.1779 
bis 1781J; Untersuchung über das Geheim- 
niss und die Gebräuche der Tempelherren 
(Dessau 1782); Über die Culdeer (Görlitz 
1805, 1819). 

Anzeiger, W 5chentlieher, der Arbeiten 
der St. Johannislogen zu Berlin und dessen 
nächster Umgebung (s. Fresse). 

Apenrade (St. in der preuss. Prov. Schles- 
wig-Holstein, 5564 E.). 1) Hier bestand 
ein maurerisches Kränzchen seit 11. Dez. 
1854, das später einging. 2) Am 17. Febr. 
1886 wurde ein geselliger Verein für Frei- 
maurer unter der Loge in Hadersleben 
gegründet, der 22. Juni 1886 genehmigt 
und 24. Juni 1886 eingesetzt wurae. 3) Ani 
14. Okt. 1899 wurde er unter der Grossen 
Landesloge von Deutschland in Berlin in 
eine Loge St. Nikolaus an der offnen 
Rhede verwandelt und eingeweiht. 

Apierbeck (St. in der preuss. Prov. West- 



falen, 7028 E.). Hier besteht seit 1893 ein 
Maurerkränzchen. Vers. 2. Sonnabend im 
Monat. Lokal: Hotel zur Post. 

Apolda (St. im Grossherzogt. S.-Weimar, 
20798 E.). Hier besteht seit 19. Mai 1890 
unter Aufsicht der Loge Amalia in Weimar 
ein maurerisches Kränzchen. Mitglieder- 
zahl (1899): 25. Vers. Montags mit ge- 
radem Datum. Lokal: Harmonie, Mönch- 
gasse 5. 

Arbeit, Arbeiten heisst die ernste Be- 
schäftigung der Freimaurer im Arbeitssaale, 
d. h. an der Stätte, an der sie ihre sinnbild- 
lichen Gebräuche ausführen, ihre Sinnbilder 
in Vorträgen erklären und erläutern und so- 
dann sich Anleitung geben, sich selbst zu 
erkennen, zu beherrschen und zu veredeln. 
Maurerische A. ist sodann jede Bemühung 
für die eigne Selbstveredlung, sowie jedes 
Werk aufrichtiger und warmer Menschen- 
liebe. [Vgl. Straus, Die praktische Seite 
der Logenarbeiten, im Ajchiv für Frei- 
maurerei (Hmbg. 1844), H, 3, S. 3. Bh. 
1868, S. 26; 1881, S. 281. Bbl. 1889, S. 
154. Br. L. 1885/86, S. 57. FZ. 1854, 
S. 41; 1861, S. 328; 1881, S. 282. L. 1888, 
S. 100; 1^84, S. 155, 164, 173; 1897, S. 137. 
M. L. 1883/84, S. 184; 1886/87, S. 14; 
1890/91, S. 106. Z. 1889, S. 75; 1896, S. 2.] 

Arbeiterlogen (Arbeiterorden). Die so- 
zialen Verhältnisse und deren Lösung haben 
u. a. auch den Gedanken gezeitigt, Ver- 
einigung der Arbeiter nach freimaure- 
rischem Vorbild zu schaffen, um diese vor 
den Irrlehren, denen sie ausgesetzt sind, 
zu schützen und ihnen vernünftigere An- 
schauungen vom sozialen Leben beizu- 
bringen. Man hat nicht gewollt, ohne 
weiters die Arbeiter (im gewöhnlichen 
Sinne des Volks) in die Freimaurerlogen 
aufzunehmen, sondern besondere Arbeiter- 
logen zu gründen, die in strenger Ab- 
hängigkeit vom Freimaurerbund stehen 
und unter seiner Leitung gehalten werden, 
und aus denen in die eigentlichen Frei- 
maurerlogen diejenigen herübergeführt 
werden können, die sich durch strenge 
Befolgung der Gesetze und Lehren aus- 
zeichnen und an Gaben des Geistes und 
Gemüts gewonnen haben. Selbst die 
Deutsche Arbeiter-Zeitung hat sich diesem 
Gedanken zugeneigt. Ob er eine prak- 
tische Folge haben wird und ob es ange- 
zeigt erscheint, ihm jetzt schon näher zu 
treten, möchte noch sehr zu bezweifeln 
sein. [Vgl. F. Z. 1873, S. 233; 1885, S. 375. 
L. 1889, S. 53.] — Über den in Nord- 
amerika seit 1878 bestehenden Orden der 
Ritter von der Arbeit s. L. 1894, S.139. 

Arbeitsfeld der Freimaurer ist ungemein 
gross und erstreckt sich auf alle mensch- 
lichen, geistigen und sittlichen Bestre- 
bungen. Es kann das nicht Aufgabe der 
Logen als Ganzes sein, sondern der ein- 
zelnen Mitglieder, die nur dazu von jenen 
angehalten und vorgebildet werden, im 
Sinn und Geist der Freimaurerei zu wirken. 
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Arbeitskalender — Archiv. 



45 



Das A. erstreckt sich darnach auf 1) För- 
derung von Wohlthätigkeitsbestrebungen 
(Armenunterstützung. Krankenpflege, Wai- 
senversorgung , Konnrmandenbekleidung) ; 
2) Förderung von Sittlichkeitsbestrebuneen 
(Hebung der öffentlichen Sittlichkeit, Be- 
kämpfung der Trunksucht, Arbeiterkolo- 
nien, Unterbringung Obdachloser, Kinder- 
horte); 8) Förderung von Erziehung und 
Unterricht (Fortbildungsschulen^ Volks- 
bibliotheken und Lesehallen, Stipendien- 
stiftungen); 4) Förderung der Gesundheits- 
pflege (Arbeiterwohnungen, Bettung Schiff- 
brüchiger, Sanitätswachen, Heilanstalten); 
5) Förderung von Kunst und Wissenschan. 
Das Feld der maurerischen Arbeit ist weit 
und gross genug, dass jeder nach seiner 
Fähigkeit und seinem innem Trieb eine 
Bichtung einschlagen und besonders pflegen 
kann. 

Arbeitskalender, s. Logenkalender. 

Arbeitslohn, s. Iiohn. 

Arehensehiffer (königlicher, Boyal Ark 
Mariner). Dies ist einer der geringem 
spekulativen Grade, der in Schottland mit 
den Boyal-Arch-Kapiteln verbunden ist, 
in England mit der Grosslote der »Mark 
Masters«. Er handelt von aer Flut und 
Noahs Errettung durch die Arche. 

Arehe und Taube (Ark and dove). Ein 
amerikanischer Grad, Vorstufe zum Boyal- 
Arch (s. d.) und gewöhnlich an alle ge- 
geben, die in den Boyal -Arch erhoben 
werden. Wahrscheinlich ist es eine Ab- 
änderung des Grads der königlichen 
Archenschiffer (Boyal Ark Mariners). 

Architekt kommt teils als Name von 
Logenämtem, teils als Name von hohem 
Graden vor, so z. B. bei der Grossen Lan- 
desloge von Deutschland in Berlin der 
Ordensoberarchitekt und der Ordensunter- 
architekt, die zu den höchsten Beamten 
zählen. Auch in den Niederlanden giebt 
es in einzelnen Logen Bouwmeester und 
ImGroot-Oosten einen Groot-ßouwmeester. 
Die Grossloge von Schottland hat einen 
Grand Architect; die Grosslogen von Eng- 
land und von Irland haben einen Grand 
Superintendent of Works. Als Benennung 
höherer Grade findet sich das Wort A. mit 
sehr verschiednen Zusätzen in Frankreich 
und den von da verbreiteten Systemen. 
Im schottischen Bitus heisst der 12. Grad 
»Grand Master Architect« (Grand Mattre 
Architecte). 

ArehitektonfBehe Tafel wird hier und 
dort (UngamJ das Protokoll genannt 

Archiv heisst der Ort, wo ein Staat, 
eine Stadt oder Korporation, speziell aber 
eine Loge ihre Urkunden, Akten u. s. w. 
in georaneter Sammlung bewahrt und 
pflegt. — In frühem Zeiten wurden die 
Archivalien sehr vernachlässigt und bil- 
deten zum Teil nur einen Haufen un- 
Seordneter Papiere und Bücher, was bei 
enienigen Lo^en auch jetzt noch der 
Fall ist, wo jedes Protokoll mit einer 



Masse Anlagen belastet wird, die bei 
diesem liegen bleiben, wenn sie auch der 
verschiedensten Art sind, z. B. einge- 
gangne Bücher, Denkmünzen u. s. w., sowie 
auch da, wo die Bücher, die im Gebrauch 
der Beamten sind, dem A. zugezählt wer- 
den. Wir teilen hier eine Archivordnung 
mit, die wir als Muster betrachten möchten. 
I. Mitgliederbuch (Matrikel), n. Proto- 
kollbücher, m. Einschreibebücher (Prä- 
senzbücher). IV. Zur Geschichte der Grossen 
Loge. V. Geschichte der Loge selbst: 
1) der frühem, in die spätere übergang- 
nen; 2) der bestehenden: a) vollständige 
Listen und Logenschreiben, b) Stiftungs- 
urkunde, c) geschichtliche Begebenheiten, 
z. B. Buhe der Arbeiten, Wiederein- 
setzung, Hundertjahrfeier, Protektorien 
u. s. w. VI. Liturnk: a) früher gebrauchtes 
Bitual; b) jetzt gebräuchliches Kitual nebst 
Instruktionen; c) Bitual in andrer Sprache, 
z. B. französischer, wie es gebraucht 
wurde; d) Schwesternlogenritual; e) Bitual- 
reform. Vn. Verfassung u. s. w. : a) Ge- 
setzbuch der Grossen Loge; b) Hausge- 
setze; c) Instruktionen der Beamten. 
Vni. Verhandlungen und Briefschaften: 

1) mit den Staats- und Stadtbehörden; 

2) mit der Grossloge; 3) mit den Bundes- 
logen; 4) mit fremden Logen; 5) mit nicht- 
maurerischen Personen. IX. Akten be- 
treflend einzelne Personen (Personalakten), 
enthaltend: a) Beverse, Aufnahmegesuche, 
Beantwortung der Fragen für Aufnahmen 
und Beförderungen, Lebensläufe und 
Entlassungsscheine der Angenommenen; 
b) Ehrenbezeigungen ; c) Unordnungen und 
Differenzen; d) abgewiesne Aumahme- 
gesuche; e) angenommne Deckungsge- 
suche. X. Arbeiten: a) Vorträge einzelner 
Brüder; b) in der Loge gebrauchte Ge- 
dichte und Lieder. Xl. Bechnungswesen 
und Wohlthätigkeitsbeweise. XTT. Ver- 
schiednes. XHI. Einverleibte A. Die ein- 
zelnen Stücke sind in Akten zu ordnen und 
jedes Stück ist im allgemeinen Verzeich- 
nis einzutragen, sowie einzeln zu bezeich- 
nen. — Ein andrer Plan findet sich in 
Fischer, Entwurf zu einem Handbuch für 
die Amtsthätigkeit der Logenmeister (Lpz. 
1891), S. 94. Die bedeutendsten A. finden 
sich natürlich bei den Grossen Logen und 
bei lange bestehenden Logen. Für solche 
ist die Anordnung weitschichtiger, da die 
verschiednen Lehrarten und deren Ge- 
schichte in Betracht kommen. Namentlich 
umfrissen die A. der Grossen Loge von 
Hamburg (über ein Jahrhundert alt), der 
Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln, der Grossen Landesloge von 
DeutscMan d, derGrossen Loge vonPreussen , 
genannt Boyal- York zur Freundschaft die 
gründlichsten Nachrichten über die Ge- 
schichte unsers Bundes in Deutschland, 
und namentlich hat das Hamburger A. (in 
seiner Abteilung Engbund) die Akten der 
verschiednen Hochgrade, die in Deutsch- 

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46 



Archiv — Aristokratie. 



land in Gebrauch gewesen sind. Unter den 
A. der Johannislogen sind die der Drei 
Schwerter in Dresden, Minerva zu den drei 
Palmen in Leipzig, Archimedes zu den 
drei Beissbrettem in Altenburg, Karl zur 
gekrönten Säule in Braunschwei^, Zu den 
drei Sternen in Rostock, Ferdinand zur 
Glückseligkeit in Magdeburg, Zum gold- 
nen Hirsch in Oldenburg durch ihren Reich- 
tum nach verschiednen Seiten hin, sowie 
durch ihre Ordnung von grosser Wichtig- 
keit. — Ausser Büchereien (s. d.) befinden 
sich bei einzelnen Logen noch besondere 
Münzsammlungen, soweit diese Bezug auf 
Freimaurertum und andre geheime Ver- 
bindungen haben. [Vgl. Decke, Archiv für 
Freimaurerei (Hmbg. 1842) I, 8-4, S. 29. 
Finde 1, Geist und Form der Freimaurerei 
(6. Aufl., Lpz. 1898), S. 81. R. Fischer, 
Entwurf zu einem Handbuch für die Amts- 
thftügkeit der Logenmeister (Lpz. 1891), 
S. 93. FZ. 1876, S. 41 (Repertorium).] 

ArchlT, 8. Prewie. 

ArehiYar, s. Urkundenwart. 

Areopag, im alten Griechenland der 
Name des obersten Gerichtshofs zu Athen, 
ist die in manchen höhern Graden übliche 
Bezeichnung der Gesamtheit der Mitglieder 
eines Grades, wie Loge in den untern 
Graden ; insbesondere heissen so die Logen 
des 30. Grads des Schottischen Ritus (s. d.). 

Argentinische Republik (in Südame- 
rika). In Buenos Aires bestand schon 
1780 eine Loge, deren Namen und Schick- 
sale nicht weiter bekannt sind; man weiss 
nur, dass sie vorübergehend unter Mass- 
nahmen der Obrigkeit zu leiden hatte. 
1806 entstand ebendort die Loge Lautaro, 
die Männer zu Mitgliedern zählte, die 
später in der Geschichte des Landes eine 
hervorragende Rolle spielten; die Loge 
stellte infolge der Wirren 1810 ihre Ar- 
beiten ein, trat aber 1812 wieder in Thä- 
tigkeit. 1825 erteilte die Grossloge von 
Pennsylvanien einen Stiftungsbrief für 
Buenos Aires. 1852 gründete der Gross- 
orient von Frankreich zwei Logen, darunter 
die noch thätige Loge Amie des naufrag^ 
in Buenos Aires. Von 1853 an errichtete 
auch die Grossloge von England 8 Logen, 
für die 1861 eine Distrikts-Grossloge er- 
richtet wurde. 1856 scheint auch schon 
eine Grossloge der A. R. bestanden zu 
haben, die aber nicht anerkannt wurde. 
Am 22. April 1858 errichtete der Oberste 
Rat von Uruguay einen Obersten Rat 
und einen Grossorient für^ die A. R. in 
Buenos Aires. Gegen die Übermacht de» 
Obersten Rats begann 1877 eine Bewegung, 
die zwar zur GrCLadung einer neuen Gross- 
loge, der National -Grossloge, führte; in- 
dessen vereinigte sich die neue Grossloge 
schon 1878 wieder mit der alten. Nach- 
dem 1886 die Verfassung auf eine mehr 
demokratische Grundlage gestellt worden 
war, hob der Oberste BSit 1894 diese Ver- 
fassung auf und stellte die alte von 1859 



wieder her. Infolgedessen schied 1895 eine 
Anzahl Logen aus und gründete einen 
eignen Grossorient in Buenos Aires. Zu- 
gleich wurde 1. Sept. 1895 in La Boca 
eine Symbolische Grossloge ins Leben ge- 
rufen. Beide Grossbehörden vereinigten 
sich aber 1897 wieder mit dem Obersten 
Rat. 1899 brachen jedoch neue Zwistig- 
keiten aus, die 7. April zur Gründung der 
National-Grossloge und 8. Aug. zur Grün- 
dung eines Supremo Consejo Nacional 
Argentino führten. Der alte Supremo Con- 
sejo mit dem Gran Oriente zählte 1899 
73 Lo^en und der neugegründete Supremo 
Consejo Nacional mit der Gran Logia 
Nacional 19 Logen, zusammen 92 Logen. 
Unter auswärtigen Grosslogen stehen: 
1) 7 Logen unter Grossloge von England 
(3 in Buenos Aires), 2) 15 unterm Gross- 
orient von Italien (6 in Buenos Aires), 
3) 1 unter der Grossen Loge von Ham- 
burg in Buenos Aires (s. d.), 4) 1 unterm 
Grossorient von Frankreich das. und 5) 
15 Logen unter spanischen Grosslogen. 
Endlich arbeitet in Buenos Aires (s. d.) 
eine deutsche Loge unabhängig, so dass 
die Gesamtzahl aller Logen 132 beträgt. 

Argonautenorden, ein vom braun- 
schweigschen Hofrat P. A. Schrader (s. d.) 
1772 gestifteter Orden. In ihn wurden 
Frauen und Männer, der bessern Gesell- 
schaft angehörend, namentlich Professoren 
des vom Herzog Karl I. (s. d^ in Braun- 
schweig gegründeten Collegii Carolini auf- 
genommen. Die Aufriahme fand kostenlos 
statt. Die Mitglieder versammelten sich 
in- zwangloser Weise an schönen Sommer- 
abenden auf einer, in einem der zur braun- 
schweigschen Domäne Riddagshausen ge- 
hörenden Teiche belegnen Insel, auf der 
ein im griechischen Stil erbauter, mit einer 
auserlesnen Bibliothek versehener Tempel 
stand ; mit Musik und Gesang und Vorlesen 
ihrer Geistesprodukte unterhielt aich die 
Geselbchaft. Der Stifter, zugleich auch 
der freundliche Wirt mit dem Titel Gross- 
admiral, sorgte für geschmackvolle Speisen 
und Weine. Der Toast und Schiffsgruss 
war: «Es lebe die Freude.« Ein silberner, 
grün emaillierter Anker war das Abzeichen. 
(Die Abzeichensammlung der Loge in 
Braunschweig enthält noch ein solches.) 
Wie lange oer Orden bestanden hat, ist 
unbekannt. [Vgl. Notuma (Leipzig 1788) 
a. 121 fg.] 

Aristokratie. 1) Die A. des Adels, wie 
des Geistes war im 18. Jahrh. zahlreich in 
den Logen vertreten, die aus den auserlesnen 
Ständen zusammengesetzt waren. Es wird 
der heutigen Freimaurerei vielfach vorge- 
worfen, dass sie nicht mehr so viele Glieder 
jener Aristokratie besitze. Diese hat sich 
zurückgezogen, namentlich in Deutschland, 
weil die Bildung allgemeiner geworden ist 
und dadurch der Mittel- und sog. Bürger- 
stand mehr vertreten ist. In England über- 
wiegt noch die Adels- Aristokratie, die dort 



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Arithmetik — Arnim. 



47 



noch ihre alte Bedeutung behalten hat. 
Unter A. des Geistes versteht man die 
grossen Geistesheroen des 18. und des 19. 
Jahrhunderts in der sog. Aufklärung- 
periode. Auch sie hat abgenommen in- 
folge grösserer Verbreitung der Bildung 
(s. Adel). 2) Die Log:e hat einen aristo- 
kratischen Zug, d. h. sie besitzt edle Ele- 
mente und bezeugt edle Charaktereigen- 
schaften, Adel de^ Gesinnung. Deshalb 
nennt sich auch die Freimaurerei eine 
königliche Kunst. Der hier und da noch 
auftretende äussere aristokratische Zug, 
namentlich in der Bevorzugung der hohem 
Grade, widerspricht dem Geist der Frei- 
maurerei und führt zu bedenklichen Aus- 
wüchsen. [Vgl. Mittheilungen aus dem 
Verein deutscher Freimaurer 1897/98, S. 32. 
FZ. 1866, S. 57. Rumpelt -Walther, Aus 
meiner Werkstatt (Dresd. 1873), S. 41.] 

ArilkmeÜk s. WiasensohafUnL 

Arixona (Territorium der Vereinigten 
Staaten von Nordamerika). Hier besteht 
eine Grossloge, gegründet 25. März 1882 
mit dem Sitz in Tucson. Sie zählte 1898 
15 Logen mit 618 Mitgliedern. 

Arkadisehe Gesellsehaffe in Philandria. 
Zweck und Ziel dieser war die Nachahmung 
der Freimaurerei durch jugendliche Schwär- 
mer, die wegen ihres Alters noch nicht 
aufgenommen werden konnten. Ihr Stifter 
war Ludwig Isenburg von Buri, der sie 
1764 auf dem Isenburgschen Gute Neuhof 
bei Offenbach gründete. Die Mitglieder 
waren meist Sölme aus vornehmem Stande, 
selbst ein Prinz gehörte ihnen an. Die 
Gesellschaft hat von 1764 — 71 bestanden. 
Auch Goethe wollte als 15iähriger Jüng- 
ling aufgenommen sein. Od das wirklich 
geschehen ist, lässt sich nicht erweisen. 
[Vgl. L. XXIX 105 fg. R. 1887, S. 51, 
wo vieles aus dem Ritual abgedruckt ist.] 

Arkansas, einer der Vereinigten Staaten 
von Nordamerika. Die erste Loge wurde 
das. 1819 durch die Grossloge von Ken- 
tucky in the Post (dem Flecken Post, dem 
Regierungssitze des damaligen Territoriums 
A.) unter dem Namen ^kansaslo^e ge- 
gründet; sie gab bald darauf, bei Ver- 
legung des Regierungssitzes nach Little 
Rocky ihre Dispensation (s.d.) wieder zurück. 
Erst 1886 entstand wieaer eine Loge, und 
zwar in Fayetteville mit einer Dispensation 
von der Grossloge von Tennessee; sie bil- 
dete mit einigen andern 25. Nov. 1838 die 
Grossloge mit dem Sitz in Little Rock, 
setzt aber den Gründungstag auf den 22. 
Febr. 1832. 1857 legte sie in der Nähe 
von Little Rock den Grundstein zu dem 
8t.-Johns-College^ das strebsamen Jüng- 
lingen Gelegenheit zu höherer Ausbildung 
bietet und vorzugsweise von den Maurern 
des Staates unterhalten wird. Unter der 
Groesloge arbeiten 445 Logen mit 13670 
Mitgliedern. — Auch besteht in A eine 
Grossloge der Farbigen, gestiftet 30. März 
1873 mit 114 Logen und 1913 Mitgliedern. 



[Zeitschrift: Masonic Jewel (Memphis 
1870 fg.).] 

ArmeelogeB, s. Militarlogen. 

Armen - KommissioB (Armen • Komitee, 
Armen-EoUegium). Unter diesen Namen 
bestehen bei mehreren grossem, namentlich 
vereinigten Logen besondere Ausschüsse, 
zusammengesetzt aus dem Armenpfleger 
(s. d.) und mehreren andern Beamten, zur 
Verwaltung der Armenpflege (s. d.^. In 
Berlin (s. d.) haben die drei altpreussischen 
Grosslogen gemeinschaftlich eine Kom- 
mission zur Unterstützung hilfsbedürftiger 
durchreisender Brüder eingesetzt. (Wegen 
London s. AlmoBen-KommiBBion.) Sonst 
versteht man unter A.-K. den Ausschuss 
einer Loge zur Besorgung aller Unter- 
stützungssachen. 

Armenpflege ist von Anfang an in den 
Logen geübt worden als Hauptteil der 
Pflicht der Wohlthätigkeit. In jeder Loge 
findet man das Amt eines Armenpflegers 
(s. d.). Bei jeder maurerischen Versamm- 
lung, jeder geschäftlichen und geselligen 
Zusammenkimft wird für die i^en ge- 
sammelt, und die Versammelten werden 
zuweilen durch besondere Ansprache zu 
Beiträgen aufgefordert. Die Armenpflege 
erstreckt sich zunächst auf die Mitglieder 
des Bundes, wenn diese verarmt sind, und 
auf deren Frauen und Kinder. Bei ausser- 
ordentlichen Fällen werden besondere 
Sammlungen veranstaltet und von der ein- 
zelnen Loge auch andre näherliegende 
Logen um milde Beiträge gebeten, eine 
Bitte, die selten unerhört bleibt. In dieser 
Beziehung bildete sich in London 1729 die 
Almosen-Kommission (s.d.) der Freimaurer, 
die schon 1724 in Vorschlag gekommen war. 
Ebenso ist es auch Sitte, arme reisende 
Bundesglieder zu unterstützen. Freilich 
haben sich Betrüger eingeschlichen, um 
mit der Mildthätigkeit der Logen förm- 
lichen Logenbettel zu treiben (s. Bettelei). 
[Vgl. Bh. 1873, S. 317.] 

Armenpfleger, auch Almosenpfleger, Al- 
mosenier, Aum6nier genannt (franz. hospi- 
talier, engl, hospitaller oder almoner), 
heisst der Beamte einer Loge, der die Ver- 
waltung der Armenkasse und die Vertei- 
lung der Unterstützungen unter sich hat. 
Bei vielen Logen ist dieses Amt, das über- 
haupt in älterer Zeit nicht als ein beson- 
deres Amt bestand, noch jetzt mit einem 
andern, z. B. dem des Schatzmeisters oder 
des ersten oder zweiten Schaffhers, dem 
ursprünglich die Geschäfte der Armenpflege 
oblagen, verbunden. 

Armiger, Waffenträger, im mittelalter- 
lichen Latein soviel als Knappe, kommt 
in Systemen, die das Rittertum in die 
Freimaurerei hineintrugen, mehrfach als 
Bezeichnung eines besondem Grades vor. 

Arnim, Friedr. Wilh. Graf v., auf 
Boitzenburg und Zichow, geb. 31. Dez. 
1739, 2. Okt. 1786 in den Grafenstand er- 
hoben, gest. 21. Jan. 1801 als preussischer 

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48 



Arnold — Asher. 



Staats- und Kriegsminister und Oberjäger- 
meister, war Mitglied der Loge Zum flam- 
menden Stern in Berlin. 

Arnold, Heinrich, Schulmann, geb. 
4. Febr. 1847 in Syrau bei Plauen, lebt 
als Direktor der 26. Bezirksschule in Leipzig. 
Aufgenommen in den Freimaurerbund 
wurde A. 26. Juni 1880 in der Loge Zur 
Pyramide in Plauen, trat 1898 in die 
neu gegründete Loge Phönix in Leipzig 
über und bekleidete dort verschiedne Ämter, 
darunter 1896 das des Meisters vom Stuhl. 
Mehrere seiner Zeichnungen sind in der 
Asträa, Bauhütte, Freimaurer-Zeitung und 
Latomia veröffentlicht. 

Arnsberg (St. in der preuss. Prov. West- 
falen, 7786 E.). Loge das. unter der Grossen 
National -Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln: Westphalia zur Eintracht, 
gest. 3. Juni 1830, eingew. 15. Sept. dess. J.; 
seit 7. März 1859 geschlossen. 

Arnstadt (St. im Fürstent. Schwarzburg- 
Sondershausen, 13595 E.). 1) Hier wurde 
11. Dez. 1852 ein Freimaurerkränzchen 
gegründet. Daraus entstand 2) unter der 
Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln die Loge Zu den drei 
Gleichen, gegr. 1. Dez. 1881, eingew. 26. 
März 1882. Mitgliederzahl (1899): 45. 
Eignes Logenhaus, eingew. 24. Sept. 1899, 
Vers. Freitags, am 1. Freitag des Monats 
mit Schwestern. — Milde Stiftung: Jo- 
hannistiftung (Statut v. 15. Okt. 1882) fdr 
erziehliche Zwecke. 

Amswalde (St. in der preuss. Prov. 
Brandenburg, 7912 E.). Loge das. unter 
der Grossen National-Mutterloge Zu den 
drei Weltkugeln: Friedrich Wilhelm 
zur Hoffnung, gest. 16. Nov. 1822, eingew. 
28. Jan. 1828. — Mitgliederzahl 1899: 65. 
Vers. 1. Mittwoch im Monat. Ferien: Juli 
und August. 

Arolsen (Hauptst. des Fürstent. Waldeck, 
2768 E.). Loge das. unter der Grossen 
National-Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln: Georgzur wachsendenPalme, 
gest. 80. Okt. 1841, eröflnet 5. Mai 1842. 
Mitffliederzahl (1899): 26. Vers. Freitags. 
Milde Stiftung: Georg -Viktor -Stiftung 
(Statut V. 6. Mai 1877) zur Unterstützung 
hilfsbedürftiger Mitglieder der Loge, deren 
Angehörigen und Hinterbliebenen. 

Artem (St. in der preuss. Prov. Sachsen, 
4881 E.). Hier besteht unter der Loge in 
Sangerhausen ein maurerisches Kränzchen 
Zu Wolfgane Goethes Ahnenstätte, 
gest. 7. Nov^ 1883. Mitgliederzahl (1899): 15. 
Vers. 1. Freitag im Monat. 

Ascension (brit. Insel im Atlantischen 
Ozean). 1864 — 67 bestand hier eine Tochter- 
loge der Grossloge von England. 

Asch (St. in Böhmen, [1890] 15557 E.). 
Hier besteht ein nicht -politischer Verein 
Asträa unter der Hofer Loge, gegr. 4. Juni 
1898. 

Asehaffenburg (St. im Königr. Bayern, 
15881 E.). I. Früher bestanden hier fol- 



gende Logen: 1) Friedrich Karl Joseph 
zum gold'enenRade, gest. 1789 in Mainz 
(s. d.) als Loge Zum goldnen Bade mit 
einer Londoner Urkunde, schloss dort 
ihre Arbeiten Ende 1792 und eröffnete sie 
wieder in A. 25. Juli 1806 unter dem Namen 
Friedrich Karl Joseph zum goldenen Rade 
[vgl. Bh. 1894, S. 808]. Von ihr existiert 
eine Denkmünze ohne Jahreszahl. 2) Karl 
Eu^en Napoleon zur festen Ver- 
einigung (Charles -Eugene Napol^n k 
l'union constante), gest. 1809 von aer Gross- 
loge Hieronymus Napoleon zu Kassel (nach 
dem Calencfrier von 1814 gegr. 10. April 
1810, mit Kapitel). Auf Verordnung des 
damaligen Grossherzogs von Frankfurt, 
Karl V. Dalberg, vom 81. Mai 1812 schlössen 
beide Logen ihre Arbeiten. — H. Am 10. 
Nov. 1875 wurde das. ein Maurerkränzchen 
Zum wiedererbauten Tempel am 
Main unter der Loge in Offen Dach ge- 
gründet, das 1880 wieder eingegangen ist. 
Aschersleben (St. in der preuss. Prov. 
Sachsen, 24190 E.). L Hier oestand eine 
Schottenloge Zu den drei Hügeln 
Zions, gegr. 10. Juli 1760, und eine Jo- 
hannisloge gleichen Namens, gegr. 1. Nov. 
1762, beide unter der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln und 
längst eingegangen. U. Jetzt bestehen hier 
unter der Grossen Landesloge in Berlin: 

1) die Johannisloge Zu den drei Klee- 
blättern, gegr. 11. Febr. 1778 (24. Dez. 
1777) in Magdeburg (s. d.), die Johanni 
1779 nach A. verlegt wurde und 1792—1816 
abwechselnd in A. und in Eisleben (s. d.), 
seit 1816 aber nur noch in A. arbeitet. 
Mitgliederzahl (1899): 108. Vers. Mittwochs. 

2) Die Andreasloge Impavida, gegr. 30. 
Nov. 1893. 

Asher, Karl Wilhelm, geb. 30. Nov. 
1798 in Hamburg, gest. das. 29. Sept. 1864, 
Jurist, wurde 17. Juni 1820 in Bonn 
Dr. jur., war 1834—43 Kriminalaktuar 
in Elamburg, kam dann in die Direktion 
der Berlin -Hamburger Eisenbahn und 
wurde 1848 Protokouführer der Rat- und 
Bürgerdeputation in Hamburg. Er wurde 
6. März 1824 in die Loge Absalom das. 
aufgenommen, war 1842 — 43 und 1852 
bis 1859 Meister vom Stuhl der Loge 
Ferdinand zum Felsen ebendort. Ein eif- 
riger Maurer war er unermüdlich für das 
Wohl der Logen thätig. Nachdem er schon 
1844 zum Ehrenmitglied der Grossloge von 
Hamburg ernannt war, wurde er 1859 zu 
deren zugeordneten Grossmeister gewählt, 
was er bis zu seinem Tode blieb. Unter 
seinen vielen Werken, grösstenteils volks- 
wirtschaftlicher Art, ist zu erwähnen: 
Ȁlteste Urkunde der Freimaurer in Eng- 
land, herausgegeben von James Orchard 
Halliwell. Übersetzt. Mit dem englischen 
Text.« (Hmbg. 1842.) [Vgl. Brandt Ge- 
schichte des Alten Logenhauses in Ham- 
burg, S. 135. Nekrolog von A. (Hmbg. 
1864). L. XXIV, 54.] 

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Ashmole — Asiaüsohe Brüder. 



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AshMole, Elias, geb. 23. Mai 1617, 
gest 18. Mai 1692, war ein anerkannter 
Gelehrter und Altertumsforscher und der 
Alchemie ergeben. Seine Sammlungen 
übergab er der Universität, sie bildeten 
die Grundlage des > Museum Ashmoleanum « . 
Nach seinem Tagebuche wurde er 1646 
mit dem Oberst Mainwarinff zu Warrington 
in Luicashire in die Brüderschaft aiüfge- 
nommen^ hat aber erst 1682 bei einer Auf- 
nahme in London wieder eine Loge be- 
sucht; denn da er alle Kleinigkeiten in 
seinem Tagebuche berichtet und nichts 
von einem Logenbesuche inzwischen ver- 
zeichnet, so ist es sicher, dass er in der 
ganzen Zeit nie in einer Loge war. Seine 
Verbindung mit den Freimaurern war also 
eine sehr lose, da er auch in den letzten 
zehn Jahren seines Lebens sich nirgends 
wieder beteiligt hat, und die unverbürgten 
Nachrichten, die in der Biographia Bri- 
tannica zu lesen sind, erweisen sich bei 
kritischer Nachprüfung als ganz unhaltbar. 
[Vgl. Gould, History, Öl, S. 129 fg., 170 fff.j 
Auch seine Zugehörigkeit zu den vorgeb- 
lichen Bosenkreuzem wird hier mit Recht 
zurückgewiesen [vgl. auch Begemann, BZC. 
1889, S. 101 fg.]. 

ABiatlsehe Brüder, eigentlich Bitter 
und Brüder Johannis aes Evangelisten aus 
Asien in Europa. Diesen Namen gab H. 
H. V. Ecker und Eckhoffen (s. d.) dem 1782 
auf Wunsch des Landgrafen Karl von 
Hessen als Protektor des Ordens umgear- 
beiteten System der Ritter und Brüder des 
Lichts (s. d.). Laut seiner eignen Angabe 
in der »Abfertigung der Authentischen 
Nachricht von den A. B.«, S. 48, hätten die 
»Brüder aus Asien« schon um 1750 bestan- 
den und den Plan zur Bildung einer engem 
Vereinigung in Europa entworfen; nach 
dem Hubertusburger Friedensschlüsse habe 
man diesen Plan wieder hervorgesucht, 
und vorzüglich Prof. Spangenberg in 
Marburg, Graf Wrbna in Österreich u. a. 
hätten sich damit beschäftigt. Diese Yer- 
ein^ung der obem Brüder dieses Systems 
in Europa hätte 1780 angefangen und sei 
1784 durch Umgestaltung der alten Ge- 
setze ausgeführt worden. All dies ent- 
spricht jedoch der Wahrheit nicht. That- 
sache ist es, dass Ecker den Orden der 
A. B. 1782 ausarbeitete und 1784 ver- 
besserte. Die Einrichtung des Ordens war 
folgende: Aufnahmefähig war jeder recht- 
schaffene Mann, der an einen Gott glaubte 
und als Freimaurer-Ritter und Meister durch 
eine ordentliche Melchisedekloge (s. d.) 
oder St-Johannisloge legalisiert war; alle 
von Natur Gebrechlichen konnten in den 
hohem Graden nur mit besonderer Ge- 
nehmigung der obersten Behörde des 
Ordens zugelassen werden. Als nicht auf- 
nahmefähig war ausdrücklich bezeichnet: 
»wer ein Gotteslästerer oder Religions- 
spötter ist, wer die heiligen Rechte der 
Könige und Fürsten, die das Bild des 

Allgemeines Haodbaoh der Freimaurerei« 



Ewigen auf Erden sind, nur im geringsten 
verletzt, wer die Rechte der Menschheit 
zu kränken oder auch nur mit Vorsatz 
einzuschränken sucht, wer die heiligen 
Rechte der Tugend gewissenlos entweiht, 
die Gerechtigkeit frevelhaft mit Füssen 
tritt, Witwen und Waisen oder irgend 
einen Menschen, welcher Religion, welchen 
Standes er immer sei, reich oder arm^ 
gross oder klein, mit Vorsatz drückt una 
verfolgt.« — Als Inhalt des Systems wur- 
den »die echten Geheimnisse und mora- 
lisch-physischen Aufschlüsse der Hiero** 
glyphen des Ordens der Ritter und Brüder 
Freimaurer« bezeichnet; andre Wahrheiten 
kenne der Orden nicht, ebensowenig als 
er von den sog. hohem Graden Notiz 
nehme. »Der Orden sollte nichts anderes 
als eine brüderliche Vereinigung edel- 
denkender, frommer, gelehrter, erfahrener 
und verschwiegner Männer ohne Rück- 
sicht auf Reli^on, Geburt und Stand sein, 
die bemüht sind, nach den Anweisungen 
des Ordens die Geheimnisse aus den Er- 
kenntnissen aller natürlichen Dinge zum 
Besten der Menschheit zu erforschen.« — 
Es gab fünf Abteilungen: zwei Probe- 
stufen, die der Suchenden und die der 
Leidenden, und drei Hauptstufen: 1) die 
der Ritter und Brüder St.-Johannis des 
Evangelisten aus Asien in Europa; 2) die 
der weisen Meister; 8) die der königlichen 
Priester oder der echten Rosenkreuzer 
oder die Stufe »Melchisedek Eins«. Jede 
Probestufe durfte nicht mehr als zehn 
Glieder zählen, einschliesslich des den 
Vorsitz führenden Bruders der ersten 
Hauptstufe. Diese bildeten eine Meister- 
schaft Je zehn Meisterschaften, eine De- 
kade, standen unter einer Obermeisterschafty 
bei der die erste Hauptstufe in Thätigkeit 
war. Jede solche aurfte höchstens 88 
Glieder zählen. An der Spitze der ver- 
schiednen Obermeisterschaften einer Pro- 
vinz stand ein Provinzkapitel mit einem 
Provinzialgrossmeister und elf andern Be- 
amten. Europa zerfiel in vier nach den 
Himmelsgegenden benannte Provinzen« 
Den ganzen Orden in Europa leitete ein 
Generalkapitel mit einem Generalober- 
meister und zwölf Beamten und über diesem 
noch die oberste Ordensbehörde, der auch 
allein die Verleihung der zweiten und 
dritten Hauptstufe, und zwar jener unbe- 
schränkt, dieser aber bloss an 72 Brüder 
in Europa zustand. Diese Behörde war 
das aus 72 Gliedern bestehende a kleine 
fürwährende Synedrion«, an seiner Spitze 
der oberste Oraensgrossmeister. Bei diesem 
bestanden fünf Ausschüsse von je 8, 5, 
7, 9 und 13 Mitgliedern. Jedes hatte 
einen Amtsnamen, mit dem es allein be- 
nannt ward. Diese Namen waren durch- 
weg hebräisch. Daneben waren noch 
Deputierte von je zehn Meisterschaften 
bei der Obermeisterschaft, sowie der letz- 
tem bei dem Provinzkapitel, endlich Re- 
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50 



Asiatische Brüder. 



präsentauten der Provinzen am General- 
kapitel vorhanden. Über den Geschäfts- 
fing, die Abfassung der Schreiben und 
rlasse, welch' letztere alle nach der 
Ordenshierarchie von Stelle zu Stelle des 
Ordens gingen und an jeder Stelle abge- 
schrieben werden mussten, ja sogar die 
Titulaturen waren die genauesten Vor- 
schriften gegeben. Bei der Aufnahme wurde 
nichts bezahlt; die Kosten wurden auf alle 
gleichmässig verteilt. Nur für die Stif- 
tungsurkunden der Meisterschaften u. 8. w. 
musste eine Taxe bezahlt werden, die von 
7 bis zu 50 Dukaten (beim Generalkapitel) 
stieg. Die Kleidung war nicht minder 
vorgeschrieben; auf den untern Stufen 
herrschte die schwarze, auf den hohem 
die rote Farbe vor; an Zeichen, Kreuzen, 
Ketten fehlte es nicht. Die Jahreszählung 
des Ordens beginnt von der Erneuerung 
durch Johannes den Evangelisten (!), d. h. 
vom J. 40 n. Chr. — Im J. 1782 wurde 
von Seite des grossen Synedrions das System 
der Bitter und Brüder des Lichts als auf- 
gehoben und für null und nichtig erklärt 
und an dessen Stelle der Orden der A. B. 
in Wien verkündet. Bei dieser Gelegen- 
heit wurden — heisst es — laut des von 
Br. Obadia (Karl A. L. Bischof, Verfasser 
von »Die Allmacht, Weisheit und Güte 
des Schöpfers in den Werken der Natur«, 
(Nümb. und Sulzbach 1797, 1805); gest. 23. 
Jan. 1814) seitens des grossen Synedrions 
ausgefertigten und aus den Händen des 
Br. Ghacham Algibor Hamerini (Karl von 
Hessen) empfangenen Creditivs und zu- 
folge des auf Befehl des grossen Syne- 
drions am 13. Tage des 10. Monats, am 
7. Tage .nach dem Feste Johannis des 
Evangelisten im Jahre der Beform 1743 
(mithin am 3. Jan. 1784) und des unter 
Leitung Obadias zwischen den Brüdern 
Ben Jachin (Ek^ker), Scharia (Schönfeld) 
und Nathan (Grat De La Tour) abge- 
schlossenen »Vereins«, diese drei Brü- 
der »mit Einschluss eines jedesmaligen 
zeitlichen, ordentlich erwählten und er- 
klärten obersten Ordensgrossmeisters, zum 
kleinen Synedrion als das erste Oberhaupt 
des Ordens in Europa mit allen denBechten, 
Vorzügen, Ehren, Würden, Ansehen, Macht 
und Gewalt vor itzt und zu ewigen Zeiten 
feierlich eingesetzt.« Die Würde des Gross- 
meisters übernahm Graf Sinzendorf (He- 
mon), während Ecker die Würde des 
obersten Ordenskanzlers und Ordenslehrers 
bekleidete, durch dessen Hände alles den 
Orden Betreffende zu gehen hatte und der 
alles leitete. Im Bimge ihm äusserlich 
gleichgestellt waren die beiden obersten 
Visitatores und Ordenslehrer Schönfeld 
für die Provinzen im Osten und Süden, 
Graf De La Tour aber für die im Westen 
und Norden. Die Stelle des Schriftführers 
bekleidete Bischof — Unter dem Schutze 
Sinzendor& breitete sich der Orden sowohl 
in Wien und allen österreichischen Staaten, 



als auch ausserhalb Österreichs schnell aus. 
Trotz der Widersinnigkeiten, die das 
Ordenssystem enthielt, und trotz der Wider- 
sprüche, in die es mit sich selber geriet, 
fand es überall Beifall und grossen Zu- 
lauf, weil man auch Juden als »uralte echte 
Brüder aus Asien« aufnahm. Aber auch 
viele hochgestellte Männer und »fast alle 
Grossen des Beichs« wusste Ecker in 
sein Garn zu ziehen. Als sein erklärter 
Protektor galt, ausser Graf Sinzendorf, 
noch Karl Fürst Liechtenstein, die ihm, 
ersterer jährlich 1200 fl., letzterer aber 
2000 fl. auswiurfen, wovon er, ungerechnet 
der Aufhahmegelder, die in seine Tasche 
flössen, vortrefflich leben konnte. Nach* 
gerade erschien nicht nur der Bosenkreuz- 
orden, sondern auch der Freimaurerbund 
ernstlich bedroht, und der Landesgross- 
meister und zugleich rosenkreuzerische 
Oberhauptdirektor Graf Dietrichstein hielt 
es für seine doppelte Pflicht, gegen Ecker 
und dessen Orden alles mögliche anzu- 
bieten. Er schilderte ihn in allen Logen 
als Betrüger und Aftermaurer und brachte 
es dahin, dass er nicht als ordentliches 
Mitglied der Wiener Logen erkannt wurde. 
Ebenso zeigte Dietrichstein dem Begie- 
rungs- und Polizeipräsidenten Graf Pergen 
an, dass er, der für das Gebahren aller 
echten Freimaurerlogen der Begierung 
gegenüber die Haftung übernommen hatte, 
mr die Logen Eckers und deren Mit- 
glieder nicht gutstehen könne. Allein 
vergebens: Ecker erfreute sich eines zu 
grossen Anhangs und seine Stellung schien 
unerschütterlich. Mit gleich ungünstigem 
Erfolg versuchte Dietrichstein dem Grafen 
Sinzendorf die Augen zu öffnen. Der 
Samen fiel aber nicht auf ganz unfrucht- 
baren Boden. Das Treiben Eckers ward 
dem Grafen Sinzendorf nachgerade denn 
doch zu bunt, und am 4. Jan. 1785 legte 
er seine Würde nieder, nachdem Schön- 
feld und De La Tour schon vorher aus 
dem Synedrion ausgetreten und dies mittels 
Umlaufs des grossen Synedrions vom 7. Okt. 
1784 im Dez. 1784 aufgelöst worden war. 
Zugleich wurde verfügt, dass dasselbe mit 
Beiziehung älterer Brüder neu zu bilden 
sei. Wer diese Brüder gewesen, die das 
neue kleine Synedrion bildeten, ist nicht 
bekannt, es haben sich zumeist bloss die 
Ordensnamen erhalten. Es sind deren 
sieben, darunter auch Ecker und Bischofl 
femer der Bruder des Stifters, Hans Karl 
Frh. V. Ecker und Eckhoffen (s. d.), der, als 
sich der Orden so glänzend gestaltete, von 
Hamburg nach Wien kam und unter dem 
Namen Israel ein Ordensoberer wurde; so- 
dann der Jude Hirschfeld (Marcus ben 
Bina), von dem die kabbalistischen Bich- 
tungen des Ordens herrühren; schliess- 
lich Oberleutnant Meltzer (Jakton), Vor- 
stand der Wiener Obermeisterschaft. Das 
neue Synedrion ordnete die unentbehr- 
liche Aufnahme und Mitteilung der Ordens- 
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Asiatische Brüder. 



51 



geheimnisse an und verfügte , dass, nach- 
dem das bisherige einzige ^ovinzialkapltel 
von Osten (Österreich) in Wien (Tessa-r 
lonich) die ganze Provinz nicht überwachen 
könne, am 22. März 1785 in jedem Kron- 
lande ein eignes Provinzialadministra- 
tionskapitel einzurichten sei mit einem 
Provinzialadministrator an der Spitze. 
Durch diese Verfügung wurde der Orden 
ii^ der ganzen Monarchie erst recht eigent- 
lich organisiert und nahm nun ungeheure 
Ausdelmung an, so dass der Bestand des 
Freimaurerbundes bedroht schien und Ab- 
hilfe nachgerade dringend geboten war. 
Dietrichstein veranlasste daher den Kaiser 
zur Ausgabe der bekannten freimaurerischen 
Verordnung (11. Dez. 1785), die zwar auch 
die Freimaurerei einschränkte, den Asiati- 
schen Orden aber geradezu unmöglich zu 
machen berufen war. Der Orden löste sich 
auch bald auf, und die Brüder Ecker nebst 
Hirsehfeld reisten nach Hamburg, wo sie 
eine Obermeisterschaft errichteten. Dieser 
gehörten an: Oberpräsident v. Gabler in 
Altona, Superintendent Dr. Schienmaier 
in Lübeck, mehrere Offiziere, Ärzte, Ad- 
vokaten und israelitische Kauf leute. Hier- 
auf durchzog der Stifter mehrere Länder 
und legte eine Menge Asiatenkolonien an, 
80 auch in Hannover. Auch andre Brüder 
trugen zur Verbreitung des Ordens bei, 
so ein preussischer Premier! eutnant a. D., 
ein Intimus Eckers, in Preussen, und der 
kgl. schwedische Geschäftsträger beim 
Wiener Hof, Lorenz v. Engeström in 
Schweden, wo das Ordenssystem sich allem 
Anscheine nach am längsten gehalten hat; 
denn noch im J. 1802 wurde der bekannte 
Bohemann (s. d.) wegen asiatischer Ordens- 
umtriebe in Haft genommen und in Unter- 
suchung gezogen. Weit wichtiger für Ecker 
und sein System aber war die Gewinnung 
des Herzogs Ferdinand von Braunschweig 
(s. d.), den Ecker sowohl von der Vortreff- 
lichkeit seines Systems, als auch von der 
Lauterkeit seiner Absichten und von seiner 
Bechtschaffenheit derart zu überzeugen 
vermochte, dass der Herzog sich ver- 
anlasst sah, die Ehrenrettung Eckers zu 
unternehmen. Er gab am 15. Aug. 1786 
die Erklärung ab, er habe Gelegenheit ge- 
habt, diesen Mann persönlich kennen zu 
lernen, sich »von seinen Grundsätzen, in- 
Äofem solche auf das Wesentliche der 
Maurerei Bezug haben, auf das genaueste 
zu unterrichten«, und oabei gefunden, dass 
«solche sowohl mit den Pachten unsrer 
allerheiligsten Beligion, als auch mit den- 
jenigen, die wir als Bürger jedes Staats 
zu beobachten haben, in der strengsten 
Übereinstimmung stehen und auch nicht 
den entferntesten Anschein einer gefähr- 
lichen Lehre enthalten«. Der Herzog fand 
fiich demnach in seinem Gewissen ver- 
bunden, azur Steuer der Wahrheit und zur 
Kettung des auf eine ungegründete Weise 
angefochtenen guten Namens Eckers zu 



erklären, dass er die nachteiligen Gerüchte, 
die sich auf seine Bechnung in der mau- 
rerischen Welt verbreiteten, für erdichtete 
Verleumdungen seiner Feinde ansehe, ,ihn 
aber als einen würdigen Bruder' erkenne, 
der nicht nur seine, ,sondern auch die 
Hochachtung aller derer in einem hohen 
Grade verdiene, die ihn näher zu kennen 
und seine Lehren zu prüfen die Gelegen- 
heit und das Glück haben würden*.« Von 
dieser Bescheinigung seiner Ehrenhaftig- 
keit machte Ecker den weitgehendsten 
Gebrauch, indem er diese drucken und 
allen Logen zugehen Hess. Mit diesem 
Ehrenschein in der Tasche fand er sich 
sodann wieder in Wien ein, bemüht, den 
Orden zu neuem Leben zu erwecken. Dazu 
war alle Aussicht vorhanden. Viele Mit- 
glieder hielten noch zu seiner Fahne, das 
Keformpatent aber wurde nicht streng 
gehandhabt, so dass man es anfangs 1787 
wagen durfte, wieder freier aufzutreten. 
Auf die Gunst des Herzogs von Brauu- 
schweig gestützt, trat Ecker selbst als 
Grossmeister auf und Hess die 1785 ge- 
troffenen Verfügungen, seitens des Gene- 
ralkapitels gezeichnet vom G^neralober- 
meister Noa (Bischof), dem G^neralkanzler 
Israel (H. K. v. Ecker) und dem General- 
sekretär Riphat (?), am 8. März 1787 im 
Druck allen Obermeisterschaften zugehen, 
die demzufolge wohl auch zum grössten 
Teile wieder in Thätigkeit traten. Es 
liegen jedoch bloss bezüglich der Prager 
Obermeisterschaft Caschawia (?) einige 
Daten vor. Diese hatte schon am 2. De?. 
1784 StiftuHgsbrief erhalten, 1787 aber 
wurde ein förmliches Provinzialadministra- 
tionskapitel von Böhmen errichtet, dessen 
Petschaft sich erhalten hat. An der Spitze 
des Kapitels, sowie der Präger Obermeister- 
schaft stand Abt Otto Steinbach v. Kranich- 
stein, dem sich die hervorragendsten Frei- 
maurer Prags anschlössen, darunter auch 
Graf Kinigl, Graf Thun, Jos. Graf Sweerts, 
Freiherr Schmidburg und Universitätspro- 
fessor Ungar, welch' letzterer jedoch aus 
dem Orden entfernt wurde und darum 
nach dem Tode Steinbachs ihm am meisten 
entgegenarbeitete. In Wien hatte der 
Orden aufj^ehört, nur Bödeker hielt ihn in 
einem kleinen Kreise von Brüdern noch 
aufrecht und wusste auch den Hauptmann 
Aigner (s. d ) in Budapest für das System 
zu gewinnen. Beide korrespondierten mit 
dem Landgrafen Karl von Hessen, der 
dem Orden nach wie vor ein reges In- 
teresse bewahrte. [Hauptschrift: Die Brüder 
St. Johannis des Evangelisten aus Asien 
u. s. w. (Brl. 1808), welche die relativ vollstän- 
digste, freilich nicht richtig geordnete 
Sammlung der Originalaktenstücke des 
Ordens enthält, die auch teilweise einzeln 
(Kloss, Bibl., Nr. 2695—2703) gedruckt 
wurden. Nächstdem ist beachtenswert: 
Authentische Nachricht u. s. w. (Kopen- 
hagen 1787) und: Der Asiate in seiner 
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52 



Asien — Asträa. 



Blosse (Bremen 1790). Gegenschriften zur 
Verteidigung der A. B., von dem genannten 
y. Ecker anonym herausgegeben, sind: Ab- 
fertigung u. 8. w. und : Werden und können 
Israeliten u. s. w. (Hmbg. 1787—88); blosse 
Auszüge aus den vorstehenden Schriften 
in der Beleuchtung der Truggestalten u.s. w. 
nPhiladelphia 1808), S. 351 fg., und: Das 
Ganze aller geheimen Ordens- Verbindungen 
(Altbg. 1805), S. 410 fg. Vgl. Abafi, Gesch. 
der Rosenkreuzer MS.] 

ABlen. In Asien ist die Freimaurerei 
zuerst von den Engländern verbreitet wor- 
den, die schon 1730 in Kalkutta eine Lo^e 
errichteten; ihr folgten bald weitere in 
Ostindien, so dass dieses Land jetzt an Zahl 
seiner Logen das ganze übrige Asien weit- 
aus überragt. Noch vor der Mitte des 18. 
Jahrh. fasste die Freimaurerei in der asia- 
tischen Türkei Fuss, 1763 in Niederlän- 
disch-Indien durch die Holländer, 1767 
und 1771 in China und auf Ceylon durch 
die Engländer. 1809 entstand die erste 
Loge in den Straits Settlements, 1866 in 
Japan, 1868 in Kotschinchina, 1870 auf 
den Philippinen und 1886 in Tongking. 
Die Mitgliedschaft in den Logen be- 
schränkt sich aber in der Hauptsache auf 
die Fremden; die Eingebomen nalten sich 
mit Ausnahme der iSder und der Syrer 
von der Freimaurerei fem. Es giebt auch 
z. Z. keine Grossloge in A., die Gross- 
loge der Türkei in Smyma und die von 
Persien haben nur ein kurzes Dasein ge- 
fuhrt. Alle Logen unterstehen vielmehr 
europäischen und nordamerikanischen 
Grossloeen, von denen die von England 
9 Distrikts^osslogen und die von Schott- 
land 2 Pro vinzialgrosslogen errichtet haben. 
1898 bestanden in A. 240 Logen unter 
folgenden Grosslogen: 1) Grossloge von 
England: 9 Distriktsgrosslogen, nämlich: 
Bombay mit 27. Pandschab mit 20, Madras 
mit 27, Bengalen mit 48, Birma mit 12, 
ostindischer Archipel mit 7, Hongkong 
und Süd-China mit 8, Nord-China mit 6 
und Japan mit 4 Logen; sodann in der 
asiatischen Türkei 1. auf Cypem 2 und 
Ceylon 3, zusammen 166 Logen. 2) Gross- 
loge von Irland: auf Ceylon 8 Logen. 
3) Grossloge von Schottland: 2 Provin- 
zialgrosslogen, nämlich Syrien mit 3 und 
Ostindien mit 35 Logen auf dem Festland 
von Ostindien, 1 in Aden, 1 in Belutschistan, 
8 in China und 3 in Japan, zusammen 46 
Logen. 4) Grossorient von Frankreich: 
5 Logen, nämlich 2 in Tongking, 1 in 
Kotsäinchina und 2 in der asiatischen 
Türkei. 5) Grossosten der Niederlande: 
14 Logen inNiederländisch-Indien. 6) Gross- 
orient von Italien : 2 Logen, nämlich je 1 
in der asiatischen Türkei und in Hong- 
kong. 7) Grossloge Zu den drei Welt- 
kugeln: 1 Loge in China. 8) Grossorient 
von Griechenland: 1 Loge auf Cypem. 
9) Grossloge von Massachusetts: 1 Loge 
in China. 10) Grossloge von Kanada: 1 



Loge in der asiatischen TürkeL Ob die 
Logen unter den spanischen Grosslogen 
auf den Philippinen noch bestehen, ist un- 
sicher. Im übrigen s. die einzelnen Länder. 

iBpiruity 8. Saohender. 

iBpirantentafel, s. Vorsohlagstaf«!. 

Aflgoilatloii. Nebhuth inFHedberg schlug 
1869 vor: der Freimaurerbund solle durch 
Aufnahme des Assoziationsgeistes an 
frischem Leben, an Ansehen, an Wirksam- 
keit und Beteiligung gewinnen. Man wollte 
mehr thätige Hilfe in allen Notfällen ein- 
führen, wie sie bereits in Amerika (FZ. 
1868. S. 233) besteht. Der Gründungs- 
zweck ist abgedruckt Bh. 1869, S. 172. 
Die Sache entspricht aber nicht dem idealen 
Zweck der deutschen Freimaurerei; auch 
ist die Wohlthätigkeit ausserhalb der Logen 
in neuerer Zeit so ausgedehnt in Pflege, 
dass diese dagegen verschwinden. (Vgl. 
Wohlth&tigkeit.) 

Assmii, J. W. V., früher preussischer 
Hauptmann, Mitglied der Loge Zu den 
drei Weltkugeln in Berlin, wurde eifriger 
Anhänger Zinnendorfs (s. d.) und trat 1785 
mit dem Plan eines neuen maurerischen 
Systems von Grünstadt (s. d.) auf, mit dem 
das Projekt einer Leiningen-Westerburgi- 
schen Lotterie verbunden war und für &s 
er einen grossen maurerischen National- 
kongress des Deutschen Reichs zu berufen 
beabsichtigte. Er starb indess schon 1787. 
[Kloss, Annalen der Loge zur Einigkeit. 
S. 225. Liersch, Freimaurerei in Neuwied 
(1899), S. 30, 41.1 

Agtor, Joh. Jacob, Bauemsohn aus 
Waldorf bei Heidelberg, geb. 17. Juli 1763. 
gest. 28. März 1848 in New York, wurde 
von einem nach London ausgewanderten 
Bruder eingeladen, ihm zu folgen. So zog 
er 1783 von London mit musikalischen 
Instrumenten nach Baltimore, wo er diese 
gegen Pelze vertauschte, die er, nach Eng- 
land zurückgekehrt, mit grossem Nutzen 
verkaufte. Später liess er sich in New 
York als Pelzhändler nieder und erwarb 
ein Vermögen von 20 Millionen Dollar. 
Den Armen in Waldorf vermachte er 
500001, zur Gründung einer öffentlichen 
Bibliothek in New York 400000 | und 
ausserdem viele wohlthätige Stiftunffen. 
Er war Mitglied der Hollandloge Nr. 8 in 
New York, aufgenommen 1790, 1797 deren 
erster Aufseher, 1798 Meister vom Stuhl^ 
1798—1800 Schatzmeister der Grossen Loge 
des Staats. [Vgl. Mitteilungen aus dem Ver- 
ein deutscher Freimaurer 1, 2. Heft, S. 108.) 

Astrfta ist der Titel eines freimaureri- 
schen Taschenbuchs oder Jahrbuchs (s. 
Preste). 30 Bände: 1. — 11. Jahrgang, 
herausgeg. von Friedr. v. Sydow (s. d.), 1824 
bis 1845; 12. — 20. Jahrgang herausgeg. von 
Aug. Wilh. Müller (s. d.) und Ludw. Bechstein 
(s. d.) 1846—1858; 21.— 80. Jahrgang, her- 
ausgeg. von A.W.Müller allein, 1859—1870. 
Neue Folge: 1882, bis jetzt herausgeg. von 
Rob. Fischer (Lpz., bei Br. Zechel). 

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Astrologie — Atheismus. 



58 



Astroli^e. Die A. oder Sterndeutekunst 
machte einen Zweig der Astronomie aus, 
und soweit man in deren Geschichte zu- 
rückgeht, findet man auch Spuren yon 
jener mystischen Lehre, durcn die der 
Geist des Menschen, sonst überall an die 
engen Schranken des Zeitlichen gebunden, 
eine andre Welt sich zu erschliessen 
wähnte. Den Kräften des Himmels, die 
in der Wirkung der beiden Gestirne, die 
den Tag und die Nacht regieren, sich 
jedem ohne weiteres kundthun, glaubte 
man einen grossem Einfluss beilegen zu 
müssen. Der Mensch wurde von seiner 
Geburt an in die geheimnisvolle Verbin- 
dung, die der gläubige Sinn zwischen 
Himmel und Erde sah, mit verflochten, 
und sein ganzes Wesen und Sein sollte 
in dem Stand der Gestirne eine Er- 
klärung finden. Was anfangs eine Ahnung 
des Gemüts war, sah man in der Erfah- 
rung bestätigt, weil man es wünschte; und 
so bildete sich durch Überlieferung eine voll- 
ständige Lehre aus, die durch ihr Alter 
und den Eingang, den sie bei verschie- 
denen Völkern der Vorzeit (besonders bei 
den Chaldäem und Akkadem) gefunden 
hatte, ein hohes Ansehen genoss. Das 
Mittelidter huldigte der A., und nodi weit 
über dieses hinaus hat sie ihre Anhänger 

fefunden (z. B. einen Tycho de Brahe und 
[epler). Auch Melanchthon gehört zu 
ihren eifrigen, aber nicht blinden Ver- 
teidigern. — Auf diesen Einfluss der Ge- 
stirne stützte sich auch die Heilkunde des 
16. Jahrb., indem sie in der überkonunenen 
Lehre von Sympathie und Antipathie, 
durch welche die Körper aufeinander 
wirken, sich einen Weg bahnte zu neuen 
Heilmitteln, wenn die gewöhnlichen ihren 
Dienst versagten. So hatte die A. ein 
weites Feld erobert Sie war nicht bloss 
der prophetische Teil der Astronomie, wie 
Melanchthon ihn nennt; sie ist, nach seiner 
Erklärung ader Teil der Physik, der be- 
stimmt, was für einen Einfluss die Ge- 
stirne auf die Bildung der Temperamente 
haben; er wird auch im Leben bei der 
Heilkunde angewandt«. — Übrigens gab 
es schon im 15. Jahrh. Gegner der A., 
z. B. Pico V. Mirandola; ebenso hatte früher 
Basilius (858) den Einfluss der Gestirne in 
Abrede gestellt und behauptet, dass man 
mit dieser Annahme Gott zum Urheber 
aller menschlichen Vergehen mache. [Aus 
Bernhardt, Phil. Melanchthon als Mathe- 
matiker und Physiker (Wittenberg 1865), 
S. 42 fg.] — Li mystischen fireimaurerischen 
Schriften wird der A. nicht selten gedacht: 
auch im sog. Freimaurerverhör (s. d.) wird 
auf die Frage: »Was verbergen und ver- 
hehlen die Maurer?« unter anderm geant- 
wortet: »Die Kunstj zukünftige Dinge vor- 
herzusagen«, wobei auch mit an A. zu 
denken ist. 

Afltr^omie (Sternkunde) heisst die 
WissenBchaft, die sich mit der Beobachtung 



der Himmelskörper und der Bestimmung 
der Gesetze, denen diese unterthan sind, 
beschäftigt. Schon Plato sagt: die Augen 
seien den Menschen um der A. willen ge- 
geben worden, und weist damit auf die 
tiefere, ethische Bedeutung des Studiums 
dieser Wissenschaft hin. Ln sog. Frei- 
maurerverhör (s. d.) wird in der Antwort 
auf die Frage: »Li welchen Künsten haben 
die Maurer die Menschen unterwiesen?« 
u. a. die A. genannt. Die Kenntnis der 
Al. dient, nach einigen freimaurerischen 
Systemen, zur Erlangung eines Begrifls 
von dem Wesen des unendlichen Gebäudes, 
das Gott aufgeflüirt hat. Seitdem ein Ko- 
pemikus, ein Kepler, Galilei u. a. die 
Wunder des Himmels dem Auge des Erden- 
bewohners erschlossen haben, haben die 
Maurer, wie alle andern gebildeten Menschen 
gelernt, die Grösse des Schöpfers nicht 
mehr nach irdischen Massen, sondern an 
der Unendlichkeit des Weltalls selber zu 
messen, seine Macht und Weisheit immer 
mehr zu bewundem, immer tiefer zu ver- 
ehren und zugleich sich selbst nicht nur 
als Erdenbewohner, sondern auch als Welt- 
bürger zu erkennen in höherm und um- 
fassenderem Sinne, als es jemals den 
Völkern des Altertums möglich war. [Vgl. 
Herder, Ideen z. Philos. d. Gesch. der 
Menschheit, erstes Buch L BZO. 1882, 
S. 132—138. S. auch Wissensohaften.] 
Atelier, s. Bauhütte. 
Athelsrnng, Gottesleugnung, ist die Welt- 
anschauung, die das Bestehende im Sinne 
der unbedingten Einerleiheit auffasst, 
nur die Existenz der Welt anerkennt 
und das Dasein Gottes leugnet. Dieser 
monistischen Weltauffossung steht die 
dualistische entgegen, nach der es zwei 
Existenzen giebt, Gott und Welt, und 
diese zwei von einander verschieden sind. 
Die Freimaurerei gründet sich auf der 
dualistischen Weltauffassung, und diese 
ist bei ihr vor dem Auseinanderfallen 
durch ihren Theismus geschützt, nach dem 
Gott bei aller Übersinmichkeit doch inner- 
weltlich besteht und wirkt. Die Frei- 
maurerei erhebt gegen einen theoretischen 
Atheismus keinen sittlichen Tadel, wenn 
er auf dem Wege eines redlichen, wissen- 
schaftlichen Forschens entstanden ist; aber 
sie achtet seine Begründung für unzu- 
reichend und nichts beweisend und ihn 
selbst daher für einen Irrtum. Von einem 
Irrtum hofit sie zur Erkenntnis der 
Wahrheit führen zu können. Einen Irr- 
tum kann sie bemitleiden, verzeihen, ja, 
aus Achtung für seine Gründe mit einer 
gewissen Duldung behimdeln. Was sie 
aber um ihrer selbst willen nicht dulden 
darf, das wäre, wenn der Atheismus in 
ihrem eignen Gebiet eine massgebende 
und herrschende Stellung einnehmen und 
eine grundlegende Bedeutung in An- 
spruch nehmen wollte. Das erste ihrer 
grossen Lichter, die Bibel, |ist zwar für 
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54 



Athelstan — Auerbach. 



sie kein Lehrbuch, kein Gesetzbuch, 
aber ein Symbol von grundlegender Be- 
deutung, d. h. ein tnatsächlicher Pro- 
test gegen die Gottesleugnung, eine ent- 
schiedne Ablehnung des Atheismus. Bei 
atheistischer Weltajoschauung kann Beli- 

fion und Religiosität nicht bestehen, und 
och gehört Beli^on zur menschlichen 
Veranlagung und ist einer der bedeutend- 
sten Hebel menschlicher Kultur. Wenn 
auch echt sittliches Thun seine Motive 
nicht hernimmt von der Furcht vor Strafe, 
von der Hoffiiung auf Lohn, welche beide 
der höchste Yergelter in seiner Macht 
hat, so sind dem Menschen doch mit 
dem Gottesglauben, mit den intimen Be- 
ziehungen des menschlichen Herzens zu 
Gott und zu seiner die Welt überragenden 
Gotteswelt die Quellen der fruchtbarsten 
imd mächtigsten Motive sittlichen Han- 
delns aufgethan. Gegen den praktischen 
Atheismus, bei dem der Mensch sich des 
Gottesbewusstseins lediglich aus dem 
Grunde entschlägt, weil es ihn in seinem 
der Sinnlichkeit und Unsittlichkeit er- 
gebnen Leben stört und ihn in seinem 
Gewissen quält, muss die Freimaurerei 
ihren strengen sittlichen Tadel erheben. Für 
ihn hat sie keine Nachsicht, keinerlei Dul- 
dung. Britische, amerikanische u. a. Logen 
haben die Frage, ob Atheisten aufgenommen 
werden können^ stets verneint und darum 
brachen auch die genannten mit dem Gross- 
orient von Frankreich (s. d.) den Verkehr 
ab, als dieser die Vorschrift des Gottes- 
glaubens aus der Verfassung entfernte. 
In Deutschland wird nicht nach der An- 
sicht des Aufzunehmenden über Gott ge- 
fragt; doch lassen die Rituale mindestens 
die Annahme dieses Glaubens als selbst- 
verständlich erscheinen. (S. Gott.) [Vgl. 
Marbach, Atheismus und Freimaurerei: 
R. 1878, Nr. 4 u. 5. Bh. 1869, S. 262; 
1868, S. 187, 168, 267; 1867, S. 181, 260; 
1881, S. 105, 187; 1888, S. 189, 246. FZ. 
1868, S. 57, 837; 1894, 8. 217. L. 1890, 
S. 88. Br.L. 1896—97, S. 57. H. L. 1898, 
S. 2688.] 

Athebtan, ein angelsächs. König (925 
bis 940), spielt in der Zunftsage der eng- 
lischen Werkmaurer die Rolle des ersten 
königlichen Beschützers in England. Auch 
Anderson (s. d.) giebt ihm darum einen 
Platz in seiner Geschichte der Maurerei 
und dichtet ihm allerlei Leistungen an, 
von denen die wirkliche Geschichte nichts 
weiss. [Vgl. unter England L] 

Atholt-Masoiis. Die »Ancient-Masons« 
(s. d.)wurden unter der Grossmeisterschaft 
des Herzogs von Atholl (Athol, Athole) 
von 1791—1813 auch »A.-M.« und ihre 
Logen aAthoU-Lodges« genannt, während 
die »Modems« nach ihrem Grossmeister 
»Prince of Wales Masons« (1790—1818) 
Messen. Derselbe Herzog von Atholl (der 
Vierte) war vorher von 1775—1781 schon 
einmal Grossmeister der »Alten« gewesen, 



als Nachfolger des dritten Herzogs von 
Atholl, der von 1771—74 an ihrer Spitze 
gestanden hatte. Eine Übersicht über die 
Logen der »Alten« haben wir von Goiüd, 
The Altholl Lodges (London 1879) mit 
vielen wichtigen geschichtlichen Einzel- 
heiten. 

Atlantis (Nova), s. Baoon. 

Atwood, Henry C, ein in der äeuem 
Geschichte der nordamerikanischen Frei- 
maurerei vielgenannter Name, geb. 13. 
März 1801 in Woodbury, Grafschaft 
Litchfield, Connecticut, gest. 20. Sept. 1860 
in Seymour, Conn., wurde 1822 zum Frei- 
maurer aufgenommen in der Moming Star 
Lodge Nr. 47 in Oxford, Conn. Bald darauf 
zog er nach der Stadt New York und schloss 
sich ausserdem der neuerrichteten Mystic 
Lodge Nr. 389, zu deren Meister vom Stuhl, 
und dem Rising Sun Chapter an, zu dessen 
Hohem Priester er gewählt wurde (1827). 
1880 verlegte A. seinen Wohnsitz nach 
Oxford, Conn.; 1831—34 bekleidete er 
die Ämter des Meisters vom Stuhl der 
Moming Star Lodge Nr. 47 und eines 
Hohen rriesters im Eureka Chapter Nr. 22. 
In New York, wohin er 1835 wieder zog, 
war er von 1835—37 Vorsitzender der 
York Lodge Nr. 367. Als wegen einer 
ohne Erlaubnis der Grossloge von meh- 
reren Töchtern derselben am Johannisfeste 
1837 abgehaltnen Prozession diese Logen 
zur Rechenschaft und Strafe gezogen 
wurden, erstand aus ihnen die St.-Johns- 
Grossloge, deren Hauptleiter und Gross- 
meister A. wurde. Bei der 1850 erfolgten 
Vereinigung der (Willard8-)Gros8loge von 
New York mit St -Johns- Grossloge war er 
besonders thätig und wurde von ersterer 
als Past-Grossmeister anerkannt. Schon 
1854 sagte er sich mit mehreren Logen 
abermals von der Grossloge los und rief 
die St.-Johns-Grossloge wieder ins Leben. 
Auf Grund einer durch Foulhouze von 
dem Grossorient von Frankreich über 
das Meer gebrachten Vollmacht suchte A. 
im Dez. 1852 das Supreme Council, dessen 
Mitglied er früher gewesen, in Flor zu 
bringen und wurde zu dessen Gross-Kom- 
mandeur erwählt, an die Stelle des frei- 
willig zurückgetretnen J. L. Cross. Zur 
Verteidigung (ueser Einrichtung, besonder^ 
dem nördlichen Supr. Council in Boston 
gegenüber, veröffentlichte er: Masonic 
Sentinel (New York 1852). — Ausserdem 
sind von ihm mehrere Streitschriften im 
Literesse der St.-Johns-Grossloge erschie- 
nen, z. B.: Circular Letter of the Gr. 
Master of St. -Johns Gr. Lodge of New York, 
to the subordinate Lodges under its Juris- 
diction (New York 1854). 

Auerbach (St. im Königr. Sachsen,8136 E.). 
Freimaurerklub unter der Loge in Plauen, 
ffest. 27. Se]>t 1866. Mitgliederzahl (1899): 
28. Vers, im Hotel zum Braunen Ross 
den 2. Sonntag. Ferien: Mai bis Ok- 

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Anerbach — Aufhebung. 



55 



Anerbaeb, l)£erthold^ hervorragender 
Schriftsteller, geb. 28. Febr. 1812 in Nord- 
stetten im württembergischen Schwarzwald, 
gest. 8. Febr. 1882 in Cannes, war zum 
jüdisch -theologischen Studium bestimmt 
und wandte sich in Tübingen, München 
imd Heidelberg dem Studium der Philo- 
sophie zu, wurde 1837 wegen Zugehörigkeit 
zur Burschenschaft zu mehrmonatlicher 
Festungshaft auf dem Hohenasperg ver- 
urteilt und begann seine litterarische Lauf- 
bahn mit der Flugschrift «Das Judentum 
und die neueste Litteratur«. (Stuttg. 1886.) 
Aufsehen erregte 1837 derEoman>Spinoza«, 
dem sich 1889 «Dichter und Kaufmann« 
anschloss. Seine Stellung in der Litteratur 
begründeten indessen erst die »Schwarz- 
wälder Dorfgeschichten« (Mannheim 1848), 
die heute noch ihren Kang behaupten. 
An die ersten Dorfgeschichten reihten sich 
spätere Folgen, darunter »Die Frau Pro- 
fessorin«, »Diethelm vonBuchenberg«u. 8.w. 
Und in spätren Jahren: »Barf&ssele«, 
»Joseph im Schnee« und »Edelweiss«. 
Unter seinen grossem Bomanen sind 
»Auf der Höhe« (Stuttg. 1865, 3 Bde.) und 
»Das Landhaus am Bhein«(das. 1868, 4 Bde.) 
die bekanntesten. A. war ein be^isterter 
Anhänger der deutschen Einheitsbestre- 
bungen und die Wärme der patriotischen 
Empfindung durchglüht die meisten seiner 
Werke. An dem Vorparlament in Frank- 
furt hatte er teilgenommen, später ist er 
als praktischer Politiker wenig mehr her- 
vorgetreten. A., der als Jude für das 
Deutschtum thätig war, musste durch die 
antisemitische Bewegung, die während 
seiner letzten Lebensjahre ihre Orgien 
feierte, besonders schwer getroffen werden; 
sie hat ihm in der That die letzte Lebens- 
zeit vergiftet. — Freimaurer wurde A. 3. Okt. 
1888 in d£r Loge Zur aufgehenden Mor- 
genröte in Frankfurt a. M. Er gehörte 
dieser Loge bis zu seinem Lebensende an. 
Am 24. Febr. 1882 fand dort eine Trauerfeier 
statt, die Jakob Auerbach leitete, und bei 
der dessen Sohn, Fritz Auerbach, die Ge- 
denkrede hielt. [Vgl, Bericht über die 
Trauerloge (Frkf. a. M. 1882). Bh. 1882, 
S. 67, 155. H. L. Nr. 191.] 

2) Jakob, geb. 24. Nov. 1810 in Emmen- 
dingen (Baden), gest. 31. Okt. 1887 in 
Frankfurt a. M., studierte in Heidelberg 
Philosophie, Philologie und Theologie, 
wirkte als Eeligionslehrer in Wiesbaden, 
als Hauslehrer in Wien, von 1843 — 79 als 
Lehrer am Philanthropin in Frankfurt a.M., 
wo er auch von 1848 an als Lehrer des 
Hebräischen am Gymnasium und von 1865 
bis 1885 als Leiter der grossenteils nach 
seinen Ajisichten organisierten Flersheim- 
schen Erziehungsanstalt thätig war. A. 
entfaltete neben seiner bedeutenden päda- 
gogischen auch eine hervorragende schrift- 
stellerische Thätigkeit. Seine »Kleine 
Schul- und Hausbibel« und »Biblische 
Geschichten« sind noch heute im Gebrauch. 



Eine Studie »Lessing und Mendelssohn« 
wurde sehr geschätzt. Nach dem Tode 
seines intimen Freundes und Verwandten 
Berthold Auerbach (s. d.) veröffentlichte 
er, einem Wunsche des Verstorbenen ent- 
sprechend, dessen Briefe an Jakob Auer- 
bach (Frkf a. M. 1884, 2 Bde.), die sich 
durch 40 Jahre erstrecken. Das Erscheinen 
dieses Buches wurde als litterarisches Er- 
eignis betrachtet. A. war ein scharfer 
Denker, zugleich aber ein edler, mild ur- 
teilender, dem Höchsten zugewandter 
Mensch. Diese Eigenschaften bewies er 
auch in seiner freimaurerischen Thätigkeit. 
Die Aufnahme in den Freimaurerbund 
fand er 1. Nov. 1843 in der Loge Zur auf- 
gehenden Morgenröte in Frankfurt a. M. 
1855 wurde er zum Meister vom Stuhl 
dieser Loge gewählt, dreimal drei Jahre 
lang. In der Grossen Mutterloge des 
Eklektischen .Bundes bekleidete er nach- 
einander die Ämter des zweiten Grossauf- 
sehers, des Grossredners und des zugeord- 
neten Grossmeisters. Er vertrat die Gross- 
loge auf mehreren Grosslogentagen. Be- 
sondere Verdienste erwarb er sich bei der 
Verfassungsrevision des Eklektischen Bun- 
des, sowie durch die von ihm im Auftrag 
der Gr. Mutterloge ausgearbeiteten gut- 
achtlichen Berichte über die vom Gross- 
logentag zur Beratung gestellten Fragen« 
A. gehörte zu den führenden Geistern der 
Eklektischen Grossloge. Er wusste wie 
kein Zweiter GegensäUe zu vermitteln und 
auszugleichen, ohne den prinzipiellen Stand- 
punkt zu opfern. Von seinen freimaure- 
rischen Arbeiten seien besonders hervor- 
gehoben: »Goethe und die Freimaurerei«, 
»Über Lessings Freimaurergespräche Ernst 
und Falk«, »Nathan der Weise«, »Fünfzig 
Jahre sind vorüber«, femer seine Festrede 
bei der Säkularfeier des Eklektischen Bun- 
des. [Vgl. FZ. 1887, S 381.] 

Aiier8berg,KarlGraf, geb. 1750 in Wien, 
1775 k. k. Kämmerer und Hauptmann bei 
Stein-Infanterie, der 1789 als Oberst sich 
im Türkenkriege bei Orsova auszeichnete 
und infolgedessen den M.-Theresien-Orden 
erhielt und zum Generalmajor ernannt 
wurde. — 1775 Mitglied der Loge Zu den 
drei' Adlern in Wien, dann Stifter und 
1783—84 Meister vom Stuhl der Loge Zu 
den sieben Weisen in Linz. 

Anenperg, Johann Baptist Graf, 
Domherr, später Fürstbischof zu Passau, 
geb. 28. Febr. 1745, war 1785 Mitglied der 
Loge Zu den drei Wassern in Passau. 

Anfenthaltsloge nennt man die Loge 
des Orts, an dem man sich aufhält, im 
Gegensatz zur Heimatsloge, in der man 
auf- oder angenommen ist und alle Rechte 
und Pflichten besitzt, während man in 
jener nur als ständig besuchendes Mitglied 
sich bewegt. 

Auf hebnng einer Loge kann durch die 

Obrigkeit oder auch, bei den unter Grosfi- 

logen (s. d.) stehenden Tochterlogen, durch 

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56 



Auflösung -r- Aufnahme in den Frelmaurerbund. 



die ihr übergeordnete Grossloge verfügt 
werden. Letzteres pflegt nur ab äusserste 
Massregel bei fortaauemder oder grober 
Überschreitung der maurerischen Gesetze 
einzutreten. Die aufgehobne Loge yer^ 
liert das Becht, maurerisch zu arbeiten 
und irgend welche Versammlungen in ihren 
Bäumen zu veranstalten. 

Auf ISsiing einer Loge erfolgt entweder 
freiwillig oder unfreiwüiig. Die freiwillige 
Auflösung (Deckung^ beruht auf einem 
Beschluss der Mitglieder, ist jedoch in 
manchen Logenbünden noch an besondere 
Voraussetzungen geknüpft. Die unfrei- 
willige tritt im Falle det Aufhebung (s. d.) 
der Loge ein. — Die wohlthätigen Stif- 
tungen, die bei einer aufgelösten Loge be- 
standen, werden nach den dafür vorhan- 
denen Hausgesetzen oder nach allgemeinen 
Gesetzen anderweit verwaltet. 

AoftiahMe in den Freimanrerbnnd (auch 
Bezeption genannt, franz. und engl, ini- 
tiation). Die Aufnahme ist an gewisse, 
teils materielle, teils formelle Voraus- 
setzungen geknüpft L Aufnahmefähig- 
keit. 1) Die materiellen Voraussetzungen 
(Erfordernisse) sind wiederum a) gesetz-, 
liehe. Als solche steht obenan die 
Selbständigkeit, d. h. Grossjährigkeit, in 
Deutschland 21 Jahre (in I^eussen, nach 
dem, in einzelnen Punkten von den drei 
altpreussischen Grosslogen noch aufrecht 
erhaltnen Edikt von 1798, 25 Jahre), bei 
Söhnen von Logenmitgliedem 18 Jahre 
(s. Alter). Auss^em wird verlangt die 
freie Verfügung über das Vermögen, die 
HandlungtOhigkeit [vgl. Bh. 1873, S. 12; 
1875, S. 115], ein guter Buf (»keine un- 
sittlichen und beschimpften Leute« — 
Alte Pflichten — ) und männliches Ge- 
schlecht («keine Weiber« — Alte Pflich- 
ten — ). Über Frauenauftiahme und Frauen- 
logen, sog. Adopttonsmanrerei (s. d.). Teil- 
weise wird das christliche Beligionsbekennt- 
nis verlangt, nämlich bei dem schwedischen 
System (Schweden, Norwegen, Dänemark), 
in Deutschland bei der Grossen Landesloge 
in Berlin) und bei der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln (s. 
Juden). Als zweifelhaft gilt, ob Gebrech- 
liche aufzunehmen sind. In den alten 
Zünften der Maurer und Steinmetzen war 
der Ausschluss in Hinsicht auf die wirk- 
liche Ausübung des Handwerks selbst- 
verständlich. Man nahm das seiner Zeit 
hinüber in den Freimaurerbund; selbst 
noch die Alten Pflichten erwähnen das 
unter No. IV. Auch wird in Amerika 
noch teilweise streng darauf gehalten und 
die mannigfaltigsten Entscheidungen der 
dortigen Grosslogen liegen darüber vor. 
In Frankreich war man schon milder ge- 
stimmt. Auch in England liess man sich 
in diesem Punkte nicht durch engherzige 
Bücksichten leiten. In Deutschland waren 
die Stimmen noch in Mitte des 19. Jahr- 
hunderts geteilt, und die Grosse Landes- 



loge von Sachsen hatte 9. Mai 1854 die 
Aufnahme von Blinden für unzulässig er- 
klärt, ebenso die von Tauben und Taub- 
stummen. Ungefähr zu gleicher Zeit wurde 
inHamburg einTaubstummer aufgenommen, 
und in der Loge zu Altenburg war bereits 
1842 ein Blinder aufgenommen. Von Ein- 
fluss auf die Entscheidung der Frage war 
die Aufnahme des blinden Königs G^org V. 
von Hannover am 14. Jan. 1857. [Vgl. über 
die gesetzlichen Bestimmungen in Amerika, 
Frankreich, England die vorige Auflage H, 
S. 165 fg. unter »Krüppel«, v. Groddeck 
und Henne- Am Bhyn, Versuch einer Dar- 
stellung des positiven Freimaurerrechts« 
(Lpz. 1877) S. 134 fg.], Weiter rechnen 
unter die gesetzlichen Erfordernisse die 
des sog. Sprengelrechts (s. d. unter II). 
Auch österreichische Beamte sollen, weil 
die Freimaurerei in Österreich verboten 
ist, nach einem Beschluss des Deutschen 
Grosslo^ntags von 1889 in den deutschen 
Logen nicht angenommen werden, b) A 1 1 - 
gemein und selbstverständlich sind: 
ein gewisser Grad von BUdung, um die 
Freimaurerei überhaupt verstehen zu kön- 
nen, Sinn für Höheres und Ideales, Sinn 
und Verständnis für Symbolik, sittlicher 
Ernst, Energie und Arbeitskraft, Trieb 
zur Unterordnung unter die Mehrheit und 
eine Autorität. [Vgl. Bh. 1884, S. 88. 
L. X, S. 98, 116; 1889, S. 28]. Bei einigen 
Logen sind noch besondere Vorschriften 
gegeben, um die Aufnahme solcher zu ver- 
hindern, die in Hinsicht ihrer religiösen 
Anschauungen oder politischen Gesin- 
nungen nicht genügende Bürgschaft geben. 
Dass erklärte Atheisten nicht A. finden 
können, ist einleuchtend (s. Atheiamaa). 
Vor allen Dingen soll der Eintritt in den 
Freimaurerbund freiwillig sein und nicht 
auf Überredung beruhen. [Vgl. Bh. 1873, 
S. 86; über die Bedingungen zur A. im 
allgemeinen Bst. B. 1882, S. 58.] — 
2) Die formellen Voraussetzungen der 
A. sind: a) vorläufige Mitteilung an die 
Suchenden zur Belehrung über das, was 
sie zu erwarten haben. [VgL Bh. 1868, 
S. 287; 1881, S. 397. Zd. 1889, S. 83.] 
An Stelle dieser amtlichen Belehrung kann 
dem Suchenden ein entsprechendes Schrift- 
chen gegeben werden, z. B. Beidl, Der 
Freimaurerbund (Wien 1874h Fischer, Bob., 
Briefe über Freimaurerei (4. Aufl., Lpz. 1895) ; 
Findel, Geist und Form der Freimaurerei 
(6. Aufl., Lpz. 1898); Henne -Am Bhyn, 
Zehn Fragen und Antworten (5. Aufl. 1882). 
b) Lebenslauf-Beschreibung nebst Abgabe 
einer Erklärung, ob die A. schon früher 
anderswo versudit worden ist. (Vgl. Bh. 1888, 
S. 236]. c) Bürgschaft eines Mitglieds der 
Loge, in der die A. gesucht wird (s. Bärge). 
d) Prüfung der Vorschlagsf&higkeit vor 
weiterer Bekanntgabe des Gesudis durch 
den Logenvorstand oder den Beamtenrat, 
damit, fsMB sich wesentliche Bedenken er- 
geben, das Gesuch noch rechtzeitig zurück- 

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Anfiichtigen und Getreuen — Aufzüge. 



57 



ffezogeu werden kann, e) Bekanntgabe 
des Gesuchs an die Loge, womit das hier 
und da übliche Anschreiben des Namens 
des Suchenden an die Vorschl^stafel (s.d.) 
und Aufforderung zur Erkundigung über 
den Suchenden in Verbindung steht, 
f ) Prüfung des Suchenden über seine Ver- 
hältnisse und sonstigen Eigenschaften, hier 
und da durch einen Prüfungsausschüsse 
deren Mitglieder teilweise verschwiegen 
bleiben. Diese Prüfung enthält auch die 
Bekanntgabe des Gesuchs an die Logen 
des Orts, in deren Nähe der Suchende 
wohnt, um von da etwaige Bedenken zu 
hören. In Hamburg und in Berlin be- 
stehen besondere Zentralstellen zur Ee- 
gistrierung von Aufnahmegesuchen. (S. 
Auflknnftsstelle). g) Abstimmung, Eu- 
gelung (s. d.), die nur auf ein Jahr gilt, 
worauf sie wiederholt werden muss. 
IIL Die Aufnahmehandlung selbst 
findet nach einer einleitenden Vorberei- 
tung (s. d.) unter sinnvollen Gebräu- 
chen, feierlichen Ansprachen und Ge- 
sängen statt, die jedes empfängliche Gemüt 
ergreifen, indem sie ihn darauf hinweisen, 
di^ der Freimaurer über dem Hohen und 
GK^ttlichen, was die Menschen einigt, das 
Nichtige, Zufällige und Menschliche ver- 
gessen soll, was sie trennt. Nach einer 
alten Verordnung sollen auf einmal nicht 
mehr als fünf Personen aufgenommen 
werden. Die A. erfolgt in besondem 
Fällen, namentlich bei Fürstlichkeiten, 
historisch, d.h. so, dass die ganzen Ge- 
bräuche nur in erzählendem Tone vorge- 
tragen werden. Die A. kann auch im 
Auftrag einer andern Loge erfolgen, für 
die sie vorgenommen wird und in die der 
Aufzunehmende eintritt. [Vgl. über die 
Ansprachen undBitualeMarbach, Agenda J. 
(4. Aufl.,Lpz. 1877); E.Fischer, Maurerweihe 
(2. Aufl., Lpz. 1900)]. IV. Nach englischer 
Verfassung wird man nur in den Frei- 
maurerbund überhaupt aufgenommen, wäh- 
rend der Eintritt in eine bestimmte Loge 
nachfolgt. In andern Ländern, insbeson- 
dere in Deutschland, erfolgt die A. in die 
betreffende Loge und in den Freimaurer- 
bund gleichzeitig. Dem Aufgenommenen 
wird der Logenpass (s. d.), die Verfassung 
der Loge, das Mitgliederverzeichnis (s. d.) 
ausgehäiidigt, oft auch noch mehr. Mit 
der A. wird vielfach eine Tafelloge (s. d ) 
verbunden, die gewissermassen zum Auf- 
nahmeakt mit gehört. [Vgl. E. Fischer, 
Entwurf zu einem Handbuch für die Amts- 
thätigkeit der Logenmeister (Lpz. 1891), S. 
6—17. Allgemeines deutsches Aufinahme- 
gesetz v.J. 1884. Findel, Geist und Form der 
Freimaurerei (6. Aufl^ Lpz. 1898), S. 48, 48.] 
AaMehügen und Getreuen (Orden der), 
auch Ordre de la sinc^rit^, ein 1762 in 
Koburg gegründeter Jünglingsbund mit 
moralischen Tendenzen und einigen der 
Freimaurerei nachgeahmten Formen. [Vgl. 
Bh. 1861, Nr. 25.] 



Aufseher (franz. surveillant, engl, war- 
den) heissen die beiden ersten hammer- 
führenden Beamten jeder Loge nach dem 
Meister vom Stuhl. Sie werden als erster 
und zweiter, in England als senior und 
junior unterschieden. Ihr Amt ist dem 
der Parlirer in der Handwerksmaurerei 
nachgebildet. ßQoss, Die Freimaurerei 
in ih^r wahren Bedeutung, S. 140 fg.] Sie 
haben für die Ordnung und den regel- 
mässigen Gang der Arbeiten in Unter- 
stützung des Meisters vom Stuhl zu sorgen 
und zu diesem Behuf namentlich besondere 
rituelle Verrichtungen zu üben; auch 
vertreten sie der Eeihe nach den Meister 
vom Stuhl in dessen oder seines sonstigen 
Stellvertreters Behinderung. Nicht minder 
liegt ihnen die Überwachung des Ver- 
haltens der Mitglieder ihrer Loge ausser- 
halb der letztem ob. Sie bilden mit dem 
Vorsitzenden Meister und dem Schriftführer 
den ausführenden Logenvorstand und ver- 
treten die Loge mit ihnen nach aussen. 
In der strikten Observanz hiessen die A. 
Vorsteher, daher sie auch in einzelnen 
Logen heute noch so genannt werden ^ in 
denen von jener Überreste geblieben sind, 
so in der Loge Minerva zu den drei Palmen 
in Leipzig und in Altenburg. Auch in 
Logen nach Fesslerschem System kommt 
die Bezeichnung noch vor. Nach der 
Lehrart der Grossen Landesloge in Berlin 
vergegenwärtigt der erste A. den Verstand, 
der zweite das Gemüt, das Herz, das Ge- 
wissen. [Vgl. über beide A. Bh. 1895, S. 
105, über die Stellung des zweiten A. zur 
Loge FZ. 1854, S. 401.] 

Aufsieht. Die maurerischen, eigentlich 
ausser der organischen Gliederung der 
Logenwelt stehenden Freimaurervereine 
(s. d.) stellen sich meist unter die A. einer 
anerkannten Loge, die darüber zu wachen 
hat, dass keine Unregelmässigkeiten in 
jenen vorkommen und das Ansehen der 
Freimaurerei keine Gefahr durch sie leide. 
Diese A. schliesst in der Eegel das Eecht 
der Bestätigung der Vorsitzenden, oft auch 
der übrigen Beamten bei den Vereinen in 
sich, sowie das Eecht, jährliche Berichte 
über die Versammlungen und die Thätig- 
keit der Vereine zu verlangen. 

Aofittge von Freimaurern haben in Eng- 
land, Irland und Schottland schon früh 
stattgefunden und sind noch heute in 
Grossbritannien, wie in Amerika, eine sehr 
häufige Erscheinung, besonders bei Ge- 
legeimeit von Grundsteinlegungen, zu 
denen die Freimaurer mit Vorliebe heran- 
gezogen werden. Die Londoner Grossloge 
hat eine Eeihe von Jahren bei der Ein- 
setzung neuer Grossmeister grosse Au£&üge 
veranstaltet, indem die letztem von ihren 
Wohnungen abgeholt und nach dem Ort 
der Versammlung begleitet wurden. Nach 
Anderson (1738, S. 112) soll ein solcher 
A. bereits am 24. Juni 1721 stattgefunden 
haben, was aber sicher nicht wahr ist, 
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Auge der Vorsehung — Aurich. 



denn die Zeitnngen wissen nichts davon. 
Auch in den 1723 beginnenden Protokollen 
der Grossloge ist bis zum Jahre 1780 nichts 
derartiges zu finden. Zuerst am 29. Jan. 
1730 berichtet das Protokoll, dass der 
Grossmeister Lord Kingston mit seinen 
Grossbeamten den erwählten Grossmeister 
Herzog yon Norfolk aus seinem Hause 
abgeholt und mit zahlreichem Gefolge von 
vornehmen Brüdern in Kutschen nach der 
Halle der Grossschneider geleitet habe, 
wo dann ein grossartiger Zug in die Halle 
stattfand, nach einer im Protokoll genau 
beschriebnen Ordnung. Gleiche oder ähn- 
liche Beschreibungen wiederholen sich in 
den folgenden Jahren, und für den 24. Juni 
1741 wird noch einmal eine neue Ordnung 
des Zugs in die Festhalle vorgeschrieben, 
die bei allen zukünftigen Festen gelten 
soll. Es ist klar, dass der A. von 1730 
der allererste gewesen ist, dass also alle 
Erzählungen Andersons von frühem A. 
dieser Axt erfunden sind (vgl. Ander- 
son). Da diese öffentlichen A. durch 
Bemerkungen in den Zeitungen, sowie 
durch Spottlieder und Karrikaturen öfter 
lächerlicn gemacht wurden, beschloss die 
Grossloge am 3. April 1747 einstimmig, 
sie fortan wegfallen zu lassen (An- 
derson-Entick 1756, S. 248). — In Dublin 
hat bereits am 24. Juni 1725 ein solcher 
A. stattgefunden, wie ein Zeitungsblatt 
vom 26. Juni 1725 darüber berichtet. [Vgl. 
Crawley, Caem.Hib. Fase. 11 (Dublin 1896).] 
Von weitem derartigen A. in Dublin haben 
wir keine Kunde. — Die Grossloge in 
Edinburg veranstaltete am 30. Nov. 1754 
einen A. von mehr als 400 Brüdern mit 
Fackelbegleitung, und am 30. Nov. 1886, 
dem Tage der Jahrhundertfeier der Gross- 
loge, machten die Brüder, fast 1000 an 
Zidil, mit mehrem Musikkapellen und von 
400 Fackelträgern begleitet, einen ganz 

gossartigen Zug durch die Stadt. [Vgl. 
lurie, History (Edinburg 1859), S. 116 
ü. 220.] An Grundsteinlegungen hat sich 
die schottische Grossloge unzählige Male 
in hervorragender Weise beteiligt, stets in 
feierlichen A.; Laurie zählt von 1788 bis 
1858 nicht weniger als 48 solche Feier- 
lichkeiten auf. — In England finden 
Grundsteinlegungen noch jetzt sehr oft 
statt, bei denen selbst der Prinz von Wales 
als Grossmeister manchmal erscheint. Na- 
türlich tragen alle Brüder dazu ihre mau- 
rerische Bekleidung. — Auch in andern 
Ländern haben gelegentlich öffentliche A. 
stattgefunden, selbst in Deutschland, wo 
man im allgemeineh solchen Schau- 
stellungen nicht hold ist. In Amerika 
sind sie an der Tagesordnung. [Vgl. FZ. 
1892, S. 315.1 Weffen des Tragens von 
maurerischer Bekleidung bei öffentlichen 
A. in England s. noch L. 1899, S. 111. 

Äugt der Yonehniig, ein Auge in einem 
Dreieck, ward im Mittelalter über die 
Kreuze der Kirchen und über die Hoch- 



altare gesetzt. Dieses A. d. V. findet sich 
auch noch in den Logen verschiedner Lehr- 
arten, zugleich ^s maurerisches Sinnbild. 

Augsburg (St. in Bayern, 81896 E.). 
1) Hier bestand früher die Loge Ludwig 
zum halben Mond, gest. 1. Febr. 1783 
vom Eklektischen Bunde; sie erlosch 17. 
Nov. 1785. 2) Am 6. Dez. 1817 wurde 
ein Verein eröffnet, der wahrscheinlich 
1831 wieder einging. 3) 1849 — 50 ver- 
suchte man wieder einen solchen ins Leben 
zu rufen, aber ohne Erfolg. 4) 1859 — 61 
fanden Zusammenkünfte statt. 5) Am 
12. Mai 1870 bildete sich ein maurerisches 
Kränzchen, aus dem die Loge Augusta 
unter der Grossloge Zur Sonne am 4. Dez. 
1872 entstand, die 17. Mai 1874 eingeweiht 
wurde. Eignes Logenhaus, Schiessgraben 
30, eingew. 24. Okt. 1897. Mitgliederzahl 
(1899): 117. Vers. Donnerstags. Milde 
Stiftungen: drei mit 12000 M. Kapital. 
Lokalgesetze vom 14. Juni 1877 und 27. 
Febr. 1896 mit Ergänzung vom 18. Mai 
1897; Bücherverzeichnisse von 1891, 1895. 
(Bücherbestand 1600 Bände.) [Vgl. Klopper 
Festschrift zur 25 jähr. Gründungsfeier una 
Logenhausein weihung (1897).] — In A. be- 
stand auch ein Zirkel der Kosenkreuzer 
(s. d.). 

Angustengtiltong, eine von den drei alt- 
preussischen Grosslogen zur Erinnerung 
an den Tag der silbernen Hochzeit des 
Prinzen Wilhelm und seiner Gemahlin 
Augusta am 11. Juni 1864 gegründete 
Stiftung, um würdigen Brüdern Freimaurern 
zur Feier ihrer silbernen Hochzeit ein An- 
denken an diesen Tag, bestehend in einer 
silbernen Denkmünze mit dem Bilde des 
Herrscherpaares und den Namen des Jubel- 
paars, den Bedürftigen unter ihnen ein 
Geldgeschenk und ausserdem bedürftigen 
Witwen und Waisen verdienter Maurer 
eine Geldunterstützung zu gewähren. Seit 
der goldnen Hochzeit des Kaiserpaares 
hat <ue Stiftung insofern eine Erweiterung 
erfahren, als von da ab auch goldne Denk- 
münzen an Brüder, die ihre goldne Hoch- 
zeit feiern, verteilt werden können. [Vgl. 
HMW. Nr. 20, 21, 166.] 

AuguBtlgeher StU, »Augustan Stiele«, 
heisst bei Anderson (s. d.) der Baustil, wie er 
zur Zeit des Kaisers Augustos hauptsäch- 
lich durch Vitruvius, »den Vater aller 
echten Baumeister bis auf diesen Tag« 
(1723, S. 25), gepflegt wurde. Gleich- 
bedeutend damit gebraucht Anderson die 
Namen «römische Maurerei« (S. 29), »rö- 
mische Baukunst« (S. 38), »alte Baukunst« 
(S. 80). Der öft;er wiederholte Versuch, 
diesen »A.St.« in geheimnisvoller Weise als 
eine besondere Form geistiger Freimaurerei 
auszudeuten, muss als gänzlich verfehlt 
aufgegeben werden. 

Aumönler, s. Armenpflege. 

Anrieh (St. in der preuss. Prov. Hanno- 
ver, 5899 E.). 1^ Von der grossen Mutter- 
loge Zu den drei Weltkugeln in Berlin aus 
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Auserwählte Brüder — Auserwählter. 



59 



wnrde hier 1779 eine Loge Zu den drei 
königlichen Adlern, gestiftet, die 1813 
zu der Grossen Loge von Holland trat, 
aber am Ende der zwanziger Jahre ein- 
ring. 2) Hiemächst vereinigten sich 
die Überbleibsel der Logen in Emden. 
Leer und A. und stifteten 21. Jan. 1842 
unter der Grossen Loge von Hannover die 
Loge Zur ostfriesischen Union, die 
18W) nach Emden (s. d.) verlegt wurde. 
3) Jetzt besteht hier seit 17. Okt. 1878 
unter der Loge in Emden ein Freimaurer- 
kränzchen Zum Upstalsboom. Mit- 
gliederzahl (1899): 11. Vers, am 2. Diens- 
tag im Monat. Lokal: Hotel Piqueurhof. 

AnserwUilte Brfider, der 9. Grad der 
Lehrart der Grossen Landesloge in Berlin. 

Anserwilüte CoSns (Elus CoSns = aus- 
erwählte PriesterJ, ein theosophisches 
Hochgradsystem, aas um 1764 von Marti- 
nez Pasqufüis (s. d.) in Lyon erfunden und 
dem der von diesem verfasste Traitö de 
la redint^gration des ötres cr^^ dans leur 
primitive propri^t^, vertue et puissance 
spirituelle, eine Weltgeschichte von der 
Schöpftmg bis zur Geburt des Erlösers, 
zu Grunde gelegt wurde. Zu diesem Hoch- 
gradsystem hatten Frauen Zutritt. Es 
wurde 1768 von Pasqualis nach Paris ge- 
bracht und gelangte hier unter dem Bei- 
stand des Malers van Loo um 1775 zur 
Blüte. Es bestanden Logen desselben 
ausser in den beiden genannten Städten 
auch in Bordeaux, Toulouse und Turin. 
Ausser den drei symbolischen Graden hatte 
es noch sechs höhere, von denen der fQnfte 
und sechste in Thorys Histoire de la fon- 
dation du Grand Orient de France (Paris 
181,2) S. 244 fg. veröffentlicht sind. Im 
sechBten musste das eidliche Versprechen 
gegeben werden, der katholisch-apostoli- 
schen römischen Beligion treu zu sein und 
den Brüdern mit Rat und Börse beizu- 
stehen. Durch Willermoz (s. d.) kamen 
1778 noch zwei geheime theosophische 
Grade hinzu, in denen das kabbalistisch- 
alchemistische System des Pasaualis ver- 
edelt umgearbeitet war. [Vgl. Thory, His- 
toire, 8. 239 fg. Kloss, Geschichte der 
Freimaurer in Frankreich I, 287. Lach- 
mann, Geschichte und Gebräuche der 
Hochgrade (Braunschweig 1866), S. 101.] 

Aiuerwililte der Wahrheit (Eins de la 
v^rit^), ein Hochgradsystem, das von der 
1758 gestift^eten Loge La parfaite union 
in Bennes 1776 eingeführt wurde, aber nur 
in wenigen Logen der Nordprovinzen 
Frankreichs Aufoahme fand und schon 
Ende des 18. Jahrhunderts erlosch. Die 
Rituale waren von einer Kommission ent- 
worfen, der Mangourit (s. d.) angehörte. 
Nach seinen Versicherungen Thory und 
Lerouge gegenüber beabsichtigte man in 
den hohem Graden nur eine freimaure- 
rische Elite zu schaffen und verwarf alle 
auf Eabbala, Magie und dergl. gegründeten 
Grade. Ausser vier niedem, die drei sym- 



bolischen enthaltenden Graden besass dieses 
System noch acht höhere. Der zwölfte war 
der des Rosecroix (s. d.), bis zu dem die 
gewöhnlichen Maurer gefCihrt wurden. 
Darüber hinaus lag der eigentliche Bit des 
Elus de la v^rit^ in zwei Ordres. [Vgl. 
Thory, Histoire de la fondation du Grand 
Orient de France, S. 204. Kloss, Geschichte 
der Freimaurer in Frankreich I, 289. Lach- 
mann, Geschichte und Gebräuche der 
Hochgrade (Braunschweig 1866), S. 105.] 
Aiiserwihlter (franz. ^lu, engl, elect), 
der allgemeine, durch vielfache Zusammen- 
setzungen veränderte Name eines weitver- 
breiteten Hochgrads, der in Frankreich 
erftmden wurde. 1) Die Idee des Grades. 
Sein Inhalt ist eine Fortsetzung der Le- 
gende von der Ermordung Hirams (s. d.). 
Salomo liess sich die Bestrafung der drei 
Mörder angelegen sein. Ein Unoekannter 
machte ihm Mitteilung von deren Aufent- 
halt. Durch das Los bestimmte Salomo 
neun Meister, die er A. nannte, zur Aus- 
fahrung der Strafe. Bei Joppe, in der 
Nähe einer Höhle, stiessen sie auf zwei 
der Übelthäter, die auf der Flucht durch 
den Sturz in eine Schlucht ums Leben 
kamen. Den Hauptübelthäter fand der 
Anführer der neun A. in der Höhle. Als 
sich jener entdeckt sah, gab er sich selbst 
durch einen Dolchstoss den Tod. Der A. 
nahm den Dolch zu sich und labte sich 
an einer aus dem Felsen sprudelnden 
Quelle. Die Häupter der Übelthäter 
brachten die neun bei Nacht nach Jeru- 
salem. Salomo gesellte den neun noch 
sechs zu, so dass es idsdann 15 A. gab. 
Als Dekoration erhielten sie eine schwarze 
Schärpe, die ihnen von der linken Schulter 
zur rechten Hüfte ging und an deren 
Ende sich ein Dolch mit goldnem Griff 
befand. Sie hatten die Aufsicht über den 
Bau zu fahren, dem König Rechenschaft 
abzulegen und über Maurer zu Gerichte 
zu sitzen. Ihre Erkennungszeichen ent- 
sprachen der That, die sie verrichtet hatten. 
Der Unbekannte, ein Hirte, wurde zum 
Maurer ausgebilaet und unter die A. auf- 
genommen. Um für andre zum Eintritt 
in den Grad der 15 A. Platz zu machen, 
liess er aus diesen durch die Brüder zwölf 
auswählen, die dem König täglich über 
den Tempelbau zu berichten und den 
Werkleuten, die nach Art der zwölf Stämme 
Israels in zwölf Abteilungen geteilt waren, 
den Lohn auszuzahlen hatten. Diesen gab 
er den Namen der erhabenen A. 2) Die 
Geschichte der französischen Maurerei 
weist viele Veränderungen der Grade der A. 
auf. Die Grade der neun, der 15, des 
Unbekannten und der erhabnen A. kommen, 
aber auf verschiednen Stufen, vor im 
Clermontschen System (s. Clermont), in 
dem Rit primitif (s. d.), in den von Thory 
benutzten Archiven der Sammlung des 
Metropolitankapitels von Frankreich, in 
Pyrons Sammlungen^ toKit^^^^ 



60 



Auskunftisielle — AnstraUen und Ozeamen. 



raXm (s. d.) und im Kitas von Memphis 
(s. d.). Der Bit ^cossais philosophiqne (s. 
Bohottisoher Bitu«) hatte einen (zweiten) 
Instniktionsgrad des ^lu philosophiqne 
und einen ^In snprdme oder Tabemacle 
des ^us parfaits. — In Holland gab es 
vor der Einführung der jetzigen französi- 
schen Hochgrade einen achten Kapitel- 
grad des grand ^lu. Die uitverkoren 
meesters der neuem holländischen Mau- 
rerei bilden nur eine Art Erkenntnisstufe 
(s. Abteilungen). — In Deutschland kommen 
Grade der A. unter den frühem Hoch- 
graden der altpreussischen Grosslogen 
und im Zinnendorfschen System vor. ' 
3) Aus der Legende zog man ur- 
sprünglich die moralische Lehre, dass die 
Strafe dem Vergehen sicher, wenn auch 
bisweilen langsam, folge. Doch hat man 
später in der Erkenntnis des Unpassen- 
den und Widerwärtigen dieser Legende 
und der Art der Erteilung dieser Grade 
ihr einen andern Gedsuiken abzuge- 
winnen gesucht: In den Mördem seien 
die Menschen zu sehen, die durch 
Aberglauben und Irrtum einen verhäng- 
nisvollen Schlag gegen die Wahrheit 
führten, und in dem Schwert, das sie ent- 
hauptet, die Fackel des Lichts, mit der 
man seinen Nächsten erleuchten und so 
allen Betrug und alle Tyrannei vernichten 
solle. Die einzigen Waffen des Maurers 
seien die des Wissens, der Vernunft und 
des Herzens. [VgLDupont^s, Oours pratique 
de Franche-MaQonnerie IV, 244. Manuel 
maconnique, S. 285. Maurerisches Hand- 
buch, S. 164 und Tafel 20 und 21 ] 

Auskniiftsstelle der Johannislogen in 
Berlin und der Provinz Brandenburg (früher 
»Zentralstelle zur Registrierung von Bei- 
tritts- und Entlassungsgesuchen«) bezweckt 
sichere und schnelle Prüfung, ob die zur 
Aufnahme in den Freimaurerbund Vorge- 
Bchlagnen bereits früher vorgeschlagen 
waren, aus welchen Gründen die Auf- 
nahme nicht erfolgt ist und weshalb die 
sich zur Annahme oder Wiederaufnahme 
meldenden Brüder entlassen sind. Sie be- 
steht seit 1894. [Vgl. B. C. 1892/93, S. 22. 
L. 1894, S. 117; 1898, S. 62.] 

Ausscheiden eines Freimaurers aus dem 
Maurerbunde erfolgt, ausser durch den 
Tod, entweder durch freiwilligen Austritt 
(s. Deckpng) oder durch Ausschliessung 
(s. d.), in gewissen Fällen auch durch 
Streichung (s. d.) von den Mitgliederlisten. 

— Der freiwillige Austritt kann sich auch 
bloss auf Ausscheiden aus der Loge zum 
Zweck des Eintritts in eine andre Loge durch 
Anns^me (s. d.) beschränken, in welchem 
Falle ein Entlassungsschein (s. d.) erteilt 
wird. — Durch das Ausscheiden aus dem 
Bunde gehen alle Rechte verloren, die 
der Bund und die einzelne Loge gewährt. 

— Die Grossloge von London entschied, 
dass, wenn einBmder seinen Austritt aus 
der Loge erklärt, diese Erklärung nicht 



wieder zurückgenommen werden kann, die 
Wiederaufnahme mithin das ganze gesetz- 
liche Verfahren bedingt. Auch ist ein 
freiwilliges Ausscheiden nicht mehr zu- 
lässig, sobald ein maurerisches Verfahren 
^egen das betreffende Mitglied eingeleitet 
ist. Übrigens wird mehrfach ein ein- 
seitiger Austritt nicht mehr gestattet, viel- 
mehr ist nur das Gesuch um Entlassung zu- 
lässig. [Vgl.F.Z.1887,S.277. Bh.1887, S.29.] 
Eine Besonderheit bildet das widerruf- 
liche Gastrecht für einfach Entlassene. 
[Vgl. Bh. 1893, S. 257.] Wegen der Gründe 
zum Ausscheiden vgl. Zd. 1848, S. 52, 181. 
Die Entlassung; ern>lgt entweder einfach 
oder ehrenvoll, letzteres bei besondem 
Verdiensten des Ausscheidenden um die 
betreffende Loge oder die Freimaurerei 
überhaupt. 

Aosscnliessiuig (Exklusion) eines Mit- 
glieds des Freimaurerbundes aus der Loge 
ist die Form des Ausscheidens (s. d.), (Üe. 
als härteste Strafe wegen maurerischer oder 
gemeiner bürgerlicher Vergehen eintritt. 
Sie kann bei den unter maurerischen Ober- 
behörden stehenden Logen in der Regel 
nur von den erstem gültig ausgesprochen 
werden und setzt ein Verfahren vor dem 
Ehrenrat (s. d.) voraus. Die Ausschliessung 
erfolgt entweder nur aus der Loge oder 
gleichzeitig aus dem Bunde. Sie wird ent- 
weder ausdrücklich als solche in dem Mit- 
§liederverzeichnis bemerkt oder der Name 
es Ausgeschlossenen wird, namentlich bei 
geringem Vergehen, nur aus dem Verzeich- 
nis weggelassen. Wenn die Ausschliessung 
nur auf Zeit erfolgt (zeitweiliger Ausschluss), 
nannte man ihn und nennt ihn noch jetzt 
vielfach Suspension. 

Aaftralien und Ozeanien, In A. hat 
die Freimaurerei erst im 19. Jahrh. Ein- 
gang gefunden, und zwar von Grossbritan- 
nien aus. Die erste australische Loge 
wurde 1814 in Sydney (Neusüdwales) 
durch die irische Grossloge errichtet. 1823 
wurde die erste Loge in Tasmanien, 1888 
in Südauatralien, 1841 in Victoria, 1842 
in Westaustralien, 1843 in Neuseeland 
und 1859 in Queensland eröffnet. Die 
Zahl der Logen vermehrte sich bald be- 
trächtlich, so dass die Grosslogen von 
England, Schottland und Irland Distrikts- 
und Provinziallogen in den einzelnen Ko- 
lonien errichteten. Bald begannen aber 
auch Bemühungen, unabhängige Gross- 
logen zu gründen, wogegen sich indes 
die britischen Grosslogen ablehnend ver- 
hielten. Trotzdem ging man, zunächst 1877 
in Neusüdwales, mit der Gründung einer 
eignen Grossloge vor. Diesem Beispiel 
folgte 1883 Victoria, 1884 Südaustralien, 
und 1890 Tasmanien und Neuseeland. Die 
britischen Grosslogen haben schliesslich 
die Anerkennung aussprechen müssen, und 
so besitzen die Mutterlogen in diesen 
Kolonien, abgesehen von Neuseeland, nur 
noch wenige Logen, die sich den einhei- 

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Auswandenrngskomitee — Autorität. 



61 



mischen Grosslogen nicht haben an- 
schliessen wollen. Neuerdings will man auch 
in Queensland und Westaustralien selbstän- 
dige Grosslogen bilden. In den französischen 
Besitzungen O.s wurden Logen von Frank- 
reich aus gegründet, und zwar 1834 auf 
den Gesellschaftsinseln, 1850 auf den Mar- 
kesasinseln und 1868 in Neukaledonien, 
ebenso 1850 auf Hawai, wo auch die 
Grossloge von Kalifornien zwei Logen er- 
richtete. Endlich bestehen auch seit 1872 
britische Logen auf den Fidschiinseln. 
1898 bestanden in A. und O. insgesamt 
808 Logen, und zwar unter folgenden 
Grosslogen: L Grossloge von Neusüdwales: 
191; n. Grossloge von Victoria: 170; 
111, Grossloge von Südaustralien: 42; 
rV. Grossloge von Tasmanien: 21 ; V. Gross- 
loge von Neuseeland: 110; VI. Grossloge 
von England: 144 (je 1 in Neusüdwales 
und Victoria, 28 unter einer Distrikts- 
Grossloge in Westaustralien, 52 unter einer 
Distrikts-Grossloge in Queensland, 64 unter 
5 Distrikts-Grosslogen in Neuseeland, 8 
auf den Fidschi inseln); VEL Grossloge von 
Schottland: 99 (16 unter einer Provinzial- 
Grosslo^ in Westaustralien, 52 unter einer 
^rovinzial-Grosslo^ in Queensland, 81 
unter drei Provinzial-Grosslogen in N'eu- 
seeland, je 1 auf den Fidschiinseln und in 
Hawai); Vm. Grossloge von Irland: 26 
(1 in Südaustralien^ 19 unter einer Pro- 
vinzial- Grossloge in Queensland und 6 
unter einer solchen in Neuseeland); 
IX. Grossorient von Frankreich: 3 (je 1 
in Neusüdwales, Victoria und Neukaledo- 
nien); X. SuprSme Conseil von Frankreich: 
1 in Hawai; XI. Grosslo^e von Kalifor- 
nien: 1 in Hawai. Im übrigen s. die ein- 
zelnen Länder. 

Answandemiigskomitee (maurerisches). 
Der Gedanke, die Beschützung deutscher 
Auswanderer diesseit und jenseit des 
Ozeans zu einem besondem Werke der 
Freimaurerei zu machen, war zuerst von 
E. Bobrik in Zürich 1840 in einem Fest- 
schreiben an die Grosse Loge in Hamburg, 
«inige Jahre später in der Loge Karl und 
Charlotte zur Treue in Offenbach angeregt 
worden, wurde aber erst 1848 seiner Aus- 
führung näher gebracht durch Dr. med. 
Rosalino, Mitglied der Loge Sokrates in 
Frankfurt a. M., der in der Sitzung der 
Eklektischen Grossloge vom 24. Nov. 1848 
beantragte, dass die Grossloge die Aus- 
wanderungsangelegenheit einstweilen in 
die Hand nehme. Die Grossloge beschloss 
auf den Antrag eines dazu eingesetzten 
Ausschusses 8. Jan. 1849, sich vorläufig 
als Mittelpunkt für diese Thätigkeit zu 
erklären und ein Mitglied des Bundes, G. 
Fischer in Darmstadt, der im Begriff stand, 
nach New York abzureisen, mit Einlei- 
tungen zur Gründung eines solchen Vereins 
ift New York, New Orleans und Louisville 
zu beauftragen, auch sämtliche deutsche 
Logen und Grosslogen zum Beitritt, zur 



Beitragszeichnung und sonstigen thatsäch- 
liehen Unterstützung (namentlich an Ein- 
schiffui^orten) aufzufordern. Der vorge- 
nannte Ausschuss konnte auch bereits 
Johannis 1849 die Anmeldung von 19 Logen 
und die Einsendung von Geldbeiträgen an 
zusammen 830 Fl. berichten. Allein im 
Laufe des folgenden Jahres, bis Johannis 
1850, traten nur sechs neue Logen bei, 
und auch der nach Amerika abgesendete 
Beauftragte fand nur sehr vereinzelt 
Anklang seiner Bestrebungen. Nur die 
beiden eklektischen Logen in Hamburg 
errichteten ein Auswanderungskomitee. 
Ungeachtet einer erneuerten Aulforderung 
an die deutschen Logen lehnte man fast 
allerwärts aus verschiednen Gründen den 
Beitritt ab und vermochte die Aus- 
wanderungsfrage, wie dies auch die Grosse 
Landesloge von Sachsen 15. Nov. 1850 
bestimmt erklärte, nicht als eine beson- 
dere Sache der Freimaurerei zu betrachten. 
Der Ausschuss stellte daher 25. Aug. 
1851 seine Wirksamkeit ein. und der vor- 
handne Kassenbestand wurde teils an die 
17 Logen, die bis dahin Beiträge gegeben 
hatten, soweit sie es verlangten, anteilig 
zurückerstattet, teils an die deutschen Ge- 
sellschafben in New York und New Orleans 
verteUt. [Vgl. FZ. 1849, S. 41, 57, 125, 
273.] 

Auswärtige Mitglieder einer Loge — 
im Gegensatz zu den einheimischen, d. h. 
den am Orte der Loge oder doch in dessen 
unmittelbarer Nähe wohnenden — sind 
nach den meisten Logengesetzen in Deutsch- 
land nur zur Zahlung geringerer Beiträge 
als die einheimischen verpflichtet, haben 
aber die Pflicht, binnen eines gewissen Zeit- 
raums (gewöhnlich eines Jahw) wenigstens 
einmal, sowie stets bei Veränderung ihres 
Wohnsitzes oder ihrer persönlichen Ver- 
hältnisse ihren Logen Nachricht zu geben. 
Das längere (gewö^ich mehrjährige) Aus- 
bleiben solcher Nachricht hat die Strei- 
chung (s. d.) ihrer Namen aus der Logen- 
liste zur Folge. — In mehrem deutschen 
Logen besteht die Vorschrift für a. M., 
sich unter den einheimischen ein Mit- 

flied zu wählen, das ihnen über die Ar- 
eiten und Vorfälle in der Loge von Zeit 
zu Zeit Nachricht erteilt. 

Autorität bezeichnet das Ansehen, das 
Menschen unter ihren Mitmenschen ge- 
messen und durch das sie einen be- 
stimmenden und Weg weisenden Einfluss 
auf diese ausüben. Hohes Alter, bei dem 
man Erfahrung und Weisheit, hohe geistige 
Begabung, richtige Erkenntnis und reichen 
Wahrheitsbesitz voraussetzen darf, einfluss- 
reiches, wichtiges Amt und hohe Geburt, 
materielle Macht und Reichtum sind 
geeignet, dem Menschen unter seinen Mit- 
menschen Autorität zu verschaffen und 
Urheber ihres Verhaltens zu werden. Aber 
man kann viel erleben, ohne recht erfahren 
zu werden. Man kann geistig, hoch begabt 
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62 



Avignon — Babylonischer Turm. 



sein und doch in Irrtümer verfallen. Man 
kann ein hohes Amt bekleiden und von 
hoher Geburt sein und persönlich doch 
hinter deren Anforderungen zurückbleiben. 
Man kann Macht und Reichtum besitzen und 
doch wegen deren Anwendung der Ver- 
ehrung und Beachtung, der Rücksichtnahme 
und der Unterordnung seitens seiner Mit- 
menschen sittlich unwert sein. Mit dieser 
Erkenntnis ist in neuem Zeiten der Drang 
nach Freiheit und Selbständigkeit des 
Lebens immer mehr zu einer Nichtachtung 
aller Autorität gelangt. Da jedoch mit 
diesem Drang die Reife, die Selbstzucht und 
die Fähigkeit der Menschen, sich selbst 
innerhalb der menschlichen Gesellschaft zu 
ordnen, nicht auf gleicher Höhe steht, so 
droht diese Autoritätsverachtung der 
menschlichen Gesellschaft sehr geShrlich 
zu werden. Ihr wird durch Wiederher- 
stellung und Beschirmung der Autoritäten 
in der Menschheit ein belangreicher Dienst 
erwiesen, und in diesem Dienste will die 
Freimaurerei mitthätig sein. Nicht zwar 
auf die Worte des Meisters will sie ihre 
Jünger schwören, aber doch dem bewährten 
Wahrheitsforscher und Besitzer die Beach- 
tung als einer Autorität einräumen lassen. 
Ni<£t von der leeren Summe der Lebens- 
jahre lässt sie sich beeinflussen; aber die 
lErfahrung und Weisheit, die das Alter 
gesammelt und sich angeeignet haben soll 
und kann, ist ihr ein Besitztum der Mensch- 
heit, dem Achtung und Verehrung gebührt. 
Nicht vom gleissenden Schein vornehmer 
Geburt, hohen Standes und Amtes lässt 
sie sich blenden; aber ihr Träger gilt ihr 
als einer, der mit der Darstellung und 
Ausübung einer notwendigen und heil- 
samen sittlichen Ordnung betraut ist, und 
alle Achtung und Unterordnung, die sie 
dieser Person widmet, ist im Grunde dieser 
sittlichen Ordnung erwiesen. Alle ge- 
nannten menschlichen Ausstattungen, wie 
auch Schönheit, Macht und Reichtum, sind 
in ihren Augen, weit entfernt, ein Freibrief 
zu sittlicher Willkür zu sein, vielmehr 
hohe, ernste Verpflichtungen, und in die- 
sem Sinne erkennt sie aucn auf ihrem 
eignen Gebiete, in ihrer Wissenschaft und 
in ihrer Organisation, willig die Bedeutung 
der Autorität an. Die Verehrung und 
Beachtung, die sie dem alten, erfahrnen 



Maurer zollen lehrt, ermöglicht den heil- 
samen Einfluss, der von der Autorität aus- 
geht, und die Ehrerbietung und der Ge- 
horsam, zu dem sie gegen ihre Beamten 
anleitet, gilt der in Wwirheit und Recht 
gegründeten Autorität des Gesetzes. [Vgl. 
L. 1884, S. 169; 1889, S. 17, 25, 84; 1897, 
S. 49. Z. 1893, S. 9. Mitteilungen aus 
dem Verein deutscher Freimaurer 1884/85, 
S. 42.] 

AYigiion (Hauptst. des franz. Depart. 
Vaucluse,[1891]43453E.). In derGeschichte 
der französischen Maurerei spielt A. eine 
nicht unwichtige Rolle, indem es von 1740 
bis zur französischen Revolution der be^ 
ständige Sitz alchemistischer, theoso- 
phischer und kabbalistischer geheimer 
Verbindungen war, die sich maurerischer 
Formen bedienten. Eine scharfe Verfol- 
gung traf diese 22. Juli 1757 durch ein 
Mandat des Erzbischofs von A., Jos. de 
Guyon de Crochans, wider die Freimaurer 
[abgedr. in: Les vrais jugements sur la 
soci^t^ des Francma9ons (Brüssel 1752), 
S. 116 fg., und Thory, Annales, S. 311 fgj, 
und 3. Febr. 1775, wo der Inquisitor P. 
Mabille, selbst Freimaurer, mit gewaffneter 
Hand die Mfere-Loge du comtat das. über- 
fiel, die sich infolge dessen auflöste. [Eloss, 
Geschichte der Freimaurer in Frankreich, 
I, 207, 231.] — Zu den vorstehend ge- 
dachten Vereinen gehörten auch die sog. 
Illumin^s d'Avignon, ein von dem 
polnischen Starosten Hrabianka (s. d.) das. 
1785 eingeführtes System. 

Axen, Otto von, Kaufmann und Ober- 
alter, geb. 26. Juni 1757 in Hamburg, gest. 
das. 7. Dez. 1831, wurde 2. Sept. 1784 in 
die Loge Absalom das. aufgenommen, war 
1792—1804 Meister vom Stuhl dieser Loee, 
1816 — 1824 zugeordneter Grossmeister der 
Grossen Loge von Hamburg und n^achte 
sich um den Bau des Logenhauses und 
die Einrichtung des Freimaurerkranken- 
hauses sehr verdient, zu dessen Errichtung 
er den Vorschlag machte und über das er 
den »Ersten Rechenschaftsbericht und die 
Verhaltungsregeln für die Ärzte und 
Beamten« (Hmbg. 1796) herausgab. [Vgl. 
Brandt, Geschichte des Alten Logenhauses 
(Hmbg. 1891) S. 37.] 
Azur, s. Blau. 



B. 



Babylonischer Torm. Die im Mittel- 
alter allgemein verbreitete Nachricht, dass 
Nimrod der Urheber des Turmbaus ge- 
wesen, hat der Verfasser der Geschichte 
der Maurerei im Cooke MS. (vgl. Eng- 
land I) benutzt und erzählt, Nimrod habe 
den Turm von Babylon begonnen und 



seine Werkleute die Kunst der Maurerei 
gelehrt, ihnen auch Pflichten gegeben. 
Aus dieser Fassung sind die spätem durch 
verschiedne Umarbeitungen hervorge- 
gangen und haben daher die gleiche Nach- 
richt weiter vererbt, so dass unter den 
Werkmaurem die Überlieferung entstand. 



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Bachoff V. Echt — Baden. 



63 



die Erkennun^zeichen seien zuerst beim 
Turm von Babylon gegeben worden. So 
heisst es im Sloane MS. im zweiten Frage- 
stück: »Wo wTirde das Wort zuerst ge- 
geben?€ »Beim Turm von Babylon». Im 
»Grand Mystery Discovered« (1724 und 
1725) steht, die Maurer hätten »beim Bau 
des Turms zu Babel und beim Tempel zu 
Jerusalem« ihre Anweisungen erhalten. 
In Prichards »Masonry Dissected« (zuerst 
1730) sagt das Vorwort, »beim Bau des 
Turms zu Babel« sei die Kunst der Mau- 
rerei zuerst eingeführt worden. Selbstver- 
ständlich hat auch Anderson (s. d.) seine Ge- 
schichte mit diesem Zuge der Zunftsage 
ausgeschmückt. 

Baehoff t. Eeht (Freiherren). 1) J o h a n n 
August, geb. 21. Dez. 1717 in Gotha, gest. 
12. Juli 1794 in Schlettwein, widmete sich 
anfangs der Forst- und Jagdwissenschaft, 
wurde preuss. Kammerherr und Prälat des 
Domkapitels zu Kamin, legte diese Stelle 
^äter nieder und bezog 1766 sein Gut 
Heukendorf bei Altenburg, ein Jahr später 
aber das ihm gleichfalls gehörige Gut 
Schlettwein bei Pössneck, und 

2) Ludwig Heinrich, geb. 16. März 
1726, gest. 16. Mai 1792 in Dobitschen, 
widmete sich dem Studium der Philoso- 
phie und Jurisprudenz, lebte in innigem 
Verkehr mit Geliert, ging in dänische 
Staatsdienste, wurde Gesandter am Ma- 
drider Hofe, kam hierauf in gleicher Eigen- 
schaft nach Begensburg und dann nach 
Dresden. 1779 zog er sich von allen Ämtern 
auf sein Eittergut Dobitschen bei Alten- 
burg zurück. — Beide entstammten einer 
alten adligen Familie, die wegen ihres 
protestantischen Glaubens ihr Vaterland 
verlassen und anderwärts ein Unterkommen 
suchen musste, erblickten auf ihren Beisen 
— wo ist nnbekannt — das Licht der 
Maurerei; 14. Okt. 1741 wurden sie nebst 
ihrem Schwager, Albert Anton v. Rüx- 
leben (s. d.) in der Loge Aux trois compas 
Hetzt Minerva zu den drei Palmen) in 
Leipzig, nachdem sie »als in einer ge- 
rechten und vollkommnen Loge zu Lehr- 
lingen und Gesellen aufgenommen aner- 
kamit worden waren«, in den Meistergrad 
befördert. In Gemeinschaft mit ihrem ge- 
nannten Schwager gründeten sie 31. Jan. 
1742 die Loge Archimedes zu den drei 
Beissbrettem in Altenburg. Ein tiefes 
religiöses G^emüt zeichnete die Brüder 
B. V. E. aus; der Maurerei waren sie von 
ganzem Herzen zugethan und haben sich 
um diese ein grosses Verdienst durch 
Gründung einer der ältesten deutschen 
Logen erworben. Ludwig Heinrich B. v. E. 
ist auch als geistlicher Liederdichter be- 
kannt; von ihm erschien u. a. Versuch in 
geistlichen Oden und Liedern (Altb^. 1774). 
Eine Anzahl dieser Lieder ist in ver- 
schiedne evangelische Gesangbücher über- 

fegangen. Auch als Dichter maurerischer 
«ieder ist er bekannt; einige dieser ent- 



hält das Gesangbuch der Altenburger Loge. 
[Vgl. A. Z. 1842, S. 31 fg. Dietrich, Aus ver* 
gangenen Tagen (Altbg. 1889), S. 5—10.] 

Back, Karl, Geheimer Begierungsrat 
und Direktor der Generalkommission für 
Ablösungen in Altenburg, geb. 23. Febr. 
1799 in Eisenberg, gest. 6. Jan. 1869 in 
Altenburg, wurde in den Freimaurerbund 
in der Loge Archimedes zu den drei Beiss- 
brettem in Altenburg 17. Juli 1823 auf- 
genommen und bekleidete 1838—44 das 
Amt eines Meisters vom Stuhl dieser Loge. 
Wie sonst vielfach durch gemeinnützige 
Thätigkeit in zahlreichen Vereinen und 
in populären Schriften für gewerbliche, 
landwirtschaftliche, naturwissenschaftliche 
und sonstige Kulturzwecke, sowie für vater- 
ländische Altertumskunde ausgezeichnet, 
auch Verfasser zahlreicher Aufsätze, Ge- 
dichte, Rezensionen u. s. w. in verschiednen 
Zeitschriften, hat er auch auf freimaure- 
rischem Gebiet eine sehr grosse Anzahl 
kleinerer prosaischer und poetischer Vor- 
träge teils einzeln, teils in verschiednen 
periodischen Schriften veröffentlicht und 
sich um die Loge zu Altenburg, wie um 
die Sache der Freimaurerei durch Wort, 
Schrift und That verdient gemacht. FVgl. 
Dietrich, Deutsches Logenleben (Altbg. 
1890), S. 189—208. Bh. 1869, S. 28.] 

Baeon, Francis, geb. 22. Jan. 1561, 
gest. 9. April 1626, Baron von Verulam 
und Viscount Saint -Alban, berühmt als 
Staatsmann und Philosoph, hat ausser 
wissenschaftlich bedeutenden Werken auch 
einen Staatsroman geschrieben, die »Nova 
Atlantis«, eine der sog. Utopien des 17. 
Jahrh. Wiederholt ist der Versuch ge- 
macht worden, die Freimaurerei zu jener 
Schrift in Beziehung zu setzen. R. Waiden 
gab zu diesem Zweck eine deutsche Über- 
setzung heraus: »Neu- Atlantis von Franz 
Bacon v. Verulam« (Brl. 1890) und suchte 
in der Abhandlung »Die Freimaurerei und 
die Nova Atlantis Bacons v. Verulam« 
[Beiträge zur Vorgeschichte der Freimau- 
rerei, 3. Heft (Brl. 1890J] einen Zusammen- 
hang nachzuweisen. Der Versuch ist als 
misäungen zu betrachten. [Vgl. R. 1895, 
S. 21 fg.] 

Baden (Grossherzogtum). I. (Ge- 
schichte.) Zu Anfang des 19. Jahr- 
hunderts bestanden in B. zwei selbständige 
maurerische Oberbehörden: der Gross- 
orient von B. mit dem Sitz in Mann- 
heim und der Grosse Landeslogen- 
verein vonB. mit wechselndem Sitz in 
Karlsruhe, Freiburg und Heidelberg. Der 
Grossorient von B. trat 27. Dez. 1806 ins 
Leben, indem das Kapitel der Loge St. Karl 
zur Einigkeit (Eintracht) in Mannheim sich 
aus eigner Machtvollkommenheit zu dieser 
maurerischen Oberbehörde erUärte. Ein 
Jahr später, Ende Dez. 1807, bildete sich 
der Grossorient von B. zu einer eignen 
unabhängigen Werkstätte aus, d. h. zu 
einer Vereinigung zahlreicher Vertreter 
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64 



Baden. 



der einzelnen Logen. Das frühere Kapitel 
der Loge St. Karl zur Eintracht wurde in- 
folgedessen in alter Form wieder herge- 
steUt. Eine feste endgültige Organisation 
erhielt der Grossorient von B. erst 28. Juni 
1812, indem an diesem Ti^e die durch 
den Oberhofgerichtsrat Wühelm Gaurn 
entwor&en Statuten in Ejrafb traten. 
[Über die innere Einrichtung dieser mau- 
rerischen Oberbehörde vgl. Schwarz, Ge- 
schichte der Loge Karl zur Eintracht in 
Mannheim (1896), S. 66 fg. FZ. 1865, S. 66.] 
Grossmeister war der 4. Juli 1807 gewählte 
Badische Oberst der Kavallerie Karl August 
Fürst V. Isenburg(s. d.). Vorher hatte die Ge- 
schäfte Henry Ricard geführt, über dessen 
Persönlichkeit bis jetzt nichts bekannt ge- 
worden ist. Dem Grossorient von B. unter- 
standen folgende Logen: 1) St. Karl zur 
Eintracht in Man^eim (s. d.); 2) Karl 
zurgutenHo f f n u n g in Heidelberg (s. d.), 
gegr. 9. Febr. 1807 [mese schloss sich je- 
doch im Sommer dess. J. der Eegensburger 
Loge Zu den drei Schlüsseln an]; 8) Zum 
Tempel des vaterländischen Wohles 
in Bruchsal (s. d.), ^egr. 24. Dez. 1808; 

4) Karl zur Treue in Karlsruhe (s. d.), 
gegr. 24. Dez. 1808 [sie vereinigte sich 
21. Jan. 1809 mit der alten eklektischen, 
seit 26. Nov. 1808 wieder zum Leben er- 
wachten Loge Karl zur Einigkeit das.]; 

5) Karl und Stephanie zur Har- 
monie in Mannheim (s. d.), gegr. 17. März 
1809; 6) Zu den drei Bingen in Mann- 
heim (s. d.), gegr. 10. März 1810; 7) Karl 
zurTreuein Karlsruhe (s. d.), wieder neu 
errichtet 14. Nov. 1811. Der Grossorient 
von B. war verbrüdert mit den Gross- 
orienten von Frankreich, Westfalen, Italien 
und dem Grossen Landeslogenverein von B. 
(s. unten). Er versagte die Erteilung einer 
Stiftungsurkunde den beiden Logen Napo- 
leon und Alexander zum Tempel des 
Friedens in Wörth (s. d.) bei Aschaffen- 
burg (unter dem Namen Napoleon und 
Luise zur glücklichen Vereinigung nach 
Miltenberg verlegt) und Napoleon und 
Alexander zum Tempel des Friedens 
in Klingenberg (s. d. — seit 26. Okt. 1810 
Napoleon zur Hoffnung des ewigen Frie- 
dens genannt). Der Grosse Landes- 
logenverein von B. als zweite maure- 
rische Oberbehörde wurde in Karlsruhe in 
den Ta^en vom 21.— 28. Mai 1809 von 
den badischen Logen strikter und eklek- 
tischer Observanz gegründet. AUe drei 
Jahre sollte das Direktorium unter den 
Logen des Bundes wechseln. Grossmeister 
war der Badische Geheimrat Karl Fried- 
rich Schilling v. Cannstadt. Der Verein 
umfasste die Logen: 1) Karl zur Einig- 
keit in Karlsruhe (s. d. — gegr. 18. Mai 
1785, eingesetzt am 18. Juli 1785 von der 
damals ruhenden Loge St. Charles de 
rUnion in Mannheim, wieder errichtet 
26. Nov. 1808) gehörte dem eklektischen 
System der Provinzialloge zur Einigkeit 



in Frankfurt a. M. an; 2) Zur edlen Aus- 
sicht in Freiburg i. B. (s. d. — S^* 
22. Juni 1784 von der nieder(^sterreichi- 
schen Provinzialloge) arbeitete nach dem 
System der Wiener Provinzialloge; 8) Karl 
zur guten Hoffnung in Mannheim (s. d. 
— gegr. im französischen Ritus vom Gross- 
orient von B. 9. Febr. 1807) gehörte seit 
Sommer 1807 der schwedisch-strikten Obser- 
vanz und seit Frühjahr 1809 dem eklekti- 
schen Bunde an. Die beiden genannten 
maurerischen Oberbehörden des Landes er- 
kannten sich als höhere maurerische Be- 
hörden gegenseitig an und gestanden sich alle 
Rechte zu, die Grosslogen ^ikommen. Ausser 
den bisher genannten Logen waren um 
diese Zeit im Grossherzogtum noch zwei 
Logen in Heidelberg (s. d.) thätig, näm- 
lich Karl zur deutschen Biederkeit 
(^gr. von der Provinzialloge des Eklekti- 
üschen Bundes 19. Juni lb09) und Karl 
zur geprüften Treue (gegr. von der 
Grossen Provinzial-Mutterloge der königL 
bayrischen Provinzen in Franken Anar- 
charsis zum erhabenen Zwecke 28. 
Okt. 1811). Grossherzog Karl verordnete 
durch Reskript vom 16. Febr. 1818 die Auf- 
lösung aller Logen im Lande. Die Logen Karl 
zur Eintracht in Mannheim und Karl zur 
Einigkeit in Karlsruhe schlössen 27. Febr. 
1818 ihre Tempel. Am 3. März 1818 löste 
sich die Loge Zur edlen Aussicht in Frei- 
burg, 5. März die Loffe Zur guten Hoff- 
nung in Heidelberg und 20. März die Loge 
Karl zur Biederkeit daselbst auf. Während 
der Regierungszeit Grossherzogs Ludwig 
(1818—1880) konnte eine Wiederbelebung 
des Logenlebens nicht ins Werk gesetzt 
werden, da er ein Gegner freier Geistes- 
richtung und freier Bewegungen auf bür- 
ferlichem und religiösem Gebiete war. 
>urch Verordnung vom 27. Dez. 1824 
brachte er das Reskript seines Vorgängers 
in Erinnerung.* Als hellere Tage im Gross- 
herzogtum unter der Regierung seines 
Nachfolgers, des Grossherzogs Leopold 
(1880—1852) anbrachen, erwachte auch der 
Gedanke der Wiederbelebung der Logen. 
Die kräftige Beeinflussung des Willens 
der badischen Regierung durch den Staats- 
rat und Regierungspräsidenten des Fürsten- 
tums Birkenfeld, Lorenz Hannibal v. Fischer 
(s. d.), femer die unermüdliche Thätigkeit 
des Advokaten Franz Anton Ejräuter, der 
sich an die Spitze der Bewegung zur 
Wiederaufrichtung der Freimaurerlogen in 
B. stellte, sowie der schöne Verlauf des 
von der Grossh. Regierung gestatteten 
maurerischen Einweihungsfestes der Erwin- 
bildsäule in Steinbach (s. Erwin) führten 
19. Febr. 1847 die Aufhebung der Ver- 
ordnung vom 16. Febr. 1818 herbei. In- 
zwischen hatte die Loge Karl zur Ein- 
tracht unter Mitwissen der staatlichen 
Behörde 19. Aug. 1845 ihre Arbeiten er- 
öfihet. Von 18&— 1870 entstanden in B. 
sieben Logen, nämlich 1) Karl zur Ein- 

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Baden — Baffometus. 



66 



tracht in Mannheim (1845); 2) Leopold 
zur Treue in Karlsruhe (1847J; 3) Zur 
edlen Aussicht in Freiburg (1847); 4) Rup- 
recht zu den fünf Kosen in Heiaeiberg 
(1856); 5) Beuchlin in Pforzheim (1864); 
6) Constantia zur Zuversicht in Konstanz 
(1865) und 7) Allvater zum freien Gedanken 
in Lahr (1868). Die Militärloge Wilhelm 
zum Schwarzwald in Rastatt, gegr. 1860 
von der Grossen National-Mutterloge Zu 
den drei Weltkugeln, ging 1866 wieder 
ein. Seit 1870 sind hinzugekommen: 
1) Badenia zum Fortschritt in Baden- 
Baden (1871); 2) Wilhelm zur Dankbarkeit 
in Mannheim (1897), 3) Friedrich zur 
Treue in Freiburg (1897); 4) Zur Wahrheit 
und Treue in Heidelberg (1897). 1861 
beschlossen die badischen Logen, gegen- 
seitig ihren Stuhlmeistern die Ehrenmit- 
fliedschaft zu erteilen. Im Sept. 1864 regte 
*rof. Bluntschli (s. d.) die Gründung eines 
badischen Logenbunds mit wechselndem 
Sitz an, der jedoch nicht zu Stande kam. 
Von allgemeinem Interesse ist das von 
BluntochU im Auftrag der Loge Rupprecht 
zu den ftinf Rosen verfasste Rundschreiben 
als Antwort auf die Encyklica Pius IX. 
vom 8. Dez. 1864. 11. (Statistik.} In 
B. bestehen gegenwärtig 11 Logen, davon 
8 unter der Grossloge zur Sonne (in Baden, 
Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, 
Lahr, Mannheim und Pforzheim) und je 
1 unter der Grossen National-Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln (in Freiburc), der 
Grossen Landesloge in Berlin (in Mann- 
heim) und der Grossen Mutterloge des 
Eklektischen Bundes (in Heidelberg). 

Baden (Fürstenhaus). Aus ouesem 
Fürstenhaus sind drei Mitglieder Frei- 
maurer gewesen: 1) ^in Prinz August 
von B. hat nach v. Hunds Angabe bei 
dessen Auftiahme in Frankfurt a. M. am 
18. Okt. 1741 als Aufseher fungiert. Dies 
dürfte der G^neralfeldmarschall Karl 
August Johann Reinhard Prinz von B. 
gewesen sein, der als ältester Sohn des 
Prinzen Christoph 14. Nov. 1712 geboren 
wurde. 

2) Karl Friedrich, seit 1771 Mark- 
gral seit 1806 Grossherzog von B., geb. 
22. Nov. 1728 in Karlsruhe, gest. 10. Juni 
1811. wurde in London in den Freimaurer- 
buna aufgenommen. Obschon seit 1808 
nicht mehr beteiligt, zeigte er doch In- 
teresse an der Maurerei in seinem Lande 
und liess ihr seinen Schutz angedeihen. 

3) Ludwig Wilhelm August, Prinz 
von B.^ Enkel des Vorigen und Bruder 
des regierenden Grossherzogs, geb. 18. Dez. 
1829. gest. 27. April 3897 in Karlsruhe, 
wurde 25. März 1856 in der Loge 
Urania zur Unsterblichkeit in Berlin auf- 

§enommen und war 1859 — 64 Grossmeister 
er Grossen Loge Royid York, worauf er 
zum Ehrengrossmeister ernannt wurde. 
Als 1859 die ultramontane Partei in Baden 
eifrigst den Abschluss eines Konkordats 

AUgemeines Handbaoh der Freimaarerei. 



mit Rom betrieb, das, wäre es zur Aus- 
führung gelangt, die freisinnige Entwick- 
lung im Lande vielleicht auf lanee Jahre 
zum Stillstand gebracht und vor a&em den 
Logen, wie im J. 1813, den Lebensfaden 
abgeschnitten hätte, beschloss die Loge in 
Freibur^, die drei badischen Logen in 
Mannheim, Karlsruhe und Heidelberg zu 
einer Besprechung nach Karlsruhe einzu- 
laden, die eine Denkschrift an den Prinzen 
W. zu richten habe, damit er sich für den 
Bund mit Kopf und Herz verwende. Die 
Sitzung in Karlsruhe wurde am 27. Dez. 
1859 gehalten. Gegen Abend empfing Prinz 
W. die Abgeordneten und beriet mit ihnen 
über eine Stunde. Am 11. Febr. 1860 
wurde aus diesem Anlass dem Prinz W. 
die Ehrenmitgliedschaft sämtlicher badi- 
schen Logen erteilt und am gleichen Tage 
zur Feier dieses Ereignisses in Karlsruhe 
eine Festloge gehalten. Die Krisis nahm 
einen glücMichen Ausgang im Sinne des 
Bundes, und es ist anzuerkennen, » dass Prinz 
W.'s auf maurerischen Antrieb unternom- 
mener, bedeutungsvoller Gang zu den 
Stufen des Throns die grösste Maurerthat 
war, die seit der Aufhebung der Leibeigen- 
schaft durch seinen unvergesslichen Gross- 
vater, Karl Friedrich, gethan wurde.« 

Baden (St. und Badeort im Grossherzogt. 
Baden, 14862 E.). 1) Im Herbst 1867 wurde 
hier ein Kränzchen gegründet, das am 
8. Dez. 1867 eingeweiht wurde. 2) Aus 
ihm entstand die Loge Badenia zum 
Fortschritt unter der Grossloge Zur 
Sonne, gegr. 15. Nov. 1871, eingew. 26. 
Nov. 1871. Mitgliederzahl (1899): 59. Vers, 
den 2. Dienstag im Monat. Ferien: Juli 
bis September. Lokal: Restauration Zum 
Krokodil, Mühlengasse 4, seit 4. Okt. 1888. 
Hausgesetze vom 14. Jan. 1884. Milde 
Stiftimg: Sterbe- und Unfallkasse mit 
8450 M. Kapital. 

BaffoinetiiiB, auch Baphometus, ist der 
Name des Idols, dessen Anbetung den 
Tempelherren vorgeworfen wurde. Munter 
in seiner Abhandlung über die den Tempel- 
herren gemachten Beschuldigungen [Maga- 
zin für Religionsphilosophie, H, 351—475, 
oder Neues Magazin, V, 351 — 4751 sieht 
darin nur ein Reliquienbehältnis. Hammer 
in seiner Abhandlung: Mysterium Bapho- 
meti revelatum [Fundgruben des Orients 
Bd. IV, Heft 1] und in: Schuld der Templer 
(Wien 1855) das Symbol der Verehrung 
der Naturkräfte, namentlich der Zeugungs- 
kraft, eines Kultus, dem die Templer vor- 
züglich zugethan gewesen wären. Der 
Name B. ist verstünmielt aus Mohammed, 
und das Idol selbst, für gewöhnlich ohne 
Eigennamen, wird nur in einigen Zeugen- 
aussagen Bsiffomet genannt. Es war ein 
Werlueug und Gegenstand des astrologi- 
schen Aberglaubens. Am übersichtlichsten 
wird die Sache besprochen in F. Wilckes 
Geschichte des Ordens der Tempelherren 
(2. Aufl., Halle 1860), H, 127—85, 265--74. 
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«6 



Bahamainseln — Bahrdt. 



422 — 80, woselbst auch die ganze Litteratur 
zusammengestellt und beurteilt ist. 

Ba]iamaiiii»ela (LukaTlsche Inseln, brit- 
westind. Insdgruppe). Schon 1752 und 
1759 ernannte die englische Grossloge der 
Modems Provinzial-Grossmeister für die B. 
Die ersten Logen wurden aber erst 1785 und 
1787, und zwar von der englischen Gross- 
loge der Ancients hier gestiftet. 1803, 
1^ und 1856 grOndete die Grossloge von 
Schottland 8 Logen auf den Turksinseln, 
New Providence und Inagua und richtete 
für sie eine Provinzial-Grossloge ein. 1837, 
1855 und 1869 rief endlich auch die Gross- 
loge von England 8 Logen in New Provi- 
dence, Gross-Turk und Harbour ins Leben, 
errichtete fOr sie auch 1843 eine jetzt 
wieder eingezogne Provinzial-Grossloge. 
Jetzt bestehen hier vier Logen, nämlich 
die letztgenannten drei englischen und die 
schottische in New Providence. 

BahnBon, Franz Wilhelm Viborg, 

feb. 22. April 1826 in Sonderburg (Alsen), 
eteiligte sich als stud. theol. 1848—50 an 
dem Kampf der Schleswig- Holsteiner 
mit den Dänen, wurde als Leutnant 25. Juli 
1850 bei Idstedt schwer verwundet und 
im Herbst 1851 als Invalide entlassen. 
Damach studierte er Mathematik und 
Physik, wurde Lehrer, später Professor am 
Realgymnasium des Johanneums in Ham- 
burg und Ostem 1895 in den Buhestand 
versetzt. — Am 4. April 1855 wurde er in 
die Loge Zur Brudertreue an der Elbe in 
Hamburg aufgenommen, später Bedner, 
abgeordneter und stellvertretender Meister 
und ist seit 1885 Meister vom Stuhl. Er 
schrieb »Instruktions-Vorträge über den 
Eklektischen Katechismus« in drei Teilen 
(Hmbg. 1895—97). 

Bahrdt, Karl Friedrich, der ver- 
schrieene Aufklärer und theologische 
Abenteurer des vorigen Jahrhunderts, geb. 
25. Aug. 1741 in Bischofswerda, gest. 28. 
April 1792 in Halle, ist in der Geschichte 
der Freimaurerei bedeutsam durch ein erst 
gegen das Ende seines Lebens von ihm 
ausgegangnes grosses, aber freilich erfolg- 
loses Keformprojekt. Schon im 20. Jahre 
trat er als akademischer Lehrer auf. Er 
wurde 1762 Prediger, dann Substitut in 
Leipzig an der Peterskirche, 1767 ausser- 
ordentlicher Professor der geistlichen 
Philologie, 1 768 Baccalaureus der Theologie ; 
allein schon in demselben Jahre verlor er 
infolge unsittlichen Lebenswandels sein 
Amt. Er ging nach Halle, von wo aus 
ihm eine Professur der biblischen Alter- 
tümer, freilich ohne Gehalt, in Erfurt ver- 
mittelt ward. Hier wurde er in eine Unter- 
suchung verwickelt, schrieb zu seiner Ver- 
teidigung »Versuch eines Systems der 
biblischen Dogmatik« und verschaffte sich 
von Erlangen die theologische Doktor- 
würde. Die Untersuchung hatte nur eine 
Ermahnung zu grösserer Behutsamkeit zur 
Folge. Um 1770 entwarf er einen ausgedehn- 



ten Plan, der in einiger Beziehung Ähnlich- 
keit mit seinem spätem freimaurerischen 
Projekt hatte: den einer Verbindung der 
Theologen zur Revision des theologischen 
Systems. Allein es kam über die blossen 
Anregungen nicht hinaus. Er ging nun 
nach Giessen, wurde auch hier angegriffen 
und aus einer peinlichen Lage durch einen 
Ruf gerettet, den er 1775 an das von 
V. Salis ins Leben gerufene Philanthropin 
in Marschlins in Graubünden erhielt. 
Allein bald zeigte sich, dass die beider- 
seitigen Erwartungen getäuscht waren. B. 
entwarf hier einen philanthropischen Er- 
ziehungsplan (1776), den er in grossem 
Massstabe in Deutschland zu verwirklichen 
trachtete, und war bald so glücklich, an 
die Verwirklichung dieses Plans gehen zu 
können, indem er 1776 in der Pfalz als 
Superintendent der gräflich Leiningen- 
Dachsburgischen Lande nach Dürkheim 
a. d. Haardt berufen wurde. Hier errich- 
tete er 1777 in einem benachbarten Schlosse 
zu Heidesheim eine Erziehungsanstalt. 
Sie kam aber bald in Verfall. Eine 
Reise nach Holland und England, die er 
fast ganz ohne Sprachkenntnisse unternahm, 
führte ihm wieder eine Anzahl neuer 
Jünglinge zu. Auf dieser Reise trat er 
auch 1777 dem Freimaurerbunde bei. 
Bald nach der Rückkehr traf ihn das 
Missgeschick, dass^ er vom Reichshofrat 
1779 aller seiner Ämter entsetzt wurde. 
Er verliess heimlich das Philanthropin, das 
er bis dahin unter dem Schutz seines 
Fürsten noch aufrecht erhalten hatte, und 
flüchtete nach Halle. Hier widmete er 
sich anfangs bloss schriftstellerischer, bald 
aber und mit grösserm Beifall auch 
akademischer Thätigkeit, indem er als 
Privatdozent Vorlesungen hielt und in der 
Anleitung zur Deklamation und Beredsam- 
keit sehr geschätzt wurde. B. hatte, als 
er aus Dürkheim flüchten musste, seine 
Heterodoxie in ein kurzes Glaubensbe- 
kenntnis zusammengefasst, worin er, wie 
G. Frank in der AUg. Deutschen Biographie 
sagt, die christliche Religion bis auf die 
Knochen abschälte und nichts als ein 
blosses Gerippe vom kahlen Deismus mit 
moralischen Bettlerlappen behängt übrig 
liess. Nach der 1788 erschienenen Schrift 
»Ausführung des Plans und Zweckes Jesu« 
ist Jesus der Stifter einer geheimen Or- 
densgesellschaft mit drei Graden, welche 
die vernünftige Religion im Stillen ver- 
wahren und sie gegen Aberglauben und 
Priesterbetrug schützen sollte, wie denn 
auch schon Moses mittels einer Art von 
Freimaurerei die Israeliten vom Joche der 
Ägypter befreit habe. Die Ordensbrüder 
hätten Jesu bei den wunderbar scheinen- 
den Handlungen beigestanden und sich 
besonders zur Zeit seines Leidens und 
Sterbens als stärkende Engel und als 
Engel in weissen Kleidern thätig erwiesen. 
Nach der scheinbaren Himmelfahrt habe 



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Baldaehin — Band. 



«7 



Jesus fortgelebt als unbekannter Oberer 
einer Mutterloge, in die noch Paulus auf- 
genommen worden sei. — Erschöpft von 
zu anstrengender Thätigkeit beschloss er 
zur Yer&nderung seiner Lebensweise eine 
Bestauration auf einem Weinberge bei 
Halle anzulegen. Hier hatte B. nach der 
Crermar^Ecksteinschen Geschichte der Hal- 
lischen Logen auf seinem Weinberg eine 
Winkelloge errichtet, fttr die er angeblich 
von der eklektischen Loge in Wetzlar 
einen Stiftungsbrief erhalten hatte. Die 
Loge Zu den drei Degen in Halle berich- 
tete deshalb 1787 an ihre Mutterloge in 
Berlin, und diese wendete sich beschwerde- 
führend an das Oberkuratorium der Uni- 
versitäten. Dessen Einwirkung scheint 
aber nichts genützt zu haben, da die Degen- 
loge 1788 nach Berlin berichtete, B. treibe 
sein Wesen nunmehr beinahe öffentlich 
und halte regelmässig alle Monate ein 

f »aarmal Loge. Inzwischen war B. immer 
itterarisch thätig gewesen. Sein Hang 
zur Projektmacherei führte ihn auch 
zur Begründung der von ihm sogenann- 
ten Deutschen Union (s. d.), einer im 
allgemeinen auf Verbreitung der Auf- 
klärung gerichteten Verbindung, die B. 
mit xlem Freimaurerbunde in Zusammen- 
hang setzen wollte. Wegen dieser beab- 
sichtigten geheimen Veroindung sowohl, 
als wegen eines Lustspiels: »Das Keligions- 
ediktc (auf das unter dem Ministerium 
Wöllner in Preussen 9. Juli 1788 erlassene 
Beligionsedikt bezüglich) geriet er 1789 in 
Untersuchung und dreissigwöchentliche 
Gefangenschaft in Halle. Während dieser 
schrieb er eine seiner besten Schriften: 
»Die Moral für den Bürgere. Ein Urteil 
der Kriminaldeputation des Kammer- 
gerichts zu Berlin sprach ihn zwar wegen 
seiner Teilnahme an der Leitung der 
Deutschen Union ificei, verurteilte ilm aber 
wegen Beteiligung an der Abfassung jenes 
Lustspiels zu zweijährigem Festungsarrest 
in Magdeburg, welche Strafe im Gnaden- 
weg auf die Hälfte herabgesetzt wurde. 
In diesem Arrest schrieb er die Geschichte 
seines Lebens. Zurückgekehrt setzte er 
«eine frühere Lebensweise auf dem Wein- 
berg bei Halle fort, bis ihn der Tod end- 
lich ereUte. Infolge eines Streits mit 
dem Leibarzt Zimmermann in Hannover, 
in den sich Kotzebue mit seinem Pas- 
quile »Dr. Bahrdt mit der eisernen Stirn« 
mischte, hat er 1790 den heute noch ge- 
läufigen Beinamen »B. mit der eisernen 
^tim« erhalten. — B.'s freimaurerische 
Schriften beziehen sich fast sämtlich auf 
die Deutsche Union; auch schrieb er noch 
1790 eine Beleuchtung des Apologismos 
des bekannten Dr. Starck (s. d.). Die zahl- 
reiche Litteratur über B. hat G. Frank in 
Kaumers Hist. Taschenbuch von 1866 
aufgeführt. [Vgl. AUg. Deutsche Biogra- 
phie; L. XXI, 30 fg. Bbl. I89d, S. 249.] 
Baldachin. Ein B. überdeckt in ein- 



zelnen Logen den Sitz des Meisters 
vom Stuhl oder auch die ganze Loge als 
Sinnbild des Himmels und zum Zeichen 
der Allgemeinheit der Freimaurerei. In 
Prichards »Zergliederter Freimaurerei c 
lautet auf die Frage: Was für Bedeckung 
habt ihr zu der Loge? die Antwort: Einen 
gewölbten Himmd von unterschiednen 
Farben oder die Wolken. Kjrause, »Drei 
Kunsturkundenc, Bd. I, Abth. 1, S. 217, 
bemerkt hierüber: »Der Sinn dieses schö- 
nen Lehrzeichens ist nicht zu verfehlen. 
Man bedenke, dass Loge ursprünglich kein 
verschlossenes Gebäude anzeigt; man be- 
denke femer, dass die Loge allgemein sein 
und bis zum Himmel reichen soll: so ver- 
nehmen wir in diesem Büd die Lehre, 
dass überall unter dem Himmel, in jedem 
Klima und zu allen Jahreszeiten Frei- 
maurerei von der Brüderschaft geübt zu 
werden bestimmt sei.« [Vgl. Hohlfeldt, 
Maurerischer Nachlass (Dresd. 1851), S. 193. 
FZ. 1868, S. 2991 

Ballemstedt (St. im Herzogt. Anhalt, 
5197 £.). Hier bestand ein maurerischer 
Verein unter der Loge in Bemburg, der seit 
1870 eingegangen ist. Jetzt hat sich 
wieder eine zwanglose Vereinigung gebildet. 
Mitgliederzahl (1899): 35. 

Ballotage, s. Kugelung. 

Balsamo, Giuseppe, s. Cagliostro. 

Baltimore (St. im nordamerik. Staat 
Maiyland, [1890] 434439 £.). Hier bestehen 
zwei deutsche Logen unter der einheim. 
Grossloge: 1) Germania Nr. 160, gegr. 
16. Jan. 1872. Vers, den 2. und 4. Freiteg 
im Maurertempel. 2) Sincerity Nr. 181, 
gegr. 1. April 1887. Vers. 3. Freitag im 
Maurertempel. 

Balustre (wörtlich: Geländersäule) ist in 
den französischen hohem Graden der Name 
für ProtokoU. 

Bamberg (St in Bayern, 88940 E.). Loge 
das. unter der Grossloge zur Sonne: Zur 
Verbrüderung an der Begnitz, gegr. 
10. Jan. 1875, eingew. 12. Sept 1875. 
Mitgliederzahl (1899k «2. Vers. 1. Mitt- 
woch im Monat. KIud: Mittwochs. Ferien: 
Juli und August. Eignes Logenhaus^ 
Franz-Ludwigstrasse 16, eingew. 24. Mai 
1891. Milde Stiftungen (2): Witwen- und 
Waisenfonds, Dr. Blumm-Stiftung zur ver- 
mehrten Unterbringung von Schulknaben 
in den Ferienkolonien. Hausgesetz vom 
Okt. 1898. [Vgl. Geschichte der ersten 
zehn Jahre der Loge (1888).] 

Band. An einem B. um oen Hals tragen 
die Beamten der Grosslogen und der ein- 
zelnen Logen ihre Amtszeichen, wie auch 
vielfach die Mitglieder ihre Logenzeichen. 
Die Farbe des B. ist in den verschiednen 
Grosslogen, sowie auch in den verschiedr 
neu Logen, besonders in den Niederlanden, 
verschieden; vorherrschend ist die blaue 
Farbe. Statt des B. ist in manchen Logen 
nur eine (blaue] Schleife oder Bosette ge- 
bräuchlich, an der das Logenzeichen hängt. 
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68 



Bänfiy — Bärenstein. 



Binliy, Georg de Losoncz Graf, 
geb. 1747 in Piski (Comitat Hiinyad), gest. 
1822, widmete sich dem Staatsdienst und 
wurde wegen seiner hervorragenden Fähig- 
keiten von Joseph 11. sehr eeschätzt, den 
er auch bei seiner Beise durch Sieben- 
bürgen, schon 1783 zum siebenbürgischen 
Honrizekanzler ernannt, 1786 begleitete. 
Im darauf folgenden Jahre wurde er zum 
Gouverneur von Siebenbürgen ernannt, in 
welcher hohen Stellung er sich unverfäng- 
liche Verdienste um sein Vaterland er- 
warb. — 1777 in der Loge St. Andreas in 
Hermannstadt dem Bunde beigetreten, 
wurde er noch in, demselben Jahre Mit- 
glied des Hochkapitels St. Polten in Wien, 
1781 aber Grossmeister der Provinzialloge 
von Siebenbürgen, in deren Interesse er, 
sowie in dem der siebenbürgischen Logen 
überhaupt, eine unermüdliche Thätigkeit 
entfaltete. 

Bankett, s. Tafelloge. 

Banner (Fahne, Standarte, Panier). Im 
Mittelalter führte jede Körperschaft bei 
den Aufzügen ein solches, das, der Innung 
vorgetragen, den Schutzheiligen oder die 
Handwerksabzeichen zeigte. So bei den 
Steinmetzhütten (Baukorporationen), na- 
mentlich in England, wo die Heiligen 
Johannes oder Andreas nebst Maurer- 
abzeichen dargestellt wurden. Wo noch 
öffentliche Aufzüge stattfinden, ist der 
Gebrauch auch von den Logen beibehalten 
worden; sonst findet er sich nur bei Hoch- 
graden und in den Logen, die etwas 
Theatralisches lieben, wie z. B. in den 
französischen und amerikanischen. Für 

gewöhnlich erscheinen sechs B. (ohne die mit 
en Logenwappen), jedes bezeichnet mit 
den Worten: Glaube, Hoffnung, Liebe, 
Weisheit, Stärke, Schönheit. Auf dem 
Teppich der englischen Royal- Arch-Kapitel 
finden sich die B. der zwölf jüdischen 
Stämme verzeichnet. In manchen Gross- 
logen ist der Grossosten mit den Stan- 
darten der einzelnen Logen geschmückt. 
In Deutschland findet sich ein B. (Fahne) 
nur noch an den Logenhäusem bei fest- 
lichen Gelegenheiten angebracht, meist 
aber sehr einfach, blau mit gelben Ab- 
zeichen (Zirkel und Winkelmass). 

Bannertrftger (franz. Porte -^tendard, 
engl Standard-Bearer oder Banner-Bearer), 
in den französischen und englischen Hoch- 
graden ein Logenamt, dessen Bedeutung 
sich aus dem Wortlaut ergiebt. B. kom- 
men, wenn auch nicht SLb eigentliches 
Amt, in allen Logen vor, die den Gebrauch 
des Banners (s. d.) namentlich bei Auf- 
zügen beibehalten nahen. So können nach 
der Verfassung der englischen Grossloge 
dergleichen für solche Gelegenheiten vom 
Meister vom Stuhl ernannt werden. 

Bannis (les Fr^res), die verbannten 
Brüder, wurden die elf zur Partei Lacome 
(s. d.) gehörigen Mitglieder der Grossen 
Loge von Frankreich genannt, die wegen 



der Schmähschriften, die sie gegen diese 
verbreitet hatten, 1766 ausgestossen und 
erst 21. Juni 1771 in ihre maurerischen 
Rechte wieder eingesetzt wurden. [Vgl. 
Kloss. Gesch. der Freim. in Frankr., I, 
S. lOd, 181. Siehe auch Frankreich.] 

Barbados rbrit.-westind. Insel, eine der 
kleinen Antillen). Schon 1740 ernannte 
die Grossloge von England einen Provin- 
zialgrossmeister für B., und von diesem 
Jahre an wurdefi zahlreiche Tochterlogen 
von ihr hier gegründet, die meist bald 
wieder eingingen. Auch die Grossloge von 
Irland stiftete 1763—1842 sieben Logen, für 
die sie eine Provinzialgrossloge errichtete. 
1790 folgte die englische Grossloge der 
Ancients mit einer Tochterloge, 1799 
und 1844 errichtete auch die Grossloge 
von Schottland zwei Logen. Jetzt be- 
stehen in B. 1) unter der Grossloge von 
England drei Logen (unter einer Distrikts- 
grossloge) und 2) unter der Grossloge von 
Schottland eine Loge. 

Bardeleben, Friedrich Wilhelm v., 
geb. 27. Jan. 1768 in Kassel, gest. das. 27. 
April 1888, früher in Militärdiensten, hatte 
als Oberhofmeister die Kurprinzessinnen 
während der westfälischen Besetzung 
nach Berlin begleitet und war dort als 
Mitglied der Grossen Loge Boyal York 
ein begeisterter Anhänger dieser ge- 
worden. Ihm war 1814 das Wiederauf- 
leben der Freimaurerei in Hessen-Kassel 
(s. d.) zu danken, und er trat an die Spitze 
der neugegründeten Grossen Provinzialloge 
und spätem Grossloge von Kurhessen. 
Er war ein Mann von hoher BUdung und 
tiefer Menschenkenntnis, der die Sache 
der Maurerei zu seiner Lebensaufgabe ge- 
macht hatte und nun in seiner Stellung 
als Grossmeister unablässig bemüht war, 
die Maurerei zu befestigen und zu ver- 
edeln. Neben seiner maurerischen Thätig- 
keit als Grossmeister der kurhessischen 
Grossloge hielt er geschichtliche Vor- 
lesungen über alle Gi^e und wusste mit 
gewinnender Liebenswürdigkeit die ver- 
schiedenartigsten Elemente in die von ihm 
gewiesene Bahn hinzuleiten. Sein reicher 
maurerischer Nachlass ist nicht allein eine 
wichtige geschichtliche Quelle, sondern 
lässt auch einen tiefen Bück in die ge- 
läuterten Ideen einer Bichtung werfen, die 
vielleicht in ihm ihren überzeugtesten An- 
hänger hatte. 

B&renstein, Horst v., preuss. Haupt- 
mann, geb. 15. Juni 1888 auf dem Bitter- 
gut Zechau bei Altenburg, gest. 10. Febr. 
1898 in Saalfeld, wurde aufgenommen m 
der Loge Archimedes zu den drei Beiss- 
bretern in Altenburg 10. Mai 1860. Haupt- 
sächlich als Archivar und maurerischer 
Geschichtsforscher hat er sich hohe Ver- 
dienste um seine Loge und um die Frei- 
maurerei erworben. Er war ein durchaus, 
gründlicher Kenner maurerischer Ge- 
schichte. Mit grossen persönlichen Onfera 
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Barmen — Basel. 



«rwarb er sich allm&hlich eine bedeutende 
maoreriBcbe Münz- undMedaillensammlung, 
die nach seinem Tode durch Kauf in den 
Besitz der Loge Archimedes zu den drei 
Eeissbretem in Altenburg (s. d.) überging. 
Die letzten Lebensjahre beschäftigte ihn 
die Neubearbeitung des »Handbuchs der 
Freimaurereien für die er mit wahrem 
Bienenfleiss berichtigenden und ergänzen- 
den Stoff zusammentrug. Nach langen 
vergeblichen Bemühungen fand er Unter- 
stützung für die Ausführung seines Vor- 
habens beim Verein deutscher Freimaurer, 
der die Sache in die Hand nahm und 
ihn in den Ausschuss für die yorbereiten- 
den Arbeiten wählte. Leider liess sein 
frühzeitiger Tod ihn den Erfolg seiner 
Arbeiten nicht erleben. Seine nachgelas- 
senen Manuskripte für die Neubearbeitung 
des »Handbuchs der Freimaurerei c gingen 
käuflich in den Besitz des Vereins deut- 
scher Feimaurer über und sind in vor- 
liegender Auflage vielfach verwertet. [Vgl. 
FZ. 1893, S. 69. Bh. 1898, S. 87.] 

Barmen (St. in der preuss. Bheinprov., 
126992 £.). Loge das. unter der Grossen 
National -Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln: Lessing, gest. 16. Aug. und er- 
öffnet 28. Dez. 1866. Mitgliederzahl (1899) : 
124. Vers. 1. Mittwoch. Klub: Mittwochs. 
Logenlokal: H6tel Vogeler. »Die milde 
StiÄungc (Statut v. 9. Mai 1867) zur Unter- 
stützung von Witwen und Waisen der 
Loffenmitglieder und zur Errichtung von 
halben Schulfreistellen. [Vgl. Bh. 1869, 
S. 25.] 

Barmberaigkeit (Orden der), Ordre de 
la mis^ricorde, einer der vielen neuen frei- 
maurerischen Itite, die zu Anfang des 19. 
Jahrhunderts in Frankreich als angebliche 
Fortsetzungen des alten Tempelherren- 
ordens auftauchten. Er wurde 1807 er- 
richtet, erlosch aber sehr bald wieder. 
[Kloss, Gesch. der Freimaurerei in Frank- 
reich, I, 517.] 

Bartels, Job. Heinrich, Bürgermeister 
von Hamburg, geb. das. 20. Mai 1761, gest. 
das. 1. Febr. 1850, studierte zuerst Theo- 
logie und wurde 1784 Kandidat des Ham- 
burger Ministeriums. Nach vielen Reisen, 
die er in Italien machte, ging er nach 
Güttingen, um die Bechte zu studieren, 
wurde 1790 Dr. jur., 1798 Senator in Ham- 
burg und am 25. März 1820 zum Bürger- 
meister gewählt. 1781 wurde B. in Göt- 
tingen in den Freimaurerbund aufgenom- 
men, schloss sich 9. Febr. 1799 der Lo^e 
Absalom an, wurde 1804 nebst v. Axen (s.d.) 
zum Vorsteher des neuen Freimaurer- 
krankenhauses ernannt und 1820 zum Ehren- 
grossmeister der Grossen Loge von Hamburg 
erhoben. [Vgl. Brandt, Geschichte des alten 
Logenhauses (Hmbg. 1891), S. 56, 73.] Zu 
seiner goldnen Hochzeit wurde 1842 eine 
Denkmünze geprägt. [HMW. Nr. 96J 

Bartensteu (St. in der preuss. Prov. 
Ostpreussen, 6888 E.). Hier wurde unter 



der Grossen Landeslo^e in Berlin 1. Okt. 
1882 eine Loge Wilhelm zur ost- 
preussischen Treue gegründet. Mit- 
gliederzahl (1900): 66. 

Barth (St. in der preuss. Prov. Pommern, 
6228 E.). Hier besteht eine freie Verei- 
nigung von Brüdern, die sich am 1. und 
8. Sonnabend versammeln. 

Barthelmees, J. P. M. Richard, ein 
um die Verbreitung deutschen freimaure- 
rischen Geistes in den Vereinigten Staaten 
sehr verdienter Mann, geb. 10. Juni 1820 
in Nürnberg, gest. 15. Juli 1885 das., wid- 
mete sich dem Studium der Medizin, war 
1847 — 52 als praktischer Arzt in seiner 
Vaterstadt thätig und wanderte 1852 nach 
Amerika aus, von wo er 1872 nach Deutsch- 
land zurückkehrte. Aufgenommen 8. März 
1845 in der Loge Zu den drei Pfeilen in 
Nürnberg, schloss er sichl852 derLogePytha- 
goras Nr. 1 in New York an und wurde 
1859 und 1860 ihr Meister vom Stuhl Seit 
1857 war er Vorsitzender des Engbunds 
New York. Er veröffentlichte eine Biblio- 
graphie der Freimaurerei in Amerika 
(New York 1856) und das Verzeichnis der 
Sammlung maurerischer Bücher und Münzen 
der Loge Pythagoras Nr. 1 (New York 1859). 
Nach Europa zurückgekehrt^ trat er der 
Loge Zu den drei Pfeilen wieder bei und 
wurde deren versitzender Meister. Er war 
ein treues Mitglied des Vereins deutscher 
Freimaurer. Viele seiner Vorträge und Ab- 
handlungen sind in dessen »Mittheilungenc, 
sowie namentlich in der »Bauhütte« ver- 
öffentlicht. B. war eine durchaus prak- 
tische, wenn auch etwas derbe Natur, 
die es mit der Freimaurerei ernst nahm. 

Basel (Hauptst. des Schweiz. Kantons 
Basel-Stadt, (1898) 94646 E.). 1) Hier be- 
stand schon 1744 eine Loge, von der nichts 
näheres bekannt ist. 2) 1765 wurde das. die 
Loge Liberias im System der strikten 
Observanz von Andreas Buxdorf ge- 
gründet, für die er von der Präfektur 
Kittersfelde (Zu den drei Disteln in Frank- 
furt a. M.) einen Stiftungsbrief erhielt 
1772 vereinigte sich die sdiottische Loge 
mit der Loge Modestia in Zürich zu einer 
Präfektur. Da sich Peter Burkhard (s.d.) 
und Andreas Buxdorf nicht vertrugen, 
gründete ersterer 1778 eine zweite Loge: 

3) Vollkommene Freundschaft, die 
3. Juli 1779 von Lavater (s. d.) eingeweiht 
wurde. Die Loge Liberias ging nun ein. Auf 
einem, Aug. 1779 in iUisel abgehaltnen 
Konvent schlössen sich Zürich und Basel 
der V. Provinz des rektifizierten Systems 
an. Die schweizerischen Logen budeten 
ein Priorat (schottisches Direktorium) mit 
dem Sitz in B., das zur Präfektur er- 
hoben wurde. 1785 deckte die Loge. 

4) Am 12. Jan. 1808 wurde unter dem 
Grossorient von Frankreich die Loge 
Freundschaft und Beständigkeit ge- 
gründet und 24. März 1809 eingeweiht; 
1811 trennte sie sich jedoch wieder von 

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70 



Batemkow 



Bauhütte. 



diedem Grossorient, schloss sich dem 
rektifizierten Schottischen Bitus an und 
begann, ihre Arbeiten in der deutschen 
Sprache, statt in der französischen, zu hal- 
ten. Am 28. Jan. 1809 war auch die Loge 
Vollkommene Freundschaft wieder aufge- 
lebt und vereinigte sich 1811 mit der neuen 
Loge. 1810 hatte sich auch das Priorat 
wieder aufgethan , das sich 28. April 1828 
abermals auflöste. Am 17. Jan. 1824 fand 
die Weihe des Logenhauses Zum Venedig 
statt. Felix Sarasin (s. d.), Meister vom 
Stuhl der Basler Loge (1811—1822), be- 
mühte sich umsonst als Grossmeister des 
schottischen Direktoriums, eine Einigung 
aller schweizerischen Logen herbeizu- 
führen. Infolgedessen erklärte sich Basel 
als unabhängige Loge. Am 27. Juni 1840 
versammelten sich in B. die Ver- 
treter der Logen von Bern, Zürich, Locle, 
Winterthur, Aarau und B., um eine 
Vereinigung der schweizerischen Logen 
anzubahnen. Dieser Wunsch ging in &- 
füllung. Am 22. Juni 1844 trat die Basler 
Loge der neugegründeten Grossloge Al- 
pina bei. Jung (s. d.) war 1851 — 1856 
Grossmeister der Alpina und B. Sitz des 
Verwaltungsrats. 1848 fand in B. der 
dritte allgemeine Freimaurerkongress statt. 
Mitgliederzahl (1899): 111. Vers.: an 
jedem Sonnabend; Klub: Sonnabends. 
Eignes Logenhaus, neugebaut und 12. Juli 
1891 eingeweiht: Zum neuen Venedig am 
Byfangweg 18. —Liederbuch der Loge (1878, 
zweiter Teil 1883). Statuten für die 
maurerische Witwen-, Waisen- und Alters- 
Kasse (1870). Katalog der Bibliothek von 
Heinr. Boos (1892). [Vgl. Festschrift: Ge- 
schichte der Freimaurerei in B. von H. 
Boos (Basel 1892). H. Boos, Handbuch 
der Freimaurerei (Aarau 1894), S. 831 fg., 
389 fg. Alpina 1888, S. 17 fg.]. 

Batemkow, G.S., einer der bedeutendsten 
Dekabristen, machte das Kriegsleben 1818 
und 1814 mit^ widmete sich dann der Lauf- 
bahn eines Ingenieurs. Er wurde bereits 
vor 1814 in den Freimaurerbund aufge- 
nommen und gehörte zur Petersburger Loge 
Zum auserwählten Michael, dann zu den 
Gründern der Loge Zur Leuchte des Ostens 
in Tomsk (eröffnet 1818 vom Asträabund). 
Seine Freimaurermemoiren schrieb er als 
Greis wenige Monate vor seinem Tode 
(29. Okt. 1868). [Vgl. Pypin, QueUen 
und Beiträge zur Geschichte der Frei- 
maurerlogen Busslands (Eiga 1896), S. 152 
bis 162.] Diese Memoiren, wenngleich noch 
nicht gedruckt, sind kulturhistorisch in- 
teressant und bekunden, wie die Angehörig- 
keit zum Orden eine bedeutende er- 
zieherische Macht für den Verfasser ge- 
wesen ist. 

Bau. Die Aufgabe der Freimaurerei (s. d.) 
wird unter dem Bilde eines B., des B. eines 
Tempels (s. d.), vorgestellt. [Vorträge, 
welche diese Vergleichung im Ganzen 
durchführen, s. FZ. 1857, S. 869; 1861 S. 145 



und A. XI, 79. Schauberg, Symbolik der 
Freimaurerei (SchaflTh. 1861), I, 878.1 

Baocant oder Baoe^an (Beauseant, Beau- 
ceant, Baucent, Baucens), Name der grossen 
Ordensfahne der Teinpler. Sie ist weiss 
mit rotem Kreuz, die Kriegsfahne schwarz 
und weiss gestreift. Der Name kommt 
eigentlich von schwarz und weiss gefleckten 
Pferden. Früher scheint die Ordensfahne 

ivexillum balzanum, daher der Bannerträger 
>alzanifer) mit der Kriegsfahne eins ge- 
wesen zu sein. 

Bauchseiehen (Stomachale) ist eines der 
verschiednen Meisterzeichen. 

Bauer, Johann Kaspar, Kaufinann, 
geb. 19. Sept. 1802 in Weichtungen bei 
Münnerstadt in Bayern, gest. 12. Juli 1882 
in Frankfurt a. M., besuchte, frühzeitig 
für den geistlichen Stand bestimmt, meh- 
rere Jahre das katholische Gymnasium in 
Münnerstadt. Seine Neigung wandte sich 
aber dem Kaufmannsstande zu. 1828 
eröffnete er in Frankfurt a. M. ein eignes 
Geschäft, das er im Laufe der Zeit in 
schwunghaften Betrieb brachte. Das Ver- 
trauen seiner Mitbürger berief ihn zu 
hervorragenden Ehrenämtern. — Dem 
Freimaurerbunde zugeführt wurde B. in 
der Loge Karl zum aufgehenden Licht 
in Frankfürt a. M. am 8. Dez. 1882. 
Er bekleidete nacheinander das Amt des 
Schaffners, Armenpflegers, Schatzmeisters, 
ersten Aufsehers, zugeordneten Meisters 
und (1858) das des Meisters vom Stuhl. 
In der Verwaltung der Loge leistete er 
Vorzügliches: zweckmässige wirtschaftliche 
Reformen und die bewährte Einrichtung 
des Verwaltungsrats der Loge sind sein 
Werk. In die Grosse Mutterloge berufen, 
war er der erste aus den Mitgliedern der 
Loge Karl zum aufgehenden Licht ge- 
wählte Grossmeister (1861 — 68). Auch in 
dieser Stellung bewährten sich seine her- 
vorragenden Eigenschaften. [Vgl. Paul, 
Annalen des Eklektischen Freimaurerbun- 
des (Frkf. a. M. 1888), S. 261.1 

Baohtttte (Werkstätte, Atelier). I. So 
nennt man das Bretterhaus, das auch heute 
noch neben grössern Bauten aufgeschlagen 
wird, in dem die Steinmetzen ihre Werk- 
zeuge aufheben, auch wohl bei übler Wit- 
terung arbeiten und sich versammeln. Wo 
bedeutende Bauten jahrelange Beschäf- 
tigung zusicherten, wurden solche Bau- 
hütten natürlich mit grösserer Fürsorge 
errichtet und dienten nicht allein voU- 
ständig als Werkstätten, sondern in ihnen 
wurden auch die zureisenden Genossen 
begrüsst und die Versammlungen des Hand- 
werks gehalten. Der englische Name da- 
für ist Lodge. Da die in diesen Bauhütten 
oder Logen Versammelten einen festen 
Verband, eine Brüderschaft bildeten, so 
wurde der Name ihres Versammlungsorts 
auf ihre Verbindung übertragen, und unter 
Bauhütte, Loge verstand und versteht man 
einen Verband solcher Brüder, die unter 



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Baukorporation — Bausteine. 



71 



bestimmten Gesetzen und Einrichtongen 
sich zu versammeln pflegen. — 11. Jetzt 
ist B. der allgemeine Name jeder dauernden 
maurerischen Vereinigung zur Vornahme 
ritueller maurerischer Thätigkeit(s. Arbeit), 
im Gegensatz zu den Vereinen (s. d.). In 
den drei Johannisgraden (s. d.) und nach 
manchen Lehrarten auch in den höhern 
Graden ist dafür der Name Loge (s. d.) 
gebräuchlich, in Deutschland allgemein. 
Dagegen kommen in den hohem Graden der 
französischen und der englischen Maurerei 
sehr yerschiedne Namen je nach den Bang- 
stufen der Grade vor. Der nächste und 
gangbarste, auch in Dänemark und Schwe- 
den vorkommende, ist Kapitel; dann folgen 
aufsteigend nach dem Bite fran^ais das 
Conseil, Tribunal, Consistoire, nach dem 
Bite ^cossais Conseil, College, Areopage, 
Tribunal, Consistoire. Im System der eng- 
lischen und der amerikanischen Tempelritter 
(Kniehts Templar) wird dafür der Name 
Heeuager (Encampment^ gebraucht. (S. die 
einzelnen Benennungen.) — HE. Die Bau- 
hütte, Zeitung für Freimaurer, begründet 
und herausgegeben von J. G. Findel seit 
3. Juli 1858, »unter dem maurerischen 
Schutze Sr. Hoheit Ernst n., Herzog von 
Sachsen-Koburg-Gotha«, mit Nr. 26 von 
1891 auf eine Aktiengesellschaft in Frank- 
furt a. M. übergegangen (s. FreBse). 
Schriftleiter unter dieser ist Dr. Gotthold 
in Frankfurt a. M. 

Baukorporation. Unter den römischen 
Söldnern in den Provinzen bestanden Ver- 
bindungen aller möglichen Bauhandwerker 
unter dem Namen der CoUegia fabrorum, 
von deren innerer Einrichtung man nur 
wenig weiss. Sie hatten eine eigne Ver- 
fassung, standen unter eignen Beamten 
(ädiles), hatten Meister (magistri) und Auf- 
seher (decuriones), stellten Urkunden aus 
und zählten viele kenntnisreiche Mitglieder. 
— Es ist nicht zu verwundem, dass man 
bei den Forschungen nach dem Ursprung 
der Freimaurerei diese Verbindungen mit 
ihr in einen nahen Zusammenhang zu 
bringen suchte, um von da aus eine Brücke 
in das griechische und ägyptische Alter- 
tum zu haben. Namentlich hat Krause in 
in den »Drei Kunsturkunden«, 2. Aufl. IV, 
92 fg., mit grösstem Fleiss alles zusammen- 

festeUt, was ihm für eine Herleitung der 
'reimaurerei von jenen Verbindungen zu 
sprechen schien. [Vgl. Schneider im A. J., 
m, 2 (1812), S. 166 fg.] Der historischen 
Ableitung Krauses folgten später Schau- 
berg (Zürich) und Em. Bebold (Histoire 
g^n^rale, Paris 1851), teilweise auch F. 
Gould (History of Freemasonry I, 36 fg.). 
Die neuem Forschungen haben nachge- 
wiesen, dass die genossenschaftlichen Ver- 
bindungen der Bauhandwerker, wie sie seit 
Eindringen der christlichen Kultur in die 
mitteleuropäischen Länder hervortraten, in 
den uralten Sitten der germanischen Völker 
ihre Begründung fanden und auch nur unter 



ihnen eine Ausbildung erlangten. (S. Bau- 
hütte, Brüdenohaft, Collegia, Korpo- 
ration.) [Vgl. Findel, Geschichte der 
Freimaurerei. B. 1894, S. 69.] 

Baokiiiist. Wie die Geometrie (s. d.) die 
Grundwissenschaft der Freimaurerei, so ist 
die B. diejenige Kunst, von der sie ihre 
Sinnbilder zum wichtigsten Teile entlehnt. 
Sie eignet sich hierzu nicht bloss, insofern 
sie eine der wichtigsten und ältesten Künste, 
sondern indem sie auch vorzüglich geeig- 
net ist, den Menschen höher auszubilden 
und rein menschliche Anschauungen und 
Gefühle zu erregen. [Vgl. Krause, Kunst- 
urkunden, n, 74.] Daher knüpft sich die 
Entstehung und erste Ausbildung der Frei- 
maurerei an die Entwickelung der (mittel- 
alterlichen) B. ^S. Bauhütte und Frei- 
maurereil) — Eine allgemeine Kenntnis 
der Geschichte der B. und ihrer Stile ist 
wegen dieses engen Zusammenhangs mit 
der Geschichte und Symbolik der Frei- 
maurerei für die Kenntnis der letztem nicht 
ohne Nutzen, weshalb das Studium der B. 
angelegentlichst empfohlen werden kann. 
Gelegenheit hierzu ist in unzähligen 
Schriften gegeben, von deren Aufzählung 
hier abgesehen werden kann. Das, was 
Anderson in seinem Konstitutionenbuch 
über die Geschichte der B. sagt, hat natür- 
lich in der Gegenwart wenig Bedeutung 
und wissenschaftlichen Wert mehr. 

Bauld de Nans, s. Le Bauld de Nana. 

Baumeister, als Benennung eines Logen- 
amts oder Hochgrads, s. Architekt. 

Baumeister, der grosse, des Weltalls ist 
in der freimaurerischen Sprache eine Be- 
nennung Gottes als des Schöpfers und Er- 
halters der Welt. Anderson bedient sich 
des Ausdrucks «great Architect of the 
Universec gleich am Anfang seiner Ge- 
schichte der Maurerei (1728, S. 1), aber 
vor ihm hat schon Eugenius Philalethes jun. 
in der Vorrede zu seinen »Long Livers« 
zweimal den Namen »Allmächtiger Bau- 
meisterc (8. VHI u. XVH). Früher wird 
er sich in der freimaurerischen Litteratur 
nicht aufweisen lassen, aber er ist sehr alt, 
denn schon in der Bibel wird Gott ein 
> Baumeister c genannt (Hebr. 11, 10). — 
Mit dieser Bezeichnung hängen die in 
maurerischen Schriften und Beden ge- 
brauchten Worte zusammen: Zu Ehren 
des allmächtigen Baumeisters der Welten 
(lat.: ad universi terrarum orbis summi 
architecti gloriam; franz.: ä la gloire du 
grand-architecte de l'univers; engl.: to the 
glory of the grand architect of the universe). 

Bausteine nennt man vielfach die 
Vorträge in den Logen. Daher z. B. »Bau- 
steine, gesammelt von Brüdern des Logen- 
bundes Royal York zur Freundschaft zu 
Berlin«, erschienen in vier Jahrgängen 
1881 — 1884; femer »Bausteine. Mittei- 
lungen der Grossen Loge von Preussen, 
genannt Kaiser Friedrich zur Bundestreue«, 
BerUn 1892 fg. (s. Presse). 



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72 



Bautzen — Bayern. 



BAntien, wendisch Bndissin (St. im König- 
reich Sachsen, 28678 E.). Logen das.: 1) Jo- 
hannisloge Zur goldenen Mauer, gegr. 
19. Febr. 1802, erhielt 24. Juni 1802 von 
der Grossen National -Mutterloge Zu den 
drei Weltkugeln ihre Stiftun^urkunde und 
hat sich zwar dem 1811 errichteten säch- 
sischen Logenbund angeschlossen, jedoch 
ihre Arbeiten nach der Lehrart ihrer 
Mutterlose fortgesetzt. Das Doppelver- 
hältnis dieser Loge zu den beiden Gross- 
logen ist durch einen Grundvertrag vom 
1 8. April 1812 geregelt, dessen Bestinmiungen 
ebenso für den sächsischen Logenbund, wie 
für die Grundverfassung und die Bundes- 

fesetze der Grossen iNational-Mutterloge 
iu den drei Weltkugeln massgebend sind. 
Hiemach ist die Loge in Sachen die ein- 
zige, die nach der Lehrart der Drei Welt- 
kugeln arbeitet. Mit^liederzahl (1900): 180. 
Vers, oder Klub: Mittwochs. Logenhaus, 
Oarolastrasse 6. Milde Stiftungen: Witwen- 
und Waisenfonds und Konfirmandenbeklei- 
dung. Eine Denkmünze dieserLoge v. J. 1845 
s. BMW. Nr. 7. — 2) Delegierte altschotti- 
sche Loge Zur goldenen Mauer, gegr. 
3. Juli 1804. — Dass schon vor 1768 da- 
selbst eine Loge der Afrikanischen Bau- 
herren (s. d.) bestand, wird in zwei Schriften 
moss, BibL, Nr. 1907 u. 1908], die einer 
Bauhermloge in B. gedenken, versichert. 
[Vgl. FZ. 1855, S. 64.] 

Bajem (Königreich). L In den alten 
bayerschen Stammlanden bestand seit 1777 
eine von der Loge Royal York zu Berlin 
gestiftete Lose Theodor zum guten 
Kat in München, nachdem schon vorher 
unregelmässige Logenversammlungen da- 
selbst mehrere Jahre hindurch stattgefun- 
den hatten, (ß. Münohen.) Zu .^Sifang 
der achtziger Jahre drang in diese Loge 
das Hluminatenwesen ein (s. Bluminaten) ; 
auch in einigen benachbarten Städten, z. B. 
Freising, Ingolstadt, wurden Versamm- 
lungen in diesem Sinne gehalten. Dies gab 
dem Kurfürsten K^arl Theodor, der unterm 
Einfluss der Jesuiten stand, Veranlassung 
zu einem Verbot gegen alle »unbestätigten 
und unzulässigen Communitäten« (22. Juni 
1784), dem 2. März und 16. Ai^. 1785 sehr 
strenge Verbote gegen die Freimaurer und 
Bluminaten folgten; die gleichzeitige Ver- 
folgung des Hluminatismus erstreckte sich 
auch auf die Mitglieder des Freimaurer- 
bundes. Die Loge in München stellte ihre 
Arbeiten freiwillig ein, die in Mannheim, 
das damals unter derselben Begierung stand, 
und die Bluminatenklubs wurden aufge- 
hoben. Dagegen blieben fruchtlos die 
Schreiben des Hofrats v. Born (s. d.) in 
Wien an den Präsidenten der kurfOrstl. 
Akademie der Wissenschaften in München 
vom 2. Sept. 1785 und an den Kanzler 
und Herzogl. Bayerschen Hofrat Freiherm 
V. Ejreittmayr vom 9. Nov. 1 785. [Abgedruckt 
im W. J. II, S. 123.] Erst 1873 wurde in 
München die Loge Zur Kette von der Gross- 



loge Zur Sonne eröffnet, von der sich 1895 
die Loge In Treue fest (unter der Grossen 
Landesloge von Deutschland) abzweigte. 
Eine dritte entstand 1897 unter der nicht 
anerkannten Grossloge Kaiser Friedrich 
in Berlin. — H: Als 1799 dem Kurfürsten 
Karl Theodor der Kurfürst (nachmalige 
König) Maximilian Joseph gefol^ war, 
erliess dieser bald nach seinem Regierungs- 
antritt eine Verordnung (München, 4. Nov. 
1799), in der »jede geheime Gesellschaft, die 
sich zu irgend einem politischen, reli- 
nösen oder angeblich wissenschaftlichen 
Zweck verbindet und solchen Zweck dem 
Staat entweder verhehlt oder einen andern 
anjgiebt, als sie wirklich bezielt, ihre 
Mitglieder mögen sich versammeln oder 
nur durch Korrespondenz oder Zeichen 
zusammenhängen^ verboten wird«. [Abge- 
druckt in der vorigen Auflage dieses Hand- 
buchs, I, 65.] Diese Verordnung wurde 
durch eine spätere (unter dem Ministerium 
des Freiherrn von Montgelas ergangene) 
Verordnung vom 5. März 1804 erneuert 
und eingeschärft. [Abgedruckt in der 
vorigen Auflage dieses Handbuchs, I, 66.] 
So schwer diese Verbote den Frei- 
maurerbund zu treffen schienen^ waren sie 
ihm doch nicht gerade schädlich, da in 
den bayerschen Staaten nirgends mehr eine 
Loge bestand. Erst 1806 trat diese Frage 
mit thatsächlicher Wichtigkeit in den Vor- 
dergrund, als das Fürstentum Ansbach, 
Nürnberg und mehrere andre Gebietsteile 
an die Ejrone B. fielen. In Ansbach 
'b, d.) bestand schon seit 1758, in Fürth 
|s. d.) seit 1808 eine Loge; in Nümbert 
's. d.) wirkten zwei solche seit 1761 und 
1789. Während diese fränkischen Logen 
vorbereitende Schritte zur Sicherung ihres 
Fortbestands thaten, insbesondere die 
Loge Joseph zur Einigkeit in Nürnberg 
aus dem Abhängigkeitsverhältnis vom 
Prinzen Karl von Hessen (s. d.) trat, hatte 
die Loge in Ulm (s. d.), das von 1803—10 
unter bayerscher Hoheit stand, die Ge- 
stattung zur Wiederaufriahme ihrer 1795 
aufgegeonen Thäti^keit unmittelbar beim 
König erbeten und 28. April 1807 unter 
Einhaltung gewisser Vorschriften erhalten. 
Unter denselben Bedingungen wurde diese 
Genehmigung den fränkischen Logen durch 
einen Erlass des königl. Generallandkom- 
missariats in Franken, Grafen von Thür- 
heim (Ansbach, 8. Mai 1807), auf Grund 
königlicher Anordnung erteilt. Diese Be- 
dingungen waren folgende: »1) Alle drei 
Monate soll eine Liste der Mitglieder der 
Loge von dem Vorsteher derselben ge- 
fertigt und unterzeichnet an den General- 
kommissar der Provinz übergeben werden; 
2) eine jede Veränderung in den Ämtern, 
sobald sie geschieht, ebenfalls dem Chef 
der Provinz angezeigt, ebenso 3) eine jede 
Abänderung der S&tuten und Satzungen 
dahin berichtet werden«. Weiter biess es 
noch im gedachten Erlass: »Damit aber 



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Bayern. 



78 



das Ganze um so eher bei TorkommeDder 
Gelegenheit kontrolliert und beurteilt wer- 
den kann, muss ein echtes, auf die ünter- 
thanentreue der Vorsteher beglaubigtes 
Exemplar der Statuten bei dem General- 
kommissariat hinterlegt werden, welches 
man allerlängstens binnen drei Monaten 
mit der ersten Listeneinrichtung erwartet. 
Übrigens setzt man voraus, dass aller Zu- 
sammenhang und jede direkte oder in- 
direkte Korrespondenz mit jeder Loge in 
Berlin oder in aen bisherigen preussischen 
Provinzen aufgehoben sei una auf immer 
aufgehoben bleibe«. — Hiermit war der 
Bestand der Logen gesichert, und bei der 
nichts weniger als günstigen Stimmung, 
die in den massgebenden Kreisen Münchens 
gegen die Freimaurerei herrschte, musste 
man sich dieser Entscheidung, deren Vor- 
schriften so leicht zu entsprechen war, um 
80 mehr freuen. Sie war unstreitig dem 
König persönlich zu danken. Auch das harte 
Verbot jeder brieflichen Verbindung mit den 
preussischen Logen erfuhr vom General- 
landkommissariat die mildeste Auslegung. 
Die zunächst davon betroffene Loge in 
Ansbach musste zwar aus dem Verband 
der Berliner Grossen National -Mutter- 
loge Zu den drei Weltkugeln ausscheiden, 
doch ward ihr unter persönlicher Verant- 
wortlichkeit des Meisters vom Stuhl ihren 
Briefverkehr fortzusetzen gestattet, ja 
sie wurde selbst von ihrer bisherigen Gross- 
loge als Provinzialloge in Franken unter 
dem Namen Anacharsis zum erhabenen 
Zweck gegründet. Ebenso begnügten sich 
v. Thürheim und dessen Delegierter in 
Nürnberg, v. Lochner, persönlich Einsicht 
von den Statuten der Logen zu nehmen. 

ETgl. Geist, Geschichte der Loge Joseph zur 
inigkeit in Nürnberg (1861), S. 117.] — 
Allein schon 17. Jan. 1808 genehmigte der 
König zwar, dass die Freimaurerlogen in 
der Art fortbestehen durften, er ordnete 
aber an, «dass es in Bezug auf die Staats- 
diener, die zur Gesellschan der Freimaurer 
gehören, bei den allgemeinen Verord- 
nungen vom 15. Sept. 1799 und 5. März 
1804, nach welchen kein Staatsdiener an 
der Verbindung der Freimaurer Anteil 
nehmen darf, sein unabänderliches Be- 
wenden habe«. Diese Verordnung musste 
drei Tage nach ihrer Bekanntmachung an 
die Logenvorstände ins Werk gesetzt wer- 
den. Die Loffe Joseph zur Einigkeit in 
Nürnberg verlor dadurch auf einmal 87 
ihrer angesehensten Mitglieder. Zwar 
nahmen die Loeen Alexander zu den drei 
Sternen in Ansbach und die unterdes ge- 
stiftete Loge Karl zur Treue in Pappen- 
heim (s. d.) Veranlassung, in einer Ein- 
gabe an den König selbst zu bitten, dass 
die ausgetretenen Staatsdiener wieder an 
den Logen Anteil nehmen dürften; allein 
es erging hierauf (Edikt vom 20. Febr. 
1808, abgedruckt in Findel, Geschichte der 
Grossloge Zur Sonne (Lpz. 1898), S. 176) ein 



ablehnender Bescheid. — Zwar wurde in 
einem Dekret »vom 2. April 1808 erklärt, 
dass Advokaten und Justizkommissarien 
nicht unter den Staatsdienem zu b^eifen 
seien; dagegen wurde die Loge Zu den 
drei Pfeilen in Nürnberg auf ihre Anfrage 
vom 27. Jan. 1809, ob nidbt wenigstens 
Quieszenten, Geistliche und Schullehrer 
an den Logen Anteil nehmen dürften, aus 
dem Ministerium des Linem (v. Montgelas) 
12. Febr. 1809 dahin beschieden, «dass die 
in Quieszenz kommenden Staatsdiener 
präsumtiv nur momentan ausser Aktivität 
treten, somit, wenn es erforderlich ist, 
augenblicklich in solche zurückberufen 
werden können, selbe sonach auch allen 
jenen Verbindlichkeiten nicht entsagen 
dürfen, die sie als effektive Diener des 
Staates in ihren vorigen Verhältnissen 
übernommen haben. Der Bücktritt oder 
die Aufnahme von quieszierten Dienern in 
die Loge kann daher nicht stattfinden und 
ebensowenig den mit Dienstesstellen be- 
kleideten Geistlichen und Schullehrem der 
Zutritt in selbe erlaubt werden, c — m. Im 
J. 1810 kamen durch den Anfall von Bay- 
reuth und Begensburg an die Krone B. 
wiederum mehrere Logen, die zum Teil 
wie die Loge Zur Sonne in Bayreuth (s. d.) 
und Karl zu den drei Schlüsseln in Begens- 
burg (s. d.) schon sehr lange unter den 
frühem staatlichen Verhältnissen ungestört 
bestanden hatten, unter bayersche Staats- 
hoheit. 1812 bestanden im ganzen folgende 
Logen in B.: Joseph zur Einigkeit und 
Zu den drei Pfeilen in Nürnberg; Zur 
Wahrheit und Freundschaft in Fürth; Li- 
banon zu den drei Cedem in Erlangen; 
Karl zu den drei Schlüsseln in Begens- 
burg; Eleusis zur Verschwiegenheit in 
Bayreuth ; Karl zur Treue in Pappenheim ; 
Alexander zu den drei Sternen in Ans- 
bach; Aristides zur Wahrheit und Gerech- 
tigkeit in Markt-Rentweinsdorf ; Zum Mor- 
genstern in Hof. Li einer Anzahl andrer, 
jetztbayerscher Städtebestanden in früherer 
Zeit Logen, die aber, noch bevor jene Orte 
an B. kamen, eingezogen waren, z. B. in 
Aschaffenburg, Eichstädt. Hersfeld, K^uf- 
beuem, Kempten, Landau, Rothenburg, 
Zweibrücken. Allerdings musste nun schon 
1813 die Universität Erlangen alle öffent- 
lichen Lehrer verpflichten, keiner geheimen 
Gesellschaft, namentlich nicht der der Frei- 
maurer anzugehören. Allein nach Bay- 
reuth war die Anordnung wegen des Aus- 
tritts der Staatsdiener nicht gelangt. 
Da erschien (München 18. Sept. 1814) 
eine neue köni^l. Verordnung von Maxi- 
milian Joseph, die sich insbesondere gegen 
die Staatsdiener wendete (abgedruckt in 
der vorigen Auflage dieses Handbuchs I, 
68). Diese Verordnung traf zunächst die 
Freimaurerlogen nicht, da diese nicht zu 
den geheimen Gesellschaften, deren Zwecke 
dem Staat nicht bekannt sind, zählten. 
Auch erfuhr nur eine einzige infolge der- 

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74 



Bayern. 



selben eine polizeiliche Anfechtung: in 
Begensburg wurde dem Wist der dasigen 
Loge untersagt, die Versammlung der Frei- 
maurer in seinem Hause zu gestatten, und 
es blieb diese ohnedies nicht sehr thiltige 
Loge geschlossen, obgleich ihr Meister vom 
Stuhl, Graf v. Westerholt, deshalb Be- 
schwerde führte. Allein bala darauf erging 
eine neue königl. Verordnung aus Wien, 
vom 15. Jan. 1815, in der ausdrücklich be- 
tont wurde, dass sich das durch die Ver- 
ordnung vom 13. Sept. 1814 erneuerte Ver- 
bot der Teilnahme an geheimen Gesell- 
schaften in Ansehung der in mittel- oder 
unmittelbaren Staatsdiensten stehenden 
Personen ohne Ausnahme auch auf die 
Freimaurerlogen erstrecke. Dies traf 
namentlich die Loge von Bayreuth sehr 
hart, aus der hiemach über 50 Mitglieder 
austreten mussten. Auch die Logen in 
Ansbach und Pappenheim verloren die an- 
gesehensten Mitglieder und wurden, da 
nur wenige Gewerbtreibende oder Privat- 
leute ihnen angehörten, sehr bald genötigt, 
ihre Wirksamkeit ganz einzustellen. Ein 
Gleiches war mit der Loge in Kentweins- 
dorf der Fall. — IV. Die oben erwähnte 
Bestimmung vom 8. Mai 1807 bildete die 
Grundlage fttr die Oberaufsicht der Staats- 
regierung über die Logen in B. Das Ver- 
bot in Betreff der Staatsdiener, auch der 
in Ruhestand versetzten, der GeisÜichen 
und der Schullehrer bestand in Kjraft 
1850 (Verordnung vom 15. März, nach deren 
Erscheinen Staatsanwalt Bitter in Bayreuth 
der Loge sofort wieder beitrat). Von da 
ab stand auch Magistratspersonen und 
Lehrern der Eintritt wieder frei, und die 
lästigen Schranken waren gefallen. Trotz- 
dem meldeten sich Offiziere und Staats- 
diener auch fortan spärlich zur Aufaahme. 
[Vgl. übrigens FZ. 1864, S. 355, 389. — 
Können bayrische Beamte und Offiziere 
Mitglieder des Freimaurerbundes werden? 
Vortrag, gehalten in der Sitzung des fränki- 
schen Bezirks des Vereins deutscher Frei- 
maurer zu Nürnberg 9. März 1874 (2. Aufl.).] 
In neuerer Zeit trat die staatliche Beau&ich- 
tigung der Logen in immer weitere Grenzen 
zurück und beschränkte sich zuletzt auf 
die jährliche Anzeige der Vorstandswahl 
und des etwaigen Vorstandswechsels. 
Gleichwohl haben die Angriff*e in B. nicht 
nachgelassen, so dass noch 1878 und 1894 
im Landtag solche zum Vorschein traten. 
[Vgl. FZ. 1894^ S. 105. Steger, Für und 
wider die Freimaurerei (Bamberg 1894), 
S. 3—11.] — Unverkennbar und von den 
bayerschen Logen selbst vielfach anerkannt 
ist, dass die Freimaurerei in B. unter diesen 
Verhältnissen an dem vollständigen Ge- 
deihen behindert ist, so viele dafür geeig- 
nete Personen auch in den ebenso intelli- 
genten, als thatkräftigen Ständen der Kauf- 
leute, Gewerbtreibenden, Künstler, Ärzte 
u. s. w. sich finden. Um so höhere Ach- 
tung verdient das unausgesetzte Streben 



der jetzt noch bestehenden Logen, sich 
nach Massgabe aller ihnen zu Gebote 
stehenden Kräfte als würdige Glieder des 
Freimaurerbundes zu behaupten. Es sind 
dies die Logen zu Bayreuth. Nürnberg (2), 
Erlangen (2), Fürth und Frankenthal, 
welche letztere, schon 1807 gestiftet, erst 
mit der Wiedererlangung der Bheinpfalz 
an B. kam; die Loge in Hof (s. d.) stellte 
1849 ihre Thätigkeit ein, nahm sie aber 
1865 wieder auf. Neu gegründet wurden 
die Logen in Kaiserslautem (eingegangen), 
Schweinfurt, Würzburg, Augsburg. Mün- 
chen (3), Bamberg, Neustadt a.H. undKulm- 
bach, deren nunmehr gesicherter Bestand 
mehrfach durch Errichtung stattlicher 
Logenhäuser bekundet ward. Drei dieser 
Logen, die zuBayreuth, Erlangen und Joseph 
zur Einigkeit in N ümberg, haben bereits ihre 
hundertjährigen Jubiläen gefeiert. — Die 
Bestrebungen zur EMchtung einer bayer- 
schen Gross- oder Direktori^loge sind er- 
folglos geblieben. Dagegen wurden 1817 
zeitweise Versammlungen der Meister 
vom Stuhl der vier benachbarten Logen 
zu Nürnberg, Erlangen und Fürth ein- 
gerichtet, die sich als fOr die Aufrecht- 
haltung der maurerischen Beziehungen 
sehr vorteilhaft bewährt haben, aber 
1829 wieder eingingen. Erst seit 1896 sind 
wieder Versammlungen der bayerschen 
Stuhlmeister zur Besprechung gemein- 
samer Angelegenheiten eingeführt worden. 
Die erste fand 7. Juni 1896 in Nürnberg- 
statt [vgl. L. 1896, S. 123], die zweite in 
Bamberg 2. Mai 1897 [vgl. L. 1897, S. 155; 
FZ. 1897, S. 284]. [Vgl. die oben ange- 
fahrte Schrift von Geist, sowie Findel, 
Geschichte der Grossloge zur Sonne (Lpz. 
1898).] — Zur Zeit bestehen in B. 17 Logen,, 
und zwar 12 unter der Grossloge Zur Sonne 
(Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Erlangen- 
Germania, Frankenthal, Fürth, Hof, Kulm- 
bach, München-Zur Kette, Neustadt a. H., 
Schweinfiirt, Würzburg), 3 unter der 
Frankfurter Grossloge ^rlangen-Libanon 
und die beiden Nürnberger Logen) und je 
1 unter der Grossen Landesloge von 
Deutschland (München-In Treue fest) und 
unter der Grossloge Kaiser Friedrich 
(München-Bruderkette an der Isar). 

Bayern (Fürstenhaus). Aus dem Hause 
Witteisbach sind vier Mitglieder dem Frei- 
maurerbunde beigetreten: I. Aus dem Kur- 
bayerschen Hause: Clemens August, 
Herzog von B. und Kurfürst von Köln^ 
Bruder Kaiser Karls VIL, geb. 16. Aug. 
1700 in Brüssel, gest. 6. Febr. 1761 in 
Ehrenbreitstein. Nachdem 1738 die Bann- 
bulle von Clemens XH. gegen die Frei- 
maurer erschienen war, sah sich der Kur- 
fürst genötigt, aus dem Bunde zurückzu- 
treten. Als Entschädigunff für sich grün- 
dete er 1740 den Mopsorden (s. d.). [Vgl. 
Mering, Clemens August (Köln 1851)]. 

n. Aus der Linie Pfalz -Zweibrücken- 
Birkenfeld: 1) Friedrich Michael, Pfalz- 



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BaTreuth. 



75 



graf von Zweibrücken, Sohn des Pfalz- 
grafen Christian DI., geb. 27. Febr. 1724, 
gest. 15. Aug. 1767 in Schwetzingen, war 
seit Anfang der sechziger Jahre des 18. 
Jahrhunderts Protektor und Grossmeister 
der Schottenloge St.-Charles de l'union, 
die von etwa 1756 an in Mannheim be- 
stand. [Vgl. Schwarz, Geschichte der Loge 
Karl zur Eintracht in Mannheim (1896), 
S. 17.1 

2) Maximilian I. Joseph, seit 1795 
Pfalzgraf von Zweibrücken, seit 1799 Kur- 
fürst von Bayern, seit 1805 König von 
Bayern, Sohn des Vorigen, geb. 27. Mai 
1756 in Schwetzingen, gest. 18. Okt. 1825 
in Nymphenburg, trat 1777 in Strassburg 
der strikten Observanz zu. Seine Edikte 
gegen alle geheimen Gesellschaften vom 

4. Nov. 1799 und 5. März 1804, sowie die 
spätem Zugeständnisse seit 1807 s. oben 

5. 72. [Vgl. Söltl, M. Joseph, König von 
Bayern (Stuttg^ 1837).] 

3) L u d w i g , Prinz von Pfalz-Zweibrücken, 
wird in der Liste der fünften Provinz der 
strikten Observanz in Strassburg aufge- 
führt. Wahrscheinlich ist Prinz Johann 
Karl Ludwig, Sohn des Pfalzgrafen Johann 
von Birkenfeld, geb. 18. Sept. 1745, ge- 
meint. 

Bayrentli (St. im Königr. Bayern, 27693 
E.). Hier besteht eine Grossloge und eine 
Johannisloge. — I. Markgraf Friedrich 
von Brandenburg -Bayreuth (s. Freussen) 
stiftete 21. Jan. 1741 die (Schloss-) 
Loge Zur Sonne, die er eine Zeit lang 
leitete, wie er auch später zuweilen in der 
Stadtloge den H. führte, die sich 4. Dez. 
1741 von jener abzweigte und unter grossen 
Feierlichkeiten eingeweiht wurde. Die 
Loge nahm 1744 den Titel einer Grossen 
Mutterloge an und stiftete 1757 die 
Loge Libanon in Erlangen und 1758 
die Loge Zu den drei Sternen in Ansbach. 
Die Schlossloge ging nach dem Schloss- 
brande (1758) ein. Der 1756 zum Stuhl- 
meister erwählte von Metzsch Hess sich 
für die Hochgrade gewinnen; er erwarb 
1763 nach einem Besuche von S. Rosa 
(s. d.) das Patent zu einem Kapitel und 
führte 1764 die Loee der strikten Obser- 
vanz zu, sicherte ihr aber auch das Pro- 
tektorat des neuen Landesf ürsten Friedrich 
Christian. An ihrer Spitze stand ein alt- 
schottisches Direktorium. Ais 1769 das 
Fürstentum mit dem von Ansbach ver- 
einigt worden war, zog der nunmehrige 
Protektor Markgraf Alexander dieses 
Direktorium 1778 zur Loge Alexander zu 
den drei Sternen in Ansbach fs. d.) und 
vereinigte die Direktorien beiaer Logen 
unter ein und demselben altschottischen 
Obermeister. Diesem Direktorium wurden 
die von der Loge Zur Sonne gegründeten 
Logen in B., Ansbach, Marktsteft und 
Erlangen untergeordnet. Auch die Loge 
Joseph zur Einigkeit in Nürnberg wurde 
ihm zugewiesen. Die Johannisloge Zur 



Sonne in B., die seit 1765 geruht hatte, 
nahm 11. Jan. 1779 die Arbeit wieder auf, 
ohne zu rechter Lebenskraft zu gelangen. 
Als das Land an die Krone Preussen fiel 

il791), trat abermals eine Ruhepause ein, 
►is es dem hochverdienten Schunter (s. d.) 
gelang, 4. Dez. 1807 von der Grossen Loge 
Koyal York in Berlin, der sie sich in- 
zwischen angeschlossen hatte, die Rechte 
einerPr o vi nzial-Grosslogezu erwirken. 
Unter der französischen Herrschaft lockerte 
sich indessen das mit Berlin geknüpfte 
Band. Nachdem B. 30. Juni 1810 an 
die EjTone Bayern gekommen war, bil- 
dete sich die Loge in B. am 24. Januar 
1811 mit den Logen in Fürth und Hof, 
zunächst noch unter dem Namen einer 
Provinzial- Grossloge, als unabhängige 
Grossloge, da sie nach dem Verlangen 
der Regierung nicht mehr von Berlin ab- 
hängig sein sollte. Als olche behielt sie 
den alten Beisatz »Zur Sonne«, während 
die Johannisloge den Namen Eleusis 
zur Verschwiegenheit (s. unter H.) 
annahm. In ihrem Grundvertrag von 
1810—11, erneuert Januar 1829, ist aus- 
gesprochen, dass unter dem Namen der 
Grossen Loge die Gesamtheit der vereinig- 
ten Logen und Brüder, die dem maure- 
rischen Verband dieser Grossloge zugethan 
sind, dann auch das die Angeleeeimeiten 
des Vereins, nämlich die Ausbildung und 
Aufirechthaltung ihrer Verfassung verwal- 
tende Kollegium verstanden werde. Ein 
besonderer 1. April 1802 eingesetzter 
(seit 1860 wieder eingegangener) »Innerer 
Orient« hat die Verwaltung und Ausspen- 
dung des »maurerischen Kenntnisschatzes« 
unter sich, d. h. der bei der Lehrart dieser 
Grossloge anerkannten und üblichen hohem 
Grade (die Fessl ersehen historischen Er- 
kenntnisstufen mit Einweihungen, die 
jedoch auf eine einzige und zwar sehr ein- 
fache »Initiation« beschränkt sind), also 
das Ritualwesen. Die in ihn von der 
Grossen Loge gewählten Mitglieder brauch- 
ten nicht ihr selbst anzugehören. — Die 
Lehrart der Grossen Loge war das Fessler- 
sche (s. Fessler); ihrer Verfassung liegt 
der Entwurf Fesslers zu Grunde, der jedoch 
in ihr teilweise schärfer und reiner hervor- 
tritt, als in der Verfassung der Grossen Loge 
Royal York zu Berlin |Bh. 1860, S. 1121. 
Am 29. Sept. 1829 nahm die Provinzial- 
Grossloge auch förmlich den Titel einer 
Grossloge an und wurde endgültig aus 
dem Verband der Grossen Loge Itoyal 
York entlassen. Von 1816 — 57 führte 
die Grossloge, da es ihr nach dem er- 
zwungenen Austritt der Staatsdiener an 
Kräften mangelte, ein Stillleben, dem 
nach Begründung der »Bauhütte« (1858) und 
der WaM Feustels (s. d.) zum Grossmeister 
(1862) eine Zeit des Schaffens und der 
Neugestaltung folgte. Schon 31. Aug. 
1847 hatte die Grossloge die Aufnahme- 
fähigkeit der Nichtchristen ausgesprochen. 

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76 



Basot — Beamte. 



Im Sept. 1864 hatte die Loge in Heidel- 
berg (Bluntschli) eine Auäorderung zu 
einer Versammlung der badischen Logen 
in Karlsruhe erlassen, um einen badiscnen 
Logenbund mit wechselndem Vorsitz zu 
bilden. Diese Besprechung fand am 
26. Sept. statt. A. Ficke (s. d.) und F. J. 
Faller von Freiburg beantragten aber, den 
Bund auf alle 10 Töchterlogen der Gross- 
loge Zur Sonne auszudehnen und, erst im 
Falle es von dieser verweigert würde, 
einen besondem badischen Logenbund zu 
bilden. Die Sache gelangte am 21. Juli 
1865 zur Verhandlung in der Grossloge, 
und es wurde beschlossen, dass die Gross- 
loge ständig in B. bleiben solle, hin- 
fe^en bei Gegenständen von Wichtig- 
eit die Vorsitzenden sämtlicher Logen in 
irgend einer Johannisloge zusammenberufen 
werden sollten. Der badische Logenbund 
fiel, doch fand später ein eingehender 
Ideenaustausch über die Reformbestre- 
bungen statt. 1866 übertrug die Grossloge 
Bluntschli (s. d.) die Revision des Gesetz- 
buchs und die Neubearbeitung der Ritua- 
lien. Diese Arbeit wurde 1868 vollendet 
und die neue Verfassung in den Gross- 
logenversammlungen in Stuttgart 11. Okt. 
und in Kaiserslautem 24. Okt. 1869 ange- 
nommen. Sie ist eine der freisinnigsten 
in Deutschland. Der Ort der Zusammen- 
kunft der Grossloge wechselt. Die Organe 
des Bundes sind die Grossloge (die aus 
den Bundesbeamten, Stuhlmeistern, Ehren- 
mitgliedern und Abgeordneten besteht), 
der Bundesrat (aus den Bundesbeamten 
und den Vertretern fremder Grosslogen) 
und der Grossmeister mit den Bun- 
desbeamten. Auf dieser Versammlung 
in Elaiserslautem beschloss die Gross- 
loge zugleich, ein Rundschreiben zu er- 
lassen, »das die Stellung klären und fest- 
setzen solle, die die Maurerei den ihr im 
Syllabus gemachten Vorwürfen und der 
beabsichtigten Unfehlbarkeitserklärung des 
Papstes gegenüber einnehme.« Wegen 
des Kriegs fiel 1870 die Grosslogenver- 
sammlunff aus; 1871 fand sie in Fürth 
statt und nahm die Satzungen des Deut- 
schen Grosslogenbundes (s. d.) an; 1872 
ta^ sie in Heidelberg. Der Bundesrat 
zeigte hier der Grossloge an, dass er mit 
allen ^egen eine Stimme sämtliche geübte 
Ritualien als zu Recht bestehend anerkannt 
habe, das Freiburger in der Form, wie es 
in der Umarbeitung von Ficke (s. d.) in der 
Loge üblich ist, unter der Bedingung, 
dass bei der Erklärung des weissen Buches 
(s. d.) mitgeteilt werde, dass die Bibel in 
Logen an^-er Lehrarten als erstes grosses 
Lidit auf dem Altar liege. Damit war 
dem viel angefochtnen Freiburger Ritual 
die förmliche Genehmigung erteilt. Femer 
wurde in Heidelberg beschlossen, ein 
Ritual für den Gebrauch der Grossloge zu 
Bchafibn und diese Arbeit einer Fünfer- 
Kommission übertragen. Auf der Gross- 



logenversammlung in Karlsruhe 1878 wurde 
das von Bluntschli entworfne Ritual zu 
dem der Grossloge erklärt, den Logen 
aber Ritualfreiheit gewährt. Die neuere 
Zeit bietet keine Ereignisse von hervor- 
tretender Wichtigkeit; die Grossloge war 
zumeist mit den Gesetzgebungsarbeiten 
des Deutschen Grosslogenbundes und der 
Einsetzung neuer Logen beschäftigt. [Vgl. 
Findel, Geschichte der Grossloge Zur 
Sonne (Lpz., 1897)1. — (Statistik.) Die 
Grossloge zählt 1900 32 Logen, davon 27 im 
DeutschenReich, nämlich 12 inBayem(Augs- 
burg,Bamberg,Bayreuth,Erlangen,Franken- 
thal, Fürth, Hof, Kulmbach, München, 
Neustadt a.H., Schweinfurt, Würzburg), 8 in 
Baden (Baden, Freiburg, Heidelberg, Karls- 
ruhe, Konstanz, Lahr, Mannheim, Pforz- 
heim), 2 in Preussen (Berlin, Düsseldorf), 
2 in Württemberg (Ludwigsburg, Stutt- 
gart). 1 in Sachsen- Weimar (Jena), 1 in 
Hamburg (Hamburg) und 1 in Bremen 
(Bremen) — und 5 in Norwegen (Christiania, 
Drontheim,Hamar, Lillehammer, Skien), die 
unter der Provinzial-Grossloge Polarstjer- 
nen (gegr. 1893) stehen. — Provinzial- 
Grossmeister (bis 1811) waren: Graf 
und Herr v. Giech, Regierungspräsident 
V. Völdemdorf, Konsistorialdirektor Schun- 
ter (s. d.). Als Grossmeister (seit 1811) 
fungierten: Regierungsrat und Konsistorial- 
direktor Schunter (s. d.), J. G. F. Simon, J. K. 
H. von Paschwitz, Carl Freih. von Red- 
witz, Kaufmann K. Fr. Münch, Buch- 
druckereibesitzer Birner, Flachsspinnerei- 
besitzer Sophian Kolb, Lehrer Christian 
K. Künzel, Bankier Friedr. v. Feustel (s. d.). 
Geh. Rat Prof. Bluntschli (s. d.), Repsseur Dr. 
Fedor Löwe (s. d.), Fabrikant Julius Bayer- 
lein , General a. D. A. v. Reinhardt (s. d.). 
— U. Die Johannisloge Eleusis zur 
Verschwiegenheit, gegr. 4. Dez. 1741. 
Mitgliederzahl (1899): 100. Vers.: letzten 
Freitag im Monat, Klub: Freitag und 
Sonnt^. Eignes Logenhaus (eingew. 
28. Aug. 1881), Hofgarten 19. [Vgl. Bh. 
1866, 8. 145 fg.] [Zwei Denkmünzen der 
Loge, HMW. Nr. 5 u. 6] 

Baiot, Etienne Francois, Gelehrter 
in Paris, geb. 1782 in Chäteau-Chinon, 
verfasste zaldreiche maurerische Schriften, 
unter denen die bekannteste: Manuel du 
Franc-Ma^on (1. Ausg., Paris 1811; 7. 
Ausg., 2 Bde., Paris 1846), eine der besten 
französischen Schriften dieser Art. Er war 
Herausgeber des Vocabulaire des Franc- 
Ma^ons (Paris 1805 u. öfter), das von Vig- 
nozzi 1810 ins Italienische übersetzt wurde. 
Verfasser war Laurens, von B. rühren bloss 
Anmerkungen und Zusätze der spätem Aus- 
gaben her [Thory, Acta, H, SuppL, S. 8.] 

Beamte (franz. officiers, engl, officers). 
I. Der Ämterorganismus ist zwar nach den 
verschiedenen I^hrarten und örtlichen Ver- 
hältnissen vielfach abweichend, hat aber 
eine gewisse, mit der geschichtlichen Her- 
ausbildung des Freimaurerbundes zu- 

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Beamtenversammlangen, Beamtenkonferencen, Beamtenrat — Beatos. 



77 



sammenhängende Einheit in den Grund- 
Zügen. Diese ^Abweichungen einzehi auf- 
zumhreUy mag hier umgangen werden. Es 
genügen folgende allgemeine Darlegungen, 
wie sie namentlich in Deutschland Geltung 
haben. 1) Organismus. Als notwendige 
B. sind anzusehen: der Meister vom Stuhl, 
die beiden Aufseher, die beiden Schaffher, 
der Schriftführer und der Schatzmeister, 
nach englisch-amerikanischer Lehrart noch 
der Wachthabende. Entbehrlich sind: der 
zugeordnete Meister yom Stuhl, der Bedner, 
der Ordner (Zeremonienmeister), der Vor- 
bereitende, der Armenpfleger, der Ökonom, 
der Bücherwart (Bibliothekar), der Ur- 
kundenbewahrer (Archivar), der Musik- 
meister, ausserdem die Stellvertreter der 
B. Nach einzelnen Grosslogengesetzen wer- 
den Redner, Ordner und Vorbereitender 
unter die notwendigen, d. h. jeder Zeit zu 
besetzenden Stellen gerechnet. 2) Die Be- 
zeichnung der B. sollte durchweg deutsch 
gewählt werden, wie in diesem Handbuch, 
und mehr und mehr in Brauch kommen. 
[Vgl. liOgenspraohe.] 8) Die Wahl ist 
je nach den Grosslogenbestimmungen ver- 
schieden; entweder erfolgt sie bloss von 
der Meisterschaft oder von der gesamten 
Brüderschaft oder teilweise von der Meister- 
schaft, teilweise vonsämtlichenBrüdem oder 
teilweise von diesen (die hammerführenden 
B. — Meister vom Stuhl, zugeordneter 
Meister vom Stuhl, die beiden Aufseher), 
teilweise vom Meister vom Stuhl (die übri- 
gen B.). Ursprünglich wurden im englischen 
System der 1. Aufseher vom Meister vom 
Stuhl, der 2. Aufseher vom 1. Aufiseher 
und die Stewards vom 2. Aufseher ge- 
wählt. Wählbar sind nur Meister, in der 
Regel auch nur einheimische oder in un- 
mittelbarer Nähe des Logenorts wohnende 
Meister, oft auch nur solche, die ein oder 
mehrere (drei) Jahre Meister waren, letz- 
teres namentlich bei den hammerführenden 
B. [Vgl. V. Groddeck und Henne-Am Rhyn, 
Versuch einer Darstellung des positiven, 
innem Freimaurerrechts, S. 853. Z. 1892, 
S. 4.] 4) Die Dauer der Wahl ist meist 
nur ein Jahr, hier und da wird der Meister 
vom Stuhl auf drei Jahre gewählt (Grosse 
Landesloge in Berlin). Die Bestimmung, 
dass nach einer bestinmiten Zeitdauer (ein, 
zwei, drei Jahre) der Meister vom Stuhl 
oder alle B. zunächst nicht wieder gewählt 
werden dürfen, ist nicht gerade empfehlens- 
wert, obwohl bei neuem Logen in letzter 
Zeit vielfach versucht. Man kommt meist 
bald davon zurück. Es kann sich hier- 
bei überhaupt nur um den Meister vom 
Stuhl handeln, da bei den übrigen B. ein 
Öfterer Wechsel ohnehin fast allgemeiner 
Brauch und notwendig ist. Ein Meister 
vom Stuhl bedarf längerer Zeit zum voll- 
ständigen Einleben in sein Amt, die Loge 
der ruhigen Entwicklung und fester Grund- 
sätze. Bei den Hochgraden werden die 
Vorsitzenden Meister zum Teil lebensläng- 



lich (s. d.) gewählt. 5) Eine Bestätigung 
ist bei den Grosslogen meist Vorschrin 
rücksichtlich des Vorsitzenden Meisters. 

6) Einführung und Verpflichtung der 
B. ist mit Ausnahme des Meisters vom 
Stuhl, der mitunter von der Grossloge 
eingesetzt wird, sonst aber selbst das Ge- 
lübde vor den versammelten Brüdern ab- 
legt, nicht voreeschrieben, geschieht aber 
rücksichtlich der übrigen B. durch den 
Meister vom Stuhl in der Stiftungsfestloge 
oder in der ersten ordentlichen Lehrlings- 
loge nach dem Wahlakt. [Ansprachen in 
Marbach, Agenda J. Bh. 1867, S. 75.] 

7) Die B. haben besondere Auszeich- 
nung durch Beamtenzeichen, die an 
blauen Bändern um den Hals getragen 
werden. [BZC. 1900, S. 49 fg.] Sie 
haben besondere Titel (s. Anreden) und 
Plätze in der Loge. 8) Für ihre Thätig- 
keit sind Instruktionen am Platze, 
damit die B. genau wissen, was sie zu 
thun haben, [ygl- dergleichen in dem Ge- 
setzbuch der Loge Apollo in Leipzig und 
in dem der Loge Lessing zu den drei 
Ringen in Greiz, auch in verschiednen 
Grosslogengesetzen (z. B. Hamburg).] Wegen 
desThätigkeitskreises selbst vergleiche man 
die Artikel über die einzelnen B. fVgl. 
R. Fischer, Entwurf zu einem Handouch 
für die Amtsthätigkeit der Logenmeister 
(Lpz. 1891), S. 78. Findol, Geist und Form 
der Freimaurerei (6. Aufl., Lpz. 1898), S. 37. 
Schauberg, Symoolik der Freimaurerei 
(Schaffh. 1861) H, S. 225.] 

BeamteDTenainiiiliiiigeD, Beamteiikoii- 
fereBien, Beamtenrat. Zu diesen gehören 
sämtliche Beamte der Loge, oft auch deren 
Stellvertreter. Die Zuständigkeit dieser 
Körperschaft richtet sich nach den Haus- 
gesetzen; in der Regel erstreckt sie sich 
auf die ganze innere Verwaltung. Be- 
schlussfähigkeit ist ebenfalls orts^esetz- 
lich, sonst eigentlich bei Anwesenheit von 
fünf Mitgliedern. Die Sitzungen sind mög- 
lichst nicht mit andern Arbeiten zu ver- 
binden, wenn sie nicht aussergewöhnliche 
sind; sie pflegen im Logenkalender (s. d.) 
festgesetzt zu werden. 

BeatODy Frau, gest. 1802 in St. Johns, 
Maddermarket (Norwich), im Alter von 85 
J^en, wurde Freimaurer genannt, weil 
sie sich eines Abends hinter dem hohen 
Getäfel einer Logenhalle verborgen und 
die freimaurerischen Gebräuche beobachtet 
hatte. Sie bewahrte treu ihr Geheimnis. 
Diese Nachricht stützt sich auf eine 1828 
oder 1829 erschienene Geschichte von Nor- 
folk. Etwas näheres, namentlich wo sich 
der Vorfall zugetragen hat und ob diese 
Frau ebenfalls, damit sie das Geheimnis 
bewahre, förmlich aufgenommen worden 
ist, ist nicht ermittelt. HTgl. L. 1896, S. 60]. 

Beatns, Karl Adolf, Geistlicher, geb. 

28. Juli 1807 in Gera, gest. das. 26. Aug. 

1876 als emer. Pfarrer. Aufgenommen 

wurde B. in der Loge Archimedes zum 

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78 



Beauchaine — Becker. 



ewigen Bunde in Gera 7. Nov. 1882. 
Er bekleidete fast ununterbrochen die 
wichtigsten Logenämter, war 1841 bis 
1846 Redner, 1845—1846 zugleich zweiter 
Aufseher, 1846—1847 zugeordneter Meister, 
dann mit Ausnahme der Jahre 1856 bis 
1857 Meister vom Stuhl bis 1862. 
Er hat für seine Loge viel gewirkt und 
durch seine Vorträge, von denen viele in 
A. und FZ. abgedruckt sind, die Brüder 
erhoben. Er schrieb eine ausführliche Ge- 
schichte der Loge im Manuskript, die 
später fortgesetzt wurde. Mehrere Lieder 
von ihm sind in Musik gesetzt worden. Die 
Trauerfeier auf seinen Tod befindet sich 
ausführlich mit Nekrolog in R. 1876, Nr. 9. 
Gedruckt sind von ihm mehrere Johannis- 
schreiben; Der ehrliche Mann (Gera 1850) 
und fünf Hefte Festklänge aus den Jahren 
1849, 1850, 18dl, 1852 und 1862. 

Beaaehaine, Chevalier de, war der Gründer 
des Ordens der Fendeurs (s.d.) in Frank- 
reich 1747, nach Thory (Acta Lat., n, 286) 
der fanatischte aller unabsetzbaren Meister 
der frühern Grossen Loge von Frankreich, 
der seine Loge im Wirtshaus Zur goldnen 
Sonne in der Strasse St.-Victor eingerichtet 
hatte, wo er auch schlief und für 6 Fr. 
alle Grade der Maurerei erteilt haben soll. 
Auch war er der Stifter einer Loge in Frank- 
furt a. M. [Vgl. Kloss, Geschichte der Frei- 
maurerei in Frankreich, I, 77. Ders., 
Annalen der Loge Zur Einigkeit, S. 26.] 

Beauharnais, Eug^nede (nachmals Fürst 
von Eichstätt und Herzog von Leuchten- 
berg), geb. S. Sept. 1781, gest. in München 
21. Febr. 1824. Als er 1805 zum französi- 
Bch^i Prinzen und Vizekönig von Italien 
erhoben worden war, übernahm er die 
Würde eines Grossmeisters von Italien in 
der Grossloge zu Mailand. 

Beeherer, Chr. Friedr., preuss. Gehei- 
mer Kriegs- und Oberhof baurat in Berlin, 
Direktor des Oberbauamts, Stifter der Bau- 
ffewerkschule daselbst, geb. 1747 in Span- 
dau, gest. 6. Dez. 1828 in Berlin, war 
vom 27. Dez. 1817 bis 27. Dez. 1821 Ordens- 
meister derGrossenLandesloge vonDeutsch- 
land und schloss als solcher insbesondere 
81. Mai 1819 einen Vereinigungsvertrag 
mit der Grossen Landesloge von Schweden. 
[Vgl. Prov.-Kal. fQr Mecklenburg 1824, 
S. 61 fg.] 

Beelisteiii, Ludwig, Dichter und Schrift- 
steller, geb. 24. Nov. 1801 in Weimar, gest. 
14. Mai 1860 in Meiningen, von seinem 
Oheim, dem berühmten Naturforscher Joh. 
Matth. Bechstein in Dreissigacker bei Mei- 
ningen an Eandesstatt angenommen, wid- 
mete sich von Michaelis 1818 der Apodieker- 
kunst in Arnstadt, wo sich seine dichte- 
rische Begabung entwickelte. Herzog Bern- 
hard von Meiningen Hess ihn Geschichte 
und Philosophie studieren und ernannte 
ihn 10. Nov. 1831 zu seinem Kabinets- 
bibliothekar. 1883 wurde er erster Biblio- 
thekar der öffentlichen Bibliothek, 1840 



Hofrat. Als Dichter zeichnete sich B. be- 
sonders auf dem Gebiet der Lyrik und Epik 
aus, nicht minder auf dem Gebiet des xto- 
mans und der Novelle. Er gründete 1832 
den «Hennebergischen altertumsforschen- 
den Verein«, dessen Leiter er 26 Jahre 
war. Berühmt sind unter seinen grossem 
Gedichten: Der Totentanz, Faustus und 
Luther. Thüringens Königshaus, ein deut- 
sches Nationalepos, erschien als nachge- 
lassenes Werk. — In den Bund der Frei- 
maurer wurde er 6. Okt 1842 in der Loge 
Charlotte zu den drei Nelken in Meiningen 
aufgenommen. Die Loge verdankt seiner 
begeisterten Mitwirkung ein neues reges 
Leben. Von 1844—50 war er Schnft- 
führer der ' Loge, 1850 zweiter, 1855 
erster Aufseher und 1856 zugeordneter 
Meister, als welcher er namentlich 
1857 während eines langem Unwohl- 
seins des Meisters vom Stuhl, A. W. 
Müller (s. d.), die Loge mit grosser Um- 
sicht leitete. Hauptsächlich verdient um 
die Maurerei machte er sich durch die 
Herausgabe der freimaurerischen Zeitschrift 
Asträa (s.S.52) seit 1 846, in der er nebstseinem 
Miüierausgeber Müller (s. d.) treflTliche Ar- 
beiten veröffentlichte. Im vierten Bande der 
Zeitschri fb : DieWissenschafben im 1 9. Jahrb., 
erschien von ihm ein Aufsatz: Geschichte, 
Geist und staatliche Ausbreitung der Frei- 
maurerei. Freimaurerlieder sind von ihm 
in grosser Menge vorhanden, ebenso lie- 
ferte er mehrere wertvolle Gelegenheits- 
festgedichte. Am 6. März 1861 feierte 
seine Loge in einer Trauerloge sein An- 
denken, wobei ein von ihm verfEisstes Ge- 
dieht »Psyche« melodramatisch vorgetragen 
wurde. [Vgl. A. 1861, S. 271 fg. mit B.'s 
Bildnis. FZ. 1861, S. 198.] 

Becker, auch Johnson, beides falsche 
Namen des unter dem zweiten berühmt 
gewordnen Leucht (s. Johnson), 

Beeker, 1) Rudolf Zach.. Volks- 
schriftsteller, geb. 9. April 1752 in Erfurt, 
gest. 28. März 1822 als Hofrat in Goth^ 
wurde 1782 Lehrer in Dessau und 
siedelte später nach Gotha über, wo er 
seit 1791 den bekannten Allgemeinen An- 
zeiger der Deutschen herausgab. 1797 
gr£idete er die Beckersche Buchhandlung 
in Gotha. Er gehörte der Loge Zum Eom- 
pass in Gotha, die auch in seinem Hause 
ihre Versammlungen hatte, seit 27. Febr. 1 782 
als Mitglied an, war Freund Bodes (s. d.) 
und eifriger Anhänger der Freimaurerei 
und des lUuminatenordens. In den Jahren 
1786, 1789—90 warB. Redner, später (1798?) 
Schatzmeister der Loge Zum Kompass. 
Von ihm erschien: Grundsätze, Verfassung 
und Schicksale des Illuminatenordens 
(Gotha 1786). [Vgl. Beck, Ernst der Zweite, 
Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg, 
etc. Gotha 1854, an versch. Stellen, s. auch 
S. 111. Ders., Gesch. des goth. Landes, 
Bd.n Gesch. der Stadt Gotha, Gotha 1870. 
an versch. Stellen. H. A. O. Reichara 
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Beckmann — Beförderung. 



79 



(1751 — 1828). Seine Selbstbiographie, 
Überarb. u. nerausgeg. yon ühde (Stuttg. 
1877), inßbes. S. 264. — Reichard, Ver- 
such einer Gesch. d. L. Ernst zum Eom- 
pass etc. im O. v. Gotha (1824), S. 32 
über eine Bede Beckers y. J. 1790. Bbl. 
1890, S. 85.1 

2) Karl Friedrich, Geschichts- 
schreiber, geb. 1777 in Berlin, gest. das. 
15. llärz 1806, war Hauslehrer in Eott- 
bus und 1798—1800 Mitglied des Seminars 
fOr gelehrte Schulen in Berlin. Wegen 
Kränklichkeit widmete er sich dann aus- 
schliesslich litterarischen Arbeiten. Er ist 
der Verfasser der allgemein bekannten 
•Weltgeschichte« (Halle 1801—1805. 9Bde., 
zuletzt Stuttgart 1883—1886, 12 Bde.). In 
den Freimaurerbund wurde er in der Loge 
Zum Brunnen in der Wüste in Eottbus 
6. Aug. 1797 aufgenommen. [Vgl. L. 1897, 
S. 65.] 

Beeknuum, Johann, Begründer der 
Technologie, geb. 4. Juni 1789 in Hoya, 
gest. 8. Febr. 1811 in GöUingen, 1768 
Professor in St. Petersburg, 1766 Pro- 
fessor und SDäter Hofrat in Göttingen, 
bearbeitete die Technologie zuerst in 
wissenschaftlicher Form und gab verschie- 
dene Schriften darüber heraus. Er ist in 
Güttingen in der Loge Augusta zu den 
drei Flammen in den Freimaurerbund auf- 
genommen worden. 

Beekniann, ein in der deutschen Frei- 
maurerei namhaftes Geschlecht. 1) Joh. 
PhiL B., ^eb. 31. Dez. 1752, ^t. 28. Juni 
1814, Dr. jur. und Domherr in Hamburg, 
in den Freimaurerbund aufgenommen in 
der Loge La vertu in Leiden 1776, Meister 
vom Stuhl der Loge Ferdinande Caro- 
line in Hamburg 1787—89, der er sich 1777 
angeschlossen hatte. B. versah l&ngere 
Zeit das Amt des Grosssekretärs, war Präses 
des Schatz- und Almosen-Komitee, zug. 
Provinzialgrossmeisterl 794—99, Provinzial- 
^ossmeister der englischen Provinzialloge 
inHamburg 1799—1811, erster Grossmeister 
der Grossen Loge von Hamburg 181 1—14, 
der treue Genosse Schröders (s. d.), der 
unter B.'s oberster Leitung seine grossen 
Beformen ausführte. Von ihm wurden 12 
neue Logen unter der Grosslo^ von Ham- 
burg gestiftet und eine (Balduin zur Linde 
in Leipzig) angenommen. [VgL Brandt, 
Geschichte des Alten Logenhauses, S.8, 30.] 

2) Philipp Martin B., des Vorigen 
Sohn, geb. 29. März 1788 in Hamburg, 
gest 1868 in Leipzig, früher Bankier, 
oann Privatmaun in Leipzig, in den 
Freimaurerbund in der Loge Ferdi- 
nande Caroline in Hamburg aufge- 
nommen 1. Juni 1806, der Loge Balduin 
zur Linde in Leipzig angeschlossen 1817, 
1818 — 20 zugeordneter Meister der letz- 
tem, um die er sich vielfache Verdienste 
erworben hat. 

3) Hermann B., ^eb. 9. Mai 1819 in 
Leipzig, Sohn des Vongen, Kaufinann und 



italienischer Konsul a. D. das., aufge- 
nommen in die Loge Balduin zur Linde 
1. Juni 1856. [V^. Marbachs Rede in 
der FZ. 1856, S. 265.] 

Beeskow (St. in der preuss. Prov. Bran- 
denburg, 4101 E.). Hier besteht unter der 
Grossen Landesloge in Berlin eine Lo^e 
Euthanasia zurUnsterblichkeit, die 
23. Dez. 1816 in Frankfurt a. O. (s. d.) 
gestiftet und 23. April 1826 nach B. ver- 
legt wurde. Mitgliederzahl (1899): 25. 

BefOrdemng heisst die Erteilung eines 
hohem Grads (is. d.) der Freimaurerei. Sie 
erfolgt unter gewissen symbolischen und 
rituellen Handlungen und ist mit einem 
Unterricht über die Besonderheiten des 
erteilten Grads verbunden. 1) Nach den Ge- 
setzen der Grossloge von England (Kon- 
stitutionenausgabe von 1833, S. 80. Nr. 7) 
soll ein höherer Grad nicht eher als nach 
Ablauf von vier Wochen nach Empfang 
des vorhergehenden und nur nach vorhe- 
riger, in offner Loge vorzunehmender Prü- 
fimg in diesem Grad erteilt werden. Von 
diesen beiden Erfordernissen findet sich 
das erstere auch in den meisten andern 
Logen, nur mit verschiedner Bestinmiung 
des Zeitraums, der seit Erteilung des vor- 
herigen Grades abgelaufen sein muss. So 
ist in Deutschland gewöhnlich eine 
Zwischenzeit von einem Jahre, in manchen 
Logen auch wohl eine solche von zwei 
Ja£-en erforderlich. In Frankreich ist eine 
Zwischenzeit von fünf Monaten zwischen 
dem ersten und zweiten, von zwei Monaten 
zwischen dem zweiten und dritten bestimmt. 
Doch kann von diesem Erfordernisse hier, 
wie in andern Ländern, unter besondem 
Umständen (namentlich inBerücksichtigung 
hohem Lebensalters, besonderer Verdienste 
u. s. w.) abgesehen werden, so dass so^ar 
die gleichzeitige (d. h. unmittelbar aufein- 
ander folgende) Erteilung des zweiten und 
dritten Grads stattfinden kann, die in 
England verboten ist. Bei den hohem, 
über die Johannismde (s. d.) hinausge- 
henden Graden pflegt häufig eine soge- 
nannte historische Erteilung (s.HistoriBohe 
Aufnahme) einzutreten, die übrigens, 
jedoch selten, wohl auch bei der B. zu 
dem zweiten und dritten Johannisgrade 
Platz greift. Diese ist jedoch beschränkt 
auf die zwischen den letzten und Haupt- 

gaden der verschiednen IQassen eines 
ochgradsystems (s. Hoehgrade) inmitten 
liegenden Grade. — 2) Die Prüfung 
ist in Deutschland gewöhnlich auf eine 
Begutachtung der Befähigung des Be- 
trenenden durch einen Prüfungsausschuss 
(s. d.) und eine Abstimmung (meist 
durch Kugelung) der den betreffenden 
hohem Graden angehörigen Mitglieder be- 
schränkt. Li einigen Logen wird ausser- 
dem die schriftliche Arbeit aus dem Be- 
reich des Grades, dem der zu Beför- 
dernde zur Zeit angehört, erfordert, eine 
Einrichtung, die äs sehr ^ zwec^iäi^i^ 
y y ^^ 



80 



Befreiung — BegräbniA. 



anerkannt und allenthalben zu empfehlen 
ist. Auch finden in den verschiednen 
Logen darin Abweichungen statt, dass 
die einen die B. von einem vorherigen 
Gesuch um solche abhängig machen, die 
andern im Gegenteil ein solches für 
unzulässig erklären und blosse Berufung 
zur B. durch den Meister vom Stuhl (nach 
vorheriger Begutachtung) eintreten lassen. 
3) Die GebührenfürB. werden mehr und 
mehr abgeschafit, damit die B. nicht durch 
Zahlung, sondern durch Würdigkeit er- 
reicht werde. Die Gebühren werden dann 
entweder zu den Aufnahmegebühren ge- 
schlagen oder besser nebst diesen auf eine 
Reihe von (zehn) Jahren verteilt. — 4) Die B e - 
k u n d u n g der B. erfolgt durch Ausfertigung 
eines neuen Logenpasses (s. d.) oder durch 
Bescheinigung auf dem alten, noch gül- 
tigen.— 5) Auch im Auftrag andrer Locen 
kommen B. vor, und zwar häufiger als oei 
Aufnahmen. Ohne ausdrückliche Zustim- 
mung der Heimatlogen sind B. ungültig. 
C7g\, E. Fischer, Entwurf zu einem Hand- 
uch für die Amtsthätigkeit der Logen- 
meister (Lpz. 1891), 8. 17. Bh. 1874, S. 408. 
FZ. 1867, 8.41; 1873 8. 229. Mittheilungen 
aus dem Verein aeutscher Freimaurer 
1878/74, 8. 34J 

Beft*eiiuig (Dispensation), die in einem 
einzelnen Falle von gewissen maurerischen 
Verpflichtungen gewährt wird, z. B. von 
der ^Entrichtung von Beiträgen oder Ge- 
bühren, oder von Vorschriften der Logen- 
gesetze, z. B. den Fristen für die Auf- 
nahme oder Beförderung, pflegt aus Grün- 
den der Billigkeit und Zweckmässigkeit 
erteilt zu werden und steht meistenteils 
dem Beamtenkörper oder doch dem Vor- 
stand einer Loge, in manchen Fällen bloss 
der Grossloge zu. — Li Nordamerika kann 
eine neue Xoge durch B. eines Gross- 
meisters eröffnet werden, die aber nur 
vorläufige Gültigkeit bis zur nächsten 
Grosslogensitzun^ hat, in der sie entweder 
bestätigt oder widerrufen wird. Li ähn- 
licher Weise erteilt die Grossloge von Un- 
garn »provisorische Arbeitsbewilligungen«. 
Begemanii, Wilhelm, Dr. phil., 8chul- 
mann, geb. 26. Juli 1843 in Bückeburg, 
nach Abschluss der 8tudien 1872—76 
Dozent an der damaligen Akademie für 
neuere 8prachen in Berlin, 1876—95 8chul- 
direktor in Rostock, seit 1895 in Char- 
lottenburg. Von ihm erschienen bemerkens- 
werte Arbeiten zur Vorgeschichte und Ge- 
schichte der Freimaurerei, namentlich in 
der Berliner Zirkelkorrespondenz und im 
Mecklenburgischen Logenblatt. Haupt- 
arbeiten: »Beiträge zur Würdigung der 
englischen Werkmaurer vor Gründung der 
Londoner Grossloge« [BZC. 1888—94]. 
»Beiträge zur Geschichte des Namens 
Königliche Kunst« [BZC. 1895]. »Bemer- 
kungen zu einigen Rosenkreuzerschriften 
(8chweighardt)« [BZC. 1896]. »Deismus 
und Freimaurerei?« [M. L. 1894-96] (nach- 



gedruckt in der »Bauhütte«). 8eit Jahren 
ist er mit 8tudien der Bosenkreuzerei be- 
schäftig, um die Frage der Existenz der- 
selben in verneinendem Sinne zu entschei- 
den. Aufgenommen am 1. Febr. 1879 in 
der Vereinigten Johannisloge L'ene zu den 
drei Sternen^ Tempel der Wahrheit und 
Prometheus in Rostock, war er deren ab- 
geordneter Logenmeister 1883 — 86, ab- 
geordneter Meister der Andreasloge Lu- 
oens das. 1886—88 und Provinzifdgross- 
meister von Mecklenburg 1888 — 95. 

Begräbnis. Von alters her ist es 8itte, 
beim Tode eines Freimaurers die ehrende 
Teilnahme der Loge, der er angehörte, 
durch Beteiligung beim Begräbnis, auch 
durch Vornahme gewisser maurerischer 
Gebräuche bei diesem an den Tag zu legen. 
I. Über die nach alter englischer 8itte 
beobachteten Gebräuche und Feierlich- 
keiten 8. A. Z. 1833/34, 8. 307 fg. — Li 
Nordamerika bestehen im allgemeinen die 
englischen Bestimmungen. Nähere Be- 
schreibung der Feierlichkeiten in der vo- 
rigen Auflage I, 8. 88 und A. VII, 8. 5» fg. 
Femer findet man die Beschreibung eines 
maurerischen Begräbniszugs in 8cnlözer8 
Briefwechsel, Th. 5, Heft 29, Nr. 88. ü. In 
Deutschland finden maurerische Leichen- 
begleitungen statt, aber nie in voller maure- 
rischer Bekleidung, dagegen spricht wohl 
am Grabe ein Logenmit^lied. Viele 
Logen haben besondere Bestimmungen, so 
die Loge Zum schwarzen Bär in Hannover 
V. J. 1827, die Logen in Leipzig v. J. 1852. 
[Vgl. L. 1886, 8. 29.] Die Loge Balduin 
zur Linde hat dabei den richtigen Vor- 
behalt gemacht, dass es dem Meister vom 
Stuhl überlassen bleibt, in jedem einzelnen 
Falle darüber Entschliessun^ zu fassen, ob 
ein maurerisches B. im 8inne des Ver- 
storbenen und im Literesse der Lo^e, sowie 
der Freimaurerei überhaupt erscheine oder 
nicht. Vielfach werden an 8telle der 
Leichenbegleitungen und der Ansprachen 
am Grabe Haustrauerfeiem oder solche 
in der Loge abgehalten, die entschieden 
Vorzug vor jenen öffentlichen Veranstal- 
tungen verdienen, zumal auch den Familien- 
angehörigen dadurch Gelegenheit ge- 
geben wird, sich zu beteiligen. [Ritual 
hierzu R. 1876, Nr. 9. L. 1899, 8. 177.] 
Die Vereinte Loge Zu den drei 8chwertem 
und Asträa zur ^lilnenden Raute in Dresden 
hat ein Begräbnisstatut 1853 erlassen, ebenso 
ein Regulativ die Loge Apollo in Leipzig 
[FZ. 1863, 8. 16]. Reden am Grabe von Brü- 
dern sind erschienen von R JPischer unter dem 
Titel »Akazienzweige« (Gera 1871). [VgL da- 
rüber noch Bh. 1860, 8. 361.] HL Für Be- 
stattung durch Feuer hat man in Amerika 
bereits besondere Rituale ausgearbeitet 
und Bestimmungen getroffen, ebenso be- 
stehen solche för Bestattungen zur See. 
[Vgl. FZ. 1856, 8. 407. Ln übrigen vgl. 
K. Fischer, Entwurf zu einem Hand- 
buch für die Amtsthätigkeit der Logen- 
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B^gue-Clavel — Beldnyi. 



81 



meister (Lpz. 1891), S. 23. Bbl. 1897, S. 
288 fg.] 

B^oe-ClaTel, F. T., s. ClaveL 

Belarrender wird nach dem Ritual der 
Loge in St Gallen und der Grossloge 
Zur Sonne der zu befördernde Lehrling 
genannt. 

Beifallsieicheii ist das in maurerischer 
Form gegebene Zeichen der Zustimmung 
oder Bejfüiung zu einem gemachten Vor- 
schlag oder zu einer gestellten Frage. 
(S. Abstiimnung.) 

Beigeordneter Meister Tom Stuhl, s. 
Zugeordneter M. v. 8t. 

Beiträge 1) zu den Logen seitens der 
Mitglieder sind teils Aufnahme- und Be- 
förderungsgebühren, teils laufende (Jah- 
res-) Beitr^e. Erstere sind zum Teil ziem- 
lich hoch (bis zu 800 Mark und mehr;, 
letztere richten sich meist nach den örtlichen 
Verhältnissen, steigen aber auch (infolge 
der neuen Logenbauten) bis 50 Mark und 
mehr. In einzelnen Logen bestehen Ein- 
kaufsgelder wegen des Immobiliar- und 
Kapitelbesitzes, die in die Au&ahmege- 
bühren eingerechnet sind. Hier und da 
werden die sonstigen Aufnahme- und die 
Beförderungsgebühren auf eine Reihe von 
(zehn) Jahren y erteilt und zu den Jahres- 
beiträgen geschlagen, sind aber bei vor- 
herigem SeiwilliKen Ausscheiden ent- 
sprechend zu be^eichen. Die Beiträge 
müssen so bemessen sein^ dass die Loge 
unter Hinzurechnung ihrer sonstigen 
regelmässigen Einnahmen mit den laufen- 
den Ausgaben auskommen kann. Ein 
Vorschlag, die Selbsteinschätzung einzu- 
führen und die Beiträge nach den Ver- 
mögensverhältnissen der Mitglieder zu be- 
rechnen, ist nirgend befolgt worden. 
Die auswärtigen Mitglieder zahlen in der 
Kegel weniger Beiträge, als die einhei- 
mischen: ebenso werden die BeitrSge der 
ständig Desuchenden (s. d.) Mitglieder ge- 
ringer bemessen und düifen drei Vier- 
teile der Beiträge der einheimischen Mit- 
gliedern innerhalb des Deutschen Gross- 
logenbundes nicht übersteigen. [Vgl. R. 
Fischer, Entwurf zu einem Handbuch für 
die Amtsthätigkeit der Logenmeister 
(Lpz. 1891), S. 82.] 2) Die Beiträge der 
Logen an die Grosslogen sind in Eng- 
land gering und wurden noch nach dem 
Xonstitutionenbuch 1841 nur von den Mit- 
gliedern für Eintragung in das grosse 
Logenregister und den Wohlthätigkeits- 
fonds, nicht von den Logen entrichtet. In 
Deutschland wurde die Beitragspflicht der 
Logen durch die strikte Observanz und 
deren ökonomischen Plan eingeführt und 
ist von da am ausgebildetsten auf die 
Grosse Landesloge in Berlin übergegangen, 
wo noch der dritte Teil sämtlicher Auf- 
nahme- und Beförderungsgebühren, sowie 
ein Beitrag zur Armenkasse der Grossen 
Landesloge abzuführen ist. Letzterer 
(Johuinesdukaten, auch Goldthaler — 

AUgemeints Handbuch der Freimaurerei. 



s. d. — genannt) besteht auch sonst 
noch in einzelnen Grosslogen, sonst 
ist der Beitrag fest bestimmt, am gerech- 
testen bei den Grosslogen in Hamburg, 
in Darmstadt und in der Schweiz nach 
der Mitgliederzahl berechnet. Ebenso ist 
es in der Grossen National-Mutterloge Zu 
den drei Weltkugeln, wo der Beitrag 
Bekognitionsgebühr genannt wird. 
Bei der bunten Mannigfaltigkeit innerhalb 
der deutschen Grosslogen dürfte sich 
eine grössere Gleichheit sehr empfehlen; 
sie wird auch sonst zur Einheit wesent- 
lich mit beitragen. [Vgl. FZ. 1878, S. 81.] 
Bekleidang. Die älteste schriftliche 
Nachricht über maurerische Bekleidung 
stammt von 1728. Li Bezug auf das Jo- 
hannisfest dieses Jahres wird gesagt, dass 
sämtliche Brüder »in geziemender Klei- 
dung« erschienen seien. Man darf daraus 
schliessen, dass schon damals eine be- 
sondere maurerische B. bestanden habe. 
Sie hat aber wahrscheinlich nur in Schurz 
(b. d.) und Hut (s. d.) bestanden. Die 
Sitte des Tragens von Handschuhen ibt 
erst später hinzugetreten. Das Degen- 
tragen (s. d.) ist noch später aufge- 
kommen und im allgemeinen wieder ver- 
schwunden. Einer noch viel spätem 
Zeit entstammen die Mitgliedszeichen (s.d.) 
und deren Anlegung. Schurz und Hut 
führen auf die alten Steinmetzbrüder- 
schaften (s. d.) zurück und werden deshalb 
überall hochgehalten. Diese einfache mau- 
rerische B. schwand nach Errichtung der 
ersten Grossloge in England; von da ab 
ward die B. immer prunkender, zu- 
gleich unter Scheidung aer Beamten und 
der übrigen Mitglieder. — Die B. wird 
nur bei rituellen Logenversammlungen 
angelegt. In den Grosslogen und den 
Tochterlogen, die ausschliesslich in den 
Johannisgraden arbeiten, gilt vielfach die 
Bestimmung, dass Abzeichen höherer Grade 
nicht getragen werden dürfen. [Vgl. 
Triangel 1869 S. 66. M. L. 1898/99 S. 49.] 
In England hatte das Tragen manrerischer 
B. ausserhalb der eigentlichen Logen- 
arbeiten sehr überhandgenommen. Wäh- 
rend es früher nur vorkun bei der Grund- 
steinlegung zu einem öfientlichen Ge- 
bäude, ward später auch die Erlaubnis nach- 
fesucht für Gottesdienste, Bälle und 
[onzerte zum Besten eines freimaure- 
rischen Wohlthätigkeitszwecks. Infolge- 
dessen ist 25. Mai 1899 bestimmt worden, 
dass das Tragen maurerischer B. bei 
Gottesdiensten in Kirchen, wie bei Unter- 
hidtungen in Gegenwart von Frauen und 
Nichtmaurem nicht gestattet ist. [Vgl. 
L. 1899, S. 111.] Einen gleichen Bescüluss 
hat die Grossloge von Neusüdwales gefasst. 
Belänyl, Franz, Finanzministerialsekre- 
tär., geb. 29. Juni 1844 in Budapest, gest. 
das. 27. Juli 1881, wurde 14. Dez. 1872 
in der Loge Kisfaludy in Baab aufge- 
nommen, trat, nach Budapest berufen, der 
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82 



Beigard — Belgien. 



Loge Galilei bei und wurde 1. Nov. 1875 
Chef der Kanzlei der Grossloge, als wel- 
cher er zugleich einige Zeit deren amtliches 
Organ leitete, auch einige Aufsätze in 
Wiener Maurerblättern veröffentlichte. 

Beigard (St. in der preuss. Prov. Pom- 
mern, 7386 E/). I. Hier Destanden folgende 
Logen: 1) Zur Eintracht, unter der 
Grossen Landesloge zu Berlin, 16. Febr. 
1775 errichtet, geschlossen seit 1785; 
2) Aurora, von der National-Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln 20. Dez. 1785 
gegr., unter der Leitung des Prinzen 
Ludwig von Württemberg (s. d.) als 
Meister vom Stuhl. Als dieser aber im 
folgenden Jahre mit seinem Stabe nach 
Treptow (s. d.) versetzt wurde, wurde auch 
die Loge dcLhin verlegt. 11. Im Okt. 
1880 wurde hier ein maurerisches Kränz- 
chen ins Leben gerufen, das aber auch 
^eder längst eingegangen ist. 

Belgien (Königreich). L (B. unter 
österreichischer Herrschaft.) In den 
österreichischen Niederlanden schlug die 
Freimaurerei früher als in Holland Wurzel ; 
doch ist die älteste Geschichte ziem- 
lich dunkel. Nach einer in den Annales 
maQonniques des Pays-Bas (I, 14) abge- 
druckten Urkunde soll schon 24. Juni 
1721 zu Mons im Hennegau eine Loge 
La parfaite union mit Zustimmung des 
Grossmeisters der Grossen Loge von Eng- 
land, Herzog von Montagu, errichtet wor- 
den sein, was aber höchst zweifelhaft 
erscheint. [Vgl. L. 1896, S. 96. AQO 
X, 46.] Auch in Gent soll eine Loge 
gleichen Namens seit 1730 bestanden 
haben. Obgleich die Freimaurerei während 
des 18. Jahrb. in B. nicht verfolgt worden 
ist, weil die päpstlichen Bannbullen macht- 
los waren, hat sie doch keine grosse Ent- 
wicklung gefunden, bis zur Regierung des 
Statthalters Karl von Lothringen, der Frei- 
maurer war, wie der Gemahl der Kaiserin 
Maria Theresia, Franz von Lothringen. 
Der Einfluss der Freimaurerei wurde deut- 
lich erkennbar seit der Gründung der 
Grossen Pro vinzialloge der Niederlande 1 770 
durch den Marquis von Gages, der 1769 vom 
Grossmeister der Grossloge von England, 
Herzog von Beaufort, zum Provinzialgross- 
meister der österreichischen Niederlande 
ernannt worden war. Als die Bildung einer 
österreichischen Landesloge 1781 geplant 
und vorläufig die Monarchie in sieben 
Provinziallogen geteilt wurde, sollte auch 
in den österreichischen Niederlanden eine 
solche errichtet werden; sie kam jedoch 
nicht zu Stande. Nach Errichtung der 
österreichischen Landesloge 1784 aber 
setzte ein besonderes kaiserliches Dekret 
diese auch fOr die Niederlande als höchste 
freimaurerische Behörde ein, und es sollten 
Logen, die deren Oberherrschaft nicht 
anerkennen, aufgelöst werden. Trotzdem 
kam es zu keinem engem Anschluss der 
niederländischen Logen an die österreichi- 



sche Landesloge. Vielmehr trat plötzlich 
ein Umschwung ein durch zwei Edikte 
des Kaisers Joseph II. vom 9. Jan. und 
vom 15. Mai 17o6, deren letzteres alle 
belgischen Logen aufhob, mit Ausnahme 
von zwei oder drei in Brüssel, die ihre 
Listen dem Statthalter einliefern und ihre 
Thüren der Polizei offen halten mussten. 
So blieben nur die drei Logen: L'heureuse 
rencontre, Les vrais amis riunis, Les vrais 
amis de Tunion in Brüssel bestehen, zwei 
andere La constance, L'union und La par- 
faite amiti^, sowie 18 Logen in den Provinzen 
mussten ihre Tempel schliessen. Die Logen 
in Lüttich und Spaa, die in dem Fürsten- 
tum Lüttich lagen und unmittelbar von 
ihrem Fürstbischof abhingen, blieben offen. 
Mehrere Logen unterhielten aber heimlich 
ihre Arbeiten. An der Spitze der Logen 
standen damals überhaupt die vornehmsten 
Edelleute, die den demokratischen Ten- 
denzen ergeben waren und dadurch ihren 
Einfluss auf das Volk verdoppelten. Selbst 
die Geistlichen waren zu jener Zeit warme 
Anhänger der Freimaurerei und der Bischof 
von Lüttich gehörte 1770 der dortigen 
Loge an, während deren Beamten alle aus 
der hohem Geistlichkeit waren. Die Loge 
L'heureuse rencontre in Brüssel bestand 
1786 aus 42 Mitgliedern, unter denen sich 
der Marquis von Chasteler als Meister 
vom Stuhl, der bekannte H. van der Noot, 
die Herzöge von Ursel und von Aremberg, 
die Prinzen von Ligne und von Gavre und 
andre angesehene Männer befanden. [S. hier- 
über die unter dem Pseudonym J. le Sueur 
von Robineau Beaunoir herausgegebene 
Schrift : Les masques arrach^es u. s. w. bei 
Kloss, Bibl., Nr. 3439, 8440.] Die Brüssler 
Logen hatten sich stets vor den andern 
hervorgethan. Man feierte dort sogar, ge- 
wissermassen um den Sieg über die An- 
sichten des Wiener Kabinetts zu begehen, 
80. April 1787 ein grosses maurerischeB 
Fest von 420 Gedecken. Beim gleich- 
zeitigen Ausbruch der Revolution in Paris 
und Brüssel 1789 beschloss Joseph II. die 
Freimaurerei unbedingt in allen seinen 
Staaten zu verbieten; aber sein Tod 20. 
Febr. 1790 verhinderte die Ausführung. 
Sein Nachfolger Leopold H. gab, als er 
die Macht in den Niederlanden wieder 
erhielt, der Freimaurerei die Freiheit zu- 
rück. — n. (B. unter französischer 
Herrschaft.) Mit dem Übergjmg der 
österreichischen Niederlande an die fran- 
zösische Herrschaft traten auch die Logen 
unter den Grossorient von Frankreich. Ea 
waren deren vor dieser Zeit überhaupt 34 
(mit Einschluss derer in dem Fürstentum 
Lüttich) gewesen, teils von der Grossen 
Loge von England, teils vom Grossorient 
von Frankreich, oder von Provinzialgross- 
meistem gegründet; aber nur fünf über- 
dauerten die Epoche der französischen 
Herrschaft und oestanden noch 1814: La 
bonne amitiö in Namur, Les Mres r^unis 
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Belgien. 



83 



in Toumay, La parfaite intelligence in 
Lüttich y Les vrais amis de Tunion in 
BrüBsel und Les trois niveaux in Ostende; 
die andern waren alle bereits vor 1795 er- 
loschen. Dagegen kamen allerdings von 
1799—1813 22 andre hinzu, die vom Gross- 
orient von Frankreich gestiftet wurden 
und 1814 noch bestanden, und sechs, 
welche inmittelst gestiftet worden, aber 
auch wieder eingegangen waren. Die 
Geschichte der Maurerei in B. in diesem 
Zeitraum geht ganz in der der Maurerei 
in Frankreich auf. — HL (B. als Teil 
des Königreichs der Niederlande.) 
Als die französische Herrschaft beseitigt 
war, zählte man (1. Jan. 1814) in den süd- 
lichen Niederlanden 27 Logen. Diese Zahl, 
die sich durch die Vereinigung der beiden 
Brüssler Logen La paix und La candeur 
1816 auf 26 ermässigte, stieg seit der Ein- 
setzung der südlichen Grossloge des König- 
reichs 11. April 1818 auf 30 und seit der 
Versammlung dieser Grossloge 19. Juni 
1820 auf 33. Die Lage der Logen war, 
nachdem diese 1814 der Oberleitung des 
Grossorients von Frankreich ledig gewor- 
den waren, sehr unsicher. Man föhlte das 
Bedürfnis einer Vereinigung, aber über 
die Wege, zu dieser zu gelangen, war man 
verschiedner Ansicht. Einige der sog. 
schottischen Logen versuchten ihrem Sy- 
stem die Oberherrschaft zu verschaffen. 
Ein sog. Conseil des sublimes princes du 
royal secret in der Brüssler Loge Les amis 

Shilanthropes erliess 10. Dez. 1814 ein 
»undschreiben, in dem es sich als die 
höchste maurerische Oberbehörde aller 
belgischen Logen erklärte. Die Logen 
lehnten jedoch diesen Vorschlag ab, teils 
als verfrüht, weil die politischen Verhält- 
nisse B.'s erst noch ihrer Erledigung auf 
dem Wiener Kongresse harrten, teils als 
zu vorgreifend, weil es dazu einer Über- 
tragung der obersten Gewalt von den ein- 
zelnen Logen bedürfe. Mehr Aussicht auf 
«in günstiges Ergebnis versprach eine Be- 
ratung, die die Meister vom Stuhl der drei 
Logen des Rite ancien r^form6 in Brüssel 
— Les vrais amis de l'union, L'esp^rance 
und La parfaite amiti^ — und der beiden 
fichottischen Logen daselbst — La paix 
et candeur und Les amis philanthropes — 
im Nov. 1815 bei dem Meister vom Stuhl 
der genannten Loge L'espörance, Honno- 
rez, hielten und in der man beschloss, einen 
Ausschuss von 15 Abgeordneten zur Vor- 
legung eines Organisationsentwurfs nieder- 
zusetzen. Von den Entwürfen, die im 
Laufe des Jahres 1816 von vier dieser 
Logen vorgelegt wurden, nahm man Ende 
desselben Jahres den der Loge Les amis 
philanthropes alß Grundlage eines allge- 
meinen Entwurfs an. Obwohl nun infolge- 
dessen sämtliche Logen B.'s zu einer Ge- 
neralversammlung von Abgeordneten zur 
Bildung eines Grossorients eingeladen 
«wurden und diese Versammlungen auch 



1. Febr. und 15. März 1817 in Brüssel statt- 
fanden, kam es doch zu keiner Vereinigung. 
Vielmehr bildeten die dem altschottischen 
Direktorium sich anschliessenden Logen 
ein Supr^me Conseil im 33. Grade des Rite 
^cossais, wie schon durch das oben er- 
wähnte Rundschreiben ausgesprochen war, 
als oberste maurerische Behörde, wogegen 
die Logen, die dem Rite ancien röform^ 
mit sieoen Graden huldigten, ein Grand 
Atelier de la Belgique für dieses System 
gründeten. Um diese Zeit, 6. Mai 1817, 
erging infolge eines schon 1815 von dem 
Justizminister, später von dem Staats- 
sekretär Baron v. Falck (der dem Maurer- 
bunde angehörte) an den König erstatteten 
Berichts eine Zuschrift des zweiten Sohnes 
des Königs, des Prinzen Friedrich der 
/Niederlande, an die belgischen Logen, 
worin diesen, gemäss dem Entschluss, den 
der König auf jenen Bericht gefasst hatte, 
der Wunsch der Beamten der unterdes ge- 
gründeten Grossloge von Holland zu einer 
engern Verbindung unter einer den nörd- 
lichen und südlichen Provinzen des König- 
reichs der Niederlande gemeinschaftlichen 
maurerischen Oberbehörde, jedoch mit Er- 
richtung zweier besondem, voneinander 
unabhängigen Provinzialgrosslogen, ausge- 
sprochen wurde. Nach längern Verhand- 
lungen beschloss man belgischerseits die 
Vereinigung, worauf 11. April 1818 die 
Einsetzung der Provinzialgrossloge der 
südlichen Provinzen in Brüssel erfolgte. 
Bei der Grossloge wurde eine besondere 
Abteilung zur Acuninistration der südlichen 
Provinzen errichtet, die zugleich die west- 
indischen Kolonien und Luxemburg unter 
sich hatte. — Von da an hat die belgische 
Freimaurerei wiederum mit der der Nieder- 
lande eine gemeinschaftliche Geschichte 
(s. Niederlande), und es sei hier nur er- 
wähnt, dass in B. insbesondere während 
dieses Zeitraums sich mehrere besondere 
maurerische Systeme Geltung zu verschaffen 
suchten. — IV. (B. als selbständiges 
Königreich.) Nach der Trennung B.'s 
von dem Königreich der Niederlande for- 
derte die frühere Provinzialgrossloge 16. 
Dez. 1832 alle Logen auf, sich unter ihr 
als selbständiger maurerischer Oberbehörde 
zu vereinigen, und lud zu einer Versamm- 
lung von Abgeordneten für den 25. Febr. 
1833 ein, die allerdings bloss von vier 
Logen beschickt wurde, während fünf andre 
die Einladung teils stillschweigend, teils 
ausdrücklich abgelehnt hatten, sechs andre 
aber damals unthätig waren. An diesem 
Tage bildete sich der Grand Orient de 
Belgique. [Eine Denkmünze darauf BDMW. 
Nr. 244.] Am 23. Mai desselben Jahres 
traten neun Abgeordnete, die auf drei Jahre 
zum neuen Grossorient von B. gewählt 
waren, zusammen und ernannten vorläufig 
J. de Frenne zum ersten Grossaufseher, 
während sie die Stelle eines Grossmeisters 
vorläufig noch unbesetzt li^eo^ JEiPi ppt 
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84 



Belgien. 



irrosser Mässigong und IQugheit abgefasstes 
Bundschreiben vom 1. April desselben 
Jahres enthielt die Grundsätze, die den 
Grossorient leiteten, an der Spitze die Er- 
klärung: »Der Grossorient darf und muss 
nichts mehr sein, als die nationale Ver- 
tretung der Maurerei c. Infolgedessen 
schlössen sich die meisten Logen B.'s der 
neuen Vereinigung an. Diese stellte sich 
unter den Schutz des Königs Leopold, der 
in der Grossloge von England das Amt 
eines ersten Grossaufsehers verwaltet hatte, 
und man wählte hierauf 1. März 1885 den 
Baron Goswin Jos. Augustin y. Stassart 
zum (L) Grossmeister, der 3. Mai eingesetzt 
wurde. [Eine Denkmünze auf seine Ein- 
setzung s. HMW. Nr. 246; eine weitere v. 
J. 1839 in HMW. Nr. 252.] Die wenigen 
Logen, die sich dem Grossorient nicht an- 
schliessen wollten, wurden 4. Jan. 1836 
für unregelmässig erklärt. Als Baron v. 
Stassart 10. Juni 1841 sein Amt nieder- 
legte, folgte ihm 11. Juli 1842 in dieser 
Würde (2^ Eugen Defacqz d'Ath, Rat am 
Kassationshofe in Brüssel, und als zu- 
geordneter Grossmeister Peter Theodor 
Verhaegen (s. d.), Advokat und Präsident 
der Abgeordnetenkammer, der (3.) die Gross- 
meisterwürde 1854 bis zum 8. Dez. 1862, 
seinem Todestage, inne hatte. Nach ihm 
waren Grossmeister: 4) Joseph Viktor van 
Schoor, Senator (geb. 1806, gest. 30. März 
1895), 1862—1869; 5) Pierre van Hum- 
beeck (s. d.), Advokat, Repräsentant und 
Unterrichtsminister, 1869—1872 [HMW. 
Nr. 259, 260, 261, 262]; 6) August Pierre 
Couvreur, Publizist, später Vizepräsident 
der Abgeordnetenkammer (gest. 4 894), 1872 
bis 1875; 7) Henri Bergö^ Professor der 
Chemie an der Universität in Brüssel, 1875 
bis 1878; 8) Couvreur (von neuem), 1878 
bis 1880; 9) Berg^ (von neuem), 1880 bis 
1888; 10) Graf Eugke Goblet d'Alviella, 
Professor an der Universität in Brüssel, 
Senator, 1884—1886; 11) Viktor Lynen, 
Kaufmann, 1887-1889; 12) Emest Reisse, 
Wechselagent, Präsident des Provinzial- 
kollegiums von Brabant (gest. 28. Jan. 1894), 
1890—1893 ; 13) Ch. Houzeau de Lehaie, Pro- 
fessor an der Bergschule in Mons, Senator, 
1893—1895; l4:)Bers6 (von neuem) seit 1896. 
Die Verfassung des Grossorients, aus 15 
Artikeln bestehend, wurde 19. Jan. 1838 
beschlossen. Sie bezieht sich bloss auf 
die symbolischen Grade und lässt die 
Grade und Systeme, welche darüber 
hinausgehen^ unbeachtet. Als Zweck der 
Freimaurerei erklärt sie die moralische 
Vervollkommnung des Menschen. Mit- 
glieder des Grossorients sind drei Abge- 
ordnete jeder Loge; er ernennt aus seiner 
Mitte 14 Grosswürdenträger. Die Verfassung 
ist später ohne wesentliche Abänderungen 
revidiert worden, und zwar unter Weg- 
lassung der Devise A. L. G. D. G. A. D. L.U. 
— V. Schon 13. Dez. 1833 hatte der 
Grand Orient de Belgique die Zulässig- 



keit einer Häufung der Rite in seinen 
Logen anerkannt. Daher bestehen bei 
den belgischen Logen auch noch höhere 
Grade unter der Leitung des Supr^me 
Conseil (des sog. Schottischen Ritus), das 
1. März 1817 unter dem General Rouyer 
als ersten Grand Commandeur begründet 
wurde. Ihm folgten in dieser Würde Cras- 
sous, Ramel, (1841) P.Alb. J.Stevens, Advo- 
kat am Appellationshof in Brüssel, (1852) 
Carton de Famillieureux , Kriegsminister 
Generalleutnant Renard, Unterrichtsminis- 
ter Pierre van Humbeeck und Emile de Mot, 
Advokat und Schöffe der Stadt Brüssel. 
Nach einem Vertrag von 1880 hat der 
Grossorient dem SuprSme Conseil die 
Herrschaft über alle hohem Grade, als 
die 8 Johannisgrade, überlassen und um- 
gekehrt, nur aie Logen in Brüssel und 
eine Loge in Antwerpen haben ihre doppelte 
Behörde fttr alle von ihnen zu erteilen- 
den Grade beibehalten. VI. Nach dem 
Ritus von Memphis (s. d.) wurde in 
Brüssel eine Loge L'invisible Mai 
1854 errichtet, und aus dem J. 1857 wird 
daselbst ein Grand Conseil r^pr^sentatif 
dieses Ritus für Belgien namhait gemacht. 
Zwei andre Logen desselben Ritus La 
bienveillance und Les sages d'H^lio- 

Eolis sollen 1843 in Brüssel bestanden 
aben. Der Ritus ist aber längst wieder 
erloschen. VII. Eine Spaltung trat 1854 
infolge eines Vortrags ein, den der zu- 
geordnete Grossmeister Verhaegen am Jo- 
hannisfest dieses Jahres hielt und worin 
er es für zulässig und notwendig erklärte, 
auch politische und kirchliche Angelegen- 
heiten in den Logen zu verhandeln. Um 
dies gehörig zu würdigen, muss man in 
Betracht ziehen, dass die Freimaurerei in 
B. schon seit längerer Zeit den An- 
feindungen der politisch - kirchlichen 
Obskurantenpartei ausgesetzt war. Schon 
im Dezember 1837 waren durch ein 
Rundschreiben der Bischöfe von B., 
das diese infolge einer Versammlung in 
Mecheln erliessen, und zu Anfang des 
Jahres 1838 durch einen Fastenbrief dea 
Bischofs V. Bommel in Lüttich die stärk- 
sten Angriffe auf die Freimaurerei ge- 
macht worden. Diese Agitation gab dem 
Grossorient Veranlassung, bei Gelegenheit 
einer grossen im März 1838 veranstalteten 
Festloge, bei der 800 Freimaurer an- 
wesena waren, eine Denkmünze mit der 
Umschrift: »La ma9onnerie vivra, Dieu le 
veut« (Die Freimaurerei wird leben, Gott 
will es), und einem Auszug maurerischer 
Grundregeln prägen und verteilen zu 
lassen. [S. diese HMW. Nr. 249.] Eben- 
so hatte 15. März 1845 nach einer Sitzung 
der Abgeordnetenkammer in Brüssel der 
Minister des Innern, Nothomb, gegen den zu- 
geordneten Nationalgrossmeister V erhaegen 
geäussert, die damalige Schilderhebung 
gegen die Jesuiten in der Schweiz jühre 
von belgischen Maurern her. 

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Belgien. 



85 



diesen Vorwurf verteidigte sich der Gross- 
meister Defacqz in einem öffentlich ver- 
breiteten Brief an Nothomb [abgedr. in 
der Zeitschrift L'orient 1845, S. 296 fg.]. 
Gleichwohl fuhr die katholische Partei fort, 
durch ihr Organ, das Journal de Belgiaue, 
gegen die Freimauerei zu kämpfen. Un- 
ter diesen Verhältnissen trat derselbe Ver- 
haegen, gegen den Nothomb jene Äusse- 
rung gethan hatte, 1854 in der gedachten 
B>ede mit der liberal-demokratischen Auf- 
fassung des Berufs der Freimaurerei her- 
vor. Er erklärte, das Verbot von Verhand- 
lungen der Freimaurer über Politik und 
Beligion sei nur im Reglement der Gross- 
loge, nicht in der allgemeinen Verfassung 
enthalten und könne daher sofort durch 
Grosslogenbeschluss wieder aufgehoben 
werden; der Geist der Freimaurerei ver- 
lange dies; der Freimaurer habe das Recht 
und die Pflicht, sich wie ausserhalb, so 
auch in den Logen über jede moralische 
oder materielle ^rage, sei sie sozialer oder 
philosophischer, d. h. politischer oder 
religiöser Natur, aufsuklären. Die Ver- 
sammlung stimmte dieser Aussprache leb- 
haft bei, und es wurde die Rede Ver- 
haegens durch den Druck veröffentlicht. 
Diese Erklärung erregte bei den deut- 
schen Logen grosses Aufsehen. Die Loge 
Apollo in Leipzig war die erste, die durch 
ihren Meister vom Stuhl, Lucius, SO. Okt. 
1854 einen »offenen Protest« gegen diese 
Auffassung unter Hinweis auf me allge- 
meinen Grundsätze der Freimauterei er- 
gehen liess [FZ. 1854, Nr. 461. In glei- 
chem Sinne sprachen sich mehrere andre 
deutsche Grosslogen aus und brachen in- 
folgedessen den Verkehr mit dem Gross- 
orient ab, indem sie zu^eich den Mit- 
gliedern seiner Logen den Zutritt zu ihren 
Logen verweigerten, so die Grossloge 
von Hamburg 16. Dez. 1854, die Grosse 
Landesloge von Sachsen 18. Nov. desselben 
Jahres [FZ. 1854, Nr. 49], die Grosse 
National-Mutterloge in Berbn 7. Dez. des- 
selben Jahres [FZ. 1855, Nr. 5], die 
Grossloge Zur Sonne 24. Jan. 1855 [FZ. 
1855, Nr. 9] u. a. m. Li gleichem Sinne 
sprachen sich 7. Jan. 1855 die drei alt- 
preussischen Grosslogen aus [FZ. 1855, 
Nr. 13]. Auch die Grosse Landesloge 
von Schweden that ein Gleiches. In B. 
selbst rief jene Erklärung insofern eine 
Spaltung hervor, als sich die andre dor- 
tige maurerische Oberbehörde, das Supr^me 
Conseil, jener Auffassung der Aufgabe der 
Freimaurerei nicht anschloss, sondern an 
den allgemeinen maurerischen Grund- 
sätzen festhielt. Mehrere Logen traten 
infolgedessen zu dem SuprSme Conseil 
über, und seitens mehrerer derjenigen 
Grosslogen, die den Verkehr mit B. ab- 
gebrochen hatten, wurden die unter dem 
Suprdme Conseil stehenden Logen von 
jenem Verbote ausgenommen^ auch gegen- 
seitige Repräsentation eingeleitet. [Über den 



ganzen Vorgang s. L. XV, 99 fg.] Ver- 
backen veröffentlichte später eine Recht- 
fertigung seines Verfahrens in einem 
Brief an Leblanc de Marconnay in Paris. 
Er erklärte darin: wenn die belgischen 
Freimaurer von dem Rechte, das sie als 
Staatsbürger gemessen, Gebrauch machten 
und sich zur freien Aussprache über 
Fragen aus dem Gebiet der Politik, 
Philosophie und Reli^on versammelten, 
so geschehe dies nur, insofern diese Fra- 
gen B. selbst interessierten, und die eigen- 
tümlichen Verhältnisse anderer Staaten 
blieben dadurch unberührt. Lifolge 
weiterer Aussprachen und Bemühungen 
von van Schoor und Couvreur sind die 
Beziehungen zwischen dem Grossorient 
von B. und den deutschen Grosslogen 
seit 1874 wieder angeknüpft worden. 
Auch sind zwischen den Maurern B.'s und 
der Niederlande engere Beziehungen ein- 
getreten. Verhaegen überbrachte 14. 
März 1861 an der Spitze einer Abordnung 
von Mitgliedern der Loge Les amis 
philanthropes in Brüssel eine bedeutende 
Wohlthätigkeitspende fttr die in Holland 
durch die Wassersnot Verunglückten nach 
dem Haag; der Nationalgrossmeister Prinz 
Friedrich der Niederlande sprach sich 
hierbei in einer Weise gegen Verhaegen 
aus, die das beste Einverständnis zwischen 
den Vertretern beider Grossoriente und 
die lebhaftesten Sjrmpathien beiderseits 
kund gab. Dasselbe war bei einer Er- 
widerung dieses Besuchs durch eine 
Abordnung aus dem Haag 22. Juni in 
Brüssel der Fall. Seitdem verschiedne 
Besuche ähnlicher Art gewechselt worden 
waren, ist eine Vereinigung der Grenz - 
lo^en der beiden Staaten unter Geneh- 
migung ihrer Grossoriente eingetreten. 
Übrigens ist das Einvernehmen zwischen 
dem Grand Orient de Belgique und dem 
SuprSme Conseil keineswegs gestört; beide 
haben gemeinschaftliche lUume inne, und 
die Mitglieder des Grossorients, soweit sie 
höhere Grade haben, gehören zugleich 
dem System des SuprSme Conseu an. 
[Litteratur: W. J. 1786, S. 199; für die Zeit 
von 1814 — 28 die Annales de la maconnerie 
des Pays-Bas (Brüssel 1822 fg.), tJbersicht 
der Gesamtgeschichte bis 1840 in L. H, 
179 fg.; A. Cordier, Histoire de POrdre 
maconnique en Belgique (Mons 1854) ; 
Duoreuil, Histoire des Francs-MaQons 
(2 tom., Brux. 1888); die Speziallitteratur 
bei Kloss, Bibl., S. 234 fg.; belgische 
maurerische Münzen im HMW. Nr. 244 
bis 280.J — Vni. Statistik. Jetzt be- 
stehen in B. 1) unter dem Grossorient 19 
Logen, nämlich 4 in Antwerpen^ 8 in 
Brüssel, je 2 in Gent und Vervien* 
und je eine in Brügge, Charleroy, Huy, 
Löwen, Lüttich, Mons (Bergen), Namur 
und Spaa, 2) unter dem SuprSme Conseil, 
2 Areopage in Antwerpen und Mons, 
7 Kapitel in Brüssel (2), Antwerpen, 
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86 



Belgien — Beratungslogen. 



CJharleroy, Gent, Lüttich und Mona, und 
4 Logen, nämlich 3 in Brüssel und 1 in 
Antwerpen. 

Beli^ien (Königshaus). Aus diesem 
Herrscherhaus hat dem Bunde angehört: 
Leopold L Georg Christian Friedrich, 
seit 1881 König der Belgier, jüngerer Bru- 
der des 1844 gestorbenen Herzogs Ernst I. 
von Sachsen-Koburg und Gotha, geb. 1 6. Dez. 
1790 in Koburg, gest. 10. Dez. 1865 in 
Brüssel. Er trat früh in russische Kriegs- 
dienste, machte die Feldzüge 1813 — 15 mit, 
begab sich 1815 nach England und wurde 
18tJl zum König der Belgier gewählt. — 
Zwischen den Feldzügen von 1818 und 1814 
hielt er sich in der Schweiz auf und trat 
6. Okt. 1818 in der damals unterm Gross- 
orient von Frankreich stehenden Loge Zur 
Hoffnung in Bern in den Freimaurerbund; 
drei Monate später erhielt er den zweiten 
und dritten Grad und wurde zum Ehren- 
mitglied der Loge erklärt, die deshalb 
18. Dez. 1865 eine eigne Trauerloge 
abhielt. Sie war auch vertreten bei der 
Trauerfeier, die 10. Febr. 1866 in Gegen- 
wart von fast 1200 Freimaurern vom Grand 
Orient de Belgique in Brüssel zum Ge- 
dächtnis des Königs veranstaltet wurde. 
Nach der Beschreibung dieser grossen 
Trauerfeier: »C^r^monie funfebre en me- 
moire du Fihre Leopold de Saxe-Cobourg, 
ler Roi des Beiges, Protecteur de la Franc- 
Ma^onnerie Nationale« (Bruxelles 1866) hat 
sich L. in England in den schottischen 
Bitus aufnehmen lassen, sich der Lon- 
doner Lodge of Friendship Nr. 6 ange- 
schlossen und war deren erster Auf- 
seher. In Belgien hat er nie eine Loge 
besucht, war aber nicht bloss dem Namen 
nach Protektor des Bundes im König- 
reiche. Auf sein 25 jähriges Regierungs- 
jubiläum (1856) und seinen Tod wurden 
Denkmünzen geprägt [vgl. HMW. Nr. 257 
und 258]. 

Bellermann, Johann Joachim, Theo- 
log, geb. 23. Sept. 1754 in Erfurt, gest. 
1842 in Berlin, war 1790 Professor der 
Theologie in Erfurt, zugleich am dortigen 
Gymnasium Lehrer der lateinischen und 
hebräischen Sprache. 1790 wurde er Di- 
rektor dieses und 1804 Direktor des Gym- 
nasiums zum grauen Kloster in Berlin, 
1816 ausserordentlicher Professor der Theo- 
logie an der Universität das. und 1818 
Konsistorialrat; 1828 trat er in den Buhe- 
stand. In den Freimaurerbund trat B. 1778 
während seines Aufenthalts in Beval in 
der Loge Zur Bruderkette. Nach Erfurt 
zurückgekehrt, nahm er an der Gründung 
der Loge Karl zu den drei Eädem das. 
Teil, deren Redner er bis zu seinem Ab- 
gang nach Berlin blieb. Am 13. April 
1804 bei der Loge Zur Eintracht das. an- 
genommen, wurde er Redner bis 1812, 1809 
Mitglied der Grossloge, 1817 Mitglied des 
Bundesdirektoriums und 1828 zugeordneter 
Nationalgrossmeister, legte w)er nach 



60 jähriger maurerischer Wirksamkeit, in 
der er sich auch schriftstellerisch auszeich- 
nete, 1839 das Amt nieder, worauf er zum 
Ehrengrossmeister ernannt wurde. Er 
beschäftigte sich längere Zeit mit der 
Prüfung der Kölner Urkunde. (Tgl. Ge- ' 
schichte der Grossen National-Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln (Brl. 1890) S. 407. 
Festschrift zur Jubelfeier des lOOjähr. Be- 
stehens der St. Joh.-Fr.-Loge Carl zu den 
drei Adlern in Erfurt (1887) S. 17.] 

BelleTllle (St. im nordamerikanischen 
Staat Illinois [1890] 15361 E.). Hier be- 
steht unter der einheimischen Grossloge 
eine in deutscher Sprache arbeitende Loge 
Archimedes Nr. 377, gegr. 8. Okt. 1863. 
Vers. 1. Donnerstag im Monat. 

Belatschistan (brit. Vasallenstaat). Hier 
arbeiten in Quetta unter der Grossloge 
von Schottland die Bolan-Loge, gest. 1883, 
und unter der Grossloge von England die 
Quetta-Loge, gest. 1889. 

Bendler, Karl Fried r. Lud w., Bürger- 
meister, in Homberg, später in Neuhaldens- 
leben und Müncheberg, wurde 24. Juni 1871 
in der Loge Wilhelm zu den drei Säulen 
in Wolfenbüttel in den Freimaurerbund 
aufgenommen, trat aber infolge von Fami- 
lienverhältnissen 1888 wieder aus. B. war 
ein warmer Verehrer der Freimaurerei und 
ein tiefer Kenner derselben. Er hat seine 
geläuterten Ansichten vielfach in maure- 
rischen Zeitschriften veröffentlicht, nament- 
lich in der Bauhütte. 

Bengalen, s. Ostindien. 

Benjamin nennt man hier und da das 
jüngste der neu aufgenommenen Mit- 
glieder. 

Benslieim (St. im Grossherzogt. Hessen, 
6665 E.). Hier bestand ein Freimaurer- 
kränzchen: Die Vereinigten Brüder 
an der Bergstrasse, gegr. 4. Febr. 1863, 
das aber 1886 wieder eingegangen ist. 

Bentinek, Gustav Adolf Graf, geb. 
21. Nov. 1809 in Varel, gest. 5. Mai 1876, 
früher Besitzer der Herrschaften Varel und 
Kniphausen, war aufgenommen als letztes 
Mitglied in der Loge Wilhelm zum sil- 
bernen Ejreuz in Varel 29. März 1842 und 
ging mit dieser 24. Juni 1842 zur Loge 
Zum goldenen Hirsch in Oldenburg über, 
trat 26. Jan. 1855 in die Loge Zum schwar- 
zen Bär in Hannover ein und war seit 1. 
Febr. 1855 Grossmeister der Grossen Loge 
von Hannover, welche Würde er 1856 
niederlegte, als er sich auf seine Güter 
nach Österreich zurückzog. Er war ein 
Enkel des niederländischen Nationalgross- 
meisters Graf Chr. Friedr. Ant. v. Bentinek 
(s. Niederlande). 

Beratang8logen(Konferenzlogen)heissen 
maurerische Versammlungen, in denen 
ökonomische, finanzielle u. a. Angelegen- 
heiten beraten werden, hier und da auch 
Kugelungen stattfinden. Sie stehen im 
Gegensatz zu den geselligen Abenden oder 
Klubs (s. d.) und den rituellen und Fest- 
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Berecz — Berlin. 



87 



logen. Die B. werden zuweilen in den 
Gesellschaftsräumen der Loge und ohne 
strenge maurerische Formen abgehalten. 
In der Regel haben in ihnen nur die 
wirklichen Mitglieder der betr. Loge (nicht 
Besuchende) Stimmrecht, in gewissen An- 
gelegenheiten nur die Meister. Letztere 
Versammlungen heissen daher Meister- 
beratungen (s. d,). In einigen Logen wer- 
den bestimmte Tage für die 6. im voraus 
festgesetzt. 

Berecs, Anton v., Direktor der staat- 
lichen höhern Mädchenschule in Budapest, 
jetzt Referent im königl. ungarischen Mi- 
nisterium für Kultus und Unterricht, geb. 
1836 in Boldog im Komitate Pest, wurde 
1. Febr. 1872 in der Budapester Loge 
Szent Istvän aufgenommen und führte 
drei Jahre deren Hammer. Als 1874 die 
Johannisgrossloge von Ungarn infolge von 
Uneinigkeiten in eine recht schwierige 
Lage geraten war, trat B. als zugeordneter 
Grossmeister in die Verwaltung ein und 
brachte die Grossloge zu hoher Blüte. Auch 
nach dem Zustandekommen der symboli- 
schen Grossloge von Ungarn, bei welcher 
Gelegenheit er zum Ehrengrossmeister er- 
nannt wurde, stand er, mit einiger Unter- 
brechung, im ganzen 15 Jahre an der 
Spitze der Verwaltung, die er mit eiserner 
Strenge mustergültig führte. Die meisten 
neu erstandnen Logen hat B. eingerichtet 
und bei den während 15 Jahren mit 
unermüdlichem Eifer bewerkstelligten 
Logenrevisionen hielt er auf strenge Ein- 
haltung der freimaurerischen Formen und 
Gepflogenheiten. Aber auch auf die Ent- 
faltung des fireimaurerischen Geistes legte 
er grosses Gewicht und war nicht minder 
ein Bahnbrecher auf humanitärem Gebiete. 
So ist er noch heute Vorstand des Kinder- 
freundvereins, dem er zu hoher Blüte ver- 
half 1897, nach dem Tode des Gross- 
meister Ivänka, sehnte auch B. sich nach 
Ruhe und nahm keine neue Wahl an. 

Berlin (Hauptst, des Eönigr. Preussen, 
1677304 E.). I. Geschichte im all- 
gemeinen. Die Geschichte der Frei- 
maurerei in B. ist in ihren Anfängen zu- 
gleich die früheste Geschichte der Frei- 
maurerei in Preussen überhaupt. Aus der 
Loge des Königs Friedrich n., die keinen 
besondem Namen f&hrte, ging 13. Sept. 
1740 die Loge Aux trois globes hervor, 
die 14. März 1743 beschloss, abwechselnd 
in deutscher und französischer Sprache zu 
arbeiten, 24. Juni 1744 den Namen Grosse 
Königliche Mutterloge zudendreiWelt- 
kugeln und 5. JuU 1772 ihren jetzigen 
Namen Grosse National -Mutterloge der 
Preussischen Staaten annahm. Von ihr 
aus wurde 80. Nov. 1742 eine schottische 
Loge L' Union gestiftet. Die 1743 beab- 
sichtigte Gründung einer besondern Noble 
Loge erhielt nicht die Genehmigung des 
königlichen Grossmeisters Friedrich 11. 
Die zweite Johannisloge, welche in B. ins 



Leben trat, war die Loge La petite Con- 
corde, die jetzige Loge Zur Eintracht, 
eröffnet 4. Jan. 1755. Nachdem im De- 
zember 1758 de Lemais gestattet worden 
war, für die gefangenen französischen Offi- 
ziere, die Freimaurer waren, eine eigne 
Militärloge unter dem Namen Lafid^lit^ 
zu errichten, die aber keine Aufnahmen 
vollziehen durfte und nach Auswechslung 
der Gefangenen wieder einging, wurde 10. 
Aug. 1760 auf den Wunsch in B. ansässiger 
französischer Freimaurer eine Loge Aux 
trois colombes errichtet, die sich von 
1761 an L'amiti^ aux trois colombes 
und vom 12. April 1765 anRoyaleYork 
de Tamiti^ nannte. Am 14. Febr. 1761 
war bei der Loge Concorde eine Schotten- 
loge L'harmonie gegründet worden; sie 
vereinigte sich noch 1761 mit der bereits 
bestehenden Schottenloge L'union und trat 
5. März 1767 unter dem Namen Friedrich 
zum goldnen Löwen zur strikten Ob- 
servanz, der sich auch die Mutterloge Zu 
den drei Weltkugeln und ihre Tochterloge 
Zur Eintracht 1 766 anschlössen. Am 1 9. Juni 
1760 war femer ein sog. Clermontsches 
Kapitel in B. errichtet worden, an dessen 
Spitze Freiherr v. Printzen (s. d.) als Ober- 
meister und der bekannte Bosa (s. d.) als 
dessen Legat standen; es nannte sich »das 
oberste und erste jerusalemische Elapitel 
deutscher Nation zu Berlin« und gründete 
von hier aus 28. Juni 1762 das Elapitel in 
Hamburg. Im v. Hundschen Tempelherren- 
system hiess übrigens B. Templin und 
wurde unter diesem Namen auf dem 
Konvent zu Kohlo (s. d.) 1772 zur exemten 
Präfektur der siebenten Provinz erklärt. 
Die strikte Observanz verlor aber schon 
1766 bedeutend an Boden inB.; in diesem 
Jahre trennte sich Zinnendorf (s. d.), der 
1765 zum Meister vom Stuhl der Grossen 
Mutterloge gewählt worden war, und 1767 
Koppen (s. d.) von der Mutterloge Zu den 
drei Weltkugeln. Koppen gründete das 
System der .A^ikanischen Bauherren (s. d.). 
Dieses System hörte aber 1775 in B. und 
1785 überhaupt zu existieren auf, nachdem 
schon 1774 eine Anzahl meist militärischer 
Mitglieder, Hauptmann Eimbeck an der 
Spitze, zu derGrossenLandesloge über- 
getreten waren. Diese hatte Zinnendorf 27. 
Dez. 1770 gestiftet unter Rückdatierung des 
Stiftungst^ auf den 24. Juni 1770; sie 
war 30. Nov. 1770 mit Urkunde von der 
Grossen Loge von London, 16. Juli 1774 
mit königlichem Schutzbrief versehen 
worden. Schon vorher, 10. Aug. 1769, hatte 
er die Loge Zu den drei goldenen 
Schlüsseln und 22. Nov. desselben 
Jahres die Andreasloge Indissolubilis 
in B. errichtet. 1770 wurde die Loge 
Zum flammenden Stern unter der 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln ge- 
gründet. Aus demselben Jahre werden 
noch zwei andre, anscheinend bald wieder 
eingegangene Logen La candeur und 



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Berlin. 



Toleranzlo^e (auch israelitischen Brü- 
dern zugänglich) erwilhnt. In den Zeit- 
raum der nächsten sechs Jahre fällt die 
Gründung der meisten noch bestehenden 
Berliner Logen: 1771 der Loge Zum gol- 
denen Schiff und der Loge Pegase. 
beide unter der Grossen Landesloge ; 1774 
der Loge Friedrich zu den drei Se- 
raj^him, 1775 der Loge Verschwiegen- 
heit zu den drei yerbundenen Hän- 
den, diese beide unter der Grossen National- 
Mutterloge, endlich 1775 der Loge Zur 
Beständigkeit und 1776 der Logen 
Zum Pilgrim, Zum goldnen Pflug 
und Zum Widder, diese vier unter 
der Grossen Landesloge. Übrigens trat 
die Grosse National-Mutterloge Zu den 
drei Weltkugeln mit ihren Tochterlogen 
bereits 1779 thatsächlich und 10. Nov. 1788 
ausgesprochenermassen von der strikten 
Observanz zurück. Wichtig für die Frei- 
maurerei in B. war hiernächst das J. 
1798, in dem sich die Loge Royal York 
zur Freundschaft zur Grossloge um- 
bildete und sich 11. Juni in ihre vier 
noch jetzt bestehenden Berliner Tochter- 
logen teilte. Während der französischen 
Besetzung wurden vom Oktober 1806 bis 
16. Dez. 1808 in den Tochterlogen der 
Grossen National-Mutterloge alle maure- 
rischen Arbeiten eingestellt, um Unzuträg- 
lichkeiten mit den französischen Freimau- 
rern zu vermeiden; es fanden nur gesell- 
schaftliche Zusammenkünfte fdr die eignen 
Mitglieder undBrudermahle statt. DieGrosse 
Loge Boyal York gestattete 1807 der franzö- 
sischen Loge La r^union das Lokal zu ihren 
Arbeiten. In der Folgezeit sind dann 
die Loge Friedrich Wilhelm zur Morgen- 
röte (unter der Grossen Landesloge von 
Deutschland) 5. Nov. 1855 und die Loge 
Zur Treue (unter der Grossen Nationä- 
Mutterloge) 22. März 1872 in B. gestiftet 
worden. Die Kämpfe in der Grossloge 
Royal York um den Innersten Orient, her- 
vorgerufen durch die Beformpläne des 
Grossmeisters Settegast (s. d.) führten 27. 
Nov. 1892 zur Bildung der vierten Gross- 
loge von Preussen in B., genannt Kaiser 
Friedrich zur Bundestreue, nachdem 
die Gründung einer neuen Loge unter der 
Grossloge von Hamburg seitens der drei 
altpreussischen Grosslogen auf Schwierig- 
keiten gestossen war. Es entspann siä 
ein Verwaltungsstreitverfahren, dessen 
Zweck die Ungültigkeitserklärung des 
Edikts vom 20. Okt. 1798 war. Damit war 
zwar die Bildung der neuen Grossloge von 
Staats wegen nicht mehr anzufechten, sie 
wurde aber von den drei altpreussischen 
Grosslo^en, wie vom Deutschen Grosslogen- 
bund nicht anerkannt. Dennoch gründete 
sie in B. zehn Logen, von denen vier 
wieder eingegangen sind. Nach Besei- 
tigung des Edikts gingen auch andre 
deutsche Grosslogen an die Einsetzung von 
Tochterlogen in B.; die Grossloge von 



Hamburg errichtete 1898 die Loge Ham- 
monia zur Treue und 1896 die Loge 
Friedrich Ludwig Schröder, der 
Eklektische Bund 1893 die Loge Fried- 
rich zur Gerechtigkeit und die Gross- 
loge Zur Sonne 1897 die Loge Galilei 
zur ewigen Wahrheit. So bestehen 
jetzt in B. 27 Johannislogen, von denen 
fünf zum System der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln, acht 
zum System der Grossen Landesloge von 
Deutschand, vier zum System der Grossen 
Loge Royal York, zwei zur Grossen Loge 
von Hamburg, je eine zur Eklektischen 
Grossloge und zur Grossloge Zur Sonne 
und sechs zur Grossloge Kaiser Friedrich 
gehören. Für die hohem Grade bestehen 
(abgesehen von den höchsten Ordens- 
abteilungen): die allgemeine altschottische 
Loge Zu den drei Weltkugeln, die An- 
dreasloge Indissolubilis unter der Grossen 
Landesloge und der Innere Orient der 
unter der Grossen Loge Boyal York ver- 
einigten Johannislogen. 

n. Grosslogen. 
1) Grosse National-Mutterloge in 
den Preussischen Staaten, genannt 
Zu den drei Weltkugeln. A. Ge- 
schichte. Die Freimaurerei hat in 
Preussen und in B. ihren Eingang unter 
und zugleich durch König Friedrich IL 
gefunden. Als Kronprinz auf der Rück- 
reise von Holland, wohin er seinen Vater 
begleitet hatte, in Braunschweig 1788 
insgeheim aufgenommen, hatte er schon 
in Kheinsberg unter dem Vorsitze v. Obergs 
(s. d.) eine Loge errichtet und führte diese 
nach seiner Thronbesteigung in Charlotten- 
burg selbst fort, wo er 20. Juni 1740 die 
erste Versammlung hielt. Sie wurde La 
löge premifere oder La löge du Roi notre 
grand maitre genannt. Als der König 
Ende desselben Jahres zum ersten schle- 
sischen Kriege abreiste, gine sie zwar ein, 
aber ihre in Berlin lebenden Mitglieder 
bildeten unter Genehmigung des Königs 
13. Sept. 1740 die Loge Aux trois globes 
in B., unzweifelhaft nach den Formen der 
englischen Grossloge, doch hatte die neue 
Loge keine besondere Stiftungsurkunde aus 
England erhalten. Bei der Auflösung der 
Lo^e Premixe des Königs 1740 traten die 
meisten ihrer Mitglieder zur neuen Loge 
über, die übrigens nach der Sitte jener 
Zeit bald selbst Logen zu gründen anfing. 
Die erste dieser war die Lo^e Aux trois 
boussoles in Meiningen, die von dem 
kurz vorher durch eine Abordnung der 
neuen Berliner Loge aufgenommenen Her- 
zog Karl Friedrich von Sachsen-Meiningen 
(s. d.) 1741 gestiftet wurde. Ihr folgten 
bald andre, in Frankfurt a. d. 0.(Deputations- 
loge), Breslau (Zu den drei Totengerippen), 
Halle(Zu den drei goldnen Schlüsseln) u. 8.w., 
so dass die Berliner Loge dadurch Veran- 
lassung nfüim, sich zur Befestigung ihrer 



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Berlin. 



89 



äussern Stellung das Prädikat einer Grossen 
königlichen Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln beizulegen, was 24. Juni 1744 ge- 
schah. Als ibj GroBsmeister galt der König; 
1747 wurde als Vizegrossmeister der Herzog 
von Holstein-Beck (s. d.) erwählt. Die 
Gründung einer neuen Loge in Berlin, 
La petite Concorde, die 1754 eine wenn 

gleich sehr beschränkte Urkunde von 
er erstem erhielt, und die Errichtung 
einer dritten durch französische Krie^- 

fefangene unter Gabriel de Lemais (s. d.), 
ie 1760 unter dem Namen Aux trois co- 
lombes (mit dem spätem Zusätze deramiti^) 
erfolgte, gaben Veranlassung zu Spaltungen, 
die der um den Freimaurerbund sehr ver- 
diente V. Printzen (s. d.) durch die Stif- 
tung des sog. Tribunal ma9onnique 22. 
April 1761 auszugleichen suchte, zu dessen 
GroBsmeister er selbst erwählt wurde. 
Dieses löste sich jedoch 1768 auf, und es 
begann nun in B. und weiter wirkend auch 
in andern Orten Preussens, sowie des üb- 
rigen Deutschlands jene traurige Periode 
der Freimaurerei, wo das Eindringen der 
französischen Hochgrade und das Auftreten 
verschiedner andrer Systeme ein Gewirr 
von Missständen im Bunde hervorriefen, 
wodurch dieser seinem ursprünglichen 
Zweck vielfach entfremdet wurde. Der be- 
kannte Bosa (s. d.) suchte sein sogenanntes 
schottisches System zur Geltung zu bringen, 
und nach den Ereignissen auf dem Kon- 
vent zu Altenberge (s. d.) war der nicht 
minder bekannte Schubart (s. d.) bemüht, 
der strikten Observanz an Stelle des so- 

fenannten Bosa-Clermontschen Systems 
lingang zu verschaffen, v. Printzen hatte 
sich während dieser Zeit von der Ober- 
leitung der Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln zurückgezogen, Zinnendorf (s. d.) 
aber, der 1765 an ihre Spitze trat, betrieb 
den Beitritt zur strikten Observanz, der 
9. Aug. 1766 erfolgte. Auch die schon er- 
wähnte Loge Zur Eintracht (früher Con- 
corde) trat bei. nicht aber die dritte Ber- 
liner Loge L'amiti^. Diese, schon 16. 
März 17ß auf Grund einer Urkunde der 
Braunschweiger Loge Puritas neu kon- 
stituiert, löste sich 1765 ganz von ihrer 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln und 
erhielt, nachdem sie den Herzog von York 
27. Juni desselben Jahres zum Freimaurer 
auf- und ihm zu Ehren den Beinamen Royal 
York angenommen hatte, eine Stiftungs- 
urkunde von der Grossen Loge von Eng- 
land. Aber auch Zinnendorf legte im Juni 
1766 die Leitung der Mutterloge nieder, 
zog sich ganz von der strikten Observanz 
zurück und führte ein neues System (s. 
Zinnendorf und BchwediBche Lehrart) 
ein. wozu er die Akten aus Schweden erwarb 
una für das er 1770 in Berlin die Grosse 
Landesloge gründete. Während dieser 
Zwistigkeiten nahm 1772 die Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln infolge der Er- 
nennung des Herzogs Friedrich August 



von Braunschweig zumNationalgrossmeister 
in den Preussischen Staaten den Titel 
yner »Grossen National -Mutterloge der 
Preussischen Staaten« an. Zur strikten 
Observanz hielt sie jedoch mehr äusser- 
lich, namentlich seitdem vom Direkto- 
rium jener eine Union mit der Schwe- 
dischen Grossloge unter der Grossmeister- 
schaft des Herzogs von Südermannland 
angebahnt wurde, der sie auch eingestan- 
denermassen »wegen der daraus zu zie- 
henden Konsequenzen« beizutreten für be- 
denklich hielt. Erst 10. Nov. 1783 trat 
sie mit einer offnen Erklärung hervor, 
durch die sie sich von der strikten Ob- 
servanz lossagte. Von dieser Zeit an liess 
sie auch die Mitglieder der Grossen Landes- 
loge zum Besuche ihrer Logen zu, was 
diese erst 1790 vereinzelt gestattete. Mit 

1797 begann eine neue Periode. Die 
Mutterloge hatte durch die Konfirmations- 
urkunde vom 9. Febr. 1796 nach aussen 
hin eine gesicherte Stellung erhalten. Am 
1. Sept. 1797 wurde ein Altschottisches 
Direktorium eingesetzt, das das Ganze der 
mit der Nationid-Mutterloge verbundenen 
Logen leiten und im Namen und an- 
statt dieser gerichtliche und andre Ge- 
schäfte verwmen und verfassungsmässig 
führen sollte, und 22. Nov. 1797 nahm man 
eine neue Grundverfassung an, derzufolge 
das aus sieben Mitgliedern (ausser dem 
zugeordneten Nationalgrossmeister) beste- 
hende altschottische Direktorium zugleich 
den Lmem Orient für die vier hohem 
Grade des neuen »rektifizierten« Systems 
bildete. Auch wurde eine Bevision der 
Statuten und Bituale beschlossen, die sich 
jedoch bezüglich der höhern Grade bis in 
das 19. Jahrh. hineinzog und erst 1819 ab- 
geschlossen ward. Am 5. Sept. 1799 er- 
warb man das Grundstück an der Splitt- 
gerberffasse, das noch heute den Sitz der 
Mutterioge bildet. Das Edikt vom 20. Okt. 

1798 war auch für diese günstig, und sie 
fing an, sich rasch zu erweitem, so dass 
sie 1800 schon 84 Tochterlogen zählte. 
Am 10. Febr. 1801 erhielt der Innere 
Orient seine bestimmte Form, nachdem 
schon 13. April 1798 die Mutterlose er- 
klärt hatte, dass sie gesonnen sei, die 
eigentliche Freimaurerei nach ihrem innem 
Wesen und ihrer Verfassung von den bis- 
her angenommenen hohem Systemen, in- 
sofern sie nach ihrem Wesen nicht mit 
der Freimaurerei in Verbindung ständen, 
zu trennen. Am 28. Dez. 1839 beteiligte 
sich die Mutterlose bei der Gründung des 
Berliner Grossmeistervereins (s. d^. Zur 
Säkularfeier der Mutterloge am 18. Sept. 



1840 wurde eine Denkmünze geprägt ( 
Nr. 18). Als Festgeschenk wurde das Schwert 
überreicht, das in der denkwürdigen 
Nacht vom 14. Aug. 1788 in Braunschweig 
bei der Aufnahme des grossen Königs 
Friedrich H. benutzt worden war. 1849 
wurde der Besuch nichtchristlicher Mit- 
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90 



Berlin. 



glieder anerkannter Logen zugelassen 
und demgemäss die Verfassung abgeändert. 
1868 lehnte die Mehrheit der Gesetz-» 
Prüfungskommission den Antrag von neun 
Logen wegen Aufnahme von NichtChristen 
ab, ebenso wurde der Antrag, statt »Orden« 
überall »Bund« zu setzen, abgelehnt. 
1867 hatte die Loge in Gotha eine 
Menge Reformvorschläge gemacht, drang 
aber mit den wenigsten durch, so auch 
bezüglich der Aufhebung der Zensur und 
der maurerischen Anreden. Am 10. Juli 
1873 erteilte man Erlaubnis zur Gründung 
einer deutschen Loge Germania in Schangai, 
die zeitweise 7. Okt. 1883 ausser Thätig- 
keit trat. 1873 fand eine neue Revision 
der Grund Verfassung und derBundesstatuten 
statt. Die Maiversammlung ward dadurch 
zur gesetzgebenden Versammlung. Die 
Judenfrage stand 1874 nochmals auf der 
Tagesordnung, diesmal auf Veranlassung des 
Bundesdirektoriums. Es erhielt aber auch 
diesmal der Antrag nicht die erforderliche 
Zweidrittelmehrheit (65 gegen 43), ebenso 
bei der Abstimmung in der Maiversamm- 
lung, wo sich abermals nur 30 gegen 45 
Stimmen dafür erklärte. Zum drittenmal 
geschah dasselbe 1875. Das Bundesdirek- 
torium hatte sich darauf mit sechs gegen 
fünf Stimmen selbst für die Zulassung der 
NichtChristen ausgesprochen und eine 
Denkschrift verfasst, um darzuthun, dass 
keine Gefahr für die Lehrart vorhanden 
sei. Aber in der Versammlung von 1876 kam 
abermals eine verneinende Abstimmung 
heraus. Der Grossmeister v. Etzel legte 
darauf die Grossmeisterwürde nieder und 
schied ganz aus dem Bunde. Noch ein- 
mal, 1881, betonte die Mutterloge in einem 
Schreiben an den Grossorient der Nieder- 
lande, dass man im Prinzip die Aus- 
schliessung der Israeliten von der Auf- 
nahme in die Logen als nicht vereinbar 
mit dem Grundwesen der Freimaurerei an- 
erkenne und sich der sichern Hoffnung 
hingebe, dass diese Schranke auf gesetz- 
lichem Wege in nicht allzufemer Zeit fallen 
werde. Am 24. Juni 1883 trat eine neue 
Grundverfassung in Kraft. 1887 wurden die 
»Mittheilungen aus dem Bunde der Grossen 
National-Mutterloge« (seit 1869) zu einer 
Zeitschrift »Bunaesblatt« umgewandelt. 
B. National-Grossmeister. 1747—61 
Herzog von Holstein -Beck, Vizegross- 
meister; 1761—65 V. Printzen, Grossmeister 
des maurerischen Tribunals; 1765—72 stand 
die Grossloge ohne selbständige Leitung 
unter der strikten Observanz; 1772—99 
Herzog Friedrich August von Braun- 
schweig -Oels, Grossmeister der Grossen 
National -Mutterloge; 1799—1804 Zöllner, 
Oberkonsistorial- und Schulrat; 1804—29 
V. Guionneau, Oberst und Geheimer Finanz- 
rat; 1829—32 Rosenstiel, Geheimer Ober- 
finanzrat; 1832—38 Poselger, Direktor der 
Kriegsschule; 1838—48 O'Etzel, General- 
major; 1848—73 Messerschmidt, Geheimer 



Kriegsrat; 1873—76 v. Etzel (Sohn von 
O'Etzel; 1876—81 Zschiesche, Direktor des 
Grossen Friedrichs -Waisenhauses; 1881 
bis 1886 Schaper, Schuldirektor; 1887 
bis 1891 Frederichs, Professor; 1892 bis 
jetzt Gerhardt, Geheimer Regierungsrat (s. 
diese alle). — C. System. Die Grosse 
National -Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln hatte sich zwar 1765 der strikten 
Observanz angeschlossen, aber, nach- 
dem sie den Schottengrad schon 1742 
angenommen hatte, 1783 wieder von jenem 
getrennt und unter dem Namen rektifi- 
ziertes System ein eignes System aufge- 
stellt, nach dem die Johannisgrade neu 
bearbeitet und mit besondem Instruktionen 
versehen wurden, auch der Schottengrad 
eine andre Richtung und Gestalt erhielt. 
Das System hat zwar noch sieben Grade 
(der sechste und der siebente Grad sind 
erst nach Zöllners Tode hinzugekommen), 
die sämtlichen höhern Grade gelten aber 
nur als sog. Initiationen (Erkenntnisstufen) 
und geschichtliche Aufschlüsse. Der letzte 
(siebente) Grad wird nur in der allgemeinen 
altschottischen Loge erteilt. Die Gross- 
loge bemerkt selbst, dass diese Stufen in 
dem damals gewöhnlichen Sinne des Wortes 
keine Hochgrade genannt werden dürfen 
und denen, die sie besitzen, keine Ober- 
gewalt über die Logen erteilen, sich viel- 
mehr allein auf die Lehre und keineswegs 
auf die Verwaltung und Gesetzgebung be- 
ziehen. Auch wurde ausdrücklich erklärt, 
dass die ganze freimaurerische Lehre in 
den drei Johannisgraden enthalten sei. 
Man vergleiche aber dagegen die »Orga- 
nisation«. — D. Organisation. Die Grosse 
National-Mutterloge arbeitet nach den für 
Johannislehrlingslogen vorgeschriebenen 
Formen. Sie besteht aus einer von der 
Grossloge je nach Bedür&is bestimmten 
Zahl aktiver Mitglieder, die in Berlin oder 
dessen nächstem Umkreis wohnhaft und 
aktive Mitglieder einer ihrer in Berlin ar- 
beitenden Tochterlogen sind. Die Zahl 
darf nicht über 63 und nicht unter 25 be- 
tragen. Die Mitgliedschaft ist dauernd. 
Daneben besteht das Bundesdirektorium, 
das sich aus sieben Mitgliedern zusammen- 
setzt, die von der Grossloge aus ihren, auf 
der höchsten Stufe des Bundes stehenden 
Mitgliedern gewählt werden. Aus ihrer 
Mitte wird der Nationalgrossmeister und 
der zugeordnete Grossmeister gewählt. Das 
Bundesdirektorium ist in den äussern 
maurerischen Angelegenheiten das voll- 
ziehende, vertretende und bestätigende 
Organ der Grossloge. Es ist die obere 
Behörde der Altschottischen Loge und 
führt als solches den Namen Altschotti- 
sches Direktorium. Ihm kommt die Stellung 
als Bewahrer, Mehrer und Spender der 
Bundeskenntnisse zu. Als Instanz in den 
innem maurerischen Angelegenheiten heisst 
es Höchster innerer Orient. Die Gesetz- 
gebung wird von der Grossloge im Verein 



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Berlin. 



91 



mit den Abgeordneten der Tochterlogen 
und mit dem Bundesdirektorium ausgeübt. 
Erstere bildet die sog. Gesetzgebende Ver- 
sammlung, deren Beschlüsse der Geneh- 
migung des Bundesdirektoriums bedürfen. 
— Über die drei Johannisgrade bestehen 
die aUgemeine altschottische Loge und 
drei weitere Stufen, deren Mitglieder aus- 
erwählte Brüder, Geweihte des innem 
Tempels, Vertraute der Vollendung heissen. 
Unter dem Höchsten innern Orient stehen 
14 Sprengel mit ebensoviel Innern Orienten 
in Magdeburg, Königsberg i. Pr., Stettin, 
Danzig, Breslau, Erfurt, Münster, Koblenz, 
Posen, Bromberg, K5lna.ßh., Halle, Frank- 
furt a. O. und Brieg. Der erste Sprengel 
(Berlin) ist der Immediat- Sprengel des 
Höchsten innem Orients. In diese Sprengel 
sind die Johannislogen und die Scnotten- 
logen geteüt. Letztere bestehen in den 
Provinzen als Delegationen der allge- 
meinen altschottischen Loge. — E. Sta- 
tistik. Zur Grossen National-Mutterloge 
gehören 132 Johannislogen und 69 Dele- 

gationen der Altschottischen Lo^e in Berlin, 
ie, bei jedem Ort mit * bezeichnet, der 
Zahl nach je in Klammer beigefügt sind. 
Davon bestehen in 1) Preussen 116, und 
zwar in a) Ostpreussen 6 (3): Braunsberg, 
♦Insterburg, * Königsberg, *Memel, Oste- 
rode, Kastenburg; b) Westpreussen 5 (5): 
♦Danzig, *Elbing, *Konitz, * Marienburg, 
♦Marienwerder; c) Brandenburg 26 (11): 
Amswalde, Berlin 5, * Brandenburg, 
♦Charlottenburg, Dahme, Eberswalde, 
♦Frankfurt a. O., Krossen, ♦Küstrin, ♦Gross- 
lichterfelde, Guben, ♦Landsberg, Lübben, 
Luckenau, ♦Neuruppin, Perleberg, ♦Pots- 
dam, ♦Prenzlau, Soläin, ♦Sorau, ♦Steglitz, 
Zielenzig; d) Pommern 10 (6): ♦Anklam, 
Gollnow, Greifenhagen, ♦Kolberg, ♦Köslin, 
Pasewalk, ♦Stargard, ♦Stettin, ♦Stolp, 
Ückermünde; e) Posen 8 (4): ♦Bromberg, 
♦Gnesen, Inowrazlaw, Krotoschin, Mese- 
ritz, Ostrowo, ♦Posen, ♦Schneidemühl; 
f ) Schlesien 12 (9): ♦Breslau, ♦Brieg^ ♦Glatz, 
♦Grossglogau, ♦Hirschberg, ♦Liegnitz, 
♦Neisse, Ohlau, Öls, ♦Oppeln, ♦Ratibor, 
Sagan; g) Sachsen 17 (8): ♦Burg, De- 
litzsch, ♦Erfurt, ♦Halberstadt, ♦Halle, 
Heiligenstadt, Kalbe, Langensalza, ♦Magde- 
burg, Merseburg, * Mühmausen, ♦Naum- 
burg, Salzwedel, Stendal, ♦Torgau, Weissen- 
fels, Wolmirstedt; h) Hannover 3 (1): ♦Gos- 
lar, Osnabrück, Ülzen; i) Westfalen 10 (7): 
♦Bielefeld, ♦Bochum, * Dortmund, ♦Hamm, 
♦Iserlohn, ♦Minden, ♦Münster, Siegen, 
Soest, Witten; k) Hessen-Nassau 5: Esch- 
wege, Kassel, Limburg, Marburg, Wies- 
baden; 1) Rheinprovinz 14 (7): ♦Aachen, 
Barmen, Duisburg, ♦Düsseldorf, ♦Elber- 
feld, Essen, ♦Jüüch, ♦Koblenz, ♦Köln, 
Kreuznach, Mülheim, München-Gladbach- 
Rheydt, ♦Wesel, Wetzlar; 2) Sachsen 1 (1): 
♦Bautzen; 3) Baden 1: Freiburg; 4) Meck- 
lenburg-Schw^erin 1 (1): ♦Güstrow; 5)Meck- 
lenburg-Strelitz 1: Friedland; 6) Sachsen- 



Weimar 1: Jena; 7) Braunschweig 1 (1): « 
♦ Helmstädt ; 8) Sachsen - Koburg - Gotha 
1 (1): ♦Gotha; 9) Anhalt 3 (8): ♦Bern- 
burg, ♦Dessau, ♦Zerbst; 10) Schwarz- 
burg-Sondershausen 1: Arnstadt; 11) Wal- 
deck 1: Arolsen; 12) Lippe 1: Detmold; 
13) Hamburg 1: Hamburg; 14) im Aus- 
lande 2: Säo Paulo, Schanghai. Zahl 
der Mitglieder 14086. — F. Milde Stif- 
tungen. 1) Das Grossalmosenamt (Ge- 
schäftsordnung vom 29. Jan. 1874) zur 
Unterstützung vorzugsweise in Berlin 
wohnender hilfsbedürftiger Mitglieder des 
Mutterbunds und deren Witwen und Waisen. 
Dazu gehören: a. der Fickersche Legaten- 
fonds; b. der Caspari-Legatenfonds; c. die 
Bendastiftung (Statut vom 7. Dez. 1865). 
2) Das Waisenamt (Geschäftsordnung vom 
26. Febr. 1874). 3) Sterbekasse der in Berlin 
arbeitenden fünf Johannistochterlogen 
(Statut vom 15. Nov. 1888). 4) Stipendien: 
a. Freitischstipendien; b. — d. das Gross- 
meister ZöUnersche — Graf v. Malachows- 
kysche — Klaprothische Stipendium zu je 
150 Mk. jährlich (Stift ungsurkunde vom 
13. März 1819); e. das Elsassersche Stipen- 
dium zu 150 Mk. jährlich; f. das Gross- 
meister V. Guionneausche Stipendium zu 
150 Mk. jährlich (Stiftungsurkunde vom 
7. Nov. 1824); g. — n. das Stipendium zum 
Andenken König Friedrichs 11., sieben Sti- 
pendienraten zu je 100 Mk. (Stiftungs- 
urkunde vom 12. März 1840); o. — s. der 
Grossmeister v. Messerschmidtsche Stipen- 
dien- und Pensionsfonds (Stiftungsurkunde 
vom 6. Sept. 1866 und Nachtrag vom 25. 
Sept. 1873); t. der Obermeister Boumann- 
sche Stipendienfonds (Stiftungsurkunde vom 
6. Dez. 1867). Insgesamt hatten 1898 die 
Tochterlogen der Grossen National-Mutter- 
loge 354 milde Stiftungen. — G. Littera- 
tur. 1) V. Etzel, Friedr. Aug., Geschichte 
der Grossen Nation al-Mutterloge zu den 
drei Weltkugeln nebst der Beschreibung 
ihrer ersten Säcularfeier am 17. Sept. 1840 
(Brl. 1840). Geschichte der Grossen 
National-Mutterloge zu den drei Welt- 
kugeln nebst Bericht über die Gründung 
und Wirksamkeit der Wohlthätigkeits- 
anstalten (Brl. 1890). Die drei Johannis- 

§rade der Grossen National-Mutterloge zu 
en drei Weltkugeln (Lpz. 1825). L. X, 
S. 42; 1886, S. 126. Das Mutterhaus der 
Grossen National-Mutterloge zu den drei 
Weltkugeln im O. Berlin (1888). Verzeich- 
nis der Bücher der Bibliothek von 1885. 
2) Grosse Landesloge der Frei- 
maurer von Deutschland. A. Ge- 
schichte. Ihr Stifter ist Johann Wilhelm 
Ellenberger, genannt v. Zinnendorf (s. d.). 
Schon 1754 war dieser in der Loge Phila- 
delphia in Halle zum Freimauer aufgenom- 
men worden, erhielt 1 758 inBreslau die schot- 
tischen und 1763 in Halle die ftanzösichen 
und Bosaschen Kapitelgrade. [BZC. I, 
S. 52.1 Zinnendorf fand gleichgesinnte 
Freunde. Bereits 1763 wandte er sich im 

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92 



Berlin. 



Verein mit Baumann und Schopp nach 
London an Lord Gramby um weitere 
AufschlCisse, aber vergeblich; sodann be- 
mOhte er sich mit Baumann, Starckgraf, 
Serre und von Assum zusammen durch 
Vermittlung von Schopp (1763 und 1764) 
in Stockholm, um durch Dr. med. 
Karl Friedrich von EcklefT, schottischen 
Obermeister, weitere Kundschaft zu er- 
langen. Da kam 1764 die strikte Obser- 
vanz dazwischen, der sich Zinnendorf 
anschloss (obgleich er mit EcklefT weiter 
verhandelte), bis er ihre Nichtigkeit er- 
kannte. Da von Hund von der schwe- 
dischen Lehre nichts wissen wollte, auch 
Zinnendorfs bisherige Qenossen Starck- 
graf, Serre und von Assum bei der strik- 
ten Observanz blieben, nahm er die Ver- 
handlungen mit Schweden allein unter 
Baumanns Mithilfe in die Hand. Ejrftftig 
unterstützt durch von Olthof und Schopp 
in Stralsund, sowie durch den schwe- 
dischen Staatsrat Gadebusch und den 
Physikus Kölpin kam Zinnendorf in ein 
näheres Verhältnis zu den schwedischen 
Freimaurern. Zinnendorf sandte nun 1765 
Baumann nach Stockholm. Nachdem 
dieser ihm die erhaltenen Akten 15. Sept. 
1766 überbracht hatte, und zwar nicht 
nur die vollständigen, damals in Ge- 
brauch gewesenen schwedischen Bituale 
und Akten, sondern auch einen Freibrief 
[BZC. Vn, S. 133 fg.], sah sich Zinnen- 
dorf im Vertrauen auf Ecklefifs ordens- 
meisterliche Stellung in Schweden als 
dessen rechtmässigen Bevollmächtigten 
an. [Vgl. BZC. I, S. 52 fg.] Entstan- 
dene GelddifTerenzen veranlassten ihn, 
sein bisheriges Amt als Grossmeister der 
Grossen National -Mutterloge Zu den 
drei Weltkugeln 1766 niederzulegen; am 
20. Jan. 1767 trat er auch von der Mit- 
gliedschaft zurück, worauf er dann für 
ausgeschlossen erklärt wurde. (Wegen 
der von der strikten Observanz gegen ihn 
verübten Feindseligkeiten und Verleum- 
dungen, sowie ihre Wiederlegungen 
durch verschiedene amtliche Untersuchun- 
gen 8. BZC. n, S. 186 fg.) Zinnen- 
dorf stiftete nunmehr 13. Mai 1768 die 
Johannisloge Minerva in Potsdam nach der 
schwedischen Lehrart und setzte 22. Nov. 
1769 die Schottische Loge Indissolubilis in 
Berlin ein; ferner wurden nach und nach 
die Logen gestiftet: Zu den drei Schlüs- 
seln in Berlin (10. Au^t 1769), Zu den 
drei goldnen Ankern m Stettin (3. März 
1770), Herkules in Potsdam (5. Juli 1770), 
Zu den drei Bösen in Hamburg (24. Jan. 
1770), Zur goldnen Kugel in Hamburg 
(29. August 1770, bis zum 2. Okt. 1770 
Olympia genannt) und Zur goldnen Krone 
in Stargard (3. Nov. 1770). Mit diesen 
sieben Logen wurde am 27. Dez. 1770 die 
Grosse Landesloge der Freimaurer von 
Deutschland in Berlin gegründet, ihr 
Stiftungstag aber auf den 24. Juni 1770 



festgesetzt. Der (1.) Landesgrossmeister 
war Martin Krönke 1770 bis 1772. 
Zinnendorf, rastlos für Ausbreitung und 
Festigung seiner Schöpfung bemüht, er- 
langte 16. Juli 1774 ein könirf. Protek- 
torium [BZC. VH, S. 57], nachdem er am 
30. Nov. 1773 einen Stiftungsbrief von der 
Grossloge von England erhalten hatte 
[BZC. vn, S. 54], und nun gewann die 
neue Grossloge sowohl in Preussen, als 
auch im übrigen Norden rasch an Aus- 
dehnung. 1773 wurde Ludwig Georg 
Karl, Landgraf von Hessen-Darmstadt(s.d.), 
(2.) Landesgrossmeister, ihm folgte 1774 
der (3.) Landesgrossmeister von Zinnen- 
dorf, 1775 als 4. Herzog Ernst H. zu 
Gotha (s. d.), 1776 als 5. Graf von der 
Goltz, 1777 bis 1780 Dr. med. Jakob 
M u m m s e n (s. d.) als 6. Landesgrossmeister. 
Von fernher wandte man sich nach Berlin, 
um Stiftungsbriefe von der Gr. L.-L. v. 
D. zu erhalten. In Petersburg, Biga, 
Strassburg, ja selbst in Triest vereinigten 
sich Freimaurer zu diesem Zweck; solche 
Anträge wurden jedoch zurückgewiesen, 
um Misshelligkeiten mit der Grossloge 
von England vorzubeugen; doch gewann 
die Gr. L.-L. v. D. von Jahr zu Jahr an 
Ausdehnung, so dass bis 1778 schon 34 
Logen ihr angehörten und Provinziallogen 
in Österreich, Schlesien, Pommern und 
Niedersachsen von ihr eingesetzt waren. 
Auch die Provinzialloge von Russland 
arbeitete nach den Akten der Gr. L.-L. 
V. D. und verpflichtete sich zu deren un- 
verbrüchlichen, unveränderten Beibehal- 
tung durch einen B>evers vom 3. Sept. 
1776, ohne jedoch dem Verbände der 
Gr. L -L. V. D. beizutreten [vgl. Kalender 
för die Provinzialloge von Mecklenburg, 
1822]. Nach von Hunds Tode (8. Nov. 
1776) brachen Zwistigkeiten mit den 
schwedischen Brüdern aus. Der nun- 
mehrige schwedische Ordensmeister Herzog 
Karl von Südermannland, in dem Wahne, 
mit Hilfe des Ordens an politischem 
Einfluss gewinnen zu können, war be- 
müht, Nachfolger von Hunds an der 
Spitze des damals noch grössten Logen- 
verbands der strikten Observanz zu wer- 
den, trat mit ihr in Verbindung und be- 
gehrte die Heermeisterwürde für sich. 
Durch seinen Übertritt zur strikten Ob- 
servanz setzte er sich mit der schwedischen 
Lehre in Widerspruch, und Zinnendorf 
fasste dieses Vernalten des Herzogs zur 
strikten Observanz als Rücktritt von der 
schwedischen Lehrart auf. Da versuchte 
der Herzog ein sehr bequemes Mittel, die 
Gr. L.-L. V. D. zu beseitigen: er erklärte 
deren Akten als unecht, widerrief, bezw. 
Hess durch das grosse Kapitel von 
Schweden die von Eckleff als Vicarius 
Salomonis an Zinnendorf erteilte Urkunde 
widerrufen und für nichtig erklären, ohne zu 
bedenken, dass dazu sowohl der Grossloge 
von Schweden, wie selbst dem derzeitigen 
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Berlin. 



93 



Ordensmeister jede Autorität fehlte ; denn 
er hatte sein Becht auch erst von Eckleff, 
und zwar später als Zinnendorf, er- 
worben. Als Antwort darauf brach die 
Gr. L.-L. V. D. 2. Sept. 1777 die Ver- 
bindung mit Schweden ab. Durch Ein- 
wirkung einzelner unzufriedener Brüder 
waren auch in Österreich Misshelligkeiten 
entstanden, die aber durch v. Sudt- 
hausen schnell aufgeklärt und beseitigt 
wurden. Ebenso war die Provinzialloge 
von Schlesien, an deren Spitze der Fürst 
von Hohenlohe stand, gegen die Gr. L.-L. 
V. D. aufgetreten, doch reichte man sich 
sehr bald wieder die Hand zur Ver- 
söhnung. Lizwischen war durch Zinnen- 
dorf am 20. Dez. 1776 das Grosse 
Ordenskapitel in Berlin eingesetzt worden, 
nachdem er durch Baumann auch die 
letzten, ihm noch fehlenden Auskünfte 
von Schweden erhalten hatte. Obgleich 
rastlos thätig fCb: sein Werk und dessen 
Festigung, f&hlte sich Zinnendorf per- 
sönlich gekränkt, da man ihn ehrver- 
letzend angegriffen hatte; anfangs 1779 
verliess er den Staatsdienst. Seine Müsse 
benutzte er sofort zu einer Beise nach 
Schweden und wurde dann wieder 7. 
Landesgrossmeister vom 24. Juni 1780 
bis zu seinem Tode 6. Jan. 1782. Sein 
Nachfolger als 8. Landes^ossmeister war 
von Oastill on (s. d.), bis 1789, dann 9. 
1789—1799 von Beulwitz (s. d.), worauf 
von Oastillon (als 10. Landesgrossmeister) 
wieder folgte. Inzwischen hatte die Gr. 
L.-L. das bisher in Miete gehabte, 24. 
Juni 1791 eingeweihte neue Gebäude 
Oranienbur^erstrasse 71/72, käuflich er- 
worben. Die schon in den ersten Jahren 
des 19. Jahrhunderts bestandnen freund- 
schaftlichen Verhältnisse der Gr. L.-L. 
mit den beiden andern Berliner Gross- 
logen veranlassten im Dez. 1807 einen engem 
Zusammenschluss der drei Grossmeister 
und einiger Grossbeamten. Eine Folge 
dieser Zusammenkünfte war der 6. Jan. 
1810 gestiftete Grossmeisterverein (s. d.). 
V. Oastillon starb 27. Jan. 1814. Sein 
Nachfolger als 11. Landesgrossmeister 
war von Neander (s. d.), der die im 
Laufe der Zeit locker gewordenen Be- 
ziehungen mit der höchsten Ordensab- 
teilun^ in Schweden wieder fester knüpfte. 
Um die noch fehlenden Aktenstücke der 
höchsten Ordensabteilung zu erlangen, 
wurde auf Anregung des Barons Ohristian 
Karl Friedrich Wilhelm v. Nettel- 
bladt (s. d.) in Parchim 1819 eine Ab- 
ordnung nach Stockholm gesandt. Ein 
6. April 1819 abgeschlossener, 31. Mai 
vollzogener Vertrag bekundet, ,dasseine 
Lehre, eine Abstammung, ein Geheim- 
nis, eine Form und ein Wesen von je- 
her die Gr. L.-L. und die nordischen 
Brüder aufe Engste verbinde." [Kalender 
für die Provinzialloge von Mecklenbg., 
Jahrg. 1822.] Von 1818 bis 1887 war 



V. Schmidt (s. d.) 12. Landesgrossmeister. 
Zur Feier des 50jährigen Jubiläums 24. 
Juni 1820 wurde eine Denkmünze mit 
dem Bildnisse Zinnendorfs und 1826 
eine solche zur 50jährigen Jubelfeier des 
Grossen regierendenOrdenskapitels geprägt. 

?3MW. Nr. 11 und 18.] In den dreissiger 
ahren wurde dem genannten Baron von 
Nettelbladt eine Revision der Akten über- 
tragen, die sich jedoch nur auf redaktionelle 
Änderungen, Ausscheidung veralteter Aus- 
drücke und Kedewendungen und dergleichen 
unwesentliche Dinge beschränkte und An- 
fang der vierziger Jahre beendet war, 
worauf diese so durchgesehenen Akten all- 
gemein eineef^rt wurden. Am 22. Mai 

1840 wurde der damalige Prinz vonPreussen 
(nachmalige Kaiser Wilhelm I. — s. d.) 
mit ausdrücklicher Genehmigung seines 
Vaters, Königs Friedrich Wilhelm HL, 
aufgenommen. Die Aufnahme erfolgte für 
die drei altpreussischen Grosslogen durch 
den Grossmeister Grafen, Henckel v. 
Donnersmarck (s. d.). Am 26. Dez. 

1841 trat der Prinz von Preussen als 
Ordensarchitekt bei der Gr. L.-L. ein und 
bewirkte, dass die höchsten Spitzen der 
drei altpreussischen Grosslogen gegenseitig 
durch alle Grade der Systeme geführt wur- 
den, und zwar zum ersten Male 2. Febr. 
1846 in der Grossen National-Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln. Am 5. Nov. 
1858 erfolgte die Aufnahme des Prinzen 
Friedrich Wilhelm von Preussen (nach- 
maligen Kaiser Friedrich UI. — s. d.), und 
zwar wurde sie im Palais dessen Vaters 
von diesem selbst vollzogen. Bei meh- 
reren Mitgliedern der Gr. L.-L. hatte sich 
die Vermutung entwickelt, dass Lücken 
in den Akten der Gr. L.-L. vorhanden sein 
möchten und es daher wünschenswert sei, 
eine Ver^leichung der diesseitigen Akten 
mit den in Schweden gebräuchlichen vor- 
zunehmen. Zu dem Zwecke wurde 1869 
eine besondere Abordnung nach Stockholm 
entsandt. Die Abgesandten gewannen die 
Überzeugung, dass sich ihre Akten und 
Dokumente, Rituale u. s. w. in Überein- 
stimmung mit den in Schweden gebräuch- 
lichen befänden; ausserdem aber erhielten 
sie Mitteilung von verschiednen altem 
Zeichnungen und einzelnen Listruktionen 
der höchsten Ordensabteilung, sowie von 
solchen Dokumenten und historischen 
Nachrichten, die hundertjährige Zweifel 
der Lösung näher führten; dadurch hat die 
Gr. L.-L. V. D. die Überzeugung gewonnen, 
mit den schwedischen Brüdern genau nach 
denselben Lehren und Ritualen zu arbeiten. 
Besondere Bedeutung erhielt das hun- 
dertjährige Jubiläum durch eine Rede 
des Ordensmeisters Friedrich Wilhelm. 
Kronprinzen des Deutschen Reiches una 
von Preussen, worin dieser zu vorurteils- 
freien und eingehendsten geschichtlichen 
Forschungen dringend aufforderte. Diese 
Rede war die Veranlassung zum Ruf iiach _ 

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94 



Berlin. 



Reformen, namentlich vom Ordensober- 
architekt Archidiakonus Schiflinann. Selbst 
Widmann wagte es 1872, mancherlei in 
den Überlieferungen des schwedischen 
Systems für zweifelhaft zu erklären. Allein 
die Reform wollte zunächst nicht vorwärts 
kommen. In Hannover wurden 20 Mit- 
glieder suspendiert, und Schifimann, der 
im Auftrag des Kronprinzen weitere Unter- 
suchungen anstellte, oereitete man Schwie- 
rigkeiten und verweigerte ihm die Be- 
nutzung des Grosslogenarchivs. Inmittels 
war auch eine Streitschrift von Findel 
gegen die Grosse Landesloge erschienen: 
»Die Schule der Hierarchie und der Ab- 
solutismus in Preussen« (Lpz. 1870). Am 
7. März 1874 legte der Kronprinz den 
ordensmeisterlichen Hammer nieder. An 
die Stelle des Kronprinzen trat v. Dach- 
röden (s. d.) als Ordensmeister. Wegen 
des Wahlmodus entspannen sich zwischen 
Schiffmann und Widmann Streitigkeiten, 
die zu öffentlichen Auseinandersetzungen 
und zur Suspendierung Schiffmanns als 
wortfuhrender Meister des Stettin er Ka- 
pitels, zuletzt zu seinem Ausschluss 
führten. Auch die Logen in Stettin und 
Stralsund schieden aus dem Verband der 
Grossen Landeslo^e. Am 13. Febr. 1889 
wurde Prinz Friedrich Leopold von 
Preussen (s. d.) in der Loge Friedrich zur 
Morgenröte in Berlin mit Genehmigung des 
Deutschen Kaisers zum Freimaurer auf- 

fenommen und übernahm am 2. Jan. 1894 
as Protektorat der drei altpreussischen 
Grosslogen und am 12. Dez. 1895 das Amt 
des Ordensmeisters. Im Laufe des J. 
1898 verkaufte die Gr. L.-L. ihr seit dem 
24. Juni 1791 benutztes Ordenshaus und 
schreitet nun zum Bau eines neuen in der 
Eisenacher Strasse (Schöneberg), wozu am 
11. Nov. 1898 der Grundstein gelegt worden 
ist. — B. Organisation. Die ganze 
Ordenslehre ist in drei Hauptabteilungen 

fefasst: 1) die Johannisloge, mit den cb*ei 
ohannisgraden (s.d.); 2) die Andreasloge, 
als 4. Grad, die Stufen der Andreaslehr- 
linge und der Andreasgesellen zusammen- 
fassend, und als 5. Grad, den Andreas- 
meister darstellend; 8) das Kapitel, um- 
fassend im 6. bis 9. Grad die Stufen der 
Ritter vom Osten, der Ritter vom Westen, 
der Vertrauten Brüder und der Auser- 
wählten Brüder. Hieran schliesst sich noch 
ein Ehren- oder sog. 10. Grad, der der 
Brüder mit dem roten Kreuz, früher auch 
Ritterkommandeure genannt. Das Ober- 
haupt der Grossen Landesloge ist der 
Ordens t Meister. An der Spitze steht 
jder Landesgrossmeister, der ein Gross- 
beamtenkollegium zur Seite hat. Die Grosse 
Landesloge im engem Sinne ist die oberste 
Behörde für die Andreas- und Johannis- 
grade, die erste Abteilung gilt den An- 
3reas-, die zweite den Johannislogen. 
Die Grosse Landesloge versammelt sich 
vierteljährlich (Quartal Versammlungen). 



Die Provinziallogen sind maurerische Be- 
hörden, die in einigen Sprengein die 
Zwischenbehörde zwischen den dort be- 
findlichen Andreas- und Johannislogen 
und der Grossen Landesloge bilden; an 
ihrer Spitze steht der Provinzialgross- 
meister. Die höchste Ordensabteilung 
ist die oberste Ordensbehörde für die Ka- 
pitel, sowie für alle Ritualangelegenheiten. 
Sie besteht aus dem Ordensrat für die 
Verwaltungsangelegenheiten und der Ge- 
setzgebenden Versammlung für Ände- 
rung in Lehre und Ritual. An der Spitze 
des Ordensrats steht der OrdensfMeister, 
ihm zur Seite der Ordensoberarchitekt 
und der Ordensunterarchitekt. Der Or- 
densrat bildet die geschäftsführende Be- 
hörde der höchsten Ordensabteilung. Die 
Kapitel haben die Aufgabe, die den vier 
höchsten Ordensstufen vorbehaltene Lehre 
an die Brüder der Logen ihres Bezirks 
zu übermitteln. Es giebt vier Arten von 
Kapiteln: 1) gesetzmässige für den 6. und 

7. Grad; 2) verbesserte für den 6., 7. und 

8. Grad; 3) voUkommne für den 6.-9. 
Grad; 4) das Grosse regierende Ordens- 
kapitel in Berlin für den 6. — 9. Grad. An 
der Spitze eines jeden Kapitels (1 — 3) 
steht aer wortführende Meister, aucn Ka- 
pitelmeister genannt, an der Spitze des 
Grossen regierenden Ordenskapitels der 
OrdensfMeister und der Ordensrat. Or- 
densfMeister waren vom: 1) 20. Dez. 
1776 V. Zinnendorf (s. d.); 2) 27. Dez. 1782 
V. Geusau (s. d.), 1808—1809 blieb das Amt 
zur Erinnerung an v. Geusau unbesetzt; 
3) 27. Dez. 1809 v. Castillon (s. d.); 4) 27. 
Dez. 1814 Gramer, f 31. Aug. 1815; 5) 20. 
Sept. 1815 Müller, f 23. Dez. 1815; 6) 27. 
Dez. 1815 V. Neander (s. d.); 7) 27. Dez. 
1817 Becherer (s. d.), legte das Amt nieder 
am 27. Dez. 1821 ; 8) 27. Dez. 1821 Joh. 
Mich. Palmiä (s. d.); 9) 12. Juli 1841 Graf 
Henckel v. Donnersmarck (s. d.); 10) 22. 
Okt. 1849 v.Selasinsky (s. d.); 11) 18. Juni 
1860 Friedrich Wilhelm, Kronprinz des 
Deutschen Reiches und von Preussen (s. d), 
legte das Amt nieder am 7. März 1874; 
12) 7. März 1874 v. Dachröden, legte das 
Amt nieder am 29. März 1877 (s. d.); 13) 
15. Juni 1877 v. Ziegler (s. d.); 14) 10. Sept. 
1882 Alexis Schmidt (s. d.), legte das Amt 
nieder am 15. Dez. 1895; 15) 15. Dez. 1895 
Prinz Friedrich Leopold von Preussen. Die 
Landesgrossmeister sind oben unter A 
aufgeführt bis zum 12. v. Schmidt. Ihm 
folgten: 13) 24. Juni 1837 Joh. Mich. 
Palmiä; 14) 24. Juni 1838 Graf Henckel v. 
Donnersmarck; 15) 24. Juni 1841 v. Sela- 
sinsky; 16) 24. Juni 1842 Graf Henckel 
V. Donnersmarck; 17) 24. Juni 1843 Busch; 
18) 24. Juni 1858 Klemm; 19) 24. Juni 
1864 V. Dachröden; 20) 24. Juni 1872 v. 
Ziegler (s. d.); 21) 24. Juni 1883 Neuland 
(s. d.); 22) 24. Juni 1891 Zöllner (s. d.). — 
C. Statistik. Ausser dem Grossen re- 
gierenden Ordenskapitel in Berlin, ge- 

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Berlin. 



95 



nanntlndissolubilis, bestehen noch folgende 
Kapitel: die yollkommenen Provinzial- 
kapitel von Preussen in Königsberg i. Pr. 
(Fidelitas sempiterna) , eingesetzt 16. Aug. 
1817, von Mecklenburg und Neu -Vor- 
pommern in Eostock (Inseparabilis) , er- 
richtet 18. Okt. 1820, eingesetzt 4. März 
1821, von Schlesien in Breslau (Integra), 
gestiftet 6. Aug. 1828, für Eheinland und 
Westfalen in Krefeld (Conjuncta), einge- 
setzt 5. Aug. 1868, das verbesserte Provin- 
zialkapitel von Niedersachsen in Hamburg 
(Inviolabilis), gest. 24. Okt. 1834, einge- 
setzt 16. Dez. 1834, und das gesetzmässige 
Provinzialkapitel für Sachsen und Thü- 
ringen in Nordhausen (Crescens), eingesetzt 
7. Okt. 1876. Ausserdem arbeiten im Be- 
reich der Grossen Landeslogen drei Pro- 
vinziallogen: 1) von Mecklenburg in 
Rostock, errichtet 17. Sept. 1819; 2) von 
Schlesien in Breslau, errichtet 20. Juni 
1776; 3) von Niedersachsen in Hamburg, 
errichtet 4. Juni 1777, eingesetzt 8. Jmi 
1777. Unter der Grossen Landesloge ar- 
beiten (1900) 28 schottische Andreaslogen 
(sie sind in der folgenden Zusammen- 
stellung in Klammern und durch einen '*' 
iingegeDen) mit 3390 Mitgliedern und 111 
Johannislogen mit 11613 Mitgliedern, und 
zwar in: 1) Preussen 84, nämlich a) Ost- 
preussen 5 (3): Allenstein, Bartenstein, 
*Gumbinnen, *Königsberg i. Pr., *Tilsit; 
b) Westpreussen 2 (2): *Danzig, *Thom; 
<;) Brandenburg20 (3): Beeskow, »Berlin 8, 
Fürsten walde, Havelberg, Königsberg i. N., 
*Kottbu8, Nauen, * Potsdam, Rathenow, 
Schwedt, Spandau, Spremberg, Wriezen; 
d) Pommern 10 (2): Demmin. Greifswald, 
Lauenburg, Neustettin, Putous, Pyritz, 
♦Stettin, * Stralsund, Swinemünde, Trep- 
tow; e) Posen 1: Rawitsch; f) Schlesien 
15 (4): »Breslau, Bunzlau, Freiburg, Glogau, 
Görlitz, Haynau, Jauer, Kattowitz, Löwen- 
berg, *Neisse, Schmiedeberg, *Schweid- 
nitz, Striegau, *Tamowitz, Waidenburg; 
g) Schleswig-Holstein 14 (3): *Altona 2, 
Apenrade, Eckernförde, *Flensburg, Haders- 
leoen, Itzehoe, *Kiel, Marne, NeumOnster, 
Rendsburg, Schleswig, Sonderburg, Wands- 
beck; h) Sachsen 7 (3): *Ascner8leben, 
♦Eisleben, Magdeburg, *Nordhau8en, Qued- 
linburg, Querfurt, Zeitz; i) Hannover 1 (1): 
♦Hannover; k) Westfalen 4: Hagen, Lüden- 
scheid, Minden, Schwelm; 1) Rheinprovinz 5 
<1): Bonn, Düsseldorf, *Krefeld, Solingen; 
m) Hessen -Nassau 1: Frankfurt a. M. 
2) Bayern 1: München. 3) Sachsen 1: 
Dresden. 4) Baden 1: Mannheim. 5) 
Mecklenburg - Schwerin 7 (2): Boizen- 
burg, Bützow, Parchim, *Rostock, ♦Schwe- 
rin, Waren, Wismar. 6) Sachsen- Weimar 
5 (1): Eisenach, Ilmenau, ♦Münchenbems- 
dorf, Triptb, Wenigenjena. 7) Mecklen- 
burg-StreBtz 1: Neustrelitz. 8) Schwarz- 
burg-Rudolstadt 1: Rudolstadt. 9) Reuss 
j. L. 1: Gera. 10) Lübeck 1 (1): ♦Lübeck. 
11) Bremen 1 (1): ♦Bremen. 12) Ham- 



burg 7 (1): ♦Hamburg 6, Kuxhaven. — 

D. Wohlthätigkeitsanstalten 
und müde Stiftungen der Gr. L.-L. 
1) Das Schul -Institut, gegr. 1819, 
zur Gewährung von Schulgeld, Büchern 
und Lehrmitteln an Kinder unbemittelter 
Freimaurer. 2) Die Palmin -Stiftung, 
gegr. 1845, zur Unterstützung unbe- 
mittelter, unverheirateter Töchter ver- 
storbener Mitglieder der acht Berliner 
Tochterlogen. 3) Die v. Selasinsky- 
Stiftung, gegr. 1864, zur Unterstützung 
unbemittelter , unverheirateter Töchter 
verstorbener Mitglieder der Tochterlogen 
der Gr. L.-L., und zwar vorzugsweise 
ausserhalb Berlins. 4) Die Devaranne- 
Stiflung, gegr. 1856, zur Unterstützung 
für Töchter von Freimaurern, die zur 
Lehrart der Gr. L.-L. gehören. 6) Die 
di-Dio- Stiftung, gegr. 24. Juni 1858, 
ein Teil der Palmi^-Stiflung. 6) Die 
Widmann -Stiftung, zur Unterstützung 
von Hinterbliebenen solcher Mitglieder, 
die sich hervorragende Verdienste um die 
Gr. L.-L. und den Orden erworben 
haben. 7) Das Freitisch -Stipendium für 
Freimaurersöhne, die auf der Universität 
Berlin studieren. Im Ganzen hatten die 
Tochterloeen der Gr. L.-L. 1899 164 
milde Stiftungen. Seit 1793 werden im 
Ordenshause der Gr. L.-L. regelmässig 
abgehalten (sog.) Mittwochs -Brudermahle, 
»um einen Punkt zu haben, wohin sich 
besuchende Brüder bei ihrer Anwesenheit 
in Berlin wenden können, um die dasigen 
Einrichtungen näher kennen zu lernen 
und damit die Brüder sich enger aneinander 
anschliessen.c In neuerer Zeit finden diese 
Brudermahle monatlich nur einmal statt. 

E. Litteratur. Die, litterarischen Er- 
zeugnisse aus der Mitte der Gr. L.-L. v. 
D. sind sehr zahlreich, doch muss hier 
auf die namentliche Aufzählung aller 
Werke verzichtet werden; es können nur 
die jetzt erscheinenden periodischen Zeit- 
schriften Erwähnung finden: 1) Zirkel- 
correspondenz unter den Logenmeistem 
der Gr. L.-L. v. D. (s. d.). 2) Die St. An- 
dreasgrade der Gr. L.-L. v. D., in Viertel- 
jahrsheften seit 1877, herausgegeben von 
Possart und dann von C. Gartz, jetzt von 
Seckt in Berlin. «Handbuch für die Brüder 
der Gr. L.-L. v. D. Eine Übersicht ihrer 
Einrichtungen« (Brl. 1891). Verzeichnis der 
Büchersammlung der Gr. L.-L. v.D., zuletzt 
von 1882. 

3) Grosse Loge von Preussen, 
genannt Royal York zur Freund- 
schaft. A. Geschichte. Sie entstand 
11. Juni 1798 durch Teilung der ursprüng- 
lichen Loge Royale York de Tamiti^. Diese 
war auf den Wunsch in Berlin ansässi- 
ger französischer Freimauer vom 5. Mai 
1760 eine neue Loge La paix et 
la joye zu stiften, von dem Meister vom 
Stuhl der Loge Aux trois globes, v. 
Printzen (s. d.) , unter dem ^amen Am 
igi ize y ^ 



96 



Berlin. 



trois colombes 10. August 1760 eingesetzt 
worden und hatte in der erweiterten 
Urkunde vom 12. April 1761 den Namen 
L'amiti^ aux trois colombes erhalten. 
Bie nannte sich, nachdem sich 16. Mftrz 1764 
eine Schottenloge La cordialit^ gegründet 
hatte, seit dem 27. Juli 1765, wo sie 
den Prinzen Eduard August, Herzog von 
York und Albanien, Bruder des Königs 
Georg III. von Grossbritannien (s.d.), aufge- 
nommen hatte, Royale York de Tamiti^, 
erhielt 1768 eine Stiftungsurkunde von der 
Grossen Loge in London und löste sich 
ganz von ihrer bisherigen Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln. Am 19. Mai 
1774 vereinigte sie sich mit der Grossen 
Landesloge von Deutschland, trat aber 
1776 in ihie vorige Unabhängigkeit wieder 
zurück. Seit 1773 bereits, wo sie eine 
Loge in Kassel stiftete, wurden von ihr zahl- 
reiche Tochterlogen errichtet. Die Loge 
arbeitete anfänglich nur in der franzö- 
sischen Sprache; diese wurde seit 1777 
teilweise durch die deutsche ersetzt, bis 
diese 1794 die allein herrschende wurde. 
1779 erwarb man das Logengrundstück, 
und 28. Mai 1780 fand die Einweihung 
des Logenhauses statt, das Eigentum 
der vier vereinigten Logen ist, die sich 1798 
aus der Loge bildeten: Friearich Wilhelm 
zur gekrönten Gerechtigkeit, Zur siegen- 
den Wahrheit, Urania zur Unsterblich- 
keit und Pythagoras zum flammenden 
Stern. Nach dieser Teilung und nach 
Umarbeitung der Rituale, hauptsächlich 
unter Fesslers (s. d.) Einfluss, erfolgte 11. 
Juni 1798 die Konstituierung als Grosse 
Loge von Preussen, die aber erst 1845 den 
Namen Grosse Loge von Preussen, genannt 
Royal York zur Freundschaft annahm. 
Unter den Grossmeistem treten namentlich 
hervor, Schnakenburg (s. d.), der seine Thä- 
tigkeit bei Änderung der Rituale entfaltete, 
und Herrig, der für den Zusammenschluss 
sämtlicher deutscher Logen zu einer 
festen Einheit bemüht war. Settegast 
(s. d.), der 1889 an des letztern Stelle 
kam, trat für eine wesentliche Änderung 
der Verfassung ein, indem er die 
Innern und den Innersten Orient abschafi'en 
und dafür einen engem Rath für das 
Lehrwesen und eine Abteilung für die 
Verwaltung einsetzen wollte. Dieser 
Vorschlag blieb in der Minderheit. In- 
folgedessen legte Setteeast 15. Nov. 
1889 sein Amt nieder und trat 1891 aus 
dem Verband der Grossloge aus. Als 
Grossmeister wurde Prinz Heinrich zu 
Schönaich-Carolath (s. d.) gewählt. Eine 
Spannung bildete sich später zwischen 
der Grossloge und dem Eklektischen Bunde 
bei der von diesem bewirkten Annahme 
der Breslauer Loge Hermann zur Bestän- 
digkeit, die von der Settegastschen Grossen 
Loge von Preussen, genannt Kaiser Fried- 
rich zur Bundestreue, gestiftet worden 
war, weil diese nicht als anerkannte 



Loge anzusehen war. Die Angelegen- 
heit ist 1899 durch ein vom Deutsdien 
Grosslogenbund eingesetztes Schiedsgericht 
endgültig erledigt und dabei die fragliche 
Breslauer Loge anerkannt worden. Dem 
Prinz zu Schönaich-Carolath folgte 1899 
Wagner (s. d.). Noch vor dem Abgang des 
Prinzen zu Schönaich-Carolath hatte cueser 
Gelegenheit, eine kräftige Abwehr zu 
unterstützen gegen den Versuch, das 
christliche Prinzip wieder in die Gross- 
loge hereinzubringen. Es war 1899 be- 
antragt worden, dass der Suchende sich zum 
Christentum bekennen müsse, und, da 
dieser Antrag auf Widerspruch zu stossen 
schien, dass in die Verfassung aufzunehmen 
sei, dass die Freimaurerei bezwecke, »nach 
den Grundsätzen des Christentums« die 
sittliche Veredlung der Menschen und 
menschliche Glückseligkeit überhaupt zu 
fördern. Der Antrag wurde in der ge- 
setzgebenden Versammlung mit 65 gegen 
2 Stimmen abgelehnt. Übrigens können 
infolge der Vereinigung mit den beiden 
andern altpreussischen Grosslogen, wonach 
der gegenseitige Besuch der Schotten- 
und Andreaslogen zugestanden wurde, zur 
Zeit nur Bekenner des Christentums Auf- 
nahme in den Innern Orient erhalten. 
[Vgl. Bh. 1878, S. 107.] — B. Das 1797 zu- 
erst ausgearbeitete Gesetzbuch ist mehr- 
mals (verfassungsmässig alle neun Jahre] 
abgeändert worden. 1854 wurde dabei 
für die besuchenden Brüder die Bedingung, 
sich zum Christentum zu bekennen, auf- 
gehoben. Ebenso wichtig war die Ab- 
änderung von 1872. Der Ausdruck 
•Orden« wurde aufgegeben und dafür 
•Bund« eingeführt, die Zensur abgeschafit 
und die allgemeinen Grundsätze der Frei- 
maurerei nach der Festsetzung des Ham- 
burger Grossmeistertags von 1870 fanden 
Aufnahme; auch die Aufnahme von Nicht- 
christen wurde gestattet. — C. Das 
System der Grosslo^e ist das Fessler- 
sche (s. Fessler), das jedoch später mehr- 
fach abgeändert wurde. Die Grosse 
Loge Royal York besteht aus zwei Kolle- 
gien, dem obersten Lehrkollegium (In- 
nerster Orient) und dem obersten Regie- 
rungs-Kollegium (Grosse Loge im engem 
Sinne). Der Innerste Orient mit dem 
Sitz in Berlin hat über alles, was Doktrin 
und Ritus betrifit, zu entscheiden und 
spendet die maurerischen Kenntnisse der 
hohem Grade durch die einzelnen In- 
nern Oriente (s. d.) aus, ohne dass jedoch 
hierbei, von einer feierlichen Einführung 
abgesehen, weitere Gebräuche stattfinden. 
— Die Rituale sind zuletzt 1882 für 
den 1. und 2. und 1886 für den 3. Grad 
neubearbeitet worden: sie gelten für die neu- 
zubegründenden Logen, sind aber den noch 
nach andern Ritualen arbeitenden Logen 
(sechs) empfohlen. — D.Ais Grossmeister 
standen an der Spitze Delagoan^re (s. d.) 
1798, V. Sellentin (s. d.) 1799—1800, Klein 
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Berlin. 



97 



(8. d.) 1801-1809, Hey 1810—1881, Link 
(8. d.) 1832—1860, V. Klöden (s. d.) 1851 
bi8 1855, Amelang (b. d.) 1856—1858, Prinz 
Wilhelm von Baden (e. d.) 1859—1868, 
Schnakenburg (s. d.) 1864—1872, Herrig 
(8. d.) 1873—1888, Setteffast (s. d.) 1889, 
Prinz Heinrich zu Scnönaich-Carolath 
(9. d.) 1889—1899, Wagner (s. d.) seit 1899. 
— E. Statistik. Die Grosse Loge hat 
eine Grosse Provinzialloge von Schlesien 
in Breslau, gest. 6. Sept. 1816, 11 Innere 
Oriente und 67 Johannislogen , nämlich: 
in 1) Preussen 59, und zwar: a) Ost- 
preussen 1 (1): *König8berg i. Pr.; b) West- 
preussen 5 (2): ♦Danzig, Dirschau, *Grau- 
denz, Kulm-Schwetz, Pr. Stargard; c) Bran- 
denburg 7 : Berlin 4, Forst, Kyritz, Witt- 
stock; d) Pommern 2 (1): »Stettin, Stral- 
sund; e) Posen 1: Lissa; f) Schlesien 
12 (4): »Breslau, *Gleiwitz, Goldberg, 
»Görlitz, Grünberg, Kreuzburg, Landes- 
hut, Lauben, Loeoschütz, Beichenbach, 
•Schweidnitz, Sprottau; g) Sachsen 5 
(1): Eilenburg, Halle a. S., »Magdeburg, 
Sangerhausen, Wittenberg; h) Hannover 
18: Celle, Einbeck, Emden, Göttingen, 
Hameln, Hannover 2, Harburg, Hildes- 
heim 2, Leer, Lüneburg, Münden, Nien- 
burg, Osterode a. H., Stade, Verden, 
Wifiielmshaven; i) Westfalen 1: Herford; 
k) Hessen -Nassau 3: Hersfeld, Kassel, 
Schmalkalden; 1) Bheinprovinz 4: Emme- 
rich, Neuwied, Saarbrücken, Trier; 2) An- 
halt 1: Köthen; 3) Hamburg 1: Ham- 
burg; 4) Bremen 2 {1): »Bremen, Vege- 
sack; 5) Keichslande 4 (1): Kolmar, Metz, 
Mühlhausen, »Strassburg. Die mit » ver- 
sehenen Logen besitzen Linere Oriente. 
Die Gesamtmitgliederzahl beträgt (1898) 
6300. [Vgl. Jahrbücher der Grossen Loge 
Royale York (Berlin 1798/99). Haupt- 
momente der Geschichte der Gr. L.v.Pr. gen. 
R. Y. z. Fr. (Berlin 1849). Flohr, Geschichte 
der Gr. L. v. Pr., gen. R. Y. z. Fr. (Berlin 
1898). Bh. 1867, Nr. 88. L. XXHI, 
S. 58. — Flohr, Grundsätze und Ver- 
fassung der Gr. L. v. Pr., gen. R Y. z. 
Fr. (Berlin 1889). Beschreibung des Logen- 
hauses: L. 1886, S. 125. Centenarfeier 
der Gr. L.: L. 1898, S 83.1 — F. Milde 
Stiftungen: 1) Schnakenburg -Stiftung, 
zur Unterstützung von Söhnen unbe- 
mittelter Brüder in ihrer wissenschaft- 
lichen oder künstlerischen Ausbildung. 
2) Martini-Raven^- und Arenberg-Stiftung 
zu mildthätigen Zwecken 8) Grossmeister 
Herrig-Stiflung. Die Tochterlogen haben 
zusammen 124 milde Stiftungen. 

Zu 1 — 8): Gemeinschaftlich mit dem 
Deutschen Grosslogenbunde ist die Vic- 
toria-Stiftung; femer kommen in Be- 
tracht die Stiftungen der drei altpreussi- 
schen Grosslogen: die Augusten-Stiflung 
(s. d.), die Kronprinz Friedrich Wilhelm- 
Stiftung (s. d.) und die Kommission zur 
Unterstützung hilfsbedürftiger durch- 
reiflender Brüder. 

Allgemeinea Handbnoh der Freimaurerei. 



in. Logen. 

A. Unter der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln. 
Gemeinschaftliches Logenlokal: Splitt- 
gerbergasse Nr. 8. 1) Die Loge Zur Ein- 
tracht, unter dem Namen La petite Con- 
corde 9. Dez. 1754 gest. und 31. Jan. 1755 er- 
öffnet, bestand seit 1 9. Juni 1755 unabhängig 
neben der Mutterloge Aux trois globes, 
richtete 1758 eine eigne Sdiottenloge 
L'harmonie ein und trat erst 4. Mai 1761 
als erste Tochterloge unter die Mutterloge 
zurück, worauf sie 20. Mai 1761 wieder 
eingesetzt, die Schottenloge aber mit der 
altschottischen Loge L'union vereinigt 
wurde. Seit 20. Mai 1761 heisst sie Zur 
Eintracht. Gegenwärtige Mitgliederzahl 
(1899): 298. Klub: Mittwochs. Milde Stif- 
tung: Unterstützungsfonds mit Statut vom 
15. Jan. 1876. — 2) Die Loge Zum flam- 
menden Stern wurde zum grössten Teil 
von militärischen Freimaurern 24. Febr. 
1770 errichtet (Stiftungsurkunde v. 13. Jan. 
1775). Während des Bayerschen Erb- 
folgekriegs (1778—79) wurde sie als Feld- 
loge far die Armee eingerichtet und ar- 
beitete zu Landeshut in Schlesien; ihre 
Thätigkeit als gewöhnliche Loge begann 
sie wieder in B. 23. Aug. 1779. Mit- 
gliederzahl (1899): 302. Klub: Sonnabends. 
Milde Stiftungen: a) von Hom-Stiftung 
für hilfsbedümige Witwen von Brüdern; 
Statut V. 19. Jan. 1870; b) Alexander 
Haack- Stiftung zur Unterstützung allein- 
stehender Mädchen, die durch Krankheit, 
Gebrechen oder andre unverschuldete 
Verhältnisse bei ihrem Erwerb behin- 
dert sind; Statut v. 17. Mai 1884; 
c) Friedrich Wilhelm Kube- Stiftung zur 
Bezahlung von Logenbeiträgen und Be- 
munerierung musikalischer Kräfte; Statut 
V. 22. Jan. 1887; d) Otto Heinrich Krohn- 
Stiftung zur Unterstützung hilfebedürf- 
tiger Witwen und Waisen, Statut v. 22. 
März 1890; e) Theodor Wagner -Stiftung 
zur Unterstützung hilfebedürftiger Witwen 
und Waisen, Statut v. 29. Okt. 1892; 

8 Friedrich Wilhelm Kube- Stiftung zur 
nterstützung hilfsbedürftiger Brüder, bez. 
Witwen- und Waisen verstorbener Brüder, 
Statut V. 12. Dez. 1893; g) Hefter-Stiftung 
zu demselben Zweck, Statut v. 20. Jan. 
1899. [Vgl. Kleiber, Mittheilungen aus 
der Geschichte der Loge (1870).] — 
3) Die Loge Zu den drei Seraphim 
wurde 19. Aug. 1774 unter dem Namen 
Fr^d^ric aux trois S^raphins gegrün- 
det und 19. Aug. 1774 unter dem Vor- 
sitz ihres Stifters v. Penavaire, Hofmar- 
schalls des Prinzen Friedrich von Braun- 
schweig, von diesem als Nationalgross- 
meister in seinem Hause eingeweiht. Sie 
erhielt, um die 12. April 1761 gestiftete 
und nachher vom Bunde der Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln abgelöste Loge 
L'amiti^ aux trois colombes zu ersetzen, 

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98 



Berlin. 



die Verpflichtung, in französischer Sprache 
zu arbeiten, was bis 1785 dauerte, wo sie 
11. Juni unter dem jetzigen Namen als 
deutsche Loge zu arbeiten begann. Mit- 

fliederzahl(1899): 193. Klub: Mittwochs, 
lüde Stiftungen: Jakob Salingsche, 
van den Wyngaert-, Herrn. Friedlän- 
der-, Aug. Benien-, Rud. Weber -Stiftung 
für hilüsbedürftige Mitglieder der Loge, 
sowie deren Witwen und Waisen. — 
4) Die Loge Zur Verschwiegenheit 
wurde 18. Jan. 1775 gestiftet und 
2. Sept 1775 unter dem Namen Ver- 
schwiegenheit zu den drei verbundenen 
Händen eingeweiht. Sie gin? hervor 
aus einer bereits bestehenden Art 
von Humanitätsgesellschaft. Mitglieder- 
zahl (1899): 259. Klub: Mittwochs. 
Milde Stiftungen: a) Marot-Stiftung zur 
Unterstützung hilfsbedürftiger Hinter- 
bliebenen von ordentlichen Mitglie- 
dern der Loge, Statut v. 21. Febr. 
1849, 6. Juli 1855, 15. Febr. 1860, 13. 
Febr. 1865, 13. Febr. 1898; b) Unter- 
stützungskasse, Statut V. 4. März 1868; 
c) Maetzner-Stiftung v. 1880, Statut v. 21. 
Juni 1899; d) Bernhardi-Stiftung v. 24. März 
1899, Kapital: 13100 M. — 5) Die Loge 
Zur Treue, gest. 22. März 1872. Mit- 
gliederzahl (1900): 133. Klub: 1. Donners- 
tag. Milde Stiftung: Unterstützungsfonds. 
Statut V. 14. Sept. 1873. — 6) Eine allge- 
meine altschottische Loge Zu den <&ei 
Weltkugeln besteht in ihrer jetzigen Ge- 
stalt seit 22. Nov. 1797. Sie wurde unter 
dem Namen L'union 23. Nov. 1742 ge- 
gründet. Als blosse Zwischenstufe zu den 
hohem Ordensgraden war sie bereits bei 
dem Rücktritt der Loge Zu den drei Welt- 
kugeln von der strikten Observanz, 5. Juli 
1779, umgebildet worden. Mitglieder sind 
alle aktiven, in B. oder den auswärts dele- 
gierten altschottischen Logen des Bundes 
der drei Weltkugeln in den vierten Grad 
aufgenommenen Brüder. — B. Unter der 
Grossen Landesloge der Freimaurer 
von Deutschland. Gemeinschaftliches 
Lokal bis 1899 Oranienburger Strasse 72, 
nach dessen Verkauf in Schöneberg, noch 
im Bau begriflfen: 1) Zu den drei gol- 
denen Schlüsseln, gest. 10, Aug. 1769 
von Zinnendorf (s. d.), ist eine Fortsetzung 
der 14. Dez. 1743 in Halle nach der 
Stiftun^urkunde der Loge Aux trois 
globes in Berlin eröffneten Loge Aux trois 
clefs d'or, die 5. Febr. 1749 aus Mangel 
an Mitgliedern geschlossen wurde. Die 
Möbel, Bücher und Papiere wurden an 
Zinnendorf von dem letzten Meister Madai 
(s. d.) mit der Bedingung übergeben, das An- 
denken der geschlossenen Loge durch Er- 
richtung der neuen unter demselben Na- 
men zu bewahren. Ihr gehörte König 
Friedrich Wilhelm H. (s. d.) als Ehren- 
mitglied an. Mitgliederzahl (1899): 251. — 
2) Zum goldnen Schiff, gest. 11. März 
1771. Mitgliederzahl (1899): 120. — 3) Pe- 



gase, gest. 4. Sept. 1771. Mitgliederzahl 
(1899): 225. [Vgl. Berthold, Zur Säkular- 
feier der L. am 4. Sept. 1871.] — 4) Zur 
Beständigkeit, gest. 12. Okt. 1775. Mit- 
gliederzahl (1899): 177. Klub: Donners- 
tag. — 5) Zum Pilgrim, gest. 1. Nov. 
1776, eröffiaet 24. Febr. 1777. MitgUeder- 
zahl (1899): 234. — 6) Zum goldnen 
Pflug, gest. 8. Nov. 1776. Mitgliederzahl 
(1899): 218. Klub: Freitags. [Vgl. Th. 
Toeche, Hundert Jahre der Loge (Brl. 
1876)]. — 7) Zum Widder, gest. 15. Nov. 
1776. Die Loge Hess 1877 eine Denkmünze 
auf J. R. Palmin prägen. [Vgl. HMW. 
Nr. 22.] MitgliederzaW (1899): 162. — 
8) Friedrich Wilhelm zur Morgen- 
röte, gest. 5. Nov. 1855. Mitgliederzahl 
(1899): 191. — Hiemächst steht noch unter 
der Grossen Landesloge: 9) die Andreas- 
loge Indissolubilis, gest. 30. Nov. 1769. 
— C. Unter der Grossen Loge von 
Preussen, genannt Royal York zur 
Freundschaft, durch Teilung der ur- 
sprünglichen Loge Royale York de Pamiti^ 
entstanden 11. Juni 1798 (Stiftungsfest 24. 
Juni), die Logen: 1) Friedrich Wilhelm 
zur gekrönten Gerechtigkeit. Mit- 
gliederzahl (1899): 238. — 2) Zur sie- 
genden Wahrheit, in der 20. Dez. 1798 
der Prinz von England, Friedrich August 
Herzog V. Sussex, aufgenommen wurde. Mit- 
gliederzahl (1899): 112. — 8) Urania zur 
Unsterblichkeit. Mitgliederzahl (1899): 
130. — 4) Pythagoras zum flammen- 
menden Stern. Mitgliederzahl (1899): 
96. — Diese vier vereinigten Johannis- 
logen, derenÖkonomiekollegium gemeinsam 
ist, halten abwechselnd ihre Versammlungen 
in dem ihnen seit 4. Jan. 1798 gehörigen 
Logenlokal Dorotheenstrasse Nr. 27, dessen 
älterer Teil 1712 von dem berühmten 
Schlüter für den Oberhofmeister v. Kameke 
aufgeführt worden ist. [Vgl. Bericht über 
den Neubau und die Einweihung des Lo- 
genhauses der zur Grossloge von Preussen, 
genannt Royal York zur Freundschaft, ge- 
hörigen vier vereinigten Logen in Berlin 
(1883).] Milde Stiftungen der vier ver- 
einigten Logen: 1. Souchay- Stiftung zur 
Unterstützung von Witwen der Loge 
Pythagoras zum flammenden Stern. 2. Unter- 
stützungsamt zur Unterstützung von hilfs- 
bedürftigen Brüdern, Witwen und Waisen. 

3. Wilhelm-Stiftung, zu Stipendien zur 
höhern Ausbildung von Söhnen verstor- 
bener Mitglieder der vier vereinigten Logen. 

4. Gain-Stiftung zur Besch^ung von 
Schulbedürfhissen an Kinder bedihftiger 
Witwen. 5. Petermann-Stiftung zu Sti- 
pendien für höhere wissenschaftuche oder 
technische Ausbildung der Kinder von 
Mitgliedern der vier vereinigten Logen. 
6. Wagner-Stiftung zu wohlthätigen 
Zwecken. 7. Wohlthäterfonds zu wohl- 
thätigen Zwecken nach Beschluss der Loge 
Friedrich Wilhelm zur gekrönten Gerech- 
tigkeit. Ausserdem bestehen bei der 

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Berlin. 



99 



Grossloge und dem Innersten Orient 
Fonds für wohlthätige Zwecke. — Zur 
Erinnerung an die 11. Juni 1798 er- 
folgte Teilung der Loge Royal York haben 
die vier vereinigten Logen der Grossloge 
Boyal York 1898 eine Denkmünze prägen 
lassen. [HMW. Nr. 167.] Verzeichnis der 
Büchersammlung von 1882. — D. Unter der 
Grossen Mutterloge des Eklektischen 
Freimaurerbundes steht die Loge 
Friedrich zur Gerechtigkeit, gest. 
12. Mai, eingeweiht 18. Okt 1893. Mit- 
gliederzahl (1899): 128. Vers. Mittwochs, 
monatlich zweimal. liOgenlokal: Logen- 
haus Dorotheenstrasse Nr. 27. — E. Unter 
der Grossen Loge von Hamburg ar- 
beiten: 1) Hammonia zur Treue, gest 
8. Juni 1898, eingew. 22. Juni 1898. Mit- 

fliederzahl (1899T: 186. Vers. Dienstags, 
erien: Juli una August. Hausgesetz v. 
14. Mai 1898. — 2) Friedrich Ludwig 
Schröder, gest. 8. Febr. 1896, eingew! 5. 
Juni 1896. Mitgliederzahl (1899): 85. Beide 
Logen haben är gemeinsames Lokal Wil- 
hehmstrasseNr.lll. Katalog der Bibliothek 
der vereinigten Berliner Johannislogen 
Hamburger Systems (1898). — E. Unter 
der Grossloge Zur Sonne steht die 
Loge Galilei zur ewigen Wahrheit, 
gest. 4. April, eröffnet 19. April 1897. 
Mitgliederzahl (1899): 95. Vers. Mittwochs. 
Logenlokal: Wilhelmstrasse Nr. 111. — 
Li JB. besteht noch die Meistervereinigung 
der St. Johannislogen von B. und der 
Provinz Brandenburg (s. Logengauver- 
b&nde). 

IV. Grosse Loge von Preussen, 
ffenannt Kaiser Friedrich zur Bun- 
destreue. Im J. 1891, zu welcher 
Zeit die maurerischen Verhaltnisse in 
Deutschland keinerlei erhebliche Bewegung 
zeigten, abgesehen von den Differenzen, 
die hie und da, insbesondere zwischen 
den Preussischen Grosslogen einerseits und 
den andern deutschen Grosslogen, auf- 
tauchten, bekam eine Bewegung immer 
starkem Antrieb, die besonders auf den in 
Berlin herrschenaenZuständen beruhte. Hier 
befanden sich eine grosse Anzahl von Frei- 
maurern, denen es aus konfessionellen Grün- 
den versagt war, in den zu den preussi- 
schen Grosslogen gehörigen Tochterlogen 
Anfhahme zu finden und die diese Auf- 
nahme ausserhalb Preussens gesucht und 
gefunden hatten. Immer lauter wurde hier 
aer Wunsch, nicht nur als Besuchende 
die Maurerei zu pflegen, sondern eigne 
Bauhütten zu gründen. Diesem Wunsche 
stand aber zweierlei entgegen: einmal 
die in den Kreisen der preussischen Mau- 
rerei festgehaltene und auch in dem 
preussischen Ministerium des Innern als 
richtig angesehene Meinung, dass in 
Preussen lediglich die drei altpreussischen 
Orosslogen berechtigt seien, in Preussen 
Logen zu gründen, und dann das ener- 
^che thatsächliche Widerstreben der alt- 



preussischen Grosslogen selbst. Die vorer- 
wähnten Freimaurer, die zu ausserpreussi- 
schen Logen gehörten, fingen an, sich 
in besondern Vereinigungen zusammen- 
zuthun, wodurch der Wunsch, eigne Bau- 
hütten in B. zu errichten, immer mehr 
Nahrung erhielt. Nachdem inzwischen 
der Grossmeister der altpreussischen Gross- 
loge Royal York Hermann Settegast (s. d.) 
sein Amt niedergelegt hatte, schloss sich 
dieser der in Hamburg arbeitenden Tochter- 
loge der Grossen Loge von Hamburg Fer- 
dinande Caroline an und kam dadurch 
in nähere Berührung mit zu Hamburg ge- 
hörigen Freimaurern in B. Hier wurde 
bald der Gedanke angeregt, eine Tochter- 
loge von Hamburg in B. zu gründen. Die 
Grosse Loge von Hamburg begrüsste den 
Plan freudigst, Settegast beantragte bei 
dem Minister des Innern die Genehmigung 
zur Errichtung einer Loge, erhielt jedoch 
einen ablehnenden Bescheid. Infolgedessen 
trat die Grosse Loge von Hamburg 
von ihrem Plan zurück. Inzwischen hatte 
AJexander-Katz (s. d.] [Bh. 1898, S. 145] 
die Frage der Gründung einer Loge in 
Preussen nach staatlichem und maureri- 
schem Becht eingehend untersucht und 
war dabei zu dem Schluss gekommen, dass 
in Preussen eine Staatsgenehmigung nicht 
erforderlich sei und dass es zur Gründung 
einer Loge der Konstitution einer Gross- 
loge nach maurerischem Herkommen um 
so weniger bedürfe, als nicht eine einzige 
deutsche Grossloge eine Konstitution der 
englischen Grossloge besass, beziehungs- 
weise die Verbindung mit der englischen 
Grossloge abgebrochen und sich eine eigne 
Konstitution gegeben hatte. Demgemäs» 
entschlossen sich Settegast und die mit ihm 

§ehenden Freimaurer 27. Nov. 1892 zur Grün- 
ung einer selbständigen Grossloge unter 
obigem Namen. Auf die an das Polizeipräsi- 
dium zu B. gerichtete Anzeige erging eine 
Verfügung, welche die Bezeichnung als Frei- 
maurerloge als unzulässig erklärte, wonach 
Settegast durch Alexander-Katz (s. d.) die 
Klage erhob, in der das Preussische Ober- 
verwaltungsgericht am 22. April 1898 die 
Verfügung des Polizeipräsidenten rechts- 
kräftig aufhob und in den Gründen ins- 
besondere aussprach, »dass das Verbot 
der Freimaurerei ausserhalb der drei alt- 
preussischen Grosslogen in Preussen nicht 
besteht; dass die drei altpreussischen Gross- 
logen irgend ein Recht darauf, dass andre, 
als ihre Logen, nicht geduldet werden, 
nicht haben; dass die drei altpreussischen 
Grosslogen ein monopolartiges Becht auf 
die Bezeichnung Freimaurerloge nicht 
besitzen; dass diese drei Grosslogen ledig- 
lich Privat vereine sind, während sie selbst 
behauptet haben, ihre Stellung sei eine 
öffentlich-rechtliche.« Die Grossloge 
arbeitet nach einem mit dem Schröder- 
schen übereinstimmenden, jedoch den ver- 
änderten Zeitverhältnissen |angi^>flfiatQQ. 
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100 



Bermudas — Bern. 



Ritual und hat ein Gesetzbuch, das im 
wesentlichen dem der Grossen Loge Royal 
York entspricht. Sehr bald nach der 
Gründung aer Grossloge spalteten sich die 
erste Loge Victoria in die weitern Logen 
Lessin^ zu den drei Eingen und Germania 
zur Einigkeit, und die neue Grossloge 
wurde von dem Grossosten der Nieder- . 
lande und der Symbolischen Grossloge von 
Ungarn anerkannt. Während die libera- 
leren Logen Deutschlands die neue Gross- 
loge freudigst begrüssten, traten die drei 
altpreussischen Grosslogen ihr entgegen, 
ein Verhältnis, das zu vielfachen Streitig- 
keiten in den beteiligten maurerischen 
Zeitschriften (die Grossloge Kaiser Fried- 
rich zur Bundestreue hatte sofort beim 
Inslebentreten als ihr Organ die »Bau- 
steine« gegründet) führte und zum Teil 
auch die Öflentlichkeit in den Tages- 
zeitungen beschäftigte. Auf den Antrag 
der neuen Grossloge an den Deutschen 
Grosslogenbund um Anerkennung setzte 
dieser einen Ausschuss nieder, der nach 
Prüfung der eingereichten Nachweise, des 
Gesetzbuchs und der Rituale zwar aner- 
kannte, dass die Logen der neuen Gross- 
loge gerechte und vollkommene Frei- 
maurerlogen und ebenso ihre Mitglieder 
Freimaurer seien, dass aber die Aner- 
kennung zur Zeit deswegen zu versagen 
sei, weil zunächst auf ein brüderliches und 
Freundschaftsverhältnis mit «sämtlichen« 
im Grosslogenbunde vertretenen Gross- 
logen nicht gerechnet werden könne. Die 
Grossloge breitete sich unter^ fortdauern- 
den Befehdungen und nach Überwindung 
auch innerer Schwierigkeiten so aus, dass 
sie jetzt (1900) zehn Tochterlogen hat, 
darunter sechs in Berlin und je eine in 
Charlottenburg, Stettin, München und 
Breslau, mit einem Gesamtbestand von 439 
Mitgliedern. Die milden Stiftungen be- 
tragen ca. 14000 Mk. Grossmeister: 1892 
bis 1894 Settegast (s. d.); 1894-97 Prof. 
Gust. Schauer; 1897—98 Settegast; seit- 
dem Prof. Dr. H. Möller. Die in B. be- 
stehenden Logen sind : l)Viktoria, gest. 
1. Aug. 1892; MitgUederzahl (1900): 74. 

2) Lessing zu den drei Ringen, gest. 
31. Jan. 1893; Mitgliederzahl (1900): 34. 

3) Germania zur Einigkeit, gest. 28. 
März 1893; Mitgliederzahl (1900): 45. 

4) Humanitas, gest. 10. Apr. 1897; Mit- 
gliederzahl (1900): 81. 5) Pestalozzi zur 
Wahrheit, eingew. 18. Okt. 1897; Mit- 
gliederzahl (1900): 30. 6) Zu den drei 
Kosen, eingew. 18. Okt. 1897; Mitglieder- 
zahl (1900): 24. Wieder eingegangen sind 
die vier Logen Prometheus (gest. 1896), 
Zum goldnen Anker, Hohenzollern 
zur Treue und Marbach zur Ein- 
tracht (diese drei gest. 1897). [Vgl. Sette- 
gasts Taschenbuch für Freimaurer (1900). 
Settegast, Die Grosse Freimaurerloge von 
Preussen, gen. Kaiser Friedrich zur Bun- 
destreue (Brl. 1893). Alexander-Katz, Die 



Freimaurerei in Preussen und das Edikt 
vom 20. Okt. 1798 (Brl. 1893). Settegast, 
Die deutsche Freimaurerei, ihr Wesen, 
ihre Ziele und Zukunft im Hinblick auf 
den freimaurerischen Notstand in Preussen 
(Brl. 18921] 

Bermudas (Somersinseln, brit. Insel- 
gruppe im Atlantischen Ozean). Die B. 
erhielten schon 1744 von der englischen 
Grossloge der Modems einen Provinzial- 
grossmeister ernannt, die ersten Logen 
wurden aber erst 1761 und 1792 gegründet. 
1797 und 1801 stiftete auch die Grossloge 
der Ancients zwei Logen. Weitere englische 
Logen entstanden 1819, 1880 und 1893. 
Die Grossloge von Schottland errichtete 
zwei Logen 1797 und 1885 und für sie 
1803 eine Provinzialgrossloge. Endlich 
stiftete die Grossloge von Irland 1856, 
1867 und 1881 drei Logen. Jetzt bestehen 
hier 1) unter der Grossloge von England 
fünf Logen, 2) unter der Grossloge von 
Schottland zwei und 3) unter der von 
Irland zwei Logen, zusammen neun 
Logen. 

Bern (Hauptst. des gleichnamigen Kan- 
tons und Bundesstadt der Schweiz, [1898] 
54578 E.). Schon um die Mitte des 18. 
Jahrh. scheint hier, aber sehr im geheimen, 
maurerisch gearbeitet worden zu sein. Die 
strengen Verbote der damaligen aristo- 
kratischen Begierung entzogen den nach- 
folgenden Generationen jede nähere Kennt- 
nis hierüber. Während der Revolutions- 
periode 1798 — 1803 wurden von Bemer Offi- 
zieren mehrere Logen gestiftet: Les amis de 
la gloire, Les pays ätrangers, La concorde 
u. s. w. Ihre Dauer scheint in der Begel 
sehr kurz gewesen zu sein. — Am 1. Juli 
1803 gründeten sieben Brüder mit Be- 
willigung und unter Leitung des Meisters 
vom Stiüil der Loge Aux trois temples in 
Carouge in B. die Loge L'espärance. 
die 14. Sept. 1803 eingesetzt wurde und 
am 7. Febr. 1804 vom Grossorient von 
Frankreich den Stiftungsbrief empfing. 
Sie hatte anfangs mit Finanzverlegen- 
heiten zu kämpfen, doch bald be- 
festigte sie sich durch Annahme neuer 
Mitglieder, und schon nach zwei Jahren 
entstand ein Bosenkreuzerkapitel. Von 
Mitgliedern, die wegen eigenmächtigen 
Vorgehens ausgeschlossen worden waren, 
wurde 1805 die Loge La discr^tion ge- 
gründet, die sich indessen, da sie keinen 
Stiftungsbrief erhalten konnte, bald wieder 
auflöste; die meisten Mitglieder traten in 
die Loge Zur Hoffnung ein. Der 1807 
gemachte Versuch eine neue Loge, La 
v^ritä, zu gründen, misslang. Im gleichen 
Jahre wurde durch Vermittlung vonv.Tavel 
und V. Wattenwyl der Bau eines eignen 
Logen gebäudes begonnen, das 16. Dez. 1809 
eingeweiht wurde. Unter weiser und kräf- 
tiger Leitung setzte die Loge ihre Thätig- 
keit fort, stellte im Namen des Gross- 
Orients von Frankreich die Loge in. Lau- 
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Bern. 



101 



sänne 1805 wieder her und setzte 1809 
die Loge Freondschaft and Beständigkeit 
in Basel (s. d.) und La Concorde in Solo- 
thum (s. d.) ein. Von derselben Zeit an 
hielt sie ihre Arbeiten, statt wie bisher in 
französischer, in deutscher Sprache. Zahl- 
reiche hochgestellte Brüder, Mitglieder des 
in der Schweiz befindlichen diplomatischen 
Corps, besuchten sie öfters, und 6. Okt. 
1813 enipfing hier Prinz Leopold von 
Sachsen-Koburg, späterer König Leopold I. 
der Belgier, die Maurerweihe. Als dieser 
1865 starb, veranstaltete die Loge Zur 
Hoffnung zu seinen Ehren eine Trauer- 
loge (17. Dez. 1865) und liess sich auch 
an der Trauerloge der belgischen Grosslo^e 
durch ihr Ehrenmitgliea, Couvreur in 
Brüssel, vertreten. Schon 1812 tauchte die 
Idee der Gründung eines unabhängigen 
schweizerischen Logenbundes in der Loge 
zu B. auf, die sich 1816 sogar erbot, zur 
rektifizierten schottischen Lehrart überzu- 
treten ^ insofern sich das schweizerisch- 
schottische Direktorium ^uiz unabhängig 
vom Auslande erkläre. Das Direktorium 
wies aber diesen Antrag zurück. In B. 
war nun einmal der Wunsch erwacht, von 
der französischen zu einer, von spätem Bei- 
werken geläuterten Lehrart überzugehen. 
Der Grossorient von Frankreich hatte 
schon seit sechs Jahren keine Nachrichten 
mehr von sich gegeben, und seine Existenz 
selbst schien zweifelhaft. Daher beschloss 
die Loge Zur Hoffnung 1818, sich der 
vereinigten englischen Grossloge anzu- 
schliessen. Am 17. Juli wurde der Stiftungs- 
brief vom englischen Grossmeister, Herzog 
von Sussex, für sie als englische Provin- 
zialgrossloge unterzeichnet, Peter Ludwig 
V, Tavel von Kruyningen zum Provinzial- 
grossmeister der Schweiz ernannt und als 
solcher am Johannisfeste 1819 feierlich ein- 
gesetzt. Durch diesen Übertritt wurde 
natürlich das bisherige Bosenkreuzer- 
kapitel aufgehoben, v. Tavel gründete 
27.Sept 1821 die Loge Amiti^ in La Chaux- 
de-Fonds. An dem Widerstand des schotti- 
schen rektifizierten Direktoriums scheiter- 
ten abermals die Bemühungen des thätigen 
Meisters vom Stuhl, Ganguillet, einen all- 
gemeinen schweizerischen Logenbund zu 
Stande zu bringen. Es gelang indes doch 
teilweise, indem sowohl der Grand Orient 
helvätique-romand in Lausanne, als die 
englische Provinzialgrossloge in B. ihre 
Vollmachten niederlegten und die ihnen 
untergebenen Logen 24. Juni 1822 
einen grossem Bund, die National-Gross- 
loge der Schweiz (Grand Orient National 
Suisse), bildeten, dem 1823 elf Logen an- 
gehörten. Trotz der mancherlei Anfech- 
tungen, denen die Maurerei in der Mitte 
der zwanziger Jahre ausgesetzt war, und 
trotz der bedeutenden Verminderung der 
Mitgliederzahl arbeitete die Loge Zur 
Hoffnung doch ununterbrochen fort, ebenso 
während der politischen Stürme von 1880 



und 1881. 1827 wurde von B. aus wieder 
ein Versuch gemacht, die nicht zur Na- 
tional -Grossloge der Schweiz gehörenden 
Logen, namentlich die der rekt. schotti- 
schen Lehrart, für einen schweizerischen 
Logenverband Zugewinnen. Er scheiterte 
wieder an dem Widerstreben des schotti- 
schen Direktoriums, ebenso ein folgender 
1880, nach dem Tode des Grossmeisters 
V. Tavel, wo sogar die Wiederbesetzung 
dieser Würde verschoben wurde, damit 
sämtliche Schweizer Logen daran teil- 
nehmen könnten. Erst nachdem die Loge 
von Zürich 1886 und nachher die von B. 
1888 die Mitglieder sämtlicher Schweizer 
Logen zu allgemeinen Logenfesten einge- 
laden hatten, fand die Idee eines vater- 
ländischen Logenbundes auch in der deut- 
schen Schweiz allgemeinen Anklang und 
verwirklichte sich 22. Juni 1844 durch die 
Gründung der Alpina, wobei das schot- 
tische Direktorium sowohl, als dieNational- 
Grossloge sich auflösten. (S. Schweiz.) Die 
Loge Zur Ho&ung war bei ihrem Eintritt 
in die Alpina die drittgrösste Loge der 
Schweiz. Die patrizischen Elemente ver- 
schwanden allmählich ganz aus ihr, ohne 
dass ihre Thätigkeit darunter irgendwie 
gelitten hätte. 1848 wurde die Einrich- 
tung der fr^res ä talents abgeschafft und 
liess die Loge durch ihre Abgeordneten 
auf der Grosslogenversammlung bean- 
tragen, es seien alle Bundeslogen anzu- 
halten, den Israeliten ihre Pforten zu öffnen. 
Dieser Antrag wurde indessen erst 19 
Jahre später, in der Grosslogensitzung 
von 1867 in B., zum Beschluss er- 
hoben. Nachdem schon 1858 versuch weise 
ein einfacheres Aufhahmeritual angewandt 
worden war, wurden 1868 und 1869, 
namentlich auf das Betreiben von Gelpke 
(s. d.) und Tscharner (s. d.), sämt- 
liche Eituale im Sinne der Vereinfachung 
umgearbeitet. 1876 beantragte die Loge 
Zur Hoffnung in der Grosslogenversamm- 
lung in B., in Zukunft das Passwort zu 
beseitigen, was auch geschah. 1851 
wurde eine Witwen-, Waisen- und Hilfs- 
kasse gegründet, an die jedes Mitglied 
einen bestimmten jährlichen Beitrag zu 
entrichten hat. 1858 vereinigte sich eine 
Anzahl Schwestern zu einem Wohlthäti^- 
keitsverein (Schwestemverein), der sich mit 
der Unterstützung und Beaufsichtigung 
armer und verwaSbrloster Kinder befasst. 
Die Würde des Grossmeisters der Alpina 
haben bis jetzt drei Mitglieder der Loge 
Zur Hoffnung bekleidet: Prof. Dr. E. F. 
Gelpke, 4. Grossmeister, 1862—68; Karl 
Tscharner, 7. Grossmeister, 1874—79; Elie 
Ducommun, 10. Grossmeister, 1890—95. 
Mitgliederzahl (1900): 285. Vers. Mittwochs, 
Klub : Sonnabends und Sonntags. Logen- 
lokal, früher Inselstrasse (seit 1809, er- 
weitert 1868 und 1864), jetzt Bogenschützen- 
strasse, eingeweiht 4. Juni 1899. Bitual 
der Loge in B. (1884). [Vgl. Fragmente 

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102 



Bembnrg — Berthold. 



zur Geschichte der schweizerischen Mau- 
rerei. (Bern 1840), 8. 20. Alpina 1888, S. 3.] 

Bembnrg (St. im Herzogtum Ajihalt, 
32374 E.). Logen das. unter der Grossen 
National -Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln: 1) Johannisloge AI ex ins zur 
Beständigkeit, gegr. 4. Dez. 1817, ein- 
gew. 27. Mai 1818. Mitgliederzahl (1900): 
184. Vers, in der Regel an einem Freitag 
jeden Monats. Ferien: Juli und Aug., 
Lokal: Lange Strasse Nr. 7/8. Neueste 
Hausgesetze v. 10. Okt. 1888. Wohlthätig- 
keitsanstalten: a) seit 1829 Unterstützungs- 
verein für die Witwen und Waisen ver- 
storbener Mitglieder (Schrödersche Stif- 
tung) mit einem Bestand von 10581 M. 
(Statut vom 23. Juni 1863); b) seit 1842 
Kettungsverein zur Verhütung sittlichen 
und bürgerlichen Verderbens und Rettung 
aus demselben, mit mehreren Zweigvereinen 
in andern Orten des Landes, durch den 
ein besonderes Rettungshaus, das Friede- 
rikenhaus, begründet wurde, das Knaben 
zur Erziehung aufgenommen hat. Für 
mehrere dieser Anst^ten, sowie zur Unter- 
stützung verschämter Armen wirkt c) ein 
mit der Loge in Verbindung stehender 
Schwesterverein; d) die Joh. Aug. Coqui- 
Stiftung (Statut vom 1. Aug. 1870) für in 
Not befindliche Brüder oder deren Ange- 
hörige, mit einem Bestand v. 6300 M. ; e) die 
Louisenstiftung zur Unterstützung weib- 
licher Nachkommen von Brüdern, mit einem 
Bestand von 3760 M. Früher gehörte 
noch zu diesen Wohlthätigkeitsanstalten 
eine seit 1823 durch Logenmitglieder ver- 
waltete Sparkasse, die später von der Re- 
gierung dem Kreis übergeben wurde. Die 
Loge erhielt als Entschädigung 86000 M.. 
die drei Wohlthätigkeitsanstalten (und 
zwar jeder mit 12000 M.) geschenkt 
wurden, wofür wiederum die Loge in jeder 
Anstalt eine Freistelle erhielt. [Vgl. 
Geschichte der Loge 1818—43, Heft 1 
(1845); Heft 2, die Ereignisse in den Jahren 
1844—59 umfassend (1859). FZ. 1849, S. 
292 fg., 332 fg., 341. L. XIV, 93.] 2) Die 
delegierte altschottische Loge Wolf gang 
zur Treue, gest. 7. Mai 1893. 

Beme Witz, Johann Heinrich Karl v., 
geb. 27. Dez. 1760 in Dresden, gest. 12. 
Dez. 1821 in Braunschweig, ging 1776 mit 
den im englischen Solde stehenden braun- 
Bch Weibchen Truppen nach Amerika, 
wurde in einer, von gefangnen englischen 
Offizieren errichteten Feldloge aufge- 
nommen, trat 1803 der Loge in Braun- 
schweig bei und führte von 1806—1809 
den ersten Hammer. Durch sein ausser- 
ordentlich kluges und vorsichtiges Be- 
nehmen während der Besetzung der Stadt 
durch die Franzosen, von denen häufig der 
französische Gouverneur, der Grossmeister 
Bisson, und eine Anzahl Offiziere an den 
Logenarbeiten teilnahmen, gelang es ihm, 
der Loge ihre Selbständigkeit zu erhalten 
und sie glücklich durch die verhängnis- 



volle Zeit hindurchzuführen. 1809 legte 
er sein Amt nieder,^ um dem Ruf seines 
Fürsten, der sich in Öls befand, zu folgen^ 
der ihn nach verschiednen Feldzügen zum 
Generalleutnant und Kommandanten von 
Braunschweig ernannte. [Vgl. Allgemeine 
deutsche Biographie II, S. 414.] 

Bernhard!, Ernst, geb. 27. Okt. 1834 in 
Dreissigaeker bei Meiningen, wirkte 1863 
bis 1873 als Oberlehrer in Krefeld am 
jetzigen Realgymnasium, wurde dann als 
Sekretär der Handelskammer nach Bochum 
und 1878 in derselben Eigenschaft nach 
Dortmund berufen, wo er noch jetzt als 
Syndikus der Handelskammer wirkt. — 
Er trat dem Freimaurerbund 10. März 1872 
in der Loge Eos in Krefeld zu und be- 
kleidete in der Loge Zur alten Linde in 
Dortmund, der er sich bei seinem Weg- 
zug dorthin anschloss, eine Reihe von 
Jahren das Amt eines Itedners. Die hier 
gehaltenen, durch Inhalt und Form ausge- 
zeichneten Vorträge hat er unter dem Titel 
»Maurerische Reden« (Dortmund 1888) her- 
ausgegeben. 

Bemigeroth, J. Martin, Kupferstecher, 
geb. 1713 in Leipzig, gest. das. 1767, gab 
heraus: Les coutumes des Francs-Ma^cons 
dans leurs assembl^es u. s. w. (Lpz. 1745), 
worin sieben schön gestochene Kupfer die 
damaligen maurerischen Gebräuche dar- 
stellen. Diese Kupfer sind Nachstiche der 
1744 oder 1745 in Paris als Illustrationen 
des Travenolschen Katechismus erschie- 
nenen sieben Kupferstiche: »Assembl^e des 
Francs -Ma^ons pour la R^ception des 
Apprentifs et des Mattres. T>6ai6 au tr^s 
galant, trfes sinc^re et trfes v^ridiaue Pro- 
fane Leonard Gabanon, auteur au Cate- 
chismedes francs-ma9ons« (Querfolio, 7B1.). 
In verkleinertem Massstab sind sie nach- 
gebildet in Le ma^on d^masqu^ 1757, 
Allerneuste Geheimnisse 1770, Geheime 
Unternehmungen (Lpz. 1787). Ausserdem 
ist von B. das Titelblatt zu: Die zer- 
schmetterten Freymäurer (Frkf. u.Lpz. 1746.) 
[Vgl. Müffelmann in HZC. 1896/7, Nr. 149; 
Begemann in BZC. 1898, S. 238.1 

Berthold, Ernst Theodor Ludwig, 
Theolog und Philolog, geb. 28. Jan. 1838 
in Hirschberg, gest. 26. Okt. 1890 in Berlin, 
1862 Lehrer an der Brestrichschen Knaben- 
schule in Berlin, 1867 Lehrer an derAugusta- 
schule und am Lehrerinnen seminar das., 
1 877 Königl.Ejreisschulinspektor das., wurde 
aufgenommen in denFreimaurerbund 1865 in 
der Loge Pegase in Berlin, erstieg 1873—87 
die neun Stufen des Ordens und wurde 
1887 Ritterkommandeur mit dem roten 
Kreuz. 1869—80 war er Redner und von 
1880 an Logenmeister der Loge Pegase 
und zweiter abgeordneter Meister der An- 
dreasloge Indissolubilis. B. ist Verfasser 
mehrerer geschichtlicher Arbeiten und der 
Geschichte der Loge Pegase (1871). Zu 
seinen Ehren wurde von dieser Loge die 
Berthold -Stiftung errichtet. Zu seinem 

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Bertuch — Besuchende Brüder. 



103 



25 jährigen Maurerjubiläum wurde ihm 
seine Büste in Marmor überreicht. [Vgl. 
FZ. 1890, S. 893. M. L. 1890/91, S. 57.1 

Bertneh, Friedrich Justin, firucnt- 
barer Schriftsteller, Buch- una Kunst- 
händler, geb. 30. Sept. 1747 in Weimar, 
gest. das. 3. April 1822, studierte in Jena 
erst Theologie, dann die Bechte, war 1769 
bis 1773Hauslehrer bei L.H. Bachoff v. Echt 
(s. d.) in Dobitschen bei Altenburg und 
wurde nach der Bückkehr in die Vater- 
stadt Sekretär des Herzogs Karl August, 
der ihn 1785 zum Legationsrat ernannte. 
In den Freimaurerbund trat B. 30. Dez. 
1776 in Weimar. 1782 entstand zwischen 
ihm und Bode (s. d.) eine Meinungsver- 
schiedenheit über die Spaltungen in der 
Maurerei, die die Loge Amalia so beun- 
ruhigten, dass B. selbst vorschlug, sie zu 
schliessen, »weil sie bei den derzeitigen 
Bewegungen den Frieden nicht bewahren 
könne, ohne den der Zweck des Instituts 
nicht bestehn kann. « Als Karl August (s. d.) 
die Wiedereröffnung wünschte, traf B., mit 
Fr. L. Schröder (s. d.) befreundet, unter 
dessen Mitwirkung die nötigen Vorberei- 
tungen, wurde zum Meister vom Stuhl 
erwählt und nahm darauf am 24. Okt. 1808 
die Arbeiten wieder auf. Wegen Über- 
häufung mit Geschäften legte er 1810 dieses 
Amt nieder, blieb aber bis zum Tode zu- 
geordneter Meister. 1813 erschien das 
von ihm zusammengetragene Liederbuch 
«Gesänge für Freimaurer, zum Gebrauche 
aller Teutschen Logen«. An seinem Grabe, 
das er sich in seinem Garten angelegt 
hatte, sprach der Kanzler v. Müller. [Vgl. 
FZ. 1869, S. 365; 1871, S. 436 fg. HZC. 
1896/7, Nr. 149, S. 21 f^.] 

Besan^n (Hauptst. im franz. Departe- 
ment Doubs [1896] 45320 E.). Hier be- 
stand u. a. eine Loge Le parfait atta- 
chement, die 1772 von aer Mutterloge 
Boy al York in Berlin eine Annahmeurkunde 
erbat und ad Interim erhielt unter Geneh- 
migung der Grossen Loge von England. Die 
LoRe wurde unmittelbar an diese verwiesen 
und empfohlen. Sie übersandte noch 1788 
ihre Mitgliederliste und zeigte an, dass sie 
der strikten Observanz beigetreten sei. 
[Vgl. Flohr, Geschichte der Grossen Loge 
Royal York in Berlin (1898) I, S. 86.] 

Baseler. Johann Andreas v., Kauf- 
mann und Oberalter, geb. 29. Aug. 1769 
in Hamburg, ^est. das. 24. April 1845, wurde 
16. Juli 1795 m die Loge Absalom das. auf- 
genommen, war Grosssekretär 1803 bis 
1806, zugeordneter Grossmeister 1814 — 16 
und Grossmeister 1816 — 25. Er war lang- 
jähriger Freund und Mitarbeiter Schrö- 
ders (s. d.) und hat ihn in seinen Be- 
strebungen mit grosser Hingabe unterstützt. 
Unter seiner Leitung hat die Grosse Loge 
von Hamburg sich durch den Beitritt neuer 
Logen erweitert und durch engere Ver- 
bindung mit andern Grosslogen, so den 
Grosslogen von Sachsen, Frankfurt und 



[Vgl. 
Loflrei 



Brandt, Ge- 
genhauses (1891) 



Kurhessen gestärkt, 
schichte des Alten 
S. 110.] 

Besetzny, Emil, geb. 11. Ai>ril 1888 
in Troppau, gest. im März 1881 in Wien, 
erwarb 1862 das Doktorat der Bechte, 
war seit 1869 Hof- und Gerichts- 
advokat in Wien und Hauptmann bei der 
Landwehr, wo er als solcher sich nament- 
lich um die Förderung der Briefbauben- 
zucht zu Militärzwecken verdient gemacht 
hat. In der Loge Zur Verbrüderung in 
Ödenburg 1870 aufgenommen, wurde er 
ein Jahr später zum zugeordneten Meister 
der Loge Humanitas in NeudÖrfl gewählt 
imd bis 1874 stets wiedergewählt. In dieser 
hervorragenden Stellung war B. fortwäh- 
rend bemüht, der Wirksamkeit der Loge 
nach innen und aussen eine mehr der 
Wissenschaft und Humanität zugute kom- 
mende Bichtun^ zu geben Die Gründung 
des so wohlthätig wirkenden und in stetem 
Aufblühen begriffenen Findelkinderasyls 
der Humanitas ist nur der von B. ausge- 
gangenen Anregung zu verdanken. B., 
welcher der Freimaurerei mehrere Jahre 
hindurch einen bedeutenden Teil seiner 
Zeit und seiner Kraft gewidmet, hat auch 
als maurerischer Schriftsteller eine erspriess- 
licheThätigkeit entfaltet. Seine zahlreichen 
Arbeiten finden sich von 1870 an in der 
Freimaurerzeitung, im »Zirkel« und in 
vielen nichtmaurerischen Zeitungen, in 
denen er stets mannhaft gegen Sie Vor- 
urteile wider die Freimaurerei ankämpfte. 
1873 gab er zum Vorteile des Findelkinder- 
asyls das freimaurerische Taschenbuch 
•Die Sphinx« (s. d.) heraus. 

Besuchende Brüder. I. Es liegt in dem 
Wesen des Freimaurerbundes begründet, 
dass jeder ffesetzmässig aufgenommene 
Freimaurer das Becht fiat, jeder andern 
Loge, ohne deren Mitglied zu sein, bei- 
zuwohnen. Dieses Becht, das sich schon 
in den ältesten Verfassungen ausgesprochen 
findet, ist allgemein anerkannt und erleidet 
in Bezuff auf seinen Umfang nur die selbst- 
verstänfiiche Beschränkung auf die rituel- 
len und geselligen Logenversammlungen 
und auf die Logenversammlungen des 
Grades, dem der Besuchende angehört, 
oder eines niedem. Andre Beschränkungen, 
wie z. B. das Erfordernis christlichen 
Glaubensbekenntnisses für den Besuch 
solcher Logen, die nur Christen in den 
iVeimaurerbund aufnehmen, sind in neuester 
Zeit fallen gelassen worden. [Vgl. die 
darüber zwischen der Grossen Loge von 
Hamburg und der Grossen Landesloge von 
Deutschland in Berlin gepflogenen Ver- 
handlungen und die daran sich anschliessen- 
den Beschlüsse der altpreussischen Gross- 
logen, L. IX, 157; X, 129, 134.] Gerecht- 
fertigt erscheint die Beschränkung, wonach 
solche, die in einer Loge als Suchende 
abgewiesen oder ohne Zustimmimg der ab- 
weisenden Loge in eine andre Loge auf- 

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104 



Besachet. 



genommen worden sind, in jener auch als 
Besuchende keinen Zutritt hahen sollen, 
es sei denn, dass die Gründe, aus denen 
sie firüher abgewiesen worden sind, nach 
Beschluss der Loge nicht mehr vorhanden 
sind und drei Meister sich für sie ver- 
bürgen. Auch kann einem Freimaurer, der 
die Lo^e an seinem Wohnort gedeckt hatte, 
von dieser der Zutritt versagt werden. 
Ebenso dürfen Freimaurer, denen von ihrer 
Loge der Besuch der Arbeiten und des 
Logenhauses untersagt ist, nicht zugelassen 
werden. — 11. Das Recht des Besuchs er- 
leidet jedoch noch Beschränkungen in Be- 
zug auf die Zeitdauer. Die eine dieser 
Beschränkungen bezieht sich auf die so- 

§enannten nmenden Brüder (s. d.). Nach 
en Gesetzen der englischen Grossloge 
sollen diese in einer Loge des Orts, wo 
sie wohnen, nicht mehr als einmal wäh- 
rend ihres Rücktritts von dem Bunde zum 
Besuch zugelassen sein. Es wird nämlich 
hierbei vorausgesetzt, dass dieser Besuch 
nur zu dem Zwecke stattfindet, sich über 
die Wahl der Loge, in die der Betreffende 
wieder eintreten will, entschliessen zu 
können, während man verhindern will, 
dass nicht ein solcher, ohne zu den Kosten 
beizutragen, doch an den Vorteilen des 
Logenbesuchs teilhabe. In Frankreich 
darf er dreimal als Besuchender erscheinen. 
Ähnliche Bestimmungen enthalten deutsche 
Logengesetze. — Dies ist die einzige Be- 
schränkung in dieser Richtung, welche die 
englischen Logen kennen. Sie verstehen 
unter stränge fellows (fremde Genossen) 
nur die transient brethren (durchreisende 
Brüder); von den am Orte wohnenden 
verlangen sie, mit der oben bemerkten 
Ausnahme, dass sie überhaupt einer Loge 
als aktive Mitglieder angehören, und lassen 
sie solchenfalls stets als Besuchende zu. 
In den meisten deutschen Logen ist aber 
den einer andern (auswärtigen) Loge an- 
gehöri^en Freimaurern der Besuch einer 
Loge ihres Wohnorts nur ein Jahr lang 
gestattet. Nach Ablauf dieses Zeitraums 
müssen sie sich dieser Loge, wenn sie sie 
femer besuchen wollen, als ständig be- 
suchende Brüder anschliessen und als 
solche gewisse Beiträge zu dieser Loge 
entrichten, wogegen sie m der Regel solchen- 
falls von den diesen entsprechenden Bei- 
trägen an die Loge, der sie ids Mitglieder 
auch femer angehören, befreit werden. Der 
Deutsche Grosslogenbund hat ein Gesetz 
über die ständig besuchenden Brüder im 
J. 1890 erlassen, in dem bestimmt ist, dass 
die Beiträge solcher Brüder nur bis drei 
Viertel der Beiträge der ordentlichen Mit- 
glieder zu bemessen sind. Ständig be- 
suchende Brüder bleiben ihrer Heimatloge 
im allgemeinen unterworfen. Ein Stimm- 
recht haben sie nur, soweit die Hausgesetze 
ein solches zulassen. In neuerer Zeit ist 
solches teilweise erheblich erweitert. [Vgl. 
das Gesetz in: A. 1891, S. 263. FZ. 



1890, S. 27. L. 1891, S. 182. Ausserdem 
FZ. 1897, S. 540 Einzelne Logen haben 
noch besondere Bestimmungen getroffen, so 
die altstädtischen Dresdner Logen im J. 
1874. [Vgl. Dr. L. 1894, 8. 2088.] — m. Die 
notwendige Voraussetzung, auf die sich 
die Zulassung eines Besuchenden in einer 
Loge gründet, ist der Nachweis, dass er 
wirklich und noch Freimaurer sei. Zu- 
nächst sollen dazu die Erkennungszeichen 
(s. d.) der Freimaurer dienen, und hierauf 
gründet sich das Erfordernis einer vorhe- 
rigen Prüfung (s. d.) durch den dazu be- 
rufenen Beamten der Loge. Ihre Stelle 
kann auch eine Verbürgung fär ihn durch 
ein oder, nach manchen Logengesetzen, 
mehrere Mitglieder der Loge, in die er 
Zutritt verlangt, vertreten. Da aber die 
Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, dass 
sich auch ein Nichtmaurer die Kenntnis 
der Erkennungszeichen verschafft und sich 
so unerlaubten Eintritt in die Loge er- 
wirkt, hat maa schon frühzeitig die Vor- 
zeigung eines Logenpasses (s. d.) verlangt. 
Dem entspricht eine Verordnung von der 
Grossen Loge von England (1772), und 
Gleiches ist in den meisten Gesetzen der 
übrigen Logen vorgeschrieben. Manche 
deutsche Logen erfordern ausserdem noch 
die Vorzeigung der neuesten Logenliste, 
zum Nachweis, dass der Besuchende noch 
jetzt der betreffenden Loge angehört. In 
Frankreich wird auch die iJ)gabe des 
Passworts (s. d.) verlangt. — IV. Es ver- 
steht sich, dass sich jeder Besuchende den 
Anordnungen, die in der von ihm besuchten 
Loge rücksichtlich deren innem Verhält- 
nisse bestehen, zu fügen hat. Dagegen wird 
in den meisten Logen den Besuchenden ein 
besonderer feierlicher Empfang, der hier 
und da mit einer rituidmässigen Wechsel- 
rede verbunden ist (s. eine solche in 
England übUche in L. XVHI, 136). 
wohl auch ein Ehrenplatz und jeden- 
falls eine brüderliche Begrüssung zu 
Teil. Manche dieser Formen, nament- 
lich die ebengedachte Wechselrede, hängt 
historisch mit den Grüssen der Handwerks- 
maurer zusammen. Die Übung dieser For- 
men soll aber, dem Geist des Freimaurer- 
bundes gemäss, den Besuchenden gegen- 
über nicht genügen, sondern es sind fiese 
vielmehr auch während ihres Verweilen s 
im Kreise der einer andern Loge Angehö- 
rigen von diesen in allen sonstigen Be- 
ziehungen in einer jenem Geist ent- 
sprechenden Weise au&unehmen und zu 
behandeln. [Vgl. A. XI, 203. Bbl. 1896, 
S. 636. R. Fischer, Entwurf zu einem 
Handbuch für die Amtsthätigkeit der 
Logenmeister (Lpz. 1891) S. 88. Findel, 
Geist und Form der Freimaurerei (6. Aufl. 
Lpz. 1898) S. 57. FZ. 1860 S. 286.] 

Besuehet, Jean Claude, ein nam- 
hafter maurerischer Schriftsteller Frank- 
reichs, Verfasser des Artikels über Frei- 
maurerei in Courtins Encyclop^e mo- 

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Bettelei 



Beyer. 



105 



deme, des Pr^is historique de Tordre 
de la Franc-Ma^onnerie (Paris 1829) und 
andrer Schriften. 

Bettelei in freimaurerischen Beziehungen. 
Während im 18. Jahrhundert schlaue 
Betrüger vornihen, die damals gewünschten 
Ckheimnisse der Freimaurerei, der Alchemie 
und Magie zu besitzen, z. B. Johnson (s. d.), 
Schrepfer (s. d.) u. a. m., so versuchen 
gegenwärtig bisweilen Hochstapler und 

gewandte ^hlauk(>pfe durch ihre angeb- 
che Mitgliedschaft das Mitleid oder Ver- 
trauen der Freimaurer zu gewinnen und 
80 das ihnen n(>tige G«ld zu erlangen. 
G^gen derartige Betrüger pflegen War- 
nungen in den freimaurerischen Zeit- 
schriften erlassen zu werden. Der Deutsche 
Grosslogenbund beschloss 1894: «Die Unter- 
stützungen an durchreisende Brüder sind 
grundsätzlich abzuschaffen. Dem Vorsitzen- 
den Meister (Almosenpfleger, Schatzmeister 
u. s. w.) bleibt es in geeigneten Fällen 
überlassen, bei der Heimatloge des Betref- 
fenden telegraphisch anzufragen, ob vor- 
schussweise Unterstützung gewährt werden 
soll.« Um wirksamer gegen diese B. vor- 
zugehen, hat die Hamburger Grossloge 
im Auftrage des Deutschen Grosslogen- 
bundes 1894 eine Liste der professions- 
mässigen Logenbettler angefertigt, die 
gegen einen Beitrag zu den Kosten allen 
Logen zugänglich ist und fortgesetzt wird. 
Infolgedessen hat die B. wesentlich in 
Deutschland abgenommen. [Vgl. L. 1895, 
8. 190; 1896, S. 176.] In Berlin und an- 
derwärts, wo mehrere Logen bestehen, hat 
man eine gemeinschaftliche Abordnung 
zur Unterstützung hilfsbedürftiger durch- 
reisender Brüder eingerichtet, an die diese 
gewiesen werden. [Vgl. Bh. 1882, S. 300; 
1896, S. 34. FZ. 1859, S. 350. Mitthei- 
lungen aus dem Verein deutscher Freimaurer 
1881/82, S. 55; 1882/88, S. 82. E. Fischer, 
Entwurf zu einem Handbuch für die Amts- 
thäügkeit der Logenmeister (Lpz. 1891) 
S. 89.] S. auch Unterstützungsgesell- 
sohaft. 

Benlwltz, C. Aug. v., geb. 6. April 
1785 in Budolstadt, gest als preuss. 
Generalmajor der Infanterie und Chef der 
adligen Militär -Erziehungsanstalten in 
Preussen in Berlin 14. Jan. 1779, wurde 
aufgenommen in den Freimaurerbund in 
Breslau 5. April 1779 für die Loge 
Zur Beständigkeit in Berlin und später 
deren Vorsitzender Meister und 24. Juni 
1789 Landesgrossmeister der Grossen 
Landesloge in Berlin, welches Amt er bis 
an seinen Tod unter schwierigen Ver- 
hältnissen mit rühmlicher Festigkeit und 
Geschicklichkeit bekleidete. [Seine Bio- 
graphie im Köthener Taschenbuch für 
Freimaurer für 1801, S. 278 fj^.] 

Bevrlaubung ist die zeitweise Deckung 
(s. d.) der Loge auf Grund besonderer 
Beschlussfassung dieser infolge gestellten 
Antrags. 



BeomoiiTllle, Pierre Biel, Marquis 
de, Marschall und Pair von Frankreich, 
geb. 10. Mai 1752 in Champignoles, gest. 23. 
April 1821 in Paris, wurde 12. August 1814 
vom Grossorient von Frankreich zu einem 
der drei Grands conservateurs de l'ordre 
ma9onnique während der Erledigung der 
grossmeisterlichen Würde erwUdt. Er 
war ein sehr eifriges Mitglied des Frei- 
maurerbundes, aber auch sehr streng in 
der Überwachung der Ordnung innerhalb 
desselben. Unstreitig hat ihm der Frei- 
maurerbund in Frankreich viel zu danken, 
da er ihm seinen ungeschmälerten Bestana 
zur Zeit der Bestauratioh, die dem Bunde 
keineswegs günstig war, erhielt. [Vgl. 
EQoss, Geschichte der Freimaurerei in 
Frankreich, IL 11. 146.1 

BeweggrOnde. Verschiedenartig können 
die Gründe sein, die jemand bewegen, die 
Aufnahme in den Freimaurerbund zu be- 
gehren. Dieser setzt nur lautere und 
reine B. voraus, d. h. aufrichtiges 
Verlangen, an sich und andern den 
Zweck des Bundes zu erreichen oder er- 
reichen zu helfen. Wer dazu beitragen 
will, dass die Menschen sich immermehr 
als Mitglieder einer in Liebe geeinigten 
Familie betrachten und behandeln, und 
zwar auf Grund ihrer sittlichen l^atur, 
wer es für seine ernste Pflicht erkennt, 
sich sittlich zu bilden und zu bewähren, 
und wer da ho fit, im Freimaurerbunde 
zur Erreichung dieses Zwecks Anleitung, 
Anregung und Förderung zu finden, 
der hat lautere und reine B.; denn 
ihn zieht die Erhabenheit des Zwecks 
der Freimaurerei und zugleich das in- 
nerste Wesen des Bundes an. Diese 
Innern B. führen den Suchenden zum 
Ziel; er wird finden, was er sucht, 
und dies um so mehr, weil er den 
Geist des Bundes erkannt hat. Äussere 
edle B. sind die Hochachtung und Liebe 
gegen Vater, Brüder und Freunde, die 
dem Bunde angehören, wenn sie veran- 
lassen zu wünschen, einer Gesellschaft 
anzugehören, in der jene sich glücklich 
fühlen. Ein äusserer unedler Grund zum 
Beitritt ist bei manchem die Neugierde, 
die Meinung, in der Loge unterhaltende 
Neuigkeiten kennen zu lernen oder wohl 
gar in geheime Wissenschaften und Künste 
eingeweiht zu werden. Nicht minder 
unedel ist der Grund dessen, der in 
der Freimaurerei nur gesellige Freu- 
den sucht. Am unedelsten ist der B. 
dessen, der in der Loge äussere Vorteile 
und Förderung seiner selbstsüchtigen 
Zwecke zu finden wähnt und nur Ent- 
täuschung auf sich ziehen kann, da zu 
solchem Zweck der Bund nicht vor- 
handen ist. 

Be/er, 1) Georg Friedrich Eberhard 

von. Geh. Oberfinanzrat, geb. 23. Dez. 

1739 in Halberstadt, gest. 24. Febr. 1818 in 

Berlin, war 1776 erster Direktor der Haupt- 

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106 



Beyerle — Bibel. 



Stempel- und Kartenkammer, in Berlin, 
1778 Mitglied der Oberrechnungskammer 
lind bald darauf Geh. Oberfinanzrat. — Auf- 
genommen in den Freimaurerbund 6. Juli 
1776 in der Loge Zur Verschwiegenheit 
in Berlin, wurde er 1778 deren Meister 
vom Stuhl, was er beinahe 40 Jahre ver- 
blieb, 1780 Mitglied der Grossen National- 
MutterlogeZu den drei Weltkugeln, 1797 
Mitglied des ßundesdirektoriums und 1817 
zugeordneter National-Grossmeister. Er 
erwarb sich grosse Verdienste um die 
GrundverfasBimg seiner Grossloge. fV^gl. 
Gesch. der Grossen National -Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln (1890), S. 408.] 

2) Konrad, Schriftsteller, geb. 13. 
Juli 1834 in Pommersfelden bei Bam- 
berg, studierte in Ijeipzig und lebt seit 
1886 in Stuttgart als Hofrat. B. wid- 
mete sich frühzeitig der Litteratur 
und schrieb »Erziehung zur Vernunft«. 
Seine Übersiedlung nach Koburg brachte 
ihn in Verbindung mit Friedrich Rückert, 
über den er mehrere Schriften veröffent- 
lichte. 1869 ging er nach Eisenach. Dort 
veröffentlichte er »Arja, die schönsten 
Sagen aus Indien und Iran«. Dann 
folgten: »Zur deutschen Kirchenreinigung«, 
und »Leben und Geist Ludwig Feuer- 
bachs«. Auch im Drama versuchte sich B. 
So stammen von ihm »Deutschlands Kaiser. 
Willkommen«. An Dichtungen seien er- 
wähnt »Der Nixe Sang«, »Lieb und Leid«, 
»Poetische Aphorismen«, »Erinnerungs- 
blätter aus einer Dichtermappe«. 1878 
folgte das kulturgeschichtliche Werk 
»Zulbach«. Besonders hervorragend ist 
seine »Deutsche Poetik«. Aufgenommen 
in den Freimaurerbund ward B. in der 
Loge Karl zum Bautenkranz in Hildburg- 
hausen 26. Dez. 1878, der er noch ange- 
hört. Er veröffentlichte »Friedrich Rückert 
als Dichter und Freimaurer« (Lpz. 1880). 
Auch einen freimaurerischen Roman 
schrieb B. unter dem Pseudonym C. Byr 
mit dem Titel »Erzherzog Karls Liebe« 
(Stuttg. 1888, 2 Bde.), ebenso eine Bio- 
graphie Herzog Ernsts H. 

Beyerle, Joh. Ludw. von, Parlaments- 
rat in !Nancy, war im v. Hundschen 
Tempelherrensystem Komthur des zur fünf- 
ten Provinz (Burgund) gehörenden Kamtels 
in Nancy. Er war auch auf dem Kon- 
vent zu Wilhelmsbad (s. d.) und schrieb 
darauf 1788 eine Oratio de conventu 
generali Latomorum apud Aquas Wilhel- 
minas prope Hanoviam (o. 0. u. J.), über- 
setzt vom Freiherm v. Knigge, mit An- 
merkungen und Erläuterungen u. d. T.: 
Abhandlung über die allgemeine Zu- 
sammenkunft der Freimaurer u. s. w. (o. 
O., 1784), worin er mehrere Verhandlungen 
des Wilhelmsbader Konvents hart an- 
greift, die hernach der Advokat Milan^s 
in Lyon in seiner R^ponse aux assertions 
contenues dans Pouvrage: De conventu 
etc. (Lyon 1784) [über beide Schriften s. 



das W. J. I, 4, S. 208-214] heftig ver- 
teidigt hat. Unter anderm schrieb B. 
auch: Essai sur la Franc-Ma^onnerie, ou 
du but essentiel et fondamental de la 
Franc-Ma^onnerie etc. (2 Tle., Latomo- 
polis 1784); übersetzt vom Freiherrn von 
knigge u. d. T. : Versuch über die Frei- 
maurerei, oder von dem wesentlichen 
Grundzwecke des Freimaurerordens u. s. w. 
(2 Bde., o. O., 1785). 

Bialystock (St. im russ. Gouv. Grodno, 
[1888] 56611 E.). Hier bestanden nach- 
einander mehrere Logen, die jetzt sämtlich 
eingegangen sind, darunter: 1) und 2) 
Zwei Militärlogen: die Feldloge Weg- 
weiser und die Armeeloge Nr. 1, er- 
stere 31. Okt., letztere 10. Nov. 1778 von 
der Grossen Landesloge zu Berlin errichtet. 
8) Die Loge Zum goldnen King, von 
derselben Grossloge 27. Okt. 1804 durch 
V. TEstocq gegründet, die sich 1807 der 
Grossen Loge von Bussland Asträa an- 
schloss und mit den übrigen Logen Buss- 
lands (s. d.) auf kaiserlichen Befehl ihre Ar- 
beiten schloss. 

BibeL Die Bibel ist eins der drei 
grossen Lichter (s. d.), auch eins der heilig- 
sten Symbole aer Freimaurerei. Da sie 
mit Winkelmass und Zirkel zusammen- 
gestellt und diese beiden der Freimaurerei 
nur bildlich zugeeignet sein können, so 
kann auch die Bibel nur vorwiegend 
symbolische Bedeutung haben. Sie 
ist das Sinnbild wahrer Beligiosität und 
Frömmigkeit, die einer Beligion, in der 
alle Menschen übereinstimmen, auch 
wenn sie verschiednen Beligionen oder 
Konfessionen angehören, nämlich des Glau- 
bens an Gott, an eine sittliche Weltord- 
nung und an den endlichen Sieg des 
Guten in der Welt, sowie einer Frömmig- 
keitj die nicht mit der Anerkennung dog- 
matischer Formeln erschöpft ist, sondern 
die Gott verehrt im Geist und in der 
Wahrheit, d. h. durch Vertrauen auf Gott 
und Ergebung in seinen Willen, durch 
Erfüllung der göttlichen Gebote und durch 
werkthätige Nächstenliebe. Der B. sind 
Winkelmass und Zirkel als ebenbürtige 
Zeichen beigeordnet, und in der That be- 
darf auch eins des andern: die rechte 
Frömmigkeit ist stets mit Gewissenhaftig- 
keit und allgemeiner Menschenliebe ver- 
bunden, ebenso die Gewissenhaftigkeit 
mit Frömmigkeit und Menschenliebe, und 
endlich giebt es keine wahrhaftige 
Menschenliebe ohne Frömmigkeit und 
Gewissenhaftigkeit. Da die B. innerhalb 
der Freimaurerei kein dogmatisches 
Ansehen hat, so dass sie als alleinige 
Quelle der Glaubenslehren zu betrachten 
wäre, so könnte an ihrer Stelle zwar auch 
ein andres Sinnbild eingesetzt werden. 
Der Mohammedaner könnte den Koran 
wählen, wie dies z. B. in Ostindien ^ 
bräuchlich ist, und der Israelit die Heilige 
Schrift Alten Testaments. Aber eben 
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Biberach — Bielfeld. 



107 



weil die B. nur Zeichen ist, können 
auch Mohammedaner und Israeliten diese 
älteste, geheiligte Urkunde der Erziehung 
des Menschengeschlechts als maurerisches 
Heiligtum verehren. Ein derartiges Werk 
könnte recht eigentlich als eine grosse 
Leuchte der Freimauerei erscheinen; und 
dennoch wäre auch dieses Buch nur ein 
Sinnbild der allgemein-menschlichen Fröm- 
migkeit, die ihrer Natur nach viel mehr 
unSiasst, weit mehr Entwickelungen in 
sich trägt, als dieses vielenthaltende Buch 
zum Ausdruck brächte. Die B. hat aber 
nicht nur formelle, sondern auch mate- 
rielle Bedeutung. Die Stifter der 
Freimaurerei gaben der B. den höchsten 
Rang im maurerischen Gebrauch. Sie 
erschien ihnen in richtiger Beurteilung 
ihres Wertes als die wichtigste Quelle 
religiöser und sittlicher Erkenntnis, die 
insbesondere dadurch, dass sie die all- 
gemeine Menschenliebe predigt und die 
relativ vollkommenste Sittenlehre ver- 
mittelt, dermassen befruchtend auf die 
Herzen und Geister einzuwirken vermag, 
dass eine Weltanschauung zur Blüte ge- 
langen kann, die, wenn sie Gemeingut 
der Menschheit würde, die beste Bt&g- 
schaft böte fOr die möglichste Annähe- 
herung an die Ideale, denen die Frei- 
maurerei zustrebt. IVotzdem ist doch 
von einzelnen Logen und Grosslogen der 
Versuch gewagt worden, die B. aus den 
Maurertempeln zu entfernen und 
durch ein weisses, unbeschriebenes Buch 
(s. d.) mit der Aufschrift »Gott« oder gar 
durch das Verfassungsbuch (Grossorient von 
Frankreich) zu ersetzen. Man hat sich aber 
meist von diesem verwässerten Gebrauchtum 
zu dem ursprünglichen, kraft- und geda^en- 
vollen zurückgefunden. — In einzelnen 
Lelirarten bleibt die B. nicht geschlossen, 
sondern wird im Evangelium Jo- 
hannes (K. 1, V. 6, 7) aufgeschlagen. 
Diese Massregel erfüllt ihren Zweck nicht; 
denn auch bei der aufgeschlagnen Steile 
bleibt doch der übrige Inhalt bestehen. 
Zudem darf man sich der Wahrheit nicht 
verschliessen, dass die Freimaurerei so 
manches vom Mosaismus aufgenommen 
hat und dass ausserdem das Christentum 
jenen zur notwendigen Voraussetzung hat. 
— Der Antrag, im Ritual das Wort B. 
durch »Evangelium« zu ersetzen, wurde 
von der Grossloge von Ungarn 1899 ab- 
gelehnt. [Vgl. O. 1899, S. 159. Horst- 
mann und btraus, Archiv far Freimaurerei, 
IV. Bd., H. 8, S. 285 fg. Krause, Kunst- 
urkunden L 2, 864 fg. Fischer, Katechis- 
mus, I, S. 44, ^. Fischer, Ritual 
und Symbol (1878), S. 118—125. Marbach, 
Katechiamusreden J. (4. Aufl. 1892), S. 
156—169. Dietrich, Aus vergangenen Tagen 
(Altbg. 1889), S. 286. Holtschmidt, Ketzer- 
reden (Lpz. 1889), S. 75. Kippenberg, 
Helle Strahlen aus dem Orient (Lpz. 1890), 
S. 38. Döring, Die Bibel des Frei- 



maurers (1883). Schauberg, Symbolik der 
Freimaurerei (Schaff h. 1861) I, S. 280. 
Bst. R. 1883, S. 100. Bh. 1888, S. 128; 
1889 S. 361. BZC. 1891, S. 312; 1899, 
S. 400. FZ. 1847, S. 201; 1858, S. 65; 
1868, S. 153; 1892, S. 185. L. 1886, S. 
36; 1895, S. 25. M. L. 1884/85, S. 84; 
1886/87, S. 204; 1887/8, S. 95; 1897/98, 
S. 177. H. L. 1899, S. 2786. 

Biberaeh (St. im Königr. Württemberg, 
8251 E.). Am 7. Dez. 1865 wurde hier ein 
Maurerkränzchen Wieland zur treuen 
Freundschaft gegründet, das 1871 ein- 
gegangen ist. 

BibUographie, s. Bücherei, Bücher* 
künde. 

Bibliothek, s. Bücherei. 

Bibliothekar, s. Büoherwart. 

Bieberstein, s. Marschall v. B. 

Biebrieh (St. in der preuss. Prov. Hessen- 
Nassau, 12292 E.). 1) Hier bestand im 18. 
Jahrhundert eine Loge Zur beständigen 
Einigkeit, die schon 1766 von Schubart 
(s. d.) zur strikten Observanz beizutreten 
veranlasst wurde, was aber erst 25. Juli 
1778 geschah. An ihrer Spitze stand unter 
andern der regierende Fürst Karl Wilhelm 
zuNassau-Usingen(s. d.). Sie ist wahrschein- 
lich 1783 in die Loge Zur beständigen Einig- 
keit in Wiesbaden übergegangen. [Vgl. 
Roth, Rückblick auf die 25 jähr. Thätig- 
keit der Loge Plato zur beständigen Einig- 
keit in Wiesbaden (Wiesbaden 1883), S. 6.] 
2) Jetzt besteht hier unter der Loge Plato 
in Wiesbaden ein maurerisches Kränzchen 
Carolus an dem Rhein, gest. 29. Aug. 
1890, eingew. 10. Okt. 1890. Mitglieder- 
zahl (1899): 9. Vers. 2. Freitag im Monat. 
Lokal: H6tel Nassau, Rheinstrasse 8. 

Bielefeld (St. in der preuss. Prov. West- 
falen, 47455 E.). 1, Die unter der Grossen 
Landesloge zu Berlin 21. Dez. 1780 in 
Minden gegründete Loge Aurora ist 
1793/94 hierher verlegt worden, wurde am 
4. Juli 1800 nach Minden zurück^erlegt 
und am 12. Febr. 1809 geschlossen. Am 21. 
Nov. 1885 ist sie in Minden (s. d.) wieder auf- 
gelebt, n. Unter der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln wurde 
1) 5. Dez. 1844 die Loge Armin zur 
deutschenTreue gegründet. Mitglieder- 
zahl (1899): 134. Vers. Mittwochs; Ferien: 
Juli bis Sept. Eignes Logenhaus, Brüder- 
strasse 5 (eingew. 25. Nov. 1875.) Lokal- 
statut von 1879. Verzeichnis der Bücher- 
sammlung von 1888. Milde Stiftung: 
Schwesternheil von 1877 zur Unterstützung 
hilfsbedürftiger Witwen und Töchter heim- 
gegangener Logenmitglieder. 2) Delegierte 
altschottischeLogeZur deutschenTreue 
in Ravensberg, gegr. 12. Nov. 1862. 

Bielfeld, Jakob Friedrich, Frei- 
herr V., geb. 31. März 1717 in Hamburg, 
gest. 5. April 1770 in Treben, Kaufmann, 
wurde 14. Dez. 1737 von der ersten Ham- 
burger Loge in den Freimaurerbund auf- 
genommen und 4. Jan. 1738 deren Mit^ljed 
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i'i? 



108 



Bielitz — Birkenfeld. 



und Sekretär. Zur Abordnung gewählt, 
die nach Braiinschweig ging, um den 
preussischen Elronprinzen friedrich (nach- 
mals Friedrich II.) in den Freimaurer- 
bund aufzunehmen, war er bei dieser 
Aui&iahme, 14. Aug. 1738, als Sekre- 
tär und Bedner thätig. Als 10. Sept. 
V. Obere (8.d.) aus der Loge austrat, deckte er 
ebenfaus und ging an den Hof von Bheins- 
berg zum preussischen Kronprinzen. B. 
trat 1740 in dessen Dienst als Legations- 
rat bei dem Departement der auswärtigen 
Angelegenheiten, wurde 1745 zweiter Hof- 
meister des Prinzen Ferdinand, 1747 Ober- 
aufseher aller preussischen Universitäten 
und Direktor des Hospitals in Berlin, 1747 
OeheimerEat, wurde oann in den Freiherm- 
stand erhoben und 1750 durch Heirat Eigen- 
tümer der Güter Treben und Haselbach 
im Herzogtum Sachsen- Altenburg. In der 
Loge am 15. oder 16. Juni 1740, in der 
König Friedrich 11. kurz nach dem Tode 
seines Vaters den Hammer führte, war B. 
mit Jordan Aufseher. Er war Mitstifter 
der Loge Zu den drei Weltkugeln und 
von 1754—57 ihr Grossmeister. Von 1757 
bis 1763 lebte B. wieder in Hamburg, aber 
man hat keine Spur davon, dass er sich 
um das dortige Logenleben bekümmerte, 
obgleich sein Bruder, Kaufmann Jo- 
himnes B., bis 1760 Meister vom Stuhl der 
Loge St. Georg war. Unter seinen Schriften 
sind hervorzuheben: Lettres familiäres et 
autres (Haag 1763 und 1767), deutsch 
(Danzig 1765 und 1770.) In diesen findet 
sich S. 88 eine Nachricht über die Auf- 
nahme des Kronprinzen Friedrich. [Vgl. 
FZ. 1890, S. 164. Zd. 1846, S. 84. Anm.] 

Bieliti (St. in Österr.-Schlesien). Hier 
bestand ein maurerischer Verein, der be- 
hördlich als Filiale des Vereins * Humani- 
tas« in Wien genehmigt war. Die Mit- 
glieder gehörten durchweg Logen in Preuss.- 
ßchlesien an. Der Verein ist indes wieder 
eingegangen, wird wenigstens seit 1892 
ni<£t mehr aufgefCLhrt. 

Biester, Joh. Erich, Bibliothekar der 
königl. Bibliothek und Mitglied der Aka- 
demie der Wissenschaften in Berlin, geb. 
17. Nov. 1749 in Lübeck, gest. 20. Febr. 
1816 in Berlin, wurde 1773 in Bützow und 
1777 im Bureau des preuss. Staatsministers 
von Zedlitz angestellt und 1784 köniffl. 
Bibliothekar. Er hat sich um die deutsche 
Litteratur, namentlich durch die Heraus- 
gabe der einflussreichen, im Sinne der Auf- 
klärung wirkenden »Berlinischen Monats- 
schrift« (1788—1811) sehr verdient gemacht. 
Indem er darin mit Nicolai (s. d.) insbe- 
sondere auch gegen den Jesuitismus an- 
kämpfte, der sich in die Logen einzu- 
drängen suchte, geriet er in Streitigkeiten. 
Er war viele Js&e hindurch Beamter der 
Grossen Landesloge von Deutschland in 
Berlin und Meister vom Stuhl der Loge 
Zum goldnen Pflug daselbst und wirkte 
segenweich für die Freimaurerei. [Vgl. 



Lowe, B.'s Bildnis und Selbstbiographie 
(Berl. 1806). A. 1824, S. 184.] 

B^oiiy s. Mitgliedueiohen. 

Binde wird bei der Aufnahme gebraucht. 
Der mit ihr Bekleidete giebt einen Beweis 
seines unbedingten Vertrauens, das von 
jedem verlangt werden muss, der in den 
Freimaurerbund aufgenommen zu werden 
wünscht. Femer soll der Suchende durch 
sie die Verschwiegenheit lernen, auf 
die er später sein feierliches Gelübde ab- 
legt. Da durch die B. der Blick von 
allen Äusserlichkeiten abgewendet und 
mehr auf das Innenleben gerichtet wird, 
empfängt der Neuling einen Ansporn, 
sich nicht mit dem natürlichen Lichte, das 
die Augen vermitteln, zu begnügen, sondern 
mit dem Fallen der B. auch Irrtümer und 
Vorurteile (s. d.) abzulegen und dem reinen 

Geistigen Lichte zuzustreben, das die 
eele erwärmt und kräftigt, zu wirken im 
Sinne dessen, der die Liebe ist. [Vgl. 
Fischer, Lehrlings-Katechismus (29. Aul., 
Lpz. 1900), S. 24. Marbach, Eatechismus- 
reden J. (1892), S. 75. Bahnson, Instruk- 
tionsvorti^e über den Eklektischen Kate- 
chismus, 1. Teil, S. 77—80. A. 1888, S. 155. 
FZ. 1857, S. 11.] 

Bingen (St. im Grossherzogtum Hessen, 
8187 E.). L Schon Anfang des 19. Jahr- 
hunderts wurden teilweise hier von der 
Lo^e Les amis r^unis de la Nahe et du 
Bhin in Kreuznach (s. d.) aus einzelne Ar- 
beiten abgehalten. H. Am 3. Jan. 1860 
bildete sich ein maurerisches Kränzchen 
unter der Alzeyer Loge, das am 16. Juni 
1861 eröflhet wurde [vgl. Bh. 1861, S. 2891 
und sich zur jetzigen Loge Zum Tempel 
der Freundschaft unter der Grossen 
Freimaurerloge Zur Eintracht ausbildete, 
gegr. 14. Apnl 1867, versehen mit Protek- 
torats-TJrkunde des Grossherzogs Ludwig II. 
vom 24. Mai 1867, ein^ew. 7. Juli 1867. 
Eignes Logenhaus, Martinstr. Nr. 10, ein- 
gew. 17. Juni 1883. Mitgliederzahl (1899): 
70. Vers. Mittwochs. Ferien: Juli bis 
August oder September. Milde Stiftungen : 
Kapital 2500 M. — Am 1. Juni 1860, 25. Mai 
1862, 7. Juni 1885 und 2. Juni 1889 wurden 
hier allgemeine Frühlingsfeste abgehalten. 
[Vgl. Bh. 1860, S. 385; 1862, S. 181. FZ. 
1885, S. 222. Bbl. 1889, S. 368,] 

Bireh-Hir8€hfeId,Dr.med.FelixViktor, 
Universitätsprofessor und Geh. Medizinal- 
rat in Leipzig, geb. 2. Mai 1842 in BQuven- 
siek in Holstein, gest. 18. Nov. 1899 in 
Leipzig, war einer der namhaftesten Patho- 
logen seiner Zeit und hat diesen Ruf durch 
sein »Lehrbuch der pathologischen Ana- 
tomie« (4. Aufl., Lpz. 1889) begründet. B. 
wurde 24. Ajril 1862 in der Loge Ferdinand 
zum Felsen m Hamburg in den Freimaurer- 
bund aufgenommen und schloss sich 8. Jan. 
1880 der Loge Zum goldnen Apfel in 
Dresden an. [Vgl. L. 1899, S. 200.] 

Birkenfeld (Hauptst. des Oldenburg. 
Fürstentums Birkenfeld, 2341 E.). Loge 

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Birma — Blasewitz. 



109 



daa.: Zur Pflichttreue, gegr. von der 
Grossen Loge von Hamburg 18. Febr. 1837, 
begann ihre Arbeiten vorläufig 28. März 
im Lokal der Loge in Saarlouis, setzte sie 
3. Mai in B. fort, wurde aber erst 5. Sept. 
desselben Jahres eingeweiht, unterbrach 
ihre Arbeiten im August 1847 und nahm 
sie 1. Nov. 1848 wieder auf. Mitglieder- 
zahl (1900): 54. Vers, den 2. Sonnabend 
im Monat. [Vgl. HZC. 1897/98, Nr. 158.] 

Birma, s. Ostindien. 

Biseboff 1) Johann Nikolaus, Hof- 
und Justizrat in Dresden, geb. 1756 in 
Weimar, gest. 24. Okt. 1833 in Dresden, 
war Professor in Helmstedt und wurde 
1803 als Hof- und Justizrat an die Landes- 
regierung nach Dresden berufen. B. war 
ein ausgezeichneter Jurist, begeistert für 
das Recht (sein Eintreten fftr die Unschuld 
im Fonkscheu Kriminalprozess zu Trier 
1820/21 machte seinen Namen weit be- 
kannt); er war zugleich Schriftsteller und 
Dichter. — B. wurde 7. April 1782 in der 
Loge Augusta zu den drei Flammen in 
Göttingen aufgenommen, kam während 
seines Aufenthalts in Helmstedt mit Herzog 
Ferdinand von Braunschweig (s. d.) in viel- 
fache Berührung und schloss sich 1806 der 
Loge Zum goldnen Apfel in Dresden an. 
16 Jahre war er Meister vom Stuhl dieser 
Loge; bei der Errichtung der Grossen 
Landesloge von Sachsen war er sAa Ver- 
treter der Loge in Triebel thätig. Seine 
Loge ernannte ihn zu ihrem Senior und 
Altmeister und beging sein 50jähriges 
Maurerjubiläum in feierlichster Weise, wo- 
bei ihm ein Lorbeerkranz aufs Haupt ge- 
drückt und eine silberne Schale mit einem 
goldnen Granatapfel überreicht wurde. 
[Vgl. Falkenstein, Karl, Erinnerung an 
Joh. Nik. B. (Dresd. 1837). Jubelfeier des 
Br. B. am 7. April 1832 presd. 1832)]. 

2)JosephEauardKonrad,untermNa- 
menKonradv.Bolanten bekannter ultra- 
montaner Romanschriftsteller, geb. 9. Aug. 
1828 in Niedergailbach in der Kheinpfalz, 
wurde 1852 Domkaplan in Speyer und 
später Pfarrer in mehreren Orten. Seit 
1869 lebt er in Speyer. Papst Pius IX. 
ernannte ihn 1872 zum Wirklichen Geh. 
Kammerherm. B. schrieb eine grosse 
Anzahl von Romanen mit ausgesprochen 
ultramontaner Tendenz. Gegen die Frei- 
maurerei erschien von ihm »Kelle oder 
Kreuz.ErzählungfürdasVolk.(Mainzl871), 
das vielfach aufgelegt und auch ins 
Polnische übersetzt wurde. Dagegen richtet 
sich die Schrift: »Bjreuz und Kelle. Er- 
zählung für das Volk von Kurt v. Polanten« 
(Wesel 1873), die ebenfalls mehrfache Auf- 
lagen erlebte. 

Bisehoffirerder, J o h. R u d o 1 f v., preuss. 
(General, geb. 13. Nov. 1741 in Ostermondra 
bei Eckartsberga, gest. 81. Okt. 1803 in 
Potsdam, machte die letzten Jahre des 
siebenjährigen Krieges auf preussischer 
Seite mit, war sächsischer Kammerherr 



und trat dann wieder in preussische Dienste, 
wo er sich des Königs Friedrich Wil- 
helm n. Vertrauen zu erwerben wusste. Nach 
dessen Tode wurde er 1803 in den Ruhestand 
versetzt. — Li den Freimaurerorden trat 
er als Student in der Loge Philadelphia 
in Halle 25. Nov. 1758, ging dann zu 
dem V. Hundschen Tempelherrensystem 
über, fand sich aber auch hier nicht be- 
friedigt, da er im Maurerbunde Alchemie 
und Magie suchte. Vom Herzog Karl von 
Kurland (s. d.), in dessen Diensten er stand, 
wurde er 1773 nach Leipzig gesandt, um 
die Geheimnisse Schrepfers (s. d.), der die 
wahre Maurerei zu besitzen behauptete, zu 

E rufen, Hess sich vollständig von diesem 
ethören und auch nicht von seinem 
Glauben an ihn abbringen, obwohl Schrepfer 
sich vor seinen Augen erschoss. Auch 
von dem Charlatan Gugomos (s. d.), der 
auf dem Konvent zu Wiesbaden (s. d.) eine 
Rolle spielte, war er so eingenommen, dass 
er ihn nach Cypern, wo der oberste Ordens- 
meister seinen Sitz haben sollte, begleiten 
wollte, um den deutschen Rittern die höch- 
sten Belehrungen zu verschaffen. Es wurde 
ihm zur fixen Idee, dass Rosenkreuzer und 
Alchemisten im Besitz der grössten Ge- 
heimnisse in Bezug auf Geisterbeschwö- 
rungen und Goldmacherei wären, er war un- 
glücklich darüber und mass sich selbst die 
Schuld bei, dass er nicht dahinter kommen 
konnte. In Potsdam leitete er später die 
Rosenkreuzerloge und weihte auch Fried- 
rich Wilhelm H. in die Geheimnisse der 
Rosenkreuzerei ein. 

Blschofswerda (St. im Königr. Sachsen, 
5950 E.). Hier besteht unter der Loge 
Zum goldnen Apfel in Dresden ein mau- 
rerisches Kränzchen, gest. 20. März 1875. 
Mitgliederzahl (1899): 16. 

BJerken, Johann v., schwedischer 
Kanzleirat und Ritter, geb. 7. Nov. 1725, 
gest. 28. Aug. 1780, bekleidete das Amt 
eines Expe£tionssekretärs und köniffl. 
Kanzleirats und war 1765 — 80 wortführender 
Meister der Schottenloge St. Eduard in 
Stockholm. Ihm zu Ehren wurde 1780 
eine Denkmünze geprägt [vgl. HMW. 
Nr. 179]. 

Blankenbnrg (St. im Herzogtum Braun- 
schweig, 9289 E.). 1) Die 1807 oder 1808 
in Halberstadt (s. d.) gegründete Loge Zur 
aufgehenden Sonne, die sich 1810 unter 
die Grosse Landesloge von Deutschland 
stellte, 1826 oder 1827 aber wieder einging, 
arbeitete hier eine Zeitlang. — 2) Seit 
11. Okt. 1864 besteht hier ein Kränzchen 
unter der Loge in Braunschweig. Mit- 
gliederzahl (1899): 20. 

Blankenese (Dorf in der preuss. Prov. 
Schleswig-Holstein, 4090 E.). Hier besteht 
unter der Loge Karl zum Felsen in Altena 
eine freimaurerische Vereinigung Zur 
Eintracht, gest. 1896. 

Blasewits (Dorf bei Dresden im Königr. 
Sachsen, 6304 E.). Hier besteht jjeitlJ® 3 



110 



Blau 



Blücher-Altona. 



«ine freimaurerische Vereinigung. Mit- 
gliederzahl (1899): 52. Vers. Dienstags. 

Blan bedeutet in der Freimaurerei haupt- 
sächlich die Treue und Beständigkeit, die 
den' wahrhaft guten Menschen und Maurer 
als erprobt und bewährt darstellt. Daher 
zeigt sich an der Kleidung des Gesellen 
B., und an der Kleidung des Meisters 
findet sich die meiste b. Farbe. Das B. der 
Freimaurerei ist das des Himmels (Azur- 
blau), der über den Wolken in wechsel- 
loser, ewiger Bläue prangt. [Vgl. M. L. 
1887/88, S. 171.) 

Blane Grade. Die drei untersten Grade 
aller Lehrarten oder die drei Grade der 
Johannismaurerei (s. d.), auch symbolische 
Orade genannt, haben die blaue Farbe an 
Schürzen und Bändern, daher sie auch 
nach dieser Farbe benannt werden. Die 
hohem Grade haben andre vorherrschende 
Farben, z. B. ziegelrot, grün. 

Bleiwage s. Wasserwage. 

Blinde. Die Frage über die Aufnahme- 
fähigkeit der Blinden zu Freimaurern ist 
mehrmals besprochen worden. Da die Frei- 
maurerei hauptsächlich in Sinnbildern dar- 
gestellt wird, ist es allerdings wünschens- 
wert, dass diese geschaut weraen. Dennoch 
ist die äussere Erscheinungsform nicht das 
Wesen, und an dem geistigen Wesen können 
«ich die Blinden vollständig beteiligen, ja 
sogar auch von den Sinnbildern sich Vor- 
stellung verschaffen. — Die Loge zu Darm- 
Ätadt nahm 20. Jan. 1817 einen b. reisenden 
Tonkünstler, Franz v. Conradi, 19 Jahre alt, 
in den Bund auf. Bei der Aufhahme- 
ieierlichkeit suchte man hauptsächlich auf 
-das Gefühl und Gehör zu wirken. Die 
Beschreibung dieser Aufnahme erschien 
als Handschrift für Brüder besonders ge- 
druckt u. d. T.: Eitual bei der Aufnahme 
eines Blinden in den Freimaurerorden von 
G. V. Wedekind (Darmstadt 1817). [Vgl. 
Aufnahme. FZ. 1863, 8. 198.] 

Biomberg, Georg Friedrich Sigis- 
mund, Freiherr V., geb. 13. Sept. 1784 in 
Iggershausen in Lippe-Detmold, gest. 9. 
Okt. 1855 das., studierte die Rechte in Göt- 
tingen und Jena und trat dann in Lippesche 
Dienste. Er verliess diese nach dem Krieg 
1806 und 1807 und nahm später Dienste 
in der russisch-deutschen Legion, um gegen 
Napoleon zu kämpfen. Die Feldzüge 1813 
bis 1815 machte er im preussischen Heere 
mit. Er ging dann zur Verwaltung über 
und war zuletzt im Ministerium des Innern 
als Wirkl. Geh. Regierungsrat thätig. 1843 
schied er aus seiner Stellung. — In der 
Loge Ferdinand zur Glückseligkeit zu 
Magdeburg wurde er als Freimaurer auf- 

§enommen und schloss sich 17. Okt. 1834 
er Loge Zur Eintracht in Berlin an. Der 
Grossloge gehörte er seit 1839, dem Bundes- 
direktorium von 1839 — 43 an. Vornehm- 
lich durch seine Bemühungen wurde 1841 
-die Loge Georg zur wachsenden Palme in 
Arolsen und 1844 die Loge Zur Rose im 



Teutoburger Walde in Detmold gestiftet. 

Sgl. Geschichte der Grossen National- 
utterloge Zu den drei Weltkugeln (Brl. 
1890) S. 410.] 

Bloomiogton (St. im nordamerikan. Staat 
lUinois (1890) 20484 E.). Hier besteht 
unter der einheimischen Grossloge eine in 
deutscher Sprache arbeitende Loge Mozart 
Nr. 656, gegr. 4. Okt. 1870. Vers. 2. und 4. 
Dienstag. 

Blfielier, Gebh. Leber, v., Fürst von 
Wahlstadt, preuss. Generalfeldmarschall, 
geb. 16. Dez. 1742 in Rostock, gest. 12. 
Sept 1819 auf seinem Gute Krieblowitz 
bei Breslau, der bekannte Held der Frei- 
heitskriege 1813 — 15, wurde in den Frei- 
maurerbund am 6. Febr. 1782 in der 
Loge Augusta zur goldenen Krone in Star- 
gard in Pommern aufgenommen, in deren 
Listen er bis 1803 gefahrt wird. Er war 
ein sehr eifriges Mitglied des Bundes. Als 
Generalmajor bei Emmerich besuchte er 
in den Jahren 1800 und 1801 die dortige 
Loge Fax inimica malis häufig und führte 
ihr auch seine Söhne als Mitglieder zu. 
In Hamm erhielt er die Weihe als alt- 
schottischer Meister und wurde auch hier 
auf die fünfte Stufe der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln (1803) 
befördert Vom 18. Aug. 1802 bis 8. Sept. 
1806 war er versitzender Meister vom Stuhl 
der Loge Zu den drei Balken in Münster 
[vgl. Förster, Die vierjährige Hammer- 
führung des Feldmarschall Geohard Lebe- 
recht von B. in Münster (1895)]; sein von ihm 
geschenktes Bild ziert noch jetzt den 
Bankettsaal. Bis zu seinem Tode wurde 
er in den Listen als Ehrenmitglied der 
Loge fortgeführt. 1811 war er Mitglied der 
in Schwedt a. O. gegründeten Feldloge 
Nr. 1. Aus dem Feldzug zurückgekehrt, 
wurde er in Bruderkreisen hoch geehrt. So 
veranstfdtete die Grosse National-Mutter- 
loge Zu den drei Weltkugeln ihm zu Ehren 
ein Festmahl 21. Aug. 1814 [vgl. Geschichte 
dieser Loge S. 137]. Die Loge Archimedes 
zu den drei Reissbrettern in Altenburg, 
wo er im April 1813 wenige Tage vor der 
Schlacht bei Lützen mehrere Stunden 
mit V. Gneisenau und v. Scharnhorst (s. 
d.), sowie am 26. April 1813 in der Loge 
geweilt hatte, und die vereinigten Logen 
in Rostock ernannten ihn zu ihrem Ehren- 
mitglied, erstere 1814, letztere 1816 bei 
seiner dortigen Anwesenheit. [Vgl. Taute, 
Blücher, der Held der Freiheitskriege, als 
Freimaurer (Ulm 1882). A. IV, S. 138. 
FZ. 1866, S. 286. Dietrich, Blätter der 
Erinnerung (Altbg. 1889), S. 87 fg. Kurze 
Geschichte der Loge in AJtenburg (Altb. 
1868), S. 41, 118. H. L. 1898, S. 2709. 
L. XVm, S. 138. Geschichte der Grossen 
National-Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln (Brl. 1890), S. 137, 411.] 

Bl&eher-Altona, Konrad Daniel, 
Graf V., Begründer der Linie B.-A., geb. 29. 
Febr. 1764 in Prenzlin (Mecklenburg^, gest. 
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Blum — Bluntsohli. 



111 



1. Aug. 1845 in Altona als dänischer Geh. 
Konferenzrat und Oberpräsident yon Al- 
tona, war ein Enkel des Oheims des Fürsten 
B., machte sich 1813 und 1814 um Altona 
verdient und wurde 1818 in den dänischen 
Grafenstand erhoben. Er wurde in der 
Loge Christian zur Palme in Kopenhagen 
in den Freimaurerbund aufgenommen und 
war 1817 bis zu seinem Tod Obermeister 
der altschottischen Direktorialloge Klarl 
zur heiligen Wahrheit in Altona (s. d.). 

Blum, Bobert, politischer Agitator, 

feb. 10. Nov. 1807 in Köln, erschossen in 
ITien 9. Nov. 1848, gab 1847 seine Stellung 
als Kassierer am Leipziger Stadttheater 
auf, um sich'ganz seinen schriftstellerischen 
Arbeiten und der ausbrechenden politischen 
Bewegung zu widmen. Er war Mitglied 
der Frankfurter Nationalversammlung für 
Leipzig. Dem Freimaurerbunde trat B. 

2. Jan. 1836 in der Loge Balduin zur Linde 
in Leipzig bei. 

Bliimaner,Aloy8. Dichter, Schriftsteller 
und Buchhändler, bekannt als Verfasser 
der travestierten Äneide, geb. 21. Dez. 1755 
in Steyr in Österreich ob der Enns, gest. 16. 
März 1798 in Wien, wurde 1781 oder 1782 in 
der Loge Zur wahrenEintracht in Wien in 
den Freimaurerbund aufgenommen. Er gab 
auch eine Sammlung von »Freymaurer- 
gedichten« (1786 u. oft.) heraus, unter denen 
vorzüglich das Gebet das bekannteste ge- 
worden ist. Ferner hat er auch einige 
Freimaurerreden und andre Aufsätze 
hinterlassen, die sich in seinen gesammelten 
Schriften finden. [Vgl. Jördens, Lexikon 
deutscher Dichter I, 99; V, 745. Wurz- 
bach, Biogr. Lex. I, 436—444. FZ. 1898, 
S. 108. Abafi, Geschichte der Freimau- 
rerei in Österreich-Ungarn IV, 299.1 

Blnmenaa (St. im brasilischen Staate 
Santa Catharina). Hier besteht eine deutsche 
Loge Zur Friedenspalme unter der 
Grossen Loge von Hamburg, gegr. 24. Juni 
1885, eingew. 11. Nov. 1885. 

Blnmenaa, Salomon, Israel. Geist- 
licher, geb. 8. Juni 1825 zu Bünde in 
Westfalen, war in Bielefeld Babbiner und 
lebt, seit 1889 in Buhestand versetzt, in 
Hameln. Aufgenommen in den Freimaurer- 
bund wurde ß. Januar 1859 in der Loge 
St. Georg in Hamburg. Von ihm erschienen : 
»Den Schwestern Heill Beden und Dich- 
tungen maurerischen Lihalts« (3. Aufl., Lpz. 
1878). »Zur Orientirung in der Frei- 
maurer-Frage, gekrönte Preisschrift« (Buda- 
pest 1878). »Welches ist der religiöse Ge- 
danke in der Freimaurerei?« (Hmbg. 1881, 
mit dem zweiten Preis gekrönt). Ausser- 
dem sind verschiedne Vorträge von B. 
veröffentlicht in der Bauhütte und dem 
Hamburger Logenblatt. 

Blnmenliagen, Philipp Georg Au^. 
Wilh., Dr. med. und praktischer Arzt, geb. 
15. Febr. 1781 in Hannover, gest. das. 6. Mai 
1839, als Novellendichter bekannt, wurde 
in den Bund aufgenommen 23. Juni 1811, 



war von 1821—26 zugeordneter Meister 
und von 1826—40 Meister vom Stuhl der 
Loge Zum schwarzen Bär in Hannover. 
Als maurerischer Schriftsteller gab er 
heraus: Akazienblüten (Hann. 1815), sowie 
verschiedne Beden und Gedichte. In 
der Frage über Emanzipation jüdischer 
Freimaurer stand er auf der liberalen Seite 
mit seiner Frage: Wo ist der Platz der 
Freimaurerei in der Menschheit? (Hann. 
1838). Sein maurerischer Nachlass erschien 
Hannover 1840. [Vgl. Neuer Nekrolog der 
Deutschen, 1839, I, 440-44.] 

Blnntselili, Johann Kaspar, berühm- 
ter Bechtsgelehrter, geb. 7. März 1808 in 
Zürich, gest. 21. Okt. 1881 in Karlsruhe, 
studierte Kechtswissenschaft in Berlin und 
Bonn, wurde 1830 beim Bezirksgericht in 
Zürich angestellt, 1833 ausserordentlicher 
und 1836 ordentlicher Professor an der 
neugegründeten Universität dortselbst. Als 
Ende 1830 die schweizerische Beform- 
bewegung begann, schloss er sich der kon- 
servativen Partei an und trat demBadikalis- 
mus in seiner Schrift »Das Volk und der 
Souverän «(Zürich 1831) öffentlich en^egen. 
1837 in den Grossen Bat der Stadt Zürich 
gewählt, trat er in die praktische Schule 
des parlamentarischen Lebens als einer 
derFührer der gemässi^n konstitutionellen 
Partei. Die Kevolution des Jahres 1839 
stürzte die radikale oberste Behörde Zürichs, 
und B. wurde in die neue Begierung und 
zugleich in den eidgenössischen Staatsrat 
gewählt. 1846 trat er aus der Begie- 
rung aus und widmete sich ausschliess- 
lich seiner Professur. 1847 machte er 
den letzten vergeblichen Versuch, den 
Kampf der Extreme zu verhindern, und 
wandte sich sogar unmittelbar an den Papst, 
um im Interesse des Friedens die Ab- 
berufung der Jesuiten zu erlangen. Die 
Universität München war es, die ihn 1847 
nach Deutschland zog, und 13 Jahre hin- 
durch hat er hier als Professor des Deut- 
schen Privatrechts imd des Staatsrechts 
segensreich gewirkt. In München vollzog 
sich in ihm eine eigentümliche und seltene 
Wandlung. Während sonst die Menschen 
in reiferem Alter und bei höherem Bang 
in der Gesellschaft konservativer zu werden 
pflegen, trat bei ihm mit dem Fortschritt 
seiner Stellung und Wirksamkeit im Leben 
umgekehrt der liberale Charakter seines 
Wesens immer offener hervor; dabei wurde 
er von Jahr zu Jahr entschiedener national 
gesinnt. 1861 folgte er dem Buf an die 
Universität Heidelberg als Nachfolger Bo- 
bert V. Mohls im Lehrstuhl der Staats- 
wissenschaft. Hier stand er inmitten der 
Kämpfer gegen den Ultramontanismus und 
wurde vom liberalen Grossherzog in die 
Erste Kammer und nur infolge seines unab- 
hängigen Sinnes nicht ins Staatsministerium 
berufen. Aber auch im weitem deutschen 
Vaterland begegnet man seiner enerne- 
voUen, unermüdlichen und erfolgreichen 
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112 



B'nai B'rith — Boas. 



Thätigkeit beim Deutschen Juristentag, 
im Deutschen Abgeordnetentag, im ZoU- 
Parlament, im Verein für Volksbildung 
und im Protestantenverein. Auch an der 
kirchlichen Entwicklung Badens und 
Deutschlands gebührt ihm ein entschie- 
dener und wesentlicher Anteil. Wo es 
auch sei, in der Schulfrage, wie im Kirchen- 
streit, stets finden wir ihn unter den wuch- 
tigsten und gefurchtetsten Bekämpfem des 
Ultramontanismus. — In den Freimaurer- 
bund aufgenommen wurde B. 8. Juni 1838 
in der Loge Modestia cum libertate in 
Zürich. Der längern maurerischen Ruhe in 
München folgten in Heidelberg einige 
Jahre stiller Beobachtung, bis sich B. 1864 
entschloss, der dortigen Bauhütte Ruprecht 
zu den fünf Rosen als aktives Mitglied 
beizutreten. In demselben Jahre sehen 
wir ihn bereits den ersten Hammer führen 
und eine Thätigkeit entwickeln, welche die 
Grossloge Zur Sonne (s. Bayreuth) bis 
in ihre Grundfesten erschütterte und ein 
neues, kräftig pulsierendes Leben wachrief 
So gestaltete sich seine Stellung im 
Bunde, wie seine gewaltigen Erfolge es 
verlangten. Die nächste Wahl (1872) be- 
rief ihn als Grossmeister an die Spitze der 
Grossloge Zur Sonne. Ihm verdankt 
der Sonnenbund seine Verfassung, ihm 
zumeist das das bewährte Alte pietät- 
voll bewahrende Ritual. Ihm war der 
Hammer des Grossmeisters nicht eine leere 
Auszeichnung, er gab ihm eine schwere 
Bürde der Arbeit und Mühe; dafür aber 
gilt auch die Art und Weise, wie er sein 
Amt verwaltet, als Muster und Beispiel 
nicht bloss für die deutsche Maurerei, 
nein, weit hinaus über die Grenzen unsers 
Vaterlandes. Seine »Freimaurergespräche 
I. über Gott und Natur, II. über Unsterb- 
lichkeitc (Nördlingen 1878) sind innerhalb 
der Bruderkette, wie in der äussern Welt 
als mustergültig geschätzt; seine Allge- 
meinen Grundsätze sind vom Grossmeister- 
tag, wenn auch nicht von allen deutschen 
Grosslogen (s. Orundgesetz), angenommen, 
sein Brief an den Papst vom 14. Okt. 1865, 
diese niederschmetternde, glänzende Ant- 
wort auf denSyllabus,einSchlag mit diamant- 
hartem, scharf geschliffenem Schwert auf 
das Haupt des Ultramontanismus, war ein 
Weltereignis; seine Rede über oie ideale 
Bedeutung der Maurerei, die er am 8. Aug. 
1875 in der Grossloge zu Bayreuth hielt, 
sollte jedem Lehrling als kanonische Schrift 
in die Hand gegeben werden. Wenn die 
Schifimannsche Angelegenheit keinen of- 
fenen Bruch in der deutschen Maurerei 
hervorbrachte, so dankt man esB.s ruhigem, 
umsichtigem, versöhnendem Eingreifen. 
Sein 70. Geburtstag wurde in der Loge zu 
Heidelberg festlich begangen. Von der 
Grossmeisterwürde trat er im November 
1878 nach vollendeter Amtsdauer zurück, 
wobei er zum Ehrengrossmeister ernannt 
wurde. [Vgl. seine Selbstbiographie »Denk- 



würdiges aus meinem Leben« (Nördl. 1884^ 
3 Bde.). Fr. Meyer v. Waldeck, Festrede 
zur 70. GeburtBtagsfeier: L. 1878, Nr. 8. 
Findel, Geschichte der Grossloge Zurßonne 
(Lpz. 1897), S. 117, 180. Der Freimaurer. 
1877, S. 41 (mit Bildnis). Steger, Für und 
wider die Freimaurerei, S. 12. 8. auch 
Deutscher Orosslogenbund.] 

B'nai B'rith, unabhängiger Orden (U. 
0. B. B.) ist ein 1843 in New York 
gegründeter Judenorden. B'nai B'rith 
heisst »Söhne des Bundes«. Man zählt in 
Amerika etwa 30000, in Deutschland, das 
den 8. Distrikt bildet, gegen 4500 Mit- 
glieder in 36 Logen. Hier wurde der 
Orden erst 1882 eingeführt; die »Grossloge 
für Deutschland VIH« wurde 1885 ge- 
gründet. 1889 wurde der Orden in Öster- 
reich und Rumänien eingeführt. Auch 
im Orient hat er Logen aufzuweisen. »Er 
hat es sich zur Aufgabe gemacht, die 
Israeliten in einer Weise zu verbinden, in 
der die Entwickelung der höchsten Inter- 
essen des Judentums am ehesten und all- 
gemein ermöglicht wird«. »Während der 
Orden die Gefühle wahrer Freundschaft 
und Brüderlichkeit weckt und nährt, dem 
Kranken Trost und Hilfe, dem Sinkenden 
die rettende Hand bietet, die Thränen der 
Witwen und Waisen trocknet und durch 
warme Teilnahme in allen Lagen des 
Lebens die Freuden des Glücks erhöht 
und die Bürde widrigen Schicksals er- 
leichtert, ist es seine Absicht, die geistige 
Ausbildung seiner Mitglieder zu heben, 
ihnen die Grundsätze ernster Sittlichkeit 
einzuprägen und die Erkenntnis des 
reinen Brudertums zu fördern«. Die Statu- 
ten zerfallen in zwei Grundteile: die Kon- 
stitution und die allgemeinen Gesetze. 
Die in New York bestehende Konstitution- 
Grossloge ist der höchste Gerichtshof 
des Ordens. Neben ihr stehen die 
Distrikts-Grosslogen. Zwanzig Mitglieder 
können sich an Orten, wo noch keine Loge 
ist, um einen Freibrief zur Errichtung einer 
solchen bewerben. Der Orden hat drei 
Grade und besitzt (aber nicht in Deutsch- 
land) Frauen- und Jugendlogen. Der 
Deutsche Grosslogentag hat 1887 den 
Orden für eine geheime Gesellschaft er- 
klärt und bescMossen, das es keinem 
Mitglied der verbundenen Logen gestattet 
sei, dem Orden anzugehören. Dagegen hat 
die Symbolische Grosssloge von Ungarn 
21. Sept. 1894 dies gestattet. [Vgl. Bbl. 1892, 
S. 319; Bh. 1897, S. 271: 1898, S. 282; 
1899, S. 139. FZ. 1887, S. 36; 1894, 8. 
68, 100, 109; 1897. S. 212; L. 1896 8. 
126; R. 1895, S. 30.] 

Boas, d.h. : »In ihm (Gott) ist es stark«, ist 
der Name einer Säule im Salomoniscnen 
Tempel (s. Säulen) und ein Wort, das in der 
Symbolik der Freimaurerei eine wichtige Be- 
deutung hat. [Vgl. Fischer, Gesellen-Kate- 
chismus (19. Aufl., Lpz. 1898), S. 6, 9. Mar- 
bach, Agenda B. (3. Aufl., Lpz. 1894), S. 70.] 

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Bob — Böckel. 



113 



Bob, Franz Josef, geb. 31. Okt. 1733 
ZQ Dauchingen in Vorder-Österreich, gest. 
19. Febr. 1802, 1762 Stadtgerichts- 
schreiber, dann Konzipist in Wien, kam 
1768 als Professor der Kam'eral- und 
Polizeiwissenschaften an die Universität 
Freiburg und wurde zugleich zum Direktor 
des akademischen Gymnasiums ernannt 
1775 wurde er Rektor der Universität, 

1786 Oberaufseher der sämtlichen nieder- 
6sterreichschen deutschen Schulen und 
Direktor der Freiburger Normalschule. 
B. war Mitglied von Kieggers deutscher 
Gesellschaft und schrieb ausser der frei- 
maurerischen Schutzschrift »Sendschreiben 
an Ehrich Servati« (1786) und einigen 

Sädagogischen Werken : »Von dem System 
er Pouzei Wissenschaft« und »Von dem 
Vorurteile über die Neuerungen in der 
Wissenschaft« (beide Freiburg 1779). In 
Anerkennung seiner Verdienste erhielt er 
den Titel eines k. k. Eats. Der Loge in 
Freiburg war er 1784 beigetreten, wurde 

1787 deren zugeordneter Meister und deckte 
1788. [Ficke, Geschichte der Loge in 
Freiburg (1874). ^ Abafi, Geschichte der 
Freimaurerei in Österreich-Ungarn.] 

B$ber, Johann, russischer Staatsrat, 
war schon 1783 Maurer [Kalender für die 
Provinzialloge von Mecklenburg, 1837, 
S. 61]. Auf seine Darstellung von der 
Freimaurerei soll Kaiser Alexander I. die 
XJkase Pauls L gegen den Bund aufge- 
hoben haben. [Vgl. Thory, Acta Lat. I, 
218, wo das Gespräch angeführt ist, und 
das (Freiberger) Neue freymaurerische 
Taschenbuch auf 1816—17, S. 147 fg.] 1804 
ward auf B.'s Veranlassung die Loge Ale- 
xander zum gekrönten Pelikan errichtet, 
die sich bald teilte und mit andern Logen 
die Grosse Direktorialloge Wladimir zur 
Ordnung stiftete, deren Grossmeister B. 
1811 ward und bis 1814 blieb, wo ihm 
Graf Mussin Puschkin Bruce in dieser 
Würde folgte. Oktober 1815 trat er mit 
seiner Loge Alexander zum gekrönten Pe- 
likan zur Grossen Loge Asträa. [Nettel- 
bladt, in seinem Abriss der Geschichte 
der russischen Freimaurerei im Mecklen- 
burger Kalender, 1837, S. 67, scheint das 
letztere zu bestreiten.] B. erlebte noch 
die Aufhebung des freimaurerischen Bun- 
des in Bussland. Liedersammlungen von ihm 
för Petersburger Logen bei Kloss, Nr. 1550 
und 1592. [Vgl. M.L. 1894/5, S. 217.] 

Bobiik, Eduard, Prof. der Philosophie 
und Mitglied der Loge Modestia cum lioer- 
tate in Zürich, war Verfasser einer der 
besten deutschen Schriften über Frei- 
maurerei: Geschichte, Grundidee und 
Verfassung der Freimaurerei (anonym er- 
schienen, Zürich 1838), sowie einer Schrift 
über die Kölner Urkunde rBem 1838). 
Auch beantragte er 1840 oie Bildung 
eines freimaurerischen Zentralkomit^ zur 
Leitung und Unterstützung deutscher 
Auswanderer. (S. AuBwanderangakomite.) 

Allgemeines Handbuch der Freimaurerei. 



Boehnm (St. in der preuss. Prov. West- 
falen, 53842 £.). Logen daselbst: I. 
Johannisloge Zu den drei Bosen- 
knospen, begann ihre Arbeiten als De- 
putationsloge der Johannisloge Zum gold- 
nen Schwert in Wesel 27. Dez. 1783, eingew. 
6. April 1786, nachdem die Stiftungs- 
urkunde am 12. Dez. 1785 ausgefertigt 
war. Li Thätigkeit trat die Loge aber 
erst am 6. April 1786. 1808 hart be- 
drängt, der Provinzialloge zwischen Rhein 
und Weser beigetreten, blieb sie bei dem 
Verband der drei Weltkugeln stehen, und 
es hat nie eine Verlegung der Loge nach 
Dortmund stattgefunden, obgleich solche 

geplant war. Erst am 4. Febr. 1835 wurde 
ie Loge förmlich als Tochterloge der drei 
Weltkugeln anerkannt. Sie arbeitet im 
eignen Lokal Humboldtstr. 14 (errichtet 
1875). Ferien vom Johannisfest bis An- 
fang September. »Chronik der Logec 
(Bochum 1896). MitgUederzahl (1899): 151. 
Vers. Dienstag abends. 11. Delegierte alt- 
schottische Loge Zu den drei Bösen - 
knospen, gest. 8. Febr. 1887, konst. 
22. März 1888, eingew. 27. Mai 1888. 

Bodmin. Die Logen in B., Essen, 
Duisburg, Wesel, Emmerich und Mül- 
heim a, d. Ruhr (früher auch Düsseldorf^ 
haben unter sich, nachdem schon 1842 
und die folgenden Jahre Versammlungen 
stattgefunden hatten [vgl. BbL 1898, S. 
442], seit 1876 einen förmlichen Verband 
geschlossen, dessen Zweck die Pflege von 
Freundschaft und Liebe unter den Mitglie- 
dern durch Förderung und Belebung eines 
innigen Verkehrs zwischen den Verbands- 
logen ist. Als äusseres Zeichen ihrer gemein- 
samen Thätigkeit bringen sie die Mittel 
zu einem Stipendium zusammen, das 
Jünglingen und Jungfrauen zum Zwecke 
ihrer Ausbildung für einen Beruf gegeben 
wird. Jährlich wird auf diese Weise eine 
Summe von 600 Mark zur Verfügung ge- 
stellt. Li der zweiten Hälfte des April 
treten die Vertreter der beteiligten Logen 
als Verbands- Ausschuss zusammen. Gleich- 
zeitig wird in jedem Jahre ein Verbands- 
fest gefeiert [Vgl. L. 1895, S. 37.1 

Böckel, Ernst Gottfried Adolf, 
Theolog, geb. 1. April 1788 in Danzig, 
gest. 5. April 1854 in Oldenburg, wurde 
1804 Lehrer in Königsberg, 1809 Pastor 
in Danzig, 1820 Professor der Theologie 
in Greifswald, 1826 Hauptpastor an St. 
Jakobi in Hamburg, 1833 Pastor in 
Bremen, 1836 Generäsuperintendent und 
Oberhofprediger in Oldenburg und war 
bekannt als geistreicher Kanzelredner und 

Belehrter Theolog. — Er wurde 1811 in 
er Loge Eugenia zum gekrönten Löwen 
in Danzig aufgenommen, war während 
seines Aufenthalts in Greifswald Mitglied 
der Loge Karl zu den drei Greifen, schloss 
sich 20. Jan. 1827 der Loge Zum Peli- 
kan in Hamburg an, wurde deren Logen- 
meister 1827 bis 1828, 1827— 33 ProvinzMr 



114 



Bockenheim — Bode. 



groBBmeister derProvinzialloge von Nieder- 
Bachsen in Hamburg und Stifter und 
erster Meister vom Stuhl der Loge 
Boanerges zur Bruderliebe das. Ausser 
mehreren Aufs&tzen im Archiv fdr Frei- 
maurerei Hess er eine Trauerrede auf H. 
G. W. Freudentheil (s. d.) drucken. 

Boekeiilieim (früher St. in der preuss. 
ProY. Hessen-Nassau, seit 1895 mit Frank- 
furt a. M. vereinigt). Hier finden seit 
1898 regelmässige monatliche gesellige 
freimaurerische Versammlungen der ein- 
heimischen Freimaurer statt. 

Bode, Johann Joachim Christoph, 
geb. 16. Jan. 1780 in Barum im Braun- 
schweigschen, gest. 13. Dez. 1793 in 
Weimar, war Hautboist zuerst in 
braunschweigschen, dann in hannover- 
schen Milit£xüen6ten und benutzte jede 
G^egenheit, um sich besonders in der 
Musik und in fremden Sprachen zu bilden. 
Schon 1754 trat er in Celle als Komponist 
auf, ging 1757 nach Hamburg, wirkte 
dort ab Musiklehrer und Lehrer der 
neuem Sprachen, femer als Übersetzer 
aus dem Französischen, Englischen und 
Italienischen. Er stand in Verbindung 
mit Lessing und Claudius, deren Werke 
er in Druck und Verlag nahm, als er 
1767 eine Buchdruckerei anlegte und sie 
mit einer Buchhandlung verband. Er 
sanmielte eine Bibliothek von 800 Bänden 
über alle geheimen Ordensverbindungen 
aus allen Ländem. 1778 ging er nach 
Weimar, wo er noch mehrere Jahre litte- 
rarisch thätig war. Den Grossen der 
Erde schmeichelte er nicht, wurde den- 
noch 1778 meiningischer Hofrat, 1782 
gothaischer Le^ationsrat, 1791 darm- 
städtischer Gehemirat. B. gehört zu den 
eifrigsten und hervorragendsten deut- 
schen Freimaurern des 18. Jahrhun- 
derts. Am 11. Februar 1761 wurde er in der 
Loee Absalom in Hamburg zum Lehrling 
und Gesellen aufgenommen, 16. Febr. be- 
reite zum Meister erhoben und 16. Dez. 
SchriftfElhrer und Redner der Loge. Bald 
nach Einführung der strikten Observanz 
wurde er im August 1765 zum Meister 
vom Stuhl der Loge Absalom mit dem Titel 
eines Hauskomturs ernannt. In den 
innem Orden eingeführt, war er zuerst der 
strikten Observanz sehr zugethan, fühlte 
sich aber später enttäuscht, wurde Gegner 
dieser Lehrart und suchte in andern 
Systemen das Vermisste. 1766 auf einer 
Reise nach Sachsen mit dem ökonomischen 
Plan (s. d.) bekannt gemacht, unternahm er 
es auf Ansuchen des Priors Kiesenwetter 
(s. d.). mit Schubart (s. d.) diesen Plan an 
verscniednen Orten zu veröffentlichen. Die 
Uneinigkeit zwischen B. und Schubart 
wurde ein Hindernis fflr die EinfCLhrung 
des Plans. B. warf in einem Briefe vom 
27. Okt. 1768 Schubart vor, dass der 
Güterverkauf des Heermeisters auffallen 
müsse, da Schubart selbst 1765 versichert 



habe, dass das Gut Kittlitz dem Orden 
gehöre. Auch an den Heermeister selbst 
schickte in diesem Sinne B. ein »Prome- 
moria«, das von dem Gutachten aller 
Präfekturen begleitet war. Diese Wahr- 
nehmung der Ordensinteressen den Obern 
gegenüber konnte sein Ansehen bei den 
Hunburger Freimaurern nur steigern. Auf 
der Versammlung vom 17. April 1773 
(s. Hamburg) wurde er zum zugeordneten 
Grossmeister gewählt. Dabei behielt er 
sein Amt als Meister vom Stuhl der Loge 
Absalom, ja selbst jahrelang noch nach 
seiner Übersiedlung nach Weimar bis 
1780. Auf den bekannten Konventen von 
Braunschweig 1775 und von Wolfenbüttel 
1778 war B. als Vertreter der Präfektur 
Hamburg zugegen. Er setzte seine Be- 
stätigung als rrokurator generalis und 
die Exemtion der Präfektor Hamburg, 
d. h. die Unabhängigkeit vom Subpriorat 
Ratzeburg durch. Auf einer Reise im 
Mai und Juni besuchte B. in Baden den 
Freiherm von Gugomos (s. d ). Er hielt ihn 
für einen Kundschafter der Jesuiten und 
gab in seinem Bericht zugleich Nachricht 
von dem üblen Ruf, in dem der moralische 
Charakter des Gugomos stehe. In seinem 
»Examen impartiä du livre intitul^: Des 
Erreurs et de la V&rit^ etc.« fand er in 
diesem Buch den klaren Jesuitismus 
und dessen Zusammenhang mit der Frei- 
maurerei. Am Ende des Jahres 1777 
wurde er mit Nagant nach Bremen abge- 
ordnet, um dort ein Kapitel zu errichten, 
wobei der dortigen Schottenloge der 
Name »Johannes zu den sieben Sternen« 
gegeben wurde. Auf dem Konvent von 
Wilhelmsbad 1782 war Hamburg nicht 
vertreten, aber B. wurde vom Herzog von 
Gotha als Vertreter hingeschickt, wo 
er seine Forschungen über die Ent- 
stehung und den Zweck der Freimaurerei 
vorlegte, aber mit seiner Jesuitentheorie 
wenig Anklang fand. Hier lernte er den 
Freiherm vonKnigge(s. d.) kennen; dieser 
nahm ihn in den Illuminatenorden auf, 
für den er nun eifrig wirkte. Auch mit 
den Philalethen (s. d.^ in Paris trat er in Ver- 
bindung, indem er ihnen 1787 sein Essai 
sur rOrigine etc. zusandte. Auf einer 
Reise nach Paris 1788 fand er dort den 
Kongress der Philalethen auseinanderge- 
gangen, aber man ö&ete ihm deren 
Archiv, aus dem er sich einen Wust von 
Graden abschreiben liess. Im März 1783 
kam B. noch einmal nach Hamburg, bei 
welcher Gelegenheit der Grossschatzmeister 
Beseler (s. d.) ihn malen liess und das wohlge- 
troffene Bild den Logen schenkte, in deren 
Räumen (Welckerstrasse) es noch heute 
hängt. Nach dem Untergang des Illumi- 
natenordens ruhte B. nicht mit maurerischen 
Reformplänen. Um 1790 erdachte er ein 
neues ^stem unter dem Namen «Deutscher 
Freimaurerbund« (s. d.), wofür er namhafte 
gothaische Freimaurer und etwa 10 Ix^n 

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Btfdeker — Boheman. 



115 



gewann, aber dieser Bund wurde nicht 
aus^fÜhrt Sein Freund Schröder (s. d.), 
der ihn noch 1791 in Weimar besucht hatte, 
widmete ihm in der Trauerloge in Ham- 
burg am 18. Dez. 1798 einen würdigen 
Nachruf. Die Inschrift des ihm von Freun- 
den auf dem Weimarschen Kirchhof ge- 
setzten Denkmals lautet bezeichnend: 
»Bastlos und mutig beförderte er Wahr- 
heit, Aufklärung und Menschenwohl«. — 
Folgende freimaurerische Schriften hat B. 
u.a. herausgegeben: 1) Gedanken einesFrei- 
maurers am Johannisfeste 1768 yon dem 
Br. Bedner der Loge Absalom. 2) Trauer- 
rede über das frühzeitige und unerwartete 
Ableben des Herzogs Geor^ Ludwig zu 
Schleswig-Holstein, welche in der am 5. 
Okt. 1768 gehaltenen Trauerversammlung 
der Loge Absalom gehalten worden durcn 
ihren Br. Secr. B. 8) Bede am Johannis- 
feste 1764 in der Loge Absalom. 4) Ge- 
dächtnisrede (auf Br. Lohmann, Stuart der 
Loge St. Georg) den 22. Sept. 1774 in der 
allgemeinen Trauerversammlung der drei 
vereinigten Logen in Hamburg, gehalten 
von Br. B. 5) Almanach oder Taschen-Buch 
für die Brüder Freymäurer der vereinigten 
deutschen Logen auf dasJahr 1776undl777. 
MitGenehmigung derObem. Derselbe für die 
Br. Freymäurer der vereinigten deutschen 
und schwedischen Logen auf das Jahr 1778 
und 1779. 6) «Starke Erweise aus den 
eigenen Schriften des Hochheil. Ordens der 
Gold- und Bosenkreutzer für die Wiüirheit, 
dass seine in Gott ruhenden Väter von 
ewiger Thätigkeit und Wirksamkeit sind.« 

Sofien, Begensbg., Brl. 1788.) 7) .Mehr 
oten ab Text onder die deutsche Union 
der Zwey und Zwanziger eines neuen ge- 
heimen Ordens zum Besten der Mensch- 
heit«. (Lpz.1789.) 8) Circular-Brief (Wei- 
mar 1790). 9) Nachtrag zu dem Circular- 
Brief (Weimar 1790). 10) Nr. 8 (Weimar 
1788). 11) Heft 0. Nr. 4, .Die Geheime 
Schule. Ein Heft für die Meister Maurer.« 
(Weimar 1788.) 12) Heft D. Nr. 5, 
«Zwote Vorbereitungsklasse«. (Weimar 
1788). 18) Heft E. Nr. 6 .Famiüe der 
Giblime oder Söhne der Freymaurer«. 

£eimar 1788.) 14) Heft F. Nr. 7 .Bitual 
' verbesserten Freymaurerey, enthaltend 
die Ceremonien bei der Aufnahme« (Wei- 
mar 1788). rVgl. Schröder, Materialien. 
Böttiger, Boaes litterarisches Leben (BrL 
1796). Brandt, Geschichte des Alten Logen- 
hauses. Denkschrift auf B. (Weimar 1796). 
Fragmente zur Biographie des verstorbenen 
Geheimen Bats B. (Bom 1795). Eöthener 
Taschenbuch 1801, S. 889; 1803, S. 107, 
348. Eleusinien des 19. Jahrb., I, S. 199. 
A. Z. I, 2, S. 228. Bh. 1881, S. 209. A. 1892, 
S. 67. H. L. 1886 Nr. 182. L. 1883, S. 
185. Z. 1885, S. 75.1 

BMeker, 1) Joh. Eubert, Beichshofs- 
gerichtsrat in Wetzlar, seit 1784 L^tions- 
rat beim Herzog von Sachsen-€k>tha>, war 
Mitglied der Wiener Loge Zum heiligen 



Joseph, in der er 1776 Bedner, 1780 2. Auf- 
seher und 1788—85 zugeordneter Meister 
war. 1782 trat er auf dem Wilhelmsbader 
Konvent (s. d.) zur strikten Observanz. 
Von ihm erschienen: »Freimaurerreden, ge- 
halten von a Lapide Cubico« (Brunn 1789). 

2} Ernst Friedr. Wilh., Konrektor 
una Lehrer der Geschichte an der Of&zier- 
Bchule in Hannover, geb. 7, Mai 1779, 
gest. 27. Aug. 1826, war 1825—26 Meister 
vom Stuhl der Loge Friedrich zum weissen 
Pferde in Hannover. Sein maurerischer 
NacMass wurde (Hannover 1829) von W. 
Blumenhagen (s. d.) herausgegeben. 

8) Wilhelm Friedrich Siegfried, 
Sohn des Vorigen, Konsistorialrat in Han- 
nover, geb. 80. Juni 1812, aufgenommen 
28. Jan. 1841, war von 1852—67 Meister 
vonTStuhl der Loge Friedrich zum weissen 
Pferde, zugleich auch zweiter zugeordneter 
Grossmeister der Grossloge von Hannover. 
Da er mit dem Anschluss der hannover- 
schen Logen an eine preussische Grossloge 
nicht zufrieden war, legte er am 20. Mai 
1867 sein Amt nieder und deckte die Loge 
Ende 1867. Er starb bald nachher. 

BShelm, F. M., Hofschauspieler in Berlin, 

fest. das. 4. Juni 1811, Mitglied der Grossen 
«andeslo^ von Deutschland in Berlin, gab 
1 798 fg. eine » Auswahl von MaurerGesängen 
mit Melodien der vorzüglichsten Oompo- 
nisten, in zwey Abtheilungen« (neue Aus- 
gabe, 1817) und schon vorher in Gemein- 
schaft mit Ambrosch »Freimaurerlieder« 
(Brl. 1798) heraus. 

Bokeman, Karl Adolf Anderson, 
geb. 1770 in Jönköping in Smäland, ein 
Schwede, der zu Anfang des 19. Jahrh. 
durch Vorspiegelung des Besitzes grosser 
Ordensgeheimnisse am Stockholmer Hofe 
Aufsehen erregte und sp&ter auch in 
Deutschland Eingang und Einfluss im 
Freimaurerbund suchte. Er war Postbe- 
amter in seiner Vaterstadt und ging um 
1790 als Privatsekretär eines Beisenden 
nach Deutschland. Von da kehrte er bald 
im Besitz grossen Beichtums zurück, 
kaufte das ft^er königl. Schloss Freuden- 
lund bei Kopenhagen und lebte daselbst 
mit ausnehmendem Luxus, wobei er zu- 
gleich grossartige Wohlth&tigkeitsspenden 
machte. Er wusste sich das vertrauen des 
Grafen Bemstorff und des Herzogs Karl 
(s. d.) von Südermanland zu erwerben, der 
nach Erlangung höherer Ordensgeheimnisse 
trachtete. Mit beiden trat er in sehr nahe 
Beziehungen. 1802 ging er nach Stock- 
holm, wo er den Titel eines Hofsekretärs 
erhielt und den Herzog, sowie mehrere der 
angesehensten Staatsbeamten in seine ge- 
heime Verbindung au&ahm. Als man aber 
auch damit umging, den jugendlichen und 
zu mystischen Ideen geneigten König in 
diese zu ziehen, schritt aie Begierung gegen 
B. ein; er wurde 18. Febr. 1808 gefangen, 
und seine Papiere wurden in Beschla 
nommen. Eine anscheinend |halb£un^ 
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116 



Bohmann — Böhmen. 



Veröffentlichung hierüber aus Stockholm 
vom 29. M&rz 1803 im Hamburger Korre- 
spondenten, Nr. 58, unterm 12. April des- 
selben Jahres sagt: Die angestellten Unter- 
suchungen haben hinlänglich die Strafbar- 
keit seiner Absichten und Handlungen dar- 
^than. Nach verschiedenen Versuchen, die 
Wahrheit zu verhehlen oder zu entstellen, 
hat er endlich, durch unwidersprechliche 
Beweise überführt, freiwillig folgendes be- 
kannt: dass er teils aus Eigennutz, teils 
aus Herrschsucht Betrüger gewesen, aass er 
unter Benutzung des Hangs, welchen ge- 
wisse Charaktere zum Übernatürlichen auf 
Kosten des Natürlichen besitzen, geglaubt, 
Einfluss und sogar Gewalt über die, auf 
welche Vorurteile wirken, zu erlangen; 
dass er zur Vollführung seiner Betrügereien 
teils von seiner Bekanntschaft mit den 
Geheimnissen einiger Orden Gebrauch ge- 
macht, teils auch solche nach Umständen 
mit eignen Zusätzen vermehrt habe .... In 
Ansehung seines gesammelten Vermögens 
hat er endlich vorgegeben, dasselbe durch 
die Freigebigkeit einer vornehmen Person 
ausserhalb Landes erlangt zu haben .... Aus 
den übrigen bei B. beündlichen Papieren 
ergiebt sich weiter, dass er ein Mitglied und 
wenigstens dem Anschein nach die Haupt- 
person einer Verbindung ist, deren Adepten 
unter dem Namen der Asiatischen Brüder 
bekannt gewesen sind. Die Gesetze, Sta- 
tuten und Organisation dieses Ordens 
können zu allerhand Missbräuchen Anlass 
geben. — Aus diesem Bericht und dem, 
was sonst über diese Angelegenheit bekannt 
geworden ist, darf man abnehmen, dass B., 
der auf seinen Reisen in Deutschland das 
System der Asiatischen Brüder (s. d.) 
kennen gelernt, dieses, das mit poli- 
tischen Tendenzen gar nichts gemein 
hatte, für seine Zwecke umgestaltete und 
namentlich mit Swedenborgschen Thor- 
heiten (s. Swedenborg) verwebte.*) Sein 
Plan wäre hiemach dahin gegangen, den 
Herzog Karl an die Spitze des ganzen 
Ordenswesens zu stellen, und es lagen ihm 
hierbei wohl weniger politische, als eigen- 
nützige Absichten zu Grunde. Daf&r spricht 
auch, dass gegen ihn nichts anderes, als 
Ausweisung aus dem Reiche verhängt ward. 
Das Gleiche traf ihn in Dänemark. Er 
ging hierauf nach Deutschland, wo er um- 
herreiste, Kapitel stiftete und dabei in 
seinen Reden sich sehr über das Verfahren 
der schwedischen Regierung gegen ihn be- 
klagte. Auch an den König von Schweden 
richtete er, unter Couvert der Markgräfin 
von Baden, deren Vertrauen er frtOier zu 
erlangen gewusst hatte, verschiedne Kla^e- 
briefe. Seine Angelegenheit erregte viel 



*) Trftomereien Ton dem neaen Jenualem im In- 
nern AftikM, wo Ghriatos in liohtbarer Gestalt um- 
herwandle, Ankündigung der nahen Erscheinung 
und Begierung Ghriiti, die aber nur den Königen 
und Ministem sichtbar sein werde u. s. w. 



Aufsehen, es erschien sogar ein Roman 
über ihn: B., geheimer Oberer und Haupt 
der Asiatischen Brüder (Hamb. 1811), der 
jedoch bloss auf Erfindung beruht und ihn 
als das Werkzeug der Rache einer Fürstin 
schildert, die zwei Liebende unaufhörlich 
verfolgen lässt. Zur Verteidigung der 
Regierung liess der schwedische Gesandte 
in Kopenhagen, Graf Oxenstierna, eine 
Erklärung im Hamburger Korrespondenten 
vom 3. Febr. 1804 erscheinen. Ein Versuch 
B.'s, sich dem König Gustav bei dessen 
Anwesenheit in Greifewald 1806 wieder zu 
nähern, schlug fehl; dagegen ging ß. nach 
Karls Xni. Regierungsantritt wieder nach 
Stockholm und glaubte sich durch Für- 
sprache hoher Personen geschützt; allein 
er ward von neuem des Seichs verwiesen, 
und mehrere gedruckte und ungedruckte 
Gegenvorstellungen B.'s wurden unberück- 
sichtigtgelassen. Nach Deutschland zurück- 
gekelut, nahm er seinen hauptsächlichen 
Aufenthalt in Waldeck und suchte, jedoch 
vergeblich, 1812 eine Loge in Pyrmont zu 
errichten. Infolge dessen erscliien über 
ihn eine deutsche Übersetzung einer schwe- 
dischen Schrift, welche die Vorgänge von 
1803 und 1804 gegen B. schildert, und von 
ihm eine Verteidigung und Polemik gegen 
die hannoversche Loge. [Vgl. »Verschiedene 
Schriften, betreffend die widrigen Schick- 
sale, welche der Hofeecretair, Karl Adolf B., 
im Jahre 1808 und 1804 in seinem Vater- 
lande Schweden erlitten. Aus einer unter 
diesem Titel bei Carl Delin in Stockholm 
1815 in schwedischer Sprache erschie- 
nenen Druckschrift frei übersetzt, und mit 
einer Beilage, bis seine Lebensgeschichte 
erscheint, vermehrt« (Pyrmont 1815). »Auf- 
schlüsse über das Verfahren des Logen- 
secretairs Hertens zu Hannover gegen den 
Hofsecretair B.c (1816)]. Seit jener Zeit ist 
nichts weiter von ihm zu vernehmen ge- 
wesen. [Vgl. Zirkelkorrespondenz des 
Engbunds Hannover H. vom 26. Nov. 
1812.] 

Bonmann, Fr. Lud w., Grosshändler in 
Stockholm, geb. 1695, gest. 24. Juli 1767, 
widmete dem von Freimaurern gegründeten 
Waisenhause in Stockholm 1767 ein Ver- 
mächtnis von 100000 Thlr. Kupfermünze. 
Eine ihm zu Ehren geprägte Denkmünze 
s. HMW., Nr. 178. 

Bölimeii rKönigreich, österr. Kronland). 
Hier fand die Freimaurerei frühzeitig Ein- 
gang, allein ihre Wirksamkeit beschränkte 
sich fast nur auf Prag (s. d.); ausserhalb 
Prags bestand nur eine Loge Zur Auf- 
richtigkeit (Sincörit^) in Leitmeritz, die 
1741 errichtet, 1742 von Berlin aus mit 
Stiftungsbrief versehen und Anfang der 
sechziger Jahre nach Pilsen verlegt wurde. 
15.0kt 1765 wurde Graf Kinigl8en.(s.d.)zum 
Obermeister der Loge ernannt, die zu Neu- 
jahr 1766 feierlich eröflöiet wurde, jedoch 
wenig thätig war und 17. März 1772 förm- 
lich neu geweiht und Febr. 1773^ i^fwsh 



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Böhmische Brttder — Bonn. 



117 



Klattau übertragen wurde, sich aber 1778 
auflöste, nachdem sich vorher aus den 
Schwestern die Adoptionsloge Zu den drei 
gekrönten Herzen gebildet hatte. 1788 
aufs neue in Th&tigkeit gesetzt, musste sie 
sich Anfang 1786 gänzlich auflösen. Nach 
Teschen versetzte Mitglieder (Of^iere) der 
Loge gründeten hier Ende 1778 die Loge 
Joseph zu 4en drei Trophäen, die jedoch 
1779 wieder einging, iäne andre MilitAr- 
loge Zu den drei Kometen hatte Freiherr 
Ferraris 1761 in seinem Begiment errichtet, 
die 1765 das System der strikten Observanz 
annahm. — Als der Plan, eine öster- 
reichische Landesloge zu schaffen, auf- 
tauchte und die Provinzlogen aufgefordert 
wurden, Provinziallogen zu bilden, trat 
unverweilt (März 1782) die Provinzialloge 
von Böhmen zusammen mit dem Grafen 
Kinigl jun. (s. d.) und Graf Thun (s. d.) 
an der Spitze, denen noch im selben Jahre 
Georg Eterzog von Mecklenburg (s. d.) und 
Graf Salm-Beifferscheid, diesen aber 1783 
Geheimrat Graf Stampach und Graf Kinigl 
folgten, die die Würde des Provinzial^oss- 
meisters und zugeordneten Grossmeisters 
auch beibehielten, als die Landesloge 1784 
zu Stande kam und die Provinzialloge von 
B. (nebst Mähren und Schlesien) endgiltig 
eingesetzt wurde. Sie umfasste die Brünner 
Logen Zu den vereinigten Freunden und 
Zur aufgehenden Sonne, die KlattauerLoge 
Zur Aumchtigkeit, sowie die Prager Loeen 
Zu den drei gekrönten Sternen, Zu den 
drei gekrönten Säulen, Zur Union und Zur 
Wahrheit und Einigkeit. Nach Veröffent- 
lichung der Freimaurerverordnung wurde 
statt des zurücktretenden Stampach der 
G^heimrat Graf Laiansky und an Stelle 
Kinigls ungesetzlich Domherr Ungar zu 
Grossmeistem gewählt. Der hierdurch ver- 
anlasste erbitterte Zwist der Prager Frei- 
maurer veranlasste die Landesloge, die 
Provinzialloge fCbr aufgehoben zu erklären. 
Die Logen arbeiteten fortan ohne irgend 
eine ZentraUeitung. [Vgl. R. 1894, S. 49. 
L. 1896, S. 108.] Gegenwärtig bestehen in 
B. acht humanitäre vereine, und zwar in 
Asch, Haida, Karlsbad, Pilsen, Prag (2), 
Saaz und Tetschen (s. d.). 

Bdlimigelie Brttder oder Brüder des Ge- 
setzes Christi. Unter diesem Namen traten 
die Nachkommen der Waldenser bald nach 
Niederwerfung der hussitischen Bewegung 
(Mitte des 15. Jahrh.) in Böhmen und 
Mähren auf und bildeten förmliche Ge- 
meinschafben, in denen wohl keine aus- 
§esprochene Gütergemeinschaft, wohl aber 
er Grundsatz herrschte, dass der Reiche 
in fireiwilliger Armut seine Güter nur für 
die Armen zu verwalten habe. Zu Anfang 
des 17. Jahrh. wurden die B. B. verbannt 
und flüchteten zum Teil nach den Nieder- 
landen, wo sie neue Gemeinden bildeten, 
teils verblieben sie heimlich im Lande 
und hielten unter dem unverfänglichen 
Namen Hackebrüderschaft nach wie vor 



innig zu einander (Vgl. Abafi, Gesch. der 
Freimaurerei in Österreich-Ungarn, I, 81.] 

BSlmeii, Job. v., schwedis<äer Oberst- 
leutnant und Kommandant von Wismar, 
geb. 21. Juni 1726 in Christianstadt in 
Schweden, half 1767 die Loge Zu den drei 
Löwen in Wismar (s. d.) stiften und trat 
Starcks Klerikat bei, war bei der Ein- 
weihung V. Prangens 1768 zugegen und 
ging nach einigen Jahren nach Schweden 
zurück, wo er das Klerikat einfahren half. 

Boieldieo, Fran9ois Adrien, Opern- 
komponist, geb. 15. Dez. 1775 in Ronen, 
gest. 8. Okt. 1884 auf seinem Gut Jarcy 
bei Grosbois, kam 1797 nach Paris, wo er 
anmutige Opern komponierte. 180S folgte 
er einem Rufe als kaiserl. Kapellmeister 
nach Petersburg, kehrte aber 1810 nach 
Paris zurück. Während seines Peters- 
burger Aufenthalts gehörte er der dortigen 
Loge Les amis r^unis als Ehrenmitglied an, 
komponierte auch einen »Cantique de la 
Loge St. Jean de Palatino, O. de St. 
Pötersbourg, dediö au T. R. et T. J. G. M. 
F. Duc de Wurtemberg par Les FF. de 
Massence, auteur des paroles, et A. Boieldieu, 
auteur de musique. A Jerusalemc. [Vgl. 
Pypin, Quellen und Beiträge zur Geschichte 
der Freimaurerlogen Russlands (Riga 1896), 
S. 75 Anm. 2, S. 95 Anm. 1.] 

Boizenburg (St. im Grossh. Mecklenburg- 
Schwerin, 8650 £.). Loge das. unter der 
Grossen Landesloge zu Berlin und der Pro- 
vinzialloge von Mecklenburg zu Rostock: 
Vesta zu den drei Türmen, gegr. 5. Juli 
1822, eingew. 5. Nov. 1822. Logenhaus: 
Wallstrasse 48, eingew. 17. Okt. 1891. Mit- 
gUederzahl (1899): 58. [M. L. 1897/98, 
S. 128.] 

BoUvia (Republik in Südamerika). Hier 
bestehen unter der Grossloge von Peru 
fCLnf Logen, davon drei in La Paz und je 
eine in Sucre und Oruro. Die erste Loge 
wurde 1857 in Sucre gegründet. 

Bombaji s. Ostindien. 

Bonaparte (Familie), s. Frankreich 
(Herrscherhaus) H. 

Bonn (St. in der preuss. Rheinprovinz, 
44558 £.). I. Hier bestand früher eine 
Loge unter dem Grossorient von Frank- 
reich: Les frferes courageux, gegr. 
18. Jan. 1806, später eingegangen. H. Jetzt 
besteht hier die Loge Friedrich Wil- 
helm zum eisernen Kreuz, die von der 
Grossen Landesloge zu Berlin 1818 als 
Feldloge gegründet worden war. später in 
Erfurt (s. d.) und Torgau (s. d.) arbeitete 
und 1826—57 ruhte. Sie wurde in B. 25. 
Mai 1857 wieder eingesetzt und 6. Dez. 1857 
eingeweiht. Mitgliederzahl (1899): 70. 
Vers, jeden Mittwoch abends. Sonn- 
tags Elub. Ferien: Juli bis September. 
Logenlokal: Schumannstrasse Nr. 8, ein- 
gew. 8. April 1888. Milde Stiftungen: 
a) Witwen- und Waisenstifbung. Kapital: 
20000 M.; b) Georgistiftung zur Unter- 
stützung hilfsbedümiger Brüder, gegr. 

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118 



Bonneyille — Börne. 



2. Dez. 1888. Kapital: 8500 M. Femer 
hat hier die EöniK Wilhelmstiftun^ zur 
Unterstützung hilrabedürftiger Studieren- 
der, gest. 22. Mai 1865 durch zwölf rheinisch- 
westfälische Logen, ihren Sitz. Kapital: 
12000 M. Gegenwärtige Logenzahl: 86. — 
Hausgesetz vom 80. Jan. 1899. [Vgl. Ge- 
schichte der Loge bei Gelegenheit der Ein- 
weihung des neuen Loffenhauses (1888)1. 

BonneTÜle, 1) Ein Cnevalier de B. soll 
angeblich 24. Nov. 1754 das unterm Namen 
des Kapitels von Clermont (s.d.) bekannt 
gewordene Hochgrads^stem gestiftet haben, 
was neuerdings als eine Erfindung Thorys 
(s. d.) nachgewiesen worden ist. [Vgl. 
Schifßnann, Entstehung der Bittergrade 
(Lnz. 1882), 8. 27 fg.l 

2) N i k 1 a s B., Buchhändler und Litterat 
in raris, schrieb: Les J^uites chass^ de 
la ma^onnerie (1788), worin er die Über- 
zeugung aussprach, dass die Jesuiten in 
der Freimaurerei einflussreich seien und 
besonders durch höhere Grade die Maurer 
täuschten und zur Glaubensumkehr hinlei- 
teten. Das Buch wurde 28. Juni 1788 im 
Vorhofe der M^re-I^ge ^cossaise laut Be- 
schluss verbrannt [Kloss, G^eschichte der 
Freimaurerei in Frankreich, 1,816], dagegen 
von Bode (s. d.) ins Deutsche übersetzt 
(Lpz. 1788). 

BoM, Heinrich, Dr. phil., Professor 
der Cmchichte, geb. 14. Juni 1851 in Oann- 
statt, studierte Philologie, Geschichte und 
Nationalökonomie, Hess sich 1875 in 
Basel als Privatdozent nieder, wurde 1881 
ausserordentlicher und 1898 ordentlicher 
Professor an der Universität zu Basel. — 
Aufgenommen in den Freimaurerbund 
wurde B. 1881 in der Loge Zur Freundschaft 
und Beständigkeit in Basel und bekleidete 
in dieser verschiedne Ämter, insbesondere 
nahm er sich der Bibliothek und des Archivs 
an und veröffentlichte 1892 »Neue Beiträge 
zur Bibliomphie der Freimaurerei« (Basel), 
1892 die Festschrift zur Feier der Ein- 
weihung des neuen Logenhauses, gen. Zum 
neuen Venedig. Im Auftrag der Gross- 
loge Alpina verfasste er das »Handbuch 
der Freimaurerei« (Aarau 1894), das gleich- 
zeitig in französischer Übersetzung (Bern 
1894) erschien. Unter dem Titel: »Ge- 
schichte der Freimaurerei« (Aarau 1894) 
erschien eine verkürzte Ausgabe dieses 
Werkes im Buchhandel. Eine zweite Bear- 
beitung ist in Vorbereitung. 

Booä, Edwin, amerik. Schauspieler, 
geb. 18. Nov. 1888 in Bei Air in Maryland, 
gest. 7. Juni 1898 in New York, errang durch 
Darstellung Shakespearescner Charak- 
tere grossen Beifall. 1864 und 1882 be- 
reiste er Europa. B. war Freimaurer und 
hat dem Altenheim (in Utica) der Gross- 
loge von New York 5000 Dollar vermacht. 

Bork, Karl, Geh.Hofrat und Korrespon- 
denzsekretär Kaiser Wilhelms L, geb. 25. 
März 1831. gest. 81. Au^. 1899 in Karlsbad, 
wurde auigenommen in den Freimaurer- 



bund 15. Sept. 1878 in der Loge Friedrich 
Wilhelm zur Morgenröte in Berlin und 
war in den verschiedensten Beamtenstellen 
dieser Loge thätig. 

Borknm (Nordseebad, zur preuss. Prov. 
Hannover gehörig). Hier besteht seit 18. 
Juli 1889 eine Vereinigung der zur Kur 
anwesenden Freimaurer im Strandh6tel von 
J. Bakker. 

Born, Ignaz, Edler v., Mineralog und 
Geolog, geb. 26. Dez. 1742 in Karlsburg 
in Siebenbürgen, gest. 24. Juli 1791 in 
Wien, gehörte lo Monate dem Orden der 
Jesuiten in Wien an, bei denen er studierte, 
worauf er sich in Prag dem Studium der 
Naturwissenschaften widmete. Nach einer 
Reise durch Holland und Frankreich wurde 
er 1770 Beisitzer in dem obersten MQnz- und 
Bergmeisteramt zu Prag, sodann Bergrat. 
1776 erhielt er einen Buf nach Wien mit dem 
Auftrag, das kaiserl. Naturalienkabinett 
zu ordnen und zu beschreiben. 1779 wurde 
er wirklicher Hofrat bei der Hofkammer 
in Münz- und Bergwerkssachen. Wahr- 
scheinlich auf seinen Reisen in den Frei- 
maurerbund aufgenommen, wirkte er be- 
sonders in Wien für dessen Förderung, 
wozu er durch seine Geistesgaben, Kennt- 
nisse und äussere Stellung oesonders be- 
fähigt war. Die 16. März 1781 in Wien 
von ihm gejnründete Loge Zur Eintracht 
leitete er 1782—85, sodann 1786 die Loge 
Zur Wahrheit als Meister vom Stuhl und 
bekleidete 1784—85 das wichtige Amt des 
Grosssekretärs der Grossen Landesloge 
von Österreich. Femer beteiligte er sich 
thätig an der Herausgabe des Wiener 
»Journals für Freymaurer«, das viele wert- 
volle Beiträge von ihm enthält. Als 1785 
der Kurfürst von Bayern (s. d.) durch 
einen Erlass allen Staatsbeamten die Teil- 
nahme am Freimaurerbunde verbot, sen- 
dete er seine Diplome ab Mitglied der 
Akademie der Wissenschaften zu München 
und der ^lehrten Gesellschaft zu Burg- 
hausen mit männlich kräftigen und ent- 
schiednen Briefen zurück. [Vgl. Z. 1887, 
8. 80; 1898, S. 41.] 

Borna (St. im Königr. Sachsen, 8250 E.). 
Hier besteht unter der Loge Apollo in 
Leipzig ein Freimaurerklub, gegr. 2. Aprü 
1885. Mitgliederzahl (1899): 19. Vers, 
letzten Donnerstag im Monat. Lokal: 
H6tel Hecht. 

Börne, Ludwig, gefeierter politischer 
Schriftsteller, geb. 6. Mai 1786 in Frank- 
furt a. M., gest. 12. Febr. 1887 in Paris, 
wurde in seiner Vaterstadt Polizei- 
aktuar; als aber Ende 1818 die alte reicha- 
städtische Verfassung wieder ins Leben 
trat, die keinem Juden eine Staatsanstellung 
gestattete, wurde er mit einem lebensläne- 
lichen Buhe^ehalt entlassen. Er warf sicn 
auf die Schnftstellerei, und seine Arbeiten 
lenkten bald die öffentliche Aufmerksam- 
keit auf ihn. 1817 trat er zur evan^lischen 
E[irche über und vertauschte seinen bis- 



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Bomemann — BOtticher. 



119 



herigen Namen Lob Baruch mit Börne. 
Seiner politischen Artikel wegen wurde er in 
Untersuchung eezogen, verhaftet, aber frei- 
gesprochen und entlassen. Seine 1817 ge- 
gründeten »Zeitschwingen« wurden bald 
unterdrückt, seine »Wage, Zeitschrift für 
Bürgerleben, Wissenschan; und Kunst«, 
hielt sich drei Jahre lang, 1818—21. Von 
1829 an erschienen in Hamburg seine ge- 
sammelten Schriften. Nach der Jiüi- 
revolution nahm er seinen dauernden 
Aufenthalt in Paris und trat in lebhafte 
Verbindung mit den dortigen deutschen 
Flüchtlingen, zu denen er irrigerweise oft 
mitgerechnet wird. 1882 erschienen drei 
Bände »Briefe aus Paris« und 1888 aber- 
mals drei Bände »Neue Briefe aus Paris«. 
Am 19. Juli 1809 wurde B. in Frankflirt a.M. 
in der Loge Zur aufgehenden Morgenröte 
in den Freimaurerbund aufgenommen, die 
in ihm über ein Vierteljahrhundert lang eines 
ihrer ausgezeichnetsten Mitglieder verehrte. 
Dass sich ein Mann wie B. den Ideen der 
Freimaurerei mit ganzer Seele hin^b, ist 
selbstverständlich; er war ein Freimaurer 
durch und durch. Ein 1811 von ihm ge- 
haltener Vortrag: Über Freimaurerei, in 
seinen gesammelten Schriften (Stuttg. 1840)i 
V, 57 fg. und in den Festgaben zur Feier des 
25jähngen Jubiläums der Loge Zur auf- 
gellenden Morgenröte (1888), S. 107 fg. [Über 
sein Leben vgl. Heyden, Galerie berühmter 
Frankfurter (Frkf. a. M. 1861), S. 525 fg. 
A. XXV, S. 242. FZ. 1896, S. 288. R. 
1896, S. 58. Der Freimaurer 1877 S. 65 
(mit Bildnis). Biographie von Alberti (1886) 
und von Holzmann (1888).] 
Bof^enuuui, Karl Friedrich, Militär, 

feb. 28. Okt. 1805 in Berlin, gest. 2. Sept. 
897 als Wirkl. Geh. Kriegsrat und Haupt- 
mann a. D. in Wiesbaden, wählte die ju- 
ristische Laufbahn, wurde 1885 Gamison- 
Auditeur in Köln, später in Potsdam, 
trat 1860 als vortragender Rat ins Kriegs- 
ministerium ein, aus dem er 1871 schied. 
1873 siedelte er nach Wiesbaden über. 
Aufgenommen in den Freimaurerbund 
wurde B. 14. Aug. 1845 in der Loge Teu- 
tonia zur Weisheit in Potsdam, in der er 
die Stellen des Schriftführers und Redners 
bekleidete. 1859 schloss er sich der Loge 
Friedrich zur Vaterlandsliebe in Koblenz 
an, deren zugeordneter Meister er 1859—60 
war. 1861 liess er sich in der Berliner 
Loee Zum flammenden Stern annehmen 
und war zunächst deren zugeordneter, 
1862—68 Meister vom Stuhl und von 1863 
Ehrenmeister. 1881 gründete er die Loge 
Hohenzollem in Wiesbaden mit, deren 
Meister vom Stuhl er wurde. 1861 wurde 
er ins Bundesdirektorium der Grossen 
National-Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln gewählt und bekleidete 1869—78 
das Amt des zugeordneten Nationalgross- 
meisters. [Vgl. L. 1897, S. 174.] 

Bote, Franz du, Kaufmann, kurfürst- 
lich sächsischer Kammerrat in Leipzig, 



geb. l.Sept. 1722 in Leipzig, gest. in Dresden, 
wurde in L7on(?) in den Freimaurerbund 
aufgenommen, 19. Febr. 1772 bei der Lo^ 
Minerva zu den drei Palmen in Leipzig 
angenommen und trat 8. Nov. 1772 dem 
v.Hundschen Tempelherrensystem bei. Aus 
Unzufiiedenheit mit diesem System deckte 
er im Jan. 1776 diese Loge und stiftete 
7. Febr. die Loge Balduin in Leipziff (s. d.), 
deren Meister vom Stuhl er bis o. März 
1780 war. Mit Entschlossenheit, Eifer und 
Geschick leitete er die junge Loge unter 
schwierigen Verhältnissen. Hierauf ver- 
zog er nach Dresden, wo er der Loge Zu 
den drei Granatäpfeln beitrat. 

Boston (Hauptst. des nordamerik. Staats 
Massachusetts, (1890) 448477 E.). Unter 
der einheimischen Grossloge besteht hier 
eine deutsche Loge Germania, 1854 ge- 
gründet. Vers. 4. Montag. Ferien: Juli 
und August. 

Both, Gotthard Hartwig Hans v., 
mecklenburg-schwerinscher Oberstleutnant, 
Reb. 16. März 1734 in Wismar, gest. 28. 
Nov. 1808 in Bützow, war in der Loge 
Zu den drei Löwen in Wismar 80. März 
1767 und 4. März 1768 im v. Hundschen 
Tempelherrensjstem aufgenommen und zum 
Oommendator Domus (d. i. Meister vom 
Stuhl der Loge) in Wismar ernannt. Später 
wurde er Canonicus regularis der Kleriker 
dieses Systems und stand mit v. Raven 
(s. d.) und Starck (s. d.) in vertrauten 
Verhältnissen. Er nahm am Konvent zu 
Kohlo (s. d.) teil. Als sich die Kleriker 1778 
von der strikten Observanz zurückzogen, 
^b er die Lofi;enleitung ab. Nach dem 
Tode des Lanojrats v. Kaven kamen die 
Akten der Kleriker in seine Hände. 

Bdtt^r, Christian Adam Heinrich, 
|eb. 2. Okt. 1801 in Forste am Harz, gest. 
29. Au^. 1891, studierte in Göttingen 
Theologie. W^en seiner wissenschaftlichen 
Überzeugung konnte er keine Anstellung 
ab Pfarrer erhalten. Er widmete 8i<£ 
daher den historischen Studien, wurde 1851 
Sekretär bei der Königl. Bibliothek in 
Hannover, 1853 Vorsteher desMünzkabinetts 
und 1860 zum Bibliotheksrat ernannt. — 
In den Freimaurerbund aufgonommen 
wurde B. 1849 in der Loge Zum schwarzen 
Bär in Hannover, deren Redner und vor- 
bereitender Bruder er war. Später schloss 
er sich der Loge Zu den drei Cedem in 
Stuttgart an. ^ine Schriften sind zumeist 
historischen Lihalts. Für die Freimaurerei 
von Bedeutung ist »Das Urchristentum« 
(Lpz. 1882). [Vgl. FZ. 1891, S. 829.] 

BOttteher, August Ludwig v^ braon- 
schweigischer Kanunerrat und Kammer- 
junker, geb. 28. Juni 1746 in Wolfenbüttel, 
gest 1885 in Linden als Geheimrat a. D., 
wurde Johannis 1771 zum Meister vom 
Stuhl der Loge St.-Charle8 de la concorde 
in Braunschweig gewählt, trat 17. Jan. 1771 
dem V. Hundschen Tempelherrensystem zu, 
wurde 18. Juni 1778 als Meister vom Stuhl 



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120 



Böttiger — Boyen. 



der Loge Zur gekrönten Säule das. ein- 
gesetzt, legte aber wegen überhäufter Be- 
rufsgeschfiite Johannis 1777 nieder. 

BÖttigr^r, Karl August, Altertums- 
forscher, geb. 8. Juni 1760 in Reichen- 
bach im Voigtlande, gest. 17. Nov. 1835 
in Dresden, in Schulpforta gebildet, 
ward 1784 Bektor am Gymnasium in 
Guben, 1790 in gleicher Eigenschaft nach 
Bautzen und 1791 als Direktor des Gym- 
nasiums nach Weimar berufen, wo er in 
vielfachem Verkehr mit Schiller, Goethe, 
Bode, Wieland und Herder lebte. Nachdem 
er sich durch schriftstellerische Leistungen 
hier vielfach thätig erwiesen hatte, 
wurde er 1804 als Hofrat und Studien- 
direktor des Pagenhauses nach Dresden 
berufen und 1814 Studiendirektor bei der 
Eitterakademie und Oberaufseher über die 
königlichen Museen der Antiken und der 
Mengsschen Gipsabgüsse. Von 1821 lebte er 
.ganz schriftstellerischen Beschäftigungen. 
Von seinen Schriften sind zu nennen: 
»Sabina^ oder Morgenscenen im Putzzimmer 
einer reichen Römerin« (Lpz. 1803; 3. Ausg. 
M.-Gladbach 1878); Ȇber Museen und An- 
tikensammlungen« (Lnz. 1808). Aus seinem 
handschriftlichen Nacnlass erschien: »Litte- 
rarische Zustände und Zeitgenossen« 
(2 Bdchn., Lpz. 1838). [Vgl. K. W. Böttiger, 
Karl August B., eine biographische Skizze 
(Lpz. 1837).] — B. wurde 8. Nov. 1781 in 
Dresden in der Loge Zum goldnen Apfel 
in den Bund aufgenommen und 1782 in 
der Loge Zu den drei Rosen in Rüssdorf 
(s. d.) in den 2. und 3. Grad befördert. Er 
lernte die Bestrebungen der strikten Ob- 
servanz, das Zinnendorfsche System, die 
rosenkreuzerschen Umtriebe, die Schrepfer- 
schen, Starckschen und Olermontschen Be- 
einflussungen kennen, teilweise durchBerüh- 
rung mit deren Anhängern, teilweise durch 
Studium der betreffenden Schriften. Von 
klärendem Einfluss war sein Aufenthalt in 
Weimar. 1796 reiste er nach Berlin und 
wurde da Vermittler zwischen der Grossen 
Mutterloge Royal York und Fessler; 1797 
knüpfte er mit Schröder in Hamburg ein 
inniges Freundschaftsbündnis, das bei 
dessen Gegenbesuch in Weimar 1800 be- 
festigt wurde. 1806 bewirkte B. den An- 
schluss seiner Loge an die von Schröder 
in Hamburg begründete Arbeitsweise. 1807 
stiftete er den geschichtlichen Engbund 
(s. d.) für Dresden, den er bis 1825 als 
Vorsitzender leitete. Leider kam er hier- 
bei mit Mossdorf (s. d.), der die Protokolle 
und den brieflichen Verkehr dieses Bundes 
ftOirte und dessen Archiv verwaltete, in 
Zwiespalt. Durch viele Aufsätze wirkte 
er belebend und fördernd für die maure- 
rische geschichtliche Forschung. 1811 
machte er sich als einer der Hauptstifter 
der sächsischen Grossloge verdient. lii 
nichtmaurerischen Kreisen hatte er vielfach 
Gelegenheit, Bedenken ge^en die Frei- 
maurerei zu heben, so auch in Gesprächen 



mit dem Hofprediger Reinhard und dem 
Geschichtschreiber Job. v. Müller. Am 
8. Nov. 1831 feierte die Grosse Landesloge 
von Sachsen im Verein mit der Loge Zum 
goldnen Apfel die 50 jährige MitgliSischaft 
B.s durch eine Jubelfesttafelloge. Seine 
Loge überreichte ihm einen silbernen, mit 
seinem Bildnis geschmückten Pokal, und 
die Grossloge erteilte ihm »als Zeichen 
dankbarer und ehrender Anerkennung viel- 
jähriger hoher Verdienste um die gesamte 
Maurerei, um deren vergeistigende Auf- 
fassung, besonders in den Logen des 
sächsischen Vaterlandes, sowie um die 
Stiftung und das Gedeihen des sächsi- 
schen Logenbundes« ein Ehrendiplom, 
das ihn zu ihrem Mitgliede erklärte. Von 
ihm erschienen: Denkschrift auf Bode 
(Weimar 1796); Diis manibus Chro. Mart. 
Wieland a. d. XH. Kai. Febr. MDCCCXni; 
Der Glühwurm, eine Sage, am Joh.-Feste 
1812 (Dresden); Zum Andenken des 5. und 
6. Januar 1821; Das Haupt Johannis, am 
Johannisfeste, den 24. Juni 1823; Das 
wahre Licht, den 7. Sept. 1809 (7. Dez. 
1810) (Dresden). — Zu seinem 70. Geburts- 
tage 1830 wurde eine Denkmünze geprägt 
[Skw. Nr. 55]. [Vgl. B.'s Selbstbiographie 
in: Die Freimaurerloge Zum goldnen Apfel 
1776—1876. Beilage V; Protokoll der dem 
B. in der Grossen Landesloge von Sachsen 
am 8. Nov. 5831 gewidmeten Jubel-Fest- 
Feier (Dresden 1832)J 

Bonmann, Mich. Friedr., höherer Be- 
amter, geb. 22. April 1747 in Potsdam, 
gest. 2. Aug. 1803 in Berlin als Geh. Ober- 
nnanzrat und Ober - Hof bau - Litendant, 
Direktor desKönigl. Ober-Baudepartements, 
wurde aufgenommen 3. Aug. 1775 in der 
Loge Eintracht zu Berlin, 1795 Mitglied 
der Mutterloge und altschottischer Ober- 
meister, und 22. Nov. 1797 Mitglied des 
altschottischen Direktoriums. Auf sein 
Lnmediatoesuch als zugeordneter Meister 
der Loge ZurVerschwiegenheit erliess König 
Friedlich Wilhelm H. 9. Febr. 1796 das 
Konfirmations-Patent undProtektorium für 
dieGrosse National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln. B. erwarb sich grosse Ver- 
dienste um die Grosse National-Mutterloge 
durch die Einfuhrung der Grundverfassung 
vom Jahre 1797. Ihm zu Ehren wurde 1867 
der Obermeister Boumannsche Stipendien- 
fonds zur Unterstützung unbemittelter 
Maurersöhne gestiftet. H^gl. Geschichte 
der Grossen National-Mutterloge (1890), S. 
97, 411; Bbl. 1892, S. 384; 1897, S. 423.] 

Bojen, Leopold Herrn. Ludw. v., 
preuss. General, geb. 20. Juni 1771 in Eareuz-^ 
bürg in Ostpreussen, gest. 15. Febr. 1848 
in Berlin, trat 1784 in Königsberg in die 
Armee, machte den Feldzug in Polen 
1794—96, ebenso denKrieg von 1806 mit. Bei 
der Begründung der neuen Heeresverfassung 
war er Schamhorsts eifrigster Gehilfe. 
Als Chef des G^neralstabs des 3. Armee- 
korps war er bei den Schlachten von 1813 



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Braband — Brand. 



121 



und 1814, wurde zum Generalmajor 
befördert und nach dem ersten Pariser 
Frieden Kriegsminister. Er organisierte 
die Landwehr und gab das berühmte Dienst- 
pflichtgesetz von 1814, das die allgemeine 
Wehrpflicht in Preussen einfcLhrte. 1819 
nahm er seinen Abschied, wurde aber nach 
21 Jahren von Friedrich Wilhelm IV. als 
General der Infanterie in den aktiven 
Dienst zurückberufen und von neuem 
Kriegsminister. 1847 trat er wieder zurück 
und wurde zum Generalfeldmarschall imd 
Gouverneur des Invalidenhauses ernannt. 
Er war auch litterarisch thätig. In den 
Freimaurerbund trat er 7. Juni 1808 in der 
Loge Zu den drei Kronen in Königsberg i. Pr. 

Braband, Eugen Julius Theodor, 
Jurist, geb. 30. Okt. 1843 in Hamburg, 
gest das. 8. Dez. 1887, wurde 1866 Dr. 
jur. und Rechtsanwalt in Hamburg, 1876 
Oberstaatsanwalt und 16. März 1887 
Senator. Schon als Student erhielt er 
in der Loge Absalom in Hamburg 19. 
März 1863 das maurerische Licht, und zwar 
am 25jährigen Grossmeisteijubiläum von 
Buek (s. d.) und unter dessen Bürgschaft. 
1869 wurde er Meister vom Stuhl der Loge 
Absalom, 1870 Grossredner, 1872 bis 1880 
zugeordneter Grossmeister, dann Ehren- 
grossmeister. Bastlos bestrebt, die Maurerei 
zu fördern, war er hervorragend thätig bei 
der in Hamburg 1870 vorbereiteten, 1872 in 
Berlin vollzogenen Gründung des Deutschen 
Grosslogentags, sowie an den Arbeiten 
der Ausschüsse zur Entwerfung einer 
Verfassung für den Deutschen Grosslogen- 
bund, über das Aufhahmegesetz und das 
Verfahren bei Verletzung maurerischer 
Pflichten. Er schrieb die Broschüre: »Die 
Entgegnung der Grossen Loge von New 
York auf die Denkschrift des Br. Glitza 
über das Sprengelrechtc (Hmbg. 1874). 

Brabb^, Gustav, Sparkassenbeamter, 
geb. 5. Febr. 1822 in Wien, wurde 28. Aug. 
1848 in der Wiener Loge Zum heiligen 
Joseph aufgenommen und war seit 1868 
als maurerischer Geschichtsschreiber thätig, 
doch meist in anonymer Weise. Seine 
maurerischen Arbeiten zeichnen sich vor 
allem dadurch aus, dass sie mit ungemein 
Glücklichem Griff stets ein interessantes 
Thema behandeln, das so gut wie gar 
nicht bekannt war, bis es der Verfasser 
aus einem alten Archiv, einem vergessenen 
Werke u. s. w. hervorholte. Sie behandeln 
meist die Zeit Maria Theresias und 
Josephs n., wo das frisch aufblühende 
Kulturleben Wiens und Österreichs so viel 
erfreuliche und unerfreuliche, stets aber 
interessante Erscheinungen zu Tage treten 
liess. Eine Sammlung seiner Arbeiten er- 
schien unter dem Titel >Sub Eosa. Ver- 
trauliche Mittheilungen aus dem maur. 
Leben unserer Grossväterc (Wien 1879). 

BraekTOgeLA IbertEmil, dramatischer 
Dichter und Eomanschriftsteller, geb. 29. 
Aug. 1824 in Breslau, gest. 27. Nov. 1878 



in Bertin, versuchte sich 1845 als Schau- 
spieler, studierte darauf und wurde 1854 
Sekretär des Krollschen Theaters in Ber- 
lin. Von 1 855 lebte er als Schriftsteller meist 
in Berlin. Seinen Buf als Dramendichter be- 
gründete er 1856 mit dem »Narziss«. — Er 
wurde 14. Februar 1857 in der Berliner 
Loge Friedrich Wilhelöi zur Morgenröte 
au&enommen und war 1858—68 deren 
Bedner und 1873 — 78 deren abgeordneter 
Meister. Seit 1874 war er auch stellver- 
tretender Grossschriftfiihrer der Grossen 
Landesloge in Berlin. [Vgl. BZC. 1899, 
S. 384 fg.] 

Brand, 1) Karl Friedrich v., Ge- 
heimrat in Dresden, geb. 31. Okt. 1757 
in Hatroth bei Weissenfeis, gest. 18. Nov. 
1833 in Dresden. Als Polizeidirektor in 
Dresden während der für Dresden so 
schweren Zeit von 1805—1814 zog er sich 
viel Anfeindung zu, hervorgerufen durch 
seine treue Anhänglichkeit an seinen König 
Friedrich Au^t I. Nach der Bück- 
kehr des Königs in sein Land erbat er 
seine Entlassung ans dem Staatsdienst, die 
ihm ehrenvoll mit vollem Gehalt gewährt 
wurde. Von da an widmete er seine Dienste 
der Stadt, der Loge und dem Freimaurer- 
Institut. Am 4. März 1786 in der Loge 
Zu den drei Schwertern in Dresden aufge- 
nommen, wurde er 1805 zum zugeordneten 
und 1810 zum Meister vom Stuhl ernannt, 
welches Amt er bis 1813, dann 1816—23 
und von 1824 bis 1832 verwaltete, v. B. 
war einer der ersten Mitbegründer der 
Grossen Landesloge von Sachsen. 1816 bis 
1824 war er Leiter des Dresdner Frei- 
maurer-Instituts, dessen Zöglingen er ein 
zweiter Vater wurde. [VgL Lpz. Ztg. 1833 
Nr. 286. Festschr. zum Jubil. des 150 jähr. 
Bestehens der Loge Zu den drei Schwer- 
tern (1890), S. 21, wo auch sein Bild^ 

2) Philipp, Industrieller, geb. 30. Dez. 
1835 in Worms, trat 1856 in Alzey als 
Gerichtsakzessist in den hessischen Staats- 
dienst, den er im August 1864 verliess. um 
zunächst Sekretär und dann Syndikus 
der hessischen Ludwigsbahn zu werden. 
1871 trat er als Direktor zur Süddeutschen 
Immobiliengesellschaft in Mainz über, wel- 
che Stellung er heute noch inne hat. Dem 
deutschen Beichsta^ gehörte er von 1887 
bis 1890 an; Mitglied der hessischen Landes- 
synode ist er seit dem Jahre 1883 ununter- 
brochen bis jetzt. Dem Freimaurerbunde 
trat er in der Loge Carl zum neuen Lichte 
in Alzey 28. Februar 1863 bei und wurde 
von dieser bereits im Jahre 1867 zum 
Mitglied der Grossloge Zur Eintracht, im 
Jahre 1876 zum zugeordneten Meister vom 
Stuhl und im Jahre 1886 zum Ehren- 
meister ernannt. Seit 1879 war B. fort- 
während Abgeordneter zum Deutschen 
Grosslogentage und als solcher Mitglied 
fast aller von diesem eingesetzten Aus- 
schüsse, insbesondere der zur Errichtung 
der Victoria-Stiftung im Jahre 1883. Im 

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122 



Brandenburg — Brasilien. 



Jahre 1882 wurde er zum zugeordneten 
Grossmeister der Grossloge zur Eintracht 
erwählt und trat 20. April 1884 als Gross- 
meister an deren Spitze, welchem Amt er 
auch jetzt noch vorsteht. Seine Thätigkeit 
war allezeit hauptsächlich auf eine grössere 
Einigung der deutschen Freimaurerei ge- 
richtet, und es fiCnden Bestrebungen, wie 
Schaffung einer deutschen National-Gross- 
löge, Einrichtung eines deutschen Maurer- 
tags und zuletzt noch Ausgestaltung 
des Deutschen Grosslogenbundes in ihm 
einen eifrigen, zielbewussten Vorkämpfer. 
Die Pflege persönlicher Beziehungen nicht 
nur in dem engem Vaterland, sondern auch 
in Belgien, Italien und der Schweiz war 
ihm eine eiirige Sorge, und es kamen ihm 
dabei viele Reisen zu statten. Seine um- 
fassende maurerische Wirksamkeit findet 
allseitige verdiente Anerkennung. 

Brandenburg (St. in der preuss. Prov. 
Brandenburg, 42690 E.). Logen das. unter 
der Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln: 1) Johannisloge Friedrich 
zur Tugend, ffegr. 28. Okt., eingew. 10. 
Nov. 1 779. Logenhaus : Neustädtische Heide- 
strasse 22/28. Besitzt ausser einem Sterbe- 
kassenverein drei milde Stiftungen mit 
einem E^apital von 10000 M. Mitgliederzahl 
(1900): 108. Vers. Dienstags. Ferien: Juli 
und Au^t. Hausgesetze von 1898. [Vffl. 
Geschichte der Loge 1779—1879 von Sachs 
a879).] 2) Delegierte altschottische Loge 
Constantia zur Freundschaft, gegr. 
20. Okt 1781. 

Bnuidenbvrg - AnslNieh. Aus dieser 
Nebenlienie des Hauses Hohenzollem war 
das letzte Glied, Christian Friedrich Karl 
Alexander, seit 1757 Markgraf von B.-A. 
und seit 1769 auch von Brandenburg-Bay- 
reuth, geb. 24. Febr. 1786, gest. 6. Jan. 
1806 in London, Freimaurer. Er trat 1791 
seine Markgrafischaften gegen eine Jahres- 
rente an König Friedrich Wilhelm H. von 
Preussen ab und lebte darauf in England. 
In den Freimaurerbund wurde er 1754 
durch eine Abordnung der Bayreuther Loge 
auf seinem Schlosse in Wassertrüdingen 
aufgenonmien und 12. Juli 1754 vom Mark- 
gruen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth 
(s. d.) zum Meister erhoben. 1758 grün- 
dete er die Ansbacher Lo^e Zu den drei 
Sternen [vgl. Findel, Geschichte der Gross- 
loge Zur Sonne in Bayreuth (Lpz. 1898), 
S. 15], Hess sich 17. Jan. 1766 vom Kammer- 
herm von Metzsch als erster regierender 
Fürst in das v. Hundsche Tempelherren- 
system einweihen und wurde Protector 
ordinis in Franconia. Er wohnte den 
Kapiteln und Logenversammlungen in 
Ansbach (s. d.) bei, räumte selbst dazu 
Zimmer im Schlosse ein und wollte den 
im 15. Jahrh. blühenden Schwanenorden 
wiederherstellen, um den Templerorden da- 
hinter zu verstecken. Der Plan zerschlug 
sich aber aus unbekannten Gründen. Avd 
seinen Geburtstag liess 1759 die Loge in 



Ansbach eine Denkmünze schlagen [vgl. 
HMW. Nr. 4.] 
Brandenburg - Bapenth (Knlmbaek). 

Aus dieser Nebenlinie des Hauses Hohen- 
zollem sind zwei Mitglieder dem Frei- 
maurerbunde beigetreten: 1) Friedrich, 
seit 17. Mai 1735 Markgraf von B.-B., Sohn 
des Markgrafen G^org Friedrich Karl, geb. 
10. Mai 1711, eest. 16. Febr. 1763, ver- 
mählt mit Friederike Sophie Wilhelmine, 
der Schwester Friedrichs des Grossen. 
Unter ihm erreichte Bayreuth seinen höch- 
sten Glanz. Er wurde in den letzten Tagen 
des Okt. 1740 von Friedrich dem Grossen 
in Bheinsberg »in den Zimmern des Königs« 
[vgl. Brief von Bielfelds vom 30. Nov. 1740] 
aiSgenommen und stiftete 21. Jan. 1741 
die Schlossloge Zur Sonne in Bayreuth, 
die er bis zu seinem Tode leitete. (YgL 
BZO. 1889, S. 309.1 Auf seine Vermählung 
1759 wurden von der Bavreuther Loge Zur 
Sonne und von der Erlanger Loge Liba- 
non zu den drei Cedem Denkaaünzen geprägt 
[vgl. HMW. Nr. 6, 62]. 2) Friedrich 
Christian, Oheim des Vor^n und Sohn 
des Markgrafen Christian Heinrich von 
B.-B. (gest. 1708), geb. 17. Juü 1708, gest. 
20. Jan. 1769, fol^ 1763 seinem vorge- 
nannten Neffen in der Regierung der 
Markgrafschaft B.-B. und war Protektor 
der Bayreuther Loge. Mit ihm erlosch 
die Linie B.-B., und es ging die Mark- 
mfschaft an Markgraf Alexander von 
Brandenburg-Ansbach (b, d.) über. 

Brandenburg-Soliweat (Markgrafen von) 
s. FreuMen (Königshaus) Nr. 4 und 5. 

Brandt, Ferdinand, geb. 2. März 1828 
in Hamburg, gest. das. 14. Febr. 1896, war 
zuerst Lehrer, trat dann in den Dienst der 
ersten deutschen Marine, später in den 
Eisenbalmdienst und war zuletzt Bureau- 
vorsteher der Berlin-Hamburger Bahn. Er 
wurde am 23. Mai 1876 in die LogeEmanuel 
aufgenommen. Nacheinander war er Schaff- 
ner, Redner, zugeordneter Meister, erster 
Au&eher seiner Loge, wurde 1880 zweiter 
Grosssekretär, dann Grossschaffner, von 
1887 bis zu seinem Tode Grossarchivar, 
GeneralschriftfQhrer, Bibliothekar und Ar- 
chivar der fClnf vereinigte^ Logen und 
kurz vor seinem Tode Leiter des Ham« 
burger Logenblattes. Er hat Aufsätze, 
die soziale Frage betreffend, veröffent- 
licht, freimaurerische Gedichte verfasst, 
vor allem das vortreffliche Werk: »Ge- 
schichte des alten Logenhauses der fQnf 
vereinigten Logen zu Hamburg« (Hmbg. 
1891) geschrieben. 

Braailien, Vereinigte Staaten von, 
(Föderativrepublik in Südamerika). Die 
Maurerei fand in diesem Lande, wie in 
dem Mutterlande Portugal, einen nur sehr 
wenig geeigneten Boden. 1800 wurde zwar 
eine Ix>ge in Bio de Janeiro gegründet, 
die sich einer französischen Loge auf 
Mauritius anschloss; sie musste sich 
aber, da der Grossorient von Lusitanien 

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Brasilien. 



123 



sie zwingen wollte, sich unter ihn zu stellen, 
und zwei Tochterlogen in Bio de Janairo 
stiftete, 1805 aof lösen. Das gleiche Schick- 
sal traf die beiden andern Logen, da eine 
Verfolgung der Maurerei eintrat. Erst 1815 
trat wieder eine Loge in Bio de Janeiro in 
Th&tigkeit. Diese teilte sich 1822 zum 
Zweck der Errichtung einer Grossbehörde 
in drei Logen, worauf die Vertreter dieser 
drei Körperschaften zusammentraten und 
einen Gran Oriente do Brazil bildeten. In 
einer der so errichteten Logen ward bald 
nachher der damals regierende Kaiser von 
Brasilien Dom Pedro L (S. 124) eingefUhrt 
und sofort zum Grossmeister ausgerufen. Da 
er jedoch bald inne wurde, dass die dort 
bestehenden Logen jener Zeit fast nichts 
anderes, als politische IQubs waren, befahl 
er schon 29. Okt. 1822, sie zu schliessen. 
Nach seiner 1831 erfolgten Abdankung be- 
gannen die Freimaurer, sich wieder zu er- 
heben; man hielt mehrere Versammlungen, 
und es wurde der Gran Oriente Brazilleiro 
errichtet. Einige der alten Mitglieder des 
Gran Oriente do Brazil, durch diese Hand- 
lungaus ihrer Erschlafituig aufgerüttelt, yer- 
sammelten sich ebenfalls und verkündeten 
die Wiederbelebung jenes Grosskörpers im 
Monat November 1831. So gab es denn 
zwei maurerische Oberbehörden, die beide 
nach französischem Bitus in sielten Graden 
arbeiteten, sich jedoch gegenseitig ihre ge- 
setzliche Stellung bestritten und Krieg mit 
Wort und Feder gegeneinander führten. 
In Bezug auf politische Grundsätze war bei 
ihnen der Unterschied bemerkbar, dass der 
Gran Oriente do Brazil mehr als konser- 
vativer Körper betrachtet wurde, während 
der Gran Oriente Brazilleiro sich mehr 
nach der republikanischen Seite hinneigte. 
In jenem Grossorient zeichnete sich be- 
sonders Commodore Jewett durch Eifer 
und Thätigkeit aus; er war der Gründer 
mehrerer Logen und später Mitglied des 
gedachten Grossorients. Eine andre zu 

iener Zeit durch maurerische Thätigkeit 
lervorragende Persönlichkeit war Monte- 
zuma Visconde de Jequitinhonha, der bra- 
silianischer Gesandter an mehreren Höfen 
Euroj^as war und bei seiner Bückkehr nach 
Amerika die ihm vom Suprdme Conseil 
von Belgien erteilte Erlaubnis zur Errich- 
tung eines Supremo Gran Consejo mit- 
bradite. Diese Vollmacht benutzte er auch 
und errichtete im November 1832 eine 
Ghrossbehörde unter dem gedachten Namen. 
Bald jedoch begannen die Feindseligkeiten 
der beiden Grossoriente gegen das Supr^me 
Ck>nseil, und jene Hessen sich in der Ab- 
sicht, ihm zu schaden, sogar herbei, Kapitel 
und höhere Körperschaften des schottischen 
Bitus und sogar ihr eignes Suprdme Conseil 
zu errichten. 1835 brachen in dem alten 
Supremo Gran Consejo Zwistigkeiten aus, 
infolge deren sich die untergeordneten 
Logen und Kapitel grösstenteils auflösten. 
Einige von ihnen schlössen sich dem Gran 



Oriente do Brazil an und ernannten dessen 
Grossmeister zu ihrem Gran Comendador, 
ein andrer Teil der revolutionären Fraktion 
gründete ein eignes SuprSme Conseil und 
erklärte das alte für aufgelöst und dessen 
Grosskommandeur für entlassen. Der Best 
endlich verblieb bei dem gesetzlich aner- 
kannten Grosskörper, der unter der Kon- 
stitution des Montezuma Visconde de 
Jequitinhonha errichtet worden war. Der 
revolutionäre Teil vereinige sich 1842 mit 
dem Gran Oriente Brazilleiro, und nachdem 
dieser eine Erklärung erlassen, dass er den 
französischen Bitus gänzlich aufgegeben 
habe, erklärte er sich für die einzige 
gesetzliche Körperschaft des schotti- 
schen Bitus in B. Er wurde zwar durch 
kaiserlichen Erlass vom 30. Sept. 1860 
aufgelöst; allein die dadurch angebahnte 
Vereinigung der brasilischen Logen kam 
auf die Dauer nicht zu stände. Vielmehr 
trat 1862 eine neue Spaltung ein, in deren 
Folge zwei Grossoriente einander gegen- 
überstanden, die nach ihren Versamnuungs- 
lokalen benannt wurden: der Grossorient 
Valle dos Benedictinos (gest. 1863) und der 
Grossorient Valle do Lavradio, der seine 
Gründung aus dem J. 1821 datiert. fS. 
hierüber die nähern Berichte in L. y^TiT^ 
63 fg., 226 fg. ; XXIV, 320 fg., 883 fg.! Erst 
20. Mai 1872 wurden die beiden Gross- 
oriente und Supr^mes Conseils vereinigt. 
Die Einigung war jedoch nicht von Dauer. 
Nach weni^n Monaten schon trennten 
sich die beiden Grossoriente von neuem. 
Die beiden Grossoriente kennzeichneten 
sich übrigens am besten durch ihr Ver- 
halten gegenüber der geistlichen Gewalt, 
das seiulem den hervorstechendsten Punkt 
in der Geschichte der Freimaurerei in B. 
bildete. Der Grossorient dos Benedictinos 
kämpfte mannhaft gegen priesterliche Un- 
duldsamkeit, gegen die sich der Gross- 
orient von Lavnäio passiv verhielt, daher 
die Klerikalen die Mitglieder jenes die 
»bösen € und die dieses Grossorients die 
»guten« Freimaurer nannten [FZ. 1878, 
S. 383]. So erhielt die Trennung einen 
politischen Charakter, und 1873 gingen 
23 Logen aus Abneigung ^egen den Kleri- 
kalismus von Lavradio zu den Benedictinos 
über. Es war namentlich der noch junge, 
aber zelotische Bischof von Pemambuco, 
Vital, der sich zur Verfolgung der »bösen« 
Freimaurer berufen fühlte; ja er drohte 
den Freimaurern geradezu mit Ausstossung 
aus den Gemeinden und Bruderschaften, 
wenn sie den Bund nicht abschwörten. 
Dieses VerfEdiren verstärkte nur die Beihen 
des Bundes, und die öffentliche Meinung 
wandte sich diesem zu. Der Bischof wurde 
wegen seiner Anmassung gerichtlich be- 
straft und musste vier Jahre Gefängnis 
ausstehen, worauf der Erzbischof von Bahia 
dieselbe Striae auch für sich verlangte und 
der Bischof von Parä sie ohne Verlangen 
erhielt. Die Zahl der Logen, die zum Gross- 
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124 



Brasilien — Braonschweig. 



Orient dos Benedictinos übertraten, stieg 
auf 38. Indessen wurde von den Fana- 
tikern der Pöbel gegen die Freimaurer, wie 
gegen die Begierung aufgehetzt, und es 
kamen arge Ausschreitungen vor. Auch 
wurden den Freimaurern die Sakramente 
verweigert. Doch Hessen sich jene dadurch 
nicht schrecken. Rastlos wirkten sie für 
Aufhebung der Sklaverei, f&r Volksbildung, 
besonders durch Bibliotheken und Vor- 
träge; der Grossorient (dos Benedictinos) 
erteilte den Logen Aufinunterungspreise 
und der Grossmeister unternahm Inspek- 
tionsreisen durch das Land, die Triumph- 
zügen glichen. Am 21. Dez. 1882 vereini^n 
sidi endlich die beiden Grossoriente dau- 
ernd zum Grossorient von Brasilien. Die 
Freimaurerei nimmt seit dieser Gründung 
einen neuen gewaltigen Aufschwung in 
B., trotz der Gegenarbeit der Jesuiten. 
Ungeachtet frühzeitig eigne Grosslogen hier 
bestanden, sind doch auch von auswärtigen 
Grosslogen hier Logen errichtet worden, 
so 1823 eine Tochterloge des Grossorients 
von Frankreich in Rio de Janeiro, 1856 je 
eine der Grosslogen von England und Irland, 
1867 eine solche der Grossloge von Schott- 
land, 1885 die Loge Zur Friedenspalme 
in Blumenau (s. d.) von der Grossen Loge 
von Hamburg, in deren Verbände auch 
1859-76 die Loge Deutsche Freundschaft 
zum südlichen Kreuz in Joinville (s. d.) 
stand, und 1899 die Loge Premetheus in 
Säo Paulo (s. d.) von der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln. Jetzt 
bestehen nur die genannten Logen in 
Blumenau und Säo Paulo und drei Tochter- 
logen des Grossorients von Italien in Sao 
Paulo unter fremden Grosslogen, während 
die Joinviller Loge unabhängig ist 
Der Grande Oriente e Supremo Oonselho 
do Brazil zählte 1899 1 Konsistorium, 5 
Kadoschräte, 244 Rosenkreuzerkapitel und 
372 Logen, die zum weitaus grössten Teil 
nach schottischem Ritus arbeiten. Unter 
den Logen befinden sich zwei deutsche: 
Zur Eintracht in Rio de Janeiro (s. d.) 
und Zu den drei Palmen in Porto Alegre 
(s. dX Die Logen in den Staaten Bidiia, 
Rio Grande do Sul und Säo Paulo bilden 
eigne Staats-Grosslogen unterm Grossorient 
von B. [Vgl. L. 1900, S. 15.] Ausserdem 
bestanden im Staate Rio Grande do Sul 
1895 fünf deutsche Logen in Porto Alegre, 
Santa Cruz, Candelana, Nova Petropolb 
und Neu-Hamburg (s. d. alle), [vgl. L. 1896, 
S 16j, die indes nicnt mehr tnätig zu sein 
scheinen. 

BrMllieii(E aiser). Von den brasilischen 
Kaisem war Dom Pedro L d'Alcantara, 
geb. 28. Okt. 1798 in Lissabon, gest. 24. 
Sept 1834 das., 1822—31 Kaiser von B., 
Freimaurer. Er wuchs seit 1807 in B. auf, 
erhielt 1816 den Titel Prinz von B., schuf 
1820 eine freisinnige konstitutionelle Ver- 
fassung, wurde 1821 von seinem Vater zum 
Regenten bestellt und 1822 zum Kaiser 



von B. ausgerufen. Er kam aber n>äter 
in Streit mit den Kortes, und ein Volks- 
aufstand bewog ihn 1831 abzudanken. Dom 
Pedro I. wurde 1822 in der Loge Commercio 
e artes in Rio de Janeiro aufgenommen 
und alsbald zum Grossmeister des Gross- 
orients von B. ernannt, liess aber schon 
29. Okt. 1822 sämtliche Logen schliessen. 

Brftslarap, Christian Jakob Cosmus, 
dänischer Staatsbeamter, geb. 26. Dez. 1789 
in Kopenhagen, gest. 11. Juli 1870, nahm 
als Auditor 1818 und in den fönenden 
Jahren an den Napoleonischen Kriegen 
teil, wurde damacn Polizeidirektor in 
Kopenhagen und Oberpräsident daselbst, 
stieg zu den höchsten Würden im dänischen 
Staate empor und bekleidete auch eine 
Zeit lang das Ministerium des Kirchen- 
und Unterrichtswesens. Er wurde 12. Mai 
1819 in der Loge Karl zum roten Löwen 
in Rendsburg zum Freimaurer aufgenom- 
men. Unter König Friedrich VII. emjpfing 
er die höchsten Grade des Ordens. Mehrere 
Jahre lang leitete er die Andreasloge Cubus 
F^ederici VII. in Kopenhagen. B. genoss 
in der dänischen Freimaurerei ein so grosses 
Ansehen, dass er nach dem Tode des 
Königs Friedrich VIL zu seinem Nachfolger 
als Ordensgrossmeister erwählt und 9. Juni 
1864 eingesetzt wurde, was er bis zu seinem 
Tode verblieb. 1869 feierte er sein 50- 
jähriges Jubiläum als Freimaurer, wobei 
eine B.-Stiftung gegründet wurde. [Vgl. 
seine Biographie in FZ. 1874, S. 60.] 

BratoMheck, Ernst, Philosoph, geb. 
8. März 1837 in Auleben bei Nordhausen, 
gest. 15. Jan. 1883 in Giessen, liess sich 1871 
als Privatdozent nieder und wurde 1873 
ordentlicher Professor der Philosophie und 
Pädagogik an der Universität Giessen. Er 
wurde aufgenommen in den Freimaurer- 
bund 25. Nov. 1869 in Berlin, schloss sich 
27. Febr. 1874 der Loee Ludewig zur Treue in 
Giessen an und war aeren Meister vom Stuhl 
1879—^1. Abgesehen von seinen wissen- 
schaftlichen Schriften philosophischen und 
philologischen Inhalts sind fCbr Freimaurer 
Demerkenswert: «Kaiser Wilhelm's Ver- 
dienste um die Einigung der deutschen 
Freimaurerei« (Lpz. 1878). »Die Erziehung 
Friedrichs des Grossen« (Brl. 1885). 

Braansberg (St. in der preuss. Prov. 
Ostpreussen, 11856 E.). Loge das. unter 
der Grossen National- Mutterloge Zu den 
drei Weltkugeln: Bruno zum Doppel- 
kreuz, gegr. 15. Okt 1835, gest. 18. März, 
eingew. 29. Okt. 1836. Mitgliederzahl 
(1899): 55. Vers, den 1. Dienstag im Monat. 

Braonsekweig (Herzogtum). In diesem 
bestehen drei Freimaurerlogen: in Braun- 
schweig (s. d.) und Wolfenbüttel (s. d,) 
unter der Grossloge von Hamburg, die 
Loge in Helmstedt (s. d.) unter der Grossen 
National -Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln. 

BraiiB8€hweig(Fürstenhaus). Aosdie- 
sem Fürstenhaus sind mehrere Mitglieder 

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Braunschweig. 



125 



zumFreimaurerbund iDBeziehunggetreten: 
1) EarlL, seit 1735 Herzog von B.-Lüne- 
buig, Sohn des Herzogs Ferdinand Al- 
brecht n., geb. 1. Aug. 1713, ^est. 26. 
Mäiz 1780, war fttr seine Zeit ein hoch- 
gebildeter Mann; unter ihm wurden Kunst 
und Wissenschaft, Gewerbe und Land- 
wirtschaft gefördert; 1745 gründete er das 
Collegium Carolinum in B. und berief 1770 
Lessing als Bibliothekar an die berühmte 
Bibliotiiek in Wolfenbüttel. Obgleich 
Herzog K. die maurerische Weihe nicht 
empfangen hatte, waren ihm als Protektor 
der Loge in B. Bitual und Symbole voll- 
ständig bekannt. Zeitweise durfte niemand 
ohne seine Genehmigung aufgenommen 
werden. Li das v. Hundsche Tempelherren- 
system liess er sich historisch aufnehmen 
und nahm den Bitterring, aber keinen 
Namen an. Seinen Söhnen Friedrich 
und Leopold (s. Nr. 4 und 6) gestattete 
er den Eintritt in den Freimaurerbund. 
1770 gründete er mit seinem Bruder Herzog 
Ferdinand (s. Nr. 2) das Lehrinstitut, das 
seit 1881 in veränderter Form als Herzog 
Leopold-Stiftung (Knabenhort) fortbesteht. 
Die Loge erhielt von ihm ausser wertvollen 
Geschenken auch ein von ihm selbst einer 
alten herzoglichen Rüstung entnommenes 
Schwert als Ordensschwert. Er trug auch 
sämtliche Unkosten für die 1775 in B. und 
1778 in Wolfenbüttel gehaltenen Maurer- 
konvente. 

2) Ferdinand, Herzog von B.-Lüne- 
burg- Wolfenbüttel, Bruder des Vorigen, 

rb. 12. Jan. 1721 in Wolfenbüttel, gest. 
Juli 1792 in Braunschweig, trat in 
preussische Dienste und ging 1741 mit Fried- 
rich dem Grossen, der seine Schwester zur 
Gemahlin hatte, nach Schlesien. Beim 
Beginn des siebenjährigen Kriegs General- 
leutnant, entschied er 1757 den Sieg bei 
Prag. Auf Wunsch des Königs Georg IL 
von England und mit Genehmigung Fried- 
richs des Grossen übernahm er den Ober- 
befehl über die in der Schlacht bei Hasten- 
beck geschlagene verbündete Armee. In 
der Schlacht bei Minden (1. Aug. 1759) 
besiegte er die unter dem Befehl des 
Marschalls Ck>ntades stehende französische 
Armee. Nach dem Präliminarfrieden zu 
Fontainebleau (3. Nov. 1762) verliess F. 
sein tapferes Heer, an dessen Spitze er 
fünf Jahre gegen einen übermütigen Feind 
siegreich gekämpft hatte, blieb bis 1766, 
wo er seinen Abschied nahm, Gouverneur 
und Domherr in Magdeburg und lebte 
dann in B. oder auf seinem Lustschloss 
in Vechelde bei B. dem Maurerbunde und 
derWohlthätigkeit. Zum Freimaurer wurde 
F. 21. Dez. 1740 in der Lo^e Aux trois 
globes in Berlin ztisammen mit dem Mark- 
grafen Heinrich von Schwedt auf Vor- 
schlag des Prinzen Wilhelm von Preussen 
g. d.) aufgenommen. 1743 erhielt er in 
reslau den Meistergrad und wurde 1764 
Protektor der Loge St. -Charles de Tin- 



dissoluble fraternit^ in B. und 1770 eng- 
lischer Provinzialgrossmeister für das Her- 
zogtum B. Am 15. und 17. Jan. 1771 trat 
er dem v. Hundschen Tempelherrensystem 
als Amicus und Protektor bei und wurde 
1772 auf dem Konvent zu Kohlo (s. d.) 
zum Grossmeister aller schottischen Logen 
unter dem Titel Magnus Superior ordmis 
per Germaniam inferiorem erwählt und 
am 21. Okt. in B. eingesetzt; auch von den 
französischen und den italienischen Ka- 
piteln wurde er als solcher anerkannt. Das 
Direktorium der VH. Provinz wurde von 
Dresden nach B. verlegt. 1777 gab er die 
Erklärung ab, das grossmeisterUche Amt 
so lange verwalten zu wollen, bis der wirk- 
liche Grossmeister bekannt gemacht und 
sich legitimiert habe. F.'s Bestreben war 
darauf gerichtet, nützliche Anstalten, Fa- 
briken und Schulen ins Leben zu rufen. 
So verdanken ihm die Logen in Magde- 
burg und B. sehr vieles, namentlich die 
letztere, und zwar durch das 1770 im Verein 
mit seinem Bruder Herzog Karl I. (Nr. 1) 
für arme Knaben errichtete Lehrinstitut, 
aus dem 1881 die unter Aufsicht der Loge 
stehende Leopold-Stiftung (Knabenhort) 
hervorgegangen ist. 1782 erkannte F., dass 
das bisher befolgte Tempelherrensystem ein 
irriges sei; auf dem durch ihn nach Wil- 
helmsbad berufenen Generalordenskonvent 
wurde beschlossen, es aufzugeben und dafür 
den Grad der Ritter der Wohlthätigkeit 
einzuführen. F. verblieb General^oss- 
meister und trat, nicht aus Neugierde, 
noch weniger aus Ehrsucht, 1783 dem 
Illuminatenorden (s. d.) bei, auch nahm 
er 1786 die Würde eines Generalobermeisters 
im System der Asiatischen Brüder (s. d.) 
an. Dass er mit jedem neu auftauchenden 
System in nähere Verbindung zu treten 
suchte, wurde ihm als Schwäche ausgelegt; 
dadurch hat man ihm aber Unrecht gethan; 
es war nicht das eigne Ich, für das er mit 
Aufopferung bedeutender Geldmittel Ge- 
heimnisse zu erfahren suchte, er wollte 
sie vielmehr zum Nutzen der ganzen 
Menschheit verwerten. 1791 teilte er den 
Brüdern mit, dass er über fünfzig Jahre 
als Maurer gearbeitet habe. 1792 war er 
zum letztenmal in der Loge; bald darauf 
erkrankte er und starb. Die Behauptung, 
der Herzog habe in Vechelde chemisch 
laboriert, ist nach Durchsicht seines, im 
Archiv der Loge in B. aufbewahrten mau- 
rerischen Nachlasses nicht zu beweisen. 
F. war ein Fürst im wahrsten Sinne des 
Wortes, dabei leutselig, herablassend und 
wohlthätig, oftmals bis zur Verschwen- 
dung, von seinen Zeitgenossen erhielt 
er den Beinamen: der Menschenfreund. 
Auf seine Wahl zum Grossmeister liess 
er 1772 eine Denkmünze schlagen [vgl. 
HMW. Nr. 33], auch 1773 eine Denk- 
münze in Silber prägen, die den fleissigsten 
Schülern des Lehrinstituts, am blauen 
Bande öffentlich zu tragen, von ihm als 
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126 



Braunschweig. 



Prämie überreicht wurde [vgl. HM W.Nr. 82]. 

El gl. Ferdinand Aleides, Herzog zu B.- 
üneburg (Braunschw. 1793). Mauvillon, 
Geschichte F.'s, Herzogs zu B.-Lünebun^ 
(2 Tle., Lpz. 1794). Lachmann, Herzog F. 
von B. in Nr. 86 der FZ. 1859. H. L. 
1897, Nr. 299.] 

8) Albrecht, Prinz von B.-Lüneburg, 
Bruder des Vorigen, geb. 4. Mai 1725, gest. 
80. Sept. 1745 im Treffen bei Soor in 
Böhmen, preuss. General, wurde 27. Dez. 
1744 in der Loge Jonathan in B. aufge- 
nommen. 

4) Friedrich August. Herzog von B.- 
Lüneburg, zweiter Sohn aes Herzogs Karl I. 
(Nr. 1), geb. 29. Okt. 1740 in Wolfenbüttel, 
gest. 8. Okt. 1805 in Weimar, nahm im 
Heere seines Oheims Herzogs Ferdinand 
von 1761 an rühmlichen Anteil an den 
Feldzüff en des siebeni ährigen Kriegs. Durch 
die Befreiung der Stadt B. von den Fran- 
zosen hat er sich unvereänfflichen Buhm 
und hohe Anerkennung des Königs Fried- 
rich n. erworben. Nach Beendigung des 
Kriegs trat er als Greneridleutnant in 
preussische Dienste, war Kommandant von 
Küstrin, Domherr in Lübeck, später Dom- 

Srobst von Brandenburg. Als em Liebling 
es Königs befand er sich stets in dessen 
Nähe. 1780 erhielt er den Titel Herzog 
von B.; 1788 ward er General der Li- 
fanterie. Durch Heirat einer Prinzessin 
von Württemberg erbte er 1792 das Fürsten- 
tum Öls in Schlesien. 1798 griff er noch 
einmal zum Schwert und trieo die Fnui- 
zosen aus Westfalen und Holland über die 
Scheide zurück. Auf Antrag der drei Ber- 
liner Logen erfolgte seine Au&ahme in 
den Freimaurerbund; der Tag seiner Auf- 
nahme ist unbekannt. 1771 trat er als 
Socius, AmicusetFautorordinis der strikten 
Observanz bei und wurde als Präfekt in 
Templin (Berlin) 1773 zum Superior und 
Protector ordinis erklärt. Von 1772—99 
war er Nationalgrossmeister in den drei 
Weltkugeln. 1778 versuchte er, jedoch 
vergebens, die strikte Observanz mit 
V. Zinnendorf auszusöhnen. Da er sich 
sehr stark der Mystik zuneigte, ist nicht 
zu verwundem, dass er, da ihm das Bitter- 
spiel, noch weniger die einfache Maurerei 
genüge, mit Schwindlern, namentlich 
Schrepfer und Frölich, die behaupteten, 
höhere Kenntnisse zu besitzen und mit ge- 
heimen Obern in Verbindung zu stehen, 
in schriftlichen Verkehr zu treten suchte. 
Aus seinem umfangreichen Briefwechsel 
ersieht ma^ wie er durch Anhänger 
Schrepfers, Herzog Karl von Kurland, v. 
Bischoffvverder, v. Brenckenhof (s. d.) und 
V. Wurmb, in seinen Verirrun^en unterstützt 
wurde. 1776 wandte er sich, trotz der 
Warnung du Bosc's an Gugomos und for- 
derte 1777 St. Germain (s. d!) auf, zu ihm zu 
kommen; auch v. Wächter musste ihn be- 
lehren. Obgleich er 1779 im Verein mit 
derNational-Mutterloge den hohem Graden 



der strikten Observanz entsagte und das 
äussere Band mit ihr aus Bücksicht für 
Herzog Ferdinand scheinbar bestehen blieb, 
fuhr er dennoch fort, mit Wöllner (s. d.), v. 
Bischoffv^erder (s. d.) und dem Kronprinzen 
alchemystiBche und magische Versuche an- 
zustellen; er bereitete auch Arzneien für 
Menschen und Vieh. Seinem Ohein^ Fer- 
dinand schrieb er, er sei überzeugt, die 
Geister hätten Schrepfer gestraft, wäl sich 
dieser anstatt mit der weissen, mit der 
schwarzen Magie befasst habe. Bei all 
diesem Treiben war der Lebenswandel des 
Herzogs tadellos. Sein maurerischer Nach- 
lass, worunter sich auch zwanzig teuer er- 
kaufte Manuskripte rosenkreuzerischen, 
alchemistischen und magischen Loihalts 
befinden, wird in der herzoglichen Biblio- 
thek zu Wolfenbüttel aufbewahrt; die Loge 
in B. besitzt nur die Kopien davon. (Vgl. 
HMW. Nr. 8. Militärische Geschichte des 
Prinzen F. A. von B.-Lüneburg (Öls 1797).] 

5) Wilhelm Adolf, Prinz von B., Bru- 
der des Vorigen, geb. 18. Mai 1745, gest. 
24. Aug. 1770 an seinen Wunden. Der Tag 
der AiShahme ist unbekannt. W. trat 26. 
Febr. 1769 der soe. Beform bei und wurde 
14. Dez. 1769 ins v.Mundsche Tempelherren- 
system eingefilhrt; am 8. Dez. 1769 hatte 
er die Mitgliedschaft der Loge St.-Charles 
de l'indissoluble fratemit^ in B. ange- 
nommen. 

6) Maximilian Julius Leopold, Herzog 
von B., Bruder des Vorigen, geb. 11. Okt. 
1752 in Wolfenbüttel, gest. 27. April 1785 
in Frankfurt a. 0. Wie alle seine Ge- 
schwister genoss auch er eine gediegene, 
vielseitige Bildung durch die bedeutendsten 
Lehrer des CoUegium Carolinum in B.; von 
1770 — 75 machte er grössere Eeisen, die 
letzte durch ganz Itolien an der Seite 
Lessings: Auf Wunsch seiner Mutter, 
einer Schwester Friedrichs H., trat er in 
die preussische Armee ein. Am 1. Sept. 
1772 wurde er zu Sonnenburg in den Jo- 
hanniterorden aufgenommen; zu Anfang 
des Jahres 1776 verlieh ihm Friedrich IL 
das Lifanterieregiment von Dierii^gshofen; 
1777 verlegte L. seinen Wohnsitz nach 
Frankfurt a. 0. Für die vielen Soldaten- 
kinder baute er 1779 eine Schule, trug 
selbst die Kosten der Lehrerbesoldungen 
und bezeugte sein Interesse durch fast äg- 
lichen Besuch der Unterrichtsstunden. 
1780 verlieh ihm sein Bmder Karl Wil- 
helm Ferdinand den Herzogtitel. Stets 
unvergleichlich liebenswürdig, bei jedem 
Anlass wohlzuthun und zu helfen bereit, 
hatte er bald die Herzen aller Kreise für 
sich gewonnen. Er war der ¥^hre Freund 
seiner Soldaten. Die Aufaahme L.'s in 
den Freimaurerbund fand 11. Okt 1770 in 
der Loge St-Charles de la concorde in B. 
statt; 5. Nov. 1770 wurde er zum Gesellen 
und Meister bef5rdert. Am 8. Febr. 1774 
trat er dem Templerorden als Socin», 
Amicus et Fautor septimae provinciae bei. 



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Braimsohweig. 



127 



Nach seiner Übersiedlung nach Frank- 
furt a. O. war er viele Jahre Meister vom 
Stuhl der dortigen Loge. Im Frfil^jahr 
1785 war die Oder aus ihren Ufern ge- 
treten und hatte dieVorst&dte Frankfurts 
vollständig überschwemmt. L. war überall, 
wo es Not that, zugegen; mit seinen Mann- 
schaften beteiligte er sich in hervorragen- 
der Weise an den Eettungsarbeiten; am 
27. April, als die Gefiahr am höchsten ge- 
stiegen war, bestieg er, obgleich von An- 
strengung erhitzt, einen ^ahn, um Men- 
schen zu retten; dieser schlug um, der 
Herzog fiel rücklings ins Wasser — eine 
hohe Woge brach über ihm zusammen. 
An der SteUe, wo man seine Leiche fand, 
Hess die Loge in Frankfurt ein Denkmal 
errichten, zu dem noch jetzt die Schüler 
der Leopoldschule an seinem Todestage 
feierlich hinausziehen. Ln Garten der 
Loge Kaxl zur gekrönten Säule in B. liess 
sein Oheim, Herzog Ferdinand, ein ihm 
gewidmetes Denkmal errichten, das im 
»Freimaurer« 1877, S. 128 und HZC. 
1897/8, S. 106 abgebildet ist Drei auf 
seinen Tod geprägte Denkmünzen s. E^dW. 
Nr. 67, 68, 69. 

Brausehweig (Hauptstadt, 125000 £.) 
Am 12. Febr. 1744 wurde hier unter der 
Provinzialgrossloge für Hamburg und 
Niedersachsen, durch den fürstlichen 
Kammerjunker £. 0. L. v. Kissleben (s. d.) 
eine Loge unter dem Namen Jonathan 

gestiftet und am 27. Dez. 1744 von ihm als 
eständigen abgeordneten Grossmeister und 
unter Beteiligung des kurz zuvor aufge- 
nommenen Prinzen Albrecht von Braun- 
schweig (s. d.) eingeweiht. Die Loge, deren 
Mitglieder grösstenteils aus hohem Staats- 
beamten und Offizieren bestand, nahm als 
Wappen die gekrönte Säule im herzog- 
lichen Wappen an. [HMW. Nr. 26 und 
27.1 Von 1757—58 fanden, da fiast sämt- 
liche Offiziere infolge der Eriegsereignisse 
ausser Lands waren und die Stadt sich 
im Besitz der Franzosen befand, keine 
Versammlungen statt Während der Be- 
setzung war 1757/58 von französischen 
Offizieren eine Schottenloge Zu den drei 
Lilien (Am trois lys) errichtet worden; 
sie wurde aber bald nach Abzug jener 1760 
von der hiesigen Loge, in der 1760 von 
Kissleben den ersten Hammer wieder 
übernommen hatte, unterdrückt. In diesem 
Jahre nahm die Loge, die nach den eng- 
lischen Ritualen arbeitete, ein eignes Mit- 
gliedszeichen an, auch nahmen die Arbeiten 
durch den regen Eifer ihres Meisters vom 
Stuhl und durch die Aufnahme geistig 
hervorragender Mitglieder einen bedeuten- 
den Aufiichwung; ebenso gelang es ihm 
durch seine Strenge, die in den letzten 
Jahren eingerissene Lässigkeit in der Er- 
füllung maurerischer Pflichten zu besei- 
tigen und den Geist der Ordnung zu heben, 
r^ch das rücksichtslose Yorffehen von 
Kisslebens fühlten sich die altem Mit- 



glieder verletzt; dazu kamen noch andre 
Momente und die willkürliche Stiftung 
einer Schottenloge ohne Stiftungsbriel 
Johannis 1761 kam es bei der Meisterwahl 
zu stürmischen Auftritten, wobei es seinen 
Gegnern gelang, seine Wiederwahl zu 
hintertreiben. Es wurde der Oberstleutnant 
und Pagengouvemeur Baron Ernst v. Lest- 
witz (s. d.) zum Meister gewählt, ein Mann, 
befangen in den Lrrtümem seiner Zeit, der 
trotz hervorragender Gaben des Geistee 
und Gemüts sich zur richtigen Anpassung 
über die Aufgaben der Freimaurerei nicht 
durchzuringen vermochte. Seine ^nze 
geistige Kraft setzte er für die Verbreitung 
eines Systems, dessen Ziele mit den Zielen 
der Freimaurerei nicht vereinbar waren, 
ein. Mehrere Mitglieder, mit ihnen v. Lest- 
witz, ^ngen 1762 zu dem von Berlin aus 
verbreiteten sog. Rosaschen Kapitel (s. 
Bosa) über. 1764 hatte die Loge auf ihre 
Bitte von der Grossen Loge von England 
ein Provinzial-Grossmeiste^atent für ihren 
Meister vom Stuhl von Lestwitz erhalten; 
dieser war aber inzwischen mit noch an- 
dern Mitgliedern zur neuen Reform (Tempel- 
herrensystem) übergegangen und richtete 
die Provinzialloffe gar nicht ein. Hierdurch 
wurde B. derPrä^tur Kalenberg(Hannover) 
unterstellt. Eine Anzahl Mitgli^er erhoben 
dagegen Einspruch; sie beanspruchten 
Namen, Lokal und Utensilien für sich, 
auch musste die reformierte Loge sich zum 
Unterschied Jonathan zum Pfeiler 
nennen. Dies war ohne Wissen des Re- 
genten geschehen. 1764 wurde unter Pro- 
tektion des Herzog Karl (s. d.) von firan- 
zösischen Schauspielern, an ihrer Spitze 
Le Boeuf eine in französischer Sprache 
und mit französischen Hochgraden arbei- 
tende Loge St.-Charles de l'indisso- 
lublefraternit^ (ohneStiftungsbrief einer 
Grossloge) gestiftet. Obgleich diese Loge sich 
der ganz bindern Gunst ihres Protektors 
zu erfreuen hatte und von ^er alten Loge 
Jonathan anerkannt worden war, stand ihr 
die Loge Jonathan zum Pfeiler wegen 
Bearbeitung ganz verschiedner Hoch^rade 
feindselig gegenüber. Um allen Zwistig- 
keiten ein Ende zu machen, verfügte der 
Herzog am 7. Mai 1770, alle Arbeiten bei 
schwerer Strafe einzustellen und die drei 
Logen zu schliessen. Sein Elabinettsrat 
Liebeherr wurde von ihm beauftragt, zwei 
Logen, eine in französischer Sprache ar- 
beitende Mutterloge, St.- Charles de la 
Concorde, und eine deutsche Tochterloge, 
Jonathan zu den drei Säulen, unter 
dem Protektorat der Herzöge Karl und 
Ferdinand (s. d.), von dem sie ihre Ge- 
setze erhielten, zu errichten. Am 10. und 
11. Okt. fand die Einweihung beider Logen 
durch Herzog Ferdinand sxS Grund eines, 
ihm von der englischen Grossloge ausge- 
stellten Provinzial-Grossmeisterpatents in 
Gegenwart des Herzogs Karl von Süder- 
manland (s. d.), des Prinzen Friedrich 
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128 



Braunsohweig. 



August von Braunschweig (s. d.) und des 
Generals von Ehetz (s. d.) statt. In der 
französischen Loge wurde Herzog Leopold 
(s. d.) aufgenommen. Den Anhängern des 
Templerordens war es feiungen, beide 
Herzöge, Karl und Ferdinand, für ihr 
System zu gewinnen; um es kennen zu 
lernen, musste Liebeherr sich fdr sie in den 
Orden aufnehmen lassen. Auf dem Kon- 
vent zu Kohlo (1 772) ward Herzog Ferdinand 
zum Grossmeister aller vereinigten deut- 
schen Logen erwählt. Als solcher stand 
ihm das Kecht zu, das dort verabredete 
gemeinschaftliche Bitual in den Braun- 
schweiger Logen einzufahren. Hierüber 
entstand abermals Streit zwischen den 
Anhängern strikter und later Observanz, 
wodurch sich der Grossmeister veranlasst 
sah, ein geharnischtes Reskript an beide 
Logen zu erlassen. Mit Einwilligung seines 
Bruders liess er diese schliessen und 
der nunmehr anerkannten schottischen 
Ordensloge Zu den neun Sternen den 
Befehl zugehen, eine einzige Loge Zur 
gekrönten Säule zu errichten. Am 18. 
Juni 1778 fand die Einweihung der Loge 
in dem neu erworbnen, jetzt noch be- 
stehenden Hause durch Herzog Ferdinand 
statt. Über der Thür des Hauses wurde 
1774 das vom regierenden Herzog der 
Loge verliehene Wappen, das Bezug hatte 
auf die VH. Provinz, aufgestellt. 1775 
wurde hier ein allgemeiner Provinzial- 
konvent, auf dem auch der Freiherr von 
Hund zugegen war, gehalten. (S. Konvent.) 
Auf dem 1779 hier abgehaltenen De- 
putationstage, an dem ausser einigen aus- 
wärtigen nur Mitglieder des Br. Kitpitels 
als Vertreter andrer Kapitel teilnahmen, 
wurde der Herzog Karl von Südermanlana 
zum Provinzialgrossmeister erwählt und 
sein Stellvertreter, Baron v. Leijonhufvud, 
an seiner Statt eingesetzt. Nach Beschluss 
des 1782 in Wimelmsbad abgehaltenen 
Generalkonvents wurde auch hier wieder 
nach englischem Bitual gearbeitet, jedoch 
der Name der schottischen Ordensloge, 
weil auf ihm das Besitzrecht des Logen- 
hauses ruhte, beibehalten. Am 3. Juli 
1792 starb nach kurzer Krankheit Herzog 
Ferdinand. Mit ihm sank die letzte Säule, 
welche die Beste eines einst so stolzen 
Baues noch stützte, ins Grab. Nun galt 
es auf festerm Grund einen dauerhaftem 
Bau in Angriff zu nehmen. Im Januar 
1802 nahm die Loge das von Schröder 
bearbeitete, in der Provinzial-Grossloge 
von Hamburg eingeführte altenglische 
Bitual, das Hamburger Konstitutionsbuch 
und mit diesem den Namen Carl zur 
gekrönten Säule an, unterwarf sich 
aber nicht der Pro vinzialgrossloge von Ham- 
burg, sondern blieb selbständig. Der zum 
Nachfolger des Herzogs Ferdinand erwählte 
Generalgrossmeister, Landgraf Karl von 
Hessen (s. d.), wurde, weil er in seinen 
Logen noch immer das auf dem Wilhelms- 



badner Konvent verworfene Bitual mit 
seinen Bittergraden befolgte, nicht aner- 
kannt. 1808, während der westfälischen 
Begierung, war auf Veranlassung des fran- 
zösischen Ministers Grafen Sim^on in 
ICassel eine in französischen Hochgraden 
arbeitende Grossloge Hieronymuß zur Treue 
errichtet worden; dieser soUte die hiesige 
Loge, obgleich die Kassler Loge eine 
jüngere und Filialloge der hiesigen ge- 
wesen war, unterstellt werden. Auf Für- 
sprache des Ministers Sim^on genehmigte 
der König bei seiner AnweseiSieit in B., 
dass die Loge ihre Arbeiten ungestört fort- 
setzen könne. Die isolierte Stellung der 
Loge führte für diese manche Nachteile 
herbei; sie trat endlich in ihr erstes Ver- 
hältnis zurück, indem sie sich 8. Dez. 1885 
der Grossen Loge von Hamburg wieder 
anschloss. Am 11. und 12. Febr. 1844 feierte 
die Loge ihr hundertjähriges Stiftungsfest. 
[HMW. Nr. 35] und trat in demselben Jahre 
mit den Logen in Celle, Goslar, Halber- 
stadt und Hildesheim, zu einem Verein 
zusammen, dem sich 1847 die Lo^e in 
Wolfenbüttel anschloss. Die Vereinigung 
bestand bis 1876, lebte aber 19. März 18»2 
wieder auf. Im Dez. 1848 starb der Ge- 
heime Finanzrat Langerfeldt (s. d.), Meister 
vom Stuhl von 1818-48. [HMW. Nr. 84.] 
1858 wurde der türkische Gesandte in 
Berlin Ali Bizza Bey in der Loge auf- 
genommen; der erste derartige Fall in 
Deutschland. Die 1774 der schottischen 
Ordensloge Zu den neun Sternen verliehenen 
Korporationsrechte wurden 1859 der Loge 
aufs neue verliehen. Eine 1824 von Mans- 
feld gestiftete Speiseanstalt für dürftige 
Wiedergenesende wurde 1863 von der 
Loge übernommen. Der als maurerischer 
Geschichtsforscher allgemein bekannte 
Sanitätsrat Dr. med. H. Lachmann (s. d.), 
feierte 1867 sein 50 jähriges Maurerjubiläum. 
Am 11. Febr. 1869 fand die Feier des 
125 jahrigen Stiftungsfestes der Loge statt. 
[HMW. Nr. 36.1 Vom Zentralkomitee für 
Verpflegung Verwundeter im Felde in 
Berlin wurde die Loge 1870 aufgefordert, 
ein Lazarett, wenn nötig, einzurichten. 
Sie erklärte sich hierzu bereit. Zum 
ersten Male wurde am 22. März 1871 das 
Geburtsfest Kaiser Wilhelms L und mit 
diesem das Friedensfest gefeiert. Der 
hundertjährige Gedenktag der ersten Arbeit 
im eignen Logenhause wurde 18. Juni 
1873 festlich begangen. Die bisherigen 
Arbeitsräume entsprachen nicht mehr den 
Zeitverhältnissen; nach sorgfältiger Prüfung 
der zur Verfügung stehenden Mttel wurde 
die Herstellung eines Anbaus beschlossen. 
Am 14. Januar 1875 wurden die alten 
Logenräume geschlossen und am 7. Febr. 
die neuen Bäume feierlich eröffnet. 1877 
fand eine zeitgemässe Veränderung der 
Satzungen der Logensterbekasse statt. 
Zum fünfzigjährigen Begierungsjubiläum 
des Herzogs Wilhelm von Braunschweig 

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Brehm — Bremen. 



129 



(25. April 1881), Protektor der Logen im 
Herzogtum, wiirde diesem im Namen der 
Loffen in Braunschweig, Wolfenbüttel und 
Heunstedt eine Adresse überreicht. Zum 
Andenken an diesen Tag schenkte der 
Herzog der Loge sein Bild. 1881 wurde 
das von den Herzögen Karl L undFerdinand 
gegründete Lehrinstitut, aus dessen Mitteln 
später Studierende zeitweise Stipendien 
erhielten, als solches aufgehoben und an 
dessen Stelle eine Knabenbewahranstalt 
ins Leben gerufen; auch beschloss die Loge, 
eine maurerische Zeitschrift unter dem Titel 
»Braunschweiger Logen - Correspondenz« 
herauszugeben. Unter den Scnutz der 
Loge wurde eine Yon Mitgliedern gegründete 
Mädchen-Fortbildungsschule gestellt Zur 
Erinnerung an die vor 150 Jahren (21. Dez. 
1740) in der Loge Aux trois globes in 
Berlin erfolgte Aufnahme des Herzogs 
Ferdinand in den Freimaurerbund wurde 
eine den Namen des Herzogs tragende 
Stiftung gegründet. 1894 feierte die Loge ihr 
1 50 jähriges Stiftungsfest; zur Erinnerung 
daran ist eine Jubiläumsstiftung gegründet 
und eine Deiikmünze geschlagen worden. 
[HMW. Nr. 37.] Die Loge besitzt z. Z. 
folgende Stiftungen: 1) Witwen- und 
Waisen-Sozietät, seit 1806, Vermögen: 
70377 M. 2) Schwesternhilfe, zur Unter- 
stützung elternloser, hilfsbedürftiger Mau- 
rertöchter, seit 1851; Kapital: 21000 M.. 

3) Sterbekasse, seit 1861 ; Kapital: 15260 M. 

4) Speiseanstalt für dürftige Genesende, 
seit 1824; Kapital: 11000 M. 5) Herzog 
Leopold-Stiftung (Knabenhort), seit 1881; 
hervorgegangen aus dem 1770 gestifteten 
Lehrinstitut; Kapital: 44000 M. 6) Herzog 
Ferdinand - Stiftung zur Unterstützung 
hilfsbedürftiger Bbr. und deren Familien, 
seit 1890; Kapital: 8400 M. 7) Jubiläums- 
Stiftung zur Unterstützung hilfsbedürf- 
tiger Schwestern, seit 1894; Kapital: 7000 M. 
l&i erschien eine Geschichte der Frei- 
maurei in B. und 1869 ein Nachtrag dazu 
von Fr. H. A. Lachmann. Die Loge liess 
eine Anzahl Denkmünzen schlagen, die teil- 
weise bei MerzdorfundMarvin beschrieben 
und im HMW. Nr. 26, 27, 28, 31, 32, 34, 35, 
36, 37 abgebildet sind. Die Loge zählte 1899 
283 Mitglieder. Verzeichnis der in der 
Bibliothek der Loge vorhandnen Bücher 
von 1860 und 1894. — Ein Kränzchen Wil- 
helm zum Löwen wurde unter Aufsicht 
der Loge Globus in Hamburg 24. Mai 
1883 gegründet und 2. Juni 1883 einge- 
weiht, ist aber wieder eingegangen. 

Brehm, Alfred Edmund, Zoolog, geb. 
2. Febr. 1829 in Renthendorf, gest. 11. Nov. 
1884, berühmt durch sein »Illustriertes 
Thierleben«, wurde in den Freimaurerbund 
aufgenommen in der Loge Apollo in 
Leipzig 22. Apr. 1861. Mehrere Vorträge 
hat er in der Freimaurerzeitung veröffent- 
licht. [Vgl. FZ. 1885, S. 37. Z. 1885, S. 22.] 

Bremen (Freistaat). In der Stadt B. 
(s. d.) bestanden schon im 18. Jahrhundert 

AllgemeinM Handbuch der Freimaorarei. 



mehrere Logen. Gegenwärtig giebt es im 
Freistaat B. fünf Johannislogen, von denen 
zwei zur Grossen Loge BoyaJ York in 
Berlin (Bremen -Friedrich Wilhelm zur 
Eintracht und Vegesack) und le eine zur 

grossen Landesloge von Deutschland (Zum 
Izwejg in Bremen), zur Grossen Loge 
von Hamburg (Bremerhaven) und zur 
Grossloge Zur Sonne (Hansa in Bremen) 
gehören. 

Bremen (Freie Stadt, 141894 £.). I. Am 
5. Okt. 1744 wurde hier von der Grossen 
National -Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln eine Loge Zu den drei Ankern 
gestiftet, die aber wohl nie in Wirksam- 
keit getreten ist. U, Am 5. Okt. 1766 er- 
öffnete auf Grund eines englischen Freibriefs 
von 1759 der Kapitän J.G.Smith eine Feld- 
loge, die III. schon Anfang 1767 in eine 
Filial- (d. i. Deputations)-Loge der Logen 
in Braunschweig und Celle überging. Diese 
war auf Betreiben Rulffs (s. d.) ins Leben 
getreten und hing der strikten Observanz 
an. Ihre erste Versammlung hielt sie am 
12. April 1767 ab. Auf ihr Ansuchen 
wurde sie von der Präfektur Hannover 
1770 zu einer selbständigen Loge erhoben 
und nahm am 3. April 1772 den Namen 
Zum silbernen Schlüssel nach dem 
Bremer Stadtwappen und ihrem Vorsitzen- 
den Schulz (Eques a claustro^ an. Ein 
Präpositurkapitel (Schottenloge) wurde ihr 
1773 noch nicht zugestanden, es wurde aber 
31. Okt. 1776 eine Schottenloge unterm 
Namen Johannes zum Neumond (ge- 
nannt nach Pundsack, Eques a novilunio) 
und 31. Dez. 1777 eine Präpositnr unterm 
Namen Johannes zu den sieben Ster- 
nen errichtet. Die Johannisloge trat 1790 
dem Deutschen Freimaurerbunde bei und be- 
stand sicher bis 1794, vielleicht auch länger; 
denn die Schottenloge erteilte noch 1800 der 
Deputationsloge Zum silbernen Schlüssel 
in Jever (s. d.) das Becht einer selbständigen 
Loge. Vgl. über die Logen I — HI: Merz- 
do^, Beiträge zur älteren Logengeschichte 
B.'s (Bremen 1877) und Martens, Erinne- 
rungsblätter aus aer Geschichte der Loge 
Zum Ölzweig und der älteren Logen in B. 
(Bremen 1888). — Jetzt bestehen hier 
IV. unter der Grossen Landesloge in 
Berlin 1) die Johannisloge Zum Ölzweig, 
gest. 16. Juni 1788, eingew. 26. Aug. 1788. 
Ihr Haus, das 1852 eingeweiht wurde, hat 
sie 1898 verkauft und durch einen grossem 
Neubau ersetzt, der 5. Nov. 1899 bezogen 
worden ist. Sie hat drei milde Stiftungen 
mit einem Gesamtvermögen von 67000 M. 
Eine Zeit lang versammelte sie sich mit 
den Logen in Hannover, Nienburg, Olden- 
burg und Verden zu jährlicnen ge- 
meinsamen Festen. Vers, jeden ersten 
Donnerstag. Ferien im Juli und August. 
Mitgliederzahl (1899): 300. Geschichte der 
Loge von Martens s. oben. 2) Andreasloge 
Assidua, gest. 19. Sept. 1853. V. Unter 
der Grossen Loge Royal York in Berlin 

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130 



Bremerhaven — Breslau. 



die Johannisloge Friedrich Wilhelm 
zur Eintracht, gegr. 27. Dez. 1874. 
1899 z&hlte sie 214 Mitglieder. Logen- 
lokal, eingew. 1880, auf der Sögestrasse 16. 
Vers.: Donnerstags. Klub: Dienstags 
und Sonntag Morgens. Milde Stiftungen: 
1) Sterbekasse ohne Kapital mit Umlage- 
yerfahren. 2) Witwenkasse Vidua mit 
ungefähr 39000 M. Kapital. 3) Biermanns 
Hilfsfonds mit 10000 M. Kapital. 4) Sti- 
pendienstiftung, mit jährlich 1200 M. 
jJ'euestes Ortsgesetz vom 9. April 1894. 
Mit dieser Loge ist ein Innerer Orient 
verbunden. vL Unter der Grossloge Zur 
Sonne die Loge Hansa, gegr. 4. Nov. 
1883. Mitgliederzahl (1900): 213. Eignes 
Logenhaus, Langestrasse 20, eingew. 20. 
Nov. 1887. Milde Stiftungen: Witwen- 
und Waisenstiftung Caritas, Kasse zur 
Unterstützung Krauker und Hilfabedürf- 
tiger, Waisenerziehungskasse, Logenstipen- 
dium, Degener-Stiffcimg zur Weihnachts- 
bescherung Armer, Neuhaus-Stiftung zur 
Bekleidung armer Konfirmanden. 

Bremerhaven (St. im Freistaat Bremen, 
18366 E.). Hier wurde unter dem Namen 
Zu den drei Ankern von der Grossen 
Loge von Hamburg am 2. Mai 1861 eine 
Loge gestiftet und am 18. Aug. 1861 ein- 
geweiht. [Vgl, Bh. 1861, S. 309.] Seit 
1863 besitzt sie ein eignes Logenhaus am 
Deich 116, das 1894 umgebaut wurde. 
Mitgliederzahl (1899): 134. Vers, am 
2. Dienstag jedes Monats. Ferien: Juli 
und August. Klub: Sonntags und Diens- 
tags. Stiftung Humanitas mit einem Be- 
stand von 18000 M. Eine besondere Wit- 
wen- und Waisenkasse ist gegr. I.Jan. 1900. 
[Vgl. Geschichte der Loge Zu den drei 
Ankern 1861—86 von Dr. Hildenhagen.] 
Neueste Hausgesetze 1887. 

Brenokenhof, v., Dragonerleutnant in 
Sagan, nachher in Grüneberg, Mitglied 
der Loge Zur goldnen Himmelskugel in 
Nistitz (Osten in Schlesien), war ein gläu- 
biger Schüler Frölichs (s.d.), des Gehilfen und 
Nachfolgers von Schrepfer, und trat in 
dessen und der geheimen Obern Interessen 
1776 und 1777 mit dem Prinzen Fried- 
rich August von Braunschweig (s. d.) in 
Briefverkehr. Er suchte ihn zu bereden, 
Schrepfers (s. d.) gewesnen Marqueur und 
Bedienten, der gewiss die meisten theore- 
tischen Kenntnisse von allen Brüdern der 
Schrepferschen Partei besitze, weil er fast 
allen seinen Arbeiten beigewohnt, in seinen 
Dienst zu nehmen, um ihn für die Zukunft 
zu Frölichs Hilfe zu erhalten, der ihn 
der Verfolgungen in Görlitz wegen ent- 
lassen müsse. Er verfertigte auch für den 
Prinzen eine nur ihm und Frölich bekannte 
Chiflfer. Am 11. April 1776 entsagte er 
der Mitgliedschaft seiner zur strikten Ob- 
servanz gehörenden Loge und soll sich 
nebst Frölich der Loge Balduin in Leip- 
zig angeschlossen haben, in deren Liste 
er allerdings nicht zu finden ist. 



Brentano, Dominicus v., ein philo- 
sophisch gebildeter, aufgeklärter katho- 
lischer Theolog, Übersetzer des Neuen 
Testaments, geb. 1740 in Rappersweil am 
Zürichersee, gest. Juni 1797, war Hof- 
kaplan und geistlicher Bat des Fürstabts 
Honorius in Kempten und 1794 Pfarrer in 
Gebratshofen mit dem Titel Geheimrat. 
Nachdem er mehrere Schriften im Geiste 
der Josephinischen Bestrebungen heraus- 
gegeben, übersetzte er das Neue Testament 
(3. Auflage, 3 Bde., Frkf. 1799) und 
schrieb ein Andachtsbuch ftir die katho- 
lische Eidgenossenschaft (Bregenz 1794). 
B. war Mitglied der vom Eklektischen 
Bunde 1787 gestifteten Loge Zur auf- 
gehenden Sonne in Kempten und erwarb 
sich als Bedner dieser Loge namhaft« 
Verdienste um deren geistiges Leben. 

Breslau (Hauptstadt der preuss. Prov. 
Schlesien, 373163 E.) ist der Sitz mehrerer 
maurerischer Oberbehörden und Logen. 
I. Unter der Grossen National-Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln bestehen hier: 
1) die Johannisloge Friedrich zum 
goldnen Zepter, von der Provinzial- 
loge zu Glogau 10. Dez. 1776 gegründet 
und eingeweiht, bei dem Bunde der drei 
Weltkugeln angenommen 1. Mai und ein- 
geweiht 10. Juli 1803. Mitgliederzahl 
(1899): 301. Vers, den 1., 2. und 3. Dienstag 
jeden Monats. Zum 50jährigen Jubiläum 
wurde eine Denkmünze geprägt. [Vgl. 
HMW. Nr. 44.] Verzeichnis der Bücher- 
sammlung von Ockler (1897). 2) Die 
delegierte altschottische Loge Fried- 
rich zum goldnen Zepter, gegr. 1. 
Mai 1803. 3) Der Innere Orient 
für den siebenten Logensprengel, gegr. 
29. Dez. 1803. Die Johannisloge besitzt 
eine allgemeine Witwen- und Waisen- 
kasse (Statut vom 10. Jan. 1888), ein 
Logenheim, eine Joh. Wendtsche Stipen- 
dienstiftiung und eine Prof. Dr. Lud- 
wig Hirtswie Stiftung (zur alljährlichen 
Prämiierung von Seminaristinnen.) [Vgl. 
Behbaum, F. C. Chr., Chronik der Loge 
von 1776—1869 (Brsl. 1869).] H. Unter 
der Grossen Lanaesloge von Deutschland : 
1) die Vereinigte JohannislogeZuden 
drei Totengerippen, zur Säule und 
zur Glocke, aus den Logen: a) Drei 
Totengerippe, gest. 18. Mai 1741, von 
der Grossloge Zu den drei Weltkugeln 
19. Febr. 1775 zum Verband der Grossen 
Landesloge übergetreten; b) Säule, gest. 
19. Mai 1774; c) Glocke, gest. 13. Juni 
1776, vereinigt 22. Jan. 1844. [Vgl. L. 1844, 
S. 133.] Mitgliederzahl (1899): 413. Vers, 
jeden Montag. Logenhaus: Stemstrasse 
28/30. Zum Eintritt in das 41. Logenjahr, 
zur Einweihung des Gebäudes der drei 
vereinigten Logen 1817, zur 50jährigen 
Anerkennung der Loge zu den drei Toten- 

Serippen 1822, zur 50jährigen Jubelfeier 
er Lo^e Zur Säule 1824, zur gleichen 
Jubelfeier der Loge Zur Glocke 13. Juni 



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Bressler — Bretschneider. 



13t 



1826, zum 1. Stiftungsfest nach der Ver- 
einigung 1845 wurden Denkmünzen ge- 
prägt, ebenso 1891 zur 150jfthrigen Jubel- 
feier. [Vrf. HMW. Nr. 88, 39, 40, 41, 42, 
43, 46 und 47.] Katalog der Büchersamm- 
lung von 1897. [Vgl. Frenzel, Aus ver- 
gangnen Tagen. Zum 150jährigen Jubel- 
feste der Vereinigten Loge (Lpz. 1891).] 
2) Die Andreasloge Montana, fest. 1. 
April 1818. 3) Das vollkommne Provin- 
zialkapitel für Schlesien Integra, gest. 
6. Aug. 1828. 4) Die Provinzialloge 
von Schlesien, errichtet 20. Juni 1776, 
zu der die Logen in Breslau, Schweidnitz, 
Neisse, Schmiedeberg, Löwenberg, Tamo- 
witz, Waidenburg, Glogau, Bunzlau, Jauer, 
Striegau, Bawitsch, Kattowitz, Freiburg, 
Haynau, Görlitz gehören. — HI. Unter 
der Grossen Loge Royal York: 1) Die 
Johannisloge Horus, gest. 23. Febr. 1813. 
Mitgliederzahl (1900): 186. Vers, jeden Mon- 
tag und Donnerstag TKlub). Milde Stif- 
tungen: a) Witwen- una Waisenkasse; Kapi- 
tal : ca.35380M., b) Steinbock-Stiftung ; Kapi- 
tal: ca. 5750 M., c) Vereinigte Middeldoipf- 
Kleemann-Stiftung; Kapital: ca. 8910 M., 

d) Klopsch-Stiftung; Kapital: ca. 2270 M., 

e) Begräbniskasse; Bestand ca. 8020 M. 
[Vgl. Bh. 1864, S. 51.] 2) Der Innere 
Orient; Mitglieder: 92. 3) Die Grosse 
Provinzialloge von Schlesien, gest. 
6. Sept. 1816, zu der die Logen in 
Schweidnitz, öleiwitz, Breslau, I^ichen- 
bach, Landeshut, Goldberg, Lauban, Sprot- 
tau, Leobschütz, Forst, Lassa, Kreuzburg, 
Grünberg, Goldberg gehören, IV. Unter dem 
Eklektischen Freimaurerbund: Hermann 
zur Beständigkeit. Ursprünglich eine 
am 15. Sept. 1898 gestiftete und 14. Jan. 
1894 eingeweihte Tochterloge der Grossen 
Loge von Preussen, gen. Kaiser Friedrich 
zur Bundestreue, trat sie zum Eklektischen 
Freimaurerbund über, weil sie nicht an- 
erkannt wurde; Stiftungsurkunde vom 22. 
Nov. 1896; nach verschiednen Verhand- 
lungen durch Schiedsspruch vom 80. Jan. 
1899 vom Deutschen Grosslogenbund an- 
erkannt (HZC. 1898/9, Nr. 161). Lokal- 
^esetz vom Dez. 1896. Mitgliederzahl 
(1899): 50. Versammlung jeden Dienstag. 
Geisamtkapital der Stiftungen ca. 10000 M. 
V. Eine 1849 hier errichtete Loge Kos- 
mos wollte sich dem Eklektischen Bund 
{s. d.) anschliessen, der sich hierzu auch 
1850 geneigt zeigte. Allein die drei preussi- 
schen Grosslogen konnten dies nicht ge- 
nehmigen; sie hielt 14. Nov. 1851 ihre 
letzte Versammlung. [L. Xm, 198.] VI. 
Unter der Grossen Loge von Preussen, 

fm. Kaiser Friedrich zur Bundestreue in 
erlin: die Loge Settegast zur deut- 
schen Treue, gegr. 9. Juli 1899. 

Bressler l)Karl Christian Gottlieb, 
Graf V., Erbherr auf Nieder-Eengersdorf, 

feb. 21. März 1777 in Latiske bei Weissen- 
erg in der sächsischen Oberlausitz, gest. 
17. Nov. 1849 zu Nagybanya in Ungarn 



als kaiserlicher Bergrat und Oberwald- 
meister, ward 1804 in der Loge in Bautzen 
in den Bund aufgenommen. 

2) Hans Wilhelm Karl, Graf v., Sohn 
des Vorigen, Maioratsherr aufLauske, sowie 
auf Kemnitz in Schlesien, geb. 9. März 1801 
in Kotitz bei Weissenberg, gest. 3. Nov. 
1865 in Dresden, wurde in den Freimaurer- 
bund 9. Juli 1835 in der Loge Zur heissen 
Quelle in EUrschberg aufgenommen. Am 19. 
Febr. 1844 schloss er sich der Loge in 
Bautzen an, die er mehrfach durch geist- 
volle Vorträge erfreute. Als maurerischer 
Schriftsteller hat er sich besonders in der 
A. bethätigt, wo sich mehrere seiner Vor- 
träge und Gedichte befinden. 

Bretsolmeider, 1) Heinr. Gottfr. v., 
Österreich. SchriffcsteUer, geb. 6. März 1739 in 
Gera (Reuss), gest. l.Nov. 1810 in Krimitz in 
Böhmen, führte als Offizier ein abenteuer- 
liches Leben und kam 1774 nach Wien, 
dann als Bibliothekar an die Universität 
Ofen, 1784 als Professor an die Universität 
Lemberg, 4ind trat mit dem Titel eines 
k. k. Hofrats 1802 in Ruhestand. Joseph n. 
und Leopold n. schätzten ihn und eroaten 
seinen Kat in wichtigen Angelegen- 
heiten. 1761 in einer Wiener Winkelloge 
aufgenommen, zog er sich bald vom 
Bunde zurück, dem er sich in seinen 
Schriften feindlich zeigte; so schildert er 
in dem Eoman »Georg Wallers Leben und 
Sitten« (Köln 1793) seine Aufriahme und 
deckte manche Schwächen des Logen- 
lebens auf. 1786 war von ihm schon ein 
»Vorbericht und Anmerkungen zur philo- 
sophischen Geschichte der heutigen Frei- 
maurer und Antifreimaurer« erschienen. 
Nach seinem Tode gab Göcking die Reise- 
beschreibung B.'s nach London und Paris 
^rl. 1817) heraus, worin S. 258—324 der 
Freimaurerei gedacht wird. Auch erschien 
eine Auslese seiner Werke unter dem Titel : 
»Denkwürdigkeiten aus dem Leben des 
k. k. Hofrats H. G. Bretschneider«' (Wien 
und Lpz. 1892.) 

2) Karl Gottlob, geb. 11. Febr. 
1776 in Gersdorf im Schönburgschen, 
gest. 22. Jan. 1848 als Oberkonsis- 
torialpräsident und Generalsuperinten- 
dent in Gotha, wurde 19. Juli 1808 in 
Altenburg in der dortigen Loge Archi- 
medes zu den drei Reissbrettem fds Maurer 
aufgenommen, während er als Superinten- 
dent in Annaberg lebte. Obwohl 1816 
nach Gotha als Generalsuperintendent be- 
rufen, blieb er der Loge in Altenburg bis 
1829 treu und nahm an den Arbeiten der 
Loge Ernst zum Compass in Gotha nur 
als Besuchender teil. 1829 trat er letzterer 
als ordentliches Mitglied bei und war 
von da an, soweit es seine Zeit erlaubte, 
stets bei deren Arbeiten. Wiederholte An- 
träge, den ersten Hammer in dieser Loge 
zu übernehmen, lehnte er wegen seiner 
amtlichen Geschäfte ab. Fast stets, wenn 
er die Loge besuchte, ergriff jer das Wort 
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132 



Brevet — Brieg. 



und gehörte dem Bunde, den er oft im 
Gespräch als eine der segensreichsten An- 
stalten pries, bis an seinen Tod an. Sein 
Verkehr mit den Prinzen Ernst und Albert 
von Sachsen -Coburg und Gotha (s. d.) 
hatte nach dem eignen Zeugnis des Herzogs 
Ernst U. grossen Einfluss auf deren reli- 
giöse Entwicklung. Maurerische Schrif- 
ten: »Jubelfest am 27. Sept. 1841. Gefeiert 
von der Loge Ernst zum Compass im 
Orient von Gotha zur Erinnerung an den 
ersten Maurerischen Hammerschlag in Thü- 
ringen im September 1741« (Gotha 1841) 
gasselbe handelt über das Verhältnis des 
aurertums zum Kirchen- und Christen- 
tum); «Über die Echtheit der Kölner Frei- 
maurerurkunde« vgl. Corp. Beformatorum, 
Tl. U: Annal. vitae Phil. Melanchthonis, 
S. 11. — Maurerische Keden B.'s in 
Bretschneider, Freimaurer kalender, für 
1852, S. 118; für 1860, S. 77, 86. [Vgl. 
Zd. 1851, S. 27. Selbstbiographie (Gotha 
1851)0 

8) Karl Anton, Sohn des Vorigen, geb. 
27. Mai 1808 in Schneeberg, gest. 6. Nov. 

1878 in Gotha, trat bei Gründung der 
Realschule in Gotha 1835 als Lehrer 
der Mathematik und Geographie mit dem 
Titel Professor in deren Lehrerkollegium 
und nach Vereinigung der Bealschule mit 
dem Gymnasium zum Gymnasium Emes- 
tinum in dessen Lehrerkollegium mit 
über. Zu Michaelis 1878 nötigten ihn 
seine Leiden, in den Buhestand zu treten, 
wobei er zum Hofrat ernannt wurde. — In 
die Loge Ernst zum Compass wurde er 
7. Mai 1856 aufffenommen. Von 1859—68 
war er deren Bedner, von 1865—72 Schrift- 
führer und von Johanni 1872 ab bekleidete 
er das Amt des zugeordneten Meisters, des 
Stellvertreters des Meisters vom Stuhl, Sr. 
Hoheit des Herzogs Ernst H. Im März 
1877 musste er infolge seines leidenden 
Zustands den Hammer niederlegen. [Vgl. 
Demuth, Geschichte der Loge Ernst zum 
Compass in Gotha (Gotha 1882). Ge- 
dächtnisrede auf Karl Anton B. in der 
Aula des Gymnasium Emestinum am 15. 
Januar 1879 gehalten von K. Begel (Gotha 
1879.) Bh. 1879, S. 47.] 

4) Karl Oskar, Bruder des Vorigen, 

feb. 16. Juli 1814 in Annaberg, gest. 29. 
'ebr. 1884 in Jena, wurde nach längerer 
ehrenvoller Laufbahn im Justizdienst des 
Herzogtums Gotha 1871 zum Appellations- 
gerichts- Vizepräsidenten in Eisenach und 

1879 bei der neuen Gerichtsorganisation 
zum Senatspräsidenten des Gemeinschaft- 
lichen Thüringischen Oberlandesgerichts 
in Jena ernannt. — Freimaurer wurde 
er 20. Jan. 1853 in der Loge Ernst zum 
Compass in Gotha. 1859 — 63 war er deren 
deputierter Meister, 1865 — 71 bekleidete 
er das wichtige Amt des zugeordneten 
Meisters, Stellvertreters Herzogs Ernst H. 

äi. d.)^ und war von 1871—72 wiederum 
eputierter Meister. Von ihm ist u. a. ge- 



druckt: »Der Mangel an Bruderliebe. Vor- 
trag, gehalten in der Loge Ernst zum Com- 
pass am 12. Nov. 1860.« [Vgl Demuth, 
Geschichte der Loge Ernst zum Compass 
in Gotha (Gotha 1882).] 

5) Horst, Bruder des Vorigen, geb. 14. 
Aug. 1819 in Gotha, gest. das. 10. Okt. 1859 
als Dr. med., herzoglicher Leibarzt, Be- 
gierungs- undMedizinalrat und vortragender 
Bat im Staatsministerium, wurde Frei- 
maurer 24. Juni 1844 in der Loge Ernst 
zum Compass in Gotha, widmete sich mit 
grossem Eifer der Sache der Freimaurerei, 
war auch in seiner Loge mehrere Jahre 
hindurch als Beamter thätig, 1846 als 
Zeremonienmeister, 1850 und 51 stellv. 
Beamter, 1852 stellv. Aufseher und Biblio- 
thekar, 1856 — 58 Zeremonienmeister, Archi- 
var und Bibliothekar. Bei vorzüglicher 
Begabung besass er eine grosse geistige 
Begsamkeit und Ausdauer, die ihn zu einem 
vorzüglichen Kenner der maurerischen Lit- 
teratur machte. Trotz vielfacher Abhal- 
tung durch seinen Beruf bewahrte er bis 
zu seinem Tode den regsten Eifer für die 
Maurerei, die er auch durch die Heraus- 
gabe eines Freimaurerkalenders (Jahrgang!, 
1852; Jahrgang H, 1855—56; Jahrgang III, 
1860, aus seinem Nachlass herausgegeben! 
bethätigte. Ebenso hat er das Material 
zu dem nach seinem Tode herausgegebenen 
Liederbuch der Loge Ernst zum Compass 
gesammelt. 

Brevet, s. Logenpass. 

Brej, Julius Hermann, Kaufmann in 
Hamburg, geb. 25. Okt. 1822 in Magdeburg, 
aufgenommen in der Loge Ferdinande 
Caroline in Hamburg 18. Jan. 1853, be- 
kleidete seit 1857 nach einander die Äjnter 
des zweiten Schafihers, des zweiten und 
ersten Aufsehers, des zugeordneten Meisters 
vom Stuhl, 1869—71, 1874-77 und 1880 
bis 1881 das Amt eines Meisters vom Stuhl 
seiner Loge. Seit 1873 ist er Vorsitzender 
des Schatz- und Almosenkomitees, jetzt 
Verwaltungsausschuss genannt, und hat in 
dieser Stellung, sowie beim Bau des neuen 
Freimaurerkr^kenhauses, des neuen Logen- 
hauses und bei den vielen damit verbun- 
denen wirtschaftlichen Fragen eine so hin- 
gebende Fürsorge und ausserordentliche 
Thätigkeit gezeigt, dass ihm aus Dankbar- 
keit verschiedne ehrenvolle Auszeich- 
nungen zu teil geworden sind, unter an- 
dern bei der 25jähr. Feier seines Vor- 
sitzes im Verwaltungsausschuss 1898 die 
Stiftung einer Denkmünze. [Vgl. HMW. 
Nr. 283.] 

Brieg (St. in der preuss. Provinz Schle- 
sien, 21164 E.). Logen das. unter der 
Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln in Berlin: 1) Johannisloge 
Friedrich zur aufgehenden Sonne, 
gegr. von der damaligen Provinzialgross- 
und Mutterloge Zur goTdnen Himmelskugel 
in Gross-Gloffau 15. Febr. 1783. eingew. 
24. Mai 1783, dem Logenbund der drei Welt- 
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Briesen — Broke. 



138 



kugeln angeschlossen 21. Nov. 1799, eingew. 
24. März 1800. Mitgliederzahl (1899): 169. 
Vers. Freitags. Ferien: Juli und August. 
Eignes Logenhaus, Lindenstrasse 1 1 , eingew. 
1868. Müde Stiftungen: 7 mit 79000 M. 
Gesamtkapital. Hausgesetz 1898. — 2) Dele- 
gierte altschottische Loge Friedrich 
zur aufgehenden Sonne, ^egr. 4. April 
1802; erste Au&ahmearheit 8. Dez. 
1802. — 3) Delegierter Innerer Orient 
für den XV. Logensprengel, gegr. 8. April 
1896, eröffnet 8. Mai 1896. [Fitzner, 
Annalen (1873). Hoppe, Bericnt üher 
das lOOjähr. Stiftun^fest (1883)J — In 
der Loge arbeitet seit 1895 die Vermitt- 
lungsstelle zum Ein- und Austausch (auch 
KauT) freimaurerischer Bücher, geführt von 
Dr. Emil Reinhold. [4. Verzeichnis 1899.] 
Umsatz ca. 1100. 

Briesen (St. in der preuss. Prov. West- 
preussen, 5253 E.). Hier hat sich 1899 
eine freimaurerische Vereinigung unter der 
Aufsicht der Loge Zum Bienenkorb in 
Thorn gebildet. 

Britisch -BetsehaanenlAnd (brit. Kron- 
land in Südafrika). Hier bestehen unter 
der Grossloge von England zwei Logen in 
Vrijburg (gest. 1887) und Mafeking (gest. 
1894). 

Britiseh-Goliimbia (Prov. der brit.-nord- 
amerik. Kolonie Kanada). Hier gründete 
die Grossloge von England 1859—67 vier 
und die von Schottland 1862—69 fünf 
Logen. Diese errichteten 21. Sepi. 1871 in 
Victoria eine Grossloge von B.-C., die jetzt 
24 Logen mit 1367 Mitgliedern zählt. 

Briäsoh - Honduras (brit. Kolonie in 
Zentralamerika). Drei Logen, die die Gross- 
loge von England hier 1763, 1820 und 1831 
in St. George Gay und Belize gestiftet 
hat, sind ohne langen Bestand gewesen. 

Brixen (St. in Tirol, [ISm 5525E.). Hier 
soll im 18. Jahrhundert eine Loge bestanden 
haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass 
Graf Spaur, Bischof von B., Mitglied der 
Innsbrucker Loge, hier eine Loge stiftete. 
Dies scheint eine Notiz im Fremdenbuch 
des Bades Schulders bei Brixen zu bestä- 
tigen, wonach 1780 »eine Freimaurercom- 
pagnie aus B.« das Bad besuchte. 

Brockan (Dorf bei Breslau). Hier grün- 
dete 1744 Fürstbischof Schaffgotsch (s. d.) 
von Breslau eine Loge. 

Bröoker, Johann Karl, Obertelegra- 
phensekretär, geb. 6. Jan. 1824 in Schwerin 
Mecklenburg), wurde als damaliger Vor- 
steher des Grossherzo^l. Telegramienamts 
in Parchim in der dortigen Loge Friderica 
Ludovica zur Treue am 24. Febr. 1867 
aufgenommen und im selben Jahre zum 
Re£ier der Loge ernannt. Seit dieser Zeit 
war B. ununterbrochen als Logenbeamter 
in den verschiedensten Ämtern aller Ab- 
teilungen des Ordens thätig, so acht Jahre 
als zugeordneter Meister der Loge Alma an 
der Ostsee in Kiel, 13 Jahre als zugeordneter 
Meister der Andreasloge Fortunata in Kiel 



u. s. w. B. veröffentlichte: »Geschichte 
der Loge Friderica Ludovica zur Treue in 
Parchim« (1868); »Die Freimaurer-Lo^en 
Deutschlands von 1737 bis einschliesslich 
1893«, mit biogr. und histor. Mitteilungen 
versehen (Brl. 1894); »Geschichte der Loge 
Carl zum Felsen in Altona. 22. März 1796 
bis 22. März 1896« (Brl. 1897). Ausser- 
dem leitete B. die Bausteine des Logen- 
bundes Royal York, 3. und 4. Jahrg. (1888 
und 1884). 

Brolsem, Karl Viktor August v., 
wirkl. Geh. Kriegsrat, geb. 20. Dez. 1741 
in Dresden, gest. das. 9. Jan. 1812, wurde 
1766 in der Loge Aux vrais amis in Dres- 
den aufgenommen und 1772 Mitglied der 
Loge Zu den drei Schwertern das. Nach 
der durch die politischen Zeitverhältnisse 
bedingten Unterbrechung der Arbeiten der 
letztem Loge von 1790—97 wurde auf 
seine Veranlassung 1797 die Logenthäti^- 
keit unter seiner Hammerführung, die bis 
1810 dauerte, wieder eröffnet. Seiner Be- 
geisterung für die Maurerei gelang es, die 
schwierigen innem und äussern Verhält- 
nisse der Bauhütte wieder ins Gleich- 
gewicht zu bringen. Unter seiner Hammer- 
mhrung erklärte sich die Loge 1805 
als unabhängige und selbstänouge Jo- 
hannisloge. Nach Niederlegung seines 
Amtes a& Meister vom Stuhl 1810 wurde 
er zum Senior ernannt. Ihm war Aus- 
übung der Wohlthätigkeit ein Herzens- 
bedürfnis; 1772 war er einer der ersten, 
die dem Rufe v. Ferbers, Linderung des 
Elends in Sachsen zu schaffen, folgten. 
V. B. unterzog sich der ersten Einrichtimg 
des Freimaurerinstituts in Dresden und 
blieb auch ihr erster Vorsteher bis zum 
Eintritt seiner letzten langem Krankheit. 

B^gl. Festschrift zum Jubiläum des 150 jähr, 
estehens der Loge zu den drei Schwertern 
u. 8. w. (Dresd. 1890). Peuckert, Die Loge 
zu den drei Schwertem u. s. w. 1738—1882 
(Lpz. 1883).] 

Broke, Friedrich Franz v.. Geh. 
Justiz- und Appellationsgerichtsrat, geb. 20. 
Aug. 1801, gest. 15. Juli 1872 in Alten- 
burg, trat 1821 in die Loge Archimedes 
zu den drei Eeissbrettem in Altenburg ein 
und diente dieser in den verschiedensten 
Ämtem. Von 1848--57 führte er den 
ersten Hammer und machte sich besonders 
verdient durch die Sicherheit, mit der er 
die Loge durch die aufgeregten Wogen 
der Jahre 1848 und 1849 hindurchleitete. 
Von 1859 — 63 nahm er noch einmal die 
Wahl zum Meister vom Stuhl an. Unter 
seiner Hammerführung und wesentlichen 
Mitwirkung wurde im Sept. 1862 die neue 
Verfassungsurkunde una am Stiftungs- 
feste 1871 das neue Ritual der Loge an- 
genommen und eingeführt. Er brachte 
das Rechnungswesen der Loge in bessere 
Ordnung und leitete lange Jahre als Vor- 
sitzender die von Waitz (s. d.) gegründete 
und von Mitgliedern der Altenburger Loge 
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184 



Bromberg — Brooklyn. 



erhaltene Sparkasse. Ausgezeichnet durch 
Klarheit, Sachlichkeit und knappe Kürze 
waren seine Ansprachen in der Loge. [Vgl. 
Dietrich, Aus vergangenen Tagen (Aitbg. 
1889), S. 164—189. Bh. 1872, S. 265.] 

Bronberg (St. in der preuss. Prov. Posen, 
46 417 E.). Nachdem 1784 die Versuche, eine 
Loge Aufstehender Wolf unter der Mutter- 
loge Zu den drei Kronen in Königsberg i.Pr. 
und eine Loge Zu den drei Bösen unter der 
Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln zu gründen, missglückt war 
[vgl. Kienast, Geschichte der Loge Zu den 
drei Kronen in Königsberg i. Pr. (1896) I, 
65 fg.], wurde 1) von der Berliner Loge Boy al 
Yonc in B. die Loge La fid^lit^ aux 
trois colombes (Die Treue zu den drei 
Tauben) zunächst als Kommissions-, d. i. 
Deputationsloge, 30. Juni 1784 gegründet, 
die 10. Dez. 1784 selbständige Tochterloge 
der genannten Mutterloge wurde und 1786 
die hohem Grade erhielt. Später nahm 
sie den Namen Zu den drei Tauben an, 
entzweite sich aber wegen der Fesslerschen 
Beformen mit ihrer Grossloge und wurde 25. 
Febr. 1800 aufgelöst. Die Mehrzahl ihrer 
Mitglieder schloss sich 2) der unter dem 
Namen Janus 26. März 1800 (unter Eröff- 
nung der Arbeiten 5. Aug. 1800) von der 
Grossen Landesloge zu Berlin gestifteten 
Loge an. Diese blieb ihrer Grossloge 
anfangs auch nach der Einverleibung B.'s 
in das Herzogtum Warschau treu. Indes 
hatte sich in Warschau die Loge Zum Ost- 
stem als Grossloffe aufgethan, die 26. Dez. 
1809 eine Aufforderung an die Lo^e Janus 
erliess, sich ihr anzuscnliessen. Als dieser 
Aufforderung keine Folge geleistet, die 
Verbindung mit Berlin vielmehr ununter- 
brochen unterhalten wurde, schloss der 
Präfekt V. Glyszcasynski in B., der selbst 
Maurer war, die Lose 17. Jan. 1812 auf 
hohem Befehl, una sie sah sich so 
genötigt, sich von der Grossen Landes- 
loge zu trennen. Von dieser wurde sie 
81. Jan. 1812 aus der Abhängigkeit von 
ihr entlassen und betrieb nunmehr ihren 
Anschluss an den Oststem in Warschau. 
8) Dort bereitwillig angenommen, aber 
genötig^ den Namen Jantis gegen den 
Namen Zum Bitterkreuz zu vertauschen, 
bildete sie sich unter diesem Namen 
von neuem 27. Febr. 1812. Man beschloss 
abwechselnd polnisch und deutsch zu ver- 
handeln und deshalb besondere Beamte 
fär die polnischen und besondere für die 
deutschen Verhandlungen zu bestellen. 
Dennoch wurde im Anfang nur deutsch 
verhandelt. Erst 5. Juli 1812 trat eine 
polnische Übersetzung der deutschen Ver- 
handlungen hinzu, und erst 6. Aug. 1812 
fand die erste polnische Verhandlung mit 
deutscher Übersetzung statt, der wenige 
ihresgleichen folgten. Infolge der kriege- 
rischen Ereignisse und der die Stadt ver- 
heerenden ansteckenden Krankheiten wurde 
SO. Nov. 1818 beschlossen, die Loge zu 



schliessen. 4) Am 24. Juni 1815 wandte 
man sich wegen Erneuerung der Loge an 
die Grosse Landesloge in Berlin, da man 
sich aber mit dieser über gewisse Punkte 
nicht einigen konnte, an die Grosse National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln, die 
7. Dez. 1815 den Stiftungsbrief erteilte, und 
zwar unter Wiederherstellung des Namens 
Janus. Die Einweihung uind 8. April 
und die erste Arbeit im neuen Verband 
5. Mai 1816 statt. Mitgliederzahl (1899): 
198. Vers. Dienstags. Ferien: Anfang Juli 
bis Anfang September. Logenhatis: seit 
1791 Grosse Bergstrasse 6. Hausgesetz 
vom 25. April 1898. Milde Stiftungen: 
a) Fröhner-ötiftung; b) Bögglen-Stiftung; 
c) Giese-Bafalski-Stiftung ; d) Werckmeister- 
Stütung; e) Löscher-Stiftung; f) Jung- 
klass-Stiftung, mit einem Gesamtkapital 
von 27846 M. Ausserdem besteht eine 
Sterbekasse (Statut von 1865). [Vgl .Herrn, 
Schnitze, Geschichte der Loge (Bromberg 
1884).] 5) Mit dieser Loge verbunden ist die 
delegierte altschottische Loge Zur Säule 
am Tabor, gegr. 10. Juli 1816, eingew. 
28. Nov. 1821. 

Brönner, Johann Karl, Buchhändler 
und Senator in Frankfurt a. M., geb. das. 
4. Juni 1788, gest. das. 22. März 1812, war 
ein hochgeachteter Mann, der sein bedeu- 
tendes Vermögen teilweise zu milden Stif- 
tungen in echt freimaurerischem Sinn ver- 
wandte und dadurch seinen Namen für 
alle Zeiten unvergesslich machte. B. war 
einer der thätigsten und begabtesten Grün- 
der des Eklektischen Freimaurerbundes 
und hatte als erster Provinzialaufseher an 
der Abfassung des Bituals und Gesetzbuchs 
desselben den allerwichtigsten Anteil. 
Nachdem er seit Oktober 1789 das Amt 
eines zugeordneten Grossmeisters be- 
kleidet hatte, traf ihn 29. Okt 1792 die 
Wahl zum Provinzial^ossmeister, und er 
blieb dies bis an seinen Tod. 1759 in 
Lyon als Maurer aufgenommen, schloss er 
sich 80. Dez. 1768 der Loge Zur Einigkeit 
in Frankfurt an und war eins der eifrigsten 
Mitglieder, wie schon seine öftere Wahl 
zum Meister vom Stuhl dieser Loge dar- 
thut. 1778 trat er auch zur strikten Ob- 
servanz. Zahlreiche maurerische Au&ätze 
von seiner Hand beweisen seine unermüdete 
Thätigkeit* alle atmen einen Geist wohl- 
wollender Milde und Brüderlichkeit, die 
mit Festigkeit und klarer Auffassung ge- 
paart sind. Darum erfreute er sich auch 
der allgemeinsten Achtung und Liebe. Eine 
von ihm geschriebene Geschichte der Loge 
Zur Einigkeit ist vollständig abgedruckt 
in der gleichen G^eschichte von Beges(1892). 
Eine Denkmünze der Loge Zur Einigkeit 
auf sein fünfzigjähriges Freimaurerjubi- 
läum s. HMW. Nr. 66. rVgl. Paul, Anna- 
len des Eklektischen Freimaurerbundes 
(Frkf. a. M. 1888), S. 241.1 

Brookljü (St. im nordamerikan. Staat 
New York, (1890) 806848 E.). Deutsch 
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Bruchsal — Bruderliebe. 



185 



arbeitende Logen das.: I. Unter der Gross- 
loge von Hamburg: Pythagoras Nr. 1, 
fegr. 2. April 1841, angenommen 1851. 
I. Unter der Grossloge des Staates New 
York: 1) Schiller Nr. 304, gegr. 21. Jan. 
1858. Vers. 2. und 4. Freitag. Deutsche 
Sparbank, Ecke Broadway undBuerum Str. 
2) Copernicus Nr. 545, gegr. 27. Dez. 
1868, gest 15. Juni 1864. Vers. 1. und 
8. Freitag; 1089 Broadway, Ecke Dodworth 
Street. 8) Lessing Nr. 608, gegr. 10. 
Mftrz 1866. Vers. 1. und 8. Mittwoch, 
Wurzlers Halle, 815 Washington Str. 4) 
Herder Nr. 698, gegr. 1869, 129 Mit- 

flieder. Vers. 2. und 4. Freitag, Masonic 
[idl. Ecke Meserole und Manhattan Ave., 
Greenpoint. 5) Allemannia Nr. 740, 
gCjgr. 1873, eingew. 10. Juni 1874, 174 Mit- 
glieder. Vers. 1. und 8. Montag. 158 Pierre- 
point Str. 6)VonMensch Nr. 765, gegr. 
11. Nov. 1875, eingew. 12. Juni 1876. Vers. 
2. und 4. Montag; Bushwick, Pennsylvania 
und Jamaica Aves. 

Bmehsal (St. im Grossherz. Baden, 12614 
£.). Hier bestand eine Loge: Zum Tempel 
des vaterländischen Wohls, gest. 24. 
Dez. 1808 vom Grossorient von Baden in 
Mannheim, eingew. 12. Febr. 1809, die 1818 
wieder einging. [Vgl. Schwarz, Geschichte 
der Loge von Mannheim (1896), S. 72.] 

Bmekenthal, Karl Samuel, Freiherr 
V., österr. Staatsmann, geb. (wahrscheinlich) 
26. Juli 1721 zu Löschkirch in Sieben- 
bürgen, gest. 9. April 1803 in Hermann- 
stadt, studierte in Halle und Leipzig die 
Bechte. Zurückgekehrt nach Siebenbürgen 
gelangte er 1774 in Hermannstadt bis zur 
Würde eines Gubemators von Siebenbürgen. 
Bei seinem Tode hinterliess er der Stadt 
Hermannstadt das B.'sche Museum. — Auf- 
genommen wurde er in den Freimaurer- 
bund 2. März 1743 in der Loge Zu den 
drei Kanonen in Wien. Während seines 
Aufenthalts in Halle gründete er die Loge 
Zu den drei goldnen Schlüsseln 14. Dez. 
1743, deren versitzender Meister er bis zum 
Febr. 1745 war. Unter seinem Schutz 
blühte die Loge Andreas zu den drei See- 
blättem in Hermannstadt auf. Ob er dieser 
Loge angehört hat, steht nicht fest. Wohl 
aber waren Mitglieder sein Bibliothekar 
Hahnemann(s.d.), der spätere Begründer der 
Homöopathie, und sein Neffe Karl v. 
Bruckenthal. [Vgl. L. 1882, S. 70; 1884, S.9. 
FZ. 1886, S. 209. HZC. 1898/9, Nr. 160. 
HMW. Nr. 79. Denkwürdigkeiten aus dem 
Leben des Freiherm S. v. B. (Hermann- 
stadt 1848). SchuUer, Maria Theresia und 
Freiherr v. B. (Hermannstadt 1863). Abafi, 
Geschichte der Freimaurerei in Österreich, I, 
S. 107.] 

Brader. Ausgehend von der Familien- 
verwandtschaft, als der innigsten und fes- 
testen Verbindung, werden in der Bibel 
nicht nur die weitiäu£gen Verwandten, wie 
Vettern, Geschwisterldtider, sondern auch 
die Genossen desselben Volkes Brüder 



genannt (2. Mos. 2, 11). Vertraute Freunde 
nennen sich ebenfalls mit diesem Namen 
(2. Sam. 1, 26). Zu dem allgemeinen re- 
ligiösen Bande, das unter allen Menschen 
als Ejndem Gottes stattfindet, gesellt sich 
bei den Christen noch das Band inniger 
Gemeinschaft vermöge des sie alle besee- 
lenden Geistes lauterer Liebe; daher nennen 
die Apostel alle Mitglieder der christlichen 
Gemeinden Brüder nach dem Gebot Jesu 
(Matth. 28, 8): »Ihr seid alle Brüder». In 
gleicher Weise bezeichnen sich auch die 
Mönche untereinander als Brüder. Inner- 
halb der Loge gilt dieser Name unter 
allen Mitgliedern als Zeichen ebenso der 
höchsten Ehre, wie der allen gemeinsamen 
Gleichheit und der alle umschlingenden 
Liebe. Alle ausser der Loge geltenden 
Ehrenbezeigungen und Kangunterschiede 
verschwinden m dieser vor dem einzig 
gebräuchlichen Namen Bruder. Mit dem 
Brudernamen wird daher der Neuaufge- 
nommene zuerst begrüsst, sowie seine Werne 
vollzogen ist. Ausserhalb der Loge wird 
der Brudemame nicht gebraucht. [Vgl. 
FZ. 1898, S. 805. Zd. 1847, S. 65.] 

Brüder der Begtftndigkeit (Fratres con- 
stantiae), 1795 Studentenorden an der 
Universität Wien, der seine Versamm- 
lungen Logen nannte. 

Brüdergenossenschafl, Deutsche, v. Sel- 
chow in Batibor veröffentlichte den Ent- 
wurf zu einem Grundgesetz der D. B. zum 
Zweck der intellektueUen, moralischen und 
materiellen Hebung der dem Arbeiterstand 
angehörigen Brüder, der aber keine Folge 
hatte. [Vgl Bh. 1868, S. 105; 1872, S. 131.] 

BrnderkuBS. Am Schluss der ersten 
christlichen Versammlungen pflegten sich 
Mann und Mann, Weib und Weib zu küssen ; 
dies geschah auch bei dem heiligen Abend- 
mahl zum Zeichen der geschwisterlichen 
Gemeinschaft. An diese innige Gemein- 
sch^ erinnern die Apostel Paulus und 
Petrus am Schluss ihrer Sendschreiben, 
indem sie die Christen auffordern: »Grüsst 
euch mit dem heiligen Kuss« (Rom. 16, 16; 
1. Kor. 16, 20; 2. Kor. 13, 12; 1. Thess. 
5, 26; 1. Petr. 5, 14). Dieser heilige 
Kuss, als Zeichen der Bruderliebe, findet 
sich auch in der Loge als ehrwürdiger 
Brauch in besonders geweihten Augen- 
blicken, wie nach der Au&ahme gegen- 
über dem Neuaufgenommenen, sowie am 
Schluss einer festlidienLogenversammlun^, 
wo die Bruderliebe zugleich durch die 
Schliessung der Kette einen lebendigen 
Ausdruck gefunden hat. 

Bruderliebe. Zu brüderlicher Liebe er- 
mahnen die Apostel in ihren Briefen wieder- 
holt und eindringend die Mitglieder der 
christlichen Gemeinden, damit sie sich als 
Genossen der innigen christlichen Geistes- 
und Herzensgemeinschaft erweisen möch- 
ten. Ein Abbild der ersten Clmstenge- 
meinde will die vom Grafen Zinzendorf 
gestiftete kirchliche Gemeinschaft dar- 
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136 



Bradermahl — Brühl. 



stellen, daher nennt sie sich auch eine 
Brüdergemeinde. [Vgl. L. 1885, S. 25.] 
In ähnlicher Weise ist auch der Bund der 
Freimaurer ein Bund der B. ; die B. bildet 
den Ausgangs-, Mittel- und Zielpunkt der 
freimaurerischen Verbindung: die B. führt 
die Freimaurer zusammen, und ihre ge- 
meinsame Aufgabe und Arbeit ist, in der 
Liebe immer vollkommener und dadurch 
Gott, der die Liebe ist, immer ähnlicher zu 
werden. Auf die letzte Frage im Freimaurer- 
verhör: Pflegen wohl die Maurer einander so 
heftig zu lieben, wie man B&gtl lautet die 
Antwort: Ja, fürwahr I und das kann nicht 
anders sein; denn gute und redliche Men- 
schen, die einander als solche kennen, 
pflegen sich jederzeit desto inniger zu lie- 
ben, je mehr sie gut sind. Durch die auf 
sittlichem Grunde ruhende B. führt die 
Freimaurerei Männer verschiedner Län- 
der, Beligionen und Stände zu einem trau- 
lichen verein zusammen, in dem sie 
auch durch den häufigen persönlichen Ver- 
kehr Gelegenheit erhalten, in herzlicher 
Teilni^ime durch Mitleid und Mitfreude, 
sowie durch aufopfernde Hilfe in Rat und 
That die Liebe zu bewähren. Diese B. 
macht den Freimaurern die Fremde zur 
Heimat, denn sie finden überall wie im 
Vaterhaus Brüder, die sie mit Freuden in 
ihren Logen und bei ihren geselligen Ver- 
sammlungen willkommen heissen, wenn sie 
einander auch noch nie im Leben geschaut 
haben. So verschieden auch die Landes- 
sitten und Sprachen, so verschieden auch 
die maureriscnen Lehrarten sein mögen, die 
besuchenden Brüder werden überall freu- 
dig begrüsst und haben ein besonderes 
Anrecht auf Erweisungen brüderlicher 
Liebe. Diese B. führt notwendig auch zur 
allgemeinen Menschenliebe. Dsiher treten 
die Freimaurer zusammen, um mit ver- 
einten Kräften ihren Nächsten, besonders 
den notleidenden durch Gaben wohlzuthun. 
Die Freimaurerei ist die Schule der edlen 
Menschlichkeit, der allgemeinen Menschen- 
liebe hauptsächlich dadurch, dass sie in 
ihren Kreisen die Gegensätze der Aussen- 
welt versöhnt und zu einhelligem Zu- 
sammenwirken verschmilzt; eben dadurch 
aber lehrt sie auch, dass die Liebe in der ge- 
samten Menschenwelt endlich alle Gegen- 
sätze überwinden und alle Herzen zu sitt- 
lichem Wirken vereinigen wird, damit die 
Menschheit einen allgemeinen Bruderbund^ 
eine grosse Familie Gottes diu*stelle. Diese 
messianische Hofihung der Liebe beseelt 
die Freimaurerei und kräftigt in jedem 
Augenblick der unvollkommnen Gegen- 
wart ihr edles Wollen und ihr Streben 
nach diesem göttlichen Musterbilde der 
vollendeten Menschheit, dessen Verwirk- 
lichung von Jahrhundert zu Jahrhundert 
immer gewisser und allgemeiner hervor- 
treten soll und wird. [Vgl. FZ. 1855, S. 
407; 1864, S. 185; 1872, S. 113. M. L, 
1897/98, S. 183. L. 1879, S. 127. Marbach, 



An der Säule der Weisheit (Lpz. 1876), 
S. 127.1 

Bmdemialil wird das gemeinschaftliche 
Mahl genannt, bei dem Freimaurer ohne 
Anwesenheit von Nichtmaurem versam- 
melt sind. Von den Tafellogen (s. d.) unter- 
scheiden sich die B. durch Wegfall jeder 
maurerischen Bekleidung und des Bituab, 
sowie durch Abkürzung oder Wegfall vor- 
schriftsmässiger Trinksprüche. In grossem 
Logen finden sie nach jeder Arbeitsloge 
statt. (S. Agapel. [Vgl. Fischer, Entwurf 
zu einem Handbuch für die Amtsthätig- 
keit der Logenmeister (Lpz. 1891), S. 64.] 

Bruderrerein s. Freimaurerverein. 

Bmgsoh, Heinrich Karl Ferdinand, 
Ägyptolog, geb. 18. Febr. 1827 in Berlin, 
gest. 9. Sept. 1894 in Charlottenburg, wid- 
mete sich schon als G3nnnasiast dem Stu- 
dium altä^ptischer Denkmäler, besuchte 
auf königliche Kosten Ägypten, habilitierte 
sich 1854 in Berlin als Privatdpzent, machte 
später weitere Beisen in Ägypten und 
durch Persien. 1870 trat er in äßrptische 
Dienste und siedelte 1879 wieaer nach 
Berlin über, wo er an der Universität 
Vorlesungen hielt. — Er wurde 10. Dez. 
1859 in der Loge Teutonia zu Potsdam 
aufgenommen, trat Okt. 1863 aus und 
schloss sich später der Loge Zum Pilgrim 
in Berlin an. Er bethätigte sein Inter- 
esse in mannigfacher Weise. [Vgl. BZC. 
1899, S. 39.] 

Brtthl, 1) Aloysius Friedrich. 
Eeichsgraf V., Standesherr von Forste und 
Pforten, poln. General -Feldzeugmeister, 
Starost, ein Sohn des bekannten säch- 
sischen Ministers, geb. 81. Juli 1739 in 
Dresden, gest. 30. Jan. 1793 in Berlin, 
lebte, nachdem er später in österreichschen 
Diensten gestanden hatte, zuletzt auf 
seinem Gute Pforten (Niederlausitz) und 
widmete sich seinen wissenschaftlichen und 
künstlerischen Neigungen, v. B. war ein 
für die Maurerei in Dresden und nament- 
lich für die Entwicklung und Ausbrei- 
tung der strikten Observanz bedeutunfi;8- 
volles Glied. Auf Grund eines von der 
Grossloge zu London erhaltnen Frei- 
briefs, der ihm, sowie v. Weiler 
d'Agdollo (s. d.) und Leutnant Borghesi 
die Würde eines Provinzialgrossmeisters 
der englischen Logen im Kurfürstentum 
Sachsen verlieh, gründete er 19. April 
1766 in Dresden, wo er damals lebte, die 
Loge St.-Jean des voyageurs. Als unter 
den Mitgliedern Unzufriedenheit mit den 
englischen Bestimmungen entstand, erhielt 
er durch v. Weilers (s. d.) Vermittlung 
ein Patent als »Grossdeputierter der Loge 
Eoyale Militaire de Vienne en Autriche«, 
kraft dessen er mit den ihm treuge- 
sinnten Mitgliedern der Loge die neue 
Dresdner L^ge Aux vrais amis (Zu 
den wahren Freunden) 1768 gründete. 
Durch V. Weiler ^rurde B. bald darnach 
dem V. Hundschen System zugeführt und 
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BrUU — Brunn. 



137 



1770 zum Praefectuö ad honorea der Pro- 
yinz €k>mmem (Dresden) ernannt und 1771 
zum Subprior der Diözese Polen. Auf 
seiner Besitzung Eohlo fand 1772 ein Kon- 
yent (s. d.) statt, und hier ernannte man 
Y. B. zum Mitglied des Provinzialkapitels, 
sowie zum Visitator prov. und Provisor 
domorum. Nach v. Hunds Tode war er 
als Dekan des Provinzialkapitels Covi- 
carius der 7. Provinz. [Vgl. Peuckert, Ge- 
schichte der Loge zu den drei Schwertern 
etc. (Lpz. 1883). Bh. 1897, 251.] 

2) Karl Adolf, Graf v., Bruder des 
Vorigen, Starost, kurf. sächs. General- 
leutnant und Chef des Carabiniers-Begi- 
ments, dann preuss. General und Oberhof- 
meister des Kronprinzen. Herr auf Nisch- 
witz und Lindenau, geo. 4. April 1741, 
gest. 4. Juli 1802, trat 1764 dem v. 
Hundschen System bei, wurde Comthur 
ad honores und Praepositus der heer- 
meisterlichen Kommenae Hartha und 1768 
Praefectus und Praepositus der Provinz 
€k>mmem (Dresden). 

3) AlbertChristian Heinrich, Graf 
V., Bruder des Vorigen, geb. 12. Juli 
1743, gest. 30. M&rz 1792, war kurf. sächs. 
Eammerherr, Oberst und Generaladjutant, 
Starost, Herr auf Oberlichtenau und Naun- 
dorf. Er war Mitglied des v. Hundschen 
Systems, wurde 1764 zum Comthur ad 
honores ernannt, trat aber 1773 vom Orden 
zurück. 

4) Hans Moritz, Graf v., Bruder 
des Vorigen, geb. 26. Juli 1746 in Dresden, 
eest. 31. Jan. 1811, war französ. Oberst, 
dann kurf. sächs. Kammerherr, später stand 
er in preuss. Diensten. 1767 trat er dem 
V. Hundschen System bei. 

Brtm, Ignaz, Klavierspieler und Kom- 
ponist, geb. 7. Nov. 1846 in Prossnitz in 
Mähren, bekannt durch seine Oper >Das 
goldne Kreuz«, wurde 1877 in der Loge 
Sokrates in Pressburg in den Freimaurer- 
bund aufgenommen, trat aber schon 1879 
wieder aus. 

Brfimmer, Karl Heinrich, Hofrat, 
Begierungssekretär und Intendant des Hof- 
theaters, geb. 26. Febr. 1771 in Mensel witz, 
gest. 19. Sept. 1842 in Altenburg, seit 22. Jan. 
1800 Mitglied der Loge Archimedes zu den 
drei Reissbrettem in Altenburg, war bis zu 
seinem Tode ununterbrochen Musikmeister 
der Loge und machte sich um das musi- 
kalische Leben vielfach verdient. Von 
ihm rühren mehrere, noch jetzt ge- 
sungene Kompositionen zu Logenliedem 
her. Auch enthält das Altenburger 
Logengesangbuch zwei schOne von ihm ge- 
dichtete Lieder. Von ihm erschienen 
einige Liedersammlungen unter dem Pseu- 
donym Nestorius und »Klänge aus den 
Hallen des Archimedes zu den drei Beiss- 
brettem Altenburg« LLieferung 12 Melodien 
mit Klavierbegleitung (1821). In Gemein- 
schaft; mit Waitz und Mörlin (s. diese) be- 
sorgte er die Ausgabe des Altenburger 



Logengesangbuchs von 1804, während er 
den zweiten Teil 1821 allein herausgab. 
[VgL Zd. 1843, S. 28— 32.] 

BrOnii (Hauptst. der österr. Markgraf- 
schaft Mähren, [1890] 94462 E^. Hier 
soll die Freimaurerei um die Mitte des 
18. Jahrhunderts Eingang gefunden haben, 
allein erst 1775 wird eine »ziemlich starke« 
Loge erwähnt, die vermuthlich den Namen 
Zur aufgehenden Sonne fdhrte, wenn 
es nicht eine neue Loge war, die 1782 
unter diesem Namen aus Berlin Stiftunfi;s- 
brief erwirkte. Sie schloss sich der 
österreichschen Landesloge an und wurde 
von der Provinzialloffe von Böhmen, 
der sie zugeteilt worden war, 6. Juli 
1784 neu gejgründet. Die Loge war 
in raschem Aufblühen, als sie zufolge der 
Freimaurerverordnung Anfang 1786 mit 
der Loge Zu den wahren vereinigten Freun- 
den sich vereinigen sollte, es jedoch vor- 
zog, sich ffänzlich aufzulösen. Letztere 
Loge, angeblich schon 1780, wahrschein- 
lich aber erst 1782 unter dem Namen Zu 
den vereinigten Freunden entstanden, 
wählte zum Meister vom Stuhl den K. K. 
Kämmerer und Artillerie-Hauptmann Franz 
Jos. Graf Kolowrat-Liebsteinsky, der kurz 
vorher unter den Prager Freimaurern gi ossen 
Unfrieden gestiftet hatte und nun nicht 
wagte, den Stiftungsbrief aus Prag zu er- 
bitten. Er suchte diesen daher von der 
Provinzialloee von Österreich zu erwirken, 
wurde jedoch abgewiesen und wandte sich 
hierauf an den Eklektischen Bund, von 
dem er 27. Febr. 1784 einen Stiftungs- 
brief erhielt. Man dürfte ihm indes in 
Wien nahegelegt haben, dass die Loge 
unbedingt von der Provinzialloge von 
Böhmen gegründet werden müsse, zu deren 
Gebiet B. gehörte. Nun erst, zu Neujahr 
1784 wandte man sich dahin und erhielt 
die Stiftungsurkunde 6. Juni 1784. Bei 
dieser Gelegenheit nahm die Loge den 
Namen Zu den wahren vereinigten 
Freunden an, löste sich aber infolge 
der von ihrem Meister vom Stuhl hervor- 
gerufenen Zwistigkeiten gegen dessen 
Willen noch im selben Jai^e auf. Fünf 
Mitglieder erneuerten Anfangs 1785 die 
Loge, die nun unter Fühnmg des K. K. 
Kämmerers imd Oberstwachtmeisters Anton 
Graf Belcredi bestens zu gedeihen begann. 
Für die Erneuerung der Loge dürfte es 
bestimmend gewesen sein, dass Graf Bel- 
credi dem Illuminatismus anhing und diesem 
ein Heim schaffen wollte. Es gelang ihm 
denn auch, die tüchtigsten Mi^lieder für 
den Illuminatenorden zu gewinnen. Ihm 
gehörte auch der genannte Graf Kolowrat 
an, der jedoch Rache brütete und die 
Loge bei der Provinzialloge verdächtigte, 
allein ohne Erfolg. Hierauf gab er bei der 
Regierung eine Anklage ein, in deren 
Folge die Loge in Gefahr stand, als 
Winkelloge aufgehoben zu werden (Juni 
1785), was indes durch das energische Ein? 
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188 



Brufitplatte — Buch, das weisse. 



schreiten der Provinzialloge von Böhmen 
verhindert wurde. Bald danach, anfangs 
1786, sollte die Loge infolge der Frei- 
maurerverordnung mit der Loge Zur auf- 
§ehenden Sonne vereinigt werden, die je- 
och lieber vorher deckte. Die Loge nahm 
den Namen Zur Sonne der vereinig- 
ten Freunde an, änderte ihn aber 1788 
in den frühem Zu den wahren vereinig- 
ten Freunden. Die Loge gab 1786 auf 
eigne Kosten eine «Wochenschrift zum 
Besten der Armen« heraus, die 600 fl. ein- 
trug, aber 1787 einginlg. Mit dem Eklek- 
tischen Bunde stand die Loge bis 1789 
in einer freilich sehr losen Verbindung. 
1794 dürfte sie sich aufgelöst haben. [Vgl. 
Keller, Geschichte des Eklektischen Frei- 
maurerbundes (Giessen 1857), S. 108. Abafi 
Geschichte der Freimaurerei in Österreich- 
Ungarn V. 128, VI, Vn.] Hier bestand 
auch ein Zirkel der Eosenkreuzer (s. d.). 
Brnstplatte, das viereckige doppelte 
Brustscmld des Hohenpriesters zu Jeru- 
salem, von gezwirntem Byssus, aus purpur- 
blauen, purpurroten, karmoisinroten und 
goldnen Fäden gefertigt; es war oben 
durch goldne Ringe und Ketten, unten 
durch goldne Ringe und purpiirblaue 
Schnuren fest angebunden und mit zwölf 
in Gold gefassten Edelsteinen, in denen 
die Namen der zwölf Stämme Israels ein- 
gegraben waren, in vier Reihen besetzt 
Mit dieser B. stand das heilige Orakel 
des Volkes in Verbindung, genannt Licht 
und Recht, indem der Hohepriester aus 
dem Glänze der Edelsteine die Zukunft 
vorhersagte. [Vgl. 2. Mos. 28, 4 fg.; Sir. 
45, 8 fg.; 8. Mos. 8, 8; 1. Sam. 28, 9; 
Esr. 2, 68; Neh. 7, 65; Jos. Ant. 8, 8, 9.] 
Die B. bildet einen Teil der Kleidung 
des Hohenpriesters in einem Royal-Arch- 
Kapitel. [Abbildung einer solchen in L. 

Bmstieiohen ist eines der Meisterzeichen 
nach Zinnendorfschem oder Schwedischem 
System. 

Babllti (St. in der preuss. Prov. Pom- 
mern, 4908 E.). Hier bestand unter der 
Loge in Neustettin ein Frelmaurerkränz- 
chen Zinnendorf zur Treue, gest. 11. 
Dez. 1886, bestätigt 8. April 1887, seit 
1896 eingegangen. 

Buch, da» weisse (ungeschriebene, Gott 

geweihte), liegt in den Logen, die nach 
em Fickeschen (sogenannten Freiburger) 
Ritual arbeiten, an Stelle der Bibel auf 
dem Altar. Diese Neuerung begründet 
Ficke (s. d.) in dem Vorwort zu seinem 
Ritual mit folgenden Worten: «Da Gott, 
die Religion und die Moral des Bundes 
nicht in ein einseitiges Glaubensbekennt- 
nis eingegrenzt sind, sondern humanistisch, 
rein und allgemein menschlich aufgefasst 
werden müssen, so ist die Bibel, welche 
nur den Christen als heilige Schrift gilt, 
kein entsprechendes Emblem für alle. Die 
Freimaurerei erkennt als die heiligste 



Schrift diejenige, welche der grosse Bau- 
meister in die Brust eines jeden Menschen 
geschrieben hat. Die Bibel genügt daher 
nicht auf dem Humanitätsaltar, der allen 
Glaubensbekenntnissen gleich angehört. 
Durch ihre Entfernung wird keine Miss- 
achtung für das Christentum angedeutet 
Mit Freude wird ihr hoher innerer Wert 
und die Dienste, welche sie der Mensch- 
heit geleistet hat, anerkannt. Aber weder 
das Christentum, noch die christlichen 
Kirchen umfassen die ganze Menschheit. 
... So wie die Bibel und alle heiligen 
Bücher die Erzeugnisse des menschlichen 
Wissens aus der Vergangenheit sind, so 
wird die Menschheit, in Gegenwart und 
Zukunft fortschreitend, die vorhandenen 
Lehren vervollkommnen und vervollstän- 
digen. Alle diese Werke, welche die 
kommende Zeit uns bringt, sind heute 
lauter ungeschriebene Bücher. Da nun 
die Freimaurerei, wenn sie lebensfähig 
bleiben will, für Gegenwart und Zukunft 
arbeiten muss, so passt für sie das unbe- 
schriebene Buch.« — Dasselbe wird im 
Freiburger Ritual folgendermassen erklärt: 
«Auf diesem Buche leuchtet mit goldner 
Schrift das Wort ,Gott'. Es ist uns ein 
Symbol Gottes. Gott ist unser allererstes 
grosses Licht, welches alle andern Lichter 
entzündet, — das Buch aber ist unge- 
schrieben, jeder gefimdnen Wahrheit offen. 
— Was bedeutet das? Gott ist das ewige 
Problem, welches der Mensch aller Erd- 
kreise und aller Zeiten aufzulösen und 
dadurch seine Religion und Moral, sein 
Verdienst, seine Weisheit, Schönheit und 
Stärke, zu bethätigen hat. Der Mensch 
thut das auch seit Jahrtausenden auf der 
Erde und hat manches heilige Buch voll- 
geschrieben. Das Problem ist jedoch nicht 
gelöst. Daher liegt hier ein ungeschriebenes 
Buch. Wir erkennen keine unbedingte 
Autorität in Glaubenssachen an; es passt 
also für uns. Wir sollen es, jeder für sich, 
vollschreiben und dadurch unsre geistige 
Selbständigkeit an den Tag legen. Als 
Maiirer sind auch Sie dazu berufen. « — 
Die in Heidelberg 1872 abgehaltene 
Versammlung der Grossloge Zur Sonne 
von Bayreuth erkannte dieses weisse Buch 
als maurerisches Symbol mit allen gegen 
eine Stimme unter der Bedingung an, dass 
dem Aufgenommenen nach der Erklärung 
des Buches mitgeteilt werde, dass in andern 
Logen die Bibel auf dem Altar liege. — 
In neuerer Zeit ist wiederholt gegen diese 
Neuerung angekämpft worden, und v. Rein- 
hardt, Grossmeister der Grossloge Zur Sonne, 
erklärte in der Jahresversammlung des Ver- 
eins deutscher Freimaurer in Karlsruhe 
1898: »Ich halte es zwar keineswegs für 
ein Verbrechen am Geiste der Freimaurerei, 
wenn eine Loge andre Symbole, als die 
herkömmlichen für sich aufstellt, aber ich 
halte es für gefährlich und zu Missdeu- 
tungen aller Art Veranlfssung^f^beud, 



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Bücherei, Bücherkunde (Bibliographie und Bibliotheken). 



139 



wenn eine Loge sich in die Lage versetzt, 
durch lange Zeitlftufe hindurch bei den 
verschiedensten Veranlassungen immer 
wieder die von ihr vorgenommene Ab- 
weichung vom allgemeinen Gebrauch be- 
gründen zu müssen, damit ihr nicht Motive 
unterlegt werden, die ihr fremd sind. 
Die Kunst ist frei. Aber auch eine 
Kunstgenossenschaft schliesst sich stets 
durch Annahme gemeinsamer Anschau- 
ungen und Gebräuche zusammen. Auch 
die Grosslogen von Peru und von Ungarn 
haben sich diesen Anschauungen wieder 
anffeschlossen und das Bibelsystem wieder 
angerichtet« Die Grossloge von Ungarn 
und Peru haben die Bibel wieder auf den 
Altar bringen müssen, um allseitige An- 
erkennung sich zu erhalten. [Vgl. H. L. 
1899, S. 2740.] 

Bfleherei, Btteherkunde (BibliograDliie 
und Bibliotheken). Erst in der Mitte 
des 18. Jahrhunderts fing man vereinzelt 
in den Logen an, fireimaurerische Druck- 
schriften zu sammeln und so den ersten 
Grundstock zur Anlage freimaurerischer 
Büchersammlungen zu bilden. Das erste 
Verzeichnis von 847 freimaurerischen 
Werken giebt Bode in seinem »Almanach 
oder Taschen-Buch für die Brüder Frey- 
mäurer« (1776 — 79). Ein Verzeichnis von 
196 Schriften im »Neuen Taschenbuch für 
Freymaurer € (Eostock 1801) bezeichnet 
sich ausdrücklich als Fortsetzung dieser 
Sammlung. Gleichzeitig mit Bode ver- 
öffentlichte J. F. Reicham in der »Samm- 
lung für die freyen und angenommenen 
Maurer in Deutschland« ^Gotna 1776) ein 
alphabetisches Verzeichnis von 77 frei- 
maurerischen Schriften und Liedern. Femer 
enthält das erste Stück der »Freymfturer- 
Bibliothek« (Brl. 1778): »Verzeichnis der 
im J. 1777 bey der Mutterloge Zu den 
drey Weltkugeln edirten Ireymäurer- 
Schriften« und das 2. Stück (Brl. 1782) zwei 
weitere Verzeichnisse der seit 1771 bei der 
Mutterloge u. s. w. und der bei andern 
deutschen Logen herausgegebenen Schrif- 
ten. Ln folgenden Jahre erschien, heraus- 
gegeben von C. L. F. Rabe, das erste selb- 
ständige Werk: »Anleitung, eine deutsche 
Freimäurerbibliothek zu ssuoamlen«, I.Stück 
(2. Stück, Stendal 1788), freilich ohne jeden 
entsprechenden Wert. Die von Mossdorf 
beabsichtigte Herausgabe einer Bücher- 
kunde, deren Schema Gerlach im »Neuen 
Freymaurerischen Taschenbuch c (Freyberg) 
Bd. 6, S. 220 abdruckt, kam leider nicht 
zu Stande. 1830 gab StUler in Rostock eine 
»Deutsche Bücherkunde der Freimaurerei 
u. s. w.« heraus, ein alphabetisches Ver- 
zeichnis von 1052 deutschen Schriften mit 
einer systematischen Lihaltsübersicht. Der 
Verfiasser nennt sie selbst im Vorwort: 
»Einstweiliges Surrogat bevor der Erschei- 
nung einer s^stematisch-klassifizierten Lit- 
teratur.« Diese erschien, durch 15 jähriges 
Studium vorbereitet, 1844 von Kloss (s. d.): 



»Bibliographie der Freimaurerei und der mit 
ihr in Verbindung gesetzten geheimen 
Gesellschaften (Frankfurt a. M.) und bildet 
noch heute daa Hauptwerk über Bücher- 
kunde der Freimaurerei. Es enthält in 
43 systematischen Abteilungen 5398 
chronologisch geordnete Werke. Einen 
Nachtrag hierzu bildet Barthelmess' »Bib- 
liographie der Freimaurerei in Amerika« 
(New York 1856.) Auch Findel »Meine 
Maurerische Büchersammlung« (Lpz. 1866) 
bezeichnet sich als Nachtrag zu Kloss und 
will »ein Wegweiser durch die neuere und 
ältere Litteratur der Freimaurerei« sein. 
Ein Supplement zu Kloss ist die mit litte- 
rarisch-kritischen Notizen versehene »Mau- 
rerische Bücherkunde« von R. Taute (Lnz. 
1886.) Sie ist für jeden, der sich mit der 
freimaurerischen Litteratur beschäftigen 
will, unentbehrlich. Als Ergänzung zu 
Kloss und Taute könnte bezeichnet werden : 
»Alphabetisches Verzeichnis der in Kloss' 
Bibliographie der Freimaurerei und Tautes 
Maureriscner Bücherkunde angeführten 
anonymen Schriften mit Hinweisung auf 
die laufenden Nummern in beiden Werken« 
(München 1898), leider ohne jedes Ver- 
ständnis für Stichworte angefertigt und 
sehr fehlerhaft. Sonst finden sich Auf- 
zählungen und Besprechungen freimau- 
rerischer Werke in fast allen freimaureri- 
schen Zeitschriften und Taschenbüchern. 
C^^'gl. Taute, Die deutsche Freimaurer- 
iblio^phie. Mittheilungen aus dem Verein 
deutscher Freimaurer 1896/97, S. 86.] — 
Was die Einrichtung einer Logenbücherei 
betrifft, gelten dafür dieselben Vorschriften, 
wie für andre Büchereien. Für kleinere 
Sammlungen kann man die einfache alpha- 
betische Anordnung der Schriften wählen, 
am besten dann mit einer Inhaltsübersicht, 
wie sie z. B. Bergdolt nach dem Vorbilde 
von Stiller in dem »Bücherverzeichnis der 
Johannisloge ,Augusta' i. Gr. Augsburg« 
(1895) durchgeführt hat. Grössere Büche- 
reien werden vorteilhafter nach wissen- 
schaftlichen Grundsätzen geordnet: Ein- 
teilung der ganzen Litteratur ihrem Inhalte 
nach in einzelne Abteilungen, z. B. Bücher- 
kunde, Zeitschriften, Geschichte u. s. w., 
vielleicht, wenn nötig, jede Abteilung 
wieder in Unterabteilungen u. s. w. In jeder 
Abteilung ordnet man die Werke am rich- 
tigsten der Zeitfolge nach, nicht alpha- 
betisch, wie dies Taute gethan hat. Je 
nach dem Büchereiwert, den man dem 
Katalog beilegt, sind Verfasser, Titel de» 
Buchs, Verlagsort, Verleger, Jahreszahl, 
Seitenzahl, Format u. s. w. genau anzu- 
geben. In jedem Falle aber muss die Be- 
zeichnung des Buchs derartig sein, dass 
es mit keinem andern verwechselt werden 
kann. Für jedes Werk werden diese An- 
gaben am besten auf einen besondem 
Zettel geschrieben (»Zettelkatalog«, der so 
beliebig umgeordnet werden kann). Man 
stellt die Bücher dann genau m 4^^|^Ul*^^ 
y y ^r\ 



140 



Bttcherwart — Budapest. 



Beihenfolge auf, wie sie der Zettelkatalog 
angiebt. Bei der Drucklegung wird das 
Bücherverzeichnis zumSchluss mit einem ge- 
nauen alphabetischen Verfasser-, Personen- 
und Stichwortverzeichnis versehen. Als 
Musterverzeichnis sind das von P. Fischer, 
Verzeichnis der Büchersammlung der Frei- 
maurerloge Archimedes zum ewigen Bunde 
in Gera (1892), leider ohne Register, und 
ganz besonders das von Dr. A. Ockler, 
Verzeichniss derBüchersammlun^ der Loge 
Friedrich zum goldenen Zepter m Breslau 
(1897) zu emp^hlen. Wer sich genauer 
mit der Einrichtung einer Bücherei be- 
schäftigen will, dem sei ganz besonders 
A. Graesel, Grundzüge der Bibliotheks- 
lehre (Lnz. 1890), empfohlen, aus denen 
jeder viel Belehrung schöpfen kann. Über 
genaue Einrichtung und Katalogisierung, 
besonders von Logenbüchereien über Be- 
nutzung der Büchereien Seiten der Logen- 
mitglieder ist eine Ordnung aufzustellen. 
[Vgl. FZ. 1872, S. 99, wo ein »Regulativ« 
abgedruckt ist.] Es ist auch notwendig, 
dass für möglichsten Gebrauch der Bücher 
gesorgt wird. Deshalb hat der Bücherwart 

S Bibliothekar) sich stets bereit zu finden, 
en Mitgliedern bei der Auswahl der Bücher 
an die Hand zu gehen. Anweisung, wie die 
Leistungsfähigkeit der Logenbüchereien 
erhöht werden kann, findet sich L. 1891, 
S. 198. Auch ist wegen der technischen 
Verwaltung zu vergleichen R. Fischer, 
Entwurf zu einem Handbuch der Amts- 
thätigkeit der Logenmeister (Lpz. 1891), 
S. 91. Zu bemerken ist die Vermitt- 
lungsstelle fUr den Ein- und Austausch 
maurerischer Bücher in Brieg (s. d.). In 
Deutschland haben die grössten Büchereien 
die drei altpreussischen Grosslogen in 
Berlin und die Grosse Loge von Hamburg, 
die grösste maurerische Büchersammlung 
überhaupt besitzt die Grossloge von Massa- 
chusetts, ihr ziemlich gleich ist die der 
Grossloge von Iowa, die 12000 Bände 
umfasst. [Vgl. Bbl. 1892, S. 119. Bh. 1899, 
S. 152.] 
Bttcherwart, s. Büoherei. 
Baehsweiler (St. im Unterelsass, 3144E.). 
Hier soll eine Loge Zur Freundschaft 
(nach andern La Bienfaisance) bestanden 
haben. Auch eine Loge Johannes der 
Evangelist zur Wohlthätigkeit wird 
hier aufgefdhrt, in der der Grossherzog Lud- 
wig von Hessen 1771 aufgenommen worden 
sein soll. [Vgl. Maurerjubelfest zu Ehren 
des Durchl. Br. Christian Ludwig, Land- 
^;rafen zu Hessen und bei Rhein, gefeiert 
in der Loge Johannes der Evangelist zur 
Eintracht im O. zu Darmstadt am 28. Juli 
1828. Nies, Der Freimaurerbund zur Ein- 
tracht (Mainz 1896), S. 8.] 

Bttekebnrf (Hauptst. des Fürstent. 
Schaumburg-Lippe, 5620 E.). Hier wurde 
unter der Grossloge von Hannover 29. Sept. 
1860 die Loge Hermine zum Nessel- 
blatt gegründet, die sich 24. Mai 1871 



nach Auflösung jener Grossloge der 
Grossen Loge von Hamburg anschloss. 
Mitgliederzahl (1899): 29. Vers. Montags. 
Logenlokal: Langestr. 20. 

Budapest (Haupst des Eönigr. Ungarn, 
[18901 500818 E.). L Frühere Zeit. l)In 
rest bestand schon 1768 eine ausserordent- 
liche Loge, in der der französische Oberst 
Le Ciaire auch höhere Grade erteilte. 2) 
Anfangs der siebziger Jahre des 18. Jahrh. 
entstand die Loge Zur Grossmut (Magna- 
nimitas) auf Grund eines Stifbungsbriefs, 
den sie durch Vermittlung des Herzogs 
Georg von Mecklenburg (s. d.) erhalten 
haben soll; doch dürfte sie schon 1775 zur 
Draskovichobservanz (s. d.) übergetreten 
sein. Die rasche Zunahme der Mitglieder- 
zahl und der Umstand, dass im Winter die 
Schilf brücke ausgehoben wurde, die Ofiier 
Mitglieder daher monatelang am Besuch 
der Loge verhindert waren, führte zu einer 
räumlichen Spaltung, es wurde nämlich in 
Ofen 3) eine Zweigloge errichtet, die 1780 
wieder zur Mutterloge gezogen worden zu 
sein scheint. Als der Plan einer Landes- 
loge von Österreich auftauchte, stimmte 
die Lo^e daför, bezw. fttr die Vereinigung 
mit Wien. Ein Teil der Mitglieder aber 
stemmte sich wider den Anschluss an irgend 
eine ausserungarsche Oberbehörde und 
wünschte die Aufrechterhaltung der Dras- 
kovichobservanz. Diese Minderheit dürfte 
4) 1781 in Ofen eine Loge errichtet haben, 
über die jedoch jegliche Nachricht fehlt. 
Als die Landesloge ins Leben trat, ge- 
langte die Loge unter 2 zu der Überzeu- 
gung, dass die Satzungen der neuen Gross- 
loge vollständig zentralistisch seien, somit 
der germanisierenden Richtung Vorschub 
leisten und die ungarschen Logen mehr 
oder weniger von Wien abhängig mache. 
Dazu war die Mehrheit der Mitglieder 
nicht geneigt und schloss 1784 den Tempel, 
während die Minderheit der Loge Zur 
Verschwiegenheit beitrat. Bei Veröffent- 
lichung der Freimaurerverordnung (Dez. 
1785) wurde betont, dass in Pest- Ofen 
Logen bestehen dürfen; nachdem jedoch 
derzeit bloss eine Loge in Ofen bestand, 
traten zahlreiche Freimaurer zusammen 
und erneuerten 5) 16. März 1786 die Loge 
Zur Grossmut, die aber von der Pro- 
vinzialloge keine Stiftungsurkunde er- 
langen konnte, daher nach dem Drasko- 
vichritus fortarbeitete. Hauptmann Aigner 
(s. d.) erhielt von Leopold II. die Ermäch- 
tigung, neue deutsche Logen in Ungarn 
zu errichten, zugleich aber den Auf- 
trag, alle Logen zu untersuchen und 
die nicht konstituierten zu schliessen. 
Demzufolge musste sich die Loge 1792 
auflösen. Inzwischen waren in Pest-Ofen 
andre Logen eröfibet worden. 6) Alexander 
Fürst Murusi gründete 1 1 . Okt. 1 782 die Loge 
St. Alexander zu den drei silbernen 
Ankern; Zwistigkeiten führten jedoch 
schon Mai 1783 die Aufhebung der Loge 
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Budapest. 



141 



herbei. Insgeheim eröffnete man bald 
darnach die Loge wieder und richtete 1787 
sogar eine schottische Loge ein. Die Loge 
Zur Grossmut Hess aber die Loge über- 
rumpeln und auflösen. 7) Unter dem 
Namen Zur ersten Unschuld gründeten 
zehn Mitglieder der Pressburger Loge Zur 
Sicherheit, die als Beamte nach Ofen ver- 
setzt waren, noch vor ihrer Abreise in 
Pressburg 24. Au^. 1 784 eine Loge, die in Ofen 
7. Nov. 1 784 erömiet wurde. Lifolge der Frei- 
maurerverordnung traten die Mitglieder der 
Loge Zur Verschwiegenheit dieser Loge bei. 
Am 30. Dez. 1786 teilte sich die Loge: 
die Anhänger des Berliner Bituals blieben 
in der Loge Zur ersten Unschuld, diejenigen 
der Draskovichobservanz erneuerten 8) die 
Loge Zur Verschwiegenheit. Der Obrig- 
keit gegenüber bestanden beide nach wie vor 
als e i n e Loge, und es wurden dieÄnderungen 
im Personalstande beider durch einen der 
Stuhlmeister bei der Statthalterei ange- 
meldet. Die Loge ging 21. Juli 1789 aus- 
einander. Kroyher stiftete in Ofen auch 
einen Zirkel der Rosenkreuzer (s. d.). 9) Ein 
grosser Teil der Mitglieder der Press- 
burger Loge Zur Verschwiegenheit 
gehörte zu den höchsten Landesstellen, 
die 1784 von Pressburg nach Ofen verlegt 
wurden. Demzufolge wurde auch die Loge 
dahin verlegt und 1784 hier wieder eröffnet 
Zahlreiche Mitglieder andrer Logen traten 
ihr bei, und sie schien einer schönen Blüte 
entgegen zu gehen, als die Freimaurer- 
Verordnung (Ende 1785) erschien, deren 
Anordnungen sich die Mitglieder nicht 
fagen wollten und die Loge lieber auf- 
lösten; 80 Mitglieder schlössen sich der 
Loge Zur ersten Unschuld an, traten jedoch 
5. Jan. 1787 wieder aus und erneuerten 
die Loge Zur Verschwiegenheit, die sich 
1789 auflöste. 10) 1790 wird eine Loge 
St. Barbara genannt. Sie gilt als Schutz- 
heilige der Artilleristen, die Loge war also 
offenbar eine Militärloge. Die strikte 
Observanz zählte infolge der durch den 
Fürsten Murusi in und ausserhalb der 
Loge St. Alexander bewirkten Einweihungen 
in den Rittergrad, bereits zahlreiche An- 
hänger, als Hauptmann Aigner auf Grund 
der Vollmachten des Kaisers und der Prager 
Präfektur es unternahm, das System in 
Ungarn, insbesondere aber in der Landes- 
hauptstadt einzuführen und als altschotti- 
scher Obermeister die IV. Balley der Vm. 
Ordensprovinz wieder herzustellen. Zu- 
nächst errichtete er 11) 13. Jan. 1792 in 
Pest die Loge Zu den sieben Sternen, 
setzte den Universitätsprofessor Kreil zum 
Meister vom Stuhl ein und behielt sich 
bloss die oberste Leitung vor. Allein Kreil 
stellte nachträglich unerfüllbare Beding- 
ungen, was zu seiner Deckung führte. 
Inzwischen hatte die Loge nach dem Tode 
Leopolds n., der ihre Errichtung (20. Dez. 
1791) ausdrücklich gebilligt hatte, bei 
Franz U. um Genehmigung ihres Fortbestan- 



des nachgesucht. Die Antwort des R^enten 
(19. März 1792] lautete bejahend. Im Herbst 
1792 löste Aigner die Pester Loge Zur 
Grossmut, weil sie nicht konstituiert war, 
auf, und zog einen Teil der Mitglieder zu 
seiner Loge. Hierauf übertrug er, um 
eine in Ofen errichtete Loge selbst zu 
leiten, 8. März 1793 den Hammer dem 
Advokaten Madäch, unter dem die Loge 
jedoch in Verfall geriet und sich gezwungen 
sah, (6. Mai 1794) sich mit der Ofiier Loge 
zu vereinigen. 12) Diese, die Loge Zur 
Vereinigung, hatte Aigner 13. Nov. 1792 
eröffnet und sie selbst geleitet. Am 
6. Mai 1794 nahm die Loge infolge 
der Vereinigung mit der Pester Loge 
den Namen Zu den sieben Sternen 
undVereinigungan. Mittlerweile hatte 
Aigner 13) 6. Febr. 1792 die schottische 
Loge Franz zum wachenden Löwen 
und bald darnach (12. Febr.) 14) auch 
die altschottische Loge (oder Ritterkapitel) 
gleichen Namens errichtet. In allen diesen 
Werkstätten führte er den Vorsitz und 
suchte in ihnen die reinen Grundsätze der 
Freimaurerei zur Geltung zu bringen,, 
auch hielt er darauf, dass in ilmen 
die freimaurerischen Formen streng ein- 
gehalten wurden und in dem Gebahren die 
grösste Ordnung herrsche. Diese Loge 
war diejenige, die sich in ganz Öster- 
reich-Ungarn am längsten gehalten hatte. 
Anfangs der vierziger Jahre des 19. Jahrh, 
standen in Ungarn noch 32 ältere Frei- 
maurer in einiger Verbindung. Zum Jo- 
hannisfeste kamen deren jährlich 18 — 20 
zusammen, 1846 lebten noch 18 Freimaurer,, 
deren 11 erschienen. Einer von ihnen,. 
Buchhändler M. A. Thoma, der auch der 
Loge in Füss angehörte, beabsichtigt» 
1845 15) in Pest eine Loge zu errichten 
und frug in Frankfurt a. M. wegen Kon- 
stituierung an; nachdem diese jedoch an 
eine behördliche Erlaubnis geknüpft und 
diese nicht zu erhalten war, scheiterte der 
Plan. Er wurde nach den Märztagen 1848 
wieder angeregt, und man ersuchte die 
eklektische Grossloge in Frankfurt a. M., 
die neue deutsche Loge Ludwig Kossuth 
zur Morgenröte des nöhern Lichts mit 
Stiftungsurkunde zu versehen. Dies wurde 
16. Juni 1848 zugesagt, die Stiftungsurkunde 
aber erst 24. Aug. unter dem Namen Zur 
Morgenröte des höhern Lichts er- 
teilt. Der Einzug des Feindes (Dez. 1848) 
und der verhängte Belagerungszustand 
machte der Loge ein Ende. 16) Nach 
einer langem Pause erstand eine ungarsche 
Loge Szent-Istvän (St. Stefan). Die Mit- 
glieder ersuchten 16. Aug. 1861 Lewis (s.d.), 
ihnen eine Stiftungsurkunde zu verschaffen, 
und nachdem die Hamburger Grossloge 
sich hierzu geneigt erklärt, suchten sie 20. 
Okt. 1861 förmlich darum nach. Nun aber 
erklärte man (3. Nov.), dass die Stiftungs- 
urkunde nur erteilt werden könne, wenn 
eine behördliche Erlaubnis vorliege und 
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142 



Budapest. 



man sich verpflichte, deutsch zu arbeiten. 
Ersteres konnte, letzteres wollte man nicht. 
Die Loge arbeitete somit einige Zeit ohne 
ötiftungsurkunde fort, und Graf Csäky soll 
später auch im Lande einige Logen er- 
richtet haben. — n. Neuzeit, a) Jo- 
hannislogen. Nach Wiederherstellung 
der Landesverfassung (1867) gründete Pro- 
fessor L. Lewis (s. d.) 25. Mai 1868 die 
Loge Einigkeit im Vaterlande, welche 
die Mutterloge der Johannisfreimaurerei 
in Ungarn wurde und nebst den übrigen bis 
dahin entstandnen Logen 1870 die Jo- 
hannisgrossloge von Ungarn (s. d.) 
bildete. 12. Febr. 1875 löste sich die Loge 
auf. Aus ihr gingen einige Logen hervor: 
ao die Loge Szent-Istvän (St. Stefan), 
die, 15. Jan. 1870 errichtet, 22. Jan. 1894 
ihre Arbeiten einstellte; die liOge Die 
alten Getreuen (gegr. 19. Nov. 1870); 
die Loge Haladäs (Fortschritt), gest. 27. 
Mai 1871; und die Loge Kazinczy, er- 
richtet 18. Sept. 1878, aufgelöst 1877. Aus 
der Loge Die alten Getreuen ging hervor 
die Loge Galilei (gest. 12. Dez. 1871), die 
sich in Ofen aufthat, während die übrigen 
in Pest arbeiteten. — b) Schottische 
Logen. Heimgekehrte hervorragende Emi- 
granten gründeten 28. Mai 1869 die Loge 
Corvin Mätyäs (Mathias Corvinus), die 
vom schottischen Grossorient von Frank- 
reich gestiftet, zur Mutterloge der schot- 
tischen Freimaurerei in Ungarn wurde und 
im Verein mit den inzwischen entstandnen 
Logen 1871 den schottischen Grossorient 
vonUngarn errichtete. Li rascher Folge 
traten nun hier folgende Logen ins Leben: 
Humboldt (gegr. 5. Dez. 1869); Zur 
Arbeit (gegr. 11. Mai 1871); Hungaria 
{gegr. 9. März 1872); Öszetartäs (Ein- 
tracht, gegr. 9. April 1872, in vorige auf- 
gegangen 29. Jan. 1875); Könyves Kai- 
man (König Koloman, gegr. 24. März 1872); 
Zur Grossmut (gegr. 26. Juli 1872), die 
Bich 1876 auflöste; ihre Mitglieder errich- 
teten die Loge Eötvös (5. Jan. 1877); 
Deäk Ferencz (gegr. 16. Juli 1885); 
fiowie in der nunmehrigen Vorstadt 
Alt-Ofen die Loge Arpäd (gegr. 1871, 
aufgelöst 1874). Diese Logen, insofern 
noch thätig, errichteten in Gemeinschaft 
mit den übrigen Schotten- und den 
Johannislogen 1886 die Symbolische Gross- 
loge von Ungarn. — c) Unter der Sym- 
bolischen Grossloge von Ungarn 
iirbeiten hier gegenwärtig folgende Logen : 
1) Corvin Mätyäs (60 Mitglieder, Vers, 
jeden Mittwoch); 2) Humboldt (58 Mit- 
glieder, Vers, jeden Mittwoch); 8) Die 
alten Getreuen (58 Mitglieaer, Vers, 
jeden Donnerstag); 4) Haladäs (97 Mit- 
glieder, Vers, jeden Donnerstag); 5) Hun- 
faria (46 Mitglieder, Vers, jeden Freitag); 
)Könyve8Kälmän (220 Mitglieder, Vers, 
jeden Dienstag); 7) Eötvös (5§ Mitglieder, 
Vers, jeden Mittwoch); 8) Deäk Ferencz 
<90 Mitglieder, Vers, jeden Sonnabend); 



9) Comenius, gest. 16. Mai 1888 (58 Mit- 
glieder, Vers, jeden Freitag); 10) Demo- 
kratia, gest. 17. Okt. 1889 (197 Mitglieder, 
Vers, jeden Montag); 11) Reform, gest. 24. 
Apr. 1892 (52 Mitglieder, Vers, jeden Mon- 
tag); 12) Minerva, gest. 20. Febr. 1894 (36 
Mi^lieder, Vers, jeden Dienstag) ; 18) Pat- 
ria, gest. 17.Nov. 1898 (14 Mitglieder, Vers, 
jeden Freitag), die sämtlich in dem neuen 
LiOgenhause (r est) VI. Bezirk, Podmaniczky- 
gasse 45, arbeiten; sowie 14) die Loge 
Galilei (155 Mitglieder, Vers, jeden 
Dienstag) am rechten Donauufer (Ofen) im 
eignen Hause, U. Bezirk, Hauptgasse 8. Von 
diesen Logen arbeiten 2, 4, 12 und 14 in 
deutscher, die übrigen in ungarscherSprache. 
Die meisten verfugen über mehr oder 
minder beträchtliche Fonds, so Corvin M. : 
Corvinfonds 2000 fl.; Humboldt: Hum- 
boldtfonds lOOOOfl.; Haladäs: Logenfonds 
1034 fl., Jubiläumsfonds 2668 fl., Witwen- 
und Waisenfonds 24007 fl., A. Laufferfonds 
138 fl.; Galilei: Galüeifonds 13844 fl.. 
Eiserner Fonds 181 fl., J. Abelesfonds 1 lOOfl. ; 
Hungaria: Hungariafonds 1615 fl.; Kö- 
nyves Kälmän: Könyves Kälmänfonds 
21 856 fl., Reservefonds 406 fl., M. Ehrlich- 
fonds 174 fl.; Eötvös: Eötvösfonds 8964 fl., 
Felekifonds 250 fl.; Deäk Ferencz: Deäk 
Ferenczfondsl4616fl.,Stipendienfonds250fl., 
Sz^cskayfonds 500 fl.; Comenius: Com- 
meniusfonds 8629 fl. ; R e f o r m : Beformfonds 
2290 fl., Studienfonds 174 fl.; Minerva: 
Minervafond88539fl.;Demokratia:Demo- 
kratiafonds 1442 fl., Wohlthätigkeitsfonds 
838 fl.. Grosse Geisterfonds 711 fl., Hymnus- 
fonds 55 fl., A. Glückfonds 1204 fl. — Von 
den humanitären und sozial wichtigen 
Schöpfungen dieser Logen seien nur die 
bedeutendem erwähnt. Die Loge Corvin 
Mätyäs: a) Volksbildungsverein, gegr. 
1870, durch den bis 1898 über 28000 
Erwachsne im Lesen, Schreiben und 
Rechnen Unterricht erhielten; b) Sträf- 
lingsunterstützungsverein, gegr. 1874, Ver- 
mögen ca. 200000 fl.; c) Verein zur Unter- 
stützung von Taubstummen, gegr. 1894, 
der zwei Asyle hat. — Die Loge Hum- 
boldt: Kinderfreundverein, gegr. 1887; fer- 
ner führt die Loge die freimaurerische Vor- 
mundschaft der Waisen ihrer verstorbenen 
Mitglieder. — Die Loge Die Alten Ge- 
treuen: Asyl verein ffli Obdachlose, gegr. 
1888, der, von städtischer Seite unterstützt, 
4 Asyle mit 582 Betten besitzt. Auf An- 
regung und Betreibung der Loge erbaute 
jüngst die Stadt Budapest 4 Muster- 
arbeiterhäuser und betraute mit deren 
Erbauung den Asylverein; die Loge 
aber beschloss 1895, in dieser Kolonie 
eine Cr^che zu errichten und spendete zu 
diesem Zwecke nebst einzelnen Brüdern 
2000 fl. — Die Loge Galilei: Wärmestuben 
(1885), Bekleidung armer Kinder (jährlich 
ca. 120), gegr. 1874, die 1883 einem grossen 
Verein übertragen wurde. — Die Loge 
Haladäs: Ferialkolonieverein, g^r. 1882. 
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Badissin — Bulgarien. 



US 



— Die Loge Könyves Kälm&n: Kin- 
derschutz verein, gegr. 1889 mit der Auf- 
gabe, 6 — 18 jähr. Kinder beiderlei G^ 
schlechts, die der Gefahr moralischer 
and physischer Verkommenheit ausgesetzt 
sind, zu erziehen und eine diesbezügliche 
Propaganda im ganzen Lande anzuregen. — 
Die Loge Eötvös: Verein Teleia, gegr. 
1892, mit der Aufgabe. Opfer der Pro- 
stitution zu retten und eine öffentliche 
Ordinationsanstalt für mittellose Ge- 
schlechtskranke zu unterhalten. — Die 
Loge DeäkFerencz: Haushaltungsschule 
für Mädchen, gegr. 1897. Ausserdem werden 
die Zinsen des Stipendienfonds (5500 fl.) 
armen Universitätshörem und Schülern von 
Mittelschulen zugewendet. Die Loge De- 
mokratia 1896 einen allgemeinen Wohl- 
th&tigkeitsverein. 

Budissin, 8. Bautzen. 

Buek, 1) Heinrich Wilhelm, Arzt, 
geb. 10. April 1796 in Hamburg, gest. 
10. Febr. 1879 das., machte als Assistenz- 
arzt den Feldzug 1815 mit, wurde 1823 
Arzt am Freimaurerkrankenhaus in Ham- 
burg, 1827 Mitstifter und Vorsteher des 
Hamburger Taubstummeninstituts und 1833 
Physikus. — In den Freimaurerbund wurde 
B. 6. April 1820 in der Loge Absalom in 
Hamburg aufgenonmien, deren Meister vom 
Stuhl er 1829 wurde. 1838 wurde er vomGross- 
meister Cords (s. d.) zu seinem Stellvertreter 
gewählt, und als dieser 1847 zurücktrat, 
wurde B. das Grossmeisteramt übertrafen, 
das er 1872 niederlegte, als er sein 25jähnges 
Grossmeisterjubiläum feierte. In diesen 
25 Jahren hat er neben seiner grossen Be- 
rufsthätigkeit und seinen Liebhabereien 
(allerlei Sammlungen) auch für die Frei- 
maurerei grosse Thätigkeit entwickelt. 
Unter seiner Leitung sind viele der wesent- 
lichsten Verbesserungen zu stände ge- 
^ekonmien, die der Hamburger Logenbund 
in Bezug auf seine Innern Verhältnisse 
(Revision des Rituals und der Instruktionen) 
erfahren hat. Zwei der wichtigsten Fragen 
brachte er zur vollsten Geltung, die frei- 
maurerische Judengleichstellung, wodurch 
der Freimaurerbund den Charakter eines 
allgemeinen Menschheitsbundes erlangte, 
den er gnmdsätzlich beansprucht, und die 
Bekämpfung des Sprengelrechts, die ihn 
bewog, trotz des Widerspruchs der Gross- 
logen Nordamerikas dort Logen zu grün- 
den. [Vgl. L. XVn, 59, wo auch sein 
BUd- Bh. 1879, S. 86.] 

2) Karl £ duard, Ajssekuradeur, Bruder 
des Vorigen, geb. 20. Febr. 1795 in Hamburg, 
gest das. 1. Jan. 1887, wurde 13. März 1816 
aufgenommen in der Pilgerloge in London, 
schloss sich 7. Aug. 1833 der Loge Absalom 
in Hamburg an und war 1838—1852 Präses 
des Schatz- und Almosenkomitees, 1885 bis 
1843 Meister vom Stuhl der Loge Ferdi- 
nande Caroline, 1844—1859 Grossaufseher 
und 1859 — 1871 zugeordneter Grossmeister 
der Grossloge von Hamburg. 



Buenos Alreg (Hauptst. der Argenti- 
nischen Republik, [18921 543065 E.). Hier 
bestehen als deutsche Logen 1) die Loge 
Teutonia unter der Grossen Loge von 
Hamburg, entstanden 1882 aus der Ver- 
einigung der Logen Germania (gegr. 24. 
Nov. 1863) und Deutschland (gegr. 12. 
Mai 1877, eingew. 26. Sept. 1877 von der 
Grossen Loge in Hamburg); 2) die unab- 
hängige Loge Friedrich IH. Im übrigen 
s. Argentinien. 

Buffalo (St. im nordamerikanischen Staat 
New York, [1890] 255664 E.). Deutsche 
Logen das. unter der Grossloge von New 
York: l) Concordia Nr. 143, gegr. 24. 
Juni 1848, Vers, den 2. und 4. Mittwoch. 
2) Modestia Nr. 340, gegr. 24. Juni 1854. 
Vers, den 1. und 3. Dienstag. 3) Harmonie 
Nr. 699, gegr. 22. Juni 1867. Vers, den 
1. und 3. Mittwoch. 

Bairette von öhlefeld, 1} Job. Friedr. 
Wilh., herzogL sachs.-koDurg. Geheim- 
rat, geb. 1722, gest. 1792, war 1778 Meister 
vom Stuhl der Loge Libanon zu den drei 
Cedem in Erlangen. 

2) Job. Aug. Adolf, fürstl. branden- 
burgscher Geheimrat, geb. 1727, gest. 12. 
März 1803, war Meister vom Stuhl der Loge 
Libanon zu den drei Cedem in Erlangen 
1774 bis 1775 und 1783 bis 1799. 

3) Karl Ludwig, Gutsbesitzer und 
Kammerherr, geb. 1769, aufgenommen in 
den Freimaurerbund 27. Febr. 1789, war 
Meister vom Stuhl der Loge Libanon zu 
den drei Cedem in Erlangen 1819 bis 1823 
und deckte auf Befehl der Regierung 1824. 

Bukarest (Hauptst. des Königreichs 
Rumänien, [1891] 194633 E.). Eine deut- 
sche Loge wurde hier 3. Apr. 1871 von 
der Grossloge von Ungarn gegründet: Zur 
Brüderlichkeit, die sich 29. Okt. 1881 
unter die Grossloge von Hamburg und 12. 
Juli 1889 unter die Grossloge Zur Sonne 
stellte, aber später ihre Thätigkeit als Loge 
einstellte und seit 3. Apr. 1^5 als Kränz- 
chen mit gleichem Namen unterm Schutz 
der Bayreuther Loge weiter wirkt. Im 
übrigen s. Bmnänien. 

Bukowina (Herzogtum, 5sterr. Kronland). 
In der deutschen Ansiedlung St. Philippen 
ward zur Zeit, als das Land noch zur 
Moldau gehörte, die Loge Zu den 
tugendhaften Weltbürgern gestiftet und 
sicherlich von der Grossloge in Warschau 
konstituiert. 1782 wurde sie provisorisch, 
1787 aber endgültig zur Provinzialloge von 
Siebenbürgen gerechnet, stand aber mit 
dieser nie in irgend einer Beziehung. In- 
folge der Freimaurerverordnung vom Dez. 
1785, wenn nicht früher, ist sie jedenfalls 
erloschen. Später bestand hier die Militär- 
loge Zu den drei Kanonen, die 1789 ge- 
nannt wird 

Bulgarien (Fürstentum). Hier wurde 
von Ungarn aus 1873 in Sistowa eine Loge 
zu gründen versucht; der Plan scheiterte 
jedoch an dem Fanatismus der Bevölke- 

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144 



Ballen — Bürge. 



rungy der die »Fannasonen« als Be- 
volutionftre nnd Ungläubige verabscheute. 
Hierauf gründeten die Grossloge von Ru- 
mänien 1882 inRustinok und 18^ in Warna, 
der Groasorient von Italien 1883 in Rust- 
Schuck und der Grossorient von Lusitanien 
das. und 1888 in Sofia Logen, die aber 
sämtlich ohne langen Bestand gewesen zu 
sein scheinen. Nach dem Annuaire des 
Grossorients von Frankreich fttr 1898 hat 
in Warna auch eine eigne Grossloge be- 
standen mit 8 Tochterlogen, die aber 
sämtlich ihre Thätigkeit eingestellt haben. 
Jetzt verlautet über maurerische Thätig- 
keit in diesem Lande nichts mehr. 

Bullen, s. Päpste. 

Bund, s. Orden. 

Bund, Der. Unter diesem Titel erschien 
ein einziger Jahrgang (1878^ als »Fort- 
schrittliches Organ für freimaurerische 
und litterarische Interessenc, herausgegeben 
von Hugo Mandello (s. d.) und Dr. Ludwig 
Bosenberg (Pest, Wien und Leipzig). 

Bnndesblatt nennt sich ein von der 
Grossen National-Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln in Berlin seit 1887 herausge- 
gebenes freimaurerisches Blatt, das an die 
Stelle der frühem »Mittheilungen« (s. d.) 
getreten ist und Amtliches und Nichtamt- 
liches enthält. Schriftleiter: Eelmann bis 
mit Nr. 7 von 1892, von da Sellin und als 
dessen »Stellvertreter« von Nr. 12 von 1897 
an Dr. Diercks. 

Bundes • Direktorfum s. Direktorium. 

Bandeslade. In dieser wurden die mo- 
saischen Gesetztafeln und nach Hebr. 9, 4 
auch ein Körbchen mit Manna und der 
blühende Stab Arons (s. d.) aufbewahrt. 

fVgl. 2. Mos. 25, 10 fg.: 5. Mos. 10, 1 fg.; 
oseph. Ant., 3, 6, 5.] Li den Hochgraden 
wird die Bundeslade im Abbild als Heilig- 
tum verehrt und durch diese die Fest- 
haltung an den Gesetzen der Feimaurerei 
bezeichnet. Li der Boyal-Arch-Maurerei 
ist die Bundeslade vor allem hoch und 
heilig gehalten. 

Bange, Emil, Ereisdirektor a. D. und 
Geh. Regierungsrat in Bernburg, geb. das. 
1. Juli 1817, wurde aufgenommen in der 
Loge Alexius zur Beständigkeit in Bern- 
burg 13. Mai 1854 und steht noch jetzt in 
jugendlicher Frische verschiednen Wohl- 
thätigkeitsanstalten vor. Dem Logenleben 
war er stets mit ganzer Seele ergeoen und 
als Meister vom Stuhl (1873—1886) ein in 
Segen arbeitendes Mitglied. Li verschied- 
nen maurerischen Schriften erschienen 
von ihm Artikel über die Judenfrage, die 
Tafellogen, über das Tragen nrofaner Orden 
und Ehrenzeichen, über oie Hochgrade 
u. s. w. Zuletzt schrieb er eine Listruk- 
tion zum Lehrlingskatechismus (2. Aufl., 
Cöthen 1894) und eine zum Gesellengrad 
(Cöthen 1898). 

Banslaa (St. in der preuss. Provinz 
Schlesien, 13870 £.). Loge das. unter der 
Grossen Landesloge in Berlin: Zurgold- 



nen Kette, gegr. 21. Mai 1849, eingew. 
19. Sept. 1849. MitffUederzahl (1900): 64. 
Vers. Mittwochs. Xlub täglich. Ferien: 
Juli und August. Eignes Logengebäude 
in der Logenstrasse, eingew. 13. Dez. 1885. 
Stiftungen: a) Witwen- und Waisenstift- 
tung, Kapital: 17000 M. b) Kimth-Stif- 
tung, Kapital: 6300 M. [Vgl. Knuth, 
Ohronologische Übersicht nebst geschicht- 
lichem Anhang (1874). Weitz, Festschrift 
zur Feier des 50jährigen Stiftungsfestes 
der Loge, den 14. Mai 1899.1 
Bar&eh, Karl Friedrich, Physiolog, 

feb. 12. Juni 1776 in Leipzig, gest. 16. 
Uli 1847, studierte in Leipzig, habilitierte 
sich hier 1798, ging 1811 als Professor 
nach Dorpat und 1815 nach Königsberg. 
Er wurde 1806 in der (nicht anerkannten) 
Loge Zur Sonne in Leipzig aufgenommen, 
5. April 1808 in der Loge Minerva zu den 
drei Palmen angenommen und war 1811 
deren Redner, wurde 1818 Mitglied der 
Loge Zu den drei Kronen in Königs- 
berg und war 1834—41 deren Meister, in 
welcher Stellung er segensreich bis zu 
seinem Tode wirkte. [Vgl. Burdach, Rück- 
blicke aus meinem L^ben (1848), 8. 568.] 
Borg (St. in der peuss. Prov. Sachsen, 
19397 E.). Logen das. unter der National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln: 1) 
Johannisloge Adamas zur heiligen 
Burg, gegr. 28. Nov. 1821. Mitglieder- 
zahl (1899): 92. Vers, in der Regel Mitt- 
wochs. Logenhaus: Zerbsterstr. 81. Milde 
Stiftungen: a) Sparkasse für die Beerdi- 
gungskosten (Statut vom 11. Aug. 1858) 
und b) Witwen- und Waisenkasse (Statut 
vom 11. Aug. 1853). 2) Delegierte alt- 
schottische Loge Elpizon, gegr. für 
Gardelegen 4. Apr. 1820, nach B. verlegt 
19. Juli 1834. 

Bürge (Pathe, Cavent, Proponent) wird 
derjenige Meister Maurer genannt, der 
seiner Loge gegenüber sich für die Würdig- 
keit eines Bewerbers um die Aufnahme 
in den Bund ausspricht, dabei auch die 
Verpflichtung übernimmt, an seinem Teile 
den Aufgenommenen zu erinnern und zu 
ermahnen, wenn er nach der Aufnahme 
seinen Verpflichtungen nicht nachkommen 
sollte. Dieses Verhältnis besteht fort, bia 
der Aufgenommene in den Meistergrad 
befördert ist. Bei der grossen Sor^alt, 
die bei der Au&ahme neuer Mitgbeder 
beobachtet wird, ist der Bürge vor allem 
verpflichtet zu oedenken, ob er den, den 
er empfiehlt, genau kennt und ob er sicher 
überzeugt ist, er werde im Bunde Befirie- 
digung finden und zugleich dem Bunde 
zur Ehre gereichen. Soweit wie m^^glich 
muss er die Beweggründe (s. d.) des Auf- 
nahmesuchenden erproben und darf bei 
der Empfehlung keinerlei Rücksichten 
auf seine aussermaurerischen Verhältnisse 
nehmen. [Vgl. Bh. 1873, S. 852. FZ. 1861, 
S. 343; 1892, S. 393. L. XVm, S. 85. 
Z. 1889, S. 84. R. Fischer, Entwurf zu 

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Bürger — Burkhard. 



146 



einem Handbuch fOx die Amtsthätigkeit 
der Logenmeister (Lpz. 1891), B. 8.] 
Bürger, G o tt f r. A u g. , deutscherDichter, 

feb. 1. Jan. 1748 in Molmerswende, gest. 8. 
uni 1794 in Göttingen, Sohn eines Pre- 
digers, wurde 1772 Justizamtmann in Alten- 
gleichen, gab sein Amt nach zwölQ&hriger 
Thfttigkeit auf und wurde 1 784 akademischer 
Lehrer in Göttingen. Sein höchster Ehrgeiz 
war, ein Volksdichter zu werden. Den glück- 
lichsten Wurf that er mit seiner Ballade 
»Leonore«, wodurch er seinen Dichterruhm 
begründete. Mangel an sittlicher Haltung 
und Würde jedoch verhinderte, dass er 
ein echter Volksdichter wurde. — Er wurde 
3. März 1775 in der Loge Zum goldnen 
Zirkel in Göttingen aufgenommen^ war 
ein sehr eifriges Mitglied und machte 
sich in ihr als Bedner beliebt, welches 
Amt er vom 2. Febr. 1777 mit einer drei- 
jährigen Unterbrechung bis zur Unter- 
drückung der Loge inne hatte. Zwei 
Freimaurerreden enthält die von Bohtz 
besorgte Ausgabe seiner Werke (Göttingen 
1835), abgedruckt FZ. 1852, S. 46 65. 
[Vgl. Strodtmann, Briefe von und an 
August B. Ein Beitrag zur Litteratur- 
geschichte seiner Zeit (4 Bde., ßrl. 1874). 
Sauer, B.'s Biographie und Gedichte 
(Stuttg. 1883). Heyne, Mitteilungen zur 
Vorgeschichte der Loge Augusta zum 
goldnen Zirkel in Göttingen (1896), S. 17. 
Bh. 1877, S. 230. Bst. R. 1882, S. 110. 
FZ. 1894, S. 187; 1898, S. 41. L. 1898, 
S. 22.] 

Bflrgerloge, Allgemeine (A. B. L.). Diese 
geheime Gesellschaft entstand 1896 in 
Berlin. Der Aufruf zur Teilnahme wendet 
sich nur an solche, die keiner Frei- 
maurer- oder Odd-Fellow-Loge ange- 
hören. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. 
Der »für die Verwaltung« zu zahlende 
Jahresbeitrag ist für jeden »Logenbruder« 
auf eine Mark festgesetzt. Das silberne 
Abzeichen mit (grün-rotem) »Ordensband« 
wird für 3 M. verabreicht. Beides wird 
»nachgenommen«, wenn es nicht »vorher 
eingesandt« wird. Als Zweck wird ange- 
gel^n: »Unterstützung der wirtschaftlich 
Schwachen, Hebung sinkender Existenzen, 
Hilfeleistung in Notlagen und bei Sterbe- 
fällen, Veranstaltung von Festlichkeiten 
zu wohlthätigen Zwecken, Errichtung von 
Logenhäusem und Altersheimstätten, Er- 
teilung von Auskünften über Kredit- 
verhältnisse, Eechtssachen in Wissenschaft- 
lidien und andern Fragen.« »Politik ist 
ausgeschlossen.« Die Grossloge befindet 
sich in Berlin, die Hauptlogen sind in den 
Provinzialhauptstädten, Kesidenz- und 
Freien Städten des Deutschen Beichs, 
Zweiglogen dort, wo sich mindestens zwölf 
Logenbrüder zur Bildung einer solchen 
zusammenthun. Die Zweiglogen sind den 
Hauptlogen und diese wiederum der Gross- 
loge unterstellt. Die Grossmeister werden 
fti3 zwölf Jahre, die Obermeister auf sechs 

Allgemeiiies Handbuch der Freimaurerei. 



Jahre, die Meister auf drei Jahre ernannt. 
Wie weit diese neue, dem Freimaurerbund 
nachgebildete, auf rein realistischer Grund- 
lage ruhende Gesellschaft sich verbreitet 
hat, ist nicht genau bekannt. Jeden- 
falls besteht sie noch, ohne auf lange 
Dauer rechnen zu können. Anfang 1898 
ist die erste Grossloge in Charlottenburg 
abgehalten worden. Die A. B. L. soll an 
45 Orten Deutschlands vertreten sein. Als 
Grossmeister wurde der Buchhändler O. 
Hemfler in Berlin gewählt. Dass sie viel- 
fach mit dem Freimaurerbund verwechselt 
werden wird, ist leider wohl anzunehmen. 
Aus ihr sind die Beformierten Johannis- 
Logen (s. d.) hervorgegangen. [Vgl. L. 1896, 
S. 131.] 

Bilrgscliaft, s. Bürge. 

Bnrgsteinfart (St. in der preuss. Prov. 
Westfalen. 5015 E.). Der Gründer der in 
B. bestandnen Loge Ludwig zum flam- 
menden Stern war der als maurerischer 
Schriftsteller bekannte Siegfried v. Gou^ 
(s. d.). Sie BcUoss sich dem Eklektischen 
Bunde an und wurde 22. Nov. 1785 von 
Wetzlar gegründet. Schon 1789 scheint 
sie wieder entschlafen zu sein. [Vgl. Kloss, 
Annalen der Loge zur Einigkeit, S. 199. 
A. 1857, S. 335.] 

Bnrian, Joseph Julius, Arzt, geb. 
24. Okt. 1828 in Suczawa in der Bukowina^ 
gest. 1891, widmete sich in Wien dem 
Kechtsstudium, trieb dabei noch Natur- 
wissenschaften und Medizin. 1848 beim 
Ausbruch der Revolution wurde er Führer 
der Studentenliga. Am 31. Okt. wurde er 
im Strassenkampf in Wien schwer ver- 
wundet, floh 1849 aus Österreich und ging 
1852 nach Amerika, wo er sich in New 
York als Arzt niederb* ess. Er leitete 
seit 1866 die »Reform«, Organ des Vereins 
deutsch -amerikanischer Freimaurer, und 
seit 1881 die »Masonia«, Organ für die 
Interessen der Freimaurerei in den Ver- 
einigten Staaten von Nordamerika. Er 
war Mitglied und Altmeister der German 
Pilgrim-Loge Nr. 179 in New York. [Vgl. 
FZ. 1891, S. 130.] 

Bnrkliard, Peter, Bürgermeister von 
Basel, Landammann der Schweiz und Gross- 
meister des rektifizierten schottischen 
Direktoriums der Schweiz, geb. 25. Aug. 
1742 in Basel, gest. 24. März 1817 daselbst, 
trat 1760 in die Handlung seines Vaters 
ein. Mit Isaak Iselin gründete er 1777 
die gemeinnützige Geseilschaft in Basel 
und wirkte in vielen Kollegien, Kamtmem, 
Hilfsvereinen und Gesellschaften der vei^ 
schiedensten Art zum allgemeinen Besten. 
Er wurde in den Hundschen Tempelherren- 
orden aufgenommen und gründete 1768 in 
Basel mit A. Buxdorf die Loge Zur Frei- 
heit und 1778 Zur vollkommnen Freund- 
schaft. 1779 wurde er Präfekt des Basler 
Kapiteb. Als zur Zeit der Franzosen- 
herradiAft das Maurertum wieder in Auf- 
schwung kam, beteiligte er , 
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,^ö§!^ 



146 



Bürmann — Buxtehude. 



daran und bewirkte 28. Jannar 1809 die 
WiederauMchtang der Basler Prftfektur, 
deren Leitung er übernahm. Nach Wie- 
dererrichtung der Züricher Präfektur 
wurde B. 1812 zum Groasprior des rekti- 
fizierten schottischen Direktoriums in der 
Schweiz ernannt. 

Bttnnann. Joh. Heinr., Direktor der 
badischen Handlungsakademie in Mann- 
heim und Professor der Mathematik an 
dieser, war sehr thfttig fELr die Frei- 
maurerei bei deren Wiederherstellung in 
Baden (s. d.) zu Anfang des 19. Jahrhun- 
derts und Verfasser mehrerer maurerischer 
Schriften, u. a. des »Maurerischen Archivs« 
(Mannh. 1809). 

Barns, Robert, berühmter schottischer 
Liederdichter, geb. 25. Jan. 1759 in Allo- 
way im südlichen Schottland, gest. 21. Juli 
1796 in Dumfries, wurde 4. Juli 1781 in 
der ehemaligen Loge St. David Nr. 174 
in Tarbolton in den Freimaurerbund auf- 

fenommen. Später trat er in die Loge St. 
ames Nr. 185 in Tarbolton ein, in der er das 
Amt des zugeordneten Meisters bekleidete 
und oft den Vorsitz führte. Am 1. Febr. 
1787 wurde er in der Loge Canongate 
Kilwinning Nr. 2 in Edinburg angenommen 
und 1. März 1787 dort zum Poeta laureatus 
ernannt. Ein Bild, das diesen Vorgang 
darstellt, ist in AQC. VII, 8 ent- 
halten. Das betreffende Ehrenzeichen ist 
abgebildet im »Freimaurer« 1877, S. 27. 
Die St. James-Loge bewahrt noch cÖe mau- 
rerische Bekleidung. [Vgl. Peacock, R. 
Bums, Poete laureate of Lodge Canongate 
Kilwinning. Facts substantiating his elec- 
tion and Inauguration (Edinburgh 1894). 
AQC.V. L. XVn,226. FZ. 1859, S. 271; 
1862, S. 295. Z. 1898, S. 74 ] 

Busch, 1) Franz Arnold, Kanonikus 
in Hildesheim, gest. 1813, wurde 1762 in 
der Loge Pforte zur Ewigkeit in Hildes- 
heim aufgenommen. 1775 trat er zur Loge 
Ferdinand zur gekrönten Säule das. über, 
schenkte 1780 dieser Loge die Büste des 
Herzogs Ferdinand von Braunschweig 
musste 1783 auf Befehl des BischoS 
aus der Loge austreten, schloss sich aber 
27. Febr. löOO von neuem der Loge Zum 
stillen Tempel in Hildesheim an, die ihn 
20. Febr. 180« zu ihrem Ehrenmeister er- 
nannte. [Vgl. Taute, Die katholische Geist- 
lichkeit und die Freimaurerei (Lpz. 1895), 
S. 29.f 

2) Dietrich Wilhelm Heinrich, 
Arzt, geb. 16. März 1788 in Marburg, gest. 
15. März 1858, diente während der Kriegs- 
jahre 1806—14 als Arzt in der französischen. 
golnischen, westfälischen, russischen unci 
essischen Armee, wo er zuletzt General- 
stabsarzt war, wurde dann ausserordent- 



licher Professor, kam 1829 im Mai ab 
ordentlicher Professor und Direktor der 
geburtshilflichen Klinik nach Berlin und 
wurde zum Geh. Medizinalrat und Mit- 
cdied der wissenschaftlichen Deputation 
mr Medizinalwesen ernannt. — Li aen Frei- 
maurerbund aufgenommen wurde er 1811 
in der Loge Marc Aurel in Marburg, an 
deren Spitze damals sein Vater stand. Am 
16. Juli 1830 bei der Loge Zum Pilgrim 
in Berlin angeschlossen, erstieg er rasch 
die höhern Grade, wurde 1842 stell- 
vertretender Landesgrossmeister und Jo- 
hannis 1848 Landesgrossmeister, welches 
Amt er, von drei zu drei Jahren fdnfinal 
wieder erwählt, bis an seinen Tod ver- 
waltete. Unter seiner Leitung wurden die 
Provinziallogen in Königsberg in Preussen 
und 15 Johannislogen der Grossen Landes- 
loge gestiftet, sowie eine ruhende Tochter- 
loge wieder eingesetzt. [Vgl. L. XV, 
158 fg.] 

Bathmann, Joachim Matthias, geb. 
11. Mai 1809 in Hamburg, gest. 28. Jan. 1896 
in Wandsbeck, war seit 1829 Schulvorsteher 
bis Ende der sechziger Jahre und zog sich 
dann ins Privatleben nach Wan£beck 
zurück. Er wurde 28. Nov. 1832 in die 
Loge Zur goldnen Kugel in EEamburg auf- 
genommen und bekleidete dort nachein- 
ander die Ämter eines Schriftfahrers, Red- 
ners und Logenmeisters (1842 — 45). 1847 
trat er mit einer Anzahl gleichgesinnter 
Mitglieder aus und stiftete die Loge Zur 
Bruderkette, deren Meister vom Stiüil er 
1847—49, 1858 bis Nov. 1869 war. Er hat 
herausgegeben: »Die Schwester als Mau- 
rerin« (Lpz. 1860), »Maurerische Vorträge« 
(2. Aufl., Hmbg. 1865}, »Rückblick auf die 
Entstehung und 25jährige Wirksamkeit 
der Loge Zur Bruderkette« (Hmbg. 1872). 

BOtzow (St. im Grossherz. Mecklenburg- 
Schwerin, 5589 E.). Loge das. unter der 
Grossen Landesloge zu Berlin :Uraniazur 
Eintracht, gegr. 2. Sept. 1821, eingew. 
10. Nov. 1821. Mitgliederzahl (1899): 48. 
Vers, den 1. und 3. Mittwoch jeden Mo- 
nats. [Vgl. M. L. 1896/97, S. 7\f 

Baxtehade (St. in der preuss. Provinz 
Hannover, 3635 E.). Nachdem schon seit 
1874 regelmässige Versammlungen von 
Freimaurern hier stattgefunden hatten, für 
die 4. April 1876 Satzungen ausgearbeitet 
wurden, wurde bei der Loge in Harburg 
für einen Klub die Bestätigung im Herbst 
1877 nachgesucht und 9. Febr. 1878 er- 
teilt. Der Klub führt den Namen Ger- 
hard zur treuen Hut, zum Andenken 
an den Magister Gerhard Halepaghan. 
Mitgliederzahl (1899): 15. Vers, am 2. 
Donnerstag im Monat. Lokal: Pepers 
Gasthof. Ferien: Juli und August. 



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CagUostro. 



147 



C. 



Artaa, dU unUr C vtrmUH werden^ tind wUer K oder E »u nehm. 



Cagliostro, Alexander Graf y., der 
bekannteste Name*) unter den vielen, die 
sich der geistreiche Betrüger Joseph Bai- 
samo (geb. 2. Juni 1743 in Palermo, gest. 
im Gefängnis zu San-Leone im Kircnen- 
Staate 28. Aug. 1795) beilegte. Mit der 
Ckibe, sich hervorzuthun und die Ge- 
müter zu fesseln, besass er verschieden- 
artige Kenntnisse, die er benutzte, um durch 
Schwindeleien und Betrügereien sich An- 
sehen zu verschaffen. Bei der Neigung 
des 18. Jahrhunderts zu mystischem 
Treiben und zur Schwärmerei gelajig es 
ihm, die Bolle eines Magiers und Wunder- 
thäters, eines Propheten und Geisterbanners 
zu spielen. So durchzog er mit seiner 
schönen Frau, Lorenza Feliciani, die durch 
ihren Liebreiz reiche Wollüstlinge zu 
locken verstand, Italien, England, Spanien, 
Deutschland, die Schweiz, Frankreich, 
Polen und Russland. Zuletzt war er in 
die berüchtigte Halsbandgeschichte ver- 
wickelt, und obgleich er wahrscheinlich 
dabei unschuldig war [vgl. Neuer Pitaval, 
Vin, 192—296, wo das ganze Material zu- 
sammengestellt ist], bildet diese doch den 
hauptsächlichsten Anlass zu seinem spätem 
unglücklichen Schicksal, das ihn 27. Dez. 
1789 in die Engelsburg brachte und ihn 
als Freimaurer, Betrüger und Zauberer 
7. April 1791 zum Feuertode verdammen 
Hess. Die Strafe ward aber in lebensläng- 
liches Gefängnis verwandelt. C. Hess sich 
nach seiner Angabe bei seinem zweiten 
Aufenthalt in London zum Freimaurer 
aufnehmen, was aber nicht zu erweisen 
und höchst unwahrscheinlich ist, und 

frtindete eine eigen erfundene Maurerei, 
ie er die ägyptische nannte, zu der ihm 
die Papiere eines gewissen George Eofton 
die erste Idee gegeben haben sollen. Im 
Haaf errichtete er eine Frauenloge und 
zog dann nach Kurland, wo er im Februar 
oder März 1779 in Mitau Anhang gewann 
und sich namentlich bei dem Eeichsgrafen 
von Medem in gutes Vernehmen zu setzen 
und dessen Tochter (die spätere Elisa von 
der Kecke) zu seiner gläubigsten Anhängerin 
zu machen wusste. Diese durchschaute 
ihn jedoch bald [vgl. ihre Schrift: Nach- 



*) Bieten Namen hatte er ron seinem Groaeonkel 
Oinseppe Oagliottro angennommen, wie er sich ron 
seinem Familiennamen Marchete di Balsamo nannte ; 
Marcheted'AjinaTon einer Verwandten, welche diesen 
Vornamen führte; Marchese di Pellegrini, von Tri- 
xdt4 de* Pellegrini, in dessen Nfthe sein Sohwieger- 
▼ater an Born wohnte. Br liebte überhaupt, seine 
Namen, die er sich beilegte, nach Personen, mit 
denen er in irgend einer Besiehnng stand, sn wäh- 
len; selbst seine Benennung Orosskophta Ifttst sich 
auf Kofton sur&okfILhren, wogegen er mit dem Oonte 
di Fenioe auf seine Unsterblichkeit hinweisen wollte. 



rieht von des berüchtigten C. Aufenthalte 
in Mitau (Berlin 1787^], weshalb vielleicht 
sein Versuch, sich Dei Katharina n. in 
Petersburg festzusetzen und eine ägyptische 
Loge unter deren Schutz zu stif^n, miss- 
lang. Ja, Katharina machte in drei Schau- 
spielen: Der Betrüger, Der Schaman von 
Sibirien und Der Verblendete (Peters- 
burg 1786) O.'s Gebaren so lächerlich, dass 
er sich eilends nach Warschau be^ab. 
Aber auch hier war ihm das Glück nicht 
hold, weshalb er nach Strassburg reiste, 
wo er sich bei dem Prinzen Louis Ben4 
Edouard de Rohan, Kardinal und Erzbischof 
von Strassburg, in Gunst zu setzen wusste 
und dadurch später in die unglückliche 
Halsbandgeschichte verwickelt wurde. Hier 
errichtete er 8. Okt. 1779 seine erste Loge 
vom Bite ^gyptien. Nach einem melu*- 
jährigen Aufenthalte das. bis 1783 durch- 
zog er Italien, kehrte aber nach Frank- 
reich zurück und errichtete in Lyon mit 
12 Mitgliedern der dortigen Loge La sagesse 
triomphante im Oktober 1784 mit grossem 
Pomp eine Mutterloge seiner äg3rptischen 
Maurerei unter dem Namen La sagesse 
triomphante ids M^re-Loge d'adoption de 
la haute maconnerie ^yptienne. Von hier 
aus stieg sein Buhm so, dass er 1785 nach 
Paris kam, nachdem der Grossadministrator 
Herzog von Luxembourg-Montmorency die 
Würde einesGrand-Maltre-Protecteur seines 
Systems angenommen und 5. Juli sogar 
die l^richtung einer M^re-Loge d'adoption 
de la haute maconnerie ^rptienne in 
Paris genehmigt hatte. Sein Ansehen 
war so gestiegen, dass der 1785 in Paris 
tagende Maurerkonvent es nicht unter seiner 
Würde hielt, fdles aufzubieten, von G. Be- 
lehrung zu erlangen, obgleich er in seiner 
ersten Zuschrift die Bedingung aufge- 
sprochen hatte, dass vor allem die Phila- 
lethen ihr gesamtes maurerisches Archiv 
den Flammen opfern müssten, wogegen 
er versprach, dass die Maurer durch Hand- 
lungen und Thatsachen, durch ihre Sinne 
kennen lernen würden, zu welcher Wissen- 
schaft die wahre Maurerei die Symbole 
darbiete und den W^ andeute. [Thory, 
Acta Lat., I, 166.] Hier aber zerplatzte 
die Seifenblase, und die ägyptische Mau- 
rerei fiel in ihr Nichts zurück. Am 21. 
Nov. 1786 besuchte er die Antiquity-Loge 
in London, wurde aber vom Optiker Mach 
entlarvt, worüber eine gleichzeitige Zeich- 
nung vorhanden ist [vgl. Z. 1896, S. 7.]. 
Das System seiner Maurerei, an dessen 
Spitze er als Grosskophta (s. Kophta) 
stand, war Männern und Frauen zugänglich 
und bestand aus einer Stufenleiter von 
90 Graden, die den Meisterinnen, an deren 
Spitze die Vorsteherin der Loge M.yq^^ 

10* O 



148 



Cambac^te — Carbonari. 



(maitreBse SRissante) stand, nach und nach 
zu Teil wurden. Vollkommenheit verheisst 
das System allen, die daran glauben, Voll- 
kommenheit durch physische und sittliche 
Wiedergeburt. C. hat vor seinen Richtern, die 
das ganze Archiv und den Briefwechsel der 
Loge Amis sinc^res in Born 27. Dez. 1789 in 
die Hände hekommen hatten, ein in fran- 
zösischer Sprache verfasstes, als Ma^onnerie 
^gyptienne bezeichnetes Buch, als von 
ihm ausgegangen, zugegeben, in dem alles 
verzeiclmet war, was die ^yptische Mau- 
rerei betraf. [C.'s Stammbaum: Groethe, 
Neue Schriften (Brl. 1792), S. 243 bis 
284; Goethes sämtliche Werke (1826), 
XXVI, und in allen andern Angaben 
Goethes. Über C. (mit Ausschluss der 
nicht hierher gehörigen Schriften über die 
Halsbandgeschichte). Vgl. Kloss, Bibl., 
3853—81 b, wo auch die verschiednen aus- 
führlichen Lebensbeschreibungen aufge- 
zählt sind. Gute Zusammenstellungen 
finden sich in Ersch und Grubers Ency- 
klopädie, Sect. I, Thl. 14, S. 73-75; Bülau, 
Geheime Geschichten und räthselhafte Men- 
schen (Lpz. 1850), I, 309—330; Sierke, 
Schwärmer und Schwindler (Lpz. 1875); 
Neue Jahrbücher der Geschichte und Politik 
(Lpz. 1845), I, 37 fg.; Der Neue Pitaval 
(Lpz. 1845), Vm, 1—192; Düntzer, Neue 
Goethe-Studien (Nürnb. 1861), S. 136 bis 
219. Über C.'s äj^yptische Maurerei und 
seinen Aufenthalt in Frankreich vgl.Thory, 
Hiatoire de la fondation du Grand Orient 
(Paris 1812), S. 389—430; Thory, Acta 
Lat. (Paris 1815), H, 102—127, welche die 
Verhandlungen wegen des Philalethenkon- 
gresses zu Paris 1785 enthalten ; Clavel, 
Histoire pittoresque delaFranc-Ma9onnerie 
(Paris 1843), S. 174—181; Kaufimann und 
Oherpin, Histoire philosophique de la 
Franc-Maconnerie (Lyon 1850), S. 460 bis 
466; Ephemerides des Loges maconniques 
de Lyon (1875), S. 84. FZ. 1880, S. 204; 
1886, S. 113. L. 1887 S. 115. E. 1892, 
S. 67.] 

Cambac^r^, Jean Jacques R^^is de, 
Herzog von Parma, Prinz und Keichserz- 
kanzler des ersten französischen Kaiser- 
reichs, geb. 18. Okt. 1753 in Montpellier, 
gest. 5. März 1824 in Paris, wurde 1772 
Steuerrat und 1791 Präsident des Kriminal- 
gerichts das. Sein »Projet de Code civil 
et discours pr^minidre« wurde die Grund- 
lage zum spätem Code Napoleon. Später 
wurde er Justizminister und zweiter )Con- 
sul und nach Napoleons I. Thronbesteigung 
Erzkanzler und 1808 Herzog von Parma. 
Er wurde 18. Dez. 1805 als erster, dem 
Prinzen (nachherigem König von Spanien) 
Joseph Napoleon beigegebner Grossmeister 
des Grossorients von Frankreich eingesetzt 
[vgl. Travaux du Grand Orient de France 
au sujet de Tinstallation du premier Grand- 
Maitre adjoint au Prince Joseph (Paris 
1805J] und blieb bis 1814 an der Spitze 
der französischen Maurerei, die von da an 



die glänzendste^ freilich nicht innerlich 
wertvollste Penode ihres Bestehens in 
Frankreich hatte. rVgLKloss, Geschichte der 
Freimaurerei in Frankreich, I, 476, 486. 
Denkmünzen auf ihn s. Thory. Hist. de la 
fond. du Grand Orient, Thl. 3, Nr. 9, Thl. 
4, Nr. 15; Merzdorf, Denkmünzen, unter 
Frankreich, Nr. 75.] 

Camden (St. im nordam. Staat New 
Jersey, [1890] 58318 E.). Deutsche Loge 
das. unter der einheimischen Grossloge: 
Mozart Nr. 121, gegr. 18. Jan. 1872. 
Vers, am 2. Dienstag; Masonic Temple, 
Wilde Hall, Ecke 5 Str. and Pine Str. 

Campe. Johann Heinrich, vielfach 
ausgezeichneter deutscher Schriftsteller, be- 
kannter Verfasser des Bobinson, geb. 29. 
Juni 1746 in Deensen im Braunschweig- 
schen, gest. 22. Okt. 1818 in Braunschweig, 
trat am 24. Apr. 1777 in der Leipziger Loge 
Balduin in den Freimaurerbund und schloss 
sich 3. Okt. 1777 der Loge Absalom in 
Hamburg an, erhielt aber auf sein An- 
suchen noch vor Juni 1780 seine Ent- 
lassung. Am 1. Juni schrieb er an Lessing: 
»Ich habe in diesen Tagen Veranlassung 
gehabt, der hiesigen Freimaurereigesell- 
schaft aUe fernere Teilnahme an ihren Ar- 
beiten aufzukündigen.« Eine Loge hat er 
später nicht mehr besucht; er hofite, in den 
Logen wesentliche Unterstützung seiner 
philanthropischen Anstalten zu finden, und 
kümmerte sich, als er sich darin getäuscht 
sah, nicht weiter um die Freimaurerei. 
Die Loge Balduin führte ihn bis 1787 als 
Mitglied fort, strich ihn aber dann von 
der Liste, »da er sich seit vielen Jahren 
nicht um die Loge gekümmert habe«. 
[Vgl. L. XXI, 299. H. L. 1896, S. 
2438 fg. B. 1894, S. 29.] 

Cancellarius, Würde im v. Hundschen 
Tempelherrensystem. Jede Provinz und jede 
Präfektur hatte ihren Kanzler; er führte 
die Korrespondenz, war also der eigentliche 
Bewahrer der Geheimnisse und hatte auch 
die neuen Bitter über ihre Pflichten zu 
belehren. 

Canzler, Karl Christian, Hofbiblio- 
thekar in Dresden, geb. 30. Sept 1735, 
gest. 16. Okt. 1786, ein thätiger und unter- 
richteter Freimaurer, gehörte der Loge St.- 
Jean des voyageurs, dann der Loge Aux 
vrais amis, beide in Dresden, und bis zu 
seinem Tode der dortigen Loge Zu den 
drei Schwertern an und lieferte in der von 
ihm und A. G. Meissner herausgegebnen 
litterarischen Zeitschrift fOr ältere Littera- 
tur und neuere Leetüre (Lpz. 1788 fg.) 
mehrere beachtenswerte Aufsätze zur C^- 
schichte der Freimaurerei. 

Carbonari (Köhler, Kohlenbrenner), ein 

feheimer politischer Bund, der sich unter 
er Herrschaft Napoleons in Italien, haupt- 
sächlich in Neapel bildete und sich dabei 
den maurer ischen nachgeahmter Formen be- 
diente. Die C. werden zuerst öffentlich in 
dem Edikt Pius' VH. gegen die Frei 
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Carolath — Carolina. 



149 



vom 18. Aug. 1814 erwähnt und zugleich 
als eine neue Bezeichnung dieser betrachtet. 
(ß. Papste.) Die politischen Zwecke der 
Gesellschaft bezeichnen die C. als eine 
nichtmaurerische Verbindung, die der Frei- 
maurerei ebenso fem steht, wie dem 
Christentum, von dem sie ebenfalls einige 
Formen entlehnt hat. Von den Illuminaten 
unterscheiden sich die C. dadurch, dass jene 
eine politische Aufklärung allmählich und 
ohne alle Gewaltthätigkeiten verbreiten 
wollten, während sich diese zur politischen 
Partei gestalteten und zu kriegerischen 
Kämpfen gerüstet waren. Die C. bezeich- 
neten das sächsische Erzgebirge als ihre 
Geburtstätte, indem sie auf den säch- 
sischen Prinzen raub durch Kunz v. Kau- 
fungen, sowie auf die Verbindung der Köhler 
untereinander hinwiesen. Nach einer an- 
dern Sage stammt der Bund der 0. von 
Engländern, die sich unter der Begierung 
Elisabeths nach Schottland geflüchtet und 
dort als Köhler gelebt hätten, nach einer 
weitem aus Frankreich, wo Franz I., im 
Walde verirrt, bei Köhlern Aufnahme ge- 
funden und sich dann zum Schutzherrn 
ihres Gewerbes erklärt hätte. Alles dies 
ist fabelhaft; in Wirklichkeit entstan- 
den die C. in Unteritalien aus dem Wider- 
stand der Neapolitaner gegen die franzö- 
sische Herrschaft von 1806 bis 1814, 
dem sich besonders die Geistlichen an- 
schlössen, die dann kirchliche Ideen und 
Gebräuche in den Bund brachten. Die 
Flucht der politisch Verfolgten in Wälder 
mag zur Annahme des Namens in der Aus- 
drucksweise der Kohlenbrenner Anlass ge- 
geben haben. Wie die C. zur Kenntnis 
und Nachahmung freimaurerischer Formen 
kamen, ist ungewiss; denn die neapoli- 
tanischen Freimaurer standen vielmehr auf 
der Seite der firanzösischen Herrschaft wegen 
ihrer religiösen Aufklärung und Toleranz. 
Die politische Richtung der C. brachte sie 
vielfach mit den Ee^ierun^en in Streit. 
Sie waren namentlich m Italien und später 
in Frankreich thätig, nachdem sie dort 
unterdrückt waren. Paris wurde ihr 
Mittelpunkt. Nach der Julirevolution 1830 
gingen sie immer mehr zurück. Die letzte 
Spur entdeckte man 1841 in Süd£rankreich. 
— Das Bitual der C. war von Kohlen- 
brennern hergenommen Reinigung des 
Waldes von Wölfen, d. h. Kampf gegen 
Tyrannei. Untereinander nannten sie sich 
gute Vettern. Der Versammlungsort hiess 
Hütte. Von den Freimaurern hiu)en die C. 
manche Form entlehnt, standen aber mit 
dieser in keinerlei Verbindung, noch sind 
sie aus diesen hervorgegangen. So oft 
auch die 0. von den Gegnern der Frei- 
maurerei, namentlich von Pius VH. an, als 
schuldbelastende Erscheinung für die er- 
stem betrachtet worden sind, so ist doch 
eben ihre Erscheinung ein Beweis für die 
Freimaurerei; denn beschäftigte sich diese 
wirklich mit politischen Angelegenheiten, 



dann wäre ja die Bildung des Carbonaris- 
mus überflüssig gewesen. [Die Litteratur 
s. bei Kloss, Bibl., Nr. 3611—79, 3704—7; 
vgl. L. II, 221—253, wo auch die Abbil- 
dung einer Carbonariversammlung in der 
Vendita; ebenda«., XI, 275—278; 1887, S. 
141. A.V, S. 198— 245. FZ. 1850, S. 121, 
179. Bh. 1868, S. 3Ä] 

Carolath, l)Heinrich Karl Erdmann, 
Fürst von Schönaich-C, geb. 3. Nov. 1759, 
wurde 1785 Meister vom Stuhl der Mutter- 
loge Zur goldnen Himmelskugel in Glo^au, 
nachdem er schon einige Jahre das Amt 
des zugeordneten Meisters versehen hatte. 
Er war ein sehr thätiger und aufgeklärter 
Freimaurer, bei dem Fessler (s. d.) von 
1788—1795, als er obdach- und vaterlands- 
los herumirrte, vor seinen Verfolgern in 
Österreich Zuflucht und eine sorgenfreie 
Stellung fand und als Erzieher der Kinder 
des Fürsten wirkte. Der Umgang mit dem 
hochgebildeten edlen Fürsten, sowie dessen 
geistvoller Gemahlin, Amalie, geb. Prin- 
zessin von Sadbsen-Meiningen, wurde für 
die weitere Entwicklung Fesslers von 
grosser Bedeutung. 

2) Heinr. Ludwig Erdmann Ferd., 
Prinz zu Schönaich-C, geb. 24. April 1852 
in Amtitz, Majoratsherr und freier Standes- 
herr auf Amtitz (Kreis Guben), seit 1881 
Mitglied des deutschen Beichstags, erb- 
liches Mitglied des preuss. Herrenhauses, 
1877—90 Landrat in Guben, wurde 23. 
Febr. 1888 in der Loge Friedrich Wilhelm 
zur gekrönten Gerechtigkeit in Berlin dem 
Freimaurerbunde zugeführt und war von 
1890—99 Grossmeister der Grossen Loge 
Royal York. Er ist bekannt durch seine thä- 
tige Mitarbeit an allen kulturellen Aufgaben 
der Gegenwart, namentlich auch durch 
sein energisches Eintreten für eine grössere 
Einigung der deutschen Freimaurer, als 
solche durch den Grosslogenbimd ge- 
bildet wird. Er war Vorsitzender der 
Eisenacher Konferenz (1894), deren Be- 
schlüsse jedoch nicht zur Ausführung 
kamen. Als er 1899 seiner angegriflenen 
Gesundheit halber seine einmütig erfolgte 
Wiederwahl ablehnte, wurde er zum Ehren- 
grossmeister ernannt. 

Carolina (Nord- und Süd-C, zwei der 
Vereinigten Staaten von Nordamerika). 
Die erste Loge in Süd-C. wurde 1735 in 
Charleston von der Grossloge von Eng- 
land und der Provinzialgrossloge von 
Massachusetts gegründet. 1766 wurde 
eine eigne Provinzialgrossloge errichtet. 
In Nord-C. entstand 1771 eine solche. 
Jetzt hat Nord-C. in Baleigh eine 
22. Dez. 1777 gestiftete Grossloge der 
Weissen mit 811 Logen und 11500 Mit- 
gliedern und eine 12. Juni 1848 entstan- 
dene Grossloge der Farbigen mit 59 Logen 
und und 1271 Mitgliedem. — Süd-C. hat 
in Charleston eine am 24. März 1787 ge- 
stiftete Grossloge der Weissen mit 177 
Logen und 5725 Mitgliedem und eine 24. 
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150 



Carpser — Celle. 



Juni 1869 entetandne Grossloge der Far- 
bigen mit 18 Logen und 960 Mitgliedern. 
In Charleston hat ausserdem der Oberste 
Bat des schottischen Bitus für den süd- 
lichen Teil der Vereinigten Staaten seinen 
Sitz. [Zeitschrift; The Key-stone (Ealeigh).] 
CarowFjPeter, Wundarzt,^est.Juli 1759, 
war Mitbegründer nnd Mitgbed der Loge 
Absalom in Hamburg. Er hatte sich zwar 
hernach zu y. Olbergs (s. d.) Loge gehalten, 
war auch von diesem der Schottenloge 
Judica zugeführt und seiner ursprünglichen 
Thfttigkeit in seiner alten Loge dadurch 
zeitweilig entfremdet worden, aber mit der 
Loge Absalom stets in Freundschaft ge- 
blieben. Sein Andenken sollte 19. Sept. 

1759 durch eine Denkmünze geehrt werden; 
statt dessen wurde ein Porträt 15. März 

1760 verteilt, obwohl die Denkmünze, 
wahrscheinlich nur in einem Exemplar, be- 
standen hat. [Vgl. HMW. Nr. 87.] 

CarBon, Enoch Terry, gest. 28. Febr. 
1899 in Cincinnati (Ohio), wurde als Frei- 
maurer 1846 aufgenommen und war Past- 
meister der Cynthia-Loge Nr. 155. 1865 
gründete er die Eilwinning-Loge Nr. 356 
in Cincinnati und war ihr erster Meister. 
Er war als hervorragender maurerischer 
Bücherfreund bekannt, besass eine reich- 
haltige Sammlung seltner freimaurerischer 
Werke und hat Neudrucke veröffentlicht 
vom Konstitutionenbuch von 1728 (1855), 
von Grand Mystwy discovered von 1724, 
der Masonry dissected von 1780, dem sog. 
Dodd-Manuskript von 1739 und der Logen- 
liste von 1786 (Cincinnati 1867—89] und 
verfasste: ^»Androgynal, adoptive or lemale 
Freemasonryc (Drayton 1895). Auch hat 
er seit 1874 an einem sehr genauen Bücher- 
verzeichnis gearbeitet, das leider nur bis 
Picart gekommen ist, eine einzigartige 
Masonic Bibliography. Nicht lange vor 
seinem Tode hat er seine Büchersammlung 
im Ganzen verkauft. [Vgl. L. 1899, S. 72, 88. 
AQC. Xn 49.] 

CaruB, Julius Victor, Zoolog, der be- 
kannte Übersetzer von Darwins Schriften, 
geb. 25. Aug. 1823 in Leipzig, studierte 
seit 1841 das. Medizin, wurde 1849 Kon- 
servator des vergleichend -anatomischen 
Museums in Oxford, habilitierte sich 1851 
in Leipzig und erhielt hier 1858 die Pro- 
fessur der vergleichenden Anatomie und 
die Direktion der zootomischen Sammlung. 
C. wurde 5. Nov. 1861 in der Loge Mi- 
nerva zu den drei Palmen in Leipzig zum 
Freimaurer auf genommen. Von 1863~69war 
er stellvertretender Bedner, 1869—72 Bed- 
ner und Bibliothekar und 1874 — 81 Meister 
vom Stuhl seiner Loge; er hat in ihr durch 
Wort und That reichen Segen gestiftet. 
Zur Zeit ist er Vorsitzender der von ihm 
1888 gegründeten Freien Vereinig^ung der 
fünf unabhängigen Logen Deutschlands. 
Von ihm erschienen »Logen- Arbeiten c 
(Lpz. 1882). 

Caggia. eine Pflanzenart aus der Familie 



der Leguminosen. Li Prichards Zerglie- 
derter Freimaurerei wird in der Erläute- 
rung des 8. Grads erwähnt, dass die aus- 
gesendeten Boten zu Häupten des Grabes 
von Meister Hiram einen Zweig von C. 
steckten. Im Clermontschen System heisst 
sie Akazia (s. d.), wird also mit dieser 
verwechselt, da eine Akazienart (Acacia 
Famesiana) auch C. heisst. 

CastUlon, Friedr. Gust. Ad. Maxi- 
milian v., (eigentlich Salvemini), Professor 
der Mathematik bei der Bitterakademie 
und Direktor der philosophischen Klasse 
der Akademie der Wissenscnaften in Berlin, 
geb. 22. Sept. 1747 in Lausanne, gest. 27. 
Jan. 1814, ward 2. Sept. 1772 in der Loge 
Pegase in Berlin in den Freimaurerbund 
angenommen, stiftete 1776 die Loge Zum 
Pilgrim, war bis 1814 Meister vom Stuhl 
dieser Loge, in der Grossloge 1782 — 89 
Landesgrossmeister und 1809 — 1814 Ordens- 
meister der Grossen Landesloge von 
Deutschland. [Vgl. Minerva, Taschenbuch 
für Freimaurer (1828). BZC. 1876, S. 1.} 

Caiibet, Jean Marie Lazare, maure- 
rischer Schriftsteller, geb. 29. Juli 1822 in 
Auch im franz. Depart. des G^rs, wurde 
bei dem Sturz des Kaiserreichs 4. Sept. 
1870 Bureauchef im Ministerium desLanem, 
was er bis zum Februar 1871 blieb. Seit- 
dem wirkte er als Leiter der »Philosophie 
positive« unter der Leitung von Littr^ 
und Wyrouboff. Li den Freimaurerbund 
wurde C. 1849 aufgenommen und seit 1854 
regelmässig jedes Jahr zum Meister vom 
Stuhl der Loge La rose du parfait silence 

gewählt, ausgenommen 1870, wo seine po- 
tische Stellung ihn an der Annidime ver- 
hinderte. Seit 1863 war er Mitglied der 
Ordensrates des Grossorients. Lange Jahre 
gab er die maurerische Zeitschnft »Le 
Monde ma^onnique« heraus und schrieb 
eine Antwort auf die Angriffe des Bischöfe 
Dupanloup gegen die Freimaurerei: *La 
Franc ma9onnerie, lettre ä Mgr. T^v^ue 
d'Orlöans« (Paris 1875). 

Oavent, s. Bürge. 

Cayenne, s. Onayana. 

Cedarbnrgh (St. im nordamerik. Staat 
Wisconsin). Hier besteht eine deutsche 
Loge Asträa Nr. 104 unter der einheimi- 
schen Grossloge. 

Celle (St in der preuss. Prov. Hannover, 
19438 E.). Logen das.: 1) Auffusta, 

fegr. 21. Juli 1748 von der englischen 
*rovinzialloge zu Hamburg, geschlossen 
9. Jan. 175'>. Ihre Mitglieder traten zu 
der Loge Friedrich zum weissen Pferde 
in Hannover. [Vgl. Geschichte der letztem 
von Voigts (Hann. 1846), S. 25 fg., und von 
Wanner (Hann. 1896), S. 37 fg.] 2) Aurora, 
gleichfalls von der englischen Provinzial- 
foge zu Hamburg im 18. Jahrhundert ge- 

f rundet, aber bald wieder eingegangen. 
) Zum hellleuchtenden Stern, gegr. 
24. April 1811 von der Grossen Lo^e zu 
Hamburg, schloss sich 1814 der englischen 



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Centralisten — Charlottenburg. 



151 



ProTinzialloge in Hannover an, wurde 29. 
Juni 1826 geschlossen, 24. Aug. 1888 wieder 
eröffnet und arbeitet seit 17. Nov. 1868 
unter der Grossen Loge Boyal York. Mit- 

fliederzahl (1899}: 70. Vers. Dienstags, 
'erien: Johanm bis Ende September. 
Eignes Logenhaus, Bohlenbergstr. 5,eingew. 
1838. Müde Stiftungen: a) Witwen- und 
Waisenstiftung, Kapital ca. 18000 M., 
b) Weihnachtsstiftung zur Unterstützung 
Notleidender, Kapital ca. 5400 M. Haus- 
gesetze vom 8. Sept. 1873. Die Loge hat 
einen Verein zur Abstellung der Kinder- 
bettelei in C. gegründet. [FZ. 1851, S. 
207.] 

Centralisten, eine Verbindung, die 
zwischen den Jahren 1770 — 80 unter 
fireimaurerischen Formen iJchemistisdie 
Bestrebungen verfolgte und religiös-poli- 
tische Zwecke im Au^e hatte, wesnalb 
man sie für ein Mittel in den Händen der 
Jesuiten hielt, diesen Orden fortzupflanzen. 
Die Teilnehmer nannten sich C, weil es ihre 
Absicht war, alle Beligionsbekenntnisse 
zu centralisieren, zu verbinden und sie 
auf diesem Wege mit der römisch-katho- 
lischen £[irche zu vereinigen. [Vgl. Obereit, 
Gerade Schweizererklärung vom Centralis- 
mus, E^esuiterei u. s. w. ^rl. 1786). Vor- 
läufige Darstellung des heutigen Jesuitis- 
mus, der Bosenkreuzerey, Proselyten- 
macherey und Beligionsvereinigung (Frkf. 
peutschland] 1786). v. Göchhausen, Ent- 
hülluM des Systems der Weltbürger- 
Rejpublik (Lpz. [Rom] 1786).] 

Oerele toeiaJ, einer der getährlichsten 
und erbittertsten Gegner des Jakobiner- 
klubs, bildete sich 1790 in Paris, versam- 
melte sich 18. Okt. 1790 zum erstenmal und 
machte den einzig in seiner Art dastehenden 
misslungnen Versuch, die Freimaurer- 
brüderschaft in der Revolution eine Rolle 
spielen zu lassen. [Vgl. Zinkeisen, Jakobiner- 
klub (Brl. 1852), I^ 451—476. Merzdorf, 
Geschichte der Freimaurerlogen in Olden- 
burg (Oldenburg 1852), S. 81—82. Ölsners 
Briefe an v. Haiem, herausgegeben von 
Merzdorf (Brl. 1858), S. 11.1 

Ceylon (brit. Insel im Indischen Ozean). 
Hier gründete zuerst die Grossloge von 
Holland drei Logen, und zwar 1771 und 
1794 in Eolombo und 1773 in Point de 
Galle; diese haben aber kaum über 1795 
hinaus bestanden, wo die Engländer über 
die Insel die Herrschaft erhielten. 1801 
eröffiiete die Grossloge von Schottland in 
Kolombo eine Loge und 1802 und 1807 
die AlthoU- Grossloge zwei Militärlogen 
oHne langen Bestand. 1810 wurde von der 
Grosslo^e von England ein Provinzial- 

fossmeister ernannt, aber erst 1838 in 
olombo eine Tochterloge errichtet, die 
1858 nach Eandy verlegt wurde. 1821 
gründete die Grossloge von Irland eine 
Loge in Kolombo, die später erlosch, und 
1822 der Grossorient von Frankreich eine 
solche ebendaselbst, die 1832 neu belebt 



wurde, aber später ebenfalls wieder ein- 
fidng. 1861, 1863 und 1868 gründete die 
Grossloge von Irland weitere Logen in 
Kolombo und 1874 in Dambulla, für die 
1877 ein Provinzialgrossmeister ernannt 
wurde. Von diesen Logen trat die 1863 
gegründete später ausser Thätigkeit. 1865 
folgte die Grossloge von Schottland mit 
Logen in Kandy und 1877 in Eolombo, 
die aber beide wieder erloschen sind. Die 
Grossloge von England stiftete 1886 eine 
zweite Loge in Kolombo und 1897 eine 
dritte in Hatton. [Vgl. L. 1898, S. 189.] 
Gegenwärtig bestehen in 0. sechs Logen, 
und zwar orei unter der Grossloge von 
England und drei unter der von Irland. 

Chamisso. Adelbert v., deutscher 
Dichter und Naturforscher, geb. 30. Jan. 
1781 auf Boncourt in der Champagne, 
gest 21. Aug. 1838 in Berlin, wanderte 
1790 mit seinen Eltern von Frankreich nach 
Berlin aus, machte mit Otto v. Kotzebue 
1815—18 die Reise um die Welt und wurde 
nach seiner Rückkehr am botanischen 
Garten in Berlin angestellt. Als Dichter 
machte er sich besonders bekannt durch 
das Märchen »Peter Schlemihl« und seine 
Gedichte. Seine gesammelten Werke (6 
Bde.) erschienen 1836—39 (6. Aufl., Brl. 
1874). Dem Freimaurerbunae gehörte er 
an als Mitglied einer Loge in Berlin. [VgL 
Hitzig, Leben und Briefe von Adelbert 
V. C. ^. Aufl , 1842). Fulda, C. und seine 
Zeit (Lpz. 1881).] 

Charge, s. Pflichten (alte). 

Charleston (St. im nordamerik. Staat 
Südcarolina, [1890J 54995 E.). Hier be- 
steht unter der einheimischen Grosslo^e 
eine Loge Walhalla Nr. 66, die bis 1896 
deutsch, jetzt in englischer Sprache ar- 
beitet. Vers. 2. Mittwoch. 

Charlottenbnrg (St. in der preuss. Prov. 
Brandenburg, 182377 E.). I. Unter der 
Grossen Loge Royal York wurde hier 3. 
Aug. 1801 eine Loge: Luise zur ge- 
krönten Schönheit (letztem Zusatz be- 
fahl Königin Luise 1802 nicht mehr zu 
führen) gestiftet, die aber schon 1806 
einging. — H. Jetzt arbeiten hier 
unter der Grossen National-Mutterloge Zu 
den drei Weltkugeln: 1) die am 19. Febr. 
1821 als Militärloge in Luxemburg gestif- 
tete Johannisloge Blücher von Wahl- 
stadt, die, nachdem Luxemburg aufgehört 
hatte, Bundesfestung zu sein, ihren Sitz 
am 24. Sept. 1867 nach C. verlegte, 
wobei sie zugleich den Charakter einer 
Militärloge ablegte. Am 27. Okt. 1872 
weihte sie ihr Logenhaus Berlinerstr. 63 
ein. Sie besitzt zur wissenschaftlichen Aus- 
bildung hinterlassener Söhne von aktiven 
Mitgliedern die Maass - Lutter - Stiftung 
mit einem Kapital von 6000 M. Mit- 

fliederzahl (1900): 138. Vers. Dienstags, 
'erien: Juli und August. [Vgl. Geschichte 
der Loge von der Gründung bis 1875 von 
Lutter. Erster Nachtrag dazu 1876—96 



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152 



Ghaitres — Chile. 



von HennigerJ — - 2) Delegierte altschot- 
tische Loge Vorwärts, gegr. 28. Jan. 
1878. 

Cluurtres, Ludwig Philipp Joseph, 
Herzog von, s. Frankreich (Herrscher- 
haaa 1, 1). 

ClUMfepi^, Jean Henry de^ Dr. der 
Medizin und Chirurgie, geb. in Hamburg 
8. Nov. 1773, gest. 20. Mftrz 1855, ent- 
stammte einer französischen Emigranten- 
familie, hatte eine ausgedehnte ärztliche 
Praxis, war in den Freimaurerbund in der 
Loge Zu den drei Degen in Halle 4. April 
1794 aufgenommen und trat in Hamburg 
zur Loge St. Georg über, die ihn 1805 
zum Ehrenmitglied ernannte. Rühmend 
zu gedenken ist seiner Thätigkeit am 
Hamburger Freimaurerkrankenhause, an 
dem er 52 Jahre wirkte. Auf ihn wurde 

1844 eine Denkmünze geprägt [vgl. HMW. 
Nr. 100]. 

Ohemin-Biipoiit^s, Verfasser der Ency- 
clop^die ma9onnique (Paris 1819—80), 
durch die er der französischen Maurerei 
nicht ohne Erfolg einen mehr politischen 
Geist einzuflössen, zugleich aber auch 
vergeblich einen Rite persan philosophique 
einzuführen bemüht war. Beit 1823 war 
er auch Mitglied des Grossorients von 
Frankreich. [Vgl. Kloss, Geschichte der 
Freimaurerei m Frankreich, H, 93, 197.] 

Chemnitz (St. im Königreich Sachsen, 
161017 E.). Die hier unter der Grossen 
Landesloge von Sachsen bestehende Loge 
Zur Harmonie ward in Hohenstein (s. a.) 
19. Mai 1799 von der Grossen Loge Royal 
York gegründet. Der Stiftungsbrief datiert 
11. Mai 1799, das Eonstitutionspatent 29. 
Mai 1799, weshalb 11. Mai als Stiftungs- 
tag gut. Das Nähere über die Vorgeschichte 
s. unter Hohenstein. Das neue Logenhaus 
in C, Brauhausstrasse 14, wurde 27. März 

1845 eingeweiht. Mitgliederzahl (1899): 
822. Vers. Sonntags, im Winter Freitags. 
Stifungsfest am Himmelfahrtstag. Ge- 
sellige Versammmlun^en Freitags. Milde 
Stiftungen: 1) Eger-Stiftung, gegr. 24. Juni 
1859, zur Bekleidung armer würdiger Kon- 
firmanden, Kapital: 17012 M. 2) Witwen- 
und Waisenkasse, gegr. 3. Aug. 1822, mit 
dem frühem Sterbekassenverein verbun- 
den, Kapital (1898): 47600 M. Weiter 
damit vereinigt ist seit 1. Juli 1891 die 
5. Mai 1889 gekündete Ancke- Stiftung, 
die den eisernen Fonds mit 14162 M. 20 Pf. 
bildet. 3) Pickenhahn-Stiftung, gegr. 23. 
Jan. 1867 zur Unterstützung armer Kinder 
für bessern Schulunterricht, Kapital (1899): 
8457 M. 91 Pf. 4) Stipendienfonds ftlr 
solche Knaben oder Jünglinge, die sich 
einer wissenschaftlichen, künstlerischen, 
technischen oder gewerblichen Ausbildung 
widmen, gegr. 22. Nov. 1867, Kapital (1899): 
8500 M. 5) Augusta- Stiftung zur Unter- 
stützung der mnderbewahrfuistalt, gegr. 
22. Mai 1873, Kapital (1899): 1500 M. 6) 
Erler -Stiftung mr Mitglieder der Loge 



und Handwerker, gegr. 16. April 1871, 
Kapital (1899): 5500 M. 7) Hartmann- 
Stiftung zur Unterstützung für Brü- 
der, Kapital (1899): 9466 M. 65 Pf. 8) 
Dechandt- Stiftung für dienende Brüder, 
gegr. 26. Okt. 1892, Kapital (1899): 500 M. 
9) Ziesche-Stiftung in Form einer Frei- 
stelle am Freimaurerinstitut in Dresden 
und eines Zinsengenusses von ca. 550 M. 
zur Fortbildung junger Mädchen. 10) Kon- 
firmandenkasse, unterstützt durch: 11) 
Kretzschmar-Stiftiung, gegr. 6. Jan. 1852, 
Kapital : 900 M, und 12) Neumann-Zerrener- 
Stiftunfi^, gegr. 1855, Kapital: 800 M. Das 
Gesangbuch der Loge von 1849 ist ersetzt 
durch das Liederbuch von Fischer und 
Tschirch 1892 mit Nachträgen. Gesetzbuch 
von 1878 (2. Auflage). Bücherverzeichnis 
von 1877; 1. Nachtrag 1880; 2. Nachtrag 
1880—88. Mitteilung an Suchende (1881). 

C7g\. Bh. 1881, S. 397. Festschrift zur 
undertjährigen Jubelfeier der Loge am 
11. Mai 1899, enthaltend Geschichte der 
Loge vonGeidel und Wilde. Festbericht zur 
hundertjährigen Jubelfeier der L. (1899).] 
Erwähnenswert sind die jährlichen aus- 
führlichen gedruckten Jahresberichte der 
Loge. 

Chicago (St. im nordamerikan. Staat 
Illinois, [1892] 1375335 E.). Hier bestehen 
folgende in deutscher Sprache arbeitende 
Logen: 1) Germania Nr. 182, gegr. 16. 
April/3. Okt. 1855. Vers. 1. und 3. Donnerstag, 
62 N. Clark Street. 2) Accordia Nr. 277. 
gegr. 7. Mai/ 6. Okt. 1858. Vers. 2. und 
4. Freitag, 112 Randolph Str. 8) Mythra 
Nr. 410, gegr. 5. Okt. 1864. Vers. 1. und 
3. Mittwoch, 255 North Ciark Str. 4) Les- 
sing Nr. 557, gegr. 4. Okt. 1867. Vers. 
1. und 8. Dienst^, 82 West Randolph Str. 
5J Herder Nr. 669, gegr. 19. Nov. 1870. 
Vers. 1. und 3. Mittwoch, Kopfs Halle, 
Ecke Blue Island Ave. and 14. Str. 6) Wal- 
deck Nr. 674, gegr. 13. Febr./3. Okt. 1871. 
Vers. 2. und 4. Mittwoch, Ecke Wenthworth 
Ave. and 28. Str. 7) Constantia Nr. 783. 
Vers. 2. und 4. Mittwoch, 2071 Southpark 
Ave. Sämtlich unter der einheimischen 
Grossloge. 

Chiffer, s. Oeheimschrift. 

Chile (Republik in Südamerika). Die 
erste Loge in C. war die heute noch thätige 
Loge L'dtoile du Pacifique in Valparaiso, 
gest. 1851 vom Grosaorient von Frankreich. 
Die nächste Loge erhielt ihre Konstitution 
von der Grossloge von Kalifornien. 1854 
gründete der Grossorient von Frankreich 
eine zweite Loge in Valparaiso, darauf 
eine dritte in Concepcion und 1860 der 
Grossorient von Peru eine Loge ebendas. 
1853 und 1858 hatte auch die Grossloge 
von Massachusetts drei Lo^en errichtet. 
Am 24. Mai 1862 bildeten vier Logen die 
Grossloge von C, die jetzt zehn thätige 
Logen zählt Daneben besteht ein 1870 ge- 
kündeter Oberster Rat des schottischen 
Ritus, zu dem 1899 ein neuer von Argen- 



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China — Chur. 



153 



tmien aus gegründet wurde. Die Errich- 
tung einer eignen Grossloge hielt die 
Gründung neuer Logen unter auswärtigen 
Grosslogen nicht auf. 1869, 1876 und 1885 
rief die Grossloge von Massachusetts drei 
XK)gen, 1871, 1875, 1878, 1879 und 1895 
-die Grossloge von Schottland fönf Logen, 
1872 die Grossloge von England eine und 
1877 und 1894 die Grosse Loge von Hamburg 
2wei Logen in Valparaiso (s. d.) und San- 
tiago (s. d.) ins Leben. Ein deutsches 
Kränzchen in Valdivia (s. d.), das 1888 
ffemründet worden war, ist nur wenige 
Jahre thätig gewesen; ebensolche sind 
1899 in Concepcion (s. d.) und Puerto 
Montt (s. d.) gestiftet worden. Jetzt be- 
stehen unter auswärtigen Grosslogen in 0. 
13 Logen, nämlich vier unter der Gross- 
loge von Schottland, die für 0. mit Peru 
eine Provinzialgrossloge errichtet hat, 
drei unter der Grossloge von Massachu- 
setts, zwei unter der Grossen Loge von 
Hamburg und je eine unter der Grossloge 
von England, dem Grossorient von Frank- 
reich und der Grossloge und Peru. Ausser- 
dem besteht noch eine Loge in Tacna, 
deren Zugehörigkeit unbekannt ist. [Vgl. 
H. L. 1900, 8. 2884.1 

China (Kaiserreicb). Ln 18. Jahrhundert 
wurden hier zwei Logen in Kanton ge- 
gründet, von der Grossloge von England 
1767 und von der schwedischen Grossloge 
1788. Beide sind längst ausser Thätigkeit. 
Eine neue Loge wurde erst wieder 1844 in 
Hongkong von der englischen Grossloge 
errichtet; sie verlegte 1848 ihren Sitz nach 
Kanton und 1863 nach Schanghai. Darauf 
errichtete die nämliche Grossloge 1846 
eine zweite Loge in Hongkong, 1849 eine 
in Schanghai, 1864 eine dritte in Hongkong 
und eine weitere in Schanghai, 1867 eine 
vierte in Hongkong, 1868 eine in Ningpo, 
die seit 1872 ausser Thätigkeit ist, 1870 
eine fünfte in Hongkong, 1873 eine in 
Tschinkiang, 1878 und 1879 zwei Logen in 
Amoy, 1881 inFutschou und inTientsin und 
1897 in Niutschuang. Alle diese Logen (14) 
sind, bis auf die von Ningpo, noch in 
Thätigkeit und unterstehen der Distrikts- 
grossloge von Hongkong und Südchina 
und der von Nordchina. Jene wurde 1847 
errichtet, diese 1877. 1864 gründete auch 
die Grossloge von Schottland in Schanghai 
eine Loge; ihr folgte eine zweite daselbst 
1869, 1871 eine in Hankeou (beide jetzt er- 
loschen) und 1878 und 1897 zwei in Hong- 
kong. Auch die Grossloge von Massachusetts 
stiftete 1864 eine Tochterloge in Schanghai 
und 1868 der Grossorient von Frankreich 
eine Loge in Hon^ong, die aber 1869 schon 
wieder erlosch. Femer eröffnete auch die 
Grosse National -Mutterloge Zu den drei 
Weltkugeln inBerlin 10. Juli 1873 eineLoge 
Germania in Schanghai (s. d.), die zwar 7. Okt. 
1888 ihre Arbeiten einstellen musste, sie 
aber 13. Nov. 1895 wieder aufnahm. End- 
lich besteht in Hongkong auch eine 



Tochterloge des Grossorients von Italien, 
so dass es in 0. mit Hongkong 20 Logen giebt. 
[Vgl. Gratton, Freemasonry in Schanghai 
and Northern China (1895). L. 1898, 
S. 141. Bh. 1897, S. 277. Bbl. 1898, S. 56.] — 
In C. bestehen übrigens noch geheime 
Gesellschafben, die mit der Freimaurerei 
nichts gemein haben, da sie wohl sämtlich 
politisch -revolutionäre Zwecke verfolgen 
und nur in ihrem Gebrauchtum entfernt 
an die Freimaurerei erinnern. Unter ihnen 
sind zu erwähnen: die sog. Dreiheitsgesell- 
schaft (Triad Society) [vgl. R. 1881, S. 69J, 
die Gesellschaft der Kinder der Wahrheit 
[vgl. L. 1865, S. 379], der Bund von Himmel 
und Erde [vgl. vorige Auflage IV, S. 30], 
die Ghee-Hin-Gesellschaft [vgl. AQC. YU 
(1894), S. 131. L. 1895, S. 186], die weisse 
Lilie, die Schwarzflaggen, die Toh-Poh- 
Kong-Gesellschaft, die Kyan-Taih-Gesell- 
schaft u. a. 

Cliristentnin, s. Beligion. 

Oliristianta (Kristiania, Hauptst. des 
Königr. Norwegen, [1893] 161 121 E.). Hier 
bestehen unter der Grossloge Zur Sonne: 
1) die Provinzialgrossloge Polars tjernen 
(Der Polarstern), gegr. 7. Mai 1893; sie hat 
4 Tochterlogen in C, Hamar, Lillehammer, 
Drontheim und wurde im Nov. 1895 von 
der Grossen Landesloge von Norwegen an- 
erkannt; 2) die Loge Olaf Kyrre til den 
gyldne kjaede (zur goldnen Kette), ein- 
gew. 10. Mai 1885, hervorgegangen aus 
einem am 15. Sept. 1882 gegründeten 
Kränzchen gleichen Namens. 

Christliclies Prinzip, s. Humanitats- 
prinzip. 

Chronologie, s. Zeitreohnung. 

Olinr (Hauptst. des Schweiz. Kantons 
Graubünden, [1888] 9380 E.). Die Loge 
Concordia cum libertate (Freiheit mit 
Eintracht) wurde 17. Aug. 1819 gegründet. 
Unter den Gründern beiand sich der be- 
kannte Dichter J. G. v. SaUs-Sewis (s. d.) 
als erster Aufseher. Die Loge war den 
Anfeindungen des katholischen Klerus 
ausgesetzt, wodurch Aufnahmen neuer Mit- 
glieder verhindert wurden. Der Tod, sowie 
der teils freiwillige, teils gezwungene 
Austritt von Mitgliedern hatten all- 
mählich die ohnemn kleine Anzahl so 
gelichtet, dass 1836 nur noch vier übrig 
waren, die dann 1838 dem schottischen 
Direktorium förmlich das Einstellen ihrer 
Arbeiten anzeigten. Während des zwanzig- 
jährigen Schlummers entstand in 0. eine 
Winkelloge, die das Ansehen der Frei- 
maurerei gefährdete, deren Thätigkeit je- 
doch durch private Einwirkimgen ge- 
schwächt wurde. Es war aber zu erwarten, 
dass sie ihre Arbeiten in Kürze wieder 
aufnehmen würde, wodurch die wahre 
Maurerei in C. noch einen empfindlichem 
Stoss erlitten hätte. Daher entschlossen 
sich im Herbst 1856 sieben Freimaurer, 
an ihrer Spitze Dr. Rascher, die Loge 
wieder zu eröffnen. Am 20. Sept. 1858 
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154 



Ginoiimati — Claudius. 



fand die Einweihanff der neuen Loge 
unter dem Namen Libertaa et Con- 
cor dia statt. Bis gegen Ende der 
sechziger Jahren blühte die Loge, ihr ge- 
hörte eine Anzahl tüchtiger Männer an. 
Man schuf ein eignes Logenhaus, das, ob- 
gleich zeitweilig (1868 — 74) verlassen, wieder 
bezogen wurde. Die Mitgliederzahl wurde 
aber später sehr geschwächt, so dass 1898 
die ArDeiten abermals eingestellt werden 
mussten. 

Cinciniuiti (St. im nordamerikan. Staat 
Ohio, [1890] 296908 E.). Hier besteht 
unter der einheimischen Grossloge eine 
deutsche Loge Hansel mann Nr. 208, 
gegr. 24. Nov. 1851. Vers. 4. Montag im 
Mc^onic Temple. 

Cläre, Martin, Dr. phil. und F. R. S. 
g'ellow of Royal Society, Mitglied der 
Königl. Gesellschaft), war einer der hervor- 
ragendem Freimaurer von etwa 1730 bis 
zu seinem Tode 1751. Sein Geburtsjahr 
und die Zeit seines Eintritts kennt man 
nicht. Gould (s. d.) hat ihn unter den »Mau- 
rerischen Berühmtheiten« (Masonic Gele- 
brities), die er in der Londoner Loge Quatuor 
Coronati in Vorträgen behanddt hat, an 
zweiter SteUe vorgeführt (AQC. IV, 38—41), 
namentlich infolge einer wichtigen Ent- 
deckung, die durch Auffindung der Pro- 
tokolle einer alten Loge in Lincoln ge- 
macht worden ist (vollständig abgedruckt 
durch Dixon, AQC. IV, 97—108). Die be- 
rühmte »Defence of Masonry«, die Ander- 
son 1788 abgedruckt hat, ist irrtümlich die 
längste Zeit Anderson selbst zugeschrieben 
worden, und noch 1886 meinte Gould, sie 
sei 1738 erst verfasst und zwar von dem 
Bi8chofWarburtonrHistoryIV,356,Anm 2), 
der damals Kaplan oeim Prinzen von Wales 
war. Begemann (s. d.) fand bald nachher 
(als er 1886 in London war) im Daily 
Journal vom 16. Dez. 1730 die »Defence 
of Masonry« als »heute« erschienen ange- 
zeigt, und Gould hat auf Mitteilung hin 
dies im »Appendix« auch nachträglich an- 

gezeigt rvl, 473). Die erste Veröffent- 
chung der Schrift 1730 war seitdem ge- 
sichert, aber der Verfasser auf keine Weise 
zu ermitteln, bis Gould durch Dixon auf 
die erwähnten alten Protokolle hingewiesen 
wurde und nun seinen Aufsatz verfasste. 
Die Loge zu Lincoln hatte die Gewohn- 
heit, dass in den Versammlungen irgend 
ein Vortrag verlesen und die Mitglieder 
vom Meister geprüft wurden (vermutlich 
nach dem Katechismus). Da findet man 
unterm 2. Okt. 1733 verzeichnet: »Als C.'s 
Abhandlung betreffend Prichard, sowie 
einige unsrer Verordnungen und Satzungen 
verlesen wurden und der Meister eine 
Prüfung vornahm wie gewöhnlich . . . « ; weiter 
unterm 4. Dez. 1733: ». . . worauf mehrere 
der Satzungen verlesen wurden, wie auch 
C.'s Abhandlung über S. M. und G. F.«; 
weiter unterm 6. Aug. 1734: »Mehrere der 
Satzungen . . . sowie G.'s Abhandlung in 



Bezug auf P~d wurden verlesen und die 
Loge mit einem Liede geschlossen«; end- 
lich unterm 6. Jan. 1736: »und C.'s Vor- 
trag ... in einer Vierteljahrsversamm- 
lung ... am 11. Dez. 1735 wurde von 
Becke vorgelesen« (AQC. IV, 88). Was 
die »Abhandlung über S. M. und G. F.« 
zu bedeuten hat, ist noch ein ungelöstes 
Bätsei, dass abermit demNamen »Pnchard« 
nur dessen »Masonry Dissected« ^meint 
sein kann, ist klar; also wird die »Ab- 
handlung betreffend Prichard« aller Wahr- 
scheinlichkeit nach die »Defence of Ma- 
sonry« sein, die ^egen Prichard gerichtet 
war, und man wird C. als den so lange 
vergeblich gesuchten Verfasser zu be- 
trachten haben. C. wurde 1785 jüngerer 
Grossaufseher, und während seines .^ts- 
jahres hielt er den eben unterm 6. Jan. 
1736 erwähnten Vortrag, der gedruckt und 
oft wiederholt wurde (vgl. England); 1736 
findet er sich als Meister einer Loge [Sadler, 
Dunckerley, S. 103] und von 1738—49 als 
Sekretär [ebenda S. 110 fg.], während er 
1741—42 zugleich Abgeordneter Gross- 
meister war. Er hat an den Arbeiten der 
Grossloge bis 1749 noch manchmsd teil- 
genommen, seit 1746 je einmal jährlich. 
Oliver (s. a.) behauptet, ihm sei 1732 der 
Auftrag von der Grossloge geworden, die 
Bituale neu zu bearbeiten, doch da^ ist 
eines der vielen Phantaaiestücke, für die 
jeder bestimmte Anhalt fehlt; oie mass- 
gebenden englischen Forscher haben den 
Glauben daran längst aufgegeben [vgl. 
Gould, a. a. O., S. 33]. Der Vortrag vom 
11. Dez. 1735 ist im L Bande von Olivers 
»Golden Remains« wieder mit abgedruckt, 
erschien im Druck und steht auch im 
Pocket Companion (1754 und 1759). 

Claudius, Matthias, Asmus oder der 
Wandsbecker Bote genannt, ein beliebter 
Volksschriftsteller, geb. 15. Aug. 1740 in 
Beinfeld im Holsteinschen, gest. 21. Jan. 
1815 in Hamburg, wurde 1776 Oberland- 
kommissar in Darmstadt, ging 1777 nach 
Wandsbeck zurück und beUeidete seit 
1778 die Stelle eines Bevisors bei der 
Schleswig -holsteinschen Bank in Altona. 
Von 1770—75 gab er die Zeitschrift: »Der 
Wandsbecker Bote« heraus. Seine »Sämt- 
lichen Werke des Wandsbecker Boten 
oder Asmus omnia secum portans« (8 Bde., 
Hmbg. 1790 — 1812) erschienen in neuster 
Auflage Gotha 1882. — C. wurde 12. Aug. 
1774 in der Loge Zu den drei Eosen in 
Hamburg in alle drei Grade aufgenommen. 
Auch war er Mitglied der Andreasloge 
Fidelis das.. in der er von 1777 — 80 daa 
Bedneramt bekleidete. Als eifriger Frei- 
maurer und Förderer der Auf kläning und 
Duldung gab er heraus: »Lrrthümer und 
Wahrheit. Aus dem Französischen« [des 
Louis Claude de St. Martin] (Btü, 1782); 
»Die Reisen des Cvrus. Aus aem Franzö- 
sischen« [des Mich. Andr. Eamsay] (Brsl. 
1780). »Geschichte des Königs Sethos. Aus 



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Clavel — Clinton. 



155 



dem FranzöaiBchen« [des Abb^ Terrasson] 
(Brsl. 1777) Auch sind einige freimaurerische 
Tafellieder von ihm vorhanden. [Vgl. BZC. 
1899, S. 18 fg. A. 1824, S. 140; 1894, S. 
109. Bh. 1866, S. 363. Br. L. 1890/1, S. 35.] 

Clarel, F. T. B^gue-, namhafter fran- 
zösischer maurerischer Schriftsteller, Ver- 
fasser einer »Histoire pittoresque de la 
Franc-Ma9onnerie« (Pans 1843) und eines 
mehrere Jahre hindurch erschienenen 
»Almanach pittoresque de la Franc-Ma^on- 
nerie« (Paris 1844 fg.). Er war schon 1824 
Ehrenmeister der Loge Emeth (unter dem 
Supr^me Conseil) in Paris und ist wahr- 
scheinlich identisch mit dem Herausgeber 
der »Eevue historique« (Paris 1830—33). 

Clay, Henry, amerikanischer Staats- 
mann, geb. 12. April 1777 in Hanover (Vir- 
ginia), gest. 29. Juni 1852 in Washington, 
der Sohn eines Geistlichen, begann 1797 
in Lexington die juristische Lai^bahn, in 
der er sich zum glänzenden Redner, ge- 
wiegten Politiker und schlauen Partei- 
führer ausbildete, wobei ihn die rasch und 
mächtig aufblühenden Zustände des Wes- 
tens besonders begünstigten. Zweiund- 
zwanzig Jahre alt, wurde er in der Lexing- 
ton-LogeNr. 1 dem Maurerbunde zugeführt. 
Von 1803 — 6 war er Abgeordneter in der 
General Assembly des Staates Kentucky, 
1806 und 1809 im Senat der Vereinigten 
Staaten und 1811 im Bepräsentantenhaus, 
dem er von da an bis 1824 als Sprecher 
vorstand. In der Grossloge seines Staats 
wurde er 1820 zum Grossmeister gewählt 
und war die Haupttriebfeder zu der 1822 
in Washington abgehaltnen Maurerver- 
sammlung zum Zweck der Gründung einer 
GeneralfiTOssloge der Vereinigten Staaten; 
der in diesem Betreff an die Grosslogen 
des Landes erlassene Aufruf ist von mm 
verfasst. 1824 deckte er, durch die Politik 
zu sehr in Anspruch genommen, seine 
Loge, hat jedocn später noch mehrmals 
Sitzungen seiner Grossloge, sowie der des 
Staats New York beigewohnt. 

Clemens Y., s. Päpste. 

Clemens XII., s. Päpste. 

Clermont, Chapitre de. I. Unter die- 
sem Namen soll nach Thory, Acta Lato- 
morum, ein Chevalier de Bonneville (s. d.) 
24. Nov. 1754 ein Kapitel von Hochgraden in 
einem Lokal einer Vorstadt von Paris, 
La belle France genannt, gegründet haben. 
Man setzte den Namen Clermont in Ver- 
bindung mit dem Collie de Clermont, 
einem Jesuitenkloster in Paris, von wo 
aus die Unternehmungen der englischen 
Kronprätendenten aus dem Hause Stuart 
geheime Unterstützung gefunden hätten. 
Die ganze Sache ist aber nach Schiffmann 
fEntstehung der Bittergrade (Lpz. 1882), 
». 27 fg.] nicht historisch begründet — 
n. Dagegen kam durch französische Offi- 
ziere im Siebenjährigen Kriege ein Kapitel 
dieses Namens nach Deutschland, das vom 
Marquis Tilly de Lernais (s. d.) und Baron 



V. Printzen (s. d.) in Berlin 19. Juli 
1760 als erstes Kapitel von C. eröffnet 
wurde. Das hier bearbeitete Hochgrad- 
system enthielt ausser dem 4., Schotten- 
grad, noch folgende drei: 5) Chevalier de 
Paigle ^lu; 6) Chevalier illustre oder 
Temmler; 7) Sublime Chevalier illustre. 
Das Kapitel trug eigentlich den Namen 
»Kapitel der auserwählten Brüder des 
jerusalemischen Ritterordens«, wird aber 
in Deutschland gewöhnlich als Clermont- 
sches Kapitel bezeichnet nach dem fran- 
zösischen Grossmeister Grafen v. C. (s. d.), 
»in dessen Namen, unter dessen Autorität 
und mit dessen jerusalemischer Macht« 
Lemais das Kapitel in Berlin errichtete. 
Diese Kapitel verbreiteten sich in Deutsch- 
land namentlich durch die Bemühungen 
Bosas (s. d.) weiter und erhielten den 
Namen: Ordo equestris Hierosolymitanus 
(Bitterorden von Jerusalem). Die Rituale 
sind gedruckt in: Erste Abänderung des 
Clermontschen Systems (Rudolstadt 1805). 
Schottischer Meister und Ritter des heiligen 
Andreas zur Distel (Rudolst. 1805), S.83— 50. 

Sgl. Beleuchtungen der Truggestalten, S. 
9 fg. EJoss, Geschichte der freimaurerei 
inFrankreich,I,85. Schiffmann, Entstehung 
der Rittergrade (Lpz. 1882), S. 84 fg. Abafi, 
Geschichte der Freimaurerei in Österreich- 
Ungarn, I, S. 167.] 

Clermontj Louis de Bourbon, Graf 
V., der vierte lebenslängliche Gross- 
meister der Freimaurer von Frankreich, 
geb. 15. Juni 1709, gest. 15. Juni 1770 
in Bemi bei Paris, widmete sich den 
schönen Wissenschaften und Künsten, 
erlangte Aufnahme in die Akademie, er- 
hielt im Siebenjährigen Kriege den Ober- 
befehl der Armee, zog sich aber, als er 28. 
Juli 1757 bei Krefeld von Herzog Ferdi- 
nand von Braunschweig geschlagen worden 
war, von der Armee und vom Blofe zurück 
und übte grosse Wohlthätigkeit. — 
Zum Grossmeister zwei Tage nach dem 
Tode des Herzogs von Antin, 11. Dez. 
1743, erwählt, bekleidete er dieses Amt 
fast 28 Jahre bis an seinen Tod, zeigte 
aber für die Freimaurerei so wenig Inter- 
esse, dass er die Leitung der Logenange- 
legenheiten einigen sehr ungeeigneten Per- 
sönlichkeiten (s. Frankreich) überliess, 
und trug hierdurch zu deren Verfall in 
dieser Zeit wesentlich bei. 

Clereland (St. im nordamerikan. Staat 
Ohio, ri890] 261353 E.). Hier besteht 
unter der einheimischen Grossloge eine 
deutsche Loge Concordia Nr. 3^, gegr. 
18. Okt. 1864. Vers. 1. und 3. Freitag im 
Masonic Temple. 

Clinton, de Witt, amerikan. Staats- 
mann, Sonn des Generals James C, geb. 
2. März 1769 in Little Britain (New York), 
Kest. 11. Febr. 1828 in Albany, betrat 1788 
die öffentliche juristische Laufbahn, zu- 
gleich aber auch das Feld der Politik, auf 
dem er sich in kurzem zum Führer der 



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156 



Cochinchiiia - Columbia, Distrikt. 



republikanischen Partei emporschwang und 
durch seine schriftstellerische Thätigkeit 
gegen die Föderalisten auszeichnete. Bald 
veriiess er, durch diese Kämpfe in An- 
spruch genommen, die juristische Praxis 
und widmete sich vorzugsweise dem Stu- 
dium der Naturphilosophie, Geschichte 
und andrer verwandter Wissenszweige. 
Bereits 1790 wurde er in der Holland-Loge 
Nr. 8 in New York in den Freimaurer- 
bund aufgenommen, in der er mehrere 
Ämter bekleidete. Der Grossloge des 
Staates stand er 1806—19 als Grossmeister 
vor. Bei Gründung des Generalgross- 
kapitels der nördlichen Staaten in Provi- 
dence 1799 war er als Vertreter und 
abgeordneter Grosshoherpriester des Gross- 
kapitels von New York zugegen. 1814 
wurde er zum Grossmeister des eben ge- 
gegründeten Grossheerlagers des Staats 
New York, 1816 zum General-Grosshohen- 
priester der Vereinigten Staaten, sowie 
zum Generalgrossmeister der Tempelritter 
der Vereinigten Staaten gewählt, Ämter, 
in denen er bis zu seinem Tode blieb. 
In dem von J. Cemeau 1807 in New York 
ins Leben gerufnen Supreme Council 33. 
Grades war 0. von da ois 1823 zugeord- 
neter Grosskommandeur; von 1823—28 
stand er mit nur kurzer Unterbrechung, 
während welcher Lafayette (b. d.) die Stelle 
des Grosskommandeurs bekleidete, an der 
Spitze. C.'s politischer Gegner, D. Tomp- 
kins, 1807—17 Govemor des Staats, 1817 
bis 1825 Vizepräsident, war 1820 und 1821 
Grossmeister der Grossloge von New York 
und wurde 1815 Grosskommandeur des 
1813 ebenfalls in New York gegründeten 
nördlichen Supreme Council. 

GochincliiJia, s. Kotsohinohina. 

CoSns, s. Auflerwählte CoSns. 

Collegla. Collegium bezeichnete bei 
den Römern eine Verbindung mehrerer 
Menschen, die zusammen eine sogenannte 
juristische Person ausmachen. Der Unter- 
schied von »sodalitas« liegt darin, dass 
dieses gewöhnlich eine religiöse Genossen- 
schaft bedeutet, während collegium meist 
einen Verein (eine Brüderschaft, Genossen- 
schaft) mit nicht religiösem Zweck be- 
zeichnet; so namentlich die römischen 
collegia opificum, d. i. Zünfte der Hand- 
werker, unter denen die am höchsten 
standen, die dem Staat im Krieg oder 
beim Gottesdienste nützlich waren. So 
nahmen die fabri (Baugewerke) einen der 
ersten Plätze ein. Ihre innere Einrichtung 
und Verfassung ähnelten sich sehr unter- 
einander. Krause [Kunsturkunden, IV, 
92 — 212] fand, nach dem Vorgang Schneiders 
in Altenburg, in den mancherlei Überein- 
stimmungen dieser römischen Baukorpo- 
rationen mit der Freimaurerbrüderschaft, 
namentlich (wie er S. 175—88 ausführt) in 
den bei den römischen Collegien geübten 
Mysterien, dass die Freimaurerbrüderschaft 
als collegia fabrorum und caementariorum 



früherhin und seit der Bömerzeit nament- 
lich stetig in Britannien bestanden habe. 
Gegen diese Ansicht, die auch Schauberg 
in seinem »Vergleichenden Handbuch der 
Symbolik der Freimaurerei« (Schaff hausen 
1861) bekannte, haben sich Fallou in sei- 
nen «Mysterien der Freimaurer« (2. Aufl., 
Lpz. 1859), S. 294— 98, 429—32, und Findeis 
Geschichte der Freimaurerei entschieden 
erklärt, während A. W. Müller in dem 
Art. Freimaurerei in Ersch und Grubers 
Encyklopädie, Sect. 1, Tl. 49, S. 55 fg., 
zu vermitteln sucht. Kloss [Die Freimau- 
rerei in ihrer wahren Bedeutung, S. 281, 
und Geschichte der Freimaurerei in Frank- 
reich] und Keller ^Z. 1861, S. 97] sprechen 
sich gegen den Zusammenhang aus. (S. 
Baukorporation.) 

Colorado (einer der Vereinigten Staaten 
von Nordamerika). Drei Logen, die eine 
in Golden City mit Freibrief von Kansas, 
eine andre, Summit Lodge Nr. 2 in Park- 
ville, die dritte, Rocky Mountain Lodge 
Nr. 3, in Gold Hill, beide mit Freibriefen 
von Nebraska, traten 2. Aug. 1861 in 
Golden City zusammen und bildeten eine 
selbständige Grossloge in Denver. 1899 
zählte diese 91 Logen mit 7974 Mit- 
gliedern, darunter eine deutsche Loge 
Schiller Nr. 41 in Denver (s. d.). Auch 
eine Grossloge der Farbigen besteht hier, 
in Cheyenne, gest. 17. Jan. 1875, mit 
8 Logen und 125 Mitgliedern. 

Colshom, 1) Theodor, geb. 13. Jan. 
1821, gest. 1. Sept. 1896 als Oberlehrer 
am Realgymnasium in Hannover, wurde 
aufgenommen 28. Febr. 1850 in der Loge 
Friedrich zum weissen Pferde das., deren 
Redner er lange war. Seine vorzüglichen 
Vorträge, die oft mit poetischen Gaben 
geschmückt waren, tragen viel zum Ge- 
lingen der Logenarbeiten bei und erfreuten 
den König Georg V., wenn er gegenwärtig 
war, aufs höchste. C. gab eine Sammlung 
Reden und Gedichte heraus unter dem 
Titel »Die Königliche Kunst« (Hann. 1864). 
Als Dichter und Schriftsteller ist C. in 
weiten Kreisen bekannt. Seine haupt- 
sächlichsten Werke sind: Mythologie rar 
das deutsche Volk; Des Mägdleins Dich- 
terwald; Die deutschen Freiheitskriege; 
Eine Sammlung von Märchen. 

2) Hermann, Sohn des Vorigen, Justiz- 
rat, Rechtsanwalt und Notar in Hannover, 
geb. 2. Jan. 1852, aufgenommen 27. Jan. 
1877 in der Loge Friedrich zum weissen 
Pferde in Hannover, in der er von 1881 
bis 1889 das Amt des zweiten Redners 
bekleidete und die er seit 1889 als Meister 
vom Stuhl leitet. 

Columbia, Distrikt (einer der Vereinigten 
Staaten von Nordamerika^. Am 11. Dez. 
1810 kamen die im Distrikt bestehenden 
Logen in Washington zusammen und be- 
schlossen, eine eigne Grossloge mit dem 
Sitze das. zu errichten, die 19. Febr. 1811 
eingeweiht wurde. Die Grossloge hat jetzt 

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Columbus — Comeniufi. 



157 



25 Logen mit 4948 Mitgliedern, darunter 
eine deutsche Loge Arminius Nr. 25 in 
Washington (a. d.). Auch eine Grossloge 
der Farbigen besteht in Washington, gegr. 
27. März 1848, mit 10 Logen und 381 Mit- 
gliedern. [Zeitschrift : The Masonic Eclectic 
(Washington 1877 fg.).] 

ColumDiis (St. im nordamerikan. Staat 
Ohio, ri8901 88150 E.). Hier besteht 
unter der einheimischen Grossloge eine 
deutsche Loge Humboldt Nr. 476, gegr. 
22. Okt. 1873. Vers. 1. und 3. Mittwoch 
in der Masonic Hall. 

Comenias, Joh. Amos, (latinisiert aus 
Eomensk^), geb. 28. März 1592 in Nivnitz 
bei Ungarisdi-Brod in Mähren, gest. 15. 
Nov. 1670 in Amsterdam, war der Sohn 
eines Mitglieds jener Brüdergemeinden, 
die von Aussenstehenden seit alten Zeiten 
Waldenser oder Pickarden genannt wur- 
den, die unter sich aber die Bezeichnung 
Christen und Brüder gebrauchten und je 
nach dem Lande, in dem sie lebten, 
sich als Böhmische Brüder, Mährische 
Brüder« u. s. w. voneinander zu unter- 
scheiden pflegten. Den Überlieferungen 
der Väter entsprechend, die schon lange 
vor der Keformation eine selbständige 
evangelische Eeligionsgemeinschaft gebil- 
det hatten — es ist deshalb neuerdings 
der Name altevangelische Gemeinde zur 
Bezeichnung dieser Brüder in Aufnahme 

Bekommen — standen die Böhmischen Brü- 
er um das J. 1600 in besonders nahen 
geistigen und persönlichen Beziehungen 
zu den Beformierten in Deutschland, 
Holland, England und Polen und so ist 
es gekommen, dass 0. nebst vielen andern 
Jünglingen seine Ausbildung an deutschen 
reformierten Hochschulen (Herbom und 
Heidelberg) erhalten hat 1618 wurde er 
Prediger und Eektor der Gemeinde zu 
Fulnek in Mähren. 1621 legten die Spanier 
das ganze »Ketzemest« Fulnek in Asche, 
und 0. verlor alle seine Habe und seine 
Handschriften. 1627 musste er die Heimat 
verlassen und fand mit andern Flücht- 
lingen in Lissa eine Zufluchtsstätte; am 
8. Febr. 1628 kam er hier an und über- 
nahm alsbald ein Lehramt an dem dortigen 
Gymnasium. G. war schon damals infolge 
einiger religiöser Trostschriften, die ihm 
die Not der Zeit und die eigne abgepresst 
hatten, ein geschätzter Schriftsteller; von 
jetzt an aber stieg sein Ruf in hohem 
Grade, und die 13 Jahre, während deren 
er zu Lissa in Ruhe und Müsse sein neues 
System der Erziehungslehre ausarbeitete, 
legten den Grund zu dem Weltruf, den er ge- 
winnen sollte; hier reiften seine »Grosse 
Unterrichtslehre c, sein Buch über die 
»Mutterschule«, seine »Darstellung der 
Volksschule«, sein »geöffnetes Sprachen- 
thor« u. s. w., Bücher, die eine Fülle neuer 
Gedanken enthalten, auf denen die ge- 
samte Erziehungswissenschaft bis auf diesen 
Tag im wesentlichen ruht. C.'s Vertreibung 



aus dem Vaterlande hatte für ihn die 
Wirkung, dass er auf einen grossem Schau- 
platz gestellt wurde und gezwimgen war, 
neue Beziehungen zu suchen. Ähnlich 
wie im 15. Jahrh. die vor der Türken- 
herrschaft fliehenden Griechen und im 16. 
die flüchtigen Hugenotten für andre Länder 
ein Sauerteig wurden, so im 17. die ver- 
triebenen Brüdergemeinden und Refor- 
mierten, und wie jene suchten auch die 
letztern in den damals über alle Welt zer- 
streuten »Sozietäten«, »Kollegien« und 
»Akademien« einen festen geistigen und 
persönlichen Halt und gleicli^am eine neue 
Heimat zu finden. C. hat selbst den Be- 
richt über seinen Eintritt in eine dieser 
»Sozietäten« aufbewahrt (Opp. did. H, 284),. 
in die er gemeinsam mit dem Schotten 
Joh. Johnston und den beiden Brüder- 
geistlichen XJrsinus und Stadius 1628 auf- 
§enommen wurde. [L. Keller, Comenius und 
ie Akademien der Naturphilosophen des- 
17. Jahrh. in den Monatsheften der Come- 
niusgesellschaft 1895, S. 1 fg.] Von den 
Beziehungen, in die er hierdurch trat, ist 
für die Schicksale des C. keine bedeutungs- 
voller geworden als die zu Samuel Hart- 
lieb und dessen Freundeskreise in London^ 
dem später auch Christoph Wren (s.d.) ange- 
hörte. London war seit den schweren Ver- 
folgungen der Evangelischen, wie sie seit 
den grossen Siegen der katholischen Mächte- 
auf dem Festlande eingetreten waren, für 
viele Verbannte ein Zufluchtsort geworden,, 
darunter für Heinrich Oldenburg, Theod. 
Haack, Samuel Hartlieb, die sich nebst 
andern zu einem »unsichtbaren Kollegium« 
oder einer Sozietät zusammengeschlossen 
hatten, aus der nachmals die Royal Society 
hervorgegangen ist. 1637 veröffentlichte- 
Hartlieb in London ein ihm von C. über- 
sandtes Manuskript unter dem Titel: »Cona- 
tuum Comenianorum Praeludia«, d. h. den. 
ersten Entwurf der pansophischen Ideen des. 
C, der die Aufmerksamkeit der englischen 
»Brüder« und vieler Aussenstehenden auf 
diese Pläne lenkte. Im Verfolg dieser 
Erörterungen beschloss das englische. 
Parlament auf Anregung Hartliebs und 
seiner Freunde, C. nach London zu be- 
rufen. Der Plan war, dass C. mit Hilfe- 
des Parlaments eine Sozietät gründen^ 
sollte, deren Mitglieder sich der Erziehung, 
des Menschengeschlechts im Sinne der 
bereits bestehenden Kollegien und der 
Erforschung der Wahrheit widmen sollten. 
Im Sept. 1641 kam C. in London an, aber 
der ausbrechende Krieg und zahlreiche- 

Solitische Schwierigkeiten hinderten die 
Durchführung der Entwürfe. Nur eine 
Frucht brachte der Londoner Aufenthalt, 
zur Reife : die wichtige Schrift »Via lucis« 
des Lichts), die C. 1642 verfasste,, 
e aber keineswegs bloss eine persönliche 
Meinungsäusserung des C, sondern eiiL 
Arbeitsprogramm des Londoner Freundes- 
kreises darstellt. (Ein ausfüh^lijQhg 
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158 



Comeniiu. 



Auszug in den Monatsheften der C.- 
Gesellschaft 1895, S. 296 fg.) Der 
Zweck ist, die Schaffung einer grossen, 
international gedachten Organisation vor- 
2uhereiten, die in der Abhandlung als 
«Collegium Lucis« bezeichnet wird, eine 
Veranstaltung zur Erziehung des Menschen- 
geschlechts, eine »Schule der Weisheit«, 
welche den zu unterweisen geeignet ist, 
der zur »himmlischen Akademie«, wie 
C. sich ausdrückt, eingehen will. C. 

fiebt dabei ausdrücklich die Anweisung, 
ass alle Schritte »im Verborgenen« ge- 
schehen sollen, selbst diese seine Schrift 
soll keinem andern bekannt werden, als 
denen, die zur Ausführung des Werkes 
hinzugezogen werden. Darauf beruht es, 
dass die Abhandlung jahrzehntelang nur 
handschriftlich verbreitet wurde und erst 
zwei Jahre vor C.'s Tode gedruckt worden 
ist. Der letzte Zweck war der, einer 
hohem, einheitlich gedachten Organisation, 
der in allen Ländern zerstreuten Akade- 
mien und Sozietäten die Wege zu ebnen 
und far London als Mittelpunkt Stimmung 
zu machen. »Alle die Kollegien, Genossen- 
schaften und Brüderschaften«, sagt C. in 
der Via lucis (Weg des Lichts), »die bisher 
heimlich und öffentlich bestanden haben, 
haben zwar einigen Nutzen für Theologie 
und Philosophie gehabt, aber nur für einen 
Bruchteil der Menschheit, nicht für die 

Gesamtheit Jetzt aber, da die Zeit da 

ist, das Zerstreute zu sammeln und alle 
Summen mit der Summe der Summen zu 
vereinen, ist ein allgemeines Kollegium 
unter den Gebildeten des ganzen Erd- 
kreises aufzurichten.« [Vgl. Monatshefte 
der C.-Gesellschaft 1895, S. 154 fg.] Der von 
Hartlieb und C. planmässig betriebene 
Gedanke wäre eine Thorheit gewesen, wenn 
nicht bereits damals gerade London (im 
Gegensatz zu Paris, das auch in Frage 
stand) der geeignetste Stützpunkt für die 
grossen Reformgedanken der »Brüder« — 
auch die Mitglieder der Akademien nannten 
sich Brüder — gewesen wäre; bezeichnend 
aber ist, dass schon Hartlieb und C. über- 
einstimmend der Meinung Ausdruck gaben, 
die einheitliche Zusammenfassung der 
altem Akademien werde nur unter gleich- 
zeitiger EinftLhrung eines neuen Namens 
gelingen. Die Farblosigkeit der altern 
Namen, die ehedem mit Absicht gewählt 
worden war, hatte seit der Zeit, wo auch 
beliebige andre Organisationen sich die 
gleichen Bezeichnungen beilegten, eine 
Verschwommenheit angenommen, die für 
die Sache selbst nachteilig war und für 
die Mitwelt und Nachwelt die Thatsache 
verdunkelt hat, dass diejenigen »Akade- 
mien« und »Kollegien«, denen Hartlieb, 
O. u. a. angehörten, keineswegs beliebige, 
zu vorübergehendem Zweck gestiftete 
Vereine waren, sondern eine Art von 
Lebens- und Gesinnungsgemeinschaft von 
alter Herkunft darstellen, die den ganzen 



Menschen umfassten und für das ganze 
Leben geschlossen waren. Trotz allem 
Wechsel der Lebensschicksale, die den 0. 
in den folgenden Jahrzehnten erst in die 
Nähe des Kanzlers Oxenstiema (der Mit- 
glied der Sozietät des Palmbaums war\ 
dann nach Elbing, dann abermals nacn 
Lissa (wo er Bischof der Brüdergemeinde 
wurde), dann nach Ungarn (1650), dann 
wiederum nach Lissa und zuletzt nach 
Amsterdam (1656) führten, hat er an diesem 
grossen Plane, der ihn «mz erfüllte, un- 
entwegt festgenalten una ihn als höchstes 
und letztes Lebensziel betrachtet. Ein 
wesentlicher Teil seiner spätem Veröffent- 
lichungen ist lediglich zu dem Zweck ver- 
fasst worden, um der Durchführung dieser 
Pläne die Wege zu bereiten. So erschien 
1643 in Danzig (neu herausgegeben Amster- 
dam, Elzevir, 1 645) »seine Pansophiae Diaty- 
posis«, die den »Tempel der Weisheit« 
(Templum sapientiae), dessen Bau (struc- 
tura) ihm vorschwebte, vorbereiten sollte; 
dieser Bau sollte, wie er sich ausdrückt, 
»nach den Urbegriffen, Normen und Ge- 
setzen des höchsten Baumeisters der Welt, 
Gottes selbst, errichtet werden«. Man er- 
kennt darin die symbolische Einkleidung 
des Gedankens [über die grosse Rolle, 
welche die Symbolik in den »Sozietäten« 
spielte s. Monatshefte der Oomenius- 
Gesellschaft 1895, S. 96 u. öfter], 
den Hartlieb gelegentlich in die Worte 
fasste: »Das Reich Gottes nach seinem 
Vermögen auszubreiten, sei sein höchstes 
Ziel«. C. fährt im Anschluss an das Bild 
vom Tempelbau fort: »Weil aber dieses 
Werk nicht nur den Christen nützen soll, 
sondern allen, die als Menschen geboren 
sind, so dass es auch zur Erleuchtung und 
Überführung der Ungläubigen Kraft habe, 
so würde es vielleicht noch besser mensch- 
liche Pansophie genannt werden können.« 
Einige Jahre später verfasste er die wich- 
tigste seiner hierher gehörigen Schrift^en, 
die er sein »Allgemeines Gutachten über 
die Verbesserung der menschlichen Zu- 
stände« (De rerum humanarum emenda- 
tione consultatio catholica etc.) nannte, 
die aber zunächst nicht für die Öffentlich- 
keit bestimmt war und auch nie voll- 
ständig erschienen ist; wir kennen nur die 
beiden ersten, 1666 in Amsterdam ge- 
druckten Teile, die »Panegersia« und die 
»Panaugia«, von denen der erstere, der 
»Weckruf«, ein Denkmal der weltbürger- 
lichen, über allen Sektengeist weit er- 
habnen Gesinnung und Denkart seines 
Verfassers darstellt. Aus den bereits vor- 
handnen und aller Orten bemerkbaren Be- 
strebungen möge sich — das ist der Wunsch 
des C. — ein Bund aller Menschen er- 
geben, der sich die Erziehung des Menschen- 
geschlechts zum Ziel setzen solle. Nie sei 
ein so grosser Eifer dafür vorhanden ge- 
wesen, nie sei mit so gutem Erfolge mr 
dieses Ziel gearbeitet word^aj^ JW^^rum 
igi ize y ^ 



ComenioB-Gesellsohaft. 



159 



sollen wir nicht hoffen, dass einst das Ziel 
erreicht werden wird, für das der »ver- 
borgne Baumeister der Welt« jetzt so 
yerschiedne Menschen arbeiten lässt? Der 
»Weckruf« beabsichtigt^ der Welt den 
»königlichen Weg« zu zeigen, auf dem sie 
zur Weisheit, Tugend und Glückseligkeit 
stufenweise emporsteigen könne. Der 
»Weckruf« hat in den Kreisen der So- 
zietäten damals und später eine weite Ver- 
breitung gefunden, und als J. F. Buddeus 
1702 in Halle eine neue Ausgabe ver- 
anstaltete, deutete der Palmbaum, der das 
Titelbild der Originalausgabe ziert, an, 
welchen Kreisen das Unternehmen ent- 
stammte. 1811 veröffentlichte K. Chr. Fr. 
Elrause (s. d.) in seinem »Tagblatt des Mensch- 
heitslebens« einen Auszug aus der Schrift, 
und 1874 besorgte Dr. J. Leutbecher eine 
deutsche Übersetzung. Von maurerischer 
Seite ist mehrfach behauptet worden, dass 
das Konstitutionenbuch Anklänge an die 
Schrift zeige; es ma^ das dahingestellt 
sein, sicher ist aber, dass drei Stichworte^ 
die in der Entwicklung der Freimaurerei 
eine grosse Bedeutung gewonnen haben, 
die Worte Humanitas, Cultura und Tole- 
rantia in ihren modernen Begriffen von 
keinem bekannten Schriftsteller früher 
gebraucht worden sind, als von C. Viele 
symbolische Zeichen in den Schriften des 
C. zeigen volle Übereinstimmung mit den- 
jenigen Symbolen, wie sie in den Akademien 
des 15. und 16. Jahrhunderts und später in der 
»Sozietät der Freimaurer« nachweisbar sind. 
So zeigt, um nur ein Beispiel anzuführen, das 
Titelbild der Schrift »Fansophiae Prodro- 
mus«. die 1644 in Leiden erschien, im 
Mittelpunkt eine gekrönte Frauengestalt, 
die mit dem königlichen Hermelin um- 
hüllt ist: die Symbolisierung der könig- 
lichen Kunst, wie sie in gleicher Art früher 
und später häufig vorkommt Zu ihren Füssen 
sieht man Bibel, Winkelmass und Zirkel. 
SonstigeZeichen vervollständigen dasGanze. 
Der Schaffung einer internationalen Organi- 
sation ist auch eine andre Schrift gewid- 
met, die zehn Jahre später entstanden ist 
und die, da sie geheim bleiben sollte, erst 
in unsem Tagen zufällig an das Licht ge- 
kommen ist. Sie findet sich handschrift- 
lich im Kirchenarchiv zu Lissa (Posen), 
ist für den Herzog Sigismund Bäköczy als 
geheimes Gutachten (sermo secretus) ver- 
fasst und neuerdings im Auszug in den 
Monatsheften der C.-Gesellschaft 1897, 
S. 272 veröffentlicht worden. 0. nennt das 
»Collegium Lucis«, das ihm vorschwebt -und 
das »verborgen vor der Welt« bestehen 
sollte, hier auch mit einem einstweilen 
unerklärten Ausdruck »Secta Heroica«. 
Es ist nachweisbar [vgl. a.a.O. 1895, S. 177], 
dass er bis in sein hohes Alter den gleichen 
Gedanken verfolgt hat. Er starb in Amster- 
dam nach einem an Trübsalen wie an Er- 
folgen reichen Leben. Als Gottfi:. Wil- 
hemi Leibniz die Todesnachricht erhalten 



hatte, schrieb er die berühmten Worte 
nieder: »Dich, Comenius, wird dein Thun. 
dein Hoffen^ dein Wünschen ehren und 
preisen dereinst, wer zu den Guten sich 
zählt«. Die geistigen Zusammenhänge 
zwischen C. und der Freimaurerei sind von 
jeher innerhalb aller Lehrarten und in allen 
Ländern anerkannt worden. Nachdem 
Herder (s. d.) in seinen Briefen zur Be- 
förderung der Humanität, V. Sammlung 
(Riga 1795), S. 31 fg. die allgemeinere Auf 
merksamkeit wieder auf ihn gelenkt hatte, 
hat zuerst Krause (s. d.) in seinen Drei 
ältesten Kunsturkunden u. s. w. (Dresd. 
1810) I, 1. Vorrede, 8. CVm, I, 2 S. 189 fg., 
S. 323, n, 1 S. 192 und H, 2 S. 1—36 die 
Zusammenhänge bestimmt betont. Kloss 
(s. d^ hat dann in seine Bibliographie 
der Freimaurerei (Frkf 1844), S. 20, mehrere 
Schriften des C. aufgenommen. Diesen 
Autoritäten ist die voriee Auflage dieses 
Handbuchs (I, S. 185)gefolgt, ebenso diel855 
mit Genehmigung der Grossen National- 
Mutterloge Zu den drei Weltkugeln er- 
schienene Schrift von A.W. Stiehler, Der 
Geist der echten Freimaurerei u.s.w. (Wer- 
nigerode 1853), S. 5 fg., und die von der- 
selben Grossloge herausgegebnen Histori- 
schen Belehrungen für den MeistergradCBrl. 
1871), S. 117—147. Der gleichen tfber- 
zeugung hat Findel an verschiednen Stellen 
[Geschichte der Freimaurerei (4. Aufl., 1876J, 
S. 126; Geist und Form der Freimaurerei, 
^. Aufl.. 1880), S. 292] Ausdruck gegeben. 
Ein sehr beachtenswerter Nachweis der 
nahen Beziehungen findet sich in der vom 
kirchlich-orthodoxen Standpunkt aus ver- 
fassten Schrift von H. F. v. Criegem, Co- 
menius als Theolog (Lpz. 1881), S. 394 fg. 
[Vgl. ausserdem FZ. 1892, S. 2. L. 1886, 
S.177. Bh. 1892, Nr. 10. Bbl. 1891, S. 521.] 
Der 800jährige Geburtstag des C. am 28. 
März 1892 ist in zahlreichen Logen der 
ganzen Welt gefeiert worden ; den Bericht 
über die gemeinsame Feier der drei alt- 
preussischen Grosslogen s. in BZC. vom 
April 1892. — Die ältere und neuere Litte- 
ratur über C. findet sich am vollständigsten 
in den Monatsheften der C.-Gesellschafl 
(Bri. 1892 fg.). 

Comenius-Gesellschaft Die »C.-G. zur 
Pflege der Wissenschaft und der Volks- 
erziehung« ist nach längern, bis 1886 zu- 
rückreichenden Vorbereitungen am 10. 
Okt. 1891 in Berlin auf Anregung von 
Ludwig Keller (damals Vorsteher des 
Staatsarchivs der Provinz Westfalen in 
Münster) begründet worden. Keller war 
damals noch nicht Maurer, ebensowenig die 
Mehrzahl der Mitbegründer; indessen 
nahmen bereits bei der ersten Wahl des 
Gesamtvorstandes mehrere Freimaurer die 
Mitgliedschaft in demselben an, darunter 
Prinz Heinrich zuSchönaich-Carolath fs.d.). 
Keller (seit 1895 Geheimer Staatsarcnivar 
und Archivrat in Berlin) wurde zum Vor- 
sitzenden und Prinz Carolath auf Schloss > 



160 



Commandenr 



Conrad. 



AmtitE einige Zeit später zum Stellvertreter 

fewählt. Der Zweck der C.-G. ist nach 
en Satzungen vom J. 1892. «Die C.-G. be- 
absichtig, a) dem Geist des Comenius und 
der ihm innerlich verwandten Männer durch 
Schrift und Kede von neuem lebendige 
Verbreitung zu verschaffen und b) in diesem 
Geiste bildend und erziehend auf das heutige 
Geschlecht zu wirken.« Sitz der Gesell- 
schaft ist Berlin. Die Zahl der Mitglieder 
ist zur Zeit etwa 1900. Die Gesellschaft 

fiebt seit 1892 heraus: 1) Monatshefte 
er C.-G. (welche zur Förderung der wissen- 
schaftlichen Aufgaben bestimmt sind); 

2) Comenius -Blätter für Volkserziehung; 

3) Vorträge und Aufsätze aus der C.-G. — 
Die »Stifter« (Jahresbeitrag M. 10) erhalten 
alle Schriften, die »Teilnehmer« (Jahres- 
beitrag M. 5) erhalten nur die Monatshefte, 
die »Abteilungs- Mitglieder« (M. 8) nur 
die C.-Blätter. — Seit 1892 sind nahezu 100 
deutsche und ausserdeutsche Logen der 
C.-G. als Mitglieder beigetreten. Die 
Veröffentlichungen enthalten vielfache Bei- 
träge zur Vorgeschichte der Freimaurerei. 
[Vgl. Alpina 1891, S. 129, 353; 1892, S. 257. 
A. 1897, S. 157.] 

Commandeur (engl. Commander), der in 
mehreren Hochgradsystemen gebräuchliche 
Name des obersten Beamten, dem ein oder 
mehrere Stellvertreter — Lieutenants-Com- 
mandeurs — zur Seite sind, so z. B. in 
den Supremes Conseils des schottischen 
Situs und denConsistoires desEite fran9ais; 
ähnlich im Grand College des rites. 

Companion (engl., Gefahrte) ist der in 
derRoyal-Arch-Maurerei(s. d.) übliche Titel 
der Mitglieder, gleichbedeutend mit Bru- 
der in der symbolischen Maurerei. 

Goiicepeion(St. inChile, [1885] 24180 £.}. 
Hier besteht seit Johann! 1899 unter Auf- 
sicht der Loge Lessing in Valparaiso em 
deutsches Maurerkränzchen Glückauf. 

Coneordlenorden. Ein Adoptionsorden, 
der 3. Juli 1759 in Hamburg errichtet, aber 
schon 5. Juni 1760 wieder aufgelöst und 
21. Juni 1779 wieder erneuert wurde, aber 
im Anfang der achtziger Jahre völlig ver- 
schwunden war. £r blühte auch in Han- 
nover und Göttingen. Xnigge (s. d.) war 
Mitglied. 

C^neordlsten. I. Einer der vielen Stu- 
dentenorden (s. d.) auf den Universitäten 
des nördlichen Deutschland in der letzten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts, der gewöhnlich 
mit den Amicisten (s. d.) zusammenhielt. 
[Vgl. Fr. Chr. Laukhard, Der Mosellaner- 
oder Amicistenorden (Halle 1799). L. XXTT, 
296.] n. Eine geheime Verbindung, von 
einem gewissen Lang gestiftet, die nach 
Thory, Acta Lat., I. 302, Ähnlichkeit mit 
dem Tugendbunde haben sollte. 

Conflrmisteii nannte sich einer der vielen 
Studentenorden (s. d.) des 18. Jahrhunderts. 

Connecticut (einer der Vereinigten Staa- 
ten von Nordamerika). Die erste Loge 
wurde durch die Grossloge von England 



1750 in New Haven unterm Namen Hiram- 
Loge gegründet; ihr erster Meister vom 
Stunl war der Kapitän, später General 
David Wooster; der Verräter Benedict 
Arnold wurde 1765 in ihr aufgenommen. 
Weitere Logen wurden durch die Pro vinzial- 
grossloge von Massachusetts errichtet 1753 
in New London, 1754 in Middletown, 1762 
in Hartford, 1766 in Waterbury, 1769 in 
Wallingford, 1771 in Guüdford und 1780 
in Danbury; dagegen durch die Provinzial- 
grossloge von New York 1762 in Fairfield, 
1764 in Greenwich, 1765 in Norwalk, 1766 
in Stratford u. s. w. Eine hervorragende 
Rolle hat die während des Kriegs mit Eng- 
land (1776) durch die Grossloge von Boston 
mit einem Freibrief versehene American 
Union Lodge gespielt, indem sie mit der 
Armee nach C, New York und New Jersey 
zog, vielen Offizieren der verschiednen 
amerikanischen Regimenter die Maurer- 
weihe erteilte, während ihres Aufenthalts 
an den Ufern des Hudson den General 
Washington wiederholt als Besuchenden 
in ihrer Mitte sah und vorzugsweise die 
Anregung zu den von der Armee an die 
zugeordneten Grossmeister der Vereinigten 
Staaten gerichteten Petitionen (1779 und 
1780) um durchgreifende Reorganisation 
des Maurerbundes, um Gründung einer un<- 
abhängigen Grossloge und Aufstellung 
eines Grossmeisters für sämtliche Staaten 
gegeben hat; nach Schliessung des Frieden» 
(1783) verteilten sich ihre Mitglieder in 
verschiedne Gegenden und Logen. In dem- 
selben Jahre versammelten sich 12 Logen 
des Staats zur Besprechung und Regelung 
ihrer gemeinsamen Angelegenheiten; 8. Juli 
1789 wurde die selbständige Grossloge ge- 
bildet, deren Sitzungen seitdem abwech- 
selnd in New Haven und Hartford stattge- 
funden haben. Der spätem ^ünsti^en Ent- 
wicklung der Lo^en setzte die Freimaurer- 
Verfolgung ein Ziel; die Gegner der Maurer 
schlössen sich durch zwei in Hartford 1829 
und 1830 abgehaltne Versammlungen fest 
zusammen, so dass sich viele Mitglieder 
des Bundes öffentlich von ihm lossagten 
und die meisten Logen dem Sturm er- 
lagen. Doch leistete ein andrer, wenn 
auch kleiner Teil mannhaften Widerstand^ 
indem er 1832 eine Erklärung an das Volk 
erliess, die sich an die 1831 in Massa- 
chusetts veröffentlichte anlehnte. Später 
erhoben sich die Logen wieder zu neuer 
Blüte. 1898 besass die Grossloge 109 Lo- 
gen mit 17053 Mitgliedern, darunter eine 
deutsche Loge Connecticut Rock Nr. 92 
in New Haven (s. d.). Eine Grossloge der 
Farbigen entstand 3. Nov. 1873, die jetzt 
7 Logen mit 195 Mitgliedern zählt. [VgL 
Storer, The Records of Freemasonry in t£e 
State of C. with a brief account of its 
origin in New England (New Haven 1859).] 
Conrad, Michael Georg, Schriftsteller, 
geb. 5. April 1846 in Gnodstadt (Franken), 
bestand, für das Lehramt bestimmt, das 
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OnseO •— Cords. 



161 



staatliche Examen in Bayern, verliess 
jedoch bald das Schulamt, um zu reisen 
und seine wissenschaftlichen Studien zu 
erweitem. Während seines fast zwei- 
jährigen Aufenthalts in Qenf Hess er sich 
Februar 1870 in die dortige Loge L'union 
des Coeurs aufitiehmen. Während seines 
Aufenthalts in Neapel beteiligte er 
sich an der Gründung der dortigen 
deutschen^ durch ihre Freisinnigkeit und 
Werkthätigkeit ausgezeichneten Ix)gePesta- 
lozzi, deren Vorsitz er bis 1877 ftthrte. 
Gleichzeitig wurde er in den Ordensrat 
der Grossloge in Rom gewählt. Jetzt lebt 
0. in Deutschland, vorzugsweise in München, 
ohne an der Freimaurerei weitem Anteil 
zu nehmen. Von ihm erschien: »Vom 
Beissbrett. Freim. Ansprachen und Skizzen« 
(Zürich 1875). »Die Loge im Kulturkampf. 
Kritische Analyse der Etüde sur la Franc- 
Maeonnerie des BischofiB von Orleans« (das. 
1876). »Mehr Licht I Kritische Betrach- 
tungen« (das. 1877). »Flammen I Für freie 
Geister« (Lpz. 1882). »Der Freimaurer. 
Neue Beiträge zur Kritik des Logenlebens, 
seiner Freunde und Feinde« (das. 1885). 

CoBneil (engl. Council, Bat), der in vielen 
Hochgraden übliche Name der Versamm- 
lung dieser Grade. (S. Bauhütte.) — Im 
Rite ancien et accept^ wird die Versamm- 
lung des 80. Grades so benannt, die alle 
hohem Grade vom 19. bis 80. (Chevaliers 
Kadosch) erteilt 

ConserrateBr, OraBd, war früher der 
Name eines Amts im Grossorient von 
Frankreich. Der C. hatte den Grossmeister 
in seiner Behinderung und seiner beiden 
Ad|oints (Zugeordneten) zu vertreten. Als 
1814 infolge der politischen Verhältnisse 
die Würde des Grossmeisters und seines 
Stellvertareters durch Abgang Joseph Napo- 
leons (s. d.) und Cambac^rte' (s. d.) zur 
Erledigung kam, wurden Macdonald, Her- 
zog von Tarent (s. d.), Graf Bemonville und 
Timbnme, Graf v. Valence, zu Conserva- 
tenrs erwählt. Ihr Vertreter, vom Gross- 
orient war der Chevalier Alex. Henr. Nie 
Boßttiers de Montoleau (s. d.). 

OonsiaBtisteii, wohl der zahlreichste 
unter den vielen Studentenorden (s. d.), 
die am Ende des 18. Jahrhunderts auf den 
norddeutschen Universitäten bestanden. 
Er wurde zuerst 1786, besonders auf der 
Göttinger und Marburger Universität, be- 
kannt und lebte mit den Unitisten oder 
Unitariem vielfach in Streit. 

Goitral soeial. Die von Lazare Phü. 
Bnmetean 80. Mai 1766 gestiftete Loge 
St-Lazare in Paris bildete sich selbst 
2. April 1776 als M^re-Loge du Bite ^cossais 
philosophique, wurde 5. Mai in diesei* 
EigenBckaft von der Grossen schottischen 
Loge des Comtat Venaissin eingesetzt und 
wandelte ihren Namen in St.- Jean d'Ecosse 
du Contrat social um. Sie wurde jedoch 
vom Ghrossorient als Nationalschottenloge 
nicht anerkannt und 18. Mai 1778 von ihm 

AUgemeinet Hftndbnoh der Freiin*nrerei. 



gestrichen. Eine von Lafisse dagegen ge- 
richtete Denkschrift v. J. 1778 bewirkte, 
dass sich in Paris und in den Provinzen 
Logen dem lUte ^cossais philosophique an- 
schlössen. Am 5. Nov. 1781 kam eine 
Einigung mit dem Grossorient dahin zu 
Stande, aass der Schottenloge das Becht 
zugestanden wurde, in Frankreich Logen 
des Grossorients an sich zu schliessen 
und ausserhalb Logen zu gründen. Sie 

fewann sehr an Ansehen, musste aber 81. 
Uli 1791 ihre Arbeiten einstellen und 
lebte selbst nach der Revolution nicht 
wieder auf. Die Leitung des Bite ^ossais 
philosophique ging auf die Loge St.- 
Alexandre d'Ecosse über. Die Mutterloge 
erlosch vor dem 24. Febr. 1818. Thory 
versuchte als Leiter vergeblich, das System 
zu halten, 1826 fand es seine Endschaft. 
[KLoss, Gesch. der Freim. in Frankreich, 
I, 229—288, 274 und 275, 362—868; H, 56. 
Lachmann, Geschichte und Gebräuche der 
Hochgrade (Braunschweig 1866), S 107.] 
Anfänglich hat man in diesem System 
wissenschaftliche Grundlagen zu behaupten 
gesucht, war aber nach und nach immer 
tiefer in die Hoch^de hineingeraten und 
hatte dennoch keinerlei Befriedigung ge- 
währen können. An die allgemeine Mau- 
rerei knüpfte dieses System die 3 symboli- 
schen Grade nach dem Rite ^cossais ancien 
et accept^e, die seine Grundlage bilden. 
Als weitere Hochgrade wurden 1776 be- 
arbeitet: levraima9on, le vrai macon dans la 
voie droite, le Chevalier de laclefd'or, le Che- 
valier de Pills, le Chevalier des Argonautes, le 
Chevalier de la toison d'or. Die 1815 bearbei- 
teten siehe bei Thory, Hist. de la fondation 
du Grand Orient de France, S. 162—171. 
Clavel in seiner Histoire pittoresque, S. 64, 
nennt noch andre Hochgrade. Die von 
diesem System ausgegangn'en Denkmünzen 
s. Thory, Annales, Append. XXV., Taf. 8 
Nr. 9—18; Merzdorf, Denkmünzen, S. 54, 
Nr. 20 — 22. Die von diesem System ver- 
öffentlichten ofüziellen Schriften s. Eloss, 
Bibl. Nr. 4893—4426. Zur Geschichte des 
schottisch - philosophischen Ritus (Rite 
^cossais - philosophique) vgl. noch Clavel, 
Histoire pittoresque, S. 284 fg.; Ragon, 
Orthodoxie ma9onnique, S. 168 bis 177; 
Jouaust, Hist. du Grand Orient, S. 163, 
221—228. 

Cookesohe Handscbrift, s. England. 

Cords, Dav. Andr., Kaufmann, geb. 
19. Dez. 1784, gest. 8. Febr. 1876 wurde 
in Bordeaux in der Loge Anglaise 22. Nov. 
1808 aufgenommen und schloss sich 2. Ai^. 
1804 der Loge St Georg in Hamburg an. & 
war 1806— lOSchriftftthrer, 1821— 24 Meister 
vom Stuhl der Loge St. Georg, von 1884 
bis 1888 zugeordneter Grossmeister und 
Prftses des Schatz- und Almosen-Komitees. 
Von 1888—47 war er Grossmeister der 

Rastlos 
dabei 



war 
Grossen Loge von Hamburg, 
thätig für das Wohl der Logen, 
anspruchslos in seinem Wesen, hat er sich 

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162 



Corens — j Cowan. 



grosse Verdienste um die Hamburger Logen 
erworben, die ihm bei Gelegenheit seines 
22. November 1853 gefeierten 501ährigen 
Maureijubiläums ihre Liebe und Dank- 
barkeit bezeugten. Bei dieser Feier wurde 
er zum Ehrengrossmeister ernannt, und, 
der Freimaurerei treu, behielt er bis 1872 
das Amt des Patrons der freimaurerischen 
E^rankeninstitute. Er gab mit Grapen- 
giesser (s. d.) den »Entwurf des Konsti- 
tutionsbuches der Grossen Loge von Ham- 
burg« (ca. 1848) heraus, aus dem das Kon- 
stitutionsbuch von 1845 hervorging. [Vgl. 
Brandt, Geschichte des Alten Logenhauses, 
S. 126.] 

CorenS) Johann Matthias, geb. 15. 
Mai 1888 in Hamburg, Hauptlehrer einer 
Volksschule, wurde 23. Februar 1870 in der 
Loge Zur Bruderkette in Hamburg auf- 
genommen, war ihr Redner, zweiter Auf- 
seher, 1880 — 84 Meister vom Stuhl und 
ist jetzt Alt-, Ehren- und zugeordneter 
Meister. Das 1881 gegründete Logen- 
blatt »Die Bruderkette« leitete er seit 
1884 und hat darin zahlreiche maurerische 
Aufsätze veröffentlicht, von denen im 
Separatabdruck erschienen sind: »Gedenk- 
blatt an die letzte, von der Loge Zur 
Bruderkette im alten Maurertempel an der 
Drehbahn gehaltenen Logenarbeit« (1890); 
»Geschichte der Loge Zur Bruderkette 
1847-97«. 

Comova, Ignaz, geb. 25. Juli 1740 in 
Prag, gest. 25. Juli 1822, trat in den Orden 
Jesu, wurde Professor an mehreren Gym- 
nasien, nach Aufhebung des Ordens Pro- 
fessor der Weltgeschichte an der Prager 
Hochschule und 1790 Dekan der phflo- 
sophischen Fakultät. 0. war Mitglied der 
Böhmischen Gesellschaft der Wissen- 
schaften und vielseitiger Schriftsteller, der 
mit Vorliebe die böhmische Geschichte 
bearbeitete. Am 21. Mai 1776 in der Loge 
Zu den drei gekrönten Säulen in Prag 
aufgenommen, wurde er 1780 in den Ritter- 
grad eingeweiht und zum Geschichts- 
schreiber des Kapitels und der Loge er- 
nannt, nachdem er schon 1775 eine »Ge- 
schichte des Waiseninstituts zum Johannes 
dem Täufer in Prag« herausgegeben hatte. 
1783 schloss er sich der Loge Wahrheit 
und Einigkeit an und entfaltete in dieser 
eine rege Thätigkeit. Er verfasste die 
Satzungen über die Versorgung der Frei- 
maurerwaisen, sowie das Kitual und das 
Gesetzbuch seiner Loge, die nachmals von 
Fessler benutzt wurden. 

Costarica (Republik in Zentralamerika). 
Li San Jos^ errichtete 1867 der Grossorient 
von Neugranada eine Loge. Daselbst 
wurde auch 1870 der Grossorient von 
Zentralamerika (s. d.) gegründet. Über 
die Zahl der Logen in 0. ist nichts Näheres 
bekannt. 

Constos, Johann, ein im 18. Jahr- 
hundert um der Freimaurerei willen in 
Lissabon gefolterter und auf die Galeeren 



gesendeter Schweizer, ist in Bern ge- 
boren, kam als Kind mit seinem Vater 
nach Paris und ging, durch die Auf- 
hebung des Edikts von Nantes vertrieben, 
nach England, wo er als Steinschneider 
seinen Unterhalt und auch Aufnahme in 
den Bund der Freimaurer fand. Nach 
22 jährigem Aufenthalt ging er nach Lissa- 
bon, um von da nach Brasilien zu reisen. 
Da er hierzu die Erlaubnis der Re^erung 
nicht erlangte, entschloss er sich, in Por- 
tugal zu bleiben. Mit Hilfe eines franzö- 
sischen Juwelenarbeiters, Alex. Jak. Mou- 
ton, gründete er in Lissabon eine Loge. 
In der Nacht des 14. März 1748 wurde er 
bei später Heimkehr aus einem Kaffee- 
hause von neun Wächtern überfallen und 
in den Palast der Inquisition geführt 
Nach mehreren Verhören wurde ihm er- 
öffnet: er habe durch Einführung der 
Maurerei in Portugal dem ganzen König- 
reich Ärgernis gegeben und habe endlich 
das Geheimnis des Ordens mitzuteilen 
hartnäckig verweigert. Sogleich wurde er 
gebunden, in die Folterkammer der Inqui- 
sition gefuhrt und auf das grausamste ge- 
quält. Die Folterqualen wiederholten sich 
in der Zeit von drei Monaten, so dass er 
neunmal auf die Folterbank gebracht, ge- 
schnürt, gestreckt und gebrannt wimle 
und kein Glied seines Körpers unverrückt 
und unverschont blieb ; dennoch blieb seine 
Standhaftigkeit unerschüttert. 0. wurde 
hierauf, mit einem Sanbenito angethan, 
nebst andern Leidensgefährten in öffent- 
lichem Schaugepränge in die Eärche des 
heiligen Dominicus geführt, um dort seine 
Strafe zu vernehmen: er wurde auf vier 
Jahre zur Galeere verurteilt. Sein Mit- 
bruder Mouton war ebenfalls eingezogen 
und gefoltert worden, wurde aber als 
Katholik von weiterer Strafe freigesprochen. 
Durch Vermittlung der englischen Ge- 
sandtschaft erhielt C. als engbscher ünter- 
than die Freiheit wieder und kehrte 14. 
Dez. 1744 mit seinem Leidensgefährten 
nach London zurück, wo sie von ihren 
Freunden und Brüdern mit offnen Armen 
empfangen wurden. [Vgl. Kloss, Bibl., 
Nr. 3175—79. W. J., 2. Jahrg., 2. Quartal, 
S. 56 fg.] Ungefähr 100 Jahre später hatte 
aus gleichem Grunde ein Schweizer aus 
SoloÜLum, Voitel, ein ähnliches Schicksal 
in Spanien. 

Cowan. Ableitung und Urbedeutung 
dieses ursprünglich schottischen Wortes 
sind unbekannt, die bisherigen Deutungs- 
versuche sprachwissenschaftlich unmöglich 
und bleiben daher auf sich beruhen. In 
Schottland war ein »cowan« 1598 und 1599 
nach den beiden Shaw-Statuten (s. Schott- 
land) ein unvollkommner Bauarbeiter, den 
ein »Meister« nicht beschäftigen und mit 
dem er seine eignen Werldeute nicht 
arbeiten lassen durfte, und im ältesten 
Protokoll der Loge Zur Marienka^lle in 
Edinburg vom 81. Juli 1599 wird ein 

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Gramer — Crawley. 



163 



»maissoun« zur Verantwortung gezogen, 
weil er einen »cowan« an einem Kamin 
hat arbeiten lassen. Nach Jamiesons 
£t3rmological Dictionary of the Scottish 
Language sind »cowans« Leute, die Deiche 
oder Mauern aus trocknem Stein ohne 
Mörtel bauen, die die Arbeit eines Maurers 
verrichten, aber nicht regelmässig ausge- 
bildet sind. Da solche Pfuscher niemals 
in den engern Verband der Maurer Auf- 
nahme fanden, also von den Logen gänz- 
lich ausgeschlossen waren, so wurde der 
Name auch auf alle andern Nichtmit- 
glieder übertragen und bezeichnet nun 
alle Unge weihten oder Profanen »ohne 
Maurerwort«. In England ist die Be- 
nennung früher nicht nachzuweisen und 
erst nach 1717 von Schottland her einge- 
führt. Bei Prichard (zuerst 1780) und in 
andern Fragestücken ist »cowan« ein 
Horcher oder Lauscher, d. i. ein Neu- 
gieriger, der die Gieheimnisse der Loge 
auf unrechtmässige Weise sich erschleichen 
möchte. Anderson bedient sich 1723 des 
Ausdrucks noch nicht, sondern hat ihn 
erst 1738 eingefOhrt, z. B. in der 5. Pflicht, 
wo er die frühem »unaccepted Masons« 
durch »Cowans« ersetzt hat [Vgl- auch 
Lyon, History of the Lodge of £mnburgh 
(1872), S. 24fg.] 

Cramer, August Benvenuto, Apo- 
theker, dann Schriftsteller, geb. 5. Nov. 
1826 in Caput a. d. Havel, ^est. 25. Juni 
1894 in Koburg, widmete sich von 1842 
an der pharmazeutischen Laufbahn. Er 
wurde zum Freimaurer aufgenommen 5. 
Dez. 1860 in der Loge zu Aschersleben. 
Bald verwaltete er Logenämter als Stell- 
vertreter; zugleich war er längere Zeit 
hindurch Schriftführer des freimaurerischen 
Kränzchens in seinem damaligen Wohn- 
ort EOthen und beteilige sich an der 
Gründung der Anhaltischen Freimaurer- 
Sterbekasse. Nachdem er seinen Wohn- 
sitz nach Eichenbarleben (bei Magdeburg) 
verlegt hatte, schloss er sich 1872 der Loge 
Harpokrates in Magdeburg an, in der man 
ihm das Amt eines Kedners, später 
das eines zugeordneten Meisters übertrug. 
Als er nach Friedenau bei Berlin über- 
siedelte, schloss er sich der Loge Zur 
siegenden Wahrheit in Berlin an. In Neu- 
haldensleben stand er an der Spitze des 
dortigen Freimaurerkränzchens. C. hat 
sich frühzeitig in schriftstellerischen Ar- 
oeiten versucht; das Wohlwollen, mit dem 
seine Logenvorträge in Aschersleben und 
Magdeburg aufgenommen wurden, be- 
stimmten ihn, sich ausschliesslich frei- 
maurerischen Studien hinzugeben. Alsbald 
nach seiner Annahme wandte er sich dem 
Verein deutscher Freimaurer zu; hier fand 
«r für seine freimaurerischen Studien reiche 
Nahrung. 1878 wurde er in den Vorstand 
gewählt und übernahm die Gescbäfts- 
Ifthrun^, die er 1888 bezw. 1889 infolge 
Xränkbchkeit abgab. Zuerst wurde er 



1869 bekannt durch seine Lösung der vom 
Verein deutscher Freimaurer gestellten 
Preisaufgabe: Ȇber die den Ideen der Frei- 
maurerei am meisten entsprechende, frucht- 
barste und zweckmässigste Art maure- 
rischer Werkthätigkeit« (vgl. Mitt. aus dem 
Verein deutscher Freimaurer, 1869, HI, 
1—34). Seine Ansichten hat er, in Press- 
artikeln vielfältig erläutert und näher be- 
gründet, auch 1871 in einer selbständigen 
Schrift »Die Deutsche National -Loge« 
im Zusammenhange vorgetragen. Seit 
1878 gab er eine neue ZeitschrSt für PVei- 
maurerei unter dem Titel Latomia mit 
]4tägigem Erscheinen heraus und leitete 
sie bis zu seinem Tode. Li ihr hat er 
seinen Beformgedanken beredten Ausdruck 
gegeben. Für die ethischen Bestrebungen 
der Neuzeit war er sehr eingenommen und 
hat diese »neuen Rivalen«^ wie er sie 
nannte, für die Freimaurerei fruchtbar zu 
machen vielfach versucht. Sein mit best- 
gemeinter Absicht aufgestelltes Reform- 
programm hat er indes nicht durchführen 
können, da er mit ihm nicht allgemeinen 
Anklang fand. Dagegen hat er für das 
praktische Logenleben viel gewirkt und 
Keformen empfohlen. Damit zusammen 
hängt die Herau^be seiner «Instruk- 
tionen«. Um das Logenmeisteramt wirk- 
samer zu machen, beantragte er 1889, einen 
Preis auszusetzen für einen Entwurf zu 
einem Handbuch für die Amtsthätigkeit 
der Logenmeister. Hierbei wurde ihm für 
seinen eingereichten Entwurf ein zweiter 
Preis zuerkannt. 1884 gab er eine Auto- 

fraphierte Logenkorrespondenz heraus, in 
er eine Menge praktischer Logenfragen 
kurz besprochen wurden. Sie hat nur ein 
Jahr bestanden. Der Jahrgang bietet aber 
eine Fülle buchst wertvollen Stofi*s für die 
Logenleitung. Auch die Forschung auf 
dem Gebiet der Geschichte der Freimau- 
rerei ist ihm nicht fem geblieben, wie 
man aus den ersten Jahrgängen seiner 
Latomia ersehen kann. 1^6 veröffent- 
lichte er eine Schrift »Der Verein deut- 
scher Freimaurer und seine Bestrebungen 
zur Reform des Logenwesens«, die als 
Festschrift zum 25 jährigen Bestehen dieses 
Vereins erschien. Eine weitere preisge- 
krönte Schrift zur Entgegnung auf die 
päpstliche Enzyklika war »Die Ziele und 
Aufgaben des Freimaurerbundes. Kurze 
Mittheilungen für Nichtmaurer. « (Lpz. 1 885). 
Auf dem Friedhof in Koburg setzte ihm 
der Verein deutscher Freimaurer ein Denk- 
mal. [Vgl. Mittheilungen aus dem Verein 
deutscher Freimaurer, 1894/95, S. 59. L. 1894, 
S. 105.] 

Crawl«»^, W. J. Ohetwode, Dr. phil. 
u. jur., Mi^lied mehrerer gelehrten Gesell- 
schaften, Ehrendoktor des Oivilrechts der 
Universität Durham, geb. 1844, wurde 1872 
in Dublin in den Freimaurerbund auf- 
genommen, gründete 1874 die Trinity 
College Lodge Nr. 857 mit, war 1876 deren 
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164 



Cr^mieuz — CrispL 



Meister vom Stuhl und sieben Jahre Schrift- 
führer, nahm nebenher den Royal- Arch-Grad 
und leitete 1877 ein Kapitel. In der Dub- 
liner Grossloge war er Grand Inner Guard, 
GrossschwerUrftger, Grossschaöher, Gross- 
zeremonienmeister, Grossdiakon und ist 
seit 1892 Grossschriftflihrer der Grossloge 
fttr Unterricht. Ausserdem ist er seit 1887 
ordentliches Mitglied der wissenschaft- 
lichen Loge Quatuor Coronati in London, 
zu deren »Transactions« (Ars Quatuor 
Coronatorum) er eine Reihe wertvoller 
Beiträge geliefert hat. Sein Hauptwerk 
sind die »Caementaria Hibemica«, von 
denen «Fasciculus primus« (1726—80) 1895, 
«Fascieulus secundus« H 735— 44) 1896 er- 
schien und noch ein »Fasciculus tertius« 
in Aussicht steht. Für die G^chichte der 
Freimaurerei in Irland sind diese Bände 
eine ganz neue Grundlage. Eine Vorge- 
schichte der Freimaurerei in Irland ist 
durch seine Bemerkungen über die »Lady 
Freemason« Elisabeth Aldworth (s. d.) 
fAQC. Vm, 58 fg.] und namentlich seine 
Einleitung »Early Irish Freemason ry« zu 
Sadlers »Masonic Reprints and Historical 
Revelations« (London 1898) überhaupt erst 
geschaffen worden. 

Cr^mieux, Isaac Adolphe, franz. Jurist 
und Schriftsteller, geb. 80. April 1796 in 
Nlmes, gest. 10. Febr. 1880 in Paris, 
jüdischer Abkunft, wurde 1817 Advokat 
in Nimes und 1830 am Pariser Eassations- 
hof. Beim Ausbruch der Februarrevolution 
bewog er die Orleans zu flüchten und wurde 
kurze Zeit Mitglied der provisorischen 
Regierung und Justizminister. 1870/71 
wurde er abermals Justizminister. Er war 
auch der Begründer der Alliance Isra^lite 
universelle. ImSuprömeConseil war er 1860 
bis zu seinem Tode Souveräner Gross- 
kommandeur. [Vgl. FZ. 1880, Nr. 25.1 

Cremoaa (St. m OberitaUen^ [1881] 81980 
E.). Hier gründete der k. k. Ejämmerer und 
Oberst Paul Graf Bethlen, Mitglied der 
Wiener Loge Zur gekrönten Hofihun^, 
mit seinem Kegiment hierher beordert, die 
Loge St. Paolo Celeste, gab aber, nach 
Böhmen abgehend, d^en Hammer 1 778 an Joh. 
B. Graf B& ab. Die Loge wandte sich 
an die Provinzialloge von Österreich um 
eine Stiftungsurkunde, die jedoch, trotz 
deren Fürsprache, in Berlin nicht erteilt 
wurde, weil der Meister dort nicht bekannt 
sei; man müsse nach Berlin kommen, um 
den nötigen Unterricht zu erhalten. Dem 
konnte inde«« nicht entsprochen werden. 
Die Loge, meist aus Militärs bestehend, 
wandte sich hierauf an das Subpriorat in 
Turin, das eine Stiftungsurkunde erteilte. 
Zu gleicher Zeit mochte sie den Namen 
L'Aurore de la Lombardie angenommen 
haben, deren Hammer 1788 noch immer 
Graf BifÜ führte. Es ist jedoch nicht aus- 
geschlossen, dass dieser eine neue Loge 
gestiftet hat und die Loge St. Paolo Celeste 
weiterhin bestand. 1785 wird erwähnt. 



dass in C. 2 Logen bestanden, die aber 
nach Erscheinen der Freimaurerverordnang 
(Dez. 1785) eingegangen sein müssen. 

Cretisclniar, Philipp Jakob, Arzt^ 
geb. 11. Juni 1786 in Sulzbach bei Frank- 
mrta.M., gest.4.Mai 1845 in Frankfurt a.M., 
trat 1808 als praktischer Arzt in Frank- 
furt a. M. auf, nahm aber bald Dienste 
als Arzt in der französischen Armee, folgte 
dieser nach Wien und gin?, nach Paris 
beordert, mit deutschen Rheinbundstruppen 
nach Spanien, wo er zum Regimentsarzt 
der grossherzoglich würzburgschen Trup- 
pen ernannt wurde. Mit seinem Korps in 
Gefangenschaft geraten, kehrte er nach 
seiner Entlassung nach Deutschland zurück 
und liess sich in Frankfurt a. M. als Arzt 
und Geburtshelfer nieder. — In der fran- 
zösischen Feldloge Les amis de la vraie 
rfegle in Perpignan als Freimaurer aufge- 
nommen, wurde C. 24. März 1815 in oer 
Loge Sokrates zur Standhaftigkeit in 
Frankfurt a. M. angenommen, wirkte erst 
als Redner und war dann Meister vom 
Stuhl vom Januar 1835 bis 19. Febr. 1842. 
Er war ein trefflicher Mann, ofihen Geistes; 
etwas aufbrausend, wusste sein edles Hers 
doch alles gleich wieder gut zu machen. 
Als Maurer wirkte er auf alle, die in seine 
Nähe kamen, wohlthuend ein; denn er war 
ein Mann von fester Überzeugung, und 
darum verfehlten seine Worte nicht, tiefen. 
Eindruck zu machen. In seinem Buchet 
»Religionssvsteme und Freiinaurerei«(2 Tle.^ 
Frkf. 1888) le^ er seine Ansichten nieder.. 
Einzelne Freimaurerreden von ihm sind 
veröffentlicht. Es war ihm nicht vergönnt, 
die auch von ihm angestrebte Reorgani- 
sation des Eklektischen Freimaurerbundes, 
durchgeführt zu sehen; denn leidend und 
der thätigen Wirksamkeit in der Loge 
dadurch entzogen, schloss er seine Augen, 
tief betrauert von Tausenden. Die Frimk- 
furter naturforschende Gesellschaft Hess, 
ihrem hochverdienten Gründer in seinem 
Geburtsort Sulzbach i. Taunus ein Denk- 
mal errichten [Vgl. Paul, Annalen des- 
Eklektischen Freimaurerbundes (Frkf.a.M. 
1888), S. 247.1 

CriehtOB, Wilhelm, geb. 1782 in Kö- 
nigsberg in Preussen, gest. das. als Doktor 
der Theologie und Hofprediger 10. April 
1805, wurde 4. März 1777 MitgHed der 
Loge Zu den drei Kronen in Königs- 
berg und trat 1790 mit dem Plan hervor, 
die Loge in zwei Teile zu zerlegen. Er 
gab heraus: F. A. v. Korf, ein vollkom- 
mener Mann und ein wahrer Maurer im 
Leben und im Sterben (Königsberg 1786). 

CriHpl, Francesco, ital. Staatsmann, 
geb. 4. Okt. 1819 in Ribera auf Sizilien, 
studierte die Rechte, Hess sich in Neapel 
als Advokat nieder, nahm 1848 am Auf- 
stand in Palermo teil, flüchtete darauf* 
nach Piemont und 1858 nach England. 
1859 kehrte er mit Garibaldi nach Sizilien 
zurück, wurde 1861 Parlamentsmitglied,, 
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Cronemeyer — Gross. 



165 



1876 Eammerprasident und 1877/78, 1887 
biB 1891 and 1898—1896 Minister des 
Innern and Ministerpräsident. 0. ist Frei- 
maaier. 1894 entstand gegen ihn we^en 
seiner papstfreundlichen IN eapler Rede eine 
Strömung in der italienischen Freimaurerei, 
und man verlangte seinen Ausschluss aus 
dem Bunde. Als der Grossmeister Lemmi 
dem nicht stattgab, sondern die unbot- 
mftssiffen oberita&enischen Logen aufhob, 
beschlossen diese auf einer 8. Sept. 1895 
in Mailand abgehaltnen Versammlung, für 
den Ausschluss Crispis und Lemmis weiter 
2u wirken. Schliesslich musste Lemmi 
sein Amt als Grossmeister niederlegen. 
Eine Bedeutung hat 0. für die Freimaurerei 
in Italien nicht gehabt, obwohl er einmal 
zum GroBsorient gehört hat. Er hat nie 
oder selten an Arbeiten teilgenommen. 

ßgL L. 1894, S. 176, 208; 1895, S. 128, 
L 168; 1896, S. 82. Bbl. 1889, S. 282, 519.] 
Crottemeyer, Eberhard, Pfarrer, geb. 
24. Juli 1842 auf dem Eittergut Hovedissen 
im Fürstentum Lippe -Detmold, gest. 25. 
Juni 1896 in Bremerhaven, war Eektor in 
Orlinghausen, dann in Lage in gleichem 
Amte und als Prediger thätie, blieb dort 
auch als zweiter und erster Fastor, bis er 

1877 einen Buf nach Bremerhaven als 
erster Pastor erhielt C. wurde 28. Juli 
1886 in der Loge Zur Böse am Teutoburger 
Walde in Detmold in den Freimaurerbund 
aufgenommen. Er hat sich besonders 
verdient gemacht durch Gründung der 
Arbeiterkolonie Friedrich -Wilhelmsdorf, 
die vielfach von Freimaurern und Frei- 
maurerlogen unterstützt und erhalten wird. 
[V0. FZ. 1889, S. 82.] 

CroBB, Jeremy L., ein für die Verbrei- 
tung der Hochgrade in der nordamerika- 
niscnen Maurerwelt überaus einflussreicher 
Mann, geb. 27. Juni 1788 in Haverhill 
(New Hampshire), wurde in New Haven (Con- 
necticut) in den Maurerbund aufgenommen 
und in die in Amerika in Gebrauch ge- 
kommenen hohem Grade des Boyal-Arch, 
der Tempebitter u. s. w. befördert. Als 
sich nach Vereinigung der beiden Gross- 
logen im Staate Massachusetts (1792), nach 
Errichtung von unabhängigen Logen in 
den Vereinigten Staaten und des General 
Grand Chapter das Bedürfiiis nach einem 
einheitlichen Ritual herausgestellt hatte, 
wurde von den Neu-England-Staaten ein 
Ausächuss niedergesetzt, um ein solches 
für die Johannis- und die Eapitel^;rade aus- 
zuarbeiten (1797); er entledigte sich dieser 
Aufgabe vollständig erst gegen 1810. Um 
diese Zeit fing 0.^ von dem Ausschusse 
ausführlich unterrichtet, an, in den nörd- 
lichen Staaten Vorlesungen über das Ritual 
(work and lectures) zu halten; 1815 ging 
er nach New York, wo er die »ineffable 
degrees« des 88 gradigen Systems nahm 
und der dritten Sitzung des (General Grand 
Chapter der Vereinigten Staaten (1816) 
beiwohnte. Von dieser und andern mau- 



rerischen Oberbehörden zum Grand Lecturer 
ernannt, begab er sich zu den Logen in 
New Jersey, Pennsylvanien (woselbst er 
jedoch zurückgewiesen wurde), Delaware 
und Maryland, um sein Ritual zu ver- 
breiten. Li Baltimore empfing er die Grade 
des Royal and Select Master und zugleich 
die Vollmacht, sie, als die Royal-Arch- 
Grade ergänzend, zu erteilen und an Orten, 
wo ein Itoyal-Arch-£apitel bestand, ein 
Council jener Grade zu errichten. So ent- 
standen, wohin er kam, auch diese dem 
83 gradigen Systeme (ancient and accepted 
rite) entnommenen Neuerun^n. C. zog 
durch die westlichen und südlichen 
Staaten, unterrichtete in Ohio, Kentucky, 
Indiana, Missouri, Mississippi, Louisiana 
u. s. w., bevollmächtigte einzelne andre 
Maurer, sein System weiter auszubreiten, 
und begab sich über Maryland, Delaware 
und New Jersey 1817 in die Neu-England- 
Staaten zurück, wo er in Connecticut sein 
Werk fortsetzte. In demselben Jalure noch 
las er in Virginien und wurde 1818 zum 
Grand Lecturer der Grossloge und des 
Grosskapitels von Connecticut ernannt. 
Nachdem er so eine festere Stellung ge- 
wonnen hatte, veröffentlichte er (1819) ein 
ritualistisches Werk: »The true Masonic 
Chart, or Hieroglyphic Monitor, containing 
all the emblems explained in the degrees 
of Entered Apprentice, Fellow <>aft, 
Master Mason, Mark Master, Fast Master, 
Most Excellent Master, Royal Arch, Royal 
Majster, and Select Master: designed and 
duly arranged, agreeably to the lectures.« 
Das Werk schliesst sich eng an Webbs 
Masonic Monitor (1. Aufl. 1797) an, ent- 
hält aber zuerst Bilder zu den einzelnen 
Graden zum Zweck der leichtem Auf- 
fassung und zur Unterstützung des Ge- 
dächtnisses; es wurde sehr geistig auf- 
genommen und erlebte rasch viele Auf- 
lagen, 1851 die sechzehnte. Unter etwas 
verändertem Titel und in kleinerm Format 
erschien es 1855: «The mas. Text Book: 
containing the degrees of E. A., F. C. etc., 
Orders of Knight of the Red Cross, Knights 
Templars and Knights of Malta« (New York). 
Mit ähnlicher Ausstattung und von den Be- 
amten desGeneralGrandEncampment unter- 
stützt, veröffentlichteC.1820 :»The Templars 
Chart, or Hieroglyphic Monitor. Containing 
all the emblems ana hieroglyphics explained 
in the valiant and magnanimous Orders of 
Ejiights of the Red Cross, Knights Templars 
and Knights of Malta Designed and duly 
arrangea agreeable to the mode of work 
and lecturing. With a Supplement con- 
taining the 80 ineffable degrees, with their 
illustrations. To which are added Lessons, 
Exhortations, Prayers, Charges, Songs etc.« 
(4. Aufl., New York 1854). Während der 
Herausgabe vieler Auflagen dieser Werke 
lebte C. (1820—38) in New Haven^ von 
wo aus er hin und wieder Ausflüge in die 
Nachbarschaft unternahm und wieder meh- 
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166 



Crucefix — Cuba. 



rere Bruder, die er ausführlich unterrichtet, 
als Apostel seines Evangeliums in die Ferne 
entsandte, z. B. J. Barker nach Südcaro- 
lina, Georgia, Alabama und andern süd- 
lichen Staaten, Bamey nach Ohio und 
durch die Gegenden des Westens. Das 
Sovereign Grand Council in Charleston Hess 
1824 durch Barker an C. das Patent eines 
Sovereign Grand Inspector General über- 
reichen, das ihn für Lebenszeit ermäch- 
tigte, Logen, Kapitel u. s. w. allenthalben 
ai^ dem Erdenrund zu errichten und zu 
regieren. C. hat davon keinen Gebrauch 
gemacht. 1884 zog er in kaufmännischen 
Geschäften nach New York; daselbst er- 
scheint sein Name 1851 an der Spitze des 
Supreme Council, das als eine Fortsetzung 
des von Cerneau 1807 gegründeten zu be- 
trachten ist. Schon lb52 lec:te er wegen 
Kränklichkeit diese Stelle nieder und begab 
sich wieder nach Haverhill, wo er gestor- 
ben ist. 

Cruceflx, Bobert Thomas, Dr. med., 
ein um die Freimaurerei in England sehr 
verdienter Mann, geb. 1797 in Holbom, 
gest 25. Febr. 1850 in Bath, studierte die 
Arzneiwissenschaft, worauf er kurze Zeit 
nach Indien ^ing. Nach seiner Bückkehr 
liess er sich m London und später (1845) 
in Milton an der Themse nieder. — In den 
Freimaurerbund aufgenommen 16. April 
1829. erlangte er bald die hohem Stufen, 
wurde 1882 Meister vom Stuhl der Bank 
of England Lodge, dann Mitglied der Gross- 
loge von England, deren zweiter Gross- 
diakon er zu verschiednen Zeiten war, 
und erhielt auch den Priestergrad der 
Tempelritter. Sein Verdienst bestand in 
der mit ungewöhnlichen Hindernissen ver- 
bundnen Durchführung des Plans, ein Asyl 
für würdige alte und herabgekommene 
Freimaurer zu gründen. Er verfolgte die 
Verwirklichung dieses Plans 15 Jahre lang 
mit einer bewundernswürdigen Energie, 
brachte pekuniäre Opfer von solcher Be- 
deutung, dass sie seine bürgerlichen Ver- 
hältnisse bedrohten, und hatte zu Zeiten 
mit zahlreichen Gegnern zu kämpfen. Diese 
Gegnerschaft galt teils dem gedachten 
Plane selbst, dem Walton einen andern, 
den eines anuity scheme, entgegenstellte, 
teils der von C. 1834 gegründeten und bis 
1841 selbst geleiteten, sehr schätzbare Auf- 
sätze enthaltenden maurerischen Zeitschrift : 
FreemasonsQuarterly Review. Beide Unter- 
nehmungen gingen aus einem von ihm 
ins Leben gerufiien maurerischen Verein, 
Grand Lodge Club, hervor, der den Grund- 
sätzen huldigte, dass Öffentlichkeit und 
ausgedehntere Wohlthätigkeitspflege der 
Freimaurerei nur ft^rderlich sein könnten. 
Mehrere Veröffentlichungen in jener Zeit- 
schrift brachten ihn in Streit mit der 
Grossloge von England und deren dama- 
ligem Grossmeister, Herzog von Sussex 
(s. d.), und das zu heftige Auftreten C.'s 
führte zu Massregeln gegen ihn, die ihn 



veranlassten, 1840 der Mitgliedschaft der 
englischen Freimaurerei zu entsagen. Trotz- 
dem hielt er an der Freimauerei und an 
seiner Lebensaufgabe, dem Asyle, fest, das 
auch in Croydon in Susse^ ins Leben ge- 
rufen wurde, dessen Vollendung er aber 
nicht erlebte. Auch seine Zeitscl^ift wurde 
u. d. T.: Freemasons Quarterly Magazine 
and Review fortgesetzt. [Biographie von 
Oliver in letzterer Zeitschrift, 1850, S. 352, 
497; 1851, S. 68; ein Auszug in L. XTTL 
90. Vgl. noch Freemasons Magazine ana 
Masonic Mirror, 1858, S. 651, 721, 738.J 

Crnll, Franz Georg Friedrich, Arzt, 
geb. 1788 in Alten-Karin, gest. 27. Juh 
1848, wurde 1808 in der Loge Zum Tempel 
der Wahrheit in Wismar aufgenommen, 
half 1819 die Loge Zur Vaterlandsliebe 
das. mit gründen, war deren 2. zugeord- 
neter Meister vom April 1820 bis Johanni 
1828 und his 1848 Meister vom Stuhl und 
Mitglied des geschichtlichen Engbunds. 

Cryptio Masonrj, s. Meister, König- 
liche und auserwählte. 

CsAky, Theodor Graf, geb. 17. Juli 
1834 in Bartfeld, gest. 2. März 1894, war 
erst Militär. 1861 Keichsta^bgeordneter, 
auch als Puolizist ausgezeichnet. Als Ver- 
treter der ungarschen Missvergnügten 
reiste er ins Ausland, trat mit der Emi- 
gration in Verbindung und spielte 
am Hofe Napoleons und Victor Emanuels 
eine Kolle, wie er bei Bismarck die Er- 
richtung der preussisch-ungarschen Legion 
anregte und deren eigentliche Leitung 
übernahm. Er starb, nachdem er sein ganzes 
Vermögen patriotischen Zwecken geopfert, 
in misslichen Verhältnissen. — 1861 in 
der Budapester Loge Szt. Istvän aufge- 
nommen, erlangte er die Hochgrade in 
Turin und Florenz und errichtete 1864 in 
Genf die Loge Ister. 1869 trat er der Loge 
Corvin Mätyäs in Budapest bei, gründete 
1870 in Kaschau die Loge Haladäs und 
wurde 1872 zugeordneter Grossmeister des 
Grossorients von Ungarn, in welcher Eigen- 
schaft er eine ausserordentliche Thätigkeit 
entfaltete, Statuten und Bituale des Gross- 
orients ausarbeitete u. s. w., 1877 jedoch 
sich vom Bunde gänzlich zurückzog. 

Cuba (amerik.-westind. Insel). Als erste 
Loge auf 0. wurde wahrscheinlich die 
Loge Le temple des vertus theologales 
Nr. 108 in Havana 1804 von der Gross- 
loge von Pennsylvanien gegründet. An 
ihrer Spitze stand der bekannte Joseph 
Cerneau. In den Jahren 1818 bis 1822 
wurden sechs weitere Tochterlogen dieser 
Grossloge ins Leben gerufen. Zugleich 
gründeten die Grosslogen von Louisiana 
und Südcarolina und der Grossorient von 
Frankreich Logen. Es folgte aber bald 
eine Zeit, wo idles maurerische Leben er- 
losch. Erst 1859 stiftete wieder die Grosa- 
loge von Sttdcarolina eine Loge, damit 
diese mit zwei andern eine Grossloge von 
C. errichte. Dies geschah 5. Dez. 1859, 
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Culdeer — Czwallna. 



167 



und die Grosaloge nahm den Namen Gran 
Logia de Colon mit dem Sitz in Santiago 
an. Am 27. desselben Monats wurde mr 
durch einen gewissen Andbreas Cassard ein 
schottischer Grossrat des 33. Grads 
aufgepfropft. Die beiden Behörden lebten 
jedoch nicht in Frieden miteinander. Eine 
von der Grossloge 1867 beschlossene Ver- 
fassung weigerte sich der Grossrat anzu- 
erkennen und verbot sogar den Logen, 
sie anzunehmen; ja er hob am 4. Sept. 
die Grosslo^e geradezu auf und unter- 
warf ihre Mitglieder seinem Willen. Zu- 
gleich schritten die spanischen Be- 
hörden feindselig gegen die Logen ein. 
Don Antonio Poeras, Gouverneur von 
Saaua, wurde (Ende 1867) als Freimaurer 
vernaftet und nach Spanien in das Ge- 
fängnis gef&hrt. Das nämliche Schicksal 
erlitt ein andrer Beamter zu Saqua, und 
mehrere Magistratspersonen, Lehrer und 
Offiziere wurden ihrer Stellen entsetzt, weil 
sie Freimaurer waren. Die Geistlichkeit 
war es vorzüglich, die den Hass gegen die 
Freimaurerei schürte. Der Aufstand auf 
der Insel verschlimmerte die Zustände noch 
mehr, und von den 30 Logen, die noch 
1868 in G. bestanden, waren 1870 nur noch 
7 übrig. Später besserten sich die Ver- 
hältnisse wieder; 11. April 1878 stellte 
die Grossloge ihre Verfassung wieder her 
und setzte eine Provinzial-Mutterloge für 
den westlichen Teil der Insel ein, hatte 
aber auch von neuem mit dem Despotis- 
mus des Grossrats zu kämpfen. Diese 
traurigen Zustände haben sich in späterer 
Zeit zum Glück geändert, namentlich seit 
der 1. Aug. 1876 erfolgten Gründung einer 
zweiten Grossloge. An dem genannten 
Tage traten in Havana die Vertreter von 
neun Logen zusammen, die Freibriefe von 
der Grossloge von Colon besassen. sowie 
die von vier Logen, deren Bevollmäch- 
tigungen von der Provinzial-Mutterloge 
des Westens herstammten, und gründeten 
die Grossloge der Insel C, die einen 
erfreulichen Aufschwung nahm. Sie besass 
1877 17 Logen, während die ältere Gross- 
loge deren 36 zählte. Das Organ dieser 
neuen Grossloge war die alle 14 Tage in 
Havana erscheinende »Stimme Hirams« 
(La Voz de Hiram). Zu beiden Grosslogen 
kam 3. Juni 1877 eine dritte, die sich eben- 
fsAU Grossloge von Colon in Havana 
nannte. Am 28. März 1880 vereinigte sich 
die Grossloge von C. mit einer der Gross- 
logen von Colon zur Vereinigten Gross- 
loge von Colon und der Insel C. und 
gründete Provinzial-Grosslogen in Santiago 
und Puerto Bico, von denen sich die letz- 
tere 1885 selbständig machte. Die Gross- 
loge und die in Havana arbeitenden Bau- 
hütten haben dort ein Gymnasium gehalten, 
in dem unentgeltlich Unterricht erteilt 
und den am meisten Bedürftigen sogar die 
nötigen Schulbücher und Kleidung geliefert 
werden, und die Loge Söhne der Witwe 



(Hiios de la Viuda) Nr. 3 hat, von 
andern Schwesterlogen unterstützt, eine 
Freischule für Mädchen gegründet. Am 
24. Dez. 1891 wurden alle auf C. arbeiten- 
den Logen vereinigt in der Gran Logia 
de lalsla de Cuba. Sie besass 1894 39 
Logen mit 1350 Mitgliedern und hat ihren 
Sitz in Havana. Dort erschien auch eine 
freimaurerische Zeitschrift La Gran Logia. 
Der Oberste Eat für Colon, C. und 
Puerto Rico zählte 3 Konsistorien, 6 Kon- 
seils und 25 Kapitel. Während der jüngsten 
Wirren hat die Grossloge seit 1895 ihre 
Arbeiten einstellen müssen, hat sie aber 
26. März 1899 wieder aufgenommen. 

Cnldoer ist der Name von keltischen 
Geistlichen, vermutlich Überbleibseln der 
alten irischen Eärche, die von der römi- 
schen verdrängt worden war. Der Glaube 
an die Echtheit der sogenannten Yorker 
Urkunde (s. d.) machte verschiednen frei- 
maurerischen Forschem wahrscheinlich, 
dass sie von den Culdeem in York ver- 
fasst sei, und Hess sie so einen Zusammen- 
hang zwischen Culdeem und Freimaurern 
verfechten. Da die ünechtheit jener Ur- 
kunde jetzt nicht mehr ernstlich bezweifelt 
wird, haben die Culdeer für die Freimau- 
rerei jede Bedeutung verloren. [Vgl. BZC. 
1885, S. 64. A. 1887, S. 71.] 

Garassao (Cura9ao, nieaerl. Insel in 
Westindien). Schon 1755 wurde hier eine 
englische Loge errichtet, aber 1778 nach 
Detroit verleg. 1757, 1773 und 1787 ent- 
standen drei holländische Logen und 
während der Besetzung der Insel durch 
die Engländer 1810 und 1811 je eine 
Tochterloge der beiden englischen Gross- 
logen der Ancients und der Modems. Alle 
diese Logen gingen aber bald wieder 
ein. 1854 wurde die holländische Loge 
von 1787 (De vergenoeging) wieder belebt, 
bei ihr auch ein Kapitel eingerichtet, und 
1855 eine neue Loge (Igualdad) von der 
Grossloge von England gestiftet, die beide 
noch thätig sind. In C. hat der zugeord- 
nete Grossmeister des Grossostens der 
Niederlande für C. und andre westindische 
Inseln seinen Sitz. 

Cjpem (türk. Insel des Mittelmeeres 
unter englischem Schutz). Hier arbeiten 
drei Logen, davon zwei unter der Gross- 
loge von England in Limasol (gegr. 
1. Aug. 1888) und Lamaka (gegr. 1. Mai 
1891), und eine unter dem Grossorient von 
Griechenland in Limasol. 

Czwallna, Julius Eduard, Schulmann, 
geb. 22. Jan. 1810 in Tolks bei Bartenstein, 
^est. Ende Jani 1896, studierte von 1830 
inKönigsberg Mathematik, Physik, deutsche 
Litteratur und Philosophie und pflegte 
innieen Verkehr mit Herbart, Bessel, 
Jacobi und Naumann. 1835 wurde er Ober- 
lehrer am Collegium Fridericianum , 1836 
an der St. Johannisschule und im selben 
Jahre am Stadtgymnasium in Danzig, 
an dem er über 50 Jahre segensreich 

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168 



Daohröden — Dalberg. 



wirkte. — Am 12. März 1887 in der Loge 
Zur Einigkeit in Danzig angenommen, 
ward er daselbst 1842 Kedner, 1845 zu- 
geordneter und 1848 Meister vom Stuhl, 



welches letztere Amt er bis zu seinem Tode, 
also mehr als 50 Jahre, in reichem Segen 
verwaltete. Zwei Stiftungen der Loge 
tragen seinen Namen. 



D. 



DackrSden, Cäsar Karl Ludwig y., 
Sciüosshauptmann von Quedlinburg, Gross- 
herzoglich mecklenburg-strelitzscher Haus- 
marsdiall a. D» geb. 23. April 1808, gest. 
8. Juni 1882 in mm, wurde zum Freimaurer 
aufgenommen 18. April 1834 und war Logen- 
meister in der Loge Georg zur wahren 
Treue in Neustrelitz 1849 — 62. L^ gleichem 
Jahre schloss er sich der Lo^e Friedrich 
Wilhelm zur Morgenröte in Berlin an, erstieg 
die höchsten Ordensstufen der Grossen 
Landesloge, war Landesgrossmeister von 
1864 — 72 und wurde, nachdem der nach- 
maUge Kaiser Friedrich sein Amt als 
Ordensmeister am 7. März 1874 nieder- 
gelegt hatte, von gleichem Tage an zum 
Ordensmeister eingesetzt. £r versah dies 
Amt bis zum 29. März 1877, wo er genö- 
tigt war, es aus Gesundheitsrücksichten 
niederzulegen. Er war Bitter des Ordens 
Karls Xin. und in Eom katholisch ge- 
worden. [Vgl. BZC. 1882, S. 175. FZ. 1882, 
S. 330.] 

Dahme (St. in der preuss. Prov. Branden- 
burg, 5592 E.). Hier wurde 3. Mai 1882 
ein Kränzchen gegründet, aus dem die Loge 
Licht, Liebe, Leben unter der Grossen 
National -Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln hervorging, gest. 22. März, eingew. 
18. Mai 1885. Mit^ederzahl (1899): 51. 
Klub: Freitags. Ferien: Juli. Milde Stif- 
tung: Witwen- und Waisenfonds. — Femer 
wurde hier das erste Schwesternhaus der 
Viktoria-Stiftung (s. d.). das Viktoria- 
Stift, errichtet und 28. Sept. 1895 ein- 
geweiht 

Dahms, Ferdinand, Geistlicher, geb. 
14. Dez. 1809 in Menz bei Bheinsberg, 

§est. 27. Mai 1892, seit 1841 Prediger zu 
t. Georgen in Berlin. Aufgenommen in 
den Freimaurerbund am 30. Dez, 1837 in 
der Loge Ferdinand zum roten Adler in 
Neuruppin, schloss er sich 1844 der Loge 
Zum dämmenden Stern in Berlin an, in 
der er nacheinander vorbereitender Bruder, 
erster Aufseher, zugeordneter Meister und 
Meister vom Stuhl war. Seit 1854 Mitglied 
der Grossen National-Mutterloge Zu den 
drei Weltkugeln, bekleidete er die Ämter 
eines Grossaufisehers und Grossredners. 
Am 4. März 1878 wurde er zum Mitglied 
des Bundesdirektoriums gewählt, dem er 
in den letzten Jahren als Ehrenmitglied 
angehörte. [Vgl. Bbl. 1892, S. 221, 266, 
487.] 

Dakota (Nord- und Süd-D., zwei der Ver- 
einigten Staaten von Noraamerika). In 



Nord-D. besteht eine Grossloge, gest 12. 
Juni 1889, mit 48 Logen und 2702 Mit- 

fliedem, in Süd-D. eine solche, gest. 21. 
Uli 1875, mit 92 Logen und 4243 Mit- 
gliedern. 

Dalberg,l)Karl Theod.AntonMaria, 
Freiherr V., Kämmerer von Worms, letzter 
Kurfürst von Mainz und Kurerzkanzler, 
geb. 8. Febr. 1744 in Hernsheim, gest. 
10. Febr. 1817 in Begensburg, war ab 
Gelehrter, Kegent und Mensch gleich 
aua^zeichnet, einer der hervorritfendsten 
und edelsten Männer der klassischen Zeit 
Deutschlands und als solcher befreundet 
mit Herder, Goethe, Wieland und Schiller. 
[VgL Krämer, Karl Theodor v. D. (Lpz. 
1821).] — Er war der erste Meister vom 
Stuhl der 1781 gestifteten Loge Johannes 
zur brüderlichen Liebe in Worms und 
Mitglied des Illuminatenordens. Von ihm 
stammt das Lied: »Lasst uns, ihr Brüder, 
Weisheit erhöhn«. Während seiner Statt- 
halterschaft in Erfurt und mit seiner Be- 
günstigung wurde unter besonderer Mit- 
wirkung von Bode (s. d.) 19. Febr. 1787 
die Loge Zu den drei Kadern das. ge- 
stiftet. [Vgl. Taute, Die katholische Geist- 
lichkeit und die Freimaurerei (Lpz. 1895), 
S. 34.] 

2) Wolfgang Heribert, Freiherr v., 
Bruder des V origen, geb. 18. Nov. 1750 auf 
dem Stammschloss JEemsheim bei Worms, 
gest. 27. Sept. 1806 in Mannheim, ist be- 
kannt durch seine verdienstvolle Leitung 
des Mannheimer Theaters in der Zeit 
vom 1. Sent. 1778 bis Juni 1803. Er war 
Mitglied der Loge Joseph zu den drei 
Helmen in Wetzlar und gehörte der 
strikten Observanz an. Er beabsichtigte, 
eine Loge dieses Systems im Sommer 1776 
in Man^eim zu errichten. Sein Vorhaben 
blieb unausgeführt, da sich herausstellte, 
dass Mannheim wegen der feindlichen 
Stellung, die der Kurfürst Karl Theodor 
der Freimaurerei gegenüber einnahm, 
nicht sicher genuff war. Dagegen betei- 
ligte er sich an der Gründung der Loge 
Johannes zur brüderlichen Liebe in Worms 
(1781). Als sich diese Loge auflöste, er- 
richtete er 1784 in Gemeinschaft mit dem 
kurfürstlich pfälzschen Kirchenrat und 
Professor Karl Kasimir Wund von Heidel- 
berg die Loge Karl zum Reichsapfel in 
Heidelberg Ts. d.). Die Mannheimer Lo^ 
St.-Charles ae Tunion erfreute sich zwei- 
mal seines Besuchs, 1. Okt. und 22. Nov. 
1779, das letzte Mal in Begleitung zweier 



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Dalen — D&nemark. 



169 



in Amt und Würden hochstehender Frei- 
nutorer aus Mitau in Kurland, die eben- 
falls der strikten Observanz angehörten. 
Als Vertreter des 8ubprioratkapitels von 
Halsberg (Bayern) war er 1782 auf dem 
Konvent in Wilhelmsbad (s. d.). Auch 
hat er 1764 den Konvent zu Paris besucht. 
rV0. Koffka, Iffland und D. (Lpz. 
18(^).l 

8) Johann Friedrich Hugo, Frei- 
herr V., Bruder des Vorigen, geb. 17. Mai 
1752 in Koblenz, gest. 26. Juli 1812 in 
Aschaffenburg, war Domkapitular zu Trier, 
Worms und Spey^ und ist als Klavier- 
spieler, Komponist und Musikschriftsteller 
bekannt. Er war Mitglied der Loge Jo- 
hannes zur brQderlichen Liebe in Worms. 

4) Gottlob Amand Leopold Au- 
gustin Benedikt, Freiherr v., Herr von 
Essingen u. s. w., Fürstl. 8peyerscher 
Wirkl. Geh. Rat, gründete in .Gemein- 
schaft mit Dr. med. Johannes Gasser auf 
seinem Besitztum Essingen (s. d.) die Loge 
Union firanche aux trois colombes, die 17§8 
nach dem damals badischen Orte Bhodt 
(zwischen Landau und Neustadt a. d. H.) 
verlegt wurde, woselbst sie im folgenden 
Jahre ihre Thätigkeit einstellte. 

5) Emich Karl, Freiherr v., Sohn des 
Vorigen, geb. 10. März 1781 in Essingen 
(unweit Landau in der Rheinpfalz), b^i- 
scher Kammerherr, wurde 180^ in Strass- 
bur^ aufgenommen und war lebhaft be- 
teiligt an der Wiederbelebung der Mau- 
rerei im Grossherzogtum Baden zu Anfang 
des 19. Jahrh. (s. Mannheim). 

Dal^B, Karl van, Dr. phil., Oberlehrer 
am Kadettenkorps in Berlin, geb. 18. Aug. 
1816 in Wien, gest. 8. April 1879 in Beriin, 
zuerst Soldat, nahm 1842 seinen Abschied 
und wandte sich der englischen und fran- 
zösischen Sprache zu. Er wurde Lehrer 
in Lennep, kam 1846 nach Erfurt und 
ward 1848 zum ordentlichen Mitglied der 
Akademie der Wissenschaften ernannt. 
1858 kam er nach Berlin als Oberlehrer 
am Kadettenkorps. 1870 wurde er Pro- 
fessor und siedelte nach Lichterfelde über. 
Aufgenommen in den Freimaurerbund 
wurde er 22. Mftrz 1848 in der Loge Zum 
Lande der Berge iu Elberfeld von deren 
damaligemMeister vom Stuhl Herrig (s.d.). Li 
der Erfirter Loge war er Ständig-Besuchen- 
der. 1858 schloss ersieh der Loge Fried- 
rich Wilhelm zur gekrönten Gerechtigkeit 
in Berlin an, wurde 1854 Redner und 1856 
Vorsitzender Meister. 1860—64 bekleidete 
er das Bibliothekaramt, 1861 — 68 zugleich 
das Oberredneramt im Innern Orient. 1861, 
gleich bei der Gründung, trat er dem Ver- 
ein deutscher Freimaurer bei, wurde 1862 
in den Vorstand gewUüt und war von 
1871 bis zu seinem Tode dessen Vor- 
sitzender. Er ist der Gründer des seit 1861 
bestehenden Elalenders für Freimaurer, von 
dem schon 40 Jahrgänge erschienen sind. 
Auch an der englischen Übersetzung von 



Findeis Geschichte der Freimaurerei nahm 
er regen AnteU. [Vgl L. 1879, S. 97.] 

Daloiatien (Königr. und österr. Kron- 
land), s. niyrien. 

Dam van Isselt, s. Isselt. 

Damen, schottische, vom Hospital des 
Berges Tabor, auch Hospitaliterinnen vom 
Berge Tabor (Dames ^cossaises de l'hospice 
du Mont Thabor), wurde eine Gesdlschaft 
von Damen genannt, die sich 1809 bei der 
Pariser Loge Les Oommandeurs du Mont- 
Thabor gebildet und sich durch Zweck, 
Statuten und Arbeit vorgenommen hatte, 
die Adoptionsmaurerei (s. d.) zu veredeln. 
Zweck war, neben den gesellschi^lichen 
Zusammenkünften, Wohlthätigkeit gegen 
Kranke und Genesende. WaUspruch des 
Ordens war: » A bon Chevalier, bon hospice«. 
[Thory, Histoire de la fondation du Grand 
Orient de France, S. 378—88. A. 1880, 
S. 197. Kloss, Geschichte der Freimaurerei 
in Frankreich, I, 539—40.] 

Daneker, Georg, Rechtsanwalt und 
Aktuar der ständigen Bürgerreprfisentation 
und des Stadtreclmungsrevisionskollegs in 
Frankfurt a. M., geb. das. 22. Juni 1812, 
gest. das. 26. April. 1877, als Freimaurer 
aufgenommen in der Loge Sokrates zur 
Standhaftigkeit daselbst 4. Nov. 1848, 
war Meister vom Stuhl in dieser Loge 
1858—57 und 1863—65 und bekleidete m 
der Grossen Mutterloge des Eklektischen 
Bundes nacheinander das Amt des ersten 
Grossaufsehers, des zugeordneten Gross- 
meisters und Grossmeisters (letzteres 1860 
bis 1861 und 1865—67). D. war ein für 
die Sache der Maurerei hochbegeisterter 
Mann. Seine über wichtige Fragen erstat- 
teten Gutachten, die Abfassung des Eklek- 
tischen Gesetzbuchs von 1871 und seine 
massgebende Beteiligung an den Revisions- 
arbeiten überhaupt, sowie viele seiner bei 
festlichen Anlässen gehaltnen Reden zeu- 
gen von der Klarheit seines Urteils und 
einer echt maurerischen Gesinnung. [Vgl. 
Paul, Annalen des Eklektischen Bun&s 
(Frkf. a. M. 1883), S. 260.] 

Dänemark (Königreich). I. Ge- 
schichte. Die älteste Loge in D. war 
die Loge St. Martin in Kopenhagen, die 
1 1 .Nov. 1 743 vom russischen Gesandtschafts- 
sekretär Baron Münnich und vier andern 
gegründet und in der der russische Ge- 
sandte Baron v. Korff, in dessen Hause 
sie sich auch nachmals versammelte, auf- 
genommen wurde. Sie nahm den obigen 
Namen erst 13. Jan. 1745 an und erhielt 
9. Okt. 1749 eine Stiftungsurkunde von der 
englischen Grossloge. Wahrscheinlich ihrer 
Lrregularität wegen trennten sich schon 
im ersten Jahre mehrere ihrer Mitglieder 
von ihr und errichteten in Kopenhagen 
eine zweite Loge Zorobabel, in der 26. 
Mai 1744 der damalige Pagenhofineister, 
nachmalige Kirchenrat G. Nielsen zum 
Meister vom Stuhl ernannt wurde. Sie 
erhielt unter dem Hamburger Provinzial- 
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170 



Dänemark. 



grossmeister der englischen Grossloge, 
üttmann, 25. Okt. 1745 eine Stiftungs- 
Urkunde der englischen Grossloge als New 
Lodge Nr. 180. [Über die Vorgänge bei 
ihrer Gründung vgl Bh. 1859, S. 340.] 1749 
wurde der dänische Admiral Graf Christian 
Konrad Danneskjold-Laurvig (geb. 12. Mai 
1723, gest. 9. April 1783), ein Enkel KOnig 
Christians IQ. von D., der in der Loge 
St. Martin den Hammer übernommen und 
ihr die englische Stiftungsurkunde yerschafil 
hatte, zum englischen Provinzialgross- 
meister für die neuerrichtete Provinzial- 
grossloge von D. und Norwegen ernannt, 
während v. Korff zugeordneter Provinzial- 
grossmeister wurde. Von der Mutterloge 
Zu den drei Weltkugeln in Berlin wurde 
1758 eine dritte Loge Zu den drei bren- 
nenden Herzen in Kopenhagen gestiftet, 
deren Meister vom Stuhl Neergard war. 
Differenzen, in die sie mit den beiden 
andern Logen geriet, veranlassten den 
schwedischen Gesandtschafbssekretär Tüll- 
mann zur Stiftung der vierten Loge Phönix, 
in der dann die vorgenannte Loge aufging. 
Nach Tüllmanns Abreise vermittelte de 
Malleville die Beilegung der Streitigkeiten 
und die Annahme des Bituals der Loge 
Zu den drei Weltkugeln selten aller drei 
Logen. FL. m, 217.J Als aber 1765 die 
strikte Observanz (s. d.) auch hier einge- 
führt wurde und Schubart (s. d.) 6. Mai 1765 
eine Unterwerfungsurkunde unterschreiben 
liess, wurden die bisherigen Logen dem 
Namen nach aufgelöst und an ihrer Stelle 
eine Mutterloge Zum Nordstern und zwei 
Tochterlogen Zorobabel und Phönix er- 
richtet [L. ni, 218.] Allein schon 9. Jan. 
1767 vereinigten sich diese beiden Johannis- 
logen zu einer einzigen, Zorobabel zum 
Nordstern (til Nordstjemen). Kopenhagen 
wurde nach Annahme der strikten Obser- 
vanz zur Präfektur Binin erhoben und 
stand unterm Generalgrossmeister Herzog 
Ferdinand von Braunschweig (s. d.) und 
unter besonderm Schutz des Landgrafen 
Karl von Hessen (s. d.). Die erste Loge 
ausserhalb Kopenhagens war eine private 
Loge in Fjellebro auf Fünen beim Kon- 
ferenzrat Penz. Aus ihr ging die Militär- 
loge Josua in Kolding hervor, die 1765 
nach Schleswig (s. d.) und später nach 
Rendsburg (s. d.) übersiedelte. Li ihr 
wurde 1776 der erwähnte dänische Feld- 
marschall Landgraf Karl aufgenommen, 
der seit 1769 auf Schloss Gottorp wohnte 
und 1778 zum Protector et Superior or- 
dinis in Dania ernannt wurde. Er grün- 
dete die Logen £[nuth zum goldnen Lind- 
wurm in Odense 1775, Karl zur goldnen 
Hoffiiung in Husum 1775 (eingegangen 
1784), Das heilige Kreuz in Ste.-Croix 
(Westindien) 1776, Sophie Friederike zu 
den neun verbündeten Herzen in Horsens 
1778 (eingegangen 1791) und 1775 zugleich 
eine Schottenloge in Schleswig (s. d.). Alle 
diese Logen hatten jedoch nur ein kurzes 



Dasein. Li Kopenhagen war bisher nur 
deutsch gearbeitet worden; das Bedürfiiis 
nach einer dänisch arbeitenden Loge fEQirte 
18. Nov. 1778 zur Gründung der Loge 
Friedrich zur gekrönten Hoffnung (Frederik 
til det kronede haab). 1780 berichteten 
die Hamburgischen Nachrichten, die dä- 
nischen und holsteinschen Logen seien 
von der schwedischen Nationidgrossloge 
abhängig; dies veranlasste den König 
Christian VH. von D. 29. April 1780 an den 
Konferenzrat Nielsen una den Kammer- 
herm v. Eyben, als die hervorragendsten 
Kopenhc^ener Freimaurer, zu schreiben, 
dass der Orden in D. niemalk einen fremden 
Prinzen als Ordensmeister anerkennen 
solle und dass nach Abgang des Herzogs 
Ferdinand von Braunschweig einem Frem- 
den nur mit Genehmigung des Königs 
Einfluss oder Ansehen gestattet werden 
solle rvgl. FZ. 1873, S. 363]. Nachdem 1782 
auf dem Wilhelmsbader Konvent (s. d.) 
das sog. rektifizierte System geschaffen 
worden war, wurde dieses durch den Land- 
grafen Karl von Hessen eingeführt*) und 
er 1786 zum Provinzialgrossmeister von D. 
ernannt. Solange jedoch Herzog Ferdinand 
am Leben war, wurde er als Generalgross- 
meister auch in D. anerkannt, und noch 
1791 wurde von ihm die Loge Maria zu 
den drei Herzen in Odense gegründet. 
Nach seinem Tode 1 792 wurde Landmf Karl 
durch eine Kabinettsordre König Christians 
Vn. vom 2. Nov. 1792 zum Generalgross- 
meister ernannt und dem Freimaurerbunde 
amtliche Anerkennung gewährt, jedoch mit 
der Bestimmung, dass sich jede Loge dem 
Landgrafen Karl von Hessen unterordne. 
Inzwischen war 1785 eine schottische Loge 
Christian zur Palme in Kopenhagen ge- 
stiftet worden, die 1786 die Loge Karl 
zum Norwegischen Löwen in Bergen ge- 
gründet hatte FAQC. XH, S. 166], aber 
schon 1789 wieder eingegangen war. Das 
gleiche Schicksal hatte eine von der Loge 
in Burgsteinfurt (s. d.) 1788 in Kopen- 
hagen gestiftete Loge Auguste zum flam- 
menden Stern gehabt. Auch der Landgraf 
Karl hatte Logen im Schleswig-Holstein- 
schen errichtet, stiftete 1819 zwei höhere 
Grade unterm Namen einer Schottenloge 
Karl zum Löwen in Kopenhagen und bildete 
ein Freimaurerdirektorium unterm Vorsitz 
des Oberkammerherm W. Hauch (s. d.); 
ein besonderes altechottisches Direktorium 
bestand in Altona (s. d.). Dem General- 
grossmeister zur Seite stand der Commissa- 
rius Magni Magistri (längere Zeit Gehei- 
mer Legationsrat Manthey). Nach des 
Landgrafen Karl Tode 1836 ?nirde der Kron- 
prinz, nachmals König Christian VUL von 
D. (s. d.) durch kgl. Erlass vom 12. Nov. 



*) In den Johuinisgraden wurde aber naoh einem 
verindertan altoobottitohen Systeme gearbeitet, «nd 
die Sobottengrade wurden in swei (4.: tobottieeher 
Meitter, 5. : alttobottisober Meister) susammengelegt. 

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Dänemark. 



171 



1886 zum Generalgrossmeister ernannt, 
der diese Würde bis zu seinem Tode 1848 
bekleidete. In dieser Zeit wurden keine 
neuen Logen gegründet. Dun folgte als 
Creneralerossmeister sein Sohn, KOnig 
FriedricJtt Vn. von D. (s. d.), der nach 
Beendigung des Kriegs eifrigen Anteil an 
der Maurerei nahm. 1848 beabsichtigte 
man zwei Logen im Holsteinschen zu 
gründen: Christian zur brüderlichen Einig- 
keit in Hadersleben und Christian zur 
Bruderliebe in Itzehoe, sie sind aber nicht 
ins Leben getreten [L. XII, 1 14]. Dagegen 
wurde 1851 in HelsingOr die Loge Kosmos 
errichtet. Diese bat den Generalgross- 
meister, die schwedische Lehrart (s. d.) an- 
nehmen zu dürfen. Dadurch wurde dieser 
auf diese Lehrart aufmerksam gemacht. 
Bei dem nahen Freundschaftsverhältnis, 
in dem er zum schwedischen Kronprinzen, 
nachmaligem Könige Karl XY. (s. d.) stand, 
war es ihm leicht, sich in die schwedische 
Lehrart einweihen zu lassen, was im Som- 
mer 1852 geschah. Darauf wurde die 
Lehrart zuerst 1858 in der Helsingörer 
Loge in G egenwart des Generalgrossmeisters 
und des Prinzen Oskar von Schweden (s. d.) 
eingeführt. Durch grossmeisterlichen Be- 
fehl vom 6. Jan. 1855 wurde die Lehrart 
als allgemein gültig festgesetzt und nun- 
mehr auch 1855 in der neu^egründeten 
Loge Cimbria in Aalborg und in der Loge 
Zorobabel und Friedrich zur gekrönten 
Hoffnung, zu der sich die beiden Kopen- 
hagener Logen 1854 vereinigt hatten, und 
1858 in der Odenser Loge eingeführt. 
1855 wurde auch eine Andreasloge Cubus 
Friderici Septimi in Helsingör errichtet, 
die 1857 nach Kopenhagen verlegt wurde, 
und im Nov. 1858 ein Kapitel im Friedrichs- 
burffer Schlosse. (Wegen Altona s. d.). 
Zu^eich erging unterm 16. Nov. 1858 
die »Declaratio, qua denuo constituitur 
Vin^» Provincia«, wodurch die Grosse 
Landesloge von D. (Danske Store 
Landsloge) in Kopenhagen eingesetzt 
wurde, deren Einweihung am 21. dess. Mon. 
stattfand. Der Generalgrossmeister beab- 
sichtigte, auch einen dem Orden Karls XIH. 
(s. d ) ähnlichen Orden zu gründen, es ist 
aber nicht dazu gekommen. Unter König 
Friedrich VII. nahm so die Freimaurerei in 
D. einen grossen Aufschwung und befand 
sich in einem blühenden Zustande. Noch 
kurz vor seinem Tode (1868) wurde die 
Loge Friedrich in Flensburg errichtet, die 
aber seit Losreissung Schleswig-Holsteins 
von D. ruht. Nach Friedrichs VH. Ab- 
leben ging das Amt des Generalgross- 
meisters auf den Geh. Konferenzrat Brästrup 
(s. d.) über, der es ebenfalls bis zu seinem 
Tode 1870 verwaltete. Unter ihm machte 
die Freimaurerei weitere Fortschritte, wenn 
auch eine neue Loge nicht gegründet 
wurde, wohl aber sich 1866 die Altonaer 
Loge von der Grossen Landesloge von D. 
trennen musste. 1868 wurde das ansehn- 



liche Ordensgebäude in Kopenhagen ein- 

§eweiht. Nach Brästrups Tode übernahm 
er Geh. Etatsrat Trop die Leitung der 
Grossen Landesloge, bis der Kronprinz 
Friedrich von D. (s. d.), der 1870 zum 
Freimaurer aufgenommen worden war, 6. 
Jan. 1872 als Grossmeister eingesetzt werden 
konnte. Unter ihm hat sich die Frei- 
maurerei in erfreulicher Weise weiter ent- 
wickelt. Die Angriffe des Kopenhagener 
Kirchenhistorikers Nielsen (s. d.) in den 
Jahren 1882/83 auf den Bund gingen spur- 
los vorüber. Im Gegenteil ist der jähr- 
liche Zuwachs der Logen bedeutend, na- 
mentlich suchen viele Beamte und Offi- 
ziere und die wohlhabende Bürgerklasse 
Aufnahme. Dies hat auch zu einer Ver- 
mehrung der Logen geführt. So wurden, 
da die Mitgliederzahl der Kopenhagener 
Johannisloge Zorobabel und Fnedrich zur 
gekrönten Hoffnung zu gross wurde, durch 
Teilung noch die Johannislogen Christian 
und Zum Nordstern in Kopenhagen 1874, 
die Johannislogen St. Clemens in Aarhus 
1871, Dagmar in Nykiöbing 1877 und St. 
Martin in Banders 1882 gegründet. End- 
lich wurde 1876 eine zweite Andreasloge 
Luise in Odense und 1881 ein Provinzial- 
kapitel mit Provinzialloge das. errichtet, 
dem die Logen in Odense, Aarhus, Banders 
und Aalborg unterstellt wurden. — H. Sta- 
tist i k. An der Spitze des Bundes (Ordens) 
steht in D. als Protektor der König 
Christian IX., der aber nicht selbst Frei- 
maurer ist, Ordensmeister (Yicarius Sa- 
pientissimi Salomonis) ist der Kronprinz 
Friedrich (s. d.), Grossmeister Prinz Hans von 
Schleswig - Holstein - Sonderburg - Glücks- 
burg (s. d.). Unter der Grossen Landesloge 
stehen das Provinzialkapitel in Odense. 
zwei Andreaslogen in Kopenhagen und 
Odense und neun Johannislogen, nämlich 
drei in Kopenhagen und je eine in Hel- 
singör, Odense, Aalborg, Aarhus, Nykjöbing 
und Baaders. Die Gesamtmitgliederzahl 
betrug 1899 4110, von denen etwa 
1500 Hochgrade besitzen, und zwar 650 
die Andreas- und 800 die Kapitelgrade. 
Die Hälfte aller Mitglieder kommt auf die 
drei Kopenhagener Logen. Die grösste 
Johannisloge zählte 1898 1000, die kleinste 
126 Mitglieder [vgl. L. 1898, S. 71, 88]. Die 
Stiftungen machen ein Kapitalvermögen 
von insgesamt 600000 M. aus. Jährlich 
werden etwa 72000 M. zu wohlthätigen 
Zwecken verwendet. Für die »Kronprinz 
Friedrich und Kronprinzess Luisen-Stif- 
tung« wird ein grosses Gebäude mit einem 
Anhand von 650000 M. aufgerichtet, das 
100 freie Wohnungen von zwei bis drei 
Bäumen nebst Küche u. s. w. enthält und 
ftür Freimaurer und deren Witwen, wie für 
Nichtmaurer bestimmt ist. — HI. Littera- 
tur. Die freimaurerische dänische Litteratur 
bestand in früherer Zeit fast nur aus Über- 
setzungen französischer und deutscher 
Schriften, z. B. des bekannten L'ordre des 
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172 



Dänemark. 



Franc8-ma9onB trahi etc. (Kopenk 1746), des 
ScliAUspiels Les Francs-ma^ons (Eopenh. 
1745), der Starckschen Apologie (OaenBe 
1 777). y onAbrahamson (s. d.) erschienen drei 
Bände »Declamationen« (Kopenhagen 1776, 
1779, 1785) und von Manthey zwei Beden 
(1805, 1809). Aus späterer Zeit giebt es 
namentlich folgende Originalarbeiten: L. 
N. Biöme, Den aeldgflüoile og berGmte 
Frimurer-Orden, euer der h^nmelige for- 
band i meiern Bidderne af den hellige grav 
(Kopenhagen 1818), und A. C. Birch, Fri- 
murerietsOpkomst og historie (Kopenhagen 
1836). Einige Übersetzungen aus &m 
Englischen und andern Sprachen lieferte 
N.H.SeTel Bloch, der auch einige Schriften 
des Baco von Verulam übersetzte und 
>8x8 Murer Taler« (Kopenhagen 1859) her- 
ausgab. Auch eins der französischen Ma- 
nuels übersetzte F. Petersen: Handbog for 
Frimurere og Frimurerinder (Kopenhagen 
1822). Aus den Jahren 1821—24 und 1880 
liegen mehrere Neujalu^aben (Nytaars- 
gave for Murere) von K. L. Bahbek (s. d.) 
u. d. T.: Theano, Eos, Metis, St. Johannes, 
Eleusis, vor. Von demselben sind auch 
gesammelte Beden: Frimurertaler (Kopen- 
hagen 1816) erschienen. Weiter sind zu 
erwähnen: Visbye, Murer Taler og Digte 
(1848); Dirckinck-Holmfeld, Om Frimure- 
riet med Hensyn til Danmark (Kopenhagen 
1852); Edgar CoUin, Fremragende Danske 
Frimurere (Kopenhagen 1872J; Otto, I og 
for St. Joh. Logen Zorobabel og Fr. t d. 
kr. H. (Kopenhagen 1879); und die Ge- 
schichten der Logen in Helsingör von Frie- 
denreich (1878), in Kopenhagen von Bitzau 
(1882), aufFünenyonTbom6en(Odense 1891) 
und in Aarhus von Wandall (1896). Eine 
Anzahl Verteidigungsschriften riefen die 
Angriffe Nielsens (s. d.) hervor. Die perio- 
dische Litteratur hat in D. noch keinen 
festen Fuss fassen können; es erschien nur 
die Nordisk Frimurer-Tidende 1852—58 
(herausg. von Lind) und 1888 — 90 (herausg. 
von Lange). Als offizielles Mitglieder- 
verzeichnis der Grossen Landesloge von D. 
erscheint seit 1872 die • Ordensmatrikel «. 
Endlich sei erwähnt, dass es fdr die ein- 
zelnen Logen Gesangbücher, zum Teil aus 
früher Zeit (1749) und früher auch in 
deutscher Sprache, giebt. — Über dänische 
freimaurerische Denkmünzen s. Merzdorf, 
Denkmünzen, S. 106 fg.; HMW. Nr. 204. 
[Vgl. A. Z. 1828, I, 488. L. m, 217. Bh. 
1859, S. 340. FZ. 1878, S. 862; 1889, S. 206.] 

D&nemark (Herrscherhaus). Die Frei- 
maurerei hat sich nicht nur stets des Wohl- 
wollens und Schutzes dieses Herrscher- 
hauses zu erfreuen gehabt, es sind auch 
eine Anzahl seiner Mitglieder dem Bunde 
beigetreten und haben hervorragende 
Stellungen in ihm eingenommen. 

1) Friedrich VI., seit 1808 König von 
D.. Sohn Christians VH., geb. 28. Jan. 
1768, gest. 8. Dez. 1889, soll von seinem 
Schwiegersohn, Landgrafen Karl von 



Hessen-Kassel (s. d.), in den Bund aufge- 
nommen worden sein; näheres ist jedoch 
hierüber xdcht bekannt. 

2) Christian VIIL Friedrich, seit 1889 
König von D., Vetter des Vorigen, geb. 
18. Sept. 1786 in Kopenhagen, gest. daselbst 
20. Jan. 1848. Er genoss eine ausserordent- 
lich gute Erziehung und zeichnete dch 
durch Geschmack fdr Kunst und Wissen- 
schaften aus. Als er Statthalter in Fün^i 
war, gab er den Wunsch zu erkennen, Frei- 
maurer zu werden. Unter Genehmigung 
des GeneralgroBsmeisters Landgrafen Karl 
von Hessen (s. d.) wurde er 8. Febr. 1817 
auf dem Schloss zu Odense durdi den 
Meister vom Stuhl der Loge Maria zu den 
drei Herzen aufgenommen, erhielt 24. Febr. 
den zweiten und 12. März desselben Jahres 
den dritten Grad. Am 12. Mai 1817 betrat 
er zum erstenmal die Loge, die er über- 
haupt fieissig besuchte und bei deren Ar- 
beiten er sich nach seinen hervorragenden 
Geistesanlagen, seinem warmen Herzen 
und seiner ausgezeichneten Bednergabe 
vielfach beteiligte. Als Vikarius des Ge- 
neralgrossmeisters führte er häufig den 
Hammer. Da er nach dem Tode des Land- 
grafen Karl 1886 den ersten Platz im Frei- 
maurerbunde D.'s einnahm, wurde er durch 
kgl. Ordre vom 12. Nov. 1886 General- 
grossmeister von D. Am 26. Aug. 1889 
war er zum letztenmal als Kronprinz in 
der Loge in Odense, wo er seinen Sohn, 
den spätem König Friedrich VH. (s. d.) 
als Mitglied dieser Loge annahm. Am 8. 
Dez. 1889 bestieg er den Thron. Auch als 
König nahm er oft an den Logenarbeiten 
teil und war von den Brüdern sehr ge- 
schätzt. Die politischen Wirren hatten 
auf die Logen in D. und auf seine Be- 
teiligung darin keinen Einfluas. [Vgl. 
Giessing, Lebens- und Begierungsgeschichte 
Ch. Vin. (Altena 1852). Horstmann, Archiv 
für Freimaurerei, IV, 408. FZ. 1873, S. 879.] 

3) Friedrich Vn., Karl Christian, seit 
1848 König von D., Sohn des Vorigen, 
geb. 6. Okt. 1808 in Kopenhagen, gest. 
15. Nov. 1863 in Glücksburg, trat 1826 
eine Beise nach Deutschland, Frankreich, 
Italien und der Schweiz an und hielt sich 
längere Zeit in Genf auf. Hier wurde er 
im Sommer oder Herbst 1827 sum Frei- 
maurer aufgenommen; der Tag ist nicht 
bekannt. 1828 kehrte er nach D. zurück 
und vermählte sich mit Prinzessin Wil- 
helmine von D. Dieses Ereignis feierte 
25. Jan. 1829 die Kopenhagener Loge 
Zorobabel zum Nordstern durch ein Fest, 
wobei der General-Grossmeister den Vor- 
sitz führte und Bahbek (s. d.) die Festrede 
hielt. Beim Tode des Königs Friedrich VL 
wurde er Kronprinz und zum Gouverneur 
auf Fünen ernannt. Kurz vorher ^26. Aug. 
1 889) war er von seinem Vater Christian Vlfl. 
(s. d.) in der Loge Maria zu den drei Herzen 
in Odense als Mitglied angenommen wor- 
den. Hier nahm er fleissig teil an den 

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Daauig. 



178 



Logenarbeiten und erhielt 8. März 1840 
den zweiten nnd 16. Juli 1840 den dritten 
Grad. Als er 1848 den Thron bestieg, 
hegte man von ihm keine grossen Er- 
wartungen, denn er war immer fem von 
Regierungsangelegenheiten gehalten wor- 
den und lebte m^ als Bportsmann, denn 
als künftiger Landesyater. Demungeachtet 
erwarb er sich unter seiner glücklichen 
Renerung im allerhöchsten Grade die Liebe 
und Ergebenheit seines Volkes, so dass 
kein früherer dänischer König populärer 
war, als er. Mit der Thronbesteigung wurde 
er G^eralgrossmeister des Ordens und 
nahm sehr oft teil an den Logenarbeiten, 
namentlich aber nach dem 6chluss des 
dreijälmgen Krieges 1848—50 widmete 
er der Freimaurerei seine Kräfte und 
erhob sie zu ihrem hohen Standpunkte. 
Dies geschah durch die Einführung der 
schwedischen Lehrart, die das frühere 
sog. rektifizierte System, unter dem die 
dSmschen Logen bisher gearbeitet hatten, 
abliste (s. oben 8.171). Der König hatte 
im Sommer 1852 vom schwedischen Kron- 
prinz Karl, späterm König Karl XV. (s. d.), 
in der Friedrichsburger Schlosskirche die 
hohem Grade dieser Lehrart empfangen 
und wurde bald nachher Ritter vom schwe- 
dischen Orden Karls XTIT. Er Hess nun 
eine Kapitelloge im Friedrichsburger 
Schlosse einrichten, in der er selbst thätig 
arbeitete und die nach seinem Tode ins 
Ordenshaus in Kronprindsensgade verlegt 
wurde. Aber auch die 1856 vereinigten 
Logen Zorobabel und Friedrich zum Nord- 
stern in Kopenhagen besuchte er fieissig 
und fand in den Jahren, die ihm und 
seinem Lande wegen Schles?ng grosse Sorge 
bereiteten, Trost und Ruhe in der Frei- 
maurerei. Auf seinen Tod wurde eine 
Denkmünze geprägt. [Vgl. HMW. Nr. 204 
Giessing, Kong Frederik VlI' Ungdoms- og 
Regjeringshistorie (Kopenhagen 1865). 
Thorsoe. Kong F. den syvendes Regering 
(das. 1884-89, 2 Bde.). FZ. 1873, S. 404.] 
4)Chri8tian FriedrichWilh. Karl, Kron- 
prinz von D., Sohn König Christians IX., 
geb. 8. Juni 1843 in Kopenhagen, empfing 
als präsumtiver Erbe des dänischen Throns 
eine ausserordentlich sorgfältige Erziehung 
und entwickelte schnell seine geistige An- 
l^e, so dass er sich das grösste persön- 
liäe Ansehen erworben hat. Nach dem 
Tode König Friedrichs VII. (1868) wurde 
der G^heimrat Brästrup (s. d.) zum Gross- 
meister ernannt, weil König Christian IX. 
nicht Freimaurer ist. Als Brästrup starb, 
war Kronprinz Friedrich ebenfalls noch 
nicht dem Bunde beigetreten; er wurde 
erst 1. Nov. 1870 in der Loge Zorobabel 
und Friedrich zur gekrönten Hoffnung in 
Kopenhagen aufgenommen, erhielt im Dez. 
1870 die Andreasgrade in aer Andreasloge 
Oubus Friderici VlI. das. und die oberste 
Kapitelstufe im Jan. 1871 und übernahm 
6. Jan. 1872 das Amt des Grossmeisters. 



Über 25 Jahre hat Kronprinz F. eine 
ausserordentlich glückbringende Wirksun- 
keit entfaltet. Mehrere neue Logen wurden 
errichtet und die Wohlthätigkeit erweitert. 
Er hat auch sein Interesse für die Frei- 
maurerei dadurch gezeigt, dass er seine 
drei ältesten Söhne (s. unter Nr. 5—7) hat 
einweihen lassen. Er selbst ist häufig ein 
willkommner Gast in den Johannis- und 
den Andreaslogen und führt stets den 
Hammer im Kapitel, wie er auch die 
oberste Leitung der Maurerangelegenheiten 
besorgt. 

5) Christian Karl Friedrich Albert 
Alexander Wilhelm, Prinz von D., Sohn 
des Vorigen, geb. 26. Sept. 1870 in Char- 
lottenlund, wurde 22. Nov. 1889 zum Frei- 
maurer aufgenommen. 

6) Christian Friedrich Karl Georg Wal- 
demar Axel, Prinz von D., Bruder des 
Vorigen, geb. 3. Au^. 1872, und 

7) Harald Christian Friedrich, Prinz 
von D., Bruder des Vorigen, geb. 8. Okt. 
1876, wurden zusammen 28. April 1896 
zu Freimaurern aufgenommen. 

Danilg (St. in der Prov. Westpreussen, 
125605 E.). I.Geschichte. 1) Die erste 
Loge, die in D. gegründet wurde, war eine 
Tochterloge der Grossen National-Mutter- 
loge Zu den drei Weltkugeln: Zu den 
drei Bleiwagen (Aux trois niveaux). 
Sie wurde 3. Mai 1756 gestiftet, begann 
aber erst 1760 zu arbeiten, ruhte vom Sept. 
1768 bis Jan. 1764 und vom Dez. 1764 bis 
Mitte 1769 [vgl. Kienast, Geschichte der 
Loge Zu den drei Kronen in Königsberg 
i. Pr. (1896), I, 61 fg.]. 2) Inzwischen hatte 
dieselbe Grossloge eine Loge Zu den 
drei Pyramiden 5. Dez. 17<58 errichtet. 
In demselben wegen der Verfolgung der 
Freimaurer in D. merkwürdigen Jahre 
stiftete auch noch die Köni^berger Loge 
Zu den drei Kronen, 8) eine Loge Zu 
den drei Sternen nebst einer Schotten- 
loge Zum silbernen Leuchter in D., 
eröfihet 26. Aug. 1768. (Nach andern An- 

giben wurde sie 1770 von der Grossen 
oge von Warschau gestiftet) Als diese 
Johannis 1776 einging, wendeten sich ihre 
Mitglieder an die Grosse Landesloge in 
Berlin mit der Bitte um Gründung einer 
neuen Loge, die unter dieser als 4) Loge 
Zum Kranich 24. Okt. 1776 gestiftet und 
1777 eröffnet wurde, aber 80. Mai 1786 ihre 
Thätigkeit einstellte, die letzte Loge wurde 
am 3. Sept. 1785 abgehalten. [Vgl. L. 1890, 
S. 40.] (Über eine in Bodes Almanach für 
1777 als »retabliert« bezeichnete und in 
Thienemanns Übersicht [Hildburghausen 
1857] erw&hnte Loge Zu den drei Ähren 
mangeln nähere Zeitangaben; 1788 kannten 
sie &e JM^tglieder des Kranichs, an deren 
Meister eine an die Lo^ Zu den drei 
Ähren gerichtete Bittschrift gelangt war, 
nicht) Die imter Nr. 1 erwähnte Loge 
Zu den drei Bleiwagen wurde, nachdem 
unterdes auch die Loge Zu den drei 
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174 



Daries — Darmstadt. 



Pyramiden (Nr. 2) eiDgegangen war, 
5) unter der Provinzialloge Zu den drei 
Kronen zu Königsberg 24. Juni 1770 und 
nach baldigem Wiedererlöschen (1771) 
nochmals 11. Juli 1777 erneuert, nahm 
den Namen 6) Eugenia zum gekrönten 
Löwen an und schloss sich 26. März 1799 
der Grossen National-Mutterloge Zu den 
drei Weltkugeln an. Diese Lo^e errichtete 
1 8. Juli 1 786 in Schidlitz (s. d.) bei Danzig eine 
Deputationsloge Eugenia zum gekrönten 
Löwen auf dem Stoltzenberge, die aber 
1798 mit der Stammloge zu D. vereinigt 
wurde. Von der Grossen Loge zu London 
wurde 7) eine Loge Zur Einigkeit 4. 
März 1789 gestiftet (die regelmässigen 
Arbeiten hatte man nachweisbar am 2. Aug. 
1789 begonnen, gestützt auf eine aus 
Darmstaat 2. Mai 1789 ausgefertigte 
Interimsurkunde), die aber bereits wegen 
des Edikts von 1798 am 8. März 1799 
unter die Grosse Loge Boyal York treten 
musste und 5. Juni 1799 feierlich ein- 
geweiht wurde. [Vgl. Kuffs, Fragmente 
einer Geschichte der Freimaurerei in D. 
(Brl. 1808).] — Am 3. Okt. 1768 erliess 
der Ma^strat zu D. ein scharfes Edikt 
gegen die Freimaurer, das in der Ge- 
schichte der Freimaurerverfolgungen in 
Deutschland eine Hauptrolle spielt. [Ab- 
gedruckt in der Freymäurer- Bibliothek 
(Dessau 1785), St. 8, S. 150 fg., auch in 
der vorigen Auflage I, 218.] Dieses Edikt 
rief mehrere anonyme Gegenschriften, da- 
runter auch eine französische [Kloss, Bibl., 
Nr. 2909—11, vgl. die Bezensionen in der 
Freymäurer-Bibüothek, a. a. O., S. 154 ft.] 
hervor, wogegen der Abt Harenberg gleich- 
falls 1764 anonym einen «Beweis«, dass 
die Freimaurergesellscbaft in allen Staaten 
sowohl etwas Überflüssiges, als auch ohne 
Einschränkung etwas Gefährliches, Schäd- 
liches und Verbietungswürdiges sei, schrieb, 
der auch ins Holländische übersetzt ward, 
n. Statistik. Gegenwärtig bestehen in 
D. folgende Logen: A. Unter der Grossen 
National -Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln in Berlin: a) die Johannisloge Eu- 
genia zum gekrönten Löwen (oben 
Nr. 6). Vers, den 2. und 4. Freitag jeden 
Monats. Mitgliederzahl (1900): 247. Bei 
ihr besteht ein Stipendienfonds, sowie ein 
Maurer- Witwen- und Waisenfonds, b) Die 
delegierte altschottische Loge gleichen 
Namens, gegr. 9. Febr. 1802. c) Der dele- 
nerte Innere Orient, gegr. 24. Juli 1802. 
B. Unter der Grossen Loge Royal York zu 
Berlin: a) die Johannisloge Zur Einig- 
keit (oben Nr. 7). Wahlspruch: Concordia 
reddit salutem. Monatsloge in der Kegel 
den 1. Sonnabend jeden Monats, ausser- 
dem den 2. Dienstag resp. 2. Mittwoch 
nach der Monatsloge. Mitgliederzahl(1900): 
256. Bei ihr hat sich ein »Verein für 
gute Werket gebildet (Statuten vom 20. 
Sept. 1861) zum Zweck von Unter- 
stützungen in Fällen, die sich nicht för 



die allgemeine Wohlthätigkeit oder die 
Logen- Armenpflege eignen [L. XX, 64]. 
Ferner besteht bei ihr eine Czwalina- 
Stiftung mit dem Zweck der Unter- 
stützung unversor^r Töchter verstorbener 
Mitglieder der Einigkeit, und endlich unter- 
steht ihr die Verwaltung der Czwalina- 
Gymnasial-Stiftung. bJInnererOrient, 
gegr. März 1801. C. Unter der Grossen 
Landesloge der Freimaurer in Berlin: a) 
die Johannisloge Zum roten Kreuz, 
gegr. am 5. Dez. 1873. Vers. Montags. 
Sfitgliederzahl (1900): 106. Milde Stiftung: 
die von Flotowsche Schulstiftung, b) Die 
Andreasloge Fides, gegr. 18. April 1879. 

Daries, Joach. Georg, geb. 28. Juni 
1714 in Güstrow, gest 17. Juli 1791 in 
Frankfurt a. 0., lehrte seit 1788 in Jena 
Philosophie und Rechtswissenschaft und 
wurde 1768 von Friedrich IX nach Frank- 
furt a. O. berufen. Er war als Schrift- 
steller auf den Gebieten der Philosophie. 
Bechtswissenschaft, Staats Wirtschaft und 
Mathematik verdient. [Vgl. Schlichtegroll, 
Nekrolog vom J. 1792, Bd. 2.] — Er trat 
1744 in die Loge Zu den drei Bösen in 
Jena, war einer der ersten Anhänger von 
Johnson (s. d.) und stiftete 10. Jan. 1762 
zur Ernährung und Erziehung armer Kin- 
der zum Nutzen der wirtschaftlichen Be- 
schäftigungen eine Bealschule bei Jena 
unter dem Namen der Bosenschule. [VgL 
Neueste zuverlässige Nachricht von der 
Bealschule bei Jena (1768). In Frankfurt 
schloss er sich der dortigen Loge Zum auf- 
richtigen Herzen an. 

Darmstadt (Hauptst. des Grossherz. Hes- 
sen, 68745 E.). 1. Schon um 1764 soll 
hier eine Loge Zur weissen Taube ge- 

f rundet worden sein, die am 27. März 1772 
er Grossen Landesloge in Berlin beitrat, 
aber schon lange eingegangen ist. H. Die 
jetzt hier bestehende Loge Johannes der 
Evangelist zur Eintracht wurde unter 
dem Schutz des Grossherzogs Ludwig L 
von Hessen und unter besonderer Fürsorge 
des Landgrafen Christian von Hessen 5. 
Aug. 1816 gegründet und 23. Okt. 1816 
von der damaligen Grossen Provinzial- und 
Direktorialloge des Eklektischen Bundes 
von Frankfurt eingeweiht. [Über die Ein- 
weihung 8. V. Wedekind, Baustücke, H, 
27 fg. und wegen der darauf geprägten 
Denkmünze HMW. Nr. 51.] Bei ihrem 
25jährigen Jubiläum 1841 gründete sie 
einen Unterstützungsverein für die Hinter- 
lassenen ihrer MitgUeder. Sie trennte sich 
8. Sept. 1845 von aer gedachten Grosslo^ 
und stellte sich 28. März 1846 unter die 
Grossloge Zur Eintracht. Mitgliederzahl: 
(1900): 146. Vers, den 1. Mittwoch ^eden 
Monats; gesellige Zusammenkünfte jeden 
Mittwoch Abend. Bei der Loge besteht 
ausser der Sterbekasse ein Schwestem- 
verein Caritas, die Hähnle- und die Hügel- 
stiftung. [ Vgl.Geschichte der Loge vonHein- 
rich Künzel (1867) und von Zemin (1891).] 



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Dannstadt. 



175 



Sammlung von Gesängen für die Loge (181 9). 
Büchereiverzeichnis 1888. 1871 mnssten 
Kriegsgefangene französische Offiziere aus 
der Loge ausgeschlossen werden. Hierüber 
entstand ein Briefwechsel. [Vgl. Bh. 1871, 
S. 67 u. La Loge maconnique de Darm- 
stadt »La Concorde« et les ofnciers fran^ais 
(1871).] n. Die zur Gründung der Grossen 
Freimaurerloge Zur Eintracht in D. 
treibenden Ursachen müssen in den Kämpfen 

fesucht werden, die seit dem Bücroitt 
es Grossmeisters Fellner (s. d.) innerhalb 
der Grossen Mutterloge des Eklektischen 
Freimaurerbundes in Frankfurt a M. ent- 
standen waren. Geistig hervorragende Mit- 
glieder strebten darnach, diesem Bunde 
eine ihrer Ansicht nach dem ursprüng- 
lichen Wesen der Freimaurerei ent- 
sprechende Form wieder zu yerschaffen. 
Im Gegensatz zu diesem reformatorischen 
Zug in der Grossen Mutterloge stand die 
Loge Karl zum aufgehenden Licht in 
Frankfurt a. M., die nach mehrjährigen 
Verhandlungen 27. Sept. 1840 in den Ek- 
lektischen Bund aufgenommen wurde. Das 
beharrliche Festhalten an ihrem positiv 
christlichen Standpunkte, die Beibehaltung 
der Schottenloge und die Versendung eines 
Bundschreibens, worin die Grosse Mutter- 
loge, unter Verwechslung der Ausdrücke 
»Religion« und »Konfession«, Sätze aus- 
gesprochen fand, die den eklektischen 
Bundesgrundsätzen fremd seien, musste die 
Lodösung der Loge aus einem Verband 
zur Folge haben, der von seiner Gründung 
an einer Bearbeitung höherer Grade ent- 
schieden abgeneigt war imd überdies im 
Begriff stand, das sogenannte Humanitäts- 
prinzip immer klarer und reiner in sich 
auszubilden. Am 2. Juli 1844 fasste die 
Grosse Mutterloge den Beschluss, die Loge 
Karl zum aufgehenden Licht zu entlassen, 
die, nachdem verschiedne Vermittlimgs- 
versuche zwischen ihr und der Grossen 
Mutterloge erfolglos geblieben waren, 9. 
Sept. 1845 • freiwillig« aus dem Eklek- 
tischen Bund treten und mit den einige 
Tage vorher aus diesem ausgeschiednen 
Logen in D. und Mainz einen süddeutschen 
Maurerbund auf der Grundlage der drei 
Johannisgrade gründen wollte. Jene bei- 
den Logen hatten sich ebenfalls fQr die 
Wahrung des christlichen Prinzips inner- 
halb des Eklektischen Bundes und gegen 
die von dieser Grossloge herausgegebnen 
Erläuterungen des christlichen IMnzips 
erklärt In einem an die Logen des Ek- 
lektischen Bundes gerichteten, gemein- 
samen Schreiben berichten die ^ü&ndenden 
Logen ausführlich über die bisher unter- 
nommenen Schritte zu ihrer Vereinigung. 
Damach wendeten sich die in hohen Be- 
amtenstellen in D. stehenden Freimaurer 
Lotheisen fs. d.), von Bieffel (s. d.) u. a. 
an den selbst dem Freimaurerbunde an- 

fihörenden Grossherzog Ludwig U. von 
essen (s. d.) und erlangten dessen landes- 



herrliche Genehmigung zur Gründung des 
Freimaurerbundes Zur Eintracht, über den 
der Grossherzoff 27. Febr. 1846 das Pro- 
tektorat übemsSun und den er in der am 
gleichen Tage von ihm vollzognen Stiftungs- 
urkunde des Eintrachtsbundes bestätigte 
»unter Zusicherung desbesondem Schutzes, 
solange die dazu gehörigen Logen treu 
die wahren Maurerpflichten in Eintracht 
innerhalb der durcn das Gesetzbuch ge- 
zognen Grenzen erfQllen und sich aUer 
Einmischung in Staats- oder kirchliche 
Angelegenheiten enthalten.« Die Bearbei- 
tung der Hochgrade wurde grundsätzlich 
ausgeschlossen, dagegen das christliche 
Prinzip, im Gegensatz zu dem Eklektischen 
Bunde, der inzwischen das reine Humanitäts- 
prinzip angenommen hatte, zu Grunde 
gelegt. Die drei stiftenden Logen betonten 
in ihrer Eingabe an den Grossherzog, dass 
sie das Prinzip des Eklektischen Maurer- 
bundes in semer ursprünglichen (i estalt 
und Reinheit zur Ausführung zu bringen 
als ihre Aufgabe ansähen. In der vor- 
läufigen Genehmigung, wie in dem Schutz- 
brief selbst wird ausdrücklich die Stiftung 
eines neuen eklektischen Freimaurerbundes 
hervorgehoben. Dessen Zweck war nach 
dem Gesetzbuch: »Fern von jeder poli- 
tischen und konfessionell kirchlichen Ten- 
denz nach den Grundsätzen des Christen- 
tums, insbesondere der christlichen Sitten- 
lehre auf die Veredlung seiner Mitglieder 
und Beglückung des Menschengeschlechts 
hinzuwirken«. Am 22. März 1846 bil- 
dete sich die neue Grossloge und feierte 
28. Juni desselben Jahres in dem Akademie- 
saale des kurfürstlichen Schlosses in Mainz 
ihr Stiftungs- und Johannisfest. An die 
Spitze der Grossloge trat (1.) der Ehrenalt- 
meister der Loge in D., Lotheisen fs. d.), der 
eine ganz vorübergehende Unterorechung 
durch die Wahl von Betz (Meister vom 
Stuhl der Loge in Mainz) abgerechnet, 
bis zu seinem Tode, 11. Sept. 1859, den 
^ossmeisterlichen Hammer führte und 
insbesondere die Beziehungen zu den 
auswärtigen Grosslogen forderte. Auch 
der Eklektische Bund hatte nach einiger 
Zeit der Zurückhaltung den Eintrachts- 
bund 15. Okt. 1847 anerkannt. Das Ge- 
setzbuch bestimmte im Gegensatz zum 
Eklektischen Bund, dessen Grossloge 
durch in Frankfurt a. M. ansässige Ver- 
treter der Bundeslogen gebildet wurde 
und noch wird, dass die neue Gross- 
loge aus Meistern der Bimdeslogen zu- 
sammengesetzt werde, die für die Dauer 
von sechs Jahren von der betreffenden Loge 

fewählt werden und von denen alle zwei 
ahre drei ausscheiden sollten. Die Amts- 
dauer der Abgeordneten ist gegenwärtig 
nur zwei Jahre. Wiederwahl ist zulässig. 
Die Grossloge bestand ursprünglich aus 
neun Mitgliedern; vom 28. November 1847 
an wurden aus jeder Bundesloge fünf Ab- 
geordnete entsendet. Am 16. Juni 1848 



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176 



Darmstadt. 



starb Grosaherzog Ludwig IE. ; sein Nach- 
folger Ludwig in. erteilte 1. Juli 1848 dem 
Eintrachtsbunde einen neuen Schutzbrief, 
in dem er unter Bestätigung des Protek- 
toriums seinen Schutz, in Erneuerung der 
Schutzbriefe vom 1. August 1816 und 1. 
Mai 1880, auch auf die übrigen Logen seines 
Landes, die zu Alzey, Giessen, Offen- 
bach und Worms, die im Eklektischen 
Bunde verblieben waren, ausdehnte. Aus 
örtlichen Gründen musste sich die Loge Karl 
zum aufgehenden Licht in Frankfurt a. M. 
1847 dazu verstehen, nichtchristliche Frei- 
maurer als Besuchende zuzulassen, weshalb 
einige ihrer bedeutendsten Mitglieder deck- 
ten. Matth. Leykam, Geisow, Weisser u. a., 
im ganzen neun, gründeten hierauf die 
21. April 1850 eingeweihte Loge Karl zum 
Lindenberg, nachdem bereits 18. Nov. 1849 
die Loge Karl zum aufgehenden Licht, die 
dieser Neugründung ihre Zustimmung ver- 
sagt hatte, aus dem Eintrachtsbunde ge- 
schieden und dem Eklektischen Bunde o^e 
allen Vorbehalt beigetreten war. Die neue 
Loge erhielt die Kechte einer Stiftungs- 
loge. Mehrfache Versuche, die übrigen 
hessischen Logen zum Eintrachtsbunde 
herüberzuziehen, scheiterten und verur- 
sachten 1856 in Giessen den Austritt von 
zehn Mitgliedern, die unter Hofgerichtsrat 
Wortmann ein Kr&nzchen Ludwig zur Ein- 
tracht bildeten und sich der Loge in 
D. anschlössen. Gelegentlich seiner sil- 
bernen Hochzeitsfeier, 26. Dezember 1858, 
hatte Grossherzog Ludwig HI. die Glück- 
wünsche des Eintrachtsbundes und der 
Grossen Mutterloge des Eklektischen Bun- 
des entgegengenommen und sich hierdurch 
veranlasst gesehen, in einem Kabinetts- 
schreiben vom 18. Januar 1859 an den 
Grossmeister Lotheisen die Weisung er- 
gehen zu lassen, «dass sich die Logen in 
Alzey, Giessen, Offenbach und Worms dem 
Eintrachtsbunde anschliessen möchten«. 
Diesem landesherrlichen Wunsche musste 
Folge geleistet werden, und so traten die 
Logen in Offenbach (4. Dezember 1859), 
Giessen (8. Januar 1860), Worms (25. März 
1860) und Alzey (20. Mai 1860) zum 
Eintrachtsbunde über. Den beigetretnen 
Logen wurde zur Aufrechthaltung des 
von ihnen vertretnen Humanitätsprinzips 
eine Ausnahmestellung bezüglich des § 1 16 a 
des Gesetzbuchs, der nur Christen ftür 
aü&ahmefähig erklärte, eingeräumt, wo- 
gegen sie auf das passive Wahlrecht in 
der Grossloge fEür die Dauer dieser Aus- 
nahmestellung verzichten mussten. Die 
Art, in welcher der Übertritt der eklek- 
tischen Logen vorbereitet und herbeige- 
führt wurde (ursprünglich wollte man diese 
zur Annahme des christlichen Prinzips 
zwingen) und das den sogen. Stiftungslogen 
eingeräumte Sonderrecht hatten m den 
neueingetretnen Logen einen Stachel 
zurückgelassen, der während der ganzen 
Amtsdauer des 28. Okt. 1859 gewählten 



(2.) Grossmeisters Matth. Leykam (s. d.), 
ein vorurteilsfreies Zusammenwirken der 
nur mechanisch verbundnen Elemente nicht 
aufkommen liess. Indessen entwickelte 
sich der Eintrachtsbund günstig nach 
aussen hin; die Bundeslogen gewannen an 
MitgUedem, undFreimaurerkiänzchen wur- 
den gebildet in Friedberg (s. d.), Bens- 
heim (8. d.), Bingen (s. d.) und Oppenheim 
(s. d.), so dass die Grossloge besondere Be- 
stimmungen über die Organisation der- 
artiger Vereinigungen treffen musste. 1868 
entstand in Homburg v. d. H. (s. d.) das Kränz- 
chen Friedrich zum Nordstern unter der 
Bundesloge Karl zum Lindenberg in Frank- 
furt a. M., 16. November 1862 wurde die 
aus dem Kränzchen hervorgegangene Loge 
in Friedberg mit dem Rechte einer sog. 
Stiftungsloge eingeweiht und 7. Juli 1867 
die Loge in Bingen eröffnet, die sich den 
Humanitätslogen anschloss. Ein glücklicher 
Gedanke Leykams war der Plan, die deut- 
schen Grosslogen zu einer Versammlung 
von Abgeordneten zu veranlassen, welche 
die damalige La^ der Freimaurerei in 
Deutschland und diamit zusammenhängende 
Fragen erörtern und die Schaffimg einer 
deutschen maurerischen Zentralbehörde be- 
raten sollte. Für diese 1865 gegebene, durch 
die Kriegserei^isse des Jahres 1866 ver- 
eitelte, später im Deutschen Grossmeister- 
tage wieaer aufgelebte Idee kann die Gross- 
loge zur Eintracht den Vorranir bean- 
spruchen. Am 20. Februar 186o starb 
Leykam, und 29. März 1868 wurde Pfaltz 
(s. d.) zum (3.) Grossmeister gewählt. Am 
27. März 1870 war von den sog. Stiftungs- 
logen den mit ihnen vereinigten Humanitäts- 
logen das passive Wahlrecht für die Gross- 
logenämter (Grossmeister und zugeordneter 
Grossmeister ausgenommen) eingeräumt und 
damit ein Weg betreten worden, der «u- 
nächst zur Durchsicht des Gesetzbucha 
und in dem Werke des neuen Grundgesetzes 
vom Juni 1873 zum langersehnten Ziele 
führte. In jenem traten an die Stelle der 
frühem Fassung des Bundeszwecks die auf 
dem Grossmeistertag in Hamburg am 7. 
Juni 1870 angestellten und von sieben 
deutschen Grosslogen im Anschluss an die 
Alten Pflichten angenommenen Grundsätie. 
Nur der Loge Elan zum Lindenberg wurde 
eine Ausnahmestellung zu Gunsten des 
christlichen Prinzips bewilligt, die sie je- 
doch 10. Februar 1875 aufgeben zu wollen 
erklärte, so dass von da an der ganze E^^ 
trachtsbund auf dem Boden des Humani- 



tätsprinzips stand, und jetzt erst war er, 
er m seinem Namen zu sein bei seiner 
Gründung vorgaben hatte, eine innige 
Vereinigung gleichdenkender und glei<m- 
strebender Freimaurer. Die Loge Karl zum 
Lindenberg in Frankfurt war dien eklek- 
tischen Logen dieser Stadt allmählich immer 
näher getreten, weshalb sie 26. Mai 1878 
zum Eklektischen Bunde übertrat, so das» 
der Eintrachtsbund nur aus den acht hessi- 



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Dassigny. 



177 



sehen Logen besteht. Vom Jahre 1876 
an worden die Bitzangen der Grossloge ab- 
wechsehid am Sitze der einzelnen Bundes- 
logen abgehalten. Dem 18. Juni 1877 ver- 
storbenen Grossherzog Ludwig m. folgte 
sein Neffe Ludwig IV., der 26. Juli 1877 
den Logen des Eintrachtsbundes den landes- 
herrlichen Schatzbrief erneuerte, gleich 
seinen erhabenen Vorfahren zahlreiche Be- 
weise seiner Huld gab und jeder Bundes- 
loge, »um seinem fortdauernden Literesse 
f&r die Bestrebungen des Freimaurerbundes 
einen erneuten Ausdruck zu geben,« durch 
Handschreiben vom 2. Juni 1888 sein Bild- 
nis in Goldrahmen verlieh. Anlftsslich des 
50jährigen Dienstjubiläums des Gross- 
meisters Pfaltz 1879 gründeten die Bundes- 
logen eine »Pfaltz-Stifbung«, aus der Stipen- 
dien für Studierende verliehen werden. Die 
Grossloge nahm 1881 Anlass, Widerspruch 
gegen die Antisemitenbewegung zu erheben; 
ih^ Hauptarbeit in den Jahren 1880—82 
bestand jedoch in der durch die Gesetz- 
gebung des Deutschen Grosslogentags 
notwendig gewordenen Durchsicht des 
Grundgesetzes. Am 20. April 1884 legte 
Pfaltz in Bücksicht auf sein Alter und 
seine G^undheit das ffrossmeisterliche 
Amt nieder. Sein Nachfolger wurde der 
jetzige (4.) Grossmeister Brand (s. d.). Eine 
von diesem für den Sommer 1885 in 
Zürich geplante internationale Zusammen- 
kunft der Grossmeister europäischer Gross- 
logen kam, trotz vielfacher zustimmender 
Äusserungen, nicht zu stände. Am 18. März 
1892 starb Grossherzog Ludwie IV.; sein 
Sohn und Nachfolger Ernst Ludwig er- 
neuerte 31. März den Schutzbrief seiner 
Vorfl^ger unter gleichzeitieer Übernahme 
des Protektorats über den Eintrachtebund. 
Der Eintrachtsbund sah seine Aufgabe 
darin, »dass er jeder vernünftigen Reform, 
jedem Streben nach gemeinsamer Arbeit 
der deutschen Grosslogen und in erster 
Reihe jeder Verbesserung des Deutschen 
Grosslogenbundes im Sinne der Einigung 
aller deutschen Grosslo^en seine Kran zu 
leihen habe.« Die Grossloge Zur Eintracht 
stellte 1888 mit den Grosslogen von Bay- 
reuth und Frankfurt den Antrag, den fünf 
unabhängigen Logen in Deutschland den 
Anschluss an den Deutschen Grosslo^en- 
bund zu gewähren, trat für Schaffung einer 
deutschen Nationalgrossloge und eines mau- 
rerischen Zentralorgans ein, befürwortete 
eine Stellungnahme des Grosslogenbundes 
gegenüber der päpstlidien Enzyklika (1885), 
regte die Einführung einer maurenschen 
Zentralhilfskasse (1881), die Schaffung eines 
deutschen Maurertags (1890) und ein ge- 
meinsames Vorgehen gegen die Bettelbrüder 
(1893) an. Die Revision des Statuts des 
Deutschen Grosslogenbundes und der Ge- 
schäftsordnung des Deutschen Grosslogen- 
tags von 18& erfolgte auf Grund des 
vom Grossmeister Brand gefertigten Ent- 
wurfis; die ersten freimaurerischen Zeit- 

Allgemoines Handbaoh der Freimaurerei. 



fragen stellte der Grossmeister Pfaltz auf. 
Am 22. März 1896 fand in den Räumen 
der »Vereinigten Gesellschaft« in D. die 
fünfzigjährige Jubelfeier des Bestehens der 
Grossloge statt. Der Grossschriftführer 
Nies verfasste aus diesem Anlass als Fest- 
schrift die Geschichte der Grossloge. Der 
Sitz der Grossloge ist in D., Archiv und 
Bücherei derselben befinden sich im Hause 
der Bundesloge in Mainz. [Vgl. Paul, An- 
nalen des Elektischen Freimaurerbundes 
(Frkf.a.M.1883). Nies, Der Freimaurerbund 
zur Eintracht (Mainz 1896). L.Vn, S.5] — 
Statistik. Die Logen des Eintrachtsbundes 
und diejenigen des Grossherzogtums Hessen 
fallen gegenwärtig genau zusammen; es 
sind ihrer acht, nämlich zu D., Alzey, 
Bingen, Friedberg, Giessen, Mainz, Offen- 
bach und Worms, mit zusammen 740 
Mitgliedern. Milde Stiftungen bestehen 
17. — Wahlspruch: Concordia res parvae 
crescunt. 

Dassigny, Fifield, Dr. med., geb. 1707 
oder 1708, gest. 13. Januar 1745 in Dublin, 
war Arzt in dieser Stadt und ein sehr an- 

§ eschener Freimaurer. Sein Name war in 
er maurerischen Litteratur lange bekannt, 
und man wusste auch, dass er ein maure- 
risches Buch mit bedeutun^vollen Nach- 
richten verfasst hatte; aber das Buch selbst 
war verschollen. Erst 1867 entdeckte 
Hughan (s. d.) in England ein Exemplar und 
besorgte einen Neuoruck in seinen «Memo- 
rials of the Masonic Union, of A. D. 1813« 
(London 1874). Das Exemplar befindet 
sich jetzt im Besitz der Grossloge von 
Iowa. Ein zweites wurde 1892 aufge- 
funden und ein drittes 1896. Jenes wurde 
gleich im folgenden Jahre unter dem Titel 
»Dr. D.'s ,Enquiry* A. D. 1744« (Leeds, 
bei Richard Jackson, 1898) in Facsimile- 
Neudruck vervielfältigt und ist dadurch 
weitem Kreisen zuzüglich geworden. 
Vorangestellt ist «Litroductory Sketch on 
Royal ArchMasonry 1743—1893« von Hugh- 
an. D.'s Werk selbst führt den Titel: 
»A Serious and Impartial Enquiry into 
the Cause of thepresent Decay of Free- 
Masonry in the £ingdom of L'eland etc. 
etc. By Fifield D., M. D. Author of the 
Impartud Answer to the Enemies of Free- 
Masons. Dublin: Printed by Edward Bäte 
in George's - Lane near Dome -Street 
M,DOC,:ÖJV.« Dieses Buch enthält die 
erste gedruckte Nachricht über den »Royal 
Arch« (S. 16 Anm. u. S. 32). Angehängt 
ist ein Abdruck der »Allgemeinen Verord- 
nungen der Freien und Aneenommenen 
Maurer im Königreich Uand« nach den 
Beschlüssen der Grossloge vom 24. Juni 
1741. In dem gleich vom stehenden Ver- 
zeichnis der Abnehmer des Buches finden 
wir auch einen Lawrence Mc. Dermott, 
worin der bekannte Laurence Dermott 
(s. d.) zu suchen ist, der das Buch später 
bei der Herstellung seines » Ahiman Rezon« 
benutzt hat. Die auf dem Titel genannte 
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Daumer — Deoazes. 



frühere Schrift »Impartial Answer« ist bis- 
her nicht aofgefimdeu worden. [Vgl. 
Ghetwode Crawley, Oaementaria Hibemica, 
Fasciculus 11 (Dublin 1896).] 

Daamer, Georg Friedrich, Dichter 
und philosophischer Schriftsteller, geb. 5. 
März 1800 in Nünberg, gest. 14. Dez. 1875 
in Würzbure, war seit 1822 einige Zeit Pro- 
fessor am Nürnberger Gymnasium, sodann 
mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigt, 
trat 1859 zur katholischen Kirche über 
und begann fthnlich wie Eckert (s. d.) in 
sinnlos yerdächtigender Weise ^egen die 
Freimaurerei zu kämpfen. Das vierte Heft 
der zwanglos erscheinenden Zeitschrift: 
•Aus der Mansardec (Mainz 1860—62, 6 
Hefte) ist gegen die Freimaurerei gerichtet, 
worüber sich die Europa, 1861, Nr. 41, 
dahin äussert: »An dem Eckertschen Un- 
sinn hat er nicht einmal genug und thut 
aus eigenem Vorrat hinzu«. [Vgl. FZ. 1861, 
S. 331, 888; 1864, S. 15.] 

David, Ferd., Violinspieler und Kom- 
ponist, ffeb. 19. Juni 1810 in Hamburg, 
gest. 19. Juli 1878 in Klosters (Graubünden), 
wurde ein Schüler Spohrs (s.d.), weilte dann 
in Dorpat und Berlin und war seit 1836 Kon- 
zertmeister an der G^wandhauskapelle und 
Lehrer am Konservatorium in Leipzig. — 
Dem Bunde der Freimaurer gehörte er seit 
1886 als Mitglied der Loge Minerva zu 
den drei Palmen in Leipzig an, deren Musik- 
meister er lange Jahre gewesen ist. 

Deaeon war in Schottland schon im 16. 
Jahrh. und früher der amtliche Name der 
Vorsteher aller gewerblichen Körperschaf- 
ten, so natürlich auch der Maurer- Kor- 
J>orationen der sdiottischen Städte. Die 
etztem waren oft, so namentlich in Edin- 
burg, zugleich auch die Vorsteher der 
Maurer -Logen und wurden dann als solche 
gleichfalls »Deaconc genannt, obwohl sie 
nach dem Logenamt eigentlich »Warden« 
(Aufseher) Messen. Bisweilen finden wir 
in den Protokollen der Edinburger alten 
Loge die vollständigere und genauere Be- 
zeichnung «deaeon of the masons and 
warden of the lodge« [vgl. Lyon, History 
L. of E., S. 41]. Wenn in den Shawstatuten 
»wardenc und «deaeon« nebeneinander 
aufgeführt werden, so geschieht dies 
sicher mit Bücksicht darauf, dass eben der 
«deaeon« der Korporation oft, in Edinburg 
lange Zeit regelmässig, zugleich «warden« 
der Loge war, denn es wird nur von der 
jährlichen Wahl eines «warden« gesprochen ; 
dieser war also der Logenbeamte. Li ei- 
nigen schottischen Logen ausserhalb Edin- 
burgs wurden ein «Deaeon« und ein «War- 
den« gewählt, dann war der «Deaeon« der 
erste Beamte. Im 1 8. Jahrh. verschwindet der 
Name «Deaeon« allmählich, der Vorsitzende 
wird oft «Preses« und schliesslich überall 
»Master« genannt, bisweilen auch «Grand 
Master«, z. B. in Melrose. — Im Bereich 
der irischen Gro